Mahakala Samhita Guhyakali Khanda Kapitel 13 bis 14

Aus Yogawiki

Mahakala Samhita – Guhyakali-Khanda, Kapitel 13–14: Sanskrit Text und deutsche Übersetzung: Verehrung begleitet im historischen Tantra sowohl die Suche nach Befreiung als auch konkrete menschliche Wünsche. Dieser Werkteil behandelt wunschbezogene, herbstliche und jährliche Ritualordnungen. Er stammt aus dem eigenständigen Quellenband mit den Kapiteln 13–14; die nicht vorhandenen Haupttexte 10–12 werden nicht rekonstruiert. Beide Kapitel sind bis zu ihren Kolophonen im lesbaren Umfang wiedergegeben.

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Kali und Shiva als Bild der Verehrung. Die Darstellung dient der allgemeinen Einordnung und zeigt keine besondere Ritualgestalt dieses Abschnitts.

Anregung zum Studium: Die Kapitel 13–14 verbinden menschliche Anliegen mit Festen, Jahreszeiten und Formen der Verehrung. Sie bieten auch Gebete, die sich innerhalb der langen Ritualfolgen als zusammenhängende Passagen lesen lassen. Hingabe und der Wunsch nach bestimmten Ergebnissen bleiben dabei unterscheidbare Anliegen, deren Verhältnis zum Nachdenken einlädt.

Verwandte Lektüre: Die Göttinnenverehrung lässt sich ergänzend anhand des Devi Mahatmya studieren. Mahanirvana Tantra und Kularnava Tantra führen zu weiteren Zusammenhängen tantrischer Verehrung. Die Hinweise eröffnen einen Vergleich, keine Gleichsetzung der Überlieferungen.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 13

Das Kapitel beginnt mit der wunschbezogenen Verehrung und ihren zeitlichen und materiellen Voraussetzungen. Im weiteren Verlauf behandelt es die herbstliche Verehrung und besondere Anlässe. Die historischen Wirkungsverheißungen, auch zu Macht, Feindschaft und Gesundheit, bleiben im lesbaren Umfang erhalten. Nicht alle in der Einleitung erwartbaren Kapitel sind in den vorhandenen Quellen enthalten; die Zählung setzt hier bei 13 ein.

Sprecherzeile
devyuvāca |

Die Göttin sprach:

Regelmäßige, anlassgebundene und wunschbezogene Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1
nityārcanaṃ śrutaṃ tvattastathā naimittikārcanam‌ |
prabho tanme vadedānīṃ kathaṃ kāmyārcanaṃ bhavet‌ ||1||

Von dir habe ich die regelmäßige Verehrung und die durch einen besonderen Anlass bestimmte Verehrung gehört. Sage mir nun, Herr, wie eine auf Wünsche gerichtete Verehrung vollzogen wird.

Anmerkung: Haupttext der Datei Mahakala Samhita.txt; byteidentische b-Kopie nicht erneut bearbeitet.

Vers 2
nātha kiṃ tannityavat‌ syānnaimittikavadapyatha |
tadviśeṣeṇa me brūhi śuśrūṣā bādhate hi mām‌ ||2||

Herr, gleicht sie der regelmäßigen oder der anlassgebundenen Verehrung? Erkläre es mir genau, denn der Wunsch, davon zu hören, lässt mich nicht ruhen.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Vers 3
kāmyaṃ na nityavad‌ devi naimittikavaducyate |
nityādapyadhikaṃ bhinnaṃ svalpaṃ naimittikādapi ||3||

Die wunschbezogene Verehrung ist nicht wie die regelmäßige, Göttin; sie wird als der anlassgebundenen ähnlich bezeichnet. Von der regelmäßigen unterscheidet sie sich stärker, von der anlassgebundenen nur wenig.

Vers 4
kāmyaṃ na tatroparāgaparvābdīyatithikramāḥ |
nimittāpekṣaṇaṃ yadvat‌ parvatatra parikīrtitam‌ ||4||

Bei der wunschbezogenen [Verehrung] gelten nicht die Folgen von Finsternissen, Festzeiten und jährlich bestimmten Mondtagen. Wie dort die Abhängigkeit von einem besonderen Anlass gelehrt wird …

Anmerkung: Wortverbindung parvatatra beschädigt; Kernunterscheidung der Anlässe klar, keine zusätzliche Festliste ergänzt.

Vers 5
tathātra kāmanāpekṣā dṛṣṭasyāgantukasya na |
athāsya bhedabāhulyaṃ prakāre vinigadyate ||5||

… so ist hier das Vorliegen eines Wunsches maßgeblich, nicht ein wahrgenommenes, neu eintretendes Ereignis. Nun wird die Vielfalt ihrer unterschiedlichen Formen beschrieben.

Anmerkung: Dṛṣṭasya aus beschädigtem diṣṭasya vorläufig; Abgrenzung Wunsch/Ereignis nach Zusammenhang, Sanskritzeichen unsicher.

Vers 6
tithirbhavatu yā kāpi dinaṃ vā rātrireva vā |
kāmanā dravyasampattirubhayaṃ kāraṇaṃ matam‌ ||6||

Es mag irgendein Mondtag sein, Tag oder Nacht. Als Gründe gelten beides: ein Wunsch und das Verfügbarwerden von Ritualmaterialien.

Vers 7
ekenāpi bhavet‌ kāmyārcanaṃ tridaśavandite |
kvacidevobhayaṃ vidyānna bhavedekamantarā ||7||

Auch einer dieser Gründe kann eine wunschbezogene Verehrung veranlassen, du von Göttern Verehrte. In manchen Fällen sind jedoch beide erforderlich; fehlt einer, ist sie nicht möglich.

Vers 8
kāmanābhedato dravyabhedā bhūyāṃsa īritāḥ |
pūrvaṃ pūrvaṃ tu bādhakaṃ syād‌ bādhyameva paraṃ param‌ ||8||

Aus den verschiedenen Wünschen ergeben sich zahlreiche Unterschiede der Materialien. Das jeweils früher Genannte hat Vorrang; das jeweils spätere wird ihm untergeordnet.

Anmerkung: Vorrangregel der Quelle, nicht ohne weitere Präzisierung auf jede spätere Liste übertragen.

Vers 9
ubhayorbādhikaṃ jñeyaṃ sarvādyaṃ jagadīśvari |
tatrāpi prathamaṃ vacmi kāmanāyā bhidāḥ parāḥ ||9||

Von beiden ist das zuerst Genannte als vorrangig zu verstehen, Herrin der Welt. Zuerst erläutere ich daher die verschiedenen Wünsche.

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, nach Folge9.

Verschiedene Auffassungen über den Zeitpunkt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 10
tadanu dravyasampatterbhedān‌ vakṣyāmi bhūriśaḥ |
prāguttaraṃ bhavet‌ siddhestadiṣṭamubhayaṃ budhaiḥ ||10||

Danach werde ich die zahlreichen Formen des Verfügbarwerdens von Materialien erklären. [Der Zeitpunkt] kann vor oder nach der Erfüllung liegen; beides wird von Kundigen gebilligt.

Anmerkung: Prāguttaram siddheḥ knapp; Bezug auf Zeitwahl durch11–13gestützt, keine gesicherte zusätzliche Ritualkategorie konstruiert.

Vers 11
kartureva manastatra pramāṇaṃ kālayordvayoḥ |
na śāstramiti mauleyā evametaddigambarāḥ ||11||

Bei diesen beiden Zeitpunkten entscheidet allein der Sinn des Handelnden, nicht die Schrift: So lehren die Mauleyas, ebenso die Digambaras.

Vers 12
mataṃ tu varārohe samākalaya tattvataḥ |
kṛtāyāmeva sevāyāṃ yadyatsvābhimataṃ bhavet‌ ||12||

Höre nun eine Auffassung ihrem Wesen nach, du Wohlgestaltete: Erst nachdem ein Dienst geleistet wurde, wird das jeweils Ersehnte …

Vers 13
tatprārthyate mahīpālātpramodādapyanuyāyibhiḥ |
evamatrāpi vijñeyaṃ bhāṇḍikerā ado jaguḥ ||13||

… von den Gefolgsleuten beim König erbeten, auch aus Freude. Ebenso sei es hier zu verstehen: Das lehren die Bhandikeras.

Anmerkung: Pramodāt im beschädigten Text nicht vollständig sicher; Vergleich mit Dienst und anschließender Bitte klar.

Monate und ihre Ritualziele

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 14
kāmanāyāṃ kālabhedād‌ dravyalābhena te matāḥ |
kālo māsartupakṣāhonakṣatratithisaṅkramāḥ ||14||

Bei einem Wunsch werden Unterschiede nach Zeit und Materialverfügbarkeit angenommen. Die Zeitglieder sind Monat, Jahreszeit, Monatshälfte, Wochentag, Mondhaus, Mondtag und Sonnenübergang.

Vers 15
krameṇa varṇayāmīśi dattacittā niśāmaya |
guptapāpakṣayo rādhe jyeṣṭhe puṇyodayastathā ||15||

Ich beschreibe sie der Reihe nach; höre mit gesammeltem Geist, Herrin. Im Radha-Monat: Tilgung verborgener Verfehlungen; im Jyeshtha: Anwachsen des Verdienstes …

Anmerkung: Radha als überlieferter Monatsname bewahrt; Wirkungszuordnungen historische Ritualastrologie, keine Erfolgsgarantien.

Vers 16
āṣāḍhe saṅkaṭatrāṇaṃ śrāvaṇe'vagrahakṣayaḥ |
dāridryanāśo bhādre'pi mārīnāśa iṣe'pi ca ||16||

… im Ashadha: Rettung aus Not; im Shravana: Ende der Dürre; im Bhadra: Vernichtung der Armut; im Isha: Ende von Seuchen …

Vers 17
bandhūnāṃ viprayuktānāṃ milanaṃ kārtike matam‌ |
yaśasa āgamo mārgaśīrṣe pauṣe rājabhayakṣayaḥ ||17||

… im Kartika: Wiedervereinigung getrennter Angehöriger; im Margashirsha: Erlangung von Ruhm; im Pausha: Ende der Furcht vor dem König …

Vers 18
svargāvāptistathā māghe phālgune kalahe jayaḥ |
upasargakṣatiścaitre māsīyāḥ kāmanā imāḥ ||18||

… im Magha: Erlangung des Himmels; im Phalguna: Sieg im Streit; im Chaitra: Beseitigung von Bedrängnissen. Dies sind die den Monaten zugeordneten Wünsche.

Jahreszeiten und Monatshälften

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 16 (Position 19)
vasante ratisāmarthyaṃ grīṣme go'jāvikonnatiḥ |
prāvṛṣyarātinidhanaṃ śaradyarogyameva ca ||16||

Im Frühling: Kraft zur Liebesvereinigung; im Sommer: Gedeihen von Kühen, Ziegen und Schafen; in der Regenzeit: Vernichtung des Feindes; im Herbst: Gesundheit …

Anmerkung: Quelle zeigt16 an Position 19. Erwachsenen-Erotik und Feindvernichtung als historische Ritualziele vollständig bewahrt.

Vers 20
hemante vrīhidhānyarddhiḥ śiśire cetisaṅkṣayaḥ |
śukle dharmāmṛtāvāptiḥ kṛṣṇe kāmārthayorapi ||20||

… im frühen Winter: Gedeihen von Reis und Getreide; im späten Winter: Ende von Plagen. In der hellen Monatshälfte: Erlangung von Dharma und Unsterblichkeit; in der dunklen: von Kama und Artha.

Anmerkung: Kama/Artha: Erfüllung von Verlangen und Wohlergehen; amṛta nicht still mokṣa eingesetzt.

Wochentage und Ritualziele

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 21
ravau jvaropaśamanaṃ some netrāmayakṣayaḥ |
anurāgavivṛddhiḥ syātkuje strīpuṃsayormithaḥ ||21||

Am Sonntag: Besänftigung von Fieber; am Montag: Ende von Augenleiden; am Dienstag: Anwachsen der gegenseitigen Liebe zwischen Frau und Mann …

Anmerkung: Medizinische Wirkungen sind Verheißungen der Quelle, keine Behandlungsempfehlungen.

Vers 22
budhe jāḍyāpaharaṇaṃ vidyālābho gurau tathā |
klībatāpahṛtiḥ śukre śanāvutpātasaṅkṣayaḥ ||22||

… am Mittwoch: Beseitigung geistiger Trägheit; am Donnerstag: Erlangung von Wissen; am Freitag: Beseitigung von Impotenz; am Samstag: Ende von Unheilszeichen.

Mondhäuser und Ritualziele

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 223 (Position 23)
annāvāptirathāśvinyāmabhicāro yamoḍuni |
uccāṭanaṃ kṛttikāyāṃ rohiṇyāṃ vāgmitā tathā ||223||

Im Mondhaus Ashvini: Erlangung von Nahrung; im Stern Yamas: Abhichara, Schadenszauber; in Krittika: Vertreibung; in Rohini: Beredsamkeit …

Anmerkung: Quelle zeigt223 an Position 23. Yamoḍu als Stern Yamas bewahrt, keine externe Sternnamenergänzung nötig.

Vers 24
mṛgaśīrṣe tvāyurāptirmithodveṣaṃ tu raudrabhe |
punarvasau yānalābhaḥ puṣye ca samare jayaḥ ||24||

… in Mrigashirsha: langes Leben; im Rudra-Stern: gegenseitige Feindschaft; in Punarvasu: Erlangung eines Fahrzeugs; in Pushya: Sieg im Kampf …

Anmerkung: Raudrabha, Rudras Stern, als Quellbezeichnung; nicht zu einem erfundenen neuen Mondhaus gemacht.

Vers 25
āśleṣāyāṃ sarpabhayanivāraṇamapīṣyate |
balādhikyaṃ maghāyāṃ syādyaunibhe bahvapatyatā ||25||

… in Ashlesha: Abwehr der Furcht vor Schlangen; in Magha: große Kraft; im Yoni-Stern: zahlreiche Nachkommen …

Anmerkung: Yaunibha als Mondhausbezeichnung der Quelle, hier nicht als Sexualanweisung.

Vers 26
bhaveduttaraphālgunyāṃ grahadoṣanivāraṇam‌ |
tathaiva hastanakṣatre paracakranivāraṇam‌ ||26||

… in Uttaraphalguni: Abwehr schädlicher Graha-Einflüsse; im Mondhaus Hasta: Abwehr eines feindlichen Heeres …

Vers 27
sthirā maitrī ca citrāyāṃ svātyāṃ mohanameva ca |
viśākhāyāṃ saṃvadanaṃ nānāsiddhiśca mitrabhe ||27||

… in Chitra: beständige Freundschaft; in Svati: Betörung; in Vishakha: Einvernehmen; im Mitra-Stern: vielfältige Siddhi …

Anmerkung: Saṃvadana kann rituelle Beeinflussung zu Einvernehmen meinen; keine rein ethische Freundschaftslehre daraus gemacht.

Vers 28
jyeṣṭhāyāṃ naṣṭavittāptirgaradānaṃ ca nairṛte |
pūrvāṣāḍhāsu kanyāptirunmādopaśamo bhavet‌ ||28||

… in Jyeshtha: Wiedererlangung verlorenen Vermögens; im Nairrita-Stern: Verabreichung von Gift; in Purvashadha: Erlangung einer Tochter [oder jungen Frau]; Besänftigung von Wahnsinn erfolgt …

Anmerkung: Garadāna als Giftgabe unverharmlost, ohne praktische Anleitung. Kanyāpti mehrdeutig; keine Alters- oder Sexualdetails hinzugefügt. Letztes Prädikat wird mit 29fortgesetzt.

Vers 24 (Position 29)
uttarāṣāḍhanakṣatre śravaṇe mokṣa eva ca |
dhaniṣṭhāyāṃ khecaratvaṃ medhā vāruṇabhe bhavet‌ ||24||

… im Mondhaus Uttarashadha. In Shravana: Befreiung; in Dhanishtha: Fähigkeit, sich im Luftraum zu bewegen; im Varuna-Stern: Einsicht und Gedächtniskraft …

Anmerkung: Quelle zeigt24 an Position 29; Versverbindung28–29bewahrt.

Vers 30
pūrvabhādrapade caiva jāyate cirajīvitā |
tathaivottarābhādre sampattiratibhūyasī ||30||

… in Purvabhadrapada: langes Leben; in Uttarabhadrapada: überaus großer Wohlstand …

Mondtage und Ritualziele

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 31
santatyavicchittirapi revatyāṃ parikīrtitā |
kāmyārcanaṃ pratipadi bahukalyāṇakārakam‌ ||31||

… in Revati: Fortbestand der Nachkommenschaft. Wunschbezogene Verehrung am ersten Mondtag bewirkt vielfaches Heil.

Vers 32
gurviṇyāḥ putrakāmārthaṃ dvitīyāyāṃ samarhaṇam‌ |
rājabhītyapanodāya tṛtīyāyāmudāhṛtam‌ ||32||

Verehrung am zweiten Mondtag dient einer Schwangeren, die einen Sohn wünscht; am dritten wird sie zur Abwendung der Furcht vor dem König gelehrt.

Anmerkung: Geschlechtsbezogene Wunschvorstellung der Quelle, keine heutige Empfehlung.

Vers 33
bālagrahāpanodāya caturthyāṃ kāmyapūjanam‌ |
pañcamyāṃ śatrunāśārthaṃ ṣaṣṭhyāmutpātaśāntaye ||33||

Am vierten Mondtag dient die wunschbezogene Verehrung der Abwehr von Bala-Grahas, Kindern zugeschriebenen schädlichen Einflüssen; am fünften der Feindvernichtung, am sechsten der Besänftigung von Unheilszeichen.

Anmerkung: NichtsexuellerKinderschutz;GrahasalsreligiöseVorstellungkeinemedizinischeDiagnose.

Vers 34
strīpuṃsayostu saptamyāmanurāgavivṛddhikṛt‌ |
devīprītistathāṣṭamyāṃ navamyāṃ vijayo raṇe ||34||

Am siebenten vermehrt sie die Liebe zwischen Frau und Mann; am achten erfreut sie die Göttin; am neunten gewährt sie Sieg im Kampf.

Vers 35
pravāsitaparāvṛttyai daśamyāṃ kāmyamarcanam‌ |
ekādaśyāṃ dhanāvāptyai dvādaśyāṃ puṣṭivardhanam‌ ||35||

Am zehnten gilt die wunschbezogene Verehrung der Rückkehr eines Abwesenden; am elften der Erlangung von Vermögen; am zwölften stärkt sie das Gedeihen.

Anmerkung: Dhana aus OCRvana vorläufig; keine sichere Lesung ohne Kennzeichnung.

Vers 36
sarvasiddhistrayodaśyāṃ caturdaśyāmathāmṛtam‌ |
yogakṣemaparigrāptyai pañcadaśyāṃ samarcanam‌ ||36||

Am dreizehnten: alle Siddhi; am vierzehnten: Unsterblichkeit. Am fünfzehnten dient die Verehrung dem Erlangen und Bewahren des Wohlergehens.

Anmerkung: Yogakshema: Erwerb/Erreichen und Sicherung des Erworbenen, hier religiöse Heils- und Wohlfahrtsverheißung.

Sonnenlauf und Grenzen der Aufzählung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 37
pāralaukikasiddhiḥ syāduttarāyaṇasaṅkrame |
tathaiva laukikakṣemasiddhiḥ syād‌ dakṣiṇāyane ||37||

Beim Übergang zum nördlichen Sonnenlauf: jenseitige Siddhi; beim südlichen Sonnenlauf: Verwirklichung weltlichen Wohlergehens.

Vers 38
saṅkramādiṣu cānyeṣu yogayogādibhistathā |
vividhāḥ kāmanāstāstā bhavanti varavarṇini ||38||

Auch bei anderen Sonnenübergängen und weiteren Konstellationen ergeben sich verschiedene entsprechende Wünsche, du Schönfarbige.

Anmerkung: Yogayoga im OCR unklar wiederholt; keine zusätzliche astrologische Fachklassifikation erfunden.

Vers 36 (Position 39)
yāmalādiṣu te proktā bhairavīsaṃhitāsvapi |
bāhulyabhayato noktā mayā devyatra kāmanāḥ ||36||

Sie werden in den Yamalas und auch in den Bhairavi-Samhitas gelehrt. Aus Furcht vor zu großer Ausführlichkeit habe ich diese Wünsche hier nicht aufgezählt, Göttin.

Anmerkung: Quelle zeigt36 an Position 39. Ausdrückliche Kürzung der Quelle, keine Auslassung lesbarer Verse durch die Übersetzung.

Die Verfügbarkeit von Ritualmaterialien

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 40
iti kālasamudgaḥ kaściduddiṣṭa īśvari |
dravyalābhamatho vakṣye jñeyaṃ taddvividhaṃ budhaiḥ ||40||

Damit wurde ein Teil der zeitlichen Ordnung dargelegt, Herrin. Nun werde ich das Verfügbarwerden von Ritualmaterialien erklären; die Kundigen sollen es als zweifach verstehen.

Anmerkung: Samudga wörtlich Behälter/Zusammenfassung, hier begrenzte Übersicht nach Kontext.

Vers 41
kālasaṃvalitāḥ kecittadasaṃvalitāḥ pare |
nīpāśokapalāśaśrīphalapatrasaroruham‌ ||41||

Manche [Materialien] sind an die Zeit gebunden, andere nicht. [Zu nennen sind] Nipa, Ashoka, Palasha, Shriphala-Blätter und Lotus …

Anmerkung: Pflanzennamen bewahrt, wo keine sichere botanische Gleichsetzung aus der Quelle folgt.

Vers 42
mallikāketakījātīkaravīrajavāsanāḥ |
bandhūkāni ca puṣpeṣu phaleṣu ca niśāmaya ||42||

… Mallika, Ketaki, Jati, Karavira, Java, Asana und Bandhuka unter den Blüten. Höre nun von den Früchten.

Anmerkung: Java/Asana-Worttrennung vorläufig; keine zusätzliche botanische Art erfunden.

Früchte, Speisen und weitere Gaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 43
lakucāmrātakakṣīrikaramadamlikaṇṭakāḥ |
nāraṅgāmrapanasabījapūrakapitthakāḥ ||43||

Lakucha, Amrataka, Kshiri, Karamarda, Amlikantaka, Naranga, Amra, Panasa, Bijapura und Kapittha …

Anmerkung: Einzelne seltene Fruchtnamen beschädigt, insbesondere Karamarda/Amlikantaka. Bekannte Lesungen etwa Mango(Amra)undJackfrucht(Panasa); keine vollständige botanische Bestimmung behauptet.

Vers 44
mṛdvīkādāḍimaphale tālīmāni ca pārvati |
vaiśākhādiṣu labdhāni viśeṣāddeśakālayoḥ ||44||

… Trauben und Granatäpfel sowie Tali-Früchte, Parvati. Im Vaishakha und den weiteren Monaten verfügbar, jeweils besonders nach Ort und Zeit …

Anmerkung: Tālīmāni als Palmenfrüchte nur vorläufig; Quelle erwägt labhyāni statt labdhāni.

Vers 45
kāmyārcāhetukāni syuranyānyapi ca me śṛṇu |
kapilāyāḥ savatsāyāḥ kṣīraṃ malayajadravaḥ ||45||

… können sie den Anlass zu einer wunschbezogenen Verehrung bilden. Höre auch weitere [Anlässe]: Milch einer braunen Kuh mit Kalb, flüssiges Sandelholzpräparat …

Anmerkung: Kapilā bezeichnet die bräunliche Kuh; keine Heilkraft aus ihrer Farbe abgeleitet.

Vers 46
[…] khaṇḍavikārāśca dhūpaścāmbaranāmakaḥ |
sārṣapaṃ sitamādhvīkaṃ divyaśakterupāgamaḥ ||46||

… […] Zubereitungen aus Zucker, der Ambara genannte Räucherstoff, ein Senf-[Erzeugnis], heller Madhvika-Trank und das Eintreffen einer göttlichen Shakti …

Anmerkung: Fragment: Erstes Material unlesbar. Madhvika als berauschender Honig-/Süßtrank, genaue Zusammensetzung offen; Divyashakti im Ritualpartnerinnenkontext nicht bloß abstrakte Energie.

Vers 47
[…] |
mahāmādakakartrī ca hālā dvīpāntarāgatā ||47||

[…] und stark berauschender Hala-Trank, der aus einem anderen Land bzw. von einer anderen Insel gekommen ist.

Anmerkung: Fragment: Erste Halbzeile mit Pflanzen-/Speisennamen stark beschädigt und schon in Quelle fraglich; keine Speisenliste rekonstruiert.

Vers 48
samāgamaḥ kaulikānāṃ sarvāvayavasambhṛtaḥ |
tāmbūlopagamaścāpi bahvannavyañjanoccayaḥ ||48||

Eine Zusammenkunft von Kaulikas mit sämtlichen erforderlichen Bestandteilen; das Verfügbarwerden von Betel sowie eine Fülle von Speisen und Beilagen …

Vers 44 [Quellzählung an Position 49]
eṣāmadhigame devi rādhādiṣu ca pūrvavat‌ |
taithabāleyādhigamānadhunā kathaya priye ||44||

… wenn diese verfügbar werden, Göttin, im Radha und den weiteren Monaten wie zuvor. Nun [nenne ich] die den Mondtagen zugeordneten Bali-Materialien, Geliebte.

Anmerkung: Quelle zeigt44 an Position 49. Verbform kathaya/kalaya im OCR beschädigt; Listenankündigung klar.

Tiere als Bali-Gaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 50
godhā śaśa urabhraśca kamaṭhaḥ kṛṣṇasārayuk‌ |
gavayaḥ śūkaraśchāgo mahiṣo nakulo'pi ca ||50||

Godha, Hase, Schaf, Schildkröte, Schwarzantilope, Gavaya, Schwein, Ziegenbock, Büffel und Mungo …

Anmerkung: Bali-Tiere der Quelle. Godha: große Echse, Gavaya: wildes Rind; keine genauere moderne Artbestimmung erzwungen.

Vers 51
gokarṇo makaraścāpi dvīpī khaḍgaśca kesarī |
ādyādipañcadaśyantatithidravyāptayaḥ kramāt‌ ||51||

… Gokarna, Makara, Dvipi, Nashorn und Löwe: So ist das Verfügbarwerden der Materialien der Reihe nach den Mondtagen vom ersten bis zum fünfzehnten zugeordnet.

Anmerkung: Gokarna seltene Tierbezeichnung, Makara Wasserwesen und Dvipi Großkatze vorläufig; nicht in sicher identifizierte Arten umgedeutet.

Vers 52
bhairavīsaṃhitāsvevaṃ jñātavyā vāratārayoḥ |
māsānāṃ saṅkramāṇāṃ ca yāmalādiṣu pārvati ||52||

Die entsprechenden Zuordnungen zu Wochentagen und Sternen sind aus den Bhairavi-Samhitas zu erfahren; jene zu Monaten und Sonnenübergängen aus den Yamalas und anderen Schriften, Parvati.

Anmerkung: Quelle schwankt bei tārā/tāra; Bezug auf Stern-/Mondhauszeiten klar. Quelleninterner Verweis, keine externe Ergänzung.

Unterschiede der Ritualauffassungen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 53
kāmanādravyalābhau dvāvevamuktau mayā tava |
ubhayorapyabhāve'pi svecchā hetutvamṛcchati ||53||

So habe ich dir die beiden Gründe erklärt: Wunsch und Materialverfügbarkeit. Fehlen beide, kann auch der eigene freie Wille zum Anlass werden.

Vers 54
nānveti nityaṃ kenāpi te punarnityamanvitāḥ |
parasparaṃ te ca punarvyavasthedṛgvidhā sthitā ||54||

Die regelmäßige Verehrung ist mit keinem anderen [Anlass notwendig] verknüpft; jene dagegen sind mit der regelmäßigen verbunden, und wiederum miteinander. So ist die Ordnung festgelegt.

Anmerkung: Pronominalbezüge knapp; der genaue Umfang gegenseitiger Verknüpfung wird nicht als vollständig gesichertes System ausgebaut. Plural anvitāḥ folgt Quellkorrektur.

Vers 55
uttarottarataśceṣāṃ bādhyatā ca nirūpitā |
kāmye'pi naimittikatāṃ bhāṇḍikerāḥ prakurvate ||55||

Auch die jeweilige Nachordnung der späteren Formen wurde bestimmt. Die Bhandikeras rechnen selbst die wunschbezogene Verehrung zur anlassgebundenen …

Vers 56
yuktyā sā cāptirūpeti tannāhamiti kīrtaye |
tadā saṅghaṭate hyetadyadi parvasu jāyate ||56||

… mit der Begründung, die Verfügbarkeit sei eben ein Anlass. Ich lehre dies nicht so. Es passt nur dann, wenn [die Verehrung] zu Festzeiten stattfindet …

Anmerkung: Verneinung der Gleichsetzung nach Gesamtargument57–58; tān nāham/ tan nāham in Quelle gedrängt.

Vers 57
udīritādibhinneṣu yogajeṣvapi parvasu |
dineṣvaghaṭiteṣvevaṃ prakārairapi bhūribhiḥ ||57||

… auch bei anderen als den genannten Festzeiten, die aus Konstellationen entstehen. An Tagen jedoch, die trotz vielfältiger Möglichkeiten mit keinem solchen Anlass zusammentreffen …

Vers 58
kāmanābhiravāptyā vāthavā devi nijecchayā |
kāmyārcāghaṭite'vaśyaṃ duṣṭoktirata eva sā ||58||

… findet dennoch wunschbezogene Verehrung statt: wegen eines Wunsches, wegen verfügbarer Materialien oder aus eigenem Willen, Göttin. Deshalb ist jene Aussage fehlerhaft.

Anmerkung: Kritik an der Gleichsetzung als Position Mahakalas, nicht Urteil der Ausgabe über heutige Traditionen.

Vers 56 [Quellzählung an Position 59]
idānīmatra yatproktaṃ kartavyatvena bhūriśaḥ |
heyatvenoditaṃ yacca tatsarvaṃ kathaya priye ||56||

Nun [erfahre] alles, was hierbei vielfach als zu vollziehen und was als zu unterlassen gelehrt wird, Geliebte.

Anmerkung: Quelle zeigt56 an Position 59; Schlussverb gestört, Aufforderung zumHörennachKontext.

Shakti und rituelle Zugehörigkeit

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 60
kaulikānāmaśeṣāṇāṃ matamatredṛśaṃ sthitam‌ |
śaktyā sahopaviśyaikāsane vāmārdhalagnayā ||60||

Die Auffassung sämtlicher Kaulikas ist hier folgende: Man sitze mit der Shakti auf einem gemeinsamen Sitz, wobei sie an die linke Körperhälfte angeschmiegt ist …

Anmerkung: Erwachsene Ritualpartnerin ohne in diesem Abschnitt genannte Altersangabe; keine Sexualdetails ergänzt.

Vers 61
kāmyārcanaṃ prakartavyaṃ na ca tatpūjanaṃ pṛthak‌ |
athopaviśya pīṭhe ca yajanaṃ yājanaṃ pṛthak‌ ||61||

… und vollziehe die wunschbezogene Verehrung; ihre Verehrung erfolgt nicht gesondert. Auf einem Pitha sitzend [vollziehen andere] eigenes Opfern und das Ausführenlassen des Opfers getrennt …

Anmerkung: Gedrängter Übergang zum Smarta-Verfahren; Handelnde im zweiten Halbvers nicht ausdrücklich genannt. Nicht zu einer einzigen einheitlichen Ritualordnung verschmolzen.

Vers 62
kurvanti cet‌ prakurvantu smārtānāṃ naitadiṣyate |
kriyābhedād‌ gandhapuṣpadhūpadīpabhidāḥ pṛthak‌ ||62||

… wenn sie es so tun, mögen sie es tun; für die Smartas wird dies nicht gewünscht. Je nach Art der Handlung unterscheiden sich Duftstoffe, Blüten, Räucherwerk und Lampen.

Anmerkung: Worauf etat genau zurückverweist, bleibt in der gekürzten Gegenüberstellung61–62unsicher; keine sichere Smarta-Verpflichtung erfunden.

Farben und Ritualziele

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 63
sāttvikyāṃ kāmanāyāṃ tu sito gandhaḥ praśasyate |
naivedyaṃ phalatāmbūladānaṃ […] praśasyate ||63||

Bei einem sattvischen Wunsch wird weißer Duftstoff empfohlen. Speisegaben, Früchte, Betel und Gaben […] werden empfohlen.

Anmerkung: Fragment: Letzte Materialbestimmung in der Quelle fraglich; nicht automatisch weiße Kleidung ergänzt.

Vers 64
uccāṭanavaśīkāre prītaye vairiṇāṃ jaye |
gandhapuṣpe viśeṣeṇa kartavye lohite sadā ||64||

Bei Vertreibung, Unterwerfung, Liebesgewinnung und Sieg über Feinde sollen Duftstoffe und Blüten besonders stets rot sein.

Anmerkung: Historische Farbzuschreibung; keine praktische Ergänzung von Mengen oder Stoffen.

Vers 65
mohane kāminīlābhe pītamevobhayaṃ matam‌ |
kṛtyābhicāre dveṣe ca māraṇe cāsitaṃ dvayam‌ ||65||

Für Betörung und Erlangung einer Geliebten gelten beide als gelb; für Kritya-Schadenszauber, Erzeugung von Feindschaft und Tötung beide als schwarz.

Anmerkung: Ritualziele unbeschönigt übersetzt; keine realweltlichen Schädigungstechniken ergänzt.

Vers 66
dīpavartaya īdṛśyastattadvarṇāḍhyatantubhiḥ |
vidhātavyāḥ prayatnena tattatkāryaprasiddhaye ||66||

Ebenso sollen die Lampendochte sorgfältig aus Fäden der jeweiligen Farbe gefertigt werden, um das entsprechende Vorhaben zu verwirklichen.

Vers 67
guggulvagurudhūpastu sāttvikeṣu praśasyate |
tathā saralaniryāso rājaseṣu prakīrtitaḥ ||67||

Für sattvische Handlungen wird Räucherwerk aus Guggulu und Aguru empfohlen, für rajasische Harz des Sarala-Baumes.

Anmerkung: Räucherstoffe als Quellmaterialien, keine botanisch genaue Produktberatung.

Vers 68
[…] tathā siddhārthakaṃ tāmasakarmaṇi |
yajñādidharmakaivalyatapastīrthādilabdhaye ||68||

Für tamasische Handlungen […] und Siddharthaka. Für das Erlangen von Opferverdienst und anderem Dharma, Kaivalya, Askese, heiligen Orten und dergleichen …

Anmerkung: Fragment: Erstes Räuchermaterial beschädigt; Quelle selbst bietet fragende Variante. Siddharthaka gewöhnlich heller Senf, hier Stoffname ohne Dosierung.

Vers 66 [Quellzählung an Position 69]
naivedyaṃ phāṇitājyāktaṃ […] |
itarasyā irākravyāṇḍajamādhvīkaśaktayaḥ ||66||

… [diene] eine mit eingedicktem Zuckerrohrsaft und geklärter Butter versehene Speisegabe […]. Für die andere [Art] Ira-Trank, Fleisch, eiergeborene Tiere, Madhvika-Trank und Shaktis.

Anmerkung: Fragment: Weitere Speisen der ersten Halbzeile beschädigt; Bezug von „andere“ nicht sicher spezifiziert. Quelle zeigt66 an Position 69. Andaja wörtlich eiergeboreneWesen, nicht bloß Eier.

Vers 70
pūrvavat‌ phalakakūṣmāṇḍakṣudaṇḍabalayo matāḥ |
aparasyai patatyeśīpūrṇyotthajanminaḥ ||70||

Wie zuvor gelten Früchte, Kürbisse und Zuckerrohrstangen als Bali-Gaben. Für die andere [Art …].

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile nicht zuverlässig verständlich; keine Tier-/Blutgabeliste rekonstruiert.

Gefäße und Opferdienste

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 71
ityādivastūnāṃ bhedā jñātavyāḥ svakayā dhiyā |
naimittikavadapyatra pātrāṇāṃ racanā priye ||71||

Die Unterschiede dieser und ähnlicher Gegenstände sind mit eigener Einsicht zu erkennen. Auch hier werden die Gefäße wie bei der anlassgebundenen Verehrung angeordnet, Geliebte …

Vers 72
matānusārataḥ svasvavyavasthāśrayaṇādapi |
vidhimantrau ca tāveva veditavyau varānane ||72||

… gemäß der jeweiligen Lehre und der eigenen Ordnung. Verfahren und Mantra sind als dieselben zu verstehen, du mit dem schönen Antlitz …

Vers 73
sāmagrīśodhanaṃ cāpi tathaivānukramāvalī |
viśeṣo yo'dhiko'stīha tamākalaya tattvataḥ ||73||

… ebenso die Reinigung der Materialien und die Reihenfolge. Höre nun genau, welche zusätzliche Besonderheit hier besteht.

Die Darbringung der einzelnen Gaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 74
sarveṣāmupacārāṇāṃ pradānāya varānane |
santi yadyapi mantrāste pṛthak‌ pṛthagudīritāḥ ||74||

Zwar sind für die Darbringung der einzelnen Verehrungsgaben jeweils besondere Mantras genannt, du mit dem schönen Antlitz …

Vers 75
tathāpi teṣāṃ carame mūlamantraṃ prakīrtya hi |
bhagavatyai guhyakālyai tadvastu śira uccaret‌ ||75||

… dennoch spreche man an ihrem Ende den Grundmantra, dann „bhagavatyai guhyakalyai“ — „der erhabenen Guhyakali“ —, die jeweilige Gabe und den Kopfabschluss.

Anmerkung: Śiras als Ritualschlussglied, hier keine konkrete Bija still ergänzt.

Vers 76
evaṃ sarvatra boddhavyaṃ yāvadekaprapūjane |
nyāsasya yasya kasyāpi prāgante'pi sureśvari ||76||

So ist es überall innerhalb einer vollständigen Verehrung zu verstehen. Vor und nach jedem beliebigen Nyasa, Herrin der Götter …

Anmerkung: Lesung ekaprapūjane vorläufig; keine künstliche AnzahlvonEinzelgaben.

Vers 77
tattanmanūditaṃ kāryaṃ ṣaḍaṅgamṛṣisaṃyutam‌ |
tattannyāsārpaṇamapi vidhāya vinivedayet‌ ||77||

… sind die für den jeweiligen Mantra gelehrten sechs Glieder samt Rishi [und weiteren Faktoren] zu vollziehen. Man führe auch die Widmung des jeweiligen Nyasa aus und bringe ihn dar.

Sankalpa und elf notwendige Nyasas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 78
upayogollekhapūrvaṃ saṅkalpaṃ purataścaret‌ |
āvaśyakatayā devi kartavyatvena niścitān‌ ||78||

Zuerst fasse man den Sankalpa und nenne dabei den Zweck. Die als notwendig und verpflichtend bestimmten [Nyasas], Göttin …

Anmerkung: Sankalpa: ausdrücklich gefasste Ritualabsicht.

Vers 76 [Quellzählung an Position 79]
kāmyārcāyāṃ bruve nyāsāṃstiṣṭhatsu nikhileṣvapi |
dve mātṛke dvau ca pīṭhau kartavyatvena niścitau ||76||

… werde ich für die wunschbezogene Verehrung nennen, auch wenn alle anderen verfügbar sind. Zwei Matrikas und zwei Pithas sind als verpflichtend festgelegt …

Anmerkung: Quelle zeigt76 an Position 79.

Vers 80
sabindurekā purato'nyā kālīnarasiṃhakā |
sāmānyo yogaratnākhyaḥ pīṭhadvayamidaṃ matam‌ ||80||

… die erste Matrika mit Bindu, die andere Kali-Narasimha. Die beiden Pithas sind der allgemeine und der Yogaratna genannte …

Vers 81
vaktranyāsastathā caiko ḍākinī yoginī tathā |
kulatattvaṃ siddhicakramidamāvaśyakaṃ dvayam‌ ||81||

… ferner der Vaktra-Nyasa, Dakini und Yogini; Kulatattva und Siddhichakra bilden ein weiteres notwendiges Paar …

Vers 82
mantranyāsastathā ṣoḍhāsvapyekaṃ kiñcideva hi |
kāryā ekādaśāpīme nyāsāḥ paramaśobhanāḥ ||82||

… dazu Mantra-Nyasa und einer der Shodha-Nyasas. Alle diese elf erhabenen Nyasas sind zu vollziehen.

Anmerkung: QuellzählungelfentsprichtdemListenbau; keineidentischenNamenwegenWiederholunggestrichen.

Ritualvollständigkeit und Unterschiede der drei Formen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 83
eteṣāmavidhānena kāmyārcāṅgavihīnatā |
bhavedityākalayyaitānāvaśyakatayā caret‌ ||83||

Da ohne diese Nyasas der wunschbezogenen Verehrung ein Bestandteil fehlen würde, soll man sie in dieser Einsicht als notwendig vollziehen.

Vers 84
anyānapi carecchaktau phalādhikyasamīhayā |
svasvabhaktiviśeṣeṇa vidheyīkṛtavigrahān‌ ||84||

Wenn man dazu imstande ist und einen reicheren Ertrag wünscht, vollziehe man auch andere [Nyasas]. [Als Opfergaben nehme man Wesen,] deren Körper man durch die jeweils besondere Hingabe in seine Verfügung gebracht hat …

Anmerkung: Der zweite Halbvers leitet zu den Bali-Gaben über; die Wendung über das Gefügigmachen ist nicht eindeutig.

Vers 85
paśūn‌ vā pakṣiṇaḥ kośānikṣūn‌ kūṣmāṇḍameva vā |
dadyādyugmāneva śive na tvayugmān‌ kadācana ||85||

… Tiere oder Vögel, Koshas, Zuckerrohr oder Kürbisse. Man bringe sie ausschließlich paarweise dar, Shiva, niemals in ungerader Zahl.

Anmerkung: Kośa: Bezeichnung einer Gabe, hier nicht sicher bestimmbar; nicht stillschweigend als Kokosnuss aufgelöst.

Vers 86
ayugmadānataḥ kālyāḥ kopaṃ samadhigacchati |
āvaśyakatayā kāryau śaktyarcanaśivābalī ||86||

Durch eine ungerade Zahl von Gaben zieht man sich Kalis Zorn zu. Die Verehrung der Shakti und der Shiva-Bali sind notwendig zu vollziehen.

Anmerkung: Śivā-bali: Ritualgabe an die Schakalin beziehungsweise an die in ihr verehrte Göttin; Rückbezug auf die bereits behandelte Ritualart.

Vers 87
ekatithyarcanārambhe tithyantarakṣamāpane |
doṣaṃ nāvahato naivātra kāmyaparipūjane ||87||

Beginnt die Verehrung an einem Mondtag und findet die abschließende Bitte um Vergebung an einem anderen statt, so verursachen diese beiden Umstände bei der wunschbezogenen Verehrung keinen Fehler.

Anmerkung: Beschädigte Flexionszeichen nach dem klaren Satzanschluss gelesen.

Vers 88
naimittike tu te doṣamutpādayata īśvari |
kāmyārcāyāmaṅgahānyā phalameva na jāyate ||88||

Bei der anlassgebundenen Verehrung verursachen sie dagegen einen Fehler, Herrin. Fehlt der wunschbezogenen Verehrung ein Bestandteil, bleibt ihr Ergebnis aus.

Vers [Quellziffer beschädigt: ८४६; Position 89]
sā na doṣakarī nitye'lpakṛnnaimittike tathā |
iti kāmyavidhānaṃ te kathitaṃ jagadīśvari ||846||

Bei der regelmäßigen Verehrung verursacht dieses Fehlen keinen Fehler, bei der anlassgebundenen einen geringen. Damit habe ich dir das wunschbezogene Verfahren erklärt, Herrin der Welt.

Anmerkung: Die Quellziffer ist beschädigt (८४६); Stellung89. Die Abstufung gegenüber88 bleibt erhalten.

Vers 90
etāvāneva kāmyeṣu viśeṣaḥ parikīrtyate |
nānyaḥ ko'pyubhayorjñeyaḥ kāmyanaimittikākhyayoḥ ||90||

Nur diese Besonderheit wird für wunschbezogene Riten gelehrt. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden, der wunschbezogenen und der anlassgebundenen Verehrung, ist nicht anzunehmen.

Vers 91
sa kramastadvidhānaṃ ca te ca mantrāḥ sa vistaraḥ |
sā rītistacca vijñānaṃ saiva dravyasya sambhṛtiḥ ||91||

Dieselbe Reihenfolge, dasselbe Verfahren, dieselben Mantras und Einzelheiten, dieselbe Ausführungsweise und Kenntnis sowie dieselbe Bereitstellung der Materialien gelten …

Anmerkung: Letztes Wort im OCR सम्भूतिः; Zusammenhang spricht für सम्भृतिः, als unsichere Lesung kenntlich gemacht.

Vers 92
ta eva balayaścāpi teṣāṃ dāne vidhiḥ sa ca |
paripāṭī saiva tathā sarvaḥ pūrvodito vidhiḥ ||92||

… ebenso dieselben Bali-Gaben und die Vorschrift für ihre Darbringung, derselbe Ablauf und das gesamte zuvor gelehrte Verfahren.

Vers 93
saṅkalpaḥ kāmanābhedastithiryādṛcchikī tathā |
pūrvoditāstathā nyāsā iyān‌ bhedaḥ paraṃ priye ||93||

Der Sankalpa, das jeweils andere Begehren, der frei gewählte Mondtag und die zuvor genannten Nyasas: Darin allein liegt der Unterschied, Geliebte.

Vers 94
kauśalaṃ triṣvapi samamabhiyogastathaiva ca |
gurūpadeśo buddhiḥ svā sattarkeṇoha eva ca ||94||

In allen drei Formen sind Geschick und Einsatz gleichermaßen nötig, ebenso die Unterweisung des Gurus, die eigene Einsicht und ein durch gutes Schlussfolgern geleitetes Urteilen.

Anmerkung: Letzte Wortverbindung im OCR beschädigt; sat-tarkeṇa ūhaḥ als kontextuell wahrscheinliche Lesung.

Abgrenzung gegenüber anderen Ritualtraditionen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 95
kāpālikā bhāṇḍikerāḥ kiñcidatra prakurvate |
viruddhācaraṇaprāyaṃ tannātra kathitaṃ mayā ||95||

Die Kapalikas und Bhandikeras üben dabei manches, das überwiegend im Widerspruch [zu diesen Regeln] steht. Das habe ich hier nicht beschrieben …

Anmerkung: Historische Abgrenzung des Sprechers gegenüber anderen Ritualtraditionen.

Vers 96
tripuraghnānideśena jugupsitatayāpi ca |
bhairavatvaṃ samāropya svasminnuttānaśāyini ||96||

… wegen [der nicht eindeutig lesbaren Weisung beziehungsweise fehlenden Weisung] des Tripura-Bezwingers und weil es als anstößig gilt. Sie schreiben sich selbst, auf dem Rücken liegend, Bhairava-Sein zu …

Anmerkung: Fragment: tripuraghnānideśena kann anideśa, fehlende Anweisung, enthalten; keine eindeutige Bejahung einer Weisung konstruiert.

Vers 97
hṛtkalpitāsanāyāñca śaktau kālītvameva ca |
[…] kāmyārcanakrame ||97||

… und der Shakti, deren Sitz sie auf ihrem Herzen eingerichtet haben, Kali-Sein. […] im Ablauf der wunschbezogenen Verehrung …

Anmerkung: Fragment: vermittelnde Teilnehmerangabe im zweiten Halbvers beschädigt; lesbar sind Hinweise auf Schüler beziehungsweise andere Kaulas, ihre genaue Verbindung bleibt offen.

Vers 98
mahayantīritaistattadvidhānairbhairavoditaiḥ |
bhairavīsaṃhitāmadhye tadvidhānaṃ nirūpitam‌ ||98||

… verehren sie [diese] nach den jeweiligen, von Bhairava verkündeten Vorschriften. Dieses Verfahren ist in der Bhairavi-Samhita dargestellt …

Anmerkung: Erstes Verb als mahayanti īritaiḥ gelesen; äußere Werkidentifikation nicht gesichert.

Vers 99
na mayā ninditatvena smārtākṛtyatayā tathā |
anyānyapi ca karmāṇi garhitāni prakurvate ||99||

… jedoch nicht von mir, weil es missbilligt wird und für die Smarta-Tradition nicht auszuführen ist. Sie vollziehen noch andere als verwerflich geltende Handlungen.

Anmerkung: Die Wertung gehört dem Sprecher der Quelle. Smārta-akṛtyatā: für die Smarta-Praxis nicht zu vollziehen; Zusammensetzung im OCR unsicher.

Vers 100
nodīrayāmyahamato ninditāni śrutiṣviti |
itthaṃ trividhamākhyātamarcanaṃ te sureśvari ||100||

Darum erläutere ich sie nicht: Sie werden in den Shrutis getadelt. So habe ich dir die dreifache Verehrung dargelegt, Herrin der Götter …

Anmerkung: Schriftliche Verurteilung ist eine Behauptung des Textes, keine hier überprüfte Shruti-Fundstelle.

Die herbstliche und frühlingszeitliche Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 101
nityaṃ naimittikaṃ kāmyaṃ savidhānamanukramam‌ |
adhunā kathayiṣyāmi sarahasyāṃ viśeṣataḥ ||101||

… die regelmäßige, die anlassgebundene und die wunschbezogene, jeweils mit Verfahren und Reihenfolge. Nun werde ich dir ausführlich und mit ihren Geheimnissen …

Vers 102
śāradīyāñca vāsantīmarcāṃ nānāphalapradām‌ |
manīṣiṇo vidadhati vicārānatra bhūyasaḥ ||102||

… die herbstliche und die frühlingszeitliche Verehrung erklären, die vielerlei Früchte gewährt. Die Gelehrten stellen darüber zahlreiche Überlegungen an.

Vers 103
smṛtyadhvacāriṇaḥ sarve kaulikāḥ sarva eva ca |
traividhyamadhye kiṃrūpā bhavatīyaṃ samarhaṇā ||103||

Alle Anhänger des Smriti-Weges und alle Kaulas fragen: Welcher der drei Formen gehört diese Verehrung an?

Verpflichtung, Anlass und Wunsch

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 104
yasyākaraṇataḥ pāpaṃ jāyate nityameva tat‌ |
vidhānādyasya ca phalaṃ jāyate kāmyameva tat‌ ||104||

Was bei seiner Unterlassung Schuld entstehen lässt, heißt regelmäßig verpflichtend, Nitya. Was bei seiner Ausführung ein gewünschtes Ergebnis hervorbringt, heißt wunschbezogen, Kamya.

Vers 105
ananuṣṭhānato yasya pāpamutpadyate na hi |
[…] tannaimittikamucyate ||105||

Was durch seine Nichtausführung keine Schuld hervorbringt […] heißt anlassgebunden, Naimittika.

Anmerkung: Fragment: Aussage über die Frucht der Ausführung im zweiten Halbvers beschädigt. Die klare Wiederaufnahme in121 wird dort vollständig übersetzt, hier nicht stillschweigend eingesetzt.

Vers 106
iyaṃ yā śāradī pūjā kathyate sā kimātmikā |
kecitkāmyāṃ vadantyenāṃ kecinnaimittikīmapi ||106||

Von welcher Art ist nun diese sogenannte herbstliche Puja? Manche nennen sie wunschbezogen, andere anlassgebunden.

Vers 107
pūrve phalaśravaṇataḥ śaradāgamanātpare |
nityāmenāṃ naiva kecidvadanti kulamārgagāḥ ||107||

Die Ersten begründen dies mit den verkündeten Früchten, die anderen mit dem Eintritt des Herbstes. Keiner dieser Anhänger des Kula-Weges nennt sie regelmäßig verpflichtend.

Vers 108
etannirṇāyakāḥ jñeyā jaiminīyāḥ suvāgminaḥ |
ye copanyāsakartāro nānādhikaraṇakramaiḥ ||108||

Als diejenigen, die darüber urteilen, gelten die beredten Anhänger Jaiminis und die Verfasser von Darlegungen, die nach verschiedenen Adhikaranas vorgehen …

Anmerkung: Adhikarana: gegliederte Untersuchung einer Auslegungsfrage.

Vers 106 [Quellzählung an Position 109]
vivadante mitho'nyonyaṃ kutarkādhvani darśakāḥ |
nānāpurāṇasambaddhaṃ madudīritametaddhi ||106||

… sie streiten miteinander und führen auf Wege verfehlten Argumentierens. Diese von mir verkündete Lehre, die mit verschiedenen Puranas verbunden ist …

Anmerkung: Quelle zeigt106 an Position 109; einige Flexionszeichen kontextuell normalisiert.

Vers 110
mīmāṃsakāḥ pragṛhṇanti tathā vyavaharantyapi |
saṃśaye'smin‌ varārohe mattaḥ kalaya nirṇayam‌ ||110||

… greifen die Mimamsakas auf und verwenden sie in ihren Erörterungen. Vernimm von mir die Entscheidung in dieser Streitfrage, du Schöne.

Die Einordnung der Herbst-Puja

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 111
[…]vidhyamapyatra bhavettatra yuktiṃ niśāmaya |
vīpsāvidhī ca sarvatra nityatvaparibodhakau ||111||

Auch hier besteht eine […]fache Einordnung; höre ihre Begründung. Wiederholende Ausdrucksweise und Vorschrift zeigen überall den verpflichtenden Charakter an.

Anmerkung: Fragment: Anfangszahl beschädigt; nicht aus dem späteren Ergebnis in122 ergänzt. Vīpsā: distributive beziehungsweise wiederholende Ausdrucksweise.

Vers 112
smṛtyāgamapurāṇādau dviḥ padoccāraṇātpriye |
vidhiyuktasya nakārasya kathanādapi budhyate ||112||

In Smriti, Agama, Purana und ähnlichen Schriften erkennt man dies an der zweimaligen Nennung eines Wortes, Geliebte, und auch an der Nennung des mit einer Vorschrift verbundenen „na“.

Anmerkung: Der grammatische Terminus nakāra ist in der Quelle lesbar, seine Funktion hier jedoch unsicher. Keine vertraute Mimamsa-Regel an seine Stelle gesetzt.

Vers 113
nityatāyāḥ parā yuktiranyāpi ca nigadyate |
tripuraghnāya yadvākyaṃ purovāca sureśvarī ||113||

Noch eine weitere Begründung für ihren verpflichtenden Charakter wird angeführt: die Worte, welche die Herrin der Götter einst zum Bezwinger Tripuras sprach …

Anmerkung: Beginn im OCR beschädigt; nityatāyāḥ als grammatische Normalisierung, Aussage klar.

Vers 114
śāradīyāmimāṃ pūjāṃ na kariṣyanti ye narāḥ |
te patiṣyanti niraye pāpāḥ pūjāpahārakāḥ ||114||

„Die Menschen, die diese herbstliche Puja nicht vollziehen, werden als schuldige Entzieher der Verehrung in die Hölle fallen.“

Anmerkung: Historische Drohung in einem von der Quelle angeführten Göttinnenwort.

Vers 115
ityādivākyānnityatvamabhidhānādaghaśruteḥ |
ghaṭate kāmyatā cāsyāstatra hetuṃ vadāmi te ||115||

Aus solchen Worten ergibt sich der verpflichtende Charakter, weil darin von Schuld gesprochen wird. Zugleich kommt ihr Wunschbezogenheit zu; dafür nenne ich dir nun den Grund.

Vers 116
atrāpi caṇḍikāvaktrāmbujodbhūtaṃ sudhāsamam‌ |
vacaḥ kalaya kalyāṇi kāmyatāpratipādakam‌ ||116||

Höre auch hierzu, Segensreiche, das nektargleiche Wort aus Chandikas Lotusmund, das ihre Wunschbezogenheit erklärt …

Vers 117
śaratkālīnapūjāṃ ye kartāro bhaktibhāvitāḥ |
teṣāṃ dārān‌ sutān‌ bhogaṃ vittamārogyamunnatim‌ ||117||

„Wer die herbstliche Puja vollzieht, von Hingabe erfüllt, dem werde ich Ehepartnerinnen, Kinder, Genuss, Besitz, Gesundheit und Gedeihen …

Vers 118
tuṣṭā dāsyāmyahaṃ śambho svarlokavasatiṃ sadā |
itthaṃ nānāphalonmeṣaśravaṇāt‌ kāmyatāpi ca ||118||

… sowie bleibenden Aufenthalt in der Himmelswelt schenken, Shambhu, wenn ich erfreut bin.“ Weil so vielfältige Früchte verheißen werden, ist sie auch wunschbezogen.

Unnummerierter Text
sadākāli tu prāptā lakṣmīrvidyā vasati sadā […]

[…] Lakshmi und Wissen […] wohnen stets […].

Anmerkung: Fragment: zusätzliche Zeile ausschließlich aus der Variantenfußnote zum Zeugen gha; der Herausgeber markiert selbst Unsicherheit. Nicht in den Hauptvers eingefügt.

Vers 116 [Quellzählung an Position 119]
śaradāgamanaṃ hetumupanyasyāsya ye'budhāḥ |
naimittikatvaṃ bruvate na te paṇḍitabuddhayaḥ ||116||

Die Unkundigen, die den Eintritt des Herbstes als Grund anführen und diese Verehrung anlassgebunden nennen, urteilen nicht wie Gelehrte.

Anmerkung: Lesung abudhāḥ aus Zusammenhang und erkennbarem Wortrest; Quellnummer 116 an Position 119.

Vers 120
kālo na syādupādānakāraṇaṃ kasya vastunaḥ |
tadāgamanahetutve nityasyāpi hi kāmyatā ||120||

Für welches Geschehen wäre die Zeit nicht eine mitwirkende Grundlage? Wollte man ihr Eintreten zum entscheidenden Grund machen, ergäbe sich selbst für das regelmäßig Verpflichtende Wunschbezogenheit.

Anmerkung: Quelle hat kāmyatā, Wunschbezogenheit, obwohl der Einwand Anlassgebundenheit erwarten lässt. Nicht harmonisiert. Upādānakāraṇa wörtlich stoffliche beziehungsweise konstitutive Ursache.

Vers 121
akṛte jāyate nainaḥ kṛte ca na phalaṃ bhavet‌ |
naimittikasyedṛśaṃ hi bruvāṇairlakṣaṇaṃ priye ||121||

„Bei Unterlassung entsteht keine Schuld, bei Ausführung kein [besonderer] Ertrag“: Wer so, Geliebte, das anlassgebundene Ritual bestimmt …

Vers 122
phalādyādhāyake kiṃ no duṣyate vacane ubhe |
tasmādatra hi vijñeyaṃ nityakāmyatvamīśvari ||122||

… gerät der nicht mit beiden Aussagen in Widerspruch, wenn dieses Ritual doch Früchte und anderes hervorbringt? Darum ist hier ein zugleich verpflichtender und wunschbezogener Charakter zu erkennen, Herrin.

Anmerkung: Erste Wortverbindung leicht beschädigt; der Gegensatz zum Früchte gewährenden Ritual ist klar.

Rama, Ravana und der Ursprung der Herbst-Puja

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 123
yathā ca śāradīyārcā vāsantyarcā tathaiva ca |
nānayorvidyate bhedaḥ svalpo'pi nigamādiṣu ||123||

Was für die herbstliche Verehrung gilt, gilt ebenso für die frühlingszeitliche. In den Nigamas und anderen Schriften besteht zwischen ihnen nicht der geringste Unterschied.

Vers 124
āsītpūrvaṃ mahāpūjā vāsantyeva jagattraye |
rāmarāvaṇayoryuddhe jāte tretāyugāntare ||124||

Früher fand die große Puja in den drei Welten ausschließlich im Frühling statt. Als im Treta-Yuga der Kampf zwischen Rama und Ravana ausbrach …

Vers 125
kālikāṅgīkṛtatvena hantuṃ rāmo'śakanna tam‌ |
tato vai cintito bhūtvā brahmā suragaṇairvṛtaḥ ||125||

… konnte Rama ihn nicht töten, weil Kalika ihn angenommen hatte. Da geriet Brahma in Sorge und, von den Scharen der Götter umgeben …

Vers 126
kālikāṃ bodhayāmāsa himālayakṛtālayām‌ |
tvadupāsakayordevi yudhyatorghoramāhave ||126||

… weckte er Kalika, die im Himalaya wohnte: „Göttin, deine beiden Verehrer kämpfen in einer furchtbaren Schlacht …

Vers 127
parasparaṃ śikṣālāghavañca samāgatyāvalokaya |
evamabhyarthitā devyakāle bodhitā tathā ||127||

… komm und sieh ihre gegenseitigen Proben der Schulung und Gewandtheit!“ So gebeten und zur ungewohnten Zeit geweckt, ging die Göttin …

Anmerkung: Beginn stark OCR-verformt; parasparaṃ śikṣālāghavaṃ als unsichere, durch den Satz getragene Lesung. Bedeutung: Können der beiden Kämpfer vorführen.

Vers 128
jagāma brahmaṇā sārddhaṃ laṅkāṃ draṣṭuṃ raṇaṃ tayoḥ |
śuklapratipadīṣasya prāptā taṃ deśamīśvarī ||128||

… mit Brahma nach Lanka, um ihren Kampf zu sehen. Am ersten Tag der hellen Monatshälfte des Isha erreichte die Herrin jenen Ort.

Anmerkung: Iṣa: hier Herbstmonat Ashvina; keine moderne Kalenderdatierung berechnet.

Vers 124 [Quellzählung an Position 129]
saptarātraṃ nirāhāraṃ mahadyuddhamaharniśam‌ |
tayordivyāstraprayogasaṃhāraparayorabhūt‌ ||124||

Sieben Nächte lang tobte Tag und Nacht ihr gewaltiger Kampf, ohne dass sie Nahrung zu sich nahmen; beide waren darauf bedacht, göttliche Waffen einzusetzen und abzuwehren.

Anmerkung: Quelle zeigt124 an Position 129; saṃhāra kann Zurücknahme beziehungsweise Vernichtung der eingesetzten Waffe bedeuten.

Vers 130
rāmaḥ śaśāka no hantuṃ rākṣasaṃ kālyupāsakam‌ |
sa cāpi nāśakadrāmaṃ svayaṃ viṣṇumupāgatam‌ ||130||

Rama vermochte den Rakshasa, Kalis Verehrer, nicht zu töten. Dieser wiederum konnte Rama nicht töten, in dem Vishnu selbst erschienen war.

Vers 131
samīkṣya rakṣaso bāhubalaṃ devī tutoṣa ha |
svabhakta iti kṛtvāsmin‌ pakṣapātaṃ cakāra ca ||131||

Als die Göttin die Kraft der Arme des Rakshasa sah, freute sie sich. Weil er ihr eigener Verehrer war, ergriff sie für ihn Partei.

Vers 132
rakṣasyanugrahaṃ dṛṣṭvā brahmā sarvaiḥ suraiḥ saha |
santuṣṭāva stavairdivyairbhaktyā praṇatakandharaḥ ||132||

Als Brahma diese Gunst gegenüber dem Rakshasa sah, pries er sie gemeinsam mit allen Göttern durch himmlische Hymnen, voller Hingabe und mit geneigtem Haupt.

Vers 133
kākūktyā praṇipātaiśca namaskāraiḥ svarairapi |
tuṣṭā brahmāṇamūce sā kṛtasthaṃ vatsa varaṃ vṛṇu ||133||

Durch flehende Worte, Niederwerfungen, Verneigungen und gesungene Töne erfreut, sprach sie zu Brahma: „Mein Kind, wähle einen Segen!“

Anmerkung: Kṛtastham vor der Anrede ist unsicher lesbar und hier nicht zuverlässig deutbar; deutsche Übersetzung des klaren Satzes, unsicheres Attribut nicht ergänzt.

Vers 134
varaṃ vavre tataḥ sārddhaṃ tridaśaiḥ sa caturmukhaḥ |
tvatpādayorbhaktamapi tyajainaṃ duṣṭarākṣasam‌ ||134||

Da wählte der Viergesichtige gemeinsam mit den Göttern diesen Segen: „Obwohl er deinen Füßen ergeben ist, verlasse diesen bösen Rakshasa …

Vers 135
mayyanugrahaleśena viṣṇormānyatayāpi ca |
kṛpādṛṣṭyā ca deveśi dharmasaṃsthāpanāya ca ||135||

… aus einem Hauch von Gnade zu mir, aus Achtung vor Vishnu, mit einem Blick des Mitgefühls, Herrin der Götter, und um den Dharma wiederherzustellen.

Vers [Quellziffer १२३६; Position 136]
trilokī jāyatāṃ svasthāḥ devāḥ santu makhāśinaḥ |
tapastapantu munayaścāturvarṇyaṃ pravarttatām‌ ||1236||

Mögen die drei Welten wieder wohlgeordnet sein und die Götter ihre Opferanteile empfangen. Mögen die Weisen Askese üben und die Ordnung der vier Varnas wieder bestehen.

Anmerkung: Quelle zeigt beschädigte Ziffer1236; mythologische Wiederherstellung der historischen Varna-Ordnung als Textaussage bewahrt.

Vers 137
eṣa vīrajitā~llokān‌ śastrapūtañca gacchatu |
pūjāṃ pravartayiṣyāmi tava devyamaraiḥ saha ||137||

Möge er, durch die Waffe geläutert, zu den von Helden errungenen Welten gelangen. Gemeinsam mit den Unsterblichen werde ich deine Verehrung einführen, Göttin …

Anmerkung: śastrapūtaṃ im OCR beschädigt, Lesung aus Kontext; keine zusätzliche Tötungsvorschrift über den erzählten Kampf hinaus.

Vers 138
tithimādyāṃ samārabhya yāvadrakṣovadho bhavet‌ |
dināni nava te pūjā bhaviṣyati jagattraye ||138||

… vom ersten Mondtag an bis zur Tötung des Rakshasa. Neun Tage lang soll deine Puja in den drei Welten stattfinden.“

Das Fest nach dem Sieg und Ramas Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 136 [Quellzählung an Position 139]
navamyāṃ nihate vīre rāvaṇe viśvakaṇṭake |
prītimutpādayiṣyāmaḥ prabhūtabalibhistava ||136||

„Wenn am neunten Mondtag der Held Ravana, dieser Dorn der Welt, getötet ist, werden wir dich mit reichlichen Bali-Gaben erfreuen.

Anmerkung: Quellnummer 136 an Position 139; pūrti/prabhūta im zweiten Halbvers leicht beschädigt, Sinn der reichen Gaben klar.

Vers 140
apare'hni daśamyāṃ te nīrājanamahotsavam‌ |
gīternṛtyaistathā vādyairjalakardamakelibhiḥ ||140||

Am folgenden Tag, dem zehnten Mondtag, soll dein großes Nirajana-Fest begangen werden: mit Gesang, Tänzen, Instrumentalmusik und Spielen mit Wasser und Schlamm …

Anmerkung: Nīrājana: rituelle Ehrung und Reinigung, häufig durch Schwenken von Lichtern; die folgende Festbeschreibung nicht auf eine heutige Arati verkürzt.

Vers 141
aślīlaveśavacanaiḥ śastrāstraracanairapi |
rathadviradavāhānāṃ sajjanāvidhibhistathā ||141||

… mit obszönen Verkleidungen und Worten, dem Aufstellen von Waffen und Geschossen sowie dem festlichen Zurüsten von Wagen, Elefanten und Reittieren …

Anmerkung: Historische Festbräuche; keine stillschweigende Umdeutung der Obszönität in bloße Fröhlichkeit.

Vers 142
surāḥ pravartayiṣyanti manuṣyāśca mahītale |
bhakto'yaṃ rāvaṇo yadvatpādayostava kālike ||142||

… durch die Götter und die Menschen auf Erden. So wie dieser Ravana deinen Füßen ergeben ist, Kalika …

Vers 143
rāmo bhaviṣyati tathā sadaiva tava pūjakaḥ |
mantraḥ ko'pi ca te devi rāmopāsitasaṃjñayā ||143||

… wird auch Rama stets dein Verehrer sein. Und einer deiner Mantras, Göttin, wird unter der Bezeichnung ‚von Rama verehrt‘ …

Anmerkung: Kein ausgeschriebener Mantra in diesem Vers; Bezug auf die zuvor behandelte Rama-Tradition.

Vers 144
sadyastavaprītikaraḥ khyātiṃ jagati yāsyati |
ityuktā brahmaṇā kālī babhūvāsya parāṅmukhī ||144||

… in der Welt berühmt werden und dir sogleich Freude bereiten.“ Als Brahma so gesprochen hatte, wandte sich Kali von ihm [Ravana] ab.

Anmerkung: Asya bezieht sich im Handlungszusammenhang auf Ravana, nicht auf den bittenden Brahma.

Vers 145
tato jaghāna divyāstraiḥ rāghavo rāvaṇaṃ raṇe |
tata ārabhya deveśi śāradārcā pravartitā ||145||

Darauf tötete Raghava den Ravana in der Schlacht mit göttlichen Waffen. Seit jener Zeit, Herrin der Götter, wurde die herbstliche Verehrung eingeführt.

Anmerkung: Mythische Ursprungserzählung, keine historische Datierung.

Vers 146
ata eva dvayī kāryā vāsantī śāradī tathā |
keṣāñcidapi vāsantyāṃ matabhedo na vidyate ||146||

Darum sind beide zu vollziehen: die frühlingszeitliche und die herbstliche Verehrung. Über die frühlingszeitliche besteht bei niemandem eine abweichende Auffassung.

Drei Zeitfolgen der Herbstverehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 147
śāradāyāṃ tu trayo bhedāḥ kathyante te mayā'nūnāḥ |
āśvināsitapakṣasya navamī yā śivarkṣayuk‌ ||147||

Bei der herbstlichen gibt es jedoch drei Formen, die ich dir vollständig erkläre. Am neunten Mondtag der dunklen Hälfte des Ashvina, der mit Shivas Mondhaus verbunden ist …

Anmerkung: Śiva-ṛkṣa: astrologische Bezeichnung; das konkrete Mondhaus nicht ohne weitere Quelle ergänzt.

Vers 148
bodhayitveśvarīṃ tasyāṃ śaradarcanamārabhet‌ |
yāvatsyānnavamī śuklā tāvatpūjā pravartate ||148||

… wecke man die Herrin und beginne die Herbstverehrung. Die Puja wird bis zum neunten Mondtag der hellen Hälfte fortgesetzt.

Vers 146 [Quellzählung an Position 149]
ityekaḥ pakṣa udito dvitīyamavadhāraya |
pratipadyeva śuklāyāṃ bodhayitvā sureśvarīm‌ ||146||

Damit ist die erste Auffassung erklärt; höre nun die zweite. Man wecke die Herrin der Götter am ersten Mondtag der hellen Hälfte …

Anmerkung: Quellnummer 146 an Position 149.

Vers 150
abhyarcayennavāhāni tantrapaurāṇikakramaiḥ |
udīrito dvitīyo'yaṃ tṛtīyaṃ kathayāmyaham‌ ||150||

… und verehre sie neun Tage lang nach den Abläufen der Tantras und Puranas. Dies ist die zweite Form; nun erkläre ich die dritte.

Vers 151
sāyāhne bilvaśākhāyāṃ ṣaṣṭhyāṃ devīṃ prabodhayet‌ |
prātaḥ pravartate pūjā saptamyādidinatraye ||151||

Am Abend des sechsten Mondtages wecke man die Göttin in einem Bilva-Zweig. Am Morgen beginnt die Puja, die an den drei Tagen vom siebten Mondtag an vollzogen wird.

Vers 152
traividhya īdṛśyarcāyā vivadante mitho budhāḥ |
bravīmi tatra siddhāntaṃ chinnena tamo bhavet‌ ||152||

Über diese drei Formen der Verehrung streiten die Gelehrten miteinander. Ich will dir dazu die maßgebliche Erklärung geben, damit das Dunkel durchschnitten werde.

Anmerkung: Letzte Konstruktion beschädigt; Aussage über Beseitigung des Dunkels hinreichend erkennbar, keine sichere Sanskritgrammatik vorgetäuscht.

Mahishasura und die Gestalten der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 153
rambhakalpe purā devī rambhāsuratanūdbhavam‌ |
aṣṭādaśabhujā bhūtvā mahāghoratarākṛtiḥ ||153||

Einst im Rambha-Kalpa nahm die Göttin eine überaus schreckliche Gestalt mit achtzehn Armen an und [erschlug] den Sohn des Asura Rambha …

Vers 154
ugracaṇḍāsvarūpeṇa jaghāna mahiṣāsuram‌ |
śitena karavālena mṛtamenaṃ jahau tadā ||154||

… Mahishasura, in der Gestalt Ugrachandas mit einem scharfen Schwert. Den Getöteten ließ sie dort zurück.

Vers 155
patitaṃ galitaṃ cāsya vyaśīryata kalevaram‌ |
nīlalohitakalpe sa punareva vyajāyata ||155||

Sein gefallener, verwesender Leib zerfiel. Im Nilalohita-Kalpa wurde er erneut geboren.

Anmerkung: Erster Halbvers teilweise verformt; galita, Verfall, aus erkennbarem Kontext gelesen.

