Yogini Hridaya
Yogini Hridaya (Sanskrit योगिनीहृदय, IAST Yoginīhṛdaya), auch Yoginihridaya, Yoginihridayam oder Yogini Hridaya Tantra genannt, bedeutet „Herz der Yogini“ beziehungsweise „Essenz der göttlichen Yogini“. Das Tantra gehört zu den wichtigen Schriften der Shri Vidya, der Verehrung der Göttin Tripurasundari. In drei Kapiteln erschließt es den Zusammenhang von Shri Chakra, Mantra und Puja. Sein Ziel ist eine Erkenntnis und Praxis, die zur Jivanmukti, zur Befreiung während des Lebens, führen soll.[1]

Im Yogini Hridaya fragt die Devi den Gott Bhairava nach den verborgenen Bedeutungen der überlieferten Unterweisung. Die Antwort erläutert nicht nur, welche äußeren Handlungen vollzogen werden sollen, sondern auch, wie Diagramm, Laut, Körper, Guru und Bewusstsein zusammengehören. „Herz“ bezeichnet dabei den innersten Sinn. Die göttliche Yogini wird als Shakti, als die lebendige Kraft des Bewusstseins, betrachtet.
Eine zentrale Aussage lautet, dass die höchste Göttin, ihre Mantragestalt und ihr Chakra nicht voneinander getrennt zu verstehen sind. Die äußerlich sichtbare Ordnung des Shri Chakra verweist auf innere Kräfte und auf die Entfaltung der Welt. Das zweite Kapitel erschließt entsprechende Bedeutungen im Mantra. Das dritte führt diese Beziehungen in Verehrung, Nyasa, Japa und innerer Bhavana zusammen.
Für einen ernsthaften spirituellen Aspiranten bietet das Yogini Hridaya eine Verbindung von Yoga, Meditation, Bhakti und differenziertem Schriftstudium. Der Text setzt jedoch eine tantrische Fachsprache voraus. Seine Bilder und Zuordnungen erschließen sich durch langsames Lesen, Vergleich und Kommentierung.
Name und Schreibweisen
Für diesen Artikel wird die gut lesbare, in praxisorientierten Veröffentlichungen verbreitete Schreibweise Yogini Hridaya verwendet. Yoginihridaya ist ebenso eine gebräuchliche Schreibweise; die Zusammenschreibung entspricht der Darstellung des Sanskritkompositums. Bibliografische Verzeichnisse verwenden häufig Yoginīhṛdaya oder Yoginīhṛdayatantra. Eine belastbare allgemeine Häufigkeitsrangfolge der beiden deutschen Umschriften lässt sich aus einzelnen Suchtreffern nicht ableiten.[2]
Yoginī ist die weibliche Form von Yogi und kann eine Yogaübende oder eine göttliche Kraft bezeichnen. Im Titel dieser Schrift ist besonders die höchste Göttin gemeint. Hṛdaya bedeutet Herz, Mittelpunkt oder Essenz. Die Form Yoginīhṛdayam mit Schluss-m ist eine gebeugte sächliche Form, die ebenfalls häufig im Titel erscheint.
Als weitere Titel werden Nitya Hridaya und Sundari Hridaya überliefert. Das Yogini Hridaya ist vom Yogini Tantra zu unterscheiden: Die ähnliche Bezeichnung macht die beiden Werke nicht zu identischen Texten.
Ausgewählte Verse mit Übersetzung und Worterklärung
Die Auswahl folgt der Kapitel- und Verszählung der elektronischen Sanskritfassung bei Sanskrit Documents, erfasst von Michael beziehungsweise Mike Magee. Die zugängliche OCR-Wiedergabe der Ausgabe mit Amritanandas Dipika, herausgegeben und erläutert von Vraj Vallabha Dwivedi, wurde für einzelne Textstellen und den Überlieferungszusammenhang verglichen. Eine lückenlose Kollation sämtlicher Verse am Druckbild ist damit noch nicht geleistet.[3][4]
Die deutschen Übersetzungen und Erklärungen sind neue Formulierungen. Eckige Klammern zeigen ergänzte Satzteile. Auslassungspunkte markieren einen Anschluss an den Nachbarvers. Die Auswahl enthält auch die zusammengehörigen Verse 1.9–1.11 und 1.80–1.85; jeder Vers erhält seine eigene Übersetzung und Worterklärung. Sie ist ausdrücklich kein vollständiger Grundtext.
Offensichtliche Schreib- und Übertragungsfehler werden in den ausgewählten Versen berichtigt, beispielsweise ajñātārtha in 1.1, yoginī in 1.2, karṇopadeśa in 1.3, jñāna in 1.53, ṣaṣṭha in 1.81, sarvasaubhāgya in 1.83, pūjyā in 1.85, sudhāsrotas in 2.71, jīvanmukta in 3.1, aparā in 3.2 und aikya in 3.202. Die IAST-Wiedergabe folgt der jeweils hier abgedruckten Devanagari-Lesung.
Vor Vers 1.1 steht die Sprecherangabe śrīdevy uvāca – „Die erhabene Göttin sprach“. In Vers 1.2 wechselt der Sprecher vor śṛṇu devi: śrībhairava uvāca – „Der erhabene Bhairava sprach“.
Aus dem ersten Kapitel: Die Frage und die drei Sanketas
Vers 1.1 – Die Frage nach den verborgenen Bedeutungen
श्रीदेव्युवाच ।
देवदेव महादेव परिपूर्णप्रथामय ।
वामकेश्वरतन्त्रेऽस्मिन्नज्ञातार्थास्त्वनेकशः ॥ 1.1 ॥
śrīdevy uvāca |
devadeva mahādeva paripūrṇaprathāmaya |
vāmakeśvaratantre'sminnajñātārthāstvanekaśaḥ || 1.1 ||
Übersetzung: O Gott der Götter, großer Gott, dessen Wesen die vollkommene Offenbarung ist: In diesem Vamakeshvara-Tantra gibt es viele noch unverstandene Bedeutungen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: deva-deva – Gott der Götter; mahā-deva – großer Gott; paripūrṇa-prathā-maya – aus vollkommener Offenbarung bestehend; vāmakeśvara-tantre asmin – in diesem Vamakeshvara-Tantra; ajñāta-arthāḥ – unverstandene Bedeutungen; tu – aber, nun; anekaśaḥ – vielfach.
Erläuterung: Die Devi bittet nicht lediglich um weitere Ritualanweisungen, sondern um das Verständnis dessen, was die überlieferte Unterweisung bedeutet. Bereits der Anfang stellt das Yogini Hridaya in den Zusammenhang des Vamakeshvara Tantra. „Offenbarung“ übersetzt hier prathā, das Sichzeigen oder Hervortreten. Es bezeichnet im Zusammenhang des Textes zugleich eine Eigenschaft des göttlichen Bewusstseins.
Vers 1.2 – Das Herz der Yogini
तांस्तानर्थानशेषेण वक्तुमर्हसि भैरव ।
श्रीभैरव उवाच ।
शृणु देवि महागुह्यं योगिनीहृदयं परम् ॥ 1.2 ॥
tāṃstānarthānaśeṣeṇa vaktumarhasi bhairava |
śrībhairava uvāca |
śṛṇu devi mahāguhyaṃ yoginīhṛdayaṃ param || 1.2 ||
Übersetzung: Jene Bedeutungen mögest du vollständig erklären, o Bhairava. [Bhairava spricht:] Höre, o Göttin, das große Geheimnis, das höchste Herz der Yogini.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tān tān arthān – jene jeweiligen Bedeutungen; aśeṣeṇa – ohne Rest, vollständig; vaktum arhasi – du mögest erklären; bhairava – o Bhairava; śṛṇu – höre; devi – o Göttin; mahā-guhyam – großes Geheimnis; yoginī-hṛdayam – Herz beziehungsweise Essenz der Yogini; param – höchstes.
Erläuterung: Zwischen den beiden Halbversen wechselt der Sprecher. Bhairava antwortet auf die Bitte der Göttin. Hridaya bedeutet Herz, Mittelpunkt oder Essenz. Die Yogini ist hier im höchsten Sinn die göttliche Bewusstseinskraft; der Titel bezeichnet nicht einfach das anatomische Herz einer Yogaübenden. Die Geheimnissprache verweist auf eine Unterweisung, deren Verständnis im ursprünglichen Zusammenhang persönliche Übermittlung voraussetzt.
Vers 1.3 – Überlieferung von Ohr zu Ohr
त्वत्प्रीत्या कथयाम्यद्य गोपनीयं विशेषतः ।
कर्णात्कर्णोपदेशेन सम्प्राप्तमवनीतलम् ॥ 1.3 ॥
tvatprītyā kathayāmyadya gopanīyaṃ viśeṣataḥ |
karṇātkarṇopadeśena samprāptamavanītalam || 1.3 ||
Übersetzung: Aus Liebe zu dir erkläre ich heute das besonders geheim zu Haltende, das durch Unterweisung von Ohr zu Ohr auf die Erde gelangt ist.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tvat-prītyā – aus Liebe zu dir, um dir zu gefallen; kathayāmi adya – ich erkläre heute; gopanīyam – geheim zu halten; viśeṣataḥ – besonders; karṇāt karṇa-upadeśena – durch Unterweisung von Ohr zu Ohr; samprāptam – gelangt; avanī-talam – Erdoberfläche, Menschenwelt.
Erläuterung: Die bildhafte Formulierung betont die mündliche Guru-Überlieferung. Im historischen Rahmen gehören Text und persönliche Unterweisung zusammen. Für heutiges Svadhyaya erinnert der Vers daran, dass technische Wörter durch einen Kommentar und durch Praxis verständlicher werden können. Der Wortlaut karṇopadeśena berichtigt einen erkennbaren Übertragungsfehler der Onlineabschrift.
Vers 1.6 – Die drei Schlüssel zur Unterweisung
चक्रसङ्केतको मन्त्रपूजासङ्केतकौ तथा ।
त्रिविधस्त्रिपुरादेव्याः सङ्केतः परमेश्वरि ॥ 1.6 ॥
cakrasaṅketako mantrapūjāsaṅketakau tathā |
trividhastripurādevyāḥ saṅketaḥ parameśvari || 1.6 ||
Übersetzung: Der Schlüssel zum Chakra sowie die Schlüssel zu Mantra und Verehrung: Dreifach ist die verborgene Unterweisung der Göttin Tripura, o höchste Herrin.
Wort-für-Wort-Übersetzung: cakra-saṅketakaḥ – Schlüssel oder geheime Zuordnung des Chakra; mantra-pūjā-saṅketakau – die beiden Schlüssel zu Mantra und Verehrung; tathā – ebenso; tri-vidhaḥ – dreifach; tripurā-devyāḥ – der Göttin Tripura; saṅketaḥ – vereinbarte Bedeutung, Hinweis, geheime Zuordnung; parama-īśvari – o höchste Herrin.
Erläuterung: Dieser Vers nennt die Gliederung des gesamten Werkes. Chakra meint hier vor allem das Shri Chakra, das Diagramm der Göttin. Mantra bezeichnet ihre Lautgestalt, Puja ihre Verehrung. Sanketa umfasst mehr als eine Definition: Gemeint sind Zuordnungen, die Diagramm, Laut, Gottheit und Praktizierenden miteinander verbinden. Die drei Kapitel erläutern unterschiedliche Zugänge zu derselben Wirklichkeit.
