Ribhu Gita

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Die Ribhu Gita (Sanskrit: ऋभुगीता; IAST: ṛbhugītā) ist eine Vedanta-Schrift. Die Ribhu Gita entstammt der Vishnu Purana und ist ein Teil der Vishnu Purana. In der Ribhu Gita unterweist der Weise Ribhu seinen Schüler Nidagha in der Vedanta-Philosophie. Ribhu gilt als ein direkter Schüler von Shiva selbst.

Shankara war ein großer Vertreter des Vedanta

Nach einer anderen Tradition entstammt die Ribhu Gita der Shivarahasya Purana, eine der kleineren Puranas (Upapurana = kleinere Purana). Es wird gesagt, dass die Ribhu Gita vor über 7000 Jahren mündlich verkündet wurde. Die Ribhu Gita ist eine der bedeutendsten Advaita Vedanta-Schriften, welche die Prinzipien von Advaita, des Monismus, beschreibt. Ramana Maharshi war einer der modernen Vedantins, welche das Studium der Ribhu Gita sehr empfahlen.

Die wichtigsten Verse der Ribhu Gita

Swami Sivananda erachtete die folgenden Verse als die wichtigsten der Ribhu Gita ((eine der wichtigsten achtzehn Puranas, religiöse Erzählungen) und schloss sie deshalb ein in seinem Werk Sarvagita Sara.

Ribhu sprach:

I-19 Oh Brahmin! Wer hungrig ist, wird satt und zufrieden von der Nahrung, die er isst. Ich war überhaupt niemals hungrig – wie könnte ich dann zufrieden sein (durch Essen)? Weshalb stellst dur mir diese Frage (d.h., ob ich mit meiner Mahlzeit zufrieden sei? Ribhu benutzt die Fragen Nidaghas, ob dieser mit seiner Mahlzeit zufrieden und nun gesättigt sei, zu einer spirituellen Unterweisung.)

I-20 Sobald durch die Tätigkeit des Verdauungsfeuers die Verdauungsorgane ermüden, wird man hungrig, und sobald das Wasser (im Verdauungssystem) erschöpft ist, wird man durstig.

I-21 Hunger und Durst sind die Dharmas des Körpers und nicht die meinen, oh Brahmin! Da es für mich keinen Hunger gibt, bin ich stets zufrieden.

I-22 Zufriedenheit bedeutet die Ruhe des Geistes. Beide (Hunger und Durst) sind Funktionen des Geistes. Ergründe also, zu wem dieser Geist gehört – dieses Wesen (das Selbst) ist an sie nicht gebunden.

I-24 Das Selbst ist alldurchdringend wie der Raum. Worin liegt also der Sinn der Frage: „Von wo kommst du, wohin gehst du“, usw.?

I-25 Ich – der ich Das bin – komme, noch gehe ich. Ich wohne an keinem einzigen Ort. Du bist nicht du, andere sind nicht andere, ich bin nicht ich.

I-27 Was wäre unerfreulich, was wäre schmackhaft für den Hungrigen? Das Schmackhafte wird irgendwann zum Unschmackhaften (verursacht Abscheu).

I-28 Das Unerfreuliche wird erfreulich, und der Mensch hat irgendwann wiederum Abscheu vor dem Erfreulichen. Welche Nahrung gibt es, die am Anfang, in der Mitte und am Ende gleichermaßen schmackhaft wäre?

I-29 So wie die Wände eines aus Lehm gemachten Hauses durch eine weitere Lehmschicht verstärkt werden, so wird dieser aus Erde gemachte Körper durch die Partikel der Erde verstärkt (d.h. Nahrung).

I-31 Indem du dir dies bewusst machst, lasse deinen Geist mit seinen Fragen über das Erfreuliche und Unerfreuliche in Gleichmut ruhen, um die Befreiung zu erlangen.

I-35 Wisse daher, dass alles Eines ist – es gibt in dieser Welt keine Getrenntheit. All dieses ist die Form des einen höchsten Selbst, genannt Vasudeva (das innerste Selbst).

Copyright Divine Life Society

Die Ribhu Gita

Swami Sivananda

Auszug aus dem Buch "Jnana Yoga" von Swami Sivananda (Hrsg.: Divine Life Society, 2007), S. 151-155

I

Brahma hatte einen Sohn mit Namen Ribhu. Ribhu besaß von Natur aus das Wissen über Brahman. Nidagha, der Sohn von Maharshi Pulastya, war ein Schüler von Ribhu. Von den Eigenschaften Nidaghas tief beeindruckt lehrte Ribhu seinem Schüler das komplette Wissen über Brahman. Ribhu fand heraus, dass sein Schüler, obwohl belesen in allen Schriften, nicht sicher war in Bezug auf das Wissen über Brahman, denn er war nicht in der Lage, die eine Wahrheit hinter den verschiedenen Objekten des Universums zu erfassen.

