Künstliche Versteifungen der Wirbelsäule

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der Rücken - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Yoga bei künstlichen Versteifungen der Wirbelsäule

Hast du oder ein Teilnehmer von dir künstliche Versteifungen der Wirbelsäule

sei es durch Metall, sei es durch Knochendübel und willst du wissen, wie kannst du Yoga üben oder wie kann ein Teilnehmer von dir Yoga üben dann will ich (Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya) dir hier einige Tipps geben.

Dies ist kein Text, der Übungen beschreibt. Ich gebe in diesem Text keine konkreten Übungsanleitungen sondern ich gebe ein paar Tipps was heißt es für die Praxis für das Yoga bei künstlichen Versteifungen.

Zunächst einmal, was heißt künstliche Versteifungen? Die Wirbelsäule besteht aus Wirbeln, die miteinander verbunden sind mit Zwischenwirbelgelenken und dann Puffer haben als die Bandscheiben.

Es gibt jetzt zwei Gründe weshalb man künstliche Versteifungen vornimmt. Und es gibt auch mindestens zwei verschiedene Arten von künstlichen Versteifungen. Der Hauptgrund heutzutage für künstliche Versteifungen ist ein Unfall. Jemand hatte einen schweren Unfall, Verkehrsunfall, anderen Unfall wodurch die Knochen, die Wirbel geschädigt wurden wo die Gefahr besteht, das eventuell eine Rückenmarkskanalschädigung stattfindet, das nachher eine Querschnittslähmung stattfindet. Dann werden in einer Operation Wirbel gegeneinander versteift und so kann dem Menschen letztlich weiter ein Leben ohne Rollstuhl ermöglicht werden.

In früheren Zeiten gab es auch die Operation das bei vermutetem Bandscheibenvorfall die echte Bandscheibe heraus genommen wurde, ein Knochendübel aus der Hüftschaufel entnommen wurde und dieser Knochendübel zwischen zwei Wirbelkörper herein gesetzt wurde. Und so waren dann die beiden Wirbel gegeneinander versteift.

Ich schreibe das in der Vergangenheit. In früheren Zeiten war diese Operation gar nicht so selten. Und vor ca 30 Jahren hatte ich in den Yogakursen immer wieder Menschen mit dieser Art von künstlichen Versteifungen. Diese Operation wird heute ausgesprochen selten ausgeführt weil man weiß, dass die meisten Rückenprobleme mit Bandscheibenbeschwerden nichts zu tun haben. Man kann zwar einen Knochendübel einsetzen, doch die Schmerzen werden dadurch nicht weniger.

Es gibt aber auch immer noch seltene Male wo dieses ausgeführt wird. Grundsätzlich gilt, vor jeder Rückenoperation sollte man eine zweite und dritte Meinung einholen, insbesondere von jemandem, der nicht an der Operation verdient.

Aber wegen Unfällen gibt es auch weiterhin gute Gründe, dass solche Operationen gemacht werden. Und so ist vielen Menschen die Fähigkeit zu gehen erhalten geblieben.

Was heißt das jetzt für das Yoga? Die zweite Art von Rückenversteifung ist, man setzt Stäbe ein. Ich habe mal ein Röntgenbild gesehen von jemand, der hatte rechts und links neben der Wirbelsäule Metallstäbe, die von oben bis unten waren. Diese Stäbe hatten Schrauben in die einzelnen Wirbel. Die gesamte Wirbelsäule wurde aufrecht gehalten durch diese Stäbe. Man konnte aber auch sehen,dass manche der Wirbel nur noch teilweise vorhanden waren. Er hatte einen sehr schweren Autounfall und der Medizin sei Dank das er weiter leben konnte.

