Gottesmensch

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Der Gottesmensch Rama gilt als Gottesmensch. Rama war Mensch, Rama war Inkarnation Gottes. Wenn du die Biografie von Rama liest, zum Beispiel im Epos „Ramayana„ von Valmiki oder auch von Tulsidas, dann verstehst du, was Gottesmensch heißt. Rama war wahrer Mensch und wahrer Gott.

Rama und Sita als glückliches Paar

Nach einem Artikel von Swami Sivananda im Buch Inspiration und Weisheit. Aus dem Kapitel „Rama“.

Gottesmensch

Rama war wahrer Mensch und wahrer Gott. Auf der einen Ebene hatte er einen menschlichen Körper, menschliche Emotionen und sogar menschliche Schwächen. Auf der anderen Ebene war Rama als Gottesmensch wahrer Gott. Er hatte einen tugendhaften Charakter. Er hatte sich bemüht, immer das Richtige zu tun. Er hatte riesige Kräfte und er war voller Liebe und Hingabe. Rama war die Verkörperung aller fünf Yamas im Yoga. Rama als Gottesmensch lebte Ahimsa (Nichtverletzen), Satya (Wahrhaftigkeit), Asteya (Nichtstehlen), Brahmacharya (Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens) und Aparigraha (Unbestechlichkeit) in hohem Maße. Du könntest sagen, Rama lebte insbesondere die letzten vier Yamas, während Buddha die Verkörperung des ersten der fünf Yamas ist. So ist Rama als Gottesmensch die Verkörperung von Rechtschaffenheit. Er ist die Verkörperung rechten Handelns, Verantwortungsbewusstsein und Pflichterfüllung.

Herkunft und Leben Ramas

Rama als Gottesmensch wurde in königlicher Familie als Sohn von Dasharathas geboren. Er wurde erzogen als Thronerbe. Aber er genoss nicht nur die Erziehung in Staatskunst, Kriegskunst und Regierungskunst, sondern wurde in seiner Jugend Schüler von Vashishta und von Vishvamitra. Er lebte einige Zeit im Ashram von Vashishta und erfuhr so die Weisheit von Vedanta. Er reiste durch die Länge und Breite des Königreiches, um alle Wesen zu erkennen und zu sehen, wie Menschen leben. Er lebte auch das einfache Leben der Bauern und der Diener wie auch das Leben der Kaufleute und Handwerker. Er wollte als Gottesmensch alles erfahren. Bevor er zum König gekrönt wurde, fand er seine Frau, Sita, die auch Gottesmensch war, denn sie war die Inkarnation von Lakshmi, außerdem Tochter von Bhumi Devi, der Göttin Erde, der Erdenmutter, der Erdgöttin. So wurden Rama und Krishna Gottesmenschen, verheiratet als Symbol, dass Gott sich auch auf dieser Welt inkarnieren kann als Mann und als Frau. Gottesmensch kann männlich und weiblich sein und kann sich letztlich miteinander verbinden. Aus der Verbindung von Rama und Sita sind später auch Kinder hervorgegangen.

Aber vorher gab es im Palast eine Intrige. Rama musste den Palast daraufhin verlassen. Rama als Gottesmensch hatte keine Probleme, den Palast zu verlassen, als seine Stiefmutter sagte: mögest du den Palast verlassen, damit mein Sohn gekrönt wird. Rama als Gottesmensch hing nicht an Nama, an Form, hing auch nicht an Ruf und Stellung. Er ließ das luxuriöse Leben des Palastes hinter sich, alle Macht hinter sich, die Schönheit hinter sich und ging in den Wald. Wir müssen uns bewusst sein: Waldleben ist kein angenehmes Leben. Stelle dir vor, du müsstest in den bayrischen Wald gehen und dort leben ohne Kleidung, ohne Geld, ohne etwas. Genau in dieses Leben ging Rama mit Sita hinein – ohne irgendetwas, nur bekleidet mit einem Lendenschurz, den Elementen ausgeliefert. Im indischen Sommer Hitze, 40-50 Grad. In der Regenzeit ohne Schutz dem Regen ausgeliefert. Im Winter in Nordindien die Kühle, die Kälte. Dieses Leben war der Gottesmensch Rama bereit zu führen. Wie der Ärmste unter den Armen, wie ein Bettler, zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder. Für Rama war dies alles kein Problem. Der Gottesmensch kann ein königliches Leben führen, er kann ein einfaches Leben führen, ein Bettlerleben führen. Aber Rama war als Gottesmensch glücklich im Wald. Er lebte dieses einfache Leben und genoss es zusammen mit seiner Frau einige Jahre lang. Er besuchte dabei auch Ashramas, die Einsiedleien von Heiligen. Er half ihnen, lehrte sie und nahm auch ihre Lehren an. Es war ein Geben und Nehmen.