Shri Chakra und Bewusstseinsentfaltung
Vers 1.8 – Fünf Shaktis und vier Feuer
तच्छक्तिपञ्चकं सृष्ट्या लयेनाग्निचतुष्टयम् ।
पञ्चशक्तिचतुर्वह्निसंयोगाच्चक्रसम्भवः ॥ 1.8 ॥
tacchaktipañcakaṃ sṛṣṭyā layenāgnicatuṣṭayam |
pañcaśakticaturvahnisaṃyogāccakrasambhavaḥ || 1.8 ||
Übersetzung: Die Fünfheit der Shaktis [steht] zur Hervorbringung, die Vierheit der Feuer zur Auflösung. Aus der Verbindung der fünf Shaktis mit den vier Feuern entsteht das Chakra.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tat śakti-pañcakam – jene Fünfheit der Kräfte; sṛṣṭyā – durch beziehungsweise hinsichtlich der Hervorbringung; layena – durch beziehungsweise hinsichtlich der Auflösung; agni-catuṣṭayam – Vierheit der Feuer; pañca-śakti-catur-vahni-saṃyogāt – aus der Verbindung von fünf Kräften und vier Feuern; cakra-sambhavaḥ – Entstehung des Chakra.
Erläuterung: Die neun ineinandergreifenden Hauptdreiecke des Shri Chakra werden durch fünf Shakti- und vier Shiva- beziehungsweise Feuerdreiecke erschlossen. In der üblichen Darstellung weisen die fünf Shakti-Dreiecke nach unten und die vier Shiva-Dreiecke nach oben. Der Vers verbindet diese Gestalt mit Srishti, Hervorbringung, und Laya, Auflösung. Er beschreibt somit zugleich eine Geometrie und eine kosmologische Bedeutung.
Vers 1.9 – Der freie Wille der höchsten Kraft
एतच्चक्रावतारन्तु कथयामि तवानघे ।
यदा सा परमा शक्तिः स्वेच्छया विश्वरूपिणी ॥ 1.9 ॥
etaccakrāvatārantu kathayāmi tavānaghe |
yadā sā paramā śaktiḥ svecchayā viśvarūpiṇī || 1.9 ||
Übersetzung: Die Offenbarung dieses Chakra erkläre ich dir nun, o Makellose. Wenn jene höchste Kraft aus ihrem eigenen Willen die Gestalt der Welt annimmt …
Wort-für-Wort-Übersetzung: etat-cakra-avatāram – Offenbarung beziehungsweise Hervortreten dieses Chakra; tu – nun; kathayāmi – ich erkläre; tava – dir; anaghe – o Makellose; yadā – wenn; sā paramā śaktiḥ – jene höchste Kraft; sva-icchayā – durch ihren eigenen Willen; viśva-rūpiṇī – die Weltgestalt annehmend, weltgestaltig.
Erläuterung: Der Satz setzt sich im nächsten Vers fort. Shakti wird als frei und weltgestaltig angesprochen. Das Diagramm entsteht in dieser Sicht nicht unabhängig vom Bewusstsein. Es stellt eine Weise dar, wie sich die höchste Kraft selbst zeigt. Die Übersetzung lässt den Satzanschluss erkennbar, statt die beiden Verse zu einer unnummerierten Blockübersetzung zusammenzuziehen.
Vers 1.10 – Selbstwahrnehmung und Bindu
स्फुरत्तामात्मनः पश्येत्तदा चक्रस्य सम्भवः ।
शून्याकाराद्विसर्गान्ताद्बिन्दोः प्रस्पन्दसंविदः ॥ 1.10 ॥
sphurattāmātmanaḥ paśyettadā cakrasya sambhavaḥ |
śūnyākārādvisargāntādbindoḥ praspandasaṃvidaḥ || 1.10 ||
Übersetzung: … ihr eigenes lebendiges Aufleuchten schaut, dann entsteht das Chakra: aus dem Bindu, der die Gestalt des Leeren trägt, bis zum Visarga reicht und lebendig pulsierendes Bewusstsein ist …
Wort-für-Wort-Übersetzung: sphurattām ātmanaḥ – ihr eigenes lebendiges Aufleuchten; paśyet – schaut; tadā – dann; cakrasya sambhavaḥ – Entstehung des Chakra; śūnya-ākārāt – von dem die Leere zur Gestalt Habenden; visarga-antāt – bis zum Visarga Reichenden; bindoḥ – aus dem Bindu; praspanda-saṃvidaḥ – aus dem pulsierenden Bewusstsein.
Erläuterung: Bindu bezeichnet den Punkt und die verdichtete Quelle der Entfaltung. Visarga bedeutet Aussendung und ist zugleich eine Sanskrit-Lautbezeichnung. Der Vers arbeitet bewusst mit mehreren Bedeutungsebenen. „Leere“ ist hier im Zusammenhang eines schöpferischen Bewusstseins zu lesen. Die Reihe der Beschreibungen des Bindu wird im folgenden Vers weitergeführt.
Vers 1.11 – Die Welle der Entfaltung
प्रकाशपरमार्थत्वात्स्फुरत्तालहरीयुतात् ।
प्रसृतं विश्वलहरीस्थानं मातृत्रयात्मकम् ॥ 1.11 ॥
prakāśaparamārthatvātsphurattālaharīyutāt |
prasṛtaṃ viśvalaharīsthānaṃ mātṛtrayātmakam || 1.11 ||
Übersetzung: … dessen höchste Wirklichkeit Licht ist und der mit der Welle lebendigen Aufleuchtens verbunden ist, entfaltet sich [das Chakra] als Ort der Weltwellen, aus einer Dreiheit des Erkennenden bestehend.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prakāśa-paramārthatvāt – aufgrund seines Wesens als höchste Lichtwirklichkeit; sphurattā-laharī-yutāt – aus dem mit einer Welle lebendigen Aufleuchtens Verbundenen; prasṛtam – entfaltet, hervorgegangen; viśva-laharī-sthānam – Ort der Wellen der Welt; mātṛ-traya-ātmakam – aus einer Dreiheit des Erkennenden bestehend.
Erläuterung: Prakasha bezeichnet das Licht beziehungsweise Offenbarsein des Bewusstseins. Die Wellenmetapher macht verständlich, dass die Entfaltung vielfältig erscheint und dennoch auf denselben Grund bezogen bleibt. Die knappe Wendung mātṛtraya ist ein technischer Ausdruck; ihre Einzelzuordnung verlangt Kommentierung. Der nächste Vers legt weitere triadische Beziehungen dar. Die Übersetzung bewahrt hier die Grundbedeutung „Erkennender“ von mātṛ.
Vers 1.13 – Das Chakra als Bewusstsein und Wonne
नवयोन्यात्मकं चक्रं चिदानन्दघनं महत् ।
चक्रं नवात्मकमिदं नवधा भिन्नमन्त्रकम् ॥ 1.13 ॥
navayonyātmakaṃ cakraṃ cidānandaghanaṃ mahat |
cakraṃ navātmakamidaṃ navadhā bhinnamantrakam || 1.13 ||
Übersetzung: Das große Chakra besteht aus neun Yonis und ist eine dichte Fülle von Bewusstsein und Wonne. Dieses neunfältige Chakra besitzt einen neunfach gegliederten Mantrazusammenhang.
Wort-für-Wort-Übersetzung: nava-yoni-ātmakam – aus neun Yonis bestehend; cakram – Chakra, Kreis oder Diagramm; cit-ānanda-ghanam – dichte Fülle von Bewusstsein und Wonne; mahat – groß; nava-ātmakam idam – dieses neunfältige; navadhā – neunfach; bhinna-mantrakam – mit gegliedertem Mantra beziehungsweise Mantrabestand.
Erläuterung: Yoni bedeutet Schoß oder Ursprungsstätte und bezeichnet hier auch die Dreiecksgestalt. Das Shri Chakra wird ausdrücklich als Chidananda, Bewusstsein und Wonne, verstanden. Seine Neunfältigkeit lässt sich auf mehreren Ebenen betrachten: Hauptdreiecke, rituelle Bereiche und zugehörige Kräfte. Diese Ebenen hängen zusammen, sind geometrisch aber nicht einfach dieselbe Zählung.
Vers 1.35 – Jenseits von Raum und Zeit
दैशकालानवच्छिन्नं तदूर्ध्वे परमं महत् ।
निसर्गसुन्दरं तत्तु परानन्दविघूर्णितम् ॥ 1.35 ॥
daiśakālānavacchinnaṃ tadūrdhve paramaṃ mahat |
nisargasundaraṃ tattu parānandavighūrṇitam || 1.35 ||
Übersetzung: Darüber [liegt] das höchste Große, nicht durch Raum und Zeit begrenzt, von Natur aus schön und von höchster Wonne bewegt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: daiśa-kāla-anavacchinnam – nicht durch Raum und Zeit begrenzt; tat-ūrdhve – darüber; param mahat – höchstes Großes; nisarga-sundaram – von Natur aus schön; tat tu – jenes aber; para-ānanda-vighūrṇitam – von höchster Wonne bewegt, durchdrungen.
Erläuterung: Der Vers steht nach einer Beschreibung feiner Laut- und Bewusstseinsstufen. Deren Gliederung weist über sich hinaus auf eine Wirklichkeit, die sich nicht räumlich oder zeitlich eingrenzen lässt. Die Schönheit der Tripurasundari besitzt damit eine Bedeutung, die über äußere Gestalt hinausgeht. Sie wird als natürliche Fülle des Bewusstseins verstanden.
Vers 1.50 – Die Natur des eigenen Bewusstseins
स्वेच्छाविश्वमयोल्लेखखचितं विश्वरूपकम् ।
चैतन्यमात्मनो रूपं निसर्गानन्दसुन्दरम् ॥ 1.50 ॥
svecchāviśvamayollekhakhacitaṃ viśvarūpakam |
caitanyamātmano rūpaṃ nisargānandasundaram || 1.50 ||
Übersetzung: Bewusstsein ist die eigene Natur: weltgestaltig, durchzogen von der aus eigenem Willen hervortretenden Darstellung der Welt, schön durch natürliche Wonne.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sva-icchā – eigener Wille; viśva-maya-ullekha-khacitam – mit weltumfassender Darstellung durchzogen; viśva-rūpakam – weltgestaltig; caitanyam – Bewusstsein; ātmanaḥ rūpam – eigene Natur, Gestalt des Selbst; nisarga-ānanda-sundaram – schön durch natürliche Wonne.
Erläuterung: Hier verbindet das Yogini Hridaya die göttliche Weltentfaltung mit der Frage nach dem Selbst. Chaitanya bezeichnet lebendiges Bewusstsein. Die Welt erscheint innerhalb seines Vermögens, ohne dass das Bewusstsein auf einen einzelnen Gegenstand reduziert wird. Eine heutige Betrachtung kann bei der unmittelbaren Tatsache ansetzen, dass alle Erlebnisse bewusst erscheinen; die kosmologische Folgerung gehört zur Lehre des Textes.
Vers 1.53 – Schlinge, Haken, Pfeile und Bogen
इच्छाशक्तिमयं पाशमङ्कुशं ज्ञानरूपिणम् ।
क्रियाशक्तिमये बाणधनुषी दधदुज्ज्वलम् ॥ 1.53 ॥
icchāśaktimayaṃ pāśamaṅkuśaṃ jñānarūpiṇam |
kriyāśaktimaye bāṇadhanuṣī dadhadujjvalam || 1.53 ||
Übersetzung: [Das göttliche Licht erscheint] strahlend und trägt die Schlinge aus Willenskraft, den Haken in Gestalt des Erkennens sowie Pfeile und Bogen aus Handlungskraft.
Wort-für-Wort-Übersetzung: icchā-śakti-mayam pāśam – die aus Willenskraft bestehende Schlinge; aṅkuśam – Haken, Elefantenstachel; jñāna-rūpiṇam – von der Gestalt des Erkennens; kriyā-śakti-maye – aus Handlungskraft bestehend; bāṇa-dhanuṣī – Pfeile und Bogen; dadhat – tragend; ujjvalam – strahlend.
Erläuterung: Die Attribute der Göttin sind zugleich Aussagen über ihre Kräfte. Pasha, Ankusha, Pfeile und Bogen erschließen Iccha Shakti, Jnana Shakti und Kriya Shakti. Die Bildgestalt ist somit Teil der Unterweisung und nicht nur schmückendes Beiwerk. Die hier gegebene Zuordnung folgt diesem Vers; andere Texte können dieselben Attribute ergänzend anders deuten.
