Mahakala Samhita Kamakala Khanda

Aus Yogawiki

Mahakala Samhita – Kamakala-Khanda: Sanskrit Text und deutsche Übersetzung: Kamakalakalis Verehrung verbindet Hingabe, Mantra und die Suche nach Befreiung. Der folgende Text führt durch die fünfzehn vorhandenen Kapitel dieses Werkteils. Alle hinreichend lesbaren Verse und zusammenhängenden Passagen sind übersetzt; Fragmente, Varianten und die ausdrücklich nur sachlich wiedergegebenen Ritualbereiche bleiben kenntlich. Die Quellenbeschreibung steht im Hauptartikel.

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Kali und Shiva als Bild der Verehrung. Die Darstellung dient der allgemeinen Einordnung und zeigt keine besondere Ritualgestalt dieses Abschnitts.

Anregung zum Studium: Die fünfzehn Kapitel lassen Kamakala als Gegenstand einer vielgestaltigen Kali-Verehrung hervortreten: Gebet, Puja, Mantra, Nyasa und die Sehnsucht nach Befreiung gehören zu ihrem Zusammenhang. Für Yoga-Aspiranten ist es hilfreich, zunächst den Gebeten und den Aussagen über innere Sammlung zu folgen und anschließend die ausführlichen Ritualordnungen zu studieren.

Verwandte Lektüre: Zur vergleichenden Lektüre führt das Kularnava Tantra zu Fragen nach Lehrer, Einweihung und Befreiung. Im Vijnana Bhairava Tantra steht die meditative Betrachtung im Vordergrund. Die Hinweise eröffnen einen Vergleich, keine Gleichsetzung der Überlieferungen.

Kamakala-Khanda: IAST und deutsche Übersetzung

Kamakala-Khanda, Kapitel 1: Die Frage nach Kamakalakali und der Wert der Lehre

Devi bittet um die bisher zurückgehaltene Lehre Kamakalakalis. Mahakala preist deren Macht und Geheimhaltung. Das Kapitel nennt neun Formen Kalis, erläutert die Beziehung zu Guhyakali und kündigt den achtzehnsilbigen Mantra an.

Vers 1
parāpara pareśāna śaśāṅkakṛtaśekhara |
yogādhiyogin sarvajña sarvabhūtadayāpara ||

O du, der du das Höhere und das Niedere umfasst, Herr des Höchsten, der du den Mond als Kopfschmuck trägst! O höchster Yogi, Allwissender, ganz dem Mitgefühl mit allen Wesen zugewandt!

Anmerkung: Sprecherin: Devi. „parāpara“ kann auch „jenseits von Höherem und Niederem“ verstanden werden.

Vers 2
tvattaḥ śrutā mayā mantrāḥ sarvāgamasugopitāḥ |
vidhivatpūjanaṃ cāpi nānāvaraṇakramaiḥ ||

Von dir habe ich die Mantras gehört, die in allen Agamas sorgsam geheim gehalten werden, und die regelgerechte Verehrung mit den verschiedenen Abfolgen ihrer Avaranas (rituelle Umkreise).

Vers 3
tārā ca chinnamastā ca tathā tripurasundarī |
bālā ca bagalā cāpi tripurā bhairavī tathā ||

Tara, Chinnamasta und Tripurasundari, Bala, Bagala und ebenso Tripura Bhairavi;

Anmerkung: Die Aufzählung setzt sich bis Vers 7 fort.

Vers 4
kālī dakṣiṇakālī ca kuñjikā śabareśvarī |
aghorā rājamātaṅgī siddhilakṣmīrarundhatī ||

Kali und Dakshinakali, Kunjika und Shabareshvari, Aghora, Rajamatangi, Siddhilakshmi und Arundhati;

Vers 5
aśvārūḍhā bhogavatī nityaklinnā ca kukkuṭī |
kaumārī cāpi vārāhī cāmuṇḍā caṇḍikāpi ca ||

Ashvarudha, Bhogavati, Nityaklinna und Kukkuti, Kaumari und Varahi, Chamunda und Chandika;

Anmerkung: Der Name Kukkuti ist in den Parallel-OCR-Texten schwankend wiedergegeben.

Vers 6
bhuvaneśī tathocchiṣṭacāṇḍālī caṇḍaghaṇṭikā |
kālasaṃkarṣaṇī cāpi guhyakālī tathāparā ||

Bhuvaneshi, Ucchishtachandali, Chandaghantika, Kalasamkarshani und außerdem Guhyakali:

Vers 7
etāścānyāśca vai devyaḥ samantrāḥ kathitāstvayā |
kintu kāmakalākālīṃ noktavānasi me prabho ||

Diese und weitere Göttinnen hast du mitsamt ihren Mantras beschrieben. Doch von Kamakalakali hast du mir noch nicht erzählt, o Herr.

Vers 8
tatkiṃ mayyapi gopyaṃ te prāyaśaḥ parameśvara |
nahīdṛśaṃ trilokeṣu tava kiṃcana vidyate ||

Soll dies wohl sogar vor mir verborgen bleiben, o höchster Herr? In den drei Welten gibt es doch nichts von dir …

Anmerkung: Der Satz wird in Vers 9 fortgesetzt.

Vers 9
yadakathyaṃ mayi bhavedapi prāṇādhikāyikam |
tatkiṃ gopayasi prājña mayīdaṃ daivataṃ mahat ||

… das du mir nicht sagen dürftest, selbst wenn es dir teurer wäre als dein Leben. Warum also verbirgst du vor mir, o Weiser, diese große Gottheit?

Anmerkung: „prāṇādhikāyikam“: ungewöhnliche, in beiden Fassungen ähnlich überlieferte Lesung; Übersetzung sinngemäß.

Vers 10
yadyasmi te dayāpātraṃ mānyāsmi snehabhāgbhave |
anugrāhyāsmi kāntāsmi tademāṃ vada sāṃpratam ||

Wenn ich deines Mitgefühls würdig bin, wenn du mich achtest und mir Liebe entgegenbringst, wenn du mir Gnade erweisen willst und ich deine Geliebte bin, dann sprich jetzt von ihr.

Anmerkung: Die Wortfügung um „snehabhāg bhave“ bleibt unsicher; der Zusammenhang ist verständlich.

Vers 11
devīṃ kāmakalākālīṃ samantrāṃ dhyānapūrvikām |
sarahasyāṃ sakavacāṃ kathayasva mama prabho ||

Erkläre mir, o Herr, die Göttin Kamakalakali mit ihrem Mantra und ihrer meditativen Gestalt, mit ihrem Geheimnis und ihrem Kavacha (Schutztext).

Vers 12
dhanyāsyanugṛhītāsi tayā devyeva sarvathā |
yatte buddhiḥ samutpannā tāṃ devīṃ prati bhāmini ||

Gesegnet bist du und von jener Göttin selbst ganz und gar begnadet, o Strahlende, denn in dir ist der Gedanke an diese Göttin erwacht.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala.

Vers 13
vidhāya śapathaṃ devi kathayāmi tavāgrataḥ |
nahīdṛśaṃ bhuktimuktisādhanaṃ bhuvi vidyate ||

Unter einem Eid, o Göttin, will ich es dir darlegen. Auf Erden gibt es kein vergleichbares Mittel zu Bhukti (Erfüllung und Genuss) und Mukti (Befreiung).

Anmerkung: Dies ist der ausschließliche Geltungsanspruch des Textes.

Vers 14
yathārthamāttha devi tvaṃ gopyaṃ tvayyapi sarvathā |
kiṃtu bhaktiviśeṣātte kathayāmi na saṃśayaḥ ||

Du hast recht gesprochen, o Göttin: Es ist selbst vor dir geheim zu halten. Wegen deiner besonderen Bhakti (Hingabe) aber werde ich es dir gewiss erzählen.

Vers 15
rājyaṃ dadyāddhanaṃ dadyāt striyaṃ dadyācchirastathā |
na tu kāmakalākālīṃ dadyātkasmā api kvacit ||

Man möge ein Königreich hergeben, Reichtum, eine Frau und selbst seinen Kopf; die Kamakalakali-Lehre aber soll man niemals irgendjemandem weitergeben.

Anmerkung: Die patriarchale Rede vom „Hergeben einer Frau“ und die Übertreibung des Geheimhaltungsgebots werden als historische Textaussage wiedergegeben.

Vers 16
indreṇopāsitā pūrvaṃ devarājyamabhīpsatā |
varuṇena kubereṇa brahmaṇā ca mayā tathā ||

Einst wurde sie von Indra verehrt, der nach der Herrschaft über die Götter strebte, ebenso von Varuna, Kubera, Brahma und mir;

Vers 17
bāṇena rāvaṇenāpi yamenāpi vivasvatā |
candreṇa viṣṇunā cāpi tathānyaiśca maharṣibhiḥ ||

von Bana und Ravana, Yama und Vivasvat, Chandra und Vishnu sowie von weiteren großen Rishis.

Vers 18
sahelaṃ vā salīlaṃ vā yasyāḥ smaraṇamātrataḥ |
vidyālakṣmī rājyalakṣmīrmokṣalakṣmīrvaśe sthitā ||

Schon durch die Erinnerung an sie, sei es beiläufig oder spielerisch, sollen die Fülle des Wissens, das Glück königlicher Herrschaft und die Gnade der Befreiung zugänglich werden.

Anmerkung: „sah elam/sahēlam“ und die Sandhi-Schreibung sind unsicher; „sahēla“ wird hier im Sinne von beiläufig verstanden. Die Wirkungen sind Verheißungen des Textes.

Vers 19
vidyārthī labhate vidyāṃ dhanārthī labhate dhanam |
rājyārthī labhate rājyaṃ kāntārthī kāminīṃ śubhām ||

Wer Wissen sucht, erlangt Wissen; wer Reichtum sucht, erlangt Reichtum. Wer Herrschaft sucht, erlangt Herrschaft; wer eine Geliebte sucht, erlangt eine schöne, glückverheißende Frau.

Vers 20
yaśo'rthī kīrtimāpnoti muktyarthī mokṣamavyayam |
aṇimādyaṣṭasiddhyarthī siddhyaṣṭakamavāpnuyāt ||

Wer Ruhm sucht, erlangt Ansehen; wer Befreiung sucht, die unvergängliche Erlösung. Wer die acht Siddhis, beginnend mit Anima, erstrebt, soll diese acht besonderen Kräfte erlangen.

Vers 21
vaśīkaraṇamākarṣaṃ drāvaṇaṃ mohanaṃ tathā |
stambhanaṃ ca tathoccāṭaṃ māraṇaṃ dveṣaṇaṃ tathā ||

Unterwerfung, Anziehung, Vertreibung, Verblendung, Lähmung, Austreibung, Tötung und das Erzeugen von Feindschaft …

Anmerkung: Das vorletzte Wort der zweiten Hälfte ist in den OCR-Fassungen beschädigt; „dveṣaṇa“ ist eine kontextgestützte, unsichere Lesung. Der Satz setzt sich in Vers 22 fort.

Vers 22
śoṣaṇaṃ mūrcchanaṃ trāsaṃ tathāpasmārameva ca |
kṣobhaṇaṃ ca mahonmādaṃ kuryādetadupāsakaḥ ||

… ebenso Auszehrung, Bewusstlosigkeit, Schrecken, Anfälle, Erschütterung und heftigen Wahnsinn: Dies soll ein Verehrer dieser Göttin bewirken können.

Anmerkung: Historischer Anspruch auf schädigende Ritualmacht, keine heutige Praxisanregung.

Vers 23
añjanaṃ khaḍgavetālapādukāyakṣiṇīgatim |
guṭikādhātuvādādi varṣasāhasrajīvanam ||

Er soll die Siddhis der Augensalbe, des Schwertes, des Vetala, der Sandalen und des Zugangs zu Yakshinis verwirklichen, ebenso die der Zauberpille und der Metallverwandlung sowie ein tausendjähriges Leben …

Anmerkung: Die Kompositumsgrenzen sind nicht ganz eindeutig. Die Passage nennt traditionelle Siddhi-Kategorien, ohne sie hier näher zu erklären.

Vers 24
sādhayet khecaratvaṃ ca kāmarūpitvameva ca |
nānayā sadṛśī vidyā trailokye kvāpi vidyate ||

… ferner die Fähigkeit, sich im Luftraum zu bewegen und nach Wunsch Gestalt anzunehmen. Nirgends in den drei Welten gebe es eine dieser Vidya vergleichbare Lehre.

Vers 25
kuryād grahagatistambhaṃ piśācoragarakṣasām |
[…] arṇavastambhamanilānalayorapi ||

Er soll die Bewegung der Grahas anhalten und Pishachas, Schlangenwesen sowie Rakshasas bannen können; ebenso soll er den Ozean, den Wind und das Feuer zum Stillstand bringen können.

Anmerkung: Teilweise beschädigt: Die Verbindung vor „arṇavastambham“ ist nicht sicher lesbar. „Graha“ kann hier Planetenmächte oder ergreifende Geistwesen bezeichnen.

Vers 26
dhārāstambhaṃ śatrusainyastambhaṃ vākstambhanaṃ tathā |
yadyadicchati tatsarvaṃ kuryādeva na saṃśayaḥ ||

Er soll Regenströme, feindliche Heere und die Rede zum Stillstand bringen können. Was immer er wünsche, das alles könne er gewiss bewirken.

Vers 27
caturvargaścaturbhadro labhyate yatprasādataḥ |
anyāsāṃ kṣudrasiddhīnāṃ tatra kaiva kathā priye ||

Durch ihre Gnade werden die vier Lebensziele und das vierfache Glück erlangt. Was ist da, o Geliebte, noch von anderen, geringeren Siddhis zu sagen?

Anmerkung: Chaturvarga und Chaturbhadra sind zwei verschiedene Vierergruppen. Die editorische Anmerkung in e, Zeilen 13527–13529, nennt für Chaturbhadra mehrere traditionelle Deutungen; keine davon wird hier als einzig richtige eingesetzt.

Vers 28
dvisaptatitamaṃ yāvatpuruṣāḥ pūrvajāḥ smṛtāḥ |
teṣāṃ bhāgyodayaḥ pūrṇo vidyeyaṃ yadi labhyate ||

Bis zur zweiundsiebzigsten Generation werden die Vorfahren mitgedacht: Ihr Glück soll sich vollständig erfüllen, wenn diese Vidya erlangt wird.

Anmerkung: „pūrṇaḥ“ ist eine unsichere Glättung der OCR-Lesung; der behauptete Segen für die Vorfahren ist deutlich.

Vers 29
tadā sarvasvadānena gṛhṇīyādavicārayan |
kṛtakṛtyaṃ manyamāno guroḥ pādāvabhispṛśan ||

Dann soll man sie ohne Zögern empfangen, auch um den Preis seines ganzen Besitzes, die Füße des Gurus berühren und sich als einen Menschen betrachten, der sein Ziel erreicht hat.

Vers 30
nātra siddhādyapekṣāsti na kālaniyamastathā |
naiva śukrāstadoṣādi malamāsādiko na ca ||

Hier bedarf es keiner Prüfung nach den Kategorien Siddha und anderen, und es gilt auch keine zeitliche Beschränkung. Weder der Untergang der Venus noch ein eingeschobener Monat und ähnliche als ungünstig geltende Bedingungen bilden ein Hindernis.

Anmerkung: „siddhādi“ bezeichnet hier vermutlich die traditionelle Prüfung der Mantra-Eignung; die OCR-Endung ist unsicher.

Vers 31
ekataḥ prāṇadānaṃ syādekataścaitadarpaṇam |
tulayā vidhṛtaṃ cetsyādetaddānaṃ viśiṣyate ||

Läge auf der einen Seite einer Waage das Geschenk des Lebens und auf der anderen die Weitergabe dieser Lehre, so würde dieses Geschenk schwerer wiegen.

Vers 32
padminīpatrasaṃsthāyijalavajjīvanaṃ calam |
tato'pi cañcalā sampat […] ||

Das Leben ist unbeständig wie Wasser auf einem Lotusblatt. Noch unbeständiger ist der Reichtum. […]

Anmerkung: Fragment: Die anschließende Wortfügung ist in den Parallelfassungen beschädigt; sie wird nicht ergänzt.

Vers 33
labhyate'sau mahāvidyā kiṃ nu bhāgyamataḥ param |
koṭijanmārjitaiḥ puṇyairlabhyate vā na labhyate ||

Wenn diese Mahavidya erlangt wird – welches größere Glück könnte es geben? Selbst durch Verdienste aus Millionen von Geburten mag man sie erlangen oder auch nicht.

Vers 34
śapathaṃ kuru deveśi prakāśyeyaṃ na kutracit |
satyaṃ satyaṃ trisatyaṃ me tato vakṣyāmi te tvimām ||

Leiste den Eid, o Herrin der Götter, dass diese Lehre nirgendwo enthüllt werden soll. Wahrlich, wahrlich, dreimal wahrlich versichere ich dir: Danach werde ich sie dir mitteilen.

Vers 35
no cette'pi na vakṣyāmi pramāṇaṃ tatra saiva me |
tasmātkuruṣva śapathaṃ yadi śuśrūṣase priye ||

Andernfalls werde ich sie auch dir nicht sagen; dafür ist sie selbst meine Zeugin. Darum leiste den Eid, Geliebte, wenn du hören möchtest.

Vers 36
śape tvaccaraṇābjābhyāṃ himādriśirasā śape |
śape skandaikadantābhyāṃ yadyenāmanyato bruve ||

Ich schwöre bei deinen Lotusfüßen und beim Gipfel des Himalaya. Ich schwöre bei Skanda und Ekadanta, dass ich diese Lehre keinem anderen mitteilen werde.

Anmerkung: Sprecherin: Devi. Der Eid ist im Sanskrit verkürzt als Bedingung formuliert.

Vers 37
śape'thavā tayā devyā yāṃ me tvaṃ kathayiṣyasi |
prakāśayāmi yadyenāṃ saiva me vimukhī bhavet ||

Oder ich schwöre bei jener Göttin selbst, von der du mir erzählen wirst: Sollte ich sie öffentlich enthüllen, möge sie sich von mir abwenden.

Vers 38
sādhu sādhu mahābhāge pratītirme'dhunā tvayi |
akārṣīḥ śapathaṃ yasmāttasmādvakṣyāmyasaṃśayam ||

Gut, sehr gut, du Hochbegnadete! Jetzt habe ich Vertrauen zu dir. Da du den Eid geleistet hast, werde ich gewiss sprechen.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala.

Vers 39
samāhitā sāvadhānā bhava devi varāṅgane |
vidhehi cittamekāgraṃ badhyatāmañjalistathā ||

Sei gesammelt und aufmerksam, o Göttin, du Schöne. Richte dein Bewusstsein auf einen Punkt und lege die Hände zum Anjali (Gruß der Verehrung) zusammen.

Vers 40
kālīṃ kāmakalāpūrvāṃ śṛṇuṣvāvahitā mama |
mantraṃ dhyānaṃ tathā pūjāṃ kavacaṃ ca niśāmaya ||

Höre mir aufmerksam zu, wenn ich von Kali spreche, deren Name mit Kamakala beginnt. Vernimm ihr Mantra, ihre meditative Gestalt, ihre Puja und ihr Kavacha.

Vers 41
sahasranāmastotraṃ ca prayogānvividhānapi |
sarvaṃ te'haṃ pravakṣyāmi yadyajjānāmi pārvati ||

Auch den Hymnus ihrer tausend Namen und die verschiedenen rituellen Anwendungen werde ich dir darlegen. Alles, was ich darüber weiß, will ich dir sagen, Parvati.

Vers 42
kālī navavidhā proktā sarvatantreṣu gopitā |
ādyā dakṣiṇakālī sā bhadrakālī tathāparā ||

Kali wird in neun Formen beschrieben, die in allen Tantras verborgen gehalten werden. Die erste ist Dakshinakali, die nächste Bhadrakali.

Vers 43
anyā śmaśānakālī ca kālakālī caturthikā |
pañcamī guhyakālī ca pūrvaṃ yā kathitā mayā ||

Eine weitere ist Shmashanakali, die vierte Kalakali. Die fünfte ist Guhyakali, von der ich bereits gesprochen habe.

Vers 44
ṣaṣṭhī kāmakalākālī saptamī dhanakālikā |
aṣṭamī siddhikālī ca navamī caṇḍakālikā ||

Die sechste ist Kamakalakali, die siebte Dhanakalika, die achte Siddhikali und die neunte Chandakalika.

Vers 45
tatrādyā dakṣiṇā kālī puraiva kathitā tvayi |
bhadrakālī ca kathitā samantradhyānapūjanā ||

Von der ersten unter ihnen, Dakshinakali, habe ich dir bereits erzählt. Auch Bhadrakali wurde beschrieben, mit Mantra, Meditation und Verehrung.

Vers 46
śmaśānakālyā bhedāstu ḍāmare pratipāditāḥ |
bhīmātantre kālakālīmanurukto mayā tava ||

Die Formen Shmashanakalis werden im Damara dargelegt. Im Bhima-Tantra habe ich dir den Mantra Kalakalis mitgeteilt.

Anmerkung: „Bhīma-Tantra“ ist die in beiden Parallelfassungen erkennbare Werkbezeichnung; eine Identifikation mit einer bestimmten erhaltenen Schrift ist hier nicht gesichert.

Vers 47
śāstre'sminneva kathito guhyakālīmahāmanuḥ |
yā guhyakālī saiveyaṃ kālī kāmakalābhidhā ||

In eben dieser Schrift wurde der große Mantra Guhyakalis mitgeteilt. Diejenige, die Guhyakali ist, ist auch diese Kali mit dem Namen Kamakala.

Vers 48
mantrabhedāddhyānabhedādbhavetkāmakalātmikā |
prayogabhedataścāpi pūjāyā bhedatastathā ||

Durch die Unterschiede des Mantras und der meditativen Gestalt, der rituellen Anwendung und der Verehrung erscheint sie als Kamakala.

Vers 49
yathā tribhedā tārā syātsundarī saptasaptatiḥ |
dakṣiṇā pañcabhedā syāttatheyaṃ guhyakālikā ||

So wie Tara drei Formen hat, Sundari siebenundsiebzig und Dakshina fünf, so hat auch diese Guhyakalika …

Anmerkung: Die OCR-Ziffer ist beschädigt; die Nummer 49 ergibt sich aus der unmittelbaren Folge 48–50. Der Satz setzt sich in Vers 50 fort.

Vers 50
saptadhā dhyānamantrābhyāṃ bhinnābhyāṃ bhinnarūpiṇī |
yathā pañcākṣaro mantro devī caikajaṭā smṛtā ||

… sieben verschiedene Gestalten, entsprechend den unterschiedlichen Meditationen und Mantras. So wird etwa bei einem fünfsilbigen Mantra die Göttin als Ekajata bezeichnet.

Vers 51
dvāviṃśatyakṣaro mantro devī dakṣiṇakālikā |
tathānyeṣvapi bhedeṣu tiṣṭhatsu bahuṣu priye ||

Bei einem zweiundzwanzigsilbigen Mantra ist die Göttin Dakshinakalika. Neben diesen bestehen noch viele weitere Unterscheidungen, o Geliebte.

Vers 52
devī kāmakalākālī manuraṣṭādaśākṣaraḥ |
ṣoḍaśārṇā yathā mukhyā sarvaśrīcakramadhyagā ||

Die Göttin heißt Kamakalakali; ihr Mantra hat achtzehn Silben. Wie Shodasharna, die Sechzehnsilbige, als höchste Göttin in der Mitte des gesamten Shrichakras steht …

Vers 53
tatheyaṃ navakālīṣu sadā mukhyatamā smṛtā |
trailokyākarṣaṇo nāma mantro'syāḥ parikīrtitaḥ ||

… so gilt diese unter den neun Kalis stets als die vorzüglichste. Ihr Mantra trägt den Namen Trailokyakarshana, „Anziehung der drei Welten“.

Vers 54
tasyoddhāraṃ pravakṣyāmi śṛṇu yatnena pārvati |
śrutvā ca dhārayasvainaṃ sarvakalyāṇahetave ||

Ich werde darlegen, wie er aus seinen Bestandteilen erschlossen wird. Höre aufmerksam, Parvati, und bewahre ihn nach dem Hören als Grundlage allen Heils.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ pañcaśatasāhasryāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ prathamaḥ paṭalaḥ ||1||

Damit endet das erste Kapitel der Mahakala-Samhita, die hier Adinatha zugeschrieben und als Werk von fünfhunderttausend [Versen] bezeichnet wird.

Anmerkung: Der ältere Paralleltext nennt dieses Kapitel zugleich das 241. Kapitel. Zuschreibung und Gesamtumfang sind Aussagen des Kolophons, keine unabhängig bestätigten historischen Angaben.

Kamakala-Khanda, Kapitel 2: Mantra, meditative Gestalt und erste Verehrung

Das Kapitel beginnt mit einer teilweise beschädigten, verschlüsselten Mantraerschließung. Es folgen der Mantra-Rahmen, eine ausführliche Visualisierung, das Yantra sowie die Regeln für verschiedene Opfergaben. Die drastischen und tabuüberschreitenden Passagen gehören zum Grundtext und sind entsprechend gekennzeichnet.

Vers 1
ādyavargādyavarṇo'kṣṇā vāmena pariśīlitaḥ |
[…] ||

Der erste Laut der ersten Konsonantengruppe wird mit dem „linken Auge“ verbunden. […]

Anmerkung: Sprecher: Mahakala. Fragment einer verschlüsselten Mantraerschließung. Die zweite Hälfte ist in beiden OCR-Fassungen beschädigt; keine Silbenfolge rekonstruiert.

Vers 2
binduvāmākṣisaṃpṛkto […] |
vāmaśrutyardhacandreṇa […] ||

[…] verbunden mit Bindu und dem „linken Auge“ […], mit dem „linken Ohr“ und dem Halbmond […].

Anmerkung: Nur die sicher erkennbaren Bestandteile der verschlüsselten Lautbeschreibung werden übersetzt. Die Verknüpfung zum zweiten und dritten Bija bleibt unsicher.

Vers 3
dakṣaskandhordhvadantābhyāṃ […] bindumastakaḥ |
oṣṭhavargadvitīyo […] oṣṭhabinduyuk ||

[…] mit der „rechten Schulter“ und den „oberen Zähnen“, mit Bindu als Krönung. Der zweite Laut der Lippenlautgruppe […] ist mit „Lippe“ und Bindu verbunden.

Anmerkung: Fragment. Bereits der ältere Textzeuge setzt bei einem Wort ein Fragezeichen. Keine rezitierbare Formel daraus abgeleitet.

Vers 4
ṣaḍakṣarāṇi saṃbodhya yathānāmasthitikramāt |
pratilomena coddhṛtya tāni bījāni pañca vai ||

Man spricht die sechs Silben des Namens in ihrer Reihenfolge als Anrufung aus und setzt dann jene fünf Bijas in umgekehrter Reihenfolge ein.

Vers 5
bhūtabījādyamārabhya mārabījāntameva hi |
vaiśvānaravadhūyukto mantro hyaṣṭādaśākṣaraḥ ||

Beginnend mit dem Bhuta-Bija und endend mit dem Mara-Bija, verbunden mit der „Gattin des Feuers“, ergibt sich der achtzehnsilbige Mantra.

Anmerkung: „Gattin des Feuers“ ist eine verschlüsselte Bezeichnung für Svaha. Die vorherigen Bijas werden hier nur benannt, nicht ausgeschrieben.

Vers 6
asya smaraṇamātreṇa yāvatyaḥ santi siddhayaḥ |
svayamāyānti purato japādīnāṃ tu kā kathā ||

Schon bei der bloßen Erinnerung an ihn sollen sämtliche Siddhis von selbst vor den Übenden treten. Was wäre dann erst von Japa und den weiteren Übungen zu sagen!

Anmerkung: Verheißung des Textes.

Vers 7
sapta kāmakalākālyāḥ manavaḥ santi gopitāḥ |
teṣu sarveṣu mantreṣu mukhyo'yaṃ pariniṣṭhitaḥ ||

Es gibt sieben geheim gehaltene Mantras Kamakalakalis. Unter all diesen Mantras wird dieser als der vorzüglichste bestimmt.

Vers 8
smaraṇādasya mantrasya mūrcchitāḥ sarvadevatāḥ |
stambhitā vepamānāśca uttiṣṭhantyativihvalāḥ ||

Beim Erinnern an diesen Mantra sollen alle Gottheiten überwältigt werden, erstarren und sich zitternd und völlig erschüttert erheben.

Vers 9
nideśavartino bhūtvā vartante ceṭakā iva |
kiṃ bahūktena deveśi satyapūrvaṃ bravīmyaham ||

Sie sollen seinen Weisungen folgen und wie Diener handeln. Was bedarf es vieler Worte, o Herrin der Götter? Ich spreche wahrhaftig.

Vers 10
sahasravadanenāpi lakṣakoṭyānanena vā |
mahimā varṇituṃ śakyo nāsya varṣāyutairmayā ||

Selbst mit tausend Gesichtern oder mit unermesslich vielen Mündern könnte ich seine Größe in zehntausenden Jahren nicht beschreiben.

Anmerkung: „lakṣakoṭi“ ist eine hyperbolische große Zahl, wörtlich „hunderttausendmal zehn Millionen“.

Vers 11
sāmānyato vijānīhi yadyadicchati sādhakaḥ |
tattatkaroti sakalaṃ prajāpatirivāparaḥ ||

Verstehe es allgemein so: Was immer der Sadhaka wünscht, das alles vollbringt er, als wäre er ein zweiter Prajapati (Schöpferherr).

Vers 12
trailokyākarṣaṇo nāma mantraḥ sarvārthasādhakaḥ |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi chandaścarṣiṃ ca bījakam ||

Der Mantra namens Trailokyakarshana soll alle Ziele verwirklichen. Nun werde ich sein Versmaß, seinen Rishi und sein Bija nennen.

Vers 13
asya kāmakalākālīmantrasyāhamṛṣirmataḥ |
chandaśca bṛhatī khyātaṃ devī ceyaṃ prakīrtitā ||

Als Rishi dieses Kamakalakali-Mantras gelte ich selbst. Sein Versmaß heißt Brihati, und als seine Gottheit wird diese Göttin genannt.

Anmerkung: Die OCR-Zahl ist beschädigt; die Position zwischen 12 und 14 ist eindeutig.

Vers 14
ādyaṃ bījaṃ tu bījaṃ syāt krodhārṇaṃ śaktireva ca |
viniyogo'sya sarvatra sarvadā sarvasiddhaye ||

Sein erstes Bija gilt als das Bija des Mantras; die Krodha-Silbe gilt als seine Shakti. Seine rituelle Zweckbestimmung ist überall und jederzeit die Erlangung aller Siddhis.

Anmerkung: Die Laute sind hier verschlüsselt benannt.

Vers 15
ṣaḍaṅgaṃ pañcabījaistannāmnāpyekaṃ ca kārayet |
nāmākṣarāṇi pratyekaṃ tatra deyāni pārvati ||

Den sechsgliedrigen Nyasa soll man mit den fünf Bijas ausführen und ein weiteres Glied mit dem Namen. Die Silben des Namens sind dabei jeweils einzusetzen, Parvati.

Anmerkung: Die genaue Verteilung ist knapp und nicht vollständig eindeutig beschrieben; keine praktische Ergänzung hinzugefügt.

Vers 16
dhyānamasyāḥ pravakṣyāmi kuru cittaikatānatām |
udyadghanāghanāśliṣyajjavākusumasannibhām ||

Ich werde ihre meditative Gestalt beschreiben. Sammle dein Bewusstsein in ungeteilter Aufmerksamkeit. [Betrachte sie] einem Hibiskus ähnlich, den aufziehende dichte Regenwolken umfangen.

Anmerkung: Beginn einer zusammenhängenden Visualisierung bis Vers 43. Die Farbmetapher verbindet dunkle und rote Töne.

Vers 17
mattakokilanetrābhāṃ pakvajambūphalaprabhām |
sudīrghaprapadālambivisrastaghanamūrdhajām ||

Sie schimmert wie das Auge eines erregten Kuckucks und wie eine reife Jambu-Frucht. Ihr dichtes, gelöstes Haar ist so lang, dass es bis auf die Fußspitzen hinabreicht.

Vers 18
jvaladaṅgāravacchoṇanetratritayabhūṣitām |
udyacchāradasampūrṇacandrakokanadānanām ||

Drei Augen schmücken sie, rot wie glühende Kohlen. Ihr Gesicht gleicht dem aufgehenden herbstlichen Vollmond und einem roten Lotus.

Vers 19
dīrghadaṃṣṭrāyugodañcadvikarālamukhāmbujām |
vitastimātraniṣkrāntalalajjihvābhayānakām ||

Ihr lotusgleiches Gesicht ist furchterregend durch zwei hervortretende lange Fangzähne; erschreckend ist ihre bewegte Zunge, die eine Handspanne weit herausragt.

Vers 20
vyāttānanatayā dṛśyaddvātriṃśaddantamaṇḍalām |
nirantaraṃ vepamānottamāṅgāṃ ghorarūpiṇīm ||

Durch den geöffneten Mund ist der Kreis ihrer zweiunddreißig Zähne sichtbar. Ihr Haupt bewegt sich unaufhörlich zitternd; schrecklich ist ihre Erscheinung.

Vers 21
aṃsāsaktanṛmuṇḍāsṛk pibantīṃ vakrakandharām |
sṛkkadvandvasravadraktasnāpitorojayugmakām ||

Mit geneigtem Hals trinkt sie Blut aus einem Menschenkopf, der an ihrer Schulter liegt. Das aus beiden Mundwinkeln fließende Blut benetzt ihre beiden Brüste.

Anmerkung: Die groteske Bildsprache der Quelle wird unverkürzt wiedergegeben.

Vers 22
urojābhogasaṃsaktasaṃpatadrudhiroccayām |
saśītkṛtidhayantīṃ tallelihānarasajñayā ||

Das herabfallende Blut sammelt sich auf der Wölbung ihrer Brüste. Mit zischendem Laut saugt sie es auf und leckt es mit ihrer Zunge ab.

Vers 23
lalāṭe ghananarāsṛgvihitāruṇacitrakām |
sadyaśchinnagaladraktanṛmuṇḍakṛtakuṇḍalām ||

Auf ihrer Stirn trägt sie ein rotes Zeichen aus dickem Menschenblut; als Ohrschmuck trägt sie frisch abgetrennte, noch blutende Menschenköpfe.

Anmerkung: Die OCR liest im Kompositum „nārāsṛg“; hier als „narāsṛg“, Menschenblut, verstanden.

Vers 24
śrutinaddhakacālambivataṃsalasadaṃsakām |
sravadasraughayā śaśvanmānavyā muṇḍamālayā ||

Der an den Ohren befestigte und am Haar herabhängende Schmuck glänzt an ihren Schultern. Eine Girlande menschlicher Köpfe, aus der beständig Blut strömt …

Anmerkung: Der erste Halbvers bleibt in der genauen Konstruktion unsicher; „kaca“ ist im älteren Textzeugen fraglich markiert. Fortsetzung in Vers 25.

Vers 25
ākaṇṭhagulphalambinyālaṃkṛtāṃ keśabaddhayā |
śvetāsthigulikāhāragraiveyakamahojjvalām ||

… schmückt sie, an den Haaren zusammengebunden und vom Hals bis zu den Knöcheln herabhängend. Eine Halskette aus weißen Knochenperlen lässt ihren Halsschmuck leuchten.

Vers 26
śavadīrghāṅgulīpaṃktimaṇḍitoraḥsthalasthirām |
kaṭhorapīvarottuṅgavakṣojayugalānvitām ||

Eine Reihe langer Finger von Leichnamen schmückt ihre Brust. Sie besitzt zwei feste, volle, hochgewölbte Brüste.

Anmerkung: „sthirām“ und sein syntaktischer Bezug sind unsicher; der erkennbare Bildinhalt wird übersetzt.

Vers 27
mahāmārakatagrāvavediśroṇipariṣkṛtām |
viśālajaghanābhogāmatikṣīṇakaṭisthalām ||

Ihre Hüften gleichen einem großen Altar aus Smaragdstein. Weit ist die Rundung ihres Beckens, äußerst schmal ihre Taille.

Vers 28
antranaddhārbhakaśirovalatkiṅkiṇimaṇḍitām |
supīnaṣoḍaśabhujāṃ mahāśaṅkhāñcadaṅgakām ||

Sie ist mit schwingenden Glöckchen aus Kinderköpfen geschmückt, die mit Därmen zusammengebunden sind. Sie hat sechzehn kräftige Arme; ihre Glieder sind mit Mahashankha geschmückt.

Anmerkung: „Mahashankha“, wörtlich „große Muschel“, kann im tantrischen Sprachgebrauch menschlichen Knochen bezeichnen. Die genaue Form des Schmuckes bleibt hier offen.

Vers 29
śavānāṃ dhamanīpuñjairveṣṭitaiḥ kṛtakaṅkaṇām |
grathitaiḥ śavakeśasragdāmabhiḥ kaṭisūtriṇīm ||

Ihre Armreife bestehen aus umwickelten Gefäßsträngen von Leichnamen. Geflochtene Girlanden aus Totenhaar bilden ihre Hüftschnur.

Vers 30
śavapotakaraśreṇīgrathanaiḥ kṛtamekhalām |
śobhamānāṅgulīṃ māṃsamedomajjāṅgulīyakaiḥ ||

Ihr Gürtel besteht aus zusammengebundenen Reihen der Hände verstorbener Kinder. Ihre Finger tragen Ringe aus Fleisch, Fett und Mark.

Vers 31
asiṃ triśūlaṃ cakraṃ ca śaramaṅkuśameva ca |
lālanaṃ ca tathā kartrīmakṣamālāṃ ca dakṣiṇe ||

In ihren rechten Händen hält sie ein Schwert, einen Dreizack, einen Diskus, einen Pfeil, einen Elefantenhaken, einen „Lalana“, ein Schneidemesser und eine Gebetskette.

Anmerkung: „lālana“ ist in beiden Textzeugen erkennbar, seine Bedeutung als Attribut hier aber nicht zuverlässig geklärt; es wird nicht als bestimmtes Gerät ausgegeben.

Vers 32
pāśaṃ ca paraśuṃ nāgaṃ cāpaṃ mudgarameva ca |
śivāpotaṃ kharparaṃ ca vasāsṛṅmedasānvitam ||

[Links hält sie] eine Schlinge, eine Axt, eine Schlange, einen Bogen, eine Keule, ein Schakaljunges und eine Schädelschale mit Fett und Blut …

Anmerkung: „vasā“ und „medas“ bezeichnen verschiedene Fett- beziehungsweise Gewebesubstanzen. Fortsetzung in Vers 33.

Vers 33
lambatkacaṃ nṛmuṇḍaṃ ca dhārayantīṃ svavāmataḥ |
vilasannūpurāṃ devīṃ grathitaiḥ śavapañjaraiḥ ||

… und einen Menschenkopf mit herabhängendem Haar in ihren linken Händen. Die Göttin trägt glänzende Fußringe aus zusammengefügten Totengerippen.

Vers 34
śmaśānaprajvaladghoracitāgnijvālamadhyagām |
adhomukhamahādīrghaprasuptaśavapṛṣṭhagām ||

Sie befindet sich mitten in den schrecklichen Flammen eines brennenden Scheiterhaufens auf dem Leichenplatz. Sie steht auf dem Rücken eines sehr lang ausgestreckten, mit dem Gesicht nach unten liegenden Leichnams.

Vers 35
vamanmukhānalajvālājālavyāptadigantarām |
protthāyeva hi tiṣṭhantīṃ pratyālīḍhapadakramām ||

Die aus ihrem Mund hervorbrechenden Feuerflammen erfüllen alle Himmelsrichtungen. Sie steht in der Pratyalidha-Stellung, als wäre sie gerade aufgesprungen.

Anmerkung: Pratyalidha bezeichnet eine bestimmte weit ausgreifende Beinstellung; die Passage erläutert deren Ausführung nicht.

Vers 36
vāmadakṣiṇasaṃsthābhyāṃ nadantībhyāṃ muhurmuhuḥ |
śivābhyāṃ ghorarūpābhyāṃ vamantībhyāṃ mahānalam ||

Links und rechts von ihr stehen zwei furchterregende Schakalinnen, die immer wieder heulen und mächtiges Feuer ausspeien …

Vers 37
vidyudaṅgāravarṇābhyāṃ veṣṭitāṃ parameśvarīm |
sarvadaivānulagnābhyāṃ paśyantībhyāṃ maheśvarīm ||

… die eine von der Farbe des Blitzes, die andere von der Farbe glühender Kohlen. Sie umgeben die höchste Herrin, halten sich unablässig bei ihr und blicken zu ihr auf.

Anmerkung: „sarvadaivānulagnābhyām“ wird als „sarvadā eva“, immerzu, gelesen; die OCR-Wortgrenze ist uneindeutig.

Vers 38
atīva bhaṣamāṇābhyāṃ śivābhyāṃ śobhitāṃ muhuḥ |
kapālasaṃsthaṃ mastiṣkaṃ dadatīṃ ca tayordvayoḥ ||

Die beiden heftig bellenden Schakalinnen gehören zu ihrer furchterregenden Pracht. Sie reicht ihnen beiden Gehirn aus einer Schädelschale.

Vers 39
digambarāṃ muktakeśīmaṭṭahāsāṃ bhayānakām |
saptadhā naddhanarāntrayogapaṭṭavibhūṣitām ||

Sie ist Digambari, nur von den Himmelsrichtungen bekleidet, mit offenem Haar, lautem Gelächter und furchterregender Gestalt. Ein siebenfach gebundenes Yogaband aus menschlichen Därmen schmückt sie.

Vers 40
saṃhārabhairaveṇaiva sārdhaṃ saṃbhogamicchatīm |
atikāmāturāṃ kālīṃ hasantīṃ kharvavigrahām ||

Sie begehrt die geschlechtliche Vereinigung mit Samharabhairava. Kali ist von starkem Verlangen erfüllt, sie lacht und hat einen kleinen, gedrungenen Körper.

Anmerkung: Die sexuelle Aussage des Textes wird nicht in eine bloß symbolische Yogaübung umgedeutet.

Vers 41
koṭikālānalajvālānyakkārodyatkalevarām |
mahāpralayakoṭyarkavidyudarbudasannibhām ||

Ihr aufstrahlender Leib übertrifft die Flammen von Millionen Weltvernichtungsfeuern. Sie gleicht den Sonnen der großen Weltauflösung und unzähligen Blitzen.

Vers 42
kalpāntakāriṇīṃ kālīṃ mahābhairavarūpiṇīm |
mahābhīmāṃ durnirīkṣyāṃ sendrairapi surāsuraiḥ ||

Sie ist Kali, die einem Weltzeitalter ein Ende setzt, von großer Bhairava-Gestalt, überaus furchtbar und selbst für Götter, Asuras und Indra kaum anzuschauen.

Anmerkung: Fassung e: „mahābhairavarūpiṇī“. Der ältere Paralleltext liest „mahārauravarūpiṇī“. Die Varianten werden nicht verschmolzen.

Vers 43
śatrupakṣakṣayakarīṃ daityadānavasūdanīm |
cintayedīdṛśīṃ devīṃ kālīṃ kāmakalābhidhām ||

Sie vernichtet die feindliche Partei und schlägt Daityas und Danavas nieder. In dieser Gestalt soll man die Göttin Kali namens Kamakala meditativ betrachten.

Vers 44
tato niḥsārya hṛtpadmātpīṭhe śrīkāmamohane |
yajedāvāhya tāṃ devīṃ parivārāyudhaiḥ saha ||

Dann lässt man sie aus dem Herzlotus hervortreten, ruft sie auf den Sitz Shrikamamohana herab und verehrt sie gemeinsam mit ihrem Gefolge und ihren Waffen.

Vers 45
yantramasyāḥ pravakṣyāmi tatra dhehi manaḥ priye |
bhūpure vasuvajrādye padmamaṣṭadalānvitam ||

Ich werde ihr Yantra beschreiben; richte darauf deinen Geist, Geliebte. In einem Bhupura (äußeren Einfassungsbezirk), versehen mit acht Vajras und weiteren Merkmalen, befindet sich ein achtblättriger Lotus.

Anmerkung: Das Kompositum „vasuvajrādya“ ist knapp und in den OCR-Zeugen schwankend; die genaue Zeichnung wird daraus nicht rekonstruiert.

Vers 46
kesarāṇi prakalpyāni tatrāntaścāpi karṇikā |
karṇikāntastrikoṇasya tritayaṃ pṛthageva hi ||

Die Staubfäden und im Inneren die Samenkapsel sollen eingezeichnet werden. Innerhalb der Samenkapsel befinden sich drei gesonderte Dreiecke.

Vers 47
bahistrikoṇakoṇeṣu likhedbījatrayaṃ śubham |
māyābījaṃ tu vāme syātkrodhabījaṃ ca dakṣiṇe ||

In die Ecken des äußeren Dreiecks schreibt man drei glückverheißende Bijas: links das Maya-Bija, rechts das Krodha-Bija.

Vers 48
adhaḥ pāśaṃ vinirdiśya kandarpārṇaṃ tu madhyataḥ |
tadantaḥsthāyinī devī tatra sarvaṃ pratiṣṭhitam ||

Unten setzt man das Pasha-Bija ein, in die Mitte die Kandarpa-Silbe. Im Inneren wohnt die Göttin; dort ist alles gegründet.

Anmerkung: Die Formel bleibt in der Quelle verschlüsselt.

Vers 49
etadyantraṃ mahādevi sarvakāmaphalapradam |
etasya sarvayantrāṇi kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm ||

Dieses Yantra, o große Göttin, soll sämtliche Wünsche erfüllen. Alle anderen Yantras reichten nicht an seinen sechzehnten Teil heran.

Anmerkung: Textinterner Vorranganspruch.

Vers 50
bhūtaśuddhiṃ vidhāyādau pūrvavatkathitāṃ priye |
mātṛkānyāsapīṭhādinyāsaṃ kuryātpuroktavat ||

Zuerst führt man, Geliebte, die zuvor beschriebene Bhutashuddhi (rituelle Reinigung der Elemente) aus. Dann vollzieht man wie bereits dargelegt den Matrika-Nyasa, den Pitha-Nyasa und die weiteren Nyasas.

Vers 51
kvacicca guhyakālīvat kvaciddakṣiṇakālivat |
nyāsapūjādikaṃ sarvaṃ viśeṣaḥ kutracitpriye ||

Nyasa, Puja und die übrigen Handlungen folgen teils der Verehrung Guhyakalis, teils der Dakshinakalis. An einzelnen Stellen gibt es Besonderheiten, Geliebte.

Vers 52
sāmānyaṃ ca viśeṣaṃ ca sthāpayedarghyayugmakam |
caturaḥ pūjayeddevān gaṇārkācyutaśūlinaḥ ||

Man stellt die beiden Arghyas bereit, das allgemeine und das besondere Begrüßungswasser, und verehrt die vier Gottheiten: Ganesha, Surya, Achyuta und Shiva, den Dreizackträger.

Anmerkung: Das Namenkompositum ist in beiden OCR-Fassungen beschädigt; die vier Bestandteile Gaṇa, Arka, Acyuta und Śūlin sind erkennbar. Der Sanskrit-Wortlaut wird an dieser Stelle nicht als gesichert behandelt.

Vers 53
kuryācca mānasīṃ pūjāmupacāraiśca pārthivaiḥ |
tato mukhyāṃ yajedādyāṃ kālīṃ kāmakalābhidhām ||

Man vollzieht die innere Puja und die Verehrung mit gegenständlichen Opfergaben. Dann verehrt man die ursprüngliche Hauptgöttin, Kali namens Kamakala.

Vers 54
āvāhayedanenaiva mantreṇa śṛṇu pārvati |
tāraṃ māyāṃ smaraṃ pāśamuccāryārṇacatuṣṭayam ||

Mit folgendem Mantra soll man sie einladen; höre, Parvati. Man spricht die vier Silben Tara, Maya, Smara und Pasha …

Anmerkung: Die Namen bezeichnen Bijas; keine vollständige Lautfolge ausgeschrieben.

Vers 55
ṣaḍakṣarāṇi saṃbodhya devīnāma yathārthavat |
āgaccha dvitayaṃ tiṣṭha yugalaṃ tadanu kṣipet ||

… danach den sechs Silben umfassenden Namen der Göttin in der Anrede. Dann fügt man zweimal „Komm!“ und zweimal „Bleibe!“ hinzu.

Anmerkung: Sicher lesbare Formelteile: „āgaccha āgaccha“, „tiṣṭha tiṣṭha“.

Vers 56
pūjāṃ gṛhāṇeti yugaṃ vahnijāyāntameva hi |
āvāhayedanenaiva mantreṇa parameśvarīm ||

Es folgt zweimal „Nimm die Verehrung an!“, mit der „Gattin des Feuers“ am Ende. Mit diesem Mantra soll man die höchste Herrin einladen.

Anmerkung: „pūjāṃ gṛhāṇa“; Abschlussbezeichnung für Svaha. Die vollständige Formel wird nicht aus ungesicherten Bijas zusammengesetzt.

Vers 57
mūlamantreṇa vai kāryamanyatsarvaṃ śucismite |
ṅe'ntaṃ tannāma coccārya kāmabījādyamagrataḥ ||

Alles Weitere ist mit dem Mula-Mantra (Grundmantra) auszuführen, o rein Lächelnde. Man spricht ihren Namen im Dativ aus und setzt das Kama-Bija an den Anfang.

Anmerkung: Der Schluss des zweiten Halbverses ist orthographisch unsicher; Dativ und anfängliches Kama-Bija sind klar.

Vers 58
sarveṣvevopacāreṣu mantro'sau parikīrtitaḥ |
viśeṣamantro no yatra tatrāsau manuriṣyate ||

Dieser Mantra gilt für sämtliche Opfergaben. Wo kein besonderer Mantra vorgeschrieben ist, soll dieser verwendet werden.

Vers 59
yatra yatra viśeṣo'sti tatpravakṣye na saṃśayaḥ |
arghyadāne viśeṣo'sti tadapi vyāharāmi te ||

Wo es Besonderheiten gibt, werde ich sie gewiss nennen. Beim Darbringen des Arghya gibt es eine solche Besonderheit; auch sie will ich dir erklären.

Vers 60
praṇavaṃ pāśaroṣau ca lajjāṃ bhautaṃ ca bījakam |
śmaśānavāsinīṃ ṅe'ntāṃ ṅe'ntaṃ nāma tathoccaret ||

Man spricht Pranava, die Bijas Pasha und Rosha, Lajja und das Bhuta-Bija; dann „Shmashanavasini“, die Bewohnerin des Leichenplatzes, und den Namen der Göttin, jeweils im Dativ.

Anmerkung: Die Bija-Bezeichnungen bleiben als solche stehen.

Vers 61
eṣo'rgho nama ityuktvā dadyādarghaṃ sukalpitam |
mūlamantreṇa nāmnā ca hyupacārāṃśca ṣoḍaśa ||

Mit den Worten „Dies ist das Arghya; Verehrung!“ bringt man das sorgfältig bereitete Begrüßungswasser dar. Mit dem Grundmantra und dem Namen [bringt man] die sechzehn Gaben …

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 62. Sicher lesbarer Formelteil: „eṣo ’rgho namaḥ“.

Vers 62
nivedayenmahākālyai yadyaduktaṃ prapūjane |
na gandhadāne mantro'sti na vā puṣpasamarpaṇe ||

… Mahakali dar, alles, was für die vollständige Puja vorgeschrieben ist. Für das Darbringen von Duft und Blumen gilt dieser Mantra nicht.

Anmerkung: Die Negation wird aus dem Zusammenhang als Ausnahme vom eben genannten allgemeinen Mantra verstanden; anschließend folgen eigene Formeln.

Vers 63
tayoreva viśeṣo'sti kathayiṣyāmi tacchṛṇu |
yadaṣṭādaśavārṣikyā nyūnāyā api vā bhavet ||

Gerade für diese beiden Gaben gibt es eine besondere Vorschrift. Ich werde sie erklären; höre zu. Was bei einer Achtzehnjährigen oder einer Jüngeren entsteht …

Anmerkung: Beginn der historischen Definition einer tabuüberschreitenden Opfergabe; Fortsetzung in Vers 64.

Vers 64
ārtavaṃ māsikaṃ yatsyādādyāhojātaśoṇitam |
anaṅgagandhastannāma nādhikāyāḥ kadācana ||

… als monatliches Menstruationsblut am ersten Tag, trägt hier den Namen Ananga-Gandha. Gemeint ist ausdrücklich nicht das Blut einer älteren Frau.

Anmerkung: Historische Ritualvorschrift; keine heutige Praxisempfehlung.

Vers 65
taddānaphalabāhulyaṃ vaktumeva na śakyate |
svayamāgatya devī sā gṛhṇāti śirasārpitam ||

Die Fülle der Frucht dieser Gabe lasse sich gar nicht aussprechen. Die Göttin komme selbst und nehme entgegen, was ihr am Haupt dargebracht wird.

Anmerkung: „śirasārpitam“ kann auch eine ehrerbietige Darbringung mit geneigtem Haupt bezeichnen; der Bezug bleibt unsicher.

Vers 66
tasmādghṛṇāṃ na kurvīta taddāne prayateta vai |
anaṅgagandhadānasya mantramākarṇaya priye ||

Darum solle man sich nicht ekeln und sich um diese Darbringung bemühen. Höre nun, Geliebte, den Mantra zur Darbringung des Ananga-Gandha.

Anmerkung: Die Aufforderung gehört zum historischen Text.

Vers 67
tāraṃ vāgbhavabījaṃ ca prāsādaṃ kamalārṇakam |
krodhamārapiśācārṇaṃ māyāṃ pāśamudīrya ca ||

Man spricht Tara, das Vagbhava-Bija, Prasada, die Kamala-Silbe, die Silben Krodha, Mara und Pishacha sowie Maya und Pasha …

Anmerkung: Neun verschlüsselte Bija-Bezeichnungen; keine Silben ergänzt.

Vers 68
ṅe'ntaṃ ratipriyāśabdaṃ proccarennavabījataḥ |
ṅe'ntaṃ tannāma coccārya eṣa tannāma coddharet ||

… nach diesen neun Bijas das Wort Ratipriya im Dativ, danach ihren Namen im Dativ, dann „dieser“ und die Bezeichnung der Opfergabe …

Anmerkung: Paralleltext ohne Buchstabe liest Ratipriya, e offenbar Ratiśriyā; hier folgt die Übersetzung dem älteren Paralleltext. Die Varianten bleiben dokumentiert.

Vers 69
hārdaṃ mantraṃ samuccārya gandhaṃ dadyācca sādhakaḥ |
jātādyarajaso nāryā yadādyadinasaṃbhavam ||

Nachdem der Sadhaka den Herz-Mantra ausgesprochen hat, soll er die Duftgabe darbringen. Was bei einer Frau am ersten Tag ihrer ersten Menstruation entsteht …

Anmerkung: Die zuvor beschädigte Anfangshälfte wird durch den älteren Kamakala-Zeugen ohne Buchstaben,2566–2567, geklärt. Hārda ist dort leicht beschädigt, aber als Herz-Mantra hinreichend verständlich. Die folgende Stoffdefinition setzt sich in70 fort.

Vers 70
puṣpaṃ svayaṃbhūpuṣpaṃ tattadānandāya kalpate |
na sauvarṇena puṣpeṇa na muktāmaṇibhistathā ||

… wird als Svayambhu-Pushpa, „von selbst entstandene Blume“, bezeichnet; diese Gabe soll Freude bereiten. Weder durch eine goldene Blume noch durch Perlen …

Anmerkung: Fortsetzung bis Vers 72.

Vers 71
na dīpairnāpi naivedyairnāpi pūjādisaṃbharaiḥ |
na homairna japairnāpi tarpaṇaiḥ prīyate śivā ||

… weder durch Lichter noch Speiseopfer, weder durch anderes Puja-Zubehör noch durch Feueropfer, Japa oder Tarpana (Labungsgaben) werde die glückverheißende Göttin [so] erfreut …

Vers 72
yathā svayaṃbhūpuṣpeṇa prīyate jagadambikā |
tatrāpi parayoṣāyā ityāgamasugopitam ||

… wie die Weltenmutter durch Svayambhu-Pushpa erfreut werde; dabei sei besonders die Gabe von der Frau eines anderen gemeint. Dies werde in den Agamas streng geheim gehalten.

Anmerkung: Die transgressive Forderung wird als Textaussage wiedergegeben, nicht befürwortet.

Vers 73
adhunā kathyate tasya dānamantro varāṅgane |
praṇavādau trapāratyau ṅe'ntaṃ nāma tato vadet ||

Nun wird der Mantra für diese Gabe genannt, o Schöne. Auf Pranava folgen Trapa und Rati; dann spricht man den Namen im Dativ.

Anmerkung: Bezeichnungen von Bijas; nicht vollständig ausgeschrieben.

Vers 74
krodhaṃ pāśaṃ samuccārya ṅe'ntā ca bhagamālinī |
vāgbhavaṃ ca vadhūbījaṃ ṅe'ntā cāpi bhagapriyā ||

Nach Krodha und Pasha folgt Bhagamalini im Dativ; nach Vagbhava und dem Vadhu-Bija folgt Bhagapriya, ebenfalls im Dativ.

Anmerkung: Bhagamalini: etwa „die mit einer Girlande von Bhaga Geschmückte“; Bhagapriya: „die Bhaga liebt“. Bhaga ist hier ein sexuell-ritueller Begriff für die Vulva, zugleich ein Wort mit weiteren Bedeutungen wie Glück und Anteil.

Vers 75
paiśācaṃ kāmalaṃ bījaṃ ṅe'ntā ca madanāturā |
etatpuṣpasya nāmāpi nama ityakṣaradvayam ||

Dann folgen das Paishacha- und das Kamala-Bija, Madanatura im Dativ, die Bezeichnung dieser „Blume“ und die zwei Silben „namaḥ“.

Anmerkung: Madanatura bedeutet „von Liebesverlangen erfüllt“. Der Wortlaut bleibt eine Bauanweisung für den Mantra.

Vers 76
proccārya dadyāttaddevyai sarvakāmārthasiddhaye |
paramābhīṣṭamāpnoti dattvaitatpuṣpamuttamam ||

Nach dem Aussprechen bringt man es der Göttin zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele dar. Wer diese als vorzüglich bezeichnete „Blume“ darbiete, erlange sein höchstes ersehntes Ziel.

Anmerkung: Textinterne Wirkungsverheißung.

Vers 77
dhūpe dīpe ca naivedye mūlamantraḥ prakīrtitaḥ |
cāmaracchatradāne ca sa eva parikīrtitaḥ ||

Für Räucherwerk, Licht und Speiseopfer ist der Grundmantra vorgesehen; derselbe gilt auch für das Darbringen des Wedels und des Schirmes.

Vers 78
pūjāyāṃ balidānasya mantramākarṇaya priye |
ekaṃ tāraṃ samuddhṛtya māramāyāruṣo'rṇakān ||

Höre, Geliebte, den Mantra für die Bali-Gabe während der Puja. Nach einem Tara spricht man die Silben Mara, Maya und Rush …

Anmerkung: Bali bezeichnet hier eine gesonderte Opfergabe. Ihr Stoff wird in diesen Versen nicht genannt.

Vers 79
tristriḥ proccārya […] |
bhagapriye tviti padaṃ bhagamālini ceti ca ||

… jeweils dreimal; dann [folgen drei beschädigte Bijas]. Darauf spricht man „Bhagapriye“ und „Bhagamalini“.

Anmerkung: Die Bija-Folge ist in e stark beschädigt und im Paralleltext nur teilweise lesbar. Sie wird nicht als gesicherte Rezitationsformel hergestellt.

Vers 80
mahābalimiti smṛtvā gṛhṇeti ca padadvayam |
bhakṣayeti padadvandvaṃ mama śatrūnathāpi ca ||

Dann spricht man „die große Opfergabe“, zweimal „Nimm!“, zweimal „Verzehre!“ und anschließend „meine Feinde“.

Anmerkung: „mahābalim“ ist durch den älteren Paralleltext gestützt. Die nachfolgenden Verben bilden eine schädigende Ritualformel.

Vers 81
nāśayoccāṭaya hana truṭa chindhi pacāpi ca |
matha vidhvaṃsaya tathā māraya drāvayāpi ca ||

„Vernichte! Treibe aus! Schlage! Zerbrich! Zerschneide! Verbrenne! Zermalme! Zerstöre! Töte! Treibe fort!“

Anmerkung: Das vierte Verb ist unsicher gelesen („truṭ“); die Übersetzung „zerbrich“ bleibt entsprechend vorläufig.

Vers 82
yugaṃ yugaṃ daśa bhavenmāyāgnivanitāyutaḥ |
balidāne mahāmantraḥ sarvakāmaphalapradaḥ ||

Diese zehn [Befehle] werden jeweils zweimal gesprochen; Maya und die „Gattin des Feuers“ schließen an. Dies sei der große Mantra zur Bali-Gabe, der sämtliche Wünsche erfülle.

Vers 83
bhojane balidānasya mantro'nyo'sti varānane |
praṇavaṃ pūrvamuccārya lajjāṃ […] ||

Für die Bali-Gabe beim Essen gibt es einen anderen Mantra, o Schönangesichtige. Zuerst spricht man Pranava, dann Lajja […]

Anmerkung: Fragment: Die anschließenden Bijas beziehungsweise Wiederholungen sind beschädigt.

Vers 84
kṣau kṣau bhūtārṇayugalaṃ pāśayugmaṃ smaradvayam |
nāma saṃbodhya devyāstu mahākāmāture'pi ca ||

„Kshau, kshau“, zweimal die Bhuta-Silbe, zweimal Pasha, zweimal Smara; dann den Namen der Göttin in der Anrede und „Mahakamature“, „du von großem Verlangen Erfüllte“.

Anmerkung: „kṣau kṣau“ ist die Lesung des älteren Paralleltextes; e ist beschädigt. Kein Anusvara ergänzt. Die Anrede lautet in IAST mahākāmāture.

Vers 85
mahākālapriye cāpi mamāniṣṭaṃ tato vadet |
nivāraya padadvandvaṃ śatrūniti padaṃ tataḥ ||

Es folgen „Mahakalapriye“, „du Geliebte Mahakalas“, dann „mein Unheil“, zweimal „Wende ab!“ und danach das Wort „Feinde“.

Vers 86
stambhayeti padadvandvaṃ mārayeti tathaiva ca |
dama […] śoṣayeti yugaṃ tataḥ ||

Zweimal „Lähme!“, ebenso zweimal „Töte!“, „Bändige!“ [beschädigte Wiederholungsanweisung] und danach zweimal „Dörre aus!“

Anmerkung: Fragment. Die Wortfolge zwischen „dama“ und „śoṣaya“ ist nicht zuverlässig lesbar.

Vers 87
imaṃ baliṃ gṛhṇa gṛhṇa tata etāvaduccaret |
khādayeti padadvandvaṃ krodhāgnivanitāyutaḥ ||

Dann spricht man „Nimm diese Opfergabe an, nimm sie an!“, zweimal „Verzehre!“ und fügt Krodha sowie die „Gattin des Feuers“ hinzu.

Vers 88
bhojanādau mahāmantro balidāne prakīrtitaḥ |
evaṃ nirvartya devyāstu pūjāṃ sarvopacārikām ||

Dies wird als der große Mantra für die Bali-Gabe beim Essen und ähnlichen Gelegenheiten angegeben. Nachdem man auf diese Weise die Verehrung der Göttin mit sämtlichen Gaben vollzogen hat …

Unnummerierter Text
saptāvaraṇapūjāṃ tāmārabheta tataḥ kramāt |

… soll man anschließend der Reihe nach mit der Verehrung ihrer sieben Avaranas beginnen.

Anmerkung: Unnummerierter abschließender Halbvers nach Vers 88; keine zusätzliche Versnummer vergeben.

Kolophon
iti śrīmadādināthaviracitāyāṃ pañcaśatasāhasryāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ dvitīyaḥ paṭalaḥ |

Damit endet das zweite Kapitel der Mahakala-Samhita, die hier dem ehrwürdigen Adinatha zugeschrieben und als Werk von fünfhunderttausend [Versen] bezeichnet wird.

Anmerkung: Der ältere Paralleltext nennt zugleich die fortlaufende Kapitelnummer 242.

Kamakala-Khanda, Kapitel 3: Die sieben Umkreise und die allgemeinen Anwendungen

Die Göttinnen, Bhairavas, Bezirkswächter und Yoginis werden ihren Plätzen im Yantra zugeordnet. Es folgen der Abschluss der Puja, Purashcharana und allgemeine Anwendungen, einschließlich sexualritueller und schädigender Passagen. Diese werden als historische Textaussagen wiedergegeben.

Vers 1
pūrvaṃ yatkathitaṃ yantraṃ tritrikoṇapariṣkṛtam |
bahistrikoṇe tasyaiva tayormadhye ca ṣaḍ yajet ||

In dem zuvor beschriebenen Yantra mit seinen drei Dreiecken verehrt man sechs [Göttinnen] an den Ecken des äußeren Dreiecks und in den Zwischenräumen.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala.

Vers 2
saṃhāriṇī bhīṣaṇā ca mohinī koṇagā imāḥ |
koṇamadhyasthitāstisraḥ kurukullā kapālinī ||

Samharini, Bhishana und Mohini befinden sich an den Ecken. In den drei Zwischenräumen stehen Kurukulla, Kapalini …

Vers 3
vipracittā krameṇaiva pūjyāḥ ṣaṭ prathamāvṛtau |
madhyatrikoṇe'pi tathā koṇakoṇāntarasthitāḥ ||

… und Viprachitta. Diese sechs werden der Reihe nach im ersten Umkreis verehrt. Ebenso stehen im mittleren Dreieck [weitere Göttinnen] an den Ecken und zwischen ihnen.

Vers 4
ugrā cograprabhā dīptā trikoṇāgre vyavasthitāḥ |
nīlā ghanā balākā ca tayorantaragocarāḥ ||

Ugra, Ugraprabha und Dipta befinden sich an den Spitzen des Dreiecks; Nila, Ghana und Balaka in den Zwischenräumen.

Anmerkung: Der letzte Name ist in e als „valākā“ OCR-erfasst; die Lesung Balaka bleibt vorläufig.

Vers 5
pūjanīyāḥ prayatnena dvitīyāvaraṇe priye |
sarvāntaḥsthe trikoṇe tu tristrirekatra pūjayet ||

Im zweiten Umkreis sollen sie sorgfältig verehrt werden, Geliebte. Im innersten Dreieck verehrt man an jedem Ort jeweils drei.

Vers 6
brāhmī nārāyaṇī caiva savye māheśvarī tathā |
cāmuṇḍā cāpi kaumārī tathā caivāparājitā ||

Links stehen Brahmi, Narayani und Maheshvari. Chamunda, Kaumari und Aparajita …

Vers 7
dakṣiṇe pūjayettisrastisraḥ paścimagā api |
vārāhī nārasiṃhī ca tathendrāṇī prakīrtitā ||

… diese drei verehrt man rechts; weitere drei im Westen: Varahi, Narasimhi und Indrani.

Vers 8
sarvāḥ śyāmā asikarā muṇḍamālāvibhūṣitāḥ |
kapālaṃ tarjanaṃ caiva dhārayantyaḥ susaṃmadāḥ ||

Alle sind dunkel, tragen Schwerter und sind mit Girlanden aus Köpfen geschmückt. Sie halten eine Schädelschale und zeigen eine drohende Gebärde; sie sind voller Entzücken.

Anmerkung: „tarjana“ als Drohgebärde verstanden; die konkrete Handhaltung wird nicht näher bestimmt.

Vers 9
sarvāsāmapi vai deyo baliḥ pūjā tathaiva ca |
anulepanakaṃ cāpi vibhavenopakalpitam ||

Allen sind Bali-Gaben und Verehrung darzubringen, ebenso Salbungen, die nach den eigenen Möglichkeiten bereitet werden.

Vers 10
tristriḥ pūjā prakartavyā sarvāsāmapi sarvadā |
daleṣu pūjayedaṣṭau bhairavā ye prakīrtitāḥ ||

Die Verehrung aller ist jeweils dreimal auszuführen. Auf den Lotusblättern verehrt man die acht genannten Bhairavas.

Vers 11
asitāṅgo ruruścaiva caṇḍa unmattasaṃjñakaḥ |
krodhastathaiva kāpālī tathā bhīṣaṇanāmakaḥ ||

Asitanga, Ruru, Chanda, der Unmatta Genannte, Krodha, Kapali und der Bhishana Genannte …

Vers 12
saṃmohanastathā sarve kartṛkharparadhāriṇaḥ |
kālāñjanacayaprakhyā dvibhujā raudrarūpiṇaḥ ||

… sowie Sammohana. Sie alle tragen ein Schneidewerkzeug und eine Schädelschale. Sie gleichen einer Masse schwarzer Augenschminke, sind zweiarmig und von wilder Gestalt.

Anmerkung: Das erste Kompositum der Attribute ist beschädigt; „kartṛ“ wird hier als Schneidewerkzeug verstanden, nicht als gesicherter Gerätebegriff.

Vers 13
etānsaṃpūjya vidhivat kṣetrapālānprapūjayet |
ekapādo virūpākṣo bhīmaḥ saṃkarṣaṇastathā ||

Nachdem man diese regelgerecht verehrt hat, verehrt man die Kshetrapalas (Wächter des heiligen Bezirks): Ekapada, Virupaksha, Bhima und Samkarshana …

Vers 14
caṇḍaghaṇṭo meghanādo vegamālī prakampanaḥ |
ete cāṣṭau kṣetrapālā dalayorantare sthitāḥ ||

… Chandaghanta, Meghanada, Vegamali und Prakampana. Diese acht Bezirkswächter stehen zwischen den Lotusblättern.

Vers 15
vikṛtāsyā bhīmarūpā gadāparighapāṇayaḥ |
dalayorantare pūjyāḥ pañcamāvaraṇe priye ||

Sie haben verzerrte Gesichter und furchtbare Gestalten; in den Händen tragen sie Keulen und Schlagbalken. Im fünften Umkreis, zwischen den Lotusblättern, sind sie zu verehren, Geliebte.

Vers 16
ṣaṣṭhe cāvaraṇe devyā yoginīraṣṭa pūjayet |
ulkāmukhī koṭarākṣī vidyujjihvā karālinī ||

Im sechsten Umkreis der Göttin verehrt man acht Yoginis: Ulkamukhi, Kotarakshi, Vidyujjihva und Karalini …

Anmerkung: „Ulkamukhi“ ist eine behutsame, aber nicht durch eine hier erneut gelesene Parallelstelle gesicherte Normalisierung von „utkāmukhī“ in e.

Vers 17
vajrodarī lāpinī ca jvālā jālandharī tathā |
vyāttānanā ghorarāvā jihvālalanabhīṣaṇāḥ ||

… Vajrodari, Lapini, Jvala und Jalandhari. Ihre Münder sind aufgerissen, ihre Stimmen schrecklich, ihre bewegten Zungen furchterregend.

Anmerkung: Der Name Lapini ist so erkennbar, aber nicht weiter verifiziert.

Vers 18
vasāsṛṅmāṃsasaṃpūrṇakapālāsikarāḥ smṛtāḥ |
etā dalāgre saṃpūjyāḥ ṣaṣṭhāvaraṇake kramāt ||

Sie halten Schwerter und Schädelschalen voller Fett, Blut und Fleisch. An den Spitzen der Lotusblätter sind sie im sechsten Umkreis der Reihe nach zu verehren.

Vers 19
lokapālāśca saṃpūjyā bahirdaśasu dikṣvapi |
svasvāyudhāsaktakarāḥ svasvavāhanasaṃyutāḥ ||

Außen werden die Lokapalas (Hüter der Welt) in den zehn Himmelsrichtungen verehrt, jeder mit seiner eigenen Waffe in der Hand und mit seinem Reittier.

Vers 20
saptāvaraṇametatte kathitaṃ bhaktitatpare |
devyāḥ kāmakalākālyāḥ samantradhyānapūrvakam ||

Damit habe ich dir, die du ganz der Hingabe zugewandt bist, die sieben Umkreise der Göttin Kamakalakali erläutert, zusammen mit Mantra und meditativer Vergegenwärtigung.

Vers 21
evaṃ pūrvoktarūpāṃ tāṃ saṃpūjya parameśvarīm |
yoginīcakrasahitāṃ bhairaveṇa samanvitām ||

Nachdem man so die höchste Herrin in der zuvor beschriebenen Gestalt verehrt hat, zusammen mit dem Kreis der Yoginis und mit Bhairava …

Vers 22
tataśca yatnataḥ kānte baliṃ saṃpratipādayet |
balimutsārya naivedyaṃ naiṛtyāṃ diśi cotsṛjet ||

… bringt man sorgfältig die Bali-Gabe dar, Geliebte. Nach dem Darbringen des Bali legt man das Speiseopfer in südwestlicher Richtung ab.

Anmerkung: Die genaue Bedeutung von „utsārya“ ist kontextabhängig; Darbringung beziehungsweise Weglegen ist gemeint.

Vers 23
hṛdaye caiva devīṃ tāṃ saṃsthāpya vidhivatpunaḥ |
nirmālyaṃ ca śucau deśe dhāraṇīyaṃ śirasyapi ||

Dann lässt man die Göttin regelgerecht wieder im Herzen wohnen. Die Nirmalya-Gaben, die von der Verehrung zurückbleiben, sollen an einen reinen Ort gelegt oder auch auf dem Haupt getragen werden.

Anmerkung: Das OCR-Wort „nirmalya“ ist beschädigt; es ist aus dem Zusammenhang als „nirmālya“ gelesen.

Vers 24
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi pauraścaraṇikaṃ vidhim |
ekasminyatra vihite siddhistātkālikī bhavet ||

Nun werde ich die Regel des Purashcharana erklären. Wenn es einmal vollzogen ist, soll unmittelbar Siddhi eintreten.

Anmerkung: Purashcharana: ein vorbereitender oder vervollständigender Ritualzyklus zur Mantra-Praxis. Die Erfolgszusage gehört zum Text.

Vers 25
bhūmiśuddhirdravyaśuddhiḥ puraiva kathitā mayā |
yamāśca niyamā ye syuḥ puraścaraṇakarmaṇi ||

Die Reinigung des Bodens und der Ritualstoffe habe ich bereits erklärt. Die Yamas und Niyamas, die für das Purashcharana gelten …

Vers 26
sarvāneva prayuñjīta satataṃ bhaktitatparaḥ |
kṛtanityakriyaḥ prātaḥ kṛtapūjāvidhiḥ śuciḥ ||

… soll man sämtlich einhalten, immer der Hingabe zugewandt. Morgens, nach den täglichen Pflichten und der Puja, in ritueller Reinheit …

Vers 27
narāsthi nikhanedbhūmāvamuṃ mantramudīrayan |
tārakrodhārṇahrīpāśasmarabhūtānsamuddharan ||

… vergräbt man einen Menschenknochen im Boden und spricht dabei diesen Mantra: Tara, die Krodha-Silbe, Hri, Pasha, Smara und Bhuta …

Anmerkung: Historische Ritualvorschrift. Bijas nur mit ihren verschlüsselten Namen angegeben.

Vers 28
siddhimuccārya dehīti yugmaṃ vahnyaṅganāṃ vadet |
taduparyeva cāstīrya svāsanaṃ suṣṭhu kalpitam ||

… dann „Siddhi“, zweimal „Gib!“ und die „Gattin des Feuers“. Genau darüber breitet man den sorgfältig bereiteten eigenen Sitz aus.

Anmerkung: Lesbarer Formelteil: „siddhiṃ dehi dehi“, „Gib Vollendung, gib sie!“

Vers 29
nṛmuṇḍamagrataḥ kṛtvā narāsthijapamālayā |
lakṣamekaṃ japenmantrī haviṣyāśī divā śuciḥ ||

Mit einem Menschenkopf vor sich und einer Japa-Mala aus Menschenknochen rezitiert der Mantraübende am Tag hunderttausendmal, in ritueller Reinheit und von Havishya-Speise lebend.

Anmerkung: Havishya bezeichnet für diesen Ritualzweck erlaubte schlichte Nahrung.

Vers 30
aśuciśca tathā rātrau lakṣamekaṃ tathaiva ca |
daśāṃśaṃ homayenmantrī tarpayedabhiṣecayet ||

Ebenso rezitiert er nachts hunderttausendmal in ritueller Unreinheit. Ein Zehntel bringt er als Homa dar; außerdem vollzieht er Tarpana und Abhisheka.

Anmerkung: Die besonderen Zahlenverhältnisse für die beiden letzten Handlungen werden in diesem Vers nicht ausgeschrieben und hier nicht ergänzt.

Vers 31
home saṃtarpaṇe caiva pūjāvatkathito vidhiḥ |
śūnyaṃ ca prayoge yā home vā tarpaṇe'thavā ||

Für Homa und Tarpana gilt die Vorschrift entsprechend der Puja. Was bei der Anwendung, dem Homa oder dem Tarpana unerläutert bleibt …

Anmerkung: Der zweite Halbvers ist sprachlich beschädigt; die Bedeutung wird durch den folgenden Vers gestützt, der Sanskritwortlaut bleibt unsicher.

Vers 32
guhyakālīvidhānena sarvaṃ kāryaṃ śucismite |
atrānuktaṃ vidhānaṃ yattatratyaṃ tatprakalpayet ||

… ist nach der Regel für Guhyakali auszuführen, o rein Lächelnde. Was hier nicht vorgeschrieben wird, soll man der dortigen Vorschrift entnehmen.

Vers 33
tatrāpyanuktaṃ yatkiṃcittatrokto dakṣiṇāvidhiḥ |
etatte sarvamākhyātaṃ samāsena varānane ||

Was auch dort nicht behandelt ist, dafür gilt die Regel der Dakshinakali. So habe ich dir, o Schönangesichtige, alles in gedrängter Form erläutert …

Anmerkung: Die Verweisfügung im ersten Halbvers ist beschädigt; „dakṣiṇāvidhi“ wird im Kontext als Regel der Dakshinakali verstanden.

Vers 34
devyāḥ kāmakalākālyāḥ pūjāvidhiranuttamaḥ |
ataḥ paraṃ prayogāṃstānvakṣyāmi prayatā śṛṇu ||

… die vorzügliche Weise, die Göttin Kamakalakali zu verehren. Nun werde ich ihre rituellen Anwendungen beschreiben; höre gesammelt zu.

Vers 35
snātaḥ śuklāmbaradharaḥ kṛtanityakriyo divā |
rātrau nagnaḥ śayānaśca maithune ca vyavasthitaḥ ||

Am Tag nach dem Bad, in weißen Gewändern und nach den täglichen Pflichten; nachts unbekleidet, liegend und während der geschlechtlichen Vereinigung …

Anmerkung: Beginn der historischen Anwendungsvorschriften. Die sexualrituelle Aussage wird nicht symbolisch umgedeutet.

Vers 36
athavā muktakeśaśca prajapedayutaṃ naraḥ |
bhavanti tatkṣaṇāddevi tena sarvārthasiddhayaḥ ||

… oder mit gelöstem Haar soll ein Mann zehntausendmal rezitieren. Dadurch sollen ihm augenblicklich, o Göttin, alle Ziele gelingen.

Vers 37
stambhanaṃ mohanaṃ vāpi vaśīkāro viśeṣataḥ |
yadyadicchati tatsarvaṃ sādhayedavicārayan ||

Lähmung, Verblendung und besonders Unterwerfung: Was immer er wünsche, solle er ohne Zögern verwirklichen können.

Anmerkung: Schädigende Wirkungsansprüche des historischen Textes.

Vers 38
nagnāṃ parastriyaṃ vīkṣya prajapedayutaṃ sudhīḥ |
sa bhavetsarvavidyānāṃ pāragaḥ sarvadaiva hi ||

Ein kundiger Mann soll zehntausendmal rezitieren, während er eine nackte Frau betrachtet, die einem anderen Mann verbunden ist. Dadurch soll er alle Wissensgebiete vollkommen beherrschen.

Anmerkung: „parastrī“ bezeichnet hier eine fremde beziehungsweise einem anderen Mann zugehörige Frau, keine Altersangabe.

Vers 39
tasya darśanamātreṇa vādino niṣprabhā matāḥ |
gadyapadyamayī vāṇī sabhāyāṃ tasya jāyate ||

Schon durch seinen Anblick sollen die Gegner im Wortstreit ihren Glanz verlieren. In der Versammlung soll seine Rede frei in Prosa und Versen fließen.

Vers 40
athavā muktakeśo'sau haviṣyaṃ bhakṣayannaraḥ |
aṣṭottaraśataṃ japtvā bhagamāmantrya yatnataḥ ||

Oder ein Mann mit gelöstem Haar, der Havishya-Speise zu sich nimmt, rezitiert hundertachtmal und spricht sorgfältig die Mantras über der Vulva …

Anmerkung: „bhagam āmantrya“: rituelles Ansprechen beziehungsweise Besprechen des weiblichen Geschlechtsorgans.

Vers 41
maithunaṃ yaḥ prakurvīta dhanadhānyasamanvitaḥ |
sarvavidyāvatāṃ śreṣṭhaḥ sa bhavennātra saṃśayaḥ ||

… und vollzieht dann die geschlechtliche Vereinigung. Er soll mit Reichtum und Getreide gesegnet und der Vorzüglichste unter allen Wissenden werden; daran gebe es keinen Zweifel.

Vers 42
ṛtumatyā bhagaṃ paśyanprajapedayutaṃ naraḥ |
[…] tadvāṇī gadyapadyamayī bhavet ||

Ein Mann soll zehntausendmal rezitieren, während er die Vulva einer menstruierenden Frau betrachtet. […] Seine Rede soll zu Prosa und Dichtung werden.

Anmerkung: Fragment: Das einleitende Wort des zweiten Halbverses ist beschädigt.

Vers 43
chandobaddhā paraṃ tasya vāṇī vaktrātprajāyate |
surateṣu ca japtavyaṃ mahāpātakamuktaye ||

Aus seinem Mund soll eine durch Versmaß gebundene Rede hervorgehen. Auch während der geschlechtlichen Vereinigung soll rezitiert werden, um von schweren Verfehlungen frei zu werden.

Vers 44
dhanāgamāya ca tathā parayoṣāsamāgame |
yadi no yoṣitaḥ saṅgastadā retaḥ prayatnataḥ ||

Ebenso [rezitiert man] zur Erlangung von Reichtum beim Zusammensein mit der Frau eines anderen. Wenn keine Verbindung mit einer Frau stattfindet, dann [gibt man] mit Bedacht Samen …

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 45.

Vers 45
samutsārya japaṃ kuryātsarvakāmārthasiddhaye |
tatraiva ratimārabhya yo japenmantravittamaḥ ||

… ab und vollzieht Japa zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele. Wer als besonders Mantrakundiger dabei den Liebesakt beginnt und rezitiert …

Anmerkung: Der Übergang zwischen eigenständiger Samengabe und erneuter Schilderung der Vereinigung ist im vorliegenden Wortlaut knapp; er wird nicht durch zusätzliche Handlungsanweisungen ausgefüllt.

Vers 46
ayutaṃ maithunī bhūtvā mantrajāpaparāyaṇaḥ |
sa yāti paramāṃ siddhiṃ devairapi sudurlabhām ||

… zehntausendmal, der Vereinigung hingegeben und ganz auf das Mantra-Japa ausgerichtet, soll höchste Siddhi erlangen, die selbst den Göttern schwer zugänglich ist.

Vers 47
ākarṣaṇavaśīkārau māraṇoccāṭane tathā |
stambhanaṃ mohanaṃ caiva buddheḥ saṃtrāsanaṃ tathā ||

Anziehung, Unterwerfung, Tötung, Austreibung, Lähmung, Verblendung und das Versetzen des Geistes in Schrecken …

Vers 48
karoti tatkṣaṇādeva nātra kāryā vicāraṇā |
vāgmitvaṃ ca dhanitvaṃ ca bahuputratvameva ca ||

… soll er augenblicklich bewirken können; darüber solle man nicht zweifeln. Hinzu kämen Beredsamkeit, Reichtum und viele Söhne.

Vers 49
na jarā na ca rogo vā na ca mṛtyurna vā bhayam |
na ca trāso manuṣyebhyo na ca vākkāyapātanam ||

Weder Alter noch Krankheit, weder Tod noch Furcht sollen ihn treffen, weder Schrecken durch Menschen noch ein Verfall von Sprache und Körper.

Anmerkung: „vākkāyapātana“ ist die erkennbare, jedoch ungewöhnliche Lesung; Übersetzung sinngemäß. Keine medizinische Tatsachenbehauptung.

Vers 50
athavā sa bhavennityaṃ caturviṃśatisiddhibhāk |
svadeharudhirāktaiśca bilvapatraiḥ sahasraśaḥ ||

Oder er soll beständig an vierundzwanzig Siddhis teilhaben. Mit tausenden Bilva-Blättern, die mit Blut aus dem eigenen Körper bestrichen sind …

Anmerkung: Der zweite Halbvers leitet eine weitere historische Anwendung ein.

Vers 51
śmaśāne'bhyarcayeddevīṃ vāgīśasamatāṃ vrajet |
retoyuktajapāpuṣpaiḥ karavīrasya vā priye ||

… verehrt man die Göttin auf dem Leichenplatz und soll dem Herrn der Rede ebenbürtig werden. Mit samenbenetzten Hibiskus- oder Oleanderblüten, Geliebte …

Vers 52
śmaśāne'bhyarcayeddevīṃ sarvasiddhiṃ sa vindati |
dhanavānbalavānvāgmī sarvayoṣitpriyo bhavet ||

… verehrt man die Göttin auf dem Leichenplatz und soll alle Siddhis erlangen, reich, stark und redegewandt werden und bei allen Frauen beliebt sein.

Vers 53
sukhī syānnātra saṃdeho mahākālavaco yathā |
śmaśāne yoṣitaṃ bījamadhye'bhyarcya sahasraśaḥ ||

Er soll glücklich sein; daran gebe es keinen Zweifel, so lautet Mahakalas Wort. Auf dem Leichenplatz verehrt man eine Frau tausendfach „inmitten der Bijas“ …

Anmerkung: „bījamadhye“ ist in e so zu lesen, sein genauer ritueller Bezug bleibt unklar. Nicht eigenmächtig als bestimmtes Diagramm oder als Körperstoff bestimmt.

Vers 54
raktacandanadigdhāṅgīṃ raktapuṣpairalaṃkṛtām |
pūjayitvā bhagaṃ vīkṣya tato dhyāyetkālikām ||

… deren Körper mit rotem Sandel bestrichen und mit roten Blüten geschmückt ist. Nach der Verehrung betrachtet man ihre Vulva und meditiert dann über Kalika.

Vers 55
sadyo hi labhate rājyaṃ yadi sā na bhayāyate |
meṣamāhiṣamāṃsena vāgmitvaṃ tasya jāyate ||

Unmittelbar solle er Herrschaft erlangen, sofern sie sich nicht fürchtet. Durch [Darbringung von] Schaf- und Büffelfleisch solle ihm Beredsamkeit erwachsen.

Anmerkung: Die Bedingung „wenn sie sich nicht fürchtet“ wird nicht ausgelassen; sie ist noch keine umfassende moderne Einwilligungsregel.

Vers 56
śmaśāne śayane caiva śavāsanagataḥ pumān |
asakṛcca japenmantraṃ sarvasiddhiphalapradam ||

Ein Mann, der auf dem Leichenplatz auf einer Lagerstatt einen Leichnam als Sitz hat, rezitiert wiederholt den Mantra, der als Frucht alle Siddhis gewähren soll.

Anmerkung: „Shavasana“ bedeutet hier im Ritualzusammenhang einen Leichnam als Sitz, nicht die moderne Entspannungshaltung.

Vers 57
tarpayettāṃ śmaśāne tu raktamāṃsādibhistridhā |
tristrirmanumudīryaiva sarvasiddhirbhaveddhruvam ||

Auf dem Leichenplatz labt man sie dreifach mit Blut, Fleisch und weiteren Gaben und spricht den Mantra jeweils dreimal. Dadurch sollen gewiss alle Siddhis entstehen.

Vers 58
retobhiśca tathā tadvatsvakīyena varānane |
maithunāyitayoṣāyāḥ bhagaprakṣālanodakaiḥ ||

Ebenso mit dem eigenen Samen, o Schönangesichtige, und mit dem Wasser, mit dem die Vulva einer Frau nach der Vereinigung gewaschen wurde …

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 59. Die Quelle verzeichnet eine Variante im Kompositum „maithunāyita“.

Vers 59
meṣamāhiṣaraktena nararaktena caiva hi |
undurolūkaraktena vāgmitā tasya jāyate ||

… mit Schaf- und Büffelblut, Menschenblut sowie dem Blut von Ratten und Eulen: Dadurch soll ihm Beredsamkeit erwachsen.

Vers 60
dhanitvaṃ jāyate tasya sarvasiddhiḥ prajāyate |
vacasā sa bhavejjīvo dhanena ca dhanādhipaḥ ||

Reichtum und alle Siddhis sollen ihm zuteilwerden. In der Rede werde er wie Jiva, in Reichtum wie der Herr der Schätze.

Anmerkung: Jiva bezeichnet hier wahrscheinlich Brihaspati, den Lehrer der Götter; der Herr der Schätze ist Kubera. Das ist eine kontextuelle Deutung der Namen.

Vers 61
ājñayā devarājo'sau rūpeṇa ca manobhavaḥ |
balena pavano hyeṣa sarvataścārthasādhakaḥ ||

In seiner Befehlsgewalt sei er wie der Götterkönig, in seiner Schönheit wie der Liebesgott, in seiner Kraft wie der Wind; in jeder Hinsicht verwirkliche er seine Ziele.

Vers 62
pakvāpakvaṃ hi yanmāṃsaṃ sāsthi dadyātsadā balim |
mūṣamārjāramāṃsaṃ ca meṣamāhiṣasaṃbhavam ||

Fleisch, gekocht oder ungekocht, soll mit den Knochen als Bali gegeben werden: Fleisch von Ratten und Katzen, von Schafen und Büffeln.

Vers 63
sarvaṃ sāsthi pradātavyaṃ sadā lomasamanvitam |
svavīryaṃ svanakhaṃ chinnaṃ keśaṃ saṃmārjanāgatam ||

Alles ist mit Knochen und Haaren darzubringen. Den eigenen Samen, abgeschnittene Nägel und beim Kämmen oder Reinigen ausgefallenes Haar …

Anmerkung: Der zweite Halbvers beginnt eine weitere Anwendung; „saṃmārjana“ ist nicht eindeutig auf Kämmen beschränkt.

Vers 64
nivedayecchmaśāne tatsarvasiddhiṃ sa vindati |
nārīrajo'nvitaṃ kṛtvā parṇānāṃ śatamuttamam ||

… bringt man auf dem Leichenplatz dar und soll dadurch sämtliche Siddhis erlangen. Man versieht hundert vorzügliche Blätter mit Menstruationsblut …

Vers 65
pratyekaṃ prajapenmantraṃ tatastaddhomayedbudhaḥ |
yugānāmayutaṃ tena mānmathī pūjitā bhavet ||

… rezitiert über jedem einzelnen den Mantra und bringt sie dann ins Opferfeuer. Dadurch gelte Manmathi als für zehntausend Weltalter verehrt.

Anmerkung: Manmathi ist hier eine Bezeichnung der mit dem Liebesgott verbundenen Göttin; die Lesung ist erkennbar, ihre genaue Einordnung bleibt offen.

Vers 66
sarvasiddhirbhavettasya vāgmī dhīraśca jāyate |
na tasya durlabhaṃ kiṃcitpṛthivyāṃ jātu vidyate ||

Alle Siddhis sollen ihm zuteilwerden; er werde redegewandt und standhaft. Auf Erden gebe es dann nichts, was für ihn unerreichbar wäre.

Vers 67
yonirūpaṃ hi kuṇḍaṃ vai kṛtvā vaitastimānataḥ |
hastavistārataḥ kṛtvā hastaṃ cāpi tathādhaḥ ||

Man legt eine Opfergrube in Yoni-Gestalt an, mit einer Handspanne als Maß, einer Elle in der Breite und ebenso einer Elle nach unten.

Anmerkung: Das Verhältnis von Handspannenmaß und Ellenmaßen ist in der knappen Quelle nicht eindeutig; keine ergänzte Bauanleitung.

Vers 68
tatra kāryā hi mantreṇa vahnisthāpanikāḥ kriyāḥ |
saṃhārabhairavāyādau dadyātprathamamāhutim ||

Dort sind mit Mantra die Handlungen zur Einsetzung des Feuers auszuführen. Die erste Opfergabe bringt man zunächst Samharabhairava dar.

Vers 69
rurumāṃsena sājyena bhaktena rudhireṇa ca |
kṛṣṇapuṣpeṇa sājyena saraktena viśeṣataḥ ||

[Man opfert] Ruru-Antilopenfleisch mit Ghee, gekochten Reis und Blut sowie besonders dunkle Blüten mit Ghee und Blut.

Anmerkung: „kṛṣṇapuṣpa“ bedeutet wörtlich schwarze beziehungsweise dunkle Blüte; keine Pflanzenart festgelegt.

Vers 70
āmiṣādibhirapyeva śmaśāne juhuyātsudhīḥ |
snātaḥ śuklāmbaradharaḥ śuciḥ prayatamānasaḥ ||

Auch mit Fleisch und weiteren Gaben soll der Kundige auf dem Leichenplatz ins Feuer opfern: nach dem Bad, in weißen Kleidern, rituell rein und mit gesammeltem Geist …

Vers 71
divā caiva prakartavyaṃ sarvakāmārthasiddhaye |
rātrau nagno muktakeśo maithune ca vyavasthitaḥ ||

… so soll es am Tag geschehen, um alle Wünsche und Ziele zu erfüllen. Nachts unbekleidet, mit gelöstem Haar und während der geschlechtlichen Vereinigung …

Vers 72
prakartavyaṃ prayatnena sarvakāmārthasiddhaye |
kiṃ bahūktena deveśi sarvaṃ prāpnotyasaṃśayam ||

… soll es sorgfältig ausgeführt werden, um alle Wünsche und Ziele zu erfüllen. Was bedarf es vieler Worte, o Herrin der Götter? Alles soll er zweifellos erlangen.

Vers 73
dvijādīnāṃ tu sarveṣāṃ divāvidhirihocyate |
śūdrāṇāṃ tu tathā proktaṃ rātridṛṣṭaṃ mahāmatam ||

Für die Zweimalgeborenen und die hier mit ihnen zusammengefassten Gruppen wird die Tagesregel genannt; für Shudras dagegen die als bedeutend geltende Nachtregel.

Anmerkung: Historische, hierarchische Zuordnung nach Varna, keine heutige Empfehlung zur sozialen Einteilung.

Vers 74
yadyatkāmayate citte tattadāpnoti nityaśaḥ |
bhairavaṃ taṃ yajedādau paścāddevīṃ prayatnataḥ ||

Was immer er im Geist ersehnt, das soll er beständig erlangen. Zuerst verehrt man jenen Bhairava, danach sorgfältig die Göttin.

Vers 75
dvidhā vibhajya vastūni yatnātsādhakasattamaḥ |
māṃsaṃ raktaṃ tilaṃ keśaṃ nakhaṃ bhaktaṃ ca pāyasam ||

Der vorzügliche Sadhaka teilt die Opferstoffe sorgfältig in zwei Teile: Fleisch, Blut, Sesam, Haar, Nägel, gekochten Reis und Milchreis …

Vers 76
ājyaṃ ceti prayatnena hotavyaṃ sarvasiddhaye |
evaṃ kṛtvā vidhānaṃ hi labhate siddhimuttamām ||

… und Ghee. Diese sind sorgfältig ins Feuer zu opfern, um alle Siddhis zu erlangen. Wer diese Regel vollzieht, soll höchste Siddhi erreichen.

Vers 77
yadyatprārthayate citte tattadāpnoti sarvathā |
devatvaṃ dānavatvaṃ ca siddhacāraṇatāṃ tathā ||

Was immer er im Herzen erbittet, soll er vollständig erlangen: den Zustand eines Gottes, eines Danava oder eines Siddha beziehungsweise Charana …

Anmerkung: Die beiden letzten Namen bezeichnen übermenschliche Wesenklassen; sie werden nicht als bestimmte moderne Entwicklungsstufen ausgelegt.

Vers 78
dattvā saṃpūjya cāpnoti sarvamevamatandritaḥ |
kiṃ bahūktena deveśi satyaṃ kṛtvā tvayi bruve ||

… all dies erlangt er, wenn er unermüdlich darbringt und verehrt. Was bedarf es vieler Worte, o Herrin der Götter? Ich versichere es dir wahrhaftig.

Anmerkung: Der letzte Verbalausdruck ist in der OCR beschädigt; Übersetzung nach dem klaren Aussagezusammenhang.

Vers 79
brahmāṇḍagolake siddhiryā kācijjagatītale |
karāmalakavatsiddhistasya syānnātra saṃśayaḥ ||

Welche Siddhi es auch im Weltenei und auf Erden gibt: Sie soll ihm so unmittelbar verfügbar sein wie eine Amala-Frucht in der Hand. Daran gebe es keinen Zweifel.

Vers 80
ete sāmānyataḥ proktāḥ prayogā mantrasiddhaye |
viśeṣatastu tāneva kathayiṣyāmyataḥ param ||

Damit sind die Anwendungen zur Mantra-Siddhi im Allgemeinen erklärt. Im Folgenden werde ich gerade diese im Besonderen darlegen.

Vers 81
evaṃ devīṃ kaluṣadahanīṃ pūjayitvā yathāvad hutvā dattvā balimapi tathā tarpayitvābhiṣicya |
yaṃ yaṃ kāmaṃ racayati manasyāhitaṃ saṃhitaṃ vā taṃ taṃ prāpya śrayati padavīṃ yogibhiḥ prārthanīyām ||

Nachdem er die Göttin, die Unreinheit verbrennt, auf diese Weise richtig verehrt, ins Feuer geopfert, Bali dargebracht, Tarpana und Abhisheka vollzogen hat, erlangt er jeden Wunsch, den er im Geist hegt – [die nähere Bestimmung ist unsicher] – und erreicht einen Zustand, nach dem Yogis streben.

Anmerkung: „āhitaṃ saṃhitaṃ vā“ ist im OCR-Text erkennbar, in dieser Verbindung aber nicht zuverlässig verständlich. Nicht als sichere Lesung oder Bedeutung ausgegeben.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ pañcaśatasāhasryāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ saptāvaraṇasāmānyaprayogo nāma tṛtīyaḥ paṭalaḥ |

Damit endet das dritte Kapitel der dem Adinatha zugeschriebenen Mahakala-Samhita von fünfhunderttausend [Versen], genannt „Die sieben Umkreise und die allgemeinen Anwendungen“.

Anmerkung: Kolophon gemäß Fassung e.

Kamakala-Khanda, Kapitel 4: Die Gabe an die Schakalinnen

Das Kapitel beschreibt Shiva-Bali: Schakalinnen werden als Gestalten Kalis eingeladen und verehrt. Ausführliche Listen von Gaben und zugeschriebenen Wirkungen, Anrufungen, ein achtversiges Stotra und Vorschriften zur Überlieferung des Mantras bilden den Zusammenhang. Die Laute und Tiernamen sind teilweise unsicher überliefert.

Vers 1
athātaḥ saṃpravakṣyāmi prayogānatigopitān |
sakṛdvidhānato yeṣāṃ sarvasiddhiḥ kare sthitā ||

Nun werde ich die streng geheim gehaltenen Anwendungen darlegen. Schon durch ihre einmalige regelgerechte Ausführung sollen alle Siddhis in der Hand des Übenden liegen.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala. Das ganze Kapitel schildert historische Rituale und ihre behaupteten Wirkungen.

Vers 2
kāmarājādayo bhedāstripurāyā yathā priye |
tathā kāmakalākālyā bhedāścāṣṭau puroditāḥ ||

Wie Tripura verschiedene Formen hat, beginnend mit Kamaraja, so wurden zuvor auch acht Formen Kamakalakalis genannt, Geliebte.

Anmerkung: Die Zahl acht wird bewahrt; sie wird nicht mit den sieben Mantras aus 2.7 gleichgesetzt.

Vers 3
eṣaiva prakṛtirjñeyā sarvā vikṛtayo'parāḥ |
mantre dhyāne viśeṣo'sti na prayoge kadācana ||

Diese ist als die Grundform zu verstehen; alle übrigen sind Abwandlungen. Unterschiede bestehen im Mantra und in der meditativen Gestalt, keineswegs aber in der Anwendung.

Vers 4
yā guhyakālī kathitā samantradhyānapūjanā |
vakṣyamāṇaprayogeṇa saiva kāmakalā bhavet ||

Jene Guhyakali, die mit Mantra, Meditation und Verehrung beschrieben wurde, wird durch die nun darzulegende Anwendung selbst zu Kamakala.

Vers 5
puraścaraṇamekaṃ hi kṛtvā devi varānane |
tata ete prakartavyāḥ prayogā mantrasiddhaye ||

Nach einem vollzogenen Purashcharana, o schönangesichtige Göttin, sind diese Anwendungen zur Mantra-Siddhi auszuführen.

Vers 6
śivāprayogaṃ vakṣyāmi tatrāpyādau varānane |
sadā kṛṣṇacaturdaśyāṃ kṛtanityakriyo divā ||

Zuerst werde ich die Shiva-Anwendung erklären, o Schönangesichtige. Am vierzehnten Mondtag der dunklen Monatshälfte, nachdem man tagsüber die täglichen Pflichten erfüllt hat …

Anmerkung: „Śivā“ bezeichnet in diesem Kapitel eine Schakalin; nicht den männlichen Gott Shiva. Das Ritual richtet sich an Schakalinnen als Gestalten Kalis.

Vers 7
caturvidhānnasāmagrīṃ rātrau niṣpādayetsudhīḥ |
pāyasāpūpasaṃyāvaśaṣkulīmodakānvitām ||

… bereitet der Kundige nachts die vier Arten von Speise zu, darunter Milchreis, Kuchen, Samyava-Brei, Shashkuli-Gebäck und Modaka-Süßigkeiten.

Anmerkung: Die Sanskritnamen bezeichnen traditionelle Speisen; genaue Rezepte stehen hier nicht.

Vers 8
nānāvidhaudanayutāṃ nānāvyañjanapūritām |
nānāvidhamahāmatsyamāṃsasaṃbhārasaṃbhṛtām ||

Hinzu kommen verschiedene Reisgerichte und Beilagen sowie ein Vorrat verschiedener großer Fische und Fleischsorten.

Vers 9
anyaiśca vividhairbhakṣyaiḥ ṣaḍrasaiḥ paripūritam |
haime vā rājate tāmre mṛṇmaye bhājane'thavā ||

Dazu weitere essbare Gaben, die alle sechs Geschmacksrichtungen umfassen. In einem Gefäß aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton …

Vers 10
palāśapuṭake vāpi madhūkasya dale'thavā |
ekīkuryāttataḥ sarvaṃ pṛthakpṛthagudāradhīḥ ||

… oder in einem Palasha-Blattbehälter beziehungsweise auf einem Madhuka-Blatt stellt der weitblickende Übende alles zusammen, die einzelnen Gaben dabei getrennt.

Anmerkung: Die Verbindung von „zusammen“ und „getrennt“ bezeichnet hier offenbar eine gemeinsame Anordnung gesonderter Portionen; der nächste Vers verlangt ausdrücklich Trennung.

Vers 11
athānyabhājane tadvadbhinnabhinnatayā priye |
sthāpayedvakṣyamāṇāni śucimāṃsāni bhāgaśaḥ ||

In einem anderen Gefäß ordnet man ebenso, Geliebte, die nun genannten, rituell geeigneten Fleischsorten in gesonderten Portionen an.

Vers 12
puṭake puṭake kuryādekībhāvaṃ na kārayet |
ekībhāvānmahāndoṣaḥ phalasiddhiśca no bhavet ||

Jede kommt in einen eigenen Blattbehälter; man darf sie nicht vermischen. Durch Vermischung entstehe ein schwerer Fehler, und das angestrebte Ergebnis bleibe aus.

Vers 13
āmānyadyatanānīha tathāparyuṣitāni ca |
anuttaptāni medhyāni pāṣṭhāntrarahitāni ca ||

Sie sollen roh, vom selben Tag und nicht abgestanden sein, unerhitzt, rituell geeignet und frei von Darminhalt und Därmen.

Anmerkung: Für den beschädigten Beginn folgt die Lesung der ausdrücklichen editorischen Korrektur in e, Zeile 4173. „pāṣṭha“ ist unsicher; „Darminhalt“ nur sinngemäß.

Vers 14
apūtigandhīni tathā kravyādbhirahatāni ca |
raktavanti ca raktāni rasavanti tathaiva ca ||

Sie sollen keinen fauligen Geruch haben, nicht von fleischfressenden Tieren angegangen sein, noch Blut enthalten, rot und saftig sein.

Anmerkung: „kravyādbhir ahatāni“ ist die naheliegende Trennung der OCR-Lesung; der genaue Wortlaut bleibt vorläufig.

Vers 15
vārāhamārkṣaṃ kāpeyaṃ khāḍgaṃ māhiṣameva ca |
gaudhaṃ śālyaṃ tathā mārgaṃ kārṣṇasāraṃ ca rāṅkavam ||

[Genannt werden] Schweine-, Bären-, Affen-, Nashorn- und Büffelfleisch, ferner Fleisch von Godha, Shalya, Wild, Schwarzantilope und Ranku.

Anmerkung: Godha: Waran; Shalya vermutlich Stachelschwein. Ranku bezeichnet eine Hirsch- oder Antilopenart, hier nicht zoologisch genauer bestimmt.

Vers 16
gāvayaṃ ca tathā śāśamājamauraṇameva ca |
nākraṃ ca kāmaṭhaṃ grāhaṃ vābhravaṃ sarvakāmadam ||

Ebenso Fleisch von Gavaya, Hase, Ziege, Schaf, Nakra, Schildkröte, Graha und Babhru; es soll alle Wünsche erfüllen.

Anmerkung: Gavaya: Wildrind; Nakra und Graha: verschiedene Wasserraubtiere, häufig als Krokodilarten verstanden. „vābhrava“ ist unsicher. Der folgende Ergebniskatalog nennt an entsprechender Stelle Nakula, Manguste; beide Lesungen werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Vers 17
aṣṭādaśāpi māṃsāni kuryādekatra sādhakaḥ |
sthalajānyapi vārijāni grāmajāraṇyajānyapi ||

Alle achtzehn Fleischsorten soll der Sadhaka an einem Ort zusammenstellen: von Land- und Wassertieren, von Tieren aus Siedlungen und aus der Wildnis.

Anmerkung: Die genannte Gesamtzahl wird als Quellenangabe bewahrt; die beschädigte Aufzählung erlaubt keine lückenlos sichere zoologische Zuordnung.

Vers 18
athāparāṇi khagāni ṣaṭtriṃśatpalalānyapi |
kuryādekatra vidhivatsāhasī sādhakottamaḥ ||

Dazu stellt der entschlossene, vorzügliche Sadhaka regelgerecht sechsunddreißig weitere Fleischsorten von Vögeln zusammen.

Vers 19
vārdhraṇisaṃ ca kāpotaṃ pārāvatamathāpi ca |
aulūkaṃ ca tathā śyenaṃ khāñjanaṃ cāṣameva ca ||

Von Vardhranisa, Kapota und Paravata, Eule, Shyena, Khanjana und Chasha.

Anmerkung: Mehrere traditionelle Vogelnamen sind nicht eindeutig auf moderne Arten abbildbar. Kapota/Paravata: Tauben; Shyena: Greifvogel; Khanjana: Stelze; Chasha häufig Blauracke.

Vers 20
kākaṃ ca kauraraṃ paikaṃ kaukkuṭaṃ cāṭakaṃ tathā |
kāliṅgaṃ kāraṭaṃ cāpi dātyūhaṃ cātakaṃ tathā ||

Von Krähe, Kurara, Pika, Huhn, Chataka, Kalinga, Karata, Datyuha und Chataka [mit anderer Vokalform].

Anmerkung: „cāṭaka“ und „cātaka“ sind im Schrifttext unterschieden. Die Bestimmung einzelner Arten und mehrere Namenslesungen bleiben unsicher; keine scheinbar exakte Tierliste erfunden.

Vers 21
gārdhraṃ cailaṃ ca kairaṃ ca krauñcaṃ bākaṃ tathaiva ca |
māyūraṃ taittiraṃ cāpi hāṃsaṃ cākraṃ ca sārasam ||

Von Geier, Chilla, Papagei, Krauncha, Baka, Pfau, Rebhuhn, Hamsa, Chakravaka und Sarasa.

Anmerkung: Chilla: vermutlich ein Milan; Krauncha/Sarasa: Kranichvögel; Baka: Reiher; Hamsa: Gans oder Schwan; Chakravaka: ein Entenvogel. Die traditionellen Kategorien werden nicht auf sichere moderne Arten verengt.

Vers 22
cākoraṃ ṭaiṭṭibhaṃ cāpi lāvaṃ hārītameva ca |
kāraṇḍavaṃ ca vārtākaṃ śātapatraṃ ca mādgavam ||

Von Chakora, Tittibha, Lava, Harita, Karandava, Vartaka, Shatapatra und Madgu.

Anmerkung: Traditionelle Vogelnamen; darunter Wachtel-, Tauben- und Wasservogelbezeichnungen. Unsichere OCR-Lesungen werden nicht zoologisch ausgeschmückt.

Vers 23
kauthaṇṭikaṃ bharadvājaṃ sarvaṃ ṣaṭtriṃśadīritam |
kartavyāni tathaitāni pūrvoktaguṇavanti vai ||

Von Kauthantika und Bharadvaja: Insgesamt werden sechsunddreißig genannt. Auch diese sollen die zuvor geforderten Eigenschaften besitzen.

Anmerkung: „kauthaṇṭika“ ist unsicher gelesen. Die Quellenzahl wird bewahrt, ohne eine fehlende oder doppelte Art aus Vermutung zu ergänzen.

Vers 24
etāni māṃsānyādāya sarvāṇyeva śucismite |
puṭake puṭake kuryātpṛthakpṛthagamāyayā ||

Man nimmt all diese Fleischsorten, o rein Lächelnde, und legt sie aufrichtig und sorgfältig, jede für sich, in einzelne Blattbehälter.

Vers 25
tadannaṃ tāni māṃsāni gṛhītvā kusumādi ca |
tato'rdharātre cotthāya śmaśānābhimukho vrajet ||

Mit den Speisen, den Fleischsorten, Blüten und weiteren Gaben bricht man um Mitternacht auf und geht zum Leichenplatz …

Vers 26
athavā vipinaṃ ghoraṃ nirjanaṃ bhūtasaṃkulam |
uttarābhimukho bhūtvā sādhako vītabhīḥ śuciḥ ||

… oder in einen unheimlichen, menschenleeren Wald, der als von Geistern bevölkert gilt. Der Sadhaka richtet sich nach Norden aus, furchtlos und rituell rein.

Vers 27
pretacelāsanaṃ kṛtvā kṛtvā cāmbujamāsanam |
upaviśyārcayeddevīṃ kālīṃ kāmakalābhidhām ||

Er richtet einen Sitz aus einem Totengewand her, nimmt darauf den Lotussitz ein und verehrt die Göttin Kali namens Kamakala …

Vers 28
gandhaiḥ puṣpaiśca dhūpaiśca dīpairnaivedyasaṃcayaiḥ |
japtvā stutvā namaskṛtya tato'nujñāṃ hi yācayet ||

… mit Duftstoffen, Blüten, Räucherwerk, Lichtern und Speisegaben. Nach Japa, Lobpreis und Verneigung bittet er um Erlaubnis.

Vers 29
anenaiva tu mantreṇa vakṣyamāṇena pārvati |
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā dharātalamilacchirāḥ ||

Dazu dient der folgende Mantra, Parvati; die Hände sind zum Anjali zusammengelegt, und das Haupt berührt den Erdboden.

Vers 30
devi kāmakalākāli sṛṣṭisthityantakāriṇi |
anujñāṃ dehi me devi kariṣye'haṃ śivābalim ||

„O Göttin Kamakalakali, die du Schöpfung, Erhaltung und Ende bewirkst: Erteile mir deine Erlaubnis, o Göttin; ich werde die Gabe an die Schakalinnen darbringen.“

Anmerkung: Vollständige verständliche Gebetsformel; die OCR-Ziffer ist beschädigt, die Stellung 29–31 eindeutig.

Vers 31
ityanujñāṃ samādāya nirbhīḥ prayatamānasaḥ |
ulkāmukhīrghorarūpāḥ śivā āvāhayecchanaiḥ ||

Nachdem man so die Erlaubnis empfangen hat, ruft man furchtlos und gesammelt die furchterregenden Schakalinnen mit feuerbrandgleichen Mäulern leise herbei.

Vers 32
vakṣyamāṇena mantreṇa triruccārya viśeṣataḥ |
baddhāñjalirmuktakeśo mālāvānnagna utthitaḥ ||

Man spricht den folgenden Mantra dreimal, steht dabei unbekleidet auf, mit gefalteten Händen, gelöstem Haar und einer Girlande.

Vers 33
tāravāgbhavahrīroṣaprāsādānaṅgabhautakam |
mukhavāmekṣaṇoṣṭhādho radādhoyugdhakārakaḥ ||

[Es folgen die Bijas] Tara, Vagbhava, Hri, Rosha, Prasada, Ananga und Bhuta; danach eine verschlüsselte Lautbeschreibung mit „Mund“, „linkem Auge“, „Lippe“ und „Zahn“.

Anmerkung: Die zweite Hälfte ist beschädigt und nur in ihren erkennbaren Bestandteilen übersetzt. Keine Lautformel rekonstruiert.

Vers 34
[…] kāmalaṃ ca tataḥ priye |
bījamuddhṛtya ṣaḍvarṇaṃ nāma saṃbodhayettataḥ ||

[…] danach das Kamala-Bija, Geliebte. Nach dem Erschließen der Bijas spricht man den sechs Silben umfassenden Namen in der Anrede.

Anmerkung: Fragment: Die erste Zeile vor „kāmala“ ist nicht zuverlässig verständlich.

Vers 35
ghorarāve iti padaṃ tato'nantaramuccaret |
mahākāpāli ca tathā vikaṭadaṃṣṭre tathaiva ca ||

Dann spricht man „Ghorarave“, „du mit schrecklicher Stimme“, „Mahakapali“ und „Vikatadamstre“, „du mit gewaltigen Fangzähnen“.

Anmerkung: „Mahakapali“ ist eine Anrede der Schädelschmuck tragenden Göttin.

Vers 36
saṃmodinī śoṣiṇī ca saṃbodhanatayā vadet |
karālavadane ceti tata uccārayetsudhīḥ ||

Sammodini und Shoshini werden in der Anrede ausgesprochen; danach sagt der Kundige „Karalavadane“, „du mit furchterregendem Gesicht“.

Anmerkung: Sammodini: die Beglückende; Shoshini: die Austrocknende. Die Quelle nennt die Namen zunächst in Nennform und fordert die Anredeform.

Vers 37
madanonmādini padaṃ jvālāmālini ceti ca |
śivārūpiṇi coddhṛtya tato bhagavatīti ca ||

Es folgen „Madanonmadini“, „du durch Liebe Berauschende“, „Jvalamalini“, „du mit der Flammengirlande“, „Shivarupini“, „du in Schakalinnengestalt“, und „Bhagavati“.

Anmerkung: Bhagavati: ehrwürdige Göttin; die Imperativanweisung verlangt auch hier eine Anrede.

Vers 38
āgaccha dvandvamullikhya mama siddhimitīti ca |
dehi yugmaṃ māmiti ca rakṣa rakṣeti coddharet ||

Dann zweimal „Komm!“, „mir Siddhi“, zweimal „Gib!“ und „mich – beschütze, beschütze!“

Anmerkung: Lesbare Wortformel: āgaccha āgaccha, mama siddhiṃ dehi dehi, māṃ rakṣa rakṣa.

Vers 39
hāṃ hīṃ […] hoṃ […] kṣāṃ kṣīṃ […] kṣau […] |
krodhayugmaṃ cāstrayugaṃ vahnijāyāntago manuḥ ||

Es folgen „hāṃ, hīṃ, […] hoṃ“ sowie „kṣāṃ, kṣīṃ, […] kṣau […]“, danach zweimal Krodha, zweimal Astra und am Schluss die „Gattin des Feuers“.

Anmerkung: Fragmentierte Bija-Reihen. Keine fehlenden Vokale oder Nasalzeichen ergänzt.

Vers 40
triruccārya śanairitthaṃ pratīkṣeta śivāpatham |
kālīrūpadharāḥ sarvā yadyāgacchanti tatkṣaṇāt ||

Nachdem man dies dreimal leise gesprochen hat, wartet man auf dem Weg der Schakalinnen. Wenn sie alle sogleich als Gestalten Kalis herbeikommen …

Vers 41
tadā siddhiṃ vijānīyādviparīte tu sānyathā |
śanairuccārayanmantraṃ pūrvoktaṃ bhaktitatparaḥ ||

… soll man darin das Zeichen des Gelingens sehen; im umgekehrten Fall gilt das Gegenteil. Während man den zuvor genannten Mantra leise spricht, ganz der Hingabe zugewandt …

Anmerkung: Ritualinterne Zeichendeutung.

Vers 42
ardhapraharaparyantaṃ paśyettanmārgamādarāt |
āgatābhyo namaskuryāddūreṇaiva tu sādhakaḥ ||

… beobachtet man aufmerksam ihren Weg für einen halben Prahara. Den angekommenen Tieren verneigt sich der Sadhaka bereits aus der Ferne.

Anmerkung: Ein Prahara ist ein traditioneller Zeitabschnitt; eine exakte moderne Dauer ist für die Übersetzung nicht nötig.

Vers 43
pūjayeddūrataḥ sthitvā bhaktibhāvena bhāmini |
pādyārghyācamanīyaiśca snānīyairgandhapuṣpakaiḥ ||

Er bleibt auf Abstand und verehrt sie in Hingabe, o Strahlende: mit Fußwaschwasser, Begrüßungswasser, Wasser zum Mundspülen und Baden, Duftstoffen und Blüten …

Vers 44
dhūpairdīpaiśca naivedyairanyadyadyacca saṃbharet |
sarvopacāraiḥ saṃpūjya bhaktinamraḥ prasannadhīḥ ||

… mit Räucherwerk, Licht, Speisegaben und allem anderen, was er bereitstellen kann. Nachdem er sie mit allen Diensten verehrt hat, demütig in Hingabe und mit klarem, erfreutem Geist …

Vers 45
tadannamagrataḥ kṛtvā tato dadyācchivābalim |
vaihaṃgamāni māṃsāni paṅktiśaḥ sthāpayedapi ||

… stellt er die Speisen vor sie und bringt die Schakalinnengabe dar. Die Vogelfleischsorten soll er in Reihen anordnen.

Vers 46
sarvamekatra saṃsthāpya gṛhītvā pāṇinā jalam |
utsṛjenmanunānena gadato me niśāmaya ||

Nachdem alles an einem Ort aufgestellt ist, nimmt er Wasser in die Hand und übergibt die Gabe mit folgendem Mantra. Höre meine Worte.

Vers 47
praṇavaṃ ca trapākrodhau ṅe'ntaṃ nāma samuccaret |
ṅe'ntaṃ mahāghorarāvā bhagamālini ceti ca ||

Man spricht Pranava, Trapa und Krodha, den Namen im Dativ sowie Mahaghorarava und Bhagamalini im Dativ.

Anmerkung: Die überlieferte Nennform des zweiten Namens schwankt grammatisch; die Anweisung zum Dativ bleibt maßgeblich.

Vers 48
tadvacchivārūpiṇī ca jvālāmālini ṅe'ntavat |
imaṃ balimiti sthāpya prayacchāmi samuddharet ||

Ebenso Shivarupini und Jvalamalini im Dativ; dann setzt man „diese Opfergabe“ und „ich bringe dar“ hinzu.

Vers 49
gṛhṇa dvandvaṃ khāda yugaṃ mama siddhimitīti ca |
kuru yugmaṃ samuddhṛtya mama śatrūnathoccaret ||

Zweimal „Nimm!“, zweimal „Iss!“, „meine Siddhi“ und zweimal „Bewirke!“, dann „meine Feinde“.

Anmerkung: Beginn einer ausdrücklich feindgerichteten Ritualformel.

Vers 50
nāśayeti yugaṃ procya mārayeti tathaiva ca |
stambhayoccāṭaya hana vidhvaṃsaya mathāpi ca ||

Zweimal „Vernichte!“, ebenso „Töte!“, dann „Lähme! Treibe aus! Schlage! Zerstöre! Zermalme!“

Vers 51
vidrāvaya paca cchindhi śoṣaya trāsaya truṭa |
mohayonmūlaya tathā bhasmīkuru tathaiva ca ||

„Treibe fort! Verbrenne! Zerschneide! Dörre aus! Erschrecke! Zerbrich! Verblende! Entwurzele! Mache zu Asche!“

Anmerkung: Das als „truṭ“ gelesene Verb ist beschädigt; Übersetzung vorläufig.

Vers 52
jambhaya sphoṭaya tathā matha vidrāvayeti ca |
hara vikṣobhaya […] dama […] pātaya ||

„Lähme! Sprenge! Zermalme! Treibe fort! Nimm hinweg! Erschüttere! […] Bändige! […] Stürze nieder!“

Anmerkung: Fragment: Zwei Verben der Reihe sind nicht zuverlässig lesbar. Die Wiederholung bereits genannter Verben wird beibehalten.

Vers 53
caturviṃśatikasyāsya yugaṃ yugamudīrayet |
tata uccārayedetatsarvabhūtabhayaṃkari ||

Diese Vierundzwanzigerreihe spricht man jeweils paarweise. Dann sagt man „Sarvabhutabhayamkari“, „du, die allen Wesen Schrecken bringt“.

Anmerkung: Die Quellenzahl vierundzwanzig wird trotz beschädigter Einträge unverändert wiedergegeben.

Vers 54
tataḥ sarvajanetyuktvā manohāriṇi coddharet |
sarvaśatrukṣayaṃ procya kāriṇīśabdaṃ vinirdiśet ||

Dann fügt man „sarvajana“ und „manoharini“ zusammen: „du, die allen Menschen den Geist raubt“. Ebenso „sarvashatrukshaya“ und „karini“: „du, die alle Feinde vernichtet“.

Anmerkung: Die Quelle gibt die Anreden als zusammensetzbare Wortbestandteile an.

Vers 55
jvalayugmaṃ prajvalayugmaṃ śivārūpadhareti ca |
kālī kapālī saṃbodhyā mahākāpāli ceti ca ||

Zweimal „Flamme auf!“, zweimal „Lodere auf!“, dann „du in Schakalinnengestalt“. Kali und Kapali werden angerufen, ebenso Mahakapali.

Vers 56
hīṃ yugmaṃ […] yugalaṃ prāsādayugalaṃ tathā |
rājyaṃ me samuddhṛtya dehi yugmamatho vadet ||

Zweimal „hīṃ“, zweimal [beschädigtes Bija], zweimal Prasada; dann „mir Herrschaft“ und zweimal „Gib!“

Anmerkung: Fragment. Kein fehlendes Bija ergänzt.

Vers 57
kiliyugmācca cāmuṇḍe yamaghaṇṭe […] |
mama sarvābhīṣṭapadaṃ tato vai sādhayadvayam ||

Nach zweimal „kili“ folgen „Chamunde“, „Yamaghante“ und [eine beschädigte Lautwiederholung]; dann „alles von mir Ersehnte“ und zweimal „Verwirkliche!“

Anmerkung: Fragment; Wort- und Lautbestandteile getrennt kenntlich gemacht.

Vers 58
saṃhāriṇipadaṃ dattvā saṃmohinipadaṃ tataḥ |
kurukulleti saṃbodhya tataḥ kiriyugaṃ paṭhet ||

Es folgen „Samharini“, „Sammohini“ und die Anrede „Kurukulle“; danach spricht man zweimal „kiri“.

Anmerkung: Samharini: die Auflösende; Sammohini: die Verblendende. „kiri“ wird nicht wörtlich übersetzt.

Vers 59
krodhayugmāstrayugmaṃ ca śiro'nto manurīritaḥ |
triruccāryotsṛjedannaṃ palalaṃ śākunaṃ ca yat ||

Der Mantra schließt mit zweimal Krodha, zweimal Astra und dem als „Kopf“ bezeichneten Abschluss. Nach dreimaligem Aussprechen übergibt man die Speise und das Vogelfleisch.

Anmerkung: Der verschlüsselte Abschluss „śiras“ wird hier nicht ohne gesicherten Kontext durch eine bestimmte Silbe ersetzt.

Vers 60
kālīrūpāstu tā dhyāyedevameva na saṃśayaḥ |
tato'pasṛtya tatsthānātkiṃciddūre vrajet ||

Man betrachtet sie dabei als Gestalten Kalis. Dann entfernt man sich von dem Ort und geht ein Stück auf Abstand.

Vers 61
yathāgacchanti tāḥ sarvā na bibhyati tathācaret |
dūre sthitvā nirīkṣeta kimādau bhakṣayanti tāḥ ||

Man verhält sich so, dass alle herankommen können und keine Angst bekommen. Aus der Ferne beobachtet man, was sie zuerst fressen.

Vers 62
sarvā āgatya cetsarvamaśnanti dayite tadā |
sarvasiddhiṃ vijānīyādrājyalābhaṃ tathaiva ca ||

Wenn alle kommen und alles fressen, Geliebte, soll man dies als Zeichen für sämtliche Siddhis und den Gewinn von Herrschaft verstehen.

Anmerkung: Ritualinterne Omenlehre, keine empirische Prognose.

Vers 63
yadyacca bhakṣayantyetāstattatphalamavāpnuyāt |
yadyacca naiva khādanti tattannaiva phalaṃ bhavet ||

Welche Gabe sie fressen, deren jeweilige Frucht soll eintreten. Was sie nicht fressen, dessen Frucht soll ausbleiben.

Vers 64
viśeṣaṃ ca pravakṣyāmi śrutvā tadavadhāraya |
annena dhanalābhaḥ syātpāyasairvāgmitā bhavet ||

Ich werde die Einzelheiten nennen; höre und merke sie dir. Speise soll Reichtum bringen, Milchreis Beredsamkeit.

Vers 65
ghṛtenāyuravāpnoti pūpaiḥ puṇyamavāpnuyāt |
śaṣkulīmodakaiḥ kīrtiṃ vāhanaṃ kṛśarairapi ||

Ghee soll langes Leben bringen, Kuchen Verdienst, Shashkuli und Modaka Ruhm, Krishara-Brei ein Fahrzeug oder Reittier.

Vers 66
temanaiḥ putralābhaḥ syānmatsyairāpnoti kāminīm |
āmamāṃsācca yā siddhistadapi vyāharāmi te ||

Beilagen sollen Söhne bringen, Fisch eine Geliebte. Auch die Siddhis durch rohes Fleisch werde ich dir erklären.

Vers 67
vārāheṇārthalābhaḥ syādbhāllūkena gṛhasya ca |
plāvaṃgamena vidyā syātkhāḍgakairvijayaṃ raṇe ||

Schweinefleisch soll Vermögen bringen, Bärenfleisch ein Haus, Affenfleisch Wissen und Nashornfleisch Sieg im Kampf.

Vers 68
māhiṣeṇaiva māṃsena rājyaprāptirbhaveddhruvam |
gaudhenāpatyamāpnoti śālyaiḥ saundaryamuttamam ||

Büffelfleisch soll sicher Herrschaft bringen, Waranfleisch Nachkommen und Shalya-Fleisch hervorragende Schönheit.

Anmerkung: Shalya vermutlich Stachelschwein; Artbestimmung nicht gesichert.

Vers 69
ārogyaṃ hāriṇenāśu kārṣṇasārairbalonnatim |
jñātiśraiṣṭhyaṃ rāṅkavaiśca gāvaye rājamānyatām ||

Hirschfleisch soll rasch Gesundheit bringen, Schwarzantilopenfleisch Kraft, Ranku-Fleisch Vorrang unter den Verwandten und Gavaya-Fleisch königliche Anerkennung.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungszuordnung, keine medizinische Empfehlung.

Vers 70
śāśairmedhāvitāṃ gacchedājairajaratāṃ vrajet |
āveyena tu māṃsena sarvakalyāṇamāpnuyāt ||

Hasenfleisch soll geistige Auffassungskraft verleihen, Ziegenfleisch Freiheit vom Altern und Schaffleisch alles Glückverheißende.

Anmerkung: „āveya“ ist die erkennbare, sprachlich auffällige Lesung für Schaffleisch.

Vers 71
bahvannaṃ cāpi nākreṇa bhūmiprāptistu kāmaṭhaiḥ |
grāheṇābhedyatanutāṃ nākulairmahatīṃ śriyam ||

Nakra-Fleisch soll reichliche Nahrung bringen, Schildkrötenfleisch Landbesitz, Graha-Fleisch einen unverwundbaren Körper und Mangustenfleisch große Fülle.

Anmerkung: Die letzte Zuordnung nennt klar Nakula; sie weicht von der unsicheren Namenslesung in 4.16 ab.

Vers 72
aṣṭādaśānāṃ māṃsānāṃ phalaṃ te kathitaṃ mayā |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi pakṣimāṃsaphalaṃ mahat ||

Damit habe ich dir die Früchte der achtzehn Fleischsorten beschrieben. Nun werde ich die großen Früchte des Vogelfleisches darlegen.

Vers 73
vārdhraṇise rājyaphalaṃ kāpote mokṣamavyayam |
pārāvate rājakanyāmaulūke ripusaṃkṣayam ||

Vardhranisa-Fleisch soll Herrschaft bringen, Kapota-Fleisch unvergängliche Befreiung, Paravata-Fleisch eine Königstochter und Eulenfleisch die Vernichtung von Feinden.

Anmerkung: Die Vogelnamen folgen der Quelle; ihre Unterscheidung bleibt teilweise unklar.

Vers 74
śatruvākstambhanaṃ śyene khāñjane'dṛśyarūpatām |
cāṣe'ṇimapadaprāptiḥ kāke khecaratāṃ vrajet ||

Shyena-Fleisch soll die Rede des Feindes lähmen, Khanjana-Fleisch Unsichtbarkeit verleihen, Chasha-Fleisch Anima und Krähenfleisch die Fähigkeit, sich im Luftraum zu bewegen.

Vers 75
kaurare vaśakāritvaṃ paike cākarṣaṇaṃ bhavet |
kaukkuṭe drāvaṇaṃ siddhyeccāṭake mohanaṃ tathā ||

Kurara-Fleisch soll Unterwerfung ermöglichen, Pika-Fleisch Anziehung, Hühnerfleisch Vertreibung und Chataka-Fleisch Verblendung.

Vers 76
kāliṅge stambhanaṃ vindeduccāṭaṃ kākamāṃsake |
dātyūhe māraṇaṃ gaccheccātake dveṣaṇaṃ tathā ||

Kalinga-Fleisch soll Lähmung bewirken, Krähenfleisch Austreibung, Datyuha-Fleisch Tötung und Chataka-Fleisch das Erzeugen von Feindschaft.

Anmerkung: Die Quelle liest hier „kāka“, obwohl die frühere Aufzählung „kāraṭa“ nennt. Nicht stillschweigend korrigiert.

Vers 77
śoṣaṇaṃ jāyate gārdhre caile mūrcchanameva ca |
śauke ca kṣobhaṇaṃ siddhyetkrauñce conmādameva ca ||

Geierfleisch soll Auszehrung bewirken, Chilla-Fleisch Bewusstlosigkeit, Papageienfleisch Erschütterung und Krauncha-Fleisch Wahnsinn.

Vers 78
bāke cāñjanalābhaḥ syātkhaḍgasiddhiśca bārhiṇe |
bhūtāḥ pretāḥ piśācāśca vetālā guhyakāstathā ||

Baka-Fleisch soll die Augensalben-Siddhi bringen, Pfauenfleisch die Schwert-Siddhi. Bhutas, Pretas, Pishachas, Vetalas und Guhyakas …

Anmerkung: Beginn einer zusammenhängenden Aufzählung von Wesenklassen bis Vers 80.

Vers 79
vināyakāḥ kṣetrapālā yakṣā rākṣasajātayaḥ |
gandharvāśca tathā nāgā ḍākinyo ghoṇakā api ||

… Vinayakas, Kshetrapalas, Yakshas, Rakshasa-Arten, Gandharvas, Nagas, Dakinis und Ghonakas …

Anmerkung: „ghoṇaka“ ist eine unsichere Wesenbezeichnung im OCR-Text; keine Identifikation erfunden.

Vers 80
vidyādharāśca sarpāśca tathaivāpsarasāṃ gaṇāḥ |
sarve bhavanti vaśagāstaittire palale priye ||

… Vidyadharas, Schlangen und die Scharen der Apsaras: Sie alle sollen durch Rebhuhnfleisch unterworfen werden, Geliebte.

Vers 81
hāṃse tu pādukāsiddhiryakṣiṇyaścākravākake |
sārase dhātuvādaḥ syāccākore guṭikā priye ||

Hamsa-Fleisch soll die Sandalen-Siddhi bringen, Chakravaka-Fleisch Zugang zu Yakshinis, Sarasa-Fleisch Metallverwandlung und Chakora-Fleisch die Zauberpillen-Siddhi.

Vers 82
ṭaiṭṭibhe cirajīvitvaṃ lāve'ntardhānamāpnuyāt |
hārīte kāmarūpitvaṃ satyaṃ prāpnoti bhāmini ||

Tittibha-Fleisch soll langes Leben verleihen, Lava-Fleisch die Fähigkeit zu verschwinden und Harita-Fleisch die freie Annahme gewünschter Gestalten, o Strahlende.

Vers 83
kāraṇḍave jalastambhaṃ vahnistambhaṃ ca vārtake |
śātapatre svargagatiṃ prāpnuyānnātra saṃśayaḥ ||

Karandava-Fleisch soll Wasser zum Stillstand bringen, Vartaka-Fleisch Feuer bannen und Shatapatra-Fleisch den Zugang zum Himmel eröffnen; daran gebe es keinen Zweifel.

Vers 84
śāpānugrahasāmarthyaṃ mādgavenaiva vindati |
bhāradvājena māṃsena cakravartitvamāpnuyāt ||

Madgu-Fleisch soll die Macht zu Fluch und Segen verleihen; Bharadvaja-Fleisch soll zur Weltherrschaft führen.

Vers 85
nāraṃ māṃsaṃ na dātavyaṃ brāhmaṇena kadācana |
śūdreṇaiva pradātavyaṃ saptatriṃśattamaṃ hi tat ||

Menschenfleisch darf ein Brahmane niemals darbringen; es soll allein von einem Shudra gegeben werden. Dies gilt als die siebenunddreißigste Sorte.

Anmerkung: Historische, zugleich gewaltbezogene und hierarchische Ritualvorschrift; keine Befürwortung. Die Quelle erklärt hier nicht die Herkunft des Menschenfleisches.

Vers 86
tasya pradānāddeveśi sādhakaḥ ṣaṣṭisiddhibhāk |
tavaitatkathitaṃ kānte māṃsadānaphalaṃ mahat ||

Durch seine Darbringung soll der Sadhaka, o Herrin der Götter, an sechzig Siddhis teilhaben. Damit wurde dir, Geliebte, die große Frucht der Fleischgabe beschrieben.

Vers 87
śivāstu nāvamantavyā devīrūpā hi tā yataḥ |
pherurūpaṃ hi dhṛtvā sā svayamāyāti kālikā ||

Die Schakalinnen dürfen nicht verachtet werden, denn sie sind Gestalten der Göttin. Kalika selbst kommt, indem sie Schakalgestalt annimmt.

Anmerkung: „pheru“ ist in e beschädigt; „Schakal“ ist durch den gesamten Abschnitt gesichert, der Sanskritwortlaut bleibt vorläufig.

Vers 88
kālībhāvena tā dhyeyāḥ satyaṃ satyaṃ hi bhāmini |
yadi nāyānti tāḥ sarvāstadā vighnaḥ prajāyate ||

Man soll sie als Kali betrachten, wahrlich, wahrlich, o Strahlende. Wenn sie nicht alle kommen, entstehe ein Hindernis.

Vers 89
bhakṣayanti na cettāstu tadaiva maraṇaṃ bhavet |
tasmātsarvaṃ prayatnena pūrvameva parīkṣayet ||

Wenn sie nicht fressen, drohe Tod. Darum soll man zuvor alles sorgfältig prüfen …

Anmerkung: Unheilserwartung innerhalb der Rituallehre, keine tatsächliche Todesprognose.

Vers 90
āyānti vātha nāyānti śmaśāne vātha nirjane |
śivāsu bhakṣayantīṣu bhūtebhyo balimāharet ||

… ob sie auf dem Leichenplatz oder an dem menschenleeren Ort kommen oder nicht. Während die Schakalinnen fressen, bringt man den Bhutas Bali dar …

Vers 91
saṃhārabhairavāyāpi kṣetrapālebhya eva ca |
ḍākinībhyaśca sarvābhyo baliṃ dadyācca sādhakaḥ ||

… ebenso Samharabhairava, den Kshetrapalas und sämtlichen Dakinis.

Vers 92
mahadaiśvaryamāpnoti niḥśeṣaṃ bhakṣayanti cet |
ardhaṃ tu svalpasiddhiḥ syādabhojye tu vipadbhavet ||

Wenn sie alles restlos fressen, soll große Macht eintreten; bei der Hälfte nur geringe Siddhi, beim Nichtfressen dagegen Unglück.

Vers 93
anāgame tu maraṇaṃ tasmādyatnena sādhayet |
pratyaṣṭamyāṃ caturdaśyāmevaṃ kurvīta sādhakaḥ ||

Bei ihrem Ausbleiben drohe Tod; deshalb solle man sorgfältig vorgehen. An jedem achten und vierzehnten Mondtag soll der Sadhaka dies ausführen.

Anmerkung: Die im OCR beschädigten Zahlen 90–99 wurden aus dem fortlaufenden Zusammenhang bestimmt.

Vers 94
sārdhābdamadhye sidhyeta vāre ṣaṭtriṃśake priye |
śivābalirayaṃ prokto mahāphalamahodayaḥ ||

Innerhalb von anderthalb Jahren, bei der sechsunddreißigsten Ausführung, soll Vollendung eintreten, Geliebte. Dies wird Shiva-Bali genannt, die Gabe an die Schakalinnen, verbunden mit großer Frucht und großem Aufstieg.

Anmerkung: Die beschädigte Zeitangabe wird als sārdhābdamadhye gelesen: innerhalb von anderthalb Jahren. Dies passt zu den zwei monatlichen Terminen und den ausdrücklich genannten 36 Ausführungen; Lesung dennoch als Normalisierung gekennzeichnet.

Vers 95
etasya phalabāhulyaṃ kathituṃ naiva śakyate |
vidyāvānbalavānvāgmī cirajīvī nirāmayaḥ ||

Die Fülle seiner Früchte lasse sich nicht beschreiben. [Der Übende werde] wissend, stark, redegewandt, langlebig und frei von Krankheit …

Vers 96
dhārmiko vijayī dakṣo yaśasvī bhūpavallabhaḥ |
jñātiśreṣṭhaḥ putravāṃśca sarvayoṣitpriyaḥ sukhī ||

… rechtschaffen, siegreich, geschickt, berühmt, bei Königen beliebt, hervorragend unter seinen Verwandten, mit Söhnen gesegnet, bei Frauen beliebt und glücklich …

Vers 97
rūpavānbalavāndhīro vikrānto viśvapūjitaḥ |
sa dhanyaḥ sarvaviccaiva bhavatyatra na saṃśayaḥ ||

… schön, kraftvoll, standhaft, kühn und von der Welt geachtet. Er werde gesegnet und allwissend; daran gebe es keinen Zweifel.

Vers 98
saundarye manmathaḥ sākṣādbale'pi syātsamīraṇaḥ |
rāmārjunasamo yuddhe vidyāyāṃ gīṣpatiryathā ||

In Schönheit sei er der Liebesgott selbst, in Kraft der Wind, im Kampf Rama und Arjuna ebenbürtig, im Wissen wie der Herr der Rede.

Anmerkung: Gishpati bezeichnet Brihaspati.

Vers 99
dhane kuberasadṛśaścirāyuṣye'sirāmavat |
kṣamāyāṃ pṛthivītulyo gāmbhīrye sāgaro yathā ||

In Reichtum sei er Kubera gleich, in Langlebigkeit wie Asirama, in Geduld wie die Erde und in Tiefe wie der Ozean.

Anmerkung: „asirāma“ ist unsicher gelesen; vermutlich ein Beiname Parashuramas. Die Identifikation wird nicht als gesichert ausgegeben.

Vers 100
merukailāsavaddhairye prabhutve vāsavopamaḥ |
lāvaṇye candratulyo'sau pratāpe bhāskaropamaḥ ||

In Standhaftigkeit wie Meru und Kailasa, in Herrschaft wie Indra, in Anmut wie der Mond und in strahlender Macht wie die Sonne.

Vers 101
taḍidvaddurnirīkṣyo'sau bhaveddevyāḥ prasādataḥ |
yāvatyaḥ siddhayaḥ santi samastajagatītale ||

Durch die Gnade der Göttin sei er so schwer anzuschauen wie ein Blitz. Alle Siddhis, die es auf der ganzen Erde gibt …

Vers 102
karāmalakavatsarvā bhavantyeva na saṃśayaḥ |
anyā api prasiddhyanti siddhayaḥ sādhakasya tu ||

… seien ihm so unmittelbar zugänglich wie eine Amala-Frucht in der Hand, ohne Zweifel. Auch weitere Siddhis sollen dem Sadhaka gelingen.

Vers 103
aṇimā khecaratvaṃ ca kāmarūpitvamicchayā |
śāpānugrahasāmarthyaṃ trailokyavaśatā tathā ||

Anima, das Bewegen im Luftraum, Gestaltwandlung nach Wunsch, die Macht zu Fluch und Segen und die Beherrschung der drei Welten;

Vers 104
kṛpāṇāñjanasiddhiśca vetālaguṭikādi ca |
yakṣiṇī dhātuvādaśca stambho'nalakhagāmbunām ||

Schwert- und Augensalben-Siddhi, Vetala- und Zauberpillen-Siddhi und weitere, Zugang zu Yakshinis, Metallverwandlung und das Bannen von Feuer, Luftgängern und Wasser;

Anmerkung: „khaga“ ist erkennbar, kann Vögel oder andere Luftgänger bezeichnen; nicht stillschweigend zu „Wind“ geändert.

Vers 105
avyāhatagatitvaṃ ca sarvākarṣaṇamohanam |
merumandarakailāsasvargādigamanaṃ tathā ||

unbehinderte Fortbewegung, Anziehung und Verblendung aller sowie das Aufsuchen von Meru, Mandara, Kailasa, Himmel und weiteren Orten.

Vers 106
sarvaṃ sādhayati kṣipraṃ śivābalividhānataḥ |
ārogyaṃ manasaḥ saukhyaṃ vijayo'bādhatā tathā ||

All dies soll rasch durch die Shiva-Bali-Regel gelingen: Gesundheit, geistiges Wohlbefinden, Sieg und Freiheit von Bedrängnis …

Vers 107
avighnatā duḥkhanāśaḥ putralābhaḥ sukhonnatiḥ |
sarvakalyāṇavāñchāptirbhayanāśo mahodayaḥ ||

… Hindernisfreiheit, das Ende des Leidens, Söhne, wachsendes Glück, die Erfüllung aller glückverheißenden Wünsche, das Ende der Furcht und großer Aufstieg …

Vers 108
nānārogādināśaśca balidānātprajāyate |
balidānasya māhātmyaṃ kathayiṣye kiyattava ||

… und das Ende verschiedener Krankheiten und weiterer Übel sollen durch die Bali-Gabe entstehen. Wie viel von ihrer Größe könnte ich dir überhaupt erzählen?

Vers 109
svalpameva mayā proktaṃ bahu vaktuṃ na śakyate |
ito'pi phalabāhulyaṃ satyaṃ satyaṃ hi pārvati ||

Nur wenig habe ich gesagt; alles lässt sich nicht aussprechen. Noch weit größer sei ihre Frucht, wahrlich, wahrlich, Parvati.

Vers 110
daṇḍavatpraṇamettāstu tato vai devatādhiyā |
stutiṃ kuryātstavairetaiḥ kavacaiśca viśeṣataḥ ||

Dann wirft man sich vor ihnen lang ausgestreckt nieder, im Bewusstsein ihrer Göttlichkeit, und preist sie mit den folgenden Lobversen und besonders mit Kavachas.

Vers 111
śivārūpadhare devi kāmakāli namo'stu te |
ulkāmukhi lalajjihve ghorarāve śṛgālini ||

O Göttin Kamakali in Schakalinnengestalt, Verehrung sei dir! Du mit feuerbrandgleichem Maul, bewegter Zunge und schrecklichem Ruf, du Schakalin!

Anmerkung: Beginn des achtversigen Shiva-Stotra, 4.111–118. „śṛgālini“ ist eine kontextgestützte Lesung des beschädigten letzten Wortes.

Vers 112
śmaśānavāsini prete śavamāṃsapriye'naghe |
araṇyacāriṇi śive pherujambukarūpiṇi ||

Du Bewohnerin des Leichenplatzes, du Totenwesen, du Liebhaberin von Leichenfleisch, du Makellose! Du Wanderin des Waldes, du Glückverheißende in der Gestalt von Pheru und Jambuka!

Anmerkung: Pheru und Jambuka sind Schakalbezeichnungen; der erste Bestandteil ist im OCR beschädigt.

Vers 113
namo'stu te mahāmātre jagattāriṇi kālike |
mātaṅgi kukkuṭe raudri kālakāli namo'stu te ||

Verehrung sei dir, große Mutter, Kalika, die du die Welt hinüberführst! Matangi, Kukkuti, du Wilde, Kalakali, Verehrung sei dir!

Anmerkung: Die Kukkuti-Anrede ist beschädigt; hier als Namensanrufung wiedergegeben.

Vers 114
sarvasiddhiprade devi bhayaṃkari bhayāvahe |
prasannā bhava deveśi mama bhaktasya kālike ||

O Göttin, Spenderin aller Siddhis, du Furchterregende, Schreckenbringende! Sei mir, deinem Verehrer, gnädig, Herrin der Götter, Kalika.

Vers 115
saṃsāratāriṇi jaye jaya sarvaśubhaṃkari |
visrastacikure caṇḍe cāmuṇḍe muṇḍamālini ||

Du führst über Samsara hinaus, du Siegreiche! Sei gepriesen, du Bewirkerin allen Heils, du mit gelöstem Haar, du Wilde, Chamunda mit der Girlande aus Köpfen!

Anmerkung: „cāmuṇḍe“ ist an dieser Stelle in der OCR beschädigt; die Normalisierung ist vorläufig.

Vers 116
saṃhārakāriṇi kruddhe sarvasiddhiṃ prayaccha me |
durge kirāti śabari pretāsanagate'bhaye ||

Du Zornvolle, die Auflösung bewirkt, schenke mir alle Siddhis! Durga, Kirati, Shabari, du auf dem Totensitz, du Furchtlose!

Anmerkung: Kirati und Shabari sind Namen in Anlehnung an traditionelle Wald- und Bergbevölkerungen.

Vers 117
anugrahaṃ kuru sadā kṛpayā māṃ vilokaya |
rājyaṃ prayaccha vikaṭe vittamāyuḥ sutānstriyam ||

Erweise mir immer deine Gnade, sieh mich mit Mitgefühl an. Gib mir, o Gewaltige, Herrschaft, Vermögen, Lebenszeit, Söhne und eine Frau.

Vers 118
śivābalividhānena prasannā bhava pherave |
namaste'stu namaste'stu namaste'stu namo namaḥ ||

Sei durch die Darbringung der Schakalinnengabe erfreut, o Schakalgestaltige! Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, immer wieder Verehrung!

Anmerkung: Die Anrede „pherave“ ist in e beschädigt; Deutung aus dem Kontext. Hier endet das achtversige Stotra.

Vers 119
ityetairaṣṭabhiḥ ślokaiḥ śivāstotramudīrayet |
tatastaccheṣamannaṃ yadbhājanaṃ vānyadeva vā ||

Mit diesen acht Versen spricht man den Lobpreis der Schakalinnen. Danach die Speisereste, das Gefäß und was sonst übrig ist …

Vers 120
sarvaṃ hi nikhanedbhūmau prayatnenaiva pārvati |
yadi kākā mṛgāḥ śvāno ye cānye'raṇyavāsinaḥ ||

… alles vergräbt man sorgfältig im Boden, Parvati. Wenn Krähen, Wildtiere, Hunde oder andere Waldbewohner …

Vers 121
bhakṣayanti taducchiṣṭaṃ tadā vighnaḥ prajāyate |
svayaṃ tadavaśiṣṭaṃ yatprasādamupayojayet ||

… jene Reste fressen, entstehe ein Hindernis. Was dagegen als Prasada zurückbleibt, soll man selbst verwenden …

Anmerkung: Der Text unterscheidet offenbar zu vergrabende Reste von Prasada; die genaue praktische Abgrenzung bleibt hier knapp und wird nicht erfunden.

Vers 122
gandhaṃ mālyaṃ ca naivedyaṃ yadyaddevyai prakalpitam |
rātrāveva samāgacchetprayataḥ pretamandirāt ||

… Duftstoff, Blumenschmuck und Speisegabe, was immer für die Göttin bereitet wurde. Noch in derselben Nacht kehrt man gesammelt vom Aufenthaltsort der Toten zurück.

Vers 123
eṣa mukhyaḥ prayogastu guhyakālyā varānane |
etatprayogādeṣaiva kālī kāmakalā bhavet ||

Dies ist die hauptsächliche Anwendung Guhyakalis, o Schönangesichtige. Durch diese Anwendung wird eben diese Kali zu Kamakala.

Vers 124
na bhedastvanayoḥ satyaṃ prayoge mantrasiddhaye |
anye'pi bhedāḥ santyasyāḥ kathayiṣyāmi tānaham ||

Wahrlich, zwischen diesen beiden besteht bei der Anwendung zur Mantra-Siddhi kein Unterschied. Es gibt noch weitere Formen von ihr; auch sie werde ich erläutern.

Vers 125
yo'sāvukto manurdevyāḥ pūrvamaṣṭādaśākṣaraḥ |
śreṣṭhaḥ sa sarvamantrāṇāṃ sarvamantrottamottamaḥ ||

Der zuvor genannte achtzehnsilbige Mantra der Göttin ist der beste aller Mantras, der vorzüglichste unter den vorzüglichen.

Anmerkung: Vorranganspruch der Quelle.

Vers 126
eṣa kāmakalākālyā mantraḥ prakṛtirucyate |
vikṛtirguhyakālyāstu mantro yaḥ ṣoḍaśākṣaraḥ ||

Dieser Mantra Kamakalakalis wird als Grundform bezeichnet; der sechzehnsilbige Mantra Guhyakalis dagegen als Abwandlung.

Vers 127
sthitāyāṃ prakṛtau devi vikṛtirna balīyasī |
saptānāmapi mantrāṇāmayamevāgraṇīḥ priye ||

Wo die Grundform vorhanden ist, Göttin, ist die Abwandlung nicht die stärkere. Unter allen sieben Mantras steht dieser an erster Stelle, Geliebte.

Vers 128
trailokyākarṣaṇo mantro yadi bhāgyena labhyate |
tadā śivāvidhāne tu sa eva pariniṣṭhitaḥ ||

Wenn man durch glückliche Fügung den Trailokyakarshana-Mantra empfängt, ist gerade dieser für das Schakalinnenritual festgelegt.

Vers 129
abhāve tasya mantrasya guhyakālyā manustataḥ |
vinopadeśaṃ yaḥ kuryātprayogaṃ kāmakālikam ||

Wenn dieser Mantra fehlt, [verwendet man] den Mantra Guhyakalis. Wer aber ohne Unterweisung die Kamakali-Anwendung ausführt …

Vers 130
sadyaḥ sa mṛtyumāpnoti bhakṣito yoginīgaṇaiḥ |
grāhyastasmātprayatnena manuraṣṭādaśākṣaraḥ ||

… werde sogleich von den Yogini-Scharen verzehrt und sterbe. Darum solle man sich sorgfältig um den Empfang des achtzehnsilbigen Mantras bemühen.

Anmerkung: Religiöse Sanktionsdrohung des Textes, keine als Tatsache übernommene Todesprognose.

Vers 131
rājyadānaiḥ prāṇadānairupadeśo guroḥ priye |
ātmanaḥ kṣemamanvicchedyadi sādhakasattamaḥ ||

[Selbst um den Preis] eines Königreichs oder des eigenen Lebens [suche man] die Unterweisung des Gurus, Geliebte, wenn der vorzügliche Sadhaka sein Wohlergehen erstrebt.

Anmerkung: Nominal verkürzter und OCR-beschädigter Satz; ergänzte Satzglieder sind markiert. Nicht als heutige Forderung übernommen.

Vers 132
na tu vā guhyakālyāstu manunaivākhilaṃ bhavet |
gurūpadiṣṭamārgeṇa prayogeṇa varānane ||

Oder alles könne auch mit dem Mantra Guhyakalis geschehen, o Schönangesichtige, mittels der Anwendung auf dem vom Guru gelehrten Weg.

Anmerkung: Die einleitende Partikelfolge „na tu vā“ ist unsicher; die Alternative mit Guhyakalis Mantra wird durch den folgenden Halbvers gestützt.

Vers 133
ityeṣa kathito yatnācchivābalividhistava |
kathayasva mahāgauri kimanyacchrotumicchasi ||

So wurde dir die Regel der Schakalinnengabe sorgfältig erklärt. Sage nun, Mahagauri: Was möchtest du außerdem hören?

Anmerkung: Die Schlussziffer ist in e als 33 OCR-erfasst; nach 132 eindeutig als 133 einzuordnen.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ pañcaśatasāhasryāṃ śivābaliprayogo nāma caturthaḥ paṭalaḥ |

Damit endet das vierte Kapitel der dem Adinatha zugeschriebenen Mahakala-Samhita von fünfhunderttausend [Versen], genannt „Die Anwendung der Schakalinnengabe“.

Kamakala-Khanda, Kapitel 5: Kamakala-Anwendung und allgemeine Puja

Devi fragt nach dem Namen Kamakala. Auf eine hier nur sachlich zusammengefasste Ritualpassage folgen ausführliche Vorschriften für Nyasa, Mandala, innere und äußere Verehrung, eine Gayatri sowie Regeln für Gaben und deren Ersatzformen ohne Tiertötung. Die Darstellungsgrenze bei den Passagen mit minderjährigen Teilnehmerinnen ist ausdrücklich markiert.

Vers 1
viśvopakāraka vibho śaṃbho saṃsāratāraka |
tvattaḥ śrutamidaṃ sarvaṃ śrutvā caivāvadhāritam ||

O Allgegenwärtiger, Wohltäter der Welt, Shambhu, der du über Samsara hinausführst! Dies alles habe ich von dir gehört und nach dem Hören aufgenommen.

Anmerkung: Sprecherin: Devi.

Vers 2
kena kāmakalānāma prāptavatyambikā parā |
tadahaṃ śrotumicchāmi tvatto yogijanapriya ||

Wodurch hat die höchste Mutter den Namen Kamakala erhalten? Das möchte ich von dir hören, du Freund der Yogis.

Vers 3
prayogeṇārcayā vāpi dhyānenātha stavena vā |
procyate sā parā śaktiḥ kālī kāmakalāhvayā ||

Ist es durch eine Anwendung, durch Verehrung, durch Meditation oder durch Lobpreis, dass die höchste Shakti Kali mit dem Namen Kamakala bezeichnet wird?

Vers 4
śṛṇvantī te mukhāmbhojānna tṛptimadhiyāmyaham |
kathayasva mahādeva prayogaṃ kāmakālikam ||

Wenn ich aus deinem Lotusmund höre, kann ich mich nicht satthören. Erkläre mir, Mahadeva, die Kamakali-Anwendung.

Anmerkung: Das Verb ist in e beschädigt; die dort verzeichnete Variante „upayāmi“ bestätigt den Sinn „Sättigung erreichen“.

Vers 5
atiguhyatamaṃ devi prayogaṃ pṛṣṭavatyasi |
nākhyāto yo'dyaparyantaṃ kasmā api varānane ||

Nach einer höchst geheimen Anwendung hast du gefragt, Göttin, die bis heute niemandem mitgeteilt wurde, o Schönangesichtige.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala.

Vers 6
tamahaṃ kathayiṣyāmi yato bhaktāsi pārvati |
saṃgopanīyo yatnena na vācyo yasya kasyacit ||

Ich werde sie dir erklären, weil du hingebungsvoll bist, Parvati. Sie soll sorgfältig geheim gehalten und nicht beliebigen Menschen mitgeteilt werden.

Vers 7
cikīrṣayāpi yasyāsya siddhiṃ vindati sādhakaḥ |
kiṃ punaḥ karaṇeneha bhaviṣyati śucismite ||

Schon durch den Wunsch, sie auszuführen, soll der Sadhaka Siddhi finden. Was sollte dann erst durch die tatsächliche Ausführung entstehen, o rein Lächelnde!

Vers 8
prāṇātyayenāpi punarna vācyaṃ yatra kutracit |
smaraṇādasya yogasya prasannā kālikā bhavet ||

Selbst unter Lebensgefahr soll sie nicht wahllos weitergesagt werden. Schon die Erinnerung an diesen Yoga soll Kalika erfreuen.

Anmerkung: Textinternes Geheimhaltungsgebot und Wirkungsverheißung.

Vers 9
kiṃ bahūktena deveśi dhanyāvāvāṃ jagattraye |
yataḥ pṛcchasi vaktāsmi prayogaṃ kāmakālikam ||

Was bedarf es vieler Worte, o Herrin der Götter? Gesegnet sind wir beide in den drei Welten: Du fragst, und ich werde die Kamakali-Anwendung darlegen.

