Mahakala Samhita Guhyakali Khanda Kapitel 9

Aus Yogawiki

Mahakala Samhita – Guhyakali-Khanda, Kapitel 9: Sanskrit Text und deutsche Übersetzung

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Das neunte Kapitel versammelt weitere Formen des Nyasa. Lautfolgen, Göttinnennamen, heilige Orte und Ursprungserzählungen verbinden die menschliche Gestalt mit der verehrten Welt. Die Ausgabe umfasst das Kapitel bis Vers 1645 und zum Kolophon. Örtliche Beschädigungen bleiben gekennzeichnet.

Kali und Shiva als Bild der Verehrung. Die Darstellung dient der allgemeinen Einordnung und zeigt keine besondere Ritualgestalt dieses Abschnitts.

Anregung zum Studium: Kapitel 9 entfaltet den Nyasa in einer Fülle von Lauten, Namen, Orten und Ursprungserzählungen. Es schließt an die Kapitel 5–8 an. Die Erzählungen geben den rituellen Zuordnungen einen weiteren Horizont; die Zwischenüberschriften erleichtern es, einzelne Gedankengänge bewusst zu verfolgen.

Verwandte Lektüre: Weitere Vergleichswege eröffnen Netra Tantra, Rudrayamala Tantra und Tantraloka. Die jeweiligen Zuordnungen sind werkbezogen zu lesen. Die Hinweise eröffnen einen Vergleich, keine Gleichsetzung der Überlieferungen.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 9

Die fünfte Fünfergruppe führt durch Bija-, Kuta-, Krama-, Dhatu- und Tattva-Nyasa. Danach entfaltet das Kapitel den Laghu-Shodha und die großen Shodha-Formen. Heilige Orte, Berge, Flüsse, Waffen, Opfer, Könige und Siddhas werden durch Mantras mit dem Körper verbunden. Umfangreiche Ursprungserzählungen erläutern diese Verbindungen; Bali-Gaben, Lehrerbindung und Verheißungen schließen das Kapitel ab. Alle lesbaren Einzelheiten der historischen Lehrrede bleiben erhalten.

Sprecherzeile
śrīmahākāla uvāca |

Der ehrwürdige Mahakala sprach:

Bija-Nyasa: der Same der kosmischen Erscheinungen

Vers 1
pañcamaṃ pañcakaṃ matto nibodhātaḥ paraṃ priye |
yasyādyabhūtaḥ kathito bījanyāso mahodayaḥ ||1||

Vernimm nun von mir die fünfte Fünfergruppe, Geliebte. Als ihr erstes Glied wird der Bija-Nyasa genannt, der großen Aufstieg gewährt.

Anmerkung: Fußnote bietet aṅga statt ādya; Hauptlesung als „erstes Glied“ wiedergegeben. Nummer1 im OCR beschädigt.

Vers 2
bījanyāsastu sarveṣāṃ nityatvena vyavasthitaḥ |
yatīnāmatha kaulānāṃ gṛhasthānāṃ tatheśvari ||2||

Der Bija-Nyasa ist für alle als regelmäßige Pflicht festgelegt: für Entsagende, Kaulas und Hausleute, Herrin.

Vers 3
padārthānāṃ hi sarveṣāṃ brahmāṇḍodaravartinām‌ |
bījanyāsastu bījatvenoktastripuravairiṇā ||3||

Der Feind Tripuras hat den Bija-Nyasa als Samen aller Dinge bezeichnet, die sich im Inneren des Welteneis befinden.

Anmerkung: Tripuravairin bezeichnet Shiva.

Vers 4
ataḥ śreṣṭhatamo jñeyaḥ kāraṇatvena śambhuvat‌ |
niśāmayādhunaitasya samuddhāraṃ vadāmi te ||4||

Darum ist er als der höchste zu erkennen, da er wie Shambhu Ursache ist. Höre jetzt: Ich erkläre dir seine Erschließung.

Anmerkung: Nummer4 im OCR beschädigt.

Ritualfaktoren und allgemeiner Formelbau

Vers 5
prajāpatirṛṣiḥ prokto bṛhatīchandasā yutaḥ |
sarve bhāvā devatā ca […] bījamudāhṛtam‌ ||5||

Prajapati wird als Rishi genannt, Brihati als Versmaß. Alle Wesen beziehungsweise Daseinsformen sind die Gottheit; als Bija wird […] genannt.

Anmerkung: Fragment: Bija-Name im OCR „मधं“, nicht zuverlässig bestimmbar.

Vers 6
kalā śaktiḥ sarvabījaṃ kīlakaṃ samudāhṛtam‌ |
carācarasya jagataḥ sargasya viniyogatā ||6||

Kala ist die Shakti, Sarvabija wird als Kilaka genannt. Die rituelle Anwendung gilt der Schöpfung der beweglichen und unbeweglichen Welt.

Vers 7
purataḥ […] sāmānyamuddhāraṃ suravandite |
vakṣye viśeṣaṃ tadanu yena nyāsaḥ sphuṭo bhavet‌ ||7||

Zuerst […] die allgemeine Erschließung, von den Göttern Verehrte. Danach werde ich die Einzelheiten erklären, damit der Nyasa deutlich wird.

Anmerkung: Fragment: ein Wort der ersten Hälfte unlesbar; Satzsinn im Übrigen klar.

Vers 8
bījatrayamayī paṅktirādau pratyekamīritā |
bhinnabhinnābhidhānena tataḥ śabdāḥ prakīrtitāḥ ||8||

Zu Beginn wird jeweils eine Reihe aus drei Bijas angegeben. Danach werden Wörter mit unterschiedlichen Bezeichnungen genannt.

Anmerkung: Abhidhāna aus leicht beschädigtem abhighāna gelesen; Fußnote bietet eine anderslautende Wendung mit vidhāna.

Vers 9
tato bījaśabdasya punarvigrahaḥ paripaṭhyate |
bhinnabhinnāstataḥ śabdā jñeyā ṅe'ntāvubhāvapi ||9||

Dann wird wiederum die Verbindung mit dem Wort „Bija“ ausgeführt. Danach folgen jeweils verschiedene Wörter; beide Glieder sind im Dativ zu verstehen.

Anmerkung: Vigraha bezeichnet hier die sprachliche Auflösung beziehungsweise Verbindung des Kompositums; kein vollständiger Mantrawortlaut ergänzt.

Vers 10
viśeṣyabhūtāḥ paragā viśeṣaṇatayā pare |
te liṅgagrāhiṇaḥ sarve paragānāṃ varānane ||10||

Die nachfolgenden Wörter sind die Bezugswörter, die anderen dienen als ihre Bestimmungen. Diese übernehmen sämtlich das grammatische Geschlecht der nachfolgenden Wörter, Schönangesichtige.

Anmerkung: Hauptlesung pare im Gegensatz zu Fußnotenlesung pūrve; die syntaktische Funktion bleibt durch viśeṣya/viśeṣaṇa erkennbar.

Vers 11
bhinnabhinnā tataḥ paṅktirbījatrayamayī punaḥ |
tato ṅe'ntā guhyakālī ṅe'ntaṃ ca paramagrimam‌ ||11||

Danach folgt wiederum eine jeweils andere Reihe aus drei Bijas. Dann steht „Guhyakali“ im Dativ, und auch das anschließend folgende Glied steht im Dativ …

Vers 12
anantaśaktimūrtyākhyaṃ śeṣe kūrcāstramastakāḥ |
imāni śeṣabhūtāni ṣoḍaśārṇāni pārvati ||12||

… nämlich „Anantashaktimurti“, die Verkörperung unendlicher Kraft. Am Schluss stehen Kurcha, Astra und der Kopfabschluss. Diese abschließenden sechzehn Silben, Parvati …

Anmerkung: Anrufungsnamen in Dativform guhyakālyai / anantaśaktimūrtaye; Kurcha und Astra sind hier Lautchiffren, nicht stillschweigend aufgelöst.

Vers 13
pratimantraṃ susthirāṇi jñātavyāni vipaścitā |
iti sāmānyamudito viśeṣamadhunā śṛṇu ||13||

… muss der Kundige in jedem Mantra als unveränderlich erkennen. Damit ist der allgemeine Aufbau erklärt; höre nun die Einzelheiten.

Die erste Folge der Bija-Dreiergruppen

Vers 14
tāramāyāramāmedhalakṣmīkāmāstataḥ param‌ |
pāśāṅkuśau gāruḍaśca krodhaḥ kālī vadhūrapi ||14||

Tara, Maya, Rama, Medha, Lakshmi und Kama; danach Pasha und Ankusha, Garuda, Krodha, Kali und Vadhu …

Anmerkung: Bija-Namen; Medha nach sichtbarer Wortform, keine ausgeschriebenen Laute ergänzt.

Vers 15
prāsādaḥ kṣetrapālastu mahākrodhāt paraḥ sthitaḥ |
amṛtāditrayaṃ ratyāditrayaṃ tadanantaram‌ ||15||

… Prasada und Kshetrapala, der nach Mahakrodha steht; dann die mit Amrita beginnende Dreiergruppe und danach die mit Rati beginnende Dreiergruppe …

Anmerkung: Hauptlesung ratyādi; Fußnote rambhādi. Die Stellung Mahakrodhas wird ausdrücklich angegeben, ohne die Quellreihenfolge stillschweigend umzuschreiben.

Vers 16
nāsatyaśakticapalā viśvabhūto mayustathā |
kulikapretabhairavyo yoginīrāvatārakāḥ ||16||

… Nasatya, Shakti und Chapala, Vishvabhuta und Mayu; Kulika, Preta und Bhairavi sowie Yogini, Rava und Taraka …

Anmerkung: Worttrennung der verketteten Bija-Namen; Mayu nach sichtbarer Schreibung.

Vers 17
tataḥ kṣamāditritayaṃ nākulāditrayaṃ tathā |
triśaktiratha cāmuṇḍā kūṣmāṇḍī tadanantaram‌ ||17||

… dann die mit Kshama beginnende Dreiergruppe und die mit Nakula beginnende Dreiergruppe; Trishakti, dann Chamunda und danach Kushmandi …

Anmerkung: Fußnote meldet das Fehlen einer Zeile in einem Zeugen; Haupttext bewahrt.

Vers 18
bhāruṇḍātantravarṇāśca jñānāditritayaṃ tataḥ |
kālīhayagrīvadharmāḥ kālādityo dhanapradā ||18||

… Bharunda, Tantra und Varna, danach die mit Jnana beginnende Dreiergruppe; Kali, Hayagriva und Dharma, Kaladitya und Dhanaprada …

Anmerkung: Worttrennung der ersten Namengruppe vorläufig.

Vers 19
nāgo viriñciramalaṃ tāpinyaudumbarau tataḥ |
rathantaraṃ ca pūrṇā ca dhūmaśca lalitā tathā ||19||

… Naga, Virinchi und Amala, danach Tapini und Audumbara; Rathantara, Purna, Dhuma und Lalita …

Vers 20
kaikaraḥ sūcivairājau jaṭāditritayaṃ tataḥ |
virāṭpheravakaumāryo gokarṇāditrayaṃ tataḥ ||20||

… Kaikara, Suchi und Vairaja, danach die mit Jata beginnende Dreiergruppe; Virat, Pherava und Kaumari, danach die mit Gokarna beginnende Dreiergruppe …

Anmerkung: Seltene Namen gemäß sichtbarer Schreibung; Kaikara nicht stillschweigend Kekara.

Vers 21
vṛṣapuṣṭī kaumudī ca nirmalaṃ kulacitrake |
ityekāśītibījāni krameṇa kathitāni te ||21||

… Vrisha und Pushti, Kaumudi, Nirmala, Kula und Chitraka. Damit habe ich dir einundachtzig Bijas in ihrer Reihenfolge genannt.

Anmerkung: Textangabe81; verkürzte „mit … beginnende“ Gruppen werden nicht durch vermutete Namen aufgefüllt.

Die mit Bija verbundenen Begriffe

Vers 22
ekaikasmin manau deyā paṅktirbījatrayātmikā |
cidādau tadanu hyātmā āvāpodvāpa eva ca ||22||

In jedem einzelnen Mantra ist eine Reihe aus drei Bijas einzusetzen. Nun folgen die Begriffe: zuerst Bewusstsein, danach das Selbst sowie Einsetzen und Herausnehmen …

Anmerkung: Āvāpodvāpa als verbundenes Begriffspaar bewahrt; keine erzwungene Zählung in zwei separate Mantras.

Vers 23
jyotiḥ pātālamudadhiḥ ṣaṣṭho hi parikīrtyate |
saptamaścāpi saṅkalpavikalpaḥ parameśvari ||23||

… Licht, Unterwelt und als sechstes das Meer. Als siebtes wird Entschluss und Unterscheidung genannt, höchste Herrin …

Anmerkung: Saṅkalpavikalpa kann auch Vorstellen und alternatives Vorstellen bezeichnen; hier als Begriffspaar.

Vers 24
kālo rūpaṃ ca śabdaśca tato gandho rasastathā |
tataḥ [sparśaḥ?] maithunamannaṃ ca tato'gniḥ pāpameva ca ||24||

… Zeit, sichtbare Gestalt und Klang, dann Geruch und Geschmack; danach [Berührung?], geschlechtliche Vereinigung und Nahrung, sodann Feuer und Unrecht …

Anmerkung: Sparśa steht bereits in der Quelle in eckigen Klammern mit Fragezeichen; als unsichere Herausgeberergänzung bewahrt. Keine erotische Beschreibung.

Vers 24 (zweite Nennung; Folgeposition 25)
puṇyamasyānu cājñānaṃ jñānaṃ tadanu kathyate |
vāsanā karma ca dhyānaṃ sattvaṃ cāpi rajastamaḥ ||24||

… danach Verdienst, Unwissenheit und Wissen; latente Neigung, Handlung, Meditation sowie Sattva, Rajas und Tamas …

Anmerkung: Quelle wiederholt Nummer24; interne Kennung25, ursprüngliche Ziffer bewahrt.

Vers 26
[…] guhyakālī devatā parikīrtitā |
ete śabdāḥ parijñeyā bījaśabdasya […] ||26||

… […] Guhyakali wird als Gottheit genannt. Diese Wörter sind als […] des Wortes „Bija“ zu verstehen.

Anmerkung: Fragment: Versanfang und Schlussbeziehung beschädigt; keine verbindliche Kompositumform ergänzt.

Vers 27
bījānantaragān devi sāmprataṃ tvaṃ niśāmaya |
ādau brahmāṇḍamākāśo vāyustejo jalaṃ tathā ||27||

Höre jetzt, Göttin, die nach „Bija“ folgenden Begriffe: zuerst das Weltenei, der Raum, Wind, Feuer und Wasser …

Vers 28
pṛthivīmana auṣadhyaścakṣuḥśrotramataḥ param‌ |
ghrāṇaṃ ca rasanaṃ tvak ca vijñeyātra trayodaśī ||28||

… Erde, Geist und Pflanzen, danach Auge und Ohr, Geruchssinn und Geschmackssinn; als dreizehntes ist hier die Haut zu verstehen …

Vers 29
prajāsargastathā prāṇāḥ suvarṇaṃ narakastathā |
svargo māyā mokṣajanmamaraṇāni yathākramam‌ ||29||

… die Hervorbringung der Geschöpfe, die Lebenskräfte, Gold und Hölle; Himmel, Maya, Befreiung, Geburt und Tod in dieser Reihenfolge …

Vers 30
layo viṣṇustathā brahmā rudro'pi ca carācaram‌ |
viśeṣyabhūtāḥ paragā ime śabdāḥ prakīrtitāḥ ||30||

… Auflösung, Vishnu, Brahma, Rudra und die bewegliche und unbewegliche Welt. Diese nachfolgenden Wörter sind die Bezugswörter der Verbindungen.

Vers 31
vijñeye liṅgavacane ebhireva varānane |
punaḥ paṅktiṃ tribījānāṃ śive samavadhāraya ||31||

Nach ihnen richten sich das grammatische Geschlecht und die Zahl, Schönangesichtige. Vernimm nun wiederum die Folge der Bija-Dreiergruppen, Segensreiche.

Die zweite Folge der Bija-Dreiergruppen

Vers 32
pṛthunedastārakā […] |
[…] chaṭā prābhavaṃ kalyāṇaṃ ca sādhakaḥ ||32||

Prithuneda, Taraka, […]; […], Chhata, Prabhava, Kalyana und Sadhaka …

Anmerkung: Fragment: mehrere Bija-Namen stark beschädigt; Prithuneda nur vorläufige Lesung. Keine Laute aus vermuteten Namen abgeleitet.

Vers 33
[…] ṣaḍaṅgaṃ kakudeva ca |
[…] vratatirmokavetaṇḍā akṣamauñjike ||33||

… […], Shadanga und Kakuda; […], Vratati, Moka, Vetanda, Aksha und Maunjika …

Anmerkung: Fragment: Versanfang und Beginn der zweiten Hälfte unlesbar; Trennung Moka/Vetanda vorläufig.

Vers 34
[…] kuṇḍaṃ ca garbhaśca dīpo līlā tataḥ param‌ |
[…] bhāriṣaścāpi pracaṇḍā tadanantaram‌ ||34||

… […], Kunda, Garbha, Dipa und danach Lila; […], Bharisha und anschließend Prachanda …

Anmerkung: Fragment: zwei Namen beschädigt; Bharisha nach sichtbarer Schreibung, unsicher.

Vers 35
kekarākṣī kālarātriḥ sammohaḥ patanaṃ tathā |
pahāraśca tato jñeyā […] ||35||

… Kekarakshi, Kalaratri, Sammoha und Patana; dann [Name unsicher: Pahara] und […] …

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte beschädigt; Pahara nicht stillschweigend Prahara ergänzt.

Vers 36
nāndikaṃ paṅkakuśikau […] samaraḥ smṛtaḥ |
rāgaśca sārasaścātha kuṭilā rañjinī ghaṭī ||36||

… Nandika, Panka und Kushika, […], Samara; Raga und Sarasa, danach Kutila, Ranjini und Ghati …

Anmerkung: Fragment: Name vor Samara beschädigt. Hauptlesung Kushika; Fußnote Kulika.

Vers 37
maṇimālā hāriṇī ca tadanūtkocinī priye |
caturasrāditrayaṃ ca cāmarāditrayaṃ tataḥ ||37||

… Manimala und Harini, danach Utkochini, Geliebte; die mit Chaturasra beginnende Dreiergruppe und anschließend die mit Chamara beginnende Dreiergruppe …

Vers 38
vinādāditrayaṃ cāpi aparāntādi ca trayam‌ |
saumatāditrayaṃ cātha ullopyāditrayaṃ punaḥ ||38||

… die mit Vinada beginnende Dreiergruppe sowie die mit Aparanta beginnende; danach die mit Saumata beginnende und wiederum die mit Ullopya beginnende Dreiergruppe …

Vers 39
turīyāgrāvapathyāni tataḥ sarvāgamaḥ priye |
āmnāyātītatattvārṇavau vijñeyau tataḥ param‌ ||39||

… Turiya, Grava und Pathya, danach Sarvagama, Geliebte; anschließend Amnayatita und Tattvarnava …

Anmerkung: Worttrennung der ersten drei Namen vorläufig; Versnummer39 im OCR beschädigt.

Vers 40
parāparaṃ vaktra [carma?] varma tato brahmakapālakam‌ |
cicchaktirjagadāvṛttiḥ sarvaśeṣe paristhitam‌ ||40||

… Parapara, Vaktra [Lesung des Herausgebers: Charma?], Varman und dann Brahmakapalaka; Chitshakti und Jagadavritti. Ganz zuletzt steht …

Anmerkung: Satzfortsetzung41. Bereits in der Quelle steht eine unsichere Lesung in eckigen Klammern; nicht als zusätzlicher gesicherter Bija-Name gezählt.

Vers 41
mahākalpasthāyibījaṃ nyāsaḥ pūrṇo'munā'bhavat‌ |
bījasaṃjño'dhunā sthānānyākarṇaya sureśvari ||41||

… das Mahakalpasthayi-Bija. Damit ist der sogenannte Bija-Nyasa vollständig. Höre nun die Körperstellen, Herrin der Götter.

Körperstellen und Abschluss des Bija-Nyasa

Vers 42
lalāṭaṃ […] ca grīvā gala urastathā |
jaṭharaṃ nābhivastī ca meḍhraṃ vaṅkṣaṇayordvayam‌ ||42||

Die Stirn, […], Nacken, Kehle und Brust; Bauch, Nabel und Unterleib, das Glied und die beiden Leisten …

Anmerkung: Fragment: Körperstelle nach Stirn unlesbar. Vasti bezeichnet den Blasen- beziehungsweise Unterleibsbereich.

Vers 43
ūrū jānudvayaṃ jaṅghe gulphau pārṣṇī tataḥ param‌ |
prapade pārśvayugalaṃ bāhumūle tathāṃsayuk‌ ||43||

… die Oberschenkel, beide Knie, die Unterschenkel, Knöchel und danach Fersen; Vorderfüße, beide Körperseiten, Armansätze und Schultern …

Vers 44
hanū […] gaṇḍau cakṣuṣī śravaṇe tathā |
kūrcaṃ ca brahmarandhraṃ ca vyāpakaṃ tadanantaram‌ ||44||

… die Kiefer, […], Wangen, Augen und Ohren; Kurcha und Brahmarandhra, danach das Durchdringen des ganzen Körpers …

Anmerkung: Fragment: Wort nach den Kiefern unlesbar. Anatomische Bestimmung von Kurcha bleibt offen.

Vers 45
iti sthānāni sarvāṇi krameṇa kathitāni te |
nityanaimittikatvaṃ ca puraiva pratipāditam‌ ||45||

So habe ich dir sämtliche Stellen in ihrer Reihenfolge genannt. Die regelmäßige und anlassgebundene Anwendung wurde bereits zuvor dargelegt.

Kuta-Nyasa: Herkunft und Anlässe

Vers 46
kūṭanyāsamidānīṃ tvaṃ vistārād gadataḥ śṛṇu |
bījānāṃ madhyagā yatrāsate kūṭāstrayastrayaḥ ||46||

Höre nun meine ausführliche Erklärung des Kuta-Nyasa, in dem sich jeweils drei Kutas zwischen den Bijas befinden.

Vers 47
ayaṃ hi śambhunā prokto nyāso vai vajraḍāmare |
mayā samānīya tataḥ saṃhitāyāṃ niveśitaḥ ||47||

Diesen Nyasa hat Shambhu im Vajradamara gelehrt. Ich habe ihn von dort übernommen und in die Samhita aufgenommen.

Anmerkung: Werktitel im OCR „वञ्चडामरे“, wahrscheinlich Vajradamara; Normalisierung ausdrücklich vorläufig.

Vers 48
siddhipradaḥ sadya eva sadya eva […] |
śuddhāśuddhaprakāreṇa kūṭabāhulyayogataḥ ||48||

Er gewährt sogleich Siddhi und sogleich […], je nachdem, ob er korrekt oder fehlerhaft vollzogen wird, denn er enthält zahlreiche Kutas.

Anmerkung: Fragment: zweites Wirkungswort unlesbar; kein bestimmtes Unglück ergänzt.

Vers 49
ata eva yathā śuddho bhaved yatnaṃ tathā caret‌ |
nityatvenodito hyeṣa vedoktāyanacāriṇām‌ ||49||

Deshalb soll man sich darum bemühen, dass er korrekt ausgeführt wird. Für diejenigen, die dem im Veda gelehrten Weg folgen, ist er als regelmäßige Pflicht bestimmt.

Vers 50
kāmyatvena ca kaulānāṃ naimittikatayā'pi ca |
kartavyo bhaktibhāvena sāvadhānatayā'pi ca ||50||

Für Kaulas ist er sowohl als Wunschritual als auch anlassgebunden vorgesehen. Er soll mit Hingabe und Aufmerksamkeit vollzogen werden.

Ritualfaktoren und allgemeiner Aufbau

Vers 51
idānīmasya kalaya ṛṣyādyamaravandite |
ṛṣirbhujyuḥ samākhyāto madhyā chanda udīyate ||51||

Vernimm nun seine Rishi- und weiteren Zuordnungen, von den Unsterblichen Verehrte. Bhujyu wird als Rishi genannt, Madhya als Versmaß.

Anmerkung: Madhyā nach Quelle, nicht in einen geläufigeren Metrumsnamen geändert.

Vers 52
devatā guhyakālī ca ṣaṭcakraṃ bījamucyate |
śaktiśca śaktisarvasvaṃ śāmbhavaṃ kīlakaṃ matam‌ ||52||

Die Gottheit ist Guhyakali, das Bija heißt Shatchakra. Die Shakti ist Shaktisarvasva, als Kilaka gilt Shambhava.

Vers 53
kaivalyapadalābhāya viniyogaḥ prakīrtyate |
ādau sāmānyamuddhāraṃ śṛṇvetasya samāhitā ||53||

Als rituelles Ziel wird das Erlangen des Kaivalya-Zustandes genannt. Höre zunächst gesammelt seinen allgemeinen Aufbau.

Anmerkung: Kaivalya: Befreiung beziehungsweise Unabhängigkeit vom gebundenen Dasein.

Vers 54
tato viśeṣaṃ vakṣyāmi yena bhaktiṃ [vyaktīm‌?] […] |
pañcabījī tu purataḥ sarveṣu manuṣu sthirā ||54||

Danach werde ich die Einzelheiten erklären, wodurch […] [Deutung des Herausgebers: deutlich werden?]. Zu Beginn steht in allen Mantras dieselbe Gruppe aus fünf Bijas.

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte beschädigt; bereits in der Quelle unsichere Konjektur व्यक्तीम०, nicht als gesicherter Sanskritwortlaut rekonstruiert.

Vers 55
bhinnā trikūṭī vijñeyā devi pratimanu kramāt‌ |
sthirā tribījī tadanu pratimantraṃ varānane ||55||

In jedem Mantra ist der Reihe nach eine andere Gruppe aus drei Kutas einzusetzen, Göttin. Danach folgt in jedem Mantra dieselbe Dreiergruppe von Bijas, Schönangesichtige.

Vers 56
śeṣe'strahṛcchirāṃsyeva kūṭanyāso vyavasthitaḥ |
viśeṣaṃ kalayedānīmetasya parameśvari ||56||

Am Schluss stehen Astra, Herz und Kopfabschluss. So ist der Kuta-Nyasa aufgebaut. Vernimm nun seine Einzelheiten, höchste Herrin.

Feste Bijas und wechselnde Kuta-Gruppen

Vers 57
tāro rāvaśca māyā ca yoginī vanitā tathā |
pañcabījātmikā rekhā sthirā […] kīrtitā ||57||

Tara, Rava, Maya, Yogini und Vanita: Diese Reihe aus fünf Bijas wird als unveränderlich […] bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor kīrtitā beschädigt; die vollständige Bija-Gruppe ist lesbar.

Vers 58
ataścalāṃ vai kūṭālīṃ kīrtyamānāṃ mayā śṛṇu |
śāmbhavaṃ vāmadevyaṃ ca māheśvaramataḥ param‌ ||58||

Höre nun die von mir genannte wechselnde Kuta-Reihe: Shambhava, Vamadevya und danach Maheshvara …

Vers 59
sadyojātaṃ tatpuruṣaṃ tato'ghoraṃ varānane |
śrīkaṇṭhamṛtyuñjayau ca raudramasyānu paṭhyate ||59||

… Sadyojata, Tatpurusha und dann Aghora, Schönangesichtige; Shrikantha und Mrityunjaya, danach Raudra …

Anmerkung: Nummer59 im OCR beschädigt.

Vers 60
khecarīkūṭamandārakūṭaṃ kūṭaṃ ca cākrikam‌ |
ādityaṃ nābhasaṃ cāpi bhānavaṃ tadanu smṛtam‌ ||60||

… Khechari-Kuta, Mandara-Kuta und Chakrika-Kuta; Aditya, Nabhasa und danach Bhanava …

Vers 61
udayāstamayau kūṭau caṇḍakūṭamataḥ param‌ |
sṛṣṭisthityākhyasaṃhārakūṭāni tadanantaram‌ ||61||

… die Kutas Udaya und Astamaya, danach Chanda-Kuta; anschließend die Kutas namens Srishti, Sthiti und Samhara …

Anmerkung: Hauptlesung Chanda, Fußnote Chandra.

Vers 62
hemakūṭaṃ ratnakūṭaṃ maṇikūṭamataḥ param‌ |
anākhyākhyaṃ mahākūṭaṃ bhāsā puṣkarameva ca ||62||

… Hema-Kuta, Ratna-Kuta und Mani-Kuta; der große Kuta namens Anakhya, Bhasa und Pushkara …

Vers 63
padakramajaṭākūṭānyetasyānantaraṃ priye |
sattvakūṭaṃ rajaḥkūṭaṃ tamaḥkūṭamataḥ param‌ ||63||

… danach die Kutas Pada, Krama und Jata, Geliebte; Sattva-Kuta, Rajas-Kuta und Tamas-Kuta …

Vers 64
prāsādadhvajamālākhyakūṭānyasyānu bhāmini |
kūṭaṃ yat kuṇḍalinyākhyaṃ svādhiṣṭhānākhyayugmakam‌ ||64||

… die Kutas namens Prasada, Dhvaja und Mala, Strahlende; der Kuta namens Kundalini und das Paar namens Svadhishthana …

Anmerkung: Die Benennung eines „Paares“ bleibt wie überliefert; kein fehlender zweiter Name erfunden.

Vers 65
tasyānu kūṭopapadā ḍākinī vaktradṛṣṭayaḥ |
ṛgyajuḥsāmakūṭāni kathitāni tataḥ param‌ ||65||

… danach Dakini, Vaktra und Drishti, jeweils mit „Kuta“ verbunden; anschließend die Kutas Rig, Yajus und Sama …

Vers 66
merugahvarakailāsakūṭānītaḥ paraṃ priye |
kūṭaṃ rathantaraṃ jyeṣṭhakūṭamātharvaṇaṃ tathā ||66||

… danach die Kutas Meru, Gahvara und Kailasa, Geliebte; Rathantara-Kuta, Jyeshtha-Kuta und Atharvana …

Vers 67
varṇakūṭaṃ mantrakūṭaṃ tathā samayakūṭakam‌ |
kūṭaṃ dhaumāvatyasaṃjñaṃ prabhā jyotirmayaṃ tathā ||67||

… Varna-Kuta, Mantra-Kuta und Samaya-Kuta; der Kuta namens Dhaumavatya, Prabha und Jyotirmaya …

Anmerkung: Seltene Form Dhaumavatya nach sichtbarem Wortlaut; nicht stillschweigend Dhumavati.

Vers 68
vairāgyaiśvaryadharmākhyāstrayaḥ kūṭāstataḥ param‌ |
rāgadveṣavipākākhyāḥ kūṭā eṣāmanusmṛtāḥ ||68||

… danach die drei Kutas namens Vairagya, Aishvarya und Dharma; auf sie folgen die Kutas Raga, Dvesha und Vipaka …

Anmerkung: Fußnote bietet Vipasha statt Vipaka; Hauptlesung bewahrt.

Vers 69
vājapeyaḥ ṣoḍaśī ca puṇḍarīkastataḥ param‌ |
ahaṅkāro mano buddhiḥ kūṭatrayamitaḥ param‌ ||69||

… Vajapeya, Shodashi und danach Pundarika; anschließend die Kuta-Dreiergruppe Ahamkara, Manas und Buddhi …

Anmerkung: OCR-Ziffer66 im Zusammenhang69.

Vers 70
rājasūyo'śvamedhaśca viśvajittadanantaram‌ |
advaitavāsanāyogabhūmikūṭānyataḥ param‌ ||70||

… Rajasuya, Ashvamedha und danach Vishvajit; anschließend die Kutas Advaita, Vasana und Yogabhumi …

Anmerkung: Yogabhumi aus beschädigtem yogabhrami vorläufig gelesen; genaue Namensgrenzen nicht gesichert.

Vers 71
jīvātmaparamātmānāvadvaitaṃ kūṭameva ca |
aikātmyamatha nirvāṇaṃ mahānirvāṇameva ca ||71||

… Jivatman, Paramatman und Advaita-Kuta; dann Aikatmya, Nirvana und Mahanirvana.

Anmerkung: Wiederholung Advaita gegenüber70 bewahrt.

Vers 72
saptaviṃśatisaṅkhyākā rekhetthaṃ tritrikūṭikā |
atha tribījāṃ pāścāttyāṃ sthirāṃ samavadhāraya ||72||

So besteht die Reihe aus siebenundzwanzig Gruppen von jeweils drei Kutas. Vernimm nun die nachfolgende, unveränderliche Dreiergruppe von Bijas …

Anmerkung: Kontrollzahl27, keine Auffüllung beschädigter Gruppen.

Schlussbijas, Körperstellen und Verheißungen

Vers 73
śākinī ḍākinī krodhā iti nyāsaḥ sphuṭo'bhavat‌ |
nyasanīyasthānamitaḥ paraṃ kalaya bhāmini ||73||

… Shakini, Dakini und Krodha. Damit ist der Nyasa deutlich geworden. Vernimm jetzt die Stellen, an denen er einzusetzen ist, Strahlende.

Vers 74
pādau […] cāpi jānunī […] |
liṅgaṃ ca jaṭharaṃ cāpi vakṣo'ṃsayugalaṃ tathā ||74||

Die Füße, […], die Knie, […]; das Glied, der Bauch, die Brust und die beiden Schultern …

Anmerkung: Fragment: zwei Körperstellen unlesbar.

Vers 75
hanū kapolau dantāśca netre karṇau […] |
nāsāpuṭe bhruvau śaṅkhau śiraścāpi śikhā tathā ||75||

… die Kiefer, Wangen und Zähne, Augen und Ohren, […]; Nasenöffnungen, Augenbrauen, Schläfen, Kopf und Haarspitze …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach den Ohren beschädigt.

Vers 76
maṇi[va?]ndhakakṣapṛṣṭhāni kaṭidakṣakarādayaḥ |
tathā vāmakarādiśca dakṣapādādireva ca ||76||

… Handgelenke, Achseln und Rücken, Taille sowie der mit der rechten Hand beginnende Bereich; ebenso der mit der linken Hand und der mit dem rechten Fuß beginnende Bereich …

Anmerkung: Quelle markiert v in maṇibandha unsicher; anatomische Bedeutung hinreichend klar. Ādi-Gruppen nicht um ungenannte Körperglieder erweitert.

Vers 77
vāmapādādirasyānu kathitaḥ parameśvari |
vyāpakaṃ sarvaśarīraṃ proktā sthānasthitiḥ sthirā ||77||

… danach der mit dem linken Fuß beginnende Bereich, höchste Herrin, und das Durchdringen des ganzen Körpers. Damit ist die feststehende Anordnung der Stellen genannt.

Vers 78
nirvāṇaṃ pravivikṣūṇāmayamekaḥ parāyaṇam‌ |
siddhidātā bhogadātā mokṣadātā tathaiva ca ||78||

Für diejenigen, die ins Nirvana eintreten möchten, ist er die einzige Zuflucht. Er schenkt Siddhi, Genuss und ebenso Befreiung.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungsverheißung.

Vers 79
yatīnāṃ ca gṛhasthānāṃ sarvathaivāmṛtapradā |
kūṭanyāso hi kaulānāmapi kāmyānuvartinām‌ ||79||

Der Kuta-Nyasa gewährt Entsagenden und Hausleuten in jeder Hinsicht Unsterblichkeit, ebenso den Kaulas, die wunschbezogenen Ritualen folgen.

Krama-Nyasa: sechs Amnayas und ihre Abfolge

Vers 80
atha śṛṇu kramanyāsaṃ kramo yena hi budhyate |
sa kramaḥ kīdṛgiti cettaduttarapadaṃ śṛṇu ||80||

Höre nun den Krama-Nyasa, durch den die überlieferte Abfolge verstanden wird. Fragst du, welcher Art diese Abfolge ist, so höre die Antwort.

Vers 81
āmnāyāstu sureśāni ṣaḍeva pratipāditāḥ |
ṣaḍāmnāyeṣu sarveṣu mantrā uktāḥ pṛthak pṛthak ||81||

Sechs Amnayas sind gelehrt worden, Herrin der Götter. In allen sechs Überlieferungsströmen sind jeweils besondere Mantras verkündet.

Vers 82
devyaśca tattanmantrāṇāṃ saumyogrāsteṣu ceritāḥ |
tāsāṃ tattaddhyānapūjāsteṣveva pratipāditāḥ ||82||

Dort werden die sanften und wilden Göttinnen dieser Mantras genannt. Ebenso werden darin ihre jeweiligen Meditationen und Verehrungsweisen dargelegt.

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge82.

Vers 82 (zweite Nennung; Folgeposition 83)
yena krameṇa kathitaḥ sa kramaḥ krama ucyate |
so'tra tiṣṭhati vai nyāse tena nyāsaḥ […] ||82||

Die Reihenfolge, in der sie gelehrt wurden, heißt „Krama“. Sie ist in diesem Nyasa enthalten; daher wird der Nyasa […] genannt.

Anmerkung: Fragment: Schlusswort unlesbar. Quelle zeigt82 ein zweites Mal; interne Kennung83, Quellziffer bewahrt.

Vers 84
yāvān kramaḥ kramanyāse vartate tridaśeśvari |
tāvān kramo mayā vācyo na nyūno nādhiko'pi ca ||84||

Ich werde genau die Abfolge erklären, die im Krama-Nyasa enthalten ist, Herrin der Götter: nicht weniger und auch nicht mehr.

Vers 85
vistareṇa tadullekhe bhavedaprastutābhidhā |
yā yā devī yadāmnāyasamayapratipāditā ||85||

Eine ausführliche Darstellung würde über das gegenwärtige Thema hinausführen. Welche Göttin in welcher Ordnung eines Amnaya gelehrt wird …

Vers 86
āvirbhūtā yathā cāpi yasyā yasyāḥ śarīrataḥ |
krame'muṣmin prabravīmi tameva tridaśeśvari ||86||

… und auf welche Weise sie aus dem Körper welcher anderen Göttin hervorgegangen ist: Genau diese Abfolge erkläre ich hier, Herrin der Götter.

Anmerkung: Versziffer leicht beschädigt.

Ritualfaktoren und sechs Körperstellen

Vers 87
etasya cānusandheyo vistaro ḍāmarādiṣu |
kramanyāsasya deveśi saṃvarta ṛṣirīritaḥ ||87||

Die ausführliche Darstellung ist in den Damara-Schriften und verwandten Werken nachzulesen. Für den Krama-Nyasa wird Samvarta als Rishi genannt, Herrin der Götter.

Anmerkung: Die Quelle verweist auf andere Werke; deren fehlender Wortlaut wird nicht ergänzt.

Vers 88
pratiṣṭhā chanda ākhyātaṃ ṣaḍāmnāyasthaśabdataḥ |
[…] devatāśca phetkārī bījamucyate ||88||

Pratishtha wird als Versmaß genannt. Nach dem Ausdruck „in den sechs Amnayas befindlich“ […] werden die Gottheiten bezeichnet; Phetkari heißt das Bija.

Anmerkung: Fragment: Gottheitenbezeichnung beziehungsweise Verbindung am Beginn der zweiten Hälfte beschädigt. OCR-Ziffer85 im Zusammenhang88.

Vers 89
kuṭilā śaktiruditā hāriṇī kīlakaṃ matam‌ |
viniyogastu […] kramanyāse prakīrtitaḥ ||89||

Kutila ist die Shakti, Harini gilt als Kilaka. Die rituelle Anwendung […] wird für den Krama-Nyasa genannt.

Anmerkung: Fragment: Anwendungsformulierung beschädigt. Fußnote Hakini statt Harini; Hauptlesung bewahrt.

Vers 90
nāsya sāmānyamuddhāro na viśeṣo varānane |
ṣaḍeva mantrāḥ ṣaṭsthānānyevamāha puradviṣaḥ ||90||

Hier gibt es weder einen allgemeinen noch einen besonderen Formelaufbau, Schönangesichtige. Es sind sechs Mantras und sechs Stellen: So sprach der Zerstörer der Städte.

Anmerkung: OCR-Ziffer60 im Zusammenhang90. Die sechs Mantras umfassen die folgenden längeren Gruppen; nicht mit sechs einzelnen Göttinnennamen gleichgesetzt.

Die Göttinnen des östlichen Amnaya

Vers 91
tāṃśca tāni kramād vakṣye sāvadhānā niśāmaya |
tāro medho ramā kāmo vadhūrlajjāṅkuśaḥ kalā ||91||

Ich werde diese Mantras und Stellen der Reihe nach nennen; höre aufmerksam. Tara, Medha, Rama, Kama, Vadhu, Lajja, Ankusha und Kala …

Anmerkung: Medha im OCR leicht beschädigt, Fußnote ebenfalls medha; Bija-Namen nicht ausgeschrieben.

Vers 92
kinnaraśceti bījāni navaiva prathamaṃ priye |
caṇḍeśvaryāśca sambuddhirataḥ paramudīritā ||92||

… und Kinnara: Diese neun Bijas stehen zuerst, Geliebte. Danach wird Chandeshvari angerufen.

Anmerkung: Anrede: caṇḍeśvari, „o Chandeshvari“. OCR-Ziffer62 im Zusammenhang92.

Vers 93
yoginī śākinī krodhā [dhaścā?] astraśīrṣe tataḥ param‌ |
vedādirbhauvaneśī ca lakṣmīroṣāṅkuśāstathā ||93||

Yogini, Shakini, Krodha [Lesung unsicher], dann Astra und Kopfabschluss. [Die nächste Formel beginnt mit:] Vedadi, Bhauvaneshi, Lakshmi, Rosha und Ankusha …

Anmerkung: Quellkonjektur zur Endung von Krodha ausdrücklich unsicher; keine Silbe daraus erfunden. OCR-Ziffer63 im Zusammenhang93.

Vers 94
kālī vadhūśca kāmaśca kūṭaṃ tadanu śāmbhavam‌ |
bhairavīkūṭamasyānu māheśvaramataḥ param‌ ||94||

… Kali, Vadhu und Kama; danach Shambhava-Kuta, darauf Bhairavi-Kuta und anschließend Maheshvara …

Anmerkung: OCR-Ziffer64 im Zusammenhang94.

Vers 95
parāparaṃ tataḥ kūṭaṃ tadanu vyomakūṭakam‌ |
caṇḍeśvarīti tadanu khecarī yoginī tathā ||95||

… dann Parapara-Kuta und darauf Vyoma-Kuta; anschließend „Chandeshvari“, Khechari und Yogini …

Anmerkung: Anrede caṇḍeśvari: „o Chandeshvari“.

Vers 96
śākinīgāruḍau dve dve roṣāstre śira eva ca |
tāracaitanyamāyāśrīkāmāḥ kālī tathaiva ca ||96||

… Shakini und Garuda, jeweils zweimal, Rosha, Astra und Kopfabschluss. [Danach:] Tara, Chaitanya, Maya, Shri, Kama und Kali …

Anmerkung: Die genaue Reichweite von dve dve innerhalb der Folge ist knapp formuliert; Wiederholungen nicht als ausgeschriebene Lautfolge erfunden.

Vers 97
pāśāṅkuśau caṇḍaroṣamahāroṣāstataḥ param‌ |
phetkārī śākinī ceti bījānyādau trayodaśa ||97||

… Pasha und Ankusha, Chanda, Rosha und Maharosha, danach Phetkari und Shakini: Diese dreizehn Bijas stehen am Anfang.

Vers 98
harasiddhe sarvasiddhiṃ tataḥ kuruyugaṃ priye |
dehidvayaṃ dāpaya ca dvitayaṃ tadanantaram‌ ||98||

Dann: „O Harasiddhi, bewirke, bewirke sämtliche Vollendungen; gib, gib; lass geben, lass geben!“, Geliebte.

Anmerkung: Formelbestandteile: harasiddhe sarvasiddhiṃ kuru kuru dehi dehi dāpaya dāpaya. OCR-Ziffer68 im Zusammenhang98.

Vers 99
[…] phaṭtrayaṃ ca svāhaikaṃ paripaṭhyate |
medhatrapāramākāmaphetkārīroṣasaṃjñakāḥ ||99||

[…], dann dreimal phat und einmal svaha. [Die nächste Formel beginnt mit den Bijas] namens Medha, Trapa, Rama, Kama, Phetkari und Rosha …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied beschädigt; Fußnote bietet kūrcatrayaṃ, „dreimal Kurcha“, als Parallelvariante, nicht stillschweigend eingesetzt. OCR-Ziffer969 im Zusammenhang99.

Vers 100
sambuddhiḥ kukkuṭītyevaṃ kālīpāśāṅkuśāstataḥ |
rāvacaṇḍāvastrayugmaṃ svāhā tadanu bhāmini ||100||

Es folgt die Anrede „Kukkuti“, dann Kali, Pasha und Ankusha, Rava und Chanda, zweimal Astra und anschließend svaha, Strahlende.

Anmerkung: Kukkuṭi: Anrede an Kukkuti; keine vollständige Lautform aus Chiffren ergänzt.

Vers 101
vedādiraṅkuśastārkṣyaḥ phetkārī ruṭ ca yoginī |
phetkārīti tato deyaṃ sambodhanapadaṃ priye ||101||

Vedadi, Ankusha, Tarkshya, Phetkari, Rut und Yogini; danach ist die Anrede „Phetkari“ einzusetzen, Geliebte.

Anmerkung: Phetkari kommt sowohl als Bija-Name als auch als Göttinnenanrede vor; diese Funktionen bleiben getrennt.

Vers 102
dadadvayaṃ dehi caikaṃ dāpayaikaṃ śiro'pi ca |
caitanyapretaḍākinyo yugāntastadanantaram‌ ||102||

Zweimal „dada“, einmal „dehi“, einmal „dapaya“ und der Kopfabschluss: „Gib, gib; gib; lass geben!“ Danach folgen Chaitanya, Preta, Dakini und Yuganta …

Anmerkung: Dada und dehi haben beide Aufforderungsfunktion „gib“; unterschiedliche Sanskritformen bewahrt.

Weltauflösung und Schutzanrufungen

Vers 103
vāḍavaṃ kūṭamasyānu ehyehi bhagavatyapi |
vābhravīti padaṃ paścānmahāpralayaśabdataḥ ||103||

… darauf Vadava-Kuta und „Komm, komm, Erhabene!“ Danach das Wort „Vabhravi“ und anschließend „Mahapralaya“ …

Anmerkung: Vābhravī nach sichtbarer Schreibung; mögliche andere Namensform nicht stillschweigend ersetzt. Fortsetzung104.

Vers 104
tathā tāṇḍavaśabdācca kāriṇīti pravinyaset‌ |
gaganagrāsini padaṃ tataḥ paramudīrayet‌ ||104||

… daran füge man „Tandava“ und „Karini“: „Die beim großen Weltuntergang den wilden Tanz ausführt!“ Danach spreche man „Gaganagrasini“: „Die den Himmel verschlingt!“

Anmerkung: Gemeinte Anrede mahāpralayatāṇḍavakāriṇi; die Quelle nennt die zu verbindenden Wörter.

Vers 105
māyākūrcau yoginī ca vadhūḥ śākinyanantaram‌ |
śatrūn hanayugaṃ cāpi sarvaiśvaryaṃ dadadvayam‌ ||105||

Maya und Kurcha, Yogini und Vadhu, danach Shakini; dann: „Töte, töte die Feinde! Gib, gib jegliche Herrschermacht!“

Anmerkung: Historische Mantraanrufung. Formelglieder: śatrūn hana hana; sarvaiśvaryaṃ dada dada.

Vers 106
mahotpātāniti procya vidhvaṃsayayugaṃ vadet‌ |
sarvarogāniti procya nāśayadvitayaṃ tathā ||106||

Nach „die großen Unheilserscheinungen“ spreche man zweimal „vernichte“; nach „alle Krankheiten“ ebenso zweimal „beseitige“.

Anmerkung: Formelglieder: mahotpātān vidhvaṃsaya vidhvaṃsaya; sarvarogān nāśaya nāśaya. Rituelle Bitte, keine zugesicherte Heilwirkung.

Vers 107
vedādilakṣmīkāmaprāsādapāśāstataḥ param‌ |
mahākṛtyābhicārānu grahadoṣānitīrayet‌ ||107||

Danach Vedadi, Lakshmi, Kama, Prasada und Pasha. Dann spreche man von „großer Kritya und Schadenzauber“ und anschließend von „Graha-Störungen“ …

Anmerkung: Kṛtyā bezeichnet hier eine schädigende rituelle Macht; graha kann Planeten- oder ergreifende Geistermächte bezeichnen.

Vers 108
nivārayayugaṃ procya […] udīrayet‌ |
sṛṇikālāmṛtaṃ procya pralayaṃ tadanuddharet‌ ||108||

… und zweimal „wehre ab“; danach […]. Nach Srini, Kala und Amrita füge man Pralaya ein …

Anmerkung: Fragment: ein Glied nach nivāraya nivāraya beschädigt; Srini/Kala/Amrita als vorläufige Trennung der Bija-Namen.

Vers 109
phetkārī vahnijāyā ca tāralakṣmītrapāsmarāḥ |
vadhūrāvaruḍastrāṇi brahmavetālarākṣasi ||109||

… Phetkari und Vahnijaya. [Danach:] Tara, Lakshmi, Trapa und Smara, Vadhu, Rava, Rut und Astra; „O Brahmavetala-Rakshasi!“

Anmerkung: Vahnijāyā ist die Chiffre des Svaha-Abschlusses; letzte Anrede benennt eine Rakshasi mit Brahmavetala-Bezug, nähere Mythologie nicht ergänzt.

Vers 110
kālīmahākrodhacaṇḍāstataḥ paramudīrayet‌ |
tato vaded viṣṇuśarāvataṃsika iti priye ||110||

Danach spreche man Kali, Mahakrodha und Chanda. Dann sage man die Anrede „Vishnu-shara-vatamsika“ [Lesung unsicher], Geliebte.

Anmerkung: Fragment: zusammengesetzte Anrede beschädigt. Sichtbare Zeichen bewahrt; weder śara („Pfeil“) noch śava („Leichnam“) als gesicherte Lesung oder Bedeutung behauptet.

Vers 111
tato yogini pretāmā mahārudrapadaṃ tataḥ |
kuṇapārūḍha iti ca vāgbhavaḥ pāśa eva ca ||111||

Dann „Yogini“, „Pretama“, darauf das Wort „Maharudra“ und „Kunaparudha“: „auf einen Leichnam gestiegen“; danach Vagbhava und Pasha …

Anmerkung: Pretama sowie die grammatische Verbindung Maharudra/kunapārūḍha sind unsicher; kein vollständiger zusammengesetzter Göttinnenname erfunden.

Wilde Tänzerinnen und Göttinnenanreden

Vers 112
prāsādaḥ phaṭtrayaṃ cāpi namaḥ svāhā tataḥ param‌ |
tāramāye […] lakṣmīkāmau tathaiva ca ||112||

… Prasada, dreimal phat, danach namah und svaha. [Die nächste Formel beginnt mit:] Tara und Maya, […], Lakshmi und Kama …

Anmerkung: Fragment: Verbindung beziehungsweise Glied nach Tara/Maya beschädigt. Namah bedeutet Verehrung; svaha fungiert als ritueller Darbringungsabschluss.

Vers 113
pāśāṅkuśau ca prāsādastato bhagavatīti ca |
mahāghorakarālinyanu tāmasi samuddharet‌ ||113||

… Pasha und Ankusha, Prasada, dann „Bhagavati“ und „Mahaghorakaralini“, danach „Tamasi“: „O Erhabene, überaus Furchtbare mit aufgerissenem Rachen, Dunkle!“

Anmerkung: Die Anrufungsfunktion ist klar; Quelle schreibt die Namen teilweise als anzufügende Wortstämme.

Vers 114
mahāpralayaśabdācca tāṇḍavinyapi kīrtayet‌ |
tato dadyāt sureśāni carcarīkaratālike ||114||

Nach dem Wort „Mahapralaya“ nenne man „Tandavini“: „Tänzerin beim großen Weltuntergang!“ Dann setze man ein, Herrin der Götter: „Charcharikaratalike“, „die zum Charchari-Rhythmus in die Hände schlägt“ …

Anmerkung: Charcharī als Tanz-/Gesangsbezeichnung bewahrt.

Vers 115
[…] janani ca jambhayugmamataḥ param‌ |
mahākālīti saṃlikhya pravadet kālanāśini ||115||

… […], „Mutter“ und dann zweimal „jambha“. Man schreibe „Mahakali“ und spreche „Kalanashini“: „Große Kali, Vernichterin der Zeit!“

Anmerkung: Fragment: erster Name beschädigt; jambha als überlieferte Rezitationsform ohne gesicherte wörtliche Deutung bewahrt.

Vers 116
bhramari bhrāmari procya ḍamarubhrāmiṇīti ca |
caitanyānaṅgabhūtāni yoginī strī ca śākinī ||116||

Man spreche „Bhramari, Bhramari“ mit kurzem beziehungsweise langem ersten a, dann „Damarubhramini“, „die die Damaru-Trommel kreisen lässt“; anschließend Chaitanya, Ananga, Bhuta, Yogini, Stri und Shakini …

Anmerkung: Bhramari und Bhrāmari als unterschiedliche überlieferte Anredeformen bewahrt.

Vers 117
ḍākinī pralayaścāpi phetkāryastre namaḥ śiraḥ |
kālīvedādiruḍrāvavadhūcaṇḍāḥ kramādime ||117||

… Dakini, Pralaya, Phetkari und Astra, namah und Kopfabschluss. [Danach beginnen in dieser Reihenfolge:] Kali, Vedadi, Rut, Rava, Vadhu und Chanda …

Anmerkung: Fußnote bietet phetkāryāyai namaḥ śiraḥ als andere Fügung; nicht mit Haupttextform vermischt.

Vers 118
caṇḍakhecari saṃlikhya jvalayugmamudīrayet‌ |
prajvaladvitayaṃ cāpi tato nirmāṃsaśabdataḥ ||118||

Man schreibe „Chandakhechari“ und spreche zweimal „brenne“, danach zweimal „lodere auf“. Dann verbinde man „fleischlos“ …

Anmerkung: Formelglieder: caṇḍakhecari jvala jvala prajvala prajvala; Fortsetzung119.

Vers 119
dehe hṛcchirasī cāpi praṇavaḥ kulakāminī |
kāmakūrcau bhagavati mahāḍāmari coddharet‌ ||119||

… mit „Dehe“: „Die einen fleischlosen Körper hat!“ Es folgen Herz- und Kopfabschluss. [Danach:] Pranava, Kulakamini, Kama und Kurcha, dann „Bhagavati Mahadamari“, „Erhabene Mahadamari“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer116 im Zusammenhang119; Nirmamsadehe als Anrede, nicht als zusätzliche Körperanweisung verstanden.

Vers 120
tato ḍamaruhaste ca nīlapītamukhītyapi |
jīvadbrahmagaletyuktvā niṣpeṣiṇi samuddharet‌ ||120||

… dann „Damaruhaste“, „die die Damaru in der Hand hält“, und „Nilapitamukhi“, „Blau- und Gelbgesichtige“. Nach „jivadbrahmagala“ setze man „nishpeshini“: „Die den Hals des lebenden Brahma zerquetscht!“

Anmerkung: Jīvadbrahmagala aus leicht beschädigtem jīvanbrahmagala gelesen; Brahma-Bezug wahrscheinlich, nicht vollständig gesicherte Worttrennung.

Vers 121
yoginī vanitārāvaḍākinyastadanantaram‌ |
mahāśmaśānaraṅgānu carcarīgāyike vadet‌ ||121||

Danach Yogini, Vanita, Rava und Dakini. An „Mahashmashanaranga“ schließe man „Charcharigayike“ an: „Sängerin des Charchari auf der Bühne des großen Verbrennungsplatzes!“

Vers 122
[…] mardayugmaṃ mardayadvitayaṃ tathā |
phetkārībījataḥ svāhā tārahṛtpāśabījataḥ ||122||

[…], zweimal „marda“ und zweimal „mardaya“, „zermalme!“; nach dem Phetkari-Bija folgt svaha. [Danach:] Tara, Herzabschluss und Pasha-Bija …

Anmerkung: Fragment: Versanfang beschädigt; marda und mardaya als verschiedene überlieferte Aufforderungsformen bewahrt.

Vers 123
trilokīvandite ṅe'ntā kartavyā śabareśvarī |
[…] namaḥ kulavadhūḥ […] śirastathā ||123||

„Trilokivandite“, „von den drei Welten Verehrte“, und Shabareshvari im Dativ; […], namah, Kulavadhu, […] und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: mehrere Formelglieder beschädigt. Sicherer Dativ: śabareśvaryai, „der Herrin der Shabaras“; kein vollständiger Mantra ergänzt.

Mahalakshmi, Bagalamukhi und Aparajita

Vers 124
tāro ramā trapā lakṣmīḥ kamale kamalālaye |
prasīdadvitayaṃ cāpi ramayorantare trapā ||124||

Tara, Rama, Trapa und Lakshmi; „Kamale Kamalalaye“, „Lotushafte, im Lotus Wohnende“, und zweimal „prasida“, „sei gnädig!“ Danach Trapa zwischen zwei Rama-Bijas …

Anmerkung: Formelglieder: kamale kamalālaye prasīda prasīda. Die Bija-Chiffren bleiben unaufgelöst.

Vers 125
mahālakṣmīstato ṅe'ntā śeṣe hṛnmantrasaṃyutā |
praṇavānu prabhābījaṃ bagalāmukhi cetyapi ||125||

… danach Mahalakshmi im Dativ, verbunden mit dem abschließenden Herzmantra. [Danach:] Pranava, das Prabha-Bija und „Bagalamukhi“ …

Anmerkung: Dativ mahālakṣmyai: „der Mahalakshmi“; bagalāmukhi ist Anrede. Prabha nicht in eine aus anderer Überlieferung bekannte Silbe umgewandelt.

Vers 126
tataśca sarvaduṣṭānāṃ mukhaṃ vācaṃ samuddharet‌ |
stambhaya procya jihvāṃ ca kīlayadvitayaṃ vadet‌ ||126||

Dann setze man „aller Übeltäter Mund und Rede“ ein und spreche „lähme“; anschließend „die Zunge“ und zweimal „hefte fest“.

Anmerkung: Formelglieder: sarvaduṣṭānāṃ mukhaṃ vācaṃ stambhaya; jihvāṃ kīlaya kīlaya. Historische Bannformel.

Vers 127
buddhiṃ nāśaya saṅkīrtya prabhāṃ tāraṃ śiro'pi ca |
tāraṃ hṛdayamantraśca śvetaśabdānu […] ||127||

Nach „vernichte den Verstand“ folgen Prabha, Tara und Kopfabschluss. [Danach:] Tara und der Herzmantra; auf das Wort „weiß“ folgt […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussglied unlesbar. Formelbestandteil buddhiṃ nāśaya; beschädigten nächsten Göttinnennamen nicht ergänzt.

Vers 128
puṇḍarīkāsanāyai ca tataḥ pratipadādanu |
tathā samaraśabdānu vijayānu ca sundari ||128||

… „Pundarikasanayai“, „der auf einem weißen Lotus Sitzenden“; dann „prati“ und daran „samara“, anschließend „vijaya“, Schöne …

Anmerkung: Fortsetzung129; die Quelle baut einen zusammengesetzten Ausdruck auf.

Vers 129
pradāyai bhagavatyai ca ṅe'ntā caivāparājitā |
lajjālakṣmīsmarāścāstraṃ śiraḥ praṇava eva ca ||129||

… mit „pradayai“: „der in jedem Kampf Sieg Gewährenden“; „bhagavatyai“, „der Erhabenen“, und Aparajita im Dativ: „der Unbesiegten“. Lajja, Lakshmi und Smara, Astra, Kopfabschluss und Pranava folgen.

Anmerkung: Formelglieder prati-samara-vijaya-pradāyai bhagavatyai aparājitāyai. OCR-Ziffer126 im Zusammenhang129.

Pingala, Hayagriveshvari und östlicher Abschluss

Vers 130
tāramedhau pāśakālyau lakṣmīkāmaruṣastataḥ |
śākinī ḍākinī cāpi phetkārī tadanantaram‌ ||130||

Tara und Medha, Pasha und Kali, danach Lakshmi, Kama und Rush; Shakini, Dakini und anschließend Phetkari …

Vers 131
piṅgalāyāśca sambuddhirvāradvayamataḥ param‌ |
tato mahāpiṅgale ca asthibhedi tryambikam‌(?) ||131||

… danach zweimal die Anrede „Pingale“. Dann „Mahapingale“, „große rotbraune Göttin“, sowie „Asthibhedi“, „Knochen Spaltende“, und „Tryambikam [?]“ …

Anmerkung: Tryambika-Glied bereits in Quelle fraglich; keine gesicherte Anrede oder grammatische Endung ergänzt.

Vers 132
[…] cāstrayugaṃ śīrṣaṃ śeṣe viniḥkṣipet‌ |
tāramāyākṣetrapālāṅkuśāścāpi […] ||132||

[…], zweimal Astra und Kopfabschluss setze man an das Ende. [Danach:] Tara, Maya, Kshetrapala und Ankusha sowie […] …

Anmerkung: Fragment: Anfangs- und Schlussglied unlesbar.

Vers 133
hayagrīveśvari tataścaturvedamayītyapi |
śākinīyoginīkāntākūrcāśca tadanu bhāmini ||133||

Dann „Hayagriveshvari“ und „Chaturvedamayi“: „Herrin Hayagrivi, die aus den vier Veden besteht!“ Danach Shakini, Yogini, Kanta und Kurcha, Strahlende …

Anmerkung: Göttinnenname nach tatsächlicher Hayagriva-Verbindung bewahrt; keine Identifizierung mit einer andersnamigen Gestalt ergänzt.

Vers 134
tataśca […] mayyadhiṣṭhānamīśvari |
[…] śirastārastataḥ sampuṭakṛnmanuḥ ||134||

… danach […] „in mir die Gegenwart, Herrin“; […], Kopfabschluss und Tara. Dann folgt der Mantra, der die Umrahmung bildet …

Anmerkung: Fragment: Verb der Bitte und weiteres Glied beschädigt; „nimm in mir Wohnung“ nicht als vollständigen Quellwortlaut ergänzt.

Vers 135
medhatrapāramākāmavadhūroṣāśca yoginī |
ato bhairavyapi śive śākinī ḍākinī tathā ||135||

… Medha, Trapa, Rama, Kama, Vadhu, Rosha und Yogini; danach Bhairavi, Segensreiche, sowie Shakini und Dakini …

Anmerkung: Shive hier als Anrede des Sprechers verstanden, nicht als zusätzliche Bija-Chiffre. Fußnote vertauscht Shakini und Dakini.

Vers 136
pralayaścāpi phetkārī krodhāstre śira eva ca |
manūnetāvataḥ smṛtvā dakṣiṇāṃse pravinyaset‌ ||136||

… Pralaya, Phetkari, Krodha, Astra und Kopfabschluss. Nachdem man diese Mantras vergegenwärtigt hat, setze man sie an der rechten Schulter ein.

Vers 137
pūrvāmnāyasthitā devya etāḥ ṣoḍaśa kīrtitāḥ |
krameṇa tattaddevībhyastāstā devyo vinirgatāḥ ||137||

Diese sechzehn Göttinnen des östlichen Amnaya sind genannt. Der Reihe nach sind die jeweiligen Göttinnen aus den jeweils vorangehenden Göttinnen hervorgegangen.

Anmerkung: Die Quelle zählt16; beschädigte Anrufungen nicht zur Zahl ergänzt.

Vers 138
tattaddevīmanubhyastu tattanmantrā api priye |
etāḥ ṣoḍaśa vijñeyāḥ pūrvāmnāyasya pālikāḥ ||138||

Ebenso gingen die jeweiligen Mantras aus den Mantras der entsprechenden Göttinnen hervor, Geliebte. Diese sechzehn sind als Hüterinnen des östlichen Amnaya zu verstehen.

Die Göttinnen des südlichen Amnaya

Vers 139
tattatkramasya yogena kramanyāso'bhidhīyate |
atastvaṃ dakṣiṇāmnāyadevīmantrān nibodha me ||139||

Wegen dieser jeweiligen Abfolge heißt er Krama-Nyasa. Vernimm nun von mir die Mantras der Göttinnen des südlichen Amnaya.

Anmerkung: OCR-Ziffer136 im Zusammenhang139.

Vers 140
yasyādyabhūtā mātaṅgī sadyo viśvavaśaṅkarī |
atrāpi pūrvavajjñeyo mantrāṇāṃ sampuṭaḥ śive ||140||

An seinem Anfang steht Matangi, die sogleich die Welt unter ihre Macht bringt. Auch hier ist die Umrahmung der Mantras wie zuvor zu verstehen, Segensreiche.

Anmerkung: Historische Machtverheißung des Textes.

Vers 141
tāro ramā smaro māyā yoginī śākinī ruṣaḥ |
dviḥ sphura prasphurayugaṃ sānnidhyaṃ kuruyugmakam‌ ||141||

Tara, Rama, Smara, Maya, Yogini, Shakini und Rush; zweimal „sphura“, zweimal „prasphura“: „Erstrahle, erstrahle; leuchte hervor, leuchte hervor!“ Dann „sannidhyam kuru kuru“: „Werde gegenwärtig, werde gegenwärtig!“

Anmerkung: Sphur/prasphur können auch Aufblitzen und Hervortreten bezeichnen; rituelle Gegenwartsbitte.

Vers 142
kūrcāstraśīrṣāṇyante ca tattanmantrāstato'nu […] |
medhamāyāramātārā namo bhagavatīti ca ||142||

Am Ende stehen Kurcha, Astra und Kopfabschluss; danach die jeweiligen Mantras […]. Medha, Maya, Rama und Tara, dann „namo bhagavati“, „Verehrung, Erhabene!“ …

Anmerkung: Fragment: Wort nach der Ankündigung der Einzelmantras beschädigt. Kurcha/Astra aus leicht beschädigter Verbindung gelesen.

Vers 143
[…] saṅkīrtya tataḥ sarvajanākṣarāt‌ |
manohari tataḥ sarvamukharañjani cetyapi ||143||

Nach […] verbinde man „sarvajana“ mit „manohari“: „Die aller Menschen Herz bezaubert!“ Dann „sarvamukharanjani“: „Die jedes Gesicht erfreut!“ …

Anmerkung: Fragment: Göttinnenanrede am Versanfang unlesbar; nicht aus dem Matangi-Kontext ergänzt.

Vers 144
sarvarājavaśaṅkaryanu […] |
punaḥ puruṣaśabdānu […] samuddharet‌ ||144||

… danach „sarvarajavashankari“, „die sämtliche Könige unter ihre Macht bringt“, […]; ferner an das Wort „purusha“, „Mensch beziehungsweise Mann“, anschließend […] …

Anmerkung: Fragment: große Teile der Formel beschädigt; fehlende Beherrschungsobjekte nicht ergänzt.

Vers 145
sarvaduṣṭamṛgetyuktvā […] tato'pyanu |
sarvagrahapadāddevi sarvasattvapadādapi ||145||

Nach „alle bösen Tiere“ […]; danach an „alle Grahas“, Göttin, und an „alle Wesen“ …

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe nach sarvaduṣṭamṛga unlesbar. Fortsetzung146.

Vers 146
vaśaṅkarīti pratyekaṃ tataḥ paramudīrayet‌ |
sarvalokamamuṃ me ca vaśamānaya cetyapi ||146||

… füge man jeweils „vashankari“ an: „die sie unter ihre Macht bringt“. Dann: „Bringe mir diese ganze Welt unter meine Herrschaft!“

Anmerkung: Formelglied: sarvalokam amuṃ me vaśam ānaya. Historische Beherrschungsbitte.

Annapurna, Ashvarudha und weitere südliche Formen

Vers 147
śiraḥ śeṣe tato māyā namo bhagavatīti ca |
māheśvari visandhyuktvā annapūrṇe śirastathā ||147||

Am Ende folgt der Kopfabschluss. Dann Maya und „namo bhagavati“, „Verehrung, Erhabene!“ Man spreche ohne Sandhi-Verbindung „Maheshvari, Annapurne“, „Herrin des großen Gottes, Fülle der Nahrung“, und den Kopfabschluss.

Anmerkung: Māheśvari im OCR leicht beschädigt. Visandhi verlangt ausdrücklich das Unterlassen der Lautverschmelzung.

Vers 148
pāśamāyāṅkuśāstāratrapālakṣmīruṣaḥ smaraḥ |
pāśo ṅe'ntā tato'pyaśvārūḍhāstradvitayaṃ śiraḥ ||148||

Pasha, Maya und Ankusha, Tara, Trapa, Lakshmi, Rush und Smara; Pasha, dann Ashvarudha im Dativ, zweimal Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Aśvārūḍhāyai: „der auf einem Pferd Reitenden“. Fußnote nennt dreimal statt zweimal Astra; Fassungen getrennt bewahrt.

Vers 149
jvalayugmaṃ śūlini ca tato duṣṭagrahaṃ vadet‌ |
grasa saṅkīrtya śīrṣaṃ ca ramālajjāsmarāstataḥ ||149||

Zweimal „jvala“, „brenne“, dann „Shulini“, „Dreizackträgerin“, danach „den bösen Graha verschlinge!“ und Kopfabschluss. Anschließend Rama, Lajja und Smara …

Anmerkung: Lesbare Formelglieder: jvala jvala śūlini duṣṭagrahaṃ grasa. Keine ergänzten Anfangsbijas für diese Formel.

Vers 150
tāro māyā medhamāye tāro ṅe'ntā sarasvatī |
hṛnmantraśca tatastāro māyā ca kamalā smaraḥ ||150||

… Tara, Maya, Medha und Maya, Tara, Sarasvati im Dativ und Herzmantra. Danach Tara, Maya, Kamala und Smara …

Anmerkung: Sarasvatyai: „der Sarasvati“. Wiederholungen der Bija-Namen bleiben bewahrt.

Vers 151
prāsādaśca sṛṇiścāpi svapnaprastāriṇīti ca |
svāhā tāro bhauvaneśī […] pāśo'ṅkuśastathā ||151||

… Prasada und Srini, dann „Svapnaprastarini“, „die Träume ausbreitet“, und svaha. Danach Tara, Bhauvaneshi, […], Pasha und Ankusha …

Anmerkung: Fragment: ein Bija-Name beschädigt; Svapnaprastarini aus leicht beschädigter Schreibung vorläufig gelesen.

Vers 152
vadhūḥ krodhaḥ kṣetrapālaḥ kulanārī phaḍantimā |
tāramedhatrapā nityaklinne ca madadrave ||152||

… Vadhu, Krodha, Kshetrapala, Kulanari und als Schluss phat. Danach Tara, Medha und Trapa; „Nityaklinne Madadrave“, „stets Benetzte, von Rausch Zerfließende“ …

Anmerkung: Göttinnenanreden, keine körperliche Handlung vorgeschrieben.

Vers 153
vāgbhavo bhauvaneśī ca svāhā ca tadanantaram‌ |
kūrco drohaśca viśirāḥ [?] bradhno medhasya pañcakam‌ ||153||

… Vagbhava, Bhauvaneshi und danach svaha. Dann die Fünfergruppe Kurcha, Droha, Vishiras [?], Bradhna und Medha …

Anmerkung: Vishiras bereits in der Quelle fraglich; die Fünfergruppe entsprechend dem erkennbaren Satzsinn, keine Lautauflösung ergänzt.

Vers 154
tato dadyānmuṇḍamadhumatyai iti padaṃ priye |
tasyānu śaktibhūtinyai trapātritayamastrayuk‌ ||154||

Danach setze man das Wort „Mundamadhumatyai“ ein, Geliebte, anschließend „Shaktibhutinyai“, dreimal Trapa und Astra.

Anmerkung: Dativanreden Mundamadhumati und Shaktibhutini; genaue Namensbedeutung nicht gesichert, keine scheinbar wörtliche Deutung erfunden.

Sieg, Rettung und Gegenwart der Göttin

Vers 155
tāramedhe ca samarapadād vijayadāyini |
mattamātaṅgayāyinyanu śrīpāśakulāṅganāḥ ||155||

Tara und Medha; an „samara“ schließe man „vijayadayini“ an: „Sieg im Kampf Gewährende!“ Dann „Mattamatangayayini“, „auf einem brünstigen Elefanten Fahrende“, danach Shri, Pasha und Kulangana …

Vers 156
tato bhagavatītyuktvā jayanti samare jayam‌ |
dehiyugmaṃ samābhāṣya mama śatrūnitīrayet‌ ||156||

Dann spreche man: „Erhabene Jayanti, gib, gib Sieg im Kampf!“ Danach sage man „meine Feinde“ …

Anmerkung: Formelglieder: bhagavati jayanti samare jayaṃ dehi dehi; mama śatrūn. Fortsetzung157.

Vers 157
vidhvaṃsayayugaṃ vidrāvayayugaṃ tataḥ param‌ |
bhañjayugmaṃ tato jñeyaṃ madayadvitayaṃ tathā ||157||

… zweimal „vernichte“, danach zweimal „vertreibe“, dann zweimal „zerbrich“ und ebenso zweimal „versetze in Rausch“.

Anmerkung: Vidhvaṃsaya vidhvaṃsaya vidrāvaya vidrāvaya bhañja bhañja madaya madaya. Historische Feindbezwingungsformel.

Vers 158
[…] ramā kāmavadhvau hṛcchira eva ca |
praṇavo vāgbhavaścāpi tato raktāmbare padam‌ ||158||

[…], Rama, Kama und Vadhu sowie Herz- und Kopfabschluss. Danach Pranava, Vagbhava und das Wort „Raktambare“, „Rotgewandete“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Formelglied beschädigt.

Vers 159
asyānu kathayeddevi raktasraganulepane |
mahāmāṃsapadādraktapriye tadanu ca priye ||159||

… anschließend spreche man, Göttin, „Raktasraganulepane“, „mit roten Girlanden und roter Salbung Geschmückte“. Auf „Mahamamsa“ folge „Raktapriye“: „Die Menschenfleisch und Blut liebt“, Geliebte …

Anmerkung: Mahāmāṃsa, wörtlich „großes Fleisch“, bezeichnet in diesem Ritualwortschatz Menschenfleisch; als historische Göttinnenanrede wiedergegeben. OCR-Ziffer156 im Zusammenhang159.

Vers 160
mahākāntārato […] māṃ trāhi […] tataḥ |
kamalākāmamāyāruḍrāvāstrāṇi śirastataḥ ||160||

„Aus der großen Wildnis […] rette mich […]“; danach Kamala, Kama, Maya, Rut, Rava, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: Kasusanweisung und Wiederholungsangabe beschädigt; keine Zahl der Wiederholungen ergänzt. Fußnote bietet eine abweichende Lautfolge mit Naracha.

Vers 161
māyā […] ṛtambhara itaḥ param‌ |
saṅkaṭā devi collikhya saṅkaṭebhyo vadettataḥ ||161||

Maya, […], danach Ritambhara. Man schreibe „Sankata Devi“, „Göttin Sankata“, und spreche anschließend „aus den Bedrängnissen“ …

Anmerkung: Fragment: mehrere Bija-Namen beziehungsweise Verbindungen der ersten Hälfte beschädigt.

Vers 162
māmuktvā tārayayugaṃ kamalā kāma eva ca |
prāsādakūrcapāśāśca śeṣe phaṭ vahnivallabhā ||162||

… dann „mich“ und zweimal „führe hinüber“; Kamala, Kama, Prasada, Kurcha und Pasha. Am Schluss phat und Vahnivallabha.

Anmerkung: Mit161: saṅkaṭebhyo māṃ tāraya tāraya, „Führe mich aus den Bedrängnissen hinüber!“ Vahnivallabha bezeichnet den Svaha-Abschluss.

Vers 163
[…] samābhāṣya vāgvādini samuddharet‌ |
kulikaṃ bījamuccārya klinnakledini kīrtayet‌ ||163||

Nach […] setze man „Vagvadini“, „Rede Sprechende“, ein. Nach dem Kulika-Bija spreche man „Klinnakledini“, „Benetzte und Benetzende“ …

Anmerkung: Fragment: Anfangslaut beziehungsweise Anfangswort beschädigt.

Vers 164
mahākṣobhaṃ kuru tato kalpabījaṃ ca tārayuk‌ |
mokṣaṃ kuru tataḥ śeṣe kulikaṃ bījamucyate ||164||

… dann „bewirke große Erschütterung“, das Kalpa-Bija zusammen mit Tara und „bewirke Befreiung“. Am Ende wird das Kulika-Bija genannt.

Anmerkung: Formelglieder mahākṣobhaṃ kuru und mokṣaṃ kuru; keine zusätzliche Bedeutung der Bijas erfunden.

Vers 165
tāro medhaṃ tathā kālī kūrcaṃ māyā smarastataḥ |
mekhalāmauñjikuṇḍāni rāgasārasabhadrikāḥ ||165||

Tara, Medha, Kali, Kurcha, Maya und danach Smara; Mekhala, Maunji, Kunda, Raga, Sarasa und Bhadrika …

Anmerkung: Medha im OCR als Megha lesbar; Angleichung an die wiederholt benannte Chiffre nur vorläufig.

Vers 166
dṛṣṭiṃ niveśaya indraṃ kūrcāstre vahnivallabhā |
ūrdhvaṃ sampuṭamunneyaṃ ṣaḍviṃśatibhirakṣaraiḥ ||166||

„Richte den Blick darauf!“ Dann Indra, Kurcha, Astra und Vahnivallabha. Am oberen beziehungsweise abschließenden Ende ist die Umrahmung aus sechsundzwanzig Silben einzusetzen.

Anmerkung: Indra nach sichtbarer Form als Bija-Name verstanden; genaue Verbindung zur vorangehenden Blickanweisung unsicher. Die26Silben nicht aus anderen Fassungen ergänzt.

Vers 167
etāḥ ṣoḍaśa vai devyo dakṣiṇāmnāyagocarāḥ |
krameṇa nirgatāstattaddevītaḥ kamalānane ||167||

Diese sechzehn Göttinnen gehören zum südlichen Amnaya. Sie sind der Reihe nach aus den jeweiligen Göttinnen hervorgegangen, Lotusgesichtige.

Vers 168
āsāṃ mantrāstathaivaite tattanmantrebhya udgatāḥ |
pārśve tu dakṣiṇe nyasyenmantrān ṣoḍaśa sādhakaḥ ||168||

Ebenso sind ihre Mantras aus den jeweiligen vorangehenden Mantras hervorgegangen. Der Übende soll die sechzehn Mantras an der rechten Körperseite einsetzen.

Die Göttinnen des westlichen Amnaya

Vers 169
pratīcyāmnāyagāḥ sarvāḥ kramanyāse niśāmaya |
tatrādhaḥ sampuṭaṃ vakṣye bījavarṇapuraskṛtam‌ ||169||

Vernimm nun alle Göttinnen des westlichen Amnaya im Krama-Nyasa. Zuerst erkläre ich die untere beziehungsweise einleitende Umrahmung, der Bija-Laute vorangestellt sind.

Vers 170
tāro medhaśca pāśaśca trapā yoginyamākrudhaḥ |
hāriṇyutkocinīnādāntakacāmarasaumatāḥ ||170||

Tara, Medha, Pasha, Trapa, Yogini, Ama und Krudh; Harini, Utkochini, Nadantaka, Chamara und Saumata …

Vers 171
dvādaśaitāni bījāni purataḥ prativinyaset‌ |
tato bhagavati procya āgacchadvitayaṃ tataḥ ||171||

Diese zwölf Bijas setze man an den Anfang. Dann spreche man „Bhagavati“ und zweimal „agaccha“: „Erhabene, komm, komm!“

Vers 172
tato vadet sannihitā bhavayugmamataḥ param‌ |
śākinī ḍākinī kṛtyā kauluñcaḥ prakarī tathā ||172||

Dann sage man „sannihita bhava bhava“, „sei gegenwärtig, sei gegenwärtig!“ Danach Shakini, Dakini, Kritya, Kauluncha und Prakari …

Vers 172 (zweite Nennung; Folgeposition 173)
[…] |
saptaviṃśativarṇāni kathitāni mayā tava ||172||

[…]. Siebenundzwanzig Silben habe ich dir genannt.

Anmerkung: Fragment: erste Vershälfte als Strich-/Fehlstelle in der Quelle. Quelle wiederholt172; interne Kennung173, Quellziffer bewahrt.

Vers 174
ūnacatvāriṃśadvarṇāḥ sarva ete prakīrtitāḥ |
sampuṭasthānatho mantravarṇān madhye sthitān śṛṇu ||174||

Zusammen werden sie als neununddreißig Silben bezeichnet. Höre nun die Mantra-Laute, die in der Mitte dieser Umrahmung stehen.

Anmerkung: Die Gesamtzahl39 wird überliefert, fehlende Silben aus 173 nicht rechnerisch ergänzt.

Kubjika, Aghora und weitere Anrufungen

Vers 175
praṇavo vāgbhavo māyā kāmo lakṣmīśca śākinī |
pralayaścāpi phetkārī sattvakūṭaṃ tataḥ param‌ ||175||

Pranava, Vagbhava, Maya, Kama, Lakshmi und Shakini; Pralaya, Phetkari und danach Sattva-Kuta …

Vers 176
uktvā bhagavatītyevaṃ vicce ghore tataḥ param‌ |
śrīkubjike ca tretārṇān […] kulikaṃ tathā ||176||

… nach „Bhagavati“ folgen „vicce“, „Ghore“ und „Shrikubjike“: „Erhabene, vicce, Furchtbare, ehrwürdige Kubjika!“ Dann die […] drei Laute und Kulika …

Anmerkung: Fragment: nähere Lautanweisung der zweiten Hälfte beschädigt. Vicce als rituelles Lautwort ohne erfundene deutsche Wortbedeutung bewahrt.

Vers 177
pañcānāmapi vargāṇāṃ yathoktān pañca varṇakān‌ |
śeṣagān samanuddhṛtya visandhi tadanantaram‌ ||177||

Man entnehme nach der gegebenen Anweisung die fünf jeweils letzten Laute der fünf Lautklassen; danach spreche man ohne Sandhi-Verbindung …

Anmerkung: Lautchiffre, keine stillschweigende Ergänzung der ausgeschriebenen Nasale in den Mantra.

Vers 178
saghorāmukhi saṃlikhya uṣastṛṣṇāparādhakān‌ |
kiṇidvandvaṃ tato vicce vadhū ruṭ preta eva ca ||178||

… „Saghoramukhi“ [Anrede unsicher], dann Ushas, Trishna und Paradhaka; zweimal „kini“, danach „vicce“, Vadhu, Rut und Preta …

Anmerkung: Fragment: erste Anrede und Trennung der folgenden Namen unsicher; keine gesicherte Bedeutung erfunden.

Vers 179
tato'nu pādukāmuktvā pūjayāmi namaḥ śiraḥ |
trapāramāsṛṇyanaṅgavadhūvāgbhavagāruḍāḥ ||179||

Danach spreche man „padukam pujayami“, „ich verehre die Sandalen“, namah und Kopfabschluss. [Danach:] Trapa, Rama, Srini, Ananga, Vadhu, Vagbhava und Garuda …

Vers 180
yoginī śākinī kālī phetkārī ruṣa eva ca |
aghore siddhimuccārya me padād dehi dāpaya ||180||

… Yogini, Shakini, Kali, Phetkari und Rush. Man spreche „Aghore“, „Nichtfurchtbare“, dann „siddhim me dehi dapaya“, „gib mir Siddhi, lass sie mir geben“ …

Vers 181
svāhā śeṣe tatastāralakṣmīpāśāṅkuśasmarāḥ |
kūrcastato'nu dhanadā samādhistadanantaram‌ ||181||

… und am Ende svaha. Danach Tara, Lakshmi, Pasha, Ankusha und Smara; Kurcha, Dhanada und anschließend Samadhi …

Vers 182
ekānaṃśe samullikhya ḍamaruḍāmari smaret‌ |
nīlāmbare nīlapadād vibhūṣaṇa itīrayet‌ ||182||

Man schreibe „Ekanamshe“ und vergegenwärtige „Damarudamari“. Dann „Nilambare“, „Blaugewandete“, und nach „nila“ das Wort „vibhushana“: „mit blauem Schmuck“ …

Anmerkung: Damarudamari als überlieferte Anrede bewahrt; keine sichere vollständige Etymologie behauptet.

Vers 183
nīlanāgāsane procya sakalānu surāsurān‌ |
vaśe tataḥ kuruyugaṃ jalpike kalpike tathā ||183||

Man spreche „Nilanagasane“, „auf einer blauen Schlange Sitzende“, dann „alle Götter und Asuras bringe, bringe unter die Gewalt!“ Danach „Jalpike, Kalpike“ …

Anmerkung: Naga kann auch Elefant bedeuten; hier Schlangenlesung als vorläufige Bilddeutung. Letzte Anreden nicht durch vermutete Lautsilben ersetzt.

Vers 184
siddhide vṛddhide cāpi yoginīstrīruṣaḥ smaraḥ |
rāvaprāsādāstraśīrṣāṇyataḥ paramudīrayet‌ ||184||

„Siddhi Gewährende, Wachstum Gewährende!“ Danach spreche man Yogini, Stri, Rush, Smara, Rava, Prasada, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Siddhide vṛddhide als Anreden.

Chamunda und ihre wilde Gestalt

Vers 185
tāro hṛnmantrasaṃyuktaścāmuṇḍe sandhinānvitaḥ |
karaṅkiṇi samābhāṣya karaṅkapadamīrayet‌ ||185||

Tara, verbunden mit dem Herzmantra; „Chamunde“ mit Sandhi-Verbindung. Man spreche „Karankini“ und danach das Wort „karanka“, „Skelett“ …

Anmerkung: Fortsetzung186.

Vers 186
mālādhāriṇītaḥ kiṃ kiṃ vilambasa itīrayet‌ |
tato bhagavatītyuktvā śuṣkānani samuccaret‌ ||186||

… mit „maladharini“: „Trägerin einer Skelettgirlande! Warum, warum zögerst du?“ Danach spreche man „Bhagavati Shushkanani“, „Erhabene mit ausgedörrtem Gesicht!“

Anmerkung: Formelglieder kiṃ kiṃ vilambase; bhagavati śuṣkānani.

Vers 187
korajadvitayaṃ bindurahitaṃ tadanantaram‌ |
tato niḥsandhyantrakarāvadanaddhe [vanaddhe?] bhoyugaṃ tathā ||187||

Danach zweimal Koraja ohne Bindu. Dann ohne Sandhi-Verbindung die Anrede „Antrakaravadanaddhe“ [Lesung unsicher; Herausgeber: vanaddhe?], ferner zweimal „bho“ …

Anmerkung: Fragment: zusammengesetzte Anrede beschädigt; erkennbare Darm-/Handbestandteile nicht zu einer gesicherten Gesamtbeschreibung rekonstruiert. Koraja bleibt Lautchiffre; bho Anrufungslaut.

Vers 188
valā dvandvaṃ tataḥ kṛṣṇabhujaṅgapadamuddharet‌ |
tasyānu veṣṭitatanusambuddhistadanantaram‌ ||188||

Zweimal „vala“; dann setze man „krishnabhujanga“, „schwarze Schlange“, ein und verbinde es mit der Anrede „veshtitatanu“: „deren Leib von schwarzen Schlangen umwunden ist!“ …

Anmerkung: Vala nach sichtbarer Schreibung als Rezitationswort; keine Bedeutung erraten.

Vers 189
jñeyo lambakapālāyā huḍḍayugmamataḥ param‌ |
[…] paṭyugaṃ patākāhasta ityapi ||189||

… die Anrede Lambakapala, „mit herabhängendem Schädel“, danach zweimal „hudda“; […], zweimal „pat“ und „Patakahasta“, „mit einem Banner in der Hand“ …

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Hälfte beschädigt; Anredeendungen teilweise unklar, keine normalisierte Gesamtformel ergänzt.

Vers 190
jvala jvala samābhāṣya jvālāmukhi tato vadet‌ |
visandhyavarṇato niṣkaṃ tarjanītritayaṃ priye ||190||

Man spreche „jvala jvala“, „brenne, brenne“, danach „Jvalamukhi“, „Flammengesichtige!“ Ohne Sandhi-Verbindung folgen der a-Laut, Nishka und dreimal Tarjani, Geliebte …

Anmerkung: Die Lautanweisung avarṇato niṣkam ist nicht völlig eindeutig; keine ausgeschriebene Silbenkombination abgeleitet.

Vers 191
khaṭvāṅgadhāriṇyuktvā ca hāhā caṭṭayugaṃ tataḥ |
he he kevalavarṇau hi na tu bījaṃ varānane ||191||

Man spreche „Khatvangadharini“, „Trägerin des Schädelstabes“, dann „haha“, zweimal „chatta“ und „he he“. Dies sind bloße Laute, kein Bija, Schönangesichtige.

Anmerkung: Quelle erklärt die Lautfunktion ausdrücklich; keine erfundene Wortbedeutung.

Vers 192
aṭṭāṭṭahāsini tataḥ […] […] tataḥ param‌ |
sandhānarahitāvetau pūrvatra ca paratra ca ||192||

Dann „Attattahasini“, „laut und dröhnend Lachende“, danach […] und […]. Diese beiden sind weder mit dem Vorangehenden noch mit dem Folgenden lautlich zu verbinden.

Anmerkung: Fragment: zwei Rezitationsglieder beschädigt; keine geratenen Laute.

Vers 193
tato vetālamukhi ca sikidvandvamito'pyanu |
sphuliṅgapiṅgalākṣīti tataścala caletyapi ||193||

Dann „Vetalamukhi“, „Vetala-Gesichtige“, zweimal „siki“, „Sphulingapingalakshi“, „mit funkenhaft rotbraunen Augen“, und „chala chala“, „bewege dich, bewege dich!“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer183 im Zusammenhang193.

Vers 194
cālayadvitayasyānu karaṅkapadamīśvari |
namo'stu te mālinītaḥ svāhā śeṣe nigadyate ||194||

… nach zweimal „chalaya“, „bewege“, das Wort „karanka“, Herrin, verbunden mit „malini“: „Skelettgirlanden-Trägerin, Verehrung sei dir!“ Am Ende wird svaha gesprochen.

Anmerkung: Quellanweisung nennt namo'stu te zwischen den Namensgliedern; deutsche Verbindung erläutert den Sinn, ersetzt nicht die angegebene Reihenfolge. OCR-Ziffer164 im Zusammenhang194.

Varahi: Bann und Schutz

Vers 195
medhamāyāramāpāśā amṛtaṃ kalayā saha |
pāśaśca padmakūṭaṃ ca namo bhagavatīti ca ||195||

Medha, Maya, Rama und Pasha, Amrita zusammen mit Kala; Pasha, Padma-Kuta und „namo bhagavati“, „Verehrung, Erhabene!“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer165 im Zusammenhang195.