Vers 1.55 – Das Shri Chakra als Gestalt des höchsten Lichtes
एवंरूपं परं तेजः श्रीचक्रवपुषा स्थितम् ।
तदीयशक्तिनिकरस्फुरदूर्मिसमावृतम् ॥ 1.55 ॥
evaṃrūpaṃ paraṃ tejaḥ śrīcakravapuṣā sthitam |
tadīyaśaktinikarasphuradūrmisamāvṛtam || 1.55 ||
Übersetzung: Das höchste Licht von solcher Gestalt besteht als Leib des Shri Chakra, umgeben von den aufleuchtenden Wellen seiner Schar von Kräften.
Wort-für-Wort-Übersetzung: evam-rūpam – von solcher Gestalt; param tejaḥ – höchstes Licht; śrī-cakra-vapuṣā – als Leib beziehungsweise Gestalt des Shri Chakra; sthitam – bestehend; tadīya-śakti-nikara – dessen Schar von Kräften; sphurat-ūrmi-samāvṛtam – von aufleuchtenden Wellen umgeben.
Erläuterung: Das Diagramm gilt als Vapus, Gestalt oder Leib, der göttlichen Wirklichkeit. Seine zugeordneten Gottheiten und Kräfte gehören zu ihrer Entfaltung. Diese Vorstellung verbindet äußere Verehrung und innere Bhavana: Das betrachtete Diagramm verweist auf einen Bewusstseinszusammenhang, den der Praktizierende vergegenwärtigt. Darin liegt ein wesentlicher Schlüssel des ersten Kapitels.
Video: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Ergänzende heutige Meditationspraxis; keine vollständige Anleitung zur Shri-Chakra-Verehrung.
Die neun Umfassungen des Shri Chakra
Vers 1.80 – Die äußeren Bereiche des Shri Chakra
आदिमं भूत्रयेण स्याद्द्वितीयं षोडशारकम् ।
अन्यदष्टदलं प्रोक्तं मनुकोणमनन्तरम् ॥ 1.80 ॥
ādimaṃ bhūtrayeṇa syāddvitīyaṃ ṣoḍaśārakam |
anyadaṣṭadalaṃ proktaṃ manukoṇamanantaram || 1.80 ||
Übersetzung: Der erste [Bereich] besteht aus den drei Erdumfassungen, der zweite ist sechzehnteilig. Der nächste wird achtblättrig genannt; darauf folgt der vierzehnwinklige.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ādimam – das erste; bhū-trayeṇa – durch die drei Erdumfassungen; syāt – besteht, sei; dvitīyam – das zweite; ṣoḍaśa-arakam – sechzehnteilig; anyat aṣṭa-dalam – das nächste mit acht Blättern; proktam – genannt; manu-koṇam – vierzehnwinklig, mit Manu als Zahlwort für vierzehn; anantaram – danach.
Erläuterung: Die Aufzählung bewegt sich von außen nach innen. Das dreifache äußere Quadrat wird mit dem Erdprinzip verbunden. Es folgen der sechzehnblättrige und der achtblättrige Lotus sowie der Bereich der vierzehn Dreiecke. Die Sanskritzählung verwendet hier Manu als Zahlenbezeichnung. Für die spätere Navavarana Puja ist diese Folge grundlegend.
Vers 1.81 – Die inneren Dreieckskreise
पञ्चमं दशकोणं स्यात्षष्ठं चापि दशारकम् ।
सप्तमं वसुकोणं स्यान्मध्यत्र्यस्रमथाष्टमम् ॥ 1.81 ॥
pañcamaṃ daśakoṇaṃ syātṣaṣṭhaṃ cāpi daśārakam |
saptamaṃ vasukoṇaṃ syānmadhyatryasramathāṣṭamam || 1.81 ||
Übersetzung: Der fünfte [Bereich] ist zehnwinklig, und auch der sechste ist zehnteilig. Der siebte ist achtwinklig; der achte ist dann das mittlere Dreieck.
Wort-für-Wort-Übersetzung: pañcamam – das fünfte; daśa-koṇam – zehnwinklig; syāt – ist, sei; ṣaṣṭham ca api – und auch das sechste; daśa-arakam – zehnteilig; saptamam – das siebte; vasu-koṇam – achtwinklig; madhya-tryasram – mittleres Dreieck; atha aṣṭamam – dann das achte.
Erläuterung: Die beiden Bereiche mit jeweils zehn Dreiecken sind voneinander zu unterscheiden. Weiter innen liegen acht Dreiecke und das zentrale Dreieck. Vasu steht hier als Zahlenbezeichnung für acht. Diese Gliederung erklärt, weshalb die Rede von neun Chakras nicht bedeutet, dass neun voneinander unabhängige Yantras vorliegen.
Vers 1.82 – Der Mittelpunkt und die ersten Namen
नवमं त्र्यस्रमध्यं स्यात्तेषां नामान्यतः शृणु ।
त्रैलोक्यमोहनं चक्रं सर्वाशापरिपूरकम् ॥ 1.82 ॥
navamaṃ tryasramadhyaṃ syātteṣāṃ nāmānyataḥ śṛṇu |
trailokyamohanaṃ cakraṃ sarvāśāparipūrakam || 1.82 ||
Übersetzung: Der neunte [Bereich] liegt in der Mitte des Dreiecks. Höre nun ihre Namen: das Chakra, das die drei Welten bezaubert, und das alle Hoffnungen Erfüllende …
Wort-für-Wort-Übersetzung: navamam – das neunte; tryasra-madhyam – Mitte des Dreiecks; syāt – ist, sei; teṣām nāmāni – ihre Namen; ataḥ śṛṇu – höre nun; trailokya-mohanam – die drei Welten bezaubernd; cakram – Chakra; sarva-āśā-paripūrakam – alle Hoffnungen oder Wünsche erfüllend.
Erläuterung: Der neunte Bereich ist der Bindu, der Mittelpunkt im zentralen Dreieck. Anschließend beginnt die Namensliste der neun Umfassungen. Die Namen bezeichnen die verehrten Wirkweisen der göttlichen Kraft. Sie gehören zur religiösen Sprache des Rituals; ihre wörtlichen Bedeutungen werden in den folgenden Versen weitergeführt.
Vers 1.83 – Bewegen, Glück und Schutz
सर्वसंक्षोभणं गौरि सर्वसौभाग्यदायकम् ।
सर्वार्थसाधकं चक्रं सर्वरक्षाकरं परम् ॥ 1.83 ॥
sarvasaṃkṣobhaṇaṃ gauri sarvasaubhāgyadāyakam |
sarvārthasādhakaṃ cakraṃ sarvarakṣākaraṃ param || 1.83 ||
Übersetzung: … das alles Erschütternde, o Gauri, das alles Glück Gewährende, das Chakra, das alle Ziele verwirklicht, und das höchste, das umfassenden Schutz schafft …
Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-saṃkṣobhaṇam – alles erschütternd, bewegend; gauri – o Gauri; sarva-saubhāgya-dāyakam – alles Glück beziehungsweise Wohlergehen gewährende; sarva-artha-sādhakam – alle Ziele verwirklichende; cakram – Chakra; sarva-rakṣā-karam – allen Schutz hervorbringende; param – höchstes, erhabenes.
Erläuterung: Die Reihe nennt die Umfassungen drei bis sechs. Samkshobha bedeutet Aufrüttelung oder Bewegung und gehört zur Vorstellung einer dynamischen Shakti. Saubhagya umfasst Glück, Wohlergehen und günstige Fügung. Im Ritual werden diese Kräfte nicht isoliert, sondern als Glieder derselben Göttin verehrt.
Vers 1.84 – Heilung, Vollendung und Wonne
सर्वरोगहरं देवि सर्वसिद्धिमयं तथा ।
सर्वानन्दमयं चापि नवमं शृणु सुन्दरि ॥ 1.84 ॥
sarvarogaharaṃ devi sarvasiddhimayaṃ tathā |
sarvānandamayaṃ cāpi navamaṃ śṛṇu sundari || 1.84 ||
Übersetzung: … das alle Krankheiten Wegnehmende, o Göttin, ebenso das aus aller Vollendung Bestehende; und als neuntes höre das aus aller Wonne Bestehende, o Schöne.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-roga-haram – alle Krankheiten wegnehmend; devi – o Göttin; sarva-siddhi-mayam – aus aller Vollendung bestehend; tathā – ebenso; sarva-ānanda-mayam ca api – und auch aus aller Wonne bestehend; navamam – das neunte; śṛṇu – höre; sundari – o Schöne.
Erläuterung: Die letzten drei Namen gehören zum Acht-Dreieck-Bereich, zum zentralen Dreieck und zum Bindu. Sarvanandamaya, aus aller Wonne bestehend, bezeichnet den innersten Bereich. „Alle Krankheiten wegnehmend“ ist die wörtliche Übersetzung eines traditionellen Chakra-Namens, kein hier gegebenes medizinisches Wirkversprechen. In der inneren Auslegung werden auch begrenzende Bewusstseinsformen als zu überwindende Leiden betrachtet.
Vers 1.85 – Mahatripurasundari im großen Chakra
अत्र पूज्या महादेवी महात्रिपुरसुन्दरी ।
परिपूर्णं महाचक्रमजरामरकारकम् ॥ 1.85 ॥
atra pūjyā mahādevī mahātripurasundarī |
paripūrṇaṃ mahācakramajarāmarakārakam || 1.85 ||
Übersetzung: Hier ist die große Göttin Mahatripurasundari zu verehren. Das vollkommene große Chakra führt [der Lehre zufolge] zu Freiheit von Altern und Sterben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: atra – hier; pūjyā – zu verehren; mahā-devī – große Göttin; mahā-tripura-sundarī – große Schöne der drei Städte beziehungsweise Bereiche; paripūrṇam – vollkommen, vollständig; mahā-cakram – großes Chakra; ajara-amara-kārakam – Freiheit von Altern und Sterben bewirkend.
Erläuterung: Die Namensliste mündet in die Verehrung der Mahatripurasundari. Der Ausdruck ajara-amara bezeichnet im spirituellen Zusammenhang eine über Vergänglichkeit hinausgehende Verwirklichung. Der Vers fasst das Shri Chakra als Ganzes auf: Seine Entfaltung und sein Mittelpunkt gehören zusammen. Die religiöse Verheißung sollte nicht zu einer Aussage über körperliche Unsterblichkeit umformuliert werden.
Aus dem zweiten Kapitel: Mantra, Überlieferung und Kundalini
Vers 2.26 – Die lebendige Überlieferung
सम्प्रदायो महाबोधरूपो गुरुमुखे स्थितः ।
विश्वाकारप्रथायास्तु महत्त्वञ्च यदाश्रयम् ॥ 2.26 ॥
sampradāyo mahābodharūpo gurumukhe sthitaḥ |
viśvākāraprathāyāstu mahattvañca yadāśrayam || 2.26 ||
Übersetzung: Die Überlieferung, deren Wesen großes Erwachen ist, besteht im Mund des Gurus; auf ihr beruht die Größe des Hervortretens in Weltgestalt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sampradāyaḥ – Überlieferung, Traditionslinie; mahā-bodha-rūpaḥ – von der Gestalt großen Erwachens beziehungsweise Erkennens; guru-mukhe sthitaḥ – im Mund des Gurus befindlich; viśva-ākāra-prathāyāḥ – des Erscheinens in Weltgestalt; mahatvam ca – und die Größe; yat-āśrayam – welche darin ihre Grundlage hat.
Erläuterung: Das zweite Kapitel behandelt verschiedene Ebenen des Mantraverständnisses. Sampradaya bezeichnet hier mehr als die Zugehörigkeit zu einer Organisation. Die Lehre wird als lebendige Vermittlung von Bodha, Erkenntnis, verstanden. Ihre kosmologische Bedeutung soll sich durch Unterweisung erschließen. Die Übersetzung folgt dem verdichteten Satzbau; die Einzelzuordnung des letzten Ausdrucks verlangt weitere Kommentierung.