Vers 156
udvegakṛddevatānāṃ tathā yajñavighātakṛt‌ |
iti kṛtvā mahāmāyā bhadrakālīvapurdharā ||156||

Er versetzte die Götter in Schrecken und zerstörte die Opfer. Deshalb nahm Mahamaya die Gestalt Bhadrakalis an …

Vers 157
sambhūya ṣoḍaśabhujā viśikhena śitena hi |
avadhīt‌ tadvapuścāpi tatyāja galitaṃ bhuvi ||157||

… erschien mit sechzehn Armen und tötete ihn mit einem scharfen Pfeil. Auch diesen Leib ließ sie verwesend auf der Erde zurück.

Vers 158
śvetavārāhakalpādāvajāyata punaḥ sa hi |
jaigīṣavyaprasādena pūrvajātismaro'bhavat‌ ||158||

Zu Beginn des Shvetavaraha-Kalpa wurde er wiederum geboren. Durch die Gnade Jaigishavyas erlangte er die Erinnerung an seine früheren Geburten.

Anmerkung: Name Jaigīṣavya im OCR leicht beschädigt, nicht durch einen anderen Weisen ersetzt.

Mahishasuras Hingabe und seine Frage

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1546 [Quellzählung an Position 159]
vārdvayaṃ hataṃ jñātvā devyātmānaṃ purāsuraḥ |
strīvadhyatāṃ ca vijñāya svasyāmuṣyāṃ janāvapi ||1546||

Als der Asura erkannte, dass die Göttin ihn schon zweimal getötet hatte, und erfuhr, dass auch in dieser Geburt eine Frau ihn töten würde …

Anmerkung: Quellziffer 1546 an Position 159 beschädigt. Vāradvayam und janau grammatisch erwartbar, überlieferte Zeichen nicht als gesichert normalisiert.

Vers 160
kātyāyanamuneḥ śāpātsvapnadarśanato'pi ca |
ekāntabhaktimāsthāya trividhāṃ mahiṣāsuraḥ ||160||

… aufgrund des Fluches des Weisen Katyayana und einer Traumvision, nahm Mahishasura die dreifache ausschließliche Hingabe auf sich …

Anmerkung: Dreifache Hingabe wird hier nicht näher aufgeschlüsselt.

Vers 161
ārādhayāmāsa kālīṃ svodarkapariśuddhaye |
divyadvādaśasāhasravarṣānantaramīśvarī ||161||

… und verehrte Kali, um sein künftiges Geschick zu läutern. Nach zwölftausend göttlichen Jahren erschien die Herrin …

Anmerkung: Mythische Zeitangabe.

Vers 162
pratyakṣamāgatā tasya varaṃ vṛṇviti cābravīt‌ |
tato'suraḥ sa ūce tāṃ nirīkṣya purataḥ sthitām‌ ||162||

… sichtbar vor ihm und sagte: „Wähle einen Segen!“ Da sah der Asura sie vor sich stehen und sprach zu ihr …

Vers 163
varaṃ paścādgrahīṣyāmi devi tvatto manogatam‌ |
ādau me saṃśayaṃ chindhi jāgarūkaṃ hṛdi sthitam‌ ||163||

„Später will ich von dir, Göttin, den Segen empfangen, den ich mir wünsche. Zuerst löse den Zweifel, der wach in meinem Herzen liegt.

Vers 164
vāradvayaṃ māmavadhīḥ surārthe raṇamūrdhani |
dhṛtvā kāṃ kāmākṛtiṃ tvamaghorāmatha bhīṣaṇām‌ ||164||

Zweimal hast du mich im Kampf für die Götter getötet. Welche Gestalten hattest du dabei angenommen: eine milde oder eine furchtbare?

Anmerkung: Kāṃ kām ākṛtim als Frage nach den jeweiligen Gestalten; Worttrennung nicht als kāmākṛti, erotische Gestalt, missverstanden.

Vers 165
janmanyasminnapi punaḥ kenākāreṇa kālike |
māṃ haniṣyasi durvṛttaṃ nikhilāmarakaṇṭakam‌ ||165||

Und in welcher Gestalt wirst du mich in dieser Geburt wieder töten, Kalika, mich Übeltäter und Dorn aller Götter?“

Vers 166
niśamyedṛgvacastasya vihasya jagadambikā |
cālayantī śiraḥ kiñciduvāca madhurākṣaram‌ ||166||

Als die Mutter der Welt diese Worte hörte, lächelte sie, bewegte leicht den Kopf und sprach mit sanften Worten …

Vers 167
madīyatādṛśākāradarśanena phalaṃ tava |
kiṃ bhaviṣyati daityendra kiṃ nu […] ||167||

„Welchen Nutzen wird es dir bringen, solche Gestalten von mir zu sehen, Fürst der Daityas? Was wirst du dadurch […]?“

Anmerkung: Fragment: letzte Frage beschädigt; keine sichere Angst- oder Nutzenaussage ergänzt.

Ugrachanda und Bhadrakali erscheinen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 168
didṛkṣase cedatha tāṃ karālāmākṛtiṃ mama |
paśyetyuktvā jagaddhātrī vihāya lalitaṃ vapuḥ ||168||

„Wenn du aber meine furchtbare Gestalt sehen möchtest: Sieh!“ Mit diesen Worten legte die Trägerin der Welt ihre liebliche Gestalt ab …

Vers 164 [Quellzählung an Position 169]
ugracaṇḍātanūrūpaṃ darśayāmāsa dānavam‌ |
jvālākarālavadanamaṣṭādaśabhujānvitam‌ ||164||

… und zeigte dem Danava ihre Ugrachanda-Gestalt: mit flammenstarrendem, schrecklichem Gesicht und achtzehn Armen …

Anmerkung: Quellnummer 164 an Position 169.

Vers 170
divyaśastrāstrakalitaṃ muṇḍamālābhayaṅkaram‌ |
vidīrṇasṛkkayugalaṃ ghoradaṃṣṭrātibhīṣaṇam‌ ||170||

… ausgestattet mit himmlischen Waffen und Geschossen, furchterregend durch eine Girlande von Köpfen, mit weit aufgerissenen Mundwinkeln und überaus schrecklichen Fangzähnen …

Vers 171
jvalatsaudāminītulyarasanaṃ nādadāruṇam‌ |
tadrūpaṃ ditijo vīkṣya nyamīlayata locane ||171||

… einer Zunge wie ein aufleuchtender Blitz und entsetzlichem Gebrüll. Als der Diti-Sohn diese Gestalt sah, schloss er die Augen.

Vers 172
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā pratyuvāca ca kālikām‌ |
ghoramīdṛśamākāraṃ na śaknomi tavekṣitum‌ ||172||

Mit gefalteten Händen antwortete er Kalika: „Ich vermag deine so schreckliche Gestalt nicht anzusehen.

Vers 173
trailokyatrāsanaṃ rūpaṃ devi saṃhara saṃhara |
ityuktāsurarājena punaḥ sā prakṛtaṃ vapuḥ ||173||

Zieh die Gestalt zurück, Göttin, die die drei Welten erschreckt; zieh sie zurück!“ Auf diese Worte des Asura-Königs nahm sie wieder ihre vorherige Gestalt an …

Vers 174
dhṛtvā taṃ darśayāmāsa tataḥ svastho babhūva saḥ |
bhadrakālīvapurbhūtvā punaḥ sā parameśvarī ||174||

… und zeigte sie ihm. Da beruhigte er sich. Darauf nahm die höchste Herrin die Gestalt Bhadrakalis an …

Vers 175
nirīkṣayāmāsa rūpaṃ dvitīyaṃ jīvanāpaham‌ |
tadrūpadarśane'pyeṣa punastrāsamupeyivān‌ ||175||

… und ließ ihn jene zweite Gestalt sehen, die ihm das Leben genommen hatte. Auch bei ihrem Anblick wurde er wieder von Schrecken ergriffen.

Vers 176
tasyāpi parivṛttau sa prākṛtaḥ sambabhūva ha |
gatabhīratha tāṃ devīmuvāca ditijādhipaḥ ||176||

Als auch sie zurückgenommen war, fand er zu seinem gewöhnlichen Zustand zurück. Von Furcht befreit, sprach der Fürst der Diti-Söhne zur Göttin …

Vers 177
īdṛgākāradhāriṇyā kathaṃ devi tvayā saha |
samare yoddhumaśakamahaṃ varamadoddhataḥ ||177||

„Wie konnte ich, Göttin, von meinen Segensgaben berauscht, es vermögen, gegen dich in einer solchen Gestalt zu kämpfen?

Vers 178
garutmatā saha yathā ḍuṇḍubhasya raṇaspṛhā |
dāvāgninā pataṅgānāṃ timirasya ca bhāsvatā ||178||

Das ist, als wollte eine Dundubha-Schlange mit Garuda kämpfen, ein Insekt mit einem Waldbrand, die Finsternis mit der Sonne …

Anmerkung: Dundubha: Schlangenbezeichnung, keine sichere moderne Artbestimmung.

Vers 176 [Quellzählung an Position 179]
mṛgāṇāṃ hariṇā caiva drumāṇāṃ vāyunā tathā |
bhekānāmahinā cāpi prāṇināṃ śamanena ca ||176||

… Wildtiere mit einem Löwen, Bäume mit dem Wind, Frösche mit einer Schlange und Lebewesen mit dem Todesgott.

Anmerkung: Hari hier im Tiervergleich Löwe; Quellnummer 176 an Position 179.

Vers 180
tadvadbhavatyā samaṃ me kathamāsīnmahān‌ raṇaḥ |
yadatītamatītaṃ tadidānīṃ te varatrayam‌ ||180||

Wie konnte ich auf gleiche Weise mit dir einen gewaltigen Kampf führen? Doch das Vergangene ist vergangen. Jetzt wähle ich bei dir drei Segensgaben …

Die drei erbetenen Segensgaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 181
vṛṇe'haṃ mama taddehi manorathapathātigam‌ |
ekaṃ saumyākāradharā bhūtvāsmin‌ janmanīśvari ||181||

… gewähre sie mir, auch wenn sie über den Bereich meiner Wünsche hinausreichen. Erstens: Nimm in dieser Geburt eine milde Gestalt an, Herrin …

Vers 182
tvaṃ māṃ vadhiṣyasi trāṇahetoradhvarabhojinām‌ |
dvitīyaṃ te macchirasi vāmapādāmbujaṃ sadā ||182||

… wenn du mich tötest, um die Empfänger der Opfer zu beschützen. Zweitens: Dein linker Lotusfuß soll immer auf meinem Kopf …

Vers 183
sthāsyati prāṇayuktasya paśyatastvanmukhacchavim‌ |
tṛtīyaṃ devavadyajñabhāgaṃ prāpnomi kvacana ||183||

… ruhen, während ich lebendig bleibe und den Glanz deines Antlitzes schaue. Drittens: Möge ich wie ein Gott einen Anteil am Opfer empfangen.“

Anmerkung: Quellenbild verbindet Tötung und fortbestehendes Leben zu Füßen der Göttin; nicht rationalisiert.

Vers 184
ityevamukte vacane mahiṣeṇa surāriṇā |
uvāca sasmitaṃ devī bhaktapraṇatakandharam‌ ||184||

Als Mahisha, der Feind der Götter, so gesprochen hatte, antwortete die Göttin lächelnd dem Verehrer, der sein Haupt neigte …

Mahishasuras Herkunft und Wandlung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 185
daityendra śṛṇu madvākyaṃ yathārthaṃ madhurākṣaram‌ |
rambhāsuraste janakastapastaptvā sudāruṇam‌ ||185||

„Fürst der Daityas, höre meine wahrhaftigen und sanften Worte. Dein Vater, der Asura Rambha, übte überaus harte Askese …

Vers 186
śaṅkaraṃ toṣayāmāsa rambhakalpe himālaye |
vaca ūce harastuṣṭo mahābhāga varaṃ vṛṇu ||186||

… und erfreute damit Shankara im Rambha-Kalpa im Himalaya. Hara sprach zufrieden: ‚Glücklicher, wähle einen Segen!‘

Vers 187
hitvā so'nyavaraṃ vavre bhavān‌ putro bhavatviti |
bhaktyā niyamitaḥ kāryagatitvātsa maheśvaraḥ ||187||

Er verzichtete auf jeden anderen Segen und wählte: ‚Du selbst sollst mein Sohn werden.‘ Durch Hingabe gebunden und aufgrund des anstehenden Geschehens gewährte Maheshvara …

Anmerkung: Kāryagatitva ist ungewöhnlich und im OCR unsicher; keine konkrete göttliche Absicht erfunden.

Vers 188
varaṃ dadau sa ātmānaṃ putrīkṛtamamuṣya hi |
tasmājjāto'si mahiṣīgarbhe tvaṃ kāmamohitāt‌ ||188||

… diesen Segen, indem er sich selbst zu dessen Sohn machte. Du wurdest von ihm, als er von Begehren verblendet war, im Schoß einer Büffelkuh geboren.

Anmerkung: Mythische Herkunftsangabe ohne ausgeführte sexuelle Handlung.

Vers 186 [Quellzählung an Position 189]
sākṣāttvaṃ rudrarūpo'si na sāmānyāsurākṛtiḥ |
vijñāyāsurabhāvaṃ te śivena prārthitā satī ||186||

Du bist unmittelbar eine Gestalt Rudras, kein gewöhnlicher Asura. Als Shiva deine asurische Wesensart erkannte, bat er mich …

Anmerkung: Quellnummer 186 an Position 189.

Vers 140 [Quellzählung an Position 190]
svavadhārthaṃ mahābāho tvāṃ raṇe hatavatyaham‌ |
hatasyāpi hi tenaivāsurabhāvo gato'bhavat‌ ||140||

… um die Tötung [seiner eigenen Erscheinungsform], und ich erschlug dich in der Schlacht, du Starkarmiger. Durch dieses Getötetwerden war die asurische Wesensart gewichen.

Anmerkung: Quelle140 an Position 190. Svavadha wörtlich eigene Tötung; Bezug über Rudra-Gestalt189 erklärt, nicht als menschliche Selbsttötungsanweisung verstanden. Folgende Wiedergeburt bleibt eigenständige Aussage.

Vers 161 [Quellzählung an Position 191]
tvāṃ punarjātamasuraṃ purā rambhatanūdbhavam‌ |
bhadrakālīti vikhyātā hatavatyahamarthitā ||161||

Als du früher als Asura und Sohn Rambhas wiedergeboren wurdest, habe ich dich auf eine Bitte hin erneut getötet, bekannt unter dem Namen Bhadrakali.

Anmerkung: Quelle161 an Position 191.

Vers 162 [Quellzählung an Position 192]
janmanyasminnidānīṃ te bhāva āsura ūrjitaḥ |
mamārādhanasāmarthyādapayāto'surottama ||162||

In dieser Geburt ist nun deine mächtige asurische Wesensart durch die Kraft meiner Verehrung gewichen, Bester der Asuras …

Anmerkung: Quelle162 an Position 192.

Vers 1463 [Quellzählung an Position 193]
dvijadevatapoyajñādiṣu dveṣastathā gataḥ |
tāvakīnaṃ maho yattadaiśvaraṃ paramaṃ mahat‌ ||1463||

… ebenso dein Hass gegen Zweimalgeborene, Götter, Askese, Opfer und dergleichen. Jener Glanz, der dir gehört, jener höchste, gewaltige Glanz Ishvaras …

Anmerkung: Beschädigte Quellnummer 1463 an Position 193. Historische Gruppenwertung der Quelle beibehalten.

Vers 164 [Quellzählung an Position 194]
tatte'dhunā samāyātaṃ madārādhanahetutaḥ |
yāvattavāsuro bhāvaḥ sthito dehe surādhipa ||164||

… ist dir jetzt durch meine Verehrung wieder zugekommen. Solange aber deine asurische Wesensart im Körper verweilte, Herr der Götter …

Anmerkung: Quelle164 an Position 194; Anrede surādhipa trotz Asura-Kontext bewahrt.

Vers 155 [Quellzählung an Position 195]
tāvadvai vinihatyājau mayā tyakto'si viṭkavat‌ |
idānīṃ te kariṣyāmi sumahāntamanugraham‌ ||155||

… habe ich dich jeweils in der Schlacht getötet und wie Unrat zurückgelassen. Jetzt werde ich dir eine überaus große Gunst erweisen.

Anmerkung: Vergleichswort im OCR विट्कवत्, leicht beschädigt; Deutung Unrat vorläufig. Quelle155 an Position 195.

Der Hintergrund von Katyayanas Fluch

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1866 [Quellzählung an Position 196]
tatra hetuṃ nibodha tvaṃ matto dānavapuṅgava |
ādau tava tapo ghoraṃ punaḥ śāpo munerapi ||1866||

Höre von mir den Grund dafür, Erster der Danavas: zunächst deine strenge Askese und sodann der Fluch des Weisen.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 1866 an Position 196.

Vers 167 [Quellzählung an Position 197]
purā varamadonmatto jitvā sendrān‌ divaukasaḥ |
āsādya paramaiśvaryaṃ sahito'surapuṅgavaiḥ ||167||

Einst, trunken vom Stolz auf deine Segensgaben, hattest du die Himmelsbewohner samt Indra besiegt, höchste Herrschaft erlangt und warst mit den führenden Asuras …

Anmerkung: Quelle167 an Position 197.

Vers 168 [Quellzählung an Position 198]
bhraman‌ dharitrīmakhilāṃ viharaṃśca yatastataḥ |
akutobhayasañcāro dāsīkṛtajagattrayaḥ ||168||

… auf der ganzen Erde umhergezogen, hierhin und dorthin, ohne irgendetwas zu fürchten, nachdem du die drei Welten zu Sklaven gemacht hattest.

Anmerkung: Quelle168 an Position 198.

Vers 166 [Quellzählung an Position 199]
kātyāyanākhyasya munerāśramaṃ gatavānasi |
yadṛcchayā svairagatiḥ pralambhārthaṃ tapasvinām‌ ||166||

Nach freiem Belieben gelangtest du zufällig zum Ashram des Weisen Katyayana, um die Asketen zu täuschen.

Anmerkung: Quelle166 an Position 199.

Kapotas Meditation im Ashram

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 200
tatrāsannihito hyāsītsa hi śreṣṭhastapasvinām‌ |
ekākaḥ paraśumādāya skandhe vedaṃ śanaiḥ paṭhan‌ ||200||

Jener hervorragende Asket war gerade nicht dort. Allein, mit einer Axt auf der Schulter, langsam den Veda rezitierend …

Vers 201
phalamūledhmapatrāṇāmāhārārthaṃ gataḥ kvacit‌ |
kapotanāmā tacchiṣyo yogābhyāsaparāyaṇaḥ ||201||

… war er fortgegangen, um Früchte, Wurzeln, Brennholz und Blätter zu sammeln. Sein Schüler namens Kapota, ganz der Yoga-Praxis ergeben …

Vers 202
kātyāyanoṭajābhyāse bilvavṛkṣatale sthitaḥ |
hutvāgniṃ māsi tapasi śītārto gharmamāśritaḥ ||202||

… saß nahe Katyayanas Hütte unter einem Bilva-Baum. Im Monat Tapas, von der Kälte bedrängt, hatte er im Feuer geopfert und suchte seine Wärme …

Anmerkung: Tapas: Monatsname, gewöhnlich Magha; Feuerverb im OCR leicht beschädigt.

Vers 203
rudrākṣamālābharaṇo bhasmoddhūlitavigrahaḥ |
mṛdvaiṇeyājinatalakṛtāsanaparigrahaḥ ||203||

… geschmückt mit einer Rudraksha-Kette, den Körper mit Asche bestäubt, auf einem Sitz aus weichem Antilopenfell.

Anmerkung: Zusammensetzung des ersten Wortes der zweiten Zeile beschädigt; Antilopenfell und weiche Unterlage hinreichend lesbar.

Vers 204
dhyāyan‌ jyotirnirākāraṃ gṛṇan‌ vedaṃ sanātanam‌ |
nimīlitekṣaṇaḥ kiñcidbāhyasaṃvittivarjitaḥ ||204||

Er meditierte über das gestaltlose Licht, rezitierte den ewigen Veda, hielt die Augen geschlossen und war ohne äußere Wahrnehmung …

Anmerkung: Kiñcit könnte den Augenschluss oder die Einschränkung äußerer Wahrnehmung näher bestimmen; genaue Verbindung unsicher.

Vers 205
turīyāmantrajapakṛdapunarbhavahetave |
sukhenāsācalasvānto'pyantarniṣṭho mahāmuniḥ ||205||

… und wiederholte den Turiya-Mantra, um nicht wiedergeboren zu werden. So saß der große Weise glücklich, mit unbewegtem Herzen, ganz im Inneren gegründet.

Anmerkung: Saß: āsā als beschädigte Form von āsa normalisiert. Mantra hier nur benannt, nicht ausgeschrieben.

Mahishasuras Herausforderung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 206
tadavasthaṃ muniṃ dṛṣṭvā hasaṃstvamavado'khilān‌ |
svakīyānanucarān‌ daityān‌ darśayitvā tamañjasā ||206||

Als du den Weisen in diesem Zustand sahst, lachtest du, zeigtest auf ihn und sprachst zu allen Daityas in deinem Gefolge …

Anmerkung: Die Göttin erzählt Mahishasura seine frühere Handlung in der zweiten Person.

Vers 207
bho bhoḥ śṛṇuta madvākyaṃ daityāḥ kautukagarbhitam‌ |
īdṛśaṃ vidyate māyābalaṃ sāmarthyameva vā ||207||

„Hört, Daityas, meine Worte voller Vergnügen! Besitzt irgendjemand eine solche Macht der Täuschung oder solche Fähigkeit …

Vers 208
kasyāpi yo'muṃ lobhayati kāntādiviṣayādibhiḥ |
antarniṣṭhaṃ mano'muṣya parāvṛtyāpakṛṣya ca ||208||

… dass er diesen Mann durch eine schöne Frau oder andere Sinnesgegenstände verlocken könnte? Wer seinen nach innen gerichteten Geist umwendet und herauszieht …

Vers 2046 [Quellzählung an Position 209]
bahirniṣṭhaṃ karoti drāgyastaṃ manye sumāyinam‌ |
bāhyasaṃvedanāhīna īdṛgdhyānaparo'pyayam‌ ||2046||

… und ihn sogleich nach außen richtet, den halte ich für einen großen Meister der Täuschung. Obwohl er derart in Meditation versunken ist und nichts Äußeres wahrnimmt …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2046 an Position 209.

Vers 210
mayā mohayituṃ śakyaḥ sadyaḥ prākṛtamartyavat‌ |
māyābalaṃ paśyata me mohanaṃ ca vaśakriyām‌ ||210||

… kann ich ihn sofort verwirren wie einen gewöhnlichen Sterblichen. Seht meine Täuschungsmacht, meine Verblendungskunst und meine Unterwerfungskraft …

Die verwirrende Frauengestalt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 211
līlākarma vinodaṃ ca svacchandaṃ hasatāpi ca |
ityuktvā kāminīrūpaṃ jhaṭityeva tvamagrahīḥ ||211||

… mein spielerisches Tun und Vergnügen, frei und lachend!“ Mit diesen Worten nahmst du augenblicklich die Gestalt einer schönen Frau an …

Vers 212
trilokīmohanakaraṃ kimutarṣeramuṣya hi |
pīyūṣamathanasyānte tridaśāsurayoḥ purā ||212||

… die die drei Welten bezaubern konnte – um wie viel mehr diesen Weisen! Einst, am Ende des Quirlens des Nektars, als Götter und Asuras …

Vers 213
parasparaṃ vivadatoramṛtārthe dhṛtātmanoḥ |
mohanāya yathā viṣṇurjagrāha lalanākṛtim‌ ||213||

… fest entschlossen um das Amrita miteinander stritten, hatte Vishnu eine Frauengestalt angenommen, um sie zu täuschen.

Vers 214
tato'pi ruciraṃ rūpaṃ gṛhītvā tvaṃ hi māyayā |
divyālaṅkāravasanaṃ divyasraganulepanam‌ ||214||

Du nahmst durch deine Maya eine noch schönere Gestalt an, mit himmlischem Schmuck und Gewändern, himmlischen Kränzen und Salben …

Vers 215
sthāpayitvātidūre svān‌ daityendrānanuyāyinaḥ |
abhyarṇamasya gatavān‌ vikārānmānmathāṃstataḥ ||215||

… ließest die Daitya-Fürsten deines Gefolges in weiter Ferne zurück, tratest in seine Nähe und zeigtest dann Regungen der Liebe …

Vers 216
ceṣṭāsaṃvalitān‌ […] daivacoditaḥ |
vikāramāpa ca sa hi bhūtāviṣṭa iva drutam‌ ||216||

… verbunden mit entsprechenden Gebärden, vom Schicksal getrieben. Sogleich geriet auch er in Erregung, als wäre er von einem Geist besessen.

Anmerkung: Fragment: Verb und nähere Bestimmung nach ceṣṭā-saṃvalitān beschädigt; lesbare Nachbarteile bewahrt.

Vers 217
mohitastena rūpeṇa trailokyasyāpi mohanā |
kandarpalālasāviddhahṛdayo bhogalolupaḥ ||217||

Von jener Gestalt bezaubert, die selbst die drei Welten verwirren konnte, im Herzen von Liebesverlangen getroffen und nach Genuss begierig …

Anmerkung: Endung mohanā im OCR unsicher; Zuordnung zur bezaubernden Gestalt klar.

Vers [२१ब; Ziffer beschädigt] [Quellzählung an Position 218]
ātmānaṃ vismarannaṣṭajñāno dhairyacyutāśayaḥ |
tvāmanviyāya śanakairyatra yatrāgamo'sura ||21ba||

… vergaß er sich selbst, verlor seine Erkenntnis und innere Festigkeit und folgte dir langsam, wohin du auch gingst, Asura.

Anmerkung: Quellziffer 218amEnde beschädigt.

Vers 2146 [Quellzählung an Position 219]
uccairjahāsa hasati tvayi kāmarasākulaḥ |
rudatyapi rurodāśu babhrāma bhramati smayan‌ ||2146||

Von Liebesempfindung überwältigt, lachte er laut, wenn du lachtest; weintest du, weinte er sofort, und wenn du umhergingst, ging er lächelnd mit.

Anmerkung: Quellziffer 2146 an Position 219; letzte Verben aus lesbaren Wortresten, leichte OCR-Normalisierung.

Vers 220
anuyāntaṃ bhavantaṃ taṃ kapotarṣiṃ nirīkṣya te |
tvadīyāste […] asurāstāmracikṣuracāmarāḥ ||220||

Als deine Asuras – Tamra, Chikshura und Chamara – sahen, wie der Weise Kapota dir folgte, […]

Anmerkung: Fragment: ihr Verhalten im zweiten Halbvers beschädigt; Namenfolge erhalten, kein erfundenes Lachen ergänzt.

Kapotas Verlangen und die Täuschung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 221
vārito'nyairapi munirmunibhirbubudhe na saḥ |
athovāca kapotastvāṃ strīrūpācchannavigraham‌ ||221||

Obwohl andere Weise ihn zurückzuhalten versuchten, kam er nicht zur Einsicht. Da sprach Kapota zu dir, dessen Leib von einer Frauengestalt verhüllt war …

Vers 222
vilāsinyapi matprāṇānapahṛtya kva gacchasi |
tvadīyasuratākṛṣṭacetasaṃ rūpamohitam‌ ||222||

„Du Liebreizende, wohin gehst du, nachdem du mir das Leben geraubt hast? Erkenne mich, dessen Geist von der Liebe mit dir angezogen und von deiner Schönheit bezaubert ist …

Vers 223
māṃ viddhi cañcalāpāṅgi tava dāsamupāgatam‌ |
adharāmṛtadānena jīvaya prāṇavallabhe ||223||

… als deinen Diener, der zu dir gekommen ist, du mit den beweglichen Seitenblicken. Erwecke mich durch den Nektar deiner Lippen zum Leben, Geliebte meines Lebens!

Vers 224
anaṅgaḥ ploṣayatyaṅgaṃ […] |
upagūhasva māṃ bhadraṃ jīvanaṃ rakṣa śobhane ||224||

Ananga verbrennt meinen Leib […]. Umarme mich, du Schöne, und rette mein Leben!“

Anmerkung: Fragment: Redezusatz im ersten Halbvers beschädigt. Ananga: der Liebesgott als Körperloser.

Vers 225
āliṅgayiṣyasi na māṃ yadi devi svakāṃ tanum‌ |
asubhīrahitaṃ sadyo jānīhi hariṇekṣaṇe ||225||

„Wenn du mich nicht umarmst, Göttin, so wisse, Rehäugige, dass mein Leib sogleich ohne Leben sein wird.“

Anmerkung: asubhirahitam erwartet, OCR असुभीरहितं: Ausfall im wiedergegebenen Sanskrit nicht als sichere Lesung verheimlicht. Svakāṃ tanum wörtlich eigenen Leib, Bezug aus Sprecherkontext.

Vers 226
vīkṣyetthaṃ vilapantaṃ taṃ nigūḍhahasito bhavān‌ |
pratyuvāca smitaṃ kṛtvā kimidaṃ sāhasaṃ tava ||226||

Als du ihn so klagen sahst, verbargst du dein Lachen, lächeltest und antwortetest: „Was ist das für eine Kühnheit von dir?

Vers 227
prakāśo'yaṃ samuddeśaḥ sarve paśyanti tāpasāḥ |
jihremi bālā yogīndra sakhīvirahitā satī ||227||

Dieser Ort liegt offen da, alle Asketen sehen uns. Ich schäme mich als junge Frau, Herr der Yogis, denn ich bin ohne Freundin hier.

Anmerkung: Bālā bezeichnet hier die angenommene Frauengestalt des Asura; eine Alterszahl enthält die Quelle nicht. Jihremi, ich schäme mich, im OCR verformt.

Vers 228
riraṃsuryadi lubdho'si madrūpeṇātimohinā |
āgaccha śrīphalādhastāddāsyāmi surataṃ tava ||228||

Wenn du nach Liebesgenuss verlangst und von meiner bezaubernden Gestalt entflammt bist, komm unter den Shriphala-Baum; dort werde ich dir Liebesgenuss gewähren.“

Anmerkung: Shriphala hier Bilva-Baum, wie die Fortsetzung zeigt.

Vers 224 [Quellzählung an Position 229]
ityuktvā taṃ kare dhṛtvā tale mālūraśākhinaḥ |
tadaṅka upaviṣṭo'si kurvan‌ suratavibhramān‌ ||224||

Mit diesen Worten nahmst du ihn bei der Hand, setztest dich unter dem Malura-Baum auf seinen Schoß und vollführtest Gebärden des Liebesspiels.

Anmerkung: Quelle224 an Position 229. Malura: weitere Bezeichnung des Bilva-Baums; handelnder Asura in seiner angenommenen Frauengestalt.

Vers 230
gomigonardabābhravyavātsyāyanahayānanaiḥ |
ye'laṅkārāḥ kāminīnāṃ kāmaśāstre nirūpitāḥ ||230||

Die Ausdrucksformen der Liebenden, welche Gomi, Gonarda, Babhravya, Vatsyayana und Hayanana in der Liebeslehre beschrieben haben …

Anmerkung: Namen Gomi und Hayanana vorläufig; keine externe Zuschreibung oder Textidentifikation behauptet.

Vers 231
aṣṭacatvāriṃśatsaṅkhyā aṣṭasattvasvabhāvajāḥ |
bhavatā te kṛtāḥ sarve yairunmatto'bhavanmuniḥ ||231||

… achtundvierzig an der Zahl, aus der Natur von acht Sattvas hervorgehend, hast du alle ausgeführt; dadurch geriet der Weise außer sich.

Anmerkung: Aṣṭasattva bezeichnet hier eine nicht näher erklärte Achtteilung der Natur beziehungsweise Gemütsverfassung; nicht mit fremden Listen ergänzt.

Katyayanas Rückkehr in den Ashram

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 232
tvayā vimohitaṃ dṛṣṭvā kapotaṃ munipuṅgavam‌ |
adudruvurbhayodvignā āśramasthāstapasvinaḥ ||232||

Als die Asketen im Ashram sahen, dass du den hervorragenden Weisen Kapota verblendet hattest, liefen sie voll Angst davon.

Vers 233
etasminneva samaye ājagāma munīśvaraḥ |
idhmabhārācitaskandhaḥ kare phalakaraṇḍavān‌ ||233||

Genau zu diesem Zeitpunkt kehrte der Herr der Weisen zurück, die Schulter mit Brennholz beladen und einen Fruchtkorb in der Hand …

Vers 234
kuśabhārābhugnapṛṣṭhaḥ […] |
paśyan‌ sa viparītāni nimittāni tapodhanaḥ ||234||

… den Rücken unter einer Last Kusha-Gras gebeugt […]. Der an Askese reiche Weise sah unheilvolle Vorzeichen …

Anmerkung: Fragment: weitere Lastbeschreibung im ersten Halbvers beschädigt, nicht als Blumenladung ergänzt.

Vers 235
cintayāmāsa manasā visphuradvāmalocanaḥ |
kaṣṭamāpatitaṃ prāya āśramasthatapasvinām‌ ||235||

… und dachte, während sein linkes Auge zuckte: „Wahrscheinlich ist den Asketen im Ashram ein Unglück zugestoßen.

Vers 236
agnyāgārāṇi vai nūnaṃ nāśyante rakṣasāṃ gaṇaiḥ |
tapasvinyo hriyante vā balāddānavapuṅgavaiḥ ||236||

Gewiss zerstören Rakshasa-Scharen die Feuerhäuser, oder führende Danavas verschleppen die Asketinnen mit Gewalt.

Anmerkung: Befürchtung innerhalb der Erzählung; keine zusätzliche sexuelle Handlung geschildert.

Vers 2357 [Quellzählung an Position 237]
na bhītiḥ śvāpadebhyo'tra vidyate matprasādataḥ |
puṣpaketurathāyāto maddarśanasamīhayā ||2357||

Dank meiner Gunst besteht hier keine Gefahr durch Raubtiere. Ist vielleicht Pushpaketu gekommen, um mich zu sehen …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2357 an Position 237. Pushpaketu bleibt Personenname; die spätere Erwähnung des Königs257 wird nicht durch eine Identifikation mit dem Liebesgott ersetzt.

Vers 238
tadanīkoparodho vā kimeṣa sumahān‌ svanaḥ |
itthaṃ vicintayanneṣa āsasāda svamāśramam‌ ||238||

… und verursacht sein Heer diesen Aufruhr? Was ist dieser gewaltige Lärm?“ Während er so nachdachte, erreichte er seinen Ashram.

Vers 234 [Quellzählung an Position 239]
kṣubdhaprāyaṃ samālokya tāpasāvasathaṃ mahat‌ |
bhīrūṇabālakastrīkaṃ palāyitatapodhanam‌ ||234||

Er sah die große Wohnstätte der Asketen in Aufruhr, Kinder und Frauen voller Angst und die Asketen auf der Flucht …

Anmerkung: Quellnummer 234 an Position 239. Zusammensetzung um bhīrūṇa beschädigt, Sinn der erschrockenen Bewohner klar.

Vers 240
bhayalīnāgnihotrāgni dhāvamānajaranmuni |
paryapṛcchadṛṣiṃ kañcidākrandārāvakāraṇam‌ ||240||

… die Agnihotra-Feuer wie vor Furcht erloschen und alte Weise umherrennend. Er fragte einen Rishi nach dem Grund des Geschreis und Wehklagens.

Anmerkung: Die personifizierte Furcht der Opferfeuer als Quellenbild bewahrt.

Der Bericht über Kapotas Verwirrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 241
sa sādhvasākulo bhūtvā lolākṣaravāgjagau |
mahiṣāsura āgatya parimardya tamāśramam‌ ||241||

Der sprach angstvoll mit stockenden Worten: „Mahishasura ist gekommen, hat den Ashram bedrängt …

Anmerkung: Wort zur stockenden Rede im OCR unsicher, Sinn nach sādhvasa und Resten lola-akṣara.

Vers 242
āsthāya kāminīrūpaṃ trailokyonmādakāraṇam‌ |
pralobhyate kapoto'sau śiṣyāṇāmagraṇīstava ||242||

… und eine Frauengestalt angenommen, die die drei Welten außer sich bringen könnte. Kapota, der Erste deiner Schüler, wird von ihm verführt.

Vers 243
tadaṅka upaviśyāyaṃ pralobhyāmuṃ ca māyayā |
vilāsamadavicchittihāvahelāhalīsakān‌ ||243||

Er hat sich auf seinen Schoß gesetzt und ihn durch Maya verlockt. Er zeigt Vilasa, Mada, Vichchhitti, Hava, Hela und Hallisaka …

Anmerkung: Bezeichnungen theatralischer beziehungsweise erotischer Ausdrucksformen: spielerische Anmut, selbstbewusster Liebreiz, kunstvolle Erscheinung, Liebesgebärde, offenes Kokettieren und Reigentanz. Einzelzuordnungen sind erläuternd, keine neue Quellenliste.

Vers 244
moṭṭāyitaṃ kuṭṭamitaṃ vibhramaṃ lalitaṃ haṭham‌ |
vikṣepaṃ cakitaṃ maugdhyaṃ vikṛtaṃ tapanaṃ dravam‌ ||244||

… Mottayita, Kuttamita, Vibhrama, Lalita und Hatha; Vikshepa, Chakita, Maugdhya, Vikrita, Tapana und Drava …

Anmerkung: Technische Namen bleiben erhalten: Sehnsuchtsregung, gespielte Abwehr, Verwirrung, Anmut, Beharren, Zerstreutheit, Erschrecken, Unbefangenheit, veränderte Haltung, Liebesglut und Erweichen; einige Namensformen beschädigt, Deutungen nur Orientierung.

Vers 245
āścaryaṃ hasitaṃ keliṃ bhāvaṃ ruditamarjitam‌ |
kilakiñcitabibbokau kurvannīkṣati karṣati ||245||

… Staunen, Lachen, Spiel, Gemütsbewegung, Weinen, Arjita, Kilakinchita und Bibboka. Während er dies ausführt, blickt er ihn an und zieht ihn an sich.

Anmerkung: Arjita nicht sicher lesbar/deutbar; Kilakinchita und Bibboka als technische Begriffe für gemischte Liebesregungen und stolze Zurückhaltung beibehalten. Keine sichere achtundvierzigteilige Liste konstruiert.

Vers 256 [Quellzählung an Position 246]
taṃ trāyasva mahābhāga daityendreṇa viḍambitam‌ |
mithyālubdhaṃ kāmavaśaṃ gantuṃ śaknoṣi tatra cet‌ ||256||

Rette ihn, du Glücklicher, der vom Daitya-Fürsten zum Narren gemacht wird, von einer Täuschung verlockt und dem Begehren ausgeliefert – sofern du dorthin gelangen kannst!“

Anmerkung: Quelle256 an Position 246.

Der Lehrer tritt an den Schüler heran

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 247
evamuktaḥ sa muninā bhāraṃ nipātya varṣmaṇaḥ |
sasāra gatabhīrbilvamāśramasyāvidūrataḥ ||247||

Als der Weise so zu ihm gesprochen hatte, legte er seine Last ab und ging furchtlos zum Bilva-Baum unweit des Ashrams.

Vers 248
so'paśyattadavasthaṃ taṃ yathoktaṃ harimedhasā |
udvahantaṃ daityamaṅke mohinīrūpadhāriṇam‌ ||248||

Er sah ihn genau in dem Zustand, den Harimedhas beschrieben hatte: Auf seinem Schoß trug er den Daitya in der Gestalt einer Verführerin.

Anmerkung: Mohini als angenommene bezaubernde Gestalt; kein Wechsel der handelnden Person zu Vishnu.

Vers 246 [Quellzählung an Position 249]
tvāṃ nirīkṣyāsyāpi manaḥ kiñcinmohamupāspṛśat‌ |
tathāpi dhairyamāsthāya tasthau sa ṛṣisattamaḥ ||246||

Als er dich erblickte, wurde auch sein Geist ein wenig von Verwirrung berührt. Dennoch bewahrte der hervorragende Rishi seine Festigkeit und blieb stehen.

Anmerkung: Quellnummer 246 an Position 249.

Katyayanas Ermahnung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 250
uvāca cāntevāsinaṃ svaṃ kapota kimayaṃ mahān‌ |
cittavibhrama īdṛkṣo'bhūtapūrvo'timohadaḥ ||250||

Er sprach zu seinem Schüler: „Kapota, was ist das für eine gewaltige, nie zuvor erlebte Verwirrung des Geistes, die dich so sehr verblendet?

Vers 251
yogābhyāsaḥ kva te yātaḥ śrutīnāṃ nipaṭhaḥ sa ca |
kurvatyātmānaṃ dṛḍhataraṃ kutra jñānaṃ gataṃ tava ||251||

Wohin sind deine Yoga-Praxis und dein Studium der Shrutis verschwunden? Wo ist deine Erkenntnis geblieben, die dich innerlich fest macht?

Anmerkung: Letzte Verbverbindung beschädigt; Sinn der Festigung des Selbst vorläufig, kein sicherer Sanskritsatz behauptet.

Vers 252
purāviśati mohastvāmandhayan‌ hṛdayaṃ tava |
rambhātmajo'yamasuro mahiṣo nāma māyikaḥ ||252||

Verblendung dringt in dich ein und macht dein Herz blind. Dies ist der Asura namens Mahisha, Rambhas Sohn, ein Meister der Täuschung.

Anmerkung: Pura/āviśati am Beginn unsicher; zeitliche Nuance nicht ergänzt.

Vers 253
chadmastrīrūpamāsthāya tvāṃ lobhayitumāgataḥ |
māmatrāyātamālokya vijña na trapase katham‌ ||253||

Er ist in einer trügerischen Frauengestalt gekommen, um dich zu verlocken. Du Wissender, warum schämst du dich nicht, da du siehst, dass ich hierhergekommen bin?

Vers 254
naiṣṭhikabrahmacārī tvaṃ bodhito'pi mayā purā |
na dārānakaroḥ sādho gṛhasthācārahetukān‌ ||254||

Du bist ein lebenslang enthaltsamer Brahmacharin. Obwohl ich dir früher zugeredet habe, hast du, guter Mann, nicht geheiratet, um das Leben eines Haushälters zu führen.

Vers 255
so'yaṃ kiṃ tvaṃ bhogakāmo māyayāsuramāgatam‌ |
na vetsi naṣṭajñānaḥ san‌ yathā jāto yathālpadhīḥ ||255||

Wie kommt es, dass du nun Genuss begehrst und den durch Maya erschienenen Asura nicht erkennst? Du hast dein Wissen verloren und bist wie ein Neugeborener, wie jemand von geringer Einsicht geworden.

Anmerkung: Yathā jātaḥ im OCR unsicher; Vergleich mit Unerfahrenheit, keine Altersangabe zu Kapota.

Vers 256
saṃsārānityatāṃ jñātvā mahimānaṃ tathātmanaḥ |
chadmastrīveśatāṃ cāsya mā kāmavaśamanvagāḥ ||256||

Erkenne die Vergänglichkeit des Samsara, die Größe des Atman und dass dieser nur als Frau verkleidet ist. Begib dich nicht unter die Gewalt des Begehrens!

Vers 257
atha cedicchasi pariṇayaṃ kartuṃ mahāmate |
sutāṃ rājñaḥ puṇyaketoryāciṣyāmi bhavatkṛte ||257||

Wenn du aber heiraten möchtest, du Einsichtsvoller, werde ich für dich um die Tochter des Königs Punyaketu werben …

Anmerkung: Hier Puṇyaketu, zuvor 237 Puṣpaketu; abweichende Namensform erhalten, nicht harmonisiert.

Vers 258
atīva strīguṇairyuktāṃ sākṣādratimivāgatām‌ |
ātmajñānena mahatā mayā dattena putraka ||258||

… die außerordentlich mit weiblichen Vorzügen ausgestattet ist und wie Rati selbst erscheint. Durch die große Erkenntnis des Atman, die ich dir vermittelt habe, mein Sohn …

Anmerkung: Keine Alterszahl; Heiratsangebot, keine ausgeführte sexuelle Handlung.

Vers 254 [Quellzählung an Position 259]
jyotirmayyā divyadṛṣṭyā tyajenaṃ mahiṣāsuram‌ |
ityādi bodhyamāno'pi yadā na bubudhe muniḥ ||254||

… und durch die lichtvolle göttliche Sicht: Lass diesen Mahishasura los!“ Doch obwohl er ihm so und ähnlich Einsicht zu vermitteln suchte, kam der Weise nicht zu sich …

Anmerkung: Quellnummer 254 an Position 259.

Vers 260
nistandraṃ […] guruṃ cānvapadyata nottaram‌ |
vahaṃścaiva bhavantaṃ sa tasthau sandākṣavarjitaḥ ||260||

… er […] den Guru und gab keine Antwort. Ohne Scham blieb er sitzen und hielt dich weiterhin [auf seinem Schoß].

Anmerkung: Fragment: erstes Verb und nähere Bestimmung beschädigt; Antwortlosigkeit und fortdauerndes Halten klar.

Der Versuch, Kapota zu befreien

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 261
tataḥ kātyāyano jñātvā buddhimasya tvayā hṛtām‌ |
smṛtiṃ dhṛtiṃ cetanāṃ ca jugupsāṃ hriyameva ca ||261||

Da erkannte Katyayana, dass du ihm Einsicht, Erinnerung, Standhaftigkeit, Bewusstsein, Abneigung [gegen Ungehöriges] und Scham geraubt hattest …

Vers 262
kareṇa tvatkarau dhṛtvā vicakarṣa balena hi |
śatapadmamahāmattadantāvalabalo bhavān‌ ||262||

… er fasste deine Hände und zog mit Kraft an dir. Du aber besaßest die Stärke von hundert Padmas gewaltiger, brünstiger Elefanten.

Anmerkung: Padma als traditionelle Großzahl beibehalten; keine unsichere Dezimalzahl errechnet.

Vers 263
kathaṃkāraṃ tena śakya utthāpayitumañjasā |
kapotāṅkātsamuddhartuṃ tvāṃ śaśāka yadā na saḥ ||263||

Wie hätte er dich ohne Weiteres aufrichten können? Als es ihm nicht gelang, dich von Kapotas Schoß herunterzuheben …

Vers 264
atīva cukrodha tadā dāvānala iva jvalan‌ |
vimṛśya tava daurātmyaṃ śāpāya ca manodadhe ||264||

… geriet er in heftigen Zorn und loderte wie ein Waldbrand. Er bedachte deine Bosheit und fasste den Entschluss, dich zu verfluchen.

Macht, Hochmut und asketische Kraft

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 265
śṛṇu re mūrkha daityendra varadānena garvitaḥ |
tṛṇavat triṣu lokeṣu na kiñcidapi manyase ||265||

„Höre, törichter Daitya-Fürst! Stolz auf deine Segensgaben hältst du in den drei Welten nichts auch nur eines Grashalms für wert.

Anmerkung: Tṛṇavat triṣu als erkennbare, im OCR verschmolzene Wortfolge.

Vers 266
indrādidaśadikpālān‌ jitvā tvāṃ garva āviśat‌ |
viṣṇoḥ sudarśanaṃ cakraṃ kuṇṭhitaṃ tava vakṣasi ||266||

Nachdem du Indra und die übrigen zehn Weltenhüter besiegt hattest, ergriff dich Hochmut. Vishnus Sudarshana-Diskus wurde an deiner Brust stumpf.

Vers 267
girīśasyāpi paraśuḥ […] tavorasi |
agāttūlatulāṃ cāpi brahmaṇaḥ karakodakam‌ ||267||

Auch Girishas Axt […] an deiner Brust. Selbst das Wasser aus Brahmas Gefäß wurde für dich leicht wie Baumwolle.

Anmerkung: Fragment: Vergleich zur Axt im ersten Halbvers beschädigt; zweiter Vergleich bezeichnet Wirkungslosigkeit im mythologischen Kampf.

Vers 268
śāpāśca munibhirdattāścakruraṅge rujāṃ na te |
vaśībhūtāni te santi bhuvanāni caturdaśa ||268||

Die Flüche der Weisen verursachten deinem Körper keinen Schmerz. Die vierzehn Welten sind dir unterworfen.

Vers 266 [Quellzählung an Position 269]
senādhyakṣāśca te santi nikharvaśatasammitāḥ |
lakṣaikāśītisāhasramitāstava suradviṣaḥ ||266||

Du besitzt hundert Nikharvas Heerführer. Deine Götterfeinde zählen ein Lakh und einundachtzigtausend …

Anmerkung: Quellnummer 266 an Position 269. Nikharva traditionelle Großzahl; lakṣaikāśītisāhasra wahrscheinlich181000, Zahlverbindung mit Folgevers bleibt unsicher.

Vers 270
caturaṅgānvitamahākṣauhiṇī ditijādhipa |
svāyattā vidyate […] mūḍha triparārdhāśca dānavāḥ ||270||

… große Akshauhinis mit allen vier Truppengattungen, Fürst der Diti-Söhne. Dir unterstehen […] und drei Parardhas Danavas, du Tor.

Anmerkung: Fragment: Numerus und Verbindung der Heereszahlen beschädigt. Akshauhini traditionelle Heereseinheit, Parardha Großzahl; keine Dezimalumrechnung oder Auffüllung.

Vers 271
śatapadmapramitebhabalaścāsi svayaṃ tathā |
tena te'haṅkṛtirjātā tāṃ te sañcūrṇayāmyaham‌ ||271||

Du selbst besitzt die Stärke von hundert Padmas Elefanten. Daraus ist dein Hochmut entstanden; den werde ich nun zerschmettern.

Vers 272
paśya me tapaso vīryaṃ kuśedhmavahanākṛteḥ |
balaṃ kṛśānāmaṅgānāṃ yogakṣāmaśirājuṣām‌ ||272||

Sieh die Kraft meiner Askese, obwohl ich nur Kusha-Gras und Brennholz zu tragen scheine! Sieh die Stärke meiner mageren Glieder, deren Adern durch Yoga hervortreten.

Anmerkung: Letzte Zusammensetzung yogakṣāmaśirājuṣām leicht beschädigt; asketisch abgemagerte Glieder mit sichtbaren Adern als vorläufige Deutung.

Katyayanas Fluch

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 273
yādṛgrūpaṃ dadhattvaṃ vai śiṣyaṃ mohitavānmama |
dadhānā tādṛśaṃ rūpaṃ kācitstrī rucirākṛtiḥ ||273||

„Eine Frau von schöner Gestalt, die eben jene Gestalt annimmt, mit der du meinen Schüler verblendet hast …

Anmerkung: Fortsetzung von Katyayanas Rede.

Vers 274
tvāṃ haniṣyati saṅgrāme sarvasainyasamanvitam‌ |
mūrdhni te padākramya chittvā sadyo varāsinā ||274||

… wird dich samt deinem ganzen Heer in der Schlacht töten. Sie wird ihren Fuß auf deinen Kopf setzen, nachdem sie [ihn] sogleich mit einem vortrefflichen Schwert abgetrennt hat …

Anmerkung: Chittvā im OCR beschädigt; alternative Fußnotenlesung cha sichtbar. Abfolge und Körperbild nicht zu moderner Bildbeschreibung harmonisiert.

Vers 2715 [Quellzählung an Position 275]
kāsarākāradehasya lāṅgulaṃ vāmapāṇinā |
dhṛtvānutkrāntajīvasya parāmṛṣṭakacasya ca ||2715||

… mit der linken Hand den Schwanz deines büffelgestaltigen Leibes halten, dessen Leben noch nicht entwichen ist, und dein Haar ergreifen …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2715 an Position 275. Das gleichzeitige Bild von Büffelleib, Haar und fortbestehendem Leben bleibt Quellenbild.

Vers 276
kalpānanekān‌ durbuddhe sthāsyati prasabhīkṛtaḥ |
ityuktamātro munyaṅkādudasthādditijeśvaraḥ ||276||

… und so wirst du, Tor, viele Kalpas lang gewaltsam bezwungen bleiben.“ Kaum war dies gesagt, erhob sich der Diti-Fürst vom Schoß des Weisen.

Anmerkung: Sthāsyati versus erwartetes sthāsyasi im ersten Halbvers unklar; sicher ist der fortdauernde Zustand des Bezwungenseins.

Mahishasuras Herausforderung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 277
kātyāyanamavocaśca kiñcittāmrekṣaṇo ruṣā |
nāhaṃ bhīṣayituṃ śakyastāpasāpasada tvayā ||277||

Mit vor Zorn leicht geröteten Augen sprachst du zu Katyayana: „Du kannst mich nicht einschüchtern, du elender Asket …

Anmerkung: Wechsel von Erzählung in dritter Person276 zur direkten Anrede durch die Göttin bewahrt.

Vers 278
vāṅmātreṇa na cāsāte tava śastrabale tathā |
brahmaṇo yajjalaṃ vedamantrapūtaṃ kamaṇḍaloḥ ||278||

… mit bloßen Worten; auch verfügst du weder über Waffen noch über Stärke. Das Wasser aus Brahmas Kamandalu, durch Veda-Mantras gereinigt …

Anmerkung: Na cāsāte als Dual über Waffen und Kraft vorläufig gelesen; Quellform ungewöhnlich.

Vers 276 [Quellzählung an Position 279]
daityendrakaṇṭhanālacchidviṣṇorapi sudarśanam‌ |
īśānasyāpi paraśuḥ kalpāntakaraṇodyataḥ ||276||

… Vishnus Sudarshana, der die Hälse der Daitya-Fürsten durchschneidet, und Ishanas Axt, bereit, das Ende eines Kalpa herbeizuführen …

Anmerkung: Quellnummer 276 an Position 279.

Vers 280
dikpālānāṃ tu sarveṣāṃ śastrādīnāṃ kathaiva kā |
prasūnavannipatitaṃ madvakṣasi tapodhana ||280||

… sind auf meine Brust gefallen wie Blumen, du Asket. Was soll man da erst von den Waffen aller Weltenhüter sagen?

Vers 281
tatra te vai kiyāneṣa śāpo mānuṣajanmanaḥ |
anyaccaitādṛśaṃ rūpaṃ striyāḥ kasyā bhaviṣyati ||281||

Was vermag dagegen dein Fluch, der du als Mensch geboren bist? Und welche Frau sollte außerdem eine solche Gestalt besitzen?

Vers 282
sā punaḥ sukumārāṅgī nānāśastrāstradhāriṇī |
kariṣyati mayā sākaṃ niyuddhatumulaṃ raṇam‌ ||282||

Soll sie mit ihren zarten Gliedern, mit vielerlei Waffen und Geschossen, gegen mich einen gewaltigen Nahkampf führen …

Vers 283
śiro mama chetsyati ca keśaṃ caiva grahīṣyati |
etādṛśī vidyate kā tāṃ me kathaya kāminīm‌ ||283||

… mir den Kopf abschlagen und mein Haar ergreifen? Welche Frau ist denn so beschaffen? Nenne sie mir!

Vers 284
darśayasva ca re mūḍha kva sā tiṣṭhati sundarī |
no cetkavalayiṣyāmi tvāmevālīkabhāṣiṇam‌ ||284||

Zeig sie mir, du Tor! Wo hält sich diese Schöne auf? Andernfalls werde ich dich selbst verschlingen, du Lügner!“

Zuflucht zur Göttin und die Waffe der Askese

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 285
tvayītyuktavati prājñaḥ kiñcidāgatasādhvasaḥ |
jagāma śaraṇaṃ māṃ vai muniḥ kātyāyano hṛdā ||285||

Als du so sprachst, empfand der weise Katyayana ein wenig Furcht und nahm in seinem Herzen Zuflucht zu mir.

Anmerkung: Die Göttin spricht weiterhin zu Mahishasura.

Vers 286
madīyārādhananyastacetāḥ sa gatabhīrmuniḥ |
ūce kimarthamātthaivaṃ vacanaṃ garvagarbhitam‌ ||286||

Mit ganz auf meine Verehrung gerichtetem Geist verlor der Weise seine Furcht und sagte: „Warum sprichst du solche Worte voller Hochmut?

Vers 287
śastrāstraṃ naiva cāsmākaṃ na balaṃ na ca pauruṣam‌ |
tapaḥśastrā vayaṃ viprā vedābhyāsabalāstathā ||287||

Wir besitzen keine Waffen und Geschosse, keine Körperkraft und keine kriegerische Macht. Wir Brahmanen haben die Askese als Waffe und das Veda-Studium als Stärke.

Anmerkung: Historische Selbstaussage des Sprechers über seine soziale und religiöse Gruppe.

Vers 2826 [Quellzählung an Position 288]
triṣu lokeṣu vikhyātā vāgyuddhāḥ śāpapauruṣāḥ |
yaduktaṃ ca tvayā brahmaviṣṇutripuraśāsinām‌ ||2826||

In den drei Welten sind wir dafür bekannt, mit Worten zu kämpfen und Flüche als Macht zu besitzen. Du hast gesagt, die Waffen Brahmas, Vishnus und des Bezwingers Tripuras …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2826 an Position 288; Flexion von vāgyuddha im OCR unsicher.

Vers 286 [Quellzählung an Position 289]
indrādīnāṃ ca devānāmastraṃ khagavanmamorasi |
tebhyo'strebhyo'pi niśitaṃ lomavāhirujākaram‌ ||286||

… sowie Indras und der anderen Götter seien auf deiner Brust wie […]. Es gibt jedoch eine Waffe, schärfer als jene Waffen, die bis in die Körperhaare Schmerz hervorruft …

Anmerkung: Fragment: Vergleich khagavat und Wortverbindung lomavāhi unsicher; die Aussage einer noch schärferen, schmerzenden Waffe bleibt klar. Quellnummer 286 an Position 289.

Vers 2460 [Quellzählung an Position 290]
vidyate'straṃ mahāmūḍha jvālājālahutānalam‌ |
koṭisūryapratīkāśaṃ muktaṃ yadyāti khe calat‌ ||2460||

… du großer Tor, ein Feuer aus einem Netz von Flammen, strahlend wie zehn Millionen Sonnen. Wird es freigesetzt, zieht es durch den Himmel …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2460 an Position 290. Zusammensetzung zum Flammenfeuer unsicher, nicht als sicherer Waffenname ausgegeben.

Vers 2461 [Quellzählung an Position 291]
lokapradāhyubhayataḥ patitaṃ yattavorasi |
sattvaṃ kimapyasti mahadīdṛgastraprahārakṛt‌ ||2461||

… verbrennt die Welten zu beiden Seiten und fällt auf deine Brust. Es gibt ein gewaltiges Wesen, das einen solchen Waffenschlag führt.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2461 an Position 291; lokapradāhi als kontextuelle Normalisierung.

Die Selbstdarstellung der Asketen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 252 [Quellzählung an Position 292]
kiṃ kariṣyati śāpasta ityuktaṃ yattvayā madāt‌ |
mattaḥ śṛṇūttaraṃ tasya rambhāsuratanūdbhava ||252||

Auf deine übermütige Frage ‚Was kann dein Fluch bewirken?‘ höre nun meine Antwort, Sohn des Asura Rambha.

Anmerkung: Quelle252 an Position 292.

Vers 263 [Quellzählung an Position 293]
varṇeṣvagryā vayaṃ viprāḥ śikhāsūtraparigrahāḥ |
vedābhyāsāgnihotrābhyāṃ guruśuśrūṣayāpi vā ||263||

Wir Brahmanen, die uns als Erste unter den Varnas verstehen, tragen Haarbüschel und heilige Schnur. Mit Veda-Studium, Agnihotra und dem Dienst am Guru …

Anmerkung: Quelle263 an Position 293. Ranganspruch ausdrücklich als Aussage des historischen Sprechers kenntlich.

Vers 264 [Quellzählung an Position 294]
naiṣṭhikabrahmacaryeṇa kṣapayāmo'khilaṃ januḥ |
ghoraistapobhiraṅgāni jarayāmo dine dine ||264||

… sowie lebenslanger Enthaltsamkeit verbringen wir unser ganzes Leben. Durch strenge Askese lassen wir unsere Glieder Tag für Tag verzehren.

Anmerkung: Kṣapayāmaḥ im OCR क्षमयामो; Lesung nach klarem Lebenszeitbezug vorläufig. Quellnummer 264 an Position 294.

Vers 2615 [Quellzählung an Position 295]
trivāraṃ cābhiṣuṇumo dhunumo'ghāni caryayā |
śuṣkapatrāṇyathāśnāmo dunumastapasā jagat‌ ||2615||

Dreimal vollziehen wir die Waschung und schütteln durch unsere Lebensführung die Verfehlungen ab. Wir essen trockene Blätter und erschüttern durch Askese die Welt.

Anmerkung: Abhiṣuṇumaḥ kann auch Auspressen bezeichnen; rituelle Waschung hier vorläufig, kein ungenanntes Soma-Ritual ergänzt. Quellziffer 2615 an Position 295.

Vers 266 [Quellzählung an Position 296]
na dārānadhigacchāmo na vasāmaḥ pure tathā |
nehāmahe bhogadhane naiva sevāmahe nṛpam‌ ||266||

Wir nehmen keine Ehefrauen und wohnen nicht in Städten. Wir streben weder nach Genuss noch nach Reichtum und dienen keinem König.

Anmerkung: Quelle266 an Position 296.

Vers 2657 [Quellzählung an Position 297]
vṛṣairedhāmahe nityaṃ yogāṃśca mṛgayāmahe |
[…] uṭajaṃ gehaṃ vāsaścarmāpi rauravam‌ ||2657||

Durch rechtschaffenes Tun wachsen wir beständig und suchen die Wege des Yoga. […] Eine Laubhütte ist unser Haus, das Fell einer Ruru-Antilope unser Gewand.

Anmerkung: Fragment: erste Bestimmung im zweiten Halbvers beschädigt. Vṛṣa hier vorläufig Dharma/rechtschaffenes Tun, keine sichere Pluraldeutung. Quellziffer 2657 an Position 297.

Verwandtschaft, Mitgefühl und innere Waffen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 268 [Quellzählung an Position 298]
jñātayo vanyajā jantavo dharmaḥ svābhāvikaḥ pitā |
puṇyā nadī vai jananī patnī dīkṣā makhe kṛtā ||268||

Die im Wald geborenen Tiere sind unsere Verwandten, der uns eigene Dharma ist unser Vater. Ein heiliger Fluss ist unsere Mutter, die beim Opfer empfangene Diksha unsere Gattin.

Anmerkung: Quelle268 an Position 298; jantavaḥ nach Wortresten als Tiere gelesen.

Vers 25669 [Quellzählung an Position 299]
santoṣastanayo'smākaṃ nigamo vṛttikṛnnṛpaḥ |
mitrāṇi pādapāḥ sarve ya āhāraṃ dadatyaho ||25669||

Zufriedenheit ist unser Sohn; die heilige Überlieferung ist unser König, der uns den Lebensunterhalt gewährt. Unsere Freunde sind all die Bäume, die uns Nahrung schenken.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 25669 an Position 299.

Vers 300
yudhyāmahe viṣayibhirdhyānāstrairaṅgaraṅgagaiḥ |
na dviṣmo naiva nindāmo na hanmaḥ prāṇinaḥ kvacit‌ ||300||

Mit den Waffen der Meditation kämpfen wir gegen die sinnlichen Regungen im Schauplatz unseres Körpers. Wir hegen keinen Hass, schmähen niemanden und töten niemals Lebewesen.

Anmerkung: Erste Satzkonstruktion unsicher, besonders viṣayibhiḥ; Übersetzung als innerer Sinneskampf vorläufig. Nicht mit dem anschließenden Fluch rhetorisch versöhnt.

Vers 301
svatanvasuvyayenāpi sattvamātre dayāmahe |
vākcāpāḥ śāpaviśikhāḥ krodhakhaḍgā manorathāḥ ||301||

Selbst unter Hingabe unseres Körpers und Lebens empfinden wir Mitgefühl für jedes Wesen. Worte sind unser Bogen, Flüche unsere Pfeile, Zorn unser Schwert und der Geist unser Wagen.

Anmerkung: Vākcāpa im OCR वाक्पापाः; durch Waffenreihe gestützte unsichere Normalisierung. Der Wechsel von Mitgefühl zu Fluchbildern gehört zum Text.

Vers 302
praṇipātaikaviṣayāḥ saṃstavavijayā api |
devānapi tṛṇaṃmanyāḥ ko varāko bhavāniha ||302||

Wir lassen uns allein durch ehrerbietige Verneigung erreichen und durch Lobpreis gewinnen. Selbst Götter achten wir wie Gras – was bist du dann hier, du Armseliger?

Anmerkung: Prāṇipātaika-viṣaya und saṃstava-vijaya vorläufige Deutung; zweite Zusammensetzung im OCR beschädigt.

Mythische Beispiele für die Macht der Rishis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 303
kadarthīkṛtya nirdagdhā brāhmaṇena divaukasaḥ |
kiñcinnidarśanatvena darśayāmi tavāsura ||303||

Brahmanen haben Himmelsbewohner gedemütigt und verbrannt. Einige Beispiele will ich dir nennen, Asura.

Vers 304
saptarṣibhirbhraṣṭaśephā bhāryāhito haraḥ kṛtaḥ |
pādaprahāramakarodbhṛgurviṣṇūrasi krudhā ||304||

Die sieben Rishis bewirkten, dass Hara sein Geschlechtsglied verlor […]. Bhrigu versetzte Vishnu im Zorn einen Fußtritt gegen die Brust.

Anmerkung: Fragment: Verbindung bhāryāhita beschädigt/mehrdeutig; keine Handlung an Ehefrauen rekonstruiert. Nichtgrafische Wiedergabe des lesbaren mythologischen Verlusts.

Vers 305
tiryagyonyavatāraṃ ca kārayāmāsa kardamaḥ |
gautamena kṛtaḥ śakro bhagāṅkastapaso balāt‌ ||305||

Kardama bewirkte eine Verkörperung in tierischer Geburt. Gautama zeichnete Shakra durch die Kraft seiner Askese mit Zeichen weiblicher Geschlechtsorgane.

Anmerkung: Objekt zu Kardamas Handlung nur aus vorheriger Vishnu-Erwähnung erschließbar, nicht als sichere neue Identifikation ergänzt. Bhaga-aṅka im OCR leicht beschädigt.

Vers 306
agastyaḥ pītavān‌ sindhuṃ cakre'nyaḥ kṣāramarṇavam‌ |
candramabhyaśapaddakṣo durvāsāḥ kamalālayām‌ ||306||

Agastya trank das Meer aus; ein anderer machte den Ozean salzig. Daksha verfluchte den Mond, Durvasas die Lotusbewohnerin [Lakshmi].

Vers 307
yuyudhe viṣṇunā sārdhaṃ dadhīciḥ kṣupakāraṇāt‌ |
sagarasyātmajāḥ sarve dehire kapilena hi ||307||

Dadhichi kämpfte wegen Kshupa gegen Vishnu. Sämtliche Söhne Sagaras wurden von Kapila verbrannt.

Anmerkung: Dehire im OCR statt erwarteter Verbform für Verbranntwerden; Bedeutung durch erkennbare Wurzel und Satzbau hinreichend.

Vers 308
kiṃ bahūktena daityendra brāhmaṇāstapaso balāt‌ |
pitāmahaṃ bhraṃśayituṃ samarthāstridaśānapi ||308||

Was bedarf es vieler Worte, Daitya-Fürst? Durch die Kraft der Askese vermögen Brahmanen selbst den Großvater [Brahma] und die Götter zu Fall zu bringen.

Anmerkung: Mythologischer Ranganspruch der Quelle.

Vers 3046 [Quellzählung an Position 309]
brahmasṛṣṭimapākṛtya kauśiko'nyasisṛkṣayā |
utkacetāḥ saśapathaṃ brahmaṇā vinivāritaḥ ||3046||

Kaushika wollte Brahmas Schöpfung verwerfen und eine andere erschaffen. Als er voller Eifer dazu ansetzte, hielt Brahma ihn mit einer beschwörenden Zusicherung davon ab.

Anmerkung: Saśapatham mehrdeutig Schwur/Beschwörung; nicht als ausgeführter Fluch ergänzt. Quellziffer 3046 an Position 309.

Vers 310
parāśaro jagaddagdhuṃ vāḍavāgnimavāsṛjat‌ |
cyavano nirmame kṛtyāmattuṃ śakraṃ sahāmaraiḥ ||310||

Parashara setzte das unterseeische Feuer frei, um die Welt zu verbrennen. Chyavana erschuf eine Kritya, um Shakra samt den Göttern zu verschlingen.

Anmerkung: Kṛtyā: magisch hervorgebrachte schädigende Gestalt; Endung sahāmaraiḥ aus sichtbarer editorischer Alternative, nicht unbemerkt mit Hauptlesung vermischt.

Die unvergleichliche Schönheit und Kraft der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 311
ahamapyeka eteṣāṃ tvayā jñeyo'surādhama |
aparañcedṛśaṃ rūpaṃ striyāḥ kasyā bhaviṣyati ||311||

Wisse, dass auch ich einer von ihnen bin, niedrigster Asura. Ferner hast du gefragt: ‚Welche Frau sollte eine solche Gestalt besitzen?‘

Vers 312
ityagādi tvayā yattanniśāmaya taduttaram‌ |
saundaryaśāli yādṛkṣaṃ rūpaṃ munivimohane ||312||

Höre nun die Antwort darauf. Die schöne Gestalt, die du angenommen hast, um den Weisen zu verwirren …

Vers 313
tvayā kṛtaṃ māyayaitanmāyāvin‌ ditijādhipa |
ado rūpaṃ tāvakīnaṃ triloke mohakāri yat‌ ||313||

… und die du durch Maya hervorgebracht hast, du täuschungskundiger Diti-Fürst – diese deine Gestalt, die die drei Welten bezaubert …

Vers 314
tasyā rūpasya koṭyaṃśamapi nārhati niścitam‌ |
yasyāstu nakhacandrāṇāṃ suṣamā bhuvanatraye ||314||

… erreicht gewiss nicht einmal den zehnmillionsten Teil ihrer Schönheit. Die Anmut ihrer mondgleichen Nägel …

Vers 315
naiva māti prāpnuvanti na tulāṃ candrakoṭayaḥ |
tilottamorvaśīrambhāghṛtācīmenakādayaḥ ||315||

… findet in den drei Welten keinen Raum; zehn Millionen Monde kommen ihr nicht gleich. Tilottama, Urvashi, Rambha, Ghritachi, Menaka und die anderen …

Vers 316
vidadhānāstapo ghoraṃ janmanāṃ koṭikoṭibhiḥ |
dāsīdāsītvametasyā nāpnuvantyasurādhipa ||316||

… könnten selbst durch strenge Askese über unzählige Millionen Geburten nicht den Rang der Dienerin ihrer Dienerin erlangen, Asura-Fürst.

Anmerkung: Koṭikoṭi als vielfache Millionen wiedergegeben, nicht in moderne Jahreszahlen umgerechnet.

Vers 317
kā vā lakṣmīḥ purastasyāḥ kā ratiḥ kā śacī tathā |
satyaṃ sahasrabrahmāṇa ekībhūya samāhitāḥ ||317||

Was sind Lakshmi, Rati oder Shachi vor ihr? Wahrhaftig, selbst tausend Brahmas, vereint und gesammelt …

Vers 318
tasyā rūpasya nirmāṇe na samarthāḥ kadācana |
tasyā vaktrasya lāvaṇyaṃ koṭayaścandrapadmayoḥ ||318||

… wären niemals fähig, ihre Gestalt zu erschaffen. Die Lieblichkeit ihres Gesichts erreichen Millionen Monde und Lotusse nicht …

Vers 316 [Quellzählung an Position 319]
nāpnuvanti tapobhiścetprāṇān‌ jahati yadyamūḥ |
tulanāṃ keśapāśasya na cāmaramayūrayoḥ ||316||

… selbst wenn sie in ihrer Askese das Leben aufgäben. Weder ein Yakschweif noch ein Pfauenschweif kommt ihrem Haar gleich.

Anmerkung: Quellnummer 316 an Position 319; Vergleichsträger Cāmara/Mayūra als Schweife vorläufig nach Haarvergleich.

Vers 320
upamāṃ naiva gāhante dṛśāṃ mīnakuraṅgayoḥ |
na kandarpasya vai līlāṃ na dharaṇyāḥ kṣamāmapi ||320||

Fische und Rehe reichen nicht als Vergleich für ihre Augen aus. Nicht einmal Kandarpa kommt ihrem Liebreiz gleich, noch die Erde ihrer Geduld …

Anmerkung: Kasus der Vergleiche im OCR uneinheitlich; fortlaufende Aussage der Unvergleichlichkeit bewahrt.

Vers 321
na balaṃ caiva vāyūnāṃ na gāmbhīryaṃ sarasvatām‌ |
sthairyaṃ tathā na merūṇāṃ buddhānāṃ na dayāmapi ||321||

… noch die Winde ihrer Kraft, die Meere ihrer Tiefe, die Meru-Berge ihrer Festigkeit oder die Buddhas ihrem Mitgefühl.

Anmerkung: Buddhānām ist im vorhandenen Text lesbar; nicht zu budhānām, der Weisen, geändert.

