Vasishtha Gita

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Die Vasishtha Gita, Sanskrit वासिष्ठ गीता gītā vasiśtha, ist ein bedeutender Vedanta-Text. Vasishtha Gita heißt übersetzt "Gesang (Gita) des Weisen Vasishtha". Die Vasishtha Gita ist Bestandteil des Nirvana Prakarana des Yoga Vasishtha. Der Weise Vasishtha unterweist seinen Schüler Rama in den ewigen Wahrheiten.

Der Weise Vasishtha

Essenz der Vasishtha Gita

Swami Sivananda schrieb über die Essenz der Vasishtha Gita in seinem Buch Sarvagita Sara [1]:

Die Substanz des Samsara besteht darin, dass sie gänzlich unwahr ist. Es liegt nicht der geringste Sinn darin, ihr auch nur einen Moment lang Glauben zu schenken. Die Gestalt der Welt ist unwirklich – die innerste Essenz der Welt ist das unendliche Brahman. Im Bewusstsein des Nichtselbst, welches aus der Täuschung geboren ist, herrscht der Kummer. Das höchste Glück kann durch die Gewissheit des ewigen Seins erlangt werden. All dies hier ist nichts als nur das Brahman, welches in Brahman und durch Brahman erscheint. Die Ursache für die Bindung liegt in der Liebe für das Leben. Das Leben in Brahman bedeutet Unsterblichkeit. Diese Gita wendet sich an diejenigen, die die höchste Art des Jnana Yoga praktizieren.

Die wichtigsten Verse der Vasishtha Gita

Swami Sivananda erachtete die folgenden Verse als die wichtigsten der Vasishtha Gita und schloss sie deshalb ein in seinem Werk Sarvagita Sara.

I-3 Sri Vasishtha sprach: Wer die Schleier abgeworfen, alle Wünsche und Bestrebungen beruhigt hat und angefüllt ist mit der höchsten unsterblichen Essenz, erstrahlt als das höchste Sein selbst.

I-7 Die Freuden des Himmels sind wie das Liebkosen des Sohnes der unfruchtbaren Frau im Traum. Diese Welt, die wir erfahren, ist gänzlich unwirklich.

I-9 Worin sollte der Zweck des Lebens bestehen, da doch das gesamte Spiel des Samsara eine Unwirklichkeit darstellt? Svarga und Mokscha sind beides nur bloße Worte – wie die Söhne der unfruchtbaren Frau (d.h. Svarga und Moksha sind selbst nur Teil des Samsara).

I-16 Alles ist in der Tat nichts als eine große Täuschung. Es gibt weder Traum noch Tiefschlaf. Es gibt weder Himmel noch Befreiung. Die Wahrheit ist, dass alles der Friede der Ewigkeit ist.

I-17 Sobald die Täuschung durchschaut ist, wird sie gleichzeitig als unwirklich erkannt, denn sie besitzt keine reale Substanz. Wie könnte Silber in Perlmutter gefunden werden? Es ist absolut irreal.

I-20 Im Zustand des Nicht-Selbst gibt es großen Kummer und Leid. Im Zustand des Selbst gibt es absoluten Frieden. Wisse dies mit Hilfe der Unterscheidung und handle dann, wie es dir beliebt.

I-25 Die Gestalt der Welt ist ein unwirkliches Bild. Es ist nur Brahman, der in Brahman erscheint. Jene, die an diese Traumwelt glauben, sind selbst nur verträumte, unwirkliche Menschen.

I-27 Dein absolutes Brahman-Bewusstsein existiert ebenso auch in mir, dieses Friedvolle -, ausgedehnt wie der Himmel. Es erscheint als etwas Verschiedenes wie die bewegte Luft mit ihren anscheinend verschiedenen Windböen, obgleich sie in Wirklichkeit eins sind.

I-28 Ich bin das ewige Sein für diejenigen, die es wissen. Denjenigen jedoch, die träumen, erscheine Ich wie ein Traum. Auch diese existieren nicht für mich – so wie die Traumobjekte eines Träumenden unwirklich sind.

I-29 Mein Umgang mit anderen Personen ist in Wahrheit nur Brahman, der in Brahman erscheint. Lass die Leute nur Gefallen finden an dem, was sie meinen wahrzunehmen, so wie es ihnen beliebt. Genug – genug von diesem objektiven Erfahren!

I-35 So wie die Traumerfahrungen für einen wachen Menschen nichts als Phantastereien sind, so ist es auch mit dem großen Spiel der Welt für eine Person mit der rechten Unterscheidung.

I-36 Durch die Praxis des Yoga erlangt man diesen ewigen Zustand. Dann erkennt man, dass hier kein Ego ist, dass hier kein Samsara ist – dass nur die ewige Stille verbleibt.

II-3 Sobald es die Verankerung in der essenziellen Natur des Selbst, im ewigen Frieden, gibt, verschwindet das gesamte wahrnehmbare Universum so wie der Traum im Tiefschlaf untergeht.

