Kandar Alankaram
Kandar Alankaram (Tamil: கந்தர் அலங்காரம்; wissenschaftlich Kantar Alaṅkāram) ist ein tamilischer Hymnenzyklus des Dichterheiligen Arunagirinathar zu Ehren von Murugan, auch Skanda, Kartikeya und Subrahmanya genannt. Der Titel bedeutet sinngemäß „Schmuck für Kanda“: Arunagirinathar bringt Murugan eine Girlande aus Worten dar. Seine Lieder führen von menschlicher Unruhe zu tiefem Vertrauen. Sie besingen göttliche Gnade, die Sehnsucht nach Befreiung und eine Liebe, die im stillen Gebet ebenso lebendig wird wie im Teilen mit Bedürftigen.

Kandar Alankaram umfasst einen einleitenden Schutzvers, 100 Hauptverse und sieben Schlussverse über die Frucht der Rezitation – insgesamt 108 Verseinheiten.[1] Die Dichtung verbindet Bhakti, die liebende Hinwendung zu Gott, mit Jnana, der befreienden Erkenntnis. Murugans Speer durchdringt in ihren Bildern nicht nur mythische Berge: Er lässt sich auch als Sinnbild einer Klarheit verstehen, die die Bindung an Angst und Unwissenheit löst.
Die Fragen nach Bindung, Gnade und Erkenntnis verbinden Kandar Alankaram mit weiteren tamilischen Schriften wie Unmai Neri Vilakkam. Hier erhalten sie die Stimme eines betenden Menschen: Arunagirinathar klagt, staunt, bittet und jubelt. Er spricht von seinen Schwächen mit derselben Offenheit wie von seiner Freude. Gerade dadurch können seine Verse zu Weggefährten werden: Sie ermutigen zur aufrichtigen Selbstprüfung, zur Sammlung und zur tätigen Liebe.
Für den Einstieg eignen sich Vers 16 über Sammlung und Gnade, Vers 18 über das Teilen und Vers 99 mit dem Bild der haltlosen Ranke. Die vollständige Versfolge bietet jeweils Tamil, Transliteration, deutsche Übersetzung und eine kurze Erläuterung.
Kandar Alankaram: Autor, Titel und Überlieferung
| Merkmal | Erläuterung |
|---|---|
| Tamilischer Titel | கந்தர் அலங்காரம் |
| Umschrift | Kantar Alaṅkāram; gebräuchlich Kandar Alankaram, Kandhar Alankaram, Kandar Alangaram und Kandar Alangkaram |
| Verfasser | Arunagirinathar, mittelalterlicher tamilischer Dichterheiliger |
| Sprache | Tamil |
| Umfang | Ein Schutzvers (Kāppu), 100 Hauptverse und sieben Schlussverse (Nūṟpayaṉ) |
| Religiöser Zusammenhang | Tamilische Murugan-Verehrung; Kaumaram und Shivaismus |
| Leitgedanken | Bhakti, Gnade, Guru, Jnana, Freigebigkeit und Befreiung |
Arunagirinathar und seine Dichtung
Arunagirinathar gehört zu den prägenden Stimmen der tamilischen Murugan-Verehrung. Er wird gewöhnlich dem späten Mittelalter, häufig dem 14./15. Jahrhundert, zugeordnet. Seine Lebensüberlieferung ist eng mit Tiruvannamalai verbunden; genaue biografische Daten sind vorsichtig zu behandeln. Die im Werk sprechende Ich-Stimme darf zudem nicht in jeder Einzelheit als historischer Lebensbericht gelesen werden.[2]
Neben Tiruppugazh werden ihm unter anderem Kandar Anubhuti, Kandar Antati, Vel Viruttam, Mayil Viruttam und Seval Viruttam zugeschrieben. Kandar Alankaram ist ein eigenständiges Werk und darf weder mit Kandar Anubhuti noch mit Kanda Sashti Kavacham gleichgesetzt werden.
Ein Schmuck aus Worten
Alaṅkāram bedeutet Schmuck oder Ausschmückung. Im Titel geht es um mehr als äußere Zierde: Die Dichtung selbst schmückt den Geliebten durch Lob. Zugleich lässt sie seine Schönheit im Bewusstsein der Singenden lebendig werden. Das tamilische Versmaß der Hauptdichtung wird als Kaṭṭaḷaik Kalittuṟai bezeichnet.[3] Klang, verdichtete Wortverbindungen und mythologische Anspielungen tragen wesentlich zu ihrer Wirkung bei.
Gehört Kandar Alankaram zum Shaiva Siddhanta?
Kandar Alankaram steht in einer tamilisch-shivaitischen Glaubenswelt und berührt Themen, die auch im Shaiva Siddhanta wichtig sind: die Bindung der Seele, die Führung durch den Guru und die befreiende Gnade. Es ist jedoch keine der vierzehn Meykanda-Lehrschriften. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Hinwendung zu Murugan in Gebet und Lobgesang. Die innigen Aussagen über Einheit und Selbstvergessenheit entfalten sich innerhalb dieser Gottesbeziehung. Für einen Vergleich eignen sich Unmai Neri Vilakkam, Sivajnana Bodham und Sivaprakasam; ihre systematische Lehre und die poetische Erfahrungssprache dieses Werkes bleiben unterscheidbar.
Murugan, seine Zeichen und die Bildsprache
Murugan erscheint mit sechs Gesichtern und zwölf Armen oder Schultern, als jugendlicher Held und als Lehrer höchster Weisheit. Seine Schönheit und seine Macht gehören zusammen: Der Gott, der den Dämon überwindet, neigt sich zugleich dem bittenden Herzen zu. Die wiederkehrenden Namen Kanda, Kumara, Guha und Shanmukha bezeichnen im Gedicht denselben göttlichen Herrn; Shanmukha bedeutet „der Sechsgesichtige“.
| Name oder Bild | Bedeutung im Werk |
|---|---|
| Vel | Murugans Speer; Waffe des göttlichen Sieges und in der spirituellen Deutung Bild durchdringender Erkenntnis. |
| Pfau und Hahnenfahne | Reittier und Zeichen Murugans. Die Gedichte preisen auch ihre überwältigende, kosmische Kraft. |
| Valli | Die geliebte Jägertochter. Die Bilder von Bergland, Hirsefeld und Liebeswerbung verbinden göttliche Gegenwart mit der tamilischen Landschaft. |
| Shiva, Parvati und Ganesha | Göttliche Eltern und Bruder Murugans. Shiva wird häufig durch seine Attribute bezeichnet: Mondsichel, Schlange, verfilztes Haar und Ganga. |
| Vishnu | Murugan wird wiederholt sein Neffe genannt. Anspielungen auf Rama, Krishna und Varaha gehören zu diesem mythologischen Beziehungsnetz. |
| Sura und Krauncha | Der Dämon Sura beziehungsweise Surapadman und der durchbohrte Berg bilden wiederkehrende Bilder des Sieges. |
| Yama | Der Todesgott. Die mutige Anrede an ihn drückt Vertrauen auf die göttliche Zuflucht aus. |
Lotusfüße, Blüten und göttliche Nähe
Die häufig genannten Lotusfüße stehen für die gesuchte Zuflucht. Sich vor ihnen zu verneigen, sie im Herzen zu bewahren oder auf dem Haupt zu tragen sind Bilder ehrfürchtiger Nähe. Die Blütengirlanden und Fußglöckchen lassen den verehrten Gott anschaulich werden. Wenn Arunagirinathar Murugans Füße zugleich als Erkenntnis bezeichnet, verbindet sich die sichtbare Gestalt mit ihrer inneren Bedeutung.
Die heiligen Orte
Senthil und Senthur bezeichnen Tiruchendur am Meer; Sengodu verweist auf Tiruchengode. Weitere wichtige Namen sind Tiruttani, Palani und Arunai, also Tiruvannamalai. Die Küste, die Felder, die Berge und die blühenden Haine sind keine bloße Kulisse. Sie lassen die Gegenwart Murugans sinnlich erfahrbar werden.
Wie die kräftigen Bilder gelesen werden können
Kandar Alankaram spricht in der Sprache seiner Zeit. Schlachten, vernichtete Dämonen, Vergänglichkeit des Körpers und eindringliche Warnungen vor sinnlicher Verstrickung stehen neben zarten Liebesbildern. Manche Passagen geben ausdrücklich die Perspektive eines männlichen Asketen wieder. Dabei wird weibliche Schönheit wiederholt zum Bild einer Versuchung, während Valli zugleich als göttliche Geliebte verehrt wird. Diese Spannung gehört zur historischen Bildsprache. Die Erläuterungen machen ihren Zusammenhang kenntlich; für die heutige Betrachtung steht die Frage im Vordergrund, wie ein Mensch mit seinem eigenen Begehren umgeht.
Hinweise zu Text, Transliteration und Übersetzung
Textgrundlage und Zählung
Der tamilische Text der Verse 1–107 folgt der frei zugänglichen Gesamtausgabe bei Kaumaram; der vorangestellte Schutzvers folgt Project Madurai.[4][5] Damit sind alle 108 Einheiten enthalten. Ausgaben, die den Schutzvers als Nummer 1 zählen, kommen zu einer entsprechend verschobenen Nummerierung bis 108. Hier bleiben die hundert Hauptverse als 1–100 erkennbar.
Zur Umschrift
Die römische Transliteration folgt der tamilischen Schrift, nicht einer vereinfachten deutschen Lautschrift. Lange Vokale erscheinen als ā, ī, ū, ē, ō wiedergegeben; ṭ, ṇ, ḷ, ḻ, ṟ und ṉ unterscheiden tamilische Konsonanten. Die Buchstaben k, c, t und p können in gesprochener oder gesungener Sprache je nach Umgebung anders klingen. Die verdichtete Worttrennung des Ausgangstextes bleibt weitgehend erhalten. Die ältere Schreibung von Krauñca wird in der Umschrift als kirauñca aufgelöst. Diese Umschrift ist eine Lesehilfe und keine musikalische Rezitationsanweisung.
Zur deutschen Fassung
Die deutschen Übersetzungen und kurzen Erläuterungen sind eigene Übertragungen und Deutungen für diesen Artikel. Die fett gesetzten Versüberschriften wurden ebenfalls redaktionell ergänzt; sie gehören nicht zum tamilischen Grundtext. Die Übersetzung orientiert sich am Tamilischen und löst stark verdichtete Satzverbindungen zugunsten der Verständlichkeit auf. Die vier deutschen Zeilen entsprechen deshalb nicht immer genau den vier tamilischen Zeilen. Mythologische Namen und Bilder werden möglichst bewahrt; die kurzen Erläuterungen unterscheiden ihren unmittelbaren Bezug von einer weiterführenden spirituellen Deutung.
Bei schwierigen Wortverbindungen wurden ausgewählte Einzelerläuterungen von Kaumaram zum Vergleich herangezogen; die betreffenden Deutungsentscheidungen werden im Kommentar kenntlich gemacht.[6] Die Fassung ist eine erläuterte Leseübersetzung, keine historisch-kritische Edition mit vollständigem Variantenapparat.
Kandar Alankaram: Tamil, Transliteration und deutsche Übersetzung
Schutzvers und Hauptverse 1–20
Schutzvers (Kāppu) – Am Tempeltor von Arunai
வட வருகிற் சென்று கண்டுகொண்டேன்வருவார் தலையில்
தடபடெனப்படு குட்டுடன் சர்க்கரை மொக்கியகைக்
vaṭa varukiṟ ceṉṟu kaṇṭukoṇṭēṉvaruvār talaiyil
taṭapaṭeṉappaṭu kuṭṭuṭaṉ carkkarai mokkiyakaik
Am heiligen Tempelturm des mächtigen Arunai, nördlich von jenem Eingang,
ging ich hin und erblickte den jungen Elefanten:
den jüngeren Bruder des mächtigen, rundschläfigen Elefanten,
dessen Hand Zucker trägt und vor dem die Kommenden sich klopfend an den Kopf fassen.
Das Elefantenbild verbindet Ganesha und seinen jüngeren Bruder Murugan. Das Klopfen an den Kopf gehört zur hier angedeuteten Verehrung Ganeshas. Die dicht verschränkte Satzfügung des Schutzverses ist sinngemäß aufgelöst; Arunai bezeichnet Tiruvannamalai.
Vers 1 – Gnade öffnet einen Weg
சேற்றைக் கழிய வழிவிட்ட வா! செஞ் சடாடவிமேல்
ஆற்றைப் பணியை யிதழியைத் தும்பையை யம்புலியின்
cēṟṟaik kaḻiya vaḻiviṭṭa vā! ceñ caṭāṭavimēl
āṟṟaip paṇiyai yitaḻiyait tumpaiyai yampuliyiṉ
Mir, dem selbst ein wenig verdienstvolle Askese fehlt,
hast du einen Weg aus dem Schlamm dieser Welt geöffnet!
Du gnadenreicher Sohn des Herrn, der in seinem roten Flechtenwald
Fluss, Schlange, Konrai-Blüten, Tumbai-Blüten und die Mondsichel trägt!
Die Attribute bezeichnen Shiva. Der Auftakt preist Gnade als ein Geschenk, das dem eigenen Verdienst vorausgeht.
Vers 2 – Lerne, solange Zeit ist
எழுத்துப் பிழையறக் கற்கின்றி லீரெரி மூண்டதென்ன
விழித்துப் புகையெழப் பொங்குவெங் கூற்றன் விடுங்கயிற்றாற்
eḻuttup piḻaiyaṟak kaṟkiṉṟi līreri mūṇṭateṉṉa
viḻittup pukaiyeḻap poṅkuveṅ kūṟṟaṉ viṭuṅkayiṟṟāṟ
Ihr lernt die Dichtung des scharfen Speerträgers, der Wiedergeburt beendet,
nicht mit Liebe und Sorgfalt im Wortlaut.
Wollt ihr sie erst lernen, wenn der wilde Tod mit feuerrotem Blick und aufsteigendem Rauch
seine Schlinge um euren Hals legt und euch fortzieht?
Die Mahnung ruft zur rechtzeitigen Hinwendung auf. Yama verkörpert die Grenze des Lebens; sorgfältiges Lernen ist hier ein Ausdruck von Hingabe.
Vers 3 – Der Speer durchdringt den Berg
கூரணி யிட்டணு வாகிக் கிரெளஞ்சங் குலைந்தரக்கர்
நேரணி யிட்டு வளைந்த கடக நெளிந்தது சூர்ப்
kūraṇi yiṭṭaṇu vākik kirauñcaṅ kulaintarakkar
nēraṇi yiṭṭu vaḷainta kaṭaka neḷintatu cūrp
Der Sohn dessen, der auf dem Wagen die drei Städte verbrannte, erhob in seiner roten Hand den scharfen Speer.
Krauncha zerfiel zu kleinsten Teilchen;
die geschlossenen Reihen der Dämonen wurden erschüttert, Suras großes Heer ging unter.
Die Welt des Götterkönigs war gerettet.
Krauncha und Surapadman gehören zur Murugan-Mythologie. Der Sieg wird in der Sprache kosmischer Befreiung besungen.
Vers 4 – Die fünf lassen mich nicht zur Ruhe kommen
சேரவொட் டாரைவர் செய்வதென் யான்சென்று தேவருய்யச்
சோரநிட் டூரனைச் சூரனைக் காருடல் சோரிகக்கக்
cēravoṭ ṭāraivar ceyvateṉ yāṉceṉṟu tēvaruyyac
cōraniṭ ṭūraṉaic cūraṉaik kāruṭal cōrikakkak
Die fünf lassen mich nicht prüfen, nicht das Eine bedenken,
nicht Blumen darbringen und deine Füße erreichen. Was soll ich tun?
Du hast zum Heil der Götter den grausamen, trügerischen Sura
mit scharfer Waffe in einem Augenblick gefällt, sodass sein dunkler Leib Blut vergoss.