Vers 196
vārtālidvitayaṃ cāpi vārāhiyugalaṃ tathā |
varāhamukhyapi dviśca tato medhāmṛte priye ||196||

… zweimal „Vartali“, ebenso zweimal „Varahi“ und zweimal „Varahamukhi“, „Ebergesichtige“; danach Medha und Amrita, Geliebte …

Vers 197
andhe andhini hṛnmantro rundhe rundhini hṛnmanuḥ |
jambhe jambhinyanu namo mohe mohinyato namaḥ ||197||

„Andhe Andhini“ und der Herzmantra; „Rundhe Rundhini“ und der Herzmantra; nach „Jambhe Jambhini“ namah, nach „Mohe Mohini“ namah.

Anmerkung: Anreden mit Funktionen des Blendens, Hemmens, Lähmens und Verwirrens; ungewöhnliche erste Formen der Paare nicht stillschweigend zu Imperativen umgeschrieben.

Vers 198
[…] visandhi tritayaṃ stambhe stambhini vai namaḥ |
sarvaduṣṭapraduṣṭānāṃ sarveṣāṃ sarvaśabdataḥ ||198||

[…] dreimal ohne Sandhi-Verbindung; „Stambhe Stambhini namah“, „Verehrung der Lähmenden!“ Danach „aller Bösen und Verderbten, aller“ und das Wort „sarva“, „sämtlich“ …

Anmerkung: Fragment: zu verdreifachendes Glied unlesbar.

Vers 199
vākcittacakṣuḥśrotramukhagatijihvāpadaṃ tataḥ |
stambhaṃ kuruyugaṃ śīghraṃ vaśaṃ kuruyugaṃ tataḥ ||199||

… danach die Wörter „Rede, Denken, Auge, Ohr, Mund, Bewegung und Zunge“. Dann „bewirke, bewirke Lähmung; bringe sie schnell, bringe sie unter die Gewalt!“

Anmerkung: Formelglieder stambhaṃ kuru kuru śīghraṃ vaśaṃ kuru kuru; historische Bannbitte.

Vers 200
caitanyakālīkamalā […] piśācinī |
pañcākṛtidharā […] krodhāstraśirāṃsi ca ||200||

Chaitanya, Kali, Kamala, […], Pishachini, Panchakritidhara, […], Krodha, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: mehrere verkettete Bija-Namen beschädigt; keine vollständige Schlussformel rekonstruiert.

Purneshvari und weitere westliche Formeln

Vers 201
bhauvaneśī śākinī ca ḍākinī kāma eva ca |
pūrṇeśvarīti saṅkīrtya sarvān kāmāṃśca pūraya ||201||

Bhauvaneshi, Shakini, Dakini und Kama; danach „Purneshvari, erfülle alle Wünsche!“

Anmerkung: Formelglieder pūrṇeśvari sarvān kāmān pūraya.

Vers 202
tārāstraśīrṣāṇyante ca vāsiṣṭhaṃ kūṭamanvataḥ |
ugrasvapnāvatīkūṭau […] kālikaṃ tathā ||202||

Am Ende Tara, Astra und Kopfabschluss. Danach Vasishtha-Kuta, die Kutas Ugra und Svapnavati, […] und Kalika …

Anmerkung: Fragment: Verbindung beziehungsweise Glied vor Kalika beschädigt.

Vers 203
vedādimāyāśākinyaḥ krodhabījaṃ tataḥ param‌ |
mahādigambarītyuktvā medhaśrīkāmapāśakāḥ ||203||

Vedadi, Maya und Shakini, danach das Krodha-Bija; dann „Mahadigambari“, „große Himmelsgewandete“, und Medha, Shri, Kama und Pasha …

Anmerkung: Himmelsgewandete bedeutet unbekleidet; keine metaphorische Verdeckung der ikonografischen Aussage.

Vers 204
muktakeśī [śi] tataścaṇḍāṭṭahāsini samuddharet‌ |
yoginīkāminīkālīpīyūṣāni yathākramam‌ ||204||

… danach „Muktakeshi“, „mit gelöstem Haar“, und „Chandattahasini“, „wild Lachende“; der Reihe nach Yogini, Kamini, Kali und Piyusha …

Anmerkung: Quelle berichtigt die Endung -keśī zu -keśi in Klammern; Anrede gemäß diesem Hinweis.

Vers 205
muṇḍamālinyatastāraḥ svāhā ca tadanantaram‌ |
māyāramāṅkuśānaṅgavadhūvāgbhavagāruḍāḥ ||205||

„Mundamalini“, „Trägerin einer Schädelgirlande“, Tara und danach svaha. [Es folgen:] Maya, Rama, Ankusha, Ananga, Vadhu, Vagbhava und Garuda …

Vers 206
yoginī śākinī kālī phetkārī ruṣa eva ca |
[…] siddhiṃ me dehi dāpaya mastakāḥ ||206||

… Yogini, Shakini, Kali, Phetkari und Rush; […] „gib mir Siddhi, lass sie mir geben“, und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: Anrede vor siddhiṃ beschädigt; nicht aus der ähnlichen Formel180 ergänzt.

Vers 207
kālīdvayaṃ caturoṣī sṛṇitritayameva ca |
ramāyugaṃ trapāyugmaṃ yoginī śākinī vadhūḥ ||207||

Zweimal Kali, viermal Rosha und dreimal Srini; zweimal Rama, zweimal Trapa, Yogini, Shakini und Vadhu …

Anmerkung: Kālīdvaya aus beschädigtem kālīhaya gelesen; Zählfolge deutlich.

Vers 208
caṇḍaghaṇṭe tataḥ śatrūn jambhayadvitayaṃ tataḥ |
mārayadvitayaṃ cāpi kūrcāstre śira eva ca ||208||

Dann „Chandaghante, lähme, lähme die Feinde; töte, töte!“ Danach Kurcha, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Formelglieder caṇḍaghaṇṭe śatrūn jambhaya jambhaya māraya māraya; historische Feindvernichtungsbitte.

Vers 209
vedādimedhapāśaśrīkūrcāṅkuśamahāruṣaḥ |
kālītārkṣyau śākinī cānaṅgamāle striyaṃ tataḥ ||209||

Vedadi, Medha, Pasha, Shri, Kurcha, Ankusha und Maharush; Kali, Tarkshya und Shakini, dann „Anangamale“ und „die Frau“ …

Anmerkung: Anangamala als Göttinnenanrede; folgende Anziehungssprache historisch bewahrt.

Vers 210
visandhyākarṣayayugaṃ truṭa chedaya pūrvavat‌ |
dve ruṣau dve tathāstre ca śira ekamataḥ param‌ ||210||

… ohne Sandhi-Verbindung zweimal „ziehe herbei“, dann „trut“ und „zertrenne“, wie zuvor. Zweimal Rush, zweimal Astra und danach einmal Kopfabschluss.

Anmerkung: Ākarṣaya ākarṣaya; truṭ chedaya. Die genaue grammatische Funktion von truṭ bleibt offen; kein zusätzliches Objekt der Zerstörungswörter ergänzt.

Kirateshvari und weitere Göttinnen

Vers 211
[…] pāśakalāsarvā ehyehi tataḥ param‌ |
tato'nu syād bhagavati kirāteśvari cetyapi ||211||

[…], Pasha, Kala und Sarva, danach „Komm, komm!“ Dann „Bhagavati Kirateshvari“, „Erhabene Herrin der Kiratas!“ …

Anmerkung: Fragment: Anfangsbijas beschädigt.

Vers 212
tato vipinaśabdānu […] tathaiva ca |
vartaṃsitānukarṇe ca pādād bhujagatastataḥ ||212||

… danach das Wort „vipina“, „Wald“, und […]; dann die Verbindung „als Ohrschmuck tragend“ […], anschließend „bhujaga“, „Schlange“ …

Anmerkung: Fragment: mehrere Wörter und Kompositumgrenzen beschädigt; Art des Waldschmucks nicht ergänzt. Fortsetzung213.

Vers 213
nirmokakañcukinyeva trapā rākā yugaṃ yugam‌ |
kaha jvala prajvala ca dvitayaṃ dvitayaṃ dvayam‌ ||213||

… mit „nirmokakanchukini“: „mit einem Gewand aus abgestreifter Schlangenhaut“. Je zweimal Trapa und Raka; dann jeweils zweimal „kaha“, „jvala“ und „prajvala“: [Lautwort], „brenne“, „lodere auf“ …

Anmerkung: Kaha nach Quelle als Rezitationslaut; keine erfundene wörtliche Bedeutung.

Vers 214
sarvasiddhiṃ dadayugaṃ tadvaddehi ca dāpaya |
sarvaśatrūn […] bandhayugmaṃ pacadvayam‌ ||214||

„Gib, gib sämtliche Vollendungen!“ Ebenso „dehi“ und „dapaya“, „gib“ und „lass geben“. Dann „alle Feinde“, […], zweimal „binde“ und zweimal „koche“ …

Anmerkung: Fragment: Wort nach sarvaśatrūn beschädigt. Die aggressive Ritualsprache bleibt ausdrücklich historische Anrufung.

Vers 215
matha vidhvaṃsaya tathā yugaṃ yugamudīrayet‌ |
trikūrcāstre namaḥ śīrṣaṃ vedādiḥ kulakāminī ||215||

… ebenso spreche man jeweils zweimal „zerreibe“ und „vernichte“. Dreimal Kurcha, Astra, namah und Kopfabschluss. Danach Vedadi und Kulakamini …

Anmerkung: Nummer215 im OCR beschädigt.

Vers 216
[…] mahāvidye viśvaṃ mohaya pūrvagam‌ |
caitanyakamalānaṅgāstrailokyaṃ tadanantaram‌ ||216||

… […], „Mahavidye, verwirre die Welt!“ Danach Chaitanya, Kamala und Ananga, anschließend „die drei Welten“ …

Anmerkung: Fragment: Anrede am Anfang beschädigt; Mahavidya vollständig lesbar.

Vers 217
sasandhyāveśaya tato roṣo'nvastrayugaṃ śiraḥ |
pāśaḥ kalā sarvamedhāśvatyāśca tadanantaram‌ ||217||

… daran schließe man mit Sandhi „aveshaya“ an, „durchdringe/besetze sie“; danach Rosha, zweimal Astra und Kopfabschluss. Dann Pasha, Kala, Sarva, Medha und Ashvatya …

Anmerkung: Worttrennung der letzten Bija-Gruppe vorläufig; Bedeutung von āveśaya im Ritual auch „in Besessenheit versetzen“, nicht zu Meditation umgedeutet.

Vers 218
ṅe'ntā kṣemaṅkarī cāpi svāhā śeṣe bhavet priye |
praṇavo bhauvaneśī ca lakṣmīḥ kāmaśca yoginī ||218||

Kshemankari im Dativ und am Ende svaha, Geliebte. Danach Pranava, Bhauvaneshi, Lakshmi, Kama und Yogini …

Anmerkung: Kṣemaṅkaryai: „der Wohlergehen Gewährenden“.

Mayuri, Charchika und westlicher Abschluss

Vers 219
vadhūḥ siddhā raktapā ca kūrcāstre tadanantaram‌ |
karālini samābhāṣya tato māyūri kīrtayet‌ ||219||

… Vadhu, Siddha, Raktapa, danach Kurcha und Astra. Man spreche „Karalini“, „Furchtbare mit aufgerissenem Rachen“, und anschließend „Mayuri“, „Pfauengöttin“ …

Vers 220
śikhipicchikāhasta iti khecarīmeghavidyutaḥ |
ṛkṣakarṇīti saṃlikhya jālandhari tataḥ param‌ ||220||

… „mit einem Pfauenfederbüschel in der Hand“, Khechari, Megha und Vidyut. Man schreibe „Rikshakarni“, „Bärenohrige“, und danach „Jalandhari“ …

Anmerkung: Megha hier als sichtbarer Name „Wolke“ neben Vidyut bewahrt, nicht an Medha angeglichen.

Vers 221
mā māṃ dviṣantu tadanu śatravo na tudantu ca |
tato bhūpatayaḥ procya bhayaṃ mocaya sandhiyuk‌ ||221||

Dann: „Mögen die Feinde mich nicht hassen; mögen die Könige mich nicht bedrängen!“ Danach mit Sandhi-Verbindung: „Befreie von Furcht!“

Anmerkung: Die Zuordnung „Feinde“ zum ersten und „Könige“ zum zweiten Verbum folgt der syntaktischen Anweisung; bhayaṃ mocaya wird nicht durch einen anders überlieferten Wortlaut ersetzt.

Vers 222
huṃ phaṭ svāhā sarvaśeṣe tāraḥ kālī ca śākinī |
uktvā vetālamukhi ca carcike tadanantaram‌ ||222||

Ganz am Schluss hum phat svaha. Danach Tara, Kali und Shakini; man spreche „Vetalamukhi“, „Vetala-Gesichtige“, und anschließend „Charchike“ …

Anmerkung: Hum/phat als Ritualsilben ohne erfundene wörtliche Bedeutung.

Vers 223
krodhabījaṃ yoginī ca vadhūbījamataḥ param‌ |
jvālāmālini padād visphuliṅgānu vamanītyapi ||223||

… das Krodha-Bija, Yogini und danach das Vadhu-Bija; auf „Jvalamalini“, „Flammengirlanden-Trägerin“, folge „visphulinga“ mit „vamani“: „Funken Ausspeiende!“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer293 im Zusammenhang223.

Vers 224
mahākāpālini tataḥ kātyāyani tathaiva ca |
kamalānaṅgaḍākinyaḥ kahayugmaṃ […] ||224||

… dann „Mahakapalini“, „große Schädelträgerin“, und „Katyayani“; Kamala, Ananga, Dakini, zweimal „kaha“ und […] …

Anmerkung: Fragment: letztes Glied beschädigt.

Vers 225
[…] pāśasṛṇiprāsādāstadanantaram‌ |
naramāṃsācca rudhirapariprītaśabdataḥ ||225||

… […], danach Pasha, Srini und Prasada. Man verbinde „Menschenfleisch“, „Blut“ und „erfreut“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Formelglied beschädigt; die historische Anrede wird nicht beschönigt. Fortsetzung226.

Vers 226
kapāle'mā medhaśaktī kūrcāni trīṇi phaḍyugam‌ |
svāhaikaṃ sampuṭamatho […] ||226||

… mit „Kapale“: „Kapala, durch Menschenfleisch und Blut erfreut!“ Ama, Medha und Shakti, dreimal Kurcha, zweimal phat und einmal svaha. Dann die Umrahmung […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussanweisung beschädigt; keine vollständige Rekonstruktion der Umrahmung. Nummer226 aus der erkennbaren Folge.

Vers 227
māyānaṅgau medhatārau bhoganetre tathaiva ca |
duṣkṛtaṃ padmasurasasamarāstadanantaram‌ ||227||

Maya und Ananga, Medha und Tara, Bhoga und Netra; Dushkrita, Padma, Surasa und danach Samara …

Anmerkung: Bija-Namen, keine wertende Aussage über ihre Träger.

Vers 228
tantrā ca kuṭilā caiva capeṭaṃ maṇimālayā |
nādāntakaścāmaraṃ ca bījānīmāni ṣoḍaśa ||228||

… Tantra, Kutila, Chapeta zusammen mit Manimala, Nadantaka und Chamara: Dies sind die sechzehn Bijas.

Anmerkung: Chapeta aus leicht beschädigter Schreibung gelesen.

Vers 229
tato vaded bhagavati mahābalaparākrame |
[…] sānnidhyamiti kuruyugmamataḥ param‌ ||229||

Dann sage man: „Erhabene, von großer Kraft und Tapferkeit!“ Danach […] „sannidhyam kuru kuru“, „werde gegenwärtig, werde gegenwärtig!“ …

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor sannidhyam beschädigt.

Vers 230
kūrce astre samuccārya mama sarvamanorathān‌ |
pūrayadvitayaṃ procya pālayadvitayaṃ vadet‌ ||230||

… nach Kurcha und Astra spreche man „erfülle, erfülle all meine Herzenswünsche; behüte, behüte!“ …

Anmerkung: Formelglieder mama sarvamanorathān pūraya pūraya pālaya pālaya.

Vers 231
māṃ rakṣayugalaṃ sarvopadravebhyastataḥ param‌ |
[…] śeṣe samābhāṣya piciṇḍāṃ prativinyaset‌ ||231||

… „mich schütze, schütze vor allen Bedrängnissen!“ Nach […] am Schluss setze man [den Mantra am] Bauch ein.

Anmerkung: Fragment: Schlusslaut beschädigt. Piciṇḍā hier Körperstelle „Bauch“, aus dem Zusammenhang der sechs Nyasa-Stellen verstanden.

Vers 232
etā vai paścimāmnāyadevyo mantrāśca tādṛśāḥ |
idānīmuttarāmnāyadevīrākalaya priye ||232||

Dies sind die Göttinnen des westlichen Amnaya und die entsprechenden Mantras. Vernimm nun die Göttinnen des nördlichen Amnaya, Geliebte.

Die Göttinnen des nördlichen Amnaya

Vers 233
yāsāmādyā bhagavatī guhyakālī bhayānakā |
tatrādau sampuṭaṃ vacmi vistārādadharetaram‌ ||233||

An ihrem Anfang steht die Erhabene, die furchterregende Guhyakali. Zuerst erkläre ich ausführlich die nicht untere, also obere Umrahmung.

Anmerkung: Adharetara wörtlich „anders als die untere“; die Quelle nennt später239 ausdrücklich ūrdhva, und282 erneut eine obere Umrahmung. Nicht harmonisiert.

Vers 234
medhaṃ rāvaṃ tāralajje tato daṇḍādipañcakam‌ |
rākāmeṣau śilparāgau vivatsādidvayaṃ tataḥ ||234||

Medha, Rava, Tara und Lajja, dann die mit Danda beginnende Fünfergruppe; Raka und Mesha, Shilpa und Raga, danach das mit Vivatsa beginnende Paar …

Anmerkung: Medha und Mesha nach leicht beschädigter Schrift vorläufig; Gruppen nicht ausgeschrieben ergänzt.

Vers 135 (Folgeposition 235)
tataḥ sāmayikaṃ kūṭaṃ vāṇikaṃ bhairavaṃ tathā |
gahvaraṃ mantrakūṭaṃ ca pañcame [?] kramaśaḥ priye ||135||

… dann Samayika-Kuta, Vanika und Bhairava, Gahvara und Mantra-Kuta, [fünftes Glied?], der Reihe nach, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: pañcame bereits mit Fragezeichen in Quelle; Listenstruktur nicht geglättet. Quellnummer 135 an Folgeposition235 bewahrt.

Vers 236
mahākalpasthāyibījaṃ śāmbhavaṃ […] ca |
jagadāvṛttikaṃ brahmakapālaṃ tadanantaram‌ ||236||

… Mahakalpasthayi-Bija, Shambhava und […]; danach Jagadavrittika und Brahmakapala …

Anmerkung: Fragment: Glied nach Shambhava unlesbar; OCR-Ziffer2369 im Zusammenhang236.

Vers 237
[…] jīvayugaṃ jvala prajvala tatsamam‌ |
mahābhairavaśabdānu śivāsanapadādanu ||237||

… […], zweimal „jiva“, ebenso „jvala“ und „prajvala“: „Lebe; brenne; lodere auf!“ Danach verbinde man „Mahabhairava“ mit „Shivasana“ …

Anmerkung: Fragment: Versanfang beschädigt; Fortsetzung238.

Vers 238
saṃviṣṭhe vikarālānu rūpadhāriṇi kīrtayet‌ |
mekhalādicatuṣkaṃ ca kūrcamastradvayaṃ tathā ||238||

… und „Samvishthe“: „Auf dem Shiva-Sitz Mahabhairavas Thronende!“ Dann „Vikaralarupadharini“, „Trägerin einer überaus furchtbaren Gestalt“, die mit Mekhala beginnende Vierergruppe, Kurcha und zweimal Astra …

Anmerkung: Die genaue Kompositumbeziehung mahābhairavaśivāsana bleibt offen; nicht als zusätzliche Gottheit aufgespalten.

Vers 236 (zweite Nennung; Folgeposition 239)
svāhā ca carame cordhvaṃ sampuṭaṃ parikīrtitam‌ |
ramā māyā ca sānuśca bhogaḥ kūṭo'pyanāhutaḥ ||236||

… und zuletzt svaha. Damit ist die obere Umrahmung genannt. Rama, Maya und Sanu, Bhoga und Anahuta-Kuta …

Anmerkung: Quellnummer 236 an Folgeposition239 bewahrt. Sanu Hauptlesung, Fußnote Tapas; Anahuta nach sichtbarer Schreibung.

Guhyakali und weitere nördliche Formeln

Vers 240
tato'nu ḍākinīhārau saṃhitā mekhalā'pi ca |
tataśca yoṣidyoginyau punaḥ siddhikarāli ca ||240||

… danach Dakini und Hara, Samhita und Mekhala; Yoshit und Yogini, dann wieder „Siddhikarali“ …

Anmerkung: Siddhikarali erscheint als Göttinnenname innerhalb der Lautanweisung; genaue Anredegrenze nicht sicher.

Vers 241
śeṣe'straṃ […] kūrcarāvayoginyaḥ preta eva ca |
kālī tato'ṅkuśaṃ cāpi śākinī vanitā tathā ||241||

Am Ende Astra, […]; Kurcha, Rava, Yogini und Preta, danach Kali, Ankusha, Shakini und Vanita …

Anmerkung: Fragment: ein Glied nach Astra beschädigt.

Vers 242
ramā caṇḍaśca kālaśca vidyunnāgastathaiva ca |
svāhānte ḍākinī cāpi phetkārī hāra eva ca ||242||

… Rama, Chanda, Kala, Vidyut und Naga; am Ende svaha. Danach Dakini, Phetkari und Hara …

Vers 243
tāro māyā ca saṃvicca caṇḍayogeśvarītyapi |
tataḥ kālī ca rāvaśca namaḥ śeṣe niyojayet‌ ||243||

… Tara, Maya und Samvit sowie „Chandayogeshvari“. Dann Kali und Rava; am Ende setze man namah ein.

Anmerkung: Chandayogeshvari: die wilde Herrin des Yoga; Wortlaut als Anrede nicht durch einen Dativ ersetzt.

Vers 244
kamalā bhauvaneśī ca caitanyaṃ śaktireva ca |
ādityanādakṣetrāṇi pāśādanu kalā tathā ||244||

Kamala, Bhauvaneshi, Chaitanya und Shakti; Aditya, Nada und Kshetra, nach Pasha auch Kala …

Vers 245
subantā rājadevī ca rājalakṣmīrapi priye |
bhairavī cāpi mārīcamedhamāyāramāstathā ||245||

… Rajadevi mit Kasusendung und Rajalakshmi, Geliebte; Bhairavi sowie Maricha, Medha, Maya und Rama …

Anmerkung: Subanta bezeichnet eine nominale Kasusform, bestimmt hier aber nicht ausdrücklich welchen Kasus. Keine Dativendung erfunden.

Vers 246
vedādimāyākamalāḥ pralayaḥ preta eva ca |
tāralajjākūrcarāvāstato rājyaprade iti ||246||

Vedadi, Maya, Kamala, Pralaya und Preta; Tara, Lajja, Kurcha und Rava, dann „Rajyaprade“, „Herrschaft Gewährende!“ …

Vers 247
ḍākinī cāpi phetkārī ugracaṇḍe tato vadet‌ |
raṇamardini saṅkīrtya ruḍrāvau yoginī vadhūḥ ||247||

… Dakini und Phetkari; dann spreche man „Ugrachande“, „gewaltig Wilde“, und „Ranamardini“, „im Kampf Zermalmende“; Rut und Rava, Yogini und Vadhu …

Vers 248
sadā rakṣadvayaṃ tvaṃ māṃ kālādityau tataḥ param‌ |
tato mṛtyuhare procya namaḥ svāhā niyojayet‌ ||248||

„Schütze, schütze mich stets!“ Dann Kala und Aditya; danach spreche man „Mrityuhare“, „Tod Hinwegnehmende“, und setze namah svaha ein.

Katyayani und die Göttin des Verbrennungsplatzes

Vers 249
vedādimāyāhṛnmantrāstataḥ paramabhīṣaṇe |
[…] karaṅkārṇād vadet kaṅkālamālini ||249||

Vedadi, Maya und Herzmantra; dann „Paramabhishane“, „überaus Schreckliche“; […], nach dem Karanka-Laut spreche man „Kankalamalini“, „Trägerin einer Skelettgirlande“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor Karanka beschädigt; Paramabhishane möglicherweise getrennt paraṃ abhīṣaṇe, Hauptdeutung vorläufig.

Vers 250
śākinīdvayataḥ kātyāyaniśabdaṃ vinirdiśet‌ |
vyāghracarmāvṛtakaṭi kālīyugmaṃ tato vadet‌ ||250||

… nach zweimal Shakini nenne man „Katyayani“ und „Vyaghracharmavritakati“, „deren Hüften ein Tigerfell umhüllt“. Danach spreche man zweimal Kali …

Vers 251
śmaśānacāriṇi procya nṛtya nṛtya tataḥ param‌ |
gāyayugmaṃ hasayugaṃ huṃ huṃkārānu nādini ||251||

… „Shmashanacharini“, „auf dem Verbrennungsplatz Wandelnde“, und dann „tanze, tanze; singe, singe; lache, lache!“ Danach „hum hum“ und „Nadini“, „die diesen Ruf erschallen lässt“ …

Anmerkung: Lesbare Verben nṛtya nṛtya gāya gāya hasa hasa; keine gewöhnliche Wortbedeutung für hum ergänzt.

Vers 252
uktvāṅkuśayugaṃ devi śavavāhini […] |
māṃ rakṣayugalaṃ cāpi phaḍyugaṃ krodhayordvayam‌ ||252||

Nach zweimal Ankusha, Göttin, „Shavavahini“, „die auf einem Leichnam fährt“, […]; „mich schütze, schütze“, zweimal phat und zweimal Krodha …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Shavavahini beschädigt.

Vers 252 (zweite Nennung; Folgeposition 253)
hṛcchīrṣe tadanu jñeye vāgbhavāḥ pañca tatpare |
kāmakūrcaramāmuktāstato mahiṣamardini ||252||

… danach Herz- und Kopfabschluss; darauf fünf Vagbhava-Bijas, ohne Kama, Kurcha und Rama; dann „Mahishamardini“, „Büffeldämon-Bezwingerin“ …

Anmerkung: Kāmakūrcaramāmuktāḥ Hauptlesung als „frei von“; Fußnote vyukta bestätigt eine Trennung, genaue rituelle Reichweite bleibt offen. Quelle wiederholt252, interneKennung253.

Weitere Kutas und Anreden

Vers 254
eko nityaḥ pañca medhāstāraḥ kumbhaka eva ca |
prakṛtiśca tathā ghrāṇastato bhagavatīti ca ||254||

Ein Nitya, fünf Medha-Bijas, Tara und Kumbhaka; Prakriti und Ghrana, dann „Bhagavati“, „Erhabene“ …

Anmerkung: Nitya als Bija-Name nach dem Listencharakter verstanden.

Vers 255
maryādādiśca saṃhārakūṭastadanu bhāmini |
hiraṇyagarbhakūṭaṃ ca caṇḍahuṅkāraśabdataḥ ||255||

… das mit Maryada beginnende Glied, danach Samhara-Kuta, Strahlende; Hiranyagarbha-Kuta und nach den Wörtern „Chanda“ und „Humkara“ …

Anmerkung: Keine Zahl oder Namen der nur begonnenen Maryada-Gruppe ergänzt.

Vers 256
kāpālinīti pravadejjaya raṅkeśvarīti ca |
tato'nu hṛcchiromantrau medhamāyāramāstathā ||256||

… „Kapalini“: „Schädelträgerin mit wildem Hum-Ruf!“ Dann „Jaya Rankeshvari“, „Sieg dir, Rankeshvari!“ Danach Herz- und Kopfmantra, anschließend Medha, Maya und Rama …

Anmerkung: Rankeshvari nach sichtbarer Schreibung; nicht Rangeshvari oder ein anderer Name eingesetzt.

Vers 257
pralayaḥ kulikaṃ cāpi tatheṣyā dhāraṇā'pi ca |
ghrāṇo daṇḍāditrayaṃ ca saṃhārānākhyakūṭakau ||257||

… Pralaya, Kulika, Ishya und Dharana; Ghrana, die mit Danda beginnende Dreiergruppe sowie Samhara-Kuta und Anakhya-Kuta …

Anmerkung: Ishya aus beschädigtem eṣyā vorläufig; nicht in īrṣyā ergänzt.

Vers 258
śivaśaktipadasyānte dadyāt sumaraseti ca |
caṇḍakāpāleśvari ca kūrco hṛnmantrasaṃyutaḥ ||258||

… an „Shiva-Shakti“ füge man „Sumarasa“ an; dann „Chandakapaleshvari“, „wilde Herrin der Schädel“, und Kurcha, verbunden mit dem Herzmantra.

Anmerkung: Sumarasa nach sichtbarer Schreibung; mögliche Samarasa-Lesung nicht stillschweigend eingesetzt.

Vers 256 (zweite Nennung; Folgeposition 259)
bījāni trīṇi purataḥ etasyaivādimāni hi |
ādityakūṭaṃ tadanu ṛvarṇe [?] yugalaṃ tataḥ ||256||

Zu Beginn stehen die drei Anfangsbijas eben dieser Formel. Danach Aditya-Kuta und anschließend zweimal der ri-Laut [?] …

Anmerkung: Quellfrage bei ṛvarṇa bewahrt; Ziffer256 an Folgeposition259. Kein gesicherter Laut daraus abgeleitet.

Vers 260
mahāsuvarṇapadataḥ kūṭeśvari samālikhet‌ |
ādityakūṭādārabhya catvāri suravandite ||260||

… an „Mahasuvarna“ schließe man „Kuteshvari“ an, „Herrin des großen goldenen Kuta“. Die vier Glieder, beginnend mit Aditya-Kuta, von den Göttern Verehrte …

Anmerkung: Kuta als Lautgruppe beziehungsweise Namenglied, nicht ohne Weiteres geografischer Berg.

Vers 261
ādyāni viparītāni hṛcchīrṣaṃ tadanantaram‌ |
tāramedharamāmāyāśākinīpretakālikāḥ ||261||

… stehen umgekehrt, danach Herz- und Kopfabschluss. [Die nächste Folge beginnt mit:] Tara, Medha, Rama, Maya, Shakini, Preta und Kalika …

Anmerkung: Umkehranweisung nicht durch eine erfundene ausgeschriebene Formel ersetzt.

Vagishvari, Chamunda und die Rede

Vers 262
raṇḍā nāḍī haṃsasūktaṃ kapilo varṇa eva ca |
daśaitān purataḥ procya jaya vāgīśvarīrayet‌ ||262||

… Randa, Nadi, Hamsa-Sukta und die Farbe Kapila. Nachdem man diese zehn am Anfang gesprochen hat, sage man „Jaya Vagishvari“, „Sieg dir, Herrin der Rede!“ …

Anmerkung: Randa als Name der Nadi und Kapila als Farbe können zusammengesetzte Listenglieder sein; die Textzahl10 nicht durch Umgruppierung erzwungen.

Vers 263
jñānaṃ prakaṭaya […] buddhiṃ me dehiyugmakam‌ |
devikā taṭinī cāpi hemakūṭamataḥ param‌ ||263||

„Lass Wissen offenbar werden […]! Gib, gib mir Einsicht!“ Danach der Fluss Devika und Hema-Kuta …

Anmerkung: Fragment: Glied beziehungsweise Wiederholungsangabe nach prakaṭaya beschädigt. Devikā taṭinī als Flussname plus Gattungswort, nicht zwei Bijas.

Vers 264
jñānakūṭaṃ vāgbhavaśca yoginīrāvamanmathāḥ |
kūrco'strayugalaṃ śīrṣaṃ praṇavaḥ sṛṇikālike ||264||

… Jnana-Kuta, Vagbhava, Yogini, Rava und Manmatha; Kurcha, zweimal Astra und Kopfabschluss. Danach Pranava, Srini und Kalika …

Vers 265
rāvacaṇḍau yoginī ca khecarī kūrca eva ca |
phetkārīcapalākālarātrimāyābhujaṅgamāḥ ||265||

… Rava und Chanda, Yogini, Khechari und Kurcha; Phetkari, Chapala, Kalaratri, Maya und Bhujangama …

Vers 266
mahāroṣakhagādhīśau bījānīmāni ṣoḍaśa |
cāmuṇḍe jvalayugmaṃ ca hiliyugmaṃ kilidvayam‌ ||266||

… Maharosha und Khagadhisha: Dies sind sechzehn Bijas. Dann „Chamunde“, zweimal „jvala“, „brenne“, zweimal „hili“ und zweimal „kili“ …

Anmerkung: Hili/kili als rituelle Lautwörter ohne erfundene Bedeutung bewahrt.

Vers 267
mama śatrūniti procya trāsayadvitayaṃ vadet‌ |
māraya […] pacadvayam‌ ||267||

Man spreche „meine Feinde erschrecke, erschrecke“; dann „töte“, […], zweimal „koche“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangabe und Glied zwischen māraya und paca beschädigt; keine Silbenfolge ergänzt.

Vers 268
bhakṣayadvitayaṃ procya kālīyugmaṃ trapāyugam‌ |
krodhadvitayamastrasya dvitayaṃ śira eva ca ||268||

… zweimal „verzehre“, zweimal Kali, zweimal Trapa, zweimal Krodha, zweimal Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Historische aggressive Mantraformel; vollständig lesbarer Wortlaut übersetzt.

Vajravairochani und die große Shivaduti

Vers 269
māyānākulakūrcāstrāṇyataḥ paramudīrayet‌ |
tāraśca kamalā māyā sārasvatamataḥ param‌ ||269||

Danach spreche man Maya, Nakula, Kurcha und Astra. Dann Tara, Kamala, Maya und Sarasvata …

Vers 270
vajravairocanīye ca kūrcadvandvāstramastakāḥ |
pañca sārasvatānuktvā trīṇi kūrcāni tatparam‌ ||270||

… „Vajravairochaniye“, danach zweimal Kurcha, Astra und Kopfabschluss. Dann fünf Sarasvata-Bijas und anschließend drei Kurcha-Bijas …

Anmerkung: Vajravairocaniye als überlieferte Anredeform bewahrt; keine andere vertraute Mantraversion eingesetzt.

Vers 271
huṃ huṃkārapadād ghoranādavitrāsita priye |
jagattraye samābhāṣya trapātritayamuddharet‌ ||271||

Nach „hum humkara“ spreche man: „Die mit ihrem furchtbaren Ruf die drei Welten erschreckt“, Geliebte. Danach setze man dreimal Trapa ein …

Anmerkung: Anrede huṃhuṃkāraghoranādavitrāsitajagattraye; Sinnzusammenhang klar, zusammengesetzte Rezitation aus der Wortanweisung erläutert.

Vers 272
prasāritāyutabhuje mahāvegapradhāvite |
trikāmyāḥ padavinyāsatrāsiteti prakīrtayet‌ ||272||

„Die zehntausend Arme ausstreckt, mit gewaltiger Schnelligkeit dahinstürmt!“ Dann drei Kamya-Bijas und die Worte „durch das Aufsetzen ihrer Füße erschreckend“ …

Anmerkung: Trikāmyāḥ als dreifache Lautchiffre nach dem Listenbau verstanden; Kamya nach sichtbarer Schreibung, nicht in Kama geändert.

Vers 273
tataḥ sakalapātāle kamalātritayaṃ tataḥ |
tato vyāpakaśabdānu śivadūti samuddharet‌ ||273||

… „sämtliche Unterwelten“. Dann dreimal Kamala; nach dem Wort „allgegenwärtig“ füge man „Shivaduti“ an: „Allgegenwärtige Botin Shivas!“ …

Vers 274
punaḥ paramaśabdānu śivaparyaṅkaśāyini |
yoginītritayasyānte galadrudhiraśabdataḥ ||274||

… ferner „auf dem Lager des höchsten Shiva Ruhende“. Nach dreimal Yogini verbinde man „von Blut tropfend“ …

Vers 275
muṇḍamālādhāriṇi ca ghoraghorataretyapi |
rūpiṇi procya rāvāṇāṃ tritayaṃ samudīrayet‌ ||275||

… mit „Mundamaladharini“: „Trägerin einer von Blut tropfenden Schädelgirlande“. Man spreche „Ghoraghoratararupini“, „von furchtbarer, überaus furchtbarer Gestalt“, und dreimal Rava …

Vers 276
jvālāmāli padāt piṅgajaṭājūṭe samālikhet‌ |
visandhyacintyamahimabalaśabdādanu priye ||276||

Nach „jvalamali“ schreibe man „Pingajatajute“: „mit flammenumkränztem rotbraunem Haarknoten“. Dann ohne Sandhi-Verbindung die Wörter „unvorstellbare Größe und Kraft“, Geliebte …

Anmerkung: Kompositum aus den lesbaren Anweisungswörtern erläutert; nicht als neue unabhängige Formel ausgegeben.

Vers 277
prabhāve trīṇi vadhvāśca daityadānavaśabdataḥ |
nikṛntanīti sakalasurakāryānu sādhike ||277||

… verbunden mit „Prabhave“, „von solcher Macht“; dreimal Vadhu. Nach „Daityas und Danavas“ folgt „Nikrintani“, „Zerschneiderin“, danach „Vollbringerin sämtlicher Aufgaben der Götter“ …

Siddhilakshmi und die nördliche Schlussumrahmung

Vers 278
praṇavatritayaṃ cāstraṃ hṛdā śīrṣṇā cānvitam‌ |
vedādimāyākamalākāmamedhāṅkuśāḥ kramāt‌ ||278||

… dreimal Pranava und Astra, verbunden mit Herz- und Kopfabschluss. Danach der Reihe nach Vedadi, Maya, Kamala, Kama, Medha und Ankusha …

Anmerkung: Medha/Megha im OCR wechselnd, hier vorläufige Lesung Medha, ohne ausgeschriebene Bija-Silbe.

Vers 279
kālīpāśakrodhamahākrodhaprāsādanāmakāḥ |
amātārkṣyau ca phetkārī dhanadācaṇḍayoginī [?] ||279||

… die Bijas namens Kali, Pasha, Krodha, Mahakrodha und Prasada; Ama und Tarkshya, Phetkari, Dhanada, Chanda und Yogini [?] …

Anmerkung: Letzte Namenfolge bereits in der Quelle fraglich; nicht als gesicherte Zahlaufteilung ausgegeben.

Vers 280
śākinī meghacapale ratipretau sabhūtakau |
khecarīkālanāgāśca bījānāṃ ṣaṭ ca viṃśatiḥ ||280||

… Shakini, Megha und Chapala, Rati und Preta zusammen mit Bhuta; Khechari, Kala und Naga: Das sind sechsundzwanzig Bijas.

Anmerkung: Megha hier gemäß sichtbarer Schreibung, Unterschied zur Medha-Lesung278 nicht geglättet. Kontrollzahl26 ohne Ergänzungen.

Vers 281
kālasaṅkarṣiṇi tato roṣayugmaṃ śiro'pi ca |
ṣaṭtriṃśadakṣaro mantraḥ siddhilakṣmībhidhābhidhaḥ ||281||

Dann „Kalasamkarshini“, „die die Zeit an sich zieht“, zweimal Rosha und Kopfabschluss. Der sechsunddreißigsilbige Mantra trägt den Namen Siddhilakshmi.

Anmerkung: Textzahl36; nicht gegen die zuvor genannte Bija-Zahl ausgeglichen.

Vers 282
etāḥ ṣoḍaśa vai devya uttarāmnāyagocarāḥ |
athoparitanaṃ vacmi sampuṭaṃ kamalānane ||282||

Dies sind die sechzehn Göttinnen des nördlichen Amnaya. Nun erkläre ich die obere Umrahmung, Lotusgesichtige.

Anmerkung: Erneute Benennung einer oberen Umrahmung nach 233/239 bleibt bewahrt.

Vers 283
medhamāyāramākāmayoginyaḥ śākinī tathā |
dakṣiṇājambhamandāracūḍāmaṇaya eva ca ||283||

Medha, Maya, Rama, Kama und Yogini, ebenso Shakini; Dakshina, Jambha, Mandara und Chudamani …

Vers 284
santāra[na]maunavaikakṣasaṃvartakavivartakāḥ |
pārīndraśca śubhaṃyuśca jaimacādicatuṣṭayam‌ ||284||

… Santara [Lesung des Herausgebers: Santana], Mauna, Vaikaksha, Samvartaka und Vivartaka; Parindra, Shubhamyu und die mit Jaimacha beginnende Vierergruppe …

Anmerkung: Hauptlesung samt eingeklammerter Buchstabenalternative bewahrt; weitere Fußnote Samhara. Jaimacha im OCR unsicher, nicht stillschweigend Jaimana.

Vers 285
virādhaśca turīyā ca modako vāsitā tathā |
pañcaviṃśatibījebhya āgacchadvitayaṃ likhet‌ ||285||

… Viradha, Turiya, Modaka und Vasita. Nach den fünfundzwanzig Bijas schreibe man zweimal „agaccha“, „komm!“ …

Anmerkung: Die Zahl25 wird bewahrt; die nur mit ihrem Anfang benannte Vierergruppe284 nicht aufgefüllt.

Vers 286
hasadvayaṃ valāyugaṃ mahākuṇapabhojini |
dṛṣṭiṃ niveśayayugaṃ māyāprāsādagāruḍāḥ ||286||

… zweimal „hasa“, „lache“, zweimal „vala“ und „Mahakunapabhojini“, „große Leichenverzehrerin“. Zweimal „drishtim niveshaya“, „richte den Blick darauf“, dann Maya, Prasada und Garuda …

Anmerkung: Vala als überliefertes Lautwort ohne geratene Übersetzung bewahrt.

Vers 287
nṛsiṃhapretabhairavyaḥ kamalāśākinīruṣaḥ |
phaṭtrayaṃ śirasā yuktaṃ sarvaśeṣe niyojayet‌ ||287||

… Nrisimha, Preta und Bhairavi, Kamala, Shakini und Rush. Ganz am Ende setze man dreimal phat, verbunden mit dem Kopfabschluss, ein.

Vers 288
hṛdaye vinyaseddevi manūnetān samuccaran‌ |
ataḥ paraṃ bravīmyanyā ūrdhvāmnāyagatāḥ śivāḥ ||288||

Diese Mantras soll man, Göttin, rezitierend im Herzen einsetzen. Nun erkläre ich die anderen segensreichen Göttinnen, die zum oberen Amnaya gehören.

Die Göttinnen des oberen Amnaya

Vers 289
devī yāsāmādibhūtā mahātripurasundarī |
mokṣalakṣmīḥ sarvaśeṣe śeṣe'nyāstu caturdaśa ||289||

Unter ihnen steht die Göttin Mahatripurasundari an erster Stelle, Mokshalakshmi ganz am Schluss; dazwischen befinden sich die übrigen vierzehn.

Vers 290
ādāvākarṇaya śive uparisthitasampuṭam‌ |
praṇavatritayaṃ […] kamalāsmarau ||290||

Höre zuerst die obere Umrahmung, Segensreiche: dreimal Pranava, […], Kamala und Smara …

Anmerkung: Fragment: Glied nach den drei Pranavas beschädigt.

Vers 291
nakṣatravidyutau māyā garbhadīpau ca yoginī |
[…] jīvayugaṃ mama sarvamanorathān‌ ||291||

… Nakshatra und Vidyut, Maya, Garbha und Dipa sowie Yogini; […], zweimal „jiva“, „lebe“, dann „all meine Herzenswünsche“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor jīva beschädigt.

Vers 292
pūrayadvitayaṃ procya […] dvitayaṃ tathā |
adhiṣṭhānaṃ kuruyugaṃ carpaṭādicatuṣṭayam‌ ||292||

… gefolgt von zweimal „erfülle“, dann ebenso zweimal […]; „adhishthanam kuru kuru“, „nimm deinen Sitz ein, nimm deinen Sitz ein“, und die mit Charpata beginnende Vierergruppe …

Anmerkung: Fragment: ein zu wiederholendes Wort beschädigt; Versziffer aus Folge292.

Vers 293
kāmavadhvau pṛthunadau […] śira eva ca |
parākūṭaṃ ca citkūṭaṃ jyeṣṭhakūṭaṃ […] ca ||293||

… Kama und Vadhu, Prithu und Nada, […], und Kopfabschluss. Dann Para-Kuta, Chit-Kuta, Jyeshtha-Kuta und […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Glieder beschädigt; Prithu/Nada als vorläufige Worttrennung.

Mahatripurasundari und weitere Formen

Vers 294
meghānaṅgau tathā pretastāramedhatrapāramāḥ |
kāmo bhagavati procya mahāmohini kīrtayet‌ ||294||

… Megha und Ananga, Preta, Tara, Medha, Trapa, Rama und Kama; nach „Bhagavati“ spreche man „Mahamohini“, „Erhabene große Verzauberin“ …

Anmerkung: Megha am Anfang und Medha später nach sichtbarer Schreibung unterschieden.

Vers 264 (Folgeposition 295)
brahmaviṣṇuśivādīti sakalānu surāsura |
mohinyanu ca vai dadyāt sakalaṃ janamityapi ||264||

… „die Brahma, Vishnu, Shiva und sämtliche Götter und Asuras bezaubert“. Danach füge man „alle Menschen“ hinzu …

Anmerkung: Quellziffer 264 an Folgeposition295 bewahrt; Anweisung zum Aufbau des Mohini-Kompositums.

Vers 266 (Folgeposition 296)
mohayadvitayaṃ cāpi vaśīkuruyugaṃ tathā |
kāmāṅgadrāviṇi padāt kāmāṅkuśa itīrayet‌ ||266||

… zweimal „bezaubere“ und zweimal „bringe unter die Gewalt“. Nach „Kamangadravini“, „die den Leib des Begehrens schmelzen lässt“, spreche man Kama und Ankusha …

Anmerkung: Quellziffer 266 an Folgeposition296 bewahrt; Abgrenzung Kama/Ankusha vorläufig, auch Kompositum möglich.

Vers 297
vadhūtrayāt kāmarame […] medhapraṇavā api |
caitanyakālīprāṇāśca ḍākinīprāṇaśākinīḥ ||297||

Nach dreimal Vadhu folgen Kama und Rama, […], Medha und Pranava. Dann Chaitanya, Kali, Prana, Dakini, Prana und Shakini …

Anmerkung: Fragment: Glied vor Medha beschädigt. Wiederholung Prana bewahrt.

Vers 295 (Folgeposition 298)
medhamāyāramāśceti nava bījāni pārvati |
trailokyavijayāyai ca namaḥ svāhā niyojayet‌ ||295||

… Medha, Maya und Rama: Diese neun Bijas, Parvati, und „Trailokyavijayayai namah svaha“ setze man ein: „Verehrung der Siegerin über die drei Welten, svaha!“

Anmerkung: Quellziffer 295 an Folgeposition298 bewahrt; Name im Dativ vollständig lesbar.

Vers 299
śakticūḍāhvayau kūṭau phetkārībījameva ca |
śāṅkarāstraṃ vyomakūṭaṃ nādāntakacatuṣṭayam‌ ||299||

Die Kutas namens Shakti und Chuda, das Phetkari-Bija, Shankara-Astra, Vyoma-Kuta und die mit Nadantaka beginnende Vierergruppe …

Vers 300
dākṣikaṃ saumataṃ cāpi nitye'nityapadādanu |
bhogapriye samābhāṣya nityoditapadādanu ||300||

… Dakshika und Saumata, „Nitye“, „Ewige“; an „anitya“ schließe man „bhogapriye“ an: „die vergänglichen Genuss liebt“. Danach an „stets aufgehend“ …

Anmerkung: Die Folge nitye anitya bleibt als Quelle bewahrt; keine Harmonisierung von Ewigem und Vergänglichem.

Vers 301
vaibhave pāśamāyāśrīkāmapretāśca bhairavī |
kūrco namaśca svāhā ca tāro hṛnmantra eva ca ||301||

… „Vaibhave“: „deren Herrlichkeit stets aufgeht“. Pasha, Maya, Shri, Kama, Preta und Bhairavi, Kurcha, namah und svaha. Danach Tara und Herzmantra …

Vers 302
kāmeśvari padāt kāmāṅkuśe kāmapradāyike |
bhagavatyanu vai nīlapatāke ca bhagāntike ||302||

Nach „Kameshvari“ folgen „Kamankushe, Kamapradayike“: „Herrin des Begehrens, Lenkerin des Begehrens, Wünsche Gewährende“. Nach „Bhagavati“ dann „Nilapatake“ und „Bhagantike“: „Erhabene mit blauem Banner, Bhagantika“ …

Anmerkung: Bhagantika wörtliche Bedeutung im Zusammenhang unsicher; Name bewahrt. Ankusha als Elefantenhakenbild in der Anrede „Lenkerin“ erläutert.

Vers 303
ratihṛnmantro'stu te ca paramānte tathaiva ca |
guhye kūrcatrayaṃ cāpi madane madanāntaka ||303||

Rati und Herzmantra, dann „astu te“, „sei dir“, sowie nach „parama“ „guhye“, „höchst Geheime“. Dreimal Kurcha; danach „Madane“ und „Madanantaka“ …

Anmerkung: Die Rati/Namah-Verbindung könnte „Hingabe sei dir“ bilden; nicht als gesicherte vollständige Formel ergänzt. Fortsetzung304.

Vers 304
dehe trailokyamiti ca visandhyāveśayerayet‌ |
roṣāstraśīrṣāṇyante ca vedādimedha eva ca ||304||

… verbunden mit „Dehe“, „deren Leib der Vernichter des Liebesgottes ist“. Dann „die drei Welten“ und ohne Sandhi „aveshaya“, „durchdringe/besetze“. Am Ende Rosha, Astra und Kopfabschluss. Danach Vedadi und Medha …

Anmerkung: Madanāntakadehe als zusammengesetzte Anrede nach der Wortanweisung verstanden; Deutung bleibt ungewöhnlich, nicht zu einer vertrauten Form umgeschrieben.

Paramahamseshvari, Dhumavati und Kamakhya

Vers 305
pāśo māyā brahma cāpi tataḥ paramaśabdataḥ |
haṃseśvari samālikhya kaivalyaṃ sādhayāpi ca ||305||

… Pasha, Maya und Brahma; an „Parama“ schließe man „Hamseshvari“ an: „Herrin des höchsten Hamsa“. Dann „kaivalyam sadhaya“, „verwirkliche Kaivalya“ …

Anmerkung: Hamsa als spiritueller Name/Symbol bewahrt; Kaivalya bedeutet Befreiung.

Vers 306
svāhā tāraśca hṛnmantraḥ pracaṇḍapadamanvataḥ |
ghoradāvānaletyuktvā vāsinyai tadanantaram‌ ||306||

… svaha. Danach Tara und Herzmantra; auf „Prachanda“ und „Ghoradavanala“ folge „Vasinyai“: „der im gewaltigen, furchtbaren Waldbrand Wohnenden“ …

Anmerkung: Dativ der Anrufung bewahrt.

Vers 307
trapāroṣau ca samayavidyākulapadaṃ tataḥ |
punaśca tattvadhāriṇyai mahāmāṃsetyapi priye ||307||

… Trapa und Rosha, dann die Wörter „Samaya, Vidya, Kula“, verbunden mit „Tattvadharinyai“: „der Trägerin ihrer Grundwahrheit“. Danach „Mahamamsa“, Geliebte …

Anmerkung: Samaya/Vidya/Kula als überlieferte Begriffe, nicht als moderne Yogaarten gedeutet.

Vers 308
rudhiretyapi saṃlikhya priyāyai baliśabdataḥ |
yoginī kāminī kāmo dhūmāvatyai tataḥ param‌ ||308||

… „Rudhira“ und „Priyayai“ mit „Bali“: „der Menschenfleisch und Blut als Opfergabe Liebenden“. Yogini, Kamini und Kama, danach „Dhumavatyai“, „der Dhumavati“ …

Anmerkung: Mahamamsa als historischer Ritualbegriff, nicht als heutige Opferempfehlung; Wortstellung des Bali-Gliedes im Sanskrit knapp.

Vers 306 (zweite Nennung; Folgeposition 309)
sarvajñatāsiddhidāyai rāvāstrānalavallabhā |
tārapāśau medhamāye kamalā tadanantaram‌ ||306||

… „Sarvajnatasiddhidayai“, „der die Vollendung der Allwissenheit Gewährenden“, Rava, Astra und Analavallabha. Danach Tara und Pasha, Medha und Maya sowie Kamala …

Anmerkung: Quellnummer 306 an Folgeposition309 bewahrt; Analavallabha als Svaha-Chiffre.

Vers 310
śaktisopānikamalāsane varṇābhidhānataḥ |
uccāṭayadvayaṃ procya vidveṣayayugaṃ vadet‌ ||310||

… Shakti, Sopani und „Kamalasane“, „auf dem Lotus Sitzende“, nach den genannten Lautbezeichnungen. Man spreche zweimal „vertreibe“ und zweimal „stifte Zwietracht“ …

Anmerkung: Worttrennung Shakti/Sopani/Kamalasane vorläufig; keine gesicherte Göttinnenidentifizierung ergänzt. Versziffer310 im OCR beschädigt.

Vers 311
hūṃ phaṭ svāhā sarvaśeṣe tārakāmāmṛtānyapi |
trapāvadhūkūrcarāvayoginīcaṇḍasaṃjñakāḥ ||311||

… ganz am Ende hum phat svaha. Danach Tara, Kama und Amrita sowie die Bijas namens Trapa, Vadhu, Kurcha, Rava, Yogini und Chanda …

Anmerkung: Hūṃ in der Quelle mit langem u; nicht an huṃ222 angeglichen.

Vers 312
tato ṅe'ntā ca kāmākhyā phaṭ svāhā tadanantaram‌ |
caitanyapāśaprāsādāḥ pretaśca […] ca ||312||

… dann Kamakhya im Dativ, danach phat svaha. Chaitanya, Pasha und Prasada, Preta und […] …

Anmerkung: Fragment: letztes Bija-Glied beschädigt. Kāmākhyāyai: „der Kamakhya“.

Weltgestalt und Wünsche erfüllende Anreden

Vers 313
kālaścaturaśītyuktvā koṭimūrtaya īrayet‌ |
tato ṅe'ntā viśvarūpā brahmāṇḍajaṭharā tathā ||313||

… Kala. Nach „vierundachtzig“ spreche man „Kotimurtaye“, „der mit vierundachtzig Koti Gestalten“. Dann Vishvarupa und Brahmandajathara im Dativ: „der allgestaltigen Göttin, deren Bauch das Weltenei ist“ …

Anmerkung: Koti als große traditionelle Zähleinheit; keine Silben zur grammatischen Glättung der im OCR beschädigten mūrti-Form ergänzt.

Vers 314
tāraḥ svāhā ca caitanyamāyāprāṇāśca ḍākinī |
prāṇarāvau meghamāyākamalāstadanantaram‌ ||314||

… Tara und svaha. Danach Chaitanya, Maya und Prana, Dakini, Prana und Rava, anschließend Megha, Maya und Kamala …

Anmerkung: Wiederholungen Prana und Maya bewahrt; Megha gemäß sichtbarer Schreibung.

Vers 315
trailokyavijayā ṅe'ntā namaḥ svāhā tathaiva ca |
vedādimāyāhṛnmantrāścitrāmbara itīti ca ||315||

Trailokyavijaya im Dativ, namah und svaha. Danach Vedadi, Maya und Herzmantra sowie „Chitrambara“, „mit buntem Gewand“ …

Anmerkung: Trailokyavijaya erneut genannt, wie298; keine Dublette der ganzen Formel, da Bijas abweichen.

Vers 316
cintāmaṇiṃ prakaṭaya paramarddhiṃ dadadvayam‌ |
guhyakūṭaṃ ratnakūṭaṃ hemakūṭaṃ tathaiva ca ||316||

„Lass den wunscherfüllenden Edelstein offenbar werden; gib, gib höchste Fülle!“ Danach Guhya-Kuta, Ratna-Kuta und Hema-Kuta …

Anmerkung: Formelglieder cintāmaṇiṃ prakaṭaya paramarddhiṃ dada dada.

Vers 317
yoginī kāmavanitā ḍākinī ruṣa eva ca |
phaṭ svāhā tadanu jñeyā praṇavaḥ kāma eva ca ||317||

… Yogini, Kama, Vanita, Dakini und Rush; danach phat svaha. Dann Pranava und Kama …

Waffenbezwingung und Mokshalakshmi

Vers 318
daṇḍaḥ kāmo brahmavidye jagadgrasanaśabdataḥ |
śīle mahāvidya iti māyākūrcau prabhā tathā ||318||

… Danda und Kama; „Brahmavidye“, „Wissen des Brahman“, verbunden mit „Jagadgrasanashile“, „deren Wesen es ist, die Welt zu verschlingen“, und „Mahavidye“, „große Vidya“. Maya, Kurcha und Prabha …

Vers 314 (zweite Nennung; Folgeposition 319)
viṣṇumāye samābhāṣya kṣobhayadvitayaṃ likhet‌ |
smarāṅkuśau pāśaprabhe sarvāstrāṇi grasadvayam‌ ||314||

Man spreche „Vishnumaye“, „Maya Vishnus“, und zweimal „erschüttere“; Smara und Ankusha, Pasha und Prabha, dann „verschlinge, verschlinge sämtliche Waffen!“ …

Anmerkung: Quellziffer 314 an Folgeposition319 bewahrt.

Vers 327 (Folgeposition 320)
kūrcāstrapraṇavānuktvā prabhā ca bagalāmukhi |
sarvaśatrūn samābhāṣya stambhayadvitayaṃ tataḥ ||327||

Nach Kurcha, Astra und Pranava folgen Prabha und „Bagalamukhi“. Dann „alle Feinde lähme, lähme!“ …

Anmerkung: Quellziffer 327 an Folgeposition320 bewahrt; keine Gleichsetzung mit der abweichenden Bagalamukhi-Form126–127.

Vers 321
tataśca brahmaśirase brahmāstrāya tataḥ param‌ |
roṣānaṅgaprabhātārāḥ hṛcchīrṣe tadanantaram‌ ||321||

… danach „dem Brahma-Haupt“ und „der Brahma-Waffe“; Rosha, Ananga, Prabha und Tara, anschließend Herz- und Kopfabschluss.

Anmerkung: Brahmaśirase brahmāstrāya sind Dativglieder der Formel; keine zusätzlichen Bijas daraus gebildet.

Vers 322
vedādirbhauvaneśī ca kamalātritayaṃ tataḥ |
dvau kāmau nirvikārasthacidānandapadaṃ tataḥ ||322||

Vedadi und Bhauvaneshi, danach dreimal Kamala und zweimal Kama; dann die Wörter „in Unveränderlichkeit ruhendes Bewusstsein und Glückseligkeit“ …

Anmerkung: Fortsetzung323.

Vers 323
ghanarūpā tato ṅe'ntā mokṣalakṣmīstathaiva ca |
tato'mitānantaśaktitattvāyai sandhivat […] ||323||

… verbunden mit „Ghanarupa“ im Dativ: „deren Gestalt deren dichte Fülle ist“, ebenso Mokshalakshmi im Dativ. Dann mit Sandhi „der Wirklichkeit unermesslicher, unendlicher Kraft“ […] …

Anmerkung: Fragment: Schluss der Sandhi-Anweisung beschädigt; ghanarūpa aus OCR dhanarupa im Zusammenhang cidānanda als vorläufige Lesung. Mokṣalakṣmyai sicher.

Vers 324
dvau kāmau kamalāstisro māyā praṇava eva ca |
evamūrdhvāmnāyasaṃsthāḥ devyaḥ ṣoḍaśa kīrtitāḥ ||324||

Zweimal Kama, dreimal Kamala, Maya und Pranava. Damit sind die sechzehn Göttinnen des oberen Amnaya genannt.

Die untere Umrahmung des oberen Amnaya

Vers 325
adhaḥsampuṭamīśāni śṛṇvataḥ paramuttamam‌ |
caitanyakamalāmāyāpretā bhairavyapi priye ||325||

Höre nun die vorzügliche untere Umrahmung, Herrin: Chaitanya, Kamala, Maya, Preta und Bhairavi, Geliebte …

Vers 326
kai[sau?]mataṃ dākṣiko rāgo bhadrikā kuśiko'vyayaḥ |
merutrikūṭakailāsakūṭāni tadanantaram‌ ||326||

… Kaimata [Lesung des Herausgebers: Saumata?], Dakshika, Raga, Bhadrika, Kushika und Avyaya; danach die Kutas Meru, Trikuta und Kailasa …

Anmerkung: Erster Name bereits mit eingeklammerter Lesungsfrage; keine sichere Sanskritform erfunden. Fußnote Kama statt Raga.

Vers 327
tataśca khecarīmudrāṃ punaḥ prakaṭayadvayam‌ |
sānnidhyamāveśaya ca yoginīḍākinīruṣaḥ ||327||

Dann „Khechari-Mudra offenbare, offenbare; lass Gegenwart einkehren!“ Danach Yogini, Dakini und Rush …

Anmerkung: Formelglieder khecarīmudrāṃ prakaṭaya prakaṭaya sānnidhyam āveśaya; keine moderne körperliche Anleitung zur Mudra ergänzt.

Vers 328
astratritayasaṃyuktastato hṛcchīrṣayormanuḥ |
evaṃ ṣoḍaśadevīnāṃ manubhiḥ sampuṭīkṛtaiḥ ||328||

… verbunden mit dreimal Astra, danach Herz- und Kopfmantra. Mit diesen so umrahmten Mantras der sechzehn Göttinnen …

Anmerkung: Fortsetzung329.

Vers 329
brahmarandhre nyaseddevi sadordhvāmnāyagocaraiḥ |
niśāmayādhaāmnāyagocarān devatāmanūn‌ ||329||

… des oberen Amnaya soll man stets am Brahmarandhra Nyasa ausführen, Göttin. Vernimm nun die Gottheitenmantras des unteren Amnaya.

Die Göttinnen des unteren Amnaya

Vers 330
yasyādyabhūtā vikhyātā bhīmādevī bhayānakā |
ādau sampuṭamākhyāsye […] suravandite ||330||

An seinem Anfang steht die bekannte, furchterregende Bhimadevi. Zuerst erkläre ich die Umrahmung […], von den Göttern Verehrte.

Anmerkung: Fragment: Wort vor der Anrede beschädigt; obere/untere Stellung hier nicht geraten.

Vers 331
caitanyapañcakaṃ tārapañcakaṃ pāśapañcakam‌ |
māyālakṣmīkāmavadhūyoginyaḥ krodharāvakau ||331||

Fünfmal Chaitanya, fünfmal Tara, fünfmal Pasha; Maya, Lakshmi, Kama, Vadhu und Yogini, Krodha und Rava …

Vers 332
ḍākinīpralayau cāpi phetkārī kṛtyayā […] |
sphura prasphurayugmaṃ ca jaya jīva tathaiva ca ||332||

… Dakini und Pralaya, Phetkari zusammen mit Kritya […]; „sphura“, „prasphura“ jeweils zweimal, ebenso „jaya“ und „jiva“: „Erstrahle, leuchte hervor; siege, lebe!“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Kritya beschädigt; Wiederholungsanweisung yugma/tathaiva auf die aufgeführten Verben bezogen, nicht als gesicherte ausgeschriebene Silbenfolge ausgegeben.

Vers 333
visandhyehyehi tadanu bhagavatyapi kīrtayet‌ |
kāpālini samullikhya karāli tadanantaram‌ ||333||

… ohne Sandhi „ehi ehi“, „komm, komm“, danach „Bhagavati“, „Erhabene“. Man schreibe „Kapalini“, „Schädelträgerin“, und anschließend „Karali“, „Furchtbare mit aufgerissenem Rachen“ …

Vers 334
virūpamaparāntaṃ ca […] |
vimardaśekharau cāpi sarvasvaṃ vipriyaṃ tataḥ ||334||

… Virupa, Aparanta und […]; Vimarda und Shekhara, danach Sarvasva und Vipriya …

Anmerkung: Fragment: Teile der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 334 (zweite Nennung; Folgeposition335)
kulamālāvarṇamerukūṭāni tadanantaram‌ |
khaṇḍaketū tato bīje saṅgatirbarha eva ca ||334||

… danach die Kutas Kula, Mala, Varna und Meru; die Bijas Khanda und Ketu, Samgati und Barha …

Anmerkung: Quelle wiederholt334; interneKennung335, Quellziffer bewahrt. Fußnote zu Samgati unklar, nicht als sicherer Zusatz übernommen.

Bhimadevi und ihr furchtbarer Ruf

Vers 336
[…] phaṭtrayaṃ ca carame śira eva ca |
medhahrīkamalākrodhakāmarāvāśca yoginī ||336||

[…], dreimal phat und zuletzt Kopfabschluss. [Danach:] Medha, Hri, Kamala, Krodha, Kama, Rava und Yogini …

Anmerkung: Fragment: erstes Schlussglied beschädigt; Hri nach erkennbarem hrī als Bija-Name, nicht automatisch hrīṃ ergänzt.

Vers 337
vanitā cāpi phetkārī bhīmādevi tataḥ param‌ |
bhīmanāde samābhāṣya tato bhīmakarāli ca ||337||

… Vanita und Phetkari; dann „Bhimadevi“, „furchtbare Göttin“, „Bhimanade“, „mit furchtbarem Ruf“, und „Bhimakarali“, „furchtbar Rachenaufreißende“ …

Vers 338
mahāpralayacaṇḍānu lakṣmīḥ siddheśvarīrayet‌ |
bṛhadrathantarau kūṭau jyeṣṭhakūṭādanusmṛtau ||338||

… nach „Mahapralayachanda“ Lakshmi und „Siddheshvari“, „Herrin der Vollendungen“. Die Kutas Brihat und Rathantara folgen auf Jyeshtha-Kuta …

Anmerkung: Mahapralayachanda wörtlich „wild beim großen Weltuntergang“; Abgrenzung von Namens- und Bija-Gliedern in der knappen Anweisung nicht sicher.

Vers 339
mahāghorapadād ghoratare bhagavatīti ca |
bhayahāriṇi saṅkīrtya dviṣatastadanantaram‌ ||339||

… nach „Mahaghora“ „Ghoratare“, „über das große Schreckliche hinaus Schreckliche“, und „Bhagavati“, „Erhabene“. Man spreche „Bhayaharini“, „Furcht Hinwegnehmende“, danach „die Feinde“ …

Vers 340
nirmalayadvayaṃ sandhiyutaṃ vidrāvayadvayam‌ |
utsādayayugaṃ cāpi mahārājyapadādanu ||340||

… zweimal „nirmalaya“, „beseitige/mache rein“, mit Sandhi verbunden; zweimal „vertreibe“ und zweimal „vernichte“. Dann an „große Königsherrschaft“ …

Anmerkung: Nirmalaya gemäß sichtbarem Text, nicht in nirmūlaya geändert; deshalb genaue Feindvernichtungsbedeutung nur kontextuell.

Vers 341
lakṣmīṃ vitarayugmaṃ ca dehidvitayameva ca |
dāpayadvayamasyānu ḍākinīpralayāvapi ||341||

… „Lakshmi“ angeschlossen: „Gewähre, gewähre den Glanz großer Königsherrschaft; gib, gib; lass geben, lass geben!“ Danach Dakini und Pralaya …

Anmerkung: OCR-Ziffer3419 im Zusammenhang341.

Vers 342
amāpretau pāśasṛṇī kṣetrapālastato'pyanu |
śaktiprāsādasañjñau ca jayayugmamito'pyanu ||342||

… Ama und Preta, Pasha und Srini, danach Kshetrapala, die Bijas namens Shakti und Prasada, anschließend zweimal „jaya“, „siege!“ …

Vers 343
rākṣasakṣayakāriṇyanu tārahrīruṣaḥ kramāt‌ |
piśācinītrayaṃ sargarahitaṃ phaṭtrayaṃ tathā ||343||

… „Rakshasakshayakarini“, „Rakshasas Vernichtende“, danach der Reihe nach Tara, Hri und Rush; dreimal Pishachini ohne Sarga und dreimal phat …

Anmerkung: Sarga hier Lautzeichenanweisung, wahrscheinlich Visarga; Quelle sagt sarga, nicht stillschweigend zu einer vollständigen Bijaform ergänzt. Fußnote zweimal statt dreimal Pishachini.

Vers 344
namaḥ svāhā ca tadanu medhamāye tataḥ param‌ |
pāśāṅkuśau bhairavī ca kāmabījaṃ tataḥ param‌ ||344||

… danach namah svaha. Dann Medha und Maya, Pasha und Ankusha, Bhairavi und anschließend das Kama-Bija …

Hatakeshvari und ihre Anrufung

Vers 345
mahābhogipadād rājabhūṣaṇe parikīrtayet‌ |
sṛṣṭisthitipralayataḥ kāriṇyapi samuddharet‌ ||345||

… an „Mahabhogi“ schließe man „Rajabhushane“ an: „Die den großen Schlangenkönig als Schmuck trägt“. Nach „Schöpfung, Erhaltung und Auflösung“ füge man „Karini“ an: „Die dies alles vollbringt“ …

Vers 346
hūṃ […] kārapadānnādabhūridāriṇi cetyapi |
bhagavatyapi saṃlikhya hāṭakeśvari kīrtayet‌ ||346||

… „hum […]-kara“, verbunden mit „die durch ihren Ruf vieles zerreißt“. Man schreibe „Bhagavati“ und spreche „Hatakeshvari“, „Erhabene Herrin des Goldes“ …

Anmerkung: Fragment: zweiter Laut vor kāra beschädigt; keine genaue Rufwiederholung erfunden.

Vers 347
amṛtaṃ śaktirānando raudro lakṣmīrapi kramāt‌ |
caitanyacaṇḍaśākinyo ḍākinībījamanvataḥ ||347||

… der Reihe nach Amrita, Shakti, Ananda, Raudra und Lakshmi; Chaitanya, Chanda und Shakini, danach das Dakini-Bija …

Vers 348
mama śatrūniti procya mārayadvitayaṃ likhet‌ |
bandhayadvitayaṃ cāpi mardayadvitayaṃ tathā ||348||

Man spreche „meine Feinde“ und schreibe zweimal „töte“, zweimal „binde“ und ebenso zweimal „zermalme“ …

Anmerkung: Formelglieder mama śatrūn māraya māraya bandhaya bandhaya mardaya mardaya; historische Ritualrede.

Vers 349
tataḥ pātayayugmaṃ ca catvāryeva kriyāpadam‌ |
dhanadhānyāyurārogyaiśvaryaṃ dehiyugaṃ tataḥ ||349||

… danach zweimal „bringe zu Fall“: Das sind vier Verben. Dann „gib, gib Reichtum, Getreide, Lebensdauer, Gesundheit und Herrschermacht!“ …

Anmerkung: Die vier Verben beziehen sich auf348–349. Gesundheit ist Gegenstand der Bitte, keine zugesicherte Wirkung.

Vers 350
dāpayadvitayaṃ cāpi mānasaṃ vajrameva ca |
kāpālamatha bhāruṇḍā prāsādaḥ pāśa eva ca ||350||

… ebenso zweimal „lass geben“; Manasa und Vajra, Kapala, dann Bharunda, Prasada und Pasha …

Vers 351
aṅkuśo […] ca hṛdayaṃ śira eva ca |
tāramedharamāmāyāroṣarāvāśca ḍākinī ||351||

… Ankusha, […] sowie Herz- und Kopfabschluss. Danach Tara, Medha, Rama, Maya, Rosha, Rava und Dakini …

Anmerkung: Fragment: Glied nach Ankusha unlesbar.

Mahamaya und die Schädelträgerinnen

Vers 352
pralayaścāpi phetkārī saṃvicceti daśa kramāt‌ |
tataḥ praviśa saṃsāraṃ mahāmāye ca kīrtayet‌ ||352||

… Pralaya, Phetkari und Samvit: zehn der Reihe nach. Dann spreche man „Pravisha samsaram Mahamaye“, „Tritt in das Weltdasein ein, große Maya!“ …

Vers 353
saṃvidastraṃ brahmaśironikṛntani samuddharet‌ |
punaśca viṣṇutanuto nirdalinyapi pārvati ||353||

… Samvit und Astra, dann „Brahmashironikrintani“, „Brahmas Haupt Abschneidende“. Ferner, Parvati, nach „Vishnutanu“ „Nirdalini“: „Vishnus Leib Zerreißende“ …

Anmerkung: Historische wilde Göttinnenanreden, nicht zu psychologischen Symbolhandlungen umgeschrieben.

Vers 354
śraddhā ca jambhike peṭī stambhike tadanantaram‌ |
chindhi […] bhindhiyugaṃ […] mathadvayam‌ ||354||

Shraddha, „Jambhike“, Peti und danach „Stambhike“; „schneide“ […], zweimal „spalte“, […] und zweimal „zerreibe“ …

Anmerkung: Fragment: Glieder beziehungsweise Wiederholungsanweisungen beschädigt. Shraddha/Peti als Lautnamen, Jambhika/Stambhika als Anreden vorläufig getrennt.

Vers 355
yugalaṃ pañca vai pañcaśavārūḍhe tataḥ param‌ |
pañcavāgbhapriye mantre na tu sambodhanaṃ tava ||355||

Zweimal „pancha“, „fünf“, dann „Panchashavarudhe“, „auf fünf Leichnamen Thronende“. Fünf Vagbhava-Bijas, Geliebte, gehören zum Mantra; das Wort „Geliebte“ ist hier keine Anrede im Mantra an dich.

Anmerkung: Quelle trennt priye ausdrücklich als Anrede des Lehrgesprächs von Mantrawörtern; der doppelte Bezug der Erläuterung ist knapp, kein zusätzlicher Göttinnenname gebildet.

Vers 356
pīyūṣaśaktikhecaryaḥ kamalākāmasaṃvidaḥ |
pañca pāśupatāstrānu dhāriṇyapi samuddharet‌ ||356||

Piyusha, Shakti und Khechari, Kamala, Kama und Samvit; an „fünf Pashupata-Waffen“ füge man „Dharini“ an: „Trägerin der fünf Pashupata-Waffen“ …

Anmerkung: Fußnote nennt eine andere Waffenbezeichnung; Hauptlesung bewahrt.

Vers 357
kūrcatrayaṃ phaḍyugaṃ ca śeṣe cānalavallabhā |
caitanyapāśavedādihṛnmantrāḥ prathamaṃ smṛtāḥ ||357||

Dreimal Kurcha, zweimal phat und am Ende Analavallabha. [In der nächsten Formel] stehen zunächst Chaitanya, Pasha, Vedadi und Herzmantra …

Vers 358
paramārṇācca śivaviparītācārakāriṇi |
bhauvaneśī ramākāmayoginīvanitā api ||358||

Nach „Parama“ folgt „Shivaviparitacharakarini“: „Die mit dem höchsten Shiva den umgekehrten Vollzug ausführt“. Danach Bhauvaneshi, Rama, Kama, Yogini und Vanita …

Anmerkung: Viparītācāra kann im tantrischen Kontext den umgekehrten sexuellen Vollzug mit der Frau oben bezeichnen; die Anrede enthält keine nähere Handlungsbeschreibung.

Vers 359
mahāghorapadaṃ procya vikarālini kīrtayet‌ |
tasyānu khaṇḍārddhaśirodhāriṇi pratikīrtayet‌ ||359||

Nach „Mahaghora“ spreche man „Vikaralini“, „überaus Schreckliche mit gewaltigem Rachen“. Danach „Khandardhashirodharini“, „Trägerin eines in Hälften geteilten Hauptes“ …

Anmerkung: Kompositum khaṇḍārdha leicht beschädigt; Übersetzung vorläufig, keine eindeutige Identifizierung des Hauptes ergänzt.

Vers 360
bhāvatyagra iti ca śākinī ḍākinī tataḥ |
pralayaścāpi phetkārī kūṭaḥ saṃhāranāmakaḥ ||360||

„Bhavatyagra“ [Lesung unsicher], danach Shakini, Dakini, Pralaya, Phetkari und der Kuta namens Samhara …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied beschädigt, keine scheinbar gesicherte Anrede daraus gebildet.

Vers 361
hairaṇyagarbhakūṭaśca kūrcāstre śira eva ca |
māyākūrcau sarvaśeṣe pāśalajjāruṣaḥ smaraḥ ||361||

… Hiranyagarbha-Kuta, Kurcha, Astra und Kopfabschluss. Ganz am Ende Maya und Kurcha. Danach Pasha, Lajja, Rush und Smara …

Vers 362
kamalāmedhatārāśca kālādityau ca śākinī |
ḍākinīyogatantrādicatuṣṭayamataḥ param‌ ||362||

… Kamala, Medha und Tara, Kala und Aditya sowie Shakini; Dakini und danach die mit Yogatantra beginnende Vierergruppe …

Vers 363
vyañja[ja?]nasyāpi vimardasyāpi vismṛteḥ |
sāntasya [?] tridaśeśāni yugmaṃ yugmaṃ yugaṃ yugam‌ ||363||

Von Vyanjana [Lesung des Herausgebers: Vyajana?], Vimarda, Vismriti und Santa [?], Herrin der Götter, jeweils zwei, zwei, zwei und zwei …

Anmerkung: Quellenfragen bewahrt; vier Namen nicht anhand anderer Listen rekonstruiert.

Vajrachandi und der Kapalika-Weg

Vers 364
tataśca vajracaṇḍīti sambodhanamudīryate |
mahākāpālini procya mālinyapi kapālataḥ ||364||

Dann wird die Anrede „Vajrachandi“ gesprochen. Man sage „Mahakapalini“, „große Schädelträgerin“, und verbinde „Kapala“ mit „Malini“: „Schädelgirlanden-Trägerin“ …

Vers 365
kāpālikācārapadāt pravartini padaṃ smṛtam‌ |
[…] ghamayugaṃ gaganagrāsinītyapi ||365||

An „Kapalika-Achara“ schließt sich „Pravartini“ an: „Die den Kapalika-Weg in Gang setzt“. […], zweimal „ghama“ und „Gaganagrasini“, „Himmelsverschlingerin“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor ghama beschädigt; ghama als sichtbares Lautwort ohne gesicherte Bedeutung bewahrt.

Vers 366
mahāmāye mahāmāyāpravartinyapyataḥ param‌ |
sarvaiśvaryaṃ dehiyugaṃ dāpayadvitayaṃ tataḥ ||366||

Danach „Mahamaye, Mahamayapravartini“, „große Maya, die große Maya in Bewegung setzt!“ Dann „gib, gib alle Herrschermacht; lass geben, lass geben!“ …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge366.

Vers 367
sarvāpadaṃ samābhāṣya nirmūlayayugaṃ likhet‌ |
tato'ṅkuśo gāruḍaśca kālādityau tathaiva ca ||367||

Man spreche „sämtliches Unglück“ und schreibe zweimal „rotte aus“. Danach Ankusha, Garuda, Kala und Aditya …

Anmerkung: Formelglieder sarvāpadaṃ nirmūlaya nirmūlaya.

Vers 368
pretaśca kulikaścāpi hūṃ phaṭ svāhā tathaiva ca |
sārasvataśca vedāditrapākāmaramāruṣaḥ ||368||

… Preta und Kulika sowie hum phat svaha. Danach Sarasvata, Vedadi, Trapa, Kama, Rama und Rush …

Anmerkung: Hūṃ nach sichtbarer Länge; nicht als Wort übersetzt.

Vers 369
samādhānādi catvāri guptācārādi ca trayam‌ |
sampradāyādidvayaṃ ca tato'pāyo nikārayuk‌ ||369||

… die mit Samadhana beginnende Vierergruppe, die mit Guptachara beginnende Dreiergruppe und das mit Sampradaya beginnende Paar; danach Apaya zusammen mit Nikara …

Anmerkung: Nur Anfangsnamen der Gruppen überliefert; keine Ergänzung aus einer vermuteten Reihenfolge.

Jvaleshvari, Kuleshvari und Kalaratri

Vers 370
jvāleśvari samālikhya jvalajjvalanavāsini |
citāṅgārapadasyānte hāriṇi pratikīrtayet‌ ||370||

Man schreibe „Jvaleshvari“, „Herrin der Flammen“, und „Jvalajjvalanavasini“, „im lodernden Feuer Wohnende“. An „Chitangara“ schließe man „Harini“ an: „mit einer Girlande aus Scheiterhaufenglut“ …

Anmerkung: Hāriṇī als Girlandenträgerin im Zusammenhang, nicht mit hāriṇī „wegnehmend“ verwechselt.

Vers 271 (Folgeposition 371)
mṛtacelāvṛtārṇācca śarīre samudīrayet‌ |
brahmāstraṃ tadanu procya vadet prakaṭayeti ca ||271||

… an „mit dem Gewand eines Toten bedeckt“ füge man „Sharire“ an: „deren Leib so verhüllt ist“. Dann spreche man „Brahmastra prakataya“, „offenbare die Brahma-Waffe!“ …

Anmerkung: Quellziffer 271 an Folgeposition371 bewahrt.

Vers 272 (Folgeposition 372)
śatrūn stambhayayugmaṃ ca mārayadvitayaṃ tataḥ |
sarvān kāmān pūraya ca dvitayaṃ pravibhāvayet‌ ||272||

„Die Feinde lähme, lähme; töte, töte! Erfülle, erfülle sämtliche Wünsche!“ So soll man die Worte vergegenwärtigen.

Anmerkung: Quellziffer 272 an Folgeposition372 bewahrt; vollständige historische Formelbitte.

Vers 373
roṣatrapāstratritayaṃ svāhā śeṣe niyojayet‌ |
pāśamāyāṅkuśapretacaṇḍāmṛtataḍidruṣaḥ ||373||

Rosha, Trapa, dreimal Astra und am Ende svaha setze man ein. Danach Pasha, Maya, Ankusha, Preta, Chanda, Amrita, Tadit und Rush …

Vers 374
kuleśvari samābhāṣya kaulikānāmitīrayet‌ |
tataśca sarvasamayalābhaṃ kuru vibhāvayet‌ ||374||

Man spreche „Kuleshvari“, „Herrin des Kula“, danach „für die Kaulikas“, und vergegenwärtige „bewirke das Erlangen aller Samayas“ …

Anmerkung: Samaya kann hier überlieferte Ordnungen, Verpflichtungen und Überlieferungszweige umfassen; nicht auf eine einzige deutsche Bedeutung verengt.

Vers 375
dviṣado jahiyugmaṃ ca hṛcchīrṣaṃ tadanantaram‌ |
praṇavo medhamāye ca manmathaḥ kamalāpi ca ||375||

„Die Feinde schlage, schlage!“ Danach Herz- und Kopfabschluss. Pranava, Medha und Maya, Manmatha und Kamala …

Anmerkung: Formelglieder dviṣado jahi jahi.

Vers 376
kāleśvari samābhāṣya tataḥ sarvamukhākṣarāt‌ |
stambhinyuktvā sarvajanamanohari samālikhet‌ ||376||

Man spreche „Kaleshvari“, „Herrin der Zeit“, und verbinde „alle Münder“ mit „Stambhini“, „die alle Münder lähmt“. Dann schreibe man „Sarvajanamanohari“, „die aller Menschen Herz bezaubert“ …

Vers 377
punaḥ sarvajanaṃ procya vaśaṅkari samādiśet‌ |
sarvaduṣṭārṇato brūyāddevi nirdalinītyapi ||377||

Wiederum an „alle Menschen“ schließe man „Vashankari“ an, „die alle Menschen unter ihre Macht bringt“. An „alle Bösen“ füge man „Nirdalini“ an, Göttin: „alle Bösen Zerreißende“ …

Vers 378
sarvastrīpuruṣākarṣiṇyuktvā vai bandiśṛṅkhalām‌ |
troṭayadvitayaṃ sarvaśatrūn jambhayayugmakam‌ ||378||

Man spreche „Sarvastripurushakarshini“, „alle Frauen und Männer Heranziehende“; dann „die Gefangenenkette zerbrich, zerbrich; alle Feinde lähme, lähme!“ …

Anmerkung: Anziehungs- und Bannbitten der historischen Formel, keine heutige Handlungsanweisung.

Vers 379
dviṣānuccārya tadanu dvayaṃ nirdalayerayet‌ |
sarvān stambhayayugmaṃ ca mohanāstreṇa kīrtayet‌ ||379||

Nach „die Feinde“ spreche man zweimal „zerreiße“; dann „alle lähme, lähme“ mit dem Mohana-Astra, der Bezauberungswaffe …

Vers 380
dveṣiṇo'nu yugaṃ brūyāduccāṭayapadaṃ priye |
sarvavaśyaṃ kuruyugaṃ śīrṣaṃ dehidvayaṃ tataḥ ||380||

An „die Feindseligen“ füge man zweimal „vertreibe“ an, Geliebte. „Mache, mache alles gefügig“, Kopfabschluss und danach zweimal „gib“ …

Anmerkung: Die ungewöhnliche Stellung des Kopfabschlusses vor dehi bleibt bewahrt.

Vers 381
sarvā ṅe'ntā kālarātrī kāminī ca gaṇeśvarī |
hṛnmantraḥ sarvaśeṣe ca kālarātrimanustvayam‌ ||381||

Alle [folgenden Namen] stehen im Dativ: Kalaratri, Kamini und Ganeshvari. Ganz am Ende steht der Herzmantra. Dies ist der Kalaratri-Mantra.

Anmerkung: Sarvā als Bestimmung der Namen verstanden; genaue Zahl-/Kasusform im Sanskrit knapp, kein weiterer Göttinnenname „Sarva“ hinzugefügt.

Bhramari und die Bienengestalt

Vers 352 (Folgeposition 382)
vedādīṃstrīn puraḥ procya medhāṃstāvata īrayet‌ |
māyāramākāmavadhūyoginīruṣa eva ca ||352||

Zuerst spreche man dreimal Vedadi und ebenso oft Medha; Maya, Rama, Kama, Vadhu, Yogini und Rush …

Anmerkung: Quellziffer 352 an Folgeposition382 bewahrt.

Vers 383
tataśca rāvaḍākinyau phetkārī pralayādimā |
ṣoḍaśaitāni bījāni purataḥ samudīrayet‌ ||383||

… danach Rava und Dakini, Phetkari mit vorangestelltem Pralaya. Diese sechzehn Bijas spreche man zu Beginn.

Vers 384
tato bhrāmari saṅkīrtya bhramarākāradhāriṇi |
jayadvayaṃ jīvayugaṃ sphuraprasphuramuktavat‌ ||384||

Dann spreche man „Bhramari, Bhramarakaradharini“, „Bienengöttin, die Bienengestalt annimmt“; zweimal „siege“, zweimal „lebe“, „erstrahle“ und „leuchte hervor“ wie zuvor …

Vers 385
jvala prajvalanāmnyośca kriyayoryugalaṃ vadet‌ |
bhīṣaṇākāradhāriṇyanu brūyād bhagavatītyapi ||385||

Die Verben „jvala“ und „prajvala“, „brenne“ und „lodere auf“, spreche man jeweils zweimal; danach „Bhishanakaradharini Bhagavati“, „Erhabene, die eine schreckliche Gestalt annimmt“ …

Vers 386
pracaṇḍataraśabdānu tathā dāvānalādanu |
vadejjvalitavaktre ca huṃhuṃkārārṇato vadet‌ ||386||

Nach „überaus gewaltig“ und „Waldbrand“ spreche man „Jvalitavaktre“, „deren Gesicht in einem überaus gewaltigen Waldbrand flammt“. Nach dem Ausdruck „hum-hum-Ruf“ spreche man …

Anmerkung: Fortsetzung387.

Vers 387
nādinyanu […] deveśi khecarīcakravāsini |
bhūtinyādidvayaṃ procya mandādidvitayaṃ vadet‌ ||387||

… „Nadini“, „die ihn erschallen lässt“, […], Herrin der Götter, und „Khecharichakravasini“, „im Kreis der Khecharis Wohnende“. Man spreche das mit Bhutini beginnende Paar und das mit Manda beginnende Paar …

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor der Anrede beschädigt; nicht als zusätzlicher Laut ergänzt.

Vers 388
saṃsṛṣṭiṃ ca vikośaṃ ca kaitavātaṅkameva ca |
śuddhanidrādiyugalaṃ vivṛttaṃ santalaṃ tathā ||388||

… Samsrishti, Vikosha, Kaitava und Atanka, das mit Shuddhanidra beginnende Paar, Vivritta und Santala …

Anmerkung: Shuddhanidradi-Kompositum kann die Namen anders gruppieren; keine erzwungene Auflösung.

Vers 389
āmnāyātītatattvārṇavau tataḥ paramīrayet‌ |
mama śatrūn grasadvandvaṃ bhakṣayadvitayaṃ tathā ||389||

Danach spreche man Amnayatita und Tattvarnava; „meine Feinde verschlinge, verschlinge; verzehre, verzehre!“ …

Anmerkung: Grasadvandva aus leicht beschädigtem grasa indra im Wiederholungskontext gelesen; keine zusätzliche Bija-Chiffre Indra eingesetzt.

Vers 360 (Folgeposition 390)
sāmrājyaṃ dehiyugalaṃ dāpayadvitayaṃ tathā |
ekā ruḍastratritayaṃ hṛcchiromantra eva ca ||360||

„Gib, gib Oberherrschaft; lass sie geben, lass sie geben!“ Ein Rut, dreimal Astra und Herz- und Kopfmantra folgen.

Anmerkung: Quellziffer 360 an Folgeposition390 bewahrt.

Die Schädelträgerin und Raktadantika

Vers 391
medhatārau trapāroṣau smaravadhvau sudhārame |
tataḥ śākiniḍākinyau yoginī khecarī tathā ||391||

Medha und Tara, Trapa und Rosha, Smara und Vadhu, Sudha und Rama; danach Shakini und Dakini, Yogini und Khechari …

Vers 392
tataḥ śmaśānaśabdānu kāpālini vibhāvayet‌ |
paścāt sambodhanatayā khecarīsiddhidāyinī ||392||

An „Shmashana“ schließe man „Kapalini“ an: „Schädelträgerin des Verbrennungsplatzes“. Dann als Anrede „Khechari-Siddhi Gewährende“ …

Anmerkung: Khechari-Siddhi als überlieferter Begriff, nicht in eine moderne Übung übersetzt.

Vers 393
parāparakulārṇācca pūrvavaccakranāyikā |
aṅkuśo gāruḍaḥ kṣetrapālaścaṇḍaśca kinnaraḥ ||393||

An „Parapara-Kula“ füge man ebenso „Chakranayika“ als Anrede an: „Herrin des Kreises des höheren und niederen Kula“. Ankusha, Garuda, Kshetrapala, Chanda und Kinnara …

Vers 364 (Folgeposition 394)
triśūlajhaṅkāriṇi ca tato ḍāmaramukhyapi |
tato vajraśarīre ca tato'trikakudau priye ||364||

„Trishulajhamkarini“, „die den Dreizack klirren lässt“, dann „Damaramukhi“ [Anrede], „Vajrasharire“, „mit diamantfestem Körper“, danach Atri und Kakuda, Geliebte …

Anmerkung: Quellziffer 364 an Folgeposition394 bewahrt. Damaramukhi nach sichtbarer Form, keine gesicherte Bedeutung behauptet; Atri/Kakuda vorläufige Namenstrennung.

