Guru Schüler Liebe

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Guru Schüler Liebe ist die Liebe zwischem dem Lehrer, dem Guru, und dem Schüler, dem Chela. Die Guru-Schüler-Liebe gilt als etwas ganz Heiliges. Die Guru-Schüler-Liebe gilt als Liebe in Reinstform. Guru-Schüler-Liebe wird auch als Guru Bhakti bezeichnet, die Hingabe an den spirituellen Lehrer. Diese Guru Bhakti, die Liebe des Schülers zum Lehrer, hat als Gegenpol die Liebe des Gurus zum Schüler.

Die Guru-Schüler-Liebe ist Grundlage für spirituelle Unterweisung

Guru Schüler Liebe als Grundlage für Shaktipat

Den Meister zu verehren spiegelt die Liebe des Schülers zum Lehrer.

Shaktipat, auch Shakti Sanchar bzw. Shakti Sanchara bezeichnet, ist die Übertragung spiritueller Kraft vom Lehrer auf den Schüler. Shakti Sanchar gilt als eine der großen Hilfen auf dem spirituellen Weg. Ein Guru kann dem Schüler spirituelle Kraft übertragen - und so den Schüler in tiefe spirituelle Erfahrung bringen. Damit diese Kraftübertragung stattfinden kann, braucht es eine Verbindung. Um mit einem anderen Menschen telefonieren zu können, muss eine Verbindung hergestellt werden. Die Verbindung für Shakti Sanchar ist die Guru Schüler Liebe.

Guru Schüler Liebe als Grundlage der spirituellen Unterweisung

Ein Guru unterweist den Schüler nicht nur intellektuell. Er gibt ihm Aufgaben, er zeigt ihm sein Ego. Damit ein Meister das machen kann, braucht er das Vertrauen des Schülers. Die Guru-Schüler-Liebe ist die Grundlage dieses Vertrauens. Wenn diese Liebe bedingungslos ist, kann der Guru den Schüler schulen, ihm helfen über die Grenzen von Ego und Gedanken zu kommen.

Guru-Schüler-Liebe über viele Leben

Laut der traditionellen Yoga -Lehren besteht die Guru-Schüler-Liebe über viele Reinkarnationen. Guru und Schüler kennen sich über viele Leben - daher spüren Schüler oft schon bei der ersten Begegnung mit ihrem Lehrer eine seltsame Vertrautheit. Guru-Schüler-Liebe überdauert auch den Tod des Meisters: Der Schüler spürt eine tiefe Liebe zum Guru - manchmal sogar ohne den Guru jemals im physischen Körper gesehen zu haben. Trotzdem spürt er, wie die Liebe des Meisters ihn erfüllt. Manchmal spürt der Schüler in der Meditation die Liebe des Meisters. Manchmal nimmt der Schüler die Führung des Meisters in Alltag mit starkem Herzensgefühl wahr.

Entwicklung der Guru-Schüler-Liebe

Guru-Schüler-Liebe ist nicht einfach nur da. Du kannst die Guru-Bhakti, die Liebe zu deinem Lehrer, kultivieren. Dafür gibt es die 9 Praktiken des Bhakti Yoga, die du auch für die Guru Bhakti nutzen kannst:

  • Shravana - lies Biografien über den Guru, schaue dir Videos über ihn an, lass dir von seinen Schülern Geschichten erzählen
  • Kirtana - singe Lieder, die den Namen des Guru enthalten
  • Smarana - denke immer wieder an den Guru, schau dir sein Bild an, visualisiere seine Gestalt, wiederhole geistig seinen Namen, sprich ein Gebet
  • Vandana - verbeuge dich vor dem Meister, vor seinem Bild, vor seinen Büchern
  • Padasevana - stelle das Bild des Meisters auf deinen Altar, schwenke Räucherstäbchen davor, entzünde eine Kerze, stelle Blumen vor das Bild des Meisters
  • Archana - Praktiziere rituelle Verehrung des Meisters, z.B. Darbringung von Blumen oder Reis
  • Dasya - diene dem Meister oder dem Werk des Meisters
  • Sakhya - entwickle das Gefühl der Freundschaft zum Guru
  • Atma Nivedana - übe vollständige Selbsthingabe - und erkenne, dass du und der Guru letztlich eins, der Atman seid.

Übe die Praktiken, die dir liegen - so entwickelst du die Guru-Schüler-Liebe am besten.