Die „fünf“ sind als die fünf Sinne zu verstehen. Die Bitte verbindet die mythische Überwindung des Gegners mit der eigenen Sehnsucht nach Sammlung.
Vers 5 – Das Kind und der Herr der Berge
அருந்திச் சரவணப் பூந்தொட்டி லேறி யறுவர்கொங்கை
விரும்பிக் கடலழக் குன்றழச் சூரழ விம்மியழுங்
aruntic caravaṇap pūntoṭṭi lēṟi yaṟuvarkoṅkai
virumpik kaṭalaḻak kuṉṟaḻac cūraḻa vimmiyaḻuṅ
Er trank die heilige Milch der goldenen Mutter, die die Welten gebar,
lag in der Blumenwiege Saravanas und verlangte nach den Brüsten der sechs Mütter.
Das schluchzende Kind ließ Meer, Berg und Sura mit erbeben.
Und die Welt nennt diesen Kleinen den Herrn der Berglandschaft!
Parvati, Saravana und die sechs Krittika-Mütter gehören zur Geburtsüberlieferung Murugans. Das kindliche Weinen und seine kosmische Macht stehen liebevoll nebeneinander.
Vers 6 – Süßer als Zuckerrohr und Honig
விரும்பும் குமரனை மெய்யன்பி னான்மெல்ல மெல்லவுள்ள
அரும்புந் தனிப்பர மானந்தத் தித்தித் தறிந்தவன்றே
virumpum kumaraṉai meyyaṉpi ṉāṉmella mellavuḷḷa
arumpun taṉippara māṉantat tittit taṟintavaṉṟē
Wenn ich Kumara, der die Brust des Mädchens liebt, das die Hirse im weiten grünen Feld bewacht,
mit wahrer Liebe nach und nach im Innern bedenke,
keimt eine einzigartige höchste Seligkeit auf. Als ich ihre Süße erkannte,
wurde Zuckerrohr herb, roter Honig sauer und bitter.
Das Mädchen ist Valli. Der Dichter beschreibt Ananda durch einen Vergleich, in dem selbst die vertrauteste Süße ihre Bedeutung verliert.
Vers 7 – Löse die Verblendung meines Herzens
உளத்திற் ப்ரமத்தைத் தவிர்ப்பா யவுண ருரத்துதிரக்
குளத்திற் குதித்துக் குளித்துக் களித்துக் குடித்துவெற்றிக்
uḷattiṟ pramattait tavirppā yavuṇa rurattutirak
kuḷattiṟ kutittuk kuḷittuk kaḷittuk kuṭittuveṟṟik
Vertreibe den Irrtum meines Herzens,
das in Täuschung gebunden ist und sich in törichtem Tun quält!
Beschützer mit dem Speer, auf dessen siegreichem Schlachtfeld die Geister
in den Blutseen der Dämonen springen, baden, trinken und wild tanzen!
Die drastische Schlachtfeldsprache gehört zum dichterischen Lob des göttlichen Sieges. Die eigentliche Bitte gilt der Befreiung des eigenen Herzens von Verblendung.
Vers 8 – Der Honig auf dem Gipfel der Erkenntnis
அளியில் விளைந்ததொ ராநந்தத் தேனை அநாதியிலே
வெளியில் விளைந்த வெறும்பாழைப் பெற்ற வெறுந்தனியைத்
aḷiyil viḷaintato rānantat tēṉai anātiyilē
veḷiyil viḷainta veṟumpāḻaip peṟṟa veṟuntaṉiyait
Auf dem Gipfel des hohen Erkenntnisberges, der aus Licht erwächst,
reift durch Liebe der Honig der Seligkeit.
Du hast das einzig Eine, die anfangslose offene Weite jenseits allen Inhalts,
deutlich offenbart – Lehrer mit den sechs Gesichtern!
Die Begriffe für Leere und offene Weite sind mystisch verdichtet. Sie werden hier als Freiheit von begrenzenden Inhalten verstanden; die genaue Verschachtelung der dritten Zeile bleibt auslegungsbedürftig.
Vers 9 – Die Unterweisung jenseits aller Bestimmungen
கோனன் றெனக்குப தேசித்த தொன்றுண்டு கூறவற்றோ
வானன்று காலன்று தீயன்று நீரன்று மண்ணுமன்று
kōṉaṉ ṟeṉakkupa tēcitta toṉṟuṇṭu kūṟavaṟṟō
vāṉaṉṟu kālaṉṟu tīyaṉṟu nīraṉṟu maṇṇumaṉṟu
Der Herr der göttlichen Valli, deren Worte süßer sind als Honig und Sirup,
hat mich damals etwas gelehrt. Lässt es sich aussprechen?
Es ist nicht Raum, nicht Luft, nicht Feuer, nicht Wasser und nicht Erde;
nicht er, nicht ich, weder körperlos noch körperlich.[6]
Die Verneinungen führen über die fünf Elemente und die Unterscheidung von Ich und Gegenüber hinaus. Die Aussage bleibt in eine persönliche Guru-Beziehung eingebettet.
Vers 10 – Die unaussprechliche Stille
எல்லையுட் செல்ல எனைவிட்ட வாஇகல் வேலனல்ல
கொல்லியைச் சேர்க்கின்ற சொல்லியைக் கல்வரைக் கொவ்வைச் செவ்வாய்
ellaiyuṭ cella eṉaiviṭṭa vāikal vēlaṉalla
kolliyaic cērkkiṉṟa colliyaik kalvaraik kovvaic cevvāy
Du hast mich in jene Weite eintreten lassen,
in der alles losgelassen ist und man still verweilt: Worte reichen dort nicht hin.
Herr mit dem kämpfenden Speer und berggleichen Schultern, du umarmst Valli,
deren Worte wie die Kolli-Melodie klingen und deren Lippen rot wie Kovai-Früchte sind![6]
Stilles Sein und liebende Verehrung begegnen sich. Die Deutung von Kolli als musikalische Weise folgt der Erläuterung bei Kaumaram; siehe die Quellenhinweise.
Vers 11 – Der Pfau erschüttert die Berge
கசையிடு வாசி விசை கொண்ட வாகனப் பீலியின்கொத்
தசைபடு கால்பட் டசைந்தது மேரு அடியிடவெண்
kacaiyiṭu vāci vicai koṇṭa vākaṉap pīliyiṉkot
tacaipaṭu kālpaṭ ṭacaintatu mēru aṭiyiṭaveṇ
Der siegreiche Speerträger lenkt sein Reittier, ohne die Zügel zu lockern;
wie ein angesporntes Pferd stürmt der Pfau voran, und die Dämonen erschauern.
Sein bewegter Federbusch und seine Tritte erschüttern Meru, zermahlen die acht Richtungsberge;
ihr Staub lässt das Meer zu festem Land werden.
Der Pfau ist Murugans Reittier. Die Übersteigerung lässt seine Kraft den gesamten vorgestellten Kosmos erfassen.
Vers 12 – Der Hahn auf der Siegesfahne
தடைபட்ட சேவல் சிறகடிக் கொள்ளச் சலதிகிழிந்
துடைபட்ட தண்ட கடாக முதிர்ந்த துடுபடலம்
taṭaipaṭṭa cēval ciṟakaṭik koḷḷac calatikiḻin
tuṭaipaṭṭa taṇṭa kaṭāka mutirnta tuṭupaṭalam
Der Hahn, der beim speerbewaffneten Herrn auf der Siegesfahne steht,
schlug mit den Flügeln.
Das Meer zerriss, die Hülle des Weltalls zerbrach, die Sternenfülle stürzte;
die Berge und der große Meru wurden erschüttert und zerschmettert.
Der Hahn gehört zu Murugans Hoheitszeichen. Auch sein Flügelschlag wird zum kosmischen Ereignis.
Vers 13 – Das Klingen seiner Glöckchen
திருவரைக் கிண்கிணி யோசை படத்திடுக் கிட்டரக்கர்
வெருவரத் திக்குச் செவிடுபட் டெட்டுவெற் புங்கனகப்
tiruvaraik kiṇkiṇi yōcai paṭattiṭuk kiṭṭarakkar
veruvarat tikkuc ceviṭupaṭ ṭeṭṭuveṟ puṅkaṉakap
Als die Glöckchen am heiligen Hüftschmuck des Sohnes jener Göttin erklangen, die den Einen als ihre Hälfte trägt,
fuhren die Dämonen erschrocken zusammen.
Die Richtungen wurden vom Klang überwältigt, die acht Berge und der mächtige goldene Berg erbebten.
Die Furcht der Götter war vergangen.
Die erste Zeile spielt auf die Einheit von Shiva und Parvati an. Die kindliche Schmuckglocke wird zum Zeichen schützender göttlicher Macht.
Vers 14 – Erhebe mein gebundenes Herz
இப்பாச நெஞ்சனை யீடேற்று வாயிரு நான்குவெற்பும்
அப்பாதி யாழ்விழ மேருங் குலுங்கவிண் ணாருமுய்யச்
ippāca neñcaṉai yīṭēṟṟu vāyiru nāṉkuveṟpum
appāti yāḻviḻa mēruṅ kuluṅkaviṇ ṇārumuyyac
Erhebe dieses an Bindungen haftende Herz,
das im vergänglichen Leben vom Tanz der fünf hin und her getrieben wird!
Shanmukha mit zwölf Händen, dein Händeklatschen ließ die acht Berge ins Meer sinken und Meru erbeben,
während die Himmlischen Rettung fanden.
Das Klatschen erinnert an das göttliche Kind. Die Bitte um Befreiung aus der Sinnesbindung bleibt der Mittelpunkt des Verses.
Vers 15 – Seine Füße auf meinem Palmblatt
பாவடி யேட்டிலும் பட்டதன் றோபடி மாவலிபால்
மூவடி கேட்டன்று மூதண்ட கூட முகடுமுட்டச்
pāvaṭi yēṭṭilum paṭṭataṉ ṟōpaṭi māvalipāl
mūvaṭi kēṭṭaṉṟu mūtaṇṭa kūṭa mukaṭumuṭṭac
Seine kleinen Füße berühren den schnell laufenden Pfau,
die Häupter der Götter und auch das Blatt meiner Verse.
Es sind die Füße des Neffen jenes Herrn, der Mahabali um drei Schritte bat
und seinen Fuß bis an den Scheitel des uralten Weltalls ausstreckte.
Die Verwandtschaftsbezeichnung verbindet Murugan mit Vishnu als Vamana. Das eigene Gedicht wird zu einem Ort der göttlichen Gegenwart.
Vers 16 – Sammlung, Freigebigkeit und Gnade
இடுங்கோ ளிருந்த படியிருங் கோளெழு பாருமுய்யக்
கொடுங்கோபச் சூருடன் குன்றந் திறக்கத் தொளைக்கவை வேல்
iṭuṅkō ḷirunta paṭiyiruṅ kōḷeḻu pārumuyyak
koṭuṅkōpac cūruṭaṉ kuṉṟan tiṟakkat toḷaikkavai vēl
Zügelt den Geist, lasst den Zorn los,
gebt immer wieder und verweilt in eurem Sein.
Der Herr schleuderte den scharfen Speer durch Berg und zornigen Sura, damit die sieben Welten leben.
Seine Gnade wird von selbst zu euch kommen und offenbar werden.
Freigebigkeit, Zornlosigkeit und Sammlung gehören zusammen. Der Vers bietet eine besonders klare praktische Mitte von Kandar Alankaram.
Vers 17 – Herz, komm in die stille Weite
பாதார விந்தம் அரணாக அல்லும் பகலுமில்லாச்
சூதான தற்ற வெளிக்கே யொளித்துச்சும் மாவிருக்கப்
pātāra vintam araṇāka allum pakalumillāc
cūtāṉa taṟṟa veḷikkē yoḷittuccum māvirukkap
Nimm die mit Vetchi-Blüten geschmückten Lotusfüße des Speerherrn der Veden und Agamas als Schutz.
Komm, mein Geist, in die ungeteilte Weite ohne Nacht und Tag,
verbirg dich dort und verweile still,
unerkannt von den Wesen!
Die Wendung über die Weite ist sprachlich verdichtet; „ungeteilt“ gibt die hier gewählte Deutung wieder. Gemeint ist ein inneres Verweilen jenseits der gewöhnlichen Wechsel.
Vers 18 – Teile, auch wenn es wenig ist
நொய்யிற் பிளவள வேனும் பகிர்மின்க ணுங்கட்கிங்ஙன்
வெய்யிற் கொதுங்க வுதவா உடம்பின் வெறுநிழல்போற்
noyyiṟ piḷavaḷa vēṉum pakirmiṉka ṇuṅkaṭkiṅṅaṉ
veyyiṟ kotuṅka vutavā uṭampiṉ veṟuniḻalpōṟ
Preist den Herrn mit dem strahlenden, scharfen Speer
und teilt mit Armen, wäre es auch nur ein Bruchstück eines Reiskorns.
Wie der eigene Schatten keine Zuflucht vor der Sonne bietet,
so hilft der Besitz in eurer Hand euch nicht auf dem letzten Weg.
Die Aufforderung zum Teilen verbindet Bhakti mit Mitgefühl. Auch eine kleine Gabe zählt. Der eigene Schatten kann den Menschen nicht vor der Sonne schützen: Mit diesem alltäglichen Bild erschüttert der Dichter das Vertrauen auf bloßen Besitz.
Vers 19 – In der Stille vergesse ich mich
மன்ன கடம்பின் மலர்மாலை மார்பமெள னத்தையுற்று
நின்னை யுணர்ந்துணர்ந் தெல்லா மொருங்கிய நிர்குணம் பூண்
maṉṉa kaṭampiṉ malarmālai mārpameḷa ṉattaiyuṟṟu
niṉṉai yuṇarntuṇarn tellā moruṅkiya nirkuṇam pūṇ
König des scharfen Speers, der Krauncha durchbohrte, du trägst die Kadamba-Girlande auf der Brust.
In Stille erkannte ich dich immer tiefer;
alles sammelte sich in der Freiheit von Eigenschaften, und ich vergaß mich selbst.
Dieser Körper lag da, als wäre er gestorben.
Mauna und Nirguna beschreiben die mystische Vertiefung. Das Bild des reglosen Körpers lässt ahnen, wie vollständig die Aufmerksamkeit in dieser Erfahrung aufgeht.
Vers 20 – Kann vergrabener Reichtum mitgehen?
வாழக் கருது மதியிலி காளுங்கள் வல்வினைநோய்
ஊழிற் பெருவலி யுண்ணவொட்டாது உங்களத்தமெல்லாம்
vāḻak karutu matiyili kāḷuṅkaḷ valviṉainōy
ūḻiṟ peruvali yuṇṇavoṭṭātu uṅkaḷattamellām
Ihr Unverständigen, die ihr in dieser Welt leben wollt,
ohne die Füße des Herrn mit der Hahnenfahne zu verehren:
Die schwere Krankheit eurer Taten und die Macht des Geschicks lassen euch nicht einmal genießen.
Wird all euer tief vergrabener Besitz euch nach eurem Tod folgen?
Die Frage gilt dem falschen Sicherheitsgefühl durch Besitz. Das Gedicht lenkt auf die gegenwärtige Verantwortung und die Hinwendung zum Göttlichen.
Hauptverse 21–40
Vers 21 – Speer und Pfau als Zuflucht
கிரணக் கலாபியும் வேலுமுண் டேகிண் கிணிமுகுள
சரணப்ர தாப சசிதேவி மங்கல்ய தந்துரக்ஷா
kiraṇak kalāpiyum vēlumuṇ ṭēkiṇ kiṇimukuḷa
caraṇapra tāpa cacitēvi maṅkalya tanturakṣā
Der Tod kann uns nicht schrecken: Wir haben bleibenden Beistand,
den strahlenden Pfau und den Speer.
Du Herr der glöckchengeschmückten Füße, Beschützer von Shachis Eheband,
Gnadenreicher, Schatz der Erkenntnis, Sonne der Götter!