Nidagha siedelte sich in Viranagar an den Ufern des Flusses Devika an und begann ein harmonisches Familienleben. Die Aufgaben eines Haushälters nahm er sehr ernst. Nach einiger Zeit machte sich Ribhu auf den Weg nach Viranagar, um seinen Schüler Nidagha zu sehen. Nachdem Nidagha die täglichen Riten durchgeführt hatte, erwartete er am Tor seinen Gast. Nidagha hieß Ribhu herzlich willkommen und nahm ihn mit ins Haus. Nidagha verehrte den erlauchten Gast und bat ihn demütig, sein Abendessen einzunehmen.

Ribhu sprach: ‚Oh Brahmane, sage mir, was wirst du mir heute anbieten. Ich nehme nur geweihte Speise zu mir. Nidagha erwiderte: ‚Ich habe Weizenmehl, Mais, Früchte, Wurzeln und Brot im Haus. Was immer du wünschst, das will ich dir servieren.‘

Ribhu sprach: ‚All diese nutzlose Nahrung möchte ich nicht. Gib mir Süßigkeiten, Milchreis, Joghurt, Melasse und andere Köstlichkeiten.‘

Nidagha bat seine Frau: ‚Bitte bereite für unseren Gast ein schmackhaftes Mahl zu. Nimm nur das Beste, was wir im Haus haben.‘ Nidaghas Frau bereitete das Mahl und Nidagha bewirtete Ribhu königlich. Als Ribhu sein Mahl beendet hatte, bat Nidagha ihn: ‚Oh ehrenwerter Gast, hat es euch geschmeckt? Seid ihr vollkommen zufrieden? Wo lebt ihr? Wohin geht ihr nun und woher seid ihr gekommen?‘

Ribhu antwortete: ‚Der Hungrige ist zufrieden, wenn er ein von Herzen zubereitetes Mahl serviert bekommt. Ich war nicht hungrig, warum fragt ihr mich das? Wenn durch konstante Arbeit des Jatharagnis (Verdauungsfeuer) die Verdauungsorgane müde werden, dann fühlt der Mensch sich hungrig und wenn der Wasserhaushalt aufgebraucht ist, dann fühlt er sich durstig. Hunger und Durst sind die Dharmas des Körpers, nicht die meinen. Da ich nie hungrig bin, bin ich stets zufrieden. Freude und Zufriedenheit sind Funktionen des Geistes. Ich bin nicht der Geist. Untersuche diese Thesen daraufhin, wessen Dharma Freude und Zufriedenheit sind.

Nun höre meine Antwort auf deine weiteren Fragen. Wo lebst du? Wohin gehst du? Woher kommst du? Der Atman ist alldurchdringend wie der Äther und deshalb bedarf es dieser Fragen nicht. Die Fragen an sich haben keine Basis. Ich gehe nirgendwo hin. Ich komme von nirgendwo her und ich bleibe nirgends. Die Unterschiede von ‚Ich‘, ‚Er‘ und ‚Du‘ betreffen den Körper, nicht die Wirklichkeit. Die Wahrheit ist, dass du nicht du bist. Ich bin nicht ich und nicht verschieden von den anderen beiden. Etwas Süßes ist nicht immer süß. Als ich dich um süßen Reis bat wollte ich nur sehen, wie du reagieren würdest. Für den Hungrigen ist alles schmackhaft. Was heute schmackhaft ist, kann im nächsten Moment genau das Gegenteil sein. Gibt es eine Speise, die am Anfang, in der Mitte und am Ende schmackhaft ist? Der physische Körper ist aus Erde entstanden und nährt sich von Nahrung, die ebenfalls aus Erde entstanden ist. Eine Mauer aus Lehm wird fest, indem wir sie mit Lehm ummanteln. Der Körper wird stark durch die Atome der Nahrung, die wir zu uns nehmen. Gerste, Weizen, Öl, Milch, Joghurt, Zucker und Früchte sind nur Atome der Erde. Welches empfinden wir als schmackhaft und welches als nicht schmackhaft? Das erkennend, übe dich in Unterscheidung und sehe das allem zugrunde liegende Eine und werde gelassen. Gelassenheit ist die wichtigste Eigenschaft, um Moksha zu erlangen.‘

Diese weisen Worte vernehmend verneigte sich Nidagha vor Ribhu und sprach demütig: ‚Oh geehrter Herr. Sei mir gnädig. Zeige mir deine wahre Identität. Ich denke du bist gekommen, um mich mit dem wahren Wissen zu segnen. Deine die Seele erhebenden Worte haben mich von der Täuschung befreit.'

