Kanda Sashti Kavacham
Kanda Sashti Kavacham (Tamil: கந்த சஷ்டி கவசம், Kanta Caṣṭi Kavacam), auch Kandha Sashti Kavasam oder Skanda Shashti Kavacham geschrieben, ist einer der bekanntesten und meistgesungenen Lobgesänge auf Murugan in tamilischer Sprache. Der Name bedeutet „der Schutzpanzer des Skanda zum Sashti“. Kavacham heißt „Panzer“ oder „Rüstung“: Der Hymnus wird als geistiger Schutz verstanden, den der Verehrer anlegt, wenn er ihn singt.
Verfasst wurde der Hymnus im 19. Jahrhundert von Devaraya Swamigal im Murugan-Tempel von Chennimalai bei Erode in Tamil Nadu. Er ruft Murugan mit seinem Speer (Vel) an, jeden Teil des Körpers zu schützen, Krankheiten, Gefahren und negative Kräfte fernzuhalten und die Wirkung vergangener Taten aufzulösen. Zugleich preist er die Schönheit, Weisheit und Güte des göttlichen Kindes und Lehrers.
In Millionen von Haushalten in Tamil Nadu, Sri Lanka, Malaysia, Singapur und der ganzen tamilischen Welt wird das Kanda Sashti Kavacham täglich gesungen oder gehört, besonders an Dienstagen, an den Sashti-Tagen des Mondkalenders und während des sechstägigen Kanda-Sashti-Festes im Herbst. Für viele ist es das erste Gebet des Tages. Es verbindet volkstümliche Frömmigkeit mit der alten Mantra-Tradition und ist ein lebendiges Beispiel für die Kraft hingebungsvoller Rezitation.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Titel | Kanda Sashti Kavacham |
| Tamil | கந்த சஷ்டி கவசம் |
| Transliteration | Kanta Caṣṭi Kavacam |
| Bedeutung | „Schutzpanzer (Kavacham) des Skanda (Kanda) zum sechsten Tag (Sashti)“ |
| Verfasser | Devaraya Swamigal, auch Bala Devaraya Swamigal (19. Jahrhundert) |
| Entstehungsort | Subramanya-Swamy-Tempel in Chennimalai (Siragiri) bei Erode, Tamil Nadu |
| Gottheit | Murugan (Subrahmanya, Skanda, Kartikeya, Shanmukha) |
| Umfang | Vier einleitende Zeilen (Kappu), zwei Betrachtungszeilen und 238 Zeilen des eigentlichen Kavacham |
| Anlass der Rezitation | Täglich; besonders dienstags, an Sashti-Tagen und beim Kanda-Sashti-Fest (Oktober/November) |
Der Verfasser Devaraya Swamigal
Über Devaraya Swamigal ist historisch nur wenig bekannt; selbst sein Geburtsjahr wird in den Quellen unterschiedlich angegeben. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, arbeitete zunächst als Buchhalter und lernte die klassische tamilische Dichtkunst bei dem angesehenen Gelehrten Meenakshi Sundaram Pillai.
Die Überlieferung erzählt, Devaraya habe an schweren, unheilbaren Bauchschmerzen gelitten. Verzweifelt suchte er Zuflucht bei Murugan und begab sich während des Kanda-Sashti-Festes in den Tempel von Chennimalai. Dort, in tiefer Hingabe, sei ihm der Hymnus eingegeben worden. Mit dem Singen des Kavacham sei auch seine Krankheit geheilt worden.
Devaraya Swamigal verfasste insgesamt sechs Kavachams auf Murugan, die traditionell mit den sechs großen Heiligtümern Murugans in Tamil Nadu (Arupadai Veedu) verbunden werden. Das hier beschriebene Kavacham ist mit Abstand das bekannteste. Im Text wird Murugan unter anderem als „Siragiri Velavan“ angerufen, als Speerträger von Siragiri, dem alten Namen von Chennimalai. Viele Verehrer verbinden den Hymnus zugleich mit dem großen Murugan-Tempel von Tiruchendur am Meer, wo das Kanda-Sashti-Fest besonders prachtvoll gefeiert wird.
Aufbau des Hymnus
Das Kanda Sashti Kavacham folgt einer klaren Gliederung:
- Kappu (Schutzvers): vier Zeilen im Versmaß Venba, die den Nutzen der Rezitation verkünden.
