Lehrer-Schüler-Beziehung

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Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ beschreibt die Art der Beziehung zwischen einem Lehrer und einem Schüler. In der Pädagogik spricht man von der Lehrer-Schüler-Beziehung, bzw. vom Lehrer-Schüler-Verhältnis. Lehrer-Schüler-Beziehung ist eine besondere Form des Lernprozesses. Der Lehrer weiß mehr, der Schüler weiß weniger.

Ob Griechenland oder Indien, auch früher lernten die Schüler von bestimmten Lehrern.

In früheren Zeiten war die Lehrer-Schüler-Beziehung von einer Besonderheit gekennzeichnet: der Lehrer wurde besonders geachtet und der Schüler musste besonders demütig sein. Gerade auch in westlichen Schulen war es die Aufgabe des Lehrers zum Schüler auch streng zu sein, ihn notfalls zu bestrafen, und es gab Zeiten, da war die Lehrer-Schüler-Beziehung ziemlich gewaltsam. Aber auch früher war es so, dass Lehrer mit großem Engagement da waren und Schüler ihren Lehrern sehr dankbar dafür waren.

Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ zwischen Hanuman, der seinen geliebten Rama so sehr verehrte.

Die Lehrer-Schüler-Beziehung ist in den spirituellen Traditionen

Lehrer-Schüler-Beziehung ist etwas Heiliges

Der Lehrer soll sich um die Schüler kümmern. Der Lehrer soll den Schüler lehren. Und der Schüler soll große Ehrerbietung dem Lehrer gegenüber haben. Und so gibt es Aufgaben von der Seite des Lehrers und Aufgaben von der Seite des Schülers. Insbesondere eben in den spirituellen Traditionen gilt es das der Lehrer nicht nur didaktisch geschickt ist, nicht nur muss er Inhalte vermitteln oder auch Techniken oder Philosophien, und so weiter sondern der Lehrer soll auch leben was er lehrt und er soll den Schüler inspirieren durch sein Sosein. Idealerweise ist natürlich der Lehrer gottverwirklicht und zeigt dem Schüler den Weg zur Gottverwirklichung. Aber so ideal muss es ja gar nicht sein. Es reicht aus wenn der Lehrer sich bemüht authentisch zu sein, ethisch zu sein, sich an die fünf Yamas hält und dies nach bestem Wissen und Gewissen lehrt.

Und noch wichtiger ist, oder genau so wichtig ist, dass der Lehrer sich zum Instrument macht. Im spirituellen Kontext will der Lehrer das Göttliche durch sich wirken lassen. Er will nicht sagen: Ich bin großartig. Er will auch gar nicht fühlen das er selbst so wichtig ist, sondern er will sich zum Instrument machen, dass die Lehren durch ihn hindurch fließen können.

Und der Schüler sollte dem Lehrer gegenüber Ehrerbietung zeigen. Der Schüler sollte sich auch öffnen zum Lehrer hin. Der Schüler sollte sich bewusst sein, dass der Lehrer typischerweise auch seine Schwierigkeiten hat, das er seine Begrenzungen hat und das er deshalb auch sich von der Person des Lehrers lösen muss. Nicht die Person des Lehrers ist wichtig, sondern es ist wichtig, in wie weit spricht das Göttliche durch diesen Lehrer. In wie weit kann der Schüler den Lehrer tatsächlich spüren durch den Lehrer. Das Göttliche soll wirken. Und in dieser Sehnsucht, mit dieser Hingabe und dieser Öffnung müssen Lehrer und Schüler die Lehrer-Schüler-Beziehung gestalten.

Die Lehrer-Schüler-Beziehung im Yoga

Im Yoga ist die Lehrer-Schüler-Beziehung eine besonders heilige. Die Lehrer-Schüler-Beziehung wird auch als Guru-Shishya-Beziehung bezeichnet. Der Guru ist der Lehrer, der Schüler ist der Shishya. Der Schüler hat die Aufgabe, eine besondere Demut zum Lehrer zu haben. Der Lehrer hat die besondere Aufgabe, den Schüler zu lehren und mit Respekt zu behandeln. Die Lehrer-Schüler-Beziehung ist eine, durch die nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern auch Prana, Lebensenergie, Segen und letztlich die Erfahrung vermittelt wird.