Vers 395
namaḥ svāhā tadante ca tārasārasvatau tataḥ |
yoginī ca vadhūrmāyā rāvo lakṣmīśca manmathaḥ ||395||

Am Ende namah svaha. Danach Tara und Sarasvata, Yogini, Vadhu, Maya, Rava, Lakshmi und Manmatha …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge395.

Vers 366 (Folgeposition 396)
ḍākinīroṣasaṃvartaphetkāryo vidhṛtistathā |
śekharo viratiścāpi ṣoḍaśī vinigadyate ||366||

… Dakini, Rosha, Samvarta, Phetkari und Vidhriti, Shekhara und Virati. [Die Folge] wird als sechzehnfach bezeichnet.

Anmerkung: Quellziffer 366 an Folgeposition396 bewahrt. Ṣoḍaśī als Zählangabe „sechzehnfach“ verstanden; die vorliegende Namensliste erreicht diese Zahl nicht sicher. Kein zusätzlicher Name Shodashi zur Auffüllung eingesetzt.

Vers 367 (Folgeposition 397)
bhagavatyanu vai raktadantike parikīrtayet‌ |
lelihānārṇato brūyād rasanānu bhayānake ||367||

Nach „Bhagavati“ spreche man „Raktadantike“, „Erhabene mit roten Zähnen“. Dann verbinde man „lelihana“, „leckend“, mit „Zunge“ und „Furchtbare“: „Durch ihre leckende Zunge Furchterregende“ …

Anmerkung: Quellziffer 367 an Folgeposition397 bewahrt.

Vers 398
tato ghorataraṃ procya tathā daśanacarcite |
brahmāṇḍaṃ caṇḍayogeśvari śaktipadamanvataḥ ||398||

Dann „überaus furchtbar“ und „mit Zähnen versehen“; „Brahmanda“, „Weltenei“, „Chandayogeshvari“, „wilde Herrin des Yoga“, danach das Wort „Shakti“ …

Anmerkung: Einzelglieder lesbar, genaue Kompositumgrenze um Brahmanda unsicher; kein zusätzliches Verschlingungsverb ergänzt. Versnummer im OCR beschädigt.

Vers 399
tataśca tattvamahite […] |
aupahvaraṃ nāndikaṃ ca ghaṭī caitāni pañca vai ||399||

… dann „Tattvamahite“, „durch die Wirklichkeit Erhabene“, […]; Aupahvara, Nandika und Ghati: Dies sind fünf [Glieder] …

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte beschädigt; Kontrollzahl5 ohne Ergänzung fehlender Namen.

Vers 400
pracaṇḍacaṇḍini tato mahāmārīsahāyini |
cāmuṇḍāyoginīśabdāḍḍākinī śākinīti ca ||400||

Dann „Prachandachandini“, „gewaltig Wilde“, und „Mahamarisahayini“, „Gefährtin der Mahamari“. Nach den Wörtern Chamunda und Yogini folgen Dakini und Shakini …

Anmerkung: Fortsetzung401; Mahamari als Göttinnenname mit Bedeutung „große Seuche“ nicht beschönigt.

Vers 401
bhairavīmātṛgaṇato madhyage tadanantaram‌ |
jayayugmaṃ kahayugaṃ hasa prahasa pūrvavat‌ ||401||

… an „Bhairavi und die Schar der Mütter“ füge man „Madhyage“ an: „in ihrer Mitte Weilende“. Zweimal „siege“, zweimal „kaha“, „lache“ und „lache laut“ wie zuvor …

Anmerkung: Kaha bleibt Lautwort.

Vers 402
yugalaṃ yugalaṃ jṛmbha turu dhāva tathaiva ca |
śmaśānavāsini procya śavavāhini […] ||402||

… jeweils zweimal „jrimbha“, „öffne dich/gähne“, „turu“ [Lautwort] und „dhava“, „eile“. Man spreche „Shmashanavasini“, „auf dem Verbrennungsplatz Wohnende“, und „Shavavahini“, „auf einem Leichnam Fahrende“, […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussverbindung beschädigt; turu ohne erfundene Wortbedeutung.

Vers 403
naramāṃseti saṃlikhya pravaded bhojinīti ca |
kaṅkālamālini tato bhadrā ca kuṭilā tathā ||403||

Man verbinde „Menschenfleisch“ mit „Bhojini“: „Menschenfleisch Verzehrende“. Dann „Kankalamalini“, „Skelettgirlanden-Trägerin“, Bhadra und Kutila …

Anmerkung: Historische wilde Göttinnenanrede.

Vers 404
[…] maṇimālā ca vijayā ceti pañca tāḥ |
sasandhi […] procya śiraḥ praṇava eva ca ||404||

… […], Manimala und Vijaya: Diese fünf. Nach […] mit Sandhi-Verbindung folgen Kopfabschluss und Pranava …

Anmerkung: Fragment: ein Name und ein weiteres Formelglied beschädigt; nicht zur Fünferzahl ergänzt.

Shambari und Mahamari

Vers 405
kūrcatrayaṃ phaṭtrayaṃ ca sarvaśeṣe śiro'pi ca |
vedādī raudrakūṭaśca sasandhirhṛnmanustataḥ ||405||

… dreimal Kurcha, dreimal phat und ganz zuletzt Kopfabschluss. Danach Vedadi, Raudra-Kuta und mit Sandhi-Verbindung Herzmantra …

Vers 406
caṇḍāticaṇḍe tadanu śāmbarīti tataḥ param‌ |
kālavañcani coddhṛtya mahāṅkuśa itīrayet‌ ||406||

… dann „Chandatichande“, „Wilde, überaus Wilde“, und „Shambari“. Nach „Kalavanchani“, „die die Zeit täuscht“, spreche man Mahankusha …

Vers 407
āgneyakūṭaṃ pātālanāgavāhini kīrtayet‌ |
gaganagrāsini procya brahmāṇḍapadamanvataḥ ||407||

Agneya-Kuta und „Patalanagavahini“, „auf einer Unterweltsschlange Fahrende“. Man spreche „Gaganagrasini“, „Himmelsverschlingerin“, danach das Wort „Brahmanda“, „Weltenei“ …

Vers 408
niṣpeṣiṇi śiroyuktamākāśatritayaṃ tataḥ |
manoruṣaśca tadanu tritayaṃ tritayaṃ priye ||408||

… mit „Nishpeshini“, „das Weltenei Zerquetschende“, verbunden mit Kopfabschluss. Danach dreimal Akasha, dann je dreimal Manas und Rush, Geliebte …

Anmerkung: Manas als Chiffrenname aus mano- gelesen, nicht sicher in einen anderen Mantranamen umgedeutet.

Vers 409
tāvantyastrāṇi tadanu hṛdayaṃ śira eva ca |
āgamānāṃ śiro medhatrape ca kamalā smaraḥ ||409||

… ebenso viele Astra-Glieder, danach Herz- und Kopfabschluss. Dann „Haupt der Agamas“, Medha und Trapa, Kamala und Smara …

Anmerkung: Āgamānāṃ śiras als überlieferte Lautbezeichnung bewahrt, nicht als neue Kapitelüberschrift.

Vers 410
roṣayoginyaṅganāśca śākinī ḍākinī tathā |
pralayaścāpi phetkārī mekhalāhārasānavaḥ ||410||

… Rosha, Yogini und Angana, Shakini und Dakini, Pralaya, Phetkari, Mekhala, Hara und Sanu …

Vers 411
bhagavatyapi sambodhya mahāmāri tataḥ param‌ |
jagadunmūlini tataḥ punaḥ kalpāntakāriṇi ||411||

Nach der Anrede „Bhagavati“, „Erhabene“, folgt „Mahamari“, „große Seuche“, dann „Jagadunmulini“, „die die Welt entwurzelt“, und „Kalpantakarini“, „die das Ende des Weltalters herbeiführt“ …

Anmerkung: Mahamari zugleich Göttinnenname; keine tatsächliche Verursachung heutiger Krankheiten behauptet.

Vers 412
śironiviṣṭānu vāmacaraṇe tadanantaram‌ |
digambarīti samayakulacakrapadādanu ||412||

… „deren linker Fuß auf dem Kopf ruht“, danach „Digambari“, „Himmelsgewandete“, und die Wörter „Samaya-Kula-Chakra“ …

Anmerkung: Wessen Kopf gemeint ist, wird hier nicht zuverlässig bestimmt; nicht ergänzt.

Vers 413
[…] māṃ tadanu rakṣa trāhiyugaṃ yugam‌ |
pālayadvitayaṃ cāpi tataḥ paramudīrayet‌ ||413||

… […], danach „mich schütze, schütze; rette, rette; behüte, behüte!“ …

Anmerkung: Fragment: Wortanschluss an Samayakulachakra aus 412 beschädigt.

Vers 414
tato'nu prajvaladdāvānalajvālājaṭāla ca |
jaṭile triguṇaṃ cātha carame ca namaḥ śiraḥ ||414||

… danach die Anrede mit „loderndem Waldbrand“, „Flammen“ und „verfilztem Haar“: „mit flammenverworrenem Haarschopf“. Dann dreifach […], am Schluss namah und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: genaue Verbindung jaṭāla/jaṭile sowie Bezugswort zu triguṇa unsicher; Wiederholungsgegenstand nicht erfunden.

Raktamundeshvari und Mahadakini

Vers 415
tāraṃ medhaṃ ca māyā ca kamalā manmatho vadhūḥ |
yoginīrāvasaṃvartaphetkāryaḥ kūrca eva ca ||415||

Tara, Medha, Maya, Kamala, Manmatha und Vadhu; Yogini, Rava, Samvarta, Phetkari und Kurcha …

Vers 416
[…] kṣetrapālau ca viśvaṃ cāmṛtameva ca |
vidyunnṛsiṃhau pretaśca kuliko bhairavī tathā ||416||

… […] und Kshetrapala, Vishva und Amrita; Vidyut und Nrisimha, Preta, Kulika und Bhairavi …

Anmerkung: Fragment: erster Bija-Name beschädigt.

Vers 417
kākinīmekhalātuṅgapatanāni ca saṃhṛtiḥ |
kaitavaṃ ca vivatsaṃ ca turīyāmodakau tataḥ ||417||

… Kakini, Mekhala, Tunga, Patana und Samhriti, Kaitava, Vivatsa, danach Turiya und Modaka …

Vers 418
ṣaṭcakraṃ śaktisarvasvaṃ śāmbhavaṃ ca parāparam‌ |
tato'nu vajrakavacaṃ tato brahmakapālakam‌ ||418||

… Shatchakra, Shaktisarvasva, Shambhava und Parapara, danach Vajrakavacha und Brahmakapalaka …

Vers 419
mahākalpasthāyibījaṃ sarvaśeṣe sureśvari |
ṣaṭtriṃśadakṣaro mantro mahogrataranāmakaḥ ||419||

… ganz zuletzt Mahakalpasthayi-Bija, Herrin der Götter. Dieser sechsunddreißigsilbige Mantra heißt Mahogratara, „der überaus Gewaltige“.

Anmerkung: Quellzahl36 ohne Ergänzung des beschädigten Namens416.

Vers 420
madhye nāmno mito raktamuṇḍeśvaryā varānane |
tāraśca śākinībījaṃ tataḥ sarvābhayaprade ||420||

In der Mitte [steht] der Name Raktamundeshvari, Schönangesichtige. Danach Tara, das Shakini-Bija und „Sarvabhayaprade“, „jegliche Furchtlosigkeit Gewährende“ …

Anmerkung: Erste Satzkonstruktion mit mito leicht beschädigt; Name Raktamundeshvari lesbar, genaue Einsetzungsregel nicht rekonstruiert.

Vers 421
sarvasampatprade cāpi sarvasiddhiṃ dadadvayam‌ |
mṛtyuṃ harayugaṃ cāpi mṛtyuñjayapadādanu ||421||

„Alle Fülle Gewährende, gib, gib sämtliche Vollendungen! Nimm den Tod hinweg, nimm ihn hinweg!“ Danach an „Mrityunjaya“ …

Anmerkung: Fortsetzung422; Todesüberwindung als Ritualbitte.

Vers 422
gṛhiṇyuktvā namaḥ svāhā medhānāṃ pañcakaṃ tataḥ |
pāśāṅkuśau pretapare khecarīvidyudaṃśavaḥ ||422||

… „Grihini“ angeschlossen: „Gattin des Todesüberwinders“. Namah svaha; danach fünfmal Medha, Pasha und Ankusha, Preta und Para, Khechari, Vidyut und Amshu …

Anmerkung: OCR verschiebt die zweite Hälfte mit Nummer422 hinter426. Beide Hälften hier nach der originalen Versnummer zusammengeführt; keine zusätzliche Vershälfte erfunden. Trennung Pretapara vorläufig.

Vers 423
tato mahāḍākinito […] saiva nigadyate |
nipītabālanarato rudhirāyai tataḥ param‌ ||423||

Danach „Mahadakini“, […] wird sie genannt; dann „derjenigen, die das Blut von Kindern und Menschen getrunken hat“ …

Anmerkung: Fragment: grammatische Anweisung nach Mahadakini beschädigt. Grausame Göttinnenikonografie; Wortbestandteile nipītabālanararudhirāyai lesbar.

Vers 424
tvagasthicarmākṣarato vaśiṣṭāgre […] ca |
mahāśmaśānaśabdānu tathā dhāvanaśabdataḥ ||424||

Nach den Wörtern „Haut, Knochen und Fell“ […] „übrig geblieben“ […]; dann an „großer Verbrennungsplatz“ und „Laufen“ …

Anmerkung: Fragment: Zusammenhang der ersten Hälfte unlesbar; keine vervollständigte Körperbeschreibung. Fortsetzung425.

Vers 425
punaḥ pracalitād piṅgajaṭābhārā ṅe'ntikā |
nṛsiṃharauravau procya […] viśvameva ca ||425||

… „durch die Bewegung schwankende rotbraune Haarlast“, mit Dativendung: „derjenigen, deren rotbraunes Haar beim Laufen auf dem großen Verbrennungsplatz schwankt“. Danach Nrisimha und Raurava, […] und Vishva …

Anmerkung: Fragment: ein Bija-Glied beschädigt; Anredeverbindung aus 424–425 kenntlich zusammengeführt.

Vers 426
khecaryantāni vai pañca bījānīmāni pārvati |
mamābhīṣṭapradāt siddhiṃ dehi […] tataḥ param‌ ||426||

Diese fünf Bijas enden mit Khechari, Parvati. Dann die Worte „meinen Wunsch gewährend, Siddhi gib […]“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung mamābhīṣṭapradāt und Wiederholungsangabe nach dehi beschädigt; keine vollständige Formel daraus erfunden.

Vers 427
vitaradvitayaṃ cāpi roṣarāvau tathaiva ca |
ḍākinī kākinī caiva śākinī rākinī tathā ||427||

… zweimal „vitara“, „gewähre“, sowie Rosha und Rava; Dakini, Kakini, Shakini und Rakini …

Anmerkung: Fortsetzung428.

Vers 428
lākinī hākinī ceti krameṇaitāḥ ṣaḍīritāḥ |
kintu sambuddhiretāsāṃ na tu bījāni pārvati ||428||

… Lakini und Hakini: Diese sechs werden der Reihe nach genannt. Es sind jedoch ihre Anreden, nicht ihre Bijas, Parvati.

Anmerkung: Ausdrückliche Unterscheidung der Quelle; Namen nicht in Bija-Silben verwandelt.

Vers 429
nareti procya rudhiraṃ pibayugmaṃ tataḥ param‌ |
mahāmāṃsaṃ khādayugaṃ bījānyaṣṭau tataḥ param‌ ||429||

Man verbinde „Mensch“ mit „Blut“ und zweimal „trinke“: „Trinke, trinke Menschenblut!“ Dann „Mahamamsam khada khada“, „iss, iss Menschenfleisch!“ Danach acht Bijas …

Anmerkung: Historische Anrufung der Mahadakini; keine heutige Opferanweisung.

Vers 430
tāralakṣmītrapākāmaruḍrāvā yoginī vadhūḥ |
[…] śiroyuktaṃ sarvaśeṣe surārcite ||430||

… Tara, Lakshmi, Trapa, Kama, Rut, Rava, Yogini und Vadhu. Ganz am Schluss […] verbunden mit Kopfabschluss, von den Göttern Verehrte.

Anmerkung: Fragment: Schlussglied vor Kopfabschluss unlesbar.

Die untere Umrahmung und ihre Anrufungen

Vers 431
athādharākhyaṃ kalaya sampuṭaṃ pūrṇatākaram‌ |
praṇavaḥ pāśamedhau ca māyā lakṣmīḥ smaro vadhūḥ ||431||

Vernimm nun die untere Umrahmung, die Vollständigkeit herstellt: Pranava, Pasha und Medha, Maya, Lakshmi, Smara und Vadhu …

Vers 432
yoginī rāvaḍākinyastretābhogāyamekhalāḥ |
indrasaṅkhyāni caitāni bījāni purataḥ priye ||432||

… Yogini, Rava, Dakini, Treta, Bhoga, Aya und Mekhala. Diese Bijas in der Indra-Zahl stehen zuerst, Geliebte.

Anmerkung: Worttrennung Treta/Bhoga/Aya/Mekhala vorläufig. Indra-Zahl als Quellchiffre bewahrt, nicht ohne gesicherte Entschlüsselung numerisch ersetzt.

Vers 433
tato bhagavati procya mahābhogācca bhāsure |
bhīmaśabdānu vikarālini kāli […] ca ||433||

Dann spreche man „Bhagavati“, „Erhabene“, verbinde „Mahabhoga“ mit „Bhasure“, „durch großen Bhoga Glänzende“, und „Bhima“ mit „Vikaralini“, „furchtbar Rachenaufreißende“. „Kali“ und […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussglied beschädigt. Bhoga mehrdeutig: Genuss, Fülle, Schlangenwindung; hier nicht auf eine gesicherte Bildbedeutung festgelegt.

Vers 434
uktvā kāpālini punarguhyakāli prakīrtayet‌ |
ghorarāve samābhāṣya vikaṭadaṃṣṭre tathaiva ca ||434||

Nach „Kapalini“, „Schädelträgerin“, nenne man „Guhyakali“. Dann „Ghorarave“, „mit furchtbarem Ruf“, und „Vikatadamshtre“, „mit gewaltigen Fangzähnen“ …

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge434.

Vers 435
sammohinī śoṣiṇī ca sambodhanatayā tataḥ |
karālavadane ceti madanonmādinīti ca ||435||

… Sammohini, „Verwirrerin“, und Shoshini, „Austrocknende“, jeweils als Anrede; „Karalavadane“, „mit aufgerissenem Rachen“, und „Madanonmadini“, „durch Begehren in Rausch Versetzende“ …

Vers 436
jvālāmālini saṃlikhya śivāsana itīrayet‌ |
imaṃ balimiti sthāpya prayacchāmi sakṛdvadet‌ ||436||

Man schreibe „Jvalamalini“, „Flammengirlanden-Trägerin“, und spreche „Shivasana“, „Shiva als Sitz“. Nach „diese Bali-Gabe“ sage man einmal „bringe ich dar“ …

Anmerkung: Formelglied imaṃ baliṃ prayacchāmi; Shivāsana in der Quelle ohne sicher lesbare Anredeendung, nicht ergänzt.

Vers 427 (Folgeposition 437)
gṛhāṇa […] khādayugaṃ mama siddhimataḥ param‌ |
kuruyugaṃ samuddhṛtya mama śatrūnathoccaret‌ ||427||

„Nimm an […]! Iss, iss! Bewirke, bewirke meine Siddhi!“ Dann spreche man „meine Feinde“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangabe nach gṛhāṇa unlesbar. Quellziffer 427 an Folgeposition437 bewahrt.

Vers 438
nāśaya kledaya tathā māraya glāpayetyapi |
stambhayoccāṭaya hana vidhvaṃsaya mathāpi ca ||438||

„Vernichte, durchnässe/zersetze, töte, entkräfte; lähme, vertreibe, erschlage, zerstöre, zerreibe …“

Anmerkung: Fortlaufende Verben der historischen Feindformel; ihre Wiederholung wird441 angeordnet. Nummer im OCR beschädigt, Folge438.

Vers 429 (Folgeposition 439)
vidrāvaya paca chindhi śoṣaya trāsaya […] |
mohayonmūlaya tathā bhasmīkuru tataḥ param‌ ||429||

„Vertreibe, koche, zerschneide, trockne aus, erschrecke, […], verwirre, entwurzle und mache zu Asche …“

Anmerkung: Fragment: Glied nach trāsaya beschädigt. Quellziffer 429 an Folgeposition439 bewahrt.

Vers 440
jambhaya sphoṭaya tathā bhakṣa viśrāmayeti ca |
hara vikṣobhaya turu dama madaya pātaya ||440||

„Lähme, sprenge, verzehre, bringe zur Ruhe; nimm hinweg, erschüttere, turu [Lautwort], zähme, berausche, bringe zu Fall!“

Anmerkung: Turu ohne sichere lexikalische Bedeutung; die ungewöhnliche Lesung viśrāmaya nicht zu einer aggressiveren Form korrigiert.

Vers 441
aṣṭāviṃśatikasyāsya yugaṃ yugamitīrayet‌ |
tata uccārayedetat sarvabhūtavaśaṅkari ||441||

Jedes dieser achtundzwanzig Glieder spreche man zweimal. Danach diese Anrede: „Sarvabhutavashankari“, „die alle Wesen unter ihre Macht bringt“ …

Anmerkung: Kontrollzahl28; fehlendes Glied439 nicht durch Zählen ergänzt.

Vers 442
tataḥ sarvajanetyuktvā manohāriṇi coddharet‌ |
sarvaśatrukṣayaṃ procya kariśabdaṃ vinirdiśet‌ ||442||

Dann verbinde man „alle Menschen“ mit „Manoharini“, „die aller Menschen Herz bezaubert“. Nach „Vernichtung aller Feinde“ füge man „Kari“ an: „die sämtliche Feinde vernichtet“ …

Vers 443
[…] prajvalayugaṃ brahmarūpiṇi cetyapi |
kāli kāpāli saṅkīrtya mahākāpāli kīrtayet‌ ||443||

[…], zweimal „prajvala“, „lodere auf“, und „Brahmarupini“, „deren Gestalt Brahman ist“. Man spreche „Kali, Kapali“ und „Mahakapali“, „Kali, Schädelträgerin, große Schädelträgerin“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied unlesbar; nicht aus der ähnlichen früheren Folge jvala ergänzt.

Vers 444
cāmarādidvayaṃ […] hāriṇī tathā |
rājyaṃ me samanuddhṛtya dehiyugmamatho vadet‌ ||444||

Das mit Chamara beginnende Paar, […], und Harini. Dann „rajyam me dehi dehi“, „gib, gib mir Königsherrschaft!“ …

Anmerkung: Fragment: Name zwischen Paar und Harini beschädigt.

Vers 445
kiliyugmācca cāmuṇḍā yamaghaṇṭe hiliyugāt‌ |
mama sarvābhīṣṭapadaṃ tato vai sādhayadvayam‌ ||445||

Nach zweimal „kili“ Chamunda und „Yamaghante“, „Glocke Yamas“; nach zweimal „hili“ die Worte „all mein Erwünschtes“, dann zweimal „verwirkliche“ …

Anmerkung: Kili/hili Lautwörter; Formelglied mama sarvābhīṣṭaṃ sādhaya sādhaya.

Vers 446
saṃhāriṇi padaṃ dattvā sammohini padaṃ vadet‌ |
kurukulleti sambodhya tataḥ kiriyugaṃ paṭhet‌ ||446||

Nach „Samharini“, „Auflöserin“, spreche man „Sammohini“, „Verwirrerin“. Nach der Anrede „Kurukulle“ rezitiere man zweimal „kiri“ …

Anmerkung: Kurukulla als Name der Quelle, keine Gleichsetzung mit einer anders überlieferten vollständigen Formel.

Abschluss des unteren Amnaya

Vers 447
kūrcayugmāstrayugmaṃ ca śiro'nto manurīritaḥ |
adhastāt sampuṭamidaṃ matenāveṣṭaya tān manūn‌ ||447||

… zweimal Kurcha, zweimal Astra und Kopfabschluss: So ist der Mantra angegeben. Mit dieser unteren Umrahmung umschließe man nach der Lehre die genannten Mantras …

Vers 448
pādayorvinyaseddevi adhaāmnāyagocarān‌ |
ityayaṃ kathito devi kramanyāso mahāphalaḥ ||448||

… des unteren Amnaya und setze sie an den Füßen ein, Göttin. Damit ist der Krama-Nyasa erklärt, dem großer Erfolg zugeschrieben wird, Göttin.

Die sechs Überlieferungsströme im Rückblick

Vers 449
ṣaḍāmnāyasthadevīnāmekatraiva vyavasthitiḥ |
tāsāṃ manūnāmapi ca sahāvasthānamekataḥ ||449||

Die Göttinnen der sechs Amnayas sind darin an einem Ort angeordnet; ebenso befinden sich ihre Mantras dort gemeinsam.

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge449.

Vers 450
ata evāyamadhiko nyāsebhyo'nyebhya uttamaḥ |
kapālaḍāmaramṛte saṃhitāṃ cāntarā mama ||450||

Eben deshalb übertrifft er die anderen Nyasas und ist der höchste. Außer im Kapaladamara und in meiner Samhita …

Anmerkung: Traditionelle Vorrang- und Überlieferungsbehauptung; Fortsetzung451.

Vers 451
nānyatraiṣa prasiddho'bhūt satyaṃ satyaṃ sureśvari |
[…] mahāgopye sarvādyā tripurāriṇā ||451||

… ist er nirgendwo bekannt geworden, wahrlich, wahrlich, Herrin der Götter. Im höchst geheimen […] wurde vom Feind Tripuras als allererste …

Anmerkung: Fragment: Bezeichnung vor mahāgopye beschädigt; nach 452 ist die östliche Gruppe gemeint, aber fehlendes Sanskrit nicht ergänzt.

Vers 452
uktā caṇḍeśvarī śeṣe hayagrīveśvarī tathā |
evaṃ ca dakṣiṇāmnāye mātaṅgyādyā prakīrtitā ||452||

… Chandeshvari genannt und als letzte Hayagriveshvari. Ebenso wird im südlichen Amnaya Matangi als erste genannt …

Vers 453
vāgvādinī ca carame madhye cānyāścaturdaśa |
tathaiva paścimāmnāye kubjikā prathamā smṛtā ||453||

… und Vagvadini als letzte; dazwischen die übrigen vierzehn. Im westlichen Amnaya gilt entsprechend Kubjika als erste …

Vers 454
carcikā sarvaśeṣe tu mahāghoratarākṛtiḥ |
uttarābhidha āmnāye guhyakālī matādimā ||454||

… und Charchika mit ihrer überaus schrecklichen Gestalt als allerletzte. Im nördlich genannten Amnaya gilt Guhyakali als erste …

Vers 455
kālasaṅkarṣiṇī sarvaśeṣasthā parikīrtitā |
ūrdhvāmnāyādibhūtā vai jñeyā tripurasundarī ||455||

… und Kalasamkarshini wird als letzte genannt. Als erste des oberen Amnaya ist Tripurasundari zu erkennen …

Vers 456
mokṣalakṣmīḥ sarvaśeṣe ityetasya vinirṇayaḥ |
adhaāmnāyādibhūtā bhīmādevī bhayaṅkarā ||456||

… und Mokshalakshmi steht ganz am Schluss: So ist es festgelegt. Am Anfang des unteren Amnaya steht die furchterregende Bhimadevi …

Vers 457
śeṣe mahāḍākinī ca kathitā tava sundari |
āmnāyānāṃ ca ṣaṇṇāṃ vai samāsādādipaścime ||457||

… und zuletzt Mahadakini, wie ich dir erklärt habe, Schöne. Damit sind zusammenfassend die erste und letzte …

Anmerkung: Fortsetzung458.

Vers 458
devyāvukte'tha sarveṣāṃ madhye jñeyāścaturdaśa |
tāsāmāvirbhāvamadhye yaḥ kramaḥ parikīrtitaḥ ||458||

… Göttin jedes der sechs Amnayas genannt. Dazwischen sind jeweils vierzehn zu verstehen. Die Abfolge, die für ihr Hervorgehen beschrieben wurde …

Parallelen der großen Mantras und Abschluss des Krama-Nyasa

Vers 456 (Folgeposition 459)
sa hi kramaḥ kramanyāsarūpatvena sthitaḥ priye |
mantre kāmakalākālyā ayutākṣaranāmani ||456||

… ist eben jene Abfolge, die im Krama-Nyasa Gestalt annimmt, Geliebte. Im Mantra der Kamakalakali, der „Zehntausendsilber“ heißt …

Anmerkung: Quellziffer 456 an Folgeposition459 bewahrt.

Vers 460
mṛtyuñjayaprāṇanāmnā vikhyātitvamupeyuṣi |
guhyakālyāstathā bījamālāmayyabhidhāvati ||460||

… und unter dem Namen Mrityunjayaprana bekannt geworden ist, ebenso in Guhyakalis Mantra namens Bijamalamayi …

Anmerkung: Die zwei Überlieferungen werden ausdrücklich getrennt benannt; nicht zu einer Fassung verschmolzen.

Vers 461
prāyaśo'mī amuścāpi mantrā devyo vyavasthitāḥ |
kapālaḍāmare tvasya viśeṣāstripurāriṇā ||461||

… sind diese Mantras und Göttinnen größtenteils enthalten. Im Kapaladamara aber wurden die Einzelheiten vom Feind Tripuras …

Anmerkung: Fortsetzung462.

Vers 462
vivicya kathitā devi sādhakānāṃ hitepsayā |
granthabāhulyabhayato na viśiṣya mayeritā ||462||

… gesondert erklärt, Göttin, im Wunsch, den Übenden zu helfen. Aus Sorge, das Werk zu umfangreich werden zu lassen, habe ich sie nicht einzeln ausführlich dargelegt …

Anmerkung: Die Kürzung wird von der Quelle selbst erklärt, nicht von der Übersetzung vorgenommen.

Vers 463
uktaḥ sūkṣmatayā kintu kramanyāsaprasaṅgataḥ |
virāḍdhyānakramanyāsāvubhau tulyau matau mama ||463||

… sondern nur knapp im Zusammenhang mit dem Krama-Nyasa. Die Virat-Meditation und den Krama-Nyasa halte ich für gleichwertig.

Vers 464
[…] viśvarūpatvaṃ tatra tu pratipāditam‌ |
atra sarvāmnāyasaṃsthāḥ samantrā devya īritāḥ ||464||

Dort wird […] die Allgestaltigkeit dargelegt; hier werden die Göttinnen sämtlicher Amnayas samt ihren Mantras genannt.

Anmerkung: Fragment: Bezugswort am Anfang unlesbar; Gegensatz der beiden Darstellungen hinreichend klar.

Vers 465
naimittikatvaṃ kāmyatvamatha nityatvameva ca |
puraivaitasya kathitaṃ tava tridaśavandite ||465||

Die anlassgebundene, wunschbezogene und regelmäßige Anwendung habe ich dir bereits zuvor erklärt, von den Göttern Verehrte.

Vers 466
kiṃ […] deveśi satyapūrvaṃ vadāmyaham‌ |
kramanyāsasamo nyāso na bhūto na bhaviṣyati ||466||

Was […] Herrin der Götter? Ich sage wahrhaftig: Ein Nyasa, der dem Krama-Nyasa gleicht, hat weder bestanden noch wird er bestehen.

Anmerkung: Fragment: Teil der rhetorischen Einleitung beschädigt; Vorrangbehauptung vollständig lesbar.

Vers 467
yadīcchasi parāṃ siddhiṃ sarva[…] ca pārvati |
bhaktiṃ bhuktiṃ tathā muktiṃ kramanyāsaṃ tadā kuru ||467||

Wenn du höchste Siddhi und alle […] wünschst, Parvati, Hingabe, Genuss und Befreiung, dann vollziehe den Krama-Nyasa.

Anmerkung: Fragment: Wort nach sarva beschädigt; keine fehlende Erfolgsart geraten. Bhakti, Bhukti und Mukti vollständig lesbar.

Dhatu-Nyasa: die Bedeutungen von Dhatu

Vers 468
dhātunyāsamidānīṃ tvaṃ samākalaya tattvataḥ |
nānābhidhāyī śabdo'yaṃ kathyate śāstravedibhiḥ ||468||

Vernimm nun den Dhatu-Nyasa seinem Wesen nach. Die Kenner der Lehrschriften sagen, dass das Wort „Dhatu“ viele Bedeutungen besitzt.

Vers 466 (Folgeposition 469)
tvagasṛṅmāṃsamedo'sthimajjāśukrāṇi dhātavaḥ |
dhātuśabdena kathyante vātapittakaphāstrayaḥ ||466||

Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Zeugungsstoff heißen Dhatus. Auch die drei Vata, Pitta und Kapha werden mit dem Wort „Dhatu“ bezeichnet.

Anmerkung: Quellziffer 466 an Folgeposition469 bewahrt. Die Quelle führt Haut in ihrer Liste; nicht nach einer heutigen Ayurveda-Standardliste korrigiert.

Vers 470
dhātavaḥ pañca bhūtāni tanmātrāḥ dhātavastathā |
dhātavo gairikādīni dhātavaścendriyāṇi hi ||470||

Die fünf Elemente heißen Dhatus, ebenso die feinstofflichen Sinnesqualitäten, die Tanmatras. Auch Mineralien wie roter Ocker und die Sinnesvermögen werden Dhatus genannt.

Vers 471
śabdānāmādibhūtāni kathyante dhātavastathā |
svabhāvo dhāturuditaḥ śarīrāṅgāni dhātavaḥ ||471||

Ebenso heißen die Grundformen der Wörter Dhatus, also Wortwurzeln. Auch die eigene Natur wird Dhatu genannt und die Glieder des Körpers heißen Dhatus.

Vers 472
dhātavaḥ svarṇarūpyādi malamūtrāṇi dhātavaḥ |
evaṃ sthite hi śabdārthe nānāvastvabhidhāyini ||472||

Gold, Silber und andere Metalle heißen Dhatus, ebenso Kot und Urin. Da das Wort auf diese Weise verschiedene Dinge bezeichnen kann …

Anmerkung: Überlieferte Bedeutungsreihe; keine heutige naturwissenschaftliche Klassifikation.

Die Göttin als Mantragestalt

Vers 473
tanvaṅgānyatra gṛhyante netarāṇi varānane |
karmamīmāṃsakaśreṣṭhā jaiminyādyāḥ […] ||473||

… sind hier die Körperglieder gemeint, nicht die anderen Bedeutungen, Schönangesichtige. Die führenden Vertreter der Karma-Mimamsa, Jaimini und die anderen, […] …

Anmerkung: Fragment: letztes Wort beschädigt; Satzfortsetzung474.

Vers 474
devatāṃ vigrahavatīṃ naivāṅgīkurvate hi te |
kintu tāṃ tāṃ mantramayīṃ manyante jñānaśālinaḥ ||474||

Sie erkennen eine Gottheit mit körperlicher Gestalt nicht an. Vielmehr betrachten diese Wissenden die jeweilige Gottheit als aus Mantra bestehend.

Anmerkung: Darstellung der Mimamsa innerhalb der tantrischen Quelle; keine pauschale Gleichsetzung sämtlicher historischer Mimamsa-Lehren.

Vers 475
ye ca śrutipurāṇādau śrūyante'strāṃśubāhavaḥ |
prapañcatvena tatproktaṃ na tu satyatayā tathā ||475||

Die Waffen, Strahlen und Arme, von denen man in Shruti, Puranas und anderen Schriften hört, sind als entfaltete Darstellung beschrieben, nicht in dieser Weise als wörtliche Wirklichkeit.

Anmerkung: Prapañca hier bildhafte Entfaltung; Quelle argumentiert für die Mantragestalt, nicht für die Nichtexistenz der Göttin.

Vers 476
devyāstu mantrarūpāyā nānyānyaṅgāni varṣma vā |
[…] śāstrajñaireṣa nyāso'bhidhīyate ||476||

Die Göttin, deren Gestalt Mantra ist, hat keine anderen Glieder oder einen davon verschiedenen Körper. […] wird dieser Nyasa von den Schriftkundigen erklärt.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Hälfte beschädigt.

Vers 477
bījātmakasya mantrasya bījānyeva hi kevalam‌ |
aṅgatvenoditānīti tānīdānīṃ śṛṇu priye ||477||

Bei dem aus Bijas bestehenden Mantra werden allein die Bijas als seine Glieder bezeichnet. Höre sie nun, Geliebte.

Ritualfaktoren und Formelbau des Dhatu-Nyasa

Vers 478
dhātunyāsasya hi ṛṣirdṛptabālākirucyate |
supratiṣṭhā tathā chando devatā guhyakālikā ||478||

Als Rishi des Dhatu-Nyasa wird Driptabalaki genannt, als Metrum Supratishtha und als Gottheit Guhyakalika.

Anmerkung: Rishi-Name im OCR leicht beschädigt, Dṛptabālāki vorläufige Lesung; keine sichere Gleichsetzung mit einem anderen Namensvetter behauptet.

Vers 476 (Folgeposition 479)
bījaṃ sārasvataṃ bījaṃ pāśaḥ śaktirnigadyate |
kalā kīlakamuddiṣṭaṃ tattvaṃ tāramudīyate ||476||

Das Sarasvata-Bija ist das Bija, Pasha wird als Shakti bezeichnet. Kala ist das Kilaka, Tara wird als Tattva genannt.

Anmerkung: Quellziffer 476 an Folgeposition479 bewahrt; wiederholtes Wort bīja im Sanskrit nicht entfernt.

Vers 480
nistraiguṇyena kaivalyapadalābhe niyogatā |
atha sāmānyamuddhāraṃ bodhayāmi bhavādṛśīm‌ ||480||

Seine Anwendung dient dazu, jenseits der drei Gunas den Zustand des Kaivalya zu erlangen. Nun erkläre ich dir den allgemeinen Aufbau.

Vers 481
tato viśeṣaṃ vakṣyāmi yena vyakto bhaviṣyati |
bījairavayavākāraceṣṭāveśādikalpanā ||481||

Danach werde ich die Einzelheiten erklären, damit er deutlich wird. Mit Bijas werden die Glieder, Gestalt, Bewegungen, Erscheinung und weitere Merkmale vergegenwärtigt.

Anmerkung: Nummer481 im OCR erst nach dem Text von490 ausgegeben; nach Versfolge dieser Zweizeiler481 zugeordnet, Verschiebung ausdrücklich vermerkt.

Vers 482
nānyā tanurmantramayī martyavadgātrasaṃsthitiḥ |
ādau tu sapta bījāni kūṭasthāni varānane ||482||

Es gibt keinen anderen Körper: Er besteht aus Mantra, doch seine Glieder sind wie bei einem Menschen angeordnet. Zunächst stehen sieben unveränderliche Bijas, Schönangesichtige …

Vers 483
tato'nu saṅkhyāsamūho vidheyaḥ sūkṣmayā dhiyā |
sabhūpakṣaguṇābdhīṣurasanandāvadhiḥ sadā ||483||

… danach ist mit feinem Verständnis eine Folge von Zahlen einzusetzen. Sie reicht von den Chiffren Sa, Erde, Paar, Gunas, Meere, Pfeile und Geschmäcker bis zu Nanda.

Anmerkung: Die erste Zahlchiffre sa und genaue Folge sind unsicher; keine vollständige Zahlenreihe oder Ziffernfolge rekonstruiert.

Vers 484
sa nityavigrahī jñeyo'kṣarākṣaracayairimāḥ |
eta evāntarasthāyi […] ucyate ||484||

Diese [Folge] ist als mit bleibender Gestalt versehen zu verstehen […]. Genau diese, im Inneren befindlich, […] wird genannt.

Anmerkung: Fragment: grammatische Verbindungen und mehrere Wörter beschädigt; keine vollständige Zahlen-/Lautanweisung erschlossen.

Vers 485
saptavarṇātmakaḥ śabdo ṅasantastadanantaram‌ |
pūrvavacca parijñeyā caturvarṇī punaḥ priye ||485||

Danach folgt ein siebensilbiges Wort im Genitiv. Ebenso wie zuvor ist anschließend ein viersilbiges Glied zu verstehen, Geliebte …

Anmerkung: Ṅas bezeichnet die Genitivendung; Einzelwörter erst491–492 genannt.

Vers 486
anvetasyāṅgasaṃsthānaṃ tacca ṅe'ntamudīritam‌ |
tato'nu tattadbījāni samuccāraṇavarti hi ||486||

… danach die Bezeichnung der jeweiligen Körperstelle im Dativ. Anschließend sind die entsprechenden Bijas tatsächlich auszusprechen.

Vers 487
etat pūrvaṃ calaṃ jñeyaṃ tatpūrvau niścalau tathā |
uccāritasya bījasya nāma bījapadasya ca ||487||

Das zuvor genannte Glied ist als veränderlich zu verstehen, die beiden davorstehenden als unveränderlich. Der Name des ausgesprochenen Bijas wird mit dem Wort „Bija“ …

Anmerkung: Fortsetzung488; die knappe Rückverweisung wird nicht durch ungesicherte Formelrekonstruktion aufgelöst.

Vers 488
vigraho ṅe'ntayuk pūrvaṃ calaṃ śeṣaṃ sthiraṃ matam‌ |
sapta bījāni hṛcchīrṣaṃ manuścaikadaśa priye ||488||

… im Dativ verbunden; das vorangehende Glied wechselt, das übrige gilt als unveränderlich. Sieben Bijas, Herz- und Kopfabschluss: elf [Silben] des Mantras, Geliebte …

Anmerkung: Zählangabe11 wird bewahrt; keine fehlenden Silben eingesetzt. Fortsetzung489.

Vers 489
varṇāḥ kālavyāpinaste samāso'yamudīritaḥ |
atha vistāramākhyāsye tatraivāvahitā bhava ||489||

Diese Laute durchdringen die Zeit. Damit ist der Aufbau kurz erklärt. Nun werde ich ihn ausführlich darlegen; sei darauf aufmerksam.

Vers 460 (Folgeposition 490)
ādyastāraḥ samuddiṣṭo […] |
rāvayorantarasthāni […] tatpare ||460||

Als erstes ist Tara angegeben; […]. Zwischen zwei Rava-[Bijas] befinden sich […] die darauf folgenden …

Anmerkung: Fragment: mehrere Glieder beschädigt; Zahl der eingeschlossenen Bijas nicht aus der Siebenerzahl geraten. Quellziffer 460 an Folgeposition490 bewahrt.

Vers 461 (Folgeposition 491)
mandākṣayoginīkūrcanārīsañjñāni tāni ca |
tato mantramayārṇān vigrahāpadamucyate ||461||

… die Bijas namens Mandaksha, Yogini, Kurcha und Nari. Dann verbinde man „mantramaya“, „aus Mantra bestehend“, mit dem Wort „vigraha“, „Gestalt“ …

Anmerkung: Quellziffer 461 an Folgeposition491 bewahrt; Mandaksha als eine Chiffre, nicht ohne Anlass Manda/Aksha aufgespalten.

Vers 492
guhyakālī tato jñeyā vibhaktiḥ pūrvamīritā |
athāṅgānyavadhehi tvaṃ krameṇa tridaśārcite ||492||

… danach Guhyakali; der Kasus wurde zuvor angegeben. Beachte nun die Körperglieder der Reihe nach, von den Göttern Verehrte.

Anmerkung: Die Formelfolge bezeichnet die aus Mantra bestehende Guhyakali im Genitiv; keine fehlenden Bijas ergänzt.

Körperglieder von den Füßen bis zum Rumpf

Vers 493
ādau dakṣiṇapādāṅgulyagraṃ sampratipāditam‌ |
[…] vāmapadāṅgulyagraṃ dakṣaprapadastataḥ ||493||

Zuerst sind die Spitzen der rechten Zehen genannt, […] die Spitzen der linken Zehen, danach der rechte Vorderfuß …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort am Beginn der zweiten Hälfte unlesbar; Körperstellen vollständig erkennbar.

Vers 464 (Folgeposition 494)
etasyānu parijñeyo vāmaprapada eva hi |
dakṣapādāṅgulīmūlaṃ vāmapādāṅgulerapi ||464||

… danach der linke Vorderfuß; die Wurzeln der rechten Zehen und ebenso die der linken Zehen …

Anmerkung: Quellziffer 464 an Folgeposition494 bewahrt.

Vers 465 (Folgeposition 495)
dakṣagulpho vāmagulpho dakṣapārṣṇistathetaraḥ |
dakṣapādo vāmapādo dakṣajaṅghā tathetarā ||465||

… rechter und linker Knöchel, rechte und linke Ferse, rechter und linker Fuß, rechter und linker Unterschenkel …

Anmerkung: Quellziffer 465 an Folgeposition495 bewahrt.

Vers 496
dakṣajānu tathā vāmajānu dakṣorureva ca |
aṣṭādaśatamo jñeyo vāmorurdakṣavaṅkṣaṇaḥ ||496||

… rechtes und linkes Knie, rechter Oberschenkel; als achtzehntes der linke Oberschenkel. Dann die rechte Leiste …

Anmerkung: Quellzählmarke18 bewahrt.

Vers 497
vāmavaṅkṣaṇavastī ca nābhirdakṣakaṭastathā |
tato vāmakaṭaḥ śroṇī guhyaṃ nitambameva ca ||497||

… linke Leiste, Unterleib, Nabel und rechte Hüfte; dann linke Hüfte, Becken, Genitalbereich und Gesäß …

Anmerkung: Kata/śroṇi/nitamba überschneiden sich anatomisch; keine künstlich eindeutige moderne Differenzierung.

Vers 468 (Folgeposition 498)
jaghanaṃ tatparaṃ dakṣakakundaramudīryate |
vāmaṃ kakundaraṃ dakṣasphig vāmasphig ataḥ param‌ ||468||

… danach Schamgegend, rechte und linke Kakundara-Stelle, rechte und linke Gesäßhälfte …

Anmerkung: Quellziffer 468 an Folgeposition498 bewahrt. Kakundara als benannte Körperstelle im Beckenbereich, genaue anatomische Lokalisierung nicht rekonstruiert.

Vers 499
saubhagaṃ jaṭharaṃ cāpi hṛdayaṃ tadanantaram‌ |
dakṣapārśvaṃ vāmapārśvaṃ parśukā tatparā matā ||499||

… Saubhaga, Bauch und danach Herz, rechte und linke Körperseite sowie die Rippen …

Anmerkung: Saubhaga als seltene Körperbezeichnung belassen; nicht als gesicherte moderne Organbezeichnung übersetzt.

Vers 500
dakṣastato vāmakuco dakṣacūcukameva ca |
vāmaṃ cūcukamasyānu kroḍaṃ vakṣo'pi tatparam‌ ||500||

… rechte und linke Brust, rechte Brustwarze und danach linke Brustwarze; Schoß beziehungsweise Brusthöhlung und anschließend Brustkorb …

Anmerkung: Kroḍa mehrdeutige Körperregion; im Kontext nicht als Schweinegestalt gelesen.

Arme, Kopf und Sinnesorgane

Vers 501
dakṣāṃsamatha vāmāṃsaṃ dakṣakakṣastathetaraḥ |
dakṣavāmau kūrparau dvau pragaṇḍau tādṛśau tataḥ ||501||

… rechte und linke Schulter, rechte und linke Achsel, rechter und linker Ellenbogen; danach die beiden Oberarme, ebenfalls rechts und links …

Vers 502
prakoṣṭhau punarīdṛkṣau maṇibandhau tathedṛśau |
dakṣahastāṅgulīmūlaṃ vāmahastāṅgulerapi ||502||

… ebenso die beiden Unterarme und die beiden Handgelenke, die Fingerwurzeln der rechten Hand und die der linken Hand …

Vers 503
aṅgulyagraṃ dakṣavāmakarayostadanantaram‌ |
dakṣahasto vāmahasto dakṣabāhustathetaraḥ ||503||

… danach die Fingerspitzen der rechten und linken Hand, rechte und linke Hand, rechter und linker Arm …

Vers 574 (Folgeposition 504)
dakṣaṃ jatru tathā vāmaṃ kaṇṭho grīvā tataḥ param‌ |
ghrāṭā pṛṣṭhaṃ kaśeruśca dakṣā hanurathetarā ||574||

… rechtes und linkes Schlüsselbein, Kehle und Nacken, Ghrata [Körperstelle unsicher], Rücken und Wirbelsäule, rechte und linke Kieferseite …

Anmerkung: Fragment: Wort ghāṭā/ghrāṭā unklar, keine bestimmte Körperstelle erfunden. Quellziffer 574 an Folgeposition504 bewahrt.

Vers 505
cibukaṃ cauṣṭhamadharamūrdhvadantāstataḥ param‌ |
adhodantā dakṣasṛkkaṃ vāmasṛkkaṃ tathaiva ca ||505||

… Kinn, Oberlippe und Unterlippe, obere und untere Zähne, rechter und linker Mundwinkel …

Vers 506
dakṣagaṇḍo vāmagaṇḍaḥ kapolo dakṣiṇastataḥ |
vāmaḥ kapolastāluḥ syājjihvā ca tadanantaram‌ ||506||

… rechte und linke Wange, rechte und linke Wangenseite, Gaumen und danach Zunge …

Anmerkung: Gaṇḍa und kapola beide genannt; die Überschneidung nicht durch Auslassung bereinigt.

Vers 507
dakṣanetraṃ vāmanetraṃ dakṣapakṣma […] |
dakṣavāmāvathāpāṅgau nāsikā dakṣatārakā ||507||

… rechtes und linkes Auge, rechte Wimpern, […], rechter und linker äußerer Augenwinkel, Nase und rechte Pupille …

Anmerkung: Fragment: nach rechten Wimpern beschädigte Stelle; linke Wimpern wahrscheinlich, aber nicht als sicherer Wortlaut ergänzt.

Vers 508
tārakā ca tathā vāmā dṛṣṭiśca tadanantaram‌ |
dakṣakarṇo vāmakarṇo dakṣabhrūrapyathetarā ||508||

… linke Pupille und danach Blick, rechtes und linkes Ohr, rechte und linke Augenbraue …

Vers 509
kūrco lalāṭaṃ tadanu tato bhramarakaṃ matam‌ |
keśapāśo mukhanakhaṃ romāṇi tadanantaram‌ ||509||

… Kurcha, Stirn, dann Bhramaraka; Haarflechte, Gesicht und Nägel, danach Körperhaare …

Anmerkung: Kurcha und Bhramaraka sind hier Körperstellen; genaue Lokalisierung unsicher. Mukhanakha in Gesicht/Nägel getrennt, vorläufig.

Körperbestandteile, Schmuck und Zustände

Vers 510
kūrparaścāpi kaṅkālaḥ karoṭistadanantaram‌ |
tvagraktamāṃsamedo'sthīni majjāśukrameva ca ||510||

… Ellenbogen, Skelett und Schädel, Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Zeugungsstoff …

Anmerkung: Kūrpara wiederholt den Ellenbogen aus 501; nicht stillschweigend zu einem anderen Organ geändert.

Vers 511
vapā manyā śirā caiva mastiṣkaṃ cāntrameva ca |
gulmaḥ snāyuryakṛccāpi vāk svabhāvastathaiva ca ||511||

… Bauchfell beziehungsweise Netz, Halsader, Gefäße, Gehirn und Eingeweide, Gulma, Sehnen, Leber, Rede und eigene Natur …

Anmerkung: Gulma bleibt als anatomisch unklare Bezeichnung stehen; nicht ohne Beleg einem bestimmten Organ zugeordnet. Śirā/sirā-Schreibung der Quelle bewahrt.

Vers 513 (Folgeposition 512)
śarīragaticeṣṭāśca muṣṭirañjalireva ca |
capeṭaveśo mukuṭaṃ cūḍāmaṇirataḥ param‌ ||513||

… Körperbewegungen und Gebärden, Faust und zusammengelegte Hände, Handflächen beziehungsweise Schläge mit der Hand, Erscheinung, Krone und danach Scheiteljuwel …

Anmerkung: Quelle zeigt513 vor 512; interneKennung512 bezeichnet nur die Reihenfolge, display_verse513 bewahrt. Capeṭa kann Handfläche oder Schlag damit bedeuten; beide Möglichkeiten genannt.

Vers 512 (Folgeposition 513)
dakṣakuṇḍalamasyānu vāmakuṇḍalameva ca |
hāraśca valayaścāpi keyūraṃ kaṅkaṇaṃ tathā ||512||

… rechter und linker Ohrring, Halskette, Armreif, Oberarmschmuck und Handgelenkreif …

Anmerkung: Quelle zeigt512 nach 513; interneKennung513 bezeichnet nur die Reihenfolge, display_verse512 bewahrt. Keine stillschweigende Umnummerierung.

Vers 514
mudrikā mekhalā haṃso nūpuraṃ tadanantaram‌ |
kṣaumaṃ ca tilakaṃ cāpi sindūraṃ kajjalaṃ tathā ||514||

… Ring, Gürtel, Hamsa und danach Fußschelle, Leinengewand, Stirnzeichen, Sindura und Augenschminke …

Anmerkung: Hamsa als Bezeichnung innerhalb der Schmuckliste unklar; nicht zu Halskette oder Schwanenfigur umgedeutet.

Vers 515
hāsyaṃ tandrā ca śayanaṃ nidrā jāgaraṇaṃ tataḥ |
kṣudhālasye tathā krodhaḥ prasādo'pi tataḥ param‌ ||515||

… Lachen, Schläfrigkeit, Liegen, Schlaf und Wachsein, Hunger und Trägheit, Zorn und danach freundliche Klarheit …

Anmerkung: Prasāda im Gegensatz zu krodha als gnädige/heitere Stimmung verstanden.

Vers 516
[…] parijñeyaḥ sarvavigraha eva […] |
ityeṣā tanumaryādā ṣaṣṭirekaśatādhikā ||516||

[…] ist als der ganze Körper zu verstehen […]. Damit beträgt dieser Umfang der Körperglieder einhundertsechzig …

Anmerkung: Fragment: Anfang und Ende der ersten Hälfte beschädigt. Zählangabe160 vollständig lesbar, Liste nicht künstlich ergänzt.

Vers 517
śāstravidbhiḥ parijñeyā bhagavatyā manuṣyavat‌ |
atha krameṇa bījāni vyāharāmi varānane ||517||

… die Schriftkundigen sollen ihn bei der Göttin entsprechend einem Menschen verstehen. Nun nenne ich die Bijas der Reihe nach, Schönangesichtige.

Anmerkung: Fortsetzung516.

Die Bijas der einzelnen Körperglieder

Vers 518
ḍākinī kekarākṣī ca bhrāmarī tadanantaram‌ |
pracaṇḍācaṇḍaviśvāśca tato'ṅkuśa udīryate ||518||

Dakini, Kekarakshi und danach Bhramari, Prachanda, Chanda und Vishva; dann wird Ankusha genannt …

Vers 519
punargāruḍatāṭaṅkī līlāmandau tataḥ param‌ |
sammohaḥ kamalā kāmaḥ samādhirapi tatparaḥ ||519||

… Garuda und Tatanki, danach Lila und Manda, Sammoha, Kamala, Kama und anschließend Samadhi …

Vers 520
prāsādaḥ patanaṃ cāpi saṃhāraḥ preta eva ca |
kuliko dasraśaktī ca vedī cāpi jarā tataḥ ||520||

… Prasada, Patana, Samhara und Preta, Kulika, Dasra und Shakti sowie Vedi und Jara …

Vers 521
baliḥ pṛthuranantaśca khecarī ca kramastataḥ |
nṛsiṃha ādeśa itaśchaṭā phairavameva ca ||521||

… Bali, Prithu, Ananta und Khechari, dann Krama, Nrisimha, Adesha, Chhata und Phairava …

Anmerkung: Phairava nach sichtbarer Schreibung; nicht stillschweigend Bhairava.

Vers 522
kumārī tadanu jñeyā muktā cāpi mahā priye |
mandārasindhukakudaḥ śaiśukaḥ kākinī tathā ||522||

… danach Kumari, Mukta und Maha, Geliebte; Mandara, Sindhu, Kakuda, Shaishuka und Kakini …

Anmerkung: Bija-Namen. Maha als separates Listenglied vor priye vorläufig gelesen.

Vers 523
nemiraṃśuśca śuklaśca tatheṣṭivratasānavaḥ |
akṣo jambhaḥ ṣaḍaṅgaṃ ca mekhalā kuṇḍameva ca ||523||

… Nemi, Amshu, Shukla, Ishti, Vrata und Sanu, Aksha, Jambha, Shadanga, Mekhala und Kunda …

Vers 524
kāpālamatha gokarṇo garbho dīpa itaḥ param‌ |
bhogasṛṣṭī tato jñeye aupahvara itaḥ param‌ ||524||

… Kapala, dann Gokarna, Garbha und Dipa, Bhoga und Srishti, danach Aupahvara …

Vers 525
nāndikaṃ cāpi phetkārī tretā duṣkṛtameva ca |
padmaṃ dhanyamathollopyaṃ karālī kṛtyayānvitā ||525||

… Nandika, Phetkari, Treta und Dushkrita, Padma, Dhanya, dann Ullopya, Karali und Kritya …

Vers 526
kuśikaśca vyayaścāpi nakṣatraṃ vidyudeva ca |
nārācaśūlasurasāḥ samarastadanantaram‌ ||526||

… Kushika, Vyaya, Nakshatra und Vidyut, Naracha, Shula und Surasa, danach Samara …

Anmerkung: Vyaya gemäß sichtbarem Text, nicht Avyaya wie in einer anderen Liste.

Vers 527
mahākrodhakṣetrapālāvardhacandraḥ kṣuraprayuk‌ |
rāgaḥ sārasa[…] māriṣastadanu smṛtaḥ ||527||

… Mahakrodha, Kshetrapala, Ardhachandra und Kshurapra, Raga, Sarasa […], danach Marisha …

Anmerkung: Fragment: Glied beziehungsweise Verbindung nach Sarasa beschädigt. Versnummer im OCR unlesbar, Folge527.

Vers 528
nālīkaśca bhuśuṇḍī ca nandā cāpi jaṭā tathā |
tandrā ca kuṭilā cāpi gadā prāsaśca rañjinī ||528||

… Nalika, Bhushundi, Nanda und Jata, Tandra, Kutila, Gada, Prasa und Ranjini …

Vers 529
ghaṭīkālīhayagrīvaprāṇameghāśca carpaṭaḥ |
maṇimālāveśasomacāmuṇḍā api tatpare ||529||

… Ghati, Kali, Hayagriva, Prana, Megha und Charpata, danach Manimala, Vesha, Soma und Chamunda …

Vers 530
kūṣmāṇḍī hāriṇī cāpi tathaivotkocinī tataḥ |
buddhiḥ kṣamā ca vijayā sambhṛtistadanu smṛtā ||530||

… Kushmandi, Harini und danach Utkochini, Buddhi, Kshama, Vijaya und anschließend Sambhriti …

Vers 521 (Folgeposition 531)
pratānaṃ ca vidik […] viratirmālayā […] |
nīlanāgasamūhāśca dākṣikaḥ saumato'pi ca ||521||

… Pratana, Vidik, […], Virati mit Mala […], Nila, Naga und Samuha, Dakshika und Saumata …

Anmerkung: Fragment: zwei Namen beziehungsweise Verbindungen beschädigt. Quellziffer 521 an Folgeposition531 bewahrt.

Weitere Bijas und Abschluss des Dhatu-Nyasa

Vers 532
nādāntakaścāmaraṃ ca bhāruṇḍā tantrameva ca |
vyajanaṃ vidhṛtiścāpi saṃsṛṣṭiśca vikośayuk‌ ||532||

Nadantaka, Chamara, Bharunda und Tantra, Vyajana, Vidhriti sowie Samsrishti zusammen mit Vikosha …

Anmerkung: Fortsetzung der Bija-Liste.

Vers 533
tato rasapuṭo jñeyo bhavet sannyāsa ityapi |
māraṇḍaśca vinādaśca maunaṃ cūlikayānvitam‌ ||533||

… dann Rasaputa und Samnyasa, Maranda und Vinada, Mauna zusammen mit Chulika …

Vers 534
vimardaśekharau cāpi tato visvaritaṃ matam‌ |
vyuttaraṃ ca virūpaṃ syādaparāntaṃ ca jaimanam‌ ||534||

… Vimarda und Shekhara, danach Visvarita, Vyuttara, Virupa, Aparanta und Jaimana …

Vers 535
saṃvyānaṃ ca vivatsaśca sambhāraḥ prakarī tathā |
bindukaścāpi saṃyogo viyogaśca vijṛmbhayuk‌ ||535||

… Samvyana, Vivatsa, Sambhara und Prakari, Binduka, Samyoga und Viyoga zusammen mit Vijrimbha …

Vers 536
uttānaṣaṭcakrabīje sarvāgama itaḥ param‌ |
āmnāyātītamasyānu tatastattvārṇavo mataḥ ||536||

… die Bijas Uttana und Shatchakra, danach Sarvagama, anschließend Amnayatita und Tattvarnava …

Vers 537
śaktisarvasvamatha ca parāpara ito'pyanu |
asyānu śāmbhavaṃ jñeyaṃ cicchaktistadanantaram‌ ||537||

… Shaktisarvasva und danach Parapara, anschließend Shambhava und Chitshakti …

Vers 538
tato brahmakapālākhyaṃ mahābījaṃ varānane |
mahākalpasthāyibījaṃ sarvaśeṣe prakīrtitam‌ ||538||

… dann das große Bija namens Brahmakapala, Schönangesichtige. Ganz zuletzt wird das Mahakalpasthayi-Bija genannt.

Vers 539
yāvanti hi pratīkāni tāvantyetānyapi priye |
jñātavyaṃ sarvamantrasya tattadaṅgamiti dhruvam‌ ||539||

So viele Körperglieder es gibt, so viele sind auch diese Bijas, Geliebte. Jedes ist als das entsprechende Glied des ganzen Mantras zu erkennen.

Anmerkung: Zahlentsprechung der Quelle; beschädigte Listenglieder nicht ergänzt.

Vers 540
tārarāvatrapā uktvā yoginīkūrcakāminīḥ |
śākinī hārdamantraśca śiromantrastataḥ param‌ ||540||

Man spreche Tara, Rava, Trapa, Yogini, Kurcha, Kamini und Shakini, dann Herzmantra und Kopfmantra.

Anmerkung: Vollständig lesbare Schlussgruppe des Dhatu-Nyasa, Chiffren nicht in Silben aufgelöst.

Vers 541
iti nyā[vyā?]sena kathito dhātunyāso mayā tava |
gṛhasthānāṃ yatīnāṃ ca kaulācāravatāmapi ||541||

So habe ich dir den Dhatu-Nyasa [ausführlich?] erklärt. Für Hausleute, Entsagende und Anhänger des Kaula-Weges …

Anmerkung: Quelle markiert nyāsena/vyāsena unsicher; deutscher Sinn „ausführlich“ entsprechend der Herausgeberfrage kenntlich.

Vers 542
trayāṇāmeṣa vai nityastripuraghnena varṇitaḥ |
yataḥ śarīraṃ sarveṣāmāvaśyakatayā matam‌ ||542||

… für alle drei hat der Zerstörer Tripuras ihn als regelmäßige Pflicht beschrieben, weil der Körper für sie alle als notwendig gilt.

Vers 543
tadayaṃ vigrahākāro nyāse'sminnabhidhīyate |
enaṃ nyāsamakṛtvā tu pūjā vai niṣphalā bhavet‌ ||543||

Diese Körpergestalt wird in diesem Nyasa dargelegt. Ohne diesen Nyasa auszuführen, bleibt die Puja nach dieser Lehre ohne Frucht.

Anmerkung: Historische rituelle Geltungsbehauptung.

Vers 544
mantra eva vijānīyādasya nyāsasya bhūmikāḥ |
sṛṣṭyādayo ye bhāsāntā nyāsāḥ pañca puroditāḥ ||544||

Die Stellen dieses Nyasa erkenne man bereits im Mantra selbst. Die fünf zuvor gelehrten Nyasas von Srishti bis Bhasa …

Anmerkung: Fortsetzung545.

Tattva-Nyasa: Erkenntnis und Voraussetzungen

Vers 545
taiḥ pañcabhiḥ samo jñeyo dhātunyāso varānane |
tattvanyāsamidānīṃ tvaṃ samākalaya sādarā ||545||

… ihnen allen fünf ist der Dhatu-Nyasa gleichwertig, Schönangesichtige. Vernimm nun aufmerksam den Tattva-Nyasa.

Vers 546
aparigrahiṇāmeṣa nityatvena prakāśyate |
kāmyatvena gṛhasthānāṃ kaulānāmapyudīryate ||546||

Für Besitzlose wird er als regelmäßige Pflicht gelehrt; für Hausleute und Kaulas dagegen als wunschbezogener Vollzug …

Anmerkung: Aparigrahin: Menschen ohne Besitz beziehungsweise ohne Besitzergreifen, hier asketischer Kontext.

Vers 547
naimittikatvena vāpi kadācid gṛhikaulayoḥ |
asya garga ṛṣiḥ prokto gāyatrīcchanda iṣyate ||547||

… oder zuweilen als anlassgebundener Vollzug für Hausleute und Kaulas. Als sein Rishi wird Garga genannt, als Metrum gilt Gayatri.

Vers 548
vaded vyaṣṭisamaṣṭyarṇād rūpiṇīti sureśvari |
guhyakālī devatā ca praṇavo bījamucyate ||548||

Man verbinde „Einzelgestalt und Gesamtheit“ mit „Rupini“: Guhyakali, deren Gestalt beides ist, ist die Gottheit, Herrin der Götter. Pranava wird als Bija genannt.

Anmerkung: Vyaṣṭi/samaṣṭi: Einzelnes/Gesamtheit; Name der Gottheit gemäß Wortanweisung erläutert.

Vers 549
rāvaḥ śaktiḥ kīlakaṃ tu sārasvatamudīryate |
viniyogaḥ samuddiṣṭastattvajñāne jape tathā ||549||

Rava ist die Shakti; Sarasvata wird als Kilaka bezeichnet. Die Anwendung ist für Tattva-Erkenntnis und Japa bestimmt.

Der allgemeine Aufbau des Tattva-Nyasa

Vers 550
atha prākkṛtamuddhāraṃ prathamaṃ […] pārvati |
viśeṣaṃ śroṣyasi tato bhaviṣyati tataḥ sphuṭaḥ ||550||

Zuerst […] den vorbereitenden Aufbau, Parvati. Danach wirst du die Einzelheiten hören; dadurch wird er deutlich werden.

Anmerkung: Fragment: Verb der ersten Hälfte unlesbar; prākkṛta als vorläufige Lesung der sichtbaren Form.

Vers 551
sapta bījāni purataḥ samastānāmapi priye |
mantrāṇāṃ tāni ca śive kūṭasthānyakhileṣvapi ||551||

Sieben Bijas stehen allen Mantras voran, Geliebte. Sie bleiben in sämtlichen Mantras unverändert, Segensreiche.

Vers 552
tato nāmāni bhinnāni ṣaṭtriṃśatsaṅkhyakāni hi |
taistattvaśabdasya sadā vigraho ṅivibhaktikaḥ ||552||

Danach folgen sechsunddreißig verschiedene Namen. Sie werden jeweils mit dem Wort „Tattva“ verbunden, und zwar im Lokativ.

Anmerkung: Ṅi bezeichnet den Lokativ; nicht als Dativ wie in anderen Nyasas ausgegeben.

Vers 553
asthirāṇi tu pūrvāṇi sthiraṃ śeṣagataṃ padam‌ |
sandhihīnā sthirā'śeṣakarmāṇīti ṣaḍakṣarī ||553||

Die vorderen Namen wechseln, das nachfolgende Wort bleibt gleich. Danach steht ohne Sandhi-Verbindung unveränderlich die sechssilbige Folge „asheshakarmani“, „sämtliche Handlungen“ …

Anmerkung: Aśeṣakarmāṇi vollständig lesbar.

Vers 554
punaḥ saṃśamayāmīti tathaivāpanayāmi ca |
pūrvavat susthirā jñeyā sandhiyuktā navākṣarī ||554||

… ferner „samshamayami“, „ich bringe zur Ruhe“, und „apanayami“, „ich entferne“. Diese neunsilbige, mit Sandhi verbundene Folge bleibt ebenso unverändert …

Anmerkung: Formelglieder saṃśamayāmi / apanayāmi; keine andere Verbform eingesetzt.

Vers 555
bhavabandhaṃ ceti tataḥ sthirohyā caturakṣarī |
hitvā tattvārṇamevaṃ syurūnaviṃśatisammitāḥ ||555||

… danach die unveränderliche viersilbige Folge „bhavabandham“, „die Bindung an das Werden“. Ohne das Tattva-Glied ergeben sich so neunzehn Silben.

Anmerkung: Die Zählung19 ist Textangabe; Satzsinn553–555: Handlungen zur Ruhe bringen und Bindung entfernen.

Vers 556
tato'nu pañca bījāni bhinnāni pratimanvapi |
guhyakāli prasīdeti sthirā saptākṣarī tataḥ ||556||

Dann folgen in jedem Mantra fünf jeweils andere Bijas. Danach die unveränderliche siebensilbige Bitte „Guhyakali prasida“, „Guhyakali, sei gnädig!“

Anmerkung: Guhyakāli prasīda zuverlässig vollständig.

Vers 557
ekaṃ kūṭaṃ tato bhinnaṃ bhinnaṃ jñeyaṃ manau manau |
astramantraḥ śiromantraḥ sarvaśeṣe tathoditaḥ ||557||

Danach ein Kuta, der von Mantra zu Mantra wechselt. Ganz am Ende sind Astra-Mantra und Kopfmantra vorgesehen.

Vers 558
iti sāmānya uddhāra uditastava pārvati |
viśeṣamadhunā vacmi tattvanyāsasamāśrayam‌ ||558||

So ist dir der allgemeine Aufbau erklärt, Parvati. Jetzt nenne ich die Einzelheiten des Tattva-Nyasa.

Feste Bijas und sechsunddreißig Prinzipien

Vers 559
praṇavo medhamāye ca yoginī śākinī vadhūḥ |
[…] cetīmāni bījāni saptāśeṣe sthirāṇi hi ||559||

Pranava, Medha, Maya, Yogini, Shakini, Vadhu und […]: Diese sieben Bijas bleiben überall unverändert.

Anmerkung: Fragment: siebtes Bija unlesbar; nicht aus anderen Siebenergruppen ergänzt.

Vers 560
athākalaya nāma tvaṃ bhinnaṃ tattvapadādigam‌ |
pṛthivyāpastatastejo vāyurākāśameva ca ||560||

Vernimm nun die wechselnden Namen, die dem Wort „Tattva“ vorangehen: Erde, Wasser, dann Feuer, Wind und Raum …

Vers 561
gandho rasaśca cakṣu[rūpa]śca sparśaḥ śabdastathaiva ca |
ātmā tato'nu jīvātmā paramātmā tataḥ param‌ ||561||

… Geruch, Geschmack, Auge [Herausgeberlesung: sichtbare Form], Berührung und Klang; danach Atman, Jivatman und Paramatman …

Anmerkung: Quelle hat cakṣus und ergänzt rūpa in Klammern. Nicht stillschweigend durch die standardisierte Tanmatra-Liste ersetzt.

Vers 562
sattā'vidyānivṛttiśca prakṛtirmahadeva ca |
ahaṅkārastataḥ pañcatanmātraṃ samudāhṛtam‌ ||562||

… Sein, Unwissenheit, Zurücknahme, Prakriti und Mahat, danach Ahamkara und die fünf Tanmatras …

Anmerkung: Sattā/avidyā/nivṛtti als vorläufige Gliederung; Zahl36 nicht durch erzwungene Kompositumtrennung hergestellt.

Vers 563
bhāvābhāvaprapañcau dvāvadvaitaṃ vāsanā tathā |
prajñā pramāṇamiti ca paramārtha itaḥ param‌ ||563||

… die beiden Entfaltungen des Seins und Nichtseins, Nichtzweiheit und latente Neigung, Einsicht und Erkenntnismittel, danach höchste Wirklichkeit …

Anmerkung: Bhāva/abhāva mit prapañca als zwei Glieder; keine externe philosophische Liste über die Quelle gelegt.

Vers 564
ābhāsapratibimbau ca sūkṣmaṃ kaivalyameva ca |
caitanyaṃ ca prabodhaśca tathaivāśaya eva ca ||564||

… Erscheinung und Spiegelbild, das Feine und Kaivalya, Bewusstsein, Erwachen und ebenso Ashaya, der innere Grund der Anlagen …

Vers 565
ānandaśca tato brahmamayaḥ sarvāntimo mataḥ |
evaṃ śabdāḥ parijñeyāḥ ṣaṭtriṃśatsaṅkhyakā ime ||565||

… Glückseligkeit und danach als allerletztes „aus Brahman bestehend“. Diese Wörter sind als sechsunddreißig an der Zahl zu verstehen.

Anmerkung: Kontrollzahl36; unklare Gruppierung562 nicht durch Ergänzungen ausgeglichen.

Die wechselnden Bija-Fünfergruppen

Vers 166 (Folgeposition 566)
vibhinnarūpāmadhunā pañcabījāvalīṃ […] |
smaro ramā ca prāsādo ḍākinī pralayo'pi ca ||166||

Nun […] die jeweils verschiedenen Fünfergruppen von Bijas: Smara, Rama, Prasada, Dakini und Pralaya …

Anmerkung: Fragment: Verb im ersten Halbvers unlesbar. Quellziffer 166 an Folgeposition566 bewahrt.

Vers 567
pāśaścaṇḍaśca viśvaśca sudhāsomau […] ca |
kalā dasraśca śaktiśca nakṣatraṃ vidyudeva ca ||567||

… Pasha, Chanda und Vishva, Sudha und Soma […]; Kala, Dasra, Shakti, Nakshatra und Vidyut …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort nach Soma beschädigt; keine zusätzliche Bija zur Zahlenerfüllung.

Vers 565 (Folgeposition 568)
khecarīpretabhairavyaḥ kālādityau tataḥ param‌ |
bhāruṇḍādidvayaṃ kākinyādiyugmaṃ mahāruṣā ||565||

… Khechari, Preta und Bhairavi, danach Kala und Aditya; das mit Bharunda beginnende Paar, das mit Kakini beginnende Paar und Maharush …

Anmerkung: Quellziffer 565 an Folgeposition568 bewahrt.

Vers 569
kulikaḥ saṃhitā cañcurḍākinīvidhayastataḥ |
bhrāmarī ca pracaṇḍā ca kekarākṣī tataḥ param‌ ||569||

… Kulika, Samhita, Chanchu, Dakini und Vidhi, danach Bhramari, Prachanda und Kekarakshi …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge569.

Vers 570
mahārātriḥ kālarātrirāsyayug bījavarjitā |
tṛvṛtakāpālagokarṇasurabhīrauravāṇi ca ||570||

… Maharatri und Kalaratri, verbunden mit „Gesicht“, ohne Bija; dann Trivrita, Kapala, Gokarna, Surabhi und Raurava …

Anmerkung: Die Anweisung āsyayug bījavarjitā ist knapp und möglicherweise beschädigt; keine ausgeschriebenen Anredeformen geraten. Trivrita aus sichtbarem tṛvṛta vorläufig gelesen.

Vers 571
tretādyanāhatāntaṃ ca viparītakrameṇa hi |
mandasammohapatanayugāntāḥ saṃhṛtistataḥ ||571||

… die Reihe von Treta bis Anahata in umgekehrter Reihenfolge; Manda, Sammoha, Patana, Yuganta und danach Samhriti …

Anmerkung: Verkürzte Gruppenangabe nicht durch vermutete Zwischenglieder ergänzt.

Vers 572
mandārasindhū ca tato mahendrakaruṇeśvarāḥ |
kalpo muktā mahā caiva kramaśca narasiṃhayuk‌ ||572||

… Mandara und Sindhu, dann Mahendra und Karuneshvara; Kalpa, Mukta, Maha und Krama zusammen mit Narasimha …

Anmerkung: Mahendra/Karuneshvara als vorläufige Gliederung des Kompositums.

Vers 573
jambhaḥ ṣaḍaṅgakakudau saṅghātaḥ saha śaṃśukaḥ |
veṇuḥ sānurathākṣaśca mauñjīsūtre tathaiva ca ||573||

… Jambha, Shadanga und Kakuda, Samghata zusammen mit Shamshuka, Venu, Sanu, dann Aksha sowie Maunji und Sutra …

Anmerkung: Shamshuka nach sichtbarer Schreibung, nicht an Shaishuka522 angeglichen. Versnummer im OCR beschädigt, Folge573.

Vers 574
tāṭaṅkalīle dhenuśca kṣobhaṇo māriṣastathā |
āyaśca mekhalā kuṇḍaṃ garbho dīpastataḥ param‌ ||574||

… Tatanka und Lila, Dhenu, Kshobhana und Marisha; Aya, Mekhala, Kunda, Garbha und danach Dipa …

Anmerkung: Aya Hauptlesung, Fußnote Adya.

Vers 575
vīravetālabhauvāni […] puṭakameva ca |
gāyatrī kaṇikā śṛṅkhalaupahvarakanāndikam‌ ||575||

… Vira, Vetala und Bhauva, […], Putaka, Gayatri, Kanika, Shrinkhala, Aupahvaraka und Nandika …

Anmerkung: Fragment: ein Name unlesbar; Bhauva nach sichtbarer Form, unsicher.

Vers 576
vijayā cāpi sambhūtiścaturasrādi ca trayam‌ |
sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ padmaṃ kuśiko vyaya eva ca ||576||

… Vijaya, Sambhuti, die mit Chaturasra beginnende Dreiergruppe, Sukrita, Dushkrita, Padma, Kushika und Vyaya …

Vers 577
saṃhāryādidvayaṃ procya cāmarāditrayaṃ paṭhet‌ |
kalā mānī ca surasaḥ samaro rāgasārasau ||577||

Nach dem mit Samhari beginnenden Paar rezitiere man die mit Chamara beginnende Dreiergruppe; Kala, Mani, Surasa, Samara, Raga und Sarasa …

Anmerkung: Samhari/Mani nach sichtbarer Wortform, keine sichere Silbenbedeutung behauptet.

Vers 578
aupadeyaśca māraṇḍo vinādāditrayaṃ tataḥ |
bhadrikā ca tathā tandrā kuṭilā rañjinī ghaṭī ||578||

… Aupadeya, Maranda und danach die mit Vinada beginnende Dreiergruppe; Bhadrika, Tandra, Kutila, Ranjini und Ghati …

Vers 579
mauliṅgaśca virūpaścāparāntāditrayaṃ tataḥ |
sauraṅgaścarpaṭādīni catvāri tadanantaram‌ ||579||

… Maulinga, Virupa und danach die mit Aparanta beginnende Dreiergruppe; Sauranga und anschließend die mit Charpata beginnende Vierergruppe …

Anmerkung: Seltene Namen Maulinga und Sauranga nach sichtbarem Text, vorläufig.

Vers 580
viraso dākṣikaḥ saumatapratāne vidik tathā |
vicitraṃ dhanyamullopyaṃ vismṛtiḥ pāṇigītikā ||580||

… Virasa, Dakshika, Saumata und Pratana, Vidik, Vichitra, Dhanya, Ullopya, Vismriti und Panigitika …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge580.

Vers 581
[…] yogatantrādicatuṣṭayamataḥ param‌ |
vikarālī ca maunaṃ ca cūlikāditrayaṃ tataḥ ||581||

… […], danach die mit Yogatantra beginnende Vierergruppe; Vikarali, Mauna und dann die mit Chulika beginnende Dreiergruppe …

Anmerkung: Fragment: erster Name unlesbar.

Vers 582
vijñeyaṃ tadanu prājñaiḥ kalāvatyādipañcakam‌ |
dhvāno vivatsasambhāvau saṃyogaśca viyogayuk‌ ||582||

… danach sollen die Kundigen die mit Kalavati beginnende Fünfergruppe erkennen; Dhvana, Vivatsa und Sambhava, Samyoga zusammen mit Viyoga …

Vers 583
virādhaśca turīyā ca grāvāditritayaṃ […] |
kaulavidyā tattvahīnaṃ śaktividyādisaptakam‌ ||583||

… Viradha, Turiya, die mit Grava beginnende Dreiergruppe […]; Kaulavidya ohne „Tattva“ und die mit Shaktividya beginnende Siebenergruppe …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Dreiergruppe unlesbar; tattvahīna als Weglassungsanweisung verstanden, nicht als Urteil über den Wahrheitsgehalt der Kaula-Lehre.

Vers 584
bhagamālinyataḥ śaktisarvasvaṃ ca parāparam‌ |
tato'nu vajrakavacaṃ kapālaṃ brahmaśabdataḥ ||584||

… Bhagamalini, danach Shaktisarvasva und Parapara, anschließend Vajrakavacha und Kapala nach dem Wort „Brahma“, also Brahmakapala …

Vers 484 (Folgeposition 585)
śāmbhavaṃ vedavatyādyaṃ cicchaktirjagadāvṛttiḥ |
mahākalpasthāyibījaṃ sarvaśeṣe nigadyate ||484||

… Shambhava, das mit Vedavati beginnende Glied, Chitshakti und Jagadavritti. Ganz zuletzt wird das Mahakalpasthayi-Bija genannt.

Anmerkung: Quellziffer 484 an Folgeposition585 bewahrt; Vedavati-Gruppe ohne sichere Anzahl nicht erweitert.

Sechsunddreißig Kutas und Körperstellen

Vers 586
atha krameṇa kūṭāni sāvadhānā niśāmaya |
bhāsāsaṃhārāvanākhyaṃ kūṭaṃ tadanu pārvati ||586||

Höre nun aufmerksam die Kutas der Reihe nach: Bhasa und Samhara, danach Anakhya-Kuta, Parvati …

Vers 587
sattvaṃ rajastamaḥkūṭaṃ puṣkarādidvayaṃ tataḥ |
guhyakaṃ candrakūṭaṃ ca […] parā kalā ||587||

… Sattva, Rajas- und Tamas-Kuta, danach das mit Pushkara beginnende Paar; Guhyaka, Chandra-Kuta, […], Para und Kala …

Anmerkung: Fragment: Glied vor Para beschädigt; Trennung Para/Kala vorläufig.

Vers 588
udayāstābhidhau kūṭau caṇḍacakrau tataḥ param‌ |
maṇiratne tathā kūṭe manthānaḥ setureva ca ||588||

… die Kutas namens Udaya und Asta, danach Chanda und Chakra, die Kutas Mani und Ratna, Manthana und Setu …

Vers 589
samayo varṇamantrau ca kailāso merureva ca |
vairāgyaiśvaryanirvāṇamahānirvāṇameva ca ||589||

… Samaya, Varna und Mantra, Kailasa und Meru, Vairagya, Aishvarya, Nirvana und Mahanirvana …

Vers 560 (Folgeposition 590)
avidyā ca vipākaśca vāsanādvaitameva ca |
jīvātmaparamātmānāvānandamaya eva ca ||560||

… Avidya, Vipaka, Vasana und Advaita, Jivatman, Paramatman und Anandamaya.

Anmerkung: Quellziffer 560 an Folgeposition590 bewahrt.

Vers 561 (Folgeposition 591)
iti ṣaṭtriṃśatsaṅkhyāni kūṭāni kathitāni te |
nyasanīyasthānamato niśāmaya sureśvari ||561||

So habe ich dir die sechsunddreißig Kutas genannt. Höre nun die Stellen, an denen sie einzusetzen sind, Herrin der Götter.

Anmerkung: Quellziffer 561 an Folgeposition591 bewahrt; Kontrollzahl36 ohne Ergänzung.

Vers 592
gulphau jaṅghe tathā jānū tata ūrū ca vaṅkṣaṇau |
guhyaṃ vastiśca nābhiśca jaṭharaṃ pārśvayoryugam‌ ||592||

Knöchel, Unterschenkel und Knie, dann Oberschenkel und Leisten; Genitalbereich, Unterleib, Nabel, Bauch und beide Körperseiten …

Vers 563 (Folgeposition 593)
hṛdayaṃ ca tathā skandhau jatruṇī ca śirā tathā |
hanū kapolau sṛkkaṇī ca tata oṣṭho'dharo'pi ca ||563||

… Herz, Schultern und Schlüsselbeine, Shira [Körperstelle unsicher], Kiefer, Wangen, Mundwinkel, dann Ober- und Unterlippe …

Anmerkung: Fragment: śirā könnte „Gefäß“ heißen oder beschädigte andere Körperbezeichnung sein; nicht stillschweigend „Kopf“ ergänzt. Quellziffer 563 an Folgeposition593 bewahrt.

Vers 594
ūrdhvadantā adhodantā gaṇḍau nāsāpuṭe tathā |
netre karṇau bhruvau cāpi maṇibandhau sakūrcakau ||594||

… obere und untere Zähne, Wangen, Nasenöffnungen, Augen, Ohren, Augenbrauen und Handgelenke samt Kurchaka …

Anmerkung: Kurchaka als anatomische Bezeichnung unaufgelöst; keine präzise Lage erfunden.

Vers 595
bhālaḥ śiraḥ śikhā caiva doḥpadorvyāpakāni […] |
sarvaśarīragaṃ śeṣe vyāpakaṃ parikīrtitam‌ ||595||

… Stirn, Kopf und Haarspitze sowie das Durchdringen von Armen und Füßen […]. Am Ende wird das Durchdringen des ganzen Körpers genannt.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort am Ende der ersten Hälfte beschädigt, Körperanweisung ansonsten lesbar.

Vers 596
uktastattvanyāsa itthaṃ prapañcatvena bṛṃhitaḥ |
pañcamaṃ pañcakaṃ cāpi gatametana pārvati ||596||

So ist der Tattva-Nyasa in ausführlicher Entfaltung erklärt. Damit ist auch die fünfte Fünfergruppe abgeschlossen, Parvati.

Vers 597
naimittikatvaṃ kāmyatvamatha nityatvameva ca |
vivicya tu viśeṣeṇa pūrvaṃ pratipāditam‌ ||597||

Seine anlassgebundene, wunschbezogene und regelmäßige Anwendung wurde zuvor im Einzelnen unterschieden und erklärt.

Laghu-Shodha: der kleine sechsfache Nyasa

Vers 598
idānīṃ […] laghu mahānyāsaṃ niśāmaya |
kaṭhinoddhāramatulaṃ sarvāghaughavināśanam‌ ||598||

Vernimm nun […] den kleinen großen Nyasa, unvergleichlich, schwierig zu erschließen und alle Ansammlungen von Schuld vernichtend.

Anmerkung: Fragment: Name beziehungsweise Verbindung vor laghu beschädigt; Abschnittsüberschrift nennt Laghu-Shodha-Nyasa. Nicht stillschweigend aus Überschrift in Vers ergänzt.

Vers 599
aṅgī mukhyo nyāsa ekaḥ ṣaḍaṅgānyasya pārvati |
ato hi ṣoḍhābhidhayā khyāto nyāso mahodayaḥ ||599||

Ein Nyasa ist der Hauptträger, und er besitzt sechs Glieder, Parvati. Deshalb ist dieser Nyasa mit großer Wirkung unter dem Namen „Shodha“, „sechsfach“, bekannt.

Anmerkung: Ṣoḍhā bedeutet sechsfach, nicht śodhana „Reinigung“.

Vers 600
nāsāviṣṭo mumukṣūṇāṃ bhogaihikaphalapradaḥ |
[…] gṛhiṇā nityaṃ kaulācāravatāpi ca ||600||

Er ist nicht für Befreiung Suchende vorgesehen, denn er gewährt Genuss und diesseitige Früchte. […] vom Hausvater regelmäßig und ebenso vom Anhänger des Kaula-Weges …

Anmerkung: Fragment: erstes Wort der zweiten Hälfte beschädigt; Fortsetzung601.

Ritualpartnerin und Ausführungsbedingungen

Vers 601
enaṃ kurvan svavāmorau śaktiṃ saṃsthāpya yatnataḥ |
kurvīta ṣoḍhāṃ tenaiva siddhiḥ syānnānyathā bhavet‌ ||601||

Wer ihn ausführt, soll die Shakti sorgfältig auf seinen linken Oberschenkel setzen und so den Shodha-Nyasa vollziehen. Nur dadurch entstehe Siddhi, nicht auf andere Weise.

Anmerkung: Shakti bezeichnet hier eine menschliche Ritualpartnerin; keine bloß mentale Meditation daraus gemacht.

Vers 602
svakīyā parakīyā vā śaktirāvaśyakī priye |
striyā apyevameva syādityācāro vyavasthitaḥ ||602||

Eine Shakti ist erforderlich, Geliebte, sei sie die eigene oder eine andere Partnerin. Auch für eine Frau soll es entsprechend gelten: So ist die Praxis festgelegt.

Anmerkung: Svakiya/parakiya bezeichnet die eigene beziehungsweise eine einem anderen zugehörige Partnerin; historische Partnerschaftsordnung, nicht heutige Empfehlung.

Vers 603
ata eva hi bhikṣūṇāṃ nādhikāro'tra vartate |
te īhamānā api vai patanti vanitāṃ śive ||603||

Eben deshalb sind Bettelasketen hierzu nicht berechtigt. Bemühen sie sich dennoch darum, fallen sie […] durch die Frau, Segensreiche.

Anmerkung: Fragment: grammatische Beziehung vanitām/patanti beschädigt; Ausschluss der Asketen vollständig lesbar, genaues Verbobjekt nicht geglättet.

Vers 604
pūjākāle […] phalārthinaḥ |
te'pi śaktiṃ puraḥkṛtvā kariṣyanti na saṃśayaḥ ||604||

Bei der Puja […] diejenigen, die nach Früchten verlangen: Auch sie werden dies nur unter Voranstellung einer Shakti vollziehen, daran besteht kein Zweifel.

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte stark beschädigt; keine konkrete Personengruppe ergänzt.

Vers 605
tatasteṣāṃ phalaṃ bhāvi nānyathā vai kadācana |
uddhāraṃ kalayedānīmetasya suravandite ||605||

Dann wird ihnen die Frucht zuteil, sonst niemals. Vernimm nun seinen Aufbau, von den Göttern Verehrte.

Vers 606
prāṇāyāmaṃ vidhāyādau dhyānaṃ pūrvoditaṃ tataḥ |
ṣoḍhānyāsaṃ prakurvīta sarvakāmārthasiddhaye ||606||

Nachdem man zuerst Pranayama und danach die zuvor erklärte Meditation ausgeführt hat, vollziehe man den Shodha-Nyasa zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele.