Vers 2.31 – Göttin und Gott in jedem Bereich
यस्य यस्य पदार्थस्य सा या शक्तिरुदीरिता ।
सा सा सर्वेश्वरी देवी स स सर्वो महेश्वरः ॥ 2.31 ॥
yasya yasya padārthasya sā yā śaktirudīritā |
sā sā sarveśvarī devī sa sa sarvo maheśvaraḥ || 2.31 ||
Übersetzung: Welche Kraft auch immer einem jeweiligen Gegenstand zugesprochen wird: Eben diese ist die Göttin, Herrin von allem, und jener [Gegenstand] ist jeweils der große Herr.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yasya yasya padārthasya – eines jeden jeweiligen Gegenstandes; sā yā śaktiḥ – diejenige Kraft, welche; udīritā – genannt, ausgesprochen; sā sā – eben diese jeweils; sarva-īśvarī devī – Göttin, Herrin von allem; saḥ saḥ sarvaḥ – jener jeweils, ein jeder; mahā-īśvaraḥ – großer Herr.
Erläuterung: Der Vers verbindet jeden Erfahrungsbereich mit Shiva und Shakti. Die Kraft eines Gegenstandes wird nicht aus dem göttlichen Zusammenhang ausgeschlossen. In dieser Sicht ist die Göttin nicht nur in einem besonderen Ritualort gegenwärtig. Ihre Verehrung kann zu einer umfassenderen Wahrnehmung der Welt führen. Das ist eine metaphysische Aussage der Schrift, keine naturwissenschaftliche Definition von Kraft.
Vers 2.70 – Die Mantrakraft als Kundalini
अष्टात्रिंशत्कलायुक्तपञ्चाशद्वर्णविग्रहा ।
विद्या कुण्डलिनीरूपा मण्डलत्रयभेदिनी ॥ 2.70 ॥
aṣṭātriṃśatkalāyuktapañcāśadvarṇavigrahā |
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī || 2.70 ||
Übersetzung: Die Vidya hat die Gestalt der fünfzig Laute, verbunden mit achtunddreißig Kalas; sie ist Kundalini und durchdringt die drei Mandalas.
Wort-für-Wort-Übersetzung: aṣṭātriṃśat-kalā-yukta – mit achtunddreißig Kalas verbunden; pañcāśat-varṇa-vigrahā – mit den fünfzig Lauten als Gestalt; vidyā – Wissen, hier die göttliche Mantrakraft; kuṇḍalinī-rūpā – Kundalini als Gestalt habend; maṇḍala-traya-bhedinī – die drei Mandalas durchdringend.
Erläuterung: Das Yogini Hridaya verbindet die Mantralehre ausdrücklich mit Kundalini. Die fünfzig Laute beziehen sich auf eine tantrische Ordnung des Sanskritalphabets. Kala bezeichnet hier Teilkräfte beziehungsweise Wirkungsaspekte. Die drei Mandalas gehören zu einer überlieferten inneren Gliederung, die im Kommentar weiter erläutert wird. Der Vers bildet keine isolierte Atemanweisung.
Vers 2.71 – Strahlend und fein
तडित्कोटिनिभप्रख्या बिसतन्तुनिभाकृतिः ।
व्योमेन्दुमण्डलासक्ता सुधास्रोतःस्वरूपिणी ॥ 2.71 ॥
taḍitkoṭinibhaprakhyā bisatantunibhākṛtiḥ |
vyomendumaṇḍalāsaktā sudhāsrotaḥsvarūpiṇī || 2.71 ||
Übersetzung: Sie leuchtet wie Millionen Blitze und ist von einer Gestalt so fein wie eine Lotusfaser; mit dem Mondkreis im Raum verbunden, ist ihr Wesen ein Strom von Nektar.
Wort-für-Wort-Übersetzung: taḍit-koṭi-nibha-prakhyā – mit dem Glanz von Millionen Blitzen; bisa-tantu-nibha-ākṛtiḥ – mit einer Gestalt wie Lotusfaser; vyoma-indu-maṇḍala-āsaktā – mit dem Mondkreis im Raum verbunden; sudhā-srotaḥ-svarūpiṇī – einen Nektarstrom als eigenes Wesen habend.
Erläuterung: Die Bildsprache verbindet größte Leuchtkraft und äußerste Feinheit. Mond und Nektar stehen im tantrischen Zusammenhang für eine erfüllende innere Erfahrung. Die Beschreibung wird auf die im vorigen Vers genannte Vidya beziehungsweise Kundalini bezogen. Ihre Begriffe sollten nicht ohne Weiteres als anatomische oder biochemische Angaben behandelt werden.
Vers 2.72 – Die Kraft als eigenes Selbst erkennen
सदा व्याप्तजगत्कृत्स्ना सदानन्दस्वरूपिणी ।
एषा स्वात्मेति बुद्धिस्तु रहस्यार्थो महेश्वरि ॥ 2.72 ॥
sadā vyāptajagatkṛtsnā sadānandasvarūpiṇī |
eṣā svātmeti buddhistu rahasyārtho maheśvari || 2.72 ||
Übersetzung: Sie durchdringt stets die ganze Welt und ist ihrem Wesen nach beständige Wonne. Die Erkenntnis „Diese ist mein eigenes Selbst“ ist die geheime Bedeutung, o große Herrin.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sadā – stets; vyāpta-jagat-kṛtsnā – die ganze Welt durchdringend; sadā-ānanda-svarūpiṇī – beständige Wonne als eigenes Wesen habend; eṣā sva-ātmā iti – „diese ist das eigene Selbst“; buddhiḥ tu – die Erkenntnis aber; rahasya-arthaḥ – geheime Bedeutung; mahā-īśvari – o große Herrin.
Erläuterung: Die vorausgehende innere Symbolik wird auf eine Erkenntnis zugespitzt. Die Göttin wird nicht nur betrachtet, sondern als eigene tiefste Natur erkannt. In diesem Zusammenhang meint Buddhi die Einsicht, nicht bloß das Auswendiglernen eines Satzes. Der Vers ist ein besonders klarer Ausdruck des nichtdualistischen Zuges im Yogini Hridaya.
Video: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev
Ergänzende Herzmeditation. Hridaya bezeichnet im Titel der Schrift besonders deren innerste Bedeutung.
Aus dem dritten Kapitel: Verehrung und innere Erkenntnis
Vers 3.1 – Das Ziel der Verehrung
पूजासङ्केतमधुना कथयामि तवानघे ।
यस्य प्रबोधमात्रेण जीवन्मुक्तः प्रमोदते ॥ 3.1 ॥
pūjāsaṅketamadhunā kathayāmi tavānaghe |
yasya prabodhamātreṇa jīvanmuktaḥ pramodate || 3.1 ||
Übersetzung: Nun erkläre ich dir die geheime Bedeutung der Verehrung, o Makellose. Durch deren bloßes Erwachen [im Verstehen] erfreut man sich als zu Lebzeiten Befreiter.
Wort-für-Wort-Übersetzung: pūjā-saṅketam – geheime Bedeutung der Verehrung; adhunā – jetzt; kathayāmi tava – ich erkläre dir; anaghe – o Makellose; yasya prabodha-mātreṇa – allein durch das Erwachen dazu beziehungsweise dessen Erkenntnis; jīvan-muktaḥ – zu Lebzeiten befreit; pramodate – erfreut sich.
Erläuterung: Das dritte Kapitel eröffnet die Rituallehre mit Jivanmukti, Befreiung während des Lebens. Äußerer Vollzug und inneres Verstehen sind dadurch von Anfang an verbunden. Prabodha bedeutet Erwachen oder klares Erkennen. Die Puja wird nicht nur als Bitte um ein zukünftiges Ergebnis eingeführt, sondern als möglicher Ausdruck befreiender Erkenntnis.
Vers 3.2 – Drei Formen der Puja
तव नित्योदिता पूजा त्रिभिर्भेदैर्व्यवस्थिता ।
परा चाप्यपरा गौरि तृतीया च परापरा ॥ 3.2 ॥
tava nityoditā pūjā tribhirbhedairvyavasthitā |
parā cāpyaparā gauri tṛtīyā ca parāparā || 3.2 ||
Übersetzung: Deine stets gegenwärtige Verehrung ist in drei Formen gegliedert: die höchste, die nicht-höchste, o Gauri, und als dritte die höchste und nicht-höchste verbindende.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tava – deine; nitya-uditā – stets aufgegangen, beständig gegenwärtig; pūjā – Verehrung; tribhiḥ bhedaiḥ – in drei Unterscheidungen; vyavasthitā – angeordnet; parā – höchste; ca api aparā – und auch nicht-höchste; gauri – o Gauri; tṛtīyā ca parā-aparā – und als dritte die höchste und nicht-höchste [verbindende].
Erläuterung: Para, Apara und Parapara bezeichnen drei Perspektiven des Vollzugs. Die Übersetzung „nicht-höchste“ gibt die Wortbildung wieder; sie sollte nicht vorschnell als Geringschätzung äußerer Verehrung verstanden werden. Die Schrift widmet gerade der ausdifferenzierten Ritualpraxis einen großen Teil ihrer Unterweisung. Der nächste Vers beginnt, die Formen näher zu bestimmen.
Vers 3.3 – Nichtdualität und Chakraverehrung
प्रथमाद्वैतभावस्था सर्वप्रसरगोचरा ।
द्वितीया चक्रपूजा च सदा निष्पाद्यते मया ॥ 3.3 ॥
prathamādvaitabhāvasthā sarvaprasaragocarā |
dvitīyā cakrapūjā ca sadā niṣpādyate mayā || 3.3 ||
Übersetzung: Die erste ruht in der nichtdualistischen Haltung und umfasst die gesamte Entfaltung. Die zweite ist die Chakraverehrung, und sie wird von mir stets vollzogen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prathamā – die erste; advaita-bhāva-sthā – in der nichtdualistischen Haltung ruhend; sarva-prasara-gocarā – die ganze Entfaltung als ihren Bereich habend; dvitīyā – die zweite; cakra-pūjā ca – und die Chakraverehrung; sadā – stets; niṣpādyate mayā – wird von mir vollzogen.
Erläuterung: Die höchste Verehrung ist hier mit Advaita, Nichtdualität, verbunden. Sie bezieht sich auf die ganze Entfaltung und lässt sich deshalb nicht auf einen einzelnen äußeren Ort begrenzen. Zugleich wird die Chakra Puja ausdrücklich bejaht. Der Text unterscheidet Zugänge, die im weiteren Vollzug miteinander verbunden werden können.
Vers 3.183 – Fünf Zustände und die Verbindung von Atem, Selbst und Geist
अत्रैव जपकाले तु पञ्चावस्थाः स्मरेद्बुधः ।
योगः प्राणात्ममनसां विषुवं प्राणसंज्ञितम् ॥ 3.183 ॥
atraiva japakāle tu pañcāvasthāḥ smaredbudhaḥ |
yogaḥ prāṇātmamanasāṃ viṣuvaṃ prāṇasaṃjñitam || 3.183 ||
Übersetzung: Gerade während des Japa soll der Verständige die fünf Zustände vergegenwärtigen. Die Verbindung von Prana, Selbst und Geist heißt das als Prana bezeichnete Vishuva.
Wort-für-Wort-Übersetzung: atra eva – gerade hier; japa-kāle tu – während des Japa; pañca-avasthāḥ – fünf Zustände; smaret budhaḥ – der Verständige soll vergegenwärtigen; yogaḥ – Verbindung; prāṇa-ātma-manasām – von Prana, Selbst und Geist; viṣuvam – Ausgleich, Vereinigungspunkt; prāṇa-saṃjñitam – mit Prana bezeichnet.
Erläuterung: Die fünf Zustände werden im vorangehenden Zusammenhang als Wachen, Traum, Tiefschlaf, Turiya und Turiyatita entfaltet. Vishuva bezeichnet hier einen technischen Vereinigungspunkt, nicht bloß die astronomische Tagundnachtgleiche. Der Vers zeigt, wie das Yogini Hridaya Japa mit einer differenzierten inneren Yogapraxis verbindet. Die genaue Methode ergibt sich erst aus dem größeren Textzusammenhang.