Vers 10
naivāsti tvayyakathyaṃ me guhyādguhyataraṃ hi yat |
śṛṇuṣva taṃ yogavaraṃ bhaktiyuktena cetasā ||

Dir gegenüber gibt es für mich nichts Unaussprechliches, selbst wenn es geheimer als geheim ist. Höre diesen vorzüglichen Yoga mit einem von Hingabe erfüllten Geist.

Vers 11
avahelā na kartavyā na jugupsā kadācana |
na nindā na parīvādo na dveṣo naiva dhikkṛtiḥ ||

Man solle ihm weder Geringschätzung noch Ekel entgegenbringen, weder Schmähung noch üble Nachrede, weder Hass noch Verachtung.

Anmerkung: Historische Aufforderung zur Haltung gegenüber dem folgenden Ritual; keine Verpflichtung heutiger Leser, auf eigene ethische Beurteilung zu verzichten.

Vers 12
kṛte tu sarvanāśaḥ syānmaraṇaṃ rogapuñjatā |
dāridryaṃ putranāśaśca bandhanaṃ nigaḍādibhiḥ ||

Wer dies dennoch tue, dem drohten völliger Untergang, Tod, zahlreiche Krankheiten, Armut, der Verlust von Söhnen und Gefangenschaft in Fesseln.

Anmerkung: Sanktionsdrohung der Quelle, keine bestätigte Prognose.

Vers 13
tasmānnindā na kartavyā yadīcchedātmanaḥ śubham |
svabhāva eva devyāstu prītiretatprayogataḥ ||

Darum solle, wer sein eigenes Wohl wünsche, nicht schmähen. Es liege in der Natur der Göttin, durch diese Anwendung erfreut zu werden.

Vers 14
rājājñevāpraṇodyeyaṃ saiva brūte sanātanī |
prayogastrividho'yaṃ ca śakyāśakyanibandhanaḥ ||

Diese [Vorschrift] solle wie ein königlicher Befehl nicht zurückgewiesen werden; die ewige Göttin selbst spreche sie aus. Die Anwendung ist dreifach, entsprechend dem, was ausführbar oder nicht ausführbar ist.

Anmerkung: Die erste Wortfügung ist beschädigt; „wie ein königlicher Befehl nicht zurückzuweisen“ ist eine sinngemäße, vorläufige Übersetzung.

Vers 15
rājapūrvo madhyapūrvo laghupūrvastathaiva ca |
yogaḥ kāmakalākhyo'yaṃ tatrādau vyāharāmi te ||

Dieser Kamakala genannte Yoga besitzt eine königliche, eine mittlere und eine kleine Form. Zunächst werde ich dir [die erste] erklären.

Vers(e) 16–69 – sachliche Inhaltswiedergabe

Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Quelle legt für die königliche Ritualform eine Gruppe von Teilnehmerinnen fest, nennt ausdrücklich das Alter von sechzehn Jahren und verbindet ihre Auswahl mit erotisierenden Beschreibungen und sozialer Gruppenzugehörigkeit. Anschließend behandelt sie Vorbereitung, Bekleidung, rituellen Schmuck, die Anordnung im Mandala, Einladungsformeln und die Bitte um Erlaubnis zur Verehrung. Die Teilnehmerinnen sollen im Ritual als Gegenwart der Göttin angesehen und nicht wegen ihrer Herkunft verachtet werden. Die Gebetsrede beschreibt die Göttin unter anderem als Bewusstsein, Kundalini, Einheit von Shiva und Shakti sowie als Kraft von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.

Anmerkung: Bewusste Darstellungsgrenze, keine Quellenlücke: Wegen der Verbindung von Minderjährigen mit erotischer Darstellung und sexualrituellem Kontext werden diese Verse hier nicht wörtlich und nicht mit dem entsprechenden Sanskrit reproduziert. Die Inhaltswiedergabe ist keine Versübersetzung und wird nicht als solche gezählt. Der anschließende allgemeine Puja-Abschnitt wird wieder fortlaufend übersetzt.

Vers 70
nityapūjoktavidhinā sarvasaṃbhārasaṃcayaiḥ |
ṣaḍaṅgāni pravinyasya pīṭhanyāsaṃ samācaret ||

Nach der für die tägliche Puja beschriebenen Regel, mit sämtlichen erforderlichen Gaben, setzt man die sechs Glieder [des Mantras] ein und führt den Pitha-Nyasa aus.

Anmerkung: Beginn eines allgemeinen Abschnitts über Nyasa und äußere Puja.

Vers 71
mahāmaṇḍūkakālāgnirudraṃ ca kacchapaṃ tathā |
ādhāre liṅganābhau ca krameṇopanyasetsudhīḥ ||

Der Kundige setzt den großen Frosch, Kalagnirudra und die Schildkröte der Reihe nach an der Basis, am Linga und am Nabel ein.

Anmerkung: Die mythologisch-rituellen Träger werden als Körper-Nyasa eingesetzt. „Linga“ wird hier als Körperstelle im Genitalbereich verstanden.

Vers 72
evaṃ vicintya vidhivaddharmādīnvinyasettataḥ |
aṃsoruyugmayorvidvānprādakṣiṇyena deśikaḥ ||

Nachdem der kundige Lehrer dies regelgerecht vergegenwärtigt hat, setzt er Dharma und die folgenden Kräfte im Uhrzeigersinn an den beiden Schultern und Oberschenkeln ein.

Vers 73
dharmajñānaṃ savairāgyamaiśvaryaṃ vinyasetkramāt |
mukhapārśvanābhipārśveṣvadharmādīnprakalpayet ||

Der Reihe nach setzt er Dharma, Jnana (Erkenntnis), Vairagya (Losgelöstheit) und Aishvarya (Herrschaftskraft) ein. An Mund, Seite, Nabel und [anderer] Seite ordnet er Adharma und die entsprechenden Gegensätze an.

Anmerkung: Die Seitenzuordnung ist knapp; keine Richtungen ergänzt, die nicht im Vers stehen.

Vers 74
anantaṃ hṛdaye padmamasminsūryendupāvakān |
eṣu svasvakalā nyasennāmādyakṣarapūrvikāḥ ||

Im Herzen setzt er Ananta und den Lotus ein, darin Sonne, Mond und Feuer. In diesen setzt er ihre jeweiligen Kalas ein, denen die Anfangslaute ihrer Namen vorangestellt werden.

Vers 75
sattvādīṃstrīnguṇānnyasettathaivātra gurūttamaḥ |
ātmānamantarātmānaṃ paramātmānameva ca ||

Ebenso setzt der vorzügliche Guru hier die drei Gunas, beginnend mit Sattva, ein, ferner Atman, Antaratman und Paramatman …

Anmerkung: Die weiteren Gunas sind Rajas und Tamas; die Atman-Bezeichnungen stehen für Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst.

Vers 76
jñānātmānaṃ pravinyasya nyasetpīṭhamanuṃ tataḥ |
evaṃ dehamaye pīṭhe cintayediṣṭadevatām ||

… sowie Jnanatman, das Selbst als Erkenntnis. Dann setzt er den Pitha-Mantra ein. Auf diesem aus dem eigenen Körper bestehenden Sitz vergegenwärtigt er seine Ishtadevata (persönliche Gottheit).

Vers 77
pūrvoktena vidhānena manasā paripūjayet |
mudrāṃ pradarśya vidhinā śaṅkhasthāpanamācaret ||

Nach der zuvor beschriebenen Regel verehrt er sie innerlich. Er zeigt die Mudra und vollzieht die Aufstellung der Muschel.

Vers 78
śaṅkhamastreṇa saṃprokṣya vāmato vahnimaṇḍale |
sādhāraṃ sthāpayedvidvānvyutkramārṇairjalaṃ kṣipet ||

Nach dem Besprengen der Muschel mit dem Astra-Mantra stellt der Kundige sie links im Feuermandala auf ihren Untersatz und gießt unter den rückwärts angeordneten Lauten Wasser hinein.

Anmerkung: Die Lautreihe wird hier nicht ausgeschrieben.

Vers 79
pūjayedvahnisūryendūnbījaistattatkalānvitaiḥ |
tattatkalā tu saṃkhyātā daśadvādaśaṣoḍaśaiḥ ||

Er verehrt Feuer, Sonne und Mond mit den Bijas samt ihren jeweiligen Kalas. Die Zahlen dieser Kalas sind zehn, zwölf und sechzehn.

Vers 80
tīrthāvāhanamantraiśca tīrthānyāvāhya pūjayet |
gandhapuṣpākṣatairdhūpadīpādyairabhipūjite ||

Mit den Mantras zur Einladung der Tirthas ruft er die heiligen Wasser herbei und verehrt sie mit Duft, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Räucherwerk, Licht und weiteren Gaben.

Anmerkung: Die Mantras werden nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.

Vers 81
śaṅkhe pāṇitalaṃ dattvā cāṣṭadhā prajapenmanum |
cinmayaṃ cintayettīrthamānīyāṅkuśamudrayā ||

Er legt die Handfläche auf die Muschel und rezitiert den Mantra achtmal. Das mit der Ankusha-Mudra herbeigezogene heilige Wasser betrachtet er als von Bewusstsein erfüllt.

Anmerkung: Der Sanskrit-Wortlaut der zweiten Hälfte ist normalisiert; die Reihenfolge der beschriebenen Gesten bleibt knapp.

Vers 82
astramantreṇa rakṣitvā kavacenāvaguṇṭhya ca |
dhenumudrāṃ samāsādya bodhayettattvamudrayā ||

Er schützt es mit dem Astra-Mantra, umhüllt es mit dem Kavacha, führt die Dhenu-Mudra aus und erweckt es mit der Tattva-Mudra.

Vers 83
dakṣiṇe prokṣiṇīpātramādhāyādbhiḥ prapūjayet |
kiṃcidarghyāmbu saṃgṛhya prokṣaṇyaṃbhasi yojayet ||

Rechts stellt er das Besprengungsgefäß auf und verehrt es mit Wasser. Er nimmt etwas Arghya-Wasser und mischt es in das Wasser dieses Gefäßes.

Vers 84
arghyasyottarataḥ kāryaṃ pādyamācamanīyakam |
paramīkṛtya taṃ śaṅkhaṃ pāvanaṃ paricintayet ||

Nördlich vom Arghya werden Fußwaschwasser und Wasser zum Mundspülen bereitgestellt. Nach der Weihe der Muschel vergegenwärtigt man sie als reinigend.

Anmerkung: „paramīkṛtya“ bezeichnet eine Weihe oder Erhöhung; die genaue rituelle Bedeutung bleibt offen.

Vers 85
devasya mūrdhni tatkiṃcitpūjādravyeṣu cātmanaḥ |
avekṣaṇaṃ prokṣaṇaṃ ca vīkṣaṇaṃ tāḍanaṃ tathā ||

Etwas davon [gibt man] auf das Haupt der Gottheit, auf die Opferstoffe und auf sich selbst. Betrachtung, Besprengung, Anschauen und rituelles Anschlagen …

Anmerkung: Der erste Halbvers ist elliptisch. Die beiden Begriffe für das Schauen bleiben getrennt, obwohl ihre genaue technische Unterscheidung hier nicht erläutert wird.

Vers 86
arcanaṃ caiva sarveṣāṃ pāvanaṃ saṃprakalpayet |
arghyapātre pradātavyā gandhapuṣpayavākṣatāḥ ||

… und Verehrung dienen der Reinigung von allem. In das Arghya-Gefäß gehören Duftstoff, Blüten, Gerste und ungebrochene Reiskörner …

Vers 87
kuśāgratiladūrvāśca sarṣapāścārthasiddhaye |
pādyapātre pradātavyaṃ śyāmākaṃ kūrcameva ca ||

… Kusha-Spitzen, Sesam, Durva-Gras und Senfkörner zur Erfüllung des Zwecks. In das Fußwaschgefäß gibt man Shyamaka und Kurcha …

Anmerkung: Shyamaka bezeichnet eine Hirseart; Kurcha kann ein Bündel von Ritualgras sein. Die Quelle bestimmt es hier nicht näher.

Vers 88
abjaṃ ca viṣṇukrāntāṃ ca pādyasiddhyai prakalpayet |
tathācamanapātre ca dadyājjātīphalaṃ punaḥ ||

… Lotus und Vishnukranta, um das Fußwaschwasser zuzubereiten. In das Gefäß zum Mundspülen gibt man Muskatnuss …

Vers 89
lavaṅgamapi kakkolaṃ śastamācamanīyakam |
dadhnā ca madhusarpirbhyāṃ madhuparko bhaviṣyati ||

… Nelken und Kakkola; so entsteht geeignetes Wasser zum Mundspülen. Aus Joghurt, Honig und Ghee wird Madhuparka bereitet.

Anmerkung: Kakkola ist eine traditionelle Gewürzbezeichnung, hier nicht botanisch genauer bestimmt.

Vers 90
bāhyapūjāṃ tato kuryādaihikābhyudayāya vai |
pūrvamevoditaṃ devi maṇḍalasya prakalpanam ||

Dann vollzieht man die äußere Puja für Wohlergehen in diesem Leben. Die Gestaltung des Mandalas wurde bereits erläutert, Göttin …

Vers 91
tathāpi phalabāhulyātprasaṅgāducyate punaḥ |
gomayairliptadeśe ca maṇḍalaṃ tatra kārayet ||

… doch wegen ihrer reichen Frucht wird sie in diesem Zusammenhang nochmals beschrieben. Auf einer mit Kuhdung bestrichenen Fläche stellt man das Mandala her.

Vers 92
śālitaṇḍalacūrṇaiśca nīlapītasitāsitaiḥ |
likhedaṣṭadalaṃ padmaṃ caturasrasamāvṛtam ||

Mit blauem, gelbem, weißem und schwarzem Reismehl zeichnet man einen achtblättrigen Lotus, der von einem Quadrat umgeben ist.

Vers 93
navakoṇaṃ karṇikāyāṃ koṇāgraṃ bījabhūṣitam |
kūrmaṃ ca bṛhadākāraṃ mahāmaṇḍūkameva ca ||

In seine Samenkapsel kommt eine neunwinklige Figur, deren Spitzen mit Bijas versehen sind. Eine große Schildkröte und den großen Frosch …

Vers 94
kālāgnisaṃjñakaṃ rudraṃ tasminpīṭhe prapūjayet |
tanmadhye sādhyamālikhya kālībījāni saṃlikhet ||

… sowie den Rudra namens Kalagni verehrt man auf diesem Sitz. In die Mitte schreibt man das Sadhya (das angestrebte Ziel beziehungsweise die Zielperson) und die Kali-Bijas.

Anmerkung: Die Bijas sind hier nicht ausgeschrieben.

Vers 95
sarvato maṇḍalaṃ cāpi gāyatryā pariveṣṭayet |
gāyatrīṃ ca pravakṣyāmi yathāvadavadhāraya ||

Ringsum umgibt man das Mandala mit der Gayatri. Ich werde diese Gayatri nennen; nimm sie genau auf.

Vers 96
japādasyāśca dayite rājasūyaphalaṃ labhet |
anaṅgākulāyai vidmahe madanāturāyai dhīmahi ||

Durch ihre Rezitation soll man, Geliebte, die Frucht eines Rajasuya-Opfers erlangen. „Wir möchten die von Ananga Ergriffene erkennen; wir meditieren über die von Liebesverlangen Erfüllte …“

Anmerkung: Der folgende unnummerierte Satz vervollständigt die Gayatri. Ananga ist ein Name Kamas, des Liebesgottes.

Unnummerierter Text
tannaḥ kāmakalākālī pracodayāt |

„… möge Kamakalakali uns anregen und erleuchten.“

Anmerkung: Unnummerierter Abschluss der in Vers 96 begonnenen Gayatri; nicht als zusätzlicher nummerierter Vers gezählt.

Vers 97
gurupaṅktiṃ namedvāme gaṇeśādīnapare tathā |

Links verneigt man sich vor der Guru-Reihe, auf der anderen Seite vor Ganesha und den weiteren Gottheiten.

Anmerkung: In e ist bei 97 nur dieser Halbvers vor dem folgenden Abschnitt erkennbar. Keine weitere Hälfte ergänzt; Fragmentstatus.

Vers 98
madhye tvādhāraśaktiṃ ca paṅkajadvayadhāriṇīm |
kūrmaṃ ca bṛhadākāraṃ mahāmaṇḍūkameva ca ||

In der Mitte [verehrt man] die Adhara-Shakti, die zwei Lotusblüten trägt, die große Schildkröte und den großen Frosch …

Vers 99
kālāgnisaṃjñakaṃ rudraṃ tasminpīṭhe prapūjayet |
abhyarcayedvasumatīṃ sphuratsāgaramekhalām ||

… und Rudra namens Kalagni auf diesem Sitz. Man verehrt die Erde, deren Gürtel aus dem schimmernden Ozean besteht.

Vers 100
tatra ratnamayaṃ dvīpaṃ tasmiṃstu maṇimaṇḍapam |
yajetkalpataruṃ tasminsādhako'bhīṣṭasiddhaye ||

Darin [verehrt man] eine Insel aus Edelsteinen, auf ihr einen Edelsteinpavillon und darin den Kalpataru (Wunschbaum), damit der Sadhaka sein ersehntes Ziel erreiche.

Vers 101
adhastātpūjayettasya vedikāṃ maṇḍalojjvalām |
paścādabhyarcayettasyāṃ pīṭhe dharmādibhiḥ punaḥ ||

Unter ihm verehrt man die vom Mandala erhellte Altarfläche; anschließend darauf den Sitz mit Dharma und den weiteren Kräften.

Anmerkung: Die Kasusfügung der zweiten Hälfte ist in e unklar; der rituelle Zusammenhang ist erkennbar.

Vers 102
raktaśyāmaharicchuklanīlābhāṃ nādarūpiṇīm |
vṛṣakesaribhūtebharūpāndharmādikānyajet ||

[Man verehrt sie] rot, dunkel, grün, weiß und blau leuchtend, als Gestalt des Nada; Dharma und die weiteren Kräfte verehrt man in Gestalten von Stier, Löwe, Bhuta und Elefant.

Anmerkung: Die Zuordnung der fünf Farben und der grammatische Bezug des ersten Halbverses sind unsicher. „Bhuta“ bleibt als überlieferte Gestaltbezeichnung stehen.

Vers 103
agnyādiṣu vidikṣvevaṃ dharmādīnpūjayetsadā |
adharmādīnpaścātpūrvādidikcatuṣṭaye ||

So verehrt man Dharma und die folgenden Kräfte in den Zwischenrichtungen, beginnend mit Südosten; anschließend Adharma und die Gegenkräfte in den vier Hauptrichtungen, beginnend mit Osten.

Vers 104
ānandakandaṃ prathamaṃ saṃvinnālamanantaram |
mantrī prakṛtipatrāṇi vikāramayakesarān ||

Zuerst [verehrt] der Mantrakundige die Wurzelknolle aus Ananda (Wonne), danach den Stängel aus Samvit (Bewusstsein), die Blätter aus Prakriti und die Staubfäden aus deren Entfaltungen.

Anmerkung: Symbolischer innerer Lotus.

Vers 105
pañcāśadvarṇabījāḍhyāṃ karṇikāṃ pūjayet tataḥ |
kalābhiḥ pūjayetsārdhaṃ tasminsūryendupāvakān ||

Dann verehrt man die Samenkapsel, erfüllt von den Samenlauten der fünfzig Buchstaben, und darin Sonne, Mond und Feuer samt ihren Kalas.

Vers 106
praṇavasya tribhirvarṇairatha sattvādikānguṇān |
ātmānamantarātmānaṃ paramātmānameva ca ||

Mit den drei Lauten des Pranava [verehrt man] die Gunas, beginnend mit Sattva; ferner Atman, Antaratman und Paramatman …

Vers 107
jñānātmānaṃ ca vividhāṃ pīṭhaśaktiṃ yajetpunaḥ |
tatra pīṭhamanuṃ proktvā tatra siṃhāsanaṃ nyaset ||

… Jnanatman und die vielfältige Pitha-Shakti. Nach dem Sprechen des Pitha-Mantras setzt man dort den Thron ein.

Anmerkung: Die genaue Flexion von „vividhāṃ pīṭhaśaktim“ bleibt unsicher; sinngemäß die mannigfachen Kräfte des Sitzes.

Vers 108
uccaranmūlamantraṃ hi devīṃ hṛdi vicintayan |
karakacchapikārūpamudrayā puṣpamuttamam ||

Während man den Grundmantra spricht und die Göttin im Herzen vergegenwärtigt, [nimmt man] mit der schildkrötenförmigen Hand-Mudra eine schöne Blüte …

Vers 109
gṛhītvā cintayeddevīṃ tattanmantrānusārataḥ |
tanmadhye cintayeddevyā vāhanaṃ śavameva ca ||

… und meditiert über die Göttin entsprechend dem jeweiligen Mantra. In der Mitte stellt man sich ihren Träger vor, einen Leichnam.

Vers 110
śmaśānaṃ cintayettatra śivāgaṇavirājitam |
muṇḍāṭṭahāsasaṃyuktaṃ śivāśatanināditam ||

Man vergegenwärtigt dort den Leichenplatz, bevölkert von Schakalinnen, erfüllt vom lauten Gelächter der Köpfe und den Rufen hunderter Schakalinnen.

Anmerkung: „muṇḍāṭṭahāsa“ ist aus der beschädigten OCR normalisiert; das genaue Bild bleibt ungewöhnlich.

Vers 111
śivābhirbahumāṃsāsthimodamānābhiranvitām |
surāsuramunīndraiśca yogivṛndaniṣevitām ||

[Die Göttin ist] von Schakalinnen umgeben, die sich an reichlich Fleisch und Knochen erfreuen; sie wird von Göttern, Asuras, großen Munis und Yogis verehrt.

Vers 112
dhyāyettatrasthitāṃ devīṃ kālīṃ kāmakalābhidhām |
dhyātvā pūrvoktavidhinā citte cānīya sundari ||

Man meditiert über die dort gegenwärtige Göttin Kali namens Kamakala. Nachdem man sie nach der zuvor beschriebenen Regel vergegenwärtigt und ins Bewusstsein gerufen hat, o Schöne …

Vers 113
añjalyāvāhayettatra devīṃ sādhakasattamaḥ |
svāgatādi tataḥ praśnaṃ pratyuttarasamanvitam ||

… lädt der vorzügliche Sadhaka die Göttin mit Anjali dorthin ein. Dann folgen die Begrüßung sowie Fragen mit ihren jeweiligen Antworten.

Anmerkung: Die konkreten Begrüßungsformeln werden hier nicht ausgeschrieben.

Vers 114
tataścāsanaṃ dattvā pādyamarghyaṃ prakalpayet |
tata ācamanīyaṃ ca snānoddhartanameva ca ||

Nach dem Darbringen des Sitzes bereitet man Fußwasch- und Begrüßungswasser, danach Wasser zum Mundspülen sowie Bad und Einreibung vor.

Vers 115
snānīyaṃ ca jalaṃ dadyātsvāhāmantraiḥ prayatnataḥ |
divyavastraṃ tato dattvā dadyādābharaṇāni ca ||

Das Badewasser gibt man sorgfältig mit Mantras, die auf Svaha enden. Anschließend bringt man kostbare Gewänder und Schmuck dar.

Vers 116
namaḥ pādyaṃ tathārghyaṃ svāhānte dīyate tataḥ |
ācamanaṃ svadhānte ca svāhānte ca tathā madhu ||

Fußwaschwasser gibt man mit Namah, Arghya mit einem Abschluss auf Svaha, Mundspülwasser mit Svadha und die Honiggabe wiederum mit Svaha.

Anmerkung: Der erste Halbvers ist knapp und in der Zeichensetzung unsicher; die Zuordnung folgt der erkennbaren Reihenfolge.

Vers 117
gandhaṃ nānāvidhaṃ ramyaṃ raktacandanameva ca |
sindūraṃ kuṅkumaṃ caiva puṣpadāma tathā punaḥ ||

[Es folgen] verschiedene angenehme Duftstoffe, roter Sandel, Sindura, Kumkuma und Blumengirlanden.

Vers 118
parivāraṃ tato devyāḥ pūjayetsādhakottamaḥ |
tato guggulajaṃ dhūpaṃ dadyānmantraṃ samuccaran ||

Dann verehrt der vorzügliche Sadhaka das Gefolge der Göttin und bringt unter Mantrarezitation Räucherwerk aus Guggulu dar.

Vers 119
tadvaddīpaḥ pradātavyo mantroccāraṇapūrvakam |
tataḥ pādyādikaṃ dattvā naivedyādīnprakalpayet ||

Ebenso bringt man das Licht mit vorausgehender Mantrarezitation dar. Nach weiteren Wassergaben bereitet man die Speiseopfer und die übrigen Gaben vor.

Vers 120
annaṃ pānaṃ ca naivedyaṃ balidānaṃ tathaiva ca |
raktaṃ māṃsaṃ manoramyamāmaṃ pakvaṃ pṛthakpṛthak ||

Nahrung, Getränke, Naivedya und Bali, Blut und als angenehm geltendes Fleisch, rohes und gekochtes jeweils gesondert …

Vers 121
krameṇa saṃpravakṣyāmi devyāḥ prītikaraṃ param |
pañcāmṛtaṃ tathā khaṇḍaṃ śālyannaṃ piṣṭakaṃ tathā ||

… was der Göttin besondere Freude bereiten soll, werde ich der Reihe nach nennen: Panchamrita, Zucker, gekochten Reis und Gebäck.

Anmerkung: Panchamrita wird hier benannt, nicht in seinen Zutaten erklärt.

Vers 122
yavagodhūmajairmudgaiḥ pakvānnaṃ parikalpayet |
vyañjanaṃ ṣaḍrasopetaṃ ghṛtāktaṃ sumanoharam ||

Man bereitet gekochte Speisen aus Gerste, Weizen und Mungbohnen sowie wohlschmeckende, mit Ghee versehene Beilagen mit allen sechs Geschmacksrichtungen.

Vers 123
phalaṃ nānāvidhaṃ ramyaṃ paramānnaṃ tathaiva ca |
dravyeṇa sāttvikenaiva brāhmaṇaḥ pūjayecchivām ||

Dazu verschiedene schöne Früchte und süßen Milchreis. Ein Brahmane soll die Göttin ausschließlich mit sattvigen Gaben verehren.

Anmerkung: Historische Varna-Zuordnung der Quelle.

Vers 124
śālyannaṃ sāmiṣaṃ caiva surāṃ mākṣikasaṃbhavām |
tālīṃ ca vividhāṃ gauḍīṃ khārjūrīṃ puṣpasaṃbhavām ||

[Ein Kshatriya gibt] Reis mit Fleisch sowie berauschende Getränke aus Honig, Palmen, Zuckerrohr, Datteln und Blüten in verschiedenen Formen.

Anmerkung: Die erste Einordnung als Kshatriya-Gabe wird im folgenden Vers ausdrücklich genannt.

Vers 125
evaṃ dadyātkṣatriyo'pi paiṣṭikīṃ na kadācana |
nārikelodakaṃ kāṃsye tāmre gavyaṃ tathā madhu ||

So soll auch ein Kshatriya darbringen, jedoch niemals ein aus Mehl bereitetes alkoholisches Getränk. Kokoswasser in Bronze, Kuhmilch in Kupfer und Honig …

Anmerkung: „gavya“ bedeutet ein Erzeugnis der Kuh; hier als Milch verstanden, aber die Stoffbezeichnung ist nicht genauer bestimmt.

Vers 126
rājanyavaiśyayordānaṃ na dvijasya kadācana |
evaṃ pradānamātreṇa hīnāyurbrāhmaṇo bhavet ||

… sind als Gaben für Kshatriyas und Vaishyas vorgesehen, nicht für den hier gemeinten Brahmanen. Schon durch eine solche Darbringung werde dessen Lebenszeit verkürzt.

Anmerkung: Der Text gebraucht „dvija“ hier im engeren Sinn; die angedrohte Lebensverkürzung ist keine Tatsachenbehauptung dieser Ausgabe.

Vers 127
śūdrasya paiṣṭikīdānaṃ nāparasya vidhīyate |
kṛṣṇasāraṃ tathā chāgaṃ mṛgānnānāvidhānapi ||

Das Darbringen des Mehlgetränks ist dem Shudra, keinem anderen, zugewiesen. [Als weitere Opfer werden genannt:] Schwarzantilope, Ziege und verschiedene Wildtiere …

Vers 128
meṣaṃ ca mahiṣaṃ ghṛṣṭiṃ tathā pañcanakhānapi |
kapotaṃ ṭiṭṭibhaṃ haṃsaṃ cakravākaṃ ca lāvakam ||

… Schaf, Büffel, Ghrishti und fünfnagelige Tiere, Taube, Tittibha, Hamsa, Chakravaka und Lava …

Anmerkung: „ghṛṣṭi“ ist eine unsichere Tierbezeichnung; keine Art erfunden. Die Vogelnamen bleiben nach der Quelle stehen.

Vers 129
śarāliṃ tittiriṃ matsyānkalaviṅkaṃ cakorakam |
anuktaṃ naiva dātavyaṃ dvijavaryaiḥ kadācana ||

… Sharali, Rebhuhn, Fische, Kalavinka und Chakora. Was nicht genannt wurde, sollen die vorzüglichen Zweimalgeborenen niemals darbringen.

Anmerkung: Einzelne Tiernamen sind unsicher oder nicht eindeutig modern zu bestimmen.

Vers 130
siṃhaṃ vyāghraṃ naraṃ tadvatkṣatriyaḥ parikalpayet |
vihāya kṛṣṇasāraṃ ca kṣatriyāderbhavedbaliḥ ||

Ein Kshatriya soll ebenso Löwe, Tiger und Mensch als Opfer vorsehen. Mit Ausnahme der Schwarzantilope wird die Bali-Gabe Kshatriyas und den weiteren Gruppen zugeordnet.

Anmerkung: Die Quelle nennt hier ausdrücklich Menschenopfer. Dies ist eine historische Textaussage und wird nicht befürwortet. Die zweite Zuordnung ist sprachlich knapp.

Vers 131
siṃhaṃ vyāghraṃ naraṃ hatvā brāhmaṇo brahmahā bhavet |
mūṣaṃ mārjārakaṃ cāṣaṃ śūdro dattvā patatyadhaḥ ||

Tötet ein Brahmane Löwe, Tiger oder Mensch, gelte er als Brahmanenmörder. Gibt ein Shudra Ratte, Katze oder Chasha, falle er herab.

Anmerkung: Historische Verbots- und Sanktionsordnung; keine heutige Bewertung von Menschen nach Varna.

Vers 132
candrahāsena khaḍgena hanyādekaprahārataḥ |
utthāya hananaṃ kuryānnopaviśya kadācana ||

Der Text verlangt eine Tötung mit dem als Chandrahasa bezeichneten Schwert durch einen einzigen Hieb, im Stehen und niemals im Sitzen.

Anmerkung: Quellengetreue historische Wiedergabe einer Tötungsvorschrift, keine Handlungsanleitung für heutige Praxis.

Vers 133
svahastena paśuṃ hatvā paśuyonimavāpnuyāt |
[…] tripakṣato nyūnaṃ mahiṣādīṃstrivarṣataḥ ||

Wer das Tier eigenhändig tötet, gelange selbst in eine Tiergeburt. [Nicht darzubringen ist ein beschädigt benanntes Tier] unter drei Halbmonaten sowie ein Büffel und ähnliche Tiere unter drei Jahren.

Anmerkung: Fragment: Der Tiername vor „tripakṣato“ ist beschädigt. Die Spannung zur vorangehenden Tötungsvorschrift wird nicht durch erfundene Erklärungen aufgelöst.

Vers 134
anyaṃ trimāsato nyūnaṃ na dadyācca kadācana |
vṛddhaṃ vā vikṛtāṅgaṃ vā na kuryādbalikarmaṇi ||

Ein anderes [Tier] unter drei Monaten soll man niemals darbringen; ebenso kein altes oder körperlich missgebildetes Tier im Bali-Ritual.

Vers 135
svagātrarudhiraṃ dātuṃ kṣatriyāderbhavedbaliḥ |
sāttviko jīvahatyāṃ hi kadācidapi no caret ||

Eine Gabe aus dem Blut des eigenen Körpers wird Kshatriyas und den weiteren Gruppen zugeordnet. Ein sattviger Mensch dagegen soll niemals ein Lebewesen töten.

Anmerkung: Der zweite Halbvers enthält eine ausdrückliche Nichttötungsregel; er steht neben den anderen, abweichenden Ritualvorschriften.

Vers 136
ikṣudaṇḍaṃ ca kūṣmāṇḍaṃ tathā vanyaphalādikam |
kṣīrapiṇḍaiḥ śālicūrṇaiḥ paśuṃ kṛtvā caredbalim ||

[Stattdessen nimmt man] Zuckerrohr, Kürbis, Waldfrüchte und Ähnliches; aus verdickter Milch und Reismehl bildet man ein Tier und vollzieht damit die Bali-Gabe.

Anmerkung: Die Quelle nennt ausdrücklich Ersatzopfer ohne Tiertötung.

Vers 137
tattatphalaviśeṣeṇa tattatpaśumupānayet |
kūṣmāṇḍaṃ mahiṣatvena chāgatvena ca karkaṭīm ||

Man setzt die entsprechende Frucht an die Stelle des jeweiligen Tieres: den Kürbis an die Stelle des Büffels, die Gurke an die Stelle der Ziege.

Vers 138
jātīkoṣaphalelātvaglavaṅgamṛganābhiyuk |
karpūraśakalonmiśraṃ tāmbūlaṃ kalpayettataḥ ||

Dann bereitet man Tambula (Betelgabe) mit Muskatblüte beziehungsweise Muskat, Kardamom, Zimtrinde, Nelken und Moschus, vermischt mit Kampferstücken.

Anmerkung: Das erste Zutatenkompositum ist knapp und nicht völlig eindeutig aufgelöst; keine Rezeptmengen ergänzt.

Vers 139
pātālatalasaṃbhūtaṃ svopaskarasaṃyutam |
devi kāmakalākāli tvaṃ tāmbūlaṃ gṛhāṇa me ||

„O Göttin Kamakalakali, nimm meine Betelgabe an, die aus der Tiefe Patalas hervorgegangen und mit ihren Zutaten versehen ist.“

Anmerkung: Rezitationsformel; die mythische Herkunftsangabe wird als solche bewahrt.

Vers 140
iti mantreṇa satataṃ tāmbūlaṃ vinivedayet |
tatastadvidhinā samyagjapenmantramananyadhīḥ ||

Mit diesem Mantra bringt man die Betelgabe dar. Danach rezitiert man den Mantra nach der betreffenden Regel, mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

Vers(e) 141–147 – sachliche Inhaltswiedergabe

Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text kehrt zur Beteiligung von Frauen am Ritual zurück, unterscheidet Regeln nach sozialem Stand und nennt Gruppen, deren Beteiligung ausgeschlossen wird. Zu den Ausschlüssen gehören unter anderem besondere religiöse Bindungen, nahe soziale Abhängigkeiten, Schwangerschaft und Mutterschaft mit kleinem Kind. Diese Vorschriften werden hier als historische, ungleichheitsgeprägte Auswahlordnung beschrieben, nicht als heutiger Maßstab.

Anmerkung: Bewusste Darstellungsgrenze im sexualrituellen Zusammenhang des Kapitels mit ausdrücklich minderjährigen Teilnehmerinnen, keine OCR-Lücke. Keine wörtliche oder Sanskrit-Wiedergabe dieser Passage; nicht als übersetzte Verse gezählt.

Vers 148
pūjākāle ca deveśi vikāraṃ varjayetsadā |
vikārātsiddhihāniḥ syātsādhakasya na saṃśayaḥ ||

Während der Puja soll man, o Herrin der Götter, stets innere Erregung beziehungsweise Störung vermeiden. Durch solche Veränderung gehe dem Sadhaka seine Siddhi verloren, ohne Zweifel.

Anmerkung: „vikāra“ ist mehrdeutig; der Kontext legt auch sinnliche Erregung nahe. Keine einzige Bedeutung als sicher ausgegeben.

Vers 149
japaṃ samarpayettasyai mantroccāraṇapūrvakam |
puṣpāñjalitrayaṃ dattvā pradakṣiṇamatho caret ||

Man widmet ihr das Japa unter Mantrarezitation, bringt dreimal Pushpanjali (Blüten in gefalteten Händen) dar und vollzieht anschließend die ehrende Umrundung.

Vers 150
tataśca stotrapāṭhādi kuryātsādhakasattamaḥ |
sahasranāmastotraṃ ca kavacaṃ cānvahaṃ paṭhet ||

Dann rezitiert der vorzügliche Sadhaka die Lobtexte und Weiteres. Täglich soll er den Tausendnamenhymnus und den Kavacha rezitieren.

Vers 151
prāṇāyāmaṃ ṣaḍaṅgaṃ ca vidhāya tadanantaram |
ātmānaṃ devatārūpaṃ vicintyaināṃ visarjayet ||

Nachdem er Pranayama und den sechsgliedrigen [Nyasa] ausgeführt hat, vergegenwärtigt er sich selbst in der Gestalt der Gottheit und vollzieht ihre rituelle Verabschiedung.

Anmerkung: „ṣaḍaṅga“ ist hier elliptisch; der Bezug auf Nyasa ist aus dem Ritualzusammenhang erschlossen.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ kāmakalāprayogo nāma pañcamaḥ paṭalaḥ |

Damit endet das fünfte Kapitel der dem Adinatha zugeschriebenen Mahakala-Samhita, genannt „Die Kamakala-Anwendung“.

Kamakala-Khanda, Kapitel 6: Allgemeine und besondere Anwendungen

Mahakala beschreibt weitere rituelle Anwendungen und ihre behaupteten Wirkungen: Yantras, Anziehung, wunderbare Fortbewegung, Schwert-Siddhi, Unsichtbarkeit, eine alchemistische Kugel und Tala-Vetala. Die drastischen Vorschriften und außerordentlichen Verheißungen werden als historische Textaussagen wiedergegeben. Beschädigte Mantraabschnitte bleiben als Fragmente erkennbar; 6.17 und 6.45–48 werden im fortgesetzten sexualrituellen Zusammenhang nur sachlich zusammengefasst.

Vers 1
atha deveśi sāmānyaprayogānvyāharāmi te |
cikīrṣayāpi yeṣāṃ hi rājyaṃ vidyā ca hastagā ||

Nun erkläre ich dir, Herrin der Götter, die allgemeinen Anwendungen. Schon der Wunsch, sie auszuführen, soll Herrschaft und Wissen greifbar machen.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala. Die Erfolgsversprechen dieses Kapitels sind Aussagen der Quelle.

Vers 2
caturviṃśatibhiścāsāṃ madhyapūrvo bhavedvidhiḥ |
pūjāmantraprakārastu sa eva parikīrtitaḥ ||

Mit vierundzwanzig von ihnen entsteht die als „mittlere“ bezeichnete Ritualform. Die Art der Verehrung und der Mantras bleibt dieselbe.

Anmerkung: Rückverweis auf die Teilnehmerinnen des vorherigen Kapitels; keine erneute Wiedergabe der dort begrenzten Beschreibungen.

Vers 3
āsāṃ dvādaśabhirjñeyo laghupūrvavidhiḥ priye |
rājñāmetatpraśastaṃ hi na dvijasya kadācana ||

Mit zwölf von ihnen ist die „kleine“ Ritualform gegeben, Geliebte. Dies gilt als angemessen für Könige, keineswegs für den hier gemeinten Brahmanen.

Anmerkung: Historische soziale Zuordnung; „dvija“ wird hier enger als „Brahmane“ verstanden.

Vers 4
yathoktavidhinā cīrṇapauraścaraṇikakramaḥ |
etānprayogānvīkṣeta nājapitvā kadācana ||

Erst nachdem man den Purashcharana-Zyklus nach der genannten Regel vollzogen hat, soll man sich diesen Anwendungen zuwenden, niemals ohne vorheriges Japa.

Vers 5
parvate vā nadīkūle śūnyāgāre śivālaye |
pīṭhe catuṣpathe kuryātpuraścaraṇamuttamam ||

Das Purashcharana soll auf einem Berg, an einem Flussufer, in einem leeren Haus, in einem Shiva-Heiligtum, an einem heiligen Sitz oder an einer Wegkreuzung ausgeführt werden.

Vers 6
niyamāstatra bhūyāṃsaḥ prakartavyāḥ prayatnataḥ |
avaidhakaraṇātsiddhihāniḥ syānnātra saṃśayaḥ ||

Dabei sind zahlreiche Regeln sorgfältig einzuhalten. Regelwidrige Ausführung führe zum Verlust der Siddhi, daran gebe es keinen Zweifel.

Anmerkung: „avaidha“ ist eine behutsame Normalisierung der beschädigten Lesung.

Vers 7
trikālamācaretsnānaṃ haviṣyaṃ bhakṣayenniśi |
svamantraṃ cākṣasūtraṃ ca gurorapi na darśayet ||

Dreimal täglich soll man baden und nachts Havishya-Speise essen. Den eigenen Mantra und die Gebetskette soll man selbst dem Guru nicht zeigen.

Anmerkung: Die ungewöhnliche Aussage „selbst dem Guru“ wird bewahrt und nicht stillschweigend geändert.

Vers 8
tyajedduṣṭapravādaṃ ca parīvādaṃ ca varjayet |
tathā durjanasaṃsargaṃ strīśūdrālāpanaṃ tathā ||

Man soll böse Rede und Verleumdung meiden, ebenso den Umgang mit schlechten Menschen sowie Gespräche mit Frauen und Shudras.

Anmerkung: Die ausschließende historische Regel wird quellentreu wiedergegeben, nicht als heutiges Ideal empfohlen.

Vers 9
vastraṃ kuśāsanaṃ vyāghracarma cāpi nṛmuṇḍakam |
āsaneṣu mahādevi praśastaṃ cottarottaram ||

Tuch, ein Kusha-Grassitz, Tigerfell und ein Menschenkopf gelten als Sitze, wobei jeweils der folgende als vorzüglicher bezeichnet wird, o große Göttin.

Vers 10
phalasphaṭikarudrākṣamuktānṛsthivinirmitām |
japamālāṃ śubhāṃ viddhi praśastāmuttarottarām ||

Gebetsketten aus Früchten beziehungsweise Samen, Bergkristall, Rudraksha, Perlen und Menschenknochen gelten als geeignet; wiederum wird jeweils die folgende höher bewertet.

Anmerkung: „nṛsthi“ ist die knappe, ungewöhnliche Lesung im Kompositum, verstanden als Menschenknochen.

Vers 11
anenoktavidhānena lakṣasaṃkhyaṃ japenmanum |
homaṃ daśāṃśataḥ kuryāttarpaṇaṃ cābhiṣecanam ||

Nach dieser Regel rezitiert man den Mantra hunderttausendmal. Homa vollzieht man mit einem Zehntel dieser Zahl; dazu kommen Tarpana und Abhisheka.

Anmerkung: Für die letzten beiden Handlungen nennt dieser Vers keine eigenen Zahlen.

Vers 12
tataḥ siddhamanurmantrī prayogānācaretpriye |
śatābhijaptamantreṇa rocanātilake kṛte ||

Danach führt der Mantrakundige, dessen Mantra vervollkommnet ist, die Anwendungen aus, Geliebte. Wird ein Stirnzeichen aus Rochana mit einem hundertmal rezitierten Mantra bereitet …

Vers 13
dāsā iva mahīpālāḥ svayamāyānti sannidhau |
pramadā api taṃ dṛṣṭvā bhaveyurgalitāmbarāḥ ||

… sollen Könige wie Diener von selbst zu ihm kommen. Auch Frauen sollen bei seinem Anblick ihre Gewänder fallen lassen.

Anmerkung: Historische Behauptung über die Überwältigung anderer; keine Befürwortung oder belegte Wirkung.

Vers 14
kākolūkanarāsthīni gṛhītvā bhaumavāsare |
rātrau kṛṣṇacaturdaśyāṃ saṃveṣṭyāraktatantunā ||

An einem Dienstag, in der Nacht des vierzehnten Tages der dunklen Monatshälfte, werden Krähen-, Eulen- und Menschenknochen mit rotem Faden umwickelt …

Anmerkung: Beschreibung eines historischen Schadenrituals, das der nächste Vers fortsetzt.

Vers 15
śatābhimantritaṃ kṛtvā nikṣipecchatrumandire |
saptāhābhyantare teṣāṃ mahaduccāṭanaṃ bhavet ||

… hundertmal mit Mantra besprochen und in das Haus des Feindes gelegt. Innerhalb einer Woche solle dadurch eine heftige Vertreibung der Bewohner eintreten.

Anmerkung: Rituelle Wirkungsverheißung, keine tatsächliche Wirksamkeitsbehauptung.

Vers 16
udayātpūrvamārabhya japedastaṃgamāvadhi |
ekaviṃśadinaṃ yāvadardharātre baliṃ kṣipet ||

Einundzwanzig Tage lang rezitiert man von vor Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; um Mitternacht wird eine Bali-Gabe dargebracht.

Vers(e) 17 – sachliche Inhaltswiedergabe

Sachliche Inhaltswiedergabe: Der Vers verbindet eine sexualrituelle Handlung mit einer festgelegten Mantrarezitation und verspricht Allwissenheit.

Anmerkung: Keine wörtliche Wiedergabe, da dieser Abschnitt an den sexualrituellen Rahmen mit ausdrücklich minderjährigen Teilnehmerinnen des vorangehenden Kapitels anschließt. Keine OCR-Lücke; nicht als Versübersetzung gezählt.

Vers 18
narāsthi nikhanedbhūmau svamūtraplāvitaṃ niśi |
śataṃ ca prajapenmantraṃ ripurjvarayuto bhavet ||

Nachts wird ein mit eigenem Urin benetzter Menschenknochen im Boden vergraben und der Mantra hundertmal rezitiert. Dadurch solle der Feind Fieber bekommen.

Anmerkung: Historische schädigende Ritualvorschrift und Krankheitszuschreibung.

Vers 19
kākapakṣaiḥ śivāsṛgbhirnarāsthini likhedidam |
tāraṃ krodhatrayaṃ sādhyaṃ dvitīyāntaṃ baliṃ vadet ||

Mit einer Krähenfeder und Schakalsblut wird Folgendes auf einen Menschenknochen geschrieben: Tara, dreimal Krodha, der Name der Zielperson im Akkusativ und das Wort „Opfergabe“ …

Anmerkung: Die Bijas sind verschlüsselt bezeichnet.

Vers 20
gṛhṇadvayaṃ bhakṣayugaṃ mārayadvitayaṃ tataḥ |
vahnijāyāntagaṃ mantraṃ mūlamantrasya sādhakaḥ ||

… zweimal „Nimm!“, zweimal „Verzehre!“, zweimal „Töte!“, mit der „Gattin des Feuers“ am Ende. Der Übende [rezitiert] den Grundmantra …

Anmerkung: Der Satz setzt sich im nächsten Vers fort. Keine fehlenden Bijas ergänzt.

Vers 21
sahasraṃ parijapyātha niśāyāṃ vairimandire |
kṣipeddevīṃ hṛdi dhyātvā mṛtyustasya trimāsataḥ ||

… tausendmal und legt [das Objekt] nachts in das Haus des Gegners, während er die Göttin im Herzen betrachtet. Nach drei Monaten solle jener sterben.

Anmerkung: Sanktions- und Schadenbehauptung des Ritualtextes, keine Todesprognose.

Vers 22
padmamaṣṭadalaṃ bhūrje yoniyugmasamanvite |
lākṣāgorocanācandrakāśmīramṛganābhibhiḥ ||

Auf Birkenrinde zeichnet man einen achtblättrigen Lotus mit zwei Yoni-Dreiecken, unter Verwendung von Lack, Gorochana, „Chandra“, Safran und Moschus …

Anmerkung: „Chandra“ ist vermutlich eine Bezeichnung für Kampfer; Identifikation vorläufig.

Vers 23
vakṣyamāṇakrameṇaiva likhenmantramananyadhīḥ |
yonimadhye likhenmūlamantramaṣṭādaśākṣaram ||

… und schreibt mit ungeteilter Aufmerksamkeit den Mantra in der nun genannten Reihenfolge. In die Mitte der Yoni-Figur kommt der achtzehnsilbige Grundmantra.

Vers 24
vakṣyamāṇāni bījāni likhedaṣṭadaleṣvapi |
āmṛtaṃ prathamaṃ bījaṃ gāruḍaṃ tadanantaram ||

Auf die acht Lotusblätter schreibt man folgende Bijas: zuerst Amrita, danach Garuda …

Anmerkung: Verschlüsselte Bezeichnungen, keine ausgeschriebenen Lautkerne.

Vers 25
mahākrodhaṃ kṣetrapālaṃ pretabījaṃ ca pañcamam |
prāsādaṃ caṇḍabījaṃ ca kālībījamathāṣṭamam ||

… Mahakrodha, Kshetrapala, als fünftes Preta, dann Prasada, Chanda und als achtes das Kali-Bija.

Vers 26
dalayorantare lekhyaṃ tāraṃ vāgbhavameva ca |
māyābījaṃ vadhūbījaṃ bījaṃ kamalakāmayoḥ ||

Zwischen die Blätter schreibt man Tara, Vagbhava, Maya, Vadhu sowie die Bijas Kamala und Kama …

Vers 27
ratibījaṃ meghabījaṃ likhitvā tadanantaram |
pāśāṅkuśakrodhabhūtabījāni dvāri saṃlikhet ||

… danach Rati und Megha. An die Tore schreibt man Pasha, Ankusha, Krodha und Bhuta.

Vers 28
akārādikṣakārāntairvarṇairbindusamanvitaiḥ |
veṣṭayedvasuvajrāḍhyaṃ yantraṃ sarvottamottamam ||

Mit den Buchstaben von A bis Ksha, jeweils mit Bindu versehen, umgibt man das mit acht Vajras ausgestattete Yantra, das hier als das vorzüglichste gepriesen wird.

Anmerkung: „vasuvajrāḍhya“ ist eine vorläufige Normalisierung der beschädigten Endung.

Vers 29
veṣṭitaṃ raktavastreṇa jatubhirveṣṭayettataḥ |
badhnīyātpaṭavastreṇa bāhau kaṇṭhe'thavā nṛṇām ||

Man hüllt es in roten Stoff und anschließend in Lack beziehungsweise Harz ein und bindet es mit einem Stoffband am Arm oder Hals fest.

Anmerkung: Die Quelle verzeichnet bei „jatu“ eine Variante mit „Fäden“; die Hauptlesung bleibt erhalten.

Vers 30
strīṇāṃ vāmakare baddhamanyeṣāṃ dakṣiṇe kare |
sarvaṃ saṃpādayetsadyo nātra kāryā vicāraṇā ||

Bei Frauen wird es links, bei den anderen rechts am Arm befestigt. Es soll unmittelbar alles bewirken; daran solle nicht gezweifelt werden.

Vers 31
iyaṃ rakṣā purā baddhā siddhyarthaṃ sādhakottamaiḥ |
śakreṇa namuceryuddhe viṣṇunā tārakāmaye ||

Diesen Schutz banden sich einst hervorragende Übende für den Erfolg um: Indra im Kampf mit Namuci und Vishnu im Tarakamaya-Krieg …

Anmerkung: Mythische Herkunftserzählung.

Vers 32
hareṇāndhakasaṃgrāme garuḍenendrasaṃyuge |
vāyunā māhiṣe yuddhe kubereṇāmṛtāhave ||

… Hara im Kampf gegen Andhaka, Garuda im Kampf mit Indra, Vayu im Mahisha-Krieg und Kubera im Kampf um Amrita …

Anmerkung: Einzelne Kriegsbezeichnungen werden nur nach der Quelle wiedergegeben, nicht unabhängig historisch identifiziert.

Vers 33
skandena tārakānīke pāśinā surabhīraṇe |
yamena rāvaṇasyājau candreṇa tridaśājire ||

… von Skanda gegen Tarakas Heer, vom Schlingenträger im Surabhi-Kampf, von Yama im Kampf gegen Ravana und von Chandra auf dem Kampfplatz der Götter.

Anmerkung: Die ältere Fassung liest pāśinā, „vom Schlingenträger“, statt des beschädigten pāṇinā in e. Der Titel wird bewahrt; keine zusätzliche Personenzuweisung. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 3775–3780. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 246.

Vers 34
tathā kṛtayugādau ca rājāno ye mahābalāḥ |
taiścāpi vidhṛtaṃ yantraṃ sarvavipattinivāraṇam ||

Auch die mächtigen Könige des Krita-Yuga und der späteren Zeiten trugen dieses Yantra, das alle Not abwenden soll.

Vers 35
māndhātā jāmadagnyaśca nahuṣaḥ śibireva ca |
rāmaḥ pṛthuḥ kārtavīryaḥ purukutso raghurnalaḥ ||

Mandhata, Jamadagnya, Nahusha, Shibi, Rama, Prithu, Kartavirya, Purukutsa, Raghu und Nala …

Anmerkung: Namensschreibungen aus dem lesbaren Zusammenhang normalisiert; keine zusätzlichen Personen eingefügt.

Vers 36
bharataḥ śaśabinduśca yayātirvasuko'rjunaḥ |
puruḥ purūravā bhīmo jarāsandho vidūrathaḥ ||

… Bharata, Shashabindu, Yayati, Vasuka, Arjuna, Puru, Pururavas, Bhima, Jarasandha und Viduratha.

Anmerkung: „Vasuka“ ist die erkennbare, aber unsichere Lesung.

Vers 37
ebhiścānyaiśca bhūpālairetadyantraṃ dhṛtaṃ purā |
etasyānyāni yantrāṇi kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm ||

Diese und andere Könige trugen einst dieses Yantra. Andere Yantras reichten nicht an seinen sechzehnten Teil heran.

Anmerkung: Textinterner Vorranganspruch.

Vers 38
ya etaṃ yantrarājaṃ hi dhārayatyapramādataḥ |
sa śriyā viṣṇusadṛśaḥ prabhayā sūryasannibhaḥ ||

Wer diesen König der Yantras achtsam trägt, soll Vishnu an Fülle gleichen und der Sonne an Strahlkraft.

Vers 39
kāntyā candramasā tulyo yakṣādhipasamo dhane |
balena vāyunā tulyo vidyayā guruṇā samaḥ ||

An Anmut dem Mond, an Reichtum Kubera, an Kraft Vayu und an Wissen dem Guru der Götter.

Anmerkung: Guru bezeichnet hier im Vergleich wahrscheinlich Brihaspati.

Vers 40
saundarye manmathaprāyo vaibhavenendrasannibhaḥ |
tejasā vahnisadṛśo rāmārjunasamo raṇe ||

In Schönheit dem Liebesgott, in Macht Indra, in Glanz dem Feuer und im Kampf Rama und Arjuna.

Vers 41
atha kiṃ bahunoktena śṛṇu pārvati niścitam |
na ko'pi bhavitā kaścittattulyaḥ pṛthivītale ||

Was bedarf es vieler Worte? Höre, Parvati: Auf Erden werde niemand ihm gleich sein.

Vers 42
sa sarvasiddhimāpnoti surāṇāmapi durlabhām |
ripusainyaṃ mahāghoraṃ stambhayatyacirātpriye ||

Er soll alle Siddhis erlangen, die selbst Göttern schwer zugänglich sind, und ein furchtbares feindliches Heer rasch zum Stillstand bringen, Geliebte.

Vers 43
bandhyāpi labhate putraṃ nirdhano dhanavānbhavet |
vidyārthī labhate vidyāṃ kanyārthī kanyakāmapi ||

Selbst eine unfruchtbare Frau soll einen Sohn bekommen, ein Armer reich werden, ein Wissenssuchender Wissen erlangen und ein Brautsuchender eine Braut.

Anmerkung: Historische Fruchtverheißungen, keine Zusage medizinischer oder sozialer Ergebnisse.

Vers 44
yaṃ yaṃ kāmaṃ hṛdi dhyātvā yantrametatpradhārayet |
taṃ taṃ kāmamavāpnoti mahākālavaco yathā ||

Welchen Wunsch man im Herzen betrachtet, während man dieses Yantra trägt, den soll man erlangen: So lautet Mahakalas Wort.

Vers(e) 45–48 – sachliche Inhaltswiedergabe

Sachliche Inhaltswiedergabe: Es folgt eine weitere sexualrituelle Anwendung unter Beteiligung einer jungen Frau, mit Geschenken, Mantrarezitation und dem beschriebenen Yantra. Der Text erwähnt ihr Zufriedensein als Bedingung.

Anmerkung: Vorsichtige nichtgrafische Wiedergabe im fortgesetzten Ritualzusammenhang des zuvor ausdrücklich auf Sechzehnjährige bezogenen Verfahrens. Keine OCR-Lücke; nicht als Versübersetzung gezählt.

Vers 49
tataścarācaraṃ sarvaṃ jñātvā sarvajñatāṃ labhet |
mūkāśca vādayet satsu kavitvaṃ cāpi kārayet ||

Dann soll er alles Bewegliche und Unbewegliche erkennen und Allwissenheit erlangen; er soll Stumme in Versammlungen zum Sprechen bringen und sie sogar zum Dichten befähigen.

Anmerkung: Die OCR-Verszahl ist beschädigt; die Stellung zwischen 48 und 50 sichert die Zuordnung.

Vers 50
atītānāgataṃ vetti vartamānaṃ ca paśyati |
kuryācca vādino mūkān sabhāyāṃ paṇḍitānapi ||

Er kennt Vergangenheit und Zukunft und schaut die Gegenwart. Er soll Redner, selbst Gelehrte, in der Versammlung verstummen lassen können.

Vers 51
vivāde jayamāpnoti pūjāṃ sarvatra vindate |
kimanyena prakāreṇa narāṇāṃ mantrasiddhaye ||

Im Streitgespräch gewinnt er, überall erfährt er Ehrung. Wozu bedürfen Menschen dann eines anderen Verfahrens, um Mantra-Siddhi, die Wirksamkeit des Mantras, zu erlangen?

Vers 52
anena vidhinā vidyāṃ lakṣmīmapi sadāpnuyāt |
dvādaśābdaṃ carannevaṃ siddhyaṣṭakamavāpnuyāt ||

Durch dieses Verfahren soll er beständig Wissen und Glück erlangen. Übt er so zwölf Jahre lang, soll er die acht Siddhis gewinnen.

Vers 53
vidyādharatvamāpnoti khecaratvaṃ tathaiva ca |
pātālatalacāritvaṃ tathā vāksiddhimeva ca ||

Er erlangt den Zustand eines Vidyadhara und die Fähigkeit, im Luftraum zu wandeln; ebenso das Wandeln in den Tiefen der Unterwelt und die Verwirklichung wirkmächtiger Rede.

Vers 54
tasya darśanamātreṇa mārtaṇḍasamatejasaḥ |
piśācayakṣarakṣāṃsi palāyante diśo daśa ||

Beim bloßen Anblick dieses Menschen, dessen Glanz der Sonne gleicht, fliehen Pishachas, Yakshas und Rakshasas in die zehn Richtungen.

Anziehungsrituale

Die folgenden historischen Anwendungen sollen andere Menschen beeinflussen. Die Übersetzung bewahrt diese Zielsetzung, ohne sie als heutige Praxis zu empfehlen.

Vers 55
tāmbūlapatre madhunā sādhyanāma likhet sudhīḥ |
mūlamantreṇa saṃveṣṭya muktavāsāḥ digambaraḥ ||

Der Kundige soll mit Honig den Namen der Zielperson auf ein Betelblatt schreiben und ihn mit dem Grundmantra umgeben; dabei ist er entkleidet, nur von den Himmelsrichtungen bekleidet.

Anmerkung: Beginn eines historischen Anziehungsrituals zur Beeinflussung einer anderen Person.

Vers 56
vakṣyamāṇena mantreṇa bhakṣayedavicārayan |
praṇavaṃ ca trapābījaṃ kāmabījamanantaram ||

Mit dem nun folgenden Mantra soll er es ohne Zögern verzehren. Zuerst stehen der Pranava, dann das Trapa-Bija und danach das Kama-Bija.

Anmerkung: Die Bija-Bezeichnungen werden nicht stillschweigend in einzelne Silben aufgelöst.

Vers 57
sādhyanāma dvitīyāntaṃ kledaya dvitayaṃ vadet |
ākarṣaya yugaṃ cāpi matha dvandvaṃ vadettataḥ ||

Er soll den Namen der Zielperson im Akkusativ aussprechen und zweimal »kledaya« – »Mache feucht!« –, dann zweimal »ākarṣaya« – »Ziehe herbei!« – und zweimal »matha« – »Wühle auf!«.

Vers 58
yugaṃ yugaṃ vaded devi paca drāvaya śabdayoḥ |
ānaya dvitayaṃ procya mama sannidhimuccaret ||

Göttin, jeweils zweimal soll er die Wörter »paca« – »Koche, reife!« – und »drāvaya« – »Lasse zerschmelzen!« – sprechen; nach zweimal »ānaya« – »Bringe her!« – soll er »mama sannidhim« – »in meine Nähe« – aussprechen.

Vers 59
krodhavāgbhavalakṣmīṇāṃ yugaṃ yugamudīrayet |
vahnijāyāntago mantraḥ sarvākarṣaṇakārakaḥ ||

Je zweimal soll er die Bijas von Krodha, Vagbhava und Lakshmi aussprechen. Der mit Vahnijaya, der Gattin des Feuers, endende Mantra soll alles herbeiziehen können.

Anmerkung: »Vahnijaya« bezeichnet hier den Abschluss svāhā; die OCR des Kompositums ist beschädigt, die Formel im Kontext eindeutig.

Vers 60
anena vidhinākarṣed yāṃ yāmicchati sādhakaḥ |
tathāpyāgacchati kṣipraṃ yadi bhūpasya vallabhā ||

Welche Frau der Sadhaka durch dieses Verfahren herbeiziehen möchte, die soll rasch kommen, selbst wenn sie die Geliebte eines Königs ist.

Anmerkung: Behauptung des historischen Textes über fremdbestimmende Ritualmacht; keine heutige Praxisempfehlung.

Vers 61
sahasrajanaguptāpi yadyantaḥpuravāsinī |
yadi sākṣāt svayaṃ devī yadi vā syādarundhatī ||

Selbst wenn tausend Menschen sie bewachen, wenn sie in den inneren Gemächern lebt, wenn sie die Göttin selbst wäre oder gar Arundhati –

Anmerkung: Der Satz läuft in Vers 62 weiter.

Vers 62
tathāpi tasyāḥ sāmarthyaṃ na syāt sthātuṃ sureśvari |
svayamāyānti nirlajjā itarāsāṃ tu kā kathā ||

auch dann, Herrin der Götter, soll sie nicht die Kraft haben, an ihrem Ort zu bleiben. Ohne Scham kommen sie von selbst; was wäre da erst von anderen Frauen zu sagen?

Vers 63
patyuraṅkaṃ samutsṛjya sutamaṅkānnirasya ca |
pitaraṃ cāvamanyāpi bandhūn dhikkṛtya sarvataḥ ||

Sie verlassen den Schoß des Gatten, setzen den Sohn vom eigenen Schoß ab, missachten den Vater und weisen ihre Verwandten rundweg zurück.

Vers 64
gṛhītā iva bhūtena svayamāyānti yoṣitaḥ |
tasmānnirīkṣya kartavyaḥ prayogo'yaṃ śucismite ||

Wie von einem Geist ergriffen kommen die Frauen von selbst. Daher soll dieses Verfahren erst nach sorgfältiger Erwägung vollzogen werden, du mit dem reinen Lächeln.

Vers 65
praṇavaṃ ratikāmau ca māyākrodhāṅkuśaśriyaḥ |
pāśaṃ vāgbhavamuccārya kālībījamathoccaret ||

Nach dem Pranava soll man die Bijas von Rati und Kama, Maya, Krodha, Ankusha und Shri aussprechen, dann Pasha und Vagbhava und schließlich das Kali-Bija.

Anmerkung: Eine weitere Anziehungsformel; die verschlüsselten Bija-Namen bleiben als solche erhalten.

Vers 66
vadet kāmakalākāli sarvākarṣiṇi cetyapi |
sādhyamākarṣayetyuktvā vahnijāyāmudīrayet ||

Man soll »kāmakalākāli, sarvākarṣiṇi« – »Kamakala-Kali, die du alle heranziehst!« – sagen, die Zielperson nennen und »ākarṣaya« – »Ziehe herbei!« – sprechen; danach folgt Vahnijaya, svāhā.

Vers 67
mantreṇānenābhimantrya toyaṃ vāmena pāṇinā |
pibet prakṣālayettena mukhamātmana eva ca ||

Mit diesem Mantra soll man Wasser besprechen, es mit der linken Hand trinken und damit das eigene Gesicht waschen.

Vers 68
yā yāḥ paśyanti taṃ nāryo yadi sādhvyo'pi bhāmini |
tāstā muhyanti nirdhūtadharmabhayakulatrapāḥ ||

Alle Frauen, die ihn sehen, selbst tugendhafte, sollen, o Schöne, betört werden und dabei ihre Scheu vor dem Verstoß gegen Dharma und die Scham gegenüber der Familie ablegen.

Anmerkung: Die Wortverbindung dharmabhayakulatra- ist im OCR beschädigt; hier als dharma-bhaya-kula-trapāḥ gelesen.

Vers 69
āviṣṭā iva nirlajjāstiṣṭheyuḥ sādhakāgrataḥ |
dāsyo bhavāma ityevaṃ vādinyastāḥ kulāṅganāḥ ||

Wie besessen sollen diese Frauen aus angesehenen Familien ohne Scham vor dem Sadhaka stehen und sagen: »Wir wollen deine Dienerinnen sein.«

Anmerkung: Die OCR-Verszahl ist beschädigt; durch den fortlaufenden Zusammenhang gesichert.

Sandalen und Himmelswandeln

Es folgen Verfahren zur angeblichen außergewöhnlichen Fortbewegung, mit verschlüsselten Mantras und einer Reihe von Wirksamkeitsverheißungen.

Vers 70
palāśakāṣṭhasaṃbhūtapādukāyugamāharet |
śmaśānāṅgāramādāya tatra mantraṃ likhedamum ||

Man soll ein Paar Sandalen aus Palasha-Holz beschaffen und mit Kohle vom Verbrennungsplatz den folgenden Mantra darauf schreiben.

Anmerkung: Beginn der Sandalen-Siddhi.

Vers 71
tāraṃ vāgvādinībījaṃ kālīyaṃ kamalāṇakam |
lajjāṃ krodhaṃ samuddhṛtya devyāḥ saṃbodhanaṃ likhet ||

Man soll Tara, das Vagvadini-Bija, das Kali-Bija und die Kamala-Silbe, dann Lajja und Krodha setzen und die Anrede an die Göttin schreiben.

Anmerkung: »Vagvadini« und »Kamala« sind gegenüber der beschädigten OCR normalisierte, nicht diplomatische Lesungen; Bija-Silben werden nicht ergänzt.

Vers 72
gantavyabhūmimullikhya khaṇḍaya cchedaya dvayam |
truṭa yugmaṃ chindhi yugaṃ bhūtapāśāṅkuśārṇakam ||

Nach der Bezeichnung des Zielortes stehen »khaṇḍaya« – »Zerbrich!« – und zweimal »chedaya« – »Zerschneide!« –, zweimal »truṭa« – »Zerreiße!« – und zweimal »chindhi« – »Durchtrenne!« –, dann die Silben Bhuta, Pasha und Ankusha.

Anmerkung: Die OCR der abschließenden Bija-Bezeichnung ist beschädigt; bhūta bleibt unsicher. Keine Auflösung in Silben.

Vers 73
siddhiṃ dehīti saṃprocya dāpayeti padaṃ tataḥ |
astratritayamālikhya vahnijāyāyuto manuḥ ||

Man soll »siddhiṃ dehi« – »Gewähre Siddhi!« – sprechen, danach »dāpaya« – »Lasse geben!« – setzen und dreimal Astra schreiben; der Mantra schließt mit Vahnijaya.

Vers 74
lepayitvā snuhīdugdhaṃ pādayoḥ sādhakottamaḥ |
icchāgāmī bhaved devi nātra kāryā vicāraṇā ||

Nachdem er Snuhi-Milchsaft auf die Füße gestrichen hat, soll der ausgezeichnete Sadhaka nach Belieben überallhin gelangen können. Göttin, daran sei nach Aussage des Textes nicht zu zweifeln.

Anmerkung: Historische Siddhi-Verheißung; keine Empfehlung, Pflanzensäfte auf die Haut aufzutragen.

Vers 75
pūrvasyāṃ diśi gacchet sa yojanānāṃ śatadvayam |
yāmyāyāṃ triśataṃ viddhi vāruṇyāṃ ca catuḥśatam ||

Nach Osten soll er zweihundert Yojanas weit gehen können; wisse, dass es nach Süden dreihundert und nach Westen vierhundert sind.

Anmerkung: Yojana: traditionelles, regional unterschiedlich bestimmtes Entfernungsmaß.

Vers 76
uttarasyāṃ pañcaśataṃ vidikṣu śatameva ca |
vrajedalakṣito bhūtvā yathecchaṃ sādhakāgraṇīḥ ||

Nach Norden sind es fünfhundert, in die Zwischenrichtungen jeweils hundert. Unbemerkt soll der hervorragende Sadhaka nach Belieben gehen können.

Vers 77
parāvṛtya samāyāti tāvadeva varānane |
ataśca khecarīsiddhiṃ śṛṇu sāvahitā mama ||

Er kehrt um und kommt ebenso weit zurück, du Schönangesichtige. Höre nun aufmerksam von mir über die Khechari-Siddhi, die Fähigkeit, im Luftraum zu wandeln.

Anmerkung: Hier bezeichnet khecarī eine außergewöhnliche Bewegungsfähigkeit; der Text beschreibt keine moderne Zungenübung.

Vers 78
svarṇakṣīrīlatāmūlaṃ grāhyaṃ candragrahe sati |
rajaḥsvalābhage sthāpyaṃ divasaṃ tritayaṃ priye ||

Die Wurzel der Svarnakshiri-Pflanze soll bei einer Mondfinsternis genommen und, Geliebte, drei Tage lang in der Scheide einer menstruierenden Frau aufbewahrt werden.

Anmerkung: Eigenständiges Ritual ohne Altersangabe; sachliche Wiedergabe einer historischen Vorschrift.

Vers 79
tato dhūpaiśca dīpaiśca naivedyaistat prapūjayet |
tāvad yatnena saṃsthāpyaṃ yāvat sūryagraho bhavet ||

Dann soll man sie mit Räucherwerk, Lichtern und Speisegaben verehren und sorgfältig aufbewahren, bis eine Sonnenfinsternis eintritt.

Vers 80
sūryagrahe tu saṃprāpte khañjarīṭāsṛjā priye |
saṃcūrṇya guṭikā kāryā yavatritayasaṃmitā ||

Bei Eintritt der Sonnenfinsternis soll man sie, Geliebte, mit dem Blut einer Bachstelze zerreiben und daraus eine Kugel von der Größe dreier Gerstenkörner machen.

Anmerkung: Guṭikā bezeichnet hier eine kleine rituell präparierte Kugel.

Vers 81
bhādrakṛṣṇacaturdaśyāṃ baliṃ dattvā ca kukkuṭam |
dhārayecchikhāmūle manumenamudīrayan ||

Am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte von Bhadra soll man einen Hahn als Opfergabe darbringen und die Kugel am Ansatz des Haarschopfes tragen, während man den folgenden Mantra spricht.

Anmerkung: Das Verb dhārayet ist aus dem Kontext normalisiert; die OCR bietet eine beschädigte Form.

Vers 82
nigamādiṃ vāgbhavaṃ ca māyāṃ kāmārṇamuccaret |
pāśāṅkuśakrodhāmṛtalakṣmībījāni coccaret ||

Man soll Nigamadi, Vagbhava, Maya und die Kama-Silbe aussprechen, dann die Bijas von Pasha, Ankusha, Krodha, Amrita und Lakshmi.

Anmerkung: Bija-Namen bleiben verschlüsselte Bezeichnungen; nigamādi heißt wörtlich »Anfang der heiligen Überlieferung«.

Vers 83
nāma devyāśca saṃbodhya ratimohini collikhet |
vasāmāṃsapadaṃ coktvā raktapriya itīrayet ||

Nach der Anrufung der Göttin mit ihrem Namen soll man »ratimohini« – »die du durch Liebeslust betörst!« – setzen, dann die Wörter für Fett und Fleisch und »raktapriya« – »Blut liebend« – sprechen.

Anmerkung: Die Anrede-Endung des letzten Wortes ist im OCR nicht sicher; keine stillschweigende Ergänzung zur vollständigen Formel.

Vers 84
khecaraṃ māmiti procya kuru yugmaṃ vinirdiśet |
rakṣobhūtapiśāceti padamuccārayet tataḥ ||

Man soll »khecaraṃ mām« – »mich zu einem Himmelswandler« – sprechen und zweimal »kuru« – »Mache!« – hinzufügen; dann soll man »rakṣobhūtapiśāca« – »Rakshasas, Bhutas und Pishachas« – aussprechen.

Vers 85
tataśca vinyased devi siddhavidyādharoragān |
samuccaret kurudvandvamuktvā mama vaśaṃ padam ||

Dann, Göttin, soll man Siddhas, Vidyadharas und Schlangenwesen nennen und nach »mama vaśam« – »meiner Macht unterstellt« – zweimal »kuru« aussprechen.

Vers 86
khecarīsiddhiśabdācca dāyinīti padaṃ likhet ||

[Lesbares Fragment:] Nach dem Ausdruck »khecarīsiddhi« soll man »dāyinī« – »Verleiherin« – schreiben: »Verleiherin der Fähigkeit zum Himmelswandeln«.

Anmerkung: Fragment: Die vorausgehende Reihe von Bija-Silben ist beschädigt und wird nicht rekonstruiert.

Vers 87
tvarayugmaṃ samāhṛtya kahayugmaṃ tato vadet |
kāli kāpāli sambodhya krodhatritayamullikhet ||

Man soll zweimal »tvara« – »Eile!« – setzen und danach zweimal »kaha« sprechen, Kali und Kapali anrufen und dreimal Krodha schreiben.

Anmerkung: Die Formel kaha ist als lesbare Lautfolge übernommen; ihre Bedeutung und die vorausgehende Verblesung bleiben unsicher.

Vers 88
astratritayamuccārya svāhānto manurīritaḥ |
tataḥ sa khecaro bhūtvā yādṛcchikagatirbhavet ||

Nach dreimal Astra endet der genannte Mantra mit svāhā. Darauf soll er zum Himmelswandler werden und sich nach eigenem Willen bewegen können.

Vers 89
siddhaiḥ sādhyairapsarobhirdevaiśca saha modate |
merumandarakailāsahemakūṭahimālayān ||

Er erfreut sich gemeinsam mit Siddhas, Sadhyas, Apsaras und Göttern. Meru, Mandara, Kailasa, Hemakuta und Himalaya –

Anmerkung: Der Satz setzt sich in Vers 90 fort.

Vers 90
adrīnārohate sarvān prayogasyāsya śaktitaḥ |
indrāgniyamayakṣeśavaruṇānilarakṣasām ||

alle diese Berge besteigt er kraft dieses Verfahrens. Zu den Städten Indras, Agnis, Yamas, des Yaksha-Herrn, Varunas, Anilas und des Herrn der Rakshasas –

Anmerkung: Die Genitivreihe setzt sich in Vers 91 fort; die OCR der Verszahl ist beschädigt.

Vers 91
īśasyāpi puraṃ gacchedanyatraiva ca kā kathā |
na gatistasya hanyeta pātāle'pi kadācana ||

und auch zu Ishas Stadt soll er gelangen; was wäre da erst von anderen Orten zu sagen? Nicht einmal in der Unterwelt soll sein Weg jemals behindert werden.

Vers 92
sarveṣāmapyadhṛṣyaḥ syād bhūpātālakhacāriṇām |
siddhaiḥ sādhyaiśca devaiśca yakṣarakṣobhireva ca ||

Für alle Wesen, die auf der Erde, in der Unterwelt und im Luftraum wandeln, soll er unangreifbar sein. Mit Siddhas, Sadhyas, Göttern, Yakshas und Rakshasas –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 93.

Vers 93
nāgaiśca dānavairbhūtaiḥ saha saṃbhāṣaṇaṃ caret |
vajrakāyaḥ svayaṃ bhūtvā vicaratyavanītale ||

mit Nagas, Danavas und Geisterwesen soll er sich unterhalten können. Mit einem Körper wie ein Vajra, einem unzerstörbaren Diamanten oder Donnerkeil, wandelt er über die Erde.

Vers 94
na tasyābhibhavaṃ kartuṃ śakyate tridaśairapi |
athāparaṃ prayogaṃ ca vadato me'vadhāraya ||

Nicht einmal die Götter sollen ihn überwältigen können. Nun höre aufmerksam zu, wenn ich ein weiteres Verfahren darlege.

Anmerkung: Die Schlusswendung ist sprachlich normalisiert; die OCR ist dort beschädigt.

Schwert-Siddhi

Herstellung, Weihe und mythische Anrufung eines siegbringenden Schwertes werden beschrieben. Beschädigte Stellen bleiben als Fragmente erkennbar.

Vers 95
kāmbojadeśasaṃbhūtaṃ palaṣoḍaśasaṃmitam |
lauhamānīya deveśi saṃkrāntau makarasya ca ||

Herrin der Götter, man soll beim Eintritt der Sonne in Makara sechzehn Pala Eisen aus dem Land Kamboja beschaffen –

Anmerkung: Beginn der Schwert-Siddhi. Pala ist ein traditionelles Gewichtsmaß; Makara das Tierkreiszeichen Steinbock.

Vers 96
tāvatsaṃpūjayed yatnād yāvat karkaṭasaṃkramaḥ |
tato vyokāramāhūya svagṛhe kārayedasim ||

und es sorgfältig verehren, bis die Sonne in Karkata, den Krebs, eintritt. Dann soll man einen Schmied rufen und im eigenen Haus ein Schwert herstellen lassen.

Anmerkung: Das seltene Berufswort vyokāra bleibt als Quellenlesung erhalten; lohakāraka in Vers 97 sichert die Bedeutung »Schmied«.

Vers 97
śucirdigambaro muktacikuro lohakārakaḥ |
kṛṣṇāṣṭamyāmāśvinasya prārabhetāsimuttamam ||

Der Schmied soll rein, unbekleidet und mit offenem Haar am achten Tag der dunklen Hälfte des Monats Ashvina mit dem ausgezeichneten Schwert beginnen.

Vers 98
kuryācchanaiḥ śanaistāvad yāvanmakarasaṃkramaḥ |
tata ānīya taṃ rātrau kṛṣṇapakṣe caturdaśīm ||

Er soll es langsam weiterfertigen, bis die Sonne wieder in Makara eintritt. Dann soll man es nachts zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte herbeibringen –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 99; die grammatisch auffällige Akkusativform caturdaśīm bleibt erhalten.

Vers 99
pūjāṃ vidhāya vidhivat sthāpayet kālikāgrataḥ |
ārtavena yuvatyāstaṃ lepayedavicārayan ||

Nach vorschriftsmäßiger Verehrung soll man es vor Kalika aufstellen und ohne Zögern mit dem Menstruationsblut einer jungen Frau bestreichen.

Anmerkung: Sachliche Wiedergabe des historischen Rituals; keine Altersangabe in dieser eigenständigen Passage.

Vers 100
naivedyadhūpadīpādyairjavāpuṣpaiśca pūjayet |
snuhīvaṭārkadugdhena vilimpenmuṣṭimeva ca ||

Man soll es mit Speisegaben, Räucherwerk, Lichtern und weiteren Gaben sowie Hibiskusblüten verehren und den Griff mit dem Milchsaft von Snuhi, Vata und Arka bestreichen.

Anmerkung: Pflanzennamen sind als traditionelle Bezeichnungen erhalten.

Vers 101
vakṣyamāṇena mantreṇa devyai khaḍgaṃ samarpayet |
vedādivāgbhavakrodhameghavidyudramārṇakān ||

Mit dem folgenden Mantra soll man der Göttin das Schwert übergeben. Die Silben Vedadi, Vagbhava, Krodha, Megha, Vidyut und Rama –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 102; Rama meint hier ramā, die Göttin Lakshmi.

Vers 102
uccārya ghoranāde ca daṃṣṭrāvikaṭa ityapi |
mukhamaṇḍana uccārya mahāghora itīrayet ||

nach deren Aussprache folgen »ghoranāde« – »du mit dem furchtbaren Schall!« –, dann die Ausdrücke »daṃṣṭrāvikaṭa«, »mukhamaṇḍana« und »mahāghora«: furchterregende Fangzähne, Gesichtsschmuck und große Schrecklichkeit.

Anmerkung: Die Verknüpfung und Anrede-Endungen der Formel sind beschädigt; daher keine vorgetäuschte lückenlose Mantrarekonstruktion.

Vers 103
tathā ghoratare caiva mahāśabdād bhayaṃkari |
śmaśānavāsinītyuktvā yoginīḍākinīpadam ||

Ebenso folgt »ghoratare« – »du noch Schrecklichere!« –, dann »mahā« mit »bhayaṃkari« – »du großen Schrecken Erregende!« –, danach »śmaśānavāsini« – »Bewohnerin des Verbrennungsplatzes!« – und die Wörter Yogini und Dakini.

Anmerkung: Die überlieferte Endung bei bhayaṃkara ist beschädigt; die Anrede ist grammatisch normalisiert und bleibt redaktionelle Lesung.

Vers 104
tataḥ parivṛte procya kalpānteti padaṃ likhet |
kālānalaṃ nigadyaiva vikarāla itīrayet ||

Darauf folgt »parivṛte« – »von ihnen Umgebene!« –; dann soll man »kalpānta« – »Ende des Weltzeitalters« –, »kālānala« – »Feuer der Zeit« – und »vikarāla« – »furchterregend« – setzen.

Anmerkung: Die Wortfolge ist lesbar, die genaue Verbindung der Anrufung nicht vollständig gesichert.

Vers 105
durnirīkṣya tato rūpe daśānāṃ yugakaṃ vadet |
garja vidhvaṃsaya cchindhi dama madaya pātaya ||

Danach steht »durnirīkṣyarūpe« – »du mit der kaum anzuschauenden Gestalt!« –; die folgenden zehn Befehle soll man jeweils zweimal sprechen: »Brülle! Zerstöre! Durchtrenne! Bändige! Berausche! Wirf nieder!« –

Anmerkung: Die Befehlsreihe wird in Vers 106 abgeschlossen.

Vers 106
ucchādaya kṣobhaya ca māraya drāvayetyapi |
tato vadedimaṃ khaḍgaṃ dehi me'gnyaṅganāyutaḥ ||

»Vertreibe! Erschüttere! Töte! Treibe auseinander!« Dann soll man »imaṃ khaḍgaṃ dehi me« – »Gib mir dieses Schwert!« – sagen; der Abschluss ist mit Agnyangana, der Gattin des Feuers, verbunden.

Anmerkung: Agnyangana bezeichnet hier svāhā. Historische Anrufung mit schädigenden Befehlen.

Vers 107
tataḥ svagātrarudhiraṃ devyai dadyānnṛpo balim |
tato dadyānnarabalimabhāve mahiṣāyutam ||

Dann soll der König der Göttin Blut vom eigenen Körper als Opfergabe darbringen. Danach soll er ein Menschenopfer darbringen, bei dessen Fehlen zehntausend Büffel.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält die in e beschädigte erste Halbzeile. Historische Opferforderung; ayuta bedeutet zehntausend. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 3986–3989. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 246.

Vers 108
devi kāmakalākāli sṛṣṭisthityantakāriṇi |
dehi khaḍgaṃ bhagavati trilokīvijayāya me ||

Göttin Kamakala-Kali, die du Schöpfung, Erhaltung und Ende bewirkst! Erhabene, gib mir das Schwert zum Sieg über die drei Welten!

Vers 109
evaṃ gṛhītvānujñāṃ […] aṅkolītailam […] mantramuccaran ||

[Lesbares Fragment:] Nachdem man so die Erlaubnis empfangen hat, wird Ankola-Öl verwendet, während man den Mantra spricht.

Anmerkung: Fragment: Handhabung und weitere Verben sind im OCR nicht zuverlässig verständlich; keine Rekonstruktion.

Vers 110
karavāla mahārāja sarvadevadhṛta prabho |
kālanemivadhe tvaṃ hi viṣṇunā vidhṛtaḥ purā ||

O Schwert, großer König, von allen Göttern getragen, Herr! Einst trug Vishnu dich bei der Tötung Kalanemis.

Anmerkung: Anrede an das personifizierte Schwert.

Vers 111
nandaketi tataḥ saṃjñāṃ saṃprāptastvaṃ jagatprabho |
indreṇa jambhasaṃgrāme dhṛtastvaṃ krathano'bhavaḥ ||

Dadurch erhieltest du den Namen Nandaka, Herr der Welt. Von Indra im Kampf gegen Jambha getragen, wurdest du zu Krathana, dem Zerschmetterer.

Vers 112
durgayā durgasaṃgrāme yadā tvaṃ vidhṛto hyabhūḥ |
vidyutpāteti saṃjñāṃ tvamavāptastatkṣaṇe vibho ||

Als Durga dich im Kampf gegen Durga trug, empfingst du in diesem Augenblick den Namen Vidyutpata, Blitzschlag, du Mächtiger.

Anmerkung: Der Text unterscheidet die Göttin Durgā und den Gegner Durga.

Vers 113
sarvadevagaṇaiḥ sārdhaṃ jāyamāne mahāhave |
rāvaṇena dhṛtaḥ pūrvaṃ candrahāsastvamapyabhūḥ ||

Als einst die große Schlacht mit allen Götterscharen entbrannte und Ravana dich trug, wurdest du auch zu Chandrahasa.

Vers 114
trailokyavijayārthaṃ hi tvamidānīṃ mayā dhṛtaḥ |
vajraghāta itīyaṃ te saṃjñā deva mayā kṛtā ||

Nun trage ich dich, um die drei Welten zu besiegen. Deshalb gebe ich dir, Gottheit, den Namen Vajraghata, Donnerschlag.

Vers 115
evaṃ mantraṃ samuccārya tsaruṃ muṣṭau niveśayet |
sa nagna eva tiṣṭheddhi yāvadicchaṃ mahātmanaḥ ||

Nachdem man diesen Mantra gesprochen hat, soll man den Schwertgriff in die Faust nehmen. Es soll so lange unverhüllt bleiben, wie der Hochgesinnte es wünscht.

Anmerkung: Die zweite Hälfte ist im älteren Kamakala-Zeugen ohne Buchstaben,4013, lesbar. „Unverhüllt“ bezieht sich hier auf das Schwert; die grammatisch auffällige Form yāvadiccham bleibt bewahrt.

Vers 116
evaṃ khaḍgamupādāya yatra yuddhe vrajatyasau |
jayastatra bhavedasya nātra kāryā vicāraṇā ||

In welchen Kampf er sich auch begibt, nachdem er so das Schwert ergriffen hat, dort soll ihm der Sieg gehören; daran sei nach Aussage des Textes nicht zu zweifeln.

Vers 117
sādhakena tu kartavyā kevalaṃ cālanakriyā |
svayameva kṛpāṇo'yaṃ śātayatyāśu vairiṇaḥ ||

Der Sadhaka braucht es lediglich zu bewegen; dieses Schwert soll dann selbst die Feinde rasch niederstrecken.

Vers 118
yatra yatraiva patati vajraghāto'sipuṃgavaḥ |
kevalaṃ tatra tatraiva patatyaśanireva hi ||

Überall, wo Vajraghata, dieses vorzügliche Schwert, niederschlägt, soll wahrhaftig ein Blitz niederfahren.

Vers 119
ekato vajraghāto'yamekato vīrakoṭayaḥ |
draṣṭumeva na śaktāste kiṃ punaryoddhumāhave ||

Auf der einen Seite dieses Vajraghata, auf der anderen Millionen von Kriegern: Sie sollen es nicht einmal ansehen können; wie könnten sie dann in der Schlacht dagegen kämpfen?

Vers 120
tatkṛpāṇakaraṃ ye ye paśyanti raṇamadhyagāḥ |
te te cakṣurnimīlyaiva tatraiva nipatantyadhaḥ ||

Wer mitten in der Schlacht den Träger dieses Schwertes sieht, soll die Augen schließen und dort sogleich zu Boden fallen.

Anmerkung: Das Wort für das Schließen der Augen ist im OCR beschädigt; nimīlya ist eine kontextuelle Lesung.

Vers 121
vajraghātaprabhāvo'yaṃ varṇituṃ naiva śakyate |
tathāpi kiñciccāpalyāt kathitaṃ devi te'grataḥ ||

Diese Macht Vajraghatas lässt sich gar nicht beschreiben. Dennoch habe ich, Göttin, aus einem gewissen Übermut ein wenig davon vor dir erzählt.

Vers 122
niśumbhaśumbhasaṃgrāme devyā cāyaṃ dhṛtaḥ purā |
tato devāsure yuddhe balinā balinā dhṛtaḥ ||

Einst trug die Göttin es im Kampf gegen Nishumbha und Shumbha; danach trug es der mächtige Bali im Krieg zwischen Göttern und Asuras.

Vers 123
rakṣovānarasaṃgrāme tato rāvaṇinā dhṛtaḥ |
nivātakavacākhyānāḥ kālakeyābhidhāstathā ||

Dann wurde es im Kampf zwischen Rakshasas und Affen von Ravanas Sohn getragen. Die sogenannten Nivatakavachas und Kalakeyas –

Anmerkung: Der Satz setzt sich über Vers 124 in Vers 125 fort.

Vers 124
devānāmapyavadhyā ye hiraṇyapuravāsinaḥ |
navatyarbudaṣaṭkharvanikharvaśatasammitāḥ ||

Die Bewohner Hiranyapuras, die selbst von den Göttern nicht getötet werden konnten, werden auf neunzig Arbuda, sechs Kharva und hundert Nikharva beziffert …

Anmerkung: Zusätzliche Zahlenlesung aus dem älteren Kamakala-Zeugen ohne Buchstaben,4034–4036. Die großen traditionellen Zahleinheiten werden ohne ungesicherte Umrechnung bewahrt; Fortsetzung125. Einzelne Sanskritzeichen bleiben OCR-bedingt unsicher.

Vers 125
vajraghātaprasādena te'rjunena jitāḥ purā |
vīrabhadraṃ samārādhya sauptikānīkacāriṇā ||

Sie wurden einst von Arjuna durch die Gunst Vajraghatas besiegt. Nachdem er Virabhadra verehrt hatte, zog der nächtliche Angreifer durch das schlafende Heer –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 126. Das Kompositum sauptikānīkacārin bezeichnet den Zusammenhang des nächtlichen Angriffs.

Vers 126
drauṇinā niśi dhṛtvainamavaśiṣṭā nipātitāḥ |
yāvacchatrubalaṃ sarvaṃ na niḥśeṣaṃ bhavet priye ||

Dronas Sohn trug es in der Nacht und streckte die Übriggebliebenen nieder. Solange nicht das gesamte feindliche Heer restlos vernichtet ist, Geliebte –

Anmerkung: Drauṇi: Dronas Sohn, Ashvatthaman; der Satz läuft in Vers 127 weiter.

Vers 127
tāvanmuṣṭirna cyavati karāgrāditi niścitam |
khaḍgasiddhimimāṃ śrutvā samare vijayo bhavet ||

so lange soll der Griff gewiss nicht aus der Hand gleiten. Durch das Hören von dieser Schwert-Siddhi soll Sieg in der Schlacht entstehen.

Anmerkung: Die Quelle liest śrutvā, »nachdem man gehört hat«; nicht stillschweigend zu »erlangt« verändert.

Augensalbe und Unsichtbarkeit

Eine historische Salbenvorschrift wird mit Unsichtbarkeit und dem Sehen verborgener Schätze verbunden; sie ist keine Empfehlung zur Augenbehandlung.

Vers 128
athāñjanaprayogaṃ te pravakṣyāmi varānane |
yenāñjito nidhiṃ paśyedenaṃ kaścana nekṣate ||

Nun werde ich dir, Schönangesichtige, das Verfahren mit der Augensalbe erklären: Wer damit gesalbt ist, soll verborgene Schätze sehen, während niemand ihn sieht.

Anmerkung: Beginn eines historischen Unsichtbarkeitsrituals, keine Empfehlung einer Augenbehandlung.

Vers 129
bhaumavārāptapañcatvasūtikābālakharparam |
samānīya śmaśāne tu kajjalaṃ tatra pātayet ||

Man soll auf den Verbrennungsplatz die Schädelkalotte eines Neugeborenen bringen, das an einem Dienstag gestorben ist, und darin Ruß auffangen.

Anmerkung: Āptapañcatva, »zu den fünf Elementen gelangt«, ist eine Umschreibung für das Gestorbensein; der Text fordert hier keine Tötung.

Vers 130
navanītaṃ bhakṣayitvā kṛṣṇamārjārakaṃ sadā |
tadvāntaṃ tatsamādāya rājīvārkasya tantunā ||

Man soll eine schwarze Katze wiederholt mit frischer Butter füttern, ihr Erbrochenes sammeln und mit der Faser von Rajivarka –

Anmerkung: Die OCR ist im Pflanzennamen nicht eindeutig; rājīvārka wird ohne sichere botanische Zuordnung bewahrt. Fortsetzung in Vers 131.

Vers 131
khañjarīṭasya garutā sārdhaṃ vartiṃ prakalpayet |
tatastatkajjalaṃ nītvā śanivāre nimantrayet ||

zusammen mit einer Bachstelzenfeder einen Docht herstellen. Dann soll man den Ruß nehmen und ihn an einem Samstag rituell ansprechen.

Anmerkung: Die Quellenfußnote bietet abhimantrayet, »mit einem Mantra besprechen«, statt nimantrayet; beide bezeichnen hier die rituelle Behandlung.

Vers 132
prātardevyai samarpyātha mantreṇānena cāñjayet |
vāgbhavaṃ kamalaṃ krodhaṃ bhūtabījamathoccaret ||

Am Morgen soll man ihn der Göttin darbringen und sich mit dem folgenden Mantra salben. Man soll Vagbhava, Kamala, Krodha und dann das Bhuta-Bija aussprechen.

Anmerkung: Die Kamala-Bezeichnung ist im OCR unsicher; keine Ergänzung konkreter Bija-Silben.

Vers 133
nigadya sarvasiddhīti dāyinīti padaṃ vadet |
mā māṃ paśyantu coddhṛtya sarvabhūtāni coccaret ||

Nach »sarvasiddhi« soll man »dāyinī« sprechen – »Verleiherin aller Siddhis!« –, dann »mā māṃ paśyantu sarvabhūtāni« – »Keines der Wesen möge mich sehen!«.

Vers 134
svāhāntaṃ mantramullikhyāñjayennetre'vicārayan |
nainaṃ paśyanti bhūtāni nainaṃ paśyanti mānuṣāḥ ||

Nachdem man den mit svāhā endenden Mantra formuliert hat, soll man ohne Zögern die Augen salben. Geisterwesen sollen ihn nicht sehen, Menschen sollen ihn nicht sehen.

Anmerkung: Historischer Ritualwortlaut; die Wirksamkeitsbehauptung wird nicht als Tatsache übernommen.

Vers 135
nainaṃ paśyanti gīrvāṇā na nāgā nāsurāḥ khagāḥ |
ayaṃ paśyati bhūtāni paramāṇusamānyapi ||

Götter, Nagas, Asuras und Himmelswanderer sollen ihn nicht sehen. Er selbst aber sieht die Wesen, selbst wenn sie so klein wie Atome sind.

Vers 136
nidhiṃ bhūmitalagataṃ sarvaṃ paśyati sādhakaḥ |
vyavadhānagataṃ cāpi dūradeśagataṃ tathā ||

Der Sadhaka soll jeden Schatz unter der Erde sehen, ebenso das, was hinter einer Trennwand verborgen oder in einem fernen Land ist.

Vers 137
tiraścāṃ virutaṃ vetti vetti caiṣāṃ ca ceṣṭitam |
ākāśacāriṇaḥ sarvān paśyatyeva na saṃśayaḥ ||

Er versteht die Rufe der Tiere und versteht auch ihr Verhalten. Alle Himmelswanderer soll er sehen, ohne Zweifel, wie der Text betont.

Vers 138
subhagaḥ sarvanārīṇāṃ bhavet kāma ivāparaḥ |
sarvatraivāpratihato vicareta mahītale ||

Allen Frauen soll er lieb sein wie ein zweiter Kama, der Liebesgott; überall auf Erden soll er sich ungehindert bewegen können.

Die alchemistische Gutika

Eine lange Vorschrift verbindet Tierbehandlung, Quecksilber, Pflanzenstoffe, Mantras und göttliche Vollendungsverheißungen. Sie wird als historischer Text, nicht als anwendbares Rezept, gelesen.

Vers 139
atha te guṭikāsiddhiṃ pravadāmi samāsataḥ |
yatsiddhau sarvasiddhiḥ syādekasiddhyā na saṃśayaḥ ||

Nun erkläre ich dir in Kürze die Gutika-Siddhi. Ist diese eine Fähigkeit vollendet, sollen mit ihr alle Siddhis erlangt sein – ohne Zweifel, wie der Text sagt.

Anmerkung: Guṭikā: hier eine alchemistisch-rituelle Kugel; die folgende Herstellung ist keine heutige Praxisanregung.

Vers 140
rekhāyutaṃ sthūlapītaṃ śucideśagataṃ priye |
puṣkariṇyudapānasthaṃ bhekamekamupāharet ||

Geliebte, man soll einen großen gelben, mit Linien gezeichneten Frosch aus einem Teich oder Brunnen an einem reinen Ort holen.

Anmerkung: Beginn einer historischen alchemistischen Vorschrift mit Tierbehandlung und Quecksilber, keine praktische oder medizinische Empfehlung.

Vers 141
ekasmin mārttike kumbhe nūtane taṃ nidhāpayet |
palamekaṃ śuddhasūtaṃ tanmadhye nikṣipet priye ||

Man soll ihn in einen neuen irdenen Topf setzen und, Geliebte, ein Pala gereinigtes Quecksilber hineinlegen.

Anmerkung: Sūta bezeichnet hier Quecksilber. »Gereinigt« ist ein Begriff der traditionellen Alchemie und bedeutet nicht gesundheitlich unbedenklich.

Vers 142
mukhamācchādayettasya śarāveṇa prayatnataḥ |
bahunā jatunā tacca mudrayed vārapañcakam ||

Die Öffnung soll man sorgfältig mit einer Schale bedecken und fünfmal mit reichlich Lackharz versiegeln.

Vers 143
tathācaret prayatnena viśennāmbho yathāṇvapi |
tato likhedamuṃ mantraṃ kumbhe sādhakasattamaḥ ||

Man soll sorgfältig dafür sorgen, dass nicht das geringste Wasser eindringt. Dann soll der ausgezeichnete Sadhaka den folgenden Mantra auf den Topf schreiben.

Vers 144
tāravāgbhavakandarpavadhūlajjāramāruṣaḥ |
pāśaprāsādaphetkārībhūtapretāmṛtānyapi ||

Tara, Vagbhava, Kandarpa, Vadhu, Lajja, Rama und Rush; außerdem Pasha, Prasada, Phetkari, Bhuta, Preta und Amrita –

Anmerkung: Aufzählung verschlüsselter Bijas, fortgesetzt in Vers 145. Ruṣ, »Zorn«, bleibt die gelesene Bezeichnung; keine Silben ergänzt.

Vers 145
mahākrodhaṃ kṣetrapālaṃ caṇḍakālīyagāruḍān |
kālavidyunmeghanāgaratībījāni cālikhet ||

auch die Bijas Mahakrodha, Kshetrapala, Chanda, Kali und Garuda sowie Kala, Vidyut, Megha, Naga und Rati soll man schreiben.

Anmerkung: Die Trennung von caṇḍakālīya in der Aufzählung ist nicht völlig sicher; die Quelle nennt anschließend insgesamt 24 Bijas. Fußnotenvariante nāda statt nāga.

Vers 146
caturviṃśatibījāni khecarīsahitāni ca |
uktvā kāmakalākāli rakṣa rakṣeti coccaret ||

Nachdem man die vierundzwanzig Bijas zusammen mit Khechari gesprochen hat, soll man »kāmakalākāli, rakṣa rakṣa« aussprechen: »Kamakala-Kali, beschütze, beschütze!«

Anmerkung: Khecarī ist aus beschädigter OCR kontextuell gelesen; keine zusätzliche Lautform hergestellt.

Vers 147
ākāśabījatritayaṃ mahībījadvayaṃ tataḥ |
vāruṇaṃ bījamekaṃ hi proccarettadanantaram ||

Danach soll man dreimal das Akasha-Bija, zweimal das Mahi-Bija und anschließend einmal das Varuna-Bija sprechen.

Anmerkung: Akasha: Raum; Mahi: Erde; Varuna: Gottheit mit Bezug zum Wasser. Die Namen erklären die Zuordnung, nicht den Lautwert.

Vers 148
astratritayasaṃyuktaḥ svāhānto manurīritaḥ |
calattoyapravāhāyāḥ kulyāyā hastamātrataḥ ||

Der genannte Mantra enthält dreimal Astra und endet mit svāhā. Bei einer Rinne mit fließendem Wasser soll man eine Elle tief –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 149; die Maßangabe wird ohne moderne Umrechnung übernommen.

Vers 149
bhūmeḥ khanitvā tatrādho ghaṭaṃ saṃsthāpayedamum |
upariṣṭāt pradeyāni śarkarāśakalāni ca ||

in die Erde graben und diesen Topf dort unten aufstellen. Darüber soll man Kiesstücke legen.

Vers 150
yathopari pravāhastu gacchet kuryāttathāvidhim |
tatra ṣaṇmāsaparyantaṃ sthāpayed yatnato ghaṭam ||

Man soll alles so einrichten, dass die Strömung darüber hinwegfließt, und den Topf dort sorgfältig sechs Monate lang belassen.

Vers 151
anvahaṃ bhakṣayet tatsthasūtaṃ bhekaḥ kṣudhānvitaḥ |
balistatra prayatnena deyaḥ praticaturdaśi ||

Der hungrige Frosch soll nach Aussage des Textes täglich das darin befindliche Quecksilber fressen. An jedem vierzehnten Mondtag soll man dort sorgfältig eine Bali-Gabe darbringen.

Anmerkung: Historische alchemistische Vorstellung, keine sachliche Bestätigung des behaupteten Vorgangs.

Vers 152
bhekarūpeṇa sā devī svayamevātti tadyataḥ |
tasmāttatrārcanaṃ kāryaṃ devībuddhyā na saṃśayaḥ ||

Denn die Göttin selbst verzehrt es in Froschgestalt. Deshalb soll man dort Verehrung vollziehen und dabei die Göttin vor Augen haben – daran bestehe nach Aussage des Textes kein Zweifel.

Vers 153
sūtastadudare baddho bhavatīti suniścitam |
ṣaṇmāsānantaraṃ devi tata utthāpayetsudhīḥ ||

Das Quecksilber werde in seinem Bauch gebunden, heißt es mit Gewissheit. Nach sechs Monaten, Göttin, soll der Kundige den Topf dort herausheben.

Anmerkung: »Binden« ist hier alchemistische Terminologie.

Vers 154
gṛhakoṇe tataḥ sthāpyamandhakāre rahasyapi |
ekaṃ hi vivaraṃ kāryaṃ kumbhe tatra śanaiḥ śanaiḥ ||

Dann soll man ihn in einem dunklen, abgeschiedenen Winkel des Hauses aufstellen und behutsam eine Öffnung im Topf anbringen.

Vers 155
saṃpiṣṭahiṅgulītoyaṃ palamātraṃ viniḥkṣipet |
tena chidrapathā devi māsi māsyevamācaret ||

Durch diese Öffnung soll man ein Pala Wasser mit zerriebenem Zinnober hineingeben und dies, Göttin, Monat für Monat wiederholen.

Anmerkung: Hiṅgulī: Zinnober, eine Quecksilberverbindung.

Vers 156
tattoyaṃ ṣaṭpalamitaṃ ṣaṭsu māseṣu dāpayet |
tataḥ saṃvatsare pūrṇe bahirniṣkāsayecchanaiḥ ||

In sechs Monaten soll man insgesamt sechs Pala dieses Wassers zugeben. Wenn dann ein Jahr vollendet ist, soll man den Topf behutsam nach draußen bringen.

Vers 157
tato'ntarīkṣe tatsthāpyaṃ prayatnena vicakṣaṇaḥ |
tatra vighnakarāḥ sarve devadānavarākṣasāḥ ||

Dann soll der Kundige ihn sorgfältig unter freiem Himmel aufstellen. Dort werden alle Götter, Danavas und Rakshasas zu Störern des Vorgangs.

Anmerkung: Antarikṣa, wörtlich »Luftraum«, wird im Zusammenhang als Ort im Freien verstanden.

Vers 158
sāvadhāno bhavettasmāt pratikṣaṇamananyadhīḥ |
tatra rakṣā prakartavyā mantreṇānena pārvati ||

Deshalb soll man in jedem Augenblick wachsam und mit ungeteilter Aufmerksamkeit bleiben. Parvati, dort soll man mit dem folgenden Mantra Schutz herstellen.

Vers 159
krodhabījatrayaṃ procya devyāḥ sambodhanaṃ vadet |
yakṣarākṣasabhūteti piśācapreta ityapi ||

Nach dreimal Krodha-Bija soll man die Göttin anrufen und Yaksha, Rakshasa, Bhuta, Pishacha und Preta nennen –

Anmerkung: Beginn der Schutzformel; Fortsetzung bis Vers 162.

Vers 160
kūṣmāṇḍajambhaketyeva yoginīḍākinīti ca |
skandavetāla uccārya kṣetrapālavināyaka ||

ebenso Kushmanda und Jambhaka, Yogini und Dakini; dann Skanda, Vetala, Kshetrapala und Vinayaka –

Anmerkung: Liste unterschiedlicher göttlicher oder geisterhafter Wesen, nicht pauschal einheitlich als Dämonen übersetzt.

Vers 161
tato ghoṇaka ullikhya guhyaketi padaṃ vadet |
vināyakebhya ityuktvā imaṃ ghaṭamudīrayet ||

danach Ghonaka und das Wort Guhyaka; nach »vināyakebhyaḥ« soll man »imaṃ ghaṭam« – »diesen Topf« – aussprechen.

Anmerkung: Ghoṇaka bleibt ein nicht sicher bestimmter Name. Der Ablativ -ebhyaḥ leitet die Bitte um Schutz vor den genannten Wesen ein.

Vers 162
rakṣa rakṣeti coddhṛtya svāhānto mantra uttamaḥ |
mantreṇānenāvaguṇṭhya kuryādevaṃ tataḥ param ||

Nach »rakṣa rakṣa« – »Beschütze, beschütze!« – endet der ausgezeichnete Mantra mit svāhā. Nachdem man den Topf mit diesem Mantra schützend umhüllt hat, soll man folgendermaßen fortfahren.

Vers 163
kṛṣṇadhuttaravṛkṣasya palamātraṃ dravaṃ śuci |
dadyācca prathame māsi tena chidreṇa sādhakaḥ ||

Im ersten Monat soll der Sadhaka durch die Öffnung ein Pala reinen Saft der schwarzen Dhattura-Pflanze geben.

Anmerkung: Dhattura: Stechapfel. Die gefährlichen Stoffe dieses historischen Rezepts werden nicht als heutige Anwendung empfohlen.

Vers 164
dvitīye māsi tulasīṃ tṛtīye śreyasīrasam |
caturthe mārkarīṃ dadyāt pañcame lakṣmaṇārasam ||

Im zweiten Monat soll man Tulasi geben, im dritten Shreyasi-Saft, im vierten Markari und im fünften Lakshmana-Saft.

Anmerkung: Die Pflanzennamen bleiben ohne unsichere botanische Gleichsetzung; insbesondere mārkarī ist im OCR nicht sicher.

Vers 165
ṣaṣṭhe haimavatīpatradravadānaṃ vidhīyate |
pūrṇe tvaṣṭādaśe māsi pradadyānmāhiṣaṃ balim ||

Im sechsten Monat ist Saft aus Haimavati-Blättern vorgeschrieben. Sind achtzehn Monate vollendet, soll man ein Büffelopfer darbringen.

Anmerkung: Die sechs zuletzt beschriebenen Monate schließen an die beiden vorherigen Halbjahre an.

Vers 166
tato niṣkāsayed bhekaṃ sindūrāruṇasannibham |
vastraiḥ karaṃ veṣṭayitvā tatastamavanāmayet ||

Dann soll man den Frosch herausnehmen, der dem Rot von Sindura gleichen soll. Nachdem man die Hand mit Tüchern umwickelt hat, soll man ihn nach unten neigen.

Vers 167
śanaiḥ śanairdhūnayecca yāvadvamati darduraḥ |
tataḥ sā guṭikā devi sindūrāruṇasannibhā ||

Man soll ihn behutsam schütteln, bis der Frosch erbricht. Dann erscheint jene Kugel, Göttin, dem Sindura-Rot gleich –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 168; keine Bestätigung des alchemistischen Wirkungsberichts.

Vers 168
indragopādapi tathā māṇikyaśakalādapi |
mahāśoṇā bhaved devi tāṃ pragṛhya vicakṣaṇaḥ ||

noch tiefer rot als ein Indragopa-Insekt und als ein Rubinsplitter, Göttin. Der Kundige soll sie nehmen –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 169.

Vers 169
prāṇapratiṣṭhāmāpādya pūjayitvā yathāvidhi |
devyānujñāṃ samāsādya mantreṇānena dhārayet ||

ihre Prana-Pratishtha, die rituelle Belebung, vollziehen, sie vorschriftsmäßig verehren und nach empfangener Erlaubnis der Göttin mit dem folgenden Mantra tragen.

Vers 170
praṇavaṃ śāmbhavaṃ bījaṃ māyākāmāṅkuśāmṛtam |
sarvasiddhimathoccārya dehi dehīti saṃgṛṇet ||

Man soll Pranava, das Shambhava-Bija, Maya, Kama, Ankusha und Amrita sprechen; danach »sarvasiddhiṃ dehi dehi« – »Gewähre alle Siddhis, gewähre sie!«.

Anmerkung: Verschlüsselte Bijas werden nicht zu einer vermeintlich gesicherten Lautfolge ergänzt.

Vers 171
tataḥ svāhāpadaṃ coktvā śikhāyāṃ bandhayettataḥ |
avyāhatagatirbhūtvā yatrecchā tatra gacchatu ||

Nach dem Wort svāhā soll man sie am Haarschopf befestigen. Mit ungehinderter Bewegungsfähigkeit möge man dann überallhin gehen, wohin man möchte.

Vers 172
anenaiva śarīreṇa devatvaṃ prāpnuyānnaraḥ |
khecaro jāyate devi tathaivādṛśyatāṃ vrajet ||

Mit eben diesem Körper soll der Mensch Göttlichkeit erlangen. Göttin, er wird zum Himmelswandler und soll ebenso unsichtbar werden können.

Vers 173
līyate vāyubhūto'yaṃ vāyumadhye na saṃśayaḥ |
tejo bhūtvā niviśate tejasyeva sa sādhakaḥ ||

Zu Wind geworden geht er im Wind auf – ohne Zweifel, wie der Text sagt. Zu Feuerkraft geworden geht der Sadhaka in die Feuerkraft ein.

Anmerkung: Tejas kann Feuer, Glanz und strahlende Kraft bezeichnen; hier im Zusammenhang der Elemente.

Vers 174
jale praviṣṭo bhavati jalarūpo varānane |
sa ākāśatanurbhūtvākāśa eva vilīyate ||

Ins Wasser eingetreten nimmt er Wassergestalt an, Schönangesichtige. Mit einem Körper aus Raum geht er im Raum selbst auf.

Vers 175
sumeruśatasaṃkāśo garimṇā sa bhavatyapi |
paramāṇusamo bhūyādaṇimnā sa kṣaṇāntaram ||

Durch Garima, die Fähigkeit zur Schwere, wird er hundert Sumeru-Bergen gleich. Im nächsten Augenblick soll er durch Anima, die Fähigkeit zur Kleinheit, einem Atom gleichen.

Vers 176
pibatyabdhicatuṣkaṃ sa yadi devi pipāsati |
candrasūryagraharkṣāṇi sādhakaśced […] |

Wenn ihn dürstet, Göttin, trinkt er die vier Meere. Wenn der Sadhaka Mond, Sonne, Planeten und Sterne [zu ergreifen wünscht] …

Anmerkung: Fragment: Im älteren Parallelzeugen ohne Buchstaben,4177, ist die Folge von Himmelskörpern besser lesbar; graharkṣāṇi enthält Planeten und Sterne. Das abschließende Verb bleibt beschädigt, der Ergreifungswunsch ergibt sich aus 177.

Vers 177
dhriyate tatkṣaṇādeva karābhyāṃ sthita eva saḥ |
śāpānugrahasāmarthyaṃ bhavati kṣiprameva hi ||

Auf der Stelle, ohne sich fortzubewegen, hält er sie mit beiden Händen. Rasch entsteht die Fähigkeit, Fluch und Gunst zu gewähren.

Anmerkung: Der erste Satz schließt an den beschädigten Vers 176 an; dhriyate ist die grammatisch auffällige Quellenlesung.

Vers 178
lokapālaiḥ samaṃ tasya saṃvādo jāyate mithaḥ |
teṣāṃ purāṇi vrajati sakhā caiṣāṃ bhavedasau ||

Mit den Welthütern führt er Gespräche, er besucht ihre Städte und wird ihr Freund.

Vers 179
nāgāṅganā devakanyā yakṣiṇyo'psarasastathā |
tasyāgrataḥ samāyānti svayaṃ madanavihvalāḥ ||

Naga-Frauen, Göttertöchter, Yakshinis und Apsaras sollen von selbst vor ihn treten, von Liebesverlangen ergriffen.

Vers 180
jīvet sa sādhakaśreṣṭho yāvadācandratārakam |
na śakyate samākhyātuṃ mahimā mādṛśā priye ||

Dieser vortreffliche Sadhaka soll leben, solange Mond und Sterne bestehen. Nicht einmal einer wie ich kann seine Größe ganz beschreiben, Geliebte.

Vers 181
athavā kiṃ bahūktena satyaṃ satyaṃ vaco mama |
sa sākṣād rudra eveti mantavyo nātra saṃśayaḥ ||

Doch wozu viele Worte? Wahr, wahr ist mein Wort: Man soll ihn als Rudra selbst ansehen; daran bestehe kein Zweifel.

Vers 182
raupyatāmrāhivaṅgāyorāśīn parvatasannibhān |
yadyeṣa spṛśati kṣipraṃ suvarṇaṃ niścitaṃ bhavet ||

Berührt er berghohe Haufen von Silber, Kupfer, Blei, Zinn und Eisen, sollen sie augenblicklich zu Gold werden, so die bestimmte Aussage des Textes.

Anmerkung: Ahi ist hier eine traditionelle Bezeichnung für Blei; die Aussage gehört zur alchemistischen Verheißung.

Vers 183
yasmātkāmakalākālīrūpeyaṃ guṭikā priye |
tasmānnaiva prayoktavyā hyanyāsu kṣudrasiddhiṣu ||

Weil diese Kugel, Geliebte, die Gestalt Kamakala-Kalis ist, soll man sie keinesfalls für andere, geringfügige Siddhis verwenden.

Vers 184
kevalaṃ devatātvaikakāriṇīṃ guṭikāmimām |
dhārayet kālikārūpāmapramattena cetasā ||

Man soll diese Kugel in Kalikas Gestalt, deren einzige Aufgabe die Verwirklichung von Göttlichkeit ist, mit einem wachen, nicht nachlässigen Geist tragen.

Tala und Vetala

Der Schluss beschreibt ein Leichenritual mit Menschenopferforderung und die behauptete Hilfe zweier Geisterdiener.

Vers 185
athāparaṃ prayogaṃ ca śṛṇu vakṣyāmi kañcana |
ko'pi vīro mahāyuddhe saṃmukhe patito hi yaḥ ||

Höre nun ein weiteres Verfahren, das ich erklären werde. Ein Krieger, der in einer großen Schlacht dem Gegner zugewandt gefallen ist –

Anmerkung: Beginn des Tala-Vetala-Rituals; Fortsetzung in Vers 186. Die folgende Passage enthält eine historische Menschenopferforderung.

Vers 186
saśiraskaṃ samādāya sthāpayet pitṛkānane |
atha svayaṃ śuciḥ snātaḥ kṛtanityāhnikakriyaḥ ||

dessen Leichnam soll man mitsamt dem Kopf nehmen und auf dem Verbrennungsplatz niederlegen. Man selbst soll rein und gebadet sein und seine täglichen Riten vollzogen haben.

Anmerkung: Pitṛkānana, »Hain der Ahnen«, bezeichnet hier den Verbrennungsplatz.

Vers 187
rātrau kṛṣṇacaturdaśyāmabhītaḥ sādhakaḥ sudhīḥ |
vadhyamekaṃ naraṃ cauraṃ samādāya vrajennṛpaḥ ||

In der Nacht des vierzehnten Tages der dunklen Monatshälfte soll der kundige Sadhaka furchtlos hingehen; der König soll einen zum Tode verurteilten Dieb mitnehmen.

Anmerkung: Die wechselnde Bezeichnung von Sadhaka und König bleibt sichtbar; keine stillschweigende Gleichsetzung der Rollen.

Vers 188
āruhya taṃ śavaṃ tatra japenmantramabhīḥ śuciḥ |
sāhasre vā dvisāhasre jape pūrṇe kapālinī ||

Dort soll er den Leichnam besteigen und rein und furchtlos den Mantra wiederholen. Wenn tausend oder zweitausend Wiederholungen vollendet sind, soll Kapalini –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 189. Quellenfußnote: Kalapini statt Kapalini.

Vers 189
praviśya tatra kuṇapamāveśaṃ vidadhīta vai |
tato narabaliṃ dadyād devyai sādhakasattamaḥ ||

in den Leichnam eingehen und ihn in Besitz nehmen. Dann soll der ausgezeichnete Sadhaka der Göttin das Menschenopfer darbringen.

Anmerkung: Aussage des historischen Textes; keine Übertragung in eine heutige Praxis.

Vers 190
tāravāgbhavakandarpapretabhūtāmṛtaiḥ saha |
prāsādāṅkuśaphetkārīgāruḍakṣetrapālakaiḥ ||

Mit Tara, Vagbhava, Kandarpa, Preta, Bhuta und Amrita sowie Prasada, Ankusha, Phetkari, Garuda und Kshetrapala –

Anmerkung: Verschlüsselte Bija-Namen; Fortsetzung der Darbringungsformel in Vers 191.

Vers 191
sambodhya devyā nāmāpi baliṃ gṛhṇa muhurmuhuḥ |
siddhiṃ me dehi saṃbhāṣya dāpayeti tataḥ param ||

soll man die Göttin bei ihrem Namen anrufen und wiederholt »baliṃ gṛhṇa« – »Nimm die Opfergabe an!« – sprechen, dann »siddhiṃ me dehi« – »Gib mir Siddhi!« – und danach »dāpaya« – »Lasse sie gewähren!«.

Vers 192
svāhāntaṃ mantramullikhya dadyādetena sādhakaḥ |
bhavetāṃ tālavetālau nāmānau sevakottamau ||

Der Sadhaka soll den mit svāhā endenden Mantra formulieren und damit die Gabe darbringen. Dann sollen zwei vorzügliche Diener namens Tala und Vetala entstehen.

Vers 193
tāvāruhya vrajed devi bhūrbhuvaḥsvaḥpuratrayam |
talaṃ rasātalaṃ caiva pātālasutalātalān ||

Auf ihnen reitend soll er, Göttin, zu den drei Welten Bhur, Bhuvar und Svar gelangen, ebenso nach Tala, Rasatala, Patala, Sutala und Atala.

Anmerkung: Die Unterweltnamen werden entsprechend der lesbaren Quelle übernommen; keine Ergänzung zu einer systematischen Liste.

Vers 194
meruśailādikāṃścaiva vrajedevaṃ na saṃśayaḥ |
antaḥ samudre viśati jale tejasi līyate ||

So soll er auch zum Berg Meru und zu weiteren Bergen gelangen, ohne Zweifel, wie der Text sagt. Er dringt ins Meer ein und geht in Wasser und Feuerkraft auf.

Vers 195
ākāśe parvatādīṃśca bhinatti svena tejasā |
trailokyāntaragaṃ sthānaṃ tādṛśaṃ nāsti pārvati ||

Im Luftraum durchbricht er mit seiner eigenen Kraft Berge und andere Hindernisse. Parvati, in den drei Welten gibt es keinen Ort –

Anmerkung: Der erste Satz ist räumlich auffällig, wird aber nicht durch eine erfundene kosmologische Erklärung geglättet.

Vers 196
yatrāyaṃ naiva gacchet sa ityevaṃ niścayo mama |
anye ca bahavo devi prayogāḥ santi bhūriśaḥ ||

den er nicht erreichen könnte: Das ist meine Überzeugung. Göttin, es gibt noch zahlreiche andere Verfahren in großer Fülle.

Vers 197
te sarve'nveṣaṇīyāśca hyanyakālīvidhiṣvapi |
ityete kathitā devi prayogāḥ sarvasiddhidāḥ ||

Sie alle sind auch in den Rituallehren der anderen Kali-Gestalten zu suchen. Damit, Göttin, sind diese Verfahren beschrieben, die nach Aussage des Textes alle Siddhis gewähren.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ sāmānyaviśeṣaprayogo nāma ṣaṣṭhaḥ paṭalaḥ |

Damit endet in der Adinatha zugeschriebenen Mahakala-Samhita das sechste Kapitel mit dem Titel »Allgemeine und besondere Anwendungen«.

Anmerkung: Die Verfasserzuschreibung gehört zum Kolophon und ist keine unabhängig gesicherte historische Autorschaft.

Kamakala-Khanda, Kapitel 7: Feueropfer, subtiler Körper und der Vorrang der Befreiung

Auf die Einrichtung des Homa folgen ausführliche Zuordnungen von Blüten, Früchten, Getreide, anderen Stoffen, Brennhölzern sowie Tier- und Menschenfleisch zu behaupteten Ritualwirkungen. Danach erläutert Mahakala Nadis, Vayus, Kundalini und die Meditation über die gestaltlose und die bildhaft gegenwärtige Göttin. Der Text stellt die Befreiung über das Streben nach Siddhis und unterscheidet mehrere Wege der Verehrung. Widersprüchliche Zahlen und unsichere Chakra-Zuordnungen werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Vers 1
kartavyaṃ kena rūpeṇa sthāpanaṃ jātavedasaḥ |
deveśa tanme kathaya mahākāla jagatpate ||

Devi sprach: Auf welche Weise soll Jatavedas, das heilige Feuer, eingesetzt werden? Herr der Götter, Mahakala, Herr der Welt, erkläre mir dies.

Anmerkung: Sprecherin: Devi. Jatavedas ist ein Name Agnis.

Vers 2
śṛṇu devi pravakṣyāmi vahneḥ sthāpanamuttamam |
jāyate sarvathā yena sādhakasyepsitaṃ varam ||

Mahakala sprach: Höre, Göttin, ich werde die vorzügliche Einsetzung des Feuers erklären, durch die dem Sadhaka die ersehnte Gabe zuteilwerden soll.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala.

Vers 3
pūrvottaraplavaṃ ramyamādau maṇḍalamācaret |
tatastrikoṇaṃ ṣaṭkoṇaṃ navakoṇamathāpi ca ||

Zunächst soll man ein schönes, nach Nordosten abfallendes Mandala anlegen, darauf ein Dreieck, ein Sechseck oder auch eine neunwinklige Figur.

Anmerkung: Die beschädigte Anfangslesung wird durch den älteren Kamakala-Zeugen ohne Buchstaben,4257, und den Kommentar e14686–14687 geklärt. Pūrvottaraplava bezeichnet das Gefälle nach Nordosten; keine moderne Bauempfehlung.

Vers 4
tattatkāryānusāreṇa vidadhīta vicakṣaṇaḥ |
vāñchābhedād dravyabhedāḥ kāṣṭhabhedāḥ bhavanti hi ||

Der Kundige soll dies dem jeweiligen Zweck entsprechend ausführen. Mit den unterschiedlichen Wünschen unterscheiden sich nämlich auch die Opferstoffe und die Holzarten.

Vers 5
phalaṃ phalānāmanyat syādanyadannasya pārvati |
tathānyadeva puṣpāṇāmanyadevānyavastunaḥ ||

Die Wirkung von Früchten ist eine andere als die von Getreide oder Speise, Parvati; wiederum anders ist die von Blüten und von weiteren Stoffen.

Anmerkung: Phala bedeutet hier sowohl Frucht als auch Ergebnis beziehungsweise Ritualwirkung.

Vers 6
anyāmanyāṃ homakarmakāmanāṃ mantraviccaret |
dhyāyan devīṃ careddhomaṃ samidbhiḥ sarpiṣā saha ||

Der Mantrakundige soll das Feueropfer jeweils dem besonderen Anliegen entsprechend ausführen. Während er die Göttin meditiert, soll er mit Brennhölzern und geklärter Butter opfern.

Vers 7
tato japaṃ prakurvīta homānte sarvathā priye |
tataḥ sajapahomāddhi jāyante sarvasiddhayaḥ ||

Am Ende des Feueropfers soll er stets Japa üben, Geliebte. Denn aus dem mit Japa verbundenen Homa sollen alle Siddhis entstehen.

Vers 8
atha homavidhiṃ vakṣye ye śāstre vihitāḥ sadā |
yasya samyagvidhānena sarvasiddhiḥ prajāyate ||

Nun werde ich die in der Lehrschrift vorgeschriebene Ordnung des Homa erklären, durch deren richtige Durchführung alle Siddhi entstehen soll.

Anmerkung: Die Quelle wechselt grammatisch zwischen Einzahl und Mehrzahl; der Sinn der Ankündigung ist klar.

Vers 9
pūrvavanmaṇḍalaṃ kṛtvā koṇaṃ cāpi yathāvidhi |
tatrācarecchucirbhūtvā sthāpanaṃ jātavedasaḥ ||

Nachdem man wie zuvor das Mandala und vorschriftsmäßig die Winkelfigur angelegt hat, soll man sich reinigen und dort Jatavedas einsetzen.

Vers 10
nyāsaṃ karāṅgayoḥ kṛtvā dhyātvā devīṃ hṛdi sthitām |
maṇḍale koṇa aiśānyāṃ homakarmārabheta vai ||

Nach dem Nyasa an Händen und Körpergliedern und der Meditation über die im Herzen gegenwärtige Göttin soll man im nordöstlichen Winkel des Mandalas mit dem Homa beginnen.

Anmerkung: Der Satzbau der Ortsangabe ist beschädigt; aiśānya sichert den Bezug zum Nordosten.

Vers 11
vidhāya vidhivatpūjāṃ homakarmaṇi maṇḍale |
agna āyāhi mantreṇa vahnerāvāhanaṃ caret ||

Nachdem man im Mandala des Feueropfers die vorgeschriebene Verehrung vollzogen hat, soll man mit dem Mantra-Anfang »agna āyāhi« – »Agni, komm her!« – das Feuer einladen.

Anmerkung: Nur der angeführte Mantra-Anfang ist überliefert; kein vollständiger Veda-Vers ergänzt.

Vers 12
agnaye rocamānāyeti mantraiḥ sthāpanaṃ tataḥ |
homaṃ paścāt prakurvīta samidbhiḥ kusumairapi ||

Dann erfolgt die Einsetzung mit Mantras wie »agnaye rocamānāya« – »dem leuchtenden Agni«. Danach soll man mit Brennhölzern und Blüten opfern –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 13. Die Quelle gibt nur den Anfang der Formel.

Vers 13
phalaiḥ patrairvrīhibhiśca tathānyairapi vastubhiḥ |
śatamaṣṭottaraṃ cāpi sahasraṃ cāyutaṃ tathā ||

mit Früchten, Blättern, Reis und weiteren Stoffen: hundertacht, tausend oder zehntausend Gaben –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 14; die OCR-Ziffer ist beschädigt, die Reihenfolge sichert 13.

Vers 14
lakṣaṃ cāpi prakartavyaṃ lakṣopari na vidyate |
kāmanāgauravādeva homo gauravamicchati ||

auch hunderttausend sind auszuführen, aber nicht mehr als hunderttausend. Das Gewicht des Anliegens bestimmt nämlich den Umfang des Feueropfers.

Vers 15
sarvatra tu homānte japaṃ kuryādananyadhīḥ |
ekena kevalenaiva dravyeṇānyat phalaṃ bhavet ||

Stets soll man nach dem Homa mit ungeteilter Aufmerksamkeit Japa üben. Ein einziger, für sich verwendeter Stoff bringt eine bestimmte Wirkung hervor –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 16.

Vers 16
anyadeva vimiśreṇa phalaṃ devi vidhīyate |
kusumānāṃ phalaṃ sarvamādau matto'vadhāraya ||

mit einer Mischung wird eine andere Wirkung verbunden, Göttin. Höre zunächst von mir sämtliche Wirkungen der Blüten.

Anmerkung: Die nachfolgenden Zuordnungen sind historische Ritualverheißungen, keine naturwissenschaftlich oder medizinisch bestätigten Wirkungen.

Opferstoffe und zugeschriebene Wirkungen

Die Quelle ordnet Blüten, Früchten, Getreide, Flüssigkeiten, weiteren Stoffen und Hölzern jeweils besondere Ritualziele zu. Auch wiederholende und schädigende Zuordnungen werden übersetzt.

Vers 17
samidghṛtamadhūnmiśrā mālatīkusumāhutiḥ |
bṛhaspaterapyadhikā vāgīśatvapradāyikā ||

Eine Gabe von Malati-Blüten, mit Brennholz, geklärter Butter und Honig verbunden, soll eine Meisterschaft der Rede verleihen, die selbst Brihaspati übertrifft.

Vers 18
vaśagāḥ syurmahīpālā jātīpuṣpakahomataḥ |
medhāvṛddhiryūthikābhirnṛpatvaṃ nāgakeśaraiḥ ||

Durch ein Homa mit Jati-Blüten sollen Könige unterworfen werden; Yuthika-Blüten sollen die Erkenntniskraft mehren, Nagakeshara soll Königtum verleihen.

Anmerkung: Die Sanskrit-Pflanzennamen bleiben ohne unsichere botanische Gleichsetzung.

Vers 19
mādhavībhirmahīlābho hemalābhaśca campakaiḥ |
atimuktairbuddhivṛddhirmallikābhirdhanāgamaḥ ||

Madhavi soll Landbesitz, Champaka Goldgewinn, Atimukta die Zunahme der Einsicht und Mallika Vermögenszuwachs bewirken.

Vers 20
kundaiḥ kīrtimavāpnoti bandhūkairbāndhavapriyaḥ |
javāpuṣpeṇa ripavaḥ saṃkṣayaṃ yānti tatkṣaṇāt ||

Durch Kunda soll man Ruhm erlangen, durch Bandhuka seinen Verwandten lieb werden; durch Hibiskusblüten sollen Feinde augenblicklich zugrunde gehen.

Vers 21
padmairāyuravāpnoti kumudaiḥ kavitā bhavet |
kadambairvyādhināśaḥ syādamlānairvṛddhibhāgbhavet ||

Padma-Lotus soll Lebensdauer, Kumuda dichterische Begabung verleihen; Kadamba soll Krankheiten beseitigen, Amlana Wachstum und Gedeihen schenken.

Anmerkung: Rituelle Verheißungen, keine Heilzusagen.

Vers 22
jayaprāptirmaruvakairjayalābhaḥ kuruṇṭakaiḥ |
jhiṇṭībhirhayalābhaḥ syānnṛlābho munipuṣpakaiḥ ||

Maruvaka und Kuruntaka sollen Sieg bringen, Jhinti den Gewinn von Pferden und Muni-Blüten den Gewinn von Menschen beziehungsweise Gefolgsleuten.

Anmerkung: Die Pflanzennamen und nṛlābha sind lokal unsicher gelesen; der Sinn der einzelnen Gewinn-Zuordnungen ist nur soweit wiedergegeben, wie er aus der OCR hervorgeht.

Vers 23
tathāparājitāpuṣpairbhavet sarvāṅgasundaraḥ |
śephālikāprasūnena sutalābhaḥ pradiśyate ||

Aparajita-Blüten sollen Schönheit an allen Körpergliedern verleihen; Shephalika-Blüten werden mit dem Gewinn eines Sohnes verbunden.

Vers 24
śokahāniraśokena bakulaiḥ kulamānyatā |
dūrvayā dhanadhānyāni śālmalyā śātravakṣayaḥ ||

Ashoka soll Kummer beseitigen, Bakula Ansehen in der Familie verleihen, Durva Gras Vermögen und Getreide, Shalmali die Vernichtung der Feinde.

Vers 25
droṇapuṣpeṇārthalābho bakapuṣpairdhanāgamaḥ |
rājyalābhaśca punnāgaiḥ karṇikārairbahūnnatiḥ ||

Drona-Blüten sollen Gewinn bringen, Baka-Blüten Vermögenszuwachs, Punnaga den Gewinn eines Reiches und Karnikara großen Aufstieg.

Vers 26
dīrghāyuṣṭvaṃ pāṭalena tagaraiḥ sarvamānyatā |
palāśakusumairhomo bahugo'jāvikārakaḥ ||

Patala soll langes Leben, Tagara allgemeine Wertschätzung verleihen; ein Homa mit Palasha-Blüten soll viele Rinder, Ziegen und Schafe einbringen.

Vers 27
śirīṣapuṣpaiḥ pramadā jayantyā ca jayaśriyaḥ |
vidveṣaṇaṃ cārkapuṣpairdhuttarai ripumāraṇam ||

Shirisha-Blüten sollen eine Frau gewinnen lassen, Jayanti Siegesglück verleihen, Arka-Blüten Zwietracht stiften und Dhattura den Tod eines Feindes bewirken.

Anmerkung: Der Text nennt sowohl gewinnende als auch schädigende Ritualziele.

Vers 28
kovidārairbalāvāptiḥ pārijātairjayocchrayaḥ |
anyeṣāmapi puṣpāṇāmanyadanyat phalaṃ bhavet ||

Kovidara soll Kraftgewinn bewirken, Parijata Aufstieg durch Sieg. Auch den anderen Blüten sind jeweils unterschiedliche Ergebnisse zugeschrieben.

Anmerkung: Die Fußnote bietet jayaśriyaḥ, »Siegesglück«, für jayocchrayaḥ.

Vers 29
phalahomasyāpi phalaṃ kathayāmi varānane |
śrīphalaiḥ śrīphalāvāptiḥ kramukairbhogasañcayaḥ ||

Schönangesichtige, ich erkläre auch die Wirkung eines Homa mit Früchten: Shriphala soll die Frucht des Glücks, Kramuka eine Fülle von Genüssen bringen.

Anmerkung: Der Text spielt mit śrīphala als Fruchtname und »Frucht des Glücks«.

Vers 30
nāgaraṅgeṇa saundaryaṃ panasaiḥ kāntimān bhavet |
vaśitvaṃ nārikelena jambīraiḥ śatrusaṃkṣayaḥ ||

Nagaranga soll Schönheit, Panasa strahlende Erscheinung verleihen; Kokosnuss soll Herrschaft über andere und Jambira die Vernichtung der Feinde bewirken.

Vers 31
āmreṇa rājyalābhaḥ syāt stambhanaṃ jāmbavaiḥ phalaiḥ |
rambhāphalena deveśi sarvasiddhiravāpyate ||

Mango soll ein Reich gewinnen lassen, Jambu-Früchte Erstarrung bewirken; durch Bananenfrüchte, Herrin der Götter, sollen alle Siddhis erlangt werden.

Anmerkung: Stambhana meint hier rituelles Hemmen oder Lähmen, keine Meditationshaltung.

Vers 32
ripūccāṭaḥ kapitthena badaryā balavān raṇe |
kṣīrīphalena tanayo drākṣābhirmuktimāpnuyāt ||

Kapittha soll Feinde vertreiben, Badari im Kampf stark machen, Kshiri-Frucht einen Sohn schenken; durch Weintrauben soll man Befreiung erlangen.

Anmerkung: Die Lesung kṣīrīphala ist im OCR unsicher; keine botanische Bestimmung ergänzt.

Vers 33
udumbareṇa dharmāptirvaṭenāpatyapūrṇatā |
jātīphalasya homena vaśīkuryājjagattrayam ||

Udumbara soll Dharma erlangen lassen, Vata eine Fülle von Nachkommen; durch ein Homa mit Jatiphala soll man die drei Welten unter seine Macht bringen.

Vers 34
kūṣmāṇḍairgrahaśāntiḥ syādvṛddhirdhātrīphalaistathā |
bījapūreṇārthapūro māraṇaṃ ca vibhītakaiḥ ||

Kushmanda soll störende Grahas besänftigen, Dhatri-Früchte Wachstum bewirken, Bijapura reichen Gewinn und Vibhitaka Tötung.

Anmerkung: Graha kann hier eine planetarische oder ergreifende störende Macht bezeichnen; der Vers entscheidet dies nicht näher.

Vers 35
mokṣaḥ syādeva rudrākṣairharītakyāmaghakṣatiḥ |
lakucairyuvatiprāptistālairunmādayedripūn ||

Rudraksha soll Befreiung bewirken, Haritaki Verfehlungen tilgen, Lakucha eine junge Frau gewinnen lassen; durch Tala soll man Feinde wahnsinnig machen.

Vers 36
madhūkairmahatī lakṣmīḥ karamardairbalonnatiḥ |
anyeṣāṃ ca phalānāṃ hi bhūyāṃsi hi phalāni ca ||

Madhuka soll großes Glück und Vermögen, Karamarda zunehmende Kraft verleihen. Auch die übrigen Früchte sollen vielfältige Ergebnisse hervorbringen.

Vers 37
mahadāyuryavairhome mudgairannaprapūrṇatā |
śālibhistaṇḍulairvāpi sampattirbhūyasī bhavet ||

Gerste im Homa soll ein langes Leben schenken, Mungbohnen eine Fülle von Nahrung; Shali-Reis oder enthülste Reiskörner sollen großen Wohlstand bringen.

Anmerkung: Die OCR-Verszahl ist beschädigt; Position zwischen 36 und 38 gesichert.

Vers 38
sarvasiddhistilairhome māṣairmāsena ripukṣayaḥ |
śyāmākaistapaso lābho nīvāraisteja uttamam ||

Sesam im Homa soll alle Siddhis verleihen, Masha-Bohnen binnen eines Monats die Vernichtung von Feinden; Shyamaka soll asketische Kraft, Nivara höchsten Glanz bringen.

Vers 39
sarvākṛṣṭiḥ kodraveṇa kulmāṣairāmayakṣayaḥ |
siddhārthakaiḥ sarṣapaiśca sarvasiddhiḥ kare sthitā ||

Kodrava soll alles heranziehen, Kulmasha Krankheiten beseitigen. Durch Siddharthaka und Sarshapa, Senfsorten, soll jede Siddhi unmittelbar greifbar sein.

Anmerkung: Kulmāṣa bezeichnet eine zubereitete Getreide- oder Hülsenfruchtspeise; keine bestimmte Rezeptur ergänzt.

Vers 40
dugdhena nṛpavaśyatvaṃ dadhnā nṛpasutāstathā |
ikṣubhiśca guḍairvāpi vaśībhūtāḥ striyo'khilāḥ ||

Milch soll Könige gefügig machen, Dickmilch ebenso Königssöhne. Durch Zuckerrohr oder Rohzucker sollen alle Frauen unterworfen werden.

Anmerkung: Historische fremdbestimmende Ritualverheißungen.

Vers 41
sarvānevājyahomena vaśīkuryānna saṃśayaḥ |
madhunā bhogabhūyastvaṃ śarkarābhirmahodayaḥ ||

Durch ein Homa mit geklärter Butter soll man alle unter seine Macht bringen, ohne Zweifel, wie der Text sagt. Honig soll die Genüsse mehren, Zucker großen Aufstieg verleihen.

Anmerkung: Der ältere Kamakala-Zeuge ohne Buchstaben,4364–4366, stützt sarvān evājyahomena. Die zusätzliche ungeklärte Lücke vor ājyahoma entfällt; kein zweites Wort für Butter ergänzt.

Vers 42
rājyāvāptiḥ paṭuvastraiḥ karpūraiḥ kīrtiruttamā |
vidyādharatvaṃ devatvaṃ siddhatvaṃ mṛganābhinā ||

Mit Stoffgaben wird der Gewinn eines Reiches verbunden, mit Kampfer höchster Ruhm; Moschus soll den Zustand eines Vidyadhara, eines Gottes oder eines Siddha verleihen.

Anmerkung: Das Attribut paṭu vor vastra ist unsicher; keine bestimmte Textilsorte behauptet.

Vers 43
kuṅkumaiḥ rūpaśālitvaṃ candanairvāgmitā bhavet |
siddhyaṣṭakaṃ cāguruṇā jayo rocanayā bhavet ||

Kumkuma soll Schönheit, Sandelholz Beredsamkeit verleihen; Aguru soll die acht Siddhis und Rochana Sieg bringen.

Anmerkung: Kumkuma und Rochana bleiben traditionelle Stoffbezeichnungen ohne hier ungesicherte Materialbestimmung.

Vers 44
muktayā śivasāyujyaṃ māṇikyenārkapūḥsthitiḥ |
vaidūryānnāgalokāptirvajrairvahnipure sthitiḥ ||

Perlen sollen Vereinigung mit Shiva bringen, Rubin Aufenthalt in der Sonnenstadt, Vaidurya das Erreichen der Naga-Welt und Diamanten Aufenthalt in der Feuerstadt.

Vers 45
indranīlena maṇinā gandharvatvamavāpyate |
gomedaiḥ kinnaratvaṃ ca puṣparāgeṇa yakṣatā ||

Durch den Edelstein Indranila soll man den Zustand eines Gandharva erlangen, durch Gomeda den eines Kinnara und durch Pushparaga den eines Yaksha.

Anmerkung: Historische Edelsteinnamen ohne moderne mineralogische Gleichsetzung.

Vers 46
gārutmataiḥ pravālaiśca tathā marakatena ca |
saptadvīpeśvaratvaṃ hi jāyate nātra saṃśayaḥ ||

Garutmata, Koralle und Marakata sollen Herrschaft über die sieben Weltinseln verleihen – ohne Zweifel, wie der Text sagt.

Anmerkung: Garutmata und Marakata werden getrennt entsprechend der Quelle genannt, auch wenn sich ihre traditionellen Steinzuordnungen überschneiden können.

Vers 47
kanakena bhavet kāntiḥ suvarṇena yaśo bhavet |
tāmreṇa bhūmilābhaḥ syādrītyā hi kalahe jayam ||

Kanaka soll Glanz verleihen, Suvarna Ruhm; Kupfer soll Landgewinn und Riti Sieg im Streit bringen.

Anmerkung: Kanaka und suvarṇa bezeichnen gewöhnlich beide Gold; die auffällige Doppelung bleibt erhalten. Rīti wird traditionell für eine Kupferlegierung verwendet.

Vers 48
nāgena viṣahānitvaṃ lauhairmāraṇamādiśet |
lākṣārasamayo homaḥ sarvāpattinivāraṇaḥ ||

Naga soll Giftwirkung beseitigen, Eisen wird der Tötung zugeordnet; ein Homa aus Lackharzsaft soll alle Bedrängnisse abwenden.

Anmerkung: Nāga bezeichnet im metallischen Zusammenhang Blei. Die Aussage zur Giftwirkung ist keine medizinische Empfehlung.

Vers 49
kajjalairadhṛṣyatvaṃ sindūrairmohanaṃ bhavet |
bilvapatrairnāgavallīdalairlakṣmīravāpyate ||

Ruß soll Unangreifbarkeit, Sindura Betörung bewirken; durch Bilva-Blätter und Betelblätter soll man Glück und Vermögen erlangen.

Vers 50
yāvatyaḥ siddhayaḥ santi tāvatyaḥ pāyasairbhavet |
apūpaiḥ śaṣkulībhiśca lakṣmīvyāptireva ca ||

So viele Siddhis es gibt, so viele sollen durch Milchspeise erlangt werden. Kuchen und Shashkuli-Gebäck sollen Glück und Vermögen ausbreiten.

Anmerkung: Die grammatische Inkongruenz der ersten Vershälfte ist nicht stillschweigend als diplomatisch fehlerfreier Text ausgegeben.

Vers 51
kaṭutrayeṇa śatrūṇāmuccāṭanamudāhṛtam |
lavaṇena bhaved dveṣaḥ keśairmaraṇamādiśet ||

Die drei scharfen Stoffe werden der Vertreibung von Feinden zugeordnet, Salz dem Hervorrufen von Feindschaft und Haare dem Tod.

Anmerkung: Kaṭutraya ist eine traditionelle Dreiergruppe scharfer Stoffe; der Vers selbst zählt ihre Bestandteile nicht auf.

Vers 52
rajasvalānāṃ nārīṇāmārtavena dhanāgamaḥ |
retasā stambhanaṃ devi mohanaṃ svamalairapi ||

Menstruationsblut von Frauen soll Vermögenszuwachs bewirken, Samenflüssigkeit Erstarrung, Göttin, und auch eigene Körperausscheidungen sollen Betörung bewirken.

Anmerkung: Sachliche Übersetzung historischer Ritualstoffe; svamalaiḥ ist gegenüber der beschädigten OCR normalisiert.

Vers 53
svīyenodvartanenaiva trailokyaṃ vaśamānayet |
ulūkakākayoḥ pakṣairmahadvidveṣaṇaṃ bhavet ||

Mit dem Abrieb der eigenen Körperabreibung soll man die drei Welten unterwerfen; Eulen- und Krähenfedern sollen starke Zwietracht hervorrufen.

Anmerkung: Udvartana bezeichnet eine Körperabreibung; der genaue verwendete Stoff ist nicht näher erklärt.

Vers 54
kaṭutailasya homena vaśīkuryājjagattrayam |
dhānā lājāśca pakvānnamodanaṃ sarvakāmadam ||

Durch ein Homa mit scharfem Öl soll man die drei Welten unterwerfen. Geröstete Körner, Puffreis, zubereitete Speise und gekochter Reis sollen alle Wünsche erfüllen.

Vers 55
kṛśarānnairmodakaiśca sarvasiddhirbhavatyasau |
kañcidviśeṣaṃ te vakṣye samidhāṃ devi tacchṛṇu ||

Krishara-Speise und Modaka-Gebäck sollen alle Siddhi verleihen. Göttin, nun erkläre ich dir einige Besonderheiten der Brennhölzer; höre zu.

Anmerkung: Krishara ist eine gemischte Getreide- beziehungsweise Hülsenfruchtspeise; keine genaue Rezeptur ergänzt.

Vers 56
pālāśyāḥ samidhaḥ śuddhāḥ praśastāḥ sarvakarmaṇi |
mahaddhanāptirbilvena khādireṇa nṛpo vaśaḥ ||

Reine Palasha-Brennhölzer gelten für alle Riten als vorzüglich. Bilva soll großen Reichtum verschaffen, Khadira einen König gefügig machen.

Vers 57
vāṭena kāminīprāptirvidyāptiḥ paippalena ca |
audumbaryā ca samidhā khecaratvaṃ prajāyate ||

Vata-Holz soll eine Geliebte gewinnen lassen, Pippala-Holz Wissen verleihen; durch Udumbara-Brennholz soll die Fähigkeit zum Himmelswandeln entstehen.

Vers 58
sarvajñatvamapāmārgairāmalakyā mahīpatā |
dhuttareṇārinidhanaṃ munivṛkṣaiḥ sthirā matiḥ ||

Apamarga soll Allwissenheit, Amalaki Königtum verleihen, Dhattura den Tod eines Feindes und Muni-Bäume einen beständigen Geist bewirken.

Fleischgaben und ihre historischen Verheißungen

Tierarten und Menschenfleisch werden im Zusammenhang des Homa behandelt. Die ausdrückliche Einschränkung gegen Tötung in Vers 79 bleibt neben den anderen Aussagen des Werkes sichtbar.

Vers 59
śākhibhiryajñiyairmedhyairbhinnaṃ bhinnaṃ phalaṃ bhavet |
niśāmayātha deveśi māṃsahomaphalaṃ mahat ||

Die verschiedenen reinen, opfergeeigneten Bäume sollen unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen. Herrin der Götter, höre nun von der großen Wirkung eines Homa mit Fleisch.

Vers 60
chāgamāṃsenārthalābho vidyā meṣeṇa labhyate |
kṛṣṇasārasya māṃsena bhaveyurvaśagā nṛpāḥ ||

Ziegenfleisch soll Gewinn bringen, Schaffleisch Wissen verleihen; durch das Fleisch der schwarzen Antilope sollen Könige gefügig werden.

Anmerkung: Die Zuordnungen geben historische Ritualverheißungen wieder.

Vers 61
rurumāṃsena sājyena kṛtvā homaṃ varānane |
sarvasiddhimavāpnoti devānāmapi durlabhām ||

Wer mit Ruru-Fleisch und geklärter Butter ein Homa vollzieht, Schönangesichtige, soll jede Siddhi erlangen, die selbst für Götter schwer erreichbar ist.

Anmerkung: Ruru ist eine traditionelle Hirschbezeichnung; der Name ist in der OCR beschädigt und kontextuell gelesen.

Vers 62
stambhayatyarisainyāni māhiṣaṃ palalaṃ priye |
atītānāgatajñānaṃ vārāheṇa ca labhyate ||

Büffelfleisch soll feindliche Heere zum Stillstand bringen, Geliebte; durch Eberfleisch soll Wissen um Vergangenheit und Zukunft erlangt werden.

Vers 63
śatruvākstambhanaṃ kuryādārkṣamāṃsāhutiṃ caret |
kāpeyapalalenaiva raṇe'dhṛṣyaḥ prajāyate ||

Wer die Rede eines Feindes hemmen will, soll eine Gabe von Bärenfleisch darbringen. Affenfleisch soll im Kampf unangreifbar machen.

Vers 64
khāḍgenābhedyakavaco bhūtvā bhramati medinīm |
godhāmāṃsasya homena nidhiṃ paśyati bhūtale ||

Durch Nashornfleisch soll man mit einem undurchdringlichen Panzer über die Erde wandeln; ein Homa mit Godha-Fleisch soll verborgene Schätze in der Erde sichtbar machen.

Anmerkung: Godhā: eine große Echse; keine genauere Tierart festgelegt.

Vers 65
sāmānyamṛgamāṃsena vāyutulyabalo bhavet |
rāṅkavāmiṣahomena vaśe syurnṛpayoṣitaḥ ||

Gewöhnliches Wildfleisch soll Kraft gleich dem Wind verleihen; ein Homa mit Rankava-Fleisch soll die Frauen eines Königs gefügig machen.

Anmerkung: Rāṅkava: Fleisch des Raṅku, einer nicht sicher bestimmbaren Wildart; die OCR-Schreibung des Namens ist unsicher.

Vers 66
śallakīpalalāhutyā kaviḥ kavisamo bhavet |
gāvayāmiṣahomena dīrghamāyuravāpyate ||

Eine Gabe von Stachelschweinfleisch soll einen Dichter dem Kavi gleich machen; ein Homa mit Gavaya-Fleisch soll langes Leben verleihen.

Anmerkung: Kavi kann hier eine ausgezeichnete dichterische oder göttliche Gestalt bezeichnen; keine ungesicherte Identifikation. Gavaya bleibt eine traditionelle Wildrindbezeichnung.

Vers 67
gomāṃsaṃ madhunāloḍya vāmahastena homayet |
api devā vaśaṃ yānti kiṃ punaḥ kṣudramānuṣāḥ ||

Man soll Rindfleisch mit Honig vermischen und mit der linken Hand ins Feuer geben. Selbst Götter sollen dadurch unterworfen werden, um wie viel mehr gewöhnliche Menschen.

Vers 68
śāśenādṛśyatāṃ gacchet kacchapenāpnuyāddhanam |
nākramāṃsasya homena viṣaṃ na lagati kvacit ||

Hasenfleisch soll unsichtbar machen, Schildkrötenfleisch Reichtum bringen; nach einem Homa mit Nakra-Fleisch soll Gift nirgends mehr anhaften oder wirken.

Anmerkung: Nakra: ein krokodilartiges Wassertier. Die Giftverheißung ist keine medizinische Aussage.

Vers 69
nākulaṃ palalaṃ hutvā vāksiddhirbhavati kṣaṇāt |
mārjāramāṃsahomena kuberasadṛśo bhavet ||

Nach einer Feuergabe von Mangustenfleisch soll augenblicklich Vaksiddhi, wirkmächtige Rede, entstehen; durch ein Homa mit Katzenfleisch soll man Kubera gleichen.

Vers 70
siṃhamāṃsasya homena sākṣādvidyādharo bhavet |
rājyāvāptirvyāghramāṃsahomena bhavati dhruvam ||

Ein Homa mit Löwenfleisch soll einen wahrhaft zum Vidyadhara machen; eines mit Tigerfleisch soll mit Gewissheit ein Reich einbringen.

Vers 71
turagāmiṣahomena sarvapṛthvīpatirbhavet |
duḥsvapnahānirauṣṭreṇa hastimāṃsairmahīpatiḥ ||

Ein Homa mit Pferdefleisch soll Herrschaft über die ganze Erde bringen; Kamelfleisch soll böse Träume beseitigen, Elefantenfleisch zum König machen.

Vers 72
gomāyumāṃsahomena dhanadena samo bhavet |
vivāde jayalābhaḥ syādrājyalābho'pi jāyate ||

Ein Homa mit Schakalfleisch soll einen dem Reichtumspender Kubera gleich machen; es soll Sieg im Streitgespräch und den Gewinn eines Reiches bringen.

Vers 73
stambhayatyarisainyaṃ ca strīṇāṃ priyatamo bhavet |
api sarve mahīpālāstasya dāsā na saṃśayaḥ ||

Er soll das feindliche Heer hemmen können und den Frauen überaus lieb werden. Selbst alle Könige sollen seine Diener sein, ohne Zweifel, wie der Text sagt.

Vers 74
mahāmāṃsasya homena kiṃ tad yanna phalaṃ bhavet |
guruṇā sadṛśī vidyā kuberādadhikaṃ dhanam ||

Welche Wirkung könnte ein Homa mit Mahamamsa nicht hervorbringen? Wissen gleich dem des Guru und größerer Reichtum als Kuberas –

Anmerkung: Mahāmāṃsa, »großes Fleisch«, meint hier Menschenfleisch, wie die folgende Einschränkung zeigt. Guru kann hier der göttliche Lehrer Brihaspati sein; keine sichere Gleichsetzung behauptet.

Vers 75
brahmaṇo'pyadhikaṃ dīrghamāyurasya tu niścitam |
aiśvarye śakrasadṛśaḥ kāntyā candra ivāparaḥ ||

ein Leben, das gewiss selbst Brahmas Lebensdauer übertrifft. An Herrschaft soll er Shakra gleichen, an Schönheit einem zweiten Mond.

Anmerkung: Die erste Silbengruppe der zweiten Hälfte ist beschädigt; aiśvarye ist eine kontextuelle Lesung.

Vers 76
tejasā ravitulyo'yaṃ duḥspṛśyo'pyagninā saha |
krodhe yamena sadṛśaḥ sarvasiddhyākaraḥ bhavet ||

An Glanz soll er der Sonne gleichen und sogar für Feuer unantastbar sein, im Zorn Yama gleichen und zu einer Quelle aller Siddhis werden.

Vers 77
vacasā bahunā kiṃ syādetadevāvadhāraya |
sa devīputra eva syāt siddhādīnāṃ tu kā kathā ||

Wozu viele Worte? Halte nur dies fest: Er soll wahrhaft ein Sohn der Göttin werden; was wäre da erst von Siddhas und anderen Zuständen zu sagen?

Vers 78
kintu na syād dvijātīnāmeṣa dharmo varānane |
nṛpasya vātha śūdrasya bhavettatrāpi pākṣikaḥ ||

Doch für die Zweimalgeborenen soll dies keine zulässige Ordnung sein, Schönangesichtige. Für einen König oder einen Shudra mag es gelten, und selbst dort nur bedingt.

Anmerkung: Historische soziale Einschränkung; pākṣika wird als bedingt beziehungsweise nur fallweise zulässig verstanden.

Vers 79
na tadvadhād bhavenmāṃsaṃ vadho vai ghorapāpakṛt |
ghorapāpānna siddhiḥ syāditi buddhyā samācaret ||

Das Fleisch darf jedoch nicht aus der Tötung dieses Menschen stammen: Töten erzeugt schweres Unrecht. Aus schwerem Unrecht entsteht keine Siddhi; mit dieser Einsicht soll man handeln.

Anmerkung: Diese ausdrückliche Einschränkung steht hier im Text und wird nicht mit anderslautenden Opferpassagen des Werkes harmonisiert.

Vers 80
idānīṃ pakṣipalalahomajanyaṃ phalaṃ śṛṇu |
vārdhrīṇasāmiṣāhutyā jāyate dharmabhājanam ||

Höre nun die Wirkung eines Homa mit Vogelfleisch. Eine Gabe von Vardhrinasa-Fleisch soll einen zum Träger des Dharma machen.

Anmerkung: Der Vogelname vārdhrīṇasa ist im OCR beschädigt und nicht zoologisch sicher bestimmt.

Vers 81
kapotamāṃsahomena ramyāṃ kanyāṃ labheta vai |
bhāradvājena māṃsena mṛtaṃ sañjīvayedasau ||

Ein Homa mit Kapota-Fleisch soll eine schöne Braut gewinnen lassen; mit Bharadvaja-Fleisch soll man einen Toten wieder zum Leben bringen.

