Varaha Upanishad: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Varaha Upanishad beschreibt fortgeschrittene Atem-, Bandha-, Mudra-, Kundalini- und Konzentrationspraktiken in der Sprache des vormodernen Yoga. Besonders intensive Atemverhaltung und starke Drucktechniken sind nicht zum eigenständigen Experimentieren bestimmt. Für eine heutige Praxis sind schrittweiser Aufbau, gesundheitliche Eignung und qualifizierte persönliche Anleitung entscheidend.
Die Varaha Upanishad beschreibt fortgeschrittene Atem-, Bandha-, Mudra-, Kundalini- und Konzentrationspraktiken in der Sprache des vormodernen Yoga. Besonders intensive Atemverhaltung und starke Drucktechniken sind nicht zum eigenständigen Experimentieren bestimmt. Für eine heutige Praxis sind schrittweiser Aufbau, gesundheitliche Eignung und qualifizierte persönliche Anleitung entscheidend.
== Varaha Upanishad: Hintergrund, Lehre und Bedeutung ==
Die '''Varaha Upanishad''' (Sanskrit: ''Varāha Upaniṣad'' beziehungsweise ''Varāhopaniṣad'') gehört zu den umfangreichsten [[Yoga Upanishaden]]. In der traditionellen Zuordnung ist sie mit dem '''Krishna Yajurveda''' verbunden und steht im Kanon der 108 Upanishaden der [[Muktika Upanishad]] an 98. Stelle. Ihr Name verweist auf [[Varaha]], die Eber-Inkarnation [[Vishnu|Vishnus]]. Der Weise [[Ribhu]] bittet Varaha um die höchste [[Brahmavidya]] – um jene Erkenntnis, durch die das wahre Wesen des Göttlichen und des eigenen Selbst unmittelbar verwirklicht werden kann.
Die Schrift verbindet mehrere große Strömungen indischer Spiritualität: die Tattva-Lehre des [[Samkhya]], den Nichtdualismus des [[Vedanta]], Vishnu-Bhakti, die Lehre von [[Jivanmukti]] sowie die körper- und atembezogene Praxis des vormodernen [[Hatha Yoga]]. Ihr Ziel ist nicht die Ansammlung philosophischer Begriffe und auch nicht der Erwerb außergewöhnlicher Kräfte. Alle ihre verschiedenen Lehrstücke laufen auf eine zentrale Einsicht zu: Das innerste [[Atman]] ist nicht von [[Brahman]] verschieden. Yoga dient dazu, diese Wahrheit nicht nur gedanklich zu verstehen, sondern im ganzen Leben zu verwirklichen.
=== Textumfang, Gliederung und unterschiedliche Verszählungen ===
Die hier verwendete Sanskritfassung besitzt fünf Kapitel mit '''249 nummerierten Versen''':
* erstes Kapitel: 17 Verse,
* zweites Kapitel: 83 Verse,
* drittes Kapitel: 30 Verse,
* viertes Kapitel: 44 Verse,
* fünftes Kapitel: 75 Verse.
In Nachschlagewerken wird häufig eine Gesamtzahl von 247 Versen genannt. Diese Abweichung erklärt sich aus unterschiedlichen Rezensionen und Zählweisen. Prosaabschnitte, Halbverse oder einzelne Versgruppen können in verschiedenen Ausgaben anders gegliedert werden. Für wissenschaftliche oder vergleichende Arbeit sollte deshalb nicht nur eine Gesamtzahl, sondern immer auch die verwendete Textausgabe genannt werden.
Die ersten drei Kapitel sind als Unterweisung Varahas an Ribhu gestaltet. Im vierten Kapitel fragt [[Nidagha]] den weisen Ribhu nach den Kennzeichen des zu Lebzeiten Befreiten. Das fünfte Kapitel wendet sich ausführlich der Yogapraxis zu. Diese Dialogstruktur verbindet göttliche Offenbarung, verwirklichte Weisheit und persönliche Lehrer-Schüler-Unterweisung.
=== Datierung und geschichtlicher Hintergrund ===
Die Varaha Upanishad gehört nicht zur ältesten vedischen Upanishaden-Schicht. Ihre ausgeprägte Vedanta-Terminologie, die sieben Erkenntnisstufen, die Lehre von Jivanmukti und ihr entwickeltes Hatha-Yoga-System weisen auf eine '''spätmittelalterliche Yoga-Upanishad''' hin. Häufig wird ihre heutige Gestalt ungefähr zwischen dem '''13. und 16. Jahrhundert''' eingeordnet. Eine punktgenaue Datierung ist nicht möglich. Einzelne Lehrstücke können aus älteren Quellen stammen, während Zusammenstellung und Redaktion später erfolgt sein können.
Der Text entstand in einer Epoche, in der asketische, tantrische, nathayogische und vedantische Traditionen intensiv miteinander in Beziehung traten. Die Varaha Upanishad ist ein besonders deutliches Beispiel für diese Synthese: Nadi, Prana, Bindu, Kundalini, Bandha und Nada erscheinen innerhalb einer Befreiungslehre, deren philosophisches Ziel die nichtduale Erkenntnis des Selbst ist.
=== Inhalt der fünf Kapitel ===
''' Erstes Kapitel: Die Tattvas und das von ihnen freie Selbst '''
Der Weise Ribhu übt zwölf göttliche Jahre lang Tapas. Darauf erscheint ihm Bhagavan in der Gestalt Varahas und bietet ihm einen Wunsch an. Ribhu bittet nicht um weltlichen Genuss, sondern um Brahmavidya. Varaha beginnt seine Unterweisung mit der Frage nach den [[Tattva|Tattvas]], den Grundprinzipien der menschlichen und kosmischen Erscheinung.
Der Text nennt zunächst vierundzwanzig Tattvas: Erkenntnisorgane, Handlungsorgane, Lebenshauche, subtile Sinnesqualitäten sowie Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta. Durch Hinzunahme weiterer Kategorien entstehen Systeme von sechsunddreißig und schließlich sechsundneunzig Tattvas. Dazu gehören die fünf Elemente, drei Körper, drei Bewusstseinszustände, sechs körperliche Veränderungen, sechs Wogen des Daseins, körperliche Bestandteile, innere Feinde, Gunas, Karmaformen, Funktionen des Geistes und kosmische Mächte.
Die Aufzählung dient nicht nur der Klassifikation. Varaha erklärt am Ende, dass sein leidfreies wahres Wesen von der Gesamtheit dieser Prinzipien verschieden ist. Wer die Tattvas durchschaut und sich nicht mehr mit ihnen verwechselt, kann Befreiung erlangen. Analyse soll zur Transzendierung führen.
''' Zweites Kapitel: Brahmavidya und nichtduale Selbsterkenntnis '''
Das zweite und längste Kapitel entfaltet die Voraussetzungen und den Inhalt der Brahmavidya. Genannt werden die klassischen Mittel des Erkenntnisweges: Unterscheidung zwischen ewig und vergänglich, Loslösung, die sechs inneren Tugenden und intensives Verlangen nach Befreiung. Der Schüler soll die Sinne sammeln, die Vorstellung von „mein“ aufgeben und das Ichbewusstsein im bezeugenden Bewusstsein verankern.
Die Schrift verwendet dabei auch zeitgebundene gesellschaftliche Aussagen über Geburt, Geschlecht, Varna und Ashrama. Solche Stellen dokumentieren den historischen Kontext des Textes; sie müssen nicht als zeitlose Rangordnung übernommen werden. Die eigentliche philosophische Lehre überschreitet diese Begrenzungen ausdrücklich: Das Atman ist jenseits von Varna und Ashrama, und wer es in allen Wesen erkennt, wird zu Brahman.
Varaha lehrt, dass Glückseligkeit nicht von äußeren Dingen stammt. Dinge werden geliebt, weil in ihnen das eigene Selbst gesucht wird. Atman ist selbstleuchtend und wird nicht durch Dunkelheit, Karma oder die wechselnden Zustände des Geistes berührt. Universum, Jiva, Ishvara und Maya besitzen keine vom vollkommenen Selbst unabhängige Wirklichkeit.
Das Kapitel behandelt ferner die unmittelbare Erkenntnis gegenüber bloß mittelbarem Wissen, den Sinn von Upavasa als „Verweilen in der Nähe“ des höchsten Selbst, die Überwindung des Körper-Ego, die Beziehung von Wachen, Traum und Tiefschlaf sowie [[Samadhi]] und [[Nada]]. Der berühmte Vergleich einer Tänzerin, die trotz Musik und Bewegung ihre Aufmerksamkeit auf ein Gefäß auf ihrem Kopf richtet, beschreibt die Haltung des verwirklichten Yogi: Er nimmt die Welt wahr, ohne die Schau Brahmans zu verlieren.
''' Drittes Kapitel: Nichtdualität, Vishnu und Shiva '''
Das dritte Kapitel besteht zu großen Teilen aus machtvollen Identitätsaussagen. Das eine Wirkliche kann nicht in Wahrheit zu einer Vielheit werden. Alles Sichtbare und Hörbare ist nicht von Brahman getrennt. Der Übende soll in der stillen Gewissheit ruhen: Ich bin reines Sein und Bewusstsein, ungeteilt, nichtdual, makellos und frei von allem Sichtbaren.
Obwohl die Rahmenhandlung vaishnavisch ist, entwickelt der Text keinen engen konfessionellen Ausschließlichkeitsanspruch. Vishnu, Brahman, Atman und Shiva werden auf der höchsten Ebene miteinander identifiziert. Die Aussage „Vishnu ist Shiva“ macht deutlich, dass die verschiedenen Gottesnamen auf dieselbe nichtduale Wirklichkeit weisen.
Auch [[Siddhi|Siddhis]] werden relativiert. Mantra, besondere Handlungen, günstige Zeiten, Heilmittel und andere Mittel können außergewöhnliche Fähigkeiten hervorbringen; sie helfen jedoch nicht notwendigerweise zur Erkenntnis des Paramatman. Wer das Selbst erkannt hat, benötigt keine Siddhis zur Bestätigung seiner Vollendung.
''' Viertes Kapitel: Die sieben Erkenntnisstufen und Jivanmukti '''
Das vierte Kapitel beginnt mit einer ausführlichen Lehre über sieben [[Jnana Bhumi|Jnana Bhumis]], die Stufen der Erkenntnis:
# '''Shubhechha''' – der heilsame und ernsthafte Wunsch nach Wahrheit,
# '''Vicharana''' – Erforschung durch Schriften, weise Gemeinschaft und Nachdenken,
# '''Tanumanasi''' – das Dünnwerden der an Sinnesobjekte gebundenen Geistestätigkeit,
# '''Sattvapatti''' – das Eintreten in die Reinheit des Selbst,
# '''Asamsakti''' – tiefe Nichtanhaftung,
# '''Padartha Bhavana''' – das Verblassen der Vorstellung innerer und äußerer Gegenstände,
# '''Turiyaga''' – beständiges Ruhen in der nichtdualen Wirklichkeit.
Die Stufen werden mit [[Om]], seinen Lautbestandteilen A, U und M, der Halbmora sowie den Zuständen Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya in Beziehung gebracht. Damit verbindet die Schrift eine aus dem Vedanta bekannte Bewusstseinslehre mit einem stufenweisen spirituellen Reifungsweg.
Besonders bedeutsam sind die Verse über den [[Jivanmukta]]. Er lebt und handelt in der Welt, doch sein Geist bleibt weit wie der Raum. Glück und Leid lassen sein inneres Licht weder aufsteigen noch untergehen. Er hält sich nicht für den Handelnden, ist frei von Ich und Mein und empfindet weder Angst vor der Welt noch flößt er anderen Angst ein. Diese Kennzeichen verlagern den Maßstab spiritueller Verwirklichung von außergewöhnlichen Erlebnissen auf Freiheit, Gleichmut und Nichtanhaftung.
Das Kapitel unterscheidet außerdem zwei Wege, die sinnbildlich mit [[Shuka]] und [[Vamadeva]] verbunden werden: einen unmittelbaren „Vogelweg“ und einen allmählichen „Ameisenweg“. Der eine steht für rasche Erkenntnis, der andere für stufenweise Reifung über Übung, Geburt und erneute Vertiefung.
''' Fünftes Kapitel: Das praktische Yogasystem '''
Im fünften Kapitel bittet Nidagha den Weisen Ribhu um eine Erklärung der Yogapraxis. Das Kapitel beginnt mit dem Körper als Zusammensetzung der fünf Elemente und mit dem Wirken des Lebenshauches. Es erklärt [[Uddiyana Bandha]], maßvolle Ernährung sowie Mantra Yoga, Laya Yoga und Hatha Yoga.
Danach folgt ein achtgliedriger Yogaweg aus:
# [[Yama]],
# [[Niyama]],
# [[Asana]],
# [[Pranayama]],
# [[Pratyahara]],
# [[Dharana]],
# [[Dhyana]],
# [[Samadhi]].
Anders als das Yoga Sutra nennt die Varaha Upanishad jeweils zehn Yamas und Niyamas. Zu den Yamas gehören Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Vergebung, Standhaftigkeit, Mitahara und Reinheit. Die Niyamas umfassen Tapas, Zufriedenheit, Vertrauen, Geben, Gottesverehrung, Hören der Lehre, Bescheidenheit, klare Einsicht, Japa und Vrata.
Der Text nennt elf Asanas und beschreibt anschließend Pranayama, Nadis, den Kanda, die zwölf wichtigen Nadi-Verbindungen, die Lebenshauche, Bindu, Nada und [[Kundalini]]. Der feinstoffliche Körper wird als ein lebendiges Netzwerk dargestellt, in dem Prana und Bewusstsein einander beeinflussen. Durch Mudras und Bandhas soll der Lebenshauch in die [[Sushumna]] geführt und durch die drei [[Granthi|Granthis]] geleitet werden.
Der letzte Teil behandelt [[Om]] und vier Stufen yogischer Reifung: '''Arambha''' – Beginn, '''Ghata''' – Sammlung oder „Gefäßzustand“, '''Parichaya''' – tiefe Vertrautheit und '''Nishpatti''' – Vollendung. In Nishpatti wird Yoga spontan: Der Jivanmukta erkennt Schöpfung und Auflösung im eigenen Selbst.
=== Grundgedanken der Varaha Upanishad ===
''' Analyse dient der Transzendierung '''
Die vielen Tattvas sollen den Menschen nicht in Begriffen gefangen halten. Sie machen sichtbar, aus welchen Schichten die Erfahrung von Körper, Geist und Welt aufgebaut ist. Erkenntnis entsteht, wenn alle diese Schichten wahrgenommen, unterschieden und schließlich als nicht das unveränderliche Selbst erkannt werden.
''' Hatha Yoga und Vedanta bilden keinen Gegensatz '''
Die Schrift stellt körperliche Praxis und Selbsterkenntnis nicht gegeneinander. Die Hatha-Methoden sammeln Prana und Geist; Brahmavidya gibt ihnen Richtung und Ziel. Ohne Erkenntnis können Techniken an der Oberfläche bleiben. Ohne Vorbereitung und Sammlung kann Erkenntnis wiederum abstrakt bleiben.
''' Jivanmukti ist das eigentliche Kriterium '''
Der verwirklichte Mensch wird nicht vor allem an besonderen Kräften erkannt, sondern an innerer Freiheit. Er handelt ohne Handelndenbewusstsein, bleibt in Freude und Leid gleichmütig und lebt ohne Angst und Besitzanspruch. Dies macht die Jivanmukta-Lehre für die heutige Praxis besonders wertvoll.
''' Vishnu und Shiva weisen auf dieselbe Wirklichkeit '''
Die Varaha Upanishad beginnt als Offenbarung Vishnus, spricht aber zugleich von Shiva als höchstem Selbst. Diese Inklusivität zeigt einen nichtdualen Umgang mit verschiedenen Gottesformen: Bhakti kann eine konkrete Gestalt haben, ohne das Grenzenlose auf diese Gestalt zu beschränken.
=== Verhältnis zu anderen Yoga-Schriften ===
''' Yoga Sutra des Patanjali '''
Die Varaha Upanishad übernimmt die Struktur des achtgliedrigen Yoga, erweitert jedoch Yama und Niyama auf jeweils zehn Regeln und verbindet die acht Glieder mit Hatha-Yoga, Nadi, Kundalini, Bindu und Nada. Das ältere [[Yoga Sutra]] des [[Patanjali]] analysiert Chitta, Kleshas, Karma und Samadhi im Rahmen einer dualistischen Unterscheidung von Purusha und Prakriti. Die Varaha Upanishad deutet das Ziel hingegen ausdrücklich als nichtduale Einheit von Atman und Brahman.
''' Yoga Tattva Upanishad '''
Die [[Yoga Tattva Upanishad]] verbindet ebenfalls philosophische Erkenntnis mit einem stufenweisen Yogaweg und unterscheidet verschiedene Formen des Yoga. Besonders die vier Reifestufen Arambha, Ghata, Parichaya und Nishpatti sowie die Verbindung von Atem, innerer Läuterung und Befreiung bilden eine deutliche sachliche Nähe.
''' Yoga Shikha Upanishad '''
Mit der [[Yoga Shikha Upanishad]] teilt der Text die integrale Verbindung von Mantra, Laya, Hatha und Raja Yoga. Beide Schriften verstehen den Körper als Ort spiritueller Transformation und führen die praktische Lehre zu einer nichtdualen Erkenntnis. Die Varaha Upanishad legt dabei ein besonders großes Gewicht auf Brahmavidya, die Erkenntnisstufen und die Kennzeichen des Jivanmukta.
''' Yoga Kundalini Upanishad '''
Die [[Yoga Kundalini Upanishad]] konzentriert sich stärker auf Atemlenkung, Khechari und den Aufstieg der Kundalini. Die Varaha Upanishad behandelt verwandte Themen – Nadis, Sushumna, Kundalini, Bindu, Nada und Granthis – innerhalb eines breiteren Systems aus Tattva-Analyse, Vedanta und Jivanmukti.
''' Amritasiddhi '''
Die ungefähr ins 11. Jahrhundert datierte [[Amritasiddhi]] gehört zu den frühesten erhaltenen systematischen Quellen der später als Hatha Yoga bezeichneten Praxiswelt. Ihre Lehren von Prana, Apana, Bindu, Sonne, Mond und Lebenselixier bilden einen wichtigen historischen Hintergrund. Die Varaha Upanishad übernimmt vergleichbare Praxisvorstellungen in einen ausdrücklich upanishadischen und vedantischen Rahmen.
''' Goraksha Shataka und Goraksha Paddhati '''
Das [[Goraksha Shataka]] und die [[Goraksha Paddhati]] behandeln Nadis, Lebenshauche, Bandhas, Kundalini und die zentrale Bahn. Die Varaha Upanishad gehört demselben weiten Praxis- und Ideenfeld an. Wegen unsicherer Datierungen und unterschiedlicher Rezensionen sollte man jedoch nicht ohne konkreten Textvergleich behaupten, ein Werk sei schlicht aus dem anderen abgeschrieben.
''' Yoga Bija '''
Das [[Yoga Bija]] verbindet Kundalini, Hatha Yoga, den transformierten Körper und Befreiung in einem Dialog zwischen Shiva und Devi. Beide Texte betonen, dass Hatha Yoga nicht bei Körperbeherrschung endet. Die Varaha Upanishad entwickelt stärker die Tattva-Lehre und Jivanmukti, während das Yoga Bija den Zusammenhang verschiedener Yogaformen und die Bedeutung des yogisch transformierten Körpers besonders hervorhebt.
''' Hatha Yoga Pradipika '''
Mit der im 15. Jahrhundert zusammengestellten [[Hatha Yoga Pradipika]] teilt die Varaha Upanishad viele Themen: Mitahara, Asana, Pranayama, Bandha, Sushumna, Kundalini und Nada. Die Hatha Yoga Pradipika ordnet ihr Material als praktisches Kompendium in vier Unterweisungen. Die Varaha Upanishad bindet vergleichbare Verfahren in eine umfassende Brahmavidya und Jivanmukta-Lehre ein.
''' Shiva Samhita und Gheranda Samhita '''
Die [[Shiva Samhita]] verbindet nichtduale Philosophie mit einer ausführlichen Lehre von Nadis, Mudras, Chakras und Kundalini. Die spätere [[Gheranda Samhita]] entfaltet einen siebenfachen Yogaweg und legt größeren Wert auf Reinigungsübungen und körperliche Schulung. Im Vergleich zu beiden Texten ist die Varaha Upanishad stärker von der Frage geprägt, wie praktische Yogaübung in unmittelbare Selbsterkenntnis und Befreiung zu Lebzeiten mündet.
''' Yoga Vasistha '''
Die sieben Erkenntnisstufen, die ausführliche Beschreibung des Jivanmukta und die beiden Wege von Shuka und Vamadeva zeigen eine besondere Nähe zur Gedankenwelt der [[Yoga Vasistha]]. Beide Werke verstehen Befreiung als Auflösung geistiger Projektion und als beständiges Ruhen im reinen Bewusstsein. Die Varaha Upanishad verbindet dieses erkenntnisorientierte Modell zusätzlich mit einem konkreten Hatha-Yoga-System.
== Bedeutung für frühere Yoga-Aspiranten ==
Für vormoderne Übende war die Varaha Upanishad vermutlich keine allein ausreichende Selbstlernanleitung. Sie fasste Lehren zusammen, die innerhalb einer Guru-Schüler-Tradition erklärt und praktisch vermittelt wurden. Ihre Autorität als Upanishad half, Hatha-Praktiken in den Horizont von Brahmavidya und Moksha einzuordnen.
Der Text zeigt, dass fortgeschrittene Yogapraxis schon damals nicht als bloße Körperübung verstanden wurde. Ethik, maßvolle Ernährung, Atem, Meditation, Selbsterforschung und Erkenntnis bildeten einen zusammenhängenden Weg.
== Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten ==
Für moderne Übende sind besonders folgende Impulse wichtig:
* '''Unterscheidungskraft:''' Körper, Gefühle, Gedanken und Rollen können beobachtet werden; sie sind daher nicht das unveränderliche Selbst.
* '''Ethik vor Intensität:''' Yama und Niyama stehen vor den fortgeschrittenen Atem- und Energiepraktiken.
* '''Maß und Behutsamkeit:''' Mitahara und die Warnungen vor ungeeigneten Übungsbedingungen bleiben aktuell.
* '''Verbindung von Atem und Geist:''' Prana-Schulung soll Sammlung und Meditation unterstützen, nicht sportlichen Ehrgeiz nähren.
* '''Nichtanhaftung:''' Spirituelle Erfahrungen und Siddhis sind kein zuverlässiger Maßstab für Befreiung.
* '''Jivanmukti:''' Der Wert der Praxis zeigt sich in Gleichmut, Furchtlosigkeit, Freiheit von Ich und Mein sowie in einem verantwortlichen Leben.
Die feinstoffliche Anatomie des Textes ist ein traditionelles Praxis- und Deutungsmodell. Nadis, Chakras, Bindu und Kundalini sollten nicht vorschnell mit einzelnen Nerven, Drüsen oder messbaren physikalischen Energien gleichgesetzt werden. Moderne physiologische oder psychologische Deutungen können ergänzen, ersetzen aber nicht den historischen Sinn des Sanskrittextes.
== Bedeutung für Yoga-Meister und Lehrende ==
Für Yoga-Meister bietet die Varaha Upanishad eine außergewöhnlich breite Grundlage. Sie verbindet Philosophie, Ethik, Praxis und die Beschreibung verwirklichten Lebens. Lehrende können an ihr zeigen, dass Hatha Yoga innerhalb der Tradition auf Meditation und Befreiung ausgerichtet war.
Zugleich verlangt die Schrift verantwortliche Auslegung. Historisch bedingte gesellschaftliche Aussagen sollten erklärt und nicht unbesehen als heutige Norm wiederholt werden. Fortgeschrittene Kumbhaka-, Bandha- und Kundalini-Praktiken müssen an Erfahrung und gesundheitliche Voraussetzungen angepasst werden. Guru-Prinzip bedeutet heute nicht blinden Gehorsam, sondern Kompetenz, ethische Integrität, Transparenz und Respekt vor den Grenzen des Schülers.
Die Kennzeichen des Jivanmukta geben Lehrenden einen wichtigen Prüfstein: Nicht spektakuläre Energieerlebnisse, sondern innere Freiheit, Stabilität, Mitgefühl und fehlender Besitzanspruch weisen auf Reifung hin. Bei anhaltender Angst, Schlaflosigkeit, Desorientierung, Schmerzen oder anderen belastenden Symptomen soll intensive Praxis unterbrochen und gegebenenfalls medizinische oder psychotherapeutische Hilfe einbezogen werden.
== Heutige Gesamtbedeutung ==
Die Varaha Upanishad ist eine große Synthese des vormodernen Yoga. Sie führt von der Analyse der sechsundneunzig Tattvas über Brahmavidya und die sieben Erkenntnisstufen bis zu einem differenzierten Hatha-Yoga-System. Ihr roter Faden ist die Befreiung von falscher Identifikation.
Ihre bleibende Botschaft lautet: Der Mensch soll Körper und Geist sorgfältig schulen, die Kräfte des Lebens sammeln und die Wirklichkeit gründlich erforschen. Vollendung entsteht jedoch erst, wenn der Übende erkennt, dass das gesuchte höchste Bewusstsein immer schon sein eigenes innerstes Selbst ist.
== Textgrundlage und weiterführende Literatur ==
* [https://sanskritdocuments.org/doc_upanishhat/varaha.html Sanskrit Documents: Varāha Upaniṣad] – Sanskrittext in Devanagari.
* [https://www.celextel.org/upanishads-krishna-yajur-veda/varaha-upanishad/ K. Narayanasvami Aiyar: Varaha Upanishad] – englische Übersetzung aus der gemeinfreien Ausgabe ''Thirty Minor Upanishads''.
* K. Narayanasvami Aiyar: ''Thirty Minor Upanishads''. Madras 1914.
* T. R. Srinivasa Ayyangar: ''The Yoga Upanishads''. Adyar Library, Madras.
* James Mallinson und Mark Singleton: ''Roots of Yoga''. Penguin Classics, 2017.
* James Mallinson und Péter-Dániel Szántó: ''The Amṛtasiddhi and Amṛtasiddhimūla''. Institut Français de Pondichéry / EFEO, 2021.
''Hinweis zur vorliegenden Wiki-Fassung: Sanskrittext, IAST, deutsche Übersetzung und Worterklärungen wurden für die direkte Verwendung im deutschsprachigen Yoga Wiki redaktionell vereinheitlicht. Wo Rezensionen oder Verszählungen abweichen, ist für philologische Detailfragen eine kritische Ausgabe beziehungsweise der Handschriftenvergleich heranzuziehen.''

Version vom 26. August 2026, 19:06 Uhr

Die Varaha Upanishad (Sanskrit वाराहोपनिषद् varāhopaniṣad f.) gehört zu den umfangreichsten Yoga Upanishaden und wird traditionell dem Krishna Yajurveda zugeordnet. In der Gestalt des göttlichen Ebers Varaha unterweist Vishnu den Weisen Ribhu in der höchsten Brahmavidya. Die Schrift verbindet Vedanta, Bhakti und die Praxis des Hatha Yoga. Ihr Ziel ist die unmittelbare Erkenntnis, dass das innerste Atman nicht von Brahman verschieden ist.

Die fünf Kapitel führen von der Lehre der sechsundneunzig Tattvas über nichtduale Selbsterkenntnis und die sieben Stufen des Wissens bis zu den Kennzeichen des Jivanmukta, des zu Lebzeiten Befreiten. Das fünfte Kapitel beschreibt einen achtgliedrigen Yogaweg mit jeweils zehn Yamas und Niyamas sowie Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Hinzu kommen Lehren über Nadis, Prana, Bindu, Nada, Kundalini, Bandhas und die vier Reifestufen Arambha, Ghata, Parichaya und Nishpatti.

Die wahrscheinlich zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert entstandene Schrift steht in enger Beziehung zu anderen Yoga Upanishaden wie der Yoga Tattva Upanishad, Yoga Shikha Upanishad und Yoga Kundalini Upanishad. Sie teilt wichtige Praxisvorstellungen mit Amritasiddhi, Goraksha Shataka, Yoga Bija und Hatha Yoga Pradipika, verbindet diese jedoch besonders deutlich mit Vedanta und Jivanmukti. Auch zur Yoga Vasistha bestehen enge inhaltliche Berührungen, vor allem bei den sieben Erkenntnisstufen und der Beschreibung des befreiten Weisen.

Für heutige Yoga-Aspiranten zeigt die Varaha Upanishad, dass ethische Lebensführung, maßvolle Ernährung, Körper- und Atemschulung, Meditation und Selbsterforschung zusammengehören. Außergewöhnliche Erfahrungen und Siddhis sind nicht das Ziel; entscheidend sind Gleichmut, Furchtlosigkeit, Freiheit von Ich und Mein sowie die Erkenntnis des unveränderlichen Selbst. Intensive Atem-, Bandha- und Kundalini-Praktiken sollten nur schrittweise und unter qualifizierter Anleitung geübt werden.

Varaha Upanishad – Übersetzung

Sanskrit in IAST Transliteration, deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Übersetzung

Textzählung dieser Ausgabe: 1.1–1.17, 2.1–2.83, 3.1–3.30, 4.1–4.44 und 5.1–5.75; insgesamt 249 Verse. Die Worterklärungen folgen den Verszeilen und fassen eng verbundene Komposita und syntaktische Gruppen zusammen.

Einleitungs-Vers Varaha Upanishad
śrīmadvārāhopaniṣadvedyākhaṇḍasukhākṛti |
tripānnārāyaṇākhyaṃ tadrāmacandrapadaṃ bhaje ||

Ich verehre jenen Zustand Ramachandras, der als Tripad-Narayana bekannt ist, die Gestalt ungeteilter Glückseligkeit, die durch die erhabene Varaha Upanishad erkannt wird.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śrīmat-varāha-upaniṣat-vedya – durch die ehrwürdige Varaha Upanishad zu erkennen; akhaṇḍa-sukha-ākṛti – Gestalt ungeteilter Glückseligkeit; tripāt-nārāyaṇa-ākhyam – Tripad-Narayana genannt (Narayana); tat-rāmacandra-padam – jener Zustand Ramachandras (Rama); bhaje – verehre ich.

Shanti Mantra oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Möge er uns beide beschützen; möge er uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; saha nau avatu – möge er uns beide beschützen; saha nau bhunaktu – möge er uns beide nähren; saha vīryaṃ karavāvahai – mögen wir gemeinsam kraftvoll wirken; tejasvinau adhītam astu – möge das von uns Gelernte lichtvoll sein; mā vidviṣāvahai – mögen wir einander nicht ablehnen; śāntiḥ – Frieden (Shanti).

Erstes Kapitel

Einleitung: Erstes Kapitel hariḥ oṃ || atha ṛbhurvai mahāmunirdevamānena dvādaśavatsaraṃ
tapaścacāra | tadavasāne varāharūpī bhagavānprādurabhūt |
sa hovācottiṣṭhottiṣṭha varaṃ vṛṇīśveti | sodatiṣṭhat |
tasmai namaskṛtyovāca bhagavankāmibhiryadyatkāmitaṃ
tattattvatsakāśātsvapne'pi na yāce | samastavedaśāstretihāsapurāṇāni
samastavidyājālāni brahmādayaḥ surāḥ sarve tvadrūpajñānānmuktimāhuḥ |
atastvadrūpapratipādikāṃ brahmavidyāṃ brūhīti hovāca | tatheti sa hovāca
varāharūpī bhagavān |

Der große Weise Ribhu übte zwölf göttliche Jahre lang Askese. Am Ende erschien ihm Bhagavan in der Gestalt Varahas und forderte ihn auf, einen Wunsch zu wählen. Ribhu verneigte sich und erklärte, er begehre keine vergänglichen Güter. Veden, Shastras, Epen und Puranas sowie alle Wissenschaften und Götter lehrten, dass die Erkenntnis von Varahas wahrem Wesen zur Befreiung führe. Daher bat er um jene Brahmavidya, die dieses Wesen offenbart. Bhagavan Varaha willigte ein und sprach:

1.1. Vers Varaha Upanishad
caturviṃśatitattvāni kecidicchanti vādinaḥ |
kecitṣaṭtriṃśattattvāni kecitṣaṇṇavatīni ca || 1 ||

Einige Lehrer nehmen vierundzwanzig Tattvas an, andere sechsunddreißig und wieder andere sechsundneunzig.

Wort-für-Wort-Übersetzung: caturviṃśati-tattvāni – vierundzwanzig Tattvas (Tattva); kecit icchanti vādinaḥ – nehmen einige Lehrer an; kecit ṣaṭtriṃśat-tattvāni – einige sechsunddreißig Tattvas; kecit ṣaṇṇavatīni ca – und einige sechsundneunzig.