Video: Aktiviere deine Chakren und meditiere mit Sukadev
Ergänzende Yogapraxis. Die speziellen Vishuva- und Mantra-Zuordnungen des Textes werden damit nicht vollständig vermittelt.
Vers 3.192 – Rituelle Gaben im Kaula-Kontext
अनामाङ्गुष्ठयोगेन तर्पयेच्चक्रदेवताः ।
मद्यं मांसं तथा मत्स्यं देव्यास्तु विनिवेदयेत् ॥ 3.192 ॥
anāmāṅguṣṭhayogena tarpayeccakradevatāḥ |
madyaṃ māṃsaṃ tathā matsyaṃ devyāstu vinivedayet || 3.192 ||
Übersetzung: Mit der Verbindung von Ringfinger und Daumen soll man die Gottheiten des Chakra sättigen; Wein, Fleisch und Fisch soll man der Göttin darbringen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: anāmā-aṅguṣṭha-yogena – durch Verbindung von Ringfinger und Daumen; tarpayet – man soll sättigen, rituell laben; cakra-devatāḥ – Gottheiten des Chakra; madyam – alkoholisches Getränk, Wein; māṃsam – Fleisch; tathā matsyam – und ebenso Fisch; devyāḥ tu – der Göttin; vinivedayet – man soll darbringen.
Erläuterung: Dieser Vers gehört zur konkreten Ritualsprache des Kaula. Die genannten Stoffe dürfen in einer historischen Übersetzung nicht ohne Kennzeichnung durch rein psychologische Begriffe ersetzt werden. Zugleich folgt daraus nicht, dass jede heutige Shri-Vidya-Tradition identische äußere Gaben verwendet. Innere Deutung, stellvertretende Opfermittel und konkrete Ritualformen sind jeweils traditionsabhängig. Der Artikel beschreibt den Text; er stellt keine Aufforderung zur Übernahme dieser einzelnen Handlung dar.
Vers 3.202 – Die Einheit von Ich und Dies
अहन्तेदन्तयोरैक्यं भावयन्विहरेत्सुखम् ।
एतत्ते कथितं सर्वं सङ्केतत्रयमुत्तमम् ॥ 3.202 ॥
ahantedantayoraikyaṃ bhāvayanviharetsukham |
etatte kathitaṃ sarvaṃ saṅketatrayamuttamam || 3.202 ||
Übersetzung: Die Einheit von Ichheit und Diesheit vergegenwärtigend, soll man glücklich leben. Damit ist dir diese ganze höchste dreifache Unterweisung erklärt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ahantā-idantayoḥ aikyam – Einheit von Ichheit und Diesheit; bhāvayan – vergegenwärtigend, betrachtend; viharet sukham – man soll glücklich leben, sich frei bewegen; etat te kathitam sarvam – dies alles ist dir erklärt; saṅketa-trayam uttamam – höchste dreifache Unterweisung.
Erläuterung: Ahanta bezeichnet die Ichhaftigkeit des Erlebens, Idanta das als „dies“ Erscheinende. Ihre Einheit bildet eine geistige Zusammenfassung der vorherigen Unterweisung. Bhavana soll über den abgegrenzten Ritualmoment hinausreichen. Das Yogini Hridaya verbindet die dreifache Erschließung von Chakra, Mantra und Puja mit einer Weise, bewusst zu leben. Die Lesung aikyam berichtigt hier eine offensichtliche Vokalverwechslung der Onlineabschrift.
Video: 3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Angeleitete Meditation aus der Yoga-Vidya-Praxis als Ergänzung zum Schriftstudium.
Datierung, Verfasser und Überlieferung
Eine mittelalterliche tantrische Schrift
Das Yogini Hridaya ist als Offenbarungsdialog zwischen Göttin und Bhairava überliefert. Ein historischer menschlicher Verfasser des Grundtextes ist nicht sicher bekannt. Die wissenschaftliche Datierung ist nicht einheitlich: Die Verlagsbeschreibung der englischen Übersetzung von André Padoux und Roger-Orphé Jeanty nennt das 10. oder 11. Jahrhundert; der französische Bibliothekskatalog BnF nennt vorsichtiger das 9. oder 10. Jahrhundert. Eine genaue Jahreszahl lässt sich daraus nicht ableiten.[1][5]
Für die Einordnung ist wichtiger, dass der Text einer bereits ausgebildeten tantrischen Shri-Vidya-Tradition angehört. Er setzt Mantras, Ritualformen und das Shri Chakra voraus und erläutert ihre tieferen Zusammenhänge. Die Schrift ist damit keine allgemeine Einführung in sämtliche Formen des Hinduismus, sondern eine besondere Unterweisung im Kult der Tripurasundari.
Schon der erste Vers nennt das Vamakeshvara Tantra. Häufig wird das Yogini Hridaya als dessen späterer beziehungsweise zweiter Teil eingeordnet und zusammen mit dem Nityashodashikarnava überliefert. Die Namen und Abgrenzungen werden in Handschriften, Ausgaben und Katalogen nicht überall gleich verwendet. Deshalb ist es genauer, den Überlieferungszusammenhang zu benennen, statt die drei Titel unterschiedslos gleichzusetzen.[6]
Inhaltlich ergänzt das Yogini Hridaya die rituelle Tradition durch eine ausführliche innere Deutung. Der Praktizierende soll verstehen, wie die einzelnen Elemente der Verehrung mit dem Bewusstsein und seiner Entfaltung verbunden sind. Das Motiv der mündlichen Weitergabe von Ohr zu Ohr unterstreicht den Stellenwert persönlicher Unterweisung.
Kommentare und Ausgaben
Besonders wichtig ist die Dipika des Amritanandanatha, dessen Wirken häufig ungefähr dem 14. Jahrhundert zugeordnet wird. Ein weiterer bedeutender Kommentar ist der Setubandha des Bhaskararaya. Die Kommentare machen deutlich, dass der kurze Wortlaut vielfach eine weitergehende Erklärung voraussetzt. Weder Amritananda noch Bhaskararaya sollten deshalb ohne Kennzeichnung als Verfasser des anonymen Grundtextes bezeichnet werden.
Gopinath Kaviraj gab den Text mit Kommentierung in der Reihe Sarasvati Bhavana Granthamala heraus. Nach dem Vorwort der späteren Ausgabe erschienen die ersten Teile 1923 und 1924; die zweite Ausgabe von 1963 nahm auch den Setubandha auf. Vraj Vallabha Dwivedi verglich für seine weitere Bearbeitung zusätzliche Handschriften. Für europäische Leser erschloss André Padoux den Text zunächst auf Französisch und später gemeinsam mit Roger-Orphé Jeanty auf Englisch.[7]
Umfang und Textkritik
Die BnF nennt 376 Strophen. Die zugängliche elektronische Fassung bei Sanskrit Documents endet dagegen in den drei Kapiteln bei 86, 85 und 206, zusammen 377 nummerierten Einheiten. Einzelne Einheiten enthalten nur einen Halbvers, andere drei Halbverse; außerdem erscheinen unnummerierte Ergänzungen. Der bloße Vergleich der Gesamtzahlen genügt daher nicht, um den Umfang einer Fassung zu beurteilen.[5][3]
Die Onlineabschrift enthält beispielsweise zusammengezogene oder vertauschte Buchstaben sowie grammatisch beschädigte Formen. Eine vollständige deutsche Versübersetzung mit Worterklärung müsste diese Fälle einzeln am Drucktext und gegebenenfalls am Kommentar klären. Die hier gebotene Arbeitsfassung kennzeichnet ihren engeren Umfang und beansprucht keine bereits abgeschlossene Gesamtedition.
Die drei Kapitel des Yogini Hridaya
Erstes Kapitel: Chakra-Sanketa
Das erste Kapitel erläutert die Entstehung und Bedeutung des Shri Chakra. Dabei verbindet es die Hauptdreiecke, Umfassungen, Lotusblätter und den Mittelpunkt mit Shiva, Shakti, Lautkräften und Bewusstseinszuständen. Die geometrische Gestalt wird als Ausdruck einer lebendigen Wirklichkeit verstanden.
Der Text beschreibt die höchste Kraft als frei. Aus ihrer Selbstwahrnehmung beziehungsweise ihrem lebendigen Aufleuchten geht die Entfaltung hervor. Prakasha, das Licht des Bewusstseins, und die dynamische Selbstgegenwart werden miteinander verbunden. Das Shri Chakra veranschaulicht diese Entfaltung in einer konzentrierten Form.

Zugleich ordnet das Kapitel göttliche Kräfte, Lautstufen und Mudras zu. „Chakra“ bezeichnet dabei nicht an jeder Stelle ein Körperchakra. Je nach Zusammenhang ist die Gesamtgestalt des Shri Chakra oder eine ihrer rituellen Umfassungen gemeint. Der Abschluss betont die befreiende Erkenntnis seiner Bedeutung.
Zweites Kapitel: Mantra-Sanketa
Das zweite Kapitel behandelt die Mantragestalt der Göttin. Die Unterweisung gehört zur Kadi-Tradition der Shri Vidya, deren fünfzehnsilbige Hauptvidya in drei Abschnitte, Kutas, gegliedert wird. Ein Mantra erscheint hier nicht bloß als Bezeichnung einer außerhalb seiner selbst befindlichen Gottheit. Seine Laute werden als Formen göttlicher Kräfte erschlossen.

Der Text nennt sechs Ebenen der Auslegung: Bhavartha, Sampradayartha, Nigarbha-Artha, Kaulikartha, Sarvarahasyartha und Mahatattvartha. Gemeint sind unterschiedliche Zugänge zur Bedeutung der Mantralaute, zur überlieferten inneren Lehre und zur Einheit von Gottheit, Guru und Selbst. Die elektronische Fassung ist bei einem dieser technischen Namen widersprüchlich; eine endgültige Sanskritschreibung gehört zum weiteren Textabgleich.
Besonders deutlich wird die innere Ausrichtung in den Versen 2.70–2.72: Die Vidya wird mit Kundalini verbunden und schließlich als eigenes Selbst erkannt. Die Aussage vereint Laut, feine Kraft und Erkenntnis. Sie begründet, weshalb ein Verständnis der Mantrabedeutung im Yogini Hridaya ebenso wichtig ist wie die äußere Rezitation.
Drittes Kapitel: Puja-Sanketa
Das umfangreiche dritte Kapitel erklärt die Verehrung. Zu Beginn unterscheidet es Para, Apara und Parapara, drei Formen beziehungsweise Ebenen der Puja. Die höchste Verehrung ruht in der nichtdualistischen Haltung; die äußere Chakraverehrung wird daneben ausdrücklich behandelt.
Es folgen differenzierte Formen des Nyasa, also des rituellen Setzens von Mantras und Gottheitskräften am Körper. Die Schrift behandelt unter anderem Ganeshagruppen, Planeten, Mondhäuser, Yoginis, Tierkreiszeichen und heilige Sitze. Solche Zuordnungen gehören zu ihrem tantrischen Körper- und Weltverständnis.

Weitere Abschnitte erläutern die Verehrung der Kräfte im Shri Chakra und den inneren Japa. Atem, Laut und Bewusstsein werden über Zustände und Verbindungspunkte aufeinander bezogen. Der Text behandelt auch konkrete Kaula-Opfermittel wie alkoholische Getränke, Fleisch und Fisch. Diese historischen Aussagen gehören zur Schrift, auch wenn heutige Traditionen unterschiedliche äußere und innere Praxisformen entwickeln.
Das Kapitel endet mit der Erinnerung an den Überlieferungscharakter der Unterweisung. Im Ziel wird die Einheit von Ichheit und Diesheit vergegenwärtigt. Die göttliche Wirklichkeit soll sich nicht auf einen abgegrenzten Ritualmoment beschränken.