Anmerkung: Traditionelle Vogelnamen; Bharadvaja bezeichnet hier einen Vogel, nicht den gleichnamigen Weisen.

Vers 82
pārāvatakravyahomāt kāminīnāṃ priyo bhavet |
kauyaṣṭikasya māṃsena khecarīsiddhibhāgbhavet ||

Ein Homa mit Paravata-Fleisch soll bei Frauen beliebt machen; Kauyashtika-Fleisch soll die Khechari-Siddhi, das Wandeln im Luftraum, verleihen.

Anmerkung: Die Vogelarten werden nicht durch unsichere moderne Artbestimmungen ersetzt.

Vers 83
mahaddaraṃ janayati ulūkapalalāhutiḥ |
sādhako madguhomena kāmarūpaḥ kṣaṇādbhavet ||

Eine Gabe von Eulenfleisch soll großen Schrecken hervorrufen. Durch ein Homa mit Madgu soll der Sadhaka augenblicklich jede gewünschte Gestalt annehmen können.

Anmerkung: Dara, »Furcht«, ist die hier angenommene Lesung; Madgu bleibt eine traditionelle Wasservogelbezeichnung.

Vers 84
jaṅgamājaṅgamaṃ sarvamākarṣecchyenahomataḥ |
śātapattāmiṣairhutvā rājānaṃ vaśamānayet ||

Durch ein Homa mit Shyena soll man alles Bewegliche und Unbewegliche heranziehen; durch Feuergaben von Shatapatta-Fleisch soll man einen König unterwerfen.

Anmerkung: Shyena bezeichnet einen Greifvogel; der zweite Vogelname ist unsicher gelesen.

Vers 85
adṛśyaḥ syāt khañjarīṭairdevatāsurarakṣasām |
dhanāvāptiḥ sutāvāptirvārttikena na saṃśayaḥ ||

Durch Bachstelzen soll man für Götter, Asuras und Rakshasas unsichtbar werden; Varttika soll Reichtum und einen Sohn verschaffen, ohne Zweifel, wie der Text sagt.

Vers 86
cāṣena devalokādigamanaṃ vidadhāti vai |
kāraṇḍavasya māṃsena bhavejjātismaro naraḥ ||

Chasha soll den Gang in die Götterwelt und weitere Welten ermöglichen. Durch Karandava-Fleisch soll ein Mensch sich an frühere Geburten erinnern.

Vers 87
uccāṭanaṃ māraṇaṃ ca vidveṣaḥ kākamāṃsataḥ |
hārītamāṃsahomena parvatānuddharedapi ||

Krähenfleisch wird mit Vertreibung, Tötung und Zwietracht verbunden. Durch ein Homa mit Harita-Fleisch soll man sogar Berge emporheben können.

Vers 88
kurarakravyahomena mūkānapi ca vādayet |
lāvamāṃsasya homena tejasvī cāgnimān bhavet ||

Ein Homa mit Kurara-Fleisch soll selbst Stumme zum Sprechen bringen; eines mit Lava-Fleisch soll strahlende Kraft und Feuer verleihen.

Anmerkung: Agnimān, »Feuer besitzend«, bleibt in seiner hier nicht näher erläuterten Bedeutung erhalten.

Vers 89
pikakravyāhutiḥ kuryāt sādhakaṃ kinnareśvaram |
dhatte satyaṃ parapurapraveśaṃ ṭiṭṭibhāhutiḥ ||

Eine Gabe von Pika-Fleisch soll den Sadhaka zum Herrn der Kinnaras machen; eine Gabe von Tittibha soll wahrhaft das Eintreten in einen fremden Körper ermöglichen.

Anmerkung: Parapurapraveśa, wörtlich »Eintreten in eine fremde Stadt«, wird im Siddhi-Zusammenhang als Eintritt in einen fremden Körper verstanden; dies ist eine kontextuelle Deutung.

Vers 90
kukkuṭakravyahomo'yaṃ sadyo lakṣmīphalapradaḥ |
sādhakasyātha tanute cakoraścirajīvitām ||

Dieses Homa mit Hühnerfleisch soll unmittelbar Glück und Vermögen verleihen; Chakora soll das Leben des Sadhaka verlängern.

Vers 91
kāntāpriyatvaṃ saundaryaṃ kriyate caṭakāhutiḥ |
sāraso yogasiddhiṃ ca vitanoti varānane ||

Die Chataka-Gabe wird [für] Beliebtheit bei der Geliebten und Schönheit vollzogen. Sarasa soll Yoga-Siddhi verleihen, Schönangesichtige.

Anmerkung: Der ältere Zeuge ohne Buchstaben,4499–4500, liest kriyate statt einer verdoppelten Verbfolge. Die grammatisch auffällige Kasusfügung bleibt im Sanskrit erhalten. Chataka mit kurzem a bleibt von cātaka in94 unterschieden.

Vers 92
kāliṅgastanute homa ārogyamaparājayam |
cakravākena bandhūnāṃ sarveṣāmīśvaro bhavet ||

Kalinga im Homa soll Gesundheit und Unbesiegbarkeit verleihen; durch Chakravaka soll man Herr über alle Verwandten werden.

Vers 93
kāraṭena tu homena dhanāyuḥkavitāṃ labhet |
hāṃsena mokṣamāpnoti dātyūhairatibuddhitām ||

Durch ein Homa mit Karata soll man Vermögen, Lebensdauer und dichterische Begabung erlangen; Hamsa soll Befreiung, Datyuha außerordentliche Einsicht verleihen.

Anmerkung: Karata ist eine unsichere Vogelbezeichnung der Quelle.

Vers 94
tittiraiścirajīvitvaṃ cātakairmohanaṃ tathā |
māyūramāṃsahomena vimānādhipatirbhavet ||

Tittiri soll langes Leben, Chataka Betörung bewirken; durch ein Homa mit Pfauenfleisch soll man Herr eines Himmelsfahrzeugs werden.

Vers 95
gārdhreṇa khaḍgasiddhiḥ syādbakaiḥ saubhāgyasaukhyabhāk |
cilena dhātusiddhiḥ syāt krauñcaistarati durgatim ||

Geierfleisch soll Schwert-Siddhi verleihen, Baka Glück und Wohlsein, Chila die Siddhi der Metalle; durch Krauncha soll man widrige Daseinszustände überwinden.

Anmerkung: Dhātusiddhi ist hier wahrscheinlich alchemistische Metallvervollkommnung; der Vers erläutert sie nicht näher.

Vers 96
yāvatyaḥ siddhayaḥ santi trilokyāṃ varavarṇini |
tāvatīrlabhate sadyo homaṃ kīrāmiṣaiścaran ||

So viele Siddhis es in den drei Welten gibt, du Schöngefärbte, so viele soll unmittelbar erlangen, wer ein Homa mit Papageienfleisch vollzieht.

Mischungen, Mengen und Feuergruben

Der Abschnitt nennt Maße und Formen nach dem jeweiligen Ritualzweck, bevor er zur Yoga-Lehre übergeht.

Vers 97
ājyena vāpi madhunā dadhnā vā payasātha vā |
āmikṣayekṣudaṇḍena tilaiḥ śarkarayāpi vā ||

Mit geklärter Butter, Honig, Dickmilch oder Milch, mit Amiksha, Zuckerrohrstücken, Sesam oder Zucker –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 98. Amiksha ist ein traditionelles Milchprodukt; keine genaue Rezeptur ergänzt.

Vers 98
miśritairāhutirgrāhyā kevalā na kadācana |
prasṛtirmukhyapakṣaḥ syānmadhyamo'rdhamito bhavet ||

vermischt soll die Opfergabe verwendet werden, niemals allein. Als vorzügliches Maß gilt eine Prasriti, als mittleres deren Hälfte.

Anmerkung: Prasṛti ist ein traditionelles Hohlmaß; eine exakte moderne Umrechnung ist hier nicht gesichert.

Vers 99
homakarmaṇi caivātra triparvapramito'dhamaḥ |
caturasraṃ bhavet kuṇḍaṃ śāntipuṣṭyādikarmaṇi ||

Als geringstes Maß bei diesem Homa gilt die Menge dreier Fingerglieder. Für Riten der Befriedung, des Gedeihens und ähnliche Zwecke soll die Feuergrube viereckig sein.

Anmerkung: Die Maßlesung triparvapramita ist im OCR beschädigt; die Quellenfußnote stützt pramita. Keine technische Ausführung ergänzt.

Vers 100
māraṇoccāṭane dveṣavaśīkāre trikoṇakam |
stambhane mohane vāpi vartulaṃ kuṇḍamācaret ||

Für Tötung, Vertreibung, Zwietracht und Unterwerfung soll sie dreieckig sein; für Hemmung oder Betörung soll man eine runde Feuergrube anlegen.

Anmerkung: Historische Ritualzuordnungen, keine heutige Praxisanleitung.

Vers 101
bhuktimuktyekasiddhyarthaṃ dīrghaṃ kuṇḍaṃ samācaret |
yathā yatsamaye proktaṃ tatra kuryāttathāvidhim ||

Zur Verwirklichung von Bhukti und Mukti, Erleben und Befreiung, soll man eine längliche Feuergrube anlegen. Man soll jeweils nach der Vorschrift handeln, die für den betreffenden Zusammenhang überliefert ist.

Anmerkung: Samaya kann hier die verbindliche Überlieferungsordnung oder den jeweiligen Anlass bezeichnen; die Übersetzung legt keine ungesicherte Datierung fest.

Yoga, Nadis und Lebenshauch

Die subtile Körperlehre beschreibt Kanäle und Vayus. Zahlen und Ortsangaben werden quellentreu bewahrt, auch wo sie nicht ohne Weiteres zusammenpassen.

Vers 102
eṣa te kathito devi homakramavidhirmayā |
atha yogavidhiṃ mattaḥ śṛṇu sāvahitā satī ||

Damit habe ich dir, Göttin, die Ordnung des Homa erklärt. Höre nun aufmerksam von mir die Lehre des Yoga, du Gute.

Anmerkung: Übergang vom Feueropfer zum Yoga.

Vers 103
japahomārcanadhyānaprayogāścaikataḥ sthitāḥ |
ekato vāyurodhena dehaṣaṭcakrabhedanam ||

Auf der einen Seite stehen Japa, Homa, Verehrung, Meditation und rituelle Anwendungen; auf der anderen das Durchdringen der sechs Chakras des Körpers durch das Anhalten des Atems.

Anmerkung: Das Schlusswort der ersten Hälfte ist in der OCR beschädigt; sthitāḥ ist eine kontextuelle Lesung.

Vers 104
sadāśivena yaḥ proktaḥ kramo yogavidhermama |
tasmin kṛte kimebhirvā prayogaiḥ sādhanairapi ||

Wenn jene Abfolge der Yoga-Lehre vollzogen ist, die Sadashiva mir mitgeteilt hat, wozu bedarf es dann dieser Anwendungen und weiteren Sadhanas?

Anmerkung: Die Aussage gehört zur internen Gewichtung des Textes; kein pauschales Urteil über alle Yogawege ergänzt.

Vers 105
yo yogena tanūmetāṃ sādhayedvidhivat […] |
parārdhaśatajīvī sa evamāha sadāśivaḥ ||

Wer diesen Körper durch Yoga auf rechte Weise vervollkommnet …, soll hundert Parardhas lang leben. So sprach Sadashiva.

Anmerkung: Fragment: Anfangsschluss nach vidhivat bleibt beschädigt. Der ältere Kamakala-Zeuge ohne Buchstaben,4534–4535, erlaubt die zusätzliche Lesung parārdhaśatajīvī. Parardha ist eine außerordentlich große traditionelle Zahl; die Verheißung wird nicht in eine scheinbar gesicherte moderne Lebensdauer umgerechnet.

Vers 106
tatrādau dehasaṃsthānamākarṇaya varānane |
dve sahasre tu nāḍīnāṃ vasato dehapañjare ||

Höre zunächst über den Aufbau des Körpers, Schönangesichtige. Zweitausend Nadis wohnen im Gehäuse des Körpers.

Anmerkung: Die Zahl folgt der lesbaren Quelle und wird nicht an die abweichende Zahl in Vers 136 angepasst. Nadi meint hier einen Kanal der subtilen Körperlehre.

Vers 107
kīkasāni ca tiṣṭhanti dvātriṃśaditi niścayaḥ |
vāyavo daśa tiṣṭhanti pañca teṣu mahattarāḥ ||

Zweiunddreißig Knochen befinden sich dort, so heißt es bestimmt. Zehn Vayus sind vorhanden; fünf von ihnen sind die wichtigeren.

Anmerkung: Historische Körperlehre, keine anatomische Bestandsaufnahme. Kīkasa bezeichnet Knochen; eine speziellere Zuordnung wäre ungesichert.

Vers 108
sūryācandramasoḥ sthānaṃ dehamadhye vyavasthitam |
ākāśabhūmisalilavahnīnāṃ tatra saṃsthitiḥ ||

Im Inneren des Körpers befinden sich die Orte von Sonne und Mond; dort sind auch Raum, Erde, Wasser und Feuer gegenwärtig.

Vers 109
vāyustu sarvadeheṣu calatyeva pratikṣaṇam |
yasmāt prayātyaṇurbhūtvā tasmāt prāṇa itīryate ||

Der Vayu bewegt sich in jedem Augenblick durch sämtliche Körper. Weil er, fein geworden, voranschreitet, wird er Prana genannt.

Anmerkung: Traditionelle Worterklärung des Textes, keine sprachhistorische Etymologie.

Vers 110
agnisthānaṃ yadetasmiṃstajjāmbūnadasannibham |
trikoṇākārato jñeyamitareṣāṃ tu maṇḍalam ||

Der Feuerort in diesem Körper gleicht dem Glanz des Goldes und ist als dreieckig zu verstehen; die Bereiche der anderen sind rund.

Anmerkung: Die genaue Geometrie der übrigen Elemente wird hier nicht weiter ausgeführt.

Vers 111
trikoṇamagnisthānaṃ yaddehamadhyaṃ taducyate |
yadyatra tiṣṭhati tanau tvaṃ tadādau nibodha me ||

Dieser dreieckige Feuerort wird Körpermitte genannt. Erfahre zunächst von mir, was sich an welcher Stelle des Körpers befindet.

Vers 112
adho meḍhrād dvyaṅgulaṃ tattāvadeva gudopari |
ekāṅgulapramāṇaṃ taddehamadhyaṃ prakīrtitam ||

Zwei Fingerbreit unter dem Geschlechtsorgan und ebenso weit oberhalb des Afters liegt der als Körpermitte bezeichnete Bereich; seine Ausdehnung wird mit einem Fingerbreit angegeben.

Anmerkung: Die Maßangabe dvy-aṅgula ist aus beschädigter OCR normalisiert; als traditionelle Ortsbeschreibung, nicht als moderne Anatomie, wiedergegeben.

Vers 113
dehamadhyādūrdhvamasti kandaṃ devi navāṅgulam |
caturaṅgulamucchāyamāyāmaṃ tāvadeva ca ||

Neun Fingerbreit oberhalb der Körpermitte liegt der Kanda, Göttin; er ist vier Fingerbreit hoch und ebenso lang.

Anmerkung: Kanda: der knollenförmig gedachte Ursprung der Nadis.

Vers 114
ākāreṇāṇḍasadṛśaṃ tvagasthipariveṣṭitam |
tatra saṃcarati prāṇaḥ sve sthāne paramopari ||

Seine Gestalt gleicht einem Ei; er ist von Haut und Knochen umgeben. Dort bewegt sich Prana an seinem eigenen, oben gelegenen Ort.

Anmerkung: Die Schlusswendung paramopari ist ungewöhnlich und lokal unsicher; keine genauere Körperstelle ergänzt.

Vers 115
tasyopariṣṭādvijñeyaṃ kuṇḍalīsthānamuttamam |
kṛtsno yogavidhistatra siddhiścāpi pratiṣṭhitā ||

Darüber ist der vorzügliche Ort der Kundali zu erkennen. In ihm gründen die gesamte Yoga-Lehre und die Siddhi.

Anmerkung: Kundali ist hier eine Namensform von Kundalini.

Vers 116
kandamadhye sthitāstatra mukhyā nāḍyaścaturdaśa |
ekaikasyāṃ dvicatvāriṃśacchataṃ pariniṣṭhitāḥ ||

Im Kanda befinden sich vierzehn Hauptnadis. Mit jeder einzelnen sind zweiundvierzig Hundertschaften, also viertausendzweihundert, verbunden.

Anmerkung: Die auffällige Zahlenangabe bleibt erhalten; sie wird nicht rechnerisch mit Vers 106 oder 136 harmonisiert.

Vers 117
tisrastāsvapi mukhyāḥ syuḥ suṣumṇeḍātha piṅgalā |
payasvinīsarasvatyau vāraṇā ca kuhūstathā ||

Unter ihnen sind wiederum drei die wichtigsten: Sushumna, Ida und Pingala. Hinzu kommen Payasvini, Sarasvati, Varana und Kuhu –

Anmerkung: Die Liste wird in Vers 118 abgeschlossen. Vāraṇā folgt der hier lesbaren Form der Quelle.

Vers 118
gāndhārī śaṅkhinī pūṣā hastijihvāpyalambuṣā |
viśvodarā yaśasvinyau mukhyā hyetāścaturdaśa ||

Gandhari, Shankhini, Pusha, Hastijihva und Alambusha sowie Vishvodara und Yashasvini: Dies sind die vierzehn Hauptnadis.

Vers 119
mokṣamārgaḥ suṣumṇā sā brahmarandhre pratiṣṭhitā |
tasyā vāme iḍā jñeyā candrasañcārasañcitā ||

Sushumna ist der Weg zur Befreiung und reicht zum Brahmarandhra. Links von ihr ist Ida zu erkennen, die vom Strom des Mondes erfüllt ist.

Anmerkung: Brahmarandhra: die in dieser Yoga-Lehre gedachte Öffnung am Scheitel.

Vers 120
dakṣiṇe piṅgalā nāḍī ravisañcāraśobhitā |
sarasvatī kuhūścaiva suṣumṇāpārśvayoḥ sthite ||

Rechts liegt die Nadi Pingala, vom Sonnenstrom erhellt. Sarasvati und Kuhu befinden sich zu beiden Seiten der Sushumna.

Anmerkung: Die dualische Endung sthite ist grammatisch normalisiert gegenüber dem OCR sthitā.

Vers 121
gāndhārī hastijihvā ca iḍāyāḥ pṛṣṭhapārśvayoḥ |
pūṣā payasvinī caiva piṅgalāpṛṣṭhapārśvayoḥ ||

Gandhari und Hastijihva liegen hinter beziehungsweise seitlich von Ida; Pusha und Payasvini liegen entsprechend hinter beziehungsweise seitlich von Pingala.

Vers 122
kuhośca hastijihvāyā madhye viśvodarā sthitā |
payasvinīkuhormadhye vāraṇā ca prakīrtitā ||

Zwischen Kuhu und Hastijihva liegt Vishvodara; zwischen Payasvini und Kuhu wird Varana verortet.

Vers 123
pūṣāyāśca sarasvatyāḥ sthitā madhye yaśasvinī |
gāndhāryāśca sarasvatyāḥ śaṅkhinī madhyasaṃsthitā ||

Zwischen Pusha und Sarasvati liegt Yashasvini, zwischen Gandhari und Sarasvati Shankhini.

Vers 124
alambuṣā ca deveśi kandamadhyādadhaḥ sthitā |
pūrvabhāge suṣumṇāyā meḍhrāntaṃ ca kuhūḥ sthitā ||

Alambusha liegt unterhalb der Mitte des Kanda, Herrin der Götter. Vor der Sushumna liegt Kuhu und reicht bis zum Ende des Geschlechtsorgans.

Vers 125
adhaścordhvaṃ ca vijñeyā vāraṇā sarvagāminī |
payasvinī ca yāmyasya pādāṅguṣṭhāntamiṣyate ||

Varana ist als nach unten und oben, überallhin verlaufend zu erkennen. Payasvini reicht bis zur Spitze des rechten großen Zehs.

Anmerkung: Yāmya wird hier im Körperkontext als rechte Seite verstanden.

Vers 126
piṅgalā cordhvagā yāmye nāsāntaṃ viddhi pārvati |
yāmye pūṣā ca netrāntaṃ piṅgalāyāstu pṛṣṭhataḥ ||

Wisse, Parvati: Pingala steigt rechts bis zur Nase auf. Pusha liegt hinter Pingala und reicht rechts bis zum Auge.

Vers 127
yaśasvinī nāḍikā ca yāmyakarṇāntamiṣyate |
sarasvatī tathā cordhvamājihvāyāṃ pratiṣṭhitā ||

Die Nadi Yashasvini reicht bis zum rechten Ohr; Sarasvati steigt bis zur Zunge auf.

Anmerkung: Die Verbindung ājihvāyām ist in der OCR beschädigt; die Endstelle Zunge ist klar.

Unnummerierter Text
iḍā ca savyanāsāntā savyabhāgavyavasthitā |

Ida liegt auf der linken Seite und reicht bis zur linken Nasenöffnung.

Anmerkung: Zusätzlicher Halbvers aus der Variantenfußnote der Datei e, dort einem Parallelzeugen zugeschrieben und vor 7.128 eingeordnet. Kein stillschweigender Bestandteil der Hauptfassung und keine eigene Versnummer.

Vers 128
āsavyakarṇāddeveśi śaṅkhinī cordhvagā matā |
gāndhārī savyanetrāntamiḍāyāḥ pṛṣṭhataḥ sthitā ||

Shankhini gilt als aufwärts bis zum linken Ohr verlaufend, Herrin der Götter. Gandhari liegt hinter Ida und reicht bis zum linken Auge.

Vers 129
hastijihvā tathā savyaṃ pādāṅguṣṭhāntamiṣyate |
viśvodarā ca yā nāḍī savye savye gatā smṛtā ||

Hastijihva reicht bis zum linken großen Zeh. Die Nadi Vishvodara wird als zur linken Seite verlaufend beschrieben.

Anmerkung: Die Quelle wiederholt savye; die genaue Verteilung der Vishvodara bleibt deshalb unsicher. Nicht stillschweigend zu »beiderseits« korrigiert.

Vers 130
alambuṣā mahābhāgā pādamūlādadhogatā |
prāṇo'pānaḥ samānaśca udāno vyāna eva ca ||

Die erhabene Alambusha verläuft von der Fußwurzel abwärts. Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana –

Anmerkung: Die Ortsangabe pādamūla ist auffällig und bleibt als Quellenlesung erhalten. Beginn der Vayu-Liste, fortgesetzt in Vers 131.

Vers 131
nāgaḥ kūrmaḥ kṛkaraśca devadatto dhanañjayaḥ |
ete nāḍīṣu sarvāsu caranti daśa vāyavaḥ ||

Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya: Diese zehn Vayus bewegen sich in sämtlichen Nadis.

Anmerkung: Vayu meint hier eine Funktion des Lebenshauchs.

Vers 132
eteṣu vāyavaḥ pañca mukhyāḥ pūrvoditāḥ priye |
teṣu mukhyatamaḥ prāṇaḥ kandasyādhaḥ pratiṣṭhitaḥ ||

Unter diesen sind die zuerst genannten fünf Vayus die wichtigsten, Geliebte. Der wichtigste von ihnen ist Prana, der unterhalb des Kanda verortet wird.

Anmerkung: Die Quelle nennt anschließend weitere Aufenthaltsorte Pranas.

Vers 133
mukhanāsikayormadhye hṛdaye nābhimaṇḍale |
kandamadhye'pi ca prāṇaḥ svayamevāvatiṣṭhate ||

Zwischen Mund und Nase, im Herzen, im Nabelbereich und auch in der Mitte des Kanda hält sich Prana selbst auf.

Vers 134
apāno meḍhrapāyvośca ūruvaṅkṣaṇajānuṣu |
jaṅghodare ca kaṭyāṃ ca nābhimūle ca tiṣṭhati ||

Apana befindet sich im Geschlechtsorgan und im After, in Oberschenkeln, Leisten und Knien, in Unterschenkeln und Bauch, in der Hüftregion und an der Nabelwurzel.

Anmerkung: Die Verbindung jaṅghodara ist als Unterschenkel und Bauch verstanden; eine alternative engere Körperregion wird nicht ergänzt.

Vers 135
vyānaḥ śrotrākṣimadhye ca hṛtkaṭyāṃ gulphayorapi |
samānaḥ sarvadeheṣu sarvavyāpī pratiṣṭhitaḥ ||

Vyana befindet sich im Bereich von Ohren und Augen, in Herz und Hüftregion sowie in den Knöcheln. Samana ist allgegenwärtig im ganzen Körper verortet.

Vers 136
bhuktaṃ sarvarasaṃ gātre vyāpayan vahninā saha |
dvisaptatisahasreṣu nāḍīmadhyeṣu sañcaran ||

Gemeinsam mit dem Feuer verteilt er den gesamten Saft der aufgenommenen Nahrung im Körper und bewegt sich durch die zweiundsiebzigtausend Nadis –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 137. Die Zahl wird unverändert neben den anderen Nadi-Zahlen des Kapitels bewahrt.

Vers 137
samāno vāyurevaikaḥ sthito vyāpya kalevaram |
nāgādivāyavaḥ pañca tvagasthyādiṣu saṃsthitāḥ ||

dieser eine Vayu Samana durchdringt den Leib. Die fünf Vayus beginnend mit Naga befinden sich in Haut, Knochen und weiteren Körperbestandteilen.

Vers 138
niḥśvāsocchvāsakādiśca prāṇakarmetīṣyate |
apānavāyoḥ karmaitadviṇmūtrādivisarjanam ||

Aus- und Einatmen und ähnliche Vorgänge gelten als Tätigkeit Pranas. Die Tätigkeit des Apana-Vayu ist die Ausscheidung von Kot, Urin und anderem.

Vers 139
prāṇopādānaceṣṭādi vyānakarmeti kīrtitam |
udānakarma tatproktaṃ dehasyonnamanādikam ||

Die Aufnahme des Lebenshauchs, Bewegungen und ähnliche Vorgänge werden als Tätigkeit Vyanas bezeichnet; die Tätigkeit Udanas ist das Aufrichten und Anheben des Körpers und Ähnliches.

Anmerkung: Die Verbindung prāṇopādāna ist ungewöhnlich; wörtlich wiedergegeben, ohne eine moderne physiologische Funktion zu ergänzen.

Vers 140
śoṣaṇādi samānasya śarīre karma kīrtyate |
kṣepaṇādiguṇo yaśca nāgakarmeti kīrtitam ||

Aufzehren beziehungsweise Austrocknen und ähnliche Vorgänge im Körper werden Samana zugeschrieben; Ausstoßen und ähnliche Funktionen gelten als Tätigkeit Nagas.

Anmerkung: Śoṣaṇa ist die lesbare Quellenform; nicht stillschweigend an andere Prana-Lehren angepasst.

Vers 141
nimīlanādi kūrmasya kṣuttṛṣṇā kṛkarasya ca |
devadattasya deveśi nidrā tandreti kīrtitam ||

Das Schließen der Augen und Ähnliches gehört zu Kurma, Hunger und Durst zu Krikara. Devadatta werden Schlaf und Schläfrigkeit zugeschrieben, Herrin der Götter.

Anmerkung: Kṣut ist hier im Paar mit Durst als Hunger verstanden; andere Vayu-Zuordnungen werden nicht eingemischt.

Vers 142
dhanañjayasya śoṣādi sarvakarma prakīrtitam |
jñātvaivaṃ nāḍikāsthānaṃ vāyuyānaṃ ca yatnataḥ ||

Dhananjaya wird die gesamte Tätigkeit des Austrocknens und ähnlicher Vorgänge zugeschrieben. Nachdem man so die Orte der Nadis und die Wege der Vayus sorgfältig erkannt hat –

Anmerkung: Die Wiederholung von śoṣa bleibt erhalten. Fortsetzung in Vers 143.

Rückzug, Kundalini und die gestaltlose Göttin

Nach Reinigung und Vorbereitung führt der Text in eine Meditation über Licht, Bewusstsein und gestaltlose Gegenwart. Beschädigte Lautanordnungen werden nicht rekonstruiert.

Vers 143
nāḍīnāṃ śodhanaṃ kuryādyathāvidhi puraḥsaraḥ |
tatastapovanaṃ gatvā phalamūlodakānvitam ||

soll man vorschriftsmäßig mit der Reinigung der Nadis vorangehen. Dann soll man sich in einen Wald der Askese begeben, in dem Früchte, Wurzeln und Wasser vorhanden sind –

Anmerkung: Die Lesung puraḥsaraḥ ist grammatisch auffällig, aber der Sinn der vorgeschriebenen Nadi-Reinigung ist klar.

Vers 144
tatra ramye śucau deśe nadyāṃ devālaye'pi vā |
suśobhanaṃ sthalaṃ kṛtvā sarvarakṣāsamanvitam ||

und dort an einem schönen, reinen Ort, an einem Fluss oder in einem Tempel einen ansprechenden Platz herrichten, mit allen Schutzvorkehrungen versehen.

Vers 145
trikālasnānasaṃyuktaḥ śucirbhūtvā samāhitaḥ |
mantranyāsinyastatanuḥ sitabhasmadharaḥ sadā ||

Man soll zu den drei Tageszeiten baden, rein und gesammelt sein, den Körper durch Mantra-Nyasa weihen und stets weiße Asche tragen.

Anmerkung: Die Mantra-Nyasa-Verbindung ist in der OCR beschädigt; hier behutsam normalisiert.

Vers 146
samasthalopari kuśān samāstīryātha vājinam |
vināyakaṃ susaṃpūjya kuśapuṣpodakādibhiḥ ||

Auf ebenem Boden soll man Kusha-Gras oder ein Fell ausbreiten und Vinayaka mit Kusha-Gras, Blüten, Wasser und weiteren Gaben verehren –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 147; ajina bezeichnet ein Tierfell, nicht eine moderne Yogamatte.

Vers 147
gurūn devīṃ namaskṛtya tatra cābadhya cāsanam |
udaṅmukhaḥ prāṅmukho vā pavitrāsanasaṅgataḥ ||

sich vor den Gurus und der Göttin verneigen und dort den Sitz einnehmen, nach Norden oder Osten gewandt, auf einer reinen Sitzunterlage.

Vers 148
samagrīvaśiraḥkāyaḥ saṃvṛtāsyaḥ suniścalaḥ |
suṣumṇāvartmanā vāyuṃ kuṇḍalinyāṃ dhamet kṣaṇam ||

Mit Hals, Kopf und Körper in einer Linie, geschlossenem Mund und ganz unbeweglich soll man den Atem einen Augenblick durch die Bahn der Sushumna zur Kundalini treiben.

Anmerkung: Historische Yoga-Vorschrift; keine individuelle Anleitung zur Atemretention.

Vers 149
gacchatyabhivyaktimidaṃ nādabrahma sanātanam |
tannādaṃ piṅgalāmārge samānīya hṛdambuje ||

Dann tritt dieses ewige Nada-Brahman, das Absolute als Klang, in Erscheinung. Diesen Klang soll man auf der Bahn der Pingala in den Herzlotus führen –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 150; die beschädigte Herzlotus-Lesung ist kontextuell normalisiert.

Vers 150
iḍayā pūrayettāvadyāvadvarṇātmakaṃ bhavet |
bhūmerupari dhātāraṃ ratyā bindusamanvitam ||

und durch Ida so lange füllen, bis er die Gestalt von Lauten annimmt. Über der Erde wird Dhatri gesetzt, verbunden mit Rati und Bindu –

Anmerkung: Beginn einer verschlüsselten Laut- beziehungsweise Visualisierungsanordnung. Die tatsächlichen Silben sind nicht sicher bestimmt; keine vollständige Formel rekonstruiert.

Vers 151
[…] ekīkṛtya tu tatsarvamākarṣeddhastijihvayā ||

[Lesbares Fragment:] Man soll all dies vereinigen und durch Hastijihva heranziehen.

Anmerkung: Fragment: Die erste Hälfte enthält eine beschädigte Anordnung innerhalb einer Scheibe beziehungsweise Einfassung und ein ungesichertes Silbenzeichen. Keine scheinbar sichere Rekonstruktion.

Vers 152
viśvodarālambuṣābhyāṃ brahmarandhre niveśayet |
niveśya tāṃ tatra devīṃ nirākārāṃ vicintayet ||

Durch Vishvodara und Alambusha soll man sie im Brahmarandhra einsetzen. Nachdem man die Göttin dort eingesetzt hat, soll man sie als gestaltlos betrachten.

Vers 153
ekāṃ jyotirmayīṃ śuklāṃ sarvagāṃ vyomarūpiṇīm |
atyantanirmalāṃ śuddhāmādimadhyāntavarjitām ||

Als die Eine, aus Licht bestehend, hell, überall gegenwärtig und von der Natur des Raumes; vollkommen makellos, rein, ohne Anfang, Mitte und Ende.

Anmerkung: Teil einer zusammenhängenden Meditation über die gestaltlose Göttin.

Vers 154
atisūkṣmāmanākāśāmaspṛśyāṃ tāmacākṣuṣīm |
kūṭasthāmapyadṛśyāṃ tāṃ saccidānandavigrahām ||

Als überaus fein, nicht räumlich begrenzt, unberührbar und den Augen unzugänglich; unwandelbar und unsichtbar, deren Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist.

Anmerkung: Anākāśa heißt wörtlich »nicht Raum«; »nicht räumlich begrenzt« ist eine sinngemäße Deutung im Kontext. Die Spannung zu vyomarūpiṇī in 153 bleibt erkennbar.

Vers 155
agandhāmarasāṃ svacchāmaprameyāmanūpamām |
ānandāmajarāṃ nityāṃ sadasatsarvakāriṇīm ||

Ohne Geruch und Geschmack, klar, unermesslich und unvergleichlich; Glückseligkeit, alterslos und ewig, die alles Seiende und Nichtseiende hervorbringt.

Anmerkung: Aprameyā, »unermesslich«, ist aus beschädigter OCR kontextuell gelesen.

Vers 156
sarvādhārāṃ jagadrūpāmamṛtyuṃ cāvyayāmajām |
anavasthāmapratarkyāṃ bahiḥsthāṃ sarvatomukhīm ||

Trägerin von allem, von der Gestalt der Welt, todlos, unvergänglich und ungeboren; nicht auf einen Zustand festgelegt, durch Denken nicht zu erfassen, auch außerhalb gegenwärtig und nach allen Seiten blickend.

Anmerkung: Bahiḥsthā ist eine unsichere Lesung der beschädigten Quelle; keine weitere Ortsangabe ergänzt.

Vers 157
sarvadṛk sarvataḥpādāṃ sarvaspṛk sarvataḥśirām |
nirañjanīṃ nirvikārāṃ śuddhacaitanyarūpiṇīm ||

Alles sehend, mit Füßen überall, alles berührend, mit Häuptern überall; unbefleckt, unveränderlich, von der Natur reinen Bewusstseins.

Anmerkung: Die ersten Kompositionsformen sind grammatisch unregelmäßig überliefert; ihre Bedeutung ist hinreichend klar.

Vers 158
nādopāhṛtabījena dhyāyaṃstatra yajedimām |
kulākulasamudbhūtāmamṛtānandasañcayām ||

Während man über sie meditiert, soll man sie dort mit dem durch Nada herbeigeführten Bija verehren: hervorgegangen aus Kula und Akula, eine Fülle unsterblicher Glückseligkeit.

Anmerkung: Kula und Akula bleiben als Begriffe der tantrischen Lehre erhalten; der Vers selbst entfaltet ihre Bedeutung nicht.

Vers 159
sūryakoṭisamāṃ śubhrāṃ nādabījatayā sthitām |
ṣaṭcakrabhedena yajedyoge kuṇḍalinīhṛdoḥ ||

Hell wie Millionen Sonnen, gegenwärtig als Klang und Bija, soll man sie durch das Durchdringen der sechs Chakras bei der Vereinigung von Kundalini und Herz verehren.

Anmerkung: Die abschließende Verbindung kuṇḍalinīhṛdoḥ ist auffällig; »Vereinigung von Kundalini und Herz« ist eine vorsichtige wörtliche Deutung, keine gesicherte Rekonstruktion eines anderen Begriffs.

Vers 160
ādhārapadmamadhye'ntardvipatre tridale'pi ca |
svādhiṣṭhāne ṣoḍaśāre pīṭhe ca maṇipūrake ||

Im Inneren des Adhara-Lotus, im zweiblättrigen und im dreiblättrigen Bereich, im Svadhishthana, im sechzehnspeichigen Sitz und im Manipura –

Anmerkung: Die Folge und Zuordnung der Chakra-Bezeichnungen ist in dieser Quelle auffällig. Sie wird nicht an ein geläufigeres Chakra-System angepasst; der Satz setzt sich fort.

Vers 161
dvādaśe ca viśuddhe'pi tatrāpyaṣṭadale tathā |
hṛdaye daśapatre tu dvādaśārdhe caturdale ||

im zwölfteiligen Bereich und im Vishuddha, ebenso im achtblättrigen, im Herzen, im zehnblättrigen, im halbzwölfteiligen, also sechsfachen, und im vierblättrigen –

Anmerkung: Die Aufzählung ist lesbar, ihre genaue anatomisch-rituelle Zuordnung jedoch nicht zuverlässig erschließbar. Keine Umordnung zu einem geläufigen Chakrasystem.

Vers 162
kaṇṭhe bhāle yajeddevīṃ jihvayā nādamuccaran |
gacchantīṃ brahmamārgeṇa sūkṣmaṣaṭcakrabhedinīm ||

im Hals und an der Stirn soll man die Göttin verehren, während man mit der Zunge den Nada erklingen lässt: Sie schreitet auf dem Brahma-Weg und durchdringt die sechs subtilen Chakras.

Vers 163
pracyotadamṛtaṃ divyaṃ kṣīradhāropamaṃ dravam |
pītvā sadāśivenaiva sāmarasyapadaṃ gatām ||

Nachdem sie den herabfließenden göttlichen Nektar getrunken hat, flüssig wie ein Milchstrom, ist sie mit Sadashiva in den Zustand des Samarasa eingegangen, des Einsseins im gleichen Wesen.

Anmerkung: Pracyotat ist als Quellenlesung bewahrt; das Wort für das Fließen ist im OCR beschädigt. Samarasa bedeutet wörtlich »gleicher Geschmack«.

Vers 164
yajeddhyāyennamaskuryādyadyadicchedananyadhīḥ |
sāmarasyapadaṃ prāptāṃ yaḥ kṣaṇaṃ cintayetsudhīḥ ||

Man soll sie verehren, über sie meditieren und sich vor ihr verneigen, dem eigenen Anliegen entsprechend und mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Ein Kundiger, der sie auch nur einen Augenblick im erreichten Samarasa-Zustand betrachtet –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 165.

Vers 165
rājasūyāśvamedhānāṃ teneṣṭā yajñakoṭayaḥ |
kāṣṭhāṃ kalāṃ kṣaṇaṃ vyāpya yaḥ sthitastatra sādhakaḥ ||

hat damit Millionen von Rajasuya- und Ashvamedha-Opfern vollzogen. Ein Sadhaka, der dort für eine Kashtha, eine Kala oder einen Augenblick verweilt –

Anmerkung: Traditionelle kleine Zeiteinheiten, hier ohne Umrechnung. Die Opfergleichsetzung ist eine religiöse Wertung des Textes.

Vers 166
vājapeyaḥ puṇḍarīko viśvajittena vai kṛtaḥ |
punastenaiva mārgeṇa nayetkuṇḍalinīmadhaḥ ||

hat damit Vajapeya, Pundarika und Vishvajit vollzogen. Danach soll man Kundalini auf demselben Weg wieder nach unten führen.

Anmerkung: Die drei Namen bezeichnen Opferhandlungen.

Vers 167
paśyantyāparayā tatra vaikharyā vartmanāpi ca |
saṃyojya lambikāmārgāttālumūlādadho nayet ||

Man soll sie dort mit Pashyanti, Para und dem Weg der Vaikhari verbinden und durch die Bahn der Lambika von der Gaumenwurzel nach unten führen.

Anmerkung: Die Trennung paśyantyā parayā ist unsicher; die Quelle könnte auch eine andere Verbindung voraussetzen. Die genannten Begriffe gehören zur Lehre von den Sprachstufen. Lambika bezeichnet das Gaumenzäpfchen beziehungsweise den entsprechenden subtilen Bereich.

Vers 168
jihvayākṛṣya tāṃ vidyāṃ hṛdabje viniveśayet |
mūlādbrahmarandhrāntamekībhūtaṃ vicintayet ||

Mit der Zunge soll man diese Vidya heranziehen und in den Herzlotus einsetzen. Von der Wurzel bis zum Brahmarandhra soll man alles als vereinigt betrachten.

Anmerkung: Die Vidya wird hier personifiziert; keine rein körperliche Übung aus dieser knappen Formel abgeleitet.

Vers 169
hṛdabjādapi niṣkāsya tathā nāḍīpathādapi |
pradīpakalikākārāṃ kanda eva niveśayet ||

Nachdem man sie aus dem Herzlotus und ebenso aus der Nadi-Bahn herausgeführt hat, soll man sie in Gestalt einer kleinen Lampenflamme wieder im Kanda einsetzen.

Anmerkung: Die Lesung nāḍīpatha ist gegenüber der beschädigten OCR normalisiert.

Befreiung und die Grenze des Siddhi-Strebens

Auf Vollendungsverheißungen folgt die ausdrückliche Warnung, außergewöhnliche Kräfte könnten vom Ziel der Befreiung ablenken.

Vers 170
etadabhyāsayogena yatphalaṃ tacchṛṇuṣva me |
na kṣutpipāsā na jarā na mṛtyurnāmayādi ca ||

Höre von mir, welche Wirkung die wiederholte Übung dieses Yoga haben soll: weder Hunger noch Durst, weder Alter noch Tod und auch keine Krankheit und Ähnliches.

Anmerkung: Religiöse Vollendungsverheißung; keine physiologische oder medizinische Zusage.

Vers 171
purīṣamūtre naiva […] nidrā tandrā bhavenna ca |
yāvān doṣaḥ śarīrasya teṣu ko'pi na jāyate ||

Kot und Urin sollen nicht mehr entstehen, ebenso wenig Schlaf und Schläfrigkeit; keiner der Mängel des Körpers soll mehr auftreten.

Anmerkung: Die Verbalform nach naiva ist beschädigt; die Verneinung der Körperfunktionen ist verständlich. Historische Behauptung, keine heutige Gesundheitslehre.

Vers 172
atītānāgataṃ vetti vāksiddhirapi jāyate |
sarasvatī tasya mukhe svayametya vasetsadā ||

Er kennt Vergangenheit und Zukunft, und Vaksiddhi entsteht. Sarasvati soll selbst kommen und stets in seinem Mund wohnen.

Anmerkung: Vaksiddhi: Vollendung oder Wirkmacht der Rede.

Vers 173
parārdhajīvī ca bhavet kāmarūpī bhavatyapi |
devānākarṣayeccāpi khecaro jāyate tathā ||

Er soll ein Parardha lang leben, nach Belieben seine Gestalt verändern, Götter heranziehen und zum Himmelswandler werden.

Anmerkung: Parārdha bezeichnet eine außerordentlich große traditionelle Zahl beziehungsweise Zeitspanne; keine ungesicherte moderne Jahreszahl berechnet.

Vers 174
varṇituṃ śakyate nāsya mahimā varṣakoṭibhiḥ |
sākṣātsa rudro bhavati pāñcabhautikadehabhṛt ||

Seine Größe lässt sich nicht einmal in Millionen Jahren beschreiben. Er wird wahrhaft Rudra selbst, obwohl er einen aus den fünf Elementen bestehenden Körper trägt.

Vers 175
prāpnoti mokṣamevāsau ṣaṇmāsābhyantare naraḥ |
mokṣaikasādhakasyāsya vidheranyāstu siddhayaḥ ||

Dieser Mensch soll innerhalb von sechs Monaten Befreiung erlangen. Für dieses Verfahren, das allein der Befreiung dient, sind die anderen Siddhis jedoch –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 176. Die Zeitangabe ist eine Verheißung der Quelle.

Vers 176
kevalaṃ vighnakāriṇya ityetadviddhi pārvati |
mūḍhāstu kevalaṃ siddhīrabhikāṅkṣanti nityaśaḥ ||

lediglich Hindernisse; wisse dies, Parvati. Nur die Verblendeten verlangen fortwährend allein nach Siddhis.

Vers 177
mokṣārthameva yatate dhīraḥ saṃsārasāgare |
nāḍyaścaturdaśa proktāḥ pūrvaṃ mukhyatamā hi yāḥ ||

Der Besonnene strebt im Ozean des Samsara allein nach Befreiung. Die vierzehn Nadis, die zuvor als die wichtigsten bezeichnet wurden –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 178.

Vers 178
tāsu vāyunirodhena bhūyasyaḥ syurhi siddhayaḥ |
teṣāṃ prakārā nākhyātā vistaratvānmayā priye ||

durch das Zurückhalten des Atems in ihnen sollen zahlreiche Siddhis entstehen. Ihre verschiedenen Verfahren habe ich wegen ihres Umfangs nicht erklärt, Geliebte.

Vers 179
kevalaṃ siddhihetutvaṃ teṣāṃ nātropayogitā |
vidhimenaṃ vidhātuṃ yo na samartho vimūḍhadhīḥ ||

Sie führen lediglich zu Siddhis und sind deshalb hier nicht von Nutzen. Wer dieses Verfahren wegen eines noch verwirrten Geistes nicht auszuführen vermag –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 180.

Bildhafte Meditation und Wege der Verehrung

Die Göttin wird im Herzlotus in ihrer furchtbaren Gestalt meditiert. Das Kapitel endet mit verschiedenen Verehrungswegen und der Bedeutung der inneren Ausrichtung.

Vers 180
sa cintayettu sākārāṃ tāṃ devīṃ hṛdayāmbuje |
dhyānaṃ samprati vakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā ||

soll die Göttin in sichtbarer Gestalt im Herzlotus betrachten. Nun werde ich diese Meditation erklären; höre gesammelt zu, Göttin.

Vers 181
dhyānameva hi jantūnāṃ kāraṇaṃ saukhyamokṣayoḥ |
hṛtpadmāṣṭadalopete kandamūlasamutthite ||

Meditation ist für die Lebewesen der Grund von Glück und Befreiung. Im achtblättrigen Herzlotus, der aus der Kanda-Wurzel emporwächst –

Anmerkung: Beginn der bildhaften Meditation; der Satz läuft weiter.

Vers 182
dvādaśāṅgulanāle'smiṃścaturaṅgulamucchrite |
prāṇāyāmairvikasite keśarānvitakarṇike ||

mit einem zwölf Fingerbreit langen Stiel, vier Fingerbreit hoch, durch Pranayama aufgeblüht, mit einem von Staubfäden umgebenen Fruchtboden –

Anmerkung: Die Maße folgen der Quelle ohne moderne anatomische Gleichsetzung.

Vers 183
hṛtsaroruhamadhye'smin prakṛtyātmikakarṇike |
aṣṭaiśvaryadalopete vidyākeśarasaṃyute ||

in diesem Herzlotus, dessen Fruchtboden Prakriti ist, dessen Blätter die acht Mächte und dessen Staubfäden die Vidyas sind –

Anmerkung: Prakriti: die schöpferische Natur; Vidyas: heilige Wissens- beziehungsweise Mantrakräfte.

Vers 184
jñānanāle mahākande prāṇāyāmaprabodhite |
viśvārciṣaṃ mahāvahniṃ vamantīṃ sarvatomukhīm ||

mit Erkenntnis als Stiel, dem großen Kanda, durch Pranayama erweckt: Dort soll man sie betrachten, die nach allen Seiten blickt und ein großes Feuer mit allumfassenden Flammen ausspeit –

Anmerkung: Der Anfang jñānanāla ist beschädigt und kontextuell gelesen. »Dort soll man sie betrachten« ergänzt im Deutschen den übergeordneten Meditationsauftrag, keine zusätzliche Sanskritpassage.

Vers 185
bhayaṅkarīṃ jagadyoniṃ lalajjihvākarālinīm |
bhāsayantīṃ svakaṃ dehamāpādatalamastakam ||

die Schreckenerregende, den Ursprung der Welt, mit heraushängender Zunge furchtbar anzusehen; sie erhellt den eigenen Körper von den Fußsohlen bis zum Scheitel.

Vers 186
pretabhūtapiśācādiḍākinīyoginīgaṇaiḥ |
bhairavādyaiḥ parivṛtāṃ śmaśānatalavāsinīm ||

Von Scharen von Pretas, Bhutas, Pishachas, Dakinis und Yoginis sowie Bhairavas und weiteren Gestalten umgeben, wohnt sie auf dem Verbrennungsplatz.

Vers 187
jvalatkarālajvalanacitāmadhyakṛtasthitim |
śavopari samārūḍhāṃ vimuktacikuroccayām ||

Sie steht mitten in einem Scheiterhaufen mit furchtbar lodernden Flammen, auf einen Leichnam gestiegen, mit einer Fülle offen herabfallender Haare.

Anmerkung: Śava, »Leichnam«, ist aus beschädigter OCR kontextuell gelesen.

Vers 188
niṣkrāntarasanākampaprakampitajagattrayām |
dantamaṇḍalanirgacchaccārucandrikayā tayā ||

Das Zittern ihrer herausgestreckten Zunge lässt die drei Welten erbeben. Mit dem schönen Mondlicht, das von der Reihe ihrer Zähne ausgeht –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 189.

Vers 189
dyotayantīṃ jagatsarvaṃ candramaṇḍalavatsadā |
tuṅgapīvaravakṣojabharanamrakalevarām ||

erhellt sie immer die ganze Welt wie die Mondscheibe; ihr Körper ist unter dem Gewicht ihrer hohen, vollen Brüste leicht gebeugt.

Anmerkung: Ikonographische Beschreibung der Göttin; keine Altersangabe.

Vers 190
pratyālīḍhapadāṃ devīmaṭṭahāsabhayapradām |
pārśvasthitābhyāṃ phaṇibhyāmatīva vikarālinīm ||

Die Göttin steht in Pratyalidha-Haltung und erregt durch ihr lautes Lachen Furcht; zwei seitlich stehende Schlangen lassen sie überaus schrecklich erscheinen.

Anmerkung: Die Lesung phaṇibhyām, »durch zwei Schlangen«, ist in der OCR unsicher; keine vermeintlich sichere Tieridentifikation. Pratyalidha bezeichnet eine breit ausgreifende Standhaltung.

Vers 191
nṛmuṇḍamālāsandohakṛtamālāvaguṇṭhinīm |
sadyaśchinnanṛmuṇḍābhyāṃ kuṇḍaladvayaśobhinīm ||

Sie ist von einer Fülle von Menschenkopfgirlanden umhüllt und trägt zwei frisch abgeschlagene Menschenköpfe als Ohrschmuck.

Anmerkung: Die erste Hälfte ist im OCR beschädigt; die Girlandenbeschreibung ist kontextuell normalisiert, nicht diplomatisch gesichert.

Vers 192
kaṭhorapīvarānīladoḥṣoḍaśavirājitām |
narāntrasnāyubaddhograpaṭṭaparicchadām ||

Sie erstrahlt mit sechzehn kräftigen, vollen, dunkelblauen Armen; ihr furchtbares Gürtelgewand ist aus menschlichen Eingeweiden und Sehnen gebunden.

Anmerkung: Die zweite Hälfte ist beschädigt; der Sinn der Körperstoff- und Gürtelbeschreibung ist erkennbar, die genaue Kompositumform bleibt eine unsichere Lesung.

Vers 193
digambarāṃ kharvatanuṃ hasantīṃ kāmalālasām |
saṃvartakālajvalanadurnirīkṣyatanuprabhām ||

Unbekleidet, von kleiner Gestalt, lachend und von Verlangen erfüllt; der Glanz ihres Körpers ist so schwer anzuschauen wie das Feuer der Weltauflösung.

Vers 194
kalpāntakopamārtaṇḍakoṭistambhanakāriṇīm |
nirvātadīpavattasmin dīpitāṃ havyavāhane ||

Sie lässt Millionen zorniger Sonnen am Ende des Weltzeitalters erstarren und leuchtet in jenem Opferfeuer wie eine Lampe an einem windstillen Ort.

Anmerkung: Die Verbindung kalpāntakopamārtaṇḍa ist aus der beschädigten OCR gelesen; die Sonnenzahl und der Gegensatz zum ruhigen Licht sind klar.

Vers 195
tatastasya śikhāmadhye saṃsthitāṃ jagadambikām |
dhyātvā kāmakalākālīṃ so'hamasmīti bhāvayet ||

Nachdem man die Weltenmutter Kamakala-Kali mitten in dieser Flamme meditiert hat, soll man die Vorstellung entfalten: »so ’ham asmi – Ich bin jenes göttliche Sein.«

Anmerkung: Die Formel so ’ham asmi steht grammatisch männlich im Text; im Kontext der Göttinnenmeditation nicht stillschweigend in sāham umgeschrieben.

Vers 196
tadrūpatāṃ samāsādya muktiṃ tenaiva gacchati |
athavā siddhilipsā cedbhavatyeva na saṃśayaḥ ||

Indem man ihr Wesen annimmt, gelangt man eben dadurch zur Befreiung. Oder, wenn Verlangen nach Siddhi besteht, soll auch sie zweifellos entstehen.

Vers 197
dhyāyan vai pañcaghaṭikāḥ sarvarogaiḥ pramucyate |
ghaṭikādaśakadhyānāt pṛthivyā jayamāpnuyāt ||

Wer fünf Ghatikas meditiert, soll von allen Krankheiten frei werden; durch zehn Ghatikas Meditation soll man Herrschaft über die Erde gewinnen.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungsbehauptungen. Ghatika ist eine Zeiteinheit; die Passage ist keine medizinische oder praktische Übungszusage.

Vers 198
nāḍīpañcadaśadhyānādvahnināsau na dahyate |
ghaṭikāviṃśatidhyānādvāyuvadvyomago bhavet ||

Nach fünfzehn Nadis Meditation soll Feuer ihn nicht verbrennen; nach zwanzig Ghatikas soll er wie der Wind durch den Luftraum gehen.

Anmerkung: Nadi bezeichnet hier eine Zeiteinheit, nicht einen Körperkanal. Die Unverbrennbarkeit wird ausschließlich als Behauptung des Textes wiedergegeben.

Vers 199
mūtraṃ purīṣaṃ jayati pañcaviṃśatināḍibhiḥ |
sampūrṇadivasenaiva sarvasiddhiḥ prajāyate ||

Nach fünfundzwanzig Nadis soll man Urin- und Kotausscheidung überwinden; durch einen vollen Tag sollen alle Siddhis entstehen.

Vers 200
ahorātreṇa deveśi jīvanmukto bhavennaraḥ |
iti yogavidhiḥ sarvaḥ kathitaste mayā kramāt ||

Nach einem Tag und einer Nacht soll der Mensch zu einem Jivanmukta, einem zu Lebzeiten Befreiten, werden, Herrin der Götter. Damit habe ich dir die gesamte Yoga-Lehre in ihrer Abfolge erklärt.

Vers 201
uttamo madhyamaḥ pakṣastathaivādhama eva ca |
uttamo yogamārgeṇa madhyamo dhyānasaṃśrayāt ||

Es gibt eine höchste, eine mittlere und eine niedrigere Vorgehensweise. Die höchste führt über den Yoga-Weg, die mittlere stützt sich auf Meditation.

Anmerkung: Dies ist die Rangordnung dieser Textpassage.

Vers 202
pūjādhyānādibhirjñeyo'pyadhamārādhanakramaḥ |
kṛte yuge vā tretāyāṃ yoga evottamo vidhiḥ ||

Als niedrigere Verehrungsweise gelten Puja, Meditation und weitere Handlungen. Im Krita- oder Treta-Zeitalter ist Yoga das vorzüglichste Verfahren.

Anmerkung: Die erneute Nennung von dhyāna neben der mittleren Stufe bleibt als Quellenbefund erhalten; keine systematische Glättung.

Vers 203
dhyānameva dvāparādau kalau nyāsārcanaṃ khalu |
alpāyuṣo'lpamedhāśca svalpaprajñā mahālasāḥ ||

Im Dvapara gilt vor allem Meditation, im Kali-Zeitalter hingegen Nyasa und Verehrung. Kurzlebig, mit geringer Erkenntniskraft und Einsicht, sehr träge –

Anmerkung: Beginn der traditionellen Klage über das Kali-Zeitalter; Fortsetzung in Vers 204.

Vers 204
durācārā nāstikāśca kāmalobhaparāyaṇāḥ |
īdṛśāśca narāḥ sarve bhaviṣyanti kalau yuge ||

mit schlechtem Verhalten, ohne Anerkennung der heiligen Ordnung und ganz auf Verlangen und Gier ausgerichtet: So sollen nach Aussage des Textes alle Menschen im Kali-Zeitalter werden.

Anmerkung: Nāstika ist ein polemischer religiöser Begriff der Quelle, nicht eine neutrale Beschreibung heutiger nichtreligiöser Menschen.

Vers 205
nāyaṃ yogo maheśāni bhaviṣyati guruṃ vinā |
kevalaṃ nyāsapūjādi kariṣyanti phalārthinaḥ ||

Dieser Yoga wird ohne Guru nicht gelingen, große Herrin. Die nach Ergebnissen Strebenden werden lediglich Nyasa, Puja und ähnliche Handlungen ausführen.

Vers 206
tathāpyāsthāvatāṃ devi phalaṃ kiñcitprayacchati |
evaṃ jñātvā tu yaḥ kuryāddhyānanyāsārcanāni hi ||

Dennoch gewährt dies den Vertrauenden einen gewissen Ertrag, Göttin. Wer in diesem Wissen Meditation, Nyasa und Verehrung vollzieht –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 207.

Vers 207
avaśyaṃ phalabhāgbhūyānnātra kāryā vicāraṇā |
dhyāne'rcane jape nyāse home ca balikarmaṇi ||

soll gewiss an ihrer Frucht teilhaben; daran sei nicht zu zweifeln. Bei Meditation, Verehrung, Japa, Nyasa, Homa und Bali –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 208.

Vers 208
bhāvanā yādṛśī yasya siddhiḥ syādeva tādṛśī |
iti te kathito devi prapañcaḥ kāmakālikaḥ ||

wie die innere Ausrichtung eines Menschen beschaffen ist, so soll auch seine Verwirklichung beschaffen sein. Damit habe ich dir, Göttin, die Entfaltung der Kamakala-Lehre erklärt.

Anmerkung: Bhāvanā: innere Vergegenwärtigung, Ausrichtung oder meditative Gestaltung; nicht auf bloßes Wunschdenken reduziert.

Vers 209
vada satyaṃ punarmattaḥ kimanyacchrotumicchasi ||

Sage mir nun aufrichtig: Was möchtest du darüber hinaus noch von mir hören?

Anmerkung: In der Quelle ein nummerierter Halbvers; nicht als fehlender vollständiger Doppelvers ergänzt und nicht für die Auswahl vollständiger Verse vorgesehen.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ sāmānyaviśeṣaprayogo nāma saptamaḥ paṭalaḥ |

Damit endet in der Adinatha zugeschriebenen Mahakala-Samhita das siebte Kapitel mit dem Titel »Allgemeine und besondere Anwendungen«.

Anmerkung: Der Kolophon verwendet denselben Titel wie Kapitel 6; diese Wiederholung bleibt erhalten. Die Zuschreibung ist eine Textangabe, keine unabhängig gesicherte Autorschaft.

Kamakala-Khanda, Kapitel 8: Der sechsfache Nyasa: Erzählung, Namen und Meditationen

Devi bittet um die weitere Geheimlehre. Mahakala erzählt von den drei Asura-Städten und Shivas Empfang eines Schutzrituals. Darauf folgen Narasimha-, Bhairava-, Kamakala-, Dakini-, Shakti- und Devi-Nyasa mit Mantra-Rahmen, Namen und Meditationen. Das Kapitel ist bis Vers 724, dem unnummerierten Schluss-Halbvers und dem Kolophon bearbeitet. Es enthält die Einzelmantras und Meditationen, die abschließende Nyasa-Widmung sowie Bali und Wirkungsverheißungen.

Vers 1
mahāyogin mahākāla kalānidhivibhūṣita |
sarvajña sarvalokeśa dhūrjaṭe bhaktavatsala ||

Devi sprach: Großer Yogi, Mahakala, mit dem Mond geschmückt! Allwissender, Herr aller Welten, Träger der Haarflechten, der du deinen Verehrern liebevoll zugewandt bist!

Anmerkung: Sprecherin: Devi. Kalanidhi, »Schatz der Mondphasen«, bezeichnet den Mond.

Vers 2
tvatprasādādidaṃ sarvaṃ prayogaṃ kāmakālikam |
aśrauṣaṃ sarvamevāhamapramattena cetasā ||

Durch deine Gnade habe ich all diese Anwendungen der Kamakala-Lehre mit wacher Aufmerksamkeit gehört.

Vers 3
anyadrahasyaṃ yadyatsyāttaccāpi kathaya prabho |
ākarṇayantyāśceto me na tṛptimadhigacchati ||

Welche weiteren Geheimnisse es geben mag, erkläre auch sie, Herr. Während ich zuhöre, kann mein Herz nicht genug davon empfangen.

Vers 4
devyā rahasyaṃ yatkiñcidetadvyāvartate vibho |
tattatsarvamaśeṣeṇa kathaya tvaṃ dayānidhe ||

Welches Geheimnis der Göttin darüber hinaus noch besteht, Allgegenwärtiger, das alles erkläre ohne Rest, du Schatz des Mitgefühls.

Anmerkung: Die Verbindung etad vyāvartate ist syntaktisch nicht ganz sicher; als Bitte um weitere, bisher nicht behandelte Geheimnisse verstanden.

Vers 5
sādhu devi varārohe dhanyāsi tvaṃ na saṃśayaḥ |
śṛṇvantyā api te yasmācchuśrūṣānukṣaṇaṃ bhavet ||

Mahakala sprach: Gut, Göttin, du Schöne! Gesegnet bist du, ohne Zweifel, denn selbst während du zuhörst, wächst in jedem Augenblick dein Wunsch zu hören.

Anmerkung: Sprecher: Mahakala.

Vers 6
cetasā bhaktiyuktena śuśrūṣuryo'nasūyakaḥ |
tasmai rahasyaṃ nācaṣṭe yaḥ sa pāpakṛdagraṇīḥ ||

Wer einem Menschen, der mit hingebungsvollem Herzen hören möchte und frei von Missgunst ist, das Geheimnis nicht mitteilt, gilt als einer, der großes Unrecht begeht.

Anmerkung: Śuśrūṣā verbindet den Wunsch zu hören mit lernbereiter Zuwendung.

Vers 7
tasmāttava pravakṣyāmi rahasyaṃ yaddhi vedmyaham |
bhaktiśraddhāparāyāste nākathyaṃ vidyate mama ||

Deshalb werde ich dir das Geheimnis erklären, das ich kenne. Dir, die du ganz Hingabe und Vertrauen gewidmet bist, habe ich nichts vorzuenthalten.

Vers 8
na cākhyeyaṃ tvayānyasya prāṇeṣu vigalatsvapi |
rahasyametaddevānāṃ sarvasiddhimabhīpsatām ||

Du jedoch sollst es keinem anderen mitteilen, selbst wenn das Leben von dir weicht. Dies ist das Geheimnis der Götter, die alle Siddhis erstreben.

Anmerkung: Die Spannung zwischen Mitteilung an geeignete Lernende und Geheimhaltung bleibt als Textaussage erhalten.

Vers 9
na kāmakāliko yogo na vidhānaṃ śivābaleḥ |
nānyaprayogo na japo na homo na ca pūjanam ||

Weder der Kamakala-Yoga noch die Ordnung des Shiva-Bali, weder eine andere Anwendung noch Japa, Homa oder Verehrung –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 10.

Vers 10
vakṣyamāṇarahasyasya sahasrāṃśaṃ na cārhati |
siddhimīyuḥ purā tasyāḥ prasādātpārthivarṣayaḥ ||

erreicht auch nur ein Tausendstel des Geheimnisses, das nun erklärt wird. Einst erlangten Könige und Weise durch ihre Gnade Vollendung.

Anmerkung: Die Bezugnahme »ihre Gnade« gilt im Zusammenhang der Göttin.

Vers 11
pauravo bṛhadaśvaśca somadatto bṛhadrathaḥ |
ajamīḍhaḥ kārtavīryo bhadraśreṇyaḥ purūravāḥ ||

Paurava, Brihadashva, Somadatta und Brihadratha, Ajamidha, Kartavirya, Bhadrashrenya und Pururavas –

Anmerkung: Namensliste, fortgesetzt in den folgenden Versen; keine Gleichsetzung mit historischen Personen behauptet.

Vers 12
pṛthurgayo rantidevo māndhātā nahuṣo raghuḥ |
vidūrathaśca bharato divodāsaḥ pratardanaḥ ||

Prithu, Gaya, Rantideva, Mandhata, Nahusha und Raghu, Viduratha, Bharata, Divodasa und Pratardana –

Vers 13
kṛśāśvo jamadagniśca jaigīṣavyaśca devalaḥ |
paiṭhīnasirvītahavyaḥ kaśyapo bhṛguraṅgirāḥ ||

Krishashva, Jamadagni, Jaigishavya und Devala, Paithinasi, Vitahavya, Kashyapa, Bhrigu und Angiras –

Anmerkung: Mehrere Namen sind im OCR beschädigt und in ihren gut erkennbaren Namensformen normalisiert; bei Vitahavya bleibt die Lesung unsicher.

Vers 14
saṃvartaśca vaśiṣṭho'trirvyāsaḥ śātātapastathā |
uddālako bharadvājo jābālo jaiministathā ||

Samvarta, Vasishtha, Atri, Vyasa und Shatatapa, Uddalaka, Bharadvaja, Jabala und Jaimini.

Anmerkung: Die Namensliste wird in Versen 15–16 erläutert.

Vers 15
saptadvīpeśvaratvaṃ hi cakravartitvameva ca |
prāpuḥ pūrve mahīpālāścirajīvitvamapyalam ||

Die einstigen Könige erlangten die Herrschaft über die sieben Weltinseln, die Würde eines Weltenherrschers und eine überaus lange Lebensdauer.

Vers 16
yogasiddhiṃ tathāpyanye tapasyāṃ sarvasādhikām |
śāpānugrahasāmarthyaṃ prāptavanto maharṣayaḥ ||

Die anderen, die großen Weisen, erlangten Yoga-Siddhi, eine alles verwirklichende Askese und die Fähigkeit, Fluch und Gunst zu gewähren.

Vers 17
kathayāmi tamevāhaṃ ṣoḍhānyāsaṃ śucismite |
trailokyādhipatitvaṃ hi yatprasādātkare sthitam ||

Eben diesen Shodha-Nyasa erkläre ich dir nun, du mit dem reinen Lächeln. Durch seine Gunst soll die Herrschaft über die drei Welten greifbar werden.

Anmerkung: Ṣoḍhānyāsa: sechsfacher Nyasa; seine Glieder werden im weiteren Kapitel erläutert.

Die drei Städte und Shivas Schutz

Die Tripura-Erzählung begründet innerhalb des Textes den Rang des sechsfachen Nyasa. Sie ist eine mythologische Erzählung, keine historische Chronik.

Vers 18
tārākṣaḥ kamalākṣaśca vidyunmālī tathaiva ca |
ete hyāsan kṛte yuge daiteyā bhrātarastrayaḥ ||

Taraksha, Kamalaksha und Vidyunmalin waren im Krita-Zeitalter drei Daitya-Brüder.

Anmerkung: Die Quelle liest Tārākṣa; nicht stillschweigend an andere Fassungen der Tripura-Erzählung angeglichen.

Vers 19
te'tapyanta tapo ghoraṃ divyaṃ varṣāyutaṃ priye |
tataḥ prajāpatistebhyo varaṃ samprārthito dadau ||

Sie übten zehntausend göttliche Jahre lang furchtbare Askese, Geliebte. Darauf gewährte Prajapati ihnen, von ihnen gebeten, eine Gunst.

Vers 20
vavrurvaradvayaṃ daityāste śauryamadagarvitāḥ |
ekaṃ tveṣāmavadhyatvaṃ sarvabhūtebhya utthitam ||

Stolz und berauscht von ihrer Tapferkeit erbaten diese Daityas zwei Gaben. Die erste war, dass kein Wesen sie töten könne.

Anmerkung: Die Verbverbindung am Anfang ist in der OCR beschädigt; die Bitte um zwei Gaben ist klar.

Vers 21
dvitīyaṃ yojanānāṃ tu trilakṣāntarasaṃsthitam |
trayāṇāṃ tripuraṃ bhūyāddurlaṅghyaṃ tridaśairapi ||

Die zweite war eine dreifache Stadt für die drei Brüder, mit Abständen von dreihunderttausend Yojanas, selbst für die Götter unüberwindlich.

Anmerkung: Die wiederholte Zahlengruppe in der OCR ist beschädigt; trilakṣa, dreihunderttausend, folgt der hier naheliegenden Lesung und bleibt als unsicher gekennzeichnet.

Vers 22
varaṃ dattvāvadaddhātā sarve śṛṇuta putrakāḥ |
sarvaprakāraiḥ kasyāpi nāvadhyatvaṃ jagattraye ||

Nachdem der Schöpfer die Gunst gewährt hatte, sagte er: »Hört alle, meine Söhne! In den drei Welten ist niemand in jeder Hinsicht unsterblich und untötbar.

Vers 23
ekenāpi prakāreṇa ghaṭamānena sarvathā |
sarve svakīyaṃ nidhanamaṅgīkuruta dānavāḥ ||

Danavas, ihr müsst alle für euren eigenen Tod wenigstens eine Möglichkeit zugestehen, die unter bestimmten Umständen eintreten kann.«

Vers 24
te vicāryāvadan sarve śareṇaikena yaḥ kṣaṇāt |
dahettrayāṇāṃ tripuraṃ sa no mṛtyurbhaviṣyati ||

Nach Überlegung sagten sie alle: »Wer mit einem einzigen Pfeil augenblicklich unsere drei Städte verbrennen kann, der soll unser Tod sein.«

Vers 25
tathetyuktvā yayau vedhā brahmalokaṃ surairvṛtaḥ |
te'pi sarve tathā cakruryathā pūrvaṃ vicāritam ||

»So sei es«, sprach der Schöpfer und ging, von Göttern umgeben, in die Brahma-Welt. Die Brüder führten alles so aus, wie sie es zuvor geplant hatten.

Vers 26
tārākṣasya tu sauvarṇaṃ puraṃ sarvopari sthitam |
yojanāyutavistīrṇaṃ tāvadevāyataṃ priye ||

Tarakshas goldene Stadt befand sich zuoberst; sie war zehntausend Yojanas breit und ebenso lang, Geliebte.

Vers 27
rājataṃ kamalākṣasya yojanāyutavistṛtam |
dikṣu tādṛśavistīrṇaṃ vidyunmālina āyasam ||

Kamalakshas silberne Stadt maß zehntausend Yojanas; Vidyunmalins eiserne Stadt hatte in den Richtungen dieselbe Ausdehnung.

Anmerkung: Der Satzanschluss dikṣu tādṛśa ist im OCR unsicher; die gleiche Ausdehnung ist hinreichend erkennbar.

Vers 28
tritrilakṣāntaraṃ teṣāṃ puraṃ gaganasīmani |
prākāraparikhopetaṃ cayāṭṭālakaśobhitam ||

Ihre Städte lagen hoch im Himmelsraum, jeweils dreihunderttausend Yojanas voneinander entfernt, mit Mauern und Gräben versehen und mit Wehrbauten und Türmen geschmückt.

Anmerkung: Die Zahlengruppe und das Kompositum der Wehrbauten sind beschädigt; vorsichtige kontextuelle Lesung, kein gesicherter diplomatischer Text.

Vers 29
dhvajagopuraniḥśreṇīpatākāyantraśobhitam |
khaḍgaprāsāṅkuśāsikagadākārmukadhāribhiḥ ||

Sie waren mit Fahnen, Torbauten, Leitern, Bannern und Kriegsmaschinen ausgestattet; ihre Bewohner trugen Schwerter, Wurfspeere, Haken, weitere Klingenwaffen, Keulen und Bogen –

Anmerkung: Die Waffenbezeichnung āsika ist unsicher; keine präzisere Waffenart erfunden. Fortsetzung in Vers 30.

Vers 30
pāśaśūlabhuśuṇḍyaṣṭicakramudgarapāṇibhiḥ |
[…] ||

[Lesbares Fragment:] mit Schlingen, Speeren, Bhushundis, Stäben, Wurfscheiben und Hämmern in den Händen, in ungeheurer Zahl –

Anmerkung: Fragment: Die große zusammengesetzte Zahl der zweiten Hälfte ist beschädigt; keine exakte Menge errechnet. Bhushundi bleibt eine traditionelle Waffenbezeichnung.

Vers 31
ekaikaṃ puramākrāntaṃ dānavairyuddhadurmadaiḥ |
dṛṣṭvā tu tādṛśīmṛddhiṃ devāḥ sarve savāsavāḥ ||

jede Stadt war von diesen kriegsstolzen Danavas erfüllt. Als die Götter mit Vasava, Indra, eine solche Machtfülle sahen –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 32.

Vers 32
palāyāñcakrire kecitkeciccāpi tamabhyayuḥ |
kecicca yuyudhurdevāstatyajustridivaṃ pare ||

flohen einige, andere begaben sich zu dem Gegner; einige Götter kämpften, andere verließen den Himmel.

Anmerkung: Tam abhyayuḥ, »gingen zu ihm«, ist im OCR beschädigt; ob Unterwerfung oder Annäherung gemeint ist, bleibt offen.

Vers 33
kecitsamudraṃ viviśuḥ kecicca girigahvaram |
jahuḥ kecidbhiyā prāṇānaguḥ keciccaturdiśam ||

Einige tauchten ins Meer, andere verbargen sich in Berghöhlen. Einige verloren vor Angst ihr Leben, andere flohen in alle vier Richtungen.

Vers 34
dṛṣṭvā surāṇāmadhipo devānāmīdṛśīṃ daśām |
rudraṃ jagāma śaraṇaṃ purodhāya prajāpatim ||

Als der Herr der Götter ihren Zustand sah, suchte er Zuflucht bei Rudra und ließ Prajapati vorangehen.

Vers 35
daṇḍavatpraṇatā bhūtvā te devāḥ sapitāmahāḥ |
ūcuḥ prāñjalayo bhūtvā pinākinamumāpatim ||

Die Götter mitsamt dem Urvater warfen sich lang zu Boden und sprachen dann mit gefalteten Händen zu Pinakin, dem Gatten Umas.

Anmerkung: Pinakin: Shiva als Träger des Bogens Pinaka.

Vers 36
tapasyayā varaṃ dhātuḥ samprāpya tripurāsurāḥ |
bādhante'smān maheśāna śailagahvaragānapi ||

»Großer Herr, nachdem die Tripura-Asuras durch Askese die Gunst des Schöpfers gewonnen haben, bedrängen sie uns selbst noch in den Berghöhlen.

Vers 37
tvattaḥ śaraṇyo nāsmākaṃ vidyate deva kaścana |
ato nivedayāmaste pramathādhipate prabho ||

Außer dir haben wir niemanden, bei dem wir Zuflucht finden könnten, Gott. Deshalb tragen wir dir unser Anliegen vor, Herr der Pramathas!

Anmerkung: Pramathas: eine Schar im Gefolge Shivas.

Vers 38
devāṅganāḥ samākṛṣya nayanti svapuraṃ prati |
niradhvaraṃ jagajjātaṃ niṣkalpatarunandanam ||

Sie verschleppen die Götterfrauen in ihre Städte. Die Welt ist ohne Opfer geworden, der Nandana-Hain ohne seine wunscherfüllenden Bäume.

Anmerkung: Die syntaktische Verbindung des zweiten Bildes ist verkürzt; der Verlust von Kalpataru und Nandana ist der erkennbare Sinn.

Vers 39
nirmanuṣyā mahī sarvā nirdevāpyamarāvatī |
nistoyā nimnagā jātā nīratnāḥ sāgarā api ||

Die ganze Erde ist menschenleer, Amaravati ohne Götter; die Flüsse sind ohne Wasser und selbst die Meere ohne ihre Schätze.

Vers 40
pādapānāṃ koṭareṣu kandareṣu mahībhṛtām |
līnā bhūtvā vayaṃ sarve tiṣṭhāmastadbhayārditāḥ ||

Aus Angst vor ihnen verborgen, halten wir uns alle in Baumhöhlen und Berggrotten auf.

Vers 41
teṣāṃ hi śāstā trailokye tvadanyo nāsti kaścana |
tānnihatyāsurān svarge punarasmānniveśaya ||

In den drei Welten kann niemand außer dir sie bezwingen. Töte diese Asuras und setze uns wieder in den Himmel ein!«

Vers 42
ityuktaḥ praṇataḥ sarvairvihasya vṛṣabhadhvajaḥ |
pratyuvāca surān sarvānratho me kalpyatāmiti ||

So angesprochen und von allen verehrt, lächelte der Gott mit dem Stierbanner und antwortete den Göttern: »Bereitet mir einen Wagen!«

Vers 43
tato brahmābravīttatra smitaṃ kurvanmaheśvaram |
nirmātavyo ratho deva kaistvadārohaṇakṣamaḥ ||

Darauf sprach Brahma lächelnd zu Maheshvara: »Gott, wer könnte einen Wagen bauen, der geeignet ist, dich zu tragen?

Vers 44
tvadvoḍhṛrathanirmāṇe sāmarthyaṃ kasya vidyate |
svayogyaṃ syandanaṃ cāstraṃ svayamevopakalpaya ||

Wer besitzt die Fähigkeit, einen Wagen als deinen Träger herzustellen? Entwirf selbst ein deiner würdiges Gefährt und eine Waffe!«

Vers 45
ityukto brahmaṇā śambhuravadaddharṣayan surān |
catvāro vājino vedāḥ sampūrṇā medinī rathaḥ ||

So von Brahma angesprochen, sagte Shambhu zur Freude der Götter: »Die vier Veden seien die Pferde, die ganze Erde der Wagen.

Vers 46
sūryācandramasau cakre kūbaraḥ gandhamādanaḥ |
vindhyo girirnābhirastu kailāso'kṣatvameva tu ||

Sonne und Mond seien die Räder, Gandhamadana das Wagengestell, der Vindhya-Berg die Nabe und Kailasa die Achse.

Anmerkung: Kūbara bezeichnet einen Teil des Wagengestells; keine präzisere technische Rekonstruktion.

Vers 47
merurmama dhvajadaṇḍaḥ syātsārathirbhagavānvidhiḥ |
praṇavastu pratodaḥ syātprakāśāni ca raśmayaḥ ||

Meru sei mein Fahnenmast und der erhabene Schöpfer der Wagenlenker. Der Pranava sei der Treibstock, die Lichtstrahlen die Zügel.

Anmerkung: Die Lesung prakāśāni ist sprachlich auffällig; das Bild von Licht und Zügeln bleibt in der übersetzten Quellenform erhalten.

Vers 48
dhanurme mandaro bhūyācchiñjinī vāsukirbhavet |
viṣṇuḥ śaro me bhavatu vāje vāyurviśatvapi ||

Mandara sei mein Bogen, Vasuki seine Sehne. Vishnu sei mein Pfeil, und Vayu gehe in dessen Befiederung ein.

Vers 49
yamo mṛtyuśca kālaśca phalīmadhye viśantu ca |
vāsavaḥ śarapṛṣṭhe syātkuberavaruṇāvubhau ||

Yama, Mrityu und Kala sollen in die Pfeilspitze eingehen; Vasava sei auf dem Pfeilrücken, Kubera und Varuna beide –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 50.

Vers 50
bhavataḥ puṅkhasaṃsthānau […] nāsatyāvaṭanīsaṃsthau yajñāḥ sarve padātayaḥ ||

[Lesbares Fragment:] sollen am hinteren Pfeilende stehen. Die Nasatyas seien an den beiden Bogenenden, alle Opfer seien die Fußsoldaten.«

Anmerkung: Fragment: Die Ortsangabe für »alle Gottheiten« zwischen diesen Aussagen ist beschädigt. Nasatyas: die beiden Ashvins. Keine technische Wagenrekonstruktion ergänzt.

Vers 51
svecchayānyacca sakalaṃ kalpayāmāsa śaṅkaraḥ |
svayogyaṃ kavacaṃ śambhuralabdhvā cintito'bhavat ||

Shankara gestaltete alles Weitere nach seinem Willen. Doch da Shambhu keinen seiner würdigen Panzer fand, wurde er nachdenklich.

Vers 52
nimīlya trīṇi netrāṇi ciraṃ tasthau jagatpatiḥ |
atha dhyānagato bhūtvā tuṣṭāva jagadambikām ||

Der Herr der Welt schloss seine drei Augen und verharrte lange. In Meditation versunken pries er dann die Weltenmutter.

Vers 53
stutvā samprārthayāmāsābhedyaṃ kavacamātmanaḥ |
tataḥ sopadideśāsmai ṣoḍhānyāsaṃ mahātmane ||

Nach dem Lobpreis bat er um einen undurchdringlichen Panzer für sich. Darauf lehrte sie den großen Gott den sechsfachen Nyasa.

Vers 54
svīyaṃ ca kavacaṃ devī kavacatvena taṃ dadau |
tenāmukto haro bhūtvā jagāma tripuraṃ prati ||

Die Göttin gab ihm damit ihren eigenen Kavacha als Schutzpanzer. Mit ihm bekleidet zog Hara gegen Tripura.

Anmerkung: Kavacha bezeichnet hier zugleich rituellen Schutz und Panzerung; der Vers wird nicht als eigenständiger ausgeschriebener Kavacha-Text ausgegeben.

Vers 55
astraṃ pāśupataṃ cāpi sandhāya vṛṣabhadhvajaḥ |
purāṇi trīṇi daityānāṃ bibhedaikena patriṇā ||

Der Gott mit dem Stierbanner legte die Pashupata-Waffe an und durchbohrte mit einem einzigen gefiederten Pfeil die drei Städte der Daityas.

Vers 56
kṣaṇena bhasmasādbhūtā jagmurdaityāḥ yamālayam |
tameva ṣoḍhānyāsaṃ te pravadāmi varānane ||

In einem Augenblick zu Asche geworden, gelangten die Daityas in Yamas Reich. Eben diesen sechsfachen Nyasa werde ich dir erklären, Schönangesichtige.

Vers 57
yadekavāraṃ kṛtvaiva bhavettrijagatīpatiḥ |
prāṇavyaye'pi nānyeṣāṃ kathanīyaṃ kadācana ||

Schon durch seine einmalige Ausführung soll man Herr der drei Welten werden. Niemals soll man ihn anderen mitteilen, selbst unter Einsatz des Lebens.

Anmerkung: Historische Geheimhaltungsforderung des Textes.

Rahmen des sechsfachen Nyasa

Rishi, Metrum, Gottheit, Bija, Shakti und die sechs Teilrituale werden eingeführt.

Vers 58
ṣoḍhānyāsasyāsya ṛṣistripurārirmaheśvaraḥ |
chandaśca jagatī proktaṃ devateyaṃ prakīrtitā ||

Der Rishi dieses sechsfachen Nyasa ist Maheshvara als Tripurari, Feind Tripuras. Sein Metrum heißt Jagati; als Gottheit wird diese Göttin genannt.

Anmerkung: Rishi und Metrum sind Teile des rituellen Mantra-Rahmens, keine historische Verfasserbestimmung.

Vers 59
kāndarpārṇaṃ tu bījaṃ syātkrodhaḥ kīlakamucyate |
māyābījaṃ ca śaktiḥ syātkāmanā yadyadiṣyate ||

Die Kandarpa-Silbe ist sein Bija, Krodha wird als Kilaka bezeichnet, das Maya-Bija ist die Shakti. Sein Anliegen ist der jeweils gewünschte Zweck.

Anmerkung: Kilaka: ritueller »Keil« oder »Verschluss« des Mantras; die verschlüsselten Bija-Namen werden nicht zu Silben ergänzt.

Vers 60
ādau nṛsiṃhanyāsaḥ syāddvitīye bhairavasya ca |
tṛtīye'pi ca vijñeyo nyāsaḥ kāmakalābhidhaḥ ||

Zuerst steht der Narasimha-Nyasa, an zweiter Stelle der Bhairava-Nyasa; als dritten soll man den Kamakala genannten Nyasa kennen.

Vers 61
caturthe ḍākinīnyāsaḥ śaktinyāsaśca pañcame |
ṣaṣṭhe'pi devīnyāsaḥ syādathaitasya vidhiṃ śṛṇu ||

Der vierte ist der Dakini-Nyasa, der fünfte der Shakti-Nyasa und der sechste der Devi-Nyasa. Höre nun ihre Ausführung.

Vers 62
vargāḥ kacaṭatapāḥ pañca ṣaṣṭho yaralavastathā |
saptamaḥ śaṣasāścāpi halakṣāścāṣṭamaḥ priye ||

Die fünf Lautgruppen beginnen mit ka, ca, ṭa, ta und pa; die sechste besteht aus ya, ra, la und va, die siebte aus śa, ṣa und sa, die achte aus ha, ḷa und kṣa, Geliebte.

Anmerkung: Die Quellenfußnote ergänzt ausdrücklich die im Haupt-OCR fehlende pa-Gruppe. Die Zeichenfolge halakṣa der achten Gruppe bleibt unsicher, insbesondere la/ḷa; keine vollständige Alphabetfassung aus anderer Überlieferung eingesetzt.

Narasimha-Nyasa

Lautanordnungen, Namen und die kraftvolle meditative Gestalt Narasimhas bilden den ersten Teil.

Vers 63
ṛṣirnṛsiṃhanyāsasya hayagrīvaḥ prakīrtitaḥ |
gāyatrīcchanda ityuktaṃ narasiṃho'sya devatā ||

Als Rishi des Narasimha-Nyasa wird Hayagriva genannt, als Metrum Gayatri und als Gottheit Narasimha.

Vers 64
bījāni varṇā vijñeyāḥ svarāḥ ṣoḍaśa śaktayaḥ |
viniyogo nṛsiṃhasya nyāsa eveti sammataḥ ||

Die Buchstaben sind als Bijas zu verstehen, die sechzehn Vokale als Shaktis. Als Anwendung gilt der Nyasa Narasimhas selbst.

Vers 65
ṣaḍbhirdīrghaiḥ kṣabījasya karāṅganyāsamācaret |
punastadvadvarārohe taireva ca ṣaḍaṅgakam ||

Mit den sechs langen Vokalformen des Ksha-Bijas soll man den Nyasa an Händen und Körpergliedern vollziehen und ebenso, du Schöne, mit denselben Formen den sechsgliedrigen Nyasa.

Anmerkung: Die sechs Vokalformen werden im Vers nicht einzeln ausgeschrieben; keine vollständige Formel ergänzt.

Vers 66
sabinduvargamadhyasthaḥ kavargo bindusaṃyutaḥ |
krameṇānena deveśi vargāḥ kacavargayoḥ ||

Die mit Bindu versehene ka-Gruppe wird in die Mitte einer ebenfalls mit Bindu versehenen Lautgruppe gesetzt. In dieser Reihenfolge, Herrin der Götter, werden die Gruppen beziehungsweise Laute der ka- und ca-Gruppen behandelt.

Anmerkung: Die Satzverknüpfung ist beschädigt; die Quelle vermerkt selbst vargāḥ/varṇāḥ. Nur die lesbare Lautanordnung wird wiedergegeben, kein ausführbares vollständiges Schema rekonstruiert.

Vers 67
aṣṭāvṛttyā bhavennyāsastataścāpi nibodha me |
sabindavo halaḥ sarve sṛṣṭimārgeṇa caikakam ||

Der Nyasa erfolgt in acht Durchgängen. Höre weiter von mir: alle Konsonanten mit Bindu, einzeln in der Reihenfolge der Schöpfung –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 68.

Vers 68
ta eva tādṛśā jñeyāḥ punaḥ saṃhāravartmanā |
sṛṣṭisthitibhyāmante'pi nyāsaḥ sampūrṇa ucyate ||

dieselben sind danach ebenso in der Reihenfolge der Auflösung zu verwenden. Mit Schöpfung und Erhaltung am Ende gilt der Nyasa als vollständig.

Anmerkung: Die genaue Abfolge von sṛṣṭi, sthiti und saṃhāra wird nicht über die knappen Quellenangaben hinaus ergänzt.

Vers 69
jvālāmālī karālaśca bhīmaścaivāparājitaḥ |
kṣobhaṇaśca tathā sṛṣṭiḥ sthitiḥ kalpānta ityapi ||

Die Namen lauten: Jvalamalin, der Flammenbekränzte; Karala, der Furchterregende; Bhima, der Gewaltige; Aparajita, der Unbesiegte; Kshobhana, der Erschütterer; Srishti, Schöpfung; Sthiti, Erhaltung; und Kalpanta, Ende des Weltzeitalters.

Anmerkung: Beginn der Narasimha-Namensliste.

Vers 70
anantaśca virūpaśca vajrāyudhaparāparau |
pradhvaṃsanaśca vijñeyo viśvamardana ityapi ||

Ananta, der Unendliche; Virupa, der Viel- oder Missgestaltige; Vajrayudha, der mit der Vajra-Waffe; Parapara, der jenseits und diesseits Seiende; Pradhvamsana, der Zerstörer; und Vishvamardana, der die Welt Zermalmende.

Anmerkung: Die Teilung vajrāyudha/parāpara ist aus dem Kompositum erschlossen; keine zusätzliche Namensform ergänzt.

Vers 71
ugro bhadraśca mṛtyuśca sahasrabhuja ityapi |
vidyujjihvā ghoradaṃṣṭrā mahākālāgnireva ca ||

Ugra, der Wilde; Bhadra, der Heilvolle; Mrityu, Tod; Sahasrabhuja, der Tausendarmige; Vidyujjihva, mit der Blitzzunge; Ghoradamshtra, mit furchtbaren Fangzähnen; und Mahakalagni, das große Feuer der Zeit.

Anmerkung: Einzelne Namensendungen erscheinen in der Quelle weiblich; nicht stillschweigend in einheitliche männliche Formen geändert.

Vers 72
meghanādaśca vikaṭastathā piṅgajaṭo'pi ca |
pradīpo viśvarūpaśca vidyuddaśana eva ca ||

Meghanada, mit dem Donnerlaut; Vikata, der Ungeheure; Pingajata, mit rotbraunen Haarflechten; Pradipa, das Licht; Vishvarupa, mit der Gestalt des Alls; und Vidyuddashana, mit Blitz-Zähnen.

Anmerkung: Der letzte Name ist in der OCR beschädigt; vidyuddaśana ist eine kontextuelle Lesung.

Vers 73
vidāro vikramaścāpi pracaṇḍaḥ sarvatomukhaḥ |
varo divyaśca bhogaśca mokṣo lakṣmīrapi kramāt ||

Vidara, der Zerreißer; Vikrama, der Mächtige; Prachanda, der äußerst Heftige; Sarvatomukha, nach allen Seiten blickend; Vara, der Vorzügliche; Divya, der Göttliche; Bhoga, Genuss; Moksha, Befreiung; und Lakshmi, Glück und Fülle.

Vers 74
vidrāvaṇaḥ kālacakraḥ kṛtāntastaptahāṭakaḥ |
bhrāmakaśca mahāraudro viśvāntakabhayaṅkarau ||

Vidravana, der Vertreiber; Kalachakra, das Rad der Zeit; Kritanta, der Beender; Taptahataka, wie glühendes Gold; Bhramaka, der Verwirrer; Maharaudra, der überaus Furchtbare; Vishvantaka, der Weltbeender; und Bhayankara, der Schrecken Erregende.

Vers 75
pratapto vijayaścāpi sarvatejomayastathā |
jvālājaṭālaśca kharanakharo nādadāruṇaḥ ||

Pratapta, der Glühende; Vijaya, der Siegreiche; Sarvatejomaya, aus aller Strahlkraft bestehend; Jvalajatala, mit flammenden Haarflechten; Kharanakhara, mit scharfen Krallen; und Nadadaruna, mit schrecklichem Laut.

Vers 76
nirvāṇanarasiṃhaścetyekapañcāśadīritāḥ |
atha dhyānaṃ pravakṣyāmi yatkṛtvā nyāsamācaret ||

Und Nirvana-Narasimha: Damit sind, wie die Quelle sagt, einundfünfzig genannt. Nun erkläre ich die Meditation, nach deren Vollzug man den Nyasa ausführen soll.

Anmerkung: Die angegebene Zahl wird bewahrt; unsichere Trennungen der Namen werden nicht durch künstliche Ergänzungen ausgeglichen.

Vers 77
udyanmārtaṇḍakoṭyaṃśusamāruṇatanuprabhāḥ |
ulūkākārapṛthulanetratritayabhūṣitāḥ ||

Ihr Körperglanz ist rötlich wie die Strahlen von Millionen aufgehenden Sonnen; drei große, eulenähnliche Augen schmücken sie.

Anmerkung: Die Meditation beschreibt die Narasimha-Gestalten im Plural.

Vers 78
vidāritasṛkkanirgacchaddaṃṣṭrācandrakalānvitāḥ |
vidīrṇavikarālāsyaniryajjihvāvirājitāḥ ||

Aus den weit geöffneten Mundwinkeln ragen mondsichelgleiche Fangzähne; aus ihren aufgerissenen, furchtbaren Mündern treten Zungen hervor.

Anmerkung: Die erste Wortverbindung ist im OCR beschädigt und kontextuell normalisiert.

Vers 79
vimuktacāmarākārasaṭākesaramaṇḍitāḥ |
ābaddhayogapaṭṭāntā jānunyastakarāmbujāḥ ||

Freie Mähnenhaare wie Yakschweifwedel schmücken sie. Mit angelegtem Yoga-Band sitzen sie, ihre Lotushände auf den Knien ruhend.

Anmerkung: Yogapatta bezeichnet ein Sitzband; keine genaue Konstruktion ergänzt.

Vers 80
koṭikalpāntārkasamā bhīmadaṃṣṭrāṭṭahāsinaḥ |
kaustubhodbhāsihṛdayāḥ śvetapadmopari sthitāḥ ||

Sie gleichen Millionen Sonnen am Ende des Weltzeitalters, lachen laut mit furchtbaren Fangzähnen, tragen den im Herzbereich strahlenden Kaustubha und befinden sich auf weißen Lotussen.

Anmerkung: Kaustubha ist der mit Vishnu verbundene Edelstein.

Vers 81
kirīṭahārakeyūrakiṅkiṇyaṅgadaśobhitāḥ |
mukhaiḥ kalpāntakālāgniṃ vamantaḥ sarvatomukhāḥ ||

Kronen, Halsketten, Oberarmspangen, Glöckchen und Armringe schmücken sie. Nach allen Seiten blickend speien sie aus ihren Mündern das Zeitfeuer des Weltenendes.

Vers 82
karālabhrukuṭīdṛṣṭisantrāsitajagattrayāḥ |
nakhanirbhinnadaityendrarudhirokṣitabāhavaḥ ||

Ihr furchtbarer Blick unter zusammengezogenen Brauen versetzt die drei Welten in Schrecken. Ihre Arme sind mit dem Blut des Daitya-Königs besprengt, den sie mit den Krallen zerrissen haben.

Anmerkung: Ikonographische Darstellung des Narasimha-Mythos.

Vers 83
vipāṭitāntranirgacchadvasāliptāṅgakukṣayaḥ |
astrairvibhūṣitāndīrghānbhujānṣoḍaśa bibhrataḥ ||

Glieder und Bauch sind mit dem aus den aufgerissenen Eingeweiden tretenden Fett bestrichen; sie tragen sechzehn lange, mit Waffen ausgestattete Arme.

Anmerkung: Drastische Bildsprache der Quelle, nicht symbolisch entschärft.

Vers 84
śaraṃ cakraṃ gadāṃ khaḍgaṃ pāśamaṅkuśameva ca |
vajraṃ vidāraṇaṃ cāpi dakṣiṇena kramādapi ||

Rechts halten sie der Reihe nach Pfeil, Wurfscheibe, Keule, Schwert, Schlinge, Haken, Vajra und Vidarana –

Anmerkung: Vidāraṇa, »Zerreißen« oder »Zerreißer«, ist hier eine nicht genauer bestimmte Waffe oder Gebärde; keine sichere Waffenart behauptet.

Vers 85
dhanuḥ śaṅkhaṃ ca padmaṃ ca kheṭakaṃ muśalaṃ tathā |
paraśuṃ paṭṭiśaṃ cāpi vidāraṇamataḥ param ||

Bogen, Muschelhorn, Lotus, Schild, Stößelkeule, Axt, Pattisha und wiederum Vidarana –

Anmerkung: Die Zuordnung zur linken Seite folgt in Vers 86. Pattisha ist eine traditionelle Stangenwaffe.

Vers 86
vāmena dhārayantaste ratnākalpavirājitāḥ |
vāmajaṅghāsanniviṣṭalakṣmīkāḥ siddhidāyinaḥ ||

halten sie links. Sie erstrahlen im Edelsteinschmuck; Lakshmi sitzt auf ihrem linken Bein, und sie verleihen Siddhis.

Anmerkung: Die Quelle sagt jaṅghā, Bein beziehungsweise Unterschenkel; nicht stillschweigend zu »Schoß« umgeschrieben.

Vers 87
sthitā devyāścaturdikṣu narasiṃhā varānane |
mātṛkānyāsasaṃsthāne nyasetsādhakasattamaḥ ||

Diese Narasimhas stehen in den vier Richtungen um die Göttin, Schönangesichtige. Der ausgezeichnete Sadhaka soll sie an den Stellen des Matrika-Nyasa einsetzen.

Bhairava-Nyasa

Der zweite Teil beschreibt Bhairava-Namen und ihre furchtbaren Gestalten. Unsichere Waffen- und Namenslesungen bleiben markiert.

Vers 88
eṣa te kathito devi nṛsiṃhanyāsa uttamaḥ |
athāto bhairavanyāsaṃ pravadāmi nibodha tam ||

Damit habe ich dir, Göttin, den vorzüglichen Narasimha-Nyasa erklärt. Nun werde ich den Bhairava-Nyasa darlegen; vernimm ihn.

Vers 89
asya bhairavanyāsasya ṛṣistāvatprakīrtitaḥ |
kālāgnirudraśchandaśca jagatī samprakīrtitā ||

Als Rishi dieses Bhairava-Nyasa wird Kalagnirudra genannt, als Metrum Jagati.

Vers 90
bhairavo devatā proktā krodhabījaṃ ca bījakam |
śaktiraṅkuśabījaṃ ca devi te parikīrtitam ||

Bhairava wird als Gottheit angegeben, das Krodha-Bija als Bija und das Ankusha-Bija als Shakti, Göttin.

Vers 91
viniyogo'sya vijñeyo bhairavanyāsa eva hi |
karāṅganyāsametasya ṣaḍaṅganyāsameva ca ||

Seine Anwendung ist als Bhairava-Nyasa selbst zu verstehen. Sein Nyasa an Händen und Körpergliedern sowie sein sechsgliedriger Nyasa –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 92.

Vers 92
caṇḍabījena kartavyaṃ dīrghaiḥ ṣaḍbhiḥ samanvitam |
ādau tāraṃ samullikhya dvitīyaṃ vāgbhavaṃ vadet ||

sind mit dem Chanda-Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalformen, auszuführen. Zuerst soll man Tara setzen, als zweites Vagbhava aussprechen.

Anmerkung: Die Quelle wechselt von Krodha in Vers 90 zu Chanda in Vers 92; nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Vers 93
tṛtīyā tu tṛtīyaṃ syādramābījaṃ caturthakam |
pañcamaṃ śṛṇimuddiṣṭaṃ prāsādaṃ ṣaṣṭhamucyate ||

Als drittes soll Tritiya stehen, als viertes das Rama-Bija. Als fünftes ist Shrini, der Haken, angegeben; Prasada wird als sechstes genannt.

Anmerkung: Tṛtīyā ist eine verschlüsselte, hier nicht sicher aufgelöste Bezeichnung. Keine bestimmte Silbe ergänzt.

Vers 94
saptamaṃ krodhabījaṃ syānmahākrodhaṃ tathāṣṭamam |
tattadbhairavanāmāpi […] uccārayettataḥ ||

[Teilweise lesbar:] Als siebtes steht das Krodha-Bija, als achtes Mahakrodha. Danach soll man den jeweiligen Namen Bhairavas aussprechen.

Anmerkung: Fragment: Die Anweisung zur grammatischen oder lautlichen Endung des Namens ist im OCR beschädigt; keine sichere Endung erfunden.

Vers 95
punarapyaṣṭabījāni pratilomena coddharet |
hārdena manunā yukto manuḥ sarvārthasādhakaḥ ||

Danach soll man die acht Bijas erneut in umgekehrter Reihenfolge setzen. Mit dem Herz-Mantra verbunden, soll dieser Mantra alle Anliegen verwirklichen.

Anmerkung: Hārda-mantra wird benannt, aber hier nicht vollständig ausgeschrieben.

Vers 96
pūrvavanmātṛkāsthāne sarvatraiva varānane |
bhairavāṇāmatho nāma gadato me'vadhāraya ||

Wie zuvor geschieht dies überall an den Matrika-Stellen, Schönangesichtige. Höre nun aufmerksam die Namen der Bhairavas, die ich nenne.

Vers 97
krodhaḥ śmaśānaḥ kāpālī kālaḥ kālāntako ruruḥ |
mahāghoro ghorataraḥ saṃhāraścaṇḍa ityapi ||

Krodha, Zorn; Shmashana, Verbrennungsplatz; Kapalin, Schädelträger; Kala, Zeit und Tod; Kalantaka, Beender der Zeit; Ruru; Mahaghora, der sehr Furchtbare; Ghoratara, der noch Furchtbarere; Samhara, Auflösung; und Chanda, der Wilde.

Anmerkung: Beginn der Bhairava-Namensliste; Ruru bleibt als Eigenname erhalten.

Vers 98
hakāro'nādirunmatta ānandastadanantaram |
bhūtādhipaḥ kṛtānto'sitāṅgaḥ kālāgnirityapi ||

Hakara, der Laut ha; Anadi, der Anfanglose; Unmatta, der Rasende; Ananda, Glückseligkeit; Bhutadhipa, Herr der Wesen; Kritanta, der Beender; Asitanga, der Dunkelgliedrige; und Kalagni, Feuer der Zeit.

Anmerkung: Der erste Name ist in der OCR unsicher; hakāra wird ohne Ergänzung eines vermeintlich passenderen Bhairava-Namens bewahrt.

Vers 99
ugrāyudhaśca vajrāṅgaḥ karālastadanantaram |
vikarālo mahākālaḥ kalpānto'pi tataḥ param ||

Ugrayudha, mit furchtbaren Waffen; Vajranga, mit diamantfesten Gliedern; Karala, der Furchterregende; Vikarala, der Entsetzliche; Mahakala, die große Zeit; und Kalpanta, Ende des Weltzeitalters.

Anmerkung: Vajrāṅga ist aus beschädigter OCR gelesen.

Vers 100
viśvāntakaḥ pracaṇḍaśca bhagamālyugra eva ca |
bhūtanāthaśca bhadraśca tathā sampatprado'pi ca ||

Vishvantaka, Beender des Alls; Prachanda, der äußerst Heftige; Bhagamalin; Ugra, der Wilde; Bhutanatha, Herr der Wesen; Bhadra, der Heilvolle; und Sampatprada, der Wohlstand Verleihende.

Anmerkung: Bhagamālin enthält den mehrdeutigen Begriff bhaga; keine eindeutige wörtliche Bedeutung für diesen Namen behauptet.

Vers 101
mṛtyuryamo'ntakaścāpi tataścolkāmukhaḥ smṛtaḥ |
ekapādastathā preto muṇḍamālī tataḥ param ||

Mrityu, Tod; Yama; Antaka, der Beender; Ulkamukha, mit feurigem Antlitz; Ekapada, der Einfüßige; Preta, Totengeist; und Mundamalin, der Schädelbekränzte.

Vers 102
baṭukaḥ kṣetrapālaśca tato'pi ca digambaraḥ |
vajramuṣṭirghoranādaścaṇḍogro'pi prakīrtitaḥ ||

Batuka, der Knabe; Kshetrapala, Hüter des Bezirks; Digambara, von den Himmelsrichtungen bekleidet; Vajramushti, mit diamantfester Faust; Ghoranada, mit furchtbarem Laut; und Chandogra, der wild Furchtbare.

Anmerkung: Die Namensform baṭuka ist aus beschädigter OCR normalisiert.

Vers 103
santāpanaḥ kṣobhaṇaśca jvālāsaṃvarta eva ca |
vīrabhadrastrikālāgniḥ śoṣaṇastripurāntakaḥ ||

Santapana, der Versengende; Kshobhana, der Erschütterer; Jvalasamvarta, flammende Weltauflösung; Virabhadra; Trikalagni, Feuer der drei Zeiten; Shoshana, der Austrocknende; und Tripurantaka, Beender Tripuras.

Vers 104
bhairavā ekapañcāśadete devi prakīrtitāḥ |
dhyānameṣāṃ bhairavāṇāṃ kathyamānaṃ mayā śṛṇu ||

Diese einundfünfzig Bhairavas sind, Göttin, genannt. Höre nun, wie ich die Meditation über sie beschreibe.

Anmerkung: Die Zahl folgt der Quelle; lokale Unsicherheiten der Namensliste werden dadurch nicht zu gesicherten Lesungen.

Vers 105
jvaladdhutavahajvālāśmaśānasthalacāriṇaḥ |
pādālambijaṭābhārā maṣīpuñjasamaprabhāḥ ||

Sie wandeln auf dem Verbrennungsplatz zwischen lodernden Feuerflammen. Ihre schweren Haarflechten reichen bis zu den Füßen; ihre Erscheinung gleicht einer Masse schwarzer Tinte.

Vers 106
jvalaccitākuṇḍanibhalocanatrayabhūṣitāḥ |
lambodarāḥ piṅgajaṭāḥ sthūlāḥ kharvakalevarāḥ ||

Drei Augen wie brennende Scheiterhaufengruben schmücken sie; sie haben hängende Bäuche, rotbraune Haarflechten und gedrungene, kleine Körper.

Vers 107
nṛmuṇḍamālāghaṭitahāragraiveyakojjvalāḥ |
majjāsṛṅmāṃsamedo'sthivasāsampūritānanāḥ ||

Sie tragen glänzende Halsketten und Halsschmuck aus Menschenköpfen. Ihre Münder sind mit Mark, Blut, Fleisch, Fett, Knochen und Talg gefüllt.

Anmerkung: Drastische ikonographische Beschreibung des Grundtextes.

Vers 108
ghoradaṃṣṭrā lalajjihvāḥ karālamukhamaṇḍalāḥ |
śavopari kṛtāvāsā aṭṭahāsabhayānakāḥ ||

Sie haben furchtbare Fangzähne, heraushängende Zungen und schreckliche Gesichter. Auf Leichnamen haben sie ihren Sitz; ihr lautes Lachen erregt Furcht.

Vers 109
dviśīrṣāśca triśīrṣāśca tathā viṃśatimaulayaḥ |
śataśīrṣāstripādāśca bahupādā apādakāḥ ||

Manche haben zwei Köpfe, andere drei, zwanzig oder hundert; manche drei Füße, viele Füße oder gar keine.

Vers 110
triśūlacakraparighagadāmusalatomarān |
bhuśuṇḍīcāpaviśikhapāśapaṭṭiśamudgarān ||

Sie tragen Dreizack, Wurfscheibe, Eisenriegel, Keule, Stößelkeule und Wurfspeer, Bhushundi, Bogen, Pfeil, Schlinge, Pattisha und Hammer –

Anmerkung: Die Waffenliste wird in Versen 111–113 fortgesetzt.

Vers 111
paraśvaṅkuśakhaṭvāṅgabhindipāla […] ayoguḍān |
kuntaprāsa […] yaṣṭiśakticchurikakarttakān ||

[Lesbare Teile:] Axt, Haken, Khatvanga-Stab, Bhindipala, Eisenkugeln, Speer und Wurfspieß, Stab, Shakti-Lanze, Dolch und Messer –

Anmerkung: Fragment: Mehrere Waffenbezeichnungen beziehungsweise ihre Verbindungen sind beschädigt; keine vollständige Waffenliste rekonstruiert.

Vers 112
muṣṭinīcarmakuṇapanāgapāśa […] |
ghaṇṭākharparapāṣāṇāṃstathā tarjanameva ca ||

[Lesbare Teile:] Faustwaffe, Schild, Leichnam, Schlangenschlinge, Glocke, Schädelschale und Stein; außerdem zeigen sie eine Drohgebärde –

Anmerkung: Fragment: Nach nāgapāśa ist eine Bezeichnung nicht sicher lesbar. Muṣṭinī bleibt nur allgemein als Faustwaffe wiedergegeben.

Vers 113
dhārayantaḥ karaiḥ sarve vyāghracarmāvaguṇṭhitāḥ |
evaṃ dhyātvā nyaseddevi mātṛkānyāsavarṇakaiḥ ||

dies alles in den Händen haltend und in Tigerfelle gehüllt. Nachdem man so meditiert hat, soll man sie, Göttin, mit den Lauten des Matrika-Nyasa einsetzen.

Kamakala-Nyasa

Der dritte Teil verbindet verschlüsselte Bijas mit Kama-Gestalten, ihrer Benennung und ihrer Meditation.

Vers 114
eṣa dvitīyaste prokto bhairavanyāsa uttamaḥ |
ataḥ kāmakalānyāsaṃ samākarṇaya bhāmini ||

Damit ist dir als zweiter der vorzügliche Bhairava-Nyasa erklärt. Höre nun den Kamakala-Nyasa, du Strahlende –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 115.

Vers 115
cikīrṣayāpi yasya syāddevī pratyakṣarūpiṇī |
asya kāmakalākhyasya nyāsasya jagadambike ||

schon durch den Wunsch, ihn auszuführen, soll die Göttin unmittelbar sichtbar werden. Bei diesem Kamakala genannten Nyasa, Weltenmutter –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 116.

Vers 116
ṛṣiśca dakṣiṇāmūrtirmahādevaḥ prakīrtitaḥ |
chandaśca bṛhatī khyātaṃ devatā sā prakīrtitā ||

wird Mahadeva als Dakshinamurti als Rishi genannt, Brihati als Metrum und jene Göttin als Gottheit –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 117.

Vers 117
yeyaṃ kāmakalākālī kāmārṇaṃ bījamucyate |
ratibījaṃ hi śaktiḥ syādviniyogaṃ ca me śṛṇu ||

die Kamakala-Kali ist. Die Kama-Silbe heißt sein Bija, das Rati-Bija ist seine Shakti. Höre von mir auch die Anwendung.

Vers 118
devi kāmakalānyāse evameva prakīrtayet |
karāṅganyāsamādadhyātṣaḍaṅganyāsameva ca ||

Göttin, man soll ausdrücklich sagen: »Für den Kamakala-Nyasa.« Dann soll man den Nyasa an Händen und Körpergliedern sowie den sechsgliedrigen Nyasa vornehmen.

Anmerkung: Die deutsche Wiedergabe des Viniyoga-Sinns ist keine zusätzlich überlieferte Sanskritformel.

Vers 119
dharārūḍheṇa vidhinā ṣaḍdīrgheṇācaredimam |
atha mantraṃ nibodhāsya nyāsasya jagadambike ||

Man soll ihn mit Vidhi, auf Dhara gesetzt, und mit den sechs langen Vokalformen ausführen. Erfahre nun den Mantra dieses Nyasa, Weltenmutter.

Anmerkung: Verschlüsselte Silbenanordnung; Vidhi und Dhara werden nicht in unsicher erschlossene Lautwerte aufgelöst.

Vers 120
pāśaṃ bhūtaṃ samuddhṛtya phetkārīṃ pretamuddharet |
kālīṃ ca gāruḍaṃ kālaṃ vidyunmeghau samāharet ||

Man soll Pasha und Bhuta setzen, dann Phetkari und Preta, Kali, Garuda und Kala sowie Vidyut und Megha.

Anmerkung: Bija-Namen, keine wörtlich übersetzbare Mantrakette.

Vers 121
amṛtaṃ nāgabījaṃ ca khecarīṃ ca tato vadet |
ratitrayaṃ kāmayugaṃ ṅe'ntā kāmābhidhā tataḥ ||

Dann soll man Amrita, das Naga-Bija und Khechari sprechen, dreimal Rati und zweimal Kama; danach folgt der jeweilige Kama-Name in einer mit ṅe bezeichneten Dativform.

Anmerkung: Die Endungsanweisung ist beschädigt, aber als Dativ-Anweisung erkennbar; die konkreten deklinierten Namen werden nicht zusätzlich ausgeschrieben.

Vers 122
tataśca mūlamantraḥ syāttriratiḥ kāmayuk tataḥ |
hārdena manunā yuktastrailokyaiśvaryasādhakaḥ ||

Dann folgt der Grundmantra, anschließend dreimal Rati mit Kama. Mit dem Herz-Mantra verbunden, soll er Herrschaft über die drei Welten bewirken.

Anmerkung: Die Anzahl von Kama wird im zweiten Satzteil nicht ergänzt; die Quelle nennt dort nur die Verbindung.

Vers 123
ādyo'naṅgaḥ samākhyātastataḥ kandarpa ucyate |
ratipriyaḥ pañcaśaraḥ suratātura ityapi ||

Der erste heißt Ananga, der Körperlose; danach Kandarpa; Ratipriya, Liebhaber Ratis; Panchashara, mit fünf Pfeilen; und Suratatūra, vom Liebesspiel Ergriffener.

Anmerkung: Namen der Kama-Gestalten, nicht menschlicher Ritualteilnehmer; suratātura bedeutet »vom Liebesspiel ergriffen«.

Vers 124
manobhavastato jayaḥ kusumāyudha ityapi |
cittatarjana ityevaṃ manmathastadanantaram ||

Manobhava, aus dem Geist geboren; Jaya, Sieg; Kusumayudha, mit Blüten bewaffnet; Chittatarjana, Bedränger des Gemüts; danach Manmatha, der den Geist Aufwühlende.

Vers 125
sammohano yauvaneśo madanastadanantaram |
hṛtkṣobhakaścākarṣakaḥ kelivallabha eva ca ||

Sammohana, der Betörende; Yauvanesha, Herr der Jugend; Madana, der Berauschende; Hritkshobhaka, Erschütterer des Herzens; Akarshaka, der Heranziehende; und Kelivallabha, Liebhaber des Spiels.

Vers 126
cittavidrāvaṇaścāpi darpako bhrāmakastathā |
trilokīvaśakārī ca makaradhvaja ityapi ||

Chittavidravana, der das Gemüt zerschmelzen oder fliehen lässt; Darpaka, der Stolz Erzeugende; Bhramaka, der Verwirrer; Trilokivashakarin, Unterwerfer der drei Welten; und Makaradhvaja, mit dem Makara-Banner.

Vers 127
unmādako'ndhakārī ca caṇḍavegastato vadet |
māra uccāṭanaścāpi tathā vyāmohadāyyapi ||

Danach soll man nennen: Unmadaka, der Raserei Erzeugende; Andhakarin, der Verblendende; Chandavega, mit heftigem Antrieb; Mara; Uccatana, der Vertreiber; und Vyamohadayin, der Verwirrung Verleihende.

Anmerkung: Mara ist ein Name Kamas; keine eindeutige Wortbedeutung an dieser Stelle erzwungen.

Vers 128
puṣpadhanvā smaraścāpi tataḥ santāpanaḥ smṛtaḥ |
manaḥpramāthī bhagado mīnaketuritaḥ param ||

Pushpadhanvan, mit dem Blütenbogen; Smara, Erinnerung und Liebesverlangen; Santapana, der Entflammende; Manahpramathin, Aufwühler des Geistes; Bhagada; und Minaketu, mit dem Fischbanner.

Anmerkung: Bhagada bleibt wegen der Mehrdeutigkeit von bhaga als Name stehen; die unsichere Lesung wird nicht zu bhogada verändert.

Vers 129
upasthago yonivāsī tathā manasijo'pi ca |
puṣpacāpo yauvateśastathā viśvopatāpyapi ||

Upasthaga, im Geschlechtsorgan gegenwärtig; Yonivasin, in der Yoni wohnend; Manasija, aus dem Geist geboren; Pushpachapa, mit dem Blütenbogen; Yauvatesha, Herr der jungen Frauen; und Vishvopatapin, der die ganze Welt entflammt.

Anmerkung: Sachliche Bedeutungsangaben von Gottheitsnamen.

Vers 130
vasantamitro malayaketuścetaḥpramodanaḥ |
krathanaścaṇḍatejāśca dharmādharmapravartakaḥ ||

Vasantamitra, Freund des Frühlings; Malayaketu, mit dem Malaya-Banner; Chetahpramodana, der das Herz Erfreuende; Krathana, der Zerschneidende; Chandatejas, von heftigem Glanz; und Dharmadharmapravartaka, der Dharma und dessen Gegenteil in Bewegung setzt.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält die beiden zusätzlichen Namen in der zweiten Hälfte. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 5173–5176. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 131
komalāyudha ityevaṃ pramardana itaḥ param |
trilokīsukhadaḥ paścātpikadundubhireva ca ||

Komalayudha, mit sanften Waffen; Pramardana, der Überwältiger; Trilokisukhada, Glückspender der drei Welten; und Pikadundubhi, dessen Trommel der Kuckuck ist.

Vers 132
alimālī jagajjetā kāmo'nte ca prakīrtitaḥ |
kāmā ityekapañcāśaddevyāḥ pāriṣadāḥ smṛtāḥ ||

Alimalin, mit einer Bienengirlande; Jagajjeta, Bezwinger der Welt; zuletzt Kama, Verlangen und Liebe. Diese einundfünfzig Kamas gelten als Gefolge der Göttin.

Anmerkung: Die Gesamtzahl wird als Quellenangabe bewahrt; die beschädigten Namen in 130 bleiben offen.

Vers 133
śṛṇu devi dhyānameṣāṃ yaddhyātvā nyāsamācaret |
ratnasandohasaṃśobhikirīṭojjvalamaulayaḥ ||

Höre, Göttin, ihre Meditation, nach der man den Nyasa vollziehen soll: Ihre Häupter leuchten unter Kronen, die mit einer Fülle von Edelsteinen geschmückt sind.

Vers 134
māṇikyaśakalodbhāsikuṇḍaladvayaśobhitāḥ |
śāradapārvaṇaśītāṃśusamānamukhadīptayaḥ ||

Zwei mit Rubinsplittern glänzende Ohrringe schmücken sie; ihr Gesicht leuchtet wie der herbstliche Vollmond.

Anmerkung: Die Vollmond-Verbindung ist aus beschädigter OCR normalisiert.

Vers 135
māṇikyakhaṇḍabhramakṛddantamaṇḍalamaṇḍitāḥ |
viśālalocanayugāḥ śyāmakuñcitamūrdhajāḥ ||

Ihre Zahnreihen scheinen aus Rubinstücken zu bestehen. Sie haben zwei große Augen und dunkles, lockiges Haar.

Anmerkung: Die ungewöhnliche Rubinmetapher wird nicht in eine Perlenmetapher umgeschrieben.

Vers 136
kaṅkaṇāṅgadakeyūramuktāhāravirājitāḥ |
calatkuṇḍalasaṃśobhikapoladvayarājitāḥ ||

Armreife, Spangen, Oberarmschmuck und Perlenketten lassen sie erstrahlen; ihre beiden Wangen glänzen neben den schwingenden Ohrringen.

Anmerkung: Die Anfangslesung calat der zweiten Hälfte ist beschädigt und kontextuell verstanden. Die Quellenfußnote meldet diese Zeile in einem Zeugen als fehlend.

Vers 137
gaurā hasantaścapalāḥ sarve sarvāṅgasundarāḥ |
pauṣpaṃ cāpaṃ kare vāme dakṣiṇe pañcasāyakān ||

Alle sind hell, lachend, lebhaft und an allen Gliedern schön. In der linken Hand halten sie den Blütenbogen, in der rechten fünf Pfeile –

Anmerkung: Die Lesung pauṣpa des Bogens ist im OCR stark beschädigt, aber durch den Namens- und Bildzusammenhang gestützt.

Vers 138
dadhataścitravasanāḥ mañjīraraṇitāṅghrayaḥ |
pikakokilakāravavasantamalayānilaiḥ ||

tragen bunte Gewänder und Fußschmuck, der bei ihren Schritten klingt; von Kuckucksrufen, Frühling und dem Wind vom Malaya –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 139. Die genaue Verbindung der beiden Vogelbezeichnungen ist beschädigt; kein weiterer Vogelname erfunden.

Vers 139
sevyamānā mudā svasvaśaktyāliṅgitamūrtayaḥ |
[…] devyāśca purato nṛtyantaḥ sasmitānanāḥ ||

[Lesbares Fragment:] freudig umgeben, von ihrer jeweiligen Shakti umarmt, tanzen sie mit lächelnden Gesichtern vor der Göttin.

Anmerkung: Fragment: Der Anfang der zweiten Hälfte ist beschädigt. Der Bezug auf göttliche Shaktis wird nicht in menschliche Ritualhandlungen umgedeutet.

Dakini-Nyasa

Der vierte Teil führt die Dakinis als Gefolge der Göttin ein und erläutert Namen, Mantra-Rahmen und Meditation.

Vers 140
tattatkalābhiḥ sahitāḥ dhyātavyāḥ siddhidāyinaḥ |
atha pravakṣye te devi ḍākinīnyāsamuttamam ||

Mit ihren jeweiligen Kalas, ihren Kraftanteilen, soll man sie als Siddhi-Verleiher meditieren. Nun erkläre ich dir, Göttin, den vorzüglichen Dakini-Nyasa –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 141.

Vers 141
yadācarannaro yāti samagraiśvaryapātratām |
nyāsasya ḍākinīnāmno virūpākṣa ṛṣirmataḥ ||

durch dessen Ausführung ein Mensch würdig werden soll, die ganze Herrschaftsfülle zu empfangen. Als Rishi dieses Dakini genannten Nyasa gilt Virupaksha.

Vers 142
paṅktiśchandaḥ samākhyātaṃ ḍākinyo devatā api |
bījaṃ tu ḍākinībījaṃ khecarī śaktirucyate ||

Pankti heißt sein Metrum; die Dakinis sind die Gottheiten. Sein Bija ist das Dakini-Bija, Khechari wird als Shakti bezeichnet.

Vers 143
ḍākinīnyāsa evāsya viniyogaḥ prakīrtitaḥ |
ṣaḍdīrghairḍākinībījaiḥ ṣaḍaṅganyāsamācaret ||

Seine Anwendung wird als Dakini-Nyasa selbst angegeben. Mit den sechs langen Vokalformen des Dakini-Bijas soll man den sechsgliedrigen Nyasa vollziehen.

Vers 144
vāgbhavaṃ ca parākūṭaṃ māyāṃ lakṣmīṃ tataḥ param |
krodhabījaṃ vadhūbījaṃ yoginībījameva ca ||

Vagbhava, Parakuta, Maya und Lakshmi, danach das Krodha-Bija, das Vadhu-Bija und das Yogini-Bija –

Anmerkung: Beginn der verschlüsselten Bija-Reihe; Fortsetzung in Vers 145.

Vers 145
śākinīkāmabīje ca dhanadābījameva ca |
kālīcaṇḍāṅkuśārṇaṃ ca bījānīha trayodaśa ||

das Shakini- und das Kama-Bija, das Dhanada-Bija sowie die Silben Kali, Chanda und Ankusha: Das sind hier dreizehn Bijas.

Vers 146
sanāma ḍākinī ṅe'ntaṃ sarvaśeṣe namaḥ padam |
mātṛkānyāsavatsthānamāsāṃ devi prakīrtitam ||

Hinzu kommt der jeweilige Dakini-Name in der Dativform; ganz am Ende steht namaḥ, »Verehrung«. Ihre Körperstellen, Göttin, werden wie beim Matrika-Nyasa bestimmt.

Anmerkung: Die Endungsanweisung ist im OCR beschädigt und als ṅe, Dativ, verstanden; kein vollständiger Rezitationstext ergänzt.

Vers 147
ḍākinīnāṃ ca nāmāpi gadato me'vadhāraya |
mahārātriḥ kālarātrirvirūpā ca kapālinī ||

Höre aufmerksam die Namen der Dakinis: Maharatri, die große Nacht; Kalaratri, Nacht der Zeit und des Todes; Virupa, die Viel- oder Missgestaltige; und Kapalini, Schädelträgerin.

Vers 148
mahotsavā guhyanidrā tato dordaṇḍakhaṇḍinī |
vajriṇī śūlinī cāpi vimalā ca mahodarī ||

Mahotsava, großes Fest; Guhyanidra, geheimer Schlaf; Dordandakhandini, Zerbrecherin der Armstäbe; Vajrini, Trägerin des Vajra; Shulini, Speerträgerin; Vimala, die Makellose; und Mahodari, mit großem Bauch.

Anmerkung: Der Name dordaṇḍakhaṇḍinī ist beschädigt und kontextuell gelesen.

Vers 149
kurukullā kaumudī ca kaulinī kālasundarī |
balākinī pheravī ca jñeyā ḍamarukā tathā ||

Kurukulla; Kaumudi, Mondlicht; Kaulini; Kalasundari, Schöne der Zeit beziehungsweise der dunklen Gestalt; Balakini; Pheravi; und Damaruka.

Anmerkung: Mehrere Namen, besonders Pheravi und Damaruka, sind unsicher gelesen. Wo die Bedeutung nicht zuverlässig feststeht, bleibt der Name ohne erfundene Übersetzung.

Vers 150
ghaṭodarī bhīmadaṃṣṭrā tataśca bhagamālinī |
menā tārāvatī bhānumatī tadanu kīrtitā ||

Ghatodari, mit einem Bauch wie ein Krug; Bhimadamshtra, mit gewaltigen Fangzähnen; Bhagamalinī; Mena; Taravati, die Sternenreiche; und Bhanumati, die Strahlende.

Anmerkung: Bhaga ist im Namen Bhagamalini mehrdeutig; keine einzige wörtliche Deutung festgeschrieben.

Vers 151
ekānaṅgā kekarākṣīndrākṣī saṃhāriṇī tathā |
prabhañjanā bhrāmarī ca pracaṇḍākṣyaparājitā ||

Ekananga; Kekarakshi, mit schielenden Augen; Indrakshi; Samharini, die Auflösende; Prabhanjana, die Zerbrechende; Bhramari, die Bienenhafte; Prachandakshi, mit heftigem Blick; und Aparajita, die Unbesiegte.

Anmerkung: Ekananga wird als unsichere Quellenform bewahrt, nicht stillschweigend durch einen bekannteren Göttinnennamen ersetzt.

Vers 152
vidyutkeśī mahāmārī śoṣiṇī vajranakhyapi |
sūcī tuṇḍī jambhakā ca tīvrā prasvāpanī tataḥ ||

Vidyutkeshi, mit Blitzhaar; Mahamari, große Vernichtung beziehungsweise Seuche; Shoshini, die Austrocknende; Vajranakhi, mit diamantfesten Krallen; Suchi, die Nadel; Tundi, die Geschnäbelte; Jambhaka; Tivra, die Heftige; und Prasvapani, die Einschläfernde.

Anmerkung: Die Trennung sūcī/tuṇḍī ist im OCR nicht sicher; beide lesbaren Namensteile werden ohne künstliche Zählung bewahrt.

Vers 153
jvālinī caṇḍaghaṇṭā ca lambodaryagnimardinī |
ekadantolkāmukhī ca sūrpajihvā ca ghoṇakī ||

Jvalini, die Flammende; Chandaghanta, mit gewaltiger Glocke; Lambodari, mit hängendem Bauch; Agnimardini, die das Feuer Bezwingende; Ekadanta, die Einzähnige; Ulkamukhi, mit feurigem Antlitz; Shurpajihva, mit einer Zunge wie eine Worfelschwinge; und Ghonaki.

Vers 154
tanā vegamālā ca tato jālandharī matā |
ekapañcāśadityetā ḍākinyaḥ parikīrtitāḥ ||

Tana, Vegamala und Jalandhari werden zuletzt genannt. Damit sind diese Dakinis nach Angabe der Quelle einundfünfzig.

Anmerkung: Tana ist eine unsichere Namenslesung; keine ungesicherte Bedeutung ergänzt. Die angegebene Gesamtzahl wird nicht durch erfundene Namen hergestellt.

Vers 155
namaskṛtāḥ stutā dhyātāḥ prayacchantyuttamāṃ śriyam |
viparītena vidhinā sādhakaṃ bhakṣayanti tam ||

Wenn man sich vor ihnen verneigt, sie preist und meditiert, gewähren sie höchstes Glück. Bei verkehrter Ausführung des Rituals jedoch sollen sie den Sadhaka verschlingen.

Anmerkung: Historische Ritualwarnung des Textes, keine Behauptung tatsächlicher Gefährdung durch Gottheiten.

Vers 156
dhyānaṃ bravīmyahaṃ tāsāṃ yatkṛtvā nyāsamācaret |
kāścidbandhūkasadṛśāḥ kāścinnīlaghanaprabhāḥ ||

Ich beschreibe ihre Meditation, nach deren Vollzug man den Nyasa ausführen soll: Einige gleichen Bandhuka-Blüten, andere leuchten wie dunkle Wolken.

Vers 157
kāścinmārtaṇḍabimbābhadehadyutaya īritāḥ |
kāścitsphaṭikakhaṇḍābhāḥ kāścitsvarṇasamaprabhāḥ ||

Bei einigen wird der Körperglanz als der Sonnenscheibe gleich beschrieben; andere gleichen Bergkristallstücken, wieder andere strahlen wie Gold.

Vers 158
dīrghakarṇacaladghoranṛmuṇḍāṅkitakuṇḍalāḥ |
śuṣkastanakapolorojaṅghāgrīvāmukhodarāḥ ||

An ihren langen Ohren schwingen furchtbare, mit Menschenköpfen versehene Ohrringe. Brüste, Wangen, Oberschenkel, Unterschenkel, Hals, Gesicht und Bauch sind ausgemergelt.

Vers 159
narāsthikṛtasarvāṅgabhūṣaṇā ghoradarśanāḥ |
jvalaccitāgnijihvābhajaṭāmaṇḍalamaṇḍitāḥ ||

Ihr gesamter Körperschmuck besteht aus Menschenknochen; ihr Anblick ist furchtbar. Haarflechten, die den Flammenzungen eines brennenden Scheiterhaufens gleichen, umgeben ihre Häupter.

Vers 160
ardhacandrasamudbhāsilalāṭataṭapaṭṭikāḥ |
vidīrṇamukhanirgacchajjihvādaṃṣṭrāvirājitāḥ ||

Ihre Stirnflächen leuchten mit der Mondsichel; aus den weit geöffneten Mündern treten Zungen und Fangzähne hervor.

Vers 161
pādālambijaṭābhārāḥ śmaśānasthā digambarāḥ |
bhūtapretapiśācādyaiḥ sajjantyaḥ kāmalālasāḥ ||

Ihre schweren Haarflechten reichen bis zu den Füßen. Unbekleidet stehen sie auf dem Verbrennungsplatz und gesellen sich, von Verlangen erfüllt, zu Bhutas, Pretas, Pishachas und anderen Wesen.

Anmerkung: Die genaue Bedeutung von sajjantyaḥ ist im OCR unsicher; keine ausdrücklichere Handlung hinzuerfunden.

Vers 162
dorbhyāmādāya kuṇapāngilantyaḥ pitṛkānane |
trāsayantyastarjayantyo jagadetaccarācaram ||

Mit beiden Armen ergreifen sie Leichname und verschlingen sie auf dem Verbrennungsplatz; sie erschrecken und bedrohen diese ganze Welt des Beweglichen und Unbeweglichen.

Vers 163
dīrghairbhujairdhārayantyaḥ śastrāstrāṇi ca bhūriśaḥ |
bāṇāndhanūṃṣi parighānkṛpāṇāṃstomarāngadāḥ ||

In ihren langen Armen tragen sie zahlreiche Waffen: Pfeile, Bogen, Eisenriegel, Schwerter, Wurfspeere und Keulen –

Anmerkung: Die Liste wird fortgesetzt.

Vers 164
khaṭvāṅgāni triśūlāni kuṭhārānmudgarānapi |
bhindipālānbhuśuṇḍīśca śaktīścakrāṇi paṭṭiśān ||

Khatvanga-Stäbe, Dreizacke, Äxte, Hämmer, Bhindipalas, Bhushundis, Shakti-Lanzen, Wurfscheiben und Pattishas –

Anmerkung: Traditionelle Waffennamen bleiben stehen, wo eine präzisere Zuordnung nicht gesichert ist.

Vers 165
[…] pāśāṃśca kuṇapānmusalānaṅkuśānguḍān |
carmāṇi ghaṇṭā ḍamarūn bherī […] ||

[Lesbare Teile:] Schlingen, Leichname, Stößelkeulen, Haken, Kugeln, Schilde, Glocken, Damaru-Trommeln und große Bheri-Trommeln –

Anmerkung: Fragment: Die erste Bezeichnung und weitere Instrumentennamen am Ende sind beschädigt; keine vollständige Liste rekonstruiert.

Vers 166
savasāsṛkpalāsthīni kharparāṇi bahūni ca |
nṛtyantyaścarcarīśabdaiḥ prakampitajagattrayāḥ ||

und viele Schädelschalen mit Fett, Blut, Fleisch und Knochen. Tanzend lassen sie mit Charchari-Lauten die drei Welten erbeben.

Anmerkung: Carcarī ist eine traditionelle Tanz- oder Gesangsbezeichnung; die konkrete Aufführung wird hier nicht erläutert.

Vers 167
koṭividyuddurnirīkṣyajvalaccapalatārakāḥ |
dīrghātiśuṣkakaṭhinagartabhugnakalevarāḥ ||

Ihre flackernden Augensterne leuchten wie Millionen Blitze, kaum anzuschauen. Ihre Körper sind lang, stark ausgemergelt, hart, eingesunken und gekrümmt.

Anmerkung: Die Schlussverbindung ist im OCR beschädigt; die erkennbaren Körpermerkmale werden ohne vermeintlich gesicherte anatomische Einzelheiten wiedergegeben.

Vers 168
devyāḥ pāriṣadībhūtāḥ baddhāñjalipuṭadvayāḥ |
kiṅkarya ājñākāriṇyaḥ sarvā devyāḥ puraḥ sthitāḥ ||

Als Gefolge der Göttin stehen sie alle mit gefalteten Händen vor ihr, als Dienerinnen, die ihre Befehle ausführen.

Shakti-Nyasa

Der fünfte Teil nennt die Kräfte der Göttin, darunter Einsicht, Vertrauen, Wollen, Handeln und Frieden, als zu vergegenwärtigende Gestalten.

Vers 169
evaṃrūpāḥ pradhyātavyā ḍākinīnyāsakāriṇā |
ataḥ śṛṇu varārohe śaktinyāsamanuttamam ||

In solcher Gestalt soll derjenige sie meditieren, der den Dakini-Nyasa ausführt. Höre nun, du Schöne, den unübertrefflichen Shakti-Nyasa –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 170.

Vers 170
yadācaransiddhimiṣṭāmāpnoti śatavāsaraiḥ |
śaktinyāsasya deveśi ṛṣiḥ kapila ucyate ||

durch dessen Vollzug man innerhalb von hundert Tagen die gewünschte Siddhi erlangen soll. Als Rishi des Shakti-Nyasa, Herrin der Götter, wird Kapila genannt.

Vers 171
chando'nuṣṭupsamākhyātaṃ devatā śaktayastvimāḥ |
lajjābījaṃ tu bījaṃ syācchaktiśca kamalārṇakam ||

Sein Metrum heißt Anushtubh, seine Gottheiten sind diese Shaktis. Sein Bija ist das Lajja-Bija und seine Shakti die Kamala-Silbe.

Vers 172
nyāsasya viniyogo'sya śaktinyāse prakīrtitaḥ |
agnyārūḍhākāśabījaiḥ ṣaḍaṅganyāsamācaret ||

Die Anwendung dieses Nyasa wird als Shakti-Nyasa angegeben. Mit dem Akasha-Bija, auf Agni gesetzt, soll man den sechsgliedrigen Nyasa ausführen –

Anmerkung: Verschlüsselte Lautanordnung, keine konkreten Silben ergänzt.

Vers 173
ṣaḍbhirdīrghaiḥ sametaiśca karāṅganyāsameva ca |
tāramāyāramākrodhakālīkāmāṅkuśāmṛtaiḥ ||

verbunden mit den sechs langen Vokalformen, ebenso den Nyasa an Händen und Körpergliedern. Mit Tara, Maya, Rama, Krodha, Kali, Kama, Ankusha und Amrita –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 174.

Vers 174
śaktināma caturthyantaṃ dattvā tadanu kīrtayet |
kuvargādyarṇayugalamavargeṇānvitaṃ priye ||

soll man den Namen der jeweiligen Shakti im Dativ verbinden; danach soll man das erste Lautpaar der ka-Gruppe mit der a-Gruppe sprechen, Geliebte.

Anmerkung: Die Verbindung ku-vargādya und a-varga ist im OCR unsicher. Als Lautgruppen-Anweisung übersetzt, ohne ein vollständiges Nyasa-Schema daraus zu konstruieren.

Vers 175
tataḥ prāsādamuddhṛtya mahākrodhaṃ ca gāruḍam |
astratritayamuddhṛtya svāhānto manurāḍasau ||

Dann folgen Prasada, Mahakrodha und Garuda, anschließend dreimal Astra; dieser König der Mantras endet mit svāhā.

Vers 176
cavargavarṇayoreva ṭavargavarṇayorapi |
tavargavarṇayoreva pavargavarṇayorapi ||

Entsprechend verfährt man mit den Lautpaaren der ca-Gruppe und der ṭa-Gruppe, ebenso mit denen der ta-Gruppe und der pa-Gruppe.

Anmerkung: Die Herausgeberfußnote kennzeichnet varṇa statt varga in diesen Anweisungen ausdrücklich als redaktionelle Lesung; diese Fassung wird nicht als widerspruchslos überliefert ausgegeben.

Vers 177
yavargavarṇayoḥ paścācchavargavarṇayorapi |
svarāntyavarṇasaṃyukto havarṇastadanantaram ||

Danach folgen die Lautpaare der ya-Gruppe und der śa-Gruppe; anschließend der Laut ha, verbunden mit dem letzten Vokalzeichen.

Vers 178
punaḥ svarātsamuccārya vargāntyākṣaraṃ vadet |
āvṛttayaścatasraḥ syuḥ sarvaśeṣavivarjitam ||

Nach erneuter Aussprache des Vokals soll man den letzten Laut der Gruppe sprechen. Es sollen vier Durchgänge stattfinden, unter Auslassung des jeweils ganz letzten Elements.

Anmerkung: Die genaue Verteilung der Gruppen und Auslassungen ist nicht vollständig gesichert; keine zusätzliche ausführbare Reihenfolge erfunden.

Vers 179
uktā mayaite śaktīnāṃ mantrāḥ sarvārthasādhakāḥ |
nāmāni tāsāmadhunā samākarṇaya pārvati ||

Damit habe ich diese Mantras der Shaktis beschrieben, die alle Anliegen verwirklichen sollen. Höre nun ihre Namen, Parvati.

Vers 180
sūkṣmā jayā tathā māyā prabhā ca vijayā punaḥ |
suprabhā nandinī paścādviśuddhiḥ kāntirunnatiḥ ||

Sukshma, die Feine; Jaya, Sieg; Maya; Prabha, Glanz; Vijaya, Triumph; Suprabha, schöner Glanz; Nandini, die Erfreuende; Vishuddhi, Reinheit; Kanti, Schönheit; und Unnati, Aufstieg.

Anmerkung: Beginn der Shakti-Namensliste.

Vers 181
kīrtirvibhūtirhṛṣṭiśca vyuṣṭiḥ sannatirunnatiḥ |
ṛddhirutkṛṣṭirajitā tathā caivāparājitā ||

Kirti, Ruhm; Vibhuti, Machtfülle; Hrishti, Freude; Vyushti, Aufleuchten; Sannati, Verneigung; Unnati, Aufstieg; Riddhi, Gedeihen; Utkrishti, Erhöhung; Ajita, die Unbesiegte; und Aparajita, die Unüberwundene.

Anmerkung: Unnati wiederholt sich in der Quelle; keine Ersatzgottheit zur Vermeidung der Dublette erfunden. Die Lesung hṛṣṭi ist lokal unsicher.

Vers 182
nityā sarasvatī śrīśca smṛtirlakṣmīruṣā dhṛtiḥ |
buddhiḥ śraddhā matirmedhā vidyā prajñā prakīrtitā ||

Nitya, die Ewige; Sarasvati; Shri, Glücksglanz; Smriti, Erinnerung; Lakshmi; Usha, Morgenröte; Dhriti, Standhaftigkeit; Buddhi, Einsicht; Shraddha, Vertrauen; Mati, Denken; Medha, geistige Aufnahmefähigkeit; Vidya, Wissen; und Prajna, Erkenntnis.

Vers 183
icchā kriyā tathā māyā dīptā prītistataḥ param |
nītiḥ sṛṣṭiḥ sthitirjñeyā saṃhṛtiścetanāpi ca ||

Iccha, Wollen; Kriya, Handeln; Maya; Dipta, die Leuchtende; Priti, Zuneigung; Niti, rechte Führung; Srishti, Schöpfung; Sthiti, Erhaltung; Samhriti, Auflösung; und Chetana, Bewusstsein.

Anmerkung: Maya steht erneut in der Quelle; keine Harmonisierung der Namensliste.

Vers 184
satyā śāntī ratirbhadrā raudrī jyeṣṭhā ca vidyutā |
ekapañcāśattamā ca jñeyā śaktiḥ parāparā ||

Satya, Wahrheit; Shanti, Frieden; Rati, Freude und Liebeslust; Bhadra, die Heilvolle; Raudri, die Wilde; Jyeshtha, die Älteste; und Vidyuta, Blitz. Als einundfünfzigste Shakti ist Parapara zu kennen, die Jenseitige und Diesseitige.

Anmerkung: Die Gesamtzählung bleibt eine Angabe der Quelle; Wiederholungen und Lesungsunsicherheiten werden nicht künstlich ausgeglichen.

Vers 185
ityetāḥ śaktayaḥ sarvā devyāḥ pāriṣadā matāḥ |
devyāstanau ca saṃviṣṭā dhyānamāsāṃ niśāmaya ||

Alle diese Shaktis gelten als Gefolge der Göttin und sind in ihrem Körper gegenwärtig. Höre ihre Meditation.

Vers 186
niraṅkapaurṇimāpūrṇacandrabimbasamānanāḥ |
viśālapraphullarājīvadalaśoṇāyatekṣaṇāḥ ||

Ihre Gesichter gleichen einer makellosen, vollen Mondscheibe; ihre weiten, länglichen, rötlichen Augen gleichen den Blättern einer aufgeblühten Lotusblüte.

Anmerkung: Die erste Wortverbindung ist im OCR beschädigt; das Bild des makellosen Vollmonds ist klar erkennbar.

Vers 187
vilasadratnatāṭaṅkaśravaṇābharaṇojjvalāḥ |
mandāramālāsannaddhadhammillabharagarvitāḥ ||

Ihre Ohren strahlen im Schmuck glänzender Edelsteinscheiben; stolz tragen sie schwere Haarknoten, von Mandara-Blütengirlanden umwunden.

Vers 188
viśālajaghanābhogā atikṣīṇakaṭisthalāḥ |
kaṭhorapīvarottuṅgavakṣojayugalānvitāḥ ||

Ihre Hüften sind breit, ihre Taillen sehr schmal; sie haben zwei feste, volle und hohe Brüste.

Anmerkung: Ikonographische Beschreibung göttlicher Gestalten ohne Altersangabe.

Vers 189
ratnamañjīrakeyūrakaṅkaṇāṅgadaśobhitāḥ |
kiṅkiṇīhāramukuṭamudrikāvalayānvitāḥ ||

Edelsteinbesetzte Fußreifen, Oberarmschmuck, Armreife und Spangen schmücken sie; sie tragen Glöckchen, Halsketten, Kronen, Fingerringe und weitere Reife.

Vers 190
trailokyasārasaundaryayauvanonmādagarvitāḥ |
siṃhāsanasamārūḍhā vicitravividhāmbarāḥ ||

Sie tragen die höchste Schönheit der drei Welten und den stolzen Überschwang der Jugend; auf Thronen sitzend tragen sie vielfältige, farbenreiche Gewänder.

Vers 191
svacchaśītāṃśuśakalavirājitalalāṭikāḥ |
suśuklamālyalalitāḥ svasvaceṭīgaṇairvṛtāḥ ||

Eine klare Mondsichel schmückt ihre Stirn. Schöne weiße Girlanden umspielen sie; jede ist von ihrer eigenen Schar von Dienerinnen umgeben.

Vers 192
gaurāṅgadehasaṃśobhicandanāgurucitrakāḥ |
susmitodbhāsivadanacañcaddaśanapaṅktayaḥ ||

Auf ihren hellen Körpern leuchten Bemalungen aus Sandelholz und Aguru. Ihre Gesichter strahlen in schönem Lächeln, ihre Zahnreihen schimmern.

Anmerkung: Die ältere Fassung klärt cañcat, „schimmernd“. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 5337–5340; deren Kapitelzählung 248.

Vers 193
karābhyāṃ dhārayantyastā varābhayamanuttamam |
nyasanīyasthānagatā devyāstu tattanau priye ||

Mit beiden Händen zeigen sie die vorzüglichen Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit. Geliebte, sie befinden sich an den einzusetzenden Stellen im Körper der Göttin.

Anmerkung: Die Verbindung tat-tanau ist im OCR beschädigt; der Körperbezug wird nicht genauer festgelegt, als es der Satz erlaubt.

Devi-Nyasa

Der sechste Teil vereinigt eine Vielzahl von Göttinnen. Auf ihre Namensliste folgen im weiteren Quellentext ihre Mantras und Meditationen.

Vers 194
evaṃ dhyātvā carennyāsaṃ sarvakāmārthasiddhaye |
atha ṣaṣṭho varārohe devīnyāsaḥ prakīrtyate ||

Nach dieser Meditation soll man den Nyasa zur Erfüllung aller Anliegen ausführen. Nun wird als sechster der Devi-Nyasa erklärt, du Schöne –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 195.

Vers 195
ṣoḍhānyāsaḥ samagro'pi yatra devi pratiṣṭhitaḥ |
vaktuṃ na śakyo mahimā yasya varṣaśatairapi ||

in dem, Göttin, der gesamte sechsfache Nyasa gründet. Seine Größe lässt sich nicht einmal in Jahrhunderten beschreiben.

Vers 196
yā yāmale kṛtoddhārā ḍāmare yāḥ prakīrtitāḥ |
bhīmātantre ca yāḥ proktā yā proktāḥ kaulikārṇave ||

Die Göttinnen, die im Yamala erschlossen, im Damara genannt, im Bhima-Tantra gelehrt und im Kaulikarnava beschrieben werden –

Anmerkung: Die Werknamen werden entsprechend der Quelle bewahrt. »Bhima-Tantra« ist eine unsichere OCR-Lesung; keine sichere bibliographische Identifikation behauptet.

Vers 197
devyastāḥ ekapañcāśatsamantradhyānapūrvikāḥ |
nyasanīyāstanau devi tāsāṃ mantraṃ samuccaret ||

diese einundfünfzig Göttinnen sollen, begleitet von Mantra und Meditation, im Körper eingesetzt werden, Göttin. Dabei soll man ihre jeweiligen Mantras sprechen.

Vers 198
devīnyāsasyāsya ṛṣiḥ sadāśiva itīritaḥ |
jagatyanuṣṭubbṛhatīgāyatrīpaṅktayo'pi ca ||

Als Rishi dieses Devi-Nyasa wird Sadashiva genannt. Jagati, Anushtubh, Brihati, Gayatri und Pankti –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 199.

Vers 199
chandāṃsi kathitānīha devatā parikīrtitā |
devī kāmakalākālī bījaṃ kāmasya […] ||

[Lesbares Fragment:] werden hier als Metren angegeben. Als Gottheit ist die Göttin Kamakala-Kali genannt; beim Bija wird Kama angeführt.

Anmerkung: Fragment: Die nähere Bestimmung nach kāmasya ist beschädigt; keine gesicherte Bija-Formel ergänzt.

Vers 200
krodhabījaṃ tu śaktiḥ syādviniyogaḥ prakīrtitaḥ |
devīnyāse kāmabījaiḥ ṣaḍaṅganyāsamācaret ||

Das Krodha-Bija ist die Shakti; die Anwendung wird als Devi-Nyasa angegeben. Mit den Kama-Bijas soll man den sechsgliedrigen Nyasa vollziehen.

Vers 201
karāṅganyāsametaiśca ṣaḍdīrghairācaredbudhaḥ |
ādau nāma vadāmyāsāṃ mantradhyāne tataḥ param ||

Der Kundige soll mit ihnen und den sechs langen Vokalformen auch den Nyasa an Händen und Körpergliedern ausführen. Zunächst nenne ich ihre Namen, danach Mantras und Meditationen –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 202.

Vers 202
kathayiṣyāmi vidhivatsāvadhānaṃ manaḥ kuru |
ādau jñeyā mahālakṣmīstato vāgīśvarī matā ||

die ich vorschriftsmäßig erklären werde; richte deinen Geist aufmerksam aus. Zuerst ist Mahalakshmi zu kennen, dann Vagishvari, Herrin der Rede.

Vers 203
aśvārūḍhā ca mātaṅgī nityaklinnā tataḥ param |
bhuvaneśī tathocchiṣṭacāṇḍālī bhairavī tataḥ ||

Ashvarudha, die Pferdereiterin; Matangi; Nityaklinna, die ewig Feuchte; Bhuvaneshi, Herrin der Welt; Ucchishta-Chandali; und Bhairavi.

Anmerkung: Namen der Göttinnen; Nityaklinna wird wörtlich wiedergegeben, ohne zusätzliche Ritualhandlung daraus abzuleiten.

Vers 204
śūlinī vanadurgā ca tripuṭā tvaritā tataḥ |
aghorā jayalakṣmīśca vajraprastāriṇī tataḥ ||

Shulini, Speerträgerin; Vanadurga, Durga des Waldes; Triputa; Tvarita, die Schnelle; Aghora, die Nicht-Schreckliche; Jayalakshmi, Siegesglück; und Vajraprastarini.

Vers 205
padmāvatyannapūrṇā ca kālasaṅkarṣaṇī tataḥ |
dhanadā kukkuṭī bhogavatī ca śabareśvarī ||

Padmavati, die Lotusreiche; Annapurna, Fülle der Nahrung; Kalasamkarshini, die Zeit an sich Ziehende; Dhanada, Reichtumspenderin; Kukkuti; Bhogavati; und Shabareshvari, Herrin der Shabaras.

Anmerkung: Shabaras ist eine historische Bevölkerungsbezeichnung der Quelle; keine moderne ethnische Gleichsetzung.

Vers 206
kuñjikā siddhilakṣmīśca bālā ca tripurā tataḥ |
tārā dakṣiṇakālī ca chinnamastā trikaṇṭakā ||

Kunjika; Siddhilakshmi; Bala; Tripura; Tara; Dakshinakali; Chinnamasta, die Enthauptete; und Trikantaka, die Dreistachlige.

Anmerkung: Die beschädigte Verszahl wird aus der fortlaufenden Reihe als 206 gelesen.

Vers 207
tato nīlapatākā ca caṇḍaghaṇṭā tataḥ param |
caṇḍeśvarī bhadrakālī guhyakālī tataḥ param ||

Dann Nilapataka, mit blauem Banner; Chandaghanta, mit gewaltiger Glocke; Chandeshvari, die wilde Herrin; Bhadrakali, die heilvolle Kali; und Guhyakali, die geheime Kali.

Vers 208
anaṅgamālā cāmuṇḍā vārāhī bagalā api ca |
jayadurgā nārasiṃhī brahmāṇī vaiṣṇavī tataḥ ||

Anangamala; Chamunda; Varahi; Bagala; Jayadurga, siegreiche Durga; Narasimhi; Brahmani; und Vaishnavi.

Anmerkung: Die Namen werden ohne ungesicherte Gleichsetzung mit bestimmten späteren Kultsystemen übernommen.

Vers 209
māheśvarī tathendrāṇī harasiddhā tato'pi ca |
phetkārī lavaṇeśī ca nākulī mṛtyuhāriṇī ||

Maheshvari; Indrani; Harasiddha; Phetkari; Lavaneshi; Nakuli; und Mrityuharini, die den Tod Hinwegnehmende.

Anmerkung: Fortsetzung der Göttinnenliste.

Vers 210
tataḥ kāmakalākālītyekapañcāśadīritāḥ |
ekaikasyā mahādevyā mūlamantreṇa sādhakaḥ ||

Zuletzt Kamakala-Kali: Damit sind nach Angabe des Textes einundfünfzig genannt. Mit dem Grundmantra jeder einzelnen großen Göttin soll der Sadhaka –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 211; keine künstliche Vervollständigung der Namenszählung.

Einzelmantras und Meditationen: Mahalakshmi bis Bhuvaneshvari

Die folgenden Abschnitte nennen jeweils Mantra-Bestandteile und die zu vergegenwärtigende Gestalt. Die Bijas bleiben dort verschlüsselt, wo die Quelle nur ihre Namen nennt.

Vers 211
akārādikṣakārāntasthāneṣu nyasanaṃ caret |
athāsāṃ mūlamantrāṃstān kramāduddhārayāmyaham ||

sie an den Lautstellen von a bis kṣa einsetzen. Nun werde ich ihre Grundmantras der Reihe nach erschließen –

Vers 212
dhyānaṃ ca mantrānupadaṃ yathāmnāyeṣu kīrtitam |
vāgbhavaṃ kamalaṃ māyāṃ kāmabījaṃ tataḥ param ||

und unmittelbar nach dem jeweiligen Mantra die Meditation, wie sie in den Überlieferungen genannt wird. Vagbhava, Kamala, Maya und danach das Kama-Bija –

Anmerkung: Beginn des Mahalakshmi-Mantras als verschlüsselte Bija-Aufzählung.

Vers 213
caturakṣaramantro'yaṃ mahālakṣmyāḥ prakīrtitaḥ |
pūrṇacandrānanāṃ lakṣmīmaravindopari sthitām ||

dies wird als der viersilbige Mantra Mahalakshmis bezeichnet. Man soll Lakshmi mit einem Gesicht wie der Vollmond auf einem Lotus stehend betrachten –

Anmerkung: Fortsetzung in Versen 214–215.

Vers 214
gaurāṅgīṃ vividhākalparatnābharaṇamaṇḍitām |
kṣaumābaddhanitambāṃ tāṃ varābhayakaradvayām ||

hellgliedrig, mit vielfältigem Edelsteinschmuck ausgestattet, um die Hüften in feines Gewebe gehüllt, mit beiden Händen die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit zeigend.

Vers 215
śvetaiścaturbhirdviradaiḥ śuṇḍadaṇḍaniveśitaiḥ |
hiraṇmayāmṛtaghaṭaiḥ sicyamānāṃ vibhāvayet ||

Man soll sie betrachten, wie vier weiße Elefanten sie aus goldenen Nektarkrügen übergießen, die sie in ihren Rüsseln halten.

Vers 216
atha vāgīśvarīmantrastāraṃ māyā ca vāgbhavaḥ |
punarmāyā punastāro ṅe'ntāpi ca sarasvatī ||

Nun der Mantra Vagishvaris: Tara, Maya und Vagbhava, nochmals Maya, nochmals Tara und Sarasvati im Dativ.

Anmerkung: Verschlüsselte Bijas bleiben unaufgelöst; Dativname Sarasvatyai ist nicht als vollständig im Vers ausgeschriebene Formel ausgegeben.

Vers 217
ante hṛnmanunā jñeyo mantro hyekādaśākṣaraḥ |
dhyāyedvāgīśvarīṃ devīṃ haṃsārūḍhāṃ hasanmukhīm ||

Mit dem Herz-Mantra am Ende gilt dies als elfsilbiger Mantra. Man soll die Göttin Vagishvari auf einem Hamsa reitend und mit lächelndem Gesicht meditieren –

Vers 218
pūrṇenduvadanāṃ kundakarpūrasitavigrahām |
ardhenduvilasadbhālāṃ divyābharaṇabhūṣitām ||

mit einem Gesicht wie der Vollmond, einem Körper weiß wie Kunda-Blüten und Kampfer, der Mondsichel auf der Stirn und göttlichem Schmuck.

Vers 219
viśālalocanāṃ tuṅgastanīṃ smitamanoharām |
pīyūṣakumbhaṃ vidyāṃ ca vāme saṃvibhratīṃ śivām ||

Mit großen Augen und hohen Brüsten, durch ihr Lächeln bezaubernd; links trägt die Heilvolle einen Nektarkrug und die Vidya, hier das Buch des Wissens –

Anmerkung: Vidya heißt wörtlich Wissen; die Deutung als Buch folgt der ikonographischen Aufzählung.

Vers 220
vīṇāmakṣaguṇāndakṣe dhārayantīṃ caturbhujām |
dhyātvā tu mūlamantreṇa sādhako nyāsamācaret ||

rechts eine Vina und eine Gebetskette, vierarmig. Nach dieser Meditation soll der Sadhaka mit ihrem Grundmantra den Nyasa ausführen.

Anmerkung: Die Verteilung der Gegenstände folgt der Quelle und wird nicht an geläufigere Sarasvati-Bilder angepasst.

