Meditationszustand

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Swami Sivananda über den Meditationszustand

Der indische Weise und Yoga Meister Swami Sivananda schreibt über diesen Zustand:

Wenn man in tiefem, traumlosem Schlaf liegt, erinnert man sich im allgemeinen nicht an das Geträumte oder ist in einem Zustand todgleicher Bewusstlosigkeit versunken, ein Vorgeschmack des Todes. Es gibt aber auch einen Schlaf, in dem man mit seinem ganzen Wesen in vollkommene Stille, Unsterblichkeit und Frieden eingeht und das Bewusstsein sich in Satchitananda, in das Absolute, versenkt. Diesen Zustand kann man kaum als Schlaf bezeichnen, da man vollkommen bewusst bleibt. Verharrt man einige Minuten in ihm, findet man mehr Ruhe und Erholung als nach Stunden gewöhnlichen Schlafs. Dieser Zustand ist kein Zufall; es bedarf vielmehr langer Schulung, um ihn zu erreichen.

Wird die Meditation tiefer, so wirkt man im allgemeinen durch den Kausalkörper (Karana Sharira), dessen Bewusstsein die Stelle des physischen einnimmt. Dies trifft bei den Yogis zu. Der Bhakta Yogi (Mystiker) wird eins mit Brahman und der göttlichen Erhabenheit (Aishvarya) teilhaftig. Er lebt in seinem ätherischen Körper, behält aber weiter seine Individualität, wie ein Strudel eins ist mit der Wassermenge und doch sein gesondertes Dasein behält.

Sechs Stufen der Meditation müssen durchlaufen sein, bevor die letzte, der Zustand des Überbewusstseins (Nirvikalpa Samadhi), erreicht wird, in dem die Wahrnehmung von Formen und Reflexen völlig aufhört und es weder ein Objekt der Meditation noch die Meditation selbst gibt. Der Meditierende und das Meditierte sind nach Erlangung der höchsten Erkenntnis und des ewigen Friedens eins geworden. Das ist das Ziel des Daseins, die endgültige Seligkeit des Lebens. Du bist gefestigt in der Weisheit, ein erleuchteter Jivanmukta, ein "im Leben Befreiter". Alle Leiden, Sorgen, Furcht, Zweifel und Täuschung sind genommen, wenn man eins geworden ist mit Brahman. Der Strom ist in das Meer eingegangen, ist zum Meer geworden. Alle Unterscheidungen und Verschiedenheiten sind aufgehoben. Du erkennst, dass du das Unsterbliche selbst bist, dass in Wahrheit alles Brahman ist, dass es nichts gibt außer Brahman.

Wenn nur noch eine Schwingung das Bewusstsein erfüllt (Vritti), ist der Samadhi in der Dualität (Savikalpa Samadhi) erreicht. Verebbt auch diese Schwingung, ist man im formlosen Samadhi (Nirvikalpa Samadhi) aufgegangen. Im Samadhi gibt es nicht mehr die begriffliche Dreiheit (Triputi): Erkennender, Erkenntnis und Erkanntes. Der Meditierende und der Gegenstand der Meditation, der Denkende und das Objekt des Denkens werden eins. Im Samadhi gibt es keine Meditation. Sie löst sich auf. Der Meditierende (Dhyata) und die Meditation (Dhyana) versinken im Gegenstand der Meditation (Dhyeya).

Zu Beginn wird man während der Meditation ruckartiges Schütteln in Kopf, Händen, Armen und Rumpf empfinden. Furchtsame werden sich ganz grundlos beunruhigen, denn es ist ohne Bedeutung. Die Meditation bewirkt Veränderungen in den Zellen des Gehirns und der Nerven. Alte Zellen werden durch neue ersetzt, die jung und kräftig sind, erfüllt von erhabenen Empfindungen (Sattva). Neue Gruppen, neue Kanäle, durch die die Sattva-Ströme fließen, neue Wege bilden sich in Bewusstsein und Gehirn und regen die Muskeln an. Man soll sich nicht davon beeinflussen lassen, sondern mutig und standhaft bleiben. Mut ist eine notwendige Tugend und Voraussetzung für den Anfänger.