II-4 Freuden sind die großen Krankheiten des Samsara. Die Verwandten sind Taue, die jemanden an den Samsara binden. Der Erwerb von Reichtum dient nur der Selbstzerstörung. Ruhe daher im Selbst durch das Selbst.

II-5 Die Schöpfung ist der Natur der Realität entgegengesetzt. Wahrheit ist die auf immer gesegnete Identität. Lebe in der großen Realität. Sei ruhig. Leide nicht in diesem Samsara.

II-6 Ich erfahre nicht das individuelle Selbst. Ich nehme überhaupt nichts wahr. Ich unterliege nicht der Weltillusion. Ich bin in den Frieden Brahmans eingegangen. Ich bin selbst der leidlose Brahman.

II-9 Wer in Brahman gegründet ist, kennt keine Schöpfung. Wer im Werk der Schöpfung gegründet ist, kennt Brahman nicht. Der schlafende Mensch kennt den Traum nicht. Der träumende Mensch kennt den Schlaf nicht.

III-20 So wie die durch Einbildungskraft geschaffene Stadt nicht getrennt von der Einbildung existiert, so ist diese Welterscheinung nicht verschieden von der höchsten Wahrheit.

IV-3 So wie Luft weht, ohne irgendeine Ursache, so ähnlich ist die ursachelose Bewegung dieses Universums der Strahlen ewigen Bewusstseins.

IV-5 So wie Klarheit auf natürliche Weise dem Kristall innewohnt, so erstrahlt das reine Bewusstsein des unendlichen Seins als diese Welt.

IV-16 Der Unterschied zwischen dem Universum und Brahman ist also eine Unwirklichkeit. Aus dem einen Sein können nicht zwei werden, weil nur dieses große unendliche Bewusstsein allein existiert.

IV-21 Wie der Himmel, so ist auch dieses gesamte Universum reine Leerheit. Es wird von einem alldurchdringenden reinen Sein des Bewusstseins überlagert.

IV-23 Wie könnte der Himmel zum Nicht-Himmel werden? Einen zweiten Himmel gibt es nicht. Im unendlichen Bewusstsein erstrahlt das Universum als Glanz oder Licht.

IV-25 Die wahre Gestalt dieses Samsara ist Totenstille. Er ist wie der fruchtlose Kampf von einem, der Dinge zu erblicken glaubt, während seine Augen geschlossen sind.

IV-41 Es gibt da kein Objekt der Wahrnehmung. All dies hier erscheint daher nur als unbeschreibbarer, ewiger, seliger, körperloser, universumsloser, absoluter Friede.

IV-51 Das wird Befreiung genannt, die erlangt wird, wenn entdeckt wird, dass die Welt eine Illusion ist, wenn der Geist von sämtlichen Eindrücken gereinigt und sämtliches objektives Sein essenzlos geworden ist.

V-2 Darin besteht das Kennzeichen desjenigen, der sich vom Fieber der Unwissenheit erholt hat, dessen Selbst durch Erkenntnis abgekühlt ist, so dass er den Wassern der Freuden keinen Geschmack mehr abgewinnen kann.

V-3 Erkenne, dass das der Zustand des Nirvana ist, worin das Bewusstsein des „ich“ (Individualität) verlorengegangen ist. Genug von all dem Scheinwissen, den bloßen Wortspielereien und den klugen Ausdrucksweisen!

V-9 Nimm friedlich deine Zuflucht zum wahren Sein, in dem sich sämtliche objektiven Wünsche auflösen, in dem Entsagung und Annehmen keine Bedeutung mehr haben, indem Veränderung und „Anders-Sein“ nicht existieren.

V-13 Lebe ohne Sorge im Nandana-Wald (Indras, des Götterkönigs, leidloser Wald) der Seligkeit des Nirvanan, trinke die erlesene Essenz, existiere als das unendliche Bewusstsein.

V-17 Siehe! Die illusorische Welt, die wie eine Traumstadt gesehen wird, besteht nur zu deiner Bindung und Zerstörung. Warum bist du über diese Illusion so stolz? Leiden kommen in Form von Freuden. All dies dient nur deiner Zerstörung.

VII-14 (Die befreite Seele) betrachtet ihre abertausend Söhne, Frauen, Besitztümer, Freunde, Reichtümer, etc. als bloße Traumobjekte aus einem längst vergangenen, alten Leben.

VII-16 Sie lacht über den Fluss des Samsara mit seinen unbeständigen, berstenden Wellen und Luftblasen, die täuschend und berauschend aussehen in ihren Formen.

VII-17 Der, obwohl er lebt, ist wie ein Leichnam und hat sich selbst im wunderbaren Zustand der Verwirklichung verwurzelt, besitzt nicht das geringste Bewusstsein von irgendetwas in dieser Welt – nicht einmal von den begehrtesten Dingen wie Frauen, Geld und Ruhm.

VII-20 Einen solchen peinigt das Betrachten der weltlichen Aktivitäten, Geschäfte und Vergnügungen, so wie einen Schlafenden, der gewaltsam von anderen geweckt wurde.

