Das Ego aus yogischer Sicht

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Das Ego aus yogischer Sicht So lautet der Titel eines Seminars bei Yoga Vidya. Ich möchte aber unabhängig von diesem Seminar ein paar Worte dazu sagen, was Yogis über das Ego sagen.

Das Ego aus yogischer Sicht - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

5 Kleshas

Ego ist lateinisch und heißt einfach „Ich“. Wenn wir im Deutschen vom Ego sprechen, handelt es sich um die Identifikation. Wir finden verschiedene Yogakonzepte, in denen das Ego eine Rolle spielt. Am bekanntesten ist das Yoga Sutra von Patanjali. Dort gibt es die fünf Kleshas, die fünf Ursachen des Leidens – und dort ist das Ego eine der Ursachen des Leidens. Die fünf Kleshas sind:

Zu den Kleshas im Einzelnen:

Avidya

Avidya ist die Unwissenheit – du vergisst, wer du wirklich bist. Yogis sagen: „Deine wahre Natur ist reines BewusstseinSatchitananda – unendlich, ewig und weit. Du bist nicht der Körper, und du bist nicht die Psyche – Du bist das Absolute!“ Wenn du das vergisst, dann ist es Avidya. Der nächste Schritt, wenn du das vergessen hast, ist:

Asmita

Asmita bedeutet die „Identifikation“ - hier kommt letztlich das Ego ins Spiel, es identifiziert sich. Du identifizierst dich mit dem Instrument der Wahrnehmung und sagst: „Das ist mein Körper.“ beziehungsweise „Das bin ich.“ Du identifizierst dich mit deiner Psyche und sagst: „Ich bin introvertiert, extrovertiert, ich bin künstlerisch, handwerklich, logisch, spontan und so weiter.“ Das ist alles Ego, das Ego identifiziert sich: AsmitaIdentifikation.

Raga und Dvesha

Das Ego identifiziert sich nicht nur, sondern: Wenn du vergessen hast, wer du wirklich bist, und du identifizierst dich, dann wird das Ego Wünsche haben (Raga) oder es wird Dinge nicht mögen (Dwesha). Die Konsequenz ist: Das Ego bekommt

Das Ego aus yogischer Sicht - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Abhinivesha

Abhinivesha ist die Furcht vor dem Vergehen. Wenn du dich zum Beispiel mit dem Körper identifizierst, dann hast du Furcht davor, dass der Körper irgendwann kaputtgehen und krank werden kann, sterben und alt werden kann. Wenn du dich mit deinem Beruf identifizierst, dann hast du Angst, deine Arbeitsstelle zu verlieren. Angenommen, du identifizierst dich mit deinem Partner, dann hast du vielleicht Angst davor, dass er fremdgeht und so weiter.

Also: Aus Identifikation (Asmita) folgt Raga und Dvesha (Mögen und Nicht-Mögen) und Abhinivesha (Furcht vor dem Vergehen).

Unendlich und Ewig

Asmita ist also das Ego-Prinzip der Identifikation. Aus dem Ego-Prinzip der Identifikation kommt dann auch die Erwartung, dass das, was du eigentlich bist, du letztlich auch in dem Begrenzten bist. Yogis sagen: „Du bist unendlich und ewig.“ Wenn du dich nun mit deinem Körper identifizierst, dann hoffst du, dass er gesund bleiben möge und lange (vielleicht sogar dauerhaft) da sein möge – das ist das Ewige. Du willst auch das Unendliche, das heißt du willst frei sein, und um unendlich viel machen zu können brauchst du unendlich viel Geld und unendlich viel Macht.

In diesem Sinne: Das Ego identifiziert sich mit etwas Kleinem, und dann will das Ego das Kleine groß haben.

Indentifikation

Des weiteren will das Ego dadurch auch dauerhafte Freude haben, denn die Eigenschaft des Selbst ist eben auch Ananda. Wenn du dich mit nichts identifizierst und einfach im reinen Bewusstsein bist, ist große Freude. Wenn du dich mit etwas identifizierst, dann erwartest du, dass dieses dir Freude geben kann.

  • Wenn du dich mit dem Körper identifizierst, dann willst du, dass das, was du mit dem Körper machst, dir Freude bringt, zum Beispiel schöne Kleidung, schöne Umarmungen, Essen und so weiter. Du willst natürlich auch mehr Freude haben, und auch, dass es von anderen anerkannt wird.

