Arputha Tiruvantati
Arputha Tiruvantati (Tamil: அற்புதத் திருவந்தாதி; wissenschaftliche Umschrift: Aṟputat Tiruvantāti) ist eine tamilische Dichtung von Karaikkal Ammaiyar, einer der frühen großen Stimmen der Shiva-Bhakti. In 101 Versen spricht sie von einer Liebe, die Leid und Zweifel kennt und dennoch nicht versiegt. Sie preist, fragt, staunt und sorgt sich um ihren Herrn, als wäre er ihr nächster Angehöriger. So verbindet Arputha Tiruvantati geistige Tiefe mit menschlicher Wärme. Die Liebe wird zum Weg des Erkennens, und das Staunen hält diesen Weg offen.

Shiva erscheint als Licht im Herzen, als Herr der Welten und als Tänzer zwischen Feuer, Asche und Geisterwesen. Seine roten Haarflechten tragen den Mond und Ganga; seine dunkle Kehle erinnert an die Aufnahme des Giftes. Diese Bilder werden bei Ammaiyar zu einer lebendigen Begegnung. Die Dichterin sieht Schönheit, wo andere erschrecken, und findet Nähe, wo Worte an ihre Grenze kommen.
Arputha Tiruvantati gehört zum elften Band der Tirumurai, des tamilischen Kanons der Shiva-Verehrung.[1] Zusammen mit Tevaram, Tiruvachakam und Tirumantiram eröffnet es die Vielfalt der Gottesliebe in dieser Überlieferung. Ein Vergleich mit späteren Lehrwerken wie Unmai Neri Vilakkam, Sivaprakasam und Tirukkalitruppadiyar kann das Verständnis von Gnade, Erkenntnis und Hingabe vertiefen. Ammaiyars eigene poetische Stimme bleibt dabei der Ausgangspunkt.
Diese Ausgabe enthält alle 101 Verse: jeweils den tamilischen Text, seine römische Transliteration, eine eigene deutsche Übersetzung in Fettdruck und eine kurze eigene Erläuterung in Kursivschrift.
Arputha Tiruvantati: Name, Form und Überlieferung
Titel und gebräuchliche Schreibweisen
Neben Arputha Tiruvantati finden sich Arputha Thiruvanthathi, Arputhath Thiruvandhathi, Arpudha Tiruvantati und Arputat Tiruvantati. Aṟputam bedeutet Wunder beziehungsweise etwas Staunenswertes; tiru ist ein ehrender Bestandteil. Der Titel lässt sich sinngemäß als „Heilige Verskette des Staunens“ wiedergeben. „Wunder“ meint dabei mehr als ein ungewöhnliches Ereignis: Das ganze Verhältnis zwischen Mensch und Gott wird zum Gegenstand des Staunens.
Eine Girlande aus miteinander verbundenen Versen
Antāti verbindet antam, Ende, mit āti, Anfang. Ein Wort am Ende eines Verses wird am Anfang des nächsten wiederaufgenommen. So endet der erste Vers mit iṭar, Leid; der zweite beginnt mit iṭar, nun in der Frage nach dem Wegnehmen des Leids. Der letzte Vers endet mit piṟantu, „geboren, erwacht“; genau damit beginnt auch der erste Vers. Der Schluss führt damit in den Anfang zurück.[1]
Die Strophen stehen im tamilischen Veṇpā-Versmaß. Die deutsche Fassung gibt ihren Sinn in gut lesbarer Prosa wieder; sie versucht nicht, das tamilische Metrum oder sämtliche Wortverkettungen nachzubilden. Im Tamiltext und in der Transliteration bleibt die Abfolge vollständig erhalten.
Stellung im Tirumurai
Arputha Tiruvantati wird im elften Tirumurai überliefert. Die hier verwendete Ausgabe zählt es innerhalb dieses Bandes als Abschnitt 2.4 und führt die Verse als Gesamtverse 44–144. Die Nummern 1–101 dieser Darstellung sind die werkinterne Zählung. Vers 101 ist kein nachträglich hinzugefügter moderner Kommentar, sondern der mitüberlieferte Schlussvers über die Frucht des Preisens.[2]
Karaikkal Ammaiyar: Dichterin und Shiva-Verehrerin
Eine frühe weibliche Stimme der Bhakti
Karaikkal Ammaiyar bedeutet etwa „die verehrte Mutter von Karaikkal“. Sie gehört zu den Nayanmar, den verehrten tamilischen Shiva-Heiligen. Die genaue Lebenszeit ist nicht gesichert: Häufig wird sie dem 5. oder 6. Jahrhundert zugeordnet; Darstellungen der Tamil Virtual Academy nennen auch eine frühere Einordnung ins 4. oder 5. Jahrhundert. Ein einzelnes Geburts- oder Todesjahr lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten.[3][4]
Zu den ihr zugeschriebenen Werken gehören neben Arputha Tiruvantati die Tiru Irattai Manimalai und zwei als Tiruvalangattu Mutta Tiruppatikam bekannte Hymnen. Diese Dichtungen werden ebenfalls im elften Tirumurai überliefert.[3]
Die Lebensgeschichte in der Heiligenüberlieferung
Die spätere Überlieferung nennt sie Punitavati. Sie erzählt von ihrer Gastfreundschaft gegenüber Shiva-Verehrenden, von einer wundersam geschenkten Mango und davon, dass ihr Ehemann sie schließlich als heilige Frau verehrte. Punitavati bat daraufhin um eine Gestalt, in der sie ganz zu Shivas Gefolgschaft gehören könne. Sie erhielt die Gestalt eines pēy, eines geisterhaften Wesens, und suchte die Nähe des tanzenden Herrn.[5]
Diese Erzählungen gehören zur Hagiografie, zur religiösen Lebensdarstellung einer Heiligen. Sie erschließen die Verehrung Ammaiyars, sind aber von historisch nachweisbaren Lebensdaten zu unterscheiden. Im Gedicht selbst nennt sie sich am Ende Kāraikkāṟ pēy, „Geisterwesen von Karaikkal“. Ihre fremdartige Erscheinung wird zum Zeichen einer neuen Zugehörigkeit. Sie ist in dieser Dichtung keine minderwertige Gestalt, sondern eine Verehrerin in der Nähe Shivas.
Ein Bildzeugnis ihrer Verehrung
Eine Bronzefigur Karaikkal Ammaiyars im Metropolitan Museum of Art zeigt die anhaltende Bedeutung der Heiligen in der südindischen Kunst. Das Museum datiert dieses konkrete Werk in das späte 13. Jahrhundert; es ist damit ein Zeugnis späterer Verehrung und kein zeitgenössisches Porträt.[6]
Zur deutschen Übersetzung und Transliteration
Der tamilische Grundtext folgt Project Madurai, E-Text 0126. Die deutsche Übersetzung wurde unmittelbar an diesem Text neu erarbeitet. Tamilische Erläuterungen wurden punktuell zur Klärung schwieriger Wortverbindungen herangezogen. Die Kommentare unter den Versen sind eigene Erläuterungen; sie unterscheiden zwischen Wortlaut, Überlieferungshintergrund und heutiger Betrachtung.[7]
Die Fassung ist eine eigene deutsche Arbeitsübersetzung; sie beansprucht keine abschließende philologische Klärung sämtlicher Lesarten. Unsichere Bezüge werden unmittelbar bei den betreffenden Versen benannt, insbesondere bei 8, 12, 24, 37, 47, 56, 78, 82 und 86. Die vertraulichen Fragen an Shiva, die drastischen Bilder und die persönliche religiöse Entschiedenheit wurden bewahrt.
Die römische Transliteration bildet den wiedergegebenen Tamiltext buchstabengetreu ab. Lange Vokale tragen einen Strich; ḷ, ḻ, ṟ, ṉ, ṇ und ṅ unterscheiden besondere tamilische Laute. Die Umschrift bewahrt weitgehend die Worttrennung der Vorlage und ist keine vollständige Ausspracheanleitung. Sanskritische Namen stehen im deutschen Text in gebräuchlichen Schreibweisen.
Arputha Tiruvantati: Alle 101 Verse
Direkt zu den Versgruppen
1–10 · 11–20 · 21–30 · 31–40 · 41–50 · 51–60 · 61–70 · 71–80 · 81–90 · 91–101
Für einen ersten Zugang eignen sich besonders Vers 2 über bedingungslose Liebe, Vers 6 über Shiva im Herzen, Vers 61 über das Geheimnis seiner Gestalt, Vers 65 mit dem Bild eines ganzen Tages und Vers 96 mit dem Mantel der Liebe.
Verse 1–10: Liebe, Leid und Gnade
Vers 1
பிறந்து மொழி பயின்ற பின்னெல்லாம் காதல்
சிறந்துநின் சேவடியே சேர்ந்தேன் - நிறந்திகழும்
மைஞ்ஞான்ற கண்டத்து வானோர் பெருமானே
எஞ்ஞான்று தீர்ப்ப திடர்.
piṟantu moḻi payiṉṟa piṉṉellām kātal
ciṟantuniṉ cēvaṭiyē cērntēṉ - niṟantikaḻum
maiññāṉṟa kaṇṭattu vāṉōr perumāṉē
eññāṉṟu tīrppa tiṭar.
Seit meiner Geburt, seit ich sprechen lernte, wuchs meine Liebe, und ich hielt mich allein an deine roten Füße. Herr der Himmlischen, dessen strahlende Kehle dunkel gefärbt ist: Wann wirst du mein Leid beenden?
Die erste Anrede verbindet die ganze Lebensgeschichte mit Bhakti. Die dunkle Kehle erinnert an Nilakantha, Shiva, der das Gift des Weltenmeeres aufnahm. Die Frage nach dem Ende des Leids bleibt ein aufrichtiges Gebet.
Vers 2
இடர்களையா ரேனும் எமக்கிரங்கா ரேனும்
படரும் நெறிபணியா ரேனும் -சுடர்உருவில்
என்பறாக் கோலத் தெரியாடும் எம்மானார்க்
கன்பறா தென்னெஞ் சவர்க்கு.
iṭarkaḷaiyā rēṉum emakkiraṅkā rēṉum
paṭarum neṟipaṇiyā rēṉum -cuṭaruruvil
eṉpaṟāk kōlat teriyāṭum emmāṉārk
kaṉpaṟā teṉṉeñ cavarkku.
Auch wenn er unser Leid nicht nimmt, auch wenn er sich unser nicht erbarmt, auch wenn er uns den Weg nicht weist: Meine Liebe zu unserem Herrn wird im Herzen nicht versiegen – zu ihm, der in leuchtender Gestalt, mit Knochen geschmückt, im Feuer tanzt.
Hier spricht eine Liebe, die ihre Treue nicht vom erhofften Lohn abhängig macht. Der feurige Tänzer bleibt geliebt, selbst wenn eine Antwort auf das Gebet ausbleibt.
Vers 3
அவர்க்கே எழுபிறப்பும் ஆளாவோம் என்றும்
அவர்க்கேநாம் அன்பாவ தல்லாற் - பவர்ச்சடைமேற்
பாகப்போழ் சூடும் அவர்க்கல்லால் மற்றொருவர்க்
காகாப்போம் எஞ்ஞான்றும் ஆள்.
avarkkē eḻupiṟappum āḷāvōm eṉṟum
avarkkēnām aṉpāva tallāṟ - pavarccaṭaimēṟ
pākappōḻ cūṭum avarkkallāl maṟṟoruvark
kākāppōm eññāṉṟum āḷ.
Ihm allein wollen wir in allen sieben Geburten gehören; ihm allein gilt unsere Liebe. Niemals werden wir uns einem anderen zu Diensten geben als ihm, der die Mondsichel auf den ausgebreiteten Haarflechten trägt.
Die „sieben Geburten“ drücken eine umfassende Treue über dieses Leben hinaus aus. Hingabe wird als freudige, entschiedene Zugehörigkeit besungen.
Vers 4
ஆளானோம் அல்லல் அறிய முறையிட்டாற்
கேளாத தென்கொலோ கேளாமை - நீளாகம்
செம்மையா னாகித் திருமிடறு மற்றொன்றாம்
எம்மைஆட் கொண்ட இறை.
āḷāṉōm allal aṟiya muṟaiyiṭṭāṟ
kēḷāta teṉkolō kēḷāmai - nīḷākam
cemmaiyā ṉākit tirumiṭaṟu maṟṟoṉṟām
emmaiāṭ koṇṭa iṟai.
Wir gehören ihm. Warum hört er nicht, wenn wir ihm unser Leid klagen? Warum bleibt er uns fern – der Herr, der uns angenommen hat, dessen großer Leib rot erstrahlt und dessen heilige Kehle von anderer Farbe ist?
Ammaiyar darf fragen und klagen. Die tamilische Erläuterung erkennt hier ein Wortspiel zwischen Nichthören und fehlender Verbundenheit. Gerade die vertraute Gottesbeziehung erlaubt ihr, die schmerzlich empfundene Ferne auszusprechen.
Vers 5
இறைவனே எவ்வுயிரும் தோற்றுவிப்பான் தோற்றி
இறைவனே ஈண்டிறக்கம் செய்வான் - இறைவனே
எந்தாய் எனஇரங்கும் எங்கள்மேல் வெந்துயரம்
வந்தால் அது மாற்றுவான்.
iṟaivaṉē evvuyirum tōṟṟuvippāṉ tōṟṟi
iṟaivaṉē īṇṭiṟakkam ceyvāṉ - iṟaivaṉē
entāy eṉairaṅkum eṅkaḷmēl ventuyaram
vantāl atu māṟṟuvāṉ.
Der Herr allein lässt alle Lebewesen entstehen; er allein lässt sie wieder vergehen. Er ist es auch, der brennendes Leid von uns nimmt, wenn es uns trifft und wir voll Sehnsucht „Unser Vater!“ zu ihm rufen.
Entstehen und Vergehen werden in der Gegenwart desselben Herrn geborgen. Das kosmische Wirken mündet in die persönliche Anrede „Vater“.
Vers 6
வானத்தான் என்பாரும் என்கமற் றும்பர்கோன்
தானத்தான் என்பாரும் தாமென்க - ஞானத்தான்
முன்நஞ்சத் தாலிருண்ட மெய்யொளிசேர் கண்டத்தான்
என்நெஞ்சத் தானென்பன் யான்.
vāṉattāṉ eṉpārum eṉkamaṟ ṟumparkōṉ
tāṉattāṉ eṉpārum tāmeṉka - ñāṉattāṉ
muṉnañcat tāliruṇṭa meyyoḷicēr kaṇṭattāṉ
eṉneñcat tāṉeṉpaṉ yāṉ.
Andere mögen sagen: „Er ist im Himmel.“ Andere mögen sagen: „Er weilt in der Welt des Königs der Himmlischen.“ Ich aber sage: Der Herr der Erkenntnis, dessen leuchtende Kehle einst durch das Gift dunkel wurde, wohnt in meinem Herzen.
Die Dichterin findet Shiva im eigenen Herzen. Was anderswo unerreichbar erscheint, wird ihr zur unmittelbar erfahrenen Nähe.
Vers 7
யானே தவமுடையேன் என்நெஞ்சே நன்னெஞ்சம்
யானே பிறப்பறுப்பான் எண்ணினேன் - யானேயக்
கைம்மா உரிபோர்த்த கண்ணுதலான் வெண்ணீற்ற
அம்மானுக் காளாயி னேன்.
yāṉē tavamuṭaiyēṉ eṉneñcē naṉṉeñcam
yāṉē piṟappaṟuppāṉ eṇṇiṉēṉ - yāṉēyak
kaimmā uripōrtta kaṇṇutalāṉ veṇṇīṟṟa
ammāṉuk kāḷāyi ṉēṉ.
Mir ist die Frucht der Askese zuteilgeworden; mein Herz ist ein gutes Herz. Ich habe beschlossen, die Wiedergeburt zu beenden. Ich bin Dienerin des Herrn geworden, der das Elefantenfell trägt, das Auge auf der Stirn hat und mit weißer Asche geschmückt ist.
Der freudige Nachdruck auf „ich“ bekundet das Staunen über empfangene Gnade. Elefantenfell, Stirnauge und heilige Asche kennzeichnen den verehrten Shiva.
Vers 8
ஆயினேன் ஆள்வானுக் கன்றே பெறற்கரியன்
ஆயினேன் அஃதன்றே யாமாறு - தூய
புனற்கங்கை ஏற்றானோர் பொன்வரையே போல்வான்
அனற்கங்கை ஏற்றான் அருள்.
āyiṉēṉ āḷvāṉuk kaṉṟē peṟaṟkariyaṉ
āyiṉēṉ aḵtaṉṟē yāmāṟu - tūya
puṉaṟkaṅkai ēṟṟāṉōr poṉvaraiyē pōlvāṉ
aṉaṟkaṅkai ēṟṟāṉ aruḷ.
Ich wurde dem zu eigen, der mich führt; schon dadurch wurde ich selbst schwer erreichbar. So geschah es: durch die Gnade dessen, der die reine Ganga aufnahm, einem goldenen Berg gleicht und Feuer in der Hand trägt.