Anmerkung: Überlieferte Ritualabfolge, keine heutige Pranayama-Anleitung.

Vers 607
ādye nyāsadvaye devi sarvatraiva navākṣarī |
vijñātavyā pratimanu kālavyāpitayā priye ||607||

In den ersten beiden Nyasas ist überall in jedem Mantra die neunsilbige Formel als die Zeit durchdringend zu verstehen, Göttin, Geliebte.

Anmerkung: Navākṣarī aus beschädigtem navāṅkurī im Mantra-Kontext gelesen; keine neun fehlenden Laute ergänzt.

Vers 608
raktacarmāmbare sthitvā vāmāṅkanyastaśaktikaḥ |
dvīpicarmanṛmuṇḍe vā ṣoḍhānyāsaṃ samācaret‌ ||608||

Auf rotem Fell beziehungsweise Gewand sitzend, mit der Shakti auf dem linken Schoß, vollziehe man den Shodha-Nyasa, oder auf Pantherfell beziehungsweise einem menschlichen Schädel.

Anmerkung: Die Gruppierung der Sitzmaterialien im Sanskrit ist knapp; Deutung als alternative Unterlagen vorläufig. Rituelle Gegenstände unverändert benannt.

Vers 609
sādhakaḥ siddhimāpnoti dvitīya iva bhairavaḥ |
kālīkulakrame ṣoḍhānyāsāt sākṣācchivo bhavet‌ ||609||

Der Übende erlangt Siddhi wie ein zweiter Bhairava. Im Kali-Kula-Krama werde er durch den Shodha-Nyasa unmittelbar Shiva.

Anmerkung: Traditionelle Identitäts- und Wirkungsverheißung, nicht als empirisches Ergebnis behauptet.

Panchakrama-Shodha: Gruppen und Ritualfaktoren

Vers 610
sā nāsti siddhiryā na syāt trailokye sacarācare |
ugramātṛkramaḥ kālīkulaṃ pīṭhaśca yoginī ||610||

Es gibt in den drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen keine Siddhi, die dadurch nicht erlangt würde. Ugramatrikrama, Kalikula, Pitha und Yogini …

Anmerkung: Vorrangbehauptung der Quelle. Ugramatri aus leicht beschädigtem Anfang der zweiten Hälfte nach klarer Folge616 gelesen.

Vers 611
[…] mantrarūpaṃ ca ṣoḍhānyāso laghustvayam‌ |
pañcakramākhyo nyāso'yaṃ sarvāgamasugopitaḥ ||611||

… […] und Mantrarupa bilden diesen kleinen Shodha-Nyasa. Dieser Nyasa heißt Panchakrama und wird in sämtlichen Agamas wohl gehütet.

Anmerkung: Fragment: erstes Listenglied unlesbar; nicht zur Sechserzahl aufgefüllt. Panchakrama als abweichende Bezeichnung innerhalb des sechsfachen Nyasa bewahrt.

Vers 612
ṣaṇṇāmamīṣāṃ nyāsānāmṛṣyādistu pṛthak pṛthak‌ |
svamatyā nyasanīyo'yaṃ kaṭhināmākṛtiṃ vahan‌ ||612||

Für diese sechs Nyasas sind Rishi und weitere Faktoren jeweils verschieden. Dieser Nyasa mit seiner schwierigen Form ist nach eigenem Verständnis einzusetzen.

Anmerkung: Svamatyā wörtlich nach eigener Einsicht; nicht als Erlaubnis zum beliebigen Erfinden von Lauten ausgelegt.

Vers 613
guhyakālīpañcakramaṣoḍhānyāsasya pārvati |
sadāśiva ṛṣiḥ prokto bṛhatīcchanda iṣyate ||613||

Für Guhyakalis Panchakrama-Shodha-Nyasa, Parvati, wird Sadashiva als Rishi genannt; als Metrum gilt Brihati.

Vers 614
śivaśaktisamarasapadānnirvāṇakārikā |
śrīguhyakālī devatā kaurajaṃ bījamucyate ||614||

Aus den Worten „Gleichklang Shivas und Shaktis“ und „Nirvana Bewirkende“ ergibt sich die Gottheitsbezeichnung: die ehrwürdige Guhyakali, die durch diese Einheit Nirvana bewirkt. Kauraja wird als Bija genannt.

Anmerkung: Anfang leicht beschädigt; śivaśakti aus sichtbarer Form gelesen. Kauraja nach Quelle, nicht an Koraja anderer Stellen angeglichen.

Vers 615
māyāśaktirḍākinī ca kīlakaṃ paripaṭhyate |
phetkārītattvamuditaṃ sarvasiddhipadādanu ||615||

Maya ist die Shakti, Dakini wird als Kilaka genannt, Phetkari als Tattva. Nach den Worten „sämtliche Vollendungen“ …

Anmerkung: Fortsetzung616.

Ugramatrikrama: Handglieder-Nyasa

Vers 616
vadet sādhanasiddhyarthe jape ca viniyogatā |
ugramātṛkramoddhāraṃ tatrādau śṛṇu pārvati ||616||

… sage man „zur Vollendung ihrer Verwirklichung“; die Anwendung gilt auch dem Japa. Höre darin zuerst den Aufbau des Ugramatrikrama, Parvati.

Vers 617
karāṅgānāṃ ca hṛdayāṅgānāmapi ca […] |
prakāraḥ kevalo hyāste kimapi hyadhikaṃ nahi ||617||

Er besteht allein in der Art des Nyasa an den Handgliedern und an den mit dem Herzen beginnenden Gliedern […]; darüber hinaus gibt es nichts Zusätzliches.

Anmerkung: Fragment: letztes Wort der ersten Hälfte beschädigt.

Vers 618
vakṣye tatrāpi purataḥ karāṅganyāsamuttamam‌ |
tato'paraṃ ṣaḍaṅgākhyaṃ nyāsaṃ vakṣyāmi śobhanam‌ ||618||

Dabei werde ich zuerst den vorzüglichen Handglieder-Nyasa erklären. Danach erkläre ich den schönen Nyasa, der sechsgliedrig genannt wird.

Vers 616 (Folgeposition 619)
ādau sarvatra yojyāni navabījānyanukramāt‌ |
vedādiśākinīmāyāyoginīkūrcakāminīḥ ||616||

Zu Beginn sind überall der Reihe nach neun Bijas einzusetzen: Vedadi, Shakini, Maya, Yogini, Kurcha und Kamini …

Anmerkung: Quellziffer 616 an Folgeposition619 bewahrt; Fortsetzung620.

Vers 620
ramāsmarau ḍākinī […] sarvatrādisaṃsthitāḥ |
[…] dvābhyāṃ savarṇābhyāṃ svarābhyāṃ puṭitātmakam‌ [?] ||620||

… Rama, Smara und Dakini […], die überall am Anfang stehen. […] von zwei gleichartigen Vokalen umrahmt [?] …

Anmerkung: Fragment: mehrere Anweisungswörter beschädigt; Quelle markiert selbst Unsicherheit. Neun Anfangsbijas aus 619–620 vollständig lesbar, genaue Vokalumrahmung nicht rekonstruiert.

Vers 621
yogeśvarī subantā hi pūrvopapadasaṃyutā |
aṅguṣṭhādikrameṇaiva nyasyā mantraistadīyakaiḥ ||621||

Yogeshvari mit Kasusendung und vorangestelltem Bestimmungswort ist mit den entsprechenden Mantras der Reihe nach an den Daumen und den folgenden Handgliedern einzusetzen.

Anmerkung: Fußnote: In den Zeugen kha, ga und gha endet hier das neunte Kapitel. Der vorliegende Haupttext setzt es fort; diese Fassungsgrenze wird ausdrücklich bewahrt.

Yogeshvari-Namen und abweichende Kapitelgrenze

Vers 622
pūrvopapadamākhyāsye tatra dhehi manaḥ priye |
mahācaṇḍaśca paramapracaṇḍastadanantaram‌ ||622||

Ich werde die vorangestellten Bestimmungswörter nennen; richte deinen Geist darauf, Geliebte: Mahachanda, danach Paramaprachanda …

Anmerkung: Haupttextfortsetzung nach der in621 genannten abweichenden Kapitelgrenze anderer Zeugen.

Vers 623
naramuṇḍamahāmārī mahāmāyā tataḥ […] |
unmattacaṇḍograsañjñau kālarātristathaiva ca ||623||

… Naramunda, Mahamari und Mahamaya […], die Namen Unmattachanda und Ugra sowie Kalaratri …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Mahamaya beschädigt; Unmattachanda/Ugra vorläufige Trennung gemäß Dual saṃjñau, nicht sicher zu drei Namen aufgespalten.

Vers 624
sarvaśeṣe viśvage nādaniḥśreṇisaṃyutā |
karayorvyāpakatvena nyasanīyā varānane ||624||

Ganz am Schluss steht „Vishvage“, „die in allem gegenwärtig ist“, verbunden mit der Nada-Stufenfolge. Sie ist als beide Hände durchdringend einzusetzen, Schönangesichtige.

Anmerkung: Nada-Stufenfolge verschlüsselt, nicht mit vermuteten Lauten ausgeschrieben.

Die sechs Glieder des Ugramatrikrama

Vers 625
karāṅganyāsa īdṛkṣaḥ kathitastava yatnataḥ |
bhinnaṃ bhinnaṃ ṣaḍaṅgākhyaṃ hārdādīnāṃ bruve'dhunā ||625||

So habe ich dir den Handglieder-Nyasa sorgfältig erklärt. Nun erkläre ich einzeln den sechsgliedrigen Nyasa der mit dem Herzen beginnenden Glieder.

Vers 626
āste'nuvartamānā sā navabījī varānane |
śuddhāḥ svarāḥ ṣoḍaśa ca bindusargavivarjitāḥ ||626||

Die genannte Gruppe aus neun Bijas setzt sich fort, Schönangesichtige. Danach die sechzehn reinen Vokale ohne Bindu und Sarga …

Anmerkung: Sarga als Visarga-Zeichen verstanden; die genannte Vokalzahl nicht durch Veränderung der Lautzeichen harmonisiert.

Vers 627
tāro namaśca paramapadācchivatamerayet‌ |
viparītācāramahābhairaveti tataḥ param‌ ||627||

… Tara und namah; an „Parama“ schließe man „Shivatama“ an, „höchster, ganz und gar segensreicher Shiva“. Danach „Viparitachara-Mahabhairava“, „großer Bhairava des umgekehrten Vollzugs“ …

Anmerkung: Anrede-/Kasusendungen in der Wortanweisung nicht vollständig bestimmt; keine durchgehend normalisierte Mantraform erfunden.

Vers 628
kālaśabdādanu vadennisūdanapadaṃ priye |
punaḥ kālamukhetyuktvā khāhi bhuṅkṣva yugaṃ yugam‌ ||628||

An „Kala“ füge man „Nisudana“ an: „Vernichter der Zeit“, Geliebte. Dann „Kalamukha“, „Zeitgesichtiger“, sowie je zweimal „khahi“ und „bhunkshva“, „iss“ und „genieße“ …

Anmerkung: Khāhi als überlieferte Aufforderungsform bewahrt, nicht stillschweigend khāda ersetzt.

Vers 629
kāliyugmaṃ mahākāliyugalaṃ cādhvanāṃ trayam‌ |
hāsinyanu ca sānuḥ syād guḍam […] kulāṅganā ||629||

Zweimal „Kali“, zweimal „Mahakali“, dreimal Adhvan; danach „Hasini“, „Lachende“, Sanu, Guda […], und Kulangana …

Anmerkung: Fragment: Ausdruck bei Guda bereits beschädigt/fraglich; Anrede- und Bija-Funktionen nicht durch eine erfundene durchgehende Formel harmonisiert.

Vers 620 (Folgeposition 630)
hṛdayāya namaśceti prathamāṅgamudāhṛtam‌ |
navabījānu kuṇapādipañcakamudīrayet‌ ||620||

„Hridayaya namah“, „Verehrung dem Herzen“: Damit ist das erste Glied genannt. Nach den neun Bijas spreche man [für das nächste Glied] die mit Kunapa beginnende Fünfergruppe …

Anmerkung: Quellziffer 620 an Folgeposition630 bewahrt.

Vers 631
tato vedādihṛnmantrau ṅe'nto'syānte sadāśivaḥ |
bhagavānapyathādhvā ca tata ehyehi kīrtayet‌ ||631||

… dann Vedadi und Herzmantra, danach Sadashiva im Dativ, Bhagavan und Adhvan; dann spreche man „ehi ehi“, „komm, komm!“ …

Anmerkung: Sadāśivāya Dativ sicher; Stellung und Kasus des folgenden Bhagavan nicht ergänzt.

Vers 632
paramātmane sarvaśatrupadādanto [nte?] nisūdanaḥ |
tadvad brahmaśiraścāpi śaikho manurataḥ param‌ ||632||

„Paramatmane“, „dem höchsten Selbst“; nach „alle Feinde“ am Ende [?] „Nisudana“, „Vernichter“. Ebenso Brahma-Haupt, danach der Haarspitzen-Mantra …

Anmerkung: Quelle markiert anta/ante unsicher; śaikha als auf śikhā bezogen verstanden, trotz Stellung im zweiten Nyasa-Glied nicht in „Kopfmantra“ umgeändert.

Vers 633
paramavyomavāsinyanu kaurajatrayaṃ bhavet‌ |
vyomarūpe tataḥ satye dhruve guhye tripūrakam‌ ||633||

Auf „Paramavyomavasini“, „im höchsten Raum Wohnende“, folgen dreimal Kauraja; dann „Vyomarupe, Satye, Dhruve, Guhye“, „Raumgestaltige, Wahre, Beständige, Geheime“, und Tripuraka …

Anmerkung: Tripuraka nach sichtbarer Schreibung als Lautchiffre belassen; keine Dreiergruppe erfunden.

Vers 634
vāvidhānī [?] kṣetrapāladhanadākulayoṣitaḥ |
ṅe'ntaṃ brahmaśiraḥ svāhā dvitīyaṃ samudāhṛtam‌ ||634||

Vavidhani [?], Kshetrapala, Dhanada und Kulayoshit; „Brahma-Haupt“ im Dativ und svaha. Damit ist das zweite Glied genannt.

Anmerkung: Erster Name bereits in der Quelle fraglich; Dativ brahmaśirase vollständig erschließbar. OCR-Ziffer am Ende beschädigt, Folge634.

Haarspitze und Schutzpanzer

Vers 635
pravadennavabījītaḥ śīrṣakādīni pañca ca |
caṇḍakāpālinī devi trikūrcaṃ ca jvalatrayam‌ ||635||

Nach der Gruppe aus neun Bijas spreche man die mit Shirshaka beginnende Fünfergruppe; „Chandakapalini“, Göttin, „wilde Schädelträgerin“, dreimal Kurcha und dreimal „jvala“, „brenne!“ …

Vers 636
prajvaladvitayaṃ cāpi hitti […] yugaṃ yugam‌ |
bhitti yojaya ca dve dve granthyagraṃ gṛhṇa ca […] ||636||

… zweimal „prajvala“, „lodere auf“, „hitti“ und […] jeweils zweimal; „bhitti“ und „yojaya“ jeweils zweimal, „granthyagram grihna“, „ergreife das Ende des Knotens“, und […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Laut-/Wiederholungsglieder beschädigt. Hitti/bhitti als sichtbare Rezitationswörter ohne sichere lexikalische Bedeutung; yojaya „verbinde“.

Vers 637
hṛjjambhite stambhite ca mohite carcite tathā |
jambhaya dviḥ paramacaṇḍetaḥ śīghramānaya ||637||

„Hrijjambhite“, „deren Herz gelähmt ist“, „Stambhite, Mohite, Charchite“, „Erstarrte, Verwirrte, Gesalbte“; zweimal „jambhaya“, „lähme“, und nach „Paramachande“, „höchst Wilde“, „bringe schnell herbei!“ …

Anmerkung: Ungewöhnliche passive Anreden gemäß sichtbaren Formen bewahrt; kein ungenanntes Objekt des Herbeibringens ergänzt.

Vers 638
tāratrape mahatsūkṣme lāguḍaṃ bījameva ca |
ṅe'ntā ca bhagavacchaktiḥ […] śikhāyai vaṣaṭ tathā ||638||

Tara und Trapa, Mahat und Sukshma, das Laguda-Bija; Bhagavat-Shakti im Dativ, […], und „shikhayai vashat“, „der Haarspitze vashat“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor śikhāyai beschädigt; Vaṣaṭ ritueller Abschluss, keine erfundene Wortübersetzung.

Vers 636 (Folgeposition 639)
navabījānu kīlādipañcakaṃ praṇavatrayam‌ |
bhīmarāve bhagavati visandhyehyehi tatparam‌ ||636||

Nach den neun Bijas die mit Kila beginnende Fünfergruppe und dreimal Pranava; „Bhimarave Bhagavati“, „Erhabene mit furchtbarem Ruf“, dann ohne Sandhi „ehi ehi“, „komm, komm!“ …

Anmerkung: Quellziffer 636 an Folgeposition639 bewahrt.

Vers 640
[…] dvisturu prasphuradvayam‌ |
vyoṣo [?] māyā meghamāle mahāmārīśvarīti ca ||640||

[…], zweimal „turu“ und zweimal „prasphura“, „leuchte hervor“; Vyosha [?], Maya, „Meghamale“, „Wolkengirlanden-Trägerin“, und „Mahamarishvari“, „Herrin der großen Seuche“ …

Anmerkung: Fragment: Beginn stark beschädigt; Vyosha bereits in Quelle fraglich. Turu Lautwort ohne geratene Bedeutung.

Vers 641
vidyutkaṭākṣe kṣapitadurite tadanantaram‌ |
arūpe bahurūpe ca virūpe jvalitamukhyapi ||641||

Danach „mit blitzendem Seitenblick, Vernichterin des Unheils, Gestaltlose, Vielgestaltige, Andersgestaltige, mit flammendem Gesicht!“ …

Anmerkung: Vollständig lesbare Anreden vidyutkaṭākṣe kṣapitadurite arūpe bahurūpe virūpe jvalitamukhi.

Vers 642
caṇḍeśvaryanu haṭṭiḥ syādvajrāyudhadhāriṇi |
hanayugmaṃ tataḥ kūrcaṃ tato ḍāmaramukhyapi ||642||

Nach „Chandeshvari“ folgt Hatti, dann „Vajrayudhadharini“, „Trägerin der Donnerkeilwaffe“. Zweimal „hana“, „erschlage“, danach Kurcha und „Damaramukhi“ …

Anmerkung: Hatti als sichtbares Lautglied; Damaramukhi nicht sicher wörtlich aufgelöst.

Vers 643
bīje vijayamandākhye bhavatastadanantaram‌ |
kīrtayed vajraśabdānu śarīre kavacāya īm‌ ||643||

Danach die beiden Bijas namens Vijaya und Manda. An „Vajra“ schließe man „Sharire“ an: „mit diamantfestem Körper“, dann „kavachaya im“, „dem Schutzpanzer im“.

Anmerkung: Quelle schreibt ईम्‌, īm, nicht den üblichen hum-Abschluss; ungewöhnliche Lesung ausdrücklich bewahrt, nicht harmonisiert.

Augen- und Astra-Glied

Vers 644
navabījādanūnmāthādipañcakamudīrayet‌ |
[…] phaṭtrayaṃ ca tārasambhramaroṣaṇāḥ ||644||

Nach den neun Bijas spreche man die mit Unmatha beginnende Fünfergruppe; […], dreimal phat, Tara, Sambhrama und Roshana …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied der zweiten Hälfte unlesbar.

Vers 644 (Folgeposition 645)
astraṃ mahākirātānu cāṇḍālaṃ sandhivarjitam‌ |
tato'vatarayugmaṃ ca sandhā[ndhi]none punarvadet‌ ||644||

Astra, dann „Mahakirata“ und „Chandala“ ohne Sandhi-Verbindung; danach zweimal „avatara“, „steige herab“. Ferner ohne Sandhi [?] spreche man …

Anmerkung: Quelle wiederholt644; interneKennung645, Originalziffer bewahrt. Sandhi-Anweisung bereits in Quelle mit Korrekturklammer.

Vers 646
āvāhanamukhītyevaṃ bījaṃ mauñjabalaṃ tataḥ |
śaktiḥ santānamapi ca vajrasāramukhetyapi ||646||

… „Avahanamukhi“, „der Anrufung Zugewandte“; danach das Bija Maunjabala, Shakti und Santana sowie „Vajrasaramukhe“, „mit diamantfestem Gesicht“ …

Anmerkung: Maunjabala im OCR leicht beschädigt und möglicherweise zwei Namen; nicht sicher getrennt. Nummer beschädigt, Folge646.

Unnummerierter Text
hīṃ jahi dviḥ kāliyugaṃ kālavidhvaṃsinītyapi |
roṣastokī […] ca dakṣiṇāstre tataḥ […] ||[…]||

Him, zweimal „jahi“, „schlage“, zweimal „Kali“ und „Kalavidhvamsini“, „Vernichterin der Zeit“; Rosha, Stoki, […] und Dakshina-Astra, danach […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Glieder beschädigt. Versziffer nicht zuverlässig lesbar;647nurinterneFolgeposition. Sichtbares hīṃ bewahrt, nicht hrīṃ ergänzt.

Unnummerierter Text
netratrayāya vauṣaṭ ca pañcamaṃ samudāhṛtam‌ |
navabhyo devi bījebhyaḥ churikādīni pañca vai ||[…]||

„Netratrayaya vaushat“, „den drei Augen vaushat“: Damit ist das fünfte Glied genannt. Nach den neun Bijas folgen, Göttin, die fünf mit Chhurika beginnenden Glieder …

Anmerkung: Versziffer fehlt beziehungsweise unlesbar;648nurinterneFolgeposition. Neue Formel beginnt in der zweiten Hälfte; nächste sichere Nummer649.

Vers 649
āgaccha […] ruṭtritayaṃ cakrarājeśvarītyapi |
mahāśabde taradvandvaṃ […] sāmidhenyapi ||649||

„Komm […]“, dreimal Rut und „Chakrarajeshvari“, „Herrin des Königs der Kreise“; „Mahashabde“, „mit großem Klang“, zweimal „tara“, […], und Samidheni …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangaben beziehungsweise Verbindungen beschädigt; tara als sichtbares Wort, Bedeutung offen.

Vers 650
vyomamālā jvalayugaṃ mahāraudre tataḥ param‌ |
rauṣikānalamābhāṣya […] pata[tapa?] dviśca tāpaya ||650||

Vyomamala, zweimal „jvala“, „brenne“, danach „Maharaudre“, „überaus Wilde“. Nach „Raushikanala“ […] „pata“ [Herausgeber: tapa?] und zweimal „tapaya“, „erhitze!“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungswort beschädigt; pata/tapa bereits Quellenfrage, keine eindeutige Übersetzung des fraglichen Verbs.

Vers 651
[…] haṭṭayugaṃ ghorācārapadādanu |
mahāghorapadāccāpi vāḍavāgniṃ grasadvayam‌ ||651||

[…], zweimal „hatta“, dann „Ghorachara“ und „Mahaghora“, „furchtbarer Vollzug“ und „überaus furchtbar“; „Vadavagnim grasa grasa“, „verschlinge, verschlinge das untermeerische Feuer!“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied unlesbar; Wortverbindung vor Vadavagni nicht vollständig gesichert.

Vers 652
jvālaya dvirdakṣiṇā ca dve bīje bhaimatāntrike |
nāmnā kuladharaṃ caikaṃ pramītaṃ tadanantaram‌ ||652||

Zweimal „jvalaya“, „lass aufflammen“, Dakshina und die beiden Bijas Bhaima und Tantrika; ein [Bija] namens Kuladhara, danach Pramita …

Anmerkung: Bhaima/Tantrika gemäß Dual als zwei Chiffren verstanden.

Zwei durchdringende Formen und Abschluss

Vers 653
astrāya phaṭ sarvaśeṣe pūrvametat ṣaḍaṅgakam‌ |
vyāpakadvayamanyaddhi vartate suravandite ||653||

Ganz zuletzt „astraya phat“, „der Waffe phat“. Damit ist der vorangehende sechsgliedrige Nyasa erklärt. Zwei weitere durchdringende Formen kommen hinzu, von den Göttern Verehrte.

Vers 654
galādhonābhiparyantamekamuktaṃ purāriṇā |
ābrahmarandhrapādāntaṃ dvitīyaṃ samudāhṛtam‌ ||654||

Der Zerstörer der Städte hat die eine vom Bereich unterhalb der Kehle bis zum Nabel beschrieben, die zweite vom Brahmarandhra bis zu den Füßen.

Vers 655
navabījādanu bhavet kuṇyādidaśabījakam‌ |
kintu santarjanīyuktaṃ guḍādanu varānane ||655||

Nach den neun Bijas folgt die mit Kunya beginnende Zehnergruppe, jedoch verbunden mit Santarjani nach Guda, Schönangesichtige.

Anmerkung: Kunya/Guda nach sichtbaren Namen; nicht aus der anderen Reihe Kunapa rekonstruiert. Santarjani als Zusatzglied, nicht stillschweigend Handgeste.

Vers 656
tārān mahābalo ṅe'nto namo rudrāya cetyapi |
phetkārīsānu[…]roṣabījānyastraṃ […] ca ||656||

Nach Tara „Mahabala“ im Dativ, „dem sehr Mächtigen“, und „namo rudraya“, „Verehrung Rudra“. Die Bijas Phetkari, Sanu, […], Rosha, Astra und […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Formelglieder beschädigt; Mahābalāya als Dativ, nicht ohne Beleg weiblich flektiert.

Vers 657
tato mahācaṇḍayogeśvarī śrīpādukāmapi |
sarvaśeṣe pūjayāmi prathamaṃ vyāpakaṃ tvadaḥ ||657||

Dann „Mahachandayogeshvari“, „große wilde Herrin des Yoga“, und „Shripadukam“, „die ehrwürdigen Sandalen“. Ganz zuletzt „pujayami“, „ich verehre“. Dies ist die erste durchdringende Form.

Anmerkung: Sinn der Formel: Verehrung der Sandalen Mahachandayogeshvaris; Kasusverbindung in der Wortanweisung knapp.

Vers 658
dvitīyaṃ navabījītaḥ svarāḥ ṣoḍaśa sendukāḥ |
kuṇapādidrumāntaṃ […] sasantarjani tatparam‌ ||658||

Bei der zweiten folgen auf die neun Bijas die sechzehn Vokale mit Bindu; die Reihe von Kunapa bis Druma […], danach zusammen mit Santarjani …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort beschädigt; Reiheninhalt nicht ergänzt.

Vers 659
ṣaṣṭireva samuccārya mahāvyāpakamācaret‌ |
ugramātṛkramanyāsaḥ prathamo'yamudāhṛtaḥ ||659||

Nachdem man die sechzig [Glieder] ausgesprochen hat, vollziehe man das große Durchdringen. Damit ist der erste Nyasa, der Ugramatrikrama-Nyasa, erklärt.

Anmerkung: Kontrollzahl60; nicht mit geratenen Namen aufgefüllt. Versnummer im OCR beschädigt, Folge659.

Kali-Kula-Krama: die Matrika-Stellen

Vers 660
kālīkulakramanyāsamadhunā kalaya […] |
śrīkrodhabhairava ṛṣiḥ pratiṣṭhācchanda eva ca ||660||

Vernimm nun den Kali-Kula-Krama-Nyasa […]. Der ehrwürdige Krodhabhairava ist der Rishi, Pratishtha das Metrum …

Anmerkung: Fragment: Anrede am Schluss der ersten Hälfte beschädigt; Rishi aus leicht beschädigter Schrift gelesen.

Vers 661
koṭiyoginyanu parivṛtā dakṣiṇaśabdataḥ |
kālyādinavakālī ca devatā parikīrtitā ||661||

… als Gottheit werden die neun Kalis, beginnend mit Dakshinakali, genannt, umgeben von einer Koti Yoginis.

Anmerkung: Wortanweisung für die Gottheitsbezeichnung; Koti traditionelle große Zähleinheit.

Vers 662
[…] kāntānṛharayorbījaśaktikakīlakāḥ |
[…] mama guhyānu kālīprītyartha eva ca ||662||

[…] Kanta und Nrihari sind Bija, Shakti und Kilaka […]. Für mich, zum Wohlgefallen der Guhyakali …

Anmerkung: Fragment: erster Faktor sowie Verbindung zur Anwendungsangabe beschädigt. Kanta/Nrihari nicht ohne sichere Satzstruktur einzeln den verbleibenden Faktoren zugeordnet.

Vers 663
jape niyogamuccārya nyāsaṃ kālīkulaṃ caret‌ |
uddhāramadhunaitasya pravadāmi samāsataḥ ||663||

… im Japa: Nachdem man die Anwendung ausgesprochen hat, vollziehe man den Kali-Kula-Nyasa. Nun erkläre ich seinen Aufbau zusammenfassend.

Vers 664
[…] bījāni yānyuktāni purā nava |
praṇavo ḍākinī lajjā punarbījatrayaṃ sthiram‌ ||664||

[…] die zuvor genannten neun Bijas; dazu Pranava, Dakini und Lajja als weitere unveränderliche Dreiergruppe von Bijas …

Anmerkung: Fragment: Anfangsverbindung beschädigt; neun frühere Bijas werden nicht unnötig erneut ausgeschrieben.

Vers 665
ebhyo dvādaśabījebhyaḥ svarāḥ sarve halanvitāḥ |
sabindavo'mī ekaikaṃ kramān mantreṣu yojitāḥ ||665||

Nach diesen zwölf Bijas werden sämtliche Vokale samt den Konsonanten, jeweils mit Bindu, der Reihe nach einzeln in die Mantras eingesetzt.

Anmerkung: Lautklassen und Bindu-Anweisung vollständig lesbar; keine zusätzliche alphabetische Version eingefügt.

Vers 666
kartavyāstatparaṃ bīje jñānecche samahākṣare |
evaṃ varṇāḥ saptadaśa vijñātavyā varānane ||666||

Danach sind die Bijas Jnana und Iccha zusammen mit dem Maha-Laut einzusetzen. So sind sie als siebzehn Laute zu verstehen, Schönangesichtige.

Anmerkung: Mahākṣara als Chiffre beziehungsweise großes Lautglied unaufgelöst; Silbenzahl17 nicht durch geratene Laute erfüllt.

Vers 667
eṣu trayodaśatamaścalo varṇo na cetare |
kālī śrīpādukāyai hṛ[…]varṇāśca paścime ||667||

Von diesen wechselt der dreizehnte Laut, die anderen nicht. Am Ende stehen „Kali“, „Shripadukayai“, „den ehrwürdigen Sandalen“, Herz[…] und die folgenden Laute.

Anmerkung: Fragment: genaue Laut-/Zählangabe nach hṛ beschädigt; keine vollständige Endformel erfunden.

Vers 668
acalāmātṛkāsthānameṣāṃ sthānaṃ varānane |
sarvaśeṣe viśeṣo'sti tamākarṇaya pārvati ||668||

Ihre Körperstellen entsprechen denen der unveränderlichen Matrika, Schönangesichtige. Ganz am Schluss gibt es eine Besonderheit; höre sie, Parvati.

Vers 669
jñānecchayoranu mahāvarṇataḥ pūrvamīśvari |
vedādirāvaḍākinyastatrādhikatayā matāḥ ||669||

Nach Jnana und Iccha, aber vor dem Maha-Laut, Herrin, werden zusätzlich Vedadi, Rava und Dakini eingesetzt.

Vers 670
etasyānantaro yaśca sarvāṅgavyāpako manuḥ |
tasyoddhāraṃ tu carame kathayiṣyāmi sundari ||670||

Den Aufbau des darauffolgenden Mantras, der alle Körperglieder durchdringt, werde ich am Ende erklären, Schöne.

Die Kali-Namen in ihrer Reihenfolge

Vers 671
sṛṣṭiḥ sthitiśca saṃhāro'nākhyā bhāsā tathaiva ca |
jñānaṃ sūryaśca somaśca jñānānandastathaiva ca ||671||

Srishti, Sthiti, Samhara, Anakhya und Bhasa, Jnana, Surya, Soma und Jnanananda …

Anmerkung: Namensvorsätze zu Kali; keine vollständigen neuen Mantras erfunden.

Vers 672
jñānaprabhā nabhaḥ kṣīraṃ mahārciḥ keturityapi |
kuliśaṃ ca pāśupataṃ ca tāpinī ca narāśatī ||672||

… Jnanaprabha, Nabhas, Kshira, Maharchis und Ketu, Kulisha, Pashupata, Tapini und Narashati …

Anmerkung: Narashati gemäß sichtbarer Schreibung, unsicher; nicht in einen vertrauteren Namen geändert.

Vers 673
kṣaśca siddhidā caiva ṛddhidā daṃṣṭriṇī tathā |
mantradā jvālinī mantrasiddhistadanu kathyate ||673||

Ksha [Name unsicher], Siddhida, Riddhida und Damshtrini, Mantrada, Jvalini und danach Mantrasiddhi …

Anmerkung: Fragment: erster Name nur als kṣa lesbar; nicht als Kshama ergänzt.

Vers 674
gaṇeśvarī tathā māyā nityā śāntā tataḥ param‌ |
vidyā tathā nandinī ca sandhihīnā tato'mbā ||674||

… Ganeshvari, Maya, Nitya, Shanta, Vidya und Nandini, danach Amba ohne Sandhi-Verbindung …

Vers 675
punaḥ sasandhirānando balastadanu vanditā |
subhagā syājjayā lakṣmīḥ siddhilakṣmīśca kuñjikā ||675||

… dann Ananda mit Sandhi, Bala und danach Vandita, Subhaga, Jaya, Lakshmi, Siddhilakshmi und Kunjika …

Anmerkung: Kunjika nach sichtbarer Schreibung, nicht an Kubjika anderer Abschnitte angeglichen.

Vers 676
viśvalakṣmīratha jayāvahā kālyambayā saha |
sundarī tripurā caiva ḍāmarī tadanantaram‌ ||676||

… Vishvalakshmi, dann Jayavaha, Kali zusammen mit Amba, Sundari, Tripura und danach Damari …

Anmerkung: Kālī/Ambā als zwei erkennbare Namenglieder; keine feste Zählung daraus erzwungen.

Vers 677
pūrṇeśvarī naiḥśreyasī rājeśvaryapyanantaram‌ |
[…] bhairavyatha malāpakarṣiṇyapi kathyate ||677||

… Purneshvari, Naishreyasi und danach Rajeshvari, […], Bhairavi und Malapakarshini, „die die Unreinheit entfernt“ …

Anmerkung: Fragment: Name vor Bhairavi unlesbar.

Den ganzen Körper durchdringende Form

Vers 678
ekapañcāśaduditāḥ sarvāṅgavyāpakaṃ […] |
navabījyāstārarāvaḍākinyo jñānamicchayā ||678||

Einundfünfzig sind genannt. [Höre] den den ganzen Körper durchdringenden Mantra […]: nach der neunteiligen Bija-Gruppe Tara, Rava, Dakini und Jnana zusammen mit Iccha …

Anmerkung: Fragment: Einleitungsverb beschädigt; Kontrollzahl51 nicht mit erfundenen Namen aufgefüllt.

Vers 679
tato nādādiniḥśreṇicaramaṃ ṣoḍaśoccaret‌ |
kuṇapādidrumāntaṃ ca pañcatriṃśaddhalo'pi ca ||679||

Danach spreche man die sechzehn [Laute] bis zum Ende der mit Nada beginnenden Stufenfolge, die Reihe von Kunapa bis Druma und die fünfunddreißig Konsonanten …

Anmerkung: Verkürzte Lautreihen nicht aus anderen Fassungen vollständig rekonstruiert.

Vers 680
tato mahāguhyakālī mātā ca tadanantaram‌ |
prapañcarūpā ca tathā tritayaṃ ṅe'ntamuccaret‌ ||680||

Dann spreche man Mahaguhyakali, Mata und Prapancharupa, alle drei im Dativ: „der großen Guhyakali, der Mutter, deren Gestalt die entfaltete Welt ist“ …

Anmerkung: Mahāguhyakālyai mātre prapañcarūpāyai als erläuterte Dativformen, keine ergänzten Lautchiffren.

Vers 681
mahāyoginyanu tato ḍākinī śabarītyapi |
saptākṣarī tataḥ sarvacaramīyāṇi yojayet‌ ||681||

Danach Mahayogini, Dakini und Shabari; die siebensilbige [Folge] und sämtliche Schlussglieder sind anschließend einzusetzen.

Anmerkung: Die sieben Silben werden hier nicht ausgeschrieben; keine erfundene Vollform.

Vers 682
etena vāratritayaṃ sarvāṅgavyāpakaṃ nyaset‌ |
vistareṇaiva kathito nyāsaḥ kālīkulakramaḥ ||682||

Mit diesem Mantra vollziehe man dreimal das den ganzen Körper durchdringende Einsetzen. Damit ist der Kali-Kula-Krama-Nyasa ausführlich erklärt.

Pitha-Krama: die heiligen Sitze im Körper

Vers 683
pīṭhanyāsamidānīṃ tvaṃ sāvadhānā niśāmaya |
ṛṣiḥ pīṭhakramanyāsasya kauṣītaka īritaḥ ||683||

Vernimm nun aufmerksam den Pitha-Nyasa. Als Rishi des Pitha-Krama-Nyasa wird Kaushitaka genannt.

Vers 684
atyaṣṭiśchanda ākhyātaṃ sakalānu kulākula |
paramādhidevataśrīrājarājeśvarītyapi ||684||

Atyashti wird als Metrum genannt. Die Gottheitsbezeichnung verbindet „sämtliches Kula und Akula“, „höchste herrschende Gottheit“ und „ehrwürdige Rajarajeshvari“ …

Anmerkung: Kula/Akula als komplementäre traditionelle Begriffe bewahrt; keine nicht belegte vollständige Theologie ergänzt.

Vers 685
devatā yoginī bījaṃ ḍākinī śaktireva ca |
vadhūḥ kīlakamuddiṣṭaṃ rāvastattvamudāhṛtam‌ ||685||

… so lautet die Gottheit. Yogini ist das Bija, Dakini die Shakti. Vadhu wird als Kilaka genannt, Rava als Tattva.

Vers 686
śrīguhyakālīprītyarthe viniyoga udāhṛtaḥ |
aṣṭau bījāni devyatra susthirāṇyuditāni hi ||686||

Die Anwendung dient dem Wohlgefallen der ehrwürdigen Guhyakali. Acht Bijas sind hier, Göttin, als unveränderlich angegeben …

Vers 687
tāni praṇavaḍākinyau trapārāvau ramāruṣau |
yoginīvanite cāpi sarvatrāmūni yojayet‌ ||687||

… Pranava und Dakini, Trapa und Rava, Rama und Rush, Yogini und Vanita. Diese sind überall einzusetzen.

Vers 688
śaktiśrīpādukāyai hṛdante sthāsnu navākṣarī |
atha madhyagatān vakṣye saṃsthānān jagadīśvari ||688||

Am Ende steht unveränderlich die neunsilbige Folge „Shakti-Shripadukayai“ mit Herzabschluss: „den ehrwürdigen Sandalen der Shakti“. Nun nenne ich die dazwischenstehenden Anordnungen, Herrin der Welt.

Anmerkung: Śaktiśrīpādukāyai als überlieferte Anrede im Dativ; abschließender Herzmantra hier nur durch Funktion benannt.

Die ersten Pithas und ihre Göttinnen

Vers 689
nādaḥ pāśastathā kṣetraṃ siddhiyonipadādanu |
mahārāviṇīpīṭhasiddhikālīti tadanantaram‌ ||689||

Nada, Pasha und Kshetra; nach „Siddhiyoni“ dann „Maharavini-Pitha“, „Sitz der laut Rufenden“, und „Siddhikali“ …

Anmerkung: Die Abgrenzung Siddhiyoni/Maharavini/Pitha innerhalb der Ortsbezeichnung ist unsicher; keine heutige geografische Lokalisierung behauptet.

Vers 660 (Folgeposition 690)
mahācarcikāmābhāṣya parātiparaśabdataḥ |
brūyād guhyamaṅgaleti bhrūmadhye parivinyaset‌ ||660||

Man spreche Mahacharchika und verbinde „Paratipara“ mit „Guhyamangala“, „höher als das Höchste, geheim und heilbringend“. Dies setze man zwischen den Augenbrauen ein.

Anmerkung: Quellziffer 660 an Folgeposition690 bewahrt; Anredeendungen in der Wortanweisung nicht überall sicher.

Vers 661 (Folgeposition 691)
aṣṭau bījāni tānyeva kalāṃ sthāṇuṃ saśarvakam‌ |
oḍḍiyānamahāpīṭhe mahācaṇḍapadādanu ||661||

Dieselben acht Bijas, Kala, Sthanu und Sharva; „im großen Pitha Oddiyana“, danach an „Mahachanda“ …

Anmerkung: Quellziffer 661 an Folgeposition691 bewahrt.

Vers 692
yogeśvarī kālakālī chippiṇī śaṅkhinī tathā |
mohinī ca tato guhyātiguhyapadamīrayet‌ ||692||

… Yogeshvari, Kalakali, Chhippini, Shankhini und Mohini; dann spreche man „Guhyatiguhya“, „geheimer als das Geheime“ …

Anmerkung: Chhippini als überlieferte weibliche Berufs-/Gruppenbezeichnung oder Name; keine sichere moderne Kastenidentifizierung erfunden.

Vers 663 (Folgeposition 693)
parāparaṃ samābhāṣya vaktramadhye pravinyaset‌ |
bījāṣṭakaṃ tataḥ sendu saptamādisvaratrayam‌ ||663||

… und „Parapara“. Dies setze man in der Mitte des Gesichts ein. Danach die acht Bijas und die drei Vokale, beginnend mit dem siebten, jeweils mit Bindu …

Anmerkung: Quellziffer 663 an Folgeposition693 bewahrt; Vokale nicht ausgeschrieben ergänzt.

Vers 664 (Folgeposition 694)
jālandharamahāpīṭhe mahācaṇḍapadādanu |
kāpālinī tataḥ kālāntakakālī ca dhīvarī ||664||

„Im großen Pitha Jalandhara“; auf „Mahachanda“ folgt Kapalini, dann Kalantakakali und Dhivari …

Anmerkung: Dhivari: Fischerin beziehungsweise Name einer entsprechenden Shakti. Quellziffer 664 an Folgeposition694 bewahrt.

Vers 665 (Folgeposition 695)
guhyāntarāntarā ceti lalāṭe vinyaset priye |
daśamājanvitaṃ sendu bījāṣṭakamupanyaset‌ ||665||

… und „Guhyantarantara“, „im innersten Geheimen“. Dies setze man an der Stirn ein, Geliebte. Danach die acht Bijas mit dem zehnten Vokal und Bindu …

Anmerkung: Quellziffer 665 an Folgeposition695 bewahrt; daśamāj- als daśama ac, zehnter Vokal, verstanden.

Vers 696
[…] caitanyaṃ kāmarūpapadādanu |
mahāpīṭhe mahācaṇḍarāviṇī tadanantaram‌ ||696||

[…], Chaitanya, dann „im großen Pitha Kamarupa“ und danach „Mahachandaravini“, „die mit gewaltig wildem Ruf“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Formelglied unlesbar; Versziffer beschädigt, Folge696.

Vers 697
yamāntakapadāt kālī phetkāriṇyapyanantaram‌ |
asandhānātiguhyācintyeti nyāsasthalaṃ mukham‌ ||697||

An „Yamantaka“ schließe man Kali an, dann Phetkarini; ohne Sandhi „Atiguhya, Achintya“, „überaus geheim, unvorstellbar“. Die Stelle des Nyasa ist das Gesicht.

Anmerkung: Gesicht erneut gegenüber693; nicht als Schreibfehler korrigiert. Versziffer beschädigt, Folge697.

Purnagiri, Prayaga und Varanasi

Vers 698
aṣṭabhyaḥ praṇavāśvatthau tataḥ pūrṇāgirīti ca |
mahāpīṭhe pulindanī mahācaṇḍācca roṣiṇī ||698||

Nach den acht Bijas Pranava und Ashvattha; dann „im großen Pitha Purnagiri“, Pulindani und an „Mahachanda“ angeschlossen Roshini …

Anmerkung: Pulindani als weibliche Gruppenbezeichnung beziehungsweise Shakti-Name bewahrt.

Vers 699
kālīśabdāt tathā kālavañcanī ca parāparam‌ |
guhyātiguhyā saṅkīrtya viśuddhāveva vinyaset‌ ||699||

… an das Wort Kali schließe man Kalavanchani an, „die die Zeit täuscht“, dazu Parapara und Guhyatiguhya, „geheimer als das Geheime“. Dies setze man im Vishuddha ein.

Anmerkung: Vishuddha: Halszentrum; Quellziffer mit überschüssigem OCR-Zeichen normalisiert.

Vers 700
aṣṭabījī tathā nādo niḥśreṇī tadanantaram‌ |
syāt prayāgamahāpīṭhe veśyā […] tathā ||700||

Die acht Bijas, Nada und danach Nishreni; „im großen Pitha Prayaga“, Veshya, die Prostituierte, und […] …

Anmerkung: Fragment: weiterer Shakti-Name beschädigt; Veshya-Bezeichnung nicht beschönigt. Versziffer im OCR unlesbar, Folge700.

Vers 701
mahācaṇḍapadāddaṇḍinyapi sandhivivarjitā |
atiguhyarahasyeti nyāsasthānamanāhatam‌ ||701||

An „Mahachanda“ schließe man Dandini an, ohne Sandhi, und „Atiguhyarahasya“, „das höchst verborgene Geheimnis“. Die Nyasa-Stelle ist Anahata.

Anmerkung: Anahata: Herzzentrum. Versziffer im OCR beschädigt, Folge701.

Vers 702
aṣṭabhyaḥ kuṇapādīni pañcabījāni sundari |
vārāṇasīmahāpīṭhe rudravatyatha […] ||702||

Nach den acht Bijas die mit Kunapa beginnende Fünfergruppe, Schöne; „im großen Pitha Varanasi“, Rudravati und […] …

Anmerkung: Fragment: letzter Name unlesbar.

Vers 703
mahācaṇḍapadasyānte śūlinī śauṇḍinī tathā |
guhyātiguhyayoginyuktvā nyasenmaṇipūrake ||703||

An „Mahachanda“ füge man Shulini an, dazu Shaundini. Nach „Guhyatiguhyayogini“, „Yogini, geheimer als das Geheime“, setze man dies im Manipura ein.

Anmerkung: Shaundini bezeichnet eine Schankwirtin beziehungsweise entsprechende Shakti; Wortform Quelle śoṇḍinī, hier vorsichtig normalisiert. Manipura: Nabelzentrum.

Kolapura, Attahasa und Jayanti

Vers 704
aṣṭānāṃ carame pañca śīrṣakādīni kīrtayet‌ |
kolāpuramahāpīṭhe […] tadanantaram‌ ||704||

Nach den acht Bijas spreche man die mit Shirshaka beginnende Fünfergruppe. „Im großen Pitha Kolapura“, danach […] …

Anmerkung: Fragment: Gottheitenname nach Ortsangabe beschädigt; kein moderner Ortsname in den Sanskrittext eingefügt.

Vers 705
gṛheśīto mahācaṇḍātiveginyapi […] |
svādhiṣṭhāne nyasedetat tato bījāṣṭakaṃ priye ||705||

Nach Griheshi „Mahachandativegini“, „die gewaltig wild und überaus schnell ist“, […]. Dies setze man im Svadhishthana ein. Danach die acht Bijas, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Anschlusswort der ersten Hälfte beschädigt; Svadhishthana als Körperzentrum, keine zusätzliche anatomische Präzision.

Vers 706
kīlādirajjuparyantaṃ pañcabījānyataḥ param‌ |
aṭṭahāsamahāpīṭhe khaḍgakī tadanantaram‌ ||706||

… dann die fünf Bijas von Kila bis Rajju; „im großen Pitha Attahasa“, danach Khadgaki …

Vers 707
nārāyaṇī cakriṇī ca guhyakālī ca paścime |
mūlādhāre pravinyasya bījānyaṣṭau samuccaret‌ ||707||

… Narayani, Chakrini und zuletzt Guhyakali. Nachdem man dies im Muladhara eingesetzt hat, spreche man die acht Bijas …

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge707.

Vers 708
unmāthādīni pañcāpi jayantīti padaṃ tataḥ |
mahāpīṭhe bandhakī ca ghoṇavatyapi kīrtayet‌ ||708||

… und die mit Unmatha beginnende Fünfergruppe. Dann „im großen Pitha Jayanti“; man nenne Bandhaki und Ghonavati …

Anmerkung: Bandhaki kann eine untreue Frau beziehungsweise Prostituierte bezeichnen; hier als Quellenname einer Shakti bewahrt, nicht wertend auf heutige Frauen angewandt.

Vers 706 (Folgeposition 709)
mahācaṇḍāṅkuśavatī tato guhyātiguhya ca |
pātālacāriṇī paścāt kuṇḍalinyāṃ pravinyaset‌ ||706||

… Mahachandankushavati, „die den gewaltig wilden Haken trägt“, dann Guhyatiguhya und Patalacharini, „in der Unterwelt Wandelnde“. Dies setze man in Kundalini ein.

Anmerkung: Quellziffer 706 an Folgeposition709 bewahrt.

Hastinapura, Ekamranatha und Devikota

Vers 710
churikādīni pañcāpi bījāṣṭakata īrayet‌ |
hastināpuramahāpīṭhe rajakī śakravatyapi ||710||

Nach den acht Bijas spreche man die mit Chhurika beginnende Fünfergruppe. „Im großen Pitha Hastinapura“, Rajaki, die Wäscherin, und Shakravati …

Vers 711
mahācaṇḍavajriṇī ca visandhānātiguhyayā |
etenorasi vinyasya bījāṣṭakamudīrayet‌ ||711||

… Mahachandavajrini, „Trägerin des gewaltig wilden Donnerkeils“, und ohne Sandhi Atiguhya. Nachdem man damit an der Brust Nyasa ausgeführt hat, spreche man die acht Bijas …

Anmerkung: Vajriṇī aus leicht beschädigtem vastriṇī vorläufig gelesen; keine sichere andere Waffe ergänzt.

Vers 712
kuṇyādidhūmalāntāni catvāri tadanantaram‌ |
ekāmranāthamahāpīṭhe cāmuṇḍāśivadūtyapi ||712||

… danach die vier von Kunya bis Dhumala. „Im großen Pitha Ekamranatha“, Chamunda und Shivaduti …

Anmerkung: Kunya wie655 nach Quelle; kein Kunapa ergänzt.

Vers 713
mahācaṇḍakartarī ca syāt kulārṇavacāriṇī |
vinyasya jānudvitaye punaraṣṭau samullikhet‌ ||713||

… Mahachandakartari, „mit gewaltig wilder Schere“, und Kularnavacharini, „im Kula-Ozean Wandelnde“. Nach dem Nyasa an beiden Knien schreibe man wieder die acht Bijas …

Vers 714
vedhyādīni drumāntāni pañcabījāni saṃsmaret‌ |
devīkoṭamahāpīṭhe koṭavī caṇḍikāpi ca ||714||

… und vergegenwärtige die fünf von Vedhya bis Druma. „Im großen Pitha Devikota“, Kotavi und Chandika …

Vers 715
mahācaṇḍāt khāḍganī ca sandhihīnātiguhyataḥ |
yogeśvarīti saṅkīrtya jaṅghayornyāsamācaret‌ ||715||

… an „Mahachanda“ schließe man Khadgani an, „mit gewaltig wildem Schwert“, dann ohne Sandhi „Atiguhya-Yogeshvari“, „höchst geheime Herrin des Yoga“. Damit vollziehe man Nyasa an den Unterschenkeln.

Karavira, Rajagriha und Abschluss des Pitha-Nyasa

Vers 716
pūrvarītirnivṛttātha punaranyā nigadyate |
caitanyaḍākinīlajjāḥ śākinī kamalā tathā ||716||

Die bisherige Weise ist damit beendet; nun wird eine andere genannt. Chaitanya, Dakini, Lajja, Shakini und Kamala …

Vers 717
pañcemāni samuddhṛtya svarān ṣoḍaśa sendukān‌ |
karavīramahāpīṭhe caṇḍacaṇḍeśvarī tataḥ ||717||

… diese fünf Bijas und die sechzehn Vokale mit Bindu entnehme man. „Im großen Pitha Karavira“, danach Chandachandeshvari …

Vers 718
mahāguhye nyaselliṅge sarvamanyat puroktavat‌ |
imāni pañcabījāni pañcatriṃśaddhalastathā ||718||

… „Mahaguhye“, „höchst Geheime“. Dies setze man am Glied ein; alles andere wie zuvor. [Danach] diese fünf Bijas und die fünfunddreißig Konsonanten …

Anmerkung: Nichtsexueller Körper-Nyasa; linga hier Körperglied, nicht stillschweigend allgemeines Symbol.

Vers 719
rājagṛhamahāpīṭhe sṛṣṭisthitipadādanu |
saṃhārānākhyayā sārdhaṃ bhāsā kālīkuleti ca ||719||

„Im großen Pitha Rajagriha“; an die Wörter Srishti und Sthiti schließen sich Samhara, Anakhya und Bhasa an, dazu „Kalikula“ …

Anmerkung: Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Unbenennbares und Leuchten als Namensglieder bewahrt.

Vers 720
mahācaṇḍapadād yogeśvarī cāpi parāparam‌ |
parama rahasyakālīkrama […] sarvaṃ puroktavat‌ ||720||

An „Mahachanda“ füge man Yogeshvari an, dazu Parapara, „höchster geheimer Kali-Krama“ […]; alles wie zuvor …

Anmerkung: Fragment: genaue Verbindung um paramarahasyakālīkrama beschädigt; keine zusätzliche vollständige Anrede erfunden.

Vers 721
vyāpakaṃ vinyaset sarvaṃ pīṭhanyāso'yamīritaḥ |
nibodhātaḥ paraṃ devi yoginīnyāsamuttamam‌ ||721||

Dies alles setze man den ganzen Körper durchdringend ein. Damit ist der Pitha-Nyasa erklärt. Vernimm nun, Göttin, den vorzüglichen Yogini-Nyasa.

Yogini-Nyasa: Schutz der Körperbestandteile

Vers 722
asya śrīyoginīnyāsasya jambhaka ṛṣirmataḥ |
madhyācchandaḥ samākhyātaṃ parāparapadādanu ||722||

Als Rishi dieses ehrwürdigen Yogini-Nyasa gilt Jambhaka, als Metrum wird Madhya genannt. Nach dem Wort „Parapara“ …

Vers 723
cāmuṇḍāsahitaṃ procya yoginī devatā tataḥ |
yoginībījamākhyātaṃ trapāśaktirudāhṛtā ||723||

… spreche man „mit Chamunda verbunden“; Yogini ist die Gottheit. Yogini wird als Bija, Trapa als Shakti genannt.

Anmerkung: Wortanweisung zur Bezeichnung der Gottheit; Parapara-Verbindung nicht zu einer neuen vollständigen Formel ergänzt.

Vers 724
[…] kīlakamākhyātaṃ ḍākinī tattvamucyate |
paramābhīṣṭasiddhyarthe viniyoga udāhṛtaḥ ||724||

[…] wird als Kilaka genannt, Dakini als Tattva. Die Anwendung dient der Erfüllung des höchsten Erwünschten.

Anmerkung: Fragment: Kilaka-Name unlesbar.

Grundform, Haut und Blut

Vers 725
uddhāramadhunaitasya sāvadhānā niśāmaya |
ādau bījatrayaṃ tāraḍākinīkulayoṣitaḥ ||725||

Höre nun aufmerksam seinen Aufbau. Zu Beginn die drei Bijas Tara, Dakini und Kulayoshit …

Vers 726
śaktyai namaḥ sarvaśeṣe sthirametaddvayaṃ matam‌ |
kiñcidekaprakāraṃ ca vibhinnaṃ kiñcideva hi ||726||

… ganz am Ende „shaktyai namah“, „Verehrung der Shakti“. Diese beiden [Anfang und Schluss] gelten als unveränderlich. Ein Teil des Übrigen ist gleichförmig, ein Teil unterschiedlich.

Anmerkung: Śaktyai namaḥ als vollständige Widmung lesbar.

Vers 727
tannirṇetumaśakyatvād bhinnaṃ bhinnamahaṃ […] |
sāgaro guptisantoṣau kauberāstramataḥ param‌ ||727||

Da es sich so nicht eindeutig bestimmen lässt, werde ich jedes einzeln […] erklären. Sagara, Gupti und Santosha, danach Kaubera-Astra …

Anmerkung: Fragment: Schlussverb der ersten Hälfte beschädigt, Aussage des Einzelvorgehens klar.

Vers 728
tato mahācaṇḍakāli ḍākini yogini smaret‌ |
mama […] tvagdhātūn […] trapāruṣau ||728||

Dann vergegenwärtige man „Mahachandakali, Dakini, Yogini“. „Meine Hautbestandteile […]“, […], Trapa und Rush …

Anmerkung: Fragment: Verbindungen und Schutzverb beschädigt; nicht aus der späteren Parallelstruktur stillschweigend ergänzt.

Vers 729
kāpālini mahākāli vaiparītyena kīrtayet‌ |
viśuddhipīṭhe ṣoḍaśa ca sarvamanyat puroditam‌ ||729||

„Kapalini, Mahakali“ spreche man in umgekehrter Reihenfolge. „Im Vishuddhi-Pitha, sechzehn“; alles andere wie zuvor …

Anmerkung: Zahl16 wird genannt, ihr Bezugswort hier nicht ausgeschrieben; keine Lotusblätter in den Sanskrit ergänzt.

Vers 730
mantreṇānena deveśi viśuddhau vinyaset sudhīḥ |
tribījī tārakaṃ kīlaḥ kheda āgneyakūṭakam‌ ||730||

Mit diesem Mantra soll der Kundige, Herrin der Götter, Nyasa im Vishuddha ausführen. Dann die drei Bijas, Taraka, Kila, Kheda und Agneya-Kuta …

Anmerkung: Kila aus leicht beschädigtem kola vorläufig gelesen; nicht als sicherer anderer Name ausgegeben.

Vers 731
tato mahācaṇḍakāli ṣaḍvarṇānuddharet priye |
punarmamāsṛgdhātūṃśca […] trapāruṣau ||731||

Dann entnehme man die sechs Silben „Mahachandakali“, Geliebte. Ferner „meine Blutbestandteile“ und […], Trapa und Rush …

Anmerkung: Fragment: Schutzanweisung vor Trapa/Rush beschädigt; keine Ergänzung aus 734.

Vers 732
mahākāli kāpālini sandhihīnamanāhata |
pīṭhe dvādaśa […] purāvatsyādanāhate ||732||

„Mahakali, Kapalini“, ohne Sandhi; „im Anahata-Pitha, zwölf“ […]. Wie zuvor ist der Nyasa im Anahata auszuführen.

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach dvādaśa beschädigt; keine fehlende Zahl-/Lotusbeschreibung ergänzt.

Fleisch, Fett, Knochen und Mark

Vers 733
bījatrayaṃ sattvatamoratayaścaindramasta[stra?]kam‌ |
sambodhanaṃ mahācaṇḍakālyā lākini tatparam‌ ||733||

Die drei Bijas, Sattva, Tamas und Rati; Aindra-Astra [?]. Die Anrede „Mahachandakali“, danach „Lakini“ …

Anmerkung: Astra/Mastaka bereits Herausgeberfrage; die drei davorstehenden Bija-Namen Sattva, Tamas und Rati sind lesbar.

Vers 734
mama māṃsapadād dhātūn rakṣayugmaṃ trapāruṣau |
mahākāli samābhāṣya kāpālini samuddharet‌ ||734||

An „mein Fleisch“ schließe man „Bestandteile“ an; zweimal „raksha“, „schütze“, Trapa und Rush. Man spreche „Mahakali“, dann „Kapalini“ …

Anmerkung: Formelglieder mama māṃsadhātūn rakṣa rakṣa; vollständiger Schutzbefehl hier lesbar.

Vers 735
maṇipūrakapīṭhe ca daśa sarvaṃ puroktavat‌ |
nābhau pravinyased bījatrayaṃ punarapīrayet‌ ||735||

„Im Manipura-Pitha, zehn“, alles wie zuvor. Man setze dies am Nabel ein. Danach spreche man wieder die drei Bijas …

Vers 736
rūpaṃ rasastathā gandho vāruṇāstraṃ tataḥ param‌ |
mahācaṇḍapadāt kāli kākinyapi samuddharet‌ ||736||

… Rupa, Rasa und Gandha, danach Varuna-Astra. An „Mahachanda“ füge man „Kali“ an, dann „Kakini“ …

Vers 737
mamānu medodhātūṃśca rakṣayugmaṃ trapāruṣau |
nābhisthānavadasyānu samāṣṭākṣarī matā ||737||

Nach „meine“ die „Fettbestandteile“, zweimal „schütze“, Trapa und Rush. Danach dieselbe achtsilbige Folge wie bei der Nabelstelle …

Anmerkung: Verweis auf vorherige Anreden, nicht durch eine fremde Vollform ergänzt.

Vers 738
svādhiṣṭhānānu pīṭhe ṣaṭ svādhiṣṭhāne pravinyaset‌ |
śramārthambharā vāyavyāstraṃ vācyaṃ tribījataḥ ||738||

„Im Svadhishthana-Pitha, sechs“. Dies setze man im Svadhishthana ein. Nach den drei Bijas spreche man Shrama, Arthambhara und Vayavya-Astra …

Anmerkung: Wortgruppe śramārthambharā im OCR unsicher; Trennung und Namen nur vorläufig, keine fehlende Dreiergruppe aufgefüllt.

Vers 739
mahākṣarāccaṇḍakāli śākinyapi navākṣaram‌ |
mamāsthi tadanu grāhyā prākkṛtī ṣoḍaśākṣarī ||739||

An „Maha“ füge man „Chandakali, Shakini“ an: eine neunsilbige Folge. Dann „meine Knochen“ und die zuvor gebildete sechzehnsilbige Formel …

Anmerkung: Zählangaben9/16 bewahrt, keine fehlenden Laute ergänzt.

Vers 740
mūlādhārānu pīṭhe ca catustatraiva vinyaset‌ |
trayamadhvamanaḥkrodhāḥ yāmyāstraṃ tadanantaram‌ ||740||

„Im Muladhara-Pitha, vier“; dort setze man sie ein. Danach die drei [Anfangsbijas], Adhvan, Manas und Krodha, anschließend Yamya-Astra …

Vers 741
caṇḍakāli hākini ca mahākṣarayugāt paṭhet‌ |
mama majjāpadasyānte saiva syāt ṣoḍaśākṣarī ||741||

Nach den beiden Silben „Maha“ rezitiere man „Chandakali, Hakini“. An „mein Mark“ schließe sich dieselbe sechzehnsilbige Formel an …

Vers 742
ājñāpīṭhe dvīti vācyaṃ sandhihīnaṃ varānane |
ājñācakre nyasedenaṃ punarbījatrayaṃ smaret‌ ||742||

„Im Ajna-Pitha, zwei“ spreche man ohne Sandhi, Schönangesichtige. Dies setze man im Ajna-Chakra ein. Danach vergegenwärtige man wieder die drei Bijas …

Zeugungsstoff und den Körper durchdringende Formel

Vers 743
jīvadik[…]kālāstraṃ mahācaṇḍapadādanu |
kālī yākini [?] coddhṛtya mama śukraṃ samuddharet‌ ||743||

… Jiva, Dik, […] und Kala-Astra. An „Mahachanda“ füge man „Kali, Yakini [?]“ an, danach „mein Zeugungsstoff“ …

Anmerkung: Fragment: Glied zwischen Dik und Kala-Astra beschädigt; Yakini bereits mit Fragezeichen in der Quelle.

Vers 744
varṇāḥ ṣoḍaśa te'trāpi vyomapīṭhe'nu sarvaṃ ca |
pravinyased brahmarandhre mantro'nyo vyāpako hyataḥ ||744||

Auch hier folgen jene sechzehn Silben; „im Vyoma-Pitha“ und alles Weitere [wie zuvor]. Man setze dies am Brahmarandhra ein. Danach folgt ein anderer, durchdringender Mantra.

Vers 745
tānyeva trīṇi bījāni medhaṃ kālī ca yoginī |
[…] kūrcaḥ svarāḥ sarve tato vai nikhilā halaḥ ||745||

Dieselben drei Bijas, Medha, Kali und Yogini, […], Kurcha, sämtliche Vokale und danach alle Konsonanten …

Anmerkung: Fragment: Name vor Kurcha beschädigt; keine vollständige Alphabetreihe erfunden.

Vers 746
anantakoṭipadataḥ kālivargaśabdamuccaret‌ |
tato mahāsiddhicakrayoginīśaktiṃ coddharet‌ ||746||

An „unendliche Koti“ füge man „Scharen von Kalis“ an; danach „Maha-Siddhi-Chakra-Yogini-Shakti“, die Kraft der Yoginis des großen Vollendungskreises …

Anmerkung: Fortsetzung747; Zahlformel als traditionelle Unermesslichkeitsbezeichnung.

Vers 747
yuktāyai guhyakālyai hṛt sarvāṅgavyāpako manuḥ |
ityukto yoginīnyāsaḥ [saṃ?] devato nyāsa ucyate ||747||

… mit „verbundenen Guhyakali“ im Dativ und Herzabschluss. Dies ist der den ganzen Körper durchdringende Mantra. Damit ist der Yogini-Nyasa erklärt; nun wird der Gottheiten-Nyasa gelehrt.

Anmerkung: Quelle markiert ein Präfix vor devata als fraglich; nicht in einen neuen Nyasa-Namen umgedeutet. Guhyakālyai als Dativ sicher.

Gottheiten-Nyasa: Faktoren und erste Mantras

Vers 748
asya devatānyāsasya prajāpatirṛṣirmataḥ |
paṅktiśchandaḥ syāt samastadevatā devatā tathā ||748||

Für diesen Gottheiten-Nyasa gilt Prajapati als Rishi, Pankti als Metrum; sämtliche Gottheiten bilden seine Gottheit.

Vers 749
tāramedhau bījakīlau pāśaḥ śaktirudāhṛtaḥ |
trapā tattvaṃ tataḥ sarvasiddhyarthe viniyogatā ||749||

Tara und Medha sind Bija und Kilaka, Pasha wird als Shakti genannt, Trapa als Tattva. Die Anwendung dient allen Vollendungen.

Anmerkung: Reihenfolge Bija/Kilaka wie Quelle, nicht mit Shakti vertauscht.

Vers 750
bhinnaṃ bhinnaṃ samuddhāraṃ mantrāṇāṃ tvaṃ niśāmaya |
praṇavo ḍākinī lajjā tato bhagavate padam‌ ||750||

Höre nun den Aufbau jedes einzelnen Mantras: Pranava, Dakini und Lajja, dann das Wort „Bhagavate“, „dem Erhabenen“ …

Vers 751
rudrāya kālādityau ca […] paramātmane |
ādyo manurayaṃ prokto hyanyeṣāmuddhṛtiṃ śṛṇu ||751||

… „Rudraya“, „Rudra“, Kala und Aditya, […] und „Paramatmane“, „dem höchsten Selbst“. Damit ist der erste Mantra genannt; höre den Aufbau der anderen.

Anmerkung: Fragment: Glied vor Paramatmane unlesbar. Quellziffer 051 im Zusammenhang751.

Vers 752
vedādiḍākinīlajjāstāro nṛharireva ca |
gauḥ […] tataḥ ṅe'ntamudīrayet‌ ||752||

Vedadi, Dakini, Lajja, Tara und Nrihari; Gau, […] danach spreche man im Dativ …

Anmerkung: Fragment: Zahlen-/Lautanweisung nach Gau beschädigt; keine sechste Silbe geraten.

Vers 753
ādau kṣapitatamā [?] narasiṃhastataḥ param‌ |
kālādityau tato ṅe'nto jñānātmā hṛdayaṃ tathā ||753||

… zuerst „dessen Dunkelheit vernichtet ist“ [?], danach Narasimha, Kala und Aditya, dann Jnanatman im Dativ, „dem Erkenntnisselbst“, und Herzabschluss.

Anmerkung: Kṣapitatamas bereits fraglich in Quelle. Nummer beschädigt, Folge753.

Vers 754
tṛtīye tu dvitīyādyāścatvāro'rṇāḥ […] |
vīryanirjitadikcakrapadaṃ ṅe'ntamataḥ param‌ ||754||

Im dritten stehen die vier Anfangslaute des zweiten […]. Danach im Dativ „dem, der durch seine Kraft den Kreis der Himmelsrichtungen bezwungen hat“ …

Anmerkung: Fragment: zusätzliches Lautglied nach den vier Anfangslauten beschädigt; viryanirjitadikcakra lesbar.

Dharma, Nichtanhaften und ihre Gegenstücke

Vers 755
kālādityau ca dharmāya nama ityantimākṣarāḥ |
ādyasyādyāstrayo varṇā mānasaṃ turya […] ||755||

Kala und Aditya, dann als Schlussworte „dharmaya namah“, „Verehrung dem Dharma“. Im vierten […] die ersten drei Laute des ersten und Manasa …

Anmerkung: Fragment: letzte Verbindung beschädigt.

Vers 756
ṅe'ntaṃ tejaścaṇḍapadaṃ kālādityāvataḥ param‌ |
vairāgyāya namaścānte pañcame tata ādimā ||756||

„Tejashchanda“ im Dativ, „dem durch Glanz Gewaltigen“, danach Kala und Aditya; am Ende „vairagyaya namah“, „Verehrung dem Nichtanhaften“. Im fünften folgt die anfängliche …

Anmerkung: Fortsetzung757.

Vers 757
bījatrayī ca dhanadā […] ādityāstadanvatha |
ṅe'nto'mṛtātmā tatpaścāt kālādityāvataḥ param‌ ||757||

… Dreiergruppe von Bijas, Dhanada, […] und Aditya; danach Amritatman im Dativ, „dem unsterblichen Selbst“, anschließend Kala und Aditya …

Anmerkung: Fragment: Bija-Gruppe nach Dhanada beschädigt; wiederholtes Aditya nicht gestrichen.

Vers 758
aiśvaryāya namo'nte ca ṣaṣṭha ādau tribījyatha |
tatastārakaphoṇau ca jvalayugaṃ […] ||758||

… und am Ende „aishvaryaya namah“, „Verehrung der Herrschermacht“. Im sechsten stehen zuerst die drei Bijas, dann Taraka und Phona, zweimal „jvala“, „brenne“, und […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussglied beschädigt; Phona nach sichtbarer Schreibung, unsicher. Nummer im OCR beschädigt, Folge758.

Vers 756 (Folgeposition 759)
ṅe'ntaṃ gīrvāṇamukhaṃ ca kālādityāvanantaram‌ |
adharmāya namaścānte saptamaṃ kathayāmi te ||756||

„Girvanamukha“ im Dativ, „dem Mund der Götter“, danach Kala und Aditya und als Abschluss „adharmaya namah“, „Verehrung dem Adharma“. Nun erkläre ich dir den siebten …

Anmerkung: Adharma, das Gegenstück zu Dharma, ausdrücklich in der Quelle; nicht aus inhaltlichem Unbehagen korrigiert. Quellziffer 756 an Folgeposition759 bewahrt.

Vers 760
tribījī daṇḍagrāvau ca jvālāmālī tataḥ param‌ |
kālādityaprathamato […] vajramahābalaḥ ||760||

Die drei Bijas, Danda und Grava, danach Jvalamali; Kala und Aditya zuvor […], dann „Vajramahabala“, „mit gewaltiger Donnerkeilkraft“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung und genaue Stellung um Vajramahabala beschädigt. OCR-Ziffer7560 im Zusammenhang760.

Vers 761
ajñānāya namaḥ śeṣe manūnanyānatho śṛṇu |
ādau […] vedādiḥ kālādityau ca paścime ||761||

Am Ende „ajnanaya namah“, „Verehrung dem Nichtwissen“. Höre nun die anderen Mantras: Am Anfang […] Vedadi, am Ende Kala und Aditya …

Anmerkung: Fragment: allgemeine Einleitungsbestimmung beschädigt; Verehrung des Nichtwissens als Quellwortlaut bewahrt.

Brahma, Vishnu, Rudra und weitere Widmungen

Vers 762
sattvaṃ ca brahmaṇe cādya ādhānaṃ nāda eva ca |
viṣṇave'yaṃ dvitīyaḥ syāt tṛtīye cādhvatārakau ||762||

Im ersten Sattva und „Brahmane“, „Brahma“; im zweiten Adhana, Nada und „Vishnave“, „Vishnu“. Im dritten Adhvan und Taraka …

Vers 763
rudrāya turye jīvārṇamīśvarāyātha pañcame |
icchā sadāśivāya syāt ṣaṣṭhe tu glānibījataḥ ||763||

… und „Rudraya“, „Rudra“. Im vierten das Jiva-Lautglied und „Ishvaraya“, „Ishvara“; im fünften Iccha und „Sadashivaya“, „Sadashiva“. Im sechsten nach dem Glani-Bija …

Vers 764
ātmajñānāya tadanu parajñānāya pūrakāt‌ |
daṇḍādaghorāya tatastvaco ghorāya tatparam‌ ||764||

… „Atmajnanaya“, „der Selbsterkenntnis“; danach, nach Puraka, „Parajnanaya“, „der höchsten Erkenntnis“. Nach Danda „Aghoraya“, „dem Nichtfurchtbaren“, dann nach Tvach „Ghoraya“, „dem Furchtbaren“ [Lesung unsicher].

Anmerkung: Quelle sichtbar tvaco ghorāya, hier ohne ergänztes Avagraha bewahrt. Als Sandhi auch tvaco aghorāya möglich; Gegensinn nicht als gesicherte Lesung behauptet.

Vers 765
prāsādād ghorarūpāya bhairavāya tathā […] |
śuklācca vīrabhadrāya pretāt ṅe'ntamataḥ param‌ ||765||

Nach Prasada „Ghorarupaya Bhairavaya“, „dem furchtgestaltigen Bhairava“, […]; nach Shukla „Virabhadraya“, „Virabhadra“. Nach Preta im Dativ …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort nach Bhairava unlesbar.

Vers 766
śarabhavanamityevaṃ padaṃ devi niyojayet‌ |
balapramathanaḥ paścāt pracaṇḍadaṇḍa ityapi ||766||

… setze man das Wort „Sharabhavana“ ein, Göttin. Danach Balapramathana, „Kraft Zermalmender“, und Prachandadanda, „mit gewaltigem Strafstab“ …

Anmerkung: Sharabhavana nach sichtbarem Wortlaut, unsicher; kein fehlender Teil eines Sharabha-Namens ergänzt.

Vers 767
paramātmā vākpatiśca ṅe'ntāṃścatura īrayet‌ |
tato bhūtalapātālavāsiśabdo bhyasantimaḥ ||767||

… Paramatman, „höchstes Selbst“, und Vakpati, „Herr der Rede“: Diese vier spreche man im Dativ. Danach „die auf der Erde und in der Unterwelt wohnen“, mit der Dativ-Pluralendung -bhyas …

Vers 760 (Folgeposition 768)
pracaṇḍabhairavāyātha vadet sarvātmane priye |
namo rudrāya cetyante sthānānyākalayādhunā ||760||

Dann spreche man „Prachandabhairavaya“, „dem gewaltigen Bhairava“, und „Sarvatmane“, „dem Selbst von allem“, Geliebte. Am Ende „namo rudraya“, „Verehrung Rudra“. Vernimm jetzt die Körperstellen.

Anmerkung: Quellziffer 760 an Folgeposition768 bewahrt.

Körperstellen und feinstoffliche Stationen

Vers 769
ādau lalāṭe'nu dṛśorgaṇḍayoḥ karṇayorapi |
skandhayoratha bāhvośca karāṅguliṣu vakṣasi ||769||

Zuerst an der Stirn, dann an den Augen, Wangen und Ohren, den Schultern, Armen, Fingern und der Brust …

Vers 770
jaṅghāyāṃ pādayoḥ pādāṅgulīṣvatha anāhate |
punastāluni bindau cārdhacandre nāda eva ca ||770||

… am Unterschenkel, an den Füßen und Zehen, dann im Anahata, ferner am Gaumen, im Bindu, im Halbmond und im Nada …

Anmerkung: Jangha im Singular der Quelle; nicht stillschweigend als Paar gezählt.

Vers 771
nirodhikāyāṃ vyāpinyāṃ rasanāyāṃ tataḥ param‌ |
kulākule manonmanyāmunmanyāṃ śāmbhavāntime ||771||

… in Nirodhika, Vyapini und danach Rasana, in Kula-Akula, Manonmani, Unmani und am Shambhava-Endpunkt …

Anmerkung: Überlieferte subtile Stationen; keine modernen anatomischen Zuordnungen erfunden.

Vers 772
ṣoḍaśānte ca sūkṣmānte parānte kula eva ca |
saptaviṃśatiretāni vyāpakaṃ […] param‌ ||772||

… am Shodashanta, Sukshmanta, Paranta und im Kula. Dies sind siebenundzwanzig Stellen. Danach die durchdringende Form […] …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort beschädigt; Kontrollzahl27 nicht durch erzwungene Körperzählung harmonisiert.

Vers 773
caitanyaḍākinīlajjātārebhyaḥ parikīrtayet‌ |
ṅe'ntaḥ pracaṇḍacaṇḍānu mahāghorānu bhairavaḥ ||773||

Nach Chaitanya, Dakini, Lajja und Tara spreche man im Dativ „Prachanda, Chanda, Mahaghora, Bhairava“: „dem gewaltigen, wilden, überaus furchtbaren Bhairava“ …

Vers 774
kramād dvirdviranuccārya […] jvala prajvala |
ḍākinī bhāsākūṭaṃ ca kaumudī roṣasaṃvidau ||774||

… der Reihe nach jeweils zweimal […], „jvala“ und „prajvala“, „brenne“ und „lodere auf“. Dakini, Bhasa-Kuta, Kaumudi, Rosha und Samvit …

Anmerkung: Fragment: Wort vor den beiden Feuerverben beschädigt; Wiederholung nicht auf unbekanntes Glied konkretisiert.

Vers 775
kālanāśaka māṃ rakṣadvitayaṃ tadanantaram‌ |
[…] mahāpracaṇḍānu bhairavaḥ prāg dvibījyapi ||775||

„Kalanashaka“, „Vernichter der Zeit“, dann „mich schütze, schütze“; […], nach „Mahaprachanda“ Bhairava und die frühere Zweiergruppe von Bijas …

Anmerkung: Fragment: Verbindung beziehungsweise Formelglied am Beginn der zweiten Hälfte beschädigt; keine vollständige Schlussformel ergänzt.

Vers 776
etena vyāpakaṃ nyasyed devatānyāsa īdṛśaḥ |
atha mantrakramanyāsaṃ ṣaṣṭhamākalayābale ||776||

Mit diesem Mantra vollziehe man das durchdringende Einsetzen. So ist der Gottheiten-Nyasa beschaffen. Vernimm nun den sechsten, den Mantra-Krama-Nyasa, du Zarte.

Anmerkung: Abalā traditionelle Anrede, wörtlich „Schwache“; nicht als allgemeine Aussage über Frauen gedeutet.

Mantra-Krama: Faktoren und zehn Gesichtsmantras

Vers 777
bharadvāja ṛṣistasya chanda uṣṇik tathaiva ca |
samastamantrāścaitasya devatāḥ parikīrtitāḥ ||777||

Sein Rishi ist Bharadvaja, sein Metrum Ushnih. Als seine Gottheiten werden sämtliche Mantras genannt.

Vers 778
tāro bījaṃ trapā śaktirhākinī kīlakaṃ tathā |
kūrcastattvaṃ tataḥ sarvābhīṣṭasiddhyartha eva ca ||778||

Tara ist das Bija, Trapa die Shakti, Hakini das Kilaka und Kurcha das Tattva. Zur Erfüllung alles Erwünschten …

Anmerkung: Fortsetzung779.

Vers 779
viniyogaḥ samuddiṣṭo nyāsoddhāramatho śṛṇu |
daśānāmapi vaktrāṇāṃ daśa mantrāḥ pṛthak pṛthak‌ ||779||

… ist seine Anwendung bestimmt. Höre nun den Aufbau des Nyasa. Für die zehn Gesichter gibt es zehn einzelne Mantras, je einen für jedes Gesicht.

Anmerkung: Zehn insgesamt, je einer für jedes Gesicht, wie Folge791–794 verdeutlicht.

Vers 780
tāṃste vivicya vakṣyāmi tato'nyānaparān kramāt‌ |
akhilānāṃ purastāro ḍākinī bhuvaneśvarī ||780||

Ich werde sie dir einzeln erklären, danach die übrigen der Reihe nach. Allen stehen Tara, Dakini und Bhuvaneshvari voran …

Vers 781
tattadvaktrāya hṛccānte viśeṣaṃ madhyagaṃ […] |
vadhūbījānmahācaṇḍayogeśvari samuddharet‌ ||781||

… am Schluss „dem jeweiligen Gesicht“ und der Herzabschluss. Die unterschiedlichen Mittelglieder […]: Nach dem Vadhu-Bija füge man „Mahachandayogeshvari“ an …

Anmerkung: Fragment: Aufforderungsverb der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 702 (Folgeposition 782)
mānasaṃ vastrakāpāle prathamo'yaṃ manurmataḥ |
vedādiyoginīroṣavadhūmarmarisaṃvidaḥ ||702||

… Manasa, Vastra und Kapala: Dies gilt als erster Mantra. [Der zweite enthält:] Vedadi, Yogini, Rosha, Vadhu, Marmari und Samvit …

Anmerkung: Quellziffer 702 an Folgeposition782 bewahrt; Wort Vastra sichtbar, nicht in Astra geändert.

Weitere Gesichtsformeln

Vers 783
tṛtīye sānurastrāṇāṃ tritayaṃ samudāhṛtam‌ |
turye tu nigamādīruḍbāndhavaḥ sānucullikau ||783||

Im dritten werden Sanu und dreimal Astra genannt. Im vierten Nigamadi, Rut und Bandhava, Sanu und Chullika …

Anmerkung: Seltene Namen nach sichtbarem Wortlaut.

Vers 784
ruṭsaṃvidastrāṇi tataḥ pañcamaṃ kalayādhunā |
vadhūbāndhavamāṇḍilyakumbhāṅgāḥ krodha eva ca ||784||

… dann Rut, Samvit und Astra. Vernimm nun den fünften: Vadhu, Bandhava, Mandilya, Kumbha, Anga und Krodha …

Anmerkung: Kumbha/Anga als vorläufige Trennung; nicht zur Sollzahl ergänzt.

Vers 785
divyabhālaḥ saṃvidastre kūrcatritayameva ca |
astratritayamasyānu ṣaṣṭhaṃ vacmyadhunā priye ||785||

… Divyabhala, Samvit und Astra, dreimal Kurcha und danach dreimal Astra. Nun erkläre ich den sechsten, Geliebte …

Vers 786
puṣpamālaikāvalī ca kaumudīcāmarakramāḥ |
saṃvit […] tristriśca saptamaṃ kathayāmi te ||786||

… Pushpamala und Ekavali, Kaumudi, Chamara und Krama, Samvit, […] jeweils dreimal. Nun erkläre ich dir den siebten …

Anmerkung: Fragment: Lautglieder nach Samvit beschädigt; Wiederholungsbezug nicht erfunden.

Vers 787
yoginīvidyudamṛtamekhalāhārakinnarāḥ |
saṃvidroṣatrayaṃ cāstratritayaṃ tadanantaram‌ ||787||

… Yogini, Vidyut, Amrita, Mekhala, Hara und Kinnara, Samvit, dreimal Rosha und danach dreimal Astra …

Vers 788
aṣṭamaḥ śākinī bhogaśṛṅkhalāpralayāṃśavaḥ |
bhrāmarīsaṃvidastrāṇi tristriḥ kūrcāstrayorapi ||788||

Der achte: Shakini, Bhoga, Shrinkhala, Pralaya und Amshu; Bhramari, Samvit und Astra, jeweils dreimal Kurcha und Astra.

Anmerkung: Die doppelte Nennung Astra bleibt bestehen.

Vers 789
navame tu puraḥ preto haimanāstraṃ ca daṇḍayuk‌ |
kālī nityaśca śaṅkhaśca daśamaṃ kalayādhunā ||789||

Im neunten stehen zuerst Preta und Haimana-Astra zusammen mit Danda, Kali, Nitya und Shankha. Vernimm nun den zehnten …

Vers 760 (Folgeposition 790)
nityakāmaprabhāratnakumbhāḥ phalakameva ca |
divyabhālaḥ puṣpamālā saṃvid roṣāstrayostrayam‌ ||760||

… Nitya, Kama, Prabha, Ratna und Kumbha, Phalaka, Divyabhala, Pushpamala und Samvit, dreimal Rosha und dreimal Astra.

Anmerkung: Quellziffer 760 an Folgeposition790 bewahrt.

Gesichtsarten und Körperstellen

Vers 791
prākṛtīni tu vaktrasya pravadāmyadhunā tava |
dvīpī siṃhaśca pheruśca kapirṛkṣo narastathā ||791||

Nun nenne ich dir die ursprünglichen Arten der Gesichter: Panther, Löwe, Schakal, Affe, Bär und Mensch …

Anmerkung: Prākṛtīni leicht beschädigt, Sinn „zugrunde liegende Gestalten“; keine zoologische Artgenauigkeit behauptet.

Vers 762 (Folgeposition 792)
garuḍo makaraścaiva gajo haya itaḥ […] |
atha sthānamākhyāsye daśānāmapi pārvati ||762||

… Garuda, Makara, Elefant und Pferd […]. Nun nenne ich die Stellen aller zehn, Parvati.

Anmerkung: Fragment: letztes Verbindungswort der ersten Hälfte beschädigt. Quellziffer 762 an Folgeposition792 bewahrt.

Vers 793
tato'parān manūn vakṣye sthānaṃ teṣāṃ tataḥ param‌ |
brahmarandhraṃ lalāṭaṃ ca netre dakṣiṇavāmake ||793||

Danach werde ich weitere Mantras und anschließend ihre Stellen nennen. [Für die zehn Gesichter:] Brahmarandhra, Stirn, rechtes und linkes Auge …

Vers 794
karṇau tathā kapolau ca hṛdayaṃ śira eva ca |
ṣaḍanyānaparān mantrānuddharāmyavadhāraya ||794||

… beide Ohren, beide Wangen, Herz und Kopf. Nun erschließe ich sechs weitere Mantras; höre aufmerksam.

Mantras der sechs Chakras

Vers 795
prāktanyeva tribījyādau hṛnmantrān sandhisaṃyutān‌ |
cāmuṇḍāṃ samanuddhṛtya mālinyapi karaṅkataḥ ||795||

Zuerst dieselbe frühere Dreiergruppe von Bijas, mit dem Herzmantra durch Sandhi verbunden; dann Chamunda und an „Karanka“ anschließend „Malini“, „Skelettgirlanden-Trägerin“ …

Anmerkung: Hṛnmantrān im Plural der Quelle trotz knapper Anweisung bewahrt; keine zusätzliche Anzahl ergänzt.

Vers 796
punaḥ karaṅkamālānu dhāriṇi pratikīrtayet‌ |
tato bhagavati procya icchānirvedasaṃvidaḥ ||796||

Wiederum verbinde man „Skelettgirlande“ mit „Dharini“, „Trägerin“. Dann spreche man „Bhagavati“, „Erhabene“, und Iccha, Nirveda und Samvit …

Anmerkung: Wiederholte Skelettgirlanden-Anrede nicht als Dublette entfernt.

Vers 797
caṇḍakāpālinīśabdo mahātaḥ kālikā tathā |
ubhayaṃ ṅe'ntamullikhya śeṣe hṛnmantramuddharet‌ ||797||

… den Namen Chandakapalini und Mahakalika. Beide schreibe man im Dativ und füge am Schluss den Herzmantra an.

Anmerkung: Beide Namen sind als Dativanreden bestimmt; nicht zu einer einzelnen Göttinnenbezeichnung zusammengezogen.

Vers 798
mūlādhāre nyasedenaṃ dvitīyamavadhāraya |
pūrvoditatribījyante gāmastraṃ parikīrtayet‌ ||798||

Diesen Mantra setze man im Muladhara ein. Vernimm den zweiten: Nach der zuvor genannten Dreiergruppe von Bijas spreche man Gamastra …

Anmerkung: Gām astra im sichtbaren Text unklare Worttrennung beziehungsweise Waffenbezeichnung; keine sichere Silbenauflösung. Versnummer beschädigt, Folge798.

Vers 799
mahācaṇḍād bhairavi ca bhrāmarīmatha dakṣiṇām‌ |
astraṃ prasvāpanāstraṃ ca cūḍāmaṇimataḥ param‌ ||799||

An „Mahachanda“ füge man „Bhairavi“ an, dann Bhramari und Dakshina, Astra, Prasvapana-Astra und danach Chudamani …

Anmerkung: Prasvapana-Astra: einschläfernde rituelle Waffe; Bija-/Waffenname, keine materielle Substanzanleitung.

Vers 800
dvīpārṇādapyana[…] kīlaṃ tadanu mekhalā |
skāndāstrāt tatpunarvācyaṃ mekhalā prāgvadīritam‌ ||800||

Nach dem Dvipa-Laut […] Kila und danach Mekhala; nach Skanda-Astra ist jenes erneut zu sprechen, Mekhala wie zuvor angegeben …

Anmerkung: Fragment: Anfangsverbindung beschädigt; knappe Rückverweise nicht zu einer erfundenen vollständigen Formel entfaltet.

Vers 801
svādhiṣṭhāne nyasedenaṃ tṛtīyamadhunā […] |
tāro māyā maulyanalavihīnā mekhalā tataḥ ||801||

Diesen setze man im Svadhishthana ein. Nun den dritten […]: Tara, Maya ohne Mauli und Anala, danach Mekhala …

Anmerkung: Fragment: Verb der ersten Hälfte unlesbar; Zuordnung der Weglassungsanweisung maulyanalavihīnā zu Maya vorläufig, keine konkrete Silbe rekonstruiert.

Vers 802
digadhaḥ sānalā […] kākinīkālikāruṣaḥ |
astramante nyasedenaṃ maṇipūre varānane ||802||

Dik darunter, mit Anala […]; Kakini, Kalika und Rush, am Ende Astra. Dies setze man im Manipura ein, Schönangesichtige.

Anmerkung: Fragment: Lautanweisung der ersten Hälfte beschädigt; kein kompletter Silbenaufbau behauptet.

Vers 803
pāśāstraiḥ kālikā ca trapā ca triśikhā tathā |
mānasaṃ kākinī caiva kāpālaṃ vajramastrayuk‌ ||803||

Pasha und Astra, Kalika, Trapa und Trishikha, Manasa, Kakini, Kapala und Vajra zusammen mit Astra …

Anmerkung: Anfangsform im OCR leicht beschädigt; keine Anzahl aus Kasusendung geraten.

