Indriya Jaya

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Indriya Jaya, Sanskrit इन्द्रियजय indriyajaya, bedeutet Meisterschaft (Jaya) über die Sinne (Indriya), Sinnesbeherrschung, Sinneskontrolle. Die Indriyas, die Sinne, geben Informationen, ermöglichen die Orientierung in der Welt. Wir sollten aber keine Sklaven der Sinne sein - sondern diejenigen, welche die Sinne beherrschen, steuern können.

Indriya Jaya – Herrschaft über die Sinne

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Kommentar zum 48. Vers des Yoga Sutra von Patanjali

Patanjali schreibt: „ Ausführungen des Samyama auf die Wahrnehmungskraft, ihre eigene Natur, die Beziehung zu ihrer Funktion und zum Ego, führt zur Herrschaft über die Sinne“.

Zwei Aspekte der Herrschaft

Herrschaft über die Sinne kann man auf zwei Weisen interpretieren. In meinem Kommentar zum Yoga Sutra in dem Buch „Die Yoga Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“ beziehe ich mich auf beide Aspekte. Zum einen ist es wichtig und hilfreich die Sinne stärken zu können. Zum zweiten ist es wichtig die Sinne beherrschen zu können. Also Indriya Jaya, Jaya heißt auch Triumph, Sieg und heißt auch Herrschaft und Indriya sind die Sinnesorgane.

Wahrnehmungs- und Handlungsorgane

Gewürze - ein Angriff auf die Sinne

Es gibt zuerst mal die fünf Wahrnehmungsorgane und es gibt die fünf Handlungsorgane. Die Wahrnehmungsorgane, auch Jnana Indriyas bzw. Jnanendriya genannt, sind Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen.

Die Handlungsorgane sind Hände, Füße, Mund, Geschlechtsorgane und Ausscheidungsorgane. Über diese gilt es zum einen Beherrschung zu gewinnen, also sie kontrollieren zu können. Aber zum zweiten sie auch stärker werden zu lassen. Wie kannst du das jetzt machen? Patanjali rät zu Samyama, also über liebevolle Achtsamkeit. Du kannst zum einem Achtsamkeit üben auf die Wahrnehmungskraft des betreffenden Sinnes, dann auf ihre eigene Natur. Die Beziehung zu ihrer Funktion und zum Ego.

Beispiel Sehsinn

Normalerweise, wenn du etwas siehst, dann kommst du sofort zu allen möglichen Schlüssen. Du siehst zum Beispiel, das Essen, das zubereitet worden ist. Gleich sagst du, mag ich oder mag ich nicht. Oder du sagst, sieht so verbrannt aus oder nicht ausreichend gewürzt. Oder will ich gleich essen, oder mag ich nicht. Oder, warum hat der Mensch das soundso gemacht? Oder warum ist das schon kalt? Du denkst also gleich über alles Mögliche nach.

Stattdessen könntest du aber auch Samyama üben, auf das Hier und Jetzt. Beispielsweise kannst du einfach „bewusst“ sehen. Wenn du eine schöne Blume siehst, musst du nicht gleich überlegen, ob du sie abreißt, oder ob du sie mit nach Hause nimmst. Du kannst sie einfach auch so genießen und die Blume voll konzentriert sehen. Wenn du so die Blume siehst, dann stärkst du deine Sehkraft.

Auch wenn du einen Menschen ansiehst. Anstatt ihn gleich einzuschätzen, zu überlegen, mag er mich oder nicht, was denkt er über mich? Warum denkt er so über mich, usw. Oder sieht gesund aus, sieht krank aus. Wichtig ist es den Menschen unvoreingenommen anzuschauen und weniger analysieren, weniger zu urteilen usw. Lege stattdessen deine volle Bewusstheit auf das eigentliche „Sehen“ des Menschen.

Hören – Hörsinn

An mehreren Stellen hat Patanjali auch was über das Hören gesagt. Er sagte, du kannst einen Menschen besser verstehen, indem du dich auf den Klang seiner Worte konzentrierst. Nicht gleich überlegen, was kann ich dem Menschen sagen, was will er überhaupt sagen. Sondern bewusst hören. Oder auch bewusst riechen, bewusst schmecken.

Du kannst also deine Sinneswahrnehmungen stärken, indem du bewusst hörst, riechst oder schmeckst und das ganz bewusst machst ohne dich von etwas anderem ablenken zu lassen. Ohne darüber nachzudenken, beurteilen, reagieren usw.