Shachi ist Indras Gemahlin; ihr geschütztes Eheband steht für die Rettung Indras. Die Todesüberwindung wird als vertrauensvolle Glaubensaussage besungen.
Vers 22 – Die Liebe des Herrn
வைதா ரையுமங்கு வாழவைப் போன்வெய்ய வாரணம்போற்
கைதா னிருப துடையான் தலைப்பத்துங் கத்தரிக்க
vaitā raiyumaṅku vāḻavaip pōṉveyya vāraṇampōṟ
kaitā ṉirupa tuṭaiyāṉ talaippattuṅ kattarikka
Er freite Valli mit ihrem blumengeschmückten Haar;
selbst wer ihn in den drei Formen des Tamil schmäht, erhält durch ihn Leben.
Er ist der Neffe dessen, dessen Pfeile die zehn Köpfe des zwanzigarmigen Ravana abtrennten,
der zarte, von Uma geborene Spross.
Die drei Formen des Tamil bezeichnen Dichtung, Musik und dramatische Darstellung. Die Strophe preist eine göttliche Zuwendung, die sogar unvollkommene Anrede aufnimmt.
Vers 23 – Bevor dieses Haus zerfällt
வைவைத்த வேற்படை வானவ னேமற வேனுனைநான்
ஐவர்க் கிடம்பெறக் காலிரண் டோட்டி யதிலிரண்டு
vaivaitta vēṟpaṭai vāṉava ṉēmaṟa vēṉuṉaināṉ
aivark kiṭampeṟak kāliraṇ ṭōṭṭi yatiliraṇṭu
Licht in strahlender Fülle auf dem heiligen Berg von Sengodu,
Himmlischer mit dem scharfen Speer, ich werde dich nicht vergessen!
Dieses Haus für die fünf steht auf zwei Beinen und trägt zwei Arme.
Komm und schütze mich in Gnade, ehe es zerfällt.
Der Körper erscheint als Haus der Sinne. Sengodu bezeichnet Tiruchengode, einen im Werk mehrfach besungenen Murugan-Ort.
Vers 24 – Die leise mitgeteilte Wahrheit
குன்னங் குறிச்சி வெளியாக்கி விட்டது கோடுகுழல்
சின்னங் குறிக்க குறிஞ்சிக் கிழவர் சிறுமிதனை
kuṉṉaṅ kuṟicci veḷiyākki viṭṭatu kōṭukuḻal
ciṉṉaṅ kuṟikka kuṟiñcik kiḻavar ciṟumitaṉai
Was du mir damals ins Ohr sagtest, um mein Leid zu lösen,
das verborgene Geheimnis, hat mich in offene Weite verwandelt.
Du gingst einst unter dem Klang von Hörnern, Flöten und Festinstrumenten ins Bergdorf,
um die junge Tochter der Bewohner der Berglandschaft zu freien.[6]
Die zweite Zeile mit kuṉṉam und kuṟicci ist mehrdeutig; die Übersetzung folgt vorsichtig der mystischen Auslegung bei Kaumaram. Die Hochzeit mit Valli lässt die ersehnte Nähe auch im Bild menschlicher Liebe aufscheinen.
Vers 25 – Das Schwert der Erkenntnis
திண்டாட வெட்டி விழவிடு வேன்செந்தில் வேலனுக்குத்
தொண்டா கியவென் னவிரோத ஞானச் சுடர்வடிவாள்
tiṇṭāṭa veṭṭi viḻaviṭu vēṉcentil vēlaṉukkut
toṇṭā kiyaveṉ ṉavirōta ñāṉac cuṭarvaṭivāḷ
Tod, komm nur in Reichweite meiner Hand!
Ich werde dich treffen, sodass Stab und Dreizack fallen, dich zerschlagen und zu Boden werfen.
Sieh das flammende Schwert der widerspruchsfreien Erkenntnis in meiner Hand:
Ich bin ein Diener des Speerherrn von Senthil!
Die kämpferische Anrede gilt Yama, nicht menschlichen Gegnern. Erkenntnis erscheint als Kraft, die der Todesfurcht ihre Macht nimmt.
Vers 26 – Die Unterweisung des Gurus
கோலக் குறத்தி யுடன்வரு வான்குரு நாதன்சொன்ன
சீலத்தை மெள்ளத் தெளிந்தறி வார்சிவ யோகிகளே
kōlak kuṟatti yuṭaṉvaru vāṉkuru nātaṉcoṉṉa
cīlattai meḷḷat teḷintaṟi vārciva yōkikaḷē
Der Herr auf dem blauen Pfau kommt zu jeder Zeit
mit der schönen Tochter des Bergvolkes.
Shiva-Yogis, die die vom Guru gelehrte Lebensweise nach und nach klar erkennen, überwinden die Zeit;
wer sich auf bloßes Tun beschränkt, bleibt dem Sterben unterworfen.
Der Gegensatz zwischen Shiva Yoga und bloßem Handeln fordert zur inneren Aneignung der Lehre auf. Er beschreibt die religiöse Sicht des Gedichts.
Vers 27 – Seine Zeichen stehen vor mir
காலையு மாலையு முன்னிற்கு மேகந்த வேள்மருங்கிற்
சேலையுங் கட்டிய சீராவுங் கையிற் சிவந்தசெச்சை
kālaiyu mālaiyu muṉṉiṟku mēkanta vēḷmaruṅkiṟ
cēlaiyuṅ kaṭṭiya cīrāvuṅ kaiyiṟ civantaceccai
Damit ich vor Todesbotschaft und Boten nicht in Verwirrung gerate,
stehen morgens und abends vor mir die Zeichen Kandavels:
das Gewand und die Schärpe an seiner Hüfte, die rote Vetchi-Girlande in seiner Hand,
die Hahnenfahne, der Pfau und sein Siegesschmuck.
Das Erinnern an die Gestalt Murugans wird zur Meditation. Die bildliche Gegenwart stärkt das Vertrauen angesichts der Vergänglichkeit.
Vers 28 – Was sich nicht aussprechen lässt
மாலே கொளவிங்ஙன் காண்பதல் லான்மன வாக்குச்செய
லாலே யடைதற் கரிதா யருவுரு வாகியொன்று
mālē koḷaviṅṅaṉ kāṇpatal lāṉmaṉa vākkucceya
lālē yaṭaitaṟ karitā yaruvuru vākiyoṉṟu
Sich vor den roten Füßen des Herrn mit dem leuchtenden Speer niederwerfen,
ihn verehren, von Liebe ergriffen – so lässt sich jene Wirklichkeit schauen.
Als das Eine in Form und Formlosigkeit ist sie Denken, Wort und Tun schwer zugänglich.
Wie sollte man sie in Worten beschreiben?
Die Strophe verbindet den konkreten Vollzug der Verehrung mit der Grenze sprachlicher Beschreibung. Das Unsagbare wird in der liebenden Beziehung zugänglich.
Vers 29 – Das Meer des Begehrens überqueren
திடத்திற் புணையென யான்கடந் தேன்சித்ர மாதரல்குற்
படத்திற் கழுத்திற் பழுத்தசெவ் வாயிற் பணையிலுந்தித்
tiṭattiṟ puṇaiyeṉa yāṉkaṭan tēṉcitra mātaralkuṟ
paṭattiṟ kaḻuttiṟ paḻuttacev vāyiṟ paṇaiyiluntit
Durch die Gnade des Herrn der Waldtochter nahm ich die Festigkeit des unerschütterten Herzens zum Floß.
So überquerte ich das heiße Meer der Begierde,
das sich in Hüften, Hals, reifen roten Lippen, Schultern, Nabel und Brüsten
schöner Frauen ausbreitet.
Der Dichter spricht aus männlich-asketischer Perspektive über sein eigenes Begehren. Die Körperbilder werden wiedergegeben; die geistige Aufgabe ist die Befreiung von zwanghafter Anhaftung.
Vers 30 – Wovon sprichst du, mein Geist?
சேலென்ப தாகத் திரிகின்ற நீசெந்தி லோன்றிருக்கை
வேலென் கிலைகொற்ற மயூர மென்கிலை வெட்சித்தண்டைக்
cēleṉpa tākat tirikiṉṟa nīcenti lōṉṟirukkai
vēleṉ kilaikoṟṟa mayūra meṉkilai veṭcittaṇṭaik
Du sagst: Ihre Rede ist Milch, ihre Füße sind Baumwolle, ihre Augen sind Fische.
So schweifst du umher, mein Geist.
Doch du nennst nicht den Speer in Senthils Hand, nicht den siegreichen Pfau, nicht die Füße mit Vetchi-Schmuck und Fußreifen.
Wie willst du Befreiung erkennen?
Die typischen Schönheitsvergleiche werden einer anderen Ausrichtung der Aufmerksamkeit gegenübergestellt. Die Frage trifft den Geist des Sängers selbst.
Vers 31 – Schenke mir die Heimat deiner Füße
செக்கச் சிவந்த கழல்வீடு தந்தருள் சிந்துவெந்து
கொக்குத் தறிபட் டெறிபட் டுதிரங் குமுகுமெனக்
cekkac civanta kaḻalvīṭu tantaruḷ cintuventu
kokkut taṟipaṭ ṭeṟipaṭ ṭutiraṅ kumukumeṉak
Bewahre mich davor, wieder in diese trügerische Hütte einzutreten;
schenke mir als Heimat deine Füße, röter als der Lotus.
Beschützer, dein Licht-Speer ließ das Meer glühen, durchdrang den Berg
und spaltete den Baum des Gegners, aus dem Blut hervorquoll.
Die Hütte bezeichnet den vergänglichen Leib, der Baum eine Gestalt des dämonischen Gegners. Die Bitte gilt der Befreiung vom Kreislauf der Geburten.
Vers 32 – Wann wirst du mich retten?
தொளைத்துப் புறப்பட்ட வேற்கந்த னேதுறந் தோருளத்தை
வளைத்துப் பிடித்துப் பதைக்கப் பதைக்க வதைக்குங் கண்ணார்க்
toḷaittup puṟappaṭṭa vēṟkanta ṉētuṟan tōruḷattai
vaḷaittup piṭittup pataikkap pataikka vataikkuṅ kaṇṇārk
Kanda, dein Speer durchbohrte Suras Brust und den Berg und trat auf der anderen Seite hervor.
Wann kommst du und rettest mich,
der ich mich erschöpfe an den Augen der Frauen,
die selbst die Herzen Entsagender einfangen und zitternd quälen?
Die Strophe schildert die eigene Machtlosigkeit gegenüber Verlangen. Sie mündet in ein persönliches Gebet um Gnade.
Vers 33 – Die Namen des Herrn
மிடியாற் படியில் விதனப் படார்வெற்றி வேற்பெருமாள்
அடியார்க்கு நல்ல பெருமாள் அவுணர் குலமடங்கப்
miṭiyāṟ paṭiyil vitaṉap paṭārveṟṟi vēṟperumāḷ
aṭiyārkku nalla perumāḷ avuṇar kulamaṭaṅkap
Wer die heiligen Namen des siegreichen Speerherrn ausspricht,
des gütigen Herrn seiner Diener, der das Dämonengeschlecht zu Staub machte,
gerät nicht in das Meer endloser Geburten
und wird nicht durch die alles zerstörende Armut auf Erden gequält.
Der Vers preist die Heilswirkung des göttlichen Namens. Die Aussagen über Schutz und Notfreiheit gehören zur religiösen Verheißung des Hymnus.
Vers 34 – Lehre mich die unerreichbare Erkenntnis
கெட்டாத ஞான கலைதரு வாயிருங் காமவிடாய்ப்
பட்டா ருயிரைத் திருகிப் பருகிப் பசிதணிக்குங்
keṭṭāta ñāṉa kalaitaru vāyiruṅ kāmaviṭāyp
paṭṭā ruyirait tirukip parukip pacitaṇikkuṅ
Kanda, der du den Berg durchbrochen hast,
schenke mir die Erkenntnis, die mir entglitt und nur der Liebe zugänglich ist.
Mein Geist ist im Netz der Frauen mit dolch- und speergleichen Augen gefangen,
die das Leben der von heftigem Begehren Gequälten an sich ziehen, um ihren Hunger zu stillen.[6]
Die zweite Zeile ist in ihrer genauen Satzgliederung unsicher; „nur der Liebe zugänglich“ folgt der ergänzenden Deutung bei Kaumaram. Das drastische Bild des Gefangenseins bezeichnet die Erfahrung des Sängers in der Begierde.
Vers 35 – Die Wellen des Denkens beruhigen
புத்தித் தரங்கந் தெளிவதென் றோபொங்கு வெங்குருதி
மெத்திக் குதிகொள்ள வெஞ்சூ ரனைவிட்ட சுட்டியிலே
puttit taraṅkan teḷivateṉ ṟōpoṅku veṅkuruti
mettik kutikoḷḷa veñcū raṉaiviṭṭa cuṭṭiyilē
Wann werde ich am Ufer der Hingabe hinabsteigen und im Meer der Seligkeit baden,
sodass die Wellen meines Denkens klar und ruhig werden?
Sieger, du trafst den grausamen Sura am Scheitel, bis Blut hervorströmte,
und gewannst Amaravati zurück!
Das Badebild verbindet Bhakti und innere Klärung. Amaravati ist die Stadt Indras, deren Rückgewinnung den göttlichen Sieg ausdrückt.
Vers 36 – Reichtum ist eine wirbelnde Flut
கழித்தோடு கின்றதெக் காலநெஞ்சே கரிக் கோட்டு முத்தைக்
கொழித்தோடு காவிரிச் செங்கோட னென்கிலை குன்றமெட்டுங்
kaḻittōṭu kiṉṟatek kālaneñcē karik kōṭṭu muttaik
koḻittōṭu kāviric ceṅkōṭa ṉeṉkilai kuṉṟameṭṭuṅ
Reichtum ist wie die anschwellende Strömung eines Flusses voller Wirbel.
Wie lange ziehen Leid und Freude an dir vorbei, mein Geist?
Du nennst nicht den Herrn von Sengodu an der Kaveri, die Perlen aus Elefantenstoßzähnen fortträgt,
nicht den Speer, der acht Berge durchdringt. Wie soll Befreiung dir zuteilwerden?
Die Perlen gehören zur traditionellen poetischen Naturbeschreibung. Das Gedicht ruft den Geist aus wechselndem Gewinn und Verlust zur geistigen Ausrichtung zurück.
Vers 37 – Auch im Irren bleibt die Erinnerung
மொண்டுண் டயர்கினும் வேன்மற வேன்முது கூளித்திரள்
டுண்டுண் டுடுடுடு டூடூ டுடுடுடு டுண்டுடுண்டு
moṇṭuṇ ṭayarkiṉum vēṉmaṟa vēṉmutu kūḷittiraḷ
ṭuṇṭuṇ ṭuṭuṭuṭu ṭūṭū ṭuṭuṭuṭu ṭuṇṭuṭuṇṭu
Selbst wenn ich mich im Liebesrausch mit zarten Frauen süßer Rede verliere und erschöpfe,
werde ich den Speer nicht vergessen.
Du Reiter, der den grausamen Sura tötete, während die Scharen uralter Geister trommelnd tanzten:
„ṭuṇṭuṇ ṭuṭuṭuṭu ṭūṭū ṭuṭuṭuṭu ṭuṇṭuṭuṇṭu ṭiṇṭiṇ“!
Die lautmalerischen Silben lassen den Trommelrhythmus hörbar werden. Die Strophe bekennt das eigene Straucheln und hält zugleich an der göttlichen Erinnerung fest.
Vers 38 – Was könnten Tag, Gestirne und Tod mir tun?
கோளென் செயுங்கொடுங் கூற்றென் செயுங்கும ரேசரிரு
தாளுஞ் சிலம்புஞ் சதங்கையும் தண்டையுஞ் சண்முகமுந்
kōḷeṉ ceyuṅkoṭuṅ kūṟṟeṉ ceyuṅkuma rēcariru
tāḷuñ cilampuñ cataṅkaiyum taṇṭaiyuñ caṇmukamun
Was kann der Tag mir tun, was können meine Taten bewirken?