Vers 322
saṅgrāmajayasādṛśyaṃ na viṣṇūnāṃ tathaiva ca |
bhārodvahanasāṅkāśyaṃ na kūrmāṇāṃ […] ||322||

Auch die Vishnus gleichen ihr nicht im Sieg in der Schlacht, die Schildkröten nicht im Tragen von Lasten […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt. Pluralformen Vishnus und Schildkröten bewahrt; keine einzelne kosmische Inkarnation stillschweigend eingesetzt.

Vers 323
na kālayamamṛtyūnāṃ roṣasya samatāmapi |
bahunoktena kiṃ daitya pratīhi vacanaṃ mama ||323||

Kala, Yama und Mrityu erreichen nicht die Gewalt ihres Zorns. Was bedarf es vieler Worte, Daitya? Vertraue meiner Aussage.

Vers 324
yasmin‌ kasmiṃścidapyaṃśe śastre śaurye guṇe bale |
rūpe dayāyāṃ mādhurye ko'pi no sāmyamṛcchati ||324||

In keiner Hinsicht – bei Waffen, Tapferkeit, Tugend, Kraft, Schönheit, Mitgefühl oder Lieblichkeit – kommt ihr irgendjemand gleich.

Vers 325
bhavitrīdṛgbhavaddhantrī durātman‌ gaccha mā ciram‌ |
ityuktavati sakrodhaṃ kātyāyanamunau tadā ||325||

Eine solche wird deine Bezwingerin sein. Geh, Bösewicht, und säume nicht!“ Als der Weise Katyayana dies zornig ausgesprochen hatte …

Anmerkung: Bhavaddhantrī: die dich töten wird; Bezwingerin hier im Kontext der ausdrücklich angekündigten Tötung.

Mahishasura verlangt die Erscheinung der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 326
kiñcidāgatasantrāsaḥ punareva tvamabravīḥ |
kva sā tiṣṭhati vipra kiṃ kāryaṃ kurute tathā ||326||

… wurdest du ein wenig von Angst ergriffen und sprachst wiederum: „Wo hält sie sich auf, Brahmane, und was tut sie?

Vers 327
bhāryā ca kasya sā khyātā kimāhārā kimāśayā |
tāṃ draṣṭumicchāmi tathā yoddhumicchāmi vai tayā ||327||

Als wessen Gattin ist sie bekannt? Wovon lebt sie, und was ist ihre Absicht? Ich will sie sehen und mit ihr kämpfen.

Vers 2328 [Quellzählung an Position 328]
īdṛgguṇā strīti mune na pratyemi vacastava |
darśayiṣyasi cettāṃ me tato jīvanvimokṣyase ||2328||

Ich glaube deiner Behauptung nicht, Weiser, dass es eine Frau mit solchen Eigenschaften gibt. Wenn du sie mir zeigst, wirst du lebend freikommen.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2328 an Position 328.

Vers 3246 [Quellzählung an Position 329]
no cedatsyāmi sadyastvāṃ hariḥ śaśaśiśuṃ yathā |
vacastava niśamyetthaṃ punarevābravīnmuniḥ ||3246||

Andernfalls werde ich dich sofort fressen wie ein Löwe einen jungen Hasen!“ Als der Weise diese Worte von dir hörte, antwortete er erneut …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 3246 an Position 329.

Die Göttin als Gegenwart in allem

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 330
śṛṇu re mūḍha daityendra sāvadhānena cetasā |
sarvatra tiṣṭhati hi sā tattadākāradhāriṇī ||330||

„Höre aufmerksam, törichter Daitya-Fürst: Sie ist überall gegenwärtig und trägt jeweils die Gestalt des betreffenden Wesens oder Dinges …

Anmerkung: Katyayanas Antwort innerhalb der von der Göttin erzählten Begegnung.

Vers 631 [Quellzählung an Position 331]
pṛthivyāmapsu tejasya vāyāvākāśa eva ca |
manasīndriyavarge ca kāle dikṣu tathātmani ||631||

… in Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum, im Geist und in der Gesamtheit der Sinne, in der Zeit, in den Himmelsrichtungen und im Selbst.

Anmerkung: Quellziffer 631 an Position 331; tejas kann auch Licht/Glut bedeuten.

Vers 232 [Quellzählung an Position 332]
svarge martye ca pātāle rodasī vidiśorapi |
trailokye na padārthaḥ sa nākrānto yastayāsura ||232||

Im Himmel, in der Menschenwelt und in der Unterwelt, in Himmel und Erde und auch in den Zwischenrichtungen: In den drei Welten gibt es keinen Gegenstand, den sie nicht durchdringt, Asura.

Anmerkung: Quellnummer 232 an Position 332; Kasus einzelner Ortsangaben beschädigt, Aussage klar.

Vers 233 [Quellzählung an Position 333]
paramāṇuṃ samārabhya yāvadīśatanuṃ tathā |
adhiṣṭhātrī tathā nityaṃ sā vastunyadhitiṣṭhati ||233||

Vom kleinsten Teilchen bis zur Gestalt Ishas ist sie beständig die tragende Gegenwart in jedem Ding.

Anmerkung: Quellnummer 233 an Position 333. Adhiṣṭhātrī: innewohnende, leitende beziehungsweise tragende Macht.

Vers 334
tayā virahitaṃ kiñcinnāsti trailokyagolake |
mayi tiṣṭhati sā devī tvayyapyasurapuṅgava ||334||

In der Sphäre der drei Welten gibt es nichts, das ohne sie wäre. Diese Göttin wohnt in mir und auch in dir, Erster der Asuras …

Vers 335
yūkādikīṭeṣvapi sā viṣṇuśambhutanāvapi |
kiṃ kāryaṃ kurute ceti yadaprākṣīstvamaṅga mām‌ ||335||

… ebenso in Läusen und anderen kleinen Tieren wie in den Gestalten Vishnus und Shambhus. Du hast mich auch gefragt: ‚Was tut sie?‘

Bewusstsein, Gestalt und Handeln

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 336
tasyottaraṃ me kalaya mātsaryamapahāya hi |
kāryaṃ na kiñcidapyasyāḥ kāraṇaṃ ca na vidyate ||336||

Höre meine Antwort und lege deinen Neid ab: Für sie besteht weder irgendein zu vollbringendes Werk noch eine Ursache.

Anmerkung: Kārya zugleich Werk/Wirkung; die folgende nirguna-Aussage hält beide Bedeutungen offen.

Vers 3257 [Quellzählung an Position 337]
adhyāste sarvamevedaṃ cidrūpatvena nirguṇā |
bhavadvidhāsurodvignadevatrāṇārthamīśvarī ||3257||

Frei von den Gunas durchwaltet sie all dies als Bewusstsein. Wenn die Herrin aber, um die von Asuras deiner Art bedrängten Götter zu schützen …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 3257 an Position 337.

Vers 338
yadā tanuṃ samādatte tadā kāryaṃ karotyasau |
niyojayatyādisarge brahmāṇaṃ sṛṣṭihetave ||338||

… eine Gestalt annimmt, dann handelt sie. Am Beginn der Schöpfung beauftragt sie Brahma mit dem Hervorbringen …

Vers 336 [Quellzählung an Position 339]
madhye viṣṇuṃ pālanāya saṃhārāyāntime haram‌ |
dvandvaiḥ prajā yojayati sukhaduḥkhairbhavābhavaiḥ ||336||

… in der Mitte Vishnu mit dem Erhalten und am Ende Hara mit dem Auflösen. Sie verbindet die Geschöpfe mit den Gegensatzpaaren Freude und Leid, Entstehen und Vergehen …

Anmerkung: Quellnummer 336 an Position 339.

Vers 340
puṇyapāpaistathā kālaṃ śītoṣṇaiḥ phalaniṣṭhayā |
tasyāḥ kāryamidaṃ proktaṃ strī kasyeti yadīritam‌ ||340||

… Verdienst und Verfehlung, und die Zeit mit Kälte und Wärme, jeweils auf ihre Früchte hin. Dies wird ihr Wirken genannt. Auf deine Frage aber: ‚Wessen Frau ist sie?‘ …

Anmerkung: Verbindung phalaniṣṭhayā leicht unsicher; keine zusätzliche Karmalehre ergänzt.

Jenseits von weiblich und männlich

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 341
asyottaraṃ naiva dātuṃ śaknomi ditijeśvara |
naiva strī na pumāneṣa naiva cāpi napuṃsakaḥ ||341||

… kann ich keine solche Antwort geben, Herr der Diti-Söhne. Sie ist weder Frau noch Mann noch geschlechtslos.

Anmerkung: Napum̐saka: weder männlich noch weiblich, auch grammatisch Neutrum; keine moderne Geschlechtskategorie gleichgesetzt.

Vers 342
yadyaccharīramādatte yujyate tena tena sā |
kadācijjāyate sā strī kadācidapi sā pumān‌ ||342||

Welchen Körper sie auch annimmt, mit dessen Beschaffenheit verbindet sie sich. Manchmal erscheint sie als Frau, manchmal als Mann.

Vers 243 [Quellzählung an Position 343]
tāṃ tāṃ tanuṃ vitanute līlārthamarimardinī |
strīṇāṃ trailokyajātānāṃ kāmonmādaikahetave ||243||

Zum Spiel entfaltet die Bezwingerin der Feinde die jeweiligen Gestalten. Um die Frauen in den drei Welten mit leidenschaftlicher Liebe zu erfüllen …

Anmerkung: Quellnummer 243 an Position 343.

Vers 344
vaṃśīdharaṃ kṛṣṇadehaṃ cakāra dvāpare yuge |
atha yogābhyāsaparaḥ kāmabhogaparāṅmukhaḥ ||344||

… brachte sie im Dvapara-Yuga die Gestalt des flötentragenden Krishna hervor. Und Pashupati, ganz der Yoga-Praxis zugewandt und von Liebesgenuss abgewandt …

Vers 345
advitīyaḥ paśupatirantardhyānaparāyaṇaḥ |
īdṛkstrīrūpamāsthāya mohitaḥ parameśvaraḥ ||345||

… der unvergleichliche höchste Herr, in innere Meditation versunken, wurde von ihr bezaubert, als sie eine solche Frauengestalt annahm.

Anmerkung: Antardhyāna im OCR verformt; nicht als Verschwinden, antardhāna, eingesetzt.

Vers 2346 [Quellzählung an Position 346]
kṛtaśca svavaśe devyā tanvardhaṃ cātmasātkṛtam‌ |
nirākāraṃ brahmarūpaṃ yadāsau dhatta īśvarī ||2346||

Die Göttin brachte ihn unter ihre Macht und nahm die Hälfte seines Leibes in sich auf. Wenn die Herrin dagegen die gestaltlose Brahman-Wirklichkeit annimmt …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2346 an Position 346; die Hälfte des Leibes nicht in eine abweichende moderne Darstellung umgeschrieben.

Vers 347
tadā napuṃsakākhyānaṃ prāpnoti brahmavajjaḍam‌ |
yatpṛṣṭo'smi kimāhārā seti tasyottaraṃ śṛṇu ||347||

… erhält sie wie Brahman die Bezeichnung ‚geschlechtslos‘ […]. Du hast mich gefragt, wovon sie sich ernährt; höre die Antwort.

Anmerkung: Fragment: jaḍam, unbelebt/stumpf, am Ende des ersten Halbverses syntaktisch und sachlich unklar. Nicht mit der zuvor gelehrten Bewusstseinsnatur harmonisiert.

Wachheit und kosmisches Verschlingen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 348
na kiñcidapi sāśnāti na cāpi dhayatīha sā |
nottiṣṭhati na śete ca vyāpāraṃ kurute na ca ||348||

Sie isst nichts und trinkt hier auch nichts. Sie steht nicht auf, legt sich nicht nieder und verrichtet keine Tätigkeit.

Anmerkung: Dhayati wörtlich saugt/trinkt; keine Ernährungsvorschrift für Menschen.

Vers 344 [Quellzählung an Position 349]
kevalaṃ jāgarūkā sā bhūtvā jāgarti sarvadā |
cikhādiṣatyatha yadi kadācitkālaparyayāt‌ ||344||

Sie ist einzig wach und bleibt immer wach. Wenn sie aber irgendwann im Wandel der Zeit zu verschlingen begehrt …

Anmerkung: Quellnummer 344 an Position 349.

Vers 350
amuṣyā udaraṃ naiva paripūrayituṃ balāt‌ |
śaknuvanti praviṣṭāstatkoṭibrahmāṇḍagolakāḥ ||350||

… dann können selbst zehn Millionen Welteneier, die in sie eingehen, ihren Bauch nicht füllen.

Anmerkung: Koṭi als zehn Millionen; kosmische Bildsprache, keine physikalische Größenangabe.

Vers 351
gīrṇāni brahmakharvāṇi tathāttaṃ harisāgaram‌ |
attamindraparārdhaṃ ca gilitā rudrakoṭayaḥ ||351||

Kharvas von Brahmas sind verschlungen, ein Meer von Haris verzehrt, ein Parardha von Indras aufgegessen und Millionen Rudras hinabgeschlungen …

Anmerkung: Kharva und Parardha traditionelle Großzahlen; Sāgara kann zugleich Meer oder Großzahl sein, nicht eindeutig festgelegt.

Vers 252 [Quellzählung an Position 352]
tathāpi nodaraṃ pūrṇaṃ kimāhāreti socyatām‌ |
kālaparyāyataḥ sā strī cedabhyavajihīrṣati ||252||

… und dennoch ist ihr Bauch nicht gefüllt. Wie soll man da sagen, was ihre Nahrung sei? Wenn jene Göttin im Wandel der Zeit zu essen wünscht …

Anmerkung: Quellnummer 252 an Position 352; Ende des letzten Verbs leicht beschädigt, Nahrungsbedeutung klar.

Vers 353
brahmāṇḍalakṣamapyasyāḥ naikaḥ kavala ucyate |
yāvadasti tavānīkaṃ caturaṅgopabṛṃhitam‌ ||353||

… dann sind hunderttausend Welteneier nicht einmal ein einziger Bissen für sie. Dein ganzes Heer mit seinen vier Truppengattungen …

Vers 2354 [Quellzählung an Position 354]
bhinnarūpatayāsaṅkhyā vartante ye ca dānavāḥ |
vaktraṃ praviṣṭāḥ sarve'pi tasyā yugapadeva hi ||2354||

… und die zahllosen Danavas in ihren verschiedenen Gestalten: Selbst wenn sie alle zugleich in ihren Mund träten …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 2354 an Position 354.

Vers 355
dantayorantarālaṃ no bhartuṃ śaktāḥ kimūdaram‌ |
nāśnāti cedvarṣapūgān‌ koṭisaṅkhyān‌ na cātti sā ||355||

… könnten sie nicht einmal den Raum zwischen ihren Zähnen füllen, geschweige denn ihren Bauch. Will sie aber nicht essen, dann isst sie auch über Millionen von Jahren nichts.

Vers 356
jagdhumicchatyatha yadi kadāciddevayogataḥ |
mahākalpāntamāsthāya bhuṅkte brahmamukhān‌ surān‌ ||356||

Wenn sie jedoch irgendwann durch göttliche Fügung zu essen wünscht, verzehrt sie am Ende eines großen Kalpa die Götter mit Brahma an der Spitze.

Anmerkung: Deva-yoga in der Quelle, nicht ungekennzeichnet als daiva-yoga normalisiert.

Die unergründliche Absicht

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 357
kimāśayeti daityendra yacca jijñāsitaṃ tvayā |
prativākyaṃ nibodhāsya yadi śuśrūṣase hṛdā ||357||

Du hast auch wissen wollen, Daitya-Fürst, was ihre Absicht sei. Höre darauf die Antwort, wenn du von Herzen hören möchtest.

Vers 358
etasyā nāśayaṃ vetti brahmā vā harirīśvaraḥ |
indrādayaḥ ke varākāstvaṃ cāhaṃ kīṭasannibhaḥ ||358||

Weder Brahma noch Hari noch Ishvara kennt ihre Absicht. Was sind dann erst Indra und die anderen? Du und ich sind wie kleine Insekten.

Anmerkung: Letzte Kongruenz im Sanskrit uneinheitlich; Sinn des Vergleichs klar.

Vers 354 [Quellzählung an Position 359]
kimīhate kiṃ tyajati kiṃ vidhitsati cetasā |
kiṃ ceṣṭate kiṃ vadati nāsyā jānāti ko'pi hi ||354||

Was sie anstrebt, was sie aufgibt, was sie in ihrem Geist vollbringen will, wie sie handelt und was sie sagt – niemand weiß es.

Anmerkung: Quellnummer 354 an Position 359.

Die Weltordnung im Verständnis der Quelle

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 360
edhatāṃ pratyahaṃ dharmaḥ pāpametu kṣayaṃ tathā |
dharmadviṣo vilīyantāṃ dveṣṭāraśca dvijanmanām‌ ||360||

‚Möge der Dharma täglich wachsen und das Unrecht vergehen. Mögen die Feinde des Dharma und die Feinde der Zweimalgeborenen verschwinden.

Anmerkung: Die folgenden Wünsche beschreiben die historische soziale Ordnung des Textes; der Übergang von Unerkennbarkeit zu benannter Absicht bleibt erhalten.

Vers 361
yajñaḥ pravartatāṃ loke cīyatāmanvahaṃ tapaḥ |
pāpāḥ prayāntu narakaṃ puṇyabhājastriviṣṭapam‌ ||361||

Mögen Opfer in der Welt stattfinden und Askese Tag für Tag zunehmen. Mögen die Schuldigen zur Hölle gehen und die Verdienstvollen in den Himmel.

Vers 362
devā nirāmayāḥ santu cāturvarṇyaṃ pravartatām‌ |
īdṛgāśayavatyeṣā kathitā tava daityapa ||362||

Mögen die Götter ohne Leiden sein und die Ordnung der vier Varnas Bestand haben.‘ So ist dir ihre Absicht beschrieben worden, Daitya-Herrscher.

Hingabe, Gnade und Schutz

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 363
etadarthaṃ ca ghaṭate dhatte nityāpyasau tanum‌ |
yastāṃ dhyāyatyarcayati praṇamatyabhinandati ||363||

Dafür wirkt sie und nimmt, obwohl sie ewig ist, eine Gestalt an. Wer über sie meditiert, sie verehrt, sich vor ihr verneigt und sie freudig begrüßt …

Vers 364
hṛdā vibhāvayati ca vismaratyapi no kvacit‌ |
tasmin‌ sadaiva bhavati snigdhacittā dayāśayā ||364||

… sie im Herzen vergegenwärtigt und sie niemals vergisst, dem bleibt sie stets liebevoll zugewandt und voller Mitgefühl.

Vers 365
anugṛhṇāti taṃ bhaktaṃ saṅkaṭāttārayatyapi |
no ceddaityendra śakrādyā yasya te na puraḥ sthitāḥ ||365||

Sie schenkt diesem Verehrer ihre Gnade und führt ihn aus Bedrängnis. Wäre es anders, Daitya-Fürst – vor dir konnten selbst Shakra und die anderen nicht bestehen – …

Vers 366
tatrāhaṃ bāḍavo bhūtvā manye tvāṃ tṛṇavallaghum‌ |
na bibhemyavatiṣṭhe'haṃ kruddhasya bhavato'ntikam‌ ||366||

… wie könnte ich als bloßer Brahmane dich für so leicht wie einen Grashalm halten? Ich fürchte mich nicht und bleibe vor dir stehen, obwohl du zornig bist.

Anmerkung: Bāḍava/vaḍava hier Brahmane, nicht unterseeisches Feuer; Wort im OCR वाडवो.

Vers 367
atraiva sā madavanahetostiṣṭhatyalakṣitā |
tasyāḥ prasādādevāhaṃ trasyāmi bhavato na hi ||367||

Hier selbst ist sie unsichtbar gegenwärtig, um mich zu schützen. Allein durch ihre Gnade fürchte ich mich nicht vor dir.

Das Missverhältnis des Kampfes

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 368
yattvaṃ yuyutsasi tayā sākaṃ vikramagarvitaḥ |
tadajñānaṃ tava mahanmumūrṣātimirodbhavam‌ ||368||

Dass du, stolz auf deine Tapferkeit, mit ihr kämpfen willst, ist große Unwissenheit, geboren aus der Finsternis deines Verlangens nach dem Tod.

Anmerkung: Mumūrṣā wörtlich Sterbenwollen; rhetorische Beschreibung der selbstzerstörerischen Herausforderung.

Vers 366 [Quellzählung an Position 369]
yathā pataṅgapotasya spardhā dāvāgninā saha |
arkeṇa dhvāntarekhāyā rājilasya garutmatā ||366||

Es ist, als wollte ein junges Insekt mit einem Waldbrand wetteifern, ein Streifen Dunkelheit mit der Sonne, eine Rajila-Schlange mit Garuda …

Anmerkung: Quellnummer 366 an Position 369; Rajila als Schlangenname ohne Artbestimmung.

Vers 370
dardurasya ca śeṣeṇa śaśasya hariṇā tathā |
parīvāhasya jāhnavyā khadyotasyendunāpi ca ||370||

… ein Frosch mit Shesha, ein Hase mit einem Löwen, ein kleiner Wasserlauf mit der Ganga oder ein Leuchtkäfer mit dem Mond …

Anmerkung: Parīvāha: Zufluss/kleiner Wasserstrom hier vorläufig nach Vergleich.

Vers 371
yāmasya ca yugenāpi kalpāntena niśo'pi ca |
tathā devyā saha tava cetasi pratibhāti me ||371||

… eine Nachtwache mit einem Yuga oder eine Nacht mit dem Ende eines Kalpa. So erscheint mir dein Verhältnis zur Göttin.

Anmerkung: Yāma hier Zeitabschnitt/Nachtwache; keine astronomische Dauer errechnet.

Vers 372
tayā sākaṃ yadi raṇaṃ kartumicchasi dānava |
sasainyaḥ sānvayaḥ sadyaḥ sanagaraśca vinaśyasi ||372||

Wenn du mit ihr Krieg führen willst, Danava, wirst du sogleich mitsamt Heer, Nachkommenschaft und Stadt untergehen.

Anmerkung: Schlussverb im OCR vināśyati, Person nach direkter Anrede normalisiert.

Reine Schau und allgegenwärtige Bewusstseinskraft

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 373
didṛkṣase'tha yadi tāṃ bhāvaśuddhena cetasā |
paśya sarvatra sā nityā sarvagā guṇavarjitā ||373||

Wenn du sie aber mit einem in seiner Gesinnung reinen Geist sehen möchtest, dann schaue überall: Sie ist ewig, allgegenwärtig und frei von den Gunas.

Vers 374
vijñānarūpā cicchaktirnirmalā dvaitavarjitā |
parāparā suprakāśā bhedavādasamujjhitā ||374||

Sie ist Erkenntnis selbst, die Kraft des Bewusstseins, makellos und frei von Zweiheit; jenseitig und diesseitig, aus sich heraus leuchtend, frei von der Lehre der Getrenntheit.

Anmerkung: Parāparā wörtlich höchste und nicht-höchste; jenseitig/diesseitig als verständliche, nicht räumlich gemeinte Wiedergabe.

Vers 375
prapañcaviṣayātītā sākṣādvācāmagocarā |
nityānandā kalārūpā janmamṛtyujarātigā ||375||

Sie übersteigt den Bereich der entfalteten Welt und ist unmittelbar jenseits der Reichweite der Worte. Sie ist ewige Freude, die Gestalt der Kala-Kraft, jenseits von Geburt, Tod und Alter.

Anmerkung: Kalā bewahrt, nicht mit kāla, Zeit, verwechselt; kann Kraftanteil/Erscheinungskraft bedeuten.

Vers 376
samaṣṭivyaṣṭikaraṇī parāmṛtarasātmikā |
mayi tvayi tathā kīṭe sthāvare jaṅgame tathā ||376||

Sie bringt das Ganze und das Einzelne hervor; ihr Wesen ist der Geschmack des höchsten Nektars. In mir, in dir, im kleinen Tier, im Unbeweglichen und im Beweglichen …

Vers 377
sure śuni dvije mlecche kṣetrajñe vapuṣīndriye |
mūḍhe viduṣi bāle ca yūni sthavira eva ca ||377||

… im Gott, im Hund, im Zweimalgeborenen und im Mlechchha, im Kenner des Feldes, im Körper und im Sinnesvermögen, im Unwissenden, im Wissenden, im Kind, im jungen und im alten Menschen …

Anmerkung: Mleccha: historische Fremdbezeichnung für Menschen außerhalb der eigenen vedischen Kultur; hier ausdrücklich in die universale Gegenwart einbezogen. Kṣetrajña: Bewusstsein als Kenner des Körperfeldes.

Vers 378
tarāvaśmani śaile ca pātāle gagane bhuvi |
atīte vartamāne ca bhaviṣyatyapyanehasi ||378||

… im Baum, im Stein und im Berg, in der Unterwelt, im Himmel und auf Erden, in vergangener, gegenwärtiger und künftiger Zeit …

Anmerkung: Anehas: Zeit, seltenes Wort, nicht ausgelassen.

Vers 376 [Quellzählung an Position 379]
vede purāṇe sāṅkhye ca yogāgamapurāṇayoḥ |
svaśaktyā tiṣṭhate sā hi sarvakāraṇakāraṇam‌ ||376||

… im Veda, im Purana, im Samkhya, in Yoga, Agama und Purana ist sie durch ihre eigene Kraft gegenwärtig: die Ursache aller Ursachen.

Anmerkung: Purana in der Quelle zweimal; nicht durch eine andere Schule ersetzt. Beschädigte Kasusfolge beibehalten. Quellnummer 376 an Position 379.

Die Göttin als Tragendes und Getragenes

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 380
sasāmānyavihīnāṃ cedditijendra didṛkṣase |
dṛḍhabhaktimanaḥ kṛtvā caikatānaṃ samāhitam‌ ||380||

Wenn du sie, die ohne ihresgleichen ist, sehen möchtest, Fürst der Diti-Söhne, richte deinen Geist in fester Hingabe aus, einspitzig und gesammelt …

Anmerkung: Sasāmānyavihīnā im OCR unsicher; Sinn ohne Vergleichbares vorläufig, nicht als technische Negation aller Universalien ausgegeben.

Vers 381
sarvatra paśya tāṃ devīmādhārādheyarūpiṇīm‌ |
ityuktavati devarṣau kātyāyana ṛtākṣaram‌ ||381||

… und schaue die Göttin überall, als das Tragende und das Getragene.“ Als der göttliche Rishi Katyayana diese wahrhaftigen Worte gesprochen hatte …

Mahishasura fordert einen sichtbaren Beweis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 382
punarmunimavādīstvaṃ kiñcitsantyaktamatsaraḥ |
yadi sā sarvagā sarvaprameyādhiṣṭhitā mune ||382||

… hattest du deinen Neid ein wenig abgelegt und sprachst erneut zum Weisen: „Wenn sie allgegenwärtig ist und in allem Erkennbaren wohnt, Weiser …

Vers 383
caitanyasattākārā ca sarvāntaryāminī parā |
sadvicārāvabhāsā ca viśuddhā sarvasākṣiṇī ||383||

… wenn ihr Wesen Bewusstsein und Sein ist, wenn sie die höchste innere Lenkerin aller, durch wahre Betrachtung erkennbar, vollkommen rein und Zeugin von allem ist …

Vers 384
tadā mayocyamāne tāṃ sthāne darśaya tattvataḥ |
śraddadhāsyāmi vacanaṃ tadā te munipuṅgava ||384||

… dann zeige sie mir wirklich an dem Ort, den ich nennen werde. Dann werde ich deinen Worten glauben, vortrefflicher Weiser.

Vers 385
guruvanmānayiṣyāmi tvāṃ śreṣṭhaṃ bhārgavādapi |
jīvan‌ visarjayiṣyāmi hitanirdeśakāriṇam‌ ||385||

Ich werde dich wie einen Guru ehren, höher noch als Bhargava, und dich lebend freilassen, weil du mir nützliche Unterweisung gegeben hast.

Anmerkung: Bhargava nicht ungeprüft mit einer bestimmten Person gleichgesetzt. Jīvan im Sanskrit problematische Kongruenz; Sinn des Freilassens klar.

Vers 386
darśayiṣyasi no cettāṃ pradeśe madudīrite |
sadyo vyāpādayiṣyāmi tvāṃ pāṇitalatāḍanaiḥ ||386||

Zeigst du sie mir aber nicht an dem von mir bezeichneten Ort, werde ich dich sofort mit Schlägen meiner Handflächen töten.“

Die Bitte um Offenbarung im Bilva-Baum

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 387
evamukte tvayā vītabhayaḥ kātyāyano muniḥ |
uvāca vada re mūḍha kutra tāṃ darśayāmi te ||387||

Als du so gesprochen hattest, sagte der furchtlose Weise Katyayana: „Sag, du Tor, wo soll ich sie dir zeigen?

Vers 388
sākṣādāgatya saivādya garvaṃ te cūrṇayiṣyati |
śrutvetyavādīstvamapi vimṛśya hṛdi taṃ munim‌ ||388||

Sie selbst wird sichtbar erscheinen und noch heute deinen Hochmut zerschmettern.“ Als du dies hörtest, überlegtest du in deinem Herzen und sprachst zum Weisen …

Vers 386 [Quellzählung an Position 389]
antarmahāsūkṣmatayā bilvavṛkṣe niṣeduṣīm‌ |
niryātya bahiravyagrāmuktarūpaguṇātmikām‌ ||386||

„Lass sie, die höchst subtil im Inneren des Bilva-Baums wohnt, nach außen hervortreten, unerschüttert und mit der von dir beschriebenen Gestalt und ihren Eigenschaften …

Anmerkung: Quellnummer 386 an Position 389; nir yātya im OCR unsichere Veranlassungsform, Handlung aus dem folgenden Befehl klar.

Vers 390
acchaprakaṭitākārāṃ tāṃ me devīṃ pradarśaya |
tvayītyuktavati kruddhe māmekāntena cetasā ||390||

… und zeige mir diese Göttin in deutlich offenbarter Gestalt!“ Als du zornig so gesprochen hattest, nahm der Rishi mit ganz auf mich gerichtetem Geist …

Vers 3561 [Quellzählung an Position 391]
ṛṣirjagāma śaraṇaṃ bhavato bhayavihvalaḥ |
tuṣṭāva cāntarbhīrutvakampitauṣṭhacalākṣaraḥ ||3561||

… Zuflucht zu mir, von Furcht vor dir erschüttert. Er pries mich mit Worten, die über seine vor innerer Angst zitternden Lippen kamen …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 3561 an Position 391. Wechsel von Furchtlosigkeit387 zu Angst391 ausdrücklich bewahrt.

Katyayanas Gebet an Mahakali

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 362 [Quellzählung an Position 392]
jagadamba jayānantarūpe sarvaikasākṣiṇi |
saṅkaṭoddhāriṇi śive bhaktānāmabhayaṅkare ||362||

„Sieg dir, Mutter der Welt, du von unendlichen Gestalten, einzige Zeugin von allem! Du führst aus Bedrängnis heraus, du Segensreiche, und schenkst deinen Verehrern Furchtlosigkeit.

Anmerkung: Quellnummer 362 an Position 392. Beginn von Katyayanas Stuti.

Vers 353 [Quellzählung an Position 393]
samastajagadādhārabhūte brahmasvarūpiṇi |
vidhīśahariśakrādidevāviditavaibhave ||353||

Du bist der tragende Grund der ganzen Welt, dein Wesen ist Brahman. Selbst die Götter – Vidhi, Isha, Hari, Shakra und die anderen – erkennen deine Herrlichkeit nicht.

Anmerkung: Quellnummer 353 an Position 393.

Vers 364 [Quellzählung an Position 394]
sṛṣṭisthitipralayakṛttriguṇātmakavigrahe |
parāpareśi praṇatamanujaprāṇadāyini ||364||

Du bewirkst Schöpfung, Bestand und Auflösung; deine Erscheinungsform besteht aus den drei Gunas. Herrin des Höchsten und des Niederen, du schenkst den Menschen Leben, die sich vor dir verneigen.

Anmerkung: Quellnummer 364 an Position 394. Triguna-Gestalt hier von vorausgehender Nirguna-Lehre nicht stillschweigend eingeebnet.

Vers 365 [Quellzählung an Position 395]
madupāsyatayā khyātanāmni tribhuvaneśvari |
kātyāyani jagadvandye mahākāli namo'stu te ||365||

Weil ich dich verehre, ist dein Name berühmt, Herrin der drei Welten: Katyayani! Du von der Welt Verehrte, Mahakali, dir sei Verehrung!

Anmerkung: Quellnummer 365 an Position 395. Der Text leitet hier den Namen Katyayani aus Katyayanas Verehrung ab; keine zusätzliche etymologische Behauptung.

Vers 366 [Quellzählung an Position 396]
matprāṇarakṣaṇakṛte bhīnāśāya divaukasām‌ |
svarūpaṃ darśayāmuṣmai bilvavṛkṣādviniḥsṛtā ||366||

Um mein Leben zu schützen und die Furcht der Himmelsbewohner zu vernichten, tritt aus dem Bilva-Baum hervor und zeige ihm deine eigene Gestalt!“

Anmerkung: Quellnummer 366 an Position 396.

Die Göttin erscheint aus dem Bilva-Baum

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 357 [Quellzählung an Position 397]
nutaivaṃ tena muninānugrahāya tavāpi ca |
prādurbhūtāhamabhavaṃ divyavigrahadhāriṇī ||357||

So von dem Weisen gepriesen, erschien ich in göttlicher Gestalt, um auch dir Gnade zu erweisen …

Anmerkung: Quellnummer 357 an Position 397; die Göttin setzt ihre Erzählung an Mahishasura fort.

Vers 3468 [Quellzählung an Position 398]
bhāsayantyāśramaṃ sarvaṃ vapurbhāsā samānayā |
koṭyarkodayavajjātaṃ viyadyugapadeva hi ||3468||

… und erleuchtete mit dem gleichmäßigen Glanz meines Leibes den ganzen Ashram. Der Himmel wurde, als gingen zehn Millionen Sonnen zugleich auf.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 3468 an Position 398; samānayā vorläufig, keine unbekannte Intensitätsangabe ergänzt.

Vers 364 [Quellzählung an Position 399]
ādīpitamaraṇyaṃ ca tejasā mama sarvataḥ |
muṣṇantī tvaddṛśo rocirdhunvatī hṛdayaṃ tava ||364||

Der Wald wurde ringsum von meinem Licht erhellt. Ich nahm deinen Augen die Sehkraft und erschütterte dein Herz …

Anmerkung: Quellnummer 364 an Position 399; Verbindung tvaddṛśo rocis im OCR beschädigt, Blendung durch Leuchten aus Zusammenhang klar.

Vers 400
oṣantyaṅgāni sarvāṇi adadaṃ darśanaṃ tava |
samālokya vapurbhāsaṃ madīyāṃ cakito bhavān‌ ||400||

… und während mein Glanz all deine Glieder versengte, gewährte ich dir meinen Anblick. Als du das Leuchten meines Leibes sahst, warst du bestürzt …

Anmerkung: Erstes Partizip im OCR leicht verformt, Wurzel für Versengen erkennbar.

Vers 401
māmaivekṣata nistandraṃ vismayotphullalocanaḥ |
satyavādīti vacane jātasampratyayo muniḥ ||401||

… und blicktest mich unablässig an, mit vor Staunen weit geöffneten Augen. Nun entstand dein Vertrauen, dass der Weise die Wahrheit gesprochen hatte.

Anmerkung: Zweiter Halbvers syntaktisch beschädigt; muniḥ als Bezugswort zum wahrsprechenden Weisen, nicht neuer Redner.

Der Aufbruch zum Kampf

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 402
kareṣvālakṣya vidhṛtānyastrāṇi vividhāni me |
yuyutsurabhyadhāvastvaṃ karābhyāṃ vidhṛtāyudhaḥ ||402||

Als du die verschiedenen Waffen in meinen Händen sahst, stürmtest du kampfbegierig auf mich zu, selbst mit Waffen in beiden Händen.

Vers 403
kātyāyanakapotau dvau guruśiṣyāvubhau munī |
palāyāñcakraturbhītau vīkṣya yuddhodyamaṃ dvayoḥ ||403||

Die beiden Weisen Katyayana und Kapota, Lehrer und Schüler, sahen unsere Kampfvorbereitung und flohen erschrocken.

Vers 404
pratimuktaṃ nirīkṣya tvāṃ senādhyakṣāstavāsura |
sarve sandarśitā jātāstriparārdhāśca dānavāḥ ||404||

Als deine Heerführer dich [zum Kampf angetreten] sahen, Asura, erschienen sie alle, zusammen mit drei Parardhas Danavas.

Anmerkung: Pratimukta und sandarśita im OCR unsicher; das Auftreten des Heeres klar. Großzahl Parardha beibehalten.

Die Heerführer der Daityas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 405
karālaścikṣurastāmradurdharoddhatadurmadāḥ |
bāṣkalodagratārākṣadurmukhāndhakacañcalāḥ ||405||

Karala, Chikshura, Tamra, Durdhara, Uddhata, Durmada, Bashkala, Udagra, Taraksha, Durmukha, Andhaka und Chanchala …

Anmerkung: Namensformen Uddhata/Durmada sowie Taraksha leicht beschädigt; keine unbekannten Namen durch vertraute Dämonennamen ersetzt.

Vers 406
cāmarogrāsyadhūmrākṣamahāhanubalāhakāḥ |
ugravīryāsilomānau jaṭāmāliprakampanau ||406||

… Chamara, Ugrasya, Dhumraksha, Mahahanu, Balahaka, Ugravirya, Asiloman, Jatamalin und Prakampana …

Vers 407
vajramuṣṭibiḍālau ca vātavegaphaṇidhvajau |
śailadhvajāñjanādrī ca ghoranādakarandhamau ||407||

… Vajramushti und Bidala, Vatavega und Phanidhvaja, Shailadhvaja und Anjanadri, Ghoranada und Karandhama …

Anmerkung: Einige Eigennamen im OCR leicht verformt; Folge vorläufig im lesbaren Umfang.

Vers 408
abhyadhāvanta māmeva pragṛhītaśarāsanāḥ |
nānāyudhodyatakarāḥ sarve varmitavigrahāḥ ||408||

… stürmten mit ergriffenen Bogen auf mich zu. Alle trugen Rüstungen und hielten vielerlei Waffen erhoben.

Vers 406 [Quellzählung an Position 409]
vadhyadhvaṃ praharadhvaṃ ca gṛhṇīdhvamiti vādinaḥ |
rathaiḥ kecidgajaiḥ keciddhayaiḥ kecid‌ […] ||406||

Sie riefen: „Tötet! Schlagt zu! Ergreift sie!“ Einige kamen auf Wagen, andere auf Elefanten, wieder andere auf Pferden […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt. Erster Imperativ vadhyadhvam formal problematisch, Tötungsruf nach lesbarer Wurzel. Quellnummer 406 an Position 409.

Das Heer und die furchtlose Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 410
kecitpadātayo daityā ghorāścarmāsipāṇayaḥ |
lakṣaṃ cāśītisāhasraṃ yāvadakṣauhiṇībalam‌ ||410||

Andere schreckliche Daityas kamen zu Fuß, mit Schild und Schwert in den Händen. Die gesamte Heeresmacht – ein Lakh und achtzigtausend Akshauhinis – …

Anmerkung: Hier180000, gegenüber269möglicherweise181000; Zahlen nicht harmonisiert.

Vers 411
sarvaṃ sannahyāpatitaṃ māṃ hantuṃ raṇamūrdhani |
kiñcitsmitaṃ prakurvāṇāhamāsaṃ gatasādhvasā ||411||

… rückte vollständig gerüstet heran, um mich auf dem Schlachtfeld zu töten. Ich aber lächelte ein wenig und blieb ohne Furcht.

Vers 412
pinākaṃ dadhatī vāmapāṇau dakṣe śarānapi |
siṃhopari samāsīnālībhiścatasṛbhiryutā ||412||

Ich hielt den Pinaka-Bogen in der linken Hand und Pfeile in der rechten, saß auf einem Löwen und war von vier Gefährtinnen begleitet.

Vers 413
yuyutsayātirabhasātsthitāsmi ditijādhipa |
etasminneva samaye dhāvanavyagrapāttvaran‌ ||413||

Voller kraftvoller Kampfbereitschaft stand ich da, Herr der Diti-Söhne. Genau zu diesem Zeitpunkt kam eilends, mit hastigen Schritten …

Anmerkung: Ende des zweiten Halbverses im OCR verformt; Bewegungsbeschreibung sinngemäß bei erkennbaren Wörtern.

Yugandhara mahnt zur Umkehr

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 414
vṛddhaḥ pituramātyaste nāmnā khyāto yugandharaḥ |
nivartayāmāsa raṇāttvāṃ dhṛtvā karayordvayoḥ ||414||

… der alte Minister deines Vaters namens Yugandhara. Er fasste dich an beiden Händen und hielt dich vom Kampf zurück.

Vers 415
uvāca vacanaṃ kiñcinnatipraṇatakandharaḥ |
prabho na yoddhuṃ kālaste striyā vai divyayaitayā ||415||

Mit ehrerbietig geneigtem Haupt sprach er: „Herr, jetzt ist nicht die Zeit für dich, mit dieser göttlichen Frau zu kämpfen.

Vers 416
neyaṃ sāmānyanārīvadbhāvanīyā kathañcana |
manye daityakulāntāya kālarātrirupasthitā ||416||

Man darf sie keinesfalls für eine gewöhnliche Frau halten. Ich glaube, Kalaratri ist erschienen, um das Geschlecht der Daityas zu beenden.

Anmerkung: Kalaratri: Nacht der Vernichtung als Göttinnenbezeichnung.

Vers 417
ekā yadiyamakṣubdhā sthitā yuddhābhilāṣiṇī |
agaṇeyaistavānīkaiḥ saha śastrāstrapāṇibhiḥ ||417||

Sie steht allein und unerschüttert da und begehrt den Kampf mit deinen unzähligen Heeren, deren Hände Waffen und Geschosse tragen.

Vers 418
tava bhītyā palāyante sarve devāḥ savāsavāḥ |
[…] vimukhau hariśaṅkarau ||418||

Aus Furcht vor dir fliehen alle Götter samt Vasava; selbst Hari und Shankara […] haben sich abgewandt.

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor vimukhau beschädigt; Rückzug beider Götter klar.

Vers 416 [Quellzählung an Position 419]
yuyutsoryatra te vīra sthitasya raṇamūrdhani |
tatreyamekā vanitāyutadordaṇḍadhāriṇī ||416||

Wo du, Held, kampfbereit auf dem Schlachtfeld stehst, steht diese eine Frau mit zehntausend mächtigen Armen …

Anmerkung: Quellnummer 416 an Position 419. Ayuta zehntausend, nicht in die späteren zehn Arme umgedeutet.

Vers 420
smitaṃ salīlaṃ kurvāṇā nirbhayāsmatpuraḥ sthitā |
bhaviṣyatyatra nālpaṃ hi kāraṇaṃ rambhanandana ||420||

… lächelt spielerisch und bleibt furchtlos vor uns stehen. Dafür muss es einen bedeutenden Grund geben, Sohn Rambhas.

Der Rat des alten Lehrers

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 421
etayā saha saṅgrāmādviramācintyarūpayā |
mayaiṣo'ñjalirābaddhaḥ praṇāmaḥ pādayorapi ||421||

Lass ab vom Kampf mit ihr, deren Wesen unbegreiflich ist! Ich falte vor dir die Hände und verneige mich auch vor deinen Füßen.

Vers 422
yuddhāyābhyudyataṃ sainyaṃ sakalaṃ vinivartyatām‌ |
ṣāḍguṇye vā naye yuddhe kartavye yatra kutracit‌ ||422||

Lass das ganze zum Kampf aufgebotene Heer umkehren. Bei den sechs politischen Maßnahmen, bei Staatskunst oder bei einem irgendwo zu führenden Krieg …

Anmerkung: Ṣāḍguṇya: traditionelle sechs Formen politischer Außenbeziehungen; keine hier fehlende Liste ergänzt.

Vers 423
naivāpramāṇīkurute pitā te vacanaṃ mama |
tadeva pālayasvādya vākyaṃ tvamapi nītimat‌ ||423||

… hat dein Vater meinen Rat niemals als unbeachtlich verworfen. Befolge heute auch du dieses vernünftige Wort.

Vers 424
bārhaspatyauśanasayostantrayornayahetave |
mayā bālye vinīto'si gurustasmādbhavāmi te ||424||

In deiner Kindheit habe ich dich in den Lehrsystemen Brihaspatis und Ushanas zur Staatskunst unterwiesen. Darum bin ich dein Lehrer.

Anmerkung: Tantra hier Lehrsystem/Abhandlung; keine bestimmte erhaltene Schriftidentität behauptet.

Vers 425
yuktiyuktaṃ guroruktimādriyasvāta īśvara |
anyadekaṃ kāraṇaṃ te bruve yuddhanivartane ||425||

Achte daher den begründeten Rat deines Lehrers, Herr. Ich nenne dir noch einen weiteren Grund, vom Kampf abzulassen.

Rückblick auf Mahishasuras Geburt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 426
tacchṛṇuṣva mahābhāga śrutvā yuktaṃ samācara |
pitā te haramārādhya ghoreṇa tapasā ciram‌ ||426||

Höre ihn, du Glücklicher, und handle danach vernünftig. Dein Vater hatte Hara lange mit strenger Askese verehrt …

Vers 427
tvāṃ prāptavān‌ sutaṃ sarvadānavārivimardanam‌ |
jātamātre tvayi jahurdevāḥ sadyo'marāvatīm‌ ||427||

… und dich als Sohn empfangen, den Bezwinger aller Feinde der Danavas. Kaum warst du geboren, verließen die Götter sogleich Amaravati.

Vers 428
daityāśca daityārikṛtāṃ bhītiṃ tvadanuvartinaḥ |
rurudurdevavanitā jahasurdaityayoṣitaḥ ||428||

Die Daityas, die sich dir anschlossen, legten ihre Furcht vor dem Feind der Daityas ab. Die Frauen der Götter weinten, die Frauen der Daityas lachten.

Anmerkung: Verb des Ablegens aus 427weitergeführt; Daityari als Titel, wahrscheinlich Vishnu, ohne sichere Gleichsetzung stehen gelassen.

Vers 4246 [Quellzählung an Position 429]
athābhavo yadā daityabālastvaṃ pañcavārṣikaḥ |
tadā tvāṃ vīkṣya tātaste samprāpa mahatīṃ mudam‌ ||4246||

Als du dann ein fünfjähriger Daitya-Junge warst, empfand dein Vater große Freude, wenn er dich sah.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 4246 an Position 429. Rückblick auf Mahishasuras Kindheit; die folgenden Liebeshandlungen betreffen ausdrücklich seinen Vater Rambha.

Rambhas Reise

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 430
ekadā sahito'mātyairasmadādibhiraṣṭabhiḥ |
gatvottarān‌ kurūn‌ rambhaḥ pitā te raṇadurjayaḥ ||430||

Einst ging dein Vater Rambha, im Kampf unbezwingbar, mit acht Ministern, darunter mir, zu den nördlichen Kurus …

Vers 431
apsarobhiḥ saha ciraṃ cikrīḍa […] |
vaibhrājakavane caitrarathe mandārakānane ||431||

… und vergnügte sich lange mit Apsaras […], im Vaibhrajaka-Wald, in Chaitraratha und im Mandara-Hain …

Anmerkung: Fragment: weitere Orts- oder Umstandsangabe nach cikrīḍa beschädigt, nicht ergänzt.

Vers 432
karṇikāravane cāpi campakāraṇya eva ca |
vihṛtya cirakālaṃ sa ghṛtācyā saha te pitā ||432||

… ebenso im Karnikara-Wald und im Champaka-Wald. Nachdem dein Vater lange mit Ghritachi zusammen gewesen war …

Vers 433
surataśramasañjātasvedāyāsāpanuttaye |
sisnāsuḥ sacivaiḥ sārdhaṃ prayayau ramyakaṃ saraḥ ||433||

… wollte er baden, um den Schweiß und die Erschöpfung des Liebesspiels abzuwaschen, und ging mit seinen Ministern zum Ramyaka-See.

Anmerkung: Erzähltes Liebesspiel des erwachsenen Rambha mit Ghritachi.

Vers 434
tatra gatvā ciraṃ sasnau saromadhyagataḥ prabhuḥ |
athottīrya yiyāsuḥ sa hiraṇyapuramuttamam‌ ||434||

Dort angekommen, badete der Herr lange mitten im See. Als er anschließend herausstieg und ins herrliche Hiranyapura zurückkehren wollte …

Die Begegnung mit Sanatkumara

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 435
athāsyaivottare kūle mahīruhatale sthitam‌ |
kiñcinnimīlitadṛśaṃ dhyānenātmekṣaṇātmanā ||435||

… sah er am Nordufer des Sees unter einem Baum jemanden sitzen, die Augen etwas geschlossen, in Meditation versunken, deren Wesen die Schau des Selbst war …

Vers 436
dvitrairanugataṃ śiṣyaiḥ saṃyojitakaradvayaiḥ |
sanatkumāraṃ brahmarṣiṃ pūrveṣāmapi pūrvajam‌ ||436||

… begleitet von zwei oder drei Schülern mit gefalteten Händen: den Brahmarshi Sanatkumara, der selbst den Ahnen vorausgeht …

Vers 437
brahmaṇo mānasaṃ putraṃ dvitīyaṃ tamiva sthitam‌ |
vibhūtibhūṣitatanuṃ śivadhyānaparāyaṇam‌ ||437||

… den geistgeborenen Sohn Brahmas, der wie ein zweiter Brahma dort saß, den Körper mit heiliger Asche geschmückt, ganz der Meditation über Shiva ergeben …

Vers 428 [Quellzählung an Position 438]
rudrākṣamālābharaṇaṃ jaṭāmaṇḍalamaṇḍitam‌ |
apaśyatte pitā rambho jvalantamiva pāvakam‌ ||428||

… mit einer Rudraksha-Kette geschmückt und einer Krone verfilzter Haare. So sah dein Vater Rambha ihn, leuchtend wie ein Feuer.

Anmerkung: Quellnummer 428 an Position 438.

Vers 4346 [Quellzählung an Position 439]
tataḥ praṇāmahetostaṃ sasāra vinayānataḥ |
prādakṣiṇyenābhivādya daṇḍavatpraṇato bhuvi ||4346||

Da näherte er sich ihm demütig, um sich zu verneigen, umschritt ihn ehrerbietig nach rechts und warf sich lang ausgestreckt auf den Boden.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 4346 an Position 439.

Vers 440
tasthau namraśirāḥ kiñcinmukhamasyāvalokayan‌ |
athāmumanujagrāha kuśalapraśnayā girā ||440||

Mit geneigtem Haupt blieb er stehen und blickte zu seinem Gesicht auf. Da erwies der Weise ihm seine Gunst, indem er nach seinem Wohlergehen fragte …

Vers 441
asmadādīnapi tathā smitapūrvaṃ munīśvaraḥ |
kathāsu kathyamānāsu ditijendra divaukasām‌ ||441||

… und ebenso uns anderen, mit einem Lächeln. Als dann, Diti-Fürst, von den Angelegenheiten der Himmelsbewohner gesprochen wurde …

Die Sorge des Vaters um seinen Sohn

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 442
devarṣiḥ sādaro bhūtvā papracchānāmayaṃ tava |
uvāca te pitā taṃ ca bhaktipraṇatakandharaḥ ||442||

… erkundigte sich der göttliche Rishi aufmerksam nach deinem Wohlergehen. Dein Vater antwortete ihm mit in Hingabe geneigtem Haupt …

Vers 443
kuśalī tiṣṭhatīdānīṃ bālo me'prāptayauvanaḥ |
tapodhana tavāśīrbhirvardhate ca dine dine ||443||

‚Mein Junge, der noch nicht die Jugend erreicht hat, ist wohlauf. Durch deinen Segen, du Asket, wächst er Tag für Tag.

Vers 444
asmānānandayati ca bālakrīḍanakādibhiḥ |
yadi jīvati tāruṇye jāte me tanayo mune ||444||

Er erfreut uns mit seinen kindlichen Spielen und dergleichen. Wenn mein Sohn aber bis zur Jugend lebt, Weiser …

Vers 445
prāyaḥ santyakṣyati prāṇān‌ yantraṇābhirdivaukasām‌ |
viṣṇorvikramayogaiśca nānāsamaraśālibhiḥ ||445||

… wird er wohl durch die Angriffe der Himmelsbewohner und durch Vishnus Macht, die sich in vielerlei Kämpfen bewährt, sein Leben verlieren.

Anmerkung: Yantraṇā im OCR यन्त्रणाभि: Bedrängnis/Machenschaften; konkrete Waffen nicht ergänzt. Vikrama-yoga unsichere Lesung des beschädigten Wortes.

Vers 446
daityāḥ na ke'pyurvaritāścakrajvāloṣitāṅgakāḥ |
sudarśanenāmumapi haniṣyati mamātmajam‌ ||446||

Kein Daitya ist übrig geblieben, dessen Leib von den Flammen des Diskus versengt wurde. Mit Sudarshana wird er auch diesen meinen Sohn töten.

Anmerkung: Urvarita im OCR; Sinn übrig geblieben/überlebt aus Wortrest, keine sichere klassische Form vorgetäuscht.

Vers 447
ityevaṃ bādhate cintāharniśaṃ māṃ taponidhe |
āyatyudarkau sūnorme kīdṛśau asya bhaviṣyataḥ ||447||

So bedrückt mich diese Sorge Tag und Nacht, Schatz der Askese. Wie werden die Zukunft und das spätere Geschick dieses meines Sohnes sein?

Anmerkung: Āyati und udarka beide Zukunft/Folgegeschick; letzte Kongruenz im OCR unsicher.

Vers 448
tvaṃ sarvajño'si bhagavaṃścarācaragurustathā |
atītānāgataṃ vetsi sākṣādvedhā ivāparaḥ ||448||

Du bist allwissend, Erhabener, und Lehrer alles Beweglichen und Unbeweglichen. Du kennst Vergangenheit und Zukunft wie ein zweiter Schöpfer selbst …

Rambhas Fragen nach Macht und Lebensdauer

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 448 [zweite Quellzählung] [Position 449]
icchan‌ samartho'si tathā parivartayituṃ jagat‌ |
nirdiṣṭaṃ bhavatā vettumicchāmi tanayasya me ||448||

‚Wenn du es willst, vermagst du die Welt zu verändern. Ich möchte von dir erfahren, was meinem Sohn bestimmt ist …

Anmerkung: Zweite Quellzählung448, interne Anschlusskennung449; keine zweite identische Strophe, sondern eigenständiger Text.

Vers 450
aiśvaryaṃ kīdṛśaṃ bhāvi kiyadāyustathaiva ca |
parākramo raṇe kīdṛkkīdṛśaṃ balameva ca ||450||

… welche Herrschaft er erlangen wird, wie lange sein Leben dauert, welche Tapferkeit er im Kampf und welche Kraft er besitzen wird …

Vers 451
caturaṅgamanīkaṃ ca kiyadasya bhaviṣyati |
evamukte tvatpitari smitaṃ kṛtvā sa mānada ||451||

… und wie groß sein viergliedriges Heer sein wird.‘ Als dein Vater dies gesagt hatte, lächelte der Sohn Brahmas, du Ehrerbietiger …

Anmerkung: Mānada am Schluss im OCR unsicher; möglicherweise Anrede an den Zuhörer, nicht Handlung des Sehers.

Sanatkumaras Weissagung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 452
brahmaṇastanayo'vādītsambodhya janakaṃ tava |
vākyaṃ me śṛṇu rambha tvaṃ yāthātathyena jalpataḥ ||452||

… wandte sich an deinen Vater und sprach: ‚Höre meine Worte, Rambha; ich werde dir wahrheitsgemäß berichten.

Vers 453
śṛṇvantu tvadamātyāśca ye tvayā samamāgatāḥ |
sāmānyadaityavannāyaṃ mantavyo bhavatā sutaḥ ||453||

Auch deine Minister, die mit dir gekommen sind, sollen zuhören. Du darfst deinen Sohn nicht für einen gewöhnlichen Daitya halten.

Vers 454
avatīrṇaḥ ko'pi sākṣānmahāpuruṣa eṣa hi |
tapasā bhavato'saṅkhyaśubhādṛṣṭavaśena ca ||454||

In ihm ist unmittelbar ein großes Wesen herabgestiegen, durch deine Askese und durch die Kraft unzähliger unsichtbar wirkender guter Verdienste.

Anmerkung: Adṛṣṭa: unsichtbare Wirkkraft vergangener Handlungen; keine konkrete frühere Geburt ergänzt.

Vers 455
nihantuṃ viṣṇunā śakyo naiṣa cakreṇa te sutaḥ |
carācarasya jagato brahmāṇḍasyākhilasya ca ||455||

Vishnu kann diesen deinen Sohn nicht mit seinem Diskus töten. Über die ganze bewegliche und unbewegliche Welt und das gesamte Weltenei …

Vers 456
bhavitādhipatī rambha mahābhāgaḥ sutastava |
indrādyā daśa dikpālā yāścānyā devajātayaḥ ||456||

… wird dein glückbegnadeter Sohn herrschen, Rambha. Die zehn Weltenhüter mit Indra an der Spitze und die übrigen Göttergruppen …

Anmerkung: Endung adhipatī im OCR statt adhipatiḥ; Übersetzung eindeutig.

Vers 457
paricārakavadbhūtvā sthāsyanti vaśavartinaḥ |
caturdaśasvapi tathā bhuvaneṣu mahābalaḥ ||457||

… werden wie Diener unter seiner Herrschaft stehen. In sämtlichen vierzehn Welten wird er mit großer Macht …

Vers 458
avyāhatājñaḥ sambhūya rakṣiṣyati jagattrayam‌ |
nideśaṃ dhārayiṣyanti tridaśāḥ śirasāsya hi ||458||

… ungehindert befehlen und die drei Welten beschützen. Die Götter werden seine Anordnungen auf ihren Häuptern tragen.

Anmerkung: Bild für das gehorsame Annehmen eines Befehls.

Vers 4546 [Position 459]
manvantaratrayaṃ pūrṇamadhikaṃ kiñcideva hi |
bhaviṣyatyāyuretasya trilokīmavataḥ sukham‌ ||4546||

Sein Leben wird drei volle Manvantaras und noch ein wenig mehr umfassen, während er die drei Welten ungehindert beschützt.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 4546 an Position 459. Mythische Zeiteinheit, keine moderne Jahreszahl ergänzt.

Die vorhergesagte Tapferkeit

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 460
parākramaṃ cāsya śṛṇu gadato me'surottama |
trayastriṃśatkoṭimitān‌ devānekena pāṇinā ||460||

Höre von mir auch seine Tapferkeit, Bester der Asuras. Mit einer einzigen Hand wird er dreiunddreißig Kotis Götter …

Anmerkung: Koṭi traditionelle Zehnmillionenzahl; Gesamtzahl hier im indischen Ausdruck erhalten.

Vers 461
hantuṃ samarthaḥ samare kimu yodhayituṃ tadā |
niyuddhaṃ viṣṇunā sārdhaṃ kariṣyati tathaiva ca ||461||

… in der Schlacht töten können – um wie viel mehr gegen sie kämpfen! Er wird auch einen Nahkampf mit Vishnu führen.

Vers 462
parājetuṃ na cāmuṃ sa śakṣyati śrīpatiḥ svayam‌ |
kuṇṭhitaṃ cakramasyāpi tvatsutorasi bhāvi ca ||462||

Selbst Shripati wird ihn nicht besiegen können, und sein Diskus wird an der Brust deines Sohnes stumpf werden.

Vers 463
anantasaṅkhyamattebhabalo'yaṃ bhavitā sadā |
icchaṃstatkoṭiguṇitaśaktibhāvo mahāraṇe ||463||

Er wird stets die Stärke unzähliger brünstiger Elefanten besitzen und sie, wenn er will, in einer großen Schlacht um das Zehnmillionenfache steigern.

Kosmische Kraftbilder

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 464
sasaptadvīpajaladhiparvatāṃ vasudhāmimām‌ |
uddhṛtya śeṣaśirasaḥ svaśīrṣe sthāpituṃ kṣamaḥ ||464||

Er vermag diese Erde mit ihren sieben Inselkontinenten, Meeren und Bergen von Sheshas Haupt zu heben und auf sein eigenes Haupt zu setzen.

Vers 465
gandhamādanakailāsau giriṃ ca tridaśālayam‌ |
sañcūrṇayitumīṣṭe'yaṃ sthāpayitvā karadvaye ||465||

Er kann Gandhamadana, Kailasa und den Berg der Götterwohnung zwischen seine beiden Hände nehmen und zermahlen.

Anmerkung: Der dritte Berg wird nur als Götterwohnung bezeichnet, nicht ungekennzeichnet mit Meru gleichgesetzt.

Vers 466
lokālokaṃ samutpāṭya svīyāṃsaparivartanaiḥ |
reṇuṃ kṣodotkarākīrṇaṃ samarthaḥ kartumañjasā ||466||

Er vermag den Lokaloka-Berg auszureißen und ihn mit Bewegungen seiner Schultern mühelos zu Staub und verstreuten Trümmerhaufen zu machen.

Anmerkung: Svīyāṃsa, eigene Schulter, im OCR स्वीयांश; Lesung vorläufig, mögliche eigene Körperteile nicht ausgeschlossen.

Die Zahlen des Heeres

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 467
saptāṣṭaikadviguṇitaṃ yadi syādarbudaṃ tadā |
ekā mahākṣauhiṇī syādanayā saṅkhyayā punaḥ ||467||

Wenn ein Arbuda mit [der Zahlenfolge] sieben, acht, eins und zwei vervielfacht wird, ergibt dies eine große Akshauhini. Nach dieser Zählweise wiederum …

Anmerkung: Zahlenformel nicht zuverlässig auflösbar; Reihenfolge der lesbaren Ziffernwörter bewahrt, keine Rechenzahl erfunden.

Vers 468
lakṣāyute tathaikaike sahasrāṣṭakasaṃyute |
bhāvyetāvadbalaṃ tasya svavaṃśaditijojjvalam‌ ||468||

… [ein] Lakh und [ein] Ayuta, verbunden mit achttausend: So groß wird sein Heer sein, glänzend durch Diti-Söhne seines eigenen Geschlechts.

Anmerkung: Zahlenzusammensetzung und Bezug zu467 unsicher; Lakh100000/Ayuta10000 als Begriffe erhalten, keine scheinbar sichere Gesamtsumme.

Vers 466 [Position 469]
anye danukulotpannā dānavā yuddhadurmadāḥ |
triparārdhamitāḥ putramanuyāsyanti te sadā ||466||

Weitere kampfübermütige Danavas aus Danus Geschlecht, drei Parardhas an der Zahl, werden deinem Sohn stets folgen.

Anmerkung: Quellnummer 466 an Position 469.

Vers 470
naitādṛśo dānavo'nyo na daityo nāsuro'pi ca |
samutpanno mahābhāga sṛṣṭimadhye piturmama ||470||

Kein anderer Danava, Daitya oder Asura dieser Art ist in der Schöpfung meines Vaters entstanden, du Glücklicher.

Vers 471
iti te sarvamākhyātaṃ yatpṛṣṭo'smi tvayāsura |
putrasya tava sāmrājyaṃ paramāyuḥ parākramam‌ ||471||

Damit habe ich dir alles erklärt, wonach du mich gefragt hast, Asura: die Herrschaft deines Sohnes, seine gesamte Lebensdauer und seine Tapferkeit …

Vers 472
balaṃ ca caturaṅgākhyaṃ balaṃ śaktiṃ tathaiva ca |
na pūrve nāpare daityā na devā dānavā na ca ||472||

… sein viergliedriges Heer, seine Kraft und seine Macht. Weder frühere noch künftige Daityas, Götter oder Danavas …

Anmerkung: Bala zweimal, einmal Heer und einmal Kraft, nicht als versehentliche Wiederholung gestrichen.

Vers 473
tvatsutasya na yāsyanti samatāṃ bhuvanatraye |
ityuktavati devarṣau variṣṭhe satyavādinām‌ ||473||

… werden deinem Sohn in den drei Welten gleichkommen.‘ Als der göttliche Rishi, der Hervorragendste der Wahrheitsredenden, dies gesagt hatte …

Rambha fragt nach dem Tod seines Sohnes

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 474
parāṃ mudamavāpoccaiḥ sahāsmābhiḥ pitā tava |
prabhuḥ punarathovāca vismayāviṣṭamānasaḥ ||474||

… empfand dein Vater gemeinsam mit uns höchste Freude. Dann sprach der Herr wiederum, sein Geist voller Staunen …

Anmerkung: Yugandhara berichtet Mahishasura weiter von Rambhas Begegnung.

Vers 475
bhagavan‌ sarvamevedaṃ tvatta ākarṇitaṃ mayā |
sāmrājyabalavīryāyuḥprabhutvaṃ tanayasya me ||475||

‚Erhabener, all dies habe ich von dir gehört: die Herrschaft, Kraft, Tapferkeit, Lebensdauer und Macht meines Sohnes.

Vers 476
kintu kena prakāreṇa kutra kasya kare tathā |
bhaviṣyatyasya maraṇaṃ nyāyato'nyāyato'pi vā ||476||

Doch auf welche Weise, wo und durch wessen Hand wird er sterben? Wird es rechtmäßig oder unrechtmäßig geschehen?

Vers 477
tadapi jñātumicchāmi bhavataḥ sarvadarśinaḥ |
śrotuṃ yogyaṃ yadi bhavedanugṛhṇāsi māṃ yadi ||477||

Auch das möchte ich von dir erfahren, der alles schaut. Wenn ich würdig bin, es zu hören, und du mir Gnade erweisen willst …

Vers 478
ājñāpaya tadādāvapi trikālālokināṃ vara |
na māṃ bādhiṣyate duḥkhaṃ tanmṛtyuśravaṇodbhavam‌ ||478||

… dann sage es mir schon jetzt, Bester derer, die die drei Zeiten schauen. Der Schmerz, der aus der Nachricht von seinem Tod entsteht, wird mich nicht überwältigen.

Die Unvermeidlichkeit des Endes

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 476 [Position 479]
śakyā na loptuṃ kenāpi niyatiḥ pārameśvarī |
śarīradhāriṇāmeṣā niṣṭhā vidhinideśitā ||476||

Niemand kann die höchste göttliche Bestimmung außer Kraft setzen. Dies ist das vom Schöpfer bestimmte Ende aller Verkörperten.

Anmerkung: Quellnummer 476 an Position 479.

Vers 480
dviparārdhāvasāne tu pitrā te'pi tapodhana |
taijasyapi tanustyājyā janmibhiḥ kimu bhautikī ||480||

Am Ende zweier Parardhas muss selbst dein Vater, du Asket, seinen aus Licht bestehenden Leib aufgeben – um wie viel mehr müssen geborene Wesen ihren stofflichen Leib verlassen.

Anmerkung: Brahmas Lebensende in mythischer Zeit; taijasī im OCR तेजस्यपि leicht verformt, Sinn eines lichtartigen Leibes vorläufig.

Vers 481
tasmādājñāpaya vibho tanmṛtyuprakriyāṃ mama |
iti vijñāpitaḥ pitrā bhavato nayaśālinā ||481||

Darum erkläre mir, Herr, die Umstände seines Todes.‘ Als dein kluger Vater diese Bitte vorgebracht hatte …

Sanatkumara eröffnet das Geheimnis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 482
sanatkumāro bhagavān‌ śiśriye smitavaktratām‌ |
pratyavādīcca tātaṃ te śṛṇu rambha vaco mama ||482||

… lächelte der erhabene Sanatkumara und antwortete deinem Vater: ‚Höre meine Worte, Rambha.

Vers 483
rahasyamidamatyantaṃ sarveṣāṃ tridivaukasām‌ |
kathaṃ mayā tvatpurato vācyaṃ ditimudāvaha ||483||

Dies ist ein überaus verborgenes Geheimnis aller Himmelsbewohner. Wie könnte ich es vor dir aussprechen, du Freude Ditis?

Vers 484
mātsaryamutsārya yataḥ pṛṣṭo'smi bhavatānagha |
tasmādavaśyaṃ vaktavyaṃ rahasyaṃ yadyapīśituḥ ||484||

Weil du mich aber ohne Neid gefragt hast, Schuldloser, muss ich es dir sagen, auch wenn es ein Geheimnis des Herrn ist.

Vers 4815 [Position 485]
tvaṃ cāpi gatasaṃrambho devadvijamakhādiṣu |
jānāsi ca gatiṃ sarvāṃ bhūtānāṃ janmamṛtyujām‌ ||4815||

Du hegst keinen Zorn gegen Götter, Zweimalgeborene, Opfer und dergleichen und kennst den ganzen Weg der Wesen durch Geburt und Tod.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 4815 an Position 485.

Vers 486
harṣaśokau na bādhete tvāṃ kadāpi vipaścitam‌ |
ata eva tvayā pṛṣṭaḥ kathayāmyakhilaṃ śṛṇu ||486||

Freude und Trauer überwältigen dich Einsichtigen niemals. Darum werde ich auf deine Frage hin alles berichten. Höre!

Katyayana und Kapota in der Weissagung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 487
manvantare caturthe yo nāmnā kātyāyano muniḥ |
bhaviṣyati kṛtasyānte śaivo yogaparāyaṇaḥ ||487||

Im vierten Manvantara, am Ende des Krita-Zeitalters, wird ein Weiser namens Katyayana leben, ein Shaiva, ganz dem Yoga ergeben …

Anmerkung: Zeitangabe der Weissagung, nicht historische Datierung.

Vers [४८य८्८; Ziffer beschädigt] [Position 488]
tejasā sūryasaṅkāśa ūrdhvaretāstaponidhiḥ |
jñānī dhyānārpitasvāntaḥ prajāpatirivāparaḥ ||48ya88||

… sonnengleich an Glanz, mit aufwärts bewahrter Zeugungskraft, ein Schatz der Askese, wissend und mit in Meditation versenktem Herzen, wie ein zweiter Prajapati.

Anmerkung: Beschädigte Quellzifferan Position 488. Ūrdhvaretas: asketischer Begriff der bewahrten beziehungsweise aufwärts gerichteten Zeugungskraft.

Vers 486 [Position 489]
tasya śiṣyaḥ kapotākhyo dvitīyaḥ sa ivāparaḥ |
sa ātmārāma udyogī dhyāyaṃstadbrahma niṣkalam‌ ||486||

Sein Schüler namens Kapota wird ihm wie ein zweites Selbst gleichen. Im Selbst erfreut und eifrig, über das ungeteilte Brahman meditierend …

Anmerkung: Quellnummer 486 an Position 489; Mittelstück vor brahma beschädigt, tad vorläufig; keine zusätzliche Brahman-Eigenschaft ergänzt.

Vers 460 [Position 490]
sthāsyati śrīphalataroradhastānmīlitekṣaṇaḥ |
taṃ dṛṣṭvā te sutaḥ svīyānucarān‌ ditijān‌ prati ||460||

… wird er mit geschlossenen Augen unter einem Shriphala-Baum sitzen. Wenn dein Sohn ihn sieht, wird er zu den Diti-Söhnen seines Gefolges …

Anmerkung: Quellnummer 460 an Position 490.

Vers 421 [Position 491]
vadiṣyati hasanneṣa kenāpi nijamāyayā |
sadyaḥ strīveśamāsthāya śakyo lobhayituṃ muniḥ ||421||

… lachend sagen: ‚Kann jemand durch seine Maya augenblicklich eine Frauengestalt annehmen und diesen Weisen verlocken?‘

Anmerkung: Quellnummer 421 an Position 491; Schlusskasus im OCR beschädigt, Fragesinn aus Folgerede klar.

Vers 492
ityukte te vadiṣyanti nāsmābhiḥ śakyate tvadaḥ |
tataḥ sutaste vihasanmāyāvī svayameva hi ||492||

Darauf werden sie antworten: ‚Das können wir nicht.‘ Dann wird dein täuschungskundiger Sohn selbst lachend …

Anmerkung: Im OCR te na vakṣyanti, danach verneinte Antwort; Redeeinleitung daher unsicher, Antwortinhalt klar. Sanskrit vadiṣyanti als vorläufige Normalisierung, nicht gesicherte Lesung.

Die vorausgesagte Verblendung Kapotas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 463 [Position 493]
divyastrīveśamāsthāya gamiṣyati tadantikam‌ |
gatvā taṃ hāvabhāvādyaiḥ strīṇāṃ nānāviceṣṭitaiḥ ||463||

… eine göttliche Frauengestalt annehmen und zu ihm gehen. Dort wird er ihn mit Liebesgebärden, Gefühlsregungen und den verschiedenen Ausdrucksformen einer Frau …

Anmerkung: Quellnummer 463 an Position 493. Variantenfußnote sagt, dass im Zeugen ka ein vorangehender Abschnitt bis zum zweiten Viertel von493fehlt; Anfangsbezug der Fußnote nicht sicher, Hauptzeuge nicht gekürzt.

Vers 4864 [Position 494]
dhairyacyutikaraiḥ sadyaḥ kapotaṃ lobhayiṣyati |
so'pi putrasya bhavato māyayā vihvalīkṛtaḥ ||4864||

… die seine Festigkeit erschüttern, sogleich verlocken. Kapota wird durch die Maya deines Sohnes überwältigt …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 4864 an Position 494.