Unterschied zwischen Sakshi Bav und Samyama

Übrigens ist das nochmal etwas anderes als die sogenannten Achtsamkeitstechniken. Bei den Achtsamkeitstechniken bist du dir bewusst, dass du hörst, riechst, schmeckst, fühlst. Aber du beobachtest das Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Das ist die Sakshi Bhav Technik, das Beobachten. Bei Sakshi Bhav bist du nicht identifiziert, du reagierst nicht, du überlegst nicht und urteilst nicht.

Sakshi Bhav und Samyama sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Dinge. Sakshi Bhav ist beobachten. Samyama ist voll eintauchen. Vielleicht magst du das ja ausprobieren. Dazu gibt es am Ende des Artikels eine Anleitung, mit der du bewusst etwas siehst oder vollständig hörst. Oder bewusst riechst. Ganz bewusst, mit voller Aufmerksamkeit, mit voller Intensität, mit voller Konzentration. Und das ist eine wunderschöne Erfahrung. Das kann dich in eine höhere Bewusstseinsebene bringen.

Dieser Vers ist aber nicht nur gedacht dass du deine Sinneswahrnehmungen intensivieren kannst. Sonders auch dass du sie beherrschen kannst. In dem du auch Samyama ausführst, eben auf die Beziehung des Sinnesorganes zu ihrer Funktion, zur Wahrnehmungskraft, die Natur und zum Ego.

Samyama - Die Beherrschung der Sinnesorgane an einzelnen Beispielen

Augen - Sehsinn

Du kannst dich zum Beispiel auf die Augen konzentrieren. Die Augen zählen zum Sehsinn. Du kannst dir dabei bewusst machen, dass du mit den Augen etwas sehen kannst. Das heißt, wenn du jemanden anschaust, dann sehen die Augen etwas. Du bist dir bewusst, dass du über die Augen etwas wahrnimmst. Es ist jedoch nicht ausreichend, dass die Augen etwas nur wahrnehmen, sondern sie müssen das Gesehene dann auch weitergeben an Citta, an den Geist. Dann identifiziert sich das Ego mit dem was gesehen wird. Indem sich das Ego damit identifiziert, entstehen natürlich Wünsche usw. Wenn du das Sehen aber neutral, ohne Interpretationen wahrnimmst, merkst du plötzlich, dass du deine Sinne beherrschen kannst.

Herrschaft darüber den Geschmackssinn

Mjam

Für viele der westlichen Aspiranten ist zum Beispiel der Geschmackssinn etwas. Du gehst irgendwo vorbei, siehst eine Schokolade und möchtest sie gleich kaufen. Oder du hast sie schon gekauft und du willst sie gleich essen. Wie kannst du die Herrschaft über diesen Sinn erlangen? Du könntest zum Beispiel die Zunge und Nase spüren. Denn letztlich besteht der Geschmacksinn nicht nur aus der Zunge, sondern auch Geruch zählen dazu. Dann spürst du wie diese Sinne „rausgehen“ zu der Schokolade. Gleichzeitig merkst du wie das irgendwelche Emotionen in dir hervorruft und irgendwas im Geist bewirkt. Du machst dir bewusst, wie sich das Ego identifiziert. Wenn du dich darauf konzentrierst, auf diese Verbindung von Schokolade über Mund und Nase und Wahrnehmung und Ego, dann bist du in der Lage zu Jaya, der Meisterung. Dann musst du die Schokolade nicht essen, du meisterst diesen Sinn.

Das waren einige Gedanken zum 48. Vers. Du kannst das Ganze auch noch mal nachlesen in meinem Buch „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“.

Dort findest du auch diese zwei Grundbedeutungen und eventuell magst du sie auch beide üben.

  • In dem du ganz bewusst hörst, siehst oder schmeckst (Sakshi Bhav Technik).
  • Oder auch in dem du Samyama übst auf den jeweiligen Körpersinn, seine Funktion und seine Beziehung zum Geist und zum Ego.

Das kann dir helfen frei zu werden von der Sklaverei der Sinne.

Video - Indriya Jaya im Yoga Sutra

Patanjali beschreibt im 3. Kapitel des Yogasutra, Vers 48, wie du Indriya Jaya, Sinneskontrolle erreichen kannst. Hier ein Kommentar dazu:

Siehe auch

Literatur

Seminare

Raja Yoga, Positives Denken, Gedankenkraft

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Shivakami Bretz,Ute Zöllner,