1.2. Vers Varaha Upanishad
teṣāṃ kramaṃ pravakṣyāmi sāvadhānamanāḥ śṛṇu |
jñānendriyāṇi pañcaiva śrotratvaglocanādayaḥ || 2 ||

Ich werde ihre Reihenfolge erklären; höre mit gesammeltem Geist. Die fünf Erkenntnisorgane sind Gehör, Haut, Auge und die übrigen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: teṣām kramam – ihre Reihenfolge; pravakṣyāmi – werde ich erklären; sāvadhāna-manāḥ – mit aufmerksamem Geist; śṛṇu – höre; jñāna-indriyāṇi pañca eva – genau fünf Erkenntnisorgane; śrotra-tvak-locana-ādayaḥ – Gehör, Haut, Auge und die übrigen.

1.3. Vers Varaha Upanishad
karmendriyāṇi pañcaiva vākpāṇyaṅghryādayaḥ kramāt |
prāṇādatastu pañcaiva pañca śabdādayastathā || 3 ||

Die fünf Handlungsorgane sind Sprache, Hände, Füße und die übrigen. Dazu kommen die fünf Lebenshauche und die fünf subtilen Sinnesqualitäten, beginnend mit dem Klang.

Wort-für-Wort-Übersetzung: karma-indriyāṇi pañca eva – genau fünf Handlungsorgane; vāk-pāṇi-aṅghri-ādayaḥ – Sprache, Hände, Füße und die übrigen; kramāt – der Reihe nach; prāṇa-ādayaḥ tu pañca eva – ebenso die fünf Lebenshauche (Prana); pañca śabda-ādayaḥ tathā – und die fünf subtilen Sinnesqualitäten, beginnend mit Klang.

1.4. Vers Varaha Upanishad
manobuddhirahaṅkāraścittaṃ ceti catuṣṭayam |
caturviṃśatitattvāni tāni brahmavido viduḥ || 4 ||

Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta bilden eine Vierheit. Die Brahman-Kenner zählen diese zusammen als vierundzwanzig Tattvas.

Wort-für-Wort-Übersetzung: manaḥ-buddhi-ahaṅkāraḥ-cittam – Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta (Manas, Buddhi, Ahamkara, Chitta); ca iti catuṣṭayam – bilden eine Vierheit; caturviṃśati-tattvāni – vierundzwanzig Tattvas (Tattva); tāni brahmavidaḥ viduḥ – so kennen sie die Brahman-Kenner (Brahman).

1.5. Vers Varaha Upanishad
etaistattvaiḥ samaṃ pañcīkṛtabhūtāni pañca ca |
pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca || 5 ||

Dazu kommen die fünf grobstofflich gewordenen Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

Wort-für-Wort-Übersetzung: etaistattvaiḥ samaṃ pañcīkṛtabhūtāni pañca ca – Dazu kommen die fünf grobstofflich gewordenen Elemente (Tattva); pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

1.6. Vers Varaha Upanishad
dehatrayaṃ sthūlasūkṣmakāraṇāni vidurbudhāḥ |
avasthātritayaṃ caiva jāgratsvapnasuṣuptayaḥ || 6 ||

Die Weisen kennen drei Körper – den grobstofflichen, den feinstofflichen und den kausalen – sowie drei Bewusstseinszustände: Wachen, Traum und Tiefschlaf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dehatrayaṃ sthūlasūkṣmakāraṇāni vidurbudhāḥ – Die Weisen kennen drei Körper – den grobstofflichen, den feinstofflichen und den kausalen – sowie drei Bewusstseinszustände; avasthātritayaṃ caiva jāgratsvapnasuṣuptayaḥ – Wachen, Traum und Tiefschlaf.

1.7. Vers Varaha Upanishad
āhatya tattvajātānāṃ ṣaṭtriṃśanmunayo viduḥ |
pūrvoktaistattvajātaistu samaṃ tattvāni yojayet || 7 ||

Zusammen mit Jiva kennen die Weisen so sechsunddreißig Tattvas. Zu den bereits genannten Prinzipien werden nun weitere gezählt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āhatya tattvajātānāṃ ṣaṭtriṃśanmunayo viduḥ – Zusammen mit Jiva kennen die Weisen so sechsunddreißig Tattvas (Tattva); pūrvoktaistattvajātaistu samaṃ tattvāni yojayet – Zu den bereits genannten Prinzipien werden nun weitere gezählt (Tattva).

1.8. Vers Varaha Upanishad
ṣaḍbhāvavikṛtiścāsti jāyate vardhate'pi ca |
pariṇāmaṃ kṣayaṃ nāśaṃ ṣaḍbhāvavikṛtiṃ viduḥ || 8 ||

Die sechs Veränderungen des Gewordenen sind: Es ist, es wird geboren, es wächst, es verwandelt sich, es nimmt ab und es vergeht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṣaḍbhāvavikṛtiścāsti jāyate vardhate'pi ca – Die sechs Veränderungen des Gewordenen sind; pariṇāmaṃ kṣayaṃ nāśaṃ ṣaḍbhāvavikṛtiṃ viduḥ – Es ist, es wird geboren, es wächst, es verwandelt sich, es nimmt ab und es vergeht.

1.9. Vers Varaha Upanishad
aśanā ca pipāsā ca śokamohau jarā mṛtiḥ |
ete ṣaḍūrmayaḥ proktāḥ ṣaṭkośānatha vacmi te || 9 ||

Hunger, Durst, Kummer, Verblendung, Alter und Tod heißen die sechs Wogen. Nun erkläre ich dir die sechs körperlichen Hüllen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aśanā ca pipāsā ca śokamohau jarā mṛtiḥ – Hunger, Durst, Kummer, Verblendung, Alter und Tod heißen die sechs Wogen; ete ṣaḍūrmayaḥ proktāḥ ṣaṭkośānatha vacmi te – Nun erkläre ich dir die sechs körperlichen Hüllen.

1.10. Vers Varaha Upanishad
tvakca raktaṃ māṃsamedomajjāsthīni nibodhata |
kāmakrodhau lobhamohau mado mātsaryameva ca || 10 ||

Erkenne sie als Haut, Blut, Fleisch, Fett, Mark und Knochen. Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Neid sind die sechs inneren Feinde.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tvakca raktaṃ māṃsamedomajjāsthīni nibodhata – Erkenne sie als Haut, Blut, Fleisch, Fett, Mark und Knochen; kāmakrodhau lobhamohau mado mātsaryameva ca – Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Neid sind die sechs inneren Feinde.

1.11. Vers Varaha Upanishad
ete'riṣaḍvā viśvaśca taijasaḥ prājña eva ca |
jīvatrayaṃ sattvarajastamāṃsi ca guṇatrayam || 11 ||

Vishva, Taijasa und Prajna bilden die drei Erscheinungsweisen des Jiva; Sattva, Rajas und Tamas sind die drei Gunas.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ete'riṣaḍvā viśvaśca taijasaḥ prājña eva ca – Vishva, Taijasa und Prajna bilden die drei Erscheinungsweisen des Jiva; jīvatrayaṃ sattvarajastamāṃsi ca guṇatrayam – Sattva, Rajas und Tamas sind die drei Gunas (Jiva, Sattva, Rajas).

1.12. Vers Varaha Upanishad
prārabdhāgāmyarjitāni karmatrayamitīritam |
vacanādānagamanavisargānandapañcakam || 12 ||

Prarabdha, Agami und das angesammelte Karma werden als die drei Arten des Karmas bezeichnet. Sprechen, Ergreifen, Gehen, Ausscheiden und Genießen bilden eine Fünfergruppe von Handlungen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prārabdhāgāmyarjitāni karmatrayamitīritam – Prarabdha, Agami und das angesammelte Karma werden als die drei Arten des Karmas bezeichnet; vacanādānagamanavisargānandapañcakam – Sprechen, Ergreifen, Gehen, Ausscheiden und Genießen bilden eine Fünfergruppe von Handlungen.

1.13. Vers Varaha Upanishad
saṅkalpo'dhyavasāyaśca abhimāno'vadhāraṇā |
muditā karuṇā maitrī upekṣā ca catuṣṭayam || 13 ||

Hinzu kommen Vorstellung, Entschluss, Ichbewusstsein, forschendes Denken, Mitgefühl, Erinnerung, Zufriedenheit, Anteilnahme und Gleichmut.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṅkalpo'dhyavasāyaśca abhimāno'vadhāraṇā – Hinzu kommen Vorstellung, Entschluss, Ichbewusstsein, forschendes (Dharana); muditā karuṇā maitrī upekṣā ca catuṣṭayam – Denken, Mitgefühl, Erinnerung, Zufriedenheit, Anteilnahme und Gleichmut.

1.14. Vers Varaha Upanishad
digvātārkapraceto'śvivahnīndropendramṛtyukāḥ |
tathā candraścaturvaktro rudraḥ kṣetrajña īśvaraḥ || 14 ||

Ferner werden die Richtungen, Vayu, Sonne, Varuna, die Ashvins, Agni, Indra, Upendra und der Tod sowie Mond, der viergesichtige Brahma, Rudra, Kshetrajna und Ishvara genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: digvātārkapraceto'śvivahnīndropendramṛtyukāḥ – Ferner werden die Richtungen, Vayu, Sonne, Varuna, die Ashvins, Agni, Indra, Upendra; tathā candraścaturvaktro rudraḥ kṣetrajña īśvaraḥ – und der Tod sowie Mond, der viergesichtige Brahma, Rudra, Kshetrajna und Ishvara genannt.

1.15. Vers Varaha Upanishad
āhatya tattvajātānāṃ ṣaṇṇavatyastu kīrtitāḥ |
pūrvoktatattvajātānāṃ vailakṣaṇyamanāmayam || 15 ||

Auf diese Weise werden insgesamt sechsundneunzig Tattvas gelehrt. Mein leidfreies Wesen als Varaha ist von allen zuvor genannten Tattvas verschieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āhatya tattvajātānāṃ ṣaṇṇavatyastu kīrtitāḥ – Auf diese Weise werden insgesamt sechsundneunzig Tattvas gelehrt (Tattva); pūrvoktatattvajātānāṃ vailakṣaṇyamanāmayam – Mein leidfreies Wesen als Varaha ist von allen zuvor genannten Tattvas verschieden (Tattva, Yama).

1.16. Vers Varaha Upanishad
varāharūpiṇaṃ māṃ ye bhajanti mayi bhaktitaḥ |
vimuktājñānatatkāryā jīvanmuktā bhavanti te || 16 ||

Wer mich in der Gestalt Varahas voller Hingabe verehrt, wird von Unwissenheit und ihren Wirkungen frei und noch zu Lebzeiten befreit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: varāharūpiṇaṃ māṃ ye bhajanti mayi bhaktitaḥ – Wer mich in der Gestalt Varahas voller Hingabe verehrt, wird (Varaha); vimuktājñānatatkāryā jīvanmuktā bhavanti te – von Unwissenheit und ihren Wirkungen frei und noch zu Lebzeiten befreit (Jiva, Jnana).

1.17. Vers Varaha Upanishad
ye ṣaṇṇavatitattvajñā yatra kutrāśrame ratāḥ |
jaṭī muṇḍī śikhī vāpi mucyate nātra saṃśayaḥ || 17 ||

Wer die sechsundneunzig Tattvas erkennt, wird befreit, in welchem Lebensstand er sich auch befindet – ob er verfilztes Haar, ein geschorenes Haupt oder einen Haarschopf trägt. Daran besteht kein Zweifel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ye ṣaṇṇavatitattvajñā yatra kutrāśrame ratāḥ – Wer die sechsundneunzig Tattvas erkennt, wird befreit, in welchem Lebensstand er sich auch befindet – ob er verfilztes Haar, ein geschorenes Haupt oder einen Haarschopf trägt (Tattva); jaṭī muṇḍī śikhī vāpi mucyate nātra saṃśayaḥ – Daran besteht kein Zweifel.


Zweites Kapitel

2.1. Vers Varaha Upanishad
ṛbhurnāma mahāyogī kroḍarūpaṃ ramāpatim |
variṣṭhāṃ brahmavidyāṃ tvamadhīhi bhagavanmama |
evaṃ sa spṛṣṭo bhagavānprāha bhaktārtibhañjanaḥ || 1 ||

Der große Yogi Ribhu wandte sich erneut an den Gemahl Lakshmis in der Gestalt Varahas: O Bhagavan, unterweise mich in der höchsten Brahmavidya.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṛbhurnāma mahāyogī kroḍarūpaṃ ramāpatim – Der große Yogi Ribhu wandte sich erneut an; variṣṭhāṃ brahmavidyāṃ tvamadhīhi bhagavanmama – den Gemahl Lakshmis in der Gestalt Varahas (Brahman); evaṃ sa spṛṣṭo bhagavānprāha bhaktārtibhañjanaḥ – O Bhagavan, unterweise mich in der höchsten Brahmavidya.

2.2. Vers Varaha Upanishad
svavarṇāśramadharmeṇa tapasā gurutoṣaṇāt |
sādhanaṃ prabhavetpuṃsāṃ vairāgyādicatuṣṭayam || 2 ||

Der Herr, der die Leiden seiner Verehrer beseitigt, antwortete: Durch die gewissenhafte Erfüllung der eigenen Pflichten, durch Askese und dadurch, dass man den Guru erfreut, entstehen die vier Voraussetzungen der Erkenntnis.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svavarṇāśramadharmeṇa tapasā gurutoṣaṇāt – Der Herr, der die Leiden seiner Verehrer beseitigt, antwortete (Guru); sādhanaṃ prabhavetpuṃsāṃ vairāgyādicatuṣṭayam – Durch die gewissenhafte Erfüllung der eigenen Pflichten, durch Askese und dadurch, dass man den Guru erfreut, entstehen die vier Voraussetzungen der Erkenntnis (Vairagya).

2.3. Vers Varaha Upanishad
nityānityavivekaśca ihāmutra virāgatā |
śamādiṣaṭkasampattirmumukṣā tāṃ samabhyaset || 3 ||

Diese sind die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, die Loslösung von den Genüssen dieser und der jenseitigen Welt und die weiteren Mittel des inneren Weges.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nityānityavivekaśca ihāmutra virāgatā – Diese sind die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, die Loslösung von den; śamādiṣaṭkasampattirmumukṣā tāṃ samabhyaset – Genüssen dieser und der jenseitigen Welt und die weiteren Mittel des inneren Weges.

2.4. Vers Varaha Upanishad
evaṃ jitendriyo bhūtvā sarvatra mamatāmatim |
vihāya sākṣicaitanye mayi kuryādahaṃmatim || 4 ||

Dazu gehören die sechs Tugenden, beginnend mit Shama, sowie das intensive Verlangen nach Befreiung. Diese Voraussetzungen sollen sorgfältig geübt werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: evaṃ jitendriyo bhūtvā sarvatra mamatāmatim – Dazu gehören die sechs Tugenden, beginnend mit Shama, sowie das intensive Verlangen nach Befreiung; vihāya sākṣicaitanye mayi kuryādahaṃmatim – Diese Voraussetzungen sollen sorgfältig geübt werden.

2.5. Vers Varaha Upanishad
durlabhaṃ prāpya mānuṣyaṃ tatrāpi naravigraham |
brāhmaṇyaṃ ca mahāviṣṇorvedāntaśravaṇādinā || 5 ||

Beherrsche die Sinnesorgane, gib gegenüber allen Dingen die Vorstellung des Mein auf und richte dein Ichbewusstsein auf mich, das bezeugende Bewusstsein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: durlabhaṃ prāpya mānuṣyaṃ tatrāpi naravigraham – Beherrsche die Sinnesorgane, gib gegenüber allen Dingen die Vorstellung des; brāhmaṇyaṃ ca mahāviṣṇorvedāntaśravaṇādinā – Mein auf und richte dein Ichbewusstsein auf mich, das bezeugende Bewusstsein.

2.6. Vers Varaha Upanishad
ativarṇāśramaṃ rūpaṃ saccidānandalakṣaṇam |
yo na jānāti so'vidvānkadā mukto bhaviṣyati || 6 ||

Eine menschliche Geburt ist schwer zu erlangen; nach der damaligen gesellschaftlichen Sicht gilt eine männliche Geburt als noch schwerer und die Geburt als Brahmane als besonders selten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ativarṇāśramaṃ rūpaṃ saccidānandalakṣaṇam – Eine menschliche Geburt ist schwer zu erlangen; yo na jānāti so'vidvānkadā mukto bhaviṣyati – nach der damaligen gesellschaftlichen Sicht gilt eine männliche Geburt als noch schwerer und die Geburt als Brahmane als besonders selten.

2.7. Vers Varaha Upanishad
ahameva sukhaṃ nānyadanyaccennaiva tatsukham |
amadarthaṃ na hi preyo madarthaṃ na svataḥpriyam || 7 ||

Wenn ein Mensch dennoch nicht durch das Hören der Vedanta-Lehre das alldurchdringende, über Varna und Ashrama hinausgehende Sat-Chit-Ananda erkennt, wann sollte er dann Befreiung erlangen? Ich allein bin Glückseligkeit; etwas Zweites gibt es nicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ahameva sukhaṃ nānyadanyaccennaiva tatsukham – Wenn ein Mensch dennoch nicht durch das Hören der Vedanta-Lehre das alldurchdringende, über Varna und Ashrama hinausgehende Sat-Chit-Ananda erkennt, wann sollte er dann Befreiung erlangen? Ich allein bin Glückseligkeit; amadarthaṃ na hi preyo madarthaṃ na svataḥpriyam – etwas Zweites gibt es nicht.

2.8. Vers Varaha Upanishad
parapremāspadatayā mā na bhūvamahaṃ sadā |
bhūyāsamiti yo draṣṭā so'haṃ viṣṇurmunīśvara || 8 ||

Liebe besteht letztlich um des Selbstes willen. Da ich der Sitz der höchsten Liebe bin, kann die Vorstellung, ich sei nicht, keine Wahrheit besitzen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: parapremāspadatayā mā na bhūvamahaṃ sadā – Liebe besteht letztlich um des Selbstes willen; bhūyāsamiti yo draṣṭā so'haṃ viṣṇurmunīśvara – Da ich der Sitz der höchsten Liebe bin, kann die Vorstellung, ich sei nicht, keine Wahrheit besitzen (Vishnu).

2.9. Vers Varaha Upanishad
na prakāśo'hamityuktiryatprakāśaikabandhanā |
svaprakāśaṃ tamātmānamaprakāśaḥ kathaṃ spṛśet || 9 ||

Das, was alle mit dem Gedanken suchen: So möchte ich werden, bin ich selbst, das Allgegenwärtige. Wie könnte Dunkelheit das selbstleuchtende Atman berühren, aus dessen Licht selbst der Gedanke hervorgeht: Ich bin nicht erleuchtet?

Wort-für-Wort-Übersetzung: na prakāśo'hamityuktiryatprakāśaikabandhanā – Das, was alle mit dem Gedanken suchen: So möchte ich werden, bin ich selbst, das Allgegenwärtige (Bandha); svaprakāśaṃ tamātmānamaprakāśaḥ kathaṃ spṛśet – Wie könnte Dunkelheit das selbstleuchtende Atman berühren, aus dessen Licht selbst der Gedanke hervorgeht: Ich bin nicht erleuchtet?.

2.10. Vers Varaha Upanishad
svayaṃ bhātaṃ nirādhāraṃ ye jānanti suniścitam |
te hi vijñānasampannā iti me niścitā matiḥ || 10 ||

Wer mit Gewissheit das aus sich selbst leuchtende und auf nichts anderem gegründete Atman erkennt, besitzt wahre Vijnana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svayaṃ bhātaṃ nirādhāraṃ ye jānanti suniścitam – Wer mit Gewissheit das aus sich selbst leuchtende und; te hi vijñānasampannā iti me niścitā matiḥ – auf nichts anderem gegründete Atman erkennt, besitzt wahre Vijnana (Jnana).

2.11. Vers Varaha Upanishad
svapūrṇātmātirekeṇa jagajjīveśvarādayaḥ |
na santi nāsti māyā ca tebhyaścāhaṃ vilakṣaṇaḥ || 11 ||

Universum, Jiva, Ishvara, Maya und alle weiteren Erscheinungen bestehen nicht unabhängig von meinem vollkommenen Selbst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svapūrṇātmātirekeṇa jagajjīveśvarādayaḥ – Universum, Jiva, Ishvara, Maya und alle weiteren Erscheinungen; na santi nāsti māyā ca tebhyaścāhaṃ vilakṣaṇaḥ – bestehen nicht unabhängig von meinem vollkommenen Selbst.

2.12. Vers Varaha Upanishad
ajñānāndhatamorūpaṃ karmadharmādilakṣaṇam |
svayaṃprakāśamātmānaṃ naiva māṃ spraṣṭumārhati || 12 ||

Ihre begrenzenden Merkmale gehören mir nicht an. Karma, Dharana und alles von Dunkelheit und Unwissenheit Geprägte kann mich, das selbstleuchtende Atman, nicht berühren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ajñānāndhatamorūpaṃ karmadharmādilakṣaṇam – Ihre begrenzenden Merkmale gehören mir nicht an; svayaṃprakāśamātmānaṃ naiva māṃ spraṣṭumārhati – Karma, Dharana und alles von Dunkelheit und Unwissenheit Geprägte kann mich, das selbstleuchtende Atman, nicht berühren.

2.13. Vers Varaha Upanishad
sarvasākṣiṇamātmānaṃ varṇāśramavivarjitam |
brahmarūpatayā paśyanbrahmaiva bhavati svayam || 13 ||

Wer das alles bezeugende, über Varna und Ashrama hinausgehende Atman als Brahman erkennt, wird selbst zu Brahman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvasākṣiṇamātmānaṃ varṇāśramavivarjitam – Wer das alles bezeugende, über Varna und Ashrama; brahmarūpatayā paśyanbrahmaiva bhavati svayam – hinausgehende Atman als Brahman erkennt, wird selbst zu Brahman (Brahman).

2.14. Vers Varaha Upanishad
bhāsamānamidaṃ sarvaṃ mānarūpaṃ paraṃ padam |
paśyanvedāntamānena sadya eva vimucyate || 14 ||

Wer durch die Einsicht des Vedanta dieses sichtbare Universum als den höchsten, lichtvollen Zustand erkennt, gelangt unmittelbar zur Befreiung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhāsamānamidaṃ sarvaṃ mānarūpaṃ paraṃ padam – Wer durch die Einsicht des Vedanta dieses sichtbare Universum als; paśyanvedāntamānena sadya eva vimucyate – den höchsten, lichtvollen Zustand erkennt, gelangt unmittelbar zur Befreiung.

2.15. Vers Varaha Upanishad
dehātmajñānavajjñānaṃ dehātmajñānabādhakam |
ātmanyeva bhavedyasya sa necchannapi mucyate || 15 ||

Wenn die Erkenntnis, dass der Körper nicht das Selbst ist, ebenso fest geworden ist wie zuvor die Identifikation mit dem Körper, erlangt der Mensch Befreiung, selbst ohne sie eigens zu begehren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dehātmajñānavajjñānaṃ dehātmajñānabādhakam – Wenn die Erkenntnis, dass der Körper nicht das Selbst ist, ebenso fest geworden ist wie zuvor (Atman, Jnana); ātmanyeva bhavedyasya sa necchannapi mucyate – die Identifikation mit dem Körper, erlangt der Mensch Befreiung, selbst ohne sie eigens zu begehren (Atman).

2.16. Vers Varaha Upanishad
satyajñānānandapūrṇalakṣaṇaṃ tamasaḥ param |
brahmānandaṃ sadā paśyankathaṃ badhyeta karmaṇā || 16 ||

Wie könnte Karma jemanden binden, der beständig die als Sat-Chit-Ananda erfahrene Glückseligkeit Brahmans genießt und von Unwissenheit frei ist?

Wort-für-Wort-Übersetzung: satyajñānānandapūrṇalakṣaṇaṃ tamasaḥ param – Wie könnte Karma jemanden binden, der beständig die als Sat-Chit-Ananda (Tamas); brahmānandaṃ sadā paśyankathaṃ badhyeta karmaṇā – erfahrene Glückseligkeit Brahmans genießt und von Unwissenheit frei ist?.

2.17. Vers Varaha Upanishad
tridhāmasākṣiṇaṃ satyajñānānandādilakṣaṇam |
tvamahaṃśabdalakṣyārthamasaktaṃ sarvadoṣataḥ || 17 ||

Menschen mit dem inneren Auge erkennen Brahman als den Zeugen der drei Bewusstseinszustände, als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tridhāmasākṣiṇaṃ satyajñānānandādilakṣaṇam – Menschen mit dem inneren Auge erkennen Brahman als den; tvamahaṃśabdalakṣyārthamasaktaṃ sarvadoṣataḥ – Zeugen der drei Bewusstseinszustände, als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.

2.18. Vers Varaha Upanishad
sarvagaṃ saccidātmānaṃ jñānacakṣurnirīkṣate |
ajñānacakṣurnekṣeta bhāsvantaṃ bhānumandhavat || 18 ||

Weisheit und Glückseligkeit haben, das ist die zugrunde liegende Bedeutung der Worte "Du" (Tvam) und "Ich" (Aham) und das ist von allen Flecken unberührt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvagaṃ saccidātmānaṃ jñānacakṣurnirīkṣate – Weisheit und Glückseligkeit haben, das ist die zugrunde liegende Bedeutung der Worte (Jnana); ajñānacakṣurnekṣeta bhāsvantaṃ bhānumandhavat – "Du" (Tvam) und "Ich" (Aham) und das ist von allen Flecken unberührt (Jnana).

2.19. Vers Varaha Upanishad
prajñānameva tadbrahma satyaprajñānalakṣaṇam |
evaṃ brahmaparijñānādeva martyo'mṛto bhavet || 19 ||

Wie ein blinder Mann die Sonne, die scheint, nicht sieht, so sieht ein unwissender Mensch nicht (Brahman). Prajnana allein ist Brahman. Es hat Wahrheit und Prajnana als seine Eigenschaften.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prajñānameva tadbrahma satyaprajñānalakṣaṇam – Wie ein blinder Mann die Sonne, die scheint, nicht sieht, so sieht ein unwissender Mensch nicht (Brahman). Prajnana allein ist Brahman (Brahman, Jnana); evaṃ brahmaparijñānādeva martyo'mṛto bhavet – Es hat Wahrheit und Prajnana als seine Eigenschaften (Brahman).

2.20. Vers Varaha Upanishad
tadbrahmānandamadvandvaṃ nirguṇaṃ satyacidghanam |
viditvā svātmano rūpaṃ na bibheti kutaścana || 20 ||

Eine Person, die ihren eigenen Atman als Brahman kennt, das ist Glückseligkeit und ohne Dualität und Gunas (Qualitäten) und das ist Wahrheit und absolutes Bewusstsein hat vor nichts Angst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tadbrahmānandamadvandvaṃ nirguṇaṃ satyacidghanam – Eine Person, die ihren eigenen Atman als Brahman kennt, das ist Glückseligkeit und ohne; viditvā svātmano rūpaṃ na bibheti kutaścana – Dualität und Gunas (Qualitäten) und das ist Wahrheit und absolutes Bewusstsein hat vor nichts Angst (Atman).

2.21. Vers Varaha Upanishad
cinmātraṃ sarvagaṃ nityaṃ sampūrṇaṃ sukhamadvayam |
sākṣādbrahmaiva nānyo'stītyevaṃ brahmavidāṃ sthitiḥ || 21 ||

Was das Bewußtsein allein ist, das alles durchdringt, das ewig ist, das alles voll ist, das von der Form der Seligkeit ist und unzerstörbar ist, ist der einzige wahre Brahman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: cinmātraṃ sarvagaṃ nityaṃ sampūrṇaṃ sukhamadvayam – Was das Bewußtsein allein ist, das alles durchdringt, das ewig ist, das alles voll ist; sākṣādbrahmaiva nānyo'stītyevaṃ brahmavidāṃ sthitiḥ – das von der Form der Seligkeit ist und unzerstörbar ist, ist der einzige wahre Brahman (Brahman).

2.22. Vers Varaha Upanishad
ajñasya duḥkhaughamayaṃ jñasyānandamayaṃ jagat |
andhaṃ bhuvanamandhasya prakāśaṃ tu sucakṣuṣām || 22 ||

Es ist die entschiedene Entschlossenheit von Brahma-Jnanis, dass es nichts anderes als das gibt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ajñasya duḥkhaughamayaṃ jñasyānandamayaṃ jagat – Es ist die entschiedene Entschlossenheit von Brahma-Jnanis; andhaṃ bhuvanamandhasya prakāśaṃ tu sucakṣuṣām – dass es nichts anderes als das gibt.

2.23. Vers Varaha Upanishad
anante saccidānande mayi vārāharūpiṇī |
sthite'dvitīyabhāvaḥ syātko bandhaḥ kaśca mucyate || 23 ||

Wie die Welt den Blinden dunkel erscheint und denen, die gute Augen haben, hell erscheint, so ist diese Welt voller vielfältigen Elends für die Unwissenden voller Glück für die Weisen. In mir, von der Form des Varahas, wer bin unendlich und die Glückseligkeit des absoluten Bewusstseins, wenn es die Vorstellung von Nicht-Dualismus, wo ist dann Knechtschaft?

Wort-für-Wort-Übersetzung: anante saccidānande mayi vārāharūpiṇī – Wie die Welt den Blinden dunkel erscheint und denen, die gute Augen haben, hell erscheint, so ist diese Welt voller vielfältigen Elends für die Unwissenden voller Glück für die Weisen; sthite'dvitīyabhāvaḥ syātko bandhaḥ kaśca mucyate – In mir, von der Form des Varahas, wer bin unendlich und die Glückseligkeit des absoluten Bewusstseins, wenn es die Vorstellung von Nicht-Dualismus, wo ist dann Knechtschaft? (Bandha).

2.24. Vers Varaha Upanishad
svasvarūpaṃ tu cinmātraṃ sarvadā sarvadehinām |
naiva dehādisaṅghāto ghaṭavaddṛśigocaraḥ || 24 ||

Und wer ist derjenige, der emanzipiert werden? Die reale Natur aller verkörperten Objekte ist immer das absolute Bewußtsein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svasvarūpaṃ tu cinmātraṃ sarvadā sarvadehinām – Und wer ist derjenige, der emanzipiert werden?; naiva dehādisaṅghāto ghaṭavaddṛśigocaraḥ – Die reale Natur aller verkörperten Objekte ist immer das absolute Bewußtsein.

2.25. Vers Varaha Upanishad
svātmano'nyadivābhātaṃ carācaramidaṃ jagat |
svātmamātratayā buddhvā tadasmīti vibhāvaya || 25 ||

Wie der Topf, der von den Augen gesehen wird, sind der Körper und seine Aggregate nicht (das heißt, nicht wirklich existieren). als Atman alle beweglichen Wesen und fixen Welten zu kennen, die als andere als Atman erscheinen, meditieren über sie als 'Es bin ich'. Eine solche Person genießt dann ihre wahre Natur.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svātmano'nyadivābhātaṃ carācaramidaṃ jagat – Wie der Topf, der von den Augen gesehen wird, sind der Körper und seine Aggregate nicht (das heißt, nicht wirklich existieren). als Atman alle beweglichen Wesen und fixen Welten zu kennen, die als andere als Atman erscheinen, meditieren über sie als 'Es bin ich' (Atman); svātmamātratayā buddhvā tadasmīti vibhāvaya – Eine solche Person genießt dann ihre wahre Natur (Atman).

2.26. Vers Varaha Upanishad
svasvarūpaṃ svayaṃ bhuṅkte nāsti bhojyaṃ pṛthak svataḥ |
asti cedastitārūpaṃ brahmaivāstitvalakṣaṇam || 26 ||

Es gibt nichts anderes als ein-Selbst zu genießen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svasvarūpaṃ svayaṃ bhuṅkte nāsti bhojyaṃ pṛthak svataḥ – Es gibt nichts anderes; asti cedastitārūpaṃ brahmaivāstitvalakṣaṇam – als ein-Selbst zu genießen (Brahman).

2.27. Vers Varaha Upanishad
brahmavijñānasampannaḥ pratītamakhilaṃ jagat |
paśyannapi sadā naiva paśyati svātmanaḥ pṛthak || 27 ||

Wenn es etwas gibt, das ist, dann hat Brahman allein dieses Attribut. Wer in Brahma-Jnana vollkommen ist, obwohl er dieses etablierte Universum immer sieht, sieht es nicht anders als sein Atman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmavijñānasampannaḥ pratītamakhilaṃ jagat – Wenn es etwas gibt, das ist, dann hat Brahman allein dieses Attribut (Brahman, Jnana); paśyannapi sadā naiva paśyati svātmanaḥ pṛthak – Wer in Brahma-Jnana vollkommen ist, obwohl er dieses etablierte Universum immer sieht, sieht es nicht anders als sein Atman (Atman).