Was können die Gestirne, die mich treffen, was kann der grausame Tod?
Wenn Kumaras Füße, Fußglocken und Reifen, seine sechs Gesichter,
Schultern und Kadamba-Schmuck vor mir erscheinen!
Die Frage feiert Vertrauen in Murugans Schutz. Die astrologischen und karmischen Kräfte werden der erfahrenen göttlichen Nähe gegenübergestellt.
Vers 39 – Wann machst du mich eins mit dir?
விதித்தாண் டருள்தருங் காலமுண் டோவெற்பு நட்டுரக
பதித்தாம்பு வாங்கிநின் றம்பரம் பம்பரம் பட்டுழல
vitittāṇ ṭaruḷtaruṅ kālamuṇ ṭōveṟpu naṭṭuraka
patittāmpu vāṅkiniṉ ṟamparam pamparam paṭṭuḻala
Wird die Zeit kommen, da du Geburt, Umherirren und Sterben beendest,
mich mit dir vereinst, mich annimmst und Gnade schenkst?
Neffe dessen, der den Berg einsetzte, den Schlangenkönig als Seil zog und das Meer wirbelnd quirlte,
Juwel auf dem Pfau!
Das Bild erinnert an das Quirlen des Milchozeans. Die Frage nach dem Ende der Wiedergeburt wird zu einer Bitte um Vereinigung.
Vers 40 – Deine Füße tilgen die Schicksalsschrift
மால்பட் டழிந்தது பூங்கொடி யார்மனம் மாமயிலோன்
வேல்பட் டழிந்தது வேலையுஞ் சூரனும் வெற்புமவன்
mālpaṭ ṭaḻintatu pūṅkoṭi yārmaṉam māmayilōṉ
vēlpaṭ ṭaḻintatu vēlaiyuñ cūraṉum veṟpumavaṉ
Die Fische haben die Felder und Haine Senthurs aufgewühlt;
die Liebe zur honigreichen Kadamba-Girlande hat die Herzen der rankengleichen Frauen überwältigt.
Der Speer des Pfauenreiters traf Meer, Sura und Berg und zerschlug sie.
Seine Füße berührten mich: Brahmas Schrift auf meinem Haupt war getilgt.
Die wiederholte Wendung „getroffen und zerstört“ verbindet Natur, Liebe, Mythos und Befreiung. Brahmas Schrift steht für die Festlegung des Lebensgeschicks.
Hauptverse 41–60
Vers 41 – Schenke mir deine Lotusfüße
மாலே கொண்டுய்யும் வகையறி யேன்மலர்த் தாள்தருவாய்
காலே மிகவுண்டு காலே யிலாத கணபணத்தின்
mālē koṇṭuyyum vakaiyaṟi yēṉmalart tāḷtaruvāy
kālē mikavuṇṭu kālē yilāta kaṇapaṇattiṉ
Stets bin ich von der Freude an Frauen mit milchzarter Rede gefesselt
und erkenne keinen Weg zur Rettung. Schenke mir deine Lotusfüße!
Roter Speerträger, Neffe Vishnus, der auf der vielköpfigen Schlange ruht,
die Luft verschlingt und selbst keine Füße hat!
Die Schlange ist Ananta. Dass Schlangen sich von Luft ernähren, gehört zur traditionellen dichterischen Vorstellung. Das Wortspiel mit kāl, „Luft“ und „Fuß“, wird durch die getrennte Wiedergabe sichtbar.
Vers 42 – Wozu dieses Haupt ohne Verehrung?
குணங்காட்டி யாண்ட குருதே சிகனங் குறச்சிறுமான்
பணங்காட்டு மல்குற் குருகுங் குமரன் பதாம்புயத்தை
kuṇaṅkāṭṭi yāṇṭa kurutē cikaṉaṅ kuṟacciṟumāṉ
paṇaṅkāṭṭu malkuṟ kurukuṅ kumaraṉ patāmpuyattai
Der Guru zeigte mir den bleibenden Zustand und nahm mich an,
damit ich diesen fleischlichen Verschlag verlasse und die eine Heimat erreiche.
Kumara schmilzt in Liebe zu der jungen Valli mit ihren schlangenhaubengleichen Hüften.
Woher kam mir ein Haupt, das seine Lotusfüße nicht verehrt?
Die Körpermetaphern stehen im Dienst einer Selbstbefragung. Guru und göttlicher Geliebter sind verschiedene Seiten derselben Murugan-Gestalt.
Vers 43 – Wozu diese Hände ohne Gebet?
செவியாற் பணியணி கோமான் மகனைத் திறலரக்கர்
புவியார்ப் பெழத்தொட்ட போர்வேன் முருகனைப் போற்றியன்பாற்
ceviyāṟ paṇiyaṇi kōmāṉ makaṉait tiṟalarakkar
puviyārp peḻattoṭṭa pōrvēṉ murukaṉaip pōṟṟiyaṉpāṟ
Er ist der Neffe dessen, der mit Affenhilfe das Meer überbrückte,
und der Sohn des Herrn, der die haubentragende Schlange als Schmuck trägt.
Murugan erhob den Kriegsspeer gegen die mächtigen Dämonen, sodass die Erde widerhallte.
Woher kamen mir Hände, die sich nicht in Liebe zu seinem Lob zusammenlegen?
Rama und Shiva erscheinen als mythologische Verwandtschaftsbezüge. Die gefalteten Hände werden zum sichtbaren Ausdruck der Bhakti.
Vers 44 – Wenn das Haus des Körpers verlassen wird
காலா லெழுப்பி வளைமுது கோட்டிக்கைந் நாற்றிநரம்
பாலார்க்கை யிட்டுத் தசைகொண்டு மேய்ந்த அகம்பிரிந்தால்
kālā leḻuppi vaḷaimutu kōṭṭikkain nāṟṟinaram
pālārkkai yiṭṭut tacaikoṇṭu mēynta akampirintāl
Mit Haut als Wänden, getragen von zehn Lebenswinden, auf zwei Beinen errichtet,
mit gebogenem Rücken, aufgehängten Armen, Nerven als Stricken und Fleisch als Dach:
Wenn dieses Haus verlassen wird,
bleiben als Zuflucht nur die beiden Füße dessen, der mit dem Speer den Berg durchbohrte.[6]
Die anatomische Hausbeschreibung ist poetisch. Die Wendung „vier und sechs“ wird in der herangezogenen Kaumaram-Erläuterung als zehn Lebenswinde gedeutet. Wenn das vergängliche Haus verlassen wird, bleibt die göttliche Zuflucht.
Vers 45 – Die verborgene Heimat
றிருபூத வீட்டி லிராமலென் றான்னிரு கோட்டொருகைப்
பொருபூ தரமுரித் தேகாச மிட்ட புராந்தகற்குக்
ṟirupūta vīṭṭi lirāmaleṉ ṟāṉṉiru kōṭṭorukaip
porupū taramurit tēkāca miṭṭa purāntakaṟkuk
„Verweile nicht im Haus der Elemente, sondern in der einen Heimat,
die kein Wesen kennt, jenseits von Wort und gewöhnlichem Erkennen“, sprach er.
Der Speerherr ist Guru Shivas, des Bezwingers der drei Städte, der die Haut des berggleichen Elefanten mit zwei Stoßzähnen und einem Rüssel als Gewand trug.
Er ist das Ende des grausamen Sura-Geschlechts.[6]
Die verdichtete tamilische Satzfügung ist sinngemäß aufgelöst. Murugan erscheint als Lehrer seines eigenen Vaters – ein zentrales Motiv seiner Weisheitsgestalt.
Vers 46 – Wann schenkst du mir die Freude der Erkenntnis?
சேயான வேற்கந்த னேசெந்தி லாய்சித்ர மாதரல்குற்
றோயா வுருகிப் பருகிப் பெருகித் துவளுமிந்த
cēyāṉa vēṟkanta ṉēcenti lāycitra mātaralkuṟ
ṟōyā vurukip parukip perukit tuvaḷuminta
Wann schenkst du mir das wunderbare Spiel der Erkenntnis, das du selbst bist,
roter Speer-Kanda, Herr von Senthil?
Damit dieses täuschende Spiel vergeht, in dem der Geist an schönen Körpern haftet,
schmilzt, genießt, sich verliert und schließlich leidet!
Erkenntnis wird als göttliche Wirklichkeit erbeten. Der Dichter beschreibt seine Begierde als Kreislauf von Anziehung und Erschöpfung.
Vers 47 – Nektar im Meer der Seligkeit
தித்தித் திருக்கு மமுதுகண் டேன்செயன் மாண்டடங்கப்
புத்திக் கமலத் துருகிப் பெருகிப் புவனமெற்றித்
tittit tirukku mamutukaṇ ṭēṉceyaṉ māṇṭaṭaṅkap
puttik kamalat turukip perukip puvaṉameṟṟit
Ich sah den süßen Nektar: sechs heilige Gesichter und zwölf Schultern, Gegenstand meiner Hingabe.
Alles eigene Tun kam zur Ruhe.
Im Lotus des Erkennens schmolz und wuchs das Meer höchster Seligkeit,
schlug gegen die Welten und überströmte seine Ufer.
Die sichtbare Gestalt Murugans und die grenzenlose innere Erfahrung durchdringen sich. Das Lotus- und Meeresbild lässt Ananda als überströmende Fülle erscheinen.
Vers 48 – Was hast du mit mir vor?
முத்தியை வாங்க அறிகின்றி லேன்முது சூர்நடுங்கச்
சத்தியை வாங்கத் தரமோ குவடு தவிடுபடக்
muttiyai vāṅka aṟikiṉṟi lēṉmutu cūrnaṭuṅkac
cattiyai vāṅkat taramō kuvaṭu taviṭupaṭak
Ich verstehe nicht, meinen Geist zurückzunehmen,
ihn in deine Lotusfüße zu versenken und durch Liebe Befreiung zu empfangen.
Gangeya, du führtest die Shakti-Waffe, sodass Sura erbebte und der Berg zu Staub wurde.
Was hast du für mich, den von Taten Gebundenen, bestimmt?
Gangeya ist ein Name Murugans. Der Vers verbindet das Eingeständnis eigener Unfähigkeit mit offenem Vertrauen auf die göttliche Führung.
Vers 49 – Die Gemeinschaft der Diener
சாரிற் கதியன்றி வேறிலை காண் தண்டு தாவடிபோய்த்
தேரிற் கரியிற் பரியிற் றிரிபவர் செல்வமெல்லாம்
cāriṟ katiyaṉṟi vēṟilai kāṇ taṇṭu tāvaṭipōyt
tēriṟ kariyiṟ pariyiṟ ṟiripavar celvamellām
Mein lang ausschweifendes, törichtes Herz:
Schließt du dich den Dienern dessen an, der den Licht-Speer auf Sura und den Berg warf, gibt es nur Rettung.
Erkennst du nicht, dass der ganze Reichtum jener, die mit Heeren, Wagen, Elefanten und Pferden umherziehen,
wie ein Funke auf dem Wasser ist?
Satsang wird als tragende Gemeinschaft besungen. Das Bild vom Funken auf Wasser macht die Flüchtigkeit weltlicher Macht anschaulich.
Vers 50 – Sprich dann zu mir: Fürchte dich nicht
பிடிக்கும் பொழுதுவந் தஞ்லென் பாய்பெரும் பாம்பினின்று
நடிக்கும் பிரான்மரு காகொடுஞ் சூர னடுங்கவெற்பை
piṭikkum poḻutuvan tañleṉ pāyperum pāmpiṉiṉṟu
naṭikkum pirāṉmaru kākoṭuñ cūra ṉaṭuṅkaveṟpai
Ich will den Tiruppugazh, den ich lese, preisen.
Wenn der Tod mich mit seiner Schlinge fasst, komm und sage: „Fürchte dich nicht!“
Neffe des Herrn, der auf der großen Schlange tanzt,
du Reiter auf dem mächtigen Pfau, der den Berg erschüttert und Sura erzittern lässt!
Die Anspielung gilt Krishnas Tanz auf Kaliya. Tiruppugazh wird ausdrücklich als Lied der Verehrung genannt.
Vers 51 – Die Gabe als Wegzehrung
நிலையான மாதவஞ் செய்குமி னோநும்மை நேடிவருந்
தொலையா வழிக்குப் பொதிசோறு முற்ற துணையுங்கண்டீர்
nilaiyāṉa mātavañ ceykumi ṉōnummai nēṭivarun
tolaiyā vaḻikkup poticōṟu muṟṟa tuṇaiyuṅkaṇṭīr
Verehrt den, dessen Speer den Berg in Stücke brach,
und übt große, beständige Askese in Liebe.
Was ihr Bedürftigen gebt – sei es nur ein Blatt oder etwas Gekochtes –,
wird euch Wegzehrung und verlässlicher Gefährte auf dem langen Weg sein.
Die Gabe darf klein sein. Ihr Wert liegt in der Bereitschaft zum Teilen; Dana wird als geistige Wegzehrung verstanden.
Vers 52 – Schenke mir Freude am Lobgesang
பகரார்வமீ பணி பாசசங் க்ராம பணாமகுட
நிகராட் சமபட்ச பட்சி துரங்க ந்ருபகுமரா
pakarārvamī paṇi pācacaṅ krāma paṇāmakuṭa
nikarāṭ camapaṭca paṭci turaṅka nrupakumarā
Schenke mir das Verlangen, in edlem Tamil den Speer zu besingen, der den Gipfelberg spaltete, und die rote Hahnenfahne.
Dein pferdegleiches Vogel-Reittier trägt Flügel, die die gekrönten Hauben der schlingenartigen Kampfschlange zertrümmern.
König, Kumara, Guha, Überwinder der Dämonenscharen,
Furchtloser, Erhabener an lauteren Eigenschaften![6]
Die lange Reihe tamilisch-sanskritischer Zusammensetzungen ist schwierig. Ihre Auflösung folgt der Wortgliederung bei Kaumaram; die deutsche Fassung bewahrt den Charakter einer Anrufung.
Vers 53 – Warum das Leben am Besitz verlieren?
பாடிக் கசிந்துள்ள போதே கொடாதவர் பாதகத்தாற்
தேடிப் புதைத்துத் திருட்டிற் கொடுத்துத் திகைத்திளைத்து
pāṭik kacintuḷḷa pōtē koṭātavar pātakattāṟ
tēṭip putaittut tiruṭṭiṟ koṭuttut tikaittiḷaittu
Singt Kumara, der die Brust der Jägertochter liebt, mit wahrer Liebe,
und gebt, während euer Herz schmilzt.
Wer dann nicht gibt, sucht und vergräbt, verliert an Diebe, erschrickt und erschöpft sich,
welkt im Kummer und vergeudet die Lebenstage.
Das Lied führt von innerer Rührung zur tätigen Freigebigkeit. Liebe soll sich in einer Gabe ausdrücken.
Vers 54 – Bestimme mich zum Geben
றீகைக் கெனைவிதித் தாயிலை யேயிலங் காபுரிக்குப்
போகைக்கு நீவழி காட்டென்று போய்க்கடல் தீக்கொளுந்த
ṟīkaik keṉaivitit tāyilai yēyilaṅ kāpurikkup
pōkaikku nīvaḻi kāṭṭeṉṟu pōykkaṭal tīkkoḷunta
Du hast mich wohl zum Sterben und Wiedergeborenwerden bestimmt,
doch nicht dazu, den Erschöpften etwas zu geben!
Pfauenreiter, Neffe dessen, der „Zeige mir den Weg nach Lanka!“ sprach
und seinen siegreichen Bogen spannte, bis das Meer Feuer fing!
Die anklagende Gebetsform drückt Selbstkritik und Sehnsucht aus. Ramas Zorn auf das Meer bildet den mythologischen Hintergrund.