Vers 221
aśvārūḍhā tṛtīyā syādasyā mantraṃ nibodha me |
tāraṃ lajjāṃ ramāṃ krodhaṃ kāmaṃ pāśaṃ tataḥ param ||

Die dritte ist Ashvarudha. Höre von mir ihren Mantra: Tara, Lajja, Rama, Krodha, Kama und danach Pasha –

Vers 222
aśvārūḍhā caturthyantā tato'stradvitayaṃ vadet |
vahnijāyāntago mantro jñeyaḥ pañcadaśākṣaraḥ ||

Ashvarudha im Dativ; danach soll man zweimal Astra sprechen. Der mit Vahnijaya, svāhā, endende Mantra gilt als fünfzehnsilbig.

Vers 223
dhyānaṃ cāsyāḥ kathyamānaṃ nibodha varavarṇini |
pūrṇaśāradaśītāṃśusamānavadanāṃ śivām ||

Höre die nun beschriebene Meditation über sie, du Schöne: Die Heilvolle hat ein Gesicht wie der volle Herbstmond –

Anmerkung: Das Schlusswort und die Verszahl stehen im OCR durch den Seitenumbruch versetzt; hier wieder an die lesbare Vershälfte angeschlossen.

Vers 224
santaptakāñcanābhāsāṃ viśālāmbujalocanām |
vyālambamānaveṇīkāṃ sthitāṃ javanavājini ||

sie glänzt wie erhitztes Gold, hat große Lotusaugen und einen lang herabhängenden Haarzopf und sitzt auf einem schnellen Pferd.

Anmerkung: Javana ist bereits in der Quelle als korrigierte beziehungsweise ergänzte Lesung angezeigt.

Vers 225
kare ca dakṣiṇe bāṇaṃ vāme raśmiṃ ca vājinaḥ |
candrakhaṇḍalasadbhālāṃ vetraṃ padmaṃ ca bibhratīm ||

Rechts hält sie einen Pfeil, links die Zügel des Pferdes; auf ihrer Stirn leuchtet die Mondsichel. Sie trägt auch einen Stab und einen Lotus.

Anmerkung: Der Vers verteilt Stab und Lotus nicht nochmals eindeutig auf Hände; keine zusätzliche Armzahl erschlossen.

Vers 226
niśāmayātha mātaṅgīmantraṃ sarvārthasādhakam |
vāgbhavaṃ ca trapā lakṣmīstataḥ praṇava eva ca ||

Höre nun Matangis Mantra, der alle Anliegen verwirklichen soll: Vagbhava, Trapa, Lakshmi und dann der Pranava.

Vers 227
namo bhagavatītyuktvā mātaṅgeśvari coddharet |
tataḥ sarvajanetyevaṃ manohari padaṃ tataḥ ||

Nach »namo bhagavati« – »Verehrung, Erhabene!« – soll man »mātaṅgeśvari« setzen, dann »sarvajana« und »manohari«: »Herrin Matangis, die du das Herz aller Menschen bezauberst!«

Anmerkung: Die Quelle gibt Wörter als Bauanweisung; keine darüber hinaus ergänzte Gesamtformel. Fußnotenvariante bei sarvajana dokumentiert, hier Hauptlesung.

Vers 228
punaḥ sarvamukhetyuktvā rañjinīti samuddharet |
tata uccārayedevaṃ sarvarājavaśaṅkari ||

Nach »sarvamukha« soll man »rañjini« setzen – »die du alle Gesichter erfreust!« –, dann »sarvarājavaśaṅkari« – »die du alle Könige unterwirfst!«.

Vers 229
sarvastrīpuruṣetyuktvā vaśaṅkari tato vadet |
sarvaduṣṭamṛgābhāṣya tataścāpi vaśaṅkari ||

Nach »sarvastrīpuruṣa« folgt »vaśaṅkari« – »die du alle Frauen und Männer unterwirfst!« –, dann »sarvaduṣṭamṛga« und wiederum »vaśaṅkari« – »die du alle bösartigen Tiere unterwirfst!«.

Anmerkung: Die Verbindungsform im zweiten Halbvers ist beschädigt; der Wortbestand der Anrufung ist verständlich.

Vers 230
tato'pi coddharedevaṃ sarvasattvavaśaṅkari |
sarvalokamamuṃ me ca vaśamānaya cetyapi ||

Danach soll man »sarvasattvavaśaṅkari« – »die du alle Wesen unterwirfst!« – setzen und »sarvalokam amuṃ me vaśam ānaya« – »Bringe diese ganze Welt in meine Gewalt!«.

Anmerkung: Historische Unterwerfungsformel, keine heutige Praxisempfehlung.

Vers 231
śiro'nto manuruddiṣṭo vaśyakarmaphalapradaḥ |
ratnapīṭhoparigatāṃ sāndranīradasacchavim ||

Der mit Shiras endende Mantra soll die Frucht des Unterwerfungsrituals verleihen. Man soll sie auf einem Edelsteinsitz betrachten, mit der Farbe einer dichten Regenwolke –

Anmerkung: Shiras ist eine rituelle Abschlussbezeichnung; hier keine ungesicherte Lautfolge ergänzt.

Vers 232
śṛṇvantīṃ kīrapotasya kalabhāṣitamuttamam |
nyastaikapādāṃ kamale bālendukṛtaśekharām ||

sie lauscht dem lieblichen Laut eines jungen Papageis, hat einen Fuß auf einen Lotus gesetzt und trägt die junge Mondsichel auf dem Haupt.

Vers 233
karapallavayugmena vīṇāvādanatatparām |
āpādapralambinyā ramyāṃ kalhāramālayā ||

Mit ihren beiden knospenzarten Händen widmet sie sich dem Vina-Spiel; eine bis zu den Füßen reichende Kalhara-Blütengirlande schmückt sie.

Vers 234
tilakodbhāsivadanāṃ vāruṇīpānavihvalām |
atha dhāraya cetastvaṃ nityaklinnāmanau manaḥ ||

Ihr Gesicht leuchtet mit einem Tilaka; sie ist vom Genuss der Varuni berauscht. Richte nun deinen Geist auf den Mantra Nityaklinnas.

Anmerkung: Varuni bezeichnet hier ein berauschendes Getränk; nicht stillschweigend als rein innerer Nektar gedeutet. Die Schlusswendung wiederholt im OCR »Geist« und ist sprachlich holprig.

Vers 235
praṇavaṃ vāgbhavaṃ bījaṃ māyikaṃ tadanantaram |
nityaklinne samuddhṛtya tato'pi ca madadrave ||

Pranava, Vagbhava-Bija und danach das Maya-Bija; dann »nityaklinne« – »du ewig Feuchte!« – und »madadrave« – »du im Rausch Zerfließende!«.

Vers 236
savāgbhavatrapāsvāhā manuḥ pañcadaśākṣaraḥ |
raktāṅgīṃ yauvanodbhinnapīnavakṣoruhadvayām ||

Mit Vagbhava, Trapa und svāhā ist dies ein fünfzehnsilbiger Mantra. Man soll sie rotgliedrig meditieren, mit einem in jugendlicher Fülle entwickelten Brustpaar –

Anmerkung: Ikonographische Beschreibung ohne konkrete Altersangabe; Fortsetzung in den folgenden Versen.

Vers 237
trinetrāṃ madirāpānavihvalāṅgīṃ śivapriyām |
raktāṅgarāgavasanābharaṇāṃ sasmitānanām ||

dreiäugig, vom Wein berauscht, Shiva lieb; mit roter Körperbemalung, roten Gewändern und Schmuck, mit lächelndem Gesicht.

Vers 238
bālendumaulimaruṇasaroruhakṛtasthitim |
kalpavallīṃ kapālaṃ ca vāmato bibhratīṃ śivām ||

Mit der jungen Mondsichel auf dem Haupt steht sie auf einem roten Lotus; links trägt die Heilvolle eine wunscherfüllende Ranke und eine Schädelschale –

Vers 239
pāśāṅkuśau dakṣiṇe ca dhārayantīṃ vicintayet |
śṛṇu ṣaṣṭhīṃ mahādevīmatastvaṃ bhuvaneśvarīm ||

rechts Schlinge und Haken: So soll man sie betrachten. Höre nun von der sechsten großen Göttin, Bhuvaneshvari.

Vers 240
pāśalajjāṅkuśaireva mantrastryakṣara eva ca |
mahimā varṇituṃ devi na śakyastridaśairapi ||

Pasha, Lajja und Ankusha bilden ihren dreisilbigen Mantra. Seine Größe, Göttin, können selbst die Götter nicht beschreiben.

Vers 241
bhuvaneśīmatha dhyāyetsindūrāruṇavigrahām |
trilocanāṃ smeramukhīṃ candrārdhakṛtaśekharām ||

Man soll Bhuvaneshi mit einem Körper rot wie Sindura meditieren, dreiäugig, lächelnd und mit einer halben Mondsichel auf dem Haupt.

Vers 242
pīnavakṣoruhadvandvāṃ sarvābharaṇaśobhitām |
māṇikyaratnakumbhasthasavyapādāṃ karadvaye ||

Mit vollen Brüsten und allem Schmuck geschmückt; der linke Fuß steht auf einem Krug aus Rubin, und in den beiden Händen –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 243.

Ucchishta-Chandali, Bhairavi, Shulini und weitere Gestalten

Die Meditationen werden in ihrer überlieferten Reihenfolge fortgesetzt. 8.248 ist aus einer ausdrücklich bezeichneten Darstellungsgrenze nur sachlich wiedergegeben.

Vers 243
bibhratīṃ ratnacaṣakaṃ raktotpalamathāpi ca |
atha vakṣye'hamucchiṣṭacāṇḍālīmantramādṛtam ||

trägt sie einen Edelsteinbecher und einen roten Lotus. Nun werde ich den verehrten Mantra der Ucchishta-Chandali erklären.

Vers 244
ādau sambodhanaṃ devyāḥ sumukhī tadvadeva ca |
tato devi mahāprocya vadetpaścātpiśācinī ||

Zuerst steht die Anrede der Göttin, ebenso »Sumukhi«, die Schönangesichtige. Dann, Göttin, soll man »mahā« und danach »piśācinī« sagen: »große Pishachini«.

Anmerkung: Die Quelle gibt teilweise Nennformen statt durchgängig flektierter Anreden; nicht stillschweigend zu einer vollständigen Rezitationsfassung umgebaut.

Vers 245
māyābījaṃ visargeṇa sahitaṃ ṭhatrayaṃ tataḥ |
dvāviṃśatyakṣaro mantraḥ sarvasiddhividhāyakaḥ ||

Dann folgt das Maya-Bija mit Visarga und dreimal ṭha. Dieser zweiundzwanzigsilbige Mantra soll alle Siddhis bewirken.

Anmerkung: Die Quelle verzeichnet Varianten bei der dreifachen Silbe und bei der Silbenzahl, darunter 32. Deshalb keine gesicherte Gesamtformel behauptet; die lesbare Hauptangabe bleibt sichtbar.

Vers 246
dhyānamasyāḥ pravakṣyāmi yathāvajjagadīśvari |
śavopari samāsīnāṃ raktāmbaraparicchadām ||

Herrin der Welt, ich werde ihre Meditation genau erklären: Sie sitzt auf einem Leichnam und trägt rote Gewänder.

Vers 247
raktālaṅkārasaṃyuktāṃ nīlameghasamaprabhām |
īṣaddhāsyasamāyuktāṃ guñjāhāravirājitām ||

Mit rotem Schmuck versehen, dunkel wie eine Regenwolke, leicht lächelnd und mit einer Gunja-Samenkette geschmückt.

Anmerkung: Gunjā bezeichnet eine traditionelle Samenart für Schmuck; keine Anwendungsempfehlung.

Vers(e) 248 – sachliche Inhaltswiedergabe

Sachliche Inhaltswiedergabe: Die Göttinnengestalt wird ausdrücklich als sechzehnjährig bezeichnet. Sie trägt eine Schädelschale, ein Messer und reichen Schmuck.

Anmerkung: Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine sexualisierte Körperbeschreibung der ausdrücklich sechzehnjährigen Gestalt wird nicht wiedergegeben. Keine OCR-Lücke; nicht als vollständige Versübersetzung gezählt. Sanskrit deshalb hier nicht abgedruckt.

Vers 249
atha bravīmi bhairavyā mantramāgamagopitam |
yanna kasyacidākhyātaṃ na kasmā api kena ca ||

Nun nenne ich den in den Agamas verborgen gehaltenen Mantra Bhairavis, den niemand irgendjemandem mitgeteilt hat.

Anmerkung: Rhetorische Geheimhaltungsbehauptung des Textes, keine historische Aussage über sämtliche Überlieferungen.

Vers 250
na kīlitaṃ na śaptaṃ ca stambhitaṃ na ca kairapi |
pañcakūṭātmikāṃ vidyāmuddharāmi śṛṇuṣva tām ||

Er ist von niemandem verriegelt, verflucht oder gehemmt worden. Ich erschließe die aus fünf Kutas bestehende Vidya; höre sie.

Anmerkung: Kuta: eine verschlüsselte Silben- beziehungsweise Mantragruppe.

Vers 251
khaṃ khapūrvo vidhirbhūmistārtīyakavirājitaḥ |
nabho vahnividhikṣoṇīsavṛddhidhanadārṇakam ||

Die Formel nennt Kha, Vidhi mit vorangestelltem Kha, Bhumi und einen dritten Lautzusatz; danach Nabhas, Vahni, Vidhi, Kshoni, einen als Vriddhi bezeichneten Zusatz und die Dhanada-Silbe.

Anmerkung: Verschlüsselte und teilweise beschädigte Kuta-Anweisung. Die Namen der erkennbaren Bestandteile sind wiedergegeben; Verbindungen und Lautwerte bleiben unsicher. Keine rezitierbare Gesamtformel rekonstruiert.

Vers 252
tṛtīyaṃ kūṭaṃ phetkārī caturthī śāṅkarī bhavet |
pañcamī vyomakūṭākhyā sarvakāmaphalapradā ||

Das dritte Kuta ist Phetkari, das vierte Shankari, das fünfte heißt Vyomakuta und soll die Frucht aller Wünsche verleihen.

Vers 253
kathayāmi dhyānamasyā yadvidhāya nyasettanum |
udyatsahasramārtaṇḍakāntimindukalojjvalām ||

Ich erkläre ihre Meditation, nach der man den Körper mit Nyasa versehen soll: Ihr Glanz gleicht tausend aufgehenden Sonnen, und sie leuchtet mit der Mondsichel.

Vers 254
trinetrāṃ pīnavakṣojāṃ padmāsanaparisthitām |
sarvābharaṇasampūrṇāṃ pūrṇayauvanaśālinīm ||

Dreiäugig, mit vollen Brüsten, auf einem Lotussitz ruhend, mit allem Schmuck versehen und in voller Jugendblüte.

Anmerkung: Ikonographische Beschreibung einer eigenständigen Göttinnengestalt ohne konkrete Altersangabe.

Vers 255
caturbhujāṃ japavaṭīṃ dakṣiṇe bibhratīṃ varam |
vāme vidyāmabhītiṃ ca dhārayantīṃ vicintayet ||

Man soll sie vierarmig betrachten: rechts mit Gebetskette und Gewährungsgeste, links mit dem Wissensbuch und der Geste der Furchtlosigkeit.

Vers 256
athākarṇaya śūlinyā mantraṃ dhyānaṃ ca pārvati |
jvalayugmaṃ samuddhṛtya vadettadanu śūlinī ||

Höre nun Shulinis Mantra und Meditation, Parvati. Nach zweimal »jvala« – »Flamme auf!« – soll man Shulini nennen.

Anmerkung: Die Anredeform wird in der Quelle nicht einheitlich flektiert; nur die lesbare Bauanweisung übernommen.

Vers 257
duṣṭagrahaṃ samābhāṣya krodhabījamathoddharet |
astraṃ śirastataḥ paścānmanuḥ pañcadaśākṣaraḥ ||

Danach soll man »duṣṭagraha« – »schädlicher Graha« – sprechen, das Krodha-Bija setzen, anschließend Astra und Shiras. Dies ist ein fünfzehnsilbiger Mantra.

Anmerkung: Die genaue grammatische Verbindung des Graha-Wortes bleibt offen. Die Abschlussnamen werden nicht in fehlende Silben umgewandelt.

Vers 258
dhyāyenmṛgendramārūḍhāṃ satoyajaladacchavim |
trinetrāṃ bibhratīṃ bhālaṃ candrakhaṇḍāvataṃsitam ||

Man soll sie auf einem Löwen reitend meditieren, von der Farbe einer wasserreichen Wolke, dreiäugig und mit einer Mondsichel auf der Stirn.

Vers 259
dadatīṃ dviṣatāṃ bhītiṃ yuddhodyatakalevarām |
devīmaṣṭabhujāṃ ghorabhrukuṭībhīṣaṇākṛtim ||

Sie versetzt ihre Feinde in Furcht, ihr Körper ist zum Kampf bereit; die achtarmige Göttin ist mit furchtbar gerunzelten Brauen von schrecklicher Gestalt.

Vers 260
padmaṃ gadāṃ dhanurmuṇḍaṃ vāme saṃvibhratīṃ kramāt |
triśūlaṃ karavālaṃ ca viśikhaṃ pāśameva ca ||

Links trägt sie der Reihe nach Lotus, Keule, Bogen und Kopf; Dreizack, Schwert, Pfeil und Schlinge –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 261. Muṇḍa kann Kopf oder Schädel bezeichnen; hier ohne zusätzliche Beschreibung.

Vers 261
dhārayantīṃ dakṣiṇena sarvālaṅkāramaṇḍitām |
kṛpāṇakheṭakau dorbhyāṃ bibhratībhiraharniśam ||

trägt sie rechts, mit allem Schmuck versehen. Tag und Nacht wird sie von Begleiterinnen verehrt, die Schwert und Schild in ihren Händen halten –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 262; der Satz wird über die Versgrenze bewahrt.

Vers 262
kanyakābhiścatasṛbhiḥ sevyamānāṃ vicintayet |
athāto vanadurgāyāḥ pravakṣye manumuttamam ||

Man soll sie von vier jungen Begleiterinnen verehrt betrachten. Nun erkläre ich den vorzüglichen Mantra Vanadurgas.

Anmerkung: Erster Halbvers schließt Shulinis Meditation ab.

Vers 263
tāraṃ vāgbhavamuddhṛtya lakṣmīṃ lajjāṃ ca yoginīm |
krodhamaṅkuśamullikhya śiro'nto'yaṃ navākṣaraḥ ||

Tara, Vagbhava, Lakshmi, Lajja, Yogini, Krodha und Ankusha werden gesetzt; dieser mit Shiras endende Mantra ist neunsilbig.

Vers 264
kālābhrasamadehābhāṃ siṃhaskandhopari sthitām |
maulibaddhenduśakalāṃ kaṭākṣaiḥ śatrubhītidām ||

Ihr Körper gleicht einer dunklen Wolke. Sie sitzt auf dem Rücken eines Löwen, trägt die Mondsichel auf dem Haupt und versetzt Feinde durch ihre Seitenblicke in Angst.

Vers 265
trinetrāṃ pīvarorojāṃ smeravaktrāṃ caturbhujām |
śaṅkhaṃ cakraṃ gadāṃ khaḍgamudvahantīṃ harapriyām ||

Dreiäugig, mit vollen Brüsten, lächelnd und vierarmig; sie trägt Muschelhorn, Wurfscheibe, Keule und Schwert und ist Hara lieb.

Vers 266
pūjayantīṃ jagatsarvaṃ svatejobhirvicintayet |
tripuṭāyā manurbījaistribhirlakṣmītrapāsmaraiḥ ||

Man soll sie betrachten, wie sie die ganze Welt mit ihren eigenen Strahlkräften ehrt. Triputas Mantra besteht aus drei Bijas: Lakshmi, Trapa und Smara.

Anmerkung: Die Quelle liest pūjayantīm, »verehrend«; nicht stillschweigend in »erfüllend« oder »erhellend« geändert.

Vers 267
dhyānaṃ vadāmyathaitasyāḥ sarvasiddhividhāyakam |
gaurāṅgīṃ ratnamañjīrakāñcīgraiveyakojjvalām ||

Nun erkläre ich ihre Meditation, die alle Siddhis bewirken soll: hellgliedrig, mit glänzenden edelsteinbesetzten Fußreifen, Hüftgürtel und Halsschmuck.

Vers 268
ratnamauliṃ trinayanāmardhendukṛtaśekharām |
caturbhujāṃ raktavastragandhamālyānulepanām ||

Sie trägt eine Edelsteinkrone und die halbe Mondsichel, hat drei Augen und vier Arme und ist mit roten Gewändern, duftenden Stoffen, Girlanden und Salbungen ausgestattet.

Vers 269
raktotpalaṃ cāpapāśau vāmato dadhatīṃ śivām |
dakṣiṇe'pyaṅkuśaṃ puṣpabāṇānsaṃvibhratīṃ tathā ||

Links trägt die Heilvolle einen roten Lotus, Bogen und Schlinge, rechts Haken und Blütenpfeile.

Anmerkung: Die Anzahl der Gegenstände passt nicht ohne Weiteres zu vier Armen; die Quelle wird nicht durch eine ergänzte Handverteilung harmonisiert.

Vers 270
pravadāmi manūddhāraṃ tvaritāyā ataḥ param |
praṇavaṃ māyikaṃ bījaṃ krodhabījamataḥ param ||

Als Nächstes erkläre ich die Erschließung von Tvaritas Mantra: Pranava, Maya-Bija und danach Krodha-Bija –

Vers 271
pāśamaṅkuśabījaṃ ca vadhūbījamataḥ param |
punaḥ krodhaṃ tato'ntyārṇe yuñjītādhodataṃ svaram ||

Pasha, Ankusha-Bija und danach Vadhu-Bija, nochmals Krodha; mit dem letzten Laut soll man den als »unten gegeben« bezeichneten Vokal verbinden.

Anmerkung: Die verschlüsselte Vokalanweisung ist beschädigt und nicht sicher aufzulösen; keine konkrete Silbe ergänzt.

Vers 272
punarmāyāṃ tadante'straṃ mantraḥ prokto daśākṣaraḥ |
kathyamānamatha dhyānaṃ samākarṇaya pārvati ||

Dann nochmals Maya und am Ende Astra. Der Mantra wird als zehnsilbig bezeichnet. Höre nun die Beschreibung ihrer Meditation, Parvati.

Vers 273
indranīlaśilākhaṇḍatulyāvayavarociṣam |
patrācchāditavakṣojanitambajaghanasphicam ||

Ihre Glieder glänzen wie Stücke von Indranila-Stein; Blätter bedecken Brüste, Hüften, Unterleib und Gesäß.

Anmerkung: Ikonographische Beschreibung ohne Altersangabe.

Vers 274
guñjāhārasamullāsipīvarorojayugmakām |
alaṅkāratayā baddhānbhujagānaṣṭa bibhratīm ||

Eine Gunja-Kette schmückt ihr volles Brustpaar. Acht Schlangen trägt sie als angelegten Schmuck –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 275.

Vers 275
tāṭaṅkāṅgadamañjīrahārakuṇḍalatāmitān |
mayūrapicchasambaddhakapālakṛtaśekharām ||

in Gestalt von Ohrscheiben, Armspangen, Fußreifen, Halsketten und Ohrringen. Auf dem Haupt trägt sie einen mit Pfauenfedern verbundenen Schädel.

Anmerkung: Die Schmuckaufzählung wird unverändert belassen; die acht Schlangen werden nicht zusätzlich einzeln verteilt.

Vers 276
kirātaveṣaṃ dadhatīṃ trinetrāṃ jagadambikām |
varābhayodyatakarāṃ kṛpāsmeramukhāmbujām ||

Die dreiäugige Weltenmutter trägt die Kleidung einer Kirata-Frau; ihre Hände sind zum Gewähren und zur Furchtlosigkeit erhoben, ihr Lotusgesicht lächelt mitfühlend.

Anmerkung: Kirata ist eine historische Bezeichnung für Wald- beziehungsweise Bergbewohner; keine moderne ethnische Identifikation.

Vers 277
athāghorāmanuṃ vakṣye yena siddhyanti sādhakāḥ |
karāmalakavadviśvaṃ yasya saṃsmaraṇādapi ||

Nun werde ich Aghoras Mantra erklären, durch den die Sadhakas Vollendung erlangen sollen. Schon bei seiner Erinnerung liegt das All so klar vor einem wie eine Amalaki-Frucht in der Hand.

Vers 278
māyāramāṅkuśānaṅgavadhūvāgbhavagāruḍaiḥ |
yoginīśākinīkālīphetkārīkrodhabījakaiḥ ||

Mit den Bijas Maya, Rama, Ankusha, Ananga, Vadhu, Vagbhava, Garuda, Yogini, Shakini, Kali, Phetkari und Krodha –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 279.

Vers 279
sambodhanamaghorāyāḥ siddhiṃ me dehi coddharet |
tataśca dāpayetyuktvā svāhānto manuriṣyate ||

soll man die Anrede Aghoras und »siddhiṃ me dehi« – »Gib mir Siddhi!« – setzen. Nach »dāpaya« – »Lasse sie gewähren!« – endet der Mantra mit svāhā.

Vers 280
pañcaviṃśatyakṣaro'yaṃ mantro vāñchitasiddhikṛt |
atha dhyānaṃ vyāharāmi yena mantraḥ prasiddhyati ||

Dieser fünfundzwanzigsilbige Mantra soll die ersehnte Vollendung bewirken. Nun beschreibe ich die Meditation, durch die der Mantra wirksam werden soll.

Vers 281
susnigdhakajjalagrāvatulyāvayavarociṣam |
viśālavartulāraktanayanatritayānvitām ||

Ihre Glieder glänzen wie ein tiefschwarzer, glatter Kajalstein; sie hat drei große, runde, rötliche Augen.

Anmerkung: Die Verbindung kajjalagrāva ist im OCR beschädigt; die schwarze, glatte Erscheinung ist erkennbar.

Vers 282
śvetanarāsthikṛtākalpasamujjvalatanucchavim |
digambarāṃ muktakeśīṃ nṛmuṇḍakṛtakuṇḍalām ||

Schmuck aus weißen Menschenknochen lässt ihren Körper hervorleuchten. Sie ist unbekleidet, trägt offenes Haar und Menschenköpfe als Ohrringe.

Vers 283
śavopari samārūḍhāṃ daṃṣṭrāvikaṭadarśanām |
dvibhujāṃ mārjanīsūrpahastāṃ pitṛvanasthitām ||

Sie steht auf einem Leichnam und ist mit ihren Fangzähnen furchtbar anzusehen; zweiarmig, mit Besen und Worfelschwinge in den Händen, befindet sie sich im Ahnenhain, dem Verbrennungsplatz.

Vers 284
jayalakṣmīmantramato bravīmi parameśvari |
vāgbhavaṃ bhuvaneśī ca lakṣmīkāmasadāśivāḥ ||

Nun nenne ich Jayalakshmis Mantra, höchste Herrin: Vagbhava, Bhuvaneshi, Lakshmi, Kama und Sadashiva –

Anmerkung: Verschlüsselte Mantrakomponenten; Fortsetzung in Vers 285.

Vers 285
jayalakṣmi tato brūyādyuddhe me vijayaṃ vadet |
dehi prāsādapāśau ca śṛṇibījamataḥ param ||

danach soll man »jayalakṣmi, yuddhe me vijayaṃ dehi« sprechen: »Jayalakshmi, gewähre mir Sieg im Kampf!« Dann folgen Prasada, Pasha und das Shrini-Bija.

Vers 286
astratritayasaṃyuktaṃ śirastadanu kīrtayet |
jayalakṣmīmatho dhyāyedāsīnāṃ kamalopari ||

Anschließend soll man dreimal Astra und Shiras sprechen. Man soll Jayalakshmi auf einem Lotus sitzend meditieren –

Vers 287
vidyutkanakavarṇābhāṃ muktādāmavirājitām |
pṛthulottuṅgavakṣojāṃ locanatritayānvitām ||

leuchtend wie Blitz und Gold, mit einer Perlenkette geschmückt, mit vollen, hohen Brüsten und drei Augen.

Vers 288
caturbhujāṃ padmayugaṃ varābhayamathāpi ca |
dadhatīṃ kaustubhodbhāsihṛdayāṃ cintayetparām ||

Vierarmig soll man die Höchste betrachten, mit zwei Lotussen und den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit; der Kaustubha strahlt an ihrem Herzen.

Vers 289
vyāharāmyatha deveśi vajraprastāriṇīmanum |
tāratrapāramākāmaprāsādāṅkuśabījakaiḥ ||

Herrin der Götter, nun erläutere ich den Mantra Vajraprastarinis: Mit den Bijas Tara, Trapa, Rama, Kama, Prasada und Ankusha –

Vers 290
sambodhanaṃ tato devyāḥ svāhānto manurīritaḥ |
ratnasindhau ratnapotopari devīṃ niṣeduṣīm ||

Dann folgt die Anrede der Göttin; der genannte Mantra endet mit svāhā. Man soll die Göttin betrachten, wie sie im Edelsteinmeer auf einem Edelsteinschiff sitzt –

Anmerkung: Ältere Fassung ratnapotopari, „auf einem Edelsteinschiff“; e hat hier eine beschädigte Berg-Lesung. Fortsetzung in 291. Die Fassungen werden nicht gleichgesetzt. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 5610–5615. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 291
kamale dvādaśadale sanniviṣṭāṃ hasanmukhīm |
ratnāṅgīṃ ratnamukuṭāṃ candrakhaṇḍavirājitām ||

auf einem zwölfblättrigen Lotus, mit lächelndem Gesicht, edelsteingleichem Körper und Edelsteinkrone, mit einer Mondsichel geschmückt.

Anmerkung: Die Quellenfußnote bietet raktāṅgī/raktamukuṭā, »rotgliedrig/mit roter Krone«, statt ratnāṅgī/ratnamukuṭā. Die Fassungen werden nicht vermischt.

Vers 292
stanabhārāvanamrāṅgīṃ viśālānayanatrayām |
ṣaḍbhujāṃ ratnakhacitaraktāmbaravirājitām ||

Ihr Körper ist unter dem Gewicht ihrer Brüste leicht gebeugt; sie hat drei große Augen und sechs Arme und trägt ein mit Edelsteinen besetztes rotes Gewand.

Anmerkung: Die Form viśālānayanatrayā ist sprachlich auffällig; die Bedeutung ist klar.

Vers 293
bījapūradhanuḥpāśāndakṣiṇe dadhatīṃ śivām |
aṅkuśasmarakodaṇḍakapālāni ca vāmataḥ ||

Rechts trägt die Heilvolle eine Bijapura-Frucht, Bogen und Schlinge; links Haken, den Bogen des Liebesgottes und eine Schädelschale.

Anmerkung: Die doppelte Bogenangabe wird nicht stillschweigend in einen Pfeil verändert.

Padmavati, Annapurna und Kalasamkarshini

Nahrung, Fülle und die Auflösung der Zeit erscheinen als unterschiedliche Kräfte der Göttin. Die lieblichen und furchtbaren Darstellungen bleiben nebeneinander stehen.

Vers 294
vicintyaivaṃ jagaddhātrīṃ nyāsaṃ kuryādatandritaḥ |
māyāmādau samuddhṛtya padmāvatipadaṃ tataḥ ||

Nach solcher Betrachtung der Weltenträgerin soll man wachsam den Nyasa vollziehen. Für Padmavati setzt man zuerst Maya, dann das Wort »Padmavati« –

Anmerkung: Übergang zur nächsten Göttin innerhalb des Verses.

Vers 295
śiromantrānvito jñeyo mantraḥ saptākṣaro mahān |
aruṇāmaravindasthāṃ phullapadmasamānanām ||

mit dem Shiras-Mantra verbunden ist dies ein großer siebensilbiger Mantra. Sie ist rötlich, steht auf einem Lotus und hat ein Gesicht wie eine aufgeblühte Lotusblüte –

Vers 296
karābhyāṃ dadhatīṃ raktotpaladvandvaṃ trilocanām |
atha vakṣye'nnapūrṇāyā mantraṃ saptadaśākṣaram ||

sie trägt in beiden Händen zwei rote Lotusse und hat drei Augen. Nun werde ich den siebzehnsilbigen Mantra Annapurnas nennen.

Vers 297
māyābījaṃ samuddhṛtya namo bhaga itīrayet |
vati māheśvari tato'pyannapūrṇe samāharet ||

Nach dem Maya-Bija soll man »namo bhagavati māheśvari annapūrṇe« sprechen: »Verehrung, Erhabene, große Herrin, Annapurna!«

Anmerkung: Bhagavati ist in der Quelle über die Vershälften getrennt; im zitierten Wortlaut zusammengezogen.

Vers 298
vahnijāyāyuto mantro mahadannasamṛddhikṛt |
vicitravasanāṃ devīmaruṇāmambujāsanām ||

Mit Vahnijaya, svāhā, verbunden soll dieser Mantra große Fülle an Nahrung schaffen. Die Göttin ist rötlich, trägt vielfältige Gewänder und sitzt auf einem Lotus –

Vers 299
stanabhārāvanamrāṅgīṃ navacandrārdhaśekharām |
pramathādhipamālokya prahṛṣṭavadanāmbujām ||

ihr Körper ist unter dem Gewicht ihrer Brüste leicht gebeugt; sie trägt die junge Mondsichel. Beim Anblick des Herrn der Pramathas erstrahlt ihr Lotusgesicht vor Freude –

Vers 300
hemabhāṇḍaṃ ratnadarvīṃ dadhatīṃ karayordvayoḥ |
atha pravakṣye deveśi kālasaṅkarṣaṇīmanum ||

in beiden Händen trägt sie ein goldenes Gefäß und einen Schöpflöffel aus Edelstein. Nun werde ich, Herrin der Götter, Kalasamkarshinis Mantra erklären –

Anmerkung: Übergang zur nächsten Göttin.

Vers 301
yanna jñātaṃ na cākhyātaṃ kasmaicidapi kena ca |
tāratrapāramākāmavāgbhavāṅkuśakālikāḥ ||

den niemand gekannt oder irgendjemandem mitgeteilt habe, wie der Text betont. Tara, Trapa, Rama, Kama, Vagbhava, Ankusha und Kalika –

Anmerkung: Beginn der verschlüsselten Bija-Aufzählung.

Vers 302
pāśakrodhamahākrodhaprāsādāmṛtagāruḍāḥ |
phetkārīdhanadācaṇḍayoginīśākinīghanaiḥ ||

Pasha, Krodha, Mahakrodha, Prasada, Amrita, Garuda, Phetkari, Dhanada, Chanda, Yogini, Shakini und Ghana –

Anmerkung: Ghana, »Wolke«, bleibt als Bezeichnung der Quelle erhalten; nicht durch eine andere Bija-Silbe ersetzt.

Vers 303
vidyudratipretabhūtakhecarīkālapannagāḥ |
kālasaṅkarṣaṇi procya krodhayugmaṃ tataḥ param ||

Vidyut, Rati, Preta, Bhuta, Khechari, Kala und Pannaga; danach soll man »kālasaṅkarṣaṇi« – »die du die Zeit an dich ziehst!« – sprechen und zweimal Krodha setzen.

Vers 304
svāhānto mantrarājo'yaṃ mantraḥ ṣaṭtriṃśadakṣaraḥ |
dhyānaṃ vadāmi te devi tatra ceto niveśaya ||

Dieser mit svāhā endende König der Mantras hat sechsunddreißig Silben. Ich beschreibe dir ihre Meditation, Göttin; richte deinen Geist darauf.

Vers 305
ghanāghanaprabhāṃ devīṃ pitṛkānanacāriṇīm |
prajvalatpāvakacitāśavamadhyaniṣeduṣīm ||

Die Göttin hat die Farbe dichter Wolken und wandelt im Ahnenhain. Sie sitzt auf einem Leichnam inmitten eines lodernden Scheiterhaufens.

Vers 306
agnikīlālasamayā jaṭayā gulphasaṃspṛśā |
vimuktayā śobhamānāṃ śoṇanetratrayānvitām ||

Offene Haarflechten wie eine flüssige Feuermasse reichen bis zu ihren Knöcheln und schmücken sie; sie hat drei rote Augen.

Anmerkung: Die ungewöhnliche Verbindung agnikīlāla wird wörtlich angenähert; keine andere gesicherte Lesung behauptet.

Vers 307
asthi […] narāsthibhūṣaṇojjvalavigrahām |
pīvarāpaghanāṃ kharvāṃ lambamānamahodarīm ||

[Lesbares Fragment:] Schmuck aus Menschenknochen lässt ihre Gestalt hervortreten. Ihr Körper ist kräftig und klein, mit einem großen hängenden Bauch.

Anmerkung: Fragment: Der Beginn der ersten Hälfte ist beschädigt; die Knochen-Schmuckbeschreibung bleibt nur in ihrem lesbaren Umfang erhalten.

Vers 308
chinnacandrakalātulyadaṃṣṭrākoṭibhayaṅkarām |
lelihānamahāśoṇaprakampirasanāṃ śivām ||

Die Spitzen ihrer Fangzähne gleichen abgebrochenen Mondsicheln und erregen Furcht; die Heilvolle lässt eine große rote, zitternde Zunge leckend hervortreten.

Anmerkung: Mahāśoṇa ist aus beschädigter OCR gelesen.

Vers 309
visrastakeśamanujakapālakṛtakuṇḍalām |
śuṣkairnarāsthibhiḥ śubhrairvihitāśeṣabhūṣaṇām ||

Als Ohrringe trägt sie Menschenschädel mit herabhängendem Haar; ihr gesamter weiterer Schmuck besteht aus trockenen, weißen Menschenknochen.

Vers 310
mayūrapicchanicayacchāditorukaṭisthalām |
mṛtabrahmādigīrvāṇakapālaracitasrajam ||

Massen von Pfauenfedern bedecken ihre Oberschenkel und Hüften; ihre Girlande besteht aus den Schädeln des verstorbenen Brahma und weiterer Götter.

Anmerkung: Mythisches Bild der Vergänglichkeit auch göttlicher Gestalten; keine historische Todesbehauptung.

Vers 311
kṛtvāṭṭahāsaṃ dhāvantīṃ pīnonnatapayodharām |
vidīrṇasṛkkayugalāṃ vyāttaghorānanāṃ sadā ||

Laut lachend eilt sie dahin, mit vollen, hohen Brüsten, weit auseinandergezogenen Mundwinkeln und stets geöffnetem, furchtbarem Rachen.

Anmerkung: Das Bewegungsverb dhāvantī ist in der OCR unsicher.

Vers 312
sarvaśastrāstrasampūrṇaṣaṭtriṃśaddorvirājitām |
padmaṃ carmadhanuḥpāśāṅkuśānapi varānane ||

Sechsunddreißig mit allen Waffen ausgestattete Arme schmücken sie. Lotus, Schild, Bogen, Schlinge und Haken, Schönangesichtige –

Anmerkung: Beginn der Gegenstandsliste; Zuordnung zur linken Seite in Vers 314.

Vers 313
bhindipālaṃ tathā prāsaṃ ghaṇṭāṃ kuṇapameva ca |
śaṅkhamuṣṭiṃ ca ḍamarumakṣamālāṃ krameṇa ca ||

Bhindipala, Wurfspieß, Glocke, Leichnam, Muschelhorn, Faustwaffe, Damaru und Gebetskette der Reihe nach –

Anmerkung: Die Trennung śaṅkha/muṣṭi ist kontextuell; keine zusätzlich erfundene Waffenart.

Vers 314
raktakumbhaṃ nṛmuṇḍaṃ ca śatrujihvāṃ tataḥ param |
pheruṃ cābhayaṃ vāme dadhatīṃ bhīṣaṇākṛtim ||

einen Blutkrug, einen Menschenkopf, die Zunge eines Feindes, einen Schakal und die Geste der Furchtlosigkeit trägt sie links, von schrecklicher Gestalt.

Anmerkung: Pheru, Schakal, ist aus beschädigter OCR gelesen.

Vers 315
triśūlakhaḍgaviśikhacakraśaktigadā api |
mudgaraṃ parighaṃ kuntaṃ tathā musalatomarau ||

Dreizack, Schwert, Pfeil, Wurfscheibe, Shakti-Lanze und Keule, Hammer, Eisenriegel, Speer, Stößelkeule und Wurfspeer –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 316.

Vers 316
paraśvadhaṃ nāgapāśaṃ bhuśuṇḍīṃ paṭṭiśaṃ tathā |
khaṭvāṅgaṃ karttakāṃ dakṣe vahantīṃ ca tathā varam ||

Axt, Schlangenschlinge, Bhushundi, Pattisha, Khatvanga und Messer trägt sie rechts, dazu die Gewährungsgeste.

Vers 317
karālābhiḥ parivṛtāṃ ḍākinīnavakoṭibhiḥ |
kālasaṅkarṣaṇīnāmnīṃ kalpānte kṣayakāriṇīm ||

Neunzig Millionen furchtbare Dakinis umgeben sie. Sie heißt Kalasamkarshini und bewirkt die Auflösung am Ende eines Weltzeitalters.

Anmerkung: Nava-koṭi: neun Zehnmillionen-Einheiten; traditionelle mythologische Größenangabe.

Vers 318
koṭividyuddurnirīkṣyāṃ devairhariharādibhiḥ |
evaṃ dhyātvā nyaseddevīṃ caturvargaphalapradām ||

Wie Millionen Blitze ist sie selbst für Götter wie Hari und Hara kaum anzuschauen. Nach solcher Meditation soll man die Göttin einsetzen, die die Früchte der vier Lebensziele verleiht.

Dhanada, Kukkuti, Bhogavati und Shabareshvari

Auf Reichtums- und Glücksgestalten folgt die schlichte Waldgestalt Shabareshvaris. Die jeweiligen Lautchiffren werden nicht aus Vermutungen ergänzt.

Vers 319
athāto dhanadāmantraṃ vyāharāmi tavāgrataḥ |
mahākālasamārūḍhaḥ kṣetrapālo varānane ||

Nun erläutere ich vor dir Dhanadas Mantra: Kshetrapala, auf Mahakala gesetzt, Schönangesichtige –

Anmerkung: Verschlüsselte Silbenanordnung; Fortsetzung in Vers 320.

Vers 320
vāmakarṇānvitaṃ bījaṃ sadya eva vasupradam |
devīṃ kokanadārūḍhāṃ vikacābjasamānanām ||

mit »linkem Ohr« verbunden: Dieses Bija soll sofort Reichtum gewähren. Die Göttin sitzt auf einem roten Lotus, ihr Gesicht gleicht einer entfalteten Lotusblüte.

Anmerkung: Vāmakarṇa ist eine Lautchiffre, nicht sicher aufgelöst. Die Quellenfußnote bietet sukhaprada, »Glück verleihend«, statt vasuprada.

Vers 321
kṛtapadmamahāpadmanidhikuṇḍalayugmikām |
mañjīratāpannaśaṅkhamakarākhyanidhidvayām ||

Die Schätze Padma und Mahapadma bilden ihre beiden Ohrringe; die beiden Schätze Shankha und Makara sind zu ihren Fußreifen geworden.

Anmerkung: Nidhi bezeichnet hier personifizierte beziehungsweise mythische Schätze.

Vers 322
ratnakaṅkaṇatāpannamukundanidhikacchapām |
lalāṭabindutāpannavirājatkundasevadhi ||

Die Schätze Mukunda und Kacchapa bilden ihre Edelsteinarmreife; der Schatz Kunda glänzt als Stirnpunkt.

Anmerkung: Der Schluss sevadhi bedeutet „Schatz“; die ungewöhnliche Endung der Quelle wird bewahrt. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 5708–5711; deren Kapitelzählung 248.

Vers 323
trilocanāṃ nīlanidhikṛtahārāṃ hasanmukhīm |
añjalidvitayenāpi dadatīṃ sarvato dhanam ||

Sie hat drei Augen, trägt den Schatz Nila als Halskette und lächelt. Mit ihren beiden schöpfenden Händen verteilt sie Reichtum nach allen Seiten.

Vers 324
sarvālaṅkārasaṃyuktāṃ vicitravasanāṃ parām |
cintayeddhanadāṃ devīṃ vāñchitārthaphalapradām ||

Mit allem Schmuck versehen und in vielfältige Gewänder gekleidet soll man die höchste Göttin Dhanada betrachten, die die ersehnten Ziele gewährt.

Vers 325
pravakṣye kukkuṭīmantraṃ sadyaḥpratyayakārakam |
vāgbhavaṃ māyikaṃ bījaṃ lakṣmīṃ kāmamanūccaret ||

Ich erkläre Kukkutis Mantra, der unmittelbar Gewissheit beziehungsweise erfahrbare Bestätigung geben soll. Man soll Vagbhava, Maya-Bija, Lakshmi und Kama sprechen –

Vers 326
phetkārīṃ krodhamullikhya kukkuṭīti tato vadet |
kālīpāśāṅkuśānuktvā śākinīcaṇḍamuccaret ||

Phetkari und Krodha setzen, danach »Kukkuti« sagen, Kali, Pasha und Ankusha nennen und schließlich Shakini und Chanda aussprechen.

Vers 327
sāstradvayaṃ śiraḥ paścādvijñeyo'ṣṭādaśākṣaraḥ |
iyaṃ vai kukkuṭīvidyā guptā sarvāgameṣvapi ||

Danach folgen zweimal Astra und Shiras; der Mantra gilt als achtzehnsilbig. Diese Kukkuti-Vidya ist in allen Agamas verborgen, wie der Text sagt.

Vers 328
skandenopāsitā pūrvaṃ tārakasya jayepsunā |
abdhau ratnamaye pote ratnasiṃhāsanasthitām ||

Einst verehrte Skanda sie, als er Taraka besiegen wollte. Man soll sie auf einem Edelsteinthron in einem Edelsteinboot auf dem Meer betrachten –

Anmerkung: Die Anfangslesung abdhau der zweiten Hälfte ist im OCR beschädigt und kontextuell erschlossen.

Vers 329
śyāmāṃ trinetrāṃ kuṭilakuntalaśrīvirājitām |
māṇikyaśakaladyotidantamaṇḍalamaṇḍitām ||

dunkel, dreiäugig, mit schönen lockigen Haaren und einer Zahnreihe, die wie Rubinsplitter glänzt.

Vers 330
ratnābharaṇanaddhāṅgīṃ caturdorbhirviśobhitām |
kukkuṭīṃ kharparaṃ vāme bibhratīṃ śaśiśekharām ||

Ihr Körper ist mit Edelsteinschmuck bedeckt; sie hat vier Arme. Links trägt sie ein Huhn und eine Schädelschale, auf dem Haupt den Mond.

Anmerkung: Kukkuṭī steht hier sowohl als Göttinnenname als auch als Bezeichnung des getragenen Tieres.

Vers 331
khaḍgaṃ ca karttakāṃ dakṣe dhārayantīṃ śucismitām |
cintayitvā carennyāsaṃ śṛṇu bhogavatīmatha ||

Rechts hält sie Schwert und Messer, mit reinem Lächeln. Nach dieser Betrachtung soll man den Nyasa ausführen. Höre nun von Bhogavati.

Vers 332
pāśāṅkuśau samuddhṛtya prāsādo'nto manurmataḥ |
tryakṣaro jagatīmadhye sarvasaukhyapradāyakaḥ ||

Pasha und Ankusha werden gesetzt, Prasada bildet den Abschluss. Dieser dreisilbige Mantra soll in der Welt jedes Glück gewähren.

Vers 333
aruṇāmaravindāsyāmatipīnapayodharām |
śekharīkṛtaśītāṃśuṃ ratnamauliṃ trilocanām ||

Sie ist rötlich, mit einem Gesicht wie ein Lotus und sehr vollen Brüsten; sie trägt den Mond als Kopfschmuck, eine Edelsteinkrone und drei Augen.

Vers 334
varābhayakarāṃ śāntāṃ sitapadmopari sthitām |
kathayāmyatha deveśi vidyāṃ tāṃ śabareśvarīm ||

Friedvoll zeigt sie die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit und steht auf einem weißen Lotus. Nun erkläre ich, Herrin der Götter, die Vidya Shabareshvari.

Vers 335
tāraṃ trapāṃ tathā pāśaṃ ṅe'ntā ca śabareśvarī |
yukto hṛnmanunāpyante mahāmantro daśākṣaraḥ ||

Tara, Trapa und Pasha, dazu Shabareshvari im Dativ; mit dem Herz-Mantra am Ende ist dies ein großer zehnsilbiger Mantra.

Vers 336
śyāmā parṇāvṛtatanurguñjāhāravirājitā |
smerā ṣoḍaśavarṣīyāvataṃsitalatādalā ||

Sie ist dunkel, ihr Körper von Blättern bekleidet, mit einer Gunja-Kette geschmückt. Lächelnd, sechzehnjährig, trägt sie Rankenblätter als Ohrschmuck.

Anmerkung: Nichtsexualisierte ikonographische Beschreibung; Altersangabe und Blattkleidung sachlich bewahrt.

Vers 337
vaiṇavaṃ bhājanaṃ vāme kaṭerupari bibhratīm |
phalāni cinvatīṃ dakṣakareṇa vipināvanau ||

Links trägt sie oberhalb der Hüfte ein Bambusgefäß; mit der rechten Hand sammelt sie Früchte im Wald.

Vers 338
varāṭakakṛtākalpāṃ gāyantīṃ kharvavigrahām |
bhaktibhāvatayā devī dhyātavyā śabareśvarī ||

Sie trägt Schmuck aus Kaurimuscheln, singt und ist von kleiner Gestalt. Mit hingebungsvollem Sinn soll man die Göttin Shabareshvari meditieren.

Kunjika, Siddhilakshmi und Bala

Der Text verweist bei Kunjika auf eine frühere Lehre und führt dann Siddhilakshmi und Bala ein. Die Körperbeschreibung 8.354 ist ausdrücklich nur sachlich wiedergegeben.

Vers 339
athātaḥ kuñjikāmantramākarṇaya varānane |
navakūṭātmikā vidyā cintāmaṇiritīritā ||

Höre nun Kunjikas Mantra, Schönangesichtige. Die aus neun Kutas bestehende Vidya wird Chintamani, Wunscherfüllungsjuwel, genannt.

Anmerkung: Die Quelle bietet cintā mit redaktioneller Alternative vidyā; hier ist ausdrücklich diese Alternative verwendet.

Vers 340
ādau vaihāyasaṃ kūṭaṃ vāyavīyaṃ dvitīyakam |
āgneyakūṭaṃ tṛtīyaṃ phetkārī turīyamucyate ||

Das erste Kuta gehört zum Himmelsraum, das zweite zum Wind, das dritte zum Feuer; das vierte heißt Phetkari.

Anmerkung: Die Silbengruppen werden lediglich benannt, nicht vollständig ausgeschrieben.

Vers 341
pañcamaṃ vāruṇaṃ kūṭaṃ śāṅkaraṃ ṣaṣṭhamucyate |
saptamaṃ haṃsakūṭaṃ syātparākūṭamathāṣṭamam ||

Das fünfte Kuta gehört zu Varuna, das sechste heißt Shankara; das siebte ist Hamsakuta, das achte Parakuta.

Vers 342
navamaṃ ḍākinīkūṭaṃ guptaṃ sarvāgameṣvapi |
pūrvameva viśeṣo'syāḥ kathitastvayi pārvati ||

Das neunte ist Dakinikuta, in allen Agamas verborgen, wie es heißt. Ihre Besonderheiten wurden dir bereits zuvor erklärt, Parvati.

Anmerkung: Rückverweis der Quelle; daraus wird kein im vorhandenen Material sicher identifizierter vollständiger Mantra erfunden.

Vers 343
ato viśiṣya no vacmi tathāpyuktaṃ samāsataḥ |
dhyānaṃ pūrvoditaṃ kuryādyathā devi mayoditam ||

Deshalb gehe ich nicht weiter ins Einzelne, sondern habe es nur kurz genannt. Man soll die zuvor beschriebene Meditation ausführen, Göttin, so wie ich sie gelehrt habe.

Vers 344
tvaṃ caturviṃśatitamāṃ siddhilakṣmīmatho śṛṇu |
lajjāṃ krodhaṃ śākinīṃ ca yoginīṃ pretameva ca ||

Höre nun von der vierundzwanzigsten, Siddhilakshmi: Lajja, Krodha, Shakini, Yogini und Preta –

Anmerkung: Die Ordnungszahl bleibt entsprechend der Quelle erhalten; Beginn der Bija-Liste.

Vers 345
kālīmathāṅkuśaṃ bījaṃ śākinīṃ kāminīmapi |
lakṣmīṃ caṇḍaṃ ca kālaṃ ca vaidyutaṃ bhujagārṇakam ||

Kali, dann das Ankusha-Bija, Shakini und Kamini, Lakshmi, Chanda, Kala, die Vidyut- und die Schlangensilbe.

Anmerkung: Die wiederholte Shakini-Bezeichnung bleibt erhalten; keine abweichende Silbe eingesetzt.

Vers 346
svāhāntaḥ ṣoḍaśārṇo'yaṃ mantro'mṛtaphalapradaḥ |
śvetāṃ śvetaśavārūḍhāṃ nṛmuṇḍakṛtakuṇḍalām ||

Dieser mit svāhā endende sechzehnsilbige Mantra soll unsterbliche Frucht verleihen. Sie ist weiß, auf einen weißen Leichnam gestiegen und trägt Menschenköpfe als Ohrringe.

Vers 347
pañcavaktrāṃ mahāraudrīṃ prativaktratrilocanām |
vyāghracarmāvṛtakaṭiṃ śuṣkāvayavabhūṣitām ||

Fünfgesichtig und sehr furchtbar, mit drei Augen in jedem Gesicht; ein Tigerfell umhüllt ihre Hüften, und ihre Gestalt ist von ausgemergelten Gliedern geprägt.

Anmerkung: Die Wendung »mit ausgemergelten Gliedern geschmückt« ist wörtlich ungewöhnlich; nicht stillschweigend in üppige Körperfülle verändert.

Vers 348
ābaddhayogapaṭṭāṃ ca narāsthikṛtabhūṣaṇām |
hastaiḥ ṣoḍaśabhiryuktāṃ visrastaghanakuntalām ||

Sie trägt ein angelegtes Yoga-Band und Schmuck aus Menschenknochen, hat sechzehn Hände und dichtes, offen herabhängendes Haar.

Vers 349
khaḍgaṃ bāṇaṃ tathā śūlaṃ cakraṃ śaktiṃ gadāmapi |
japamālāṃ karttakāṃ ca bibhratīṃ dakṣiṇe bhuje ||

Rechts hält sie Schwert, Pfeil, Speer, Wurfscheibe, Shakti-Lanze, Keule, Gebetskette und Messer.

Anmerkung: Die Quelle verwendet die Einzahl »im rechten Arm« für die Reihe; im Deutschen nach dem Sinn der sechzehn Hände wiedergegeben.

Vers 350
phalakaṃ kārmukaṃ nāgapāśaṃ paraśumeva ca |
ḍamaruṃ pherupotaṃ ca naramuṇḍaṃ kapālakam ||

Schild, Bogen, Schlangenschlinge, Axt, Damaru, einen jungen Schakal, Menschenkopf und Schädelschale –

Anmerkung: Zuordnung zur linken Seite in Vers 351.

Vers 351
udvahantīṃ kare vāme dīrghasarvāṅgabhīṣaṇām |
kṛtvā dhyānaṃ nyasedaṅge bālāmākalayādhunā ||

trägt sie links; ihre langen Glieder sind furchterregend. Nach dieser Meditation soll man sie im Körper einsetzen. Betrachte nun Bala.

Vers 352
ādau vāgbhavamuddhṛtya kāmabījaṃ tataḥ param |
sakāro'dhodantayuto mahāsenavirājitaḥ ||

Zuerst wird Vagbhava gesetzt, danach das Kama-Bija, dann der Laut sa, verbunden mit »unterem Zahn« und Mahasena.

Anmerkung: Verschlüsselte Lautbeschreibung; keine fehlende Bija-Form ergänzt.

Vers 353
tryakṣaraḥ paramo mantro vidyaiśvaryapradāyakaḥ |
samudyadravibimbābhāmaruṇakṣaumadhāriṇīm ||

Dieser höchste dreisilbige Mantra soll Wissen und Herrschaftsfülle verleihen. Sie leuchtet wie die aufgehende Sonnenscheibe und trägt rötliches feines Gewebe.

Anmerkung: Beginn der Bala-Meditation.

Vers(e) 354 – sachliche Inhaltswiedergabe

Sachliche Inhaltswiedergabe: Bala hat ein Gesicht wie ein aufgeblühter Lotus und trägt Edelsteinspangen, Ohrschmuck und eine Perlenkette.

Anmerkung: Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die sexualisierte Körperbeschreibung der als Bala, »Mädchen/Kind«, bezeichneten Gestalt wird ausgelassen. Keine OCR-Lücke; nicht als Versübersetzung gezählt, kein Sanskritabdruck dieses Verses.

Vers 355
trinetrāṃ bālaśītāṃśukhaṇḍaśobhilalāṭikām |
padmopari samāsīnāṃ bālāṃ devīṃ caturbhujām ||

Die Göttin Bala ist dreiäugig; eine junge Mondsichel schmückt ihre Stirn. Vierarmig sitzt sie auf einem Lotus.

Vers 356
vidyāmabhītiṃ vāmena dakṣe japavaṭīṃ varam |
dhārayantīṃ jagaddhātrīṃ sarvadā hasanmukhīm ||

Links hält die Weltenträgerin das Wissensbuch und zeigt Furchtlosigkeit, rechts trägt sie die Gebetskette und gewährt Gaben; stets lächelt ihr Gesicht.

Tripurasundari: Nektarmeer, Lichtheiligtum und Göttinnenmeditation

Die lange Meditation führt vom Nektarmeer durch Garten und Edelsteinheiligtum zur Gegenwart Tripurasundaris. Alle lesbaren Verse dieser ausführlichen Bildfolge sind übersetzt.

Vers 357
sañcintya nyasanaṃ kuryādapramattena cetasā |
athākarṇaya deveśi vidyāṃ tripurasundarīm ||

Nach dieser Betrachtung soll man mit wachem Geist den Nyasa vollziehen. Höre nun, Herrin der Götter, die Vidya Tripurasundari –

Vers 358
yatra pratiṣṭhitāḥ sarve tantraḍāmarayāmalāḥ |
yataḥ paratarā vidyā na bhūtā na bhaviṣyati ||

in der alle Tantras, Damaras und Yamalas gründen; eine höhere Vidya habe es nie gegeben und werde es nie geben, wie der Text erklärt.

Anmerkung: Überlieferungsinterne Rangbehauptung, keine unabhängig geprüfte Aussage über sämtliche tantrischen Werke.

Vers 359
kenāpi naiva śapteyaṃ naiva kena ca kīlitā |
tatte'haṃ sampravakṣyāmi yathāvadupadhāraya ||

Niemand hat sie verflucht, niemand verriegelt. Ich werde sie dir erklären; nimm es aufmerksam und genau auf.

Vers 360
[…] brahmabhūmitrapārṇairādyakūṭakam |
vyomasabrahmagaganamedinībhuvaneśvarī ||

[Lesbare Teile:] Das erste Kuta wird mit Brahma, Bhumi und der Trapa-Silbe beschrieben; anschließend werden Vyoma, Brahma, Gagana, Medini und Bhuvaneshvari genannt.

Anmerkung: Fragment: Der Beginn und die genaue Verbindung der verschlüsselten Lautnamen sind beschädigt. Keine vollständige Silbenfolge rekonstruiert.

Vers 361
dvitīyakūṭamuddiṣṭaṃ vidyārājyaphalapradam |
sakrodheśapinākeśalajjābījāntyasaṃyutam ||

Dies wird als zweites Kuta bezeichnet, das Wissen und Königtum verleihen soll. Die nächste Gruppe verbindet die Namen Krodhesha und Pinakesha und endet mit dem Lajja-Bija.

Anmerkung: Die genaue Worttrennung im zweiten Halbvers ist unsicher; die verschlüsselte Formel wird nicht in konkrete Mantrasilben aufgelöst.

Vers 362
tṛtīyakūṭamuddiṣṭaṃ sarvasiddhividhāyakam |
eṣā prakāśitā vidyā lopāmudrāvidhāyinī ||

Das wird als drittes Kuta bezeichnet, das alle Siddhis bewirken soll. Damit ist diese mit Lopamudra verbundene Vidya offenbart.

Anmerkung: Die Verbindung lopāmudrāvidhāyinī ist sprachlich mehrdeutig; keine sichere historische Zuschreibung der Mantra-Autorschaft daraus abgeleitet.

Vers 363
yasyāḥ saṃsmaraṇenāpi kiṃ kāryaṃ naiva siddhyati |
kathyamānaṃ mayā devi dhyānamasyā niśāmaya ||

Welches Anliegen sollte nicht schon durch die Erinnerung an sie gelingen? Höre, Göttin, die Meditation über sie, die ich nun beschreibe.

Vers 364
udyaccandrodayakṣubdharaktapīyūṣavāridheḥ |
madhye hemamayī bhūmī ratnamāṇikyamaṇḍitā ||

Inmitten eines Meeres aus rotem Nektar, das vom Aufgang des Mondes bewegt wird, liegt ein goldenes Land, mit Edelsteinen und Rubinen geschmückt.

Vers 365
tanmadhye nandanodyānaṃ madanonmādanaṃ mahat |
yāmyuditapūrṇendujyotsnājālavirājitam ||

Darin liegt ein großer Nandana-Garten, der Liebesentzücken weckt, vom Lichtgewebe des nachts aufgegangenen Vollmonds erhellt.

Anmerkung: Die Lesung yāmyudita ist im OCR beschädigt; der genaue Zeitpunkt des Mondaufgangs bleibt unsicher.

Vers 366
sadā saha vasantena kāmadevena rakṣitam |
kadambacūtapunnāganāgakeśaracampakaiḥ ||

Stets wird er von Kamadeva zusammen mit dem Frühling behütet. Kadamba, Mango, Punnaga, Nagakeshara und Champaka –

Anmerkung: Fortsetzung der Gartenbeschreibung.

Vers 367
bakulaiḥ pārijātaiśca sarvartukusumojjvalaiḥ |
jhaṅkāramukharairbhṛṅgaiḥ kūjadbhiḥ kokilaiḥ śukaiḥ ||

Bakula und Parijata leuchten mit Blüten aller Jahreszeiten; summende Bienen, rufende Kuckucke und Papageien –

Vers 368
nānāvarṇairathānyaiśca dvijasaṅghairniṣevitam |
śikhikāraṇḍahaṃsādyairnānāpakṣibhirāvṛtam ||

und weitere bunte Vogelscharen beleben ihn. Pfauen, Karanda-Vögel, Hamsas und viele andere Vögel umgeben ihn.

Anmerkung: Traditionelle Vogelnamen bleiben ohne ungesicherte Artbestimmungen.

Vers 369
nānāpuṣpalatākīrṇaiḥ śobhitaṃ vṛkṣakhaṇḍakaiḥ |
paryantadīrghikotphullakamalotpalasambhavaiḥ ||

Baumgruppen, von vielerlei blühenden Ranken durchzogen, schmücken ihn. Aus den aufgeblühten Lotussen und Wasserlilien der umliegenden Teiche stammt der Blütenstaub –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 370.

Vers 370
rajobhirdhūsaraiḥ samyaksevitaṃ malayānilaiḥ |
dhyātvaitannandanodyānaṃ tadantaḥ prāṅgaṇaṃ smaret ||

den die Malaya-Winde, davon bestäubt, durch den Garten tragen. Nach der Meditation über diesen Nandana-Garten soll man sich in seinem Inneren einen Hof vergegenwärtigen.

Vers 371
śuddhakāñcanasaṅkāśavasudhābhiralaṅkṛtam |
prāṅgaṇaṃ cintayitvetthaṃ surasiddhaniṣevitam ||

Sein Boden gleicht reinem Gold. Nachdem man sich diesen von Göttern und Siddhas aufgesuchten Hof vorgestellt hat –

Anmerkung: Die erste Bodenbezeichnung ist im OCR beschädigt; der Goldvergleich ist klar.

Vers 372
tanmadhye maṇḍapaṃ dhyāyedvyāptabrahmāṇḍamaṇḍalam |
sahasrādityasaṅkāśaṃ caturasraṃ suśobhitam ||

soll man darin einen Pavillon meditieren, der das Weltall umfasst, wie tausend Sonnen strahlt und viereckig und prächtig ist.

Vers 373
ratnatejaḥprabhāpuñjapiñjarīkṛtadiṅmukham |
madhyastambhavinirmuktaṃ koṇastambhasamanvitam ||

Sein geballter Edelsteinglanz färbt die Himmelsrichtungen goldrot. Er ist frei von einer Mittelsäule und besitzt Säulen an den Ecken.

Anmerkung: Die Architekturangabe wird nicht mit der späteren Säulenbeschreibung harmonisiert.

Vers 374
mahāmāṇikyavaidūryaratnakāñcanabhūṣitam |
muktādāmavitānāḍhyaṃ ratnasopānamaṇḍitam ||

Große Rubine, Vaidurya-Steine, weitere Edelsteine und Gold schmücken ihn. Er ist reich an Baldachinen aus Perlenketten und besitzt Edelsteintreppen.

Vers 375
mandavāyusamākrāntaṃ gandhadhūpataraṅgitam |
ratnacāmaraghaṇṭādivitānairupaśobhitam ||

Sanfter Wind durchweht ihn, Duft und Räucherwerk ziehen in Wellen hindurch. Edelsteine, Wedel, Glocken und Baldachine schmücken ihn.

Vers 376
jātīcampakapunnāgaketakīmallikādibhiḥ |
raktotpalasitāmbhojamādhavībhiḥ supuṣpakaiḥ ||

Aus schönen Jati-, Champaka-, Punnaga-, Ketaki- und Mallika-Blüten, roten Wasserlilien, weißen Lotussen und Madhavi –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 377.

Vers 377
baddhābhiścitramālābhiḥ sarvatra samalaṅkṛtam |
tiryagūrdhvalasadratnaṃ puttalīkoṭimaṇḍitam ||

sind bunte Girlanden gewunden, die ihn überall schmücken. Edelsteine leuchten seitlich und oben; Millionen kleiner Figuren zieren ihn.

Vers 378
nānāratnādibhirdivyairnirmitaṃ viśvakarmaṇā |
tanmadhye bhāvayenmantrī pārijātaṃ manoharam ||

Vishvakarman hat ihn aus verschiedenen göttlichen Edelsteinen und weiteren Stoffen geschaffen. In seiner Mitte soll der Mantrakundige einen bezaubernden Parijata-Baum vergegenwärtigen.

Vers 379
svarṇādiratnabhūmiṃ ca vālukāṃ kāñcanaprabhām |
udyadādityasaṅkāśaṃ vyāptabrahmāṇḍamaṇḍapam ||

Dazu einen Boden aus Gold und Edelsteinen und Sand mit Goldglanz; einen Pavillon wie die aufgehende Sonne, der das Weltall umfasst –

Anmerkung: Die Quelle setzt mehrere Ortsbilder aneinander; keine eindeutige architektonische Rekonstruktion erzwungen.

Vers 380
śatayojanavistīrṇaṃ jyotirmandiramuttamam |
caturdvārasamāyuktaṃ hemaprākāramaṇḍitam ||

ein vorzügliches Lichtheiligtum von hundert Yojanas Ausdehnung, mit vier Eingängen und einer goldenen Umfassungsmauer.

Vers 381
ratnopaklṛptasaṃśobhikapāṭāṣṭakasaṃyutam |
navaratnasamāklṛptatuṅgagopuratoraṇam ||

Es besitzt acht strahlende Türflügel aus Edelstein sowie hohe Torbauten und Torbögen aus den neun Edelsteinen.

Vers 382
hemadaṇḍaśikhālambidhvajāvalipariṣkṛtam |
madhyakoṇasthitastambhanavaratnasamanvitam ||

Reihen von Bannern hängen an den Spitzen goldener Stangen; Säulen in der Mitte und an den Ecken sind mit neun Edelsteinen besetzt.

Anmerkung: Der Text nennt hier Mittelsäulen, obwohl 373 deren Abwesenheit beschreibt. Die unterschiedlichen Beschreibungsstufen werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Vers 383
mahāmāṇikyavaidūryaratnacāmaraśobhitam |
mandavāyusamākrāntaṃ gandhadhūpairalaṅkṛtam ||

Große Rubine, Vaidurya-Steine, Edelsteine und Wedel schmücken es. Sanfter Wind durchweht es, Düfte und Räucherwerk erfüllen es.

Vers 384
bahucāmaraghaṇṭādivitānairupaśobhitam |
kalpavṛkṣe gireḥ pārśve chatraṃ tanmaṇḍapopari ||

Zahlreiche Wedel, Glocken und Baldachine schmücken es. Beim Wunschbaum an der Seite des Berges befindet sich ein Schirm über diesem Pavillon –

Anmerkung: Die räumliche Verbindung ist knapp und unsicher; keine zusätzliche Landschaftsordnung erfunden.

Vers 385
suvarṇasūtrai racitaṃ tanmadhye ratnamaṇḍapam |
tanmadhye sphuritaṃ dhyāyettriśṛṅgajyotiruttamam ||

aus goldenen Fäden gefertigt; in seiner Mitte steht ein Edelsteinpavillon. Darin soll man ein strahlendes, vorzügliches Licht mit drei Spitzen meditieren.

Anmerkung: Die grammatisch auffällige Form sūtrai ist aus der Quelle bewahrt; keine sichere technische Bauanweisung.

Vers 386
tasya madhye mahācakraṃ pīyūṣaparipūritam |
ratnasiṃhāsanaṃ tasyā vedyā madhye smarecchubham ||

In dessen Mitte liegt das große, mit Nektar gefüllte Chakra. Inmitten seiner Altarfläche soll man sich einen glückverheißenden Edelsteinthron vergegenwärtigen.

Vers 387
viriñciviṣṇurudreśarūpapādacatuṣṭayam |
sadāśivamayaṃ sākṣāttasminparaśivātmakam ||

Seine vier Füße haben die Gestalten von Virinchi, Vishnu, Rudra und Isha; der Thron selbst besteht aus Sadashiva. Darauf liegt das von Parashiva erfüllte –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 388; die genaue Unterscheidung von Sitzfläche und Lager ergibt sich nur aus dem Zusammenhang.

Vers 388
puṣpaparyaṅkam āścaryaṃ […] tanmadhye yonimadhyasthe śrīmadoḍyāṇapīṭhake ||

[Lesbare Teile:] wunderbare Blumenlager. In seiner Mitte, im Yoni-Zentrum, liegt der erhabene Oddyana-Pitha –

Anmerkung: Fragment: Die erste Hälfte ist im OCR verkürzt beziehungsweise beschädigt; keine fehlenden Silben ergänzt. Die Schreibung des Pitha-Namens bleibt gegenüber gebräuchlichem Uddiyana unsicher.

Vers 389
paryaṅkabaddhavilasatsvastikāsanaśālinīm |
dhyāyetparaśivāṅkasthāṃ padmamadhyojjvalākṛtim ||

Man soll sie in fest eingenommener, strahlender Svastika-Sitzhaltung auf Parashivas Schoß meditieren, ihre Gestalt inmitten des Lotus leuchtend –

Vers 390
tripurāsundarīṃ devīṃ bālārkakiraṇāruṇām |
javākusumasaṅkāśāṃ dāḍimīkusumopamām ||

die Göttin Tripurasundari, rot wie die Strahlen der jungen Sonne, wie Hibiskusblüten und Granatapfelblüten.

Anmerkung: Bālārka bezeichnet hier die junge beziehungsweise aufgehende Sonne, keine Altersangabe der Göttin.

Vers 391
padmarāgapratīkāśāṃ kuṅkumodakasannibhām |
sphuranmukuṭamāṇikyakiṅkiṇījālamaṇḍitām ||

Sie gleicht einem Rubin und mit Kumkuma gefärbtem Wasser; eine glänzende Krone, Rubine und ein Geflecht von Glöckchen schmücken sie.

Vers 392
kālālikulasaṅkāśakuṭilālakapallavām |
pratyagrāruṇasaṅkāśavadanāmbhojamaṇḍalām ||

Ihre lockigen Haarsträhnen gleichen einem Schwarm schwarzer Bienen. Ihr Lotusgesicht hat den Glanz frischer Morgenröte.

Vers 393
kiñcidardhendukuṭilalalāṭamṛdupaṭṭikām |
pinākadhanurākārasubhruvaṃ parameśvarīm ||

Die weiche Fläche ihrer Stirn ist leicht wie ein Halbmond gebogen; ihre schönen Brauen haben die Form des Pinaka-Bogens, die der höchsten Herrin.

Vers 394
ānandamuditollolalīlāndolitalocanām |
sphuranmayūkhasaṅghātavilasaddhemakuṇḍalām ||

Ihre Augen bewegen sich spielerisch, von Freude und Glückseligkeit belebt; ihre goldenen Ohrringe funkeln mit gebündelten Lichtstrahlen.

Vers 395
svagaṇḍamaṇḍalābhogajitendvamṛtamaṇḍalām |
viśvakarmādinirmāṇasūtrasuspaṣṭanāsikām ||

Die Rundung ihrer Wangen übertrifft die nektargleiche Mondscheibe; ihre Nase ist so klar und fein geformt, als wäre sie nach Vishvakarmans Regeln gestaltet.

Vers 396
tāmravidrumabimbābharaktoṣṭhīmamṛtopamām |
dāḍimībījapaṅktyābhadantapaṅktivirājitām ||

Ihre roten Lippen gleichen kupferroter Koralle und der Bimba-Frucht und sind nektargleich. Ihre Zahnreihe glänzt wie eine Reihe von Granatapfelkernen.

Anmerkung: Die ungewöhnliche rote Zahnmetapher bleibt erhalten.

Vers 397
smitamādhuryavijitamādhuryarasasāgarām |
anaupamyaguṇopetacibukoddeśaśobhitām ||

Die Süße ihres Lächelns übertrifft einen Ozean süßen Saftes; ihr unvergleichlich schönes Kinn schmückt sie.

Vers 398
kambugrīvāṃ mahādevīṃ mṛṇālalalitairbhujaiḥ |
raktotpaladalākārasukumārakarāmbujām ||

Die große Göttin hat einen Hals wie ein Muschelhorn und Arme zart wie Lotusstängel; ihre weichen Lotushände gleichen roten Lotusblättern.

Vers 399
karāmbujanakhajyotirvidyotitanabhaḥsthalām |
muktāhāralatopetasamunnatapayodharām ||

Das Licht der Nägel ihrer Lotushände erhellt den Himmelsraum. Perlenketten wie Ranken schmücken ihre hohen Brüste.

Vers 400
trivalīvalināyuktamadhyadeśopaśobhitām |
lāvaṇyasaridāvartākāranābhivibhūṣitām ||

Drei Hautfalten schmücken ihre Körpermitte; ihr Nabel gleicht einem Strudel im Strom der Schönheit.

Vers 401
anarghyaratnaghaṭitakāñcīyuktanitambinīm |
nitambabimbadviradaromarājivarāṅkuśām ||

Ein Gürtel aus unbezahlbaren Edelsteinen umschließt ihre Hüften. Die feine Haarlinie erscheint als schöner Haken zu den wie Elefanten gerundeten Hüften.

Anmerkung: Das zweite Bild ist ein dichterisches Kompositum und lokal unsicher; nicht als konkrete Ritualanweisung verstanden.

Vers 402
kadalīlalitastambhasukumārorumīśvarīm |
lāvaṇyakadalītulyajaṅghāyugalamaṇḍitām ||

Die Herrin hat weiche Oberschenkel wie zarte Bananenstämme; ihre beiden Unterschenkel gleichen schönen Bananenstängeln.

Anmerkung: Die Wiederholung des Pflanzenvergleichs bleibt erhalten.

Vers 403
gūḍhagulphapadadvandvāṃ prapadājitakacchapām |
brahmaviṣṇuśiroratnanighṛṣṭacaraṇāmbujām ||

Ihre Knöchel liegen verborgen, ihre Fußrücken übertreffen die Rundung eines Schildkrötenpanzers. Die Edelsteine auf Brahmas und Vishnus Häuptern berühren ihre Lotusfüße.

Anmerkung: Das Bild setzt die Verneigung der Gottheiten voraus; keine zusätzliche Erzählung ergänzt.

Vers 404
tanudīrghāṅgulīyābhirnakhacandravirājitām |
śītāṃśuśatasaṅkāśakāntisantānahāsinīm ||

Ihre feinen, langen Finger beziehungsweise Zehen sind mit mondgleichen Nägeln geschmückt. Ihr Lächeln strahlt in einer Fülle von Glanz wie hundert Monde.

Anmerkung: Die genaue Wortform nach tanudīrgha ist beschädigt; der Bezug auf Nägel und langgliedrige Finger/Zehen bleibt unsicher.

Vers 405
lauhityajitasindūrajavādāḍimarāgiṇīm |
raktavastraparīdhānāṃ pāśāṅkuśakarodyatām ||

Ihr Rot übertrifft Sindura, Hibiskus und Granatapfelblüten. Sie trägt rote Gewänder und hält Schlinge und Haken erhoben.

Vers 406
raktapuṣpaniviṣṭāṃ ca raktābharaṇamaṇḍitām |
caturbhujāṃ trinetrāṃ ca pañcabāṇadhanurdharām ||

In rote Blüten eingebettet und mit rotem Schmuck versehen, vierarmig und dreiäugig, trägt sie fünf Pfeile und einen Bogen.

Anmerkung: Die Verbindung raktapuṣpaniviṣṭa ist im OCR unsicher; keine feste Sitzform daraus abgeleitet.

Vers 407
karpūraśakalonmiśratāmbūlāpūritānanām |
mahāmṛgamadoddāmakuṅkumāruṇavigrahām ||

Ihr Mund ist mit Betel gefüllt, dem Kampferstücke beigemischt sind; ihr Körper ist durch kräftigen Moschusduft und Kumkuma rötlich gesalbt.

Vers 408
sarvaśṛṅgāraveṣāḍhyāṃ sarvālaṅkārabhūṣitām |
jagadāhlādajananīṃ jagadrañjanakāriṇīm ||

Sie trägt die ganze Pracht lieblicher Schönheit und allen Schmuck. Sie lässt die Freude der Welt entstehen und erfreut die Welt.

Anmerkung: Śṛṅgāra bezeichnet hier die ästhetische Sphäre der Liebe und des Schmucks.

Vers 409
jagadākarṣaṇakarīṃ jagatkāraṇarūpiṇīm |
sarvamantramayīṃ devīṃ sarvasaubhāgyasundarīm ||

Sie zieht die Welt an und ist von der Natur ihres Ursprungs; die Göttin besteht aus allen Mantras und ist schön in allem Glück und aller Gunst.

Vers 410
sarvalakṣmīmayīṃ nityāṃ paramānandananditām |
pradīpaiḥ pūrṇakumbhaiśca sarvataḥ samalaṅkṛtām ||

Sie ist die Fülle allen Glücks, ewig und von höchster Glückseligkeit erfüllt. Lampen und gefüllte Glückskrüge schmücken sie ringsum.

Vers 411
haimībhiḥ pālikābhiśca sāṅkurābhiralaṅkṛtām |
ratnapīṭhasthitairdivyairāgamaiḥ pariśobhitām ||

Goldene Schalen mit Keimlingen schmücken sie; göttliche Agamas auf Edelsteinsitzen lassen ihre Umgebung erstrahlen.

Anmerkung: Die Agamas erscheinen als verehrte Überlieferungen beziehungsweise personifizierte Gegenwart; der Vers entscheidet die Darstellungsform nicht ausdrücklich.

Vers 412
tadantarāntarāprodyanmaṇidarpaṇamaṅgalām |
madhurodāravividhagāndharvastotrabṛṃhitām ||

Dazwischen glänzen glückverheißende Edelsteinspiegel. Süße, edle und vielfältige Musik und Lobgesänge erfüllen ihre Gegenwart.

Vers 413
śṛṅgārarasasannaddhairnavayauvanalampaṭaiḥ |
amarīnikarairnānāmaṇibhūṣaṇabhūṣitaiḥ ||

Scharen von Göttinnen, vom Gefühl der Liebe erfüllt und dem Überschwang frischer Jugend hingegeben, mit vielfältigem Edelsteinschmuck geschmückt –

Anmerkung: Keine konkrete Altersangabe; Fortsetzung in Vers 414.

Vers 414
vīṇāveṇumṛdaṅgādivādanena ca nṛtyakaiḥ |
prīṇayadbhirmahādevīṃ parītāṃ paritaḥ sadā ||

umgeben sie stets und erfreuen die große Göttin mit Vina, Flöte, Mridanga und anderen Instrumenten sowie mit Tänzen.

Tara

Auf den verschlüsselt angegebenen Tara-Mantra folgt ihre furchtbare, schützende Gestalt mit Schlangen als Schmuck.

Vers 415
devīṃ dhyātvā nyasedevaṃ sarvānkāmānavāpnuyāt |
atha vakṣye mahādevyāstārāyā mantramuttamam ||

Nach dieser Meditation soll man die Göttin einsetzen; dadurch soll man alle Wünsche erlangen. Nun werde ich den vorzüglichen Mantra der großen Göttin Tara nennen.

Vers 416
māyābījaṃ niḥsakāraṃ vadhūbījaṃ tataḥ param |
krodhabījamathoccārya śeṣe'straṃ pratipādayet ||

Das Maya-Bija, ein Vadhu-Bija ohne den Laut sa, dann das Krodha-Bija; am Ende soll man Astra setzen.

Anmerkung: Die Zuordnung von niḥsakāra ist syntaktisch nicht völlig eindeutig; die Lautchiffre wird nicht in eine vollständige Tara-Mantraformel aufgelöst.

Vers 417
dhyānamasyāḥ samāsena kathyamānaṃ nibodha me |
pratyālīḍhapadāṃ ghorāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām ||

Höre von mir ihre kurz beschriebene Meditation: Sie steht in Pratyalidha-Haltung, furchtbar und mit einer Schädelgirlande geschmückt.

Vers 418
kharvāṃ lambodarīṃ bhīmāṃ vyāghracarmāvṛtorukām |
navayauvanasampannāṃ pañcamudrāvibhūṣitām ||

Klein, mit hängendem Bauch, gewaltig, ihre Oberschenkel von einem Tigerfell bedeckt; voller frischer Jugend und mit den fünf Mudras geschmückt.

Anmerkung: Pañcamudrā bezeichnet hier rituelle Schmuckzeichen; der Vers selbst zählt sie nicht einzeln auf.

Vers 419
caturbhujāṃ mahādevīṃ lalajjihvāṃ varapradām |
khaḍgakarttṛdharāṃ dakṣe tathotpalakapālake ||

Die große Göttin ist vierarmig, lässt die Zunge heraushängen und gewährt Gaben. Rechts hält sie Schwert und Messer, Lotus und Schädelschale –

Anmerkung: Fortsetzung und linke Zuordnung in Vers 420.

Vers 420
vāmato bibhratīṃ devīṃ daṃṣṭrāghoratarānanām |
piṅgograikajaṭāṃ dhyāyenmaulāvakṣobhyabhūṣitām ||

trägt sie links. Ihre Fangzähne machen ihr Gesicht äußerst furchtbar. Man soll sie mit einer mächtigen rotbraunen Haarflechte meditieren, mit Akshobhya auf dem Haupt geschmückt.

Anmerkung: Akshobhya wird als Name der Quelle bewahrt, ohne die genaue traditionsgeschichtliche Identifikation hier festzulegen.

Vers 421
kuṇapaṃ vāmapādena cākramya pariniṣṭhitām |
nīlendīvaramālābhiḥ saṃśobhicikuroccayām ||

Sie steht mit dem linken Fuß auf einen Leichnam tretend; Girlanden blauer Wasserlilien schmücken ihr volles Haar.

Vers 422
nīlameghābhabhujagaparinaddhajaṭābharām |
javākusumasaṅkāśabhujaṅgakṛtakuṇḍalām ||

Eine Schlange von der Farbe einer dunklen Wolke umwindet ihre Haarflechte; Schlangen rot wie Hibiskusblüten bilden ihre Ohrringe.

Vers 423
dhūmrābhamahānāgakṛtakeyūramaṇḍalām |
taptakāñcanarugbhogivihitojjvalakaṅkaṇām ||

Große rauchfarbene Schlangen bilden ihre Oberarmspangen, Schlangen mit dem Glanz erhitzten Goldes ihre leuchtenden Armreife.

Vers 424
dūrvādalaśyāmanāgakṛtayajñopavītinīm |
himakundābhabhogīndravirājatkaṭisūtriṇīm ||

Eine Schlange dunkelgrün wie Durva-Blätter ist ihre heilige Schnur; eine große Schlange weiß wie Schnee und Kunda-Blüten schmückt sie als Hüftband.

Vers 425
pāṭalīkusumābhāhikṛtamañjīraśobhitām |
prajvālatpitṛbhūmadhyagatāṃ daṃṣṭrākarālinīm ||

Schlangen von der Farbe der Patali-Blüte bilden ihre Fußreifen. Sie steht mitten auf dem lodernden Verbrennungsplatz, furchtbar mit ihren Fangzähnen.

Anmerkung: Die Verbindung der Schlangenfarbe ist im OCR beschädigt, im Zusammenhang der Schmuckliste jedoch verständlich.

Vers 426
sāveśasmeravadanāṃ strīalaṅkāravibhūṣitām |
sadyaḥ kavitvaphaladāṃ sadyo rājyaphalapradām ||

Ihr Gesicht lächelt in machtvoller Ergriffenheit; sie trägt weiblichen Schmuck. Unmittelbar soll sie dichterische Begabung und Königtum verleihen.

Anmerkung: Die Verbindung vor alaṅkāra ist beschädigt; »weiblicher Schmuck« ist eine vorsichtige Lesung, keine gesicherte diplomatische Form.

Vers 427
bhavābdhitāriṇīṃ tārāṃ cintayitvā nyasenmanum |
atha dakṣiṇakālyāstu mantramuddhārayāmyaham ||

Nachdem man Tara als Retterin über den Ozean des Werdens betrachtet hat, soll man den Mantra einsetzen. Nun erschließe ich den Mantra Dakshinakalis.

Anmerkung: Übergang zwischen zwei Göttinnenabschnitten im selben Vers.

Dakshinakali bis Chandeshvari

Die Reihe der Göttinnen setzt sich mit verschlüsselten Mantras, rituellen Rahmendaten und teils furchtbaren Visualisierungen fort.

Vers 428
yadekavārasmaraṇātkiṃ tadyanna kare sthitam |
ādau bījatrayaṃ kālyāstataḥ krodhayugaṃ vadet ||

Was wäre nicht greifbar, wenn man sich auch nur einmal an ihn erinnert? Zuerst soll man dreimal das Kali-Bija und danach zweimal Krodha sprechen.

Vers 429
lajjābījadvayaṃ procya vadeddakṣiṇakālike |
punarbījatrayaṃ kālyāḥ krodhabījadvayaṃ punaḥ ||

Nach zweimal Lajja-Bija soll man »dakṣiṇakālike« sagen. Danach wieder dreimal das Kali-Bija und zweimal das Krodha-Bija –

Vers 430
lajjāyugaṃ vahnijāyā dvāviṃśatyakṣaro manuḥ |
dhanyaḥ so'pi naro loke yaḥ sakṛtproccaredamum ||

zweimal Lajja und Vahnijaya, svāhā. Dies ist der zweiundzwanzigsilbige Mantra. Gesegnet ist nach Aussage des Textes der Mensch, der ihn auch nur einmal ausspricht.

Anmerkung: Die Lautkerne bleiben in der von der Quelle gegebenen Bija-Bezeichnung.

Vers 431
mahimā varṇituṃ devi na śakyo'sya kathañcana |
vistāro'syāḥ pūrvameva devi te varṇito mayā ||

Seine Größe, Göttin, lässt sich auf keine Weise beschreiben. Ihre ausführliche Lehre habe ich dir bereits zuvor dargelegt.

Vers 432
dhyānaṃ pūjādikaṃ sarvaṃ kathitaṃ tatprasaṅgataḥ |
kiñciddhyānaṃ pravakṣyāmi tasyā dhyānakramāgatam ||

Meditation, Puja und alles Weitere wurden in jenem Zusammenhang erklärt. Ich werde nun etwas aus ihrer Meditationsfolge wiedergeben.

Anmerkung: Rückverweis der Quelle; keine fehlende frühere Passage ergänzt.

Vers 433
jvalatpāvakakīlālaśmaśānacitimadhyagām |
karālavadanāṃ ghorāṃ muktakeśīṃ caturbhujām ||

Sie befindet sich mitten im Scheiterhaufen des Verbrennungsplatzes, in lodernder Feuerglut; mit furchtbarem Gesicht, schrecklich, offenem Haar und vier Armen.

Anmerkung: Die Verbindung pāvakakīlāla ist im OCR unsicher; als Feuerglut sinngemäß wiedergegeben.

Vers 434
kālikāṃ dakṣiṇāṃ divyāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām |
nāgayajñopavītāṃ ca candrārdhakṛtaśekharām ||

Die göttliche Dakshina-Kalika ist mit einer Schädelgirlande geschmückt, trägt eine Schlange als heilige Schnur und die halbe Mondsichel auf dem Haupt.

Vers 435
jaṭāyuktāṃ ghorarūpāṃ mahākālasamīpagām |
sadyaśchinnaśiraḥkhaḍgavāmordhvādhaḥkarāmbujām ||

Mit Haarflechten und furchtbarer Gestalt steht sie bei Mahakala. Ihre obere und untere linke Lotushand tragen einen frisch abgeschlagenen Kopf und ein Schwert.

Anmerkung: Die Reihenfolge folgt dem lesbaren Kompositum; nicht an geläufigere ikonographische Darstellungen angepasst.

Vers 436
abhayaṃ varadaṃ cāpi dakṣiṇādhordhvapāṇikām |
mahāmeghaprabhāṃ śyāmāṃ tathaiva ca digambarām ||

Die untere und obere rechte Hand zeigen Furchtlosigkeit und Gewährung. Dunkel wie eine große Wolke, ist sie unbekleidet.

Vers 437
kaṇṭhāvasaktamuṇḍālīgaladrudhiracarcitām |
karṇāvataṃsatānītaśavayugmabhayānakām ||

Blut tropft von der um ihren Hals hängenden Kopfgirlande und benetzt sie. Zwei Leichname als Ohrschmuck machen ihren Anblick furchterregend.

Vers 438
ghoradaṃṣṭrākarālāsyāṃ pīnonnatapayodharām |
śavānāṃ karasaṅghātaiḥ kṛtakāñcīṃ hasanmukhīm ||

Ihr Gesicht ist mit furchtbaren Fangzähnen schrecklich; ihre Brüste sind voll und hoch. Abgetrennte Hände von Leichnamen bilden ihren Gürtel, und ihr Gesicht lächelt.

Vers 439
sṛkkadvandvasravadraktadhārāvicchuritānanām |
ghorākārāṃ mahāraudrīṃ śmaśānālayavāsinīm ||

Blutströme aus beiden Mundwinkeln färben ihr Gesicht. Von furchtbarer Gestalt, überaus wild, wohnt sie auf dem Verbrennungsplatz.

Vers 440
bhūtapretapiśācādiḍākinīgaṇamadhyagām |
daityadānavakoṭighnīṃ lalajjihvābhayānakām ||

Sie befindet sich inmitten von Bhutas, Pretas, Pishachas, Dakinis und weiteren Scharen, vernichtet Millionen Daityas und Danavas und ist mit ihrer heraushängenden Zunge furchterregend.

Vers 441
dakṣiṇāṃ kālikāṃ dhyāyeditthaṃ siddhividhāyinīm |
athātaśchinnamastāyā mantraṃ te vyāharāmyaham ||

So soll man Dakshina-Kalika als Siddhi-Verleiherin meditieren. Nun erkläre ich dir den Mantra Chinnamastas –

Anmerkung: Die beschädigte OCR-Verszahl wird aus der fortlaufenden Folge als 441 gelesen.

Vers 442
jighṛkṣayāpi yasya syuḥ sādhakasyāṣṭasiddhayaḥ |
nātaḥ paratarā kācidugrā devī bhaviṣyati ||

allein der Wunsch, ihn zu empfangen, soll dem Sadhaka die acht Siddhis bringen. Keine andere wilde Göttin sei höher als sie, wie der Text erklärt.

Vers 443
tasmādaśaktena manujena grāhyo'yaṃ na kathañcana |
siddhirvā mṛtyurapi vā dvayorekataraṃ bhavet ||

Deshalb soll ein Mensch ohne die erforderliche Kraft ihn keinesfalls annehmen. Entweder Siddhi oder Tod: Eines von beidem soll eintreten.

Anmerkung: Historische Ritualwarnung; keine Bestätigung einer tödlichen Wirkung durch Rezitation. Die Worttrennung ist gegenüber der beschädigten OCR normalisiert.

Vers 444
praṇavaṃ ca ramābījaṃ lajjāṃ vāgbhavameva ca |
vajravairocanīye ca ityevaṃ tata uddharet ||

Pranava, Rama-Bija, Lajja und Vagbhava; danach soll man »vajravairocanīye« setzen.

Anmerkung: Die Anredeform ist als Quellenlesung bewahrt; keine andere verbreitete Mantraversion eingesetzt.

Vers 445
krodhadvayaṃ tataścāstraṃ svāhāntaḥ ṣoḍaśākṣaraḥ |
dhyānaṃ cāsyāḥ pravakṣyāmi tatra ceto niveśaya ||

Dann zweimal Krodha und Astra; mit svāhā am Ende ist dies ein sechzehnsilbiger Mantra. Ich werde ihre Meditation erklären; richte deinen Geist darauf.

Vers 446
svanābhau nīrajaṃ dhyāyecchuddhaṃ vikasitaṃ sitam |
tatpadmakoṣamadhye tu maṇḍalaṃ caṇḍarociṣaḥ ||

Man soll im eigenen Nabel einen reinen, entfalteten weißen Lotus meditieren und in der Mitte seines Kelchs die Scheibe des heftig Strahlenden, der Sonne –

Vers 447
javākusumasaṅkāśaṃ raktabandhūkasannibham |
rajaḥsattvatamorekhāyonimaṇḍalasannibham ||

gleich Hibiskus und roter Bandhuka-Blüte, einem Yoni-Mandala mit den Linien von Rajas, Sattva und Tamas gleichend.

Anmerkung: Die drei Gunas erscheinen als Linien der Visualisierung.

Vers 448
madhye tasyā mahādevīṃ sūryakoṭisamaprabhām |
chinnamastāṃ kare vāme dhārayantīṃ svamastakam ||

In dessen Mitte soll man die große Göttin Chinnamasta betrachten, strahlend wie Millionen Sonnen, die ihren eigenen abgetrennten Kopf in der linken Hand hält.

Anmerkung: Mythologisch-ikonographische Darstellung, keine Selbstverletzungsanleitung.

Vers 449
prasāritamukhaṃ bhīmaṃ lelihānograjihvakam |
prapibadraudhirīṃ dhārāṃ nijakaṇṭhasamudbhavām ||

Dieser Kopf hat einen weit geöffneten, furchtbaren Mund und eine heftig leckende Zunge; er trinkt den Blutstrom, der aus ihrem eigenen Hals hervortritt.

Anmerkung: Die Partizipformen beziehen sich hier auf den getragenen Kopf.

Vers 450
vikīrṇakeśapāśaṃ ca nānāpuṣpavirājitam |
digambarāṃ mahārūpāṃ pratyālīḍhapadasthitām ||

Sein Haar ist offen ausgebreitet und mit verschiedenen Blüten geschmückt. Die Göttin ist unbekleidet, von großer Gestalt und steht in Pratyalidha-Haltung.

Vers 451
asthimālādharāṃ devīṃ nāgayajñopavītinīm |
viparītaratāsaktaratikāmoparisthitām ||

Die Göttin trägt eine Knochengirlande und eine Schlange als heilige Schnur. Sie steht über Rati und Kama, die in umgekehrter Liebesstellung vereinigt sind.

Anmerkung: Sachliche Wiedergabe eines ikonographischen Motivs mit erwachsenen Gottheiten; keine Umdeutung in eine moderne Yogaübung.

Vers 452
varṇinīḍākinīyuktāṃ vāmadakṣiṇapārśvataḥ |
dakṣiṇe varṇinīṃ dhyāyedvāmapārśve ca ḍākinīm ||

Varnini und Dakini begleiten sie zu beiden Seiten. Varnini soll man rechts, Dakini links meditieren.

Anmerkung: Die zweite Hälfte legt die Seiten ausdrücklich fest.

Vers 453
varṇinīṃ lohitaśyāmāṃ muktakeśīṃ digambarām |
kapālakarttakāhastāṃ vāmadakṣiṇayogataḥ ||

Varnini ist dunkelrot, mit offenem Haar und unbekleidet; links hält sie eine Schädelschale, rechts ein Messer.

Vers 454
devīkaṇṭhocchaladraktadhārāpānaṃ prakurvatīm |
asthimālādharāṃ devīṃ nāgayajñopavītinīm ||

Sie trinkt einen Blutstrom, der aus dem Hals der Göttin hervorquillt, trägt eine Knochengirlande und eine Schlange als heilige Schnur.

Vers 455
ḍākinīṃ vāmapārśve ca kalpāntajaladopamām |
vidyucchaṭābhanayanāṃ dantapaṅktibalākinīm ||

Dakini links gleicht einer Wolke am Ende des Weltzeitalters. Ihre Augen sind wie Blitzstrahlen, ihre Zahnreihe wie eine Reihe weißer Reiher.

Anmerkung: Die Metapher verbindet dunkle Wolke, Blitze und weiße Vogelreihe.

Vers 456
daṃṣṭrākarālavadanāṃ pīnottuṅgakucadvayām |
mahodarīṃ muktakeśīṃ mahāghorāṃ digambarām ||

Fangzähne machen ihr Gesicht furchtbar; ihre Brüste sind voll und hoch. Mit großem Bauch, offenem Haar, überaus schrecklich und unbekleidet –

Vers 457
lelihānacalajjihvāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām |
kapālakarttakāhastāṃ vāmadakṣiṇayogataḥ ||

mit beweglicher, leckender Zunge, geschmückt mit einer Schädelgirlande, hält sie links eine Schädelschale und rechts ein Messer.

Vers 458
devīgalocchaladraktadhārāpānaṃ prakurvatīm |
karasthitakapālena bhīṣaṇenātibhīṣaṇām ||

Sie trinkt den aus dem Hals der Göttin hervorquellenden Blutstrom und erscheint durch die furchtbare Schädelschale in ihrer Hand noch schrecklicher.

Vers 459
durnirīkṣyāṃ cetasāpi sarvakāmaphalapradām |
dhyātvetthaṃ manunānena nyasetsādhakasattamaḥ ||

Selbst im Geist ist sie schwer anzuschauen und soll doch die Frucht aller Wünsche gewähren. Nach solcher Meditation soll der ausgezeichnete Sadhaka mit diesem Mantra den Nyasa vollziehen.

Vers 460
atha trikaṇṭakīmantraṃ samākarṇaya bhāmini |
krodhamādau samuddhṛtya […] caṇḍaghaṇṭikau ||

[Lesbares Fragment:] Höre nun den Mantra Trikantakis, du Strahlende. Zuerst wird Krodha gesetzt; im beschädigten Anschluss erscheint die Bezeichnung Chandaghantika.

Anmerkung: Fragment: Die mittlere Lautanordnung und ihre genaue Verknüpfung sind nicht zuverlässig lesbar; keine vollständige Formel ergänzt.

Vers 461
savisargaṃ kṣabījaṃ ca tṛtīyaṃ parikīrtitam |
atha dhyānaṃ śṛṇu tvaṃ me yathāvadvaravarṇini ||

Als drittes wird das Ksha-Bija mit Visarga genannt. Höre nun von mir die genaue Meditation, du Schöne.

Vers 462
pādādānābhiparyantaṃ ghanāghanatanucchaviḥ |
nābherākaṇṭhaparyantaṃ sindūrāruṇavigrahā ||

Von den Füßen bis zum Nabel hat ihr Körper die Farbe dichter Wolken; vom Nabel bis zum Hals ist er rot wie Sindura.

Vers 463
caturbhirvadanairyuktā daṃṣṭrāpaṭalabhīṣaṇaiḥ |
durnirīkṣyairmahāghoraiḥ patitairudaropari ||

Sie hat vier Gesichter, mit Reihen von Fangzähnen furchtbar, schwer anzuschauen und äußerst schrecklich; sie reichen beziehungsweise neigen sich über den Bauch.

Anmerkung: Patitair udaropari ist räumlich unklar; keine sichere zusätzliche Körperform daraus rekonstruiert.

Vers 464
trinetrā candraśakaladyotibhālasthalā śivā |
hastābhyāṃ dadhatī śaṅkhaṃ cakramadbhutavikramam ||

Die Heilvolle ist dreiäugig, mit einer Mondsichel auf der leuchtenden Stirn; in beiden Händen trägt sie Muschelhorn und eine Wurfscheibe von wunderbarer Macht.

Anmerkung: Die drei Augen werden nicht ohne ausdrücklichen Textbeleg auf jedes der vier Gesichter verteilt.

Vers 465
sarvālaṅkāraśobhāḍhyā sarvakāmaphalapradā |
dhyeyā trikaṇṭakī devī nyāsakarmaṇi sādhakaiḥ ||

Mit allem Schmuck prächtig ausgestattet, soll sie die Früchte aller Wünsche gewähren. So sollen die Sadhakas die Göttin Trikantaki beim Nyasa meditieren.

Vers 466
ato nīlapatākākhyāṃ vidyāmākarṇayāmbike |
tāraṃ hṛtpadamābhāṣya kāmeśvaripadaṃ tataḥ ||

Höre nun, Ambika, die Nilapataka genannte Vidya. Nach Tara und dem Herz-Wort folgt »kāmeśvari« – »Herrin des Verlangens!«.

Vers 467
kāmāṅkuśe padaṃ coktvā tataḥ kāmapradāyike |
bhagavatyatha nīlānte patāke ca bhagāntike ||

Dann »kāmāṅkuśe« – »du Haken des Verlangens!« –, »kāmapradāyike« – »Wunschgewährende!« –, »bhagavati« – »Erhabene!« –, danach »nīlapatāke« – »mit blauem Banner!« – und »bhagāntike«.

Anmerkung: Die letzte Anrede ist unsicher und mehrdeutig; keine erfundene eindeutige Übersetzung.

Vers 468
ratihṛnmantramālikhya tato'stviti ca te vadet |
paramānte tathā guhye huṃkāratrikamālikhet ||

Rati und der Herz-Mantra werden gesetzt; danach stehen die Wörter »astu« – »sei« – und »te« – »dir«. Auf „parama“ folgt „guhye“ – „Geheime“; danach schreibt man dreimal den Laut hūṃ.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält die Anweisung nach parama. Keine stillschweigende Zusammenziehung zu einer rezitierbaren Gesamtformel. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6095–6098; deren Kapitelzählung 248.

Vers 469
madane madanānte ca dehe trailokyamāvadet |
āveśaya tathā lekhyaṃ kavacāstrāgnivallabhā ||

Die Formel nennt »madane«, einen weiteren mit madana gebildeten Ausdruck, „dehe“ – „im Körper“ beziehungsweise „du mit dem Körper“, »trailokyam« – »die drei Welten« – und »āveśaya« – »Lasse eintreten beziehungsweise ergriffen werden!«; der Schluss nennt Kavacha, Astra und die Geliebte des Feuers.

Anmerkung: Dehe und lekhyaṃ sind durch die ältere Fassung gesichert. Die Wortgrenzen innerhalb der entstehenden Formel bleiben auslegungsbedürftig. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6098–6101; deren Kapitelzählung 248.

Vers 470
ṣaṭṣaṣṭyarṇā maheśānī vidyā nīlapatākikā |
nigadyamānaṃ dhyānaṃ ca samākarṇaya pārvati ||

Diese Nilapataka-Vidya wird als sechsundsechzigsilbig und als große Herrin bezeichnet. Höre nun die Meditation, die beschrieben wird, Parvati.

Anmerkung: Die Quelle bietet Namens- beziehungsweise Titelformen als Varianten; die Silbenzahl wird nur als Angabe der Quelle wiedergegeben.

Vers 471
indranīlaśilākhaṇḍasamānatanurociṣam |
praphullapuṇḍarīkābhavadanāṃ smitaśālinīm ||

Ihr Körper glänzt wie ein Stück Indranila-Stein, ihr Gesicht gleicht einem aufgeblühten weißen Lotus, und sie lächelt.

Vers 472
kabarībandhaśobhāḍhyāṃ pīvarorojasaṃyutām |
ramyābhiḥ sarvato nīlapatākābhiralaṅkṛtām ||

Ein schöner Haarknoten schmückt sie; sie hat volle Brüste und ist ringsum von anmutigen blauen Bannern umgeben.

Vers 473
varābhayakaradvandvāṃ dhārayantīṃ śucismitām |
dhyāyedyatamanāḥ svasthaḥ sādhako vijitendriyaḥ ||

Mit reinem Lächeln zeigt sie in beiden Händen Gewährung und Furchtlosigkeit. Der Sadhaka soll sie gesammelt, innerlich gefestigt und mit beherrschten Sinnen meditieren.

Vers 474
dvāviṃśattamikāṃ devīṃ caṇḍaghaṇṭāmatho śṛṇu |
yuddhe jayepsubhirdaityaiḥ pūrvamārādhitā parā ||

Höre nun von der zweiundzwanzigsten Göttin, Chandaghanta, der Höchsten, die einst von Daityas verehrt wurde, als sie Sieg im Kampf suchten.

Anmerkung: Die Ordnungszahl weicht von der fortlaufenden Position ab und wird nicht stillschweigend berichtigt.

Vers 475
dvikālī ca catuḥkrodhamaṅkuśatritayaṃ tataḥ |
dviramā ca dvimāyā ca yoginīśākinīvadhūḥ ||

Zweimal Kali, viermal Krodha, dann dreimal Ankusha, zweimal Rama und zweimal Maya, danach Yogini, Shakini und Vadhu.

Anmerkung: Bija-Reihe in der Form der Quellenanweisung.

Vers 476
caṇḍaghaṇṭe tato vācyaṃ śatrūṃśca tadanantaram |
stambhaya dvitayaṃ procya māraya dvitayaṃ tataḥ ||

Danach ist »caṇḍaghaṇṭe« und »śatrūn« – »Chandaghanta, die Feinde« – zu sprechen, dann zweimal »stambhaya« – »Hemmen sollst du!« – und zweimal »māraya« – »Töte!«.

Anmerkung: Historische schädigende Ritualformel.

Vers 477
kavacāstrāgnijāyānto hyaṣṭatriṃśākṣaro manuḥ |
dhyāyeddūrvādalaśyāmāṃ pūrṇacandrānanatrayām ||

Der mit Kavacha, Astra und der Feuergattin endende Mantra ist achtunddreißigsilbig. Man soll sie dunkelgrün wie Durva-Blätter meditieren, mit drei Gesichtern wie Vollmonde.

Vers 478
ekaikavaktranayanatritayojjvalavigrahām |
pītāmbaraparīdhānāṃ pītasraganulepanām ||

In jedem Gesicht hat sie drei strahlende Augen. Sie trägt gelbe Gewänder, gelbe Girlanden und gelbe Salbung.

Vers 479
sarvābharaṇanaddhāṅgīṃ ratnākalpapariṣkṛtām |
caṇḍaghaṇṭāmaṣṭabhujāṃ sthitāṃ mattagajopari ||

Ihr Körper ist mit allem Schmuck und Edelsteinen ausgestattet. Chandaghanta hat acht Arme und steht auf einem wilden Elefanten.

Vers 480
khaḍgaṃ triśūlaṃ viśikhaṃ karttakāṃ dakṣiṇe kare |
carmapāśadhanurdaṇḍakharparāṇi ca vāmataḥ ||

Rechts trägt sie Schwert, Dreizack, Pfeil und Messer; links Schild, Schlinge, Bogenstab und Schädelschale.

Anmerkung: Dhanu-daṇḍa ist als zusammengehörender Bogenstab gelesen; die Gruppierung der Gegenstände bleibt lokal unsicher.

Vers 481
dhārayantīṃ krūradṛṣṭiṃ caṇḍaghaṇṭāṃ vicintayet |
ataścaṇḍeśvarīmantraṃ śṛṇu sāvahitā sati ||

Mit diesen Gegenständen und einem strengen Blick soll man Chandaghanta betrachten. Höre nun aufmerksam den Mantra Chandeshvaris, du Gute.

Vers 482
tāralajjāramākrodhāṅkuśakālīvadhūsmarāḥ |
aṣṭabījaṃ samuddhṛtya śāmbhavaṃ kūṭamuddharet ||

Nach den acht Bijas Tara, Lajja, Rama, Krodha, Ankusha, Kali, Vadhu und Smara soll man das Shambhava-Kuta setzen.

Vers 483
tataśca bhairavīkūṭaṃ kūṭaṃ māheśvaraṃ tataḥ |
tataḥ parāparaṃ kūṭaṃ vyomakūṭaṃ ca pañcamam ||

Dann folgen Bhairavi-Kuta, Maheshvara-Kuta, Parapara-Kuta und als fünftes Vyomakuta.

Anmerkung: Die Quellenfußnote bietet für die Maheshvara-Bezeichnung eine abweichende Form; hier Hauptlesung.

Vers 484
uktvā caṇḍeśvari tataḥ khecarīṃ yoginīṃ likhet |
śākinīṃ gāruḍaṃ bījaṃ yugaṃ krodhāstrayostataḥ ||

Nach »caṇḍeśvari« soll man Khechari, Yogini, Shakini und das Garuda-Bija setzen, danach je zweimal Krodha und Astra.

Vers 485
vahnijāyānvito mantro jagatītaladurlabhaḥ |
nātaḥ parataro mantro na bhūto na bhaviṣyati ||

Mit Vahnijaya verbunden ist dieser Mantra auf Erden schwer zu erlangen. Einen höheren habe es nie gegeben und werde es nie geben, wie der Text sagt.

Anmerkung: Überlieferungsinterner Lobpreis; nicht mit gleichartigen Rangbehauptungen anderer Abschnitte harmonisiert.

Vers 486
śṛṇu dhyānamamuṣyāstvamatinirmalacetasā |
indragopanibhāṃ devīṃ prauḍhastrīrūpadhāriṇīm ||

Höre ihre Meditation mit ganz klarem Geist: Die Göttin hat die Farbe eines roten Indragopa-Insekts und die Gestalt einer reifen Frau.

Vers 487
pañcavaktrāṃ mahābhīmāṃ daṃṣṭrābhirvikarālinīm |
pravisrastajaṭābhārāṃ narāsthikṛtabhūṣaṇām ||

Fünfgesichtig, sehr gewaltig und mit Fangzähnen furchterregend, trägt sie lose herabhängende Haarflechten und Schmuck aus Menschenknochen.

Vers 488
keyūrāṅgadakoṭīrahāranūpuraśālinīm |
kiṅkiṇīkuṇḍalāpīḍadhāriṇīṃ tvasthinirmitām ||

Oberarmspangen, Armringe, Krone, Halskette, Fußreifen, Glöckchen, Ohrringe und Kopfschmuck trägt sie, alles aus Knochen gefertigt.

Anmerkung: Die grammatische Verbindung »aus Knochen gefertigt« ist in der Quelle unregelmäßig; sie wird auf den aufgezählten Schmuck bezogen.

Vers 489
rāṅkavatvakparīdhānāṃ śuṣkalambastanadvayām |
śavadvayoparigatāṃ dakṣavāmāṅghriyogataḥ ||

Sie trägt ein Ranku-Fell, hat zwei ausgemergelte, hängende Brüste und steht mit dem rechten und linken Fuß auf zwei Leichnamen.

Anmerkung: Ranku bleibt eine traditionelle, nicht sicher bestimmte Wildtierbezeichnung.

Vers 490
sakeśanaramuṇḍābhyāṃ baddhābhyāṃ pādayordvayoḥ |
trilocanasaṃyuktavadanāṃ ghorarūpiṇīm ||

An ihre beiden Füße sind Menschenköpfe mitsamt dem Haar gebunden. Ihre Gesichter haben drei Augen; ihre Gestalt ist furchtbar.

Vers 491
caṇḍeśvarīṃ daśabhujāmaṭṭahāsaṃ vitanvatīm |
vaktre mukhadvayaṃ vāme dakṣiṇe vadanadvayam ||

Chandeshvari hat zehn Arme und lacht laut auf. Zwei Gesichter befinden sich links und zwei rechts –

Anmerkung: Die Anfangsform der zweiten Hälfte ist beschädigt; die Verteilung der Gesichter ist verständlich.

Vers 492
sammukhe vadanaṃ caikaṃ dhārayantīṃ prakalpitam |
hastamātraviniṣkrāntalelihānabhayānakam ||

ein weiteres blickt nach vorn. Die herausgestreckten, leckenden Zungen ragen eine Elle weit hervor und sind furchtbar –

Anmerkung: Die Zungen werden im folgenden Vers ausdrücklich genannt; keine zusätzlichen Körperteile ergänzt.

Vers 493
jihvāyugaṃ dakṣiṇayoḥ karayorbibhratīṃ sadā |
tathaiva rasanāyugmaṃ dadhatīṃ vāmahastayoḥ ||

stets hält sie ein Zungenpaar mit zwei rechten Händen und ebenso ein Zungenpaar mit zwei linken Händen.

Vers 494
sammukhāsyagatāṃ jihvāṃ nabhaḥsthalaprasāritām |
dadhatīṃ ghoranādāṭṭahāsatrastajagattrayām ||

Die Zunge des vorderen Gesichts streckt sie in den Himmelsraum. Ihr furchtbarer Laut und ihr lautes Lachen versetzen die drei Welten in Angst.

Vers 495
sadyaḥkṛttasravadraktadhāraṃ muṇḍaṃ kacānvitam |
karābhyāṃ vāmadakṣābhyāṃ vahantīṃ sakalopari ||

Mit einer linken und einer rechten Hand hält sie oben einen frisch abgeschlagenen Kopf mit Haar, aus dem Blutströme fließen.

Anmerkung: Die Einzahl Kopf und die zwei Hände werden entsprechend der Quelle belassen.

Vers 496
tato hastadvaye jihvāṃ visphurantīṃ ca bibhratīm |
muṇḍavattāsṛjāṃ dhārāṃ patantīṃ rasanopari ||

Dann hält sie mit zwei Händen eine zuckende Zunge; ein Blutstrom aus dem Kopf fällt auf die Zunge –

Anmerkung: Die Wortverbindung muṇḍavatta ist beschädigt; der Bezug zwischen Kopf, Blutstrom und Zunge ist erkennbar.

Vers 497
pibantīṃ śītkṛtiṃ kṛtvā huṃhuṃkāravinādinīm |
tathā nṛmuṇḍayugalaṃ punardakṣiṇavāmayoḥ ||

sie trinkt unter zischenden Lauten und lässt »huṃ huṃ« erklingen. Wiederum trägt sie zwei Menschenköpfe rechts und links –

Anmerkung: Huṃ ist hier ausdrücklich dargestellter Laut, nicht stillschweigend als eigenständiger vollständiger Mantra ausgegeben.

Bhadrakali, Guhyakali und weitere Göttinnen

Die Gestalten wechseln von schützenden und hingebungsvollen zu schreckenerregenden Erscheinungen. Unsichere Mantrazeichen und Namen bleiben ausdrücklich markiert.

Vers 498
punarjihvāyugaṃ tadvadvāmadakṣiṇahastayoḥ |
dhayantīṃ pūrvavadraktaṃ saśabdapariśoṣitam ||

und ebenso wieder ein Zungenpaar in linker und rechter Hand; wie zuvor saugt sie das Blut geräuschvoll auf.

Anmerkung: Die komplexe Handverteilung wird nicht nachträglich zu einem eindeutigen bildlichen Schema geglättet.

Vers 499
puraḥsthitābhyāṃ ghorābhyāṃ karālābhyāmatīva hi |
yoginīḍākinībhyāṃ ca raktapūrṇaṃ ghaṭadvayam ||

Vor ihr stehen eine furchtbare Yogini und Dakini, äußerst schrecklich, mit zwei blutgefüllten Krügen –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 500.

Vers 500
sarvadā pātayantībhyāṃ sthitābhyāṃ purataḥ sadā |
sammukhasthitajihvāyāṃ māṃsakhaṇḍāsthipūritam ||

sie gießen fortwährend deren mit Fleischstücken und Knochen vermischten Inhalt auf ihre nach vorn gerichtete Zunge.

Vers 501
pibantīmīdṛśākārāṃ durnirīkṣyāṃ surāsuraiḥ |
kapālaṃ kharparaṃ śeṣabhujābhyāṃ bibhratīṃ parām ||

Die Höchste trinkt in dieser Gestalt, für Götter und Asuras kaum anzusehen. In den übrigen beiden Händen trägt sie einen Schädel und eine Schädelschale.

Anmerkung: Kapāla und kharpara werden nebeneinander entsprechend der Quelle bewahrt.

Vers 502
cintayenmantravinnyāse devīṃ caṇḍeśvarīṃ hṛdi |
idānīṃ bhadrakālyāstvaṃ śṛṇu mantramanuttamam ||

So soll der Mantrakundige Chandeshvari beim Nyasa im Herzen betrachten. Höre nun den unübertrefflichen Mantra Bhadrakalis –

Vers 503
yena siddhimavāpnoti paratrāmutra mānavaḥ |
praṇavaṃ śākinībījaṃ vadhūṃ kavacameva ca ||

durch den der Mensch in den jenseitigen Bereichen Vollendung erlangen soll. Pranava, Shakini-Bija, Vadhu und Kavacha –

Anmerkung: Die Quelle verbindet paratra und amutra, beides Ortsausdrücke für »dort/jenseits«; nicht stillschweigend durch eine gesicherte »Diesseits-und-Jenseits«-Lesung ersetzt.

Vers 504
yoginīmaṅkuśaṃ pāśaṃ phetkārīsmaramāyikam |
navākṣaro mahāmantro bhadrakālyāḥ prakīrtyate ||

Yogini, Ankusha, Pasha, Phetkari, Smara und Maya: Dies wird als neunsilbiger großer Mantra Bhadrakalis bezeichnet.

Anmerkung: Die Zahl passt nicht ohne Weiteres zur Aufzählung; keine Silbe gestrichen oder hinzugefügt, um sie rechnerisch herzustellen.

Vers 505
dhyānaṃ cāsyāḥ kathyamānamavadhāraya pārvati |
siṃhopari samāsīnāṃ maṣīpuñjasamaprabhām ||

Vernimm ihre Meditation, Parvati: Sie sitzt auf einem Löwen und ist dunkel wie eine Masse schwarzer Tinte.

Vers 506
bhrukuṭyarālavadanāṃ trīkṣaṇāṃ ghoradarśanām |
śārdūlatvakparīdhānāṃ viṣvagvistāritānanām ||

Gerunzelte Brauen verziehen ihr Gesicht; sie ist dreiäugig und furchtbar anzusehen, trägt ein Tigerfell und hat einen weit geöffneten Mund.

Vers 507
atyantaśuṣkasarvāṅgīṃ lalajjihvākarālinīm |
tretāgarttasthitāgnisamānanayanāṃ śivām ||

Alle ihre Glieder sind stark ausgemergelt, die heraushängende Zunge macht sie furchtbar. Die Augen der Heilvollen gleichen den Feuern in den drei Opfergruben.

Anmerkung: Die Verbindung tretā-garta ist beschädigt; als Vergleich mit den drei Opferfeuern verstanden, ohne eine bestimmte Feueranlage zu rekonstruieren.

Vers 508
naramuṇḍāvalīhārāṃ nādāpūritapuṣkarām |
jvaladdhutavahākāravisrastakacasañcayām ||

Eine Reihe von Menschenköpfen bildet ihre Halskette; ihr Laut erfüllt den Himmelsraum. Ihr loses Haar gleicht loderndem Feuer.

Vers 509
narāsthikṛtasarvāṅgabhūṣaṇāṃ jagadambikām |
koṭikoṭimahāghorayoginīgaṇamadhyagām ||

Die Weltenmutter trägt an allen Gliedern Schmuck aus Menschenknochen und steht inmitten unzähliger Millionen überaus furchtbarer Yoginis.

Vers 510
kālīṃ daśabhujāṃ sṛkkagaladrudhiracarcitām |
khaḍgaṃ triśūlaṃ viśikhaṃ śaktiṃ dakṣiṇataḥ smaret ||

Kali hat zehn Arme; Blut aus ihren Mundwinkeln benetzt sie. Rechts soll man Schwert, Dreizack, Pfeil und Shakti-Lanze vergegenwärtigen –

Vers 511
phalakaṃ ḍamaruṃ cāpaṃ kapālaṃ vāmato'pi ca |
vyādāya vadanaṃ ghoraṃ daṃṣṭrābhiḥ pūritāntaram ||

links Schild, Damaru, Bogen und Schädelschale. Sie öffnet ihren furchtbaren Mund, dessen Inneres voller Fangzähne ist –

Anmerkung: Die weiteren beiden Hände sind Teil der folgenden Handlung.

Vers 512
lelihānacaladvidyutsamānarasanaṃ mahat |
dānavāsuradaityānāṃ koṭimarbudameva ca ||

mit einer großen, leckenden Zunge wie zuckender Blitz. Millionen und Abermillionen Danavas, Asuras und Daityas –

Anmerkung: Koṭi und arbuda sind traditionelle große Zahleneinheiten; als gehäufte mythologische Menge wiedergegeben.

Vers 513
dhārayitvā ca dhṛtvā ca sārdhaṃ kaṭakaṭāravaiḥ |
prakṣipya tatra bāhubhyāṃ carvayantīṃ hasanmukhīm ||

ergreift sie mit beiden Armen, wirft sie hinein und zerkaut sie unter klappernden Lauten, während ihr Gesicht lächelt.

Vers 514
gilantīṃ pūrayantīṃ ca pātālatulitodaram |
dhyātvā caivaṃvidhāṃ kālīṃ tato'ṅgeṣu nyasedamum ||

Sie verschlingt sie und füllt ihren Bauch, der Patala, der Unterwelt, gleicht. Nach der Meditation über Kali in solcher Gestalt soll man diesen Mantra in den Körpergliedern einsetzen.

Vers 515
guhyakālīmantramataḥ samākarṇaya bhāmini |
yattavaivocyate devi naivānyatra kadācana ||

Höre nun Guhyakalis Mantra, du Strahlende, der nur dir, Göttin, mitgeteilt wird und niemals anderswo.

Anmerkung: Geheimhaltungsrhetorik der Quelle.

Vers 516
trapānaṅgaṃ śākinīṃ ca krodhamaṅkuśameva ca |
guhyaśabdādapi vadetkāliśabdaṃ varānane ||

Trapa, Ananga, Shakini, Krodha und Ankusha; nach dem Wort »guhya« soll man »kāli« sprechen, Schönangesichtige.

Vers 517
kālīṃ ca yoginībījaṃ phetkārīṃ caṇḍameva ca |
yoginīkāminībījaṃ svāhānte viniveśayet ||

Dann soll man Kali, das Yogini-Bija, Phetkari, Chanda sowie Yogini- und Kamini-Bija setzen, mit svāhā am Ende.

Anmerkung: Die wiederholte Yogini-Bezeichnung bleibt erhalten.

Vers 518
sudurlabho mantrarājo jñeyaḥ saptadaśākṣaraḥ |
na tīryate'sya mahimā varṇituṃ varavarṇini ||

Dieser sehr schwer zu erlangende König der Mantras gilt als siebzehnsilbig. Seine Größe lässt sich nicht beschreiben, du Schöne.

Vers 519
dhyānaṃ niśāmayāthāsyāḥ procyamānaṃ mayā svayam |
āpādapadmādārabhya kaṇṭhaṃ pāṭalasannibhā ||

Höre nun ihre Meditation, die ich selbst erkläre: Von den Lotusfüßen bis zum Hals gleicht ihre Farbe dem rötlichen Patala-Ton.

Anmerkung: Pāṭala kann eine Blütenfarbe oder einen hellrötlichen Farbton bezeichnen; keine genauere Farbbestimmung erzwungen.

Vers 520
mukhe dūrvādalaśyāmā jaṭābhāravirājitā |
śavopari samāsīnā kiñcidvistāritānanā ||

Ihr Gesicht ist dunkelgrün wie Durva-Blätter, eine Fülle von Haarflechten schmückt sie. Auf einem Leichnam sitzend, hat sie den Mund leicht geöffnet.

Vers 521
daśabhirvadanairyuktā nanu tricakṣurvirājitaiḥ |
muṇḍakuṇḍalasaṃvītā sarveṣu vadaneṣvapi ||

Sie hat zehn Gesichter, jedes mit drei Augen; bei allen Gesichtern trägt sie Köpfe als Ohrschmuck.

Anmerkung: Die Verbindung vor tricakṣus ist im OCR beschädigt; die zehn Gesichter mit je drei Augen sind erkennbar.

Vers 522
narāsthivihitākalpā kalpakalpakṣayaṅkarā |
sarvato lambitajaṭā sarvatrāpadi tāriṇī ||

Ihr Schmuck besteht aus Menschenknochen. Weltzeitalter um Weltzeitalter bewirkt sie Auflösung; ihre Haarflechten hängen nach allen Seiten, und in jeder Bedrängnis ist sie Retterin.

Anmerkung: Die Quellenfußnote bietet bhayaṅkarā, »Furcht erregend«, als Variante im ersten Halbvers; die Lesungen werden nicht vermischt.

Vers 523
kiñcicchuṣkagaloddeśā kiñcidākuñcitānanā |
piciṇḍilā nimnanābhirnātipīnapayodharā ||

Ihr Hals ist etwas ausgemergelt, ihr Gesicht leicht zusammengezogen; sie hat einen kräftigen Bauch, einen tiefen Nabel und nicht allzu volle Brüste.

Anmerkung: Piciṇḍilā ist als Bauchbeschreibung wiedergegeben; keine nähere körperliche Deutung ergänzt.

Vers 524
sthūlorujaṅghāvikaṭā sarvābharaṇabhūṣitā |
adīrghaṣoḍaśāpīnadormaṇḍalavirājitā ||

Mit kräftigen Oberschenkeln und Unterschenkeln ist sie von gewaltiger Gestalt und trägt allen Schmuck. Sechzehn nicht lange, volle Arme schmücken sie.

Vers 525
nīlāmbaraparīdhānā nīlasraggandhalepanā |
śivāpotaṃ ca khaṭvāṅgaṃ gadāmaṅkuśameva ca ||

Sie trägt blaue Gewänder, blaue Girlanden und entsprechende duftende Salbung. Ein Schakaljunges, Khatvanga, Keule und Haken –

Anmerkung: Die Gegenstandsreihe wird fortgesetzt; śivā bezeichnet hier die Schakalin.

Vers 526
ghaṇṭāṃ nṛmuṇḍaṃ vāmena dadhatī kharparābhaye |
khaḍgaṃ triśūlaṃ cakraṃ ca nāgapāśaṃ tataḥ param ||

Glocke, Menschenkopf, Schädelschale und die Furchtlosigkeitsgeste trägt sie links. Schwert, Dreizack, Wurfscheibe und Schlangenschlinge –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 527.

Vers 527
japamālāṃ ca ḍamaruṃ karttakāṃ varameva ca |
dhārayantī dakṣiṇenopaviṣṭā kuṇapopari ||

Gebetskette, Damaru, Messer und die Gewährungsgeste hält sie rechts, auf einem Leichnam sitzend.

Vers 528
yogapaṭṭasamunnaddhajānumadhyakarāmbujā |
samastavighnahantrī ca muṇḍamālāvirājitā ||

Ihre Lotushände ruhen im Bereich der durch ein Yoga-Band gehaltenen Knie. Sie beseitigt alle Hindernisse und ist mit einer Schädelgirlande geschmückt.

Anmerkung: Die Schlusslesung der ersten Hälfte ist räumlich nicht eindeutig; keine genaue Sitztechnik daraus konstruiert.

Vers 529
sarvakāmapradā devī sarvasiddhividhāyinī |
dhyātavyā bhaktibhāvena paramaiśvaryadāyinī ||

Mit hingebungsvollem Sinn soll man die Göttin meditieren: Sie gewährt alle Wünsche, bewirkt alle Siddhis und schenkt höchste Machtfülle.

Vers 530
nātaḥ paratarā kāpi trailokyaiśvaryasādhikā |
vidyate dayite devī sadyaḥpratyayakāriṇī ||

Geliebte, keine höhere Göttin gebe es, die Herrschaft über die drei Welten verwirklicht und unmittelbar Gewissheit schenkt, wie der Text erklärt.

Vers 531
lokapālaśiroratnanighṛṣṭacaraṇadvayaḥ |
trailokyavijayī yatra pramāṇaṃ daśakandharaḥ ||

Als Beispiel gilt der Zehnhalsige, Sieger über die drei Welten, dessen beide Füße von den Kronjuwelen der Welthüter berührt wurden.

Anmerkung: Dashakandhara bezeichnet Ravana; der Text führt ihn als mythisches Beispiel an.

Vers 532
divyaṃ varṣāyutaṃ devi dhyāyatā yena tāṃ parām |
paiśācīyatayā kālātprāptā satyaṃ daśāsyatā ||

Er meditierte, Göttin, zehntausend göttliche Jahre über die Höchste und erlangte im Lauf der Zeit tatsächlich die Zehngesichtigkeit nach Art der Pishachas.

Anmerkung: Die Verbindung paiśācīyatā ist beschädigt; die Aussage über zehn Gesichter ist klar, ihre genauere Erklärung bleibt unsicher.

Vers 533
yamendracandravaruṇakuberānilanairṛtāḥ |
mitrāgniravināsatyarudrabrahmādidevatāḥ ||

Yama, Indra, Chandra, Varuna, Kubera, Anila und Nairrita; Mitra, Agni, Ravi, die Nasatyas, Rudra, Brahma und weitere Gottheiten –

Anmerkung: Mitra wird durch die ältere Fassung gesichert. Fortsetzung in Vers 534. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6269–6272. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 534
yakṣarākṣasagandharvasiddhavidyādharoragāḥ |
upāsate sabhāyāṃ yaṃ nityameva samāhitāḥ ||

Yakshas, Rakshasas, Gandharvas, Siddhas, Vidyadharas und Schlangenwesen verehren ihn stets gesammelt in seiner Versammlung.

Vers 535
manvantaradvayaṃ pūrṇaṃ kiñcidapyadhikaṃ priye |
yaḥ śaśāsākhaṇḍitājño bhuvanāni caturdaśa ||

Zwei volle Manvantaras und noch etwas länger, Geliebte, beherrschte er die vierzehn Welten, ohne dass seine Befehle gebrochen wurden.

Anmerkung: Manvantara ist eine kosmische Zeitperiode der traditionellen Weltlehre.

Vers 536
nāstyamaratvametasmātkālenāsau nipātitaḥ |
athāto'naṅgamālāyā vyāharāmi manuṃ śubham ||

Doch Unsterblichkeit gibt es nicht; deshalb wurde auch er von der Zeit zu Fall gebracht. Nun erläutere ich den glückverheißenden Mantra Anangamalas.

Anmerkung: Die erste Wortverbindung ist beschädigt; die abschließende Relativierung der Machtverheißung ist deutlich.

Vers 537
praṇavaṃ vāgbhavaṃ pāśaṃ trapākrodhāṅkuśānyapi |
kṣetrapālaṃ ca kālīṃ ca gāruḍaṃ śākinīmapi ||

Pranava, Vagbhava, Pasha, Trapa, Krodha und Ankusha, Kshetrapala, Kali, Garuda und Shakini –

Anmerkung: Beginn der Bija-Reihe.

Vers 538
anaṅgamāle ullikhya striyamityuccaredatha |
ākarṣayadvayaṃ coktvā truṭacchedayayoryugam ||

danach soll man »anaṅgamāle« und »striyam« – »Anangamala, die Frau« – setzen, zweimal »ākarṣaya« – »Ziehe herbei!« – und je zweimal »truṭa« und »chedaya« – »Zerreiße! Zerschneide!« – sprechen.

Anmerkung: Historische fremdbestimmende Anziehungsformel.

Vers 539
kavacadvitayaṃ cāstradvayaṃ svāhāntago manuḥ |
svarṇasiṃhāsanagatāṃ taptakāñcanasannibhām ||

Dann zweimal Kavacha und zweimal Astra; der Mantra endet mit svāhā. Sie sitzt auf einem goldenen Thron und gleicht erhitztem Gold –

Anmerkung: Beginn der Meditation.

Vers 540
viśālamukurākāravadanāṃ smitaśālinīm |
calatkhañjanalolānukāritrinayanāṃ sadā ||

ihr großes Gesicht gleicht einem Spiegel und lächelt; ihre drei Augen bewegen sich stets lebhaft wie Bachstelzen.

Anmerkung: Der Augenvergleich ist im OCR beschädigt, das Bachstelzenmotiv jedoch erkennbar.

Vers 541
ardhenduśekharāṃ devīṃ kiñcidākuñcitabhruvam |
karṇāndolasphuradratnakuṇḍalodyatkapolakām ||

Die Göttin trägt die halbe Mondsichel auf dem Haupt, ihre Brauen sind leicht zusammengezogen. An den Ohren schwingende Edelsteinringe lassen ihre Wangen aufleuchten.

Vers 542
pīvarottuṅgavakṣojāṃ vakṣojodyotigostanām |
gostanodyotiśaśabhṛcchekharāṃ jagadambikām ||

Die Weltenmutter hat volle, hohe Brüste; eine Gostana-Kette leuchtet über ihnen, und ihr Glanz reicht bis zum Mondschmuck auf dem Haupt.

Anmerkung: Gostana ist hier offenbar eine Form herabhängenden Halsschmucks; die genaue Verbindung ist unsicher, keine sichere Schmuckrekonstruktion.

Vers 543
bṛhannitambavedīkāṃ tanumadhyāṃ varorukām |
mañjīrakiṅkiṇīhārakaṅkaṇāṅgadarājitām ||

Sie hat breite Hüften, eine schmale Mitte und schöne Oberschenkel. Fußreifen, Glöckchen, Halsketten, Armreife und Spangen schmücken sie.

Vers 544
varābhayakarāṃ devīṃ dvibhujāṃ siddhidāyinīm |
dhyātvā citte nyaseddevīṃ sarvakāmārthasiddhaye ||

Die zweiarmige Göttin zeigt Gewährung und Furchtlosigkeit und verleiht Siddhis. Nach der Meditation soll man sie im Geist einsetzen, zur Erfüllung aller Wünsche und Anliegen.

Vers 545
kathayāmyatha cāmuṇḍāmantramunnatikārakam |
yajjñātvā yatrakutrāpi saṅkaṭe nāvasīdati ||

Nun erkläre ich Chamundas Mantra, der Aufstieg bewirkt. Wer ihn kennt, soll nirgendwo in einer Bedrängnis untergehen.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält die Bedingung „wer ihn kennt“. Das Erfolgsversprechen ist eine Aussage des Grundtextes. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6301–6304. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 546
saṃyuge nirbhayo bhūyādadhigacchecca sampadam |
praṇavāṅkuśakālīyaśākinīcaṇḍayoginīḥ ||

Im Kampf soll er furchtlos werden und Wohlstand erlangen. Pranava, Ankusha, Kali, Shakini, Chanda und Yogini –

Anmerkung: Beginn der Bija-Reihe.

Vers 547
khecarīkrodhaphetkārīvidyutkālaratitrapāḥ |
bhaujaṅgamamahākrodhasauparṇānṣoḍaśoccaret ||

Khechari, Krodha, Phetkari, Vidyut, Kala, Rati, Trapa, das Schlangen-Bija, Mahakrodha und das Suparna-Bija: Diese sechzehn soll man sprechen.

Anmerkung: Suparna verweist auf Garuda; keine konkrete Silbe ergänzt.

Vers 548
cāmuṇḍe iti saṅkīrtya yugmaṃ jvala hinaḥ kileḥ |
mama śatrūniti procya yugaṃ trāsaya māraya ||

Nach »cāmuṇḍe« soll man »jvala«, »hina« und »kili« jeweils zweimal sprechen; dann »mama śatrūn« – »meine Feinde« – und je zweimal »trāsaya« – »Versetze in Schrecken!« – und »māraya« – »Töte!«.

Anmerkung: Hina und kili sind unsichere Lautlesungen ohne sichere wörtliche Bedeutung. Keine ergänzte Rezitationsfolge ausgegeben.

Vers 549
hanayugmaṃ padayugaṃ bhakṣayadvitayaṃ tataḥ |
kālātmāyugmaṃ phaḍdvayaṃ svāhayā yutam ||

Dann zweimal »hana« – »Schlage!« –, ein weiteres Wortpaar, zweimal »bhakṣaya« – »Verzehre!« –, zweimal Kalatman und zweimal phaṭ, verbunden mit svāhā.

Anmerkung: Die Bezeichnung padayugam und die Form kālātma sind unsicher; sie werden nicht als sicher entschlüsselte Mantrabestandteile behandelt.

Vers 550
ekasaptatyakṣaro'sau mantraḥ paramaśobhanaḥ |
dharālagnaśirojānuprasuptakuṇapopari ||

Dieser vorzügliche Mantra wird als einundsiebzigsilbig bezeichnet. Auf einem liegenden Leichnam, dessen Kopf und Knie die Erde berühren –

Anmerkung: Beginn der Meditation; Fortsetzung in Vers 551.

Vers 551
niṣeduṣīṃ niṣpalalasarvāvayavabhīṣaṇām |
tvagasthimātraghaṭitāmatyugrākāradarśanām ||

sitzt sie. Alle ihre Glieder sind fleischlos und furchtbar; sie besteht nur aus Haut und Knochen und ist von äußerst wilder Erscheinung.

Vers 552
kapālākāraśirasaṃ viluṇṭhitaśiroruhām |
skandhāvasaktayugalakuṇḍalīkṛtakharparām ||

Ihr Kopf ist schädelförmig, ihr Haar zerzaust; zwei Schädelschalen bilden Ohrringe, die bis auf die Schultern herabhängen.

Anmerkung: Die Haarbeschreibung ist lokal unsicher, nicht als gesicherte Kahlköpfigkeit gedeutet.

Vers 553
narāsthinirmitānekabhūṣaṇāṃ bhīṣaṇākṛtim |
muṇḍamālāparikṣiptāṃ lalajjihvābhayānakām ||

Viele Schmuckstücke aus Menschenknochen schmücken ihre furchtbare Gestalt. Eine Schädelgirlande umgibt sie, die heraushängende Zunge erregt Schrecken.

Vers 554
vikarālamahādaṃṣṭrāṃ raudrīṃ rudraparigrahām |
atiśuṣkodaraśroṇinitamborupayodharām ||

Mit großen, furchtbaren Fangzähnen, wild und Rudras Gefährtin; Bauch, Becken, Hüften, Oberschenkel und Brüste sind stark ausgemergelt.

Vers 555
gaṇḍayorubhayapārśvasthapañjarāsthikarālinīm |
dīrghatāladrumākārakarapādāṃ hasanmukhīm ||

An Wangen und beiden Seiten treten Knochengerüste furchtbar hervor. Hände und Füße sind lang wie Palmenstämme, und ihr Gesicht lächelt.

Anmerkung: Die genaue Körperzuordnung der ersten Hälfte ist beschädigt; nur die hervortretenden Knochen werden sicher wiedergegeben.

Vers 556
kharjūrakaṇṭakākāraromarājivirājitām |
lauhasūrpākṛtinakhāṃ samutkampiśirodharām ||

Ihre Körperhaare gleichen Dornen der Dattelpalme, ihre Nägel eisernen Worfelschwingen; ihr Hals zittert heftig.

Vers 557
kūpākāratrinayanāṃ vidyuccapalatārakām |
lambamānauṣṭhādharāṃ tāṃ valīlagnapayodharām ||

Ihre drei Augen sind tief wie Brunnen, mit blitzartig bewegten Pupillen. Die Lippen hängen herab, die Brüste liegen an den Hautfalten an.

Vers 558
vidīrṇasṛkkayugalāṃ narāntrakaṭisūtriṇīm |
digambarāṃ carvayantīṃ śavaṃ kaṭakaṭāravaiḥ ||

Ihre Mundwinkel sind weit aufgerissen, menschliche Eingeweide bilden ihr Hüftband. Unbekleidet zerkaut sie einen Leichnam unter klappernden Lauten.

Vers 559
aṣṭādaśabhujāṃ bhīmāṃ carantīṃ pitṛkānane |
vāme kare carmacāpakhaṭvāṅgaḍamarūnkramāt ||

Achtzehnarmig, gewaltig, wandelt sie auf dem Verbrennungsplatz. Links trägt sie der Reihe nach Schild, Bogen, Khatvanga und Damaru –

Vers 560
aṅkuśaṃ ca tathā pāśaṃ bhindipālaṃ śavaṃ tathā |
raktapūrṇaṃ kapālaṃ ca dhārayantīṃ mahodarīm ||

Haken, Schlinge, Bhindipala, einen Leichnam und eine mit Blut gefüllte Schädelschale, die Großbäuchige.

Anmerkung: Die Bezeichnung mahodarī bleibt neben der zuvor beschriebenen Ausgemergeltheit stehen.

Vers 561
dakṣiṇe bibhratīṃ khaḍgaṃ viśikhaṃ ca triśūlakam |
cakraṃ śaktiṃ gadāṃ paraśumasthimālāṃ ca karttakām ||

Rechts hält sie Schwert, Pfeil, Dreizack, Wurfscheibe, Shakti-Lanze, Keule, Axt, Knochengirlande und Messer.

Vers 562
divā kālābhrasadṛśāṃ javāpuṣpāruṇāṃ niśi |
balākāsamadantālīṃ bhujaṅgakuṭilabhruvam ||

Am Tag gleicht sie einer dunklen Wolke, nachts ist sie rot wie Hibiskus. Ihre Zahnreihe ist weiß wie Reiher, ihre Brauen gebogen wie Schlangen.

Vers 563
atikrūrākṛtidharāṃ dṛṣṭyaiva maraṇapradām |
ghorāṭṭahāsāṃ gagane plavantīṃ sarvatomukhīm ||

Von äußerst grausiger Gestalt, soll sie schon durch ihren Blick Tod bringen. Furchtbar lachend schwebt sie im Himmel und blickt nach allen Seiten.

Anmerkung: Ikonographische und rituelle Aussage der Quelle, keine tatsächliche Todesprognose.

Vers 564
cintayitvā tu cāmuṇḍāmitthamaṅge nyasenmanum |
dharitrīdharaṇe dhīrāmākarṇaya itaḥ param ||

Nach solcher Betrachtung Chamundas soll man ihren Mantra im Körper einsetzen. Höre als Nächstes von der Göttin, die kraftvoll die Erde trägt.

Anmerkung: Übergang zu Varahi.

Varahi bis Mrityuharini

Weitere Göttinnen werden durch Mantra, Meditation und Ritualfunktion beschrieben. Die teils gewaltsamen Wirkungsverheißungen sind historische Textaussagen.

Vers 565
tāraṃ namaḥ samābhāṣya bhagavatyai tato vadet |
vārāha iti coddhṛtya rūpiṇyai tadanantaram ||

Nach Tara und namaḥ soll man »bhagavatyai« sprechen, danach »vārāha« und »rūpiṇyai«: »Verehrung der Erhabenen in Ebergestalt«.

Anmerkung: Die Quelle zerlegt das zusammengesetzte Anredewort in seine Bestandteile.

Vers 566
tataścaturdaśa procya kīrtayedbhuvanā tataḥ |
dhipāyai samanuddhṛtya vārāhyai tadanantaram ||

Dann soll man »caturdaśa-bhuvanādhipāyai« – »der Herrin der vierzehn Welten« – und danach »vārāhyai« – »Varahi« – sprechen.

Anmerkung: Die über Versglieder getrennten Wortteile sind für die deutsche Erklärung verbunden; keine zusätzliche Mantrapassage ergänzt.

Vers 567
bhūpatitvaṃ tataḥ procya me dehi tadanantaram |
dāpayānantaraṃ vahnijāyānto manurīritaḥ ||

Darauf »bhūpatitvaṃ me dehi« – »Gib mir Herrschaft über die Erde!« –, danach »dāpaya« – »Lasse sie gewähren!« –; der genannte Mantra endet mit Vahnijaya.

Vers 568
ghananīlaghanākārāṃ kharvasthūlakalevarām |
hastamātraviniṣkrānta […] ||

[Lesbares Fragment:] Ihre Gestalt gleicht einer tiefdunklen Wolke, ihr Körper ist klein und kräftig. Ein Gesichtsteil ragt eine Elle weit vor.

Anmerkung: Fragment: Die genaue Beschreibung des vorstehenden Gesichtsteils ist beschädigt; im Varahi-Kontext ist eine Schnauze naheliegend, wird aber nicht als gesicherter Wortlaut ergänzt.

Vers 569
vāmabhāge'sya vadanaṃ dhārayantīṃ dvilocanām |
aṣṭamīcandrakhaṇḍābhadaṃṣṭrāśṛṅgavirājitām ||

Ihr zweiaugiges Gesicht ist nach links gerichtet; ihre hervorstehenden Hauer gleichen dem Mond am achten Tag.

Anmerkung: Die erste Verbindung ist beschädigt; die seitliche Ausrichtung bleibt eine vorsichtige Lesung.

Vers 570
kopādālolarasanāṃ vistāravivṛtānanām |
kalpāntārāvasaṅkāśāṃ pūrayantīṃ jagat tviṣā ||

Vor Zorn bewegt sich ihre Zunge, ihr Mund ist weit geöffnet. Sie gleicht dem Getöse am Weltende und erfüllt die Welt mit ihrem Glanz.

Anmerkung: Der ältere Textzeuge erhält tviṣā, „mit Glanz“; die Angabe ergänzt die Lautbeschreibung. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6365–6368. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 571
bhīmadaṃṣṭrāṭṭahāsāṃ ca raktākṣīṃ raktavāsasam |
kṛpāṇākāraromālīparipūrṇakalevarām ||

Furchtbare Hauer und lautes Lachen prägen sie; sie hat rote Augen und rote Gewänder. Ihr Körper ist ganz mit schwertförmigen Borsten bedeckt.

Vers 572
bhūdārarūpadhātrīṃ ca sañcarantīṃ vihāyasi |
saṭādhūnanavitrastaprapalāyitakhecarām ||

Sie trägt die Ebergestalt und zieht durch den Himmel. Wenn sie ihre Borsten schüttelt, fliehen die Himmelswesen erschrocken.

Anmerkung: Bhūdāra, »Erdspalter«, bezeichnet hier den Eber.

Vers 573
sarvālaṅkārasaṃyuktāṃ ghurghurārāvakāriṇīm |
abjacāpāṅkuśānpāśaṃ vāmage bibhratīṃ kare ||

Mit allem Schmuck versehen, gibt sie grunzende Laute von sich. Links trägt sie Lotus, Bogen, Haken und Schlinge.

Vers 574
cakraṃ bāṇaṃ gadāṃ śaṅkhaṃ dadhatīṃ dakṣiṇe kare |
dūrvādalaśyāmalayā dharaṇyā sevitāṃ sadā ||

Rechts hält sie Wurfscheibe, Pfeil, Keule und Muschelhorn. Stets wird sie von Dharani, der Erde, verehrt, die dunkelgrün wie Durva-Blätter erscheint.

Vers 575
vārāhīṃ cintayeditthaṃ sarvakāmaphalapradām |
śṛṇvato bagalāmantraṃ yena saṃvadanaṃ bhavet ||

So soll man Varahi betrachten, die alle Wünsche gewährt. Höre nun den Bagala-Mantra, durch den Anziehung beziehungsweise ein Gewinnen anderer entstehen soll.

Anmerkung: Saṃvadana kann Bezauberung oder Einwirkung auf andere bezeichnen; nicht auf ein harmloses Gespräch reduziert.

Vers 576
praṇavānte namo dattvā bhagavatyai tato'pi ca |
pītāmbarāyai coddhṛtya trapāyugmaṃ tataḥ param ||

Nach Pranava und namaḥ folgen »bhagavatyai pītāmbarāyai« – »der Erhabenen in gelbem Gewand« – und danach zweimal Trapa.

Vers 577
tataśca sumukhi procya bagale tadanantaram |
viśvametadvaśaṃ procya kuruyugmaṃ śiro'pi ca ||

Dann »sumukhi bagale« – »schönangesichtige Bagala!« –, »viśvam etad vaśam« und zweimal »kuru« – »Bringe diese ganze Welt unter die Macht!« –, anschließend Shiras.

Anmerkung: Die Quelle ergänzt hier nicht ausdrücklich »meine«; die Übersetzung erfindet kein entsprechendes Sanskritpronomen.

Vers 578
ekatriṃśākṣaro mantro jagadvaśyakaraḥ priye |
nigadyamānamasyāstvaṃ dhyānamapyavadhāraya ||

Der einunddreißigsilbige Mantra soll die Welt unterwerfen, Geliebte. Vernimm auch die folgende Meditation über sie.

Vers 579
gaurī pītāmbaradharā pītasraganulepanā |
ratnasiṃhāsanagatā ratnālaṅkārabhūṣitā ||

Sie ist hell, trägt gelbe Gewänder, gelbe Girlanden und gelbe Salbung, sitzt auf einem Edelsteinthron und trägt Edelsteinschmuck.

Vers 580
trinetrā candraśakalavirājitalalāṭikā |
saundaryasāravijitajagallāvaṇyapuñjikā ||

Sie hat drei Augen und eine Mondsichel auf der Stirn; die Essenz ihrer Schönheit übertrifft die ganze Schönheit der Welt.

Vers 581
caturbhujāṅkuśavarau dakṣiṇe bibhratī kare |
tathaiva dhārayantī ca vāme dīpābhaye kare ||

Vierarmig trägt sie rechts einen Haken und zeigt die Gewährungsgeste; links hält sie ein Licht und zeigt Furchtlosigkeit.

Anmerkung: Dīpa, Licht, folgt der Quelle; nicht stillschweigend durch eine bekanntere Bagala-Ikonographie ersetzt.

Vers 582
dhyātavyā bhaktibhāvena vaśyakarma cikīrṣatā |
athāto jayadurgāyā ramyaṃ manumudīraye ||

Wer ein Unterwerfungsritual ausführen will, soll sie mit Hingabe meditieren. Nun nenne ich Jayadurgas schönen Mantra.

Anmerkung: Historische Zweckangabe, keine heutige Praxisempfehlung.

Vers 583
tārāṅkuśasmararamāmāyāpāśavadhūsvarāḥ |
jayadurge tataścoktvā rakṣa rakṣa tato vadet ||

Tara, Ankusha, Smara, Rama, Maya, Pasha und Vadhu; danach soll man »jayadurge rakṣa rakṣa« sprechen: »Siegreiche Durga, beschütze, beschütze!«.

Anmerkung: Die abschließende Verbindung svara ist in der OCR unsicher; die erkennbaren Bija-Namen werden ohne Zusatzsilbe bewahrt.

Vers 584
svāhānta eṣa kathito manuraṣṭādaśākṣaraḥ |
yathaitāṃ cintayeddevīṃ tathā tvamavadhāraya ||

Dieser mit svāhā endende Mantra wird als achtzehnsilbig bezeichnet. Vernimm, wie man diese Göttin betrachten soll.

Vers 585
atikālaghanākārā candrārdhakṛtaśekharā |
kaṭākṣaiḥ śatrusaṅghātānnirdahantī parātparā ||

Ihre Gestalt gleicht einer tiefschwarzen Wolke, sie trägt die halbe Mondsichel. Mit Seitenblicken verbrennt die Höchste feindliche Scharen.

Vers 586
trinetrā bhrukuṭībhaṅgavitrāsitajagattrayā |
siṃhadhoraṇadhaurīṇā calaccikurapallavā ||

Dreiäugig versetzt sie durch das Zusammenziehen ihrer Brauen die drei Welten in Angst. Sie beherrscht ihren Löwen als Reittier; ihre Haarsträhnen bewegen sich.

Anmerkung: Die Löwen-Verbindung ist beschädigt; die genaue Bewegungsbeschreibung bleibt unsicher.

Vers 587
aṣṭabāhā jagaddhātrī vikarālatarānanā |
śaṅkhaṃ tathāṅkuśaṃ cāpaṃ jīvato vairiṇaḥ śiraḥ ||

Achtarmig ist die Weltenträgerin, mit überaus furchtbarem Gesicht. Muschelhorn, Haken, Bogen und den Kopf eines lebenden Feindes –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 588; »lebend« folgt ausdrücklich der Quelle.

Vers 588
sakacaṃ vāmapārśvasthakareṇa dadhatī śivā |
karavālaṃ tathā cakraṃ viśikhaṃ ca gadāmapi ||

hält die Heilvolle links, den Kopf am Haar. Schwert, Wurfscheibe, Pfeil und Keule –

Vers 589
dakṣiṇena kareṇaiva dhārayantī bhayapradā |
jayadurgā sadā dhyeyā ghore samaramūrdhani ||

trägt sie rechts, Furcht erregend. Jayadurga soll im furchtbaren Höhepunkt der Schlacht stets meditiert werden.

Vers 590
dhāraya tvaṃ kathyamānaṃ nārasiṃhīmanuṃ mayā |
tārapāśāṅkuśakrodhakālamāyāsmarastriyaḥ ||

Nimm nun den Narasimhi-Mantra auf, den ich nenne: Tara, Pasha, Ankusha, Krodha, Kala, Maya, Smara und Stri –

Anmerkung: Bija-Namen; keine wörtliche Bedeutung als vollständige Mantraübersetzung erfunden.

Vers 591
mahākrodhakṣetrapālacaṇḍa […] śākinīḥ |
ulkājihvā saṭāśabdaṃ ghorarūpa tato vadet ||

[Lesbare Teile:] Mahakrodha, Kshetrapala, Chanda und Shakini; danach werden »ulkājihvā« – »Feuerzungenhafte« –, »saṭā« – »Mähne« – und »ghorarūpa« – »furchtbare Gestalt« – genannt.

Anmerkung: Fragment: Zwischen Chanda und Shakini sowie in den Anredeverbindungen ist die Quelle beschädigt; keine Gesamtformel hergestellt.

Vers 592
daṃṣṭrākarālamābhāṣya nārasiṃhi samuddharet |
prāsādatritayaṃ coktvā huṃkāratrikamālikhet ||

Nach »daṃṣṭrākarāla« – »furchtbar durch Fangzähne« – soll man »nārasiṃhi« setzen, danach dreimal Prasada und dreimal huṃ.

Anmerkung: Die Anrede-Endungen der ersten Verbindung sind nicht sicher; keine zusätzliche Flexion als Quellenwortlaut ausgegeben.

Vers 593
astradvayaṃ tataḥ svāhā catvāriṃśākṣaro manuḥ |
yādṛśī dhyānacaryā syāttāmapyākarṇaya priye ||

Dann zweimal Astra und svāhā; der Mantra wird als vierzigsilbig bezeichnet. Höre auch die dazugehörige Meditation, Geliebte.

Vers 594
himānīkundakailāsarajatācalasannibhā |
visrastakesarabharā vikīrṇavadanākṛtiḥ ||

Sie gleicht Schnee, Kunda-Blüten, Kailasa und einem Silberberg. Ihre Mähne hängt lose, ihr Gesicht ist weit geöffnet.

Vers 595
sṛkkakṣaradraktadhārālambamānādharāgalam |
dviguṇīkṛtaśītāṃśukalātulyaradāvaliḥ ||

Aus den Mundwinkeln fließen Blutströme über den herabhängenden Unterkiefer beziehungsweise Hals; ihre Zahnreihe gleicht verdoppelten Mondsicheln.

Anmerkung: Die Körperverbindung adharāgala ist beschädigt und nicht eindeutig; keine präzisere Anatomie ergänzt.

Vers 596
avabhraṭā kṣīṇamadhyālātasaṅkāśadṛgdvayā |
kṛśadīrghasamastāṅgī sarvālaṅkāramaṇḍitā ||

Wild zerzaust, mit schmaler Mitte und zwei Augen wie Feuerbrände; alle ihre Glieder sind mager und lang, und sie trägt allen Schmuck.

Anmerkung: Die erste Bezeichnung avabhraṭā ist im OCR unsicher; »wild zerzaust« nur vorsichtige kontextuelle Wiedergabe.

Vers 597
prodyanmārtaṇḍabimbābhakaustubhodbhāsinī hṛdi |
mukhāvaṭavinirgacchajjihvākoṭiśatahradā ||

An ihrem Herzen leuchtet der Kaustubha wie die aufgehende Sonnenscheibe. Die aus ihrer Mundhöhle hervortretende Zungenspitze gleicht einem Blitz.

Anmerkung: Śatahradā bezeichnet hier den Blitz; die beschädigte Verbindung wird nicht als »hundert Zungen« verstanden.

Vers 598
kesarādhūnanatrastakhecarā khecarāspadā |
vajrādhikanakhasparśā locanābhyāṃ mukhādapi ||

Das Schütteln ihrer Mähne erschreckt die Himmelswesen; sie bewegt sich im Luftraum. Ihre Krallen sind härter als Vajra. Aus Augen und Mund –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 599.

Vers 599
vamantī kalpakālāgniṃ carvayantī diteḥ sutān |
hasantī cāṭṭahāsena nṛtyantī vyomamaṇḍale ||

speit sie das Zeitfeuer des Weltenendes, zerkaut Ditis Söhne, lacht laut und tanzt im Himmelsraum.

Vers 600
gacchantī vātavegena carantī pitṛkānane |
daityavakṣaḥpāṭanottharudhirolliptavigrahā ||

Sie zieht mit Windgeschwindigkeit dahin und wandelt auf dem Verbrennungsplatz. Ihr Körper ist mit Blut aus den aufgerissenen Brüsten der Daityas bestrichen.

Anmerkung: Vaksas meint hier den Brustkorb der Gegner.

Vers 601
sudīrghaṣoḍaśabhujā […] |
cāpaṃ […] carmāṇi musalaṃ paraśuṃ tathā ||

[Lesbare Teile:] Sie hat sechzehn sehr lange Arme. Bogen, Schild, Stößelkeule und Axt werden als getragene Waffen genannt –

Anmerkung: Fragment: Eine Bezeichnung nach der Armzahl und ein Waffenname der zweiten Hälfte sind beschädigt; keine Ergänzung zur scheinbar vollständigen Liste.