Vers 804
anāhate nyasedenaṃ viśuddheradhunā […] |
purato ratināgau caudumbaraṃ hāramekhale ||804||

Dies setze man im Anahata ein. Nun [höre] die Form für Vishuddhi […]: zuerst Rati und Naga, Audumbara, Hara und Mekhala …

Anmerkung: Fragment: Verb am Ende der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 805
[…] tadanantaramīśvari |
adhvaśramādhānajīvasaṅkhyakaṃ pratilomataḥ ||805||

[…] danach, Herrin; die Folge Adhvan, Shrama, Adhana und Jiva in umgekehrter Reihenfolge …

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte stark beschädigt; keine Zahl der fehlenden Bijas ergänzt.

Vers 806
kālikāyai namaścānte ājñāyāḥ kalayādhunā |
hāraṃ yamamukhi procya yamahaste tataḥ param‌ ||806||

Am Ende „Kalikayai namah“, „Verehrung der Kalika“. Vernimm nun die Form für Ajna: Hara, „Yamamukhi“, „Yama-Gesichtige“, und danach „Yamahaste“, „mit Yama in der Hand“ …

Anmerkung: Anreden in ihrer sichtbaren Zusammensetzung bewahrt; nicht in andere ikonografische Attribute umgedeutet.

Vers 807
sānu jambhaṃ tathā cūḍāmaṇimastratrayaṃ tataḥ |
ṣaṭcakramantrānetān vai vinyasya tadanantaram‌ ||807||

Sanu, Jambha und Chudamani, danach dreimal Astra. Nachdem man diese Mantras der sechs Chakras eingesetzt hat …

Anmerkung: Fortsetzung808.

Bharati, drei Gesichter und sechzehn Stellen

Vers 808
bhāratyā eva sarvatra ṣaḍaṅgaṃ cācaret punaḥ |
punastasyaiva mantrasya saptārṇān parikīrtya vai ||808||

… vollziehe man überall erneut den sechsgliedrigen Nyasa der Bharati. Dann spreche man die sieben Silben desselben Mantras …

Anmerkung: Bharati als überlieferter Mantra-/Göttinnenbezug; keine konkrete Sarasvati-Form von außen ergänzt.

Vers 809
vaded dakṣiṇavaktrāya hṛdante dakṣiṇe nyaset‌ |
tadanu tryarṇamābhāṣya vāmavaktrāya hṛt tathā ||809||

… und „Dakshinavaktraya“, „dem rechten Gesicht“, mit Herzabschluss; rechts setze man dies ein. Danach die drei Silben, „Vamavaktraya“, „dem linken Gesicht“, und Herzabschluss …

Anmerkung: Die sieben beziehungsweise drei Silben werden nur durch Rückverweis genannt.

Vers 810
vāme pravinyaseddevi […] ṣaḍakṣaram‌ |
procya madhyamavaktrāya namo'nte madhyato nyaset‌ ||810||

… links setze man dies ein, Göttin. Nach der sechssilbigen [Folge] […] spreche man „Madhyamavaktraya namah“, „Verehrung dem mittleren Gesicht“, und setze sie in der Mitte ein.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort vor ṣaḍakṣara beschädigt; keine sechs ungenannten Silben ergänzt.

Vers 811
punarmūlamanordevi ekaikaṃ varṇamuccaran‌ |
rāvābhyāṃ puṭitaṃ kṛtvā madhyagaṃ taṃ yathāsthitam‌ ||811||

Dann spreche man jeden einzelnen Laut des Grundmantras, Göttin, jeweils zwischen zwei Rava-Bijas gesetzt, und lasse ihn in der Mitte an seiner vorgesehenen Stelle stehen …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge811.

Vers 812
sthaleṣu vakṣyamāṇeṣu vinyaset ṣoḍaśasvapi |
tattatsthānapadaṃ muktvā navārṇāccheṣato vadet‌ ||812||

… und setze ihn an den sechzehn gleich zu nennenden Stellen ein. Abgesehen vom Wort für die jeweilige Stelle spreche man am Schluss die neun Silben …

Vers 813
tacca deveśvari sthānapādukāṃ pūjayāmi hi |
[…] sthāna[…] te kathayāmyaham‌ ||813||

… nämlich, Herrin der Götter, „sthanapadukam pujayami“, „ich verehre die Sandalen der [jeweiligen] Stelle“. […] Die Stellen […] werde ich dir nennen.

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte beschädigt; Formelteil erste Hälfte lesbar.

Vers 814
ādau śiro'nu hṛdayaṃ nābhiśca tadanantaram‌ |
tato dakṣiṇanetraṃ ca vāmanetramataḥ param‌ ||814||

Zuerst der Kopf, dann das Herz und danach der Nabel, anschließend das rechte und das linke Auge …

Vers 815
vāmanāsāpuṭaṃ nāsāpuṭaṃ dakṣiṇatastathā |
vāmakarṇo dakṣiṇataḥ karṇo liṅgaṃ tathaiva ca ||815||

… linke und rechte Nasenöffnung, linkes und rechtes Ohr und das Glied …

Vers 816
guhyaṃ bhrūmadhyamasyānu brahmarandhraṃ śirastathā |
tato mastakātpādāntaṃ pādānmastakāntaṃ tathā ||816||

… der geheime Bereich, dann die Mitte zwischen den Augenbrauen, Brahmarandhra und Kopf; danach vom Kopf bis zu den Füßen und von den Füßen bis zum Kopf.

Anmerkung: Guhya neben linga815 als eigene Körperregion bewahrt; nicht beide zusammengestrichen. Kopf wiederholt814, Quelle bleibt unverändert.

Vers 817
iti ṣoḍaśa deveśi sthānāni kathitāni [te?] |
asyānu mantradvitayaṃ vartate sāṅgatākaram‌ ||817||

So sind [dir?], Herrin der Götter, die sechzehn Stellen genannt. Danach folgen zwei Mantras, die den Vollzug mit allen Gliedern vervollständigen.

Anmerkung: Te bereits Herausgeberfrage, Sinn eindeutig; Nummer im OCR beschädigt, Folge817.

Zwei Schlussmantras und Abschluss des Laghu-Shodha

Vers 818
tadākalaya tāraśrīsaṃvido guhyakālikam‌ |
astraṃ triḥ krodhahṛdī śirasi prativinyaset‌ ||818||

Vernimm sie: Tara, Shri und Samvit, Guhyakalika, dreimal Astra, Krodha und Herzabschluss. Dies setze man am Kopf ein.

Anmerkung: Guhyakalika hier als benanntes Formelglied, genaue Kasusform nicht ausgeschrieben ergänzt.

Vers 819
manuṃ dvitīyaṃ sarvāṅgavyāpakaṃ kalayādhunā |
praṇavo ḍākinī lajjā caitanyaṃ ḍākinī trapā ||819||

Vernimm nun den zweiten Mantra, der den ganzen Körper durchdringt: Pranava, Dakini, Lajja, Chaitanya, Dakini und Trapa …

Anmerkung: Wiederholte Dakini nicht entfernt.

Vers 820
kamalaṃ ḍākinī cāpi meṣo nādo […] yuk‌ |
astraṃ ca kūrcayormadhye ḍākinī tadanantaram‌ ||820||

… Kamala, Dakini, Mesha, Nada verbunden mit […], Astra zwischen zwei Kurcha-Bijas, danach Dakini …

Anmerkung: Fragment: Name nach Nada beschädigt; Mesha gemäß sichtbarer Schreibung, nicht Medha ersetzt.

Vers 821
tataḥ siddhikarālyuktvā tārarāvau prakīrtayet‌ |
[…] nādo […] śirasaṃ rākāṃ tadanu coddharet‌ ||821||

Dann spreche man Siddhikarali, Tara und Rava; […], Nada, […], Shiras und danach Raka …

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte stark beschädigt; Shiras als sichtbares Glied, genaue Funktion nicht sicher.

Vers 822
tato mahācaṇḍayogeśvarīpadamudīrayet‌ |
śrīpādukāyai hṛccānte'munā hi vyāpakaṃ caret‌ ||822||

Danach spreche man den Namen Mahachandayogeshvari, „Shripadukayai“, „den ehrwürdigen Sandalen“, und als Abschluss den Herzmantra. Damit vollziehe man das durchdringende Einsetzen.

Vers 823
ityeṣa kathito devi mantranyāso mahāphalaḥ |
enaṃ vidhāya sarvānte laghuṣoḍhā samāpyate ||823||

Damit ist, Göttin, der Mantra-Nyasa mit seiner großen Frucht erklärt. Wenn man ihn ganz am Ende ausgeführt hat, ist der Laghu-Shodha-Nyasa abgeschlossen.

Anmerkung: Nummer im OCR beschädigt, Folge823; spätere Bali-Abschlussriten werden trotzdem weiterübersetzt.

Vers 824
nānayā sadṛśī […] lokeṣu vidyate |
kālīkulakramāyātā siddhidā parameśvarī ||824||

Eine ihr gleiche […] gibt es in den Welten nicht. Sie stammt aus dem Kali-Kula-Krama, gewährt Siddhi und ist höchste Herrin.

Anmerkung: Fragment: Vergleichsbezeichnung der ersten Hälfte beschädigt; Quelle personifiziert den Nyasa als Göttin. Versnummer am Seitenwechsel getrennt,824.

Lobpreis und zwei Bali-Gaben

Vers 825
laghuṣoḍheti vikhyātā nāmneyaṃ nikhilāgame |
kartavyā bhaktibhāvena guhyāsantoṣahetave ||825||

In sämtlichen Agamas ist diese Form unter dem Namen Laghu-Shodha bekannt. Sie soll mit Hingabe ausgeführt werden, um Guhya zufriedenzustellen.

Anmerkung: Guhya als Kurzbezeichnung der Göttin nach Kontext.

Vers 826
nyāsānāmiha sarveṣāmiyaṃ mukhyatamā matā |
vinyastavyā prayatnena bahumaṅgalamicchatā ||826||

Von allen Nyasas gilt sie hier als die vorzüglichste. Wer reiches Heil wünscht, soll sie sorgfältig einsetzen.

Anmerkung: Traditionelle Vorrangbehauptung.

Vers 827
laghuṣoḍhāṃ samāpyetthaṃ dadyāddevi balidvayam‌ |
ekena rudramantreṇa bhairavasyāpareṇa ca ||827||

Nachdem man den Laghu-Shodha so abgeschlossen hat, soll man zwei Bali-Gaben darbringen, Göttin: eine mit dem Rudra-Mantra, die andere mit dem Bhairava-Mantra.

Anmerkung: Bali ist rituelle Opfergabe; Stoffe erst im weiteren Text beziehungsweise Rückverweis bestimmt.

Der Rudra-Mantra zur ersten Bali-Gabe

Vers 828
tayoruddhāramadhunā samākalaya pārvati |
trapālakṣmyau sarvapīṭhe […] tataḥ param‌ ||828||

Vernimm nun ihren Aufbau, Parvati: Trapa und Lakshmi, „Sarvapithe“, „an allen heiligen Sitzen“, […] und danach …

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte weist sichtbare Beschädigung auf; keine vollständige Ortsanrufung ergänzt.

Vers 829
cakrayogeśvarī procya candrapīṭhe tato vadet‌ |
vyomakālī samābhāṣya siddhipīṭhe tato vadet‌ ||829||

… „Chakrayogeshvari“, dann „Chandrapithe“, „am Mondsitz“. Nach „Vyomakali“ spreche man „Siddhipithe“, „am Vollendungssitz“ …

Anmerkung: Quelle siddhipīṭhe, „Siddhi-Sitz“; nicht stillschweigend ein geografisch bestimmtes Siddhapitha behauptet.

Vers 830
[…] yogapīṭhe tataḥ param‌ |
bhīmakālī kāmarūpapīṭhe tadanu kīrtayet‌ ||830||

[…], danach „Yogapithe“, „am Yoga-Sitz“. Dann nenne man Bhimakali und „Kamarupapithe“, „am Pitha Kamarupa“ …

Anmerkung: Fragment: erste Göttinnenanrede beschädigt.

Vers 831
siddhikālī pūrṇagiripīṭhe tasyānu saṃvadet‌ |
caṇḍakālī oḍḍiyānapīṭhe tasyāpyanūccaret‌ ||831||

… Siddhikali und „am Pitha Purnagiri“, danach Chandakali und „am Pitha Oddiyana“ …

Vers 832
raktakālī samābhāṣya rāvāntā caturakṣarī |
pretaśca bhairavī sarvasamayāllābhamīrayet‌ ||832||

Nach Raktakali eine viersilbige, mit Rava endende Folge; Preta und Bhairavi. Man verbinde „sämtliche Samayas“ mit „Erlangen“ …

Anmerkung: Nicht ausgeschriebene viersilbige Folge unergänzt; Samaya als Überlieferungs-/Ritualordnung.

Vers 833
[…] susiddhiṃ ca prasareti dviruccaret‌ |
prasārayadvayaṃ caiva samādhidvitayaṃ tataḥ ||833||

[…] und „Susiddhi“, „vollendeter Erfolg“; zweimal „prasara“, „breite dich aus“, zweimal „prasaraya“, „lass sich ausbreiten“, danach zweimal Samadhi …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied unlesbar; Dvir-Anweisung aus leicht beschädigtem Text gelesen.

Vers 834
ādityadvitayaṃ cātha siddhiḥ kaurajārṇakam‌ |
khāhi dviḥ kālikābījadvitayaṃ hrīyugaṃ tathā ||834||

Dann zweimal Aditya, Siddhi und das Kauraja-Lautglied; zweimal „khahi“, „iss“, zweimal Kalika-Bija und zweimal Hri …

Anmerkung: Hri nach sichtbarer Bezeichnung, nicht durch Ergänzung von Anusvara zu hrīṃ normalisiert.

Vers 835
[…] vāhiyugalaṃ kāhi khāhi dvayaṃ dvayam‌ |
drohaḥ krodhastathā sattvamire sattvamuṣastathā ||835||

[…], zweimal „vahi“, je zweimal „kahi“ und „khahi“; Droha, Krodha, Sattva, Ire und Sattvamush …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied und Namensgrenzen der zweiten Hälfte beschädigt; Lautwörter ohne gesicherte Bedeutung bewahrt, khahi hat Essaufforderung.

Vers 836
krodhādhvādhyānamāyāśca lakṣmīḥ krodhaśca bhairavī |
rākā guḍaḥ krodhayugamaṃśuḥ krodho'strahṛcchiraḥ ||836||

Krodha, Adhvan, Adhyana und Maya, Lakshmi, Krodha und Bhairavi; Raka, Guda, zweimal Krodha, Amshu, Krodha, Astra, Herz- und Kopfabschluss.

Anmerkung: Adhvan/Adhyana als vorläufige Trennung der sichtbaren Lautnamenfolge; Wiederholungen unverändert.

Vers 837
ityeṣa kathito rudramantraḥ paramaśobhanaḥ |
nyāsaṃ samāpya manunāmunā balimathāharet‌ ||837||

Damit ist der überaus schöne Rudra-Mantra erklärt. Nach Abschluss des Nyasa bringe man mit diesem Mantra die Bali-Gabe dar.

Anmerkung: Nummer im OCR beschädigt, Folge837.

Der Bhairava-Mantra zur zweiten Bali-Gabe

Vers 838
athāpareṇa mantreṇa bhairavākhyena […] |
kālikāyai baliṃ dadyād dvitīyaṃ bhaktibhāvitaḥ ||838||

Dann mit dem anderen Mantra, der Bhairava heißt, […], bringe man Kalika, von Hingabe erfüllt, die zweite Bali-Gabe dar.

Anmerkung: Fragment: Schlusswort der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 839
dravyaṃ baleyamīśāni proktaṃ svaṃ svaṃ yathoditam‌ |
praṇavo vāgbhavaṃ māyā kamalā kāma eva ca ||839||

Das jeweils zur Bali-Gabe bestimmte Material, Herrin, ist bereits entsprechend erläutert. [Der Mantra beginnt:] Pranava, Vagbhava, Maya, Kamala und Kama …

Anmerkung: Quellenrückverweis auf Opfermaterialien nicht durch zusätzliche Anweisungen ersetzt.

Vers 840
yoginī roṣavadhvaśca śākinī ḍākinī tathā |
phetkāryanāhataṃ kūṭaṃ khedo muktā tathaiva ca ||840||

… Yogini, Rosha und Vadhu, Shakini und Dakini, Phetkari, Anahata-Kuta, Kheda und Mukta …

Vers 841
hārasānupretaśaktiśṛṇika[…] |
kāpālaṃ phaṭtrayasyānte visandhyehyehi kīrtayet‌ ||841||

… Hara, Sanu, Preta, Shakti und Shrinika […], Kapala und dreimal phat. Danach ohne Sandhi „ehi ehi“, „komm, komm!“ …

Anmerkung: Fragment: letzte Bija-Namen der ersten Hälfte beschädigt; Shrinika vorläufige Lesung.

Vers 842
tato bhagavati procya guhyakāli samīrayet‌ |
punaḥ sakalaśabdānu parāparakuloccaret‌ ||842||

Dann spreche man „Bhagavati Guhyakali“, „Erhabene Guhyakali“. Ferner verbinde man „sämtlich“ mit „Parapara-Kula“ …

Anmerkung: Fortsetzung843.

Vers 843
cakramantrapadād yantramayadehe samīrayet‌ |
samāṃsaraktānu baliṃ tataḥ ṣaṇṇāṃ yugaṃ vadet‌ ||843||

… und mit „Chakra, Mantra, Yantra“ sowie „Mayadehe“: „deren Leib aus allen Kreisen, Mantras und Yantras des höheren und niederen Kula besteht“. Dann „die mit Fleisch und Blut versehene Bali-Gabe“ und jeweils zweimal die folgenden sechs Verben …

Anmerkung: Anweisung zur zusammengesetzten Göttinnenanrede; Stoffe der Gabe werden ausdrücklich genannt.

Vers 844
gṛhāṇa gṛhṇāpaya tathā bhakṣa bhakṣaya cetyapi |
khāda khāhyanu pratyakṣaparokṣaṃ dveṣiṇo mama ||844||

„Nimm an, lass annehmen; verzehre, lass verzehren; iss, iss!“ Danach „meine offen und verborgen Feindseligen“ …

Anmerkung: Sechs sichtbare Verbformen gṛhāṇa gṛhṇāpaya bhakṣa bhakṣaya khāda khāhi; unterschiedliche Sanskritformen trotz ähnlicher deutscher Bedeutung bewahrt.

Vers 845
śatrūniti samābhāṣya ṣaṇṇāṃ yugmaṃ hi pūrvavat‌ |
pravadedīśvari daha tathā mardaya pātaya ||845||

… und „Feinde“. Wie zuvor jedes der sechs Verben zweimal, Herrin: „verbrenne, zermalme, bringe zu Fall …“

Anmerkung: Fortsetzung846.

Vers 846
mūrcchaya trāsaya tathā tato'nvapi ca śoṣaya |
svakharpare sthāpaya dvistato vai dīrghadaṃṣṭrayā ||846||

„… versetze in Ohnmacht, erschrecke, trockne aus!“ Dann zweimal „lege sie in deine Schädelschale“; danach „mit deinem langen Fangzahn …“

Anmerkung: Historische Feindvernichtungsformel; Fortsetzung847.

Vers 847
bhindhi chindhiyugaṃ yugmamastratritayameva ca |
pāśaḥ kalā ca […] vāgbhavo'śvattha eva ca ||847||

„… spalte, spalte; schneide, schneide!“ Dreimal Astra, Pasha, Kala, […], Vagbhava und Ashvattha …

Anmerkung: Fragment: Name nach Kala im OCR unsicher, nicht als sicheres Sam/Sarva ergänzt.

Vers 848
mama rājyaṃ dehiyugaṃ dāpayadvitayaṃ tathā |
putrapautradhanaiśvaryāyuḥstrīvājigajetyapi ||848||

„Gib, gib mir Königsherrschaft; lass sie geben, lass sie geben!“ Dann die Wörter „Söhne, Enkel, Reichtum, Macht, Lebensdauer, Frauen, Pferde und Elefanten“ …

Anmerkung: Historische Wunschliste unverändert; Frauen als Bestandteil dieser patriarchalen Aufzählung nicht stillschweigend in „Partnerschaft“ umgedeutet. Versnummer beschädigt, Folge848.

Vers 849
ratnasaubhāgyapadataḥ sasandhyārogyaṃ kīrtayet‌ |
samṛddhyā māṃ pūraya […] varṣāpayadvayam‌ ||849||

… „Edelsteine und Glück“, daran mit Sandhi „Gesundheit“. Dann „erfülle mich mit dieser Fülle […]! Lass sie herabregnen, lass sie herabregnen!“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangabe nach pūraya beschädigt; keine genaue Zahl ergänzt.

Vers 850
tāro māyā yoginī ca ruḍvadhūbījameva ca |
astratrayaṃ hṛdyugalaṃ sandhyādaya śira eva ca ||850||

Tara, Maya, Yogini, Rut und Vadhu-Bija; dreimal Astra, zweimal Herzabschluss, mit Sandhi verbunden, und Kopfabschluss.

Anmerkung: Sandhyādaya leicht beschädigte Verbindungsanweisung, Sinn Sandhi-Verknüpfung vorläufig; keine neue Silbe erfunden.

Vers 851
etāvatā samāpyeta mantro bhairavanāmakaḥ |
pradadyād balimetena tena nyāsaḥ samāpyate ||851||

Damit endet der Mantra namens Bhairava. Mit ihm bringe man die Bali-Gabe dar; dadurch wird der Nyasa abgeschlossen.

Zeitliche Freiheit und besondere Abschlussriten

Vers 852
ṣoḍhānyāsamimaṃ kṛtvā guhyakālyāstu sādhakaḥ |
sarvatra jayamāpnoti siddhiṃ cāpi pade pade ||852||

Wenn der Verehrer Guhyakalis diesen Shodha-Nyasa ausgeführt hat, erlange er überall Sieg und auf Schritt und Tritt Siddhi.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungsverheißung.

Vers 853
pūjāvasara evāmuṃ kuryānnānyakṣaṇe priye |
nāstyevaṃ niyamaḥ ko'pi svecchaivātra niyāmikā ||853||

Es gibt keine Regel, Geliebte, dass man ihn nur zur Puja und zu keiner anderen Zeit ausführen dürfte. Hier bestimmt die eigene Wahl.

Anmerkung: Die Negation der zweiten Hälfte bezieht sich auf die in der ersten zitierte Regel; nicht als widersprüchliche Zeitvorschrift übersetzt. Versziffer im OCR beschädigt, Folge853.

Vers 854
divase vā tathā rātrau sandhyāyāṃ prātareva […] |
yadā tadā prakartavyo na kālaniyamaḥ kṛtaḥ ||854||

Am Tag oder in der Nacht, in der Dämmerung oder am Morgen […], zu beliebiger Zeit kann er ausgeführt werden. Eine feste Zeitregel wurde nicht gesetzt.

Anmerkung: Fragment: Partikel am Ende der ersten Hälfte beschädigt; Sinn vollständig klar.

Vers 855
smārtānāmatha kaulānāṃ rītirekaiva kīrtitā |
prayogakaraṇe devi uttarāṃ tu kriyāṃ punaḥ ||855||

Für Smartas und Kaulas wird dieselbe Weise des Vollzugs beschrieben, Göttin. Die anschließende Handlung jedoch …

Anmerkung: Fortsetzung856.

Vier Kaula-Gruppen und Shakti-Puja

Vers 856
kaulikāḥ kurvate devi pṛthageva nibodha tām‌ |
kāpālikāḥ bhāṇḍikerā mauleyāśca digambarāḥ ||856||

… führen die Kaulikas auf besondere Weise aus, Göttin; vernimm sie. Kapalikas, Bhandikeras, Mauleyas und Digambaras …

Anmerkung: Vier historische Gruppenbezeichnungen; keine ungesicherte moderne Zuordnung oder Datierung ergänzt.

Vers 857
śaktipūjāṃ prakurvanti nyāsānantarameva hi |
tadvidhānaṃ mayā vācyaṃ naimittikasamarhaṇe ||857||

… führen unmittelbar nach dem Nyasa die Shakti-Puja aus. Ihre Vorschrift werde ich bei der anlassgebundenen Verehrung erklären.

Anmerkung: Quellenankündigung, kein redaktionelles Überspringen vorhandener Verse.

Vers 858
dhūpadīpādinaivedyadānamāmiṣasaṃyutam‌ |
āvaśyakatayā devyai dadati prītikārakam‌ ||858||

Der Göttin bringen sie notwendigerweise Weihrauch, Licht und weitere Speisegaben dar, verbunden mit Fleisch, um ihr Wohlgefallen zu bereiten.

Vers 859
nyāsaṃ kṛtvā muhūrte'nte tiṣṭhantyantarhitāḥ […] |
taddhetuḥ sannidhatte'ṅge kṣaṇameṣāṃ hi kālikā ||859||

Nach dem Nyasa bleiben sie am Ende eines Muhurta verborgen beziehungsweise zurückgezogen […]. Der Grund ist, dass Kalika für einen Augenblick in ihrem Körper gegenwärtig wird.

Anmerkung: Fragment: letztes Wort der ersten Hälfte beschädigt; genaue zeitliche Konstruktion muhūrte'nte vorläufig, nicht stillschweigend „eine Stunde“.

Vers 860
ato manuṣyairālāpaṃ saha caite na kurvate |
pratyakṣaṃ mānasaṃ vāpi carantyātmaprapūjanam‌ ||860||

Deshalb führen sie kein Gespräch mit Menschen. Sie vollziehen eine Verehrung ihrer selbst, äußerlich oder im Geist.

Anmerkung: Historische Selbstverehrung aufgrund der angenommenen göttlichen Gegenwart, keine allgemeine soziale Empfehlung.

Die Entlassungsformel

Vers 861
visarjanaṃ vidadhati tadanantaramīśvari |
tanmantrastāracaitanyakālīrāvāśca ḍākinī ||861||

Danach vollziehen sie die Entlassung, Herrin. Ihr Mantra [beginnt mit] Tara, Chaitanya, Kali, Rava und Dakini …

Vers 862
tato bhagavati procya guhyakāli samīrayet‌ |
paramātmani līnā ca bhava caitanyarūpiṇi ||862||

Dann spreche man: „Bhagavati Guhyakali, Paramatmani lina bhava, Chaitanyarupini“ — „Erhabene Guhyakali, gehe im höchsten Selbst auf, du Gestalt des Bewusstseins!“ …

Anmerkung: Quellziffer 062 im Zusammenhang862; lesbare Entlassungsformel, keine fehlende Bija ergänzt.

Vers 863
[…] praviśa procya sāyujyaṃ dehi kīrtayet‌ |
svasthānaṃ gaccha sambhāṣya phaḍaṅguṣṭhau śiro'pi ca ||863||

[…] „tritt ein“, dann „gewähre Einssein“. Man spreche „gehe an deinen eigenen Ort“, danach phat, Angushtha und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: Wort vor praviśa beschädigt. Formelglieder sāyujyaṃ dehi; svasthānaṃ gaccha. Aṅguṣṭha als benanntes Schlussglied, nicht ohne sichere Anweisung zu einer konkreten Geste gemacht.

Vers 864
evaṃ nānāvidhā rītīrnyāsātte vidadhatyamī |
tattanmatīnatantroktaprakāratvānna cānyathā ||864||

So vollziehen diese nach dem Nyasa unterschiedliche Verfahrensweisen: nach den Vorschriften der Tantras ihrer jeweiligen Überlieferung, nicht anders.

Anmerkung: Lesung matīna im Kompositum unsicher; Sinn des Bezugs auf die jeweiligen tantrischen Vorschriften hinreichend klar. Quellziffer stark beschädigt; 864 aus der Folge erschlossen.

Vers 864 (zweite Zählung; Position 865)
naitāni kiñcidapi hi dakṣiṇe […] priye |
nyāsācaraṇamātraṃ hi balidānaṃ tataḥ param‌ ||864||

Im Dakshina-[…] gibt es nichts von alledem, Geliebte: lediglich die Durchführung des Nyasa und danach die Bali-Gabe.

Anmerkung: Fragment: Bestimmung nach dakṣiṇe unlesbar. Quelle zählt erneut 864; keine sichere Ergänzung zu Dakshinachara.

Sprecherzeile
devyuvāca |

Die Göttin sprach:

Die Göttin fragt nach dem großen Shodha

Vers 866
jagadādhāra sarvajña sṛṣṭisthitividhāyaka |
karuṇāmbhonidhe nātha mahākāla dayāmaya ||866||

Du Stütze der Welt, Allwissender, der Schöpfung und Erhaltung bewirkt! Du Meer des Mitgefühls, Herr Mahakala, voller Güte!

Vers 867
ekaṃ pṛcchāmi deveśa saṃśayaṃ svamanogatam‌ |
ekamevāyamīśānyāḥ ṣoḍhānyāso mahāphalaḥ ||867||

Eine Frage stelle ich dir, Herr der Götter, einen Zweifel, der in meinem Geist entstanden ist: Ist dies der einzige so fruchtbringende Shodha-Nyasa der Herrin …

Anmerkung: Herausgeberkorrektur eva für beschädigtes me übernommen; Satz setzt sich in 868 fort.

Vers 868
āgamādau gataḥ khyātimutānyaḥ ko'pi vidyate |
ito'pi śobhano divyaḥ sadyaḥ siddhividhāyakaḥ ||868||

… der in den Agamas und anderen Schriften Berühmtheit erlangt hat? Oder gibt es noch einen anderen, schöner als dieser, göttlich und unmittelbar Siddhi gewährend?

Vers 869
yadyasti ko'pi vikhyātaḥ ṣoḍhānyāso vṛṣadhvaja |
guhyakālyā viśeṣeṇa santoṣādhikatākaraḥ ||869||

Wenn es einen solchen berühmten Shodha-Nyasa gibt, du mit dem Stierbanner, der Guhyakali in besonderem Maße größere Zufriedenheit bereitet …

Vers 870
tadānugṛhya māṃ nātha vada prāṇeśvara prabho |
jāne yadyapyahaṃ satyaṃ na kiñcid‌ gopayiṣyasi ||870||

… dann sei mir gnädig und teile ihn mir mit, Herr, Gebieter meines Lebens! Zwar weiß ich gewiss: Du wirst nichts verbergen …

Vers 871
mayi guhyaṃ yadyapi syāt‌ tathāpi jagadīśvara |
tatraiva viniyuṅkte māṃ śuśrūṣeyaṃ tathāpi bhoḥ ||871||

… vor mir, selbst wenn es geheim wäre, Herr der Welt. Dennoch drängt mich gerade dorthin dieser Wunsch, zu hören, o Herr.

Anmerkung: Lesung tatraiva folgt der fragend eingesetzten Herausgeberergänzung; der genaue Wortlaut bleibt unsicher.

Vers 872, erste Hälfte
tasmādanugrahavaśādanyāṃ ṣoḍhāṃ vada prabho |

Darum sprich aus Gnade von einem anderen Shodha, Herr!

Anmerkung: Erste Hälfte von Quellvers 872. Der Sprecherwechsel steht innerhalb des Verses; keine fehlende Halbzeile.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Vers 872, zweite Hälfte
tvayaiva jñāyate devi hṛdayaṃ māmakaṃ yathā ||872||

Du selbst weißt, Göttin, wie mein Herz …

Anmerkung: Zweite Hälfte von Quellvers 872; zusammen mit der ersten Hälfte nur ein Vers. Satz geht in 873 weiter.

Vers 873
tvayi snigdhaṃ sābhilāṣaṃ tvadājñāvaśavarti ca |
akathyamatha gopyaṃ me tvayi kiñcinna vidyate ||873||

… dir liebevoll zugewandt ist, nach dir verlangt und deinem Gebot folgt. Dir gegenüber gibt es für mich nichts Unsagbares oder geheim zu Haltendes.

Anmerkung: Quellziffer beschädigt; Zuordnung nach Versfolge.

Vers 874
tathāpi vastumāhātmyād‌ gopyaṃ tvayyapyadaḥ priye |
ṣoḍhānyāsādamuṣyāddhi vartate'bhyadhikaḥ paraḥ ||874||

Doch wegen der Erhabenheit der Sache ist dies selbst dir gegenüber geheim, Geliebte. Denn es gibt noch einen anderen, der diesen Shodha-Nyasa übertrifft.

Vers 875
tatte'haṃ kathayiṣyāmi yadi gopyaṃ kariṣyasi |
etasmāllakṣaguṇitastathā koṭiguṇo'pi ca ||875||

Ich werde ihn dir mitteilen, wenn du ihn geheim halten wirst. Hunderttausendfach, ja zehnmillionenfach größer als dieser …

Anmerkung: Rituelle Rangbehauptung des Textes; Satz setzt sich fort.

Vers 876
vartate devadeveśa ṣoḍhānyāso'mbikāpriyaḥ |
kapālaḍāmare nāsau na cāyaṃ yāmale tathā ||876||

… ist ein Shodha-Nyasa, der Ambika lieb ist. Er steht weder im Kapala-Damara noch im Yamala …

Anmerkung: Anrede devadeveśa steht so in der beschädigten Quelle; ihre grammatische Zuordnung zur weiblichen Gesprächspartnerin bleibt offen.

Vers 877
saṃhitāyāṃ na bhairavyāṃ kimutānyatra pārvati |
tripuraghna imaṃ veda tatprasādādahaṃ tathā ||877||

… und nicht in der Bhairavi-Samhita — wie viel weniger anderswo, Parvati! Der Vernichter Tripuras kennt ihn, und durch seine Gnade auch ich.

Anmerkung: Zuschreibung des Lehrgesprächs; kein unabhängig belegter Befund über den Inhalt sämtlicher genannter Werke.

Vers 878
tvaṃ matto jñāsyasīmaṃ ca nānye jñāsyantyamuṃ punaḥ |
maduktāṃ saṃhitāṃ ye vai dhārayiṣyanti bhāgyataḥ ||878||

Du wirst ihn von mir kennenlernen; andere werden ihn nicht kennen. Die Menschen jedoch, die glücklicherweise die von mir gelehrte Samhita bewahren …

Vers 676 (Position 879)
amuṃ cādhigamiṣyanti te narā netare punaḥ |
tatte ṣoḍhānyāsamahaṃ pravadāmi śucismite ||676||

… werden auch ihn erlernen, andere dagegen nicht. Diesen Shodha-Nyasa werde ich dir nun lehren, du mit dem reinen Lächeln.

Anmerkung: Quellziffer 676 an der durch die Folge bestimmten Stelle 879 bewahrt.

Nirvana-Shodha: Rang und Voraussetzungen

Vers 880
sāvadhānatamā bhūtvā niśāmaya kṛtāñjaliḥ |
nāmnā nirvāṇaṣoḍheti vikhyātā nigamādiṣu ||880||

Höre mit gefalteten Händen und höchster Aufmerksamkeit zu. Unter dem Namen Nirvana-Shodha ist diese [Methode] in den Nigamas und anderen Schriften bekannt.

Vers 881
phalaṃ vā mahimetasya devi […] na śakyate |
carācaraṃ jagatsarvaṃ praviṣṭamiha kathyate ||881||

Seine Frucht oder Größe, Göttin, lässt sich nicht […]. Die ganze Welt, das Bewegliche wie das Unbewegliche, ist, so heißt es, darin enthalten.

Anmerkung: Fragment: Infinitiv nach devi beschädigt; nicht stillschweigend ergänzt.

Vers 882
atisūkṣmatayā līnaṃ drumādau puṣpavarṇavat‌ |
uddhārakramato hyasya svalpatā parikīrtitā ||882||

Sie liegt darin in feinster Weise verborgen, wie die Farbe der Blüte im Baum und dergleichen. Hinsichtlich der Reihenfolge der Mantra-Erschließung wird dieses Verfahren als kurz bezeichnet …

Vers 883
itikartavyatārītyā bāhulyaṃ hi nigadyate |
tīrthaśailataṭinyastrayajñakalpāvamānikā ||883||

… hinsichtlich der Durchführung jedoch als umfangreich. [Genannt werden] Tirthas, Berge, Flüsse, Waffen, Opfer und Kalpas […].

Anmerkung: Fragment: Schlusskompositum beschädigt; Quelle erwägt kalpopanāmikā. Die lesbaren Glieder werden bewahrt, ihre vollständige syntaktische Verbindung bleibt offen.

Vers 884
guhyakālyāḥ mahāṣoḍhā sadyaḥ siddhividhāyinī |
iyaṃ hi laghuṣoḍhāto jñeyā koṭiguṇā punaḥ ||884||

Der Mahashodha der Guhyakali gewährt unmittelbar Siddhi. Man soll ihn als zehnmillionenfach größer als den Laghu-Shodha verstehen.

Anmerkung: Verheißung und Rangvergleich der Quelle.

Vers 885
śivaliṅganṛsiṃharṣibhairavorvīśasiddhiyuk‌ |
mahāṣoḍhaiva nirvāṇamahāṣoḍhābhidhīyate ||885||

Derselbe Mahashodha heißt Nirvana-Mahashodha, wenn er mit Shiva-Linga, Narasimha, Rishi, Bhairava, Königen und Siddhi verbunden ist.

Anmerkung: Sechs zusätzliche Nyasa-Gruppen; keine sechs äußerlichen Ritualgegenstände.

Vers 886
iyaṃ hi sādhakairjñeyā koṭikoṭiguṇā tataḥ |
yathā kāmakalākālyāstrailokyavijayāhvayaḥ ||886||

Die Übenden sollen diesen wiederum als zehn Millionen mal zehn Millionen größer als jenen verstehen. Wie bei Kamakalakali der sogenannte Trailokyavijaya …

Vers 887
tatheyaṃ guhyakālyāstu mahānirvāṇaṣoḍhikā |
kurvannetāṃ pratyahaṃ tu trailokyamapi kampayet‌ ||887||

… so verhält es sich bei Guhyakali mit diesem Mahanirvana-Shodha. Wer ihn täglich vollzieht, vermag sogar die drei Welten zu erschüttern.

Anmerkung: Rituelle Wirksamkeitsbehauptung des Textes.

Vers 888
[…] tu sarvasiddhiṃ niyacchati |
yāvanmantropadeśeṣu vidhānaṃ parikīrtitam‌ ||888||

[…] gewährt alle Siddhis. Alle Regeln, die für die Unterweisung in Mantras gelehrt werden …

Anmerkung: Fragment: Vollzug bzw. Mengenangabe am Versanfang beschädigt; keine Zahl rekonstruiert.

Vers 889
tāvadasyopadeśe'pi kartavyaṃ kamalānane |
na pustakeṣu likhitaṃ dṛṣṭvā kuryājjijīviṣuḥ ||889||

… sind auch bei seiner Unterweisung einzuhalten, du mit dem Lotusantlitz. Wer leben möchte, soll ihn nicht allein deshalb ausführen, weil er ihn in Büchern niedergeschrieben gesehen hat.

Vers 890
vidadhanmṛtyumāpnoti saptāhābhyantare naraḥ |
tasmādādāya hi gurorupadeśaṃ yathāvidhi ||890||

Ein Mensch, der dies tut, erleidet innerhalb von sieben Tagen den Tod. Deshalb soll man zunächst nach der vorgeschriebenen Ordnung die Unterweisung vom Guru empfangen …

Anmerkung: Drohung der historischen Quelle zur Geheimhaltung und Lehrerbindung, keine Tatsachenbehauptung der Ausgabe.

Vers 891
mahānirvāṇaṣoḍhāṃ hi kuryāt‌ prayatamānasaḥ |
nīrave rahasi sthitvā nirākṛtya mano'nyataḥ ||891||

… und den Mahanirvana-Shodha mit gesammeltem Geist vollziehen. Man halte sich an einem stillen, abgeschiedenen Ort auf und ziehe den Geist von anderem zurück …

Vers 892
śanaiḥ śanaiḥ prakurvīta mantraṃ nikhilamuccaran‌ |
etasya kathayoddhāramathātastridaśeśvari ||892||

… und vollziehe ihn langsam, während man den gesamten Mantra ausspricht. Nun [lehre ich] seine Erschließung, Herrin der Götter …

Anmerkung: Verbform kathayoddhāram beschädigt; deutscher Anschluss nach dem klaren Lehrzusammenhang, Sanskrit nicht als gesicherte Verbkorrektur ausgegeben.

Vers 893
bhavitrī prakaṭā tena mahānirvāṇaṣoḍhikā |
rahitottaraṣaṭkena mahāṣoḍhābhijāyate ||893||

… wodurch der Mahanirvana-Shodha offenbar werden wird. Ohne die abschließende Sechsergruppe ergibt sich der Mahashodha.

Vers 894
mahānirvāṇaṣoḍhāsyā jāyate'nena saṃyutā |
śeṣamevābhidhāsyāmi nādyāṃ nāpi pṛthak‌ pṛthak‌ ||894||

Mit ihr verbunden heißt er Mahanirvana-Shodha. Ich werde nur die letztere Form beschreiben, nicht die erste und auch nicht beide einzeln.

Anmerkung: Die Benennung der letzten Form bestimmt den Anschluss; kein Überspringen von Grundtext durch die Übersetzung.

Vers 895
ādyāṃ cikīrṣuḥ śeṣāṇāṃ […] suravandite |
uddhāramekamevāhamubhayoḥ prabravīmi te ||895||

Wer die erste Form ausführen möchte, [hat hinsichtlich] der übrigen [Glieder …], du von Göttern Verehrte. Ich erkläre dir für beide eine einzige Mantra-Erschließung.

Anmerkung: Fragment: Erste Halbzeile bietet keine verlässliche Auslassungsanweisung; nicht aus 893 ergänzt. Quellziffer beschädigt.

Vers 896
bhavedekasya kasyāpi mantrasyopāsako yadi |
tadadhikārī bhavati kartumenāṃ vidhānavit‌ ||896||

Wenn jemand auch nur einen beliebigen Mantra verehrt, ist er berechtigt, diese [Methode] zu vollziehen, sofern er ihre Ordnung kennt.

Anmerkung: Die Berechtigungsaussage hebt die vorausgehende Forderung nach Unterweisung nicht ausdrücklich auf.

Mahanirvana-Shodha: Ritualfaktoren

Vers 897
asya śrīguhyakālītaḥ pūrvaṃ tāramanusmaret‌ |
mahānirvāṇaṣoḍheti padānnyāsasya kīrtayet‌ ||897||

Man setze Tara vor „asya shriguhyakali“, spreche danach „mahanirvanashodha“ und anschließend „nyasasya“.

Anmerkung: Zusammensetzung der Einleitungsformel, keine ausgeschriebene Bija ergänzt.

Vers 898
ṛṣiḥ pañcaśikhaśceti vyatyayena prakīrtayet‌ |
chando'tijagatī cātipūrvavadvaravarṇini ||898||

Man nenne Panchashikha als Rishi, in umgekehrter Wortfolge. Als Metrum wird Atijagati genannt, mit vorangestelltem „ati“, du Schönfarbige.

Anmerkung: Die zusätzliche ati-Anweisung ist im Wortlaut nicht eindeutig; kein gesicherter standardisierter Metrumname daraus konstruiert.

Vers 899
ādau hairaṇyakaśipavī brāhmī tadanantaram‌ |
vāsiṣṭhī tatparaṃ vāmī cyāvanī tadanantaram‌ ||899||

Zuerst Hairanyakashipavi, danach Brahmi, dann Vasishthi, Vami und anschließend Chyavani …

Anmerkung: Folge von Namen bzw. Zuordnungen; Funktion der ganzen Reihe im unmittelbaren Satzanschluss nicht ausdrücklich wiederholt.

Vers 900
hārītī bhāratī vaiṣṇutāttvī nāradī cāthāpi vā |
āmbahārdī ca sauparṇī dākṣī gārgī tataḥ param‌ ||900||

… Hariti, Bharati, Vaishnutattvi, Naradi, Ambahardi, Sauparni, Dakshi und dann Gargi …

Anmerkung: Einzelne seltene Namen, insbesondere Vaishnutattvi und Ambahardi, nur nach vorläufig lesbarer Lautgestalt.

Vers 901
paunahī ca krātavyāṅgīrasyātreyī tato'nu ca |
gautamī cāpi jābālī bhāradvājī ca rāvaṇī ||901||

… Paunahi, Kratavi, Angirasi, danach Atreyi, Gautami, Jabali, Bharadvaji und Ravani.

Anmerkung: Quelle erwägt Paulahi statt Paunahi; keine stille Entscheidung für die Variante. Namensformen teilweise unsicher.

Vers 902
ekavaktrādyanu śatavaktrāntā guhyakālyapi |
devatā kathitā rāvo bījaṃ śaktiśca ḍākinī ||902||

Als Gottheit wird Guhyakali bezeichnet, angefangen bei der eingesichtigen bis zur hundertgesichtigen Gestalt. Rava ist das Bija, Dakini die Shakti.

Vers 903
phetkārī kīlakaṃ proktaṃ pralayastattvamityapi |
mahānirvāṇaṣoḍhānyāse jape viniyogatā ||903||

Phetkari wird als Kilaka bezeichnet, Pralaya als Tattva. Die Anwendung gilt dem Mahanirvana-Shodha-Nyasa und dem Japa.

Die sechs Glieder und der Tirtha-Shiva-Linga-Nyasa

Vers 904
iti vinyasya kurvīta ṣaḍaṅgaṃ cāsya pārvati |
māyākāmavadhūpretabhairavyo'ṅguṣṭhayorhṛdi ||904||

Nach dieser Einsetzung vollziehe man seine sechs Glieder, Parvati: Maya, Kama, Vadhu, Preta und Bhairavi an den Daumen und am Herzen …

Vers 905
pāśakrodhāmṛtaprāṇān‌ nṛsiṃhāstarjanīkayoḥ |
śikhāmadhyamayormedhakālīśaktīṣṭinemayaḥ ||905||

… Pasha, Krodha, Amrita, Prana und Narasimha an den Zeigefingern; Medha, Kali, Shakti, Ishti und Nemi an Haarspitze und Mittelfingern …

Anmerkung: Zuordnung eines zusätzlichen Kopfgliedes nicht ausdrücklich lesbar und nicht ergänzt.

Vers 906
varmānāmikayoraṃśuhārātribalisetavaḥ |
kaniṣṭhātridṛśoḥ sānukāñcījambha[…] ||906||

… Amshu, Hara, Atri, Bali und Setu am Schutzpanzer und an den Ringfingern; Sanu, Kanchi, Jambha […] an den kleinen Fingern und den drei Augen …

Anmerkung: Fragment: Ende der zweiten Lautgruppe beschädigt.

Vers 907
karapṛṣṭhāstrayostu jramandapadmabhogacāmarāḥ |
ṣoḍhānyāsasya sarvasya ṛṣyādirayamīritaḥ ||907||

… Jra, Manda, Padma, Bhoga und Chamara an Handrücken und Astra. Damit sind Rishi und die übrigen Faktoren des gesamten Shodha-Nyasa genannt.

Anmerkung: Trennung der ersten Lautchiffren jra/manda vorläufig; keine entschlüsselte Silbenreihe erfunden.

Vers 908
pratyekamatha ṣaṇṇāṃ vai bhinnabhinnatayoditaḥ |
tārātparaṃ cāsya tīrthaśivaliṅgapadādanu ||908||

Nun werden sie für jede der sechs [Gruppen] gesondert genannt. Nach Tara [spreche man] „asya“, dann „tirthashivalinga“ …

Vers 909
nyāsasya gautama ṛṣiranuṣṭup‌ chanda eva ca |
tataḥ paraṃ mahātīrthaśivaliṅge ca devate ||909||

… und „nyasasya“. Gautama ist der Rishi, Anushtubh das Metrum; die Gottheiten sind Mahatirtha und Shiva-Linga.

Vers 910
tāro bījaṃ trapā śaktirvāgbhavaṃ kīlakaṃ tathā |
pāśastattvaṃ samuddiṣṭaṃ tīrthanyāse jape tathā ||910||

Tara ist das Bija, Trapa die Shakti, Vagbhava das Kilaka; Pasha wird als Tattva angegeben. Dem Tirtha-Nyasa und dem Japa …

Allgemeiner Aufbau der Mantras

Vers 911
viniyogaḥ samuddiṣṭaḥ ṛṣyādi pūrvavatsmaret‌ |
atha nyāsagaṇasyāsya dvividhoddhṛtirucyate ||911||

… gilt die Anwendung. Man vergegenwärtige sich Rishi und die übrigen Faktoren wie zuvor. Nun wird eine zweifache Erschließung dieser Nyasa-Gruppe gelehrt …

Vers 912
sāmānyā ca viśeṣā ca kaṭhinā dvayyapi priye |
ādyāmādau tatra vacmi tato vakṣye'parāmapi ||912||

… eine allgemeine und eine besondere. Beide sind schwierig, Geliebte. Zuerst lehre ich die erste, danach auch die andere.

Vers 913
ādau dvādaśa bījāni sarvatraiva sthirāṇi hi |
tato nāmāni bhinnānyekapañcāśatsaṃkhyakāni hi ||913||

Am Anfang stehen zwölf Bijas, die überall unverändert bleiben. Danach folgen die verschiedenen Namen, einundfünfzig an der Zahl …

Vers 914
tatastīrtha iti padaṃ sarvatraivācalaṃ matam‌ |
asya pūrvapadasyāpi vigrahaḥ sāhajo'pi vā ||914||

… dann das Wort „tirtha“, das überall unverändert bleibt. Die Auflösung seiner Verbindung mit dem vorangehenden Wort ist die natürliche [Wortverbindung].

Anmerkung: Knappe grammatische Anweisung; genaue Funktion von vā im beschädigten Zusammenhang offen.

Vers 915
tato'parāṇi nāmāni tāvatsaṃkhyāni sundari |
pṛthak‌ pṛthaktayoktāni samāsaṃ prāpitāni hi ||915||

Danach kommen ebenso viele weitere Namen, Schöne. Sie werden jeweils einzeln genannt und zu einem Kompositum verbunden.

Vers 916
agrimasvarasaṃkhyākavarṇaiḥ sārdhaṃ sthirātmakaḥ |
punastāvanti nāmāni […] pratimanvapi ||916||

Mit Lauten in der durch „den ersten Vokal“ bezeichneten Anzahl [folgt ein] festes [Glied]. Wiederum ebenso viele Namen […] in jedem Mantra.

Anmerkung: Fragment: Zahlchiffre und syntaktischer Anschluss beschädigt; keine vollständige Bauanweisung daraus rekonstruiert.

Vers 917
tataḥ saptārṇaghaṭitamekaṃ padamidaṃ […] |
ṅe'ntaṃ sthiraṃ caitadapi punaśca dvādaśākṣaraḥ ||917||

Danach kommt ein aus sieben Silben bestehendes Wort […], mit Dativendung; auch dieses bleibt unverändert. Darauf [folgt ein] zwölfsilbiges …

Anmerkung: Fragment: Wort vor der Dativanweisung beschädigt. ṅe bezeichnet die Dativendung, keine zusätzlich auszusprechende Silbe.

Vers 918
nirmitaṃ padamekaṃ hi ṅe'ntaṃ tadapi ca sthiram‌ |
tato'paraṃ tāvadeva varṇanirmitamīśvari ||918||

… gebildetes Wort, ebenfalls im Dativ und unverändert. Danach ein weiteres, aus ebenso vielen Lauten gebildet, Herrin …

Vers 919
tadvadākāramapi ca kālavyāpi […] |
caturarṇātmakaṃ caikaṃ tato nāma varānane ||919||

… von entsprechender Gestalt und alle Zeit durchdringend […]. Dann kommt ein Name aus vier Silben, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Fragment: Verbindung der ersten Halbzeile beschädigt; keine zusätzliche Zahl ergänzt.

Vers 920
[…] sāttvikaguṇasampannaṃ parikīrtitam‌ |
eko mantrastatastasyāḥ niścalatvena coditaḥ ||920||

[…] wird als mit sattvischer Qualität ausgestattet bezeichnet. Danach wird ein Mantra von ihr als unveränderlicher Bestandteil vorgeschrieben.

Anmerkung: Fragment: Bezugswort am Anfang beschädigt.

Vers 921
tataśca pañca bījāni kālavyāpīni pārvati |
tato'nu bījamekaikaṃ bhinnabhinnatayā smṛtam‌ ||921||

Danach folgen fünf alle Zeit durchdringende Bijas, Parvati. Dann ist jeweils ein einzelnes, von Mantra zu Mantra wechselndes Bija vorgesehen.

Vers 922
saptākṣarī sarvaśeṣe kūṭatvena vyavasthitā |
iti sāmānya uddhāro mayā te pratipāditaḥ ||922||

Ganz am Schluss steht eine siebensilbige Formel als Kuta. Damit habe ich dir die allgemeine Erschließung dargelegt.

Feste Bijas und die heiligen Orte

Vers 923
krameṇaivāparaṃ devi viśeṣamavadhāraya |
sārasvato bhauvaneśī kamalā kāma eva ca ||923||

Höre nun der Reihe nach die andere, besondere [Erschließung], Göttin: Sarasvata, Bhauvaneshi, Kamala und Kama …

Vers 924
kālī ca yoginī cāpi krodho'pi vanitā tathā |
śākinī ḍākinī cāpi pralayastadanantaram‌ ||924||

… Kali, Yogini, Krodha, Vanita, Shakini, Dakini und danach Pralaya …

Vers 925
phetkārī sarvaśeṣe ca bījāni dvādaśaiva hi |
prathamaṃ viniyojyāni sthiratvenaiva pārvati ||925||

… und zuletzt Phetkari: Diese zwölf Bijas sind zuerst einzusetzen, überall unverändert, Parvati.

Vers 926
mantrāṇāmapi sarveṣāṃ pañcāśatsaṃkhyatājuṣām‌ |
idānīṃ kathayāmīṣāṃ tīrthānyanu varānane ||926||

Nun nenne ich die Tirthas dieser sämtlichen fünfzig Mantras der Reihe nach, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Quelle nennt hier fünfzig, in 913 und 936 einundfünfzig; Unterschied nicht ausgeglichen.

Vers 927
prayāgo naimiṣāraṇyaṃ śūkarakṣetrameva ca |
ekāmvaraṃ badarikāśramaśca tadanantaram‌ ||927||

Prayaga, Naimisharanya, Shukarakshetra, Ekamvara und danach Badarikashrama …

Anmerkung: Name Ekamvara in der Quelle beschädigt; keine geografische Identifikation oder Ersetzung durch Ekamra behauptet.

Vers 928
kurukṣetraṃ prabhāsaśca tathaivāmarakaṇṭakam‌ |
puṣkaraṃ ca gayā vārāṇasyayodhyā […] ||928||

… Kurukshetra, Prabhasa, Amarakantaka, Pushkara, Gaya, Varanasi und Ayodhya […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswörter beschädigt; lesbare Ortsnamen vollständig wiedergegeben.

Vers 929
mathurā tadanu jñeyā māyāpuramataḥ param‌ |
śivakāñcī pañcadaśī tata ujjayinī matā ||929||

Danach ist Mathura zu nennen, anschließend Mayapura, als fünfzehnte Shivakanchi, dann Ujjayini …

Anmerkung: Zählmarke fünfzehn wird bewahrt; die unvollständige Liste nicht entsprechend ergänzt.

Vers 930
tasyā anu dvārakā ca puruṣottama eva ca |
marutkoṭistathā […] kamalalocane ||930||

… danach Dvaraka, Purushottama, Marutkoti und […], du Lotusäugige.

Anmerkung: Fragment: Weiterer Name beschädigt.

Vers 931
śaṅkukarṇā rudrakoṭiśchagalāṇḍamataḥ param‌ |
āmrātakaṃ cāruṇācalaśca vṛndāvanaṃ tathā ||931||

Shankukarna, Rudrakoti, danach Chagalanda, Amrataka, Arunachala und Vrindavana …

Anmerkung: Lesung Amrataka vorläufig; keine moderne Ortsgleichsetzung.

Vers 932
bhadrakarṇahradaścāpi hariścandrastathaiva ca |
madhyameśvara ityevaṃ vastrāpathamataḥ param‌ ||932||

… Bhadrakarnahrada, Harishchandra, Madhyameshvara und danach Vastrapatha …

Vers 933
tataḥ kanakhalaṃ cāpi devadāruvanaṃ tathā |
nepālaḥ karṇikāraśca trisandhyā tadanantaram‌ ||933||

… danach Kanakhala, Devadaruvana, Nepala, Karnikara und anschließend Trisandhya …

Vers 934
tricatvāriṃśasaṃkhyākaḥ kulūtaśca śivālayaḥ |
pṛthūdakaṃ tataḥ kāyāvatāraḥ parameśvari ||934||

… als dreiundvierzigster Kuluta, dann Shivalaya, Prithudaka und Kayavatara, höchste Herrin …

Anmerkung: Zählmarke dreiundvierzig bewahrt. Die Quelle vermerkt in einer Fußnote einen mutmaßlichen Versausfall innerhalb dieses Listenbereichs; keine Namen zur Auffüllung erfunden.

Vers 935
karavīrastataścāpi maṇḍaleśvara īritaḥ |
tato harṣapathaṃ jñeyamalakāpurameva ca ||935||

… danach Karavira und Mandaleshvara. Dann sind Harshapatha und Alakapura zu nennen …

Vers 936
sarvaśeṣe parijñeyaṃ vaḍavāmukhanāmakam‌ |
ekapañcāśaditi hi tīrthāni kathitāni te ||936||

… und ganz zuletzt der Ort namens Vadavamukha. Damit wurden dir einundfünfzig Tirthas genannt.

Anmerkung: Die erhaltene Liste ist gegenüber dieser Quellzählung lückenhaft. Ein mutmaßlich fehlender Vers wird auch redaktionell in der Quelle angezeigt; keine Rekonstruktion.

Shiva-Namen an den heiligen Orten

Vers 937
athāsyāgrimanāmāni krameṇa kathayeśvari |
maheśvaro devadevo bhārabhūteśvarastathā ||937||

Nun [nenne ich] der Reihe nach die anschließenden Namen, Herrin: Maheshvara, Devadeva und Bharabhuteshvara …

Anmerkung: Verb kathaya in der Quelle grammatisch beschädigt; Sinn des Listenbeginns klar. Versziffer beschädigt, nach Anschluss zugeordnet.

Vers 938
kṛttivāseśvaraścāpi trilocana iti smṛtaḥ |
sthāṇuśca somanāthaśca oṃkāreśvara eva ca ||938||

… Krittivaseshvara, Trilochana, Sthanu, Somanatha und Omkareshvara …

Anmerkung: Erster Name durch einfachen OCR-Fehler beschädigt, Lesung nach erkennbarer Wortgestalt vorläufig.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 939)
ayogandheśvaraścāpi pitāmaha īritaḥ |
mahādevaśca tadanu candraśekhara […] ||[…]||

… Ayogandheshvara, Pitamaha, danach Mahadeva und Chandrashekhara […].

Anmerkung: Fragment: Versende und Ziffer unlesbar. Interne Position 939 ist keine gesicherte Quellnummer.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 940)
bhūteśvaro mahāliṅgeśvaraśca parikīrtitaḥ |
vyomakeśo mahākālaḥ pinākīśvara […] ||[…]||

Bhuteshvara und Mahalingeshvara werden genannt, Vyomakesha, Mahakala und Pinakishvara […].

Anmerkung: Fragment: Schluss und Ziffer unlesbar; interne Position zwischen 938 und 944.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 941)
bilvakeśvara ityevaṃ kamaleśvara ityapi ca |
nīlalohita ekāmranāthaśca […] ||[…]||

Bilvakeshvara und Kamaleshvara, Nilalohita und Ekamranatha […].

Anmerkung: Fragment: Schluss und Ziffer unlesbar; interne Position zwischen 938 und 944.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 942)
jambukeśvarasaṃjñaśca dvāviṃśatitamo […] |
jaṭīśvaro'mareśvaraśca mahotkaṭa […] ||[…]||

Als zweiundzwanzigster der Jambukeshvara Genannte […]; Jatishvara, Amareshvara und Mahotkata […].

Anmerkung: Fragment: Zeilenenden und Ziffer beschädigt. Zählmarke zweiundzwanzig bewahrt, keine Listenauffüllung.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 943)
aṭṭahāso mahātejā mahāyogastathā […] |
kapardīśvaranāmā […] ||[…]||

Attahasa, Mahatejas, Mahayoga […] und der Kapardishvara Genannte […].

Anmerkung: Fragment: Zeilenenden und Ziffer unlesbar. Quelle enthält hier die Fußnote, dass ein Vers ausgefallen zu sein scheint; genauer Bezug im OCR nicht sicher zu bestimmen.

Vers 944
sarvajñeśvarasaṃjñaśca gopīśvara iti smṛtaḥ |
śivo harastathā śarvo bhava ugreśvarastathā ||944||

Der Sarvajneshvara Genannte, Gopishvara, Shiva, Hara, Sharva, Bhava und Ugreshvara.

Anmerkung: Letzter Name Ugreśvara; ungewöhnliche Namen nicht durch gebräuchlichere Ortsnamen ersetzt.

Vers 945
daṇḍīśvaraḥ paśupatirgaṇādhyakṣastathaiva ca |
tāmrakeśvara ityevaṃ maṇimaheśa ityapi ||945||

Dandishvara, Pashupati, Ganadhyaksha, Tamrakeshvara und Manimahesha …

Vers 946
ghusṛṇeśvaro vāmadevo laguḍīśvara ityapi |
kapileśvaraśca śrīkaṇṭho harṣitīśvara eva ca ||946||

… Ghusrineshvara, Vamadeva, Lagudishvara, Kapileshvara, Shrikantha und Harshitishvara …

Anmerkung: Seltene Namensformen nach lesbarem Quellenbestand; Harshitishvara bleibt vorläufig.

Vers 947
prahāseśvaranāmā ca tathā caivānaleśvaraḥ |
ekapañcāśadityevaṃ śambhunāma mayoditam‌ ||947||

… der Prahaseshvara Genannte und Analeshvara. Damit habe ich einundfünfzig Namen Shambhus genannt.

Anmerkung: Quellzählung; die beschädigte Namensreihe wird nicht auf einundfünfzig ergänzt.

Vers 948
śivaliṅgapadasyānte sahitetyakṣaratrayam‌ |
saptavarṇa ime proktā eṣāṃ pūrvapadaiḥ saha ||948||

An das Wort „shivalinga“ schließen sich die drei Silben „sahita“ an. Zusammen sind dies sieben Silben; mit ihren vorausgehenden Wörtern …

Die Shaktis der Tirthas

Vers 949
samāsaścātha paurastyapadānyākalayādhunā |
ādyā tu lalitā jñeyā tato vai liṅgadhāriṇī ||949||

… werden sie zu Komposita verbunden. Höre nun die folgenden Wörter: Als erste ist Lalita zu nennen, danach Lingadharini …

Vers 950
punarvegavatī jñeyā mātaṅgī tadanantaram‌ |
pañcamī vedavatyuktā bhavānī ṣaṣṭhyudīryate ||950||

… dann Vegavati, anschließend Matangi; als fünfte Vedavati, als sechste Bhavani …

Vers 951
rājarājeśvarī cāpi tato nigamabodhinī |
[…] ca kathitā tathā caiva harapriyā ||951||

… Rajarajeshvari, danach Nigamabodhini, […] und Harapriya …

Anmerkung: Fragment: Göttinnenname am Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt.

Vers 952
viśālākṣī mohinī ca pārvatī tadanantaram‌ |
raktāmbarā tathā bhaṅkāriṇī bhogavatī tathā ||952||

… Vishalakshi, Mohini, danach Parvati, Raktambara, Bhankarini und Bhogavati …

Anmerkung: Bhankarini nach vorläufiger Lesung; keine stillschweigende Umformung zu einem bekannteren Namen.

Vers 953
aśvārūḍhā tathā bilvapatrikā kamalāpi ca |
tataśca kundadā kīrtimatī dvāviṃśatimatā ||953||

… Ashvarudha, Bilvapatrika, Kamala, danach Kundada und als zweiundzwanzigste Kirtimati …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt; Zählmarke der Namen bewahrt.

Vers 954
vajraprastāriṇī bhadrakarṇikā ca […] |
sarasvatī tathā bhadrāvatī prāṇapradāpi ca ||954||

… Vajraprastarini, Bhadrakarnika, […], Sarasvati, Bhadravati und Pranaprada …

Anmerkung: Fragment: Name am Ende der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 955
siddhidāyinyatho jñeyā rudrāpyojasvinī tathā |
vidyeśvarī tathā bhīmā rādhā śāntā tathaiva ca ||955||

… dann Siddhidayini, Rudra, Ojasvini, Vidyeshvari, Bhima, Radha und Shanta …

Vers 956
pañcatriṃśattamā jñeyā tato vai jayamaṅgalā |
śarvāṇī ca śivā caṇḍavatī sāvitryapi priye ||956||

… als fünfunddreißigste [Shanta]; danach Jayamangala, Sharvani, Shiva, Chandavati und Savitri, Geliebte …

Anmerkung: Zählmarke wird syntaktisch auf die zuletzt genannte Shanta bezogen; nicht zur Rekonstruktion fehlender Namen benutzt.

Vers 957
guhyeśvarī ca kalyāṇī padmāvatyapi kathyate |
śākambharī tathā siddheśvarī tejovatītyapi ||957||

… Guhyeshvari, Kalyani, Padmavati, Shakambhari, Siddheshvari und Tejovati …

Vers 958
tato'nu vijayā jñeyā prabhāvatyucyate tataḥ |
nārāyaṇī tataḥ proktā pramohinyapyudīryate ||958||

… danach Vijaya, anschließend Prabhavati, dann Narayani und Pramohini …

Vers 959
māyāmayī tataḥ śeṣe medhānāmnī nigadyate |
ityevaṃ śaktayastattattīrtheṣu pariniṣṭhitāḥ ||959||

… Mayamayi und zuletzt die Medha Genannte. So sind die an den jeweiligen Tirthas gegenwärtigen Shaktis …

Schlussglieder der Tirtha-Mantras

Vers 960
ekapañcāśaduditāḥ krameṇa nyāsakarmaṇi |
tataścaikaṃ padaṃ devi śaktirūpiṇyudīryate ||960||

… einundfünfzig an der Zahl, in ihrer Reihenfolge für den Nyasa genannt. Danach folgt ein Wort, Göttin: „shaktirupini“ …

Vers 961
saptākṣareṇa ghaṭitā […] parikīrtitā |
atha dvādaśabhirvarṇairyānyākhyā vidyate priye ||961||

… als siebensilbig zusammengesetzt […]. Nun gibt es einen weiteren Namen aus zwölf Silben, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Verbindung und mögliche Endungsanweisung beschädigt; keine siebensilbige Vollform erfunden.

Vers 962
tāṃ te vadāmi nyāsasya parijñānāya tattvataḥ |
navakoṭipadasyānte kulākulaṃ samuddharet‌ ||962||

… den ich dir nenne, damit du den Nyasa seinem Wesen nach verstehst. An das Wort „navakoti“ füge man „kulakula“ …

Vers 963
cakreśvarī tataścāpi nāmedaṃ dvādaśākṣaram‌ |
punardvādaśavarṇāḍhyaṃ nāmānyat‌ pravadāmi te ||963||

… und danach „chakreshvari“: Dieser Name hat zwölf Silben. Wiederum nenne ich dir einen anderen Namen aus zwölf Lauten …

Anmerkung: Lesbarer Name navakoṭikulākulacakreśvarī: Herrin der neunzig Millionen Kula- und Akula-Kreise; keine zusätzliche Formelendung ergänzt.

Vers 964
sakalaguhyānantapadāttattvadhāriṇyanūcyate |
caturvarṇātmakaṃ nāma guhyakālīti kathyate ||964||

… nach „sakalaguhyananta“ spricht man „tattvadharini“. Der viersilbige Name lautet „guhyakali“.

Anmerkung: Erste Anrede etwa „Trägerin sämtlicher geheimer, unbegrenzter Prinzipien“; Zusammensetzung bleibt im IAST überprüfbar.

Vers 965
mantrastu prakṛtirmukhyā bhāratī ṣoḍaśākṣarī |
tato'nu pañcabījāni sudhāśaktistataḥ param‌ ||965||

Der Mantra ist die grundlegende, vorrangige sechzehnsilbige Bharati. Danach folgen fünf Bijas: Sudha, Shakti …

Anmerkung: Lesung prakṛtir mukhyā vorläufig. Es folgt keine ausgeschriebene sechzehnsilbige Bharati-Formel; keine Ergänzung von außen.

Vers 966
dhanadā nirmalaṃ pretā mātṛkākṣarameva ca |
bhinnaṃ bhinnamupāntye tu […] parinirdiśet‌ ||966||

… Dhanada, Nirmala und Preta; dazu jeweils ein wechselnder Matrika-Laut. An vorletzter Stelle soll man […] angeben.

Anmerkung: Fragment: Schlussanweisung beschädigt; die fünf Bija-Decknamen über 965–966 zusammen lesbar.

Vers 967
astratrayaṃ hṛcchirasī sarvaśeṣe udāhṛte |
sthānaṃ tu mātṛkānyāsavaduktaṃ tripurāriṇā ||967||

Ganz am Schluss werden dreimal Astra, Herz- und Kopfabschluss genannt. Die Körperstellen hat der Feind Tripuras wie beim Matrika-Nyasa angegeben.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 968)
iti te kathitastīrthaśivaliṅgābhidho […] |
[…] pātakanāśanaḥ ||[…]||

Damit wurde dir der Tirtha-Shiva-Linga genannte [Nyasa] gelehrt, […] der Verfehlungen vernichtet.

Anmerkung: Fragment: Teile beider Halbzeilen und Versziffer beschädigt; interne Position 968 aus der Folge, keine gesicherte Nummer.

Satis Körper und die Entstehung heiliger Orte

Vers 969
yadā satī jahau dehaṃ pituryajñe'bhimānataḥ |
tadā taddehamāśliṣya nidhāyāṅke svake prabhuḥ ||969||

Als Sati aus verletztem Stolz beim Opfer ihres Vaters ihren Körper verließ, umarmte der Herr ihren Leichnam und nahm ihn auf seinen Schoß.

Anmerkung: Mythische Erzählung der Quelle; Versziffer beschädigt, Zuordnung nach fortlaufender Folge.

Vers 970
nimīlitākṣo duḥkhena śokabāṣpabharākulaiḥ |
uḍḍīyamānaḥ pakṣīva gagane ruroda […] ||970||

Mit vor Schmerz geschlossenen, von Trauertränen erfüllten Augen flog er wie ein Vogel am Himmel und weinte […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt; Augenbeschreibung in der Quelle grammatisch uneinheitlich.

Vers 971
tadaśrubindupātena jagadetaccarācaram‌ |
vyākulaṃ sarvamabhavadādīpitamivārtitaḥ ||971||

Durch das Herabfallen seiner Tränentropfen geriet diese ganze Welt, das Bewegliche wie das Unbewegliche, in Aufruhr, als wäre sie vom Leid in Brand gesetzt.

Anmerkung: Lesung des Schlusses ārtitaḥ vorläufig; Bild von Leid und Entflammung klar.

Vers 972
vīkṣya devā jagatkṣobhaṃ mahāpralayasannibham‌ |
nārāyaṇamukhāḥ sarve gṛhīteṣuśarāsanāḥ ||972||

Als die Götter diese Erschütterung der Welt sahen, die der großen Weltauflösung glich, ergriffen sie alle, mit Narayana an der Spitze, Pfeile und Bogen …

Vers 973
cakṛntustatsatīdehaṃ khaṇḍakhaṇḍatayeṣubhiḥ |
vāyavyāstrasya vegena yatra yatrāpatat‌ kṣitau ||973||

… und zerschnitten Satis Leichnam mit ihren Pfeilen in einzelne Stücke. Wo immer durch die Gewalt der Windwaffe auf der Erde …

Anmerkung: Keine Ersetzung der hier genannten Pfeile durch eine Waffe aus einer anderen Sati-Erzählung.

Vers 974
aṅgaṃ devyāstatra tatra liṅgarūpadharo […] |
sānnidhyamakarottasya rakṣaṇārthaṃ varānane ||974||

… ein Körperteil der Göttin niederfiel, wurde [Shiva] in Gestalt eines Linga gegenwärtig, um es zu schützen, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Fragment: Wort nach rūpadharaḥ beschädigt; Shiva als handelnde Gestalt durch den unmittelbaren Erzählzusammenhang gesichert, nicht als rekonstruierte Sanskritlesung eingesetzt.

Vers 975
harasya prema saṃvīkṣya devyapi premalālasā |
tāṃ tāṃ mūrtiṃ tathā tattannāma dhṛtvāghanāśanam‌ ||975||

Als die Göttin Haras Liebe sah, wurde auch sie von Liebe erfüllt. Sie nahm jeweils jene Gestalt und jenen Namen an, die Verfehlungen vernichten …

Vers 976
tasmiṃstasmin‌ sthale devī sthitā bharturmude satī |
tāni sthānāni jātāni tīrtharūpāṇi kānicit‌ ||976||

… und blieb als Göttin Sati an dem jeweiligen Ort, ihrem Gemahl zur Freude. Manche dieser Orte wurden zu Tirthas …

Vers 977
anyāni pīṭharūpāṇi kṣetrarūpāṇi caiva hi |
teṣu teṣu ca deśeṣu khyātāni svasvanāmataḥ ||977||

… andere zu Pithas und zu Kshetras. In den jeweiligen Gegenden wurden sie unter ihren eigenen Namen bekannt.

Anmerkung: Tirtha: heiliger Übergangs- oder Pilgerort; Pitha: heiliger Sitz; Kshetra: geheiligter Bereich.

Verheißungen und verehrende Weise

Vers 978
nāmāni tattatsthānānāṃ devyāścāpi śivasya ca |
kīrtitāni varārohe sādhayanti manorathān‌ ||978||

Die Namen jener Orte, der Göttin und Shivas erfüllen, wenn sie gepriesen werden, die Herzenswünsche, du Wohlgestaltete.

Anmerkung: Verheißung der Quelle.

Vers 979
siddhīrdadati pāpaughān‌ kṣapayantyadrisannibhān‌ |
ārogyamāśu yacchanti maṅgalaṃ vidadhatyapi ||979||

Sie schenken Siddhis, tilgen bergehohe Ansammlungen von Verfehlungen, gewähren rasch Gesundheit und bewirken Heil.

Anmerkung: Religiöse Verheißung, keine medizinische Aussage dieser Ausgabe.

Vers 980
vitaranti jayaṃ yuddhe yogasiddhiṃ ca kurvate |
ata eva viditveṣāṃ mahimānamanuttamam‌ ||980||

Sie schenken Sieg im Kampf und bewirken Yoga-Siddhi. Eben deshalb, weil sie ihre unübertreffliche Größe kennen …

Vers 981
nyāsānanyān‌ pañca hitvā munayaḥ śaṃsitavratāḥ |
kurvanti bhaktibhāvena tvamuṃ kevalameva hi ||981||

… lassen die Munis mit ihren gepriesenen Gelübden die fünf anderen Nyasas beiseite und vollziehen einzig diesen, erfüllt von Hingabe.

Anmerkung: Quellziffer beschädigt; Folge 981. Keine redaktionelle Auslassung der noch folgenden fünf Gruppen.

Vers 982
jamadagnirbharadvājo vāmadeva ṛtaśravāḥ |
kaṭho'gastyo dadhīciśca vītahavyaḥ parāśaraḥ ||982||

Jamadagni, Bharadvaja, Vamadeva, Ritashravas, Katha, Agastya, Dadhichi, Vitahavya und Parashara …

Vers 983
kātyāyano nāciketā hārīto'triśca kaśyapaḥ |
jaigīṣavyo bhṛgurvatso vasiṣṭhaḥ pippalāyanaḥ ||983||

… Katyayana, Nachiketas, Harita, Atri, Kashyapa, Jaigishavya, Bhrigu, Vatsa, Vasishtha und Pippalayana …

Anmerkung: Seltene Namen nach vorläufiger OCR-Lesung normalisiert, insbesondere Jaigishavya.

Vers 984
śivaśaktyātmake rudra ete bhaktiparāyaṇāḥ |
kurvate'muṃ mahānyāsaṃ vihāyānyān‌ varānane ||984||

… sie alle sind dem aus Shiva und Shakti bestehenden Rudra in Hingabe ergeben. Sie vollziehen diesen großen Nyasa und lassen andere beiseite, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Traditionelle Zuschreibung der Quelle, keine unabhängig belegte Lebensgeschichte der genannten Weisen.

Vers 985
nāmabhiḥ śivaliṅgānāṃ mūlena pratimanvapi |
kevalenāmunā kintu mahāṣoḍhābhijāyate ||985||

Mit den Namen der Shiva-Lingas und der Grund-[Formel] in jedem Mantra ergibt sich durch dieses Verfahren allein der Mahashodha.

Anmerkung: Die genaue Verbindung von mūlena mit den Namen und die Abgrenzung der beiden Fassungen bleibt im knappen Satz offen.

Berg-Narasimha-Nyasa: Ritualfaktoren

Vers 986
athāvadhehi deveśi parvatanyāsamuttamam‌ |
narasiṃhayutaṃ cāpi mahānirvāṇanāmakam‌ ||986||

Höre nun aufmerksam vom erhabenen Berg-Nyasa, Herrin der Götter. Mit Narasimha verbunden trägt er die Bezeichnung Mahanirvana.

Vers 987
omasya parvatanarasiṃhanyāsasya kathyate |
ṛṣiḥ śailūṣipadato jñeyaḥ kulmalabarhiṣaḥ ||987||

Man spricht: „Om, asya parvatanarasimhanyasasya“ — „Om, dieses Berg-Narasimha-Nyasa“. Als Rishi ist der Name Kulmalabarhisha nach dem Wort Shailushi zu nennen.

Anmerkung: Seltene Rishi-Bezeichnung nach vorläufig lesbarer Quelle; keine historische Identifikation behauptet.

Vers 988
uṣṇik‌ chandaḥ samākhyātaṃ viśeṣāttadanūccaret‌ |
hairaṇyakaśipupadānmantrādhiṣṭhātryudīrayet‌ ||988||

Ushnih wird als Metrum genannt. Danach spreche man als besondere Bestimmung nach „hairanyakashipu“ das Wort „mantradhishthatri“ …

Anmerkung: Die Zusammensetzung bezeichnet die über dem betreffenden Hiranyakashipu-Mantra waltende Göttin; keine vollständige Mantraform daraus ergänzt.

Vers 989
guhyakālī devatā ca sānurbījamudāhṛtam‌ |
pralayaḥ śaktiruditā ḍākinī kīlakaṃ tathā ||989||

… Guhyakali ist die Gottheit. Sanu wird als Bija bezeichnet, Pralaya als Shakti, Dakini als Kilaka.

Vers 990
kaṇikā tattvamapi ca pūrvoktanyāsa eva hi |
jape ca viniyogaḥ syādṛṣyādi pūrvavatsmaret‌ ||990||

Kanika ist das Tattva. Die Anwendung gilt dem zuvor genannten Nyasa und dem Japa. Man vergegenwärtige sich Rishi und die übrigen Faktoren wie zuvor.

Die sechs Glieder

Vers 991
ṣaḍaṅgamadhunā vacmi ubhayaṃ te sureśvari |
anāhato bhogasṛṣṭī tretā kṛtyā tathaiva ca ||991||

Nun lehre ich dir die sechs Glieder in beiden Formen, Herrin der Götter: Anahata, Bhoga, Srishti, Treta und Kritya …

Vers 992
anena prathamaṃ kuryād‌ gāyatrī kaṇikā tathā |
śṛṅkhalopahvaraṃ cāpi nāndikaṃ ca dvitīyake ||992||

… damit vollziehe man das erste Glied. Beim zweiten [verwende man] Gayatri, Kanika, Shrinkhala, Upahvara und Nandika.

Anmerkung: Namensglieder nach vorläufiger Worttrennung; keine offenen Bija-Silben ersetzt.

Vers 993
saṃhāripramukhairdevi pañcabhiśca tṛtīyakam‌ |
evameva hi turye syāt‌ pañcabhirvirasādibhiḥ ||993||

Das dritte [Glied vollziehe man] mit den fünf, die mit Samhari beginnen, Göttin; ebenso das vierte mit den fünf, die mit Virasa beginnen.

Anmerkung: Die hier nur abgekürzt genannten Reihen werden nicht redaktionell aufgefüllt.

Vers 994
pañcame pañcabhirjñeyaṃ bhadrikādibhireva ca |
pañcabhiḥ ṣaṣṭha uditaḥ sauraṅgādibhireva hi ||994||

Für das fünfte gelten die fünf, die mit Bhadrika beginnen; für das sechste werden die fünf mit Sauranga beginnenden genannt.

Vers 994 (zweite Zählung; Position 995)
atho pūrvavaduddhāramubhayaṃ kathayāmi te |
sāmānyaṃ ca viśeṣaṃ ca prathamaṃ prathamaṃ […] ||994||

Nun erkläre ich dir wie zuvor beide Formen der Erschließung, die allgemeine und die besondere; zuerst die erste […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt. Quelle zählt erneut 994; Folgeposition 995.

Allgemeiner Aufbau der Berg-Mantras

Vers 996
bījānyādau pañcadaśa kūṭaṃ caikaṃ tataḥ param‌ |
sthirāṇi ṣoḍaśaitāni pratimantraṃ sureśvari ||996||

Zuerst fünfzehn Bijas und danach ein Kuta: Diese sechzehn bleiben in jedem Mantra unverändert, Herrin der Götter.

Vers 997
pañcāśatsaṃkhyakā ekādhikāḥ śabdāstataḥ param‌ |
te calatvena kathitāstataśca tryakṣaraṃ padam‌ ||997||

Danach kommen einundfünfzig Wörter, die als wechselnd bezeichnet werden. Anschließend ein dreisilbiges Wort …

Anmerkung: Lesung te … kathitāḥ folgt der in der Quelle vorgeschlagenen grammatischen Korrektur.

Vers 998
ekaṃ taṅṅyantamuditaṃ pūrvoktaiḥ saha vigrahe |
tato'parāṇi nāmāni tāvatsaṃkhyāni pārvati ||998||

… das mit einer weiblichen Endung und in Verbindung mit den zuvor genannten Wörtern angegeben wird. Danach kommen ebenso viele weitere Namen, Parvati …

Anmerkung: Endungslesung ṅyanta vorläufig; die genaue grammatische Gestalt nicht zu einer fertigen Rezitationsform umgebaut.

Vers 999
pratimantraṃ vibhinnāni tato varṇāni sapta hi |
sthiratvenoditānyatra padāni tadanantaram‌ ||999||

… in jedem Mantra verschieden. Dann werden sieben Laute als unverändert angegeben. Anschließend Wörter …

Vers 1000
ekapañcāśatsaṃkhyāni vibhinnāni sureśvari |
madhyasthitena saptārṇaghaṭitena padena hi ||1000||

… einundfünfzig an der Zahl, voneinander verschieden, Herrin der Götter. Mit dem in der Mitte stehenden, aus sieben Silben gebildeten Wort …

Vers 1001
āgantukairvāmadakṣasthitaiḥ śabdaiśca vigrahaḥ |
athottarapadaiḥ sārdhaṃ pṛthaktvena vyavasthitaiḥ ||1001||

… werden die hinzukommenden Wörter links und rechts verbunden. Ferner [erfolgt die Verbindung] mit den nachfolgenden, jeweils gesondert angeordneten Wörtern …

Vers 1002
dvyarṇātmakasya śabdasya strīliṅgākāradhāriṇaḥ |
ṅe'ntasya vigraho'pyuktaḥ sarvatra sthiratājuṣaḥ ||1002||

… sowie mit einem zweisilbigen Wort in weiblicher Form und im Dativ, das überall unverändert bleibt.

Anmerkung: Zweisilbenlesung vorläufig; Quelle vermerkt eine Korrektur innerhalb des Wortes. Keine konkrete Endform aus der knappen Anweisung erfunden.

Vers 1003
tato'nu pañcadaśabhirvarṇairekaṃ vinirmitam‌ |
padaṃ tato'nyannavabhirghaṭitaṃ tadanantaram‌ ||1003||

Danach folgt ein aus fünfzehn Lauten gebildetes Wort, dann ein anderes aus neun und anschließend …

Vers 1004
etāvadbhirvihīnaistu kintvekena sureśvari |
tataḥ ṣaḍakṣaramidaṃ padamekaṃ tato'pyanu ||1004||

… eines aus ebenso vielen weniger einem, Herrin der Götter. Danach ein Wort aus sechs Silben, und dann …

Anmerkung: Acht Silben als ausdrücklich beschriebene Differenz neun minus eins; keine freie Zahlrekonstruktion.

Vers 1005
padadvayaṃ parijñeyaṃ caturarṇātmakaṃ tathā |
ṣaḍapyetāni ṅe'ntāni […] padāni hi ||1005||

… zwei Wörter mit jeweils vier Silben. Alle diese sechs Wörter stehen im Dativ […] …

Anmerkung: Fragment: Weitere Bestimmung nach der Dativanweisung beschädigt.

Vers 1006
kālavyāpitayā caiva jñātavyāni manau manau |
tataścaiko mahāmantraḥ ṣoḍaśārṇavinirmitaḥ ||1006||

… und sind in jedem Mantra als alle Zeit durchdringend zu verstehen. Danach folgt ein großer Mantra aus sechzehn Silben.

Vers 1007
so'pi kūṭastharūpeṇa kathitastripurāriṇā |
bījāni pañca tadanu mukhyāni sthairyabhāñji ca ||1007||

Auch er wurde vom Feind Tripuras als unveränderlich gelehrt. Danach folgen fünf Hauptbijas, die ebenfalls unverändert bleiben.

Vers 1008
upabījāni daśa ca mantrāṅgatvena yāni hi |
kathitānyāgame devi tāni syustadanantaram‌ ||1008||

Danach kommen die zehn Nebenbijas, die im Agama als Glieder des Mantra gelehrt werden, Göttin.

Vers 1009
amūnyapi sthirākārāṇyapi jñeyāni paṇḍitaiḥ |
iti sāmānya uddhāro viśeṣamadhunā śṛṇu ||1009||

Auch diese sollen die Kundigen als unveränderlich verstehen. Damit endet die allgemeine Erschließung. Höre nun die besondere.

Feste Bijas und die Berge

Vers 1010
tāraḥ kalpaśca muktā ca mahākramanṛsiṃhakāḥ |
mānasaṃ carmakāpālaṃ bhāruṇḍā sānureva ca ||1010||

Tara, Kalpa, Mukta, Maha, Krama, Narasimha, Manasa, Charma, Kapala, Bharunda und Sanu …

Anmerkung: Worttrennung der Bija-Namen mahā/krama und carma/kāpāla nach dem erkennbaren Listenbau; unaufgelöste Decknamen, keine fertigen Silben.

Vers 1011
hāraśca mekhalā caiva saṃgraho jambha eva ca |
etāni pañcadaśa vai bījāni kathitāni te ||1011||

… Hara, Mekhala, Sangraha und Jambha: Diese fünfzehn Bijas wurden dir genannt.

Vers 2012 (Position 1012)
bhāsākhyaḥ ṣoḍaśatamaḥ kūṭaśca tadanantaram‌ |
śailā athaikapañcāśat‌ krameṇaiva nibodha me ||2012||

Als sechzehntes folgt danach der Bhasa genannte Kuta. Höre nun von mir die einundfünfzig Berge in ihrer Reihenfolge.

Anmerkung: Quellziffer 2012 an Folgeposition 1012 bewahrt.

Vers 1013
ādau himālayaḥ prokto gandhamādana ityapi |
bhadrāśvaḥ ketumālaśca sumeruvindhya eva ca ||1013||

Zuerst Himalaya und Gandhamadana, dann Bhadrashva, Ketumala, Sumeru und Vindhya …

Anmerkung: Die Quelle behandelt sämtliche Namen dieser Reihe als Berge; keine moderne geografische Korrektur.

Vers 1014
niṣadho hemakūṭaśca pāripātrastathā param‌ |
kailāsa udayaścāpi asta ityeva tatparam‌ ||1014||

… Nishadha, Hemakuta, danach Paripatra, Kailasa, Udaya und anschließend Asta …

Vers 1015
mālyavantaśca sahyaśca malayo dardurastathā |
ṛṣyamūkaḥ śuktimanto mahendro'rbuda eva ca ||1015||

… Malyavant, Sahya, Malaya, Dardura, Rishyamuka, Shuktimant, Mahendra und Arbuda …

Vers 1016
droṇaśca revataścātha krauñcastadanu kīrtyate |
citrakūṭaśca kāśmīraḥ kālañjara itaḥ param‌ ||1016||

… Drona, Revata, danach Krauncha, Chitrakuta, Kashmira und anschließend Kalanjara …

Vers 1017
śrīśailaścātha mainākastato muñjagirirmataḥ |
gomanthaśca trikūṭaśca subalaḥ saindhavastathā ||1017||

… Shrishaila, Mainaka, dann Munjagiri, Gomantha, Trikuta, Subala und Saindhava …

Anmerkung: Gomantha nach Quelllaut; nicht stillschweigend Gomanta eingesetzt.

Vers 1018
kalindo ravibhā lokāloko mandara eva ca |
kedāro'ṣṭatriṃśasaṃkhyo nīlācala itaḥ param‌ ||1018||

… Kalinda, Ravibha, Lokaloka, Mandara, als achtunddreißigster Kedara und danach Nilachala …

Anmerkung: Name Ravibha vorläufig; Zählmarke unverändert bewahrt.

Vers 1019
añjanaśca varāhaśca tathā caitraratho mataḥ |
karṇikāraśca mandāraḥ kokāmukha itaḥ param‌ ||1019||

… Anjana, Varaha, Chaitraratha, Karnikara, Mandara und anschließend Kokamukha …

Anmerkung: Kokamukha aus beschädigter Schlussform vorläufig gelesen; Mandara hier mit langem ā gegenüber mandara in 1018.

Vers 1020
kolāgiristuṣāraśca vāṭadhānastato'pi ca |
tasyānu syānnīcagiriryotidharta […] ||1020||

… Kolagiri, Tushara, Vatadhana, danach Nichagiri und Yotidharta […].

Anmerkung: Fragment: Letzter Name stark beschädigt; Lautgestalt Yotidharta nur vorläufig, keine sichere Identifikation. Nicht als ausgelassener ganzer Vers behandelt.

Vers 1021
hariścandraḥ sarvaśeṣe ekapañcāśadīritāḥ |
idaṃ parvata ityevaṃ tryakṣaraṃ ṅyantamīśvari ||1021||

Ganz zuletzt Harishchandra: Einundfünfzig wurden genannt. Das dreisilbige Wort „parvata“ wird mit einer weiblichen Endung angegeben, Herrin.