Vers 55 – Was werden sie den Todesboten entgegensetzen?
தேங்கார் நினைப்பு மறப்பு மறார்தினைப் போதளவும்
ஓங்காரத் துள்ளொளிக் குள்ளே முருக னுருவங்கண்டு
tēṅkār niṉaippu maṟappu maṟārtiṉaip pōtaḷavum
ōṅkārat tuḷḷoḷik kuḷḷē muruka ṉuruvaṅkaṇṭu
Ihr Hochmut legt sich nicht, sie sammeln sich nicht, sie ruhen nicht in höchster Seligkeit;
Erinnern und Vergessen lassen sie nicht los.
Nicht einmal für einen Augenblick schauen sie Murugans Gestalt im inneren Licht des Om und ruhen darin; sie dienen nicht.
Was werden sie den Boten Yamas entgegensetzen?
Om erscheint als Träger inneren Lichtes. Die dichterische Mahnung fordert eine gelebte, nach innen vertiefte Hingabe.
Vers 56 – Erinnert die Vergesslichen
இழியுங் கவிகற் றிடாதிருப் பீரெரி வாய்நரகக்
குழியுந் துயரும் விடாய்ப்படக் கூற்றுவனுார்க் குச்செல்லும்
iḻiyuṅ kavikaṟ ṟiṭātirup pīreri vāynarakak
kuḻiyun tuyarum viṭāyppaṭak kūṟṟuvaṉuாrk kuccellum
Ihr hört das Lied dessen, der den mächtigen Berg zersprengte, und euer Herz schmilzt,
doch ihr lernt diese herabströmende Dichtung nicht.
Erzählt den Vergesslichen von der feurigen Höllengrube und ihrem Leid,
von Durst und Mühsal auf dem Weg zur Stadt des Todes – erzählt es!
Die Schlusswendung ist mahnend und wiederholt sich eindringlich. Die Höllenbilder gehören zur religiösen Dringlichkeit der Dichtung.
Vers 57 – Zwei Handvoll Reis
தருபிடி காவல சண்முக வாவெனச் சாற்றிநித்தம்
இருபிடி சோறுகொண் டிட்டுண் டிருவிளை யோமிறந்தால்
tarupiṭi kāvala caṇmuka vāveṉac cāṟṟinittam
irupiṭi cōṟukoṇ ṭiṭṭuṇ ṭiruviḷai yōmiṟantāl
Rufe täglich: „Shanmukha, Herr der elefantengleichen Valli, die von der kleinen Hirschkuh des Hirsefeldes geboren wurde,
wo kampfstarke Elefantenkühe und Elefantenbullen miteinander spielen!“ Nimm zwei Handvoll Reis, gib davon und iss.
Wenn wir, die wir an gute und böse Taten gebunden sind, sterben,
bleibt von diesem trügerischen Körper nicht einmal eine Handvoll Asche übrig.[6]
Die ungewöhnliche Bildfolge spielt auf die mythische Herkunft Vallis an. Die Wortgliederung der Einzelerläuterung liest iruvinaiyōm, „wir mit den beiden Arten von Taten“, gegenüber iruviḷaiyōm im verwendeten Gesamttext. Dieser Lesart folgt die Übersetzung. Das Teilen der Mahlzeit verbindet Hingabe mit Dana.
Vers 58 – Der Geliebte Vallis
முற்றாத் தனத்திற் கினிய பிரானிக்கு முல்லையுடன்
பற்றாக்கை யும்வெந்து சங்க்ராம வேளும் படவிழியாற்
muṟṟāt taṉattiṟ kiṉiya pirāṉikku mullaiyuṭaṉ
paṟṟākkai yumventu caṅkrāma vēḷum paṭaviḻiyāṟ
Er ist der geliebte Herr der jugendlichen Valli,
die das rotgoldene Hirsefeld bewacht, solange die grünen Ähren noch nicht ausgereift sind.
Er ist dem lieb, der mit seinem Blick Kama samt Zuckerrohrbogen und Blütenwaffen verbrannte.
Er ist das Kronjuwel der Welt Indras.
Der Vers verbindet die Liebe zu Valli mit Shivas Überwindung Kamas. Liebe und Befreiung von zwingendem Begehren werden so nebeneinandergestellt.
Vers 59 – Was begleitet dich auf dem einsamen Weg?
எங்கா யினும்வரு மேற்பவர்க் கிட்ட திடாமல்வைத்த
வங்கா ரமுமுங்கள் சிங்கார வீடு மடந்தையருஞ்
eṅkā yiṉumvaru mēṟpavark kiṭṭa tiṭāmalvaitta
vaṅkā ramumuṅkaḷ ciṅkāra vīṭu maṭantaiyaruñ
Was Bedürftigen gegeben wurde, kommt euch überall zu Hilfe,
wie die Gnade dessen, der seinen Speer in das aufbrausende Meer warf.
Doch gehortetes Gold, das prächtige Haus und die Frauen:
Werden sie euch auf dem einsamen Weg begleiten, auf den ihr am Lebensende aufbrecht?
Die eindringliche Frage vertieft das Motiv der Gabe. Was geteilt wurde, erhält in der religiösen Sicht des Gedichts bleibenden Wert.
Vers 60 – Was habe ich für die Wahrheit getan?
வந்திக் கிலேனொன்றும் வாழ்த்து கிலேன்மயில் வாகனனைச்
சந்திக் கிலேன்பொய்யை நிந்திக்கி லேலுண்மை சாதிக்கிலேன்
vantik kilēṉoṉṟum vāḻttu kilēṉmayil vākaṉaṉaic
cantik kilēṉpoyyai nintikki lēluṇmai cātikkilēṉ
Ich sinne nicht nach, verehre nicht, neige mich nicht vor den kleinen glöckchengeschmückten Füßen;
ich lobe nicht und begegne dem Pfauenreiter nicht.
Ich verwerfe die Unwahrheit nicht und verwirkliche die Wahrheit nicht –
wie sollen die Leiden meines Geistes und meines Körpers vergehen?
Das wiederholte „Ich … nicht“ ist ein Bekenntnis des Sängers. Es eröffnet den Wunsch, Erkenntnis, Verehrung und Lebensführung zusammenzubringen.
Hauptverse 61–80
Vers 61 – Die Schau ohne Grenze
புரையற்ற வேலவன் போதித் தவா, பஞ்ச பூதமுமற்
றுரையற் றுணர்வற் றுடலற் றுயிரற் றுபாயமற்றுக்
puraiyaṟṟa vēlavaṉ pōtit tavā, pañca pūtamumaṟ
ṟuraiyaṟ ṟuṇarvaṟ ṟuṭalaṟ ṟuyiraṟ ṟupāyamaṟṟuk
Der makellose Speerherr, vor dem Berge zerbrachen, Dämonenhäupter fielen und das Meer vertrocknete, hat es gelehrt:
jene Schau ohne die fünf Elemente, ohne Wort und gewöhnliches Erkennen,
ohne Körper, individuelles Leben und vermittelndes Verfahren,
ohne Grenze, Dunkelheit und „mein“ – das Sein in jener Freiheit!
Die Verneinungen bezeichnen eine Erfahrung jenseits der gewöhnlichen Begrenzungen. „Ohne Erkennen“ meint im Zusammenhang das Überschreiten gegenständlichen Wissens, nicht eine Verherrlichung von Dumpfheit.
Vers 62 – Was schmückt den Herrn?
மாலுக் கணிகலந் தண்ணந் துழாய்மயி லேறுமையன்
காலுக் கணிகலம் வானோர் முடியுங் கடம்புங்கையில்
māluk kaṇikalan taṇṇan tuḻāymayi lēṟumaiyaṉ
kāluk kaṇikalam vāṉōr muṭiyuṅ kaṭampuṅkaiyil
Den Herrn des Banyanbaums schmückt eine Girlande weißer Schädel;
Vishnu, der die Welt verschlang, schmückt kühler Tulasi.
Die Füße des Pfauenherrn schmücken Götterkronen und Kadamba-Blüten;
seinen Speer schmücken Meer, Sura und Meru.
Schmuck wird weit gefasst: Auch göttliche Taten werden zur Zierde. Der letzte Name lautet in der Textfassung Meru; die Übersetzung ersetzt ihn nicht durch einen anderen Berg.
Vers 63 – Woher kam mir diese Einsicht?
போதித்த நாதனைப் போர்வேல னைச்சென்று போற்றியுய்யச்
சோதித்த மெய்யன்பு பொய்யோ அழுது தொழுதுருகிச்
pōtitta nātaṉaip pōrvēla ṉaicceṉṟu pōṟṟiyuyyac
cōtitta meyyaṉpu poyyō aḻutu toḻuturukic
Der Herr lehrte die innere Betrachtung sogar jenem, dessen eine Körperhälfte grün ist.
Ist die erprobte wahre Liebe zu diesem Speerträger etwa unwahr?
Woher kam mir jene Einsicht,
die unter Tränen, Verehrung und schmelzendem Herzen Erfüllung fand?
Die grüne Hälfte ist Parvati in der gemeinsamen Gestalt mit Shiva. Der Sänger staunt über die ihm geschenkte Fähigkeit zur Hingabe.
Vers 64 – Dem Tod furchtlos gegenüber
வெட்டிப் புறங்கண் டலாதுவிடேன் வெய்ய சூரனைப்போய்
முட்டிப் பொருதசெவ் வேற்பெரு மாள்திரு முன்புநின்றேன்
veṭṭip puṟaṅkaṇ ṭalātuviṭēṉ veyya cūraṉaippōy
muṭṭip porutacev vēṟperu māḷtiru muṉpuniṉṟēṉ
Tod, der du auf dem wilden Büffel kommst: Ich lasse dich nicht gehen,
bevor ich dich vor aller Welt geschlagen und in die Flucht getrieben habe.
Ich stehe vor dem roten Speerherrn, der Sura im Kampf begegnete.
Tritt an! Das Schwert der Shakti liegt in meiner Hand.
Die kriegerische Sprache richtet sich gegen die Macht des Todes. Das Bild bringt die Zuversicht des Gottesdieners zum Ausdruck.
Vers 65 – Löse mich aus der Schlinge
கட்டும் பொழுது விடுவிக்க வேண்டுங் கராசலங்கள்
எட்டுங் குலகிரி யெட்டும்விட் டோடவெட் டாதவெளி
kaṭṭum poḻutu viṭuvikka vēṇṭuṅ karācalaṅkaḷ
eṭṭuṅ kulakiri yeṭṭumviṭ ṭōṭaveṭ ṭātaveḷi
Wenn der grimmige Tod auf seinem Büffel erscheint
und mich mit seinem Seil bindet, musst du mich befreien!
Du Herr des Pfaus, dessen Rad sich bis in unerreichbare Weite ausbreitet,
sodass die acht Richtungselefanten und die acht großen Berge entweichen!
Der gewaltige Pfau verkörpert Schutz, der den vertrauten Weltumfang überschreitet. Das Gebet bleibt persönlich: „Befreie mich.“
Vers 66 – Wissen, das nichts gibt
பார்க்கு மிடத்தந்த மின்போலு மென்பர் பசித்துவந்தே
ஏற்கு மவர்க்கிட வென்னினெங் கேனு மெழுந்திருப்பார்
pārkku miṭattanta miṉpōlu meṉpar pacittuvantē
ēṟku mavarkkiṭa veṉṉiṉeṅ kēṉu meḻuntiruppār
Sie sagen: „Der Körper ist wie eine Wasserblase; Reichtum bleibt nicht, er gleicht einem Blitz.“
Doch bittet man sie, einem hungrigen Menschen etwas zu geben,
stehen sie auf und gehen fort.
Wie vortrefflich ist doch die Weisheit jener, die den Speer-Kumara nicht lieben!
Der letzte Satz ist deutlich ironisch. Arunagirinathar prüft geistiges Wissen an Mitgefühl und konkreter Hilfe.
Vers 67 – Die kostbare menschliche Geburt
குறுகிப் பணிந்து பெறக்கற் றிலேன்மத கும்பகம்பத்
தறுகட் சிறுகட் சங்க்ராம சயில சரசவல்லி
kuṟukip paṇintu peṟakkaṟ ṟilēṉmata kumpakampat
taṟukaṭ ciṟukaṭ caṅkrāma cayila caracavalli
Ich habe die schwer zu erlangende Geburt empfangen,
doch nicht gelernt, mich deinen kleinen Füßen zu nähern, sie zu verehren und das Ziel zu erreichen.
Krieger auf dem furchtlosen, kleinenäugigen Elefanten mit schwellenden Schläfen,
du umarmst die verspielte Bergranke Valli mit zwölf berggleichen, reifengeschmückten Schultern![6]
Die gedrängte Bildfolge ist nach der Wortgliederung bei Kaumaram aufgelöst. Die seltene menschliche Geburt wird als Gelegenheit zu geistigem Erwachen angesprochen.
Vers 68 – Ruhen über dem Weltenende
ஓடுங் கருத்தை யிருத்தவல் லார்க்குகம் போய்ச்சகம்போய்ப்
பாடுங் கவுரி பவுரிகொண்டாடப் பசுபதிநின்
ōṭuṅ karuttai yiruttaval lārkkukam pōyccakampōyp
pāṭuṅ kavuri pavurikoṇṭāṭap pacupatiniṉ
Wer den umherlaufenden Geist an den Füßen Murugans mit dem einzigartigen Kriegsspeer festhalten kann,
bleibt im Höchsten, das alles überschreitet,
wenn Weltalter und Welt vergehen,
wenn Gauri singend im Kreis tanzt und Pashupati seinen Tanz vollzieht.
Gauri und Pashupati bezeichnen Parvati und Shiva. Der Vers preist die Beständigkeit geistiger Verankerung angesichts der kosmischen Auflösung.
Vers 69 – Das von dir geschenkte Schwert
கந்தச் சுவாமி யெனைத்தேற் றியபின்னர்க் காலன் வெம்பி
வந்திப் பொழுதென்னை யென்செய்ய லாஞ்சத்தி வாளொன்றினாற்
kantac cuvāmi yeṉaittēṟ ṟiyapiṉṉark kālaṉ vempi
vantip poḻuteṉṉai yeṉceyya lāñcatti vāḷoṉṟiṉāṟ
Kandaswami, du offenbartest einst vor deinem Vater das einzigartige Schwert der Erkenntnis.
Nachdem du mich zur Klarheit geführt hast,
was kann der erboste Tod mir noch tun?
Mit dem einen Shakti-Schwert werde ich seinen grausam zornigen Dreizack zerschneiden.
Erkenntnis und göttliche Kraft werden in einem Waffenbild verbunden. Das Vertrauen gründet in der Unterweisung des Guru.
Vers 70 – Beistand für Auge, Wort und Weg
மொழிக்குத் துணைமுரு காவெனு நாமங்கள் முன்புசெய்த
பழிக்குத் துணையவன் பன்னிரு தோளும் பயந்ததனி
moḻikkut tuṇaimuru kāveṉu nāmaṅkaḷ muṉpuceyta
paḻikkut tuṇaiyavaṉ paṉṉiru tōḷum payantataṉi
Den Augen sind seine zarten Lotusfüße Beistand;
der wahrhaftigen Rede sind die Namen „Muruga“ Beistand.
Gegen frühere Schuld sind seine zwölf Schultern Beistand;
auf dem gefürchteten einsamen Weg sind der scharfe Speer und Sengodans Pfau Beistand.
Die vierfache Wiederholung des Beistands macht den Vers zu einer Betrachtung göttlicher Zuflucht. Namenswiederholung und Wahrhaftigkeit gehören zusammen. Sengodan bezeichnet hier Murugan als Herrn von Tiruchengode.