Missbrauch der Guru-Schüler-Liebe

Leider wird die so tiefe und vertrauensvolle Guru-Schüler-Liebe von unreifen Meistern missbraucht. Die Guru-Schüler-Liebe kann auf verschiedene Weisen missbraucht werden:

  • Der Guru nutzt den Schüler aus - und lässt sich von diesem bedienen, zieht ihm das Geld aus der Tasche etc., um selbst einen angenehmen Lebensstil zu haben
  • Der Guru genießt die Macht, die er über den Schüler hat, und genießt es den Schüler rumzukommandieren
  • Der Guru beginnt eine sexuelle Beziehung zum Schüler/in, die vom Schüler/in nicht wirklich gewollt wird

Leider ist der Missbrauch der Guru-Schüler-Liebe gar nicht so selten. Daher gilt auch hier: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet". Die Guru-Schüler-Liebe ist eine machtvolle Grundlage für spirituelle Unterweisung, spiritelle Erfahrung und höchste Verwirklichung. Es gilt, diese so rein wie möglich zu machen.

Charakteristikas eines reinen Gurus

Buddhistische Mönche in Thailand - Enthaltsamkeit leben

Bevor ein Schüler sich einem Guru anvertraut, sollte er den Guru prüfen. Wenn eine Liebe erst einmal missbraucht wurde, ist die Enttäuschung groß, die Verletzungen sind tief, es können sogar Traumata hervorgerufen werden. Das gilt bei jeder Liebe - und auch bei der Guru Schüler Liebe. Die Eltern kann man sich nicht aussuchen (mindestens vom Standpunkt dieses Lebens aus) - man kann sie in diesem Leben auch nicht austauschen. Man kann aber die Augen offen halten, bevor man jemanden als seinen Guru anerkennt. Folgende Kriterien werden für einen Guru gegeben, die man beachten sollte:

  • Der Guru kennt die Schriften und kann auch sagen, auf welche Schriften er sich bezieht
  • Der Guru spricht in Ehrerbietung von anderen Meistern und anderen spirituellen Traditionen - und andere anerkannte Meister wertschätzen diesen Guru
  • Der Guru behandelt die Schüler respektvoll
  • Der Lebensstilunterschied zwischen Guru und Schüler ist nicht sehr groß
  • Der Guru stellt sich nicht über den Schüler: Auch wenn in Indien der Meister mit großer Ehrerbietung behandelt wird, hat der Guru doch Respekt für seine Schüler. Und er sagt auch, dass die Schüler den gleichen Bewusstseinszustand erreichen können.
  • Der Guru hat einen ethischen Lebensstil - und nimmt sich selbst nicht von den ethischen Vorschriften aus
  • Der Guru behauptet nicht, dass er alle Arbeit für den Schüler tun kann. Zwar kann ein Guru Shakti, spirituelle Kraft, übertragen, und in der Gegenwart eines Gurus kommen tiefe Meditation und Einsichten, Erkenntnisse viel leichter. Dennoch betont der Guru, dass der Schüler selbst an sich arbeiten muss
  • Der Guru fühlt sich als Instrument Gottes - ist Kanal, und dabei demütig

Kennzeichen, dass etwas mit einem Guru nicht stimmt

Es gibt Anzeichen, die andeuten können, dass mit einem Guru etwas nicht stimmt. Einige davon:

  • Der Guru spricht sehr häufig vom Ende der Welt - und dass nur die eigenen Anhänger auserwählt seien
  • Es werden keine Quittungen gegeben, wenn gespendet wird. Es werden keine Zahlen offengelegt bzgl. Einnahmen/Ausgaben
  • Es gibt viele Gerüchte über sexuelle Beziehungen mit Schüler/innen
  • Mit ehemaligen Schülern wird sehr ruppig umgegangen. Wer die spirituelle Gemeinschaft verlässt, über den wird viel Schlechtes erzählt bzw. er wird sogar bedroht.
  • Der Guru lädt einen zu persönlicher Tantra Einweihung ein - das ist ein deutliches Signal, dass der Guru Sex will

Nicht das Kind mit dem Bad ausschütten

Auch Gurus sind noch Menschen. Durch manche Menschen ist göttliche Gnade stark spürbar - auch wenn sie noch viele persönliche Fehler haben. Hier sollte der Schüler auf der Hut sein: Die Guru Schüler Beziehung kann ihm/ihr viel geben - er/sie sollte jedoch unterscheiden zwischen spiritueller Unterweisung/Übertragung und Schwächen des Guru.

Insbesondere wenn ein Lehrer offen zugibt, nicht vollkommen zu sein, wird man ihm auch kleine Unvollkommenheiten nachsehen können - aber ihm auch keinen absoluten Gehorsam leisten.

Sexualität in der Guru Schüler Liebe

Die traditionelle Guru Schüler Liebe verträgt keine sexuelle Beziehung. Das mag in manchen tantrischen Traditionen ausnahmsweise anders sein - aber in der Yoga Vedanta Tradition ist das so.