Ich (Sukadev) selbst ging längere Zeit bei einem Lehrer in die Lehre, bei einem Guru, bei Swami Vishnu-devananda und ich habe gemerkt, dass er mich tiefer verstanden hat, als ich selbst. Dass er wusste, wie es um mich bestellt war. Er hat mir Aufgaben gegeben, von denen ich nachher verstanden habe, wie wichtig sie waren. Ich verdanke ihm sehr viel. Die Lehrer-Schüler-Beziehung kann also ermöglichen, dass man spirituell sehr gut wächst.

Die Lehrer-Schüler-Beziehung als gefährliche Beziehung

Lehrer-Schüler-Beziehung kann auch ausgenutzt werden, in der Psychoanalyse spricht man auch von Übertragung und Gegenübertragung, zum Beispiel wenn eine Lehrer-Schüler-Beziehung eng ist. Auf spirituellem Gebiet ganz besonders, aber auch auf jedem anderen Gebiet. Es kann dann sein, dass sich der Schüler/die Schülerin in den Lehrer/die Lehrerin verliebt.

Das kann dann ausgenutzt werden vom Lehrer/von der Lehrerin und zu traumatischen Erfahrungen bei Schüler und Schülerin führen. Da gibt es gerade in den letzten Jahrzehnten eine besondere Sensibilität, dass eine Lehrer-Schüler-Beziehung normalerweise nicht vom Lehrer ausgenutzt werden darf.

Lehrer müssen sensibilisiert sein für diese Gefühle, die bei den Schülern und Schülerinnen entstehen können und sensibilisiert werden auch für die eigenen Gefühle, die dort auch entstehen können, und darauf achten nicht übergriffig zu werden.

Lehrer-Schüler-Beziehung im spirituellen Gebiet können auch auf andere Weise ausgenutzt werden, indem der Lehrer den Schüler ausnutzt, nicht nur auf sexuellem Gebiet, sondern auch auf andere Weise. Aber die Lehrer-Schüler-Beziehung in der ursprünglichen Form ist etwas Heiliges. Auf gewisse Weise kann man als Schüler auch eine Beziehung entwickeln zu einem Meister, der nicht mehr im physischen Körper ist. Da kann man wenigstens sicher sein, nicht ausgenutzt zu werden. Denn der Meister ist da als subtile Segensenergie auf die man sich einstellen kann und dessen Gegenwart man erfahren kann.

Wenn du Schüler oder Schülerin eines Meisters, eines Lehrers bist, achte auf ein paar Dinge: Dein Lehrer, deine Lehrerin muss nicht vollkommen sein, nicht alles was er oder sie sagt, ist tatsächlich klug und weise. Lerne das, was du lernen kannst und distanziere dich innerlich von dem, was nicht für dich bestimmt ist. Wenn du merkst, dass ein Lehrer, eine Lehrerin übergriffig wird, dann löse die Lehrer-Schüler-Beziehung auf und wenn es kriminell wird, dann wende dich an die Staatsanwaltschaft. Wenn der Lehrer aber nicht übergriffig wird, dann verzeihe dem Lehrer, der Lehrerin auch die Unvollkommenheiten. Nur wenn ein Lehrer Anspruch auf Vollkommenheit erhebt, muss man ihn an seinen höchsten Idealen messen. Ansonsten sollte man gegenüber einem Lehrer, einer Lehrerin auch vergebend und dankbar sein, demütig und offen.

Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ - Video

Videovortrag zum Thema Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎:

Erfahre einiges zum Thema Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ in diesem Video Kurzvortrag. Sukadev, Leiter vom Yoga Vidya e.V., spricht hier über Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ vom Yogastandpunkt aus. So kommt er zu einigen interessanten, auch diskussionswürdigen Gedanken.

Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ Audio Vortrag

Hier findest du die Tonspur des oberen Videos, also einen Audio Vortrag über Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎:

Viveka Chudamani - Ein Meister lehrt den reifen Schüler

Spirituelle Weisheit kann auch beim Hatha Yoga weitergegeben werden

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 42 von Sukadev Bretz -

"Ihn, der nach Befreiung dürstet, der bei dem Lehrer Zuflucht sucht und gewissenhaft nach den Anweisungen der Schriften lebt, ihn, der Ruhe im Geist und Frieden im Herzen hat, sollte der Lehrer wohlgesonnen über die Erkenntnis der Wahrheit unterweisen."

vidvān: Weise („Wissende“, vidvams); saḥ: der; tasmai: diesem upasattim: in seine Zuflucht („Gemeinschaft“, upasatti); īyuṣe: der gekommen ist (iyivams); mumukṣave: Befreiung erheischenden (mumukshu); sādhu: gut, richtig; yathokta-kāriṇe: gemäß der Vorschriften handelnden (yathoktakarin); praśānta-cittāya: dessen Geist (chitta) ruhig geworden (prashanta) ist; śamānvitāya: mit innerem Frieden (shama) begabten (anvita); tattvopadeśam: Unterweisung (upadesha) über die Wahrheit („das Sosein“, tattva); kṛpayā: aus Mitgefühl (kripa); eva: allein, nur; kuryāt: er möge geben („machen“, kṛ)

Der Meister sollte die Erkenntnis der Wahrheit lehren

Es ist die Natur der Meister, das sie dem suchenden Schüler helfen. Aber Shankara gibt auch einen Appell an die Meister. Die Natur der Meister ist es, helfen zu wollen. Aber manchmal sind sie auch etwas zögerlich. Und so sagt er, ein Meister sollte auch über die Erkenntnis der Wahrheit unterweisen.

Es reicht nicht aus, nur mitfühlende Worte zu geben. Es reicht auch nicht aus, sich nur etwas um das körperliche Wohl anderer zu kümmern. Vielleicht ist das sogar ein Appell auch an dich. Vielleicht bist du ein spiritueller Aspirant und vermutlich willst du Gutes tun in der Welt. Vermutlich willst du anderen helfen. Vielleicht gehörst du sogar zu denjenigen, die auf mehr Geld verzichtet haben, um einen Beruf zu ergreifen, um anderen zu helfen.

Der Meister sollte auch Weisheit weitergeben

Shankara ermutigt dich aber noch mehr: „Gib auch die Weisheit weiter! Hilf anderen, zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen!“ Sozialarbeit ist wichtig. Es ist auch wichtig, sich um Kranke zu kümmern. Es ist wichtig, Kinder zu unterrichten. Es ist wichtig, auch in normalen Berufen freundlich zu sein, zu Kollegen, zu Kunden, zu Nachbarn, zur Familie, zu Kindern, zu Fremden. Aber langfristig wird nur derjenige glücklich sein, der die Gottverwirklichung erreicht hat.

Spirituelle Weisheit ist heute sehr wichtig

Und daher kannst auch du überlegen, willst du vielleicht auch als Lehrender tätig werden, als spirituell Lehrender. Vielleicht wäre es an der Zeit Meditation zu unterrichten, falls du Hatha Yoga Lehrer/in bist, vielleicht ins Hatha Yoga etwas Philosophie einzubringen, vielleicht am Ende der Yogastunde Verse aus der Bhagavad Gita oder aus dem Viveka Chudamani zu lesen, oder aus dem Yoga Sutra oder von Werken von Swami Sivananda. Menschen werden sich dann an dich wenden denn spirituelle Weisheit ist heute noch wichtiger, als jemals zuvor.

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Siehe auch

Weitere Begriffe im Kontext mit Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎

Einige Begriffe, die vielleicht nicht direkt zu tun haben mit Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎, aber vielleicht doch interessant sein können, sind unter anderem Leere, Lakshmi Yantra‏‎, Krishna Draupadi‏‎, Logiker‏‎, Mahavira Jayanti‏‎, Manipur‏‎.

Literatur

Seminare

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Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ - weitere Infos

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Zusammenfassung

Das Adjektiv Lehrer-Schüler-Beziehung‏‎ ist ein Wort, das etwas zu tun hat mit Spiritualität, Hinduismus, Yoga, Philosophie.