2.28. Vers Varaha Upanishad
matsvarūpaparijñānātkarmabhirna sa badhyate || 28 ||

Ist ein unerschrockener Mensch, der durch seine eigene Erfahrung als seine eigene reale Natur alle (das Universum und Brahman) erkennt, die ohne den Körper und die Organe des Sinnes ist - das ist die All-Zeuge - das ist die eine noumenale Vijnana, das ist der glückselige Atman (im Gegensatz zu Jivatma oder dem niederen Selbst) und das ist der Selbst-Resplenz.

Wort-für-Wort-Übersetzung: matsvarūpaparijñānātkarmabhirna sa badhyate – Ist ein unerschrockener Mensch, der durch seine eigene Erfahrung als seine eigene reale Natur alle (das Universum und Brahman) erkennt, die ohne den Körper und die Organe des Sinnes ist - das ist die All-Zeuge - das ist die eine noumenale Vijnana, das ist der glückselige Atman (im Gegensatz zu Jivatma oder dem niederen Selbst) und das ist der Selbst-Resplenz.

2.29. Vers Varaha Upanishad
yaḥ śarīrendriyādibhyo vihīnaṃ sarvasākṣiṇam |
paramārthaikavijñānaṃ sukhātmānaṃ svayaṃprabham || 29 ||

Er ist einer, der als "ich" (ich selbst) bekannt sein sollte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ śarīrendriyādibhyo vihīnaṃ sarvasākṣiṇam – Er ist einer, der als "ich"; paramārthaikavijñānaṃ sukhātmānaṃ svayaṃprabham – (ich selbst) bekannt sein sollte (Jnana).

2.30. Vers Varaha Upanishad
svasvarūpatayā sarvaṃ veda svānubhavena yaḥ |
sa dhīraḥ sa tu vijñeyaḥ so'haṃ tattvaṃ ṛbho bhava || 30 ||

O Ribhu, mögest du zu Ihm werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svasvarūpatayā sarvaṃ veda svānubhavena yaḥ – O Ribhu, mögest du; sa dhīraḥ sa tu vijñeyaḥ so'haṃ tattvaṃ ṛbho bhava – zu Ihm werden (Tattva).

2.31. Vers Varaha Upanishad
ataḥ prapañcānubhavaḥ sadā na hi
svarūpabodhānubhavaḥ sadā khalu |
iti prapaśyanparipūrṇavedano
na bandhamukto na ca baddha eva tu || 31 ||

Danach wird es niemals eine Erfahrung der Welt geben. Danach wird es immer die Erfahrung der Weisheit der eigenen wahren Natur geben. Einer, der diesen vollen Atman gekannt hat, hat weder Befreiung noch Knechtschaft.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ataḥ prapañcānubhavaḥ sadā na hi – Danach wird es niemals eine Erfahrung der Welt; svarūpabodhānubhavaḥ sadā khalu – geben. Danach wird es immer die Erfahrung der Weisheit; iti prapaśyanparipūrṇavedano – der eigenen wahren Natur geben. Einer, der diesen vollen; na bandhamukto na ca baddha eva tu – Atman gekannt hat, hat weder Befreiung noch Knechtschaft (Bandha).

2.32. Vers Varaha Upanishad
svasvarūpānusandhānānnṛtyantaṃ sarvasākṣiṇam |
muhūrtaṃ cintayenmāṃ yaḥ sarvabandhaiḥ pramucyate || 32 ||

Wer meditiert, selbst für eine Muhurta (48 Minuten) durch die Erkenntnis der eigenen wirklichen Form, auf Ihn, der als All-Zeuge tanzt, wird aus aller Knechtschaft befreit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svasvarūpānusandhānānnṛtyantaṃ sarvasākṣiṇam – Wer meditiert, selbst für eine Muhurta (48 Minuten) durch die Erkenntnis der eigenen; muhūrtaṃ cintayenmāṃ yaḥ sarvabandhaiḥ pramucyate – wirklichen Form, auf Ihn, der als All-Zeuge tanzt, wird aus aller Knechtschaft befreit (Bandha).

2.33. Vers Varaha Upanishad
sarvabhūtāntarasthāya nityamuktacidātmane |
pratyakcaitanyarūpāya mahyameva namonamaḥ || 33 ||

Niederwerfungen - Niederwerfungen zu mir, die in allen Elementen sind, die die Chidatma (das heißt, Atman der Natur der Weisheit) sind, die ewig und frei sind und der Pratyagatman sind.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvabhūtāntarasthāya nityamuktacidātmane – Niederwerfungen - Niederwerfungen zu mir, die in allen Elementen sind, die die Chidatma (das heißt (Atman); pratyakcaitanyarūpāya mahyameva namonamaḥ – Atman der Natur der Weisheit) sind, die ewig und frei sind und der Pratyagatman sind.

2.34. Vers Varaha Upanishad
tvaṃ vahamasmi bhagavo devate'haṃ vai tvamasi |
tubhyaṃ mahyamanantāya mahyaṃ tubhyaṃ cidātmane || 34 ||

O Devata, du bist ich. Ich bin du. Niederwerfungen wegen mir selbst und dir selbst, die unendlich sind und die Chidatma sind, ich bin der höchste Isha (Herr) und du bist Shiva (von einer wohltätigen Natur).

Wort-für-Wort-Übersetzung: tvaṃ vahamasmi bhagavo devate'haṃ vai tvamasi – O Devata, du bist ich. Ich bin du; tubhyaṃ mahyamanantāya mahyaṃ tubhyaṃ cidātmane – Niederwerfungen wegen mir selbst und dir selbst, die unendlich sind und die Chidatma sind, ich bin der höchste Isha (Herr) und du bist Shiva (von einer wohltätigen Natur) (Atman, Yama).

2.35. Vers Varaha Upanishad
namo mahyaṃ pareśāya namastubhyaṃ śivāya ca |
kiṃ karomi kva gacchāmi kiṃ gṛhṇāmi tyajāmi kim || 35 ||

Was soll ich tun? Wohin soll ich gehen? Was soll ich ablehnen?

Wort-für-Wort-Übersetzung: namo mahyaṃ pareśāya namastubhyaṃ śivāya ca – Was soll ich tun? Wohin soll ich gehen?; kiṃ karomi kva gacchāmi kiṃ gṛhṇāmi tyajāmi kim – Was soll ich ablehnen?.

2.36. Vers Varaha Upanishad
yanmayā pūritaṃ viśvaṃ mahākalpāṃbunā yathā |
antaḥsaṅgaṃ bahiḥsaṅgamātmasaṅgaṃ ca yastyajet |
sarvasaṅganivṛttātmā sa māmeti na saṃśayaḥ || 36 ||

(Nichts, denn) das Universum wird von mir wie mit den Wassern auf der universalen Sintflut erfüllt. Wer die äußere Liebe, die innere Liebe und die Liebe des Körpers aufgibt und so alle Assoziationen aufgibt, der ist in mir verschmolzen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yanmayā pūritaṃ viśvaṃ mahākalpāṃbunā yathā – (Nichts, denn) das Universum wird von mir wie mit den Wassern auf der; antaḥsaṅgaṃ bahiḥsaṅgamātmasaṅgaṃ ca yastyajet – universalen Sintflut erfüllt. Wer die äußere Liebe, die innere Liebe und die Liebe (Atman); sarvasaṅganivṛttātmā sa māmeti na saṃśayaḥ – des Körpers aufgibt und so alle Assoziationen aufgibt, der ist in mir verschmolzen.

2.37. Vers Varaha Upanishad
ahiriva janayogaṃ sarvadā varjayedyaḥ
kuṇapamiva sunārīṃ tyaktukāmo virāgī |
viṣamiva viṣayādīnmanyamāno durantā-
ñjagati paramahaṃso vāsudevo'hameva || 37 ||

Dass Paramahamsa (Asket), die, obwohl sie in der Welt lebt, sich von der menschlichen Gemeinde als von der Schlange fernhält, die eine schöne Frau als (lebende) Leiche und die endlosen sinnlichen Gegenstände als Gift betrachtet und die alle Leidenschaft aufgegeben hat und gegenüber allen Objekten gleichgültig ist, ist nichts anderes als Vasudeva, (das heißt,) mich selbst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ahiriva janayogaṃ sarvadā varjayedyaḥ – Dass Paramahamsa (Asket), die, obwohl sie in der Welt lebt, sich von der menschlichen (Yoga); kuṇapamiva sunārīṃ tyaktukāmo virāgī – Gemeinde als von der Schlange fernhält, die eine schöne Frau als (lebende) Leiche und; viṣamiva viṣayādīnmanyamāno durantā- – die endlosen sinnlichen Gegenstände als Gift betrachtet und die alle Leidenschaft aufgegeben hat und; ñjagati paramahaṃso vāsudevo'hameva – gegenüber allen Objekten gleichgültig ist, ist nichts anderes als Vasudeva, (das heißt,) mich selbst.

2.38. Vers Varaha Upanishad
idaṃ satyamidaṃ satyaṃ satyametadihocyate |
ahaṃ satyaṃ paraṃ brahma mattaḥ kiñcinna vidyate || 38 ||

Dies ist Satya (Wahrheit). Dies ist nichts als Wahrheit. Es ist Wahrheit allein, die jetzt gesagt wird. Ich bin Brahman, die Wahrheit. Es gibt nichts anderes als ich.

Wort-für-Wort-Übersetzung: idaṃ satyamidaṃ satyaṃ satyametadihocyate – Dies ist Satya (Wahrheit). Dies ist nichts als Wahrheit. Es ist Wahrheit allein, die jetzt gesagt wird; ahaṃ satyaṃ paraṃ brahma mattaḥ kiñcinna vidyate – Ich bin Brahman, die Wahrheit. Es gibt nichts anderes als ich (Brahman).

2.39. Vers Varaha Upanishad
upa samīpe yo vāso jīvātmaparamātmanoḥ |
upavāsaḥ sa vijñeyo na tu kāyasya śoṣaṇam || 39 ||

Upavasa bedeutet wörtlich das Wohnen in der Nähe: das innere Verweilen bei Jivatman und Paramatman. Sein eigentlicher Sinn ist nicht das bloße Auszehren des Körpers durch Fasten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: upa samīpe yo vāso jīvātmaparamātmanoḥ – Upavasa bedeutet wörtlich das Wohnen in der Nähe: das innere Verweilen bei Jivatman und Paramatman (Atman); upavāsaḥ sa vijñeyo na tu kāyasya śoṣaṇam – Sein eigentlicher Sinn ist nicht das bloße Auszehren des Körpers durch Fasten.

2.40. Vers Varaha Upanishad
kāyaśoṣaṇamātreṇa kā tatra hyavivekinām |
valmīkatāḍanādeva mṛtaḥ kiṃ nu mahoragaḥ || 40 ||

Was ist für die Unwissenden der Gebrauch des bloßen Austrocknens des Körpers? Wenn wir um das Loch einer Schlange schlagen, können wir sagen, dass wir die große Schlange im Inneren getötet haben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kāyaśoṣaṇamātreṇa kā tatra hyavivekinām – Was ist für die Unwissenden der Gebrauch des bloßen Austrocknens des Körpers?; valmīkatāḍanādeva mṛtaḥ kiṃ nu mahoragaḥ – Wenn wir um das Loch einer Schlange schlagen, können wir sagen, dass wir die große Schlange im Inneren getötet haben.

2.41. Vers Varaha Upanishad
asti brahmeti cedveda parokṣajñānameva tat |
ahaṃ brahmeti cedveda sākṣātkāraḥ sa ucyate || 41 ||

Ein Mann soll Paroksha (indirekte) Weisheit erlangen, wenn er (theoretisch) weiß, dass es Brahman gibt; aber er soll Sakshatkara (direkte Erkenntnis) erreichen, wenn er weiß (erkennt), dass er selbst Brahman ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: asti brahmeti cedveda parokṣajñānameva tat – Ein Mann soll Paroksha (indirekte) Weisheit erlangen, wenn er (theoretisch) weiß, dass es Brahman gibt (Jnana); ahaṃ brahmeti cedveda sākṣātkāraḥ sa ucyate – aber er soll Sakshatkara (direkte Erkenntnis) erreichen, wenn er weiß (erkennt), dass er selbst Brahman ist.

2.42. Vers Varaha Upanishad
yasminkāle svamātmānaṃ yogī jānāti kevalam |
tasmātkālātsamārabhya jīvanmukto bhayedasau || 42 ||

Ist ein Yogi, der sich in der Nähe von Yivanmukta befindet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasminkāle svamātmānaṃ yogī jānāti kevalam – Ist ein Yogi, der sich in; tasmātkālātsamārabhya jīvanmukto bhayedasau – der Nähe von Yivanmukta befindet (Jiva).

2.43. Vers Varaha Upanishad
ahaṃ brahmeti niyataṃ mokṣaheturmahātmanām |
dve pade bandhamokṣāya nirmameti mameti ca || 43 ||

Um Mahatmas, immer im Zustand zu sein "Ich bin Brahman" führt zu ihrer Erlösung. Es gibt zwei Worte für Knechtschaft und Moksha. Sie sind "meine" und "nicht meine".

Wort-für-Wort-Übersetzung: ahaṃ brahmeti niyataṃ mokṣaheturmahātmanām – Um Mahatmas, immer im Zustand zu sein "Ich bin Brahman" führt zu ihrer Erlösung. Es gibt zwei Worte für Knechtschaft und Moksha (Atman, Moksha); dve pade bandhamokṣāya nirmameti mameti ca – Sie sind "meine" und "nicht meine" (Moksha, Bandha).

2.44. Vers Varaha Upanishad
mameti badhyate janturnirmameti vimucyate |
bāhyacintā na kartavyā tathaivāntaracintikā |
sarvacintāṃ samutsṛjya svastho bhava sadā ṛbho || 44 ||

Der Mensch ist durch 'meine' gebunden, aber er wird von 'nicht von mir' befreit. Er sollte alle Gedanken, die sich auf Außenstehende beziehen, und so auch mit Verweisen auf Inneres aufgeben. O Ribhu, nachdem du alle Gedanken aufgegeben hast, solltest du (in deinem Atman) immer zufrieden sein."

Wort-für-Wort-Übersetzung: mameti badhyate janturnirmameti vimucyate – Der Mensch ist durch 'meine' gebunden, aber er wird von 'nicht von mir' befreit; bāhyacintā na kartavyā tathaivāntaracintikā – Er sollte alle Gedanken, die sich auf Außenstehende beziehen, und so auch mit Verweisen auf Inneres aufgeben; sarvacintāṃ samutsṛjya svastho bhava sadā ṛbho – O Ribhu, nachdem du alle Gedanken aufgegeben hast, solltest du (in deinem Atman) immer zufrieden sein.".

2.45. Vers Varaha Upanishad
saṅkalpamātrakalanena jagatsamagraṃ
saṅkalpamātrakalane hi jagadvilāsaḥ |
saṅkalpamātramidamutsṛja nirvikalpa-
māśritya māmakapadaṃ hṛdi bhāvayasva || 45 ||

Das ganze Universum wird allein durch Sankalpa verursacht. Nur durch Sankalpa manifestiert sich das Universum. Nachdem Sie das Universum verlassen haben, das von der Form von Sankalpa ist und Ihren Geist auf die Nirvikalpa (eine, die wechsellos ist) fixiert haben, meditieren Sie über meine Wohnstätte in Ihrem Herzen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṅkalpamātrakalanena jagatsamagraṃ – Das ganze Universum wird allein durch Sankalpa verursacht. Nur durch Sankalpa manifestiert; saṅkalpamātrakalane hi jagadvilāsaḥ – sich das Universum. Nachdem Sie das Universum verlassen haben, das von der; saṅkalpamātramidamutsṛja nirvikalpa- – Form von Sankalpa ist und Ihren Geist auf die Nirvikalpa (eine, die; māśritya māmakapadaṃ hṛdi bhāvayasva – wechsellos ist) fixiert haben, meditieren Sie über meine Wohnstätte in Ihrem Herzen.

2.46. Vers Varaha Upanishad
maccintanaṃ matkathanamanyonyaṃ matprabhāṣaṇam |
madekaparamo bhūtvā kālaṃ naya mahāmate || 46 ||

O intelligentstes Wesen, vergib deine Zeit in der Meditation über mich, verherrliche mich in Liedern, rede miteinander über mich und widme dich so ganz mir als den Supremen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: maccintanaṃ matkathanamanyonyaṃ matprabhāṣaṇam – O intelligentstes Wesen, vergib deine Zeit in der Meditation über mich, verherrliche mich in; madekaparamo bhūtvā kālaṃ naya mahāmate – Liedern, rede miteinander über mich und widme dich so ganz mir als den Supremen.

2.47. Vers Varaha Upanishad
cidihāstīti cinmātramidaṃ cinmayameva ca |
cittvaṃ cidahamete ca lokāściditi bhāvaya || 47 ||

Was auch immer Chit (Bewusstsein) im Universum ist, ist nur Chinmatra. Dieses Universum ist nur Chinmaya. Du bist Chit. Ich bin Chit; betrachte die Welten auch als Chit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: cidihāstīti cinmātramidaṃ cinmayameva ca – Was auch immer Chit (Bewusstsein) im Universum ist, ist nur Chinmatra. Dieses Universum ist nur Chinmaya. Du bist Chit; cittvaṃ cidahamete ca lokāściditi bhāvaya – Ich bin Chit; betrachte die Welten auch als Chit.

2.48. Vers Varaha Upanishad
rāgaṃ nīrāgatāṃ nītvā nirlepo bhava sarvadā |
ajñānajanyakartrādikārakotpannakarmaṇā || 48 ||

Die Wünsche Null. Immer ohne Flecken sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rāgaṃ nīrāgatāṃ nītvā nirlepo bhava sarvadā – Die Wünsche Null; ajñānajanyakartrādikārakotpannakarmaṇā – Immer ohne Flecken sein (Jnana).

2.49. Vers Varaha Upanishad
śrutyutpannātmavijñānapradīpo bādhyate katham |
anātmanāṃ parityajya nirvikāro jagatsthitau || 49 ||

Wie kann dann die helle Lampe von Atmic Vijnana, die durch die Veden entsteht, durch das Karma beeinflusst werden, das aus der Unwissenheit des Schauspielers und des Agenten entsteht? nicht-Atman aufgegeben und in der Welt von ihr unberührt zu sein, erfreuen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śrutyutpannātmavijñānapradīpo bādhyate katham – Wie kann dann die helle Lampe von Atmic Vijnana, die durch die Veden entsteht, durch das Karma beeinflusst werden, das aus der Unwissenheit des Schauspielers und des Agenten entsteht? (Atman, Jnana); anātmanāṃ parityajya nirvikāro jagatsthitau – nicht-Atman aufgegeben und in der Welt von ihr unberührt zu sein, erfreuen (Atman).

2.50. Vers Varaha Upanishad
ekaniṣṭhatayāntasthasaṃvinmātraparo bhava |
ghaṭākāśamaṭhākāśau mahākāśe pratiṣṭhitau || 50 ||

Sie sich nur an dem Chinmatra im Inneren, immer in der Absicht auf dem Einen. Wie die Akasha des Topfes und die des Hauses befinden sich beide in der allumfassenden Akasha, so sind die Jivas und Ishvara nur aus mir entwickelt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekaniṣṭhatayāntasthasaṃvinmātraparo bhava – Sie sich nur an dem Chinmatra im Inneren, immer in der Absicht auf dem Einen; ghaṭākāśamaṭhākāśau mahākāśe pratiṣṭhitau – Wie die Akasha des Topfes und die des Hauses befinden sich beide in der allumfassenden Akasha, so sind die Jivas und Ishvara nur aus mir entwickelt.

2.51. Vers Varaha Upanishad
evaṃ mayi cidākāśe jīveśau parikalpitau |
yā ca prāgātmano māyā tathānte ca tiraskṛtā || 51 ||

Die Chidakasa (die eine Akasha des universellen Bewusstseins). und Ishvara) und das, was am Ende abgelehnt wird (das heißt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: evaṃ mayi cidākāśe jīveśau parikalpitau – Die Chidakasa (die eine Akasha des universellen Bewusstseins); yā ca prāgātmano māyā tathānte ca tiraskṛtā – und Ishvara) und das, was am Ende abgelehnt wird (das heißt (Atman).

2.52. Vers Varaha Upanishad
brahmavādibhirudgītā sā māyeti vivekataḥ |
māyātatkāryavilaye neśvaratvaṃ na jīvatā || 52 ||

Universelle Sintflut) wird Maya von Brahma-Jnanis durch ihre Diskriminierung genannt. Wenn Maya und seine Wirkungen (das Universum) vernichtet werden, gibt es keinen Zustand von Ishvara, es gibt keinen Zustand von Jiva.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmavādibhirudgītā sā māyeti vivekataḥ – Universelle Sintflut) wird Maya von Brahma-Jnanis durch ihre Diskriminierung genannt (Brahman); māyātatkāryavilaye neśvaratvaṃ na jīvatā – Wenn Maya und seine Wirkungen (das Universum) vernichtet werden, gibt es keinen Zustand von Ishvara, es gibt keinen Zustand von Jiva (Jiva).

2.53. Vers Varaha Upanishad
tataḥ śuddhaścidevāhaṃ vyomavannirupādhikaḥ |
jīveśvarādirūpeṇa cetanācetanātmakam || 53 ||

Daher bin ich wie der Akasha ohne sein Fahrzeug der Unbefleckte und Chit. von Ishvara.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ śuddhaścidevāhaṃ vyomavannirupādhikaḥ – Daher bin ich wie der Akasha ohne sein Fahrzeug der Unbefleckte und Chit; jīveśvarādirūpeṇa cetanācetanātmakam – von Ishvara (Atman).

2.54. Vers Varaha Upanishad
īkṣaṇādipraveśāntā sṛṣṭirīśena kalpitā |
jāgradādivimokṣāntaḥ saṃsāro jīvakalpitaḥ || 54 ||

Während die Samsara (weltliche Existenz) vom Wachzustand bis zur Errettung durch die Erschaffung von Jiva bedingt ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: īkṣaṇādipraveśāntā sṛṣṭirīśena kalpitā – Während die Samsara (weltliche Existenz) vom Wachzustand bis; jāgradādivimokṣāntaḥ saṃsāro jīvakalpitaḥ – zur Errettung durch die Erschaffung von Jiva bedingt ist (Jiva, Moksha).

2.55. Vers Varaha Upanishad
triṇācikādiyogāntā īśvarabhrāntimāśritāḥ |
lokāyatādisāṅkhyāntā jīvaviśrāntimāśritāḥ || 55 ||

Die Karmas, die im Opfer (genannt) Trinachaka (nach Nachiketas von Katha Upanishad) zum Yoga ordiniert werden, sind abhängig von der Illusion von Ishvara; während (die Systeme von) Lokayata (atheistisches System) zu Sankhya auf der Illusion von Jiva ruhen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: triṇācikādiyogāntā īśvarabhrāntimāśritāḥ – Die Karmas, die im Opfer (genannt) Trinachaka (nach Nachiketas von Katha Upanishad) zum Yoga ordiniert werden, sind abhängig von der Illusion von Ishvara; lokāyatādisāṅkhyāntā jīvaviśrāntimāśritāḥ – während (die Systeme von) Lokayata (atheistisches System) zu Sankhya auf der Illusion von Jiva ruhen (Jiva).

2.56. Vers Varaha Upanishad
tasmānmumukṣibhirnaiva matirjīveśavādayoḥ |
kāryā kintu brahmatattvaṃ niścalena vicāryatām || 56 ||

Daher sollten Aspiranten nach der Erlösung niemals ihre Köpfe in das Feld der Kontroverse über Jiva und Ishvara eintreten lassen. Aber mit einem ungestörten Verstand sollte Tattvas von Brahman untersucht werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmānmumukṣibhirnaiva matirjīveśavādayoḥ – Daher sollten Aspiranten nach der Erlösung niemals ihre Köpfe in das Feld der Kontroverse über Jiva und Ishvara eintreten lassen; kāryā kintu brahmatattvaṃ niścalena vicāryatām – Aber mit einem ungestörten Verstand sollte Tattvas von Brahman untersucht werden (Tattva, Brahman).

2.57. Vers Varaha Upanishad
advitīyabrahmatattvaṃ na jānanti yathā tathā |
bhrāntā evākhilāsteṣāṃ kva muktiḥ kveha vā sukham || 57 ||

Wer die Tattva des Zweitlosen Brahmanen nicht wahrnimmt, ist alle nur verblendete Personen. Woher (dann) ist ihnen Rettung? Woher ist dann Glück (zu ihnen) in diesem Universum?

Wort-für-Wort-Übersetzung: advitīyabrahmatattvaṃ na jānanti yathā tathā – Wer die Tattva des Zweitlosen Brahmanen nicht wahrnimmt, ist alle nur verblendete Personen. Woher (dann) ist ihnen Rettung? (Tattva, Brahman); bhrāntā evākhilāsteṣāṃ kva muktiḥ kveha vā sukham – Woher ist dann Glück (zu ihnen) in diesem Universum?.

2.58. Vers Varaha Upanishad
uttamādhamabhāvaścetteṣāṃ syādasti tena kim |
svapnastharājyabhikṣābhyāṃ prabuddhaḥ spṛśate khalu || 58 ||

Was, wenn sie die Gedanken der Überlegenheit und Minderwertigkeit (Ishvara und Jiva) haben? Wird Souveränität und Bedürftigkeit (erfahren von einer Person) im Traumzustand ihn in seinem Wachzustand beeinflussen?

Wort-für-Wort-Übersetzung: uttamādhamabhāvaścetteṣāṃ syādasti tena kim – Was, wenn sie die Gedanken der Überlegenheit und Minderwertigkeit (Ishvara und Jiva) haben?; svapnastharājyabhikṣābhyāṃ prabuddhaḥ spṛśate khalu – Wird Souveränität und Bedürftigkeit (erfahren von einer Person) im Traumzustand ihn in seinem Wachzustand beeinflussen?.

2.59. Vers Varaha Upanishad
ajñāne buddhivilaye nidrā sā bhaṇyate budhaiḥ |
vilīnājñānatatkārye mayi nidrā kathaṃ bhavet || 59 ||

Wenn Buddhi in Ajnana absorbiert wird, dann wird es von den Weisen als Schlaf bezeichnet. Woher dann ist Schlaf für mich, die nicht Ajnana und seine Auswirkungen haben?

Wort-für-Wort-Übersetzung: ajñāne buddhivilaye nidrā sā bhaṇyate budhaiḥ – Wenn Buddhi in Ajnana absorbiert wird, dann wird es von den Weisen als Schlaf bezeichnet (Buddhi); vilīnājñānatatkārye mayi nidrā kathaṃ bhavet – Woher dann ist Schlaf für mich, die nicht Ajnana und seine Auswirkungen haben? (Jnana).

2.60. Vers Varaha Upanishad
buddheḥ pūrṇavikāso'yaṃ jāgaraḥ parikīrtyate |
vikārādivihīnatvājjāgaro me na vidyate || 60 ||

Wenn Buddhi in voller Blüte ist, dann soll es der Jagrat sein. Da ich keine Veränderungen habe, etc., gibt es für mich keinen Wachzustand.

Wort-für-Wort-Übersetzung: buddheḥ pūrṇavikāso'yaṃ jāgaraḥ parikīrtyate – Wenn Buddhi in voller Blüte ist, dann soll es der Jagrat sein; vikārādivihīnatvājjāgaro me na vidyate – Da ich keine Veränderungen habe, etc., gibt es für mich keinen Wachzustand.

2.61. Vers Varaha Upanishad
sūkṣmanāḍiṣu sañcāro buddheḥ svapnaḥ prajāyate |
sañcāradharmarahite mayi svapno na vidyate || 61 ||

Die Bewegung von Buddhi in den subtilen Nadis ist der Traumzustand. In mir ohne den Akt des Umziehens gibt es keinen Traum.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sūkṣmanāḍiṣu sañcāro buddheḥ svapnaḥ prajāyate – Die Bewegung von Buddhi in den subtilen Nadis ist der Traumzustand (Nadi); sañcāradharmarahite mayi svapno na vidyate – In mir ohne den Akt des Umziehens gibt es keinen Traum.

2.62. Vers Varaha Upanishad
suṣuptikāle sakale vilīne tamasāvṛte |
svarūpaṃ mahadānandaṃ bhuṅkte viśvavivarjitaḥ || 62 ||

Dann zur Zeit von Sushupti, wenn alle Dinge absorbiert werden, von Tamas umhüllt, genießt er dann die höchste Seligkeit seiner eigenen Natur in einem unsichtbaren Zustand.

Wort-für-Wort-Übersetzung: suṣuptikāle sakale vilīne tamasāvṛte – Dann zur Zeit von Sushupti, wenn alle Dinge absorbiert werden, von Tamas umhüllt (Tamas); svarūpaṃ mahadānandaṃ bhuṅkte viśvavivarjitaḥ – genießt er dann die höchste Seligkeit seiner eigenen Natur in einem unsichtbaren Zustand.

2.63. Vers Varaha Upanishad
aviśeṣeṇa sarvaṃ tu yaḥ paśyati cidanvayāt |
sa eva sākṣādvijñānī sa śivaḥ sa harirvidhiḥ || 63 ||

Wenn er alles ohne Unterschied als Chit sieht, ist er allein ein eigentlicher Vijnani. Er allein ist Shiva. Er allein ist Hari. Er allein ist Brahma.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aviśeṣeṇa sarvaṃ tu yaḥ paśyati cidanvayāt – Wenn er alles ohne Unterschied als Chit sieht, ist er allein ein eigentlicher Vijnani. Er allein ist Shiva; sa eva sākṣādvijñānī sa śivaḥ sa harirvidhiḥ – Er allein ist Hari. Er allein ist Brahma (Shiva).

2.64. Vers Varaha Upanishad
dīrghasvapnamidaṃ yattaddīrghaṃ vā cittavibhramam |
dīrghaṃ vāpi manorājyaṃ saṃsāraṃ duḥkhasāgaram |
supterutthāya suptyantaṃ brahmaikaṃ pravicintyatām || 64 ||

Diese weltliche Existenz, die ein Ozean der Trauer ist, ist nichts anderes als ein langlebiger Traum, oder eine Illusion des Geistes oder eine langlebige Herrschaft des Geistes. Vom Aufstehen vom Schlaf bis zum Schlafen, sollte der einzige Brahman allein betrachtet werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dīrghasvapnamidaṃ yattaddīrghaṃ vā cittavibhramam – Diese weltliche Existenz, die ein Ozean der Trauer ist, ist nichts anderes als ein (Chitta); dīrghaṃ vāpi manorājyaṃ saṃsāraṃ duḥkhasāgaram – langlebiger Traum, oder eine Illusion des Geistes oder eine langlebige Herrschaft des Geistes; supterutthāya suptyantaṃ brahmaikaṃ pravicintyatām – Vom Aufstehen vom Schlaf bis zum Schlafen, sollte der einzige Brahman allein betrachtet werden (Brahman).

2.65. Vers Varaha Upanishad
āropitasya jagataḥ pravilāpanena
cittaṃ madātmakatayā parikalpitaṃ naḥ |
śatrūnnihatya guruṣaṭkagaṇānnipātā-
dgandhadvipo bhavati kevalamadvitīyaḥ || 65 ||

Indem sie dieses Universum, das nur eine Überlagerung ist, absorbiert, nimmt die Chitta von meiner Natur teil. Nachdem sie alle sechs mächtigen Feinde vernichtet hat, wird durch ihre Zerstörung der nicht-duale Eine wie der Duft-Elefant.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āropitasya jagataḥ pravilāpanena – Indem sie dieses Universum, das nur eine Überlagerung ist; cittaṃ madātmakatayā parikalpitaṃ naḥ – absorbiert, nimmt die Chitta von meiner Natur teil. Nachdem (Atman, Chitta); śatrūnnihatya guruṣaṭkagaṇānnipātā- – sie alle sechs mächtigen Feinde vernichtet hat, wird (Guru); dgandhadvipo bhavati kevalamadvitīyaḥ – durch ihre Zerstörung der nicht-duale Eine wie der Duft-Elefant.

2.66. Vers Varaha Upanishad
adyāstametu vapurāśaśitāramāstāṃ
kastāvatāpi mama cidvapuṣo viśeṣaḥ |
kumbhe vinaśyati ciraṃ samavasthite vā
kumbhāmbarasya nahi ko'pi viśeṣaleśaḥ || 66 ||

Ob der Körper nun stirbt oder das Alter von Mond und Sternen anhält, was zählt es für mich, Chit allein als meinen Körper zu haben? Was zählt es für den Akasha im Topf, ob er (der Topf) jetzt zerstört wird oder für eine lange Zeit existiert.

Wort-für-Wort-Übersetzung: adyāstametu vapurāśaśitāramāstāṃ – Ob der Körper nun stirbt oder das Alter von Mond und Sternen; kastāvatāpi mama cidvapuṣo viśeṣaḥ – anhält, was zählt es für mich, Chit allein als meinen Körper; kumbhe vinaśyati ciraṃ samavasthite vā – zu haben? Was zählt es für den Akasha im Topf, ob; kumbhāmbarasya nahi ko'pi viśeṣaleśaḥ – er (der Topf) jetzt zerstört wird oder für eine lange Zeit existiert.