Vers 445 [Position 495]
unmatto bhūya kāmāndhastamevānugamiṣyati |
yatra yatraiva tanayastava yāsyati daityapa ||445||

… außer sich geraten, vor Begehren blind werden und ihm folgen. Wohin dein Sohn auch geht, Daitya-Herrscher …

Anmerkung: Quellnummer 445 an Position 495.

Vers 466 [Position 496]
tatra tatraiva so'pyenamanuyāsyati naṣṭadhīḥ |
ghorāṭṭahāsairdaityānāṃ trastamāśramamaṇḍalam‌ ||466||

… dorthin wird er ihm folgen, seiner Einsicht beraubt. Die Bewohnerschaft des Ashrams wird durch das schreckliche Gelächter der Daityas erschreckt …

Anmerkung: Quellnummer 466 an Position 496.

Vers 4867 [Position 497]
kāndiśīkaṃ […] harito vidraviṣyati |
etasminneva samaye devarṣiḥ sannidhāsyati ||4867||

… angstvoll […] in alle Richtungen fliehen. Genau dann wird der göttliche Rishi eintreffen.

Anmerkung: Fragment: nähere Bestimmung im ersten Halbvers beschädigt. Quellziffer 4867 an Position 497.

Vers 4968 [Position 498]
śrutvā kapotavaiklavyaṃ bhītamālokya cāśramam‌ |
kapotatvatsutau yatra tatra dhāviṣyati drutam‌ ||4968||

Er wird von Kapotas Verwirrung hören, den erschrockenen Ashram sehen und rasch dorthin eilen, wo Kapota und dein Sohn sich befinden …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 4968 an Position 498; Namenskompositum im Sanskrit OCR-beeinträchtigt.

Vers 466 [Position 499]
śrīphalānokahatale saṃviṣṭau dārbha āsane |
ādhārādheyabhāvena kapotatvattanūdbhavau ||466||

… unter dem Shriphala-Baum auf einem Sitz aus Darbha-Gras: Kapota und dein Sohn, der eine als tragende Unterlage, der andere auf ihm sitzend.

Anmerkung: Quellnummer 466 an Position 499. Ādhāra/ādheya hier konkret Sitzverhältnis, anders als kosmischer Gebrauch381.

Ermahnung und Fluch des Lehrers

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 500
kātyāyanaḥ prekṣyati tāvalīkānaṅgaceṣṭitau |
svāntevāsinamālokya mithyākāmavaśīkṛtam‌ ||500||

Katyayana wird die beiden in diesem trügerischen Liebesspiel sehen. Als er seinen eigenen Schüler erblickt, von täuschendem Begehren beherrscht …

Vers 501
tasya bhramanirāsārthaṃ bodhayiṣyati yuktibhiḥ |
yadā sa bodhyamāno'pi na jñāsyati vimohanam‌ ||501||

… wird er ihn durch vernünftige Gründe belehren, um seine Verwirrung zu lösen. Wenn dieser trotz der Belehrung die Täuschung nicht erkennt …

Vers 502
tvatsutena kṛto vipraḥ saroṣo bhavitā tadā |
gururmaharṣiratha te śapiṣyati tanūdbhavam‌ ||502||

… die dein Sohn ihm zugefügt hat, wird der Brahmane zornig werden. Der große Rishi, sein Lehrer, wird deinen Sohn verfluchen …

Anmerkung: Satzgrenze über501–502hinweg; kṛto im OCR statt kongruenter Bezug auf Täuschung, Unsicherheit nicht als zusätzlicher Vorgang aufgelöst.

Vers 503
strīveśaṃ yādṛśaṃ dhṛtvā tvayātyantavimohanam‌ |
chātro madīyo vivaśa ūrjito vihvalīkṛtaḥ ||503||

‚Mit der Frauengestalt, die du angenommen hast, hast du meinen Schüler völlig verwirrt, seiner Selbstbestimmung beraubt und überwältigt.

Anmerkung: Ūrjitaḥ im Satz unsicher; keine zusätzliche körperliche Handlung ergänzt.

Vers 504
ito'pyatyantaruciraṃ rūpaṃ bibhratyaninditā |
divyā strī kācidārādhyā trijagadvāsināmapi ||504||

Eine makellose göttliche Frau, deren Gestalt noch viel schöner ist und die von den Bewohnern der drei Welten verehrt werden soll …

Vers 505
anantabalamāhātmyāttava mṛtyurbhaviṣyati |
ityuktavati devarṣau sutaste mahiṣāsuraḥ ||505||

… wird durch die Herrlichkeit ihrer unendlichen Kraft dein Tod sein.‘ Wenn der göttliche Rishi dies gesagt hat, wird dein Sohn Mahishasura …

Die vorausgesagte Erscheinung der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 506
vadiṣyati mahākruddhaḥ kva sā strī vartate dvija |
sa vadiṣyati sarvatra sarvagā sarvasākṣiṇī ||506||

… voll Zorn fragen: ‚Wo ist diese Frau, Brahmane?‘ Er wird antworten: ‚Überall ist sie, allgegenwärtig und Zeugin von allem …

Vers 507
sarvāntaryāminī sarvavyāpinī sarvadāyinī |
tiṣṭhati pratyayābhāsā kiṃ tāṃ pṛcchasi mūḍha re ||507||

… die innere Lenkerin aller, alles durchdringend und alles gewährend. Sie ist als das Aufleuchten des Erkennens gegenwärtig. Warum fragst du nach ihr, Tor?‘

Anmerkung: Pratyayābhāsā als Erscheinung/Aufleuchten von Erkenntnis vorläufig. Variantenfußnote bietet sarvasākṣiṇī, Zeugin aller, statt eines Epithetons; genaue Zuordnung nicht gesichert, nicht in Haupttext gemischt.

Vers 508
śrutvetthaṃ bhavataḥ putro vadiṣyati punardvijam‌ |
evaṃ cetsā mune tarhi vartate śrīphalāntare ||508||

Wenn dein Sohn dies hört, wird er den Brahmanen erneut fragen: ‚Wenn es so ist, Weiser, dann ist sie auch im Inneren des Shriphala-Baums?‘

Vers 506 [Position 509]
astītyevaṃ munau proktavati te tanayo ruṣā |
vakṣyati māṃ darśayeti munestrāṇārthamañjasā ||506||

Wenn der Weise ‚Ja‘ sagt, wird dein Sohn zornig fordern: ‚Zeige sie mir!‘ Um den Weisen zu schützen, wird sogleich …

Anmerkung: Quellnummer 506 an Position 509. Māṃ darśaya elliptisch zeige mir, nicht zeige mich, aus Gesprächsanschluss.

Vers 510
bilvavṛkṣādviniṣkrāntā yā strī sadyo bhaviṣyati |
anirvacyaguṇai rūpairvikrameṇa balena ca ||510||

… eine Frau aus dem Bilva-Baum hervortreten, ausgezeichnet durch unaussprechliche Eigenschaften und Gestalten, durch Tapferkeit und Kraft …

Vers 511
mahimnā sthairyadhairyābhyāṃ sāsya mṛtyurbhaviṣyati |
iti te kathitaṃ sarvamakathyamapi daityapa ||511||

… durch Größe, Festigkeit und Mut. Sie wird sein Tod sein. Damit habe ich dir alles gesagt, Daitya-Herrscher, obwohl es nicht ausgesprochen werden sollte.

Das Geheimnis der Götter

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 512
adaḥ surāṇāṃ sarveṣāṃ rahasyaṃ guhyamuttamam‌ |
bhavatputropataptāyāstrilokyāstrāṇakāraṇāt‌ ||512||

Dies ist das höchste verborgene Geheimnis aller Götter. Um die drei Welten zu schützen, die von deinem Sohn bedrängt werden …

Vers 513
mantritaṃ tridaśaiḥ śakrabrahmaviṣṇuśivādibhiḥ |
śrutveti tāto bhavataḥ punarevābravīnmunim‌ ||513||

… haben Shakra, Brahma, Vishnu, Shiva und die übrigen Götter dies beraten.‘ Als dein Vater dies hörte, fragte er den Weisen wiederum …

Anmerkung: Mantrita: beraten/beschlossen, hier kein Rezitationsmantra.

Vers 514
sā strī kā kasya bhāryā vā kiṃrūpā kīdṛgeva vā |
tadapi śrotumicchāmi bhavatastapasāṃ nidheḥ ||514||

‚Wer ist diese Frau, und wessen Gattin ist sie? Wie sieht sie aus, und von welcher Art ist sie? Auch das möchte ich von dir hören, Schatz der Askese.‘

Vers 515
rambhe gaditavatyevaṃ mānasaḥ sa vidheḥ sutaḥ |
kiñcitkaṣāyito bhūtvā tātaṃ te pratyabhāṣata ||515||

Als Rambha so gesprochen hatte, antwortete der geistgeborene Sohn Vidhis deinem Vater, ein wenig ungehalten …

Die Göttin jenseits des Wissens

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 516
tāṃ na jānanti daiteya catvāro nigamā api |
na purāṇāni sarvāṇi setihāsāni tattvataḥ ||516||

‚Diti-Sohn, selbst die vier Veden erkennen sie nicht in Wahrheit, ebenso wenig sämtliche Puranas mitsamt den Itihasas.

Anmerkung: Nigama hier die vier Veden nach ausdrücklicher Vierzahl.

Vers 517
na jānīto hariharau na ca jānāti me pitā |
ahaṃ ca naiva jānāmi yāthātathyena tāṃ svayam‌ ||517||

‚Hari und Hara erkennen sie nicht, auch mein Vater erkennt sie nicht, und selbst ich erkenne sie nicht so, wie sie wirklich ist.

Anmerkung: Fortsetzung von Sanatkumaras Antwort an Rambha.

Vers 518
tvaṃ tāṃ kathaṃ jñāsyasi re svalpabuddhe durāśaya |
yatpṛṣṭaṃ tattvayā pṛṣṭaṃ na praṣṭavyamataḥ param‌ ||518||

Wie solltest du sie erkennen, du mit deiner begrenzten Einsicht und verfehlten Absicht? Was du gefragt hast, hast du gefragt; weiter sollst du nicht fragen.

Vers 516 [Quellzählung an Position 519]
pṛṣṭe'pi na mayā vācyaṃ gaccha he rambha mā ciram‌ |
itthamābhāṣamāṇaṃ taṃ vidhunvānaṃ svakaṃ śiraḥ ||516||

Auch wenn du fragst, darf ich es nicht sagen. Geh, Rambha, und säume nicht!‘ Als er ihn so sprechen und den Kopf schütteln sah …

Anmerkung: Quellnummer 516 an Position 519.

Vers 520
kiñcitsañjātasaṃrambhamālokya munipuṅgavam‌ |
praṇamya pādayormūrdhnā tasyānujñāṃ pragṛhya ca ||520||

… den hervorragenden Weisen ein wenig erregt, verneigte sich dein Vater mit dem Haupt zu seinen Füßen, empfing seine Erlaubnis …

Yugandhara erkennt die Erfüllung der Weissagung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 521
sahāsmābhirnivavṛte tava janmapradaḥ prabhuḥ |
ityevaṃ pūrvavṛttāntaṃ sarvaṃ pratyakṣadarśivān‌ ||521||

… und kehrte mit uns zurück, der Herr, der dir das Leben gegeben hat. All dieses frühere Geschehen habe ich selbst mit angesehen …

Anmerkung: Yugandhara als Augenzeuge innerhalb der mythologischen Erzählung; keine externe historische Bezeugung.

Vers 522
śrutavānasmyapi tathā pituste'nucaraḥ sadā |
kātyāyanāśramamidaṃ tadevedaṃ mahāmate ||522||

… und mit angehört, da ich stets im Gefolge deines Vaters war. Dies hier ist genau jener Ashram Katyayanas, du Einsichtsvoller.

Anmerkung: Tad eva idam im zweiten Halbvers OCR-verschmolzen, Lesung vorläufig.

Vers 523
muniḥ sa evāyamapi tapasvī yogināṃ varaḥ |
yannāmnākhyāyate devī kātyāyanyatisundarī ||523||

Dies ist auch jener Weise selbst, der Asket und Beste der Yogis, nach dessen Namen die überaus schöne Göttin Katyayani heißt.

Vers 524
sa evāyaṃ kapoto'pi yastvayā mohitaḥ kṣaṇāt‌ |
śrīphalādyā viniṣkrāntā strī divyākāradhāriṇī ||524||

Dies ist auch jener Kapota, den du augenblicklich verblendet hast. Und die Frau von göttlicher Gestalt, die aus dem Shriphala-Baum hervorgetreten ist …

Vers 525
sanatkumārakathitā saiveyamiti budhyate |
prāyo vināśakālo'pi manye'haṃ samupasthitaḥ ||525||

… ist erkennbar eben diejenige, von der Sanatkumara gesprochen hat. Ich glaube, die Zeit des Untergangs ist wohl gekommen …

Vers 526
tavaiteṣāṃ ca daityānāṃ yuktānāṃ kāladharmaṇā |
prāpsyasyatraiva mṛtyuṃ tvaṃ yadyenāṃ yotsyase striyam‌ ||526||

… für dich und diese Daityas, die dem Gesetz der Zeit unterliegen. Du wirst hier selbst den Tod finden, wenn du gegen diese Frau kämpfst.

Die letzte Warnung des Ministers

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 5257 [Quellzählung an Position 527]
mayaitaddhṛdi nirṇītaṃ śrutvā vākyaṃ muneḥ purā |
na śroṣyasi vacaścenme hitakṛnmahiṣāsura ||5257||

Das habe ich in meinem Herzen erkannt, nachdem ich einst die Worte des Weisen gehört hatte. Wenn du meinen heilsamen Rat nicht annimmst, Mahishasura …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 5257 an Position 527; hitakṛt bezieht sich vorläufig auf den nützlichen Rat.

Vers 528
senāpatīn‌ hatān‌ vīkṣya ekākinyā striyaitayā |
vatsa śociṣyasi prāya ātmānaṃ ca kṛtāgasam‌ ||528||

… wirst du wohl, mein Kind, deine von dieser einen Frau erschlagenen Heerführer sehen und über dich selbst trauern, der du den Fehler begangen hast.

Vers 526 [Quellzählung an Position 529]
iti deva rahasyaṃ te munyuktaṃ viniveditam‌ |
śrutvā vicārya hṛdaye yathecchasi tathā kuru ||526||

So habe ich dir, Herr, das vom Weisen verkündete Geheimnis mitgeteilt. Du hast es gehört; prüfe es in deinem Herzen und handle, wie du möchtest.“

Anmerkung: Quellnummer 526 an Position 529; Ende von Yugandharas warnendem Bericht.

Mahishasura zieht sich zurück

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 530
yugandhareṇaivamukte vacane śarmadāyini |
vimṛśya cetasi dhiyā vacane'sya vidhāya ca ||530||

Als Yugandhara diese hilfreichen Worte gesprochen hatte, dachtest du mit Einsicht in deinem Herzen darüber nach und schenktest seinen Worten …

Anmerkung: Die Göttin führt ihre Erzählung weiter.

Vers 531
pratyayaṃ tathyavākyasya śrutvā saṃvādamīdṛśam‌ |
sanatkumārapitrostvaṃ nivṛtto'si mahāhavāt‌ ||531||

… Vertrauen, weil er wahr gesprochen hatte. Nachdem du von diesem Gespräch zwischen Sanatkumara und deinem Vater gehört hattest, ließest du vom großen Kampf ab.

Vers 532
nivṛtte tvayi tatsainyaṃ nivṛttaṃ sarvameva hi |
prakṛtisthaḥ kapoto'tha jñātvā svasyedṛśīṃ daśām‌ ||532||

Als du dich zurückzogst, zog sich auch dein ganzes Heer zurück. Kapota kam wieder zu sich und erkannte den Zustand, in den du ihn versetzt hattest …

Vers 533
kṛtāṃ tvayā sa cukrodha mahāpatrapayānvitaḥ |
so'pi śāpaṃ dadau tubhyaṃ chalito māyayā tvayā ||533||

… er geriet in Zorn und schämte sich tief. Weil du ihn durch Maya getäuscht hattest, sprach auch er einen Fluch gegen dich aus …

Kapotas Fluch

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 534
daityāpasada re rambhatanūja mahiṣāsura |
yasmādasaṃvītarāgo munirdhyānaparāyaṇaḥ ||534||

„Du elender Daitya, Rambhas Sohn Mahishasura! Weil ich, ein von Leidenschaft freier, der Meditation ergebener Weiser …

Anmerkung: Asaṃvītarāga im OCR zweifelhaft; gemeinte Leidenschaftslosigkeit nach dem Meditationszusammenhang, keine sichere Lesung als avītarāga vorgetäuscht.

Vers 535
pralambhamīdṛśaṃ ghoraṃ prāpito daityamāyayā |
tvayā tasmādamuṣyānte bhaktibhājo'pi nirbharam‌ ||535||

… durch deine Daitya-Maya in eine so schreckliche Täuschung geraten bin, deshalb wird am Ende, selbst wenn du von tiefer Hingabe erfüllt sein wirst …

Anmerkung: Amuṣyānte: Ende dieses [Lebens/Verlaufs], Bezug nicht vollständig ausgesprochen.

Vers 536
tathālabdhavarasyāpi yuddhakāla upasthite |
tavaiṣaiva jagaddhātrī prajñāmapahariṣyati ||536||

… und Segensgaben empfangen haben wirst, diese Trägerin der Welt dir die Einsicht rauben, sobald die Zeit des Kampfes gekommen ist.

Vers 537
guroryugandharāccāpi pitāmahasutādapi |
mahimānaṃ niśamyāsyā yadyapi tvaṃ kariṣyasi ||537||

Obwohl du ihre Größe von meinem Lehrer, von Yugandhara und vom Sohn des Großvaters gehört haben und ihr …

Vers 538
bhaktiṃ devyāṃ dṛḍhāṃ daitya sarvadāvyabhicāriṇīm‌ |
sā te na sthāsyati punarmaraṇe pratyupasthite ||538||

… feste, stets unerschütterliche Hingabe entgegenbringen wirst, Daitya, wird diese Hingabe nicht bestehen bleiben, wenn der Tod herantritt.

Vers 5346 [Quellzählung an Position 539]
tvacchiraśchedinīṃ sairibhīyalāṅgūladhāriṇīm‌ |
devīmīdṛgrūpavatīṃ mahiṣāsuraghātinīm‌ ||5346||

Die Göttin, die deinen Kopf abschlägt und den Büffelschwanz hält, die Mahishasura-Töterin in dieser Gestalt …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 5346 an Position 539.

Vers 540
ahaṃ sambhāvayiṣyāmi tārtīyaśaradarcayā |
evamākarṇayanneva tatrādattaśrutirbhavān‌ ||540||

… werde ich mit der dritten Form der Herbstverehrung ehren.“ Während du dies hörtest und [ihm deine Aufmerksamkeit schenktest] …

Anmerkung: Tārtīya verweist auf die zuvor beschriebene dritte Herbst-Puja151. Ādattaśruti im zweiten Halbvers unsicher; Zusammenhang des Hörens klar.

Abschied und Unruhe

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 541
vyapāgā āśramādbhītaḥ śapanādguruśiṣyayoḥ |
kare dhṛtvā kapotaṃ tamṛṣiḥ kātyāyano'pi ca ||541||

… verließest du den Ashram, erschrocken über die Flüche des Lehrers und des Schülers. Der Rishi Katyayana nahm Kapota bei der Hand …

Vers 542
viveśoṭajamātmīyaṃ pādayorabhivādya mām‌ |
vyapayāte tvayi tadā sadyaḥ kātyāyanāśramāt‌ ||542||

… verneigte sich zu meinen Füßen und ging in seine Hütte. Nachdem du Katyayanas Ashram verlassen hattest …

Vers 546 [Quellzählung an Position 543]
ahamantarhitābhūvaṃ saṃharantī svakāṃ tviṣam‌ |
hiraṇyapuramāgatya tvaṃ tadeva smaranmama ||546||

… zog ich meinen Glanz zurück und verschwand. Du kamst nach Hiranyapura und dachtest weiter an meine …

Anmerkung: Quellnummer 546 an Position 543.

Vers 544
rūpamastraṃ vapuḥ śauryaṃ śarma na prāptavānasi |
sanatkumāravākyaistairyugandharamukhodgataiḥ ||544||

… Schönheit, meine Waffen, meine Gestalt und meine Tapferkeit; du fandest keine Ruhe. Durch jene Worte Sanatkumaras, die aus Yugandharas Mund gekommen waren …

Vers 545
śāpaiḥ kātyāyanasyarṣerāvirbhāvaṃ mamāpi ca |
bilvavṛkṣādapūrvāstrarūpayuktanirīkṣiteḥ ||545||

… durch die Flüche des Rishi Katyayana und durch den Anblick meiner Erscheinung aus dem Bilva-Baum, ausgestattet mit außergewöhnlichen Waffen und Gestalt …

Anmerkung: Letzte Komposita im OCR beschädigt, Zusammenhang des gesehenen Erscheinens hinreichend.

Zuflucht und Mantra-Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 546
bhītastvaṃ māmagā daitya śaraṇaṃ bhaktibhāvitaḥ |
samaṃ yugandhareṇa tvaṃ sammantryauśanasā saha ||546||

… wurdest du von Furcht ergriffen, Daitya, und nahmst in Hingabe Zuflucht zu mir. Gemeinsam mit Yugandhara berietest du dich mit Aushanasa …

Anmerkung: Aushanasa: Name/Bezeichnung im Umfeld Ushanas; nicht ungeprüft in eine andere Personenform umgeschrieben.

Vers 547
karmaṇā manasā vācā māmārādhitavānasi |
mantro yaḥ ṣoḍaśārṇākhyo nityaṃ śakreṇa japyate ||547||

… und verehrtest mich mit Tat, Geist und Rede. Jenen als sechzehnsilbig bezeichneten Mantra, den Shakra beständig rezitiert …

Anmerkung: Shakra im OCR beschädigt, vorläufige Lesung; der Mantra selbst ist hier nicht ausgeschrieben.

Vers 548
taṃ bhārgavāttvamādāya japtavān‌ koṭisammitam‌ |
ākāriteva tenāhamāgatāsmi tvadantikam‌ ||548||

… empfingst du von Bhargava und wiederholtest ihn zehn Millionen Mal. Wie durch diese Rezitation herbeigerufen, bin ich zu dir gekommen …

Vers 544 [Quellzählung an Position 549]
varadānāya daityendra mantrārādhanavihvalā |
ataḥ paraṃ śṛṇu vaco mama sārataraṃ hitam‌ ||544||

… um dir einen Segen zu gewähren, Daitya-Fürst, bewegt durch deine Mantra-Verehrung. Höre nun meine besonders wesentlichen und hilfreichen Worte.

Anmerkung: Quellnummer 544 an Position 549.

Fluch und Segen werden verbunden

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 550
varaḥ samprārthito yaste śāpo yaśca ṛṣiṇārpitaḥ |
ubhayoraikyamāyātaṃ tava bhāgyavaśādidam‌ ||550||

Der Segen, um den du gebeten hast, und der Fluch, den der Rishi ausgesprochen hat, sind durch dein glückliches Geschick miteinander in Einklang gekommen.

Anmerkung: Ṛṣiṇārpita im OCR stark verschmolzen, Sinn aus explizitem Fluchbezug klar.

Vers 551
ugracaṇḍāsvarūpeṇa neha janmani vai mayā |
tvaṃ hantavyo mahādaitya bhadrakālyā na cākṛtim‌ ||551||

In dieser Geburt werde ich dich nicht in Ugrachandas Gestalt töten, großer Daitya, und auch nicht die Gestalt Bhadrakalis annehmen …

Vers 552
dhṛtvā yato vibheṣi tvaṃ te rūpe sannirīkṣya me |
dṛṣṭavānasi bilve me yādṛśaṃ rūpamuttamam‌ ||552||

… denn du fürchtest dich, wenn du diese beiden Formen von mir siehst. In jener herrlichen Gestalt, die du am Bilva-Baum erblickt hast …

Vers 553
tādṛgrūpadharevāhaṃ tvāṃ hantrī nātra saṃśayaḥ |
tādṛśaṃ vīkṣyamāṇasya rūpaṃ nirupamaṃ mama ||553||

… werde ich dich töten, daran besteht kein Zweifel. Während du meine so beschaffene, unvergleichliche Gestalt schaust …

Vers 554
prāṇāste notkramiṣyanti śarīrādditijādhipa |
anyacca te varaṃ dadmi duṣprāpaṃ viṣṇuvedhasoḥ ||554||

… werden deine Lebenskräfte deinen Körper nicht verlassen, Herr der Diti-Söhne. Noch einen Segen schenke ich dir, der selbst Vishnu und Vedhas schwer erreichbar ist.

Anmerkung: Widerschein der Verbindung von Tötung und bewahrtem Leben; nicht in rein symbolische Lesart umgeschrieben.

Der bleibende Platz zu Füßen der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 5515 [Quellzählung an Position 555]
vāradvayaṃ nihatya tvāṃ tyaktavatyasmyapūtavat‌ |
aśuciṃ kuṇapaṃ pretaṃ durgandhyaṅgamacetanam‌ ||5515||

Zweimal habe ich dich getötet und wie etwas Unreines zurückgelassen: einen unreinen Leichnam, tot, übelriechend und ohne Bewusstsein.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 5515 an Position 555.

Vers 556
vinibhidya triśūlena tavoro vajrasannibham‌ |
uṣṇīṣaguṇṭhitān‌ keśān‌ gṛhītvā vāmapāṇinā ||556||

Nun werde ich deine diamantfeste Brust mit dem Dreizack durchbohren und mit der linken Hand dein vom Turban umhülltes Haar ergreifen …

Anmerkung: Sachliche Wiedergabe der mythologischen Kampfdarstellung.

Vers 557
mahiṣākāradehasya dattvā mūrdhni padaṃ tava |
kiñcidbhrūbhaṅgakuṭiladṛṣṭyā tvāṃ vīkṣya sādaram‌ ||557||

… meinen Fuß auf den Kopf deines büffelgestaltigen Leibes setzen und dich aufmerksam mit einem durch leichtes Brauenzusammenziehen gebogenen Blick ansehen …

Vers 558
pibantaṃ manmukhendūtthasuṣamācandrikāmṛtam‌ |
sthāsyāmi muninirdiṣṭarūpadhāriṇyakuṇṭhitā ||558||

… während du den Nektar des Schönheitsmondlichts meines Mondgesichts trinkst. Unbeirrt werde ich in der vom Weisen bezeichneten Gestalt verweilen.

Anmerkung: Mukhendūttha im OCR leicht beschädigt; Mondlichtbild vollständig lesbar.

Vers 556 [Quellzählung an Position 559]
anyadekaṃ prayacchāmi varaṃ trailokyadurlabham‌ |
āśāsyaṃ sarvadā brahmaprabhṛtīnāṃ divaukasām‌ ||556||

Noch einen Segen gewähre ich dir, selten in den drei Welten, den selbst die Himmelsbewohner mit Brahma an der Spitze stets ersehnen …

Anmerkung: Quellnummer 556 an Position 559.

Vers 560
mayā gṛhītakeśasya smitvā cañcalayā dṛśā |
sabhrūbhaṅgaṃ vīkṣitasya pibato manmukhadyutim‌ ||560||

… während ich dein Haar halte, dich lächelnd mit beweglichem Blick und leicht zusammengezogenen Brauen anschaue und du den Glanz meines Gesichts trinkst …

Bewahrtes Leben und ausgesetzte Wiedergeburt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 561
matpādāmbujasaṃsparśapavitrīkṛtavarṣmaṇaḥ |
pratibrahmadinodbhūtamūrteḥ saṃsāradharmiṇaḥ ||561||

… während dein Leib durch die Berührung meines Lotusfußes geheiligt wird – du, der sonst dem Samsara unterliegt und an jedem Brahma-Tag erneut Gestalt annimmt – …

Vers 562
dve nikharve tathācāṣṭāvayutāni surārdana |
anyānyaṣṭau sahasrāṇi kalpā brahmadinātmakāḥ ||562||

… werden zwei Nikharvas, acht Ayutas und weitere achttausend Kalpas, die jeweils einem Brahma-Tag entsprechen, vergehen, du Bedränger der Götter …

Anmerkung: Traditionelle Großzahlen nicht durch ungesicherte Gesamtsumme ersetzt.

Vers 563
yāvadgamiṣyanti tāvajjanma te na bhaviṣyati |
maddehasaṃsparśavaśāccharīrāttava daityapa ||563||

… und bis dahin wirst du nicht wiedergeboren. Durch die Berührung meines Leibes werden aus deinem Körper, Daitya-Herrscher …

Vers 564
utkramiṣyanti na prāṇā etāvantamanehasam‌ |
jīvan‌ sthāsyasi pūrvoktaprabhāvabalapauruṣaḥ ||564||

… die Lebenskräfte während dieser ganzen Zeit nicht entweichen. Du wirst lebendig bleiben, mit der zuvor genannten Macht, Kraft und Tapferkeit.

Die unausgesprochenen Wünsche

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 565
anyau ca yau varau citte jāgarūkau hi tiṣṭhataḥ |
aniveditāvapi punarbhavatā viditau mayā ||565||

Auch die beiden anderen Segenswünsche, die lebendig in deinem Herzen liegen, kenne ich, obwohl du sie nicht ausgesprochen hast.

Vers 566
tāvapyullikhya bhavate samprayacchāmi sattvaram‌ |
anyayānavadapyetāmanugṛhya tanuṃ mama ||566||

Auch diese will ich nennen und dir sogleich gewähren. Du hast gedacht: ‚Begünstige diesen meinen Leib wie andere Reittiere …

Anmerkung: Mama hier Sprecherwechsel innerhalb des gedachten Wunsches: mein Leib=Mahishasuras Leib, nicht Leib der Göttin. Anugṛhya als Gunstannahme vorläufig.

Vers 567
tatra tatra prayāhi tvamiti citte kṛtaṃ tvayā |
uttaraṃ tasya te vacmi cittaśravaṇasaukhyadam‌ ||567||

… und ziehe auf ihm hierhin und dorthin!‘ Darauf gebe ich dir eine Antwort, die Herz und Gehör erfreut.

Die göttlichen Träger und Sitze

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 568
nālpena puṇyakūṭena nālpena tapasā tathā |
mama vāhanatā labhyā kenāpi ditijādhipa ||568||

Nicht durch wenig Verdienst und nicht durch geringe Askese kann jemand mein Reittier werden, Herr der Diti-Söhne.

Vers 5686 [Quellzählung an Position 569]
tapaḥ kṛtvā purā viṣṇuḥ kalpānāmayutaṃ mahat‌ |
narasiṃhatanuṃ dhṛtvā mama vāhanatāṃ gataḥ ||5686||

Vishnu übte einst zehntausend Kalpas lang große Askese; dann nahm er die Gestalt Narasimhas an und wurde mein Reittier.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 5686 an Position 569; hier ausdrücklich Vishnu, nicht mit dem Rudra-Narasimha aus 9.1113–1114harmonisiert.

Vers 570
itthaṃ śivo'pi tapasā māmārādhya ciraṃ purā |
vidhṛtya ca śivārūpamākāraṃ bhairavasya ca ||570||

Ebenso verehrte Shiva mich einst lange durch Askese. Er nahm die Gestalt einer Schakalin und die Gestalt Bhairavas an …

Anmerkung: Śivā-rūpa kann Schakalin-Gestalt bezeichnen, angesichts des Sitzbezugs vorläufig; Sanskrit erlaubt auch Shiva-Gestalt, Unterscheidung nicht gesichert.

Vers 571
madīyāsanatāmāpa sadā sānnidhyahetave |
śavāsanāṃ māṃ vijñāya śambhurdhṛtvā tanutrayam‌ ||571||

… und wurde mein Sitz, um stets in meiner Nähe zu sein. Als Shambhu erkannte, dass mein Sitz ein Leichnam ist, nahm er drei Körper an …

Vers 572
ekaṃ triguṇarūpāṅgaṃ rudreśvarasadāśivam‌ |
brahmāviṣṇū ca pañcaite militāstapa uttamam‌ ||572||

… Rudra, Ishvara und Sadashiva, zusammen eine Gestalt der drei Gunas. Mit Brahma und Vishnu vereinigten sich diese fünf und übten höchste Askese …

Anmerkung: Erste Konstruktion zur einen/dreifachen Gestalt beschädigt; keine zusätzliche ontologische Hierarchie ergänzt.

Vers 573
vidhāya dhṛtvā pretākhyāṃ vāhanatvamaguḥ purā |
evaṃ yugapurāṇopavedavedatapomakhāḥ ||573||

… nahmen die als Preta bezeichnete Gestalt an und wurden einst zu meinem Träger. Ebenso die Yugas, Puranas, Upavedas, Veden, Askese und Opfer …

Anmerkung: Preta hier Leichnam/Totengestalt im göttlichen Sitzbild, nicht automatisch ruheloser Geist.

Vers 574
dikpālāṣṭaiśvaryasindhumervagnismaramṛtyavaḥ |
vāsukyanantādikolakūrmaghoṭakakandharāḥ ||574||

… die Weltenhüter, die acht Herrschaftskräfte, Meere, Meru, Feuer, Liebesgott und Tod; Vasuki, Ananta und andere, Eber, Schildkröte und die pferdehalsige Gestalt …

Anmerkung: Liste teils beschädigt; Gruppierung der letzten Komposita und Benennung ghoṭakakandhara vorläufig. Keine zusätzlichen Identitäten ergänzt.

Vers 5715 [Quellzählung an Position 575]
tapobhirmāṃ samārādhya toṣayitvā ca pūjayā |
vāhanatvaṃ mudā me'gurduṣprāpaṃ koṭijanmabhiḥ ||5715||

… verehrten mich durch Askese, erfreuten mich mit Puja und wurden voller Freude meine Träger – ein Zustand, der selbst in Millionen Geburten schwer zu erlangen ist.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 5715 an Position 575.

Mahishasuras Trägerschaft und Opferanteil

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 576
bhavato'kuṇapībhūtaṃ laulāyīyamado vapuḥ |
vāmāṅghribhārasahanaṃ bhavitā vāhanaṃ mama ||576||

Dieser dein Büffelleib wird, ohne zum verwesenden Leichnam zu werden, meinen linken Fuß tragen und mein Träger sein.

Anmerkung: Laulāyīya bezeichnet Büffelgestalt; akuṇapībhūta als nicht zum Leichnam geworden, aus sichtbarem Gegensatz555.

Vers 577
anyadvaraṃ sarvadaiva yajñabhāgabubhukṣayā |
utkaṇṭhitaṃ tava manaḥ samāśvāsyāmi tacca te ||577||

Noch einen Segen: Dein Geist sehnt sich stets danach, einen Anteil am Opfer zu empfangen. Auch dieses Verlangen werde ich beruhigen.

Vers 578
yajñeṣu bhāgā yāvantaḥ kalpitā brahmaṇā purā |
dattā vibhajya te sarve tridaśebhyaḥ pṛthakpṛthak‌ ||578||

Alle Opferanteile, die Brahma einst eingerichtet hat, sind bereits einzeln unter die Götter verteilt worden.

Vers 576 [Quellzählung an Position 579]
na caiko'pyavaśiṣṭo'sti bhāgo yastaṃ dadāmi te |
pravartate yatra yatra śāradarcā mamāsura ||576||

Nicht ein einziger Anteil ist übrig, den ich dir geben könnte. Doch überall, wo meine Herbstverehrung stattfindet, Asura …

Anmerkung: Quellnummer 576 an Position 579; Kasus der Relativverbindung im OCR beschädigt.

Vers 580
tatrāṣṭanāyikāpūjānantaraṃ tava pūjanam‌ |
prāvartiṣyata ityeṣa yajñāṃśastubhyamarpitaḥ ||580||

… wird nach der Verehrung der acht Nayikas deine Verehrung stattfinden. Dieser Opferanteil ist dir damit zugewiesen.

Anmerkung: Acht Nayikas: Gruppe von Göttinnen/Anführerinnen der Ritualordnung, hier nicht aufgezählt.

Warum der Kampf dennoch eintreten wird

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 581
evamicchā kadācicceccitte tava bhaviṣyati |
yotsye'haṃ nānayā sārdhaṃ nācariṣyāmi śatrutām‌ ||581||

„Sollte dir irgendwann der Gedanke kommen: ‚Ich werde nicht gegen sie kämpfen und keine Feindschaft gegen sie ausüben …

Anmerkung: Die Göttin spricht weiter zu Mahishasura.

Vers 582
dṛḍhāṃ bhaktiṃ vidhāsyāmi jīvan‌ sthāsyāmi tena hi |
nedaṃ kadāpi bhavitā tatra me kāraṇaṃ śṛṇu ||582||

… sondern feste Hingabe üben und dadurch am Leben bleiben‘ – so wird dies niemals geschehen. Höre von mir den Grund.

Vers 583
svargabhraṣṭāḥ surāḥ sarve yajñabhāgabahiṣkṛtāḥ |
narādapyadhamā bhūtvā channāstiṣṭhanti bhūtale ||583||

Alle Götter sind aus dem Himmel vertrieben und ihrer Opferanteile beraubt. In einer Lage, schlechter noch als die der Menschen, halten sie sich verborgen auf Erden auf.

Anmerkung: Historische mythologische Rangordnung als Aussage der Göttin.

Vers 584
teṣāṃ trāṇārthamanyacca caturaṅgabalaṃ tava |
sadānavabalaṃ naiva māti tribhuvanodare ||584||

Sie müssen gerettet werden. Außerdem findet dein viergliedriges Heer mitsamt der Danava-Streitmacht im Inneren der drei Welten keinen Platz mehr.

Vers 585
taddhatvā sāvakāśaṃ hi kartavyaṃ jagatāṃ trayam‌ |
śivastvaṃ varadānena rambhasya sutatāṃ gataḥ ||585||

Indem dieses Heer vernichtet wird, muss in den drei Welten wieder Raum geschaffen werden. Du bist Shiva, der aufgrund einer Segensgabe zum Sohn Rambhas geworden ist.

Vers 586
manvantaratrayaṃ sāgraṃ bhuktavāṃśca jagattrayam‌ |
ataḥ paraṃ na vastavyaṃ tvayā ditijadehinā ||586||

Drei Manvantaras und etwas darüber hinaus hast du die drei Welten beherrscht. Nun sollst du nicht länger in einem Daitya-Leib bleiben.

Vers 587
svapuraṃ prati gantavyaṃ mama lokādadhaḥsthitam‌ |
kātyāyanasya śāpācca śiraśchedanahetukāt‌ ||587||

Du sollst in deine eigene Stadt zurückkehren, die unterhalb meiner Welt liegt. Hinzu kommt Katyayanas Fluch, der die Abtrennung deines Kopfes bewirkt …

Vers 588
yuddhakāle sthāsyati no bhaktiretādṛśī tava |
kapotaśāpādīdṛkṣādityuktāḥ pañcahetavaḥ ||588||

… und wegen Kapotas entsprechendem Fluch wird deine jetzige Hingabe zur Zeit des Kampfes nicht bestehen bleiben. Damit sind die fünf Gründe genannt.“

Anmerkung: Die Quelle nennt fünf Gründe; keine zusätzliche Liste aus eigener Systematisierung in den Vers eingefügt.

Verschwinden der Göttin und Ende der Erzählung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 586 [Quellzählung an Position 589]
mahiṣāyedṛśaṃ dattvā varamuktvā purā kathām‌ |
sapadyantardadhe kālī varṣāsu capalā yathā ||586||

Nachdem Kali Mahisha diesen Segen gewährt und die frühere Geschichte erzählt hatte, verschwand sie augenblicklich wie ein Blitz in der Regenzeit.

Anmerkung: Quellnummer 586 an Position 589. Rückkehr zum erzählenden Mahakala.

Vers 520 [Quellzählung an Position 590]
devyāmantarhitāyāṃ sa sarvaṃ vismṛtavān‌ kṣaṇāt‌ |
babhūva pūrvavaddveṣṭā yajñadevadvijanmanām‌ ||520||

Sobald die Göttin verschwunden war, vergaß er augenblicklich alles und wurde wie zuvor zum Feind der Opfer, Götter und Zweimalgeborenen.

Anmerkung: Quellnummer 520 an Position 590.

Vers 561 [Quellzählung an Position 591]
praṇaṣṭā bhaktirasyāpi devyāmavyabhicāriṇī |
pūrvodantasmṛtirbhraṣṭā jñānamantarhitaṃ ca tat‌ ||561||

Seine unverbrüchliche Hingabe an die Göttin ging verloren, die Erinnerung an die frühere Begebenheit schwand, und auch jene Erkenntnis verschwand.

Anmerkung: Quellnummer 561 an Position 591.

Vers 562 [Quellzählung an Position 592]
iti te kathito devi vṛttāntaḥ pūrvasambhavaḥ |
siddhāntamanayā bodhyaṃ rītyā śāktāḥ vicakṣaṇāḥ ||562||

Damit habe ich dir, Göttin, jene frühere Begebenheit erzählt. Auf diese Weise sollen verständige Shaktas die maßgebliche Lehre erkennen.

Anmerkung: Quellnummer 562 an Position 592; letzte Konstruktion im OCR grammatisch uneben, Sinn klar.

Das erste Verfahren: Ugrachanda

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 543 [Quellzählung an Position 593]
siddhāntanirṇayakṛte kathitākhyāyikāpyasau |
iyaṃ hi śāradī pūjā matibhedāttridhā matā ||543||

Diese Erzählung wurde vorgetragen, um die maßgebliche Entscheidung zu erklären. Die Herbst-Puja wird entsprechend den unterschiedlichen Auffassungen als dreifach angesehen.

Anmerkung: Quellnummer 543 an Position 593.

Vers 564 [Quellzählung an Position 594]
tattaddravyamadhiṣṭhāya nṛṇāṃ gṛhṇāti sārcanam‌ |
ye'ṣṭādaśabhujāṃ devīmugracaṇḍābhidhāṃ priye ||564||

Indem die Göttin die jeweils bestimmten Materialien durchwaltet, empfängt sie die Verehrung der Menschen. Diejenigen, Geliebte, die die achtzehnarmige Göttin namens Ugrachanda …

Anmerkung: Quellnummer 564 an Position 594.

Vers 54615 [Quellzählung an Position 595]
pipūjayiṣavo martyāstadupāsakatāmitāḥ |
ta āśvinanavamyāṃ vai kṛṣṇāyāṃ susamāhitāḥ ||54615||

… verehren möchten und ihre Verehrer geworden sind, sollen am neunten Mondtag der dunklen Ashvina-Hälfte gut gesammelt …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 54615 an Position 595.

Vers 5466 [Quellzählung an Position 596]
karāle bodhayeyurmadhyāhne śaṅkhanisvanaiḥ |
khagānajān‌ vā mahiṣāneṇān‌ vānyān‌ balīnapi ||5466||

… sie mittags unter Muschelhornklängen in [dem als] Karala [bezeichneten Gegenstand] erwecken und Vögel, Ziegen, Büffel, Antilopen oder andere Bali-Gaben …

Anmerkung: Fragment: karāla als Ritualträger nicht sicher deutbar, nicht stillschweigend durch Schwert ersetzt, obwohl605Schwert/Pfeil erläutert. Beschädigte Quellziffer 5466 an Position 596.

Vers 5657 [Quellzählung an Position 597]
rītiṃ saṅkalitāṃ kṛtvā dadyuḥ ṣoḍaśavāsarān‌ |
eṣādyā mahiṣālambhakartrīpūjāvidhirmataḥ ||5657||

… nach einem entsprechend zusammengestellten Verfahren sechzehn Tage lang darbringen. Dies gilt als das erste Verehrungsverfahren für diejenige, die Mahisha niederstreckt.

Anmerkung: Saṅkalita im OCR; zusammengefügtes Ritualverfahren als vorläufige Deutung, keine zusätzliche Ritualschule benannt. Quellziffer 5657 an Position 597.

Das zweite Verfahren: Bhadrakali

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 568 [Quellzählung an Position 598]
atha mādhyamikaḥ pakṣa īṣasyādyatithau site |
prātaḥ paṭahanisvānaiḥ saḍhakkānakagomukhaiḥ ||568||

Nun die mittlere Auffassung: Am ersten Mondtag der hellen Hälfte des Isha-Monats soll man morgens mit den Klängen von Pataha-Trommeln, Dhakka, Anaka und Gomukha …

Anmerkung: Quellnummer 568 an Position 598. Instrumentennamen erhalten, Gomukha ein Blasinstrument.

Vers 566 [Quellzählung an Position 599]
īśvarīṃ ṣoḍaśabhujāṃ bhadrakālīti nāmikām‌ |
sambodhyeṣe pūjayeyurdināni nava vai priye ||566||

… die sechzehnarmige Herrin namens Bhadrakali erwecken und sie im Isha-Monat neun Tage lang verehren, Geliebte …

Anmerkung: Quellnummer 566 an Position 599.

Vers 600
apūpamodakaprāyabalisaṅkalitakramaiḥ |
tṛtīyaḥ pakṣa īdṛkṣa uditastripurāriṇā ||600||

… nach Verfahren, deren Bali-Gaben überwiegend aus Kuchen und Modaka-Süßigkeiten bestehen. Die dritte Auffassung hat der Feind Tripuras folgendermaßen verkündet …

Das dritte Verfahren: Durga

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 601
āśvayuksitaṣaṣṭhyāṃ vai śākhāyāṃ bilvaśākhinaḥ |
sāyaṃkāle bodhayitvā vādyairuccāvacadhvanaiḥ ||601||

Am Abend des sechsten Mondtages der hellen Ashvina-Hälfte erwecke man sie in einem Zweig des Bilva-Baums, mit hohen und tiefen Instrumentalklängen …

Vers 602
durgādevīmarcayīta saptamyādidinatraye |
daśabāhudharāṃ devīṃ mahāsaundaryaśālinīm‌ ||602||

… und verehre an den drei Tagen vom siebten Mondtag an die Göttin Durga, die zehnarmige, von großer Schönheit erfüllte Göttin.

Vers 603
rītiḥ sāṅkuliteyātra bilvapatrasya kīrtitā |
athavā karavīrasya śaktyā ca mahiṣājayoḥ ||603||

Hier wird ein Verfahren mit Bilva-Blättern oder mit Karavira gelehrt und, nach den eigenen Möglichkeiten, mit Büffeln und Ziegen.

Anmerkung: Sāṅkulita/rīti-Verbindung unsicher; die klar lesbaren Materialien vollständig wiedergegeben. Karavira: Oleander; historische Ritualgabe, keine Einnahmeanweisung.

Weitere Handlungen und die Erweckung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 604
svasvaśaktyanusāreṇa sarvamanyatprakīrtitam‌ |
homo japaḥ kumāryarcā sādhakānāṃ ca bhojanam‌ ||604||

Alles Weitere richtet sich nach den eigenen Möglichkeiten: Homa, Japa, Kumari-Verehrung und das Speisen der Sadhakas …

Anmerkung: Kumari-Verehrung hier nichtsexualisierte rituelle Verehrung eines Mädchens als Göttinnenrepräsentation.

Vers 6015 [Quellzählung an Position 605]
upoṣaṇamatho maunaṃ prabhūtaphalahetave |
hananātkhaḍgabāṇābhyāṃ tatra tatra tu bodhanam‌ ||6015||

… ferner Fasten und Schweigen, um reichen Ertrag zu erlangen. Weil sie [Mahisha] mit Schwert beziehungsweise Pfeil getötet hat, findet in den jeweiligen Fällen die Erweckung [in diesen Gegenständen] statt.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 6015 an Position 605. Bezug auf die ersten beiden Formen; der beschädigte Gegenstandsname596nicht rückwirkend als sicher erklärt.

Vers 606
āvirbhāvādbilvataroratra bodhanamācaret‌ |
tattannakṣatralābhe tu phalabhūmā prajāyate ||606||

Hier vollziehe man die Erweckung im Bilva-Baum, weil sie aus ihm erschienen ist. Trifft das jeweils entsprechende Mondhaus hinzu, entsteht ein reicherer Ertrag.

Vorbereitende Gaben für die Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 607
nakṣatrāṇāmalābhe tu kevalāyāṃ tithau caret‌ |
satyāṃ śaktau caturthyāṃ vai devyāḥ keśaṃ vimocayet‌ ||607||

Sind die betreffenden Mondhäuser nicht gegeben, vollziehe man den Ritus allein nach dem Mondtag. Wenn die Mittel vorhanden sind, löse man am vierten Mondtag das Haar der Göttin.

Anmerkung: Ritualhandlung am verehrten Bild beziehungsweise Ritualträger; keine Frisuranweisung an Praktizierende.

Vers 608
tatra pūjā vidhātavyā mahāvibhavavistaraiḥ |
udvartanaṃ kaṅkatikāṃ keśabandhanaḍorakam‌ ||608||

Dabei ist die Puja mit reicher Ausstattung zu vollziehen. Man bringe Einreibemittel, einen Kamm und ein Band zum Binden der Haare dar …

Vers 6046 [Quellzählung an Position 609]
nakharañjaśalākāṃ ca sindūrālaktakajjalam‌ |
sugandhitailoṣṇajalapiṣṭāmalakādikam‌ ||6046||

… ein Stäbchen zum Färben der Nägel, Sindura, roten Lack, Augenschminke, duftendes Öl, warmes Wasser, zerstoßene Amalaki-Früchte und dergleichen …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 6046 an Position 609.

Vers 610
dadyāddevyai viśeṣeṇa bhaktibhāvena pārvati |
pūjāyāḥ kathitaṃ cātra dvaividhyaṃ munipuṅgavaiḥ ||610||

… und schenke dies der Göttin mit besonderer Hingabe, Parvati. Die hervorragenden Weisen haben hier auch eine Zweiteilung der Puja gelehrt …

Puranische und tantrische Verfahren

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 611
paurāṇikaṃ tāntrikaṃ ca kālikāprītisiddhaye |
ṛtadhvajāya prāṅnandikeśvareṇa yadīritam‌ ||611||

… in puranische und tantrische Verehrung, beide dazu bestimmt, Kalika zu erfreuen. Was Nandikeshvara einst Ritadhvaja verkündete …

Anmerkung: Ritadhvaja im Quelltext, nicht ohne Beleg in einen anderen Königsnamen geändert.

Vers 612
tadvai bahulavistāraṃ śāradīyārcanaṃ matam‌ |
yaddevyā svayamākhyātaṃ kapilāya maharṣaye ||612||

… gilt als die sehr ausführliche Form der Herbstverehrung. Was die Göttin selbst dem großen Rishi Kapila erklärte …

Vers 613
tannātibahulaṃ nātisvalpaṃ madhyamamucyate |
yadaurveṇa samākhyātaṃ sagarāya mahībhṛte ||613||

… ist weder sehr umfangreich noch sehr knapp und heißt die mittlere Form. Was Aurva dem König Sagara mitteilte …

Vers 614
tadvijñeyaṃ sureśāni kanīyaḥ śaradarcanam‌ |
tāntrikaṃ bahutantroktaṃ sarvaiḥ svasvamatāgatam‌ ||614||

… ist als die kleinere Form der Herbstverehrung zu verstehen, Herrin der Götter. Die tantrische Verehrung wird in vielen Tantras gelehrt, jeweils entsprechend der eigenen Überlieferung.

Vers 615
yo yenaiva krameṇaitāṃ śaradarcāṃ varānane |
vitatte samavāpnoti phalaṃ tattatkrameṇa hi ||615||

Wer diese Herbstverehrung nach einem bestimmten Verfahren entfaltet, du Schöngesichtige, empfängt den Ertrag entsprechend eben diesem Verfahren.

Anmerkung: Verb vitatte im OCR विवत्ते; vorläufige Normalisierung.

Vers 616
tāntrike kaulikī rītiḥ purāṇe vaidikī matā |
yadyebhyo rocate devi pratinandanti te hi tat‌ ||616||

Im tantrischen Bereich gilt die Kaula-Weise, im puranischen die vedische. Was den Einzelnen zusagt, Göttin, das begrüßen sie.

Orte und Träger der Puja

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 617
atha pūjā prakartavyā keṣu keṣu sthaleṣu hi |
tatrottaraṃ te vadāmi śṛṇuṣvāvahitā satī ||617||

An welchen Orten nun soll die Puja vollzogen werden? Darauf gebe ich dir die Antwort; höre aufmerksam, Sati.

Vers 618
taijase pratimāyantre'thavā māheyadārave |
śaileye athavā devi dhātave girisambhave ||618||

An einem Bild oder Yantra aus Metall, Erde oder Holz, aus Stein oder aus einem im Berg entstandenen Mineralstoff, Göttin …

Anmerkung: Materialnamen und Kompositum im OCR unsicher; taijasa hier metallischer Stoff, dhātava mineralischer Stoff. Keine zusätzliche sichere Materialunterscheidung behauptet.

Vers 616 [Quellzählung an Position 619]
bilvavṛkṣaḥ patrikā ca ghaṭaḥ pūrvavadīritaḥ |
gomayenopaliptaṃ vā sthaṇḍilaṃ jagadīśvari ||616||

… am Bilva-Baum, an der Patrika und am zuvor beschriebenen Krug oder an einem mit Kuhdung bestrichenen Altarplatz, Herrin der Welt …

Anmerkung: Quellnummer 616 an Position 619.

Vers 620
sindūrāṅkaṃ maṇḍalaṃ vā śūlakhaḍgaśarāstathā |
pustakaṃ vā citrapaṭaṃ sarvatobhadra eva vā ||620||

… an einem mit Sindura gezeichneten Mandala, an Dreizack, Schwert oder Pfeilen, an einem Buch, einem gemalten Bild oder einem Sarvatobhadra-Mandala …

Vers 621
anādipīṭhaṃ ca tathā śivaliṅgaṃ tathaiva ca |
jalamagnistathā khātanṛkaroṭisthalaṃ śubham‌ ||621||

… an einem anfangslosen Pitha, an einem Shiva-Linga, in Wasser oder Feuer sowie an einem günstigen Ort mit einem vergrabenen Menschenschädel.

Anmerkung: Khāta-nṛkaroṭi-sthala: Verbindung zu Grube/vergrabenem Menschenschädel vorläufig. Historischer Ritualort, nicht modern umgedeutet.

Patrika und Sarvatobhadra

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 622
evamādīni cānyāni sthānānyarcanahetave |
patrikā tu parijñeyā kadalībilvadāḍimāḥ ||622||

Diese und ähnliche Orte dienen der Verehrung. Als Patrika ist die Zusammenstellung folgender Pflanzen zu verstehen: Banane, Bilva und Granatapfel …

Vers 623
haridrāśokakacvaśca jayantīdhānyamālinī |
ekāśītipadaṃ cakraṃ sarvatobhadramaṇḍalam‌ ||623||

… Kurkuma, Ashoka, Kachu, Jayanti und eine mit Getreide versehene Zusammenstellung. Das Sarvatobhadra-Mandala ist ein Diagramm mit einundachtzig Feldern.

Anmerkung: Pflanzenfolge im ersten Halbvers beschädigt, insbesondere kachu/Endkompositum dhānyamālinī; keine fehlende neunte Pflanze ergänzt. Kachu als überlieferter Pflanzenname beibehalten.

Vers 624
bhittau citrīkṛtā devī pūjitā phaladāyinī |
aṣṭamyāṃ tu viśeṣeṇa pūjā kāryā tu pārvati ||624||

Auch die an einer Wand dargestellte Göttin gewährt bei ihrer Verehrung Ertrag. Besonders am achten Mondtag ist die Puja zu vollziehen, Parvati.

Achter und neunter Mondtag

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 625
prabhūtabalidānaṃ tu navamyāṃ homa eva vā |
aṣṭamīnavamīsandhau viśeṣātpūjanaṃ caret‌ ||625||

Am neunten Mondtag bringe man reichliche Bali-Gaben dar oder vollziehe Homa. Besonders am Übergang vom achten zum neunten Mondtag soll die Verehrung stattfinden.

Vers 626
navamyāṃ balidānānu kumārīpūjanaṃ tathā |
dinatraye'pi ca mahāsnānaṃ devyāḥ prakalpayet‌ ||626||

Am neunten Mondtag folgt auf die Bali-Gaben die Kumari-Verehrung. An allen drei Tagen richte man außerdem das große rituelle Bad der Göttin aus.

Anmerkung: Kumari-Verehrung hier nichtsexualisierte Göttinnenrepräsentation.

Vers 627
tattannakṣatralābhastu phalādhikyāya kalpate |
bhānāmalābhe tu punaḥ praśastā kevalā tithiḥ ||627||

Das Zusammentreffen mit den jeweiligen Mondhäusern führt zu größerem Ertrag. Fehlen diese Sternstellungen, gilt auch der Mondtag allein als günstig.

Anmerkung: Bhā bezeichnet hier Stern/Mondhaus; keine zusätzlichen astrologischen Daten ergänzt.

Zeitwahl und Fastenregeln

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 628
śaradarcāvidhau devyāḥ sthāpanaṃ ca visarjanam‌ |
caralagne carāṃśe vā kuryātsarvasamṛddhaye ||628||

Bei der Herbstverehrung soll man die Einsetzung und Verabschiedung der Göttin unter einem beweglichen Aszendenten oder einem beweglichen Unterabschnitt vollziehen, um umfassendes Gedeihen zu erlangen.

Anmerkung: Cara-lagna/cara-aṃśa: astrologische Kategorien; keine aktuelle Terminberechnung.

Vers 625 [Position 629]
anyalagne'nyāṃśake vā viparītaphalapradam‌ |
upavāsaṃ tathā kuryādaṣṭamyāṃ kālikāmude ||625||

Unter einem anderen Aszendenten oder Unterabschnitt bringt dies das gegenteilige Ergebnis. Am achten Mondtag soll man außerdem fasten, um Kalika zu erfreuen …

Anmerkung: Quellnummer 625 an Position 629.

Vers 630
siddhyarthaṃ svābhilāṣāṇāṃ tathānyeṣāṃ ca śarmaṇām‌ |
kintu putrī na kurvīta kṛte putraḥ praṇaśyati ||630||

… zur Erfüllung der eigenen Wünsche und für weiteres Wohlergehen. Wer jedoch einen Sohn hat, soll dies nicht tun; tut er es, geht nach dieser Vorschrift sein Sohn zugrunde.

Anmerkung: Putrī als Nominativ von putrin, einen Sohn habend, nicht Tochter. Historische Ritualdrohung; keine medizinische Kausalbehauptung.

Gaben und Festfreude

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 631
stryupayogīni vastūni vasanādīni yāni hi |
tāni devyai pradeyāni vittavibhavānurūpataḥ ||631||

Die Gegenstände, die Frauen gebrauchen – Gewänder und dergleichen –, soll man der Göttin entsprechend den eigenen finanziellen Möglichkeiten darbringen.

Anmerkung: Vasana im OCR वचनादीनि, aus Kontext vorläufig Gewänder; letztes Kompositum OCR-beschädigt, Aussage nach den Mitteln klar.

Vers 632
putrotpattivivāhādivadutsavamihācaret‌ |
tena tuṣṭā mahādevī bhavedabhyarcanādapi ||632||

Man feiere hier ein Fest wie bei der Geburt eines Sohnes, einer Hochzeit und ähnlichen Anlässen. Dadurch wird die große Göttin erfreut, selbst mehr als durch die bloße Verehrung.

Anmerkung: Abhyarcanād api als Vergleich gelesen, mögliche Bedeutung auch durch Verehrung lokal offen.

Vers 633
tenāsyāṃ śaradarcāyāmānandamadhikaṃ caret‌ |
asminnarthe'mbikāgītaṃ vacanaṃ śṛṇu me priye ||633||

Darum entfalte man bei dieser Herbstverehrung besonders viel Freude. Höre dazu das von Ambika verkündete Wort, Geliebte.

Ambikas Worte über das Fest

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 634
mamānande sadānandaḥ sadānando bhaviṣyati |
mamānande nirānando nirānando bhaviṣyati ||634||

„Wer bei meinem Freudenfest voller Freude ist, wird stets Freude erfahren. Wer bei meinem Freudenfest ohne Freude ist, wird ohne Freude bleiben.

Anmerkung: Sadānanda wiederholt; traditionelle Festverheißung, keine heutige Forderung nach erzwungener Fröhlichkeit.

Vers 635
yathāhamasyāṃ tuṣyāmi tathaivāyaṃ sadarcakaḥ |
sukhī vatsaraparyantaṃ bhavatādvacanānmama ||635||

Wie ich an diesem Fest erfreut bin, so möge auch der gute Verehrer ein ganzes Jahr lang glücklich sein – kraft meines Wortes.

Vers 636
mamotsave tu yo'śrūṇi mūḍho muñcati mānavaḥ |
sa saṃvatsaraparyantamaśrūṇyeva vimuñcatu ||636||

Der Mensch aber, der töricht bei meinem Fest Tränen vergießt, soll ein ganzes Jahr lang nichts als Tränen vergießen.

Anmerkung: Drohende Gegenverheißung der Quelle; Trauer wird hier nicht als heutiger spiritueller Fehler empfohlen.

Vers 637
anulepanavāsaḥsragalaṅkārādibhūṣitaḥ |
viharedyo mamānande nṛtyan‌ gāyan‌ hasan‌ bahu ||637||

Wer, mit Salben, Gewändern, Kränzen, Schmuck und anderem geschmückt, bei meinem Freudenfest umhergeht, tanzt, singt und viel lacht …

Vers 638
evaṃrūpaḥ so'bdamekaṃ viharatvakutobhayaḥ |
yo yādṛśo'syāṃ bhavati tādṛgeva bhavatvasau ||638||

… möge ein Jahr lang ebenso leben, ohne von irgendeiner Seite Furcht zu erfahren. Wie jemand bei diesem Fest ist, so möge er bleiben.“

Vers 6286 [Position 639]
ato'tra saṃhṛṣṭamanā viśeṣeṇa bhavetpriye |
asaṃhṛṣṭaḥ śivākrodhātsadyo naśyati sānvayaḥ ||6286||

Darum soll man hier besonders frohen Herzens sein, Geliebte. Wer nicht froh ist, geht, so heißt es hier, durch den Zorn Shivas [der Göttin] sogleich mitsamt seiner Familie zugrunde.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 6286 an Position 639; Śivā weibliche Göttinnenbezeichnung. Historische Drohung, nicht heutige Praxisanweisung.

Nirajana und Verabschiedung der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 640
atha nīrājanaṃ kuryāddaśamyāṃ svasvaśaktitaḥ |
bhūpo rathān‌ dvipānaśvān‌ bhūṣayitvā balaṃ tathā ||640||

Am zehnten Mondtag vollziehe man Nirajana nach den eigenen Möglichkeiten. Der König schmücke Wagen, Elefanten, Pferde und sein Heer …

Vers 641
nagaraṃ maṇḍayitvā ca naṭanartanagāyanaiḥ |
sārdhaṃ visarjayeddevīṃ krīḍākautukamaṅgalaiḥ ||641||

… schmücke die Stadt und verabschiede die Göttin in Begleitung von Schauspielern, Tanz und Gesang, mit Spielen, Festfreuden und glückverheißenden Handlungen.

Vers 642
patrikā pratimādīni kumbhacitrapaṭādi ca |
agādhe nirmale toye sthāpayenmantrapūrvakam‌ ||642||

Die Patrika, Bilder und dergleichen, den Krug, das gemalte Bild und die übrigen Ritualträger soll man unter Mantrarezitation in tiefem, klarem Wasser niederlegen.

Anmerkung: Mantra wird hier nur vorgeschrieben, nicht ausgeschrieben.

Die Bräuche des Shabarotsava

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 642 [zweite Quellzählung] [Position 643]
jalakrīḍāmācareta vāridhārāhatikramaiḥ |
aślīlānuccarecchabdānunmattavadapatrapaḥ ||642||

Man veranstalte Wasserspiele, indem man sich mit Wasserstrahlen bespritzt, und spreche ohne Scheu obszöne Worte wie jemand, der außer sich ist.

Anmerkung: Zweite Quellzählung642; eigenständiger Vers, internePosition 643.

Vers 644
mādakaṃ bhakṣayeddravyaṃ svasvabhakṣyaṃ sureśvari |
kṣībavadvihvalo bhūtvā skhaledapi patedapi ||644||

Man nehme ein berauschendes Mittel zu sich, das nach der eigenen Ordnung zulässig ist, Herrin der Götter. Wie ein Trunkener, überwältigt, mag man stolpern und auch hinfallen.

Anmerkung: Historische Festvorschrift, keine heutige Empfehlung zum Konsum; keine Dosierung oder Ergänzung konkreter Substanzen.

Vers 645
krīḍitavyaṃ śabaravadātmānaṃ vismṛteriva |
ata evaiṣa uddiṣṭaḥ purāṇe śabarotsavaḥ ||645||

Man soll spielen wie ein Shabara, als hätte man sich selbst vergessen. Darum wird dies im Purana Shabarotsava genannt.

Anmerkung: Shabara ist eine historische Bezeichnung für Waldbevölkerungen; der Vergleich gibt die Perspektive der Quelle wieder, keine heutige Aussage über diese Gruppen.

Vers 646
bhagaliṅgākṛtīḥ kṛtvā bhāvayedyuvatīrapi |
vācakānīrayecchabdānnāryagre yoniśiśnayoḥ ||646||

Man bilde Darstellungen von Vulva und Phallus und rege damit auch die jungen Frauen an. Vor Frauen spreche man die Bezeichnungen für Vulva und Penis aus.

Anmerkung: Bhāvayet in dieser Festvorschrift nicht eindeutig: anregen/vergegenwärtigen; yuvatī bezeichnet junge erwachsene Frau, keine Alterszahl. Sachliche Wiedergabe obszöner Festbräuche.

Vers 647
tathā ca vāravanitā bhūṣayitvā viśeṣataḥ |
sārdhamābhirvalgitavyaṃ vaco'ślīlaṃ hasottaram‌ ||647||

Außerdem schmücke man Kurtisanen besonders festlich und vergnüge sich mit ihnen, mit obszönen Worten und lautem Lachen.

Anmerkung: Vāravanitā: Kurtisane beziehungsweise Sexarbeiterin im historischen Kontext; keine soziale Zuschreibung an heutige Frauen.

Vers 648
svayaṃ parānākṣipeta paro'pyenaṃ tathākṣipet‌ |
dhūlibhiḥ kardamaistoyairhanyādatha parasparam‌ ||648||

Man necke oder beschimpfe andere, und sie sollen es ebenso erwidern. Gegenseitig bewerfe oder bespritze man sich mit Staub, Schlamm und Wasser.

Anmerkung: Ākṣip hat sowohl necken als auch beschimpfen als Bedeutung; keine einseitige Verharmlosung.

Vers 6486 [Position 649]
parairnākṣipyate yastu yaḥ parānnākṣipatyapi |
tasya kruddhā bhagavatī śāpaṃ dadyātsudāruṇam‌ ||6486||

Wer sich von anderen nicht so angehen lässt oder es anderen gegenüber nicht tut, dem würde die erzürnte Bhagavati einen sehr harten Fluch auferlegen.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 6486 an Position 649; historische Sanktion der Teilnahme, keine heutige Verpflichtung.

Festdarstellungen und ihre Begründung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 650
visarjitāyā devyāstu puraḥ kuryādamuṃ vidhim‌ |
suratābhinayādīni kuryātsandākṣavarjitaḥ ||650||

Vor der bereits verabschiedeten Göttin vollziehe man diesen Brauch und stelle ohne Scham den Liebesakt und ähnliche Vorgänge pantomimisch dar.

Anmerkung: Abhinaya: Darstellung/Pantomime, nicht ausdrücklich tatsächlicher Geschlechtsverkehr.

Vers 651
yathā tapasyarākāyāṃ trayodaśyāṃ smarasya ca |
vidhīyate tathātrāpi vidhātavyo mahāmahaḥ ||651||

Wie das große Fest am Vollmond des Tapasya-Monats und am dreizehnten Mondtag des Liebesgottes begangen wird, so soll es auch hier gefeiert werden.

Anmerkung: Tapasya gewöhnlich Phalguna; keine ungeprüfte Gleichsetzung mit einem bestimmten heutigen Festtermin.

Vers 652
anena tuṣyate devī balihomārcanādivat‌ |
tasmādamuṃ prakurvīta vidhiṃ bhagavatīmude ||652||

Dadurch wird die Göttin ebenso erfreut wie durch Bali, Homa, Verehrung und dergleichen. Darum soll man diesen Brauch vollziehen, um Bhagavati zu erfreuen.

Anmerkung: Textinterne Begründung des beschriebenen Festes.

Verheißungen und Kumari-Speisung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 653
anena vidhinā devīṃ pūjayedyo hi mānavaḥ |
martye sa śreṣṭhatāṃ yāti dhanadhānyasutānvitaḥ ||653||

Wer die Göttin auf diese Weise verehrt, erlangt nach dieser Verheißung unter den Menschen eine hervorragende Stellung, ausgestattet mit Besitz, Getreide und Kindern.

Vers 654
nīco vā nirguṇo vāpi śaucācāravivarjitaḥ |
mānavaḥ svargamāpnoti vidhinā pūjayañchivām‌ ||654||

Auch ein Mensch von geringem gesellschaftlichem Rang, ohne besondere Vorzüge oder ohne die vorgeschriebenen Reinheitsbräuche gelangt in den Himmel, wenn er Shiva [die Göttin] nach dem Verfahren verehrt.

Anmerkung: Nīca als historische Rangwertung, nirguṇa hier ohne Vorzüge, nicht das philosophische gunalose Brahman.

Vers 655
śabarotsavavatkāryaṃ kumārībhojanaṃ tathā |
na tathā tuṣyati śivā balihomajapādibhiḥ ||655||

Ebenso wie der Shabarotsava ist auch das Speisen von Kumaris zu veranstalten. Durch Bali, Homa, Japa und anderes wird Shiva nicht so sehr erfreut …

Anmerkung: Eigenständige Speisung von Mädchen als Göttinnenrepräsentationen; keine sexuelle Handlung beschrieben oder aus dem vorherigen Festabschnitt übertragen.

Vers 656
kumārībhojanenātra yathā sadyaḥ prasīdati |
samantrārcā kumārīṇāṃ samantraḥ śabarotsavaḥ ||656||

… wie sie hier durch das Speisen der Kumaris sogleich gnädig gestimmt wird. Die Verehrung der Kumaris geschieht mit Mantras; auch der Shabarotsava ist mit Mantras verbunden.

Anmerkung: Letztes samantra im OCR leicht beschädigt; keine fehlenden Formeln ergänzt.

Zeitliche Verbote und Ausnahmen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 657
devīvisarjanaṃ rātrau praveśaṃ vā karoti yaḥ |
vipattirjāyate tasya pūjā ca viphalā bhavet‌ ||657||

Wer die Verabschiedung oder den Einzug der Göttin nachts vollzieht, dem entsteht nach der Quelle Unglück, und seine Puja bleibt ohne Frucht.

Vers 658
na daśamyāṃ baliṃ dadyāccāmuṇḍābhāgamantarā |
datte tatra balau devi devyai saṅkalitakramaiḥ ||658||

Am zehnten Mondtag soll man keine Bali-Gabe darbringen, ausgenommen den Anteil Chamundas. Wer an diesem Tag der Göttin nach den zusammengestellten Verfahren Bali darbringt, Göttin …

Anmerkung: Saṅkalita-krama wie zuvor unsicherer Verfahrensbegriff; Ausnahme Chamunda deutlich.

Vers 656 [Position 659]
sadyo nāśamavāpnoti marakopadravādibhiḥ |
yathā praśastaṃ pratimāyantrayoḥ pūjanaṃ priye ||656||

… geht, so die Warnung, durch Seuchen und andere Heimsuchungen sogleich zugrunde. Wie die Verehrung an Bild und Yantra als günstig gilt, Geliebte …

Anmerkung: Quellnummer 656 an Position 659; historische Ritualdrohung, keine medizinische Erklärung.

Weitere Verheißungen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 660
triśūlakhaḍgayostadvaduktaṃ tripuravairiṇā |
śaradarcoktarītyā yo vibhavasyānurūpataḥ ||660||

… so hat der Feind Tripuras dies auch für Dreizack und Schwert gelehrt. Wer nach der beschriebenen Weise der Herbstverehrung und gemäß seinen Mitteln …

Vers 661
navamyāṃ pūjayeddevīṃ tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu |
aśvamedhasahasrasya vājapeyaśatasya ca ||661||

… am neunten Mondtag die Göttin verehrt, dessen Verdienst höre: Den Ertrag von tausend Ashvamedhas und hundert Vajapeyas …

Anmerkung: Benannte vedische Großopfer als Maß des Ritualverdienstes, keine zusätzliche Durchführungsschilderung.

Vers 662
tatphalaṃ samavāpnoti divi devagaṇairvṛtaḥ |
devīmabhyarcya yaḥ kuryācchuklāṣṭamyāmupoṣaṇam‌ ||662||

… empfängt er, im Himmel von Götterscharen umgeben. Wer die Göttin verehrt und am achten Mondtag der hellen Hälfte fastet …

Vers 663
aputra āśvine māsi bhaktigauravayantritaḥ |
sarvapāpavinirmukto na sa yāti yamālayam‌ ||663||

… im Ashvina-Monat, sofern er keinen Sohn hat, getragen von ehrfürchtiger Hingabe, wird von allen Verfehlungen frei und gelangt nicht in Yamas Reich.