Die Wendung „schwer erreichbar“ bleibt knapp und auslegungsbedürftig. Sie wird hier als Erhöhung durch Gottesnähe verstanden. Die Gegensätze von Wasser und Feuer sind in Shiva vereint.
Vers 9
அருளே உலகெலாம் ஆள்விப்ப தீசன்
அருளே பிறப்பறுப்ப தானால் - அருளாலே
மெய்ப்பொருளை நோக்கும் விதியுடையேன் எஞ்ஞான்றும்
எப்பொருளு மாவ தெனக்கு.
aruḷē ulakelām āḷvippa tīcaṉ
aruḷē piṟappaṟuppa tāṉāl - aruḷālē
meypporuḷai nōkkum vitiyuṭaiyēṉ eññāṉṟum
epporuḷu māva teṉakku.
Gnade lässt ihn über alle Welten herrschen; die Gnade des Herrn beendet die Wiedergeburt. Durch Gnade ist mir gegeben, die wahre Wirklichkeit zu schauen. Sie wird mir allezeit zu allem, was ich brauche.
Gnade ist Ursprung kosmischen Wirkens und persönlicher Befreiung. Die letzte Zeile wird nach dem tamilischen Kommentar auf dieselbe Gnade bezogen, die das ganze Leben trägt.
Vers 10
எனக்கினிய எம்மானை ஈசனையான் என்றும்
மனக்கினிய வைப்பாக வைத்தேன் - எனக்கவனைக்
கொண்டேன் பிரானாகக் கொள்வதுமே இன்புற்றேன்
உண்டே யெனக்கரிய தொன்று.
eṉakkiṉiya emmāṉai īcaṉaiyāṉ eṉṟum
maṉakkiṉiya vaippāka vaittēṉ - eṉakkavaṉaik
koṇṭēṉ pirāṉākak koḷvatumē iṉpuṟṟēṉ
uṇṭē yeṉakkariya toṉṟu.
Meinen geliebten Herrn, den Gebieter, habe ich für immer als kostbaren Schatz in meinem Herzen bewahrt. Ich nahm ihn zu meinem Herrn; schon darin fand ich Freude. Gibt es für mich noch etwas Unerreichbares?
Der größte Reichtum ist eine lebendige Beziehung zum Göttlichen. Das Glück beginnt bereits mit der inneren Hinwendung.
Verse 11–20: Entschiedenheit und inneres Licht
Vers 11
ஒன்றே நினைந்திருந்தேன் ஒன்றே துணிந்தொழிந்தேன்
ஒன்றேஎன் உள்ளத்தின் உள்ளடைத்தேன் - ஒன்றேகாண்
கங்கையான் திங்கட் கதிர்முடியான் பொங்கொளிசேர்
அங்கையாற் காளாம் அது.
oṉṟē niṉaintiruntēṉ oṉṟē tuṇintoḻintēṉ
oṉṟēeṉ uḷḷattiṉ uḷḷaṭaittēṉ - oṉṟēkāṇ
kaṅkaiyāṉ tiṅkaṭ katirmuṭiyāṉ poṅkoḷicēr
aṅkaiyāṟ kāḷām atu.
An eines dachte ich; für eines entschied ich mich; eines schloss ich in mein Herz. Sieh, dies eine ist es: dem zu gehören, der Ganga trägt, dessen Haupt im Mondlicht glänzt und dessen Hand von mächtigem Licht erstrahlt.
Die Wiederholung von „eines“ sammelt die ganze Dichtung in einem Entschluss. Einpünktigkeit erscheint als Hingabe des Herzens.
Vers 12
அதுவே பிரானாமா றாட்கொள்ளு மாறும்
அதுவே இனியறிந்தோ மானால் - அதுவே
பனிக்கணங்கு கண்ணியா ரொண்ணுதலின் மேலோர்
தனிக்கணங்கு வைத்தார் தகவு.
atuvē pirāṉāmā ṟāṭkoḷḷu māṟum
atuvē iṉiyaṟintō māṉāl - atuvē
paṉikkaṇaṅku kaṇṇiyā roṇṇutaliṉ mēlōr
taṉikkaṇaṅku vaittār takavu.
Dies ist seine Weise, unser Herr zu sein; dies ist seine Weise, uns anzunehmen. Nun haben wir es erkannt: All dies ist die Gnade dessen, der eine kühle, zitternde Blütengirlande trägt und auf seiner leuchtenden Stirn ein einzigartiges Auge gesetzt hat.
Die schwierige Wortverbindung zur Girlande wird nach dem tamilischen Kommentar auf die Konrai-Blüten bezogen. Bei der nächsten Wendung folgt die Übersetzung der Worttrennung „ein einzigartiges Auge, dort“. Die kühle Blütengirlande und das leuchtende Stirnauge verbinden Schönheit und geistige Macht.
Vers 13
தகவுடையார் தாமுளரேல் தாரகலஞ் சாரப்
புகவிடுதல் பொல்லாது கண்டீர் - மிகவடர
ஊர்ந்திடுமா நாகம் ஒருநாள் மலைமகளைச்
சார்ந்திடுமே லேபாவந் தான்.
takavuṭaiyār tāmuḷarēl tārakalañ cārap
pukaviṭutal pollātu kaṇṭīr - mikavaṭara
ūrntiṭumā nākam orunāḷ malaimakaḷaic
cārntiṭumē lēpāvan tāṉ.
Wenn Menschen aus Liebe zu dir kommen, ist es nicht gut, sie an deine girlandengeschmückte Brust heranzulassen. Bedenke: Wenn die große Schlange, die dort umherkriecht, eines Tages der Tochter des Berges zu nahe kommt – welch ein Unglück wäre das!
Die erste Satzverbindung wird nach dem tamilischen Kommentar auf Menschen bezogen, die sich Shiva nähern. Ammaiyars Sorge um Parvati zeigt den zärtlichen, fürsorglichen Ton ihrer Bhakti.
Vers 14
தானே தனிநெஞ்சந் தன்னையுயக் கொள்வான்
தானே பெருஞ்சேமஞ் செய்யுமால் - தானேயோர்
பூணாகத் தாற்பொலிந்து பொங்கழல்சேர் நஞ்சுமிழும்
நீணாகத் தானை நினைந்து.
tāṉē taṉineñcan taṉṉaiyuyak koḷvāṉ
tāṉē peruñcēmañ ceyyumāl - tāṉēyōr
pūṇākat tāṟpolintu poṅkaḻalcēr nañcumiḻum
nīṇākat tāṉai niṉaintu.
Ganz von selbst sucht mein einsames Herz seine Rettung; ganz von selbst schafft es sich einen großen Schutz. Es denkt an ihn, der mit einer langen Schlange als Schmuck erstrahlt – einer Schlange, die feurig glühendes Gift ausspeit.
Das Herz findet seinen Schutz durch Gedenken. Das bedrohliche Tier wird im Schmuck Shivas zum Zeichen einer Macht, die das Herz nicht mehr von ihm trennt.
Vers 15
நினைந்திருந்து வானவர்கள் நீள்மலராற் பாதம்
புனைந்தும் அடிபொருந்த மாட்டார் - நினைந்திருந்து
மின்செய்வார் செஞ்சடையாய் வேதியனே என்கின்றேற்
கென்செய்வான் கொல்லோ இனி.
niṉaintiruntu vāṉavarkaḷ nīḷmalarāṟ pātam
puṉaintum aṭiporunta māṭṭār - niṉaintiruntu
miṉceyvār ceñcaṭaiyāy vētiyaṉē eṉkiṉṟēṟ
keṉceyvāṉ kollō iṉi.
Die Himmlischen verweilen im Gedenken und schmücken seine Füße mit großen Blumen; dennoch gelangen sie nicht an diese Füße. Was wird er nun für mich tun, die ich seiner gedenke und rufe: „Du mit den blitzenden roten Haarflechten, Herr der Veden!“?
Wenn selbst die Himmlischen das Ziel nicht erreichen, was darf die Dichterin erhoffen? Die Frage verbindet die Sehnsucht nach Gnade mit tiefer Demut.
Vers 16
இனியோ நாம்உய்ந்தோம் இறைவன் அருள்சேர்ந்தோம்
இனியோ ரிடரில்லோம் நெஞ்சே - இனியோர்
வினைக்கடலை யாக்குவிக்கும் மீளாப் பிறவிக்
கனைக்கடலை நீந்தினோம் காண்.
iṉiyō nāmuyntōm iṟaivaṉ aruḷcērntōm
iṉiyō riṭarillōm neñcē - iṉiyōr
viṉaikkaṭalai yākkuvikkum mīḷāp piṟavik
kaṉaikkaṭalai nīntiṉōm kāṇ.
Nun sind wir gerettet; nun haben wir die Gnade des Herrn erreicht. Nun sind wir ohne Bedrängnis, mein Herz! Sieh: Wir haben das brausende Meer endloser Geburten durchschwommen, das immer neu ein Meer von Taten entstehen lässt.
Das Meerbild verbindet Samsara und Karma. Der Vers spricht aus dem Jubel erfahrener Rettung.
Vers 17
காண்பார்க்குங் காணலாந் தன்மையனே கைதொழுது
காண்பார்க்குங் காணலாங் காதலாற் - காண்பார்க்குச்
சோதியாய்ச் சிந்தையுளே தோன்றுமே தொல்லுலகுக்
காதியாய் நின்ற அரன்.
kāṇpārkkuṅ kāṇalān taṉmaiyaṉē kaitoḻutu
kāṇpārkkuṅ kāṇalāṅ kātalāṟ - kāṇpārkkuc
cōtiyāyc cintaiyuḷē tōṉṟumē tollulakuk
kātiyāy niṉṟa araṉ.
Er lässt sich von denen schauen, die nach ihm schauen. Er lässt sich von denen schauen, die mit gefalteten Händen verehren. Wer ihn mit Liebe schaut, dem erscheint Hara als Licht im Inneren – er, der der Ursprung dieser alten Welt ist.
Die wiederholte Rede vom Schauen führt von äußerer Verehrung zu innerem Licht. Darshan und liebende Sammlung gehören zusammen.
Vers 18
அரனென்கோ நான்முகன் என்கோ அரிய
பரனென்கோ பண்புணர மாட்டேன் - முரணழியத்
தானவனைப் பாதத் தணிவிரலாற் செற்றானை
யானவனை எம்மானை இன்று.
araṉeṉkō nāṉmukaṉ eṉkō ariya
paraṉeṉkō paṇpuṇara māṭṭēṉ - muraṇaḻiyat
tāṉavaṉaip pātat taṇiviralāṟ ceṟṟāṉai
yāṉavaṉai emmāṉai iṉṟu.
Soll ich ihn Hara nennen, den Viergesichtigen oder den schwer erkennbaren Höchsten? Ich vermag sein Wesen nicht zu erfassen – ihn, unseren Herrn, der mit einem einzigen Zeh seines Fußes den Dämon bezwang und dessen Widerstand brach.
Der Viergesichtige ist Brahma; der bezwungene Dämon wird als Ravana verstanden. Die vielen Namen reichen nicht aus, Shivas Wesen zu erschöpfen.
Vers 19
இன்று நமக்கெளிதே மாலுக்கும் நான்முகற்கும்
அன்றும் அளப்பரியன் ஆனானை - என்றுமோர்
மூவா மதியானை மூவே ழுலகங்கள்
ஆவானைக் காணும் அறிவு.
iṉṟu namakkeḷitē mālukkum nāṉmukaṟkum
aṉṟum aḷappariyaṉ āṉāṉai - eṉṟumōr
mūvā matiyāṉai mūvē ḻulakaṅkaḷ
āvāṉaik kāṇum aṟivu.
Heute ist uns die Erkenntnis leicht zugänglich, durch die wir ihn schauen: ihn, den Vishnu und der Viergesichtige einst nicht ermessen konnten, der den niemals alternden Mond trägt und die dreimal sieben Welten ist.
Die Anspielung gilt der vergeblichen Suche von Vishnu und Brahma nach Shivas Grenzen. „Dreimal sieben“ bleibt als kosmische Zahl des Verses erhalten; sie drückt die umfassende Gegenwart Shivas aus.
Vers 20
அறிவானுந் தானே அறிவிப்பான் தானே
அறிவாய் அறிகின்றான் தானே - அறிகின்ற
மெய்ப்பொருளுந் தானே விரிசுடர்பார் ஆகாயம்
அப்பொருளுந் தானே அவன்.
aṟivāṉun tāṉē aṟivippāṉ tāṉē
aṟivāy aṟikiṉṟāṉ tāṉē - aṟikiṉṟa
meypporuḷun tāṉē viricuṭarpār ākāyam
apporuḷun tāṉē avaṉ.
Er selbst ist der Erkennende; er selbst schenkt Erkenntnis. Er selbst erkennt als Erkenntnis. Er selbst ist die wahre Wirklichkeit, die erkannt wird. Er selbst ist das weit ausstrahlende Licht, die Erde und der Raum – all dies ist er.
Erkennender, Erkennen und Erkanntes werden auf Shiva bezogen. Der Vers ist eine verdichtete Gottespreisung; seine philosophische Reichweite sollte im Zusammenhang der übrigen Dichtung gelesen werden.
Verse 21–30: Gestalten des Herrn und vertraute Fragen
Vers 21
அவனே இருசுடர்தீ ஆகாசம் ஆவான்
அவனே புவிபுனல்காற் றாவான் - அவனே
இயமானனாய் அட்ட மூர்த்தியுமாய் ஞான
மயனாகி நின்றானும் வந்து.
avaṉē irucuṭartī ākācam āvāṉ
avaṉē puvipuṉalkāṟ ṟāvāṉ - avaṉē
iyamāṉaṉāy aṭṭa mūrttiyumāy ñāṉa
mayaṉāki niṉṟāṉum vantu.
Er ist die beiden Himmelslichter, das Feuer und der Raum; er ist Erde, Wasser und Wind. Er ist auch der Opferherr: In diesen acht Gestalten steht er da, ganz von Erkenntnis erfüllt.
Die acht Gestalten Shivas umfassen Sonne, Mond, fünf Elemente und den Opferherrn. Iyamāṉaṉ wird hier in diesem traditionellen Sinn wiedergegeben.
Vers 22
வந்திதனைக் கொள்வதே யொக்கும்இவ் வாளரவின்
சிந்தை யதுதெரிந்து காண்மினோ- வந்தோர்
இராநீர் இருண்டனைய கண்டத்தீர் எங்கள்
பிரானீர்உம் சென்னிப் பிறை.
vantitaṉaik koḷvatē yokkumiv vāḷaraviṉ
cintai yatuterintu kāṇmiṉō- vantōr
irānīr iruṇṭaṉaiya kaṇṭattīr eṅkaḷ
pirāṉīrum ceṉṉip piṟai.
Diese Schlange scheint heranzukommen, um den Mond zu verschlingen! Sieh doch, was sie im Sinn hat, unser Herr, dessen Kehle dunkel wie tiefe Nacht ist: Sie will den Mond auf deinem Haupt!
Die Mondsichel wird zum Gegenstand einer besorgten Beobachtung. Das lebhafte Bild lebt vom mythologischen Motiv der den Mond bedrohenden Schlange.
Vers 23
பிறையும் புனலும் அனலரவுஞ் சூடும்
இறைவர் எமக்கிரங்கா ரேனுங் - கறைமிடற்ற
எந்தையார்க் காட்பட்டேம் என்றென் றிருக்குமே
எந்தையா உள்ள மிது.
piṟaiyum puṉalum aṉalaravuñ cūṭum
iṟaivar emakkiraṅkā rēṉuṅ - kaṟaimiṭaṟṟa
entaiyārk kāṭpaṭṭēm eṉṟeṉ ṟirukkumē
entaiyā uḷḷa mitu.
Auch wenn der Herr, der Mond, Wasser und feurige Schlange trägt, sich unser nicht erbarmt: Mein unermüdliches Herz wird immer wieder sagen: „Wir gehören unserem Vater mit der dunkel gefärbten Kehle.“
Die Liebe findet Halt in ihrer Zugehörigkeit. Ähnlich wie Vers 2 bezeugt diese Strophe eine Treue, die auch Zeiten der Verborgenheit durchträgt.
Vers 24
இதுவன்றே ஈசன் திருவுருவம் ஆமா
றிதுவன்றே என்றனக்கோர் சேமம் - இதுவன்றே
மின்னுஞ் சுடருருவாய் மீண்டாயென் சிந்தனைக்கே
இன்னுஞ் சுழல்கின்ற திங்கு.
ituvaṉṟē īcaṉ tiruvuruvam āmā
ṟituvaṉṟē eṉṟaṉakkōr cēmam - ituvaṉṟē
miṉṉuñ cuṭaruruvāy mīṇṭāyeṉ cintaṉaikkē
iṉṉuñ cuḻalkiṉṟa tiṅku.