2.67. Vers Varaha Upanishad
ahinirvlayanī sarpanirmoko jīvavarjitaḥ |
valmīke patitastiṣṭhettaṃ sarpo nābhimanyate || 67 ||

Während der Schlund einer Schlange in ihrem Loch leblos abgeworfen ist, läßt sie (die Schlange) keine Zuneigung zu ihr erkennen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ahinirvlayanī sarpanirmoko jīvavarjitaḥ – Während der Schlund einer Schlange in ihrem Loch leblos abgeworfen (Jiva); valmīke patitastiṣṭhettaṃ sarpo nābhimanyate – ist, läßt sie (die Schlange) keine Zuneigung zu ihr erkennen.

2.68. Vers Varaha Upanishad
evaṃ sthūlaṃ ca sūkṣmaṃ ca śarīraṃ nābhimanyate |
pratyagjñānaśikhidhvaste mithyājñāne sahetuke |
neti netīti rūpatvādaśarīro bhavatyayam || 68 ||

Ebenso identifizieren sich die Weisen nicht mit ihren groben und subtilen Körpern. Wenn das delusive Wissen (das Universum ist real) mit seiner Ursache durch das Feuer von Atman-Jnana zerstört werden sollte, wird der Weise körperlos, durch die Idee 'Es (Brahman) ist nicht dies; Es ist nicht dies'.

Wort-für-Wort-Übersetzung: evaṃ sthūlaṃ ca sūkṣmaṃ ca śarīraṃ nābhimanyate – Ebenso identifizieren sich die Weisen nicht mit ihren groben und subtilen Körpern; pratyagjñānaśikhidhvaste mithyājñāne sahetuke – Wenn das delusive Wissen (das Universum ist real) mit seiner Ursache durch das Feuer von Atman-Jnana zerstört werden sollte, wird der Weise körperlos, durch die Idee 'Es (Brahman) ist nicht dies (Jnana); neti netīti rūpatvādaśarīro bhavatyayam – Es ist nicht dies'.

2.69. Vers Varaha Upanishad
śāstreṇa na syātparamārthadṛṣṭiḥ
kāryakṣamaṃ paśyati cāparokṣam |
prārabdhanāśātpratibhānanāśa
evaṃ tridhā naśyati cātmamāyā || 69 ||

Shastras, das Wissen um die Realität (des Universums) vergeht. Durch die direkte Wahrnehmung der Wahrheit hört die Handlungsfähigkeit (in diesem Universum) auf. Mit der Beendigung von Prarabdha (dem Teil des vergangenen Karmas, der in diesem Leben genossen wird) findet die Zerstörung der Manifestation (des Universums) statt. Maya wird somit auf dreifache Weise zerstört.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śāstreṇa na syātparamārthadṛṣṭiḥ – Shastras, das Wissen um die Realität (des Universums) vergeht; kāryakṣamaṃ paśyati cāparokṣam – Durch die direkte Wahrnehmung der Wahrheit hört die Handlungsfähigkeit (in diesem Universum) auf; prārabdhanāśātpratibhānanāśa – Mit der Beendigung von Prarabdha (dem Teil des vergangenen Karmas, der in diesem Leben genossen wird) findet die Zerstörung der Manifestation (des Universums) statt; evaṃ tridhā naśyati cātmamāyā – Maya wird somit auf dreifache Weise zerstört (Atman).

2.70. Vers Varaha Upanishad
brahmatve yojite svāmiñjīvabhāvo na gacchati |
advaite bodhite tattve vāsanā vinivartate || 70 ||

Wenn in sich selbst keine Identifikation (von Jiva) mit Brahman stattfindet, geht der Zustand (der Trennung) von Jiva nicht verloren. Wenn das Nicht-duale wirklich erkannt wird, dann hören alle Affinitäten (für Objekte) auf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmatve yojite svāmiñjīvabhāvo na gacchati – Wenn in sich selbst keine Identifikation (von Jiva) mit Brahman stattfindet, geht der Zustand (der Trennung) von Jiva nicht verloren (Brahman, Jiva); advaite bodhite tattve vāsanā vinivartate – Wenn das Nicht-duale wirklich erkannt wird, dann hören alle Affinitäten (für Objekte) auf.

2.71. Vers Varaha Upanishad
prārabdhānte dehahānirmāyeti kṣīyate'khilā |
astītyukte jagatsarvaṃ sadrasaṃ brahma tadbhavet || 71 ||

Mit der Beendigung von Prarabdha (aus der Beendigung von Affinitäten entstehend), gibt es das des Körpers. Daher ist es sicher, dass Maya so vollständig umkommt. Wenn gesagt wird, dass alles Universum ist, dass Brahman allein ist, dass von der Natur des Sat ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prārabdhānte dehahānirmāyeti kṣīyate'khilā – Mit der Beendigung von Prarabdha (aus der Beendigung von Affinitäten entstehend), gibt es das des Körpers. Daher ist es sicher, dass Maya so vollständig umkommt; astītyukte jagatsarvaṃ sadrasaṃ brahma tadbhavet – Wenn gesagt wird, dass alles Universum ist, dass Brahman allein ist, dass von der Natur des Sat ist (Brahman).

2.72. Vers Varaha Upanishad
bhātītyukte jagatsarvaṃ bhānaṃ brahmaiva kevalam |
marubhūmau jalaṃ sarvaṃ marubhūmātrameva tat |
jagattrayamidaṃ sarvaṃ cinmātraṃ svavicārataḥ || 72 ||

Wenn gesagt wird, dass das Universum leuchtet, dann ist es Brahman allein, der leuchtet. (Die Mirage von) das ganze Wasser in einer Oase ist wirklich nichts anderes als die Oase selbst. Durch die Untersuchung des eigenen Selbst, die drei Welten (oben, unten und Mitte) sind nur von der Natur von Chit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhātītyukte jagatsarvaṃ bhānaṃ brahmaiva kevalam – Wenn gesagt wird, dass das Universum leuchtet, dann ist es Brahman allein, der leuchtet (Brahman); marubhūmau jalaṃ sarvaṃ marubhūmātrameva tat – (Die Mirage von) das ganze Wasser in einer Oase ist wirklich nichts anderes als die Oase selbst; jagattrayamidaṃ sarvaṃ cinmātraṃ svavicārataḥ – Durch die Untersuchung des eigenen Selbst, die drei Welten (oben, unten und Mitte) sind nur von der Natur von Chit.

2.73. Vers Varaha Upanishad
ajñānameva na kuto jagataḥ prasaṅgo
jīveśadeśikavikalpakathātidūre |
ekāntakevalacidekarasasvabhāve
brahmaiva kevalamahaṃ paripūrṇamasmi || 73 ||

In Brahman, das ein und allein ist, dessen Wesen absolutes Bewusstsein ist und das von den Unterschieden von Jiva, Ishvara und Guru entfernt ist, gibt es kein Ajnana. So ist der Fall, wo ist dann die Gelegenheit für das Universum dort? Ich bin dieser Brahman, der alles voll ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ajñānameva na kuto jagataḥ prasaṅgo – In Brahman, das ein und allein ist, dessen Wesen absolutes Bewusstsein ist (Jnana); jīveśadeśikavikalpakathātidūre – und das von den Unterschieden von Jiva, Ishvara und Guru entfernt ist; ekāntakevalacidekarasasvabhāve – gibt es kein Ajnana. So ist der Fall, wo ist dann die Gelegenheit; brahmaiva kevalamahaṃ paripūrṇamasmi – für das Universum dort? Ich bin dieser Brahman, der alles voll ist (Brahman).

2.74. Vers Varaha Upanishad
bodhacandramasi pūrṇavigrahe
moharāhumuṣitātmatejasi |
snānadānayajanādikāḥ
kriyā mocanāvadhi vṛthaiva tiṣṭhate || 74 ||

Während der Vollmond der Weisheit seinem Glanz durch den Rahu (einer der beiden Mondknoten) der Wahnvorstellung beraubt wird, sind alle Handlungen wie die Riten des Badens, des Almosengebens und des Opfers während der Zeit der Sonnenfinsternis alle fruchtlos.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bodhacandramasi pūrṇavigrahe – Während der Vollmond der Weisheit seinem Glanz durch den Rahu; moharāhumuṣitātmatejasi – (einer der beiden Mondknoten) der Wahnvorstellung beraubt wird, sind (Atman); snānadānayajanādikāḥ – alle Handlungen wie die Riten des Badens, des Almosengebens; kriyā mocanāvadhi vṛthaiva tiṣṭhate – und des Opfers während der Zeit der Sonnenfinsternis alle fruchtlos.

2.75. Vers Varaha Upanishad
salile saindhavaṃ yadvatsāmyaṃ bhavati yogataḥ |
tathātmamanasoraikyaṃ samādhiriti kathyate || 75 ||

Wenn das Erkennende, das Erkennen und das Erkannte miteinander eins werden und der Geist sich darin auflöst, wird dieser Zustand Samadhi genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: salile saindhavaṃ yadvatsāmyaṃ bhavati yogataḥ – Wenn das Erkennende, das Erkennen und das Erkannte miteinander eins werden (Yoga); tathātmamanasoraikyaṃ samādhiriti kathyate – und der Geist sich darin auflöst, wird dieser Zustand Samadhi genannt (Atman, Manas, Samadhi).

2.76. Vers Varaha Upanishad
durlabho viṣayatyāgo durlabhaṃ tattvadarśanam |
durlabhā sahajāvasthā sadguroḥ karuṇāṃ vinā || 76 ||

Ohne die Gnade eines vollkommenen Gurus ist dieser Zustand schwer zu verwirklichen. Durch Guru-Unterweisung und die eigene unmittelbare Erfahrung wird die Erkenntnis klar.

Wort-für-Wort-Übersetzung: durlabho viṣayatyāgo durlabhaṃ tattvadarśanam – Ohne die Gnade eines vollkommenen Gurus ist dieser Zustand schwer zu verwirklichen (Tattva); durlabhā sahajāvasthā sadguroḥ karuṇāṃ vinā – Durch Guru-Unterweisung und die eigene unmittelbare Erfahrung wird die Erkenntnis klar.

2.77. Vers Varaha Upanishad
utpannaśaktibodhasya tyaktaniḥśeṣakarmaṇaḥ |
yoginaḥ sahajāvasthā svayameva prakāśate || 77 ||

Dann wird der Zustand des Ruhens im eigenen Selbst von selbst offenbar. Er ist frei von willentlicher Anstrengung und gedanklicher Konstruktion.

Wort-für-Wort-Übersetzung: utpannaśaktibodhasya tyaktaniḥśeṣakarmaṇaḥ – Dann wird der Zustand des Ruhens im eigenen Selbst von selbst offenbar; yoginaḥ sahajāvasthā svayameva prakāśate – Er ist frei von willentlicher Anstrengung und gedanklicher Konstruktion.

2.78. Vers Varaha Upanishad
rasasya manasaścaiva cañcalatvaṃ svabhāvataḥ |
raso baddho mano baddhaṃ kiṃ na siddhyati bhūtale || 78 ||

Bewegung und Unruhe gehören von Natur aus zum Geist. Durch beständige Übung wird diese Bewegtheit immer feiner und löst sich schließlich auf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rasasya manasaścaiva cañcalatvaṃ svabhāvataḥ – Bewegung und Unruhe gehören von Natur aus zum Geist (Manas); raso baddho mano baddhaṃ kiṃ na siddhyati bhūtale – Durch beständige Übung wird diese Bewegtheit immer feiner und löst sich schließlich auf.

2.79. Vers Varaha Upanishad
mūrcchito harati vyādhiṃ mṛto jīvayati svayam |
baddhaḥ khecaratāṃ dhatte brahmatvaṃ rasacetasi || 79 ||

Wer den als Murchha bezeichneten Zustand verwirklicht, überwindet nach der Lehre des Textes Krankheiten und gewinnt tiefe innere Sammlung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mūrcchito harati vyādhiṃ mṛto jīvayati svayam – Wer den als Murchha bezeichneten Zustand verwirklicht, überwindet nach der (Jiva); baddhaḥ khecaratāṃ dhatte brahmatvaṃ rasacetasi – Lehre des Textes Krankheiten und gewinnt tiefe innere Sammlung (Brahman).

2.80. Vers Varaha Upanishad
indriyāṇāṃ mano nātho manonāthastu mārutaḥ |
mārutasya layo nāthastannāthaṃ layamāśraya || 80 ||

Der Herr der Sinne ist Manas, und der Herr des Manas ist Prana. Laya führt beide zur Ruhe und in ihren gemeinsamen Ursprung zurück.

Wort-für-Wort-Übersetzung: indriyāṇāṃ mano nātho manonāthastu mārutaḥ – Der Herr der Sinne ist Manas, und der Herr des Manas ist Prana; mārutasya layo nāthastannāthaṃ layamāśraya – Laya führt beide zur Ruhe und in ihren gemeinsamen Ursprung zurück.

2.81. Vers Varaha Upanishad
niśceṣṭo nirvikāraśca layo jīvati yoginām |
ucchinnasarvasaṅkalpo niḥśeṣāśeṣaceṣṭitaḥ |
svāvagamyo layaḥ ko'pi manasāṃ vāgagocaraḥ || 81 ||

Laya wird als ein Zustand ohne willentliche Tätigkeit und Veränderung beschrieben. Alle Sankalpas und äußeren Bewegungen kommen zur Ruhe; diese Auflösung des Geistes liegt jenseits der Sprache.

Wort-für-Wort-Übersetzung: niśceṣṭo nirvikāraśca layo jīvati yoginām – Laya wird als ein Zustand ohne willentliche Tätigkeit und Veränderung beschrieben (Jiva); ucchinnasarvasaṅkalpo niḥśeṣāśeṣaceṣṭitaḥ – Alle Sankalpas und äußeren Bewegungen kommen zur Ruhe; svāvagamyo layaḥ ko'pi manasāṃ vāgagocaraḥ – diese Auflösung des Geistes liegt jenseits der Sprache (Manas).

2.82. Vers Varaha Upanishad
puṅkhānupuṅkhaviṣayekṣaṇatatparo'pi
brahmāvalokanadhiyaṃ na jahāti yogī |
saṅgītatālalayavādyavaśaṃ gatāpi
maulisthakumbhaparirakṣaṇadhīrnaṭīva || 82 ||

Wie eine Tänzerin trotz Musik, Rhythmus und Instrumenten ihre Aufmerksamkeit ununterbrochen auf das Gefäß auf ihrem Kopf richtet, so bewahrt der Yogi auch inmitten der Sinneseindrücke die Schau Brahmans.

Wort-für-Wort-Übersetzung: puṅkhānupuṅkhaviṣayekṣaṇatatparo'pi – Wie eine Tänzerin trotz Musik, Rhythmus und; brahmāvalokanadhiyaṃ na jahāti yogī – Instrumenten ihre Aufmerksamkeit ununterbrochen auf das Gefäß; saṅgītatālalayavādyavaśaṃ gatāpi – auf ihrem Kopf richtet, so bewahrt der Yogi; maulisthakumbhaparirakṣaṇadhīrnaṭīva – auch inmitten der Sinneseindrücke die Schau Brahmans.

2.83. Vers Varaha Upanishad
sarvacintāṃ parityajya sāvadhānena cetasā |
nāda evānusandheyo yogasāmrājyamicchatā || 83 ||

Wer die ganze Fülle des Yoga erlangen will, soll alle zerstreuenden Gedanken aufgeben und mit wacher, gesammelter Aufmerksamkeit allein dem inneren Nada folgen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvacintāṃ parityajya sāvadhānena cetasā – Wer die ganze Fülle des Yoga erlangen will, soll alle zerstreuenden Gedanken; nāda evānusandheyo yogasāmrājyamicchatā – aufgeben und mit wacher, gesammelter Aufmerksamkeit allein dem inneren Nada folgen (Yoga).


Drittes Kapitel

3.1. Vers Varaha Upanishad
nahi nānāsvarūpaṃ syādekaṃ vastu kadācana |
tasmādakhaṇḍa evāsmi yanmadanyanna kiñcana || 1 ||

Das Eine Prinzip kann zu keiner Zeit aus mannigfaltigen Formen werden. Da ich die Teillosen bin, gibt es nur mich selbst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nahi nānāsvarūpaṃ syādekaṃ vastu kadācana – Das Eine Prinzip kann zu keiner Zeit aus mannigfaltigen Formen werden; tasmādakhaṇḍa evāsmi yanmadanyanna kiñcana – Da ich die Teillosen bin, gibt es nur mich selbst.

3.2. Vers Varaha Upanishad
dṛśyate śrūyate yadyadbrahmaṇo'nyanna tadbhavet |
nityaśuddha vimuktaikamakhaṇḍānandamadvayam |
satyaṃ jñānamanantaṃ yatparaṃ brahmāhameva tat || 2 ||

Was gesehen und was gehört wird, ist nichts anderes als Brahman. Ich bin jener Para-Brahman, der das Ewige, das Unbefleckte, das Freie, das Eine, die Ungeteilte Seligkeit, das Nicht-Duale, die Wahrheit, die Weisheit und das Unendliche ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dṛśyate śrūyate yadyadbrahmaṇo'nyanna tadbhavet – Was gesehen und was gehört wird, ist nichts anderes als Brahman. Ich (Brahman); nityaśuddha vimuktaikamakhaṇḍānandamadvayam – bin jener Para-Brahman, der das Ewige, das Unbefleckte, das Freie, das Eine, die; satyaṃ jñānamanantaṃ yatparaṃ brahmāhameva tat – Ungeteilte Seligkeit, das Nicht-Duale, die Wahrheit, die Weisheit und das Unendliche ist (Jnana).

3.3. Vers Varaha Upanishad
ānandarūpo'hamakhaṇḍabodhaḥ
parātparo'haṃ ghanacitprakāśaḥ |
meghā yathā vyoma na ca spṛśanti
saṃsāraduḥkhāni na māṃ spṛśanti || 3 ||

Ich bin von der Natur der Seligkeit; ich bin von ungeteilter Weisheit; ich bin der Höchste des Höchsten; ich bin das strahlende absolute Bewußtsein. Wie die Wolken die Akasha nicht berühren, so beeinflussen mich die Elende, die auf die weltliche Existenz hindeuten, nicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ānandarūpo'hamakhaṇḍabodhaḥ – Ich bin von der Natur der Seligkeit; ich bin von ungeteilter Weisheit; parātparo'haṃ ghanacitprakāśaḥ – ich bin der Höchste des Höchsten; meghā yathā vyoma na ca spṛśanti – ich bin das strahlende absolute Bewußtsein; saṃsāraduḥkhāni na māṃ spṛśanti – Wie die Wolken die Akasha nicht berühren, so beeinflussen mich die Elende, die auf die weltliche Existenz hindeuten, nicht.

3.4. Vers Varaha Upanishad
sarvaṃ sukhaṃ viddhi suduḥkhanāśā-
tsarvaṃ ca sadrūpamasatyanāśāt |
cidrūpameva pratibhānayuktaṃ
tasmādakhaṇḍaṃ mama rūpametat || 4 ||

Durch die Vernichtung des Kummers und alles, was von der Natur des Sat (Be-Ness) durch die Vernichtung von Asat (Nicht-Be-Ness) sein soll. Es ist nur die Natur des Chit (Bewusstsein), die mit diesem sichtbaren Universum verbunden ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvaṃ sukhaṃ viddhi suduḥkhanāśā- – Durch die Vernichtung des Kummers und alles, was von; tsarvaṃ ca sadrūpamasatyanāśāt – der Natur des Sat (Be-Ness) durch die Vernichtung von; cidrūpameva pratibhānayuktaṃ – Asat (Nicht-Be-Ness) sein soll. Es ist nur die Natur des; tasmādakhaṇḍaṃ mama rūpametat – Chit (Bewusstsein), die mit diesem sichtbaren Universum verbunden ist.

3.5. Vers Varaha Upanishad
na hi janirmaraṇaṃ gamanāgamau
na ca malaṃ vimalaṃ na ca vedanam |
cinmayaṃ hi sakalaṃ virājate
sphuṭataraṃ paramasya tu yoginaḥ || 5 ||

Zu einem erhabenen Yogi gibt es weder Geburt noch Tod, noch geht es (zu anderen Sphären), noch Rückkehr (zur Erde), es gibt keinen Fleck oder Reinheit oder Wissen, sondern (das Universum) leuchtet ihm als absolutes Bewusstsein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na hi janirmaraṇaṃ gamanāgamau – Zu einem erhabenen Yogi gibt es weder Geburt noch; na ca malaṃ vimalaṃ na ca vedanam – Tod, noch geht es (zu anderen Sphären), noch Rückkehr; cinmayaṃ hi sakalaṃ virājate – (zur Erde), es gibt keinen Fleck oder Reinheit oder; sphuṭataraṃ paramasya tu yoginaḥ – Wissen, sondern (das Universum) leuchtet ihm als absolutes Bewusstsein.

3.6. Vers Varaha Upanishad
satyacidghanamakhaṇḍamadvayaṃ
sarvadṛśyarahitaṃ nirāmayam |
yatpadaṃ vimalamadvayaṃ śivaṃ
tatsadāhamiti maunamāśraya || 6 ||

Nimm beständig Zuflucht zur Stille in der Gewissheit: Ich bin jenes ungeteilte, nichtduale Sein und Bewusstsein, frei von allem Sichtbaren, leidlos und makellos – jener reine, nichtduale Shiva-Zustand.

Wort-für-Wort-Übersetzung: satyacidghanamakhaṇḍamadvayaṃ – Nimm beständig Zuflucht zur Stille in der; sarvadṛśyarahitaṃ nirāmayam – Gewissheit: Ich bin jenes ungeteilte, nichtduale Sein; yatpadaṃ vimalamadvayaṃ śivaṃ – und Bewusstsein, frei von allem Sichtbaren, leidlos (Shiva); tatsadāhamiti maunamāśraya – und makellos – jener reine, nichtduale Shiva-Zustand.

3.7. Vers Varaha Upanishad
janmamṛtyusukhaduḥkhavarjitaṃ
jātinītikulagotradūragam |
cidvivartajagato'sya kāraṇaṃ
tatsadāhamiti maunamāśraya || 7 ||

Es ist nicht Gegenstand von Geburt und Tod, Glück und Elend. Es ist nicht Gegenstand von Kasten, Gesetz, Familie und Gotra (clan). Üben Sie Stille - Ich bin Chit, das ist die Vivarta-Upadana (das heißt, die illusorische Ursache) des Universums.

Wort-für-Wort-Übersetzung: janmamṛtyusukhaduḥkhavarjitaṃ – Es ist nicht Gegenstand von Geburt und Tod, Glück und; jātinītikulagotradūragam – Elend. Es ist nicht Gegenstand von Kasten, Gesetz, Familie und; cidvivartajagato'sya kāraṇaṃ – Gotra (clan). Üben Sie Stille - Ich bin Chit, das; tatsadāhamiti maunamāśraya – ist die Vivarta-Upadana (das heißt, die illusorische Ursache) des Universums.

3.8. Vers Varaha Upanishad
pūrṇamadvayamakhaṇḍacetanaṃ
viśvabhedakalanādivarjitam |
advitīyaparasaṃvidaṃśakaṃ
tatsadāhamiti maunamāśraya || 8 ||

Ich bin (das heißt, du bist) der Brahman, das ist das volle, das zweitlose, das ungeteilte Bewusstsein, das weder die Beziehung noch die Unterschiede im Universum hat und das vom Wesen des Nichtdualen und des Höchsten Sat und Chit teilnimmt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pūrṇamadvayamakhaṇḍacetanaṃ – Ich bin (das heißt, du bist) der Brahman, das ist (Yama); viśvabhedakalanādivarjitam – das volle, das zweitlose, das ungeteilte Bewusstsein, das weder die; advitīyaparasaṃvidaṃśakaṃ – Beziehung noch die Unterschiede im Universum hat und das vom; tatsadāhamiti maunamāśraya – Wesen des Nichtdualen und des Höchsten Sat und Chit teilnimmt.

3.9. Vers Varaha Upanishad
kenāpyabādhitatvena trikāle'pyekarūpataḥ |
vidyamānatvamastyetatsadrūpatvaṃ sadā mama || 9 ||

Was immer ist und was die gleiche Natur während der drei Perioden der Zeit bewahrt, von allem unberührt, ist meine ewige Form des Sat.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kenāpyabādhitatvena trikāle'pyekarūpataḥ – Was immer ist und was die gleiche Natur während der drei Perioden; vidyamānatvamastyetatsadrūpatvaṃ sadā mama – der Zeit bewahrt, von allem unberührt, ist meine ewige Form des Sat.

3.10. Vers Varaha Upanishad
nirupādhikanityaṃ yatsuptau sarvasukhātparam |
sukharūpatvamastyetadānandatvaṃ sadā mama || 10 ||

Selbst der Zustand des Glücks, der ewig ist ohne Upadhis (Fahrzeuge) und der allen von Sushupti abgeleiteten Glücken überlegen ist, ist nur von meiner Seligkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nirupādhikanityaṃ yatsuptau sarvasukhātparam – Selbst der Zustand des Glücks, der ewig ist ohne Upadhis (Fahrzeuge) und; sukharūpatvamastyetadānandatvaṃ sadā mama – der allen von Sushupti abgeleiteten Glücken überlegen ist, ist nur von meiner Seligkeit.

3.11. Vers Varaha Upanishad
dinakarakiraṇairhi śārvaraṃ tamo
nibiḍataraṃ jhaṭiti praṇāśameti |
ghanatarabhavakāraṇaṃ tamo yadd-
haridinakṛtprabhayā na cāntareṇa || 11 ||

Wie durch die Strahlen der Sonne, dickes Dunkel wird bald zerstört, so Dunkelheit, die Ursache der Wiedergeburt wird durch Hari (Vishnu) Viz., der Glanz der Sonne zerstört.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dinakarakiraṇairhi śārvaraṃ tamo – Wie durch die Strahlen der Sonne, dickes; nibiḍataraṃ jhaṭiti praṇāśameti – Dunkel wird bald zerstört, so Dunkelheit, die; ghanatarabhavakāraṇaṃ tamo yadd- – Ursache der Wiedergeburt wird durch Hari; haridinakṛtprabhayā na cāntareṇa – (Vishnu) Viz., der Glanz der Sonne zerstört.

3.12. Vers Varaha Upanishad
mama caraṇasmaraṇena pūjayā ca
svakatamasaḥ parimucyate hi jantuḥ |
na hi maraṇaprabhavapraṇāśahetu-
rmama caraṇasmaraṇādṛte'sti kiñcit || 12 ||

Durch die Kontemplation und Anbetung meiner (Haris) Füße wird jeder Mensch aus seiner Unwissenheit befreit. Das Mittel, Tod und Geburten zu zerstören, ist nur durch die Kontemplation meiner Füße.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mama caraṇasmaraṇena pūjayā ca – Durch die Kontemplation und Anbetung meiner (Haris); svakatamasaḥ parimucyate hi jantuḥ – Füße wird jeder Mensch aus seiner Unwissenheit (Tamas); na hi maraṇaprabhavapraṇāśahetu- – befreit. Das Mittel, Tod und Geburten zu zerstören; rmama caraṇasmaraṇādṛte'sti kiñcit – ist nur durch die Kontemplation meiner Füße.

3.13. Vers Varaha Upanishad
ādareṇa yathā stauti dhanavantaṃ dhanecchayā |
tathā cedviśvakartāraṃ ko na mucyeta bandhanāt || 13 ||

Wie ein Liebhaber des Reichtums einen wohlhabenden Mann preist, wenn also jemand mit Ernst die Ursache des Universums preist, wer wird nicht aus der Knechtschaft befreit werden?

Wort-für-Wort-Übersetzung: ādareṇa yathā stauti dhanavantaṃ dhanecchayā – Wie ein Liebhaber des Reichtums einen wohlhabenden Mann preist, wenn also jemand mit Ernst; tathā cedviśvakartāraṃ ko na mucyeta bandhanāt – die Ursache des Universums preist, wer wird nicht aus der Knechtschaft befreit werden? (Bandha).

3.14. Vers Varaha Upanishad
ādityasannidhau lokaśceṣṭate svayameva tu |
tathā matsannidhāveva samastaṃ ceṣṭate jagat || 14 ||

Wie in der Gegenwart der Sonne beginnt die Welt ihres eigenen Einverständnisses, ihre Handlungen auszuführen, so sind in meiner Gegenwart alle Welten zum Handeln animiert.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ādityasannidhau lokaśceṣṭate svayameva tu – Wie in der Gegenwart der Sonne beginnt die Welt ihres eigenen Einverständnisses; tathā matsannidhāveva samastaṃ ceṣṭate jagat – ihre Handlungen auszuführen, so sind in meiner Gegenwart alle Welten zum Handeln animiert.

3.15. Vers Varaha Upanishad
śuktikāyā yathā tāraṃ kalpitaṃ māyayā tathā |
mahadādi jaganmāyāmayaṃ mayyeva kevalam || 15 ||

Was die Perlmutt betrifft, so wird die illusorische Auffassung von Silber fälschlicherweise zugeschrieben, so daß mir durch Maya fälschlicherweise dieses Universum zugeschrieben wird, das aus Mahat besteht, usw.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śuktikāyā yathā tāraṃ kalpitaṃ māyayā tathā – Was die Perlmutt betrifft, so wird die illusorische Auffassung von Silber fälschlicherweise zugeschrieben, so; mahadādi jaganmāyāmayaṃ mayyeva kevalam – daß mir durch Maya fälschlicherweise dieses Universum zugeschrieben wird, das aus Mahat besteht, usw.

3.16. Vers Varaha Upanishad
caṇḍāladehe paśvādisthāvare brahmavigrahe |
anyeṣu tāratamyena sthiteṣu na tathā hyaham || 16 ||

Ich bin nicht mit jenen Unterschieden, die im Körper der niedrigen Kastemänner, des Körpers der Kuh usw., des festen, des Körpers der Brahmanas und anderer (beobachtbar) sind.

Wort-für-Wort-Übersetzung: caṇḍāladehe paśvādisthāvare brahmavigrahe – Ich bin nicht mit jenen Unterschieden, die im Körper der niedrigen Kastemänner, des Körpers (Brahman); anyeṣu tāratamyena sthiteṣu na tathā hyaham – der Kuh usw., des festen, des Körpers der Brahmanas und anderer (beobachtbar) sind.

3.17. Vers Varaha Upanishad
vinaṣṭadigbhramasyāpi yathāpūrvaṃ vibhāti dik |
tathā vijñānavidhvastaṃ jaganme bhāti tanna hi || 17 ||

Was eine Person betrifft, selbst nachdem sie von der falschen Vorstellung der Richtungen entlastet wurde, so geht die (gleiche Auffassung von) Richtung weiter (wie zuvor), so ist mir das Universum, obwohl es von Vijnana zerstört wurde.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vinaṣṭadigbhramasyāpi yathāpūrvaṃ vibhāti dik – Was eine Person betrifft, selbst nachdem sie von der falschen Vorstellung der Richtungen entlastet wurde, so geht die; tathā vijñānavidhvastaṃ jaganme bhāti tanna hi – (gleiche Auffassung von) Richtung weiter (wie zuvor), so ist mir das Universum, obwohl es von Vijnana zerstört wurde (Jnana).

3.18. Vers Varaha Upanishad
na deho nendriyaprāṇo na manobuddhyahaṃkṛti |
na cittaṃ naiva māyā ca na ca vyomādikaṃ jagat || 18 ||

Ich bin weder der Körper noch die Organe von Sinn und Handlung, noch Pranas, noch Manas, noch Buddhi, noch Ahankara, noch Chitta, noch Maya, noch das Universum einschließlich Akasha und andere.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na deho nendriyaprāṇo na manobuddhyahaṃkṛti – Ich bin weder der Körper noch die Organe von Sinn und Handlung, noch Pranas, noch Manas; na cittaṃ naiva māyā ca na ca vyomādikaṃ jagat – noch Buddhi, noch Ahankara, noch Chitta, noch Maya, noch das Universum einschließlich Akasha und andere (Chitta).

3.19. Vers Varaha Upanishad
na kartā naiva bhoktā ca na ca bhojayitā tathā |
kevalaṃ citsadānandabrahmaivāhaṃ janārdanaḥ || 19 ||

Ich bin weder der Schauspieler, der Genießer, noch der, der den Genuss verursacht. Ich bin Brahman, das ist Chit, Sat und Ananda allein und das ist Janardana (Vishnu).

Wort-für-Wort-Übersetzung: na kartā naiva bhoktā ca na ca bhojayitā tathā – Ich bin weder der Schauspieler, der Genießer, noch der, der den Genuss verursacht; kevalaṃ citsadānandabrahmaivāhaṃ janārdanaḥ – Ich bin Brahman, das ist Chit, Sat und Ananda allein und das ist Janardana (Vishnu) (Brahman).

