Dhumavati

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Dhumavati

Dhumavati (Sanskrit: धूमावती Dhūmāvatī  f.) ist eine tantrische] Göttin, eine der zehn Mahavidyas. Dhuma = Rauch, Dampf, auch Räucherwerk, Räucherstäbchen; Vati= Ort, Sitz; Dhumavati kann man übersetzen: Die Rauchende bzw. Sitz von Räucherwerk. Dhumavati ist die Göttin der Witwen, der sozial Ausgestoßenen, der Außenseiter. Dhumavati gilt als Avatar, als Inkarnation von Durga bzw. Parvati, der Gemahlin von Shiva.


Dhumavati als siebte der Mahavidyas

Dhumavati ist eine der zehn Mahavidyas, der Weisheitsgöttinnen aus dem Tantra. Dhumavati ist die siebte der Mahavidyas. Sie verkörpert den furchteinflößenden Aspekt des weiblich-Göttlichen. Die Mahavidyas werden im Vaishnavismus mit den 10 Avataren von Vishnu in Verbindung gebracht. Dhumavati gilt hier als Shakti, als Kraft hinter Matsya Avatar bzw. Matsyavatar, also der Fisch-Inkarnation von Vishnu. Da erschient Dhumavati als Göttliche Mutter zur Zeit der Sintfult und ist daher die Retterin aus aller Not. Dhumavati wird dem Südosten zugeordnet.

Dhumavati Yantra

Dhumavati Yantra

Dieses Yantra wird verwendet für allumfassenden Erfolg und spirituelle Erhebung. Das Upasana der Dhumavai Devi wird während der Nacht durchgeführt. Der Ort für Upasana ist eine Nekropolis, wo Sadhakas eine Puja mit nacktem Körper durchführen müssen, ausgenommen Unterwäsche, oder es muss ein einsamer Ort sein. Dhmavati Devi ist nicht in breiten Kreisen populär. Sie hat einen plumpen Körper mit entsetzlichen Augen und schmutzigen Kleidern, außerdem krauses Haar. Sie wird aufgrund ihres hohen Alters und ihrer gekrümmten Wirbelsäule an einer festen Säule platziert. Das Yantra wird verwendet für allumfassenden Erfolg und spirituelle Erhebung und wird mit Ashat Gand auf Booj Patra oder auf eine Silber- oder Goldtafel geschrieben.

Dhumavati als die Göttin der in Not Geratenen

Dhumavati ist die Göttin der in Not Geratenen. Dhumavati ist die einzige der Mahavidyas ohne Gemahl. Sie ist daher die Göttin der Witwen. Sie ist die ewig Durst und Hunger Leidende. Sie ist nicht diejenige, welche den Leidenden Wohlstand schenkt. Vielmehr wird sie selbst als Hunger leidend dargestellt. Dhumavati steht daher für das Annehmen des eigenen Leidens. Dhumavati steht dafür, dass Not und Elend auch göttlich sind: Wenn man sein Leiden, seine schwierige Situation als etwas Wertvolles annimmt, kann es transformiert werden. In diesem Sinn gibt Dhumavati jedem, der ins Leid geraten ist und keinen Weg sieht, es in naher Zukunft zu beseitigen, Trost. Dhumavati hat hier Ähnlichkeit mit Shani, dem Saturn.