Ist dies nicht die heilige Gestalt des Herrn? Ist dies nicht mein sicherer Schutz? Du mit der blitzend leuchtenden Gestalt bist in mein Denken zurückgekehrt; deine Gestalt ist es, die hier noch immer kreisend gegenwärtig ist.
Die wechselnden Bezüge von „dies“ bleiben gedrängt. Die Wiedergabe folgt der tamilischen Erläuterung, die das letzte Bild auf die göttliche Erscheinung bezieht. Innere Betrachtung und erlebte Gegenwart gehen ineinander über.
Vers 25
இங்கிருந்து சொல்லுவதென் எம்பெருமான் எண்ணாதே
எங்கும் பலிதிரியும் எத்திறமும் - பொங்கிரவில்
ஈமவனத் தாடுவதும் என்னுக்கென் றாராய்வோம்
நாமவனைக் காணலுற்ற ஞான்று.
iṅkiruntu colluvateṉ emperumāṉ eṇṇātē
eṅkum palitiriyum ettiṟamum - poṅkiravil
īmavaṉat tāṭuvatum eṉṉukkeṉ ṟārāyvōm
nāmavaṉaik kāṇaluṟṟa ñāṉṟu.
Was soll es helfen, hier darüber zu reden, wie unser Herr unbekümmert überall betteln geht und nachts auf dem Verbrennungsplatz tanzt? An dem Tag, an dem wir ihn sehen dürfen, wollen wir ihn selbst fragen, warum er all dies tut.
Das Gespräch mit Shiva bleibt offen und lebendig. Seine Gestalt als Bettler und sein Tanz auf dem Verbrennungsplatz rufen staunende Fragen hervor.
Vers 26
ஞான்ற குழற்சடைகள் பொன்வரைபோல் மின்னுவன
போன்ற கறைமிடற்றான் பொன்மார்பின் - ஞான்றெங்கும்
மிக்கயலே தோன்ற விளங்கி மிளிருமே
அக்கயலே வைத்த அரவு.
ñāṉṟa kuḻaṟcaṭaikaḷ poṉvaraipōl miṉṉuvaṉa
pōṉṟa kaṟaimiṭaṟṟāṉ poṉmārpiṉ - ñāṉṟeṅkum
mikkayalē tōṉṟa viḷaṅki miḷirumē
akkayalē vaitta aravu.
Seine herabhängenden, gewundenen Haarflechten blitzen wie ein goldener Berg. Auf der goldenen Brust des Herrn mit der dunklen Kehle leuchtet die Schlange, die er dort trägt, weithin sichtbar und glänzend.
Gold, dunkle Kehle und Schlange bilden ein bewegtes Andachtsbild. Die genaue Vergleichsführung der mittleren Zeilen ist knapp; die Übersetzung folgt dem Zusammenhang von Brust und Schmuck.
Vers 27
அரவமொன் றாகத்து நீநயந்து பூணேல்
பரவித் தொழுதிரந்தோம் பன்னாள் - முரணழிய
ஒன்னாதார் மூவெயிலும் ஓரம்பால் எய்தானே
பொன்னாரம் மற்றொன்று பூண்.
aravamoṉ ṟākattu nīnayantu pūṇēl
paravit toḻutirantōm paṉṉāḷ - muraṇaḻiya
oṉṉātār mūveyilum ōrampāl eytāṉē
poṉṉāram maṟṟoṉṟu pūṇ.
Trage nicht aus Vorliebe eine Schlange auf deiner Brust! Seit vielen Tagen preisen wir dich, verehren dich und bitten darum. Du, der mit einem einzigen Pfeil die drei Festungen der Feinde bezwang: Lege dir doch eine andere, eine goldene Halskette an!
Die Bitte ist vertraut und kühn. Der Vernichter von Tripura wird angesprochen wie ein geliebtes Gegenüber, um dessen Wohlergehen man sich sorgt.
Vers 28
பூணாக வொன்று புனைந்தொன்று பொங்கதளின்
நாணாக மேல்மிளிர நன்கமைத்துக் - கோள்நாகம்
பொன்முடிமேற் சூடுவது மெல்லாம் பொறியிலியேற்
கென்முடிவ தாக இவர்.
pūṇāka voṉṟu puṉaintoṉṟu poṅkataḷiṉ
nāṇāka mēlmiḷira naṉkamaittuk - kōḷnākam
poṉmuṭimēṟ cūṭuvatu mellām poṟiyiliyēṟ
keṉmuṭiva tāka ivar.
Eine Schlange legt er sich als Schmuck an, eine weitere befestigt er als glänzenden Gürtel über dem wild erbeuteten Fell, und eine tödliche Schlange trägt er auf dem goldenen Haupt. Was mag all dies für mich Unglückliche bedeuten?
Das Häufen der Schlangen steigert das Staunen. Die Dichterin bekennt ihre Ratlosigkeit, ohne ihre Liebe zurückzunehmen.
Vers 29
இவரைப் பொருளுணர மாட்டாதா ரெல்லாம்
இவரை இகழ்வதே கண்டீர் -இவர் தமது
பூக்கோல மேனிப் பொடிபூசி என்பணிந்த
பேய்க்கோலங் கண்டார் பிறர்.
ivaraip poruḷuṇara māṭṭātā rellām
ivarai ikaḻvatē kaṇṭīr -ivar tamatu
pūkkōla mēṉip poṭipūci eṉpaṇinta
pēykkōlaṅ kaṇṭār piṟar.
Wer seine wahre Bedeutung nicht erkennt, verspottet ihn. Die anderen sehen nur seine gespenstische Gestalt: den blütengleichen Leib, mit Asche bestrichen und mit Knochen geschmückt.
Der Blick kann an einer befremdlichen Erscheinung haften bleiben. Ammaiyar lädt dazu ein, hinter Asche und Knochen die göttliche Gegenwart zu erkennen.
Vers 30
பிறரறிய லாகாப் பெருமையருந் தாமே
பிறரறியும் பேருணர்வுந் தாமே - பிறருடைய
என்பே அணிந்திரவில் தீயாடும் எம்மானார்
வன்பேயும் தாமும் மகிழ்ந்து.
piṟaraṟiya lākāp perumaiyarun tāmē
piṟaraṟiyum pēruṇarvun tāmē - piṟaruṭaiya
eṉpē aṇintiravil tīyāṭum emmāṉār
vaṉpēyum tāmum makiḻntu.
Er selbst ist die Größe, die andere nicht erkennen können; er selbst ist die tiefe Einsicht, durch die andere erkennen. Mit fremden Knochen geschmückt tanzt unser Herr nachts im Feuer, voller Freude mit den wilden Geisterwesen.
Die unermessliche Wirklichkeit wird zugleich zur Quelle des Erkennens. Der Tanz mit den Bhutas bewahrt die wilde, grenzüberschreitende Seite Shivas.
Verse 31–40: Herz, Schönheit und Befreiung
Vers 31
மகிழ்தி மடநெஞ்சே மானுடரில் நீயும்
திகழ்தி பெருஞ்சேமஞ் சேர்ந்தாய் - இகழாதே
யாரென்பே யேனும் அணிந்துழல்வார்க் காட்பட்ட
பேரன்பே இன்னும் பெருக்கு.
makiḻti maṭaneñcē māṉuṭaril nīyum
tikaḻti peruñcēmañ cērntāy - ikaḻātē
yāreṉpē yēṉum aṇintuḻalvārk kāṭpaṭṭa
pēraṉpē iṉṉum perukku.
Freue dich, mein schlichtes Herz! Auch du darfst unter den Menschen erstrahlen: Du hast großen Schutz gefunden. Lass die Liebe noch wachsen, durch die du dem zu eigen geworden bist, der ohne Verachtung die Knochen gleich welchen Wesens trägt.
Der Zuspruch gilt dem eigenen Herzen. Der Schmuck aus Knochen lässt Herkunft und äußeres Ansehen zurücktreten. Das Herz wird eingeladen, seine Liebe zu dieser göttlichen Freiheit wachsen zu lassen.
Vers 32
பெருகொளிய செஞ்சடைமேற் பிள்ளைப் பிறையின்
ஒருகதிரே போந்தொழுகிற் றொக்கும் - தெரியின்
முதற்கண்ணான் முப்புரங்கள் அன்றெரித்தான் மூவா
நுதற்கண்ணான் தன்மார்பின் நூல்.
perukoḷiya ceñcaṭaimēṟ piḷḷaip piṟaiyiṉ
orukatirē pōntoḻukiṟ ṟokkum - teriyiṉ
mutaṟkaṇṇāṉ muppuraṅkaḷ aṉṟerittāṉ mūvā
nutaṟkaṇṇāṉ taṉmārpiṉ nūl.
Die heilige Schnur auf der Brust des ersten Herrn, der einst die drei Städte verbrannte und das unvergängliche Stirnauge trägt, sieht aus, als ströme ein einzelner Lichtstrahl von der jungen Mondsichel auf seinen strahlenden roten Haarflechten herab.
Der Vers verwandelt ein rituelles Zeichen in ein Lichtbild. Heilige Schnur, Mondsichel und Stirnauge gehören zur betrachteten Gestalt Shivas.
Vers 33
நூலறிவு பேசி நுழைவிலா தார்திரிக
நீல மணிமிடற்றான் நீர்மையே - மேலுவந்த
தெக்கோலத் தெவ்வுருவா யெத்தவங்கள் செய்வார்க்கும்
அக்கோலத் தவ்வுருவே ஆம்.
nūlaṟivu pēci nuḻaivilā tārtirika
nīla maṇimiṭaṟṟāṉ nīrmaiyē - mēluvanta
tekkōlat tevvuruvā yettavaṅkaḷ ceyvārkkum
akkōlat tavvuruvē ām.
Mögen Menschen, denen die innere Einsicht fehlt, umhergehen und von Schriftwissen reden! Die Weise des Herrn mit der saphirblauen Kehle ist diese: In welcher Gestalt und welcher Form Menschen ihn freudig durch Askese suchen, in dieser Gestalt und Form ist er ihnen gegenwärtig.
Die Strophe unterscheidet bloßes Reden von einer lebendigen Hinwendung. Sie bezeugt die entgegenkommende Gegenwart des Göttlichen in den Formen aufrichtiger Verehrung.
Vers 34
ஆமா றறியாவே வல்வினைகள் அந்தரத்தே
நாமாளென் றேத்தார் நகர்மூன்றும் - வேமாறு
ஒருகணையாற் செற்றானை உள்ளத்தால் உள்ளி
அருகணையா தாரை அடும்.
āmā ṟaṟiyāvē valviṉaikaḷ antarattē
nāmāḷeṉ ṟēttār nakarmūṉṟum - vēmāṟu
orukaṇaiyāṟ ceṟṟāṉai uḷḷattāl uḷḷi
arukaṇaiyā tārai aṭum.
Die mächtigen Folgen der Taten treffen jene, die den Weg nicht erkennen und ihm innerlich nicht nahekommen: ihm, der die drei Städte am Himmel mit einem einzigen Pfeil verbrannte, weil ihre Bewohner ihn nicht als ihren Herrn priesen.
Das mythologische Bild von Tripura verbindet sich mit einer Mahnung zur inneren Hinwendung. Die Aussage gibt den besonderen religiösen Standpunkt der Dichtung wieder.
Vers 35
அடுங்கண்டாய் வெண்மதியென் றஞ்சி யிருள்போந்
திடங்கொண் டிருக்கின்ற தொக்கும் - படங்கொள்
அணிமிடற்ற பேழ்வாய் அரவசைத்தான் கோல
மணிமிடற்றின் உள்ள மறு.
aṭuṅkaṇṭāy veṇmatiyeṉ ṟañci yiruḷpōn
tiṭaṅkoṇ ṭirukkiṉṟa tokkum - paṭaṅkoḷ
aṇimiṭaṟṟa pēḻvāy aravacaittāṉ kōla
maṇimiṭaṟṟiṉ uḷḷa maṟu.
Der dunkle Fleck in der edelsteingleichen Kehle des Herrn, der eine weit aufgesperrte Haubenschlange trägt, sieht aus wie Finsternis, die aus Furcht vor dem hellen Mond geflohen ist und dort Zuflucht gefunden hat.
Selbst die Dunkelheit findet im Bild einen Zufluchtsort bei Shiva. Die dichterische Vorstellung bringt Mondsichel und dunkle Kehle in ein reizvolles Verhältnis.
Vers 36
மறுவுடைய கண்டத்தீர் வார்சடைமேல் நாகம்
தெறுமென்று தேய்ந்துழலும் ஆஆ - உறுவான்
தளரமீ தோடுமேல் தான்அதனை அஞ்சி
வளருமோ பிள்ளை மதி.
maṟuvuṭaiya kaṇṭattīr vārcaṭaimēl nākam
teṟumeṉṟu tēyntuḻalum āā - uṟuvāṉ
taḷaramī tōṭumēl tāṉataṉai añci
vaḷarumō piḷḷai mati.
Du mit der dunkel gefärbten Kehle! Ach, die junge Mondsichel auf deinen langen Haarflechten schwindet, weil sie fürchtet, die Schlange werde ihr schaden. Wenn diese dort oben umhergleitet, wird das kleine Mondkind vor lauter Furcht wohl jemals wachsen?
Der Mond wird zu einem ängstlichen Kind. Ammaiyars liebevoller Blick belebt jedes einzelne Zeichen der Shiva-Gestalt.
Vers 37
மதியா அடலவுணர் மாமதில்மூண் றட்ட
மதியார் வளர்சடையி னானை - மதியாலே
என்பாக்கை யாலிகழா தேத்துவரேல் இவ்வுலகில்
என்பாக்கை யாய்ப்பிறவார் ஈண்டு.
matiyā aṭalavuṇar māmatilmūṇ ṟaṭṭa
matiyār vaḷarcaṭaiyi ṉāṉai - matiyālē
eṉpākkai yālikaḻā tēttuvarēl ivvulakil
eṉpākkai yāyppiṟavār īṇṭu.
Wer den Herrn mit den mondgeschmückten Haarflechten, der die drei großen Festungen der übermütigen Dämonen vernichtete, mit Einsicht und mit diesem knöchernen Leib unablässig verehrt, wird hier nicht noch einmal in einem solchen Leib geboren.
Die Wiedergabe folgt einer tamilischen Kommentardeutung auf geistige und leibliche Verehrung. Eine andere Deutung bezieht die Wendung darauf, Shiva wegen seines Knochenschmucks nicht zu verachten. Dieser Bezug bleibt auslegungsbedürftig.
Vers 38
ஈண்டொளிசேர் வானத் தெழுமதியை வாளரவம்
தீண்டச் சிறுகியதே போலாதே - பூண்டதோர்
தாரேறு பாம்புடையான் மார்பில் தழைந்திலங்கு
கூரேறு காரேனக் கொம்பு.
īṇṭoḷicēr vāṉat teḻumatiyai vāḷaravam
tīṇṭac ciṟukiyatē pōlātē - pūṇṭatōr
tārēṟu pāmpuṭaiyāṉ mārpil taḻaintilaṅku
kūrēṟu kārēṉak kompu.
Der kräftige Hauer des dunklen Ebers glänzt auf der Brust dessen, der eine Schlange als Girlande trägt. Er gleicht dem Mond am strahlenden Himmel, der kleiner geworden ist, weil ihn eine glänzende Schlange berührte.
Der Eberhauer und die Mondsichel werden in ihrer Form miteinander verglichen. Das Gedicht entfaltet die Ikonografie Shivas durch freie, spielerische Vorstellung.
Vers 39
கொம்பினைஓர் பாகத்துக் கொண்ட குழகன்தன்
அம்பவள மேனி அதுமுன்னஞ் - செம்பொன்
அணிவரையே போலும் பொடியணிந்தால் வெள்ளி
மணிவரையே போலும் மறித்து.
kompiṉaiōr pākattuk koṇṭa kuḻakaṉtaṉ
ampavaḷa mēṉi atumuṉṉañ - cempoṉ
aṇivaraiyē pōlum poṭiyaṇintāl veḷḷi
maṇivaraiyē pōlum maṟittu.
Der schöne korallenrote Leib des jugendlichen Herrn, der die rankengleiche Frau als seine eine Hälfte trägt, gleicht zunächst einem prächtigen Berg aus rotem Gold. Mit Asche geschmückt gleicht er dagegen einem kostbaren Silberberg.
Ardhanarishvara erscheint im Wechsel von Gold und Silber. Die Asche nimmt dem Bild seinen Glanz nicht, sondern verwandelt ihn.
Vers 40
மறித்து மடநெஞ்சே வாயாலுஞ் சொல்லிக்
குறித்துத் தொழுதொண்டர் பாதம் - குறித்தொருவர்
கொள்ளாத திங்கள் குறுங்கண்ணி கொண்டார்மாட்
டுள்ளாதார் கூட்டம் ஒருவு.
maṟittu maṭaneñcē vāyāluñ collik
kuṟittut toḻutoṇṭar pātam - kuṟittoruvar
koḷḷāta tiṅkaḷ kuṟuṅkaṇṇi koṇṭārmāṭ
ṭuḷḷātār kūṭṭam oruvu.