3.20. Vers Varaha Upanishad
jalasya calanādeva cañcalatvaṃ yathā raveḥ |
tathāhaṅkārasambadhādeva saṃsāra ātmanaḥ || 20 ||

Als durch die Fluktuation des Wassers die Sonne (darin reflektiert) bewegt wird, so entsteht Atman in dieser weltlichen Existenz durch seine bloße Verbindung mit Ahankara.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jalasya calanādeva cañcalatvaṃ yathā raveḥ – Als durch die Fluktuation des Wassers die Sonne (darin reflektiert) bewegt wird; tathāhaṅkārasambadhādeva saṃsāra ātmanaḥ – so entsteht Atman in dieser weltlichen Existenz durch seine bloße Verbindung mit Ahankara (Atman).

3.21. Vers Varaha Upanishad
cittamūlaṃ hi saṃsārastatprayatnena śodhayet |
hanta cittamahattāyāṃ kaiṣā viśvāsatā tava || 21 ||

Diese weltliche Existenz hat Chitta als Wurzel. Diese (Chitta) sollte durch wiederholte Anstrengung gereinigt werden. Wie ist es, dass Sie Ihr Vertrauen in die Größe von Chitta haben?

Wort-für-Wort-Übersetzung: cittamūlaṃ hi saṃsārastatprayatnena śodhayet – Diese weltliche Existenz hat Chitta als Wurzel. Diese (Chitta) sollte durch wiederholte Anstrengung gereinigt werden (Chitta); hanta cittamahattāyāṃ kaiṣā viśvāsatā tava – Wie ist es, dass Sie Ihr Vertrauen in die Größe von Chitta haben? (Chitta).

3.22. Vers Varaha Upanishad
kva dhanāni mahīpānāṃ brahmaṇaḥ kva jaganti vā |
prāktanāni prayātāni gatāḥ sargaparamparaḥ |
koṭayo brahmaṇāṃ yātā bhūpā naṣṭāḥ parāgavat || 22 ||

Ach, wo ist der ganze Reichtum der Könige! Wo sind die Brahmanas? Wo sind alle Welten? Alle alten sind weg.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kva dhanāni mahīpānāṃ brahmaṇaḥ kva jaganti vā – Ach, wo ist der ganze Reichtum der Könige! Wo sind die Brahmanas? (Brahman); prāktanāni prayātāni gatāḥ sargaparamparaḥ – Wo sind alle Welten?; koṭayo brahmaṇāṃ yātā bhūpā naṣṭāḥ parāgavat – Alle alten sind weg (Brahman).

3.23. Vers Varaha Upanishad
sa cādhyātmābhimāno'pi viduṣo'yāsuratvataḥ |
viduṣo'pyāsuraścetsyānniṣphalaṃ tattvadarśanam || 23 ||

Viele Crores of Brahmas sind gestorben. Viele Könige haben wie Staubpartikel weggeschleudert. Selbst zu einem Jnani kann die Liebe des Körpers durch die Asura (demoniakalische) Natur entstehen. Wenn die Asura Natur in einem weisen Menschen entstehen sollte, wird sein Wissen über die Wahrheit fruchtlos.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sa cādhyātmābhimāno'pi viduṣo'yāsuratvataḥ – Viele Crores of Brahmas sind gestorben. Viele Könige haben wie Staubpartikel weggeschleudert; viduṣo'pyāsuraścetsyānniṣphalaṃ tattvadarśanam – Selbst zu einem Jnani kann die Liebe des Körpers durch die Asura (demoniakalische) Natur entstehen. Wenn die Asura Natur in einem weisen Menschen entstehen sollte, wird sein Wissen über die Wahrheit fruchtlos (Tattva).

3.24. Vers Varaha Upanishad
utpādyamānā rāgādyā vivekajñānavahninā |
yadā tadaiva dahyante kutasteṣāṃ prarohaṇam || 24 ||

Sollte Rajas und andere in uns erzeugt durch das Feuer der diskriminativen (göttlichen) Weisheit verbrannt werden, wie können sie wieder keimen?

Wort-für-Wort-Übersetzung: utpādyamānā rāgādyā vivekajñānavahninā – Sollte Rajas und andere in uns erzeugt durch das Feuer (Jnana); yadā tadaiva dahyante kutasteṣāṃ prarohaṇam – der diskriminativen (göttlichen) Weisheit verbrannt werden, wie können sie wieder keimen?.

3.25. Vers Varaha Upanishad
yathā sunipuṇaḥ samyak paradoṣekṣaṇe rataḥ |
tathā cennipuṇaḥ sveṣu ko na mucyeta bandhanāt || 25 ||

So wie ein sehr intelligenter Mensch sich an den Mängeln eines anderen erfreut, so wenn man seine eigenen Fehler herausfindet (und sie korrigiert), wer wird nicht von der Knechtschaft befreit werden?

Wort-für-Wort-Übersetzung: yathā sunipuṇaḥ samyak paradoṣekṣaṇe rataḥ – So wie ein sehr intelligenter Mensch sich an den Mängeln eines anderen erfreut, so wenn man; tathā cennipuṇaḥ sveṣu ko na mucyeta bandhanāt – seine eigenen Fehler herausfindet (und sie korrigiert), wer wird nicht von der Knechtschaft befreit werden? (Bandha).

3.26. Vers Varaha Upanishad
anātmavidamukto'pi siddhijālāni vāñchati |
dravyamantrakriyākālayuktyāpnoti munīśvara || 26 ||

O Herr von Munis, nur wer nicht Atman-Jnana hat und kein befreiter Mensch ist, sehnt sich nach Siddhis. Solche Siddhis erreicht er durch Medizin, (Reichtum), Mantras, religiöse Werke, Zeit und Geschick.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anātmavidamukto'pi siddhijālāni vāñchati – O Herr von Munis, nur wer nicht Atman-Jnana hat und kein befreiter Mensch ist, sehnt sich nach Siddhis (Atman); dravyamantrakriyākālayuktyāpnoti munīśvara – Solche Siddhis erreicht er durch Medizin, (Reichtum), Mantras, religiöse Werke, Zeit und Geschick (Yama).

3.27. Vers Varaha Upanishad
nātmajñasyaiṣa viṣaya ātmajño hyātmamātradṛk |
ātmanātmani santṛpto nāvidyāmanudhāvati || 27 ||

In den Augen eines Atman-Jnani sind diese Siddhis von keiner Bedeutung. Einer, der ein Atman-Jnani geworden ist, einer, der nur Atman sieht, und einer, der mit Atman (dem höheren Selbst) durch (sein) Atman (dem niederen Selbst) zufrieden ist, folgt niemals (dem Diktat) Avidya.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nātmajñasyaiṣa viṣaya ātmajño hyātmamātradṛk – In den Augen eines Atman-Jnani sind diese Siddhis von keiner Bedeutung (Atman); ātmanātmani santṛpto nāvidyāmanudhāvati – Einer, der ein Atman-Jnani geworden ist, einer, der nur Atman sieht, und einer, der mit Atman (dem höheren Selbst) durch (sein) Atman (dem niederen Selbst) zufrieden ist, folgt niemals (dem Diktat) Avidya (Atman).

3.28. Vers Varaha Upanishad
ye kecana jagadbhāvāstānavidyāmayānviduḥ |
kathaṃ teṣu kilātmajñastyaktāvidyo nimajjati || 28 ||

Was auch immer in dieser Welt existiert, er weiß, von der Natur von Avidya zu sein. Wie dann wird ein Atman-Jnani, der Avidya aufgegeben hat, in sie eingetaucht (davon betroffen) werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ye kecana jagadbhāvāstānavidyāmayānviduḥ – Was auch immer in dieser Welt existiert, er weiß, von der Natur von Avidya zu sein; kathaṃ teṣu kilātmajñastyaktāvidyo nimajjati – Wie dann wird ein Atman-Jnani, der Avidya aufgegeben hat, in sie eingetaucht (davon betroffen) werden (Atman).

3.29. Vers Varaha Upanishad
dravyamantrakriyākālayuktayaḥ sādhusiddhidāḥ |
paramātmapadaprāptau nopakurvanti kāścana || 29 ||

Führen zwar Medizin, Mantras, religiöse Arbeit, Zeit und Geschicklichkeit (mystische Ausdrücke) zur Entwicklung von Siddhis, aber sie können in keiner Weise helfen, den Sitz von Paramatman zu erreichen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dravyamantrakriyākālayuktayaḥ sādhusiddhidāḥ – Führen zwar Medizin, Mantras, religiöse Arbeit, Zeit und Geschicklichkeit (mystische Ausdrücke) zur Entwicklung von (Yama); paramātmapadaprāptau nopakurvanti kāścana – Siddhis, aber sie können in keiner Weise helfen, den Sitz von Paramatman zu erreichen (Atman).

3.30. Vers Varaha Upanishad
sarvecchākalanāśāntāvātmalābhodayābhidhaḥ |
sa punaḥ siddhivāñchāyāṃ kathamarhatyacittataḥ || 30 ||

Wie kann dann jemand, der ein Atman-Jnani ist und der ohne Verstand ist, lange nach Siddhis gesagt werden, während alle Handlungen seiner Begierden kontrolliert werden?"

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvecchākalanāśāntāvātmalābhodayābhidhaḥ – Wie kann dann jemand, der ein Atman-Jnani ist und der ohne Verstand (Atman); sa punaḥ siddhivāñchāyāṃ kathamarhatyacittataḥ – ist, lange nach Siddhis gesagt werden, während alle Handlungen seiner Begierden kontrolliert werden?" (Chitta).


Viertes Kapitel

Einleitung: Viertes Kapitel atha ha ṛbhuṃ bhagavantaṃ nidāghaḥ papraccha jīvanmuktilakṣaṇamanubrūhīti |
tatheti sa hovāca | saptabhūmiṣu jīvanmuktāścatvāraḥ |
śubhecchā prathamā bhūmikā bhavati | vicāraṇā dvitīyā | tanumānasī tṛtīyā |
sattvāpattisturīyā | asaṃsaktiḥ pañcamī | padārthabhāvanā ṣaṣṭhī | turīyagā saptamī |
praṇavātmikā bhūmikā akārokāramakārārdhamātrātmikā | sthūlasūkṣmabījasākṣibhedenākārādayaścaturvidhāḥ |
tadavasthā jāgratsvapnasuṣuptiturīyāḥ |
akārasthūlāṃśe jāgradviśvaḥ |
sūkṣmāṃśe tattaijasaḥ | bījāṃśe tatprājñaḥ | sākṣyaṃśe tatturīyaḥ |
ukārasthūlāṃśe svapnaviśvaḥ |
sūkṣmāṃśe tattaijasaḥ | bījāṃśe tatprājñaḥ | sākṣyaṃśe tatturīyaḥ |
makārasthūlāṃśe suṣuptaviśvaḥ |
sūkṣmāṃśe tattaijasaḥ | bījāṃśe tatprājñaḥ | sākṣyaṃśe tatturīyaḥ |
ardhamātrāsthūlāṃśe turīyaviśvaḥ |
sūkṣmāṃśe tattaijasaḥ | bījāṃśe tatprājñaḥ | sākṣyaṃśe turīyaturīyaḥ |
akāraturīyāṃśāḥ prathamadvitīyatṛtīyabhūmikāḥ |
ukāraturīyāṃśā caturthī bhūmikā |
makāraturīyāṃśā pañcamī |
ardhamātrāturīyāṃśā ṣaṣṭhī |
tadatītā saptamī |
bhūmitrayeṣu viharanmumukṣurbhavati |
turīyabhūmyāṃ viharanbrahmavidbhavati |
pañcamabhūmyāṃ viharanbrahmavidvaro bhavati |
ṣaṣṭhabhūmyāṃ viharanbrahmavidvarīyānbhavati |
saptamabhūmyāṃ viharanbrahmavidvariṣṭho bhavati |
tatraite ślokā bhavanti |

) Nidagha bat Lord Ribhu, ihn über die Eigenschaften von Jivanmukti aufzuklären. Ribhu antwortete in der Bestätigung und sagte folgendes: "In den sieben Bhumikas (oder Stadien der Entwicklung der Weisheit) gibt es vier Arten von Jivanmuktas. ; von diesen ist die erste Stufe Subhechcha (gutes Verlangen); die zweite ist Vicharana (Anfrage); die dritte ist Tanumanasi (oder in Bezug auf den verdünnten Geist); die vierte ist Sattvapatti (das Erreichen von Sattva); die fünfte ist Asamsakti (Nicht-Anhaftung); der sechste ist der Padartha-Bhavana (die Analyse der Objekte) und der siebte ist der Turya (die vierte oder letzte Stufe).Die Bhumika, die von der Form von Pranava (Om) ist, wird von (oder in) Akara gebildet - 'A', Ukara - 'U', Makara - 'M' und Ardha-Matra. Akara und andere sind von vier Arten wegen der Differenz von Sthula (gross) Sukshma (subtil), Bija (Same oder kausal) und Sakshi (Zeuge). Ihre Avasthas sind vier: wachen, träumen, traumlos schlafen und Turya (vierte). ) in der großen Amsa (Essenz oder Teil) von Akara wird Vishva genannt; in der subtilen Essenz wird er Taijasa genannt; in der Bija Essenz wird er Prajna genannt; und in der Sakshi Essenz wird er Turya genannt. ) in der groben Essenz von Ukara ist Vishva; in der subtilen Essenz wird er Taijasa genannt; in der Bija Essenz wird Prajna genannt; und in der Sakshi Essenz wird er Turya genannt. ) Wer im sushupti Zustand in der groben Essenz von Makara ist, wird Vishva genannt; in der subtilen Essenz, Taijasa; in der Bija Essenz wird er Prajna genannt; und in der Sakshi Essenz wird er Turya genannt. Er, der im Turya Zustand in der groben Essenz von Ardha-Matra ist, wird Turya-Vishva genannt. ) wird er als "Taijasa" bezeichnet; in der Bija-Essenz wird er als Prajna bezeichnet; und in der Sakshi-Essenz wird er als Turya-Turya bezeichnet. Die Turya-Essenz von Akara ist (oder umarmt) die erste, zweite und dritte (Bhumikas oder Stadien der sieben). Die Turya Essenz von Ukara umfasst die vierte Bhumika. Die Turya Essenz von Makara umfasst die fünfte Bhumika. Die Turya Essenz von Ardha-Matra ist die sechste Stufe. Darüber hinaus ist die siebte Stufe. Einer, der in den (ersten) drei Bhumikas funktioniert, wird Mumukshu genannt; , der im vierten Bhumika arbeitet, wird Brahmavit genannt; einer, der im fünften Bhumika arbeitet, wird Brahmavidvara genannt; einer, der im sechsten Bhumika arbeitet, wird Brahmavidvariya genannt; und einer im siebten Bhumika wird Brahmavidvarishtha genannt. In Bezug darauf gibt es Slokas. Sie sind:

4.1. Vers Varaha Upanishad
jñānabhūmiḥ śubhecchā syātprathamā samudīritā |
vicāraṇā dvitīyā tu tṛtīyā tanumānasā || 1 ||

Shubhechha, der heilsame Wunsch nach Erkenntnis, gilt als erste Erkenntnisstufe; Vicharana, das gründliche Erforschen, als zweite und Tanumanasi, das Dünnwerden des Geistes, als dritte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jñānabhūmiḥ śubhecchā syātprathamā samudīritā – Shubhechha, der heilsame Wunsch nach Erkenntnis, gilt als erste Erkenntnisstufe (Jnana); vicāraṇā dvitīyā tu tṛtīyā tanumānasā – Vicharana, das gründliche Erforschen, als zweite und Tanumanasi, das Dünnwerden des Geistes, als dritte.

4.2. Vers Varaha Upanishad
sattvāpattiścaturthī syāttato'saṃsaktināmikā |
padārthabhāvanā ṣaṣṭhī saptamī turyagā smṛtā || 2 ||

Sattvapatti ist die vierte Stufe, Asamsakti die fünfte, Padartha Bhavana die sechste und Turiyaga die siebte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sattvāpattiścaturthī syāttato'saṃsaktināmikā – Sattvapatti ist die vierte Stufe, Asamsakti die fünfte; padārthabhāvanā ṣaṣṭhī saptamī turyagā smṛtā – Padartha Bhavana die sechste und Turiyaga die siebte.

4.3. Vers Varaha Upanishad
sthitaḥ kiṃ mūḍha evāsmi prekṣyo'haṃ śāstrasajjanaiḥ |
vairāgyapūrṇamiccheti śubhecchetyucyate budhaiḥ || 3 ||

Der aufrichtige Wunsch: Warum bleibe ich in Unwissenheit? Möge ich durch Schriften und weise Menschen zur Klarheit gelangen und vollkommene Loslösung entwickeln, wird Shubhechha genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sthitaḥ kiṃ mūḍha evāsmi prekṣyo'haṃ śāstrasajjanaiḥ – Der aufrichtige Wunsch: Warum bleibe ich in Unwissenheit?; vairāgyapūrṇamiccheti śubhecchetyucyate budhaiḥ – Möge ich durch Schriften und weise Menschen zur Klarheit gelangen und vollkommene Loslösung entwickeln, wird Shubhechha genannt (Vairagya).

4.4. Vers Varaha Upanishad
śāstrasajjanasamparkavairāgyābhyāsapūrvakam |
sadācārapravṛttiryā procyate sā vicāraṇā || 4 ||

Eine durch Schriftstudium, Gemeinschaft mit Weisen, Loslösung und Übung getragene Hinwendung zu einem wahrhaftigen Leben heißt Vicharana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śāstrasajjanasamparkavairāgyābhyāsapūrvakam – Eine durch Schriftstudium, Gemeinschaft mit Weisen, Loslösung und (Vairagya); sadācārapravṛttiryā procyate sā vicāraṇā – Übung getragene Hinwendung zu einem wahrhaftigen Leben heißt Vicharana.

4.5. Vers Varaha Upanishad
vicāraṇāśubhecchābhyāmindriyārtheṣu raktatā |
yatra sā tanutāmeti procyate tanumānasī || 5 ||

Wenn durch Shubhechha und Vicharana die Anziehungskraft der Sinnesobjekte immer schwächer wird, nennt man dies Tanumanasi.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vicāraṇāśubhecchābhyāmindriyārtheṣu raktatā – Wenn durch Shubhechha und Vicharana die Anziehungskraft der; yatra sā tanutāmeti procyate tanumānasī – Sinnesobjekte immer schwächer wird, nennt man dies Tanumanasi.

4.6. Vers Varaha Upanishad
bhūmikātritayābhyāsācitte'rthaviratervaśāt |
satvātmani sthite śuddhe sattvāpattirudāhṛtā || 6 ||

Wenn durch die Übung der ersten drei Stufen das Interesse an den Objekten erlischt und der reine Geist im Sattva des Selbst ruht, heißt dies Sattvapatti.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhūmikātritayābhyāsācitte'rthaviratervaśāt – Wenn durch die Übung der ersten drei Stufen das Interesse an den Objekten; satvātmani sthite śuddhe sattvāpattirudāhṛtā – erlischt und der reine Geist im Sattva des Selbst ruht, heißt dies Sattvapatti (Atman).

4.7. Vers Varaha Upanishad
daśācatuṣṭayābhyāsādasaṃsargaphalā tu yā |
rūḍhasattvacamatkārā proktā saṃsaktināmikā || 7 ||

Aus der Festigung der vierten Stufe entsteht ein Zustand tiefer Nichtanhaftung. Diese wunderbare Reife des geläuterten Sattva heißt Asamsakti.

Wort-für-Wort-Übersetzung: daśācatuṣṭayābhyāsādasaṃsargaphalā tu yā – Aus der Festigung der vierten Stufe entsteht ein Zustand tiefer Nichtanhaftung; rūḍhasattvacamatkārā proktā saṃsaktināmikā – Diese wunderbare Reife des geläuterten Sattva heißt Asamsakti (Sattva).

4.8. Vers Varaha Upanishad
bhūmikāpañcakābhyāsātsvātmārāmatayā bhṛśam |
ābhyantarāṇāṃ bāhyānāṃ padārthānāmabhāvanāt || 8 ||

Durch die Festigung der fünf Stufen ruht der Übende tief im eigenen Selbst und richtet keine Vorstellung mehr auf innere oder äußere Gegenstände.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhūmikāpañcakābhyāsātsvātmārāmatayā bhṛśam – Durch die Festigung der fünf Stufen ruht der Übende tief im eigenen; ābhyantarāṇāṃ bāhyānāṃ padārthānāmabhāvanāt – Selbst und richtet keine Vorstellung mehr auf innere oder äußere Gegenstände.

4.9. Vers Varaha Upanishad
paraprayuktena ciraṃ pratyayenāvabodhanam |
padārthabhāvanānāma ṣaṣṭhī bhavati bhūmikā || 9 ||

Er nimmt sie nur noch wahr, wenn andere ihn längere Zeit darauf aufmerksam machen. Diese sechste Stufe heißt Padartha Bhavana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: paraprayuktena ciraṃ pratyayenāvabodhanam – Er nimmt sie nur noch wahr, wenn andere ihn längere Zeit darauf aufmerksam machen; padārthabhāvanānāma ṣaṣṭhī bhavati bhūmikā – Diese sechste Stufe heißt Padartha Bhavana.

4.10. Vers Varaha Upanishad
ṣaḍbhūmikācirābhyāsadbhedasyānupalambhanāt |
yatsvabhāvaikaniṣṭhatvaṃ sā jñeyā turyagā gatiḥ || 10 ||

Wenn durch lange Übung der sechs Stufen keine Verschiedenheit mehr wahrgenommen wird und der Mensch ausschließlich in seinem wahren Wesen ruht, ist die siebte Stufe, Turiyaga, erreicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṣaḍbhūmikācirābhyāsadbhedasyānupalambhanāt – Wenn durch lange Übung der sechs Stufen keine Verschiedenheit mehr wahrgenommen wird und der; yatsvabhāvaikaniṣṭhatvaṃ sā jñeyā turyagā gatiḥ – Mensch ausschließlich in seinem wahren Wesen ruht, ist die siebte Stufe, Turiyaga, erreicht.

4.11. Vers Varaha Upanishad
śubhecchāditrayaṃ bhūmibhedābhedayutaṃ smṛtam |
yathāvadveda buddhyedaṃ jagajjāgrati dṛśyate || 11 ||

Die drei Stufen, die mit Subhechcha beginnen, sollen mit (inmitten von) Unterschieden und Nicht-Differenzen erreicht werden. (Weil) das Universum, das man im Wachzustand sieht, den er für wirklich existent hält.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śubhecchāditrayaṃ bhūmibhedābhedayutaṃ smṛtam – Die drei Stufen, die mit Subhechcha beginnen, sollen mit (inmitten von) Unterschieden und Nicht-Differenzen erreicht werden; yathāvadveda buddhyedaṃ jagajjāgrati dṛśyate – (Weil) das Universum, das man im Wachzustand sieht, den er für wirklich existent hält.

4.12. Vers Varaha Upanishad
advaite sthairyamāyāte dvaite ca praśamaṃ gate |
paśyanti svapnavallokaṃ turyabhūmi suyogataḥ || 12 ||

Wenn der Geist fest auf den Nichtdualen fixiert ist und die Konzeption der Dualität niedergelegt wird, dann sieht er dieses Universum als einen Traum durch seine Vereinigung mit der vierten Stufe.

Wort-für-Wort-Übersetzung: advaite sthairyamāyāte dvaite ca praśamaṃ gate – Wenn der Geist fest auf den Nichtdualen fixiert ist und die Konzeption der Dualität niedergelegt wird; paśyanti svapnavallokaṃ turyabhūmi suyogataḥ – dann sieht er dieses Universum als einen Traum durch seine Vereinigung mit der vierten Stufe (Yoga).

4.13. Vers Varaha Upanishad
vicchinnaśaradabhrāṃśavilayaṃ pravilīyate |
satvāvaśeṣa evāste hi nidāgha dṛḍhīkuru || 13 ||

Als die Herbstwolke, die zerstreut wird, verschwindet, so dass dieses Universum zugrunde geht. O Nidagha, seien Sie überzeugt, dass eine solche Person nur Sattva übrig hat.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vicchinnaśaradabhrāṃśavilayaṃ pravilīyate – Als die Herbstwolke, die zerstreut wird, verschwindet, so dass dieses Universum zugrunde geht; satvāvaśeṣa evāste hi nidāgha dṛḍhīkuru – O Nidagha, seien Sie überzeugt, dass eine solche Person nur Sattva übrig hat.

4.14. Vers Varaha Upanishad
pañcabhūmiṃ samāruhya suṣuptipadanāmikām |
śāntāśeṣaviśeṣāṃśastiṣṭhatyadvaitamātrake || 14 ||

Bleibt er einfach im nicht-dualen Zustand und wird von allen Unterschieden befreit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañcabhūmiṃ samāruhya suṣuptipadanāmikām – Bleibt er einfach im nicht-dualen Zustand; śāntāśeṣaviśeṣāṃśastiṣṭhatyadvaitamātrake – und wird von allen Unterschieden befreit.

4.15. Vers Varaha Upanishad
antarmukhatayā nityaṃ bahirvṛttiparo'pi san |
pariśrāntatayā nityaṃ nidrāluriva lakṣyate || 15 ||

Die in die Praxis dieses (sechsten Stadiums) einbezogen sind, werden als jemand gesehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: antarmukhatayā nityaṃ bahirvṛttiparo'pi san – Die in die Praxis dieses (sechsten; pariśrāntatayā nityaṃ nidrāluriva lakṣyate – Stadiums) einbezogen sind, werden als jemand gesehen.

4.16. Vers Varaha Upanishad
kurvannabhyāsametasyāṃ bhūmyāṃ samyagvivāsanaḥ |
saptamī gāḍhasuptākhyā kramaprāptā purātanī || 16 ||

Der beim Ermüden schläft (v.a., von allen Affinitäten befreit). die siebte Stufe, die die alte ist und die Gudhasupti genannt wird, wird im Allgemeinen erreicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kurvannabhyāsametasyāṃ bhūmyāṃ samyagvivāsanaḥ – Der beim Ermüden schläft (v.a., von allen Affinitäten befreit) (Asana); saptamī gāḍhasuptākhyā kramaprāptā purātanī – die siebte Stufe, die die alte ist und die Gudhasupti genannt wird, wird im Allgemeinen erreicht.

4.17. Vers Varaha Upanishad
yatra nāsanna sadrūpo nāhaṃ nāpyanahaṃkṛtiḥ |
kevalaṃ kṣīṇamanana āste'dvaite'tinirbhayaḥ || 17 ||

Dann bleibt man in diesem zweitlosen Zustand ohne Angst und mit seinem Bewusstsein fast vernichtet, wo es weder Sat noch Asat, weder Selbst noch Nicht-Selbst gibt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yatra nāsanna sadrūpo nāhaṃ nāpyanahaṃkṛtiḥ – Dann bleibt man in diesem zweitlosen Zustand ohne Angst und mit seinem Bewusstsein; kevalaṃ kṣīṇamanana āste'dvaite'tinirbhayaḥ – fast vernichtet, wo es weder Sat noch Asat, weder Selbst noch Nicht-Selbst gibt.

4.18. Vers Varaha Upanishad
antaḥśūnyo bahiḥśūnyaḥ śūnyakumbha ivāmbare |
antaḥpūrṇo bahiḥpūrṇaḥ pūrṇakumbha ivārṇave || 18 ||

Wie ein leerer Topf in der Akasha, es ist leer, sowohl innen als auch außen; wie ein gefülltes Gefäß inmitten eines Ozeans, ist er sowohl innen als auch außen voll.

Wort-für-Wort-Übersetzung: antaḥśūnyo bahiḥśūnyaḥ śūnyakumbha ivāmbare – Wie ein leerer Topf in der Akasha, es ist leer, sowohl innen als auch außen; antaḥpūrṇo bahiḥpūrṇaḥ pūrṇakumbha ivārṇave – wie ein gefülltes Gefäß inmitten eines Ozeans, ist er sowohl innen als auch außen voll.

4.19. Vers Varaha Upanishad
mā bhava grāhyabhāvātmā grāhakātmā ca mā bhava |
bhāvanāmakhilāṃ tyaktvā yacchiṣṭaṃ tanmayo bhava || 19 ||

Werdet weder der Kenner noch der Bekannte. Möget ihr die Wirklichkeit werden, die bleibt, nachdem alle Gedanken aufgegeben werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mā bhava grāhyabhāvātmā grāhakātmā ca mā bhava – Werdet weder der Kenner noch der Bekannte; bhāvanāmakhilāṃ tyaktvā yacchiṣṭaṃ tanmayo bhava – Möget ihr die Wirklichkeit werden, die bleibt, nachdem alle Gedanken aufgegeben werden.

4.20. Vers Varaha Upanishad
drṣṭṛdarśanadṛśyāni tyaktvā vāsanayā saha |
darśanaprathamābhāsamātmānaṃ kevalaṃ bhaja || 20 ||

Den Seher, den Anblick und das Gesehene mit ihren Affinitäten verworfen zu haben, meditiert nur über Atman, das als das höchste Licht scheint.

Wort-für-Wort-Übersetzung: drṣṭṛdarśanadṛśyāni tyaktvā vāsanayā saha – Den Seher, den Anblick und das Gesehene mit ihren Affinitäten verworfen zu (Asana); darśanaprathamābhāsamātmānaṃ kevalaṃ bhaja – haben, meditiert nur über Atman, das als das höchste Licht scheint.

4.21. Vers Varaha Upanishad
yathāsthitamidaṃ yasya vyavahārayato'pi ca |
astaṅgataṃ sthitaṃ vyoma sa jīvanmukta ucyate || 21 ||

Wer mitten im Weltgeschehen lebt, während für seinen raumgleichen Geist kein getrenntes Universum mehr besteht, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yathāsthitamidaṃ yasya vyavahārayato'pi ca – Wer mitten im Weltgeschehen lebt, während für seinen raumgleichen; astaṅgataṃ sthitaṃ vyoma sa jīvanmukta ucyate – Geist kein getrenntes Universum mehr besteht, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.22. Vers Varaha Upanishad
nodeti nāstamāyāti sukhe duḥkhe manaḥprabhā |
yathāprāptasthitiryasya sa jīvanmukta ucyate || 22 ||

Wessen inneres Licht weder durch Glück aufsteigt noch durch Leid untergeht und wer das Kommende nicht eigens festhalten oder abwehren will, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nodeti nāstamāyāti sukhe duḥkhe manaḥprabhā – Wessen inneres Licht weder durch Glück aufsteigt noch durch Leid untergeht und; yathāprāptasthitiryasya sa jīvanmukta ucyate – wer das Kommende nicht eigens festhalten oder abwehren will, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.23. Vers Varaha Upanishad
yo jāgarti suṣuptistho yasya jāgranna vidyate |
yasya nirvāsano bodhaḥ sa jīvanmukta ucyate || 23 ||

Wer im Tiefschlaf innerlich wach bleibt, den gewöhnlichen Wachzustand überschritten hat und dessen Erkenntnis frei von Vasanas ist, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yo jāgarti suṣuptistho yasya jāgranna vidyate – Wer im Tiefschlaf innerlich wach bleibt, den gewöhnlichen Wachzustand überschritten; yasya nirvāsano bodhaḥ sa jīvanmukta ucyate – hat und dessen Erkenntnis frei von Vasanas ist, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.24. Vers Varaha Upanishad
rāgadveṣabhayādīnāmanurūpaṃ carannapi |
yo'ntarvyomavadacchannaḥ sa jīvanmukta ucyate || 24 ||

Wer inmitten von Liebe, Abneigung, Angst und anderen Regungen handelt, während sein Herz rein wie der Raum bleibt, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rāgadveṣabhayādīnāmanurūpaṃ carannapi – Wer inmitten von Liebe, Abneigung, Angst und anderen Regungen handelt; yo'ntarvyomavadacchannaḥ sa jīvanmukta ucyate – während sein Herz rein wie der Raum bleibt, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.25. Vers Varaha Upanishad
yasya nāhaṃkṛto bhāvo buddhiryasya na lipyate |
kurvato'kurvato vāpi sa jīvanmukta ucyate || 25 ||

Wer sich weder beim Handeln noch beim Nichthandeln für den Handelnden hält und dessen Buddhi nicht an Gegenständen haftet, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasya nāhaṃkṛto bhāvo buddhiryasya na lipyate – Wer sich weder beim Handeln noch beim Nichthandeln für den Handelnden (Buddhi); kurvato'kurvato vāpi sa jīvanmukta ucyate – hält und dessen Buddhi nicht an Gegenständen haftet, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.26. Vers Varaha Upanishad
yasmānnodvijate loko lokānnodvijate ca yaḥ |
harṣāmarṣabhayonmuktaḥ sa jīvanmukta ucyate || 26 ||

Vor wem die Welt keine Angst hat und wer selbst vor der Welt keine Angst empfindet, wer von übersteigerter Freude, Zorn und Furcht frei ist, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasmānnodvijate loko lokānnodvijate ca yaḥ – Vor wem die Welt keine Angst hat und wer selbst vor der Welt keine; harṣāmarṣabhayonmuktaḥ sa jīvanmukta ucyate – Angst empfindet, wer von übersteigerter Freude, Zorn und Furcht frei ist, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.27. Vers Varaha Upanishad
yaḥ samastārthajāleṣu vyavahāryapi śītalaḥ |
parārtheṣviva pūrṇātmā sa jīvanmukta ucyate || 27 ||

Wer von der Vorstellung des individuellen Ich und Mein frei ist und Freud und Leid des Körpers betrachtet, als gehörten sie einem anderen, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ samastārthajāleṣu vyavahāryapi śītalaḥ – Wer von der Vorstellung des individuellen Ich und Mein frei ist und Freud; parārtheṣviva pūrṇātmā sa jīvanmukta ucyate – und Leid des Körpers betrachtet, als gehörten sie einem anderen, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.28. Vers Varaha Upanishad
prajahāti yadā kāmānsarvāṃścittagatānmune |
mayi sarvātmake tuṣṭaḥ sa jīvanmukta ucyate || 28 ||

Wer von Begehren frei, friedvoll, im eigenen Selbst gegründet, ohne persönliche Wünsche und innerlich vollständig ist, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prajahāti yadā kāmānsarvāṃścittagatānmune – Wer von Begehren frei, friedvoll, im eigenen Selbst gegründet, ohne (Chitta); mayi sarvātmake tuṣṭaḥ sa jīvanmukta ucyate – persönliche Wünsche und innerlich vollständig ist, gilt als Jivanmukta (Atman, Jiva).