Anmerkung: Aputra wörtlich ohne Sohn, nicht generell kinderlos; Zusammenhang mit 630 und665.

Vers 664
ekādaśīśatātkānte viśiṣṭeyaṃ sitāṣṭamī |
saṃvatsaramupoṣyaiva sarvān‌ kāmānavāpnuyāt‌ ||664||

Dieser achte Tag der hellen Hälfte ist, Geliebte, bedeutender als hundert Ekadashis. Durch Fasten über ein Jahr hinweg würde man alle Wünsche erlangen.

Anmerkung: Bezug des Jahressatzes unklar: Fasten an den einschlägigen Tagen oder kontinuierlich. Keine gefährliche Jahresfastenanweisung als eindeutige Lesung ausgegeben.

Zusammenfassung der Festtage

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 665
upavāsaṃ mahāṣṭamyāṃ putravānna samācaret‌ |
sarvaṃ pūjākramaṃ cānyaṃ viśeṣeṇa samācaret‌ ||665||

Wer einen Sohn hat, soll am Mahashtami nicht fasten. Alle übrigen Schritte der Puja soll er jedoch besonders sorgfältig vollziehen.

Vers 666
bhaktyā sampūjayeddevīṃ saptamyādidinatraye |
tribhiścaturahobhirvā dvābhyāṃ vākrāmatastitheḥ ||666||

Mit Hingabe verehre man die Göttin an den drei Mondtagen vom siebten an – an drei, vier oder zwei Kalendertagen, je nachdem, wie die Tithis verlaufen.

Anmerkung: Tithi und bürgerlicher Tag nicht gleichgesetzt; technische Tagesverteilung im Schluss leicht beschädigt.

Vers 667
ṣaṣṭhyāṃ sāyāhnasamaye bilve devyabhibodhanam‌ |
devyāḥ praveśaḥ saptamyāmaṣṭamyāṃ mahadarcanam‌ ||667||

Am Abend des sechsten Mondtages wird die Göttin im Bilva geweckt; am siebten findet ihr Einzug statt, am achten die große Verehrung.

Vers 668
mahāsnānaṃ mahāpūjā balyogho nagnikārcanam‌ |
rātrau jāgaraṇaṃ cāpi śaktibhiḥ saha kelayaḥ ||668||

Das große Bad, die große Puja, eine Fülle von Bali-Gaben, die Verehrung der Nagnika, nächtliches Wachen und Festspiele mit den Shaktis …

Anmerkung: Nagnikā ist eine Bezeichnung im Kumari-Ritual; hier kein Alter angegeben. Keli heißt Spiel/Vergnügen, keine ausgeführte sexuelle Handlung im Vers; die beiden Ritualelemente werden nicht gleichgesetzt.

Vers 666 [Position 669]
sarvāṇyetāni kṛtyāni navamyāṃ kathitāni hi |
visarjanaṃ daśamyāṃ ca krīḍākautukamaṅgalaiḥ ||666||

… all diese Handlungen werden für den neunten Mondtag genannt. Am zehnten erfolgt die Verabschiedung mit Spielen, Festfreuden und glückverheißenden Handlungen …

Anmerkung: Quellnummer 666 an Position 669.

Vers 670
dhūlikardamavikṣepo'ślīloktiḥ pāmarādivat‌ |
nīrājanaṃ balādīnāṃ mallādīnāṃ niyodhanam‌ ||670||

… mit dem Werfen von Staub und Schlamm, obszönen Äußerungen nach Art der einfachen Leute, Nirajana für Heer und anderes sowie Wettkämpfen der Ringer und anderer Kämpfer …

Anmerkung: Pāmara historische soziale Wertung der Quelle; keine heutige Charakterisierung einfacher Menschen.

Vers 671
paśvādīnāṃ […] caryā ca nagarādbahiḥ |
proktāni kāryāṇyetāni devyāḥ śaradapūjane ||671||

… [einer nicht sicher lesbaren Handlung] mit Tieren und anderen sowie einem Auszug aus der Stadt. Diese Handlungen sind für die Herbst-Puja der Göttin gelehrt.

Anmerkung: Fragment: Wort nach paśvādīnām beschädigt; nicht als Tierkampf oder sportlicher Wettlauf erraten.

Der unermessliche Ertrag der Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 672
enaṃ vidhiṃ vidhatte yo bhaktibhāvena mānavaḥ |
tasya puṇyaphalaṃ vaktuṃ brahmaṇāpi na śakyate ||672||

Wenn ein Mensch dieses Verfahren mit Hingabe vollzieht, vermag selbst Brahma den Ertrag seines Verdienstes nicht zu beschreiben.

Vers 673
gaṇyante pāṃśavo bhūmergaṇyante vṛṣṭibindavaḥ |
na gaṇyante vidhātrāpi śaradarcāphalāni hi ||673||

Die Staubkörner der Erde mögen gezählt werden, die Regentropfen mögen gezählt werden; doch selbst der Schöpfer kann die Früchte der Herbstverehrung nicht zählen.

Vers 674
rājasūyasahasrasya vājimedhaśatasya ca |
anyeṣāṃ yāgapūjānāmayutasya varānane ||674||

Den Ertrag von tausend Rajasuya-Opfern, hundert Pferdeopfern und zehntausend anderen Opfern und Verehrungen, du Schöngesichtige …

Anmerkung: Zahlen gegenüber661anders, nicht harmonisiert.

Vers 675
phalaṃ prāpnoti manujaḥ satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ |
devavatkrīḍati divi yāvadindrāścaturdaśa ||675||

… empfängt dieser Mensch, wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel. Wie ein Gott erfreut er sich im Himmel, solange vierzehn Indras [ihre Zeit durchlaufen].

Anmerkung: Mythischer Zeitraum anhand der Indra-Folge, keine externe Zeitrechnung ergänzt.

Vers 676
devīloke vasetkalpaṃ pramathādigaṇairyutaḥ |
vicchidyate na cāmuṣya santatirjagatītale ||676||

Einen Kalpa lang wohnt er in der Welt der Göttin, umgeben von Pramathas und anderen Scharen. Seine Nachkommenschaft auf Erden wird nicht abbrechen.

Opferdienste nach den verfügbaren Mitteln

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 677
upacārāḥ ṣoḍaśa vai kartavyā vibhave sati |
abhāve te daśaiva syustadabhāve'pi pañca te ||677||

Sind die Mittel vorhanden, sind sechzehn Opferdienste zu vollziehen. Fehlen sie, mögen es zehn sein; reichen die Mittel auch dafür nicht, fünf.

Vers 678
āsanaṃ pādyamarghyaṃ ca tata ācamanīyakam‌ |
madhuparkasnānajalaṃ vastrabhūṣaṇacandanam‌ ||678||

Sitz, Fußwasser, Ehrengastwasser, danach Wasser zum Mundspülen; Madhuparka, Badewasser, Gewänder, Schmuck und Sandelpaste …

Vers 676 [Quellzählung an Position 679]
gandhapuṣpe dhūpadīpau netrāñjanamataḥ param‌ |
naivedyācamanīye ca pradakṣiṇanamaskṛtī ||676||

… Duftstoffe und Blumen, Räucherwerk und Licht, dann Augenschminke, Speisegabe und Mundspülwasser sowie Umschreitung und Verneigung …

Anmerkung: Quellnummer 676 an Position 679. Aufzählung ergibt je nach Gruppierung mehr als16; nicht gekürzt, um680anzugleichen.

Vers 680
ete ṣoḍaśa nirdiṣṭā upacārāḥ śivārcane |
puraiva sarvaviṣayavyavasthaiṣā mayā tava ||680||

… diese werden als die sechzehn Opferdienste bei der Verehrung Shivas [der Göttin] bezeichnet. Die gesamte Ordnung dieser Gegenstände habe ich dir schon früher …

Anmerkung: Zahl16derQuellebewahrt, ohneListengliederzustreichen.

Vers 681
nityapūjāprasaṅgena viśiṣya pratipāditā |
gandhasya dhūpadīpasya tathā naivedyapuṣpayoḥ ||681||

… im Zusammenhang mit der regelmäßigen Puja im Einzelnen erläutert. Bei Duft, Räucherwerk und Licht, bei Speisegaben und Blumen …

Vers 682
vastrāṇāṃ bhūṣaṇānāṃ ca racanānāṃ tathaiva ca |
tathā rājopacārāṇāṃ balīnāṃ ca viśeṣataḥ ||682||

… bei Gewändern, Schmuck und Ausschmückungen, bei königlichen Ehrenbezeugungen und besonders bei den Bali-Gaben …

Blumen, Früchte und Speisegaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 683
svavibhūtisadṛśaṃ kāryamādhikyaṃ kamalānane |
āvaśyakatvamuditaṃ puṣpajātiṣu pārvati ||683||

… soll man die Fülle entsprechend den eigenen Mitteln steigern, Lotusgesichtige. Unter den Blumenarten gelten bestimmte als notwendig, Parvati …

Anmerkung: Erster Ausdruck im OCR स्वमूतिसदृशं; Deutung svavibhūti, eigene Mittel, aus Ritualkontext unsicher, nicht als sichere Buchstabenlesung.

Vers 684
bilvapatrajapāpadmacaṇḍātānāṃ kramāgatam‌ |
phale mālūrakharjūramocākaṇṭakināmapi ||684||

… in der Reihenfolge Bilva-Blätter, Japa, Lotus und Chandata; unter den Früchten Malura, Dattel, Mocha und Kantakin.

Anmerkung: Chandata und Kantakin unsichere Pflanzenbezeichnungen; Mocha gewöhnlich Banane, Malura Bilva. Keine sichere botanische Bestimmung der beschädigten Namen.

Vers 685
naivedyeṣvapi vijñeyaṃ saghṛtaṃ pāyasaṃ puraḥ |
ghṛtakhaṇḍavikārāśca tadanu prasthitāḥ priye ||685||

Bei den Speisegaben ist zuerst Payasa mit Ghee zu nennen. Danach folgen Zubereitungen aus Ghee und Zucker, Geliebte …

Anmerkung: Payasa: süße Milchspeise beziehungsweise Milchreis.

Vers 686
payaḥ piṇḍīkṛtaṃ cātha tato modakapiṣṭake |
dhūpādīnāṃ jñeyamevaṃ purāṇamunibhāṣitāt‌ ||686||

… dann eingedickte Milch, anschließend Modaka und Gebäck. Entsprechend sind Räucherwerk und die übrigen Gaben aus den Worten der Puranas und Weisen zu verstehen.

Anmerkung: Pāyasa/Modaka nicht mit einer bestimmten modernen Rezeptur ergänzt.

Rückverweise auf die allgemeinen Ritualregeln

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 687
nityapūjāprakaraṇe mayā yaḥ parikīrtitaḥ |
deyopacāraniyamaḥ sa evātrāpi gṛhyate ||687||

Die Regel für die darzubringenden Opferdienste, die ich im Abschnitt über die regelmäßige Puja gelehrt habe, gilt auch hier.

Vers 688
phalānāmapi tādṛkṣā deyādeyavicāraṇā |
naimittikārcāsamaye paśudānakramo hi yaḥ ||688||

Ebenso gilt bei den Früchten die Unterscheidung dessen, was dargebracht werden darf und was nicht. Das Verfahren der Tierdarbringung bei der anlassgebundenen Verehrung …

Vers 686 [Quellzählung an Position 689]
vihitāvihitatvena mayā te pratipāditaḥ |
sa phalaprakriyāmantraḥ śāradārcāsvapīṣyate ||686||

… das ich dir hinsichtlich des Erlaubten und Unerlaubten erklärt habe, gilt samt seinen Früchten, Handlungsabläufen und Mantras auch für die Herbstverehrung.

Anmerkung: Quellnummer 686 an Position 689.

Puranische und tantrische Mantras

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 6860 [Quellzählung an Position 690]
iyaṃ hi pūjā dvividhā paurāṇī tāntrikī tathā |
ādye paurāṇikā mantrāstāntrike tantrasambhavāḥ ||6860||

Diese Puja ist zweifach: puranisch und tantrisch. Bei der ersten verwendet man puranische Mantras, bei der tantrischen solche aus den Tantras.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 6860 an Position 690.

Vers 661 [Quellzählung an Position 691]
te teṣvevānusandheyāstāntrikaṃ śṛṇu me priye |
tatrāpyayaṃ tvayā jñeyaḥ siddhāntakrama īdṛśaḥ ||661||

Jene sind in den jeweiligen Schriften nachzusehen. Höre nun von mir das tantrische Verfahren, Geliebte. Dabei sollst du folgende maßgebliche Ordnung kennen …

Anmerkung: Quellnummer 661 an Position 691. Quellinterner Verweis, kein redaktionelles Auslassen vorhandener Mantras.

Vers 662 [Quellzählung an Position 692]
aṣṭādaśabhujāmugracaṇḍāṃ vā bhadrakālikām‌ |
karaiḥ ṣoḍaśabhiryuktāmatho daśabhujāmapi ||662||

Ugrachanda mit achtzehn Armen, Bhadrakalika mit sechzehn Händen oder auch die zehnarmige Göttin …

Anmerkung: Quellnummer 662 an Position 692.

Vers 643 [Quellzählung an Position 693]
mūrtipīṭhau tathā sveṣṭadevabhūtau prapūjayet‌ |
tantroditavidhānena śaradarcanasiddhaye ||643||

… verehre man an Bild und Pitha als Verkörperung der eigenen erwählten Gottheit nach dem im Tantra gelehrten Verfahren, damit die Herbstverehrung gelinge.

Anmerkung: Quellnummer 643 an Position 693. Beziehung von Göttinnenformen und Bild/Pitha leicht beschädigt; keine zusätzliche Gleichsetzung verschiedener Ishtadevatas eingeführt.

Vers 644 [Quellzählung an Position 694]
kramaḥ sa eva paurāṇo'dasīyaḥ ko'pi cādhikaḥ |
saṅkṣepabāhulyayutamubhayaṃ parigṛhyate ||644||

Die Reihenfolge bleibt die puranische; manches aus dem tantrischen Verfahren kommt hinzu. Beide werden in knapperer oder ausführlicherer Form aufgenommen.

Anmerkung: Adasīya hier auf tantrisches Verfahren bezogen, nicht vollständig sichere Pronominalreferenz. Quellnummer 644 an Position 694.

Vers 665 [Quellzählung an Position 695]
śaradarcāvidhau pīṭhamūrtyoḥ prāguktalakṣaṇaḥ |
[…] kramo navamyādirupayogāya nārhati ||665||

Bei der Herbstverehrung an Pitha und Bild gilt die zuvor erklärte Beschaffenheit […]. Die mit dem neunten Mondtag beginnende Folge ist hier nicht zur Anwendung geeignet.

Anmerkung: Fragment: Bestimmung vor krama beschädigt; nicht mit den zuvor zugelassenen drei Formen harmonisiert. Quellnummer 665 an Position 695.

Vers 696
evaṃ svasvamatāyātasiddhāntāgamabhāṣiṇaḥ |
vadanti nānāyuktyuktīstattattantrānusāriṇīḥ ||696||

So äußern die Vertreter der aus ihrer jeweiligen Schule überlieferten Lehren und Agamas vielfältige Begründungen entsprechend den einzelnen Tantras.

Beginn des tantrischen Herbstverfahrens

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 647 [Quellzählung an Position 697]
teṣu vādaṃ vihāyāśu śraddhāṃ baddhvā madīrite |
kurvīran‌ śāradīṃ pūjāṃ devībhaktiparāyaṇāḥ ||647||

Die der Göttin in Hingabe Ergebenen sollen diese Streitigkeiten beiseitelassen, Vertrauen in meine Darlegung fassen und die Herbst-Puja vollziehen.

Anmerkung: Quellnummer 647 an Position 697.

Vers 6468 [Quellzählung an Position 698]
tithau śuklapratipadi kṛtvopakramamīśvari |
ṣaṣṭhe'hni sāyaṃ samaye kṛtanityakriyo divā ||6468||

Man beginne am ersten Mondtag der hellen Hälfte, Herrin. Am Abend des sechsten Tages soll der Lehrer, nachdem er tagsüber die regelmäßigen Handlungen vollzogen hat …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 6468 an Position 698.

Vers 6696 [Quellzählung an Position 699]
bodhayedbilvaśākhāyāṃ deśikaḥ parameśvarīm‌ |
saṅkalpaṃ purataḥ kṛtvā svastivācanapūrvakam‌ ||6696||

… die höchste Herrin im Bilva-Zweig erwecken. Zuvor fasse man den Sankalpa, eingeleitet durch das Sprechen der Segensworte …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 6696 an Position 699.

Die erklärte Ritualabsicht

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 700
sarāśimāsapakṣasya titherullekhanakramaiḥ |
sagotranāmoccaraṇaṃ yajamāno vidhāya hi ||700||

… und nenne Tierkreisstellung, Monat, Monatshälfte und Mondtag. Der Auftraggeber spreche seine Abstammungsgruppe und seinen Namen aus …

Vers 701
durgābodhanakarmāhaṃ kariṣya iti kīrtayet‌ |
bhūtaśuddhiṃ tataḥ kṛtvā ṣaḍaṅgaṃ sarṣitatparam‌ ||701||

… und erkläre: „Ich werde die Handlung zur Erweckung Durgas vollziehen.“ Dann vollziehe man Bhutashuddhi und die sechs Glieder samt den Rishi-Zuordnungen.

Anmerkung: Letzte Verbindung sarṣi im OCR leicht beschädigt; auf Ritualfaktoren bezogen, nicht eigenständiger neuer Rishi-Name.

Vers 702
āvāhya bilvaśākhāyāmathavā mūrtipīṭhayoḥ |
upacāraiḥ ṣoḍaśabhirmūlamantreṇa deśikaḥ ||702||

Der Lehrer lade die Göttin in den Bilva-Zweig oder in Bild und Pitha ein und verehre mit den sechzehn Opferdiensten und dem Wurzelmantra …

Vers 703
pūjayitvā jagaddhātrīmardhamastamite ravau |
bilvavṛkṣaṃ ca sampūjya gandhapuṣpākṣatādibhiḥ ||703||

… die Trägerin der Welt, wenn die Sonne halb untergegangen ist. Auch den Bilva-Baum verehre er mit Duftstoffen, Blumen, ungebrochenem Reis und anderem …

Vers 704
śaṅkhatūryaninādaiśca murajadhvanigītibhiḥ |
bodhayetstutisaṃlāpairvandīva vasudhādhipam‌ ||704||

… und wecke sie mit Muschelhörnern, Instrumentalklängen, Muraja-Trommeln, Gesang und Lobreden, wie ein Hofsänger einen König weckt.

Der Mantra zur Erweckung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 705
procyamānaṃ samuccārya mantraṃ sañcālayecchivām‌ |
tāramaidhaṃ śākinī ca kūṭaṃ svāprāvṛtaṃ tathā ||705||

Man spreche den nun gelehrten Mantra und rege Shiva [die Göttin] zum Erwachen an: Tara, Maidha, Shakini und das Kuta namens Svapravrita …

Anmerkung: Decknamen Maidha/Svapravrita im OCR unsicher; keine Lautformeln aus ihnen erfunden.

Vers 706
visandhi bhagavatyuktvottiṣṭhadvayamudīrayet‌ |
nidrāṃ jahi yugaṃ cāpi pratibudhyasva ca dvayam‌ ||706||

… dann, ohne Sandhi-Verbindung, „Bhagavati“, zweimal „Erhebe dich!“, zweimal „Lass den Schlaf!“ und zweimal „Erwache!“

Anmerkung: Lesbare Rezitationsglieder: bhagavati; uttiṣṭha uttiṣṭha; nidrāṃ jahi nidrāṃ jahi; pratibudhyasva pratibudhyasva.

Vers 707
mama śatrūn‌ hana dvandvaṃ pātaya dvitayaṃ tathā |
lajjā ramā ḍākinī ca phaṭ‌ svāhā tadanantaram‌ ||707||

Es folgen „Meine Feinde: töte, töte; stürze, stürze!“, dann Lajja, Rama, Dakini und schließlich „phaṭ svāhā“.

Anmerkung: Mama śatrūn hana hana pātaya pātaya als lesbarer Befehlsteil. Decknamen nicht in ungesicherte Bijas aufgelöst; keine wörtliche Bedeutung für phaṭ erfunden.

Adhivasa und Nachtwache

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 708
rajanyā muhūrtaṃ tu caṇḍikāmadhivāsayet‌ |
sugandhitailapītābhyāṃ […] pañcabhirgandhajātibhiḥ ||708||

Während einer Muhurta der Nacht bereite man Chandika durch Adhivasa rituell vor: mit duftendem Öl und […] sowie fünf Arten von Duftstoffen …

Anmerkung: Fragment: zweite Materialbezeichnung pīta im Druck selbst mit Fragezeichen; nicht zu Gelbwurz ergänzt. Adhivasa: vorbereitende rituelle Einwohnung/Weihe.

Vers 706 [Quellzählung an Position 709]
puṣpajātiviśeṣaiśca tāvadbhiradhivāsayet‌ |
sarvamāṅgalyavastūni vidhāyaikatra bhājane ||706||

… und mit ebenso vielen besonderen Blumenarten. Alle glückverheißenden Gegenstände lege man zusammen in ein Gefäß …

Anmerkung: Quellnummer 706 an Position 709.

Vers 710
praśastivandanāṃ devyāḥ kārayettadanantaram‌ |
samāṃsamīnasiddhānnabaliṃ bhūtebhya utsṛjet‌ ||710||

… und lasse anschließend eine preisende Huldigung für die Göttin vollziehen. Den Bhutas bringe man eine Bali-Gabe aus gekochter Speise mit Fleisch und Fisch dar.

Anmerkung: Bhuta hier Geistwesen, nicht nur Elemente.

Vers 711
gītairvādyaiśca nāṭyairnamaskāraiśca jāgaraḥ |
devīṃ santoṣya vacanairvyājastutyādyanindanaiḥ ||711||

Die Nachtwache wird mit Gesang, Instrumentalmusik, Tanz und Verneigungen begangen. Man erfreue die Göttin mit Worten, mit indirektem Lobpreis und anderen nichtschmähenden Äußerungen.

Anmerkung: Vyāja-stuti kann verdeckter/indirekter Lobpreis sein; letztes Kompositum im OCR unsicher, keine sichere Regel für Beschimpfung daraus abgeleitet.

Schutz und Sankalpa für die vorbereitende Weihe

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 712
siddhārthakairmantrapāṭhaiḥ pūrvarakṣāṃ vidhāya ca |
pūrvavatsarvamābhāṣya māsapakṣatithikramaiḥ ||712||

Zuerst richte man mit Siddharthaka-Samen und Mantrarezitation Schutz ein. Dann spreche man wie zuvor sämtliche Angaben aus, in der Folge Monat, Monatshälfte und Mondtag …

Anmerkung: Siddharthaka gewöhnlich weißer Senf.

Vers 713
śaratkālīnapūjāṅgabhūtaśca kṛtyapatrikā |
athavā pratimāpīṭhayantrasthāpanakarmaṇi ||713||

… „Als Bestandteil der herbstlichen Puja, bei der Einsetzung der Patrika oder des Bildes, Pithas oder Yantras …

Anmerkung: Erster Halbvers syntaktisch stark beschädigt; Sanskrit-Wortlaut unsicher, deutscher Zusammenhang aus lesbaren Ritualträgern und714gesichert.

Vers 714
durgādevyā gandhapuṣpapaṭavāsasragādibhiḥ |
adhivāsanakarmāhaṃ kurve ityabhijalpya ca ||714||

… vollziehe ich die vorbereitende Weihe der Göttin Durga mit Duftstoffen, Blumen, duftendem Pulver, Kränzen und anderem.“ Nachdem man dies ausgesprochen hat …

Anmerkung: Paṭavāsa: Duft-/Streupulver, nicht stillschweigend Kleidung; Verb im OCR beschädigt.

Vers 715
pūrvavadbhūtaśuddhiṃ ca sarṣi karaṣaḍaṅgakam‌ |
prāṇāyāmatrayaṃ cāpi kṛtvārghyasthāpanaṃ caret‌ ||715||

… vollziehe man wie zuvor Bhutashuddhi, die Rishi-Zuordnung, den Hand- und sechsgliedrigen Nyasa sowie dreimal Pranayama und richte dann das Arghya-Gefäß ein.

Anmerkung: Kara-ṣaḍaṅga als Hand-/Glieder-Nyasa verstanden; nicht bloß sechs Handglieder anatomisch ergänzt.

Begleitgottheiten und Einladung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 716
gaṇeśamatha dikpālān‌ grahānmātṝstathaiva ca |
baṭukān‌ kṣetrapālāṃśca dvārādhyakṣāṃśca yoginīḥ ||716||

Ganesha, die Weltenhüter, die Planetenmächte, die Mütter, Batukas, Kshetrapalas, Türhüter und Yoginis …

Vers 717
śakyopacāraiḥ sampūjya patrikāpīṭhamūrtiṣu |
āvāhya devīmiṣṭvā ca mūlamantropacārakaiḥ ||717||

… verehre man mit den verfügbaren Opferdiensten. Dann lade man die Göttin in Patrika, Pitha und Bild ein und verehre sie mit dem Wurzelmantra und den Opfergaben.

Salben, Düfte und Blumen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 718
śaṭīharidrātailāni ekīkṛtya samāni hi |
caitanyakamalālajjā gandhācāre […] astrakam‌ ||718||

Man mische Shati, Kurkuma und Öl zu gleichen Teilen. [Die Formel nennt] Chaitanya, Kamala und Lajja; bei der Duftdarbringung […] Astra …

Anmerkung: Fragment: Mittelglied vor Astra beschädigt. Shati aromatische Pflanzenwurzel; keine genaue botanische Art oder Bijasilbe ergänzt.

Vers 716 [Quellzählung an Position 719]
uccārya dadyādalake śirasyapi ca pādayoḥ |
tataḥ kuṅkumakarpūrakastūrīmalayodbhavaiḥ ||716||

… spreche dies aus und trage die Mischung auf Haarlocken, Kopf und Füße auf. Danach verwende man Kunkuma, Kampfer, Moschus und Sandelholz …

Anmerkung: Quellnummer 716 an Position 719.

Vers 7206 [Quellzählung an Position 720]
ekīkṛtairḍākinīhṛnmantraistānyeva bhūṣayet‌ |
bilvapatrajavāpadmakaravīrāparājitān‌ ||7206||

… miteinander vermischt und schmücke damit dieselben Stellen unter der Formel aus Dakini und Herz. Bilva-Blätter, Japa-Blüten, Lotus, Karavira und Aparajita …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 7206 an Position 720. Dakini im OCR जाकिनी; kontextuelle Normalisierung unsicher. Hṛt als Herz-Deckname, nicht ausgeschriebene Schlusssilbe.

Vers 721
ekīkṛtyārpayenmūrdhni vadanmadanamastake |
mālyairāpūrayedyantraṃ pratimāṃ patrikāmapi ||721||

… lege man zusammen und bringe sie auf dem Haupt dar, während man Madana und Mastaka spricht. Mit Kränzen bedecke man das Yantra, das Bild und auch die Patrika.

Anmerkung: Madana/Mastaka als Bija-/Schlussdecknamen, nicht als zusätzliche Kopfstellen gedeutet.

Glückverheißende Materialien

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 722
śāṅkhe […] mṛttikā malayodbhavaḥ |
gorocanā dhānyadūrve dṛṣatsindūrakajjalam‌ ||722||

Muschelhorn […] Erde, Sandelholz, Gorochana, Getreide, Durva-Gras, Stein, Sindura und Augenschminke …

Anmerkung: Fragment: Materialien zwischen śāṅkha und mṛttikā beschädigt und schon im Druck mit Fragezeichen versehen. Gorochana traditioneller gelber Ritualfarbstoff.

Vers 723
haridrāsvastikālaktadadhyakṣataphalasrajaḥ |
dhūpadīpau madhughṛtakumārīkartantavaḥ ||723||

… Kurkuma, Swastika-Zeichen, roter Lack, Dickmilch, ungebrochener Reis, Früchte und Kränze; Räucherwerk und Licht, Honig, Ghee und von einer Kumari gefertigte Fäden …

Anmerkung: Kumārī-kṛt-tantavaḥ Wortbildung im OCR leicht beschädigt; Handwerk der Fadenherstellung, keine sexuelle Handlung.

Vers 724
ghanasāro mṛgamadaṃ kakkolaṃ kuṅkumaṃ tataḥ |
mahauṣadhigaṇāḥ siddhārthakaḥ svarṇamaṇī tathā ||724||

… Kampfer, Moschus, Kakkola, Kunkuma, Gruppen der großen Heilpflanzen, Siddharthaka sowie Gold und Edelsteine …

Anmerkung: Ghanasāra im OCR घतसारो, geläufiger Kampfername als unsichere Normalisierung; Kakkola Gewürz-/Duftstoff ohne Artbestimmung.

Vers 725
raupyaṃ vyāghranakhāmbhojaṃ viṣṇukrāntāparājite |
evamādīni māṅgalyadravyāṇyuktāni yāni hi ||725||

… Silber, Tigerkralle, Lotus, Vishnukranta und Aparajita: Diese und die sonst genannten glückverheißenden Materialien …

Anmerkung: Vyāghranakha kann wörtlich Tigerkralle oder Stoff-/Pflanzenname sein, hier nicht sicher bestimmt. Vishnukranta beschädigte Pflanzenform, keine sichere Artzuweisung.

Darbringung und Schutzformeln

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 726
ekasmin‌ bhājane tāni ekīkṛtya pṛthakpṛthak‌ |
devyāḥ śirovakṣasi ca tāramaidhatrapāśiraḥ ||726||

… ordne man einzeln zusammen in einem Gefäß. An Kopf und Brust der Göttin [verwende man die Formel aus] Tara, Maidha, Trapa und Shiras …

Anmerkung: Maidha wie705unsicherer Deckname; weder stillschweigend Medha noch Bija-Laut ergänzt.

Vers 727
proccaran‌ samanuttolya trivāraṃ sparśayecchanaiḥ |
bhūtādibhyo baliṃ dadyāttattadbījaṃ puraḥ smaret‌ ||727||

… spreche sie aus, hebe [die Gaben] an und berühre damit sanft dreimal [diese Stellen]. Den Bhutas und anderen bringe man Bali dar und vergegenwärtige zuerst ihr jeweiliges Bija.

Vers 728
tattannāma bhyasantaṃ ca sandhinaiṣa balirnamaḥ |
daśa dikṣu kṣipeccāpi rājikāśca sasarṣapāḥ ||728||

Den jeweiligen Namen setze man mit der Endung „bhyaḥ“ und verbinde ihn durch Sandhi mit „eṣa baliḥ namaḥ“ – „Diese Bali-Gabe; Verehrung!“ In die zehn Richtungen streue man Rajika- und Senfsamen.

Anmerkung: Kasusanweisung -bhyaḥ als Dativplural, keine erfundenen Namen eingefügt. Formel īṣa/eṣa im OCR klar genug als eṣa.

Vers 729
tārādrakṣayugaṃ cāstraṃ śiraḥ kūrco'ntime tathā |
bāṇaiścaturbhiḥ saṃveṣṭya tāṃśca kalpoktatantubhiḥ ||729||

Die Schutzformel besteht aus Tara, zweimal „rakṣa“ – „schütze!“ –, Astra, Shiras und abschließend Kurcha. Man umgebe [den Ritualplatz] mit vier Pfeilen und verbinde sie mit den im Ritualtext vorgeschriebenen Fäden.

Anmerkung: Gegenstand der Umhegung nicht ausdrücklich genannt, aus Handlungszusammenhang in Klammern. Decknamen nicht aufgelöst.

Der Bilva-Zweig am siebten Mondtag

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 730
astrāṇyasyāḥ puraḥ kṛtvā jāgṛyātsakalāṃ niśām‌ |
athoṣasi saptamyāṃ kṛtanityakriyo budhaḥ ||730||

Man stelle ihre Waffen vor ihr auf und wache die ganze Nacht. Bei Tagesanbruch am siebten Mondtag soll der Kundige, nachdem er seine regelmäßigen Handlungen vollzogen hat …

Vers 731
pūrvavadbilvaśākhāyāṃ devīmabhyarcya mānavaḥ |
śitāṃ gṛhītvā churikāṃ mantramenaṃ samuccaran‌ ||731||

… die Göttin wie zuvor im Bilva-Zweig verehren, ein scharfes Messer ergreifen und den folgenden Mantra sprechen …

Vers 732
phaladvayayutāṃ śākhāṃ chindyādbilvasya sādhakaḥ |
caitanyaṃ praṇavo māyā roṣarāvau ca ḍākinī ||732||

… während er einen Bilva-Zweig mit zwei Früchten abschneidet. [Die Formel beginnt mit] Chaitanya, Pranava, Maya, Rosha, Rava und Dakini …

Anmerkung: Rosha/Rava als Decknamen, keine Lautrekonstruktion.

Vers 733
imāṃ śākhāṃ chindhi yugaṃ chedaya dvitayaṃ tathā |
astradvayaṃ śiraścāpi gṛhītvā tāṃ karadvaye ||733||

… dann „Diesen Zweig: schneide, schneide; trenne, trenne!“, zweimal Astra und Shiras. Er nehme den Zweig in beide Hände …

Anmerkung: Lesbare Formel imāṃ śākhāṃ chindhi chindhi chedaya chedaya; Decknamen am Schluss nicht ersetzt.

Puranische Anrufungen des Bilva-Baums

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 734
baddhāñjaliścaturmantrān‌ paṭhetpaurāṇikān‌ priye |
merumandarakailāsahimavacchikhare girau ||734||

… falte die Hände und rezitiere vier puranische Mantras, Geliebte: „Auf den Gipfeln der Berge Meru, Mandara, Kailasa und Himalaya …

Anmerkung: Die Rezitationsglieder erstrecken sich über die folgenden Quellverse; keine neue Verszählung erfunden.

Vers 735
jātaḥ śrīphalavṛkṣa tvamambikāyāḥ sadāpriyaḥ |
śrīśailaśikhare jāta śrīphala śrīniketana ||735||

… bist du gewachsen, Shriphala-Baum, Ambika stets lieb. Auf dem Gipfel des Shrishaila geboren, Shriphala, Wohnstätte der Shri …

Anmerkung: Zwei aufeinanderfolgende Anrufungssätze; unterschiedliche Bergangaben nicht harmonisiert.

Vers 736
netavyo'si mayāgaccha pūjyo durgāsvarūpataḥ |
bilvavṛkṣa mahābhāga sadā tvaṃ śaṅkarapriya ||736||

… sollst du von mir mitgenommen werden. Komm, damit du als Gestalt Durgas verehrt wirst! Glückbegnadeter Bilva-Baum, du bist Shankara stets lieb.

Vers 737
gṛhītvā tava śākhāṃ hi devapūjāṃ karomyaham‌ |
śākhācchedodbhavaṃ duḥkhaṃ na ca kāryaṃ tvayā taro ||737||

Ich nehme deinen Zweig, um die Verehrung der Gottheit zu vollziehen. Baum, empfinde keinen Schmerz über das Abschneiden des Zweigs.

Anmerkung: Quelltext leicht beschädigt bei chedodbhava, Sinn klar.

Vers 738
devairgṛhītvā śākhāṃ te pūjitāmbeti viśrutiḥ |
punaranyatpadyarūpaṃ mantradvayamudīrayan‌ ||738||

Die Überlieferung berichtet, dass die Götter deinen Zweig nahmen und damit Amba verehrten.“ Dann spreche man zwei weitere Mantras in Versform …

Anmerkung: Devaiḥ im OCR देवे, vorläufige grammatische Normalisierung; keine externe Fundstelle behauptet.

Herbeiführung des Zweigs

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 736 [Quellzählung an Position 739]
pūjāgṛhāṅganadvāri tāṃ śākhāṃ sādhako nayet‌ |
putrāyurdhanavṛddhyarthaṃ nayiṣye tvāmumāpriyām‌ ||736||

… und trage den Zweig zum Eingang des Hofes des Puja-Hauses: „Um Kinder, Lebensdauer und Besitz zu mehren, will ich dich, Uma-Liebe, herbeiführen.

Anmerkung: Quellnummer 736 an Position 739; Anrede an den als Göttinnenträger aufgefassten Zweig.

Vers 740
bilvaśākhāṃ samāśritya rājyaṃ devi prayaccha me |
āgaccha caṇḍike devi sarvakalyāṇahetave ||740||

Wohne im Bilva-Zweig, Göttin, und schenke mir Herrschaft. Komm, Chandika, Göttin, um alles Heil zu bewirken!

Vers 5741 [Quellzählung an Position 741]
kātyāyani gṛhāṇārcāṃ namaste śaṅkarapriye |
tataḥ pūrvoditāścānyā āharedaṣṭapatrikāḥ ||5741||

Katyayani, nimm die Verehrung an; dir sei Verehrung, Geliebte Shankaras!“ Dann beschaffe man die zuvor genannten acht weiteren Patrikas.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 5741 an Position 741; acht zusätzlich zum Bilva-Zweig, beschädigte Pflanzenliste623nicht künstlich ergänzt.

Verbindung und Einsetzung der Patrikas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 742
tā ekīkṛtya latayāparājitasamāhvayā |
saṃveṣṭya vasanenāpi pūjāsaṅkalpamācaret‌ ||742||

Man binde sie mit der Aparajita genannten Ranke zusammen, umhülle sie mit einem Gewand und fasse den Sankalpa für die Puja.

Vers 743
pūrvavatsarvamuccārya patrikāpīṭhamūrtitaḥ |
tataśca sthāpanamahaṃ kariṣye iti kīrtayet‌ ||743||

Man spreche wie zuvor alle Angaben aus und erkläre: „Ich werde nun die Einsetzung der Patrika, des Pithas und des Bildes vollziehen.“

Anmerkung: Endung zu mūrti im OCR beschädigt; Einsetzungsobjekte klar.

Vers 744
patrikāyāṃ tathā mūrtau khaḍge vā yantrakumbhayoḥ |
devīmāvāhya sampūjya bilvapatrāñjalidvayam‌ ||744||

Man lade die Göttin in Patrika und Bild, in Schwert oder in Yantra und Krug ein, verehre sie und bringe zweimal eine Handvoll Bilva-Blätter dar.

Anmerkung: Anjali: mit zusammengelegten Händen dargebrachte Gabe, nicht exakt metrisch gemessen.

Das große Bad und seine Verheißungen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 745
dattvā śaktau prakurvīta devyāḥ snānaṃ mahattaram‌ |
tadvai paurāṇavaidikyamapi saṅkīrtayāmi te ||745||

Wenn die Mittel vorhanden sind, vollziehe man anschließend das große Bad der Göttin. Ich werde dir auch seine puranisch-vedische Form erklären.

Vers 746
śaktau dinatrayaṃ kāryamaśaktau tu dinadvaye |
svalpavibhave navamyāṃ tu snānamāvaśyakaṃ matam‌ ||746||

Ist man dazu imstande, vollziehe man es an drei Tagen, andernfalls an zwei. Bei geringen Mitteln gilt das Bad am neunten Mondtag als notwendig.

Anmerkung: Svalpavibhava aus beschädigtem Quellwort vorläufig gelesen; Abstufung drei/zwei/nur neunter Tag klar.

Vers 747
kuryādatrāpi saṅkalpaṃ kāmyametadyataḥ priye |
śatajanmakṛtātpāpānmocanaṃ prathamaṃ smṛtam‌ ||747||

Auch hier fasse man einen Sankalpa, denn dieser Ritus ist wunschbezogen, Geliebte. Als erste Frucht gilt die Befreiung von den Verfehlungen hundert früherer Geburten.

Vers 748
tathā cāṣṭasahasrābdāvacchinnapadataḥ khalu |
durgālokasthitirapi śatayajñaphalāptiyuk‌ ||748||

Hinzu kommen der Aufenthalt in Durgas Welt für achttausend Jahre und das Erlangen der Frucht von hundert Opfern.

Anmerkung: Mittlere Wortverbindung beschädigt; Dauer8000Jahre und Verheißung klar.

Die neun Patrikas und Mantrapräfixe

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 746 [Quellzählung an Position 749]
navāpi patrikāḥ śuddhatoyena snāpayettataḥ |
pratyekaṃ tattadākhyābhirmūrtau nāmnā dhiyāpi ca ||746||

Dann bade man alle neun Patrikas mit reinem Wasser, jede unter ihrer jeweiligen Bezeichnung; beim Bild unter dessen Namen und mit entsprechender innerer Vorstellung.

Anmerkung: Quellnummer 746 an Position 749; Bezug der letzten Bestimmungen etwas unsicher, nicht ausgelassen.

Vers 750
mantrāṇāṃ padyarūpāṇāmādau tārastrapā smaraḥ |
ramā maidhaṃ rāvaroṣau ḍākinyaṣṭa ca vai nava ||750||

An den Anfang der versförmigen Mantras treten Tara, Trapa, Smara, Rama, Maidha, Rava, Rosha und Dakini – [die Quelle nennt] acht und neun.

Anmerkung: Letzte Zahlformulierung widersprüchlich beziehungsweise beschädigt: acht Decknamen lesbar, keine neunte Silbe oder kein neunter Name ergänzt. Maidha wie zuvor unsicher.

Badeanrufungen der Patrika-Pflanzen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 751
pratyekaṃ devi deyāni tāntrikasnāpanakrame |
kadalītarusaṃsthāsi śambhuvakṣaḥsthalāśrite ||751||

Diese [Präfixe] sind im tantrischen Badeverfahren jedem Mantra voranzustellen, Göttin. „Du wohnst im Bananenbaum, du an Shambhus Brust Ruhende …

Anmerkung: Beginn der versförmigen Badeanrufungen.

Vers 752
snāpayāmyadya patri tvāṃ namaste haravallabhe |
kacci tvaṃ sthāvarībhūtā sadyaḥ siddhividhāyinī ||752||

… heute bade ich dich, Patrika; Verehrung dir, Geliebte Haras! Kachi, du bist zur unbeweglichen Pflanzengestalt geworden und gewährst sogleich Siddhi …

Anmerkung: Kacci/Kachi als Anrede der Kachu-Pflanze, Schreibweise unsicher, keine genaue botanische Art ergänzt.

Vers 753
durgārūpiṇi sarvatra snānena vijayaṃ kuru |
hare hara duḥkhāni śaṅkarasya sadā priye ||753||

… du überall in Durgas Gestalt, bewirke durch dieses Bad den Sieg! Hari [Kurkuma], nimm die Leiden hinweg, du Shankara stets Liebe …

Anmerkung: Hare als Pflanzenanrede zu Haridra aus Ritualfolge verstanden; nicht männlicher Vishnu-Anruf. Quellzeichen und Genus beschädigt, Lesung ausdrücklich vorläufig.

Vers 754
rudrarūpāsi devi tvaṃ sarvaśāntiṃ prayaccha me |
jayanti jayarūpāsi jagatāṃ jayakāriṇi ||754||

… Göttin, du bist Rudras Gestalt; schenke mir umfassenden Frieden! Jayanti, du bist der Sieg selbst und bewirkst den Sieg der Welten …

Vers 755
snāpayāmīha devi tvāṃ jayaṃ dehi gṛhe mama |
śrīphala śrīniketo'si sadā vijayavardhana ||755||

… hier bade ich dich, Göttin; schenke meinem Haus den Sieg! Shriphala, du bist die Wohnstätte der Shri und mehrst stets den Sieg …

Vers 756
dehi me dharmakāmārthān‌ prasannā bhava sarvadā |
dāḍimyaghapraṇāśāya kṣunnāśāya tathā nṛṇām‌ ||756||

… schenke mir Dharma, Wunscherfüllung und Wohlstand und sei stets gnädig! Granatapfelpflanze, zur Vernichtung der Verfehlung und des Hungers der Menschen …

Vers 757
nirmitāsi purā dhātrā prasīda tvamumāpriye |
sthirā bhava sadāśoke durge śokavināśini ||757||

… hat der Schöpfer dich einst hervorgebracht. Sei gnädig, du Uma Liebe! Ashoka, Durga, Vernichterin der Trauer, bleibe immer beständig …

Vers 758
mayā tvaṃ pūjitā nityaṃ sthirā bhava bhavapriye |
[…] māno māneṣu mānanīyaḥ surāsuraiḥ ||758||

… von mir stets verehrt, bleibe fest, Geliebte Bhavas! […] Mana, unter den Geehrten von Göttern und Asuras zu ehren …

Anmerkung: Fragment: Anfang der Mana-Anrufung beschädigt, Bezug zu Brahma nicht sicher. Mana als Pflanzenname der Patrika-Liste bewahrt, keine Art ergänzt.

Vers 756 [Quellzählung an Position 759]
snāpayāmi mahādevi mānaṃ dehi namo'stu te |
lakṣmi tvaṃ dhānyarūpāsi prāṇināṃ prāṇadāyinī ||756||

… ich bade dich, große Göttin; schenke mir Ansehen, dir sei Verehrung! Lakshmi, du hast die Gestalt des Getreides und schenkst den Lebewesen Leben …

Anmerkung: Quellnummer 756 an Position 759. Wortspiel māna: Pflanzenname und Ansehen/Ehre.

Das Bad mit Flusswasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 760
sthirātyantaṃ hi no bhūtvā gṛhe kāmapradā bhava |
tato dvitrinadītoyaṃ kṛtvā kalaśagarbhagam‌ ||760||

… bleibe ganz beständig in unserem Haus und erfülle unsere Wünsche!“ Danach fülle man Wasser aus zwei oder drei Flüssen in einen Krug …

Vers 761
candanāloḍitaṃ cāpi snāpayettena caṇḍikām‌ |
sītā cālakanandā ca vaṅkṣurbhadrā dṛṣadvatī ||761||

… vermische es mit Sandelholz und bade damit Chandika: „Sita, Alakananda, Vankshu, Bhadra und Drishadvati …

Anmerkung: Vankshu im OCR वषुर्भद्रा unsicher; keine sichere geographische Identifikation. Beginn der Flussanrufung.

Vers 762
tuṅgabhadrā kṛṣṇavellā payodhī narmadā tathā |
tāpī bhīmarathī śiprā vitastairāvatī tathā ||762||

… Tungabhadra, Krishnavella, Payodhi, Narmada, Tapi, Bhimarathi, Shipra, Vitasta und Airavati …

Anmerkung: Einige Flussnamen vorläufig; Payodhi nicht automatisch in einen anderen Flussnamen geändert.

Vers 763
godāvatī vipāśā ca śatadruḥ sindhureva ca |
carmaṇvatī ca kāverī tāmraparṇī mahānadī ||763||

… Godavati, Vipasha, Shatadru, Sindhu, Charmanvati, Kaveri, Tamraparni und Mahanadi …

Anmerkung: Quelle Godavati, nicht stillschweigend Godavari.

Vers 764
karatoyā bāhudā ca śoṇo bhadravatī tathā |
devikā bhairavaḥ koko gomatī cotpalāvatī ||764||

… Karatoya, Bahuda, Shona, Bhadravati, Devika, Bhairava, Koka, Gomati und Utpalavati …

Anmerkung: Koka im OCR klar genug, keine Ortsidentifikation ergänzt.

Vers 7615 [Quellzählung an Position 765]
ātreyī bhāratī gaṅgā yamunā ca sarasvatī |
sarayūrgaṇḍakī cāpi śvetagaṅgā ca kauśikī ||7615||

… Atreyi, Bharati, Ganga, Yamuna, Sarasvati, Sarayu, Gandaki, Shvetaganga und Kaushiki …

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 7615 an Position 765; Shvetaganga leicht OCR-beschädigt.

Vers 766
bhogavatī ca pātāle svarge mandākinī tathā |
etāścānyāśca yā nadyo bhāṣitā yāśca neritāḥ ||766||

… Bhogavati in der Unterwelt und Mandakini im Himmel: diese und alle anderen Flüsse, die genannten und die ungenannten …

Anmerkung: Bhogavati im OCR भगवती, Unterweltbezug stützt die vorläufige Normalisierung.

Vers 767
devakhātāni tīrthāni kūpā nirjharasañjñakāḥ |
sarāṃsi sindhavaścāpi sambhedā ye ca bhūtale ||767||

… die von Göttern angelegten Wasserstellen, Tirthas, Brunnen, Quellen, Seen, Ströme und Zusammenflüsse auf Erden …

Die Götter als Spender des Bades

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 768
sarve tvāmabhiṣiñcantu devi dānavamardinīm‌ |
surāstvāmabhiṣiñcantu brahmaviṣṇumaheśvarāḥ ||768||

… mögen dich alle mit Wasser weihen, Göttin, Bezwingerin der Danavas! Mögen die Götter Brahma, Vishnu und Maheshvara dich baden …

Vers 7646 [Quellzählung an Position 769]
vāsudevo jagannāthastathā saṅkarṣaṇaḥ prabhuḥ |
pradyumnaścāniruddhaśca bhavatīṃ snāpayantvime ||7646||

… Vasudeva, der Herr der Welt, der Herr Samkarshana, Pradyumna und Aniruddha mögen dich baden.

Anmerkung: Beschädigte Quellziffer 7646 an Position 769; Jagannatha als Attribut Vasudevas vorläufig, nicht zusätzlicher Name zur Vierergruppe.

Vers 770
khyātā ye dvādaśādityā rudrā ekādaśāpi ca |
marutaśconapañcāśadvasavo'ṣṭartavaśca ṣaṭ‌ ||770||

Die bekannten zwölf Adityas, die elf Rudras, die neunundvierzig Maruts, die acht Vasus und die sechs Jahreszeiten …

Vers 771
ākhaṇḍalo'gnirbhagavān‌ yamo vai nirṛtistathā |
varuṇaḥ pavanaścaiva dhanādhyakṣastathā śivaḥ ||771||

… Akhandala, der erhabene Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Pavana, der Herr des Reichtums und Shiva …

Anmerkung: Akhandala Indra, Pavana Windgott, HerrdesReichtumsKubera; als Decknamen erläutert, nicht in Sanskrit ersetzt.

Mütter und Kräfte der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 772
brahmaṇā sahitaḥ śeṣo dikpālāḥ snāpayantvamī |
kīrtirlakṣmīrdhṛtirmedhā puṣṭiḥ śraddhā kṣamā ratiḥ ||772||

… sowie Shesha mit Brahma: Diese Weltenhüter mögen dich baden. Kirti, Lakshmi, Dhriti, Medha, Pushti, Shraddha, Kshama und Rati …

Anmerkung: Göttinnen der Berühmtheit, Fülle, Festigkeit, Einsicht, Ernährung, vertrauenden Hingabe, Geduld und Liebe.

Vers 773
buddhirlajjā kriyā śāntistuṣṭiḥ kāntiśca mātaraḥ |
etāstvāmabhiṣiñcantu śaktirūpadharāstava ||773||

… Buddhi, Lajja, Kriya, Shanti, Tushti und Kanti, die Mütter: Sie alle mögen dich baden, denn sie tragen die Gestalten deiner Shakti.

Anmerkung: Buddhi Einsicht, Lajja Scham/Sittsamkeit, Kriya Wirken, Shanti Frieden, Tushti Zufriedenheit, Kanti Glanz.

Die neun Grahas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 774
ādityaścandramā bhaumabudhajīvasitārkajāḥ |
rāhuḥ ketuśca bhavatīṃ snāpayantu grahā nava ||774||

Aditya, Chandra, Bhauma, Budha, Jiva, Sita, Arkaja, Rahu und Ketu: Diese neun Grahas mögen dich baden.

Anmerkung: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn und die beiden Mondknoten als traditionelle Planetenmächte.

Wesen und Waffen im Badegebet

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 775
ṛṣayo munayo gāvo devamātara eva ca |
devapatnyo'dhvarā nāgā daityāścāpsarasāṃ gaṇāḥ ||775||

Rishis, Munis, Kühe, Göttermütter, Göttergattinnen, Opfer, Nagas, Daityas und die Scharen der Apsaras …

Anmerkung: Die anschließenden Gruppen hängen bis 786amBadegebet; keine bloße Kapitelsynopse.

Vers 776
triśūlacakracāparṣṭimuśuṇḍīparighā gadā |
kuntamudgarakhaṭvāṅgaśaktitomaraparśavaḥ ||776||

… Dreizack, Diskus, Bogen, Rishti, Mushundi, Parigha und Keule, Kunta, Mudgara, Khatvanga, Shakti, Tomara und Axt …

Anmerkung: Traditionelle Waffenbezeichnungen: mehrere Speer-/Lanzentypen, Schlagwaffen und Schädelstab. Chāpa/ṛṣṭi-Trennung im OCR unsicher; keine sichere moderne Waffenklassifikation ergänzt.

Vers 777
paṭṭiśo muśalaprāsabhindipālakaṭakaṭāḥ |
halāśataghnīkaṇapapāśakartrī […] ||777||

… Pattisha, Mushala, Prasa, Bhindipala, Katakata, Pflug, Shataghni, Kanapa, Schlinge und Schneidgerät […] …

Anmerkung: Fragment: letztes Glied nach kartrī beschädigt. Katakata/Kanapa als ungesicherte Waffennamen, keine erfundene Funktionsbeschreibung.

Schriften, Wissensgebiete und Künste

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 778
catvāra ṛgyajuḥsāmātharvaṇo nigamā hi ye |
aṅgāni śikṣā kalpaśca chando vyākaraṇaṃ tathā ||778||

… die vier Veden Rig, Yajus, Saman und Atharvan; die Vedangas Shiksha, Kalpa, Chandas und Vyakarana …

Anmerkung: Lautlehre, Ritualkunde, Metrik und Grammatik.

Vers 776 [Quellzählung an Position 779]
niruktaṃ jyotiṣaṃ cāpi purāṇānyakhilāni ca |
mīmāṃsānyāyavedāntākṣapātsāṅkhyapātañjalāḥ ||776||

… Nirukta und Jyotisha, sämtliche Puranas, Mimamsa, Nyaya, Vedanta, Akshapad, Samkhya und die Lehre Patanjalis …

Anmerkung: Quellnummer 776 an Position 779. Akshapad nebenNyayalesbar, nichtalsDublettenfehlergestrichen. Nirukta Worterklärung, Jyotisha Stern-/Zeitkunde.

Vers 780
smṛtiśāstrāṇi sarvāṇi daṇḍanītirdvidhāpi ca |
gāndharvāyurdhanurvedāścatuḥṣaṣṭiśca yāḥ kalāḥ ||780||

… alle Smriti-Schriften, die zweifache Staatskunst, Gandharvaveda, Ayurveda, Dhanurveda und die vierundsechzig Künste …

Anmerkung: Musik-/Darstellungskunde,HeilkundeundWaffenkunde;zweifacheStaatskunstnichtmitfehlendenNamenaufgefüllt.

Vers 781
astrāṇi sarvaśastrāṇi vāhanāni nṛpāstathā |
auṣadhāni ca sarvāṇi śilpavidyādikāni ca ||781||

… Geschosse, sämtliche Waffen, Reittiere und Fahrzeuge, Könige, alle Heilmittel, Handwerkskünste und die übrigen Wissensgebiete …

Edelsteine als rituelle Mitwirkende

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 782
muktāmāṇikyavaidūryavajrendramaṇayastathā |
gomedapuṣparāgau ca pravālaḥ śyāma eva ca ||782||

… Perle, Rubin, Vaidurya, Diamant und Indramani, Gomeda, Pushparaga, Koralle und Shyama …

Anmerkung: Traditionelle Edelsteinnamen; Vaidurya/Gomeda/Indramani/Shyama nicht mit ungesicherter Mineralart gleichgesetzt.

Die Glieder der Zeit

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 783
ratnānīmāni cānyāni kālasyāvayavāśca ye |
manvantarāṇi sarvāṇi catvāryapi yugāni hi ||783||

… diese und die anderen Edelsteine, alle Glieder der Zeit, sämtliche Manvantaras und die vier Yugas …

Vers 784
abdamāsartupakṣāhorātrāyanakalālavāḥ |
rāśinakṣatrayogāśca kālāṃśāścātisūkṣmakāḥ ||784||

… Jahre, Monate, Jahreszeiten, Monatshälften, Tage und Nächte, Sonnenhalbjahre, Kalas und Lavas, Tierkreiszeichen, Mondhäuser, Yogas und die allerkleinsten Zeitabschnitte …

Anmerkung: Kalā/Lava hier Zeiteinheiten; Yoga astrologischeVerbindung,nichtMeditationspraxis.

Vers 785
saritaḥ sāgarāḥ śailāstīrthāni jaladā nadāḥ |
devadānavagandharvā yakṣarākṣasapannagāḥ ||785||

… Flüsse, Meere, Berge, Tirthas, Wolken und Ströme, Götter, Danavas, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas und Schlangenwesen …

Abschluss der umfassenden Badeanrufung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 786
ete tvāmabhiṣiñcantu dharmakāmārthasiddhaye |
sindhubhairavaśoṇādyā ye nadā bhuvi viśrutāḥ ||786||

… mögen dich alle baden, damit Dharma, Wunscherfüllung und Wohlstand gelingen! Die auf Erden berühmten Ströme Sindhu, Bhairava, Shona und die anderen …

Vers 787
sarve sumanaso bhūtvā bhṛṅgāraiḥ snāpayantu te |
takṣakādyāśca ye nāgāḥ pātālatalavāsinaḥ ||787||

… mögen dich alle wohlgesinnt mit ihren Wasserkannen baden. Auch die Nagas mit Takshaka an der Spitze, die in den Tiefen der Unterwelt wohnen …

Anmerkung: Bhṛṅgāra: Wasser-/Gießkanne, nicht Biene.

Vers 788
snāpayantu jagaddhātri bhṛṅgāraistvāṃ suvāsitaiḥ |
atha dravyaviśeṣe mantrabhedān‌ bravīmi te ||788||

… mögen dich, Trägerin der Welt, mit ihren duftenden Wasserkannen baden!“ Nun erkläre ich dir die verschiedenen Mantras für die einzelnen Materialien …

Muschelhornwasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 786 [Quellzählung an Position 789]
paurāṇānapi tāntrīyān‌ mahāsnāpanakarmaṇi |
sarveṣāmadhipo deva īśāno nāma nāmataḥ ||786||

… puranische wie tantrische, beim Ritus des großen Bades. „Der Gott, der Herr über alle, mit Namen Ishana …

Anmerkung: Quellnummer 786 an Position 789.

Vers 70 [Quellzählung an Position 790]
śūlapāṇirmahādevaḥ sa tvāṃ snāpayatu prabhuḥ |
snāpayecchaṅkhatoyena mantramenamudīrayan‌ ||70||

… Mahadeva, der den Dreizack in der Hand trägt – dieser Herr möge dich baden!“ Diesen Mantra sprechend, bade man sie mit Wasser aus dem Muschelhorn.

Anmerkung: BeschädigteQuellnummer 70 an Position 790.

Ganga-Wasser und warmes Wasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 761 [Quellzählung an Position 791]
mandākinyāstu yadvāri sarvapāpaharaṃ śubham‌ |
svargasrotaḥsamudbhūtaṃ snānaṃ bhavatu tena te ||761||

„Mit dem heiligen Wasser Mandakinis, das alle Verfehlungen tilgt und dem himmlischen Strom entspringt, geschehe dein Bad!“

Anmerkung: Quellnummer 761 an Position 791.

Vers 762 [Quellzählung an Position 792]
gāṅgena vāriṇā devīṃ snāpayenmanunāmunā |
uṣṇaṃ sukhasparśakaraṃ jyotirvallisamanvitam‌ ||762||

Mit diesem Mantra bade man die Göttin mit Ganga-Wasser. „Das warme, angenehm zu berührende Wasser, mit Jyotirvalli verbunden …

Anmerkung: Quellnummer 762 an Position 792. Jyotirvalli ungesicherte Pflanzen-/Materialbezeichnung, keine konkrete Rezeptur ergänzt.

Vers 7563 [Quellzählung an Position 793]
malāpahārakaṃ balyaṃ tena snānaṃ samācara |
snāpayetpāthasoṣṇena paṭhanmantramamuṃ priye ||7563||

… entfernt Unreinheit und stärkt; damit vollziehe dein Bad!“ Diesen Mantra rezitierend, bade man sie mit warmem Wasser, Geliebte.

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 7563 an Position 793. StärkendeWirkungalsRituallob,nichtmedizinischeEmpfehlung.

Duftendes und klares Wasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 794
gandhāḍhyaṃ śobhanaṃ caiva śītalaṃ sumanoharam‌ |
sarvapāpaharaṃ toyaṃ tatte snānāya kalpatām‌ ||794||

„Duftreich, herrlich, kühl und überaus erfreulich ist dieses Wasser, das alle Verfehlungen tilgt. Möge es für dein Bad dienen!“

Vers 7865 [Quellzählung an Position 795]
amunāmodisalilakumbhena snāpayecchivām‌ |
puṇyaṃ pavitraṃ svacchaṃ ca śītalaṃ svādu yajjalam‌ ||7865||

Mit diesem [Mantra] bade man Shiva [die Göttin] aus einem Krug duftenden Wassers. „Das heilige, reinigende, klare, kühle und wohlschmeckende Wasser …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 7865 an Position 795.

Vers 766 [Quellzählung an Position 796]
snānāya kalpatāṃ tatte tathaiva śramaśāntaye |
medhyācchaśītalāmbhobhiḥ snāpayedamunaiśvarīm‌ ||766||

… möge deinem Bad und der Linderung deiner Ermüdung dienen!“ Mit diesem [Mantra] bade man die Herrin mit rituell reinem, klarem und kühlem Wasser.

Anmerkung: Quellnummer 766 an Position 796.

Beginn des Panchagavya-Bades

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 767 [Quellzählung an Position 797]
gāvaḥ pavitrāṇyanaghā gāvo viśvasya mātaraḥ |
gāvo'dhvarāṇāṃ dhātryaśca goṣu sarvaṃ pratiṣṭhitam‌ ||767||

„Die Kühe sind rein und makellos, die Kühe sind die Mütter der Welt. Sie nähren die Opfer; in den Kühen ist alles gegründet.

Anmerkung: Quellnummer 767 an Position 797. Beginn des Panchagavya-Badegebets.

Vers 768 [Quellzählung an Position 798]
tadaṅgaprasūtaiḥ pañcagavyaistvāṃ snāpayāmyaham‌ |
iti sāmānyato mantraṃ paṭhitvā tadanu priye ||768||

Mit den fünf aus ihrem Körper hervorgehenden Kuhprodukten bade ich dich.“ Nachdem man so den allgemeinen Mantra gesprochen hat, Geliebte …

Anmerkung: Quellnummer 768 an Position 798. Panchagavya als historische Ritualsubstanz, keine heutige Einnahmeempfehlung.

Vers 764 [Quellzählung an Position 799]
pratyekaṃ pañcagavyena snāpayejjagadambikām‌ |
gavāṃ mūtreṇa puṇyena sarvāghaparimoṣiṇā ||764||

… bade man die Mutter der Welt mit jedem der fünf Kuhprodukte einzeln. „Mit dem heiligen Kuhurin, der alle Verfehlungen fortnimmt …

Anmerkung: Quellnummer 764 an Position 799; Anfang einer weiteren Badeformel, keine Reinigungsaussage im medizinischen Sinn.

Die einzelnen Kuhprodukte im Ritualbad

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 800
snāpayāmi jagaddhātrīṃ putrāyurdhanavṛddhaye |
etena snāpayeddevīṃ gomūtreṇa śanaiḥ śanaiḥ ||800||

… bade ich die Trägerin der Welt, um Kinder, Lebensdauer und Besitz zu mehren.“ Mit diesem [Mantra] bade man die Göttin langsam mit Kuhurin.

Anmerkung: Fortsetzung der Formel799; historischeRitualbeschreibung,keineEinnahmeanweisung.

Vers 801
pavitratākaraṃ bhūmervibhūteḥ kāraṇaṃ param‌ |
gomayaṃ sarvapāpaghnaṃ tena tvāṃ snāpayāmyaham‌ ||801||

„Kuhdung macht die Erde rituell rein, ist eine vorzügliche Quelle des Gedeihens und vernichtet alle Verfehlungen. Damit bade ich dich.“

Anmerkung: Religiöse Reinigungsaussage der Quelle, keine hygienische Bewertung.

Vers 802
mantramenaṃ paṭhan‌ devīṃ snāpayedgomayāmbhasā |
yadgavāmaṅgasambhūtaṃ haviṣaḥ kāraṇaṃ ca yat‌ ||802||

Diesen Mantra rezitierend, bade man die Göttin mit Kuhdungwasser. „Was aus dem Leib der Kühe hervorgegangen ist und die Grundlage der Opfergabe bildet …

Vers 803
dadhi tatte'ṅgalāvaṇyakaraṇāya bhavatvidam‌ |
dadhnāmunā bhagavatīṃ snāpayeddeśikottamaḥ ||803||

… diese Dickmilch möge deinem Leib Schönheit verleihen.“ Mit diesem [Mantra] bade der vortreffliche Lehrer Bhagavati mit Dickmilch.

Milch und Ghee

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 804
yajñakriyākalāpo'yaṃ yasmin‌ sarvaḥ pratiṣṭhitaḥ |
payasā tādṛśena tvāṃ snāpayāmi harapriyām‌ ||804||

„Mit jener Milch, auf der die Gesamtheit der Opferhandlungen beruht, bade ich dich, Geliebte Haras.“

Vers 8015 [Quellzählung an Position 805]
gṛṇannamuṃ gavyadugdhaiḥ snāpayejjagadambikām‌ |
yaddhomasādhanatvena prathitaṃ nigamādiṣu ||8015||

Diesen [Mantra] sprechend, bade man die Mutter der Welt mit Kuhmilch. „Was in den Veden und anderen Schriften als Mittel des Homa berühmt ist …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 8015 an Position 805.

Vers 806
yaccāpyagnimukhenaiva bhuñjate nikhilāḥ surāḥ |
yasmātpavitraṃ naivāsti balavīryakaraṃ ca yat‌ ||806||

… was alle Götter durch den Mund des Feuers genießen, über das hinaus es nichts Reineres gibt und das Kraft und Stärke verleiht …

Vers 807
tena tvāṃ snāpayāmyadya gavyena haviṣeśvari |
kālīmamūbhyāṃ mantrābhyāṃ ghṛtena snāpayedbudhaḥ ||807||

… mit dieser aus der Kuh gewonnenen Opfergabe bade ich dich heute, Herrin.“ Mit diesen beiden Mantras bade der Kundige Kali mit Ghee.

Anmerkung: Quelle zählt zwei Mantras, obwohlderAbschnittübermehrereVersnummernreicht; keine eigeneNeuzählung.

Die vereinigten fünf Kuhprodukte

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 808
ekīkṛtya tataḥ pañca gavyāni sakalāni hi |
tathānāmikayāloḍya kuśamūlena vā priye ||808||

Dann mische man alle fünf Kuhprodukte zusammen und rühre sie mit dem Ringfinger oder einer Kusha-Wurzel um, Geliebte.

Vers 806 [Quellzählung an Position 809]
yasmātparaṃ nāparamasti medhyaṃ dehaṃ gataṃ yadvṛjināni hanti |
nāste paraṃ maṅgalakṛdyatastatsnānāya bhūyāttava pañcagavyam‌ ||806||

„Möge dieses Panchagavya deinem Bad dienen: Nichts ist rituell reiner als es; wenn es in den Körper gelangt, vernichtet es Verfehlungen, und nichts anderes ist glückverheißender.“

Anmerkung: Quellnummer 806 an Position 809; religiöse Behauptung über Körperaufnahme im Original bewahrt, keine heutige Empfehlung.

Panchamrita und seine Anrufung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 810
snāpayetpañcagavyena mantreṇānena kālikām‌ |
gavyaṃ payo dadhi ghṛtaṃ mādhvīkaṃ sitaśarkarā ||810||

Mit diesem Mantra bade man Kalika mit Panchagavya. Kuhmilch, Dickmilch, Ghee, Honig und weißer Zucker …

Anmerkung: Mādhvīka hier aufgrund der folgenden Panchamrita-ZusammensetzungHonig, nichtautomatischAlkoholwieinanderenRitualen.

Vers 811
pañcāmṛtamidaṃ proktamamunā snāpayedumām‌ |
sāraṃ gṛhītvā jagatāṃ trayāṇāṃ yannirmitaṃ yajñakṛte vidhātrā |
pañcāmṛtaṃ tanmadhuraṃ manojñaṃ saṃsnāpakaṃ te jagadamba bhūyāt‌ ||811||

… werden Panchamrita genannt; damit bade man Uma. „Der Schöpfer nahm den Wesenskern der drei Welten und schuf daraus für das Opfer dieses süße, erfreuliche Panchamrita. Möge es dein Bad bewirken, Mutter der Welt!“

Anmerkung: Längere nummerierteEinheit vollständig, keineAufteilunginneueQuellverse.

Blumen-, Kusha- und Fruchtwasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 812
manunaivāmunā pañcāmṛtena snāpayecchivām‌ |
māyārāvaramākūrcaḍākinyastraśiromanum‌ ||812||

Mit eben diesem Mantra bade man Shiva [die Göttin] mit Panchamrita. [Danach spreche man] den Mantra aus Maya, Rava, Rama, Kurcha, Dakini, Astra und Shiras …

Anmerkung: Formelaufbau überdennächstenVers;keineDecknamenauflösung.

Vers 8123 [Quellzählung an Position 813]
paṭhan‌ puṣpodakenaiva snāpayetparameśvarīm‌ |
maidhaprāsādagarḍanṛharipretahṛcchiraḥ ||8123||

… und bade die höchste Herrin mit Blumenwasser. [Die folgende Formel enthält] Maidha, Prasada, Garda, Nrihari, Preta, Herz und Shiras …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 8123 an Position 813;GardaalsDecknameunsicher,nichtGarudakonjiziert.

Vers 814
gṛṇan‌ kuśāmbunā devīṃ snāpayeddeśikottamaḥ |
pāśaḥ kālī bhairavī ca yoginī kaṇikā tathā ||814||

… mit dieser Rezitation bade der vortreffliche Lehrer die Göttin mit Kusha-Wasser. [Es folgen] Pasha, Kali, Bhairavi, Yogini und Kanika …

Anmerkung: Kanika unsichererDeckname.

Durga-Gayatri und weitere Badeformeln

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 815
astraṃ hṛcchirasī procya phalāmbhaḥsnāpanaṃ caret‌ |
oṃ kātyāyanyai vidmahe bhagavatyai dhīmahi |
tanno durgā pracodayāt‌ ||815||

… dann Astra, Herz und Shiras; damit vollziehe man das Bad mit Fruchtwasser. „Om. Mögen wir Katyayani erkennen; über Bhagavati meditieren wir. Möge Durga uns anregen!“

Anmerkung: QuelleenthältzusätzlichGayatri-Formelin derselbennummeriertenEinheit; beschädigteDativendungennachklarenNamenundSatzmusterleichtnormalisiert.

Vers 816
etenekṣurasenaiva snāpayetsureśvarīm‌ |
kṣetrapālāṅkuśau viśvamuḍvidyucchiro'strayuk‌ ||816||

Mit dieser [Gayatri] bade man die Herrin der Götter mit Zuckerrohrsaft. [Die nächste Formel besteht aus] Kshetrapala, Ankusha, Vishvamud, Vidyut, Shiras und Astra …

Anmerkung: Vishvamud im OCR unsicher; keinfehlenderBuchstabealsgesicherterBijaergänzt.

Erde und verschlüsselte Lautfolgen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 817
nārikelodakairgaurīṃ snāpayedbhaktibhāvitaḥ |
daṇḍādipañcakādastraṃ vadan‌ vaibhavadīmṛdā ||817||

… damit bade man Gauri hingebungsvoll mit Kokoswasser. Dann spreche man die fünf [Bijas] beginnend mit Danda und anschließend Astra; mit Vaibhavadi-Erde …

Anmerkung: VaibhavadīMaterialnamebeschädigt,nichtalsbestimmteFundorterdefestgelegt.

Vers 818
plāvayejjagatāṃ dhātrīṃ nṛpo vā nṛpasannibhaḥ |
trayā tretā sṛṣṭibhogānāhatān‌ viparītataḥ ||818||

… bade ein König oder jemand von königlichem Rang die Trägerin der Welten. Traya, Treta, Srishti, Bhoga und Anahata in umgekehrter Reihenfolge …

Anmerkung: FünferfolgeanDecknamen,ersteFormTrayāunsicher;keinezugehörigenLauteerfunden.

Vers 8186 [Quellzählung an Position 819]
vadan‌ bhūdāraradanamṛdā snāpanamācaret‌ |
capeṭādīni catvāri sauraṅgākṣarāṇi kīrtayan‌ ||8186||

… sprechend, vollziehe man das Bad mit Erde von einem Eberzahn. Dann rezitiere man die vier Sauranga-Laute, beginnend mit Chapeta …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 8186 an Position 819;SaurangaimOCRunsicher,nichtinSonnenbija-Listeaufgelöst.