Anerkennung

Du freust dich dann, wenn jemand sagt: „Du siehst schön aus.“ oder „Du hast abgenommen.“ und so weiter. Also: Menschen loben deinen Körper, und du freust dich. Wenn dein Ego sich mit deinem Intellekt identifiziert und jemand sagt: „Wow, es gibt keinen anderen, der so klug wie du bist.“ dann freust du dich.

Also: Weil das Ego sich identifiziert, entwickelt es Wünsche und Abneigungen, es braucht Bestätigung, es will das, womit es sich identifiziert, dauerhaft haben und es weiter ausdehnen. Man will sich besser fühlen und erwartet unendliche Freude aus etwas Beschränktem.

Befriedigung

Natürlich funktioniert das nicht und intuitiv weiß das jeder. Deshalb haben Menschen eine Unsicherheit, die sie dann mit einer Scheinsicherheit überspielen. Diese wird aber immer erschüttert, wenn das Schicksal anklopft: Wenn du nicht bekommst, was du willst. Oder, noch schlimmer: Du bekommst, was du willst, und es gibt dir keine Befriedigung und keine Zufriedenheit – du willst dann immer mehr haben.

Furcht vor Vergänglichkeit

Oder: Abhinivesha – Furcht vor dem Vergehen: Wenn das Schicksal anklopft und sagt: „Dein Job ist in Gefahr.“ oder „eventuell Krebsdiagnose“. Es klopft an und es zeigt sich, dass du dich nicht mehr an alles so gut erinnern kannst: „Ich sehe es nicht mehr so klar – was ist mit meinem Intellekt?“

So ist das Ego aus yogischer Sicht zum Einen notwendig, um in dieser Welt zu funktionieren, aber es ist aus yogischer Sicht eben auch das größte Hindernis. Deine wahre Natur ist unendlich, ewig und reine Freude. Nimm das Ego einfach nur als Instrument, um in dieser relativen Welt etwas zu tun, es ist die Verbindung mit Körper und Psyche. Aber identifiziere dich nicht mit dem, mit dem dich das Ego verbindet: Du bist das unsterbliche Selbst.

Die drei Gunas und das Ego aus yogischer Sicht

Im Sankhya gibt es noch eine andere Weise, das Ego zu sehen: Es gibt sattwiges, rajassiges und tamassiges Ego.

Tamassiges Ego

Tamassiges Ego ist das Minderwertigkeitsgefühl: Ich kann nichts, keiner mag mich, ich tauge nichts und so weiter. Das ist tamassiges Ego: Man traut sich nichts zu.

Rajassiges Ego

Dann gibt es rajassiges Ego: Ich bin besser als alle anderen, ich kann mehr als alle anderen und kriege mehr hin, die anderen müssen mich anerkennen und mich mehr loben – Ich brauche Mehr Mehr Mehr!

Sattwig-rajssiges Ego

Und dann gibt es das sattwige Ego, und davon gibt es zwei Aspekte: Das niedere sattwige Ego ist so ein bisschen „Ich bin besser als andere“: Ich brauche nicht mehr, ich bin zufriedener, ich lebe rein, und so bin ich etwas besser. Das ist sattwig-rajassiges Ego.

Höhere sattwige Ego

Dann gibt es das höhere sattwige Ego, das Ego eines Aspiranten, der eben sagt: Ich muss mich entwickeln, ich will mich entwickeln, ich will den Dienst an Gott tun, ich will den Willen Gottes tun. Ich werde mich bemühen, auf dem spirituellen Weg voranzuschreiten, ich will mich bemühen zu dienen und Gutes zu tun. Da ist noch eine Identifikation, aber es ist eine sattwige Identifikation, die dich erhebt und rein machen wird, und die dir irgendwann dazu verhilft, das Ego zu transzendieren und zu erkennen, wer du wirklich bist.

Diese Atma Anatma Viveka, die Unterscheidung zwischen Selbst und Nicht-Selbst, ist auch wichtig, um zu erkennen: Ich bin nicht die Begrenztheit, mit der mich das Ego identifizieren will. Übe, wie du über das Ego hinauswachsen kannst.

Wenn du mehr darüber wissen willst, gib bei Yoga Vidya „Wer bin ich“ ins Suchfeld ein, und dort findest du eine längere Abhandlung darüber, wer du wirklich bist.

Video Das Ego aus yogischer Sicht

Hier findest du einen Videovortrag über Das Ego aus yogischer Sicht :

Autor/Sprecher/Kamera: Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, Seminarleiter zu Yoga und Meditation.

Das Ego aus yogischer Sicht Audio Vortrag

Hier die Audiospur des oberen Videos zu Das Ego aus yogischer Sicht :

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Siehe auch

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