4.29. Vers Varaha Upanishad
caityavarjitacinmātre pade paramapāvane |
akṣubdhacitto viśrāntaḥ sa jīvanmukta ucyate || 29 ||

Wer mit unbewegtem Geist im reinen, nur aus Bewusstsein bestehenden Zustand ruht und von allen Veränderungen des Chitta frei ist, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: caityavarjitacinmātre pade paramapāvane – Wer mit unbewegtem Geist im reinen, nur aus Bewusstsein bestehenden Zustand ruht; akṣubdhacitto viśrāntaḥ sa jīvanmukta ucyate – und von allen Veränderungen des Chitta frei ist, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.30. Vers Varaha Upanishad
idaṃ jagadahaṃ so'yaṃ dṛśyajātamavāstavam |
yasya citte na sphurati sa jīvanmukta ucyate || 30 ||

In wessen Chitta die sichtbaren, aber letztlich unwirklichen Unterscheidungen von Welt, Ich, Er und Du nicht mehr aufsteigen, gilt als Jivanmukta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: idaṃ jagadahaṃ so'yaṃ dṛśyajātamavāstavam – In wessen Chitta die sichtbaren, aber letztlich unwirklichen Unterscheidungen von; yasya citte na sphurati sa jīvanmukta ucyate – Welt, Ich, Er und Du nicht mehr aufsteigen, gilt als Jivanmukta (Jiva).

4.31. Vers Varaha Upanishad
sadbrahmaṇi sthire sphāre pūrṇe viṣayavarjite |
ācāryaśāstramārgeṇa praviśyāśu sthiro bhava || 31 ||

Durch den Weg des Guru und der Shastras, treten Sie bald sitzen - der Brahman, der unveränderlich ist, groß, voll und ohne Gegenstände - und fest sitzend dort.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sadbrahmaṇi sthire sphāre pūrṇe viṣayavarjite – Durch den Weg des Guru und der Shastras, treten Sie bald sitzen - der (Brahman); ācāryaśāstramārgeṇa praviśyāśu sthiro bhava – Brahman, der unveränderlich ist, groß, voll und ohne Gegenstände - und fest sitzend dort.

4.32. Vers Varaha Upanishad
śivo guruḥ śivo vedaḥ śiva devaḥ śivaḥ prabhuḥ |
śivo'smyahaṃ śivaḥ sarvaṃ śivadanyanna kiñcana || 32 ||

Shiva allein ist Guru; Shiva allein ist Vedas; Shiva allein ist Herr; Shiva allein ist ich; Shiva allein ist alles. Es gibt keinen anderen als Shiva.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śivo guruḥ śivo vedaḥ śiva devaḥ śivaḥ prabhuḥ – Shiva allein ist Guru; Shiva allein ist Vedas; Shiva allein ist Herr (Guru, Shiva); śivo'smyahaṃ śivaḥ sarvaṃ śivadanyanna kiñcana – Shiva allein ist ich; Shiva allein ist alles. Es gibt keinen anderen als Shiva (Shiva).

4.33. Vers Varaha Upanishad
tameva dhīro vijñāya prajñāṃ kurvīta brāhmaṇaḥ |
nānudhyāyādbahūñchabdānvāco viglāpanaṃ hi tat || 33 ||

Die unerschrockene Brahmana, die Ihn (Shiva) gekannt haben, sollte Weisheit erlangen. Man braucht nicht viele Worte zu äußern, als sie das Organ der Rede verletzen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tameva dhīro vijñāya prajñāṃ kurvīta brāhmaṇaḥ – Die unerschrockene Brahmana, die Ihn (Shiva) gekannt haben, sollte Weisheit erlangen; nānudhyāyādbahūñchabdānvāco viglāpanaṃ hi tat – Man braucht nicht viele Worte zu äußern, als sie das Organ der Rede verletzen.

4.34. Vers Varaha Upanishad
śuko mukto vāmadevo'pi mukta-
stābhyāṃ vinā muktibhājo na santi |
śukamārgaṃ ye'nusaranti dhīrāḥ
sadyo muktāste bhavantīha loke || 34 ||

(The Rishi) Suka ist eine Mukta (befreite Person). (The Rishi) Vamadeva ist eine Mukta. Es gibt keine anderen (die Befreiung erreicht haben) als durch diese (das heißt, die beiden Pfade dieser beiden Rishis). Jene tapferen Männer, die den Pfad von Suka in dieser Welt folgen, werden Sadyo-Muktas (das heißt, emanzipiert) unmittelbar danach (der Körper verschleißt sich weg).

Wort-für-Wort-Übersetzung: śuko mukto vāmadevo'pi mukta- – (The Rishi) Suka ist eine Mukta (befreite Person); stābhyāṃ vinā muktibhājo na santi – (The Rishi) Vamadeva ist eine Mukta; śukamārgaṃ ye'nusaranti dhīrāḥ – Es gibt keine anderen (die Befreiung erreicht haben) als durch diese (das heißt, die beiden Pfade dieser beiden Rishis); sadyo muktāste bhavantīha loke – Jene tapferen Männer, die den Pfad von Suka in dieser Welt folgen, werden Sadyo-Muktas (das heißt, emanzipiert) unmittelbar danach (der Körper verschleißt sich weg).

4.35. Vers Varaha Upanishad
vāmadevaṃ ye'nusaranti nityaṃ
mṛtvā janitvā ca punaḥpunastat |
te vai loke kramamuktā bhavanti
yogaiḥ sāṅkhyaiḥ karmabhiḥ sattvayuktaiḥ || 35 ||

Während diejenigen, die in dieser Welt immer dem Pfad von Vamadeva (d.h. Vedanta) folgen, immer wieder Wiedergeburten unterworfen sind und durch Yoga, Sankhya und Karmas, die mit Sattva (Guna) verbunden sind, Krama (stufenweise) Befreiung erlangen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāmadevaṃ ye'nusaranti nityaṃ – Während diejenigen, die in dieser Welt immer dem Pfad; mṛtvā janitvā ca punaḥpunastat – von Vamadeva (d.h. Vedanta) folgen, immer wieder Wiedergeburten unterworfen; te vai loke kramamuktā bhavanti – sind und durch Yoga, Sankhya und Karmas, die; yogaiḥ sāṅkhyaiḥ karmabhiḥ sattvayuktaiḥ – mit Sattva (Guna) verbunden sind, Krama (stufenweise) Befreiung erlangen (Yoga, Sattva).

4.36. Vers Varaha Upanishad
śukaśca vāmadevaśca dve sṛtī devanirmite |
śukaḥ vihaṅgamaḥ prokto vāmadevaḥ pipīlikā || 36 ||

Die Pfade Suka und Vamadeva. Der Suka-Pfad wird als Vogelpfad bezeichnet, während der Vamadeva-Pfad als Ameisenpfad bezeichnet wird.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śukaśca vāmadevaśca dve sṛtī devanirmite – Die Pfade Suka und Vamadeva; śukaḥ vihaṅgamaḥ prokto vāmadevaḥ pipīlikā – Der Suka-Pfad wird als Vogelpfad bezeichnet, während der Vamadeva-Pfad als Ameisenpfad bezeichnet wird.

4.37. Vers Varaha Upanishad
atadvyāvṛttirūpeṇa sākṣādvidhimukhena vā |
mahāvākyavicāreṇa sāṅkhyayogasamādhinā || 37 ||

Die Personen, die die wahre Natur ihres Atman durch die obligatorischen und prohibitorischen Anordnungen (der Veden), die Untersuchung über (die wahre Bedeutung) Maha-Vakyas (die heiligen Sätze der Veden).

Wort-für-Wort-Übersetzung: atadvyāvṛttirūpeṇa sākṣādvidhimukhena vā – Die Personen, die die wahre Natur ihres Atman durch die obligatorischen und prohibitorischen Anordnungen; mahāvākyavicāreṇa sāṅkhyayogasamādhinā – (der Veden), die Untersuchung über (die wahre Bedeutung) Maha-Vakyas (die heiligen Sätze der Veden) (Yoga, Samadhi).

4.38. Vers Varaha Upanishad
viditvā svātmano rūpaṃ samprajñātasamādhitaḥ |
śukamārgeṇa virajāḥ prayānti paramaṃ padam || 38 ||

Die Samadhi des Sankhya Yoga oder Asamprajnata Samadhi erkannt haben und die sich dadurch gereinigt haben, erreichen den höchsten Sitz durch den Suka-Pfad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: viditvā svātmano rūpaṃ samprajñātasamādhitaḥ – Die Samadhi des Sankhya Yoga oder Asamprajnata Samadhi erkannt haben und die (Atman, Samadhi); śukamārgeṇa virajāḥ prayānti paramaṃ padam – sich dadurch gereinigt haben, erreichen den höchsten Sitz durch den Suka-Pfad.

4.39. Vers Varaha Upanishad
yamādyāsanajāyāsahaṭhābhyāsātpunaḥpunaḥ |
vighnabāhulyasañjāta aṇimādivaśādiha || 39 ||

Durch die Hatha-Yoga-Praxis mit den Schmerzen, die durch Yama, Haltungen usw.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yamādyāsanajāyāsahaṭhābhyāsātpunaḥpunaḥ – Durch die Hatha-Yoga-Praxis mit den Schmerzen (Asana); vighnabāhulyasañjāta aṇimādivaśādiha – die durch Yama, Haltungen usw.

4.40. Vers Varaha Upanishad
alabdhvāpi phalaṃ samyakpunarbhūtvā mahākule |
punarvāsanayaivāyaṃ yogābhyāsaṃ punaścaran || 40 ||

Verursacht werden, den immer wiederkehrenden Hindernissen ausgesetzt werden, die durch Anima und andere (Siddhis) verursacht werden und keine guten Ergebnisse erzielt haben, wird man in einer großen Familie wiedergeboren und praktiziert Yoga durch seine früheren (Karmischen) Affinitäten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: alabdhvāpi phalaṃ samyakpunarbhūtvā mahākule – Verursacht werden, den immer wiederkehrenden Hindernissen ausgesetzt werden, die durch Anima und andere (Siddhis) verursacht werden und keine; punarvāsanayaivāyaṃ yogābhyāsaṃ punaścaran – guten Ergebnisse erzielt haben, wird man in einer großen Familie wiedergeboren und praktiziert Yoga durch seine früheren (Karmischen) Affinitäten (Asana).

4.41. Vers Varaha Upanishad
anekajanmābhyāsena vāmadevena vai pathā |
so'pi muktiṃ samāpnoti tadviṣṇoḥ paramaṃ padam || 41 ||

Den höchsten Sitz von Vishnu durch den Vamadeva-Pfad erreicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anekajanmābhyāsena vāmadevena vai pathā – Den höchsten Sitz von; so'pi muktiṃ samāpnoti tadviṣṇoḥ paramaṃ padam – Vishnu durch den Vamadeva-Pfad erreicht.

4.42. Vers Varaha Upanishad
dvāvimāvapi panthānau brahmaprāptikarau śivau |
sadyomuktipradaścaikaḥ kramamuktipradaḥ paraḥ |
atra ko mohaḥ kaḥ śoka ekatvamanupaśyataḥ || 42 ||

So gibt es zwei Wege, die zur Erreichung von Brahman führen und die wohlwollend sind. Der eine verleiht sofortige Erlösung und der andere verleiht allmähliche Erlösung. Dem einen, der (alle) als das eine (Brahman) sieht, wo ist Wahn? Wo ist Trauer?

Wort-für-Wort-Übersetzung: dvāvimāvapi panthānau brahmaprāptikarau śivau – So gibt es zwei Wege, die zur Erreichung von Brahman führen und die wohlwollend sind. Der eine verleiht sofortige Erlösung und der andere verleiht allmähliche Erlösung (Brahman, Shiva); sadyomuktipradaścaikaḥ kramamuktipradaḥ paraḥ – Dem einen, der (alle) als das eine (Brahman) sieht, wo ist Wahn?; atra ko mohaḥ kaḥ śoka ekatvamanupaśyataḥ – Wo ist Trauer?.

4.43. Vers Varaha Upanishad
yasyānubhavaparyantā buddhistattve pravartate |
taddṛṣṭigocarāḥ sarve mucyante sarvapātakaiḥ || 43 ||

Jene, die unter den Augen derjenigen sind, deren Buddhi ausschließlich mit der Wahrheit (von Brahman) beschäftigt ist, die das Ende aller Erfahrung ist, sind von allen abscheulichen Sünden befreit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasyānubhavaparyantā buddhistattve pravartate – Jene, die unter den Augen derjenigen sind, deren Buddhi ausschließlich mit der Wahrheit (von (Buddhi); taddṛṣṭigocarāḥ sarve mucyante sarvapātakaiḥ – Brahman) beschäftigt ist, die das Ende aller Erfahrung ist, sind von allen abscheulichen Sünden befreit.

4.44. Vers Varaha Upanishad
khecarā bhūcarāḥ sarve brahmaviddṛṣṭigocarāḥ |
sadya eva vimucyante koṭijanmārjitairaghaiḥ || 44 ||

Alle Wesen im Himmel und auf Erden, die in den Blick eines Brahman-Kenners gelangen, werden augenblicklich von den über unzählige Geburten angesammelten Verfehlungen frei.

Wort-für-Wort-Übersetzung: khecarā bhūcarāḥ sarve brahmaviddṛṣṭigocarāḥ – Alle Wesen im Himmel und auf Erden, die in den Blick eines (Brahman); sadya eva vimucyante koṭijanmārjitairaghaiḥ – Brahman-Kenners gelangen, werden augenblicklich von den über unzählige Geburten angesammelten Verfehlungen frei.


Fünftes Kapitel

Einleitung: Fünftes Kapitel atha hainaṃ ṛbhuṃ bhagavantaṃ nidāghaḥ papraccha
yogābhyāsavidhimanubrūhīti | tatheti sa hovāca |

Nidagha fragte den ehrwürdigen Ribhu: Bitte erkläre mir die Methode der Yogapraxis. Ribhu antwortete: So sei es, und sprach:

5.1. Vers Varaha Upanishad
pañcabhūtātmako dehaḥ pañcamaṇḍalapūritaḥ |
kāṭhinyaṃ pṛthivīmekā pānīyaṃ taddravākṛti || 1 ||

Der Körper besteht aus den fünf Elementen und ist von fünf Mandalas erfüllt. Das Feste gehört zur Erde, das Flüssige zum Wasser.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañcabhūtātmako dehaḥ pañcamaṇḍalapūritaḥ – Der Körper besteht aus den fünf Elementen und ist von fünf Mandalas erfüllt (Atman); kāṭhinyaṃ pṛthivīmekā pānīyaṃ taddravākṛti – Das Feste gehört zur Erde, das Flüssige zum Wasser.

5.2. Vers Varaha Upanishad
dīpanaṃ ca bhavettejaḥ pracāro vāyulakṣaṇam |
ākāśaḥ sattvataḥ sarvaṃ jñātavyaṃ yogamicchatā || 2 ||

Leuchten und Erwärmen kennzeichnen das Feuer, Bewegung kennzeichnet die Luft und allgegenwärtige Offenheit den Raum. Wer Yoga üben will, soll dies erkennen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dīpanaṃ ca bhavettejaḥ pracāro vāyulakṣaṇam – Leuchten und Erwärmen kennzeichnen das Feuer, Bewegung kennzeichnet die Luft und allgegenwärtige Offenheit den Raum; ākāśaḥ sattvataḥ sarvaṃ jñātavyaṃ yogamicchatā – Wer Yoga üben will, soll dies erkennen (Yoga, Sattva).

5.3. Vers Varaha Upanishad
ṣaṭśatānyadhikānyatra sahasrāṇyekaviṃśatiḥ |
ahorātravahiḥ śvāsairvāyumaṇḍalaghātataḥ || 3 ||

Durch die Tätigkeit des Luft-Mandalas strömen im Menschen während eines Tages und einer Nacht einundzwanzigtausendsechshundert Atemzüge.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṣaṭśatānyadhikānyatra sahasrāṇyekaviṃśatiḥ – Durch die Tätigkeit des Luft-Mandalas strömen im Menschen; ahorātravahiḥ śvāsairvāyumaṇḍalaghātataḥ – während eines Tages und einer Nacht einundzwanzigtausendsechshundert Atemzüge.

5.4. Vers Varaha Upanishad
tatpṛthvīmaṇḍale kṣīṇe valirāyāti dehinām |
tadvadāpo gaṇāpāye keśāḥ syuḥ pāṇḍurāḥ kramāt || 4 ||

Wenn das Erd-Mandala abnimmt, entstehen Falten; wenn die Kraft des Wassers schwindet, werden die Haare allmählich grau.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tatpṛthvīmaṇḍale kṣīṇe valirāyāti dehinām – Wenn das Erd-Mandala abnimmt, entstehen Falten; tadvadāpo gaṇāpāye keśāḥ syuḥ pāṇḍurāḥ kramāt – wenn die Kraft des Wassers schwindet, werden die Haare allmählich grau.

5.5. Vers Varaha Upanishad
tejaḥkṣaye kṣudhā kāntirnaśyate mārutakṣaye |
vepathuḥ saṃbhavennityaṃ nāmbhasenaiva jīvati || 5 ||

Beim Schwinden des Feuers nehmen Hunger und Ausstrahlung ab; beim Schwinden der Luft entsteht fortwährendes Zittern. Ohne die tragenden Elemente kann das Leben nicht bestehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tejaḥkṣaye kṣudhā kāntirnaśyate mārutakṣaye – Beim Schwinden des Feuers nehmen Hunger und Ausstrahlung ab; beim Schwinden der Luft entsteht fortwährendes Zittern; vepathuḥ saṃbhavennityaṃ nāmbhasenaiva jīvati – Ohne die tragenden Elemente kann das Leben nicht bestehen (Jiva).

5.6. Vers Varaha Upanishad
itthaṃbhūtaṃ kṣayānnityaṃ jīvitaṃ bhūtadhāraṇam |
uḍḍyāṇaṃ kurute yasmādaviśrāntaṃ mahākhagaḥ || 6 ||

Weil der große Lebensvogel, der die Elemente im Körper trägt, unablässig nach oben fliegt, wird die entsprechende Praxis Uddiyana genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: itthaṃbhūtaṃ kṣayānnityaṃ jīvitaṃ bhūtadhāraṇam – Weil der große Lebensvogel, der die Elemente im Körper trägt (Dharana); uḍḍyāṇaṃ kurute yasmādaviśrāntaṃ mahākhagaḥ – unablässig nach oben fliegt, wird die entsprechende Praxis Uddiyana genannt.

5.7. Vers Varaha Upanishad
uḍḍiyāṇaṃ tadeva syāttatra bandho'bhidhīyate |
uḍḍiyāṇo hyasau bandho mṛtyumātaṅgakeśarī || 7 ||

Der dabei angewandte Verschluss heißt Uddiyana Bandha. Dieser Bandha ist gegenüber dem Elefanten des Todes wie ein Löwe.

Wort-für-Wort-Übersetzung: uḍḍiyāṇaṃ tadeva syāttatra bandho'bhidhīyate – Der dabei angewandte Verschluss heißt Uddiyana Bandha; uḍḍiyāṇo hyasau bandho mṛtyumātaṅgakeśarī – Dieser Bandha ist gegenüber dem Elefanten des Todes wie ein Löwe.

5.8. Vers Varaha Upanishad
tasya muktistanoḥ kāyāttasya bandho hi duṣkaraḥ |
agnau tu cālite kukṣau vedanā jāyate bhṛśam || 8 ||

Die Lösung dieser Kraft aus ihrer gewöhnlichen Bindung an den Körper ist schwer. Wird das Feuer im Bauch heftig bewegt, kann starker Schmerz entstehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasya muktistanoḥ kāyāttasya bandho hi duṣkaraḥ – Die Lösung dieser Kraft aus ihrer gewöhnlichen Bindung an den Körper ist schwer; agnau tu cālite kukṣau vedanā jāyate bhṛśam – Wird das Feuer im Bauch heftig bewegt, kann starker Schmerz entstehen.

5.9. Vers Varaha Upanishad
na kāryā kṣudhi tenāpi nāpi viṇmūtraveginā |
hitaṃ mitaṃ ca bhoktavyaṃ stokaṃ stokamanekadhā || 9 ||

Darum soll Uddiyana weder bei starkem Hunger noch bei Stuhl- oder Harndrang geübt werden. Man esse bekömmlich, maßvoll und wiederholt in kleinen Mengen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na kāryā kṣudhi tenāpi nāpi viṇmūtraveginā – Darum soll Uddiyana weder bei starkem Hunger noch bei Stuhl- oder Harndrang geübt werden; hitaṃ mitaṃ ca bhoktavyaṃ stokaṃ stokamanekadhā – Man esse bekömmlich, maßvoll und wiederholt in kleinen Mengen.

5.10. Vers Varaha Upanishad
mṛdumadhyamamantreṣu kramānmantraṃ layaṃ haṭham |
layamantrahaṭhā yogā yogo hyaṣṭāṅgasaṃyutaḥ || 10 ||

Für Übende unterschiedlicher Reife werden Mantra Yoga, Laya Yoga und Hatha Yoga gelehrt. Diese Yogawege sind mit den acht Gliedern verbunden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mṛdumadhyamamantreṣu kramānmantraṃ layaṃ haṭham – Für Übende unterschiedlicher Reife werden Mantra Yoga, Laya Yoga und Hatha Yoga gelehrt (Yama); layamantrahaṭhā yogā yogo hyaṣṭāṅgasaṃyutaḥ – Diese Yogawege sind mit den acht Gliedern verbunden (Yama).

5.11. Vers Varaha Upanishad
yamaśca niyamaścaiva tathā cāsanameva ca |
prāṇāyamastathā paścātpratyāhārastathā param || 11 ||

Die ersten fünf Glieder sind Yama, Niyama, Asana, Pranayama und Pratyahara.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yamaśca niyamaścaiva tathā cāsanameva ca – Die ersten fünf Glieder sind Yama (Asana, Yama, Niyama); prāṇāyamastathā paścātpratyāhārastathā param – Niyama, Asana, Pranayama und Pratyahara (Yama).

5.12. Vers Varaha Upanishad
dhāraṇā ca tathā dhyānaṃ samadhiścāṣṭamo bhavet |
ahiṃsā satyamasteyaṃ brahmacaryaṃ dayārjavam || 12 ||

Darauf folgen Dharana, Dhyana und als achtes Samadhi. Zu den Yamas gehören Ahimsa, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya, Mitgefühl und Aufrichtigkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dhāraṇā ca tathā dhyānaṃ samadhiścāṣṭamo bhavet – Darauf folgen Dharana, Dhyana und als achtes Samadhi (Dhyana, Dharana); ahiṃsā satyamasteyaṃ brahmacaryaṃ dayārjavam – Zu den Yamas gehören Ahimsa, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya, Mitgefühl und Aufrichtigkeit (Brahman, Yama).

5.13. Vers Varaha Upanishad
kṣamā dhṛtirmitāhāraḥ śaucaṃ ceti yamā daśa |
tapaḥ santoṣamāstikyaṃ dānamīśvarapūjanam || 13 ||

Vergebung, Standhaftigkeit, Mitahara und Reinheit vervollständigen die zehn Yamas. Die Niyamas beginnen mit Tapas, Zufriedenheit, Vertrauen, Geben und Verehrung Ishvaras.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kṣamā dhṛtirmitāhāraḥ śaucaṃ ceti yamā daśa – Vergebung, Standhaftigkeit, Mitahara und Reinheit vervollständigen die zehn Yamas; tapaḥ santoṣamāstikyaṃ dānamīśvarapūjanam – Die Niyamas beginnen mit Tapas, Zufriedenheit, Vertrauen, Geben und Verehrung Ishvaras.

5.14. Vers Varaha Upanishad
siddhāntaśravaṇaṃ caiva hrīrmatiśca japo vratam |
ete hi niyamāḥ proktā daśadhaiva mahāmate || 14 ||

Hören der überlieferten Lehre, Bescheidenheit, klare Einsicht, Japa und Vrata vervollständigen die zehn Niyamas.

Wort-für-Wort-Übersetzung: siddhāntaśravaṇaṃ caiva hrīrmatiśca japo vratam – Hören der überlieferten Lehre, Bescheidenheit, klare Einsicht; ete hi niyamāḥ proktā daśadhaiva mahāmate – Japa und Vrata vervollständigen die zehn Niyamas.

5.15. Vers Varaha Upanishad
ekādaśāsanāni syuścakrādi munisattama |
cakraṃ padmāsanaṃ kūrmaṃ mayūraṃ kukkuṭaṃ tathā || 15 ||

Es werden elf Asanas gelehrt. Die Aufzählung beginnt mit Chakrasana, Padmasana, Kurmasana, Mayurasana und Kukkutasana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekādaśāsanāni syuścakrādi munisattama – Es werden elf Asanas gelehrt; cakraṃ padmāsanaṃ kūrmaṃ mayūraṃ kukkuṭaṃ tathā – Die Aufzählung beginnt mit Chakrasana, Padmasana, Kurmasana, Mayurasana und Kukkutasana (Asana).

5.16. Vers Varaha Upanishad
vīrāsanaṃ svastikaṃ ca bhadraṃ siṃhāsanaṃ tathā |
muktāsanaṃ gomukhaṃ ca kīrtitaṃ yogavittamaiḥ || 16 ||

Weiter werden Virasana, Svastikasana, Bhadrasana, Simhasana, Muktasana und Gomukhasana von den Yoga-Kennern genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vīrāsanaṃ svastikaṃ ca bhadraṃ siṃhāsanaṃ tathā – Weiter werden Virasana, Svastikasana, Bhadrasana, Simhasana (Asana); muktāsanaṃ gomukhaṃ ca kīrtitaṃ yogavittamaiḥ – Muktasana und Gomukhasana von den Yoga-Kennern genannt (Yoga, Asana).

5.17. Vers Varaha Upanishad
savyoru dakṣiṇe gulphe dakṣiṇaṃ dakṣiṇetare |
nidadhyādṛjukāyastu cakrāsanamidaṃ matam || 17 ||

Man lege den linken Knöchel auf den rechten Oberschenkel und den rechten Knöchel auf den linken und halte den Körper aufrecht. Dies wird hier Chakrasana genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: savyoru dakṣiṇe gulphe dakṣiṇaṃ dakṣiṇetare – Man lege den linken Knöchel auf den rechten Oberschenkel und den rechten Knöchel auf den linken und halte den Körper aufrecht; nidadhyādṛjukāyastu cakrāsanamidaṃ matam – Dies wird hier Chakrasana genannt (Asana).

5.18. Vers Varaha Upanishad
pūrakaḥ kumbhakastadvadrecakaḥ pūrakaḥ punaḥ |
prāṇāyāmaḥ svanāḍībhistasmānnāḍīḥ pracakṣate || 18 ||

Pranayama soll immer wieder in der Abfolge von Einatmung, Atemverhaltung und Ausatmung geübt werden. Da er durch die Nadis ausgeführt wird, wird nun ihr System erklärt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pūrakaḥ kumbhakastadvadrecakaḥ pūrakaḥ punaḥ – Pranayama soll immer wieder in der Abfolge von Einatmung, Atemverhaltung und Ausatmung geübt werden; prāṇāyāmaḥ svanāḍībhistasmānnāḍīḥ pracakṣate – Da er durch die Nadis ausgeführt wird, wird nun ihr System erklärt (Nadi).

5.19. Vers Varaha Upanishad
śarīraṃ sarvajantūnāṃ ṣaṇṇavatyaṅgulātmakam |
tanmadhye pāyudeśāttu dvyaṅgulātparataḥ param || 19 ||

Der Körper jedes fühlenden Wesens ist sechsundneunzig Stellen lang. In der Mitte des Körpers, zwei Stellen über dem Anus und zwei Stellen unter dem Sexualorgan, ist das Zentrum des Körpers (genannt Muladhara oder sakraler Plexus).

Wort-für-Wort-Übersetzung: śarīraṃ sarvajantūnāṃ ṣaṇṇavatyaṅgulātmakam – Der Körper jedes fühlenden Wesens ist sechsundneunzig Stellen lang (Atman); tanmadhye pāyudeśāttu dvyaṅgulātparataḥ param – In der Mitte des Körpers, zwei Stellen über dem Anus und zwei Stellen unter dem Sexualorgan, ist das Zentrum des Körpers (genannt Muladhara oder sakraler Plexus).

5.20. Vers Varaha Upanishad
meḍhradeśādadhastāttu dvyaṅgulānmadhyamucyate |
meḍhrānnavāṅgulādūrdhvaṃ nāḍīnāṃ kandamucyate || 20 ||

9 Stellen über den Genitalien, gibt es Kanda von Nadis, die oval-förmig, vier Stellen hoch und vier Stellen breit dreht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: meḍhradeśādadhastāttu dvyaṅgulānmadhyamucyate – 9 Stellen über den Genitalien, gibt es Kanda von Nadis; meḍhrānnavāṅgulādūrdhvaṃ nāḍīnāṃ kandamucyate – die oval-förmig, vier Stellen hoch und vier Stellen breit dreht (Nadi).

5.21. Vers Varaha Upanishad
caturaṅgulamutsedhaṃ caturaṅgulamāyatam |
aṇḍākāraṃ parivṛtaṃ medomajjāsthiśoṇitaiḥ || 21 ||

Es ist von Fett, Fleisch, Knochen und Blut umgeben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: caturaṅgulamutsedhaṃ caturaṅgulamāyatam – Es ist von Fett; aṇḍākāraṃ parivṛtaṃ medomajjāsthiśoṇitaiḥ – Fleisch, Knochen und Blut umgeben.

5.22. Vers Varaha Upanishad
tatraiva nāḍīcakraṃ tu dvādaśāraṃ pratiṣṭhitam |
śarīraṃ dhriyate yena vartate tatra kuṇḍalī || 22 ||

In ihr befindet sich ein Nadi-Chakra (Rad der Nerven), das zwölf Speichen hat. Kundali, von dem dieser Körper gestützt wird, ist dort.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tatraiva nāḍīcakraṃ tu dvādaśāraṃ pratiṣṭhitam – In ihr befindet sich ein Nadi-Chakra (Rad der Nerven), das zwölf Speichen hat (Nadi); śarīraṃ dhriyate yena vartate tatra kuṇḍalī – Kundali, von dem dieser Körper gestützt wird, ist dort (Kundalini).

5.23. Vers Varaha Upanishad
brahmarandhraṃ suṣumṇā yā vadanena pidhāya sā |
alambusā suṣumṇāyāḥ kuhūrnāḍī vasatyasau || 23 ||

Von Sushumna. (An der Seite) von Sushumna wohnen die Nadis Alambusa und Kuhuh.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmarandhraṃ suṣumṇā yā vadanena pidhāya sā – Von Sushumna (Brahman); alambusā suṣumṇāyāḥ kuhūrnāḍī vasatyasau – (An der Seite) von Sushumna wohnen die Nadis Alambusa und Kuhuh (Nadi).