Ein Guru kann verheiratet sein. Er kann sich scheiden lassen, wenn er fühlt, dass das Karma mit dieser Frau zu Ende ist. Es gibt auch Swamis (Mönche), die das Gelübde der Enthaltsamkeit, des Zölibats abgelegt haben, und die entgegen ihrem Gelübde eine sexuelle Beziehung zu einer Frau/Mann haben. Der Meister/die Meisterin kann trotzdem den Schüler unterweisen. Nur der Partner/die Partnerin des Guru ist nicht mehr der Schüler/die Schülerin, sondern eben Ardha, Partner.

Verliebtheit in der Guru Schüler Liebe

Manchmal geschieht es, dass ein Schüler, eine Schülerin sich in den Guru/die Meisterin verliebt. Viele Menschen kennen als tiefe Liebe nur die sexuelle Liebe bzw. die emotionale Liebe, die romantische Liebe. Sie verwechseln die tiefe Guru-Schüler-Liebe mit diesem Gefühl der Verliebtheit. Das geschieht auch schon zwischen Yogalehrer und Yogakurs Teilnehmer. Es ist dann die Aufgabe des Lehrers, der Lehrerin, die Verliebtheit nicht zu nähren, jedes Zusammensein zu zweit zu vermeiden und klar zu sein, wenn ihm/ihr die unsterbliche Liebe gestanden wird. Gar nicht selten fühlt die Schülerin/der Schüler sich dann abgewiesen und schimpft über den Lehrer, verbreitet manchmal auch falsche Gerüchte.

Es kommt also vor, dass ein Guru sich unethisch verhält. Es kommt aber auch vor, dass falsche Gerüchte über den Meister, die Meisterin in die Welt gesetzt werden.

Das Verliebtsein von Schüler in einen Lehrer ist letztlich ein ähnliches Phänomen wie das Verliebtsein von Fans in Fußballspieler, Musiker, Künstler, Sporttrainer etc. Es ist immer eine Aufgabe von Menschen, die lehren bzw. im Mittelpunkt stehen, besonders ethisch mit anderen umzugehen - und ein entstehendes Verliebtsein der Anhänger nicht für sexuelle Vergnügen auszunutzen.

Wenn aber der Lehrer Abstand hält, kann eine vorübergehende Verliebtheit durch den Schüler die Intensität der Verbindung erhöhen. Dann kann Verliebtheit reifen in eine echte Guru-Schüler-Liebe

Guru Schüler Liebe heute

Die Liebe zwischen Guru und Schüler ist auch heute ein wichtiger Transmissionskanal, d.h. ein Kanal, durch den spirituelle Weisheit fließen kann. Wenn ein Schüler eine tiefe Liebe zu einem Lehrer empfindet und dabei den Guru als Kanal des Göttlichen sieht, und der Lehrer/die Lehrerin sich ethisch verhält, kann der Schüler/in tiefe spirituelle Erkenntnis und Erfahrung, Erwachen bekommen. Sogar wenn der Guru nicht mehr im physischen Körper ist, kann durch das Lesen seines Buches, das Anschauen seines Bildes, der Schüler tiefe Liebe empfinden. Es gibt sogar viele Berichte von Menschen, die z.B. Swami Sivananda im Traum gesehen haben oder auch im Wachen eine Vision von ihm hatten, ohne jemals von ihm gehört zu haben. In vielen Fällen werden dabei Heilerstaunen berichtet, tiefes spirituelles Berührtsein, Hilfe bei einer Entscheidung. Und diese Menschen sind dann ganz erstaunt, wenn sie später erfahren, dass Swami Sivananda tatsächlich gelebt hat.

Siehe auch

Literatur

  • Anselm Grün, Das Hohelied der Liebe: Münsterschwarzacher Geschenkheft (2011)
  • Stephan Hachtmann, Berührt vom Klang der Liebe: Wege zum Herzensgebet (2012)
  • Thich Nhat Hanh, Jesus und Buddha - Ein Dialog der Liebe (2010)
  • Franz Jalics, Der kontemplative Weg (2010)
  • Johannes XXIII., Das Herz muss voll Liebe sein (2013)
  • Ayya Khema, Das Größte ist die Liebe: Die Bergpredigt und das Hohelied der Liebe aus buddhistischer Sicht (2009)
  • John Ortberg u.a., Die Liebe, nach der du dich sehnst: Vom Kopf ins Herz - Gottes Liebe fühlen lernen (2001)
  • Kordula Witjes u.a., Die Liebe wählen: Frère Roger, Taizé 1915-2005 (2013)
  • Petra und Erwin Würth, Zur Liebe befreit: Szenen aus dem Leben des Franziskus von Assisi (2011)

Weblinks

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