Wende dich um, mein schlichtes Herz: Preise ihn auch mit dem Mund und verehre aufmerksam die Füße seiner Dienenden. Meide die Gemeinschaft jener, die nicht an den denken, der die kleine Mondgirlande trägt, die niemand sonst sich zum Schmuck erwählt.
Die Hinwendung zu Shiva umfasst auch Achtung vor seinen Verehrenden. Die Aufforderung zur Absonderung wird als Stimme einer entschiedenen religiösen Lebenswahl bewahrt.
Verse 41–50: Shiva, Vishnu und die Göttin
Vers 41
ஒருபால் உலகளந்த மாலவனாம் மற்றை
ஒருபால் உமையவளாம் என்றால் - இருபாலும்
நின்னுருவ மாக நிறந்தெரிய மாட்டோமால்
நின்னுருவோ மின்னுருவோ நேர்ந்து.
orupāl ulakaḷanta mālavaṉām maṟṟai
orupāl umaiyavaḷām eṉṟāl - irupālum
niṉṉuruva māka niṟanteriya māṭṭōmāl
niṉṉuruvō miṉṉuruvō nērntu.
Wenn die eine Hälfte Vishnu ist, der die Welt durchmaß, und die andere Hälfte Uma: Dann können wir auf keiner Seite deine eigene Farbe erkennen. Welche Gestalt ist eigentlich deine? Ist sie die Gestalt des Blitzes?
Die Dichterin verbindet spielerisch Harihara und Ardhanarishvara. Die scheinbare Bildfrage öffnet sich zur Frage nach einer göttlichen Wirklichkeit jenseits jeder einzelnen Darstellung.
Vers 42
நேர்ந்தரவங் கொள்ளச் சிறுகிற்றோ நீயதனை
ஈர்ந்தளவே கொண்டிசைய வைத்தாயோ - பேர்ந்து
வளங்குழவித் தாய்வளர மாட்டாதோ என்னோ
இளங்குழவித் திங்கள் இது.
nērntaravaṅ koḷḷac ciṟukiṟṟō nīyataṉai
īrntaḷavē koṇṭicaiya vaittāyō - pērntu
vaḷaṅkuḻavit tāyvaḷara māṭṭātō eṉṉō
iḷaṅkuḻavit tiṅkaḷ itu.
Wurde der Mond kleiner, weil die Schlange nach ihm griff? Oder hast du selbst ein Stück abgeschnitten und passend aufgesetzt? Warum kann diese junge Mondsichel nicht wieder rund und kräftig heranwachsen? Was ist mit diesem kleinen Mondkind?
Erneut wird der Mond zum Kind. Die Fragen verleihen dem Andachtsbild die Zärtlichkeit einer Sorge um das Wohlergehen eines Kindes.
Vers 43
திங்க ளிதுசூடிச் சில்பலிக்கென் றூர்திரியேல்
எங்கள் பெருமானே என்றிரந்து - பொங்கொளிய
வானோர் விலக்காரேல் யாம்விலக்க வல்லமே
தானே அறிவான் தனக்கு.
tiṅka ḷitucūṭic cilpalikkeṉ ṟūrtiriyēl
eṅkaḷ perumāṉē eṉṟirantu - poṅkoḷiya
vāṉōr vilakkārēl yāmvilakka vallamē
tāṉē aṟivāṉ taṉakku.
Wenn nicht einmal die strahlenden Himmlischen dich mit der Bitte zurückhalten: „Unser Herr, zieh nicht mit diesem Mond geschmückt von Ort zu Ort, um ein wenig Almosen zu sammeln!“ – wie sollten wir dich dann aufhalten können? Er selbst weiß, was ihm angemessen ist.
Fürsorgliches Einreden geht in Vertrauen über. Der göttliche Bettler bleibt frei, auch wenn seine Verehrenden sein Verhalten nicht verstehen.
Vers 44
தனக்கே அடியனாய்த் தன்னடைந்து வாழும்
எனக்கே அருளாவா றென்கொல் - மனக்கினிய
சீராளன் கங்கை மணவாளன் செம்மேனிப்
பேராளன் வானோர் பிரான்.
taṉakkē aṭiyaṉāyt taṉṉaṭaintu vāḻum
eṉakkē aruḷāvā ṟeṉkol - maṉakkiṉiya
cīrāḷaṉ kaṅkai maṇavāḷaṉ cemmēṉip
pērāḷaṉ vāṉōr pirāṉ.
Warum schenkt er gerade mir keine Gnade? Ich bin doch allein seine Dienerin, habe bei ihm Zuflucht gesucht und lebe in seiner Nähe. Er ist der Herrliche, der dem Herzen Freude schenkt, der Gemahl der Ganga, der große Herr mit dem roten Leib, der Gebieter der Himmlischen.
Auch nach dem Jubel früherer Verse kehrt die Sehnsucht zurück. Diese Bewegung macht die Dichtung menschlich: Gewissheit und Verlangen können in derselben Liebe wohnen.
Vers 45
பிரானவனை நோக்கும் பெருநெறியே பேணிப்
பிரானவன்தன் பேரருளே வேண்டிப் - பிரானவனை
எங்குற்றான் என்பீர்கள் என்போல்வார் சிந்தையினும்
இங்குற்றான் காண்பார்க் கெளிது.
pirāṉavaṉai nōkkum peruneṟiyē pēṇip
pirāṉavaṉtaṉ pēraruḷē vēṇṭip - pirāṉavaṉai
eṅkuṟṟāṉ eṉpīrkaḷ eṉpōlvār cintaiyiṉum
iṅkuṟṟāṉ kāṇpārk keḷitu.
Ihr bewahrt den großen Weg, der auf den Herrn hinführt, und erbittet allein seine mächtige Gnade. Ihr fragt: „Wo ist er?“ Hier ist er, auch im Herzen von Menschen wie mir; für jene, die ihn schauen wollen, ist er leicht zu finden.
Die Antwort auf die Frage nach dem Ort Shivas führt ins Herz. Der hohe Weg wird durch diese Nähe zugänglich.
Vers 46
எளிய திதுவன்றே ஏழைகாள் யாதும்
அளியீர் அறிவிலீர் ஆஆ - ஒளிகொள்மிடற்
றெந்தைஅராப் பூண்டுழலும் எம்மானை உள்நினைந்த
சிந்தையராய் வாழுந் திறம்.
eḷiya tituvaṉṟē ēḻaikāḷ yātum
aḷiyīr aṟivilīr āā - oḷikoḷmiṭaṟ
ṟentaiarāp pūṇṭuḻalum emmāṉai uḷniṉainta
cintaiyarāy vāḻun tiṟam.
Ihr Bedrängten, denen es noch an Liebe und Einsicht fehlt – ach, ist dies nicht leicht: mit einem Herzen zu leben, das innerlich an unseren Vater denkt, den Herrn mit der leuchtenden Kehle, der Schlangen als Schmuck trägt?
Die mahnende Anrede wird bewahrt. Im Mittelpunkt steht eine einfache geistige Möglichkeit: Gedenken kann das tägliche Leben begleiten.
Vers 47
திறத்தான் மடநெஞ்சே சென்றடைவ தல்லால்
பெறத்தானும் ஆதியோ பேதாய் - நிறத்த
இருவடிக்கண் ஏழைக் கொருபாகம் ஈந்தான்
திருவடிக்கட் சேருந் திரு.
tiṟattāṉ maṭaneñcē ceṉṟaṭaiva tallāl
peṟattāṉum ātiyō pētāy - niṟatta
iruvaṭikkaṇ ēḻaik korupākam īntāṉ
tiruvaṭikkaṭ cērun tiru.
Mein schlichtes, unwissendes Herz: Wie könntest du anders als auf dem rechten Weg jenes Glück erlangen – das Glück, zu den heiligen Füßen dessen zu gelangen, der der Frau eine Hälfte seiner Gestalt schenkte?
Die Worttrennung in der zweiten Vershälfte ist unsicher. Die Übersetzung folgt dem erkennbaren Hauptgedanken: Die Zuflucht zu Shivas Füßen verlangt eine entsprechende innere Hinwendung.
Vers 48
திருமார்பில் ஏனச் செழுமருப்பைப் பார்க்கும்
பெருமான் பிறைக்கொழுந்தை நோக்கும் - ஒருநாள்
இதுமதியென் றொன்றாக இன்றளவுந் தேரா
ததுமதியொன் றில்லா அரா.
tirumārpil ēṉac ceḻumaruppaip pārkkum
perumāṉ piṟaikkoḻuntai nōkkum - orunāḷ
itumatiyeṉ ṟoṉṟāka iṉṟaḷavun tērā
tatumatiyoṉ ṟillā arā.
Die Schlange blickt auf den prächtigen Eberhauer an seiner heiligen Brust, dann blickt sie auf die junge Mondsichel unseres Herrn. Bis heute konnte sie nicht entscheiden: „Dies ist der Mond!“ So wenig Verstand hat diese Schlange!
Die Schlange wird humorvoll als ratlose Betrachterin dargestellt. Das Wortspiel zwischen Mond und Verstand lässt sich im Deutschen nur erläutern: Beide Bedeutungen können im tamilischen mati anklingen.
Vers 49
அராவி வளைத்தனைய அங்குழவித் திங்கள்
விராவு கதிர்விரியஓடி - விராவுதலால்
பொன்னோடு வெள்ளிப் புரிபுரிந்தாற் போலாவே
தன்னோடே யொப்பான் சடை.
arāvi vaḷaittaṉaiya aṅkuḻavit tiṅkaḷ
virāvu katirviriyaōṭi - virāvutalāl
poṉṉōṭu veḷḷip puripurintāṟ pōlāvē
taṉṉōṭē yoppāṉ caṭai.
Die zarte Mondsichel sieht aus wie zurechtgefeilt und gebogen. Ihre Strahlen breiten sich aus und durchziehen die Haarflechten dessen, der nur sich selbst gleicht. So erscheinen seine Flechten, als seien Gold und Silber miteinander verwoben.
Die Umschreibung „der nur sich selbst gleicht“ betont Shivas Unvergleichlichkeit. Das konkrete Handwerksbild macht den strahlenden Schmuck anschaulich.
Vers 50
சடைமேல்அக் கொன்றை தருகனிகள் போந்து
புடைமேவித் தாழ்ந்தனவே போலும் - முடிமேல்
வலப்பால்அக் கோல மதிவைத்தான்தன் பங்கின்
குலப்பாவை நீலக் குழல்.
caṭaimēlak koṉṟai tarukaṉikaḷ pōntu
puṭaimēvit tāḻntaṉavē pōlum - muṭimēl
valappālak kōla mativaittāṉtaṉ paṅkiṉ
kulappāvai nīlak kuḻal.
Das dunkle Haar der edlen Frau in seiner einen Hälfte sieht aus, als hingen die Früchte der Konrai-Blüten aus seinen Haarflechten seitlich herab – während auf der rechten Seite seines Hauptes der schöne Mond steht.
Das Bild verbindet die dunklen langen Fruchthülsen des Konrai-Baumes mit dem Haar der Göttin. Es betrachtet die gemeinsame Gestalt von Shiva und Parvati.
Verse 51–60: Fürsorge, Feuer und göttlicher Glanz
Vers 51
குழலார் சிறுபுறத்துக் கோல்வளையைப் பாகத்
தெழிலாக வைத்தேக வேண்டா - கழலார்ப்பப்
பேரிரவில் ஈமப் பெருங்காட்டில் பேயோடும்
ஆரழல்வாய் நீயாடும் அங்கு.
kuḻalār ciṟupuṟattuk kōlvaḷaiyaip pākat
teḻilāka vaittēka vēṇṭā - kaḻalārppap
pēriravil īmap peruṅkāṭṭil pēyōṭum
āraḻalvāy nīyāṭum aṅku.
Nimm die schöne Frau mit den Armreifen und dem Haar, das über ihren schmalen Rücken fällt, nicht als deine Hälfte dorthin mit: an jenen großen Verbrennungsplatz, wo du mitten in der Nacht mit klingenden Fußringen unter Geisterwesen in den Flammen tanzt!
Die Sorge um Uma ist Ausdruck mütterlicher Zärtlichkeit. Der nächtliche Tanz behält zugleich seine erschreckende, wilde Umgebung.
Vers 52
அங்கண் முழுமதியஞ் செக்கர் அகல்வானத்
தெங்கும் இனிதெழுந்தால் ஒவ்வாதே - செங்கண்
திருமாலைப் பங்குடையான் செஞ்சடைமேல் வைத்த
சிரமாலை தோன்றுவதோர் சீர்.
aṅkaṇ muḻumatiyañ cekkar akalvāṉat
teṅkum iṉiteḻuntāl ovvātē - ceṅkaṇ
tirumālaip paṅkuṭaiyāṉ ceñcaṭaimēl vaitta
ciramālai tōṉṟuvatōr cīr.
Die Erscheinung der Schädelgirlande auf den roten Haarflechten dessen, der Vishnu mit den roten Augen als seine Hälfte trägt, gleicht dem schönen Vollmond, der freundlich über dem weiten Abendhimmel aufgeht.
Das helle Schädelbild wird mit dem Mond verbunden. Schönheit und Vergänglichkeit durchdringen sich in dieser ungewöhnlichen Betrachtung.
Vers 53
சீரார்ந்த கொன்றை மலர்தழைப்பச் சேணுலவி
நீரார்ந்த பேரியாறு நீத்தமாய்ப் - பேரார்ந்த
நாண்பாம்பு கொண்டசைத்த நம்மீசன் பொன்முடிதான்
காண்பார்க்குச் செவ்வேயோர் கார்.
cīrārnta koṉṟai malartaḻaippac cēṇulavi
nīrārnta pēriyāṟu nīttamāyp - pērārnta
nāṇpāmpu koṇṭacaitta nammīcaṉ poṉmuṭitāṉ
kāṇpārkkuc cevvēyōr kār.
Goldene Konrai-Blüten entfalten sich; der große, wasserreiche Fluss des Himmels strömt in voller Flut; eine mächtige Schlange ist als Band darumgelegt: Das goldene Haupt unseres Herrn erscheint dem Betrachtenden wahrhaft wie die Regenzeit.
Blüte, Wasserfülle und Schlange verdichten sich zu einer Landschaft. Die Betrachtung der Gottesgestalt öffnet sich zur Lebendigkeit der Natur.
Vers 54
காருருவக் கண்டத்தெங் கண்ணுதலே எங்கொளித்தாய்
ஓருருவாய் நின்னோ டுழிதருவான் - நீருருவ
மேகத்தாற்செய்தனைய மேனியான் நின்னுடைய
பாகத்தான் காணாமே பண்டு.
kāruruvak kaṇṭatteṅ kaṇṇutalē eṅkoḷittāy
ōruruvāy niṉṉō ṭuḻitaruvāṉ - nīruruva
mēkattāṟceytaṉaiya mēṉiyāṉ niṉṉuṭaiya
pākattāṉ kāṇāmē paṇṭu.
Unser Herr mit der wolkendunklen Kehle und dem Stirnauge: Wo hast du dich damals verborgen, sodass der dich nicht sehen konnte, der heute in einer einzigen Gestalt mit dir umhergeht – der Wolkenfarbene, der deine eine Hälfte ist?
Gemeint ist Vishnu, der einst Shivas Grenzen suchte und in der Gestalt Harihara eine Hälfte mit ihm teilt. Die Frage lebt von dieser Spannung zwischen unerreichbarer Größe und inniger Nähe.
Vers 55
பண்டமரர் அஞ்சப் படுகடலின் நஞ்சுண்டு
கண்டங் கறுத்ததுவு மன்றியே - உண்டு
பணியுறுவார் செஞ்சடைமேற் பால்மதியி னுள்ளே
மணிமறுவாய்த் தோன்றும் வடு.
paṇṭamarar añcap paṭukaṭaliṉ nañcuṇṭu
kaṇṭaṅ kaṟuttatuvu maṉṟiyē - uṇṭu
paṇiyuṟuvār ceñcaṭaimēṟ pālmatiyi ṉuḷḷē
maṇimaṟuvāyt tōṉṟum vaṭu.
Als die Götter einst erschraken, trankst du das Gift des tiefen Meeres. Davon wurde nicht nur deine Kehle dunkel: Auch im milchweißen Mond auf deinen roten Haarflechten erscheint nun ein dunkler Fleck wie ein Edelstein.
Die Dichterin stellt eine poetische Verbindung zwischen dem Giftmal und dem Fleck des Mondes her. Ihr Blick findet an verschiedenen Stellen dieselbe geheimnisvolle dunkle Spur.
Vers 56
வடுவன் றெனக்கருதி நீமதித்தி யாயின்
சுடுவெண் பொடிநிறத்தாய் சொல்லாய் - படுவெண்
புலாற்றலையின் உள்ளுண் புறம்பேசக் கேட்டோ
நிலாத்தலையிற் சூடுவாய் நீ.
vaṭuvaṉ ṟeṉakkaruti nīmatitti yāyiṉ
cuṭuveṇ poṭiniṟattāy collāy - paṭuveṇ
pulāṟṟalaiyiṉ uḷḷuṇ puṟampēcak kēṭṭō
nilāttalaiyiṟ cūṭuvāy nī.