Gold, Edelsteine und Heilpflanzen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 820
hiraṇyakṣālanodbhūtajalena snāpayecchivām‌ |
tathaiva pañca bījāni mallikādīni saṃvadan‌ ||820||

… und bade Shiva [die Göttin] mit Wasser, in dem Gold gewaschen wurde. Ebenso spreche man die fünf Bijas beginnend mit Mallika …

Anmerkung: MallikaersterDecknamevorläufig.

Vers 821
ratnaniṇiktapayasā snāpayetparameśvarīm‌ |
saṃhāripramukhaiḥ pañcabījaiḥ sarvauṣadhīgaṇaiḥ ||821||

… und bade die höchste Herrin mit Wasser, in dem Edelsteine gewaschen wurden. Mit den fünf Bijas beginnend mit Samhari und den Gruppen sämtlicher Heilpflanzen …

Vers 822
abhiṣiñcejjagaddhātrīṃ sarvakāmārthasiddhaye |
sahasradhārakumbhena pañcabhirnīrasādibhiḥ ||822||

… weihe man die Trägerin der Welt, damit alle Wünsche und Ziele gelingen. Mit einem Krug mit tausend Strahlen und den fünf [Bijas] beginnend mit Nirasa …

Anmerkung: SahasradharaalsRitualgefäßmitvielenAusgüssen,keineZeichnungrekonstruiert;NirasaunsichererDeckname.

Vers 823
abhiṣekaṃ saṃvidadhyāddurgāsantoṣahetave |
pītātailāḍhyapāthobhiraupadeyādipañcakam‌ ||823||

… vollziehe man die Wasserweihe, um Durga zu erfreuen. Mit Wasser, das Pita und Öl enthält, und der Fünferfolge beginnend mit Aupadeya …

Anmerkung: PitaMaterialnichtgesichert,keineautomatischeGelbwurzlesung;AupadeyaDecknamevorläufig.

Alle Wasser und mythischen Meere

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 824
saṅkīrtayan‌ plāvayeta jaganmātaramambikām‌ |
sāgarāḥ saritaḥ sarvāḥ svargasrotonadāstathā ||824||

… die man rezitiert, bade man Amba, die Mutter der Welt. „Alle Meere, Flüsse und die Ströme des Himmels …

Vers 825
tisraḥ koṭyo'rdhakoṭiśca tīrthāni pṛthivītale |
kūpāḥ saraḥprasravaṇā devakhātāḥ sagartakāḥ ||825||

… die dreieinhalb Kotis Tirthas auf Erden, Brunnen, Seen, Quellen, von Göttern angelegte Wasserstellen und Vertiefungen …

Anmerkung: DreieinhalbKotis=35Millionen,traditionelleLobzahl;keinegeographischeBestandszählung.

Vers 826
kulyāśca nirjharā vāpyo yāvantaśca jalāśayāḥ |
lavaṇekṣusurāsarpirdadhidugdhajalātmakāḥ ||826||

… Wasserkanäle, Quellen, Teiche und sämtliche Wasserbecken; die aus Salz, Zuckerrohrsaft, Alkohol, Ghee, Dickmilch, Milch und Wasser bestehenden …

Anmerkung: MythischeOzeansubstanzen,nichtRezeptmischung.

Vers 827
samudrāḥ sapta taddvīpā ye ca sapta prakīrtitāḥ |
jambuplakṣakuśakrauñcaśākaśālmalipuṣkarāḥ ||827||

… sieben Meere und die sieben zugehörigen Inselkontinente Jambu, Plaksha, Kusha, Krauncha, Shaka, Shalmali und Pushkara …

Veden und Schriften als Spender des Bades

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 828
abhiṣiñcantu sarve tvāṃ mantrapīṭhavaśīkṛtāḥ |
agnimīḻeti mantreṇa ṛgvedasyādyayā ṛcā ||828||

… mögen dich alle baden, durch die Macht des Mantra-Pithas herbeigerufen. Mit dem Mantra ‚agnim īḷe‘, der ersten Strophe des Rigveda …

Anmerkung: Quelle zitiertnurIncipit,nichtgesamtenRigvedavers;keinefehlendenWorteergänzt.

Vers 8246 [Quellzählung an Position 829]
tvāṃ snāpayatu gavyena payaḥkumbhena caṇḍikām‌ |
iṣe tvākhyena mantreṇa snāpayatvikṣujadravaiḥ ||8246||

… möge [der Rigveda] dich, Chandika, mit einem Krug Kuhmilch baden. Mit dem ‚iṣe tvā‘ genannten Mantra möge mit Zuckerrohrsaft …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 8246 an Position 829;Incipit iṣe tvā nachklaremZitatanfangnormalisiert,keinVolltextergänzt.

Vers 830
ṣaḍaśītibhidāyukto yajurvedaḥ sureśvarīm‌ |
sahasraśākhāsaṃyuktaḥ sāmavedo madhudravaiḥ ||830||

… der in sechsundachtzig Unterteilungen gegliederte Yajurveda die Herrin der Götter baden. Der Samaveda mit seinen tausend Zweigen möge mit Honigflüssigkeit …

Anmerkung: ZahlenalsQuellenangaben,nichtexternbestätigteZahlenerhaltenerSchulrezensionen.

Vers 831
agna āyāhi mantreṇa tvāṃ snāpayatu caṇḍikām‌ |
atharvavedo haviṣā bahuśākhāsamanvitaḥ ||831||

… und mit dem Mantra ‚agna ā yāhi‘ dich, Chandika, baden. Der Atharvaveda mit seinen vielen Zweigen möge dich mit Ghee …

Anmerkung: NurQuellincipit,nichtvollständigevedischeStrophe.

Vers 832
śanno devīti mantreṇa devi tvāmabhiṣiñcatu |
aṣṭādaśapurāṇāni vyāsenoktāni yāni hi ||832||

… und dem Mantra ‚śaṃ no devī‘ mit Wasser weihen, Göttin. Die achtzehn von Vyasa verkündeten Puranas …

Anmerkung: ŚaṃnodevīalsüberliefertesIncipitbewahrt,nichtumfehlendeWörterergänzt.

Vers 833
yāni copapurāṇāni dadhnā tvāṃ snāpayantu hi |
maharṣibhiḥ praṇītāni dharmaśāstrāṇi yāni hi ||833||

… und die Upapuranas mögen dich mit Dickmilch baden. Die von den großen Rishis verfassten Dharmashastras …

Die ersten fünf Krüge

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 834
śataṃ cāśītirūpāṇi snāpayantu maheśvarīm‌ |
surāstvāmabhiṣiñcantu brahmaviṣṇumaheśvarāḥ ||834||

… hundertachtzig an der Zahl, mögen Maheshvari baden. „Die Götter Brahma, Vishnu und Maheshvara mögen dich weihen …

Anmerkung: Beginn der gesondertenKrugformelnimzweitenHalbvers,Quellzählungbewahrt.

Vers 735 [Quellzählung an Position 835]
svarganadyambupūrṇenādyena kalaśena tu |
amunā gāṅgatoyena snāpayetparameśvarīm‌ ||735||

… mit dem ersten Krug, gefüllt mit Wasser des Himmelsflusses!“ Mit diesem [Mantra] bade man die höchste Herrin mit Ganga-Wasser.

Anmerkung: Quellnummer 735 an Position 835.

Vers 836
marutastvāmabhiṣiñcantu bhaktimantaḥ sureśvari |
meghatoyāmbupūrṇena dvitīyakalaśena tu ||836||

„Die hingebungsvollen Maruts mögen dich weihen, Herrin der Götter, mit dem zweiten Krug, gefüllt mit Wolkenwasser!“

Vers 837
etena vṛṣṭinīrāḍhyakumbhena snāpayedumām‌ |
sārasvatena toyena svacchamedhyena caṇḍike ||837||

Mit diesem [Mantra] bade man Uma aus dem Krug mit Regenwasser. „Mit dem klaren, rituell reinen Wasser der Sarasvati, Chandika …

Vers 838
vidyādharāḥ snāpayantu tṛtīyakalaśena tu |
sarasvatyambusampūrṇaghaṭenāplāvayecchivām‌ ||838||

… mögen die Vidyadharas dich aus dem dritten Krug baden!“ Aus dem mit Sarasvati-Wasser gefüllten Krug bade man Shiva [die Göttin].

Vers 8346 [Quellzählung an Position 839]
tvāṃ snāpayantu śakrādyā lokapālāḥ samāgatāḥ |
sāgarodakapūrṇena turyeṇa kalaśena hi ||8346||

„Die versammelten Weltenhüter mit Shakra an der Spitze mögen dich mit dem vierten Krug baden, der mit Meerwasser gefüllt ist!“

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 8346 an Position 839.

Vers 840
ārṇavenāmbunā devīṃ snāpayenmanunāmunā |
vāriṇā paripūrṇena padmareṇusugandhinā ||840||

Mit diesem Mantra bade man die Göttin mit Meerwasser. „Mit einem [Krug], gefüllt mit Wasser, das von Lotusstaub duftet …

Vers 841
pañcamenābhiṣiñcantu nāgāstvāṃ kalaśena hi |
padmapuṣpasamāyuktajalakumbhamanustvasau ||841||

… mögen die Nagas dich weihen, mit dem fünften Krug!“ Dies ist der Mantra für den Wasserkrug mit Lotusblüten.

Anmerkung: Fußnotenhinweis: sechsZeilenindiesemBereichausZeugen gha/ṅa aufgenommen;genauerBeginnnichtgesichert,keineeigeneTextverschmelzungvorgenommen.

Die Krüge sechs bis acht

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 842
himavanmerukailāsā abhiṣiñcantu parvatāḥ |
nirjharodakapūrṇena ṣaṣṭhena kalaśena hi ||842||

„Die Berge Himalaya, Meru und Kailasa mögen dich mit dem sechsten Krug weihen, gefüllt mit Quellwasser!“

Vers 843
amunā nairjharāmbhobhiḥ snāpayetparameśvarīm‌ |
sarvatīrthāmbupūrṇena kalaśena sureśvari ||843||

Mit diesem [Mantra] bade man die höchste Herrin mit Quellwasser. „Mit dem Krug, gefüllt mit Wasser aller Tirthas, Herrin der Götter …

Vers 844
saptamenābhiṣiñcantu ṛṣayaḥ sapta khecarāḥ |
mantreṇaitena tīrthāmbukumbhena snāpanaṃ caret‌ ||844||

… mögen die sieben am Himmel wandelnden Rishis dich weihen, mit dem siebten Krug!“ Mit diesem Mantra vollziehe man das Bad aus dem Krug mit Tirtha-Wasser.

Vers 845
vasavastvābhiṣiñcantu kalaśenāṣṭamena tu |
sārasenaiva toyena durge devi namo'stu te ||845||

„Die Vasus mögen dich mit dem achten Krug weihen, mit Seewasser. Durga, Göttin, dir sei Verehrung!“

Der neunte Krug: Tugenden, Wissen und alle Wesen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 846
devīmanena mantreṇa siñcetkāsāravāriṇā |
dharmo jñānaṃ ca vairāgyaṃ tapaḥ satyaṃ kṣamā dhṛtiḥ ||846||

Mit diesem Mantra besprenge man die Göttin mit Wasser aus einem See. „Dharma, Erkenntnis, Loslösung, Askese, Wahrhaftigkeit, Geduld und Standhaftigkeit …

Anmerkung: Beginn derneuntenKrugformel,überfolgendeVersedurchgehend.

Vers 847
yamo viveko niyamo brahmacaryaṃ dayā damaḥ |
śāntirmaunaṃ tathā śaucaṃ santoṣo mitabhāṣitā ||847||

… Yama, Unterscheidungskraft, Niyama, Brahmacharya, Mitgefühl, Selbstbeherrschung, Frieden, Schweigen, Reinheit, Zufriedenheit und maßvolles Sprechen …

Anmerkung: Yama/Niyama ethischeDisziplinen,BrahmacharyaenthaltsameLebensführung;keinefremdeFünferlistehinzugefügt.

Vers 848
yāvatyaścopaniṣadaḥ kaivalyapratipādikāḥ |
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ cāpi trailokye yatpratiṣṭhitam‌ ||848||

… sämtliche Upanishaden, die Kaivalya lehren, alles Unbewegliche und Bewegliche, das in den drei Welten besteht …

Anmerkung: Kaivalya: vollkommene Befreiung/Ungebundenheit.

Vers 846 [Quellzählung an Position 849]
yadbrahmasṛṣṭāvutpannaṃ mūrtaṃ vāmūrtameva vā |
atrasaṃ ca trasaṃ cāpi yacceṅgaṃ tacca neṅgati ||846||

… alles, was in Brahmas Schöpfung entstanden ist, gestaltet oder ungestaltet, empfindungsunbewegt oder empfindungsfähig, was sich regt und was sich nicht regt …

Anmerkung: Quellnummer 846 an Position 849; trasa/atrasaLebewesenkategorienmehrdeutig,letzteVerbformbeschädigt,allumfassenderSinnklar.

Vers 850
acaraṃ yaccaraṃ cāpi yadvāṅmayamavāṅmayam‌ |
te sarve snāpayantu tvāṃ navamena ghaṭena hi ||850||

… was unbeweglich und was beweglich ist, was aus Sprache besteht und was nicht aus Sprache besteht: Sie alle mögen dich mit dem neunten Krug baden!“

Abschluss und Verheißungen des großen Bades

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 851
snāpayecchuddhatoyena caṇḍikāṃ manunāmunā |
ityuktaṃ te mahāsnānaṃ śaradarcāvidhau priye ||851||

Mit diesem Mantra bade man Chandika mit reinem Wasser. Damit ist dir das große Bad im Verfahren der Herbstverehrung erklärt, Geliebte.

Vers 852
dināntare'pi kurvīta bhaktaścedbhaktibhāvitaḥ |
anena vidhinā yastu snāpayejjagadambikām‌ ||852||

Ein von Hingabe erfüllter Verehrer kann es auch an einem anderen Tag vollziehen. Wer die Mutter der Welt nach diesem Verfahren badet …

Vers 853
saptajanmakṛtātpāpānmuktaḥ syānnātra saṃśayaḥ |
divyāṣṭābdasahasrāṇi devīloke vasettayā ||853||

… wird von den Verfehlungen aus sieben Geburten befreit, daran besteht nach dieser Verheißung kein Zweifel. Achttausend göttliche Jahre wohnt er mit ihr in der Welt der Göttin.

Anmerkung: Hier7Geburtengegenüber747hundertGeburtennichtangeglichen.

Vers 854
navamyāṃ tu mahāsnānaṃ dhanaputravivardhanam‌ |
sahasrayajñasya phalaṃ labhate nātra saṃśayaḥ ||854||

Das große Bad am neunten Mondtag mehrt Besitz und Kinder. Man erlangt den Ertrag von tausend Opfern, daran besteht kein Zweifel.

Anmerkung: Quellenverheißung;Zahl1000nichtan748hundertangeglichen.

Vers 855
rājā rājyamavāpnoti śatrunāśaṃ tathaiva ca |
svābhīṣṭamāpnuvantyanye mahāsnānena pārvati ||855||

Ein König erlangt Herrschaft und die Vernichtung seiner Feinde. Andere erlangen durch das große Bad ihre jeweiligen Wünsche, Parvati.

Die Bali-Gabe an die Geistwesen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 856
mahāsnānādanu tato bhūtebhyo balimutsṛjet‌ |
sa kaulānāṃ māṃsānno māṣānnaḥ smṛtivartminām‌ ||856||

Nach dem großen Bad bringe man den Bhutas eine Bali-Gabe dar. Bei den Kaulas besteht sie aus Speise mit Fleisch, bei den Anhängern des Smriti-Weges aus Speise mit Masha-Bohnen.

Anmerkung: ErsterSpeisennameimOCRbeschädigt,māṃsānnavermögeKontrastvorläufig;keineMischungbeiderTraditionen.

Vers 857
gṛhītvā tamamūbhyāṃ vai manubhyāmutsṛjedbalim‌ |
bhūtāḥ pretāḥ piśācāśca ye vasantyatra bhūtale ||857||

Man nehme diese Gabe und bringe sie mit den beiden folgenden Mantras dar: „Die Bhutas, Pretas und Pishachas, die hier auf Erden wohnen …

Vers 858
te gṛhṇantu mayā dattaṃ balimenaṃ prasādhitam‌ |
pūjitā gandhapuṣpādyairbalibhistarpitāstathā ||858||

… mögen diese von mir bereitete und dargebrachte Bali-Gabe annehmen. Mit Duftstoffen, Blumen und anderem verehrt und durch die Gaben gesättigt …

Vers 854 [Position 859]
deśādasmādviniḥsṛtya pūjāṃ paśyantu matkṛtām‌ |
tārarāvau kūrcabhūtau bhyasanto bhūta eva ca ||854||

… mögen sie diesen Ort verlassen und die von mir vollzogene Puja betrachten.“ [Der andere Mantra beginnt mit] Tara, Rava, Kurcha und Bhuta; dann folgt „bhūta“ mit der Endung „bhyaḥ“ …

Anmerkung: Quellnummer 854 an Position 859;BhutaerstalsDeckname,dannEmpfängernameimDativplural.KurchaimOCRbeschädigt.

Vers 860
sasandhyeṣa balirhṛcca mantrāvetāvudāhṛtau |
akṛte balidāne tu mahāsnānādanantaram‌ ||860||

… durch Sandhi verbunden mit „eṣa baliḥ“ und dem Herz-[Schluss]. Damit sind die beiden Mantras erklärt. Wird nach dem großen Bad keine Bali-Gabe dargebracht …

Anmerkung: Eṣabaliḥ:diesistdieBali-Gabe.HṛtDecknamenichtungekennzeichnetzunamaḥaufgelöst.

Vers 861
aphalaṃ tadbhaveddevi pūjārdhaṃ hīyate tathā |
vilumpanti sadā luptā na ca gṛhṇanti devatāḥ ||861||

… bleibt es fruchtlos, Göttin, und die Hälfte der Puja geht verloren. [Die Geistwesen] entreißen die Gaben; die Gottheiten nehmen das so Entzogene nicht an.

Anmerkung: MittlereWortfolgevilumpanti/luptābeschädigt,GrundgedankederentzogenenGabenklar.

Das Zurückweisen der Geistwesen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 862
tasmādyatnena kartavyaṃ bhūtānāmapasāraṇam‌ |
lājacandanasiddhārthabhasmadūrvākuśākṣatam‌ ||862||

Darum ist das Zurückweisen der Bhutas sorgfältig zu vollziehen. Man nehme Puffreis, Sandelholz, Siddharthaka, Asche, Durva, Kusha und ungebrochenen Reis …

Vers 862 [zweite Quellzählung] [Position 863]
gṛhītvā tāraroṣānu niḥśreṇyastramudīrayet‌ |
apasarpantu bhūtāste ye bhūtāḥ śāradārcakāḥ ||862||

… und spreche nach Tara und Rosha Nishreni und Astra: „Mögen jene Bhutas zurückweichen, die Bhutas der Herbstverehrung …

Anmerkung: ZweiteQuellzählung862;ŚāradārcakāḥimOCRlesbar,ungewöhnlicheBezeichnungnichtdurchvertrauteStandardformelersetzt.NishrenialsDecknameunsicher.

Vers 864
bhūtānāmavirodhena devapūjāṃ karomyaham‌ |
vetālāśca piśācāśca rākṣasāśca sarīsṛpāḥ ||864||

… ich vollziehe die Verehrung der Gottheit ohne Widerstreit mit den Bhutas. Vetalas, Pishachas, Rakshasas und kriechende Wesen …

Vers 865
apasarpantu sarve te mantrarūpāstratāḍitāḥ |
ante manūnāmeteṣāṃ huṃ aḥ phaḍiti kīrtayet‌ ||865||

… mögen alle zurückweichen, von der Waffe in Mantragestalt getroffen!“ Am Schluss dieser Mantras spreche man „huṃ aḥ phaṭ“.

Anmerkung: MittlererLautimOCR श्रः/अःunsicher;hier aḥvorläufig,keinegesicherteSilbefingiert. HuṃsoimText,nichtstillhūṃnormalisiert.

Türhüter und erneute Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 866
bhūtādīnapasāryetthaṃ dvārapālebhya eva hṛt‌ |
trapā hṛdbilvaśākhāto vāsinyai tadanantaram‌ ||866||

Nachdem man so die Bhutas und anderen zurückgewiesen hat, [spreche man] „den Türhütern“ mit dem Herz-Schluss. Danach [folgen] Trapa, Herz und „der im Bilva-Zweig Wohnenden“ …

Anmerkung: BilvaśākhātovāsinyaiimOCRgrammatischunsicher,gemeinteEmpfängeranklar;keinevollständigeSilbenformelerfunden.

Vers 867
durgāyai kūrcamastraṃ ca mantreṇaitena pārvati |
pādyādibhiḥ samabhyarcya kuryānnīrājanāvidhim‌ ||867||

… „Durga“, Kurcha und Astra. Mit diesem Mantra, Parvati, verehre man sie durch Fußwasser und die übrigen Gaben und vollziehe Nirajana.

Anmerkung: DurgāyaiDativformfürdieEmpfängerin;Kurcha/AstraDecknamen.

Vers 868
dhṛtvāsanaṃ tato devīṃ patrikāṃ mṛṇmayīmapi |
sañcālya gītavādyādīn‌ vidadhanmantramuccaran‌ ||868||

Dann ergreife man den Sitz und bewege die Göttin in Gestalt der Patrika oder des Tonbildes, begleitet von Gesang, Musik und Mantrarezitation …

Der Mantra zur Einsetzung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 8686 [Position 869]
sthāpayetsusthirākārāṃ tataḥ kalpita āsane |
tāratrapārāvalakṣmīyoginīkāmayoṣitaḥ ||8686||

… und stelle sie fest auf den bereiteten Sitz. [Der Mantra beginnt mit] Tara, Trapa, Rava, Lakshmi, Yogini, Kama und Yoshit …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 8686 an Position 869;GruppierungKama/YoshitalsDecknamen vorläufig.

Vers 870
ḍākinī cāpi phetkārī caṇḍike bhagavatyapi |
caladvayaṃ cālaya dvirvajrakāpālinītyapi ||870||

… Dakini und Phetkari, dann „Chandika, Bhagavati“, zweimal „Bewege dich!“, zweimal „Bringe in Bewegung!“, und „Vajrakapalini“ …

Anmerkung: VajrakapalinialsAnrede,keineungeprüfteSilbenzahl.

Vers [८७7; Ziffer verformt] [Position 871]
pūjālayaṃ dviḥ praviśa huṃ phaṭsvāhā tataḥ param‌ |
āgaccha madgṛhe devi saha śaktibhiraṣṭabhiḥ ||877||

… „Tritt in das Puja-Haus ein, tritt ein!“, danach „huṃ phaṭ svāhā“. „Komm in mein Haus, Göttin, mit den acht Shaktis …

Anmerkung: Quellzifferwie877 an Position 871sichtbarverformt. AusgeschriebeneFormelteilebewahrt.

Vers 872
pūjāṃ gṛhāṇa vidhivatsarvakalyāṇahetave |
anena sthāpayeddevīṃ sarvakalyāṇadāyinīm‌ ||872||

… nimm die ordnungsgemäße Puja an, um alles Heil zu bewirken!“ Mit diesem [Mantra] setze man die Göttin ein, die alles Heil schenkt.

Die Festigung der Gegenwart

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 873
dinatrayasya pūjārthaṃ vedikādyāsanādiṣu |
tāracidrāvaḍākinyaḥ sthāṃ sthaṃ tvamambike tathā ||873||

Für die Verehrung an den drei Tagen, auf Altar, Sitz und den übrigen Trägern, [spreche man] Tara, Chit, Rava und Dakini, dann „sthāṃ sthaṃ, du Ambika …

Anmerkung: Sthāṃ/sthaṃimOCRalsLaute,nichtzuWörternoderanderenBijaskorrigiert;ChitDeckname.

Vers 874
sthirībhava śiraśceti sthirīkuryāttataḥ param‌ |
tataḥ punarviracite sarvatobhadramaṇḍale ||874||

… werde fest!“, und Shiras. So bewirke man ihre Festigung. Danach richte man auf einem neu angelegten Sarvatobhadra-Mandala …

Der geschmückte Ritualkrug

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 875
citritaṃ pañcavarṇena dadhyakṣataphalānvitam‌ |
pañcaratnena hemnā ca garbhabhāgena bhūṣitam‌ ||875||

… [einen Krug] ein, mit fünf Farben bemalt, mit Dickmilch, ungebrochenem Reis und Früchten versehen, innen mit fünf Edelsteinen und Gold ausgestattet …

Anmerkung: ObjektKrugaus 877,keineneueQuelleingefügt.

Vers 876
paṭṭācchādanasaṃvītagrīvaṃ pallavaśobhitam‌ |
vrīhīṇāṃ vā yavānāṃ vā sthāpayitvopari priye ||876||

… den Hals mit einem Stoffband umhüllt und mit jungen Blättern geschmückt. Man stelle ihn auf Reis oder Gerste, Geliebte …

Vedische Formeln zur Krug-Einsetzung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 877
vaidikena vidhānena kalaśasthāpanaṃ caret‌ |
bhūmiṃ spṛṣṭvā japenmantraṃ bhūrasīti varānane ||877||

… und vollziehe die Einsetzung des Kruges nach vedischem Verfahren. Man berühre die Erde und rezitiere den Mantra „bhūr asi“, du Schöngesichtige.

Anmerkung: NurIncipitüberliefert,„du bist Erde“;keinefehlendeStropheergänzt.

Vers 878
atha dhānyamasītyuktvā vrīhīnevābhimantrayet‌ |
ājighretyuccaranmantraṃ kalaśaṃ tatra vinyaset‌ ||878||

Dann weihe man den Reis mit „dhānyam asi“. Den Mantra „ājighra …“ sprechend, stelle man den Krug darauf.

Anmerkung: Dhānyamasi:du bist Getreide. ZweitesIncipitā jighraimOCRleichtbeschädigt,keineVervollständigung.

Vers 872 [Position 879]
varuṇasyeti mantreṇa pāthobhiḥ paripūrayet‌ |
kāṇḍātkāṇḍāditi procya pallavaṃ vinyasettataḥ ||872||

Mit dem Mantra „varuṇasya …“ fülle man ihn mit Wasser. Dann spreche man „kāṇḍāt kāṇḍāt …“ und lege die Blätter hinein.

Anmerkung: Quellnummer 872 an Position 879.Incipits„Varunas…“und„vonSprosszuSpross…“;keineVolltextrekonstruktion.

Vers 880
phalaṃ yā phalinītyuktvā śrīścetyuktvā prasūnakam‌ |
gandhadvāretyatho gandhaṃ sahasretyuktamakṣatam‌ ||880||

Eine Frucht lege man unter „yā phalinī …“ hinein, eine Blume unter „śrīś ca …“, dann Duftstoff unter „gandhadvārā …“ und ungebrochenen Reis unter „sahasra …“.

Anmerkung: ZweitesundletztesIncipitstärkerOCR-beschädigt,vorläufigausZeichenresten;keinegesichertevedischeFundstellebehauptet.

Erde und Festigung des Kruges

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 881
sthiro bhaveti mantreṇa sthirīkaraṇamācaret‌ |
valmīkakuñjararadanadīsaṅgamaparvatāt‌ ||881||

Mit dem Mantra „sthiro bhava“ vollziehe man die Festigung. Erde von einem Ameisenhügel, einem Elefantenstoßzahn, einem Flusszusammenfluss und einem Berg …

Anmerkung: Sthirobhava:werdefest.

Vers 882
gokulāddevanṛpatidvārādapi ca mṛttikāḥ |
āhṛtya hārdamantreṇa pratyekaṃ nikṣipedghaṭe ||882||

… sowie von einer Rinderstätte, einem Tempeltor und einem Königstor hole man herbei und lege jede einzeln mit dem Herz-Mantra in den Krug.

Anmerkung: DevanṛpatidvāraalsTempel/Königstoregetrennt,Kompositumleichtunsicher.

Die Reinigung durch den rituellen Blick

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 883
pūrvavatsarvavastvādiśodhanaṃ vidadhīta vai |
prāgudīritamantreṇa tathaivālokanena ca ||883||

Wie zuvor vollziehe man die Reinigung sämtlicher Gegenstände mit dem bereits gelehrten Mantra und ebenso durch den rituellen Blick.

Vers 884
yadātmanānavajñātaṃ pūjādravyādidūṣaṇam‌ |
aspṛśyasparśanaṃ vāpi yadanyāyārjitaṃ ca vā ||884||

Eine unbemerkte Verunreinigung von Ritualgaben, ihre Berührung durch einen als unberührbar geltenden Menschen oder ihre unrechtmäßige Beschaffung …

Anmerkung: DiskriminierendeReinheitsordnungderhistorischenQuelle,keineheutigeBewertungvonMenschen.

Vers 885
tathā nirmālyasaṃsṛṣṭaṃ kīṭārohaṇadūṣitam‌ |
naśyanti tāni sarvāṇi dūṣaṇānyavalokanāt‌ ||885||

… ebenso ihre Vermischung mit bereits verwendeten Opferresten oder die Verunreinigung durch darauf gekrochene Insekten: Alle diese Makel verschwinden nach der Rituallehre durch den Blick.

Anmerkung: ReligiöseEntsühnung,nichtmaterielleHygieneoderRechtfertigungunrechtmäßigerBeschaffung.

Innere Vorbereitung und Atemübung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 886
bhūtāpasāraṇaṃ kṛtvā bhūtaśuddhiṃ vidhāya ca |
sampūjyāsanamātmīyaṃ gaṇeśagurudevatāḥ ||886||

Nachdem man die Geistwesen zurückgewiesen, die Elemente gereinigt und den eigenen Sitz verehrt hat, verneige man sich vor Ganesha, dem Guru und den Gottheiten …

Vers 887
natvā vidadhyāttadanu prāṇāyāmatrayaṃ budhaḥ |
patrikāyāstataḥ kuryādṛṣyādi yatamānasaḥ ||887||

… und vollziehe dann kundig dreimal Pranayama. Mit gesammeltem Geist führe man für die Patrika die Rishi-Zuordnung und die übrigen Faktoren aus.

Rishi, Versmaß, Gottheit und Bijas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 888
śaratkālīnadurgārcāvidherasya hi nāradaḥ |
ṛṣiśchandaśca gāyatrī śrīdurgā devatā matā ||888||

Für dieses Verfahren der herbstlichen Durga-Verehrung ist Narada der Rishi, Gayatri das Versmaß und Shri Durga die Gottheit.

Vers 886 [Position 889]
bījaṃ hrīmiti nirdiṣṭaṃ śaktiḥ śrīmapi pārvati |
kīlakaṃ klīmiti proktaṃ pūjāyāṃ viniyogatā ||886||

Als Bija ist „hrīṃ“ bestimmt, als Shakti „śrīṃ“, Parvati. Das Kilaka ist „klīṃ“; die Anwendung erfolgt bei der Puja.

Anmerkung: Quellnummer 886 an Position 889;BijaimOCRhrīṃ/śrīṃ/klīṃauslesbarenFormen,keinewörtlichenBedeutungenerfunden.

Unterschiedliche Auffassungen zum Sankalpa

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 860 [Position 890]
asminneva hyavasare saṅkalpaṃ ke'pi kurvate |
kāmyatvānnetare cāsya nityatvānnityakṛtyavat‌ ||860||

Manche fassen gerade an dieser Stelle einen Sankalpa, weil der Ritus wunschbezogen ist. Andere tun dies nicht, weil er wie die täglichen Pflichten regelmäßig verpflichtend ist.

Anmerkung: Quellnummer 860 an Position 890;unterschiedlicheRitualauffassungengetrennt.

Vers 861 [Position 891]
kriyate yadi saṅkalpastryahasyāpyeka eva saḥ |
ekaprayogasaṃhārātphalaikyācca visarjanāt‌ ||861||

Wird ein Sankalpa gefasst, so gilt ein einziger für alle drei Tage, weil sie ein zusammengehöriges Verfahren mit einer Frucht und einer gemeinsamen Verabschiedung bilden.

Anmerkung: Quellnummer 861 an Position 891.

Patrika-Mantra und Glieder-Nyasa

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 862 [Position 892]
pīṭhe mūrtau ca nityāyāmṛṣiṃ tattanmanoścaret‌ |
mṛṇmūrtipatrikāpakṣe mantraṃ siddhiṃ niśāmaya ||862||

Beim dauerhaften Pitha und Bild verwende man den Rishi des jeweiligen Mantras. Für den Fall eines Tonbildes oder einer Patrika höre nun den [wirksamen] Mantra.

Anmerkung: Quellnummer 862 an Position 892;letzteBestimmungsiddhiṃimOCRunsicher,keinegarantierteWirkungaußerhalbQuellenrede.

Vers 863 [Position 893]
ādau vedādimālikhya dvivāraṃ durga īrayet‌ |
sambuddhiratha rakṣiṇyāḥ śirasā saha kīrtayet‌ ||863||

Zuerst setze man den Veda-Anfang [Om], dann spreche man zweimal „Durga“. Danach folge die Anrede an Rakshini und der Shiras-Schluss.

Anmerkung: Quellnummer 863 an Position 893.Anrede„durge durge rakṣiṇi“ausKonstruktionsanweisung,Schlussnichausgeschrieben.

Vers 864 [Position 894]
patrikārcopacārādipradānārthaṃ manustvasau |
ekaṃ dve dve trīṇi ca dve sakalo mantra eva ca ||864||

Dieser Mantra dient der Verehrung der Patrika und der Darbringung der Opferdienste. Ein [Laut], zwei, zwei, drei, zwei und schließlich der gesamte Mantra …

Anmerkung: Quellnummer 864 an Position 894.GruppierungderLautealsQuellegegeben,keinefehlendenLautwerteausSummeerfunden.

Vers 865 [Position 895]
karāṅgulīhṛdādiṣvamī nyasyā mantravarṇakāḥ |
ye nyāsā yaḥ kramo yā ca rītirye manavo'pi ca ||865||

… diese Mantragruppen werden an Fingern und an Herz und den übrigen Körperstellen eingesetzt. Die Nyasas, die Reihenfolge, das Verfahren und die Mantras …

Anmerkung: Quellnummer 865 an Position 895.

Vers 866 [Position 896]
yāvantyapi ca pātrāṇi tanmatodīritāni ca |
naimittikaprakaraṇe kīrtitā niyamāstava ||866||

… ebenso die in der betreffenden Lehre genannten Gefäße und die Regeln, die ich dir im Abschnitt über die anlassgebundene Verehrung erklärt habe …

Anmerkung: Quellnummer 866 an Position 896.PātrāṇiGefäßeimOCRपत्राणि,kontextuellvorläufig.

Vers 867 [Position 897]
tānyeva śaradarcāyāṃ yojanīyāni sundari |
vakṣye yadasyāmadhikaṃ nityabimbasamarhaṇe ||867||

… sind auch bei der Herbstverehrung anzuwenden, Schöne. Ich werde nun nennen, was bei der Verehrung des dauerhaften Bildes darüber hinausgeht.

Anmerkung: Quellnummer 867 an Position 897.

Weitere Nyasas und die Gottheiten der Materialien

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 868 [Position 898]
pīṭhanyāso'pi sāmānyaḥ savisargā ca mātṛkā |
dūtīnyāsavirāṇūnyāso kālīpañjara eva ca ||868||

Der allgemeine Pitha-Nyasa, die Matrika mit Visarga, Duti-Nyasa, [ein im Namen beschädigter weiterer Nyasa] und Kali-Panjara …

Anmerkung: Fragment:virāṇūnyāsaimOCRunklar,nichtzuVirat/Vishnunormalisiert.Quellnummer 868 an Position 898.

Vers 8646 [Position 899]
yadyadvai dīyate dravyamalaṅkārādi kāñcanam‌ |
teṣāṃ daivatamuccārya kṛtvā ca prekṣaṇārcane ||8646||

Welche Gabe auch dargebracht wird – Schmuck, Gold und anderes –, man nenne ihre Gottheit und vollziehe rituellen Blick und Verehrung …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 8646 an Position 899.

Vers 4600 [Position 900]
utsṛjya tattannāmāni tattanmantreṇa vedayet‌ |
dravyāṇāṃ daivataṃ proktaṃ pūrvameva taveśvari ||4600||

… und bringe sie unter Nennung ihres jeweiligen Namens mit dem zugehörigen Mantra dar. Die Gottheiten der Materialien habe ich dir schon zuvor genannt, Herrin.

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 4600 an Position 900.

Reinigung im puranischen Verfahren

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 401 [Position 901]
dravyaśodhanamapyuktamevādau tāntrikakrame |
sarvaśuddhiṃ ca paurāṇakrame dhūmalayā caret‌ ||401||

Auch die Reinigung der Materialien ist bereits zu Beginn des tantrischen Verfahrens erklärt. Im puranischen Verfahren vollziehe man die gesamte Reinigung mit Dhumala.

Anmerkung: Quellnummer 401 an Position 901;dhūmalāBezeichnungunsicher,nichtalsRäucherverfahrenerraten.

Sitz und Fußwasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 02 [Position 902]
idaṃ te āsanaṃ dattaṃ te mayā suravarārcite |
bhavaitasmin‌ niṣaṇṇā tvaṃ yāvatpūjāṃ karomyaham‌ ||02||

„Diesen Sitz habe ich dir dargebracht, du von den höchsten Göttern Verehrte. Bleibe darauf sitzen, solange ich die Puja vollziehe.“

Anmerkung: Quellziffer 02 an Position 902.

Vers 03 [Position 903]
dūrvāparājitāpadmaśyāmākasahitaṃ jalam‌ |
pādyāya kalpate devi viśeṣārcāsu nānyathā ||03||

Wasser mit Durva, Aparajita, Lotus und Shyamaka dient bei besonderen Verehrungen als Fußwasser, Göttin; anders soll es dort nicht bereitet werden.

Anmerkung: Quellziffer 03 an Position 903;ShyamakaalsMaterialname,nichtbotanischfestgelegt.

Vers 604 [Position 904]
pādyaṃ gṛhāṇa mahādevi sarvaduḥkhāpahārakam‌ |
trāyasva varade devi ghorādasmādbhavārṇavāt‌ ||604||

„Nimm dieses Fußwasser an, große Göttin, das alle Leiden fortnimmt. Rette mich, segenspendende Göttin, aus diesem furchtbaren Meer des Werdens!“

Anmerkung: Quellnummer 604 an Position 904.

Schlussworte und Arghya-Gabe

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 6015 [Position 905]
snānavastre ca naivedye dadyādācamanīyakam‌ |
tacca svadhāpadaṃ dadyānmadhuparkaṃ tathā priye ||6015||

Bei Bad, Gewandgabe und Speisegabe reiche man Wasser zum Mundspülen. Dieses und ebenso Madhuparka bringe man mit dem Wort „svadhā“ dar, Geliebte.

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 6015 an Position 905;Kasus/VerbimOCRleichtverformt,Zuordnungsvadhāklar.

Vers 606 [Position 906]
arghyaṃ svāhāpadenaiva sarvamanyannamaḥpadaiḥ |
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapān‌ ||606||

Arghya wird mit „svāhā“, alles andere mit „namaḥ“ dargebracht. Duftstoffe, Blumen, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam und Senf …

Anmerkung: Quellnummer 606 an Position 906;ZuordnungnichtnachandererRitualtraditionkorrigiert.

Vers 07 [Position 907]
bilvapatrakṣīradūrvāsahitaṃ salilaṃ tathā |
śaṅkhapātragataṃ kṛtvā kālikāyai nivedayet‌ ||07||

… sowie Wasser mit Bilva-Blättern, Milch und Durva gebe man in ein Muschelhorngefäß und bringe es Kalika dar.

Anmerkung: Quellziffer 07 an Position 907.

Vers 608 [Position 908]
dūrvākṣatasamāyuktaṃ bilvapatraiḥ samanvitam‌ |
śobhanaṃ śaṅkhapātrasthaṃ gṛhāṇārghyaṃ harapriye ||608||

„Nimm das herrliche Arghya im Muschelhorngefäß an, Geliebte Haras, mit Durva, ungebrochenem Reis und Bilva-Blättern!“

Anmerkung: Quellnummer 608 an Position 908.

Beschädigter Übergang zu Nyasa-Angaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 606 [Position 909]
nānātīrthodbhavaṃ vāri sadvastuparikalpitam‌ |
tādātmyāhṛtanāmānau kramadhātvabhidhāvapi |
mahānirvāṇapūrvāṃ ca ṣoḍhā tadvacca paścime ||606||

„Wasser aus verschiedenen Tirthas, mit guten Stoffen bereitet …“ [Der Satzanschluss fehlt.] Danach werden Namen beziehungsweise Nyasas namens Tadatmya, Ahrita, Krama und Dhatu sowie ein mit Mahanirvana verbundener Shodha am Schluss genannt.

Anmerkung: Fragment: imOCRunvermittelterWechselvonWassergabezuNyasaliste,wohlversetzteZeilen.NamenundZuordnungunsicher,nichtstillschweigendin898eingeschoben.Quellnummer 606 an Position 909;längereQuelleneinheitbeibehalten. Der erste Halbvers steht vollständig mit Schluss auch in1000; hier als überlieferte Teilwiederholung erhalten. Die zehn vorangehenden Strophen899–908 wiederholen990–999, dort nur Verweis und Variante.

Meditation über die zehnarmige Durga

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 610 [Position 910]
nityapīṭhe purodīrṇaṃ svaṃ svaṃ dhyānaṃ samācaret‌ |
māheyapatrikāpakṣe dhyānamākalaya priye ||610||

Am dauerhaften Pitha vollziehe man die jeweils eigene, zuvor gelehrte Meditation. Für ein Tonbild oder eine Patrika höre nun das Dhyana, Geliebte.

Anmerkung: Quellnummer 610 an Position 910.

Vers 611 [Position 911]
niṣṭaptasvarṇavarṇābhāṃ navatāruṇyaśālinīm‌ |
pūrṇacandrābhavadanāṃ jaṭāmukuṭamaṇḍitām‌ ||611||

[Man meditiere über die Göttin,] strahlend in der Farbe geläuterten Goldes, von frischer Jugend erfüllt, mit einem Gesicht wie der Vollmond und einer Krone aus verfilztem Haar …

Anmerkung: Quellnummer 611 an Position 911;keineAlterszahlimText,keineergänzt.

Vers 412 [Position 912]
loladīrghāsitatryakṣāṃ khaṇḍacandrābaddhaśekharām‌ |
dāḍimīkusumākāradantapaṅktivirājitām‌ ||412||

… mit drei beweglichen, langen, dunklen Augen, den Kopfschmuck mit einer Mondsichel geziert, ihre Zahnreihe leuchtend wie Granatapfelblüten …

Anmerkung: Quellnummer 412 an Position 912;tryakṣāausverformtemOCRvorläufig,dritteAugenichtausandererFassungergänzt.Zahnvergleichunverändert.

Vers 613 [Position 913]
uttuṅgapīnavakṣojāṃ valitrayavirājitām‌ |
atikṣāmodarīṃ devīṃ nitambābhogabhāsurām‌ ||613||

… mit hohen, vollen Brüsten, drei schönen Bauchfalten, sehr schmaler Taille und weit gerundeten Hüften …

Anmerkung: Quellnummer 613 an Position 913;historischeDhyana-Körperbeschreibung.

Vers 614 [Position 914]
tribhaṅgasthānakatayā bhajyanmadhyāmiva sthitām‌ |
bāhubhirdaśabhiryuktāṃ sarvālaṅkaraṇānvitām‌ ||614||

… in der dreifach gebogenen Tribhanga-Haltung stehend, als biege sich ihre Mitte, mit zehn Armen und allem Schmuck versehen …

Anmerkung: Quellnummer 614 an Position 914.

Waffen und Mahishasura-Bild

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 615 [Position 915]
śūlaṃ kṛpāṇaṃ cakraṃ ca bāṇaṃ śaktiṃ ca dakṣiṇe |
dhārayantīmatho vāme pāśacarmāṅkuśān‌ dhanuḥ ||615||

… rechts Dreizack, Schwert, Diskus, Pfeil und Lanze tragend, links Schlinge, Schild, Elefantenhaken und Bogen …

Anmerkung: Quellnummer 615 an Position 915;linkeFünfteHandfolgt917mitHaargriff,keinefünfteWaffeerfunden.

Vers 616 [Position 916]
kaṇṭhīravopari nyastadakṣiṇāṅghrisaroruhām‌ |
sammukhasthitasañchinnamahiṣāsuramastakām‌ ||616||

… den rechten Lotusfuß auf den Löwen gesetzt, vor ihr der abgetrennte Kopf des Mahishasura …

Anmerkung: Quellnummer 616 an Position 916;sachlichemythologischeBildbeschreibung.

Vers 617 [Position 917]
kaṇṭhanālotthaditijasakirīṭakacoccayam‌ |
pāśādhaḥsthakareṇaiva bibhratīṃ parameśvarīm‌ ||617||

… die höchste Herrin hält mit der Hand unterhalb der Schlingenhand das gekrönte Haar des Daityas, der aus dem Hals [des Büffels] hervortritt …

Anmerkung: Quellnummer 617 an Position 917;PāśādhasthakaraausverformtemOCRvorläufig,genaueHandpositionunsicher.

Vers 618 [Position 918]
śūlena hṛdi nirbhinnaṃ paśyantīṃ dānavaṃ ruṣā |
pāśākāramahānāgaveṣṭitodarabāhukam‌ ||618||

… und blickt zornig auf den Danava, dessen Brust der Dreizack durchbohrt hat und dessen Bauch und Arme von einer großen Schlange in Gestalt einer Schlinge umwunden sind …

Anmerkung: Quellnummer 618 an Position 918.

Vers 616 [Position 919]
bhrūkuṭībhīṣaṇākāraṃ śoṇitārdrakalevaram‌ |
ākṛṣṭāsiṃ nigilitakaphoṇiṃ hariṇā haṭhāt‌ ||616||

… er trägt einen durch zusammengezogene Brauen furchterregenden Ausdruck, sein Leib ist blutbenetzt, sein Schwert gezogen; der Löwe hat ihn gewaltsam am Ellenbogen gepackt …

Anmerkung: Quellnummer 616 an Position 919;nigilita wörtlichverschlungen,BezugaufEllenbogenimOCRunsicher,sachlichalsBiss/Packenübersetzt.

Vers [‰२०; Ziffer verformt] [Position 920]
sravadrudhirasandohavadanena mahātmanā |
stūyamānāṃ suraiḥ sarvairbrahmājeśamukhādibhiḥ ||620||

… dessen Maul von Blut trieft. Die Göttin wird von allen Göttern mit Brahma, Aja und Isha an der Spitze gepriesen …

Anmerkung: Quellziffer 620verformt;Brahma/Aja/Isha-NamenfolgenichtwegenteilweiserSynonymiegekürzt.

Die acht begleitenden Shaktis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 621 [Position 921]
līlayā dānavaṃ hatvā kiñcitkiñciddhasanmukhīm‌ |
ugracaṇḍā pracaṇḍā ca caṇḍogrā caṇḍanāyikā ||621||

… und lächelt leicht, nachdem sie den Danava spielerisch getötet hat. Ugrachanda, Prachanda, Chandogra, Chandanayika …

Anmerkung: Quellnummer 621 an Position 921.

Vers 622 [Position 922]
caṇḍā caṇḍavatī caiva caṇḍarūpā ca caṇḍikā |
ābhiḥ śaktibhiraṣṭābhiḥ satataṃ pariveṣṭitām‌ ||622||

… Chanda, Chandavati, Chandarupa und Chandika: Von diesen acht Shaktis ist sie stets umgeben.

Anmerkung: Quellnummer 622 an Position 922.

Vers 422 [Position 923]
cintayedīdṛśīṃ durgāṃ dharmakāmārthamokṣadām‌ |
dhyātvetthaṃ mānasairevopacāraiḥ paripūjya ca ||422||

So meditiere man über Durga, die Dharma, Wunscherfüllung, Wohlstand und Befreiung schenkt. Nachdem man sie so betrachtet und mit rein inneren Opferdiensten verehrt hat …

Anmerkung: Quellnummer 422 an Position 923.

Arghya und gesonderte Gefäße

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 624 [Position 924]
pūrvoktenaiva vidhinā vidadhyādarghyasaṃsthitim‌ |
naimittikavidhānena vistāro yatra kīrtitaḥ ||624||

… richte man das Arghya nach dem zuvor gelehrten Verfahren ein, dessen ausführliche Form im Abschnitt über die anlassgebundene Verehrung erklärt wurde.

Anmerkung: Quellziffer 624 an Position 924.

Vers 625 [Position 925]
satyāṃ śaktau tu pādyādīn‌ pṛthaktvena pravinyaset‌ |
arghyasyottarataḥ kāryaṃ pādyamācamanīyakam‌ ||625||

Wenn die Mittel vorhanden sind, stelle man Fußwasser und die übrigen Gaben einzeln bereit. Nördlich vom Arghya sollen Fußwasser und Mundspülwasser stehen …

Anmerkung: Quellnummer 625 an Position 925.

Vers 626 [Position 926]
snānīyaṃ madhuparkaṃ ca upacārā yathākramāḥ |
asminneva kṣaṇe devi pañcāyatanapūjakaḥ ||626||

… Badewasser, Madhuparka und die Opferdienste in ihrer Reihenfolge. Genau zu diesem Zeitpunkt soll, Göttin, ein Verehrer nach dem Panchayatana-System …

Anmerkung: Quellnummer 626 an Position 926;BestimmungzudenOpferdienstenimOCRstarkbeschädigt,yathākramāḥvorläufig,SinnReihenfolgeunsicher.

Panchayatana und Pitha-Nyasa

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 627 [Position 927]
gaṇeśārkaharīśānān‌ sambhāraiḥ kalpitairyajet‌ |
pīṭhanyāsaṃ tataḥ kuryātsāmānyaṃ prathamaṃ budhaḥ ||627||

… Ganesha, Arka, Hari und Ishana mit den bereitgestellten Gaben verehren. Danach vollziehe der Kundige zuerst den allgemeinen Pitha-Nyasa …

Anmerkung: Quellnummer 627 an Position 927;ArkaSonnengott,dievierbegleitenhierdieGöttinalsFünfte.

Vers 428 [Position 928]
sarvaśeṣe yogaratnaṃ śeṣamantropabṛṃhitam‌ |
vidhāya ca punardhyānamāvāhanamathācaret‌ ||428||

… ganz am Ende Yogaratna, ergänzt durch den Schlussmantra. Nach erneuter Meditation vollziehe man die Einladung der Göttin …

Anmerkung: Quellnummer 428 an Position 928;śeṣamantraalsSchlussmantravorläufig,kannspezifischerMantranamesein.

Vers 6246 [Position 929]
mudrāvibhaktikalitaṃ sādhako mīlitekṣaṇaḥ |
mūlamantreṇātha sāvayavīkṛtya vibhāvanaiḥ ||6246||

… als Sadhaka mit geschlossenen Augen, verbunden mit den entsprechenden Mudras. Mit dem Wurzelmantra vergegenwärtige man sie sodann als mit allen Gliedern ausgestattete Gestalt …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 6246 an Position 929;mudrāvibhaktiAufteilung/FormenderMudras,nichtgrammatischeKasusreiheerfunden.

Verschiedene Verfahren der Einsetzung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 630 [Position 930]
mantrākṣaraiḥ ṣaḍaṅgāni vinyasettattadutspṛśan‌ |
mūlapīṭhapratiṣṭhāyāṃ yo manuḥ prāgudīritaḥ ||630||

… und setze die sechs Glieder mit den Mantralauten ein, indem man die jeweilige Stelle berührt. Den Mantra, der zuvor für die Einsetzung des grundlegenden Pithas gelehrt wurde …

Anmerkung: Quellnummer 630 an Position 930.

Vers 631 [Position 931]
yantramūrtyostu tenaiva pratiṣṭhāṃ sthirayoścaret‌ |
mṛṇmūrtipatrikākumbhaśūlāsyādiṣvapi priye ||631||

… verwende man auch für die Weihe eines dauerhaften Yantras und Bildes. Für Tonbild, Patrika, Krug, Dreizack, Schwert und dergleichen, Geliebte …

Anmerkung: Quellnummer 631 an Position 931;asiSchwertimKompositumleichtverformt.

Vers 4232 [Position 932]
kecanecchanti taṃ mantraṃ naiva kāpālikādayaḥ |
anyān‌ paurāṇikān‌ mantrān‌ vaidikānapi kāṃścana ||4232||

… wünschen manche diesen Mantra, die Kapalikas und andere jedoch nicht. Andere puranische Mantras und auch einige vedische …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 4232 an Position 932;WiderspruchverschiedenerSchulenbewahrt.

Vers 633 [Position 933]
īrayetpatrikākumbhamāheyapratimādiṣu |
tāṃste vadāmi sutanu nandikeśvarabhāṣitān‌ ||633||

… spreche man über Patrika, Krug, Tonbild und den übrigen Trägern. Ich werde dir diese von Nandikeshvara verkündeten Mantras nennen, du Wohlgestaltete.

Anmerkung: Quellnummer 633 an Position 933.

Vorbereitung der puranischen Einladungen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 634 [Position 934]
hastaṃ dattvā patrikāyāṃ tārādi tatsadityapi |
trirudīrya paṭhenmantrān‌ naivaitān‌ sthirapīṭhayoḥ ||634||

Man lege die Hand auf die Patrika, spreche dreimal die mit Tara beginnende Formel „tat sat“ und rezitiere dann die Mantras. Für dauerhafte Pithas verwende man diese nicht.

Anmerkung: Quellnummer 634 an Position 934;OmalsTarabeginn,Formel„oṃtatsat“ausQuellanweisung,nichtanderweitigerVersergänzt.

Die Göttin wird ins Haus eingeladen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 635 [Position 935]
āgaccha madgṛhe devi aṣṭābhiḥ śaktibhiḥ saha |
pūjāṃ gṛhāṇa vidhivatsarvakalyāṇakāriṇi ||635||

„Komm in mein Haus, Göttin, mit den acht Shaktis! Nimm die ordnungsgemäße Puja an, du Bewirkerin allen Heils!

Anmerkung: Quellnummer 635 an Position 935.

Vers 436 [Position 936]
ehyehi bhagavatyamba śatrukṣayajayaprade |
bhaktitaḥ pūjayāmi tvāṃ navadurge surārcite ||436||

Komm, komm, erhabene Mutter, die Feindvernichtung und Sieg gewährt! Mit Hingabe verehre ich dich, Navadurga, du von den Göttern Verehrte.

Anmerkung: Quellnummer 436 an Position 936.

Vers [६३७; verformt] [Position 937]
durge devi samāgaccha sānnidhyaṃ cāpi kalpaya |
yajñabhāgaṃ gṛhāṇa tvamaṣṭābhiḥ śaktibhiḥ saha ||637||

Durga, Göttin, komm herbei und mache deine Gegenwart wirksam! Nimm deinen Opferanteil an, gemeinsam mit den acht Shaktis.

Anmerkung: Quellziffer 637verformtan Position 937.

Vers 438 [Position 938]
śāradīyāmimāṃ pūjāṃ karomi tridaśārcite |
ājñāpaya mahādevi daityadarpaniṣūdani ||438||

Ich vollziehe diese Herbst-Puja, du von den Göttern Verehrte. Erteile mir deine Erlaubnis, große Göttin, Vernichterin des Hochmuts der Daityas!

Anmerkung: Quellnummer 438 an Position 938.

Schutz und Gegenwart im Opfer

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 6346 [Position 939]
duṣpāre ghorasaṃsārasāgare patitaṃ sadā |
trāyasva varade devi namaste śaṅkarapriye ||6346||

Rette mich, der ich stets in das furchtbare, schwer zu durchquerende Meer des Samsara gefallen bin, segenspendende Göttin! Dir sei Verehrung, Geliebte Shankaras.

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 6346 an Position 939.

Vers 640 [Position 940]
ye devā yāśca devyaśca calitāyāṃ calanti hi |
āvāhayāmi tān‌ sarvān‌ caṇḍike parameśvari ||640||

Alle Götter und Göttinnen, die sich bewegen, wenn du dich bewegst, lade ich ein, Chandika, höchste Herrin.

Anmerkung: Quellnummer 640 an Position 940.

Vers 641 [Position 941]
prāṇān‌ rakṣa yaśo rakṣa rakṣa dārān‌ sutān‌ dhanam‌ |
sarvarakṣākarī yasmāttvaṃ hi devi jagatpriye ||641||

Schütze mein Leben, schütze meinen guten Ruf; schütze Ehefrau, Kinder und Besitz! Denn du schenkst Schutz in allem, Göttin, Liebling der Welt.

Anmerkung: Quellnummer 641 an Position 941;dāraalsEhefrauausmännlichemRitualsprecherkontext.

Vers 642 [Position 942]
praviśya tiṣṭha yajñe'smin‌ yāvatpūjāṃ karomyaham‌ |
menānandakare devi sarvasiddhiṃ ca dehi me ||642||

Tritt in dieses Opfer ein und bleibe, solange ich die Puja vollziehe. Du Freude Menas, Göttin, schenke mir alle Vollkommenheit!

Anmerkung: Quellnummer 642 an Position 942;MenaGöttinnenmutterimEpithet,nichtmitGeist/manasverwechselt.

Vers 642 [zweite Quellzählung] [Position 943]
āgaccha caṇḍike devi sarvakalyāṇahetave |
pūjāṃ gṛhāṇa sumukhi namaste śaṅkarapriye ||642||

Komm, Chandika, Göttin, um alles Heil zu bewirken! Nimm die Puja an, du mit dem schönen Antlitz; Verehrung dir, Geliebte Shankaras!

Anmerkung: ZweiteQuellzählung642 an Position 943,eigenständigerVers.

Die verschiedenen Träger der Gegenwart

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 644 [Position 944]
āvāhayāmi devi tvāṃ mṛṇmaye śrīphale tathā |
triśūle kalaśe khaḍge maṇḍale citra eva ca ||644||

Ich lade dich ein, Göttin: in das Tonbild und den Shriphala-Zweig, in Dreizack, Krug, Schwert, Mandala und gemaltes Bild.

Anmerkung: Quellnummer 644 an Position 944.

Vers 645 [Position 945]
kailāsaśikharāddevi vindhyādrerhimaparvatāt‌ |
āgatya bilvaśākhāyāṃ caṇḍike kuru sannidhim‌ ||645||

Komm vom Kailasa-Gipfel, Göttin, vom Vindhya und vom Himalaya, und mache dich im Bilva-Zweig gegenwärtig, Chandika!

Anmerkung: Quellnummer 645 an Position 945.

Vers 646 [Position 946]
sthāpitāsi mayā devi pūjaye tvāṃ prasīda me |
caṇḍe caṇḍātmike caṇḍi caṇḍavigrahadhāriṇi ||646||

Ich habe dich eingesetzt, Göttin, und verehre dich; sei mir gnädig! Chanda, du von furchtbarem Wesen, Chandi, Trägerin einer furchtbaren Gestalt …

Anmerkung: Quellnummer 646 an Position 946;WiederholungenChanda/Chandinichtgestrichen.

Vers 647 [Position 947]
bilvaśākhāṃ samāśritya tiṣṭha devi gaṇaiḥ saha |
athavā mṛṇmaye kumbhe triśūle khaḍga eva vā ||647||

… wohne im Bilva-Zweig und bleibe dort mit deinen Scharen, Göttin, oder im Tonbild, im Krug, im Dreizack oder im Schwert …

Anmerkung: Quellnummer 647 an Position 947.

Vers 648 [Position 948]
tathā citrapaṭe vāri nṛmuṇḍe vahnimaṇḍale |
sarvagā tvaṃ samāgatya sānnidhyamiha kalpaya ||648||

… ebenso im gemalten Bild, im Wasser, im Menschenschädel oder im Feuermandala. Du Allgegenwärtige, komm und mache deine Gegenwart hier wirksam!

Anmerkung: Quellnummer 648 an Position 948.

Einwohnung in Mandala und Haus

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 4486 [Position 949]
devi tvaṃ jagatāṃ mātaḥ sṛṣṭisaṃhārakāriṇi |
maṇḍaleṣu samasteṣu sānnidhyamanukalpaya ||4486||

Göttin, Mutter der Welten, die Schöpfung und Auflösung bewirkt, mache dich in sämtlichen Mandalas gegenwärtig …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 4486 an Position 949.

Vers 650 [Position 950]
caturviṃśatisaṅkhyeṣu adhiṣṭheyeṣu caṇḍike |
āgatya śāradīṃ pūjāṃ gṛhāṇa devi prasīda me ||650||

… in den vierundzwanzig Trägern deiner Einwohnung, Chandika. Komm, nimm die Herbst-Puja an, Göttin, und sei mir gnädig!

Anmerkung: Quellnummer 650 an Position 950;keinezusätzliche24erListeausanderenAbschnitteneingefügt.

Vers 651 [Position 951]
āvāhitāsi devi tvaṃ nikhile maṇḍale tava |
bhūtvātraiva sthirātyantaṃ madgehe kāmadā bhava ||651||

Du bist eingeladen, Göttin, in dein gesamtes Mandala. Bleibe hier vollkommen beständig und erfülle die Wünsche in meinem Haus.

Anmerkung: Quellnummer 651 an Position 951.

Vers 652 [Position 952]
caṇḍe tvaṃ caṇḍarūpāsi suratejaḥsamudbhavā |
parivāraiḥ sahāgatya sthitimatra kuru drutam‌ ||652||

Chanda, du trägst die furchtbare Gestalt und bist aus dem Glanz der Götter hervorgegangen. Komm mit deinem Gefolge und nimm sogleich hier Wohnung!“

Anmerkung: Quellnummer 652 an Position 952;Endeder18puranischenEinladungsverse935–952.

Fünf vedische Rezitationsanfänge

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 653 [Quellzählung an Position 953]
aṣṭādaśaitān‌ prajapenmantrān‌ paurāṇikān‌ priye |
tato haṃsaḥ śucītyevaṃ tadviṣṇustaretyapi ||653||

Diese achtzehn puranischen Mantras soll man rezitieren, Geliebte. Danach [folgen] „haṃsaḥ śuci …“ und „tad viṣṇu …“ …

Anmerkung: Quellnummer 653 an Position 953.ZweitesIncipitmitbeschädigtemNachlauf,nichtzuvollständigemVeda-Zitatergänzt.

Vers 54 [Quellzählung an Position 954]
tathā viṣṇuryonimiti tārtīyakatayoditam‌ |
tāravyāhṛtipūrvā ca gāyatrī tārapaścimā ||54||

… als drittes „viṣṇur yoniṃ …“, dann die Gayatri, eingeleitet durch Tara und die Vyahritis und mit Tara abgeschlossen …

Anmerkung: Quellziffer 54 an Position 954.NurAnfängeundRahmenformelüberliefert,keinefehlendenWörterergänzt.

Vers 655 [Quellzählung an Position 955]
tryambakaṃ ceti pañcaitān‌ vaidikān‌ prajapenmanūn‌ |
nemānapi sthire pīṭhe mūrtau vā parikalpayet‌ ||655||

… und „tryambakaṃ …“: Diese fünf vedischen Mantras soll man rezitieren. Auch sie verwende man nicht für ein dauerhaftes Pitha oder Bild.

Anmerkung: Quellnummer 655 an Position 955.

Die drei Mantras der Pranapratistha

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 656 [Quellzählung an Position 956]
tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ vai kurvīta manuvistaraiḥ |
ādyena nityākhyātena nimittoktena tatparam‌ ||656||

Danach vollziehe man Pranapratistha mit den ausführlichen Mantras: zuerst mit dem im Abschnitt über die regelmäßige Verehrung gelehrten, danach mit dem für die anlassgebundene Verehrung genannten …

Anmerkung: Quellnummer 656 an Position 956;keinezusätzlichenFormelnindenRückverweiseingefügt.

Vers 657 [Quellzählung an Position 957]
ākhyāsyamānatārtīyamanunā tadanantaram‌ |
tacca śāradapūjāyāṃ netarasyāṃ kadācana ||657||

… und anschließend mit dem nun zu erklärenden dritten Mantra. Dies geschieht nur bei der Herbst-Puja, niemals bei einer anderen.

Anmerkung: Quellnummer 657 an Position 957.

Der dritte Pranapratistha-Mantra

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 6508 [Quellzählung an Position 958]
pīṭhamūrtyorapi tathā maṇḍale netaratra ca |
tāramaidhatrapārāvayoginyo ḍākinī tathā ||6508||

Ebenso [gilt es] für Pitha, Bild und Mandala, nicht für anderes. [Der Mantra beginnt mit] Tara, Maidha, Trapa, Rava, Yogini und Dakini …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 6508 an Position 958;Geltungsabgrenzungzusammenmit 966beibehalten,nichtvorschnellharmonisiert.

Vers 656 [Quellzählung an Position 959]
phetkārīkūrcavanitā bījānīmāni vai nava |
ehyehi bhagavatyeva tato brūyātpadatrayam‌ ||656||

… Phetkari, Kurcha und Vanita: Dies sind neun Bijas. Dann spreche man die drei Wörter „ehi ehi bhagavati“ – „Komm, komm, Erhabene!“

Anmerkung: Quellnummer 656 an Position 959;Decknamenalssolcheerhalten.

Vers 560 [Quellzählung an Position 960]
trayastriṃśatkoṭipadāttathā tridaśaśabdataḥ |
tejaḥkalpitaśabdācca śarīre parikīrtayet‌ ||560||

Nach „dreiunddreißig Kotis“ und „Götter“ setze man „aus ihrem Glanz gebildet“ und „Leib“ zusammen: „Du, deren Leib aus dem Glanz der dreiunddreißig Kotis Götter gebildet ist!“

Anmerkung: Quellnummer 560 an Position 960;Wortbauanweisungvollständigübersetzt,AnredealszusammenhängendeBedeutung,nichtalsneuverbürgteSilbenfolge.

Vers 461 [Quellzählung an Position 961]
padāttathā ca mahiṣāsurato mardinītyapi |
tato jagattrayamityuktvā pālini pratikīrtayet‌ ||461||

Dann [bilde man aus] „Mahishasura“ und „Mardini“ die Anrede „Bezwingerin Mahishasuras!“ und aus „drei Welten“ und „Palini“ die Anrede „Beschützerin der drei Welten!“

Anmerkung: Quellnummer 461 an Position 961.

Vers 562 [Quellzählung an Position 962]
kāmaprāsādapāśāhinṛsiṃhakamale tataḥ |
āgaccha dvitayaṃ cāpi sānnidhyaṃ kalpayadvayam‌ ||562||

Es folgen Kama, Prasada, Pasha, Ahi, Nrisimha und Kamala, dann zweimal „Komm!“ und zweimal „Mache deine Gegenwart wirksam!“

Anmerkung: Quellnummer 562 an Position 962;AhiimOCRalsAlternative[hi]unsicher,keineBijasergänzt.

Vers 663 [Quellzählung an Position 963]
pūjālayaṃ praviśyoktvā tiṣṭhayugmamataḥ param‌ |
tato visandhyaṣṭaśaktipadātparivṛte vadet‌ ||663||

Nach „Tritt in das Puja-Haus ein!“ folge zweimal „Bleibe!“. Dann spreche man ohne Sandhi „von den acht Shaktis umgeben“.

Anmerkung: Quellnummer 663 an Position 963;praviśya-KonstruktionimOCRunsicher,ImperativfolgeausSinn.

Vers 664 [Quellzählung an Position 964]
jvalayugmaṃ prajvalayugaṃ sphura prasphura cedṛśam‌ |
aṅkuśapretabhairavyo'grāhārapralayāstataḥ ||664||

Zweimal „Flamme auf!“, zweimal „Erstrahle!“, „Leuchte auf, leuchte hervor!“ Es folgen Ankusha, Preta, Bhairavi, Agrahara und Pralaya …

Anmerkung: Quellnummer 664 an Position 964;AgraharaDecknameimOCRunsicher,keineLesung„agrahāra“alsgesichert.

Vers 665 [Quellzählung an Position 965]
vidyunmahākrodhatārāḥ śiraḥ śeṣe tataḥ param‌ |
śatamaṣṭādaśopetaṃ varṇānāmatra vai manoḥ ||665||

… Vidyut, Mahakrodha und Tara, abschließend Shiras. Dieser Mantra enthält hundertachtzehn Laute.

Anmerkung: Quellnummer 665 an Position 965;Zahl118nichtzurErgänzungbeschädigterFormelteileverwendet.

Anwendung und zusätzliche Shruti-Formel

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 666 [Quellzählung an Position 966]
mantratrayeṇāmunaiva kuryātprāṇapratiṣṭhitim‌ |
mṛṇmūrtipatrikākumbhādiṣu sarvāntimaṃ manum‌ ||666||

Mit diesen drei Mantras vollziehe man Pranapratistha. Bei Tonbild, Patrika, Krug und den übrigen Trägern [rezitiere man] als allerletzten Mantra …

Anmerkung: Quellnummer 666 an Position 966;letzterMantrain967fortgeführt.

Vers 667 [Quellzählung an Position 967]
śrautaṃ paṭhenmanojyotiriti kauletaro naraḥ |
naimittikoktena tathā kuryādāvāhanaṃ tataḥ ||667||

… wenn man kein Kaula ist, den Shruti-Mantra „mano jyotiḥ …“. Danach vollziehe man die Einladung mit dem für die anlassgebundene Verehrung gelehrten Mantra …

Anmerkung: Quellnummer 667 an Position 967;nurIncipit,differenzierteKaula/NichtkaulaZuordnungbewahrt.

Gefäße und Nyasas nach der eigenen Schule

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 668 [Quellzählung an Position 968]
mantreṇa trirudīrṇena patryāṃ pīṭha eva hi |
atha kaulādayaḥ kuryurasminnavasare priye ||668||

… dreimal gesprochen, in Patrika oder Pitha. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Kaulas und die anderen [entsprechenden Praktizierenden], Geliebte …

Anmerkung: Quellnummer 668 an Position 968.

Vers 66 [Quellzählung an Position 969]
naimittikena vidhinā pātrasthāpanamuttamam‌ |
nyāsaughān‌ purataḥ kṛtvā naimittikavidhīritān‌ ||66||

… die vorzügliche Einsetzung der Gefäße nach dem anlassgebundenen Verfahren vollziehen, nachdem sie zuvor die dort gelehrten Nyasa-Folgen ausgeführt haben.

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 66 an Position 969.

Vers 670 [Quellzählung an Position 970]
śaktau tu pañcakān‌ sarvān‌ ṣoḍhā tritayameva ca |
māheyapatrayornaitān‌ vai prakurvīta kadācana ||670||

Wenn die Fähigkeit vorhanden ist, [vollziehe man] sämtliche Fünfergruppen und die drei Shodhas. Bei Tonbild und Patrika soll man diese jedoch niemals ausführen.

Anmerkung: Quellnummer 670 an Position 970;Panchaka-Gruppennurbenannt,nichtausanderenNyasalistenerraten.

Vers 671 [Quellzählung an Position 971]
pātrāṇāṃ sthāpanaṃ cāpi kuryātsvasvamatena hi |
vicārarītī teṣāṃ vai naimittika udīrite ||671||

Auch die Einsetzung der Gefäße richte man nach der eigenen Schule. Ihre Erwägungen und Verfahren sind im Abschnitt über die anlassgebundene Verehrung erläutert.

Anmerkung: Quellnummer 671 an Position 971.

Vers 672 [Quellzählung an Position 972]
sā kalpanā ca te mantrāḥ sa kramaḥ saṃsthitiśca sā |
te nyāsāḥ śodhanaṃ tacca vastūnāṃ tarpaṇaṃ ca tat‌ ||672||

Es gelten dieselbe Anordnung, dieselben Mantras, dieselbe Reihenfolge und Aufstellung, dieselben Nyasas, dieselbe Reinigung der Materialien und dieselbe Tarpana-Spende.

Anmerkung: Quellnummer 672 an Position 972.

Das Verhältnis der beiden Ritualverfahren

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 673 [Quellzählung an Position 973]
śaradarcāpīṭhamūrtyornaimittikasamarhaṇāt‌ |
kasyāpi mata īśāni naivāṇurapi bhidyate ||673||

Nach keiner der [hier gemeinten] Auffassungen unterscheidet sich die Herbstverehrung an Pitha und Bild auch nur im Geringsten von der anlassgebundenen Verehrung, Herrin.

Anmerkung: Quellnummer 673 an Position 973;kasyāpimatekannauch„nachjemandesAuffassung“bedeuten,NegationimSatznichtalsallgemeinerKonsensgesichert.

Vers 674 [Quellzählung an Position 974]
viśiṣyāto mayā tantrapaurāṇikavidhidvayam‌ |
ucyate samanuprāyaṃ buddhimadbuddhigocaram‌ ||674||

Darum erkläre ich ausdrücklich die beiden Verfahren, das tantrische und das puranische, ihrem Sinn entsprechend und für verständige Menschen nachvollziehbar.

Anmerkung: Quellnummer 674 an Position 974;samanuprāyaimOCRunsicher.