- Betrachtung: zwei Zeilen im Versmaß Kural Venba, die den Blick auf Murugan richten.
- Kavacham: der Hauptteil mit 238 Zeilen im Versmaß Asiriyappa. Er besteht aus Anrufungen, Beschreibungen der göttlichen Gestalt, Schutzbitten für jeden Körperteil, Bitten um Schutz vor äußeren Gefahren und Lobpreis.
Der Name des Verfassers wird im Text selbst zweimal genannt.
Der Eingangsvers
Der Hymnus beginnt mit einem Vers, der den Segen der Rezitation zusammenfasst:
துதிப்போர்க்கு வல்வினைபோம் துன்பம்போம் நெஞ்சில்
பதிப்போர்க்குச் செல்வம் பலித்துக் கதித்தோங்கும்
நிஷ்டையுங் கைகூடும் நிமலர் அருள் கந்தர்
சஷ்டி கவசந் தனை.
Tutippōrkku valviṉaipōm tuṉpampōm neñcil
patippōrkkuc celvam palittuk katittōṅkum
niṣṭaiyuṅ kaikūṭum nimalar aruḷ kantar
caṣṭi kavacan taṉai.
Wer es preist, dem schwinden schweres Karma und Leid.
Wer es im Herzen bewahrt, dem gedeihen Wohlstand und Segen reichlich,
und auch die meditative Versenkung (Nishtai) gelingt –
durch dieses Kanda Sashti Kavacham, die Gnade des Reinen.
Eigene Übersetzung.
Bemerkenswert ist, dass neben äußerem Segen ausdrücklich Nishtai genannt wird, die meditative Versenkung. Der Hymnus versteht sich also nicht nur als Schutzgebet, sondern auch als Hilfe auf dem spirituellen Weg.
Inhalt des Kavacham
Die Anrufung Murugans
Der Hauptteil beginnt mit dem Bild Murugans, der zum Sashti herbeieilt, um den Frommen zu helfen, und mit der Bitte, er möge auf seinem Pfau schnell herbeikommen. Murugan wird mit vielen seiner Namen angerufen: als Saravanabhava, der im Schilfteich Saravana Geborene; als Träger des goldenen Speers; als sechsgesichtiger Shanmukha; als Sohn Shivas und der göttlichen Mutter.
Die heiligen Silben
Ein besonderes Merkmal des Kavacham sind Zeilen, in denen die sechs Silben des Mantras Saravanabhava (ச-ர-வ-ண-ப-வ) in immer neuen Kombinationen wiederholt werden. Diese Silbenfolgen sind nicht als gewöhnliche Sprache gedacht, sondern als Klangkraft (Bija), die den Geist sammelt und die Gegenwart des Göttlichen anruft. Hier zeigt sich die Verbindung des Hymnus mit der Mantra-Tradition.
Die Beschreibung der göttlichen Gestalt
Ausführlich beschreibt der Hymnus die Gestalt Murugans: seine zwölf Augen und zwölf Arme, seinen Schmuck, seine Waffen, seine strahlenden Gesichter, das heilige Zeichen auf seiner Stirn. Diese Beschreibung lädt zur inneren Betrachtung ein, ähnlich einer Meditation über die Gestalt des Göttlichen.
Der Schutz des Körpers
Das Herzstück des Kavacham ist die Bitte um Schutz für jeden Teil des Körpers, vom Scheitel bis zu den Füßen. Mit dem wiederkehrenden Ruf Kākka kākka kanakavēl kākka („Schütze, schütze, goldener Speer, schütze“) bittet der Verehrer, dass der Speer Murugans Kopf und Stirn, Augen und Ohren, Mund und Zunge, Hals und Brust, Arme und Hände, Bauch und Rücken, Beine und Füße behüten möge, bei Tag und bei Nacht.
Diese Form der Schutzbitte entspricht einer alten Praxis, die in der Sanskrit-Tradition als Nyasa bekannt ist: das Einsetzen göttlicher Kraft in die einzelnen Glieder des Körpers. Der Körper wird dadurch als Wohnstätte des Göttlichen geheiligt.