5.24. Vers Varaha Upanishad
anantarārayugme tu vāruṇā ca yaśasvinī |
dakṣiṇāre suṣumṇāyāḥ piṅgalā vartate kramāt || 24 ||

In den nächsten zwei (Speichen) sind Varuna und Yasasvini. Auf der Speiche südlich von Sushumna ist, in regelmäßigen Kurs, Pingala.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anantarārayugme tu vāruṇā ca yaśasvinī – In den nächsten zwei (Speichen) sind Varuna und Yasasvini; dakṣiṇāre suṣumṇāyāḥ piṅgalā vartate kramāt – Auf der Speiche südlich von Sushumna ist, in regelmäßigen Kurs, Pingala.

5.25. Vers Varaha Upanishad
tadantarārayoḥ pūṣā vartate ca payasvinī |
suṣumnā paścime cāre sthitā nāḍī sarasvatī || 25 ||

Auf den nächsten beiden Speichen sind Pusha und Payasvini. Auf der Speiche westlich von Sushumna ist der Nadi Sarasvati genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tadantarārayoḥ pūṣā vartate ca payasvinī – Auf den nächsten beiden Speichen sind Pusha und Payasvini; suṣumnā paścime cāre sthitā nāḍī sarasvatī – Auf der Speiche westlich von Sushumna ist der Nadi Sarasvati genannt (Nadi, Sushumna).

5.26. Vers Varaha Upanishad
śaṅkhinī caiva gāndhārī tadanantarayoḥ sthite |
uttare tu suṣumnāyā iḍākhyā nivasatyasau || 26 ||

Auf den nächsten zwei Speichen sind Sankhini und Gandhari. Nördlich von Sushumna wohnt Ida.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śaṅkhinī caiva gāndhārī tadanantarayoḥ sthite – Auf den nächsten zwei Speichen sind Sankhini und Gandhari; uttare tu suṣumnāyā iḍākhyā nivasatyasau – Nördlich von Sushumna wohnt Ida (Sushumna).

5.27. Vers Varaha Upanishad
anantaraṃ hastijihvā tato viśvodarī sthitā |
pradakṣiṇakrameṇaiva cakrasyāreṣu nāḍayaḥ || 27 ||

In diesen Speichen des Rades tragen die zwölf Nadis die zwölf Vayus von links nach rechts (zu den verschiedenen Körperteilen). Die Nadis sind wie (d.h.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anantaraṃ hastijihvā tato viśvodarī sthitā – In diesen Speichen des Rades tragen die zwölf Nadis die zwölf Vayus von links nach rechts (zu den verschiedenen Körperteilen); pradakṣiṇakrameṇaiva cakrasyāreṣu nāḍayaḥ – Die Nadis sind wie (d.h (Nadi).

5.28. Vers Varaha Upanishad
vartante dvādaśa hyetā dvādaśānilavāhakāḥ |
paṭavatsaṃsthitā nāḍyo nānāvarṇāḥ samīritāḥ || 28 ||

Gewebt wie der Warp und der Woof) Stoff. Sie sollen unterschiedliche Farben haben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vartante dvādaśa hyetā dvādaśānilavāhakāḥ – Gewebt wie der Warp und der Woof) Stoff; paṭavatsaṃsthitā nāḍyo nānāvarṇāḥ samīritāḥ – Sie sollen unterschiedliche Farben haben (Nadi).

5.29. Vers Varaha Upanishad
paṭamadhyaṃ tu yatsthānaṃ nābhicakraṃ taducyate |
nādādhārā samākhyātā jvalantī nādarūpiṇī || 29 ||

Der zentrale Teil des Tuches (hier die Sammlung der Nadis) wird das Nabhi Chakra (Navelplexus) genannt. Jvalanti, Nadarupini, Pararandhra und Sushumna werden die (grundlegenden) Stützen von Nada (spiritueller Klang) genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: paṭamadhyaṃ tu yatsthānaṃ nābhicakraṃ taducyate – Der zentrale Teil des Tuches (hier die Sammlung der Nadis) wird das Nabhi Chakra (Navelplexus) genannt; nādādhārā samākhyātā jvalantī nādarūpiṇī – Jvalanti, Nadarupini, Pararandhra und Sushumna werden die (grundlegenden) Stützen von Nada (spiritueller Klang) genannt.

5.30. Vers Varaha Upanishad
pararandhrā suṣumnā ca catvāro ratnapūritāḥ |
kuṇḍalyā pihitaṃ śaśvadbrahmarandhrasya madhyamam || 30 ||

Diese vier Nadis sind rubinfarben. Der zentrale Teil von Brahmarandhra wird immer wieder von Kundali bedeckt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pararandhrā suṣumnā ca catvāro ratnapūritāḥ – Diese vier Nadis sind rubinfarben (Sushumna); kuṇḍalyā pihitaṃ śaśvadbrahmarandhrasya madhyamam – Der zentrale Teil von Brahmarandhra wird immer wieder von Kundali bedeckt (Brahman, Kundalini, Yama).

5.31. Vers Varaha Upanishad
evametāsu nāḍīṣu dharanti daśavāyavaḥ |
evaṃ nāḍīgatiṃ vāyugatiṃ jñātvā vicakṣaṇaḥ || 31 ||

So bewegen sich zehn Vayus in diesen Nadis. Ein weiser Mann, der den Lauf von Nadis und Vayus verstanden hat, sollte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: evametāsu nāḍīṣu dharanti daśavāyavaḥ – So bewegen sich zehn Vayus in diesen Nadis (Nadi); evaṃ nāḍīgatiṃ vāyugatiṃ jñātvā vicakṣaṇaḥ – Ein weiser Mann, der den Lauf von Nadis und Vayus verstanden hat, sollte (Nadi).

5.32. Vers Varaha Upanishad
samagrīvaśiraḥ kāyaḥ saṃvṛtāsyaḥ suniścalaḥ |
nāsāgre caiva hṛnmadhye bindumadhye turīyakam || 32 ||

Nachdem er seinen Hals und Körper mit geschlossenem Mund aufrecht gehalten hat, unbeweglich über Turyaka (Atman) an der Spitze seiner Nase.

Wort-für-Wort-Übersetzung: samagrīvaśiraḥ kāyaḥ saṃvṛtāsyaḥ suniścalaḥ – Nachdem er seinen Hals und Körper mit geschlossenem Mund aufrecht; nāsāgre caiva hṛnmadhye bindumadhye turīyakam – gehalten hat, unbeweglich über Turyaka (Atman) an der Spitze seiner Nase.

5.33. Vers Varaha Upanishad
sravantamamṛtaṃ paśyennetrābhyāṃ susamāhitaḥ |
apānaṃ mukulīkṛtya pāyumākṛṣya conmukham || 33 ||

In der Mitte seines Herzens und in der Mitte Bindus nachdenken und mit einem ruhigen Geist durch die (mentalen) Augen sehen, den von dort fließenden Nektar. Er sollte mit Sri Bija fertig werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sravantamamṛtaṃ paśyennetrābhyāṃ susamāhitaḥ – In der Mitte seines Herzens und in der Mitte Bindus nachdenken und mit einem ruhigen Geist durch die (mentalen) Augen sehen, den von dort fließenden Nektar; apānaṃ mukulīkṛtya pāyumākṛṣya conmukham – Er sollte mit Sri Bija fertig werden (Apana).

5.34. Vers Varaha Upanishad
praṇavena samutthāpya śrībījena nivartayet |
svātmānaṃ ca śriyaṃ dhyāyedamṛtaplāvanaṃ tathā || 34 ||

Er sollte seinen Atman als Sri (Parasakti) betrachten und von Nektar gebadet werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: praṇavena samutthāpya śrībījena nivartayet – Er sollte seinen Atman als Sri; svātmānaṃ ca śriyaṃ dhyāyedamṛtaplāvanaṃ tathā – (Parasakti) betrachten und von Nektar gebadet werden.

5.35. Vers Varaha Upanishad
kālavañcanametaddhi sarvamukhyaṃ pracakṣate |
manasā cintitā kāryaṃ manasā yena sidhyati || 35 ||

Dies ist Kalavanchana (lit., Zeit-Illusion). Es wird gesagt, dass die wichtigste von allen. Was auch immer vom Geist gedacht wird, wird durch den Geist selbst erreicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kālavañcanametaddhi sarvamukhyaṃ pracakṣate – Dies ist Kalavanchana (lit., Zeit-Illusion). Es wird gesagt, dass die wichtigste von allen; manasā cintitā kāryaṃ manasā yena sidhyati – Was auch immer vom Geist gedacht wird, wird durch den Geist selbst erreicht (Manas).

5.36. Vers Varaha Upanishad
jale'gnijvalanācchākhāpallavāni bhavanti hi |
nādhanyaṃ jāgataṃ vākyaṃ viparītā bhavetkriyā || 36 ||

(Dann) wird Agni (Feuer) in Jala (Wasser) flammen und in der Flamme (Agni) werden die Zweige und Blüten entstehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jale'gnijvalanācchākhāpallavāni bhavanti hi – (Dann) wird Agni (Feuer) in Jala (Wasser) flammen und in; nādhanyaṃ jāgataṃ vākyaṃ viparītā bhavetkriyā – der Flamme (Agni) werden die Zweige und Blüten entstehen.

5.37. Vers Varaha Upanishad
mārge binduṃ samābadhya vahniṃ prajvālya jīvane |
śoṣayitvā tu salilaṃ tena kāyaṃ dṛḍhaṃ bhavet || 37 ||

Indem man die Bindu auf dem Weg kontrolliert, das Feuer im Wasser flammt und das Wasser vertrocknet, wird der Körper festgemacht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mārge binduṃ samābadhya vahniṃ prajvālya jīvane – Indem man die Bindu auf dem Weg kontrolliert, das Feuer (Jiva); śoṣayitvā tu salilaṃ tena kāyaṃ dṛḍhaṃ bhavet – im Wasser flammt und das Wasser vertrocknet, wird der Körper festgemacht.

5.38. Vers Varaha Upanishad
gudayonisamāyukta ākuñcatyekakālataḥ |
apānamūrdhvagaṃ kṛtvā samānonne niyojayet || 38 ||

Zusammengeschlossen, sollte er Apana aufstellen und sich mit ihr Samana vereinen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: gudayonisamāyukta ākuñcatyekakālataḥ – Zusammengeschlossen, sollte er Apana aufstellen und; apānamūrdhvagaṃ kṛtvā samānonne niyojayet – sich mit ihr Samana vereinen (Apana).

5.39. Vers Varaha Upanishad
svātmānaṃ ca śriyaṃ dhyāyedamṛtaplāvanaṃ tataḥ |
balaṃ samārabhedyogaṃ madhyamadvārabhāgataḥ || 39 ||

Er sollte seinen Atman als Shiva betrachten und dann vom Nektar gebadet werden. Im zentralen Teil jedes Sprechens sollte der Yogi beginnen, Bala (Willen oder Stärke) zu konzentrieren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svātmānaṃ ca śriyaṃ dhyāyedamṛtaplāvanaṃ tataḥ – Er sollte seinen Atman als Shiva betrachten und dann vom Nektar gebadet werden; balaṃ samārabhedyogaṃ madhyamadvārabhāgataḥ – Im zentralen Teil jedes Sprechens sollte der Yogi beginnen, Bala (Willen oder Stärke) zu konzentrieren (Yoga, Yama).

5.40. Vers Varaha Upanishad
bhāvayedūrdhvagatyarthaṃ prāṇāpānasuyogataḥ |
eṣa yogo varo dehe siddhimārgaprakāśakaḥ || 40 ||

Er sollte versuchen, durch die Vereinigung von Prana und Apana hinaufzugehen. Dieser wichtigste Yoga erhellt im Körper den Pfad von Siddhis.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhāvayedūrdhvagatyarthaṃ prāṇāpānasuyogataḥ – Er sollte versuchen, durch die Vereinigung von Prana und Apana hinaufzugehen (Yoga); eṣa yogo varo dehe siddhimārgaprakāśakaḥ – Dieser wichtigste Yoga erhellt im Körper den Pfad von Siddhis.

5.41. Vers Varaha Upanishad
yathaivāpāṅgataḥ setuḥ pravāhasya nirodhakaḥ |
tathā śarīragā cchāyā jñātavyā yogibhiḥ sadā || 41 ||

Als Staudamm über dem Wasser dient als Hindernis für die Überschwemmungen, so sollte es jemals von den Yogis bekannt sein, dass die Chhaya des Körpers ist (Jiva).

Wort-für-Wort-Übersetzung: yathaivāpāṅgataḥ setuḥ pravāhasya nirodhakaḥ – Als Staudamm über dem Wasser dient als Hindernis für die Überschwemmungen, so sollte es; tathā śarīragā cchāyā jñātavyā yogibhiḥ sadā – jemals von den Yogis bekannt sein, dass die Chhaya des Körpers ist (Jiva).

5.42. Vers Varaha Upanishad
sarvāsāmeva nāḍīnāmeṣa bandhaḥ prakīrtitaḥ |
bandhasyāsya prasādena sphuṭībhavati devatā || 42 ||

Diese Bandha wird von allen Nadis gesagt. Durch die Gnade dieser Bandha wird die Devata (Göttin) sichtbar.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvāsāmeva nāḍīnāmeṣa bandhaḥ prakīrtitaḥ – Diese Bandha wird von allen Nadis gesagt (Nadi, Bandha); bandhasyāsya prasādena sphuṭībhavati devatā – Durch die Gnade dieser Bandha wird die Devata (Göttin) sichtbar (Bandha).

5.43. Vers Varaha Upanishad
evaṃ catuṣpatho bandho mārgatrayanirodhakaḥ |
ekaṃ vikāsayanmārgaṃ yena siddhāḥ susaṅgatāḥ || 43 ||

Diese Bandha von vier Fuß dient als Kontrolle zu den drei Pfaden. Dies erhellt den Weg, durch den die Siddhas erhalten haben (ihre Siddhis).

Wort-für-Wort-Übersetzung: evaṃ catuṣpatho bandho mārgatrayanirodhakaḥ – Diese Bandha von vier Fuß dient als Kontrolle zu den drei Pfaden; ekaṃ vikāsayanmārgaṃ yena siddhāḥ susaṅgatāḥ – Dies erhellt den Weg, durch den die Siddhas erhalten haben (ihre Siddhis).

5.44. Vers Varaha Upanishad
udānamūrdhvagaṃ kṛtvā prāṇena saha vegataḥ |
bandho'yaṃ sarvanāḍīnāmūrdhvaṃ yāti nirodhakaḥ || 44 ||

Wenn Prana bald Udana auferstehen lässt, geht diese Bandha, die alle Nadis überprüft, nach oben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: udānamūrdhvagaṃ kṛtvā prāṇena saha vegataḥ – Wenn Prana bald Udana auferstehen lässt, geht diese; bandho'yaṃ sarvanāḍīnāmūrdhvaṃ yāti nirodhakaḥ – Bandha, die alle Nadis überprüft, nach oben (Nadi).

5.45. Vers Varaha Upanishad
ayaṃ ca sampuṭo yogo mūlabandho'pyayaṃ mataḥ |
bandhatrayamanenaiva siddhyatyabhyāsayogataḥ || 45 ||

Das nennt man Samputa-Yoga oder Mula-Bandha. Durch das Praktizieren dieses Yoga werden die drei Bandhas gemeistert.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ayaṃ ca sampuṭo yogo mūlabandho'pyayaṃ mataḥ – Das nennt man Samputa-Yoga oder Mula-Bandha; bandhatrayamanenaiva siddhyatyabhyāsayogataḥ – Durch das Praktizieren dieses Yoga werden die drei Bandhas gemeistert (Yoga, Bandha, Yama).

5.46. Vers Varaha Upanishad
divārātramavicchinnaṃ yāmeyāme yadā yadā |
anenābhyāsayogena vāyurabhyasito bhavet || 46 ||

Durch das Üben Tag und Nacht intermittierend oder zu jeder geeigneten Zeit, wird der Vayu unter seine Kontrolle kommen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: divārātramavicchinnaṃ yāmeyāme yadā yadā – Durch das Üben Tag und Nacht intermittierend oder zu jeder; anenābhyāsayogena vāyurabhyasito bhavet – geeigneten Zeit, wird der Vayu unter seine Kontrolle kommen.

5.47. Vers Varaha Upanishad
vāyāvabhyasite vahniḥ pratyahaṃ vardhate tanau |
vahnau vivardhamāne tu sukhamannādi jīryate || 47 ||

Mit der Kontrolle von Vayu, Agni (das Magenfeuer) im Körper wird täglich zunehmen. Mit der Zunahme von Agni, Nahrung, etc., wird leicht verdaut werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāyāvabhyasite vahniḥ pratyahaṃ vardhate tanau – Mit der Kontrolle von Vayu, Agni (das Magenfeuer) im Körper wird täglich zunehmen; vahnau vivardhamāne tu sukhamannādi jīryate – Mit der Zunahme von Agni, Nahrung, etc., wird leicht verdaut werden.

5.48. Vers Varaha Upanishad
annasya paripākena rasavṛddhiḥ prajāyate |
rase vṛddhiṃ gate nityaṃ vardhante dhātavastathā || 48 ||

Bei der täglichen Zunahme von Rasa, es ist die Zunahme von Dhatus (spirituelle Substanzen).

Wort-für-Wort-Übersetzung: annasya paripākena rasavṛddhiḥ prajāyate – Bei der täglichen Zunahme von Rasa, es; rase vṛddhiṃ gate nityaṃ vardhante dhātavastathā – ist die Zunahme von Dhatus (spirituelle Substanzen).

5.49. Vers Varaha Upanishad
dhātūnāṃ vardhanenaiva prabodho vartate tanau |
dahyante sarvapāpāni janmakoṭyarjitāni ca || 49 ||

Mit der Zunahme von Dhatus, gibt es die Zunahme der Weisheit im Körper. So werden alle Sünden zusammen während vieler Crores der Geburten gesammelt verbrannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dhātūnāṃ vardhanenaiva prabodho vartate tanau – Mit der Zunahme von Dhatus, gibt es die Zunahme der Weisheit im Körper; dahyante sarvapāpāni janmakoṭyarjitāni ca – So werden alle Sünden zusammen während vieler Crores der Geburten gesammelt verbrannt.

5.50. Vers Varaha Upanishad
gudameḍhrāntarālasthaṃ mūlādhāraṃ trikoṇakam |
śivasya bindurūpasya sthānaṃ taddhi prakāśakam || 50 ||

Im Zentrum des Anus und der Genitalien befindet sich das dreieckige Muladhara. Es erleuchtet den Sitz von Shiva der Form von Bindu.

Wort-für-Wort-Übersetzung: gudameḍhrāntarālasthaṃ mūlādhāraṃ trikoṇakam – Im Zentrum des Anus und der Genitalien befindet sich das dreieckige Muladhara; śivasya bindurūpasya sthānaṃ taddhi prakāśakam – Es erleuchtet den Sitz von Shiva der Form von Bindu (Shiva).

5.51. Vers Varaha Upanishad
yatra kuṇḍalinī nāma parā śaktiḥ pratiṣṭhitā |
yasmādutpadyate vāyuryasmādvahniḥ pravardhate || 51 ||

Es befindet sich die Parasakti namens Kundalini. Von diesem Sitz entsteht Vayu. Von diesem Sitz wird Agni verstärkt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yatra kuṇḍalinī nāma parā śaktiḥ pratiṣṭhitā – Es befindet sich die Parasakti namens Kundalini. Von diesem Sitz entsteht Vayu (Kundalini); yasmādutpadyate vāyuryasmādvahniḥ pravardhate – Von diesem Sitz wird Agni verstärkt.

5.52. Vers Varaha Upanishad
yasmādutpadyate binduryasmānnādaḥ pravardhate |
yasmādutpadyate haṃso yasmādutpadyate manaḥ || 52 ||

Von diesem Sitz kommt Bindu und Nada wird vermehrt. Von diesem Sitz wird Hamsa geboren. Von diesem Sitz wird Manas geboren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasmādutpadyate binduryasmānnādaḥ pravardhate – Von diesem Sitz kommt Bindu und Nada wird vermehrt. Von diesem Sitz wird Hamsa geboren; yasmādutpadyate haṃso yasmādutpadyate manaḥ – Von diesem Sitz wird Manas geboren.

5.53. Vers Varaha Upanishad
mūlādhārādiṣaṭcakraṃ śaktisthānamudīritam |
kaṇṭhādupari mūrdhāntaṃ śāṃbhavaṃ sthānamucyate || 53 ||

Die sechs Chakren, die mit Muladhara beginnen, sollen der Sitz von Sakti (Göttin) sein. Vom Hals bis zur Spitze des Kopfes soll der Sitz von Sambhu (Shiva) sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mūlādhārādiṣaṭcakraṃ śaktisthānamudīritam – Die sechs Chakren, die mit Muladhara beginnen, sollen der Sitz von Sakti (Göttin) sein; kaṇṭhādupari mūrdhāntaṃ śāṃbhavaṃ sthānamucyate – Vom Hals bis zur Spitze des Kopfes soll der Sitz von Sambhu (Shiva) sein.

5.54. Vers Varaha Upanishad
nāḍīnāmāśrayaḥ piṇḍo nāḍyaḥ prāṇasya cāśrayaḥ |
jīvasya nilayaḥ prāṇo jīvo haṃsasya cāśrayaḥ || 54 ||

Für die Nadis, der Körper ist die Unterstützung (Fahrzeug); für Prana, die Nadis sind die Unterstützung; für Jiva, Prana ist der Aufenthaltsort; für Hamsa, Jiva ist die Unterstützung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nāḍīnāmāśrayaḥ piṇḍo nāḍyaḥ prāṇasya cāśrayaḥ – Für die Nadis, der Körper ist die Unterstützung (Fahrzeug); für Prana, die Nadis sind die Unterstützung (Prana, Nadi); jīvasya nilayaḥ prāṇo jīvo haṃsasya cāśrayaḥ – für Jiva, Prana ist der Aufenthaltsort; für Hamsa, Jiva ist die Unterstützung (Jiva).

5.55. Vers Varaha Upanishad
haṃsaḥ śakteradhiṣṭhānaṃ carācaramidaṃ jagat |
nirvikalpaḥ prasannātmā prāṇāyāṃ samabhyaset || 55 ||

Für Sakti ist Hamsa der Sitz und die bewegliche und das fixierte Universum. Ohne Ablenkung und eines ruhigen Geistes zu sein, sollte man Pranayama praktizieren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: haṃsaḥ śakteradhiṣṭhānaṃ carācaramidaṃ jagat – Für Sakti ist Hamsa der Sitz und die bewegliche und das fixierte Universum; nirvikalpaḥ prasannātmā prāṇāyāṃ samabhyaset – Ohne Ablenkung und eines ruhigen Geistes zu sein, sollte man Pranayama praktizieren.

5.56. Vers Varaha Upanishad
samyagbandhatrayastho'pi lakṣyalakṣaṇakāraṇam |
vedyaṃ samuddharennityaṃ satyasandhānamānasaḥ || 56 ||

Selbst eine Person, die in der Praxis der drei Bandhas gut ausgebildet ist, sollte immer versuchen, mit einem wahren Herzen das Prinzip zu erkennen, das bekannt sein sollte und die Ursache aller Objekte und ihrer Attribute ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: samyagbandhatrayastho'pi lakṣyalakṣaṇakāraṇam – Selbst eine Person, die in der Praxis der drei Bandhas gut ausgebildet ist, sollte immer versuchen, mit einem (Bandha); vedyaṃ samuddharennityaṃ satyasandhānamānasaḥ – wahren Herzen das Prinzip zu erkennen, das bekannt sein sollte und die Ursache aller Objekte und ihrer Attribute ist.

5.57. Vers Varaha Upanishad
recakaṃ pūrakaṃ caiva kumbhamadhye nirodhayet |
dṛśyamāne pare lakṣye brahmaṇi svayamāśritaḥ || 57 ||

In Atemstillstand (allein) ruhen. Er sollte allein von Brahman abhängen, der das höchste Ziel aller Sichtbaren ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: recakaṃ pūrakaṃ caiva kumbhamadhye nirodhayet – In Atemstillstand (allein) ruhen; dṛśyamāne pare lakṣye brahmaṇi svayamāśritaḥ – Er sollte allein von Brahman abhängen, der das höchste Ziel aller Sichtbaren ist (Brahman).

5.58. Vers Varaha Upanishad
bāhyasthaviṣayaṃ sarvaṃ recakaḥ samudāhṛtaḥ |
pūrakaṃ śāstravijñānaṃ kumbhakaṃ svagataṃ smṛtam || 58 ||

(Das Ausgeben) aller äußeren Gegenstände ist Rechaka (Auslöschung). Das (Einziehen des) geistigen Wissens der Shastras wird als Puraka (Inspiration) und (das Halten für sich selbst) dieses Wissens wird als Kumbhaka (Zurückhalten des Atems) bezeichnet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bāhyasthaviṣayaṃ sarvaṃ recakaḥ samudāhṛtaḥ – (Das Ausgeben) aller äußeren Gegenstände ist Rechaka (Auslöschung); pūrakaṃ śāstravijñānaṃ kumbhakaṃ svagataṃ smṛtam – Das (Einziehen des) geistigen Wissens der Shastras wird als Puraka (Inspiration) und (das Halten für sich selbst) dieses Wissens wird als Kumbhaka (Zurückhalten des Atems) bezeichnet (Jnana).

5.59. Vers Varaha Upanishad
evamabhyāsacittaścetsamukto nātra saṃśayaḥ |
kumbhakena samāropya kumbhakena pūrayet || 59 ||

Er ist ein befreiter Mensch, der so eine Chitta praktiziert. Es besteht kein Zweifel daran. Durch Kumbhaka sollte er (der Geist) immer aufgenommen werden und allein durch Kumbhaka in sich gefüllt werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: evamabhyāsacittaścetsamukto nātra saṃśayaḥ – Er ist ein befreiter Mensch, der so eine Chitta praktiziert. Es besteht kein Zweifel daran (Chitta); kumbhakena samāropya kumbhakena pūrayet – Durch Kumbhaka sollte er (der Geist) immer aufgenommen werden und allein durch Kumbhaka in sich gefüllt werden.

5.60. Vers Varaha Upanishad
kumbhena kumbhayetkumbhaṃ tadantasthaḥ paraṃ śivam |
punarāsphālayedadya susthiraṃ kaṇṭhamudrayā || 60 ||

Nur durch Kumbhaka sollte Kumbhaka fest gemeistert werden. In ihm ist Parama-Shiva. Das (Vayu), das nicht bewegungslos ist, sollte durch Kantha-Mudra (Halsverschluss) wieder erschüttert werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kumbhena kumbhayetkumbhaṃ tadantasthaḥ paraṃ śivam – Nur durch Kumbhaka sollte Kumbhaka fest gemeistert werden. In ihm ist Parama-Shiva (Shiva); punarāsphālayedadya susthiraṃ kaṇṭhamudrayā – Das (Vayu), das nicht bewegungslos ist, sollte durch Kantha-Mudra (Halsverschluss) wieder erschüttert werden (Mudra).

5.61. Vers Varaha Upanishad
vāyūnāṃ gatimāvṛtya dhṛtvā pūrakakumbhakau |
samahastayugaṃ bhūmau samaṃ pādayugaṃ tathā || 61 ||

Nachdem man den Verlauf von Vayu überprüft hat, in der Praxis des Ablaufs und der Zurückhaltung des Atems vollkommen geworden und gleichmäßig auf dem Boden die beiden Hände und die zwei Füße gepflanzt hat, sollte man die vier Sitze durch Vayu durch die drei Yogas durchbohren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāyūnāṃ gatimāvṛtya dhṛtvā pūrakakumbhakau – Nachdem man den Verlauf von Vayu überprüft hat, in der Praxis des Ablaufs und der Zurückhaltung des Atems vollkommen geworden und gleichmäßig auf; samahastayugaṃ bhūmau samaṃ pādayugaṃ tathā – dem Boden die beiden Hände und die zwei Füße gepflanzt hat, sollte man die vier Sitze durch Vayu durch die drei Yogas durchbohren.

5.62. Vers Varaha Upanishad
vedhakakramayogena catuṣpīṭhaṃ tu vāyunā |
āsphālayenmahāmeruṃ vāyuvaktre prakoṭibhiḥ || 62 ||

Er sollte Mahameru mit der (Hilfe von) Prakotis (Kräfte) an der Mündung von Vayu schütteln.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vedhakakramayogena catuṣpīṭhaṃ tu vāyunā – Er sollte Mahameru mit der (Hilfe von) Prakotis; āsphālayenmahāmeruṃ vāyuvaktre prakoṭibhiḥ – (Kräfte) an der Mündung von Vayu schütteln.

5.63. Vers Varaha Upanishad
puṭadvayaṃ samākṛṣya vāyuḥ sphurati satvaram |
somasūryāgnisaṃbadhājjānīyādamṛtāya vai || 63 ||

Die beiden Putas (Höhlen) werden gezeichnet, Vayu thront schnell. Die Vereinigung von Mond, Sonne und Agni sollte wegen Nektar bekannt sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: puṭadvayaṃ samākṛṣya vāyuḥ sphurati satvaram – Die beiden Putas (Höhlen) werden gezeichnet, Vayu thront schnell; somasūryāgnisaṃbadhājjānīyādamṛtāya vai – Die Vereinigung von Mond, Sonne und Agni sollte wegen Nektar bekannt sein.

5.64. Vers Varaha Upanishad
merumadhyagatā devāścalante merucālanāt |
ādau sañjāyate kṣipraṃ vedho'sya brahmagranthitaḥ || 64 ||

Durch die Bewegung von Meru bewegen sich die Devatas, die im Zentrum von Meru bleiben. Zuerst wird in seinem Brahma-Granthi bald ein Loch (eine Passage) produziert.

Wort-für-Wort-Übersetzung: merumadhyagatā devāścalante merucālanāt – Durch die Bewegung von Meru bewegen sich die Devatas, die im Zentrum von Meru bleiben; ādau sañjāyate kṣipraṃ vedho'sya brahmagranthitaḥ – Zuerst wird in seinem Brahma-Granthi bald ein Loch (eine Passage) produziert (Brahman).

5.65. Vers Varaha Upanishad
brahmagranthiṃ tato bhittvā viṣṇugranthiṃ bhinattyasau |
viṣṇugranthiṃ tato bhittvā rudragranthiṃ bhinattyasau || 65 ||

Und durchbohrt Brahma-Granthi, dann durchbohrt er Vishnu-Granthi, dann durchdringt er Rudra-Granthi.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmagranthiṃ tato bhittvā viṣṇugranthiṃ bhinattyasau – Und durchbohrt Brahma-Granthi, dann durchbohrt er (Brahman, Vishnu); viṣṇugranthiṃ tato bhittvā rudragranthiṃ bhinattyasau – Vishnu-Granthi, dann durchdringt er Rudra-Granthi (Vishnu).

5.66. Vers Varaha Upanishad
rudragranthiṃ tato bhittvā chitvā mohamalaṃ tathā |
anekajanmasaṃskāragurudevaprasādataḥ || 66 ||

Kommt Vedha (Piercing) durch seine Befreiung von den Unreinheiten der Täuschung, durch die religiösen Zeremonien (performed) in verschiedenen Geburten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rudragranthiṃ tato bhittvā chitvā mohamalaṃ tathā – Kommt Vedha (Piercing) durch seine Befreiung von den Unreinheiten der; anekajanmasaṃskāragurudevaprasādataḥ – Täuschung, durch die religiösen Zeremonien (performed) in verschiedenen Geburten (Guru).

5.67. Vers Varaha Upanishad
yogābhyāsāttato vedho jāyate tasya yoginaḥ |
iḍāpiṅgalayormadhye suṣumnānāḍimaṇḍale || 67 ||

Durch die Gnade von Gurus und Devatas und durch die Praxis des Yoga. In der Mandala (Sphäre oder Region) von Sushumna (situiert zwischen Ida und Pingala), Vayu sollte gemacht werden, um durch das Merkmal als Mudra-Bandha bekannt steigen. Die kurze Aussprache (von Pranava) befreit (eine) von Sünden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yogābhyāsāttato vedho jāyate tasya yoginaḥ – Durch die Gnade von Gurus und Devatas und durch die Praxis des Yoga. In der Mandala (Sphäre oder Region) von Sushumna (situiert zwischen Ida und Pingala), Vayu sollte gemacht werden, um durch das Merkmal als Mudra-Bandha bekannt steigen; iḍāpiṅgalayormadhye suṣumnānāḍimaṇḍale – Die kurze Aussprache (von Pranava) befreit (eine) von Sünden (Nadi, Sushumna).

5.68. Vers Varaha Upanishad
mudrābandhaviśeṣeṇa vāyumūrdhvaṃ ca kārayet |
ṟhasvo dahati pāpāni dīrgho mokṣapradāyakaḥ || 68 ||

Durch die besondere Anwendung von Mudra und Bandha soll der Lebenshauch nach oben geführt werden. Die kurze Aussprache des Pranava verbrennt Verfehlungen, die lange führt zur Befreiung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mudrābandhaviśeṣeṇa vāyumūrdhvaṃ ca kārayet – Durch die besondere Anwendung von Mudra und Bandha soll der Lebenshauch nach oben geführt werden (Bandha, Mudra); ṟhasvo dahati pāpāni dīrgho mokṣapradāyakaḥ – Die kurze Aussprache des Pranava verbrennt Verfehlungen, die lange führt zur Befreiung (Moksha).