Ribhu antwortete: ‚Oh Brahmane, ich bin dein Lehrer, Ribhu. Ich bin gekommen, um dich das Wissen über das Selbst zu lehren, durch das du in der Lage sein wirst, das Wirkliche vom Unwirklichen zu unterscheiden. Ich werde dich nun verlassen. Alles Wissenswerte habe ich dir erörtert. Meditiere über diese Wahrheit und erkenne die gesamte Welt weilend in Vasudeva. Du wirst nicht eine Spur von Dualität finden.‘

Nidagha zollte seinem Guru Respekt, verehrte ihn und lebte glücklich im wahren Geiste seiner Lehre.

II

Nach langer Zeit begab sich Maharshi Ribhu abermals nach Viranagar, um Nidagha Wissen über das Selbst zu lehren. Als er ankam sah er, dass der König in der Stadt war, umgeben von seinen Untertanen. Die Stadt war überfüllt und hektisch. Ribhu sah Nidagha entfernt von der Menge stehen mit Kusagras und Samidha in seinen Händen. Nidagha war hungrig und durstig, kam jedoch wegen der Menschenmassen nicht durch, um nach Hause zu gelangen.

Ribhu ging auf Nidagha zu und fragte ihn: ‚Lieber Brahmane, warum stehst du hier allein an der Ecke.‘ Nidagha antwortete: ‚Der König ist heute zu Besuch. Aufgrund der Menschenmassen komme ich nicht weiter. Deshalb muss ich hier warten‘.

Ribhu sprach: ‚Du scheinst alles über diesen Platz zu wissen. Sage mir, wer ist der König und wer sind die anderen?‘ Nidagha antwortete: ‚Der auf dem Elefanten sitzt ist der König, die anderen sind seine Begleiter‘.

Ribhu sprach: ‚Mein Herr, ihr habt den Elefanten und den König zusammen beschrieben. Doch wer ist der König und wer ist der Elefant? Ihr habt mir den Unterschied nicht erwähnt und den möchte ich nun von euch erfahren. Nidagha sprach: ‚Unten ist der Elefant, der oben darauf sitzt ist der König. Die Verbindung ist, dass der eine trägt und der andere getragen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand nicht versteht.‘

Ribhu sprach: ‚Ja, das habe ich verstanden. Doch sage er mir, was bedeutet oben und was unten?‘ Nidagha stieg auf die Schultern von Ribhu und erklärte: ‚Höre zu. Nun sitze ich oben wie der König und ihr seid unten wie der Elefant. Diese praktische Erklärung müsst ihr verstanden haben‘

Ribhu sprach: ‚Oben und unten sind relative Bezeichnungen. Oben wird unten und unten wird oben, je nach Position die man einnimmt. Du sagtest mir, dass du oben warst wie der König und ich unten wie der Elefant. Bitte erkläre mir, wer bist du und wer bin ich? Dies vernehmend verneigte sich Nidagha vor Ribhus Füßen und sprach: ‚Oh Herr, ihr seid kein anderer als der Rishi Ribhu, mein geliebter Lehrer. Kein anderer kann derart sprechen. Ihr seid sehr intelligent. Bitte segnet mich.‘

Ribhu sprach: ‚Oh Nidagha, einst dientest du mir mit Vertrauen und Hingabe und hießest mich in deinem Haus willkommen. Du erwiesest mir große Ehre. Nochmals bin ich gekommen, um dich das Wissen über das Selbst zu lehren. Sehe stets die Wahrheit des Selbst in allen Objekten der Welt. Erkenne die Einheit von allem, es gibt keine Dualität.‘ So sprechend verließ Ribhu Nidagha.

Nidagha kontemplierte über die nektargleichen Worte seines Gurus und erreichte Einheit mit Parabrahman. Nie mehr war er von Maya getäuscht. Die Welt der Dualität war endgültig vergangen und er sah die eine homogene Essenz in jedem Objekt, vom Grashalm bis zu Brahma.

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Götter und Göttinnen im Hinduismus (2008)
  • Swami Sivananda, Jnana Yoga, Hrsg.: Divine Life Society, 2007
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Japa Yoga (2003)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Swami Sivananda, Autobiographie von Swami Sivananda (1999)
  • Swami Sivananda, Shrimad Bhagavad Gita. Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda (1998)
  • Swami Sivananda, Gedanken zur Kontemplation (1996)
  • Swami Sivananda, Hatha-Yoga. Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte (1964)
  • Swami Sivananda, Sadhana – Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit
  • Swami Sivananda: Feste und Fastentage im Hinduismus, Yoga Vidya Verlag
  • Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von Heute

Weblinks

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