Einige Tage lang wird sich wahrscheinlich keine Veränderung ergeben und der Schüler wird weiter unruhig bleiben. Wiederholt er seine Übung aber jeden Morgen, überlegt er sich, sobald er etwas Erregtes aussprechen will: Ich sollte geduldiger sein, so wird der Gedanke der Geduld zugleich mit der Erregung aufsteigen. Diese Wirkung wird anhalten, wenn er weiter seine Übung ausführt. Die Unruhe wird schwinden, und Geduld wird zu seiner natürlichen Haltung gegenüber allen Störungen. Auf diese Art kann er weiterhin die Tugenden der Sympathie, der Selbstbeschränkung, der Reinheit, der Demut, des Wohlwollens, der Großzügigkeit und Großmütigkeit in sich entwickeln.

Nur ein geschulter Geist, der seinen Körper vollkommen beherrscht, vermag in die Tiefe zu dringen und zu meditieren. Solange man lebt, soll man keinen Augenblick den Gegenstand der Sehnsucht und Versenkung (Brahman) aus den Augen verlieren, soll man keinen Augenblick dulden, dass er durch irdische Versuchungen verdunkelt wird.

Beim Atmen spürt man die ausgeatmete Luft bis etwa sechzehn Finger von der Nase entfernt. Ist man konzentriert, vermindert sich dieser Abstand langsam auf fünfzehn, vierzehn, dreizehn, zwölf, zehn, acht. Bei tiefer, schweigender Meditation entweicht kaum mehr Luft aus den Nasenlöchern. Gelegentlich können noch leichte Bewegungen von Lunge und Zwerchfell vorhanden sein. Nach der Natur des Atems läßt sich der Grad der Konzentration des Schülers bemessen. Es ist deshalb wichtig, die Atmung mit Sorgfalt zu überwachen.

Mit dem Fortschritt auf dem geistigem Weg wird es dem Schüler immer schwerer fallen, zu meditieren und gleichzeitig einen Beruf auszuüben, da auf diese Weise das Bewusstsein doppelt angespannt wird und es durch verschiedene Kanäle auf verschiedenen Wegen arbeiten und sich mit unterschiedlichen unbewussten Eindrücken (Samskaras) auseinandersetzen muss. Es wird ihm schwerfallen, den verschiedenartigen Anforderungen gerecht zu werden. Aus der Meditation erwachend, wird er sich erst langsam orientieren. Beginnt er mit der abendlichen Meditation, kostet es einen schweren Kampf, die unbewussten Eindrücke des Tages auszuwischen und die Gedanken in Ruhe auf einen Punkt zu richten. Oft sind Kopfschmerzen die Folge. Die Energie (Prana), die während der Meditation in besonderen Kanälen fließt und feinstofflich ist, wird während der weltlichen Tätigkeit andere Wege geführt und grobstofflich.

Fixieren sich die Gedanken während der Meditation, werden die Augäpfel unbeweglich. Ein Yogi mit ausgeglichenem Denken hat auch ein ruhiges Auge ohne Zwinkern, mit strahlendem Glanz, von reiner roter oder weißer Färbung. Die allmähliche Läuterung führt zu einer tieferen Einsicht in die Wahrheit. Dies ist die Gnade Gottes, die sich der meditierenden Seele erschließt. In diesem Gnadenstrom erwacht jenes Licht des Geistes, durch das Gott einen Strahl seiner wolkenlosen Herrlichkeit sendet und das von unbeschreiblicher Kraft ist.