Der Kampf um seine Liebe Sita

Aber irgendwann wurde ihm die Frau geraubt. Sita wurde von Ravana geraubt. Rama als Gottesmensch fühlte intensive Trauer und Verzweiflung. Wenn wir diese Phase im Ramanaya-Epos lesen, wo Rama lamentiert, wie schlimm es ist, dass seine Frau weg ist, dann können wir Trost bekommen, wenn wir selbst Liebeskummer haben oder etwas verlieren. Aber Rama überwand auch diesen Schmerz. Dann kam die Verantwortung: Ich muss Sita finden. Er hörte, dass Sita geraubt wurde von Ravana, und der Gottesmensch Rama hatte nun die Aufgabe, Sita wiederzugewinnen. Rama war im Wald. Er durfte nicht in menschliche Behausungen gehen, sich keine menschlichen Verbündeten suchen. Aber Gott als der Gottesmensch sucht sich eben das, was er machen kann. Er fand Verbündete in Affen und Bären, er kommunizierte mit ihnen und bekam die Hilfe der Natur. So gewann er Sita zurück.

Rama-Verkörperung überpersönlicher Liebe

Rama als Gottesmensch ging anschließend zurück nach Ayudya. Jetzt wurde er wieder König. Zum König gekrönt führte er wieder ein Luxusleben wie es Könige machen müssen. Aber mitten im Luxusleben blieb er rein und ethisch, voller Liebe. So war Rama Maryada Purushartha , der ideale Mensch, der Gottmensch. Er war Prema Murti, eine Verkörperung überpersönlicher Liebe. Rama lebte als Gottesmensch die Rolle eines idealen Sohnes, Bruders, Ehemanns, Freundes, Königs, sogar Vaters. Rama war als Gottesmensch die Verkörperung aller guten Handlungen, guten Eigenschaften und Fähigkeiten eines Menschen. Rama führte das vorbildliche Leben eines Menschen im Beruf und in der Familie. Er lehrte Menschlichkeit, Liebe. Er lehrte, wie man nach menschlichen und göttlichen Regeln und Gesetzen leben und dabei die Liebe bewahren kann. In Tulsidas Werk ist seine Regierungszeit beschrieben als Ramas Rad , die Herrschaft der Rechtschaffenheit. Er regierte sein Volk mit glücklicher Hand. Der Gottesmensch hatte eine Gottesstadt geschaffen: mit großartiger Staatsführung, mit Glück und Wohlstand für alle. So wurde Rama, der Gottesmensch, der Gotteskönig. Er regierte in einzigartiger Weise mit Gerechtigkeit, Tapferkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit, aber auch Gnade und Barmherzigkeit.

Rama, auch im Yoga Kontext eine häufig verehrte Gottheit

Der Gottesmensch als Mensch

Manche sagen, Rama hat sich doch auch nur verhalten wie ein normaler Mensch. Als seine Frau, die Geliebte Sita, entführt wurde, versank er in tiefer Trauer. Er weinte, er war untröstlich, er war verzweifelt. Rama war furchtbar betrübt und voller Trauer als sein Lakshmana von einem Pfeil getroffen zu Boden fiel und es so schien, als ob er tot wäre. Wie kann es sein, dass der Gottmensch trauert und verzweifelt ist? Die Antwort ist: Rama war der Gottmensch. Auf der einen Ebene war er das höchste Selbst. Er wusste, dass er das höchste Selbst war, in Wirklichkeit ist er nicht aus der Ruhe gekommen. Im tiefsten Inneren war er unberührt von allem. Aber Rama war auch Mensch. So führte er das scheinbare Leben eines normalen Menschen. Führ ihn war es auch die Aufgabe, dass er zeigen kann, dass auch menschliche Emotionen zu einem spirituellen Aspiranten dazugehören und dass man über diese menschlichen Emotionen hinauswachsen kann. Rama als Gottmensch spielte auch spiritueller Aspirant. Er gibt uns so die Lektion: Wir müssen an uns arbeiten. Wir müssen uns bemühen, in unserem Sadhana voranzuschreiten. Es ist wichtig, dass Ethik und Erkenntnis wachsen. Es ist wichtig, dass wir in Liebe wachsen. Aber bei all dem können wir auch durchgeschüttelt werden von Schicksalsschlägen und menschlichen Emotionen. Aber auch inmitten von menschlichen Emotionen und Schicksalsschlägen gilt es, immer wieder zu Gott zu kommen. Auf der relativen Ebene haben wir Emotionen, Gemütsschwankungen, Verzweiflung, Probleme, Trauer, Ekstase, Freude, Ärger und vieles mehr. Aber wir können uns wie der Gottmensch Rama bewusst machen: tief im Inneren ist Stille.