Schutz vor Gefahren
Anschließend bittet der Hymnus um Schutz vor allem, was den Menschen bedrohen kann: vor bösen Geistern und dunklen Mächten, vor Gift, wilden Tieren und Schlangen, vor Feinden, vor Krankheiten und Schmerzen. In lebhaften, manchmal dramatischen Bildern wird geschildert, wie der Speer Murugans alle diese Gefahren vertreibt.
Lobpreis und Segen
Der Hymnus schließt mit Lobpreis und mit der Verheißung, dass jeder, der das Kavacham mit Hingabe singt, Schutz, Gesundheit, Wohlstand und Gnade erfährt, frei von Furcht lebt und schließlich die Füße des Herrn erreicht.
Kanda Sashti: das Fest
Sashti bezeichnet den sechsten Tag der zunehmenden oder abnehmenden Mondphase und ist Murugan besonders geweiht. Das wichtigste Fest ist das sechstägige Kanda Sashti im tamilischen Monat Aippasi (Oktober/November). Es erinnert an den Sieg Murugans über den Dämon Surapadman, der nach der Überlieferung am sechsten Tag besiegt wurde. Die Legende erzählt, dass Murugan den Dämon nicht vernichtete, sondern verwandelte: Aus den beiden Hälften wurden der Pfau, sein Reittier, und der Hahn auf seinem Banner.
Während dieser Tage fasten viele Verehrer, besuchen die Tempel und singen das Kanda Sashti Kavacham oft mehrmals täglich. Am sechsten Tag wird in Tiruchendur und vielen anderen Tempeln der Sieg über den Dämon (Soorasamharam) in einem großen Schauspiel dargestellt.
Spirituell gedeutet steht der Kampf gegen Surapadman für den inneren Kampf gegen das Ego und seine drei Fesseln: Stolz, Begierde und Täuschung. Dass der Dämon verwandelt statt vernichtet wird, zeigt, dass auch die dunklen Kräfte im Menschen durch Gnade in Kräfte des Guten verwandelt werden können.

Der Speer (Vel) als Symbol
Der Speer (Vel) ist das wichtigste Symbol des Hymnus. Nach der Überlieferung erhielt Murugan ihn von seiner Mutter Parvati. In der spirituellen Deutung steht er für die Kraft der Erkenntnis (Jnana Shakti): Er ist lang und gerade wie ein klarer Gedanke, seine Spitze ist scharf, um Unwissenheit zu durchdringen, und breit, um weites Verstehen zu schenken. Wer den Schutz des Vel anruft, bittet letztlich um Weisheit, die vor Irrtum und Leid bewahrt.
Die Kavacham-Tradition
Schutzhymnen (Kavacha) gibt es in vielen Strömungen der indischen Spiritualität, etwa das Devi Kavacham in der Verehrung der göttlichen Mutter oder das Narayana Kavacham in der Vishnu-Tradition. Ihnen allen gemeinsam ist die Vorstellung, dass das Rezitieren göttlicher Namen und die Vergegenwärtigung des Göttlichen eine schützende Hülle um den Menschen bilden. Das Kanda Sashti Kavacham hat diese Tradition in tamilischer Sprache besonders volkstümlich gemacht.
Verbreitung in der Gegenwart
Im 20. Jahrhundert wurde das Kanda Sashti Kavacham durch Tonaufnahmen, besonders die weithin bekannte Aufnahme der Sulamangalam-Schwestern, in der ganzen tamilischen Welt verbreitet. Heute erklingt es täglich im Radio, in Tempeln und in Familien, in Indien ebenso wie in Sri Lanka, Malaysia, Singapur, Mauritius und in den tamilischen Gemeinschaften Europas. Viele Tamilen kennen es von Kindheit an auswendig.
Spirituelle Bedeutung für den Yoga-Übenden
Die Kraft der Rezitation
Das Kanda Sashti Kavacham ist ein Beispiel für die Wirkung von Japa und hingebungsvollem Singen. Das regelmäßige Rezitieren sammelt den Geist, stärkt das Vertrauen und öffnet das Herz. Die Tradition verspricht, wie der Eingangsvers sagt, auch Nishtai, die meditative Versenkung.