Vers 675 [Quellzählung an Position 975]
patrikādiṣu paurāṇaṃ tāntrikaṃ pīṭha eva hi |
vastvarpaṇasya pratyekaṃ ye mantrāḥ pūrvamīritāḥ ||675||

Für Patrika und die entsprechenden Träger gilt das puranische, für das Pitha das tantrische Verfahren. Die einzelnen Mantras zur Darbringung der Gegenstände, die zuvor …

Anmerkung: Quellnummer 675 an Position 975.

Vers 676 [Quellzählung an Position 976]
naimittikārcanavidhau grāhyāste'trāpi pārvati |
pratyekaṃ manavo ye vai patrikādiṣu saṃsthitāḥ ||676||

… im Verfahren der anlassgebundenen Verehrung genannt wurden, sind auch hier anzuwenden, Parvati. Die einzelnen Mantras für Patrika und die übrigen Träger …

Anmerkung: Quellnummer 676 an Position 976.

Mantras zur Darbringung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 677 [Quellzählung an Position 977]
tānīdānīṃ pravakṣyāmi tattadvastvarpaṇāvidhau |
yathā tattanmanūccārādanu mūlamanūditam‌ ||677||

… werde ich jetzt für die Darbringung der jeweiligen Gegenstände erklären. Wie nach dem einzelnen Mantra der Wurzelmantra gesprochen wird …

Anmerkung: Quellnummer 677 an Position 977.

Vers 78 [Quellzählung an Position 978]
kalpate vastudānāya tathātrāpi sureśvari |
paurāṇikaṃ manuṃ procya tadante parikīrtayet‌ ||78||

… um die Gabe darzubringen, so geschieht es auch hier, Herrin der Götter. Nach dem puranischen Mantra spreche man abschließend …

Anmerkung: Quellziffer 78 an Position 978.

Vers 676 [Quellzählung an Position 979]
dvātriṃśadarṇakaṃ mantramathavā bhairavoditam‌ |
kātyāyanopāsitaṃ yajjayadurgādaśākṣaram‌ ||676||

… den zweiunddreißigsilbigen Mantra oder den von Bhairava verkündeten, von Katyayana verehrten zehnsilbigen Jayadurga-Mantra.

Anmerkung: Quellnummer 676 an Position 979;zweiAlternativen,nichtzu32+10verschmolzen.

Vers 80 [Quellzählung an Position 980]
tābhyāṃ paurāṇikārcāyāṃ vastudānaṃ samucyate |
dvayoraśaktāvekaṃ vāvaśyakatayerayet‌ ||80||

Mit diesen beiden wird bei der puranischen Verehrung die Darbringung vollzogen. Ist man zu beiden nicht imstande, soll man wenigstens einen als notwendig sprechen.

Anmerkung: Quellziffer 80 an Position 980;gegenüber979„oder“beideAnweisungenbewahrt.

Aufbau der beiden ergänzenden Mantras

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 681 [Quellzählung an Position 981]
vakṣye'nayoruddhṛtiṃ ta ādyaṃ nandīśvarārcitam‌ |
tāratrapābhyāṃ ṅe'ntābhyāṃ dakṣayajñavināśinī ||681||

Ich erkläre dir ihren Aufbau. Der erste wird von Nandishvara verehrt: Tara und Trapa, [dann] „Daksha-Yajna-Vinashini“ in der Dativendung …

Anmerkung: Quellnummer 681 an Position 981;ṅealsDativmarker,ZuordnungderEndungimOCRmehrdeutig.Anredebedeutet„derVernichterinvonDakshasOpfer“.

Vers 82 [Quellzählung an Position 982]
mahāghorāpi ca tathā yoginīkoṭiśabdataḥ |
tadvatparivṛtā kāryā māyābījaṃ tataḥ param‌ ||82||

… ebenso „Mahaghora“, „die überaus Furchtbare“, dann „von zehn Millionen Yoginis umgeben“ ebenfalls in dieser Form; danach das Maya-Bija …

Anmerkung: Quellziffer 82 an Position 982;KonstruktionsanweisungstattungeprüfterfertigerFormel.

Vers 683 [Quellzählung an Position 983]
pūrvavadbhadrakālī ca hṛnmantraḥ sarvaśeṣagaḥ |
athavā tārato durge iti vāradvayaṃ vadet‌ ||683||

… „Bhadrakali“ wie zuvor [im Dativ] und ganz am Ende der Herz-Mantra. Oder man spreche nach Tara zweimal „Durge“ …

Anmerkung: Quellnummer 683 an Position 983.

Vers 684 [Quellzählung an Position 984]
sambuddhyantā rakṣiṇī ca tarjanī manurantyagaḥ |
yadyapīmau manū devi tāntrikau samudīritau ||684||

… dann „Rakshini“ als Anrede und abschließend den Tarjani-Mantra. Obwohl diese beiden Mantras, Göttin, als tantrisch gelehrt werden …

Anmerkung: Quellnummer 684 an Position 984;TarjanialsSchlussdeckname,nichtautomatischphaṭergänzt.

Vers 85 [Quellzählung an Position 985]
tathāpi paurāṇikānte niyojyau tattadarhaṇe |
atha sarvopacārīyān‌ vakṣye paurāṇikān‌ manūn‌ ||85||

… sollen sie doch am Ende der puranischen [Formeln] bei der jeweiligen Verehrung verwendet werden. Nun erkläre ich die puranischen Mantras für alle Opferdienste.

Anmerkung: Quellziffer 85 an Position 985.

Vers [&८६; verformt] [Quellzählung an Position 986]
pūrvamevoditāḥ santi nimittārcāsu tāntrikāḥ |
ta evātra niyoktavyāḥ pratyekaṃ tattadarpaṇe ||686||

Die tantrischen sind schon zuvor bei der anlassgebundenen Verehrung gelehrt worden. Eben diese sind hier für die Darbringung jeder einzelnen Gabe zu verwenden.

Anmerkung: Quellziffer 686verformtan Position 986.

Die Opferdienste

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 87 [Quellzählung an Position 987]
patrikādiṣu paurāṇāḥ pīṭhamūrtyostu tāntrikāḥ |
āsanaṃ pādyamarghyaṃ ca tato'nvācamanīyakam‌ ||87||

Für Patrika und ähnliche Träger gelten die puranischen, für Pitha und Bild die tantrischen [Mantras]. Sitz, Fußwasser, Arghya und anschließend Mundspülwasser …

Anmerkung: Quellziffer 87 an Position 987.

Vers 88 [Quellzählung an Position 988]
madhuparkaṃ snānajalaṃ vastraṃ bhūṣaṇacandane |
puṣpaṃ dhūpaśca dīpaśca netrāñjanamataḥ param‌ ||88||

… Madhuparka, Badewasser, Gewand, Schmuck und Sandelpaste, Blumen, Räucherwerk, Licht und danach Augenschminke …

Anmerkung: Quellziffer 88 an Position 988.

Vers 84 [Quellzählung an Position 989]
alaktaṃ cāpi naivedyaṃ pradakṣiṇanamaskṛtī |
upacārā iti proktā devītuṣṭividhāyakāḥ ||84||

… roter Lack, Speisegabe, Umschreitung und Verneigung: Diese Opferdienste sind dazu bestimmt, die Göttin zu erfreuen.

Anmerkung: Quellziffer 84 an Position 989.

Überlieferte Wiederholung der Opferdienstpassage

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 90 [Quellzählung an Position 990]
yadyadvai dīyate dravyamalaṅkārādi kāñcanam‌ |
teṣāṃ daivatamuccārya kṛtvā ca prekṣaṇārcane

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 899. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 691 [Quellzählung an Position 991]
utsṛjya tattannāmāni tattanmantreṇa vedayet‌ |
dravyāṇāṃ daivataṃ proktaṃ pūrvameva taveśvari

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 900. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 662 [Quellzählung an Position 992]
dravyaśodhanamapyuktamevādau tāntrikakrame |
sarvaśuddhiṃ ca paurāṇakrame dhūmalayā caret‌

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 901. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 663 [Quellzählung an Position 993]
idaṃ te āsanaṃ dattaṃ te mayā suravarārcite |
bhavaitasmin‌ niṣaṇṇā tvaṃ yāvatpūjāṃ karomyaham‌

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 902. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 664 [Quellzählung an Position 994]
dūrvāparājitāpadmaśyāmākasahitaṃ jalam‌ |
pādyāya kalpate devi viśeṣārcāsu nānyathā

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 903. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 6965 [Quellzählung an Position 995]
pādyaṃ gṛhāṇa mahādevi sarvaduḥkhāpahārakam‌ |
trāyasva varade devi ghorādasmādbhavārṇavāt‌

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 904. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 666 [Quellzählung an Position 996]
snānavastre ca naivedye dadyādācamanīyakam‌ |
tacca svadhāpadaṃ dadyānmadhuparkaṃ tathā priye

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 905. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 667 [Quellzählung an Position 997]
arghyaṃ svāhāpadenaiva sarvamanyannamaḥpadaiḥ |
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapān‌

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 906. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 668 [Quellzählung an Position 998]
bilvapatrakṣīradūrvāsahitaṃ salilaṃ śuci |
śaṅkhapātragataṃ kṛtvā kālikāyai nivedayet‌

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 907. Keine erneute Übersetzung. Kleine Lesungsabweichung: śuci, „rein“, statt tathā, „ebenso“; hier also „reines Wasser“.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Vers 666 [Quellzählung an Position 999]
dūrvākṣatasamāyuktaṃ bilvapatraiḥ samanvitam‌ |
śobhanaṃ śaṅkhapātrasthaṃ gṛhāṇārghyaṃ harapriye

Wiederholung der bereits übersetzten Passage an Position 908. Keine erneute Übersetzung.

Anmerkung: Die zehn Strophen990–999 entsprechen899–908. Ursache der doppelten Überlieferung offen; keine eigenständige Übersetzung doppelt gezählt.

Arghya und Mundspülwasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1000
nānātīrthodbhavaṃ vāri sadvastuparikalpitam‌ |
gṛhāṇārghyamidaṃ devi jagaddhātri namo'stu te ||1000||

„Dieses Wasser stammt aus verschiedenen Tirthas und ist mit guten Stoffen bereitet. Nimm dieses Arghya an, Göttin, Trägerin der Welt; dir sei Verehrung!“

Anmerkung: ErsterHalbversschonimversetztenFragment909;ersthiermitvollständigemSchluss. ZusammenhängenderVershiervollübersetzt.

Vers 1051 [Quellzählung an Position 1001]
candrajātilavaṅgailākakkolasahitaṃ jalam‌ |
viśeṣācamanīyaṃ vai dadyāddevyai phalecchayā ||1051||

Wasser mit Chandra, Jati, Gewürznelke, Kardamom und Kakkola bringe man der Göttin als besonderes Mundspülwasser dar, wenn man einen Ertrag wünscht.

Anmerkung: Quellnummer 1051 an Position 1001;Chandra/JatiDuftstoffnamen,nichtungeprüftbotanischbestimmt.

Vers 1002
āmodivastusurabhīkṛtametadanuttamam‌ |
gṛhāṇācamanīyaṃ tvaṃ mayā bhaktyā niveditam‌ ||1002||

„Nimm dieses vortreffliche, mit duftenden Stoffen wohlriechend gemachte Mundspülwasser an, das ich dir in Hingabe darbringe.“

Vers 1003
imā āpo mayā bhaktyā tava pādatale'rpitāḥ |
ācāmaya mahādevi prītā śāntiṃ prayaccha ca ||1003||

„Dieses Wasser habe ich dir hingebungsvoll zu Füßen dargebracht. Spüle deinen Mund, große Göttin, sei erfreut und schenke Frieden!“

Madhuparka

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1004
surābhāve ghṛtaṃ dadhi madhu kāṃsye nivedayet‌ |
madhuparkaṃ taduddiṣṭaṃ prārthanīyaṃ divaukasām‌ ||1004||

Ist kein Alkohol vorhanden, bringe man Ghee, Dickmilch und Honig in einem Bronzegefäß dar. Dies heißt Madhuparka und wird selbst von den Himmelsbewohnern begehrt.

Anmerkung: SurābhāveimQuelltext,nichtinüblicheMadhuparkaRezeptvermutunggeändert.

Vers 1005
madhuparkaṃ maheśāni brahmaṇā parikalpitam‌ |
mayā niveditaṃ tubhyaṃ gṛhāṇa jagadīśvari ||1005||

„Nimm dieses von Brahma eingerichtete Madhuparka an, große Herrin, das ich dir darbringe, Herrin der Welt!“

Vers 1006
madhuparkapradānānte punarācamanīyakam‌ |
dātavyaṃ prāśanānte'sya yata ucchiṣṭatā bhavet‌ ||1006||

Nach der Madhuparka-Gabe reiche man erneut Mundspülwasser, denn nach dessen Genuss besteht der Zustand des Uchchhishta.

Anmerkung: Uchchhishta:rituellerZustandnachEssen/TrinkenbeziehungsweiseSpeiserestkontakt.

Badewasser und Gewand

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1007
vārīdaṃ himamāmodi prasannaṃ medhyameva ca |
mayā niveditaṃ bhaktyā snāhyanena sureśvari ||1007||

„Dieses Wasser ist kühl, duftend, klar und rituell rein. Ich bringe es dir in Hingabe dar; bade damit, Herrin der Götter!“

Vers 1008
nānāvarṇasamāyuktaṃ paṭṭasūtrādinirmitam‌ |
vāsaḥ śuklaṃ tathā raktaṃ gṛhāṇa tridaśeśvari ||1008||

„Nimm dieses Gewand an, Herrin der Götter, aus Seidenfäden und anderem gefertigt, vielfarbig, weiß und rot.

Anmerkung: UnterschiedlicheFarbangabenimQuelltextnichtvereinheitlicht.

Vers 1006 [Quellzählung an Position 1009]
dehaśobhākaraṃ pūtaṃ rañjitaṃ rāgavastubhiḥ |
paridhatsva jagaddhātri vāso bhaktyā niveditam‌ ||1006||

Es schmückt den Leib, ist rein und mit Farbstoffen gefärbt. Lege dieses in Hingabe dargebrachte Gewand an, Trägerin der Welt!“

Anmerkung: Quellnummer 1006 an Position 1009.

Vers 1010
vāsasaḥ paridhānānte punarācamanīyakam‌ |
dātavyaṃ bhaktibhāvena smṛtyuktatvānmanuṣyavat‌ ||1010||

Nach dem Anlegen des Gewandes reiche man erneut hingebungsvoll Mundspülwasser, wie es die Smriti nach Art des menschlichen Umgangs vorschreibt.

Schmuck und Salben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1011
divyaratnasamāyuktaṃ vahnibhānusamaprabham‌ |
alaṅkārāstavāṅgāni śobhayantu sureśvari ||1011||

„Möge dieser mit himmlischen Edelsteinen besetzte, wie Feuer und Sonne strahlende Schmuck deine Glieder schmücken, Herrin der Götter!“

Anmerkung: Singular/PluralimSanskritwechselnd,Sinnaussageklar.

Vers 1012
anulepanametatte mahāsurabhiśītalam‌ |
mayā niveditaṃ devi gṛhītvā lepayāṅgakam‌ ||1012||

„Diese überaus duftende und kühlende Salbe bringe ich dir dar, Göttin. Nimm sie an und salbe deinen Leib damit!“

Vers 1013
idaṃ kuṅkumamāmodi grāmāraṇyasamudbhavam‌ |
ghrāṇasantarpaṇaṃ hṛdyaṃ mayā dattaṃ pragṛhyatām‌ ||1013||

„Nimm dieses duftende Kunkuma an, aus Dorf und Wald hervorgegangen, erfreulich und den Geruchssinn befriedigend, das ich dir darbringe!“

Anmerkung: Quellangabegramaranyakunkumanichtbotanischbereinigt.

Räucherwerk und Licht

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1014
karpūrāgurusammiśro vanaspatirasodbhavaḥ |
mayā nivedito dhūpo devadevi pragṛhyatām‌ ||1014||

„Nimm dieses Räucherwerk an, Göttin der Götter, das ich dir darbringe: aus Baumharz gewonnen und mit Kampfer und Aguru vermischt!“

Vers 1015
agnijyotī ravijyotiścandrajyotistathaiva ca |
jyotiṣāmuttamaṃ jyotirdīpo'yaṃ pratigṛhyatām‌ ||1015||

„Das Licht des Feuers, das Licht der Sonne und das Licht des Mondes – nimm dieses Lampenlicht an, das höchste unter den Lichtern!“

Vers 1016
tvaṃ sūryacandrajyotīṃṣi vidyudagnyostathaiva ca |
tvameva jagato jyotirdīpo'yaṃ pratigṛhyatām‌ ||1016||

„Du bist das Licht von Sonne und Mond, von Blitz und Feuer. Du selbst bist das Licht der Welt. Nimm dieses Lampenlicht an!“

Augenschminke und Lack

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1017
snigdhamuṣṇaṃ hṛdyatamaṃ dṛśāṃ śobhākaraṃ tava |
gṛhītvā kajjalaṃ sadyo netrāṇyañjaya pārvati ||1017||

„Nimm diese geschmeidige, warme und überaus angenehme Augenschminke an, die deine Augen schmückt, und salbe deine Augen damit, Parvati!“

Vers 1018
tvatpādāmbojanakharadyutikāri manoramam‌ |
alaktakamidaṃ devi mayā dattaṃ pragṛhyatām‌ ||1018||

„Nimm diesen erfreulichen roten Lack an, Göttin, den ich dir darbringe und der die Nägel deiner Lotusfüße zum Leuchten bringt!“

Vers 10146 [Quellzählung an Position 1019]
nānāvidhāni ramyāṇi svādūni rasavanti ca |
mayā dattāni gṛhyantāṃ naivedyāni surārcite ||10146||

„Nimm die vielfältigen, schönen, wohlschmeckenden und saftigen Speisegaben an, die ich darbringe, du von den Göttern Verehrte!“

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 10146 an Position 1019.

Speisen und Getränke

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1020
phalamūlāni sarvāṇi grāmakānanajāni hi |
nānākārasugandhīni gṛhāṇa tvaṃ harapriye ||1020||

„Nimm all diese Früchte und Wurzeln an, aus Dorf und Wald, vielfältig geformt und wohlriechend, Geliebte Haras!“

Vers 1021
caturvidhamidaṃ bhakṣyaṃ devi ṣaḍbhī rasairyutam‌ |
sadā tṛptikaraṃ ramyamidamannaṃ pragṛhyatām‌ ||1021||

„Nimm diese vierfache Nahrung an, Göttin, mit den sechs Geschmacksrichtungen, stets sättigend und erfreulich!“

Anmerkung: VierNahrungsartenundsechsGeschmäckernurgenannt,nichtausanderenWerkenaufgefüllt.

Vers 1022
gavyasarpiḥpayoyuktaṃ nānāmadhuramiśritam‌ |
niveditaṃ devi mayā paramānnaṃ pragṛhyatām‌ ||1022||

„Nimm dieses Paramanna an, Göttin, das ich dir darbringe, mit Kuhghee und Milch bereitet und mit vielerlei Süßem vermischt!“

Anmerkung: Paramanna:vorzüglicheSpeise,hierMilchreisspeise.

Vers 1023
amṛtai racitaṃ divyaṃ ghṛtakhaṇḍavinirmitam‌ |
piṣṭakaṃ vividhaṃ svādu gṛhāṇa haravallabhe ||1023||

„Nimm das vielfältige, köstliche Gebäck an, Geliebte Haras, himmlisch und wie aus Nektar bereitet, aus Ghee und Zucker hergestellt!“

Anmerkung: ErsteWortverbindungamṛtai[r]leichtbeschädigt,Nektarlobklar.

Vers 1024
modakaṃ svādu ruciraṃ karpūrādibhiranvitam‌ |
miśraṃ nānāvidhairdravyaiḥ pratigṛhyāśu bhujyatām‌ ||1024||

„Nimm dieses köstliche, schöne Modaka an, mit Kampfer und anderen Stoffen sowie vielfältigen Zutaten vermischt, und genieße es sogleich!“

Anmerkung: HistorischesSpeisegebet,keineRezepturanweisungfürheutigenKampferverzehr.

Vers 1025
tāmrapātre sthitaṃ sīdhuṃ payo gavyamathātra vā |
nārikelodakaṃ kāṃsye gṛhāṇa śaṅkarapriye ||1025||

„Nimm das Sidhu im Kupfergefäß an oder Kuhmilch, beziehungsweise Kokoswasser im Bronzegefäß, Geliebte Shankaras!“

Anmerkung: Sidhu:alkoholischesGetränk;GefäßzuordnungderKuhmilchimSatznichtvollständigeindeutig.

Vers 1026
pānīyaṃ śītalaṃ svacchaṃ prasannaṃ ghanasārayuk‌ |
bhojane tṛptikṛddevi kṛpayā parigṛhyatām‌ ||1026||

„Nimm gnädig dieses kühle, saubere, klare Trinkwasser mit Ghanasara an, Göttin, das bei der Mahlzeit Erquickung schenkt!“

Anmerkung: GhanasaraKampferbezeichnung,RitualquellekeineheutigeZubereitungsempfehlung.

Betel und weitere Gaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1027
bhojanānte pradātavyaṃ punarācamanīyakam‌ |
pūrvoktenaiva mantreṇa sarvatraiva śucismite ||1027||

Nach der Mahlzeit reiche man überall erneut Mundspülwasser mit dem zuvor genannten Mantra, du rein Lächelnde.

Vers 1028
phalapatrakasaṃyuktaṃ karpūrādisuvāsitam‌ |
mukhakāntikaraṃ hṛdyaṃ tāmbūlaṃ pratigṛhyatām‌ ||1028||

„Nimm dieses angenehme Tambula an, aus Frucht und Blatt zusammengestellt und mit Kampfer und anderem beduftet, das dem Mund Frische und Schönheit verleiht!“

Anmerkung: TambulaBetelgabe,keinefehlendenZutatenhinzugedichtet.

Vers 10256 [Quellzählung an Position 1029]
dūrvāṅkuraṃ tato devyai dadyātsādhakasattamaḥ |
namaste sarvage devi namaste bhuktimuktide ||10256||

Dann gebe der vortreffliche Sadhaka der Göttin Durva-Sprossen: „Verehrung dir, allgegenwärtige Göttin! Verehrung dir, die Genuss und Befreiung schenkt!

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 10256 an Position 1029.

Opfergaben und Waffenverehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1030
dūrvāṃ gṛhāṇa devi tvaṃ māṃ nistāraya saṅkaṭāt‌ |
bilvapatraṃ tato devyai pṛthaktvena pradīyate ||1030||

Nimm das Durva an, Göttin, und führe mich aus der Bedrängnis heraus!“ Dann wird der Göttin gesondert ein Bilva-Blatt dargebracht.

Vers 1031
amṛtodbhavaṃ śrīyuktaṃ mahādevapriyaṃ sadā |
pavitraṃ te prayacchāmi patraṃ mālūraśākhinaḥ ||1031||

„Ich schenke dir das reine Blatt des Malura-Baums, aus Nektar entstanden, von Shri erfüllt und Mahadeva stets lieb.“

Anmerkung: Malura=BilvaimTextzusammenhang.

Vers 1032
nānāpuṣpeṇa racitāṃ tantunaddhāṃ sugandhinīm‌ |
[…] tava devi nivedaye ||1032||

„Die aus vielen Blumen gefertigte, auf einen Faden gereihte, wohlriechende [Girlande] […] bringe ich dir dar, Göttin.“

Anmerkung: Fragment:ersterTeildeszweitenHalbversesbereitsimDruckmitFragezeichen,nichtrekonstruiert.

Vers 1033
sarvaśeṣe pradātavyaṃ sindūraṃ patrikārcane |
anulepanakāle tu pīṭhamūrtyorbhideyatā ||1033||

Bei der Patrika-Verehrung wird Sindura ganz am Schluss gegeben. Bei Pitha und Bild dagegen während des Salbens; darin liegt der Unterschied.

Anmerkung: LetztesWortbhideyatāunsicher,KontrastderZeitpunktelesbar.

Vers 1034
alikādhikaśobhāyāḥ kārakaṃ nāgasambhavam‌ |
[…] sindūraṃ parigṛhyatām‌ ||1034||

„Nimm das Sindura an, das die Stirn besonders schmückt und aus Naga hervorgeht […].“

Anmerkung: Fragment:zweiterHalbverszusatzbereitsimDruckfraglich.NagaalsMaterialbezeichnung,hiermöglicherweiseBlei,nichtsicheraufgelöst.

Aarti und Glocke

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1035
camarīpucchajaṃ śvetaṃ hemadaṇḍi suloma ca |
mayārpitaṃ rājacihnaṃ cāmaraṃ pratigṛhyatām‌ ||1035||

„Nimm den von mir dargebrachten Chamara an, das königliche Zeichen: weiß, aus dem Schwanz der Chamari gewonnen, mit goldenem Griff und feinen Haaren!“

Anmerkung: ChamaraYakschweifwedel.

Vers 1036
barhibarhakṛtākāraṃ madhyadaṇḍasamanvitam‌ |
gṛhyatāṃ vyajanaṃ devi dehasvedāpanuttaye ||1036||

„Nimm diesen Fächer an, Göttin, aus Pfauenfedern gestaltet und mit einem Griff in der Mitte, um den Schweiß des Leibes zu lindern!“

Vers 1037
yena bhīṣayase daityān‌ yena pūrayasīśvaram‌ |
tāṃ ghaṇṭāṃ te prayacchāmi mahiṣaghni prasīda me ||1037||

„Ich schenke dir diese Glocke, mit der du die Daityas erschreckst und […] erfüllst. Sei mir gnädig, Töterin Mahishas!“

Anmerkung: Fragment:īśvaramalsObjektvonpūrayasibeschädigt/unklar,nichtalsWeltallergänzt.

Licht und Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1038
dīpairanekairvihitamārātrikamimaṃ śubham‌ |
nivedayāmi te devi saṃharājñānajaṃ tamaḥ ||1038||

„Dieses segensreiche Aratrika mit vielen Lichtern bringe ich dir dar, Göttin. Vernichte das Dunkel, das aus Unwissenheit entstanden ist!“

Vers 10346 [Quellzählung an Position 1039]
sarvaśeṣe pradātavyaṃ puṣpāṇāmañjalitrayam‌ |
tanmanustu varārohe durgāgāyatryudīritā ||10346||

Ganz am Schluss bringe man dreimal eine Handvoll Blumen dar. Als Mantra dafür wird, du Schöne, die Durga-Gayatri genannt.

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 10346 an Position 1039.

Gayatri-Rezitation

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1040
oṃ caṇḍikāyai vidmahe bhagavatyai dhīmahi |
tanno gaurī pracodayāt‌ ||1040||

„Om. Mögen wir Chandika erkennen; über Bhagavati meditieren wir. Möge Gauri uns anregen!“

Anmerkung: DiesealsDurga-Gayatri bezeichneteFormnenntChandika/Bhagavati/Gauri,abweichendvon815Katyayani/Bhagavati/Durga;nichtvermischt.

Japa und Abschlussgebete

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1041
anena vidhinā yastu mantrairebhistu pārvati |
mahiṣaghnīṃ mahāmāyāṃ patrikāsu prapūjayet‌ ||1041||

Wer nach diesem Verfahren und mit diesen Mantras, Parvati, die Mahisha-Töterin Mahamaya in den Patrikas verehrt …

Vers 1042
aśvamedhaphalaṃ prāpya sa gaccheccaṇḍikālayam‌ |
ihāpi ca bhavetsadyaḥ kalyāṇānāṃ sa bhājanam‌ ||1042||

… erlangt den Ertrag eines Ashvamedha und geht in Chandikas Wohnstatt ein. Auch hier wird er sogleich zum Empfänger von Heil und Wohlergehen.

Vers 1043
pūjārītirvarārohe pīṭhamūrtyorapīdṛśī |
mantrabhedaḥ paraṃ jñeyaḥ pātrāṇāṃ sthāpanaṃ tathā ||1043||

So ist die Art der Puja auch bei Pitha und Bild, du Schöne. Zu beachten sind lediglich die Unterschiede der Mantras und der Gefäßeinsetzung.

Patrika-Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1044
pratyekaṃ tu tataḥ kuryātpatrikāṇāṃ prapūjanam‌ |
yāvacchakyopacāreṇa mantreṇāpi pṛthakpṛthak‌ ||1044||

Danach verehre man jede Patrika einzeln, jeweils mit den verfügbaren Opferdiensten und ihrem eigenen Mantra.

Vers 1045
ekā tattadadhiṣṭhātrī devatā parikīrtitā |
tattannāmnā caturthyantā samāvāhyārcayetpriye ||1045||

Für jede wird eine eigene innewohnende Gottheit genannt. Man lade sie unter ihrem jeweiligen Namen im Dativ ein und verehre sie, Geliebte.

Vers 1046
ādau tu rambhādhiṣṭhātrī brahmāṇī parikīrtitā |
kālikā kaccyadhiṣṭhātrī tripuraghnena bhāṣitā ||1046||

Zuerst wird Brahmani als die im Bananenbaum Wohnende genannt. Kalika ist, wie der Bezwinger Tripuras lehrt, die Gottheit der Kachi-Pflanze.

Anmerkung: Rambha=Bananehier,nichtAsuraausErzählung.

Vers 1047
durgā haridrādhiṣṭhātrī jayantī kārtikī tathā |
śivā ca bilvādhiṣṭhātrī dāḍimādhiṣṭhitā tathā ||1047||

Durga wohnt in der Kurkuma-Pflanze, Kartiki in Jayanti und Shiva im Bilva. Im Granatapfel wohnt …

Anmerkung: ShivaweiblicheGöttinnenform,NichtohneNotmännlichharmonisiert.

Vers 1048
śatrusaṅghakṣayakarī vijñeyā raktadantikā |
munibhiḥ śokarahitāśokādhiṣṭhātryudīritā ||1048||

… Raktadantika, die Vernichterin der Feindesscharen. Die Weisen nennen Shokarahita die Göttin, die im Ashoka wohnt.

Anmerkung: Shokarahita:dieTrauerfreie;Pflanzen-/Göttinnennamengetrennt.

Vers 1046 [Quellzählung an Position 1049]
tathaiva mānādhiṣṭhātrī cāmuṇḍā parikīrtitā |
lakṣmīśca dhānyādhiṣṭhātrī nandīśenopapāditā ||1046||

Ebenso wird Chamunda als Göttin der Mana-Pflanze genannt. Lakshmi hat Nandisha als Göttin des Getreides gelehrt.

Anmerkung: Quellnummer 1046 an Position 1049.

Gebete zu den Pflanzen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1050
navapatrikādhiṣṭhātrī kātyāyanyapyudīritā |
yathāsāṃ kramato devi nāmānyuktāni te mayā ||1050||

Katyayani wird als die Göttin der gesamten Navapatrika bezeichnet. Wie ich dir, Göttin, ihre Namen in Reihenfolge genannt habe …

Anmerkung: AchtEinzelpflanzenplusGesamtgruppeimlesbarenWortlaut;keinefehlendePflanzenergänzen.

Vers 1051
tathaiva mantramekaikaṃ krameṇa pravadāmyadhunā |
brahmāṇi tvaṃ samāgaccha sānnidhyamiha kalpaya ||1051||

… so erkläre ich dir jetzt nacheinander jeden einzelnen Mantra: „Brahmani, komm herbei und mache deine Gegenwart hier wirksam!

Vers 1052
rambhārūpeṇa sarvatra śāntiṃ kuru namo'stu te |
mahiṣāsurayuddheṣu kaccībhūtāsi kālike ||1052||

Bewirke in Bananengestalt überall Frieden; dir sei Verehrung! Kalika, in den Kämpfen gegen Mahishasura bist du zur Kachi-Pflanze geworden …

Vers 1053
manuṣyānugrahārthāya lokamenamupāgatā |
haridre varade devi durgārūpāsi śobhane ||1053||

… und in diese Welt gekommen, um den Menschen Gnade zu erweisen. Kurkuma, segenspendende Göttin, du Schöne, du bist Durgas Gestalt …

Vers 1054
mama vighnavināśāya pūjāṃ gṛhṇa prasīda me |
niśumbhaśumbhamathane sendradevagaṇaiḥ purā ||1054||

… nimm die Puja an, um meine Hindernisse zu vernichten, und sei mir gnädig! Bei der Niederwerfung Nishumbhas und Shumbhas haben die Götterscharen mit Indra dich einst …

Vers 1055
jayanti pūjitāsi tvamasmākaṃ varadā bhava |
mahādevapriyakaro vāsudevapriyaḥ sadā ||1055||

… verehrt, Jayanti; sei uns eine Spenderin des Segens! Bilva-Baum, du erfreust Mahadeva und bist Vasudeva stets lieb …

Anmerkung: AnredeBilvafolgt1056,fürdeutschenSatzvorweggenommen.

Vers 1056
sadā kālīpriyakara bilvavṛkṣa namo'stu te |
dāḍimi tvaṃ purā yuddhe raktabījasya sammukhe ||1056||

… und erfreust Kali immerzu; dir sei Verehrung! Granatapfelpflanze, einst im Kampf vor Raktabija …

Vers 1057
cāmuṇḍāprītimakarostasmāttvāṃ pūjayāmyaham‌ |
haraprītikaro vṛkṣo hyaśokaḥ śokanāśanaḥ ||1057||

… hast du Chamunda erfreut; darum verehre ich dich. Der Ashoka-Baum erfreut Hara und vernichtet Trauer …

Vers 1058
durgāprītikaratvena māmaśokaṃ sadā kuru |
yasya vṛkṣe vaseddevī mānavṛkṣa śacīpriya ||1058||

… indem du Durga erfreust, mache mich stets frei von Trauer! Mana-Pflanze, Shachi lieb, in deren Gewächs die Göttin wohnt …

Anmerkung: Manaalsvriksha imText,nichtbotanischkorrigiert.

Vers 1056 [Quellzählung an Position 1059]
mamevānugrahārthāya pūjāṃ gṛhṇa sureśvari |
jagataḥ prāṇarakṣārthaṃ brahmaṇā nirmitaṃ purā ||1056||

… nimm die Puja an, um mir Gnade zu schenken, Herrin der Götter! Das Getreide wurde einst von Brahma geschaffen, um das Leben der Welt zu erhalten …

Anmerkung: Quellnummer 1056 an Position 1059;Getreidewortin1060,imDeutschenfürSatzbauvorgezogen.

Vers 1060
umāprītikaraṃ dhānyaṃ tasmāttvaṃ rakṣa māṃ sadā |
patrike navadurge tvaṃ mahādevamanohare ||1060||

… und erfreut Uma; darum schütze du mich stets! Patrika, Navadurga, die Mahadevas Geist bezaubert …

Vers 1061
pūjāṃ samastāṃ saṅgṛhya rakṣa māṃ tridaśeśvari |
pratyekamitthaṃ sampūjyā mantrairetairudīritaiḥ ||1061||

… nimm die gesamte Puja an und schütze mich, Herrin der Götter!“ So ist jede einzeln mit diesen genannten Mantras zu verehren …

Gemeinsame Regeln der Puja

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1062
nāmabhyāmapi ṅe'ntābhyāmuktābhyāṃ pūrvameva te |
sāmānyapīṭhanyāsoktanāmabhirṅe'ntabṛṃhitaiḥ ||1062||

… auch mit den beiden zuvor genannten Namen in Dativform. Mit den im allgemeinen Pitha-Nyasa gelehrten, ebenfalls in den Dativ gesetzten Namen …

Anmerkung: Bezug„beideNamen“nichtvollständigeindeutig,keinezusätzlichenGöttinnennamenergänzt.

Vers 1063
dikpālānapi nityoktavāhanāyudhasaṃyutān‌ |
pīṭhamūrtyostu bahubhirnityanaimittikoditaiḥ ||1063||

… verehre man auch die Weltenhüter mit den im Abschnitt über die regelmäßige Puja genannten Reittieren und Waffen. Bei Pitha und Bild verehre man die höchste Herrin mit den ausführlichen …

Vers 1064
āvṛtyarcanavistārairyajetparameśvarīm‌ |
yāvatī kathitā nitya itikartavyatā mayā ||1064||

… Verehrungen ihrer Umkreise, wie sie für regelmäßige und anlassgebundene Riten gelehrt wurden. Alle von mir im regelmäßigen Verfahren genannten Pflichten …

Vers 10615 [Quellzählung an Position 1065]
tathā naimittike cāpi dvayorapi niyojayet‌ |
samprayogamantrāṇāmavadaṃ naityake vidhau ||10615||

… und ebenso diejenigen des anlassgebundenen Verfahrens wende man auf beide an. Die Verwendung der Mantras, die ich für das regelmäßige Verfahren erklärt habe …

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 10615 an Position 1065.

Vers 1066
taṃ kevalaṃ vihāyeśi sarvamanyadupācaret‌ |
naimittikīyaḥ sa grāhyo'nyaḥ sarva ubhayātmakaḥ ||1066||

… nehme man allein davon aus, Herrin; alles andere führe man aus. Hier ist die anlassgebundene Mantraverwendung zu nehmen, das Übrige gehört beiden Verfahren gemeinsam an.

Anmerkung: RückbezugaufMantraanwendungaus 1065,spezielleEinschränkungnichtwegendervorherigenGleichsetzunggestrichen.

Vers 1067
prayogo yādṛśīyastu tādṛśīyaṃ hi tarpaṇam‌ |
śaktau tu patrikārcāyāṃ daśāstrāṇi prapūjayet‌ ||1067||

Wie das jeweilige Verfahren beschaffen ist, so auch die Tarpana-Spende. Wenn es möglich ist, verehre man bei der Patrika-Puja die zehn Waffen …

Anmerkung: ZehnWaffengenannt,nichtaus 915 undHaargriffListeerfunden.

Mahishasura und Bali

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1068
ṅe'ntaistārahṛdormadhyādhiṣṭhitaistattadakṣaraiḥ |
tato'nu sarvapūjānte pūjayenmahiṣāsuram‌ ||1068||

… mit den jeweiligen Namen im Dativ, zwischen Tara und Herz-Schluss gesetzt. Danach, am Ende der gesamten Puja, verehre man Mahishasura.

Anmerkung: Formelbau:EmpfängerdativplusRahmen;keinfehlenderWaffennameergänzt.

Vers 10656 [Quellzählung an Position 1069]
baliṃ dadyātsvaśaktyā ca paśūnapi khagānapi |
naimittike tadvidhānaṃ prāgeva tava kīrtitam‌ ||10656||

Nach den eigenen Möglichkeiten bringe man Bali dar, auch Tiere und Vögel. Das Verfahren dafür habe ich dir bereits im Abschnitt über die anlassgebundene Verehrung erklärt.

Anmerkung: BeschädigteQuellziffer 10656 an Position 1069;AbschlussdesSaptami-AbschnittslautFolgevers1070.

Verehrung an Mahashtami

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1070
etāvat saptamīkṛtyamathāṣṭamyarcanaṃ śṛṇu |
saptamyuktavidhānaṃ hi pūrvamevānuvartate ||1070||

So weit die Verrichtungen am siebten Mondtag. Höre nun von der Verehrung am achten: Zunächst wird das für Saptami gelehrte Verfahren fortgeführt.

Vers 1071
adhikaṃ yat tadākhyāsye sarvamanyat puroktavat |
śodhanaṃ dravyajātānāmāsanādestathaiva ca ||1071||

Ich werde erklären, was hinzukommt; alles andere geschieht wie zuvor: die Reinigung der verschiedenen Materialien, des Sitzes und der übrigen Gegenstände …

Vers 1072
prāṇāyāmo bhūtaśuddhirmātṛkānyāsa eva ca |
tathā pīṭhaṣaḍaṅgākhyanyāsau nyāsāntarāṇyapi ||1072||

… Pranayama, Bhutashuddhi, Matrika-Nyasa sowie Pitha-Nyasa, der sogenannte Sechsglieder-Nyasa und die weiteren Nyasas.

Vers 1073
vidhāya pūrvoktarītyā mahāsnānaṃ tathaiva ca |
darpaṇe pratibimbaṃ ca kārayitvā puroktavat ||1073||

Nachdem man dies und das große Bad nach dem zuvor gelehrten Verfahren ausgeführt und wie zuvor das Spiegelbild im Spiegel hergestellt hat …

Vers 1074
dantakāṣṭhaṃ nivedyātha saṅkalpaṃ viracayya ca |
arghyasaṃsthāpanādīni vidhāya ca puroktavat ||1074||

… bringt man das Zahnputzhölzchen dar, fasst den Sankalpa und führt die Bereitstellung des Arghya sowie die übrigen Handlungen wie zuvor aus.

Vers 1075
samāpyātmārcanaṃ cāpi ghaṭe gaṇapatiṃ yajet |
sūryādīnapi pañcāyatanīṃ sampūjya yatnataḥ ||1075||

Nachdem man auch die Verehrung des eigenen Selbst vollendet hat, verehre man Ganapati im Krug und sorgfältig die Fünfergruppe der Gottheiten mit Surya und den anderen.

Anmerkung: Panchayatani bezeichnet hier die Fünfergruppe; die nicht genannten Namen werden nicht ergänzt.

Vers 1076
dhyātvātha mānasairevopacāraiḥ paripūjya ca |
upacāraiḥ ṣoḍaśabhirmahāmāyāṃ samarcayet ||1076||

Dann meditiere man über Mahamaya, verehre sie mit geistig dargebrachten Gaben und bringe ihr die sechzehn Opferdienste dar …

Vers 1077
taistairmantraistattadanukramaṇyā cāpi pārvati |
mudrāpradarśanaistaistairupacāranivedanaiḥ ||1077||

… mit den jeweiligen Mantras in ihrer jeweiligen Reihenfolge, Parvati, mit den entsprechenden Mudras und Darbringungen.

Vers 1078
pīṭhamūrtyostāntrikoktarītyā pūjanamācaret |
patrikāsu ca paurāṇakramato jagadīśvari ||1078||

Bei Pitha und Kultbild vollziehe man die Puja nach tantrischer Vorschrift, bei den Patrikas dagegen nach puranischer Ordnung, Herrin der Welt.

Vers 10785 [Quellzählung an Position 1079]
kṛtvāvaraṇapūjāṃ hi pīṭhe dvābhyāṃ samācaret |
nityanaimittikoktābhyāṃ mahāṣṭamyarcanakrame ||10785||

Nach der Verehrung der Umkreise verfahre man beim Pitha nach beiden gelehrten Formen, der regelmäßigen und der anlassgebundenen, in der Ordnung der Mahashtami-Verehrung.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 10785 an Position 1079.

Die acht Shaktis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1080
viśeṣaṃ kañcidākhyāsye patrikāyāḥ prapūjane |
pūrvādivasukoṇeṣu daśopacaraṇairyajet ||1080||

Ich erkläre eine Besonderheit bei der Patrika-Puja: In den acht Richtungen, beginnend im Osten, verehre man mit zehn Opferdiensten …

Vers 1081
devyāḥ śaktīḥ krameṇaivogracaṇḍādyā viśeṣataḥ |
mantramālāmayīsaṃsthairmantrairāsāṃ tu kaulikaḥ ||1081||

… der Reihe nach die Shaktis der Göttin, insbesondere Ugrachanda und die übrigen. Der Kaula verwendet ihre Mantras aus der Mantramalamayi …

Anmerkung: Werkbezeichnung Mantramalamayi; Bezug auf die zuvor behandelte Mantrasammlung, keine Formel ergänzt.

Vers 1082
nandikeśapurāṇoktairmanubhiḥ padyarūpibhiḥ |
śrutyadhvanyāḥ pūjayeyurugracaṇḍādikāḥ priye ||1082||

… die Anhänger des Shruti-Weges dagegen verehren Ugrachanda und die anderen mit den versförmigen Mantras des Nandikesha-Purana, Geliebte.

Anrufungen der acht Shaktis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1083
manūṃstadīyānadhunā bravīmi tava sundari |
tārahrīkamalā ādau madhye ṅe'ntābhidhā tathā ||1083||

Nun nenne ich dir ihre Mantras, Schöne: Am Anfang stehen Tara, Hri und Kamala, in der Mitte der jeweilige Name im Dativ …

Anmerkung: Bija-Decknamen; keine zusätzlichen Silben erfunden.

Vers 1084
madhye [ante] hṛnmanurevaṃ hi paripāṭī prakīrtitā |
ugracaṇḍā tu bhayadā madhyāhnārkasamaprabhā ||1084||

… und in der Mitte [Herausgebervorschlag: am Ende] der Herz-Mantra. So ist die Anordnung erklärt. „Ugrachanda, die Furchterregende, deren Glanz der Mittagssonne gleicht …“

Anmerkung: Quelle bietet selbst die Korrekturmitteilung मध्ये [अन्ते]; Unterschied sichtbar bewahrt.

Vers 1085
sā me sadāstu varadā tasyai nityaṃ namo namaḥ |
pracaṇḍe putrade nityaṃ pracaṇḍe gaṇasaṃvṛte ||1085||

„… möge mir immer Segen gewähren. Ihr sei stets wieder und wieder Verehrung! Prachanda, die du Söhne schenkst, stets von Scharen umgebene Prachanda …“

Vers 1086
jagadānandade devi prasannā bhava sarvadā |
caṇḍogre ghorarūpāsi sarvabhūtabhayapradā ||1086||

„… Göttin, die du der Welt Freude schenkst, sei stets gnädig! Chandogra, du hast eine schreckliche Gestalt und erregst Furcht in allen Wesen …“

Vers 1087
saumyā bhūtvā mayi sadā varadā bhava śobhane |
yā siddhiriti nāmnā tu deveśena prakāśitā ||1087||

„… werde mir gegenüber milde und gewähre stets Segen, Schöne! Diejenige, die der Herr der Götter unter dem Namen Siddhi offenbarte …“

Vers 1088
sāsi tvaṃ sāsi deveśi namaste caṇḍanāyike |
devi caṇḍātmike caṇḍi caṇḍārivijayaprade ||1088||

„… die bist du, ja, die bist du, Herrin der Götter. Verehrung dir, Chandanayika! Göttin, von gewaltigem Wesen, Chandi, die du Sieg über mächtige Feinde schenkst …“

Vers 1084 [Quellzählung an Position 1089]
dharmamokṣapradāsi tvaṃ nityaṃ me varadā bhava |
yā sṛṣṭisthitisaṃhāraguṇatrayasamanvitā ||1084||

„… du schenkst Dharma und Befreiung; gewähre mir stets Segen! Die mit den drei Kräften von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung ausgestattet ist …“

Anmerkung: Quellnummer 1084 an Position 1089; beschädigtes pradāsi aus eindeutigem Satzanschluss gelesen.

Vers 1060 [Quellzählung an Position 1090]
yāsyāḥ parā na cānyāsti caṇḍavatyai namo namaḥ |
caṇḍarūpā mahācaṇḍā caṇḍanāyakacaṇḍikā ||1060||

„… über die hinaus es keine andere gibt: Chandavati sei wieder und wieder Verehrung! Die gewaltgestaltige Mahachanda, Chandika der gewaltigen Anführer …“

Anmerkung: Quellnummer 1060 an Position 1090; Kompositum Chandanayakachandika im genauen Verhältnis mehrdeutig.

Vers 1061 [Quellzählung an Position 1091]
sarvasiddhipradā devī tasyai nityaṃ namo namaḥ |
bālārkanibhanetrā yā sarvadā bhaktavatsalā ||1061||

„… die Göttin, die alle Vollkommenheiten schenkt: Ihr sei stets wieder und wieder Verehrung! Deren Augen der aufgehenden Sonne gleichen und die ihre Verehrer stets liebevoll umsorgt …“

Anmerkung: Quellnummer 1061 an Position 1091; bālārkanibhanetrā vorläufige Lesung aus beschädigtem बालाकर्णिनेत्रा; Augenvergleich sinngemäß unsicher.

Vers 1062 [Quellzählung an Position 1092]
caṇḍāsurasya mathanī varadā sā'stu caṇḍikā |
tato'ṣṭadalapadmasya aṣṭāvṛttyā sureśvari ||1062||

„… die Chandasura bezwingt: Diese Chandika möge Segen gewähren!“ Sodann verehre man in acht Durchgängen am achtblättrigen Lotus, Herrin der Götter …

Anmerkung: Quellnummer 1062 an Position 1092.

Die vierundsechzig Yoginis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1063 [Quellzählung an Position 1093]
yajeccatuḥṣaṣṭimitā yoginīrgaṇarūpiṇīḥ |
tāratrayaṃ puro dattvā śeṣe nama idaṃ padam ||1063||

… die vierundsechzig Yoginis, die ihre Scharen bilden. Man setze die drei Taras voran und das Wort „namah“ an den Schluss …

Anmerkung: Quellnummer 1063 an Position 1093; Tara-Trio nicht stillschweigend in konkrete Silben aufgelöst.

Vers 1064 [Quellzählung an Position 1094]
ṅe'ntaṃ tattannāma tāsāṃ madhye kṛtvā niyojayet |
upacāraiḥ pañcabhirvā puṣpairvā kevalākṣataiḥ ||1064||

… und füge den jeweiligen Namen im Dativ in die Mitte ein. So verehre man sie mit fünf Opferdiensten, mit Blumen oder allein mit ungebrochenen Reiskörnern.

Anmerkung: Quellnummer 1064 an Position 1094.

Vers 1065 [Quellzählung an Position 1095]
brahmāṇī caṇḍikā raudrī gaurīndrāṇī tathaiva ca |
kaumārī bhairavī durgā nārasiṃhī ca kālikā ||1065||

Es sind Brahmani, Chandika, Raudri, Gauri, Indrani, Kaumari, Bhairavi, Durga, Narasimhi und Kalika …

Anmerkung: Quellnummer 1065 an Position 1095; Namensliste wird in den folgenden Versen fortgesetzt.

Vers 1066 [Quellzählung an Position 1096]
cāmuṇḍā śivadūtī ca vārāhī kauśikī tathā |
māheśvarī śāṅkarī ca jayantī sarvamaṅgalā ||1066||

… Chamunda, Shivaduti, Varahi, Kaushiki, Maheshvari, Shankari, Jayanti, Sarvamangala …

Anmerkung: Quellnummer 1066 an Position 1096.

Vers 1067 [Quellzählung an Position 1097]
karālinī muktakeśī śivā śākambharī tathā |
bhīmā śāntā bhrāmarī ca rudrāṇī caṇḍarūpiṇī ||1067||

… Karalini, Muktakeshi, Shiva, Shakambhari, Bhima, Shanta, Bhramari, Rudrani, Chandarupini …

Anmerkung: Quellnummer 1067 an Position 1097.

Vers 10468 [Quellzählung an Position 1098]
kṣamā dhātrī svadhā svāhā aparṇā ca mahodarī |
ghorarūpā mahākālī vidyujjihvā kapālinī ||10468||

… Kshama, Dhatri, Svadha, Svaha, Aparna, Mahodari, Ghorarupa, Mahakali, Vidyujjihva, Kapalini …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 10468 an Position 1098.

Vers 1044 [Quellzählung an Position 1099]
kṣemaṅkarī mahāmāyā meghamālā balākinī |
śuṣkodarī caṇḍaghaṇṭā mahāpretā priyaṅkarī ||1044||

… Kshemankari, Mahamaya, Meghamala, Balakini, Shushkodari, Chandaghanta, Mahapreta, Priyankari …

Anmerkung: Quellziffer 1044 an Position 1099.

Vers 1100
kharatuṇḍī ṛkṣakarṇī balapramathanī tathā |
manonmathanyapi tataḥ sarvabhūtadaman‍yapi ||1100||

… Kharatundi, Rikshakarni, Balapramathani, Manonmathani, Sarvabhutadamani …

Anmerkung: Letzter Name im OCR सर्वभूतदमन्यपि; Sandhi als damanī api verstanden.

Vers 1101
umā tārā mahānidrā vijayā ca jayā tathā |
śailaputrī maholkā ca triśūlinyañjanaprabhā ||1101||

… Uma, Tara, Mahanidra, Vijaya, Jaya, Shailaputri, Maholka, Trishulini und Anjanaprabha …

Vers 1102
kūṣmāṇḍī viśvasantrāsā tathā kātyāyanī parā |
kālarātrirmahāgaurī catuḥṣaṣṭirimā matāḥ ||1102||

… Kushmandi, Vishvasantrasa, die höchste Katyayani, Kalaratri und Mahagauri. Diese gelten als die vierundsechzig.

Vers 1103
pūjayenmaṇḍalasyāntaḥ sarvakāmārthasiddhaye |
punaśca koṭiyoginyaḥ pūjyā ekākhyayā śriye ||1103||

Man verehre sie innerhalb des Mandalas zur Erfüllung aller gewünschten Ziele. Danach sind zum Gedeihen die zehn Millionen Yoginis unter einer gemeinsamen Benennung zu verehren.

Die neun Durgas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1104
padmapatrāgrabhāgeṣu pūrvavanmantrakalpanaiḥ |
tato devīsannidhāne samyag durgāḥ śubhapradāḥ ||1104||

Dann verehre man in Gegenwart der Göttin die heilbringenden Durgas an den Spitzen der Lotusblätter mit Mantrabildungen wie zuvor …

Vers 1105
aiśānyādikramād dve dve madhye vā nava pūjayet |
āsāmapyugracaṇḍādivanmantraḥ parikīrtitaḥ ||1105||

… der Reihe nach vom Nordosten aus je zwei, oder die neun in der Mitte. Auch ihr Mantra ist nach der Art der Ugrachanda-Mantras erklärt.

Anmerkung: Räumliche Anordnung der neun gegenüber „je zwei“ nicht völlig eindeutig; keine Mandalarekonstruktion.

Vers 1106
pādyādibhiḥ pūrvavacca tattanmantraiḥ prapūjayet |
mṛtyuñjayaprāṇasaṃsthairatha paurāṇikairapi ||1106||

Mit Fußwaschwasser und den übrigen Gaben verehre man sie wie zuvor, jeweils mit ihren Mantras aus dem Mrityunjayaprana oder mit den puranischen.

Vers 1107
pūrvaḥ pakṣaḥ kaulikānāmuttaraḥ śrutiśālinām |
tanmantrānadhunā vakṣye sāvadhānā niśāmaya ||1107||

Die erste Möglichkeit gilt für Kaulas, die zweite für die Anhänger der Shruti. Jetzt werde ich diese Mantras nennen; höre aufmerksam zu!

Vers 1108
caturmukhīṃ jagaddhātrīṃ haṃsārūḍhāṃ varapradām |
sṛṣṭikartrīṃ mahābhāgāṃ brahmāṇīṃ tāṃ namāmyaham ||1108||

„Ich verneige mich vor Brahmani, der viergesichtigen Trägerin der Welt, die auf dem Hamsa reitet, Segen gewährt und die Schöpfung hervorbringt, der hochbegnadeten Göttin.“

Vers 1106 [Quellzählung an Position 1109]
vṛṣārūḍhāṃ śubhāṃ śubhrāṃ trinetrāṃ varadāṃ śivām |
māheśvarīṃ namasyāmi jagatsaṃhārakāriṇīm ||1106||

„Ich verehre Maheshvari, die auf dem Stier reitet, die glückverheißende, weiße, dreiäugige, segnende Shiva, die die Welt auflöst.“

Anmerkung: Quellnummer 1106 an Position 1109.

Vers 2110 [Quellzählung an Position 1110]
kaumārīṃ pītavasanāṃ mayūravaravāhinīm |
śaktihastāṃ śoṇadehāṃ namāmi varadāṃ sadā ||2110||

„Stets verneige ich mich vor der segnenden Kaumari, die gelbe Gewänder trägt und auf einem herrlichen Pfau reitet, mit dem Speer in der Hand und rotem Leib.“

Anmerkung: Quellnummer 2110 an Position 1110; Shakti hier Waffe/Speer.

Vers 1111
śaṅkhacakragadāpadmadhāriṇīṃ kṛṣṇavigrahām |
sthitirūpāṃ khagendrasthāṃ vaiṣṇavīṃ praṇamāmyaham ||1111||

„Ich verneige mich vor Vaishnavi, die Muschel, Diskus, Keule und Lotus trägt, dunkelgestaltig auf dem König der Vögel sitzt und die Erhaltung verkörpert.“

Vers 1112
varāharūpiṇīṃ devīṃ daṃṣṭroddhṛtavasundharām |
śubhadāṃ nīlavasanāṃ vārāhīṃ tāṃ namāmyaham ||1112||

„Ich verneige mich vor Varahi, der Göttin in Ebergestalt, die mit ihrem Hauer die Erde emporhebt, Heil schenkt und blaue Gewänder trägt.“

Vers 1113
nṛsiṃharūpiṇīṃ bhīmāṃ daityadānavaghātinīm |
vikarālanakhīṃ śubhrāṃ nārasiṃhīṃ namāmyaham ||1113||

„Ich verneige mich vor Narasimhi in Mensch-Löwen-Gestalt, der Furchtbaren, die Daityas und Danavas tötet, mit gewaltigen Krallen und weißem Glanz.“

Vers 1114
indrāṇīṃ gajakumbhasthāṃ sahasranayanāṃ śubhām |
namāmi varadāṃ devīṃ sarvadevanamaskṛtām ||1114||

„Ich verneige mich vor Indrani, die auf der Stirnwölbung eines Elefanten sitzt, der tausendäugigen, glückverheißenden, segnenden Göttin, die alle Götter verehren.“

Vers 1115
cāmuṇḍāṃ muṇḍamathanīṃ muṇḍamālopaśobhitām |
aṭṭāṭahāsamuditāṃ namāmyātmavibhūtaye ||1115||

„Ich verneige mich zu meiner eigenen Entfaltung vor Chamunda, der Bezwingerin Mundas, geschmückt mit einer Schädelgirlande und von lautem Gelächter erfüllt.“

Anmerkung: Atmavibhuti kann eigene Entfaltung/Machtfülle bezeichnen; keine moderne Meditationslehre daraus abgeleitet.

Vers 1116
kātyāyanīṃ daśabhujāṃ mahiṣāsuraghātinīm |
prasannavadanāṃ devīṃ varadāṃ praṇamāmyaham ||1116||

„Ich verneige mich vor der zehnarmigen Katyayani, die Mahishasura tötet, der segnenden Göttin mit heiterem Antlitz.“

Vers 1117
caṇḍike navadurge tvaṃ mahādevapriye sadā |
pūjāṃ samastāṃ saṃgṛhya rakṣa māṃ tridaśeśvari ||1117||

„Chandika, Navadurga, stets von Mahadeva Geliebte! Nimm die gesamte Puja an und schütze mich, Herrin der Götter!“

Vers 1118
kātyāyanyāśca durgāyā mantradvayamidaṃ matam |
ime tenaiva rūpeṇa pūjayet suravandite ||1118||

Diese beiden gelten als die Mantras Katyayanis und Durgas. In eben dieser Form verehre man die beiden, du von den Göttern Verehrte.

Elf weitere Göttinnen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1114 [Quellzählung an Position 1119]
punaḥ pūrvoktavidhinā devīrekādaśārcayet |
jayantīṃ maṅgalāṃ kālīṃ bhadrakālīṃ kapālinīm ||1114||

Danach verehre man nach dem zuvor gelehrten Verfahren elf Göttinnen: Jayanti, Mangala, Kali, Bhadrakali, Kapalini …

Anmerkung: Quellnummer 1114 an Position 1119.

Vers 1120
durgāṃ kṣamāṃ śivāṃ dhātrīṃ svadhāṃ svāhāṃ ca pūjayet |
tato'strapūjāṃ kurvīta saptamyarcanato'dhikām ||1120||

… Durga, Kshama, Shiva, Dhatri, Svadha und Svaha. Darauf vollziehe man eine Waffen-Puja, die über diejenige am siebten Mondtag hinausgeht …

Verehrung der Waffen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1121
praṇavādyairnamo'ntaiśca mantraireva sureśvari |
ādau tu dakṣiṇe bhāge tato vāme prapūjayet ||1121||

… mit Mantras, die mit Pranava beginnen und mit „namah“ enden, Herrin der Götter. Zuerst verehre man die Waffen auf der rechten Seite, dann auf der linken …

Vers 1122
pādyādibhistriśūlādīn kevalairakṣatairatha |
sarvāyudhānāṃ prathamo nirmitastvaṃ pinākinā ||1122||

… den Dreizack und die übrigen mit Fußwaschwasser und weiteren Gaben oder allein mit ungebrochenen Reiskörnern. „Als erste aller Waffen wurdest du von Pinakin geschaffen …“

Anmerkung: Anrufung des Dreizacks geht in1123 weiter.

Vers 1123
śūlasāraṃ samālikhya kṛtvā muṣṭigrahaṃ śubham |
asirviśasanaḥ khaḍgastīkṣṇadhāro durāsadaḥ ||1123||

„… indem er das Wesen des Spießes gestaltete und einen guten Handgriff anbrachte.“ [An das Schwert:] „Asi, Vishasana, Khadga, scharf an der Schneide und unbezwingbar …“

Anmerkung: Shulasara/samalikhya Herstellungsformulierung nicht ganz sicher; die Schwertnamen zugleich Bedeutungswörter für Schneiden/Töten.

Vers 1124
śrīgarbho vijayaścaiva dharmapāla namo'stu te |
cakra tvaṃ viṣṇurūpo'si viṣṇupāṇau sadā sthitaḥ ||1124||

„… Shrigarbha, Vijaya und Dharmapala: Verehrung sei dir! Diskus, du hast Vishnus Gestalt und ruhst stets in Vishnus Hand …“

Vers 1125
devīhastagataścāsi cakrarāja namo'stu te |
sarvāyudhānāṃ śreṣṭha tvaṃ daityasenāniṣūdana ||1125||

„… und auch in der Hand der Göttin. König der Disken, Verehrung sei dir! Du bester aller Waffen, Vernichter der Daitya-Heere …“

Anmerkung: Letzte Anrede gehört nach 1126 zum Pfeil.

Vers 1126
bhayebhyaḥ sarvadā rakṣa tīkṣṇabāṇa namo'stu te |
śakte tvaṃ sarvadevānāṃ guhasya ca viśeṣataḥ ||1126||

„… schütze stets vor Gefahren, scharfer Pfeil! Verehrung sei dir! Shakti-Speer, du bist die Kraft aller Götter, insbesondere Guhas …“

Anmerkung: Guha=Skanda; Wortspiel Waffe Shakti/Kraft im nächsten Halbvers.

Vers 1127
śaktirūpeṇa sarvatra rakṣāṃ kuru namo'stu te |
rakṣārūpeṇa kheṭa tvamarisaṃhārakārakaḥ ||1127||

„… gewähre als Kraft überall Schutz; Verehrung sei dir! Schild, in Gestalt des Schutzes bewirkst du die Vernichtung der Feinde …“

Vers 1128
sadā devīkaragato māṃ rakṣa bahusaṅkaṭāt |
sarvāyudhamahāmātra sarvadevārisūdana ||1128||

„… stets in der Hand der Göttin, bewahre mich aus vielerlei Bedrängnis! Oberster aller Waffen, Vernichter aller Götterfeinde …“

Anmerkung: Zweite Anrede gilt dem Bogen in1129.

Vers 1124 [Quellzählung an Position 1129]
cāpa māṃ sarvato rakṣa sākaṃ sāyakasattamaiḥ |
pāśa tvaṃ nāgarūpo'si viṣapūrṇo viṣodaraḥ ||1124||

„… Bogen, schütze mich von allen Seiten zusammen mit den trefflichsten Pfeilen! Schlinge, du hast Schlangengestalt, bist voller Gift, mit Gift im Inneren …“

Anmerkung: Quellnummer 1124 an Position 1129.

Vers 1130
śatrūṇāṃ duḥsaho nityaṃ nāgapāśa namo'stu te |
aṅkuśo'si namastubhyaṃ gajānāṃ tvaṃ niyāmakaḥ ||1130||

„… für die Feinde stets unerträglich: Schlangenschlinge, Verehrung sei dir! Du bist der Elefantenhaken, Verehrung dir! Du lenkst die Elefanten …“

Vers 1131
devānāmapi rakṣārthaṃ pārvatyāsi dhṛtaḥ kare |
yasyā ninādamākarṇya śakṛnmūtre prasusruvuḥ ||1131||

„… und wirst von Parvati zum Schutz auch der Götter in der Hand gehalten. Bei deren Klang die Dämonenscharen Kot und Urin fahren ließen …“

Anmerkung: Zweiter Halbvers beginnt Anrufung der Glocke; körperliches Schreckbild sachlich bewahrt.

Vers 1132
daityasaṃghāḥ pāhi sā tvaṃ ghaṇṭe nānāvidhād bhayāt |
paraśo tvamatitīkṣṇo'si sarvavairivimardana ||1132||

„… diese bist du: Glocke, bewahre mich vor vielerlei Gefahren! Axt, du bist überaus scharf und zerschmetterst alle Feinde …“

Anmerkung: Parasho vorläufig aus OCR पर्णो, Waffenfolge und तीक्ष्णो; Sanskritlesung unsicher.

Vers 1133
devīhastagataścāsi sadā tubhyaṃ namo namaḥ |
yāni yānīha mukhyāni prasiddhānyāyudhāni ca ||1133||

„… und befindest dich in der Hand der Göttin. Stets sei dir wieder und wieder Verehrung! Alle hervorragenden, weithin bekannten Waffen …“

Vers 1134
kṣayakārīṇi śatrūṇāṃ vikhyātāni jagattraye |
yāni yānyambikā dhatte kareṣu sveṣu sarvadā ||1134||

„… die Feinde vernichten und in den drei Welten berühmt sind, alle, die Ambika stets in ihren Händen trägt …“

Vers 1135
bhuśuṇḍī prāsaparighabhindipālahulāgaḍāḥ |
ṛṣṭitomarakuntāśca paṭṭiśo musalastathā ||1135||

„… Bhushundi, Wurfspeer, Eisenkeule, Bhindipala und Hulagada, Rishti, Tomara, Kunta, Pattisha und Mörserkeule …“

Anmerkung: Mehrere historische Waffenbezeichnungen mangels eindeutiger Entsprechung beibehalten; Hulagada Lesung ungesichert.

Vers 1136
gadāśataghnīkaṇapakṣurikākartarīmukhāḥ |
sarvāstān pūjayāmyadya mahāṣṭamyāṃ viśeṣataḥ ||1136||

„… Keule, Shataghni, Kanapa, Messer, Schere und weitere: Sie alle verehre ich heute besonders an Mahashtami.“

Anmerkung: Kshurika aus beschädigtem chyurika vorläufig; keine moderne Waffentechnik unterstellt.

Vers 11357 [Quellzählung an Position 1137]
sarve rakṣantu māṃ nityaṃ saṃsiddhiṃ dadatvapi |
tārāt kūrcācca durgāyai sarvāyudhapadādapi ||11357||

„Mögen sie alle mich stets schützen und mir vollkommene Erfüllung schenken!“ Nach Tara und Kurcha spreche man „durgayai“, dann „sarvayudha“ …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11357; Formel läuft in1138 weiter.

Blumen und Schmuck

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1138
dhāriṇyai nama uccārya dadyāt puṣpāñjalitrayam |
tato devyāḥ kirīṭādīnalaṅkārān prapūjayet ||1138||

… „dharinyai namah“ – „Verehrung der Durga, die alle Waffen trägt“ – und bringe dreimal Blumen mit gefalteten Händen dar. Dann verehre man die Krone und die übrigen Schmuckstücke der Göttin …

Anmerkung: Formel aus zwei Versen zusammen erklärt, Bija-Decknamen nicht spekulativ aufgelöst.

Vers 1134 [Quellzählung an Position 1139]
tārādyena namo'ntena nāmnā ṅe'ntena tasya ca |
tataḥ prapūjayed devyāḥ siṃhāsanamanuttamam ||1134||

… mit dem jeweiligen Namen im Dativ, Tara voran und „namah“ am Ende. Dann verehre man den unvergleichlichen Löwenthron der Göttin.

Anmerkung: Quellnummer 1134 an Position 1139; Simhasana wird im Folgenden als Löwenreittier entfaltet.

Der Löwe der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1140
tārād vajranakhād daṃṣṭrāyudhāya parikīrtya hi |
mahāsiṃhāya haṃ hūṃ ca siṃhametena pūjayet ||1140||

Nach Tara spreche man „vajranakha“, dann „damshtrayudhaya“, „mahasimhaya“, „ham hum“ und verehre damit den Löwen …

Anmerkung: Anrufung des großen Löwen mit vajraharten Krallen und Hauern als Waffen. Einzelne Sandhi-/Kasusform der zusammengesetzten Formel nicht still rekonstruiert; Bijas ohne erfundene Wortbedeutung.

Vers 1141
yathopakalpitairevopacāraiḥ kusumākṣataiḥ |
tadante manunānena devyāḥ siṃhāsanaṃ yajet ||1141||

… mit den bereitgestellten Opferdiensten, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern. Am Schluss verehre man den Löwenthron der Göttin mit diesem Mantra:

Vers 1142
āsanaṃ cāsi devyāstvaṃ ghoradaṃṣṭra saṭānvita |
himādriśikharākāra siṃharāja namo'stu te ||1142||

„Du bist der Sitz der Göttin, mit schrecklichen Hauern und einer Mähne, einem Himalaya-Gipfel gleich. König der Löwen, Verehrung sei dir!“

Mahishasura als Rudra verehren

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1143
devyā dattavaratvena viśeṣānmahiṣāsuram |
aṣṭamyāṃ ca navamyāṃ ca pūjayed bahuvistaraiḥ ||1143||

Weil die Göttin ihm einen Segen gewährte, verehre man Mahishasura besonders am achten und neunten Mondtag, ausführlich …

Vers 1144
yāvacchaktyupacāraistu pādyādibhiranekadhā |
namo'ntaḥ praṇavādiśca ṅe'nto'ntarmahiṣāsuraḥ ||1144||

… mit vielerlei Opferdiensten, Fußwaschwasser und anderen Gaben, soweit die eigenen Mittel reichen. Sein Mantra beginnt mit Pranava, endet mit „namah“ und enthält in der Mitte „Mahishasura“ im Dativ.

Vers 1145
etena manunā sarvopacārānasya cārpayet |
na sāmānyāsuradhiyā sākṣād rudradhiyaiva hi ||1145||

Mit diesem Mantra bringe man ihm alle Opferdienste dar, wobei man ihn als Rudra selbst betrachtet, nicht als einen gewöhnlichen Asura.

Anmerkung: Textinternes Rudra-Verständnis; keine moderne Umdeutung.

Vers 1146
pūjānte kīrtayenmantrānamūn baddhāñjaliḥ śriye |
rudro'syasurarāja tvaṃ devānāṃ darpanāśaka ||1146||

Am Ende der Puja spreche man zum Gedeihen mit gefalteten Händen diese Mantras: „Du bist Rudra, König der Asuras, der den Hochmut der Götter vernichtet …“

Vers 1157 [Quellzählung an Position 1147]
piturvaraprārthaneya [na] mahiṣīgarbhasambhava |
kātyāyanyā samaṃ yoddhuṃ sāmarthyaṃ kasya vidyate ||1157||

„… durch die Bitte deines Vaters um einen Segen im Schoß einer Büffelkuh geboren! Wer sonst hat die Kraft, mit Katyayani zu kämpfen?“

Anmerkung: Quellnummer 1157 an Position 1147. Sanskrit prārthaneya[n] nach Quelle beschädigt samt editorischem Korrekturzeichen; Sinn des Herkunftsbezugs hinreichend klar, keine gesicherte Flexion vorgetäuscht.

Vers 1148
kenāsureṇa vidhṛtaḥ samare madhusūdanaḥ |
kenānyena vijityājau tridaśāḥ sevakīkṛtāḥ ||1148||

„Welcher Asura hielt Madhusudana im Kampf auf? Wer sonst besiegte die Götter in der Schlacht und machte sie zu Dienern?“

Vers 1146 [Quellzählung an Position 1149]
manvantaratrayaṃ kena bhuktaṃ rājyamakaṇṭakam |
babhūva kasya vā senā parārdhaśatasammitā ||1146||

„Wer genoss drei Manvantaras lang eine Herrschaft ohne Störenfriede? Wessen Heer zählte hundert Parardhas?“

Anmerkung: Quellnummer 1146 an Position 1149; Großzahl ohne zweifelhafte Dezimalumrechnung.

Vier Vatukas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1150
rudrarūpadharāyāto mahiṣāsura te namaḥ |
tataḥ sampūjayed devi caturo vaṭukānapi ||1150||

„Darum sei dir, Mahishasura, der du Rudras Gestalt trägst, Verehrung!“ Danach verehre man auch die vier Vatukas, Göttin …

Vers 1151
siddhaputraṃ jñānaputraṃ tathā sahajaputrakam |
śeṣe samayaputraṃ ca mantrameṣāṃ niśāmaya ||1151||

… Siddhaputra, Jnanaputra, Sahajaputraka und zuletzt Samayaputra. Höre ihren Mantra:

Vers 1152
vedādikamalābīje purato'nte namo'pi ca |
tattannāmnā saha tathā vaṭuko vigrahīkṛtaḥ ||1152||

Voran stehen Vedadi und das Kamala-Bija, am Ende „namah“. Der jeweilige Name wird mit „Vatuka“ als gesondertem Wort verbunden …

Anmerkung: Vedadi Bezeichnung des Anfangslauts; keine fehlende Formel ergänzt.