Der transzendente Aspekt des Gottesmenschen

Rama war nicht nur einfach vorbildliche, bedeutende Persönlichkeit, er war nicht einfach Mensch. Rama war Gottmensch, Gottesmensch. Er war der Sohn von Dasharatha und Kausalya. Aber er war die Inkarnation des Göttlichen, des Allgegenwärtigen, des Allmächtigen, des Allwissenden. Er war nicht einfach nur Inkarnation von Vishnu, sondern weil Vishnu letztlich das Allgegenwärtige ist, war Rama die Inkarnation des Allgegenwärtigen. Alles im Epos Ramanaya über den Gottesmenschen kann man auch spirituell interpretieren. Menschliche Mutter und Vater heißt letztlich Gott manifestiert sich als Vater, Mutter und Sohn. Sieg Ramas über den zehnköpfigen Ravana ist die Überwindung der zehn Sinne: fünf Wahrnehmungsorgane, fünf Handlungsorgane. Die Liebe zu Sita ist die Liebe Gottes zum Menschen und die Liebe Gottes zur Natur. Rama mit seinen besonderen Fähigkeiten bedeutet Gott auf Erden. Rama mit seinen Emotionen bedeutet, dass der Mensch sich mit seinen Emotionen auf Gott richten kann.

Der Name des Gottesmenschen

Der Gottesmensch Rama hat verschiedene Mantras. Rama ist das einfachste. Wiederhole „Rama Rama Rama“ und du wirst dich mit dem Gottesmenschen verbinden und über die Hingabe zu Rama eins werden mit Gott. Oder wiederhole „Om Sri Ramaya Namaha“ oder auch „Sri Ram, Jay Ram, Jay Jay Ram“. Wiederhole den Namen von Rama, wiederhole die Mantras von Rama. So verbrennst du Unwissenheit, alle negativen Eigenschaften, alles negative Karma. Wiederhole „Rama“, das bringt eine Fülle von Segnungen mit sich. Verbinde dich mit Mantra und Gebet und der Wiederholung von „Rama“ mit dem Gottesmenschen und über den Gottesmenschen im Reinen und im Unendlichen und im Ewigen. Möge der Segen des Gottesmenschen Rama mit dir sein. Mögest du durch die Wiederholung von „Rama“ und durch das Erinnern an Gott in einem Ozean spiritueller Ekstase baden. Möge Frieden, Wonne und alles Positive mit euch allen sein.

Video zum Thema Gottesmensch

Hier ein Vortragsvideo zum Thema "Gottesmensch":

Literatur

  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Götter und Göttinnen im Hinduismus (2008)
  • Swami Sivananda, Jnana Yoga, Hrsg.: Divine Life Society, 2007
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Japa Yoga (2003)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Swami Sivananda, Autobiographie von Swami Sivananda (1999)
  • Swami Sivananda, Shrimad Bhagavad Gita. Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda (1998)
  • Swami Sivananda, Gedanken zur Kontemplation (1996)
  • Swami Sivananda: Beauties of Ramayana Divine Life Society, 1996
  • Swami Sivananda, Hatha-Yoga. Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte (1964)
  • Swami Sivananda, Sadhana – Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit
  • Swami Sivananda: Feste und Fastentage im Hinduismus, Yoga Vidya Verlag
  • Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von Heute
  • Ramayana
  • Carl Capeller: Sanskrit Wörterbuch, nach den Petersburger Wörterbüchern bearbeitet, Strassburg : Trübner, 1887
  • Dowson, John: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion; D.K.Printworld Ltd., New Delhi, India, 2005

Weblinks


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