5.69. Vers Varaha Upanishad
āpyāyanaḥ pluto vāpi trividhoccāraṇena tu |
tailadhārāmivacchinnaṃ dīrghaghaṇṭāninādavat || 69 ||

Durch die dreifache Aussprache wird der Laut nährend oder gedehnt. Er soll ununterbrochen wie ein Ölstrom und lang anhaltend wie der Klang einer Glocke ertönen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āpyāyanaḥ pluto vāpi trividhoccāraṇena tu – Durch die dreifache Aussprache wird der Laut nährend oder gedehnt; tailadhārāmivacchinnaṃ dīrghaghaṇṭāninādavat – Er soll ununterbrochen wie ein Ölstrom und lang anhaltend wie der Klang einer Glocke ertönen.

5.70. Vers Varaha Upanishad
avācyaṃ praṇavasyāgraṃ yastaṃ veda sa vedavit |
ṟhasvaṃ bindugataṃ dairghyaṃ brahmarandhragataṃ plutam |
dvādaśāntagataṃ mantraṃ prasādaṃ mantrasiddhaye || 70 ||

Wer das unaussprechliche Ende des Pranava kennt, ist ein wahrer Kenner des Veda. Der kurze Laut gelangt zum Bindu, der lange zum Brahmarandhra und der gedehnte zum Dvadashanta; so dient das Mantra der Mantra-Siddhi.

Wort-für-Wort-Übersetzung: avācyaṃ praṇavasyāgraṃ yastaṃ veda sa vedavit – Wer das unaussprechliche Ende des Pranava kennt, ist ein wahrer Kenner des Veda; ṟhasvaṃ bindugataṃ dairghyaṃ brahmarandhragataṃ plutam – Der kurze Laut gelangt zum Bindu, der lange zum Brahmarandhra und der gedehnte zum Dvadashanta (Brahman); dvādaśāntagataṃ mantraṃ prasādaṃ mantrasiddhaye – so dient das Mantra der Mantra-Siddhi.

5.71. Vers Varaha Upanishad
sarvavighnaharaścāyaṃ praṇavaḥ sarvadoṣahā |
āraṃbhaśca ghaṭaścaiva punaḥ paricayastathā || 71 ||

Dieser Pranava beseitigt alle Hindernisse und alle Fehler. Seine Reifung wird als Arambha, Ghata, Parichaya und schließlich Nishpatti beschrieben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvavighnaharaścāyaṃ praṇavaḥ sarvadoṣahā – Dieser Pranava beseitigt alle Hindernisse und alle Fehler; āraṃbhaśca ghaṭaścaiva punaḥ paricayastathā – Seine Reifung wird als Arambha, Ghata, Parichaya und schließlich Nishpatti beschrieben.

5.72. Vers Varaha Upanishad
niṣpattiśceti kathitāścatasrastasya bhūmikāḥ |
kāraṇatrayasaṃbhūtaṃ bāhyaṃ karma parityajan || 72 ||

Damit sind seine vier Stufen genannt. Wer die äußeren, aus den drei Ursachen beziehungsweise Handlungsbereichen hervorgehenden Tätigkeiten aufgibt, wendet sich nach innen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: niṣpattiśceti kathitāścatasrastasya bhūmikāḥ – Damit sind seine vier Stufen genannt; kāraṇatrayasaṃbhūtaṃ bāhyaṃ karma parityajan – Wer die äußeren, aus den drei Ursachen beziehungsweise Handlungsbereichen hervorgehenden Tätigkeiten aufgibt, wendet sich nach innen.

5.73. Vers Varaha Upanishad
āntaraṃ karma kurute yatrāraṃbhaḥ sa ucyate |
vāyuḥ paścimato vedhaṃ kurvannāpūrya susthiram || 73 ||

Wenn er die innere Tätigkeit vollzieht, heißt dies Arambha, die Anfangsstufe. Wenn Vayu den westlichen Weg durchdringt, ihn erfüllt und dort fest wird, beginnt die Ghata-Stufe.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āntaraṃ karma kurute yatrāraṃbhaḥ sa ucyate – Wenn er die innere Tätigkeit vollzieht, heißt dies Arambha, die Anfangsstufe; vāyuḥ paścimato vedhaṃ kurvannāpūrya susthiram – Wenn Vayu den westlichen Weg durchdringt, ihn erfüllt und dort fest wird, beginnt die Ghata-Stufe.

5.74. Vers Varaha Upanishad
yatra tiṣṭhati sā proktā ghaṭākhyā bhūmikā budhaiḥ |
na sajīvo na nirjīvaḥ kāye tiṣṭhati niścalam |
yatra vāyuḥ sthiraḥ khe syātseyaṃ prathamabhūmikā || 74 ||

Wo der Lebenshauch gesammelt verweilt, nennen die Weisen dies die Ghata-Stufe. Wenn der Körper unbeweglich ist und Vayu fest im inneren Raum ruht, wird eine tiefe Stufe der Vertrautheit erreicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yatra tiṣṭhati sā proktā ghaṭākhyā bhūmikā budhaiḥ – Wo der Lebenshauch gesammelt verweilt, nennen die Weisen dies die; na sajīvo na nirjīvaḥ kāye tiṣṭhati niścalam – Ghata-Stufe. Wenn der Körper unbeweglich ist und Vayu fest im (Jiva); yatra vāyuḥ sthiraḥ khe syātseyaṃ prathamabhūmikā – inneren Raum ruht, wird eine tiefe Stufe der Vertrautheit erreicht.

5.75. Vers Varaha Upanishad
yatrātmanā sṛṣṭilayau jīvanmuktidaśāgataḥ |
sahajaḥ kurute yogaṃ seyaṃ niṣpattibhūmikā || 75 ||

Wenn der Yogi im Zustand des Jivanmukta Schöpfung und Auflösung im eigenen Selbst erkennt und Yoga ganz natürlich vollzieht, wird dies die Stufe der Vollendung, Nishpatti, genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yatra ātmanā sṛṣṭi-layau – wenn Schöpfung und Auflösung im eigenen Selbst erkannt werden (Atman); jīvanmukti-daśā-gataḥ – nachdem der Zustand der Befreiung zu Lebzeiten erreicht ist (Jivanmukta); sahajaḥ kurute yogam – vollzieht er Yoga ganz natürlich (Yoga); sā iyam niṣpatti-bhūmikā – dies ist die Stufe der Vollendung, Nishpatti.

Abschluss der Varaha Upanishad

etadupaniṣadaṃ yo'dhīte so'gnipūto bhavati |
sa vāyupūto bhavati | surāpānātpūto bhavati |
svarṇasteyātpūto bhavati | sa jīvanmukto bhavati |
tadetadṛcābhyuktam | tadviṣṇoḥ paramaṃ padaṃ sadā paśyanti sūrayaḥ |
divīva cakṣurātatam | tadviprāso vipanyavo jāgṛvāṃsaḥ samindhate |
viṣṇoryatparamaṃ padamityupaniṣat ||

Wer diese Upanishad studiert, wird durch Feuer und Luft geläutert, von den schweren Verfehlungen des Rauschtrinkens und des Golddiebstahls gereinigt und zu Lebzeiten befreit. Dazu wird der vedische Vers gesprochen: Die Seher schauen stets den höchsten Schritt Vishnus, weithin sichtbar wie ein Auge am Himmel. Die wachen und weisen Brahman-Kenner entzünden und offenbaren jenen höchsten Schritt Vishnus.

Shanti Mantra oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tatsat ||

Om. Möge er uns beide beschützen; möge er uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden. Harih Om Tat Sat.

iti varāhopaniṣatsamāptā ||

Damit ist die Varaha Upanishad beendet.

Sicherheitshinweis

Die Varaha Upanishad beschreibt fortgeschrittene Atem-, Bandha-, Mudra-, Kundalini- und Konzentrationspraktiken in der Sprache des vormodernen Yoga. Besonders intensive Atemverhaltung und starke Drucktechniken sind nicht zum eigenständigen Experimentieren bestimmt. Für eine heutige Praxis sind schrittweiser Aufbau, gesundheitliche Eignung und qualifizierte persönliche Anleitung entscheidend.

Varaha Upanishad: Hintergrund, Lehre und Bedeutung

Die Varaha Upanishad (Sanskrit: Varāha Upaniṣad beziehungsweise Varāhopaniṣad) gehört zu den umfangreichsten Yoga Upanishaden. In der traditionellen Zuordnung ist sie mit dem Krishna Yajurveda verbunden und steht im Kanon der 108 Upanishaden der Muktika Upanishad an 98. Stelle. Ihr Name verweist auf Varaha, die Eber-Inkarnation Vishnus. Der Weise Ribhu bittet Varaha um die höchste Brahmavidya – um jene Erkenntnis, durch die das wahre Wesen des Göttlichen und des eigenen Selbst unmittelbar verwirklicht werden kann.

Die Schrift verbindet mehrere große Strömungen indischer Spiritualität: die Tattva-Lehre des Samkhya, den Nichtdualismus des Vedanta, Vishnu-Bhakti, die Lehre von Jivanmukti sowie die körper- und atembezogene Praxis des vormodernen Hatha Yoga. Ihr Ziel ist nicht die Ansammlung philosophischer Begriffe und auch nicht der Erwerb außergewöhnlicher Kräfte. Alle ihre verschiedenen Lehrstücke laufen auf eine zentrale Einsicht zu: Das innerste Atman ist nicht von Brahman verschieden. Yoga dient dazu, diese Wahrheit nicht nur gedanklich zu verstehen, sondern im ganzen Leben zu verwirklichen.

Textumfang, Gliederung und unterschiedliche Verszählungen

Die hier verwendete Sanskritfassung besitzt fünf Kapitel mit 249 nummerierten Versen:

  • erstes Kapitel: 17 Verse,
  • zweites Kapitel: 83 Verse,
  • drittes Kapitel: 30 Verse,
  • viertes Kapitel: 44 Verse,
  • fünftes Kapitel: 75 Verse.

In Nachschlagewerken wird häufig eine Gesamtzahl von 247 Versen genannt. Diese Abweichung erklärt sich aus unterschiedlichen Rezensionen und Zählweisen. Prosaabschnitte, Halbverse oder einzelne Versgruppen können in verschiedenen Ausgaben anders gegliedert werden. Für wissenschaftliche oder vergleichende Arbeit sollte deshalb nicht nur eine Gesamtzahl, sondern immer auch die verwendete Textausgabe genannt werden.

Die ersten drei Kapitel sind als Unterweisung Varahas an Ribhu gestaltet. Im vierten Kapitel fragt Nidagha den weisen Ribhu nach den Kennzeichen des zu Lebzeiten Befreiten. Das fünfte Kapitel wendet sich ausführlich der Yogapraxis zu. Diese Dialogstruktur verbindet göttliche Offenbarung, verwirklichte Weisheit und persönliche Lehrer-Schüler-Unterweisung.

Datierung und geschichtlicher Hintergrund

Die Varaha Upanishad gehört nicht zur ältesten vedischen Upanishaden-Schicht. Ihre ausgeprägte Vedanta-Terminologie, die sieben Erkenntnisstufen, die Lehre von Jivanmukti und ihr entwickeltes Hatha-Yoga-System weisen auf eine spätmittelalterliche Yoga-Upanishad hin. Häufig wird ihre heutige Gestalt ungefähr zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert eingeordnet. Eine punktgenaue Datierung ist nicht möglich. Einzelne Lehrstücke können aus älteren Quellen stammen, während Zusammenstellung und Redaktion später erfolgt sein können.

Der Text entstand in einer Epoche, in der asketische, tantrische, nathayogische und vedantische Traditionen intensiv miteinander in Beziehung traten. Die Varaha Upanishad ist ein besonders deutliches Beispiel für diese Synthese: Nadi, Prana, Bindu, Kundalini, Bandha und Nada erscheinen innerhalb einer Befreiungslehre, deren philosophisches Ziel die nichtduale Erkenntnis des Selbst ist.

Inhalt der fünf Kapitel

Erstes Kapitel: Die Tattvas und das von ihnen freie Selbst

Der Weise Ribhu übt zwölf göttliche Jahre lang Tapas. Darauf erscheint ihm Bhagavan in der Gestalt Varahas und bietet ihm einen Wunsch an. Ribhu bittet nicht um weltlichen Genuss, sondern um Brahmavidya. Varaha beginnt seine Unterweisung mit der Frage nach den Tattvas, den Grundprinzipien der menschlichen und kosmischen Erscheinung.

Der Text nennt zunächst vierundzwanzig Tattvas: Erkenntnisorgane, Handlungsorgane, Lebenshauche, subtile Sinnesqualitäten sowie Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta. Durch Hinzunahme weiterer Kategorien entstehen Systeme von sechsunddreißig und schließlich sechsundneunzig Tattvas. Dazu gehören die fünf Elemente, drei Körper, drei Bewusstseinszustände, sechs körperliche Veränderungen, sechs Wogen des Daseins, körperliche Bestandteile, innere Feinde, Gunas, Karmaformen, Funktionen des Geistes und kosmische Mächte.

Die Aufzählung dient nicht nur der Klassifikation. Varaha erklärt am Ende, dass sein leidfreies wahres Wesen von der Gesamtheit dieser Prinzipien verschieden ist. Wer die Tattvas durchschaut und sich nicht mehr mit ihnen verwechselt, kann Befreiung erlangen. Analyse soll zur Transzendierung führen.

Zweites Kapitel: Brahmavidya und nichtduale Selbsterkenntnis

Das zweite und längste Kapitel entfaltet die Voraussetzungen und den Inhalt der Brahmavidya. Genannt werden die klassischen Mittel des Erkenntnisweges: Unterscheidung zwischen ewig und vergänglich, Loslösung, die sechs inneren Tugenden und intensives Verlangen nach Befreiung. Der Schüler soll die Sinne sammeln, die Vorstellung von „mein“ aufgeben und das Ichbewusstsein im bezeugenden Bewusstsein verankern.

Die Schrift verwendet dabei auch zeitgebundene gesellschaftliche Aussagen über Geburt, Geschlecht, Varna und Ashrama. Solche Stellen dokumentieren den historischen Kontext des Textes; sie müssen nicht als zeitlose Rangordnung übernommen werden. Die eigentliche philosophische Lehre überschreitet diese Begrenzungen ausdrücklich: Das Atman ist jenseits von Varna und Ashrama, und wer es in allen Wesen erkennt, wird zu Brahman.

Varaha lehrt, dass Glückseligkeit nicht von äußeren Dingen stammt. Dinge werden geliebt, weil in ihnen das eigene Selbst gesucht wird. Atman ist selbstleuchtend und wird nicht durch Dunkelheit, Karma oder die wechselnden Zustände des Geistes berührt. Universum, Jiva, Ishvara und Maya besitzen keine vom vollkommenen Selbst unabhängige Wirklichkeit.

Das Kapitel behandelt ferner die unmittelbare Erkenntnis gegenüber bloß mittelbarem Wissen, den Sinn von Upavasa als „Verweilen in der Nähe“ des höchsten Selbst, die Überwindung des Körper-Ego, die Beziehung von Wachen, Traum und Tiefschlaf sowie Samadhi und Nada. Der berühmte Vergleich einer Tänzerin, die trotz Musik und Bewegung ihre Aufmerksamkeit auf ein Gefäß auf ihrem Kopf richtet, beschreibt die Haltung des verwirklichten Yogi: Er nimmt die Welt wahr, ohne die Schau Brahmans zu verlieren.

Drittes Kapitel: Nichtdualität, Vishnu und Shiva

Das dritte Kapitel besteht zu großen Teilen aus machtvollen Identitätsaussagen. Das eine Wirkliche kann nicht in Wahrheit zu einer Vielheit werden. Alles Sichtbare und Hörbare ist nicht von Brahman getrennt. Der Übende soll in der stillen Gewissheit ruhen: Ich bin reines Sein und Bewusstsein, ungeteilt, nichtdual, makellos und frei von allem Sichtbaren.

Obwohl die Rahmenhandlung vaishnavisch ist, entwickelt der Text keinen engen konfessionellen Ausschließlichkeitsanspruch. Vishnu, Brahman, Atman und Shiva werden auf der höchsten Ebene miteinander identifiziert. Die Aussage „Vishnu ist Shiva“ macht deutlich, dass die verschiedenen Gottesnamen auf dieselbe nichtduale Wirklichkeit weisen.

Auch Siddhis werden relativiert. Mantra, besondere Handlungen, günstige Zeiten, Heilmittel und andere Mittel können außergewöhnliche Fähigkeiten hervorbringen; sie helfen jedoch nicht notwendigerweise zur Erkenntnis des Paramatman. Wer das Selbst erkannt hat, benötigt keine Siddhis zur Bestätigung seiner Vollendung.

Viertes Kapitel: Die sieben Erkenntnisstufen und Jivanmukti

Das vierte Kapitel beginnt mit einer ausführlichen Lehre über sieben Jnana Bhumis, die Stufen der Erkenntnis:

  1. Shubhechha – der heilsame und ernsthafte Wunsch nach Wahrheit,
  2. Vicharana – Erforschung durch Schriften, weise Gemeinschaft und Nachdenken,
  3. Tanumanasi – das Dünnwerden der an Sinnesobjekte gebundenen Geistestätigkeit,
  4. Sattvapatti – das Eintreten in die Reinheit des Selbst,
  5. Asamsakti – tiefe Nichtanhaftung,
  6. Padartha Bhavana – das Verblassen der Vorstellung innerer und äußerer Gegenstände,
  7. Turiyaga – beständiges Ruhen in der nichtdualen Wirklichkeit.

Die Stufen werden mit Om, seinen Lautbestandteilen A, U und M, der Halbmora sowie den Zuständen Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya in Beziehung gebracht. Damit verbindet die Schrift eine aus dem Vedanta bekannte Bewusstseinslehre mit einem stufenweisen spirituellen Reifungsweg.

Besonders bedeutsam sind die Verse über den Jivanmukta. Er lebt und handelt in der Welt, doch sein Geist bleibt weit wie der Raum. Glück und Leid lassen sein inneres Licht weder aufsteigen noch untergehen. Er hält sich nicht für den Handelnden, ist frei von Ich und Mein und empfindet weder Angst vor der Welt noch flößt er anderen Angst ein. Diese Kennzeichen verlagern den Maßstab spiritueller Verwirklichung von außergewöhnlichen Erlebnissen auf Freiheit, Gleichmut und Nichtanhaftung.

Das Kapitel unterscheidet außerdem zwei Wege, die sinnbildlich mit Shuka und Vamadeva verbunden werden: einen unmittelbaren „Vogelweg“ und einen allmählichen „Ameisenweg“. Der eine steht für rasche Erkenntnis, der andere für stufenweise Reifung über Übung, Geburt und erneute Vertiefung.

Fünftes Kapitel: Das praktische Yogasystem

Im fünften Kapitel bittet Nidagha den Weisen Ribhu um eine Erklärung der Yogapraxis. Das Kapitel beginnt mit dem Körper als Zusammensetzung der fünf Elemente und mit dem Wirken des Lebenshauches. Es erklärt Uddiyana Bandha, maßvolle Ernährung sowie Mantra Yoga, Laya Yoga und Hatha Yoga.

Danach folgt ein achtgliedriger Yogaweg aus:

  1. Yama,
  2. Niyama,
  3. Asana,
  4. Pranayama,
  5. Pratyahara,
  6. Dharana,
  7. Dhyana,
  8. Samadhi.

Anders als das Yoga Sutra nennt die Varaha Upanishad jeweils zehn Yamas und Niyamas. Zu den Yamas gehören Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Vergebung, Standhaftigkeit, Mitahara und Reinheit. Die Niyamas umfassen Tapas, Zufriedenheit, Vertrauen, Geben, Gottesverehrung, Hören der Lehre, Bescheidenheit, klare Einsicht, Japa und Vrata.

Der Text nennt elf Asanas und beschreibt anschließend Pranayama, Nadis, den Kanda, die zwölf wichtigen Nadi-Verbindungen, die Lebenshauche, Bindu, Nada und Kundalini. Der feinstoffliche Körper wird als ein lebendiges Netzwerk dargestellt, in dem Prana und Bewusstsein einander beeinflussen. Durch Mudras und Bandhas soll der Lebenshauch in die Sushumna geführt und durch die drei Granthis geleitet werden.

Der letzte Teil behandelt Om und vier Stufen yogischer Reifung: Arambha – Beginn, Ghata – Sammlung oder „Gefäßzustand“, Parichaya – tiefe Vertrautheit und Nishpatti – Vollendung. In Nishpatti wird Yoga spontan: Der Jivanmukta erkennt Schöpfung und Auflösung im eigenen Selbst.

Grundgedanken der Varaha Upanishad

Analyse dient der Transzendierung

Die vielen Tattvas sollen den Menschen nicht in Begriffen gefangen halten. Sie machen sichtbar, aus welchen Schichten die Erfahrung von Körper, Geist und Welt aufgebaut ist. Erkenntnis entsteht, wenn alle diese Schichten wahrgenommen, unterschieden und schließlich als nicht das unveränderliche Selbst erkannt werden.

Hatha Yoga und Vedanta bilden keinen Gegensatz

Die Schrift stellt körperliche Praxis und Selbsterkenntnis nicht gegeneinander. Die Hatha-Methoden sammeln Prana und Geist; Brahmavidya gibt ihnen Richtung und Ziel. Ohne Erkenntnis können Techniken an der Oberfläche bleiben. Ohne Vorbereitung und Sammlung kann Erkenntnis wiederum abstrakt bleiben.

Jivanmukti ist das eigentliche Kriterium

Der verwirklichte Mensch wird nicht vor allem an besonderen Kräften erkannt, sondern an innerer Freiheit. Er handelt ohne Handelndenbewusstsein, bleibt in Freude und Leid gleichmütig und lebt ohne Angst und Besitzanspruch. Dies macht die Jivanmukta-Lehre für die heutige Praxis besonders wertvoll.

Vishnu und Shiva weisen auf dieselbe Wirklichkeit

Die Varaha Upanishad beginnt als Offenbarung Vishnus, spricht aber zugleich von Shiva als höchstem Selbst. Diese Inklusivität zeigt einen nichtdualen Umgang mit verschiedenen Gottesformen: Bhakti kann eine konkrete Gestalt haben, ohne das Grenzenlose auf diese Gestalt zu beschränken.

Verhältnis zu anderen Yoga-Schriften

Yoga Sutra des Patanjali

Die Varaha Upanishad übernimmt die Struktur des achtgliedrigen Yoga, erweitert jedoch Yama und Niyama auf jeweils zehn Regeln und verbindet die acht Glieder mit Hatha-Yoga, Nadi, Kundalini, Bindu und Nada. Das ältere Yoga Sutra des Patanjali analysiert Chitta, Kleshas, Karma und Samadhi im Rahmen einer dualistischen Unterscheidung von Purusha und Prakriti. Die Varaha Upanishad deutet das Ziel hingegen ausdrücklich als nichtduale Einheit von Atman und Brahman.

Yoga Tattva Upanishad

Die Yoga Tattva Upanishad verbindet ebenfalls philosophische Erkenntnis mit einem stufenweisen Yogaweg und unterscheidet verschiedene Formen des Yoga. Besonders die vier Reifestufen Arambha, Ghata, Parichaya und Nishpatti sowie die Verbindung von Atem, innerer Läuterung und Befreiung bilden eine deutliche sachliche Nähe.

Yoga Shikha Upanishad

Mit der Yoga Shikha Upanishad teilt der Text die integrale Verbindung von Mantra, Laya, Hatha und Raja Yoga. Beide Schriften verstehen den Körper als Ort spiritueller Transformation und führen die praktische Lehre zu einer nichtdualen Erkenntnis. Die Varaha Upanishad legt dabei ein besonders großes Gewicht auf Brahmavidya, die Erkenntnisstufen und die Kennzeichen des Jivanmukta.

Yoga Kundalini Upanishad

Die Yoga Kundalini Upanishad konzentriert sich stärker auf Atemlenkung, Khechari und den Aufstieg der Kundalini. Die Varaha Upanishad behandelt verwandte Themen – Nadis, Sushumna, Kundalini, Bindu, Nada und Granthis – innerhalb eines breiteren Systems aus Tattva-Analyse, Vedanta und Jivanmukti.

Amritasiddhi

Die ungefähr ins 11. Jahrhundert datierte Amritasiddhi gehört zu den frühesten erhaltenen systematischen Quellen der später als Hatha Yoga bezeichneten Praxiswelt. Ihre Lehren von Prana, Apana, Bindu, Sonne, Mond und Lebenselixier bilden einen wichtigen historischen Hintergrund. Die Varaha Upanishad übernimmt vergleichbare Praxisvorstellungen in einen ausdrücklich upanishadischen und vedantischen Rahmen.

Goraksha Shataka und Goraksha Paddhati

Das Goraksha Shataka und die Goraksha Paddhati behandeln Nadis, Lebenshauche, Bandhas, Kundalini und die zentrale Bahn. Die Varaha Upanishad gehört demselben weiten Praxis- und Ideenfeld an. Wegen unsicherer Datierungen und unterschiedlicher Rezensionen sollte man jedoch nicht ohne konkreten Textvergleich behaupten, ein Werk sei schlicht aus dem anderen abgeschrieben.

Yoga Bija

Das Yoga Bija verbindet Kundalini, Hatha Yoga, den transformierten Körper und Befreiung in einem Dialog zwischen Shiva und Devi. Beide Texte betonen, dass Hatha Yoga nicht bei Körperbeherrschung endet. Die Varaha Upanishad entwickelt stärker die Tattva-Lehre und Jivanmukti, während das Yoga Bija den Zusammenhang verschiedener Yogaformen und die Bedeutung des yogisch transformierten Körpers besonders hervorhebt.

Hatha Yoga Pradipika

Mit der im 15. Jahrhundert zusammengestellten Hatha Yoga Pradipika teilt die Varaha Upanishad viele Themen: Mitahara, Asana, Pranayama, Bandha, Sushumna, Kundalini und Nada. Die Hatha Yoga Pradipika ordnet ihr Material als praktisches Kompendium in vier Unterweisungen. Die Varaha Upanishad bindet vergleichbare Verfahren in eine umfassende Brahmavidya und Jivanmukta-Lehre ein.

Shiva Samhita und Gheranda Samhita

Die Shiva Samhita verbindet nichtduale Philosophie mit einer ausführlichen Lehre von Nadis, Mudras, Chakras und Kundalini. Die spätere Gheranda Samhita entfaltet einen siebenfachen Yogaweg und legt größeren Wert auf Reinigungsübungen und körperliche Schulung. Im Vergleich zu beiden Texten ist die Varaha Upanishad stärker von der Frage geprägt, wie praktische Yogaübung in unmittelbare Selbsterkenntnis und Befreiung zu Lebzeiten mündet.

Yoga Vasistha

Die sieben Erkenntnisstufen, die ausführliche Beschreibung des Jivanmukta und die beiden Wege von Shuka und Vamadeva zeigen eine besondere Nähe zur Gedankenwelt der Yoga Vasistha. Beide Werke verstehen Befreiung als Auflösung geistiger Projektion und als beständiges Ruhen im reinen Bewusstsein. Die Varaha Upanishad verbindet dieses erkenntnisorientierte Modell zusätzlich mit einem konkreten Hatha-Yoga-System.

Bedeutung für frühere Yoga-Aspiranten

Für vormoderne Übende war die Varaha Upanishad vermutlich keine allein ausreichende Selbstlernanleitung. Sie fasste Lehren zusammen, die innerhalb einer Guru-Schüler-Tradition erklärt und praktisch vermittelt wurden. Ihre Autorität als Upanishad half, Hatha-Praktiken in den Horizont von Brahmavidya und Moksha einzuordnen.

Der Text zeigt, dass fortgeschrittene Yogapraxis schon damals nicht als bloße Körperübung verstanden wurde. Ethik, maßvolle Ernährung, Atem, Meditation, Selbsterforschung und Erkenntnis bildeten einen zusammenhängenden Weg.

Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten

Für moderne Übende sind besonders folgende Impulse wichtig:

  • Unterscheidungskraft: Körper, Gefühle, Gedanken und Rollen können beobachtet werden; sie sind daher nicht das unveränderliche Selbst.
  • Ethik vor Intensität: Yama und Niyama stehen vor den fortgeschrittenen Atem- und Energiepraktiken.
  • Maß und Behutsamkeit: Mitahara und die Warnungen vor ungeeigneten Übungsbedingungen bleiben aktuell.
  • Verbindung von Atem und Geist: Prana-Schulung soll Sammlung und Meditation unterstützen, nicht sportlichen Ehrgeiz nähren.
  • Nichtanhaftung: Spirituelle Erfahrungen und Siddhis sind kein zuverlässiger Maßstab für Befreiung.
  • Jivanmukti: Der Wert der Praxis zeigt sich in Gleichmut, Furchtlosigkeit, Freiheit von Ich und Mein sowie in einem verantwortlichen Leben.

Die feinstoffliche Anatomie des Textes ist ein traditionelles Praxis- und Deutungsmodell. Nadis, Chakras, Bindu und Kundalini sollten nicht vorschnell mit einzelnen Nerven, Drüsen oder messbaren physikalischen Energien gleichgesetzt werden. Moderne physiologische oder psychologische Deutungen können ergänzen, ersetzen aber nicht den historischen Sinn des Sanskrittextes.

Bedeutung für Yoga-Meister und Lehrende

Für Yoga-Meister bietet die Varaha Upanishad eine außergewöhnlich breite Grundlage. Sie verbindet Philosophie, Ethik, Praxis und die Beschreibung verwirklichten Lebens. Lehrende können an ihr zeigen, dass Hatha Yoga innerhalb der Tradition auf Meditation und Befreiung ausgerichtet war.

Zugleich verlangt die Schrift verantwortliche Auslegung. Historisch bedingte gesellschaftliche Aussagen sollten erklärt und nicht unbesehen als heutige Norm wiederholt werden. Fortgeschrittene Kumbhaka-, Bandha- und Kundalini-Praktiken müssen an Erfahrung und gesundheitliche Voraussetzungen angepasst werden. Guru-Prinzip bedeutet heute nicht blinden Gehorsam, sondern Kompetenz, ethische Integrität, Transparenz und Respekt vor den Grenzen des Schülers.

Die Kennzeichen des Jivanmukta geben Lehrenden einen wichtigen Prüfstein: Nicht spektakuläre Energieerlebnisse, sondern innere Freiheit, Stabilität, Mitgefühl und fehlender Besitzanspruch weisen auf Reifung hin. Bei anhaltender Angst, Schlaflosigkeit, Desorientierung, Schmerzen oder anderen belastenden Symptomen soll intensive Praxis unterbrochen und gegebenenfalls medizinische oder psychotherapeutische Hilfe einbezogen werden.

Heutige Gesamtbedeutung

Die Varaha Upanishad ist eine große Synthese des vormodernen Yoga. Sie führt von der Analyse der sechsundneunzig Tattvas über Brahmavidya und die sieben Erkenntnisstufen bis zu einem differenzierten Hatha-Yoga-System. Ihr roter Faden ist die Befreiung von falscher Identifikation.

Ihre bleibende Botschaft lautet: Der Mensch soll Körper und Geist sorgfältig schulen, die Kräfte des Lebens sammeln und die Wirklichkeit gründlich erforschen. Vollendung entsteht jedoch erst, wenn der Übende erkennt, dass das gesuchte höchste Bewusstsein immer schon sein eigenes innerstes Selbst ist.

Textgrundlage und weiterführende Literatur

  • Sanskrit Documents: Varāha Upaniṣad – Sanskrittext in Devanagari.
  • K. Narayanasvami Aiyar: Varaha Upanishad – englische Übersetzung aus der gemeinfreien Ausgabe Thirty Minor Upanishads.
  • K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads. Madras 1914.
  • T. R. Srinivasa Ayyangar: The Yoga Upanishads. Adyar Library, Madras.
  • James Mallinson und Mark Singleton: Roots of Yoga. Penguin Classics, 2017.
  • James Mallinson und Péter-Dániel Szántó: The Amṛtasiddhi and Amṛtasiddhimūla. Institut Français de Pondichéry / EFEO, 2021.

Hinweis zur vorliegenden Wiki-Fassung: Sanskrittext, IAST, deutsche Übersetzung und Worterklärungen wurden für die direkte Verwendung im deutschsprachigen Yoga Wiki redaktionell vereinheitlicht. Wo Rezensionen oder Verszählungen abweichen, ist für philologische Detailfragen eine kritische Ausgabe beziehungsweise der Handschriftenvergleich heranzuziehen.