Anmerkung: Endungsangabe ṅyanta wie in 998; ungewöhnliche Grammatik nicht zu einer sicheren Formel normalisiert.

Die Narasimha-Namen

Vers 1022
athāparāṃstāvato hi śabdānākalaya kramāt‌ |
jvālāmālī karālaśca bhīmaścaivāparājitaḥ ||1022||

Höre nun der Reihe nach ebenso viele weitere Wörter: Jvalamali, Karala, Bhima und Aparajita …

Anmerkung: Beginn der Narasimha-Namensliste.

Vers 1023
kṣobhaṇaśca tathā sṛṣṭiḥ sthitiḥ kalpānta ityapi |
anantaśca virūpaśca tato […] mataḥ ||1023||

… Kshobhana, Srishti, Sthiti, Kalpanta, Ananta, Virupa und danach […] …

Anmerkung: Fragment: Letzter Name beschädigt.

Vers 1024
parāparo dvādaśākhyastataḥ pradhvaṃso mataḥ |
viśvamardana ityevamugro bhadrastato'pyanu ||1024||

… als zwölfter Parapara, dann Pradhvamsa, Vishvamardana, Ugra und anschließend Bhadra …

Vers 1025
mṛtyuḥ saptadaśa […] |
[…] ghoradaṃṣṭro mahākālāgnireva ca ||1025||

… als siebzehnter Mrityu, […], Ghoradamshtra und Mahakalagni …

Anmerkung: Fragment: Mehrere Namen und Verbindungen beschädigt; keine vollständige Namensreihe erfunden.

Vers 1026
meghanādaśca vikaṭastathā piṅgasaṭo'pi ca |
pradīpto viśvarūpaśca vidyud[…] eva ca ||1026||

… Meghanada, Vikata, Pingasata, Pradipta, Vishvarupa und Vidyud-[…] …

Anmerkung: Fragment: Letzter Name nach vidyud beschädigt; nicht als bekannter Narasimha-Name ergänzt.

Vers 1027
vidāro vikramaścāpi pracaṇḍaḥ sarvatomukhaḥ |
vajro divyaśca bhogaśca mokṣo lakṣmīriti kramāt‌ ||1027||

… Vidara, Vikrama, Prachanda, Sarvatomukha, Vajra, Divya, Bhoga, Moksha und Lakshmi, in dieser Reihenfolge …

Anmerkung: Lakshmi steht ausdrücklich in dieser Narasimha-Namensliste; nicht in eine andere Reihe verschoben.

Vers 1028
vidrāvaṇaḥ kālacakraḥ kṛtāntastaptahāṭakaḥ |
bhrāmako raudra iti ca viśvāntaka itaḥ param‌ ||1028||

… Vidravana, Kalachakra, Kritanta, Taptahataka, Bhramaka, Raudra und danach Vishvantaka …

Vers 1026 (erneute Zählung; Position 1029)
bhayaṅkaraḥ prataptaśca vijayastadanantaram‌ |
tejomayastathā jvālājaṭālaḥ parikīrtitaḥ ||1026||

… Bhayankara, Pratapta, danach Vijaya, Tejomaya und Jvalajatala …

Anmerkung: Quelle zählt erneut 1026; Folgeposition 1029.

Vers 1030
tataḥ […] kharanakharo nādadāruṇaḥ |
nirvāṇanarasiṃhaśca sarvaśeṣa udīritaḥ ||1030||

… danach […], Kharanakhara und Nadadaruna. Als allerletzter wird Nirvana-Narasimha genannt.

Anmerkung: Fragment: Name am Versanfang beschädigt.

Vers 1031
ekaḥ pañcāśadityete śabdāḥ kramasamutthitāḥ |
padaṃ yat‌ saptavarṇāḍhyaṃ tadākalaya bhāmini ||1031||

So stehen diese Wörter, einundfünfzig an der Zahl, in ihrer Reihenfolge. Höre nun das siebensilbige Wort, Strahlende.

Anmerkung: Anfang der Zahlformel beschädigt; Bedeutung einundfünfzig aus dem Listenrahmen gesichert, Wortlaut ekaḥ pañcāśat nicht als grammatisch gesichert ausgegeben.

Vers 1032
narasiṃhapadasyānte sahitetyakṣaratrayam‌ |
pūrvaiḥ padairuttaraiśca vakṣyamāṇaiḥ saheśvari ||1032||

An „narasimha“ schließen sich die drei Silben „sahita“ an. Mit den vorangehenden und den noch zu nennenden folgenden Wörtern, Herrin …

Vers 1033
dvandvākhyavigrahayutaṃ sarvatraiva prakīrtitam‌ |
atha bravīmi kramaśastaduttarapadāni hi ||1033||

… wird überall eine Dvandva genannte Wortverbindung gebildet. Nun nenne ich der Reihe nach die darauf folgenden Wörter.

Anmerkung: Dvandva: koordinierende Zusammensetzung; keine darüber hinaus rekonstruierte Formelgrammatik.

Die Shaktis der Narasimha-Formen

Vers 1034
vidyutkeśī kālarātrirulkāmukhyatha kathyate |
tataḥ piṅgajaṭā kuṇḍodarī pretāsanāpi ca ||1034||

Vidyutkeshi, Kalaratri und Ulkamukhi werden genannt, dann Pingajata, Kundodari und Pretasana …

Anmerkung: Beginn der Shakti-Namen der Narasimha-Formen.

Vers 1035
kapālakuṇḍalā caṇḍacāmuṇḍā tadanantaram‌ |
dhūmāvatī tataḥ śuṣkodarī jvālākulā tataḥ ||1035||

… Kapalakundala, danach Chandachamunda, dann Dhumavati, Shushkodari und Jvalakula …

Vers 1036
tato'ñjanaprabhā vajravārāhī kālamardinī |
nāgahāriṇyatho ghoranādā caiva karālinī ||1036||

… danach Anjanaprabha, Vajravarahi, Kalamardini, Nagaharini, Ghoranada und Karalini …

Vers 1037
aṣṭādaśatamā muṇḍacarcikā vinigadyate |
śmaśānacāriṇī cāpi śavavāhinyanantaram‌ ||1037||

… als achtzehnte Mundacharchika, dann Shmashanacharini und anschließend Shavavahini …

Anmerkung: Shmashanacharini: śmaśānacāriṇī, „die auf dem Verbrennungsplatz umhergeht“; Zählmarke bewahrt.

Vers 1030 (Position 1038)
raktapāyinyatho caṇḍaghaṇṭā cāṭṭāṭṭahāsinī |
kaṅkālinī tathā bhūtonmādinī ca piśācinī ||1030||

… dann Raktapayini, Chandaghanta, Attattahasini, Kankalini, Bhutonmadini und Pishachini …

Anmerkung: Quelle zeigt 1030 an Folgeposition 1038; erhaltene Form Attattahasini nicht gekürzt.

Vers 1039
tato vikaṭadaṃṣṭrā ca meghamālā tathaiva ca |
pūtituṇḍā ca bhāruṇḍaruṇḍā phetkāriṇī tataḥ ||1039||

… danach Vikatadamshtra, Meghamala, Putitunda, Bharundarunda und Phetkarini …

Vers 1040
piciṇḍanāsā ca hūṃhuṃkāranādinyanantaram‌ |
kolānanā ca pañcaviṃśattamā ca nirañjanī ||1040||

… Pichindanasa, danach Humhumkaranadini, Kolanana und als fünfundzwanzigste Niranjani …

Anmerkung: Die Zählmarke fünfundzwanzig steht so in der Quelle, obwohl sie mit der fortlaufenden Liste nicht übereinstimmt; nicht stillschweigend korrigiert.

Vers 1041
jñeyā tato'nu bhramarāmbikā tridaśavandite |
muṇḍatāṭaṅkinī śūlacaṇḍikāpi kaṭakaṭā ||1041||

Danach ist Bhramarambika zu nennen, du von den Göttern Verehrte; Mundatatankini, Shulachandika und Katakata …

Anmerkung: Lesung muṇḍatāṭaṅkinī aus beschädigtem mula vorläufig; Sanskritzeichen des Namens nicht vollständig gesichert.

Vers 1042
kukkuṭī pukkaśī viśvabhañjikā śaṅkhinītyapi |
nīlāmbarā tataḥ kālasaṅgharṣiṇyapi kathyate ||1042||

… Kukkuti, Pukkashi, Vishvabhanjika, Shankhini, Nilambara und anschließend Kalasamgharshini …

Anmerkung: Name Pukkashi und Lesung Shankhini in beschädigter Vorlage vorläufig.

Vers 1043
tato'parāṇi kuṇapabhojinī parikīrtitā |
saptacatvāriṃśasaṃkhyā daityavidhvaṃsinī matā ||1043||

Danach wird Kunapabhojini genannt und als siebenundvierzigste Daityavidhvamsini …

Anmerkung: Anschluss aparāṇi grammatisch gestört; keine zusätzliche Göttin daraus erzeugt.

Vers 1044
vidārisṛkkiṇī kṣetrapālinī kulakuṭṭunī |
ānandadāyinī sarvaśeṣe deveśi paṭhyate ||1044||

… Vidarisrikkini, Kshetrapalini, Kulakuttuni und, ganz zuletzt, Anandadayini, Herrin der Götter.

Anmerkung: Erster und dritter Name nach vorläufiger Lautgestalt; keine sicheren Normalformen behauptet.

Vers 1044 (zweite Zählung; Position 1045)
ityekapañcāśanmitā narasiṃhasya śaktayaḥ |
krameṇa kathanīyā hi sahitetyakṣaratrayāt‌ ||1044||

Diese einundfünfzig Shaktis Narasimhas sind der Reihe nach hinter den drei Silben „sahita“ zu nennen.

Anmerkung: Quelle zählt erneut 1044; Folgeposition 1045. Fehlende oder unsichere Namen nicht auf einundfünfzig ergänzt.

Schlussglieder der Berg-Mantras

Vers 1046
yatrājādyābhidhā devi sandhānaṃ tatra nirdiśet‌ |
dvyarṇātmako hi yaḥ śabdaḥ strīliṅgākāradhāryapi ||1046||

Wo ein Name mit einem Vokal beginnt, Göttin, ist die Lautverbindung vorzunehmen. Das zweisilbige Wort in weiblicher Form …

Anmerkung: Lesung dvya vorläufig; Quelle bietet beschädigtes ic. Sandhi ist hier eine Lautverbindungsanweisung, keine frei ergänzte Formel.

Vers 1047
svarūpā iti vijñeyo varṇapañcadaśātmakam‌ |
padamākalayedānīṃ sāvadhānā sureśvari ||1047||

… lautet „svarupa“. Höre nun aufmerksam das fünfzehnsilbige Wort, Herrin der Götter.

Anmerkung: Quelle schwankt ausdrücklich zwischen sa- und sva-rūpā; svarūpā hier als vorläufige Lesung. Silbenangabe aus 1046 nicht eigenmächtig berichtigt.

Vers 1048
ādau caturaśītyuktvā koṭibrahmāṇḍaṃ tatparam‌ |
sṛṣṭikāriṇyapi tataḥ śabdaḥ pañcadaśākṣaraḥ ||1048||

Zuerst spreche man „chaturashiti“, danach „kotibrahmanda“, dann „srishtikarini“: ein fünfzehnsilbiges Wort.

Anmerkung: Anrede „die vierundachtzig Zehnmillionen Welteneier erschafft“; Srishtikarini aus beschädigtem srishta vorläufig gelesen, nicht als gesicherte Konjektur verborgen.

Vers 1046 (Position 1049)
ekīkṛto vigraheṇa ṅībantaḥ suravandite |
vibhaktiḥ pūrvamuditā navārṇāḍhyaṃ padaṃ śṛṇu ||1046||

Es wird zu einer Wortverbindung vereinigt, mit weiblicher Endung, du von Göttern Verehrte; der Kasus wurde zuvor genannt. Höre das neunsilbige Wort …

Anmerkung: Quelle zeigt 1046 an Folgeposition 1049. Ṅīb bezeichnet eine feminine Bildungsendung, keine Mantrasilbe.

Vers 1050
prajvalajjvalanasyānte locanā iti […] |
ado'pi vigrāhi jñeyaṃ vibhaktiḥ pūrvikaiva hi ||1050||

… an „prajvalajjvalana“ schließt sich „lochana“ an […]. Auch dies ist als Wortverbindung zu verstehen; es steht im zuvor genannten Kasus.

Anmerkung: Fragment: Verb nach locanā beschädigt. Anrede „deren Augen loderndes Feuer sind“.

Vers 1051
aṣṭākṣaraṃ padaṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhā iti |
ṣaḍakṣaraṃ durnirīkṣyākārā iti padaṃ priye ||1051||

Das achtsilbige Wort lautet „vajranakhadamshtrayudha“ — „die Vajra-Krallen und Fangzähne als Waffen hat“. Das sechssilbige Wort lautet „durnirikshyakara“ — „deren Gestalt schwer anzublicken ist“, Geliebte.

Anmerkung: Nennformen nach der Quelle, keine zusätzlich konstruierte Dativfassung ausgegeben.

Vers 1052
caturvarṇātmake yacca padadvayamudāhṛtam‌ |
tatrādyaṃ bhagavatyevaṃ guhyakālī dvitīyakam‌ ||1052||

Von den beiden erwähnten viersilbigen Wörtern lautet das erste „bhagavati“, das zweite „guhyakali“.

Vers 1053
mahāmantrastu deveśi ṣoḍaśārṇavinirmitaḥ |
hiraṇyakaśipūpāsyastataḥ paramudīritaḥ ||1053||

Der große, aus sechzehn Silben gebildete Mantra, den Hiranyakashipu verehrt, wird danach genannt, Herrin der Götter.

Anmerkung: Verweis auf den Mantra, hier keine ausgeschriebene Formel. Keine Silben ergänzt.

Vers 1054
pañca bījāni yānyasya carame kathitāni hi |
tāni raudraśca kālaśca nityo yātanayā saha ||1054||

Die fünf Bijas, die für seinen Schluss genannt werden, sind Raudra, Kala, Nitya, zusammen mit Yatana …

Vers 1055
dīpanī ceti daśopabījāni śṛṇuṣva me |
kaurajatritayaṃ cāstratritayaṃ hṛdayaṃ śiraḥ ||1055||

… und Dipani. Höre von mir die zehn Nebenbijas: dreimal Kauraja, dreimal Astra, Herz und Kopf.

Anmerkung: Die ausdrücklich genannten Gruppen ergeben nicht ohne Weiteres zehn; fehlende Glieder nicht ergänzt und Quellzahl nicht korrigiert.

Vers 1056
iti te kathito devi narasiṃhasamanvitaḥ |
uttamaḥ parvatanyāsaḥ kālīprītipradāyakaḥ ||1056||

Damit habe ich dir, Göttin, den erhabenen, mit Narasimha verbundenen Berg-Nyasa gelehrt, der Kali Freude bereitet.

Mahakali auf den Bergen: Schutz der Weisen

Vers 1057
yasmin‌ yasmin‌ girau yāṃ yāṃ mūrtiṃ saṃjñāṃ tathaiva ca |
dhṛtvā sthitā mahākālī trijagatpālanāya hi ||1057||

Welche Gestalt und welchen Namen Mahakali auch auf dem jeweiligen Berg angenommen hat, um die drei Welten zu schützen …

Vers 1058
tasya tasya girernāma tattanmūrtestathaiva ca |
nyāse'smin‌ kathitaṃ devi tato'yamadhiko mataḥ ||1058||

… der Name dieses Berges und dieser Gestalt wird in diesem Nyasa genannt, Göttin. Darum gilt er als besonders erhaben.

Vers 1056 (Position 1059)
sahavāso nṛsiṃhena kathamityatra saṃśaye |
samākalaya siddhāntaṃ kathyamānaṃ mayā priye ||1056||

Falls du dich fragst, wie es zum Zusammenleben mit Narasimha kam, höre die Erklärung, die ich dir gebe, Geliebte.

Anmerkung: Quelle zählt 1056 an Folgeposition 1059.

Vers 1060
ukteṣu śailaśreṣṭheṣu munayastapasi sthitāḥ |
ṛṣayaśca mahābhāgāstathā brahmarṣayo'pare ||1060||

Auf den genannten erhabenen Bergen lebten Munis in Askese, hochbegnadete Rishis und weitere Brahmarshis.

Vers 1061
vijñāya ghoraṃ gahanaṃ raho rūpaṃ tapohitam‌ |
svecchāviṣayabhūtāni cakruḥ karmāṇi te'khilāḥ ||1061||

Sie erkannten die wilde, unzugängliche und abgeschiedene Beschaffenheit [dieser Orte] als günstig für die Askese und vollzogen dort alle die von ihnen selbst gewählten Übungen.

Anmerkung: Die Zuordnung von rūpa zur Beschaffenheit der Orte ist nach dem Erzählzusammenhang vorgenommen.

Vers 1062
tapāṃsi tepire kecinmantrān‌ jepurathāpare |
yogāṃśca sādhayāmāsuḥ kecittatrordhvaretasaḥ ||1062||

Einige übten Askese, andere rezitierten Mantras. Wieder andere, deren Zeugungskraft aufwärts gerichtet war, vollzogen dort Yoga-Übungen.

Anmerkung: Ūrdhvaretas: traditionelle Bezeichnung für bewahrte bzw. aufwärts gerichtete Zeugungskraft; keine moderne anatomische Behauptung.

Vers 1063
jaguḥ sāmānyatha pare brahma dadhyurathāpare |
teṣāmevaṃ vidadhatāṃ svasvakarmāṇi pārvati ||1063||

Andere sangen Saman-Gesänge, wieder andere meditierten über Brahman. Während sie so ihre jeweiligen Übungen vollzogen, Parvati …

Vers 1064
rākṣasā dānavāścāpi daiteyā asurāstathā |
varadānamadonmattāstapovighnaṃ pracakrire ||1064||

… störten Rakshasas, Danavas, Daityas und Asuras ihre Askese, übermütig geworden durch die ihnen gewährten Segensgaben.

Vers 1065
[…] munīn‌ kāṃścid‌ dhyānamaunaparāyaṇān‌ |
atha te śaraṇaṃ jagmurjagadambāṃ parāparām‌ ||1065||

[…] einige Munis, die sich Meditation und Schweigen widmeten. Darauf nahmen diese Zuflucht zur Weltmutter, die das Höhere und Niedere umfasst.

Anmerkung: Fragment: Verb am Anfang beschädigt; keine konkrete Gewalttat ergänzt.

Vers 1066
teṣāmṛṣīṇāṃ trāṇāya tapovighnāpanuttaye |
mahograṃ vapurāsthāya durnirīkṣyaṃ surāsuraiḥ ||1066||

Um jene Rishis zu retten und die Hindernisse ihrer Askese zu beseitigen, nahm sie eine überaus furchtbare Gestalt an, die selbst Götter und Asuras kaum anzublicken vermochten …

Vers 1067
jaghāna dānavān‌ daityān‌ rākṣasānasurāṃstathā |
atharṣibhiḥ prārthitā sā tādṛśākāradhāriṇī ||1067||

… und tötete Danavas, Daityas, Rakshasas und Asuras. Dann baten die Rishis sie, die eine solche Gestalt trug …

Vers 1068
taṃ taṃ śailaṃ na tatyāja tāstā ghorāstanūrapi |
viharantī tatra tatra śaile śaile maheśvarī ||1068||

… und sie verließ weder die jeweiligen Berge noch ihre furchtbaren Gestalten. Maheshvari verweilte an diesen verschiedenen Orten, von Berg zu Berg.

Shivas Suche nach der Göttin

Vers 1069
tattadvigrahādhyāsāt‌ svamāyāparikalpitāt‌ |
nijaṃ patiṃ visasmāra rūpaṃ ca svaṃ nirañjanam‌ ||1069||

Durch die Identifikation mit den jeweiligen Gestalten, die ihre eigene Maya hervorgebracht hatte, vergaß sie ihren Gemahl und ihre eigene unbefleckte Gestalt.

Anmerkung: Anfangspartikel beschädigt, der zusammenhängende Satz hinreichend lesbar; adhyāsa als Identifikation bzw. Überlagerung übersetzt.

Vers 1070
athāpaśyanmahārudro nijāṃ chāyāmiva priyām‌ |
anviyeṣa śucodvignastrailokye sacarācare ||1070||

Als Maharudra seine Geliebte, die wie sein eigener Schatten war, nicht mehr sah, suchte er sie von Kummer bewegt in den drei Welten, unter allem Beweglichen und Unbeweglichen.

Anmerkung: Apaśyan als „nicht sehend“ im Erzählanschluss, nicht als Vergangenheitsform „er sah“.

Vers 1071
dadarśa nānārūpāṇi mahāghorāṇi bibhratīm‌ |
adrāvadrau mahāmāyāṃ tiṣṭhantīṃ vikarālinīm‌ ||1071||

Er sah Mahamaya auf den verschiedenen Bergen verweilen, in vielen überaus furchtbaren Gestalten, schreckenerregend.

Vers 1072
dṛṣṭvopasarpituṃ śambhurnāśakat‌ saumyavigrahī |
bhītaśca tādṛśākāraṃ vīkṣya devyā bhayaṅkaram‌ ||1072||

Als Shambhu in seiner sanften Gestalt sie sah, vermochte er sich ihr nicht zu nähern. Beim Anblick der so furchtbaren Gestalt der Göttin ergriff ihn Angst.

Vers 1073
bahvīrmūrtīstathālokya svayaṃ caiko vṛṣadhvajaḥ |
mānase cintayāmāsa kiṃ vidheyaṃ mayeti hi ||1073||

Als der Stierbanner-Träger ihre vielen Gestalten sah und sich selbst als einen einzigen, dachte er im Geist: „Was soll ich tun?“

Vers 1074
iyaṃ saṃvartagṛhiṇī mama prāṇeśvarī priye |
āyātā munirakṣārthamasurāṇāṃ vadhāya ca ||1074||

„Diese Herrin der Weltauflösung, die Gebieterin meines Lebens, ist gekommen, um die Munis zu schützen und die Asuras zu töten“, Geliebte.

Anmerkung: Priye als Anrede des Lehrgesprächs vom inneren Monolog abgesetzt; Lesung saṃvartagṛhiṇī vorläufig.

Vers 1075
kāryaṃ kṛtvāpi devānāṃ na jahāti tanūrimāḥ |
svamāyayā kalpitena manasaiva viḍambitā ||1075||

„Obwohl sie den Auftrag der Götter erfüllt hat, gibt sie diese Gestalten nicht auf. Ihr eigener Geist, von ihrer Maya hervorgebracht, führt sie in die Irre.

Anmerkung: Fortsetzung von Rudras innerer Rede.

Vers 1076
na caivaināṃ vihāyāhaṃ kṣaṇaṃ sthātuṃ samutsahe |
na copasarpituṃ devīṃ śaknomyetena varṣmaṇā ||1076||

Ich vermag es nicht, auch nur einen Augenblick ohne sie zu bleiben; doch mit diesem Körper kann ich mich der Göttin nicht nähern.

Vers 1077
kamupāyaṃ vidhāsyāmi kāṃ matiṃ copasarpitum‌ |
itthaṃ vicintayan‌ rudro niścayaṃ nādhyagacchata ||1077||

Welches Mittel soll ich anwenden, welchen Plan fassen, um mich ihr zu nähern?“ So überlegte Rudra, ohne zu einem Entschluss zu gelangen.

Mahakalis Bitte an ihren Gemahl

Vers 1378 (Position 1078)
sarvajñatvād‌ bhagavatī jñātvābhiprāyamaiśvaram‌ |
uccairuvāca giriśaṃ meghagambhīrayā girā ||1378||

Die Erhabene erkannte aufgrund ihrer Allwissenheit die Absicht des Herrn und sprach laut zu Girisha, mit einer Stimme tief wie eine Gewitterwolke:

Anmerkung: Quelle zeigt 1378 an Folgeposition 1078.

Vers 1076 (Position 1079)
na bhetavyaṃ prāṇanātha tvayā māmupasarpitum‌ |
kintvekaṃ vacanaṃ kuryā mama prītikaraṃ prabho ||1076||

„Du brauchst dich nicht zu fürchten, Herr meines Lebens, dich mir zu nähern. Doch erfülle mir eine Bitte, die mich erfreut, Herr.

Anmerkung: Quelle zeigt erneut 1076; Folgeposition 1079.

Vers 1080
nāhametādṛśīrghorāstanūstyakṣyāmi sarvathā |
nāhamekākinī cāpi vastumicchāmi parvate ||1080||

Ich werde diese furchtbaren Gestalten keinesfalls aufgeben. Ich möchte aber auch nicht allein auf dem Berg wohnen.

Vers 1081
mano'bhilaṣitān‌ bhogān‌ bhoktumīhe tvayā saha |
tvaṃ cāmunātisaumyena śarīreṇopasarpitum‌ ||1081||

Ich wünsche, mit dir die Freuden zu genießen, nach denen mein Herz verlangt. Du aber kannst dich mir mit diesem überaus sanften Körper …

Vers 1082
na śaknoṣi tato vakṣye prakāraṃ hitamāvayoḥ |
ahaṃ yathā mahāghorāmākṛtiṃ […] ||1082||

… nicht nähern. Deshalb nenne ich eine Weise, die uns beiden gut tut. Wie ich eine überaus furchtbare Gestalt […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussverb beschädigt; aus dem Nachbarvers nicht in den Sanskrittext ergänzt.

Vers 1083
tathā tvamapi deveśa dhṛtvogratamāṃ tanum‌ |
tadāvāṃ vihariṣyāvastatra tatra girau girau ||1083||

… so [nimm] auch du, Herr der Götter, einen überaus wilden Körper an. Dann werden wir beide zusammen auf den verschiedenen Bergen verweilen.“

Anmerkung: Die Verbgestalt dhṛtvā/dhṛyasva ist beschädigt; der Aufforderungssinn aus dem Satzanschluss sicher.

Vers 1084
evamukte mahākālyā vacasi premagarbhite |
pinākī […] vacanaṃ kiñcidvigatasādhvasaḥ ||1084||

Als Mahakali diese von Liebe erfüllten Worte gesprochen hatte, [antwortete] der Träger des Pinaka-Bogens, dessen Furcht etwas gewichen war:

Anmerkung: Fragment: Einleitendes Sprechverb beschädigt; seine Funktion aus dem folgenden Zitat klar.

Vers 1085
tvameva me devadevi samājñāpaya tādṛśīm‌ |
tanuṃ yayā tvayā sārdhaṃ tiṣṭhāmi gatabhīḥ sadā ||1085||

„Du selbst, Göttin der Götter, bestimme für mich eine solche Gestalt, in der ich immer ohne Furcht bei dir sein kann …

Vers 1086
yayā ca tvaṃ mayā sākaṃ bhogān‌ bhokṣyasa īpsitān‌ |
niśamyedṛgvacastasya devadevasya śūlinaḥ ||1086||

… und in der du zusammen mit mir die ersehnten Freuden genießen wirst.“ Als Rudrani diese Worte des dreizacktragenden Gottes der Götter hörte …

Vers 1087
smitaṃ vidhāya rudrāṇī punarūce vacaḥ patim‌ |
evaṃ cenmanyase nātha śarīraṃ hitamāvayoḥ ||1087||

… lächelte sie und sprach erneut zu ihrem Gemahl: „Wenn du, Herr, eine Gestalt wünschst, die uns beiden gut tut …

Vers 1088
narasiṃhākṛtiṃ dhṛtvā tadā […] bhoḥ |
narasiṃhākṛternānyā tanurghorā jagattraye ||1088||

… dann nimm die Gestalt Narasimhas an und […], o Herr. In den drei Welten gibt es außer der Narasimha-Gestalt keinen furchtbaren Körper …

Anmerkung: Fragment: Handlung nach dhṛtvā beschädigt; nicht frei zu „komm zu mir“ ergänzt.

Vers 1086 (Position 1089)
vidyate māmakasyāsya tulyākārasya varṣmaṇaḥ |
mannāmāni yathā cakrurmunayo bhaktibhāvitāḥ ||1086||

… der diesem meinen Körper an Gestalt gleichkäme. Wie die von Hingabe erfüllten Munis meine Namen geschaffen haben …

Anmerkung: Quelle zeigt 1086 an Folgeposition 1089.

Shiva und Shakti: Gestalt und Bedeutung

Vers 1060 (Position 1090)
tvannāmāni tathāhaṃ vai vidhāsyāmi mudānvitā |
tvaṃ preyān‌ preyasī cāhamahaṃ śaktirbhavāñchivaḥ ||1060||

… so werde ich voller Freude deine Namen schaffen. Du bist der Geliebte, ich bin die Geliebte; ich bin Shakti, du bist Shiva.

Anmerkung: Quelle zeigt 1060 an Folgeposition 1090.

Vers 1061 (Position 1091)
puruṣastvaṃ prakṛtirahaṃ vācyāhaṃ vācako bhavān‌ |
ityuktamātre rudrāṇyā tathetyuktvā sadāśivaḥ ||1061||

Du bist Purusha, ich bin Prakriti; ich bin das Bezeichnete, du bist das Bezeichnende.“ Kaum hatte Rudrani dies gesagt, erwiderte Sadashiva: „So sei es!“ …

Anmerkung: Quelle zeigt 1061 an Folgeposition 1091. Vācya/vācaka: Bedeutung bzw. Bezeichnetes und sprachlicher Ausdruck bzw. Bezeichnendes.

Vers 1092
narasiṃhākṛtiṃ ghorāṃ dhṛtavān‌ pramathādhipaḥ |
vidārisṛkkayugalāṃ dīrghadaṃṣṭrācatuṣṭayām‌ ||1092||

… und der Herr der Pramathas nahm die furchtbare Gestalt Narasimhas an: mit aufgerissenen Mundwinkeln und vier langen Fangzähnen …

Vers 1093
cāmarābhasaṭājālāṃ vajrādhikanakhāṅkurām‌ |
bahubāhvastrakalitāṃ mahogrataratāmayīm‌ ||1093||

… mit einer Mähne wie ein Yakhaarwedel, Krallenspitzen härter als der Vajra, vielen Armen und Waffen versehen, von äußerster Wildheit erfüllt …

Anmerkung: Letztes Kompositum grammatisch beschädigt, die Steigerung der Wildheit hinreichend lesbar.

Vers 1094
vamadulkājālamukhāṃ jvalatpāvakalocanām‌ |
raudraraudraṃ […] svasahāvasthitikṣamam‌ ||1094||

… mit einem Mund, der Scharen von Feuerbränden ausspie, und Augen aus loderndem Feuer. [Die Göttin sah diese] überaus schreckliche [Gestalt], die geeignet war, mit ihr zusammenzuleben …

Anmerkung: Fragment: Mittlere Satzverbindung beschädigt; keine zusätzliche Handlung rekonstruiert.

Die vereinten Namen

Vers 1095
devī tutoṣa […] pūrṇatvād‌ vāñchitasya hi |
jvālāmālyādīni tathā nirvāṇāntāni caiva hi ||1095||

… und die Göttin war zufrieden […], weil ihr Wunsch erfüllt war. Die mit Jvalamali beginnenden und mit Nirvana endenden …

Anmerkung: Fragment: Wörter nach tutoṣa beschädigt; keine Lesung te ke aus der Quelle als sicher ausgegeben.

Vers 1066 (Position 1096)
nāmāni cakre rudrasya nṛsiṃhākāradhāriṇaḥ |
chāyā tanorivābhinnau prītiyuktau parasparam‌ ||1066||

… Namen gab sie Rudra, der die Gestalt Narasimhas trug. Ungetrennt wie der Schatten vom Körper und einander in Liebe zugewandt …

Anmerkung: Quelle zeigt 1066 an Folgeposition 1096.

Vers 1097
ceratustatra tatrādrau […] tu dampatī |
devyā yāḥ pañcāśanmūrtayaḥ pariniṣṭhitāḥ ||1097||

… verweilte das Paar auf den verschiedenen Bergen […]. So viele Gestalten der Göttin dort gegenwärtig waren — [hier:] fünfzig …

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor dampatī beschädigt; Zahlbeginn unklar, lesbares pañcāśat nicht stillschweigend zu einundfünfzig ergänzt.

Vers 1098
narasiṃhākṛteḥ śambhorjātāstāvatya eva hi |
[…] munayaḥ sarve samādhimayacakṣuṣā ||1098||

… ebenso viele entstanden von Shambhu in Narasimha-Gestalt. Alle Munis [erkannten dies …] mit dem Auge des Samadhi …

Anmerkung: Fragment: Verb am Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt; Erkenntnisvorgang durch den Anschluss gesichert.

Vers 1069 (Position 1099)
devyā devasyābhilāṣaṃ dṛṣṭvā ca vapuṣī tayoḥ |
viditvā nāma ca tayoḥ saṃyojya ca parasparam‌ ||1069||

… sie sahen das Verlangen der Göttin und des Gottes sowie ihre beiden Gestalten, erkannten ihre Namen und verbanden diese miteinander …

Anmerkung: Quelle zeigt 1069 an Folgeposition 1099.

Vers 1100
śivaśaktyātmikāṃ saṃjñāmupāsāṃcakrire tadā |
tattadgirau tadākārābhidhānadharayā tadā ||1100||

… und verehrten darauf die aus Shiva und Shakti bestehende Benennung. Auf den jeweiligen Bergen [wurde] von ihr, die jene Gestalten und Namen trug …

Anmerkung: Satz setzt sich über 1101–1102 fort.

Vers 1101
yutayā devadevena nṛsiṃhākāradhāriṇā |
[…] bhartṛharisvāsyā ekīkṛtya dadhānayā ||1101||

… und mit dem Gott der Götter in Narasimha-Gestalt vereint war, […] …

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile nicht zuverlässig verständlich. Keine Verbindung der beschädigten Wörter zu einem vermeintlichen Bhartṛhari-Namen oder einer neuen Lehre.

Vers 1102
nyāse'smin‌ nikhilaṃ nyastaṃ munibhyaḥ kathitaṃ tadā |
tadāprabhṛti te sarve mahākālyā anujñayā ||1102||

… alles in diesem Nyasa niedergelegt und den Munis gelehrt. Seitdem vollziehen sie alle mit Mahakalis Erlaubnis …

Vers 1103
[…] mahānyāsaṃ śivaśaktyormudāvaham‌ |
etannyāsaprasaṅgena kathā paurātanī mayā ||1103||

… den großen Nyasa, der Shiva und Shakti Freude bereitet. Im Zusammenhang mit diesem Nyasa habe ich dir die alte Geschichte …

Anmerkung: Fragment: Verb am Anfang beschädigt; der Vollzug der genannten Praxis geht aus dem Satzanschluss hervor.

Narasimha als Rudra-Gestalt

Vers 1104
kathitā sarvapāpaghnī sarvasiddheśca dāyinī |
rudrā ete naiva cānye narasiṃhābhidhādharāḥ ||1104||

… erzählt, die alle Verfehlungen vernichtet und alle Siddhis gewährt. Diese Träger des Namens Narasimha sind Rudra-Formen und keine anderen.

Anmerkung: Lesung ete naiva statt zusammengezogenem etenaiva aufgrund des klaren Gegensatzes zu anye und der Aussage1113–1114; keine Gleichsetzung mit Vishnus Narasimha.

Vers 1105
ko hi rudramṛte kālyāḥ sannidhiṃ gantumīśvaraḥ |
rudro yatra bibheti sma sannidhātuṃ sureśvari ||1105||

Wer außer Rudra vermag in Kalis Gegenwart zu treten? Wo selbst Rudra sich fürchtete, sich ihr zu nähern, Herrin der Götter …

Vers 1106
[…] tatrānyeṣāṃ hi kā kathā |
ato vadāmi te satyaṃ nyāsasyāsya samānatām‌ ||1106||

… wie könnte dort erst von anderen die Rede sein? Deshalb sage ich dir wahrhaftig: Gleichrangigkeit mit diesem Nyasa …

Anmerkung: Fragment: Versanfang beschädigt, auch Quellkorrektur bleibt fraglich.

Vers 1107
nāpnuvantyapare koṭiprakārairapi […] |
pāvanā yatra te śailā yatra caiva sadāśivāḥ ||1107||

… erreichen andere auch in zehn Millionen Formen nicht […]. In ihm sind jene heiligen Berge und jene Sadashiva-Gestalten …

Anmerkung: Fragment: Schluss der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 1108
narasiṃhākāradharā yatrāmnāyāśca mūrtayaḥ |
mahogrāstattadākhyābhiranvitāḥ śivaśaktibhiḥ ||1108||

… die Narasimha-Gestalt tragen; in ihm sind die Überlieferungsströme und die überaus wilden Gestalten, verbunden mit den jeweiligen Namen und Shiva-Shaktis.

Anmerkung: Syntax der letzten Bestimmung gedrängt; keine vollständige metaphysische Systematik daraus ergänzt.

Vers 1106 (Position 1109)
mahimānamamuṣyāto vijñāya paramarṣayaḥ |
[…] mahānyāsaṃ hitvānyān‌ pañca pārvati ||1106||

Darum erkennen die höchsten Rishis seine Größe und [vollziehen] diesen großen Nyasa, während sie die fünf anderen beiseitelassen, Parvati.

Anmerkung: Fragment: Handlungsverb beschädigt. Quelle zeigt 1106 an Folgeposition 1109.

Vers 1110
rāthītarā auḍulomā vāmakakṣāyanāstathā |
kauṣītakeyā vāsiṣṭhā āśmarathyāśca kevalāḥ ||1110||

Die Rathitara-, Auduloma-, Vamakakshayana-, Kaushitakeya-, Vasishtha- und Ashmarathya-[Traditionen] …

Anmerkung: Pluralische Rishi-Namen als Überlieferungsträger verstanden; Quelle erwägt Rathantara statt Rathitara. Keine sichere Schulgeschichte behauptet.

Vers 1111
japanti devajananīmivāmuṃ nyāsamuttamam‌ |
siddhiṃ ca paramāṃ prāptā nyāsasyāsya prasādataḥ ||1111||

… rezitieren diesen erhabenen Nyasa wie die Mutter der Götter selbst. Durch die Gnade dieses Nyasa haben sie höchste Siddhi erlangt.

Vers 1112
tathā tvamapi deveśi […] prativāsaram‌ |
nānāvidhānāṃ siddhīnāṃ bhaviṣyasi ca bhājanam‌ ||1112||

So auch du, Herrin der Götter, [vollziehe ihn …] täglich. Dann wirst du verschiedenster Siddhis teilhaftig werden.

Anmerkung: Fragment: Handlungsverb beschädigt; keine neue Übungsanweisung ergänzt.

Vers 1113
ato jānīhi siddhāntaṃ na nṛsiṃhākṛtirhariḥ |
sannidhānaṃ gato devyā bhinnabhāvena sundari ||1113||

Erkenne darum die Lehraussage: Nicht Hari in Narasimha-Gestalt ist als ein von ihr Verschiedener in die Gegenwart der Göttin getreten, Schöne.

Anmerkung: Explizite theologische Abgrenzung der Quelle; Hari bezeichnet hier den von Rudra unterschiedenen Gott.

Vers 1114
rudra eva tamākāraṃ vidhāyātibhayaṅkaram‌ |
śivaśaktisamāyogasiddhaye'gāttadājñayā ||1114||

Rudra selbst nahm jene überaus furchtbare Gestalt an und kam auf ihr Geheiß, um die Vereinigung von Shiva und Shakti zu vollenden.

Fluss-Rishi-Nyasa: Ritualfaktoren

Vers 1111 (Position 1115)
atha nirvāṇaṣoḍhāyāṃ tṛtīyaṃ nyāsamādarāt‌ |
nadyṛṣinyāsanāmānaṃ sāvadhānā niśāmaya ||1111||

Höre nun ehrfürchtig und aufmerksam den dritten Nyasa innerhalb des Nirvana-Shodha, den sogenannten Fluss-Rishi-Nyasa.

Anmerkung: Quelle zeigt 1111 an Folgeposition 1115; nadī und ṛṣi verbinden Flüsse und Weise.

Vers 1116
asya nadyṛṣinyāsasya pāraskara ṛṣirmataḥ |
chanda ākṛtirākhyātā tataḥ prakṛtiśabdataḥ ||1116||

Als Rishi dieses Fluss-Rishi-Nyasa gilt Paraskara, als Metrum Akriti. Nach dem Wort „prakriti“ …

Vers 1117
tathā mṛtyantarapadād‌ dhāriṇīti samuddharet‌ |
guhyakālī devatā ca megho bījamudāhṛtam‌ ||1117||

… und dem Wort „mrityantara“ füge man „dharini“ an. Guhyakali ist die Gottheit; Megha wird als Bija genannt.

Anmerkung: Mittleres Wort mṛtyantara beschädigt, keine sichere Bedeutung oder vollständige Göttinnenanrede daraus erfunden. Megha nicht stillschweigend Medha.

Vers 1115 (Position 1118)
dhanadā śaktiruditā khecarī kīlakaṃ tathā |
dānavastattvamityāhurmauleyā na śrutīśvarāḥ ||1115||

Dhanada wird als Shakti bezeichnet, Khechari als Kilaka. Danava nennen die Mauleyas als Tattva, nicht die Meister der Shruti.

Anmerkung: Quelle zeigt 1115 an Folgeposition 1118; das ausdrücklich vorhandene na bleibt als Verneinung erhalten.

Vers 1116 (Position 1119)
mahānirvāṇaṣoḍhāṅganyāsabhūtapadādanu |
nadyṛṣinyāsa ityevaṃ jape ca viniyogatā ||1116||

Nach „mahanirvanashodhanganyasabhuta“ [spricht man] „nadyrishinyasa“. Die Anwendung gilt diesem Nyasa als Glied des Mahanirvana-Shodha und dem Japa.

Anmerkung: Quelle zeigt erneut 1116; Folgeposition 1119. Zusammensetzung als Ritualzuweisung, keine Bija-Auflösung.

Vers 1120
evamṛṣyādikaṃ smṛtvā ṣaḍaṅgaṃ vidadhīta vai |
kiñcit‌ krūraṃ ṣaḍaṅgaṃ ca tadākalaya sādarā ||1120||

Nachdem man sich Rishi und die übrigen Faktoren so vergegenwärtigt hat, vollziehe man die sechs Glieder. Diese sechs Glieder sind etwas furchtbar; höre sie ehrfürchtig.

Die sechs Glieder und Göttinnenanreden

Vers 1121
praṇavo vāgbhavaḥ pāśaḥ prāsādaḥ kamalāpi ca |
kātyāyanī carācarajagadvyāpinīti padadvayam‌ ||1121||

Pranava, Vagbhava, Pasha, Prasada und Kamala; dann die beiden Wörter „katyayani“ und „characharajagadvyapini“ — „Katyayani, die die Welt des Beweglichen und Unbeweglichen durchdringt“ …

Anmerkung: Quelle setzt ein Fragezeichen nach der Zweiwortangabe; lesbare Anrede unverändert.

Vers 1122
ṅe'ntaṃ kṛtvā trapākāmavadhūkūrcāstataḥ […] |
samuccaret‌ sarvasiddhidāyinyai tadanantaram‌ ||1122||

… im Dativ. Danach Trapa, Kama, Vadhu und Kurcha […]; anschließend spreche man „sarvasiddhidayinyai“ — „der Geberin aller Siddhis“.

Anmerkung: Fragment: Wort nach der Bija-Gruppe beschädigt; keine weitere Silbe ergänzt.

Vers 1123
aṅguṣṭhayośca hṛdaye nyasettanmanunā priye |
atha kālī sudhātārkṣyakṣetrapālāśca yoginī ||1123||

Mit diesem Mantra vollziehe man die Einsetzung an den Daumen und am Herzen, Geliebte. Dann [folgen] Kali, Sudha, Tarkshya, Kshetrapala und Yogini …

Vers 1124
bhadrakālī mahāghoratarākārā tathaiva ca |
[…] samuccārya śākinī ḍākinī tathā ||1124||

… „bhadrakali“ und „mahaghoratarakara“ — „Bhadrakali von überaus furchtbarer Gestalt“. Nach […] spreche man Shakini und Dakini …

Anmerkung: Fragment: Anweisung vor samuccārya beschädigt; keine sichere Kasusbestimmung an dieser Stelle behauptet.

Vers 1125
pretaḥ parā parāpararūpāyai ityudīrya hi |
tarjanyoścāpi śirasi vinyaset‌ parameśvari ||1125||

… Preta und Para sowie „parapararupayai“ — „derjenigen, deren Gestalt das Höhere und Niedere ist“. Man vollziehe die Einsetzung an den Zeigefingern und am Kopf, höchste Herrin.

Vers 1126
mānasaṃ vajrakāpāle kākinī nṛharistathā |
mahāmāyā janmamṛtyupāpanāśinyado dvayam‌ ||1126||

Manasa, Vajra, Kapala, Kakini und Nrihari; dann die beiden [Anreden] „mahamaya“ und „janmamrityupapanashini“ — „Mahamaya, die Geburt, Tod und Verfehlung vernichtet“ …

Vers 1127
caturthyekavacaḥ kṛtvā gauḥ śaktirbhūtakinnarau |
pravadennaramuṇḍānu mālāyai tadanantaram‌ ||1127||

… im Dativ Singular. [Es folgen] Go, Shakti, Bhuta und Kinnara. Danach spreche man „naramunda“ und anschließend „malayai“ — „der Girlande aus Menschenschädeln“.

Anmerkung: Ungewöhnliche Quellform naramuṇḍamālāyai beibehalten, nicht zur Anrede einer Girlandenträgerin erweitert.

Vers 1128
madhyamāśikhayornyasyedaṃśuḥ sānuśca dakṣiṇā |
cūḍāmaṇiśca jambhaśca tato bhagavatī padam‌ ||1128||

Man setze [diesen Mantra] an Mittelfingern und Haarspitze ein. [Dann folgen] Amshu, Sanu, Dakshina, Chudamani und Jambha; danach das Wort „bhagavati“ …

Vers 1129
mahāpralayaśabdānu vilāsinyapi kathyate |
etat‌ padadvayaṃ ṅe'ntaṃ vidhāya tadanantaram‌ ||1129||

… und nach „mahapralaya“ das Wort „vilasini“ — „die in der großen Weltauflösung spielt“. Man setze diese beiden Anreden in den Dativ, und anschließend …

Vers 1130
phetkāriṇī dvīpabalipralayāstatparaṃ matāḥ |
syācchmaśānavihāriṇyai padametattataḥ param‌ ||1130||

… folgen Phetkarini, Dvipa, Bali und Pralaya. Danach steht „shmashanaviharinyai“ — „der auf dem Verbrennungsplatz Weilenden“.

Vers 1131
anāmikāyāṃ kavace tanmantreṇaiva vinyaset‌ |
vedī ca pārijātaśca kaṇikāhāraśṛṅkhalāḥ ||1131||

Mit diesem Mantra setze man am Ringfinger und am Schutzpanzer ein. [Dann folgen] Vedi, Parijata, Kanika, Hara und Shrinkhala …

Vers 1122 (Position 1132)
caṇḍikā ca mahogrānu caṇḍakāpālinī tathā |
vibhakterapi turyāyā ādyena vacanena hi ||1122||

… „chandika“ und nach „mahogra“ „chandakapalini“ — „Chandika, die überaus wilde Chandakapalini“. Im Singular des vierten Kasus …

Anmerkung: Quelle zeigt 1122 an Folgeposition 1132. Kāpālinī bezeichnet eine Schädelträgerin; Kompositum nicht in zusätzliche Göttinnennamen zerlegt.

Vers 1133
yojayet‌ prākpadadvandvaṃ hākinīvidhicañcavaḥ |
kṛtyā kulācārapadād‌ bhavet‌ samayapālinī ||1133||

… verbinde man die beiden vorangegangenen Wörter. [Es folgen] Hakini, Vidhi, Chanchu und Kritya; nach „kulachara“ kommt „samayapalini“ — „die Hüterin der Verpflichtungen des Kula-Weges“ …

Vers 1134
ṅe'nteyamapi deveśi kaniṣṭhāyāṃ dṛśīrayet‌ |
sārasaḥ padmakuśikau prakarī rañjinī tathā ||1134||

… auch dies im Dativ, Herrin der Götter. Man spreche [den Mantra] am kleinen Finger und an den Augen. [Dann folgen] Sarasa, Padma, Kushika, Prakari und Ranjini …

Anmerkung: Namenslesung Prakari/Ranjini vorläufig.

Vers 1135
tataḥ siddhikarālī ca punarghorātighoraca |
padānmahāḍāmarī ca dvayaṃ ṅe'ntaṃ samuddharet‌ ||1135||

… danach „siddhikarali“ und nach „ghoratighora“ „mahadamari“. Man bilde die beiden Anreden im Dativ: „der Siddhikarali“ und „der furchtbarsten Mahadamari“.

Anmerkung: Verbindungslaut nach ghorātighora beschädigt; Mahadamari vorläufig gelesen.

Vers 1136
mandapracaṇḍau vyajanavinādāstadanantaram‌ |
mahācaṇḍapadād‌ yogeśvaryai ityabhinidiśet‌ ||1136||

Danach Manda, Prachanda, Vyajana und Vinada. Nach „mahachanda“ füge man „yogeshvaryai“ an — „der Mahachandayogeshvari“.

Anmerkung: Bija-Decknamen, darunter Vyajana/Vyujana, in beschädigter Quelle nicht vollständig gesichert.

Vers 1137
vadet‌ karatalapṛṣṭhābhyāṃ tathāstrāyāpi pārvati |
ityevaṃ nadyṛṣinyāsaṣaḍaṅgaṃ samudāhṛtam‌ ||1137||

Man spreche [die Widmung] für Handflächen und Handrücken sowie für Astra, Parvati. Damit sind die sechs Glieder des Fluss-Rishi-Nyasa dargelegt.

Allgemeiner Aufbau der Fluss-Mantras

Vers 1138
nyāsoddhāramidānīṃ te kathayāmi viśeṣataḥ |
sāmānyaśca viśeṣaśca syādasāvubhayātmakaḥ ||1138||

Nun erkläre ich dir die Erschließung des Nyasa im Einzelnen. Sie hat zwei Formen, eine allgemeine und eine besondere.

Vers 1136 (Position 1139)
ādau daśaiva bījāni sarvatraiva sthirāṇi hi |
upabījāni ṣaṭ‌ cāpi kālavyāpīnyataḥ param‌ ||1136||

Am Anfang stehen zehn Bijas, überall unverändert; danach sechs Nebenbijas, die alle Zeit durchdringen.

Anmerkung: Quelle zeigt 1136 an Folgeposition 1139.

Vers 1140
bhinnabhinnāni nāmāni calāni tadanantaram‌ |
ekādhikāni pañcāśatsaṃkhyākāni sureśvari ||1140||

Dann folgen die verschiedenen, wechselnden Namen, einundfünfzig an der Zahl, Herrin der Götter.

Vers 1141
dvyakṣaradvipadenaiva ṣaṣṭhī vigrahaśālinī |
ṅyantena ca sthireṇāpi […] manau manau ||1141||

Mit zwei zweisilbigen Wörtern [erfolgt] eine Wortverbindung im Genitiv; mit weiblicher Endung und unverändert […] in jedem Mantra.

Anmerkung: Fragment: Worttrennung und Endungsanweisung beschädigt. Keine vollständige grammatische Bauvorschrift rekonstruiert.

Vers 1142
tato'parāṇi nāmāni bhinnabhinnāni sarvaśaḥ |
tairajādipadaikena tryākārāntargatena ca ||1142||

Danach kommen weitere Namen, alle voneinander verschieden. Mit ihnen [wird] ein mit Vokal beginnendes Wort […] [verbunden] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung tryākārāntargata nicht zuverlässig verständlich; keine Silbenzahl daraus abgeleitet.

Vers 1143
ṅe'ntena pūrvaśabdena sākaṃ sandhānaśālinā |
tato devyā vibhinnāni nāmāni kathitāni hi ||1143||

… das im Dativ steht und mit dem vorangehenden Wort durch Lautverbindung vereinigt wird. Danach werden die verschiedenen Namen der Göttin genannt.

Vers 1144
taiḥ padadvitayārabdhanāmnāmekena vigrahaḥ |
caturvarṇātmakaṃ […] tadanu vai pṛthak‌ ||1144||

Mit ihnen [erfolgt] die Verbindung durch einen aus zwei Wörtern bestehenden Namen. Danach gesondert ein viersilbiges […] …

Anmerkung: Fragment: Angaben in der zweiten Halbzeile beschädigt; nach 1187–1188 sind zwei viersilbige Anreden gemeint, doch nicht in den Sanskritwortlaut ergänzt.

Vers 1145
nāmakaṃ ghaṭitaṃ paścāt‌ punarekādaśākṣaraiḥ |
tasyāpyanu sureśāni tadvat‌ punarathāṣṭabhiḥ ||1145||

… Name; danach einer aus elf Silben, und anschließend, Herrin der Götter, ebenso einer aus acht …

Vers 1146
pūrvavat‌ pañcadaśabhirakṣarairnirmitaṃ tathā |
nāmakaṃ ṣaḍimāni syurṅe'ntāni varavarṇini ||1146||

… und ferner ein Name aus fünfzehn Silben, wie zuvor. Diese sechs stehen im Dativ, du Schönfarbige.

Vers 1147
yogātturyavibhāgasya varṇādhikyaṃ prajāyate |
tato mahāmanuścaiko varṇasaptadaśātmakaḥ ||1147||

Durch die Verbindung mit dem vierten Kasus entsteht eine größere Silbenzahl. Danach kommt ein großer Mantra aus siebzehn Silben …

Anmerkung: Vierter Kasus: Dativ; nicht ein zusätzliches Bija.

Vers 1148
sarvatraivācalaḥ proktaḥ saha ṣaḍbhiḥ padairhi […] |
aṣṭau bījāni tadanu tānyapi sthairyabhāñji hi ||1148||

… der zusammen mit den sechs Wörtern überall unverändert bleibt […]. Danach folgen acht Bijas, die ebenfalls unverändert bleiben.

Anmerkung: Fragment: Letzte Partikel der ersten Halbzeile beschädigt, inhaltliche Anweisung lesbar.

Vers 1146 (Position 1149)
upabījākṣaraśreṇyaścatasrastadanu smṛtāḥ |
sāmānyoddhṛtirityeṣā tava devi mayoditā ||1146||

Danach sind vier Reihen von Nebenbija-Lauten vorgesehen. Dies ist die allgemeine Erschließung, die ich dir gelehrt habe, Göttin.

Anmerkung: Quelle zeigt 1146 an Folgeposition 1149.

Feste Bijas und die Flussnamen

Vers 1150
viśeṣabhūtāmadhunā pravadāmi niśāmaya |
pāśaḥ kalā ca śarvaśca vāgbhavo'śvattha eva ca ||1150||

Nun lehre ich die besondere Form; höre zu: Pasha, Kala, Sharva, Vagbhava und Ashvattha …

Anmerkung: Kalā mit langem ā, unterschieden von Kāla in 1151.

Vers 1151
kāmaḥ pretaśca caṇḍaśca sṛṇiḥ kālastathaiva ca |
bījānīmāni daśa vai purataḥ kathitāni hi ||1151||

… Kama, Preta, Chanda, Srini und Kala: Dies sind die zehn Bijas, die für den Anfang genannt wurden.

Anmerkung: Kāla gegenüber kalā in 1150; Decknamen nicht zu ungesicherten Lautformen entschlüsselt.

Vers 1152
manthānītritayaṃ cāstratritayaṃ tadanantaram‌ |
nāmāni bhinnabhinnāni samākalaya sāmpratam‌ ||1152||

Danach dreimal Manthani und dreimal Astra. Höre jetzt die verschiedenen Namen.

Vers 1153
sarvādyā yamunā proktā sarasvatyatha kathyate |
vipāśerāvatī cāpi candrabhāgā ca pañcamī ||1153||

Als allererste wird Yamuna genannt, danach Sarasvati, Vipasha, Iravati und als fünfte Chandrabhaga …

Vers 1154
vitastā devikā caiva gomatī narmadā tathā |
siprā ca kṛṣṇavellā ca tuṅgabhadrā tato'pyanu ||1154||

… Vitasta, Devika, Gomati, Narmada, Sipra, Krishnavella und anschließend Tungabhadra …

Anmerkung: Quellformen Sipra und Krishnavella nicht stillschweigend durch moderne Flussnamen ersetzt.

Vers 1155
kāverī tadanu jñeyā tato godāvarīti ca |
tāpī payoghnī kathitā paścād‌ bhīmarathī matā ||1155||

… danach Kaveri, dann Godavari, Tapi, Payoghni und anschließend Bhimarathi …

Anmerkung: Payoghni ist die lesbare Quellform; keine Angleichung an andere Flusslisten.

Vers 1156
bāhudā karatoyā ca gaṇḍakī sarayūstathā |
dvāviṃśatitamā jñeyā kauśikī ca śarāvatī ||1156||

… Bahuda, Karatoya, Gandaki und Sarayu; als zweiundzwanzigste Kaushiki, dann Sharavati …

Vers 1157
irāvatī cotpalinī samaṅgā vetravatyapi |
aṣṭāviṃśatisaṃkhyākā tamasā parikīrtitā ||1157||

… Iravati, Utpalini, Samanga, Vetravati und als achtundzwanzigste Tamasa …

Anmerkung: Iravati wiederholt den Namen aus 1153; Quellwiederholung nicht beseitigt.

Vers 1145 (Position 1158)
carmaṇvatī dhūtapāpā tataścāpi varānane |
suvarṇarekhā gaditā virajā tadanantaram‌ ||1145||

… Charmanvati und Dhutapapa, du mit dem schönen Antlitz; dann Suvarnarekha und danach Viraja …

Anmerkung: Quelle zeigt 1145 an Folgeposition 1158.

Vers 1159
trayastriṃśattamā proktā nirvindhyā ca mahānadī |
suralā tatparaṃ jyotīrasā pārāvatī tathā ||1159||

… als dreiunddreißigste Nirvindhya, dann Mahanadi, Surala, Jyotirasa und Paravati …

Anmerkung: Seltene Flussnamen nach vorläufig lesbarer Lautgestalt; keine geografische Gleichsetzung.

Vers 1160
vāgmatī syādanu malaprahāriṇyapi kathyate |
varuṇā ca tato mandākinī bhogavatīti ca ||1160||

… anschließend Vagmati und Malapraharini, dann Varuna, Mandakini und Bhogavati …

Vers 1161
śoṇaḥ śatadrurapi ca hiraṇyākṣa itaḥ param‌ |
sindhuśca […] kokanadī lauhitya eva ca ||1161||

… Shona, Shatadru, danach Hiranyaksha, Sindhu, […], Kokanadi und Lauhitya …

Anmerkung: Fragment: Wort nach Sindhu beschädigt; keine zusätzliche Flussidentität ergänzt.

Vers 1162
tato'nvalakanandā ca gaṅgā sarvasya śeṣagā |
nāmānītyekapañcāśaduditāni yathākramam‌ ||1162||

… danach Alakananda und ganz zuletzt Ganga. Damit wurden die einundfünfzig Namen in ihrer Reihenfolge genannt.

Anmerkung: Quellzählung, keine künstliche Ergänzung beschädigter Listenglieder.

Vers 1163
eteṣāmanu ye prokte pade te vai niśāmaya |
ādyaṃ nadīti kathitaṃ dvitīyaṃ tīramityapi ||1163||

Höre die beiden Wörter, die auf diese Namen folgen: Das erste lautet „nadi“, Fluss, das zweite „tira“, Ufer.

Vers 1164
ataḥ paraṃ bhinnabhinnānyetayoranu yāni hi |
udīritāni nāmāni tadākalaya sundari ||1164||

Höre nun die verschiedenen Namen, die nach diesen beiden Wörtern genannt werden, Schöne.

Die Rishi-Namen

Vers 1165
ādau marīciratriśca tataścaivāṅgirā mataḥ |
pulastyaḥ pulahaścāpi kratuḥ ṣaṣṭha udāhṛtaḥ ||1165||

Zuerst Marichi, Atri, danach Angiras, Pulastya, Pulaha und als sechster Kratu …

Vers 1166
vasiṣṭhaḥ saptamo jñeyo bhṛguraṣṭama eva ca |
bharadvājaḥ kardamaśca kapilastatpareṇa hi ||1166||

… als siebter Vasishtha, als achter Bhrigu, dann Bharadvaja, Kardama und anschließend Kapila …

Vers 1167
durvāsā dvādaśatamo dattātreyastataḥ param‌ |
agastyo'tha parijñeyaḥ parāśara itaḥ param‌ ||1167||

… als zwölfter Durvasas, danach Dattatreya, dann Agastya und anschließend Parashara …

Vers 1168
vyāso viśvāmitra iti gargo gautama eva ca |
śāṇḍilyaścāsitaḥ prokto devalastadanantaram‌ ||1168||

… Vyasa, Vishvamitra, Garga, Gautama, Shandilya, Asita und danach Devala …

Vers 1169
jñeyaḥ śātātapaḥ paścāt‌ kātyāyana ito'pyanu |
āpastambastathā śaṅkhalikhitau hyekatāṃ gatau ||1169||

… anschließend Shatatapa, dann Katyayana, Apastamba sowie Shankha und Likhita, die zu einer Einheit zusammengefasst sind …

Anmerkung: Dualform der ausdrücklich als Einheit behandelten Namen nach Satzsinn normalisiert; OCR bietet eine gestörte Singularform.

Vers 1170
hārīto jamadagniśca ṛcīkaścyavano'pi ca |
ekatriṃśattamo jñeyaḥ paiṭhīnasiritīśvari ||1170||

… Harita, Jamadagni, Richika, Chyavana und als einunddreißigster Paithinasi, Herrin …

Vers 1171
uddālakaḥ śvetaketurdadhīcirjaiministathā |
vaiśampāyana ityevaṃ vāmadevaśca gālavaḥ ||1171||

… Uddalaka, Shvetaketu, Dadhichi, Jaimini, Vaishampayana, Vamadeva und Galava …

Vers 1172
saṃvartaḥ paraśurāmaśca jābālaḥ kathitastataḥ |
śarabhaṅgaśca vālmīkirnāradaḥ kaśyapo'pi ca ||1172||

… Samvarta, Parashurama, danach Jabala, Sharabhanga, Valmiki, Narada und Kashyapa …

Vers 1173
atharvā tadanu jñeyo mārkaṇḍeyo'tha lomaśaḥ |
aurvastato'pyanūttaṅko yājñavalkyaśca śeṣagaḥ ||1173||

… danach Atharvan, Markandeya, Lomasha, dann Aurva, Uttanka und zuletzt Yajnavalkya.

Anmerkung: Uttanka aus beschädigtem uttandha vorläufig gelesen; keine weitere Person hinzugefügt.

Vers 1174
ṛṣayastvekapañcāśadityete parikīrtitāḥ |
eteṣāmagrato devi nāmnāmekaṃ padaṃ matam‌ ||1174||

Diese einundfünfzig Rishis wurden genannt. Auf ihre Namen folgt ein Wort, Göttin …

Vers 1175
caturvarṇātmakaṃ taccopāsitetyaṅganāṅgatiḥ |
punarbhinnāni nāmāni sāmānye yadudīritam‌ ||1175||

… aus vier Silben: „upasita“, „verehrt“, mit weiblicher Form. Die weiteren verschiedenen Namen, die in der allgemeinen Darstellung angekündigt wurden …

Anmerkung: Grammatische Schlussbestimmung aṅganāṅgati beschädigt; Bedeutung einer weiblichen Form vorläufig nach Kontext, keine sichere technische Lesung behauptet.

Die Göttinnen an den Flüssen

Vers 1176
tānīdānīṃ pravakṣyāmi tattatkramagatāni hi |
kāmadā ca mahāvidyā gaurī tārtīyakī matā ||1176||

… nenne ich nun in ihrer jeweiligen Reihenfolge: Kamada, Mahavidya und als dritte Gauri …

Vers 1177
caturthī cāpi kāmākhyā tato māheśvarī matā |
tatpaścād‌ viśvarūpā ca tapasvinyatha kathyate ||1177||

… als vierte Kamakhya, danach Maheshvari, anschließend Vishvarupa und Tapasvini …

Vers 1178
puṇyapradā tato vindhyavāsinī parikīrtitā |
mahāmāyā ca daśamī śivaśaktirataḥ param‌ ||1178||

… dann Punyaprada, Vindhyavasini, als zehnte Mahamaya und danach Shivashakti …

Vers 1176 (Position 1179)
kṣemaṅkarī cātha bhavahāriṇī ca trayodaśī |
sūkṣmā padmāvatī cāpi ṣoḍaśyuktā kuleśvarī ||1176||

… dann Kshemankari, als dreizehnte Bhavaharini, Sukshma, Padmavati und als sechzehnte Kuleshvari …

Anmerkung: Quelle zeigt 1176 an Folgeposition 1179; ṣoḍaśī hier Zählmarke, kein zusätzlicher Name Shodashi.

Vers 1180
tataḥ saptadaśī devi kauśikī ca mahodayā |
vimalā ca tathā padmāsanā cāpi priyaṅkarī ||1180||

… dann als siebzehnte Kaushiki, Göttin; Mahodaya, Vimala, Padmasana und Priyankari …

Vers 1181
sarvāśrayā guṇānandā kalātītā tathaiva ca |
nādasvarūpiṇī cāpi tato nārāyaṇī matā ||1181||

… Sarvashraya, Gunananda, Kalatita, Nadasvarupini und danach Narayani …

Vers 1182
tāpasī vedamātā ca jñānavedyā tataḥ param‌ |
bhavatāriṇyatho jñeyā muditā nandinī tathā ||1182||

… Tapasi, Vedamata, danach Jnanavedya, dann Bhavatarini, Mudita und Nandini …

Vers 1153 (Position 1183)
harapriyā kuṇḍalinī dayāvatyapi śāṅkarī |
advaitā naigamī cāpi tathaiva śrutibodhitā ||1153||

… Harapriya, Kundalini, Dayavati, Shankari, Advaita, Naigami und Shrutibodhita …

Anmerkung: Quelle zeigt 1153 an Folgeposition 1183.

Vers 1184
śāmbhavī caikacatvāriṃśattamā ca parāparā |
tato bhogavatī nityānandā caiva sureśvari ||1184||

… Shambhavi, als einundvierzigste Parapara, dann Bhogavati und Nityananda, Herrin der Götter …

Vers 1185
turīyā tatparaṃ vāgagocarā mokṣadā tathā |
yogavidyā ca nirlepā tathā caiva nirindhanī ||1185||

… danach Turiya, Vagagochara, Mokshada, Yogavidya, Nirlepa und Nirindhani …

Anmerkung: Vagagochara entspricht vāgagocarā, „der Rede unzugänglich“; nicht in das gegenteilige vāggocarā umgedeutet.

Vers 1186
mānasī sarvaśeṣe tu […] parikīrtitā |
dvipadārabdhanāmaikaṃ pañcavarṇātmakaṃ hi yat‌ ||1186||

… und ganz zuletzt wird Manasi […] genannt. Der eine fünfsilbige Name, der aus zwei Wörtern besteht …

Anmerkung: Fragment: Weitere Bestimmung vor parikīrtitā beschädigt; Name lesbar.

Vers 1187
tatrādyo nāmaśabdaśca dvitīyo dhāriṇītyapi |
caturvarṇātmakaṃ yacca padadvandvamudāhṛtam‌ ||1187||

… hat „nama“ als erstes und „dharini“ als zweites Wort — „die den Namen trägt“. Von den beiden viersilbigen Wörtern, die genannt wurden …

Vers 1188
tatrādyaṃ bhagavatyekaṃ dvitīyaṃ guhyakālyapi |
ekādaśārṇaghaṭitaṃ yatpadaṃ samudāhṛtam‌ ||1188||

… lautet das erste „bhagavati“, das zweite „guhyakali“. Das erwähnte Wort aus elf Silben …

Weitere Anreden und Schlussbijas

Vers 1189
adhunā tadahaṃ vacmi samākalaya bhāmini |
lelihānapadasyānte rasanāśabdamuddharet‌ ||1189||

… nenne ich nun; höre zu, Strahlende. An das Wort „lelihana“ füge man „rasana“ …

Vers 1160 (Position 1190)
bhayānakā tatparaṃ ca evamekādaśākṣaram‌ |
vibhāgaviniyogena bhaved‌ dvādaśatāsya hi ||1160||

… und danach „bhayanaka“: So hat es elf Silben. Durch die Verwendung der Kasusendung werden es zwölf.

Anmerkung: Quelle zeigt 1160 an Folgeposition 1190. Lelihānarasanābhayānakā: „furchtbar mit leckender Zunge“; keine neue Bija-Bedeutung.

Vers 1191
etasyānu padaṃ devi yattadaṣṭākṣarātmakam‌ |
tadvai vikaṭadaṃṣṭrānu karālā iti kīrtitam‌ ||1191||

Das darauffolgende achtsilbige Wort, Göttin, besteht aus „vikatadamshtra“ und anschließend „karala“ — „furchtbar durch gewaltige Fangzähne“.

Vers 1192
ado'pi hi vibhaktyāḍhyaṃ navavarṇātmakaṃ bhavet‌ |
yaduktaṃ pañcadaśabhirvarṇairekaṃ padaṃ priye ||1192||

Auch dieses wird mit der Kasusendung neunsilbig. Das eine Wort, das als fünfzehnsilbig bezeichnet wurde, Geliebte …

Vers 1163 (Position 1193)
tadvai mahācaṇḍayogeśvarīśaktipadādanu |
vadecca tattvasahitaḥ ityevaṃ parameśvari ||1163||

… [bildet man aus] „mahachandayogeshvarishakti“ und danach „tattvasahita“, höchste Herrin.

Anmerkung: Quelle zeigt 1163 an Folgeposition 1193; sahitaḥ statt erwarteter weiblicher Form bewahrt. Anrede etwa „mit dem Shakti-Prinzip der Mahachandayogeshvari verbunden“; genaue Kompositumgrenze offen.

Vers 1194
iyaṃ vibhaktyā bhavati sahitā ṣoḍaśākṣarī |
ṣaṇṇāṃ padānāmeteṣāṃ vibhaktiḥ pūrvamīritā ||1194||

Mit der Kasusendung wird diese [Anrede] sechzehnsilbig. Der Kasus dieser sechs Wörter wurde zuvor angegeben.

Vers 1195
eṣāṃ padānāmante hi mahāmantro'yamīśvari |
sa vasiṣṭhopāsito hi jñeyaḥ saptadaśākṣaraḥ ||1195||

Am Ende dieser Wörter steht jener große Mantra, Herrin; er ist als der von Vasishtha verehrte siebzehnsilbige zu verstehen.

Anmerkung: Verweis, keine hier ausgeschriebene Formel; kein Ergänzen aus ungesicherten anderen Fassungen.

Vers 1196
etasya paścād‌ bījāni yānyaṣṭau kathitāni te |
tānīdānīṃ pravakṣyāmi hyupabījānyataḥ param‌ ||1196||

Die acht Bijas, die dir für danach genannt wurden, werde ich jetzt mitteilen, und anschließend die Nebenbijas.

Vers 1197
jīvaḥ kālo'vaniścāpi vikāro'rcā durī tathā |
ādityajye itīmāni hṛcchīrṣaṃ copabījake ||1197||

Jiva, Kala, Avani, Vikara, Archa, Duri, Aditya und Jya: Dies sind sie. Herz und Kopf sind die beiden Nebenbijas.

Anmerkung: Duri vorläufiger Deckname. Hier zwei Nebenbijas gegenüber vier Reihen in1149; Differenz nicht mit fehlenden Silben aufgefüllt.

Vers 1168 (Position 1198)
ityākhyāto viśeṣoddhāraste varavarṇini |
anena nadyṛṣinyāsaḥ sphuṭatāmāpa sarvataḥ ||1168||

Damit wurde dir die besondere Erschließung erklärt, du Schönfarbige. Dadurch ist der Fluss-Rishi-Nyasa in jeder Hinsicht deutlich geworden.

Anmerkung: Quelle zeigt 1168 an Folgeposition 1198; Vollständigkeitsbehauptung der Quelle trotz örtlicher Überlieferungsschäden.

Die Flüsse bitten Kali um Segen

Vers 1199
purā nadyastapastepuḥ kalpe kuśikanāmani |
kālikāyāḥ prasādārthaṃ jepustāḥ ṣoḍaśīmanum‌ ||1199||

Einst, im Kalpa namens Kushika, übten die Flüsse Askese. Um Kalikas Gnade zu erlangen, rezitierten sie den sechzehnsilbigen Mantra …

Anmerkung: Shodashi hier Silbenbezeichnung des Mantra; kein Alter einer Person.

Vers 1200
nānāvidhavarāvāptyai sahasraṃ parivatsarān‌ |
tāsāṃ tuṣṭā tataḥ kālī pratyakṣaṃ samabhāṣata ||1200||

… tausend Jahre lang, um vielfältige Segensgaben zu erhalten. Da war Kali mit ihnen zufrieden, erschien vor ihnen und sprach.

Anmerkung: Mythische Zeitangabe, keine Übungsdauer als heutige Empfehlung.

Die fünf Bitten der Flüsse

Vers 1201
varaṃ vṛṇīdhvaṃ sarito manasā yadabhīpsitam‌ |
tataḥ pañca varān‌ vavruḥ saritaḥ sambhūya sundari ||1201||

„Wählt einen Segen, ihr Flüsse, was immer euer Herz ersehnt!“ Da versammelten sich die Flüsse und erbaten fünf Segensgaben, Schöne.

Vers 1202
ekaṃ pāvanapānīyā bhavāmaḥ kṣitimaṇḍale |
dvitīyaṃ nāmamūrtī tvaṃ dhṛtvā svecchāprakalpite ||1202||

„Erstens: Mögen unsere Wasser auf Erden reinigend sein. Zweitens: Nimm nach deinem eigenen Willen einen Namen und eine Gestalt an …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, nach fortlaufender Folge zugeordnet.

Vers 1203
asmākaṃ rodhasostiṣṭha yāvat‌ sthāsyati no jalam‌ |
tṛtīyamṛṣayo brāhmāstīre'smākaṃ nijoṭajam‌ ||1203||

… und bleibe an unseren Ufern, solange unser Wasser besteht. Drittens: Mögen die Brahma-Rishis an unseren Ufern ihre eigenen Hütten …

Vers 1204
kṛtvā tapasyantu tapaḥ pūtāḥ syāma tathā vayam‌ |
caturthaṃ dve tanū kāli bhūyāstāṃ tvatprasādataḥ ||1204||

… errichten und Askese üben; so mögen auch wir gereinigt werden. Viertens, Kali: Mögen wir durch deine Gnade zwei Gestalten besitzen …

Vers 1205
asmākamekā hi jalātmikānyā daivikī tathā |
tanvāṃ jalātmikāyāṃ tu prāṇino hi caturvidhāḥ ||1205||

… eine aus Wasser bestehende und eine göttliche. In unserer Wassergestalt mögen die vier Arten von Lebewesen …

Anmerkung: Die vier Lebensklassen werden an dieser Stelle nicht einzeln erklärt; keine Liste ergänzt.

Vers 1206
āpyāyantāṃ ca tṛpyantāṃ drumauṣadhilatā api |
anyayā patimambhodhiṃ prāpnumastvatprasādataḥ ||1206||

… genährt und erquickt werden, ebenso Bäume, Kräuter und Schlingpflanzen. In der anderen Gestalt mögen wir durch deine Gnade den Ozean als unseren Gemahl erreichen.

Vers 1207
kūlāni havyakavyādiphalādhikyāya santu naḥ |
tanutyajasteṣu yāntu nirayaṃ mā kadācana ||1207||

Mögen unsere Ufer die Früchte der Gaben an Götter und Ahnen sowie anderer Riten vermehren. Mögen diejenigen, die dort ihren Körper verlassen, niemals in eine Hölle gelangen.“

Anmerkung: Die fünfte Bitte ist nicht nochmals ausdrücklich nummeriert; keine zusätzliche Nummer in den Grundtext eingesetzt.

Die Göttin und die Weisen an den Ufern

Vers 1208
iti tāsāṃ vacaḥ śrutvā hasantī jagadambikā |
sarvaṃ tathāstviti procya kṣaṇādantarhitābhavat‌ ||1208||

Als die Weltmutter ihre Worte hörte, lächelte sie und sprach: „So möge alles sein!“ Im selben Augenblick verschwand sie.

Vers 1209
nānāśikharipādebhyo nirgatāḥ saritāṃ varāḥ |
pāvayantyo janapadān‌ nagaragrāmakharvaṭān‌ ||1209||

Die erhabenen Flüsse entsprangen am Fuß verschiedener Berge, reinigten Länder, Städte, Dörfer und befestigte Siedlungen …

Vers 1210
viviśuḥ patimambhodhimanāvartinya īśvari |
pratiśrutākaraṇato lajjayevāpi kālikā ||1210||

… und gingen ohne Umkehr in ihren Gemahl, den Ozean, ein, Herrin. Kalika, gleichsam aus Scheu davor, ihr Versprechen nicht zu erfüllen …

Vers 1211
svayameva svasya dhṛtvā nāmamūrtī samīhite |
rodhassu tattatsaritāṃ tasthau bhūtvā sadā sthirā ||1211||

… nahm selbst die von ihr gewünschten Namen und Gestalten an und blieb dauerhaft an den Ufern der jeweiligen Flüsse gegenwärtig.

Vers 1212
viditvā devyadhiṣṭhānamṛṣayaśca tadājñayā |
nijāṃ nijāṃ parṇaśālāṃ kṛtvā te nyavasan‌ priye ||1212||

Die Rishis erkannten die Gegenwart der Göttin. Auf ihr Geheiß errichteten sie sich jeweils eine Laubhütte und wohnten dort, Geliebte.

Vers 1213
yasya yasya ruciryasyāṃ yasyāṃ nadyāṃ babhūva hi |
sa tattadāpagātīre cakāra svaṃ svamāśramam‌ ||1213||

Jeder errichtete seinen eigenen Ashram am Ufer jenes Flusses, der ihm besonders zusagte.

Anmerkung: Nadyām ist die in der Quelle fragend vorgeschlagene Ergänzung; Sinn des Flussbezugs klar, einzelne Sanskritzeichen unsicher.

Vers 1214
tattannāmadharāṃ devīṃ tattanmūrtidharāmapi |
ārādhayanta […] upāsāṃcakrire'mbikām‌ ||1214||

Sie verehrten die Göttin unter den jeweiligen Namen und in den jeweiligen Gestalten; […] sie widmeten sich der Verehrung Ambikas.

Anmerkung: Fragment: Wort in der zweiten Halbzeile beschädigt; die doppelte Verehrungsaussage nicht als Dublette gestrichen.

Vers 1214 (zweite Zählung; Position 1215)
śrautoktena ca vidhinā vidadhuśca tapo mahat‌ |
siddhiṃ ca paramāṃ prāptā yogaṃ kaivalyameva ca ||1214||

Nach der in der Shruti gelehrten Ordnung übten sie große Askese. Sie erlangten höchste Siddhi, Yoga und Kaivalya.

Anmerkung: Quelle zählt erneut 1214; Folgeposition 1215. Kaivalya: Befreiung bzw. vollkommene Eigenständigkeit des Selbst im hier verwendeten religiösen Sinn.

Könige und Opfer an den Flüssen

Vers 1216
śrutvemamakhilodantaṃ nimnagānāṃ tapaḥkriyām‌ |
varadānaṃ tathā devyā ṛṣīṇāmapi ca sthitim‌ ||1216||

Als sie diese ganze Geschichte hörten — von der Askese der Flüsse, der Segensgabe der Göttin und dem Aufenthalt der Rishis …

Anmerkung: Subjekt Könige folgt in1217.

Vers 1217
adhiṣṭhānaṃ tathā devyāstattanmūrtyabhidhājuṣaḥ |
rājānaḥ svapuraṃ hitvā tatra tatra sarittaṭe ||1217||

… sowie von der Gegenwart der Göttin unter den jeweiligen Gestalten und Namen —, verließen Könige ihre Städte und [begaben sich] an die verschiedenen Flussufer …

Vers 1218
kṛtvā tāṃstān‌ munīn‌ devi yājakān‌ vedapāragān‌ |
ījire vividhairyajñaiḥ samāptavaradakṣiṇaiḥ ||1218||

… machten jene in den Veden bewanderten Munis zu ihren Opferpriestern, Göttin, und vollzogen vielfältige Opfer, abgeschlossen mit reichen Opferlöhnen.

Anmerkung: Dakshina hier Gabe bzw. Lohn für die Opferpriester, keine Bija-Chiffre.

Vers 1219
sevamānā jagaddhātrīṃ rahasyairnāmabhiḥ sadā |
ṛṣivat‌ prāptavantaśca sveṣṭaṃ rājarṣayo'pi ca ||1219||

Indem auch diese königlichen Weisen die Welterhalterin beständig mit geheimen Namen verehrten, erreichten sie wie die Rishis das von ihnen Ersehnte.

Vers 1220
pūjāsambhāramālokya munibhī rājabhistathā |
kriyamāṇaṃ svasya vīkṣya mumude'tīva kālikā ||1220||

Als Kalika die Fülle der Verehrung sah, die ihr die Munis und Könige darbrachten, freute sie sich außerordentlich.

Anmerkung: Grammatik von munibhī beschädigt, handelnde Gruppen eindeutig.

Kalis Auftrag und die Entstehung des Nyasa

Vers 1221
athovāca priyatamaṃ tripuraghnaṃ rahogatā |
kaccho'yaṃ saritāṃ svacchaḥ pāvano'tīvanirmalaḥ ||1221||

Dann sprach sie in der Abgeschiedenheit zu ihrem geliebten Tripura-Vernichter: „Diese Uferlandschaft der Flüsse ist klar, heilig und überaus rein.

Vers 1222
atra māṃ nāmabhistaistairmunayaḥ samupāsate |
mama tenātisantoṣo jāyate parameśvara ||1222||

Hier verehren mich die Munis unter den jeweiligen Namen. Das bereitet mir höchste Zufriedenheit, erhabener Herr.

Vers 1223
nadīnāṃ ca munīnāṃ ca mama caivākhyayā vibho |
vinirmitaṃ nyāsamekaṃ […] mama tuṣṭaye ||1223||

[Erschaffe] einen Nyasa, der aus den Namen der Flüsse, der Munis und meinen eigenen Namen gebildet ist, Allgegenwärtiger, zu meiner Freude.“

Anmerkung: Fragment: Aufforderungsverb beschädigt, aus der Antwort1224 als Auftrag sicher erkennbar; nicht als gesicherte Sanskritrekonstruktion eingesetzt.

Vers 1224
niśamya kālikāśiṣṭimitthaṃ sa tripuradviṣaḥ |
nyāsaṃ nadyṛṣināmānaṃ kṛtvā devyai nyavedayat‌ ||1224||

Als der Feind Tripuras so Kalikas Auftrag gehört hatte, schuf er den sogenannten Fluss-Rishi-Nyasa und legte ihn der Göttin vor.

Vers 1295 (Position 1225)
mahānyāsamimaṃ śrutvā tutoṣa parameśvarī |
uvāca cemaṃ ye nyāsaṃ kariṣyanti surā narāḥ ||1295||

Die höchste Herrin hörte diesen großen Nyasa und war zufrieden. Sie sprach: „Den Göttern und Menschen, die diesen Nyasa vollziehen …

Anmerkung: Quelle zeigt 1295 an Folgeposition 1225.

Vers 1226
teṣāmahaṃ bhaviṣyāmi santuṣṭā phaladātryapi |
tadā […] nyāso vikhyātiṃ paramāṃ gataḥ ||1226||

… werde ich wohlgesonnen sein und die Frucht gewähren.“ Darauf […] erlangte der Nyasa höchste Berühmtheit.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort in der zweiten Halbzeile beschädigt.

Vers 1227
ṣoḍhānyāse nibaddhaśca śambhunā kālikājñayā |
ityeṣa kathito devi nyāsarājasamudbhavaḥ ||1227||

Auf Kalikas Geheiß fügte Shambhu ihn in den Shodha-Nyasa ein. Damit ist dir, Göttin, die Entstehung dieses Königs der Nyasas erzählt.

Vers 1228
mahimā nāsya saṃkhyātuṃ śakyo varṣaśatairapi |
pṛthaktvenāpi vihitaḥ sarvāḥ siddhīḥ prayacchati ||1228||

Seine Größe lässt sich selbst in Hunderten von Jahren nicht aufzählen. Auch für sich allein vollzogen, gewährt er alle Siddhis.

Anmerkung: Verheißung der Quelle, keine bestätigte Wirkungsaussage.

Astra-Bhairava-Nyasa: Ritualfaktoren und Absicht

Vers 1229
atha turyatamaṃ cāstrabhairavādyabhidhānakam‌ |
asyāstrabhairavādinyāsasya proktaḥ prajāpatiḥ ||1229||

Nun [folgt] als vierter der sogenannte Astra-Bhairava-[Nyasa]. Für diesen Astra-Bhairava-Nyasa wird Prajapati …

Vers 1230
ṛṣiśchando'pyutkṛtiśca śatakoṭipadādanu |
[…] tathā śaktiparāparakuleti ca ||1230||

… als Rishi genannt und Utkriti als Metrum. Nach „shatakoti“ […] [folgen] „shakti“, „parapara“ und „kula“ …

Anmerkung: Fragment: Wort nach der Zahlenangabe beschädigt; keine vollständige Anrede rekonstruiert.

Vers 1231
cakrād‌ vadetsāmarasyakāriṇītyekakaṃ padam‌ |
tato'nu nararudhiramāṃsabhojinyapīrayet‌ ||1231||

… nach „chakra“ spreche man „samarasyakarini“, zu einer einzigen Wortverbindung gefügt — „die Gleichklang bewirkt“. Dann „nararudhiramamsabhojini“ — „die Menschenblut und Menschenfleisch verzehrt“ …

Anmerkung: Die grausame Anrede ist wörtlich als historische Textaussage übersetzt, nicht in moderne Praxis umgedeutet.

Vers 1232
punaśca daśavadanadhāriṇīti padaṃ bhavet‌ |
tasyānu paramaśivanivāsinyapi kīrtitā ||1232||

… dann „dashavadanadharini“ — „die zehn Gesichter trägt“; danach „paramashivanivasini“ — „die in Paramashiva wohnt“ …

Vers 1233
punarbhagavatī guhyakālī vai devatā matā |
ḍākinī bījamākhyātaṃ kaṇikā śaktirucyate ||1233||

… und ferner Bhagavati Guhyakali: Sie gilt als die Gottheit. Dakini wird als Bija genannt, Kanika als Shakti.

Vers 1234
kīlakaṃ preta ityevaṃ hārastattvamapīṣyate |
mahāpātakopapātātipātakādipadādanu ||1234||

Preta ist das Kilaka, Hara gilt als Tattva. Nach den Wörtern für schwere Verfehlungen, nachgeordnete Verfehlungen und überaus schwere Verfehlungen …

Anmerkung: Quellwort upapāta beschädigt; Bezug auf die benannten Verfehlungsklassen klar, keine Rechtslehre dazu ergänzt.

Vers 1235
trividhapāpakṣayārthe punaḥ sakalaśatru ca |
kṣayapūrvakarājyānu prāptaye parikīrtayet‌ ||1235||

… spreche man „zur Tilgung der dreifachen Schuld“. Ferner „sakalashatru“ und „kshayapurvaka“, dann „rajya“ und „praptaye“ — „zur Erlangung der Herrschaft nach der Vernichtung sämtlicher Feinde“.

Anmerkung: Rituelle Zweckbestimmung der Quelle, keine heutige Handlungsaufforderung.

Vers 1236
mahānirvāṇaṣoḍhāṅgabhūtāstrapadato'pyanu |
vaded‌ bhairavabhairavyādinyāsa iti pārvati ||1236||

Nach „mahanirvanashodhangabhutastra“ spreche man „bhairavabhairavyadinyasa“, Parvati: der Astra-, Bhairava- und Bhairavi-Nyasa als Bestandteil des Mahanirvana-Shodha.

Vers 1237
siddhyarthe ca jape caiva viniyoga udāhṛtaḥ |
evamābhāṣya ṛṣyādimasya devi smared‌ budhaḥ ||1237||

Die Anwendung gilt dem Erlangen von Siddhi und dem Japa. Nachdem der Kundige so gesprochen hat, vergegenwärtige er sich dessen Rishi und die übrigen Faktoren, Göttin.

Die sechs Glieder des Astra-Nyasa

Vers 1238
ṣaḍaṅgamadhunā vakṣye nātibāhulyakalpitam‌ |
sauraṅgapramukhaiḥ pañcabījairādyantatāribhiḥ ||1238||

Nun lehre ich die sechs Glieder, die nicht allzu weitläufig gestaltet sind: [das erste] mit den fünf Bijas, die mit Sauranga beginnen, mit Tara am Anfang und am Ende …

Anmerkung: Gliedzuordnung aus der folgenden Reihenfolge; verkürzt genannte Fünfergruppe nicht aufgefüllt.

Vers 1236 (Position 1239)
sukṛtādibhirapyevaṃ medhādyantimaśālibhiḥ |
tathā punarbhadrikādipañcabhiḥ parameśvari ||1236||

… ebenso [das zweite] mit den bei Sukrita beginnenden [Bijas], mit Medha an Anfang und Ende. Ferner [das dritte] mit den fünf, die mit Bhadrika beginnen, höchste Herrin …

Anmerkung: Quelle zeigt 1236 an Folgeposition 1239.

Vers 1240
mukhapāścātyasaṃsthāyitrapābījibhirīdṛśaiḥ |
hāryādibhirapyevaṃ puraḥśeṣe sakāmakaiḥ ||1240||

… mit Trapa-Bija an Anfang und Ende. Ebenso [das vierte] mit den bei Harya beginnenden [Bijas], von Kama an Anfang und Ende begleitet.

Anmerkung: Name Harya vorläufig; nicht zu Hara geglättet.

Vers 1241
aupādeyādibhistadvatpañcabhirmukhaśeṣagaiḥ |
[…] pañcamaṃ kuryāt‌ ṣaṣṭhaṃ maulijjakādibhiḥ ||1241||

Das fünfte vollziehe man ebenso mit den fünf, die bei Aupadeya beginnen, mit […] an Anfang und Ende; das sechste mit den bei Maulijjaka beginnenden [Bijas] …

Anmerkung: Fragment: Umrahmungsbija des fünften Glieds unlesbar; Aupadeya und Maulijjaka vorläufige Decknamen.

Vers 1242
[…] ādyantagairdevi ṣaḍaṅgamubhayaṃ smṛtam‌ |
athoddhāraṃ bravīmyasya dvividhaṃ tridaśārcite ||1242||

… mit […] an Anfang und Ende, Göttin. So sind die sechs Glieder in beiden Formen vorgesehen. Nun lehre ich ihre zweifache Erschließung, du von Göttern Verehrte …

Anmerkung: Fragment: Umrahmungsbija des sechsten Glieds beschädigt; nicht ergänzt.