Vers 602
dhārayantī kare vāme paṭṭiśaṃ ca vidāraṇam |
bāṇacakragadākhaḍgapāśāṅkuśapavīnapi ||

links trägt sie außerdem Pattisha und Vidarana. Pfeil, Wurfscheibe, Keule, Schwert, Schlinge, Haken und Pavi –

Anmerkung: Pavi bezeichnet eine schneidende beziehungsweise donnerkeilartige Waffe; keine genauere ungesicherte Form.

Vers 603
vidāraṇaṃ dakṣiṇena kareṇa dadhatī tathā |
prataptahemapiṅgāgrasaṭābhārāvaguṇṭhitā ||

und ebenfalls Vidarana hält sie rechts. Eine schwere Mähne mit rotbraunen Spitzen wie erhitztes Gold umhüllt sie.

Vers 604
prakampitatanuyaṣṭiḥ pāriplavakanīnikā |
prasuptabhujagākāralūmakhaṇḍavirājitā ||

Ihr schlanker Körper zittert, ihre Pupillen bewegen sich unruhig. Haarbüschel, die ruhenden Schlangen gleichen, zeichnen sie aus.

Anmerkung: Pāriplava und lūmakhaṇḍa sind in der älteren Fassung erkennbar; einfache OCR-Normalisierung. Lūma bezeichnet Körperhaar. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6448–6453. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 605
nakṣatramālāyitayā ramyā nakṣatramālayā |
saṃvartakālakoṭyarkadurnirīkṣyabhayaṅkarā ||

Eine sternengleiche Kette schmückt sie. Wie Millionen Sonnen bei der Weltauflösung ist sie kaum anzuschauen und furchterregend.

Anmerkung: Die Wiederholung nakṣatramālā wird sinngemäß, nicht als zusätzliche Schmuckart wiedergegeben.

Vers 606
koṭipralayakālāgnipratyanīkatanuprabhā |
itthaṃ dhyeyā nārasiṃhī nyāsakarmaṇi pārvati ||

Ihr Körperglanz wetteifert mit Millionen Weltauflösungsfeuern. So soll Narasimhi beim Nyasa meditiert werden, Parvati.

Vers 607
brahmāṇīmantramadhunā sandiśāmi taveśvari |
praṇavādi likhetpāśaṃ prāsādaṃ tadanantaram ||

Nun teile ich dir Brahmanis Mantra mit, Herrin. Mit Pranava beginnend soll man Pasha und danach Prasada setzen –

Vers 608
pīyūṣamaṅkuśaṃ nāgamastraṃ saptākṣaro manuḥ |
dhyeyeyaṃ yena vidhinā vadāmi tadapi priye ||

Piyusha, Ankusha, Naga und Astra: ein siebensilbiger Mantra. Ich erkläre auch, wie sie meditiert werden soll, Geliebte.

Vers 609
haṃsāsanasamārūḍhā raktavarṇā caturmukhā |
piciṇḍilā nimnanābhiḥ śuklayajñopavītinī ||

Sie sitzt auf einem Hamsa, ist rot und viergesichtig, mit kräftigem Bauch und tiefem Nabel, und trägt eine weiße heilige Schnur.

Vers 610
sthūlagaṇḍādharauṣṭhabhrūkapolavadanātmikā |
baddhapadmāsanā sthūlā ghanapiṅgaśikhājaṭā ||

Wangen, Lippen, Brauen und Gesicht sind voll ausgeprägt. Kräftig gebaut, sitzt sie im fest eingenommenen Lotussitz, mit dichtem rotbraunem Haarschopf und Haarflechten.

Anmerkung: Die wiederholten Wangenbezeichnungen bleiben in der allgemeinen Gesichtsfülle zusammengefasst, ohne einen zusätzlichen Vers auszulassen.

Vers 611
saptarṣibhirnāradādyaiḥ stūyamānā pareśvarī |
bāhubhyāṃ dakṣavāmābhyāmakṣasūtraṃ kamaṇḍalum ||

Die höchste Herrin wird von den sieben Rishis und von Narada und anderen gepriesen. In rechter und linker Hand trägt sie Gebetskette und Wasserkrug –

Anmerkung: Die Reihung der Weisen ist sprachlich verkürzt; keine neue Siebenerliste ergänzt.

Vers 612
dhārayantī mukhairvedānpaṭhantī kharvavigrahā |
cintanīyedṛśī devī brahmāṇī sarvakāmadā ||

und rezitiert mit ihren Mündern die Veden; ihre Gestalt ist klein. So soll man die Göttin Brahmani betrachten, die alle Wünsche gewährt.

Vers 613
vadāmi vaiṣṇavīmantramākarṇaya varānane |
tāraṃ namaḥ samuddhṛtya nārāyaṇyai tato vadet ||

Ich nenne Vaishnavis Mantra; höre, Schönangesichtige. Nach Tara und namaḥ soll man »nārāyaṇyai« – »Narayani« – sprechen.

Vers 614
jagatsthitiṃ tataścoktvā kāriṇyai tadanantaram |
kāmabījatrayaṃ coktvā lakṣmībījatrayaṃ tataḥ ||

Dann »jagatsthitikāriṇyai« – »der Erhalterin der Welt« –, danach dreimal das Kama-Bija und dreimal das Lakshmi-Bija.

Anmerkung: Die über den Vers getrennten Wortteile werden für die Bedeutungserklärung zusammengezogen.

Vers 615
pāśabījaṃ kālabījaṃ tataśca viniveśayet |
svāhānto manuruddiṣṭaścaturviṃśākṣarātmakaḥ ||

Danach soll man das Pasha- und das Kala-Bija setzen. Der mit svāhā endende Mantra wird als vierundzwanzigsilbig bezeichnet.

Vers 616
indranīlamaṇiśyāmāṃ phullarājīvalocanām |
koṭiśāradapūrṇendusamānamukharociṣam ||

Sie ist dunkel wie Indranila, mit Augen wie aufgeblühte Lotusse. Ihr Gesicht strahlt wie Millionen herbstlicher Vollmonde.

Vers 617
atyacchadarpaṇībhūtakapoladvayarājitām |
śoṇabimbādharāṃ ratnasphuranmakarakuṇḍalām ||

Ihre beiden Wangen sind klar wie Spiegel, ihre Lippen rot wie Bimba-Früchte. Edelsteinbesetzte Makara-Ohrringe funkeln.

Vers 618
kambugrīvāṃ mahodārāṃ tuṅgavakṣojanamitām |
śrīvatsakaustubhodbhāsivakṣaḥsthalavirājitām ||

Mit einem Hals wie ein Muschelhorn ist sie überaus edel; ihre hohen Brüste lassen sie sich leicht neigen. Shrivatsa und Kaustubha leuchten an ihrer Brust.

Anmerkung: Shrivatsa und Kaustubha sind mit Vishnu verbundene Zeichen, hier an der Göttin beschrieben.

Vers 619
śaṅkhacakragadāpadmadhāribhirdīrghapīvaraiḥ |
caturbhiḥ pallavākārairbāhubhiḥ parirājitām ||

Vier lange, volle, knospenzarte Arme schmücken sie; sie tragen Muschelhorn, Wurfscheibe, Keule und Lotus.

Vers 620
āpādapadmalambinyālaṅkṛtāṃ vanamālayā |
kirīṭaratnakeyūramañjīrādibhirujjvalām ||

Eine bis zu den Lotusfüßen reichende Waldblumengirlande schmückt sie; Krone, Edelsteine, Oberarmspangen, Fußreifen und weiterer Schmuck lassen sie erstrahlen.

Vers 621
pītāmbaradharāṃ devīṃ bhaktānāmabhayapradām |
garuḍāsanamārūḍhāṃ mandamandasmitādharām ||

Die Göttin trägt gelbe Gewänder und schenkt ihren Verehrern Furchtlosigkeit. Sie reitet auf Garuda, ihre Lippen lächeln sanft.

Vers 622
pakṣābhyāṃ dīrghapīnābhyāṃ pṛthucañcvāvṛtānanam |
hemābhaṃ garuḍaṃ dhyāyedārūḍhā hi vaiṣṇavī ||

Garuda soll man goldglänzend meditieren, mit zwei langen, kräftigen Flügeln und einem großen Schnabel, der sein Gesicht bestimmt; auf ihm reitet Vaishnavi.

Vers 623
atha māheśvarīmantraṃ samāsātprabravīmi te |
yasyaikavārasmaraṇānnirvāṇamapi labhyate ||

Nun nenne ich dir kurz Maheshvaris Mantra, durch dessen einmalige Erinnerung sogar Nirvana erlangt werden soll.

Vers 624
tāraprāsādapīyūṣapāśalajjāramāruṣaḥ |
māheśvarīpadaṃ devi proccarettadanantaram ||

Tara, Prasada, Piyusha, Pasha, Lajja, Rama und Rush; danach soll man den Namen Maheshvari aussprechen, Göttin.

Anmerkung: Rush, »Zorn«, bleibt die Bija-Bezeichnung der Quelle.

Vers 625
śāṅkaraṃ śāmbhavaṃ vyoma kūṭatrayamudāharet |
bhujaṅgataḍinmeghaśākinīratikālikāḥ ||

Dann sind die drei Kutas Shankara, Shambhava und Vyoma zu nennen; danach Bhujanga, Tadit, Megha, Shakini, Rati und Kalika –

Vers 626
caṇḍakālāmṛtapretānyugalaṃ kavacāstrayoḥ |
triṃśadarṇātmako mantraḥ svāhāsaṃvalito bhavet ||

Chanda, Kala, Amrita und Preta sowie je zweimal Kavacha und Astra. Mit svāhā verbunden soll der Mantra dreißig Silben haben.

Anmerkung: Keine eigenständige Silbenzählung aus unaufgelösten Kutas vorgetäuscht.

Vers 627
idānīṃ vyāharāmyasyā dhyānaṃ sattvaguṇojjvalam |
himānīśailasaṅkāśāmatipītajaṭābharām ||

Nun beschreibe ich ihre Meditation, leuchtend im Sattva-Guna: Sie gleicht einem Schneeberg und trägt sehr gelbe Haarflechten.

Anmerkung: Die Quelle beschreibt ausdrücklich Sattva; ihre zugleich furchtbaren Züge werden nicht deshalb ausgelassen.

Vers 628
ghanāghanābhanāgendraparibaddhajaṭācayām |
jaṭājūṭocchaladgaṅgājalakallolamālitām ||

Eine große Schlange dunkel wie eine dichte Wolke umwindet ihre Haarflechten. Wogen des Gangeswassers, die aus dem Haarknoten hervorquellen, umgeben sie wie eine Girlande.

Vers 629
pañcavaktrāṃ galacchāyajitakajjalarociṣam |
himāṃśuśakaloddīptapañcabhālāṃ hasanmukhīm ||

Sie hat fünf Gesichter und einen Hals, dessen Dunkelheit Kajal übertrifft. Mondsicheln erhellen ihre fünf Stirnen, und ihre Gesichter lächeln.

Anmerkung: Die erste dunkle Halsverbindung ist im OCR unsicher; der Bezug auf gala, Hals, wird vorsichtig bewahrt.

Vers 630
pratibhālaparividyotitritrilocanasaṅgatām |
bhālatṛtīyanetrodyadvahnijvālāsamākulām ||

An jeder Stirn leuchtet eines von jeweils drei Augen; Flammen steigen aus den dritten Stirnaugen empor und umgeben sie.

Anmerkung: Die verdoppelte Drei-Zuordnung wird sinngemäß als drei Augen je Gesicht verstanden.

Vers 631
kapolamaṇḍalodyotiśuddhasphaṭikakuṇḍalām |
śubhravāsukināgendralasadyajñopavītinīm ||

Reine Bergkristallohrringe lassen ihre Wangen leuchten; der weiße Schlangenkönig Vasuki glänzt als ihre heilige Schnur.

Vers 632
śātakumbhābhanāgendrarucirāṅgadaśobhitām |
atiśoṇabhujaṅgendravilasadratnakaṅkaṇām ||

Goldglänzende große Schlangen bilden ihre schönen Armspangen; tiefrote Schlangen ihre leuchtenden, edelsteingleichen Armreife.

Vers 633
vasānāṃ carma vaiyāghraṃ ratnākalpollasattanum |
māheśvarīṃ samārūḍhāmatiśvetavṛṣopari ||

Maheshvari trägt ein Tigerfell, ihr Körper glänzt im Edelsteinschmuck; sie reitet auf einem ganz weißen Stier.

Vers 634
daśabāhāṃ vīrabhadranandibhṛṅgipuraḥsarām |
viṣṇurūpaṃ śavaṃ ghoraṃ triśūlaṃ paraśumeva ca ||

Sie hat zehn Arme, Virabhadra, Nandi und Bhringi gehen ihr voran. Einen furchtbaren Leichnam in Vishnus Gestalt, Dreizack und Axt –

Anmerkung: Die Lesung paraśu ist im OCR beschädigt; nicht mit dem gleichfalls möglichen Wort paśu als sichere Lesung vermischt.

Vers 635
akṣamālāṃ varaṃ dakṣe kare saṃvibhratīṃ parām |
pinākaṃ nāgapāśaṃ ca mṛgaṃ ḍamarumeva ca ||

Gebetskette und Gewährungsgeste trägt die Höchste rechts. Pinaka-Bogen, Schlangenschlinge, Antilope und Damaru –

Vers 636
abhayaṃ dadhatīṃ vāme pramathādigaṇairvṛtām |
itthaṃ vicintya manasā nyasedaṅgeṣu sādhakaḥ ||

und die Furchtlosigkeitsgeste trägt sie links, umgeben von Pramathas und weiteren Scharen. Nach solcher geistigen Betrachtung soll der Sadhaka sie in den Gliedern einsetzen.

Vers 637
athendrāṇīmanuṃ vakṣye mātṛmaṇḍalamadhyagām |
yadārādhanato lokaḥ sadyaḥprāpnoti devatām ||

Nun werde ich den Mantra Indranis nennen, die im Kreis der Mütter gegenwärtig ist. Durch ihre Verehrung soll der Mensch unmittelbar Göttlichkeit erlangen.

Anmerkung: Die Quelle wechselt grammatisch vom Mantra zur Göttin; im Deutschen aufgelöst, ohne zusätzlichen Inhalt.

Vers 638
praṇavaṃ samanuddhṛtya vadellajjāramāruṣaḥ |
indrāṇi tadanuddhṛtya māyāyugmaṃ tato vadet ||

Nach Pranava soll man Lajja, Rama und Rush sprechen, dann »indrāṇi« setzen und zweimal Maya sprechen.

Vers 639
haṃ haṃ tataḥ samuccārya kṣetrapālyaṃ tataḥ |
astratrayāntasaṃyuktaḥ śiromantreṇa pārvati ||

Danach soll man »haṃ haṃ« aussprechen und die Kshetrapala-Komponente setzen; am Ende stehen dreimal Astra und der Shiras-Mantra, Parvati.

Anmerkung: Die Kshetrapala-Bezeichnung ist in der OCR verkürzt beziehungsweise beschädigt; keine konkrete Bija-Silbe ergänzt.

Vers 640
aṣṭādaśākṣaro mantraḥ sarvasiddhipradāyakaḥ |
dhyānaṃ nirucyamānaṃ tvaṃ samākarṇaya pārvati ||

Der achtzehnsilbige Mantra soll alle Siddhis verleihen. Höre nun die beschriebene Meditation, Parvati.

Vers 641
kailāsācalasaṅkāśatuṅgairāvatasaṃsthitā |
nīlotpaladalaśyāmā kavacāvṛtavigrahā ||

Sie sitzt auf dem hohen Airavata, der dem Kailasa-Berg gleicht; dunkel wie ein blaues Lotusblatt, ist ihr Körper von einem Panzer bedeckt.

Vers 642
raktāmbaraparīdhānā pīvarā kharvavigrahā |
anarghyaratnaghaṭitacalacchravaṇakuṇḍalā ||

Sie trägt rote Gewänder und hat eine kräftige, kleine Gestalt. Ohrringe aus kostbaren Edelsteinen schwingen an ihren Ohren.

Vers 643
sarvāṅgavyāptaśoṇābjasahasranayanojjvalā |
caturbhujā mahāpīnottuṅgavakṣojamaṇḍitā ||

Tausend Augen wie rote Lotusse leuchten über ihren ganzen Körper. Sie hat vier Arme und sehr volle, hohe Brüste.

Vers 644
bāhubhyāṃ dakṣavāmābhyāṃ sthitābhyāmupari kramāt |
kuliśaṃ kheṭakaṃ cāpi bibhratī samarotsukā ||

In der oberen rechten und linken Hand trägt sie der Reihe nach Vajra und Schild, kampfbereit.

Vers 645
vāmenāsphālayantī ca gaṇḍaṃ karipatermahat |
dakṣeṇa bāhunā kumbhaṃ dadhatī dadatī śṛṇim ||

Links schlägt sie auf die große Wange des Elefanten; rechts wird das Halten beziehungsweise Lenken an seinem Stirnhöcker mit dem Haken beschrieben.

Anmerkung: Die rechte-Hand-Anweisung ist grammatisch beschädigt: kumbha und śṛṇi sind lesbar, die genaue Handlung bleibt unsicher. Keine zusätzliche Hand oder ein weiteres Gefäß rekonstruiert.

Vers 646
caturdanto madonmattastuṣārācalasannibhaḥ |
airāvato'pi dhyātavyo yamindrāṇī samāśritā ||

Auch Airavata soll meditiert werden: vierstoßzähnig, von Wildheit erfüllt und einem Schneeberg gleich. Auf ihm sitzt Indrani.

Vers 647
athāto harasiddhāyā mantraṃ te vyāharāmyaham |
pūrvaṃ mayārādhiteyaṃ bahusiddhimabhīpsatā ||

Nun erkläre ich dir Harasiddhas Mantra. Einst habe ich sie selbst verehrt, als ich zahlreiche Siddhis begehrte.

Anmerkung: Mahakala spricht in der ersten Person; keine historische Autobiographie.

Vers 648
ataḥ prasiddhiṃ samprāptā mannāmnaiva varānane |
praṇavaṃ vāgbhavaṃ bījaṃ māyābījaṃ tataḥ param ||

Deshalb wurde sie unter meinem Namen bekannt, Schönangesichtige. Pranava, Vagbhava-Bija und danach Maya-Bija –

Anmerkung: Beginn der Mantra-Reihe.

Vers 649
kamalāṃ mānmathaṃ bījaṃ kālīpāśāṅkuśā api |
caṇḍakrodhamahākrodhaphetkārīśākinī api ||

Kamala, das Manmatha-Bija, Kali, Pasha, Ankusha, Chanda, Krodha, Mahakrodha, Phetkari und Shakini –

Vers 650
harasiddhi tataḥ procya sarvasiddhimitīrayet |
kuruyugmaṃ dehiyugaṃ dāpayadvitayaṃ punaḥ ||

dann soll man »harasiddhi sarvasiddhim« sprechen, gefolgt von je zweimal »kuru«, »dehi« und »dāpaya«: »Harasiddhi, bewirke alle Siddhi, gewähre sie, lasse sie gewähren!«.

Vers 651
krodhatrayaṃ samuddhṛtya dviphaḍante'gnivallabhā |
dvicatvāriṃśavarṇo hi mantraḥ sarvottamottamaḥ ||

Nach dreimal Krodha und zweimal phaṭ steht Agnivallabha, svāhā, am Ende. Dieser höchste der vorzüglichen Mantras hat nach der Quelle zweiundvierzig Laute.

Vers 652
dhyānaṃ cāsyāḥ pravakṣyāmi yatkṛtvā nyāsamācaret |
haritālasamābhāsalocanatrayabhūṣitām ||

Ich erkläre ihre Meditation, nach der man den Nyasa ausführen soll: Drei Augen, leuchtend wie gelbes Haritala, schmücken sie.

Anmerkung: Haritala ist hier ein Farbvergleich, keine Stoffanwendung.

Vers 653
pādālambijaṭābhārāṃ naramuṇḍakṛtasrajam |
barhapicchakṛtodagrakāñcīkiṅkiṇimaṇḍitām ||

Ihre schweren Haarflechten reichen bis zu den Füßen; ihre Girlande besteht aus Menschenköpfen. Ein auffälliger Pfauenfedergürtel und Glöckchen schmücken sie.

Vers 654
śārdūlacarmaracitakañcukyāvṛtavakṣasam |
śavopari samārūḍhāmīṣatkampitamastakām ||

Ein Brustgewand aus Tigerfell bedeckt ihren Oberkörper. Sie steht auf einem Leichnam, ihr Kopf zittert leicht.

Vers 655
caladoṣṭhapuṭāṃ bāhucatuṣkena virājitām |
barhiṇaṃ […] vāmato bibhratīṃ śubhām ||

[Lesbares Fragment:] Ihre Lippen bewegen sich, vier Arme schmücken sie. Links trägt die Heilvolle einen Pfau und einen weiteren Gegenstand.

Anmerkung: Fragment: Der zweite Gegenstand ist im OCR nicht zuverlässig lesbar; keine Schädelschale aus bloßer Erwartung eingesetzt.

Vers 656
khaḍgaṃ ca karttakāṃ dakṣe yogapaṭṭakṛtasrajam |
atha phetkāriṇīmantraṃ vyāharāmi tava priye ||

Rechts trägt sie Schwert und Messer, mit einem Yoga-Band umwunden. Nun erkläre ich dir Phetkarinis Mantra, Geliebte.

Anmerkung: Die Verbindung yogapaṭṭakṛtasraj ist ungewöhnlich; als umgelegtes Band, nicht als besondere erfundene Girlandenart verstanden.

Vers 657
sadyaḥ kaviryadgrahaṇādrājā vāpi prajāyate |
praṇavāṅkuśasauparṇaphetkārīkrodhayoginīḥ ||

Durch seinen Empfang soll man unmittelbar zum Dichter oder König werden. Pranava, Ankusha, Suparna, Phetkari, Krodha und Yogini –

Vers 658
bījānyuddhṛtya phetkāripadaṃ proktvā vadettataḥ |
dahayugmaṃ dehi tato dāpayeti padaṃ vadet ||

nach diesen Bijas soll man »phetkāri« sprechen, dann zweimal »daha« – »Verbrenne!« –, »dehi« – »Gib!« – und »dāpaya« – »Lasse geben!«.

Vers 659
svāhānto manurājo'yaṃ viṃśatyakṣarikaḥ priye |
dhyānamasyā bruve nābheradho manujasannibhām ||

Dieser mit svāhā endende König der Mantras hat zwanzig Silben, Geliebte. Ich beschreibe ihre Meditation: Unterhalb des Nabels gleicht sie einem Menschen –

Vers 660
ūrdhvaṃ gomāyusadṛśīṃ tadākārāṃ mukhaśriyām |
adho jāmbūnadanibhāmūrdhvaṃ raktāsitaprabhām ||

oberhalb einem Schakal, auch ihr Gesicht hat dessen Gestalt. Unten glänzt sie wie Gold, oben rötlich-schwarz.

Anmerkung: Die Gesichtsverbindung ist beschädigt; die Mensch-Schakal-Gestalt ist klar.

Vers 661
pṛṣṭhe lūmayutāṃ nagnāṃ kurvantīṃ pheravaṃ ravam |
śivākāraṃ bāhuyugaṃ bibhratīṃ […] ||

[Lesbares Fragment:] Sie hat einen Schwanz am Rücken, ist nackt und lässt einen Schakallaut hören. Ihre beiden Arme haben Schakalgestalt.

Anmerkung: Fragment: Die nähere Bestimmung der Arme am Versende ist beschädigt; keine Gegenstände oder Glieder ergänzt.

Vers 662
prasuptaśavapṛṣṭhasthāṃ yogapaṭṭaniṣeduṣīm |
śivābhirghorarūpābhirvāmadakṣiṇato vṛtām ||

Auf dem Rücken eines liegenden Leichnams sitzt sie mit einem Yoga-Band; links und rechts umgeben sie furchtbare Schakalinnen.

Vers 663
atha bravīmi lavaṇeśvaryā mantraṃ kalāṇikam |
ādau caitanyakamale pāśaprāsādakau tataḥ ||

Nun nenne ich Lavaneshvaris glückverheißenden Mantra. Zuerst Chaitanya und Kamala, danach Pasha und Prasada –

Anmerkung: Das Adjektiv des Mantras ist im OCR beschädigt; »glückverheißend« ist vorsichtige sinngemäße Wiedergabe.

Vers 664
[…] bhūtapretaḍākinyo yoginī vanitā tathā |
mānasaṃ vajrabhāruṇḍe kapālaṃ ca kulāṅganā ||

[Lesbare Teile:] Bhuta, Preta, Dakini, Yogini und Vanita; Manasa, Vajra, Bharunda, Kapala und Kulangana.

Anmerkung: Fragment: Der erste Lautname und teilweise die Worttrennung sind beschädigt. Die Reihe bleibt verschlüsselt; keine konkrete Silbenfolge ergänzt.

Vers 665
traivarṇikaḥ sarvaśeṣe mahāmantro'yamīritaḥ |
sāmprataṃ dhyānamākhyāsye yatkṛtvā nyāsamācaret ||

Ganz am Ende steht der als dreilautig bezeichnete Abschluss; so wird dieser große Mantra angegeben. Nun beschreibe ich die Meditation, nach der man den Nyasa ausführt.

Anmerkung: Traivarṇika bleibt eine nicht sicher aufgelöste Abschlussbezeichnung; keine Formel aus Vermutung ergänzt.

Vers 666
ratnasiṃhāsanārūḍhāṃ dūrvādalasamadyutim |
baddhāñjalipuṭaiḥ saptasāgarai ratnapāṇibhiḥ ||

Sie sitzt auf einem Edelsteinthron und hat den Glanz von Durva-Blättern. Die sieben Meere, mit gefalteten Händen und Edelsteinen in den Händen –

Anmerkung: Personifizierte Meere; Fortsetzung in Vers 667.

Vers 667
vihāya sammukhaṃ dikṣu vidikṣu pariveṣṭitām |
netradāsaktahastena dhanadena purojuṣā ||

umgeben sie in Haupt- und Zwischenrichtungen, die Vorderseite freilassend. Vor ihr steht Dhanada mit einer am Auge beziehungsweise Augenpaar liegenden Hand –

Anmerkung: Die Handgebärde netradāsaktahasta ist beschädigt und nicht eindeutig; keine sichere Gestik erfunden.

Vers 668
sevitāṃ prajvalanmaulimaṇibhirnāganāyakaiḥ |
aṣṭabhirnidhibhiścāpi mahāpadmādibhirvṛtām ||

und dient ihr, ebenso die Naga-Herren mit leuchtenden Stirnjuwelen. Die acht Schätze, beginnend mit Mahapadma, umgeben sie.

Anmerkung: Die hier genannte Achtzahl wird nicht zu einer anderen Nidhi-Systematik ergänzt.

Vers 669
caturbhujāṃ ratnakumbhābhaye savyabhujadvaye |
akṣamālāvare dakṣe bhujayugmeṣu bibhratīm ||

Sie ist vierarmig: links trägt sie einen Edelsteinkrug und zeigt Furchtlosigkeit; rechts hält sie die Gebetskette und zeigt Gewährung.

Vers 670
muktāhāraparikṣiptāṃ dravyasiddhividhāyinīm |
nyāsaṃ samācareddevi dhyātvetthaṃ lavaṇeśvarīm ||

Perlenketten umgeben sie, und sie gewährt die Verwirklichung materieller Mittel. Göttin, nach solcher Meditation über Lavaneshvari soll man den Nyasa ausführen.

Anmerkung: Dravyasiddhi wird nicht auf einen einzigen ungenannten Stoff oder Geldbetrag festgelegt.

Vers 671
athāto nākulīṃ vakṣye mahāvidyāṃ jayapradām |
sarvādiprakṛterādau saptānte caturastathā ||

Nun erkläre ich Nakuli, die große Vidya, die Sieg verleiht. Aus der ursprünglichen Grundform sollen zunächst sieben, am Ende vier –

Anmerkung: Die verschlüsselte Entnahme-Anweisung setzt sich in Vers 672 fort; der Ausgangstext wird nicht sicher ausgeschrieben.

Vers 672
tyaktvā mādhyamikabhūtamitaṃ mantro mahāphalaḥ |
kapotagaladehābhā pīnorojā digambarā ||

ausgelassen werden; das in der Mitte Verbleibende ergibt den Mantra von großer Wirkung. Ihr Körper hat die Farbe eines Taubenhalses; sie hat volle Brüste und ist unbekleidet.

Anmerkung: Die Grammatik der ersten Hälfte ist beschädigt, die Entnahmevorschrift nur teilweise verständlich. Keine daraus rekonstruierte Mantraformel.

Vers 673
muktapādālambijaṭājūṭabhārā bhayaṅkarā |
babhrau niṣeduṣī śūcyākāratuṇḍī kharasvarā ||

Ihre losen schweren Haarflechten reichen bis zu den Füßen; sie ist furchterregend. Sie sitzt auf einem Babhru-Tier, hat eine nadelförmige Schnauze und eine raue Stimme.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält śūcyākāra, „nadelförmig“. Babhru wird im Nakuli-Kontext als mangustenartiges Tier verstanden, ohne sichere zoologische Bestimmung. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6632–6636. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 674
sitalūtājālācchāditordhvaśiroruhā |
kapālamālābharaṇā tvasthikāñciguṇojjvalā ||

Ein weißes Spinnengewebe bedeckt ihr aufgerichtetes Haar. Eine Schädelgirlande schmückt sie, und ein Knochengürtel glänzt an ihrer Hüfte.

Anmerkung: Lūtājāla, „Spinnengewebe“, ist in der älteren Fassung trotz einer Wortverdoppelung erkennbar. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6636–6643; deren Kapitelzählung 248.

Vers 675
lambamānaśivāpotakuṇḍaladvayaśobhitā |
ardhacandrasamudbhāsi […] lalāṭikā ||

[Lesbare Teile:] Zwei herabhängende Schakaljunge schmücken sie als Ohrringe; die Mondsichel leuchtet auf ihrer Stirn.

Anmerkung: Fragment: Eine weitere Bestimmung der Stirn ist beschädigt.

Vers 676
daṇḍākāritayordakṣavāmayorbhujayugmayoḥ |
bibhratī kālabhujagau dīrghadaṃṣṭrākarālinī ||

In rechtem und linkem Arm hält sie zwei schwarze Schlangen wie Stäbe; lange Fangzähne machen ihren Anblick furchtbar.

Vers 677
parasparaṃ tyaktavairairuragairnakulairapi |
saṃveṣṭitā caturdikṣu mahāraṇyakṛtālayā ||

Schlangen und Mangusten, die ihre gegenseitige Feindschaft abgelegt haben, umgeben sie in den vier Richtungen. Ihr Wohnort ist der große Wald.

Vers 678
sāmprataṃ mṛtyuhāriṇyā mantradhyāne bravīmi te |
mṛtyuñjayaprāṇamantre uddhṛtā yā navākṣarī ||

Nun beschreibe ich dir Mrityuharinis Mantra und Meditation. Die neunsilbige Formel, die beim Mrityunjaya-Prana-Mantra erschlossen wurde –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 679; die erwähnte Formel wird hier nicht erneut ausgeschrieben.

Vers 679
nāsyā nyāsaṃ tayā kuryādanyena prabravīmi te |
tāramāye ramākālau […] caturakṣarī ||

[Teilweise lesbar:] mit ihr soll man den Nyasa dieser Göttin nicht ausführen, sondern mit einem anderen Mantra, den ich dir nenne: Tara, Maya, Rama und Kala; anschließend wird eine vierlautige Gruppe genannt.

Anmerkung: Fragment: Die Bezeichnung dieser vierlautigen Gruppe ist beschädigt. Die ausdrückliche Unterscheidung der zwei Mantras bleibt erhalten.

Vers 680
prāsādapretabhairavyaḥ kūṭaṃ śāmbhavameva ca |
kūṭaṃ ca paramātmīyaṃ vihāyaitacchucismite ||

Prasada, Preta und Bhairavi sowie Shambhava-Kuta und ein zur höchsten Selbstwirklichkeit gehörendes Kuta; dieses Letztere auslassend, du mit dem reinen Lächeln –

Anmerkung: Die Auslassungsanweisung und der genaue Name des letzten Kuta sind nicht sicher aufzulösen.

Vers 681
vilomarītyā pravadettānyeva dvādaśāni hi |
pañcaviṃśākṣaro mantro mṛtyormṛtyukaraḥ smṛtaḥ ||

soll man dieselben zwölf Bestandteile in umgekehrter Reihenfolge sprechen. Der fünfundzwanzigsilbige Mantra gilt als »Tod des Todes«.

Anmerkung: Die Zahl der Bestandteile wird als Quellenangabe übernommen, nicht durch eine rekonstruierte Silbenkette abgesichert.

Vers 682
ācaredamunā nyāsamidānīṃ dhyānamīraye |
himānīkūṭasadṛśīmīśvarīṃ deharociṣā ||

Mit ihm soll man den Nyasa ausführen. Nun nenne ich die Meditation: Der Körperglanz der Herrin gleicht einem Schneeberg.

Vers 683
uttānakuṇapākārakālamṛtyūpari sthitām |
caturvedākārayogapaṭṭajānudvayāṅkitām ||

Sie befindet sich über Kala und Mrityu, die wie auf dem Rücken liegende Leichname erscheinen. Ein Yoga-Band in Gestalt der vier Veden umfasst ihre beiden Knie.

Anmerkung: Die Doppelgestalt Kala/Mrityu wird nicht stillschweigend auf einen einzelnen Körper reduziert.

Vers 684
sitasūkṣmāmbaradharāṃ smerānanasaroruhām |
jñānaraśmicchaṭāṭopavidyotitatanumaṇḍalām ||

Sie trägt ein feines weißes Gewand, ihr Lotusgesicht lächelt; eine Fülle von Erkenntnisstrahlen lässt ihren Körper leuchten.

Vers 685
prauḍhāṅganārūpadharāmuttuṅgastanamaṇḍalām |
vibhūṣitāṃ yāvadekayoṣidbhūṣaṇasañcayaiḥ ||

Sie hat die Gestalt einer reifen Frau mit hohen Brüsten und ist mit der ganzen Fülle weiblichen Schmucks ausgestattet.

Vers 686
vidyābhiraṣṭādaśabhirnibaddhāñjalibhiḥ sadā |
sevyamānāṃ caturdikṣu hasantīṃ tāṃ nirīkṣya ca ||

Die achtzehn Vidyas dienen ihr mit gefalteten Händen in den vier Richtungen; sie blickt auf sie und lächelt.

Anmerkung: Personifizierte Wissensgebiete; der Vers zählt die achtzehn nicht einzeln auf.

Vers 687
caturbhujāṃ sudhākumbhapustake vāmahastayoḥ |
dakṣayorakṣamālāṃ ca mudrāṃ vyākhyānaśālinīm ||

Sie ist vierarmig: links trägt sie Nektarkrug und Buch, rechts Gebetskette und die Gebärde des Erklärens.

Vers 688
dadhatīṃ sarvadā dhyāyeddevīṃ tāṃ mṛtyuhāriṇīm |
athāta ekapañcāśattamā vai kāmakālikā ||

So soll man die Göttin Mrityuharini stets meditieren. Nun folgt als einundfünfzigste Kamakalika –

Abschluss des sechsfachen Nyasa

Verschiedene Überlieferungen der Kamakala-Mantras, die Widmung des Nyasa, eine Bali-Anrufung und die versprochenen Wirkungen beschließen das Kapitel.

Vers 689
nyasanīyā sarvadehavyāpakatvena pārvati |
dhyānaṃ pūrvoktamevātra kartavyaṃ prathamaṃ budhaiḥ ||

sie ist, Parvati, als den ganzen Körper durchdringend einzusetzen. Die Kundigen sollen zunächst die bereits früher erklärte Meditation ausführen.

Anmerkung: Die Lesung sarvadeha ist aus beschädigter OCR normalisiert; keine neue Körperstellenliste ergänzt.

Vers 690
tatastattvamitā mantrā nyasanīyāḥ krameṇa hi |
sarvāmnāyāḥ saptadaśyāḥ prathamaṃ samudīrayet ||

Dann sollen der Reihe nach die Mantras in der Zahl der Tattvas eingesetzt werden. Zuerst soll man die siebzehnsilbige Formel der gesamten Überlieferung sprechen.

Anmerkung: Die genaue Verbindung sarvāmnāyāḥ saptadaśyāḥ ist beschädigt. Der folgende Text nennt sowohl 25 als auch 24 Mantras; keine stille Harmonisierung.

Vers 691
vyāpakaṃ mātṛkāvarṇaṃ sahāmnāyanikasya ca |
jaghanye hṛnmanurdevi madhye tu manavo'khilāḥ ||

Beim den ganzen Körper umfassenden Nyasa steht ein Matrika-Laut zusammen mit der überlieferten Formel, am Schluss der Herz-Mantra, Göttin; dazwischen stehen die jeweiligen Mantras.

Anmerkung: Die technische Satzverbindung ist verkürzt und unsicher. Kein vollständiges ausführbares Lautschema ergänzt.

Vers 692
ekaikenaikavāraṃ hi vidadhyādvyāpakaṃ budhaḥ |
pañcaviṃśatibhiścaivaṃ manubhiḥ pṛthagīritaiḥ ||

Mit jedem einzelnen soll der Kundige einmal den umfassenden Nyasa ausführen; so mit den fünfundzwanzig getrennt gesprochenen Mantras –

Anmerkung: Fortsetzung in Vers 693.

Vers 693
vyāpakaṃ tāvatīrvārānnirālasyaḥ samācaret |
athavā nikhilānmantrānuccārya kramaśaḥ priye ||

soll man ohne Nachlässigkeit ebenso viele Durchgänge vollziehen. Oder man spricht alle Mantras der Reihe nach, Geliebte –

Vers 694
namo'nte vyāpakaṃ kuryātpūrvasminphalabhūyatā |
itaratra tataḥ kiñcittāratamyaṃ pracakṣate ||

und führt mit namaḥ am Ende einen umfassenden Nyasa aus. Dem ersten Verfahren wird ein größerer Ertrag zugeschrieben; beim anderen spricht man von einer gewissen Abstufung.

Anmerkung: Die Ertragsbezeichnung phalabhūyatā ist aus beschädigter OCR gelesen.

Vers 695
nṛsiṃhopāsitā vidyā puraḥ saptadaśī matā |
tato nu kapilopāsyā ṣoḍaśārṇā nigadyate ||

Zuerst gilt die von Narasimha verehrte siebzehnsilbige Vidya; danach wird die von Kapila verehrte sechzehnsilbige genannt.

Anmerkung: Der erste Verehrername ist stark beschädigt; nṛsiṃha ist nur eine kontextuelle Lesung und nicht als gesichert anzusehen.

Vers 696
navākṣarī hiraṇyākṣopāsitā tadanantaram |
tato daśārṇā vijñeyā lavaṇopāsitā hi yā ||

Danach die von Hiranyaksha verehrte neunsilbige; anschließend die zehnsilbige, die Lavana verehrte.

Vers 697
vaivasvatamanūpāsyā jñeyā pañcadaśī tataḥ |
navabījātmikā dattātreyopāsyā navākṣarī ||

Dann ist die von Vaivasvata Manu verehrte fünfzehnsilbige zu kennen, danach die neunsilbige aus neun Bijas, die Dattatreya verehrte.

Vers 698
durvāsopāsitā cāpi tataḥ pañcākṣarī matā |
aṣṭādaśākṣaraṃ jñeyaṃ trailokyākarṣaṇaṃ tataḥ ||

Danach die von Durvasas verehrte fünfsilbige; anschließend ist die achtzehnsilbige Trailokyakarshana, »Anziehung der drei Welten«, zu kennen.

Vers 699
manvakṣaro manuḥ paścāduttaṅkopāsitaḥ priye |
tataḥ parā saptadaśī viśvāmitreṇa sevitā ||

Dann folgt der von Uttanka verehrte Mantra mit der als manu bezeichneten Silbenzahl, Geliebte; danach die hohe siebzehnsilbige, die Vishvamitra verehrte.

Anmerkung: Manu ist hier offenbar ein Zahlwort in Chiffre; keine ungesicherte Auflösung zu einer konkreten Zahl.

Vers 700
tata ūnatriṃśadarṇā vidyaurvopāsitā smṛtā |
parāśaropāsitaśca ṣaṣṭhāśakākṣarastataḥ ||

Danach gilt die von Aurva verehrte neunundzwanzigsilbige Vidya; anschließend der von Parashara verehrte Mantra, dessen Silbenzahl beschädigt überliefert ist.

Anmerkung: Die Sanskritform ṣaṣṭhāśakākṣara ist nicht zuverlässig verständlich; keine konkrete Zahl erfunden. Bedeutung des übrigen Verses gesichert.

Vers 701
vidyā trikūṭā tadanu bhagīrathaniṣevitā |
vairocanisamārādhyā tadanu syātṣaḍakṣarī ||

Danach die dreikutaige Vidya, die Bhagiratha verehrte, und anschließend die sechssilbige, die Vairochani verehrte.

Anmerkung: Vairochani bleibt als überlieferter Name ohne ungesicherte Personenidentifikation.

Vers 702
khyātā mahāṣoḍaśī yā saṃvartopāsitā tataḥ |
nāradopāsitā paścājjñeyā pañcadaśākṣarī ||

Danach die als Mahashodashi bekannte, von Samvarta verehrte Vidya; anschließend ist die von Narada verehrte fünfzehnsilbige zu kennen.

Vers 703
yā bījāntaritā śāmbhavādikūṭapuraḥsarā |
saptakūṭātmikā pañcabījena ghaṭitā tathā ||

Sie ist mit Bijas durchsetzt und beginnt mit Shambhava und weiteren Kutas; eine aus sieben Kutas bestehende Form ist mit fünf Bijas zusammengefügt –

Anmerkung: Die Beziehung der beiden Beschreibungen zur nachfolgenden Mahasaptadashi ist nicht vollständig eindeutig; keine zusätzliche eigenständige Formel gezählt.

Vers 704
khyātā mahāsaptadaśī garuḍopāsitā tathā |
vakṣyamāṇakrameṇāpi yā tu saptadaśī tataḥ ||

bekannt als Mahasaptadashi und von Garuda verehrt. Danach folgt jene siebzehnsilbige, deren Abfolge noch erklärt werden wird.

Anmerkung: Rück- beziehungsweise Vorverweis der Quelle; keine fehlende Formel ergänzt.

Vers 705
kāmadagdhopāsitā ca tataḥ saptākṣarī matā |
bhṛgūpāsyatayā khyātastata ekādaśākṣaraḥ ||

Danach gilt die von Kamadagdha verehrte siebensilbige Formel; anschließend die als von Bhrigu verehrt bekannte elfsilbige.

Anmerkung: Zweite Halbzeile nach der älteren Fassung: Bhrigu und elf Silben. e liest beschädigt siebzehn. Kamadagdha bleibt die unsichere Quellenform. Keine Silbenformel daraus rekonstruiert. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6712–6715. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 248.

Vers 706
caturdaśārṇastadanu kārtavīryeṇa sevitaḥ |
pañcākṣarī pṛthūpāsyā tatpaścādanukīrtyate ||

Danach der vierzehnsilbige, den Kartavirya verehrte; anschließend wird die von Prithu verehrte fünfsilbige genannt.

Vers 707
dvāviṃśākṣarikaḥ paścāddhanūmatsamupāsitaḥ |
śatākṣarasahasrārṇau sarvopāsyau tataḥ param ||

Dann der von Hanuman verehrte zweiundzwanzigsilbige; zuletzt der hundert- und der tausendsilbige, die von allen verehrt werden.

Vers 708
caturviṃśamitā evaṃ mantrāḥ vyāpakakarmaṇi |
dhyānaṃ caiṣāmekameva yatpūrvaṃ gaditaṃ tava ||

So sind es vierundzwanzig Mantras für den umfassenden Nyasa. Ihre Meditation ist dieselbe, die dir bereits zuvor erklärt wurde.

Anmerkung: Die Quelle nennt hier 24, in Vers 692 jedoch 25. Beide Angaben bleiben sichtbar; keine fehlende Formel zur Harmonisierung erfunden.

Vers 709
prāṇāyāmaṃ tataḥ kṛtvā ṣaḍaṅgamapi cācaret |
śatamaṣṭottaraṃ japtvā nyāsaṃ devyai samarpayet ||

Danach soll man Pranayama und den sechsgliedrigen Nyasa ausführen, hundertachtmal Japa üben und den Nyasa der Göttin widmen.

Vers 710
vakṣyamāṇena mantreṇa gṛhītakarapuṣkaraḥ |
oṃ sarvaṃ niviṣṭaṃ trailokye trailokyaṃ tvayi viṣṭitam ||

Mit dem folgenden Mantra und in der Hand aufgenommenem Wasser: »Oṃ. Alles ist in den drei Welten enthalten; die drei Welten sind in dir enthalten.

Anmerkung: Die Verbindung karapuṣkara ist als Handwasser verstanden, bleibt aber lokal unsicher.

Vers 711
tvamapyamuṣminnyāse'mba sanniviṣṭāṇurūpiṇī |
trailokyavijayatvena khyāto'yamata eva hi ||

Auch du, Mutter, bist in subtiler Gestalt in diesem Nyasa gegenwärtig. Deshalb ist er als Sieg über die drei Welten bekannt.

Vers 712
niviṣṭo'yaṃ mayi nyāsastripure viśvarūpiṇi |
nyāsastavārpito devi trailokyavijayo mayā ||

Dieser Nyasa ist in mir eingesetzt, Tripura, du Gestalt des Alls. Göttin, ich widme dir diesen Nyasa, den Sieg über die drei Welten.

Anmerkung: Die Anrede Tripure ist grammatisch normalisiert gegenüber der OCR Tripurā.

Vers 713
etenaiva saha tvaṃ ca mayyeva praviśāmbike |
trailokyamakhilaṃ tasmānmadrūpatve pratiṣṭhitam ||

Tritt mit ihm in mich ein, Ambika! Dadurch ist die Gesamtheit der drei Welten in meiner eigenen Gestalt gegenwärtig.

Anmerkung: Die Schlusslesung pratiṣṭhitam ist kontextuell normalisiert.

Vers 714
ahaṃ trailokyarūpaśca tasmādaikyaṃ babhūva tu |
kṛtaṃ nyāsaṃ samarpyaivaṃ baliṃ devyai nivedayet ||

Ich bin von der Gestalt der drei Welten; so ist Einheit geworden.« Nachdem man den vollzogenen Nyasa auf diese Weise gewidmet hat, soll man der Göttin eine Bali-Gabe darbringen.

Anmerkung: Ende der Widmungsformel im ersten Halbvers; die Ritualanweisung folgt im zweiten.

Vers 715
svasvānukramato mantrapūrvaṃ sambhaktibhāvitaḥ |
tāratrapākāmavadhūśākinīḍākinī tathā ||

In der jeweils eigenen Reihenfolge, mit vorausgehendem Mantra und von Hingabe erfüllt. Tara, Trapa, Kama, Vadhu, Shakini und Dakini –

Anmerkung: Beginn der Bali-Formel.

Vers 716
phetkārīpretabhairavyaḥ kūṭaṃ śāmbhavameva ca |
hi bhagavatyuktvā kāli kāmakalāntataḥ ||

Phetkari, Preta, Bhairavi und Shambhava-Kuta; danach wird die Anrede »bhagavati kāli kāmakalā…« genannt: »Erhabene Kali, Kamakala…«.

Anmerkung: Die Verbindung und Reihenfolge der letzten Anreden ist beschädigt; keine vollständige gesicherte Namensformel ausgegeben.

Vers 717
imaṃ baliṃ […] yugaṃ tāvadgṛhṇāpayeti ca |
khādayadvayamābhāṣya bhakṣayadvitayaṃ tataḥ ||

[Lesbare Teile:] »Diese Opfergabe … lasse annehmen!« Dann je zweimal »khādaya« und »bhakṣaya«: »Verzehre! Verzehre!«.

Anmerkung: Fragment: Der erste wiederholte Imperativ ist im OCR unklar; auch gṛhṇāpaya bleibt eine unsichere Form. Keine lückenlose Formel ergänzt.

Vers 718
sarvasiddhiprayacchake vamadagnimukhīrayet |
pherukoṭiṃ samābhāṣya tataḥ parivṛte vadet ||

Man soll »sarvasiddhiprayacchake« – »die du alle Siddhis gewährst!« – und »vamadagnimukhi« – »mit einem Feuer speienden Mund!« – sprechen, dann »pherukoṭi-parivṛte« – »von Millionen Schakalen Umgebene!«.

Anmerkung: Die Flexionsformen sind lokal beschädigt; die Bedeutungen der erkennbaren Anreden sind bewahrt.

Vers 719
hasa jvala prajvala ca dvayaṃ dvayamudīrayet |
krodhāstrayośca dvitayaṃ namaḥ svāhā jaghanyataḥ ||

Je zweimal soll man »hasa« – »Lache!« –, »jvala« – »Flamme!« – und »prajvala« – »Lodere auf!« – sprechen, dann je zweimal Krodha und Astra; zuletzt namaḥ und svāhā.

Vers 720
yatheṣṭaṃ vihareddhīmānpaṭhitvā manunā balim |
saṃhāramudrayā devīṃ hṛdaye vinidhāya ca ||

Nachdem der Kundige den Mantra zur Bali-Gabe gesprochen und die Göttin mit der Samhara-Mudra ins Herz zurückgenommen hat, darf er sich nach Belieben bewegen.

Anmerkung: Die Verbindung paṭhitvā … balim ist verkürzt; im Zusammenhang als Rezitation bei der Gabe verstanden.

Vers 721
iti kāmakalākālyāḥ ṣoḍhānyāso mayeritaḥ |
kintvasya mahimā vaktuṃ mayāpi na hi śakyate ||

Damit habe ich Kamakala-Kalis sechsfachen Nyasa erklärt. Doch seine Größe kann nicht einmal ich beschreiben.

Anmerkung: Die Quelle markiert vaktum ausdrücklich als ergänztes Wort; hier als redaktionelle Ergänzung übernommen.

Vers 722
parvaṇyamuṃ vidhāyeśi vāñchitārthaṃ prasādhayet |
ṣaṇmāsena vidadhatkadāpyapatitaṃ priye ||

Wer ihn an den Fest- beziehungsweise Mondwechseltagen vollzieht, Herrin, soll sein ersehntes Anliegen verwirklichen. Wer ihn sechs Monate lang ohne Ausfall ausführt, Geliebte –

Anmerkung: Die Verbindung ṣaṇmāsena und apatitam ist grammatisch auffällig; die Dauer und die regelmäßige Ausführung sind verständlich.

Vers 723
sākṣāddevaputra eva bhavedbhairava eva vā |
amuṃ nyāsaṃ prakurvāṇaḥ parvaṇyatha sadāpi vā ||

soll wahrhaft ein Göttersohn oder Bhairava selbst werden. Wer diesen Nyasa an Festtagen oder auch stets ausführt –

Vers 724
kasmaicidapi na krudhyānnarme na śapedapi |
na niṣṭhuraṃ ca bhāṣeta na cāpatyamṛtiṃ smaret ||

soll niemandem zürnen, selbst im Scherz keinen Fluch aussprechen und nichts Grausames sagen; auch soll er nicht an den Tod eines Kindes denken beziehungsweise ihn wünschen.

Anmerkung: Narme, »im Scherz«, ist eine kontextuelle Lesung der beschädigten OCR. Der Schluss nennt apatyamṛti, Tod der Nachkommen; die genaue intendierte innere Handlung bleibt unsicher.

Unnummerierter Text
yasmai krudhyātsa mriyate ṣaṇmāsābhyantare naraḥ |

Der Mensch, gegen den sich sein Zorn richtet, soll innerhalb von sechs Monaten sterben.

Anmerkung: Unnummerierter Schluss-Halbvers. Historische Begründung der Zurückhaltung in Vers 724, keine tatsächliche Todesprognose oder Aufforderung zum Verfluchen.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ ṣaḍviṃśatisāhasryāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ ṣoḍhānyāsoddhāro nāmāṣṭamaḥ paṭalaḥ |

Damit endet in der Adinatha zugeschriebenen, als sechsundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Mahakala-Samhita das achte Kapitel mit dem Titel »Erschließung des sechsfachen Nyasa«.

Anmerkung: Zuschreibung und Umfangszahl sind Angaben des Kolophons, keine unabhängig gesicherte Autorschaft oder Bestandszählung dieser Ausgabe.

Kamakala-Khanda, Kapitel 9: Trailokyamohana: der Schutztext

Devi bittet um das Kavacha. Auf Geheimhaltungsregeln und den rituellen Rahmen folgen Schutzanrufungen für die Körperteile und Wirkungsverheißungen. Die zahlreichen beschädigten Bija-Folgen werden als Fragmente bewahrt; lesbare Anrufungen sind übersetzt. Der Kolophon nennt abweichend Trailokyavijaya.

Vers 1
devyuvāca |
mahāyoginmahākāla karuṇāmbunidhe śiva |
ṣoḍhānyāsaḥ śrutastvatto mahāsiddhimahāphalaḥ ||1||

Devi sprach: Großer Yogi, Mahakala, Ozean des Mitgefühls, Shiva! Von dir habe ich den sechsfachen Nyasa gehört, der große Vollendung und große Frucht gewährt.

Anmerkung: Sprecherzeile des Kapitels mitübernommen.

Vers 2
yatnena vidhṛtaścāpi mayā bhaktipravīṇayā |
trailokyamohanaṃ nāma kavacaṃ me'dhunā vada ||2||

Mit Sorgfalt habe ich, in Hingabe geübt, ihn im Gedächtnis bewahrt. Lehre mich nun den Schutzpanzer namens Trailokyamohana, „der die drei Welten bezaubert“.

Anmerkung: Kavacha bezeichnet hier den rituellen Schutztext.

Vers 3
kavacatvena yaddevī śivāyādāt svayaṃ mudā |
tat kīdṛśaṃ hi bhavitā tatra kautūhalaṃ mama ||3||

Wie mag jener Schutzpanzer beschaffen sein, den die Göttin selbst freudig Shiva übergab? Darauf bin ich neugierig.

Vers 4
yadi prasanno'si mayi tadetadvada suvrata |
sarvasmādadhikaṃ hyetat tvayaiva samudīritam ||4||

Wenn du mir wohlgesinnt bist, so sage es mir, du mit den guten Gelübden. Du selbst hast ja erklärt, dass es alles andere überragt.

Vers 5
nityamāmuñcasi tvaṃ ca jāto mama tadāgrahaḥ |
mahākāla uvāca |
mayaiva doṣo deveśi mahāṃste nāṇurapyaho ||5||

Du selbst legst es immer an; deshalb ist in mir das Verlangen danach entstanden. Mahakala sprach: Bei mir allein liegt der große Fehler, Herrin der Götter; bei dir liegt nicht der geringste!

Anmerkung: āmucasi kontextuell zu āmuñcasi normalisiert: „anlegen“. Sprecherwechsel innerhalb der nummerierten Einheit.

Vers 6
yatpūrvameva puratastava tasyā bhidā kṛtā |
no cet kimarthamaprākṣīrato ninde svamātmanā ||6||

Denn schon zuvor habe ich in deiner Gegenwart etwas von diesem Geheimnis enthüllt. Sonst hättest du doch nicht danach gefragt. Deshalb tadle ich mich selbst.

Anmerkung: Die ungewöhnliche Wendung tasyā bhidā kṛtā wird sinngemäß als Öffnung beziehungsweise Enthüllung des Geheimnisses verstanden; Bezug grammatisch unsicher.

Vers 7
mama cetasyabhūditthaṃ tvayedaṃ vismṛtaṃ bhavet |
na vismarantyuktagataṃ striyo hīti śrutiprathāḥ ||7||

Ich hatte gedacht, du würdest es vielleicht vergessen haben. Doch Frauen vergessen das Gesagte nicht – so lautet eine überlieferte Aussage.

Anmerkung: Der Ausdruck ukta-gata ist in der OCR unsicher. Die Verallgemeinerung über Frauen gehört zur Textrede.

Vers 8
tvaṃ hi sarvottamā strīṇāṃ kathaṃ naiva smariṣyasi |
ataḥ paramidaṃ gopyaṃ mayā tvattaḥ kathaṃ bhavet ||8||

Du bist die Höchste unter den Frauen; wie solltest gerade du dich nicht erinnern? Wie könnte ich also dieses höchste Geheimnis vor dir verbergen?

Vers 9
śarīrārdhaṃ ca bhavasi kathamātmani gopanam |
tasmāt tava pravakṣyāmi no cet drakṣyasi māṃ katham ||9||

Du bist die Hälfte meines Leibes. Wie könnte man vor sich selbst etwas verbergen? Darum werde ich es dir erklären; wie könntest du mich andernfalls sehen?

Anmerkung: Versnummer nach der fortlaufenden Folge berichtigt. d rakṣyasi beziehungsweise drakṣyasi ist beschädigt; drakṣyasi nach der ausdrücklichen Herausgeberkonjektur der Quelle, keine gesicherte Lesung. Letzte Frage sinngemäß: Wie könntest du mich dann ansehen?

Vers 10
śraddhāṃ bhaktiṃ tava prekṣya vivakṣā mama jāyate |
devi naitādṛśāḥ kāścit siddhayaḥ santi bhūtale ||10||

Wenn ich deinen Glauben und deine Hingabe sehe, erwacht in mir der Wunsch zu sprechen. Göttin, auf Erden gibt es keine Vollendungen, die nicht –

Anmerkung: Satz setzt sich in Vers 11 fort.

Vers 11
trailokyamohane'dhīte yā na vai syuḥ karasthitāḥ |
punarekaṃ mayā procyamānaṃ devi niśāmaya ||11||

– nach dem Erlernen des Trailokyamohana gleichsam in der Hand lägen. Höre nun, Göttin, noch eines, das ich dir sage.

Anmerkung: Die Verneinung in der ersten Hälfte ist leicht beschädigt; Zusammenhang durch Vers 10 gesichert. Wirksamkeitsbehauptung der Quelle.

Vers 12
karmānurūpaṃ janma syād deho janmani janmani |
dehe dehe tathā prāṇāstathā sarvendriyāṇi ca ||12||

Dem Karma entsprechend kommt es zur Geburt; in jeder Geburt entsteht ein Leib, in jedem Leib die Lebenskräfte und ebenso alle Sinnesvermögen.

Vers 13
teṣu teṣu dhanaṃ rājyaṃ bhogā ratnaṃ striyo gṛham |
sarvaṃ narasya sulabhaṃ na tu trailokyamohanam ||13||

In diesen Geburten sind Reichtum, Herrschaft, Genüsse, Juwelen, Frauen und ein Haus für den Menschen erreichbar – nicht aber das Trailokyamohana.

Anmerkung: Aufzählung aus der männlichen Perspektive der Quelle.

Vers 14
cicchediṣūṇāṃ mūrdhānaṃ sarvasvaṃ dadatāmapi |
rājyaṃ dhanaṃ striyaḥ prāṇānupaḍhaukayatāmapi ||14||

Selbst Menschen, die bereit wären, ihren Kopf abzuschlagen, ihr gesamtes Eigentum hinzugeben oder Herrschaft, Reichtum, Frauen und ihr Leben darzubieten –

Anmerkung: Dramatische Geheimhaltungsrede; Satzfortsetzung in 15. upaḍhaukayata ist eine kontextgestützte Normalisierung des beschädigten Verbs des Darbietens.

Vers 15
sarvathā devi nākhyeyaṃ trisatyaṃ te bravīmyaham |
śiṣyasya siddhiḥ kathite gurostu maraṇaṃ bhavet ||15||

– darfst du es unter keinen Umständen mitteilen, Göttin. Dreifach als Wahrheit sage ich dir: Wird es gelehrt, erlangt der Schüler Vollendung, der Guru aber den Tod.

Anmerkung: Überlieferte Drohung im Zusammenhang der Geheimhaltung, keine Tatsachenbehauptung dieser Ausgabe.

Vers 16
samāsādupadeśo'yaṃ mayā te samudīritaḥ |
mṛtyurna mama tasmāttu upadekṣyāmi suvrate ||16||

Diese Unterweisung habe ich dir in Kürze dargelegt. Mich trifft der Tod nicht; darum werde ich dich unterweisen, du mit den guten Gelübden.

Vers 17
lobhādanye ye pradadyurmṛtyuvaktraṃ viśanti te |
upadeśaṃ vinā ye vai trailokyākarṣaṇasya hi ||17||

Andere, die es aus Habgier weitergeben, treten in den Rachen des Todes. Wer aber ohne Unterweisung in das Trailokyakarshana –

Anmerkung: Trailokyakarshana und Trailokyamohana sind im Text unterschiedliche Bezeichnungen; nicht harmonisiert.

Vers 18
trailokyamohanaṃ nāma paṭhanti kavacaṃ tvidam |
sadyaste maraṇaṃ yānti bhakṣitā yoginīgaṇaiḥ ||18||

– diesen Schutztext namens Trailokyamohana rezitiert, soll sogleich sterben, von Scharen von Yoginis verzehrt.

Anmerkung: Drohung der Textrede, keine heutige Wirkungsbehauptung.

Vers 19
upadekṣyāmi tasmāttvāṃ badhyatāmañjaliḥ priye |
sāvadhānā sthirā bhūtvā gadato'nugadasva me ||19||

Darum werde ich dich unterweisen. Lege die Hände zum Anjali zusammen, Geliebte. Sei aufmerksam und ruhig, und sprich mir nach, während ich vortrage.

Anmerkung: Versnummer in der OCR beschädigt, nach der fortlaufenden Folge normalisiert.

Ritueller Rahmen und Schutzanrufungen

Rishi, Metrum, Gottheit und weitere Zuordnungen leiten die Anrufungen für den Körper ein.

Vers 20
trailokyamohanasyāsya kavacasya maheśvari |
tripurāriṛṣiḥ prokto virāṭ chanda udīritam ||20||

Für diesen Schutztext Trailokyamohana, Maheshvari, gilt Tripurari als Rishi, der Seher; als Metrum wird Viraj genannt.

Anmerkung: Tripurari: Shiva als Gegner der drei Städte.

Vers 21
devī bhagavatī kāmakalākālī prakīrtitā |
fa bījaṃ bījamuddiṣṭaṃ kāmārṇaṃ kīlakaṃ matam ||21||

Als Gottheit wird die erhabene Kamakalakali genannt. Als Bija gilt die Silbe „fa“; als Kilaka, der rituelle Verschluss, gilt der Kama-Laut.

Anmerkung: Der ungewöhnliche Buchstabe फ़ ist in e und dem älteren Paralleltext vorhanden; seine Lautrealisierung und ein möglicher fehlender Nasal sind nicht gesichert. Bhagavati steht in e in Herausgeberklammern, im Paralleltext ohne Klammern. Kein Bija aus Vermutung ergänzt.

Vers 22
yoginī śaktiruddiṣṭā ḍākinī tattvamucyate |
viniyogo'sya kathitaḥ puruṣārthacatuṣṭaye ||22||

Yogini wird als Shakti angegeben; Dakini heißt sein Tattva, sein Wesensprinzip. Seine rituelle Verwendung wird den vier Lebenszielen zugeordnet.

Vers 23
devīkāmakalākālīprītyarthaṃ ca viśeṣataḥ |
śatrukṣayārthaṃ rājyāptyai prayogo'sya varānane ||23||

Insbesondere dient seine Anwendung dem Wohlgefallen der Göttin Kamakalakali, der Vernichtung von Feinden und dem Erlangen von Herrschaft, du Schönangesichtige.

Anmerkung: Historische Ritualziele des Textes.

Vers 24
… śiraḥ pātu … madanāturā |
… lalāṭaṃ pātu … karālinī ||24||

Möge Madanatura meinen Kopf schützen; möge Karalini meine Stirn schützen.

Anmerkung: Fragment: Die Bija-Folgen sind in beiden OCR-Zeugen beschädigt beziehungsweise voneinander abweichend und werden nicht zu einer Rezitationsfassung ergänzt. Die Schutzanrufungen sind lesbar.

Vers 25
… mukhaṃ pātu … caṇḍanāyikā |
… pātu dṛśau … jagadambikā ||25||

Möge Chandanayika mein Gesicht schützen; möge Jagadambika, die Mutter der Welt, meine Augen schützen.

Anmerkung: Fragment: Bija-Folgen beschädigt; Schutzanrufungen übersetzt.

Vers 26
… pātu karṇau … sureśvarī |
… hanū pātu … śmaśāninī ||26||

Möge Sureshvari meine Ohren schützen; möge Shmashanini, die auf dem Verbrennungsplatz weilt, meine Kiefer schützen.

Anmerkung: Fragment: Bija-Folgen beschädigt. Das Körperwort hanu ist leicht beschädigt, als Kiefer verständlich.

Vers 27
… bhruvau pātu kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ pramāthinī |
caṃ chaṃ jaṃ … pātu nāsāṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ bhagākulā ||27||

Möge Pramathini meine Brauen schützen; möge Bhagakula meine Nase schützen. Die lesbaren Lautgruppen lauten: kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ; caṃ chaṃ jaṃ …; ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ.

Anmerkung: Fragment: Nicht alle Laute sind gesichert; ausgelassene Gruppen nicht ergänzt. Bija-Laute haben hier keine eigene wörtliche Bedeutung.

Vers 28
taṃ thaṃ daṃ dhaṃ pātvadharamoṣṭhaṃ paṃ phaṃ ratipriyā |
baṃ bhaṃ yaṃ raṃ pātu dantān laṃ vaṃ śaṃ saṃ ca kālikā ||28||

Taṃ thaṃ daṃ dhaṃ – möge Ratipriya meine Unterlippe schützen – paṃ phaṃ. Baṃ bhaṃ yaṃ raṃ – möge Kalika meine Zähne schützen – laṃ vaṃ śaṃ saṃ.

Anmerkung: Lautgruppierung nach dem besser lesbaren älteren Paralleltext; keine wörtlichen Bedeutungen der Bijas.

Vers 29
… pātu jihvāṃ saṃ śaṃ vaṃ laṃ ratākulā |
vaṃ yaṃ bhaṃ vaṃ ca cibukaṃ pātu phaṃ paṃ maheśvarī ||29||

Möge Ratakula meine Zunge schützen – saṃ śaṃ vaṃ laṃ. Vaṃ yaṃ bhaṃ vaṃ – möge Maheshvari mein Kinn schützen – phaṃ paṃ.

Anmerkung: Fragment: Anfangsgruppe beschädigt. Die auffällige zweimalige vaṃ-Lesung in der zweiten Hälfte ist in beiden Zeugen vorhanden und wird nicht geglättet.

Vers 30
dhaṃ daṃ thaṃ taṃ pātu kaṇṭhaṃ ḍhaṃ ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ bhagapriyā |
… pātu kukṣau ghaṃ gaṃ khaṃ kaṃ mahājaṭā ||30||

Dhaṃ daṃ thaṃ taṃ – möge Bhagapriya meinen Hals schützen – ḍhaṃ ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ. Möge Mahajata meine beiden Bauchseiten schützen – ghaṃ gaṃ khaṃ kaṃ.

Anmerkung: Fragment: Bija-Gruppe zu Beginn der zweiten Hälfte beschädigt; ku kṣau im Kontext als die beiden Bauchseiten verstanden.

Vers 31
… pātu bhujau … madanamālinī |
… rakṣatājjatrū … raktāsavonmadā ||31||

Möge Madanamalini meine Arme schützen; möge Raktasavonmada, die vom Bluttrank Berauschte, meine beiden Schlüsselbeine schützen.

Anmerkung: Fragment: Bija-Folgen beschädigt; Körperwort jatrū durch den Paralleltext gestützt.

Vers 32
… pātu kakṣau me … nidhuvanapriyā |
klāṃ klīṃ klūṃ pātu hṛdayaṃ kleṃ klauṃ muṇḍāvataṃsikā ||32||

Möge Nidhuvanapriya meine Achseln schützen. Klāṃ klīṃ klūṃ – möge Mundavatamsika, mit Köpfen geschmückt, mein Herz schützen – kleṃ klauṃ.

Anmerkung: Fragment: Erste Lautgruppe beschädigt. Zweite Gruppe nach dem besser lesbaren Paralleltext; Vokalzeichen bei kleṃ unsicher.

Vers 33
śrāṃ śrīṃ ca rakṣatu karau śreṃ śrauṃ phetkārarāviṇī |
klāṃ klīṃ klūṃ aṅgulīḥ pātu kleṃ klauṃ ca nāravāhinī ||33||

Śrāṃ śrīṃ – möge Phetkararavini, deren Ruf „phet“ ertönt, meine Hände schützen – śreṃ śrauṃ. Klāṃ klīṃ klūṃ – möge Naravahini, die von einem Menschen getragen wird, meine Finger schützen – kleṃ klauṃ.

Anmerkung: Lesung śrāṃ im älteren Paralleltext deutlicher als in e; Nasal- und Vokalzeichen einzelner Bijas bleiben unsicher. Kein stillschweigendes Auffüllen einer erwarteten sechsteiligen Reihe.

Vers 34
… pātu jaṭharaṃ … saṃhārarūpiṇī |
… rakṣatānnābhiṃ … siddhikarālinī ||34||

Möge Samhararupini, die Gestalt der Auflösung, meinen Bauch schützen; möge Siddhikaralini meinen Nabel schützen.

Anmerkung: Fragment: Die Bija-Gruppen weichen in beiden OCR-Zeugen erheblich voneinander ab; keine gesicherte Gesamtlesung.

Vers 35
strāṃ strīṃ strūṃ rakṣatāt pārśve streṃ strauṃ nirvāṇadāyinī |
… rakṣatāt pṛṣṭhaṃ … jñānaprakāśinī ||35||

Strāṃ strīṃ strūṃ – möge Nirvanadayini, die Nirvana gewährt, meine Seiten schützen – streṃ strauṃ. Möge Jnanaprakashini, die Erkenntnis zum Leuchten bringt, meinen Rücken schützen.

Anmerkung: Fragment: Zweite Bija-Folge beschädigt. Erste Folge mit unsicheren Vokal- und Nasalzeichen; keine sichere Rezitationsvorlage.

Vers 36
kṣāṃ kṣīṃ kṣūṃ rakṣatu kaṭiṃ … nṛmuṇḍamālinī |
glāṃ glīṃ glūṃ rakṣatādūrū gleṃ glauṃ vijayadāyinī ||36||

Kṣāṃ kṣīṃ kṣūṃ – möge Nrimundamalini, die Menschenköpfe als Girlande trägt, meine Hüften schützen. Glāṃ glīṃ glūṃ – möge Vijayadayini, die Sieg verleiht, meine Oberschenkel schützen – gleṃ glauṃ.

Anmerkung: Fragment: Lautgruppe nach dem Körperwort kaṭi beschädigt; Nasalzeichen teils unsicher. e liest Vijayadayini, der Paralleltext Vijayadapini; nicht stillschweigend verschmolzen.

Vers 37
… jānunī pātu … mahiṣamardinī |
prāṃ prīṃ … rakṣatājjaṅghe … mṛtyuvināśinī ||37||

Möge Mahishamardini, die den Büffeldämon bezwingt, meine Knie schützen. Prāṃ prīṃ … – möge Mrityuvinashini, die den Tod vernichtet, meine Unterschenkel schützen.

Anmerkung: Fragment: Bija-Folgen beschädigt, auch die Anfangskonsonanten der ersten Gruppe nicht zuverlässig lesbar.

Vers 38
… caraṇau pātu … saṃsāratāriṇī |
oṃ … siddhikarāli … strīṃ … namaḥ ||38||

Möge Samsaratarini, die über den Samsara hinwegführt, meine Füße schützen. Om … Siddhikarali … strīṃ … Verehrung!

Anmerkung: Fragment: Mehrere Bijas beschädigt. Siddhikarali wird angerufen; keine erfundene wörtliche Bedeutung der übrigen Laute.

Vers 39
sarvasandhiṣu sarvāṅgaṃ guhyakālī sadāvatu |
… siddhi … karāli … svāhā ||39||

Möge Guhyakali stets den ganzen Leib an allen Gelenken schützen. … Siddhi … Karali … Svaha!

Anmerkung: Fragment: Die lange anschließende Bija-Formel ist in beiden Zeugen zu beschädigt für eine verlässliche Lesung. Svaha ist die rituelle Abschlussformel.

Vers 40
rakṣatādghoracāmuṇḍā … kalevaram … |
avyāt sadā bhadrakālī prāṇānekādaśendriyān ||40||

Möge die furchtbare Chamunda den Leib schützen. Möge Bhadrakali stets die Lebenskräfte und die elf Sinnes- und Handlungsvermögen beschützen.

Anmerkung: Fragment: Eingeschobene Lautfolge beschädigt. Die Quelle zählt elf Indriyas; keine Korrektur auf zehn.

Vers 41
… namaḥ |
yatrānuktasthalaṃ dehe yāvattatra ca tiṣṭhati ||41||

… Verehrung! Was immer sich an einer hier nicht genannten Stelle des Körpers befindet –

Anmerkung: Fragment: Die lange vorangestellte Bija-Formel ist beschädigt. Satz wird in 42 fortgesetzt.

Vers 42
uktaṃ vā'pyathavānuktaṃ karāladaśanāvatu |
… phaṭ namaḥ svāhā ||42||

– sei es genannt oder ungenannt: Möge Karaladashana, die mit den furchtbaren Zähnen, es schützen. … Phaṭ, Verehrung, Svaha!

Anmerkung: Fragment: Bija-Formel zwischen Anrufung und Abschluss stark beschädigt; die lesbaren Abschlussworte werden bewahrt.

Vers 43
sarvamāpādakeśāgraṃ kālī kāmakalāvatu ||43||

Möge Kali Kamakala alles schützen, von den Füßen bis zu den Haarspitzen.

Anmerkung: Nummerierter Halbvers der Quelle.

Wirkungsverheißungen und Weitergabe

Der Text preist das Kavacha durch außergewöhnliche Schutz- und Erfolgsverheißungen und schließt mit einer Überlieferungskette und Regeln der Geheimhaltung.

Vers 44
etatte sarvamākhyātaṃ yanmāṃ tvaṃ paripṛcchasi |
etena kavacenaiva yadā bhavati guṇṭhitaḥ ||44||

Damit habe ich dir alles erklärt, wonach du mich fragst. Wenn jemand von diesem Schutzpanzer umhüllt ist –

Anmerkung: guṇṭhita durch den Paralleltext gestützt; Satzfortsetzung in 45.

Vers 45
vajrāt sārataraṃ tasya śarīraṃ jāyate tadā |
śokaduḥkhāmayairmuktaḥ sadyo hyamaratāṃ vrajet ||45||

– wird sein Leib härter als der Vajra. Von Trauer, Leiden und Krankheit befreit, soll er sogleich Unsterblichkeit erlangen.

Anmerkung: Vajra: Donnerkeil beziehungsweise unzerstörbar gedachter Diamant. Wirkungsverheißung des Textes.

Vers 46
āmucyānena dehaṃ svaṃ yatra kutrāpi gacchatu |
yuddhe dāvāgnimadhye ca saritparvatasindhuṣu ||46||

Hat man den eigenen Leib damit bekleidet, mag man überallhin gehen: in die Schlacht, mitten ins Waldfeuer, zu Flüssen, Bergen und Meeren –

Anmerkung: Historische Schutzverheißung, fortgesetzt in 47–48.

Vers 47
rājadvāre ca kāntāre cauravyāghrākule pathi |
vivāde maraṇe trāse mahāmārīgadādiṣu ||47||

– an den Hof des Königs, in die Wildnis, auf einen von Räubern und Tigern bevölkerten Weg, in Streit, Todesgefahr, Schrecken, Seuchen und andere Krankheiten.

Vers 48
duḥsvapne bandhane ghore bhūtāveśagrahodgatau |
vicara tvaṃ hi rātrau ca nirbhayenāntarātmanā ||48||

Bei bösen Träumen, grausamer Gefangenschaft, Besessenheit durch Geister und dem Auftreten von Grahas: Bewege dich auch nachts mit furchtlosem innerem Geist.

Anmerkung: Grahas sind hier ergreifende beziehungsweise besetzende Mächte der traditionellen Vorstellung. Keine medizinische Erklärung.

Vers 49
ekāvṛttyāghanāśaḥ syāt trivṛttyā cāyurāpnuyāt |
śatāvṛttyā sarvasiddhiḥ sahasraiḥ khecaro bhavet ||49||

Einmalige Wiederholung soll Verfehlungen vernichten, dreimalige Wiederholung Lebensdauer verleihen, hundertfache Wiederholung alle Vollendungen gewähren; durch tausendfache Wiederholung soll man im Himmel wandeln können.

Anmerkung: Quellenverheißungen; Versnummer und Wiederholungsbegriffe nach dem Zusammenhang normalisiert.

Vers 50
vallabhe'yutapāṭhena śiva eva na saṃśayaḥ |
kiṃ vā devi … satyaṃ satyaṃ bravīmi te ||50||

Geliebte, durch zehntausend Rezitationen wird man Shiva selbst, ohne Zweifel. Was noch, Göttin … Wahrlich, wahrlich sage ich es dir.

Anmerkung: Fragment: Einige Wörter nach kiṃ vā devi sind beschädigt; der lesbare Rest ist übersetzt.

Vers 51
catustrailokyalābhena trailokyavijayī bhavet |
trailokyākarṣaṇo mantrastrailokyavijayastathā ||51||

Durch das Erlangen der vier „Dreiwelten“-Lehren soll man die drei Welten besiegen. Dazu gehören der Mantra Trailokyakarshana und ebenso Trailokyavijaya –

Anmerkung: Erste Hälfte syntaktisch ungewöhnlich, aus der anschließenden Viereraufzählung verstanden. Endwort tathā nach dem Zusammenhang; OCR tadā möglich.

Vers 52
trailokyamohanaṃ caitat trailokyavaśakṛnmanuḥ |
etaccatuṣṭayaṃ devi saṃsāre'tidurlabham ||52||

– dieses Trailokyamohana und der Mantra Trailokyavashakrit, „der die drei Welten unterwirft“. Diese Vierheit, Göttin, ist im Samsara äußerst schwer zu erlangen.

Vers 53
prasādāt kavacasyāsya ke siddhiṃ naiva lebhire |
saṃvartādyāśca ṛṣayo māruttādyā mahībhujaḥ ||53||

Wer hätte durch die Gnade dieses Schutztextes nicht Vollendung erlangt? Die Rishis mit Samvarta an der Spitze und die Könige mit Marutta an der Spitze erlangten sie.

Anmerkung: Rhetorische Aussage der Überlieferung.

Vers 54
viśeṣatastu bharato labdhavān yacchṛṇuṣva tat |
jāhnavīyamunārevākāverīgomatīṣvayam ||54||

Höre besonders, was Bharata dadurch gewann. An Ganga, Yamuna, Reva, Kaveri und Gomati vollzog er –

Anmerkung: Jahnavi ist ein Name der Ganga; Fortsetzung in 55.

Vers 55
sahasramaśvamedhānāmekaikatrājahāra hi |
yājayitre mātupitre tvekaikasmin mahākratau ||55||

– an jedem dieser Flüsse tausend Pferdeopfer. Bei jedem großen Opfer gab er dem Opferpriester, seinem Großvater mütterlicherseits –

Anmerkung: mātupitre in der Quelle: wörtlich „dem Vater der Mutter“; Bezug auf Kanva im folgenden Vers. Keine historische Gleichsetzung ergänzt.

Vers 56
sahasraṃ yatra padmānāṃ kaṇvāyādāt suvarṇinām |
saptadvīpavatīṃ pṛthvīṃ jigāya tridinena yaḥ ||56||

– Kanva tausend goldene Lotusblumen. Er besiegte in drei Tagen die Erde mit ihren sieben Kontinenten.

Anmerkung: suvarṇinām kontextuell normalisiert, OCR-Endung beschädigt. Mythische Heldenerzählung.

Vers 57
navāyutaṃ ca varṣāṇāṃ yo'jīvat pṛthivīpatiḥ |
avyāhatarathādhvā yaḥ svargapātālamīyivān ||57||

Dieser König lebte neunzigtausend Jahre; ungehindert führte sein Wagenweg ihn in den Himmel und in die Unterwelt.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält avyāhata, „ungehindert“. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 6946–6951. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 249.

Vers 58
evamanyo'pi phalavānetasyaiva prasādataḥ |
bhaktiśraddhāparāyāste mayoktaṃ parameśvari ||58||

Ebenso wird auch ein anderer durch seine Gnade mit Erfolg beschenkt. Dir, die du Hingabe und Vertrauen ergeben bist, habe ich es mitgeteilt, höchste Herrin.

Vers 59
prāṇātyaye'pi no vācyaṃ tvayānyasmai kadācana |
devyadāt tripuraghnāya sa māṃ prādādahaṃ tathā ||59||

Selbst in Lebensgefahr darfst du es niemals einem anderen mitteilen. Die Göttin gab es dem Vernichter der drei Städte; er gab es mir, und ich wiederum –

Anmerkung: Das Avagraha beziehungsweise api ist in der Ausgabe ergänzt. Überlieferungskette als Selbstaussage des Textes.

Vers 60
tubhyaṃ saṃvartakaṛṣaye prādāṃ satyaṃ bravīmi te |
saṃvarto dāsyati prīto devi durvāsase tvimam ||60||

– gab es dir und dem Rishi Samvartaka; wahrlich sage ich es dir. Samvarta wird es, wohlgestimmt, Durvasas geben, Göttin –

Anmerkung: Die Namensformen Samvartaka und Samvarta stehen beide im Text.

Vers 61
dattātreyāya sa punarevaṃ loke pratiṣṭhitam |
vaktrāṇāṃ koṭibhirdevi varṣāṇāmapi koṭibhiḥ ||61||

– und dieser wiederum Dattatreya. So wird es in der Welt begründet. Selbst mit vielen Millionen Mündern und während vieler Millionen Jahre, Göttin –

Vers 62
mahimā varṇituṃ śakyaḥ kavacasyāsya no mayā |
punarbravīmi te satyaṃ mano dattvā niśāmaya ||62||

– könnte ich die Größe dieses Schutztextes nicht beschreiben. Nochmals sage ich dir die Wahrheit; höre mit gesammeltem Geist.

Vers 63
idaṃ na siddhyate devi trailokyākarṣaṇaṃ vinā |
grahītre tuṣyate devī dātre kupyati tatkṣaṇāt ||63||

Ohne das Trailokyakarshana gelangt dieses hier nicht zur Wirksamkeit, Göttin. Die Göttin ist dem Empfänger wohlgesinnt, auf den Geber aber zürnt sie im selben Augenblick.

Anmerkung: Die Spannung zwischen Weitergabe und Geheimhaltung bleibt als Textaussage bestehen.

Unnummerierter Text
etajjñātvā yathākartumucitaṃ tat kariṣyasi |

Wenn du dies weißt, wirst du so handeln, wie es angemessen ist.

Anmerkung: Unnummerierter Schluss-Halbvers nach 9.63.

Kolophon
ityādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ trailokyavijayaṃ nāma kavacaṃ navamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der von Adinatha verfassten Mahakala-Samhita das neunte Kapitel, der Schutztext namens Trailokyavijaya.

Anmerkung: Der Kolophon nennt Trailokyavijaya, während das Kapitel überwiegend Trailokyamohana sagt. Dieser Unterschied wird nicht stillschweigend korrigiert.

Kamakala-Khanda, Kapitel 10: Hymnus und Verfahren der Verehrung

Zuerst steht ein Ravana zugeschriebener Hymnus auf Kamakali mit 24 Versen und eigenem Kolophon. Danach beginnt die Zählung erneut: 93 Einheiten erläutern Trinkgaben, die erwachsene Ritualpartnerin, Mandala, Gefäßweihe, Entfluchungsformeln und Nyasa. Die beiden Zählungen bleiben getrennt; die drastische Bildsprache und Ritualvorschriften werden nicht modern umgedeutet.

Hymnus im Bhujangaprayata-Metrum – eigene Verszählung

Die furchtbare Gottheitsgestalt wird ausführlich beschrieben; zum Schluss folgen Lobpreis und Wirkungsverheißung. Der eigene Kolophon nennt das Mahavamakeshvara-Tantra.

Vers 1
mahākāla uvāca |
atha vakṣye maheśāni devyāḥ stotramanuttamam |
yasya smaraṇamātreṇa vighnā yānti parāṅmukhāḥ ||1||

Mahakala sprach: Nun werde ich, Maheshani, den unübertrefflichen Lobpreis der Göttin vortragen. Schon durch das bloße Erinnern daran sollen die Hindernisse sich abwenden.

Anmerkung: Beginn des Hymnus in Kapitel 10. Seine Verse 1–24 bilden eine eigene Zählung; der anschließende Ritualabschnitt beginnt erneut mit 1.

Vers 2
vijetuṃ pratasthe yadā kālakeyāsurān rāvaṇo muñjamālipravarhān |
tadā kāmakālīṃ sa tuṣṭāva vāgbhirjigīṣurmṛdhe bāhuvīryeṇa sarvān ||2||

Als Ravana auszog, die Kalakeya-Asuras mit Munjamali an ihrer Spitze zu besiegen, pries er Kamakali mit Worten. Im Kampf wollte er sie alle durch die Kraft seiner Arme bezwingen.

Anmerkung: Kalakeya aus dem Kolophon des Paralleltextes gestützt; e hat beschädigt kālakasyā-. Der Name Munjamali und das folgende Kompositum sind unsicher.

Vers 3
mahāvartabhīmāsṛgabdhyutthavīcīparikṣālita … śmaśāne |
citiprajvaladvahnikīlājaṭāle śivākāraśāvāsane sanniṣaṇṇām ||3||

Auf dem Verbrennungsplatz, den Wogen aus einem Blutmeer mit gewaltigen, schrecklichen Strudeln bespülen …, sitzt sie auf einem Leichensitz in der Gestalt Shivas, zwischen den mächtigen Flammenzungen der brennenden Scheiterhaufen.

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe vor śmaśāne in beiden Zeugen beschädigt. Die folgenden Akkusative beschreiben die in Vers 22 erinnerte Göttin; im Deutschen zur Lesbarkeit als selbstständige Sätze wiedergegeben.

Vers 4
mahābhairavīyoginīḍākinībhiḥ karālābhirāpādalambatkacābhiḥ |
bhramantībhirāpīya madyāmiṣāsrāṇyajasraṃ samaṃ sañcarantīṃ hasantīm ||4||

Sie wandert und lacht unablässig zusammen mit furchtbaren Mahabhairavis, Yoginis und Dakinis. Deren Haare reichen bis zu den Füßen; nachdem sie Wein, Fleisch und Blut zu sich genommen haben, ziehen sie umher.

Anmerkung: bhramantībhiḥ: kontextuelle Normalisierung der OCR śramantībhiḥ; keine moderne Umdeutung der Gaben.

Vers 5
mahākalpakālāntakādambinītviṭparispardhidehadyutiṃ ghoranādām |
sphuraddvādaśādityakālāgni … jvaladvidyudoghaprabhādurnirīkṣyām ||5||

Der Glanz ihres Leibes wetteifert mit den Wolken am Ende eines großen Weltzeitalters; furchtbar ist ihr Laut. Ihr Leuchten ist wie das der zwölf Sonnen, des Feuers der Weltauflösung und einer Fülle flammender Blitze – kaum zu ertragen für den Blick.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort nach kālāgni beschädigt; die Bildfolge ist lesbar.

Vers 6
lasannīlapāṣāṇanirmāṇavediprabhaśroṇibimbāṃ calatpīvarorum |
samuttuṅgapīnāyatorojakumbhāṃ kaṭigranthitadvīpikṛtyuttarīyām ||6||

Ihre Hüften gleichen einem glänzenden Altar aus blauem Stein; ihre kräftigen Schenkel sind in Bewegung. Ihre vollen, hohen Brüste gleichen Gefäßen. Um ihre Hüfte ist ein Gewand aus Leopardenfell geknotet.

Anmerkung: Ikonographische Beschreibung der Göttin; dvīpin bezeichnet eine gefleckte Großkatze.

Vers 7
sravadraktavalgannṛmuṇḍāvanaddha … nakṣatramālaikahārām |
mṛtabrahmakulyopaklṛptāṅgabhūṣāṃ mahāṭṭāṭṭahāsairjagat trāsayantīm ||7||

Ihre einzige Halskette ist eine „Sternengirlande“ aus schwingenden Menschenköpfen, von denen Blut herabrinnt … . Ihr Körperschmuck besteht aus Gebeinen toter Brahmas. Mit lautem, gewaltigem Gelächter versetzt sie die Welt in Schrecken.

Anmerkung: Fragment: Verbindung zwischen den Kopf- und Halskettenangaben beschädigt. brahmakulya als Gebeine Brahmas verstanden; ungewöhnlicher Ausdruck, nicht zu einer sicheren anatomischen Einzelangabe erweitert.

Vers 8
nipītānanāntāmitodvṛttaraktocchaladdhārayā snāpitorojayugmām |
mahādīrghadaṃṣṭrāyuga … lalallelihānograjihvāgrabhāgām ||8||

Ein hervorquellender Strom des vielen getrunkenen Blutes aus ihrem Mund überströmt ihre beiden Brüste. Sie besitzt zwei gewaltig lange Fangzähne …; die Spitze ihrer furchtbaren Zunge bewegt sich unablässig leckend.

Anmerkung: Fragment: Bewegungsbeschreibung in der zweiten Hälfte beschädigt; keine fehlenden Wörter ergänzt.

Vers 9
calatpādapadmadvayālambimuktaprakampālisusnigdha … keśām |
padanyāsasambhārabhītāhirājānanodgacchadātmastutivyastakarṇām ||9||

Ihr gelöstes, glänzendes Haar schwankt und reicht bis zu ihren bewegten Lotusfüßen … . Ihre Ohren sind ganz dem eigenen Lobpreis zugewandt, der aus dem Mund des Schlangenkönigs kommt, den die Wucht ihrer Schritte erschreckt.

Anmerkung: Fragment: Ein Haarattribut beschädigt. Schlangenkönig im Text nicht namentlich bestimmt.

Vers 10
mahābhīṣaṇāṃ ghoraviṃśārdhavaktraistathā saptaviṃśānvitairlocanaiśca |
purodakṣavāme dvinetrojjvalābhyāṃ tathānyānane citrinetrābhirāmām ||10||

Äußerst furchterregend ist sie mit zehn schrecklichen Gesichtern und siebenundzwanzig Augen. Vorn, rechts und links leuchten je zwei Augen; die übrigen Gesichter sind mit je drei Augen geschmückt.

Anmerkung: Die Kasusformen der zweiten Hälfte sind beschädigt; die Zuordnung ergibt die ausdrücklich genannte Gesamtzahl von 27. Sanskrit dort nur behutsam normalisiert, keine sichere kritische Lesung.

Vers 11
lasaddvīpi … pheruplavaṅgakramela … dvipagrāhavāhaiḥ |
mukhairīdṛśākāritairbhrājamānāṃ mahāpiṅgalodyajjaṭājūṭabhārām ||11||

Sie leuchtet mit Gesichtern solcher Tiergestalten: Leopard … Schakal, Affe, Kamel … Elefant und Krokodil … . Über ihr erhebt sich ein mächtiger, gelbbrauner Knoten verfilzter Haare.

Anmerkung: Fragment: Mehrere Tiernamen sind in beiden OCR-Zeugen unzuverlässig. Die lesbaren Namen bleiben bewahrt; keine künstlich vervollständigte Zehnerliste.

Vers 12
bhujaiḥ saptaviṃśāṅkitairvāmabhāge yutāṃ dakṣiṇe cāpi tāvadbhireva |
kramādratnamālāṃ kapālaṃ ca śuṣkaṃ tataścarmapāśaṃ sudīrghaṃ dadhānām ||12||

Sie besitzt siebenundzwanzig Arme auf der linken Seite und ebenso viele auf der rechten. Der Reihe nach hält sie eine Juwelenkette, eine trockene Schädelschale und eine sehr lange Lederschlinge –

Anmerkung: In e ist die Verbindung carmapāśa beschädigt, im älteren Paralleltext deutlicher. Beginn der Aufzählung der linken Hände.

Vers 13
tataḥ śaktikhaṭvāṅgamuṇḍaṃ bhuśuṇḍīṃ dhanuścakraghaṇṭāśiśupretaśailān |
tato nārakaṅkālababhrūraga … vaṃśīṃ tathā mudgaraṃ vahnikuṇḍam ||13||

– dann einen Speer, einen Khatvanga-Stab, einen Kopf, eine Bhushundi-Waffe, Bogen, Diskus, Glocke, Kinderleiche und Fels; ferner ein menschliches Skelett, eine braune Schlange … eine Flöte, einen Hammer und eine Feuergrube –

Anmerkung: Fragment: Verbindung zwischen Schlange und Flöte beschädigt; unmāda („Rausch“) lesbar, syntaktische Zuordnung unsicher. Die drastischen Gegenstände gehören zur historischen Bildbeschreibung.

Vers 14
adho ḍammaruṃ pārighaṃ bhindipālaṃ tathā mauśalaṃ paṭṭiśaṃ prāsamevam |
śataghnīṃ śivāpotakaṃ cātha dakṣe mahāratnamālāṃ tathā kartṛkhaḍgau ||14||

– darunter eine Damaru-Trommel, einen Parigha-Schlagstock, eine Bhindipala-Wurfwaffe, einen Stößel, einen Pattisha-Speer, eine Lanze, eine Shataghni-Waffe und ein Schakaljunges. Auf der rechten Seite hält sie eine große Juwelenkette sowie ein Schneidemesser und ein Schwert –

Anmerkung: Seltene Waffennamen bleiben erhalten; kartṛ hier Bezeichnung des Schneidewerkzeugs, genaue Form nicht gesichert.

Vers 15
calattarjanīmaṅkuśaṃ daṇḍamugraṃ lasadratnakumbhaṃ triśūlaṃ tathaiva |
śarān pāśupatyāṃstathā pañcakuntaṃ punaḥ pārijātaṃ churīṃ tomaraṃ ca ||15||

– einen drohend bewegten Zeigefinger, einen Elefantenhaken, einen furchtbaren Stab, ein glänzendes Juwelengefäß und einen Dreizack; Pashupata-Pfeile, einen fünfteiligen Speer, Parijata, ein Messer und einen Tomara-Wurfspeer –

Anmerkung: pañcakunta als fünfteiliger Speer verstanden; Trennung in „fünf Speere“ ebenfalls möglich. Messerwort churī durch den Paralleltext gestützt, in e beschädigt.

Vers 16
prasūnasrajaṃ ḍiṇḍimaṃ gṛdhrarājaṃ tataḥ korakaṃ māṃsakhaṇḍaṃ sruvaṃ ca |
phalaṃ bījapūrāhvayaṃ caiva sūcīṃ tathā paśumevaṃ gadāṃ yaṣṭimugrām ||16||

– eine Blumengirlande, eine Dindima-Trommel, einen Geierkönig, eine Knospe, ein Stück Fleisch und einen Opferlöffel; eine Zitronatzitrone, eine Nadel, ein Opfertier, eine Keule und einen furchtbaren Stock –

Anmerkung: koraka „Knospe“ ist lesbar, genauer ikonographischer Gegenstand unklar. e liest paśu, der Paralleltext beschädigt und möglicherweise paraśu („Axt“); die Fassungen werden nicht stillschweigend vereinigt.

Vers 17
tato vajramuṣṭiṃ kuṇapaṃ sughoraṃ tathā lālanaṃ dhārayantīṃ bhujaistaiḥ |
javāpuṣparociṣphaṇīndropaklṛptakvaṇannūpuradvandvasaktāṅghripadmām ||17||

– ferner eine Vajramushti-Faustwaffe, einen äußerst schrecklichen Leichnam und einen Lalana genannten Gegenstand in diesen Armen. An ihren Lotusfüßen erklingen zwei Fußspangen, gebildet aus Schlangenkönigen, die wie rote Hibiskusblüten leuchten.

Anmerkung: Das Objekt lālana ist lesbar, aber nicht zuverlässig bestimmbar; keine erfundene Übersetzung. javā bezeichnet hier Hibiskus.

Vers 18
mahāpītakumbhīnasābaddhanaddhasphuratsarvahastojjvalatkaṅkaṇāṃ ca |
mahāpāṭaladyotidarvīkarendrāvasaktāṅgadanyūhasaṃśobhamānām ||18||

An all ihren Händen glänzen Armreifen aus großen gelben Kumbhinasa-Schlangen. Reihen von Oberarmschmuck aus großen, rosarot leuchtenden Kobrakönigen schmücken sie.

Anmerkung: Kumbhinasa ist ein traditioneller Schlangenname; keine zoologische Artbestimmung.

Vers 19
mahādhūsaratviḍbhujagendraklṛptasphuraccārukāṭeyasūtrābhirāmām |
calatpāṇḍurāhīndrayajñopavītatviḍudbhāsivakṣaḥsthalodyatkapāṭām ||19||

Ein schöner, glänzender Hüftgürtel aus mächtigen grauen Schlangenkönigen ziert sie. Über ihre breite Brust leuchtet die heilige Schnur, gebildet aus einem sich bewegenden blassen Schlangenkönig.

Anmerkung: Die abschließende Bildwendung vergleicht die Brustfläche mit einem Torflügel; im Deutschen sinngemäß „breite Brust“.

Vers 20
piśaṅgoragendrāvanaddhāvaśobhā … saṃśobhidehām |
mahācitritāśīviṣendropaklṛptasphuraccārutāṭaṅkavidyotikarṇām ||20||

Ihr Leib ist geschmückt mit angebundenen gelbbraunen Schlangenkönigen … . Ihre Ohren leuchten durch schöne, glänzende Ohrgehänge aus großen, bunt gezeichneten Giftschlangenkönigen.

Anmerkung: Fragment: Mittlere Kompositumglieder der ersten Hälfte beschädigt; der Begriff mahāmohinī ist erkennbar, seine Einbindung aber unsicher.

Vers 21
valakṣāhirājāvanaddhordhvabhāsisphuratpiṅgalodyajjaṭājūṭabhārām |
mahāśoṇabhogīndranisyūtamuṇḍollasatkiṅkiṇījālasaṃśobhimadhyām ||21||

Ein heller Schlangenkönig umwindet ihren mächtigen, hoch aufragenden, gelbbraun leuchtenden Haarknoten. Ihre Mitte schmückt ein Netz klingender Glöckchen und Köpfe, die auf eine große rote Schlange aufgezogen sind.

Anmerkung: Einzelne Sandhi- und Vokalzeichen normalisiert; genaue Verbindung zwischen Köpfen und Glöckchennetz im Kompositum nicht eindeutig.

Vers 22
sadā saṃsmarāmīdṛśīṃ kāmakālīṃ jayeyaṃ … hiraṇyodbhavānām |
smareyurhi ye'nye'pi te vai jayeyurvipakṣānmṛdhe nātra sandehaleśaḥ ||22||

Stets erinnere ich mich an Kamakali in dieser Gestalt. Möge ich die … aus Hiranya Hervorgegangenen besiegen. Auch andere, die sich ihrer erinnern, sollen ihre Gegner im Kampf besiegen; daran bestehe nicht der geringste Zweifel.

Anmerkung: Fragment: Die Bezeichnung der Gegner in der ersten Hälfte ist grammatisch beschädigt. Nicht nach der Rahmenerzählung zu einer scheinbar sicheren Lesung ausgebessert.

Vers 23
paṭhiṣyanti ye matkṛtaṃ stotrarājaṃ mudā pūjayitvā sadā kāmakālīm |
na śoko na pāpaṃ na vā duḥkhadainyaṃ na mṛtyurna rogo na bhītirna cāpat ||23||

Wer diesen von mir verfassten König der Lobgesänge rezitiert und Kamakali stets freudig verehrt, für den soll es weder Trauer noch Verfehlung, weder Leiden noch Elend, weder Tod noch Krankheit, weder Furcht noch Unglück geben.

Anmerkung: Das „von mir“ gehört zur Ravana zugeschriebenen Hymnenrede; Wirkungsverheißung der Quelle.

Vers 24
dhanaṃ dīrghamāyuḥ sukhaṃ buddhirojo yaśaḥ śarma bhogāḥ striyaḥ sūnavaśca |
śriyo maṅgalaṃ buddhirutsāha ājñā layaḥ śarmavidyā bhavenmuktirante ||24||

Reichtum, langes Leben, Glück, Einsicht, Lebenskraft, Ruhm, Wohlergehen, Genüsse, Frauen und Söhne sollen ihm zuteilwerden; ferner Gedeihen, Heil, Einsicht, Tatkraft, Befehlsgewalt, Versenkung, beglückendes Wissen und am Ende Befreiung.

Anmerkung: Der Schluss ist in e abgebrochen; die letzte Verszeile wurde aus dem lesbaren älteren Paralleltext übernommen. Wiederholte Begriffe nicht gestrichen. śarmavidyā lässt sich auch als zwei Glieder, „Wohlergehen und Wissen“, lesen.

Kolophon
iti mahāvāmakeśvaratantre kāmakālībhujaṅgaprayātastotrarājaṃ samāptam |

So endet im Mahavamakeshvara-Tantra der König der Lobgesänge auf Kamakali im Bhujangaprayata-Metrum.

Anmerkung: Eigener Kolophon des eingeschobenen Hymnus, nicht das Ende von Kapitel 10. Der Paralleltext nennt zusätzlich den Sieg über die Kalakeyas in Hiranyapura und Ravana als Verfasser. Diese Zusatzangabe wird als Variante ausgewiesen.

Ritualabschnitt – erneute Verszählung ab 1

Devi fragt nach dem Verfahren, das die Göttin wohlstimmt. Mahakala beschreibt zwei miteinander verbundene Ritualweisen.

Vers 1
devyuvāca |
mahāyogin mahākāla karuṇāmbunidhe śiva |
atyadbhutamidaṃ tvattaḥ śrutaṃ kavacamuttamam ||1||

Devi sprach: Großer Yogi, Mahakala, Ozean des Mitgefühls, Shiva! Von dir habe ich diesen überaus wunderbaren, höchsten Schutztext gehört.

Anmerkung: Beginn der erneut bei 1 einsetzenden Verszählung des Ritualabschnitts in Kapitel 10. Vom vorausgehenden Hymnus getrennt zu zitieren.

Vers 2
viśeṣeṇa śrutaṃ sarvaṃ mayā caitanmaheśvara |
idānīṃ śrotumicchāmi mama prītikaraṃ priya ||2||

Alles habe ich im Einzelnen gehört, Maheshvara. Nun möchte ich etwas hören, das mir Freude bereitet, Geliebter.

Vers 3
kīdṛśena vidhānena āśu sā ca prasīdati |
tat kathayasva deveśa yadi sneho'sti te mayi ||3||

Durch welches Verfahren wird sie rasch wohlgestimmt? Erkläre mir dies, Herr der Götter, wenn du mich liebst.

Anmerkung: āśu sā ca aus dem Zusammenhang normalisiert; OCR hat āśu sakhā ca.

Vers 4
mahākāla uvāca |
atha sarvaprayogāṇāṃ rājānaṃ vyāharāmi te |
yadekavārakaraṇāt kṛtakṛtyo'bhijāyate ||4||

Mahakala sprach: Nun erkläre ich dir den König aller Anwendungen. Wer ihn ein einziges Mal vollzieht, soll sein Ziel erreicht haben.

Vers 5
mahāgopyatamaṃ devi prasannākalaśaṃ vidhim |
viśeṣatastathā śaktisāmarasyakaraṃ vidhim ||5||

Göttin, es ist das höchst geheime Verfahren des Prasanna-Gefäßes und besonders das Verfahren, das Samarasya mit der Shakti, die Einheit des Erlebens mit der Ritualpartnerin, herbeiführt.

Anmerkung: prasannā bezeichnet im folgenden Zusammenhang eine alkoholische Trinkgabe; kalasha ein Ritualgefäß. Samarasya wird hier nicht in eine moderne Yogaübung umgedeutet.

Vers 6
gurudaivatamantrāṇāṃ yathaikatvaṃ phalapradam |
tīrthadevataśaktīnāṃ tathaikatvaṃ mahāphalam ||6||

Wie die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra Frucht bringt, so gewährt die Einheit von Tirtha, Gottheit und Shakti große Frucht.

Anmerkung: Tirtha bezeichnet hier die rituelle Trinkgabe, nicht einfach einen Pilgerort; Shakti im Ritualzusammenhang die Partnerin als Verkörperung der göttlichen Kraft.

Vers 7
kṣatraviṭśūdrajātīnāmeṣa eva vidhirmataḥ |
devasya madhyatollekhādubhayatra samā kriyā ||7||

Für die Kshatriya-, Vaishya- und Shudra-Gruppen gilt dieses Verfahren. Da die Gottheit in der Mitte genannt wird, ist der Vollzug in beiden Fällen derselbe.

Anmerkung: „Beide“ bezieht sich auf die beiden angekündigten Ritualweisen. Die soziale Einteilung ist die der Quelle.

Vers 8
dvijāteḥ kevalaṃ tīrthaṃ nādhikāraḥ praśasyate |
nindā tu prāṇanāśāya tyāgāt siddhikriyā'phalā ||8||

Für den Zweimalgeborenen wird eine Berechtigung zum Tirtha allein nicht anerkannt. Verächtlichmachen soll den Verlust des Lebens bringen; beim Aufgeben bleibt der Vollendungsritus ohne Frucht.

Anmerkung: Erste Hälfte sprachlich unklar; der Bezug auf die Trinkgabe ergibt sich aus 10.12–14. Nicht zu einer widerspruchsfreien Kastenregel rekonstruiert. Schlusswort aphalā kontextuell für beschädigtes akalā.

Vers 9
nindātyāgau na kartavyau devi siddhimabhīpsatā |
pratyaṣṭamyāṃ caturdaśyāṃ saṅkrāntau maṅgale'hani ||9||

Wer Vollendung ersehnt, Göttin, soll weder schmähen noch aufgeben. An jedem achten oder vierzehnten Mondtag, bei einem Sonnenübergang oder an einem Dienstag –

Anmerkung: Zeitangabe setzt sich in 10 fort.

Vers 10
vyatīpātoparāge ca svecchā yasmin dine'pi vā |
kalpitārcādisambhāraḥ kṛtanityakriyo divā ||10||

– beim Vyatipata oder einer Finsternis, oder auch an einem frei gewählten Tag, soll man die Dinge für die Verehrung bereitstellen und tagsüber die täglichen Riten vollziehen.

Anmerkung: Vyatipata: besondere astrologische Konstellation; keine Kalenderdaten aus Vermutung ergänzt.

Vers 11
bhuktānno vāpyabhuktānno vidhiṃ kuryānmahāniśi |
tīrthaśaktyorbhidāṃ vacmi tatra ceto niveśaya ||11||

Ob man gegessen hat oder nicht: In der tiefen Nacht soll man den Ritus vollziehen. Nun erkläre ich die Unterschiede der Trinkgaben und der Shaktis; richte deinen Geist darauf.

Vers 12
mādhvīkā pānasī caiva khājjūrī ca madhūkikā |
gauḍī tālī caturjātā taṇḍulī puṣpasambhavā ||12||

Es gibt Madhvika, Panasi, Khajjuri, Madhukika, Gaudi, Tali, Chaturjata, Tanduli und eine aus Blüten entstandene Trinkgabe –

Anmerkung: Traditionelle Getränkenamen: unter anderem aus Jackfrucht, Datteln, Madhuka-Blüten, Zucker, Palmsaft und Reis. Madhvika und die folgende ähnlich geschriebene Madhavika nicht stillschweigend gleichgesetzt; Zutaten nicht für alle Namen sicher.

Vers 13
mādhavīkā ca gaudhūmī tathauṣadhiśiphātmikā |
kṣatraviḍśūdrajātīnāṃ praśastā dvādaśaiva hi ||13||

– ferner Madhavika, Gaudhumi aus Weizen und eine aus Pflanzenwurzeln bestehende. Diese zwölf werden für Kshatriyas, Vaishyas und Shudras empfohlen.

Anmerkung: Die Zwölferzahl ist die Quellenangabe; keine zusätzliche Getränkesorte erfunden.

Vers 14
madhukṣīraṃ tathājyaṃ ca nārikelodakaṃ priye |
brāhmaṇānāmidaṃ śastaṃ phalānāṃ ca rasāstathā ||14||

Honig, Milch, geklärte Butter und Kokoswasser, Geliebte, sowie Fruchtsäfte werden für Brahmanen empfohlen.

Anmerkung: madhukṣīra auch als Honigmilch lesbar; hier als Aufzählung von Honig und Milch verstanden.

Vers 15
śaktiśca dvividhā proktā svakīyā parakīyakā |
abhāve parakīyāyāḥ svīyāṃ śaktiṃ prakalpayet ||15||

Die Shakti wird als zweifach beschrieben: die eigene und die einem anderen zugehörige. Wenn eine fremde Partnerin nicht vorhanden ist, soll man die eigene als Shakti einsetzen.

Anmerkung: Traditionelle Unterscheidung eigener Ehefrau und fremder Partnerin; keine heutige Handlungsempfehlung.

Vers 16
na vyaṅgīṃ nādhikāṅgīṃ ca na rūkṣāṃ na śirālinīm |
na piṅgāṃ nādhikāṃ śyāmāṃ jarantīṃ na karālinīm ||16||

Man soll keine Frau wählen, deren Glieder beeinträchtigt oder überzählig sind, die rau oder stark von Adern gezeichnet ist, keine gelbbraune oder sehr dunkle, keine alte oder furchterregend aussehende Frau.

Anmerkung: Diskriminierende körperliche Auswahlkriterien der historischen Quelle, keine Wertung dieser Ausgabe. piṅgā könnte sich besonders auf Augen oder Haar beziehen; der Bezug bleibt offen.

Vers 17
nādṛṣṭarajasaṃ kanyāṃ nārtavaṃ samupāgatām |
nāntarvatnīṃ na vā bālāṃ nāpatyāṃ na galatkucām ||17||

Keine noch nicht menstruierende Heranwachsende, keine gerade menstruierende Frau, keine Schwangere, kein Kind, keine Frau, die geboren hat, und keine mit herabhängenden Brüsten.

Anmerkung: Die Passage schließt Kinder und vorpubertäre Mädchen ausdrücklich aus. apatyā ist eine ungewöhnliche Bezeichnung, hier als Frau mit Nachkommenschaft verstanden; nicht als sichere medizinische Kategorie ausgegeben.

Vers 18
gaurāṅgīṃ yuvatīṃ ramyāṃ pīnonnatapayodharām |
viśālajaghanāṃ cārudantapaṅktivirājitām ||18||

Gewählt werden soll eine hellhäutige, junge erwachsene und anmutige Frau mit vollen, hohen Brüsten, breiten Hüften und einer schönen Zahnreihe –

Anmerkung: Fortsetzung der historischen Auswahlbeschreibung; jung erwachsen im Kontext des ausdrücklichen Ausschlusses von Kindern in 17.

Vers 19
dīkṣitāṃ kulamārgeṣu bhaktiśraddhāparāyaṇām |
sadā vacaskāriṇīṃ ca bhayahīnāṃ hasanmukhīm ||19||

– die in die Kula-Wege eingeweiht ist, Hingabe und Vertrauen ergeben, stets den Anweisungen folgt, furchtlos ist und ein lächelndes Gesicht hat.

Anmerkung: Die Gehorsamsforderung gehört zur Quelle; sie ersetzt keine heutige Vorstellung freiwilliger Zustimmung.

Vers 20
sarvajātīrdvijaḥ kuryād viprāṃ tyaktvā tu bhūmipaḥ |
ubhe vihāya vaiśyaśca tisraḥ śūdraśca varjayet ||20||

Ein Brahmane könne eine Frau aus jeder sozialen Gruppe wählen; ein Kshatriya solle die Brahmanin ausschließen, ein Vaishya die beiden höheren Gruppen, ein Shudra die drei höheren.

Anmerkung: Wiedergabe der hierarchischen Gruppenregel der Quelle; dvija hier im Zusammenhang als Brahmane verstanden.

Vers 21
bhaktau dṛḍhāyāṃ jātāyāṃ sarvā sarveṣu śasyate |
tīrthapātramatho vacmi haimaṃ vā rājataṃ tathā ||21||

Ist jedoch feste Hingabe entstanden, wird jede für alle empfohlen. Nun beschreibe ich das Gefäß für die Trinkgabe: Es kann aus Gold oder Silber bestehen –

Anmerkung: Der Text relativiert die zuvor genannte Gruppenregel ausdrücklich.

Vers 22
pārthivaṃ nārikelaṃ vā ratnīyaṃ sarvasiddhidam |
tīrthaprāpteṣu pūjāyāmubhayatrāpi yujyate ||22||

– aus Ton, einer Kokosschale oder aus Edelstein, der alle Vollendungen gewähren soll. Bei der Verehrung mit bereitgestellter Trinkgabe eignet es sich für beide Ritualweisen.

Anmerkung: Zweite Hälfte grammatisch beschädigt; Sinn aus dem Gefäßkontext, Sanskritlesung nicht vollständig gesichert.

Vers 23
atha kalpitapūjādisambhāro bhaktitatparaḥ |
śūnyāgāre nirjane ca śmaśāne ca catuṣpathe ||23||

Mit vorbereiteten Dingen für die Puja und ganz der Hingabe zugewandt, soll man sich in einem leeren Haus, an einem einsamen Ort, auf einem Verbrennungsplatz oder an einer Kreuzung –

Anmerkung: Fortsetzung in 24.

Vers 24
gṛhe vā niḥśalāke syād yatra vā manaso ruciḥ |
kuryād gopyatamaṃ sarvaṃ paśurnaivekṣyate yathā ||24||

– oder in einem ungestörten Haus aufhalten, oder dort, wohin es den Geist zieht. Alles soll streng geheim geschehen, sodass kein Pashu es sieht.

Anmerkung: niḥśalāka ist unsicher; als ungestörter beziehungsweise abgeschirmter Ort verstanden. Pashu bezeichnet hier einen nicht in diesen tantrischen Weg Eingeweihten, nicht ein Tier.

Vers 25
prakṣālitāṅghrirācānta uttarābhimukho vibhīḥ |
dṛḍhaṃ padmāsanaṃ kṛtvā vyāghracarmopari sthitaḥ ||25||

Mit gewaschenen Füßen und nach dem rituellen Wasserschlürfen soll man furchtlos nach Norden gewandt fest im Lotussitz auf einem Tigerfell sitzen.

Vers 26
bhūtāpasāraṇaṃ kṛtvā tālairdigbandhanaṃ tathā |
aṅganyāsaṃ tataḥ kṛtvā karāṅganyāsamācaret ||26||

Man vollzieht die Vertreibung störender Wesen und verschließt durch Händeklatschen die Richtungen. Danach führt man Anga-Nyasa und Kara-Anga-Nyasa aus.

Anmerkung: Die teilweise wiederholte Nyasa-Anordnung wird nicht redaktionell geglättet.

Vers 27
mātṛkānyāsapīṭhādinyāsaṃ kuryāt puroktavat |
arghyasthāpanaparyantaṃ sarvaṃ kuryādatandritaḥ ||27||

Matrika-Nyasa und Pitha-Nyasa sowie die weiteren Einsetzungen werden wie zuvor beschrieben vollzogen. Bis zum Aufstellen der Arghya-Gabe soll man alles aufmerksam ausführen.

Vers 28
tato gomayaliptāyāṃ bhūmau svastikatājuṣi |
sthāpayet kṣālitaṃ pīṭhaṃ dāravaṃ dhātumattathā ||28||

Dann stellt man auf dem mit Kuhdung bestrichenen und mit einem Svastika versehenen Boden einen gereinigten Sitz aus Holz oder Metall auf.

Mantras für Sitz und Mandala

Die Quelle erschließt die Formeln schrittweise aus Bija-Namen, Anrufungen und Befehlsworten. Beschädigte Gruppen bleiben unergänzt.

Vers 29
vakṣyamāṇena mantreṇa gomayāliptabhūpari |
ādau tāratrayaṃ procya māyāyāḥ pañcakaṃ tataḥ ||29||

Dies geschieht auf dem mit Kuhdung bestrichenen Boden mit dem folgenden Mantra: Zuerst spricht man Tara dreimal und danach Maya fünfmal.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält die Fünferzahl. Tara und Maya sind Bija-Namen, keine hier frei ergänzten Lautfolgen. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 7137–7141. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 250.

Vers 30
kūrcāṅkuśamahākrodhāmṛtaguhyāratiśriyaḥ |
kāpālabhairavī nīlacāmuṇḍāśaktimānasāḥ ||30||

Es folgen Kurcha, Ankusha, Mahakrodha, Amrita, Guhya, Rati und Shri; Kapala, Bhairavi, Nila, Chamunda, Shakti und Manasa.

Anmerkung: Aufzählung verschlüsselnder Bija-Namen; Trennung besonders guhyāratiśriyaḥ nicht ganz sicher, daher keine ausgeschriebene Silbenformel.

Vers 31
yoginī … kālī kāmagāruḍavighnataḥ |
bhāruṇḍā khecarī kāmalakṣmī … śaktayaḥ ||31||

Weiter werden Yogini … Kali, Kama, Garuda und Vighna genannt, danach Bharunda, Khechari, Kama und Lakshmi … die Shaktis.

Anmerkung: Fragment: Einzelne Zeichen sowie Zahl beziehungsweise Sammelbezeichnung am Ende beschädigt.

Vers 32
sadyojātādikāḥ pañca kūṭāśca tadanantaram |
dānavādhāradhanadākūrmānantaviṣāmarāḥ ||32||

Danach die fünf Kutas mit Sadyojata am Anfang, dann Danava, Adhara, Dhanada, Kurma, Ananta, Visha und Amara.

Anmerkung: Weitere verschlüsselte Bija- beziehungsweise Lautgruppen-Namen; Kompositumtrennung am Ende unsicher.

Vers 33
ehyehi bhagavatyevaṃ tataḥ padamudīrayet |
tataḥ kāmakalākāli sarvaśaktipadaṃ tataḥ ||33||

Dann spricht man: „Komm, komm, Erhabene!“ Darauf „Kamakalakali“ und anschließend den Ausdruck „mit allen Shaktis –“.

Anmerkung: Die Formel wird in 34 syntaktisch fortgesetzt.

Vers 34
samanvite iti procya prasannāpadamuccaret |
śaktibhyāṃ sāmarasyaṃ ca tata udgārayet sudhīḥ ||34||

Man ergänzt „– verbunden“, spricht „Prasanna“ und „mit der Shakti“ und dann, verständig: „die Einheit des Erlebens –“.

Anmerkung: Wortlaut und Segmentierung verbinden prasannā und śakti im Dual. Genauer Formelsinn: Einheit der Trinkgabe und der Shakti; nicht zu einer scheinbar eindeutigen Gesamtformel geglättet.

Vers 35
kurudvandvaṃ mama tataḥ pūjāṃ gṛhṇa yugaṃ vadet |
śatrūn hana yugaṃ procya yugaṃ maitha pātaya ||35||

Es folgt zweimal „bewirke“, dann „meine Verehrung“ und zweimal „nimm an“; „die Feinde“, zweimal „töte“, ferner je zweimal „zermalme“ und „wirf nieder“.

Anmerkung: maitha beziehungsweise matha ist beschädigt; Funktion als Zerschmetterungsbefehl plausibel. Historische aggressive Ritualformel.

Vers 36
rājyaṃ me ca samuddhṛtya dehi dāpaya yugmakam |
śākinīyoginīkūrcastrīhriyāṃ navakaṃ vadet ||36||

Dann „Herrschaft mir“ und die beiden Worte „gib, lasse geben“; anschließend wird eine neunteilige Gruppe aus Shakini, Yogini, Kurcha, Stri und Hri gesprochen.

Anmerkung: Die Aufteilung der Neunergruppe auf die fünf genannten Namen ist im lesbaren Wortlaut nicht eindeutig. Keine neun Silben erfunden.

Vers 37
pañcacatvāriṃśadbījamevaṃ bhavati bhāvini |
phaṭtrayānte hṛcchirobhyāṃ mantraḥ sarvaśubhāvahaḥ ||37||

So ergeben sich fünfundvierzig Bijas, du Schöne. Nach dreimal Phaṭ schließen Herz- und Hauptformel den Mantra ab, der alles Heil bringen soll.

Anmerkung: Silbenzahl als Quellenangabe bewahrt; wegen der beschädigten Gruppen nicht unabhängig rekonstruierbar.

Vers 38
uccāryāmuṃ manuṃ pīṭhaṃ sthāpayet sthaṇḍilopari |
punargṛhītvā sindūraṃ praśastaṃ prasṛtitrayam ||38||

Während man diesen Mantra spricht, setzt man den Sitz auf den Ritualplatz. Dann nimmt man drei Prasriti voll geeigneten Sindura-Farbstoffs –

Anmerkung: Prasriti ist ein traditionelles Hohlmaß; keine unbelegte moderne Mengenangabe.

Vers 39
vakṣyamāṇena mantreṇa pīṭhe maṇḍalamācaret |
praṇavaṃ śākinībījaṃ phetkārīṃ yoginīmapi ||39||

– und zeichnet mit dem nun genannten Mantra das Mandala auf den Sitz. Die Formel beginnt mit Pranava, dem Shakini-Bija, Phetkari und Yogini –

Vers 40
caṇḍaṃ bhūtaṃ parāṃ nādaṃ raudramānandamaṅkuśam |
phaṭpañcakaṃ kāmakalākālīsambodhanaṃ tataḥ ||40||

– Chanda, Bhuta, Para, Nada, Raudra, Ananda und Ankusha, dann fünfmal Phaṭ und die Anrede „Kamakalakali“.

Anmerkung: Bija-Namen, nicht ohne Weiteres wörtlich zu übersetzende Silbenfolgen.

Vers 41
ghorarāve iti tato vikaṭadaṃṣṭre ityapi |
kāli kāpāli iti caiva ||41||

Dann spricht man: „Du mit dem furchtbaren Laut! Du mit den gewaltigen Fangzähnen! Kali! Kapali!“

Anmerkung: Nummerierte, metrisch verkürzte Einheit in der Quelle; nicht künstlich ergänzt.

Vers 42
nararudhira ityuktvā vasāmāṃsa itīti ca |
bhojanapriya ityuktvā bhagapriya itīrayet ||42||

Es folgen die Bestandteile „Menschenblut“, „Fett und Fleisch“, „die diese Nahrung liebt“ und „die die Yoni liebt“.

Anmerkung: Formelerschließung über einzelne Wörter; nicht stillschweigend zu einer sicheren durchgehenden Sanskritrezitation zusammengesetzt.

Vers 43
bhagāṅkuśa iti procya bhagamālini coddharet |
bhagonmādini ityuktvā bhagārtava … itīrayet ||43||

Man spricht „Bhagankusha“, dann „Bhagamalini“, die eine Yoni-Girlande trägt, ferner „Bhagonmadini“, die durch die Yoni in Ekstase versetzt, und „Bhagartava …“.

Anmerkung: Fragment: Letzter Name in e ausdrücklich unsicher; genauer Wortausgang fehlt. bhaga hat hier genitalen Bezug; nicht als bloßes Glück umgedeutet.

Vers 44
ihāgaccha yugāttiṣṭha sannidhiṃ kuru ca dvayam |
tataśca bharatopāsyāguhyakālyāśca ṣoḍaśī ||44||

Zweimal „komm hierher“, dann „bleibe“ und zweimal „stelle deine Gegenwart her“; danach die sechzehnsilbige Formel der von Bharata verehrten Guhyakali –

Anmerkung: Die sechzehnsilbige Formel wird hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.

Vers 45
tataḥ kāmakalākālyāstrailokyākarṣaṇo manuḥ |
śākinī ḍākinībījāt phetkārībījamuddharet ||45||

– danach Kamakalakalis Trailokyakarshana-Mantra. Nach Shakini und dem Dakini-Bija fügt man das Phetkari-Bija hinzu –

Vers 46
kūrcaṃ vadhūṃ yoginīṃ ca praṇavasya ca pañcakam |
phaḍante hṛcchiraścāpi mahāmantro'yamīritaḥ ||46||

– Kurcha, Vadhu und Yogini, dann fünfmal Pranava. Nach Phaṭ folgen die Herz- und Hauptformeln. So wird dieser große Mantra angegeben.

Partnerin, Gefäß und Trinkgabe

Die erwachsene eingeweihte Partnerin nimmt im Mandala Platz; Gefäß und Gabe werden mit Mantras und Mudras eingesetzt.

Vers 47
anena pīṭhopari hi sindūrermaṇḍalaṃ caret |
tataḥ snātāṃ śuciṃ śaktiṃ sarvālaṅkārabhūṣitām ||47||

Damit zeichnet man das Mandala aus Sindura auf den Sitz. Dann führt man die gebadete, reine und mit allen Schmuckstücken geschmückte Shakti herbei –

Anmerkung: Ritualpartnerin gemäß der Auswahl erwachsener Frauen in 10.15–20.

Vers 48
ānīyānena mantreṇa tasyā vastraṃ vimocayet |
tāraprāsādavetālarudradrāvaṇabhairavīḥ ||48||

– und löst ihr Gewand mit diesem Mantra: Tara, Prasada, Vetala, Rudra, Dravana und Bhairavi –

Anmerkung: Historische Ritualvorschrift; kein Ersatz für Zustimmung der Partnerin.

Vers 49
śāṅkarabrahmabhāruṇḍācāmuṇḍākālagāruḍāḥ |
parākālīratikṣetrapālakāmaramāśriyaḥ ||49||

– Shankara, Brahma, Bharunda, Chamunda, Kala und Garuda; Para, Kali, Rati, Kshetrapala, Kama, Rama und Shri –

Anmerkung: Bija-Namen; Einzeltrennungen im letzten Kompositum nicht völlig sicher.

Vers 50
phetkārīṃ viṃśatitamāṃ namaḥ svāhāntago manuḥ |
caturviṃśatyakṣareṇa tāṃ nagnāṃ kārayet sudhīḥ ||50||

– Phetkari als zwanzigstes; der Mantra endet mit Namah und Svaha. Mit dieser vierundzwanzigsilbigen Formel soll der Kundige sie entkleiden lassen.

Anmerkung: Zahl der genannten Bijas und Silbenzahl als Quellenangaben bewahrt.

Vers 51
sindūramaṇḍalasyordhvaṃ kṛtapadmāsanāṃ striyam |
upaveśya tadaṅke tu pūrvoktaṃ kalaśaṃ kṣipet ||51||

Man lässt die Frau im Lotussitz auf dem Sindura-Mandala Platz nehmen und stellt das zuvor beschriebene Gefäß in ihren Schoß –

Vers 52
vakṣyamāṇena manunā yonimaṇḍalamadhyagam |
tāraṃ ṣaḍdīrghako … prāsādāṅkuśapāśakāḥ ||52||

– mitten in den Yoni-Bereich, mit dem nun genannten Mantra: Tara, eine mit den sechs langen Vokalen versehene Silbe …, Prasada, Ankusha und Pasha –

Anmerkung: Fragment: Die mit den sechs langen Vokalen zu verbindende Grundsilbe ist beschädigt; keine Ergänzung aus Erwartung.

Vers 53
kūrco bhūtaśca dhanadā hayagrīvakumārakau |
triśaktistāpinītattvaṃ kūrmadrāvaṇadānavāḥ ||53||

– Kurcha, Bhuta, Dhanada, Hayagriva und Kumara; Trishakti, Tapini, Tattva, Kurma, Dravana und Danava –

Anmerkung: Verschlüsselte Lautnamen; Trennung der mittleren Gruppe unsicher.

Vers 54
tato jaya jayetyuktvā bhagavatyapi saṃvadet |
tataḥ kāmakalākāli sarveśvari padaṃ tataḥ ||54||

Dann spricht man: „Sieg! Sieg! Erhabene! Kamakalakali! Herrin von allem!“

Vers 55
ihāgatya ciraṃ tiṣṭha tiṣṭheti tadanantaram |
tataśca proddhared devi yāvat pūjāṃ karomyaham ||55||

Darauf: „Komm hierher und bleibe lange, bleibe!“ Dann, Göttin: „Solange ich die Verehrung vollziehe.“

Vers 56
tatastrayaṃ hi bījānāṃ pañcānāṃ samuddharet |
śākinīyoginīkrodhahrīvadhūnāṃ pṛthak pṛthak ||56||

Danach fügt man jede der fünf Bija-Bezeichnungen Shakini, Yogini, Krodha, Hri und Vadhu jeweils dreimal hinzu.

Anmerkung: Hri in der OCR leicht beschädigt; Bija-Name, keine freie Bedeutungserfindung.

Vers 57
ante phaṭ pañca ca svāhā kalaśasthāpane manuḥ |
amuṃ mantraṃ gṛṇan juṣṭaṃ tasyā yonyupari nyaset ||57||

Am Ende fünfmal Phaṭ und Svaha: Dies ist der Mantra zum Aufstellen des Gefäßes. Während man ihn spricht, setzt man das bereitete Gefäß über ihrer Yoni auf.

Anmerkung: Rituelle Anordnung des Gefäßes; das in der Quelle ausgelassene Bezugswort ergibt sich aus 51.

Vers 58
tataḥ pūrvoditaṃ tīrthaṃ bhinnapātrasthitaṃ puraḥ |
ānīyācchādya hastābhyāṃ trailokyākarṣaṇaṃ japet ||58||

Dann bringt man die zuvor genannte Trinkgabe in einem gesonderten Gefäß vor sich, bedeckt sie mit beiden Händen und rezitiert den Trailokyakarshana-Mantra –

Vers 59
daśakṛtvastato dhenumudrayā cāvaguṇṭhanam |
digbandhanaṃ choṭikayā kuryācca tadanantaram ||59||

– zehnmal. Darauf vollzieht man die Verhüllung mit der Dhenu-Mudra und verschließt die Richtungen durch Fingerschnippen.

Anmerkung: Dhenu-Mudra: als „Kuh“ bezeichnete Handgeste; keine ausgedachte genaue Fingeranordnung.

Vers 60
tasyopariṣṭāt kramaśo navamudrāḥ pradarśayet |
śaktiṃ kapālaṃ yoniṃ ca sāmarasyaṃ tataḥ param ||60||

Über der Gabe zeigt man der Reihe nach neun Mudras: Shakti, Kapala, Yoni und danach Samarasya.

Anmerkung: Die Quelle nennt neun Mudras, führt hier aber nur vier an. Auch der Herausgeber vermutet eine Textlücke. Keine weiteren fünf ergänzt.

Vers 61
mudrāsvadarśitāsvevaṃ sarvaṃ tadviphalaṃ bhavet |
tatra dikṣu vidikṣvevaṃ śaktīraṣṭa prapūjayet ||61||

Werden die Mudras nicht so gezeigt, soll alles ohne Frucht bleiben. An den Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt man dort acht Shaktis –

Vers 62
icchā kriyā siddhirṛddhiḥ svāhā bhīmā karālinī |
caṇḍasaṅkarṣaṇī ceti dikṣvaṣṭasu pṛthak sthitām ||62||

– Iccha, Kriya, Siddhi, Riddhi, Svaha, Bhima, Karalini und Chandasamkarshani, jede für sich in einer der acht Richtungen.

Anmerkung: Iccha und Kriya bedeuten Wille und Tätigkeit; Siddhi und Riddhi Vollendung und Gedeihen. Endform im Singular beibehalten.

Vers 63
madhye'naṅgakulāṃ devīṃ gandhapuṣpādibhiryajet |
trailokyākarṣaṇenaiva madhye kāmakalāmapi ||63||

In der Mitte verehrt man die Göttin Anangakula mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben, und ebenso Kamakala in der Mitte mit dem Trailokyakarshana-Mantra.

Anmerkung: Die Quelle liest Anangakula; die andernorts vorkommende Form Anangakula mit langem ā an der Wortfuge wird nicht stillschweigend eingesetzt. Versnummer in der OCR stark beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 64
tadbhaktā guhyakālīṃ vā pūjayeyurhi tatsthale |
kuryāttataḥ śāpamokṣaṃ kuladravyasya bhāvini ||64||

Oder ihre Verehrer sollen an dieser Stelle Guhyakali verehren. Danach, du Schöne, vollzieht man die Befreiung der Kula-Gabe von ihrem Fluch.

Anmerkung: Kula-Gabe hier die rituelle Trinkgabe; folgende Formeln erläutern die traditionelle Entfluchung.

Entfluchung und meditative Weihe

Als vedisch und agamisch bezeichnete Formeln sollen die Trinkgabe reinigen. Es folgen Meditationen über Anandabhairava, Anandabhairavi und Sudha sowie Anweisungen zum Nyasa.

Vers 65
vaidikāgamasamantrābhyāṃ dravyaśāpavimokṣaṇam |
tatrādau vaidikaṃ vacmi kathayiṣye tataḥ param ||65||

Die Gabe wird mit vedischen und agamischen Mantras von ihrem Fluch befreit. Zuerst nenne ich den als vedisch bezeichneten, danach den anderen Teil.

Anmerkung: „Vedisch“ ist die Einordnung der Quelle; damit ist keine unabhängige Zuordnung zu einem bestimmten Veda behauptet.

Vers 66
ekameva paraṃ brahma sthūlasūkṣmamayaṃ dhruvam |
kacodbhavāṃ brahmahatyāṃ tena te nāśayāmyaham ||66||

„Eines allein ist das höchste Brahman, beständig, das Grobes und Feines umfasst. Dadurch tilge ich an dir die aus Kacha entstandene Brahmanentötung.“

Anmerkung: Kachodbhava ist aus beschädigter Lesung normalisiert und nimmt wohl auf die Kacha-Erzählung Bezug; keine zusätzliche Erzählung aus anderen Quellen eingefügt.

Vers 67
sūryamaṇḍalasambhūte varuṇālayasambhave |
amābījamaye devi śukraśāpādvimucyatām ||67||

„Du aus der Sonnensphäre Entstandene, aus Varunas Bereich Geborene, Göttin, deren Wesen das Ama-Bija ist: Mögest du von Shukras Fluch befreit werden.“

Anmerkung: amā-bīja ist lesbar, genaue Lauterschließung nicht angegeben. Imperativkonstruktion grammatisch unregelmäßig, Sinn verständlich.

Vers 68
vedānāṃ praṇavo bījaṃ brahmānandamayaṃ yadi |
tena satyena te devi brahmahatyāṃ vyapohatu ||68||

„Wenn Pranava, der Samen der Veden, von der Glückseligkeit Brahmans erfüllt ist, möge er kraft dieser Wahrheit, Göttin, die Brahmanentötung von dir nehmen.“

Vers 69
imaṃ mantratrayaṃ devi vaidikaṃ parikīrtitam |
āgamoktaṃ mantramapi mayoktamavadhāraya ||69||

Diese drei Mantras, Göttin, werden als vedisch bezeichnet. Höre nun aufmerksam auch den im Agama gelehrten Mantra, den ich dir vortrage.

Vers 70
tāraṃ kūrcaṃ ḍākinīṃ ca phetkārīṃ yoginīmapi |
lakṣmīmanmathacāmuṇḍābhāruṇḍābhairavītaḍit ||70||

Tara, Kurcha, Dakini, Phetkari und Yogini; Lakshmi, Manmatha, Chamunda, Bharunda, Bhairavi und Tadit –

Anmerkung: Verschlüsselte Bija-Namen.

Vers 71
vāmadevaṃ tataḥ kūṭamīśānaṃ ca tataḥ param |
tataḥ prasanne iti ca prasannā tadanantaram ||71||

– dann das Vamadeva-Kuta und danach Ishana; darauf „Prasanne“ und anschließend „Prasanna –“.

Anmerkung: Zweites Prasanna wird mit rūpiṇi im folgenden Vers verbunden.

Vers 72
rūpiṇyato bhagavati kāli kāmakalākṣarāt |
śukradattaṃ śāpamiti muñca muñcāpaya dvayam ||72||

„– rupini“, du mit der Gestalt der Prasanna-Trinkgabe; „Erhabene, Kali Kamakala: Löse den von Shukra auferlegten Fluch, lasse ihn lösen!“

Anmerkung: Formel wird schrittweise aus Wortgliedern erklärt; ungewöhnliches muñcāpaya bleibt als „lasse lösen“ verständlich.

Vers 73
paramānandāt sāmarasyakāriṇīti samuddharet |
idaṃ brahma bhūyādahaṃ brahma bhūyāsamityapi ||73||

Dann fügt man hinzu: „Du, die aus höchster Glückseligkeit Samarasya bewirkt. Möge dieses Brahman werden; möge ich Brahman werden.“

Anmerkung: Samarasya: Einheit beziehungsweise Gleichheit des Erlebens im Ritual.

Vers 74
paṭhed vāratrayamidaṃ bījānīha trayodaśa |
vyutkramāt paṭhanīyāni phaṭ namo vahnikāminī ||74||

Dies spricht man dreimal. Die dreizehn Bijas sind in umgekehrter Reihenfolge zu sprechen; am Ende Phaṭ, Namah und Vahnikamini.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält vyutkramāt. Vahnikamini, „die Geliebte des Feuers“, bleibt als verschlüsselnder Quellenname erhalten. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 7265–7268. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 250.

Vers 75
etanmantreṇābhimantrya ṣaḍdīrghairamṛtaṃ smaret |
brahmaśāpavimocitāyai sudhādevyai namo vadet ||75||

Nachdem man die Gabe mit diesem Mantra besprochen hat, vergegenwärtigt man mit den sechs langen Vokalen den Nektar und spricht: „Verehrung der Göttin Sudha, die von Brahmas Fluch befreit ist.“

Anmerkung: Sudha bedeutet Nektar; Grundsilbe zu den sechs Vokalen in diesem Vers nicht genannt.

Vers 76
daśavāraṃ japitvaivaṃ kāmaṣaḍdīrghamuccaret |
kulakūṭamiti procya śāpaṃ mocaya yugmakam ||76||

Nach zehnmaliger Rezitation spricht man das Kama-Bija mit den sechs langen Vokalen, danach das Kula-Kuta und zweimal: „Löse den Fluch!“

Anmerkung: Kula-Kuta in e beschädigt; Lesung nicht völlig gesichert. Keine ausgeschriebene Lautfolge ergänzt.

Vers 77
amṛtaṃ srāvaya dvandvaṃ svāhājāyāntago manuḥ |
daśavāramidaṃ japtvā trailokyākarṣaṇaṃ japet ||77||

Zweimal folgt: „Lasse Nektar fließen!“ Der Mantra schließt mit einer Svaha-Bezeichnung. Nachdem man ihn zehnmal rezitiert hat, rezitiert man Trailokyakarshana.

Anmerkung: Schlusskompositum svāhājāyā ist ungewöhnlich und in der OCR beschädigt; die Abschlussfunktion ist erkennbar, genaue Lesung unsicher.

Vers 78
tato dravyasya madhye tu dhyāyedānandabhairavam |
ānandabhairavīṃ cāpi sāmarasyapadaṃ gatau ||78||

Dann vergegenwärtigt man inmitten der Gabe Anandabhairava und Anandabhairavi, die in den Zustand des Samarasya eingegangen sind.

Vers 79
sūryakoṭipratīkāśaṃ candrakoṭisuśītalam |
vṛṣārūḍhaṃ nīlakaṇṭhaṃ sarvābharaṇabhūṣitam ||79||

Er leuchtet wie zehn Millionen Sonnen und ist zugleich kühl wie zehn Millionen Monde; auf einem Stier reitend, mit blauem Hals und allem Schmuck versehen –

Anmerkung: Meditationsbeschreibung Anandabhairavas, fortgesetzt in 80–82.

Vers 80
kapālakhaṭvāṅgadharaṃ ghaṇṭāḍamaruvādinam |
pāśāṅkuśadharaṃ devaṃ gadāmuśaladhāriṇam ||80||

– hält er Schädelschale und Khatvanga, lässt Glocke und Damaru erklingen, trägt Schlinge und Elefantenhaken sowie Keule und Stößel.

Vers 81
khaḍgakheṭakacakrarṣṭiparaśumudgaraśūlinam |
bhuśuṇḍīdhāraṇaṃ ghoraṃ varadābhayapāṇikam ||81||

Er trägt Schwert, Schild, Diskus, Speer, Axt, Hammer und Dreizack, hält die Bhushundi-Waffe und ist furchterregend; seine Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit.

Anmerkung: Ein Waffenglied ṛṣṭi leicht beschädigt, Zusammenhang hinreichend klar.

Vers 82
lohitaṃ devadeveśaṃ bhāvayed bhairavīyutam |
evaṃ dhyātvā guhyabījairvaṣaṭ taṃ pūjayet tridhā ||82||

Rot soll man ihn vergegenwärtigen, den Herrn der Götter, mit Bhairavi vereint. Nach dieser Meditation verehrt man ihn dreimal mit den Guhya-Bijas und Vaṣaṭ.

Vers 83
tato dhyāyet sudhādevīṃ candrakoṭyamṛtaprabhām |
himakundendudhavalāṃ pañcavaktrāṃ trilocanām ||83||

Dann meditiert man über die Göttin Sudha, deren Nektarglanz dem von zehn Millionen Monden gleicht, weiß wie Schnee, Jasmin und Mond, mit fünf Gesichtern und drei Augen.

Anmerkung: Die Quelle sagt „dreiäugig“; keine ausdrücklich nicht genannte Gesamtaugenzahl ergänzt.

Vers 84
aṣṭādaśabhujairyuktāṃ sarvānandakarodyatām |
prahasantīṃ viśālākṣīṃ devadevasya sammukhe ||84||

Sie besitzt achtzehn Arme und ist bereit, allen Freude zu schenken. Lachend und mit großen Augen steht sie dem Gott der Götter gegenüber.

Vers 85
guhyabījaiḥ sudhādevyai vauṣaṭ sampūjya pārvati |
trikoṇacakraṃ saṃlikhya vāmāvartena vai … ||85||

Nachdem man sie mit den Guhya-Bijas und „Der Göttin Sudha, Vauṣaṭ“ verehrt hat, Parvati, zeichnet man ein Dreiecks-Chakra gegen den Uhrzeigersinn … .

Anmerkung: Fragment: Endwort und Versnummer beschädigt; 85 folgt eindeutig aus der Zählung. Keine genauere Zeichenanweisung erfunden.

Vers 86
koṇācca dakṣiṇādūrdhvaṃ dakṣiṇāduttarāvadhi |
akārādikṣakārāntaṃ guhyabījaṃ trivārakaḥ ||86||

Von der rechten Ecke nach oben, von rechts bis nach Norden, schreibt man die Buchstaben von a bis kṣa und dreimal das Guhya-Bija –

Anmerkung: Richtungsformulierung im OCR-Text unsicher. Der lesbare Umfang wird übersetzt, nicht zu einer geometrisch eindeutigen Anleitung rekonstruiert.

Vers 87
vilikhya śākinībījaṃ daśakṛtvo japettu tam |
dhyātvāmṛtatvaṃ dravye'smin śivaśaktisamāgamāt ||87||

– schreibt das Shakini-Bija und rezitiert es zehnmal. Man vergegenwärtigt in dieser Gabe den Nektarzustand, der aus der Vereinigung von Shiva und Shakti entsteht.

Anmerkung: Bezug des Pronomens tam wahrscheinlich auf das zuletzt genannte Bija; Text kann die Gesamtformel meinen.

Vers 88
amṛtīkṛtya dhenvā tad vāruṇaṃ cāṣṭadhā japet |
kuryāttato'mṛtanyāsaṃ nyāsarājaṃ mahodayam ||88||

Mit der Dhenu-Mudra verwandelt man es rituell in Nektar und rezitiert den Varuna-Mantra achtmal. Danach vollzieht man Amrita-Nyasa, den hochwirksamen König der Nyasas.

Anmerkung: Varuna-Mantra hier nicht ausgeschrieben.

Vers 89
nyāsamenaṃ vinā devi dravyaśuddhirna jāyate |
pañcaviṃśatitattvāni tāvantyeva sthalāni ca ||89||

Ohne diesen Nyasa, Göttin, kommt die Reinigung der Gabe nicht zustande. Es gibt fünfundzwanzig Tattvas und ebenso viele Stellen.

Anmerkung: Die Tattvas werden hier nur gezählt, nicht vollständig aufgelistet.

Vers 90
vakṣyamāṇena mantreṇa teṣu sthāneṣu vinyasan |
vidhāya purato vastu vāmahastakaniṣṭhayā ||90||

Mit dem nun folgenden Mantra setzt man an diesen Stellen die Zuordnungen ein. Die betreffende Gabe liegt vor einem; mit dem kleinen Finger der linken Hand –

Anmerkung: Anleitung zur Mudra setzt sich in 91 fort.

Vers 91
tṛtīyaparvāṅguṣṭhasya yogānmudrābhijāyate |
paramī nāma tāṃ spṛṣṭvā tayā tattatsthalaṃ nyaset ||91||

– und durch die Verbindung mit dem dritten Daumenglied entsteht die Mudra namens Parami. Mit ihr berührt man die jeweilige Stelle und vollzieht dort den Nyasa.

Anmerkung: Wortstellung der Finger-/Gelenkangabe beschädigt; die genaue Fingerhaltung ist nicht sicher rekonstruierbar. Nicht als präzise Praxisanweisung ausgeben.

Vers 92
ādāviḍāṃ tataḥ svāṅgaṃ tataḥ śaktiṃ tato ghaṭam |
mantrapāṭhaścaikena nyased devi caturṣvapi ||92||

Zuerst an Ida, dann am eigenen Körper, dann an der Shakti und schließlich am Gefäß: Mit derselben Mantrarezitation soll man, Göttin, den Nyasa an allen vieren vollziehen.

Anmerkung: Erstes Objekt iḍā ist unsicher lesbar; möglicherweise Fachbezeichnung einer Ritualgabe. Keine sichere Gleichsetzung mit der Ida-Nadi. Kasus in mantra-pāṭhaś beschädigt, Sinn aus dem Zusammenhang.

Vers 93
ayameva vidhirjñeyo nyāse nirvāṇanāmani |
nyāse tathā sāmarasye kintu bhinnaṃ sthalaṃ bhavet ||93||

Dasselbe Verfahren gilt für den Nyasa namens Nirvana und ebenso für Samarasya-Nyasa; nur die jeweiligen Stellen sind verschieden.

Kolophon
iti śrīmadādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ pūjāvidhirnāma daśamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der von dem verehrten Adinatha verfassten Mahakala-Samhita das zehnte Kapitel namens „Verfahren der Verehrung“.

Anmerkung: Der Hymnus am Kapitelanfang besitzt einen eigenen Kolophon und eine eigene Zählung; der Ritualabschnitt umfasst 93 nummerierte Einheiten.

Kamakala-Khanda, Kapitel 11: Amrita-Nyasa und weitere Gefäßrituale

Mahakala erläutert den Amrita-Nyasa, Reihen von Tattvas und Körperstellen, die Weihe verschiedener Gefäße sowie fünf Reinigungsformeln. Die teilweise beschädigten Lautlisten bleiben als solche erkennbar. Die überlieferten Zahlen werden nicht durch erfundene Einträge ausgeglichen.

Vers 1
mahākāla uvāca |
tataḥ paraṃ … nyāsaṃ devyamṛtākhyam |
doṣanāśaguṇādhikye jāyete tena niścitam ||1||

Mahakala sprach: Danach … den Nyasa namens Amrita, Göttin. Durch ihn sollen gewiss Fehler beseitigt und die guten Eigenschaften vermehrt werden.

Anmerkung: Fragment: Das Verb der ersten Hälfte ist in beiden OCR-Zeugen beschädigt. Der ältere Paralleltext stützt die lesbare zweite Hälfte.

Vers 2
nyāsasyāsyāmṛtākhyasya kātyāyana ṛṣirmataḥ |
chando virāḍiti khyātaṃ kālī kāmakalā surī ||2||

Für diesen Amrita-Nyasa gilt Katyayana als Rishi. Das Metrum heißt Viraj; die Gottheit ist Kali Kamakala.

Vers 3
kāmabījaṃ kīlakaṃ syād yoginī śaktirucyate |
vadhūbījamiha proktaṃ viniyogaḥ prakīrtitaḥ ||3||

Das Kama-Bija ist der Kilaka, Yogini wird als Shakti genannt und Vadhu als Bija. Seine rituelle Verwendung wird angegeben –

Vers 4
ānandānubhavāyoccairathavā sarvasiddhaye |
pañcaviṃśatipātrāṇi pūrvoktāni prakalpayet ||4||

– für das intensive Erleben der Glückseligkeit oder für alle Vollendungen. Man stellt die zuvor genannten fünfundzwanzig Gefäße bereit –

Anmerkung: ānandānubhava und sarvasiddhi durch den lesbareren Paralleltext gestützt.

Vers 5
sādhārāṇi kramād devi vyatyāsaṃ naiva kalpayet |
etannyāse prātyahike proktaṃ muktvā samācaret ||5||

– mitsamt ihren Unterlagen, in der richtigen Reihenfolge, Göttin; diese darf man nicht vertauschen. Beim täglichen Nyasa soll man dies unter Weglassung des Genannten ausführen.

Anmerkung: Zweite Hälfte ist grammatisch unsicher. Offen bleibt, ob nur das Aufstellen der Gefäße oder weitere Vorbereitungen beim täglichen Vollzug entfallen.

Vers 6
jñānecchākṛtidharmāśca vairāgyaiśvaryamityapi |
śaktiḥ kaivalyamutsāhadhairyaṃ guhyavivekakau ||6||

Genannt werden Erkenntnis, Wille, Handeln, Dharma, Losgelöstheit und Herrschaft; Shakti, Kaivalya, Tatkraft, Standhaftigkeit, das Verborgene und Unterscheidungskraft –

Anmerkung: Beginn einer Tattva-Liste. guhya („verborgen“) in e, gupta im älteren Paralleltext; als Lesungsunterschied bewahrt. Kaivalya: geistige Unabhängigkeit beziehungsweise Befreiung.

Vers 7
vikāraḥ sukhamānandaḥ saṃjñā puṇyaṃ kriyā tathā |
vikṛtiḥ prakṛtiścaivāhaṅkāro mahadādikaḥ ||7||

– Veränderung, Glück, Glückseligkeit, Wahrnehmung beziehungsweise Benennung, Verdienst und Tätigkeit; Modifikation, Prakriti, Ahamkara und Mahat –

Anmerkung: Ähnliche Begriffe vikāra/vikṛti und kṛti/kriyā nicht zu einem einzigen Begriff zusammengezogen. Prakriti: ursprüngliche Natur; Ahamkara: Ich-Prinzip; Mahat: das große Erkenntnisprinzip.

Vers 8
tanmātraṃ liṅgaparamātmānau ceti prakīrtitau |
punastattvāntaraṃ pañcaviṃśaṃ devi niśāmaya ||8||

– Tanmatra, Linga und Paramatman. Höre nun, Göttin, eine weitere Reihe von fünfundzwanzig Tattvas.

Anmerkung: Tanmatra: feines Sinnesprinzip; Linga: Zeichen beziehungsweise feiner Träger; Paramatman: höchstes Selbst. Zählung und Trennung der vorigen Reihe nicht ganz eindeutig; keine Begriffe ergänzt, um 25 zu erzwingen.

Vers 9
śiveśvarau śuddhividye liṅgajīvātmasūkṣmakāḥ |
avidyā niyatiḥ kālaḥ kalā rāgaḥ kulāmṛtam ||9||

Shiva, Ishvara, Shuddhi und Vidya; Linga, Jivatman und Sukshma; Avidya, Niyati, Kala, Kala, Raga und Kulamrita –

Anmerkung: IAST unterscheidet kāla, Zeit, und kalā, Teilkraft. Weitere Begriffe: Reinheit, Wissen, individuelles Selbst, Feines, Unwissenheit, Bestimmung, Anhaften und Kula-Nektar. shuddhi/vidyā können auch zusammen als „reines Wissen“ gelesen werden. Der lesbarere Paralleltext stützt mehrere in e beschädigte Namen.

Vers 10
buddhirmāyā manaḥ kāmo rajaḥ sattvaṃ tamastathā |
yuktiḥ siddhiḥ sāmarasyaṃ pañcaviṃśamidaṃ kramāt ||10||

– Buddhi, Maya, Manas, Kama, Rajas, Sattva und Tamas, ferner Yukti, Siddhi und Samarasya. Dies wird der Reihe nach als fünfundzwanzig angegeben.

Anmerkung: Buddhi: unterscheidende Einsicht; Maya: gestaltende beziehungsweise verhüllende Kraft; Manas: Denkvermögen; Kama: Verlangen; die drei Gunas; Yukti: Verbindung oder angemessenes Verfahren. Anzahl der tatsächlich abgrenzbaren Listenglieder unsicher, Quellenzahl nicht durch Ergänzungen ausgeglichen.

Vers 11
śiro lalāṭāsyakaṇṭhāḥ skandhau cāpi kaphoṇikau |
maṇibandhāvaṅgulīnāṃ mūlāgrau parikīrtitau ||11||

Als Stellen werden Kopf, Stirn, Gesicht und Hals, beide Schultern, beide Ellenbogen, beide Handgelenke sowie die Ansätze und Spitzen der Finger genannt –

Vers 12
vaṅkṣaṇau jānunī gulphau pādāṅgulyaṅghrikāgrakāḥ |
vyāpakaṃ sarvaśārīraṃ pañcaviṃśatamaṃ priye ||12||

– beide Leisten, Knie und Knöchel, die Zehen und Fußspitzen. Die fünfundzwanzigste Zuordnung, Geliebte, erstreckt sich über den ganzen Körper.

Anmerkung: Wortgruppe zu Zehen/Fußspitzen beschädigt; keine genaue Zählung einzelner Berührungspunkte aus Vermutung.

Mantras und Einsetzung des Nektars

Bija-Namen und Anrufungen bestimmen die rituelle Zuordnung von Körper, Gefäßen und Gabe.

Vers 13
tāravāgbhavahrīkūrcavadhūlakṣmīmanobhuvām |
pāśāṅkuśamahākrodhabhūtaprāsādavidyutām ||13||

Tara, Vagbhava, Hri, Kurcha, Vadhu, Lakshmi und Manobhava; Pasha, Ankusha, Mahakrodha, Bhuta, Prasada und Vidyut –

Anmerkung: Beginn der verschlüsselten Bija-Aufzählung. Hri durch Paralleltext gestützt.

Vers 14
parācaṇḍāmṛtapretāḥ phetkārī śākinī ratiḥ |
pañcakūṭāstātpuruṣāścāmuṇḍābhairavīviṣāḥ ||14||

– Para, Chanda, Amrita, Preta, Phetkari, Shakini und Rati; die fünf Kutas, Tatpurusha, Chamunda, Bhairavi und Visha –

Anmerkung: Die Verbindung „fünf Kutas/Tatpurusha“ ist nicht eindeutig segmentierbar; keine Silbenfolge ergänzt.

Vers 15
brahmavetālabhāruṇḍā nīladrāvaṇamānasāḥ |
vajraśāṅkarakāpālaraudrānandagarutmatām ||15||

– Brahma, Vetala, Bharunda, Nila, Dravana und Manasa; Vajra, Shankara, Kapala, Raudra, Ananda und Garutmat.

Anmerkung: Manasa in e; der ältere Paralleltext hat offenbar Marasa. Varianten nicht stillschweigend gleichgesetzt.

Vers 16
catvāriṃśacca bījānāmuddharet prathamaṃ sudhīḥ |
idamamṛtīkṛtyeti padaṃ dadyāt tataḥ param ||16||

Zuerst fügt der Kundige die vierzig Bijas ein. Danach die Worte: „Nachdem dieses zu Nektar geworden ist“ –

Anmerkung: Vierzig als Quellenzahl; nicht durch Rekonstruktion überprüfbar.

Vers 17
paramātmanīti saṃlikhya … ramitīrayet |
juṣasva vahnijāyānta ekaṣaṣṭyakṣaro manuḥ ||17||

– dann „im höchsten Selbst“ … „erfreue dich, nimm an“; am Schluss die „Gattin des Feuers“, Svaha. Der Mantra wird als einundsechzigsilbig bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: Zwischen paramātmani und ram ist der Text beschädigt; e und Paralleltext enthalten redaktionelle Klammern mit unsicherem pañcavā-. Keine vermeintlich vollständige Formel erstellt.

Vers 18
prativāraṃ mantrapāṭhaṃ sakṛdvāpi prayojayet |
jñānātmane śivāyeti proktvā śīrṣaṃ nyaset priye ||18||

Man spricht den Mantra bei jeder Einsetzung oder einmal für alle. Mit „Shiva, dessen Wesen Erkenntnis ist“ vollzieht man den Nyasa am Kopf, Geliebte.

Vers 19
evaṃ pūrvoktavidhinā tritayaṃ tritayaṃ vadet |
prokṣaṇyādāya pīyūṣaṃ tattatpātre niveśayet ||19||

So spricht man nach dem zuvor genannten Verfahren jeweils die dreifache Zuordnung. Man nimmt Nektar mit dem Sprenggefäß auf und gibt ihn in das jeweilige Gefäß –

Anmerkung: Dreifache Zuordnung wohl Tattva, Gottheit und Körperstelle; diese Deutung ist nicht Teil des wörtlichen Verses. prokṣaṇī in beiden Zeugen leicht beschädigt.

Vers 20
tenaiva mantreṇa sakṛt prativāramathāpi vā |
punarādāya ṣaṭpātrāṇyanyāni parikalpayet ||20||

– mit demselben Mantra, einmal insgesamt oder bei jedem Mal. Darauf stellt man sechs weitere Gefäße bereit –

Vers 21
vīro bhogaḥ śaktikulaṃ gurudevatameva ca |
tatraikaṣaṣṭyakṣariṇā pratyekaṃ manunārcayet ||21||

– für Vira, Bhoga, Shakti, Kula, Guru und Gottheit. Jedes verehrt man mit dem einundsechzigsilbigen Mantra.