VII-36 Wer völlige und äußerste Substanzlosigkeit in allen Objekten zu erblicken vermag, ist einer, in dem die Weisheit erwacht ist. Jemand, der noch nicht zur Weisheit erwacht ist, hat nicht die Kraft, den Objekten zu entsagen.

VII-46 Innere Sammlung bedeutet höchste Wunschlosigkeit gegenüber Objekten. Wer diesen Zustand der Versunkenheit erlangt hat, dessen Göttlichkeit unter den Menschen gehört unsere Verehrung.

VII-47 In wem die Leidenschaftslosigkeit gegenüber den Objekten den höchsten Zustand der Vollkommenheit erreicht hat, dessen Meditation vermögen nicht einmal die Götter und Asuras (Dämonen), und noch nicht einmal Indra selbst, durch Hindernisse zu stören.

VII-48 Praktiziert vajra-artige (dh. „diamantenharte“; Vajra ist die Waffe Indras und ein Zepter zugleich mit unzerstörbaren Eigenschaften der Härte und Strahlkraft) Meditation durch äußerste Leidenschaftslosigkeit gegenüber den Objekten. Wenn die Verschiedenheiten erst einmal durch die Erkenntnis verschwunden sind, worin sollte dann noch der Nutzen anderer Meditationen bestehen, die nur wie Stroh sind?

IX-49 Wohlstand und Frauen sind vergänglich wie Wasserblasen. Welcher weise Mensch würde wohl Freude daran finden, da sie wie der Schatten unter der Haube einer giftigen Schlange sind?

IX-50 Wer um die Wertlosigkeit angehäufter weltlicher Objekte und des Wohlstands weiß und trotzdem noch an ihnen interessiert ist, dieses getäuschte niedere Wesen unter den Menschen sollte von allen gemieden werden.

X-22 Gott ist nicht fern und nicht schwer zu erlangen. Der größte Gott ist das eigene Selbst, welches der Ozean der unendlichen Erkenntnis ist.

X-23 Verneigung vor diesem Selbst, das alles besitzt, von dem alles ausgeht, das selbst alles ist, das überall ist, das im Innern und alldurchdringend ist, das ewig und die Seele von allem ist.

XI-20 Die Wesen besitzen in Wahrheit weder einen Körper noch eine Form des Nicht-Seins. Folglich existiert auch der Geist nicht. Was bleibt, ist schieres Sein, das ihre wahre Natur ist.

XIII-2 Das Absolute ist ewiges Bewusstsein und selbst keine Ursache von irgend etwas; es ist auch keine Wirkung von irgend etwas. (Daher gibt es Schöpfung nicht.)

XIII-3 Da es so etwas wie eine Schöpfung nicht gibt, sind auch sämtliche Jivas und Kreaturen nicht existent, denn es gibt keine Ursache, aus der sie als Wirkung hervorgegangen sein könnten.

XIII-4 Nichts hier wurde jemals geboren, nichts stirbt hier jemals. Die Themen der Unterweisungen und der Zweck allen Lehrens ist nichts weiter als ein Spiel der Worte und der Klänge.

XIII-8 Nichts existiert hier als ein externes Objekt. Nur das eine Bewusstsein erscheint als etwas Äußeres. Sämtliches objektive Sein wächst aus dem inneren Bewusstsein heraus wie ein Baum aus dem Samen.

XIII-9 Das gesamte Universum existiert innerhalb des eigenen, höchsten Bewusstseins – so wie man die Teilung der Zweige am Bananenbaum sieht.

XIII-10 Das gesamte Universum ist der Duft des Bewusstseins. Das Unendliche, welches sowohl innen wie auch außen ist, erscheint als solches in Raum und Zeit.

XIII-26 Sobald die Erkenntnis dämmert, verschwinden die Fesseln der irdischen (körperlichen) Bindung in den drei Welten so, wie ein Kind sich von seiner Furcht befreit fühlt, nachdem es darüber aufgeklärt wurde, dass sich kein Gespenst im Haus befindet.

XIV-5 Dieser gewaltige Fehler der objektiven Wahrnehmung hat den Charakter einer gewaltigen Unwissenheit. In Wahrheit existiert sie jedoch überhaupt nicht, so wie der Fluss in der Fata Morgana kein Wasser enthält.

XV-5 Diese ewige Realität ist das große Bewusstsein. Sie ist die unbekannte Essenz allen Wissens. Sie ist das Absolute, der unveränderliche Friede.

XV-6 Wenn Brahma, Vishnu und Siva zum Zeitpunkt der großen Auflösung nur noch dem Namen nach existieren, wenn Namen und Formen für immer verschwinden, dann ist das, was verbleibt, die reine Wahrheit.

XV-9 Von dieser Essenz des Bewusstseins kann man weder sagen, dass sie existiere, noch dass sie nicht existiere, denn sie ist die vollkommene Stille.

XV-20 Aus der Fülle setzt sich die Fülle fort. In der Fülle erstrahlt die Fülle. Die Fülle allein verbleibt, wenn die Fülle aus der Fülle entnommen wurde.

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Siehe auch

Literatur

Seminare

Indische Schriften

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