Den Körper als Tempel sehen
Die Schutzbitte für jeden Körperteil lädt dazu ein, den Körper bewusst wahrzunehmen und ihn als Wohnstätte des Göttlichen zu achten. Im Yoga findet sich dieser Gedanke etwa in der Tiefenentspannung, bei der die Aufmerksamkeit durch alle Körperteile wandert, und in der Übung des Nyasa.
Vertrauen statt Angst
Ein Schutzgebet kann aus Angst gesprochen werden oder aus Vertrauen. Der tiefere Sinn des Kavacham ist nicht, Furcht zu nähren, sondern sie aufzulösen: Wer sich vom Göttlichen gehalten weiß, kann gelassener durchs Leben gehen.
Das Mantra Om Saravanabhava
Der Hymnus kreist um das Mantra Om Saravanabhava, das auch einzeln als Mantra der Murugan-Verehrung wiederholt und im Kirtan gesungen wird. Auch Swami Sivananda schätzte die Murugan-Verehrung und empfahl die regelmäßige Rezitation der Murugan-Hymnen.
Beziehungen zu anderen Werken und Persönlichkeiten
Arunagirinathar, der große Murugan-Dichter des 15. Jahrhunderts, schuf mit dem Tiruppugazh, dem Kandar Anubhuti und dem Kandar Alangaram die bedeutendsten älteren Werke der Murugan-Dichtung, in deren Tradition das Kanda Sashti Kavacham steht. Schon das Tolkappiyam nennt Murugan als Gottheit der Berglandschaft, und im Silappatikaram wird ihm ein Tanz der Bergbewohner gewidmet. Mit Chidambara Swamigal und anderen späteren Dichtern teilt Devaraya Swamigal die innige Verbindung zu Murugan als Retter und Lehrer. Auch in der Tradition von Swami Sivananda wird Murugan verehrt; siehe dazu Skanda-Sivananda.
Anregungen für Yoga und Meditation
- Den Eingangsvers singen: Beginne deine Meditation mit dem Kappu-Vers oder einfach mit dem Mantra Om Saravanabhava. Lass danach die Stille wirken.
- Körperreise mit Segen: Wandere in der Entspannung mit der Aufmerksamkeit durch den Körper, vom Kopf bis zu den Füßen. Verbinde jeden Körperteil mit einem Gedanken des Schutzes, der Dankbarkeit oder des Lichts.
- Der Speer der Weisheit: Stelle dir den Vel als klaren Lichtstrahl der Erkenntnis vor, der Verwirrung und Angst durchdringt. Welche Einsicht brauchst du heute?
- Das innere Kanda Sashti: Nutze die Tage des Festes im Herbst oder eine selbstgewählte Woche, um bewusst an einer eigenen Schwäche zu arbeiten, nicht durch Kampf, sondern durch Verwandlung. Auch in deiner Yogapraxis kann das ein Leitgedanke sein.

Ein Schutz, der von innen kommt
Das Kanda Sashti Kavacham ist ein Hymnus der Zuversicht. Es entstand aus der Not eines kranken Menschen und wurde zum täglichen Gebet von Millionen. Wer es singt, legt eine Rüstung an, die nicht aus Metall besteht, sondern aus Vertrauen, Hingabe und dem Klang heiliger Namen. Sein tiefster Schutz ist die Weisheit, für die Murugans Speer steht.
Siehe auch
- Murugan
- Subrahmanya
- Shanmukha
- Arunagirinathar
- Tiruppugazh
- Kandar Anubhuti
- Kandar Alangaram
- Chidambara Swamigal
- Skanda-Sivananda
- Mantra
- Japa
- Nyasa
- Kirtan
- Bhakti Yoga
- Tamil
Quellen und Weblinks
- Kaumaram.com: Kandhar Shashti Kavasam, tamilischer Text.
- Kaumaram.com: Die sechs Kavachams von Devaraya Swamigal, tamilischer Text.
- Murugan Bhakti: Kanda Sasti Kavacam in Tamil and English.
- Wikipedia (englisch): Kanda Shasti Kavasam.
Seminare
Gemeinsames Singen, Studieren und Meditieren kann die Inspiration dieser Hymnen im Alltag lebendig werden lassen.
Mantras und Musik
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Bhakti Yoga
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18:45-19:45 Uhr- Shankari Susanne Hill
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