Allgemeiner Aufbau der Astra-Mantras

Vers 1243
sāmānyaṃ ca viśeṣaṃ ca nyāsābhivyaktaye sphuṭam‌ |
dvāviṃśatimitairbījairghaṭito'yaṃ […] ||1243||

… die allgemeine und die besondere, damit der Nyasa klar hervortritt. Dieser [Mantra] ist aus zweiundzwanzig Bijas gebildet […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt. Die folgende besondere Erschließung nennt neben Bijas auch Kutas; keine Harmonisierung der Terminologie.

Vers 1244
sa […] sarvamantrādau kālavyāpitayeritaḥ |
tato nāmāni bhinnāni sarveṣu manuṣu priye ||1244||

Er […] wird als alle Zeit durchdringender Anfang sämtlicher Mantras angegeben. Danach kommen in allen Mantras verschiedene Namen, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Wort nach sa beschädigt.

Vers 1245
ajādidvyarṇaśabdena dāntena prathamairitaiḥ |
sandhānaṃ vigrahaścāmā sarvatra sthairyaśālinā ||1245||

… [verbunden] durch Lautverbindung und Wortzusammensetzung mit einem vokalisch beginnenden zweisilbigen Wort, das überall unverändert bleibt, und mit den zuerst genannten [Namen].

Anmerkung: Fragment: Bestimmung dānta und Verbindung cāmā ausdrücklich unsicher. Keine sichere Endungs- oder Kasusregel rekonstruiert.

Vers 1246
punastato'nu nāmāni bhinnabhinnāni pūrvavat‌ |
eteṣāmagrimapadadvandvena saha vigrahaḥ ||1246||

Danach folgen erneut verschiedene Namen, wie zuvor. Sie werden mit den beiden anschließenden Wörtern verbunden.

Vers 1247
tatrādyaṃ tu padaṃ jñeyamajādi […] |
dvitīyamapi ca […] ṅībantaṃ strītvaṅe'ntavat‌ ||1247||

Das erste dieser Wörter beginnt mit einem Vokal […]. Das zweite […] hat eine weibliche Bildungsendung und steht im Dativ.

Anmerkung: Fragment: Teile beider Halbzeilen beschädigt; keine fehlenden Lautzahlen ergänzt.

Vers 1248
parasparaṃ tribhiḥ śabdaiḥ samāsaḥ parikīrtitaḥ |
[…] parau dvau tu kūṭatvena vyavasthitau ||1248||

Die drei Wörter werden miteinander zu einem Kompositum verbunden. […] Die beiden letzten bleiben dabei fest.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt. Kūṭatva im Gegensatz zu wechselnden Namen als Unveränderlichkeit verstanden, nicht zwingend als neue zwei Bija-Kutas.

Vers 1246 (Position 1249)
padānāmanu caiteṣāṃ punaḥ śabdāḥ pṛthak‌ pṛthak‌ |
eṣāmagre caturbhistu padairvigrahatāṃ gataiḥ ||1246||

Nach diesen Wörtern folgen wiederum einzelne verschiedene Wörter. Vor ihnen [steht eine Verbindung] mit vier Wörtern …

Anmerkung: Quelle zeigt 1246 an Folgeposition 1249; Satz geht in1250weiter.

Vers 1250
strīliṅgaṃ ca tathākārāntaṃ padaṃ caikamiṣyate |
[…] caitena purata īritairasthiraiḥ padaiḥ ||1250||

… die zu einem einzigen Wort im Femininum mit langem a am Ende vereinigt werden sollen. […] Dieses wird mit den zuvor genannten wechselnden Wörtern …

Anmerkung: Fragment: Kasusangabe am Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt; nicht frei ergänzt.

Vers 1251
samāsaḥ kintu śeṣasthā catuṣpadyapi susthirā |
eṣāṃ padānāṃ pañcānāmādye ye tu calācale ||1251||

… zusammengesetzt; die abschließende Vierwortgruppe bleibt jedoch unverändert. Von diesen fünf Wörtern sind die ersten [beiden] wechselnd und unverändert …

Anmerkung: Gedrängte Bauanweisung; keine vollständige Formel aus der allgemeinen Beschreibung rekonstruiert.

Vers 1252
te samasya tu ṅībante kārye vai pañcavarṇike |
ābhyāṃ tvakṣaraśabdasya stryākāraṅe'ntaśālinaḥ ||1252||

… man verbinde sie zu einer fünfsilbigen weiblichen Form. Mit diesen [verbindet man] ein Wort […], ebenfalls weiblich und im Dativ …

Anmerkung: Fragment: Lautzahl in akṣaraśabda nicht zuverlässig angegeben; fehlende Zahl nicht ergänzt.

Vers 1252 (Position 1253)
samāsaḥ sthiratāsthairye vijñeye pūrvaśabdavat‌ |
tato […] padaṃ caikaṃ caturarṇavinirmitam‌ ||1252||

… zu einem Kompositum. Unveränderlichkeit und Wechsel sind wie bei den früheren Wörtern zu verstehen. Danach ein weiteres Wort […] aus vier Silben.

Anmerkung: Fragment: Endungsangabe beschädigt. Quelle zählt erneut 1252; Folgeposition1253.

Vers 1254
asya śeṣe mahāmantraścaikaḥ ṣoḍaśavarṇikaḥ |
sa sthiratvena nirdiṣṭastato vai ṣaḍbhirakṣaraiḥ ||1254||

An dessen Ende steht ein großer Mantra aus sechzehn Silben, als unveränderlich vorgeschrieben. Danach [ein Wort], aus sechs Silben …

Vers 1255
ghaṭitaṃ ṅe'ntaṅībantaṃ tathāpyacalamucyate |
tataśca pañcabījānāṃ yugalaṃ yugalaṃ kramāt‌ ||1255||

… gebildet, mit weiblicher Bildungsendung und im Dativ, ebenfalls unveränderlich. Dann folgen der Reihe nach die fünf Bijas jeweils paarweise …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, nach Folge zugeordnet.

Vers 1256
caletaratayā jñeyaṃ tacca sarvaṃ varānane |
pañcākṣaropabījāstratritayaṃ tritayaṃ tataḥ ||1256||

… und all dies ist als unveränderlich zu verstehen, du mit dem schönen Antlitz. Danach [folgen] fünfsilbige Nebenbijas und Astra, jeweils dreifach.

Anmerkung: Trennung pañcākṣaropabījāstra im OCR unsicher; keine fertige Schlussformel konstruiert.

Vers 1257
iti sāmānya uddhāro viśeṣastvadhunocyate |
mantro ya uktaḥ prathamaṃ dvāviṃśatibhirakṣaraiḥ ||1257||

Damit endet die allgemeine Erschließung. Nun wird die besondere gelehrt. Jener zu Beginn genannte Mantra aus zweiundzwanzig Silben …

Guhya-Mahabhairavi und Ekavali-Hara

Vers 1258
ādau śṛṇu taduddhāraṃ bījakūṭamayaṃ priye |
bhāsākūṭaṃ hārabījaṃ bhogakūṭaṃ ca kaṇikā ||1258||

… höre zuerst seine aus Bijas und Kutas bestehende Erschließung, Geliebte: Bhasa-Kuta, Hara-Bija, Bhoga-Kuta und Kanika …

Vers 1259
kalākūṭaṃ śākinī ca kūṭaṃ svāyambhuvaṃ tataḥ |
ḍākinī yāmyakūṭaṃ ca pralayo brāhmakūṭakam‌ ||1259||

… Kala-Kuta, Shakini, danach Svayambhuva-Kuta, Dakini, Yamya-Kuta, Pralaya und Brahma-Kuta …

Vers 1260
phetkārī cāpi sauparṇakūṭaṃ tadanu […] |
gauhyakaṃ kūṭamasyānu bījaṃ cākorameva ca ||1260||

… Phetkari, Sauparna-Kuta, danach […], Gauhyaka-Kuta und anschließend das Chakora-Bija …

Anmerkung: Fragment: Ein Glied nach Sauparna-Kuta beschädigt; nicht aus einer anderen Reihe ergänzt.

Vers 1261
nairṛtaṃ kūṭamasyānu bījamāghoṣaṇābhidham‌ |
prapañcakūṭaṃ ca khaṭī kūṭamaindraṃ sasṛṣṭi ca ||1261||

… danach Nairrita-Kuta, das Aghoshana genannte Bija, Prapancha-Kuta, Khati, Aindra-Kuta und Srishti.

Anmerkung: Khati ist bereits in der Quelle mit Fragezeichen versehen; keine fehlenden Silben ergänzt.

Vers 1262
dvāviṃśatyakṣaro mantra ityeṣa parikīrtitaḥ |
guhyā mahābhairavīti nāmnā khyātāgamādiṣu ||1262||

Damit ist dieser zweiundzwanzigsilbige Mantra genannt. Unter dem Namen Guhya-Mahabhairavi ist er in den Agamas und anderen Schriften bekannt.

Anmerkung: Quellname und Quellzählung trotz beschädigter Einzelglieder bewahrt.

Vers 1263
etena manunopāsya bhairavāḥ kālikāṃ purā |
siddhiṃ prāptā nijākārāḥ śaktīśca kamalānane ||1263||

Einst verehrten die Bhairavas Kalika mit diesem Mantra und erlangten Siddhi, ihre eigenen Gestalten und ihre Shaktis, du mit dem Lotusantlitz.

Anmerkung: Grammatik nijākārāḥ statt erwarteter Objektform beschädigt; Aufzählung nach erkennbarem Satzsinn.

Vers 1264
ekāvalīhāra iti nāmnā khyāto manastvayam‌ |
ekapañcāśadityevaṃ nāmānyākarṇayādhunā ||1264||

Dieser Mantra ist unter dem Namen Ekavali-Hara, „einreihige Halskette“, bekannt. Höre nun die einundfünfzig Namen.

Anmerkung: Die beiden Bezeichnungen Guhya-Mahabhairavi1262 und Ekavali-Hara1264 werden nebeneinander bewahrt.

Die Astra-Namen

Vers 1295 (Position 1265)
brahmā nārāyaṇaḥ prājāpatya aindraśca vaiṣṇavaḥ |
kampanaścātha vāyavyo varuṇo yāmya eva ca ||1295||

Brahma, Narayana, Prajapatya, Aindra, Vaishnava, Kampana, Vayavya, Varuna und Yamya …

Anmerkung: Astra-Namen. Quelle erwägt Brāhma statt Brahmā; Variante nicht stillschweigend eingesetzt. Quellziffer 1295 an Position 1265.

Vers 1266
kāla āgneyabhūtau ca kauberastadanantaram‌ |
pārjanyo vaidyutaścātha pārvataḥ parameśvari ||1266||

… Kala, Agneya, Bhuta, danach Kaubera, Parjanya, Vaidyuta und Parvata, höchste Herrin …

Vers 1267
pāṣāṇanāgatvāṣṭrāśca sauparṇastāmaso'pi ca |
taimiraścātha gāndharvaḥ prasvāpana itaḥ param‌ ||1267||

… Pashana, Naga, Tvashtra, Sauparna, Tamasa, Taimira, Gandharva und anschließend Prasvapana …

Vers 1168 (Position 1268)
[…] jambhaṇaścāpi mātaṅgaiṣīkasaṃjñakau |
audumbaro rākṣasaśca bhāruṇḍo'pyaparo mataḥ ||1168||

… […], Jambhana, die Matanga und Aishika genannten, Audumbara, Rakshasa und ferner Bharunda …

Anmerkung: Fragment: Erstes Listenglied beschädigt. Quelle zeigt1168 an Position 1268.

Vers 1269
tato brahmaśiro devi guhyakaḥ kālakūṭaśca |
vetālavaināyakau ca skandaḥ pramatha eva ca ||1269||

… danach Brahmashiras, Göttin, Guhyaka, Kalakuta, Vetala, Vainayaka, Skanda und Pramatha …

Anmerkung: Kalakuta in der Quelle mit Fragezeichen; vorläufiger Name.

Vers 1270
utpātaścātha kūṣmāṇḍo bhrāmako gālano'pi ca |
sammohano balā cātibalā cātha nimīlanaḥ ||1270||

… Utpata, Kushmanda, Bhramaka, Galana, Sammohana, Bala, Atibala und Nimilana …

Anmerkung: Weibliche Formen Bala/Atibala in der Liste bewahrt.

Vers 2271 (Position 1271)
acetanastathonmādo'pasmāro māraṇo'pi ca |
sarvaśeṣe pāśupata ityevaṃ śabdasaṃhatiḥ ||2271||

… Achetana, Unmada, Apasmara, Marana und ganz zuletzt Pashupata. So lautet die Folge der Wörter.

Anmerkung: Quelle zeigt2271 an Position 1271.

Vers 1272
ajādidvyarṇaśabdastu astramityabhidhīyate |
punaḥ śabdānākalaya parato'pyasya ye sthitāḥ ||1272||

Das vokalisch beginnende zweisilbige Wort heißt „astra“, Waffe. Höre nun die Wörter, die darauf folgen.

Die Asura-Namen

Vers 1273
vidyujjihvaśca muṇḍaśca ruruḥ khaṭvāṅga eva ca |
añjano durga ityevaṃ vipracittiśca saptamaḥ ||1273||

Vidyujjihva, Munda, Ruru, Khatvanga, Anjana, Durga und als siebter Viprachitti …

Anmerkung: Asura-Namen; Durga hier männlicher Name, keine Umdeutung zur Göttin Durga.

Vers 1274
mahiṣaḥ kapotaromā mataṅgo daśamo'pi ca |
hayagrīvo vairandhamaścaṇḍamuṇḍastathaiva ca ||1274||

… Mahisha, Kapotaroman, als zehnter Matanga, Hayagriva, Vairandhama und Chandamunda …

Anmerkung: Chandamunda als zusammengesetztes Listenglied bewahrt; keine zusätzliche Zählung aus zwei Dämonen anderer Erzählungen.

Vers 1275
pātālodaranāmā ca tathā gaganaśirā iti |
pataṅgavegastadanu makarāsyastataḥ param‌ ||1275||

… der Patalodara Genannte, Gaganashiras, danach Patangavega und anschließend Makarasya …

Vers 1276
raktabījo nikumbhaśca puñjamālī mahāhanuḥ |
darduro durjayahiraṇyakeśo ca pramāthyapi ||1276||

… Raktabija, Nikumbha, Punjamali, Mahahanu, Dardura, Durjaya, Hiranyakesha und Pramathin …

Anmerkung: Durjaya und Hiranyakesha nach erkennbarem Namensbau getrennt; Quellkompositum selbst knapp.

Vers 1277
meghamālī niśumbhaśca tataścāpi prakampanaḥ |
vātavego […] krātho vajrāṅga eva ca ||1277||

… Meghamali, Nishumbha, danach Prakampana, Vatavega, […], Kratha und Vajranga …

Anmerkung: Fragment: Name nach Vatavega beschädigt.

Vers 1278
candrārirnīla ityevaṃ śailajaṅghastathaiva ca |
vajramuṣṭistathā […] yugaṃpaca eva ca ||1278||

… Chandrari, Nila, Shailajangha, Vajramushti, […] und Yugampacha …

Anmerkung: Fragment: Name nach Vajramushti beschädigt.

Vers 1279
jambukaśca tathā tāladhvajo vai kumbhamālyapi |
tathā sarpaśirāḥ pātālaketuścañciko'pi ca ||1279||

… Jambuka, Taladhvaja, Kumbhamali, Sarpashiras, Patalaketu und Chanchika …

Anmerkung: Letzter Name Chanchika vorläufig.

Vers 1280
kuṇḍakavacāsilomāpi tapanastuṇḍarīkaśca |
tato'nvaśaniparvā ca yajñakopastataḥ param‌ ||1280||

… Kundakavacha, Asiloman, Tapana, Tundarika, danach Ashaniparvan und anschließend Yajnakopa …

Anmerkung: Tundarika ist bereits in der Quelle fraglich; keine Ersetzung durch Pundarika.

Vers 1281
śeṣe pralayarambhaśca ekapañcāśadīritāḥ |
ajādidvyakṣaradvandvakṛtamekaṃ padaṃ hi yat‌ ||1281||

… zuletzt Pralayarambha: Einundfünfzig wurden genannt. Das eine Wort, das aus zwei vokalisch beginnenden zweisilbigen Wörtern gebildet ist …

Anmerkung: Allgemeine grammatische Angabe wirkt gegenüber der ausgeschriebenen Form1282 ungenau; nicht harmonisiert.

Die Bhairava-Namen

Vers 1282
dvivigrahi ṅībantaṃ bhavedasuraghātinī |
krodhaḥ śmaśānakāpālī kālakālāntako ruruḥ ||1282||

… besteht aus zwei Gliedern und hat eine weibliche Endung: „asuraghatini“, „Töterin der Asuras“. [Nun folgen die Bhairava-Namen:] Krodha, Shmashanakapali, Kala, Kalantaka und Ruru …

Anmerkung: Beginn der Bhairava-Liste mitten im Vers; Worttrennung Kāla/Kālāntaka vorläufig.

Vers 1283
aghoro ghorataraḥ mandāraścaṇḍa eva ca |
huḍḍāro nādirunmatta ānandastadanantaram‌ ||1283||

… Aghora, Ghoratara, Mandara, Chanda, Huddara, Nadi, Unmatta und danach Ananda …

Anmerkung: Quelle erwägt Samhara statt Mandara. Aghora am Versanfang und Nadi vorläufig gelesen; Variante getrennt bewahrt.

Vers 1284
bhūtādhipaḥ kṛtāntaḥ syādasitāṅgastataḥ param‌ |
kālāgnirugrāyudhayug‌ vajrāṅgaśca karālayuk‌ ||1284||

… Bhutadhipa, Kritanta, danach Asitanga, Kalagni, Ugrayudha, Vajranga und Karala …

Anmerkung: Yuk als Listenverbindung verstanden, nicht als zusätzlicher Bhairava-Name.

Vers 1285
vikarālo mahākālaḥ kalpāntastadanu priye |
viśvāntakaḥ pracaṇḍaḥ syād‌ bhagamālyugra eva ca ||1285||

… Vikarala, Mahakala, danach Kalpanta, Geliebte; Vishvantaka, Prachanda, Bhagamali und Ugra …

Vers 1286
bhūtanāthaḥ subhadraśca tataḥ sampatprado mataḥ |
mṛtyuryamāntakaścolkāmukhaḥ syādekapādaśca ||1286||

… Bhutanatha, Subhadra, danach Sampatprada, Mrityu, Yamantaka, Ulkamukha und Ekapada …

Vers 1287
pretaśca muṇḍamālī ca vaṭukaḥ kṣetrapālayuk‌ |
digambaro vajramuṣṭirghoranādastathaiva ca ||1287||

… Preta, Mundamali, Vatuka, Kshetrapala, Digambara, Vajramushti und Ghoranada …

Vers 1188 (Position 1288)
caṇḍograsantāpanau ca kṣobhaṇaḥ syādataḥ param‌ |
jvālā tato'nu saṃvartavīrabhadrāviti smṛtau ||1188||

… Chandogra und Santapana, danach Kshobhana, Jvala und anschließend Samvarta und Virabhadra …

Anmerkung: Quelle zeigt1188 an Position 1288. Dualform unterstützt Chandogra/Santapana als zwei Namen, nicht drei.

Vers 1289
trikālāgniśca tripurāntaka ityevamīśvari |
eteṣāmagratastvādau śabdo bhairava ityapi ||1289||

… Trikalagni und Tripurantaka, Herrin. Auf diese [Namen] folgt zuerst das Wort „bhairava“ …

Anmerkung: Quellenfußnote nennt Shoshana als ausgelassenen Bhairava, ohne im OCR sichere Einordnungsstelle; gesondert notiert, nicht still in die Reihe eingefügt.

Unnummerierter Text
śoṣaṇābhidhaḥ |

„der Shoshana Genannte“.

Anmerkung: Zusätzlich lesbarer Name aus der Herausgeberfußnote: „Der Name dieses Bhairava steht nicht [im Text]; er heißt Shoshana.“ Keine eigenständige Quellversnummer und keine gesicherte Position in der Hauptliste.

Bhairavi-Anreden und Schlussglieder

Vers 1260 (Position 1290)
dvitīyaḥ suratetyevaṃ tārtīyo rasa ityapi |
lolupeti tathā turyaḥ pañcāpi hi samāsinaḥ ||1260||

… als zweites „surata“, als drittes „rasa“, als viertes „lolupa“. Alle fünf werden zu einem Kompositum verbunden.

Anmerkung: Quelle zeigt1260 an Position 1290. Mit dem jeweiligen Bhairava-Namen: „nach dem Genuss der Liebesvereinigung mit … Bhairava verlangend“. Erwachsene erotische Ritualsprache, keine moderne Umdeutung.

Vers 1291
pañcānāmādimebhyastu śabdebhyastadanantaram‌ |
bhairavīti padaṃ tryarṇaṃ rūpā ca dvyarṇameva hi ||1291||

Danach folgen auf die jeweils ersten Wörter der Fünfergruppen das dreisilbige „bhairavi“ und das zweisilbige „rupa“ …

Vers 1262 (Position 1292)
savigrahāṇi sarvāṇi vibhaktiḥ pūrvamīritā |
guhyakālītyapi padaṃ tadanantaramiṣyate ||1262||

… alles zu Wortverbindungen gefügt, im zuvor genannten Kasus. Danach ist das Wort „guhyakali“ vorgesehen.

Anmerkung: Quelle zeigt1262 an Position 1292.

Vers 1293
yā mahāṣoḍaśītyevaṃ mahāvidyā pureritā |
sā tatpaścāt‌ sthiratvena kathanīyā manau manau ||1293||

Die zuvor als Mahashodashi bezeichnete Mahavidya ist danach in jedem Mantra unverändert zu sprechen.

Anmerkung: Mantra-Verweis; keine hier nicht ausgeschriebenen Silben ergänzt.

Vers 1294
śmaśānavāsinītyevaṃ tasyā anu nigadyate |
trapāyoginiruṅnārīrāvāṇāṃ dvitayaṃ dvayam‌ ||1294||

Danach spricht man „shmashanavasini“ — „die auf dem Verbrennungsplatz wohnt“. Trapa, Yogini, Rung, Nari und Rava folgen jeweils zweimal.

Anmerkung: Mittleres Bija-Deckwort ruṅ vorläufig; nicht ohne Grundlage in eine bekannte Silbe verwandelt.

Vers 1265 (Position 1295)
astraṃ hṛcchirasī cāpi trivāraṃ samudāharet‌ |
viśeṣoddhāra ityevaṃ mayā te parikīrtitaḥ ||1265||

Astra, Herz und Kopf spreche man jeweils dreimal. Damit habe ich dir die besondere Erschließung gelehrt.

Anmerkung: Quelle zeigt1265 an Position 1295.

Andhaka und Shivas Segensgabe

Vers 1296
kālyāḥ kathaṃ bhairavītvamityasmin‌ saṃśaye […] |
ākhyāyikāṃ kathyamānāṃ paurāṇīṃ matta īśvari ||1296||

Wenn du dich fragst, wie Kali zur Bhairavi wurde, [höre] die alte Geschichte, die ich dir erzähle, Herrin.

Anmerkung: Fragment: Verb am Ende der ersten Halbzeile beschädigt; Hör-Aufforderung nach Satzanschluss.

Vers 1297
hiraṇyākṣastapastaptvā divyānāṃ śaradāṃ śatam‌ |
haratārtīyanayanātmakaṃ lebhe sutaṃ śivāt‌ ||1297||

Hiranyaksha übte hundert göttliche Jahre lang Askese und erhielt von Shiva einen Sohn, dessen Wesen aus Haras drittem Auge stammte …

Anmerkung: Mythische Herkunftsangabe der Quelle; keine Angleichung an andere Andhaka-Erzählungen.

Vers 1298
kalpakoṭisahasrāṇi trīṇi mṛtyuvivarjitam‌ |
ajayyaṃ tridaśaiḥ sarvairbrahmaviṣṇupuraḥsaraiḥ ||1298||

… der dreitausendmal zehn Millionen Kalpas vom Tod verschont und für sämtliche Götter, Brahma und Vishnu an ihrer Spitze, unbesiegbar sein sollte.

Anmerkung: Große mythische Zeitangabe aus trīṇi kalpakoṭisahasrāṇi; keine historische Zeitrechnung.

Vers 1266 (Position 1299)
āgaḥsahasrakartāramapyenaṃ varadarpitam‌ |
nāśayiṣyāmyahaṃ nāmuṃ nānye śakṣyanti cāmarāḥ ||1266||

„Selbst wenn er tausend Vergehen begeht, übermütig durch den gewährten Segen, werde ich ihn nicht vernichten; auch die anderen Unsterblichen werden es nicht vermögen.

Anmerkung: Quelle zeigt1266 an Position 1299. Negation nāmum folgt dem fragenden Herausgebervorschlag; Aussage durch den zugesicherten Todesschutz und1301 gestützt, Wortlaut bleibt unsicher.

Vers 1300
kintvekamasyāparādhaṃ kṣamiṣye na kadācana |
kāmabhogābhilāṣeṇa pārvatīharaṇodyamam‌ ||1300||

Doch eine einzige Verfehlung werde ich ihm niemals verzeihen: den Versuch, Parvati aus Verlangen nach sinnlichem Genuss zu rauben.

Anmerkung: Shivas Rede innerhalb des Mythos; keine Ausschmückung des sexuellen Begehrens.

Vers 1301
prāṇairviyojayiṣyāmi naiva tatrāpyamuṃ paśum‌ |
darpaṃ saṃśamayiṣyāmi vineṣyāmi śubhe pathi ||1301||

Doch selbst dann werde ich diesem Tier nicht das Leben nehmen. Ich werde seinen Hochmut besänftigen und ihn auf einen heilsamen Weg führen.“

Anmerkung: Abwertendes paśu, „Tier“, als Quellwort bewahrt.

Der Kampf auf dem Mandara

Vers 1302
sa hi dhūmākulākṣitvādandhako nāma […] |
sarvān‌ vijitya tridaśān‌ hartukāmo girīndrajām‌ ||1302||

Weil seine Augen von Rauch verdunkelt waren, [hieß] er Andhaka […]. Nachdem er alle Götter besiegt hatte, wollte er die Tochter des Bergkönigs rauben …

Anmerkung: Fragment: Verb der Namensgebung beschädigt. Lesung hartukāma statt OCR hantukāma durch1300 und1321 gestützt, ausdrücklich vorläufig.

Vers 1303
mandarasthāṃ samabhyāgāddaityānāṃ padmakoṭibhiḥ |
tatra yuddhaṃ mahadghoramabhavadromaharṣaṇam‌ ||1303||

… die sich auf dem Mandara befand, und rückte mit ungeheuren, in Padma-Kotis gezählten Daitya-Heeren gegen sie vor. Dort entstand eine gewaltige, furchtbare Schlacht, die das Haar zu Berge stehen ließ …

Anmerkung: Padma-Koti als mythische Großzahl bewahrt, nicht in eine unsicher angenommene Dezimalzahl umgerechnet.

Vers 1304
nandinā pramathaiścāpi sahāndhakabalasya ca |
pramathāstatra daityendrairjitā yuddhe sanandinaḥ ||1304||

… zwischen Andhakas Heer auf der einen und Nandin samt den Pramathas auf der anderen Seite. Die Pramathas wurden zusammen mit Nandin von den Daitya-Fürsten im Kampf besiegt.

Vers 1305
atha śūlaṃ samādāya yoddhukāmo maheśvaraḥ |
ājagāma tathā devī mandarāt‌ prapalāyitā ||1305||

Darauf ergriff Maheshvara den Dreizack und kam, um zu kämpfen. Die Göttin floh währenddessen vom Mandara.

Vers 1306
tatreśvareṇa ditijāḥ prāyaśo vimukhīkṛtāḥ |
raṇo mahān‌ babhūvātha śaṅkarasyāndhakasya ca ||1306||

Dort schlug der Herr die Daityas größtenteils zurück. Dann kam es zu einem gewaltigen Kampf zwischen Shankara und Andhaka …

Vers 1307
yāmadvayaṃ mandarasya śikhare samabhūmaye |
tataḥ śūlena nirbhidya pṛṣṭhanirgatakoṭinā ||1307||

… zwei Yamas lang auf einer ebenen Fläche am Gipfel des Mandara. Dann durchbohrte [Hara ihn] mit dem Dreizack, dessen Spitze durch den Rücken trat …

Anmerkung: Zwei Yamas: traditionelle Zeitabschnitte, ohne unbelegte minutengenaue Umrechnung.

Vers 1308
haraḥ […] taṃ dadhre hasañchatramivāsitam‌ |
śūlaproto'pi daityendro gadayā bhīmapātayā ||1308||

… und hielt ihn lachend wie einen schwarzen Schirm […]. Obwohl auf den Dreizack gespießt, [schlug] der Daitya-Fürst mit seiner schrecklich niederfahrenden Keule …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung nach Hara beschädigt; Satz setzt sich in1309fort.

Vers 11303 (Position 1309)
pātayāmāsa śirasi girīśaṃ vajrakalpayā |
mastake tāḍitasyātha girīśasya varānane ||11303||

… die dem Vajra glich, Girisha auf den Kopf. Vom Haupt des so am Schädel getroffenen Girisha, du mit dem schönen Antlitz …

Anmerkung: Quellziffer 11303starkbeschädigtan Position 1309. Grammatik girīśam gestört; Treffer auf den Kopf durch zweite Halbzeile eindeutig.

Aus Rudras Blut entstehen die Bhairavas

Vers 1310
śīrṣācchuśrāva rudhiramutsādiva girerjalam‌ |
yathā hi raktabījasya daityendrasya hi […] ||1310||

… floss Blut wie Wasser aus einer Bergquelle. Wie bei dem Daitya-Fürsten Raktabija […] …

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt; Vergleich wird im Folgevers ausgeführt.

Vers 1311
yāvanto raktapṛṣatāḥ patanti dharaṇītale |
tāvanto hi tadākārā uttiṣṭhante sma daityapāḥ ||1311||

… aus jedem Blutstropfen, der auf die Erde fällt, ein Daitya-Fürst von gleicher Gestalt ersteht …

Vers 1312
evaṃ harasya yāvantyo vipruṣaḥ patitāstanoḥ |
tāvanto bhairavā jātāstadākārāstadāśayāḥ ||1312||

… so entstanden aus den Tropfen, die von Haras Körper fielen, ebenso viele Bhairavas, von seiner Gestalt und Gesinnung.

Vers 1313
uttamāṅgasyāṣṭadikṣu pūrvādiṣu varānane |
krameṇa jātāste sarve bhairavāḥ śivavigrahāḥ ||1313||

In den acht Richtungen um sein Haupt, mit Osten beginnend, entstanden der Reihe nach all diese Bhairavas als Gestalten Shivas, du mit dem schönen Antlitz.

Vers 1314
ekaikasyāṃ diśi punaraṣṭāvaṣṭau prajajñire |
kṣaṇena te daityasainyaṃ bhasmasāccakrurañjasā ||1314||

In jeder Richtung entstanden jeweils acht. Im Augenblick machten sie das Daitya-Heer vollständig zu Asche.

Vers 1315
haro hi yādṛśatanurbhūtvā yuddhaṃ cakāra ha |
tādṛśā eva te jātā balarūpāśayakramaiḥ ||1315||

So wie Haras Gestalt war, in der er den Kampf führte, so entstanden auch sie: entsprechend seiner Kraft, seinem Aussehen und seiner Gesinnung.

Vers 1316
atha taṃ śoṣayāmāsa […] parivatsarān‌ |
andhakaṃ śūlabhinnāṅgaṃ chatrīkṛtamiva svakam‌ ||1316||

Dann ließ er Andhaka […] Jahre lang austrocknen, den Körper vom Dreizack durchbohrt und gleichsam zu seinem eigenen Schirm gemacht.

Anmerkung: Fragment: Jahreszahl unlesbar. Śoṣayāmāsa vorläufig statt OCR poṣayāmāsa, durch die Austrocknung1317–1318 gestützt; nicht als sichere Lesung ausgegeben.

Vers 1317
varṣavātārkakiraṇaśoṣaṇotplāvanādibhiḥ |
yāsṛgdhārā papātāsya vakṣasaḥ parameśvari ||1317||

Durch Regen, Wind, Sonnenstrahlen, Austrocknung, Überflutung und dergleichen fiel ein Blutstrom aus seiner Brust, höchste Herrin …

Vers 1318
gaṇāḥ karālavadanā jajñire koṭiśastathā |
asthitvagavaśiṣṭo'pi tataḥ prāhāndhakaḥ śivam‌ ||1318||

… und daraus entstanden Scharen mit schrecklichen Gesichtern, zu Zehnmillionen. Obwohl nur noch Haut und Knochen übrig waren, sprach Andhaka darauf zu Shiva:

Andhakas Umkehr und Aufnahme als Bhringi

Vers 1319
jitaṃ mahādeva mayā drāk‌ tavoparivartinā |
adhaḥsthitena bhavatā labdho mattaḥ parājayaḥ ||1319||

„Ich habe gesiegt, Mahadeva, denn ich befinde mich über dir! Du stehst unter mir und hast daher eine Niederlage gegen mich erlitten.“

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, Zuordnung nach Folge.

Vers 1320
ityuktavati daityendre jahāsa prītimān‌ haraḥ |
varaṃ vṛṇviti taṃ prāha yadiṣṭaṃ girijāmṛte ||1320||

Als der Daitya-Fürst so sprach, lachte Hara erfreut und sagte zu ihm: „Wähle einen Segen, was immer du wünschst — außer Girija.“

Vers 1321
punaḥ prāhāndhako rudraṃ yadi tuṣṭo'si me vibho |
śivājihīrṣājanitaṃ vṛjinaṃ nāśametu me ||1321||

Andhaka antwortete Rudra: „Wenn du mir wohlgesonnen bist, Allgegenwärtiger, dann möge meine Schuld vergehen, die aus dem Wunsch entstand, Shiva [die Göttin] zu rauben.

Anmerkung: Weibliches Śivā bezeichnet hier die Göttin; vom männlichen Shiva klar unterschieden.

Vers 1322
tvaṃ pitā sā ca jananī tanayo yuvayoraham‌ |
yathā nandī gaṇādhyakṣaḥ priyastava guho'pi ||1322||

Du bist mein Vater, sie ist meine Mutter, ich bin euer beider Sohn. Wie dir Nandin, der Anführer der Scharen, und Guha lieb sind …

Vers 1323
tathāpyahamapi svāsṛgjātaiḥ koṭigaṇairvṛtaḥ |
gaṇeśvarāgraṇīrbhūtvā bhavāmi tava sevakaḥ ||1323||

… so möchte auch ich, umgeben von den Zehnmillionen Scharen, die aus meinem eigenen Blut entstanden sind, an der Spitze der Scharenführer dein Diener sein.“

Anmerkung: Svāsṛg aus beschädigtem svāstra nach 1317–1318vorläufig; kein Waffenursprung erfunden.

Vers 1324
ityuktavati daityendre smitaṃ kṛtvā maheśvaraḥ |
avatārya śanaiḥ śūlaṃ vicakarṣāsurorasaḥ ||1324||

Als der Daitya-Fürst so gesprochen hatte, lächelte Maheshvara, senkte ihn langsam herab und zog den Dreizack aus der Brust des Asuras.

Vers 13245 (Position 1325)
dadad‌ vraṇe'sya phūtkāraṃ mṛtasañjīvanīṃ paṭhan‌ |
saṃśoṣitavraṇaṃ cakre varān‌ dattvākhilānapi ||13245||

Er hauchte auf seine Wunde und rezitierte die Mritasamjivani. Nachdem er ihm alle Segensgaben gewährt hatte, ließ er die Wunde eintrocknen.

Anmerkung: Quelle zeigt13245 an Position 1325. Mritasamjivani, „die Tote wiederbelebt“, nur benannte Rezitationsformel; kein Wortlaut in diesem Vers.

Vers 1326
bhṛṅgīti nāma vidadhe sadṛśaṃ nandinastathā |
tatrāgatāyā devyāstu pādau jagrāha bhṛṅgyapi ||1326||

Er gab ihm den Namen Bhringi und stellte ihn Nandin gleich. Bhringi ergriff die Füße der Göttin, die dorthin gekommen war:

Vers 1327
mātastvadviṣaye yat‌ pāpaṃ vihitaṃ hṛdi |
bhavatī kṣamatāṃ tanme tava putro'smi dharmataḥ ||1327||

„Mutter, verzeihe mir die Verfehlung, die ich in meinem Herzen gegen dich begangen habe. Dem Dharma gemäß bin ich dein Sohn.“

Anmerkung: Anfang mātas nach beschädigtem OCR vorläufig, durch die ausdrückliche Sohn-Aussage und1322gestützt.

Vers 1328
bhṛṅgī bhūtvāndhako daityo gaurīśaṅkarayoḥ sutaḥ |
babhūva varadānena tasminneva hi janmani ||1328||

Der Daitya Andhaka wurde zu Bhringi und durch die gewährte Segensgabe noch in demselben Leben zum Sohn Gauris und Shankaras.

Rudras Auftrag an die Bhairavas

Vers 1329
atha rudrāsṛgudbhūtā bhairavāste maheśvaram‌ |
abruvan‌ kiṃ kariṣyāmo vayaṃ deva tadādiśa ||1329||

Darauf sprachen jene aus Rudras Blut entstandenen Bhairavas zu Maheshvara: „Was sollen wir tun, Gott? Gib uns deinen Auftrag!“

Vers 1330
tānāha bhairavān‌ rudro devyāḥ purata eva hi |
yūyamadasvarasañjñānā maccharīrācca matsamāḥ ||1330||

Rudra sprach vor der Göttin zu den Bhairavas: „Ihr […] seid aus meinem Körper hervorgegangen und mir gleich …

Anmerkung: Fragment: Anfang der zweiten Halbzeile stark beschädigt; keine Namensetymologie erfunden.

Vers 1361 (Position 1331)
mattulyabalavīryāśca yūyamevāhamīśvarāḥ |
ye yūyaṃ so'smyahaṃ rudro yūyaṃ te yo'smyahaṃ punaḥ ||1361||

… von gleicher Kraft und Macht wie ich. Ihr seid ich selbst, ihr Herren. Was ihr seid, das bin ich, Rudra; was ich bin, das seid ihr.

Anmerkung: Quelle zeigt1361 an Position 1331; stellenweise durch Kontext lesbare Personalpronomen normalisiert.

Vers 1332
nāntaraṃ mama yuṣmākaṃ vācyavācakayoriva |
yathāhaṃ mandaragirau vasāmi śivayā saha ||1332||

Zwischen mir und euch besteht kein Unterschied, wie zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem. Wie ich mit Shiva [der Göttin] auf dem Mandara wohne …

Anmerkung: Philosophischer Vergleich der Quelle, nicht mit der anders gerichteten Rollenverteilung1091 vermischt.

Vers 1333
yūyaṃ tathā svarucite girau tiṣṭhadhvamīśvarāḥ |
vyācakṣāṇāḥ śivāmantradhyānārcanavidhikramān‌ ||1333||

… so wohnt auch ihr auf einem Berg eurer Wahl, ihr Herren. Lehrt die Mantras der Göttin Shiva sowie die Ordnungen ihrer Meditation und Verehrung …

Vers 1334
nānātantrāgamagranthān‌ kurvantaḥ prakaṭā nṛṣu |
ityuktvā tān‌ punaḥ prāha devīṃ tatraiva tasthuṣīm‌ ||1334||

… und macht die verschiedenen Tantra- und Agama-Schriften unter den Menschen bekannt.“ Nachdem er so zu ihnen gesprochen hatte, wandte er sich an die dort stehende Göttin:

Anmerkung: Grammatischer Anschluss prakaṭā/prakaṭān beschädigt; Bekanntmachen der Schriften klar.

Vers 13345 (Position 1335)
ete hi bhairavāḥ sarve yādṛśākāradhāriṇaḥ |
tādṛśākāramāsthāya […] eṣāmanucarī bhava ||13345||

„Nimm jeweils eine Gestalt an, wie diese Bhairavas sie tragen, […] und werde ihre Gefährtin.

Anmerkung: Fragment: Wort vor eṣām beschädigt. Quellziffer 13345 an Position 1335.

Vers 1336
na te bhramo'stu girije bhinnā hi puruṣā ime |
bhairavo […] satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ ||1336||

Girija, verfalle nicht dem Irrtum, diese Männer seien [von mir] verschieden. Bhairava […] — wahrlich, wahrlich, daran ist kein Zweifel.

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile beschädigt. Bhrama statt OCR śrama vorläufig; die Aussage der Nichtverschiedenheit ist in1331–1332gesichert, Sanskrit nicht weiter ergänzt.

Vers 1337
[…] tān‌ kārayiṣyāmi bhairavān‌ prāṇavallabhe |
tava trilokīrūpāyāḥ sadā mahimavṛddhaye ||1337||

Ich werde jene Bhairavas […] tun lassen, Geliebte meines Lebens, damit die Größe deiner, deren Gestalt die drei Welten sind, beständig zunimmt.“

Anmerkung: Fragment: Gegenstand des Veranlassens am Anfang unlesbar; keine konkrete Verehrungsanweisung ergänzt.

Kali, Guhya und die Bhairavi-Gestalten

Vers 1338
ityuktvā punarapyāha bhairavān‌ purataḥ sthitān‌ |
iyaṃ hi janmanā kālī varṇataśca girīndrajā ||1338||

Nach diesen Worten sprach er erneut zu den vor ihm stehenden Bhairavas: „Sie ist der Geburt nach Kali, der Farbe nach die Tochter des Bergkönigs …

Anmerkung: Ungewöhnliche Hauptlesung ausdrücklich bewahrt. Herausgebervorschlag als eigener unnummerierter Varianten-Datensatz unmittelbar anschließend.

Unnummerierter Text
iyaṃ hi varṇataḥ kālī janmanā ca girīndrajā |

„Sie ist der Farbe nach Kali, der Geburt nach die Tochter des Bergkönigs.“

Anmerkung: Fragender Korrekturvorschlag der Quelle zu1338, separat bewahrt; keine zusätzliche selbständige Strophe und nicht still in den Haupttext gemischt.

Vers 1339
mayā hi gopitā yasmāt‌ tasmād‌ guhyā babhūva ha ||1339||

Weil ich sie verborgen gehalten habe, wurde sie Guhya, die Verborgene.

Anmerkung: Fragment: Quelle bietet hier nur diese Halbzeile; als erhaltenes Fragment wiedergegeben, keine zweite Hälfte ergänzt.

Vers 1340
vihāyemāmākṛtiṃ hi kṛtvānyāṃ bhairavākṛtim‌ |
yuṣmākaṃ śaktayo hyeṣā bhaviṣyati girā mama ||1340||

Auf mein Wort hin wird sie diese Gestalt ablegen, andere Bhairava-Gestalten annehmen und zu euren Shaktis werden.

Vers 1341
yūyamasyā mahāvidyāṃ trailokye'pyatidurlabhām‌ |
[…] mahābhairavīti dvāviṃśatyakṣarātmikām‌ ||1341||

Ihr [sollt] ihre Mahavidya, die selbst in den drei Welten äußerst schwer zu erlangen ist, […] Mahabhairavi genannt, aus zweiundzwanzig Silben bestehend …

Anmerkung: Fragment: Namensglied vor mahābhairavī beschädigt; Guhya aus 1262nicht still eingesetzt.

Vers 1342
enāmārādhayanto hi japadhvaṃ ṣaṣṭihāyanān‌ |
tata eṣā susantuṣṭā kṛtvā yuṣmatsamākṛtim‌ ||1342||

… sechzig Jahre lang rezitieren und sie damit verehren. Dann wird sie höchst zufrieden eine eurer Gestalt entsprechende Form annehmen …

Anmerkung: Japadhvam statt OCR jayadhvam nach Rezitationszusammenhang vorläufig; keine heutige Übungsdauerempfehlung.

Vers 1343
bhavatāṃ prītaye satyaṃ sannidhānaṃ gamiṣyati |
saumyogramūrteretasyā mantrā guptatarā hi ye ||1343||

… und wahrhaftig zu eurer Freude gegenwärtig werden. Die besonders geheimen Mantras dieser Göttin in sanften und wilden Gestalten …

Vers 1344
stavadhyānārcanācārā guptā nānāvidhā hi ye |
bhairavīsaṃhitāṃ […] lokānāṃ hitakāmyayā ||1344||

… die vielfältigen geheimen Lobgesänge, Meditationen, Verehrungsweisen und Praktiken sowie die Bhairavi-Samhita […] zum Wohl der Menschen …

Anmerkung: Fragment: Schlussverbindung der Aufzählung beschädigt; Quellvorschlag satyam fraglich, nicht übernommen.

Vers 1345
prakāśayadhvametadvai yuṣmākaṃ kāryamīritam‌ |
ityuktā bhairavāḥ sarve devadevena śambhunā ||1345||

… macht all dies bekannt! Dies ist euer Auftrag.“ So wurden alle Bhairavas von Shambhu, dem Gott der Götter, angewiesen …

Die Göttin erscheint den Bhairavas

Vers 1346
krodhādīni svanāmāni dhṛtvā te'nyonyamīśvari |
japantastāṃ mahāvidyāṃ tapastepuḥ sudāruṇam‌ ||1346||

… und nahmen ihre jeweiligen Namen an, angefangen mit Krodha, Herrin. Sie rezitierten jene Mahavidya und übten überaus strenge Askese.

Vers 1247 (Position 1347)
atha rudrājñayā devī santuṣṭā ca japārcanaiḥ |
yasya yasya ya ākāro mukhavarṇāstrabāhubhiḥ ||1247||

Darauf, auf Rudras Geheiß und erfreut über Japa und Verehrung, [nahm] die Göttin die jeweilige Gestalt an, entsprechend den Gesichtern, Farben, Waffen und Armen eines jeden …

Anmerkung: Quelle zeigt1247 an Position 1347; Satz setzt sich fort.

Vers 1340 (Position 1348)
taṃ taṃ vidhṛtya puratasteṣāmupajagāma […] |
bhāgyodayaṃ manyamānāste sarve bhairavāḥ priye ||1340||

… und trat so vor sie […]. Alle Bhairavas erkannten darin das Aufgehen ihres Glücks, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Wort nach upajagāma beschädigt. Quelle zeigt1340 an Position 1348.

Vers 1349
svayā svayā yuyujire śaktyā […] rasākulāḥ |
devī ca tattatsthāneṣu sthitā ye ye […] ||1349||

… und vereinigten sich jeweils mit ihrer eigenen Shakti, erfüllt von […] Empfindung. Die Göttin blieb an den jeweiligen Orten; welche […] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung vor rasākula sowie Schluss der zweiten Halbzeile beschädigt. Vereinigung erwachsener Gottheiten sachlich übersetzt; keine weitere sexuelle Einzelheit ergänzt.

Vers 1350
asurā dānavā daityā rākṣasā varagarvitāḥ |
[…] bhairavīrūpamekaikena varānane ||1350||

… Asuras, Danavas, Daityas und Rakshasas auch, überheblich durch ihre Segensgaben, […] in jeweils einer Bhairavi-Gestalt, du mit dem schönen Antlitz …

Anmerkung: Fragment: Verbindung der beiden Halbzeilen beschädigt; Fortsetzung1351lesbar.

Vers 1351
divyāstreṇa jaghānāśu tān‌ sarvān‌ devakaṇṭakān‌ |
bubhuje mānmathān‌ bhogān‌ patyā saha hṛdīpsitān‌ ||1351||

… tötete sie rasch mit einer göttlichen Waffe all diese Bedränger der Götter. Mit ihrem Gemahl genoss sie die Liebesfreuden, die ihr Herz ersehnte.

Anmerkung: Erwachsene erotische Aussage und mythische Gewalt bleiben im Wortlaut erhalten.

Vers 1352
ityuktaṃ te sureśāni guptaṃ tantrāgamādiṣu |
guhyakālyā bhairavītvaṃ bhairavāṇāṃ ca sambhavaḥ ||1352||

Damit habe ich dir, Herrin der Götter, erklärt, was in den Tantras, Agamas und anderen Schriften geheim gehalten wird: wie Guhyakali Bhairavi wurde und wie die Bhairavas entstanden …

Vers 1353
prasaṅgato'ndhakavadho bhṛṅgitvaṃ cāsya bhāgyataḥ |
ataḥ paraṃ śṛṇu paraṃ pañcamaṃ nyāsamīśvari ||1353||

… und im Zusammenhang damit Andhakas Niederwerfung und wie er glücklicherweise zu Bhringi wurde. Höre nun als Nächstes den fünften Nyasa, Herrin.

Anmerkung: Vadha hier nach ausdrücklicher Nichttötung1301 undHeilung1325alsNiederwerfung; keine widersprechendeTötungbehauptet.

Yajna-Maharaja-Nyasa: Opfer und Königsmacht

Vers 1354
nāmnā yajñamahārājaṃ mahadaiśvaryakārakam‌ |
asya yajñamahārājanyāsasya suravandite ||1354||

… namens Yajna-Maharaja, der große Herrschaftsmacht bewirkt. Für diesen Yajna-Maharaja-Nyasa, du von Göttern Verehrte …

Anmerkung: Anschluss an1353; yajña und mahārāja: Opfer und Großkönig.

Vers 1355
[…] ṛṣiruddiṣṭo vikṛticchanda ucyate |
parāpareśvarī nāmnī guhyakālī ca devatā ||1355||

… wird […] als Rishi angegeben, Vikriti als Metrum. Die Gottheit ist Guhyakali unter dem Namen Parapareshvari, Herrin des Höheren und Niederen.

Anmerkung: Fragment: Rishi-Name unlesbar; nicht aus der Königsliste ergänzt.

Vers 1356
kāmo bījaṃ trapā śaktiḥ śākinī kīlakaṃ matam‌ |
strītattvamāhurārogyasukhaiśvaryārthapūrvakam‌ ||1356||

Kama ist das Bija, Trapa die Shakti, Shakini gilt als Kilaka. Stri wird als Tattva genannt. [Die Zweckbestimmung beginnt mit:] „für Gesundheit, Glück und Herrschaftsmacht“ …

Anmerkung: Strī, Frau bzw. Weibliches, als benannte Tattva-Bezeichnung; keine Mantrasilbe geraten.

Vers 1357
niḥsapatnapadād‌ rājyaprāptaye tadanantaram‌ |
bhaved‌ yajñamahārājanyāse ca viniyogatā ||1357||

… nach „nihsapatna“ folgt „rajyapraptaye“ — „zur Erlangung einer Herrschaft ohne Rivalen“. Die Anwendung gilt dem Yajna-Maharaja-Nyasa.

Die sechs Glieder

Vers 13458 (Position 1358)
ṛṣyādimasya saṃsmṛtya ṣaḍaṅgamapi cācaret‌ |
kuṇapādīn‌ pañca japedantare nādapāśayoḥ ||13458||

Nachdem man sich Rishi und die übrigen Faktoren vergegenwärtigt hat, vollziehe man die sechs Glieder. Man rezitiere die fünf bei Kunapa beginnenden [Bijas] zwischen Nada und Pasha …

Anmerkung: Quelle zeigt13458 an Position 1358. Die nur durch ihr erstes Glied bezeichnete Fünferreihe nicht frei aufgefüllt.

Vers 1359
tathaiva kṣetrakalayoḥ śīrṣakādīni pañca ca |
uddharet‌ […] antastataḥ kolādipañcakam‌ ||1359||

… ebenso die fünf bei Shirshaka beginnenden zwischen Kshetra und Kala. Danach erschließe man die bei Kola beginnende Fünfergruppe innerhalb von […] …

Anmerkung: Fragment: Umrahmung der dritten Gruppe beschädigt; Quelle schwankt bei einem Laut zwischen va und sha.

Vers 1360
uddharṣamedhayormadhye unmāthādīni pañca ca |
praṇavāśvatthapuṭitaṃ churikādikapañcakam‌ ||1360||

… und die fünf bei Unmatha beginnenden zwischen Uddharsha und Medha; die bei Chhurika beginnende Fünfergruppe wird von Pranava und Ashvattha umrahmt …

Anmerkung: Deckname Uddharsha vorläufig.

Vers 1361
antarā nādaniḥśreṇyoḥ kuṇapādi drumapaścimam‌ |
aṅguṣṭhādau hṛdādau ca ubhayatrāpi vinyaset‌ ||1361||

… zwischen Nada und Nihshreni [steht die Gruppe], die mit Kunapa beginnt und mit Druma endet. Man setze sie in beiden Reihen ein, beginnend bei den Daumen und beim Herzen.

Vers 1362
vidhāyetthaṃ ṣaḍaṅge dve tato nyāsaṃ samācaret‌ |
tasyoddhāradvayaṃ vakṣye sāmānyaṃ ca viśeṣakam‌ ||1362||

Nach diesen beiden sechsgliedrigen Einsetzungen vollziehe man den Nyasa. Ich werde seine beiden Erschließungsweisen lehren, die allgemeine und die besondere.

Allgemeiner Aufbau des Yajna-Nyasa

Vers 1363
puro'ṣṭādaśa bījāni tato nāmāni vai pṛthak‌ |
ādyāni tatra sthairyāṃśi parāṇyāgantukāni hi ||1363||

Zuerst stehen achtzehn Bijas, danach jeweils verschiedene Namen. Die ersten sind unveränderlich, die nachfolgenden werden jeweils hinzugefügt.

Vers 1364
tato dvivarṇaghaṭitaṃ ṅyantamekaṃ padaṃ priye |
[…] nāmāni tasyānu ca calāni hi ||1364||

Danach steht ein zweisilbiges Wort mit weiblicher Endung, Geliebte. […] Anschließend folgen wechselnde Namen.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt. Endungslesung ṅyanta vorläufig wie in anderen allgemeinen Bauanweisungen.

Vers 1365
dvipadīghaṭitaṃ caikaṃ padaṃ ṅe'ntaṃ tadiṣyate |
pūrveritaiḥ samāso'sya sthairyamālambya tasthuṣaḥ ||1365||

Dann ist ein aus zwei Wörtern gebildetes Wort im Dativ vorgesehen. Dieses bleibt unverändert und wird mit den zuvor genannten Wörtern zusammengesetzt.

Vers 1366
nāmānyasyāpi carame bhinnabhinnāni sundari |
tatastribhiḥ padairekaṃ nirmitaṃ padamucyate ||1366||

Auch darauf folgen verschiedene Namen, Schöne. Danach wird ein aus drei Wörtern gebildetes Wort genannt …

Vers 1367
ṅībantaṃ ṅe'ntamapi ca […] savigrahi |
śāśvataṃ ca varārohe na tu […] kathañcana ||1367||

… mit weiblicher Bildungsendung und im Dativ, verbunden mit […] und beständig, du Wohlgestaltete; keineswegs […] …

Anmerkung: Fragment: Zwei grammatische Bestimmungen beschädigt; negierter Gegenstand nicht geraten.

Vers 1368
tato'pyaniyataiḥ śabdairnānārūpatayā sthitaiḥ |
ekadvitricatuḥpañcaṣaḍādiracitakramaiḥ ||1368||

Danach [entsteht aus] wechselnden Wörtern verschiedener Gestalt, in Folgen aus einem, zwei, drei, vier, fünf, sechs und weiteren Gliedern …

Vers 1366 (Position 1369)
jātaṃ samasitaṃ cāpi padamekaṃ calaṃ sadā |
kīrtanādeva tadgamyaṃ tripadyā racitaṃ padam‌ ||1366||

… ein zusammengesetztes Wort, das stets wechselt. Es wird aus seiner ausdrücklichen Nennung verständlich. [Dann folgt] ein aus drei Wörtern gebildetes Wort …

Anmerkung: Quelle zeigt1366 an Position 1369.

Vers 1370
ekaṃ saptārṇikaṃ cāpi śubhaṃ pūrvoditaiḥ padaiḥ |
sarvatrācalametaddhi vijñeyaṃ sūkṣmayā dhiyā ||1370||

… ein heilsames siebensilbiges [Glied, verbunden] mit den zuvor genannten Wörtern. Dieses ist überall unveränderlich; man erfasse es mit feinem Verständnis.

Anmerkung: Letztes Wort dhiya aus beschädigtem taya vorläufig; Sinn der Aufforderung zum genauen Verstehen klar.

Vers 1371
ākārāntaṃ dvādaśāntaṃ racitaṃ pañcabhiḥ padaiḥ |
ekaṃ padaṃ vigrahi ca etaduccāryameva hi ||1371||

Ein aus fünf Wörtern zusammengesetztes Wort endet auf langes a und wird durch „zwölf“ bestimmt. Dieses zusammengesetzte Wort ist auszusprechen.

Anmerkung: Dvādaśānta beschädigte bzw. verkürzte Silbenangabe; nicht in eine gesicherte grammatische Regel umgedeutet. Vergleich der ausgeschriebenen Form1427–1428 bleibt möglich.

Vers 12372 (Position 1372)
sarvarūpaṃ kintu varṇaiścaturdaśabhirācitam‌ |
caturbhirakṣarairjātaṃ […] pṛthak‌ pṛthak‌ ||12372||

[Ein weiteres hat] eine alle Gestalten umfassende Form und besteht aus vierzehn Lauten. [Dann folgen] aus jeweils vier Silben gebildete […] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmungen beschädigt; keine vollständige Anzahl der viersilbigen Wörter hier ergänzt. Quellziffer 12372 an Position 1372.

Vers 1373
padapañcakamevāpi ṅe'ntaṃ vijñeyamīśvari |
tato mahāmanuścaiko japyaḥ saptadaśākṣaraḥ ||1373||

Die fünf Wörter sind als im Dativ stehend zu verstehen, Herrin. Danach ist ein großer siebzehnsilbiger Mantra zu rezitieren.

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, nach Anschluss zugeordnet.

Vers 1374
tato'nu pañca bījāni saptārṇāścauparājikāḥ |
vihāyāniyatān‌ kāṃścit‌ sarva evācalāḥ priye ||1374||

Danach folgen fünf Bijas und sieben Nebenlaute. Abgesehen von einigen wechselnden Gliedern bleiben alle unverändert, Geliebte.

Anmerkung: Bezeichnung auparājika vorläufig; keine zusätzlichen Silben rekonstruiert.

Vers 1275 (Position 1375)
dvisaptatimitā varṇā rūpādyāḥ śīrṣapaścimāḥ |
atho ahaṃ viśeṣeṇa vadāmi punarapyamum‌ ||1275||

Zweiundsiebzig Laute werden gezählt, beginnend bei „rupa“ und endend beim Kopfabschluss. Nun erläutere ich ihn erneut im Einzelnen.

Anmerkung: Quelle zeigt1275 an Position 1375; Quellzählung nicht zur Auffüllung beschädigter Teile benutzt.

Die achtzehn festen Bijas

Vers 1379 (Position 1376)
tāro māyā yoginī ca praṇavaḥ kamalā vadhūḥ |
vedādiḥ kāmakūrcau ca gāyatrīmukha eva ca ||1379||

Tara, Maya, Yogini, Pranava, Kamala, Vadhu, Vedadi, Kama, Kurcha und Gayatrimukha …

Anmerkung: Quelle zeigt1379 an Position 1376. Tara, Pranava und Vedadi werden als getrennte Decknamen bewahrt, nicht wegen möglicher Lautgleichheit gestrichen.

Vers 1377
śākinī ḍākinī caiva tathaivāgamamastakaḥ |
pralayaścāpi phetkārī tatastraivarṇikāṅkuśau ||1377||

… Shakini, Dakini, Agamamastaka, Pralaya, Phetkari, danach Traivarnika und Ankusha …

Vers 1378
kālībījaṃ sarvaśeṣe bījānyaṣṭādaśaiva hi |
asminnyāse tu sarvatra visandhiḥ parikīrtitaḥ ||1378||

… und zuletzt das Kali-Bija: Es sind achtzehn Bijas. In diesem Nyasa wird überall das Ausbleiben der Lautverschmelzung vorgeschrieben …

Die Opfernamen

Vers 1379
asamāsavibhāge tu hitvā dvitripadīkṛtam‌ |
agniṣṭomo'tyagniṣṭomo vājapeyaśca ṣoḍaśī ||1379||

… im Bereich nicht zusammengesetzter Wörter, mit Ausnahme der aus zwei oder drei Wörtern gebildeten Verbindungen. [Die Opfernamen sind:] Agnishtoma, Atyagnishtoma, Vajapeya und Shodashi …

Anmerkung: Shodashi als Opfername, keine Altersangabe.

Vers 1380
puṇḍarīko'śvamedhaśca rājasūyastataḥ param‌ |
tathā bahusuvarṇaśca gosavaśca mahāvrataḥ ||1380||

… Pundarika, Ashvamedha, danach Rajasuya, Bahusuvarna, Gosava und Mahavrata …

Anmerkung: Opfernamen vollständig bewahrt, keine hier nicht beschriebenen Ausführungsdetails ergänzt.

Vers 1381
viśvajittadanu prājāpatyāśvakrāntasaṃjñitau |
rathakrānto viśvakrāntaḥ sūryakrānta itaḥ param‌ ||1381||

… danach Vishvajit, die Prajapatya und Ashvakranta genannten, Rathakranta, Vishvakranta und anschließend Suryakranta …

Anmerkung: Quelle erwägt Vishnukranta statt Vishvakranta; Hauptlesung bewahrt.

Vers 1382
gajakrāntaśca balabhinnāgayajña itaḥ param‌ |
sāvitrī cārdhasāvitrī sarvatobhadra eva ca ||1382||

… Gajakranta, Balabhid, danach Nagayajna, Savitri, Ardhasavitri und Sarvatobhadra …

Anmerkung: Worttrennung balabhid/nāgayajña vorläufig; keine zusätzliche Opferzahl behauptet.

Vers 1383
ādityāmaya ityevaṃ gavāmaya itaḥ param‌ |
sarpāmayaḥ kauṇḍapāmayāgnicid‌ dvādaśāhayuk‌ ||1383||

… Adityamaya, danach Gavamaya, Sarpamaya, Kaundapamaya, Agnichit und Dvadashaha …

Anmerkung: Ungewöhnliche Quellformen mit -amaya bewahrt, nicht still durch bekannte -ayana-Namen vedischer Opfer ersetzt.

Vers 1384
upāṃśurūtriśākhyastataścāśvapratigrahaḥ |
bahiratho'bhyudayaśca tathā sarvasvadakṣiṇaḥ ||1384||

… Upamshu, der als einunddreißigster bezeichnet wird, danach Ashvapratigraha, Bahiratha, Abhyudaya und Sarvasvadakshina …

Anmerkung: Quellwort rūtriśākhya beschädigt, Zählmarke einunddreißig vorläufig. Bahiratha bzw. bahir atha nicht sicher getrennt; keine Standardopferliste von außen eingesetzt.

Vers 1385
dīkṣā somastathā svāhākāraścāpi tanūnapāt‌ |
godohano naramedho jyotiṣṭomastathaiva ca ||1385||

… Diksha, Soma, Svahakara, Tanunapat, Godohana, Naramedha und Jyotishtoma …

Anmerkung: Naramedha: Menschenopfer als genannter Ritualname; keine in dieser Stelle nicht vorhandene Beschreibung ergänzt.

Vers 1386
tato bhaveddarśapaurṇamāsaścāpyatirātrayuk‌ |
saubharaḥ saubhāgyakṛcca śāntikṛttadanantaram‌ ||1386||

… danach Darshapurnamasa, Atiratra, Saubhara, Saubhagyakrit und anschließend Shantikrit …

Vers 1387
sauparṇaścāpi trailokyamohanaḥ parikīrtitaḥ |
śaṅkhacūḍastathā pūrvaṃ kandarpabalaśātanaḥ ||1387||

… Sauparna, Trailokyamohana, Shankhachuda und Kandarpa-Balashatana …

Anmerkung: Letzter Name in der Quelle als Verbindung mehrerer Wörter; keine mythologische Episode ergänzt.

Vers 1388
gajacchāyastato viṣṇuvikramo vinigadyate |
mahāraudraḥ sarvaśeṣe nāmānyetāni sundari ||1388||

… Gajacchaya, danach Vishnuvikrama und ganz zuletzt Maharaudra. Dies sind die Namen, Schöne.

Vers 1389
dvyarṇātmako yajñaśabda ukta eṣāmanantaram‌ |
asyāpyanu ca ye śabdāstān‌ bravīmi priye tava ||1389||

Auf diese folgt das zweisilbige Wort „yajna“, Opfer. Die darauf folgenden Wörter werde ich dir nun nennen, Geliebte.

Die Königsnamen

Vers 1360 (Position 1390)
priyavrataśca nahuṣo'mbarīṣaśca dilīpayuk‌ |
kārtavīryārjunaścātha maruttaḥ ṣaṣṭha īritaḥ ||1360||

Priyavrata, Nahusha, Ambarisha, Dilipa, Kartaviryarjuna und als sechster Marutta …

Anmerkung: Quelle zeigt1360 an Position 1390; Beginn der Königsliste.

Vers 1391
hariścandro nalaścāpi divodāsastataḥ param‌ |
bharato bhadraśreṇyaśca suhotraḥ śaśabinduyuk‌ ||1391||

… Harishchandra, Nala, danach Divodasa, Bharata, Bhadrashrenya, Suhotra und Shashabindu …

Anmerkung: Bhadrashrenya vorläufige Namenslesung.

Vers 1392
bṛhadaśvaḥ pauravaḥ syādikṣvākuśca yayātiyuk‌ |
indradyumnaśca śaryātiḥ śibiḥ śatruñjayastathā ||1392||

… Brihadashva, Paurava, Ikshvaku, Yayati, Indradyumna, Sharyati, Shibi und Shatrunjaya …

Anmerkung: Quelle schwankt ausdrücklich bei Sharyati/Saryati. Quellenfußnote: Ein anderer Zeuge überspringt Text innerhalb des Bereichs von Brihadashva bis Bhagiratha; hier vorhandene Namen dennoch übersetzt.

Vers 1393
ṛtuparṇo rāmacandro vidūratha itaḥ param‌ |
māndhātā tadanu jñeyo bhagīratha iti priye ||1393||

… Rituparna, Ramachandra, danach Viduratha, dann Mandhatri und Bhagiratha, Geliebte …

Vers 1394
yuvanāśvo rantideva āgnīdhraśca purūravāḥ |
gayo'larkaḥ pṛthuraghū pratardana itaḥ param‌ ||1394||

… Yuvanashva, Rantideva, Agnidhra, Pururavas, Gaya, Alarka, Prithu, Raghu und anschließend Pratardana …

Vers 1395
tataḥ sagaraharyakṣājamīḍhapurukutsavat‌ |
khaṭvāṅgo rajirityevaṃ […] ca ||1395||

… dann Sagara, Haryaksha, Ajamidha, Purukutsa, Khatvanga, Raji und […] …

Anmerkung: Fragment: Letzter Name beschädigt; Khatvanga/Raji-Verbindung in der Quelle fraglich. Keine Auffüllung auf eine erwartete Gesamtzahl.

Vers 1396
ayutāyurmatināvastathā jīmūtavāhanaḥ |
rambho nṛgo vīrabāhustato vasumatā api ||1396||

… Ayutayus, Matinava, Jimutavahana, Rambha, Nriga, Virabahu und danach Vasumata …

Anmerkung: Matinava und Vasumata vorläufige Quellformen, keine stillschweigende Ersetzung durch bekanntere Königsnamen.

Vers 1367 (Position 1397)
citrāyudhaḥ saptasaptatiḥ janakaḥ sarvapaścime |
eteṣāmanu rājāsādhiteti padaṃ smṛtam‌ ||1367||

… Chitrayudha, Saptasaptati und ganz zuletzt Janaka. Auf diese folgt das Wort „rajasadhita“ — „durch den König vollzogen“.

Anmerkung: Quelle erwägt Saptasapti statt Saptasaptati; Name nicht als neue Gesamtzählung übersetzt. Quelle zeigt1367 an Position 1397. Königliche Opferhandlung aus Listenverbindung; keine genaue zusammengesetzte Formel erfunden.

Die Lakshmi-Bezeichnungen

Vers 1398
punarnāmāni bhinnāni krameṇākalaya priye |
jaya aiśvaryasattve ca jñānaṃ dharmaḥ kriyā tathā ||1398||

Höre nun wiederum verschiedene Namen in ihrer Reihenfolge, Geliebte: Jaya, Aishvarya, Sattva, Jnana, Dharma und Kriya — Sieg, Herrschaftsmacht, Sattva, Erkenntnis, Dharma und Wirken …

Anmerkung: Beginn der Lakshmi-Namensglieder, wie1404erläutert; Sattva und Dharma wegen Bedeutungsbreite bewahrt.

Vers 1399
buddhirmokṣaśca yogaśca siddhirvṛddhistathaiva ca |
vidyāsantānajīvāśca bhogo dharmārthamityapi ||1399||

… Buddhi, Moksha, Yoga, Siddhi, Vriddhi, Vidya, Santana, Jiva, Bhoga und Dharmartha — Einsicht, Befreiung, Yoga, Vollendung, Wachstum, Wissen, Nachkommenschaft, Leben, Genuss und Dharma mit Wohlergehen …

Anmerkung: Dharmartha als Quellverbindung erhalten; keine sichere Trennung in zwei zusätzliche Listenglieder behauptet.

Vers 1400
udayaśca vibhūtiśca dayā krodha itaḥ param‌ |
rājyaṃ nayastathaivājñā dhanaṃ cābhayameva ca ||1400||

… Udaya, Vibhuti, Daya, Krodha, Rajya, Naya, Ajna, Dhana und Abhaya — Aufstieg, Entfaltung von Macht, Mitgefühl, Zorn, Herrschaft, Staatsklugheit, Gebot, Reichtum und Furchtlosigkeit …

Anmerkung: Krodha, Zorn, steht ausdrücklich in der Reihe und wird nicht spirituell beschönigt.

Vers 1401
varaḥ pratāpaḥ śaktiśca nirvāṇaśca parāparaḥ |
advaitamicchā cāveśa utsāho'mṛtameva ca ||1401||

… Vara, Pratapa, Shakti, Nirvana, Parapara, Advaita, Iccha, Avesha, Utsaha und Amrita — Segensgabe, Glanz der Macht, Kraft, Nirvana, Höheres und Niederes, Nichtdualität, Wille, Ergriffenheit, Tatkraft und Unsterblichkeit …

Vers 1402
tattvaṃ moho mahākāla uddhāraḥ kīrtireva ca |
vīra ānandasaubhāgye vaśyaṃ tapa itaḥ param‌ ||1402||

… Tattva, Moha, Mahakala, Uddhara, Kirti, Vira, Ananda, Saubhagya, Vashya und Tapas — Wirklichkeit, Verblendung, Mahakala, Errettung, Ruhm, Heldentum, Freude, Glück, Unterwerfung und Askese …

Anmerkung: Moha und Vashya sind Quellglieder, nicht ausgelassen oder in rein positive Eigenschaften umgedeutet.

Vers 1403
khaḍgaścodārakāntī ca kaivalyaṃ sarvaśeṣagam‌ |
tribhiḥ padairviracitametadagrapadaṃ hi yat‌ ||1403||

… Khadga, Udara, Kanti und zuletzt Kaivalya — Schwert, Großmut, Schönheit und Befreiung. Das anschließende Wort, das aus drei Wörtern gebildet ist …

Anmerkung: Worttrennung Udara/Kanti nach Dualform vorläufig; nicht zur Erreichung einer Zahl verändert.

Vers 1404
ebhiḥ samasitaṃ jñeyaṃ tallakṣmīnāmadhāriṇī |
ato'niyataśabdārthairyadvākyaṃ ghaṭitaṃ priye ||1404||

… wird mit diesen zusammengesetzt: „lakshminamadharini“ — „die den Namen der jeweiligen Lakshmi trägt“. Die nun aus wechselnden Wörtern und Bedeutungen gebildete Wortfolge, Geliebte …

Anmerkung: Die Namen1398–1403verbinden sich damit zu verschiedenen Lakshmi-Bezeichnungen.

Königliche Früchte und mythische Taten

Vers 1405
taducyate durūhaṃ hi boddhavyaṃ sūkṣmayā dhiyā |
saptadvīpavatī pṛthvīpadād‌ digvijayaḥ puraḥ ||1405||

… wird jetzt genannt. Sie ist schwer zu verstehen und verlangt feine Aufmerksamkeit. Nach „saptadvipavati prithvi“ folgt „digvijaya“ — „Eroberung der Welt mit ihren sieben Kontinenten“ …

Anmerkung: Beginn wechselnder königlicher Frucht- und Tatenbezeichnungen; nicht als ein einziger eigenständiger Mantra ausgegeben.

Vers 1406
tataḥ surapatitvaṃ ca punaḥ paramanirvṛtiḥ |
nāgalokavijayaśca […] parikīrtitaḥ ||1406||

… danach „Herrschaft über die Götter“, dann „höchste Erfüllung“ und „Eroberung der Naga-Welt“ […] …

Anmerkung: Fragment: Zähl- oder Anschlusswort nach Nāgalokavijaya beschädigt.

Vers 1407
pañcāśītisahasrānu varṣajīvanameva ca |
daśadikpālapadato vaśīkaraṇameva ca ||1407||

… nach „fünfundachtzigtausend“ folgt „Lebensjahre“; nach „zehn Hütern der Himmelsrichtungen“ folgt „Unterwerfung“ …

Anmerkung: Mythische Lebensspanne und Machtaussage, keine Tatsachenzusage.

Vers 1408
tataḥ sakaladevatākriyamāṇastutirbhavet‌ |
punaḥ paramasaundaryaṃ niḥsapatnānurājyaṃ ca ||1408||

… danach „Lobpreis, dargebracht von allen Gottheiten“, dann „höchste Schönheit“ und nach „ohne Rivalen“ das Wort „Herrschaft“ …

Vers 1409
syāt‌ samrāṭ‌ cakravarti daśamaṃ suravandite |
saptapātālavijayastadanantaramucyate ||1409||

… als zehntes „Samrat, Chakravartin“ — universaler Herrscher, du von Göttern Verehrte. Danach wird „Eroberung der sieben Unterwelten“ genannt …

Anmerkung: Quellzählmarke zehn bewahrt; keine Glieder umgruppiert, um sie zu erzwingen.

Vers 1410
sarasvatyanu dāsītvaṃ bhaved‌ dvādaśasaṃkhyakam‌ |
śatasahasrapatnī niyutakanyā koṭisuteti ca ||1410||

… nach „Sarasvati“ folgt „Dienerinnenschaft“, als zwölftes; dann „hunderttausend Ehefrauen“, „eine Niyuta Töchter“ und „zehn Millionen Söhne“ …

Anmerkung: Patriarchale mythische Besitz- und Nachkommensliste wörtlich. Kanyā hier Töchter in der Nachkommenschaftsreihe, keine sexuelle Handlung; Niyuta als Großzahl ohne unsichere Dezimalauflösung.

Vers 1411
lakṣādhikāśītipadāt‌ sahasravarṣajīvanam‌ |
pravadedurvaśī rambhā menakānu tilottamā ||1411||

… nach „achtzig [Tausend] über hunderttausend“ folgt „Lebensjahre“; dann spreche man „Urvashi, Rambha, Menaka“ und danach „Tilottama“ …

Anmerkung: Zahlverbindung lakṣādhikāśītisahasra ergibt wohl180000, bleibt wegen knapper Wortbildungsanweisung ausdrücklich vorläufig.

Vers 1412
dviṣaṣṭyapsaraḥsambhogasiddhasaptatipadādanu |
śākhāvedadhāraṇaṃ ca tato'ṣṭādaśalakṣataḥ ||1412||

… „Liebesvereinigung mit zweiundsechzig Apsaras“. Nach „siebzig Siddha-[…]“ folgt „Bewahrung der Veda-Zweige“. Dann nach „achtzehn Hunderttausend“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung siddha-saptati-śākhāveda nicht zuverlässig aufzulösen; Apsaras erotisch als erwachsene Himmelswesen, ohne zusätzliche Altersannahmen.

Vers 1413
maharṣipratyahārthānu bhojanaṃ parikīrtitam‌ |
syānmaharlokaparyantarathagamanameva ca ||1413||

… wird „tägliche Speisung von Maharshis“ genannt; dann „Fahrt im Wagen bis zum Maharloka“ …

Anmerkung: Achtzehn Lakhs aus 1412beziehen sich im Satzanschluss auf die zu speisenden Maharshis.

Vers 1414
tataḥ samaravijayapūrvakāt‌ kālakeya ca |
ditijānu tathā kanyāharaṇaṃ parikīrtitam‌ ||1414||

… danach „nach Sieg in der Schlacht“, „Kalakeya-Daityas“ und „Raub der Tochter“ …

Anmerkung: Kanyā kann Tochter oder junge Frau bezeichnen; Alter nicht angegeben. Historische Entführungsaussage ohne sexuelle Ausmalung übersetzt.

Vers 1415
svamāṃsotkartanād‌ dharmo bhaved‌ gomukhadaitya ca |
ṣaṭtriṃśadakṣauhiṇīto bhasmīkaraṇameva ca ||1415||

… „Dharma durch Herausschneiden des eigenen Fleisches“; dann „Gomukha-Daitya“, „sechsunddreißig Akshauhinis“ und „Zu-Asche-Machen“ …

Anmerkung: Mythische Tatenbezeichnungen, keine Handlungsanleitung. Akshauhini: traditionelle Heeresgröße, hier ohne Zahlenrekonstruktion.

Vers 1416
tathāpratihatājñatvaṃ rājatattvamataḥ param‌ |
vāsukito daṇḍagrahaṇaṃ caturviṃśatisaṃkhyake ||1416||

… „unwiderstehliche Befehlsgewalt“, danach „Königswesen“ und als vierundzwanzigstes „Empfang des Herrscherstabes von Vasuki“ …

Anmerkung: Rājatattva aus beschädigtem rājatvatva vorläufig. Daṇḍagrahaṇa kann auch andere Herrschaftsbezüge haben; Stabdeutung im Königsrahmen vorläufig.

Vers 1417
vāsavopakārakaraṇaṃ sevakādipadādanu |
bhavet‌ khecarasiddhitvaṃ lakṣamattapadādanu ||1417||

… „Vasava einen Dienst erweisen“; nach „Diener […]“ folgt „Siddhi des Bewegens im Luftraum“. Nach „hunderttausend brünstigen …“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung sevakādi unklar; keine sichere Dienerzahl ergänzt. Elefanten folgen1418.

Vers 1418
hastibalaṃ caiva saptaviṃśatisaṃkhyake |
caturvidhārthasāmagrī svecchācāritvameva ca ||1418||

… „Elefanten“ folgt „Kraft“, als siebenundzwanzigstes; dann „Fülle der vier Lebensziele“ und „Handeln nach eigenem Willen“ …

Anmerkung: Erste Halbzeile in Quelle typografisch kurz, ohne weitere ergänzte Anfangssilben. Die Elefantenkraft verbindet sich mit 1417.

Vers 1419
anāyāsapadasyānte trilokīrakṣaṇaṃ tathā |
svecchārūpitvamasyānu mahāyogācca siddhiśca ||1419||

… nach „mühelos“ folgt „Schutz der drei Welten“, danach „beliebige Gestalt annehmen“ und nach „Mahayoga“ das Wort „Siddhi“ …

Vers 1420
cirajīviteti kathitā caturvidhapadāttataḥ |
bhūtasaṅghavṛttistathā kalpaneti priyaṃvade ||1420||

… „langes Leben“; nach „vierfach“ folgen „Lebensunterhalt der Scharen von Wesen“ und „Bereitstellung“, du Lieblichsprechende …

Anmerkung: Die vier Wesenklassen werden nicht einzeln benannt; keine externe Liste ergänzt.

Vers 1421
kuberajaya ityevaṃ syāt‌ purandarasakhyaṃ ca |
ripuvirūpakaraṇaṃ svecchānu […] ca ||1421||

… „Sieg über Kubera“, „Freundschaft mit Purandara“, „Entstellung der Feinde“ und nach „nach eigenem Willen“ […] …

Anmerkung: Fragment: Letztes Glied unlesbar; Feindentstellung nicht beschönigt.

Vers 1422
prasabhavāsukikanyāpadāt‌ pariṇayo'pi ca |
varuṇaniruddhajayo vāsavāsādhyaśabdataḥ ||1422||

… nach „gewaltsam“ und „Vasukis Tochter“ folgt „Heirat“; dann „Sieg über die Gefangensetzung durch Varuna“ und nach „für Vasava unbezwingbar“ …

Anmerkung: Erzwungene Heirat im mythischen Tatenkatalog sachlich übersetzt. Alter der Tochter nicht angegeben; keine sexuelle Ausschmückung.

Vers 1423
bhaveddaityajaya iti syād‌ dikpālapadāttataḥ |
nirodhasaṅkaṭaṃ procya taraṇeti tataḥ param‌ ||1423||

… „Sieg über den Daitya“. Nach „Hütern der Himmelsrichtungen“ spreche man „Not der Gefangenschaft“ und danach „Überwindung“ …

Vers 1424
śacyuddhāro nikumbhānu daityagarvānubhañjanam‌ |
ajātaśatrutā cāpi trilokīprārthayamāna ca ||1424||

… „Befreiung Shachis“, nach „Nikumbha-Daitya“ „Brechen des Hochmuts“, ferner „Feindlosigkeit“ und „von den drei Welten Erbetenes …“ …

Anmerkung: Letzte Verbindung grammatisch knapp; Fortsetzung1425.

Vers 1425
bhaved‌ vastuvitaraṇaṃ jagadvaśīkaraṇaṃ ca |
mahāvadānyaṃ tadanu tato'tirathatāpi ca ||1425||

… „Verteilen von Gütern“, „Unterwerfung der Welt“, danach „große Freigebigkeit“ und „Rang eines Atiratha“ …

Anmerkung: Atiratha: außerordentlicher Wagenkämpfer; kein moderner militärischer Rang.

Vers 1426
syāt‌ pūrvapuruṣoddhāraḥ saundaryaikanidhānaṃ ca |
sāyujyamuktiḥ śeṣe syāt‌ padānyaniyateritāni ||1426||

… „Errettung der Vorfahren“, „einzige Schatzstätte der Schönheit“ und zuletzt „Befreiung durch Einssein“. Dies sind die wechselnden Wörter.

Schlussanreden und Brahmas Mantra

Vers 1427
tripadyā racitaṃ yattat‌ syādrūpaphaladāyinī |
dvādaśārṇaṃ hi nakṣatranaramuṇḍapadādanu ||1427||

Das aus drei Wörtern gebildete [Glied] lautet „rupaphaladayini“ — „die als Frucht die jeweilige Gestalt [bzw. Art] gewährt“. Im zwölfsilbigen [Glied] folgt auf „nakshatra“, „nara“ und „munda“ …

Anmerkung: Rūpa in der Folge wechselnder Wirkungen mehrdeutig, nicht in eine konkrete äußere Körpergestalt verengt.

Vers 1428
[…] mālālaṅkṛteti […] padaṃ ca |
ādau caturdaśa […] bhuvanasevita ||1428||

… „malalamkrita“ — „mit einer Girlande geschmückt“ […]. [Im nächsten Glied] zuerst „vierzehn“, dann […] „von den Welten verehrt“ …

Anmerkung: Fragment: Mehrere Verbindungswörter beschädigt; kein vollständiges Kompositum aus nakṣatra/nara/muṇḍa rekonstruiert.

Vers 1429
pādapadmā tatparaṃ ca tato bhagavatī padam‌ |
guhyakālīti tasyānte brahmopāsyastato manuḥ ||1429||

… danach „padapadma“ — „deren Lotusfüße [von den vierzehn Welten verehrt werden]“. Dann die Wörter „bhagavati“ und „guhyakali“, gefolgt vom durch Brahma verehrten Mantra …

Anmerkung: Lesbare Anrede über1428–1429verbunden, beschädigte Mittelwörter nicht im Sanskrit ergänzt.

Vers 1430
varṇasaptadaśāḍhyo'yaṃ pañca bījāni me […] |
rāvo vadhūruḍyoginyastrapā ca tadanantaram‌ ||1430||

… der siebzehn Silben umfasst. Die fünf Bijas [höre von mir …]: Rava, Vadhu, Rud, Yogini und danach Trapa.

Anmerkung: Fragment: Sprechverb beschädigt; mittlerer Bija-Deckname ruḍ/ruṭ aus gestörter Verbindung vorläufig. Brahmas Mantra nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.

Vers 1431
astratrayaṃ hṛcchirasī śeṣā vai prakaṭoddhṛtiḥ |
dvisaptatimitā varṇā vibhaktyā sahitā ime ||1431||

Den Schluss bilden dreimal Astra, Herz und Kopf. Damit ist die Erschließung offen dargelegt. Diese Laute zählen zusammen mit den Kasusendungen zweiundsiebzig.

Anmerkung: Quellzählung nicht durch Ergänzung beschädigter Formeln erzwungen.

Die Aufgaben von Brahmanen und Königen im Ursprungsmythos

Vers 1432
nānāsandehāpanuttyai kathyamānāṃ purātanīm‌ |
ākhyāyikāṃ varārohe kīrtyamānāṃ nibodha me ||1432||

Höre nun von mir die alte Geschichte, du Wohlgestaltete, die verschiedene Zweifel beseitigen soll.

Vers 1433
kalpādau bhagavān‌ brahmā jagat‌ sṛṣṭvā carācaram‌ |
sārabhūtāni sarvāṇi brāhmaṇebhyaḥ svayaṃ dadau ||1433||

Am Anfang des Kalpa erschuf der erhabene Brahma die bewegliche und unbewegliche Welt und gab den Brahmanen selbst alles Wesentliche …

Anmerkung: Beginn eines brahmanisch geprägten Ursprungsmythos sozialer Aufgaben; historische Textaussage.

Vers 1434
sāṅgān‌ vedānadhvarāṃśca tapaḥ satyaṃ kṣamāṃ dhṛtim‌ |
yogaṃ jñānaṃ brahmacaryaṃ vairāgyaṃ brahmabhāvanām‌ ||1434||

… die Veden samt ihren Hilfswissenschaften, Opfer, Askese, Wahrhaftigkeit, Geduld, Standhaftigkeit, Yoga, Erkenntnis, Brahmacharya, Nichtanhaften und die Versenkung in Brahman …

Vers 1435
vivekaṃ dhairyamācāraṃ dayāṃ niṣṭhāṃ sahiṣṇutām‌ |
amīṣāṃ pātratāṃ jñātvā ratnapūrṇāṃ vasundharām‌ ||1435||

… Unterscheidungskraft, Mut, rechte Lebensführung, Mitgefühl, Beständigkeit und Duldsamkeit. Weil er ihre Eignung erkannte, [gab er] die von Edelsteinen erfüllte Erde …

Vers 1436
sasamudradvīpaśailāṃ tebhya eva dadatprabhuḥ |
gṛhītvā cātha te viprā vibhaktyānyonyamīśvari ||1436||

… samt Meeren, Kontinenten und Bergen eben ihnen. Die Brahmanen nahmen sie entgegen und teilten sie untereinander auf, Herrin …

Anmerkung: Erste Verbform im OCR beschädigt; Geben der Erde klar.

Vers 1437
tapodhanā bhogahīnāstapasyeva mano dadhuḥ |
kurvāṇeṣu tapoghoraṃ vipreṣu dhyānaśāliṣu ||1437||

… doch da Askese ihr Reichtum war und sie auf Genuss verzichteten, richteten sie den Geist allein auf Askese. Während die der Meditation hingegebenen Brahmanen strenge Askese übten …

Vers 1438
apālanakṛtād‌ doṣād‌ viparyastābhavat‌ kṣitiḥ |
dasyutaskara[…] hiṃsrajantusamākulā ||1438||

… geriet die Erde durch mangelnden Schutz in Unordnung, erfüllt von Räubern, Dieben […] und wilden Tieren …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach taskara beschädigt; lesbare Aussage weitergeführt.

Vers 1439
nirmaryādā nirādhārā kāndiśīkajanācitā |
na ko'pi manyate kiñcidaparādhabhayāt‌ priye ||1439||

… ohne Ordnung, ohne Halt, voller umherirrender Menschen. Aus Furcht vor Übergriffen konnte niemand sich um etwas kümmern, Geliebte.

Anmerkung: Kāndiśīkajanācitā in Quelle fraglich. Zweite Halbzeile wörtlich „niemand bedenkt etwas aus Furcht vor Vergehen“, Sinn der Unsicherheit der Bewohner vorläufig nach Kontext.

Vers 1440
brāhmaṇāñcharaṇaṃ jagmuḥ prajā bhītāśca vidrutāḥ |
te na śekurdvijāstrātuṃ prajāḥ śvāpadadasyutaḥ ||1440||

Die verängstigten, auseinandergetriebenen Menschen suchten bei den Brahmanen Zuflucht. Doch diese Zweimalgeborenen konnten sie vor Raubtieren und Räubern nicht schützen.

Vers 1441
atha brahmāṇamabhyetya procuḥ prāñjalayo dvijāḥ |
vītarāgā vayaṃ brahman‌ dhyānaniṣṭhāstapodhanāḥ ||1441||

Darauf gingen die Zweimalgeborenen zu Brahma und sprachen mit gefalteten Händen: „Brahma, wir sind frei von Verlangen, der Meditation gewidmet, und Askese ist unser Reichtum.

Vers 1442
na śaktāḥ smo vayaṃ sarvāṃ rakṣituṃ pṛthivīmimām‌ |
trātuṃ prajāśca dasyubhyastrasyāmo yuddhadarśanāt‌ ||1442||

Wir sind nicht imstande, diese ganze Erde zu schützen und die Menschen vor Räubern zu retten; beim Anblick eines Kampfes erschrecken wir.

Vers 1443
na śaknumo vayamimāṃ rakṣituṃ medinīṃ vibho |
asmatto'varajo varṇaḥ kṣatra ityabhiviśrutaḥ ||1443||

Wir vermögen diese Erde nicht zu schützen, Allgegenwärtiger. Der nach uns geborene Varna ist als Kshatra bekannt …

Anmerkung: Varna hier gesellschaftlicher Stand im Ursprungsmythos. Avaraja zunächst „jünger/nachgeboren“, nicht zusätzliche moderne Wertung.

Königsherrschaft, Schutz und Opfer

Vers 1444
jāto bāhvorhareḥ sākṣādimāṃ tasmai […] |
ityukto bhagavān‌ brahmā saha sammantrya vāḍavaiḥ ||1444||

… unmittelbar aus Haris Armen geboren. [Gib] ihm diese Erde […].“ So angesprochen, beriet sich der erhabene Brahma mit den Brahmanen …

Anmerkung: Fragment: Verb nach tasmai beschädigt; Übergabe als Auftrag durch1445gesichert. Bezug auf Hari bleibt stehen, nicht zu Brahma geändert.