Wenn der zentrale Kanal (Sushumna Nadi) wirksam ist, wenn der Atem durch beide Nasenlöcher strömt, ist die Meditation leicht und bereitet Freude. Das Bewusstsein ist ausgeglichen, die höheren Fähigkeiten (Sattva Guna) werden verstärkt. Deshalb sollte man sich in Meditation versenken, sobald die Sushumna sich zu öffnen beginnt.

Durch die Meditation vollziehen sich im Bewusstsein, Gehirn und Nervensystem beachtliche Veränderungen. Neue Nervenstränge, neue Schwingungen, neue Wege, neue Haltung, neue Zellen bilden sich. Das ganze Denk- und Nervensystem erneuert sich. Ein neues Herz, ein neues Bewusstsein, Empfinden und Fühlen, eine neue Denkweise, eine neue Schau des Weltalls als Offenbarung Gottes entfaltet sich. Ist das Bewusstsein mit Sattva erfüllt, leuchten intuitive Einfälle auf, Gedichte entstehen, die Bedeutung der Upanishaden wird auf wunderbare Weise erfasst.

Ein solcher Zustand wird bei einem Anfänger nicht lange anhalten. Geistige Schwere (Tamas) oder Unruhe (Rajas) werden vom Bewusstsein Besitz ergreifen. Zu Anfang wird der Fortschritt niemals beständig sein und anhalten. Glaubt man, fast am Ziel zu sein, erfährt man die nächsten fünfzehn bis zwanzig Tage nichts als Enttäuschung. Man springt von einem Zustand in den anderen und kommt nicht zu einer stetigen Entwicklung.

Eine intensive und ununterbrochene Enthaltsamkeit (Vairagya) ist notwendig, eine langanhaltende, geistige Schulung (Sadhana). Damit der Fortschritt stetig und sicher wird, ist für einige Jahre ein enger Kontakt mit dem Guru notwendig.

Bisweilen wird die Glückseligkeit, die der Meditation entspringt, durch bestimmte Empfindungen gestört. Die Sehnsucht nach Harmonie (Sattva) verstärkt sich während der Meditation, wird aber zugleich durch die Neigung zu innerer Unruhe (Rajas) gehemmt. Eine eigenartige Empfindung von Unsicherheit entsteht. In solchen Fällen soll man seine Übung unterbrechen und sich in Gedanken sagen: Ich habe jetzt nichts mehr zu tun und bin mit allem fertig. Nimmt Sattva durch Selbstbeobachtung zugleich mit stärkerem Sa- dhana und einer größeren Enthaltsamkeit (Vairagya) zu, wird diese Störung vergehen, und man wird wieder zu tieferer Meditation gelangen, eine Wohltat, die von Dauer sein wird.

Vollkommene Wesen (Siddhas) und Gottheiten (Devas) umgaben einst Uddalaka Muni. Eine Vielfalt weiblicher Gottheiten (Apsaras) war erschienen. Der Gott Indra bot ihm sein Paradies an. Uddalaka aber wies alles zurück. Umsonst entfalteten die Apsaras die Macht ihrer Reize und boten ihm Platz in ihrem himmlischen Wagen an, um ihn ins Paradies zu führen. »Springbrunnen der Unsterblichkeit wirst du dort finden, und himmlische Nymphen werden dir dienen. Deine große Enthaltsamkeit (Tapas) hat dir dies beschert. Du findest dort Chintamani (das Kleinod, das die Verwirklichung aller Wünsche gewährt).« Uddalaka, der Tapfere, widerstand allem, verharrte in seinem strahlenden Glanz und suchte nichts Irdisches. Erst nach sechs Monaten erwachte der Weise (Muni) aus seiner Ekstase (Samadhi). Tage, Monate, selbst Jahre konnte er in diesem Zustand verbringen und wieder erwachen.

Während des Samadhi glich Bali einer Statue. Auch Janaka und Prahlada verharrten einige Jahre lang statuengleich im Nirvikalpa Samadhi.

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