Vers 71 – Die Essenz des Shiva-Yoga
தருத்தி யுடம்பை யொருக்கிலென் னாஞ்சிவ யோகமென்னுங்
குருத்தை யறிந்து முகமா றுடைக்குரு நாதன் சொன்ன
tarutti yuṭampai yorukkileṉ ṉāñciva yōkameṉṉuṅ
kuruttai yaṟintu mukamā ṟuṭaikkuru nātaṉ coṉṉa
Was nützt es, den Atem wie in einem Blasebalg einzuschließen,
ihn zu drehen und zu pressen und den Körper zu quälen?
Erkennt den Kern des Shiva-Yoga und bewahrt die Unterweisung des sechsgesichtigen Gurus im Herzen.
Seht: Dann ist Befreiung unmittelbar erreichbar.
Der Text kritisiert körperliche Anstrengung ohne Verständnis der Lehre. Die Übersetzung gibt diese Mahnung wieder; sie beschreibt keine anzuwendende Atemtechnik.
Vers 72 – Den Herrn nicht vergessen
வேந்தனைச் செந்தமிழ் நூல்விரித் தோனை விளங்குவள்ளி
காந்தனைக் கந்தக் கடம்பனைக் கார்மயில் வாகனனைச்
vēntaṉaic centamiḻ nūlvirit tōṉai viḷaṅkuvaḷḷi
kāntaṉaik kantak kaṭampaṉaik kārmayil vākaṉaṉaic
Senthan, Kandan, Herr des Berges Sengodu, König des rotstrahlenden Speers,
Entfalter edler tamilischer Lehre, Gemahl der leuchtenden Valli,
Träger duftender Kadamba-Blüten, Reiter auf dem dunklen Pfau:
Wer ihn nicht einmal für einen winzigen Augenblick vergisst, wird keinen Niedergang erfahren.
Die Namen und Bilder bilden eine Girlande des Erinnerns. Die Aussage ist eine Verheißung der Bhakti, die zur beständigen Hinwendung ermutigt.
Vers 73 – Die Seligkeit lässt sich nicht sagen
வாக்கும் வடிவு முடிவுமில் லாதொன்று வந்துவந்து
தாக்கு மநோலயந் தானே தருமெனைத் தன்வசத்தே
vākkum vaṭivu muṭivumil lātoṉṟu vantuvantu
tākku manōlayan tāṉē tarumeṉait taṉvacattē
Das Eine ohne Gehen und Kommen, Nacht und Tag, Außen und Innen,
ohne Wort, Gestalt und Ende berührt mich immer wieder.
Du schenkst das Versinken des Geistes und nimmst mich ganz zu dir, Sechsgesichtiger.
Diese Seligkeit lässt sich nicht aussprechen!
Manolaya bezeichnet hier das Versinken des Geistes. Die Strophe beschreibt eine geschenkte Erfahrung; sie entwickelt keine systematische Unterscheidung meditativer Zustände.
Vers 74 – Der Weg in die Weite
குராப்புனை தண்டையந் தாள்தொழல் வேண்டுங்கொடிய ஐவர்
பராக்கறல் வேண்டும் மனமும் பதைப்பறல் வேண்டு மேன்றால்
kurāppuṉai taṇṭaiyan tāḷtoḻal vēṇṭuṅkoṭiya aivar
parākkaṟal vēṇṭum maṉamum pataippaṟal vēṇṭu mēṉṟāl
Es bedarf der Gnade des Sohnes jenes Herrn, dessen Haarflechten die Schlange schmückt;
mit entfalteter Liebe muss man die mit Kura-Blüten und Reifen geschmückten Füße verehren.
Die Zerstreuung durch die grausamen fünf und das Zittern des Geistes müssen weichen.
In der Stätte ohne Nacht und Tag zu verweilen ist wahrlich nicht leicht.
Die göttliche Gnade und die Sammlung des Übenden gehören zusammen. Die „fünf“ werden erneut als Sinneskräfte angesprochen.
Vers 75 – Was bleibt uns als Zuflucht?
முடிக்கின் றிலைமுரு காவென் கிலைமுசி யாமலிட்டு
மிடிக்கின் றிலைபர மாநந்த மேற்கொள விம்மிவிம்மி
muṭikkiṉ ṟilaimuru kāveṉ kilaimuci yāmaliṭṭu
miṭikkiṉ ṟilaipara mānanta mēṟkoḷa vimmivimmi
Du sprichst den heiligen Namen Palanis nicht aus und trägst die Füße derer, die ihn preisen, nicht auf deinem Haupt.
Du rufst nicht „Muruga“, gibst nicht unverdrossen, auch wenn du dadurch ärmer wirst.
Du tanzt nicht schluchzend vor überströmender höchster Freude.
Mein Herz, welche Zuflucht bleibt uns nun?
Der Vers verbindet Palani, die Verehrung der Gottesdiener, Freigebigkeit und begeisterte Bhakti. Die Selbstanrede macht die Mahnung persönlich.
Vers 76 – Warum schuf Brahma mich so?
தாடாள னேதென் தணிகைக் குமரநின் றண்டையந்தாள்
சூடாத சென்னியு நாடாத கண்ணுந் தொழாதகையும்
tāṭāḷa ṉēteṉ taṇikaik kumaraniṉ ṟaṇṭaiyantāḷ
cūṭāta ceṉṉiyu nāṭāta kaṇṇun toḻātakaiyum
Welche Schuld habe ich gegen den unbestechlichen Brahma begangen,
mächtiger Bezwinger des Berges, Kumara von Tiruttani?
Er gab mir ein Haupt, das deine Füße nicht trägt, Augen, die dich nicht suchen,
Hände, die dich nicht verehren, und eine Zunge, die dich nicht besingt!
Die Klage gegen Brahma ist zugleich eine Klage über die eigene Unachtsamkeit. Körper und Sprache sollen Werkzeuge der Hingabe werden.
Vers 77 – Herz, schaue seine Füße
மால்வாங்கி யேங்கி மயங்காமல் வெள்ளி மலையெனவே
கால்வாங்கி நிற்குங் களிற்றான் கிழத்தி கழுத்திற்கட்டு
mālvāṅki yēṅki mayaṅkāmal veḷḷi malaiyeṉavē
kālvāṅki niṟkuṅ kaḷiṟṟāṉ kiḻatti kaḻuttiṟkaṭṭu
Verliere dich nicht sehnsüchtig in Gedanken an die farbenprächtigen Brüste der Frauen mit fischgleichen Augen.
Herz, schaue die blumengeschmückten Füße dessen,
der damals den Speer erhob, damit der Ehefaden der Gemahlin des Elefantenreiters nicht abgerissen werde.
Dessen Elefant steht weiß wie ein Silberberg.
Gemeint sind Indra, Shachi und der Elefant Airavata. Die Rettung des Götterkönigs wird über den Schutz seiner ehelichen Verbindung ausgedrückt.
Vers 78 – Wer nimmt den Reichtum mit?
போர்கொண்ட கால னுமைக்கொண்டு போமன்று பூண்பனவுந்
தார்கொண்ட மாதரு மாளிகை யும்பணச் சாளிைகையும்
pōrkoṇṭa kāla ṉumaikkoṇṭu pōmaṉṟu pūṇpaṉavun
tārkoṇṭa mātaru māḷikai yumpaṇac cāḷiைkaiyum
Ihr preist eure Größe, ohne den Herrn mit dem scharfen Speer zu loben.
Wenn der kriegerische Tod euch fortführt,
wer wird dann Schmuck, angetraute Frauen, Palast und Geldschätze mitnehmen?
Ach, eure Unwissenheit führt euch ins Verderben!
Die Aufzählung verdichtet alles, worauf weltliche Sicherheit gebaut wird. Die Frage fordert zu einer anderen Gewichtung des Lebens auf.
Vers 79 – Heile die Unruhe meines Herzens
சிந்தா குலந்தனைத் தீர்த்தருள் வாய்செய்ய வேல்முருகா
கொந்தார் கடம்பு புடைசூழ் திருத்தணிக் குன்றினிற்குங்
cintā kulantaṉait tīrttaruḷ vāyceyya vēlmurukā
kontār kaṭampu puṭaicūḻ tiruttaṇik kuṉṟiṉiṟkuṅ
Heile in Gnade die Sorge meines Geistes,
der sich im roten Fischblick der ballspielenden Mädchen verfängt.
Muruga mit dem roten Speer, Kanda auf dem von Kadamba-Blüten umgebenen Berg Tiruttani,
junger Kumara, Beschützer Amaravatis!
Die Schönheit der Welt und die Unruhe des Begehrens stehen nebeneinander. Das Gebet bittet um eine Freiheit, die durch Gnade erwächst.
Vers 80 – Erscheine vor mir auf dem Pfau
தோகைப் புரவியிற் றோன்றிநிற் பாய்சுத்த நித்தமுத்தித்
த்யாகப் பொருப்பைத் த்ரிபுராந் தகனைத் த்ரியம்பகனைப்
tōkaip puraviyiṟ ṟōṉṟiniṟ pāycutta nittamuttit
tyākap poruppait tripurān takaṉait triyampakaṉaip
Wenn der hoch aufragende Tod kommt und den Himmel berührt,
erscheine vor mir auf deinem gefiederten Reittier und bleibe dort!
Du Sohn der höchsten Glückverheißenden, die den reinen, ewig befreiten Berg der Entsagung,
den Bezwinger der drei Städte, den Dreiäugigen, als Hälfte in sich trägt!
Die Mutter ist Parvati, der Dreiäugige Shiva. Ihre gemeinsame Gestalt rahmt die Bitte um Murugans Gegenwart im Angesicht des Todes.
Hauptverse 81–100
Vers 81 – Seine Gestalt erfüllt mein Denken
ஆரா துமைமுலைப் பாலுண்ட பால னரையிற்கட்டுஞ்
சீராவுங் கையிற் சிறுவாளும் வேலுமென் சிந்தையவே
ārā tumaimulaip pāluṇṭa pāla ṉaraiyiṟkaṭṭuñ
cīrāvuṅ kaiyiṟ ciṟuvāḷum vēlumeṉ cintaiyavē
Das Kind trank die Milch der sechs Sternenmütter, wurde nicht satt und trank Umas Milch.
Sein Hüftgewand, das kleine Schwert und der Speer in seiner Hand
erfüllen mein Denken.
Tod, bleib fern! Kommst du dennoch, werde ich dein Leben nehmen.
Die scharfe Schlussanrede ist dichterische Todesüberwindung. Das Bild des göttlichen Kindes wird dem furchterregenden Gegner gegenübergestellt.
Vers 82 – Nimm Blüten und Herz an
புகட்டிப் பணியப் பணித்தரு ளாய் புண்ட ரீகனண்ட
முகட்டைப் பிளந்து வளர்ந்திந்த்ர லோகத்தை முட்ட வெட்டிப்
pukaṭṭip paṇiyap paṇittaru ḷāy puṇṭa rīkaṉaṇṭa
mukaṭṭaip piḷantu vaḷarntintra lōkattai muṭṭa veṭṭip
Gebiete mir in Gnade, den rotblättrigen Kadamba und mein Herz
zu deinen beiden Füßen zu bringen und mich zu verneigen.
Du Schrecken des grausamen Sura, der die Hülle von Brahmas Welt durchbrach,
bis zu Indras Welt aufragte und prahlend Krieg führte!
Blume und Herz bilden eine gemeinsame Opfergabe. Die Schilderung Suras zeigt den Umfang der Bedrohung, die Murugan überwindet.
Vers 83 – Der Weg öffnet sich
பூங்கழல் கட்டும் பெருமாள் கலாபப் புரவிமிசை
தாங்கி நடப்ப முறிந்தது சூரன் தளந்தனிவேல்
pūṅkaḻal kaṭṭum perumāḷ kalāpap puravimicai
tāṅki naṭappa muṟintatu cūraṉ taḷantaṉivēl
Der Herr, der die Götter aus ihrer Gefangenschaft befreite, band den Schmuck an seine kleinen Füße.
Als der gefiederte Pfau ihn trug und voranschritt,
zerbrach Suras Heer.
Als er seinen einzigartigen Speer aussandte, gaben die acht Berge den Weg frei.
Die kosmischen Hindernisse weichen der göttlichen Bewegung. Der Vers besingt Befreiung in den Bildern von Auszug und geöffnetem Weg.
Vers 84 – Deine Zuflucht, wenn alles andere weicht
கைவருந் தொண்டன்றி மற்றறி யேன்கற்ற கல்வியும் போய்ப்
பைவருங் கேளும் பதியுங் கதறப் பழகிநிற்கும்
kaivarun toṇṭaṉṟi maṟṟaṟi yēṉkaṟṟa kalviyum pōyp
paivaruṅ kēḷum patiyuṅ kataṟap paḻakiniṟkum
Ich kenne nur diesen Dienst, der mir möglich ist: „Kanda, Sohn des dunkelkehligen Herrn!“ zu rufen.
Wenn alles Gelernte vergeht, Verwandte und Heimat wehklagen,
wenn die vertrauten fünf mich verlassen und ich den Körper verlasse,
bist du meine Zuflucht.
Der dunkelkehlige Herr ist Shiva. Die fünf Sinne verlieren am Lebensende ihre vertraute Funktion; die Anrufung bleibt als geistige Ausrichtung.
Vers 85 – Richte das Herz auf seine Füße
வீட்டிற் புகுதன் மிகவெளிதே விழிநாசிவைத்து
மூட்டிக் கபாலமூ லாதார நேரண்ட மூச்சையுள்ளே
vīṭṭiṟ pukutaṉ mikaveḷitē viḻinācivaittu
mūṭṭik kapālamū lātāra nēraṇṭa mūccaiyuḷḷē
Wenn ihr den Geist in die Füße des Herrn der Waldtochter Valli versenkt,
ist das Eintreten in die Heimat der Befreiung sehr leicht.
Ihr Yogis, die ihr den Blick zur Nase richtet, den Atem innen zwischen Schädel und Muladhara führt
und ihn festhaltet, damit er nirgendwohin entweicht: Hört dies![6]
Die Auflösung der technischen Bildfolge folgt der Erläuterung bei Kaumaram. Der Vers wirbt für die Kraft der Hingabe; er ist hier als Dichtung wiedergegeben, nicht als Übungsanleitung zum Atemanhalten.
Vers 86 – Der Panzer seiner Gnade
சூலா யுதன் தந்த கந்தச் சுவாமி சுடர்க்குடுமிக்
காலா யுதக்கொடி யோனரு ளாய கவசமுண்டென்
cūlā yutaṉ tanta kantac cuvāmi cuṭarkkuṭumik
kālā yutakkoṭi yōṉaru ḷāya kavacamuṇṭeṉ
Der Speerträger Kandaswami ist Sohn des Dreizackherrn, den Vishnu mit Muschel und Rad und auch Brahma nicht erkannten.
Er trägt die Fahne des Hahns mit leuchtendem Kamm und bewaffneten Füßen.
Seine Gnade ist mein Panzer.
Welche Waffe könnte mich erreichen, selbst wenn ich Yama entgegenträte?
Panzer ist hier ein Bild göttlichen Schutzes. Die Erzählung vom unerkannten Shiva verweist auf dessen unergründliche Größe.
Vers 87 – Was kann Yamas Vorladung bewirken?
அமரா வதியிற் பெருமாள் திருமுக மாறுங்கண்ட
தமராகி வைகுந் தனியான ஞான தபோதனர்க்கிங்
amarā vatiyiṟ perumāḷ tirumuka māṟuṅkaṇṭa
tamarāki vaikun taṉiyāṉa ñāṉa tapōtaṉarkkiṅ
In Amaravati preisen die Götterscharen den Herrn: „Kumara, Zuflucht, Zuflucht!“
Die einzigartigen Asketen, deren Reichtum Erkenntnis ist,
schauen seine sechs Gesichter und leben in seiner Nähe als die Seinen.
Was könnte Yamarajas letzte Vorladung ihnen noch antun?
Die Zugehörigkeit zum Göttlichen bestimmt den Ton des Verses. Das Bild eines amtlichen Todesbefehls wird durch geistige Freiheit entkräftet.