Anmerkung: Vira: tantrischer „Held“; Bhoga: Genuss; Kula: tantrische Gemeinschaft beziehungsweise Kräftefamilie. Präzise Empfängerrollen werden hier nicht weiter erläutert.

Vers 22
sāmarasyaṃ ca nirvāṇamatraiva samaye caret |
vakṣyamāṇena mantreṇa tadvastu sthāpayed ghaṭe ||22||

Zu diesem Zeitpunkt vollzieht man auch Samarasya und Nirvana. Mit dem folgenden Mantra setzt man die Gabe in das Gefäß ein.

Anmerkung: Samarasya und Nirvana bezeichnen hier die zuvor angekündigten Nyasa-Verfahren.

Vers 23
praṇavaḥ śākinī kūrcaṃ phetkārībhogamanmathāḥ |
lajjāpretaramāmedhasudhākālīratikramāḥ ||23||

Pranava, Shakini, Kurcha, Phetkari, Bhoga und Manmatha; dann Lajja, Preta, Rama, Medha, Sudha, Kali und Rati –

Anmerkung: Verschlüsselte Formelglieder.

Vers 24
saṃhārānākhyabhāsājñāviśuddhyanāhataprabhāḥ |
bṛhadrathantarajyeṣṭhapuṇḍarīkamahāvratān ||24||

– Samhara, Anakhya, Bhasa, Ajna, Vishuddhi, Anahata und Prabha; Brihat, Rathantara, Jyeshtha, Pundarika und Mahavrata –

Anmerkung: Namen von Kutas beziehungsweise Lautgruppen; die Trennung von bhāsājñā ist unsicher. Keine Gleichsetzung mit einer Standard-Chakraliste.

Vers 25
sautrāmaṇyaśvamedheḍā viśvajitsiddhavāruṇān |
kūṭānaṣṭādaśaitāṃstu proccarettadanantaram ||25||

– Sautramani, Ashvamedha, Ida, Vishvajit, Siddha und Varuna: Diese achtzehn Kutas spricht man danach.

Anmerkung: Einzelglieder nach der Quellenaufzählung; die Achtzehnerzahl bleibt als Quellenangabe stehen.

Vers 26
pañcāmṛtaṃ samuddhṛtya sudhārūpeṇa coddharet |
kumbhe'smin saṃviśa dvandvaṃ tiṣṭhāpi sannidhiṃ kuru ||26||

Man fügt „Panchamrita“ ein und dann: „In Nektargestalt tritt in dieses Gefäß ein, tritt ein; bleibe und stelle deine Gegenwart her.“

Anmerkung: Panchamrita bedeutet „fünffacher Nektar“; hier Bestandteil der Formelerschließung.

Vers 27
saptaviṃśatsudhādīni pratilomaṃ tato vadet |
ante'stratritayaṃ … vahnijāyāntago manuḥ ||27||

Darauf spricht man die siebenundzwanzig mit Sudha beginnenden Elemente in umgekehrter Reihenfolge. Am Schluss dreimal Astra …; der Mantra endet mit der Gattin des Feuers, Svaha.

Anmerkung: Fragment: Kurze Lautgruppe vor dem Abschluss beschädigt. Siebenundzwanzig ist die Quellenzahl; keine rekonstruierte Gesamtreihe.

Vers 28
iti saṃsthāpya pīyūṣaṃ kumbhe āvāhya kālikām |
puṣpasrajācchādya ghaṭam … maṇḍitam ||28||

Nachdem man so den Nektar im Gefäß eingesetzt und Kalika eingeladen hat, umgibt man das geschmückte Gefäß mit einer Blumengirlande … .

Anmerkung: Fragment: Weitere Schmuckbezeichnung zwischen ghaṭa und maṇḍita beschädigt; lesbarer Vollzug weiterübersetzt.

Vers 29
daśopacāraiḥ sampūjya stutvā natvā vidhūpya ca |
pañcaviṃśatipātrāṇāṃ devyā madhye ca sammitam ||29||

Man verehrt es mit zehn Darbringungen, preist es, verneigt sich und beräuchert es. Zwischen den fünfundzwanzig Gefäßen und der Göttin stellt man ein passend bemessenes –

Anmerkung: Satzfortsetzung in 30. sammitam durch den älteren Paralleltext gestützt; e liest beschädigt sasmitam.

Vers 30
pātraṃ saṃsthāpya sādhāraṃ yonimudrāṃ pradarśya ca |
bhūmau trikoṇamālikhya tadbahiścaturasrakam ||30||

– Gefäß mitsamt seiner Unterlage auf und zeigt die Yoni-Mudra. Auf den Boden zeichnet man ein Dreieck und außen darum ein Viereck.

Vers 31
ādhāraśaktiṃ sampūjya pātraṃ tasyopari nyaset |
mūlena pātraṃ saṃvīkṣya śākinyastreṇa kṣālanam ||31||

Nach der Verehrung der tragenden Shakti stellt man das Gefäß darauf. Mit dem Grundmantra blickt man es an; mit Shakini-Astra reinigt man es –

Vers 32
tenaiva tāḍanaṃ kṛtvā kavacenāvaguṇṭhayet |
punaranyaghaṭasthāyidravyaṃ dakṣiṇato nyaset ||32||

– und vollzieht damit das rituelle Anschlagen. Mit der Kavacha-Formel verhüllt man es. Die in einem anderen Gefäß befindliche Gabe setzt man rechts ab.

Vers 33
pātraṃ vāmakare kṛtvā manunānena pūjayet |
ūhaḥ sarvatra kartavyaḥ sveṣṭadevyāstu nāmani ||33||

Man nimmt das Gefäß in die linke Hand und verehrt es mit diesem Mantra. Überall ist der Name der eigenen verehrten Göttin entsprechend anzupassen.

Anmerkung: Die Anweisung zur Namensanpassung stammt ausdrücklich aus der Quelle.

Gefäßunterlage, Feuer- und Sonnen-Kalas

Weitere Formeln begleiten das Aufstellen, Beräuchern und Befüllen der Gefäße; Namen von Kalas werden aufgezählt.

Vers 34
tāraṃ trapāṃ tathā kūrcaṃ yoginīṃ śākinīmapi |
kākinīṃ khecarīṃ nāgaṃ bhāruṇḍāṃ triśikhāmapi ||34||

Tara, Trapa, Kurcha, Yogini und Shakini, Kakini, Khechari, Naga, Bharunda und Trishikha –

Anmerkung: Verschlüsselte Bija-Namen.

Vers 35
proccārya vāmahaste tu devyāḥ pātraṃ nidhāpayet |
tatastāraṃ ca māyāṃ ca śākinīṃ tripuṭāṃ smaram ||35||

– spricht man aus und stellt das Gefäß in die linke Hand der Göttin. Dann folgen Tara, Maya, Shakini, Triputa und Smara –

Vers 36
mohāndhakūpanāśanāya nama uccārayet sudhīḥ |
ḍākinī … ramākāla … balistriyaḥ ||36||

– und der Kundige spricht: „Verehrung dem, der den dunklen Brunnen der Verblendung vernichtet.“ Es folgen Dakini … Rama, Kala … Bali und Stri.

Anmerkung: Fragment: Mehrere Bija-Namen der zweiten Hälfte beschädigt; mohāndhakūpa in der ersten Hälfte aus dem Zusammenhang normalisiert.

Vers 37
uccārya so'haṃ devyarghyapātrādhāramitīrayet |
sādhayāmi namaḥ procya dhūpayet saṃvidāpūraiḥ ||37||

Danach spricht man: „So’ham – ich bin das. Ich bereite die Unterlage für das Arghya-Gefäß der Göttin. Verehrung!“ Dann beräuchert man sie mit Samvid-Gaben.

Anmerkung: Bezeichnung des Räucherstoffs saṃvidāpūra unsicher; nicht aus Vermutung botanisch bestimmt.

Vers 38
sampūjya pātrādhāraṃ hi pātraṃ sampūjayet tataḥ |
ḍākinīṃ ca trapāṃ lakṣmīṃ tārakaṃ koṇakhedakau ||38||

Nach Verehrung der Gefäßunterlage verehrt man das Gefäß selbst. Die Formel nennt Dakini, Trapa, Lakshmi, Taraka, Kona und Khedaka –

Anmerkung: Die letzten beiden Bija-Namen sind unsicher gelesen; keine vermeintlich sichere Lautform ergänzt.

Vers 39
āgneyāstraṃ … kūṭaṃ bahirathaṃ tathā |
dharmyāgnisomasūryāśca sakalānnama īrayet ||39||

– das Feuer-Astra, ein … Kuta, Bahiratha, dann die mit Dharma, Feuer, Mond und Sonne bezeichneten Elemente; auf „Sakala“ folgt „Namah“.

Anmerkung: Fragment: Mehrere Formelglieder beziehungsweise ihre Abgrenzungen sind beschädigt. Kein durchgehender Rezitationsmantra ableitbar.

Vers 40
trapāṃ ramāṃ samuccārya … vargakam |
dhūmrārcirnīlaraktā ca kapilā visphuliṅginī ||40||

Man spricht Trapa und Rama sowie eine … Lautgruppe. Dann die Namen Dhumrarchis, Nilarakta, Kapila und Visphulingini –

Anmerkung: Fragment: Beschreibung der Lautgruppe beschädigt. Die folgenden Namen bezeichnen Feuer-Kalas: rauchige Flamme, dunkelrot, gelbbraun und Funken sprühend.

Vers 41
jvālinyarciṣmatī havyavāhinī kavyavāhinī |
raudrī saṃhāriṇī ceti kalāṃ śrīpādukāṃ namaḥ ||41||

– Jvalini, Arcishmati, Havyavahini, Kavyavahini, Raudri und Samharini. Die Formel lautet jeweils: „Der Kala, ihren verehrten Padukas, Verehrung!“

Anmerkung: Flammend, strahlend, Göttergaben tragend, Ahnengaben tragend, furchtbar und auflösend. Padukas: verehrte Fußzeichen beziehungsweise Sandalen; hier Teil der Ritualformel.

Vers 42
ityādhāraṃ punaścārghyapātragarbhaṃ vidhūpayet |
vakṣyamāṇena vidhinā sugandhidravyavistaraiḥ ||42||

So beräuchert man die Unterlage und danach das Innere des Arghya-Gefäßes mit verschiedenen duftenden Stoffen nach dem folgenden Verfahren.

Vers 43
tāraṃ lajjāṃ ca lakṣmīṃ ca kāmaṃ muktāṃ nṛsiṃhakam |
sandhūpya vinyaset pātraṃ tripādyāṃ sādhakottamaḥ ||43||

Nach Tara, Lajja, Lakshmi, Kama, Mukta und Nrisimha beräuchert der vorzügliche Sadhaka das Gefäß und stellt es auf den Dreifuß.

Anmerkung: Mukta als Bija-Name unsicher gelesen; nicht als gesicherte Lautsilbe ausgegeben.

Vers 44
lajjāṃ lakṣmīṃ smaraṃ kūrcaṃ ḍākinīṃ śākinīṃ balim |
so'hamambārghyapātramuktvā sthāpayāmi namo vadet ||44||

Lajja, Lakshmi, Smara, Kurcha, Dakini, Shakini und Bali; danach spricht man: „So’ham. Ich stelle das Arghya-Gefäß der Mutter auf. Verehrung!“

Anmerkung: Die Wortfuge ambārghya in e beschädigt; aus dem Ritualzusammenhang verstanden.

Vers 45
atha sādhāramarghyaṃ taṃ pūjayet parameśvari |
lajjāṃ lakṣmīṃ ruṣaṃ kāmaṃ yoginīṃ śākinīṃ sudhām ||45||

Nun verehrt man das Arghya mitsamt seiner Unterlage, höchste Herrin. Man spricht Lajja, Lakshmi, Rush, Kama, Yogini, Shakini und Sudha –

Anmerkung: Rush ist ein Bija-Name aus dem Bedeutungsfeld Zorn; nicht zu einer bestimmten Silbe aufgelöst.

Vers 46
kṣetrapālaṃ gāruḍaṃ ca kūṭaṃ ca dvādaśāhakam |
siddhipradadvādaśakalātmane sūryeti kīrtayet ||46||

– Kshetrapala, Garuda und das Dvadashaha-Kuta, dann: „Dem Wesen der zwölf Kalas, das Vollendung verleiht, der Sonnen –“.

Anmerkung: Fortsetzung des Sanskritkompositums in 47.

Vers 47
maṇḍalāyārghyapātrāya nama uccārayet tataḥ |
trapāṃ lakṣmīṃ smaraṃ kūrcaṃ vakṣyamāṇakalādibhiḥ ||47||

„– Sphäre, dem Arghya-Gefäß, Verehrung!“ Dann verbindet man Trapa, Lakshmi, Smara und Kurcha mit den nun folgenden Kala-Namen –

Vers 48
śrīpādukāṃ nama iti pūjayet tadanantaram |
tapinī tāpinī caiva bhrāmarī kledinī tathā ||48||

– und verehrt sie mit „Den verehrten Padukas, Verehrung!“ Die Kalas heißen Tapini, Tapini mit langem Anfangsvokal, Bhramari und Kledini –

Anmerkung: IAST unterscheidet tapinī und tāpinī. Namen etwa: erwärmend, erhitzend, summend beziehungsweise umherschweifend und befeuchtend. Bhramari durch Paralleltext gestützt.

Vers 49
śodhinī rodhinī caiva vāruṇyākarṣiṇī tathā |
suṣumṇā vṛṣṭivāhā ca jyeṣṭhā caiva hiraṇyakā ||49||

– Shodhini, Rodhini, Varuni, Akarshini, Sushumna, Vrishtivaha, Jyeshtha und Hiranyaka.

Anmerkung: Reinigend, hemmend, zu Varuna gehörig, anziehend, Sushumna, Regen tragend, die Älteste und die Goldene. Akarshini durch Paralleltext gestützt. Zwölf Kalas einschließlich 48.

Vers 50
pūjayitvā vāmabhāge sindūrairmaṇḍalaṃ caret |
utthāpya dakṣiṇādbhāgād vakṣyamāṇamanuṃ vadan ||50||

Nach ihrer Verehrung zeichnet man links ein Mandala mit Sindura. Während man den folgenden Mantra spricht, hebt man von der rechten Seite –

Vers 51
sthāpayet pūrṇakumbhaṃ taṃ vāmabhāgasthamaṇḍale |
praṇavaṃ vāgbhavaṃ lajjāṃ lakṣmīṃ kāmaṃ ca śākinīm ||51||

– das volle Gefäß und setzt es in das Mandala auf der linken Seite. Man spricht Pranava, Vagbhava, Lajja, Lakshmi, Kama und Shakini –

Vers 52
yoginīṃ triśikhāṃ kūrcaṃ phetkārījambhapaṅktayaḥ |
sindūragandhapuṣpādyaiḥ kulakumbhaṃ prapūjayet ||52||

– Yogini, Trishikha, Kurcha, Phetkari, Jambha und Pankti. Mit Sindura, Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrt man das Kula-Gefäß.

Anmerkung: Letzte beiden Bija-Namen beziehungsweise Gruppierung unsicher; keine Silben ergänzt.

Vers 53
sṛṣṭyā sthityā ca saṃhārānākhyābhāsākhyakūṭakaiḥ |
tato lajjāṃ ramāṃ kūrcaṃ kūṭaṃ saṃhārameva ca ||53||

Mit den Kutas namens Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Unbenennbares und Erscheinung; dann mit Lajja, Rama, Kurcha und dem Samhara-Kuta –

Anmerkung: Bedeutungen der Kuta-Namen, keine Lautauflösung.

Vers 54
hiraṇyagarbhakūṭaṃ ca ānandabhairavāya ca |
vauṣaṭ trivāramuccārya karābhyāṃ kumbhamuddharet ||54||

– sowie dem Hiranyagarbha-Kuta und „Anandabhairava, Vauṣaṭ“. Dies spricht man dreimal und hebt das Gefäß mit beiden Händen.

Vers 55
tīrthasaṃsthāpane kumbhe pūrvoktaṃ mantramuccaran |
śatārṇaṃ mantramathavā sahasrārṇamathāpi vā ||55||

Dabei rezitiert man den zuvor zum Einsetzen der Trinkgabe in das Gefäß genannten Mantra oder den hundertsilbigen oder den tausendsilbigen –

Anmerkung: Formeln hier nur bezeichnet.

Vers 56
japan pātraṃ pūrayīta niḥśabdaṃ sūkṣmadhārayā |
tāraṃ medhaṃ trapāṃ lakṣmīṃ smarakūrcau ca śākinīm ||56||

– und füllt das Gefäß lautlos mit einem dünnen Strahl. Danach spricht man Tara, Medha, Trapa, Lakshmi, Smara, Kurcha und Shakini –

Vers 57
uccārya vakṣyamāṇena ślokena pihitaṃ caret |
brahmāṇḍakhaṇḍasambhūtapīyūṣasamatāvaha ||57||

– und deckt es mit dem nun folgenden Vers zu: „Du, der du die Gleichheit des aus dem Weltei hervorgegangenen Nektars trägst –“.

Anmerkung: Das lange Kompositum ist schwerfällig und teilweise beschädigt. samatāvaha wörtlich „Gleichheit tragend“; keine freie kosmologische Erweiterung.

Vers 58
āpūritamahāpātra tvamaśeṣarasaṃ vaheḥ |
amṛtaṃ nābhasaṃ kūṭaṃ siddhakūṭaṃ samuccaran ||58||

„– gefülltes großes Gefäß, mögest du den ganzen Saft tragen.“ Man spricht Amrita, das Nabhasa-Kuta und das Siddha-Kuta –

Anmerkung: Erste Worte aus dem lesbaren Paralleltext übernommen; e stark beschädigt. Nabhasa: dem Raum zugehörig.

Vers 59
saṃveṣṭayet tataḥ pātraṃ mudrayā lelihānayā |
pañcamudrāṃ tataḥ paścād darśayet … tathā ||59||

– und umschließt das Gefäß mit der Lelihana-Mudra, der „leckenden“ Geste. Danach zeigt man die fünf Mudras … .

Anmerkung: Fragment: Einzelnes Wort am Ende beschädigt; lesbare Anweisung vollständig übersetzt.

Vers 60
stambhanaṃ caturasraṃ ca matsyaṃ gokṣurameva ca |
yonimudrā ca vijñeyā pañca mudrā mahāphalāḥ ||60||

Stambhana, Chaturasra, Matsya, Gokshura und Yoni-Mudra: Dies sind die fünf Mudras, denen große Frucht zugeschrieben wird.

Anmerkung: Matsya, die Fischgeste, fehlt beschädigungsbedingt in e, ist im Paralleltext vorhanden und hier ausdrücklich daraus übernommen. Weitere Namen: Stillstellung, Viereck, Kuhhuf und Yoni.

Die fünf Vidyas

Fünf Formeln dienen der rituellen Entfluchung und Reinigung. Der fünfte Formeltext bricht im vorhandenen Wortlaut unvermittelt ab.

Vers 61
asminneva kṣaṇe devi pañcavidyāṃ samuccaret |
medhatrapāramāmedhā amṛte amṛtodbhave ||61||

In diesem Augenblick, Göttin, spricht man die fünf Vidyas. Die erste beginnt: Medha, Trapa, Rama, Medha; „Du Nektarhafte, aus Nektar Geborene –“.

Anmerkung: Beginn der fünf rituellen Formeln.

Vers 62
amṛtavarṣiṇyuccārya kāmārṇādamṛtaṃ vadet |
tataśca srāvayadvandvaṃ bhairavībījamuccaret ||62||

„– die Nektar regnen lässt!“ Nach dem Kama-Laut folgt „Nektar“, dann zweimal „lasse fließen“ und das Bhairavi-Bija.

Vers 63
tataḥ sudhe śukraśāpaṃ mocayeti prakīrtayet |
caturanvayināṃ siddhisāmarthyaṃ dehiyugmakam ||63||

Dann: „Sudha, löse Shukras Fluch! Gewähre, gewähre die Vollendungskraft der vier Überlieferungslinien!“

Anmerkung: Befehlswort in e beschädigt, als dehi („gewähre“) verstanden; Paralleltext OCR daha („verbrenne“) würde den Sinn ändern. Lesung ausdrücklich unsicher.

Vers 64
uktvā mahākhecarīti mudrāṃ prakaṭaya dvayam |
kūrcasvāhāntago mantraḥ prathamaḥ parikīrtitaḥ ||64||

Dann „Mahakhechari“ und zweimal „offenbare die Mudra“. Die Formel endet mit Kurcha und Svaha. Dies ist die erste Formel.

Vers 65
medhatrayaṃ … ṣaḍdīrghasudhā … tataḥ param |
śāpaṃ nāśaya ityuktvā amṛtaṃ srāvayadvayam ||65||

Dreimal Medha, dann … sechs lange Vokale, Sudha … . Danach „Vernichte den Fluch!“ und zweimal „Lasse Nektar fließen!“

Anmerkung: Fragment: Mehrere Bija-Glieder und ihre Zuordnung beschädigt; keine Rezitationsfassung ergänzt.

Vers 66
mantro dvitīyaḥ svāhāntastṛtīyamavadhāraya |
medhatraya … parikīrtayet ||66||

Der zweite Mantra endet mit Svaha. Höre nun den dritten: Man spricht dreimal Medha … .

Anmerkung: Fragment: Weitere Wort- beziehungsweise Bija-Gruppe der zweiten Hälfte in beiden Zeugen beschädigt.

Vers 67
vikāraśodhini procya kuladravyasya cetyapi |
vikārān hara yugmāgnivallabhāntastṛtīyakaḥ ||67||

Dann: „Du, die Veränderungen reinigt! Nimm die Veränderungen der Kula-Gabe hinweg, nimm sie hinweg!“ Der dritte Mantra endet mit der Geliebten des Feuers, Svaha.

Anmerkung: vikāra hier beeinträchtigende Veränderung beziehungsweise Verunreinigung der Ritualgabe.

Vers 68
catuṣṭayaṃ vāgbhavasya amṛte amṛtodbhave |
ityuccārya vadedamṛtavarṣiṇīti tataḥ param ||68||

Viermal Vagbhava; dann „Du Nektarhafte, aus Nektar Geborene!“ und danach „die Nektar regnen lässt“ –

Vers 69
mahāprakāśayukte ca svāhānto'yaṃ caturthakaḥ |
catuḥ sārasvataṃ somaṃ trapākūrcasmarastriyaḥ ||69||

„– die mit großem Licht vereint ist!“ Dieser vierte Mantra endet mit Svaha. Der nächste beginnt mit viermal Sarasvata, dann Soma, Trapa, Kurcha, Smara und Stri –

Vers 70
tiraskariṇi sambodhya sakaleti jayediti |
vāgvādinīti sakalāt tataḥ paśujaneti ca ||70||

– darauf die Anreden „Tiraskarini“, die verhüllt, „Sakale“, die Allesumfassende, „Jaye“, die Siegreiche, und „Vagvadini“, die Rede verleiht; dann „sakala“ und „pashujana“, die Gesamtheit der Nichteingeweihten.

Anmerkung: Der fünfte Mantra endet im vorhandenen Text unvermittelt; kein Verb oder Formelabschluss aus Vermutung ergänzt. Einzelne Worttrennungen unsicher.

Vers 71
ābhistu pañcavidyābhiḥ sarvadoṣavighātibhiḥ |
iti te kathito nyāsānmantradhyānārcanakriyāḥ ||71||

Mit diesen fünf Vidyas, die alle Fehler beseitigen sollen … . So sind dir Nyasas, Mantras, Meditationen und Verehrungshandlungen erklärt worden –

Anmerkung: Die erste Hälfte besitzt keinen klar erhaltenen Satzabschluss, die zweite beschädigte Flexionen. Inhalt hinreichend lesbar; Verbindung nicht künstlich rekonstruiert.

Vers 72
vaiśeṣikāḥ kriyāyogāḥ prayogā aupacārikāḥ |
sāmprataṃ brūhi me kiṃ tvamākarṇayitumicchasi ||72||

– besondere Ritualverfahren und Anwendungen mit Darbringungen. Sage mir nun, was du noch hören möchtest.

Kolophon
iti śrīmadādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ nānāprayoga … nāmaikādaśatamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der von dem verehrten Adinatha verfassten Mahakala-Samhita das elfte Kapitel über verschiedene Anwendungen … .

Anmerkung: Fragment: Kapitelname nach nānāprayoga beschädigt, nicht zu einem gesicherten Titel ergänzt.

Kamakala-Khanda, Kapitel 12: Die tausend Namen Kamakalakalis

Devi bittet um die tausend Namen. Mahakala erläutert unterschiedliche Arten göttlicher Namen und ihre überlieferten Wirkungen. Auf die rituelle Zuordnung folgt die Namensreihe, die milde und furchtbare, körperliche und kosmische Gestalten der Göttin nebeneinanderstellt. Die Namensreihe und ihre Wirkungsverheißung reichen bis Vers 157. Es folgt eine lange Prosaanrufung mit eigener Einleitung und erneut beginnender Verszählung 1–5, Schluss-Halbvers und Kapitelkolophon. Diese Teile sind getrennt ausgewiesen.

Vers 1
devyuvāca |
tvattaḥ śrutaṃ mayā nātha devadeva jagatpate |
devyāḥ kāmakalākālyā vidhānaṃ siddhidāyakam ||1||

Devi sprach: Von dir habe ich, Herr, Gott der Götter und Herr der Welt, das Verfahren der Göttin Kamakalakali gehört, das Vollendung verleihen soll.

Vers 2
trailokyavijayasyāpi viśeṣeṇa śruto mayā |
tatprasaṅgena cānyāsāṃ mantradhyāne tathā śrute ||2||

Auch über Trailokyavijaya habe ich ausführlich gehört und in diesem Zusammenhang ebenso die Mantras und Meditationen der anderen Göttinnen.

Anmerkung: Kasusendung śrutaḥ in der Quelle unregelmäßig; inhaltlich verständlich.

Vers 3
idānīṃ jāyate nātha śuśrūṣā mama bhūyasī |
nāmnāṃ sahasre trividhamahāpāpaughahāriṇi ||3||

Nun, Herr, ist in mir ein großes Verlangen entstanden, die tausend Namen zu hören, die den Strom der dreifachen schweren Verfehlung hinwegnehmen –

Anmerkung: Die Dreiteilung wird hier nicht erläutert.

Vers 4
śrutena yena deveśa dhanyā syāṃ bhāgyavatyapi |
mahākāla uvāca |
bhāgyavatyasi dhanyāsi sandeho nātra bhāvini ||4||

– durch deren Hören ich gesegnet und glücklich würde, Herr der Götter. Mahakala sprach: Du bist glücklich und gesegnet, daran besteht kein Zweifel, du Schöne –

Anmerkung: Sprecherwechsel innerhalb der nummerierten Einheit.

Vers 5
sahasranāmaśravaṇe yasmātte niścitaṃ manaḥ |
tasyā nāmnāṃ tu lakṣāṇi vidyante cātha koṭayaḥ ||5||

– denn dein Geist ist entschlossen, die tausend Namen zu hören. Von ihren Namen gibt es Hunderttausende und Millionen.

Vers 6
tānyalpāyurmatitvena nṛbhirdhārayituṃ sadā |
aśakyāni varārohe paṭhituṃ ca dine dine ||6||

Menschen können sie wegen ihrer kurzen Lebensspanne und begrenzten geistigen Kraft nicht alle behalten und Tag für Tag rezitieren, du Schöne.

Vers 7
tebhyo nāmasahasrāṇi sārāṇyuddhṛtya śambhunā |
amṛtānīva dugdhābdherbhūdevebhyaḥ samarpitam ||7||

Darum hat Shambhu aus ihnen die wesentlichen Tausendergruppen von Namen herausgehoben, wie Nektar aus dem Milchozean, und sie den „Göttern auf Erden“, den Brahmanen, übergeben.

Anmerkung: Plural der Tausendergruppen und Singular des Schlussverbs in der Quelle nicht harmonisiert.

Vers 8
kānicittatra gauṇāni gaditāni śucismite |
rūḍhāṇyākārahīnatvād gauṇāni guṇayogataḥ ||8||

Einige davon werden als eigenschaftsbezogene Namen bezeichnet, du mit dem reinen Lächeln. Als feststehende Namen gelten sie dort, wo eine bestimmte Gestalt fehlt; als eigenschaftsbezogene, wo eine Eigenschaft den Bezug bildet.

Anmerkung: Sprachphilosophische Unterscheidung von rūḍha und gauṇa; der erste Begründungszusammenhang ist im Text knapp und nicht völlig eindeutig.

Vers 9
rāhityādrūḍhiguṇayostāni sāṅketikānyapi |
trividhānyapi nāmāni paṭhitāni dine dine ||9||

Fehlen sowohl ein feststehender Sprachgebrauch als auch ein Eigenschaftsbezug, gibt es auch symbolisch vereinbarte Namen. Werden alle drei Arten von Namen Tag für Tag rezitiert –

Anmerkung: Sāṅketika: durch Zeichen beziehungsweise Vereinbarung festgelegt, hier nicht notwendigerweise eine entschlüsselbare Bija-Formel.

Vers 10
sādhayantīpsitānarthān dadatyamṛtamavyayam |
kṣapayantyapamṛtyuṃ ca mārayanti dviṣo'khilān ||10||

– sollen sie die erwünschten Ziele verwirklichen und unvergänglichen Nektar verleihen, vorzeitigen Tod vertreiben und alle Feinde töten.

Anmerkung: Historische Wirkungsverheißungen, einschließlich des schädigenden Ritualziels.

Vers 11
ghnanti rogānathotpātān maṅgalaṃ kurvate'nvaham |
kimutānyat sadā sannidhāpayantyambikāmapi ||11||

Sie sollen Krankheiten und unheilvolle Ereignisse beseitigen und täglich Heil bewirken. Was bedarf es weiterer Worte? Sie sollen sogar Ambika stets gegenwärtig machen.

Anmerkung: Schlusswort Ambika aus dem Zusammenhang normalisiert; OCR in beiden Zeugen beschädigt. Keine medizinische Wirkungsbehauptung dieser Ausgabe.

Vers 12
tripuraghno'pyado nāmasahasraṃ paṭhati priye |
tadājñayāpyahamapi kīrtayāmi dine dine ||12||

Auch der Vernichter der drei Städte rezitiert diese tausend Namen, Geliebte. Auf seine Weisung preise auch ich sie Tag für Tag.

Anmerkung: Die Textrede unterscheidet hier Tripuraghna und den sprechenden Mahakala; diese Rollen nicht redaktionell vereinheitlicht.

Vers 13
bhavatyapīdamasmattaḥ śikṣitvā tu paṭhiṣyati |
bhaviṣyati ca nirṇītaṃ caturvargasya bhājanam ||13||

Auch du wirst sie, nachdem du sie von mir gelernt hast, rezitieren und gewiss zu einer Empfängerin der vier Lebensziele werden.

Anmerkung: Chaturvarga: Dharma, Artha, Kama und Moksha; erklärende Auflösung des Fachbegriffs.

Vers 14
mano'nyato nirākṛtya sāvadhānā niśāmaya |
nāmnāṃ kāmakalākālyāḥ sahasraṃ muktidāyakam ||14||

Ziehe deinen Geist von anderem zurück und höre aufmerksam die tausend Namen Kamakalakalis, die Befreiung verleihen sollen.

Rituelle Zuordnung

Die unnummerierte Prosa nennt Seher, Metrum, Gottheit und Bijas; eine beschädigte Silbe bleibt offen.

Unnummerierter Text
oṃ asya kāmakalākālīsahasranāmastotrasya śrītripuraghnaṛṣiranuṣṭup chandastrijaganmayarūpiṇī bhagavatī śrīkāmakalākālī devatā klīṃ bījaṃ … śaktiḥ huṃ kīlakaṃ kṣauṃ tattvaṃ śrīkāmakalākālīsahasranāmastotrapāṭhe jape viniyogaḥ oṃ tatsat |

Om. Für diesen Lobgesang der tausend Namen Kamakalakalis ist Shri Tripuraghna der Rishi; das Metrum ist Anushtubh. Die Gottheit ist die erhabene Shri Kamakalakali, deren Gestalt die drei Welten umfasst. Klīṃ ist das Bija; die Shakti-Silbe ist beschädigt; huṃ ist der Kilaka und kṣauṃ das Tattva. Seine Verwendung liegt in der Rezitation und im Japa des Lobgesangs der tausend Namen Shri Kamakalakalis. Om tat sat – Om, das ist das Wirkliche.

Anmerkung: Fragment: Unnummerierte Viniyoga-Prosa zwischen 14 und 15. Shakti-Bija in beiden Zeugen beschädigt (spha/sphau-artiges Zeichen); keine sichere Lautform erfunden. huṃ durch Paralleltext gestützt, Nasal bei kṣauṃ nicht eindeutig.

Namensreihe

Jeder Name bezeichnet die Göttin. Verständliche Namen werden deutsch wiedergegeben, seltene oder mehrdeutige Formen mit Erläuterung bewahrt. Die einzelnen Verse bleiben als Einheiten erhalten.

Vers 15
oṃ klīṃ kāmakalākālī kālarātriḥ kapālinī |
kātyāyanī ca kalyāṇī kālākārā karālinī ||15||

Om klīṃ. Sie ist Kamakalakali; die Nacht der Zeit und Auflösung; die Schädeltragende; Katyayani; die Heilvolle; die Gestalt der Zeit; die Furchtbare.

Anmerkung: Beginn der Namensreihe. Im Folgenden bezeichnen die Namen jeweils die Göttin; Om und klīṃ sind Anrufungslaute, keine frei übersetzten Eigenschaftsnamen.

Vers 16
ugramūrtirmahābhīmā ghorarāvā bhayaṅkarā |
bhūtidā bhayahantrī ca bhavabandhavimocinī ||16||

Sie hat eine gewaltige Gestalt, ist äußerst furchterregend, tönt schrecklich und erregt Furcht; sie schenkt Gedeihen, vernichtet Furcht und befreit aus der Fessel des Werdens.

Vers 17
bhavyā bhavānī bhogāḍhyā bhujaṅgapatibhūṣaṇā |
mahāmāyā jagaddhātrī pāvanī parameśvarī ||17||

Sie ist die Erhabene, Bhavani, reich an Genüssen und mit dem Schlangenkönig geschmückt; die große Maya, die Trägerin der Welt, die Reinigende und die höchste Herrin.

Anmerkung: bhogāḍhyā nach e; Paralleltext hat bhogādyā, „Anfang des Genusses“, beziehungsweise eine beschädigte Lesung.

Vers 18
yogamātā yogagamyā yoginī yogipūjitā |
gaurī durgā kālikā ca mahākalpāntanartakī ||18||

Sie ist die Mutter des Yoga, durch Yoga erreichbar, Yogini und von Yogis verehrt; Gauri, Durga und Kalika, die am Ende eines großen Weltzeitalters tanzt.

Vers 19
avyayā jagadādiśca vidhātrī kālamardinī |
nityā vareṇyā vimalā devārādhyāmitaprabhā ||19||

Sie ist unvergänglich, der Anfang der Welt, die Gestalterin und die Bezwingerin der Zeit; ewig, verehrungswürdig, makellos, von den Göttern verehrt und von unermesslichem Glanz.

Anmerkung: kālamardinī nach dem besser lesbaren Paralleltext; e hat beschädigtes kāryamardinī. Übernahme ausdrücklich ausgewiesen.

Vers 20
bhāruṇḍā koṭarī śuddhā cañcalā cāruhāsinī |
agrāhyātīndriyā'gotrā carvarordhvaśiroruhā ||20||

Sie ist Bharunda, Kotari, rein, beweglich und schön lächelnd; nicht zu greifen, jenseits der Sinne und ohne Abstammungsgruppe; ihr Haar steht rau und aufrecht.

Anmerkung: Letztes Kompositum charvara-/charcara- in beiden Zeugen unsicher; Sinn des aufgerichteten Haares lesbar. Bharunda und Kotari als traditionelle Namen bewahrt, nicht mit erfundenen Etymologien versehen.

Vers 21
kāmukī kamanīyā ca śrīkaṇṭhamahiṣī śivā |
manoharā mānanīyā matidā maṇibhūṣaṇā ||21||

Sie ist voller Verlangen und liebenswert, die Gemahlin Shrikanthas und die Heilvolle; herzerfreuend, ehrwürdig, Einsicht schenkend und mit Juwelen geschmückt.

Anmerkung: Shrikantha bezeichnet Shiva.

Vers 22
śmaśānanilayā raudrā muktakeśyaṭṭahāsinī |
cāmuṇḍā caṇḍikā caṇḍī cārvaṅgī caritojjvalā ||22||

Sie wohnt auf dem Verbrennungsplatz, ist furchtbar, trägt gelöstes Haar und lacht laut; Chamunda, Chandika und Chandi, von schöner Gestalt und durch ihre Taten strahlend.

Anmerkung: Namen charvaṅgī und aṭṭahāsinī anhand des Zusammenhangs und Paralleltextes normalisiert.

Vers 23
ghorānanā dhūmraśikhā kampanā kampitānanā |
vepamānatanurbhīdā nirbhayā bāhuśālinī ||23||

Sie hat ein furchtbares Gesicht und eine rauchfarbene Flamme beziehungsweise Haarspitze; sie erschüttert, ihr Gesicht bewegt sich, ihr Leib erbebt. Sie erregt Furcht, ist selbst furchtlos und besitzt mächtige Arme.

Anmerkung: śikhā kann Flamme, Spitze oder Haarbüschel bezeichnen; Mehrdeutigkeit nicht verdeckt.

Vers 24
ulmukākṣī sarpakarṇī viśokā girinandinī |
jyotsnāmukhī hāsyaparā liṅgāliṅgadharā satī ||24||

Ihre Augen sind wie Feuerbrände, ihre Ohren mit Schlangen verbunden; sie ist ohne Trauer und die Tochter des Berges. Ihr Gesicht ist Mondlicht, sie liebt das Lachen, trägt Zeichen und Zeichenlosigkeit und ist Sati, die Wahrhaftige.

Anmerkung: liṅgāliṅgadharā nach dem lesbareren Paralleltext; e an dieser Stelle stark beschädigt. sarpakarṇī möglicherweise „mit schlangenartigen Ohren“ oder Schlangenohrschmuck; genaue Bilddeutung offen.

Vers 25
avikārā mahācitrā candravaktrā manojavā |
adarśanā pāpaharā śyāmalā muṇḍamekhalā ||25||

Sie ist unveränderlich und höchst wunderbar, mondgesichtig und schnell wie der Geist; unsichtbar, Verfehlungen nehmend, dunkel und mit einem Gürtel aus Köpfen versehen.

Vers 26
muṇḍāvataṃsinī nīlā prapannānandadāyinī |
laghustanī lambakucā ghūrṇamānā harāṅganā ||26||

Sie trägt Köpfe als Schmuck, ist dunkelblau und schenkt denen Freude, die bei ihr Zuflucht suchen; sie hat kleine Brüste, hat herabhängende Brüste, dreht sich und ist Haras Gefährtin.

Anmerkung: Verschiedene, auch gegensätzliche Erscheinungsnamen nebeneinander bewahrt; kein einheitliches Körperbild erzwungen. ghūrṇamānā durch Paralleltext gestützt.

Vers 27
viśvāvāsā śāntikarī dīrghakeśyarikhaṇḍinī |
rucirā sundarī kamrā madonmattā madotkaṭā ||27||

Sie wohnt im All und stiftet Frieden, trägt langes Haar und zerbricht die Feinde; sie ist strahlend, schön und anmutig, von Rausch erfüllt und im Rausch gewaltig.

Anmerkung: kamrā nach dem Paralleltext; e hat beschädigtes kañcā.

Vers 28
ayomukhī vahnimukhī krodhanā'bhayadeśvarī |
kuḍambikā sāhasinī khaḍgakī raktalehinī ||28||

Sie hat ein eisernes Gesicht und ein Feuergesicht, zürnt und ist die Herrin, die Furchtlosigkeit verleiht; Kudambika, die Kühne, die Schwerttragende und die Blutleckende.

Anmerkung: Kudambika ist als Name lesbar, Deutung unsicher; khaḍgakī in der OCR leicht beschädigt. Namen nicht stillschweigend durch bekannte Standardformen ersetzt.

Vers 29
vidāriṇī pānaratā rudrāṇī muṇḍamālinī |
anādinidhanā devī durnirīkṣyā digambarā ||29||

Sie reißt auseinander, erfreut sich am Trinken, ist Rudrani und trägt eine Girlande aus Köpfen; die Göttin ohne Anfang und Ende, kaum anzublicken und mit den Himmelsrichtungen bekleidet, also nackt.

Anmerkung: Pāna nennt hier nur das Trinken; keine im Vers fehlende Substanz ergänzt.

Vers 30
vidyujjihvā mahādaṃṣṭrā vajratīkṣṇā mahāsvanā |
udayārkasamānākṣī vindhyaśailasamākṛtiḥ ||30||

Ihre Zunge ist ein Blitz, ihre Fangzähne sind mächtig, sie ist scharf wie der Vajra und tönt gewaltig. Ihre Augen gleichen der aufgehenden Sonne, ihre Gestalt dem Vindhya-Gebirge.

Anmerkung: Zweite Hälfte aus dem lesbareren Paralleltext übernommen; e stark beschädigt.

Vers 31
nīlotpaladalaśyāmā nāgendrāṣṭakabhūṣitā |
agnijvālakṛtāvāsā phetkāriṇyahikuṇḍalā ||31||

Dunkel wie die Blütenblätter des blauen Lotus, geschmückt mit acht Schlangenkönigen, wohnt sie in Feuerflammen, ruft „phet“ und trägt Schlangen als Ohrschmuck.

Vers 32
pāpaghnī pālinī padmā puṇyā puṇyapradā parā |
kalpāntāmbhodanirghoṣā sahasrārkasamaprabhā ||32||

Sie vernichtet Verfehlungen, beschützt, ist Padma, die Lotusgöttin, heilig, Verdienst schenkend und die Höchste. Sie dröhnt wie die Wolken am Weltende und leuchtet wie tausend Sonnen.

Vers 33
sahasrapretarāṭkrodhā sahasreśaparākramā |
sahasradhanadaiśvaryā sahasrāṅghrikarāmbikā ||33||

Sie besitzt den Zorn von tausend Totenkönigen, die Macht von tausend Herrschern und den Reichtum von tausend Dhanadas; Ambika mit tausend Füßen und Händen.

Anmerkung: Dhanada bezeichnet Kubera, den Reichtumgeber. īśa kann allgemein Herrscher oder den göttlichen Herrn meinen; keine ausschließliche Identifikation ergänzt.

Vers 34
sahasrakāladuṣprekṣyā sahasrendriyasañcayā |
sahasrabhūmisadanā sahasrākāśavigrahā ||34||

Sie ist so schwer anzublicken wie tausend Todesmächte, vereinigt tausend Sinnesvermögen, wohnt in tausend Welten und hat die Gestalt von tausend Himmelsräumen.

Anmerkung: kāla hier als Todesmacht verstanden; Zeitbedeutung bleibt möglich.

Vers 35
sahasracandrapratimā sahasragrahacāriṇī |
sahasrarudratejaskā sahasrabrahmasṛṣṭikṛt ||35||

Sie gleicht tausend Monden, wandelt durch tausend Gestirne, trägt die Glut von tausend Rudras und vollzieht die Schöpfung von tausend Brahmas.

Vers 36
sahasravāyuvegā ca sahasraphaṇakuṇḍalā |
sahasrayantramathinī sahasrodadhisusthirā ||36||

Sie ist schnell wie tausend Winde, trägt tausend Schlangenhauben als Ohrschmuck, zermalmt tausend Yantras und ist fest gegründet wie tausend Ozeane.

Anmerkung: Yantra kann hier Schutzdiagramm, Vorrichtung oder Machtinstrument bedeuten; nicht auf eine moderne technische Bedeutung verengt.

Vers 37
sahasrabuddhakaruṇā mahābhāgā tapasvinī |
trailokyamohinī sarvabhūtadevavaśaṅkarī ||37||

Sie besitzt das Mitgefühl von tausend Buddhas, ist hochgesegnet und asketisch; sie bezaubert die drei Welten und bringt alle Wesen und Götter unter ihre Macht.

Anmerkung: Buddha ist im Sanskrit tatsächlich lesbar; keine zusätzliche historische Datierung daraus abgeleitet.

Vers 38
susnigdhahṛdayā ghaṇṭākarṇā ca vyomacāriṇī |
śaṅkhinī citriṇīśānī kālasaṅkarṣiṇī jayā ||38||

Sie hat ein überaus liebevolles Herz, Glocken an den Ohren und wandelt im Raum; Shankhini, Chitrini, Ishani, die Herrin, die die Zeit zusammenzieht, und Jaya, die Siegreiche.

Anmerkung: Shankhini und Chitrini sind vieldeutige Namen; hier nicht ohne Textbeleg auf bestimmte Nadis oder Frauentypen festgelegt.

Vers 39
aparājitā ca vijayā kamalā kamalāpradā |
janayitrī jagadyonirheturūpā cidātmikā ||39||

Sie ist unbesiegt, siegreich, Kamala und schenkt Gedeihen; die Gebärende, der Schoß der Welt, die Gestalt der Ursache und ihrem Wesen nach Bewusstsein.

Anmerkung: kamalāpradā wörtlich „Kamala gebend“, sinngemäß Gedeihen beziehungsweise Glück schenkend; keine einzige zwingende Deutung behauptet.

Vers 40
aprameyā durādharṣā dhyeyā svacchandacāriṇī |
śātodarī śāmbhavinī pūjyā mānonnatā'malā ||40||

Sie ist unermesslich, unbezwingbar, Gegenstand der Meditation und frei umherwandelnd; schmalbäuchig, Shambhu zugehörig, verehrungswürdig, von hoher Würde und rein.

Anmerkung: śātodarī als schmalbäuchig verstanden; genaue Wortform unsicher.

Vers 41
oṅkārarūpiṇī tāmrā bālārkasamatārakā |
calajjihvā ca bhīmākṣī mahābhairavanādinī ||41||

Sie hat die Gestalt des Om-Lautes, ist kupferrot, ihre Augensterne gleichen der jungen Morgensonne. Ihre Zunge bewegt sich, ihre Augen sind furchtbar, und ihr Laut ist der des großen Bhairava.

Anmerkung: Bālārka bezeichnet die aufgehende Sonne, keine Altersangabe zur Göttin.

Vers 42
sāttvikī rājasī caiva tāmasī ghargharā'calā |
māheśvarī tathā brāhmī kaumārī māninīśvarā ||42||

Sie ist sattvisch, rajasisch und tamasisch, dröhnend und unbeweglich; Maheshvari, Brahmi und Kaumari, die Würdevolle und die Herrin.

Anmerkung: Die drei Gunas umfassen Klarheit, Bewegung und Trägheit beziehungsweise Verhüllung. māninīśvarā kann auch als ein zusammengesetzter Name gelesen werden.

Vers 43
sauparṇī vāyavī caindrī sāvitrī nairṛtī kalā |
vāruṇī śivadūtī ca saurī saumyā prabhāvatī ||43||

Sie ist Sauparni, Garuda zugehörig; Vayavi, dem Wind; Aindri, Indra; Savitri, Savitri; Nairriti, Nirriti; und Kala, die Teilkraft. Sie ist Varuni, Varuna zugehörig, Shivas Botin, die Sonnenhafte, die Mondhafte beziehungsweise Sanfte und die Strahlende.

Anmerkung: Gottheitsbezüge erklären die Namen; keine eigenständigen Herkunftserzählungen hinzugefügt.

Vers 44
vārāhī nārasiṃhī ca vaiṣṇavī lalitā svarā |
maitryāryamṇī ca pauṣṇī ca tvāṣṭrī vāsavyumā ratiḥ ||44||

Sie ist Varahi, Narasimhi, Vaishnavi, Lalita und Svara, der Klang; die Mitra zugehörige, die Aryaman zugehörige, die Pushan zugehörige, die Tvashtar zugehörige, Vasavi, Uma und Rati.

Anmerkung: Worttrennung am Ende vā savy-umā-rati aus dem Zusammenhang; e zusammengezogen. Keine sichere Einzelidentifikation von Vasavi über den Namen hinaus.

Vers 45
rākṣasī pāvanī raudrī dāsrī rodasyudumbarī |
subhagā durbhagā dīnā cañcurīkā yaśasvinī ||45||

Sie ist Rakshasi, eine dämonische Gestalt, die Reinigende, die Furchtbare, Dasri, Rodasi und Udumbari; die Glückliche und die Unglückliche, die Bedrängte, Chanchurika und die Ruhmreiche.

Anmerkung: Dasri, Rodasi, Udumbari und Chanchurika als Namen bewahrt; Deutungen der seltenen Formen nicht gesichert. Gegensätze ausdrücklich nicht geglättet.

Vers 46
mahānandā bhagānandā picchilā bhagamālinī |
aruṇā revatī raktā śakunī śyenatuṇḍikā ||46||

Sie ist große Glückseligkeit und Freude der Yoni, die Feuchte, die eine Yoni-Girlande trägt; die Rötliche, Revati, die Rote, die Vogelgestaltige und die mit Falkenschnabel.

Anmerkung: bhaga in dieser Namensgruppe im genitalen Sinn verstanden; nicht stillschweigend spiritualisiert. picchilā: feucht beziehungsweise schleimig.

Vers 47
surabhī nandinī bhadrā balā cātibalāmalā |
ulūpī lambikā kheṭā lelihānāntramālinī ||47||

Sie ist Surabhi, die Duftende, Nandini, die Erfreuende, Bhadra, die Heilvolle; Bala, die Kraftvolle, Atibala, die Übermächtige, und Amala, die Reine; Ulupi, Lambika, Kheta, die Leckende und die eine Girlande aus Eingeweiden trägt.

Anmerkung: balā bezeichnet hier Kraft, nicht bālā, Kind. Seltene Namen Ulupi, Lambika und Kheta ohne erfundene Etymologie bewahrt.

Vers 48
vaināyikī ca vetālī trijaṭā bhṛkuṭī satī |
kumārī yuvatī prauḍhā vidagdhā ghasmarā tathā ||48||

Sie ist Vainayiki, Vinayaka zugehörig; Vetali, die Vetala-Gestaltige; die mit drei Haarflechten, die mit gerunzelten Brauen, Sati; Mädchen, junge Frau, reife Frau, die Erfahrene und die Verschlingende.

Anmerkung: Die Altersgestalten werden als eigenständige Namen aufgezählt, ohne erotische Beschreibung. e liest Sati, der Paralleltext Mati, „Einsicht“; Variante nicht verschmolzen.

Vers 49
jaratī racanā bhīmā dolamālā piciṇḍilā |
alambākṣī kumbhakarṇī kālakarṇī mahāsurī ||49||

Sie ist die Alte, Rachana, die Gestaltende, die Furchtbare, Dolamala, die eine schwingende Girlande trägt, und Pichindila, die Dickbäuchige; Alambakshi, Kumbhakarni mit krugförmigen Ohren, Kalakarni und die große Asuri.

Anmerkung: Rachana nach e; Paralleltext Rochana, die Leuchtende. Seltene Namen Alambakshi und Kalakarni nicht über den lesbaren Namen hinaus festgelegt.

Vers 50
ghaṇṭāravātha gokarṇī kākajaṅghā ca mūṣikā |
mahāhanurmahāgrīvā lohitā lohitāśanī ||50||

Ihr Laut ist Glockenklang; sie hat Kuhohren und Krähenbeine, ist die Mausgestaltige, die Großkiefrige, die mit großem Hals, die Rote und die Blutesserin.

Vers 51
kīrtiḥ sarasvatī lakṣmīḥ śraddhā buddhiḥ kriyā sthitiḥ |
cetanā viṣṇumāyā ca guṇātītā nirañjanā ||51||

Sie ist Ruhm, Sarasvati und Lakshmi, Vertrauen, Einsicht, Tätigkeit und Beständigkeit; Bewusstheit, Vishnus Maya, jenseits der Gunas und unbefleckt.

Vers 52
nidrā tandrā smitā chāyā jambhā kṣudaśanāyitā |
tṛṣṇā kṣudhā pipāsā ca lālasā kṣāntireva ca ||52||

Sie ist Schlaf, Schläfrigkeit, Lächeln, Schatten, Gähnen und Hunger beziehungsweise Essverlangen; Durst nach Erleben, Hunger, körperlicher Durst, Begehren und Geduld.

Anmerkung: Gruppe kṣud-aśanāyitā beschädigt beziehungsweise grammatisch ungewöhnlich. Die verschiedenen Hunger- und Durstnamen werden nicht zu einem einzigen Begriff gekürzt.

Vers 53
vidyā prajñā smṛtiḥ kāntiricchā medhā prabhā citiḥ |
dharitrī dharaṇī dhanyā dhoraṇī dharmasantatiḥ ||53||

Sie ist Wissen, Weisheit, Erinnerung, Schönheit, Wille, geistige Kraft, Glanz und Bewusstsein; die Trägerin, die Erde, die Gesegnete, Dhorani und die Fortdauer des Dharma.

Anmerkung: Dhorani ist als Name lesbar, genaue Ableitung unsicher.

Vers 54
hālāpriyā hāraratirhāriṇī hariṇekṣaṇā |
caṇḍayogeśvarī siddhikarālī pariḍāmarī ||54||

Sie liebt berauschenden Trank und Halsketten, nimmt hinweg und hat Gazellenaugen; Chandayogeshvari, die gewaltige Herrin des Yoga, Siddhikarali und Paridamari.

Anmerkung: Die beiden letzten Namen werden bewahrt; keine erfundene sichere Etymologie der seltenen Form Paridamari.

Vers 55
jagadādyā janānandā nityānandamayī sthirā |
hiraṇyagarbhā kuṇḍalinī jñānaṃ dhairyaṃ ca khecarī ||55||

Sie ist der Anfang der Welt, die Freude der Menschen, von ewiger Glückseligkeit erfüllt und standhaft; Hiranyagarbha, der goldene Schoß, Kundalini, Erkenntnis, Festigkeit und Khechari, die im Raum wandelt.

Anmerkung: jagadādyā aus leicht beschädigter Lesung normalisiert.

Vers 56
nagātmajā nāgahārā jaṭābhārā … |
khaḍginī śūlinī cakravatī bāṇavatī kṣitiḥ ||56||

Sie ist die Tochter des Berges, trägt Schlangen als Halskette und mächtige verfilzte Haare …; sie trägt Schwert, Dreizack, Diskus und Pfeile und ist die Erde.

Anmerkung: Fragment: Name nach jaṭābhārā in beiden Zeugen beschädigt.

Vers 57
ghuṇidhartrī nālikā ca kartrī matyakṣamālinī |
pāśinī paśuhastā ca nāgahastā dhanurdharā ||57||

Sie ist Ghunidhatri, Nalika, die Handelnde beziehungsweise Schneidende, Mati, die Einsicht, und Akshamalini, die eine Gebetskette trägt; mit Schlinge, mit einem Tier in der Hand, mit einer Schlange in der Hand und mit einem Bogen versehen.

Anmerkung: Erste beiden Namen unsicher in Form und Bedeutung; maty-akṣamālinī als zwei Namen gelesen. paśuhastā steht in beiden Zeugen; nicht zu paraśuhastā, „Axttragende“, korrigiert.

Vers 58
mahāmudgarahastā ca śivāpotadharāpi ca |
nārakharpariṇī lambatkacamuṇḍapradhāriṇī ||58||

Sie hält einen großen Hammer und ein Schakaljunges; sie trägt eine menschliche Schädelschale und einen Kopf mit herabhängenden Haaren.

Vers 59
padmāvatyannapūrṇā ca mahālakṣmīḥ sarasvatī |
durgā ca vijayā ghorā tathā mahiṣamardinī ||59||

Sie ist Padmavati, die Lotusreiche, Annapurna, die Fülle der Nahrung, Mahalakshmi und Sarasvati; Durga, Vijaya, die Siegreiche, die Furchtbare und Mahishamardini, die Bezwingerin des Büffeldämons.

Vers 60
dhanalakṣmī … cāśvārūḍhā jayabhairavī |
śūlinī rājamātaṅgī rājarājeśvarī tathā ||60||

Sie ist Dhanalakshmi, die Glücksgöttin des Reichtums, … die auf einem Pferd Reitende, Jayabhairavi; Shulini, die Dreizacktragende, Rajamatangi und Rajarajeshvari, die höchste Herrscherin der Könige.

Anmerkung: Fragment: Nach Dhanalakshmi ist in beiden Zeugen eine Lücke sichtbar; lesbare Namen weiterübersetzt.

Vers 61
tripuṭocchiṣṭacāṇḍālī aghorā tvaritāpi ca |
rājyalakṣmīrjayamahācaṇḍayogeśvarī tathā ||61||

Sie ist Triputa, die Dreifache, Ucchishtachandali, die mit den Speiseresten verbundene Chandali, Aghora, die Nichtfurchtbare, und Tvarita, die Schnelle; Rajyalakshmi, das Glück der Herrschaft, und Jayamahachandayogeshvari.

Anmerkung: Die letzte lange Namensform kann auch mehrere Namen enthalten; keine gesicherte künstliche Trennung vorgenommen.

Vers 62
guhyā mahābhairavī ca viśvalakṣmīrarundhatī |
yantrapramathinī caṇḍayogeśvaryapyalambuṣā ||62||

Sie ist die Verborgene, Mahabhairavi, Vishvalakshmi, das Glück des Alls, und Arundhati; die Yantras erschüttert, Chandayogeshvari und Alambusha.

Anmerkung: Eigennamen Arundhati und Alambusha ohne zusätzliche unbelegte Zuordnung.

Vers 63
kirātī mahācaṇḍabhairavī kalpavallarī |
trailokyavijayā sampatpradā manthānabhairavī ||63||

Sie ist Kirati, die Gestalt einer Bergjägerin, Mahachandabhairavi, die äußerst gewaltige Bhairavi, und die wunscherfüllende Ranke; die Siegerin über die drei Welten, die Wohlstand schenkt, und Manthanabhairavi, die Bhairavi des Quirlens.

Vers 64
mahāmantreśvarī vajraprastāriṇyaṅkacapeṭā |
jayalakṣmīścaṇḍarūpā jaleśvarī kāmadāyinī ||64||

Sie ist die große Herrin der Mantras, Vajraprastarini, die den Vajra ausbreitet, und Ankachapeta; Jayalakshmi, das Glück des Sieges, die Furchtgestaltige, die Herrin der Wasser und die Wunscherfüllende.

Anmerkung: Ankachapeta beziehungsweise dessen Abtrennung ist in beiden Zeugen unsicher; keine sichere Wortbedeutung erfunden.

Vers 65
svarṇakūṭeśvarī ruṇḍā marmarī buddhivardhinī |
vārtālī caṇḍavārtālī jayavārtālikā tathā ||65||

Sie ist Svarnakuteshvari, die Herrin des goldenen Gipfels, Runda, Marmari, die Rauschende, und die Vermehrerin der Einsicht; Vartali, Chandavartali und Jayavartalika.

Anmerkung: Runda kann eine kopflose Gestalt bezeichnen; hier als Name bewahrt. Die Vartali-Formen werden nicht ohne Quellenbeleg in eine einzige Gottheitsform zusammengezogen.

Vers 66
ugracaṇḍā śmaśānogrā caṇḍā … rudracaṇḍikā |
aticaṇḍā caṇḍavatī pracaṇḍā caṇḍanāyikā ||66||

Sie ist Ugrachanda, die äußerst Wilde, Shmashanogra, die Furchtbare des Verbrennungsplatzes, Chanda … Rudrachandika; Atichanda, die Überausgewaltige, Chandavati, voller Wildheit, Prachanda, die Heftige, und Chandanayika, die wilde Anführerin.

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe zwischen Chanda und Rudrachandika beschädigt; Name Rudrachandika selbst nicht völlig sicher.

Vers 67
caitanyabhairavī kṛṣṇā maṇḍalī tumbureśvarī |
vāgvādinī muṇḍamadhumatyanarghyā piśācinī ||67||

Sie ist Chaitanyabhairavi, die Bhairavi des Bewusstseins, die Dunkle, Mandali und Tumbureshvari; Vagvadini, die Rede verleiht, Munda und Madhumati, die Honigreiche, die Unschätzbare und Pishachini.

Anmerkung: Munda/Madhumati als zwei Namen gelesen; älterer Zeuge madhyamati statt madhumati beschädigt. Namenszahl nicht durch willkürliche Trennung gesichert.

Vers 68
mañjīrā rohiṇī kulyā tuṅgā pūrṇeśvarī varā |
viśālā raktacāmuṇḍā aghorā caṇḍavāruṇī ||68||

Sie ist Manjira, die Fußspange beziehungsweise deren Klang, Rohini, Kulya, Tunga, die Hohe, Purneshvari, die Herrin der Fülle, Vara, die Vorzügliche, und Vishala, die Weite; Raktachamunda, die rote Chamunda, Aghora und Chandavaruni.

Anmerkung: Seltene Namen Kulya und Chandavaruni ohne ausgedachte Einzellegenden.

Vers 69
dhanadā tripurā vāgīśvarī ca jayamaṅgalā |
digambarī kuñjikā ca kuḍukkā kālabhairavī ||69||

Sie ist Dhanada, die Reichtum gibt, Tripura, die Dreistädte-Göttin, Vagishvari, die Herrin der Sprache, und Jayamangala, das Heil des Sieges; Digambari, mit den Himmelsrichtungen bekleidet, Kunjika, Kudukka und Kalabhairavi.

Anmerkung: Kunjika nach e; das verbreitete Kubjika wird nicht stillschweigend eingesetzt. Kudukka als unsicherer Name bewahrt.

Vers 70
kukkuṭī saṅkaṭā vīrā karpaṭā bhramarāmbikā |
mahārṇaveśvarī bhogavatī laṅkeśvarī tathā ||70||

Sie ist Kukkuti, die Hühnergestaltige, Sankata, die Bedrängnis, Vira, die Heldin, Karpata und Bhramarambika, die Bienenmutter; die Herrin des großen Ozeans, Bhogavati, die Genussreiche, und die Herrin Lankas.

Anmerkung: Karpata als Name lesbar, Bedeutung unsicher.

Vers 71
pulindī śabarī mlecchī piṅgalā śabareśvarī |
mohinī siddhilakṣmīśca bālā tripurasundarī ||71||

Sie ist Pulindi und Shabari, Frauen der so bezeichneten Waldvölker, Mlecchi, eine Frau außerhalb der brahmanischen Kulturordnung, Pingala, die Gelbbraune, und Shabareshvari, die Herrin der Shabaras; Mohini, die Bezaubernde, Siddhilakshmi, Bala und Tripurasundari.

Anmerkung: Die sozialen Namen sind historische Fremdbezeichnungen. Bala, die kindliche Göttinnenform, wird hier nur namentlich genannt.

Vers 72
ugratārā caikajaṭā mahānīlasarasvatī |
trikaṇṭakī chinnamastā mahiṣaghnī jayāvahā ||72||

Sie ist Ugratara, die gewaltige Tara, Ekajata mit einer Haarflechte, Mahanilasarasvati, die große blaue Sarasvati; Trikantaki, die Dreistachelige, Chinnamasta, die mit abgetrenntem Kopf, Mahishaghni, die Büffeldämonentöterin, und die Siegbringende.

Vers 73
harasiddhānaṅgamālā phetkārī lavaṇeśvarī |
caṇḍeśvarī nākulī ca hayagrīveśvarī tathā ||73||

Sie ist Harasiddha, Anangamala, Phetkari, die „phet“ ruft, Lavaneshvari, die Herrin des Salzes, Chandeshvari, die wilde Herrin, Nakuli und Hayagriveshvari, die Herrin mit Pferdehals.

Anmerkung: Harasiddha und Anangamala als überlieferte Namen bewahrt; keine aus den Namen allein abgeleiteten Ritualanweisungen.

Vers 74
kālindī vajravārāhī mahānīlapatākikā |
haṃseśvarī mokṣalakṣmīrbhūtinī jātaretasā ||74||

Sie ist Kalindi, Vajravarahi, die Vajra-Ebergestaltige, und die mit dem großen blauen Banner; Hamseshvari, die Herrin des Hamsa, Mokshalakshmi, das Glück der Befreiung, Bhutini und Jataretasa.

Anmerkung: Jataretasa ist als Name lesbar, genaue Deutung unsicher; keine biologische oder sexuelle Einzelbedeutung aus Vermutung ergänzt.

Vers 75
śātakarṇā mahānīlā vāmā guhyeśvarī … |
ekānaṃśā'bhayā tārkī vāśravī ḍāmarī tathā ||75||

Sie ist Shatakarna, Mahanila, die große Blaue, Vama, Guhyeshvari, die Herrin des Verborgenen, … Ekanamsha, Abhaya, die Furchtlose, Tarki, Vashravi und Damari.

Anmerkung: Fragment: Name nach Guhyeshvari beschädigt; auch die seltenen Formen Tarki und Vashravi sind nicht sicher lesbar. Verständliche Nachbarn nicht ausgelassen.

Vers 76
koraṅgī carcikā vinnā saṃśikā brahmavādinī |
trikālavedinī nīlalohitā raktadantikā ||76||

Sie ist Korangi, Charchika, Vinna und Samshika; die von Brahman spricht, die drei Zeiten kennt, die Blaurote und die mit roten Zähnen.

Anmerkung: Die ersten vier Namen sind teils unsicher in der OCR. trikāla- durch den lesbaren Paralleltext gestützt; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind gemeint.

Vers 77
kṣemaṅkarī viśvarūpā kāmākhyā kulakuṭṭanī |
kāmāṅkuśā veśinī ca māyūrī ca kuleśvarī ||77||

Sie stiftet Wohlergehen, hat die Gestalt des Alls, heißt Kamakhya und ist Kulakuttani, die Kupplerin des Kula; Kamankusha, der Haken des Verlangens, Veshini, die sich einkleidet beziehungsweise erscheint, Mayuri, die Pfauengestaltige, und Kuleshvari, die Herrin des Kula.

Anmerkung: kulakuṭṭanī und veśinī in der OCR unsicher; die anstößige mögliche Bedeutung von kuṭṭanī nicht zu einer bloß ehrenden Bezeichnung umgedeutet.

Vers 78
ibhākṣī ghoṇakī śārṅgī bhīmā devī varapradā |
dhūmāvatī mahāmārī maṅgalā hāṭakeśvarī ||78||

Sie ist Ibhakshi mit Elefantenaugen, Ghonaki, die mit der Schnauze, Sharngi, die Bogentragende, Bhima, die Furchtbare, Devi, die Göttin, und die Gabenschenkende; Dhumavati, die Rauchgestaltige, Mahamari, die große Seuche, Mangala, die Heilvolle, und Hatakeshvari, die Herrin des Goldes.

Anmerkung: Ibhakshi/Ghonaki in e, ältere OCR stark abweichend. Mahamari ist ein Göttinnenname, keine medizinische Erklärung.

Vers 79
kirātī śaktisauparṇī bāndhavī caṇḍakhecarī |
nistandrā bhavabhūtiśca jvālāghaṇṭāgnimardinī ||79||

Sie ist Kirati, Shakti, Sauparni, die Garuda-Gestaltige, Bandhavi, die Verwandte, und Chandakhechari, die gewaltige Raumwandlerin; unermüdlich, das Gedeihen des Daseins, Jvalaghanta, die Flammenglocke, und die Bezwingerin des Feuers.

Anmerkung: Gliederung Shakti/Sauparni und Jvalaghanta/Agnimardini nicht eindeutig; als lesbare Einzelbedeutungen wiedergegeben.

Vers 80
suraṅgā kaulinī ramyā naṭī nārāyaṇī dhṛtiḥ |
anantā puñjikā jihvā dharmādharmapravartikā ||80||

Sie ist Suranga, die schön Gefärbte, Kaulini, zum Kula gehörig, die Anmutige, die Schauspielerin, Narayani und Standhaftigkeit; die Unendliche, Punjika, die Zunge und diejenige, die Dharma wie Adharma in Gang setzt.

Anmerkung: Die Zuordnung sowohl von Recht als auch Unrecht bleibt als Textaussage bestehen.

Vers 81
vandinī vandanīyā ca velā'haskariṇī sudhā |
araṇī mādhavī gotrā patākā vāṅmayī śrutiḥ ||81||

Sie ist die Lobpreisende und die zu Preisende, die Grenze beziehungsweise Zeit, die Tagmachende, Nektar, das Feuerreibholz, Madhavi, Gotra, das Banner, aus Sprache bestehend und die gehörte Offenbarung.

Anmerkung: Vandini in e mit b geschrieben; bandinī, „Gefangene“, ebenfalls möglich. Gotra als Name beziehungsweise Abstammungsverband, Bedeutung im Kontext offen.

Vers 82
gūḍhātigūḍhā vispaṣṭā mṛgāṅkā ca nirindriyā |
menānandakarī bodhrī trinetrā vedavāhanā ||82||

Sie ist verborgen, überaus verborgen und ganz deutlich, mit dem Mondzeichen versehen und ohne Sinnesorgane; sie erfreut Mena, erweckt Erkenntnis, hat drei Augen und trägt die Veden.

Anmerkung: Mena ist hier die in der Tradition genannte Mutter der Göttin; bodhrī aus leicht beschädigter Lesung.

Vers 83
kalasvanā tāriṇī ca satyāsatyapriyā'jaḍā |
ekavaktrā mahāvaktrā bahuvaktrā ghanānanā ||83||

Sie tönt lieblich und führt hinüber, liebt Wahres und Unwahres und ist nicht geistlos; sie hat ein Gesicht, ein großes Gesicht, viele Gesichter und ein mächtiges Gesicht.

Anmerkung: Gegensätze im Namenstext nicht harmonisiert.

Vers 84
indirā kāśyapī jyotsnā śavārūḍhā tanūdarī |
mahāśaṅkhadharā nāgopavītinyakṣatāśayā ||84||

Sie ist Indira, Kashyapi und Mondlicht, auf einer Leiche reitend und mit schlankem Leib; sie trägt eine große Muschel, eine Schlange als heilige Schnur und hat einen unversehrten inneren Grund.

Anmerkung: akṣatāśayā kann auch „von ungebrochenem Vorsatz“ bedeuten; genaue Nuance offen.

Vers 85
nirindhanā dharādhārā vyādhighnī kalpakāriṇī |
viśveśvarī viśvadhātrī viśveśī viśvavanditā ||85||

Sie bedarf keines Brennstoffs, trägt die Erde, vernichtet Krankheit und gestaltet die Weltperioden; die Herrin des Alls, die Trägerin des Alls, die Gebieterin des Alls und von allen verehrt.

Anmerkung: Namen im Rahmen des Lobpreises; keine nachgewiesenen Heilwirkungen behauptet.

Vers 86
viśvā viśvātmikā viśvavyāpikā viśvatāriṇī |
viśvasaṃhāriṇī viśvahastā viśvopakārikā ||86||

Sie ist das All, das Selbst des Alls, alldurchdringend und das All hinüberführend; sie löst das All auf, ihre Hände sind überall, und sie wirkt zum Wohl des Alls.

Vers 87
viśvamātā viśvagatā viśvātītā virodhitā |
trailokyatrāṇakartrī ca kūṭākārā kaṭaṅkaṭā ||87||

Sie ist die Mutter des Alls, in allem gegenwärtig und jenseits des Alls, die Widerstehende; sie bewirkt den Schutz der drei Welten, hat eine Gipfelgestalt und heißt Katankata.

Anmerkung: Kuta kann Gipfel, verborgene Lautgruppe oder eine feste Masse bezeichnen; genaue Bildbedeutung offen. Katankata als seltener Name bewahrt.

Vers 88
kṣāmodarī ca kṣetrajñā kṣayahīnā kṣaravarjitā |
kṣapā kṣobhakarī kṣemyā'kṣobhyā kṣemadughā kṣiyā ||88||

Sie ist schlankbäuchig, kennt das Feld des Erlebens, ist frei von Abnahme und Vergänglichkeit; die Nacht, die Erschütternde, die Heilvolle, die Unerschütterliche, die Wohlergehen spendet, und Kshiya.

Anmerkung: Letzter Name kṣiyā unsicher lesbar, nicht zu einem vertrauteren Namen umgeschrieben.

Vers 89
sukhadā sumukhī saumyā svaṅgā suraparā sudhīḥ |
sarvāntaryāminī sarvā sarvārādhyā samāhitā ||89||

Sie schenkt Glück, hat ein schönes Gesicht, ist sanft, schön gegliedert, den Göttern zugewandt und von guter Einsicht; sie lenkt alles von innen, ist alles, wird von allen verehrt und ist gesammelt.

Anmerkung: suraparā in e, Bedeutung „den Göttern zugewandt“ vorläufig; auch „über den Göttern stehend“ möglich.

Vers 90
tapinī tāpinī tīvrā tapanīyā tu nābhigā |
haimā haimavatī ṛddhirvṛddhirjñānapradā narā ||90||

Sie wärmt, erhitzt, ist heftig und golden beziehungsweise zu läutern, geht zum Nabel; sie ist die Goldene, die Tochter des Schneegebirges, Gedeihen, Wachstum, Erkenntnis schenkend und Nara.

Anmerkung: Tapini/Tapini unterscheiden sich im Sanskrit durch Vokallänge. nābhigā und narā sind unsichere Lesungen; keine sichere Deutung des letzten Namens behauptet.

Vers 91
mahājaṭā mahāpādā mahāhastā mahāhanuḥ |
mahābalā mahāroṣā mahādhairyā mahāghṛṇā ||91||

Sie hat mächtige Haarflechten, große Füße, große Hände und einen großen Kiefer; sie besitzt große Kraft, großen Zorn, große Standhaftigkeit und großes Mitgefühl.

Anmerkung: mahābalā aus e mahābelā normalisiert, Lesung unsicher; ghṛṇā hier Mitgefühl, nicht Abscheu.

Vers 92
mahākṣamā puṇyapāpadhvajinī ghurghurāravā |
ḍākinī śākinī ramyā śaktiḥ śaktisvarūpiṇī ||92||

Sie ist große Geduld, trägt das Banner von Verdienst und Verfehlung, und ihr Laut ist ein tiefes Dröhnen; Dakini, Shakini, die Anmutige, Shakti selbst und die Verkörperung der Kraft.

Vers 93
tamisrā gandharā śāntā dāntā klāntā jitendriyā |
mahīdayā jñāninīcchā virāgā sukhitākṛtiḥ ||93||

Sie ist Dunkelheit, Gandhara, die Friedvolle, Beherrschte und Ermüdete, die ihre Sinne bezwungen hat; große Barmherzigkeit, die Wissende, Wille, die Leidenschaftslose und die Glücksgestaltige.

Anmerkung: mahīdayā und Abtrennung jñāninī/icchā unsicher. Gandhara als Name ohne gesicherte Etymologie bewahrt.

Vers 94
vāsanā vāsanāhīnā nivṛttirnirvṛtiḥ kṛtiḥ |
acalā heturunmuktā jayinī saṃsmṛtiścyutā ||94||

Sie ist Neigung und frei von Neigungen, Rückzug, Erlösung und Tätigkeit; unbeweglich, Ursache, befreit, siegreich, Erinnerung und die Entwichene.

Anmerkung: Letzter Name cyutā wörtlich „abgefallen/entwichen“, Lesung und Sinn unsicher; nicht zu acyutā korrigiert.

Vers 95
kapardinī mukuṭinī mattā prakṛtirūrjitā |
sadasatsākṣiṇī sphītā muditā karuṇāmayī ||95||

Sie trägt verfilztes Haar und eine Krone, ist berauscht, Prakriti und voller Kraft; Zeugin des Seienden und Nichtseienden, reich entfaltet, freudig und voller Mitgefühl.

Anmerkung: kapardinī aus leicht beschädigtem kapaṭinī normalisiert; sollte die Quelle tatsächlich kapaṭinī lesen, wäre „die Listige“ gemeint. Unsicherheit ausdrücklich bewahrt.

Vers 96
pūrvottarā paścimā ca dakṣiṇāvidigudgatā |
ātmārāmā śivārāmā ramaṇī śaṅkarapriyā ||96||

Sie ist Osten, Norden, Westen und Süden und tritt in den Zwischenrichtungen hervor; sie ruht im Selbst, erfreut sich an Shiva, ist die Liebenswerte und Shankaras Geliebte.

Anmerkung: Gliederung der Richtungsnamen und ātmārāmā aus dem Zusammenhang normalisiert; keine sichere diplomatische Lesung.

Vers 97
vareṇyā varadā veṇī stambhinyākarṣiṇī tathā |
uccāṭanī māraṇī ca dveṣiṇī vaśinī mahī ||97||

Sie ist die Erwählte beziehungsweise Verehrungswürdige, die Gabenschenkende und die Geflochtene; sie hemmt, zieht an, vertreibt, tötet, erzeugt Feindschaft, unterwirft und ist die Erde.

Anmerkung: Die Namen benennen auch schädigende tantrische Ritualfunktionen; keine Umdeutung in harmlose Übungen.

Vers 98
śramaṇī bhāratī bhāmā viśokā śokahāriṇī |
sinīvālī kuhū rākānumatiḥ padminī … ||98||

Sie ist die Asketin, Bharati, die Strahlende, frei von Trauer und Trauer hinwegnehmend; Sinivali, Kuhu, Raka, Anumati und Padmini, die Lotusreiche … .

Anmerkung: Fragment: Schlussname beschädigt. Sinivali, Kuhu, Raka und Anumati sind traditionelle Göttinnennamen mit Mondbezug; keine konkrete Kalenderzuordnung aus der Passage allein ergänzt.

Vers 99
sāvitrī vedajananī gāyatryāhutisādhikā |
caṇḍāṭṭahāsā taruṇī bhūrbhuvaḥsvaḥkalevarā ||99||

Sie ist Savitri, Mutter der Veden, Gayatri und Vollzieherin der Opfergabe; sie lacht wild und laut, ist jung und hat die drei Welten Bhur, Bhuvah und Svah als Leib.

Vers 100
atanuratanuprāṇadātrī mātaṅgagāminī |
… pṛthvī janmamṛtyujarauṣadhī ||100||

Sie ist körperlos, gibt dem Körperlosen das Leben zurück und geht wie ein Elefant …; sie ist die Erde und das Heilmittel gegen Geburt, Tod und Alter.

Anmerkung: Fragment: Name am Beginn der zweiten Hälfte beschädigt. „Der Körperlose“ ist hier der Liebesgott Ananga; Deutung des Namens, keine zusätzliche Erzählung.

Vers 101
pratāriṇī kalālāpā vedyā cchadyā vasundharā |
apracchannā vāsitā kāmadhenurvāñchitadāyinī ||101||

Sie täuscht, spricht lieblich, ist zu erkennen und zu verhüllen, ist Vasundhara, die Reichtum tragende Erde; unverhüllt, durchdrungen beziehungsweise duftend, Kamadhenu, die Wunschkuh, und die Gewünschtes schenkt.

Anmerkung: „a-“ vor pracchannā ist in e ausdrücklich ergänzt; ohne diese Ergänzung hieße der Name „verborgen“. vāsitā beziehungsweise vāsitā bleibt vieldeutig.

Vers 102
saudāminī meghamālā śarvarī sarvagocarā |
… niḥsvarā parinādinī ||102||

Sie ist der Blitz, eine Wolkengirlande, die Nacht und überall wahrnehmbar …; ohne Laut und ringsum ertönend.

Anmerkung: Fragment: Mehrere Namen der zweiten Hälfte beschädigt; die lesbaren gegensätzlichen Klangnamen bleiben erhalten.

Vers 103
āhatātmā hatā cāpi nādātītā bileśayā |
parā'parā ca paśyantī madhyamā vaikharī tathā ||103||

Sie hat das Wesen des angeschlagenen Klanges, ist die Getroffene, jenseits des Klanges und in der Höhle ruhend; Para, die Höchste, Apara, die Nichthöchste, Pashyanti, Madhyama und Vaikhari.

Anmerkung: Erste beiden Namen āhatātmā/hatā unsicher; nicht stillschweigend mit anāhata ergänzt. Die letzten Namen bezeichnen auch Stufen der Sprache: schauende, mittlere und geäußerte Sprache.

Vers 104
prathamā ca jaghanyā ca madhyasthāntarvikāśinī |
pṛṣṭhasthā ca puraḥsthā ca pārśvasthordhvatalasthitā ||104||

Sie ist die Erste und die Letzte, steht in der Mitte und entfaltet sich im Inneren; sie steht hinten, vorn, seitlich, oben und unten.

Vers 105
nediṣṭhā ca daviṣṭhā ca barhiṣṭhā ca guhāśayā |
aprāpyā bṛṃhitā pūrṇā puṇyairvedyā hyanāmayā ||105||

Sie ist die Nächste und die Fernste, die Äußerste und die im Verborgenen ruht; unerreichbar, weit entfaltet und vollkommen, durch heilsames Verdienst erkennbar und ohne Krankheit.

Anmerkung: Zweite Hälfte beschädigt; puṇyair vedyā kontextuelle Lesung, nicht als gesicherter Wortlaut ausgegeben.

Vers 106
sudarśanā ca triśikhā bṛhatī santativibhā |
phetkāriṇī dīrghasṛkkā bhāvanā bhavavallabhā ||106||

Sie ist schön anzuschauen, trägt drei Flammen beziehungsweise Spitzen, ist groß und von ununterbrochenem Glanz; sie ruft „phet“, hat lange Mundwinkel, ist Vergegenwärtigung und Bhavas Geliebte.

Anmerkung: Bhava bezeichnet Shiva; santati-vibhā lässt auch „Glanz der Nachkommenschaft“ zu.

Vers 107
bhāgīrathī jāhnavī ca kāverī yamunāhvayā |
siprā godāvarī vellā vipāśā narmadā dhunī ||107||

Sie ist Bhagirathi und Jahnavi, die Ganga, Kaveri und die Yamuna Genannte; Sipra, Godavari, Vella, Vipasha und Narmada, der Strom.

Anmerkung: Vella als Flussname unsicher; keine heutige geographische Identifikation erfunden.

Vers 108
tretā svāhā sāmidhenī sukulvā ca dhruvāvasuḥ |
garvitā māninī menā nanditā nandanandinī ||108||

Sie ist Treta, die Dreiheit, Svaha, die Opferanrufung, Samidheni, der Vers beim Entzünden des Opferfeuers, Sukulva und Dhruvavasu; die Stolze, die Würdevolle, Mena, die Erfreute und Nandanandini.

Anmerkung: Sukulva und Dhruvavasu unsicher in Lesung und Worttrennung; nicht aus anderen Namenslisten ersetzt.

Vers 109
nārāyaṇī nārakaghnī rucirā raṇaśālinī |
ādhāraṇādhāratamā dharmādhvanyā dhanapradā ||109||

Sie ist Narayani, die Höllenqual vernichtet, die Strahlende und im Kampf Mächtige; sie trägt und ist der höchste Halt, geht auf dem Weg des Dharma und gibt Reichtum.

Anmerkung: Mittleres Kompositum ādhāraṇādhāratamā syntaktisch unsicher, lesbarer Bedeutungszusammenhang wiedergegeben.

Vers 110
abhijñā paṇḍitā'mūkā bāliśā vāgvādinī |
brahmavallī muktivallī siddhivallī vipallavī ||110||

Sie ist die Kundige, die Gelehrte, die nicht stumm ist, die Einfältige und die Rede verleiht; die Ranke Brahmans, die Ranke der Befreiung, die Ranke der Vollendung und Vipallavi.

Anmerkung: amūkā unsicher; e hat beschädigtes abhamukā. Vipallavi ohne sichere Etymologie bewahrt.

Vers 111
āhlādinī jitāmitrā sālinī punarākṛtiḥ |
kirmarī sarvatobhadrā sarvavedī muktipaddhatiḥ ||111||

Sie erfreut, hat die Feinde besiegt, ist Salini und nimmt erneut Gestalt an; Kirmari, die allseits Heilvolle, die alles kennt, und der Weg der Befreiung.

Anmerkung: Salini und Kirmari sind seltene, unsicher lesbare Namen; keine vermeintlich sichere Wortbedeutung erfunden.

Vers 112
suṣamā candrikā vanyā kaumudī kumudākarā |
trisandhyāmnāyasetuśca carcā … parinaiṣṭhikī ||112||

Sie ist Schönheit, Mondschein, die Waldgestaltige, Mondlicht und ein Meer von Wasserlilien; die drei Tageswenden, die Brücke der Überlieferung, Betrachtung … und die ganz im Ziel Gefestigte.

Anmerkung: Fragment: Name vor parinaiṣṭhikī beschädigt; Worttrennung trisandhyā/āmnāyasetu nicht völlig sicher.

Vers 113
kalā kāṣṭhā tithistārā saṅkrāntirviṣuvattathā |
mañjunādā mahāvalgu bhagnabherīsvanā'raṭā ||113||

Sie ist Kala und Kashtha, Zeitmaße, der Mondtag, der Stern, der Sonnenübergang und die Tagundnachtgleiche; lieblich tönend, überaus schön, mit dem Klang einer zerbrochenen Trommel und Arata.

Anmerkung: Letzter Name araṭā unsicher; nicht zu raṭā oder araṭā mit festgelegter Bedeutung ergänzt.

Vers 114
cintā suptiḥ suṣuptiśca turīyā tattvadhāraṇā |
mṛtyuñjayā mṛtyuharī mṛtyumṛtyuvidhāyinī ||114||

Sie ist Denken, Schlaf, Tiefschlaf, Turiya, der vierte Zustand, und das Festhalten am Wirklichen; sie besiegt den Tod, nimmt den Tod hinweg und bereitet dem Tod selbst den Tod.

Anmerkung: Tattvadharana kann auch die Sammlung auf ein bestimmtes Prinzip bezeichnen.

Vers 115
haṃsī paramahaṃsī ca bindunādāntavāsinī |
vaihāyasī traidaśī ca bhaimī vāsātanī tathā ||115||

Sie ist die Hamsa-Gestaltige, die höchste Hamsa-Gestaltige und wohnt am Ende von Bindu und Nada; die zum Himmel Gehörige, die Göttliche, Bhaimi und Vasatani.

Anmerkung: Hamsa: Schwan beziehungsweise Wildgans, auch spiritueller Titel. Bhaimi/Vasatani unsicher in Lesung und Bedeutung; keine sichere Ableitung erfunden.

Vers 116
dīkṣā śikṣā anūḍhā ca kaṅkālī tejasī tathā |
surī daityā dānavī ca narī nāthā surītvarī ||116||

Sie ist Einweihung, Unterweisung, die Unverheiratete, die Skelettgestaltige und die Lichtvolle; Göttin, Daitya- und Danava-Gestaltige, Frau, Herrin und Suritvari.

Anmerkung: Letzter Name surītvarī unsicher; die Gestalten der Daityas und Danavas nicht moralisch vereinheitlicht.

Vers 117
mādhvī svanā svarā rekhā niṣkalā nirmamā mṛtiḥ |
mahatī vipulā svalpā krūrā krūrāśayāpi ca ||117||

Sie ist die Honighafte, Klang, Ton und Linie; ohne Teile, ohne Besitzanspruch und der Tod; groß, weit, klein, grausam und von grausamem Sinn.

Anmerkung: Der Name „grausam“ wird nicht zu einer bloßen Metapher für Reinigung abgeschwächt.

Vers 118
unmāthinī dhṛtimatī vāmanī kalpacāriṇī |
vāḍavī vaḍavāśvoḍhā kolā pitṛvanālayā ||118||

Sie erschüttert, ist standhaft, kleinwüchsig und wandelt durch die Weltzeitalter; Vadavi, dem untermeerischen Feuer zugehörig, Vadavashvodha, Kola, die Ebergestaltige, und sie wohnt im Totenwald.

Anmerkung: Vadavashvodha ist beschädigt und nicht sicher deutbar; der Name wird nicht zu einer genauen Reittierbeschreibung rekonstruiert.

Vers 119
prasāriṇī viśārā ca darpitā darpaṇapriyā |
uttānādhomukhī suptā vañcinyākuñcanī truṭiḥ ||119||

Sie breitet sich aus, ist Vishara, stolz und liebt den Spiegel; sie liegt nach oben gewandt, blickt nach unten, schläft, täuscht und zieht zusammen; sie ist Truti, der kleinste Zeitaugenblick.

Anmerkung: Vishara sowie vañcinī/ākuñcanī unsicher gelesen; keine unbekannten Glieder ausgelassen.

Vers 120
krādinī yātanādātrī durgā durgatināśinī |
dharādharasutā dhīrā dharādharakṛtālayā ||120||

Sie ist Kradini, die Schreiende, die Qualen verleiht, Durga und die Vernichterin schlimmen Geschicks; Tochter des Berges, standhaft und mit ihrem Wohnsitz im Gebirge.

Anmerkung: krādinī ungewöhnliche Form, Bedeutungszuordnung zum Schreien vorläufig.

Vers 121
sucaritrī tathātri … ca pūtanā pretamālinī |
rambhorvaśī menakā ca kalihṛtkālakṛtkaśā ||121||

Sie ist von gutem Wandel, … Putana und trägt eine Girlande von Toten; Rambha, Urvashi und Menaka, beseitigt Streit, schafft die Zeit und ist die Peitsche.

Anmerkung: Fragment: Name nach sucaritrī beschädigt. Die Apsaras-Namen sind lesbar. Letzte Trennung kalihṛt/kālakṛt/kaśā ist vorläufig.

Vers 122
hareṣṭadevī herambamātā haryakṣavāhanā |
śikhaṇḍinī koṇḍapinī vituṇḍī mantramayyapi ||122||

Sie ist Haras geliebte Göttin, Herambas Mutter, reitet auf einem Löwen, trägt einen Schopf, ist Kondapini und Vitundi und besteht aus Mantra.

Anmerkung: Kondapini und Vitundi sind unsicher in der OCR; keine sichere Deutung. Heramba bezeichnet hier Ganesha.

Vers 123
vajreśvarī lohadaṇḍā durvijñeyā durāsadā |
jālinī jālapā yājyā bhaginī bhagavatyapi ||123||

Sie ist Vajreshvari, die Herrin des Vajra, trägt einen Eisenstab, ist schwer zu erkennen und schwer zugänglich; die Netzhafte, Jalapa, die zu Verehrende, die Schwester und die Erhabene.

Anmerkung: Jalapa ist unsicher lesbar; nicht zu Jalpa oder einem vertrauten Standardnamen korrigiert.

Vers 124
bhaujaṅgī tuvarā babhrurmahanīyā ca mānavī |
śrīmatī śrīkarī gārgī sadānandā gaṇeśvarī ||124||

Sie ist die Schlangenhafte, Tuvara, die Braune, die Ehrwürdige und die Menschliche; die Glücksreiche, die Glück schafft, Gargi, stets glückselig und die Herrin der Scharen.

Anmerkung: Tuvara als seltener Name bewahrt; Gargi aus beschädigtem gārddhī normalisiert, nicht völlig sicher.

Vers 125
asandigdhā śāśvatā ca siddhā siddheśvarīḍitā |
jyeṣṭhā śreṣṭhā variṣṭhā ca kauśāmbī bhaktavatsalā ||125||

Sie ist unbezweifelbar, ewig, vollendet, Herrin der Vollendeten und gepriesen; die Älteste, die Beste, die Höchste, Kaushambi und liebevoll zu ihren Verehrern.

Anmerkung: Siddheshvari/Idita als zwei Namen gelesen; auch ein Kompositum „von Siddheshvari gepriesen“ möglich.

Vers 126
indranīlanibhā netrī nāyikā ca trilocanā |
bārhaspatyā bhārgavī ca ātreyyāṅgirasī tathā ||126||

Sie gleicht einem Saphir, führt, ist die Anführerin und Dreiäugige; Brihaspati, Bhrigu, Atri und Angiras zugehörig.

Anmerkung: Die letzten vier Namen geben Zugehörigkeiten an; keine genealogische Einzelgeschichte ergänzt.

Vers 127
dhuryādhihartrī dhāritrī vikaṭā janmarocinī |
āpaduttāriṇī dṛptā ramitā mitivarjitā ||127||

Sie trägt die Last und nimmt Bedrängnis hinweg, ist die Haltende, die Gewaltige und an Geburt erfreut; sie führt aus Gefahr heraus, ist stolz, erfreut und frei von Begrenzung.

Anmerkung: Anfangskompositum dhuryādhihartrī und janmarocinī unsicher gelesen; Bedeutungswiedergabe vorläufig.

Vers 128
citrarekhā cidākārā cañcalākṣī calatpadā |
balāhakī piprasaṭā tūlabhūtā vanecarī ||128||

Sie ist die bunte Linie, hat die Gestalt des Bewusstseins, bewegliche Augen und sich bewegende Füße; die Wolkengestaltige, Piprasata, leicht wie Baumwolle und im Wald umhergehend.

Anmerkung: Piprasata ist beschädigt, nicht sicher deutbar. tūlabhūtā wörtlich „zu Baumwolle geworden“; Bild der Leichtigkeit als sinngemäße Wiedergabe.

Vers 129
khagī karandhamā dhmākṣī saṃhitā kekarīndhanā |
apunarbhavinī … yamagañjinī ||129||

Sie ist die Vogelgestaltige, Karandhama, Dhmakshi, Samhita, die Vereinte, und Kekarindhana; die nicht wieder geboren wird … und Yama bezwingt.

Anmerkung: Fragment: Mehrere seltene Namen, insbesondere nach apunarbhavinī, in der OCR beschädigt. Lesbare Namen ohne erfundene Bedeutungen bewahrt.

Vers 130
varṇātītāśramātītā mṛḍānī mṛḍavallabhā |
dayākarī damaparā dambhahīnādṛtipriyā ||130||

Sie ist jenseits der sozialen Gruppen und Lebensstände, Mridani und Mridas Geliebte; sie wirkt barmherzig, ist der Selbstbeherrschung zugewandt, frei von Heuchelei und liebt ehrerbietige Zuwendung.

Anmerkung: Mrida ist ein Name Shivas. varṇa kann auch Buchstabe oder Farbe bedeuten, hier im Zusammenhang mit āśrama als soziale Gruppe verstanden.

Vers 131
nirvāṇadā ca nirbandhā bhāvābhāvavidhāyinī |
naiḥśreyasī nirvikalpā nirbījā sarvabījikā ||131||

Sie schenkt Nirvana, ist ungebunden und bewirkt Sein und Nichtsein; das höchste Heil, frei von begrifflicher Unterscheidung, ohne Samen und zugleich der Samen von allem.

Anmerkung: Nirbandha als ungebunden verstanden; nirbandhā kann sprachlich auch Nachdruck beziehungsweise Bindung bezeichnen. Kontextnahe Deutung, keine sichere Etymologiebehauptung.

Vers 132
anādyantā bhedahīnā bandhonmūlinyabādhitā |
nirābhāsā manogamyā sāyujyāmṛtadāyinī ||132||

Sie ist ohne Anfang und Ende, ohne Trennung, entwurzelt die Bindung und ist ungehindert; ohne Erscheinungsbild, dem Geist zugänglich und schenkt den Nektar der Vereinigung mit dem Göttlichen.

Anmerkung: manogamyā steht positiv im lesbaren Text; nicht nach metaphysischer Erwartung in „dem Geist unzugänglich“ geändert. Ende der eigentlichen Namensreihe.

Wirkungsverheißungen des Tausendnamen-Lobgesangs

Der Text verheißt geistige wie weltliche Erfolge für verschiedene Gruppen und erklärt die Göttin als Samen aller Weltprinzipien. Diese Aussagen sind als Lobpreis der Überlieferung zu lesen.

Vers 133
itīdaṃ nāmasāhasraṃ nāmakoṭiśatādhikam |
devyāḥ kāmakalākālyā mayā te pratipāditam ||133||

So habe ich dir diese tausend Namen der Göttin Kamakalakali dargelegt, die Hunderte von Millionen Namen übertreffen.

Anmerkung: Übergang von der Namensreihe zur Wirkungsverheißung; „tausend“ ist die Quellenbezeichnung, keine unabhängig rekonstruierte Einzelzählung dieser Ausgabe.

Vers 134
nānena sadṛśaṃ stotraṃ triṣu lokeṣu vidyate |
yadyapyamuṣya mahimā varṇituṃ naiva śakyate ||134||

In den drei Welten gibt es keinen Lobgesang, der diesem gleicht. Obwohl seine Größe nicht beschrieben werden kann –

Vers 135
prarocanātayā kaścit tathāpi vinigadyate |
pratyahaṃ ya idaṃ devi kīrtayedvā śṛṇoti vā ||135||

– wird doch einiges davon zur Ermutigung genannt. Wer ihn täglich, Göttin, rezitiert oder hört –

Vers 136
guṇādhikyamṛte ko'pi doṣo naivopajāyate |
aśubhāni kṣayaṃ yānti jāyante maṅgalānyatha ||136||

– soll nur eine Zunahme guter Eigenschaften erfahren, keinen Schaden. Unheil vergeht, und Heilvolles entsteht.

Anmerkung: Die Aussagen dieses Abschnitts sind traditionelle Lob- und Wirkungsverheißungen.

Vers 137
pāratrikāmuṣmikau dvau lokau tena prasādhitau |
brāhmaṇo jāyate vāgmī vedavedāṅgapāragaḥ ||137||

Beide Welten werden dadurch gewonnen. Ein Brahmane soll redegewandt werden und Veden wie Vedangas vollständig beherrschen –

Anmerkung: Die Quellenwörter pāratrika und āmuṣmika bezeichnen beide gewöhnlich das Jenseitige; die vermutlich beabsichtigte Gegenüberstellung von Diesseits/Jenseits wird nicht als gesicherter Sanskritwortlaut ergänzt.

Vers 138
khyātaḥ sarvāsu vidyāsu dhanavān kavipaṇḍitaḥ |
yuddhe jayī kṣatriyaḥ syād dātā bhoktā ripuñjayaḥ ||138||

– in allen Wissensgebieten berühmt, reich, Dichter und Gelehrter. Ein Kshatriya soll im Kampf siegreich sein, freigebig, genussfähig und ein Bezwinger der Feinde –

Vers 139
āhartā lakṣamedhasya … |
samṛddho dhanadhānyena vaiśyo bhavati tatkṣaṇāt ||139||

– Vollzieher von hunderttausend Opfern … . Ein Vaishya soll sogleich reich an Geld und Getreide werden.

Anmerkung: Fragment: Weitere Aussage der ersten Hälfte beschädigt. lakṣamedha lesbar, genaue Opferbezeichnung nicht gesichert; nicht stillschweigend zu Pferdeopfern erweitert.

Vers 140
nānāvidhapaśūnāṃ hi samṛddhyā sa samṛddhyate |
śūdraḥ samastakalyāṇamāpnoti śrutikīrtanāt ||140||

Er gedeiht durch den Reichtum an vielerlei Vieh. Ein Shudra soll durch Hören und Rezitieren alles Wohlergehen erlangen –

Vers 141
bhuṅkte sukhāni suciraṃ rogaśokau parityajan |
evaṃ nāryapi saubhāgyaṃ bharturhārdaṃ sutānapi ||141||

– und lange Glück genießen, frei von Krankheit und Trauer. Ebenso soll eine Frau eheliches Glück, die Zuneigung ihres Gatten und Söhne –

Anmerkung: Historische geschlechtsspezifische Wunschvorstellungen der Quelle.

Vers 142
prāpnoti śravaṇādasya kīrtanādapi pārvati |
svasvābhīṣṭamathānye'pi labhante'sya prasādataḥ ||142||

– durch das Hören und Rezitieren erlangen, Parvati. Auch andere sollen durch seine Gnade jeweils das erhalten, was sie selbst ersehnen.

Vers 143
āpnoti dhārmiko dharmānarthānāpnoti durgataḥ |
mokṣārthinastathā mokṣaṃ kāmukāḥ kāminīṃ varām ||143||

Der nach Dharma Lebende soll Dharma gewinnen, der Arme Besitz, die Befreiung Suchenden Befreiung und die Liebesuchenden eine vorzügliche Geliebte.

Vers 144
yuddhe jayaṃ nṛpāḥ kṣīṇāḥ kumāryaḥ satpatiṃ tathā |
ārogyaṃ rogiṇaścāpi tathā vaṃśārthinaḥ sutān ||144||

Geschwächte Könige sollen Sieg im Krieg erlangen, unverheiratete junge Frauen einen guten Gatten, Kranke Gesundheit und diejenigen, die Nachkommenschaft wünschen, Söhne.

Anmerkung: Quellenverheißungen, keine medizinische oder soziale Handlungsempfehlung.

Vers 145
jayaṃ vivāde kalikṛt siddhīḥ siddhīcchuruttamāḥ |
viyuktā bandhubhiḥ saṅgaṃ gatāyuścāyuṣāṃ cayam ||145||

Der Streitende soll im Rechtsstreit siegen, der nach Vollendung Strebende höchste Siddhis gewinnen; von Angehörigen Getrennte sollen wieder zusammenkommen, und wer am Ende seiner Lebenszeit steht, soll neue Lebensjahre erhalten.

Vers 146
sadā ya etat paṭhati niśīthe bhaktibhāvitaḥ |
tasyāsādhyamathāprāpyaṃ trailokye naiva vidyate ||146||

Wer dies stets um Mitternacht, von Hingabe erfüllt, rezitiert, für den soll es in den drei Welten nichts Unmögliches und nichts Unerreichbares geben.

Vers 147
kīrtiṃ bhogān striyaḥ putrān dhanaṃ dhānyaṃ hayān gajān |
jñātiśraiṣṭhyaṃ paśūn bhūmiṃ rājavaśyaṃ ca mānyatām ||147||

Ruhm, Genüsse, Frauen, Söhne, Reichtum, Getreide, Pferde und Elefanten, Vorrang unter den Verwandten, Vieh, Land, Einfluss auf den König und Ansehen –

Anmerkung: Aufzählung der von der Quelle verheißenen weltlichen Güter.

Vers 148
labhate preyasi kṣudrajātirapyasya kīrtanāt |
nāsya bhītirna daurbhāgyaṃ nālpāyuṣyaṃ na rogitā ||148||

– soll durch seine Rezitation selbst ein Mensch aus einer als niedrig angesehenen Gruppe erhalten, Geliebte. Ihn sollen weder Furcht noch Unglück, kurze Lebenszeit oder Krankheit treffen –

Anmerkung: Abwertende soziale Gruppenbezeichnung als Perspektive der Quelle kenntlich gemacht.

Vers 149
na pretabhūtābhibhavo na doṣo grahajastathā |
jāyate patito naiva kvacidapyeṣa saṅkaṭe ||149||

– weder Überwältigung durch Tote oder Geister noch ein durch Grahas verursachtes Übel. Er soll nirgends in Bedrängnis geraten.

Anmerkung: Grahas nach der traditionellen Vorstellung ergreifende Mächte beziehungsweise astrale Einflüsse.

Vers 150
yadīcchasi paraṃ śreyastartuṃ saṅkaṭameva ca |
paṭhānvahamidaṃ stotraṃ satyaṃ satyaṃ sureśvari ||150||

Wenn du das höchste Heil begehrst und über Bedrängnis hinwegkommen möchtest, rezitiere diesen Lobgesang täglich. Wahrlich, wahrlich, Herrin der Götter!

Anmerkung: tartum, „hinübergelangen“, aus dem lesbareren Paralleltext übernommen; e hat beschädigtes tattu.

Vers 151
na sāsti bhūtale siddhiḥ kīrtanādyā na jāyate |
śṛṇu cānyadvarārohe kīrtyamānaṃ vaco mama ||151||

Es soll auf Erden keine Vollendung geben, die nicht durch seine Rezitation entsteht. Höre noch etwas anderes, du Schöne, das ich dir sage.

Vers 152
mahābhūtāni pañcāpi khānyekādaśa yāni ca |
tanmātrāṇi ca jīvātmā paramātmā tathaiva ca ||152||

Die fünf großen Elemente, die elf Sinnes- und Handlungsvermögen, die feinen Sinnesprinzipien, das individuelle Selbst und ebenso das höchste Selbst –

Anmerkung: Wörtlich kha, „Öffnung“, hier als Sinnesvermögen verstanden; die Gesamtaufzählung führt bis 155.

Vers 153
saptārṇavāḥ saptalokā bhuvanāni caturdaśa |
nakṣatrāṇi diśaḥ sarvāḥ grahāḥ pātālasaptakam ||153||

– die sieben Meere, die sieben Welten, die vierzehn Weltbereiche, die Mondhäuser, alle Richtungen, die Planetenmächte und die sieben Unterwelten –

Anmerkung: Die verschiedenen kosmologischen Zahlenreihen stehen nebeneinander.

Vers 154
saptadvīpavatī pṛthvī jaṅgamājaṅgamaṃ jagat |
carācaraṃ tribhuvanaṃ vidyāścāpi caturdaśa ||154||

– die Erde mit ihren sieben Kontinenten, die Welt der beweglichen und unbeweglichen Wesen, die drei Welten mit allem Bewegten und Unbewegten und die vierzehn Wissensgebiete –

Anmerkung: Wiederholung der beweglichen und unbeweglichen Wesen nicht gestrichen.

Vers 155
sāṅkhyaṃ yogastathā jñānaṃ cetanā karmavāsanā |
bhagavatyāṃ sthitaṃ sarvaṃ sūkṣmarūpeṇa bījavat ||155||

– Samkhya, Yoga, Erkenntnis, Bewusstheit und die vom Handeln geprägten Neigungen: All dies ruht in der Göttin in feiner Gestalt, einem Samen gleich.

Vers 156
sā cāsmin nāmasāhasrastotre tiṣṭhati baddhavat |
paṭhanīyaṃ viditvaivaṃ stotrametat sudurlabham ||156||

Und sie selbst weilt in diesem Tausendnamen-Lobgesang, als wäre sie darin gebunden. Mit diesem Wissen soll man den schwer zu erlangenden Lobgesang rezitieren.

Anmerkung: baddhavat durch den Paralleltext gestützt; nicht in eine bloß symbolische Präsenzformel umgeschrieben.

Vers 157
devīṃ kāmakalākālīṃ bhajantaḥ siddhidāyinīm |
stotraṃ cādaḥ paṭhanto hi sādhayantīpsitān svakān ||157||

Wer die Göttin Kamakalakali verehrt, die Vollendung verleiht, und diesen Lobgesang rezitiert, soll die eigenen erstrebten Ziele verwirklichen.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāṃ kāmakalākālīsahasranāmastotraṃ sampūrṇam |

Damit ist in der Mahakala-Samhita der Lobgesang der tausend Namen Kamakalakalis beendet.

Anmerkung: Eigener Kolophon des Sahasranama; Kapitel 12 setzt mit einer Prosaanrufung und neuer Verszählung fort.

Gadya-Abschnitt – eigene Verszählung

Mahakala kündigt die Prosaanrufung als belebenden Bestandteil des Tausendnamen-Lobgesangs an. Die Zählung beginnt erneut bei 1.

Vers 1
mahākāla uvāca |
atha vakṣye maheśāni mahāpātakanāśanam |
gadyaṃ sahasranāmnastu sañjīvanatayā sthitam ||1||

Mahakala sprach: Nun werde ich, Maheshani, den Prosatext nennen, der schwere Verfehlungen vernichten soll und gleichsam das belebende Prinzip der tausend Namen bildet.

Anmerkung: Neue Verszählung im Schlussabschnitt von Kapitel 12; nicht mit 12.1 der Sahasranama-Einleitung zu verwechseln.

Vers 2
paṭhan yatsaphalaṃ kuryāt prāktanaṃ sakalaṃ priye |
apaṭhan viphalaṃ tattat tadvastu kathayāmi te ||2||

Wer ihn rezitiert, soll alles Vorhergehende fruchtbar machen, Geliebte; ohne seine Rezitation soll es ohne Frucht bleiben. Diesen Text erkläre ich dir.

Anmerkung: Darauf folgt die lange unnummerierte Gadyamantra-Prosa.

Unnummerierte Prosaanrufung

Die lange Anrufung wird an ihren Sinnabschnitten gegliedert. Beschädigte Bijas und einzelne Wörter bleiben offen; alle lesbaren Anrufungen, Schutzbitten und Befehle werden übersetzt.

Unnummerierter Text
oṃ … jaya jaya kāmakalākāli kapālini siddhikarāli siddhivikarāli mahābalini triśūlini naramuṇḍamālini śavavāhini kātyāyani mahāṭṭahāsini sṛṣṭisthitipralayakāriṇi ditidanujamāriṇi śmaśānacāriṇi |
mahāghorarāve adhyāsitadāve aparimitabalaprabhāve |
bhairavīyoginīḍākinīsahavāsini jagaddhāsini svapadaprakāśini |
pāpaughahāriṇi āpaduddhāriṇi apamṛtyuvāriṇi |
bṛhan … udari sakalasiddhikari caturdaśabhuvaneśvari |
guṇātītaparamasadāśivamohini apavargarasadohini raktārṇavalohini |
aṣṭanāgarājabhūṣitabhujadaṇḍe ākṛṣṭakodaṇḍe paramapracaṇḍe |

Om … Sieg, Sieg, Kamakalakali! Schädeltragende, Siddhikarali, Siddhivikarali, große Kraftvolle, Dreizacktragende, mit Menschenköpfen als Girlande Geschmückte, auf einer Leiche Reitende, Katyayani, laut Lachende! Du bewirkst Schöpfung, Erhaltung und Auflösung, tötest die Nachkommen Ditis und Danus und wanderst auf dem Verbrennungsplatz. Du mit dem überaus furchtbaren Laut, die im Waldbrand weilt, von unermesslicher Kraft und Macht! Du lebst mit Bhairavis, Yoginis und Dakinis zusammen, lässt die Welt lachen beziehungsweise erstrahlen und offenbarst deinen eigenen Zustand. Du nimmst den Strom der Verfehlungen hinweg, rettest aus Gefahr und wehrst vorzeitigen Tod ab. Du mit dem … Leib, die alle Vollendungen bewirkt, Herrin der vierzehn Welten! Du bezauberst den höchsten Sadashiva jenseits der Gunas, melkst den Saft der Befreiung und bist rot wie ein Meer aus Blut. Deine Arme schmücken acht Schlangenkönige; du spannst den Bogen, du überaus Gewaltige!

Anmerkung: Fragment: Beginn der unnummerierten Gadyamantra-Prosa nach deren Vers 2. Anfangsbija und ein Körperattribut beschädigt. Sinnabschnitte U2a–U2i sind redaktionelle Datensatzkennungen, keine erfundenen Quellversnummern.

Unnummerierter Text
manovāgagocare makhakoṭimantramayakalevare mahābhīṣaṇatare pracalajjaṭābhārabhāsvare sajalajaladamedure janmamṛtyupāśabhidure |
sakaladevatamayasiṃhāsanādhirūḍhe guhyātiguhyaparāparaśaktitattvarūḍhe vāṅmayīkṛtamūḍhe |
prakṛtyaparaśivanirvāṇasākṣiṇi trilokīrakṣiṇi daityadānavabhakṣiṇi |
vikaṭadīrghadaṃṣṭrāsañcūrṇitakoṭibrahmakapāle candrakhaṇḍāṅkitabhāle dehaprabhājitameghajāle |
… cakranayini mahābhīma … śayini sakalakulākulacakrapravartini nikhilaripudalakartini mahāmārībhayanivartini lelihānarasanākarālini trilokīpālini trayastriṃśatkoṭiśastrāstraśālini |
prajvalaprajvalanalocane bhavabhayamocane nikhilāgamādeśita … |

Du bist dem Denken und der Sprache nicht zugänglich; dein Leib besteht aus den Mantras von Millionen Opfern. Du bist überaus furchterregend, strahlst mit deinen bewegten Haarflechten, bist dicht und dunkel wie eine regenschwere Wolke und zerreißt die Fesseln von Geburt und Tod. Du sitzt auf einem Thron, der aus allen Gottheiten besteht, ruhst im Prinzip der höheren und niederen Shakti, geheimer als das Geheimste, und verwandelst selbst den Unverständigen in Beredsamkeit. Du bist Zeugin des Erlöschens von Prakriti und Apara-Shiva, beschützt die drei Welten und verschlingst Daityas und Danavas. Deine gewaltigen langen Fangzähne zermahlen die Schädel von Millionen Brahmas. Ein Mondstück zeichnet deine Stirn, der Glanz deines Leibes übertrifft die Wolkenmassen. Du führst die … Chakras, ruhst auf einem höchst furchtbaren … Lager, setzt alle Kula- und Akula-Chakras in Bewegung, zerschneidest die Heerscharen sämtlicher Feinde, beseitigst die Furcht vor Seuchen und bist furchtbar durch deine leckende Zunge. Du behütest die drei Welten und trägst dreiunddreißig Millionen Hieb- und Wurfwaffen. Deine Augen sind loderndes Feuer; du befreist von der Furcht des Daseins und bist in allen Agamas gelehrt … .

Anmerkung: Fragment: Mehrere Attribute in der zweiten Hälfte beschädigt. prakṛty-apara-śiva-nirvāṇa-sākṣiṇī und vāṅmayīkṛtamūḍhā sind syntaktisch schwer; hier quellennahe vorläufige Wiedergabe. Keine fehlenden Chakra-Zahlen oder Lagergestalten ergänzt.

Unnummerierter Text
prapañcātītaniṣkalaturīyākāre akhaṇḍānandādhāre nigamāgamasāre |
mahākhecarīsiddhividhāyini nijapadapradāyini mahāmāyini ghorāṭṭahāsasantrāsitatribhuvane caraṇakamaladvayavinyāsakharvīkṛtāvane … bhaktāvane |
… bhagavati prasīda prasīda jaya jaya jīva jīva jvala jvala prajvala prajvala hasa hasa nṛtya nṛtya … bhagamālini bhagapriya bhagāture bhagākṛti bhagarūpiṇi bhagaprade bhagaliṅgadrāviṇi |
saṃhārabhairavaśukrarasalolupe vyomakeśi piṅgakeśi mahāśaṅkhasamākule kharpara … haste raktārṇavadvīpapriye madanonmādini |

Du hast die Gestalt des ungeteilten vierten Zustands jenseits der entfalteten Welt, bist der Grund ungebrochener Glückseligkeit und die Essenz von Nigama und Agama. Du verleihst die große Khechari-Siddhi und deinen eigenen Zustand, große Maya! Dein furchtbares Gelächter erschreckt die drei Welten; das Aufsetzen deiner beiden Lotusfüße drückt die Erde nieder … du beschützt die Verehrer. … Erhabene, sei gnädig, sei gnädig! Siege, siege! Lebe, lebe! Flamme, flamme! Lodere, lodere! Lache, lache! Tanze, tanze! … Du mit der Yoni-Girlande, die die Yoni liebt, von der Yoni ergriffen, Yoni-Gestaltige, Yoni-Verkörperung, Yoni-Schenkende, die Yoni und Linga in Erregung versetzt! Du verlangst nach dem Samen-Saft Samharabhairavas; dein Haar ist der Raum, dein Haar ist gelbbraun. Du bist von großen Muscheln umgeben, hältst eine Schädelschale … in der Hand, liebst die Insel im Blutmeer und versetzt in Liebesrausch.

Anmerkung: Fragment: Bija-Gruppen und einzelne Attribute beschädigt. Die sexuelle Symbolik wird sachlich übersetzt; keine minderjährige Gestalt in dieser Passage bezeichnet. mahāśaṅkha kann in tantrischer Terminologie auch Schädel bezeichnen; die genaue Bedeutung bleibt offen.

Unnummerierter Text
śuṣkanarakapālamālābharaṇe vidyutkoṭisamaprabhe naramāṃsakhaṇḍakavalini vamadagnimukhi pherukoṭiparivṛte karatālikātrāsitatriviṣṭape |
nṛtyaprasāritapādāghātaparivartitabhūvalaye padabharāvanamrīkṛtakamaṭhaśeṣābhoge |
kurukulle … tuṇḍi raktamukhi yamaghaṇṭe carcike |

Du trägst eine Girlande aus trockenen Menschenschädeln als Schmuck, leuchtest wie Millionen Blitze und verschlingst Stücke von Menschenfleisch. Dein Mund speit Feuer; Millionen Schakale umgeben dich. Dein Händeklatschen erschreckt den Himmel. Der Schlag deiner beim Tanz ausgestreckten Füße wälzt den Erdkreis um; ihr Gewicht beugt die Schildkröte und die Windungen Sheshas nieder. Kurukulla, du mit der … Schnauze, mit rotem Gesicht, Yamaghanta – Glocke Yamas –, Charchika!

Anmerkung: Fragment: Die Schnauzenbezeichnung bleibt unsicher; Yamaghanta ist im älteren Textzeugen lesbar. Schildkröte und Shesha sind kosmische Trägergestalten des Textes. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8042–8045; deren Kapitelzählung 252.

Unnummerierter Text
daityāsura … rākṣasadānavakūṣmāṇḍapretabhūtaḍākinīvināyakaskandaghoṇakakṣetrapālapiśācabrahmarākṣasavetālaguhyakasarpanāgagrahanakṣatrotpātacaurāgniśvāpadayuddhavajropalāśanivarṣavidyunmeghaviṣopaviṣakapaṭakṛtyābhicāradveṣavaśīkaraṇoccāṭanonmādāpasmārabhūtapretapiśācāveśanadanadīsamudrāvartakāntāraghorāndhakāramahāmārībālagraha … svāpahārimāyāvidasyu … divācararātricarasandhyācara … dṛṣṭividyudulkāraṇyadavaprāntarādinānāvidhamahopadravabhañjani sarvamantratantrayantrakuprayogaprabhañjini ṣaḍāmnāyasamayavidyāprakāśini śmaśānādhyāsini |

Du zerbrichst die großen Gefahren vieler Art: von Daityas und Asuras … Rakshasas, Danavas, Kushmandas, Totengeistern, Bhutas, Dakinis, Vinayakas, Skanda- und Ghonaka-Mächten, Kshetrapalas, Pishachas, Brahmarakshasas, Vetalas, Guhyakas, Schlangen und Nagas; von Grahas, Mondhäusern und Unheilszeichen; von Räubern, Feuer, Raubtieren und Krieg, Donnerkeil und Hagel, Blitzschlag, Regen, Blitzen und Wolken; von Gift und schwächeren Giftstoffen, Täuschung, erzeugten Schadensmächten, Schadenszauber, Feindschaft, Unterwerfungs- und Vertreibungsritualen; von Wahnsinn und Apasmara, von Besessenheit durch Bhutas, Tote und Pishachas; von Flüssen, Strömen und Meereswirbeln, Wildnis und schrecklicher Dunkelheit, Seuchen, Kinder ergreifenden Grahas … Besitzräubern, Zauberkundigen und Banditen … von Wesen, die tags, nachts und in der Dämmerung umgehen … schädlichen Blicken, Blitzen, Meteoren, Waldbrand und Einöde. Du zerschlägst den schädigenden Gebrauch aller Mantras, Tantras und Yantras, offenbarst die Vidya der Lehrordnungen der sechs Amnayas und wohnst auf dem Verbrennungsplatz.

Anmerkung: Fragment: Mehrere weitere Glieder der Gefahrenliste bleiben lokal beschädigt; Vinayaka sowie vajropala sind im älteren Textzeugen erkennbar. Historische Schutzanrufung; Apasmara ist keine moderne Diagnose. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8046–8049; deren Kapitelzählung 252.

Unnummerierter Text
nijabalaprabhāvaparākramaguṇavaśīkṛtakoṭibrahmāṇḍavartibhūtasaṅghe |
virāḍrūpiṇi sarvadevamaheśvari sarvajanamanorañjani sarvapāpapraṇāśini ādhyātmikādhidaivikādhibhautikādivividhahṛdayādhinirdalini kaivalyanirvāṇadāyini dakṣiṇakāli bhadrakāli caṇḍakāli kāmakalākāli kaulācāravratini kaulācāra … kuladharmasādhani jagatkāraṇakāriṇi mahāraudri raudrāvatāre abīje nānābīje jagadbīje kāleśvari kālātīte trikālasthāyini mahābhairave bhairavagṛhiṇi janani janajanananivartini pralayānalajvālājālajihve |

Durch deine eigene Kraft, Macht, Tapferkeit und deine Eigenschaften bringst du die Scharen der Wesen in Millionen Welteiern unter deine Macht. Du hast die kosmische Gestalt, bist die große Herrin aller Götter, erfreust den Geist aller Menschen und vernichtest alle Verfehlungen. Du zermalmst die vielfältigen Leiden des Herzens, die aus dem eigenen Inneren, aus göttlichen Mächten und aus anderen Wesen hervorgehen; du verleihst Kaivalya und Nirvana. Dakshinakali, Bhadrakali, Chandakali, Kamakalakali! Du hältst das Gelübde des Kaula-Weges, … verwirklichst den Kula-Dharma und bringst die Ursache der Welt hervor. Große Furchtbare, furchtbare Erscheinung, ohne Samen, mit vielerlei Samen, Samen der Welt! Herrin der Zeit, jenseits der Zeit und in den drei Zeiten gegenwärtig, große Bhairavi, Bhairavas Gemahlin, Mutter, die die Geburt der Menschen beendet! Deine Zunge ist ein Netz von Flammen des Weltauflösungsfeuers.

Anmerkung: Fragment: Attribut nach kaulācāra beschädigt; kaivalyanirvāṇadāyini aus beschädigter Endung sinngemäß gelesen. Die Dreiteilung der Leiden wird erklärt, nicht medizinisch umgedeutet.

Unnummerierter Text
… pherupotalālini mṛtyuñjayahṛdayānandakari vilolavyālakuṇḍalolūkapakṣacchatramahāḍāmari niyutavaktrabāhucaraṇe sarvabhūtadamani nīlāñjanasamaprabhe yogīndrahṛdayāmbujāsanasthitanīlakaṇṭhadehārdhahāriṇi ṣoḍaśakalāntavāsini hakārārdhacāriṇi kālasaṅkarṣiṇi kapālahaste madaghūrṇitalocane nirvāṇadīkṣāprasādaprade … ānandādhikāriṇi mātṛgaṇamadhyacāriṇi trayastriṃśatkoṭitridaśatejomayavigrahe pralayāgnirocini |

… Du liebkost Schakaljunge und erfreust das Herz des Todesbezwingers. Deine Schlangenohrringe schwingen; mit einem Schirm aus Eulenflügeln erscheinst du als große Damari. Du hast unzählige Gesichter, Arme und Füße, bezwingst alle Wesen und leuchtest wie schwarzes Augenschminkmittel. Du nimmst die Hälfte des Leibes des Blauhalsigen ein, der auf dem Lotus des Herzens der großen Yogis sitzt. Du wohnst am Ende der sechzehn Kalas, bewegst dich in der Hälfte des ha-Lautes, ziehst die Zeit zusammen, hältst eine Schädelschale, und deine Augen rollen im Rausch. Du gewährst die Gnade der Nirvana-Einweihung, hast Anteil an … Glückseligkeit und wanderst inmitten der Scharen der Mütter. Deine Gestalt besteht aus dem Glanz von dreiunddreißig Millionen Göttern; du leuchtest wie das Feuer der Weltauflösung.

Anmerkung: Fragment: Anfangsattribut und Name vor ānandādhikāriṇi beschädigt. niyuta bezeichnet eine sehr große Zahl; keine aus wechselnden Zahlensystemen erschlossene exakte Menge. Die Lautsymbolik hakāra ist im Text nicht weiter erläutert.

Unnummerierter Text
viśvakartri viśvārādhye viśvajanani viśvasaṃhāriṇi viśvavyāpike viśveśvari nirūpame nirvikāre nirañjane nirīhe nistaraṅge nirākāre parameśvari paramānande parāpare prakṛtipuruṣātmike pratyayagocare pramāṇabhūte praṇavasvarūpe saṃsārasāre saccidānande sanātani sakale sakalakalātīte sāmarasyasamayini kevale kaivalyarūpe kalpanātige kālalopini kāmarahite kāmakalākāli bhagavati |

Schöpferin des Alls, von allen Verehrte, Mutter des Alls, Auflöserin des Alls, Alldurchdringende, Herrin des Alls! Du bist unvergleichlich, unveränderlich, unbefleckt, ohne Streben, ohne Wellen, ohne Gestalt; höchste Herrin, höchste Glückseligkeit, Höhere und Niedere! Dein Wesen sind Prakriti und Purusha; du bist dem Erkennen zugänglich, selbst Erkenntnisgrund, die Gestalt des Pranava, die Essenz des Samsara, Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, die Ewige. Du bist das Ganze und jenseits aller Teilkräfte, in der Lehrordnung des Samarasya gegenwärtig, die Einzige, die Gestalt des Kaivalya, jenseits begrifflicher Vorstellung, die die Zeit aufhebt, ohne Begehren: Kamakalakali, Erhabene!

Anmerkung: Prakriti und Purusha: Natur und geistiges Prinzip; Namen hier als umfassende Gottheitsanrufung, nicht als systematisch widerspruchsfreie Schulphilosophie behandelt.

Unnummerierter Text
oṃ … sarvasiddhiṃ dehi dehi manorathān pūraya pūraya muktiṃ niyojaya niyojaya bhavapāśaṃ samunmūlaya samunmūlaya janmamṛtyuṃ tāraya tāraya paravidyāṃ prakāśaya prakāśaya apavargaṃ nirmāhi nirmāhi saṃsāraduḥkhaṃ yātanāṃ vicchedaya vicchedaya pāpāni saṃśamaya saṃśamaya caturvargaṃ sādhaya sādhaya … yān vayaṃ dviṣmo ye cāsmān vidviṣanti tān sarvān vināśaya vināśaya māraya māraya śoṣaya śoṣaya kṣobhaya kṣobhaya mayi kṛpāṃ niveśaya niveśaya … jaya jaya carācarātmakabrahmāṇḍodaravartibhūtasaṅghārādhite prasīda prasīda tubhyaṃ devi namaste namaste namaste |

Om … Gewähre alle Vollendungen, gewähre sie! Erfülle die Wünsche, erfülle sie! Führe zur Befreiung, führe zur Befreiung! Entwurzele die Fessel des Werdens, entwurzele sie! Führe über Geburt und Tod hinaus, führe hinüber! Offenbare das höchste Wissen, offenbare es! Bewirke Erlösung, bewirke sie! Durchtrenne das Leiden des Samsara und die Qual, durchtrenne sie! Stille die Verfehlungen, stille sie! Verwirkliche die vier Lebensziele, verwirkliche sie! … Alle, die wir hassen und die uns hassen: Vernichte sie, vernichte sie! Töte, töte! Dörr sie aus, dörr sie aus! Erschüttere, erschüttere! Lass dein Mitgefühl in mir wohnen, lass es wohnen! … Sieg, Sieg! Du wirst von den Scharen der Wesen im Inneren des Welteies, das aus Beweglichem und Unbeweglichem besteht, verehrt. Sei gnädig, sei gnädig! Dir, Göttin, Verehrung! Verehrung dir, Verehrung dir, Verehrung dir!

Anmerkung: Fragment: Drei Bija-Gruppen beschädigt, nicht rekonstruiert. Alle lesbaren Befehle einschließlich der schädigenden sind sachlich übersetzt. Die Formel verbindet Befreiungsbitten mit Feindvernichtungswünschen; keine heutige Praxisanweisung.

Abschluss des Gadya-Abschnitts

Die Schlussverse bestimmen den Platz der Prosaanrufung vor und nach dem Sahasranama und preisen ihre Wirkung.

Vers 3
itīdaṃ gadyamuditaṃ mantrarūpaṃ varānane |
sahasranāmastotrasya ādāvante ca yojayet ||3||

So ist diese Prosa in Mantraform vorgetragen, du Schönangesichtige. Man soll sie am Anfang und am Ende des Tausendnamen-Lobgesangs hinzufügen.

Anmerkung: Fortsetzung der eigenen Verszählung des Gadya-Abschnitts.

Vers 4
aśaknuvāno dvau vārau paṭheccheṣa imaṃ stavam |
sahasranāmastotrasya tadaiva prāpyate phalam ||4||

Wer nicht zu beiden Malen dazu imstande ist, soll diesen Lobpreis am Ende rezitieren. Erst dann soll die Frucht des Tausendnamen-Lobgesangs erlangt werden.

Anmerkung: śeṣe, „am Ende“, aus beschädigtem śeṣa verstanden; keine genaue zusätzliche Wiederholungsregel erfunden.

Vers 5
apaṭhan gadyametattu tatphalaṃ na samāpnuyāt |
yatphalaṃ stotrarājasya pāṭhenāpnoti sādhakaḥ ||5||

Ohne diese Prosa zu rezitieren, soll man jene Frucht nicht vollständig erlangen. Die Frucht, die ein Sadhaka durch das Rezitieren des Königs der Lobgesänge gewinnt –

Anmerkung: Satzfortsetzung im unnummerierten Schluss-Halbvers.

Unnummerierter Text
tatphalaṃ gadyapāṭhena labhate nātra saṃśayaḥ |

– gewinnt er durch die Rezitation der Prosa; daran bestehe kein Zweifel.

Anmerkung: Unnummerierter Schluss-Halbvers nach Vers 5 des Gadya-Abschnitts.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāṃ gadyavarṇanaṃ nāma dvādaśatamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der Mahakala-Samhita das zwölfte Kapitel namens „Darlegung der Prosa“.

Anmerkung: Kapitelname aus leicht beschädigtem gadyavarṇana normalisiert. Der eigene Sahasranama-Kolophon nach 157 wurde ebenfalls bewahrt.

Kamakala-Khanda, Kapitel 13: Verschiedene Mantraüberlieferungen und lange Formeln

Devi bittet um die weiteren Mantras Kamakalas. Das Kapitel ordnet zahlreiche Formeln überlieferten Verehrern zu und nennt ihre rituellen Faktoren. Es folgen die hundert- und tausendsilbige Formel. Lesbare Befehle und Anrufungen sind übersetzt; beschädigte Bijas werden nicht rekonstruiert. Die genannten Silbenzahlen sind Aussagen der Quelle.

Vers 1
devyuvāca |
bhagavan devadeveśa bhaktānāṃ vāñchitaprada |
tvatprasādāt śrutaṃ sarvaṃ kāmakālyā vidhānakam ||1||

Devi sprach: Erhabener, Herr der Götter, der den Verehrern ihre Wünsche erfüllt! Durch deine Gnade habe ich das ganze Verfahren Kamakalis gehört –

Vers 2
sahasranāmastotraṃ ca tasya gadyamanuttamam |
trailokyavijayaṃ cāpi kavacaṃ paramādbhutam ||2||

– den Tausendnamen-Lobgesang und seine unübertreffliche Prosa, ebenso den überaus wunderbaren Schutztext Trailokyavijaya –

Anmerkung: Abweichende Kavacha-Bezeichnung gegenüber Trailokyamohana in Kapitel 9 bleibt bewahrt.

Vers 3
stotrāṇāṃ stotrarājaṃ ca bhujaṅgaprayātamadbhutam |
ekākṣaraṃ samārabhya yāvanto manavaḥ punaḥ ||3||

– und den König der Lobgesänge, den wunderbaren Hymnus im Bhujangaprayata-Metrum. Nun möchte ich all die Mantras hören, die, beginnend mit dem einsilbigen –

Anmerkung: Satzfortsetzung in 4.

Vers 4
kāmakalāmahādevyāstānmanūn śrotumutsahe |
kathyatāṃ mayi te nātha yadi te'sti sneho mama ||4||

– der großen Göttin Kamakala gehören. Erkläre sie mir, Herr, wenn du mir in Liebe zugewandt bist.

Anmerkung: Pronomen und Kasus im Sanskrit leicht beschädigt; deutsche Bedeutung gesichert.

Mantras verschiedener Überlieferer

Die Formeln werden meist durch Bija-Namen erschlossen. Rishi, Metrum, Gottheit, Shakti, Kilaka und teilweise Tattva folgen jeweils im Text.

Vers 5
mahākāla uvāca |
sādhu dhanye mahābhāge śrūyatāṃ vāñchitaṃ tava |
tāramedhatrapālakṣmīkālīkāmaruṣaḥ kramāt ||5||

Mahakala sprach: Gut, Gesegnete, Hochbeglückte! Höre, was du ersehnst. Der Reihe nach Tara, Medha, Trapa, Lakshmi, Kali, Kama und Rush –

Anmerkung: Beginn des Marichi zugeordneten Mantras. Bija-Namen werden nicht ohne sichere Grundlage in Lautsilben aufgelöst.

Vers 6
yoginīṃ pramadāṃ caiva śākinīmaṅkuśaṃ tathā |
prāsādakṣetrapālau ca pāśabhūtau samuddharet ||6||

– Yogini, Pramada, Shakini, Ankusha, Prasada und Kshetrapala, Pasha und Bhuta fügt man hinzu –

Vers 7
tato'gnistrī saptadaśī marīcisamupāsitā |
kardamo'sya ṛṣiḥ prokto bṛhatīcchanda ucyate ||7||

– danach die Frau des Feuers. Dies ist die von Marichi verehrte siebzehnsilbige Formel. Als Rishi wird Kardama genannt, als Metrum Brihati.

Anmerkung: „Frau des Feuers“ verschlüsselt den Abschluss Svaha. Silbenzahl als Quellenangabe.

Vers 8
devī kāmakalākālī hrīṃ śaktirhaṃ ca kīlakam |
hrīṃ śākinyaṅkuśasudhāyoginīpramadākrudhaḥ ||8||

Die Gottheit ist Kamakalakali; hrīṃ ist Shakti und haṃ der Kilaka. Die nächste Formel beginnt mit hrīṃ, Shakini, Ankusha, Sudha, Yogini, Pramada und Krudh –

Anmerkung: Beginn des Kapila zugeordneten Mantras in der zweiten Hälfte. Bija-Vokalzeichen in der ersten Hälfte leicht beschädigt; hrīṃ als wahrscheinliche Lesung gekennzeichnet.

Vers 9
bhūtaḍākinī kalpānta phetkārīnarasiṃhakāḥ |
pretāstraśirasaḥ proktāḥ kapilopāsyaṣoḍaśī ||9||

– Bhuta, Dakini, Kalpanta, Phetkari und Narasimha, dann Preta, Astra und die Hauptformel. Dies ist die von Kapila verehrte sechzehnsilbige Formel.

Anmerkung: Kalpanta ist im älteren Textzeugen lesbar. Die syntaktisch verkürzte Aufzählung wird nicht zur Silbenformel ausgebaut. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8135–8140. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 253.

Vers 10
sanako'sya ṛṣirjñeyaḥ pratiṣṭhā chanda īritam |
devatā kāmakālī ca … amṛte śaktikīlake ||10||

Als Rishi gilt Sanaka, das Metrum heißt Pratishtha, die Gottheit Kamakali. Shakti und Kilaka sind … und Amrita.

Anmerkung: Fragment: Das erste der beiden letzten Formelglieder ist in e nicht eindeutig lesbar; keine vermutete Silbe ergänzt.

Vers 11
ḍākinīsānutuṅgā hi sacūḍāmaṇimekhalāḥ |
balijambhau sabhogāstrau hiraṇyākṣanavākṣarī ||11||

Dakini, Sanu und Tunga, dazu Chudamani und Mekhala, Bali und Jambha mit Bhoga und Astra: Das ist Hiranyakshas neunsilbige Formel.

Anmerkung: Die Namen Sanu und Tunga sind unsicher segmentiert; Gesamtformel bleibt verschlüsselt.

Vers 12
ṛṣī ruciśchanda uṣṇig devatā kāmakālikā |
ḍākinīmekhale śaktikīlake parikīrtite ||12||

Rishi ist Ruchi, das Metrum Ushnih und die Gottheit Kamakalika. Dakini und Mekhala werden als Shakti und Kilaka genannt.

Vers 13
trapāyā ḍākinī kūrcabhūtamanmathayoginīḥ |
vadhūśca śākinī svāhā lavaṇasya daśākṣarī ||13||

Auf Trapa folgen Dakini, Kurcha, Bhuta, Manmatha, Yogini, Vadhu und Shakini, dann Svaha. Dies ist Lavanas zehnsilbige Formel.

Vers 14
chandaḥ paṅktiratharvataṛṣirdevī kāmakalāpi ca |
śākinyanaṅgau vijñeyau manorvai śaktikīlake ||14||

Das Metrum ist Pankti, der Rishi Atharvat und die Gottheit Kamakala. Shakini und Ananga gelten als Shakti und Kilaka des Mantras.

Anmerkung: Rishiname Atharvat in e so lesbar; nicht stillschweigend in Atharvan geändert.

Vers 15
kūrcāstraśākinī procya tataḥ kāmakalā iti |
kālikāyai tataḥ procya hārdamantro'gnivallabhā ||15||

Man spricht Kurcha, Astra und Shakini, dann „Kamakala-Kalikayai“, „der Kamakala-Kalika“, danach die Herzformel und die Geliebte des Feuers.

Anmerkung: Die Quelle setzt den Gottheitsnamen aus zwei aufeinanderfolgenden Wortteilen zusammen; Abschluss als Bija- beziehungsweise Formelname bewahrt.

Vers 16
vaivasvatasya hi manormanuḥ pañcadaśākṣarī |
ṛṣiratriḥ samudiṣṭo chando madhyā prakīrtitā ||16||

Dies ist der fünfzehnsilbige Mantra des Manu Vaivasvata. Als Rishi ist Atri angegeben, das Metrum heißt Madhya.

Vers 17
devīyaṃ śākinī kūrcā kīrtite śaktikīlake |
vedādimeva yoginyaḥ śākinīkāmayoṣitaḥ ||17||

Die Gottheit ist dieselbe; Shakini und Kurcha sind Shakti und Kilaka. Die nächste Formel enthält Vedadi, Yogini, Shakini, Kama und Yoshit –

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält Kurcha und Vedadi. Ihre abweichende Halbzeile ist hier ausdrücklich übernommen; Chiffren bleiben unaufgelöst. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8157–8161; deren Kapitelzählung 253.

Vers 18
bhūtakrodhatrapā jñeyā dattātreyeṇa rādhitā |
ṛṣirvasantavaṭuko'nuṣṭup chanda udīritam ||18||

– Bhuta, Krodha und Trapa. Sie gilt als von Dattatreya verehrt. Der Rishi ist Vasantavatuka, das Metrum Anushtubh.

Anmerkung: Rishiname Vasantavatuka in der OCR unsicher; keine Aufteilung in zwei sicher behauptete Rishis.

Vers 19
eṣaiva devatā jñeyā hrīrmedhe śaktikīlake |
śyuṇirbhūtaḥ śākinī ca ḍākinī bhūtapañcamā ||19||

Die Gottheit ist dieselbe; Hri und Medha sind Shakti und Kilaka. Die folgende Formel besteht aus Shyuni, Bhuta, Shakini, Dakini und wiederum Bhuta als fünftem.

Anmerkung: Shyuni ist als Bija-Name unsicher lesbar; Wiederholung Bhuta nicht korrigiert. Beginn der Durvasas-Formel.

Vers 20
durvāsaḥsādhitā jñeyā mahāpañcākṣarī priye |
gautamo'sya ṛṣirjñeyaśchandastriṣṭubudīritam ||20||

Diese große fünfsilbige Formel wurde von Durvasas verwirklicht, Geliebte. Als Rishi gilt Gautama, als Metrum Trishtubh.

Vers 21
devataiṣā bhūtaśyuṇī śaktikīlakanāmakau |
medhapraṇavaśākinyo ḍākinī pralayānvitā ||21||

Die Gottheit ist dieselbe; Bhuta und Shyuni heißen Shakti und Kilaka. Die nächste Formel beginnt mit Medha, Pranava, Shakini und Dakini, verbunden mit Pralaya –

Anmerkung: Beginn der Uttanka-Formel.

Vers 22
phetkārī hrī ramānaṅgayoginīstrīruṣaśca hṛt |
caturdaśākṣaro mantra uttaṅkasamupāsitaḥ ||22||

– Phetkari, Hri, Rama, Ananga, Yogini, Stri und Rush, dann die Herzformel. Dies ist der von Uttanka verehrte vierzehnsilbige Mantra.

Vers 23
asya ṛṣirdakṣiṇāmūrtiḥ sutalaṃ chanda ucyate |
devī devī kāmakalā rugrame śaktikīlake ||23||

Sein Rishi ist Dakshinamurti, das Metrum heißt Sutala. Die Göttin ist Kamakala; Rug und Rama sind Shakti und Kilaka.

Anmerkung: Die verdoppelte Bezeichnung devī in e beibehalten; rug/ramā unsicher in der Worttrennung.

Vers 24
rugvrīḍāśākinī hārdā vikarālā padaṃ tataḥ |
kāmaḍākinībhūtānte hṛcchīrṣau kauśikeśvarī ||24||

Rug, Vrida, Shakini und die Herzformel; dann das Wort „Vikarala“. Nach Kama, Dakini und Bhuta folgen Herz- und Hauptformel. Dies ist die Kaushika zugehörige göttliche Formel.

Anmerkung: Einzelne Wortanschlüsse beschädigt; wiederholte Herzformel nicht gestrichen.

Vers 25
ṛṣirnārada etasya śakvarī chanda īritam |
devyeṣaiva smaro bhūtaḥ śaktiḥ kīlakamiṣyate ||25||

Ihr Rishi ist Narada, ihr Metrum Shakvari; die Gottheit ist dieselbe. Smara gilt als Shakti, Bhuta als Kilaka.

Vers 26
vrīḍāyoginikūrcastrīśākinīḥ pañca coddharet |
bhagavatyai iti procya tataḥ kāmakalā iti ||26||

Man nimmt die fünf Namen Vrida, Yogini, Kurcha, Stri und Shakini, spricht „Bhagavatyai“, „der Erhabenen“, und dann „Kamakala –“.

Anmerkung: Beginn der Aurva zugeordneten Formel gemäß Abschnittsüberschrift.

Vers 27
kālikāyai tāramedhāṅkuśakālīramāsmarāḥ |
bhūtāstrayoryugaṃ vahnistrītyūnatriṃśī aurvarādhitā ||27||

„– Kalikayai“, darauf Tara, Medha, Ankusha, Kali, Rama und Smara, je zweimal Bhuta und Astra sowie die Frau des Feuers. Dies ist die von Aurva verehrte neunundzwanzigsilbige Formel.

Anmerkung: Schlussverbindung aurvarādhitā beschädigt, durch die Abschnittsüberschrift gestützt. Silbenzahl nicht aus ergänzten Bijas rekonstruiert.

Vers 28
ṛṣirvatsastrivṛcchando devīyaṃ śaktiraṅkuśaḥ |
śākinī kīlakaṃ jñeyaṃ yoginītattvamityapi ||28||

Rishi ist Vatsa, Metrum Trivrit, die Gottheit dieselbe; Ankusha ist Shakti, Shakini der Kilaka und Yogini das Tattva.

Vers 29
yoginībhūtaruṭkāmā astrapārāśarī matā |
aṅgirāścāpi gāyatrī ṛṣiśchandaśca kīrtyete ||29||

Yogini, Bhuta, Rut, Kama und Astra gelten als die Parashara-Formel. Angiras und Gayatri werden als Rishi und Metrum genannt.

Anmerkung: Rut: verschlüsselter Zorn-Bija-Name; keine bestimmte Silbe ergänzt.

Vers 30
devīyaṃ ḍākinībhūtau vijñeyau śaktikīlakau |
ādau parāparaṃ kūṭaṃ bṛhatkūṭaṃ dvitīyakam ||30||

Die Gottheit ist dieselbe; Dakini und Bhuta gelten als Shakti und Kilaka. Die nächste Formel beginnt mit dem Parapara-Kuta, an zweiter Stelle steht das Brihat-Kuta –

Anmerkung: Beginn der Bhagiratha-Formel in der zweiten Hälfte.

Vers 31
kūṭaṃ rāthantaraṃ paścājjñeyā bhāgīrathī priye |
chandastriṣṭubṛṣirvyāso devyeṣā śaktikīlakau ||31||

– danach das Rathantara-Kuta. Dies ist die Bhagirathi-Formel, Geliebte. Das Metrum ist Trishtubh, der Rishi Vyasa, die Gottheit dieselbe. Shakti und Kilaka sind –

Vers 32
phetkārīpralayau jñeyau ḍākinītattvamityapi |
hrī bhūtakrodhaḍākinyaḥ kāmaphetkārisaṃyutāḥ ||32||

– Phetkari und Pralaya; Dakini ist das Tattva. Die folgende Formel besteht aus Hri, Bhuta, Krodha und Dakini, verbunden mit Kama und Phetkari –

Anmerkung: Beginn der Bali-Formel in der zweiten Hälfte.

Vers 33
ṣaḍakṣarā balyupāsyā devī kāmakalā priye |
ṛṣiḥ kātyāyano hyasya chandaḥ khyātaṃ bṛhatyapi ||33||

– einer sechssilbigen, von Bali verehrten Formel, deren Göttin Kamakala ist, Geliebte. Ihr Rishi ist Katyayana, ihr Metrum Brihati.

Vers 34
adhiṣṭhātrī tviyaṃ devī strīkāmau śaktikīlakau |
kāmalakṣmītrapākūrcayoginībhistu śākinī ||34||

Diese Göttin steht ihr vor; Stri und Kama sind Shakti und Kilaka. Die nächste Formel enthält Kama, Lakshmi, Trapa, Kurcha, Yogini und Shakini –

Anmerkung: Beginn der Samvarta-Formel.

Vers 35
ḍākinīmahadāmarṣāmṛtaprāsādadakṣiṇāḥ |
śyuṇikālītāramedhāḥ saṃvartopāsyaṣoḍaśī ||35||

– Dakini, Mahat, Amarsha, Amrita, Prasada und Dakshina; Shyuni, Kali, Tara und Medha. Dies ist die von Samvarta verehrte sechzehnsilbige Formel.

Anmerkung: Trennung mahat/amarṣa vorläufig; keine Anpassung des Textes nur zur Erzielung einer bestimmten Anzahl.

Vers 36
chandaḥ paṅktirṛṣiścātrirdevī kāmakalāpi ca |
śaktistārāvaliḥ kīlaḥ kaṇikātattvamīritam ||36||

Das Metrum ist Pankti, der Rishi Atri, die Göttin Kamakala. Shakti ist Tara und Kilaka Bali; Kanika wird als Tattva genannt.

Anmerkung: Fragment: Die ältere Fassung erhält śaktistārā baliḥ kīlaḥ. Die folgende Quellenform Kaṇikā bleibt unsicher; keine zusätzliche Lautauflösung. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8217–8223; deren Kapitelzählung 253.

Vers 37
vedādisārasvatakāmabhūtāḥ lajjā tato ḍākinī yoginī ca |
kalpāntarāme tadanu prakīrtya phetkārikūrcau tadanu pradeyau ||37||

Vedadi, Sarasvata, Kama und Bhuta; dann Lajja, Dakini und Yogini. Danach nennt man Kalpanta und Rama und fügt Phetkari und Kurcha hinzu –

Anmerkung: Beginn der Narada-Formel. Vedadi, „Anfang des Veda“, bleibt als verschlüsselter Name stehen.

Vers 38
vetālamastramatha vahninitambinī ca proktaṃ priye nāradapañcadaśyām |
virūpākṣa ṛṣiḥ prokto jagatīcchanda ityapi |
adhiṣṭhātrī kāmakālī bījaśaktī trapāruṣau ||38||

– Vetala, Astra und die Frau des Feuers: So lautet die fünfzehnsilbige Narada-Formel, Geliebte. Virupaksha wird als Rishi genannt, Jagati als Metrum. Kamakali ist die vorstehende Gottheit; Trapa und Rush sind Bija und Shakti.

Anmerkung: Quelle fasst hier mehr als einen gewöhnlichen Doppelhalbvers unter der Nummer 38 zusammen; keine neue Nummer erfunden.

Vers 39
śaktitattve ramānaṅgau prayogaḥ sarvasiddhaye |
ādau ca śāmbhavaṃ kūṭaṃ lajjābījaṃ dvitīyakam ||39||

Als Shakti und Tattva werden Rama und Ananga genannt; die Anwendung dient allen Vollendungen. Die nächste Formel beginnt mit dem Shambhava-Kuta, an zweiter Stelle steht das Lajja-Bija –

Anmerkung: Die wiederholte Shakti-Zuordnung gegenüber 38 bleibt sichtbar; die OCR ist an dieser Stelle unsicher. Beginn der Garuda-Formel.

Vers 40
tataḥ pāśupataṃ kūṭaṃ yoginī tadanantaram |
tato māheśvaraṃ kūṭaṃ kūrmaśāṅkarakūṭakau ||40||

– dann das Pashupata-Kuta und Yogini, darauf das Maheshvara-Kuta sowie Kurma und das Shankara-Kuta –

Anmerkung: Kutas sind zusammengesetzte verschlüsselte Lautgruppen.

Vers 41
vadhūśrīkaṇṭhakūṭau ca śākinī syāttataḥ param |
puṇḍarīkāśvamedhau ca tato'straṃ hṛcchiro'pi ca ||41||

– Vadhu und das Shrikantha-Kuta, dann Shakini, Pundarika und Ashvamedha, darauf Astra, Herz- und Hauptformel.

Vers 42
garuḍopāsitā jñeyā mahāsaptadaśī tviyam |
pracetā ṛṣirasya syāt sutalaṃ chanda īritam ||42||

Dies gilt als die große siebzehnsilbige, von Garuda verehrte Formel. Ihr Rishi ist Prachetas, ihr Metrum Sutala.

Vers 43
devī kāmakalākālī phetkārī bījamucyate |
śaktikīlakatattvāni trapākūrcasmarāḥ kramāt ||43||

Die Gottheit ist Kamakalakali, als Bija wird Phetkari genannt. Shakti, Kilaka und Tattva sind der Reihe nach Trapa, Kurcha und Smara.

Vers 44
lakṣmīlajjākāmabījaṃ yoginībhīrukālikāḥ |
phaḍantā paraśurāmeṇa sādhitā parameśvari ||44||

Lakshmi, Lajja und das Kama-Bija, Yogini, Bhiru und Kalika, mit Phaṭ am Ende: Diese Formel wurde von Parashurama verwirklicht, höchste Herrin.

Anmerkung: Bhiru als Bija-Name lesbar, nicht ohne Beleg auf eine bestimmte Silbe aufgelöst.

Vers 45
tasyarṣiḥ kaśyapo jñeyaḥ pratiṣṭhācchanda ucyate |
proktā devī kāmakālī śākinībījamucyate ||45||

Ihr Rishi ist Kashyapa, das Metrum Pratishtha, die Gottheit Kamakali; Shakini wird als Bija genannt.

Vers 46
ramākālyau śaktikīlau jñeyau saptākṣarīmanau |
tārapāśāṅkuśān dattvā prāsādaṃ mahatīṃ dhruvam ||46||

Rama und Kali sind Shakti und Kilaka dieses siebensilbigen Mantras. Die nächste Formel beginnt mit Tara, Pasha und Ankusha, danach Prasada, Mahati und Dhruva –

Anmerkung: Beginn der Bhargava-Formel, die die Quelle getrennt von Parashuramas Formel behandelt; keine stille Zusammenlegung.

Vers 47
amṛtaṃ śākinaṃ rāmāyoginīvahnivallabhāḥ |
uddharedbhārgavīṃ kāmakālīmekādaśākṣarīm ||47||

– Amrita, Shakini, Rama, Yogini und die Geliebte des Feuers. So erschließt man die elfsilbige Bhargavi-Formel der Kamakali.

Vers 48
brahmarṣiḥ śakvarīcchando devyeṣā bījamaṅkuśam |
śaktikīlau sudhāpāśau ṣaḍaṅgo manurīritaḥ ||48||

Brahma ist Rishi, Shakvari das Metrum, die Gottheit dieselbe und Ankusha das Bija. Sudha und Pasha sind Shakti und Kilaka; der Mantra wird mit sechs Gliedern angegeben.

Anmerkung: brahma-rṣiḥ kann auch als „Brahmarishi“ gelesen werden; hier im Schema der Ritualzuordnungen als Rishi Brahma verstanden.

Vers 49
medhāṅkuśau tathā bhūtaṃ śākinī ḍākinī tathā |
pralayaścāpi phetkārī phaṭtrayaṃ hṛdayaṃ śiraḥ ||49||

Medha und Ankusha, Bhuta, Shakini und Dakini, Pralaya und Phetkari, dreimal Phaṭ, Herz- und Hauptformel –

Anmerkung: Beginn der Sahasrabahu-Formel.

Vers 50
dvābhyāṃ sahasrabāhubhyāṃ sādhiteyaṃ caturdaśī |
proktaḥ sammohano'syarṣirgāyatraṃ chanda ucyate ||50||

– dies ist die von zwei Sahasrabahus verwirklichte vierzehnsilbige Formel. Ihr Rishi heißt Sammohana; das Metrum ist Gayatri.

Anmerkung: Die Quelle nennt ausdrücklich zwei Sahasrabahus, „Tausendarmige“; keine Identität aus Vermutung ergänzt.

Vers 51
manordevī kāmakalā cakrāstraṃ bījamucyate |
vijñeyau dakṣiṇājambhau śaktikīlau manoḥ priye ||51||

Die Gottheit des Mantras ist Kamakala; Chakra-Astra wird als Bija genannt. Dakshina und Jambha sind als Shakti und Kilaka des Mantras zu erkennen, Geliebte.

Anmerkung: Zweite Hälfte nach der älteren Fassung. Die Bija-Namen bleiben als Namen erhalten. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8277–8280. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 253.

Vers 52
kāmabhūtau bhūtakāmau phaḍantau pṛthurādhitā |
pañcākṣarī parijñeyā kāmakālyā varānane ||52||

Kama und Bhuta, dann Bhuta und Kama, mit Phaṭ am Ende: Dies ist die von Prithu verehrte fünfsilbige Formel Kamakalis, du Schönangesichtige.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält phaḍantau; keine Ergänzung allein aus der Fünferzahl. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8279–8282. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 253.

Vers 53
ṛṣirmato vītahavyo jāgataṃ chanda ityapi |
devatā kāmakālī ca nārāco bījamucyate ||53||

Als Rishi gilt Vitahavya, als Metrum Jagati. Die Gottheit ist Kamakali; Naracha wird als Bija genannt.

Anmerkung: Vitahavya in der OCR leicht beschädigt; Naracha ist ein verschlüsselnder Name, wörtlich eine Pfeilart.

Vers 54
kuntasṛṣṭī śaktikīlau mantrasya parikīrtitau |
tārayormadhyagau pāśamedhāvādau prayojayet ||54||

Kunta und Srishti werden als Shakti und Kilaka des Mantras genannt. Bei der nächsten Formel setzt man zunächst Pasha und Medha zwischen zwei Tara-Laute –

Anmerkung: Beginn der Hanumat-Formel; Kunta/Srishti leicht beschädigt.

Vers 55
kalātāratrapākūrcalakṣmīkāmāṃstataḥ param |
kālyāḥ karālyāḥ sambuddhirvikarālyāstataḥ param ||55||

– danach Kala, Tara, Trapa, Kurcha, Lakshmi und Kama. Dann folgen die Anreden „Kali“, „Karali“ und „Vikarali“.

Vers 56
dvātriṃśatyakṣarīṃ vidyāṃ triphaḍantāṃ samuddharet |
eṣaiva hi parijñeyā hanūmatsamupāsitā ||56||

So erschließt man die zweiunddreißigsilbige Vidya, die mit dreimal Phaṭ endet. Sie gilt als die von Hanumat verehrte.

Vers 57
ṛṣiḥ sanātanaścoktaśchando jñeyaṃ bārhatam |
devatā kāmakālī ca kākinībījamiṣyate ||57||

Als Rishi wird Sanatana genannt; das Metrum ist Brihati. Die Gottheit ist Kamakali; Kakini gilt als Bija.

Vers 58
nāgaḥ śaktiḥ kṣamā kīlaṃ nāsatyau tattvamiṣyate |
mahākāla uvāca |
śatākṣarasamuddhāramathākarṇaya bhāvini ||58||

Naga ist Shakti, Kshama der Kilaka, und die beiden Nasatyas gelten als Tattva. Mahakala sprach: Höre nun, du Schöne, die Erschließung des hundertsilbigen Mantras.

Anmerkung: Erneute Sprecherzeile in der Quelle übernommen; Wechsel zur nächsten Formel innerhalb der nummerierten Einheit.

Die hundertsilbige Formel

Verschlüsselte Laute verbinden sich mit Namen und Gestaltanrufungen Kamakalakalis. Einzelne Gruppen sind beschädigt.

Vers 59
yena vijñātamātreṇa saṃsiddhiḥ kare sthitā |
ādau trapākāmakūrcān hṛnmantrāntān samuddharet ||59||

Schon durch ihr bloßes Erkennen soll Vollendung gleichsam in der Hand liegen. Zuerst erschließt man Trapa, Kama und Kurcha mit der Herzformel am Ende.

Anmerkung: Beginn der hundertsilbigen Formel; Quellenverheißung, keine bestätigte Wirkung.

Vers 60
tataḥ kāmakaletyuktvā kālikāyai samuddharet |
medhāṅkuśaramākālīyoginībhīruśākinīḥ ||60||

Dann spricht man „Kamakala-Kalikayai“, „der Kamakala-Kalika“, und fügt Medha, Ankusha, Rama, Kali, Yogini, Bhiru und Shakini hinzu –

Vers 61
ḍākinyantāḥ samuddhṛtya sakaceti padaṃ tataḥ |
naramuṇḍa iti procya kuṇḍalāyai itīrayet ||61||

– mit Dakini am Ende. Danach die Worte „mit Haaren“, „Menschenkopf“ und „die diese als Ohrschmuck trägt“.

Anmerkung: Die Sanskritformel wird aus Wortgliedern erschlossen; deutsch sinngemäß: „Der mit behaarten Menschenköpfen als Ohrschmuck Geschmückten.“ Keine fehlenden Endungen unmarkiert rekonstruiert.

Vers 62
bhogaṃ sṛṣṭiṃ ca phetkārīṃ pretāṃ kṛtyāṃ tathoddharet |
maheti vikarāleti vadanāyai itīrayet ||62||

Man fügt Bhoga, Srishti, Phetkari, Preta und Kritya hinzu, dann die Worte „groß“, „furchtbar“ und „der mit dem Gesicht“.