Natürlich hieß das, die ganze Wirbelsäule ist steif. Das Interessante war aber auch, er hatte keine Rückenprobleme. Man würde ja normalerweise annehmen jemand mit dieser Art, der muss ja Rückenprobleme haben. Hatte er aber nicht. Letztlich sind Rückenschmerzen weniger eine Frage der Statik sondern eher eine Frage der Verkrampfung der Rückenmuskeln, eventuell auch irgend ein Reiz durch Bindegewebe, eventuell Reiz von Nerven und so weiter.

Menschen, die künstliche Versteifungen haben, egal ob das nur örtlich lokalisiert ist weil ein, zwei Wirbel miteinander versteift worden sind oder auch der größte Teil der Wirbelsäule können Yoga üben. Es gilt nur, die statischen Einschränkungen zu beachten.

Ich gehe davon aus, dass nur Menschen in einen Yogakurs gehen, bei denen die Operation schon eine Weile zurück liegt, die Reha-Maßnahmen abgeschlossen worden sind und das ein Arzt sagt, dass sanfte sportliche Tätigkeit möglich ist.

Also wenn jemand sagt, er hatte gerade vor einer Woche die Operation gehabt ob er jetzt Yoga üben kann? Dann lautet die Antwort: "Solltest du nicht in eine Rehaklinik gehen?" Wenn dann gesagt wird: "ja, aber ich mag nicht. Ich will es mit Yoga machen". Dann solltest du als Yogalehrer eben sagen: "Mach die Reha mit. Das ist wichtig. Da bekommst du genau die richtigen Übungen gezeigt, die jetzt erst einmal wichtig sind. Du lernst wie du deinen Alltag gestalten kannst und so weiter".

Also wenn die Reha-Maßnahme zurückliegt, der Arzt letztlich gesagt hat, sanfter Sport ist möglich, dann kann der Mensch Yoga üben.

Was gilt jetzt vom Standpunkt des Yoga bei künstliche Versteifungen? Grundsätzlich aktiv sein ist wichtig. Muskelkraft ist wichtig. Dehnen soweit es möglich ist, ist wichtig. Kleine Bewegungen sind wichtig. Und Entspannung zu üben ist wichtig. Mit anderen Worten Yoga ist wichtig.

Also wenn jemand sagt, er hat eine künstliche Versteifung der Wirbelsäule, darf er Yoga üben? Die Antwort ist ein klares Ja.

Jetzt ist nur die Frage, welches Yoga ist möglich? Grundsätzlich gilt, man sollte nicht versuchen die versteiften Teile übermäßig zu dehnen. Weder da wo es versteift wurde noch die umliegenden Regionen. Also angenommen, jemand hat zwei Halswirbel gegeneinander versteift bekommen, dann sollte man die anderen Zwischenwirbelgelenke nicht übermäßig traktieren durch übermäßiges vor- und zurückbeugen.

Also bei Versteifungen in der Halswirbelsäule gilt, das man sehr sanft ran geht, das man den Schulterstand zunächst nicht in der Grundstellung macht sondern zwei Kissen oder ein Kissen unter das Kreuzbein und nur den Nacken auf den Boden und Kinn etwas hin ziehen. Aber jetzt nicht den Rumpf heben und bei dem Fisch den Hinterkopf am Boden halten und nur leicht nach hinten gehen.

Also nur wenig vor und zurück. Und natürlich auch bei den Drehungen gilt: Nur ganz wenig. Also alles was um die versteiften Wirbel herum möglich ist, nur sanft dehnen und nicht zu stark. Im Lauf der Zeit kann man ja schrittweise voran schreiten. Und dann kann man sehen, wie weit geht es ohne es zu übertreiben. Also vermeide starke Dehnungen. Und vermeide Übungen, bei denen man umstürzen kann.

Wichtig sind aber Stärkungsübungen. Also alle Muskeln sollte man stärken. Das heißt zum Beispiel isometrische Halsmuskelübungen nach vorne, zur Seite, nach hinten, auch drehend oder auch Brustmuskulatur, Bauchmuskulatur, Gesäßmuskulatur, Rückenmuskulatur, seitliche Rumpfmuskulatur, Oberschenkelmuskulatur, eigentlich alle Muskeln gilt es zu stärken. Wenn die Statik sich ändert, dann ist es wichtig, dass die Muskeln gefordert werden. Dann werden sich die Muskeln anpassen an die geänderte Statik und werden nicht so schnell weh tun.