Wenn du meinst, dies sei kein Makel, dann sage mir, du mit der Farbe weißer, verbrannter Asche: Trägst du den Mond auf deinem Haupt, nachdem du das Gerede der anderen gehört hast, weil du aus einem weißen, noch nach Fleisch riechenden Schädel isst?
Die Zuordnung der Eingangsfrage ist unsicher. Der Vers verbindet das Gerede über Shivas Bettlergestalt mit dem auffälligen Mondschmuck und bewahrt den freimütigen Ton der Dichterin.
Vers 57
நீயுலகம் எல்லாம் இரப்பினும் நின்னுடைய
தீய அரவொழியச் செல்கண்டாய் - தூய
மடவரலார் வந்து பலியிடார் அஞ்சி
விடஅரவம் மேலாட மிக்கு.
nīyulakam ellām irappiṉum niṉṉuṭaiya
tīya aravoḻiyac celkaṇṭāy - tūya
maṭavaralār vantu paliyiṭār añci
viṭaaravam mēlāṭa mikku.
Auch wenn du durch die ganze Welt betteln gehst: Lass deine gefährliche Schlange zurück! Sonst kommen die reinen, sanften Frauen nicht, um Almosen zu geben; sie fürchten sich, wenn die Giftschlange so lebhaft auf dir tanzt.
Die Bitte ist praktisch und liebevoll zugleich. Ammaiyar denkt an die Begegnung des göttlichen Bettlers mit gewöhnlichen Menschen.
Vers 58
மிக்க முழங்கெரியும் வீங்கிய பொங்கிருளும்
ஒக்க வுடனிருந்தால் ஒவ்வாதே - செக்கர்போல்
ஆகத்தான் செஞ்சடையும் ஆங்கவன்தன் பொன்னுருவில்
பாகத்தாள் பூங்குழலும் பண்பு.
mikka muḻaṅkeriyum vīṅkiya poṅkiruḷum
okka vuṭaṉiruntāl ovvātē - cekkarpōl
ākattāṉ ceñcaṭaiyum āṅkavaṉtaṉ poṉṉuruvil
pākattāḷ pūṅkuḻalum paṇpu.
Seine roten Haarflechten und das schöne dunkle Haar der Frau in seiner goldenen Gestalt gleichen mächtig loderndem Feuer und dichter, anschwellender Finsternis, die friedlich nebeneinanderstehen. Sein Leib aber gleicht dem Abendrot.
Das Bild der gemeinsamen Gestalt lebt vom Nebeneinander der Gegensätze. Feuer und Dunkelheit sind hier in einer einzigen Schönheit vereint.
Vers 59
பண்புணர மாட்டேன்நான் நீயே பணித்துக்காண்
கண்புணரும் நெற்றிக் கறைக்கண்டா - பெண்புணரும்
அவ்வுருவோ மாலுருவோ ஆனேற்றாய் நீறணிவ
தெவ்வுருவோ நின்னுருவ மேல்.
paṇpuṇara māṭṭēṉnāṉ nīyē paṇittukkāṇ
kaṇpuṇarum neṟṟik kaṟaikkaṇṭā - peṇpuṇarum
avvuruvō māluruvō āṉēṟṟāy nīṟaṇiva
tevvuruvō niṉṉuruva mēl.
Ich vermag deine Weise nicht zu erkennen; du selbst musst es mir erklären, Herr mit dem Stirnauge und der dunklen Kehle, Reiter des Stieres: Welche Gestalt an deinem Leib trägt die Asche – die mit der Frau verbundene Gestalt oder die Gestalt Vishnus?
Der Vers greift die Frage aus Vers 41 erneut auf. Die verschiedenen Bilder Gottes lassen sich nicht restlos wie Teile eines gewöhnlichen Körpers zusammenfügen.
Vers 60
மேலாய மேகங்கள் கூடியோர் பொன்விலங்கல்
போலாம் ஒளிபுதைத்தால் ஒவ்வாதே - மாலாய
கைம்மா மதக்களிற்றுக் காருரிவை போர்த்தபோ
தம்மான் திருமேனி அன்று.
mēlāya mēkaṅkaḷ kūṭiyōr poṉvilaṅkal
pōlām oḷiputaittāl ovvātē - mālāya
kaimmā matakkaḷiṟṟuk kārurivai pōrttapō
tammāṉ tirumēṉi aṉṟu.
Als unser Herr sich mit der dunklen Haut des mächtigen, rasenden Elefanten umhüllte, glich seine heilige Gestalt einem goldenen Berg, dessen Glanz von hoch aufgetürmten Wolken verhüllt wird.
Das Elefantenfell verdeckt und offenbart zugleich den Glanz des Herrn. Das Bergbild gibt dem dunklen Umhang Weite und Würde.
Verse 61–70: Das Geheimnis der Gestalt und die Sehnsucht nach dem Tanz
Vers 61
அன்றுந் திருவுருவங் காணாதே ஆட்பட்டேன்
இன்றுந் திருவுருவங் காண்கிலேன் - என்றுந்தான்
எவ்வுருவோன் உம்பிரான் என்பார்கட் கென்னுரைக்கேன்
எவ்வுருவோ நின்னுருவம் ஏது.
aṉṟun tiruvuruvaṅ kāṇātē āṭpaṭṭēṉ
iṉṟun tiruvuruvaṅ kāṇkilēṉ - eṉṟuntāṉ
evvuruvōṉ umpirāṉ eṉpārkaṭ keṉṉuraikkēṉ
evvuruvō niṉṉuruvam ētu.
Damals wurde ich dir zu eigen, ohne deine heilige Gestalt gesehen zu haben; auch heute sehe ich sie nicht. Was soll ich denen antworten, die immer wieder fragen: „Welche Gestalt hat euer Herr?“ Welche Gestalt ist deine? Wie bist du?
Ammaiyar lässt die Frage offen. Bhakti kann aus einer Zugehörigkeit leben, die sich nicht auf ein vollständig verfügbares Bild gründet.
Vers 62
ஏதொக்கும் ஏதொவ்வா தேதாகும் ஏதாகா
தேதொக்கும் என்பதனை யாரறிவார் - பூதப்பால்
வில்வேட னாகி விசயனோ டேற்றநாள்
வல்வேட னான வடிவு.
ētokkum ētovvā tētākum ētākā
tētokkum eṉpataṉai yāraṟivār - pūtappāl
vilvēṭa ṉāki vicayaṉō ṭēṟṟanāḷ
valvēṭa ṉāṉa vaṭivu.
Wem gleicht sie, wem gleicht sie nicht? Was ist sie, was ist sie nicht? Wer könnte sagen, womit jene Gestalt zu vergleichen ist, die du als mächtiger Jäger mit dem Bogen annahmst, als du, von Geisterwesen umgeben, gegen Vijaya antratst?
Vijaya bezeichnet hier Arjuna. Die Anspielung gilt Shiva als Kirata, dem Jäger, der Arjuna prüft. Die dichterische Frage unterstreicht die Unvergleichlichkeit dieser Erscheinung.
Vers 63
வடிவுடைய செங்கதிர்க்கு மாறாய்ப் பகலே
நெடிதுலவி நின்றெறிக்குங் கொல்லோ - கடியுலவு
சொன்முடிவொன் றில்லாத சோதியாய் சொல்லாயால்
நின்முடிமேல் திங்கள் நிலா.
vaṭivuṭaiya ceṅkatirkku māṟāyp pakalē
neṭitulavi niṉṟeṟikkuṅ kollō - kaṭiyulavu
coṉmuṭivoṉ ṟillāta cōtiyāy collāyāl
niṉmuṭimēl tiṅkaḷ nilā.
Du Licht, für das Worte keine letzte Grenze finden: Sage mir, strahlt der Mond auf deinem Haupt auch am hellen Tag weithin, als wollte er mit der schön leuchtenden Sonne wetteifern?
Die Frage bringt Sonne und Mond miteinander ins Gespräch. Der Herr selbst bleibt das Licht, das durch diese Vergleiche nicht erschöpft wird.
Vers 64
நிலாஇலங்கு வெண்மதியை நேடிக்கொள் வான்போல்
உலாவி உழிதருமா கொல்லோ - நிலாஇருந்த
செக்கரவ் வானமே ஒக்குந் திருமுடிக்கே
புக்கரவங் காலையே போன்று.
nilāilaṅku veṇmatiyai nēṭikkoḷ vāṉpōl
ulāvi uḻitarumā kollō - nilāirunta
cekkarav vāṉamē okkun tirumuṭikkē
pukkaravaṅ kālaiyē pōṉṟu.
Die Schlange gleitet in dein heiliges Haar, das einem roten Himmel mit darin stehendem Mond gleicht. Wandert sie dort umher, als suchte sie den hellen, lichtstrahlenden Mond, um ihn zu ergreifen?
Der göttliche Haarschmuck wird zum Himmelsraum. Die Szene setzt die früheren spielerischen Fragen nach Schlange und Mond fort.
Vers 65
காலையே போன்றிலங்கும் மேனி கடும்பகலின்
வேலையே போன்றிலங்கும் வெண்ணீறு - மாலையின்
தாங்குருவே போலுஞ் சடைக்கற்றை மற்றவற்கு
வீங்கிருளே போலும் மிடறு.
kālaiyē pōṉṟilaṅkum mēṉi kaṭumpakaliṉ
vēlaiyē pōṉṟilaṅkum veṇṇīṟu - mālaiyiṉ
tāṅkuruvē pōluñ caṭaikkaṟṟai maṟṟavaṟku
vīṅkiruḷē pōlum miṭaṟu.
Sein Leib leuchtet wie der Morgen; seine weiße Asche strahlt wie die Glut des hellen Mittags. Seine Haarflechten gleichen dem Abendrot; seine Kehle gleicht der dichten Dunkelheit der Nacht.
Ein ganzer Tag erscheint in einer einzigen Gottesgestalt. Diese Strophe eignet sich besonders für eine ruhige, bildhafte Kontemplation.
Vers 66
மிடற்றில் விடமுடையீர் உம்மிடற்றை நக்கி
மிடற்றில் விடங்கொண்ட வாறோ - மிடற்றகத்து
மைத்தாம் இருள்போலும் வண்ணங் கரிதாலோ
பைத்தாடும் நும்மார்பிற் பாம்பு.
miṭaṟṟil viṭamuṭaiyīr ummiṭaṟṟai nakki
miṭaṟṟil viṭaṅkoṇṭa vāṟō - miṭaṟṟakattu
maittām iruḷpōlum vaṇṇaṅ karitālō
paittāṭum nummārpiṟ pāmpu.
Du mit dem Gift in der Kehle: Hat die Schlange auf deiner Brust deine Kehle geleckt und so selbst Gift in ihren Hals aufgenommen? Ihre Farbe ist ja dunkel wie die tintenschwarze Finsternis in deiner Kehle, wenn sie ihre Haube zum Tanz erhebt!
Die gemeinsame dunkle Farbe wird zum Anlass einer neuen Frage. Die vertraute Beobachtung führt immer tiefer in das Andachtsbild hinein.
Vers 67
பாம்பும் மதியும் மடமானும் பாய்புலியுந்
தாம்பயின்று தாழருவி தூங்குதலால் - ஆம்பொன்
உருவடிவில் ஓங்கொளிசேர் கண்ணுதலான் கோலத்
திருவடியின் மேய சிலம்பு.
pāmpum matiyum maṭamāṉum pāypuliyun
tāmpayiṉṟu tāḻaruvi tūṅkutalāl - āmpoṉ
uruvaṭivil ōṅkoḷicēr kaṇṇutalāṉ kōlat
tiruvaṭiyiṉ mēya cilampu.
Schlange und Mond, sanftes Reh und springender Tiger leben bei ihm beieinander, und er trägt den herabstürzenden Wasserfall. Darum gebührt dem goldgestaltigen, strahlenden Herrn mit dem Stirnauge der Heldenfußring an seinem schönen heiligen Fuß.
Der tamilische Kommentar erklärt den Fußring als Zeichen seiner Macht: Er vereint natürliche Gegenspieler und trägt Ganga. Die Schlange verschlingt den Mond nicht; das Reh fürchtet das Tigerfell nicht. Diese Deutung klärt den stark verkürzten Satzbau.
Vers 68
சிலம்படியாள் ஊடலைத் தான்தவிர்ப்பான் வேண்டிச்
சிலம்படிமேற் செவ்வரத்தஞ் சேர்த்தி - நலம்பெற்
றெதிராய செக்கரினும் இக்கோலஞ் செய்தான்
முதிரா மதியான் முடி.
cilampaṭiyāḷ ūṭalait tāṉtavirppāṉ vēṇṭic
cilampaṭimēṟ cevvarattañ cērtti - nalampeṟ
ṟetirāya cekkariṉum ikkōlañ ceytāṉ
mutirā matiyāṉ muṭi.
Um den Unmut der Frau mit den klingenden Fußringen zu besänftigen, berührte er mit seinem Haupt die rote Farbe an ihren Füßen. So gewann sein mondgeschmücktes Haar eine Schönheit, die selbst das leuchtende Abendrot übertrifft.
Die Farbe an Parvatis Füßen färbt beim ehrfürchtigen Neigen sein Haupt. Das Gedicht zeigt göttliche Größe in einer zärtlichen Geste der Versöhnung.
Vers 69
முடிமேற் கொடுமதியான் முக்கணான் நல்ல
அடிமேற் கொடுமதியோங் கூற்றைப் - படிமேற்
குனியவல மாம்அடிமை கொண்டாடப் பெற்றோம்
இனிஅவலம் உண்டோ எமக்கு.
muṭimēṟ koṭumatiyāṉ mukkaṇāṉ nalla
aṭimēṟ koṭumatiyōṅ kūṟṟaip - paṭimēṟ
kuṉiyavala māmaṭimai koṇṭāṭap peṟṟōm
iṉiavalam uṇṭō emakku.
Auf unserem Haupt tragen wir die guten Füße des Dreiäugigen mit der gebogenen Mondsichel. Den Tod achten wir nicht mehr. Uns wurde der Dienst geschenkt, in dem wir uns hier auf Erden ehrfürchtig verneigen. Kann es für uns nun noch Verzweiflung geben?
Die Worttrennung wird nach dem tamilischen Kommentar verstanden: Die Verehrenden nehmen Shivas Füße auf ihr Haupt und fürchten den Todesgott Yama nicht mehr. Der Dienst schließt ihre ehrfürchtige Hinwendung zu anderen Verehrenden ein.
Vers 70
எமக்கிதுவோ பேராசை யென்றுந் தவிரா
தெமக்கொருநாள் காட்டுதியோ எந்தாய் - அமைக்கவே
போந்தெரிபாய்ந் தன்ன புரிசடையாய் பொங்கிரவில்
ஏந்தெரிபாய்ந் தாடும் இடம்.
emakkituvō pērācai yeṉṟun tavirā
temakkorunāḷ kāṭṭutiyō entāy - amaikkavē
pōnteripāyn taṉṉa puricaṭaiyāy poṅkiravil
ēnteripāyn tāṭum iṭam.
Dies ist unsere große Sehnsucht, die uns niemals verlässt: Wirst du uns eines Tages jenen Ort zeigen, unser Vater, wo du mitten in der Nacht in hoch aufschlagendem Feuer tanzt – du mit den gedrehten Haarflechten, die selbst wie springende Flammen aussehen?
Die Sehnsucht richtet sich auf den Tanz selbst. Der gefürchtete Verbrennungsplatz wird für Ammaiyar zum Ort der ersehnten Gottesnähe.
Verse 71–80: Dienst, Zärtlichkeit und kosmische Macht
Vers 71
இடப்பால வானத் தெழுமதியை நீயோர்
மடப்பாவை தன்னருகே வைத்தால் - இடப் பாகங்
கொண்டாள் மலைப்பாவை கூறொன்றுங் கண்டிலங்காண்
கண்டாயே முக்கண்ணாய் கண்.
iṭappāla vāṉat teḻumatiyai nīyōr
maṭappāvai taṉṉarukē vaittāl - iṭap pākaṅ
koṇṭāḷ malaippāvai kūṟoṉṟuṅ kaṇṭilaṅkāṇ
kaṇṭāyē mukkaṇṇāy kaṇ.
Wenn du den am Himmel aufgehenden Mond auf deine linke Seite neben die sanfte Frau setzt, können wir die Hälfte der Bergtochter, die diese linke Seite einnimmt, gar nicht mehr unterscheiden. Sieh doch selbst hin, du Dreiäugiger!
Das Bild spielt mit der Ähnlichkeit von Mond und Frauengesicht. Die Dichterin fordert Shiva augenzwinkernd auf, seine drei Augen zu gebrauchen. Der genaue räumliche Bezug der ersten Zeile bleibt knapp.