Anmerkung: Zusammen ergibt sich die Anrufung „Der mit dem großen furchtbaren Gesicht“; die Quelle erläutert die Glieder einzeln.

Vers 63
mahāpralaya ityuktvā samayetyuddharet priye |
brahmāṇḍaniṣpeṣaṇataḥ karāyai ityapīrayet ||63||

Man spricht „zur Zeit der großen Weltauflösung“, Geliebte, und dann „der das Weltei zermalmenden Hand“.

Anmerkung: Sanskrit-Wortfolge segmentiert; Gesamtbezug: die Göttin, deren Hand das Weltei zur großen Weltauflösung zerdrückt.

Vers 64
sānuviṣṭidakṣiṇādhyānacañcūn kūrcāstriyostrayam |
bhayaṅkareti saṃlikhya rūpāyai tadanantaram ||64||

Sanu, Vishti, Dakshina, Dhyana und Chanchu, dann je dreimal Kurcha und Stri. Darauf schreibt man „furchtbar“ und „der Gestalt“.

Anmerkung: Einige Bija-Namen und die Gruppentrennung sind unsicher. Formelsinn des Schlusses: „Der von furchtbarer Gestalt“.

Vers 65
hāraṃ vadhūṃ kaṇikāṃ ca nālīkaṃ hākinīmapi |
korajānuttamāṅgāsthibhedinostritayaṃ punaḥ ||65||

Hara, Vadhu, Kanika, Nalika und Hakini, danach Koraja und weitere mit „höchstem Glied“ und „Knochen durchdringend“ bezeichnete Laute, jeweils in einer Dreiergruppe.

Anmerkung: Die genaue Trennung der letzten verschlüsselten Gruppe ist nicht zuverlässig; keine sichere Lautformel daraus abgeleitet. uttamāṅga kann den Kopf bezeichnen.

Vers 66
saṃviddvayaṃ hṛcchirasī vijñeyā śatākṣarī ||66||

Zweimal Samvid, Herz- und Hauptformel: So ist die hundertsilbige Formel zu erkennen.

Anmerkung: Nummerierter Halbvers der Quelle; keine zweite Hälfte erfunden.

Vers 67
asyā ṛṣiḥ samuddiṣṭo lomapādo varānane |
chando virāṭ kramo bījaṃ devatā kāmakālikā ||67||

Ihr Rishi ist Lomapada, du Schönangesichtige, ihr Metrum Viraj, ihr Bija Krama und ihre Gottheit Kamakalika.

Anmerkung: Bija-Name krama in e lesbar; keine eigenmächtige Änderung zu krīṃ.

Unnummerierter Text
śaktiḥ sautrāmaṇīkūṭaṃ nāgāstraṃ kīlakaṃ bhavet |

Shakti ist das Sautramani-Kuta; Naga-Astra ist der Kilaka.

Anmerkung: Unnummerierter Halbvers nach 13.67; nicht mit der folgenden Sprecherzeile oder Versnummer 68 verschmolzen.

Die tausendsilbige Formel

Devi erbittet die längere Formel. Der Text gibt Wiederholungszahlen und einzelne Wortglieder an; darunter stehen Schutz-, Befreiungs- und Feindvernichtungsbitten.

Vers 68
devyuvāca |
mantroddhārāḥ sakalāḥ kāmakalāyā niśāmitāstvattaḥ |
adhunā vada śaśiśekhara dayita sahasrākṣaroddhāram ||68||

Devi sprach: Alle diese Mantraerschließungen Kamakalas habe ich von dir gehört. Nun erkläre mir, Geliebter mit dem Mond auf dem Haupt, die Erschließung des tausendsilbigen Mantras.

Vers 69
mahākāla uvāca |
praṇavaṃ namo bhagavatyai kāmakalākālikāyai ca |
tāratrapāramāsmararuḍyoginiyoṣitāṃ pañca ||69||

Mahakala sprach: Pranava, dann „Namo Bhagavatyai Kamakala-Kalikayai“, „Verehrung der erhabenen Kamakala-Kalika“. Von Tara, Trapa, Rama, Smara, Rut, Yogini und Yoshit jeweils fünf –

Anmerkung: Wiederholungsangabe wird in 70 fortgesetzt.

Vers 70
pratyekaṃ saṃlekhyaṃ tataśca saṃhārabhairavetyapi ca |
suratarasalolupāyai caturdaśāntāṃ ca pañcakam ||70||

– sind jeweils aufzuschreiben. Dann „der nach dem Liebesgenuss mit Samharabhairava Verlangenden“ und fünfmal die mit dem vierzehnten Laut abschließende Gruppe.

Anmerkung: Letzte Lautanweisung ist knapp und nicht sicher auflösbar; keine konkrete Silbe ergänzt. Sexuelle Gottheitssymbolik sachlich übersetzt.

Vers 71
ādau śāṇaṃ bījaṃ prāsādaṃ śākinīṃ tadanu |
ḍākinimahāruṣāvapi bhūtapretāmṛtānyapi ca ||71||

Zunächst das Shana-Bija, dann Prasada und Shakini, darauf Dakini und Maharush sowie Bhuta, Preta und Amrita –

Anmerkung: Shana-Bija unsicher gelesen; kein Standardbija aus Vermutung eingesetzt.

Vers 72
kṣetrapracaṇḍau kālīṃ gāruḍakālau ratiṃ cāpi |
prakaṭavikaṭānudaśanavikarālavadanā … ||72||

– Kshetra und Prachanda, Kali, Garuda und Kala, ferner Rati. Dann eine Anrufung des furchtbaren Gesichts mit offen sichtbaren gewaltigen Zähnen … .

Anmerkung: Fragment: Endung und Verbindungswörter der zweiten Hälfte beschädigt; die lesbaren Attribute vollständig sinngemäß übersetzt.

Vers 73
ghanavidyuddhanadānāṃ mānasabhāruṇḍayoścāpi |
drāvaṇatattvapavīnāṃ pratyekaṃ pañca coddhṛtya ||73||

Von Ghana, Vidyut, Dhanada, Manasa und Bharunda sowie Dravana, Tattva und Pavi nimmt man jeweils fünf Wiederholungen –

Anmerkung: Verschlüsselte Bija-Namen; Ghana/Pavi unsicher in Lesung beziehungsweise genauer Funktion.

Vers 74
sṛṣṭisthitisaṃhārakāriṇyai ityapi brūyāt |
tadanu madanāturāyai cāmuṇḍāṃ cāpi kapālam ||74||

– und spricht „der Schöpfung, Erhaltung und Auflösung Bewirkenden“. Danach „der von Liebesverlangen Ergriffenen“, Chamunda und Kapala –

Vers 75
ugraṃ brahma ca śaktiṃ cānandaṃ raudrakaṃ pañca |
pratyekaṃ saṃlekhyaṃ bhayaṅkareti prayojyamasyānu ||75||

– Ugra, Brahma, Shakti, Ananda und Raudra sind jeweils fünfmal aufzuschreiben. Danach setzt man „furchterregend“ –

Vers 76
daṃṣṭrāyugalānmukharaṃ rasanāyai tadanu ca brūyāt |
kūrmānantahayagrīvadānavakṣveḍasuratapinīḥ ||76||

– und die Worte für das Fangzahnpaar, den Laut und die Zunge ein. Danach Kurma, Ananta, Hayagriva, Danava, Kshveda und Suratapini –

Anmerkung: Erste Hälfte syntaktisch beschädigt; gemeint ist eine Zungen-/Fangzahn-Anrufung, deren genaue Kompositumbildung offenbleibt. Bija-Name Suratapini beziehungsweise Trennung sura/tapinī unsicher.

Vers 77
tasya triśaktigaṇapatikumārakān pañcaśo vilikhet |
sakacanaramuṇḍaśabdā ṅantā … cāpi ||77||

– sowie Trishakti, Ganapati und Kumara schreibt man jeweils fünfmal. Dann die Wörter „Menschenkopf mit Haaren“ mit der angegebenen Dativendung … .

Anmerkung: Fragment: Name beziehungsweise Abschluss der zweiten Hälfte beschädigt. ṅ-endig ist die grammatische Chiffre der Quelle; nicht als aussprechbare Endsilbe ergänzt.

Vers 78
trikūṭasiṃhasamādhīn yakṣaviriñcī sudarśanaṃ cāpi |
gāndharvaṃ ca nirañjanameṣāṃ vai vārapañcakaṃ lekhyam ||78||

Trikuta, Simha, Samadhi, Yaksha, Virinchi, Sudarshana, Gandharva und Niranjana: Jedes davon ist fünfmal zu schreiben.

Vers 79
tadanu mahākalpāntakanabrahmāṇḍacarvaṇetyapi ca |
vilikhettataḥ karāyai samādhinādau ca dakṣiṇaṃ cakṣuḥ ||79||

Danach die Worte „am Ende des großen Weltzeitalters“, „Weltei zermahlend“ und „der Hand“. Ferner Samadhi, Nada und das rechte Auge.

Anmerkung: Kompositum zwischen mahākalpānta und brahmāṇḍa beschädigt; Wortglieder sind verständlich, eine vollständig sichere Sanskritanrufung ist daraus nicht gewonnen. „Rechtes Auge“ ist hier Teil der Lautchiffre.

Vers 80
sthāṇuṃ tattvaṃ tārakagaṇapāpsarasāṃ ca pañcaśo vilikhet |
yugabhedabhinnaguhyakālyekānmūrtito'pi ca dharāyai ||80||

Sthanu, Tattva, Taraka, Ganapa und Apsaras schreibt man jeweils fünfmal. Dann die Anrufung derjenigen, die eine Gestalt der nach den Weltzeitaltern unterschiedlich erscheinenden Guhyakali trägt.

Anmerkung: Zweite Hälfte grammatisch beschädigt; Sinn vorläufig, genaue Kompositumgestalt nicht gesichert.

Vers 81
śākiniḍākinipralayāḥ phetkārīkaṇikāhārāḥ |
sānuḥ samekhalo'pi ca jambho bhāsākhyakūṭaṃ ca ||81||

Shakini, Dakini und Pralaya; Phetkari, Kanika und Hara; Sanu mit Mekhala, Jambha und das Kuta namens Bhasa –

Vers 82
ete ca pañcakṛtvaḥ kramaśo lekhyāstato dayite |
śatavadanāntaritakād vadanāyai phaṭtrayaṃ praṇavaḥ ||82||

– diese sind jeweils fünfmal in dieser Reihenfolge aufzuschreiben, Geliebte. Dann die Anrufung „der mit einem durch hundert Gesichter … Gesicht“, dreimal Phaṭ und Pranava.

Anmerkung: Attribut śatavadana-antarita unklar in Bild und Wortlaut; keine genaue Mehrgesichtsikonographie erfunden.

Vers 83
turu tāraṃ muru ca tāraṃ hili tāraṃ kili tato vilikhet |
haḥ sarvadīrghayuktastato mahāghorarāve ca kāli ca ||83||

Man schreibt „turu“, Tara, „muru“, Tara, „hili“, Tara und „kili“. Dann haḥ, mit sämtlichen langen Vokalen verbunden; darauf „Mahaghorarave“, du mit überaus schrecklichem Getöse, und „Kali“.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält die in e durch Auslassungssterne ersetzte zweite Hälfte. Haḥ und die Lautanweisung werden getrennt bewahrt; keine fertige Silbenreihe erzeugt. Die Lautwörter haben keine gesicherte wörtliche Bedeutung. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8379–8382. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 253.

Vers 84
kāpāli tato mahā ca kāpāli vikaṭadaṃṣṭre ca |
śoṣiṇi sammohinitaḥ karālavadane tato vācyam ||84||

Dann spricht man „Kapali“, „Mahakapali“, „du mit den gewaltigen Fangzähnen“, „du Austrocknende“, „du Bezaubernde“ und „du mit dem furchtbaren Gesicht“.

Vers 85
madanonmādiniśabdājjvālāmālinyapi brūyāt |
tadanu śivārūpiṇi bhagamālinito bhagapriye cāpi ||85||

Nach „du in Liebesrausch Versetzende“ spricht man „du mit der Flammengirlande“, danach „du mit Shivas Gestalt“, „du mit der Yoni-Girlande“ und „du, die die Yoni liebt“.

Vers 86
uddhṛtya bhairavīti ca cāmuṇḍāśabdato vilikhet |
yoginyādiśatānu koṭigaṇāt parivṛte cāpi ||86||

Dann schreibt man „Bhairavi“, „Chamunda“ und „du von Scharen von Hunderten von Millionen Yoginis und anderen umgeben“.

Anmerkung: Zahlwortverbindung in der Quelle beschädigt; Größenangabe vorläufig, nicht unabhängig gesicherte Zählung.

Vers 87
pratyakṣaṃ ca parokṣaṃ māṃ dviṣato bhavati tasyānte |
yugalaṃ saptaviṃśatyā vadettadanu deveśi ||87||

Danach folgt „die mich offen oder verborgen hassen“. Anschließend, Herrin der Götter, spricht man siebenundzwanzig Befehle jeweils zweimal –

Anmerkung: Befehle folgen 88–90; genannte Zahl nicht durch zusätzliche Wörter aufgefüllt.

Vers 88
jahi nāśayānu trāsaya māraya uccāṭayetyapi ca |
stambhaya vidhvaṃsaya hana truṭato vidrāvaya chindhi ||88||

„Schlage nieder! Vernichte! Erschrecke! Töte! Vertreibe! Lähme! Zerstöre! Schlage! Zerreiße! Jage fort! Durchschneide!“

Anmerkung: Historische schädigende Ritualbefehle; nicht als heutige Praxisanregung formuliert.

Vers 89
paca śoṣaya mohaya conmūlaya bhasmīkuru daheti |
kṣobhaya harataḥ praharātpātayato madaya damayetyapi ||89||

„Koche! Dörr aus! Verblende! Entwurzele! Mache zu Asche! Verbrenne! Erschüttere! Nimm hinweg! Schlage! Stürze nieder! Berausche! Bezwinge!“

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält prahara, „schlage“. Verkürzte Anschlussformen der Quelle werden bewahrt. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8402–8407. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 253.

Vers 90
mathataḥ sphoṭaya jambhaya tasyānte bhrāmayetyapi ca |
uddhṛtya sarvabhūtād bhayaṅkari syācca sarvajanaśabdaḥ ||90||

„Zermalme! Sprenge! Hemme! Lass umherirren!“ Danach folgt „du, die alle Wesen erschreckt“, und das Wort „alle Menschen“ –

Vers 91
tadanu vaśaṅkari sarvaṃ vadecchatrukṣayeṅkarītyapi vai |
praṇavo vrīḍā … kāmau vedādi … ||91||

– dann „unter deine Macht bringend“ und „alle Feinde vernichtend“. Darauf Pranava, Vrida, … Kama und Vedadi … .

Anmerkung: Fragment: Mehrere Bija-Glieder der zweiten Hälfte beschädigt; keine stillschweigende Lautrekonstruktion.

Vers 92
gāyatrīmukhabhūtāvāgamaśīrṣāṅkuśau tadanu jvalayugmam |
prajvalayuk … hasayugmaṃ tato vilikhet ||92||

Gayatrimukha, Bhuta, Agamashiras und Ankusha, danach zweimal „Flamme!“ und zweimal „Lodere!“ …; dann schreibt man zweimal „Lache!“.

Anmerkung: Fragment: Kurze Wortgruppe vor hasa beschädigt; die übrigen Formelteile sind lesbar.

Vers 93
rājyadhanāyuḥ proktvā tadanu sukhamaiśvaryamityapi ca |
dehidvitayaṃ dāpayayugalaṃ paścāt kṛpākaṭākṣaṃ ca ||93||

Man nennt „Herrschaft, Reichtum, Lebensdauer“, dann „Glück und Macht“, zweimal „gewähre“ und zweimal „lasse gewähren“, danach „einen gnädigen Blick –“.

Vers 94
mayi ca vitarayugalaṃ yoginyabalā ca śākinyaḥ |
drāvaṇamānasavaktraṃ kāpālaṃ cāpi bhāruṇḍā ||94||

„– auf mich richte, richte!“ Darauf Yogini, Abala und Shakini, Dravana, Manasa, Vaktra, Kapala und Bharunda –

Anmerkung: Bija-Namen; Abala kann hier auch „Frau“ als Chiffre bedeuten. Keine Minderjährigkeit aus dem Namen abgeleitet.

Vers 95
kālīsmarādhvamanasaḥ kūrcaṃ muṇḍe sumuṇḍe ca |
cāmuṇḍe ityuktvā pravadedvai muṇḍamālini padaṃ ca ||95||

– Kali, Smara, Adhva, Manas und Kurcha. Dann „Munde“, „Sumunde“, „Chamunde“ und „du mit der Girlande aus Köpfen“.

Anmerkung: Trennung adhva/manas vorläufig; nicht zu einer gesicherten Silbenreihe erklärt.

Vers 96
muṇḍāvataṃsike'pi ca tataśca muṇḍāsane'mṛtaṃ bījam |
śaktirnirmalabījaṃ tadanu śavārūḍha ityapi ca ||96||

„Du mit Köpfen als Schmuck“, dann „du auf Köpfen Sitzende“, das Amrita-Bija, Shakti und das Nirmala-Bija, danach „du auf einer Leiche Reitende“ –

Vers 97
ṣoḍaśabhuje sodyate pāśapadāt paraśunāgeti |
cāpānu mudgaraśivāpotānu ca kharparānu ca nareti ||97||

– „Sechzehnarmige“, mit der Bezeichnung „erhoben“, dann Schlinge, Axt und Schlange; Bogen, Hammer, Schakaljunges, Schädelschale und „Menschen –“.

Anmerkung: Die Formel erschließt eine Gegenstandsliste; Satzfortsetzung in 98. Genaues Attribut sodyate ist grammatisch unsicher.

Vers 98
muṇḍākṣādapi mālā kartrīto nānāṅkuśaśaveti |
cakratriśūlakaravāladhāriṇi proccaret paścāt ||98||

„– Kopf“, dann Gebetskette, Schneidemesser, verschiedene Elefantenhaken beziehungsweise deren Lautbezeichnung, Leiche, Diskus, Dreizack und Schwert; danach „du, die diese trägt“.

Anmerkung: Trennung nānāṅkuśa unklar, daher keine gesicherte Liste genau sechzehn verschiedener Gegenstände behauptet. Die lesbaren Wörter sind übersetzt.

Vers 99
sphurayugalaṃ tadanu vadet prasphurayugmaṃ mama hṛdi procya |
tiṣṭhadvitayaṃ nigadet sthirā bhava tvaṃ tvamamareśi ||99||

Darauf zweimal „Erstrahle!“ und zweimal „Leuchte hervor!“, dann „in meinem Herzen“ und zweimal „bleibe“. „Sei fest gegenwärtig, du Herrin der Unsterblichen!“

Anmerkung: Doppeltes tvam in e leicht beschädigt; deutsche Wiedergabe ohne künstliche Zusatzanrufung.

Vers 100
sārasvatāgamaśiraḥ kulikasmarabhūtabījāni |
tritayaṃ koraja … manoruṣāṃ jayayugmaṃ paścāt ||100||

Sarasvata, Agamashiras, Kulika, Smara und Bhuta als Bijas; dann eine Dreiergruppe mit Koraja … Manas und Rush, danach zweimal „Siege!“.

Anmerkung: Fragment: Mittlere Bija-Namen beschädigt; die Anzahl beziehungsweise Verteilung der Dreiergruppe ist nicht sicher auflösbar.

Vers 101
vijayadvitayādastratritayaṃ hṛdayaṃ ca śīrṣaṃ ca |
ityeṣā kathitā tava devi sahasrākṣarī śubhadā ||101||

Nach zweimal „Triumphiere!“ dreimal Astra sowie Herz- und Hauptformel. So wurde dir, Göttin, die heilbringende tausendsilbige Formel erklärt.

Anmerkung: „Tausendsilbig“ ist die Quellenbezeichnung; aufgrund der beschädigten Lautgruppen liegt keine unabhängig gesicherte vollständige Rezitationsfassung vor.

Vers 102
kālāgnirudraṛṣiriha mahāparo jāgataṃ chandaḥ |
devī kāmakalāpi ca kūrco bījaṃ smaraḥ kīlaḥ ||102||

Der Rishi ist hier der höchsterhabene Kalagnirudra; das Metrum Jagati, die Gottheit Kamakala, das Bija Kurcha und der Kilaka Smara.

Anmerkung: mahāpara als Attribut gelesen; Wortform in e nicht ganz sicher.

Unnummerierter Text
śaktirbhūtaḥ śyuṇirapi tattvaṃ saptāṅgakī mantraḥ |

Shakti ist Bhuta, das Tattva Shyuni; der Mantra besitzt sieben Glieder.

Anmerkung: Unnummerierter Schluss-Halbvers; Shyuni unsicherer Bija-Name, keine konkrete Silbe erfunden.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāṃ pañcaśatasāhasryāṃ trayodaśatamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der fünfhunderttausend Verse umfassenden Mahakala-Samhita das dreizehnte Kapitel.

Anmerkung: Umfangszahl als Selbstaussage des Kolophons; nicht als Umfang dieser Ausgabe. Zahl in e leicht beschädigt; keine Übereinstimmung mit anderslautenden Kolophonen erzwungen.

Kamakala-Khanda, Kapitel 14: Ursprung und Lob des zehntausendsilbigen Mantras

Mahakala erzählt, wie er und Narayana die Göttin verehrten und den Mantra empfingen. Mahakali erläutert ihre milden und furchtbaren Formen, die sechs Überlieferungsströme und die umfassende Funktion des langen Mala-Mantras. Die Erzählung unterscheidet Tripurasundari und Kamakalakali als höchste milde beziehungsweise furchtbare Gestalt. Sie schließt mit Überlieferungslinie und Einweihungsregeln.

Vers 1
mahākāla uvāca |
… mantraṃ kāmakalākālyāstvamayutākṣaram |
pṛṣṭavatyasi māṃ devi taṃ cāhaṃ … tvayi ||1||

Mahakala sprach: Du hast mich, Göttin, nach dem zehntausendsilbigen Mantra Kamakalakalis gefragt. Ich habe ihn dir … .

Anmerkung: Fragment: Einleitung und abschließendes Verb beschädigt; keine sichere Aussage ergänzt, ob er den Mantra vorenthielt oder noch nicht vorgetragen hatte.

Vers 2
kiñcit kāraṇamastyatra tanniśāmaya sādaram |
ataḥ parataraḥ ko'pi mantro nāsti bhūtale ||2||

Dafür gibt es einen Grund; höre ihn aufmerksam. Auf Erden gibt es keinen Mantra, der diesen übertrifft.

Anmerkung: Verneinung nāsti in e beschädigt; aus dem Zusammenhang mit dem folgenden höchsten Rang verständlich, Sanskritlesung ausdrücklich kontextgestützt.

Vers 3
na cāsya vettā no jāpī na smartā na ca sādhakaḥ |
noddhartā nopadeṣṭā ca na praṣṭā na jighṛkṣukaḥ ||3||

Es gibt keinen, der ihn kennt oder rezitiert, sich seiner erinnert oder ihn verwirklicht; keinen, der ihn erschließt oder lehrt, danach fragt oder ihn empfangen möchte.

Anmerkung: Zeitlicher Bezug dieser pauschalen Aussage ist nicht erläutert; spätere Überlieferungserzählung nicht danach umgeschrieben.

Vers 4
ṣaṭsvāmnāyeṣu ye mantrāḥ proktāḥ santi varānane |
vartante te'khilāḥ sarve'mbūnyarṇave yathā ||4||

Alle Mantras, die in den sechs Amnayas gelehrt werden, du Schönangesichtige, sind darin enthalten wie die Wasser im Ozean.

Anmerkung: Amnaya: tantrischer Überlieferungsstrom; sechs Richtungen werden in 36 genannt.

Vers 5
utpattimayutākṣaryāstvamādau śṛṇu sotsukā |
tataḥ śroṣyasi taṃ mantramugrādugrataraṃ priye ||5||

Höre zuerst mit freudiger Aufmerksamkeit den Ursprung der zehntausendsilbigen Formel. Danach wirst du den Mantra hören, der furchtbarer als das Furchtbare ist, Geliebte.

Vers 6
ahaṃ nārāyaṇaścāpi kalpe ṛṣyantarāhvaye |
sargādau tripuraghnenāsmadbhaktyā toṣamīyuṣā ||6||

Ich und Narayana wurden am Anfang der Schöpfung, in dem Rishyantara genannten Weltzeitalter, vom Vernichter der drei Städte, den unsere Hingabe erfreut hatte –

Anmerkung: Name Rishyantara in e beschädigt; keine anderweitige Kalpa-Zuordnung ergänzt.

Vers 7
trailokyākarṣaṇenopadiṣṭau svāvo varānane |
śikṣayitvā vidhānāni dhyānapūjādikāni hi ||7||

– in den Trailokyakarshana-Mantra eingeweiht, du Schönangesichtige. Er lehrte uns die Verfahren der Meditation, Verehrung und weiteren Riten.

Anmerkung: Verbform svāvo in der OCR unsicher; passive Unterweisung beider aus dem Zusammenhang klar.

Vers 8
dattābhyanujñau guruṇā mithaḥ sammantrya satvaram |
saṃsisādhayiṣū āvāṃ mantrarājaṃ mahattaram ||8||

Nachdem unser Guru die Erlaubnis gegeben hatte, berieten wir uns rasch miteinander. Wir beide wollten den großen König der Mantras zur Vollendung bringen –

Vers 9
agacchāva raho jñātvā puṣkaradvīpamuttamam |
pratyakṣāṃ ca prasannāṃ ca vidhikīrṣū tāmaharniśam ||9||

– und gingen auf die vorzügliche Insel Pushkara, die wir als einsamen Ort erkannt hatten. Tag und Nacht strebten wir danach, die Göttin sichtbar und wohlgesinnt vor uns zu haben.

Anmerkung: vidhikīrṣū ist beschädigt; Wunsch nach unmittelbarer, gnädiger Erscheinung durch die lesbaren Wörter gesichert.

Vers 10
tapāvahe tapo ghoraṃ divyānāṃ śaradāṃ śatam |
tataḥ prasannā bhagavatyāgatya purataḥ sthitā ||10||

Hundert göttliche Jahre lang übten wir strenge Askese. Dann erschien die wohlgestimmte Göttin und stand vor uns.

Anmerkung: Mythische Zeitangabe, keine historische Datierung.

Vers 11
tāṃ mahogratarākārāṃ draṣṭumeva na śaknuvaḥ |
mīlitākṣau namraśīrṣāvatiṣṭhāva kṣaṇaṃ priye ||11||

Wir vermochten ihre überaus furchtbare Gestalt nicht einmal anzusehen. Mit geschlossenen Augen und gesenktem Haupt standen wir einen Augenblick da, Geliebte.

Vers 12
bhītāvāvāṃ parijñāyāmbā saumyaṃ vapurādade |
tata unmīlya netrāṇi pādayorapatāvahi ||12||

Als die Mutter unsere Furcht erkannte, nahm sie eine milde Gestalt an. Da öffneten wir die Augen und fielen ihr zu Füßen.

Vers 13
karābhyāṃ sā samutthāpya prārthayetāṃ yuvāṃ varam |
ityuvāca jagaddhātrī bhaktipravaṇakandharau ||13||

Mit ihren Händen hob die Trägerin der Welt uns auf, deren Nacken sich in Hingabe beugten, und sprach: „Erbittet euch beide eine Gabe!“

Vers 14
āvāmavocāva tataḥ kṛtāñjalipuṭau śivām |
devi tvayaiva jagatāṃ sthitisaṃhārakārakau ||14||

Da sprachen wir mit gefalteten Händen zu der Heilvollen: „Göttin, du selbst hast uns zu Erhaltern und Auflösern der Welten –“

Anmerkung: Satzfortsetzung in 15.

Vers 15
kṛtāvāvāṃ tvatprasādāt prāptayuddhāparājayau |
prāptadevādhipatyau ca svecchākarmavihāriṇau ||15||

„– gemacht. Durch deine Gnade haben wir Unbesiegbarkeit im Kampf und Herrschaft über die Götter erlangt; wir handeln und bewegen uns nach eigenem Willen.“

Anmerkung: prāptayuddhāparājayau kontextuelle Sandhi-Lesung; ohne entsprechende Vokaltrennung wäre auch „erlangte Niederlage“ lesbar, was dem unmittelbaren Lobkontext widerspräche. Unsicherheit nicht verborgen.

Vers 16
brahmāṇaṃ ca tṛṇaṃ manyāvanyeṣāṃ ca varapradau |
kiñcidapyavaśiṣṭaṃ nāvayostvatkaruṇāvaśāt ||16||

„Brahma achten wir wie einen Grashalm; anderen gewähren wir Gaben. Durch dein Mitgefühl ist für uns nichts mehr unerreicht geblieben.“

Anmerkung: Übersteigerte göttliche Selbstaussage der Erzählung.

Vers 17
āvayordevatā tvaṃ hi deveṣvāvāṃ ca devatāḥ |
devā devā dvijātīnāṃ dvijāḥ śeṣasya devatāḥ ||17||

„Du bist unsere Gottheit; wir beide sind Gottheiten für die Götter. Die Götter sind Gottheiten der Zweimalgeborenen, und die Zweimalgeborenen sind Gottheiten für die übrigen Menschen.“

Anmerkung: Traditionelle religiöse und soziale Rangordnung der Quelle.

Vers 18
varaṃ ditsasyāvayośca tadekaṃ dehi nau varam |
mūrtīnāṃ katibhedāste saumyogrāṇāṃ maheśvari ||18||

„Wenn du uns eine Gabe geben willst, dann gewähre uns diese eine: Wie viele verschiedene milde und furchtbare Gestalten hast du, höchste Herrin?“

Vers 19
tān parijñātumicchāvaḥ samastān jagadambike |
ekasyāṃ tava mūrtau copāsitāyāṃ dhareśvari ||19||

„Wir möchten sie alle kennenlernen, Mutter der Welt. Wenn eine einzige deiner Gestalten verehrt wird, Herrin der Erde –“

Vers 20
upāsitāstā bhavanti caṇḍike tadvadāvayoḥ |
śrutvā tadāvayorvākyaṃ smitaṃ kṛtvāvadacchivā ||20||

„– werden dadurch auch die anderen verehrt? Erkläre uns dies, Chandika.“ Nachdem die Heilvolle unsere Worte gehört hatte, lächelte sie und sprach.

Mahakalis Lehrrede über ihre Gestalten

Die Göttin erklärt ihre zahllosen Erscheinungsformen und deren Mantras. Geistige und kosmische Aussagen stehen neben traditionellen Verfalls- und Machtvorstellungen.

Vers 21
mahākālyuvāca |
anto na mama mūrtīnāṃ saumyogrāṇāṃ sureśvarau |
na ca tanmantrabhedānāṃ saṅkhyāsti jagatītale ||21||

Mahakali sprach: „Meine milden und furchtbaren Gestalten haben kein Ende, ihr beiden Herren der Götter. Auch die Verschiedenheiten ihrer Mantras lassen sich auf Erden nicht zählen.“

Vers 22
āgamādipurāṇeṣu yāḥ kāścicchivaśaktayaḥ |
śrūyante vātha dṛśyante mūrtayo hi mamaiva tāḥ ||22||

„Alle Shiva-Shaktis, von denen man in Agamas und Puranas hört oder die man sieht, sind Gestalten von mir selbst.“

Anmerkung: Theologische Selbstaussage der Göttin.

Vers 23
surairbhavadbhirikṣārthaṃ tatra kāścana mūrtayaḥ |
madvinirmitā devau saumyogrāścitsvarūpayā ||23||

„Einige dieser milden und furchtbaren Gestalten habe ich, deren Wesen Bewusstsein ist, geschaffen, damit die Götter und ihr beide mich schauen könnt.“

Anmerkung: Erste Hälfte und Verb beschädigt; hier sinngemäße Lesung der gut erkennbaren Aussage, Sanskritnormalisierung nicht vollständig gesichert.

Vers 24
rakṣodānavadaityādimāraṇāya bhayānakāḥ |
saumyāḥ paraśivasyāpi mohāya samupāditāḥ ||24||

„Die furchtbaren wurden zur Tötung von Rakshasas, Danavas, Daityas und anderen geschaffen; die milden, um sogar Parashiva zu bezaubern.“

Vers 25
etā mūrtyanukāriṇyaḥ kṛtāścānyāḥ sumūrtayaḥ |
saumyānāṃ koṭimūrtīnāṃ saundaryamayatājuṣām ||25||

„Weitere schöne Gestalten wurden nach dem Vorbild dieser Formen geschaffen. Unter den Millionen milden Gestalten, die ganz von Schönheit erfüllt sind –“

Anmerkung: Erste Zusammensetzung mūrtyanukāriṇī leicht beschädigt.

Vers 26
yā mūrtirmama vikhyātā nāmnā tripurasundarī |
sarvāsāmeva madhye sā vijñeyā paramāvadhiḥ ||26||

„– ist meine unter dem Namen Tripurasundari bekannte Gestalt als höchste Vollendung von ihnen allen zu erkennen.“

Vers 27
ugrāvandhyā mūrtayo me santi koṭyaṣṭasammitāḥ |
ghoraghoratarākārā yāḥ śakyante na vīkṣitum ||27||

„Meine furchtbaren, nie wirkungslosen Gestalten zählen achtzig Millionen. Ihre Formen sind schrecklich und überaus schrecklich, sodass man sie nicht anzusehen vermag.“

Anmerkung: ugrāvandhyā als ugra/avandhya verstanden, Lesung leicht unsicher. Acht crore entspricht achtzig Millionen; mythische Größenangabe.

Vers 28
cāmuṇḍā bhairavī bhīmā guhyakālī ca dakṣiṇā |
chinnamastā caikajaṭā kālasaṅkarṣaṇī tathā ||28||

„Chamunda, Bhairavi, Bhima, Guhyakali und Dakshina, Chinnamasta, Ekajata und Kalasamkarshani –“

Anmerkung: Aufzählung furchtbarer Göttinnenformen.

Vers 29
śmaśānakālī koraṅgī bhadrakālī ca kubjikā |
ugracaṇḍā pracaṇḍā ca caṇḍogrā caṇḍanāyikā ||29||

„– Shmashanakali, Korangi, Bhadrakali und Kubjika, Ugrachanda, Prachanda, Chandogra und Chandanayika –“

Anmerkung: Kubjika in e leicht beschädigt; keine Gleichsetzung mit der in Kapitel 12 anders gelesenen Kunjika ohne Variantenhinweis.

Vers 30
caṇḍā caṇḍavatī caṇḍacaṇḍā caṇḍī ca caṇḍikā |
vāśravī śivadūtī ca kātyāyanyardhamastakā ||30||

„– Chanda, Chandavati, Chandachanda, Chandi und Chandika, Vashravi, Shivaduti, Katyayani und Ardhamastaka –“

Anmerkung: Seltene Namen wie Vashravi nicht etymologisch rekonstruiert; Ardhamastaka bedeutet etwa „mit halbem Haupt“.

Vers 31
kālyo'nyāḥ pañcapañcāśanmukhyāḥ svāgameṣu yāḥ |
satīṣu tāsu ghorāsu mūrtiṣu prathitāsu me ||31||

„– und weitere Kalis, fünfundfünfzig Hauptformen, wie sie in den jeweiligen Agamas stehen: Obwohl diese furchtbaren Gestalten von mir bekannt sind –“

Anmerkung: Die Zahl 55 wird nicht durch ergänzte Namen ausgefüllt.

Vers 32
na hi kāmakalākālīsadṛśyugrā jagattraye |
ugrāṇāṃ mama mūrtīnāmiyaṃ hi paramāvadhiḥ ||32||

„– gibt es in den drei Welten keine so furchtbare wie Kamakalakali. Sie ist der höchste Gipfel meiner furchtbaren Gestalten.“

Vers 33
saumyogrā mūrtayaḥ santi yāvatyo me sureśvarau |
tāvatīnāmapi dhyānaṃ mantraḥ pūjā ca vartate ||33||

„So viele milde und furchtbare Gestalten ich habe, ihr beiden Götterherren, für jede gibt es Meditation, Mantra und Verehrung.“

Anmerkung: Anrede Dual sureśvarau nach dem Erzähldialog; e beschädigt.

Vers 34
nānyo'sti jagatīmadhye tāsāṃ vettā śivaṃ vinā |
ata eva ṣaḍāmnāyān parijñāya cakāra saḥ ||34||

„Niemand in der Welt außer Shiva kennt sie alle. Darum hat er sie erkannt und die sechs Amnayas geschaffen.“

Vers 35
tattanmantradhyānabhedanyāsapūjāvidhīnapi |
proktavān sa hi sarvajñaḥ sarvaṃ vijñāya tattvataḥ ||35||

„Der Allwissende hat, nachdem er alles seinem Wesen nach erkannt hatte, die jeweiligen Unterschiede der Mantras und Meditationen sowie die Verfahren von Nyasa und Puja gelehrt.“

Vers 36
uttarordhvādhaḥpratīcīpūrvadakṣiṇasaṃjñakāḥ |
āmnāyāstu ṣaḍ ete śivavaktravinirgatāḥ ||36||

„Diese sechs Amnayas heißen nördlich, oberhalb, unterhalb, westlich, östlich und südlich. Sie sind aus Shivas Mund hervorgegangen.“

Anmerkung: Reihenfolge der Quelle bewahrt.

Vers 37
yāmalā ḍāmarāstantrasaṃhitāstasya madhyagāḥ |
svasvabhaktiviśeṣeṇa tattatkāryādisiddhaye ||37||

„Yamalas, Damaras, Tantras und Samhitas gehören dazu. Entsprechend ihrer jeweiligen besonderen Hingabe und zum Erreichen ihrer jeweiligen Ziele –“

Anmerkung: Satzfortsetzung bis 39.

Vers 38
daivatairṛṣibhiḥ siddhairasurairdaityadānavaiḥ |
guhyakairapsarobhiśca kinnaroragarākṣasaiḥ ||38||

„– verehren Götter, Rishis, Siddhas, Asuras, Daityas und Danavas, Guhyakas und Apsaras, Kinnaras, Schlangenwesen und Rakshasas –“

Vers 39
somasūryānvayodbhūtairbhūpālairitarairnaraiḥ |
dṛṣṭapratītibhirmartyaiḥ sā sā mūrtirupāsyate ||39||

„– Könige der Mond- und Sonnendynastie und andere Menschen die jeweilige Gestalt, bestärkt durch erfahrene Gewissheit.“

Anmerkung: Das Verhältnis von itarair naraiḥ und martyaiḥ ist redundant im Quellentext; im Deutschen verbunden wiedergegeben.

Vers 40
yugaśeṣe kalau kṣīṇe narā alpāyuṣo'lasāḥ |
nirutsāhā daridrāśca bhaktihīnāḥ kumārgagāḥ ||40||

„Am Ende des Weltzeitalters, wenn das Kali-Zeitalter erschöpft ist, werden die Menschen kurzlebig und träge, mutlos und arm, ohne Hingabe und auf Abwegen sein.“

Anmerkung: Traditionelle Verfallsvorstellung, keine Diagnose heutiger Menschen.

Vers 41
āsāmupāsakā naiva bhaviṣyanti viśeṣataḥ |
dhyānamantrādikaṃ tāsāṃ tadā luptaṃ bhaviṣyati ||41||

„Dann werden diese Gestalten kaum noch Verehrer haben; ihre Meditationen, Mantras und weiteren Lehren werden verschwunden sein.“

Vers 42
tāsāṃ saumyogramūrtīnāṃ bhinnāmnāyajuṣāṃ sadā |
ekatrāvasthitirnaiva timirālokayoriva ||42||

„Diese milden und furchtbaren Gestalten gehören unterschiedlichen Überlieferungsströmen an. Sie bestehen nicht zusammen an einer einzigen Stelle, wie Dunkelheit und Licht.“

Vers 43
upāsitāyāmekasyāṃ kathaṃ tāḥ samupāsitāḥ |
bhaveyurityapi mahaddurghaṭaṃ pratibhāti me ||43||

„Wie könnten daher durch die Verehrung einer einzigen alle verehrt sein? Das erscheint auch mir sehr schwer zu verwirklichen.“

Anmerkung: Spannung zur anschließenden umfassenden Formel bewusst bewahrt.

Der umfassende Mala-Mantra

Vergleiche mit Meer, Berg, Elefantenspur und Weltraum erläutern den beanspruchten Vorrang des zehntausendsilbigen Mantras.

Vers 44
mayyeko vartate kintu mahāmantro'yutākṣaraḥ |
ṣaḍāmnāyasthitāḥ mantrāḥ prāyaśaḥ santi tatra hi ||44||

„Doch in mir besteht ein großer zehntausendsilbiger Mantra. In ihm sind nahezu alle Mantras der sechs Amnayas enthalten.“

Anmerkung: prāyaśaḥ, „nahezu/überwiegend“, nicht zur uneingeschränkten Vollständigkeitsbehauptung geglättet.

Vers 45
saumyogrāṇāṃ ca mūrtīnāṃ bhedā nāmāni santi vai |
etatparo na mantro'sti kvāpi trijagatītale ||45||

„Auch die verschiedenen milden und furchtbaren Gestalten und ihre Namen sind darin. Nirgends in den drei Welten gibt es einen höheren Mantra.“

Vers 46
mahāmahogrogrataraḥ sarvasiddhyekasādhakaḥ |
trailokyākarṣaṇaścāyaṃ tulyāvetau matau mama ||46||

„Überaus gewaltig, noch furchtbarer ist er, das eine Mittel für alle Vollendungen. Dieser Mantra und Trailokyakarshana gelten mir als gleichwertig.“

Anmerkung: Anfang nach dem älteren Textzeugen. Die Häufung von mahā und ugra ist eine Steigerung der Quelle. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8577–8580. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 254.

Vers 47
nadījalaughā jaladhiṃ yathā sarve viśanti hi |
ṣaḍāmnāyasthitāḥ mantrāstathaivānuviśanti tam ||47||

„Wie alle Wasserströme der Flüsse in das Meer eingehen, so gehen die Mantras der sechs Amnayas in ihn ein.“

Vers 48
meruryathā parvatānāṃ gaṅgā ca saritāṃ yathā |
tīrthānāṃ ca yathā kāśī śastrāṇāmaśaniryathā ||48||

„Wie Meru unter den Bergen, Ganga unter den Flüssen, Kashi unter den heiligen Orten und der Donnerkeil unter den Waffen –“

Anmerkung: Vergleichsreihe bis 50.

Vers 49
aśvamedho'dhvarāṇāṃ ca tapasyānāmupoṣaṇam |
samīraṇo balavatāṃ kāmadhenurgavāṃ yathā ||49||

„– wie das Pferdeopfer unter den Opfern, das Fasten unter den Askesen, der Wind unter den Mächtigen und Kamadhenu unter den Kühen –“

Anmerkung: Traditionelle Rangvergleiche der Quelle.

Vers 50
śivo yathā devatānāṃ devīnāṃ ca yathāpyaham |
sarveṣāmeva mantrāṇāṃ tathāyamayutākṣaraḥ ||50||

„– wie Shiva unter den Göttern und ich selbst unter den Göttinnen, so steht dieser zehntausendsilbige Mantra unter allen Mantras.“

Vers 51
ārādhitāyāmetena mantreṇaiva mayi dhruvam |
sarvā ārādhitā hi syuḥ ṣaḍāmnāyasya śaktayaḥ ||51||

„Werde ich mit genau diesem Mantra verehrt, dann sollen gewiss alle Shaktis der sechs Amnayas verehrt sein.“

Vers 52
ārirādhayiṣū cenmāṃ saumyogrāstāśca devatāḥ |
kurutaṃ yatnametasmin mālāmantre'yutākṣare ||52||

„Wollt ihr mich und jene milden und furchtbaren Gottheiten verehren, dann widmet euch diesem zehntausendsilbigen Mala-Mantra.“

Anmerkung: Mala-Mantra: langer „Girlandenmantra“, der zahlreiche Formelglieder aneinanderreiht.

Vers 53
praviśanti yathebhānāṃ pāde'nyeṣāṃ padāni hi |
yathetareṣāṃ hi pade viśedibhapadaṃ na ca ||53||

„Wie die Fußspuren anderer Tiere in die eines Elefanten hineinpassen, die Spur eines Elefanten aber nicht in die der anderen –“

Vers 54
mantrāḥ sarve tathāmuṣmin praviśanti surottamau |
na ca praveśaḥ kvāpyasya prakārairapi bhūribhiḥ ||54||

„– so gehen alle Mantras in diesen ein, ihr beiden höchsten Götter; er selbst aber geht in keinen anderen ein, auch nicht auf vielerlei Weise.“

Vers 55
bījakūṭopakūṭāśca yāvantaścāgamoddhṛtāḥ |
te sarve tatra tiṣṭhanti mayi vattribhuvanaṃ yathā ||55||

„Alle Bijas, Kutas und Untergruppen von Kutas, die in den Agamas erschlossen werden, sind darin enthalten, wie die drei Welten in mir.“

Vers 56
āmnāyānāṃ yathā ṣaṇṇāmupadeśo bhavettadā |
asyādhikārī bhavati no cennārhatyamuṃ manum ||56||

„Wer in die sechs Amnayas unterwiesen worden ist, erhält die Berechtigung dazu. Andernfalls ist er für diesen Mantra nicht geeignet.“

Anmerkung: Traditionelle Einweihungsvoraussetzung, keine von dieser Ausgabe erteilte Initiation.

Vers 57
mahimānamamuṣyāhaṃ vedmi veda śivo'thavā |
gurūpadeśādhigatestanmantrasya narasya hi ||57||

„Seine Größe kenne ich oder Shiva. Vor einem Menschen, der diesen Mantra durch Unterweisung seines Gurus empfangen hat –“

Anmerkung: Satzfortsetzung in 58.

Vers 58
purastiṣṭhāmi satataṃ bhavāmi vaśavartinī |
yathākarṣanti sūtreṇa khagamārādvihaṅgamam ||58||

„– stehe ich stets und folge seinem Willen. Wie man einen Vogel aus der Ferne mit einer Schnur heranzieht –“

Anmerkung: Wörtliche Unterwerfungsmetaphorik der Quelle; nicht stillschweigend zu moderner Hingabe umgedeutet.

Vers 59
tathāmunaiva mantreṇa māmākarṣanti sādhakāḥ |
ityetat kathitaṃ yattad bhavadbhyāṃ pṛṣṭavatyaham ||59||

„– so ziehen Sadhakas mich mit diesem Mantra herbei. Damit habe ich erklärt, wonach ihr beide gefragt habt.“

Anmerkung: Schlussverb in e grammatisch beschädigt, Sinn gesichert.

Empfang und Überlieferung

Mahakala führt die Erzählung zum Empfang des Mantras und nennt seine Weitergabe an Schüler. Regeln der Rezitation und Guru-Gabe folgen.

Vers 60
samāsādvistarādvaktuṃ mama śaktirna vidyate |
mahākāla uvāca |
śrutvā devyā vacaḥ sarvamāvābhyāṃ punarīritam ||60||

„Ich habe es in Kürze gesagt; ausführlich darzustellen vermag ich es nicht.“ Mahakala sprach: Nachdem wir alle Worte der Göttin gehört hatten, baten wir erneut –

Anmerkung: Sprecherwechsel innerhalb der nummerierten Einheit.

Vers 61
yadi devi prasannāsi tadāvāmupadiśa svayam |
iti vijñāpitā devī prāhāvāṃ sasmitānanā ||61||

„Wenn du uns wohlgesinnt bist, Göttin, dann unterweise uns selbst.“ Auf diese Bitte sprach die Göttin mit lächelndem Gesicht zu uns –

Vers 62
kṛtāñjalipuṭau devau gadatyā gadatāṃ manum |
iti devyā vacaḥ śrutvā tathaivākaravāvahi ||62||

„Ihr beiden Götter, faltet die Hände und sprecht den Mantra nach, während ich ihn vorspreche.“ Nachdem wir ihre Worte gehört hatten, taten wir es so.

Vers 63
evaṃ devyupadiśyāvāṃ kṣaṇādantardhimāgatā |
evaṃprakāreṇāvābhyāṃ labdho'yamayutākṣaraḥ ||63||

Nachdem die Göttin uns so unterwiesen hatte, verschwand sie sogleich. Auf diese Weise haben wir den zehntausendsilbigen Mantra empfangen.

Vers 64
adādviṣṇurnāradāya sanakāya ca toṣitaḥ |
durvāsāḥ kaśyapo dattātreyaśca kapilastathā ||64||

Vishnu gab ihn, wohlgestimmt, an Narada und Sanaka weiter. Durvasas, Kashyapa, Dattatreya und Kapila –

Anmerkung: Überlieferungskette als Textaussage.

Vers 65
catvāra ete macchiṣyā matā mantrasya pārvati |
etaiḥ śiṣyapraśiṣyāśca bahavo vihitāḥ svakāḥ ||65||

– diese vier gelten als meine Schüler in diesem Mantra, Parvati. Durch sie entstanden viele eigene Schüler und Schülerschüler.

Vers 66
itthaṃ paramparāprāpto hyasmin loke pratiṣṭhitaḥ |
nāmnā mṛtyuñjayaprāṇo mālāmantro'yutākṣaraḥ ||66||

So ist er durch eine Überlieferungslinie in diese Welt gelangt und hier begründet: der zehntausendsilbige Mala-Mantra namens Mrityunjayaprana, „Lebenshauch des Todesbezwingers“.

Vers 67
evametasya mahimā varṇituṃ kena śakyate |
yatraivamavadad devī tatrānyasya hi kā kathā ||67||

Wer könnte seine Größe beschreiben? Wenn selbst die Göttin so sprach, was könnte dann ein anderer sagen?

Vers 68
śāmbhavādyāśca ye kūṭāstārādyā bījasañcayāḥ |
sarve tatraiva tiṣṭhanti brahmaṇīva jagattrayam ||68||

Die Kutas mit Shambhava am Anfang und die Bija-Sammlungen mit Tara am Anfang sind alle darin enthalten, wie die drei Welten in Brahman.

Vers 69
yathorṇanābhiḥ sūtrāṇi vamatyapi gilatyapi |
tathaivāyaṃ sṛjatyatti viśvaṃ sthāvarajaṅgamam ||69||

Wie eine Spinne ihre Fäden hervorbringt und wieder verschlingt, so erschafft und verschlingt dieser Mantra die Welt der unbeweglichen und beweglichen Wesen.

Anmerkung: Der Vers ist in der Quelle durch einen Seitenwechsel getrennt; beide lesbaren Hälften zusammengeführt.

Vers 70
janmakoṭisahasrāṇāṃ lakṣeṇāpi na labhyate |
vinā devīprasādena tathaivānugrahaṃ guroḥ ||70||

Selbst durch unzählige Millionen Geburten ist er nicht zu erlangen ohne die Gnade der Göttin und die Zuwendung des Gurus.

Anmerkung: Quellenzahl verbindet lakṣa, koṭi und sahasra; wegen der beschädigten Verbindung keine scheinbar präzise Dezimalzahl errechnet.

Vers 71
jijñāsurimamadhyāyaṃ paṭhitvā prathamaṃ priye |
tato mṛtyuñjayaprāṇaṃ śanaiḥ spaṣṭamudīrayet ||71||

Wer ihn kennenlernen möchte, liest zuerst dieses Kapitel, Geliebte, und spricht danach Mrityunjayaprana langsam und deutlich aus.

Vers 72
samāpya sakalaṃ mantraṃ praṇamya bhuvi daṇḍavat |
mṛtyuñjayaprāṇadātre sarvasvaṃ gurave'rpayet ||72||

Nachdem man den ganzen Mantra beendet hat, verneigt man sich lang ausgestreckt auf dem Boden und bietet dem Guru, der Mrityunjayaprana übermittelt hat, den gesamten Besitz dar.

Anmerkung: Historische Vorschrift der Guru-Gabe; keine heutige finanzielle oder soziale Forderung dieser Ausgabe.

Unnummerierter Text
athavā yena santoṣaṃ gururvrajati taccaret |

Oder man tut das, wodurch der Guru Zufriedenheit erlangt.

Anmerkung: Unnummerierter Schluss-Halbvers nach 14.72.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāṃ prāṇāyutākṣaryāḥ praśaṃsākathanaṃ nāma caturdaśatamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der Mahakala-Samhita das vierzehnte Kapitel namens „Darlegung des Lobes der zehntausendsilbigen Prana-Formel“.

Anmerkung: Titel in der OCR beschädigt; prāṇāyutākṣaryāḥ praśaṃsākathana kontextgestützte Normalisierung, keine diplomatisch sichere Lesung.

Kamakala-Khanda, Kapitel 15: Erschließung des zehntausendsilbigen Mrityunjayaprana-Mantras

Mahakala erschließt den langen Mala-Mantra als Folge von Bija-Namen, Lautanweisungen und Gottheitsanrufungen. Die Verse werden fortlaufend übersetzt; beschädigte Gruppen bleiben offen. Der Abschnitt ist bis Vers 640, Kolophon und Schlusssegen bearbeitet. Die Quellenbezeichnung zehntausendsilbig bedeutet keine hier rekonstruierte vollständige Rezitationsfassung.

Beginn der Formel: Kali-Gestalten, Lakshmi und weitere Göttinnen

Die Eröffnung verbindet verschiedene Kali-Anrufungen mit weiteren Gottheitsformeln. Befehle und Schutzbitten werden im jeweiligen Vers übersetzt.

Vers 1
mahākāla uvāca |
śṛṇuṣva himavatputri ṣaṣṭhakālyayutākṣaram |
yasya smaraṇamātreṇa sarvasiddhiḥ prajāyate ||1||

Mahakala sprach: Höre, Tochter des Himalaya, den zehntausendsilbigen Mantra der sechsten Kali. Schon durch das bloße Erinnern daran sollen alle Vollendungen entstehen.

Anmerkung: Die „sechste Kali“ bezeichnet hier die im Werk behandelte Kamakalakali; zehntausendsilbig ist die Quellenbezeichnung, keine rekonstruierte Silbenzählung dieser Ausgabe.

Vers 2
tāravāgbhavamāyāśca lakṣmīrhrīḥ smara eva ca |
krodhaśca yoginī caiva vadhūśca śākinī tathā ||2||

Tara, Vagbhava und Maya, Lakshmi, Hri und Smara, Krodha, Yogini, Vadhu und Shakini –

Anmerkung: Beginn der fortlaufenden Formelerschließung. Bija-Namen bleiben verschlüsselt; keine einheitliche Silbenfassung aus Erwartung erstellt.

Vers 3
aṅkuśaṃ ca prāsādaṃ ca krauṃkāraṃ pāśameva ca |
… samuccārya vahnijāyāṃ tato vadet ||3||

– Ankusha, Prasada, die Silbe krauṃ und Pasha; nachdem man die folgende beschädigte Silbe gesprochen hat, nennt man die Gattin des Feuers, Svaha.

Anmerkung: Fragment: spha-/sphra-artige Bija-Schreibung beschädigt. krauṃ ist ebenfalls leicht unsicher in der OCR; keine sichere Gesamtformel.

Vers 4
tataḥ kāmakalākāli māyākālyau tato vadet |
māyātrayaṃ samuccārya krodhadvayaṃ samuccaret ||4||

Dann „Kamakalakali“, darauf Maya und Kali; anschließend spricht man Maya dreimal und Krodha zweimal.

Anmerkung: Die Quelle reiht Anreden und Bija-Namen aneinander; „Kali“ kann innerhalb solcher Reihen ein Bija-Name sein.

Vers 5
dakṣiṇakālike caiva krodhadvayaṃ tathā punaḥ |
bhuvaneśītrayaṃ coktvā kālītrayaṃ dviṭhastathā ||5||

Darauf „Dakshinakalike“, wiederum zweimal Krodha, dreimal Bhuvaneshi, dreimal Kali und zweimal ṭha.

Anmerkung: dviṭha ist als Angabe zweier ṭha-Laute lesbar; genaue Bija-Vokalisation beziehungsweise Nasalierung nicht ergänzt.

Vers 6
tato dakṣiṇakālike vākkālyau ca samāharet |
trapā krodhābalā caiva śākinībījamuddharet ||6||

Dann „Dakshinakalike“, Vak und Kali, Trapa, Krodha und Abala sowie das Shakini-Bija.

Anmerkung: Abala ist hier ein verschlüsselnder Name für den Lautbestandteil, keine Altersangabe.

Vers 7
vadhūbījaṃ yoginīṃ ca … bhadrakālyapi |
huṃ dvitayaṃ samuccārya cāstradvayaṃ namaḥ punaḥ ||7||

Das Vadhu-Bija, Yogini, … „Bhadrakali“, zweimal huṃ, zweimal Astra und dann Namah.

Anmerkung: Fragment: Eine Silbe vor Bhadrakali beschädigt. Vokal in huṃ nicht völlig sicher; keine ausgedehnte Lautrekonstruktion.

Vers 8
vahnijāyā bhadrakāli tāraṃ māye krodhau tathā |
bhagavati tataḥ procya tataḥ śmaśānakālyapi ||8||

Die Gattin des Feuers, „Bhadrakali“, Tara, Maya und Krodha; dann „Bhagavati“, „Erhabene“, und „Shmashanakali“ –

Anmerkung: māye/krodhau in der Quelle grammatisch auffällig; mögliche Wiederholungszahlen nicht aus bloßen Flexionsresten erfunden.

Vers 9
narakaṅkālamālādhāriṇi ca tato vadet |
bhuvaneśī kālībījaṃ kuṇapabhojini tathā ||9||

– und „du, die eine Girlande aus Menschenskeletten trägt“. Darauf Bhuvaneshi, das Kali-Bija und „du, die Leichen verzehrt“.

Anmerkung: Sachliche Übersetzung der drastischen Gottheitsanrufung.

Vers 10
śākinīdvitayaṃ procya tato vahninitambinī |
śmaśānakāli samprocya kālīkrodhau tathoccaret ||10||

Zweimal Shakini, danach die Frau des Feuers; dann „Shmashanakali“, Kali und Krodha.

Vers 11
māyāvadhūramākāmaphaṭsvāhā kālakāli ca |
tāraṃ ca śākinī caiva siddhikarāli ca vadet ||11||

Maya, Vadhu, Rama, Kama, Phaṭ, Svaha und „Kalakali“; danach Tara, Shakini und „Siddhikarali“.

Anmerkung: Kalakali ist die Anrede der Quelle; nicht zu Kamakali korrigiert.

Vers 12
māyābījaṃ samuccārya yoginībījamuccaret |
krodhavadhūśākinyaśca hṛllekhā vahnivallabhā ||12||

Nach dem Maya-Bija spricht man das Yogini-Bija, dann Krodha, Vadhu, Shakini, Hrillekha und die Geliebte des Feuers.

Vers 13
guhyakāli samuccārya tāramantradvayaṃ caret |
hakāraṃ hrīkāraṃ caiva … chīṃkāraṃ punaḥ ||13||

Man spricht „Guhyakali“, zweimal den Tara-Mantra, den ha-Laut, hrī … und dann chīṃ.

Anmerkung: Fragment: Eine dazwischenstehende Bija-Schreibung beschädigt. Auch hrī/chīṃ in der OCR nicht vollständig sicher; keine gesicherte Rezitationsfolge.

Vers 14
strīkāraṃ ca ramābījamaṅkuśaṃ hṛdayaṃ vadet |
ṅantā dhanakāli ca vikarālarūpiṇyapi ||14||

Darauf der strī-Laut, das Rama-Bija, Ankusha und die Herzformel; „Dhanakali“ mit der angegebenen Dativendung und „Vikaralarupini“, „du mit der furchtbaren Gestalt“.

Anmerkung: ṅ-anta ist grammatische Chiffre, nicht als zusätzliche Mantrasilbe auszugeben. Folgender Vers erläutert die Anredeform.

Vers 15
sambodhanāntā boddhavyā sarvatraiva sureśvari |
dhanaṃ coktvā dehidvayaṃ dāpaya dāpayeti ca ||15||

Die entsprechenden Namen sind überall als Anrede zu verstehen, Herrin der Götter. Dann „Reichtum“ und zweimal „gib“, ferner „lasse geben, lasse geben“.

Anmerkung: Spannung zwischen Dativangabe in 14 und allgemeiner Anrederegel nicht stillschweigend geglättet.

Vers 16
kṣetrapālaṃ tathoccārya indrasvaravibhūṣitam |
bindunādasamāyuktamaṅkuśaṃ pāśameva ca ||16||

Man spricht Kshetrapala, versehen mit dem Indra-Vokal und verbunden mit Bindu und Nada, dann Ankusha und Pasha.

Anmerkung: Vokalchiffre nicht ohne eindeutigen Quellenschlüssel aufgelöst.

Vers 17
māyākrodhahṛdāṃ dve cāstradve vahnivallabhā |
tato dhanakālike ca tāravāgbhavamanmathāḥ ||17||

Je zweimal Maya, Krodha und Herzformel, zweimal Astra und die Geliebte des Feuers; dann „Dhanakalike“, Tara, Vagbhava und Manmatha –

Vers 18
lajjākrodhau siddhikālyai hṛdayaṃ siddhikāli ca |
tato māyāṃ samuccārya vadeccaṇḍāṭṭahāsini ||18||

– Lajja und Krodha, „der Siddhikali“, die Herzformel und „Siddhikali“. Dann Maya und „du wild und laut Lachende“ –

Vers 19
tato jagadgrasanakāriṇi tu samuccaret |
naramuṇḍamālini ca pravadeccaṇḍakālike ||19||

– danach „du, die die Welt verschlingt“, „du mit der Menschenkopf-Girlande“ und „Chandakalike“.

Vers 20
kāmaramākrodhānuktvā śākinī tvaṅganāpi ca |
yoginī phaṭdvayaṃ procya vahnistrī caṇḍakālike ||20||

Nach Kama, Rama und Krodha folgen Shakini, Angana, Yogini, zweimal Phaṭ, die Frau des Feuers und „Chandakalike“.

Anmerkung: Angana, „Frau“, hier Bija-Name.

Vers 21
namaḥ kamalavāsinyai svāhā lakṣmi tathoccaret |
tāraṃ ca lakṣmībījaṃ ca māyā ca kamalā punaḥ ||21||

Man spricht „Verehrung der im Lotus Wohnenden, Svaha! Lakshmi!“ Darauf Tara, das Lakshmi-Bija, Maya und erneut Kamala.

Vers 22
kamale ca tataścoktvā pravadet kamalālaye |
prasīda dvitayaṃ coktvā ramā lajjā ramā punaḥ ||22||

Dann „Kamale“, „du im Lotus Weilende“, zweimal „sei gnädig“, Rama, Lajja und wiederum Rama.

Vers 23
mahālakṣmyai namaḥ procya mahālakṣmi māyāṃ vadet |
namo bhagavati coktvā māheśvari tato vadet ||23||

„Verehrung der Mahalakshmi“, dann „Mahalakshmi“, Maya, „Verehrung, Erhabene“ und „Maheshvari“ –

Vers 24
annapūrṇe vahnijāyā annapūrṇe tathoccaret |
tāramāyākrodhān procya uttiṣṭha puruṣi vadet ||24||

– „Annapurne“, die Gattin des Feuers und nochmals „Annapurne“. Nach Tara, Maya und Krodha spricht man: „Erhebe dich, Purushi!“

Anmerkung: Purushi ist eine feminine Anrede zum Purusha-Prinzip; nicht als männlicher Ritualteilnehmer missverstanden.

Vers 25
kiṃ svapiṣi bhayaṃ coktvā tato me samupasthitam |
yadi śakyamaśakyaṃ vā krodhadurge tato vadet ||25||

„Warum schläfst du? Gefahr ist an mich herangetreten. Ob sie bewältigbar ist oder nicht …“ Danach Krodha und „Durge“ –

Anmerkung: Die Bitte setzt sich in 26 fort; Auslassung im Deutschen markiert den Satzübergang, keine behauptete Quellenlücke.

Vers 26
bhagavati tataścoktvā śamaya vahnisundarī |
krodhalajjātārānuktvā vanadurge māyāṃ vadet ||26||

– „Erhabene, stille sie!“, dann die Schöne des Feuers. Nach Krodha, Lajja und Tara spricht man „Vanadurge“, „Durga des Waldes“, und Maya.

Vers 27
sphura dve prasphura dve ca ghoraghorataretyapi |
tanurūpe samuccārya caṭa dve pracaṭadvayam ||27||

Zweimal „Erstrahle“, zweimal „Leuchte hervor“, dann „du von schrecklicher und noch schrecklicherer Leibgestalt“; zweimal „caṭ“ und zweimal „pracaṭ“.

Anmerkung: Caṭ/pracaṭ sind hier expressive Mantralaute beziehungsweise schwer eindeutig übersetzbare Befehlslaute; keine erfundene wörtliche Bedeutung.

Vers 28
kaha kaha rama rama bandha bandha tato vadet |
ghātaya dvitayaṃ coktvā krodhamastraṃ tataḥ smaret ||28||

Darauf „kaha kaha“, „erfreue dich, erfreue dich“, „binde, binde“, zweimal „schlage nieder“ und dann Krodha und Astra.

Anmerkung: kaha bleibt als Lautform bewahrt; nicht ohne Sicherheit als „sprich“ übersetzt.

Vers 29
tataśca vijayāghore māyā padmāvati vadet |
vahnijāyāṃ tataḥ smṛtvā tataḥ padmāvati smaret ||29||

Dann „Vijayaghore“, Maya, „Padmavati“, die Gattin des Feuers und wiederum „Padmavati“.

Anmerkung: Vijayaghora als zusammenhängende Anrede gelesen; Trennung Vijaya/Aghora ebenfalls möglich.

Vers 30
mahiṣamardini svāhā mahiṣamardini smaret |
tāraṃ coktvā durge dvayaṃ rakṣiṇi vahnikāminī ||30||

„Mahishamardini, Svaha“, dann nochmals „Mahishamardini“. Nach Tara zweimal „Durge“, „Beschützerin“ und die Geliebte des Feuers.

Anmerkung: Mahishamardini: Bezwingerin des Büffeldämons.

Vers 31
jaya durge samuccārya tāramāye samuccaret |
duṃ durgāyai svāhā coktvā vāṅmāyāviṣṇuvallabhāḥ ||31||

Man spricht „Jaya Durge“, Tara und Maya, dann „duṃ, der Durga, Svaha“, darauf Vak, Maya und die Geliebte Vishnus.

Anmerkung: Vishnuvallabha ist hier Bija-Bezeichnung, nicht stillschweigend in eine bestimmte Silbe umgewandelt.

Matangi, Bagala und weitere Anrufungen

Unterwerfungs- und Schutzformeln stehen neben Bija-Erschließungen. Die historischen Ritualziele bleiben sichtbar.

Vers 32
tāraṃ namo bhagavati mātaṅgeśvari saṃsmaret |
sarvastrīpuruṣetyuktvā vaśaṅkari tato vadet ||32||

Tara, „Verehrung, Erhabene, Matangeshvari“, dann „du, die alle Frauen und Männer unter ihre Macht bringt“ –

Anmerkung: Historische Unterwerfungsanrufung.

Vers 33
sarvaduṣṭamṛgetyuktvā vaśaṅkari tato vadet |
sarvagrahavaśaṅkari sarvasattvavaśaṅkari ||33||

– „du, die alle gefährlichen Tiere unter ihre Macht bringt, alle Grahas unterwirft und alle Wesen unterwirft“.

Vers 34
sarvajanamanohari sarvamukharañjini ca |
sarvarājavaśaṅkari tataḥ smarecca sādhakaḥ ||34||

Dann spricht der Sadhaka: „Du, die den Geist aller Menschen gewinnt, alle Gesichter erfreut und alle Könige unter ihre Macht bringt.“

Vers 35
sarvalokamamuṃ me vaśamānaya tato vadet |
vahnistrī ca tathā rājamataṅgi sādhakottamaḥ ||35||

„Bringe diese ganze Welt unter meine Macht“, spricht der vorzügliche Sadhaka; darauf die Frau des Feuers und „Rajamatangi“.

Anmerkung: Historische Ritualformel, keine heutige Beziehungspraxis.

Vers 36
tathocchiṣṭamātaṅgini cānte krodhabījaṃ smaret |
evaṃ māyāṃ tatastāraṃ tato manmathameva ca ||36||

Dann „Ucchishtamatangini“ und am Ende das Krodha-Bija, danach Maya, Tara und Manmatha.

Anmerkung: Ucchishta bezieht sich auf Speisereste beziehungsweise rituell Unreines.

Vers 37
vahnijāyocchiṣṭetyuktvā mātaṅgi samudāharet |
tathocchiṣṭacāṇḍālini sumukhi devi saṃvadet ||37||

Die Gattin des Feuers, dann „Ucchishta-Matangi“, „Ucchishtachandalini“, „du mit dem schönen Gesicht“, „Göttin“ –

Vers 38
mahāpiśācini māyā … dvibindukaṃ smaret |
tathocchiṣṭacāṇḍālini tāraṃ ca samudāharet ||38||

– „große Pishachini“, Maya und eine beschädigte Silbe mit zwei Punkten; dann „Ucchishtachandalini“ und Tara.

Anmerkung: Fragment: Grundzeichen der mit zwei Punkten zu versehenden Silbe beschädigt.

Vers 39
mahāseno dharāsaṃstho vāmanetravibhūṣitaḥ |
bindunādasamāyukto bagalāmukhi coddharet ||39||

Mahasena, auf Dhara stehend, mit dem linken Auge versehen und mit Bindu und Nada verbunden; danach die Anrede „Bagalamukhi“.

Anmerkung: Lauterschließung in Chiffren, nicht Beschreibung einer Körperhaltung.

Vers 40
sarvetyuktvā ca duṣṭānāṃ mukhaṃ vācaṃ samīrayet |
tataśca stambhaya jihvāṃ kīlaya dvitayaṃ vadet ||40||

Dann „aller Böswilligen Mund und Rede“, darauf „lähme“, „die Zunge“ und zweimal „hefte fest“.

Anmerkung: Die vollständige deutsche Befehlsfunktion ist erkennbar, ohne fehlende Bija-Silben einzufügen.

Vers 41
buddhiṃ nāśaya saṃsmṛtya pūrvabījaṃ tataḥ smaret |
tārapūrvā vahnijāyā bagale vāgbhavaṃ vadet ||41||

„Vernichte ihre Einsicht“, dann das zuvor genannte Bija, Tara und die Gattin des Feuers, „Bagale“ und Vagbhava.

Anmerkung: Aggressive Ritualanrufung der Quelle.

Vers 42
ramāmāyāsmarān smṛtvā dhanalakṣmi vadet tataḥ |
tāralajjāvāgbhavāśca māyāṃ tāraṃ smaret tataḥ ||42||

Nach Rama, Maya und Smara spricht man „Dhanalakshmi“; dann Tara, Lajja und Vagbhava, Maya und Tara.

Vers 43
sarasvatyai namaḥ smṛtvā sarasvati vadet tataḥ |
pāśaṃ māyāṃ krodhaṃ coktvā bhuvaneśvari cetyapi ||43||

„Verehrung der Sarasvati“, dann „Sarasvati“; Pasha, Maya und Krodha, danach „Bhuvaneshvari“.

Anmerkung: Erstes Bija der zweiten Hälfte Pasha aus beschädigter Lesung; genaue Silbe nicht ergänzt.

Vers 44
tāratrapāviṣṇujāyākrodhakāmapāśāstataḥ |
tathā cāśvārūḍhāyai ca phaṭdvayaṃ vahnivallabhā ||44||

Tara, Trapa, Vishnujaya, Krodha, Kama und Pasha; „der auf einem Pferd Reitenden“, zweimal Phaṭ und die Geliebte des Feuers.

Vers 45
aśvārūḍhe samābhāṣya tāravāgbhavalajjakāḥ |
nityaklinne madadrave vāṅmāyā vahnisundarī ||45||

Die Anrede „Ashvarudhe“, dann Tara, Vagbhava und Lajja; „Nityaklinne, stets Benetzte“, „Madadrave, im Rausch Fließende“, Vak, Maya und die Schöne des Feuers.

Anmerkung: Nityaklinna/Madadrava sind Gottheitsanreden; ihre körperlich-erotische Bildsprache nicht zu bloßer emotionaler Offenheit umgedeutet.

Vers 46
nityaklinne samābhāṣya sundarībījamuddharet |
tataśca bhairavīkūṭaṃ bālākūṭaṃ tataḥ smaret ||46||

Nach der Anrede „Nityaklinne“ fügt man das Sundari-Bija ein, danach das Bhairavi-Kuta und das Bala-Kuta.

Anmerkung: Bala-Kuta hier ausschließlich als Formelname genannt.

Vers 47
bagalākūṭamuccārya tvaritākūṭamuddharet |
jaya bhairavi samprocya ramātrapāvāgbhavaṃ smaret ||47||

Man spricht das Bagala-Kuta und das Tvarita-Kuta, dann „Jaya Bhairavi“, Rama, Trapa und Vagbhava.

Vers 48
blūṃkāraṃ ca tataścoktvā candraśca savisargakaḥ |
akāraṃ ca ākāraṃ ca ikāraṃ saṃsmaret tataḥ ||48||

Dann die Silbe blūṃ und Chandra mit Visarga, darauf die Laute a, ā und i –

Anmerkung: blūṃ in der OCR leicht unsicher; Chandra bleibt als Lautchiffre stehen.

Vers 49
bindunādasamāyuktaṃ vācayet sādhakottamaḥ |
rājadevī rājalakṣmī kramaśastu tataḥ smaret ||49||

– verbunden mit Bindu und Nada spricht sie der vorzügliche Sadhaka. Danach folgen der Reihe nach „Rajadevi“ und „Rajyalakshmi“.

Anmerkung: Zuordnung von Bindu und Nada zu den vorigen Lauten nicht völlig eindeutig; keine gesicherte Gesamtfolge erfunden.

Vers 50
caturdaśasvaropetaṃ bindudvayavibhūṣitam |
candrabījaṃ samuccārya svarṇakūṭaṃ samāharet ||50||

Man spricht das Chandra-Bija, versehen mit dem vierzehnten Vokal und zwei Punkten, und fügt das Svarna-Kuta hinzu.

Anmerkung: Vokalzählung ohne quellenintern gesicherten Schlüssel nicht aufgelöst.

Kutas und weitere Göttinnenformeln

Verschlüsselte Lautgruppen und wiederholte Anrufungen werden der Reihe nach angegeben; einzelne Buchstaben sind beschädigt.

Vers 51
vāṅmāyākāmamātṛśca rājarājeśvari tataḥ |
jvala jvala samābhāṣya śūlini duṣṭagrahaṃ vai ||51||

Vak, Maya, Kama und Matri, danach „Rajarajeshvari“. Dann „Lodere, lodere! Shulini, den schädlichen Graha –“

Anmerkung: Satzfortsetzung in 52; Graha als traditionelle ergreifende Macht.

Vers 52
grasa svāhā samuccārya śūlini ca vadet sudhīḥ |
māyā mahācaṇḍayogeśvari dhrīṃkāramuddharet ||52||

„– verschlinge, Svaha!“ Dann spricht der Kundige „Shulini“, Maya, „Mahachandayogeshvari“ und die Silbe dhrīṃ.

Anmerkung: Bija dhrīṃ in e lesbar; keine wörtliche Bedeutung erfunden.

Vers 53
dāntatāntau vahnisaṃsthau turīyasvarabhūṣitau |
nādabindusamāyuktau tato'strapañcakaṃ smaret ||53||

Die mit da und ta endenden Elemente, auf Vahni stehend, mit dem vierten Vokal versehen und mit Nada und Bindu verbunden; danach fünfmal Astra.

Anmerkung: Verschlüsselte Lauterschließung; die Grundkonsonanten ergeben sich aus der vorliegenden Passage allein nicht zweifelsfrei.

Vers 54
jaya mahācaṇḍayogeśvari viṣṇunitambinī |
trapā kāmatripuṭe ca vāṅmāyānaṅgamātaraḥ ||54||

„Jaya Mahachandayogeshvari“, die Frau Vishnus, Trapa, Kama und Triputa, Vak, Maya, Ananga und Matri –

Anmerkung: Das Kompositum kāmatripuṭe ist nicht eindeutig segmentierbar; keine gesicherte Silbenfolge daraus erstellt.

Vers 55
kṣīṃkāraṃ klīṃkāraṃ caiva siddhilakṣmyai namastataḥ |
kāmamātā bhuvaneśī vāgbhavaśca smaret tataḥ ||55||

– die Silben kṣīṃ und klīṃ, dann „Verehrung der Siddhilakshmi“. Danach Kama, Matri, Bhuvaneshi und Vagbhava.

Vers 56
rājyasiddhilakṣmi coktvā kraṃ śambhuvallabhā |
krodhapāśau kroṃkāraṃ ca strīkāraṃ krodhamuccaret ||56||

Man spricht „Rajyasiddhilakshmi“, kraṃ und Shambhus Geliebte; dann Krodha, Pasha, kroṃ, den strī-Laut und Krodha.

Anmerkung: kraṃ ist in e beschädigt; Lautlesung vorläufig. Shambhuvallabha als Bija-Name bewahrt.

Vers 57
kṣauṃkāraṃ hākāraṃ caiva phaṭkāraṃ tvarite smaret |
nakṣatrakūṭamuccārya candrakūṭaṃ tataḥ smaret ||57||

Kṣauṃ, hā, Phaṭ und „Tvarite“, dann das Nakshatra-Kuta und das Chandra-Kuta.

Anmerkung: Vokalzeichen von hā leicht unsicher; die verschlüsselten Kutas werden nicht aus anderen Texten ergänzt.

Vers 58
tato grahakūṭaṃ caiva tadante ca divākaram |
… kūṭaṃ tato'pi syāt tataḥ kālakūṭaṃ caret ||58||

Dann das Graha-Kuta und Divakara, danach ein beschädigt überliefertes Kuta und das Kala-Kuta.

Anmerkung: Fragment: Name des mittleren Kutas nicht zuverlässig lesbar.

Vers 59
taduttaraṃ pāśa … kūṭaṃ kāmakūṭaṃ taduttaram |
tataḥ paścāddharākūṭaṃ vāruṇaṃ tadanantaram ||59||

Darauf ein mit Pasha bezeichnetes … Kuta, das Kama-Kuta, danach das Dhara-Kuta und das Varuna-Kuta.

Anmerkung: Fragment: Name der ersten Lautgruppe beschädigt; keine vermutete Vollform ergänzt.

Vers 60
cakrakūṭaṃ samābhāṣya padmakūṭaṃ tadanantaram |
śaṅkhavarāhakūṭau darśanānmuktidāyakau ||60||

Man spricht das Chakra-Kuta, danach das Padma-Kuta und die Kutas Shankha und Varaha, die durch ihren Anblick Befreiung verleihen sollen.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält darśanāt. Das Befreiungsversprechen wird dem Text zugeschrieben. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 8829–8833. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 255.

Vers 61
tataḥ smarennṛsiṃhakūṭaṃ sarvaphalapradam |
indrakūṭaṃ samārādhya indraloke mahīyate ||61||

Danach das Nrisimha-Kuta, das alle Früchte verleihen soll. Wer das Indra-Kuta verehrt, soll in Indras Welt geehrt werden.

Anmerkung: Historische Wirkungsverheißung innerhalb der Lauterschließung.

Vers 62
matsyakūṭaṃ tato'pi syāt tato jñeyaṃ triśūlakam |
śaktikūṭaṃ tathoccārya śivaloke vased dhruvam ||62||

Danach das Matsya-Kuta und das Trishula-Kuta. Wer das Shakti-Kuta ausspricht, soll gewiss in Shivas Welt wohnen.

Vers 63
vaiṣṇavakūṭaṃ tathā jñeyaṃ kevalaṃ viṣṇurūpiṇam |
tataḥ lajjākrodhakāmayoṣito vāgbhavaṃ tathā ||63||

Weiter folgt das Vaishnava-Kuta, dessen Wesen allein Vishnu ist. Danach Lajja, Krodha, Kama, Yoshit und Vagbhava –

Vers 64
gāruḍaṃ yoginīṃ tatra śākinīṃ kālikāṃ caret |
tato dharākūṭaṃ jñeyaṃ krodhabījaṃ tataścaret ||64||

– Garuda, Yogini, Shakini und Kalika, dann das Dhara-Kuta und das Krodha-Bija.

Vers 65
tato'ghore siddhiṃ me vai dehi dāpaya saṃsmaret |
vahnijāyā aghore ca … nama ityapi ||65||

Dann „Aghore, gewähre mir Vollendung, lasse sie gewähren“, die Gattin des Feuers, „Aghore“, eine beschädigte Silbe und Namah.

Anmerkung: Fragment: Einzelbija vor namah nicht sicher lesbar.

Vers 66
cāmuṇḍe ca tathoccārya karaṅkiṇi vadet tataḥ |
karaṅkamālādhāriṇi tvaṃ kiṃ kiṃ vilambase tataḥ ||66||

„Chamunde“, dann „Karankini“, „du Skeletttragende“, „du mit einer Girlande aus Skeletten! Warum, warum zögerst du?“

Vers 67
bhagavati tataḥ proktvā śuṣkānani tataḥ smaret |
khaḍgaṃ ca tataḥ procya cāntrakarāvaneti ca ||67||

Dann „Erhabene“, „du mit dem ausgetrockneten Gesicht“, „Schwert“ und eine Anrufung, die Eingeweide und Hände nennt.

Anmerkung: Letztes Kompositum antrakarāvane beschädigt; genaue Gestaltbeschreibung nicht sicher. Alle verlässlich erkennbaren Bestandteile wiedergegeben.

Vers 68
bho bho valga iti procya valgeti vadet tataḥ |
kṛṣṇabhujaṅgaveṣṭitatanulambakapāle vai ||68||

„Ho, ho! Springe, springe!“ Dann „du, deren Leib von schwarzen Schlangen umwunden ist, du mit herabhängendem Schädel“.

Anmerkung: Möglicher Bezug lambakapāla auf eine herabhängende Schädelschale bleibt offen.

Vers 69
vaṣṭa vaṣṭa iti procya haṭa haṭa tadanantaram |
pata pata samuccārya patākā ca tato vadet ||69||

Man spricht „vaṣṭa vaṣṭa“, „haṭa haṭa“, dann „falle, falle“ und danach das Wort „Banner“ –

Anmerkung: Erste Lautwörter nicht sicher wörtlich übersetzbar; nicht nach bekannten Mantraformen verändert. Fortsetzung in 70.

Vers 70
haste jvala jvala procya jvālāmukhi tato vadet |
analanakhakhaṭvāṅgadhāriṇi ca tathoccaret ||70||

„– in der Hand“, „lodere, lodere“, „du mit dem Flammenmund“, dann „du mit Feuernägeln und einem Khatvanga-Stab“.

Anmerkung: Zusammensetzung analanakha/khaṭvāṅgadhāriṇī leicht beschädigt; Bildbestandteile erkennbar.

Vers 71
daha caṭa caṭa iti huṃ huṃ aṭṭāṭṭahāsini |
uḍḍa uḍḍa tato'pi syād … vetālamukhi iti ||71||

„Verbrenne! Caṭ caṭ! Huṃ huṃ! Du laut Lachende!“ Danach „uḍḍa uḍḍa“ … und „du mit dem Vetala-Gesicht“.

Anmerkung: Fragment: Ein Wort vor Vetala-Anrede beschädigt. Die Lautbefehle caṭ/uḍḍa bleiben ohne erfundene eindeutige Bedeutung; huṃ-Vokal leicht unsicher.

Vers 72
aki aki sphuliṅgeti piṅgalākṣi tato'pi ca |
cala cala cālayeti cālayeti tathoccaret ||72||

„Aki aki“, dann „du Funkenhafte“, „du mit gelbbraunen Augen“, „bewege dich, bewege dich; setze in Bewegung, setze in Bewegung“.

Anmerkung: Aki als lesbarer, semantisch ungesicherter Mantralaut bewahrt.

Vers 73
karaṅkamālini procya namo'stu te svāhā tataḥ |
viśvalakṣmi tataścoktvā tāramāye samuccaret ||73||

„Du mit der Skelettgirlande! Verehrung sei dir! Svaha!“ Danach „Vishvalakshmi“, Tara und Maya.

Vers 74
kṣetrapālo vahnisaṃsthaścaturthasvaramastakaḥ |
nādabindusamāyukto bījaṃ samuccaret sudhīḥ ||74||

Der Kundige spricht das Bija Kshetrapala, auf Vahni stehend, mit dem vierten Vokal als Haupt und mit Nada und Bindu verbunden.

Anmerkung: Verschlüsselte Buchstabenanweisung, keine nachträglich gesicherte Silbe.

Vers 75
dādirevaṃ samuccārya rāntaścaivaṃ samāharet |
evaṃ śāntaḥ samāhāryaḥ kālīkrodhau punarvadet ||75||

Ebenso spricht man das mit da beginnende Element, nimmt das mit ra endende und ebenso das mit sha endende; danach Kali und Krodha.

Anmerkung: Die Folge ist als Buchstabenerschließung verständlich, ihre genaue Lautauflösung bleibt unsicher.

Vers 76
astraṃ yantrapramathini … tataḥ smaret |
tato dharāṃ samāhṛtya bījaṃ śṛṇu manoharam ||76||

Astra, „du, die Yantras zerschmettert“, dann eine beschädigte Silbe. Danach nimmt man Dhara; höre nun das bezaubernde Bija –

Anmerkung: Fragment: Einzelbija nach der Anrede beschädigt.

Vers 77
rephaścaiva jakāraśca tadantaśca kramāllikhet |
virūḍhaṃ bījaṃ vijñeyaṃ turīyasvarapūjitam ||77||

– man schreibt der Reihe nach ra und ja sowie das abschließende Element. Das Bija gilt als aufgesetzt beziehungsweise verbunden und mit dem vierten Vokal versehen.

Anmerkung: Wendung virūḍhaṃ bījam ist nicht eindeutig; keine konkrete Lautfolge ergänzt.

Vers 78
nādabinduśirobhrājamuccaredbījamuttamam |
… samābhāṣya … samudīritam ||78||

Man spricht das vorzügliche Bija, dessen Haupt mit Nada und Bindu glänzt. Danach folgen eine beschädigte Anrede und eine beschädigte Silbe.

Anmerkung: Fragment: Zweite Hälfte nicht zuverlässig verständlich; lesbare erste Hälfte übersetzt.

Vers 79
caṇḍayogeśvari kāli śākinī hṛdayaṃ tathā |
caṇḍayogeśvari lajjākrodhāstrāṇi vinirdiśet ||79||

„Chandayogeshvari“, Kali, Shakini und die Herzformel; nochmals „Chandayogeshvari“, dann Lajja, Krodha und Astra.

Vers 80
mahācaṇḍabhairavi ca bhuvaneśīṃ vadet tataḥ |
krodhāstraṃ vahnijāyāṃ ca mahācaṇḍabhairavi vai ||80||

„Mahachandabhairavi“, dann Bhuvaneshi, Krodha, Astra und die Gattin des Feuers, danach nochmals „Mahachandabhairavi“.

Vers 81
vāgbhuvaneśvarīkāmaśākinīvāgbhavānapi |
lajjā ramā tathā caiva uddharet kovido janaḥ ||81||

Der Kundige fügt Vak, Bhuvaneshvari, Kama, Shakini, Vagbhava, Lajja und Rama hinzu.

Vers 82
trailokyavijayā ṅantā hṛdayaṃ vahnivallabhā |
trailokyavijaye caiva vāglajjālakṣmīmanmathāḥ ||82||

Trailokyavijaya in der angegebenen Dativform, die Herzformel und die Geliebte des Feuers; dann die Anrede „Trailokyavijaye“, Vak, Lajja, Lakshmi und Manmatha.

Vers 83
prāsādaṃ jayalakṣmi ca yuddhe me vijayaṃ vadet |
dehi cetyucca prāsādaṃ pāśamaṅkuśaphaṭtrayam ||83||

Prasada und „Jayalakshmi, gewähre mir Sieg im Kampf!“ Danach Prasada, Pasha, Ankusha und dreimal Phaṭ.

Vers 84
vahnistrī jayalakṣmi ca aticaṇḍe tathoccaret |
tathā mahāpracaṇḍeti bhairavi ca tataḥ smaret ||84||

Die Frau des Feuers, „Jayalakshmi“, „Atichande“, „du Überausgewaltige“, dann „Mahaprachande Bhairavi“, „große, äußerst wilde Bhairavi“.

Vers 85
krodhacaṇḍaṃ samābhāṣya aticaṇḍa … kārakau |
yogabījaṃ samābhāṣya … smaret tato'pi ca ||85||

Man spricht Krodha und Chanda, danach Atichanda und ein beschädigtes Lautpaar. Es folgen das Yoga-Bija und eine weitere beschädigte Silbengruppe.

Anmerkung: Fragment: Mehrere Einzelzeichen unzuverlässig; keine Rekonstruktion der vollständigen Formel.

Vers 86
vilikhecca tato yāmyakūṭaṃ paramasiddhidam |
phāntaphastho vahnisaṃsthastataśca ṭhādimuccaret ||86||

Dann schreibt man das Yamya-Kuta, das höchste Vollendung verleihen soll. Es folgt ein mit pha endendes beziehungsweise auf pha und Vahni stehendes Element, danach das mit ṭha beginnende.

Anmerkung: Buchstabenbeziehungen in der zweiten Hälfte beschädigt und nicht eindeutig; deutsche Wiedergabe der lesbaren Anweisung, keine präzise Lautauflösung.

Vers 87
tadante ca mahākūṭamīśasaṃjñaṃ samuccaret |
rephamuccārya dhīrendra … smaret tadantaram ||87||

Am Ende spricht man das große Kuta namens Isha, dann ra, du Höchster der Standhaften, und anschließend eine beschädigte Lautgruppe.

Anmerkung: Fragment: Schlussgruppe nicht sicher lesbar; Anrede dhīrendra in e auffällig, nicht stillschweigend in eine feminine Anrede geändert.

Vers 88
mahāmantreśvari caiva tāratrapāramāsmarān |
prāsādakrodhau vajraṃ ca vadet prastāriṇi dviṭham ||88||

„Mahamantreshvari“, Tara, Trapa, Rama und Smara, Prasada und Krodha, dann „Vajra-Prastarini“ und zweimal ṭha.

Anmerkung: Wortglieder vajra/prastāriṇi in der Quelle getrennt erschlossen; Sinn: Anrede Vajraprastarini.

Katyayani und Chandakapaleshvari

Die Quelle verbindet schreckenerregende Gestaltbeschreibungen mit Schutzbitten und der Einheit von Shiva und Shakti.

Vers 89
vajraprastāriṇi coktvā tāraṃ hrīṃ hṛdayaṃ vadet |
paramabhīṣaṇe coktvā krodhadvayaṃ kramāllikhet ||89||

Nach „Vajraprastarini“ spricht man Tara, hrīṃ und die Herzformel; dann „du höchst Furchterregende“ und schreibt zweimal Krodha.

Vers 90
narakaṅkālamālini coktvā vai śākinīdvayam |
kātyāyani vyāghracarmāvṛtakaṭi vadediti ||90||

„Du mit der Girlande aus Menschenskeletten“, zweimal Shakini, „Katyayani“, „du, deren Hüfte mit Tigerfell bekleidet ist“.

Vers 91
kālīdvayaṃ samuccārya śmaśānacāriṇi vadet |
nṛtya nṛtya gāya gāya hasa hasa krodhadvayam ||91||

Zweimal Kali, dann „du auf dem Verbrennungsplatz Wandelnde! Tanze, tanze! Singe, singe! Lache, lache!“ und zweimal Krodha.

Vers 92
kāraṇādīni saṃlekhya cāṅkuśadvitayamapi |
śavavāhini saṃlekhya māṃ rakṣa rakṣa cetyapi ||92||

Man schreibt die mit Karana beginnenden Elemente und zweimal Ankusha, dann „du auf einer Leiche Reitende! Beschütze mich, beschütze mich!“

Anmerkung: Kāraṇādīni als Bija-Gruppenverweis lesbar, genaue gemeinte Folge unklar.

Vers 93
astradvayaṃ krodhadvayaṃ hṛllekhā vahnikāminī |
kātyāyanī tviti procya vāṅmāyā harisundarī ||93||

Zweimal Astra, zweimal Krodha, Hrillekha und die Geliebte des Feuers; danach „Katyayani“, Vak, Maya und Haris Schöne.

Anmerkung: Hari-Sundari als verschlüsselnder Name bewahrt.

Vers 94
śāntaḥ ṣāntaśca pāntaśca yānto bhagavibhūṣitaḥ |
nādabindusvalaṅkṛtya vadedbījamanuttamam ||94||

Das mit śa endende, das mit ṣa endende, das mit pa endende und das mit ya endende Element, mit Bhaga versehen und mit Nada und Bindu geschmückt: So spricht man das vorzügliche Bija.

Anmerkung: Die Endkonsonanten sind in der OCR leicht unsicher. Bhaga steht in dieser Zeile als Lautchiffre; keine genaue Silbe daraus erfunden.

Vers 95
binduhīnaṃ pretabījaṃ śāntaṃ pāśasamanvitam |
bindunādavibhūṣitaṃ tu vadedbījaṃ taduttaram ||95||

Das Preta-Bija ohne Bindu, ein mit śa endendes Element und Pasha, dann mit Bindu und Nada versehen: Dieses Bija spricht man anschließend.

Anmerkung: Die aufeinanderfolgenden Weglassungs- und Hinzufügungsanweisungen werden nicht geglättet; sie können verschiedene Bestandteile betreffen.

Vers 96
bhāntaṃ binduyutaṃ caiva turīyasvarabhūṣitam |
dādiṃ binduyutaṃ smṛtvā vāmakarṇavibhūṣitam ||96||

Ein mit bha endendes Element, mit Bindu und dem vierten Vokal; danach das mit da beginnende, mit Bindu und der Chiffre „linkes Ohr“ versehen –

Anmerkung: Vokal-/Körperchiffren nicht eigenmächtig aufgelöst.

Vers 97
nakulīśo vahnisaṃsthaḥ pāśabindusamanvitaḥ |
bījaṃ smṛtvā tathā māyāṃ tathā dīrghatanucchadam ||97||

– Nakulisha auf Vahni, verbunden mit Pasha und Bindu. Nach diesem Bija folgen Maya und die mit einem langen Vokal versehene Schutzformel.

Anmerkung: dīrghatanucchada als langer Vokal mit Kavacha-/Schutzbezug verstanden; genaue Lautfolge ungesichert.

Vers 98
yoginīkūṭamuccārya phetkārīkūṭamuccaret |
śivaśaktisamarasacaṇḍakāpāleśvari tataḥ ||98||

Man spricht das Yogini-Kuta und das Phetkari-Kuta, dann „Chandakapaleshvari, in der Shiva und Shakti eines Wesens sind“.

Anmerkung: Samarasa: gleicher Geschmack beziehungsweise Einheit des Erlebens; hier Teil der Gottheitsanrede.

Vers 99
krodhaṃ hṛdayamuccārya caṇḍaṃ vadet tadantaram |
kāpāleśvari coccārya vākkālīmāramātaraḥ ||99||

Krodha und Herzformel, danach die Anrede „Chanda-Kapaleshvari“, dann Vak, Kali, Mara und Matri.

Anmerkung: Mara hier Bija-Name des Liebesgottes, nicht ohne Beleg als buddhistischer Gegenspieler gedeutet.

Vers 100
tataśca khecarīkūṭaṃ kūṭānāṃ kūṭamuttamam |
suvarṇadvitayaṃ procya mahāsuvarṇamityapi ||100||

Danach das Khechari-Kuta, das vorzüglichste der Kutas; zweimal „Suvarna“, „Gold“, und anschließend „Mahasuvarna“, „großes Gold“ –

Anmerkung: Worterschließung setzt sich im nächsten Vers fort.

Vers 101
kūṭeśvarī samābhāṣya vaṭukakūṭaṃ tataḥ smaret |
ramā trapā vāgbhavaśca hṛllekhā vahnisundarī ||101||

Man ergänzt „Kuteshvari“, „Herrin des Kuta“, danach das Vatuka-Kuta, Rama, Trapa, Vagbhava, Hrillekha und die Schöne des Feuers.

Anmerkung: Die Anrede schließt an „Mahasuvarna“ in 100 an. Vatuka-Kuta in der OCR leicht beschädigt.

Vers 102
svarṇakūṭeśvari procya vāglajjā kṛṣṇabhāryakā |
pāśamuccārya deveśi brahmaṇastṛtīyaṃ vadet ||102||

„Svarnakuteshvari“, dann Vak, Lajja und Krishnas Gemahlin. Nach Pasha, Herrin der Götter, spricht man das dritte Element Brahmas –

Anmerkung: Buchstabenchiffre, nicht eine zusätzliche mythologische Gestalt.

Vers 103
binduyuktaṃ dharāsaṃsthaṃ vāmakarṇasamanvitam |
bījametat samuccārya īkāraṃ pāśameva ca ||103||

– mit Bindu versehen, auf Dhara stehend und mit dem linken Ohr verbunden. Nach diesem Bija spricht man ī und Pasha –

Anmerkung: „Linkes Ohr“ verschlüsselt ein Lautglied; nicht aus dem Kontext allein eindeutig auflösbar.

Vers 104
tato nādaṃ samuccārya hṛllekhā bhagavati vadet |
vārtāli dvitayaṃ procya vārāhi dvitayaṃ vadet ||104||

– dann Nada, Hrillekha und „Bhagavati“. Zweimal „Vartali“ und zweimal „Varahi“.

Vers 105
varāhamukhi tathaivoktvā ekāraṃ glūṃkāraṃ tathā |
andhe andhini hṛdayaṃ rundhe rundhini smaret ||105||

„Du mit dem Ebergesicht“, e und glūṃ, dann „Andhe, Andhini“, Anreden der Blindmachenden, die Herzformel und „Rundhe, Rundhini“, Anreden der Hemmenden.

Anmerkung: Vokal und Nasal bei glūṃ leicht unsicher.

Vers 106
hṛllekhā jambhe jambhini ca hṛdayaṃ mohe mohini smaret |
namaḥ stambhe stambhini ca namaḥ sarvaduṣṭe cetyapi ||106||

Hrillekha, „Jambhe, Jambhini“, die Erstarrung bewirkt, die Herzformel, „Mohe, Mohini“, die Verblenderin; Namah, „Stambhe, Stambhini“, die Lähmende, Namah und „alle Böswilligen –“.

Anmerkung: Die Formelanreden werden nach ihrer Ritualfunktion erläutert; keine moderne Anwendung empfohlen.

Vers 107
praduṣṭānāṃ tataścoktvā sarveṣāṃ sarvavākcitta |
cakṣuḥśrotramukhagatijihvāstambhaṃ kurudvayam ||107||

„– und Übelgesinnten: Bewirke, bewirke die Lähmung ihrer gesamten Rede, ihres Denkens, ihrer Augen, Ohren, Münder, Bewegung und Zunge.“

Anmerkung: Satz aus den im Quellvers einzeln erschlossenen Wortgliedern zusammenhängend übersetzt.

Vers 108
śīghraṃ vaśaṃ kuru kuru śīghraṃ vaśaṃ kurudvayam |
vāgbhavaṃ kālībījaṃ ca śrībījaṃ tadanantaram ||108||

„Bringe sie rasch unter Kontrolle, bringe sie unter Kontrolle!“ Dann nochmals die entsprechende zweimalige Unterwerfungsformel; danach Vagbhava, das Kali-Bija und das Shri-Bija.

Anmerkung: Die Wiederholung steht so in der Quelle; nicht stillschweigend auf eine einzige Formel reduziert.

Vers 109
ruṣpañcakaṃ samābhāṣya tārahetuṃ krodhamuccaret |
astraṃ dviṭhaṃ vārtāli ca bhaveddvādaśikāmapi ||109||

Fünfmal Rush, dann Tarahetu und Krodha, Astra, zweimal ṭha und „Vartali“, ferner eine als Dvadashika bezeichnete Gruppe.

Anmerkung: Tarahetu und dvādaśikā sind nicht sicher abgrenzbar; letztere bezeichnet eine Zwölfergruppe oder einen entsprechenden Bija-Namen. Keine zwölf Silben ergänzt.

Vers 110
glūṃ hrīṃ bījaṃ samuccārya vārtāli vārāhi vadet |
hrīṃ glūṃ tāvanusmṛtya dvādaśikaṃ bījamullikhet ||110||

Man spricht die Bijas glūṃ und hrīṃ, dann „Vartali, Varahi“. Darauf hrīṃ und glūṃ und das Dvadashika-Bija.

Anmerkung: Die Vokal- und Nasalzeichen von glūṃ sind im Quellentext leicht beschädigt; keine sichere Lautvorlage behauptet.

Vers 111
caṇḍavārtāli samprocya vāṅmāyāviṣṇuvallabhāḥ |
ākāraṃ glūṃkāraṃ caiva īkāraṃ vārtālidvayam ||111||

„Chandavartali“, Vak, Maya und die Geliebte Vishnus, dann ā, glūṃ, ī und zweimal „Vartali“.

Vers 112
vārāhidvitayaṃ procya śatrūn daha daheti ca |
grasa graseti saṃlekhya caturthabījamuccaret ||112||

Zweimal „Varahi“, dann „Verbrenne die Feinde, verbrenne sie! Verschlinge, verschlinge!“ Darauf spricht man das vierte Bija.

Anmerkung: Das vierte Bija wird nur durch Stellung bezeichnet; nicht aus Erwartung ergänzt.

Vers 113
tata āṃ ca tato glūṃ ca tato huṃ ca phaṭ tathā |
jaya vārtāli sambhāṣya vāṅmāyā harivallabhā ||113||

Dann āṃ, glūṃ, huṃ und Phaṭ; „Jaya Vartali“, Vak, Maya und Haris Geliebte.

Anmerkung: Einzelne Vokalzeichen der Bijas leicht beschädigt, Bedeutungsfunktion als Lautfolge erhalten.

Vers 114
mahābījaṃ samuccārya pretabījaṃ samuccaret |
tāramāyākrodhāścaiva śākinībījamuccaret ||114||

Man spricht das Mahabija und das Preta-Bija, dann Tara, Maya, Krodha und das Shakini-Bija.

Vers 115
rājyaprade samābhāṣya … bījamuccaret |
phetkārībījamuccārya ugracaṇḍe smaret punaḥ ||115||

„Du Herrschaftsverleihende“, dann ein beschädigtes Bija, danach das Phetkari-Bija und „Ugrachande“.

Anmerkung: Fragment: Einzelbija nach rājyaprade nicht zuverlässig lesbar.

Vers 116
raṇamardini sambhāṣya krodhaṃ ca śākinīṃ vadet |
yoginīṃ ca vadhūbījaṃ sadeti rakṣa rakṣa ca ||116||

„Du, die im Kampf zermalmt“, Krodha, Shakini, Yogini und das Vadhu-Bija; dann „immer“ und „beschütze, beschütze“.

Anmerkung: sadeti als sadā iti verstanden, Vokallänge unsicher.

Vers 117
… māṃ … saṃ sargāntameva ca |
mṛtyuhare namaḥ procya vahnijāyāṃ dvibindukam ||117||

… „mich“ …, saṃ und eine mit Sarga beziehungsweise Visarga endende Form; dann „Verehrung, du den Tod Hinwegnehmende“, die Gattin des Feuers und die Angabe zweier Punkte.

Anmerkung: Fragment: Erste Hälfte stark beschädigt; genaue Reihenfolge und Grundzeichen der Lautanweisungen nicht gesichert.

Vers 118
smaredugracaṇḍe caiva vāgbhavaṃ … punaḥ |
… kūṭamuccārya phetkārīkūṭamuddharet ||118||

Man spricht „Ugrachande“, Vagbhava …, danach ein beschädigt benanntes Kuta und das Phetkari-Kuta.

Anmerkung: Fragment: Die Quelle zeigt selbst eine Strichlücke; Name des folgenden Kutas ebenfalls beschädigt. Kein Vers als Ganzes ausgelassen.

Vers 119
vāmanetrayutaṃ bījaṃ bhajatāṃ kāmadaṃ mahat |
tāramāyā … krodhaṃ ca śākinīṃ caret ||119||

Das große Bija ist mit dem linken Auge versehen und soll den Verehrern Wünsche erfüllen. Dann Tara, Maya, eine beschädigte Lautgruppe, Krodha und Shakini.

Anmerkung: Fragment: hasapha-artige Lautfolge in e nicht zuverlässig lesbar; nicht zu einer bekannten Silbe normalisiert.

Vers 120
ugracaṇḍe samābhāṣya bījaṃ caṇḍeśvaraṃ tataḥ |
mahāpretaṃ samābhāṣya vahnerbhāryāṃ likhet tataḥ ||120||

„Ugrachande“, dann das Chandeshvara-Bija, Mahapreta und die Gattin des Feuers.

Vers 121
śmaśānogracaṇḍe ityuktvā vāgbhavapañcakaṃ vadet |
tataśca phetkārīkūṭaṃ vāmanetrayutaṃ smaret ||121||

Nach „Shmashanograchande“ spricht man fünfmal Vagbhava, dann das Phetkari-Kuta mit der Chiffre des linken Auges.

Vers 122
amṛtākhyaṃ tataḥ smṛtvā ḍākinīṃ vāmanetrikām |
phetkārīṃ ca tato devi vāmanetravibhūṣitām ||122||

Dann das Amrita Genannte, Dakini mit dem linken Auge und Phetkari, ebenfalls mit dem linken Auge versehen, Göttin.

Anmerkung: Lautchiffren, nicht zusätzliche anatomische Beschreibungen der Göttinnen.

Vers 123
rudracaṇḍā caturthyantā sānuhṛdvahnivallabhā |
sambuddhyantā rudracaṇḍā vāgbhavapañcakaṃ punaḥ ||123||

Rudrachanda im Dativ, Sanu, Herzformel und die Geliebte des Feuers; dann Rudrachanda als Anrede und wiederum fünfmal Vagbhava.

Vers 124
phetkārīkūṭaṃ tato devi vāmanetravibhūṣitam |
caṇḍakūṭaṃ samābhāṣya ḍākinībījamuddharet ||124||

Danach das Phetkari-Kuta, Göttin, mit dem linken Auge versehen; das Chanda-Kuta und das Dakini-Bija.

Vers 125
dharākūṭaṃ samābhāṣya turīyasvarabhūṣitam |
pracaṇḍāyai tataścoktvā hṛdayaṃ vahnivallabhā ||125||

Das Dhara-Kuta mit dem vierten Vokal, dann „der Prachanda“, die Herzformel und die Geliebte des Feuers.

Anmerkung: Dativendung in e beschädigt, durch die Formelanordnung gestützt.

Vers 126
pracaṇḍe vāgbhavaṃ pañca phetkārīṃ māyayā yutām |
sandhikūṭaṃ tataścoktvā ṅantā hi caṇḍanāyikā ||126||

„Prachande“, fünfmal Vagbhava, Phetkari mit Maya, dann das Sandhi-Kuta und Chandanayika in der angegebenen Dativform.

Vers 127
… kāraṃ ca samuccārya namaḥ svāhe tataḥ param |
tataścaṇḍanāyike ca vāgbhavapañcakaṃ tataḥ ||127||

Man spricht eine beschädigte Silbe, dann Namah und Svaha; danach „Chandanayike“ und fünfmal Vagbhava.

Anmerkung: Fragment: Erstes Lautzeichen beschädigt; Versnummer nach der eindeutigen Folge normalisiert.

Vers 128
tathaiva phetkārīkūṭaṃ kūṭaṃ ca brahmanirmitam |
caṇḍeśvaraṃ tato devi vāmākṣibindusaṃyutam ||128||

Ebenso das Phetkari-Kuta, das von Brahma geschaffene Kuta und Chandeshvara, Göttin, mit linkem Auge und Bindu verbunden.

Vers 129
mahāpretaṃ samuccārya klīṃ … vahnivallabhā |
caṇḍe coktvā mahādevi vāgbhavapañcakaṃ vadet ||129||

Mahapreta, klīṃ, eine beschädigte Gruppe und die Geliebte des Feuers; dann „Chande“ und fünfmal Vagbhava, große Göttin.

Anmerkung: Fragment: Gruppe zwischen klīṃ und Abschluss beschädigt.

Vers 130
phetkārīkūṭaṃ tatheśāni nādaṃ vāmākṣisaṃyutam |
caṇḍavatyai tataścoktvā … hṛdayaṃ tathā ||130||

Das Phetkari-Kuta, Herrin, mit Nada und linkem Auge; danach „der Chandavati“, eine beschädigte zusammengesetzte Silbe und die Herzformel.

Anmerkung: Fragment: kṣamla-artiges Bija beschädigt; keine gesicherte Lautform.

Vers 131
svāhā caṇḍavati coktvā vāgbhavapañcakaṃ punaḥ |
phetkārīkūṭaṃ tathā devi vāyukūṭaṃ tato vadet ||131||

Svaha, „Chandavati“, nochmals fünfmal Vagbhava; dann das Phetkari-Kuta und das Vayu-Kuta, Göttin.

Vers 132
ḍākinīṃ ca tato devi vāmanetravibhūṣitām |
atipretaṃ samārādhya cāticaṇḍāṃ maheśvari ||132||

Danach Dakini mit dem linken Auge, Göttin; nach der rituellen Einbeziehung von Atipreta nennt man Atichanda, höchste Herrin –

Vers 133
caturthyantāṃ ca hṛdayamamṛtaṃ bījamuddharet |
namaḥ svāhe cāticaṇḍe vāgbhavapañcakaṃ caret ||133||

– im Dativ, dann die Herzformel und das Amrita-Bija. Namah, Svaha, „Atichande“ und fünfmal Vagbhava.

Vers 134
phetkārīkūṭaṃ deveśi śmaśānakūṭakaṃ punaḥ |
ḍākinīṃ ca samābhāṣya vāmanetravibhūṣitām ||134||

Das Phetkari-Kuta, Herrin der Götter, danach das Shmashana-Kuta und Dakini, mit dem linken Auge versehen –

Vers 135
mahāpretaṃ tathoccārya caṇḍikāyai smaret tataḥ |
raudrabījaṃ samuccārya namaḥ svāhe tataḥ param ||135||

– dann Mahapreta, „der Chandika“, das Raudra-Bija, Namah und Svaha.

Vers 136
caṇḍike ca tathoccārya vāgbhavapañcakaṃ punaḥ |
phetkārīkūṭaṃ coccārya … tadanantaram ||136||

Nach „Chandike“ wiederum fünfmal Vagbhava, das Phetkari-Kuta und eine beschädigte Silbengruppe.

Anmerkung: Fragment: Schlussbija nicht zuverlässig lesbar.

Vers 137
kāmakrodhau … tadanantaram |
kātyāyanyai … kāmadāyinyai tataḥ param ||137||

Kama und Krodha, danach beschädigte Lautgruppen; „der Katyayani“, eine weitere beschädigte Silbe und „der Wunscherfüllenden“.

Anmerkung: Fragment: Mehrere Bijas beschädigt; die lesbaren Namen und grammatischen Bezüge vollständig bewahrt.

Vers 138
huṃkāraṃ ca namaḥ svāhe jvālākātyāyani tataḥ |
vāgbhavān pañca saṃlikhya kāmakrodhau ramā tataḥ ||138||

Huṃ, Namah und Svaha, dann „Jvalakatyayani“. Man schreibt fünfmal Vagbhava, danach Kama, Krodha und Rama.

Vers 139
drāvaṇaṃ ca samuccārya mahiṣamardini tataḥ |
śrīṃkāraṃ caiva deveśi vāgbhavāḥ pañca eva ca ||139||

Dravana, danach „Mahishamardini“, śrīṃ und fünfmal Vagbhava, Herrin der Götter.

Anmerkung: Vokalzeichen von śrīṃ in e leicht beschädigt.

Vers 140
unmattamahiṣamardini ca tataḥ param |
tato vāgbhavān pañca nakṣatrakūṭaṃ saṃlikhet ||140||

Danach „Unmattamahishamardini“, „berauschte Bezwingerin des Büffeldämons“, fünfmal Vagbhava und das Nakshatra-Kuta.

Anmerkung: Erste Hälfte im Quellentext metrisch verkürzt; keine Ergänzung aus Vermutung.

Vers 141
śaṅkhakūṭaṃ tataścoktvā mahāmaheśvari vadet |
tataśca tumbureśvari vahnijāyā tataḥ param ||141||

Das Shankha-Kuta, dann „Mahamaheshvari“, „Tumbureshvari“ und die Gattin des Feuers.

Vers 142
tumbureśvari tataścoktvā tāratrape tataḥ param |
kāmakrodhāmṛtāṃścaiva pāśaṃ vāgbhavameva ca ||142||

Dann „Tumbureshvari“, Tara und Trapa, Kama, Krodha und Amrita, Pasha und Vagbhava –

Vers 143
krodhapretau śākinī ca caitanyabhairavi tathā |
śākinī ca pretāṅkuśau pāśavāgamṛtakrodhāḥ ||143||

– Krodha und Preta, Shakini und „Chaitanyabhairavi“, danach Shakini, Preta und Ankusha, Pasha, Vak, Amrita und Krodha.

Vers 144
kāmamāye tārāstre ca dviṭhaścaitanyabhairavi |
vāgbhavāḥ pañca ca tadā tadā muṇḍamadhumatī ||144||

Kama und Maya, Tara und Astra, zweimal ṭha und „Chaitanyabhairavi“; dann fünfmal Vagbhava und Mundamadhumati –

Anmerkung: Mundamadhumati als zusammenhängende Gottheitsbezeichnung der Formel gelesen; keine sichere Etymologie behauptet.

Vers 145
caturthyantā samuccārya tathaiva śaktibhūtinī |
tato māyātrayaṃ coktvā phaṭkāraṃ madhumatyapi ||145||

– im Dativ. Ebenso Shaktibhutini; dann dreimal Maya, Phaṭ und „Madhumati“ –

Anmerkung: Die Verbindung śakti-bhūtinī kann auch zwei Bija-Namen bezeichnen; Zuordnung unsicher.

Vers 146
sambuddhyantā samuccārya vada vada tataḥ param |
vāgvādini pretabījaṃ bindunādasamanvitam ||146||

– als Anrede, dann „Sprich, sprich! Vagvadini!“ und das Preta-Bija mit Bindu und Nada –

Vers 147
visargahīnaṃ coccārya klinnakledini tataḥ param |
mahākṣobhaṃ kuru tadā pretabījamataḥ param ||147||

– ohne Visarga. Danach „du Feuchte, Befeuchtende, bewirke große Erschütterung!“ und das Preta-Bija.

Anmerkung: Klinna/Kledini sind Anredeglieder; keine moderne psychologische Praxis daraus abgeleitet.

Vers 148
vāgvādinī bhairavi ca māyā ca śākinī tathā |
… samuccārya kāmabījaṃ tataḥ param ||148||

„Vagvadini“, „Bhairavi“, Maya und Shakini, dann eine beschädigte Silbe und das Kama-Bija.

Anmerkung: Fragment: Einzelbija in der zweiten Hälfte nicht zuverlässig lesbar.

Vers 149
pūrṇeśvari sarvakāmān pūrayānu tāraṃ likhet |
astraṃ svāhā pūrṇeśvari sambodhyantā tataḥ param ||149||

„Purneshvari, erfülle alle Wünsche!“ Dann Tara, Astra, Svaha und erneut die Anrede „Purneshvari“.

Vers 150
vāgbhavapañcakaṃ caiva raktarakte tato likhet |
mahāraktacāmuṇḍeśvari caiva tataḥ param ||150||

Fünfmal Vagbhava, dann „Raktarakte“, „Rote, Rote“, und „Maharaktachamundeshvari“.

Anmerkung: Die genaue Worttrennung rakta/rakte ist in e unsicher; keine zusätzliche Silbe ergänzt.

Vers 151
avataradvayaṃ caiva vahnipatnī tadā priye |
tato raktacāmuṇḍeśvari saṃlikhya maheśi ||151||

Zweimal „Steige herab“, dann die Gattin des Feuers, Geliebte; danach schreibt man „Raktachamundeshvari“, große Herrin.

Vers 152
tāratrapāramāstripurāvāgīśvarī tathā |
ṅantā namaḥ samuccārya purā vāgīśvari tathā ||152||

Tara, Trapa und Rama, dann Tripuravagishvari im Dativ und Namah; darauf die Anrede „Puravagishvari“.

Anmerkung: Die zweite Namensform in e ohne tri; nicht stillschweigend an die erste angeglichen.

Vers 153
hasaṃ bījaṃ tadā devi kūṭaṃ māraṃ tathā param |
mahāpretaṃ tataḥ kālabhairavi ca tataḥ param ||153||

Dann das Bija hasaṃ, Göttin, das Mara-Kuta, Mahapreta und die Anrede „Kalabhairavi“.

Anmerkung: hasaṃ aus der lesbaren Schriftform; genaue Lautrealisation nicht unabhängig gesichert.

Vers 154
niśākūṭakūrcakūṭau tuṅgapratuṅgakūṭakau |
caṇḍavāruṇi samprocya tāramaghore ca tadā ||154||

Nisha-Kuta und Kurcha-Kuta, Tunga- und Pratunga-Kuta, dann „Chandavaruni“, Tara und „Aghore“.

Vers 155
pāśayuktaṃ hakāraṃ ca ghore tadanu vadet |
trapā ghoraghoratare dīrghatanucchadaṃ tataḥ ||155||

Ha, mit Pasha verbunden, dann „Ghore“, Trapa und „du Schreckliche, noch Schrecklichere“; danach die mit langem Vokal versehene Schutzformel.

Anmerkung: tanucchada bezeichnet hier den Kavacha-Abschluss in verschlüsselter Form; genaue Vokalverbindung nicht aufgelöst.

Vers 156
sarvataḥ sarvasarve ca hakāraṃ ca tataḥ priye |
namaste rudrarūpe ca … visargau tataḥ śṛṇu ||156||

„Überall, alles, alles“, dann ha, Geliebte, „Verehrung dir, Rudra-Gestaltige“ und eine beschädigte Lautangabe mit Visarga.

Anmerkung: Fragment: Anfangsanrede sarvataḥ sarvasarve sowie Schlusslaut beschädigt; verständliche Begriffe bewahrt.

Vers 157
praṇavaṃ ca tathā ghore trapālakṣmyaṅkuśā api |
kāmāṅganā vāgbhavāśca gāruḍaṃ yoginī priye ||157||

Pranava, „Ghore“, Trapa, Lakshmi und Ankusha; Kama, Angana, Vagbhava, Garuda und Yogini, Geliebte.

Anmerkung: Kama/Angana aus leicht beschädigter Folge normalisiert; keine konkrete Lautsilbe ergänzt.

Vers 158
śākinī ca kālabījaṃ phetkārī tadanantaram |
krodhabījamaghore ca siddhiṃ me dehi dāpaya ||158||

Shakini, das Kala-Bija, Phetkari und das Krodha-Bija; „Aghore, gewähre mir Vollendung, lasse sie gewähren.“

Anmerkung: Kala-Bija in e; nicht stillschweigend zu Kali-Bija geändert.

Vers 159
vahnijāyāṃ tato dadyād … ghore vadet |
tāramāye śākinī ca krodhabījaṃ ca pārvati ||159||

Danach die Gattin des Feuers, eine beschädigte Wortgruppe, „Ghore“, Tara, Maya, Shakini und das Krodha-Bija, Parvati.

Anmerkung: Fragment: Glied zwischen Abschluss und Anrede beschädigt.

Vers 160
mahādigambari tadā vāgramāsmarapāśakāḥ |
muktakeśi caṇḍāṭṭahāsini yoginī tathā ||160||

„Mahadigambari“, „große Nackte, mit den Himmelsrichtungen Bekleidete“, dann Vak, Rama, Smara und Pasha; „du mit gelöstem Haar“, „du wild und laut Lachende“ und Yogini.

Vers 161
vadhūkālyamṛtānyuktvā muṇḍamālini saṃvadet |
tatastāraṃ vahnijāyāṃ digambari ca tārakam ||161||

Vadhu, Kali und Amrita, dann „du mit der Kopf-Girlande“, Tara und die Gattin des Feuers; „Digambari“ und wiederum Tara.

Vers 162
vāktrapākāmakamalākāleśvari tato haret |
sarvamukhastambhini ca sarvajanamanohari ||162||

Vak, Trapa, Kama und Kamala, dann „Kaleshvari“, „du, die jeden Mund lähmt“, „du, die den Geist aller Menschen gewinnt“ –

Anmerkung: Erstes Attribut sarvamukha in e leicht beschädigt.

Vers 163
sarvajanavaśaṅkari sarvaduṣṭanimardini |
sarvastrīpuruṣākarṣiṇi chindhi śṛṅkhalāṃ tataḥ ||163||

– „du, die alle Menschen unter ihre Macht bringt, alle Böswilligen zermalmt und alle Frauen und Männer anzieht; durchtrenne die Kette!“

Vers 164
troṭayadvitayaṃ procya sarvaśatrūn vadet priye |
jambhayadvitayaṃ coktvā dviṣāṃ nirdalayadvayam ||164||

Zweimal „Zerbrich!“, dann „alle Feinde“, Geliebte; zweimal „Hemme!“, danach zweimal „Zermalme!“ gegen die Gegner.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält jambhaya zweimal. Historische aggressive Befehlsformel. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 9136–9139. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 255.

Vers 165
sarvān stambhaya dvitayaṃ mohanāstreṇa dveṣiṇaḥ |
uccāṭayadvayaṃ proktvā sarvavaśyaṃ kurudvayam ||165||

„Alle lähme, lähme! Mit der Waffe der Verblendung vertreibe, vertreibe die Hassenden!“ Dann: „Bringe alle unter Kontrolle, bringe sie unter Kontrolle!“

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält mohanāstreṇa und das Anschlusswort proktvā. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 9140–9143. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 255.

Vers 166
vahnipatnī dehi yugaṃ tataḥ sarvaṃ smaret priye |
kālarātryai kāminyai ca gaṇeśvaryai namastadā ||166||

Die Gattin des Feuers, zweimal „gewähre“ und „alles“, Geliebte; dann „Verehrung der Kalaratri, der Kamini und der Ganeshvari“.

Anmerkung: Die drei Dative können auch Attribute derselben Göttin sein; keine getrennten Ritualempfänger behauptet.

Vers 167
kālarātri tataścoktvā tāravāgbhavapāśakāḥ |
tataḥ kalārāmakalāṃ sabinduṃ śṛṇu pārvati ||167||

„Kalaratri“, dann Tara, Vagbhava und Pasha. Danach eine aus Kala, Rama und Kala bezeichnete Folge mit Bindu; höre, Parvati.

Anmerkung: Mittlere Lautchiffre kalārāmakalā unsicher gegliedert; keine konkrete Silbe ergänzt.

Vers 168
ehyehi bhagavati tataḥ kirāteśvari tataḥ param |
vipinakusumāvataṃsini karṇe tataḥ priye ||168||

„Komm, komm, Erhabene, Kirateshvari, Herrin der Bergjäger! Du mit Waldblumen als Ohrschmuck“, Geliebte –

Vers 169
bhujaganirmokakañcukini māyādvayaṃ tataḥ |
sabindukaṃ dvayaṃ ca kahadvayaṃ jvaladvayam ||169||

– „du mit einem Gewand aus abgestreifter Schlangenhaut“, dann zweimal Maya, eine zweimalige Bindu-Angabe, zweimal „kaha“ und zweimal „lodere“.

Anmerkung: Grundsilbe zur Bindu-Anweisung wird in der lesbaren Passage nicht eindeutig genannt; nicht aus Vermutung ergänzt.

Vers 170
prajvaladvitayaṃ devi sarvasiddhiṃ dadadvayam |
dehidvayaṃ dāpaya ca sarvaśatrūn dahadvayam ||170||

Zweimal „Lodere hell“, Göttin, „gewähre alle Vollendungen, gewähre sie“, zweimal „gib“, „lasse geben“ und „verbrenne alle Feinde, verbrenne sie“.

Vers 171
bandhadvayaṃ … dvayaṃ mathadvayaṃ maheśvari |
vidhvaṃsayadvayaṃ procya kavacatritayaṃ tataḥ ||171||

Zweimal „Binde“, zweimal ein beschädigtes Wort, zweimal „zermalme“, höchste Herrin; zweimal „zerstöre“, dann dreimal die Kavacha-Formel.

Anmerkung: Fragment: Ein Befehlswort in der ersten Hälfte beschädigt; keine Ergänzung anhand der Nachbarbefehle.

Vers 172
astrahṛdvahnibhāryā ca kirāteśvari saṃvadet |
vāgbhavapañca ca tathā vajrakubjike tataḥ smaret ||172||

Astra, Herzformel und die Gattin des Feuers, dann „Kirateshvari“, fünfmal Vagbhava und „Vajrakubjike“.

Anmerkung: Kubjika in der OCR wiederholt als kuljika; hier leicht erkennbare Namensnormalisierung, nicht jede abweichende Namensform im Werk pauschal verändert.

Vers 173
pralayabījaṃ prāṇeśi trailokyākarṣiṇi tataḥ |
trapā kāmāṅgadrāviṇi smarāṅgaṇe tato'naghe ||173||

Das Pralaya-Bija, Herrin des Lebens, danach „du, die die drei Welten anzieht“, Trapa, „du, die den Leib durch Verlangen zum Schmelzen bringt“, und „Smarangane“, Makellose.

Anmerkung: Smarangana, etwa „Frau des Liebesgottes“, ist unsicher gelesen; keine detaillierte sexuelle Handlung aus dem Namen abgeleitet.

Vers 174
mahākṣobhakāriṇi tato vāgbhavo mīnaketanaḥ |
dvibindukaścandrabījaścaturdaśasvarānvitaḥ ||174||

„Du, die große Erschütterung bewirkt“, dann Vagbhava, Minaketana, das Chandra-Bija mit zwei Punkten und dem vierzehnten Vokal.

Anmerkung: Minaketana, „mit dem Fischbanner“, ist hier verschlüsselnder Bija-Name des Liebesgottes.

Vers 175
dvibindukaṃ punaścandraṃ tato vajrakubjike ca |
namo bhagavati tadā tato ghore maheśvari ||175||

Nochmals Chandra mit zwei Punkten, dann „Vajrakubjike“, „Verehrung, Erhabene“, „Furchtbare, höchste Herrin“.

Vers 176
bhogabījaṃ tato devi śrīkubjike tataḥ param |
sānubījaṃ sakāraṃ jīvārūḍhaṃ rephānvitam ||176||

Das Bhoga-Bija, Göttin, danach „Shrikubjike“, das Sanu-Bija, sa auf Jiva und mit ra verbunden –

Anmerkung: Körper- und Gottheitswörter hier als Lautchiffren bewahrt.

Vers 177
kalayā bhūṣitaṃ jñeyaṃ taduttaraṃ śṛṇu priye |
bījaṃ tat parameśāni vāmakarṇavibhūṣitam ||177||

– und mit Kala versehen. Höre die Fortsetzung, Geliebte: Dieses Bija, höchste Herrin, ist mit dem linken Ohr versehen.

Vers 178
ṅanaṇanama uccārya aghorāmukhi tatparam |
chakāraṃ bindusahitamādyadīrghatrayānvitam ||178||

Man spricht die Lautfolge „ṅa na ṇa na ma“, dann „Aghoramukhi“. Cha mit Bindu wird mit den ersten drei langen Vokalen verbunden –

Anmerkung: Die ungewöhnliche Lautfolge ist so in e erkennbar, aber nicht als sichere Rezitationsfassung bestätigt; kein vertrauter Mantra dafür eingesetzt.

Vers 179
krameṇa trīṇi bījāni saṃlikhya prāṇavallabhe |
kilidvayaṃ tato vicce pādukāṃ pūjayāmyapi ||179||

– und man schreibt so der Reihe nach drei Bijas, Geliebte meines Lebens. Danach zweimal „kili“, „vicce“ und „ich verehre die Paduka“.

Anmerkung: Kili/vicce als Formelwörter ohne erfundene wörtliche Bedeutung; Paduka: verehrte Fußzeichen beziehungsweise Sandalen.

Vers 180
namaḥ samayakubjike tāramedhatrapāsmarāḥ |
śākinī pralayaścaiva phetkārī tadanantaram ||180||

Namah, „Samayakubjike“, Tara, Medha, Trapa und Smara, Shakini, Pralaya und Phetkari.

Vers 181
bhāsākhyakūṭaṃ tato devi caturthasvarabhūṣitam |
ṣaṣṭhasvaravihīnaṃ ca bhagavati vadet tataḥ ||181||

Dann das Kuta namens Bhasa, Göttin, mit dem vierten Vokal und ohne den sechsten; danach „Bhagavati“.

Anmerkung: Vokalersetzung als Quellenanweisung bewahrt, nicht selbstständig ausgeführt.

Vers 182
vicce ghore tato'pi syāt phetkārī vāgbhavānvitā |
śrīkubjike tataḥ paścāt sānubījaṃ tataḥ param ||182||

„Vicce, Ghore“, dann Phetkari mit Vagbhava, „Shrikubjike“ und das Sanu-Bija.

Vers 183
tadeva ṣaṣṭhasvareṇa samuddharenmaheśvari |
pretabījaṃ visargahīnaṃ ṅajaṇanama ityapi ||183||

Dasselbe erschließt man mit dem sechsten Vokal, höchste Herrin. Dann das Preta-Bija ohne Visarga und die Lautfolge „ṅa ja ṇa na ma“.

Anmerkung: Die Lautfolge weicht von 178 ab und ist leicht beschädigt; nicht stillschweigend harmonisiert.

Vers 184
aghorāmukhi tadā chasya bījatrayaṃ tathā |
kili kili tato vicce kāminī krodha eva ca ||184||

„Aghoramukhi“, dann die drei cha-Bijas, „kili kili“, „vicce“, Kamini und Krodha.

Vers 185
pretabījaṃ pādukāṃ ca pūjayāmi namaḥ svāhā |
mokṣakubjike tato'pi syānnamo bhagavati tathā ||185||

Das Preta-Bija, „ich verehre die Paduka“, Namah und Svaha; dann „Mokshakubjike“ und „Verehrung, Erhabene“.

Vers 186
siddhe tadā maheśāni pralayatrayamuddharet |
dīrghādyatrayasaṃyuktaṃ kubjike tadanantaram ||186||

„Siddhe“, dann, große Herrin, dreimal Pralaya, verbunden mit den ersten drei langen Vokalen, und „Kubjike“.

Vers 187
sānutrayaṃ tathā devi dīrghatrayavibhūṣitam |
khage tato vāgbhavaśca aghore tadanantaram ||187||

Dreimal Sanu, Göttin, versehen mit den drei langen Vokalen, dann „Khage“, Vagbhava und „Aghore“.

Anmerkung: Khaga, „im Raum Gehende“, hier Anrede beziehungsweise Formelglied; keine eindeutige zoologische Deutung erzwungen.

Vers 188
aghorāmukhi tataḥ kili dvayaṃ tathoddharet |
vicce pādukāṃ coktvaiva pūjayāmi namastataḥ ||188||

„Aghoramukhi“, zweimal „kili“, „vicce“ und „ich verehre die Paduka“, danach Namah.

Vers 189
bhogakubjike tathaiva medhatrapāramāstathā |
phetkārī ca jīvaṣāntau vahnyārūḍhau tārānvitau ||189||

„Bhogakubjike“, Medha, Trapa und Rama, Phetkari, Jiva und das mit ṣa endende Element, beide auf Vahni und mit Tara verbunden.

Anmerkung: jīva-ṣāntau unsicher segmentiert; keine scheinbar sichere Lautformel.

Vers 190
bhagavatyamba tataḥ kūṭaṃ prābhātikaṃ tataḥ |
punastadeva kūṭaṃ syāt sakārādyaṃ ca cintayet ||190||

„Erhabene Mutter“, dann das Prabhatika-Kuta, danach dasselbe Kuta noch einmal, diesmal mit sa am Anfang.

Vers 191
kubjikāyai tathoccārya nakulīśasakārakau |
brahmendragaurī ca tadā binduṃ ca kalayānvitam ||191||

„Der Kubjika“, dann Nakulisha und sa, Brahma, Indra und Gauri sowie Bindu mit Kala.

Anmerkung: Die Gruppierung Brahma/Indra/Gauri ist in der OCR leicht beschädigt; keine sichere kombinierte Silbe behauptet.

Vers 192
jīvaścandraśca brahmā ca ekādaśasvarastathā |
gaurībījaṃ pare dattvā ṣaṣṭhasvaravibhūṣitam ||192||

Jiva, Chandra und Brahma, der elfte Vokal; danach das Gauri-Bija, versehen mit dem sechsten Vokal.

Vers 193
tato ṅanaṇanameti aghorāmukhi saṃlikhet |
pūrvavattrīṇi bījāni chakārasya samuddharet ||193||

Dann schreibt man „ṅa na ṇa na ma“, „Aghoramukhi“ und erschließt die drei cha-Bijas wie zuvor.

Anmerkung: Lautfolge entsprechend e, mit unsicheren Einzelzeichen; nicht zu einer vertrauten Formel verändert.

Vers 194
kili kili tato vicce mānuṣāntau rephārūḍhau |
tārānvitau phetkārī ca ramā māyā medhā api ||194||

„Kili kili“, „vicce“, zwei mit Manusha endende Elemente auf ra und mit Tara verbunden, dann Phetkari, Rama, Maya und Medha.

Anmerkung: Mānuṣāntau in e unsicher; genaue Grundelemente nicht zuverlässig aus der Chiffre auflösbar.

Vers 195
tato jaya kubjike hi medhamāyāramāstathā |
tataḥ sādyapralayaṃ ca pretaṃ visargahīnakam ||195||

„Jaya Kubjike“, Medha, Maya und Rama, dann Pralaya mit sa am Anfang und Preta ohne Visarga –

Vers 196
binduyuktaṃ tataḥ paścād bhagavatyamba ityapi |
tataḥ prābhātikaṃ kūṭaṃ sādyena tadu dvitīyakam ||196||

– aber mit Bindu. Danach „Erhabene Mutter“, das Prabhatika-Kuta und als zweites dasselbe mit sa am Anfang –

Vers 197
vāmakarṇavihīnaṃ ca kalayā maṇḍitaṃ priye |
kubjike ca tataścoktvā bālākūṭaṃ tataḥ param ||197||

– ohne die Chiffre des linken Ohres und mit Kala geschmückt, Geliebte. Danach „Kubjike“ und das Bala-Kuta.

Vers 198
tatkūṭaṃ ca dvayaṃ lekhyaṃ turīyaṣaṣṭhabhūṣitam |
tato naṇanamaṃ aghorāmukhi saṃvadet ||198||

Dieses Kuta schreibt man zweimal, mit dem vierten beziehungsweise sechsten Vokal versehen. Dann die Lautfolge „na ṇa na ma“ und „Aghoramukhi“.

Anmerkung: Die kürzere Lautfolge ist so in e vorhanden; nicht nach 178 ergänzt.

Vers 199
chāṃ chīṃ kili kili tato vicce'straṃ vahnivallabhā |
krodhāstraṃ vahnipatnī ca hṛdvāktritayaṃ tataḥ ||199||

Chāṃ chīṃ, „kili kili“, „vicce“, Astra und die Geliebte des Feuers, dann Krodha, Astra, die Gattin des Feuers sowie Herzformel und dreimal Vak.

Anmerkung: Zuordnung der Dreierzahl zu hṛd-vāk nicht ganz eindeutig; keine lautliche Auffüllung.

Vers 200
tataḥ siddhikubjike ca medhamāyāramā api |
pralayaṃ pretabījaṃ tato devi kūṭaṃ vārāhikaṃ tataḥ ||200||

Dann „Siddhikubjike“, Medha, Maya und Rama, Pralaya, das Preta-Bija und, Göttin, das Varahika-Kuta.

Vers 201
sādyaṃ tadeva kūṭaṃ syād dvitīyaṃ parameśvari |
rephasthāḥ saha pāntāśca kalābindusamanvitāḥ ||201||

Dasselbe Kuta mit dem ersten Laut bildet das zweite, höchste Göttin. Die auf Repha gesetzten Laute, darunter die als „pa-anta“ bezeichneten, werden mit Kala und Bindu verbunden.

Anmerkung: Die Lautgruppe sahapāntāḥ ist unsicher; keine daraus errechnete Bija-Folge.

Vers 202
ṣaṣṭhasvaravihīnaṃ tu kalābījena bhūṣitam |
etadbījaṃ samābhāṣya kubjike tadanantaram ||202||

Es ist ohne den sechsten Vokal, aber mit dem Kala-Bija versehen. Nach diesem Bija spricht man „Kubjike“.

Vers 203
māyādvayamāgacchadvayaṃ tatra vicintayet |
āveśayadvayaṃ procya vedhayadvayamāharet ||203||

Man fügt zweimal Maya und zweimal „Komm!“ hinzu; dann zweimal „Durchdringe!“ beziehungsweise „Lass eintreten!“ und zweimal „Durchbohre!“.

Anmerkung: Āveśaya bezeichnet hier rituelles Eintreten beziehungsweise Ergriffenwerden.

Vers 204
māyādvayaṃ tathaivoktvā dvitīyaṃ ca vārāhikam |
saṃlikhya dvitīyaṃ kūṭaṃ mūlavārāhikaṃ tataḥ ||204||

Ebenso zweimal Maya, dann das zweite Varahika; man schreibt das zweite Kuta und anschließend das grundlegende Varahika.

Anmerkung: Die verschlüsselten Kuta-Bezeichnungen bleiben unaufgelöst.

Vers 205
namaḥsvāhe tathā coktvā āveśakubjike tataḥ |
māhendrākhyaṃ tataḥ kūṭaṃ phetkārī bījamuddharet ||205||

Man spricht „namaḥ, svāhā“ und „Aveshakubjike“, dann das Mahendra genannte Kuta und das Phetkari-Bija.

Vers 206
… kūṭaṃ tato bhadre mārjārākhyaṃ tataḥ priye |
maṇikūṭamṛṣikūṭaṃ kūṭaṃ sāraṅgakaṃ tataḥ ||206||

Dann ein nicht sicher lesbares Kuta, Gütige; danach das Marjara genannte, Geliebte, das Mani-Kuta, das Rishi-Kuta und das Saranga-Kuta.

Anmerkung: Fragment: erster Kuta-Name bereits in der Quelle mit Fragezeichen; letzter Name ebenfalls unsicher.

Vers 207
vāgbhavapañcakaṃ tataḥ kāli kāli tataḥ param |
mahākāli māṃsa iti śoṇitabhojini tataḥ ||207||

Fünfmal Vagbhava, dann „Kali, Kali, Mahakali, Fleisch und Blut Verzehrende!“

Anmerkung: Vāgbhavapañcakaṃ aus der beschädigten, mehrfach wiederkehrenden Formel normalisiert; māṃsa-śoṇita-bhojini als über die Anweisungswörter hinweg fortgesetzte Anrede.

Vers 208
… raktakṛṣṇamukhi samuddharettataḥ |
devi mā māṃ paśyantviti śatrava iti saṃvadet ||208||

Dann „Du mit rotem und schwarzem Antlitz! Göttin, mögen meine Feinde mich nicht sehen!“

Anmerkung: Fragment: vor der Anrede beschädigte Bija-Folge; nicht ergänzt.

Vers 209
śrīhṛdayaśivadūti śrīpādukāṃ tataḥ param |
pūjayāmi hākāraṃ ca hṛdayāya namastataḥ ||209||

„Erhabene Hridaya-Shivaduti, ich verehre deine heiligen Padukas.“ Dann ha und „Verehrung dem Herzen“.

Anmerkung: Padukas: rituell verehrte Sandalen beziehungsweise Füße. Quelle druckt in fortlaufender Zählung irrtümlich २०६.

Vers 210
hṛdayaśivadūti ca medhapañcakamuddharet |
namo bhagavati tadā duṣṭacāṇḍālini tataḥ ||210||

„Hridaya-Shivaduti“, fünfmal Medha, dann „Verehrung, erhabene Göttin, furchterregende Chandalini!“

Anmerkung: Duṣṭa wörtlich böse beziehungsweise verderbt; hier drastische Göttinnenanrede.

Vers 211
rudhiramāṃsabhakṣiṇi kapālakhaṭvāṅga tathā |
tataḥ paścāddhāriṇi ca hanayugmaṃ vadettataḥ ||211||

„Blut und Fleisch Verzehrende, Totenschale und Khatvanga-Stab Tragende!“ Dann zweimal „Schlage!“

Vers 212
dahayugmaṃ pacayugmaṃ mama śatrūn grasadvayam |
mārayadvitayaṃ procya krodhatrayaṃ tataḥ priye ||212||

Zweimal „Verbrenne!“, zweimal „Koche!“, „meine Feinde“, zweimal „Verschlinge!“ und zweimal „Töte!“ Danach dreimal Krodha, Geliebte.

Anmerkung: Historische feindgerichtete Ritualformel; keine heutige Praxisanweisung.

Vers 213
phaṭ śiraḥśivadūtīti śrīpādukāṃ pūjayāmi |
hīṃ śirase tataḥ svāhā śiraḥśivadūti tataḥ ||213||

„Phaṭ! Shirah-Shivaduti, ich verehre deine heiligen Padukas. Hīṃ, dem Haupt svāhā!“ Dann „Shirah-Shivaduti“.

Anmerkung: Bija in e als हीं lesbar; nicht stillschweigend zu hrīṃ geändert.

Vers 214
vāgbhavapañcakaṃ tataḥ pralayatrayamāharet |
ādyadīrghatrayaṃ kṛtvā mahāpiṅgala tataḥ ||214||

Fünfmal Vagbhava und dreimal Pralaya; man bildet die drei ersten langen Vokale. Dann beginnt die Anrede „Du mit dem großen rotbraunen …“.

Anmerkung: Anrede geht in 215 weiter; genaue Zuordnung der Vokallängung nicht sicher.

Vers 215
jaṭābhāre vikaṭarasanākarāle saṃvadet |
sarvasiddhiṃ dehi dehi dāpayadvitayaṃ vadet ||215||

„… Flechtenschopf, mit gewaltiger Zunge Schreckliche! Gib, gib alle Siddhis!“ Dann zweimal „Lass sie mir geben!“

Anmerkung: Siddhis: hier rituelle Vollendungen beziehungsweise außerordentliche Kräfte.

Vers 216
śikhāśivadūti tataḥ śrīpādukāṃ pūjayāmi |
dīrghatanucchadaṃ tataḥ śikhāyai ca vaṣaṭ tataḥ ||216||

„Shikha-Shivaduti, ich verehre deine heiligen Padukas.“ Dann das verlängerte Tanucchada und „Dem Scheitelbüschel vaṣaṭ!“

Anmerkung: Pūjayāmi und vaṣaṭ aus dem wiederkehrenden Nyasa-Rahmen normalisiert; Einzelzeichen in e beschädigt.

Vers 217
śikhāśivadūti tato vāgbhavapañcakaṃ tataḥ |
mahāśmaśānavāsini ghorāṭṭahāsini tataḥ ||217||

„Shikha-Shivaduti“, fünfmal Vagbhava, dann „Auf der großen Verbrennungsstätte Wohnende, schrecklich Lachende!“

Vers 218
vikaṭatuṇḍakokāmukhi māyāsmarau tathā |
harijāyāmahāpātālatulitodari saṃvadet ||218||

„Du mit gewaltiger Schnauze und wolfartigem Antlitz!“ Dann Maya, Smara und Harijaya; „Du, deren Bauch der großen Unterwelt gleicht!“

Anmerkung: Kokāmukhi und tuṇḍa unsichere Einzelzeichen; harijāyā als Formelname abgetrennt, andere Wortgliederung möglich.

Vers 219
bhūtavetālasahacāriṇi saṃlikhya cānaghe |
kavacaśivadūti ca śrīpādukāṃ tataḥ smaret ||219||

Man schreibt „Gefährtin der Bhutas und Vetalas“, Makellose, dann „Kavacha-Shivaduti, deine heiligen Padukas …“.

Anmerkung: Bhutas und Vetalas: Geisterwesen; Verehrungsformel setzt sich in 220 fort. Quellziffer २१६ nach Folge berichtigt.

Vers 220
pūjayāmi kavacāya krodhabījaṃ smarettataḥ |
kavacaśivadūti hi medhānāṃ pañca eva ca ||220||

„… verehre ich. Dem Schutzpanzer …“ Dann das Krodha-Bija, „Kavacha-Shivaduti“ und fünfmal Medha.

Anmerkung: Keine zusätzliche Abschlusssilbe für die Kavacha-Formel ergänzt.

Vers 221
lelihānarasanā tu bhayānake vadettataḥ |
visrastacikurabhārabhāsure saṃvadet priye ||221||

„Mit leckender Zunge Furchterregende, im Glanz deiner gelösten Haarfülle Erscheinende!“ So spricht man, Geliebte.

Vers 222
cāmuṇḍā bhairavī tato ḍākinīgaṇa cetyapi |
parivṛte śākinī ca ḍākinī krodha eva ca ||222||

„Von Chamunda, Bhairavi und der Schar der Dakinis Umgebene!“ Dann Shakini, Dakini und Krodha.

Anmerkung: Quelle २१२ im fortlaufenden Zusammenhang als 222 gelesen; bhairavī könnte auch bhairava sein.

Vers 223
āgaccha dvitayaṃ procya sānnidhyaṃ kalpayadvayam |
trailokyaḍāmare tathā mahāpiśācini tataḥ ||223||

Zweimal „Komm!“, dann „Gegenwart“ und zweimal „Stelle her!“: „Sei hier gegenwärtig!“ Anschließend „Schrecken der drei Welten, große Pishachini!“

Vers 224
netraśivadūti tadā śrīpādukāṃ tathā priye |
pūjayāmi netratrayāya vauṣaṭ netra ityapi ||224||

„Netra-Shivaduti, ich verehre deine heiligen Padukas. Den drei Augen vauṣaṭ!“ Dann beginnt erneut „Netra …“.

Anmerkung: Fortsetzung des Namens in 225.

Vers 225
śivadūti samābhāṣya vāgbhavapañcakaṃ tataḥ |
guhyātiguhyakubjike trikrodhamastrameva ca ||225||

„… Shivaduti“, dann fünfmal Vagbhava; „Geheimste der geheimen Kubjikas“, dreimal Krodha und Astra.

Vers 226
mama sarvopadravān mantratantra iti tadā |
yantracūrṇaprayogādikān parakṛtān tadā ||226||

„Alle Bedrängnisse, die andere mir durch Mantras, Tantras, Yantras, Pulveranwendungen und dergleichen bereitet haben …“

Anmerkung: Satz setzt sich in 227 fort; magische Pulveranwendungen, keine moderne medizinische Bedeutung.

Vers 227
kariṣyanti tān sarvān hanayugmaṃ tathottaram |
mathayugmaṃ mardayayugmaṃ yugalaṃ parikīrtitam ||227||

„… oder noch bereiten werden: Schlage, schlage sie alle! Zermalme, zermalme! Zerdrücke, zerdrücke!“ Die betreffenden Befehle werden jeweils paarweise gesprochen.

Anmerkung: Letzte metasprachliche Wiederholungsangabe tautologisch überliefert; nicht durch weitere Verben ergänzt.

Vers 228
daṃṣṭrākarāli śākinī ca krodhāstre ca tataḥ param |
guhyātiguhyakubjike tato'straśivadūti ca ||228||

„Mit Fangzähnen Schreckliche!“ Dann Shakini, Krodha und Astra; „Geheimste der geheimen Kubjikas, Astra-Shivaduti!“

Vers 229
śrīpādukāṃ pūjayāmi astrāya phaṭ tadantaram |
astraśivadūti tato vāgbhavapañcakaṃ tathā ||229||

„Ich verehre deine heiligen Padukas. Der Waffe phaṭ!“ Dann „Astra-Shivaduti“ und fünfmal Vagbhava.

Vers 230
krodhānāṃ pañca āhṛtya … ghoranādeti ca |
vidrāvi vidrāvi jagattraye tato māyātrayaṃ haret ||230||

Fünfmal Krodha, dann die beschädigte Anrede „… schrecklich Tönende! Vertreibe, vertreibe in den drei Welten!“ Danach dreimal Maya.

Anmerkung: Fragment: Laut beziehungsweise Wort vor ghora-nāde unsicher; vidrāvi so überliefert, Bedeutung im Zusammenhang.

Vers 231
prasāritāyutabhuje mahāvegapradhāvite |
smaratrayaṃ padavinyāsatrāsita iti smaran ||231||

„Mit zehntausend ausgestreckten Armen, mit gewaltiger Schnelligkeit Dahineilende!“ Dreimal Smara, dann „Durch das Setzen deiner Schritte in Schrecken versetzende …“.

Anmerkung: Kompositum geht in 232 weiter.

Vers 232
sakalaṃ pātāle ramātrayaṃ tato vadet |
vyāpakaśivadūti ca tato vadejjitendriyaḥ ||232||

„… die ganze Unterwelt!“ Dreimal Rama; dann spricht der seine Sinne Beherrschende „Vyapaka-Shivaduti“, allgegenwärtige Shivaduti.

Anmerkung: Kasusform sakalaṃ pātāle gestört; Sinn des über 231–232 reichenden Kompositums wiedergegeben.

Vers 233
paramaśivaparyaṅkaśāyini tadanantaram |
tataḥ krameṇa deveśi yoginītrayamuddharet ||233||

„Auf dem Lager Paramashivas Ruhende!“ Danach, Herrin der Götter, dreimal Yogini.

Vers 234
galadrudhiramuṇḍamālādhāriṇi saṃvadet |
ghoraghoratararūpiṇi saṃvadettataḥ ||234||

„Eine Kette bluttriefender Köpfe Tragende, von schrecklicher, immer schrecklicherer Gestalt!“

Vers 235
tataḥ paraṃ śākinyāstu krameṇa trayamāharet |
jvālāmālipiṅgajaṭājaṭe vadecca sādhakaḥ ||235||

Danach dreimal Shakini. Der Sadhaka spricht „Du mit rotbraunem, von Flammenkränzen umgebenem Flechtenhaar!“

Anmerkung: Letztes Kompositum leicht beschädigt; Bedeutung des Haar- und Flammenbildes sicher.

Vers 236
acintyamahimabalaprabhāve tadanantaram |
kāminītrayamuddhṛtya daityadānava ityapi ||236||

„Von unvorstellbarer Größe, Kraft und Wirkmacht!“ Dreimal Kamini, dann beginnt „Daityas und Danavas …“.

Vers 237
nikṛntani tato'pi syācchṛṇuṣva parameśvari |
sakalasurāsurakāryasādhike tadanantaram ||237||

„… Zerschneidende!“ Höre, höchste Göttin: Danach „Du, die alle Aufgaben der Götter und Gegengötter vollbringt!“

Vers 238
tritāraṃ phaṭ namaḥ svāhā vyāpakaśivadūti tataḥ |
tāratrapāramākāmavāgbhavāṅkuśalajjakāḥ ||238||

Dreimal Tara, „phaṭ, namaḥ, svāhā“, dann „Vyapaka-Shivaduti“; Tara, Trapa, Rama, Kama, Vagbhava, Ankusha und Lajja.

Anmerkung: Verschlüsselte Bija-Namen; keine ergänzte ausgeschriebene Lautform.

Vers 239
pāśakrodhau mahāpuruṣaprāsādau tadanantaram |
amṛtaṃ gāruḍaṃ caiva phetkārī tadanantaram ||239||

Pasha, Krodha, Mahapurusha und Prasada; dann Amrita, Garuda und Phetkari.

Vers 240
caṇḍahayagrīvau tato yoginī śākinī tathā |
medho … prataṃ sphakārameva ca ||240||

Chanda, Hayagriva, Yogini, Shakini und Medha; danach eine beschädigte Bija-Gruppe, die Lautgruppe „prata“ und „spha“.

Anmerkung: Fragment: nach medha mehrere unsichere Bija-Namen; prata könnte beschädigtes preta sein, nicht stillschweigend geändert.

Vers 241
… bhaujaṅgamastathāparaḥ |
kālasaṃkarṣiṇi tadā krodhau ca vahnivallabhā ||241||

Nach unlesbaren Bija-Namen folgt Bhaujanga; dann „Kalasamkarshini“, die Zeit Einziehende, zweimal Krodha und Vahnivallabha.

Anmerkung: Fragment: Anfangsgruppe beschädigt; Lautwerte nicht rekonstruiert.

Vers 242
kālasaṃkarṣiṇi punarmedhamāyāramāsmarāḥ |
phetkārī krodhau tadanu kukkuṭi krīkāraṃ tadā ||242||

Erneut „Kalasamkarshini“, Medha, Maya, Rama und Smara; Phetkari, zweimal Krodha, dann „Kukkuti“ und krī.

Anmerkung: Kukkuti nach Wiederholung 243 normalisiert; krī ohne ergänzten Bindu.

Vers 243
pāśāṅkuśau śākinī ca caṇḍabījaṃ tataḥ param |
astradvayaṃ vahnijāyā kukkuṭi tadanu smaret ||243||

Pasha, Ankusha, Shakini und das Chanda-Bija; zweimal Astra, Vahnijaya und „Kukkuti“.

Vers 244
tāraṃ māyā tataḥ kṛmiḥ kāminī śākinī tathā |
bhramarāmbike tadanu śatrumardini saṃvadet ||244||

Tara, Maya, Krimi, Kamini und Shakini; dann „Bhramarambike, Bienenmutter, Feinde Zermalmende!“

Anmerkung: Bhramarāmbikā: Göttinnenname; Krimi als Bija-Bezeichnung beibehalten.

Vers 245
pāśāṅkuśaprāsādāśca krodhaśca yoginī tathā |
astradvayaṃ hṛdayaṃ ca vahnyaṅganā tārā tathā ||245||

Pasha, Ankusha, Prasada, Krodha und Yogini; zweimal Astra, Hridaya, Vahnyangana und Tara.

Vers 246
bhramarāmbike tadanu caṇḍabījaṃ tataḥ smaret |
dhanade bhuvaneśī ca sāṃ sīṃ sūṃ tadanantaram ||246||

„Bhramarambike“, das Chanda-Bija, „Dhanade“, Reichtum Gebende, Bhuvaneshi und sāṃ sīṃ sūṃ.

Vers 247
tataśca saṃkaṭadevi saṃkaṭebhyo māṃ tathā |
tārayadvayaṃ ramākāmau prāsādo krodha eva ca ||247||

„Sankatadevi, Göttin in Bedrängnis, rette, rette mich aus den Bedrängnissen!“ Dann Rama, Kama, Prasada und Krodha.

Vers 248
pāśāstre ca vahnyabalā saṃkaṭādevi tatparam |
pāśāṅkuśaprāsādāśca bhogavati tataḥ param ||248||

Pasha, Astra, Vahnyabala und „Sankatadevi“; dann Pasha, Ankusha, Prasada und „Bhogavati“.

Anmerkung: Vahnyabala kontextgestützte Lesung der beschädigten Feuer-Gattinnenbezeichnung.

Vers 249
tāramāye samuccārya … samuddharet |
bindunādasamāyuktaṃ nava bījaṃ krameṇa hi ||249||

Man spricht Tara und Maya. Dann folgt eine beschädigte Anweisung zu den Anfangs- und Endlauten einer Reihe: neun Bijas nacheinander, mit Bindu und Nada verbunden.

Anmerkung: Fragment: Grenzen der Lautreihe unlesbar; keine neun Silben erfunden.

Vers 250
krodhaśca hṛdayaṃ caiva bhagavati vadettataḥ |
mahārṇaveśvari tatastrailokyagrasaneti ca ||250||

Krodha und Hridaya; dann „Erhabene Göttin, Herrin des großen Ozeans, die drei Welten Verschlingende!“

Vers 251
śīle pāśaṃ kalābījaṃ vāmakarṇaṃ sabindukam |
astraṃ ca vahnipatnī ca mahārṇaveśvari tataḥ ||251||

„Du von solcher Natur!“ Dann Pasha, das Kala-Bija, Vamakarna mit Bindu, Astra, Vahnipatni und „Maharnaveshvari“.

Anmerkung: Śīle schließt an die Welten verschlingende Natur in 250 an; Vamakarna als Lautchiffre beibehalten.

Vers 252
tārabījaṃ kṣīkāraṃ ca pīkāraṃ cakāraṃ tadā |
tato bhagavati tato jāntaḥ ṣaṣṭhasvarānvitaḥ ||252||

Das Tara-Bija, kṣī, pī und ca; dann „Erhabene Göttin“ und der als jānta bezeichnete Laut mit dem sechsten Vokal.

Anmerkung: Pi-/pī-Lesung unsicher; keine Bija-Rekonstruktion. Die Bildung geht in 253 weiter.

Vers 253
binduyukto maṭheśāni kūṭaṃ prābhātikaṃ tataḥ |
tato vārāhikaṃ kūṭaṃ sarvatantrasugopitam ||253||

Mit Bindu versehen; „Herrin des Matha“, dann das Prabhatika-Kuta und das Varahika-Kuta, das in allen Tantras sorgsam verborgen wird.

Anmerkung: Matha: religiöse Niederlassung; Lesung maṭheśāni unsicher.

Vers 254
caṇḍa…kāpālini jaya … namaḥ |
dviṭho jaya… tāramāyāpāśāstathā ||254||

Es folgen eine beschädigte Anrede an Kapalini, „Sieg!“, ein unlesbarer Göttinnenname und „namaḥ“; Dvitha, erneut die Siegesanrede sowie Tara, Maya und Pasha.

Anmerkung: Fragment: Lautgruppe nach caṇḍa und wiederholter Göttinnenname nicht sicher lesbar; nicht ersetzt.

Vers 255
… śavareśvarī namaśca śavareśvari |
praṇavaṃ medhapāśau ca trapāramāsmarāstataḥ ||255||

Nach einer beschädigten Lautangabe: „Shavareshvari, Verehrung, Shavareshvari!“ Dann Pranava, Medha, Pasha, Trapa, Rama und Smara.