Das Nächste was gut ist, sind so genannte Minibewegungen. Das heißt, die ganze Zeit leichte Bewegungen zu machen. Also angenommen jemand hat die Operation relativ kurz zurück liegen. Ich meine Rehamaßnahmen sind beendet und zwei bis drei Monate sind seit der Operation verstrichen, alles dazwischen sollen die Ärzte alleine entscheiden oder empfehlen und die darin spezialisierten Physiotherapeuten. Wenn das vorbei ist, dann gilt es immer wieder den Kopf zu bewegen wenn es in der Halswirbelsäule ist sanft vor und zurück, sanft von links nach rechts die ganze Zeit. Oder ansonsten alles was bewegbar ist bewegen.

Man kann die Schultern vor und zurück, ständig in Bewegung halten. Das gewöhnt die Muskeln und das Bindegewebe an die geänderte Statik. Und dann brauchen sie nicht weh zu tun und nicht protestieren.

Als Yogalehrender solltest du vorsichtig sein bei Hilfestellungen bei jemand mit künstlichen Versteifungen. Bitte schiebe niemanden oder ziehe niemanden in eine Stellung hinein, die er oder sie wegen den Versteifungen nicht machen sollte. Fange sanft an im Sinne der Dehnung und mache die Minibewegungen, vermeide Sturzgefahr und ansonsten stärke die Muskeln und in die Dehnung schaue wie weit es möglich ist.

Bei der Dehnung gilt nämlich auch es ist ja nicht nur die Wirbelsäule, die gedehnt wird. Wenn du zum Beispiel Rückbeugen machst, die Rückbeugen gehen ja auch aus dem Schulterbereich. Wenn man die Schultern zurück gibt, das geht auch ohne dass die Brustwirbelsäule genutzt wird. Oder wenn ich die Hand an den Fuß geben würde von hinten, das ginge theoretisch auch allein aus der Schulter- und Hüftflexibilität heraus.

Und so ist doch vieles an Rückbeugen möglich ohne das die Wirbelsäule gebeugt werden muss. Und auch die Vorwärtsbeugen gehen ja durchaus hauptsächlich aus den Hüftgelenken heraus. Da kann ruhig die Lendenwirbelsäule versteift sein und du kannst Einiges nach vorne gehen.

Fange sanft an. Gehe schrittweise weiter. Sogar bei der Drehung gilt das. Drehung ist gar nicht mal notwendigerweise hauptsächlich in der Wirbelsäule. Oft ist es der Schultergürtel selbst der sich drehen kann. Auch das Oberschenkelhüftgelenk kann eine Aduktion machen.

Also Einiges ist möglich. Sanft erkunden. Schrittweise voran schreiten. Und dann werden Menschen mit künstlichen Versteifungen in der Wirbelsäule feststellen: Yoga tut sehr gut.

Natürlich gilt wenn du echte Beschwerden hast dann frage Arzt oder Heilpraktiker. Alles was ich hier so schreibe sind mehr Hinweise und Tipps für das Patientengespräch mit deinem Arzt.

Kurzes Vortragsvideo zum Thema Yoga bei künstlichen Versteifungen der Wirbelsäule

Sprecher/Autor/Kamera: Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, Buchautor, Ausbildungsleiter zu Yoga und Meditation.

Siehe auch

Künstliche Versteifungen der Wirbelsäule gehört zu den Erkrankungen, Krankheiten. Insbesondere gehört Künstliche Versteifungen der Wirbelsäule zu den Erkrankungen des Bewegungsapparates, Schmerzerkrankungen.

Rückenschmerzen

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