Vers 72
கண்டெந்தை என்றிறைஞ்சிக் கைப்பணியான் செய்யேனேல்
அண்டம் பெறினும் அதுவேண்டேன் - துண்டஞ்சேர்
விண்ணாளுந் திங்களாய் மிக்குலகம் ஏழினுக்கும்
கண்ணாளா ஈதென் கருத்து.
kaṇṭentai eṉṟiṟaiñcik kaippaṇiyāṉ ceyyēṉēl
aṇṭam peṟiṉum atuvēṇṭēṉ - tuṇṭañcēr
viṇṇāḷun tiṅkaḷāy mikkulakam ēḻiṉukkum
kaṇṇāḷā īteṉ karuttu.
Wenn ich ihn nicht sehen, „Mein Vater!“ rufen, mich verneigen und mit meinen Händen dienen darf, dann will ich selbst die Herrschaft über das Weltall nicht. Du mit dem Mond, der den Himmel regiert, du Auge der sieben großen Welten: Dies ist mein Entschluss.
Der Wert der Bhakti übersteigt für Ammaiyar jede noch so große Belohnung. Der konkrete Dienst gehört untrennbar zu ihrer Gottesliebe.
Vers 73
கருத்தினால் நீகருதிற் றெல்லாம் உடனே
திருத்தலஞ் சிக்கென நான்சொன்னேன் - பருத்தரங்க
வெள்ளநீ ரேற்றேன் அடிக்கமலம் நீவிரும்பி
உள்ளமே எப்போதும் ஓது.
karuttiṉāl nīkarutiṟ ṟellām uṭaṉē
tiruttalañ cikkeṉa nāṉcoṉṉēṉ - paruttaraṅka
veḷḷanī rēṟṟēṉ aṭikkamalam nīvirumpi
uḷḷamē eppōtum ōtu.
Höre, mein Herz: Ich habe dir einen sicheren Weg gewiesen, auf dem sich alles, was du im Inneren ersehnst, ordnen kann. Liebe die Lotosfüße dessen, der die mächtige Wasserflut mit ihren großen Wellen aufnahm, und preise sie allezeit.
Der Zuspruch richtet sich an das eigene Herz. Das Gedenken an Shivas Füße ordnet das Wünschen auf ein geistiges Ziel hin.
Vers 74
ஓத நெடுங்கடல்கள் எத்தனையும் உய்த்தட்ட
ஏது நிறைந்தில்லை என்பரால் - பேதையர்கள்
எண்ணா திடும்பலியால் என்னோ நிறைந்தவா
கண்ணார் கபாலக் கமலம்.
ōta neṭuṅkaṭalkaḷ ettaṉaiyum uyttaṭṭa
ētu niṟaintillai eṉparāl - pētaiyarkaḷ
eṇṇā tiṭumpaliyāl eṉṉō niṟaintavā
kaṇṇār kapālak kamalam.
Man sagt, dass seine Bettelschale nicht voll wurde, selbst als man die weiten, wogenden Meere hineingoss. Wie wurde dann die schöne Schädelschale voll durch die Almosen, die ahnungslose Frauen einfach hineingaben?
Was selbst die Meere nicht füllen konnten, wird durch eine schlichte Gabe gefüllt. In diesem überraschenden Bild liegt das Staunen über die Kraft der Hingabe.
Vers 75
கலங்கு புனல்கங்கை ஊடால லாலும்
இலங்கு மதிஇயங்க லாலும் - நலங்கொள்
பரிசுடையான் நீண்முடிமேற் பாம்பியங்க லாலும்
விரிசடையாங் காணில் விசும்பு.
kalaṅku puṉalkaṅkai ūṭāla lālum
ilaṅku matiiyaṅka lālum - nalaṅkoḷ
paricuṭaiyāṉ nīṇmuṭimēṟ pāmpiyaṅka lālum
viricaṭaiyāṅ kāṇil vicumpu.
Die bewegte Ganga fließt darin, der leuchtende Mond wandert darin, und die Schlange gleitet über sein hohes Haupt: Betrachtet man die ausgebreiteten Haarflechten des gütigen Herrn, so sind sie selbst ein Himmel.
Das Haar wird zum kosmischen Raum. Wasser, Mond und Schlange verbinden das Andachtsbild mit einer weiten Schau der Welt.
Vers 76
விசும்பில் விதியுடைய விண்ணோர் பணிந்து
பசும்பொன் மணிமகுடந் தேய்ப்ப - முசிந்தெங்கும்
எந்தாய் தழும்பேறி யேபாவம் பொல்லாவாம்
அந்தா மரைபோல் அடி.
vicumpil vitiyuṭaiya viṇṇōr paṇintu
pacumpoṉ maṇimakuṭan tēyppa - mucinteṅkum
entāy taḻumpēṟi yēpāvam pollāvām
antā maraipōl aṭi.
Die begünstigten Götter des Himmels verneigen sich vor dir und reiben dabei ihre edelsteinbesetzten Goldkronen an deinen Füßen. Ach, unser Vater, deine lotosgleichen Füße sind dadurch überall wund und voller Narben geworden – welch ein Jammer!
Die höchst ehrwürdige Verehrung der Götter wird mit liebevoller Sorge betrachtet. Ammaiyar sieht auch an der erhabenen Gestalt das Geliebte, das sie behüten möchte.
Vers 77
அடிபேரிற் பாதாளம் பேரும் அடிகள்
முடிபேரின் மாமுகடு பேரும் - கடகம்
மறிந்தாடு கைபேரின் வான்திசைகள் பேரும்
அறிந்தாடும் ஆற்றா தரங்கு.
aṭipēriṟ pātāḷam pērum aṭikaḷ
muṭipēriṉ māmukaṭu pērum - kaṭakam
maṟintāṭu kaipēriṉ vāṉticaikaḷ pērum
aṟintāṭum āṟṟā taraṅku.
Wenn dein Fuß sich bewegt, gerät die Unterwelt ins Wanken. Wenn dein Haupt sich bewegt, gerät das Himmelsgewölbe ins Wanken. Wenn deine geschmückten Arme im Tanz ausschwingen, geraten die Himmelsrichtungen ins Wanken. Tanze mit Bedacht – der Tanzplatz kann es nicht tragen!
Der kosmische Tanz erhält durch die fürsorgliche Bitte eine persönliche Wärme. Natarajas Größe und Ammaiyars Nähe werden gleichzeitig spürbar.
Vers 78
அரங்கமாய்ப் பேய்க்காட்டில் ஆடுவான் வாளா
இரங்குமோ எவ்வுயிர்க்கும் ஏழாய் - இரங்குமேல்
என்னாக வையான்தான் எவ்வுலகம் ஈந்தளியான்
பன்னாள் இரந்தாற் பணிந்து.
araṅkamāyp pēykkāṭṭil āṭuvāṉ vāḷā
iraṅkumō evvuyirkkum ēḻāy - iraṅkumēl
eṉṉāka vaiyāṉtāṉ evvulakam īntaḷiyāṉ
paṉṉāḷ irantāṟ paṇintu.
Du armes Herz: Wird der, der auf dem Geisterplatz wie auf einer Bühne tanzt, einfach jedem Wesen Gnade erweisen? Wenn er sich aber erbarmt – welche Erfüllung könnte er verweigern, welche Welt würde er nicht schenken, wenn wir ihn viele Tage verehrend bitten?
Die erste Frage ist in ihrer Betonung auslegungsbedürftig. Die Strophe verbindet beharrliches Bitten mit dem Vertrauen in die überreiche Gnade des Herrn.
Vers 79
பணிந்தும் படர்சடையான் பாதங்கள் போதால்
அணிந்தும் அணிந்தவரை ஏத்தத் - துணிந்தென்றும்
எந்தையார்க் காட்செய்யப் பெற்ற இதுகொலோ
சிந்தையார்க் குள்ள செருக்கு.
paṇintum paṭarcaṭaiyāṉ pātaṅkaḷ pōtāl
aṇintum aṇintavarai ēttat - tuṇinteṉṟum
entaiyārk kāṭceyyap peṟṟa itukolō
cintaiyārk kuḷḷa cerukku.
Sich verneigen, die Füße des Herrn mit den ausgebreiteten Haarflechten mit Blumen schmücken, seine Verehrenden preisen und entschlossen allezeit unserem Vater dienen dürfen – ist dies der Grund für den frohen Stolz meines Herzens?
Das Herz staunt über sein eigenes Glück. Seine Freude erwächst aus der geschenkten Möglichkeit, den Herrn und seine Verehrenden zu ehren.
Vers 80
செருக்கினால் வெற்பெடுத்த எத்தனையோ திண்டோள்
அரக்கனையும் முன்னின் றடர்த்த - திருத்தக்க
மாலயனுங் காணா தரற்றி மகிழ்ந்தேத்தக்
காலனையும் வென்றுதைத்த கால்.
cerukkiṉāl veṟpeṭutta ettaṉaiyō tiṇṭōḷ
arakkaṉaiyum muṉṉiṉ ṟaṭartta - tiruttakka
mālayaṉuṅ kāṇā taraṟṟi makiḻntēttak
kālaṉaiyum veṉṟutaitta kāl.
Diese Füße bezwangen den Dämon mit den vielen starken Schultern, der im Hochmut den Berg emporhob. Vishnu und Brahma konnten sie nicht schauen, obwohl sie rufend und jubelnd priesen. Diese Füße siegten auch über den Tod und traten ihn nieder.
Ravana, die Suche von Vishnu und Brahma sowie der Sieg über Yama werden in einem einzigen Lob der göttlichen Füße verbunden.
Verse 81–90: Rettung, Erkenntnis und staunendes Schauen
Vers 81
காலனையும் வென்றோம் கடுநரகம் கைகழன்றோம்
மேலை இருவினையும் வேரறுத்தோம் - கோல
அரணார் அவிந்தழிய வெந்தீயம் பெய்தான்
சரணார விந்தங்கள் சார்ந்து.
kālaṉaiyum veṉṟōm kaṭunarakam kaikaḻaṉṟōm
mēlai iruviṉaiyum vēraṟuttōm - kōla
araṇār avintaḻiya ventīyam peytāṉ
caraṇāra vintaṅkaḷ cārntu.
Wir haben den Tod überwunden, die grausame Hölle hinter uns gelassen und die beiden Arten bindender Taten an der Wurzel abgeschnitten: Wir haben Zuflucht bei den Lotosfüßen dessen gefunden, der die prächtigen Festungen mit einem feurigen Pfeil verbrannte und vernichtete.
Die beiden Arten von Taten sind gutes und schlechtes Karma, soweit beide an Wiedergeburt binden. Der Vers spricht aus der Gewissheit religiöser Rettung.
Vers 82
சார்ந்தார்க்குப் பொற்கொழுந்தே ஒத்திலங்கிச் சாராது
பேர்ந்தார்க்குத் தீக்கொடியின் பெற்றியதாம் - தேர்ந்துணரில்
தாழ்சுடரோன் செங்கதிருஞ் சாயுந் தழல்வண்ணன்
வீழ்சடையே என்றுரைக்கும் மின்.
cārntārkkup poṟkoḻuntē ottilaṅkic cārātu
pērntārkkut tīkkoṭiyiṉ peṟṟiyatām - tērntuṇaril
tāḻcuṭarōṉ ceṅkatiruñ cāyun taḻalvaṇṇaṉ
vīḻcaṭaiyē eṉṟuraikkum miṉ.
Für die, die bei ihm Zuflucht suchen, leuchten die herabfallenden Haarflechten des Feuerfarbenen wie goldene Sprosse; für die, die sich abwenden, erscheinen sie wie aufschießende Flammen. Erkennt und sagt es: Vor ihrem Glanz verblassen selbst die roten Strahlen der sinkenden Sonne.
Die Stellung der Schlussanrede ist sprachlich nicht eindeutig; sie wird hier als Aufforderung zum Erkennen und Aussprechen verstanden. Der Gegensatz zeigt, wie die Beziehung des Betrachtenden seine Erfahrung prägt.
Vers 83
மின்போலும் செஞ்சடையான் மாலோடும் ஈண்டிசைந்தால்
என்போலுங் காண்பார்கட் கென்றிரேல் - தன்போலும்
பொற்குன்றும் நீல மணிக்குன்றும் தாமுடனே
நிற்கின்ற போலும் நெடிது.
miṉpōlum ceñcaṭaiyāṉ mālōṭum īṇṭicaintāl
eṉpōluṅ kāṇpārkaṭ keṉṟirēl - taṉpōlum
poṟkuṉṟum nīla maṇikkuṉṟum tāmuṭaṉē
niṟkiṉṟa pōlum neṭitu.
Fragt ihr, wie es aussieht, wenn der mit den blitzenden roten Haarflechten mit Vishnu vereint ist: Es ist, als stünden ein goldener Berg und ein Berg aus blauem Edelstein in gewaltiger Höhe unmittelbar nebeneinander.
Harihara wird als vereinte Größe von Gold und Blau besungen. Die Verschiedenheit der Farben bleibt in der gemeinsamen Gestalt sichtbar.
Vers 84
நெடிதாய பொங்கெரியுந் தண்மதியும் நேரே
கடிதாங் கடுஞ்சுடரும் போலும் - கொடிதாக
விண்டார்கள் மும்மதிலும் வெந்தீ யினில்அழியக்
கண்டாலும் முக்கணான் கண்.
neṭitāya poṅkeriyun taṇmatiyum nērē
kaṭitāṅ kaṭuñcuṭarum pōlum - koṭitāka
viṇṭārkaḷ mummatilum ventī yiṉilaḻiyak
kaṇṭālum mukkaṇāṉ kaṇ.
Die Augen des Dreiäugigen gleichen hoch aufloderndem Feuer, dem kühlen Mond und der scharf brennenden Sonne. Sein Blick ließ die drei Festungen der feindseligen Gegner im Feuer untergehen.
Die drei Augen verbinden göttliches Schauen mit kosmischen Lichtkräften. Das Vernichtungsmotiv wird innerhalb der Tripura-Erzählung verstanden.
Vers 85
கண்ணாரக் கண்டும்என் கையாரக் கூப்பியும்
எண்ணார எண்ணத்தால் எண்ணியும் - விண்ணோன்
எரியாடி என்றென்றும் இன்புறுவன் கொல்லோ
பெரியானைக் காணப் பெறின்.
kaṇṇārak kaṇṭumeṉ kaiyārak kūppiyum
eṇṇāra eṇṇattāl eṇṇiyum - viṇṇōṉ
eriyāṭi eṉṟeṉṟum iṉpuṟuvaṉ kollō
periyāṉaik kāṇap peṟiṉ.
Wenn ich den Großen schauen darf: Werde ich mich dann mit den Augen sattsehen, die Hände voll Andacht falten, mit all meinen Gedanken seiner gedenken und immer wieder freudig rufen: „Herr des Himmels! Tänzer im Feuer!“?
Augen, Hände, Denken und Stimme werden zu einer einzigen Verehrung. Der Vers verbindet leibliche Teilnahme und innere Sammlung.
Vers 86
பெறினும் பிறிதியாதும் வேண்டேம் நமக்கீ
துறினும் உறாதொழியு மேனும் - சிறிதுணர்த்தி
மற்றொருகண் நெற்றிமேல் வைத்தான்தன் பேயாய
நற்கணத்தி லொன்றாய நாம்.
peṟiṉum piṟitiyātum vēṇṭēm namakkī
tuṟiṉum uṟātoḻiyu mēṉum - ciṟituṇartti
maṟṟorukaṇ neṟṟimēl vaittāṉtaṉ pēyāya
naṟkaṇatti loṉṟāya nām.
Wir gehören nun zu seiner guten Geisterschar – zur Schar dessen, der auf der Stirn ein weiteres Auge trägt und es ein wenig sichtbar macht. Ob uns dieses Glück bleibt oder auch entgleitet: Selbst wenn wir anderes erlangen könnten, wünschen wir nichts anderes.
Ammaiyar versteht sich als Teil der Gefolgschaft Shivas. Das Wort pēy bezeichnet hier ein Geisterwesen in seiner Nähe; die Zugehörigkeit zu dieser Schar wird als kostbare Gabe erfahren. Die Wendung zum Sichtbarwerden des Stirnauges bleibt auslegungsbedürftig.
Vers 87
நாமாலை சூடியும் நம்ஈசன் பொன்னடிக்கே
பூமாலை கொண்டு புனைந்தன்பாய் - நாமோர்
அறிவினையே பற்றினால் எற்றே தடுமே
எறிவினையே என்னும் இருள்.
nāmālai cūṭiyum namīcaṉ poṉṉaṭikkē
pūmālai koṇṭu puṉaintaṉpāy - nāmōr
aṟiviṉaiyē paṟṟiṉāl eṟṟē taṭumē
eṟiviṉaiyē eṉṉum iruḷ.
Wenn wir unserem Herrn eine Girlande aus Worten darbringen, seine goldenen Füße mit einer Blumengirlande schmücken und uns in Liebe an die eine Erkenntnis halten: Was könnte dann die Finsternis der uns bedrängenden Taten noch ausrichten?