Das Shri Chakra und seine neun Umfassungen
Die neun ineinandergreifenden Hauptdreiecke bilden im Inneren des Shri Chakra zusammen 43 kleinere Dreiecke. Davon zu unterscheiden sind die neun Avaranas, die neun rituellen Umfassungen beziehungsweise Verehrungsbereiche. Die folgende Übersicht folgt der Reihenfolge von außen nach innen in den Versen 1.80–1.85. Die deutschen Bedeutungen geben die traditionellen Namen wieder.
| Bereich | Gestalt | Name in einfacher Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 | Dreifache quadratische Umfassung | Trailokyamohana | Die drei Welten bezaubernd |
| 2 | Sechzehnblättriger Lotus | Sarvashaparipuraka | Alle Hoffnungen erfüllend |
| 3 | Achtblättriger Lotus | Sarvasamkshobhana | Alles bewegend oder erschütternd |
| 4 | Vierzehn Dreiecke | Sarvasaubhagyadayaka | Alles Glück gewährend |
| 5 | Äußerer Kreis aus zehn Dreiecken | Sarvarthasadhaka | Alle Ziele verwirklichend |
| 6 | Innerer Kreis aus zehn Dreiecken | Sarvarakshakara | Umfassenden Schutz schaffend |
| 7 | Acht Dreiecke | Sarvarogahara | Alle Krankheiten wegnehmend |
| 8 | Zentrales Dreieck | Sarvasiddhimaya | Aus aller Vollendung bestehend |
| 9 | Bindu | Sarvanandamaya | Aus aller Wonne bestehend |
Die Namen bezeichnen rituell verehrte Kräfte. Im Yogini Hridaya werden diese Kräfte in einen Bewusstseinszusammenhang eingeordnet. Die innerste Wonne ist dabei nicht einfach ein weiterer äußeren Dingen gleichgeordneter Besitz. Sie verweist auf die Fülle der Göttin beziehungsweise des Bewusstseins.
Die Bewegung nach innen kann als Rücknahme der Entfaltung verstanden werden. Die Bewegung vom Mittelpunkt nach außen entspricht ihrer Hervorbringung. Beide Richtungen gehören zur Betrachtung des Chakra. Die Mitte und die Vielfalt schließen einander nicht aus.
Zentrale Begriffe und Lehren
Die Bedeutung von Sanketa
Sanketa kann Zeichen, Hinweis, Vereinbarung oder eine vereinbarte Bedeutung heißen. Im Yogini Hridaya bezeichnet es die inneren Zuordnungen von Chakra, Mantra und Puja. Amritanandas Kommentar veranschaulicht den Ausdruck auch über eine vereinbarte Begegnung: Die verschiedenen Formen werden als Orte des Zusammenkommens von Shiva und Shakti erschlossen.[8]
Deshalb reicht es nicht aus, nur eine Zeichnung korrekt zu benennen oder eine Lautfolge zu wiederholen. Die jeweilige Gestalt soll in ihrem Zusammenhang erkannt werden. Das Studium der Zuordnungen dient einer inneren Vergegenwärtigung, die der Text Bhavana nennt.
Shiva, Shakti und die Göttin
Shiva und Shakti bezeichnen im nichtdualistischen Verständnis keine zwei völlig voneinander unabhängigen letzten Wirklichkeiten. Shiva steht für den göttlichen Bewusstseinsgrund, Shakti für dessen lebendige Kraft. Tripurasundari ist die Göttin, in deren Verehrung diese Einheit gegenwärtig wird.
Der Vers 2.31 bezieht jeden Gegenstand und seine Kraft auf diesen Zusammenhang. Das gibt der Lehre eine umfassende Ausrichtung. Die Göttin wird in der Welt verehrt, ohne auf einen einzelnen Gegenstand begrenzt zu werden. Die Schönheit ihres Namens ist zugleich eine Schönheit der erfüllten Bewusstseinswirklichkeit.
Guru, Mantra und eigenes Selbst
Die Verse über Sampradaya und die geheime Bedeutung betonen die Verbindung von Unterweisung und eigener Erkenntnis. Der Guru übermittelt nicht nur ein Informationspaket; er vertritt innerhalb der Tradition einen Weg des Verstehens und Vollziehens. Das Mantra erschließt die Gottheit in Lautgestalt, die innere Erkenntnis bezieht diese Gestalt auf das Selbst.
Dies bedeutet im Verständnis der Schrift keine persönliche Überhöhung des begrenzten Ichs. Die Aussage „Diese ist mein eigenes Selbst“ zielt vielmehr auf die Erkenntnis einer umfassenderen Wirklichkeit. Die einzelnen Rollen und Formen erhalten ihren Sinn durch diesen Zusammenhang.
Kundalini, Prana und innere Lautstufen
Das Yogini Hridaya enthält einen ausdrücklichen Kundalinibezug. Im zweiten Kapitel erscheint Kundalini als Gestalt der Vidya; im dritten werden innerer Japa, Prana und verschiedene Laut- beziehungsweise Bewusstseinsstufen miteinander verbunden. Nada, Bindu und weitere technische Begriffe besitzen dabei besondere Funktionen.

Diese differenzierte Lehre ist nicht mit jeder heutigen allgemeinen Chakraübung identisch. Der Text verwendet außerdem „Chakra“ vielfach für das Shri Chakra und dessen Umfassungen. Beim Lesen ist daher jeweils zu prüfen, ob ein Körperzentrum, ein Diagrammbereich oder ein umfassender Kraftkreis gemeint ist.
Befreiung im Leben
Jivanmukti ist ein ausdrücklich genanntes Ziel. Erkenntnis soll das Leben durchdringen, statt erst nach dem Tod Bedeutung zu gewinnen. Das Ende der Unterweisung führt zur Einheit von Ahanta, Ichheit, und Idanta, Diesheit, also der als Gegenstand erscheinenden Welt.
Die Schrift verbindet diese Sicht mit religiösen Verheißungen von Siddhi und Vollendung. Sie enthält mehr als eine moderne Anleitung zur Entspannung. Eine heutige Erläuterung kann dennoch zeigen, wie Sammlung, Hingabe und die Erforschung des Bewusstseins an ihre Fragen anschließen.
Beziehung zu anderen Yoga- und Tantratexten
Yogini Hridaya und die Upanishaden
Das Selbst, die innere Erkenntnis und die Frage nach einer Wirklichkeit jenseits begrenzter Erfahrung verbinden das Yogini Hridaya thematisch mit den Upanishaden. Seine Lehre ist jedoch durch die Verehrung der Tripurasundari, durch Mantras und durch die Ordnung des Shri Chakra geprägt. Der Text ist keine Upanishad.
Als Vergleich bieten sich besonders Schriften mit Shakta- und Shri-Vidya-Bezug an, etwa die Tripura Upanishad, Tripuratapini Upanishad und Bhavana Upanishad. Ein Vergleich sollte Gemeinsamkeiten und Unterschiede im konkreten Wortlaut untersuchen. Aus der Ähnlichkeit einzelner Motive folgt noch keine gesicherte direkte Abhängigkeit.
Beziehung zur Paratrimsika und zur Wiedererkennungslehre
Die Paratrimsika verbindet ebenfalls Lautkräfte, Herz, göttliches Bewusstsein und Ritual. Sie behandelt jedoch eine andere konkrete Mantra- und Überlieferungsgestalt. Das Yogini Hridaya hat seinen ausgeprägten Mittelpunkt in Tripurasundari und Shri Chakra. Die beiden Texte sollten nicht miteinander verschmolzen werden.
Zur Pratyabhijnahridaya besteht eine thematische Nähe in der Erkenntnis des eigenen Bewusstseinsgrundes. Die Pratyabhijnahridaya fasst die Wiedererkennungslehre in zwanzig Sutras zusammen; das Yogini Hridaya entfaltet seine Lehre in einer umfangreicheren tantrischen Symbol- und Ritualsprache. Auch mit Shiva Sutra und Spandakarika sind gemeinsame Fragen nach Bewusstsein und Kraft vergleichbar.
Shri Vidya und heutige Yogapraxis
Das Yogini Hridaya kann das Verständnis von Mantra Yoga, Kundalini Yoga, Bhakti Yoga und Meditation vertiefen. Eine heutige Praxis sollte dabei klar unterscheiden, ob sie einen historischen Ritualzusammenhang nachvollzieht oder einzelne Gedanken in eine eigene, angeleitete Yogapraxis aufnimmt.
Die in diesem Artikel verwendeten Videos sind ergänzende Meditationen aus der Yoga-Vidya-Praxis. Sie sind keine vollständigen Unterweisungen in die spezifischen Shri-Vidya-Mantras oder in die Navavarana Puja des Yogini Hridaya.
Bedeutung für das spirituelle Leben heute
Das Yogini Hridaya regt dazu an, äußere Handlung und innere Aufmerksamkeit miteinander zu verbinden. Eine Puja gewinnt Tiefe, wenn ihre Gesten bewusst vollzogen werden. Ein Mantra wird zum Anlass, Klang und Bedeutung aufmerksam zu erforschen. Ein Yantra kann Sammlung unterstützen und zugleich die Frage nach Einheit und Vielfalt eröffnen.

Die nichtdualistische Betrachtung kann außerdem die Beziehung zur Welt verändern. Wenn jedes Erleben in einen umfassenderen Bewusstseinszusammenhang gestellt wird, erhalten Zuhören, hilfreiches Handeln und verantwortlicher Umgang mit anderen Menschen ein besonderes Gewicht. Diese heutige Anwendung ist eine Erläuterung des Artikels und kein zusätzliches Sanskritgebot.
Für das Studium eignet sich ein ruhiger Wechsel zwischen Lesen, Nachdenken und Meditation. Ein einzelner klar verstandener Vers ist oft hilfreicher als das rasche Durchgehen vieler unverstandener Fachausdrücke. Die vollständige tantrische Praxis setzt darüber hinaus die Kenntnis der jeweiligen Überlieferung voraus.
Lesefassung der ausgewählten Verse auf Devanagari
Diese Lesefassung wiederholt ausschließlich die 30 oben ausgewählten Verse mit ihrer ursprünglichen Kapitel- und Versnummer. Sie ist keine vollständige Wiedergabe des Yogini Hridaya. Nicht ausgewählte Verse werden nicht umnummeriert oder als bereits übersetzt dargestellt.