Vers 1445
kṣatrebhyaḥ pradadau pṛthvīṃ brāhmaṇānumato priye |
śastrāstrāṇi balaṃ bāhvordaṇḍanītiṃ ca śūratām‌ ||1445||

… und gab mit ihrer Zustimmung den Kshatriyas die Erde, Geliebte, ferner Waffen und Geschosse, Armkraft, Regierungskunst und Tapferkeit …

Vers 1446
utsāhabhogakoṣāṃśca caturaṅgabalaṃ tathā |
pratāpaṃ ca prabhāvaṃ ca śastrakṣatasahiṣṇutām‌ ||1446||

… Tatkraft, Genuss, Schatzkammern, ein viergliedriges Heer, Herrscherglanz, Macht und die Fähigkeit, Verwundungen durch Waffen zu ertragen …

Vers 1447
ijyāṃ baliṃ prajābhyaśca yacca sārataraṃ bhuvaḥ |
te prāpya nikhilāmurvīṃ kṣatriyā dharmatatparāḥ ||1447||

… Opferdienst, Abgaben von den Untertanen und was immer auf Erden besonders wertvoll ist. Als die dem Dharma zugewandten Kshatriyas die ganze Erde erhalten hatten …

Anmerkung: Bali hier Abgabe/Tribut im Herrschaftszusammenhang, nicht die frühere tantrische Opfergabe.

Vers 1448
pālayāmāsuravaniṃ smṛtiproktena vartmanā |
purīrniveśayāmāsuḥ kheṭāvasathakharvaṭān‌ ||1448||

… schützten sie sie nach dem in der Smriti gelehrten Weg. Sie gründeten Städte, Ortschaften, Wohnstätten und befestigte Siedlungen.

Vers 1449
jaghnurdasyūñchvāpadāṃśca kāntārasthānapi priye |
balīnāhārayāmāsurbhogān‌ bubhujire tathā ||1449||

Sie töteten Räuber und Raubtiere, auch jene in der Wildnis, Geliebte, ließen Abgaben einziehen und genossen ihre Güter.

Anmerkung: Historische Legitimation von Königsherrschaft und Gewalt in der Quelle.

Vers 1450
yuyudhū rājyahetośca parasparamamī tathā |
āgaḥkṛtsu tathā daṇḍaṃ praṇinyurvadhameva ca ||1450||

Sie kämpften auch untereinander um Herrschaft und verhängten gegen Übeltäter Strafen, bis hin zur Tötung.

Anmerkung: Agaḥkṛtsu aus beschädigtem āgaḥkṛtsnaṃ nach klarer Strafkonstellation vorläufig; nicht als sicherer Wortlaut verborgen.

Vers 1451
evaṃ kṛte mumudire prajāḥ sarvā nirākulāḥ |
nirbhayāścāpyavardhanta svasthamāsījjagattrayam‌ ||1451||

Als dies geschehen war, freuten sich alle Menschen, frei von Unruhe. Ohne Furcht gediehen sie, und die drei Welten befanden sich in Wohlergehen.

Anmerkung: Idealisiertes Ergebnis im Ursprungsmythos der Quelle.

Vers 1452
balīn‌ prajābhyaḥ saṅgṛhya kṛtvātha koṣasañcayam‌ |
yiyakṣavo'bhavan‌ sarve vedadṛṣṭena vartmanā ||1452||

Nachdem sie Abgaben von den Untertanen eingezogen und Schätze angesammelt hatten, wollten alle nach dem in den Veden gelehrten Weg Opfer darbringen.

Die Götter bleiben dem Opfer fern

Vers 1453
ṛṣīnānāyya vedajñān‌ yajñavāṭaṃ vidhāya ca |
vidhāya makhasambhārānabhūvan‌ dīkṣitāḥ kratau ||1453||

Sie ließen vedakundige Rishis herbeirufen, richteten den Opferplatz her, stellten die Opfermaterialien zusammen und empfingen die Weihe zum Opfer.

Vers 1454
yajñasambandhikarmāṇi […] maharṣayaḥ |
sadasyāḥ ke'pi tatrāsan‌ […] tathāpare ||1454||

Die Maharshis [verrichteten …] die zum Opfer gehörenden Handlungen. Einige waren Mitglieder der Opferversammlung, andere […] …

Anmerkung: Fragment: Verb und Bezeichnung einer weiteren Priestergruppe beschädigt; keine vedische Standardliste ergänzt.

Vers 1454 (Position 1455)
adhvaryavo'tha hotāro'bhavan‌ vettāra eva ca |
pravṛtteṣvadhvareṣvevaṃ dīkṣiteṣu nṛpeṣvatha ||1454||

… waren Adhvaryus, Hotris und Kundige. Als die Opfer so begonnen hatten und die Könige geweiht waren …

Anmerkung: Quelle zählt erneut1454;Folgeposition1455. Vettāraḥ wird als „Kundige“ bewahrt, nicht in einen vermuteten Spezialpriesternamen verwandelt.

Vers 1456
dīyamāneṣu dāneṣu hūyamāneṣu […] |
devānāvāhayāmāsustattanmantrairmaharṣayaḥ ||1456||

… als Gaben verteilt und […] ins Feuer geopfert wurden, riefen die Maharshis die Gottheiten mit ihren jeweiligen Mantras herbei …

Anmerkung: Fragment: Gegenstand des Feueropfers beschädigt.

Vers 1457
indramagniṃ […] vāyuṃ nairṛtaṃ ca pracetasam‌ |
somaṃ varuṇamīśānaṃ brahmāṇaṃ viṣṇumeva ca ||1457||

… Indra, Agni, […], Vayu, Nairrita, Prachetas, Soma, Varuna, Ishana, Brahma und Vishnu.

Anmerkung: Fragment: Ein Name zwischen Agni und Vayu unlesbar; nicht automatisch Yama ergänzt. Prachetas und Varuna beide bewahrt.

Vers 1458
ijyamāneṣu yajñeṣu sthāne sthāne'vanīśvaraiḥ |
[…] hūyamānāsu havirdhārābhirīśvari ||1458||

Während die Könige an den verschiedenen Orten Opfer darbrachten und Ströme von Opfergaben […] dargebracht wurden, Herrin …

Anmerkung: Fragment: Substantiv am Anfang der zweiten Halbzeile beschädigt.

Vers 1459
devāḥ kutrāpi nājagmuḥ sākṣād‌ vigrahadhāriṇaḥ |
atha dvitricaturvārān‌ jepurmantrān‌ maharṣayaḥ ||1459||

… erschienen die Götter nirgends persönlich in verkörperter Gestalt. Darauf rezitierten die Maharshis die Mantras zwei-, drei- und viermal.

Vers 1460
tathāpi nāgatā devā yajñabhāgajighṛkṣayā |
punarmūrtidharān‌ vedānāhvayāmāsurañjasā ||1460||

Dennoch kamen die Götter nicht, um ihren Opferanteil zu empfangen. Darauf riefen sie die verkörperten Veden unmittelbar herbei …

Anmerkung: Vedan statt beschädigtem devan vorläufig, durch1461vidya1466vedaundFolgegestützt; nichtalsgesicherteLesungverschwiegen.

Vers 1461
nāgatāste'pi deveśi yatnenākāritā api |
tathaiva vidyā āhūtāḥ sarvāstā api nāgatāḥ ||1461||

… doch auch diese kamen nicht, Herrin der Götter, obwohl man sie mit Nachdruck gerufen hatte. Ebenso wurden die Vidyas angerufen, und auch sie alle erschienen nicht.

Vers 1462
brahmāpi tatra nāyātaḥ sākṣī sarvādhvarasya ca |
atha vismayamāpannā rājānaḥ krodhameva ca ||1462||

Selbst Brahma, der Zeuge jedes Opfers, kam nicht dorthin. Da gerieten die Könige in Verwunderung und Zorn.

Vers 14623 (Position 1463)
mandākṣabhayanirvedacintāmohāvamānanāḥ |
maharṣīn‌ viviśustatra mṛtakalpāstrapābharaiḥ ||14623||

Scham, Angst, Mutlosigkeit, Sorge, Verwirrung und das Gefühl der Erniedrigung erfüllten die Maharshis. Unter der Last der Beschämung waren sie wie tot.

Anmerkung: Quelle zeigt14623 an Position 1463.

Kali als Herrin von Göttern und Veden

Vers 1464
atha te lajjitā dhyānādanāgamanakāraṇam‌ |
vijñāya preṣayāmāsurmahādevīṃ surāntikam‌ ||1464||

Beschämt erkannten sie durch Meditation den Grund des Ausbleibens und sandten die große Göttin zu den Göttern.

Anmerkung: Quelle nennt hier mahādevī, die Botin wird1466Sanjna genannt. Nicht still mit der erst später einzuladenden Kali gleichgesetzt; Erzählbezug bleibt uneindeutig.

Vers 1465
sā gatvā tridaśānāha […] kimiti vai makhe |
vihitāvāhanāmantrairnāgacchadhvaṃ kimityaho ||1465||

Sie ging zu den Göttern und sagte: „[…] Warum kommt ihr nicht zum Opfer, obwohl die vorgeschriebenen Anrufungsmantras vollzogen wurden? Warum nur?“

Anmerkung: Fragment: Anrede vor der Frage beschädigt.

Vers 1466
sannidhānaṃ na kurvanti vedā brahmaharī api |
ta ūcuramarāḥ sañjñāṃ sammantrya militā mithaḥ ||1466||

„Auch die Veden, Brahma und Hari erscheinen nicht.“ Nachdem sich die Unsterblichen miteinander beraten und versammelt hatten, sprachen sie zu Sanjna:

Anmerkung: Sañjñā als Botinnenname aus der Anrede; nicht ohne Beleg mit einer anderswo bekannten Göttinnengestalt identifiziert.

Vers 1467
vayaṃ nātmavaśāḥ sarve parādhīnāḥ sma sarvadā |
parasya vāhanībhūtāstathaiva paricārakāḥ ||1467||

„Wir alle verfügen nicht über uns selbst; wir stehen immer unter einer anderen Macht. Wir dienen als Träger und als Diener eines anderen …

Vers 1468
kālyāḥ siṃhāsanadharāstadājñāvaśavartinaḥ |
kathaṃ siṃhāsanaṃ tyaktvā yāmastasmin‌ makhe makhe ||1468||

… wir tragen Kalis Thron und folgen ihrem Gebot. Wie könnten wir den Thron verlassen und zu den einzelnen Opfern gehen?

Vers 1469
vayaṃ yadvāhanavahāḥ sā tatrākāritā na cet‌ |
vayaṃ kathaṃ gamiṣyāmastatra sañjñe sureśvari ||1469||

Wenn sie, deren Träger wir sind, nicht dorthin eingeladen wurde, wie könnten wir dann dorthin gehen, Sanjna, Herrin der Götter?“

Anmerkung: Quelle erwägt yajñe statt sañjñe; Hauptlesung Sanjna passend1466gesondertbewahrt.

Vers 1470
ityuktā sā yayau tatra yajñavāṭaṃ mahībhṛtām‌ |
devavedoditaṃ sarvaṃ maharṣibhyo nyavedayat‌ ||1470||

So beschieden, kehrte sie zum Opferplatz der Könige zurück und berichtete den Maharshis alles, was die Götter und Veden gesagt hatten.

Anmerkung: Singularverb am Schluss aus OCRPlural nach Subjekt normalisiert.

Vers 1471
bhūpān‌ vijñāpayāmāsuste'nāgamanakāraṇam‌ |
etasminneva samaye yajñā mantraiḥ sahākhilāḥ ||1471||

Diese teilten den Königen den Grund des Ausbleibens mit. Genau zu dieser Zeit verschwanden sämtliche Opfer samt ihren Mantras …

Vers 1472
antarhitā babhūvuśca svāhākārā vaṣaṭ‌ tathā |
antarhiteṣu teṣvevaṃ bhṛśaṃ duḥkhānvitā nṛpāḥ ||1472||

… ebenso die Svaha- und Vashat-Rufe. Als sie so verschwunden waren, wurden die Könige von tiefem Leid erfüllt …

Anmerkung: Svāhā und vaṣaṭ hier ausdrücklich benannte Opferrufe, keine wörtliche Übersetzung erfunden.

Vers 1473
[…] viṣaṇṇāḥ papracchuritikartavyatāṃ munīn‌ |
ta ūcustathyamamarā […] saṃśayaḥ ||1473||

… und fragten die Munis niedergeschlagen, was zu tun sei. Diese sagten: „Die Götter [haben] die Wahrheit [gesprochen …; daran besteht kein] Zweifel.

Anmerkung: Fragment: Anfang, Sprechverb und Negationsverbindung beschädigt; nachfolgende Erklärung1474stützt den Sinn, Sanskritlücken offen.

Vers 1474
te sevakāḥ mahākālyāḥ siṃhāsanavahāstathā |
yajñā api punaḥ saptamāsanatāṃ gatāḥ ||1474||

Sie sind Mahakalis Diener und Träger ihres Thrones. Auch die Opfer sind zu ihrem siebenten Sitz geworden.

Anmerkung: Quelle saptamāsanatā bewahrt; keine alternative Zahl oder Sitzordnung rekonstruiert.

Vers 1475
devī nāvāhitā […] āgamiṣyanti vai katham‌ |
seśvarī kiṅkarāścānye devavedādhvarādayaḥ ||1475||

Die Göttin wurde nicht angerufen; […] wie könnten sie also kommen? Sie ist die Herrin; die anderen — Götter, Veden, Opfer und weitere — sind ihre Diener.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort nach nāvāhitā beschädigt.

Die Könige wenden sich an die Göttin

Vers 1476
ayogyā na vayaṃ bhūpā na vidmo na manuṃ tathā |
yajñakarmānabhijñā no nānūcānā na vā tathā ||1476||

Wir sind nicht ungeeignet, ihr Könige. Es ist nicht so, dass wir die Mantras nicht kennen. Wir sind weder unkundig des Opferhandelns noch ungelehrt.

Anmerkung: Doppelte Negationen nach Satzfolge bewahrt; keine Eingeständnisse mangelnder Veda-Kenntnis daraus gemacht.

Vers 1477
vayaṃ naivābhiyoktavyāḥ surānāgamane […] |
ityuktāste nṛpāḥ procurmaharṣīn‌ sambhramākulāḥ ||1477||

Uns darf das Ausbleiben der Götter nicht zur Last gelegt werden […].“ So angesprochen, sagten die Könige erregt zu den Maharshis:

Anmerkung: Fragment: Schlussanrede der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 1478
yasyā ime dāsabhūtā yajñā vedāḥ surāstathā |
saiva devī mahāmāyā kimityākāryate nahi ||1478||

„Warum wird dann nicht jene Göttin Mahamaya selbst herbeigerufen, deren Diener die Opfer, Veden und Götter sind?

Vers 1476 (Position 1479)
ārādhyā saiva sarveṣāmasmābhirjñātamityapi |
[…] etasyāḥ prayatnaḥ saṃvidhīyatām‌ ||1476||

Wir haben erkannt, dass sie es ist, die von allen verehrt werden soll. Bemüht euch […] um sie!“

Anmerkung: Fragment: Bestimmung des Bemühens beschädigt. Quelle zeigt1476 an Position 1479.

Vers 1480
bhūpoktaṃ vacanaṃ śrutvā […] |
dhanyāḥ stha yūyaṃ bhūpālā devyadhiṣṭhāpane yataḥ ||1480||

Als [die Maharshis] die Worte der Könige hörten, [antworteten sie …]: „Gesegnet seid ihr, Könige, denn auf die Gegenwärtigsetzung der Göttin …

Anmerkung: Fragment: Sprechereinleitung der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 1481
bhāgyād‌ vyavasitaṃ cittaṃ tasyā ārādhane'pi ca |
ārādhitāyāṃ tasyāṃ vai sarve vedā makhāḥ surāḥ ||1481||

… und ihre Verehrung ist euer Geist glücklicherweise ausgerichtet. Wenn sie verehrt wird, werden alle Veden, Opfer und Götter …

Vers 1483 (Position 1482)
svayamevāgamiṣyanti tayā devyā sahaiva hi |
yuṣmākaṃ ca dhane dhānye pratāpe balakoṣayoḥ ||1483||

… von selbst zusammen mit ihr kommen. Euer Reichtum und Getreide, euer Herrscherglanz, eure Macht und Schatzkammern …

Anmerkung: Quelle zeigt1483vornochmals1483; Folgeposition1482.

Vers 1483
āyurārogyasaubhāgyavijayātmajaśarmasu |
bāhulyaṃ koṭiguṇitaṃ bhaviṣyati na saṃśayaḥ ||1483||

… euer Leben, eure Gesundheit, euer Glück, eure Siege, Nachkommen und Freuden werden sich zweifellos zehnmillionenfach vermehren.

Anmerkung: Verheißung innerhalb des Mythos, keine Tatsachenzusage dieser Ausgabe.

Vers 1484
prāpte'bhyudaye devī lakṣmīrūpā gṛhe bhavet‌ |
alakṣmīrūpiṇī saiva vināśe pratyupasthite ||1484||

Wenn Wohlergehen eintritt, ist die Göttin im Haus als Lakshmi gegenwärtig; wenn Untergang bevorsteht, erscheint dieselbe als Alakshmi.

Anmerkung: Lakshmi und Alakshmi: hier personifiziertes Glück und Unglück; kein Schuldurteil über tatsächliche Lebensumstände heutiger Leser.

Vers 1485
yadyadiṣṭatamaṃ bhūpā yuṣmākaṃ manasi sthitam‌ |
tattallakṣmīsvarūpeṇa saivātra prakaṭiṣyati ||1485||

Was auch immer euch Königen im Herzen am meisten ersehnt ist, eben das wird sie hier in der entsprechenden Lakshmi-Gestalt offenbaren.“

Kali erscheint als Lakshmi

Vers 1486
ityuktāste maharṣibhyo gṛhītvā mantramuttamam‌ |
tasminneva kratau devīmārarādhustrivatsaram‌ ||1486||

So belehrt, empfingen sie von den Maharshis den erhabenen Mantra und verehrten bei ebenjenem Opfer die Göttin drei Jahre lang.

Vers 1487
atha tatrāgatā devī śuklavastravapurdharā |
kālīrūpaṃ parityajya lakṣmīrūpeṇa pārvati ||1487||

Dann kam die Göttin dorthin, mit weißem Gewand und weißem Körper. Sie hatte die Kali-Gestalt abgelegt und erschien als Lakshmi, Parvati.

Vers 14885 (Position 1488)
vidhīśaviṣṇupramukhā dikpālā nigamādhvarāḥ |
saha tatrāgatā devyā vahantaḥ śirasāsanam‌ ||14885||

Die Hüter der Richtungen, Brahma, Isha und Vishnu an ihrer Spitze, sowie die Nigamas und Opfer kamen mit der Göttin dorthin und trugen ihren Sitz auf den Köpfen.

Anmerkung: Quelle zeigt14885 an Position 1488; personifizierte Schriften und Opfer als mythische Träger.

Vers 1489
[…] punastasyāmāgatāyāṃ mahāmakhāḥ |
cakre kālī sannidhānaṃ tatra tatra kratau svayam‌ ||1489||

Als sie gekommen war, [erschienen] die großen Opfer wieder […]. Kali selbst wurde bei jedem einzelnen Opfer gegenwärtig.

Anmerkung: Fragment: Anfangsverb beschädigt; Wiederkehr nach 1472imKontextklar.

Vers 1460 (Position 1490)
yajñabhāgaṃ ca bubhuje sarvairdevagaṇaiḥ saha |
bhūpālebhyaśca sarvebhyaḥ svasvābhīṣṭaṃ varaṃ dadau ||1460||

Sie genoss den Opferanteil zusammen mit allen Götterscharen und gewährte jedem der Könige die von ihm ersehnte Segensgabe.

Anmerkung: Quelle zeigt1460 an Position 1490.

Vers 1461 (Position 1491)
[…] dhūpaiśca dīpairnaivedyasañcayaiḥ |
stotrairdaṇḍapraṇāmaiśca parituṣṭā maheśvarī ||1461||

Durch […], Räucherwerk, Lampen, Speisegaben, Lobgesänge und ausgestreckte Niederwerfungen höchst erfreut, [gewährte] Maheshvari …

Anmerkung: Fragment: Erste Gaben der Aufzählung unlesbar. Quelle zeigt1461 an Position 1491.

Vers 1462 (Position 1492)
rājabhyo bhaktinamrebhyaḥ prāyacchadakhilān‌ varān‌ |
yo yasya hṛdyāsasāda puruṣārthatayā priye ||1462||

… den in Hingabe verneigten Königen sämtliche Segensgaben. Was einem jeden als Lebensziel am Herzen lag, Geliebte …

Anmerkung: Quelle zeigt1462 an Position 1492.

Vers 1463 (Position 1493)
taṃ taṃ sa lebhe rudrāṇyāḥ sānnidhyācca prasādataḥ |
atha tuṣṭā jagaddhātrī maharṣīn‌ prāha saṃsadi ||1463||

… das erlangte er durch Rudranis Gegenwart und Gnade. Darauf sprach die zufriedene Welterhalterin in der Versammlung zu den Maharshis …

Anmerkung: Quelle zeigt1463 an Position 1493.

Der Auftrag zur Bildung des Nyasa

Vers 1494
[…] vasiṣṭhaṃ kapilamatriṃ durvāsasaṃ tathā |
hārītaṃ gautamaṃ kaṇvaṃ jaigīṣavyaṃ ca nāradam‌ ||1494||

… zu […], Vasishtha, Kapila, Atri, Durvasas, Harita, Gautama, Kanva, Jaigishavya und Narada:

Anmerkung: Fragment: Erster Name der Reihe unlesbar.

Vers 1465 (Position 1495)
bho bho maharṣayaḥ sarve yogavantastapodhanāḥ |
śṛṇudhvamekāmājñāṃ me kurudhvaṃ cāpi tatkṣaṇāt‌ ||1465||

„Ihr Maharshis alle, mit Yoga begabt und an Askese reich, hört einen Auftrag von mir und erfüllt ihn unverzüglich!

Anmerkung: Quelle zeigt1465 an Position 1495.

Vers 1496
yena yenāvanīpena yasmin‌ yasmin‌ kratāvaham‌ |
yena yenābhidhānena […] ||1496||

Von welchem König ich auch bei welchem Opfer unter welchem Namen […] …

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile nach abhidhānena stark beschädigt; keine fehlende Handlung in den Sanskrittext eingesetzt.

Vers 1497
yaṃ yaṃ varaṃ prārthayatārādhitā bhaktiśālinā |
phalaṃ yadyadadāṃ tebhyastatsarvamakhilena hi ||1497||

… von einem in Hingabe Erfüllten verehrt wurde, der eine bestimmte Segensgabe erbat, und welche Frucht ich ihnen jeweils gewährte — all dies ohne Ausnahme …

Anmerkung: Verb adām im OCR adāt, als Göttinnenrede vorläufig normalisiert.

Vers 1465 (Position 1498)
mantrarūpeṇa sandiśya nyāsaḥ kāryo bhavādṛśaiḥ |
tenāhaṃ toṣameṣyāmi nyāsena brahmasūnavaḥ ||1465||

… sollt ihr in Mantraform angeben und daraus einen Nyasa bilden. Dieser Nyasa wird mich erfreuen, ihr Söhne Brahmas.

Anmerkung: Quelle zeigt1465 an Position 1498.

Vers 1499
ye kariṣyanti taṃ nyāsaṃ bhavadbhiḥ parigumphitam‌ |
etebhya iva tebhyo'pi dāsyāmi prārthitān‌ varān‌ ||1499||

Denen, die den von euch zusammengestellten Nyasa vollziehen, werde ich die erbetenen Segensgaben schenken, ebenso wie diesen [Königen].“

Anmerkung: Parigumphitam als fragender Herausgebervorschlag übernommen; keine gesicherte Lesung behauptet.

Vers 1500
ityuktvāntarhitā devī te'pi sarve munīśvarāḥ |
cakrurnyāsaṃ harasyāgre bhadrakālyā yathoditam‌ ||1500||

Nach diesen Worten verschwand die Göttin. Alle Munis schufen darauf vor Hara den Nyasa so, wie Bhadrakali ihn angeordnet hatte.

Vers 1501
kathitaṃ yajñanāmādau tattadbhūpābhidhā tataḥ |
tattannāmāṅkalakṣmyantā devyāsyā tadanantaram‌ ||1501||

Zuerst wurde der Opfername genannt, danach der Name des jeweiligen Königs; anschließend die Bezeichnung der Göttin, durch den jeweiligen Namen bestimmt und mit „Lakshmi“ endend …

Anmerkung: Gedrängte Kompositumgrammatik; Verbindung der drei Listen als Quellaussage, keine zusätzliche Namensliste.

Vers 1502
tattadvarasya saṃjñānu phalarūpatayoditā |
iti te kathito devi nyāsasyāsya samudbhavaḥ ||1502||

… danach die Bezeichnung der jeweiligen Segensgabe, als Frucht angegeben. Damit habe ich dir, Göttin, die Entstehung dieses Nyasa erzählt.

Kalpa-Siddha-Nyasa: Ritualfaktoren und sechs Glieder

Vers 1503
kalpasiddhanyāsamatho pravadāmyavadhāraya |
asya śrīkalpasiddhākhyanyāsasya parameśvari ||1503||

Nun lehre ich den Kalpa-Siddha-Nyasa; höre aufmerksam zu. Für diesen erhabenen Kalpa-Siddha genannten Nyasa, höchste Herrin …

Vers 1504
ṛṣiḥ śivena […] haridrumatagautamaḥ |
uṣṇik‌ chandaḥ samākhyātamekapañcāśaduttaram‌ ||1504||

… [wurde] von Shiva Haridrumata-Gautama als Rishi [genannt …]. Ushnih wird als Metrum bezeichnet. Nach „einundfünfzig“ …

Anmerkung: Fragment: Verb und seltene Namensform beschädigt; Haridrumata-Gautama nur vorläufig, keine Gleichsetzung mit einem anderweitig bekannten Rishi behauptet.

Vers 1505
vadecca kālīsahitā guhyakālī ca devatā |
saṃhāro bījamamṛtaṃ śaktiḥ syāt‌ kaurajatrayam‌ ||1505||

… spreche man „kalisahita“: Guhyakali, begleitet von einundfünfzig Kalis, ist die Gottheit. Samhara ist das Bija, Amrita die Shakti, die drei Kaurajas …

Vers 1506
kīlakaṃ cātha phetkārī tattvamabhyuditaṃ priye |
mahānirvāṇaṣoḍhāṅgabhūtakalpapadādanu ||1506||

… sind das Kilaka; Phetkari wird als Tattva genannt, Geliebte. Nach „mahanirvanashodhangabhutakalpa“ …

Vers 1507
siddhanyāsānu siddhyarthe jape ca viniyogatā |
ṛṣyādimasya kṛtvāgre vidadhīta ṣaḍaṅgakam‌ ||1507||

… folgt „siddhanyasa“: Die Anwendung gilt dem Erlangen von Siddhi und dem Japa. Nachdem man zuerst Rishi und die übrigen Faktoren eingesetzt hat, vollziehe man die sechs Glieder.

Vers 1518 (Position 1508)
brahmopāsyā saptadaśī vāsiṣṭhī tāvadakṣarā |
tato mahāṣoḍaśī ca ṣoḍaśārṇā tataḥ param‌ ||1518||

[Man verwendet] die von Brahma verehrte siebzehnsilbige [Vidya], die ebenso viele Silben umfassende Vasishthi, dann Mahashodashi und anschließend die sechzehnsilbige …

Anmerkung: Quelle zeigt1518 an Position 1508. Reihenfolge nach Quelltext; nicht eigenmächtig aus sechs erwarteten Gliedern weitere Namen erzeugt.

Vers 1509
hiraṇyakaśipūpāsyā rāmopāsyā tataḥ param‌ |
mantrairamībhirubhayaṣaḍaṅgaṃ vidadhīta vai ||1509||

… von Hiranyakashipu verehrte [Vidya] und danach die von Rama verehrte. Mit diesen Mantras vollziehe man beide sechsgliedrigen Einsetzungen.

Anmerkung: Die knappe Aufzählung1508–1509 ist gegenüber der verlangten Sechszahl nicht eindeutig vollständig; keine zusätzliche Vidya erfunden.

Allgemeiner Aufbau der Kalpa-Mantras

Vers 1510
atha vakṣye samuddhāraṃ dvidhābhūtaṃ varānane |
ādāvaṣṭādaśeśāni bījānyeva kevalāni hi ||1510||

Nun lehre ich die zweifache Erschließung, du mit dem schönen Antlitz. Am Anfang stehen allein achtzehn Bijas, Herrin.

Vers 1511
tato nāmāni bhinnāni brahmavāsavasaṃjñayā |
dvyarṇātmakaṃ padaṃ caikaṃ […] tadanu paṭhyate ||1511||

Danach folgen verschiedene Namen, mit Brahma und Vasava bezeichnet. Anschließend wird ein zweisilbiges Wort […] gesprochen.

Anmerkung: Fragment: Endungsangabe beschädigt. Brahmavāsava nach sichtbarer Quellform, nicht vorzeitig in „Kalpas“ umgeschrieben.

Vers 1512
pūrvaiḥ samāsa etasya calairavicalasya hi |
punarnāmāni bhinnāni […] racitena hi |
padenaikena ṅe'ntena stryākāraparidhāriṇā ||1512||

Dieses unveränderliche Wort wird mit den vorangegangenen wechselnden verbunden. Wiederum verschiedene Namen [verbindet man] mit einem aus […] gebildeten Wort, das im Dativ steht und weibliche Gestalt trägt …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung der Wortbildung beschädigt. Quelle bietet unter1512dreiHalbzeilen; keine zusätzliche Versnummer erfunden.

Vers 1513
savigrahāṇi deveśi pūrvavacca calācalam‌ |
punarapyatha bhinnāni nāmānyasyānu sarvaśaḥ ||1513||

… zu Komposita, Herrin der Götter. Wechsel und Unveränderlichkeit gelten wie zuvor. Danach folgen wieder durchweg verschiedene Namen …

Vers 1514
śabdaiḥ pañcabhirārabdhaṃ ṅībantaṃ padamekakam‌ |
samāsaḥ pūrvavat‌ pūrvaiḥ sthitiścāpi calācalā ||1514||

… und ein aus fünf Wörtern gebildetes Wort mit weiblicher Endung. Die Zusammensetzung mit dem Vorangehenden und die Verteilung auf wechselnde und feste Glieder sind wie zuvor.

Vers 1515
punarvibhinnanāmāni dvyarṇaṅībantakena hi |
padenaikena protāni sthitiḥ pūrvā calācale ||1515||

Wiederum werden verschiedene Namen mit einem zweisilbigen Wort weiblicher Endung verbunden. Für wechselnde und feste Glieder gilt die bisherige Ordnung.

Anmerkung: Zweisilbenlesung vorläufig aus beschädigtem Anfang des Kompositums.

Vers 1516
punaścaikaṃ padaṃ jñeyamābaddhaṃ pañcabhiḥ padaiḥ |
bodhyaṃ tadacalaṃ devi dvipadyā racitaṃ tataḥ ||1516||

Dann ist ein aus fünf Wörtern gebildetes Wort vorgesehen; es ist als unveränderlich zu verstehen, Göttin. Danach ein aus zwei Wörtern gebildetes …

Vers 1517
padaṃ caikaṃ punastadvadanyadasyānu kīrtitam‌ |
bhinnabhinnaṃ tato jñeyaṃ padayugmaṃ pṛthak‌ pṛthak‌ ||1517||

… Wort und anschließend ebenso ein weiteres. Dann sind zwei voneinander verschiedene Wörter jeweils gesondert zu verstehen.

Vers 1518
sarvaṃ viśeṣaṇībhūtaṃ padaṣaṭkaṃ tathāntimam‌ |
viśeṣyabhūtaṃ saptāpi ṅe'ntaṃ gamyaṃ sureśvari ||1518||

Die sechs Wörter sind sämtlich Beiwörter, das letzte ist das von ihnen bestimmte Wort. Alle sieben stehen im Dativ, Herrin der Götter.

Vers 1516 (Position 1519)
mahāmantraḥ punaścaiko calaḥ saptadaśākṣaraḥ |
bījānyekādaśa tata upabījāni pañca ca ||1516||

Danach folgt ein großer siebzehnsilbiger Mantra, [hier:] wechselnd. Dann elf Bijas und fünf Nebenbijas.

Anmerkung: Quelle zeigt1516 an Position 1519. Calaḥ steht ausdrücklich, obwohl Folge und allgemeiner Aufbau feste Bestandteile nahelegen; nicht still acalaḥ ergänzt.

Vers 1520
sthirāṇi sapta ṅe'ntāni padānyapi varānane |
viśeṣabhūtāmadhunā vakṣyāmyuddhṛtimasya hi ||1520||

Die sieben im Dativ stehenden Wörter bleiben ebenfalls unverändert, du mit dem schönen Antlitz. Nun lehre ich die besondere Form seiner Erschließung.

Anfangsbijas und die Kalpa-Namen

Vers 1521
tārādekāntarāḥ sarve madhyayoginīstriyaḥ |
[…] kūrcāntā nāmānyākalayādhunā ||1521||

Von Tara aus [werden die Glieder] jeweils abwechselnd [eingesetzt], in der Mitte Yogini und Stri […], mit Kurcha am Ende. Höre nun die Namen.

Anmerkung: Fragment: Bija-Bauanweisung stark beschädigt; auch die Quelle bietet eine fragende Korrektur. Keine achtzehn Silben rekonstruiert.

Vers 1522
tapo abhavyaśca ratnaśca havyavāhakratoḥ paraḥ |
sāvitrasnavakuśikā gāndhāra ṛṣabhastathā ||1522||

Tapas, Abhavya, Ratna, Havyavaha, Kratu, danach Savitra, Snava, Kushika, Gandhara und Rishabha …

Anmerkung: Beginn der Kalpa-Namen. Ratna ist der fragende Herausgebervorschlag für ranta; weitere Namensformen nach vorläufig lesbarer Quelle, nicht mit externen Kalpa-Listen ersetzt.

Vers 1523
mārjālīyo madhyamaśca vairājaśca niṣādayuk‌ |
meṣavāhana ityevaṃ pañcamaścintako'pi ca ||1523||

… Marjaliya, Madhyama, Vairaja, Nishada, Meshavahana, Panchama und Chintaka …

Anmerkung: Panchama hier Name innerhalb der Liste, nicht rückwirkend fünfte Zählposition.

Vers 1524
tathaivākṛtivijñāno bṛhaccāpi rathantaram‌ |
raktaśca pītavāsāśca viśvarūpastataḥ param‌ ||1524||

… Akriti, Vijnana, Brihat, Rathantara, Rakta, Pitavasas und danach Vishvarupa …

Anmerkung: Worttrennung Akriti/Vijnana vorläufig; Quelle nennt als Variante vijñātau. Nicht zu einer sicheren Einheitsbezeichnung verschmolzen.

Vers 1525
[…] śvetanīlalohitau vāmadevayuk‌ |
rauravaprāṇasadyojātatatpuruṣasaṃjñakāḥ ||1525||

… […], Shveta, Nilalohita, Vamadeva, die Raurava, Prana, Sadyojata und Tatpurusha genannten …

Anmerkung: Fragment: Erstes Namensglied beschädigt. Dual Shveta/Nilalohita nach Quellform; nicht drei Farbnamen daraus erzeugt.

Vers 1526
aghoreśānajñānāni sārasvatamudānayuk‌ |
tathā gāruḍakūrmau ca nārasiṃhaśca vāmanaḥ ||1526||

… Aghora, Ishana, Jnana, Sarasvata, Udana, Garuda, Kurma, Narasimha und Vamana …

Vers 1527
āgneyasomau mānavo lakṣmyabhikhyayā |
vaikuṇṭho gauryapi tato māheśvara iti smṛtaḥ ||1527||

… Agneya, Soma, Manava, der Lakshmi Genannte, Vaikuntha, Gauri und danach Maheshvara …

Anmerkung: Erste Halbzeile metrisch verkürzt überliefert; lesbare Namen übersetzt, keine fehlenden Wörter ergänzt.

Vers 1528
pitṛpadmau tathā śvetavārāhaḥ sarvaśeṣagaḥ |
dvyarṇātmakaṃ paraṃ kalpaḥ punarnāmāni vai śṛṇu ||1528||

… Pitri, Padma und ganz zuletzt Shvetavaraha. Danach folgt das zweisilbige „kalpa“. Höre nun weitere Namen.

Kali-Gestalten in den Kalpas

Vers 1529
jvālādau ghoranādograu vetālastadanantaram‌ |
saṃhāraraudrau tadanu kṛtānto bhīma eva ca ||1529||

Zuerst Jvala, Ghoranada, Ugra, danach Vetala, dann Samhara, Raudra, Kritanta und Bhima …

Anmerkung: Beginn der wechselnden Kali-Namensglieder, deren Anschluss1535erläutert.

Vers 1530
caṇḍo dhanaṃ ca bhadraśca śmaśānaṃ kāmakalāpi ca |
siddhidakṣiṇaghorāśca santrāsaḥ preta eva ca ||1530||

… Chanda, Dhana, Bhadra, Shmashana, Kamakala, Siddhi, Dakshina, Ghora, Santrasa und Preta …

Anmerkung: Quelle enthält verschiedene grammatische Geschlechter; Namen als Bausteine bewahrt.

Vers 1531
pralayaśca vibhūtiśca jayo bhogastataḥ param‌ |
kalpāntamanthānasaṃjñau durjayaḥ kālavajrayuk‌ ||1531||

… Pralaya, Vibhuti, Jaya, danach Bhoga, die Kalpanta und Manthana genannten, Durjaya und Kalavajra …

Anmerkung: Quellenfußnote nennt japa statt jaya als Variante; nicht in Hauptfassung gemischt.

Vers 1532
vidyāśaktiviśvarūpo māyā caiva mahākulam‌ |
nādo muṇḍaṃ tathā dhūmānandatigmāstataḥ param‌ ||1532||

… Vidya, Shakti, Vishvarupa, Maya, Mahakula, Nada, Munda, danach Dhuma, Ananda und Tigma …

Vers 1533
mahārātriśca saṅgrāmaśavanagnā ito'pyanu |
rudhiraṃ cāpi kaṅkālaṃ pheruḥ pūrvaṃ bhayaṅkaraḥ ||1533||

… Maharatri, Samgrama, Shava, Nagna, dann Rudhira, Kankala, Pheru und Bhayankara …

Anmerkung: Pheru nach vorläufigem Quelllaut; keine sichere Normalform ergänzt.

Vers 1524 (Position 1534)
vikaṭaśca karālaśca vikarājastato mataḥ |
ghoraghorataraḥ śeṣo guhya ityabhidhīyate ||1524||

… Vikata, Karala, danach Vikaraja, Ghoraghoratara und zuletzt Guhya.

Anmerkung: Quelle zeigt1524 an Position 1534. Vikaraja vorläufig; ghoraghoratara als Quellkompositum, keine künstliche weitere Listenaufteilung.

Vers 1535
dvipadyā racitaḥ śabdaḥ kālīmūrtiriti smṛtaḥ |
yāni bhinnānyadaḥśeṣe nāmāni […] tāni hi ||1535||

Das aus zwei Wörtern gebildete Glied heißt „kalimurti“, Kali-Gestalt. Die verschiedenen Namen, die danach folgen, [höre nun …].

Anmerkung: Fragment: Sprechverb beschädigt; Quellziffer beschädigt, nach Reihenfolge zugeordnet.

Die Siddha-Namen

Vers 1536
dharmo jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryamamṛtaṃ tathā |
vivekapūrṇau ca kriyā pracaṇḍo bhairavo'pi ca ||1536||

Dharma, Jnana, Vairagya, Aishvarya, Amrita, Viveka, Purna, Kriya, Prachanda und Bhairava …

Anmerkung: Beginn der Namensglieder der Siddhas, ergänzt durch1537–1542.

Vers 1537
krodhaḥ paramatattvaṃ ca kaivalyaṃ vijayādimam‌ |
khecaraścāpi nirvāṇaṃ mokṣaḥ siddhiśca bhūkaro'pi ca ||1537||

… Krodha, Paramatattva, Kaivalya, Vijaya, Khechara, Nirvana, Moksha, Siddhi und Bhukara …

Anmerkung: Vijayādimam grammatisch knapp; Bhukara in Quelle mit Fragezeichen. Keine Gleichsetzung mit dem folgenden Bhuchara.

Vers 1538
bhūcaraścāpi pātālaṃ sundaro mohano'pi ca |
nirañjanāruṇau cāpi bhāskaraḥ pañcaviṃśakaḥ ||1538||

… Bhuchara, Patala, Sundara, Mohana, Niranjana, Aruna und als fünfundzwanzigster Bhaskara …

Vers 1539
jaganmitrapratāpau ca pauruṣaḥ kamalāpi ca |
pramodavikramau harṣa ugraścāpi vicitrayuk‌ ||1539||

… Jaganmitra, Pratapa, Paurusha, Kamala, Pramoda, Vikrama, Harsha, Ugra und Vichitra …

Vers 1540
udayotsāhakaruṇābhīmabhāvāstataḥ param‌ |
paramāvyayayogāśca tataḥ śabdo prameyayuk‌ ||1540||

… danach Udaya, Utsaha, Karuna, Bhima, Bhava, Parama, Avyaya, Yoga sowie Shabda und Prameya …

Anmerkung: Shabda kann hier auch „das Wort“ als Listenanweisung sein; Einordnung als Namensglied vorläufig.

Vers 1541
maṅgaleśvarakapilamādhavaraudrā dayāpi ca |
[…] prasannaśca padaṃ pañcapadīyutam‌ ||1541||

… Mangaleshvara, Kapila, Madhava, Raudra, Daya, […] und Prasanna. [Es folgt] ein aus fünf Wörtern bestehendes Glied …

Anmerkung: Fragment: Name vor Prasanna unlesbar; Mangaleshvara nach maṅgaleśvara.

Vers 1542
ānando nātha ityevaṃ siddhaḥ siddhividhāyinī |
ebhiḥ samasitairekaṃ padaṃ pūrvairapi ca ||1542||

… „ananda“, „natha“, „siddha“ und „siddhividhayini“. Daraus wird zusammen mit dem Vorangehenden ein einziges Wort gebildet.

Anmerkung: Siddhividhayini kann im angekündigten Fünfwortbau als siddhi+vidhāyinī aufgelöst werden: „die dem jeweiligen … Anandanatha-Siddha Siddhi gewährt“. Keine weitere Namensendung erfunden.

Weitere Göttinnennamen

Vers 1543
atha nāmāni bhinnāni kathayāmyasya paścime |
mahārātriḥ kālarātrirvirūpā ca kapālinī ||1543||

Nun nenne ich die verschiedenen darauf folgenden Namen: Maharatri, Kalaratri, Virupa und Kapalini …

Vers 1544
mahotsavā […] tato dordaṇḍakhaṇḍinī |
vajriṇī śūlinī caiva vimalā ca mahodarī ||1544||

… Mahotsava, […], danach Dordandakhandini, Vajrini, Shulini, Vimala und Mahodari …

Anmerkung: Fragment: Name nach Mahotsava beschädigt; Vajrini vorläufig aus beschädigtem vatrini.

Vers 1545
kurukullā kaumudī ca kaulinī kālasundarī |
balākinī pheravī ca ḍamarukā ghaṭodarī ||1545||

… Kurukulla, Kaumudi, Kaulini, Kalasundari, Balakini, Pheravi, Damaruka und Ghatodari …

Anmerkung: Pheravi ist die vorläufige Quellform, nicht still zu Bhairavi normalisiert.

Vers 1546
bhīmadaṃṣṭrā cāpi bhagamālinī menayā saha |
tārāvatī bhānumatī ekānaṅgā tathaiva ca ||1546||

… Bhimadamshtra, Bhagamalini, Mena, Taravati, Bhanumati und Ekananga …

Anmerkung: Ekananga nach Quelllaut; keine sichere Ersetzung durch Ekanamsha.

Vers 1547
kekarākṣī saṃhāriṇī aindrākṣī ca prabhañjanā |
bhrāmarī ca pracaṇḍākṣī tathaivāparājitā ||1547||

… Kekarakshi, Samharini, Aindrakshi, Prabhanjana, Bhramari, Prachandakshi und Aparajita …

Vers 1548
vidyutkeśī mahāmārī śoṣiṇī vajranakhyapi |
śucī tuṇḍī jambhakā ca tīvrā prasvāpanī […] ||1548||

… Vidyutkeshi, Mahamari, Shoshini, Vajranakhi, Shuchi, Tundi, Jambhaka, Tivra und Prasvapani […] …

Anmerkung: Fragment: Schlusswort unlesbar; Shuchi/Tundi nach gedruckter Worttrennung vorläufig, nicht zu einer gesicherten neuen Namenseinheit verschmolzen.

Vers 1549
jvālikī caṇḍaghaṇṭā ca lambodaryarimardinī |
ekadantolkāmukhī ca śūrpajihvā ca ghoṇakī ||1549||

… Jvaliki, Chandaghanta, Lambodari, Arimardini, Ekadanta, Ulkamukhi, Shurpajihva und Ghonaki …

Anmerkung: Ekadanta/Ulkamukhi als zwei Glieder nach Wortanschluss vorläufig.

Vers 1550
pūtanā vegamālā ca guhyakālī ca śeṣagā |
dvyarṇapadaṃ hi ṅībantaṃ nāmnīti paripaṭhyate ||1550||

… Putana, Vegamala und zuletzt Guhyakali. Das zweisilbige Wort mit weiblicher Endung lautet „namni“, „die so Genannte“.

Schlussanreden und Ramas Mantra

Vers 1551
pūrvaṃ pañcapadārabdhaṃ yattat‌ samprati kathyate |
bhairavīti bhavedādyaṃ cāmuṇḍeti dvitīyakam‌ ||1551||

Was zuvor als aus fünf Wörtern gebildet bezeichnet wurde, wird nun genannt: Das erste Wort ist „bhairavi“, das zweite „chamunda“ …

Vers 1552
śataṃ tṛtīyaṃ koṭiśca turyaṃ parivṛtā tataḥ |
śmaśānanilayāsyānu mahāśabdād‌ digambarā ||1552||

… das dritte „shata“, das vierte „koti“, danach „parivrita“ — „von hundert Kotis Bhairavis und Chamundas umgeben“. Anschließend „shmashananilaya“, „die auf dem Verbrennungsplatz wohnt“, und nach „maha“ „digambara“, „die große Himmelbekleidete“ …

Anmerkung: Hundert Kotis entsprechen einer Milliarde; Quelle gebraucht mythische Größe, nicht historische Personenzahl.

Vers 1553
tato bhagavatītyevaṃ guhyakālī tataḥ param‌ |
rāmopāsyastataḥ saptadaśavarṇātmako manuḥ ||1553||

… dann „bhagavati“ und anschließend „guhyakali“. Danach folgt der von Rama verehrte Mantra aus siebzehn Silben.

Anmerkung: Mantra nur bezeichnet, kein ausgeschriebener Wortlaut an dieser Stelle.

Vers 1554
amāśaktī ca dhanadā kulastrīyoginīruṣaḥ |
vadhūśca śākinīstisro manthanyaḥ phaṭtrayaṃ tataḥ ||1554||

Ama, Shakti, Dhanada, Kulastri, Yogini, Rush, Vadhu und Shakini; dann drei Manthanis und dreimal phat …

Anmerkung: Acht genannte Bijas plus drei Manthanis können die zuvor verlangten elf bilden; keine Silben ergänzt. Schreibform Manthani/Manthani mit anderem Vokal nach Quelle unsicher.

Vers 1555
namaḥ svāhā svaśeṣaṃ viśeṣoddhṛtirīdṛśī |
[…] nigaditā brahmaṇo divasā ime ||1555||

… namah und svaha ganz zuletzt. So lautet die besondere Erschließung. […] Diese wurden als Tage Brahmas bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: Anfang der zweiten Halbzeile beschädigt; Bezug auf Kalpas im folgenden Vers klar. Namah bedeutet Verehrung; svaha Opferruf ohne erfundene wörtliche Bedeutung.

Die Siddhas waren Menschen

Vers 1556
śvetavārāhakalpe'smin‌ pravṛtte brahmaṇo dine |
guhyakālī yathā mukhyā kālīṣu nikhilāsu hi ||1556||

Wie in diesem Shvetavaraha-Kalpa, dem gegenwärtigen Tag Brahmas, Guhyakali unter allen Kalis die Vorrangige ist …

Anmerkung: Mythische Gegenwart der Quelle, keine weltgeschichtliche Datierung.

Vers 1557
teṣu teṣu tu kalpeṣu sā sā kālī varānane |
prasiddhimagamaddevi mantradhyānārcanakramaiḥ ||1557||

… so erlangte in den jeweiligen Kalpas die betreffende Kali Bekanntheit durch Mantra, Meditation und die Ordnung ihrer Verehrung, Göttin mit dem schönen Antlitz.

Vers 1550 (Position 1558)
ya ime kathitā devi siddhā nyāsāntare tathā |
āsan‌ manuṣyā evaite prākṛtā iva sāmpratam‌ ||1550||

Jene Siddhas, die im Nyasa genannt wurden, Göttin, waren Menschen wie die gewöhnlichen Menschen heute …

Anmerkung: Quelle zeigt1550 an Position 1558.

Vers 1559
janmamṛtyusadharmāṇo rogaśokasamākulāḥ |
kecid‌ viprāḥ ke'pi bhūpā vaiśyāḥ kecana pārvati ||1559||

… Geburt und Tod unterworfen, von Krankheit und Kummer bedrängt. Einige waren Brahmanen, andere Könige, einige Vaishyas, Parvati …

Vers 1560
keciccāvarajā varṇāścāturāśramyaśālinaḥ |
kālīmārādhayāmāsustāṃ tāṃ tattanmanūccarāḥ ||1560||

… andere gehörten nachgeordneten Varnas an; sie lebten in den vier Ashramas. Sie verehrten die jeweilige Kali, indem sie deren jeweilige Mantras rezitierten.

Anmerkung: Historische hierarchische Varna-Sprache bewahrt. Die Quelle nennt die nachgeordneten Gruppen nicht einzeln; keine Kastenliste ergänzt.

Vers 1561
mānavaughāstu sañjātā divyaughāstatprasādataḥ |
kālī teṣāṃ prasannābhūdārādhanajapārcanaiḥ ||1561||

Die menschlichen Überlieferungsströme wurden durch ihre Gnade zu göttlichen Überlieferungsströmen. Kali wurde durch ihre Hingabe, Rezitation und Verehrung erfreut.

Anmerkung: Mānavaugha/divyaugha: hier rituelle Überlieferungsgruppen; nicht gewöhnliche biologische Umwandlung behauptet.

Vers 1562
abhidhānaṃ tattadeṣāṃ nirākṛtya maheśvarī |
yuyoja svecchayā nāmātha dvitricaturakṣaraiḥ ||1562||

Maheshvari hob ihre bisherigen Namen auf und gab ihnen nach ihrem Willen einen Namen aus zwei, drei oder vier Silben …

Vers 1563
ānandanātha ityante prasiddhyamupapāditam‌ |
siddhā bhūtvā te'pi devi svasvotkarṣavivṛddhaye ||1563||

… mit „Anandanatha“ am Ende; so wurde ihre neue Benennung bekannt. Als sie Siddhas geworden waren, wollten auch sie, Göttin, ihre eigene Vorrangstellung vergrößern …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, Folge1563; Entwicklung der Namensform als historische Textaussage.

Vers 1564
saṅgopya tattannāmāsyāścakruranyaṃ nijecchayā |
mantrān‌ prakaṭayāmāsurye tantre bhairave sthitāḥ ||1564||

… verbargen die jeweiligen Namen der Göttin, schufen nach eigenem Willen andere und machten die Mantras bekannt, die im Bhairava-Tantra stehen.

Anmerkung: Pronominalverbindung nāmāsyāḥ aus beschädigtem nāmāṃsāṃ vorläufig; Bezug auf Kalis Namen im folgenden Verlauf1566klar, nicht als sichere Konjektur verborgen.

Vers 1565
śvetavārāhakalpādau guhyakālī yadā svakam‌ |
rūpaṃ prakaṭayāmāsa mahābhīṣaṇamulbaṇam‌ ||1565||

Als Guhyakali zu Beginn des Shvetavaraha-Kalpa ihre eigene, überaus furchtbare und gewaltige Gestalt offenbarte …

Vers 1566
tadā luptatarā jātāstāḥ kālyo mantravigrahaiḥ |
mūrtīrantarhitā dṛṣṭvā tāḥ svīyā jagadambikā ||1566||

… verschwanden jene Kali-Gestalten mitsamt ihren Mantragestalten immer mehr. Als die Weltmutter sah, dass diese ihre eigenen Gestalten verborgen worden waren …

Anmerkung: Fortsetzung der Erzählung im folgenden Vers, kein Kapitelabschluss.

Kali bittet um Bewahrung ihrer Gestalten

Vers 1567
duḥkhitevābravīt‌ kiñcit‌ tripuraghnamidaṃ vacaḥ |
prāṇanātha purārāte prāktanyo mama mūrtayaḥ ||1567||

… sprach sie gleichsam betrübt zu Tripuras Vernichter: „Herr meines Lebens, Feind der Festungen! Meine früheren Gestalten …

Vers 1568
jvālākālīprabhṛtayaḥ pūrvamārādhitā hi yāḥ |
dharmānandaprabhṛtibhiramīṣāṃ varadāśca yāḥ ||1568||

… Jvalakali und die übrigen, die einst von Dharmananda und den anderen verehrt wurden und ihnen Segensgaben gewährten …

Vers 1569
anupāsakatādoṣādantardhānamupāgatāḥ |
svaiḥ svairmantrairvigrahaiśca sahitā nāmabhistathā ||1569||

… sind verschwunden, weil ihnen Verehrer fehlten, mitsamt ihren jeweiligen Mantras, Gestalten und Namen.

Vers 1570
svamūrtilopaduḥkhena duḥkhitāṃ māṃ samuddhara |
teṣāṃ teṣāṃ hi kalpānāṃ nāmabhiḥ paribṛṃhitaḥ ||1570||

Errette mich, die ich unter dem Verschwinden meiner Gestalten leide! Durch die Namen der jeweiligen Kalpas erweitert …

Vers 1571
tāsāṃ tāsāṃ ca kālīnāṃ siddhānāmapi he vibho |
abhidhānaistathā siddhavihitairanvitastathā ||1571||

… und mit den Namen der jeweiligen Kalis und Siddhas, Allgegenwärtiger, sowie mit den von den Siddhas gegebenen Benennungen versehen …

Vers 1572
nyāsaḥ ko'pi nibaddhavyo yena nāsāṃ vilopanam‌ |
kalpasiddhanyāsa iti prasiddhiṃ ca kariṣyasi ||1572||

… soll ein Nyasa zusammengestellt werden, durch den sie nicht verschwinden. Du wirst ihn unter dem Namen Kalpa-Siddha-Nyasa bekannt machen.“

Anmerkung: Ko'pi statt OCR kare'pi nach Satzbau vorläufig.

Vers 1573
itthaṃ vijñāpitaḥ kālyā devadevo maheśvaraḥ |
sarvaṃ babandha nyāse'smin‌ devī tena tutoṣa ca ||1573||

So von Kali gebeten, fasste Maheshvara, der Gott der Götter, alles in diesem Nyasa zusammen. Dadurch wurde die Göttin erfreut.

Vers 1574
ye kariṣyantyamuṃ nyāsaṃ devīduḥkhāpahārakam‌ |
teṣāṃ […] guhyakālī kariṣyati ||1574||

Wer diesen Nyasa vollzieht, der das Leid der Göttin beseitigt, für den wird Guhyakali […] tun.

Anmerkung: Fragment: Verheißener Gegenstand unlesbar; kein Segen oder Leidenstilgen hinzuerfunden.

Mantraüberlieferung und Abschluss des Kalpa-Siddha

Vers 1575
[…] visandhitāsminniti mṛtyuñjayo'bravīt‌ |
nyāsasthānaṃ ca sarvatra mātṛkāvadudīritam‌ ||1575||

Mrityunjaya sagte: „In diesem [Nyasa gilt …] keine Lautverschmelzung.“ Die Stellen des Nyasa werden überall wie beim Matrika-Nyasa angegeben.

Anmerkung: Fragment: Geltungsbestimmung am Anfang beschädigt; nicht zu einer ausnahmslosen Sandhi-Regel erweitert.

Vers 1576
ata eva hi kālīnāṃ tāsāṃ mantrān‌ maheśvaraḥ |
mṛtyuñjayaprāṇamadhye bījamālāmaye'pi ca ||1576||

Eben deshalb fügte Maheshvara die Mantras jener Kalis in den Mrityunjayaprana und auch in den Bijamalamaya ein …

Anmerkung: Zwei ausdrücklich getrennte große Mantra-Zusammenhänge; keine Vermischung ihrer Fassungen.

Vers 1577
babandha bhagavān‌ rudraḥ kālīnāṃ vividhān‌ manūn‌ |
saṃhitāyāṃ ca […] babandhurbhairavāstathā ||1577||

… der erhabene Rudra vereinte darin die verschiedenen Kali-Mantras. Ebenso fassten die Bhairavas sie in der […] Samhita zusammen.

Anmerkung: Fragment: Samhita-Name beschädigt; nicht automatisch Bhairavi ergänzt.

Vers 1478 (Position 1578)
khyātimagamat‌ kālī nāmabhiḥ siddhakalpitaiḥ |
taistairnāmabhiranye ca vikhyātiṃ manavo'gaman‌ ||1478||

Kali wurde durch die von Siddhas gebildeten Namen bekannt, und unter den jeweiligen Namen erlangten auch andere Mantras Bekanntheit.

Anmerkung: Quelle zeigt1478 an Position 1578.

Vers 1579
kapālaḍāmare proktā mantrāste tripurāriṇā |
kalpasiddhanyāsa iti tenāyaṃ prathitaḥ priye ||1579||

Diese Mantras wurden vom Feind Tripuras im Kapala-Damara gelehrt. Daher ist dieser als Kalpa-Siddha-Nyasa bekannt, Geliebte.

Anmerkung: Werkbezug als Aussage der vorhandenen Quelle, nicht anhand einer externen Edition bestätigt.

Vers 1580
mahāsiddhividhātedṛṅnānyo nyāso bhaviṣyati |
etasya mahimānaṃ dvau jānataḥ kālikāśivau ||1580||

Kein anderer Nyasa wird in gleicher Weise große Siddhi gewähren. Seine Größe kennen zwei: Kalika und Shiva.

Vers 1581
jānāmyahaṃ tvatprasādānnānye vijñātumīśate |
ityeṣa kathito nyāso mahāṣoḍhāhvayastava ||1581||

Durch deine Gnade kenne auch ich ihn; andere vermögen ihn nicht zu erkennen. Damit habe ich dir den Mahashodha genannten Nyasa gelehrt.

Anmerkung: Mahakala als Sprecher des übergeordneten Lehrgesprächs, nicht still zu Shiva umbenannt.

Nirvana und die abschließenden Gaben

Vers 1582
tattalliṅgādiyuk‌ cāyamanyatrānyaiśca saṃyutaḥ |
mahopapadatāmeti dvaividhyaṃ tena […] ||1582||

Mit den jeweiligen Lingas und weiteren Gliedern verbunden, andernorts mit anderen, erhält er die zusätzliche Bezeichnung „maha“. Dadurch [entsteht] seine Zweifachheit […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt; knappe Abgrenzung der Fassungen nicht zu einem vollständigen neuen Schema ausgearbeitet.

Vers 1583
akāmataḥ kṛtaścāyaṃ nirvāṇākhyaṃ prapadyate |
samāpya sakalaṃ nyāsaṃ baliṃ devyai nivedayet‌ ||1583||

Wird er ohne Begehren nach einem Ergebnis vollzogen, erhält er die Bezeichnung Nirvana. Nach Vollendung des gesamten Nyasa bringe man der Göttin eine Bali-Gabe dar.

Vers 1584
naivedyaṃ śaktaye cāpi siddhyākāṅkṣyubhayaṃ caret‌ |
pāratrikaṃ cehamānaḥ pūrvamācarate priye ||1584||

Auch der Shakti bringe man eine Speisegabe. Wer Siddhi erstrebt, vollziehe beides; wer nach dem Jenseitigen verlangt, vollzieht das zuerst Genannte, Geliebte.

Anmerkung: Beides bezieht sich im unmittelbaren Anschluss auf Bali für die Göttin und Gabe für Shakti; keine Gleichsetzung mit zwei Nyasa-Fassungen.

Vers 1485 (Position 1585)
balidānamanuṃ vakṣye sampratyuddhṛtipūrvakam‌ |
uccārya yaṃ baliṃ dadyānnyāsānantaramīśvari ||1485||

Nun lehre ich den Bali-Mantra mit seiner Erschließung. Nach dem Nyasa spreche man ihn aus und bringe die Bali-Gabe dar, Herrin.

Anmerkung: Quelle zeigt1485 an Position 1585.

Der große Bali-Mantra

Vers 1586
praṇavo vāgbhavapāśāṅkuśānyetāni vai punaḥ |
ekapañcāśadityevaṃ mantre'muṣmin‌ padaṃ priye ||1586||

Pranava, Vagbhava, Pasha und Ankusha; dann steht in diesem Mantra das Wort „ekapanchashat“, einundfünfzig, Geliebte.

Vers 1587
vārān‌ dvādaśa saṅkīrtya svasvopapadabṛṃhitam‌ |
satatatayā vācyamādau tīrthamupanyaset‌ ||1587||

Man spreche es zwölfmal, jeweils mit seinem zugehörigen Wort erweitert, in fortlaufender Folge. Zuerst setze man „tirtha“, heiliger Ort, ein.

Anmerkung: Vārān statt beschädigtem dārān durch „zwölfmal“ vorläufig; keine fehlenden Kategorien erfunden, auch wenn Folgeliste knapp bleibt.

Vers 1988 (Position 1588)
kamalā bhauvaneśī ca roṣaḥ prāsāda eva ca |
paurastyaṃ padamuccārya śivaliṅgaṃ ca pūrvavat‌ ||1988||

Kamala, Bhauvaneshi, Rosha und Prasada. Nach dem vorangehenden Wort spreche man wie zuvor „shivalinga“.

Anmerkung: Quelle zeigt1988 an Position 1588.

Vers 1589
pretaḥ kālī khecarī dik‌ śailaśca prāktanāt‌ padāt‌ |
śucī ca vaiśvadevaśca tāpinī […] ||1589||

Preta, Kali, Khechari, Dik; nach dem vorangehenden Wort „shaila“, Berg. Dann Shuchi, Vaishvadeva und Tapini […] …

Anmerkung: Fragment: Letztes Glied oder Verbindungswort beschädigt.

Vers 1560 (Position 1590)
prāguktapadataścāpi […] sandhiyuk‌ |
kalpo muktā mahā caiva nṛsiṃhastadanantaram‌ ||1560||

… nach dem zuvor genannten Wort […] mit Lautverbindung. Kalpa, Mukta, Maha und danach Narasimha …

Anmerkung: Fragment: Eingesetzter Kategoriename der ersten Halbzeile unlesbar; nicht aus dem Nyasa-Schema ergänzt. Quelle zeigt1560 an Position 1590.

Vers 1561 (Position 1591)
prācīnāt‌ padataḥ sandhiyuto nadyapi kīrtayet‌ |
kāmo muñjavalārṇo hi dvādaśyā mātrayānvitam‌ ||1561||

Nach dem vorangehenden Wort spreche man mit Lautverbindung auch „nadi“, Fluss. [Dann folgen] Kama und der Laut Munjavala, mit dem zwölften Vokalzeichen verbunden.

Anmerkung: Seltenes Deckwort muñjavala beschädigt und vorläufig; keine Lautform daraus rekonstruiert. Quelle zeigt1561 an Position 1591.

Vers 1592
āturaṃ cāpi nirvāṇaṃ pūrvasmāt‌ padatastathā |
sandhiyukta ṛṣiścāpi vadhūrvājigalo'pi ca ||1592||

Atura und Nirvana; nach dem vorangehenden Wort, durch Lautverbindung angeschlossen, „rishi“. Dann Vadhu und Vajigala …

Anmerkung: Decknamen Atura und Vajigala vorläufig.

Vers 1563 (Position 1593)
dānavaḥ sthapatiścāpi prāguktāt‌ padato'pi ca |
astraṃ ca yoginī paścāt‌ samādhiścādhvanā saha ||1563||

… Danava und Sthapati; nach dem zuvor genannten Wort „astra“. Danach Yogini, Samadhi und Adhvan …

Anmerkung: Quelle zeigt1563 an Position 1593.

Vers 1594
prāktanādeva padato bhairavaḥ samudāhṛtaḥ |
rāvaḥ sānuḥ ketunitye pūrvaśabdādapi priye ||1594||

… nach dem früheren Wort wird „bhairava“ genannt. Rava, Sanu, Ketu und Nitya; nach dem vorangehenden Wort, Geliebte …

Vers 1565 (Position 1595)
yajñaśca mānasaṃ […] mekhalā ca vibhūtiyuk‌ |
prāguktapadato rājā bhāruṇḍā yoginī tathā ||1565||

… „yajna“. Dann Manasa, […], Mekhala und Vibhuti; nach dem zuvor genannten Wort „raja“. Bharunda und Yogini …

Anmerkung: Fragment: Lautglied nach Manasa beschädigt; Quelle zeigt1565 an Position 1595.

Vers 1596
lajjāratī pūrvapadāt‌ kalpaḥ parinigadyate |
ḍākinyanu syāt‌ prāsādo'mṛtaṃ śaktistathaiva ca ||1596||

… Lajja und Rati; nach dem vorangehenden Wort wird „kalpa“ genannt. Nach Dakini folgen Prasada, Amrita und Shakti …

Anreden und Schluss der Göttinnen-Bali

Vers 1567 (Position 1597)
pūrvasmādeva padataḥ siddha ityapi kīrtitaḥ |
tatastāro bhauvaneśī yoginīroṣayoṣitaḥ ||1567||

… nach dem früheren Wort wird „siddha“ genannt. Dann Tara, Bhauvaneshi, Yogini, Rosha und Yoshit …

Anmerkung: Quelle zeigt1567 an Position 1597.

Vers 1565 (Position 1598)
śākinī ḍākinī caiva phetkārī tadanantaram‌ |
bhāsākūṭāt‌ […] bhagavatyanu kīrtyate ||1565||

… Shakini, Dakini und danach Phetkari. Nach Bhasa-Kuta […] wird „bhagavati“, Erhabene, gesprochen …

Anmerkung: Fragment: Zwischenglied nach Bhasa-Kuta beschädigt. Quelle zeigt1565 an Position 1598.

Vers 1599
guhyakāli samābhāṣya tato'rṇaṃ nāṅkuraṃ vadet‌ |
yoginī ḍākinī caiva śākinī bhairavī tathā ||1599||

… und „guhyakali“. Dann spreche man den Laut Nankura. [Es folgen die Namen] Yogini, Dakini, Shakini und Bhairavi …

Anmerkung: Nāṅkura als beschädigter Lautdeckname vorläufig; nicht in eine vermeintlich sichere Bija-Silbe entschlüsselt.

Vers 1600
cāmuṇḍādisvaśaktyuktvā tataḥ parivṛte vadet‌ |
kāmale mānmathaṃ meghaṃ prāsādaṃ kālikāhvayam‌ ||1600||

… danach „chamundadi-svashakti“ und „parivrite“ — „von deinen Shaktis, Yogini, Dakini, Shakini, Bhairavi, Chamunda und weiteren umgeben“. [Dann] Kamala, Manmatha, Megha, Prasada und das Kalika genannte …

Anmerkung: Megha wie Quelle, nicht Medha; erste Gruppe Göttinnenanreden, zweite Bija-Decknamen.

Vers 1601
bījaṃ sadāśivapretādhirūḍhe parametyapi |
tataḥ śive sāmarasyarasapramudite smaret‌ ||1601||

… Bija. [Dann die Anreden:] „Sadashivapretadhirudhe“ — „du auf dem Leichnam Sadashivas Thronende“; „Paramashive“ — „höchste Shiva“; „Samarasyarasapramudite“ — „du im Geschmack des Einsseins Erfreute“ …

Anmerkung: Zusammenhängende Anreden aus der Wortbildungsanweisung; keine Umdeutung des Leichnams in bloß ein Sitzkissen.

Vers 1602
śmaśānanilaye procya naramuṇḍapadādatha |
mālāracitahāre […] imaṃ baliṃ tataḥ ||1602||

… „Shmashananilaye“ — „du auf dem Verbrennungsplatz Wohnende“; nach „naramunda“ folgt „malarachitahare“ — „du mit einer Halskette aus Menschenschädeln Geschmückte“. […] Danach „imam balim“, diese Bali-Gabe …

Anmerkung: Fragment: Lautverbindungsanweisung vor imam balim beschädigt; keine sichere Sandhi-Regel ergänzt.

Vers 1603
[…] bhakṣa ca […] |
mama śatrūnathotkīrtya hanayugmaṃ mathadvayam‌ ||1603||

… „verzehre“ […]! Dann spreche man „mama shatrun“, meine Feinde, und zweimal „hana“, schlage/töte, sowie zweimal „matha“, zermalme.

Anmerkung: Fragment: Weitere Annahme- und Essverben der ersten Halbzeile unlesbar; nicht aus anderen Bali-Formeln ergänzt.

Vers 1604
khādadvayaṃ trapākūrcau vadhū rāvaśca yoginī |
satvare yugalaṃ cāpi vyutkramād‌ […] punaḥ ||1604||

Zweimal „khada“, friss! Dann Trapa, Kurcha, Vadhu, Rava und Yogini. Zweimal „satvare“, Eilige, und nochmals in umgekehrter Reihenfolge […] …

Anmerkung: Fragment: Gegenstand der Rückwärtsanweisung beschädigt; keine umgekehrte Silbenreihe erfunden.

Vers 1605
ḍākinī pralayaścāpi phetkārī tadanūditā |
astratrayaṃ hṛcchirasī sarvaśeṣe prakīrtite ||1605||

… Dakini, Pralaya und danach Phetkari. Ganz am Schluss werden dreimal Astra, Herz und Kopf genannt.

Vers 1606
nyāsānte balidānāya kathito'yaṃ mahāmanuḥ |
baliṃ dadadanenaiva śivāyai manunā priye ||1606||

Dieser große Mantra wurde für die Bali-Gabe am Ende des Nyasa gelehrt. Wer mit eben diesem Mantra Shiva [der Göttin] die Gabe darbringt, Geliebte …

Unterschiedliche Vollzugstraditionen

Vers 1607
saphalaṃ kurute nyāsamasampūrṇaṃ tathādadat‌ |
ādyaṃ nyāsaṃ mātṛkāḍhyaṃ bravīti tripuradviṣaḥ ||1607||

… macht den Nyasa fruchtbringend; wer die Gabe nicht darbringt, lässt ihn unvollständig. Der Feind Tripuras lehrt den ersten Nyasa als mit Matrika verbunden.

Anmerkung: Zweiter Satz beginnt Vergleich von Vollzugstraditionen, nicht neuer erster Nyasa im Kapitel.

Vers 1608
kāpālikāstu pañcānyāṃstadāḍhyān‌ bruvate tathā |
tatsthānaṃ śeṣahṛcchīrṣacaramaṃ varṇayanti te ||1608||

Die Kapalikas bezeichnen auch die fünf anderen als damit verbunden. Sie beschreiben dessen Stelle am Ende, nach dem abschließenden Herz- und Kopfglied.

Anmerkung: Matrika als Bezug von tad nach 1607; knappe Endstellenanweisung nicht zu Körperanatomie umgedeutet.

Vers 1606 (Position 1609)
sarvādāvapi mauleyā na kutrāpīti niḥpaṭhāḥ |
bhāṇḍikerāstathā sarve manmatasyānusāriṇaḥ ||1606||

Die Mauleyas setzen es ganz an den Anfang; die Nihpathas [sagen:] „nirgends“. Ebenso [verfahren] die Bhandikeras und alle, die meiner Lehre folgen.

Anmerkung: Quelle zeigt1606 an Position 1609. Bezug von tathā wahrscheinlich auf die letztgenannte Weglassung, aber gedrängte Syntax nicht als sichere allgemeine Regel ausgegeben.

Vers 1610
sthānāni ṣaṇṇāṃ nyāsānāṃ mātṛkānyāsavat‌ priye |
matametaddhi sarveṣāṃ mama ca tripuradviṣaḥ ||1610||

Die Stellen der sechs Nyasas entsprechen denen des Matrika-Nyasa, Geliebte. Dies ist die Auffassung aller, auch meine und die des Feindes Tripuras.

Vers 1611
sandhyasandhī tu vijñeyau vacanādupadeśataḥ |
paramparāyātarītyā na caturthāt‌ prakārataḥ ||1611||

Lautverschmelzung und ihr Ausbleiben sind aus dem Wortlaut, durch Unterweisung und nach der überlieferten Tradition zu bestimmen — nicht auf eine vierte Weise.

Die Gabe für Shakti

Vers 1612
śaktipradhānapūjākṛt‌ kulamārgarato'khilaḥ |
devībalipradānānte śaktaye balimṛcchati ||1612||

Wer dem Kula-Weg ergeben ist und eine auf Shakti ausgerichtete Verehrung vollzieht, bringt nach der Bali-Gabe für die Göttin auch der Shakti eine Bali-Gabe dar.

Anmerkung: Shakti als besondere Empfängerin von der Göttinnen-Bali unterschieden; Kontext1620 nennt anschließendeVereinigung.

Vers 1613
ko'pi naivedyamapi vā manureko dvayorapi |
tāro medhaṃ trapā kāmaḥ śākinī ḍākinī tathā ||1613||

Manche bringen stattdessen eine Speisegabe dar. Für beides gilt derselbe Mantra: Tara, Medha, Trapa, Kama, Shakini und Dakini …

Anmerkung: Hier Medha nach Quellform, gegenüber Megha1600nichtvereinheitlicht.

Vers 1614
bhāsāpuṣkarasattvākhyakūṭāni tadanantaram‌ |
imaṃ baliṃ […] yugaṃ […] yugaṃ tathā ||1614||

… danach die Bhasa, Pushkara und Sattva genannten Kutas. „Imam balim“, diese Bali-Gabe, dann zweimal […] und zweimal […] …

Anmerkung: Fragment: Beide Annahmeverben beschädigt; nicht aus 1615 oderfrüherenMantrasaufgefüllt.

Vers 1615
bhakṣa bhakṣaya ca […] khādaya cetyapi |
ehyehi śaktirūpe ca bhagavatyasya paścime ||1615||

„Bhaksha, bhakshaya“, verzehre, lass verzehren, […] und „khadaya“, lass essen; „ehy ehi shaktirupe“, komm, komm, du in Shakti-Gestalt, und danach „bhagavati“, Erhabene …

Anmerkung: Fragment: Weiteres Essverb bzw. Wiederholungsangabe beschädigt. Kausative nicht still in identische Imperative verwandelt.

Vers 1616
guhyakāli tataḥ procya svapadaṃ darśaya dvayam‌ |
nijarūpaṃ prakaṭaya dvivāraṃ samudīrayet‌ ||1616||

… dann „guhyakali“. Zweimal „svapadam darshaya“ — „zeige deinen eigenen Zustand“; zweimal „nijarupam prakataya“ — „offenbare deine eigene Gestalt“ …

Anmerkung: Svapada kann eigener Ort/Stand/Zustand heißen; keine zusätzliche anatomische Deutung.

Vers 1617
praviśa dviḥ sāmarasyabhāvamādau hi |
śṛṅkhalākaṇikāhārakuṭilārañjinīghuḍīḥ ||1617||

… zweimal „pravisha“, tritt ein, mit „samarasyabhavam“ davor — „tritt in den Zustand des Einsseins ein“. [Dann] Shrinkhala, Kanika, Hara, Kutila, Ranjini und Ghudi …

Anmerkung: Vers metrisch ungleich überliefert; Ghudi vorläufiger Deckname, keine sichere Silbe rekonstruiert.

Vers 1618
sapadmavyayamāraṇḍābījāni parikīrtayet‌ |
citkalābhogakūṭāni tadanantaramīrayet‌ ||1618||

… dazu die Padma, Vyaya und Maranda genannten Bijas. Danach spreche man die Chit-, Kala- und Bhoga-Kutas …

Anmerkung: Deckname Maranda und erste Kuta-Trennung Chit/Kala vorläufig nach Quelle; keine zusätzlichen Lautgruppen ergänzt.

Vers 1619
saprāsādaparā pretaṃ phaṭtrayaṃ hṛcchiro'ntime |
naivedyaṃ ca baliṃ vāpi dadyuretena śaktaye ||1619||

… mit Prasada, Para und Preta, dreimal phat sowie Herz- und Kopfabschluss. Mit diesem [Mantra] bringe man der Shakti eine Speise- oder Bali-Gabe dar.

Vers 1620
kaulikāḥ kurvate cāpi tadanantaramarhaṇam‌ |
ratiṃ ca vāmamārgīyā na tu śrutyadhvani sthitāḥ ||1620||

Die Kaulikas vollziehen danach weitere Verehrung; die Anhänger des linken Weges auch geschlechtliche Vereinigung, nicht jedoch die auf dem Weg der Shruti Stehenden.

Anmerkung: Rati als erwachsene sexuelle Vereinigung sachlich übersetzt, nicht in Meditation umgedeutet.

Lobpreis und Lehrerbindung

Vers 1621
ṣoḍhānyāso'yamuktaste samuddharaṇapūrvakaḥ |
mahopapadavikhyāto nirvāṇopapadena ca ||1621||

Damit wurde dir dieser Shodha-Nyasa mitsamt seiner Erschließung gelehrt, bekannt mit dem Zusatz „Maha“ und mit dem Zusatz „Nirvana“.

Vers 1622
kiṃ kṛtairbahubhirnyāsairayaṃ nyāsaḥ kṛto na cet‌ |
kṛte'pi nyāsarāje tu kimanyairnyāsavistaraiḥ ||1622||

Was nützen viele vollzogene Nyasas, wenn dieser Nyasa nicht vollzogen wird? Und wenn dieser König der Nyasas vollzogen wurde, wozu dann weitere ausgedehnte Nyasa-Folgen?

Anmerkung: Rhetorische Vorrangbehauptung der Quelle.

Vers 1623
yasya syānmahatī bhaktirguhyakālīmupāsitum‌ |
tenāyaṃ saṅgrahītavyaḥ […] viśeṣataḥ ||1623||

Wer große Hingabe empfindet und Guhyakali verehren möchte, soll gerade diesen [Nyasa] aufnehmen, besonders […] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung vor viśeṣataḥ beschädigt.

Vers 1624
saptakoṭimahāmantrāstava ḍāmarayāmalāt‌ |
uddhṛtya caikataḥ kṛtvedaṃ cāpi tulayā dhṛtam‌ ||1624||

Siebzig Millionen große Mantras wurden aus deinem Damara und Yamala entnommen und zusammen auf eine Waagschale gelegt; dieser [Nyasa] wurde auf die andere gelegt.

Anmerkung: Mythischer Wertvergleich; keine überprüfbare Textumfangsangabe für die genannten Werke.

Vers 1625
satyaṃ satyaṃ punaḥ satyamidaṃ tebhyo'tyaricyata |
tataḥprabhṛti deveśa mayā bhaktipareṇa hi ||1625||

Wahrlich, wahrlich, nochmals wahrlich: Dieser überwog sie. Seitdem habe ich, ganz der Hingabe ergeben, Herr der Götter …

Anmerkung: Männliche Anrede deveśa steht in der Quelle innerhalb des Lehrgesprächs; nicht still zur weiblichen Form korrigiert.

Vers 1626
nyāsaṃ rudrākṣamālāyāṃ vilikhya paramādarāt‌ |
kaṇṭhe saṃsthāpya sā devī dhyāyate niścitātmanā ||1626||

… den Nyasa mit höchster Verehrung auf einer Rudraksha-Kette aufgezeichnet und um den Hals gelegt; mit fest ausgerichtetem Geist meditiere ich über die Göttin.

Anmerkung: Ungewöhnliche Aufzeichnung auf einer Kette als Quellaussage bewahrt; keine technische Herstellungsanleitung erfunden.

Vers 1627
dhārayiṣyanti ye'nye'pi guhyā teṣāṃ varapradā |
nātaḥ parataraḥ ko'pi nyāso […] śucipradaḥ ||1627||

Auch anderen, die ihn tragen, gewährt Guhya Segen. Es gibt keinen höheren, Reinheit spendenden Nyasa […] …

Anmerkung: Fragment: Orts-/Anredebestimmung beschädigt; Quelle erwägt bhuvi, Fußnote bhuvi priye. Keine davon als sicher eingesetzt.

Vers 1628
jagattraye'pi nyāso'nyo nāsti so'tra sureśvari |
yo gacchedasya samatāṃ phalādhikyapradānataḥ ||1628||

… in den drei Welten gibt es keinen anderen Nyasa, Herrin der Götter, der ihm an überragender Frucht gleichkäme.

Vers 1629
śubhe'hani gurorvaktrādupadeśaṃ pragṛhya hi |
yatnāt‌ santoṣya ca guruṃ hemaratnāmbarādibhiḥ ||1629||

An einem günstigen Tag empfange man die Unterweisung aus dem Mund des Guru und stelle ihn sorgfältig mit Gold, Edelsteinen, Gewändern und anderen Gaben zufrieden …

Anmerkung: Historische Guru-Gaben der Quelle, keine Aufforderung der Ausgabe zu Zahlungen.

Vers 1630
caturdaśyāmathāṣṭamyāmārabhetāsya dhāraṇam‌ |
vinopadeśaṃ yo […] tasya […] parāṅmukhī ||1630||

… und beginne am vierzehnten oder achten Mondtag, ihn zu tragen. Wer dies ohne Unterweisung [tut …], von dem wendet sich […] ab.

Anmerkung: Fragment: Verb und Subjekt der Abwendung beschädigt; Göttin naheliegend, aber nicht in den Sanskrittext ergänzt.

Vers 1631
vidhānāddhriyamāṇastu sarvasiddhiṃ prayacchati |
avidhānāddhṛto devi tamevātti na saṃśayaḥ ||1631||

Nach der vorgeschriebenen Ordnung getragen, gewährt er alle Siddhi. Vorschriftswidrig getragen, verzehrt er seinen Träger selbst, Göttin — daran ist kein Zweifel.

Anmerkung: Drohung der historischen Quelle zur Bindung an Unterweisung und Ordnung; keine bestätigte Gefahrenbehauptung der Ausgabe.

Vereinfachte Anlässe und schriftliche Aufzeichnung

Vers 1632
yadi kartuṃ na śaknoti nyāsamenaṃ dine dine |
[…] lakṣyīkṛtya kuryāccaturdaśyaṣṭamīmukham‌ ||1632||

Wenn man diesen Nyasa nicht täglich vollziehen kann, richte man sich nach […] und vollziehe ihn besonders am vierzehnten und achten Mondtag.

Anmerkung: Fragment: Übergeordnete Kalenderbestimmung beschädigt; keine zusätzlichen Festtage ergänzt.

Vers 1633
tatrāpyaśaktaḥ kurvīta śāradīyārhaṇādine |
kartumetadaśakto'pi bhūrjapatre vilikhya hi ||1633||

Wer auch dazu nicht imstande ist, vollziehe ihn an einem Tag der herbstlichen Verehrung. Wer selbst dies nicht ausführen kann, schreibe ihn auf Birkenrinde …

Vers 1634
bhuje badhnīta vā yantrapīṭhavat‌ paripūjayet‌ |
yatraiṣa likhitastiṣṭhennyāso'yaṃ parameśvari ||1634||

… und binde ihn am Arm fest oder verehre ihn wie einen Yantra-Pitha. Wo dieser Nyasa niedergeschrieben vorhanden ist, höchste Herrin …

Anmerkung: Yantra-Pitha: ritueller Sitz bzw. Träger eines Yantra; keine genaue Gegenstandsform ergänzt.

Vers 1635
na tatra mārī durbhikṣaṃ rogaśokau tathā na ca |
na cāpi grahajā pīḍā kāścidapyāpado na ca ||1635||

… dort gibt es weder Seuche noch Hungersnot, weder Krankheit noch Kummer, keine von Grahas verursachte Bedrängnis und keinerlei Unglück …

Anmerkung: Schutzverheißung der Quelle, keine medizinisch oder anderweitig gesicherte Wirkung.

Vers 1636
bhūtapretāveśajanyā naivopadravarāśayaḥ |
trividhotpātaśāntiśca vahnyavagrahanāśanam‌ ||1636||

… auch keine Scharen von Plagen, die aus Besessenheit durch Bhutas und Pretas entstehen. Die dreifachen Unheilszeichen werden besänftigt, Feuer und Dürre beseitigt …

Anmerkung: Avagraha hier wohl Dürre/Regenhemmung; die drei Arten der Unheilszeichen werden nicht einzeln genannt.

Vers 1627 (Position 1637)
ādhikyaṃ maṅgalānāṃ hi tasya gehe prajāyate |
nityamaiśvaryavṛddhiḥ syāt‌ putrāṇāmāyuṣastathā ||1627||

… und in seinem Haus nimmt das Heil zu. Herrschaftsmacht, Söhne und Lebensdauer wachsen beständig.

Anmerkung: Quelle zeigt1627 an Position 1637.

Vers 1638
bhūpatirvaśyatāmeti […] sukhasampadaḥ |
kiṃ kiṃ na sādhayatyeṣa likhitaḥ sthāpito gṛhe ||1638||

Der König gerät unter seinen Einfluss; […] Glück und Wohlstand. Was vermag dieser Nyasa nicht zu bewirken, wenn er niedergeschrieben im Haus aufgestellt ist?

Anmerkung: Fragment: Verb oder Bestimmung vor sukhasaṃpadaḥ beschädigt.

Vers 1629 (Position 1639)
tasmād‌ devi prayatnena […] dine dine |
mahānirvāṇaṣoḍhākhyo nyāsaḥ paramaśobhanaḥ ||1629||

Deshalb, Göttin, [vollziehe] sorgfältig Tag für Tag […] den überaus erhabenen Nyasa namens Mahanirvana-Shodha.

Anmerkung: Fragment: Vollzugsverb beschädigt; Quelle zeigt1629 an Position 1639.

Vers 1640
nyāsānāmeṣa sarveṣāṃ cūḍāmaṇiriti smṛtaḥ |
[…] sureśāni sarvacūḍāmaṇirbhavet‌ ||1640||

Er gilt als Kronjuwel aller Nyasas. […] wird, Herrin der Götter, zum Kronjuwel aller.

Anmerkung: Fragment: Subjekt oder Vollzugsbestimmung der zweiten Halbzeile unlesbar; nicht frei „sein Verehrer“ ergänzt.

Abschließender Lobpreis

Vers 1641
trisatyapūrvaṃ te vacmi nyāso'nyo'sya samo nahi |
iti ṣoḍhātrayaṃ proktaṃ vivicya tava pārvati ||1641||

Mit dreifacher Wahrheitsbeteuerung sage ich dir: Kein anderer Nyasa ist ihm gleich. So habe ich dir die drei Shodha-Formen einzeln erläutert, Parvati …

Vers 1642
uttarottarataḥ śreṣṭhaṃ śambhunā svayamīritam‌ |
mahānirvāṇaṣoḍhāryā […] tvayeritā ||1642||

… jede nachfolgende gilt als vorzüglicher, wie Shambhu selbst gelehrt hat. Die erhabene Mahanirvana-Shodha […] wurde von dir genannt.

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile stark beschädigt; kein vollständiger Vergleich der drei Formen rekonstruiert.

Vers 1643
na tattulye smṛte […] yadyapyanuttame ||1643||

Jene beiden gelten ihr nicht als gleich […], obwohl sie überaus erhaben sind.

Anmerkung: Fragment: Nur eine beschädigte Halbzeile unter eigener Quellziffer erhalten; Dualform bewahrt, Bezug wohl auf die beiden zuvor gelehrten Formen, nicht als sichere Ergänzung ausgegeben.

Vers 1644
pāpatṛṇāraṇiriyaṃ siddhiratnamahākhaniḥ |
bhogecchākalpalatikā duḥkhaśokaughakartanī ||1644||

Sie ist [das Feuerreibholz] für das Gras der Verfehlungen, eine große Mine von Siddhi-Juwelen, eine Wünsche erfüllende Ranke für das Verlangen nach Genuss, die Abschneiderin der Fluten von Leid und Kummer.

Anmerkung: Erstes Kompositum im OCR pāpatṛṇāraṇi; Bild araṇi Feuerreibholz vorläufig, Sanskritlesung beschädigt. Keine eigenmächtige Ersetzung durch Feuer oder Wald als sichere Lesung.

Vers 1645
yadīcchase guhyakālīṃ sammukhīkartumañjasā |
tadā nirvāṇaṣoḍhāṃ tvaṃ kurvīthā bhaktibhāvitā ||1645||

Wenn du Guhyakali unmittelbar vor dir gegenwärtig machen möchtest, dann vollziehe, von Hingabe erfüllt, den Nirvana-Shodha.

Anmerkung: Quelle schwankt bei der Endung von icchase; deutscher Sinn hinreichend klar. Rituelle Verheißung und Aufforderung der Quelle, keine garantierte heutige Erfahrung.

Kolophon
mahākālasaṃhitāyāṃ ṣoḍhānyāsoddhāro nāma navamaḥ paṭalaḥ |

In der Mahakala-Samhita endet das neunte Kapitel mit dem Titel „Erschließung des Shodha-Nyasa“.

Anmerkung: Kolophon der vorliegenden Hauptfassung in c. Nach der Fußnote zu621enden drei Parallelzeugen bereits dort; die Hauptfassung reicht hier bis 1645. Anschließend folgen Anhänge, die gesondert auf zusätzlichen Grundtext zu prüfen sind.

Bilder und Videos zur Vertiefung

Feuerzeremonie bei Yoga Vidya: eine heutige Darstellung gemeinsamer Verehrung.
Shiva und Shakti: eine Darstellung zur Betrachtung des Göttlichen.

Die folgenden Einführungsvorträge erläutern allgemeine Begriffe; sie sind keine Kommentare zu den einzelnen Versen.

Kali – die Schwarze Göttin

Tantra – Wort und Bedeutung

Weiterführende Seminare

Indische Schriften

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Gopi Jana Kretschmer da Conceição
06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar

Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova

Bilder und Videos · Quellen und Literatur · Verwandte Themen

Abschluss

Nach der Fülle von Namen und heiligen Orten darf die Aufmerksamkeit wieder beim eigenen gegenwärtigen Leben ankommen. Als heutige Betrachtung kann die Frage dienen: Wo kann ich mit mehr Ehrfurcht, Ruhe und Verantwortung handeln? Bhakti kann sich auch darin zeigen, dem scheinbar Gewöhnlichen ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Siehe auch

Die folgenden Tantra- und Yogaschriften eröffnen weitere Zugänge zum Studium. Ihre Lehren und Ritualordnungen sind jeweils in ihrem eigenen Zusammenhang zu lesen.

Wegweiser durch die Ausgabe