Wort, Blume, Liebe und Erkenntnis bilden einen gemeinsamen Weg. Dichtung wird selbst zur Puja.
Vers 88
இருளின் உருவென்கோ மாமேகம் என்கோ
மருளின் மணிநீலம் என்கோ - அருளெமக்கு
நன்றுடையாய் செஞ்சடைமேல் நக்கிலங்கு வெண்மதியம்
ஒன்றுடையாய் கண்டத் தொளி.
iruḷiṉ uruveṉkō māmēkam eṉkō
maruḷiṉ maṇinīlam eṉkō - aruḷemakku
naṉṟuṭaiyāy ceñcaṭaimēl nakkilaṅku veṇmatiyam
oṉṟuṭaiyāy kaṇṭat toḷi.
Soll ich den Glanz deiner Kehle die Gestalt der Finsternis nennen, eine mächtige Wolke oder das Blau eines makellosen Edelsteins? Du, dessen Gnade uns Gutes schenkt, du mit dem lachend leuchtenden weißen Mond auf den roten Haarflechten!
Die vielen Vergleiche sind Ausdruck des Staunens. Selbst die dunkle Kehle wird als Glanz erfahren.
Vers 89
ஒளிவி லிவன்மதனை ஒண்பொடியா நோக்கித்
தெளிவுள்ள சிந்தையினிற் சேர்வாய் - ஒளிநஞ்சம்
உண்டவா யஃதிருப்ப உன்னுடைய கண்டமிருள்
கொண்டவா றென்இதனைக் கூறு.
oḷivi livaṉmataṉai oṇpoṭiyā nōkkit
teḷivuḷḷa cintaiyiṉiṟ cērvāy - oḷinañcam
uṇṭavā yaḵtiruppa uṉṉuṭaiya kaṇṭamiruḷ
koṇṭavā ṟeṉitaṉaik kūṟu.
Du hast Manmatha mit dem strahlenden Bogen durch deinen Blick zu feiner Asche verbrannt und wohnst im klar gewordenen Denken. Dein Mund, der das glühende Gift trank, blieb unverändert – warum wurde nur deine Kehle dunkel? Erkläre mir dies!
Manmatha ist Kama, der Liebesgott. Die Frage betrachtet aufmerksam die Einzelheiten des Mythos und macht daraus ein vertrautes Gespräch mit Shiva.
Vers 90
கூறெமக்கீ தெந்தாய் குளிர்சடையை மீதழித் திட்
டேற மிகப்பெருகின் என்செய்தி - சீறி
விழித்தூரும் வாளரவும் வெண்மதியும் ஈர்த்துத்
தெழித்தோடுங் கங்கைத் திரை.
kūṟemakkī tentāy kuḷircaṭaiyai mītaḻit tiṭ
ṭēṟa mikapperukiṉ eṉceyti - cīṟi
viḻittūrum vāḷaravum veṇmatiyum īrttut
teḻittōṭuṅ kaṅkait tirai.
Sage uns, unser Vater: Was wirst du tun, wenn die Wellen der Ganga brausend anschwellen, die zornig blickende Schlange und den weißen Mond mitreißen, deine kühlen Haarflechten überspülen und immer höher steigen?
Ganga erscheint als eine lebendige, überströmende Macht. Die Dichterin denkt das Bild weiter und fragt, was geschieht, wenn selbst Shivas Haar die Flut nicht mehr hält.
Verse 91–101: Beständige Liebe und der Schluss der Girlande
Vers 91
திரைமருவு செஞ்சடையான் சேவடிக்கே ஆளாய்
உரைமருவி யாமுணர்ந்தோங் கண்டீர் - தெரிமினோ
இம்மைக்கும் அம்மைக்கும் எல்லாம் அமைந்தோமே
எம்மைப் புறம்உரைப்ப தென்.
tiraimaruvu ceñcaṭaiyāṉ cēvaṭikkē āḷāy
uraimaruvi yāmuṇarntōṅ kaṇṭīr - terimiṉō
immaikkum ammaikkum ellām amaintōmē
emmaip puṟamuraippa teṉ.
Seht: Wir sind den roten Füßen dessen zu eigen, durch dessen rote Haarflechten die Wellen fließen. Wir haben das heilige Wort aufgenommen und ihn erkannt. Versteht doch: Für dieses Leben und das kommende ist uns alles zuteilgeworden. Warum redet ihr hinter unserem Rücken über uns?
Urai, „Wort“ oder „Rede“, wird hier als heiliges Wort verstanden; die ausdrückliche Nennung eines bestimmten Mantras steht nicht im Vers. Der Schluss verteidigt die Würde gelebter Hingabe gegenüber Geringschätzung.
Vers 92
என்னை உடையானும் ஏகமாய் நின்றானுந்
தன்னை அறியாத தன்மையனும் - பொன்னைச்
சுருளாகச் செய்தனைய தூச்சடையோன் வானோர்க்
கருளாக வைத்த அவன்.
eṉṉai uṭaiyāṉum ēkamāy niṉṟāṉun
taṉṉai aṟiyāta taṉmaiyaṉum - poṉṉaic
curuḷākac ceytaṉaiya tūccaṭaiyōṉ vāṉōrk
karuḷāka vaitta avaṉ.
Er ist der, dem ich gehöre; er steht als der Eine da, und er kennt seine eigene Größe nicht. Seine reinen Haarflechten gleichen kunstvoll gedrehtem Gold. Er ist es, der den Himmlischen als Schatz der Gnade gegeben ist.
„Er kennt seine eigene Größe nicht“ ist eine kühne dichterische Aussage. Sie lässt sich als Staunen über unermessliche, nicht selbstbezogene Größe lesen; der Vers formuliert keine alltägliche Begrenzung göttlichen Wissens.
Vers 93
அவன்கண்டாய் வானோர் பிரானாவான் என்றும்
அவன்கண்டாய் அம்பவள வண்ணன் - அவன் கண்டாய்
மைத்தமர்ந்த கண்டத்தான் மற்றவன்பால் நன்னெஞ்சே
மெய்த்தமர்ந்தன் பாய்நீ விரும்பு.
avaṉkaṇṭāy vāṉōr pirāṉāvāṉ eṉṟum
avaṉkaṇṭāy ampavaḷa vaṇṇaṉ - avaṉ kaṇṭāy
maittamarnta kaṇṭattāṉ maṟṟavaṉpāl naṉṉeñcē
meyttamarntaṉ pāynī virumpu.
Sieh, er ist für immer der Herr der Himmlischen. Sieh, er hat die Farbe schönen Koralls. Sieh, er trägt die dunkel gefärbte Kehle. Mein gutes Herz: Wende dich ihm in wahrhaft beständiger Liebe zu!
Das dreifache „Sieh“ richtet die Aufmerksamkeit neu aus. Der Vers mündet in einen einfachen Zuspruch an das eigene Herz.
Vers 94
விருப்பினால் நீபிரிய கில்லாயோ வேறா
இருப்பிடமற் றில்லையோ என்னோ - பொருப்பன்மகள்
மஞ்சுபோல் மால்விடையாய் நிற்பிரிந்து வேறிருக்க
அஞ்சுமோ சொல்லாய் அவள்.
viruppiṉāl nīpiriya killāyō vēṟā
iruppiṭamaṟ ṟillaiyō eṉṉō - poruppaṉmakaḷ
mañcupōl mālviṭaiyāy niṟpirintu vēṟirukka
añcumō collāy avaḷ.
Du mit dem mächtigen Stier, der einer Wolke gleicht: Kannst du dich aus Liebe nicht von der Bergtochter trennen? Gibt es für sie keinen anderen Wohnort? Oder fürchtet sie sich, allein und von dir getrennt zu sein? Sage es mir!
Die Untrennbarkeit von Shiva und Parvati wird in der Sprache einer vertrauten Beziehung befragt. Die Nähe bleibt stärker als jede mögliche Erklärung.
Vers 95
அவளோர் குலமங்கை பாகத் தகலாள்
இவளோர் சலமகளும் ஈதே - தவளநீ
றென்பணிவீர் என்றும் பிரிந்தறியீர் ஈங்கிவருள்
அன்பணியார் சொல்லுமின்இங் கார்.
avaḷōr kulamaṅkai pākat takalāḷ
ivaḷōr calamakaḷum ītē - tavaḷanī
ṟeṉpaṇivīr eṉṟum pirintaṟiyīr īṅkivaruḷ
aṉpaṇiyār collumiṉiṅ kār.
Jene ist eine edle Frau und weicht nicht von deiner einen Hälfte; diese, die Tochter des Wassers, ebenso wenig. Du, der weiße Asche und Knochen trägt, kennst keine Trennung von ihnen. Sage uns: Welche von beiden ist dir in Liebe näher?
Gemeint sind Parvati und Ganga. Die Frage lässt die Nähe der Göttinnen in der Sprache einer persönlichen Beziehung lebendig werden.
Vers 96
ஆர்வல்லார் காண அரனவனை அன்பென்னும்
போர்வை அதனாலே போர்த்தமைத்துச் - சீர்வல்ல
தாயத்தால் நாமுந் தனிநெஞ்சி னுள்ளடைத்து
மாயத்தால் வைத்தோம் மறைத்து.
ārvallār kāṇa araṉavaṉai aṉpeṉṉum
pōrvai ataṉālē pōrttamaittuc - cīrvalla
tāyattāl nāmun taṉineñci ṉuḷḷaṭaittu
māyattāl vaittōm maṟaittu.
Wer könnte Hara nun noch sehen? Wir haben ihn in den Mantel der Liebe gehüllt, ihn kraft unserer innigen Zugehörigkeit im Innersten des Herzens geborgen und ihn dort wie durch einen Zauber verborgen.
Der „Mantel der Liebe“ ist eines der zartesten Bilder des Werkes. Was öffentlich dargestellt wird, wird zugleich zum stillen Geheimnis des Herzens.
Vers 97
மறைத்துலகம் ஏழினிலும் வைத்தாயோ அன்றேல்
உறைப்போடும் உன்கைக் கொண்டாயோ - நிறைத்திட்
டுளைந்தெழுந்து நீயெரிப்ப மூவுலகும் உள்புக்
களைந்தெழுந்த செந்தீ யழல்.
maṟaittulakam ēḻiṉilum vaittāyō aṉṟēl
uṟaippōṭum uṉkaik koṇṭāyō - niṟaittiṭ
ṭuḷainteḻuntu nīyerippa mūvulakum uḷpuk
kaḷainteḻunta centī yaḻal.
Hast du jenes rote Feuer in den sieben Welten verborgen, das alles erfüllte, in die drei Welten eindrang und sie bei deiner Auflösung der Welt verzehrte? Oder hältst du es jetzt mit unerschütterlicher Kraft in deiner Hand?
Die Flamme in Shivas Hand wird mit dem Feuer der kosmischen Auflösung verbunden. Das kleine Andachtszeichen trägt die Vorstellung einer unermesslichen Macht in sich.
Vers 98
அழலாட அங்கை சிவந்ததோ அங்கை
அழகால் அழல்சிவந்த வாறோ - கழலாடப்
பேயாடு கானிற் பிறங்க அனலேந்தித்
தீயாடு வாயிதனைக் செப்பு.
aḻalāṭa aṅkai civantatō aṅkai
aḻakāl aḻalcivanta vāṟō - kaḻalāṭap
pēyāṭu kāṉiṟ piṟaṅka aṉalēntit
tīyāṭu vāyitaṉaik ceppu.
Wurde deine Hand rot, weil das Feuer darin tanzt? Oder wurde das Feuer rot durch die Schönheit deiner Hand? Du, der mit klingendem Fußring in den Flammen des Waldes tanzt, wo Geisterwesen tanzen: Sage mir dies!
Hand und Flamme verleihen einander Glanz. Die unbeantwortete Frage vertieft das Schauen, statt es zu beenden.
Vers 99
செப்பேந் திளமுலையாள் காணவோ தீப்படுகாட்
டப்பேய்க் கணமவைதாங் காணவோ - செப்பெனக்கொன்
றாகத்தான் அங்காந் தனலுமிழும் ஐவாய
நாகத்தா யாடுன் நடம்.
ceppēn tiḷamulaiyāḷ kāṇavō tīppaṭukāṭ
ṭappēyk kaṇamavaitāṅ kāṇavō - ceppeṉakkoṉ
ṟākattāṉ aṅkān taṉalumiḻum aivāya
nākattā yāṭuṉ naṭam.
Du mit der fünfmäuligen Schlange, die die Mäuler aufreißt und Feuer speit: Sage mir eines über deinen Tanz. Tanzt du, damit die Frau mit den schönen jungen Brüsten zusieht, oder damit die Geisterscharen auf dem brennenden Verbrennungsplatz zuschauen?
Die Frage stellt Uma und die wilden Geister als Zuschauer nebeneinander. Beide gehören zur Bildwelt der göttlichen Nähe. Die sinnliche Schönheit der Göttin und die wilde Geisterschar schauen auf denselben Tanz.
Vers 100
நடக்கிற் படிநடுங்கும் நோக்கிற் திசைவேம்
இடிக்கின் உலகனைத்தும் ஏங்கும் - அடுக்கற்
பொருமேறோ ஆனேறோ பொன்னொப்பாய் நின்னே
றுருமேறோ ஒன்றா உரை.
naṭakkiṟ paṭinaṭuṅkum nōkkiṟ ticaivēm
iṭikkiṉ ulakaṉaittum ēṅkum - aṭukkaṟ
porumēṟō āṉēṟō poṉṉoppāy niṉṉē
ṟurumēṟō oṉṟā urai.
Wenn er geht, bebt die Erde; wenn er blickt, brennt die Himmelsrichtung; wenn er brüllt, erzittert die ganze Welt. Du, der du wie Gold erstrahlst: Ist dein Reittier ein kämpfender Berglöwe, ein wirklicher Stier oder ein Donnerschlag? Sage eindeutig, was es ist!
Der Vers spielt mit verschiedenen Verbindungen des tamilischen Wortes ēṟu. Nandi, der Stier, wird in seiner überwältigenden Kraft besungen.
Vers 101
உரையினால் இம்மாலை அந்தாதி வெண்பாக்
கரைவினாற் காரைக்காற் பேய்சொல் - பரவுவார்
ஆராத அன்பினோ டண்ணலைச்சென் றேத்துவார்
பேராத காதல் பிறந்து.
uraiyiṉāl immālai antāti veṇpāk
karaiviṉāṟ kāraikkāṟ pēycol - paravuvār
ārāta aṉpiṉō ṭaṇṇalaicceṉ ṟēttuvār
pērāta kātal piṟantu.
Wer diese Wortgirlande preist, diese Antati in Venpa-Versen, die das Geisterwesen von Karaikkal mit schmelzendem Herzen gesprochen hat, wird in unstillbarer Liebe zum Herrn gelangen und ihn loben. Eine Liebe wird in ihm erwachen, die niemals mehr vergeht.
Der Schlussvers nennt die Dichterin als Kāraikkāṟ pēy und verheißt die Frucht der Rezitation. Das letzte Wort piṟantu, „geboren, erwacht“, führt zum ersten Wort desselben Werkes zurück: Die Girlande schließt sich.
Zentrale Lehren und spirituelle Bedeutung

Eine Liebe, die nicht auf ihren Lohn wartet
Schon Vers 2 spricht mit großer Klarheit: Selbst wenn der Herr das Leid nicht nimmt und den Weg nicht zeigt, bleibt die Liebe bestehen. Arputha Tiruvantati entwickelt daraus keine kühle Pflicht. Die Dichterin bittet weiter, klagt weiter und sehnt sich nach einer Antwort. Ihre Treue gibt diesen Empfindungen einen Raum.
So stehen der Jubel über Rettung in Vers 16 und die erneute Frage nach Gnade in Vers 44 nebeneinander. Das Gedicht glättet diese Bewegung nicht. Es kann Menschen ansprechen, deren geistiger Weg sowohl lichte Gewissheit als auch schmerzliche Sehnsucht kennt. Bhakti umfasst beides.
Wiederkehrende Namen und Bilder verstehen
Die Füße Shivas stehen in der Sprache der Verehrung für Zuflucht, Nähe und Hingabe. Hara ist ein Name Shivas; Uma bezeichnet Parvati, die Tochter des Berges. Die dunkle Kehle erinnert an Nilakantha, den Herrn, der das Gift aufnahm. Konrai bezeichnet den Indischen Goldregen, dessen Blüten und lange Fruchthülsen im Schmuck des Herrn erscheinen. Pēy meint hier ein Geisterwesen aus seiner Gefolgschaft. Diese knappen Hinweise erleichtern das Lesen der Verse; die einzelnen Bilder behalten ihren poetischen Reichtum.
Der Herr im Herzen
Andere verorten Shiva im Himmel; Ammaiyar bezeugt ihn in ihrem Herzen. Vers 6 ist dafür ein Schlüssel. Später wird das Herz zum Schatzhaus, zum Ort der Betrachtung und schließlich zu jenem stillen Raum, in dem Hara in den „Mantel namens Liebe“ gehüllt wird (Vers 96).