श्रीदेव्युवाच ।
देवदेव महादेव परिपूर्णप्रथामय ।
वामकेश्वरतन्त्रेऽस्मिन्नज्ञातार्थास्त्वनेकशः ॥ 1.1 ॥
तांस्तानर्थानशेषेण वक्तुमर्हसि भैरव ।
श्रीभैरव उवाच ।
शृणु देवि महागुह्यं योगिनीहृदयं परम् ॥ 1.2 ॥
त्वत्प्रीत्या कथयाम्यद्य गोपनीयं विशेषतः ।
कर्णात्कर्णोपदेशेन सम्प्राप्तमवनीतलम् ॥ 1.3 ॥
चक्रसङ्केतको मन्त्रपूजासङ्केतकौ तथा ।
त्रिविधस्त्रिपुरादेव्याः सङ्केतः परमेश्वरि ॥ 1.6 ॥
तच्छक्तिपञ्चकं सृष्ट्या लयेनाग्निचतुष्टयम् ।
पञ्चशक्तिचतुर्वह्निसंयोगाच्चक्रसम्भवः ॥ 1.8 ॥
एतच्चक्रावतारन्तु कथयामि तवानघे ।
यदा सा परमा शक्तिः स्वेच्छया विश्वरूपिणी ॥ 1.9 ॥
स्फुरत्तामात्मनः पश्येत्तदा चक्रस्य सम्भवः ।
शून्याकाराद्विसर्गान्ताद्बिन्दोः प्रस्पन्दसंविदः ॥ 1.10 ॥
प्रकाशपरमार्थत्वात्स्फुरत्तालहरीयुतात् ।
प्रसृतं विश्वलहरीस्थानं मातृत्रयात्मकम् ॥ 1.11 ॥
नवयोन्यात्मकं चक्रं चिदानन्दघनं महत् ।
चक्रं नवात्मकमिदं नवधा भिन्नमन्त्रकम् ॥ 1.13 ॥
दैशकालानवच्छिन्नं तदूर्ध्वे परमं महत् ।
निसर्गसुन्दरं तत्तु परानन्दविघूर्णितम् ॥ 1.35 ॥
स्वेच्छाविश्वमयोल्लेखखचितं विश्वरूपकम् ।
चैतन्यमात्मनो रूपं निसर्गानन्दसुन्दरम् ॥ 1.50 ॥
इच्छाशक्तिमयं पाशमङ्कुशं ज्ञानरूपिणम् ।
क्रियाशक्तिमये बाणधनुषी दधदुज्ज्वलम् ॥ 1.53 ॥
एवंरूपं परं तेजः श्रीचक्रवपुषा स्थितम् ।
तदीयशक्तिनिकरस्फुरदूर्मिसमावृतम् ॥ 1.55 ॥
आदिमं भूत्रयेण स्याद्द्वितीयं षोडशारकम् ।
अन्यदष्टदलं प्रोक्तं मनुकोणमनन्तरम् ॥ 1.80 ॥
पञ्चमं दशकोणं स्यात्षष्ठं चापि दशारकम् ।
सप्तमं वसुकोणं स्यान्मध्यत्र्यस्रमथाष्टमम् ॥ 1.81 ॥
नवमं त्र्यस्रमध्यं स्यात्तेषां नामान्यतः शृणु ।
त्रैलोक्यमोहनं चक्रं सर्वाशापरिपूरकम् ॥ 1.82 ॥
सर्वसंक्षोभणं गौरि सर्वसौभाग्यदायकम् ।
सर्वार्थसाधकं चक्रं सर्वरक्षाकरं परम् ॥ 1.83 ॥
सर्वरोगहरं देवि सर्वसिद्धिमयं तथा ।
सर्वानन्दमयं चापि नवमं शृणु सुन्दरि ॥ 1.84 ॥
अत्र पूज्या महादेवी महात्रिपुरसुन्दरी ।
परिपूर्णं महाचक्रमजरामरकारकम् ॥ 1.85 ॥
सम्प्रदायो महाबोधरूपो गुरुमुखे स्थितः ।
विश्वाकारप्रथायास्तु महत्त्वञ्च यदाश्रयम् ॥ 2.26 ॥
यस्य यस्य पदार्थस्य सा या शक्तिरुदीरिता ।
सा सा सर्वेश्वरी देवी स स सर्वो महेश्वरः ॥ 2.31 ॥
अष्टात्रिंशत्कलायुक्तपञ्चाशद्वर्णविग्रहा ।
विद्या कुण्डलिनीरूपा मण्डलत्रयभेदिनी ॥ 2.70 ॥
तडित्कोटिनिभप्रख्या बिसतन्तुनिभाकृतिः ।
व्योमेन्दुमण्डलासक्ता सुधास्रोतःस्वरूपिणी ॥ 2.71 ॥
सदा व्याप्तजगत्कृत्स्ना सदानन्दस्वरूपिणी ।
एषा स्वात्मेति बुद्धिस्तु रहस्यार्थो महेश्वरि ॥ 2.72 ॥
पूजासङ्केतमधुना कथयामि तवानघे ।
यस्य प्रबोधमात्रेण जीवन्मुक्तः प्रमोदते ॥ 3.1 ॥
तव नित्योदिता पूजा त्रिभिर्भेदैर्व्यवस्थिता ।
परा चाप्यपरा गौरि तृतीया च परापरा ॥ 3.2 ॥
प्रथमाद्वैतभावस्था सर्वप्रसरगोचरा ।
द्वितीया चक्रपूजा च सदा निष्पाद्यते मया ॥ 3.3 ॥
अत्रैव जपकाले तु पञ्चावस्थाः स्मरेद्बुधः ।
योगः प्राणात्ममनसां विषुवं प्राणसंज्ञितम् ॥ 3.183 ॥
अनामाङ्गुष्ठयोगेन तर्पयेच्चक्रदेवताः ।
मद्यं मांसं तथा मत्स्यं देव्यास्तु विनिवेदयेत् ॥ 3.192 ॥
अहन्तेदन्तयोरैक्यं भावयन्विहरेत्सुखम् ।
एतत्ते कथितं सर्वं सङ्केतत्रयमुत्तमम् ॥ 3.202 ॥
Lesefassung der ausgewählten Verse in IAST
Diese Lesefassung wiederholt ausschließlich die 30 oben ausgewählten Verse mit ihrer ursprünglichen Kapitel- und Versnummer. Sie ist keine vollständige Wiedergabe des Yogini Hridaya. Nicht ausgewählte Verse werden nicht umnummeriert oder als bereits übersetzt dargestellt.
śrīdevy uvāca |
devadeva mahādeva paripūrṇaprathāmaya |
vāmakeśvaratantre'sminnajñātārthāstvanekaśaḥ || 1.1 ||
tāṃstānarthānaśeṣeṇa vaktumarhasi bhairava |
śrībhairava uvāca |
śṛṇu devi mahāguhyaṃ yoginīhṛdayaṃ param || 1.2 ||
tvatprītyā kathayāmyadya gopanīyaṃ viśeṣataḥ |
karṇātkarṇopadeśena samprāptamavanītalam || 1.3 ||
cakrasaṅketako mantrapūjāsaṅketakau tathā |
trividhastripurādevyāḥ saṅketaḥ parameśvari || 1.6 ||
tacchaktipañcakaṃ sṛṣṭyā layenāgnicatuṣṭayam |
pañcaśakticaturvahnisaṃyogāccakrasambhavaḥ || 1.8 ||
etaccakrāvatārantu kathayāmi tavānaghe |
yadā sā paramā śaktiḥ svecchayā viśvarūpiṇī || 1.9 ||
sphurattāmātmanaḥ paśyettadā cakrasya sambhavaḥ |
śūnyākārādvisargāntādbindoḥ praspandasaṃvidaḥ || 1.10 ||
prakāśaparamārthatvātsphurattālaharīyutāt |
prasṛtaṃ viśvalaharīsthānaṃ mātṛtrayātmakam || 1.11 ||
navayonyātmakaṃ cakraṃ cidānandaghanaṃ mahat |
cakraṃ navātmakamidaṃ navadhā bhinnamantrakam || 1.13 ||
daiśakālānavacchinnaṃ tadūrdhve paramaṃ mahat |
nisargasundaraṃ tattu parānandavighūrṇitam || 1.35 ||
svecchāviśvamayollekhakhacitaṃ viśvarūpakam |
caitanyamātmano rūpaṃ nisargānandasundaram || 1.50 ||
icchāśaktimayaṃ pāśamaṅkuśaṃ jñānarūpiṇam |
kriyāśaktimaye bāṇadhanuṣī dadhadujjvalam || 1.53 ||
evaṃrūpaṃ paraṃ tejaḥ śrīcakravapuṣā sthitam |
tadīyaśaktinikarasphuradūrmisamāvṛtam || 1.55 ||
ādimaṃ bhūtrayeṇa syāddvitīyaṃ ṣoḍaśārakam |
anyadaṣṭadalaṃ proktaṃ manukoṇamanantaram || 1.80 ||
pañcamaṃ daśakoṇaṃ syātṣaṣṭhaṃ cāpi daśārakam |
saptamaṃ vasukoṇaṃ syānmadhyatryasramathāṣṭamam || 1.81 ||
navamaṃ tryasramadhyaṃ syātteṣāṃ nāmānyataḥ śṛṇu |
trailokyamohanaṃ cakraṃ sarvāśāparipūrakam || 1.82 ||
sarvasaṃkṣobhaṇaṃ gauri sarvasaubhāgyadāyakam |
sarvārthasādhakaṃ cakraṃ sarvarakṣākaraṃ param || 1.83 ||
sarvarogaharaṃ devi sarvasiddhimayaṃ tathā |
sarvānandamayaṃ cāpi navamaṃ śṛṇu sundari || 1.84 ||
atra pūjyā mahādevī mahātripurasundarī |
paripūrṇaṃ mahācakramajarāmarakārakam || 1.85 ||
sampradāyo mahābodharūpo gurumukhe sthitaḥ |
viśvākāraprathāyāstu mahattvañca yadāśrayam || 2.26 ||
yasya yasya padārthasya sā yā śaktirudīritā |
sā sā sarveśvarī devī sa sa sarvo maheśvaraḥ || 2.31 ||
aṣṭātriṃśatkalāyuktapañcāśadvarṇavigrahā |
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī || 2.70 ||
taḍitkoṭinibhaprakhyā bisatantunibhākṛtiḥ |
vyomendumaṇḍalāsaktā sudhāsrotaḥsvarūpiṇī || 2.71 ||
sadā vyāptajagatkṛtsnā sadānandasvarūpiṇī |
eṣā svātmeti buddhistu rahasyārtho maheśvari || 2.72 ||
pūjāsaṅketamadhunā kathayāmi tavānaghe |
yasya prabodhamātreṇa jīvanmuktaḥ pramodate || 3.1 ||
tava nityoditā pūjā tribhirbhedairvyavasthitā |
parā cāpyaparā gauri tṛtīyā ca parāparā || 3.2 ||
prathamādvaitabhāvasthā sarvaprasaragocarā |
dvitīyā cakrapūjā ca sadā niṣpādyate mayā || 3.3 ||
atraiva japakāle tu pañcāvasthāḥ smaredbudhaḥ |
yogaḥ prāṇātmamanasāṃ viṣuvaṃ prāṇasaṃjñitam || 3.183 ||
anāmāṅguṣṭhayogena tarpayeccakradevatāḥ |
madyaṃ māṃsaṃ tathā matsyaṃ devyāstu vinivedayet || 3.192 ||
ahantedantayoraikyaṃ bhāvayanviharetsukham |
etatte kathitaṃ sarvaṃ saṅketatrayamuttamam || 3.202 ||
Deutsche Lesefassung der ausgewählten Verse
Diese Lesefassung wiederholt ausschließlich die 30 oben ausgewählten Verse mit ihrer ursprünglichen Kapitel- und Versnummer. Sie ist keine vollständige Wiedergabe des Yogini Hridaya. Nicht ausgewählte Verse werden nicht umnummeriert oder als bereits übersetzt dargestellt.
1.1. O Gott der Götter, großer Gott, dessen Wesen die vollkommene Offenbarung ist: In diesem Vamakeshvara-Tantra gibt es viele noch unverstandene Bedeutungen.
1.2. Jene Bedeutungen mögest du vollständig erklären, o Bhairava. [Bhairava spricht:] Höre, o Göttin, das große Geheimnis, das höchste Herz der Yogini.
1.3. Aus Liebe zu dir erkläre ich heute das besonders geheim zu Haltende, das durch Unterweisung von Ohr zu Ohr auf die Erde gelangt ist.
1.6. Der Schlüssel zum Chakra sowie die Schlüssel zu Mantra und Verehrung: Dreifach ist die verborgene Unterweisung der Göttin Tripura, o höchste Herrin.
1.8. Die Fünfheit der Shaktis [steht] zur Hervorbringung, die Vierheit der Feuer zur Auflösung. Aus der Verbindung der fünf Shaktis mit den vier Feuern entsteht das Chakra.
1.9. Die Offenbarung dieses Chakra erkläre ich dir nun, o Makellose. Wenn jene höchste Kraft aus ihrem eigenen Willen die Gestalt der Welt annimmt …
1.10. … ihr eigenes lebendiges Aufleuchten schaut, dann entsteht das Chakra: aus dem Bindu, der die Gestalt des Leeren trägt, bis zum Visarga reicht und lebendig pulsierendes Bewusstsein ist …
1.11. … dessen höchste Wirklichkeit Licht ist und der mit der Welle lebendigen Aufleuchtens verbunden ist, entfaltet sich [das Chakra] als Ort der Weltwellen, aus einer Dreiheit des Erkennenden bestehend.