Vers 88 – Erhebe mich aus schlechtem Umgang
குணம் கெட்ட துட்டனை ஈடேற்றுவாய் கொடியும் கழுகும்
பிணங்கத் துணங்கை அலகை கொண்டாடப் பிசிதர்தம் வாய்
kuṇam keṭṭa tuṭṭaṉai īṭēṟṟuvāy koṭiyum kaḻukum
piṇaṅkat tuṇaṅkai alakai koṇṭāṭap picitartam vāy
Ich verband mich mit Menschen, die Verehrung und Lob nicht kennen, und wurde haltlos und roh.
Erhebe mich!
Makelloser, du führtest den mächtigen Speer, sodass die Dämonen Blut und Fleisch ausspien,
während Raubtiere und Geier stritten und die Geister ihren wilden Tanz feierten.
Die erste Bitte betrifft die eigene Lebensführung. Die Schlachtfeldbilder bilden den kraftvollen Hintergrund des erbetenen Eingreifens.
Vers 89 – Brahma und seine Liste
தங்காலி லிட்ட தறிந்தில னோதனி வேலெடுத்துப்
பொங்கோதம் வாய்விடப் பொன்னஞ் சிலம்பு புலம்பவரும்
taṅkāli liṭṭa taṟintila ṉōtaṉi vēleṭuttup
poṅkōtam vāyviṭap poṉṉañ cilampu pulampavarum
Hat der Lotusgeborene, der mich in seine Liste eintragen will,
vergessen, wie er einst Fesseln an den Füßen trug?
Wenn unser Herr es erfährt – er kommt mit dem Speer, unter dem das Meer aufschreit und die goldenen Fußreifen klingen –,
wird der Viergesichtige nun doppelte Fesseln tragen!
Die Strophe spielt auf Murugans Gefangensetzung Brahmas an. Der humorvoll-kühne Ton stellt göttliche Gnade über die Festlegung erneuter Geburt.
Vers 90 – Die Sehnsucht nach viertausend Augen
மேலான தேவனை மெய்ஞ்ஞான தெய்வத்தை மேதினியிற்
சேலார் வயற்பொழிற் செங்கோடனைச்சென்று கண்டுதொழ
mēlāṉa tēvaṉai meyññāṉa teyvattai mētiṉiyiṟ
cēlār vayaṟpoḻiṟ ceṅkōṭaṉaicceṉṟu kaṇṭutoḻa
Den Neffen Vishnus, den Sohn des Tänzers in der Halle, den Gott über den Himmlischen,
den Gott wahrer Erkenntnis, den Herrn von Sengodu mit seinen fischreichen Feldern und Hainen:
Zu ihm möchte ich gehen, ihn schauen und verehren.
Doch jener Viergesichtige hat mir nicht viertausend Augen gegeben!
Darshan, die liebende Schau des Göttlichen, erscheint als unerschöpfliche Freude. Der Viergesichtige ist Brahma: Der Dichter klagt spielerisch, dass ihm für die Schönheit Murugans viel zu wenige Augen gegeben wurden.
Vers 91 – Den Herrn von Sengodu preisen
வருமா குலவனைச் சேவற்கைக் கோளனை வானமுய்யப்
பொருமா வினைச்செற்ற போர்வேல னைக்கன்னிப் பூகமுடன்
varumā kulavaṉaic cēvaṟkaik kōḷaṉai vāṉamuyyap
porumā viṉaicceṟṟa pōrvēla ṉaikkaṉṉip pūkamuṭaṉ
Gut ist es, den Neffen des dunklen Vishnu zu preisen,
der die Tochter der rötlichen Hirschkuh heimlich zu sich nahm, den Herrn der Hahnenfahne,
den Kriegsspeerträger, der den kämpfenden Dämon in Baumgestalt zerstörte, damit der Himmel lebe,
den Herrn Sengodus zwischen jungen Arekapalmen und heiligen Bäumen.
Die Hirschtochter ist Valli in ihrer Geburtslegende. Liebe, Kampf und heilige Landschaft werden zu einem einzigen Lob verbunden.
Vers 92 – Schenke mir den Lotus reiner Erkenntnis
தண்டையம் புண்டரி கந்தருவாய் சண்ட தண்டவெஞ்சூர்
மண்டலங் கொண்டுபண் டண்டரண் டங்கொண்டு மண்டிமிண்டக்
taṇṭaiyam puṇṭari kantaruvāy caṇṭa taṇṭaveñcūr
maṇṭalaṅ koṇṭupaṇ ṭaṇṭaraṇ ṭaṅkoṇṭu maṇṭimiṇṭak
Schenke mir den glöckchengeschmückten Lotus deiner Füße, der reine Erkenntnis heißt,
den deine Diener schauen, aufsuchen, schöpfen und trinken.
Beschützer, du nahmst den Speer, als der grausame Sura Welten an sich riss und prahlerisch vordrang,
damit die Götter nicht erschreckt auseinanderstoben!
Die Lotusfüße werden zugleich gesehen und wie Nektar getrunken. Der Wechsel der Sinnesbilder vermittelt die Fülle der Hingabe.
Vers 93 – Der Klang, den alle Welten hören
விண்கமழ் சோலையும் வாவியுங் கேட்டது வேலெடுத்துத்
திண்கிரி சிந்த விளையாடும் பிள்ளைத் திருவரையிற்
viṇkamaḻ cōlaiyum vāviyuṅ kēṭṭatu vēleṭuttut
tiṇkiri cinta viḷaiyāṭum piḷḷait tiruvaraiyiṟ
Der Klang der rechtsgewundenen Muschel Vishnus, dessen Nabel die Welt hervorbringt,
erreichte die duftenden Haine und Teiche des Himmels.
Doch das Klingen der Hüftglöckchen des Kindes, das spielend mit dem Speer den festen Berg zersprengt,
hörten alle vierzehn Welten.
Die Überbietung ist ein Ausdruck dichterischer Gottesliebe. Die kosmische Zahl vierzehn gehört zum traditionellen Weltbild.
Vers 94 – Was begehrst du, mein Herz?
வள்ளியை வேட்டவன் தாள்வேட் டிலைசிறு வள்ளைதள்ளித்
துள்ளிய கெண்டையைத் தொண்டையைத் தோதகச் சொல்லைநல்ல
vaḷḷiyai vēṭṭavaṉ tāḷvēṭ ṭilaiciṟu vaḷḷaitaḷḷit
tuḷḷiya keṇṭaiyait toṇṭaiyait tōtakac collainalla
Du begehrst nicht die Füße dessen, der die schelmische Valli freite, den Papagei im klaren Hirsefeld.
Stattdessen begehrst du Augen wie springende Fische, die kleine Ranken beiseiteschieben,
fruchtrote Lippen, verführerische Worte
und ein Lächeln aus glänzend weißen Perlen, mein Herz!
Die Bilder von Fisch, Frucht und Perle sind poetische Vergleiche für körperliche Schönheit. Der Sänger prüft die Richtung seines eigenen Begehrens.
Vers 95 – Die Weite ohne zweiten Zeugen
தோன்றாது சத்தியந் தொல்லைப் பெருநிலஞ் சூகரமாய்க்
கீன்றான் மருகன் முருகன் க்ருபாகரன் கேள்வியினாற்
tōṉṟātu cattiyan tollaip perunilañ cūkaramāyk
kīṉṟāṉ marukaṉ murukaṉ krupākaraṉ kēḷviyiṉāṟ
Solange die beiden Worte „ich“ und „selbst“ nicht vergehen, wird die Wahrheit niemandem offenbar.
Murugan, der Gnadenreiche, ist der Neffe dessen, der als Eber die uralte weite Erde durchdrang.
Durch das Hören seiner Unterweisung
kommt es zur Begegnung in der einzigartigen Weite, in der kein anderer Zeuge bleibt.[6]
Yāṉ und tāṉ sind in ihrem genauen Gegensatz auslegungsbedürftig. Der Vers wird hier als Aufhebung trennender Selbstvorstellungen gelesen; die Kaumaram-Erläuterung deutet ihn ausdrücklich nichtdual.
Vers 96 – Der Pfau jenseits der Grenzen
வடக்கிற் கிரிக்கப் புறத்துநின் றோகையின் வட்டமிட்டுக்
கடற்கப் புறத்துங் கதிர்க்கப் புறத்துங் கனகசக்ரத்
vaṭakkiṟ kirikkap puṟattuniṉ ṟōkaiyiṉ vaṭṭamiṭṭuk
kaṭaṟkap puṟattuṅ katirkkap puṟattuṅ kaṉakacakrat
Pfau des mächtig siegreichen Speerherrn, ließe man dich frei, um Leid zu beseitigen,
würdest du jenseits des nördlichen Berges dein Feder-Rad ausbreiten.
Jenseits des Meeres, der Sonne und des goldenen Weltenwalls,
jenseits aller Himmelsrichtungen würdest du schweifen!
Der Pfau überschreitet die Grenzen der kosmischen Landschaft. Das Bild vermittelt die Weite des göttlichen Beistands.
Vers 97 – Wenn der Pfau seine Flügel schlägt
ஆலித் தநந்தன் பணாமுடி தாக்க அதிர்ந்ததிர்ந்து
காலிற் கிடப்பன மாணிக்க ராசியுங் காசினியைப்
ālit tanantaṉ paṇāmuṭi tākka atirntatirntu
kāliṟ kiṭappaṉa māṇikka rāciyuṅ kāciṉiyaip
Der prächtige Pfau des Herrn von Sengodu mit seinen fischreichen Feldern
schlägt jubelnd gegen Anantas gekrönte Hauben.
Erschüttert liegen zu seinen Füßen die Haufen von Edelsteinen,
Vishnu, der die Erde beschützt, sein Rad und seine Muschel.
Die Übersteigerung gehört zum Lob Murugans und seines Reittiers. Sie wird als mythologische Dichtung bewahrt, ohne daraus eine systematische Rangordnung der Gottheiten abzuleiten.
Vers 98 – Mein Herz brennt vor Ratlosigkeit
நதிதனை யன்னபொய் வாழ்விலன் பாய்நரம் பாற்பொதிந்த
பொதிதனை யுங்கொண்டு திண்டாடு மாறெனைப் போதவிட்ட
natitaṉai yaṉṉapoy vāḻvilaṉ pāynaram pāṟpotinta
potitaṉai yuṅkoṇṭu tiṇṭāṭu māṟeṉaip pōtaviṭṭa
Keinen einzigen Ausweg sehe ich, Kanda, Speer-Muruga!
Ich hänge an diesem unwahren Leben, das wie ein Fluss verrinnt,
und schleppe das von Nerven umschnürte Bündel des Körpers umher.
Immer wieder beklage ich das Geschick, das mich so aussetzte, und mein Geist brennt.
Die Strophe gibt der Ratlosigkeit Raum. Gerade dieses ungeschönte Eingeständnis wird zum persönlichen Gebet.
Vers 99 – Wie eine Ranke ohne Stütze
தூவிக் குலமயில் வாகன னேதுணை யேதுமின்றித்
தாவிப் படரக் கொழுகொம் பிலாத தனிக்கொடிபோல்
tūvik kulamayil vākaṉa ṉētuṇai yētumiṉṟit
tāvip paṭarak koḻukom pilāta taṉikkoṭipōl
Vereine mich mit deinen rötlichen Lotusfüßen und bewahre mich in Gnade,
Herr auf dem prächtig gefiederten Pfau!
Wie eine einsame Ranke ohne Ast, an dem sie sich emporziehen könnte,
schwankt, welkt und zittert mein schuldiges, verlassenes Herz.
Das Bild der ungestützten Ranke ist eine der zartesten Bitten des Werks. Die ersehnte göttliche Nähe wird als Halt erfahrbar.
Vers 100 – Die Fessel ist gefallen
கெடுதலி லாத்தொண் டரிற்கூட் டியவா! கிரெளஞ்ச வெற்பை
அடுதலைச் சாதித்த வேலோன் பிறவி யறவிச்சிறை
keṭutali lāttoṇ ṭariṟkūṭ ṭiyavā! kirauñca veṟpai
aṭutalaic cātitta vēlōṉ piṟavi yaṟavicciṟai
Mich, der nicht einmal ans Geben dachte und dem Einsicht fehlte,
hast du in Liebe unter deine unvergänglichen Diener aufgenommen!
Speerherr, der du den Krauncha-Berg bezwangst: Das Gefängnis der Geburt ist geöffnet.
Ich bin frei; die Fessel bindender Taten ist abgefallen.
Der Hauptteil endet mit Gnade und der Gemeinschaft der Gottesdiener. Die anfängliche Bitte um einen Weg aus der Weltverstrickung findet hier ihre Antwort.
Schlussverse 101–107: Die Frucht der Rezitation
Diese sieben Verse werden als Nūṟpayaṉ, „Frucht des Werkes“, überliefert. Ihre Aussagen über Schutz, Krankheit und Überwindung des Todes sind religiöse Heilsverheißungen innerhalb der Murugan-Verehrung.
Vers 101 – Die Frucht des Verstehens
துலங்கா நரகக் குழியணு கார்துட்ட நோயணுகார்
கலங்கார் புலிக்குங் கரடிக்கும் யானைக்குங் கந்தனன்னூல்
tulaṅkā narakak kuḻiyaṇu kārtuṭṭa nōyaṇukār
kalaṅkār pulikkuṅ karaṭikkum yāṉaikkuṅ kantaṉaṉṉūl
Wer auch nur ein Gedicht aus den hundert Versen des guten Kandar Alankaram lernt und versteht,
fürchtet weder feindselige Könige noch den Kampf mit Yama,
gerät nicht in finstere Höllengruben, wird nicht von schlimmer Krankheit bedrängt
und erschrickt nicht vor Tiger, Bär und Elefant.
Dieser erste Schlussvers preist die Schutzwirkung des Werks. Die Aussagen sind religiöse Heilsverheißungen der Überlieferung, keine überprüfbaren Zusagen körperlicher Unverletzlichkeit.
Vers 102 – Der Guru wohnt in meinem Herzen
பொருவடி வேலுங் கடம்புந் தடம்புயம் ஆறிரண்டும்
மருவடி வான வதனங்க ளாறும் மலர்க்கண்களுங்
poruvaṭi vēluṅ kaṭampun taṭampuyam āṟiraṇṭum
maruvaṭi vāṉa vataṉaṅka ḷāṟum malarkkaṇkaḷuṅ
Die heiligen Füße, Fußreifen und Glöckchen, der Speer, der den Berg durchdringt,
die Kadamba-Blüten, zwölf breite Schultern,
sechs schöne Gesichter und Lotusaugen kamen in der Gestalt des Gurus
und nahmen Wohnung in meinem Herzen, das dabei kühl und friedlich wurde.
Die äußere Gottesgestalt wird zur inneren Gegenwart. Guru, Murti und Meditation verbinden sich im Bild des befriedeten Herzens.
Vers 103 – Zeige mir die Stätte ohne Nacht und Tag
குராப்புனை தண்டையந் தாளரு ளாய்கரி கூப்பிட்டநாள்
கராப்படக் கொன்றக் கரிபோற்ற நின்ற கடவுள்மெச்சும்
kurāppuṉai taṇṭaiyan tāḷaru ḷāykari kūppiṭṭanāḷ
karāppaṭak koṉṟak karipōṟṟa niṉṟa kaṭavuḷmeccum
Zeige mir die Stätte ohne Nacht und Tag, damit ich dort bleibe und dich preise;
schenke mir die mit Kura-Blüten und Reifen geschmückten Füße.
Als der Elefant rief, tötete der Gott das Krokodil und nahm dessen Dank entgegen; dieser Gott preist deine Tapferkeit.
Speerherr, Furchtbarer im Untergang der Dämonen!
Die Erzählung verweist auf Gajendra Moksha, Vishnus Rettung des Elefanten. Die Bitte gilt dem zeitübergreifenden inneren Verweilen.