Anmerkung: Fragment: Anfangsgruppe unklar; Name auch Śabareśvarī möglich, keine stille Gleichsetzung.

Vers 256
krodhaśca śākinībījaṃ ḍākinī phetkārī tathā |
piṅgale piṅgale tato mahāpiṅgale tataḥ param ||256||

Krodha, das Shakini-Bija, Dakini und Phetkari; „Pingale, Pingale, Mahapingale“, rotbraune, große rotbraune Göttin.

Vers 257
kālībījaṃ krodhabījaṃ śākinī yoginī tathā |
pretakālyāvaṅkuśaṃ ca śākinī kāminī tathā ||257||

Kali-Bija, Krodha-Bija, Shakini, Yogini, Preta, Kali, Ankusha, Shakini und Kamini.

Vers 258
ramācaṇḍānehasāṃ ca vidyutpannagadviṭhāḥ punaḥ |
siddhilakṣmi tatastāraṃ vāktrapāśrīsmarā api ||258||

Rama, Chanda, Anehas, Vidyut, Pannaga und Dvitha; „Siddhilakshmi“, dann Tara, Vak, Trapa, Shri und Smara.

Anmerkung: Anehas unsicher gelesene Bija-Bezeichnung; keine vermeintlich eindeutige Silbe eingesetzt.

Vers 259
bhagavati mahā tadā mohini tadanantaram |
brahmaviṣṇuśivādisakaleti vadettataḥ ||259||

„Erhabene große Mohini, die du Brahma, Vishnu, Shiva und alle übrigen …“

Anmerkung: Satz setzt sich in 260 fort; Mohini bezeichnet die Verzaubernde beziehungsweise Verblendende.

Vers 260
surāsuramohini sakalaṃ pravadettataḥ |
janaṃ mohaya mohaya vaśīkurudvayaṃ vadet ||260||

„… Götter und Gegengötter bezauberst! Bezaubere, bezaubere alle Menschen! Unterwirf, unterwirf sie!“

Anmerkung: Historische Formel der Beeinflussungsmagie; keine heutige Praxisempfehlung.

Vers 261
kāmāṅgadrāviṇi tataḥ kāmāṅkuśe tataḥ param |
trikāminī kāmarame trapā medhaṃ tāraṃ tathā ||261||

„Du, die den Körper durch Begehren schmelzen lässt, Kama-Ankusha!“ Dann dreimal Kamini, Kama, Rama, Trapa, Medha und Tara.

Anmerkung: Kāmāṅga aus beschädigtem kāmāṅka kontextgestützt gelesen; zweite Halbzeile als Bija-Reihe, alternative Wortgliederung möglich.

Vers 262
mahāmohini tadanu vāksmarau kulikā tathā |
tato bāle hakāraṃ ca sakalāśca svarūpakāḥ ||262||

„Mahamohini“, große Verzaubernde; Vak, Smara und Kulika. Dann „Bale“, der Laut ha und die Lautgestalten sa, ka, la.

Anmerkung: Sakalāḥ könnte zugleich als „sämtliche“ gelesen werden; Lautkontext spricht für sa-ka-la, unsicher.

Vers 263
māyābījaṃ samuddhārya hasakahalahrīṃ tataḥ |
sakalāṃ tadanu tripurasundari tataḥ ||263||

Man entnimmt das Maya-Bija, dann die Lautgruppe „ha sa ka ha la hrīṃ“; anschließend „sa ka lāṃ“ und „Tripurasundari“.

Anmerkung: Letzte Zeichen der ersten Lautgruppe in e beschädigt; hrīṃ ist eine kontextgestützte, unsichere Lesung. Keine vollständige Shri-Vidya-Formel daraus ergänzt.

Vers 264
haṃ namo mūkāmbikāyai vādino mūkayadvayam |
pāśabījaṃ kāmabījaṃ māyābījaṃ tataḥ param ||264||

„Haṃ, Verehrung der Mukambika! Lass die Gegner verstummen, verstummen!“ Dann Pasha-Bija, Kama-Bija und Maya-Bija.

Anmerkung: Vādinaḥ: hier streitende beziehungsweise gegnerische Sprecher.

Vers 265
binduvisargasahitaṃ … svaravihīnakam |
tattvabījamādityaśca … svaravibhūṣitam ||265||

Mit Bindu und Visarga versehen, ohne einen nicht sicher lesbaren Vokal; das Tattva-Bija und Aditya, mit einem ebenfalls beschädigt bezeichneten Vokal versehen.

Anmerkung: Fragment: Vokalbezeichnungen unklar; keine Silbenbildung rekonstruiert.

Vers 266
vahnyaṅganā ca tadanu mūkāmbike tataḥ priye |
māyā ca nākulaṃ caiva krodhāstre tadanantaram ||266||

Vahnyangana, dann „Mukambike“, Geliebte; Maya, Nakula, Krodha und Astra.

Vers 267
ekajaṭe tataḥ paścāt … nākulakrodhakāḥ |
nīlasarasvati tatastāratrapā tataḥ param ||267||

„Ekajate“, Göttin mit einer Haarflechte; danach eine beschädigte Bija-Gruppe, Nakula und Krodha. „Nilasarasvati“, blaue Sarasvati; dann Tara und Trapa.

Anmerkung: Fragment: erste Bija-Namen der zweiten Gruppe unlesbar.

Vers 268
nākulerṣyaṃ ca tadanu phaṭkāraṃ tadanantaram |
ugratāre ca tadanu tāraramāmāyāstathā ||268||

Nakula und Irshya, dann phaṭ; „Ugratare“, furchtbare Tara, und Tara, Rama, Maya.

Anmerkung: Nakulerṣyam als zwei Bija-Namen gelesen; unsichere Worttrennung.

Vers 269
medhaṃ vajravairocanīye īrṣyadvayaṃ tataḥ param |
astradviṭhe chinnamaste tāraṃ hṛdayameva ca ||269||

Medha; „Vajravairochaniye“, zweimal Irshya, Astra und Dvitha; „Chinnamaste“, dann Tara und Hridaya.

Vers 270
bhagavatyai pītāmbarāyai trape sumukhi tataḥ |
vagale viśvaṃ me vaśaṃ kuru kuru tathā ||270||

„Der erhabenen Göttin im gelben Gewand“; zweimal Trapa, dann „Schönantlitzige Bagala, bringe, bringe mir die Welt unter meine Gewalt!“

Anmerkung: Trape als Dual des Bija-Namens gelesen; Bagala steht in e mit va.

Vers 271
dviṭho vaśyavagale ca huṃ rakṣa tadanantaram |
trikaṇṭaki tadanu ca tārāṅkuśasmarā api ||271||

Dvitha; „Vashya-Bagala, huṃ, beschütze! Trikantaki!“ Dann Tara, Ankusha und Smara.

Anmerkung: Huṃ hier mit kurzem u nach e; nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Vers 272
kamalā harapatnī ca pāśaṃ jāyā krodhaṃ tathā |
jayadurge tadanu ca rakṣa rakṣa svāhā tataḥ ||272||

Kamala, Harapatni, Pasha, Jaya und Krodha; „Jaya-Durge, beschütze, beschütze! Svāhā!“

Anmerkung: Harapatnī/Jāyā als Formel- beziehungsweise Bija-Namen belassen; genaue Lautwerte nicht ausgeschrieben.

Vers 273
saṃgrāmajayadurge ca trapāsmararuṣastathā |
vijayaprade tadanu praṇavaṃ pāśameva ca ||273||

„Im Kampf siegende Durga“, Trapa, Smara und Rush; „Sieg Verleihende“, Pranava und Pasha.

Anmerkung: Quellziffer २७६ im fortlaufenden Zusammenhang als 273 berichtigt; ruṣ als Krodha-nahe Bija-Chiffre beibehalten.

Vers 274
prāsādāmṛtagāruḍāḥ pannagāstre tataḥ param |
brahmāṇi tāraprāsādau … āṃ hīṃ tadanantaram ||274||

Prasada, Amrita, Garuda, Pannaga und Astra; „Brahmani“, Tara und Prasada, dann eine beschädigte Lautgruppe, āṃ und hīṃ.

Anmerkung: Fragment: Lautgruppe nach prāsāda nicht sicher; hīṃ wie lesbar überliefert.

Vers 275
ramerṣyaṃ ca tato'pi syānmāheśvari vadettataḥ |
… vidyutjaladāḥ śākinīratikālikāḥ ||275||

Rama und Irshya; „Maheshvari“. Nach einer beschädigten Gruppe folgen Vidyut, Jalada, Shakini, Rati und Kalika.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Halbzeile nicht sicher lesbar.

Vers 276
caṇḍakālī glṛkāraṃ ca pretaṃ krodhaṃ tathaiva ca |
krodhamastradvayaṃ tato vahnijāyā tataḥ param ||276||

Chanda, Kali, der Laut glṛ, Preta und Krodha; erneut Krodha, zweimal Astra und Vahnijaya.

Anmerkung: Laut glṛ unsicher, entsprechend sichtbarer Gruppe belassen; keine ergänzten Lautzeichen.

Vers 277
māheśvari tadanu trapāvāṇīsmarāstathā |
tāraṃ kaumāri tadanu mayūravāhini tataḥ ||277||

„Maheshvari“, Trapa, Vani, Smara und Tara; „Kaumari, auf dem Pfau Reitende!“

Vers 278
śaktihaste tataḥ krodhaṃ śākinī tadanantaram |
vadhūbījamastradvayaṃ vahnijāyā tataḥ param ||278||

„Den Speer in der Hand Haltende!“ Dann Krodha, Shakini, das Vadhu-Bija, zweimal Astra und Vahnijaya.

Anmerkung: Shakti hier die Waffe Speer.

Vers 279
kaumāri tatparaṃ tāraṃ namo nārāyaṇyai tataḥ |
jagatsthitikāriṇyai trikāmastriramāstataḥ ||279||

„Kaumari“, Tara; „Verehrung der Narayani, die den Bestand der Welt erhält!“ Dann dreimal Kama und dreimal Rama.

Anmerkung: Die OCR hat die zweite Hälfte hinter 284 verschoben; anhand fortlaufender Syntax und Versziffer zugeordnet, keine neue Passage ergänzt.

Vers 280
pāśakāladviṭhānuktvā vaiṣṇavi praṇavaṃ tataḥ |
hṛdayaṃ bhagavatyai varāharūpiṇyai tataḥ param ||280||

Pasha, Kala und Dvitha; „Vaishnavi“, Pranava und Hridaya; „Der erhabenen Göttin in Ebergestalt“.

Anmerkung: Erste Halbzeile in der OCR auf zwei getrennte Stellen verteilt; hier zusammengeführt, Wortlaut beibehalten.

Vers 281
caturdaśabhuvanādhipāyai bhūpatitvaṃ vadettataḥ |
me dehi dāpaya svāhā vārāhi tadanu priye ||281||

„Der Herrscherin der vierzehn Welten: Gib mir Herrschaft über die Erde, lass sie mir geben! Svāhā!“ Dann „Varahi“, Geliebte.

Vers 282
tārapāśāṅkuśakrodhakālamāyāsmarastriyaḥ |
… krodhaḥ kṣetrapālo caṇḍakālī ca śākinī ||282||

Tara, Pasha, Ankusha, Krodha, Kala, Maya, Smara und Stri; nach einer beschädigten Lautangabe Krodha, Kshetrapala, Chanda, Kali und Shakini.

Anmerkung: Fragment: Anfang der zweiten Halbzeile unsicher.

Vers 283
jihvāsaṭāghorarūpe daṃṣṭrākarāle tataḥ smṛtam |
nārasiṃhi triprāsādaṃ tataḥ krodhatrayaṃ bhavet ||283||

„Mit Zunge und Mähne von furchtbarer Gestalt, mit Fangzähnen Schreckliche, Narasimhi!“ Dann dreimal Prasada und dreimal Krodha.

Vers 284
astradvayaṃ vahnijāyā nārasiṃhi tato'pyanu |
tāramāraramākrodhā indrāṇi tadanantaram ||284||

Zweimal Astra, Vahnijaya; „Narasimhi“, Tara, Mara, Rama und Krodha; dann „Indrani“.

Vers 285
māyāyugmaṃ jayadvandvaṃ kṣetrapālidvayaṃ tataḥ |
astradvayaṃ vahnijāyā indrāṇi tadanantaram ||285||

Zweimal Maya, zweimal „Sieg!“, zweimal Kshetrapali, zweimal Astra und Vahnijaya; danach „Indrani“.

Anmerkung: Letzte Anrede in e durch umgestellte Zeilen der Verse 279–280 abgetrennt; hier wieder angeschlossen.

Vers 286
praṇavāṅkuśakālyaśca śākinī caṇḍa eva ca |
yoginī khecarī caiva asūyā phetkārī tathā ||286||

Pranava, Ankusha, Kali, Shakini, Chanda, Yogini, Khechari, Asuya und Phetkari.

Vers 287
vidyutkālī ratiścaiva māyāsarpamahāruṣaḥ |
gāruḍaṃ ca tato bījaṃ cāmuṇḍe tadanantaram ||287||

Vidyut, Kali, Rati, Maya, Sarpa, Maharush und das Garuda-Bija; danach „Chamunde“.

Anmerkung: Mahāruṣ als Bija-Chiffre wiedergegeben.

Vers 288
jvalayugmaṃ hiliyugmaṃ kiliyugmaṃ tataḥ param |
mama śatrūṃstataścoktvā trāsayadvandvameva ca ||288||

Zweimal „Flamme auf!“, zweimal „hili“, zweimal „kili“; dann „meine Feinde“ und zweimal „Versetze in Schrecken!“

Anmerkung: Hili und kili als rituelle Lautwörter ohne erfundene wörtliche Übersetzung.

Vers 289
mārayayugalaṃ tato hana paca dvayaṃ dvayam |
bhakṣayayugalaṃ tataḥ kālīyugmaṃ tato haret ||289||

Zweimal „Töte!“, jeweils zweimal „Schlage!“ und „Koche!“, zweimal „Verzehre!“ Dann zweimal Kali.

Vers 290
māyādvandvaṃ krodhadvandvamastradvandvaṃ dviṭhastataḥ |
cāmuṇḍe tārahṛdaye kāmeśvari padaṃ tataḥ ||290||

Je zweimal Maya, Krodha und Astra, danach Dvitha; „Chamunde“, Tara und Hridaya; dann das Wort „Kameshvari“.

Vers 291
kāmāṅkuśe kāmapradāyike bhagavati tataḥ |
nīlapatāke … maṭheśvari ||291||

„Kama-Ankusha, Begehren Gewährende, erhabene Göttin, Nilapataka“, Göttin mit blauem Banner; nach einer beschädigten Wortgruppe „Herrin des Matha“.

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe zwischen nīlapatāke und maṭheśvari nicht sicher verständlich.

Vers 292
ratihṛnmantro'stu te tataḥ … |
īrṣyātrayaṃ madane hi … ||292||

Lesbare Bestandteile: Rati, die Herzformel, „Sei dir …“, danach dreimal Irshya und „Madane“, Göttin des Begehrens.

Anmerkung: Fragment: zusammenhängende Deutung des übrigen Verses nicht gesichert; nur erkennbare Formelbestandteile übersetzt.

Vers 293
trailokyamāveśyeti ca krodhāstre vahnivallabhā |
nīlapatāke tataḥ paścāt kālīdvayaṃ tataḥ priye ||293||

„Die drei Welten durchdringend“, dann Krodha, Astra und Vahnivallabha; „Nilapatake“, danach zweimal Kali, Geliebte.

Anmerkung: Āveśya kann hier auch „in Ergriffenheit versetzend“ bedeuten; syntaktischer Anschluss an beschädigten Vorvers unsicher.

Vers 294
catvāraḥ krodhāstadanu cāṅkuśānāṃ trayaṃ tadā |
ramāyugmaṃ trapāyugmaṃ yoginī śākinī tadā ||294||

Viermal Krodha, dreimal Ankusha, zweimal Rama, zweimal Trapa, dann Yogini und Shakini.

Vers 295
kāminī caṇḍaghaṇṭe ca śatrūn stambhaya stambhaya |
māraya māraya tadā krodhāstre vahnivallabhā ||295||

Kamini; „Chandaghante, lähme, lähme die Feinde! Töte, töte!“ Dann Krodha, Astra und Vahnivallabha.

Anmerkung: Historische Schadensformel; nicht als heutige Praxisanregung gemeint.

Vers 296
caṇḍaghaṇṭe tataḥ śatrūn stambhayadvitayaṃ haret |
mārayadvitayaṃ krodhamastrasvāhe tathoccaret ||296||

„Chandaghante, die Feinde …“, zweimal „Lähme!“, zweimal „Töte!“, Krodha, Astra und svāhā.

Anmerkung: Wiederholung der Quelle beibehalten.

Vers 297
caṇḍaghaṇṭe tāramāyāramākrodhāṅkuśāstathā |
kālī ca kāminī caiva manmathastadanantaram ||297||

„Chandaghante“, Tara, Maya, Rama, Krodha, Ankusha, Kali, Kamini und Manmatha.

Vers 298
tataśca śāmbhavaṃ kūṭamumākūṭaṃ tataḥ param |
śambhukūṭaṃ tataḥ paścāt parāparaṃ ca kūṭakam ||298||

Dann das Shambhava-Kuta, das Uma-Kuta, das Shambhu-Kuta und das Parapara-Kuta.

Anmerkung: Shambhava und Shambhu sind hier getrennt aufgeführte Bezeichnungen; nicht zusammengezogen.

Vers 299
sarpakūṭaṃ tataḥ paścāccaṇḍeśvari tataḥ param |
khecarī yoginī caiva śākinī gāruḍaṃ tadā ||299||

Das Sarpa-Kuta; „Chandeshvari“, dann Khechari, Yogini, Shakini und Garuda.

Vers 300
krodhadvandvamastradvandvaṃ svāhā caṇḍeśvari tataḥ |
tāramedhapāśamāyākrodhāṅkuśā api priye ||300||

Zweimal Krodha, zweimal Astra, svāhā; „Chandeshvari“, dann Tara, Medha, Pasha, Maya, Krodha und Ankusha, Geliebte.

Vers 301
kṣetrapālī ca kālī ca gāruḍaṃ śākinī tathā |
anaṅgamāle tataḥ striyamākarṣayadvayaṃ tataḥ ||301||

Kshetrapali, Kali, Garuda und Shakini; „Anangamale“, dann „die Frau“ und zweimal „Ziehe herbei!“

Anmerkung: Historische Anziehungsformel; kein als heutige Übung empfohlener Umgang mit anderen Menschen.

Vers 302
tuṭayugmaṃ chedayayugmaṃ krodhayugmaṃ smarettataḥ |
astrayugmaṃ vahnijāyānaṅgamāle tataḥ param ||302||

Zweimal „tuṭa“, zweimal „Zerschneide!“, zweimal Krodha, zweimal Astra, Vahnijaya und „Anangamale“.

Anmerkung: Tuṭa unsicheres Lautwort, nicht zu einem vermeintlich sicheren Imperativ geändert.

Vers 303
tāravāgbhavamāyāśca ramā smaraśca kālikā |
pāśāṅkuśau caṇḍakrodhau mahāsūyā ca phetkārī ||303||

Tara, Vagbhava, Maya, Rama, Smara, Kalika, Pasha, Ankusha, Chanda, Krodha, Mahasuya und Phetkari.

Vers 304
śākinī harasiddhe ca sarvasiddhiṃ kurudvayam |
dehidvandvaṃ dāpaya ca yugmaṃ krodhatrayaṃ tataḥ ||304||

Shakini; „Harasiddhe, bewirke, bewirke alle Vollendungen! Gib, gib! Lass sie geben, lass sie geben!“ Dann dreimal Krodha.

Vers 305
astradvayaṃ vahnijāyā harasiddhe tataḥ param |
praṇavāṅkuśagāruḍāḥ phetkārī krodhameva ca ||305||

Zweimal Astra, Vahnijaya, „Harasiddhe“, Pranava, Ankusha, Garuda, Phetkari und Krodha.

Vers 306
yoginī phetkārī sambuddhyantā tataḥ param |
dadayugmaṃ dehi dāpaya svāhā tataḥ param ||306||

Yogini und Phetkari als Anrede: „Phetkari! Gib, gib! Gewähre, lass gewähren! Svāhā!“

Anmerkung: Dada und dehi sind hier nebeneinander überlieferte Befehlsformen des Gebens.

Vers 307
phetkāryāḥ pūrvarūpaṃ ca vāgramāpāśameva ca |
prāsādakrodhau tadanu bhūtaṃ pretaṃ tathaiva ca ||307||

Die frühere Form von Phetkari, dann Vak, Rama, Pasha, Prasada, Krodha, Bhuta und Preta.

Anmerkung: Pūrvarūpa kann eine frühere beziehungsweise vorangehende Lautform bezeichnen; nicht rekonstruiert.

Vers 308
śākinī yoginī caiva kāminī mānasaṃ tathā |
pavibhāruṇḍakāpālāḥ siddhistāraṃ tathaiva ca ||308||

Shakini, Yogini, Kamini, Manasa, Pavi, Bharunda, Kapala, Siddhi und Tara.

Anmerkung: Pavi statt beschädigtem pari nach ausdrücklich vorgeschlagener Herausgeberlesung in e, Anhang 1, Kommentar zu Kapitel 15 (Korrekturpunkt 7); Übernahme als redaktionelle Lesung gekennzeichnet.

Vers 309
lavaṇeśvari tadanu harāṅganā ca yoginī |
krodhastrīśākinī caiva nākuli tadanu smaret ||309||

„Lavaneshvari“, Harangana, Yogini, Krodha, Stri, Shakini und „Nakuli“.

Anmerkung: Harangana als Bezeichnung der Gattin Haras beziehungsweise Lautchiffre beibehalten.

Vers 310
tāramedhapāśakrodhā māyāramākrodhasmarāḥ |
kālabījaṃ ca tadanu mṛtyuhāriṇi tatparam ||310||

Tara, Medha, Pasha, Krodha, Maya, Rama, Krodha und Smara; das Kala-Bija, dann „Mrityuharini“, den Tod Fortnehmende.

Vers 311
tāravāgbhavamāyāśca krodhaśca hṛdayaṃ tathā |
bhagavati rudravārāhi rudratuṇḍaprahāre ca ||311||

Tara, Vagbhava, Maya, Krodha und Hridaya; „Erhabene Rudravarahi, mit furchtbarer Schnauze Zuschlagende!“

Anmerkung: Rudra in der letzten Anrede kann zugleich auf den Gott Rudra verweisen.

Vers 312
jayabījayugaṃ devyāḥ siddhayugmaṃ tataḥ param |
sarvotpātān praśamaya praśamaya tathā param ||312||

Zweimal das Jaya-Bija der Göttin, zweimal „siddha“; dann „Besänftige, besänftige alle Unheilszeichen!“

Anmerkung: Siddha als Formelwort beibehalten; nicht in eine andere Erfolgsformel geändert.

Vers 313
hareḥ putrastato jāyā yoginī strī ca śākinī |
hṛdayaṃ vahnijāyā ca vajravārāhi tataḥ param ||313||

Haris Sohn, Jaya, Yogini, Stri, Shakini, Hridaya und Vahnijaya; danach „Vajravarahi“.

Anmerkung: Verwandtschaftsbezeichnungen dienen hier als Lautchiffren; keine Silben daraus ergänzt. Vajravarahi leicht beschädigt.

Vers 314
tāramāye kṣetrapālī aṅkuśaṃ haṃ trayaṃ tathā |
hayagrīveśvari tataścaturvedamayi tadā ||314||

Tara, Maya, Kshetrapali, Ankusha und dreimal haṃ; „Hayagriveshvari, aus den vier Veden Bestehende!“

Vers 315
śākinī yoginī caiva kāminī krodhameva ca |
sarvavidyānāṃ mayyadhiṣṭhānaṃ kurudvayaṃ tataḥ svāhā ||315||

Shakini, Yogini, Kamini und Krodha; „Lass, lass alle Vidyas in mir ihren Sitz nehmen! Svāhā!“

Anmerkung: Vidyas: hier heilige Wissens- beziehungsweise Mantrakräfte.

Vers 316
hayagrīveśvari tato vedādyā vāgbhavastathā |
pāśaṃ māyā tattvabījam ehīnaṃ ca dvibindukam ||316||

„Hayagriveshvari“, Vedadya, Vagbhava, Pasha, Maya und das Tattva-Bija, ohne e und mit zwei Punkten.

Anmerkung: Vedādya als Lautchiffre beibehalten; e-hīna ist unsichere Lesung der Vokalanweisung.

Vers 317
paramahaṃseśvari tadā kaivalyaṃ sādhaya svāhā |
paramahaṃseśvari punastāraṃ māyā ramātrayam ||317||

„Paramahamseshvari, verwirkliche die Befreiung! Svāhā!“ Erneut „Paramahamseshvari“, Tara, Maya und dreimal Rama.

Anmerkung: Kaivalya: Befreiung beziehungsweise ungebundene Eigenständigkeit des Bewusstseins; hier Ziel der Anrufung.

Vers 318
smarayugmaṃ nirvikārasthacidānandaghaneti ca |
rūpāyai mokṣalakṣmyai ca amitānanta ityapi ||318||

Zweimal Smara; „Der Mokshalakshmi, deren Gestalt reine Fülle unveränderlichen Bewusstseins und Glücks ist, der Befreiungsgöttin, der unermesslichen, unendlichen …“

Anmerkung: Anrede setzt sich in 319 fort; genaue Kompositumgliederung nirvikārastha-cidānandaghana unsicher.

Vers 319
śaktitattvāya tadanu smarayugmaṃ ramātrayam |
māyātārau mokṣalakṣmi tārakālyau namastataḥ ||319||

„… Shakti-Wirklichkeit!“ Zweimal Smara, dreimal Rama, Maya, Tara und „Mokshalakshmi“; Tara, Kali und namaḥ.

Anmerkung: Śaktitattvāya maskuline/neutrale Dativform der Quelle beibehalten, nicht zu einer anderen Anrede harmonisiert.

Vers 320
ṅe'ntā brahmavādinī ca kālī tāraṃ namastathā |
vahnijāyā māyābījaṃ kāmakrodhau ca śākinī ||320||

„Brahmavadini“ mit Dativendung, dann Kali, Tara, namaḥ, Vahnijaya, Maya-Bija, Kama, Krodha und Shakini.

Anmerkung: Brahmavadini: die vom Brahman Kündende. Ṅe bezeichnet hier die grammatische Dativendung.

Vers 321
śātakarṇi mahāghorarūpiṇi tārameva ca |
kamalāyoginīrāmāḥ phaṭdvandvaṃ vahnisundarī ||321||

„Shatakarni, von überaus furchtbarer Gestalt!“ Dann Tara, Kamala, Yogini, Rama, zweimal phaṭ und Vahnisundari.

Anmerkung: Shatakarni unsicher überlieferter Eigenname, auch im Folgevers so lesbar; nicht etymologisch erzwungen.

Vers 322
śātakarṇi tatastāre jvalayugmaṃ tataḥ param |
prajvaladvitayaṃ tato maheśvari śṛṇuṣva me ||322||

„Shatakarni“, dann zweimal Tara, zweimal „Flamme!“ und zweimal „Lodere auf!“ Höre mich, Maheshvari.

Anmerkung: Tāre als Dual von Tara gelesen; alternativ Göttinnenanrede „Tare“ möglich.

Vers 323
sarvamukharūpe tadā jātavedasi tadanantaram |
brahmāstreṇa nāśayeti sacarācaraṃ tataḥ param ||323||

„Du, deren Gestalt alle Gesichter umfasst, Jatavedasi! Vernichte mit der Brahma-Waffe die bewegliche und unbewegliche …“

Anmerkung: Satz wird in 324 abgeschlossen; Jatavedasi ist eine feuerbezogene Göttinnenanrede.

Vers 324
jagatsvāhā tadanu jātavedasi tataḥ param |
tārapāśavāgbhavāścāṅkuśakālīramāstathā ||324||

„… Welt! Svāhā!“ Dann „Jatavedasi“, Tara, Pasha, Vagbhava, Ankusha, Kali und Rama.

Vers 325
kāmakrodhau śākinī ca mahānīle tataḥ param |
pralayāṭopaghoreti nādaghurghure vadettataḥ ||325||

Kama, Krodha, Shakini; „Mahanile, große blaue Göttin, schrecklich im Aufruhr der Weltauflösung, mit dröhnendem Getöse!“

Anmerkung: Letztes Lautmalereiwort ghurghura beschädigt; Bedeutung des dröhnenden Geräusches sicher.

Vers 326
ātmānamupaśamaya … saḥ svāhā tataḥ param |
mahānīle tatastāraṃ kāmasiddhasmarāstataḥ ||326||

„Besänftige dich selbst!“ Eine beschädigte Silbe, dann saḥ und svāhā; „Mahanile“, Tara, Kama, Siddha und Smara.

Anmerkung: Fragment: Silbe vor saḥ beschädigt, nicht nach geläufigen Mantras ergänzt.

Vers 327
tato nu brahmavide ca jagadgrasanaśīle tu |
mahāvidye tato māyā krodhaṃ hīṃ ca tataḥ param ||327||

„Brahman Kennende, deren Natur es ist, die Welt zu verschlingen, Mahavidya!“ Dann Maya, Krodha und hīṃ.

Vers 328
viṣṇumāye samābhāṣya kṣobhayadvitayaṃ haret |
kāmāṅkuśapāśāścāpi nirañjanaṃ tataḥ śive ||328||

„Vishnumaya, erschüttere, erschüttere!“ Dann Kama, Ankusha, Pasha und Niranjana, Gütige.

Vers 329
sarvāstrāṇi grasa grasa … phaṭ tāraṃ tathaiva ca |
nirañjanaṃ samābhāṣya vagalāmukhi tataḥ param ||329||

„Verschlinge, verschlinge alle Waffen!“ Eine beschädigte Silbe, phaṭ und Tara; Niranjana und „Bagalamukhi“.

Anmerkung: Fragment: Silbe vor phaṭ nicht sicher lesbar.

Vers 330
sarvaśatrūn stambhaya stambhayeti likhet param |
tathā brahmaśirase brahmāstrāyeti saṃsmaret ||330||

Man schreibt „Lähme, lähme alle Feinde!“ und spricht „Dem Brahmashiras, der Brahma-Waffe“.

Anmerkung: Brahmashiras als Waffenname beibehalten; wörtlich „Brahmas Haupt“.

Vers 331
krodhakāmanirañjanāstāraṃ hṛdvahnisundarī |
viṣṇumāye tadanu ca tāraṃ hīṃ śākinī tathā ||331||

Krodha, Kama, Niranjana, Tara, Hridaya und Vahnisundari; „Vishnumaya“, Tara, hīṃ und Shakini.

Vers 332
ḍākinī ca ramābījaṃ kāmakrodhau ca yoginī |
kāminī ca guhyeśvari mahāguhyeti saṃvadet ||332||

Dakini, Rama-Bija, Kama, Krodha, Yogini und Kamini; „Guhyeshvari, Herrin des Geheimen, großes Geheimnis!“

Vers 333
vidyāsampradāyabodhike pāśāṅkuśāmṛtānyapi |
astraṃ kṛṣṇalohitatanūdari prāsādameva ca ||333||

„Die Überlieferung der Vidya Erschließende!“ Pasha, Ankusha, Amrita und Astra; „Mit schwarzrotem Leib und Bauch“, dann Prasada.

Anmerkung: Kṛṣṇalohitatanūdari einzelne Zeichen unsicher; sichtbare Farbangaben beibehalten.

Vers 334
adhvā caiva mano'straṃ ca hṛdayaṃ dviṭhameva ca |
guhyeśvari tataścaiva tāraṃ hṛdayameva ca ||334||

Adhva, Manas, Astra, Hridaya und Dvitha; „Guhyeshvari“, dann Tara und Hridaya.

Anmerkung: Mano'straṃ als zwei Formelglieder gelesen; mögliche zusammengesetzte Bezeichnung nicht ausgeschlossen.

Vers 335
śvetapuṇḍarīkāsanāyai pratisamareti ca |
vijayapradāyai bhagavatyai aparājitāyai tataḥ param ||335||

„Der erhabenen unbesiegten Göttin, die auf einem weißen Lotus sitzt und in jedem Kampf Sieg verleiht!“

Anmerkung: Dativendungen kontextgestützt normalisiert; Quelle mehrfach beschädigt.

Vers 336
harapatnī haripatnī hariputrastataḥ param |
phaṭkāraṃ ca vahninārī praṇavaṃ cāparājite ||336||

Haras Gattin, Haris Gattin und Haris Sohn; phaṭ, Vahninari und Pranava; „Aparajite“.

Anmerkung: Verwandtschaftsbezeichnungen hier Lautchiffren, keine erfundenen Silbenwerte.

Vers 337
sambodhyante ca praṇavaṃ māyā haṃ bījamuttamam |
adhvā caiva mahāvidye mohaya viśvakarmakam ||337||

Nach der Anrede Pranava, Maya und das vortreffliche Bija haṃ; Adhva, dann „Mahavidya, bezaubere Vishvakarman!“

Anmerkung: Viśvakarmakam kann auch alles Wirken beziehungsweise das Weltwirkende meinen; Eigenname nicht gesichert.

Vers 338
vāgramākāmabījaṃ ca trailokyamāveśyeti ca |
krodhamastradvayaṃ coktvā mahāvidye tataḥ param ||338||

Vak, Rama und Kama-Bija; „Die drei Welten durchdringend“, Krodha und zweimal Astra; dann „Mahavidya“.

Anmerkung: Āveśya auch im Sinn rituellen Ergriffenmachens möglich.

Vers 339
vāgbhavaḥ pretabījaṃ ca ḍākinī tadanantaram |
manaḥkūṭaṃ samābhāṣya ehyehi bhagavati tataḥ ||339||

Vagbhava, Preta-Bija, Dakini und das Manah-Kuta; „Komm, komm, erhabene Göttin!“

Vers 340
vābhravi tadanusmṛtya mahāpralaya cetyapi |
tāṇḍavakāriṇi tadā gaganagrāsini tataḥ ||340||

„Vabhravi, die du bei der großen Weltauflösung den wilden Tanz ausführst, den Himmelsraum Verschlingende!“

Anmerkung: Eigenname in e unsicher, möglicherweise Bābhravī; nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Vers 341
ramākrodhau yoginī ca kāminī śākinī tathā |
śatrūn hana haneti sarvaiśvaryaṃ dadadvayam ||341||

Rama, Krodha, Yogini, Kamini und Shakini; „Schlage, schlage die Feinde! Gib, gib alle Herrlichkeit!“

Anmerkung: Aishvarya hier Macht und Herrlichkeit.

Vers 342
mahotpātān vidhvaṃsaya vidhvaṃsayeti cāharan |
sarvarogān nāśaya nāśayeti tataḥ param ||342||

„Zerstöre, zerstöre die großen Unheilszeichen! Vernichte, vernichte alle Krankheiten!“

Anmerkung: Historische Heil- und Abwehrbitte, keine Aussage über medizinische Wirksamkeit.

Vers 343
vedamastakakamalākāmaprāsādapāśakāḥ |
mahākṛtyābhicāragrahadoṣān nivāraya ||343||

Vedamastaka, Kamala, Kama, Prasada und Pasha; „Wehre die Schäden durch mächtige Kritya-Geister, Schadenszauber und Grahas ab …“

Anmerkung: Grahas: hier ergreifende beziehungsweise schädigende Mächte, auch mit Planeten verbunden; Satz geht weiter.

Vers 344
nivāraya mathadvandvamaṅkuśaṃ kālameva ca |
amṛtaṃ pralayaṃ caiva phetkārī tadanantaram ||344||

„… wehre sie ab! Zermalme, zermalme!“ Dann Ankusha, Kala, Amrita, Pralaya und Phetkari.

Vers 345
vahnyaṅganā vābhravi ca tāramāyāramāstathā |
krodhaṃ bhagavati tato mahāḍāmari tatparam ||345||

Vahnyangana, „Vabhravi“, Tara, Maya, Rama und Krodha; „Erhabene Göttin, Mahadamari!“

Anmerkung: Vabhravi wie 340 unsicher; Mahadamari als Göttinnenname beibehalten.

Vers 346
ḍamaruhaste tadanu nīlapītamukhi tataḥ |
jīvagrāhagalaniṣpeṣiṇi tato haret sudhīḥ ||346||

„Die Damaru-Trommel in der Hand Haltende, mit blauem und gelbem Antlitz, die Kehlen der Lebewesen-Ergreifer Zerquetschende!“ So setzt der Verständige die Anrufung fort.

Anmerkung: Jīvagrāha unsichere Lesung für lebensraubende beziehungsweise ergreifende Wesen; nicht zu Menschenopfern umgedeutet.

Vers 347
yoginī kāminī caiva śākinī ḍākinī tathā |
mahāśmaśānaraṅgacarcarīgāyike tataḥ ||347||

Yogini, Kamini, Shakini und Dakini; „Die du auf dem Schauplatz der großen Verbrennungsstätte das Charchari-Lied singst!“

Anmerkung: Charchari: Bezeichnung eines Gesangs beziehungsweise Tanzgesangs; keine rekonstruierte musikalische Form.

Vers 348
turuyugmaṃ mardayugmaṃ mardayayugmameva ca |
phetkārī vahnijāyā ca ḍāmari tadanu smaret ||348||

Zweimal „turu“, zweimal „marda“, zweimal „mardaya“ – zerdrücke; dann Phetkari, Vahnijaya und „Damari“.

Anmerkung: Unterschiedliche Laut-/Befehlsformen marda und mardaya wie lesbar beibehalten; nicht vereinheitlicht.

Vers 349
tāramāyā śākinī ca vetālamukhi tatparam |
carcike tadanu krodhaṃ yoginī kāminī tathā ||349||

Tara, Maya und Shakini; „Mit Vetala-Antlitz, Charchike!“ Dann Krodha, Yogini und Kamini.

Vers 350
jvālāmāli tataḥ paścādvisphuliṅgaramaṇi hi |
mahākāpālini tadā kātyāyani tataḥ param ||350||

„Mit Flammenkranz, in Funken Spielende, große Kapalini, Katyayani!“

Anmerkung: Jvālāmāli als überlieferte Anrede belassen, nicht grammatisch erweitert.

Vers 351
ramāsmarau ḍākinī ca … grasadvandvaṃ tataḥ pāśāṅkuśau prāsādameva ca ||351||

Rama, Smara und Dakini; zwei beschädigte, jeweils zu wiederholende Lautwörter. Dann zweimal „Verschlinge!“, Pasha, Ankusha und Prasada.

Anmerkung: Fragment: als kaha und ghama erscheinende Lautwörter unsicher, nicht rekonstruiert.

Vers 352
naramāṃsarudhiraparipūritakapāle ca |
pīyūṣaghanaśaktīnāṃ krameṇa bījamāharet ||352||

„Deren Totenschale mit Menschenfleisch und Blut gefüllt ist!“ Dann nacheinander die Bijas von Piyusha, Ghana und Shakti.

Anmerkung: Drastische historische Göttinnenanrede; Ghana als Bija-Bezeichnung beibehalten.

Vers 353
asūyātritayaṃ cāstradvayaṃ cānalabhāvini |
carcike tadanu māyādvayaṃ mahāmaṅgale tataḥ ||353||

Dreimal Asuya, zweimal Astra und Analabhavini; „Charchike“, zweimal Maya, dann „Mahamangale“, überaus Heilvolle.

Anmerkung: Analabhavini unsichere Feuer-bezogene Formelchiffre; nicht ausgeschrieben.

Vers 354
mahāmaṅgaladāyini abhaye bhayahāriṇi |
vahnistrī ca tataḥ paścādabhaye tadanantaram ||354||

„Großes Heil Gewährende, Furchtlose, Furcht Fortnehmende!“ Dann Vahnistri und „Abhaye“.

Vers 355
tāravāgbhavacāmuṇḍāḥ prāsādaṃ pretameva ca |
uttānapāde tadanu ekavīre tataḥ param ||355||

Tara, Vagbhava, Chamunda, Prasada und Preta; „Mit ausgestreckten beziehungsweise erhobenen Füßen, Ekavire“, einzige Heldin.

Anmerkung: Uttānapāda lässt ohne nähere Beschreibung keine eindeutige Körperhaltung festlegen.

Vers 356
hasayugmaṃ gāyayugmaṃ nṛtyayugalameva ca |
rakṣadvayaṃ mahākrodhacaṇḍakālāstathaiva ca ||356||

Zweimal „Lache!“, zweimal „Singe!“, zweimal „Tanze!“ und zweimal „Beschütze!“ Dann Mahakrodha, Chanda und Kala.

Vers 357
sarpabījaṃ ratibījaṃ pāśaghaṇṭāmuṇḍetyapi |
khaṭvāṅgadhāriṇi tato'stradvayaṃ hṛdayaṃ dviḥ ||357||

Sarpa-Bija, Rati-Bija; „Schlinge, Glocke, Kopf und Khatvanga tragende Göttin!“ Dann zweimal Astra und zweimal Hridaya.

Vers 358
ekavīre tataḥ paścāt tāratrapākrodhāstathā |
vāṇīramāmārapāśāṅkuśaprāsādāstadanantaram ||358||

„Ekavire“, dann Tara, Trapa, Krodha, Vani, Rama, Mara, Pasha, Ankusha und Prasada.

Vers 359
bhagavati mahāghorakarālini tataḥ param |
tāmasi mahāpralayatāṇḍavini tataḥ param ||359||

„Erhabene Göttin, überaus furchtbar Schreckliche, Tamasi, Dunkle, die du bei der großen Weltauflösung den wilden Tanz ausführst!“

Vers 360
carcarīkaratālike tato jayadvayaṃ smaret |
janani tadanu smṛtvā jambha jambha tataḥ param ||360||

„Die du zum Charchari-Gesang in die Hände klatschst!“ Zweimal „Sieg!“, dann „Mutter, lähme, lähme!“

Anmerkung: Jambha jambha als lähmender beziehungsweise überwältigender Ritualbefehl im Zusammenhang übersetzt.

Vers 361
mahākāli tadanu ca kālanāśini tataḥ param |
bhrāmari bhrāmari tato ḍamarubhrāmiṇi tathā ||361||

„Mahakali, die Zeit Vernichtende, Bhramari, Bhramari, die du die Damaru-Trommel schwingst!“

Anmerkung: Bhramari zugleich bienen- beziehungsweise summenbezogener Göttinnenname; Trommelattribut leicht beschädigt.

Vers 362
medhasmarau tathā bhūtaṃ yoginī kāminī tataḥ |
śākinī ḍākinī caiva pralayaḥ phetkārī tathā ||362||

Medha, Smara, Bhuta, Yogini, Kamini, Shakini, Dakini, Pralaya und Phetkari.

Vers 363
tato'straṃ hṛdayaṃ caiva vaiśvānarāṅganā tataḥ |
tāmasi tadanu smṛtvā tāravāṇyau tataḥ param ||363||

Astra, Hridaya und Vaishvanarangana; „Tamasi“, dann Tara und Vani.

Anmerkung: Vaishvanarangana: Gattin des Feuers als Formelchiffre.

Vers 364
samaravijayetyuktvā dāyini tadanantaram |
mattamātaṅgeti tato yāyini tadanantaram ||364||

„Sieg im Kampf Gewährende, auf einem brünstigen Elefanten Reitende!“

Anmerkung: Die Quelle setzt die zusammengesetzten Anreden aus einzelnen angegebenen Wörtern zusammen.

Vers 365
ramābījaṃ pāśabījaṃ harapatnī tataḥ param |
bhagavati tataḥ paścājjayanti tadanantaram ||365||

Rama-Bija, Pasha-Bija und Harapatni; „Erhabene Göttin, Jayanti“, Siegende.

Vers 366
samare jayaṃ tadanu dehi dehi tataḥ param |
mama śatrūn vidhvaṃsaya vidhvaṃsayeti tatparam ||366||

„Gib, gib Sieg im Kampf! Zerstöre, zerstöre meine Feinde!“

Anmerkung: Historische Kampf- und Schadensbitte.

Vers 367
vidrāvayayugaṃ tadā bhañjadvayaṃ tathāparam |
mardayayugalaṃ tatasturuyugmaṃ tathā vadet ||367||

Zweimal „Vertreibe!“, zweimal „Zerbrich!“, zweimal „Zerdrücke!“ und zweimal „turu“.

Anmerkung: Mardaya aus beschädigtem madaya kontextgestützt gelesen; alternative Bedeutung „Berausche!“ bleibt möglich.

Vers 368
… harisutau kāminī tadanantaram |
hṛdayaṃ vahnijāyā ca jayanti tadanantaram ||368||

Eine beschädigte Lautgruppe, dann Harisuta, Kamini, Hridaya und Vahnijaya; „Jayanti“.

Anmerkung: Fragment: Anfang und Zahl-/Kasusbezug von harisutau unklar, keine Bija-Reihe rekonstruiert.

Vers 369
tāraramāpāśāṅkuśasmarakrodhāstataḥ param |
dhanadā ca samādiśya ekānaṃśe tataḥ param ||369||

Tara, Rama, Pasha, Ankusha, Smara und Krodha; Dhanada, dann „Ekanamshe“.

Anmerkung: Samādiśya unsichere, inhaltlich untergeordnete Lesung „angegeben habend“.

Vers 370
ḍamaru ḍāmari nīlāmbare nīlavibhūṣaṇe |
nīlanāgāsane tataḥ sakalasurāsurāniti ||370||

„Damaru, Damari, blau Gewandete, mit blauem Schmuck Geschmückte, auf einer blauen Schlange Sitzende! Alle Götter und Gegengötter …“

Anmerkung: Damaru in der Quelle als Einzelwort; nicht zu einer längeren Anrede ergänzt. Satz weiter in 371.

Vers 371
vaśe kuru kuru tadā janyike kanyake tataḥ |
siddhide vṛddhide tato yoginī kāminī tathā ||371||

„… bringe, bringe unter Gewalt! Janyike, Mädchen-Göttin, Vollendung Gewährende, Gedeihen Gewährende!“ Dann Yogini und Kamini.

Anmerkung: Janyike unsicherer Name; Kanyaka hier nichtsexualisierte Göttinnenbezeichnung.

Vers 372
krodhasmarau śākinī ca prāsādaṃ phaṭkāraṃ tataḥ |
vahnijāyā tataḥ paścādekānaṃśe tataḥ param ||372||

Krodha, Smara, Shakini, Prasada, phaṭ und Vahnijaya; „Ekanamshe“.

Vers 373
vāgbhavaṃ brahmavādinyai brahmarūpiṇyai dviṭhastathā |
tadante brahmarūpiṇi tāratrapāramāsmarāḥ ||373||

Vagbhava; „Der Brahmavadini, deren Gestalt Brahman ist“, Dvitha; „Brahmarupini“, Tara, Trapa, Rama und Smara.

Vers 374
asūyā bhagavati tathā nīlalohiteśvari tataḥ |
tribhuvanaṃ rañjaya rañjaya sakaleti ca ||374||

Asuya; „Erhabene Göttin, Nilalohiteshvari, schwarzrote Herrin! Erfreue, erfreue die drei Welten! Alle …“

Anmerkung: Rañjaya auch „färbe, gewinne für dich, bezaubere“; Satz weiter in 375.

Vers 375
surāsurānākarṣayākarṣaya hṛdayaṃ tadā |
vahnijāyā nīlalohiteśvari tataḥ param ||375||

„… Götter und Gegengötter ziehe, ziehe herbei!“ Hridaya, Vahnijaya, dann „Nilalohiteshvari“.

Vers 376
vāṇī tasyāḥ sapatnī ca trikālavedinyai tataḥ |
vahnijāyā tadante ca trikālavedini tataḥ ||376||

Vani und ihre Mitgattin; „Der Kennerin der drei Zeiten“, Vahnijaya; „Trikalavedini“.

Anmerkung: Vani und „ihre Mitgattin“ als Lautchiffren beibehalten; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind die drei Zeiten.

Vers 377
vedaśiraśca kamalā bhuvaneśī smarastathā |
kāminī śākinī caiva krodhamastraṃ tataḥ param ||377||

Vedashiras, Kamala, Bhuvaneshi, Smara, Kamini, Shakini, Krodha und Astra.

Vers 378
brahmavetālarākṣasi kālī mahāsūyā tathā |
caṇḍo viṣṇuśavāvataṃsike tataḥ param ||378||

„Brahma-Vetala-Rakshasi“, Kali, Mahasuya und Chanda; „Die du Vishnus Leichnam als Schmuck trägst!“

Anmerkung: Zusammensetzung der ersten Geisteranrede nicht sicher aufzulösen; als Name beibehalten.

Vers 379
yoginī pretabījaṃ ca pīyūṣaṃ tadanantaram |
mahārudrakuṇapārūḍhe medhapāśau tataḥ śṛṇu ||379||

Yogini, Preta-Bija und Piyusha; „Die du auf dem Leichnam des großen Rudra sitzt!“ Dann Medha und Pasha; höre weiter.

Vers 380
prāsādamastratritayaṃ hṛdayaṃ vahnivallabhā |
… tāravāṇyau ca ramā hrīṃ smara eva ca ||380||

Prasada, dreimal Astra, Hridaya und Vahnivallabha; eine beschädigte Anrede, dann Tara, Vani, Rama, hrīṃ und Smara.

Anmerkung: Fragment: Göttinnenname am Beginn der zweiten Halbzeile nicht sicher; auch hrīṃ nur unsicher lesbar, nicht als gesicherte Silbe ausgegeben.

Vers 381
prāsādakrodhapāśāśca yoginī kāminī tataḥ |
krodhaśca śākinī caiva kālī medhastathāparam ||381||

Prasada, Krodha, Pasha, Yogini, Kamini, Krodha, Shakini, Kali und Medha.

Anmerkung: Letztes Wort auch megha lesbar; Bija-Name unsicher.

Vers 382
vahnijāyā raktadanti harapatnī smarastathā |
asūyā śākinī caiva ḍākinī pralayastathā ||382||

Vahnijaya; „Raktadanti“, Rotzahnige; Harapatni, Smara, Asuya, Shakini, Dakini und Pralaya.

Vers 383
phetkārī kaṇikā caiva hāraḥ sānustathaiva ca |
iṣṭirastraṃ vahnijāyā bhūtabhairavi tataḥ param ||383||

Phetkari, Kanika, Hara, Sanu, Ishti, Astra und Vahnijaya; „Bhutabhairavi“.

Anmerkung: Seltene Bija-Namen kaṇikā, hāra, sānu und iṣṭi sind unsicher; keine erfundenen Lautwerte oder wörtlichen Mantrabedeutungen.

Vers 384
vāṇī ramā pāśakalā hṛdayaṃ tadanantaram |
tataḥ paścāt ṣaḍāmnāyaṃ paripālinyai tato vadet ||384||

Vani, Rama, Pasha, Kala und Hridaya; dann „Der Bewahrerin der sechs Amnayas“.

Anmerkung: Amnayas: überlieferte Lehrströme beziehungsweise tantrische Offenbarungsrichtungen.

Vers 385
śoṣiṇyai drāviṇyai tato … |
jūṃ bījaṃ bluṃ bījaṃ caivamādityamokārayuttakaḥ ||385||

„Der Austrocknenden, der Schmelzenden“, danach beschädigte Anreden; das Bija jūṃ, das Bija bluṃ sowie Aditya, mit o versehen.

Anmerkung: Fragment: zwei weitere Dativ-Anreden unlesbar; auch letzter Vokalbezug unsicher. Bluṃ mit kurzem u nach Quelle.

Vers 386
kulakoṭinyai tataḥ kākāsanāyai śākinī tataḥ |
astraṃ dviṭhaḥ kulakuṭṭini tatastāraṃ smarastathā ||386||

„Der Kulakotini, die auf einer Krähe sitzt“, Shakini, Astra und Dvitha; „Kulakuttini“, Tara und Smara.

Anmerkung: Die beiden Namensformen unterscheiden sich in e; nicht vereinheitlicht. Kulakoṭinī möglicherweise beschädigt.

Vers 387
pīyūṣaṃ bhuvaneśī ca kāminīḥ krodha eva ca |
śākinī yoginī caiva tataścaṇḍaṃ śṛṇu priye ||387||

Piyusha, Bhuvaneshi, Kamini, Krodha, Shakini, Yogini und Chanda. Höre, Geliebte.

Vers 388
kāmākhyāyai phaṭkāraṃ ca śiraḥ kāmākhye tataḥ param |
medhapāśau prāsādaśca pretāṅkuśakālā api ||388||

„Der Kamakhya“, phaṭ und Shiras; „Kamakhye“, Medha, Pasha, Prasada, Preta, Ankusha und Kala.

Anmerkung: Shiras („Haupt“) als Formelchiffre beibehalten; keine Abschlusssilbe stillschweigend eingesetzt.

Vers 389
caturaśītikoṭimūrtaye tadanantaram |
viśvarūpāyai brahmāṇḍajaṭharāyai tāraṃ tataḥ ||389||

„Der mit vierundachtzig Crore Gestalten, deren Form das All ist und deren Bauch das Weltenei enthält!“ Dann Tara.

Anmerkung: 84 Crore entsprechen 840 Millionen; kosmologische Bildsprache der Quelle, keine historische Mengenangabe.

Vers 390
svāhā viśvarūpe pāśakāle vāmakarṇastataḥ param |
e o~ kṣemaṅkaryai tato dviṭhaḥ kṣemaṅkari tataḥ ||390||

„Svāhā, Vishvarupe!“ Pasha, Kala, Vamakarna, e und oṃ; „Der Heil Wirkenden“, Dvitha, dann „Kshemankari“.

Anmerkung: E oṃ nach sichtbarer Folge; oṃ-Schreibung in e mit Chandrabindu. Keine zusätzliche Mantra-Normalisierung.

Vers 391
vāṇyāgamaśiromāyākandarpāstadanantaram |
nigamāgamabodhite sambodhanapadaṃ tataḥ ||391||

Vani, Agamashiras, Maya und Kandarpa; dann die Anrede „Die du durch Nigama und Agama erschlossen wirst!“

Anmerkung: Sambodhana statt beschädigtem sadyodhana kontextgestützt; Nigama/Agama bezeichnen Offenbarungs- und Lehrüberlieferungen. Der Herausgeber erwägt bei der vergleichbaren Form 391 stattdessen sadyodhanaprade (sofort Reichtum Gewährende); die Lesung sambodhana ist daher nicht als gesichert anzusehen.

Vers 392
bhagavati kuleśvari tataḥ krodhāstradviṭhakāḥ |
kuleśvari vāgbhavaśca kāmabījaṃ tataḥ param ||392||

„Erhabene Göttin, Kuleshvari“, Krodha, Astra und Dvitha; „Kuleshvari“, Vagbhava und Kama-Bija.

Vers 393
tato jagadunmādinyai ṅe'ntā kāmāṅkuśā tataḥ |
viśvavidrāviṇī ṅe'ntā strīpuruṣamohinī ca ||393||

„Der die Welt in Rausch Versetzenden“, dann Kama-Ankusha mit Dativendung; ebenso „der die Welt Vertreibenden“ und „der Frauen und Männer Bezaubernden“.

Anmerkung: Angaben ṅe/chaturthi bezeichnen Dativformen; letzter Dativhinweis folgt 394.

Vers 394
caturthyantāṃ samābhāṣya māyākrodhābalāstathā |
vahnistrī ca tataḥ paścāt kāmāṅkuśe padaṃ tataḥ ||394||

Man spricht die zuletzt genannte Anrede ebenfalls im Dativ; dann Maya, Krodha, Abala und Vahnistri, anschließend „Kamankushe“.

Anmerkung: Abalā als Bija-Chiffre belassen; keine ungesicherte Silbe eingesetzt.

Vers 395
tāraṃ ca hṛdayaṃ caiva sarvadharmadhvajāṃ tataḥ |
ṅe'ntāmuccārya tataḥ sakalasamayācāretyapi ||395||

Tara, Hridaya und „Sarvadharmadhvaja“, Bannerträgerin aller Dharmas, im Dativ; dann beginnt „Durch sämtliche Samaya-Lehren und Verhaltensweisen …“.

Anmerkung: Zusammengesetzte Anrede setzt sich in 396 fort; samaya umfasst hier überlieferte Lehre und Verpflichtung.

Vers 396
bodhitā tataḥ krodhamāveśinyai tataḥ param |
astrasvāhe tataḥ paścādāveśini padaṃ tataḥ ||396||

„… Erschlossene“, Krodha; „Der Aveshini“, Astra und svāhā; dann „Aveshini“.

Anmerkung: Aveshini: die eintretende beziehungsweise Ergriffenheit bewirkende Göttin; Kasus des fortgesetzten Attributs beschädigt.

Vers 397
tāratrapāramākāmayoginīkāminī tathā |
ḍākinī krodhamastraṃ ca karālini padaṃ tataḥ ||397||

Tara, Trapa, Rama, Kama, Yogini, Kamini, Dakini, Krodha und Astra; dann „Karalini“, Schreckliche.

Vers 398
māyūri śikhipicchikāhaste sambodhanaṃ padam |
khecarī … ṛkṣakarṇi padaṃ tataḥ ||398||

Die Anrede „Mayuri, mit Pfauenfedern in der Hand!“ Khechari, eine beschädigte Bija-Gruppe, dann „Rikshakarni“, mit Bärenohren.

Anmerkung: Fragment: Gruppe nach khecarī unklar; sambodhana kontextgestützte Lesung. Ṛkṣakarṇi seltene, unsichere Anrede. Der Herausgeber erwägt bei der vergleichbaren Form 391 stattdessen sadyodhanaprade (sofort Reichtum Gewährende); die Lesung sambodhana ist daher nicht als gesichert anzusehen.

Vers 399
jālandhari padamābhāṣya mā māṃ dviṣantu śatravaḥ |
nandayantu bhūpatayo bhayaṃ mocaya tataḥ param ||399||

„Jalandhari, mögen die Feinde mich nicht hassen! Mögen die Könige mich erfreuen! Befreie mich von Furcht!“

Vers 400
krodhāstre vahnijāyā ca māyūripadameva ca |
tāramedhāmṛtāṅkuśā indrākṣi tadanantaram ||400||

Krodha, Astra, Vahnijaya; „Mayuri“, Tara, Medha, Amrita und Ankusha; dann „Indrakshi“.

Vers 401
krodhāstratrayamābhāṣya vahnijāyā tataḥ param |
indrākṣipadamābhāṣya kālyaṅkuśau tataḥ param ||401||

Krodha und dreimal Astra, dann Vahnijaya; „Indrakshi“, Kali und Ankusha.

Anmerkung: Die Dreierzahl könnte sich auf die gesamte Krodha-Astra-Gruppe beziehen; keine stillschweigende Lautwiederholung ausgeschrieben.

Vers 402
hayagrīvastataḥ siddho māyācaṇḍastato ghoṇaki |
ghoṇakimukhi tubhyaṃ namaḥ svāhā tataḥ param ||402||

Hayagriva, Siddha, Maya und Chanda; „Ghonaki, Ghonaki-Antlitzige, dir Verehrung! Svāhā!“

Anmerkung: Ghoṇaki unsicherer Eigenname, mit „Schnauze“ verwandt; keine sichere Tierart eingesetzt.

Vers 403
ghoṇaki vāktrapāpadmākrodhakāmāśca śākinī |
yoginī śākinī caiva phetkārī tadanantaram ||403||

„Ghonaki“, Vak, Trapa, Padma, Krodha, Kama, Shakini, Yogini, erneut Shakini und Phetkari.

Anmerkung: Wiederholung von Shakini nach Quelle beibehalten.

Vers 404
bhīmādevi bhīmanāde bhīmakarāli tataḥ param |
mahāpralayacaṇḍalakṣmīḥ siddheśvara tataḥ param ||404||

„Bhimadevi, furchtbar Tönende, furchtbar Schreckliche!“ Dann Mahapralaya, Chanda, Lakshmi und Siddheshvara.

Anmerkung: Zweite Halbzeile als Bija-/Kuta-Reihe gelesen; auch zusammengesetzte Göttinnenanrede Mahāpralayacaṇḍalakṣmī möglich.

Vers 405
jīvahīnaṃ parākūṭaṃ bṛhatkūṭamataḥ param |
… kūṭaṃ mahāghoreti saṃvadet ||405||

Das Para-Kuta ohne Jiva, danach das Brihat-Kuta; ein weiterer beschädigter Kuta-Name, dann „Mahaghore“, überaus Furchtbare.

Anmerkung: Fragment: dritter Kuta-Name nicht sicher lesbar; Jiva als Lautchiffre unaufgelöst.

Vers 406
ghoratare bhagavati bhayahāriṇi tatparam |
māṃ dviṣato vibhāṣyaiva nirmūlayayugaṃ vadet ||406||

„Noch Furchtbarere, erhabene Göttin, Furcht Fortnehmende! Die mich hassen: Rotte sie aus, rotte sie aus!“

Anmerkung: Historische feindgerichtete Ritualformel.

Vers 407
vidrāvayayugaṃ coktvā utsādayayugaṃ tataḥ |
tato mahārājyalakṣmīṃ vitarayadvayaṃ haret ||407||

Zweimal „Vertreibe!“, zweimal „Vernichte!“, dann „Gewähre, gewähre das Glück großer Königsherrschaft!“

Anmerkung: Vitaraya aus beschädigtem vikaraya kontextgestützt gelesen.

Vers 408
dehiyugmaṃ dāpayayugaṃ ḍākinī pralayastathā |
amṛtapretaprāsādā … tataḥ param ||408||

Zweimal „Gib!“, zweimal „Lass geben!“, Dakini, Pralaya, Amrita, Preta und Prasada; danach eine Textlücke.

Anmerkung: Fragment: Quelle weist nach prāsāda eine längere beschädigte Gruppe auf; keine Silben ergänzt.

Vers 409
krodhakṣetrapa… prāsādastata eva ca |
jayayugmaṃ rākṣasakṣayakāriṇi vadettataḥ ||409||

Krodha, Kshetrapa und ein beschädigtes weiteres Formelglied; Prasada, zweimal „Sieg!“ und „Rakshasas Vernichtende!“

Anmerkung: Fragment: Gruppe nach kṣetrapa unklar; nicht stillschweigend durch Astra ersetzt.

Vers 410
tāratrapākrodhāstadā dviṭhāntaṃ tryastrameva ca |
hṛcchirasī tadanu bhīmādevī tathāparam ||410||

Tara, Trapa und Krodha, mit Dvitha am Ende; dreimal Astra, Hridaya und Shiras; dann Bhimadevi.

Anmerkung: Dviṭhānta und tryastra aus beschädigten Zeichen kontextgestützt gelesen, Einzelzeichen unsicher.

Vers 411
tāravāṇīramāmāyākrodhaśākinya eva ca |
ḍākinī pralayaścaiva phetkārī phakāraṃ tathā ||411||

Tara, Vani, Rama, Maya, Krodha, Shakini, Dakini, Pralaya, Phetkari und der Laut pha.

Vers 412
praviśa saṃsāre tadanu mahāmāye tataḥ param |
pha phaḍiti samābhāṣya brahmaśironikṛntani ||412||

„Tritt in den Samsara ein, Mahamaya!“ Dann „pha phaḍ“ und „Brahmas Haupt Abschneidende!“

Anmerkung: Samsāre kontextgestützte Kasuslesung; phaḍ wie in der Quelle, nicht zu phaṭ vereinheitlicht.

Vers 413
viṣṇutanunirdalini jaṃ jambhike tataḥ param |
steṃ stambhike chindiyugaṃ bhindi daha yugaṃ yugam ||413||

„Vishnus Leib Zerschmetternde! Jaṃ, Jambhike! Steṃ, Stambhike!“ Zweimal „Zerschneide!“, zweimal „Spalte!“ und zweimal „Verbrenne!“

Anmerkung: Bija jaṃ und steṃ nur unsicher aus e lesbar; Jambhika/Stambhika lähmende Göttinnenformen.

Vers 414
mathayugmaṃ pacayugmaṃ pañcaśavārūḍhe tataḥ |
pañcāgamapriye tato'mṛtaṃ dasrañca khecarī ||414||

Zweimal „Zermalme!“, zweimal „Koche!“; „Auf fünf Leichnamen Sitzende, der die fünf Agamas lieb sind!“ Dann Amrita, Dasra und Khechari.

Anmerkung: Dasra ist im älteren Textzeugen lesbar; als Lautchiffre bewahrt. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 9840–9843. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 255.

Vers 415
ramā kāmastathā saṃvit pañcapāśupatityapi |
astradhāriṇi samuccārya krodhatritayameva ca ||415||

Rama, Kama und Samvit; „Die fünf Pashupata-Waffen Tragende!“ Dann dreimal Krodha.

Anmerkung: Saṃvit unsichere Lesung des Bija-Namens; zusammengesetzte Waffenanrede grammatisch gestört, Sinn hinreichend erkennbar.

Vers 416
astradvayaṃ vahnijāyā brahmanikṛntani tataḥ |
vākpāśavedaśirasastato hṛdayameva ca ||416||

Zweimal Astra, Vahnijaya; „Brahma Zerschneidende“, Vak, Pasha, Vedashiras und Hridaya.

Anmerkung: Vāk-pāśa in e leicht beschädigt; keine zusätzlichen Bijas ergänzt.

Vers 417
paraśivaviparītācārakāriṇi tataḥ param |
hrīramākāmayoginīkāminyastata eva hi ||417||

„Die du mit Parashiva das umgekehrte Ritual vollziehst!“ Dann Hri, Rama, Kama, Yogini und Kamini.

Anmerkung: Viparītācāra bezeichnet hier einen umgekehrten, im Kontext sexualrituellen Vollzug; nicht in moderne Yoga-Praxis umgedeutet.

Vers 418
mahāghoravikarālini khaṇḍāṅgaśirodhāriṇi |
tato'pi bhagavatyugre śākinī ḍākinī tadā ||418||

„Überaus furchtbar Schreckliche, abgetrennte Glieder und Köpfe Tragende, erhabene wilde Göttin!“ Dann Shakini und Dakini.

Vers 419
pralayaphetkāryau ca kūṭaṃ prābhātikaṃ tataḥ |
vārāhikaṃ tataḥ kūṭaṃ krodhāstre vahnivallabhā ||419||

Pralaya, Phetkari, das Prabhatika-Kuta, das Varahika-Kuta, Krodha, Astra und Vahnivallabha.

Vers 420
bhuvaneśī tataḥ krodhamardhamastake tataḥ param |
kālī tāraśca krodhaṃ ca śākinī kāminī tadā ||420||

Bhuvaneshi und Krodha; „Ardhamastake“, Halbköpfige; Kali, Tara, Krodha, Shakini und Kamini.

Anmerkung: Ardhamastake unsicherer Eigenname beziehungsweise Anrede; nicht durch eine geläufigere Göttinnenform ersetzt.

Vers 421
caṇḍabījaṃ tataścaṇḍakhecari jvalayugmakam |
prajvaladvitayaṃ caiva nirmāṃsadehe namaḥ ||421||

Das Chanda-Bija; „Chandakhechari, flamme, flamme! Lodere auf, lodere auf! Du mit fleischlosem Leib, Verehrung!“

Vers 422
dviṭhaścaṇḍakhecari hi vedādirnama eva ca |
pracaṇḍaghoradāvānalavāsinyai tataḥ param ||422||

Dvitha; „Chandakhechari“, Vedadi und namaḥ; „Der im gewaltigen, furchtbaren Waldbrand Wohnenden“.

Vers 423
hlīṃ haṃ samayavidyākulatattvadhāriṇī ca |
ṅe'ntā jñeyā tataḥ paścānmahāmāṃsarudhirapriyā ||423||

Hlīṃ, haṃ; „Die Samaya-Vidya und das Kula-Tattva Tragende“ ist im Dativ zu sprechen; danach „Der Menschenfleisch und Blut lieb sind …“.

Anmerkung: Haṃ nach beschädigtem h-Laut unsicher; mahāmāṃsa („großes Fleisch“) ist im Ritualkontext Menschenfleisch. Dativhinweis zur letzten Anrede folgt 424.

Vers 424
caturthyantā samājñeyā yoginī bījameva ca |
kāminī kāmabījaṃ ca dhūmāvatyai tataḥ param ||424||

Auch die letzte Anrede steht im Dativ. Dann das Yogini-Bija, Kamini, das Kama-Bija und „Der Dhumavati“.

Vers 425
sarvajñātā siddhidāyai śākinyastraṃ śirastathā |
tato dhūmāvati paścādvāktrapā pāśameva ca ||425||

„Der Allwissenheit und Vollendung Gewährenden“, Shakini, Astra und Shiras; „Dhumavati“, Vak, Trapa und Pasha.

Anmerkung: Sarvajñātā beschädigte Form; Allwissenheit als Sinn, keine gesicherte Sanskritkonjektur eingesetzt.

Vers 426
vāṃ sauḥ klīṃ mahābhogirājabhūṣaṇe tataḥ param |
sṛṣṭisthitipralayakāriṇi tadanantaram ||426||

Vāṃ, sauḥ, klīṃ; „Mit dem großen Schlangenkönig Geschmückte, Schöpfung, Bestand und Auflösung Bewirkende!“

Vers 427
haṃ huṃkāranāda… bhagavati tataḥ |
hāṭakeśvari tataḥ paścādamṛtaṃ tadanantaram ||427||

„Haṃ“, dann eine beschädigte Anrede über den Klang des Huṃ-Lautes; „Erhabene Göttin, Hatakeshvari!“ Danach Amrita.

Anmerkung: Fragment: Attribut nach huṃkāranāda nicht zuverlässig verständlich; fehlende Bedeutung nicht ergänzt.

Vers 428
dasrānandau raudrabījaṃ ramāvāgbhavacaṇḍakāḥ |
śākinī ḍākinī caiva mama śatrūniti smaret ||428||

Dasra und Ananda, dann das Raudra-Bija, Rama, Vagbhava, Chanda, Shakini und Dakini; „meine Feinde“.

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält die Verbindung Dasra–Ananda. Gezielter Abgleich mit der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 9874–9877. Unterschiedliche Kapitelzählung: dort 255.

Vers 429
māraya bandhaya dvau dvau mardayayugalaṃ tathā |
pātayayugalaṃ caiva tataḥ paścānmaheśvari ||429||

Je zweimal „Töte!“ und „Binde!“, zweimal „Zerdrücke!“ und zweimal „Stürze zu Boden!“, Maheshvari.

Vers 430
dhanadhānyāyurārogyaiśvaryaṃ tato dehidvayam |
dāpayayugalaṃ caiva mānasaṃ tadanantaram ||430||

„Gib, gib Reichtum, Getreide, Lebensdauer, Gesundheit und Herrlichkeit! Lass sie geben, lass sie geben!“ Dann Manasa.

Anmerkung: Historische Bitte, keine Wirksamkeitszusage.

Vers 431
pavikāpālabhāruṇḍāḥ prāsādaṃ bījameva ca |
pāśamaṅkuśavāṇyau ca tāraṃ hṛdvahnivallabhā ||431||

Pavi, Kapala, Bharunda, das Prasada-Bija, Pasha, Ankusha, Vani, Tara, Hridaya und Vahnivallabha.

Anmerkung: Pavi unsicher gelesener Bija-Name.

Vers 432
hāṭakeśvari tadanu vedādiḥ pāśameva ca |
vāṇīhrīkamalāścaiva śaktisauparṇi tatparam ||432||

„Hatakeshvari“, Vedadi, Pasha, Vani, Hri und Kamala; „Shaktisauparni“.

Anmerkung: Shaktisauparni als Göttinnenname beibehalten; Verbindung mit Garuda/Suparna möglich, keine weitere Legende ergänzt.

Vers 433
kamalāsane samuccārya uccāṭayadvayaṃ tataḥ |
vidveṣayadvayaṃ caiva krodhāstre vahnisundarī ||433||

„Auf dem Lotus Sitzende!“ Zweimal „Vertreibe!“, zweimal „Stifte Feindschaft!“, Krodha, Astra und Vahnisundari.

Anmerkung: Historische Vertreibungs- und Entzweiungsformel.

Vers 434
śaktisauparṇi tadanu tāravāṇyau trapā tataḥ |
kamalākāmaruṣaścaiva yoginī kāminī tataḥ ||434||

„Shaktisauparni“, Tara, Vani, Trapa, Kamala, Kama, Rush, Yogini und Kamini.

Vers 435
śākinī ḍākinī caiva pralayaḥ phetkārī tathā |
maṇimekhalā tadanu hārasānū tataḥ param ||435||

Shakini, Dakini, Pralaya, Phetkari, Manimekhala, Hara und Sanu.

Anmerkung: Die letzten drei Bezeichnungen sind als Formelglieder belassen; hāra/sānu wie bereits 383 unsicher.

Vers 436
bhagavati mahāmāri jagadunmūlini tataḥ |
kalpāntakāriṇi tadā śironiviṣṭavāmacaraṇe ||436||

„Erhabene Göttin, Mahamari, die Welt Entwurzelnde, das Ende des Kalpa Bewirkende, deren linker Fuß auf einem Haupt ruht!“

Anmerkung: Wessen Haupt gemeint ist, sagt die lesbare Stelle nicht; nicht ergänzt.

Vers 437
digambari tataḥ paścāt samayeti tataḥ param |
tataḥ kulacakracūḍālaye māṃ rakṣa rakṣeti ||437||

„Digambari, mit den Himmelsrichtungen Bekleidete, Samaya, die du auf dem Gipfel des Kula-Chakras wohnst: Beschütze, beschütze mich!“

Anmerkung: Kula-Chakra als ritueller Kreis beziehungsweise Mandala; genaue Kompositumlesung cūḍālaye unsicher.

Vers 438
trāhiyugmaṃ pālayayugaṃ prajvaladāvānaletyapi |
jvālājaṭālajaṭili tato haṃ trayamāharet ||438||

Zweimal „Rette!“, zweimal „Behüte!“; „Mit flammendem Flechtenhaar im lodernden Waldbrand!“ Dann dreimal haṃ.

Anmerkung: Die beiden Feuer-/Haarattribute sind in einem Bild verbunden; keine zusätzlichen Sanskritwörter ergänzt.

Vers 439
hṛdayaṃ vahnijāyā ca mahāmāri tataḥ param |
vedādiśca vāṇī caiva raktāmbare tadanantaram ||439||

Hridaya, Vahnijaya; „Mahamari“, Vedadi, Vani; „Rot Gewandete!“

Vers 440
raktasraganulepane mahāmāṃsaraktapriye |
mahākāntāre tadanu māṃ trāhidvandvaṃ tataḥ param ||440||

„Mit roten Girlanden und roter Salbung, Menschenfleisch und Blut Liebende, rette, rette mich in der großen Wildnis!“

Anmerkung: Mahāmāṃsa nach ritualsprachlichem Zusammenhang wiedergegeben.

Vers 441
ramākāmatrapākrodhaśākinyo'straṃ śirastathā |
maṅgalacaṇḍi tadanu māyāstraṃ hṛdayaṃ tathā ||441||

Rama, Kama, Trapa, Krodha, Shakini, Astra und Shiras; „Mangalachandi“, Maya, Astra und Hridaya.

Vers 442
caṇḍograkālini tataḥ paramaśivaśakti hi |
sāmarasyaṃ tataḥ paścānnirvāṇadāyini tataḥ ||442||

„Chandograkalini, die du Nirvana durch die Einheit von Paramashiva und Shakti gewährst!“

Anmerkung: Sāmarasya wörtlich Gleichgeschmack, hier ungeschiedene Einheit; Kompositum über die metasprachlichen Zwischenwörter hinweg zusammengeführt.

Vers 443
narakaṅkāladhāriṇi brahmaviṣṇukuṇapavāhini |
vāṇī vedaśiraścaiva śākinī tadanantaram ||443||

„Menschenskelette Tragende, die du die Leichname Brahmas und Vishnus mit dir führst!“ Dann Vani, Vedashiras und Shakini.

Anmerkung: Vāhinī kann auch auf die Leichname als Träger beziehungsweise Reittiere verweisen; Bild nicht eindeutig.

Vers 444
tataḥ pratyakṣaṃ parokṣaṃ māṃ dviṣanti ye tānapi |
hanayugmaṃ nāśayayugmaṃ kūṣmāṇḍaḍākinī tadā ||444||

„Die mich offen oder verborgen hassen: Schlage, schlage sie! Vernichte, vernichte sie!“ Dann beginnt „Kushmanda- und Dakini- …“.

Anmerkung: Diese Geisterbezeichnungen schließen an die Furchtformel in 445 an; alternativ Bijas, Zusammenhang nicht ganz eindeutig.

Vers 445
skandavetālabhayaṃ nudayugmaṃ tataḥ param |
kokāmukhi ca tadanu svāhā tāraṃ trapā tataḥ ||445||

„… Skanda- und Vetala-Furcht vertreibe, vertreibe! Kokamukhi, wolfgesichtige Göttin, svāhā!“ Dann Tara und Trapa.

Anmerkung: Geisterabwehr im historischen Text; Skanda hier im Kontext ergreifender Mächte genannt.

Vers 446
madanaḥ śākinī caiva krodhaṃ tāraṃ trapā tataḥ |
krodhabījaṃ tataḥ paścāt śmaśāneti vadet sudhīḥ ||446||

Madana, Shakini, Krodha, Tara, Trapa und das Krodha-Bija; dann beginnt der Verständige „Auf der Verbrennungsstätte …“.

Anmerkung: Anrede weiter in 447.

Vers 447
śikhācāriṇyai bhagavatyai jvālākālyai tataḥ param |
yoginī kāminī caiva śākinī kālikāpi ca ||447||

„… in den Flammen Wandelnden, der erhabenen Jvalakali!“ Dann Yogini, Kamini, Shakini und Kalika.

Anmerkung: Shikhā hier Flammenspitze im Anschluss an śmaśāna, nicht ohne Kontext als Haarschopf übersetzt.

Vers 448
caṇḍāstrahṛcchirasāṃ jvālākāli tathāparam |
vāṇī ca kamalākāmapāśāṅkuśāśca kālikā ||448||

Chanda, Astra, Hridaya und Shiras; „Jvalakali“, Vani, Kamala, Kama, Pasha, Ankusha und Kalika.

Anmerkung: Kasusendung der ersten Gruppe gestört; lesbare Formelglieder vollständig erhalten.

Vers 449
aticaṇḍaṃ yoginī ca kāminī tadanantaram |
tato ghoranādakāli siddhiṃ me dehi tatparam ||449||

Atichanda, Yogini und Kamini; „Ghoranadakali, Kali mit furchtbarem Klang, gib mir Vollendung!“

Vers 450
sarvavighnamupaśamaya siddhikarāli tathāparam |
tataḥ siddhivikarāli krodhayugaṃ vadettataḥ ||450||

„Besänftige jedes Hindernis, Siddhikarali, Siddhivikarali!“ Dann zweimal Krodha.

Anmerkung: Die beiden verschiedenen Namensformen der Quelle beibehalten.

Vers 451
phaṭ svāhā ghoranādakālipadaṃ māyā tataḥ |
krodhaṃ ca śākinī caiva ḍākinī yoginī tathā ||451||

Phaṭ, svāhā; „Ghoranadakali“, Maya, Krodha, Shakini, Dakini und Yogini.

Vers 452
ugrakālyai khecarīsiddhidāyinyai tataḥ param |
parāparakulacakranāyikāyai vadettataḥ ||452||

„Der Ugrakali, die Khechari-Siddhi verleiht, der Führerin des höheren und niederen Kula-Chakras!“

Anmerkung: Khechari-Siddhi: hier die tantrische Vollendung der Bewegung im Raum; nicht allein mit einer modernen Mudra gleichgesetzt.

Vers 453
amṛtaṃ gāruḍaṃ caiva kāminīkṣetrapālinī |
kandarpastriśūlakṣatakāriṇyai namaḥ svāhā tataḥ ||453||

Amrita, Garuda, Kamini, Kshetrapalini und Kandarpa; „Der mit dem Dreizack Verwundenden, Verehrung! Svāhā!“

Anmerkung: Triśūlakṣatakāriṇyai aus beschädigter Zeichenfolge kontextgestützt; genaue Sanskritlesung unsicher.

Vers 454
ugrakāli tataḥ paścāt prāsādaṃ pretameva ca |
ādityaukārayuktaśca kālī māyā tataḥ param ||454||

„Ugrakali“, Prasada, Preta, Aditya mit au, Kali und Maya.

Vers 455
śākinī caṇḍaruṣaścaiva cāstraṃ vetālakāli hi |
kamalā bhuvaneśī ca vāṇīmanmathakālikāḥ ||455||

Shakini, Chanda, Rush und Astra; „Vetalakali“, Kamala, Bhuvaneshi, Vani, Manmatha und Kalika.

Vers 456
bhagavati saṃhārakāli brahmāṇḍaṃ ca piṣadvayam |
cūrṇayayugalaṃ māṃ rakṣadvayaṃ tataḥ param ||456||

„Erhabene Samharakali, zermahle, zermahle das Weltenei! Zerpulvere, zerpulvere es! Beschütze, beschütze mich!“

Vers 457
kālaghanaruṣaścaiva krodhāstradvitayaṃ punaḥ |
hṛdayaṃ vahnijāyā ca saṃhārakāli tatparam ||457||

Kala, Ghana und Rush; erneut Krodha und zweimal Astra, Hridaya und Vahnijaya; „Samharakali“.

Anmerkung: Zuordnung der Zweierzahl zum gesamten Krodha-Astra-Ausdruck möglich; keine erweiterte Lautfolge ausgeschrieben.

Vers 458
tāravāgbhavamāyāśca ramā mīnadhvajastataḥ |
mahāghoravikaṭarūpāyai tadanantaram ||458||

Tara, Vagbhava, Maya, Rama und Minadhvaja; „Der von überaus furchtbarer, gewaltiger Gestalt …“.

Anmerkung: Minadhvaja, „Fischbannerträger“, als Bija-Chiffre beibehalten; fortgesetzte Dativanrede.

Vers 459
jvaladanalavadanāyai sarvajñatāsiddhidāyai |
kālīśākinīkrodhāśca hṛdastraṃ vahnisundarī ||459||

„… deren Antlitz loderndes Feuer ist und die Allwissenheit und Vollendung gewährt!“ Dann Kali, Shakini, Krodha, Hridaya, Astra und Vahnisundari.

Vers 460
raudrakāli tataḥ paścāt śākinī bījamuttamam |
caṇḍāṭṭahāsini tato ḍākinī tadanantaram ||460||

„Raudrakali“, das vortreffliche Shakini-Bija; „Gewaltig Lachende“, dann Dakini.

Anmerkung: Caṇḍāṭṭahāsini aus leicht beschädigter Anrede gelesen.

Vers 461
brahmāṇḍamardini tataḥ pralayaśca tataḥ param |
brahmaviṣṇuśivabhakṣiṇi tatparaṃ smṛtam ||461||

„Das Weltenei Zermalmende“, Pralaya; „Brahma, Vishnu und Shiva Verzehrende!“

Vers 462
phetkārī mṛtyumṛtyudāyini tataḥ param |
nakṣatrakūṭaṃ tadanu bhaktasiddhividhāyini ||462||

Phetkari; „Die du dem Tod den Tod bringst“, das Nakshatra-Kuta; „Deinen Verehrern Vollendung Gewährende!“

Vers 463
sambuddhipadamuccārya kūṭaṃ vārāhikaṃ tataḥ |
bhagavati kṛtāntakāli tadanu krodhamastrakam ||463||

Nach dieser Anrede das Varahika-Kuta; „Erhabene Kritantakali“, dann Krodha und Astra.

Anmerkung: Kritanta ist eine Bezeichnung des Todes beziehungsweise seines Gottes; Göttinnenname beibehalten.

Vers 464
kuṇḍalākhyaṃ tataḥ kūṭaṃ hṛdastravahnivallabhāḥ |
kṛtāntakāli tadanu tāravāṇīramāsmarāḥ ||464||

Das Kundala genannte Kuta, Hridaya, Astra und Vahnivallabha; „Kritantakali“, Tara, Vani, Rama und Smara.

Vers 465
śākinī kālikā caiva yoginī kāminī tathā |
krodhaṃ bhīmakāli ca kālīdvayaṃ tataḥ param ||465||

Shakini, Kalika, Yogini, Kamini, Krodha; „Bhimakali“, dann zweimal Kali.

Vers 466
mahākrodhaṃ gāruḍaṃ ca pannagastadanantaram |
pretaśivaparyaṅkaśāyini padameva ca ||466||

Mahakrodha, Garuda und Pannaga; „Auf dem Lager des leichenhaften Shiva Ruhende!“

Anmerkung: Preta-Shiva bezeichnet hier den als reglosen Leichnam vorgestellten Shiva; kein gewöhnlicher Sterbebericht.

Vers 467
mahābhairavavinādini padametattataḥ param |
paśupāśaṃ mocaya mocayeti vadet sudhīḥ ||467||

„Mit gewaltigem Bhairava-Ruf Tönende! Löse, löse die Fessel des gebundenen Wesens!“ So spricht der Verständige.

Anmerkung: Pashu: das gebundene Wesen; Pasha: seine Fessel.

Vers 468
kāminī śākinī caiva khecarī caṇḍa eva ca |
caṇḍakāli krodhabījaṃ phaṭdvayaṃ tadanantaram ||468||

Kamini, Shakini, Khechari, Chanda; „Chandakali“, das Krodha-Bija und zweimal phaṭ.

Vers 469
caṇḍakālipadaṃ caiva oṃkārastho divākaraḥ |
… brahmabhāruṇḍau kalābījamataḥ param ||469||

„Chandakali“, Divakara auf Om; nach einer beschädigten Chiffre Brahma, Bharunda und das Kala-Bija.

Anmerkung: Fragment: erstes Glied der zweiten Halbzeile unsicher; Lautbildung nicht rekonstruiert.

Vers 470
dhanakāli dhanaprade dhanaṃ me dehi dāpaya |
kālikāśākinīkrodhāstato vajradharetyapi ||470||

„Dhanakali, Reichtum Gewährende, gib mir Reichtum, lass ihn mir geben!“ Kalika, Shakini und Krodha; „Vajra Tragende …“.

Anmerkung: Vajra: Donnerkeil beziehungsweise Diamantwaffe; Anrede weiter in 471.

Vers 471
vajriṇi kāmabījaṃ ca ramāhṛdvahnivallabhāḥ |
dhanakāli tataḥ paścāttārabhūtau tataḥ param ||471||

„… Vajrini“, Kama-Bija, Rama, Hridaya und Vahnivallabha; „Dhanakali“, Tara und Bhuta.

Vers 472
sudīrghakūṭaṃ tadanu megho vidyut tataḥ param |
ghorakāli tataḥ paścādviśvaṃ vaśīkuru tataḥ ||472||

Das Sudirgha-Kuta, Megha und Vidyut; „Ghorakali, bringe die Welt unter Gewalt!“

Anmerkung: Sudirgha-Kuta, „sehr langes Kuta“, hier Bezeichnung einer Lautgruppe.

Vers 473
punarvaśīkuru sarvaṃ kāryaṃ sādhaya dvayameva ca |
karāli vikarāli ca yoginī strī ca śākinī ||473||

Erneut „Bringe unter Gewalt!“; „Vollbringe, vollbringe jede Aufgabe! Karali, Vikarali!“ Dann Yogini, Stri und Shakini.

Vers 474
pretārūḍhe pretāvataṃse tathā ramā smarastathā |
rājānaṃ tadanu smṛtya mohayayugalaṃ tataḥ ||474||

„Auf einem Leichnam Sitzende, mit Leichnamen Geschmückte!“ Rama und Smara; „Bezaubere, bezaubere den König!“

Anmerkung: Pretārūḍhe aus beschädigtem pretārde kontextgestützt; genaue Lesung unsicher.

Vers 475
krodhāstrahṛdayāścaiva ghorakāli tataḥ param |
vāṇī trapā ramākāmā yoginī kāminī tathā ||475||

Krodha, Astra und Hridaya; „Ghorakali“, Vani, Trapa, Rama, Kama, Yogini und Kamini.

Vers 476
śākinī kālikāstre ca dviṭhaḥ saṃtrāsakāli vai |
kālīyugmaṃ māyāyugmaṃ krodhayugmaṃ tataḥ param ||476||

Shakini, Kalika, Astra und Dvitha; „Santrasakali“, Schrecken erregende Kali; jeweils zweimal Kali, Maya und Krodha.

Vers 477
lelihānarasanākarāle tadanantaram |
rorūyamāṇasajīvaśivānakṣatramāle ca ||477||

„Mit leckender Zunge Schreckliche!“ Danach: „Du mit einer Sternengirlande aus heulenden, lebenden Schakalinnen!“

Anmerkung: Die ältere Fassung erhält das Bild der nakṣatramālā, Sternengirlande. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 10012–10015; deren Kapitelzählung 255.

Vers 478
yoginī strī śākinī ca pretakāli tataḥ param |
bhagavati bhayānake mama bhayaṃ tataḥ param ||478||

Yogini, Stri, Shakini; „Pretakali, erhabene Göttin, Furchterregende, meine Furcht …“.

Anmerkung: Satz weiter in 479.

Vers 479
apanaya tataḥ svāhā pretakāli tataḥ param |
tāravāṇītrapākrodhā ratirānanda eva ca ||479||

„… nimm fort! Svāhā!“ „Pretakali“, Tara, Vani, Trapa, Krodha, Rati und Ananda.

Vers 480
khecarī ca gaurī caiva śākinī pralayakāli vai |
pralayakāriṇi tato navakoṭi tataḥ param ||480||

Khechari, Gauri und Shakini; „Pralayakali, Weltauflösung Bewirkende, Herrin der neun Crore …“.

Anmerkung: Anrede über 481 fortgesetzt; neun Crore = neunzig Millionen.

Vers 481
kulākulacakreśvari dānavaḥ karma eva ca |
blūkāraṃ slekāraṃ caiva drāvaṇaṃ ca tataḥ param ||481||

„… Kula- und Akula-Kreise!“ Dann Danava, Karma, blū, sle und Dravana.

Anmerkung: Karma möglicherweise beschädigter Bija-Name; blū/sle nur unsicher aus e gelesen, keine gesicherte Rezitationsfassung.

Vers 482
paramaśivatattvasamayaprakāśini ca |
bindudvayānvitaṃ bījaṃ jayākhyaṃ tadanantaram ||482||

„Die du die Lehre von der Wirklichkeit Paramashivas offenbarst!“ Dann das Jaya genannte Bija mit zwei Punkten.

Anmerkung: Samaya hier überlieferte Lehre beziehungsweise Einweihungsordnung.

Vers 483
astrasvāhā tadanu pralayakāli tathā param |
pāśakālīkāmaramāvāgbhavāśca tataḥ smṛtāḥ ||483||

Astra, svāhā; „Pralayakali“, dann Pasha, Kali, Kama, Rama und Vagbhava.

Vers 484
vibhūtikāli tadanu sampadaṃ me punastathā |
vitaradvayaṃ saumyā bhava vṛddhidā bhava ||484||

„Vibhutikali, gewähre, gewähre mir Wohlergehen! Sei gütig! Verleihe Gedeihen!“

Anmerkung: Vṛddhidā aus beschädigter Form kontextgestützt gelesen.

Vers 485
siddhidā bhaveti ca jayadvayaṃ tathāparam |
jīvadvandvaṃ ca abījaṃ kāpāladakṣanetrakau ||485||

„Verleihe Vollendung! Siege, siege!“ Dann zweimal Jiva, das a-Bija, Kapala und Dakshanetra.

Anmerkung: Dakshanetra, „rechtes Auge“, hier Lautchiffre; nicht wörtlich als Ritualhandlung.

Vers 486
mānasaṃ caiva sthāṇuṃ ca pavirekārameva ca |
bhāruṇḍaṃ ṭhadvayaṃ caiva phaṭkāratrayameva ca ||486||

Manasa, Sthanu, Pavi, der Laut e, Bharunda, zweimal ṭha und dreimal phaṭ.

Anmerkung: Pavi/e als getrennte Formelglieder gelesen; Worttrennung unsicher.

Vers 487
hṛdayaṃ vahnijāyā ca tāratrayamataḥ param |
vibhūtikāli tadanu tārāṅkuśatrapāstataḥ ||487||

Hridaya, Vahnijaya und dreimal Tara; „Vibhutikali“, dann Tara, Ankusha und Trapa.

Vers 488
smaraśca yoginī caiva śākinīstrīramāstathā |
vāgbhavaṃ jayakāli ca paramacaṇḍe tataḥ param ||488||

Smara, Yogini, Shakini, Stri, Rama und Vagbhava; „Jayakali, überaus Wilde!“

Vers 489
mahāsūkṣmavidyāsamayaprakāśini tathā param |
… ||489||

„Die du die Überlieferung der großen subtilen Vidya offenbarst!“ Danach drei beschädigte Lautgruppen.

Anmerkung: Fragment: zweite Halbzeile enthält unsichere kṣ-/pl-/vṛphlu-artige Gruppen; keine sichere Silbenfolge wiederhergestellt.

Vers 490
hṛdvahnipatnī tadanu jayakāli tataḥ param |
vāgbhavaṃ kamalā caiva vedamastakameva ca ||490||

Hridaya, Vahnipatni; „Jayakali“, Vagbhava, Kamala und Vedamastaka.

Vers 491
gurubhiranvitaṃ bījaṃ phakāraṃ sapta coddharet |
bhogakāli tataḥ paścāt phetkārī tadanantaram ||491||

Ein mit langen Lauten versehenes Bija; danach soll man siebenmal den Laut pha hervorbringen. „Bhogakali“, dann Phetkari.

Anmerkung: Fragment: Pha-kāra wird durch die ältere Fassung gesichert. Der genaue Bezug von guru („schwer/lang“) innerhalb der vorherigen Lautanweisung bleibt unsicher; kein fertig rekonstruierter Mantra. Ergänzung nach der älteren Kamakala-Ausgabe, TXT-Zeilen 10051–10054; deren Kapitelzählung 255.

Vers 492
pretabījaṃ phaṭtrayaṃ ca svāhā bhogakāli tataḥ |
krodhaṃ ca hṛdayaṃ caiva kalpāntakāli tatparam ||492||

Preta-Bija, dreimal phaṭ, svāhā; „Bhogakali“, Krodha, Hridaya und „Kalpantakali“.

Vers 493
bhagavati bhīmarāve kāntaṃ pāntasthameva ca |
rephasaṃsthaṃ cāntavarṇaṃ vāmakarṇavibhūṣitam ||493||

„Erhabene Göttin, furchtbar Rufende!“ Dann eine Lautbildung aus kānta, auf pānta gesetzt, und cānta auf Repha, mit Vamakarna versehen.

Anmerkung: Die chiffrenden Endlautbezeichnungen nicht durch vermeintlich sichere Konsonanten ersetzt; Konstruktion im Sanskrit stellenweise unsicher.

Vers 494
tadante viniyojyaivaṃ nādabindusamanvitam |
indrārūḍho makārādi vāmanetravibhūṣitam ||494||

Am Ende so eingesetzt und mit Nada und Bindu verbunden. Dann eine mit ma beginnende, auf Indra gesetzte und mit Vamanetra versehene Lautbildung.

Anmerkung: Lautchiffren Indra und Vamanetra unaufgelöst; Bezüge zum vorherigen Vers nicht sicher genug für eine ausgeschriebene Formel.

Vers 495
nādabindusamāyuktaṃ dvitīyaṃ bījamuddharet |
pañcamo … vāmanetreṇa bhūṣitaḥ ||495||

Mit Nada und Bindu verbunden ergibt sich das zweite Bija. Darauf folgt ein als „fünfter“ bezeichneter Laut, auf eine beschädigte Lautbasis gesetzt und mit Vamanetra versehen.

Anmerkung: Fragment: Basis in der zweiten Halbzeile unlesbar; nicht ergänzt.

Vers 496
sanādaṃ tṛtīyaṃ bījaṃ meghamāle tataḥ param |
mahāmārīśvari tato vidyutkaṭākṣa tataḥ param ||496||

Mit Nada versehen bildet er das dritte Bija; „Meghamale“, Wolkenbekränzte, „Mahamarishvari“, dann „Mit Blitzblick …“.

Anmerkung: Mahāmārīśvari Name der Göttin der großen vernichtenden Macht; Anrede mit Blitzblick setzt sich weiter fort.

Vers 497
arūpe bahurūpe ca virūpe ca tataḥ param |
jvalitamukhi tadanu caṇḍeśvari tathāparam ||497||

„Gestaltlose, Vielgestaltige, von ungewöhnlicher Gestalt, mit flammendem Antlitz, Chandeshvari!“

Vers 498
sānuḥ drāvaṇaḥ svāhā ca kalpāntakāli tatparam |
tāraṃ ca yoginī caiva kṣveḍaṃ vāmākṣisaṃyutam ||498||

Sanu, Dravana, svāhā; „Kalpantakali“, Tara, Yogini und Kshveda, mit Vamakshi verbunden.

Anmerkung: Kṣveḍa sowie Vamakshi als Lautchiffren belassen; keine rekonstruierte Bija-Form.

Vers 499
kalā blaṃkāraṃ ca ḍāmaramukhi tatparam |
vajraśarīre tadanu krodhabījaṃ tataḥ param ||499||

Kala und blaṃ; „Mit schreckenerregendem Antlitz, mit diamantfestem Leib!“ Danach das Krodha-Bija.

Anmerkung: Blaṃ nur unsicher gelesen; nicht zur sicheren Rezitationssilbe erklärt.

Vers 500
santānakāli tadanu phaṭkāraṃ dviṭhameva ca |
punarmanthānakāli ca tārabījaṃ trapā tataḥ ||500||

„Santanakali“, phaṭ und Dvitha; dann „Manthanakali“, das Tara-Bija und Trapa.

Anmerkung: Die zwei Namensformen Santānakālī/Manthānakālī sind so unterschiedlich in e überliefert; keine stille Vereinheitlichung.

Vers 501
krodhabījaṃ dharmakūṭaṃ kūṭaṃ kundākhyameva ca |
tato vaihāyasīkūṭaṃ vāyavīyakūṭaṃ tataḥ ||501||

Krodha-Bija, Dharma-Kuta, das Kunda genannte Kuta, das Vaihayasi-Kuta und das Vayaviya-Kuta.

Anmerkung: Dharma-Kuta leicht beschädigt; Namen der Lautgruppen beibehalten.

Vers 502
bhāruṇḍākhyaṃ tataḥ kūṭaṃ durjayakāli tatparam |
… āyudhadhāriṇi vajraśarīre tataḥ param ||502||

Das Bharunda genannte Kuta; „Durjayakali, schwer zu besiegende Kali, eine nicht sicher erkennbare Waffe Tragende, mit diamantfestem Leib!“

Anmerkung: Fragment: Bestimmung vor āyudhadhāriṇi unlesbar; keine bestimmte Waffe ergänzt.

Vers 503
iṣṭibījaṃ sānubījaṃ bhāruṇḍastho'nalastadā |
kālavidhvaṃsini tataḥ kulacakrarājeśvari ||503||

Ishti-Bija, Sanu-Bija und Anala auf Bharunda; „Die Zeit Zerstörende, königliche Herrin des Kula-Chakras!“

Vers 504
sarvaiśca gurubhiryuktaṃ strībījaṃ nava coddharet |
phaṭtrayaṃ vahnijāyā ca durjayakāli tatparam ||504||

Neun Stri-Bijas, jeweils mit den langen Lauten verbunden; dreimal phaṭ, Vahnijaya und „Durjayakali“.

Anmerkung: Genaue Bildung der neun Bijas nicht ausgeschrieben; guru hier metrisch-lautlich „schwer/lang“.

Vers 505
vāṇīpāśakalāvāmakarṇamāyāramāsmarāḥ |
krodhaṃ ghorācāraraudre mahāghoravāḍaveti ||505||

Vani, Pasha, Kala, Vamakarna, Maya, Rama, Smara und Krodha; „Durch schrecklichen Vollzug Wilde, das große furchtbare untermeerische …“.

Anmerkung: Vaḍava wird in 506 mit agni verbunden; drastische Anrede als Textaussage.

Vers 506
sandhiṃ kṛtvā tato'gniṃ ca grasadvayamataḥ param |
mahābale mahācaṇḍayogeśvari namo dviṭhaḥ ||506||

Man verbindet das letzte Wort mit „Feuer“: „Verschlinge, verschlinge das große furchtbare untermeerische Feuer! Gewaltig Starke, große wilde Yogeshvari, Verehrung!“ Dann Dvitha.

Anmerkung: Die Quelle verlangt ausdrücklich Wortverbindung (Sandhi); keine zusätzliche Anrede erfunden.

Vers 507
kālakāli tato vāṇī cāmuṇḍā tadanantaram |
tataḥ paścādviriñciśca mahārudrāntamastakaḥ ||507||

„Kalakali“, Vani, Chamunda und Virinchi; danach die nicht eindeutig gegliederte Lautangabe „Maharudra-anta-mastaka“.

Anmerkung: Letztes Kompositum beschädigt beziehungsweise verschlüsselt; kein gesicherter Silbenwert behauptet.

Vers 508
tataḥ payobījaṃ vajrakāli mahābale |
dhṛtibījaṃ tataḥ paścānnārasiṃhaṃ tataḥ param ||508||

Das Payo-Bija; „Vajrakali, Gewaltig Starke!“ Dann das Dhriti-Bija und Narasimha.

Anmerkung: Payo-Bija unsicher gelesen; nicht durch ein geläufigeres Bija ersetzt.

Vers 509
sadyo mahāprapañcarūpe rauṣikānalamityapi |
… mukhi tataḥ paścācchṛṇuṣva me ||509||

Lesbar ist die Anrede „Du von der Gestalt der großen Weltentfaltung!“ Es folgen eine unsichere feuerbezogene Lautchiffre, eine Wiederholungsangabe und eine beschädigte Antlitz-Anrede. Höre mich weiter.

Anmerkung: Fragment: sadyas und rauṣikānala sowie zweite Halbzeile nicht zuverlässig zusammenhängend verständlich; nur lesbare Aussage übersetzt.

Vers 510
yoginī ḍākinī khecarī bhūcarī surūpiṇī |
tadanu cakrasundari mahākāli tathāparam ||510||

Yogini, Dakini, Khechari, Bhuchari und Surupini; „Schöne des Chakras, Mahakali!“

Anmerkung: Die ersten fünf können Namen beziehungsweise Lautchiffren sein; nicht ohne Beleg in Bijas aufgelöst.

Vers 511
kāpāli tadanusmṛtya … vahnibījakam |
kalābinduyutaṃ smṛtvā tāntasya ca tathaiva ca ||511||

„Kapali“; dann eine beschädigte Anweisung zur Stellung des Feuer-Bijas, das mit Kala und Bindu zu verbinden ist. Ebenso wird eine Bildung mit tānta genannt.

Anmerkung: Fragment: Position beziehungsweise innere Anordnung nicht zuverlässig lesbar; keine Lautgruppe konstruiert.

Vers 512
maṇimekhalā tadanu kahadvayaṃ tataḥ param |
tvāṃ prapadye tubhyaṃ namaḥ svāhau vajrakāli tataḥ ||512||

Manimekhala, zweimal „kaha“; „Bei dir nehme ich Zuflucht, dir Verehrung! Svāhā!“ Dann „Vajrakali“.

Anmerkung: Kaha als Lautwort, Bedeutung nicht erfunden; Schlussformel grammatisch gestört, aber klar verständlich.

Vers 513
tāramedhatrapālakṣmīsmarāstathā śṛṇuṣva me |
tataḥ siddhiyoni mahārāviṇi tadanantaram ||513||

Tara, Medha, Trapa, Lakshmi und Smara; höre mich. Dann „Siddhiyoni, Ursprung der Vollendung, gewaltig Rufende!“

Vers 514
tataḥ paramaguhyātiguhyamaṅgale tataḥ param |
vidyākāli tatastvaṣṭā lāṅgūlaṃ kākinī tataḥ ||514||

„Heilvolle im höchsten Geheimnis jenseits des Geheimen, Vidyakali!“ Dann Tvashta, Langula und Kakini.

Vers 515
udumbarasudarśanau cāntasthaḥ kānta eva ca |
… vāmakarṇayuktaṃ rāntasthaḥ kāla eva ca ||515||

Udumbara, Sudarshana und kānta auf cānta; eine beschädigte weitere Lautgruppe mit Vamakarna, dann Kala auf rānta.

Anmerkung: Fragment: Verbindungsangabe vor vāmakarṇa beschädigt; Chiffren nicht durch Laute ersetzt.

Vers 516
asuro yoginī caiva dhīvarī ca svarūpiṇī |
tathaiva śabarī pīvarī ca tathā śṛṇu ||516||

Asura, Yogini, Dhivari, Svarupini, Shabari und Pivari; so höre weiter.

Anmerkung: Seltene Namen beziehungsweise Formelchiffren beibehalten; śabarī/śavarī und pīvarī sind unsicher gelesen.

Vers 517
carcike bhakṣike tadanu rakṣike tadanantaram |
harṣabījaṃ tataḥ paścādaharṣaṃ tadanantaram ||517||

„Charchike, Verzehrende, Beschützende!“ Dann das Harsha-Bija und Aharsha.

Anmerkung: Rakṣike und aharṣa sind unsichere Lesungen; keine eindeutigen Bija-Silben abgeleitet.

Vers 518
ṭhatrayaṃ phaṭtrayaṃ caiva namaḥ svāhā tataḥ param |
vidyākāli tataḥ paścāttārapāśakalāstathā ||518||

Dreimal ṭha, dreimal phaṭ, namaḥ, svāhā; „Vidyakali“, Tara, Pasha und Kala.

Vers 519
vāṇībhāruṇḍakāpālā … |
kāntacāntacakārāntā brahmacārudrāśca pāvi ||519||

Vani, Bharunda und Kapala; danach beschädigte ausgesprochene Bijas. Es folgen die Lautchiffren kānta, cānta und cakārānta sowie Brahma, Rudra und Pavi.

Anmerkung: Fragment: Lautgruppe in der ersten Halbzeile nicht sicher; Gliederung der letzten Namen unsicher, keine vollständige Bija-Fassung rekonstruiert.

Vers 520
ṣaṣṭhasvarasamāyuktā nādabinduvibhūṣitāḥ |
mamadhyaṃ rephabījaṃ tu kalābījasamanvitam ||520||

Mit dem sechsten Vokal verbunden und mit Nada und Bindu versehen. Dann das Repha-Bija mit ma in der Mitte, verbunden mit dem Kala-Bija.

Anmerkung: Bezug der Mehrzahl auf vorherige Chiffren; genaue Lautverschachtelung unklar, nur lesbare Anweisung übersetzt.

Vers 521
caturdaśasvaropetaṃ yāntaṃ binduvibhūṣitam |
moṃ bījaṃ tadanusmṛtya svāhā śaktikarāli tataḥ ||521||

Yānta, versehen mit dem vierzehnten Vokal und Bindu; dann das Bija moṃ, svāhā und „Shaktikarali“.

Anmerkung: Moṃ nach Quelle, nicht auf eine geläufigere Mantrasilbe geändert.

Vers 522
tāraṃ ca phetkārīkūṭaṃ hṛdayaṃ tadanantaram |
caṇḍāticaṇḍe tadanu māyākāli tataḥ param ||522||

Tara, das Phetkari-Kuta und Hridaya; „Wilde, überaus Wilde, Mayakali!“

Vers 523
kālavañcani tadanu mahāṅkuśe tataḥ param |
nandanākhyaṃ tataḥ kūṭaṃ pātālanāga cetyapi ||523||

„Die Zeit Überlistende, großer Ankusha!“ Dann das Nandana genannte Kuta; „Auf der Schlange der Unterwelt …“.

Anmerkung: Anrede weiter in 524; kālavañcani leicht beschädigt.

Vers 524
vāhini gaganagrāsini brahmāṇḍaniṣpeṣiṇi tataḥ |
haṃ trayaṃ manastrayaṃ krodhatrayaṃ tataḥ param ||524||

„… Reitende, den Himmelsraum Verschlingende, das Weltenei Zerquetschende!“ Dreimal haṃ, dreimal Manas und dreimal Krodha.

Vers 525
tāraṃ māyā krodhaṃ caiva cāmuṇḍā ḍākinī tataḥ |
mahācaṇḍavajriṇi ca bhramari bhrāmari tataḥ ||525||

Tara, Maya, Krodha, Chamunda und Dakini; „Große wilde Vajrini, Bhramari, Bhramari!“

Anmerkung: Die Quelle unterscheidet bhramari und bhrāmari; keine stille Vereinheitlichung im Sanskrit.

Vers 526
mahāśakti tataścakrakartarī tadanantaram |
kulārṇavacāriṇī ca phakāraṃ phāṃkāraṃ tataḥ ||526||

Mahashakti, Chakrakartari und Kularnavacharini, die im Kula-Ozean Wandelt; dann pha und phāṃ.

Anmerkung: Die Namen können zugleich Bija-Chiffren sein; nicht ohne sichere Angabe in Silben übersetzt.

Vers 527
pha … phoṃ samayeti vidyāgopini tatparam |
kirīṭī tāṇḍavī haṃsī kūṭatrayamataḥ param ||527||

Pha, eine beschädigte Silbe, phoṃ; „Samaya, Hüterin der Vidya!“ Danach die drei Kutas Kiriti, Tandavi und Hamsi.

Anmerkung: Fragment: mittlere ausgesprochene Silbe nicht lesbar; phoṃ ebenfalls nur vorläufige Lesung.

Vers 528
mahākāli tataḥ paścāt samayalābhaṃ tataḥ param |
kurudvandvaṃ tato vidyāṃ prakāśayadvayaṃ tataḥ ||528||

„Mahakali, gewähre, gewähre den Zugang zur Samaya-Überlieferung! Offenbare, offenbare die Vidya!“

Anmerkung: Samayalabha kann das Erlangen der Lehre, ihrer Verpflichtung beziehungsweise Einweihungsordnung bezeichnen.

Vers 529
siddho māyā caṇḍabījaṃ dharmabījaṃ tathā param |
hau bījaṃ ca jayābījaṃ gaurībījaṃ tathaiva ca ||529||

Siddha, Maya, Chanda-Bija, Dharma-Bija, das Bija hau, Jaya-Bija und Gauri-Bija.

Anmerkung: Hau ohne ergänzten Bindu nach e; Dharma-Bija unsichere Einzelzeichen.

Vers 530
astraṃ ca vahnipatnī ca mahākāli tataḥ param |
vāgbhavaśca tataḥ paścāt parāpareti saṃvadet ||530||

Astra, Vahnipatni; „Mahakali“, Vagbhava, dann beginnt „Das höhere und niedere …“.

Anmerkung: Zusammenhang der Anrede weiter in 531.

Vers 531
rahasyasādhike tataḥ kulakāli tataḥ param |
śākinī yoginī caiva kāminī hrīruṣastathā ||531||

„… Geheimnis Verwirklichende, Kulakali!“ Shakini, Yogini, Kamini, Hri und Rush.

Vers 532
smarāmṛtaṃ lāṅgalaṃ ca masthaḥ kṣetrapālī tataḥ |
bindudvayena saṃyujya tryastraṃ tatra cāharet ||532||

Smara, Amrita und Langala; Kshetrapali auf ma gesetzt und mit zwei Punkten verbunden; dann dreimal Astra.

Anmerkung: Letzte Lautanweisung tryastra unsicher aus vyasta-artiger OCR gelesen; alternative „getrennt“ möglich, keine ausgeschriebene Wiederholungsformel ergänzt.

Vers 533
kulakāli tataḥ paścāttāramāyāsmarāstathā |
krodhaṃ ca śākinī caiva parāparaparametyapi ||533||

„Kulakali“, Tara, Maya, Smara, Krodha und Shakini; dann beginnt „Höchste geheime Kali des Höheren und Niederen …“.

Anmerkung: Anrede über 534 fortgesetzt.

Vers 534
rahasyakālī kulakramaparamparāpracāriṇi tataḥ |
bhagavati nādakāli karālarūpiṇi tataḥ ||534||

„… die du die Überlieferung des Kula-Krama verbreitest! Erhabene Nadakali, von schrecklicher Gestalt!“

Anmerkung: Kula-Krama: hier die Reihenfolge beziehungsweise Lehrtradition des Kula-Weges; keine gesicherte historische Schulzuordnung behauptet.

Vers 535
manaḥkūṭaṃ śākinī ca ḍākinī pralayastathā |
phetkārībījaṃ tadanu mama śatrūniti vadet ||535||

Manah-Kuta, Shakini, Dakini, Pralaya und Phetkari-Bija; dann „meine Feinde“.

Vers 536
mardayayugalaṃ caiva cūrṇayayugmameva ca |
pātayadvandvaṃ nāśayayugaṃ bhakṣayadvitayaṃ tathā ||536||

Je zweimal „Zerdrücke!“, „Zerpulvere!“, „Stürze zu Boden!“, „Vernichte!“ und „Verzehre!“

Anmerkung: Historische feindgerichtete Befehlsfolge; Wiederholungen vollständig erhalten.

Vers 537
… mahākūṭaṃ pāvitrākhyaṃ tataḥ param |
kūṭaṃ gajaghaṭākhyaṃ hi śṛṅkhalākūṭameva ca ||537||

Ein großes Kuta mit beschädigtem Namen, dann das Pavitra genannte, das Gajaghata-Kuta und das Shrinkhala-Kuta.

Anmerkung: Fragment: erster Name unlesbar; auch pāvitra/pavitra unsicher, keine Lautwerte erfunden.

Vers 538
daṇḍākhyakūṭaṃ tadanu navakoṭi tataḥ param |
kulākulacakreśvari tataḥ paścādvadet sudhīḥ ||538||

Das Danda genannte Kuta; dann spricht der Verständige „Herrin der neun Crore Kula- und Akula-Kreise!“

Vers 539
sakalaguhyānantatattvadhāriṇi tadanantaram |
… māṃ kṛpaya dvitayaṃ tathā ||539||

„Die du alle geheimen, unendlichen Tattvas trägst!“ Nach einer beschädigten Silbengruppe zweimal „Erbarme dich meiner!“

Anmerkung: Fragment: ausgesprochene Bijas der zweiten Halbzeile nicht verlässlich lesbar; keine Ergänzung.

Vers 540
trapā krodhaṃ śākinī ca yoginī kāminī tathā |
astraṃ ca vahnipatnī ca nādakāli tataḥ param ||540||

Trapa, Krodha, Shakini, Yogini, Kamini, Astra und Vahnipatni; „Nadakali“.

Vers 541
tāraṃ ca śākinī caiva caturaśīti tatparam |
koṭibrahmāṇḍa tadanu sṛṣṭikāriṇi tatparam ||541||

Tara, Shakini; „Schöpferin von vierundachtzig Crore Welteneiern!“

Anmerkung: Kosmologische Großzahl der Quelle: 840 Millionen Welteneier.

Vers 542
prajvalajjvalanalocane vajrasamadaṃṣṭrāyudhe |
durnirīkṣyākāre tadanu bhagavati tataḥ param ||542||

„Mit Augen wie loderndes Feuer, mit Fangzähnen als Waffen gleich dem Vajra, von kaum anzuschauender Gestalt, erhabene Göttin!“

Vers 543
muṇḍakāli tataḥ paścāt kahadvandvaṃ turudvayam |
damayugmaṃ caṭayugmaṃ pracaṭayugalaṃ tataḥ ||543||

„Mundakali“, dann je zweimal kaha, turu, dama, caṭa und pracaṭa.

Anmerkung: Mundakali nach Wiederaufnahme 547 gelesen, erste Stelle könnte maṇḍa sein. Lautwörter ohne erfundene wörtliche Bedeutungen.

Vers 544
hariharākhyaṃ tatkūṭaṃ kūṭaṃ kūṭākhyameva ca |
patrakūṭaṃ tataḥ paścāt saṃsiddhiṃ dehi dvayam ||544||

Das Harihara genannte Kuta, das Kuta namens Kuta und das Patra-Kuta; „Gib, gib vollkommene Vollendung!“

Anmerkung: Auffällige Doppelung kūṭaṃ kūṭākhyam wie Quelle beibehalten; nicht emendiert.

Vers 545
sarvaiśvaryaṃ tadanu dāpayayugalaṃ tataḥ |
vidyudujjvalajaṭe vai vikaṭasaṭe ca tataḥ ||545||

„Lass mir alle Herrlichkeit geben, lass sie mir geben! Mit blitzleuchtendem Flechtenhaar, mit gewaltiger Mähne!“

Vers 546
mahāvikaṭakaṭe ca trapākāmakrodhāstathā |
yoginī kāminī caiva śākinī hṛdayaṃ dviṭhaḥ ||546||

„Mit überaus mächtigen Hüften!“ Trapa, Kama, Krodha, Yogini, Kamini, Shakini, Hridaya und Dvitha.

Anmerkung: Kaṭa hier Hüfte beziehungsweise Hüftpartie; keine moderne Asana-Deutung.

Vers 547
muṇḍakāli tataḥ paścāttāraṃ vāgbhava eva ca |
pāśaramākāmatrapāmahākrodhāstataḥ param ||547||

„Mundakali“, Tara, Vagbhava, Pasha, Rama, Kama, Trapa und Mahakrodha.

Vers 548
tato … cakāraṃ kvīṃkāraṃ tathā |
dhūmakāli tataḥ paścātsarvameveti tatparam ||548||

Eine beschädigte Bija-Gruppe, dann ca und kvīṃ; „Dhumakali“, danach „alles …“.

Anmerkung: Fragment: Anfangsgruppe unlesbar, kvīṃ unsichere Lesung; Satz wird in 549 fortgeführt.

Vers 549
me vaśaṃ ca kurudvandvaṃ pāhiyugmamataḥ param |
jambhike karālike tataḥ pūtike ghoṇike tataḥ ||549||

„… bringe, bringe unter meine Gewalt! Beschütze, beschütze! Jambhike, Karalike, Putike, Ghonike!“

Anmerkung: Eigenname Putike nicht sicher etymologisch zu deuten; keine Bedeutung hinzugefügt.

Vers 550
khaṃtrayamastrahṛdaye dhūmakāli tataḥ param |
vāṇyaṅkuśau śākinī ca yoginī kāma eva ca ||550||

Dreimal khaṃ, Astra und Hridaya; „Dhumakali“, Vani, Ankusha, Shakini, Yogini und Kama.

Vers 551
ājñākāli tataḥ paścānmamājñāṃ rājāna ityapi |
tataḥ śirasā dhārayantu krodhamastraśirastathā ||551||

„Ajnakali, mögen die Könige meinen Befehl auf ihrem Haupt tragen!“ Dann Krodha, Astra und Shiras.

Anmerkung: Das Tragen auf dem Haupt drückt ehrerbietige Befolgung aus; historische Herrschaftsbitte.

Vers 552
tataḥ paramājñākāli tāratrape tathaiva ca |
caṇḍabījaṃ ḍīṃkāraṃ ca ṅakāraṃ tigmakāli ca ||552||

Dann „Ajnakali“, Tara, Trapa, Chanda-Bija, ḍīṃ und ṅa; „Tigmakali“.

Anmerkung: Param hier als „danach“, nicht als sicherer Namensteil; Bija ḍīṃ nach Quelle.

Vers 553
tigmarūpe tigmātitigme bhramaṃ mocayeti ca |
svaṃ prakāśaya svāhā tigmakāli tataḥ param ||553||

„Von scharfer Gestalt, scharf und überaus scharf, löse die Verwirrung! Offenbare dich selbst! Svāhā!“ Dann „Tigmakali“.

Anmerkung: Bhrama aus beschädigter Zeichenfolge gelesen; auch dharma-artige Lesung sichtbar, deutsche Bedeutung daher nur kontextgestützt.

Vers 554
tāraṃ vāṇī trapā caiva yoginī kāminī tathā |
śākinī kamalā kāmakrodhastathā mahākāli ||554||

Tara, Vani, Trapa, Yogini, Kamini, Shakini, Kamala, Kama und Krodha; „Mahakali“.

Vers 555
lelihānarasanābhayānake tataḥ param |
ghorataradaśanacarvitabrahmāṇḍe tataḥ ||555||

„Mit leckender Zunge Furchterregende, die du das Weltenei mit deinen überaus furchtbaren Zähnen zermalmst!“

Anmerkung: Carvita („zerkaut“) nach der redaktionell aufgelösten Anrufung in e, Anhang 1, Abschnitt zu Kapitel 15, übernommen; Grundtext-OCR an dieser Stelle beschädigt.

Vers 556
caṇḍayogeśvarīśaktitattvasahite tataḥ |
gāṃ jāṃ ḍāṃ dāṃ rāṃ pracaṇḍacaṇḍini sambodhanaṃ tataḥ ||556||

„Mit der Shakti-Wirklichkeit der Chandayogeshvari Verbundene!“ Gāṃ jāṃ ḍāṃ dāṃ rāṃ; dann die Anrede „Prachandachandini“, überaus wilde Chandi.

Anmerkung: Sambodhana kontextgestützt statt beschädigtem sadyodhana; erste Silbe mit Anunasika geschrieben, hier gāṃ normalisiert. Der Herausgeber erwägt bei der vergleichbaren Form 391 stattdessen sadyodhanaprade (sofort Reichtum Gewährende); die Lesung sambodhana ist daher nicht als gesichert anzusehen.

Vers 557
mahāmārīsahāyini bhagavati bhayānake |
cāmuṇḍā yoginī tato ḍākinī śākinī tathā ||557||

„Gefährtin der Mahamari, erhabene Göttin, Furchterregende!“ Dann Chamunda, Yogini, Dakini und Shakini.

Vers 558
bhairavīmātṛgaṇamadhyage tadanantaram |
jayadvandvaṃ kahayugmaṃ hasadvayaṃ tataḥ param ||558||

„Inmitten der Scharen der Bhairavis und Mütter Weilende!“ Zweimal „Siege!“, zweimal „kaha“ und zweimal „Lache!“

Anmerkung: Kaha als rituelles Lautwort belassen.

Vers 559
prahasayugalaṃ jambhayugmaṃ turuyugaṃ tathā |
dhāvadvayaṃ śmaśānavāsini tadanantaram ||559||

Zweimal „Lache laut!“, zweimal „Lähme!“, zweimal „turu“ und zweimal „Eile!“; „Auf der Verbrennungsstätte Wohnende!“

Vers 560
śavavāhini naramāṃsabhojini tataḥ param |
kaṅkālamālini tataḥ phekāratrayameva ca ||560||

„Auf einem Leichnam Reitende, Menschenfleisch Verzehrende, mit einer Skelettkette Geschmückte!“ Dann dreimal phe.

Vers 561
tubhyaṃ namo namaḥ svāhā mahārātrikāli tataḥ |
phetkārī ca bhagavati saṃgrāmakāli tatparam ||561||

„Dir Verehrung, Verehrung! Svāhā! Maharatrikali“, Kali der großen Nacht; Phetkari, dann „Erhabene Samgramakali“, Kali des Kampfes.

Vers 562
saṃgrāme jayamuktvā dehiyugmaṃ vadettataḥ |
māṃ dviṣato mama vaśe kurudvayaṃ smaret sudhīḥ ||562||

„Gib, gib Sieg im Kampf! Bringe, bringe die, die mich hassen, unter meine Gewalt!“ So spricht der Verständige.

Vers 563
pāṃ pīṃ … tataśca jvaladvayaṃ tataḥ param |
prajvaladvitayaṃ caiva vidyutkeśi tataḥ param ||563||

Pāṃ, pīṃ und weitere beschädigte Silben; zweimal „Flamme!“, zweimal „Lodere auf!“ und „Mit Haaren wie Blitze!“

Anmerkung: Fragment: Rest der pa-Reihe nicht sicher lesbar; nicht nach geläufigem Vokalmuster aufgefüllt.

Vers 564
pātālanayani tadā brahmāṇḍodari tatparam |
mahotpātaṃ praśamayayugaṃ māyākrodhau tataḥ ||564||

„Mit Augen wie die Unterwelt, mit dem Weltenei als Bauch! Besänftige, besänftige das große Unheil!“ Dann Maya und Krodha.

Anmerkung: Bild pātālanayani ohne zusätzliche mythologische Erklärung übersetzt.

Vers 565
yoginī kāminī caiva śākinī hṛdayaṃ dviṭhaḥ |
saṃgrāmakāli tadanu vāgbhavaḥ śākinī tathā ||565||

Yogini, Kamini, Shakini, Hridaya und Dvitha; „Samgramakali“, Vagbhava und Shakini.

Vers 566
yoginī krodhaḥ kṣetrapālībījaṃ tataḥ param |
nakṣatranaramuṇḍeti mālālaṅkṛtāyai tadā ||566||

Yogini, Krodha und Kshetrapali-Bija; „Der mit einer Kette aus Sternen und Menschenköpfen Geschmückten!“

Vers 567
caturdaśabhuvanasevitapādapadmā ṅe'ntā |
bhagavatyai śavakālikāyai tataḥ paraṃ śṛṇu ||567||

„Deren Lotusfüße von den vierzehn Welten verehrt werden“, im Dativ; „Der erhabenen Shavakalika“. Höre weiter.

Anmerkung: Shavakalika: hier Kali in Verbindung mit Leichnamen; Dativ ausdrücklich vorgeschrieben.

Vers 568
yakārādikṣakārāntā vāmakarṇavibhūṣitāḥ |
nādabindusamāyuktā navabījāni coddharet ||568||

Von ya bis kṣa, mit Vamakarna versehen und mit Nada und Bindu verbunden: So werden die neun Bijas gebildet.

Anmerkung: Keine selbständig rekonstruierte neunfache Silbenreihe ergänzt.

Vers 569
duṣṭagrahanāśinyai ca śubhaphaladāyinyai ca |
rudrāsanāyai tadanu sānubījaṃ samācaret ||569||

„Der schädliche Grahas Vernichtenden, der günstige Früchte Gewährenden, der auf Rudra Sitzenden!“ Dann das Sanu-Bija.

Anmerkung: Rudrāsanā aus beschädigtem sadrāsanā kontextgestützt; Sanskritlesung unsicher.

Vers 570
samekhalājalaṃ caiva haṃ khaṃ vāratrayaṃ vadet |
krodhatrayaṃ ṭhāntatrayaṃ phaṭtrayaṃ hṛdayaṃ dviṭhaḥ ||570||

Jala mit Mekhala; dreimal „haṃ khaṃ“, dreimal Krodha, dreimal ṭhānta, dreimal phaṭ, Hridaya und Dvitha.

Anmerkung: Ṭhānta als Lautchiffre belassen; keine zusätzliche Lautauflösung.

Vers 571
śavakāli tataḥ paścādvāṇī trapā tathāparam |
sarvadīrghayutaṃ krañca nādabindusamanvitam ||571||

„Shavakali“, Vani und Trapa; dann eine kr-artige Lautgruppe mit den langen Vokalen sowie Nada und Bindu.

Anmerkung: Krañca könnte als kr plus verbindendes ca zu lesen sein; genaue Ausgangssilbe unsicher.

Vers 572
pūrvasandhyakṣare hīnaṃ nādahīnaṃ tathā priye |
krameṇa ṣaṣṭhabījāni vahnisthaḥ kṣetrapastathā ||572||

Ohne die ersten beiden Mischvokale und ohne Nada, Geliebte: so nacheinander die sechs Bijas. Dann Kshetrapa auf Vahni.

Anmerkung: „Sechs“ ist der erkennbare Sinn des grammatisch gestörten ṣaṣṭha; konkrete Vokale nicht ergänzt.

Vers 573
vamadagnimukhi tataḥ pherukoṭiparivṛte |
visrastajaṭābhāre ca bhagavati tathaiva ca ||573||

„Mit Feuer speiendem Mund, von einer Crore Schakale umgeben, mit gelöster Fülle des Flechtenhaars, erhabene Göttin!“

Anmerkung: Eine Crore = zehn Millionen; mythologische Bildsprache.

Vers 574
nagnakāli tataḥ paścādrakṣa pāhi dvayaṃ dvayam |
paramaśivaparyaṅkanivāsini tathoccaret ||574||

„Nagnakali, nackte Kali, beschütze, beschütze! Behüte, behüte! Die du auf dem Lager Paramashivas wohnst!“

Vers 575
katṛtīyacaturthau ca vahnisaṃsthau kalānvitau |
evaṃ ca pañcavargāṇāṃ bījānāṃ daśa cāharet ||575||

Der dritte und vierte Laut der ka-Gruppe, auf Vahni gesetzt und mit Kala versehen; ebenso verfährt man mit den fünf Konsonantengruppen und gewinnt zehn Bijas.

Anmerkung: Lesbare Bildungsanweisung übersetzt, keine eigene ausgeschriebene Rezitationsfolge ergänzt.

Vers 576
vikarālamūrtikatāmupahatyeti tatparam |
darśaya krodhahṛdayaṃ nagnakāli tataḥ param ||576||

Lesbar ist die Bitte „Zeige deine schreckliche Gestalt!“ Die dazwischenstehende Handlungsangabe ist unsicher. Dann Krodha, Hridaya und „Nagnakali“.

Anmerkung: Fragment: upahatya und Anschluss nicht zuverlässig verständlich; keine vollständige Satzrekonstruktion.

Vers 577
pāśāṅkuśavāgbhavāśca pretabījaṃ tathāparam |
sargahīnaṃ pretabījaṃ carasthaṃ nādakalānvitam ||577||

Pasha, Ankusha, Vagbhava und Preta-Bija; das Preta-Bija ohne Visarga, auf Chara gesetzt, mit Nada und Kala versehen.

Anmerkung: Chara unsichere Lautchiffre; sarga hier im Lautkontext als Visarga verstanden.

Vers 578
ānandabījaṃ tadanu ṅakāraṃ trikūṭā tataḥ |
… rudhirakālikāyai … ||578||

Ananda-Bija, ṅa und Trikuta; nach beschädigten Lauten „Der Rudhirakalika“, Blut-Kali, gefolgt von einer beschädigten Verbindung zur nächsten Anrede.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Halbzeile sowie ni-/tri-prīta unklar; keine ungesicherten Silben ergänzt.

Vers 579
bālanararudhirāyai tvagasthicarmāvaśiṣṭāyai |
mahāśmaśānadhāvanapracalita… ||579||

„Der, die Blut junger Menschen getrunken hat und an der nur Haut und Knochen übrig sind; der, deren rotbraunes Flechtenhaar beim Laufen auf der großen Verbrennungsstätte schwingt …“

Anmerkung: Fragment: Zusammenhang nipīta-bālanararudhirāyai und tvag-asthi-carmāvaśiṣṭāyai durch die ausdrücklich redaktionelle Mantraauflösung in Anhang 1 geklärt. Nipīta steht im beschädigten Vorvers; die Haarbeschreibung endet erst in 580. Keine vollständige gesicherte Sanskritrekonstruktion behauptet.

Vers 580
piṅgajaṭābhārāyai ca nārasiṃhaṃ tataḥ param |
… mamābhīṣṭasiddhiṃ tataḥ ||580||

„Der mit rotbrauner Fülle des Flechtenhaars“; Narasimha, danach eine beschädigte Silbenreihe; „die von mir gewünschte Vollendung …“.

Anmerkung: Fragment: ausgesprochene Bijas in der zweiten Halbzeile nicht sicher; Bitte weiter in 581.

Vers 581
dehidvandvaṃ vitarayugalaṃ krodhameva ca |
ḍākini rākini caiva śākini kākini tathā ||581||

„… gib, gib! Gewähre, gewähre!“ Krodha; „Dakini, Rakini, Shakini, Kakini!“

Vers 582
lākini hākini caiva sambodhanāni coddharet |
nararudhiraṃ ca tataḥ pibadvayaṃ tataḥ smṛtam ||582||

Dazu die Anreden „Lakini, Hakini“; „Trinke, trinke Menschenblut!“

Anmerkung: Sambodhanāni aus beschädigtem sadyodhanāni kontextgestützt; Befehl Teil der historischen Göttinnenanrufung.

Vers 583
mahāmāṃsaṃ khāda khāda vāgbhavaṃ tārameva ca |
ramātrapākāmakrodhāḥ śākinī yoginī tataḥ ||583||

„Verzehre, verzehre Menschenfleisch!“ Vagbhava, Tara, Rama, Trapa, Kama, Krodha, Shakini und Yogini.

Anmerkung: Mahāmāṃsa nach ritualsprachlichem Zusammenhang wiedergegeben.

Vers 584
kāminyastraṃ dviṭhaścaiva rudhirakāli tatparam |
kālībījaṃ karaṅkadhāriṇi tadanantaram ||584||

Kamini, Astra, Dvitha; „Rudhirakali“, Kali-Bija; „Schädel Tragende!“

Anmerkung: Karanka kann Schädel beziehungsweise knöchernen Rest bezeichnen.

Vers 585
kaṅkālakāli tadanu prasīdayugalaṃ tataḥ |
vidyāmāvāhayāmi tavājñayā tataḥ param ||585||

„Kankalakali, sei gnädig, sei gnädig! Auf deinen Befehl lade ich die Vidya ein.“

Anmerkung: Avahana: rituelle Einladung beziehungsweise Herbeirufung der Gottheits- oder Mantrakraft.

Vers 586
samāgatāḥ mayi ciraṃ tiṣṭhantu dviṭha eva ca |
kaṅkālakāli tadanu tāravāṇīramāstathā ||586||

„Mögen die Herbeigekommenen lange in mir verweilen!“ Dvitha; „Kankalakali“, Tara, Vani und Rama.

Anmerkung: Anfangsform grammatisch beschädigt; pluralisches tiṣṭhantu beibehalten, nicht zu einer einzelnen Göttin geändert.

Vers 587
pāśakarṇatrapākāmakrodhaśākinya eva ca |
aticāmuṇḍā klīṃ caiva bhagavati tataḥ param ||587||

Pasha, Karna, Trapa, Kama, Krodha, Shakini, Atichamunda und klīṃ; „Erhabene Göttin …“.

Anmerkung: Karna als Lautchiffre ohne stillschweigend ergänztes vāma.

Vers 588
bhayaṅkarakāli tatastrailokyadurnirīkṣya ca |
rūpe tadanu sambhāṣya navakoṭibhairavī ca ||588||

„… Bhayankarakali, Furcht erregende Kali, deren Gestalt in den drei Welten kaum anzuschauen ist, von neun Crore Bhairavis …“.

Anmerkung: Fortsetzung der Begleiterschar in 589.

Vers 589
tataścāmuṇḍāśatakoṭiparivṛte tataḥ param |
tadanu mama dviṣato hana matha dvayaṃ dvayam ||589||

„… und hundert Crore Chamundas Umgebene! Die mich hassen, schlage, schlage! Zermalme, zermalme!“

Anmerkung: Mythische Zahlen und historische Schadensformel der Quelle.

Vers 590
pacayugmaṃ vidrāvayayugaṃ pātaya cetyapi |
niḥśeṣayayugaṃ coktvā sānubījaṃ tataḥ param ||590||

Zweimal „Koche!“, zweimal „Vertreibe!“, „Stürze zu Boden!“, zweimal „Vernichte restlos!“ Dann das Sanu-Bija.

Anmerkung: Pātaya hat hier keine sicher lesbare Wiederholungszahl; nicht ergänzt.

Vers 591
sarvadīrghayutenaiva pūrvasandhyakṣare hīnam |
bindusargavihīnaṃ ca tataśca hṛdayāstrake ||591||

Mit allen langen Vokalen, ohne die ersten beiden Mischvokale, ohne Bindu und Visarga; dann Hridaya und Astra.

Anmerkung: Fortgesetzte Lautanweisung zum vorherigen Bija; keine rekonstruierte Silbenreihe.

Vers 592
bhayaṅkarakāli tatastāratrapāramāsmarāḥ |
yoginī kāminī caiva śākinī bhasma… tathā ||592||

„Bhayankarakali“, Tara, Trapa, Rama, Smara, Yogini, Kamini und Shakini; dann eine beschädigte Bhasma-Bezeichnung.

Anmerkung: Fragment: Ende des Bija-Namens unlesbar; Folgevers nennt ausdrücklich Bhasma-Bija.

Vers 593
pāśahīnaṃ bhasmabījaṃ ṣaṣṭhasvaravibhūṣitam |
tadeva vāgbhavayutaṃ tataḥ paścādvinirdiśet ||593||

Das Bhasma-Bija ohne Pasha, mit dem sechsten Vokal versehen; anschließend dasselbe, mit Vagbhava verbunden.

Vers 594
vahniḥ pāntaṃ tathā vāntaṃ caturdaśasvarairyutaḥ |
sabinduṃ bījamuccārya kaṇikā tadanantaram ||594||

Vahni, pānta und vānta, mit dem vierzehnten Vokal und Bindu verbunden; nach diesem Bija Kanika.

Anmerkung: Satzbau und Plural svaraiḥ gestört; Vokalzählung möglicherweise „mit vierzehn Vokalen“, keine Silbenfolge daraus errechnet.

Vers 595
pañcamaṃ ca rephasthaṃ mekhalābījameva ca |
mekhalā ca tataḥ paścādvahnipatnī tataḥ param ||595||

Der fünfte Laut auf Repha, das Mekhala-Bija, dann Mekhala und Vahnipatni.

Anmerkung: Welche Konsonantengruppe dem „fünften“ zugrunde liegt, ist hier nicht ausdrücklich lesbar; nicht ergänzt.

Vers 596
pherukāli tadante ca vāṇīkrodhau tataḥ param |
pracaṇḍa … vikaṭakāli tataḥ param ||596||

„Pherukali“, Schakal-Kali, Vani und Krodha; eine mit Prachanda beginnende beschädigte Gruppe, dann „Vikatakali“.

Anmerkung: Fragment: mittlere Laut-/Attributgruppe nicht verständlich.

Vers 597
… muñcayugmaṃ … yugmaṃ tataḥ param |
tuṭayugmaṃ hṛdayaṃ ca dviṭho vikaṭakāli tataḥ ||597||

Beschädigte Silben, zweimal „Löse!“, ein weiteres beschädigtes Wort zweimal, dann zweimal „tuṭa“, Hridaya, Dvitha und „Vikatakali“.

Anmerkung: Fragment: erste Lautreihe und nach muñca folgende Wiederholungsgruppe unlesbar; nicht ergänzt.

Vers 598
jayakrodhau aye māye tāye pracaṇḍacaṇḍa … |
rakṣiṇi bhakṣiṇi caiva dakṣiṇi dviṭha eva ca ||598||

Jaya und Krodha; „aye, māye, tāye“, eine mit Prachandachanda beginnende beschädigte Anrede; „Beschützende, Verzehrende, Dakshini“, dann Dvitha.

Anmerkung: Fragment: Ende der ersten Halbzeile unklar; Lautwörter nicht mit erfundener Bedeutung versehen.

Vers 599
karālakāli tadanu praṇavaḥ śākinī tathā |
sarvābhīṣṭaprade caiva sarvasampatprade tathā ||599||

„Karalakali“, Pranava und Shakini; „Alle Wünsche Erfüllende, alles Wohlergehen Gewährende!“

Anmerkung: Sarvābhīṣṭaprade aus beschädigter Form kontextgestützt gelesen.

Vers 600
caṭini vaṭini caiva kaṭini ca sphuradvayam |
prasphurayugalaṃ caiva … grauṃ graḥ namaḥ svāhā ||600||

„Chatini, Vatini, Katini, leuchte auf, leuchte auf! Strahle hervor, strahle hervor!“ Danach beschädigte Silben, grauṃ, graḥ, namaḥ und svāhā.

Anmerkung: Fragment: erste Glieder der gr-Reihe nicht zuverlässig lesbar; nicht nach einem Vokalschema aufgefüllt.

Vers 601
tathā śākinī ḍākinī caiva tāraṃ vāṇī tataḥ |
pāśāṅkuśakālikāśca ramāmāyāsmarāstathā ||601||

Shakini, Dakini, Tara, Vani, Pasha, Ankusha, Kalika, Rama, Maya und Smara.

Vers 602
krodhaṃ ca yoginī caiva kāminī śākinī tathā |
… triśaktiṃ ca kṣamā kūṣmāṇḍī tatparam ||602||

Krodha, Yogini, Kamini und Shakini; eine beschädigte Silbe, Trishakti, Kshama und Kushmandi.

Anmerkung: Fragment: ausgesprochene Silbe vor triśakti unlesbar; triśakti könnte auch dreimal Shakti bedeuten.

Vers 603
ghoraghoratarakāli brahmāṇḍabṛṃhaṇi tataḥ |
nirgatamastake tathā jaṭāvidhūnanetyapi ||603||

„Schreckliche und noch schrecklichere Kali, das Weltenei Ausdehnende!“ Danach eine unsichere Haupt-Anrede; „Durch das Schütteln deiner Haarflechten …“.

Anmerkung: Brahmāṇḍabṛṃhaṇi und nirgatamastake nur unsicher lesbar; letztere Anrede nicht frei ergänzt. Fortsetzung in 604.

Vers 604
cakitatapoloke jvālāmālini tatparam |
sammohini saṃhāriṇi santāriṇi tataḥ param ||604||

„… die Tapoloka-Welt in Schrecken Versetzende, mit Flammenkränzen Geschmückte, Bezaubernde, Auflösende und Hinüberführende!“

Anmerkung: Tapoloka als kosmische Weltbezeichnung beibehalten.

Vers 605
klāṃ klīṃ klūṃ baliṃ coktvā gṛhāṇa khādaya yugaṃ yugam |
bhakṣadvayaṃ tataḥ siddhiṃ dehidvayaṃ tataḥ param ||605||

Klāṃ klīṃ klūṃ; „Nimm, nimm die Opfergabe an! Verzehre, verzehre sie! Iss, iss! Gib, gib Vollendung!“

Anmerkung: Klīṃ, gṛhāṇa und khādaya kontextgestützte Normalisierungen beschädigter Zeichen; genaue Sanskritform nicht vollständig gesichert.

Vers 606
mama śatrūniti smṛtya nāśayayugalaṃ tataḥ |
mathayugmaṃ vidrāvayayugalaṃ tadanantaram ||606||

„Meine Feinde vernichte, vernichte! Zermalme, zermalme! Vertreibe, vertreibe!“

Vers 607
mārayayugaṃ stambhayayugaṃ jambhayayugalaṃ tataḥ |
sphoṭayayugaṃ vidhvaṃsayayugalaṃ parikīrtitam ||607||

Je zweimal „Töte!“, „Lähme!“, „Überwältige!“, „Sprenge auseinander!“ und „Zerstöre!“

Anmerkung: Historische Schadensformel; keine heutige Handlungsanweisung.

Vers 608
uccāṭayayugaṃ cāpi hara turu yugaṃ yugam |
damayugmaṃ mardayugmaṃ bhasmīkuruyugaṃ tathā ||608||

Je zweimal „Vertreibe!“, „Nimm fort!“, „turu“, „Bezwinge!“, „Zerdrücke!“ und „Verwandle in Asche!“

Anmerkung: Turu als Lautwort ohne erfundene wörtliche Bedeutung.

Vers 609
sarvabhūtabhayaṅkari sarvaśatrukṣayaṅkari |
śākinī ḍākinī caiva pralayaḥ phetkārī tathā ||609||

„Allen Wesen Furcht Einflößende, alle Feinde Vernichtende!“ Shakini, Dakini, Pralaya und Phetkari.

Vers 610
tataḥ sarvajanasarvendriyahāriṇi tatparam |
tribhuvanamāriṇi ca saṃsāratāriṇi tataḥ ||610||

„Die du allen Menschen sämtliche Sinne raubst, die drei Welten Vernichtende und über den Samsara Hinüberführende!“

Anmerkung: Die zugleich zerstörende und befreiende Aussage der Quelle bleibt erhalten.

Vers 611
sphura sphura … śrīṃ prasīda bhagavati namaḥ svāhā tataḥ param ||611||

„Leuchte auf, leuchte auf!“ Eine beschädigte Silbenreihe; śrīṃ, „Sei gnädig, erhabene Göttin! Verehrung! Svāhā!“

Anmerkung: Fragment: mittlere Bija-Reihe nicht verlässlich lesbar; keine vollständige Rezitationsformel behauptet.

Vers 612
māyā krodhaśca kāmaśca yoginī tadanantaram |
ghoraghoratarakāli tato nu bhuvaneśvarī ||612||

Maya, Krodha, Kama und Yogini; „Ghora-Ghoratarakali“, schreckliche und noch schrecklichere Kali; dann Bhuvaneshvari.

Vers 613
śākinī cāṅkuśaṃ caivāmṛtaṃ yoginī tathā |
kāminīkrodhabhūtāśca ḍākinī pralayastathā ||613||

Shakini, Ankusha, Amrita, Yogini, Kamini, Krodha, Bhuta, Dakini und Pralaya.

Vers 614
phetkārī cāmuṇḍā caiva pretabījaṃ tataḥ param |
astraṃ śiraḥ kāmakalākāli tataḥ paraṃ śṛṇu ||614||

Phetkari, Chamunda, Preta-Bija, Astra und Shiras; „Kamakalakali“. Höre weiter.

Vers 615
ḍākinī sānubījaṃ ca … maṇimekhalābījaṃ caiva jalaṃ ca tadanantaram ||615||

Dakini, Sanu-Bija, eine beschädigte Formelgruppe, dann Manimekhala-Bija und Jala.

Anmerkung: Fragment: Gruppe zwischen sānu und maṇimekhalā unlesbar; nicht rekonstruiert.

Vers 616
sabhogo'straṃ kāmakalākāli tathāparaṃ ca ruṭ |
astraṃ ca śākinī caiva kāmakalākālikā ca ||616||

Sabhoga und Astra; „Kamakalakali“, dann Rut, Astra, Shakini und „Kamakalakalika …“.

Anmerkung: Sabhoga/Rut unsichere Chiffren; Dativanweisung zur letzten Anrede im Folgevers.

Vers 617
ṅe'ntā namaḥ śiraḥ paścāt kāmakalākāli tataḥ |
tāraṃ vāṇī yoginī ca śākinī smara eva ca ||617||

Die letzte Anrede im Dativ; namaḥ und Shiras. Dann „Kamakalakali“, Tara, Vani, Yogini, Shakini und Smara.

Vers 618
kāminībhūtaruṣaścaiva krīṃ kāmakalākāli tataḥ |
aṅkuśaṃ bhūtabījaṃ ca śākinī ḍākinī tataḥ ||618||

Kamini, Bhuta, Rush, krīṃ; „Kamakalakali“, Ankusha, Bhuta-Bija, Shakini und Dakini.

Vers 619
krodhaṃ kāmakalākāli manmathaḥ kālikā tataḥ |
krodhāṅkuśau tathā bhūtaṃ kāmakalākāli tataḥ ||619||

Krodha; „Kamakalakali“, Manmatha, Kalika, Krodha, Ankusha und Bhuta; erneut „Kamakalakali“.

Vers 620
bhūtāṅkuśau krodhabījaṃ kālī smaraḥ śirastathā |
tataḥ kāmakalākāli sambodhanapadaṃ tataḥ ||620||

Bhuta, Ankusha, Krodha-Bija, Kali, Smara und Shiras; dann die Anrede „Kamakalakali“.

Vers 621
tataḥ sarvaśaktimayaśarīre tadanantaram |
tataḥ sarvamantramayavigrahe tadanantaram ||621||

„Deren Leib aus allen Shaktis besteht, deren Gestalt aus allen Mantras besteht!“

Anmerkung: Shaktis: göttliche Kräfte; Aussage der Gottheitsanrufung.

Vers 622
mahāsaumyamahāghorarūpadhāriṇi tatparam |
bhagavati kāmakalākāli sambodhanapadam ||622||

„Die du überaus gütige und überaus furchtbare Gestalten annimmst, erhabene Kamakalakali!“ So lautet die Anrede.

Anmerkung: Mahāsaumya aus leicht beschädigter Quelle normalisiert.

Vers 623
harapatnī harijāyā manmatho vāgbhavastathā |
pāśāṅkuśakrodhāścaiva yoginī kāminī tataḥ ||623||

Harapatni, Harijaya, Manmatha, Vagbhava, Pasha, Ankusha, Krodha, Yogini und Kamini.

Anmerkung: Haras Gattin und Haris Gattin sind unterschiedliche Chiffren, nicht gleichgesetzt.

Vers 624
śākinī ḍākinī caiva cāmuṇḍā tata eva hi |
yakṣabījaṃ mekhalā ca payaḥsānū tataḥ param ||624||

Shakini, Dakini, Chamunda, Yaksha-Bija, Mekhala, Payas und Sanu.

Vers 625
bhāsākhyakūṭaṃ tadanu kūṭaṃ vārāhikaṃ tataḥ |
aśvamedhaṃ tataḥ kūṭaṃ kūṭaṃ ca śāmbhavaṃ tataḥ ||625||

Das Bhasa genannte Kuta, das Varahika-Kuta, das Ashvamedha-Kuta und das Shambhava-Kuta.

Anmerkung: Bhasa-Name unsicher; Ashvamedha hier Bezeichnung einer Lautgruppe, keine Opferanweisung.

Vers 626
pāśupataṃ tataḥ kūṭaṃ krodhatrayaṃ tataḥ param |
astradvayaṃ hṛdayaṃ ca vahnijāyā tataḥ param ||626||

Das Pashupata-Kuta, dreimal Krodha, zweimal Astra, Hridaya und Vahnijaya.

Abschluss und Wirkungsverheißungen

Nach dem langen Mantra folgen mythische Beispiele, Verheißungen weltlicher Erfüllung und Befreiung sowie der Rückblick auf den Kamakala-Unterricht. Sie werden als Aussagen der Überlieferung wiedergegeben, nicht als nachgewiesene Wirkungen.

Vers 627
iti te kathito devi prāṇāyutākṣarī mayā |
devyāḥ kāmakalākālyāḥ sarvasiddhipradāyikā ||627||

So habe ich dir, Göttin, die Prana-Ayutakshari der Göttin Kamakalakali mitgeteilt, die alle Siddhis verleiht.

Anmerkung: Ayutakshari: „zehntausendsilbige“ Mantraform. Grammatik der ersten Halbzeile gestört; keine eigene Silbenzählung oder vervollständigte Formel behauptet. Zwischen den Halbzeilen steht in e eine redaktionelle Phalashruti-Überschrift.

Vers 628
asyāḥ smaraṇamātreṇa nāsādhyaṃ bhuvi vidyate |
rāvaṇaṃ hatavān devi saṃjapya rāghavaḥ purā ||628||

Durch das bloße Erinnern an sie, so heißt es, gibt es auf Erden nichts Unerreichbares. Einst tötete Raghava nach ihrer Rezitation Ravana, Göttin.

Anmerkung: Mythische Wirksamkeitszuschreibung des Textes, keine historische oder empirische Feststellung.

Vers 629
hiraṇyakaśipuṃ daityaṃ jaghāna parameśvaraḥ |
evaṃ saṃjapya deveśi tripuraṃ hatavān haraḥ ||629||

Der höchste Herr erschlug den Daitya Hiranyakashipu. Ebenso zerstörte Hara nach dieser Rezitation Tripura, Herrin der Götter.

Anmerkung: Die Quelle benennt den ersten höchsten Herrn hier nicht genauer; nicht eigenmächtig mit Hara gleichgesetzt.

Vers 630
kīrtavīryārjuno nāma rājā bāhusahasrabhṛt |
trailokyavijayī vīro manorasya prasādataḥ ||630||

Der König namens Kirtaviryarjuna, der tausend Arme trug, wurde durch die Gnade dieses Mantras zum Helden, der die drei Welten besiegte.

Anmerkung: Kīrtavīryārjuna so nahe an e beibehalten; bekanntere Namensform Kārtavīryārjuna nicht stillschweigend eingesetzt.

Vers 631
manorasya prasādena kubero'bhūddhanādhipaḥ |
manorasya prasādena amareśaḥ śacīpatiḥ ||631||

Durch die Gnade dieses Mantras wurde Kubera zum Herrn des Reichtums; durch seine Gnade wurde Shachis Gatte zum Herrn der Unsterblichen.

Anmerkung: Shachis Gatte: Indra; Manu hier im Sinn Mantra, nicht der mythische Stammvater.

Vers 632
manorasya prabhāvaśca bahu kiṃ kathyate tvayi |
kīrtyarthī kīrtiṃ labhate dhanārthī labhate dhanam ||632||

Was soll ich dir noch ausführlich über die Macht dieses Mantras sagen? Wer Ruhm begehrt, erlangt Ruhm; wer Reichtum begehrt, erlangt Reichtum.

Anmerkung: Wirkungsverheißung des historischen Textes.

Vers 633
rājyārthī rājyaṃ labhate yaśo'rthī labhate yaśaḥ |
vidyārthī labhate vidyāṃ muktyarthī muktimāpnuyāt ||633||

Wer ein Königreich begehrt, erlangt ein Königreich; wer Ansehen begehrt, erlangt Ansehen. Wer Wissen sucht, erlangt Wissen; wer Befreiung sucht, möge Befreiung erlangen.

Vers 634
putrārthī labhate putraṃ dārārthī dāramāpnuyāt |
ṣaṣṭhakālīṃ ca sampūjya saṃjapya manumuttamam ||634||

Wer einen Sohn begehrt, erlangt einen Sohn; wer eine Gattin begehrt, möge eine Gattin erlangen, nachdem er die sechste Kali verehrt und den vortrefflichen Mantra rezitiert hat.

Anmerkung: „Sechste Kali“ steht so im vorliegenden Text; nicht ohne sichere Grundlage zu einer anderen Göttinnenbezeichnung geändert.

Vers 635
yadyadvāñchati yallokastattadāpnoti satvaram |
yathā cintāmaṇirdevi yathā kalpadrumastaruḥ ||635||

Was ein Mensch auch wünscht, das erlangt er rasch – wie durch den Chintamani, Göttin, wie durch den Wunschbaum …

Anmerkung: Mythischer Vergleich, im Folgevers abgeschlossen; yallokaḥ grammatisch auffällig.

Vers 636
yathā ratnākaraḥ sindhuḥ surabhiśca yathā dhenuḥ |
tathāśuphalado devi mantro'yutākṣaraḥ sadā ||636||

… wie durch den Ozean, die Fundstätte der Juwelen, und wie durch die Kuh Surabhi: So gewährt der zehntausendsilbige Mantra stets rasch seine Frucht, Göttin.

Anmerkung: Wirkungsverheißung und mythische Vergleichsbilder der Quelle.

Vers 637
devyāḥ kāmakalākālyāḥ sarvaṃ nigaditaṃ tava |
nityārcanaṃ japaṃ caiva stotraṃ kavacameva ca ||637||

Alles über die Göttin Kamakalakali habe ich dir dargelegt: die tägliche Verehrung, die Rezitation, den Lobgesang und den Schutztext …

Vers 638
sahasranāmastotraṃ ca tasya gadyamanuttamam |
pūjākāle nyāsādikaṃ sarvaṃ nigaditaṃ tvayi ||638||

… den Tausendnamenhymnus und seine unvergleichliche Prosa, den Nyasa und die übrigen Handlungen während der Puja. Das alles habe ich dir erklärt.

Anmerkung: Rückverweis auf die im Kamakala-Teil behandelten Textformen; keine Behauptung über erhaltene Vollständigkeit aller Werkfassungen.

Vers 639
tava snehena deveśi sarvametatprakāśitam |
atiguhyatamaṃ devi na prakāśyaṃ kadācana ||639||

Aus Zuneigung zu dir, Herrin der Götter, wurde dies alles offenbart. Es ist das Geheimste des Geheimen, Göttin, und soll niemals öffentlich bekannt gemacht werden.

Anmerkung: Traditionelles Geheimhaltungsgebot als Textaussage übersetzt.

Vers 640
mā prakāśaya deveśi śapathe tiṣṭha sarvadā |
adhunā kiṃ śravaṇecchā te tanme kathaya pārvati ||640||

Gib es nicht öffentlich preis, Herrin der Götter; halte stets deinen Eid. Was möchtest du nun hören? Sage es mir, Parvati.

Kolophon
iti śrīmadādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ śrīkāmakalākālyāḥ prāṇāyutākṣarīmantroddhāro nāma pañcadaśatamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der Mahakala-Samhita, die dem erhabenen Adinatha zugeschrieben wird, das fünfzehnte Kapitel: „Erschließung des Prana-Ayutakshari-Mantras der erhabenen Kamakalakali“.

Anmerkung: Adinatha-Zuschreibung des Kolophons, keine unabhängig gesicherte Autorschaft.

Unnummerierter Text
samāptaścāyaṃ kāmakalākālyāḥ saparyāparyāyaḥ |
śubhamastu |

Damit ist diese Darlegung der Verehrung Kamakalakalis abgeschlossen. Möge Heil sein!

Anmerkung: Saparyāparyāya aus beschädigter Schlusszeile kontextgestützt gelesen; keine originale Versnummer vorhanden.

Bilder und Videos zur Vertiefung

Feuerzeremonie bei Yoga Vidya: eine heutige Darstellung gemeinsamer Verehrung.
Shiva und Shakti: eine Darstellung zur Betrachtung des Göttlichen.

Die folgenden Einführungsvorträge erläutern allgemeine Begriffe; sie sind keine Kommentare zu den einzelnen Versen.

Kali – die Schwarze Göttin

Tantra – Wort und Bedeutung

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Bilder und Videos · Quellen und Literatur · Verwandte Themen

Abschluss

Wie richtet sich mein Wünschen auf das Wesentliche aus? Diese Frage kann die heutige Lektüre begleiten. Der Schlusssegen lädt dazu ein, nach dem Lesen einen Augenblick still zu werden und eine gute Absicht in eine konkrete Handlung zu verwandeln. Hingabe gewinnt im Alltag Gestalt, wenn Aufmerksamkeit, Wahrhaftigkeit und ein freundlicher Umgang mit anderen zusammenfinden.

Siehe auch

Die folgenden Tantra- und Yogaschriften eröffnen weitere Zugänge zum Studium. Ihre Lehren und Ritualordnungen sind jeweils in ihrem eigenen Zusammenhang zu lesen.

Wegweiser durch die Ausgabe