1.13. Das große Chakra besteht aus neun Yonis und ist eine dichte Fülle von Bewusstsein und Wonne. Dieses neunfältige Chakra besitzt einen neunfach gegliederten Mantrazusammenhang.
1.35. Darüber [liegt] das höchste Große, nicht durch Raum und Zeit begrenzt, von Natur aus schön und von höchster Wonne bewegt.
1.50. Bewusstsein ist die eigene Natur: weltgestaltig, durchzogen von der aus eigenem Willen hervortretenden Darstellung der Welt, schön durch natürliche Wonne.
1.53. [Das göttliche Licht erscheint] strahlend und trägt die Schlinge aus Willenskraft, den Haken in Gestalt des Erkennens sowie Pfeile und Bogen aus Handlungskraft.
1.55. Das höchste Licht von solcher Gestalt besteht als Leib des Shri Chakra, umgeben von den aufleuchtenden Wellen seiner Schar von Kräften.
1.80. Der erste [Bereich] besteht aus den drei Erdumfassungen, der zweite ist sechzehnteilig. Der nächste wird achtblättrig genannt; darauf folgt der vierzehnwinklige.
1.81. Der fünfte [Bereich] ist zehnwinklig, und auch der sechste ist zehnteilig. Der siebte ist achtwinklig; der achte ist dann das mittlere Dreieck.
1.82. Der neunte [Bereich] liegt in der Mitte des Dreiecks. Höre nun ihre Namen: das Chakra, das die drei Welten bezaubert, und das alle Hoffnungen Erfüllende …
1.83. … das alles Erschütternde, o Gauri, das alles Glück Gewährende, das Chakra, das alle Ziele verwirklicht, und das höchste, das umfassenden Schutz schafft …
1.84. … das alle Krankheiten Wegnehmende, o Göttin, ebenso das aus aller Vollendung Bestehende; und als neuntes höre das aus aller Wonne Bestehende, o Schöne.
1.85. Hier ist die große Göttin Mahatripurasundari zu verehren. Das vollkommene große Chakra führt [der Lehre zufolge] zu Freiheit von Altern und Sterben.
2.26. Die Überlieferung, deren Wesen großes Erwachen ist, besteht im Mund des Gurus; auf ihr beruht die Größe des Hervortretens in Weltgestalt.
2.31. Welche Kraft auch immer einem jeweiligen Gegenstand zugesprochen wird: Eben diese ist die Göttin, Herrin von allem, und jener [Gegenstand] ist jeweils der große Herr.
2.70. Die Vidya hat die Gestalt der fünfzig Laute, verbunden mit achtunddreißig Kalas; sie ist Kundalini und durchdringt die drei Mandalas.
2.71. Sie leuchtet wie Millionen Blitze und ist von einer Gestalt so fein wie eine Lotusfaser; mit dem Mondkreis im Raum verbunden, ist ihr Wesen ein Strom von Nektar.
2.72. Sie durchdringt stets die ganze Welt und ist ihrem Wesen nach beständige Wonne. Die Erkenntnis „Diese ist mein eigenes Selbst“ ist die geheime Bedeutung, o große Herrin.
3.1. Nun erkläre ich dir die geheime Bedeutung der Verehrung, o Makellose. Durch deren bloßes Erwachen [im Verstehen] erfreut man sich als zu Lebzeiten Befreiter.
3.2. Deine stets gegenwärtige Verehrung ist in drei Formen gegliedert: die höchste, die nicht-höchste, o Gauri, und als dritte die höchste und nicht-höchste verbindende.
3.3. Die erste ruht in der nichtdualistischen Haltung und umfasst die gesamte Entfaltung. Die zweite ist die Chakraverehrung, und sie wird von mir stets vollzogen.
3.183. Gerade während des Japa soll der Verständige die fünf Zustände vergegenwärtigen. Die Verbindung von Prana, Selbst und Geist heißt das als Prana bezeichnete Vishuva.
3.192. Mit der Verbindung von Ringfinger und Daumen soll man die Gottheiten des Chakra sättigen; Wein, Fleisch und Fisch soll man der Göttin darbringen.
3.202. Die Einheit von Ichheit und Diesheit vergegenwärtigend, soll man glücklich leben. Damit ist dir diese ganze höchste dreifache Unterweisung erklärt.
Fünf Empfehlungen aus dem Yogini Hridaya
Die folgenden Anregungen übertragen Themen der Schrift in eine heutige spirituelle Praxis. Sie sind eigenständige Erläuterungen und keine zusätzlichen Verse des Grundtextes.
1. Verbinde Verehrung mit Verstehen.
Wenn du eine Puja ausführst oder ein Bild der Göttin betrachtest, nimm dir Zeit für die Bedeutung der Handlung. Was drückst du durch eine Blume, ein Licht oder eine Verneigung aus? Der Gedanke des Sanketa lädt dazu ein, äußere Gestalt und innere Aufmerksamkeit zusammenzubringen.
2. Betrachte das Shri Chakra aufmerksam.
Orientiere dich zunächst an seinen klar erkennbaren Bereichen: äußere Umfassung, Lotusblätter, Dreieckskreise, zentrales Dreieck und Bindu. Lass den Blick ruhig werden. Die Bewegung zur Mitte kann die Sammlung unterstützen; das erneute Wahrnehmen der Gesamtgestalt erinnert an die Verbindung von Einheit und Vielfalt.
3. Vertiefe deine vertraute Mantrapraxis.
Wiederhole ein Mantra, mit dem du bereits vertraut bist, aufmerksam und ohne Eile. Verbinde Klang und Bedeutung. Das Yogini Hridaya zeigt, dass Japa in einen umfassenderen Zusammenhang von Bewusstsein und Verehrung gestellt werden kann. Spezifische Shri-Vidya-Anwendungen erschließen sich innerhalb ihrer jeweiligen Unterweisung.
4. Erforsche die bewusste Gegenwart.
Nimm nach der Meditation wahr, wie Körperempfindungen, Gedanken und äußere Eindrücke bewusst erscheinen. Vers 1.50 und die Aussage aus 2.72 können als Gegenstand ruhiger Betrachtung dienen. Das Ziel ist nicht, sich einen hohen Zustand einzureden, sondern das eigene Erleben genauer zu erforschen.
5. Lass die Betrachtung in den Alltag hineinwirken.
Die Einheit von Ichheit und Diesheit in Vers 3.202 kann dazu anregen, Menschen und Aufgaben mit mehr Gegenwart zu begegnen. Verbinde Svadhyaya mit Seva, Mitgefühl und aufrichtigem Zuhören. So bleibt das Studium des Yogini Hridaya mit dem Leben verbunden.
Literatur
- Yoginīhṛdaya. Anonymer Sanskritgrundtext der Shri-Vidya-Tradition, in drei Kapiteln überliefert.
- Amritanandanatha: Dipika. Sanskritkommentar zum Yogini Hridaya.
- Bhaskararaya: Setubandha. Sanskritkommentar zum Yogini Hridaya.
- Gopinath Kaviraj (Hrsg.): Yoginīhṛdaya mit Kommentierung. Sarasvati Bhavana Granthamala, Band 7. Erste Veröffentlichung in Teilen 1923–1924; erweiterte zweite Ausgabe 1963.
- Vraj Vallabha Dwivedi (Hrsg. und Erläuterer): Yoginīhṛdayam mit Amritanandas Dipika und Hindi-Erläuterungen. Digitalisat im Internet Archive; für genaue Ausgabenangaben ist das Titelblatt des verwendeten Exemplars heranzuziehen.
- André Padoux: Le cœur de la yoginī: Yoginīhṛdaya, avec le commentaire Dīpikā d’Amṛtānanda. Französische Übersetzung mit Anmerkungen, 1994.
- André Padoux mit Roger-Orphé Jeanty: The Heart of the Yogini: The Yoginihrdaya, a Sanskrit Tantric Treatise. Oxford University Press, 2013.
Siehe auch
- Shri Vidya, Shri Chakra und Shri Yantra
- Tripurasundari, Mahatripurasundari, Lalita und Shakti
- Vamakeshvara Tantra, Nityasodasikarnava und Paratrimsika
- Tripura Upanishad, Tripuratapini Upanishad und Bhavana Upanishad
- Pratyabhijnahridaya, Shiva Sutra und Spandakarika
- Amritananda, Bhaskararaya und Gopinath Kaviraj
- Bindu, Nada, Matrika, Kundalini und Prana
- Puja, Nyasa, Japa, Bhavana und Jivanmukti
Weblinks
- Yogini Hridaya: elektronische Sanskritfassung bei Sanskrit Documents
- Yogini Hridaya mit Dipika, Ausgabe Vraj Vallabha Dwivedi
- Yogini Hridaya, zweite Ausgabe von Gopinath Kaviraj
- BnF: Titelvarianten und bibliografische Einordnung
- Institut Français de Pondichéry: Handschriftenbeschreibung
- The Heart of the Yogini – englische Übersetzung von Padoux und Jeanty
- Yoga – Grundlagen und Praxis
- Meditation – Einführung und Anleitungen
Quellen und Anmerkungen
- ↑ 1,0 1,1 André Padoux mit Roger-Orphé Jeanty: The Heart of the Yogini: The Yoginihrdaya, a Sanskrit Tantric Treatise. Oxford University Press, 2013. Verlagsbeschreibung und bibliografische Angaben. Die Ausgabe charakterisiert den Text als tantrischen Weg zur Befreiung im Leben und datiert ihn ungefähr ins 10. oder 11. Jahrhundert.
- ↑ Hindu Online: Yogini Hridaya als Beispiel der getrennten Schreibung; BnF: Tantra. Yoginīhṛdayatantra mit zusammengeschriebenen Titelvarianten und Alternativnamen.
- ↑ 3,0 3,1 Yoginīhṛdayam bei Sanskrit Documents. Gemeinfreier Sanskritgrundtext, elektronische Erfassung durch Michael Magee; mit zahlreichen erkennbaren Übertragungsfehlern. Für die hier gebotene Auswahl verwendet, nicht als ungeprüfte druckfertige Gesamtausgabe.
- ↑ Yogini Hridaya, Ausgabe Vraj Vallabha Dwivedi, mit Amritanandas Dipika und Hindi-Erläuterungen. Verglichen wurden ausgewählte Sanskritpassagen der verfügbaren OCR-Wiedergabe. Auch deren Erkennungsfehler erfordern den weiteren Vergleich mit dem Druckbild.
- ↑ 5,0 5,1 Bibliothèque nationale de France: Tantra. Yoginīhṛdayatantra. Angaben zu Titelvarianten, drei Kapiteln, einem Umfang von 376 Strophen, Datierungsansätzen und zur Kommentierung durch Amritanandanatha.
- ↑ Institut Français de Pondichéry: Yoginīhṛdaya (Nityāṣoḍaśikārṇava, Vāmakeśvaratantra). Handschriftenbeschreibung eines Sanskrittexts in Grantha-Schrift mit drei Kapiteln zu Chakra-, Mantra- und Puja-Sanketa.
- ↑ Vraj Vallabha Dwivedi: Vorwort der Ausgabe des Yogini Hridaya, mit Angaben zu den Ausgaben von 1923/1924 und 1963 sowie zur Handschriftengrundlage. Für die englische Ausgabe siehe den Literaturteil.
- ↑ Amritananda: Dipika zu Yogini Hridaya 1.6, Sanskritkommentar in der Ausgabe Vraj Vallabha Dwivedi. Gemeinfreier Kommentar; hier eigenständig zusammengefasst.
Seminare
Das Studium des Yogini Hridaya kann durch gemeinsame Meditation, Schriftstudium und eine Einführung in yogische Energiearbeit vertieft werden. Die folgenden Interessengebiete bieten thematisch verwandte Seminare. Nicht jedes dieser Angebote behandelt das Yogini Hridaya selbst oder seine spezifische Shri-Vidya-Praxis.
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Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…- Vani Devi Beldzik
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Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Viveka Wilde, Chandrashekara Witt
- 11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung
Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…- Beate Menkarski