Dhumavati als Göttin der Not

Dhumavati Mahavidya kniend

Dhumavati steht besonders in enger Verbindung zu Entbehrung, Unglück, Armut, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Unreinheit, Demütigung, Niederlage, Verlust, Enttäuschung, Frustration, Elend, Krankheit und Leid. Dhumavati lehrt den Menschen Demut, Bescheidenheit. Dhumavati steht für die Überlegenheit der Macht der Natur gegenüber allen anderen Kräften und auch für die (physische) Unüberwindbarkeit des Todes. Dhumavati verfügt über ein erhebliches Ugra- (gewalttätiges) Potential. In mittelalterlichen Quellen des Tantra wird Dhumavati in Verbindung gebracht mit der Vernichtung, Beherrschung, Schädigung, Bannung, Lähmung und Unschädlichmachung von Feinden verbunden (Ucchatana). Oft wird Dhumavati als gefahrvoll, bedrohlich, kriegerisch, zerstörerisch, unheilvoll und angsteinflößend beschrieben. Ihre Siddhi, ihre besondere Kraft, ist der Tod. Dhumavati personifiziert die Zerstörung der Welt durch Feuer, wenn nur noch der Rauch der Asche übrig bleibt. Dhumavati hält den Menschen demütig. Indem man sich bewusst macht, dass alles, was wir haben, uns jederzeit genommen ewrden kann, bleiben wir demütig - und wenden uns an Gott, Göttin, Brahman, das Höchste Selbst in uns.

Geschichten und Mythen um Dhumavati

Zum Ursprung von Dhumavati als siebte der Mahavidyas siehe unter dem Stichwort Mahavidyas. Es gibt jedoch einige Mythen um Dhumavati, die eigenständig sind:

Dhumavati als Rauch von Sati: Sati, die Gemahlin von Shiva, wollte an einem großartigen Yajna, einem heiligen Feuerritual ihres Vaters Daksha, teilnehmen. Da sie nicht eingeladen war, weigerte sich Shiva, Sati zu begleiten. Sati ging trotzdem. Sie wurde von ihrem Vater Daksha ignoriert. Voller Zorn schuf Sati ein Feuer und verbrannte sich selbst in dem Feuer. Aus dem Rauch von Sati entstand dann Dhumavati.

Dhumavati als Rauch des Zorns: Sati war eines Tages sehr hungrig und bat Shiva um Nahrung. Shiva war jedoch gerade in der Meditation und ignorierte Sati. Da ärgerte sich Sati, aus ihrem Körper stieg Rauch empor. Aus diesem Rauch entstand Dhumavati, die Göttin der in Not geratenen.

Dhumavati Mahavidya in traditioneller Darstellung zusammen mit ihrem Yantra

Darstellung Symbolik von Dhumavati

Dhumavati wird meist dargestellt als schlichte, blasse, kranke, verhärmte, schmucklose, ausgemergelte, manchmal auch verwahrloste, manchmal auch hässliche alte Frau, bzw. Witwe, oft mit Hängebusen und zitternden Händen. Ihre Nase ist groß, lang und krumm, die Ohren lang. Das Gesicht von Dhumavati ist voller Falten, ihre Haare grau, zerzaust. Dhumavati ist zahnlos oder hat Zahnlücken. Dhumavati ist manchmal sogar halb blind. Sie trägt ein weißes abgenutztes Gewand - das sie einer Leiche abgenommen hat. Trotz dieser traurigen Gestalt hat Dhumavati oft die Hand gehoben in Abhaya Mudra und sagt damit: Fürchte dich nicht. Ähnlich wie Jesus am Kreuz gelitten hat und damit allen Aspiranten Trost schenkt, so leidet die Göttin in Gestalt aller in Not Geratenen.

Siehe Gott, die Göttin in allen, die leiden

Jesus hat gesagt: Was du getan hast dem geringsten unter deinen Schwestern, das hast du mir getan. Ähnlich ist die Botschaft von Dhumavati: Gerade die Armen, die Schwachen, die Kranken und die Alten sind besondere Manifestationen der Göttin. Wann immer du jemanden siehst, dem es nicht so gut geht, stelle dir vor, dass in ihm/in ihr Dhumavati, die göttliche Mutter ist. Diene den Armen, den Kranken, den Schwachen, den Verletzten, den Trost Suchenden - das ist der beste Gottesdienst. So findet man es im Christentum der Nächstenliebe und auch im Tantra in der Symbolik von Dhumavati.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • David Kinsley: Hindu Goddesses. University of California Press 1986
  • Satpathy, Sarbeswar: Dasa Mahavidya & Tantra sastra 2. Aufl., Calcutta; Punthi Pustak 1992
  • David Kinsley: Tantric Visions of the Divine Feminine. The Ten Mahavidyas. University of California Press 1997

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