Diese Innerlichkeit bleibt mit Puja, Gesang und Dienst verbunden. Vers 87 bringt Wortgirlande und Blumengirlande zusammen. Worte können eine Gabe werden; eine äußere Handlung kann von innerer Gegenwart getragen sein. Die ganze Person nimmt an der Verehrung teil.
Fragen als Sprache der Nähe
Warum bleibt Shivas Mund hell, wenn die Kehle vom Gift dunkel wurde? Wird die Schlange den Mond erschrecken? Ist die Hand vom Feuer rot oder das Feuer von der Hand? Solche Fragen suchen häufig keine endgültige Auskunft. Sie verlängern die liebende Betrachtung.
Arputha Tiruvantati zeigt damit eine besondere Freiheit der Gottesliebe. Ehrfurcht muss die eigene Stimme nicht verstummen lassen. Ammaiyar spricht mit dem Herrn so vertraut, dass sie ihm sogar rät, behutsamer zu tanzen: Der Tanzplatz könnte seine Bewegung nicht tragen. Die kosmische Größe wird gerade durch diese persönliche Sorge fühlbar.
Schönheit, Vergänglichkeit und der Verbrennungsplatz
Schädel, Knochen, Asche und Geisterwesen gehören wesentlich zur Bildwelt des Arputha Tiruvantati. Sie erinnert daran, dass die Verehrung Shivas auch dort ihren Ort findet, wo menschliche Vorstellungen von Schönheit und Sicherheit enden. Der Tanz bleibt wild, das Feuer mächtig. Gerade in dieser ungezähmten Welt sucht Ammaiyar die Nähe des Geliebten.
Zugleich erscheinen Schädel wie Monde und Asche wie das Licht des Mittags. Ammaiyars Blick eröffnet in der Vergänglichkeit eine andere Schönheit. Eine heutige Betrachtung kann darin eine Einladung finden, sich der Endlichkeit bewusst zuzuwenden und das Leben gerade deshalb mit größerer Liebe zu führen. Dies ist eine mögliche Annäherung an die Dichtung, keine von ihr vorgeschriebene Übung an einem Verbrennungsplatz.
Shiva, Shakti und die Vielfalt göttlicher Gestalten
Die Göttin als Hälfte Shivas verweist auf Ardhanarishvara. Die Vereinigung mit Vishnu verweist auf Harihara. Daneben stehen Nilakantha, Bhikshatana, Kirata und der tanzende Herr. Die Dichtung lässt diese Gestalten nebeneinander bestehen und fragt gerade deshalb: Welche Gestalt ist eigentlich die deine?
Vers 61 bewahrt die Offenheit dieser Frage. Die Dichterin gehört Shiva, obwohl sie seine Gestalt nicht abschließend erfassen kann. Die Bilder tragen die Beziehung; sie begrenzen ihren Gegenstand nicht vollständig.
Erkenntnis und Gnade
Vers 20 spricht von Shiva als Erkennendem, Erkenntnis und erkannter Wirklichkeit. Vers 9 führt das Erkennen auf Gnade zurück. So verbindet Arputha Tiruvantati die Sprache der Hingabe mit weitreichenden Aussagen über die Wirklichkeit.
Diese Verse sollten aus der Dichtung heraus verstanden werden. Sie gehören zur frühen tamilischen Shiva-Bhakti und gehen den späteren systematischen Darstellungen des Shaiva Siddhanta zeitlich voraus. Die spätere Tradition kann sie aufnehmen und erläutern; sie sollten jedoch nicht auf ein einziges späteres Lehrschema reduziert werden. Ihre persönliche Stimme, ihr Staunen und ihre vielen Bilder bleiben wesentlich.
Dienst als Erfüllung
In Vers 72 ist selbst die Herrschaft über das Weltall wertlos, wenn sie vom Schauen und Dienen trennt. Das Ziel ist eine bleibende Gottesbeziehung. Vers 101 verheißt deshalb vor allem wachsende, nicht versiegende Liebe.
Dieser Gedanke kann Yoga-Übende zu einer einfachen Frage führen: Was nährt in meinem Leben Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und einen aufrichtigen Dienst? Das Gedicht gibt darauf keine schematische Methode. Es bezeugt eine Lebensausrichtung, aus der viele kleine Handlungen ihre Würde gewinnen können.
Arputha Tiruvantati und verwandte Schriften
Tamilische Bhakti und Lehrdichtung
Die unmittelbar verwandten Werke sind Ammaiyars Tiru Irattai Manimalai und Tiruvalangattu Mutta Tiruppatikam. Tevaram und Tiruvachakam ermöglichen die Begegnung mit weiteren Stimmen der tamilischen Shiva-Bhakti, insbesondere mit Appar, Sambandar, Sundarar und Manikkavachakar. Tirumantiram verbindet Shiva-Verehrung mit Yoga und einer ausgeprägten Sprache geistiger Erkenntnis.
Ein Vergleich mit Tiruvundiyar, Tirukkalitruppadiyar, Sivajnana Bodham, Sivajnana Siddhiyar, Sivaprakasam, Tiruvarutpayan und Unmai Neri Vilakkam führt zur späteren Lehrtradition des Shaiva Siddhanta. Arputha Tiruvantati und Unmai Neri Vilakkam stellen dabei verschiedene Zugänge nebeneinander: hier die persönliche, bildreiche Stimme einer Verehrerin, dort eine spätere geordnete Unterweisung. Eine unmittelbare textliche Abhängigkeit ist mit diesem Vergleich nicht behauptet.
Agathiyar Jnanam, Avvai Kural, Vinayagar Agaval und Sivavakkiyam eröffnen weitere Perspektiven tamilischer Spiritualität. Tiruppavai und Nachiyar Tirumoli von Andal ermöglichen einen Vergleich weiblicher Bhakti-Dichtung innerhalb einer anderen, Vishnu gewidmeten Tradition. Die Eigenart beider Überlieferungen bleibt dabei zu beachten.
Bezüge zu Tantra und Agama
Der Verbrennungsplatz, die Geisterscharen, das Feuer und die Einheit von Gott und Göttin berühren Motive, die auch in tantrischer Literatur bedeutsam sind. Arputha Tiruvantati ist jedoch eine Hymnendichtung und kein Ritualhandbuch. Aus gemeinsamen Bildern allein ergibt sich noch keine direkte Abhängigkeit von einem bestimmten Tantra.
Für vergleichendes Studium bieten sich Vijnana Bhairava Tantra, Netra Tantra und Kularnava Tantra an. Shiva Sutra und Spandakarika erschließen andere shaivische Wege des Bewusstseins; Kamika Agama und Ajita Agama führen in die Welt der shaivischen Agamas. Solche Querverbindungen sind besonders fruchtbar, wenn jede Schrift zunächst in ihrer eigenen Sprache und Tradition verstanden wird.
Anregungen zur persönlichen Betrachtung

Die folgenden Anregungen sind heutige Vorschläge zum Lesen; sie sind keine zusätzlich überlieferten Anweisungen Ammaiyars.
- Einen Vers verweilen lassen: Lies beispielsweise Vers 6 langsam. Lass anschließend einen Augenblick Stille entstehen, bevor du zur Erläuterung weitergehst.
- Den Bildern Raum geben: Betrachte in Vers 65 Morgen, Mittag, Abend und Nacht. Der ganze Tageslauf wird zu einem einzigen Andachtsbild.
- Eine ehrliche Frage zulassen: Lies Vers 61. Welche Frage an das Göttliche bewegt dich, ohne dass du sie sofort beantworten musst?
- Die Wortgirlande zur Gabe machen: Lies Vers 87 als Einladung, mit Aufmerksamkeit zu sprechen oder zu singen. Eine kleine äußere Gabe kann die innere Hinwendung begleiten.
- Liebe im Handeln ausdrücken: Nimm aus Vers 72 den Gedanken des Dienens mit in eine einfache Handlung des Tages.
Die tamilischen Verse können auch gehört und rezitiert werden. Wer ihre Aussprache lernen möchte, kann die Transliteration mit einer sorgfältigen tamilischen Rezitation vergleichen. Die Klanggestalt und die Antati-Verbindungen erschließen eine zusätzliche Ebene der Dichtung.
Videos zu Arputha Tiruvantati
Die ersten fünf Verse auf Tamil
Tamil Literary Junction: „அற்புதத் திருவந்தாதி | முதல் ஐந்து பாடல்கள் | காரைக்கால் அம்மையார்“. Das veröffentlichte Video behandelt die ersten fünf Verse und bietet einen tamilischsprachigen Einstieg.
Arputha Tiruvantati – erste fünf Verse
Tamilischer Vortrag, erster Teil
„1. அற்புதத் திருவந்தாதி | Arputha Thiruvanthathi | நாள் 1 | KSS ICF“. Der erste Teil einer tamilischsprachigen Vortragsreihe zum Werk.
Arputha Thiruvanthathi – Vortrag, Teil 1
Shiva-Verehrung: Om Namah Shivaya
Sukadev erläutert die Bedeutung und Aussprache von Om Namah Shivaya. Das Video ist eine deutschsprachige Ergänzung zur Shiva-Verehrung, kein Kommentar zu Arputha Tiruvantati.
Om Namah Shivaya – Erläuterung
Die Titel der beiden tamilischen Videos wurden anhand der veröffentlichten Metadaten überprüft; das deutschsprachige Video ist im Yoga-Vidya-Wiki beim Mantra nachgewiesen. Die Auswahl bedeutet keine vollständige inhaltliche Prüfung sämtlicher Vorträge. Die deutsche Übersetzung dieses Artikels wurde nicht aus diesen Videos übernommen.
Seminare bei Yoga Vidya
Gemeinsames Studium, Bhakti Yoga, Gesang und Meditation können die Beschäftigung mit Arputha Tiruvantati begleiten. Die folgenden Feeds zeigen wechselnde Yoga-Vidya-Angebote aus verwandten Themenbereichen; sie sind keine speziell dieser Schrift gewidmete Seminarreihe.
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Bhakti Yoga
- 27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM
Konzert mit Shamana OM- Shamana OM
- 31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Konzert mit der Gruppe Mudita- Gruppe Mudita
Kundalini Yoga
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
Chakras
- 20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren
Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …- Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
- 26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online
Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. L…- Sukadev Bretz, Shaktipriya Vogt, Radharani Birkner
Energiearbeit
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop
Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski
Weitere Informationen: Yoga bei Yoga Vidya und Meditation bei Yoga Vidya.
Schlussgedanke: Der Mantel der Liebe
Arputha Tiruvantati beginnt mit der Liebe eines Menschen, der sprechen lernt, und endet mit einer Liebe, die neu erwacht. Dazwischen liegen Fragen, Klage, Staunen und Freude. Der Weg des Herzens wird nicht als geradlinige Folge sicherer Antworten beschrieben. Er wird gesungen.
Ammaiyar gibt dem Unermesslichen einen vertrauten Ort: das eigene Herz. Dort hüllt sie Shiva in den Mantel der Liebe. Dieses Bild lädt dazu ein, dem Heiligen mit ganzer Aufmerksamkeit zu begegnen: in einem aufrichtigen Gebet, im stillen Gedenken, in einer hilfreichen Tat. Das Herz muss nicht alles erklären können, um lieben zu dürfen. Aus solcher Hinwendung kann eine Zuversicht wachsen, die auch das Unverstandene trägt.
Möge das Lesen des Arputha Tiruvantati die Liebe vertiefen, den Blick weiten und das Herz für Gnade öffnen. So kann die alte Versgirlande im eigenen Leben weiterblühen: als wache, dankbare und beständige Verbundenheit.
Siehe auch
- Karaikkal Ammaiyar, Nayanmar, Tirumurai, Shiva, Shakti, Parvati, Ganga, Nataraja, Nilakantha, Harihara, Ardhanarishvara
- Tiru Irattai Manimalai, Tiruvalangattu Mutta Tiruppatikam, Tevaram, Tiruvachakam, Tirumantiram
- Tiruvundiyar, Tirukkalitruppadiyar, Sivajnana Bodham, Sivajnana Siddhiyar, Sivaprakasam, Tiruvarutpayan, Unmai Neri Vilakkam
- Agathiyar Jnanam, Avvai Kural, Vinayagar Agaval, Sivavakkiyam, Tiruppavai, Nachiyar Tirumoli, Andal
- Bhakti, Sharanagati, Gnade, Smarana, Puja, Jnana, Meditation, Moksha
- Shaiva Siddhanta, Agama, Tantra, Kamika Agama, Ajita Agama, Vijnana Bhairava Tantra, Netra Tantra, Kularnava Tantra, Shiva Sutra, Spandakarika
Quellen und editorische Hinweise
- ↑ 1,0 1,1 Tamil Virtual Academy: Arputha Tiruvantati: Form, Liebe und Hingabe. Belegt die 101 Verse, die Antati-Verknüpfung und die Einordnung in das elfte Tirumurai.
- ↑ Project Madurai: Elftes Tirumurai, erster Teil, E-Text 0126, Abschnitt 2.4: Arputha Tiruvantati, Gesamtverse 44–144. Texteingabe und Webfassung: K. Kalyanasundaram; Korrekturlesung: P. K. Ilango. Elektronische Veröffentlichung vom 10. Dezember 2001. Verwendet wurde die Unicode-Fassung des gemeinfreien tamilischen Grundtextes.
- ↑ 3,0 3,1 Tamil Virtual Academy: Karaikkal Ammaiyars Dichtungen. Überblick zu Werken, früher Datierung und ihrer Bedeutung für die tamilische religiöse Dichtung.
- ↑ K. C. Kamaliah: Women Saints of Tamil Nadu, 1977. Ordnet Ammaiyar in das 6. Jahrhundert ein. Als Vergleich zur abweichenden Datierung der Tamil Virtual Academy herangezogen.
- ↑ Arumuga Navalar: Karaikkal Ammaiyar Puranam, tamilische Prosafassung der Heiligenüberlieferung bei Shaivam.org. Quelle für die hier knapp wiedergegebene Lebenslegende, nicht für eine gesicherte Biografie.
- ↑ Metropolitan Museum of Art: Karaikkal Ammaiyar, Shaiva Saint, Tamil Nadu, Kupferlegierung, etwa spätes 13. Jahrhundert, Inventarnummer 1982.220.11.
- ↑ K. Vellaivaranar: Aṟputat Tiruvantāti, tamilische kommentierte Ausgabe, digital zugänglich über Wikisource. Punktuell herangezogen zu den Versen 4, 8–13, 24, 28, 37, 46, 69 und 73. Ergänzend: Tamil Virtual Academy, kommentierte Ausgabe des elften Tirumurai, Seite 62, zu Vers 67. Die elektronische Transkription kann eigene Lesefehler enthalten.
Textbehandlung
Die 101 Strophen wurden vollständig aus dem Abschnitt Arputha Tiruvantati der genannten Project-Madurai-Ausgabe übernommen. Die übergeordnete Tirumurai-Zählung 44–144 wurde nicht als zusätzliche Verszählung in den Text gesetzt. Ein stehen gebliebenes Zeichen „63>“ am Ende von Vers 63 wurde entfernt. Die alte Ersatzschreibung „·“ für das tamilische Aytam wurde in den Versen 8 und 89 als „ஃ“ wiedergegeben. In Vers 10 wurde மனிக்கினிய zu மனக்கினிய berichtigt, entsprechend dem bei der Tamil Virtual Academy zitierten Vers. In Vers 73 wurde நீரேற்றேன் redaktionell zu நீரேற்றான் berichtigt: Gemeint ist der Herr, der die Wasserflut aufnahm; die berichtigte Form findet sich auch in der herangezogenen Wikisource-Ausgabe. Die übrige Worttrennung wurde weitgehend bewahrt.
Die Ausgabe bietet keinen vollständigen Handschriftenvergleich. Mehrdeutige Stellen sind in den Erläuterungen kenntlich gemacht. Die alte tamilische Dichtung ist gemeinfrei; Übersetzung und deutsche Verserläuterungen wurden für diese Darstellung neu formuliert.
Ergänzende Vergleichsmöglichkeit
Sivaya.org: Tirumurai 11.004, Arputha Tiruvantati bietet eine weitere online zugängliche tamilische Textfassung. Die dortige Abschnittsnummer unterscheidet sich von der Gliederung der Project-Madurai-Datei.
Bilder und Medien
Verwendet werden vorhandene Bilddateien des Yoga-Vidya-Wikis: Nataraja, Shiva, Parvati und Ganesha und Shiva in Meditation. Herkunft und Nutzungsbedingungen stehen auf den jeweiligen Dateiseiten. Diese Bilder veranschaulichen Themen des Werkes; sie sind keine Abbildungen einer Handschrift. Die Darstellung Karaikkal Ammaiyars im Metropolitan Museum ist bei ihrer Biografie als überprüfter externer Bildnachweis verlinkt.
Textquellen, Medienzuordnungen und Seminarfeeds wurden am 26. September 2026 geprüft. Die Verfügbarkeit externer Videos und dynamischer Seminarangebote kann sich ändern.