Vers 104 – Wo ich deiner gedenke
பங்கே நிரைத்தநற் பன்னிரு தோளும் பதுமமலர்க்
கொங்கே தரளஞ் சொரியுஞ்செங் கோடைக் குமரனென
paṅkē niraittanaṟ paṉṉiru tōḷum patumamalark
koṅkē taraḷañ coriyuñceṅ kōṭaik kumaraṉeṉa
Mit rotglühendem scharfem Speer, heiligem Gesicht
und zwölf wohlgeordneten, schönen Schultern
erscheint Kumara von Sengodu, wo Lotusblüten Perlen des Blütenstaubs ausschütten.
Wo immer ich seiner gedenke, dort steht er vor mir.
Die dichterische Gegenwart wächst aus dem Erinnern. Das Naturbild der Lotusblüten lässt die heilige Landschaft mit dieser Erfahrung aufleuchten.
Vers 105 – Löse die Folgen meiner Taten
சேவிக்க என்று நினைக்கின்றி லேன்வினை தீர்த்தருளாய்
வாவித் தடவயல் சூழுந் திருத்தணி மாமலைவாழ்
cēvikka eṉṟu niṉaikkiṉṟi lēṉviṉai tīrttaruḷāy
vāvit taṭavayal cūḻun tiruttaṇi māmalaivāḻ
Obwohl ich weiß, wie Gefahr über mein Leben kommen kann,
denke ich nicht daran, deine gnadenreichen Füße zu verehren.
Löse in Gnade die Folgen meiner Taten,
Herr mit der Hahnenfahne auf Tiruttanis großem Berg, umgeben von Teichen und weiten Feldern, Kronjuwel der Götter!
Der Schluss bleibt auch nach den Siegesliedern offen für Selbstprüfung. Das Gebet verbindet Erkenntnis der eigenen Grenze mit Vertrauen.
Vers 106 – Wie eine Ameise auf brennendem Holz
உள்ளத் துயரை யொழித்தரு ளாயொரு கோடிமுத்தந்
தெள்ளிக் கொழிக்குங் கடற்செந்தின் மேவிய சேவகனே
uḷḷat tuyarai yoḻittaru ḷāyoru kōṭimuttan
teḷḷik koḻikkuṅ kaṭaṟcentiṉ mēviya cēvakaṉē
Nimm in Gnade den Kummer aus meinem Herzen,
das wie eine Ameise am brennenden Ende eines Holzscheits verzweifelt umherirrt.
Held von Senthil, an dessen Küste das Meer Millionen Perlen ausspült,
Vallis Gemahl, Juwel auf dem Pfau!
Das kleine, gefährdete Tier macht das Leiden des Sängers unmittelbar verständlich. Die Anrufung sucht bei Murugan Schutz und Ruhe.
Vers 107 – Ein wahrer Beistand
காலன் தனக்கொரு காலுமஞ் சேன் கடல் மீதெழுந்த
ஆலங் குடித்த பெருமான் குமாரன் அறுமுகவன்
kālaṉ taṉakkoru kālumañ cēṉ kaṭal mīteḻunta
ālaṅ kuṭitta perumāṉ kumāraṉ aṟumukavaṉ
Niemals werde ich den Tod fürchten, der mit Dreizack und kreisender Schlinge hinter mir herkommt.
Der Sohn des Herrn, der das aus dem Meer gestiegene Gift trank,
der Sechsgesichtige, hat seinen Speer und seine heilige Hand.
Sie sind uns ein wahrer Beistand.
Das Werk endet mit der Gewissheit des Beistands. Der Speer und die schützende Hand vereinen Kraft und Zuwendung; die Sammlung schließt im Vertrauen auf Murugan.
Zentrale Lehren von Kandar Alankaram
Gnade geht dem eigenen Verdienst voraus
Schon Vers 1 beginnt nicht mit einer Aufzählung eigener Leistungen, sondern mit dem Staunen über ein Geschenk. Der Dichter sieht einen Weg geöffnet, den er aus eigener Kraft nicht gefunden hätte. In Vers 100 kehrt dieses Motiv wieder: Die Aufnahme in die Gemeinschaft der Dienenden und die Befreiung aus den Fesseln werden als Gnade besungen. So entsteht ein weiter Bogen vom empfangenen Anfang zur erfahrenen Freiheit.
Liebe wird durch das Geben wahr
Besonders klar ist Kandar Alankaram dort, wo es das spirituelle Leben mit dem Umgang mit Besitz verbindet. Vers 18 fordert dazu auf, selbst eine winzige Portion zu teilen. Vers 51 nennt die Gabe eine Wegzehrung. Vers 66 entlarvt mit feiner Ironie ein Wissen, das zwar von Vergänglichkeit redet, aber einem hungrigen Menschen nichts gibt. Dana ist hier keine Nebensache: Die Bereitschaft zum Teilen prüft, ob Erkenntnis das Herz erreicht hat.
Stille ist eine Weise der Hingabe
Die wiederkehrende Einladung zur inneren Ruhe meint mehr als Schweigsamkeit. In Vers 10 wird die Grenze des Sagbaren berührt. Das Festhalten an Gedanken und eigenen Ansprüchen darf nachlassen. Diese Stille bleibt mit Murugan verbunden; sie wird als seine Gabe erfahren. Bhakti Yoga und Jnana Yoga begegnen einander, ohne dass die persönliche Gottesbeziehung verloren geht.
Der Guru führt über bloße Technik hinaus
Murugan erscheint als Guru, sogar als Lehrer Shivas. Die Verse über Atem, Körper und Erkenntnis stellen die Frage, was eine Übung letztlich trägt. Besonders Vers 71 und Vers 85 wenden sich gegen die Erwartung, innere Freiheit allein durch körperliche Beherrschung zu erzwingen. Daraus folgt keine pauschale Verwerfung von Hatha Yoga oder Pranayama; entscheidend ist der Vorrang von Gnade, Einsicht und Herzensausrichtung im vorliegenden Werk.
Die Erinnerung an den Tod vertieft das Leben
Die eindringlichen Bilder Yamas richten den Blick auf das Wesentliche: Was trägt, wenn Besitz, Ansehen und körperliche Kraft nicht mehr tragen? Der Dichter antwortet mit der Erinnerung an Murugans Füße, seinen Speer und seine schützende Hand. Solche Bilder können Mut schenken, ohne die biologische Sterblichkeit zu bestreiten. Sie sprechen von einem Vertrauen, das auch dort Halt sucht, wo der Mensch nichts mehr festhalten kann.
Kandar Alankaram lesen und im Alltag bedenken
Kandar Alankaram ist ein Rezitationstext. Zugleich lässt es sich langsam, Vers für Vers, als Einladung zur Kontemplation lesen. Eine einfache persönliche Annäherung kann so aussehen:
- Lies einen Vers zunächst in der deutschen Übersetzung. Nimm wahr, ob eine Bitte, ein Bild oder eine Frage dich besonders berührt.
- Höre, wenn möglich, die tamilische Rezitation und folge mit der Transliteration. Du musst nicht jede sprachliche Feinheit sofort verstehen.
- Verweile einen Moment in natürlicher, ungezwungener Stille. Lass den Vers nachklingen.
- Verbinde die Betrachtung mit einer kleinen Handlung: teile etwas, sprich freundlich oder hilf einem Menschen, der Unterstützung braucht.
Diese Anregung ist eine heutige Lesehilfe, keine im Werk vorgeschriebene Ritualfolge. Für den Einstieg eignen sich Vers 16 über Sammlung, Zorn und Geben, Vers 18 über das Teilen sowie Vers 66 über die Glaubwürdigkeit spirituellen Wissens. Die herausfordernden Verse können anschließend mit ihren Erläuterungen gelesen werden.
Verwandte tamilische Schriften und Tantra-Traditionen
Werke Arunagirinathars
- Tiruppugazh – Murugan-Lieder mit großer rhythmischer Vielfalt; in Kandar Alankaram selbst genannt.
- Kandar Anubhuti – eine eigenständige Dichtung über die Erfahrung göttlicher Wirklichkeit.
- Kandar Antati – eine weitere kunstvolle Murugan-Dichtung Arunagirinathars.
- Vel Viruttam, Mayil Viruttam und Seval Viruttam – Lobdichtungen über Speer, Pfau und Hahn.
Weitere tamilische Wege zu Gnade und Erkenntnis
Unmai Neri Vilakkam, Sivajnana Bodham, Sivaprakasam, Vina Venba, Irupa Irupathu und Kodikkavi erschließen den Lehrzusammenhang des Shaiva Siddhanta. Nenju Vidu Thoothu verbindet geistige Unterweisung mit der Sprache einer Botschaft des Herzens. Tirumantiram führt in die Verbindung von Shiva-Verehrung, Yoga und tantrischer Überlieferung. Agathiyar Jnanam und Kaduveli Siddhar eröffnen andere Perspektiven tamilischer Weisheitsdichtung. Ulladu Narpadu von Ramana Maharshi eignet sich als späterer, eigenständiger Vergleichstext zu Fragen nach Ich und Wirklichkeit.
Bezug zu Tantra und Agama
Die Verehrung Murugans lebt in einer Tempel- und Ritualwelt, die sich mit den Agama-Traditionen berührt. Kandar Alankaram ist jedoch selbst keine systematische Tantra-Schrift. Für einen thematischen Vergleich von Sammlung, Wahrnehmung und innerer Stille kann Vijnana Bhairava Tantra interessant sein. Eine direkte textliche Abhängigkeit wird damit nicht behauptet. Weitere Texte finden sich in der Kategorie Tamil Schriften.
Kandar Alankaram hören: Rezitation und Videos
Tamilische Rezitation – als Vollfassung veröffentlicht
Die Aufnahme von shruthi0000 trägt den Titel „Kandar Alankaram Full Version (All verses)“. Sie ermöglicht es, die Klanggestalt der Dichtung neben der Leseübersetzung wahrzunehmen. Die Bezeichnung als Vollfassung stammt vom Anbieter.
Kandar Alankaram – Rezitation auf YouTube
Kandar Alankaram – Teil 1
Die von Saregama South Devotional veröffentlichte Aufnahme ist ausdrücklich als erster Teil bezeichnet. Sie bietet einen weiteren Zugang zur tamilischen Aufführungstradition.
Kandar Alankaram – Part 1 auf YouTube
Die Videotitel und Anbieter wurden am 26. September 2026 geprüft. Aufnahmen können eine andere Verszählung oder Aussprachekonvention verwenden als die vorliegende Umschrift.
Yoga-Vidya-Seminare und weiterführende Praxis
Die Beschäftigung mit indischen Schriften kann durch gemeinsame Lektüre und regelmäßige Meditation vertieft werden. Informationen zu Yoga und die folgenden Seminarangebote bieten weitere Zugänge. Die Feeds enthalten allgemeine Angebote zu den genannten Themen; es handelt sich nicht ausschließlich um Seminare zu Kandar Alankaram.
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Meditation
- 28.10.2026 - 30.10.2026 Slow Down Yoga
Mit Slow Down Yoga gehst du einen Weg der bewussten Entschleunigung und Entspannung. Mit Hilfe von ausgesuchten Atem- und Körperübungen sowie Meditati…- Adidivya Andre
- 01.11.2026 - 08.11.2026 Meditationskursleiter Ausbildung Teil 1
Erfahre in dieser Ausbildung die Tiefen der Meditation. Meditation ist neben Yoga die wichtigste Übung aller spirituellen Wege. Wer täglich Yoga und M…- Jagadishvari Dörrer
Kandar Alankaram: Mit Vertrauen und offenem Herzen leben
In Kandar Alankaram darf der Mensch mit allem vor Gott treten, was ihn bewegt. Arunagirinathar kennt Unruhe, Begierde, Angst und das Scheitern guter Vorsätze. Er bringt auch sie in sein Gebet. Immer wieder wendet er sich Murugan zu, sucht die Gemeinschaft der Liebenden und erinnert an die einfache Kraft des Gebens.
Darin liegt die bleibende Ermutigung dieser Dichtung: Du kannst dich dem Heiligen zuwenden, während du noch suchst und ringst. Eine aufrichtige Bitte, ein geteilter Bissen, ein Augenblick stiller Aufmerksamkeit können den nächsten Schritt öffnen. Wie die Ranke in Vers 99 Halt sucht, darf sich das Herz dem anvertrauen, was es trägt. Und aus empfangener Liebe kann eine Liebe werden, die anderen Halt gibt. So wird das eigene Leben zu einem Schmuck des Lobes.
Siehe auch
- Arunagirinathar
- Murugan und Subrahmanya
- Skanda und Skanda Purana
- Bhakti Yoga und Jnana Yoga
- Guru, Gnade und Moksha
- Unmai Neri Vilakkam
- Tiruppugazh und Kandar Anubhuti
- Tirumantiram und Vijnana Bhairava Tantra
- Tamilische Schriften im Yoga-Vidya-Wiki
Quellen und weiterführende Literatur
- ↑ Tamil Virtual Academy: „Einige Werke Arunagirinathars“, Abschnitt 5.4; Angaben zum Aufbau und zur Bedeutung des Gebens in Kandar Alankaram. Tamilischer Lehrtext, abgerufen am 26. September 2026.
- ↑ Singaravelu Sachithanantham: Einleitung zu Kandar Alangkaram, Kaumaram; Überblick zu Titel, Autor und Werk. Die dortige Datierung wird hier nur als ungefähre Einordnung verwendet.
- ↑ K. V. Jagannathan: Kandar Alankara Sorpuzhivugal, Band 1, digitalisiert bei der Tamil Virtual Academy; Einordnung der hundert Verse als Kaṭṭaḷaik Kalittuṟai.
- ↑ Kaumaram: Kandar Alangkaram – vollständiger tamilischer Text. Hauptverse 1–100 und Schlussverse 101–107; abgerufen am 26. September 2026.
- ↑ Project Madurai: Arunagirinathars Kandar Anubhuti, Kandar Alankaram und weitere Werke, Unicode-Ausgabe; hier insbesondere der Abschnitt „கந்தர் அலங்காரம்“, Schutzvers „காப்பு“. Die weiteren Werke derselben Sammelseite gehören nicht zu Kandar Alankaram.
- ↑ 6,00 6,01 6,02 6,03 6,04 6,05 6,06 6,07 6,08 6,09 6,10 6,11 Kaumaram, Einzelerläuterungen unter anderem zu Vers 9, Vers 10, Vers 24, Vers 34, Vers 44, Vers 45, Vers 52, Vers 57, Vers 67, Vers 85 und Vers 95. Als Verständnishilfen verwendet, nicht als übernommene deutsche Übersetzung.
Textausgaben und Erläuterungen
- Kaumaram: Kandar Alangkaram, tamilischer Gesamttext. Grundlage der Haupt- und Schlussverse.
- Project Madurai: Werke Arunagirinathars. Vergleichsausgabe und Quelle des Schutzverses.
- Singaravelu Sachithanantham: Einführung in Kandar Alangkaram. Ergänzende Einführung und Zugang zu Einzelerläuterungen.
- Tamil Virtual Academy: Einige Werke Arunagirinathars. Lehrtext zur Werkgruppe, zum Umfang und zur ethischen Aussage des Gebens.
- K. V. Jagannathan: Kandar Alankara Sorpuzhivugal, Band 1. Tamilische Erläuterungen; Digitalisat der Tamil Virtual Academy.
Bild- und Mediennachweise
Die eingebundenen Bilder sind im Yoga-Vidya-Wiki unter Datei:Murugan - segent.jpg und Datei:TempelMurtiSubrahmanyamitseinenbeidenFrauenValliundDeivayanai.JPG nachgewiesen; Angaben zu Urheberschaft und Nutzung stehen auf den jeweiligen Dateiseiten. Videos und Seminarfeeds wurden am 26. September 2026 auf Erreichbarkeit und Titel beziehungsweise RSS-Format geprüft. Die Einbindung externer Medien kann sich nachträglich ändern.