Vers 1153
saṅe'nta iti mantrāḥ syureteṣāṃ jagadīśvari |
samastairupacāraistu yathāvibhavakalpitaiḥ ||1153||

… und in den Dativ gesetzt. So lauten ihre Mantras, Herrin der Welt. Mit allen Opferdiensten, die man seinen Mitteln entsprechend bereitet …

Kshetrapalas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1154
pūjayed vaṭukādīṃstāñchṛṇvanyādhu [vṛ] tipūjanam |
pūjayet kṣetrapālāṃśca madhye kiñjalkapatrayoḥ ||1154||

… verehre man diese Vatukas und die übrigen. Höre nun die weitere … Verehrung. Die Kshetrapalas verehre man zwischen den Staubfäden und den Lotusblättern.

Anmerkung: Fragment: Übergang अन्याधु [वृ] ति beschädigt einschließlich Herausgeberzeichen; vermutlich weitere Umkreisverehrung, nicht als gesicherte Lesung ergänzt.

Vers 1155
hetukaṃ tripuraghnaṃ ca agnijihvaṃ tathaiva ca |
agnivetālasaṃjñaṃ ca kālaṃ cātha karālakam ||1155||

Es sind Hetuka, Tripuraghna, Agnijihva, der sogenannte Agnivetala, Kala und Karalaka …

Vers 1156
ekapādaṃ bhīmanāthamuttarādikrameṇa tu |
adhunā mantrameteṣāṃ bravīmi śṛṇu pārvati ||1156||

… Ekapada und Bhimanatha, der Reihe nach vom Norden aus. Nun nenne ich ihren Mantra; höre, Parvati!

Vers 1157
tārakūrcakṣetrapālabījatrayamidaṃ puraḥ |
tattannāmnā saha punaḥ kṣetrapālaḥ savigrahaḥ ||1157||

Die drei Bijas Tara, Kurcha und Kshetrapala stehen voran. Mit dem jeweiligen Namen verbindet man „Kshetrapala“ als gesondertes Wort …

Vers 1158
ṅe'nto mahābhīṣaṇaśca tadvadeva prakīrtitaḥ |
krodho hṛcchirasī cāpi mantrā eṣāṃ varānane ||1158||

… im Dativ; ebenso wird „Mahabhishana“ gesprochen. Dazu kommen Krodha, Herz und Haupt. Dies sind ihre Mantras, Schönangesichtige.

Anmerkung: Krodha/Herz/Haupt als Mantra-Decknamen, nicht als gewöhnlicher Wortsatz übersetzt.

Neun Bhairavas

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 11546 [Quellzählung an Position 1159]
maṇḍalasya caturdikṣu dvau dvau madhye prapūjayet |
bhairavānnava deveśi śāradārcanakarmaṇi ||11546||

Bei der herbstlichen Verehrung verehre man die neun Bhairavas an den vier Seiten des Mandalas, je zwei, und in der Mitte, Herrin der Götter.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11546 an Position 1159; neunter in der Mitte ergibt sich aus Zahl und Anordnung.

Vers 1160
asitāṅgo ruruścaṇḍaḥ krodha unmatta eva ca |
ānandaśca kapālī ca bhīṣaṇastadanantaram ||1160||

Es sind Asitanga, Ruru, Chanda, Krodha, Unmatta, Ananda, Kapali und danach Bhishana …

Vers 1161
saṃhārī sarvaśeṣe syāt kīrtitā nava bhairavāḥ |
tāratrapāroṣabījaṃ tattannāma tataḥ param ||1161||

… zuletzt Samhari: So sind die neun Bhairavas genannt. [Der Mantra enthält] Tara, Trapa und das Rosha-Bija, danach den jeweiligen Namen …

Vers 1162
bhairavāntaṃ vigrahi ca ṅe'ntaṃ hṛnmantrasaṃyutam |
dikṣvaṣṭasu bahiḥ padmād digīśānaṣṭa pūjayet ||1162||

… mit „Bhairava“ als gesondertem Schlusswort im Dativ und mit dem Herz-Mantra. In den acht Richtungen außerhalb des Lotus verehre man die acht Weltenhüter.

Weltenhüter und ihre Mantras

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1163
indro'gniśca yamaścātha nairṛto varuṇastathā |
vāyuḥ somaśca īśāna etannāmnā paristhitāḥ ||1163||

Ihre Namen sind Indra, Agni, Yama, Nairrita, Varuna, Vayu, Soma und Ishana; so sind sie angeordnet.

Vers 1164
vajraṃ śaktiśca daṇḍaśca khaḍgaḥ pāśāṅkuśastathā |
dhvajaśūle amīṣāṃ tu śastrāṇi kathitāni te ||1164||

Ihre Waffen habe ich dir genannt: Vajra, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Elefantenhaken, Banner und Spieß.

Anmerkung: Jeweilige Zuordnung durch Reihenfolge; Banner als Teil der Quellliste nicht umgedeutet.

Vers 11615 [Quellzählung an Position 1165]
nairṛtervaruṇasyāpi madhye'nantaḥ prakīrtitaḥ |
tadastraṃ cakramuditaṃ tathendreśānamadhyataḥ ||11615||

Zwischen Nairrita und Varuna wird Ananta genannt; seine Waffe ist der Diskus. Ebenso steht zwischen Indra und Ishana …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11615 an Position 1165.

Vers 11665 [Quellzählung an Position 1166]
brahmā sapadma ityete digīśā daśa kīrtitāḥ |
mantrarītimidānīṃ tvaṃ samākalaya bhāmini ||11665||

… Brahma mit dem Lotus. Dies sind die zehn Weltenhüter. Vernimm jetzt die Bildung ihrer Mantras, Schöne!

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11665 an Position 1166.

Vers 1167
praṇavaṃ purato dattvā tattannāma tataḥ param |
tataḥ paraṃ tattadastraṃ saśabdaparibṛṃhitam ||1167||

Man setze Pranava voran, danach den jeweiligen Namen und dann die jeweilige Waffe, mit dem Wort „sa“ – „mit“ – verbunden …

Vers 1168
savāhanaśca saparivāraśca tadanantaram |
śabdāścatvāra ityete ṅe'ntāḥ kāryā namastataḥ ||1168||

… anschließend „mit dem Reittier“ und „mit dem Gefolge“. Diese vier Wörter werden in den Dativ gesetzt; danach folgt „namah“.

Bali und Puja-Abschluss

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1166 [Quellzählung an Position 1169]
tato dadyād baliṃ devyai pūrvoditavidhānataḥ |
aṣṭamyāmadhikaṃ dadyāt saptamībalidānataḥ ||1166||

Dann bringe man der Göttin Bali nach dem zuvor gelehrten Verfahren dar. Am achten Mondtag gebe man mehr als beim Bali am siebten.

Anmerkung: Quellnummer 1166 an Position 1169.

Vers 1170
naimittikakrameṇaiva pīṭhamūrtyarcanaṃ caret |
śaktau nityoditāvṛttyarcanaṃ kurvīta sādhakaḥ ||1170||

Die Verehrung von Pitha und Kultbild vollziehe man nach der anlassgebundenen Ordnung. Wenn möglich, führe der Sadhaka auch die Umkreisverehrung aus, die für die regelmäßige Puja gelehrt wurde.

Die beiden Puja-Verfahren getrennt ausführen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 19171 [Quellzählung an Position 1171]
nānyāṃ pūjāṃ varārohe vyavastheyaṃ śivoditā |
pīṭhamūrtī patrikāmṛṇmūrtī yo bhaktibhāvitaḥ ||19171||

Eine andere Puja soll er nicht ausführen, Schöne: Dies ist die von Shiva ausgesprochene Ordnung. Wer hingebungsvoll Pitha und Kultbild sowie Patrika und Tonbild verehrt …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 19171; erste Hälfte schließt an1170 an.

Vers 1172
kurute tasya vihitaṃ pūjanadvitayaṃ tadā |
patrikāyāḥ puraḥ pūjā pīṭhamūrtyostataḥ param ||1172||

… für den sind beide Arten der Puja vorgeschrieben: zuerst die Verehrung der Patrika, danach diejenige von Pitha und Kultbild.

Vers 1173
sarvā'pi tāntrikī rītiḥ pīṭhamūrtyorudīritā |
patrikādiṣu paurāṇī rītiruktā purāriṇā ||1173||

Für Pitha und Kultbild ist das gesamte tantrische Verfahren gelehrt; für Patrika und die übrigen hat Purari das puranische Verfahren verkündet.

Vers 1174
asaṃsṛṣṭaṃ pṛthak kṛtya dvayametanmayoditam |
tataḥ paraṃ sureśāni pāṭhayedathavā paṭhet ||1174||

Diese beiden habe ich getrennt, ohne Vermischung, dargelegt. Danach lasse man, Herrin der Götter, rezitieren oder rezitiere selbst …

Rezitation der Saptashati

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1175
mārkaṇḍeyapurāṇāntargatāṃ bhagavatīstutim |
samagrāṃ vā paṭhedāho vadhaṃ śumbhaniśumbhayoḥ ||1175||

… den Lobpreis Bhagavatis aus dem Markandeya-Purana, entweder vollständig oder den Abschnitt über die Tötung Shumbhas und Nishumbhas …

Anmerkung: Gemeint ist im folgenden Text die Saptashati; nicht aus externer Quelle ergänzt.

Vers 1176
mahiṣāsurasyāpyathavā madhukaiṭabhayorapi |
kuryādubhayamevātra vidhisaṅkalpapūrvakam ||1176||

… oder über die Tötung Mahishasuras, oder Madhus und Kaitabhas. Beide Möglichkeiten führe man mit dem vorgeschriebenen Sankalpa aus.

Anmerkung: „Beide“ wohl selbst rezitieren/rezitieren lassen aus 1174, Bezug nicht ausdrücklich erklärt.

Vers 1177
brāhmaṇān varayitvaiva vastrālaṅkaraṇāsanaiḥ |
vidadhyāt kāmanollekhaṃ pūjāṃ śaktyā ca pustake ||1177||

Man bestelle Brahmanen, ehre sie mit Gewändern, Schmuck und Sitzen, benenne den eigenen Wunsch und verehre das Buch nach den eigenen Möglichkeiten.

Haltung bei der Rezitation

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1178
śanaiḥ paṭhet pāṭhako'pi varṇoccāraṇapūrvakam |
suvyaktaṃ nātiviśliṣṭaṃ na śiraścālagītivat ||1178||

Der Rezitator lese ruhig, indem er die Laute deutlich ausspricht, ohne sie übermäßig auseinanderzureißen und ohne wie beim Gesang den Kopf zu bewegen.

Vers 1176 [Quellzählung an Position 1179]
tanumāndolayannāpi na hasan na rudan vrajan |
nāśnan nānyairālapaṃśca na madhyacchinnavattathā ||1176||

Er schaukle den Körper nicht, lache nicht, weine nicht und gehe dabei nicht umher; er esse nicht, unterhalte sich nicht mit anderen und unterbreche die Rezitation nicht mittendrin.

Anmerkung: Quellnummer 1176 an Position 1179.

Vers 1180
ācāntaḥ kṛtaśaucaśca padorudagamanoyavān |
etena vidhinā'dhīte tuṣyate jagadambikā ||1180||

Er habe Achamana und die Reinigung vollzogen … Wenn er nach diesem Verfahren rezitiert, ist die Mutter der Welt erfreut.

Anmerkung: Fragment: पदोरुदगमनोयवान् beschädigt und nicht zuverlässig verständlich; nicht durch eine Körper-/Blickrichtung ergänzt.

Vers 1181
yathoktaphaladātrī ca bhavati prāṇavallabhe |
yathaitatpāṭhato devi prītā syād drutamīśvari ||1181||

Sie gewährt die verheißenen Früchte, Geliebte meines Lebens. So rasch, wie diese Rezitation die Göttin erfreut, Herrin …

Vers 1182
na tathā dhūpadīpasragbalinaivedyavistaraiḥ |
paṭhanaṃ pāṭhanaṃ vāpi tasmādetasya yatnataḥ ||1182||

… erfreuen sie selbst reichliche Mengen an Räucherwerk, Lichtern, Girlanden, Bali und Speisegaben nicht. Darum soll man diesen Text sorgfältig rezitieren oder rezitieren lassen …

Vers 1183
kāryaṃ śāradapūjāyāṃ kālikātuṣṭimicchatā |
devi śāradapūjāyāṃ yathaitasya hi nityatā ||1183||

… bei der Herbst-Puja, wenn man Kalika erfreuen möchte. So wie diese Rezitation bei der herbstlichen Verehrung verpflichtend ist, Göttin …

Das Feueropfer

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1184
homasyāpi tathā jñeyā mukhye dve ime mate |
hastamātraṃ vidhāyādau sthaṇḍilaṃ śuddhayā mṛdā ||1184||

… so ist es auch das Homa; beide gelten als vorrangig. Zuerst errichte man aus reiner Erde einen einen Hasta messenden Opferplatz …

Anmerkung: Hasta als traditionelles Längenmaß belassen.

Vers 1185
tatrāgnisthāpanaṃ kṛtvā vaidikairmanubhiḥ priye |
ghṛtāhutiṃ vā juhuyāt tilamiśrāmathāpi vā ||1185||

… und setze dort mit vedischen Mantras das Feuer ein, Geliebte. Man opfere Ghee, entweder allein oder mit Sesam vermischt …

Vers 1186
bilvapatraṃ vātha padmaṃ pāyasaṃ vā madhūkṣitam |
mantrastatra tu vijñeyo bhāratī ṣoḍaśākṣarī ||1186||

… oder ein Bilva-Blatt, einen Lotus oder mit Honig benetzten Milchreis. Der hierbei verwendete Mantra ist der sechzehnsilbige Bharati …

Anmerkung: Bharati als Quellname beibehalten; nicht mit einer beliebigen bekannten Sarasvati-Formel ersetzt.

Vers 1187
athavā jayadurgāyā mantro yaḥ pariniṣṭhitaḥ |
saptaśatyāstathā devi ekaikaḥ śloka eva vā ||1187||

… oder der festgelegte Mantra Jayadurgas; auch jeder einzelne Vers der Saptashati kann dazu dienen, Göttin.

Vers 1188
mantre sahasrasaṃkhyā syācchaktāvayutameva vā |
ubhayatrāpi dātavyā karmānte dakṣiṇā śubhā ||1188||

Beim Mantra beträgt die Zahl tausend, wenn möglich auch zehntausend. Bei beiden Verrichtungen gebe man am Ende eine angemessene Dakshina.

Anmerkung: Zahl im Homa-Kontext; zwei Verrichtungen Rezitation und Feueropfer.

Zeit und Gewicht der Verrichtungen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 11846 [Quellzählung an Position 1189]
idaṃ karmadvayaṃ devi mūrteḥ purata ācaret |
nāpyado dvitayaṃ kāryaṃ kṣapāyāṃ vāsarādṛte ||11846||

Diese beiden Verrichtungen führe man vor dem Kultbild aus, Göttin. Beide sollen bei Tage geschehen und nicht in der Nacht.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11846 an Position 1189.

Vers 1160 [Quellzählung an Position 1190]
tasyāṃ kṛte tu viphalaṃ jāyate vedaśāsanāt |
devī saptaśatīpāṭhaṃ gṛhṇāti vidhinā kṛtam ||1160||

Nach vedischer Vorschrift bleiben sie, wenn sie nachts ausgeführt werden, ohne Frucht. Die Göttin nimmt die ordnungsgemäße Rezitation der Saptashati an …

Anmerkung: Quellnummer 1160 an Position 1190; religiöse Wirksamkeitsbehauptung des Textes.

Vers 1161 [Quellzählung an Position 1191]
vidhinā vā'pyavidhinā punarhomaṃ pratīcchati |
tasmād yatnena kartavyo homaḥ śāradapūjane ||1161||

… das Homa aber nimmt sie sowohl bei vorschriftsgemäßer als auch bei abweichender Ausführung an. Darum ist das Homa bei der Herbst-Puja sorgfältig auszuführen.

Anmerkung: Quellnummer 1161 an Position 1191; Spannung zur strikten Vorgabe1190 nicht harmonisiert.

Vers 1162 [Quellzählung an Position 1192]
homaḥ saptaśatīpāṭho balirvāditravādanam |
catuṣṭayamidaṃ śastaṃ māsīṣe kālikārcane ||1162||

Homa, Saptashati-Rezitation, Bali und Instrumentalmusik: Diese vier werden bei Kalikas Verehrung im Monat Isha empfohlen.

Anmerkung: Quellnummer 1162; Isha herbstlicher Monatsname.

Vers 11863 [Quellzählung an Position 1193]
prabhūtabalidānaṃ ca kāryaṃ bhūtyanusārataḥ |
tadvidhānaṃ puraivoktaṃ paśujātiviśeṣataḥ ||11863||

Auch reichliches Bali soll entsprechend den eigenen Mitteln dargebracht werden. Sein Verfahren habe ich bereits zuvor für die verschiedenen Tierarten erklärt.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11863; Tieropferbezug ausdrücklich bewahrt.

Bedeutung der Kumari-Puja

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 11864 [Quellzählung an Position 1194]
samāpya trayamāsādya pradoṣe paryupasthite |
kumārīpūjanaṃ kuryād vidhinā pañcamaṃ hi tat ||11864||

Nach Abschluss der drei Verrichtungen, wenn die Abenddämmerung eintritt, führe man die Kumari-Puja vorschriftsgemäß aus; sie bildet die fünfte Handlung.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11864; drei abgeschlossene gegenüber vier genannten plus fünfter Handlung im Text belassen.

Vers 1165 [Quellzählung an Position 1195]
na tathā tuṣyati śivā balihomastutīraṇaiḥ |
kumārīpūjanenātra yathā sadyaḥ prasīdati ||1165||

Bali, Homa und das Sprechen von Lobpreisungen erfreuen Shiva nicht so sehr, wie die Kumari-Puja sie hier unmittelbar gnädig stimmt.

Anmerkung: Quellnummer 1165; Shiva hier die Göttin.

Vers 11966 [Quellzählung an Position 1196]
na kevalaṃ pūjayettāṃ bhojayeccāpi yatnataḥ |
bhāvi bhadramabhadramubhe tadvyanakti sureśvari ||11966||

Man verehre sie nicht nur, sondern speise sie auch sorgfältig. Dies offenbart künftiges Heil und Unheil, Herrin der Götter.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11966; Vorzeichenlehre, keine heutige Tatsachenzusage.

Vers 11867 [Quellzählung an Position 1197]
svayaṃ tadrūpamāsthāya mūḍhabhāvamupeyuṣī |
didṛkṣurāyāti śivā bhaktipūjanasambhṛtī ||11867||

Shiva selbst nimmt diese Gestalt und ein unwissendes Wesen an und kommt, um Hingabe und die Vorbereitungen der Puja anzusehen.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 11867; mudhabhava nicht als moralisches Urteil über die verehrten Mädchen umformuliert.

Vers 1168 [Quellzählung an Position 1198]
tasmādatrādaraḥ kāryo bhaktibhāvaṃ ca jānatā |
devatāstrividhotpātairyathādeśe hitāhitam ||1168||

Darum soll, wer Hingabe kennt, hier Ehrerbietung zeigen. Wie Gottheiten durch dreierlei ungewöhnliche Zeichen das Heil und Unheil eines Landes anzeigen …

Anmerkung: Quellnummer 1168 an Position 1198.

Vers 118686 [Quellzählung an Position 1199]
sūcayanti tathaivaiṣā vārṣikaṃ suravandite |
tadvijñānārthamapyeṣā pūjitavyā prayatnataḥ ||118686||

… so zeigt sie es für das kommende Jahr an, du von den Göttern Verehrte. Auch um dies zu erkennen, soll sie sorgfältig verehrt werden.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 118686 an Position 1199.

Gemeinsame Verehrung und Vorzeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1200
caturṇāmapi kaulānāṃ smārtānāmānukalpinām |
naivātra matabhedo'sti naivārcanabhidāpi vā ||1200||

Für alle vier Gruppen der Kaulas, der Smartas und derjenigen, die Ersatzmittel verwenden, gibt es hierin weder einen Unterschied der Auffassung noch der Verehrung.

Anmerkung: Zählung „vier“ bei unvollständig eindeutiger Gruppierung bewahrt; keine zusätzliche Gruppe erfunden.

Vers 1201
na ca pūrvottarau pakṣau na ca sandehakalpanā |
bhavecca phalavāhulyaṃ tuṣṭirdevyāstathaiva ca ||1201||

Es gibt dabei weder eine frühere und spätere Alternative noch einen Grund zum Zweifel. Reichliche Frucht und Zufriedenheit der Göttin sollen daraus entstehen …

Vers 1202
viśiṣya jñāyate'nena tathā bhāvi śubhāśubham |
jñāte śubhe bhavettoṣo'nyasmiṃścopāyacintanam ||1202||

… besonders aber erkennt man dadurch künftiges Heil und Unheil. Wird Gutes erkannt, entsteht Freude; andernfalls überlegt man, welche Maßnahmen zu ergreifen sind.

Anmerkung: Vorzeicheninterpretation als Textaussage.

Vers 1203
vyaṅgatā cāpyakaraṇāt pūjāyāḥ parikīrtitā |
karaṇāt sāṅgatā'pi syādanyasminnakṛte'pi hi ||1203||

Wird sie unterlassen, gilt die Puja als unvollständig. Wird sie ausgeführt, kann Vollständigkeit eintreten, selbst wenn etwas anderes nicht ausgeführt wurde.

Vers 1204
evaṃ doṣaguṇau jñātvā kurvīta vidhipūrvakam |
kumārīpūjanaṃ bhaktyā śaratpūjanakarmaṇi ||1204||

Wer so Nachteil und Vorzug kennt, vollziehe bei der Herbstverehrung die Kumari-Puja vorschriftsgemäß und mit Hingabe.

Vers 1205
balihomādayaścāsya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm |
atha tatprakriyāṃ vakṣye sāvadhānā bhava śriye ||1205||

Bali, Homa und die übrigen Verrichtungen erreichen nicht einmal ein Sechzehntel davon. Nun erkläre ich ihr Verfahren; sei aufmerksam, damit es zum Gedeihen dient!

Überlieferung und Zeitpunkt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1206
yāmale ḍāmare tantre tathā bhairavanāmani |
maduktasaṃhitāyāṃ ca sarvatra samameva hi ||1206||

Im Yamala, im Damara, im sogenannten Bhairava-Tantra und in der von mir gelehrten Samhita ist es überall gleich.

Anmerkung: Werkbezeichnungen des Textes; keine Identifizierung mit bestimmten erhaltenen Editionen behauptet.

Vers 1207
śāradīyārcanasyāṅgaṃ mahodayamahāphalam |
kaulānāṃ niśi pūjoktā smārtānāmaparāhnikī ||1207||

Sie ist ein Bestandteil der herbstlichen Verehrung, mit großem Gedeihen und großer Frucht. Für Kaulas ist die Puja nachts gelehrt, für Smartas am Nachmittag.

Historische Auswahlkriterien für die Kumari

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1208
nityā tu śāradārcāyāṃ kāmyā naimittikītarā |
susnātāṃ raktapītādinānārāgojjvalāṃśukām ||1208||

Bei der Herbst-Puja ist sie verpflichtend; sonst ist sie wunschbezogen oder anlassgebunden. [Man wähle ein Mädchen,] gut gebadet, mit Gewändern, die in verschiedenen Farben wie Rot und Gelb leuchten …

Anmerkung: Nichtsexuelle Mädchenverehrung; Auswahlbeschreibung folgt.

Vers 12046 [Quellzählung an Position 1209]
sarvālaṅkāracitrāṅgīmanajñātānaṅgaceṣṭitām |
ajātapuṃmanaḥsaṅgāṃ saptāṣṭanavavārṣikīm ||12046||

… am Körper mit vielerlei Schmuck geziert, mit Liebeshandlungen noch nicht vertraut und noch ohne Zuneigung zu einem Mann, sieben, acht oder neun Jahre alt …

Anmerkung: Quellziffer 12046. Historische Auswahlkriterien einer nichtsexuellen Puja; keine sexuelle Handlung beschrieben oder ergänzt.

Vers 1210
anīcajātiṃ gaurāṅgīṃ pitṛmātṛmatīmapi |
adanturāmavāgdattāmadhikonā‍ṅgavarjitām ||1210||

… nicht aus einer als niedrig eingestuften Kaste, von heller Hautfarbe, mit lebenden Eltern, ohne vorstehende Zähne, noch nicht zur Ehe versprochen und ohne überzählige oder fehlende Gliedmaßen …

Anmerkung: Historische Kasten-, Farb- und Körperkriterien des Textes, keine heutige Bewertung.

Vers 1211
adīrghakeśīmudraktāṃ susmitāsyāṃ manoharām |
śyāmāṃ dīrghadatīṃ mītunayanāṃ piṅgamūrdhajām ||1211||

… mit nicht zu langem Haar, … mit freundlich lächelndem, anmutigem Antlitz. Auszuschließen sind dagegen eine Dunkelhäutige, eine mit langen Zähnen, mit … Augen oder mit rötlichbraunem Haar …

Anmerkung: Fragment: udrakta sowie mītunayanā nicht zuverlässig deutbar. Diskriminierende historische Ausschlussmerkmale nicht beschönigt.

Vers 1212
gatisvanattan‍kuṭyāṃ (?) kuñjāṃ khañjāṃ ca kharvaṭām |
keśālpatvasahitāṃ tathā caiva galadvraṇām ||1212||

… [beschädigte weitere Merkmale], eine Bucklige, Hinkende oder Kahlköpfige, eine mit wenig Haar sowie mit nässenden Wunden …

Anmerkung: Fragment: erste Wortgruppe bereits mit Quellfragezeichen; kunjā vorläufig als verformtes kubjā/Bucklige verstanden, Sanskrit nicht scheingesichert ersetzt.

Vers 1213
jātastanarajo'naṅgāṃ prayatnena vivarjayet |
etadbhinnā kumārī tu varaṇīyārcanakrame ||1213||

… und eine, bei der Brustentwicklung, Menstruation und geschlechtliches Verlangen eingetreten sind, soll man sorgfältig ausschließen. Ein davon verschiedenes Mädchen ist für die Verehrung auszuwählen.

Anmerkung: Nichtsexuelle Auswahlbeschreibung des historischen Rituals; pubertäre Merkmale sachlich wiedergegeben.

Zahl und Empfang der Mädchen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1214
navamyāmastagate sūrye samāpte balikarmaṇi |
gītavāditranirghoṣairānandādarapūrvakam ||1214||

Am neunten Mondtag, nach Sonnenuntergang und nach Abschluss des Bali, führe man unter Gesang und Instrumentenklang, mit Freude und Ehrerbietung …

Vers 1215
nītvā pūjāgṛhadvāri kumārīstāḥ ayugmikāḥ |
pañca vā sapta vā cāpi navaikādaśa vā punaḥ ||1215||

… eine ungerade Zahl dieser Mädchen zur Tür des Puja-Hauses: fünf, sieben, neun oder elf.

Vers 1216
mukhyā tāsu kartavyā yā syāt sarvāṅgasundarī |
bahvīnāmapyabhāve hi bhavedekā kumārikā ||1216||

Zur Hauptperson unter ihnen mache man diejenige, die an allen Gliedern schön ist. Wenn mehrere nicht verfügbar sind, genügt ein einziges Mädchen.

Vers 1217
kāmye naimittike vaikā bahvyaḥ śāradapūjane |
śreṇībhūtā utthitāśca vrīḍāmlānānanā api ||1217||

Bei wunschbezogener oder anlassgebundener Puja ist es eine, bei der Herbst-Puja sind es mehrere. Sie stehen in einer Reihe, ihre Gesichter vielleicht von Schüchternheit gesenkt …

Anmerkung: Vridamlananana vorläufig aus beschädigtem OCR; Schüchternheitsbezug plausibel, genaue Wortgestalt unsicher.

Vorbereitung der Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1218
sthāpayitvā krameṇetā mukhyāmādau niyojya ca |
devībuddhiṃ vidhāyāsyāṃ sādhako vigatajvaraḥ ||1218||

… man stelle sie der Reihe nach auf, die Hauptperson an den Anfang. Der Sadhaka betrachte sie als Göttin und handle frei von innerer Unruhe …

Vers 12126 [Quellzählung an Position 1219]
gṛhītasalilāmatraḥ kalpitārcanasambhṛtiḥ |
prāṇāyāmaṃ vidhāyādau tato bhūtāpasāraṇam ||12126||

… mit einem Wassergefäß in der Hand und den bereitgelegten Puja-Materialien. Zuerst vollziehe er Pranayama, danach die Vertreibung störender Wesen …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 12126 an Position 1219.

Vers 1220
guruṃ gaṇapatiṃ natvā vāmadakṣiṇayostataḥ |
madhye kumārīṃ ca tathā mūladevīsvarūpiṇīm ||1220||

… verneige sich vor Guru und Ganapati zur Linken und Rechten und vor dem Mädchen in der Mitte, das die Gestalt der Hauptgöttin verkörpert.

Vers 1221
choṭikābhistathā tālatritayaṃ bandhanaṃ diśām |
tato rekhāṃ prakurvīta dīrghayā jaladhārayā ||1221||

Mit Fingerschnippen und dreifachem Klatschen vollziehe man die Bindung der Richtungen. Dann ziehe man mit einem anhaltenden Wasserstrahl eine Linie …

Einladungsmantras

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1222
vakṣyamāṇena mantreṇa sthāpayedutthitāṃ hi tām |
vedādilajjāśākinyaḥ pavitramaṇḍale tataḥ ||1222||

… und stelle sie mit dem gleich genannten Mantra aufrecht hin. [Der Mantra beginnt mit] Vedadi, Lajja und Shakini, dann „pavitramandale“ …

Vers 1223
sānnidhyaṃ kalpaya svāhā mantra eṣa udīritaḥ |
tato'pareṇa mantreṇa vakṣyamāṇena sundari ||1223||

… „sannidhyam kalpaya svaha“ – „Schaffe Gegenwart im heiligen Kreis, svaha!“ So ist dieser Mantra erklärt. Danach mit einem weiteren Mantra, den ich jetzt nennen werde, Schöne …

Vers 1224
āvāhayet karaṃ dhṛtvā vārimaṇḍalamadhyagām |
sārasvataramākāmayoginīḍākinīmitām ||1224||

… vollziehe man die Einladung, indem man ihre Hand hält, während sie im Wasserkreis steht. Man bilde die Folge der fünf Bijas Sarasvata, Rama, Kama, Yogini und Dakini …

Vers 1225
pañcabījīṃ samuddhṛtya ehyehi bhagavatyapi |
sarveśa bṛkṣayaṃ procya karīti tadanantaram ||1225||

… und spreche „ehi ehi bhagavati“ – „Komm, komm, Erhabene!“ Danach folgt eine beschädigte Anrede, die auf „… kari“ endet …

Anmerkung: Fragment: सर्वेश बृक्षयं nicht zuverlässig lesbar; keine Anrede zur vermeintlichen Fünfzigerzahl ergänzt.

Vers 1226
kumārīrūpadhāriṇyudīrya vajrapadaṃ vadet |
kāpālini tvarā indraṃ bhauvaneśītrapāstrayaḥ ||1226||

Man spreche „kumarirupadharini“ – „die du die Gestalt eines Mädchens trägst“ –, dann „vajra“ und „kapalini“. Danach werden Tvara, Indra und Bhauvaneshi sowie Trapa genannt …

Anmerkung: Lesung und Gruppierung der anschließenden Decknamen beschädigt; Sanskritfolge vorläufig, keine sichere Lautentschlüsselung.

Vers 1227
sānnidhyamāveśaya ca svāhā śeṣe prakīrtitaḥ |
pañcāśadarṇaghaṭito mantro'yaṃ samudīritaḥ ||1227||

… dann „sannidhyam aveshaya“ – „Lass die Gegenwart eintreten!“ – und am Ende „svaha“. Dieser Mantra wird als aus fünfzig Lauten bestehend bezeichnet.

Anmerkung: Die Zahl50 nicht durch Ergänzung beschädigter Glieder hergestellt.

Vers 1228
kumāryā mūlabhūtāyāḥ pādau prakṣālayettataḥ |
kathayiṣyamāṇamantreṇa pātre saṃsthāpayettataḥ ||1228||

Dann wasche man die Füße des als Hauptperson verehrten Mädchens und stelle sie mit dem noch zu nennenden Mantra in ein Gefäß.

Waschen der Füße

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 12246 [Quellzählung an Position 1229]
tanmantro maidhapāśau ca prasādo'ṅkuśa eva ca |
nṛsiṃhabījāt pādau ca tato nirṇejayāmi ca ||12246||

Ihr Mantra besteht aus Maidha, Pasha, Prasada und Ankusha; nach dem Nrisimha-Bija folgen „padau nirnejayami“ – „Ich wasche die Füße“ …

Anmerkung: Quellziffer 12246; Maidha als unsicherer Bija-Deckname, nicht ergänzt.

Vers 1230
muditā bhaveti ca sakṛt sakṛt pramuditā bhava |
tataḥ kūrcāstraśīrṣāṇi pādaprakṣālane manuḥ ||1230||

… einmal „mudita bhava“ – „Sei erfreut!“ –, einmal „pramudita bhava“ – „Sei hocherfreut!“ –, dann Kurcha, Astra und Haupt. Dies ist der Mantra zum Waschen der Füße.

Vers 1231
tajjalaṃ mastake dadyāt devīpādodaprajñayā |
svottarīyāṃśukenaiva pādāvupanayettataḥ ||1231||

Man gebe dieses Wasser auf den eigenen Kopf und betrachte es als Wasser von den Füßen der Göttin. Danach behandle man ihre Füße mit dem eigenen Obergewand [wohl: trockne sie ab].

Anmerkung: Upanayet im letzten Halbvers nicht eindeutig; Trocknen aus Gewandkontext erschlossen und als solches markiert. Zusätzlicher Halbvers aus der Fußnote als gesondertes Variantenfragment im Anschluss.

Unnummerierter Text
śubhāsanopari saṃsthitvā sādhitārcanasambhṛtiḥ |

Auf einem schönen Sitz sitzend, mit bereitgelegten Puja-Materialien …

Anmerkung: Fragment: zusätzlicher Halbvers aus der Herausgeberfußnote, Zeuge gha; genauer Einfügeort in der Passage nicht sicher. Eigenständig ausgewiesen, nicht in den Hauptwortlaut eingeschmolzen.

Vertreibung der Hindernisse

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 12232 [Quellzählung an Position 1232]
punarakṣatamādāya vighnānutsārayet priye |
udīryamāṇamantreṇa tālatrayapurassaram ||12232||

Erneut nehme man ungebrochene Reiskörner und vertreibe die Hindernisse, Geliebte, mit dem gleich genannten Mantra und dreifachem Klatschen voran.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 12232 an Position 1232.

Vers 1233
tārapāśakalākūrcāstrāṇi prathamataḥ vadet |
bhūtānyapasāraya ca vighnānnāśaya cetyapi ||1233||

Zuerst spreche man Tara, Pasha, Kala, Kurcha und Astra, dann „bhutany apasaraya“ – „Vertreibe die störenden Wesen!“ – und „vighnan nashaya“ – „Vernichte die Hindernisse!“

Vers 1234
hṛcchīrṣe carame dadyādekaviṃśākṣaro manuḥ |
kumāryā sahitāḥ sarve tayā devīsvarūpayā ||1234||

Zum Schluss setze man Herz und Haupt hinzu; der Mantra ist einundzwanzigsilbig. Zusammen mit dem Mädchen, das die Gestalt der Göttin verkörpert …

Vers 1235
darśanārthaṃ samāyānti yāvantyo devayonayaḥ |
pretā bhūtāḥ piśācāśca gandharvā guhyakā api ||1235||

… kommen alle Klassen übermenschlicher Wesen, um sie zu schauen: Pretas, Bhutas, Pishachas, Gandharvas und Guhyakas …

Vers 1236
rākṣasā dānavā yakṣā ye cānye krūrakarmaṇaḥ |
saha praviśya kaumāryā maṇḍapaṃ śāradārcanam ||1236||

… Rakshasas, Danavas, Yakshas und andere grausam Handelnde. Wenn sie mit der Kumari in den Pavillon eintreten, beeinträchtigen sie die Herbstverehrung …

Vers 1237
lumpanti ca kumāryarcāṃ pūjāṃ vidhvaṃsayanti ca |
ato vāradvayaṃ kāryaṃ vighnasyotsāraṇaṃ priye ||1237||

… und die Kumari-Verehrung und zerstören die Puja. Deshalb soll die Vertreibung der Hindernisse zweimal ausgeführt werden, Geliebte.

Eintritt ins Puja-Haus

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1238
tataḥ svavāmahastena kumāryā dakṣiṇaṃ karam |
gṛhītvā dakṣacaraṇaṃ viniḥkṣepapurassaram ||1238||

Dann fasse man mit der eigenen linken Hand die rechte Hand des Mädchens und lasse es mit dem rechten Fuß voran eintreten …

Vers 1232 [Quellzählung an Position 1239]
paṅktibhūtāḥ kumārīstāḥ ślokarūpaṃ manuṃ paṭhan |
pūjāgṛhāntaḥ śanakairnamanmauliḥ praveśayet ||1232||

… und führe die in einer Reihe stehenden Mädchen langsam ins Puja-Haus, mit geneigtem Haupt, während man den versförmigen Mantra rezitiert:

Anmerkung: Quellnummer 1232 an Position 1239.

Fünf Einladungsgebete

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1240
tvamamba jagatāmādye jagadādhārarūpiṇi |
kumārīrūpamāsthāya praviśedaṃ gṛhaṃ mama ||1240||

„Mutter, Ursprung der Welten, die du den Grund der Welt verkörperst! Nimm die Gestalt eines Mädchens an und tritt in dieses mein Haus ein!“

Vers 1241
bhavatyāḥ kīdṛśaṃ rūpaṃ jāne mātarahaṃ nahi |
kumārīrūpamevedaṃ paśyāmi naracakṣuṣā ||1241||

„Wie deine Gestalt wirklich beschaffen ist, weiß ich nicht, Mutter. Mit meinen menschlichen Augen sehe ich nur diese Gestalt eines Mädchens.“

Vers 1242
bhaktiṃ madīyāṃ vijñāya tvatpādāmbujayoḥ śive |
tvayā prakaṭitaṃ rūpamīdṛśaṃ sarvasiddhaye ||1242||

„Du kennst meine Hingabe an deine Lotusfüße, Shiva; darum hast du eine solche Gestalt offenbart, um alle Erfüllung zu schenken.“

Vers 1243
dṛṣṭiḥ kāryā na me pāpe saṃsāre nāsataḥ pathaḥ |
dṛḍhāyāṃ kevalaṃ bhaktau dātavyā suravandite ||1243||

„Blicke nicht auf meine Verfehlung, auf mein Verstricktsein in Samsara oder auf meinen unrechten Weg. Richte deinen Blick allein auf meine feste Hingabe, du von den Göttern Verehrte!“

Anmerkung: Syntax asataḥ pathaḥ leicht beschädigt; Sinn der Bitte hinreichend klar, Sanskrit nicht stärker normalisiert.

Vers 1244
śivādyāstava rūpaṃ hi kīdṛśaṃ neti jānate |
jñāsyāmi ko varāko'haṃ pāñcabhautikavigrahaḥ ||1244||

„Selbst Shiva und die übrigen wissen nicht, wie deine Gestalt beschaffen ist. Wie sollte ich armer Mensch es erkennen, dessen Leib aus den fünf Elementen besteht?“

Vers 1245
iti pañca paṭhan ślokān svapṛṣṭhenaiva tā nayet |
anīkṣamāṇa eveśi gītavādyapurassaram ||1245||

Während er diese fünf Verse rezitiert, führe er sie rückwärtsgehend, ohne sich umzusehen, Herrin, begleitet von Gesang und Instrumentalmusik.

Anmerkung: Svaprishtena als rückwärtsgehend verstanden; die genaue Gehrichtung ist aus dem Ausdruck erschlossen.

Das Yantra für die Kumari

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1246
taijase vā tataḥ pīṭhe dārave śaila eva vā |
sindūramaṇḍalaṃ kṛtvā yantrametat samālikhet ||1246||

Danach zeichne man auf einem Sitz aus Metall, Holz oder Stein einen Kreis aus Sindura und darin dieses Yantra:

Vers 1247
sarvāntastu trikoṇaṃ syāt ṣaṭkoṇaṃ tadbahiḥ smṛtam |
svasammukhakrameṇaiva ṣaṭsu koṇeṣu teṣu hi ||1247||

Ganz innen sei ein Dreieck, darum ein Sechseck. An dessen sechs Ecken schreibe man, beginnend bei der einem selbst zugewandten …

Vers 1248
dakṣiṇāvartato devi likhedagre'ṅkurāṇi hi |
kulāṅganā yoginī ca śākinīvanitāruṣaḥ ||1248||

… im Uhrzeigersinn die Keimlaute, Göttin: Kulangana, Yogini, Shakini, Vanita, Rush …

Anmerkung: Angkura wörtlich Keime/Sprossen, hier Bijas; Namen noch im Folgevers ergänzt.

Vers 12486 [Quellzählung an Position 1249]
ramā ca tadbahirlekhyaṃ padmamaṣṭadalaṃ punaḥ |
tadbahiḥ ṣoḍaśadalaṃ tato bhūpurameva ca ||12486||

… und Rama. Darum zeichne man einen achtblättrigen Lotus, darum einen sechzehnblättrigen und danach den Bhupura, die äußere Umfriedung.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 12486 an Position 1249.

Platznehmen und gemeinsame Verehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1250
vartulatritayaṃ tasya bahirlekhyaṃ varānane |
īdṛgyantraṃ samālikhya mukhyāyāḥ añjaliṃ śanaiḥ ||1250||

Außerhalb davon zeichne man drei Kreise, Schönangesichtige. Nachdem man dieses Yantra gezeichnet hat, berühre man sanft die gefalteten Hände der Hauptperson …

Vers 1251
spṛṣṭvā svāñjalinā vakṣyamāṇamantramudīrayan |
pīṭhe likhitayantre tāṃ dṛṅmīlamupaveśayet ||1251||

… mit den eigenen gefalteten Händen und lasse sie unter Rezitation des gleich genannten Mantras auf dem Sitz mit dem gezeichneten Yantra Platz nehmen, mit geschlossenen Augen.

Anmerkung: Drinmila Augenverschluss; unklar, ob Mädchen oder Ritualist die Augen schließt.

Vers 1252
sarvā anyāstu saṃsthāpyāstasyā vāme vipaścitā |
mukhyaṃ yat pūjanaṃ proktaṃ mukhyāyā eva tanmatam ||1252||

Alle anderen stelle der Kundige links von ihr auf. Die gelehrte Hauptverehrung gilt dieser Hauptperson …

Vers 1253
tatpūjayaiva tāḥ sarvāḥ pūjitāḥ syurna saṃśayaḥ |
yantropaveśane mantramadhunā kalaya priye ||1253||

… durch ihre Verehrung sind ohne Zweifel alle anderen mitverehrt. Höre nun den Mantra zum Platznehmen auf dem Yantra, Geliebte!

Mantra zum Platznehmen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1254
caitanyapāśakamalātrapāśākinya eva hi |
ehyehi bhagavatyuktvā kaumāri brahmacāriṇi ||1254||

[Zuerst stehen] Chaitanya, Pasha, Kamala, Trapa und Shakini. Dann spreche man „ehi ehi bhagavati“ – „Komm, komm, Erhabene!“ –, „kaumari brahmacharini“ – „Kaumari, die du enthaltsam lebst!“ …

Anmerkung: Bija-Decknamen nicht mit erfundenen Bedeutungen gefüllt.

Vers 12515 [Quellzählung an Position 1255]
kaumārīrūpadhāriṇyanantaraṃ ḍākinīṃ smaret |
astraṃ ca pauṣkaraṃ kūṭaṃ vajrakāpālinītyapi ||12515||

… „kaumarirupadharini“ – „die du Kaumaris Gestalt trägst!“ –, dann Dakini, Astra, das Paushkara-Kuta und „vajrakapalini“ …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 12515; Kuta verschlüsselte Lautgruppe, nicht ergänzt.

Vers 1256
guhyakāli samābhāṣya guhyānantapadaṃ tataḥ |
[…] saṃlikhya bhāsākūṭamudīrayet ||1256||

Nach der Anrede „guhyakali“ folgt der Ausdruck „guhyananta“; nach einer beschädigten Stelle spreche man das Bhasa-Kuta …

Anmerkung: Fragment: Beginn des zweiten Halbverses unlesbar. Guhyananta kann aus getrennten Deck-/Anredewörtern bestehen; keine sichere Formel konstruiert.

Vers 1257
astraṃ śatrupramardinyuktvā mahābalavardhani |
caṇḍayogeśvari procya phetkārībījamanvataḥ ||1257||

… Astra, „shatrupramardini“ – „Bezwingerin der Feinde!“ –, „mahabalavardhani“ – „Mehrerin großer Kraft!“ –, „chandayogeshvari“ – „gewaltige Herrin des Yoga!“ –, danach das Phetkari-Bija …

Vers 1258
svādhiṣṭhānaṃ tataḥ kūṭaṃ gauri gaurīpadaṃ tataḥ |
tataḥ śarīre sānnidhyaṃ kuru dvandvaṃ ruṣo yugam ||1258||

… dann das Svadhishthana-Kuta, zweimal „gauri“, darauf „sharire sannidhyam kuru kuru“ – „Stelle im Körper deine Gegenwart her, stelle sie her!“ –, und zweimal Rush …

Anmerkung: Dvandva aus beschädigtem n dra vorläufig; Doppelung der Aufforderung erkennbar.

Vers 1256 [Quellzählung an Position 1259]
astradvayaṃ namaḥ svāhā mahāmantra udāhṛtaḥ |
yantre'mūnaivopaveśya tato dadyād baliṃ śriye ||1256||

… zweimal Astra, „namah svaha“. So ist der große Mantra erklärt. Nachdem man sie mit diesem auf dem Yantra hat Platz nehmen lassen, bringe man zum Gedeihen Bali dar …

Anmerkung: Quellnummer 1256 an Position 1259; beschädigter Laut vor astradvayam nicht ergänzt.

Bali für die Begleitwesen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1260
samāṃsabharjitānnena hālādhārānvitena hi |
samāgatābhyaḥ pūrvoktadevayonibhya ādarāt ||1260||

… ehrerbietig den versammelten, zuvor genannten Klassen übermenschlicher Wesen: geröstete Speise mit Fleisch und einem Guss von Hala, alkoholischem Getränk.

Anmerkung: Die Gabe gilt den übermenschlichen Begleitwesen; nicht als Bewirtung der Mädchen umgedeutet.

Vers 1261
tanmantraḥ praṇavo maidho lajjā kūrcaśca śākinī |
ḍākinī cāpi phetkārī nṛsiṃho bhūta eva ca ||1261||

Ihr Mantra enthält Pranava, Maidha, Lajja, Kurcha, Shakini, Dakini, Phetkari, Nrisimha und Bhuta …

Anmerkung: Maidha weiterhin unsicherer Deckname.

Vers 1262
kumārīpadamābhāṣya bhyasantāḥ sahacaryapi |
imaṃ baliṃ gṛhṇa yugaṃ grāhayāpaya yugaṃ tathā ||1262||

… danach „kumari“ und „sahachari“ mit der Endung „bhyah“: an die Begleiterinnen der Kumari. Dann „imam balim grihna grihna“ – „Nehmt dieses Bali an, nehmt es an!“ – und zweimal eine Aufforderung zum Annehmenlassen …

Anmerkung: Zweite Verbform im OCR गृह णापय, hier grāhayāpaya nur vorläufig, kein gesicherter vollständiger Mantra; bhyas Kasusmarker erklärt.

Vers 1263
bhakṣa bhakṣaya ca dvandvamito'pasaratadvayam |
dvayaṃ bahistiṣṭhata ca yāvatpūjāṃ karomyaham ||1263||

… „bhaksha bhakshaya“ – „Esst, lasst essen!“ –, „ito ’pasarata“ zweimal – „Entfernt euch von hier!“ –, „bahish tishthata“ zweimal – „Bleibt draußen!“ – und „yavat pujam karomy aham“ – „solange ich die Puja vollziehe“ …

Anmerkung: Reichweite der ersten Doppelungsanweisung nicht ganz eindeutig; keine feste Gesamtlautfolge behauptet.

Vers 1264
kūrcāstriyastrayaṃ procya tato hṛcchirasī vadet |
baliṃ dattvā tato devayonibhyaḥ parameśvari ||1264||

… dann spreche man die Dreierfolge Kurcha, Astra und Stri sowie Herz und Haupt. Nachdem man den übermenschlichen Wesen Bali gegeben hat, höchste Herrin …

Anmerkung: Kurchastriyas ist als drei Decknamen vorläufig gegliedert; genaue Folge nicht gesichert.

Der Kumari-Nyasa

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1265
ārabheta nirālasyaḥ kumārīnyāsamuttamam |
nyasanīyasthalaṃ tacca svāṅge kintu manuṃ paṭhan ||1265||

… beginne man ohne Nachlässigkeit mit dem höchsten Kumari-Nyasa. Die Stelle der Auflegung [wird] am eigenen Körper [gezeigt]; doch während man den Mantra spricht …

Anmerkung: Elliptische Anweisung: Gegensatz eigene Gliedmaßen/Kumari in1266 und1280; Bewegung nicht weiter erfunden.

Vers 1266
kumāryaṅgeṣu vinyasyedevaṃ śāstrasya niścayaḥ |
asya kumārīnyāsasya prajāpatirṛṣirmataḥ ||1266||

… vollziehe man die Auflegung an den Gliedmaßen der Kumari; so lautet die Entscheidung der Schrift. Als Rishi dieses Kumari-Nyasa gilt Prajapati …

Anmerkung: Nichtsexuelle rituelle Nyasa-Handlung, Körperstellen ab 1277.

Vers 1267
chandastu virāḍgāyatrī kumārīrūpayānvitā |
guhyakālī devatā ca yoginī bījameva ca ||1267||

… als Versmaß Virat-Gayatri, als Gottheit Guhyakali in Gestalt der Kumari und als Bija Yogini.

Vers 1268
lakṣmīḥ śaktiḥ samuddiṣṭā trapā kīlakameva ca |
kumārīnyāsa evāsya viniyoga udāhṛtaḥ ||1268||

Lakshmi ist als Shakti bezeichnet, Trapa als Kilaka. Seine Anwendung gilt dem Kumari-Nyasa selbst.

Vers 12646 [Quellzählung an Position 1269]
evamṛṣyādikaṃ kṛtvā kuryāt karaṣaḍaṅgake |
rūpādibhiśca śabdāntaiḥ sasargakaruṇāpāṇakaiḥ ||12646||

Nach diesen Angaben zu Rishi und den übrigen Gliedern vollziehe man Hand- und Sechsglieder-Nyasa mit der Folge von Gestalt bis Klang …

Anmerkung: Fragment: Schlusskompositum sasargakaruṇāpāṇakaiḥ nicht zuverlässig verständlich; kein Ersatz aus allgemeinem Nyasa-Wissen. Verformte Quellziffer 12646.

Namen und Aufbau des Nyasa

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1270
atha nyāsoddhṛtiṃ vakṣye sasāmānyaviśeṣakām |
ādau bījadvayaṃ stheyaṃ tato nāmāni vai pṛthak ||1270||

Nun erkläre ich den Aufbau des Nyasa mit allgemeinen und besonderen Regeln. An den Anfang gehören zwei Bijas, danach jeweils die einzelnen Namen …

Vers 1271
pṛthak pṛthak tataścāṅgaṃ carame tu ṣaḍakṣarī |
sā kālavyāpinī devi sāmānyeyamudāhṛtā ||1271||

… darauf jeweils die Körperstelle und zuletzt die sechssilbige Formel. Diese wird Kalavyapini genannt, Göttin. Damit ist die allgemeine Regel erklärt.

Anmerkung: Kalavyapini Wortlaut als Bezeichnung bewahrt; Formel später1279.

Vers 1272
viśeṣo maidhaśākinyau sarvatra purataḥ sthite |
nāmānyādau khalu mahācaṇḍayogeśvarī matā ||1272||

Die Besonderheit lautet: Maidha und Shakini stehen überall voran. Unter den Namen steht Mahachandayogeshvari an erster Stelle …

Vers 1273
tataḥ siddhikarālī ca punaḥ siddhivikarālyapi |
mahāḍāmaryatha jñeyā vajrakāpālinī tataḥ ||1273||

… dann Siddhikarali, Siddhivikarali, Mahadamari und Vajrakapalini …

Vers 1274
muṇḍamālinyaṭṭahāsinyato dve parikīrtite |
caṇḍakāpālinī kālacakreśvaryapyanantaram ||1274||

… darauf die beiden Mundamalini und Attahasini, dann Chandakapalini und Kalachakreshvari …

Vers 1275
guhyakālī tataḥ kātyāyanī kāmākhyayā saha |
cāmuṇḍā siddhilakṣmīśca kubjikā tadanantaram ||1275||

… Guhyakali, Katyayani mit Kamakhya, Chamunda, Siddhilakshmi und danach Kubjika …

Vers 1276
mātaṅgī tadanu jñeyā caṇḍeśvaryatha kīrtyate |
sarvaśeṣe tu kaumārī etā aṣṭādaśeritāḥ ||1276||

… sodann Matangi, Chandeshvari und zuletzt Kaumari. Dies sind die genannten achtzehn.

Körperstellen des Nyasa

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1277
aṅgānyato vacmi śiro mukhaṃ tadanu cakṣuṣaḥ |
karṇau nāsāpuṭe cāpi kapolau tatparau punaḥ ||1277||

Nun nenne ich die Körperstellen: Kopf, Gesicht, Augen, Ohren, Nasenöffnungen und danach Wangen …

Vers 1278
adharoṣṭhau dantapaṅktiḥ skandhau hṛdayameva ca |
bāhū ca jaṭharaṃ pṛṣṭhamūrū jānū tathaiva ca ||1278||

… Lippen, Zahnreihe, Schultern, Herz, Arme, Bauch, Rücken, Oberschenkel und Knie …

Vers 1276 [Quellzählung an Position 1279]
jaṅghe pādau ca sarvāṅgaṃ tāvantyeva sthalāni ca |
śeṣe te'dhiṣṭhatu svāhā vijñeyeyaṃ ṣaḍakṣarī ||1276||

… Unterschenkel, Füße und der ganze Körper: Es gibt ebenso viele Stellen [wie Namen]. Am Schluss steht „te ’dhishthatu svaha“ – „Möge sie an deiner [genannten Körperstelle] gegenwärtig sein, svaha!“ Dies ist die sechssilbige Formel.

Anmerkung: Quellnummer 1276 an Position 1279; Ergänzung in eckigen Klammern erklärt Anwendung, fügt dem Sanskrit keine Silben hinzu.

Vers 1280
etāni nyasanīyāni sthānāni tridaśeśvari |
kumāryā eva na svasya vijñātavyāni dhīmatā ||1280||

Der Kundige soll verstehen, Herrin der Götter: Diese Stellen der Auflegung gehören dem Mädchen, nicht ihm selbst.

Arghya und Reinigung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1281
tato'rghyasthāpanaṃ kuryānnaityake yamudāhṛtam |
pūjopakaraṇasyāpi śuddhiruktā puroktavat ||1281||

Dann bereite man das Arghya vor, wie es für die regelmäßige Verehrung gelehrt wurde. Auch die Reinigung der Puja-Geräte geschieht nach der bereits genannten Vorschrift.

Pitha-Nyasa und Shripatra

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1282
spṛṣṭvā kumāryā mūrdhānaṃ pīṭhanyāsaṃ samācaret |
yantrabaddhiṃ tataḥ svāṅge paraṃ bheda iyān śriye ||1282||

Man berühre den Kopf der Kumari und vollziehe Pitha-Nyasa, danach die Yantra-Bindung am eigenen Körper. Nur dieser Unterschied gilt hierbei, zum Gedeihen.

Anmerkung: Yantrabaddhi vorläufig aus यन्त्रवैद्धि; konkrete Handlung nicht weiter rekonstruiert.

Vers 1282 [Quellzählung an Position 1283]
śrīpātraṃ kevalaṃ sthāpyaṃ yathā nitye prakīrtitam |
vidhānaṃ tat kumāryai tu dātavyaṃ pūjanāntare ||1282||

Allein das Shripatra stelle man auf, wie es für die regelmäßige Puja gelehrt wurde. Dieses ist im Verlauf der Verehrung der Kumari zu geben …

Anmerkung: Quellnummer 1282 erneut; eigenständiger Vers. Vidhanam im zweiten Halbvers auffällig, Bezug auf Gefäß aus 1284/1298 klar; Inhalt hier nicht ausdrücklich benannt.

Vers 1284
svayaṃ naivopayuñjīta viśeṣo'yamudāhṛtaḥ |
tataḥ ṣaḍaṅgaṃ kurvīta kumāryā vakṣyamāṇakam ||1284||

… man verwende beziehungsweise genieße es nicht selbst: Dies ist die genannte Besonderheit. Dann vollziehe man den noch zu erklärenden Sechsglieder-Nyasa der Kumari.

Vers 1285
vidadhīta tato devi guhyakālyāḥ puroditam |
kumāryāḥ kalayeśāni dhyānaṃ yattridaśaiḥ kṛtam ||1285||

Danach vollziehe man die zuvor gelehrte Meditation über Guhyakali, Göttin. Höre auch die Meditation über die Kumari, welche die Götter ausgeführt haben, Herrin:

Meditation über die Kumari

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1286
yā kaumārī sarasijabhuvārādhitā sṛṣṭihetoryā daityānāṃ nidhanakṛtaye viṣṇunā saṃstutā ca |
saṃhārārthaṃ tripuraripuṇā pūjitā yā karābhyāṃ sā kaumāraṃ vapuranugatā guhyakālī puro'stu ||1286||

Die Kaumari, die der Lotusgeborene zur Schöpfung verehrte, die Vishnu zur Vernichtung der Daityas pries und der Feind Tripuras zur Auflösung mit beiden Händen verehrte: Diese Guhyakali möge in Mädchengestalt vor mir sein.

Vers 1287
āvaśyakaṃ tu kaulānāṃ pūrvoktadhyānamīśvari |
smārtānāṃ hi vikalpo'tra tavaitat pratipāditam ||1287||

Für Kaulas ist die zuvor genannte Meditation notwendig, Herrin; für Smartas besteht hier eine Wahlmöglichkeit. So wurde es dir erklärt.

Vers 1288
upacārāṃstataḥ sarvān pādyādīn stutipaścimān |
dadyāt kumārīgāyatryā kumāryai dadhadatvarām ||1288||

Dann bringe man der Kumari mit der Kumari-Gayatri ohne Hast alle Opferdienste dar, vom Fußwaschwasser bis zur abschließenden Lobpreisung.

Die Kumari-Gayatri

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1286 [Quellzählung an Position 1289]
tāmidānīṃ nibodhasva yasyāṃ pūjā pratiṣṭhitā |
maidhāt tārācca śākinyāḥ kumāryai vidmahe vadet ||1286||

Höre nun diese Formel, auf der die Puja beruht. Nach Maidha, Tara und Shakini spreche man „kumaryai vidmahe“ – „Wir wollen die Kumari erkennen“ …

Anmerkung: Quellnummer 1286; Maidha ungesicherter Deckname.

Vers 1260 [Quellzählung an Position 1290]
trapāramāvadhūbhyaśca kanyakāyai tu dhīmahi |
pāśaprāsādakāmebhyastanno gaurī pracodayāt ||1260||

… nach Trapa, Rama und Vadhu „kanyakayai dhimahi“ – „Wir meditieren über die Jungfrau“ –, nach Pasha, Prasada und Kama „tan no gauri prachodayat“ – „Möge Gauri uns anregen.“

Anmerkung: Quellnummer 1260; Decknamen getrennt von Gebetsbedeutung bewahrt.

Vers 1261 [Quellzählung an Position 1291]
eṣā kumārīgāyatrī [vi śa]darṇātmikā matā |
mantreṇānena vai dadyādupacārān svaśaktitaḥ ||1261||

Diese Kumari-Gayatri wird als aus einer [beschädigten Anzahl] von Lauten bestehend bezeichnet. Mit diesem Mantra bringe man die Opferdienste nach den eigenen Möglichkeiten dar.

Anmerkung: Fragment: Quellnummer 1261; Lautzahl im OCR „वि श“ nicht sicher lesbar, weder zwanzig noch dreißig als gesichert ausgegeben. Keine Silben ergänzt.

Gaben für die Kumari

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1252 [Quellzählung an Position 1292]
anuvarjanado mantro paścād vakṣyāmi te śriye |
bhūṣaṇāni dukūlāni sindūrālaktakāvapi ||1252||

Den … Mantra werde ich dir später zum Gedeihen nennen. [Zu geben sind] Schmuckstücke, feine Gewänder, Sindura und roter Fußlack …

Anmerkung: Fragment: anuvarjanada Funktion des angekündigten Mantras unklar. Quellnummer 1252 an Position 1292.

Vers 1262 [Quellzählung an Position 1293]
kajjalādarśapiṣṭātatālavṛntāni peṭikā |
parikmadhāracolamañjikāpīṭhadolikāḥ ||1262||

… Augenschminke, Spiegel, …, Palmfächer, ein Kästchen sowie … Kleidung, kleine Behältnisse, Sitz und Schaukel …

Anmerkung: Fragment: piṣṭāta und mehrere Glieder des zweiten Kompositums beschädigt; lesbare Gegenstände übersetzt, keine vollständige Inventarliste erfunden. Quellnummer 1262.

Vers 1264 [Quellzählung an Position 1294]
mañcālikā ca mañjūṣā pāduke kuthapaṭṭaje |
caṇḍātakopasaṃvyāne tathodvartanabhājanam ||1264||

… eine kleine Liege oder Puppe, eine Truhe, Sandalen, Decke und Seidenzeug, Unter- und Obergewand sowie ein Gefäß für Einreibepulver …

Anmerkung: Quellnummer 1264; mancalika genaue Gegenstandsbezeichnung unsicher, Alternativen offengelegt.

Vers 1265 [Quellzählung an Position 1295]
śayyopadhānaparyaṅkāḥ samudgaśca prasādhanī |
pratigrāhaśca hindolā tathā sīmantavartikā ||1265||

… Bett, Kissen, Bettgestell, Schatulle, Toilettengerät, Auffanggefäß, Schaukel und ein Gerät für den Haarscheitel …

Anmerkung: Quellnummer 1265; spezifische Formen von prasadhani/pratigraha/simantavartika nicht gesichert.

Vers 12566 [Quellzählung an Position 1296]
gorocanāmṛgamadau karpūraṃ kuṅkumaṃ tathā |
evamādīni cānyāni yāvacchakyāni sundari ||12566||

… Gorochana, Moschus, Kampfer und Safran sowie weitere Dinge dieser Art, so viele man geben kann, Schöne.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 12566; Gorochana traditioneller gelber Farbstoff.

Vers 1267 [Quellzählung an Position 1297]
pradātavyāni vastūni kumārī tuṣyate yathā |
mantraḥ pradāne eteṣāṃ gāyatryeva prakīrtitā ||1267||

Die Gegenstände sollen so gegeben werden, dass das Mädchen sich freut. Als Mantra für ihre Darbringung ist eben diese Gayatri gelehrt.

Anmerkung: Quellnummer 1267 an Position 1297.

Annahme des Gefäßes

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1268 [Quellzählung an Position 1298]
tato yat sthāpitaṃ pātraṃ kumāryai pratipādayet |
svīkuryāt sā ca tatraiva tathā yatnaṃ samācaret ||1268||

Dann überreiche man der Kumari das aufgestellte Gefäß. Man bemühe sich darum, dass sie es dort annimmt.

Anmerkung: Quellnummer 1268; keine Aufforderung zum Zwang hinzugefügt.

Vers 12686 [Quellzählung an Position 1299]
agṛhīte tu tatpātre mahān doṣo'bhijāyate |
ato yatnastathā kāryaḥ svīkriyeta yathā tayā ||12686||

Wird dieses Gefäß nicht angenommen, entsteht nach dem Text ein großer ritueller Fehler. Daher soll man sich bemühen, dass sie es annimmt.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 12686; Textdrohung ausdrücklich zugeordnet.

Die fünfzig Shaktis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1300
tato gṛhītvā kusumākṣate tasyāḥ kalevare |
pañcāśatsaṃkhyakāḥ śaktīḥ kramataḥ paripūjayet ||1300||

Dann nehme man Blumen und ungebrochene Reiskörner und verehre an ihrem Körper der Reihe nach die fünfzig Shaktis.

Vers 1301
tā idānīṃ pravakṣyāmi sāvadhānā niśāmaya |
ādyā jayā ca vijayā ṛddhidā māyayānvitā ||1301||

Nun werde ich sie nennen; höre aufmerksam zu: Adya, Jaya, Vijaya, Riddhida und Maya …

Vers 1302
kalā ca siddhidā sūkṣmā prabhā syāt suprabhā tataḥ |
vidyutā ca viśuddhā ca nandinī ca vibhūtiyuk ||1302||

… Kala, Siddhida, Sukshma, Prabha, Suprabha, Vidyuta, Vishuddha, Nandini und Vibhuti …

Anmerkung: Vibhutiyuk als Verbindung mit dem Namen Vibhuti, nicht zusätzlicher anderer Name.

Vers 1303
aparājitā ca lalitā lakṣmīrgaurī tathaiva ca |
atha medhā ca gāyatrī sāvitrī ca svadhā punaḥ ||1303||

… Aparajita, Lalita, Lakshmi, Gauri, Medha, Gayatri, Savitri und Svadha …

Vers 1304
svāhecche ca kriyā vidyā prajñā dīptā ca cetanā |
bhadrā jyeṣṭhā tathomā ca śivā ca muditā kṣamā ||1304||

… Svaha, Iccha, Kriya, Vidya, Prajna, Dipta, Chetana, Bhadra, Jyeshtha, Uma, Shiva, Mudita und Kshama …

Vers 1305
śraddhā'tha vimalā kaumudyapi vai viśadā tataḥ |
aśokā jñānadā caiva baladā rājyadāpi ca ||1305||

… Shraddha, Vimala, Kaumudi, Vishada, Ashoka, Jnanada, Balada und Rajyada …

Vers 1306
maitrī tadanu rudrāṇī bhavānī ca mṛḍānyapi |
sarvajñā caṇḍikā cāpi kumārī sarvaśeṣagā ||1306||

… Maitri, Rudrani, Bhavani, Mridani, Sarvajna, Chandika und zuletzt Kumari.

Verehrung der Begleitgottheiten

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1307
pañcāśatsaṃkhyakā etāḥ kumāryāḥ śaktayaḥ smṛtāḥ |
bhairavānaṣṭa tadanu pūjayedakṣatādibhiḥ ||1307||

Diese gelten als die fünfzig Shaktis der Kumari. Danach verehre man die acht Bhairavas mit ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Gaben …

Vers 1308
bhairavībhyastato vighnavināyakebhya eva ca |
vaṭukakṣetrapālabhyāṃ yoginībhyastato'pi ca ||1308||

… dann die Bhairavis, die Vighnavinayakas, Vatuka und Kshetrapala sowie die Yoginis …

Anmerkung: Dativfolge als Gegenstand der Puja aus 1309 wiedergegeben.

Vers 1306 [Quellzählung an Position 1309]
bhūtebhyaḥ pretayakṣebhyo ḍākinībhyastathaiva ca |
kurvīta pūjanaṃ devi kusumākṣatacandanaiḥ ||1306||

… die Bhutas, Pretas, Yakshas und Dakinis, Göttin, mit Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und Sandelholz.

Anmerkung: Quellnummer 1306 an Position 1309.

Acht abschließende Göttinnen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1310
punaraṣṭau sarvaśeṣe ṅe'ntā devīryajet priye |
mahāmāyā kālarātrī tato vai sarvamaṅgalā ||1310||

Ganz am Schluss verehre man wiederum acht Göttinnen mit Namen im Dativ, Geliebte: Mahamaya, Kalaratri, Sarvamangala …

Vers 1311
pūjyā ḍamarukā paścād rājarājeśvarī tathā |
sampatpradā bhagavatī kumārī tadanantaram ||1311||

… danach Damaruka, Rajarajeshvari, Sampatprada, Bhagavati und Kumari.

Darbringung der Mahlzeit

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1312
samāpyetthaṃ kumāryarcāṃ tatpuro bhuvi vāriṇā |
vartulaṃ maṇḍalaṃ kṛtvā tanmadhye kulakāminīm ||1312||

Nachdem man so die Kumari-Puja vollendet hat, zeichne man vor ihr mit Wasser einen runden Kreis auf den Boden und darin Kulakamini …

Anmerkung: Kulakamini hier nach Zeichnungsanweisung wohl Bija-Deckname; keine Figur erfunden.

Vers 1313
vilikhya lājakusumākṣatacandananāgajaiḥ |
pūjayenmaṇḍalaṃ tacca śubhadāyai namo vadet ||1313||

… und verehre diesen Kreis mit geröstetem Getreide, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, Sandelholz und Nagaja. Man spreche „shubhadayai namah“ – „Verehrung der Heilspenderin!“

Anmerkung: Nagaja Substanzbezeichnung unsicher, beibehalten.

Vers 1314
sthālīgataṃ tataḥ sarvamannaṃ tatra niveśya hi |
nānāvidhāṃ ca sāmagrīṃ lehyacoṣyādibṛṃhitām ||1314||

Dann stelle man dort sämtliche in Schüsseln befindlichen Speisen auf, eine vielfältige Auswahl von Dingen zum Lecken, Saugen und anderem Genuss …

Vers 1315
māṃsamīnasurāpūrṇāṃ bhakṣyacarvyādipūritām |
kumārīdakṣahastaṃ ca sthāpayitvānnamūrdhani ||1315||

… mit Fleisch, Fisch, alkoholischem Getränk und vielen Speisen zum Essen und Kauen. Man halte die rechte Hand des Mädchens über die Speise …

Anmerkung: Historische Darbringung ausdrücklich mit Alkohol; kein heutiger Praxisvorschlag.

Mantra zur Speisewidmung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1216 [Quellzählung an Position 1316]
uttānaṃ vakṣyamāṇena manunā'nnaṃ samutsṛjet |
maidhatārau śākinī ca trapā pretaśca bhairavī ||1216||

… mit der Handfläche nach oben, und widme die Speise mit dem gleich genannten Mantra. [Voran stehen] Maidha, Tara, Shakini, Trapa, Preta und Bhairavi …

Anmerkung: Quellnummer 1216 an Position 1316.

Vers 1317
yoginīkāmakamalā bījāni purato nava |
jaya dvayaṃ bhagavati mahācaṇḍapadādanu ||1317||

… Yogini, Kama und Kamala: diese neun Bijas am Anfang. Dann zweimal „jaya“, „bhagavati“ und nach „mahachanda“ …

Anmerkung: Jaya Sieg/Sei siegreich; Formel läuft weiter.

Vers 1318
yogeśvari kumārīrūpadhāriṇi tato vadet |
svarūpaṃ darśaya dvandvaṃ tataḥ prakaṭaya dvayam ||1318||

… „yogeshvari“, „kumarirupadharini“ – „große, gewaltige Herrin des Yoga, die du Mädchengestalt trägst!“ –, dann „svarupam darshaya darshaya“ – „Zeige deine eigene Gestalt!“ –, und zweimal „prakataya“ – „Offenbare sie!“

Vers 1315 [Quellzählung an Position 1319]
ḍākinī narasiṃhaśca krodhādapi mahāpadam |
bhogānu vaibhave procya idamannaṃ tataḥ param ||1315||

Nach Dakini, Narasimha und Krodha spreche man „mahabhogavaibhave“ – etwa „du von großer Fülle des Genusses!“ –, dann „idam annam“ – „diese Speise“ …

Anmerkung: Quellnummer 1315 an Position 1319; bhoganuvaibhave im Wortlaut beschädigt, Anrede vorläufig, keine gesicherte Gesamtformel.

Vers 1320
gṛhṇadvayaṃ bhuñja yugaṃ khādi yugmaṃ tataḥ param |
mama śatrūn saṃhara dvirnāśaya dvitayaṃ tathā ||1320||

… zweimal „grihna“ – „Nimm an!“ –, zweimal „bhunja“ – „Genieße!“ –, zweimal „khadi“ – „Iss!“ –, dann „mama shatrun samhara samhara“ – „Vernichte meine Feinde!“ – und zweimal „nashaya“ – „Zerstöre sie!“

Anmerkung: Khadi Quellform nicht still zu khada normalisiert.

Vers 1321
sāmrājyaṃ tadanu dvirhi dada dehi padadvayam |
kṣemamābdikamuccārya brūhi yugmamanantaram ||1321||

Danach zweimal „samrajyam“ – „Herrschaft“ –, die beiden Wörter „dada dehi“ – „Gib, gewähre!“ –, dann „kshemam abdikam“ – „das Wohlergehen des Jahres“ – und zweimal „bruhi“ – „Sage es voraus!“

Vers 1322
tataḥ siddhikarālyuktvā siddhito vikarāli ca |
bījāni trīṇi tatpaścāt phetkārīhārakaṇikāḥ ||1322||

Dann spreche man „siddhikarali“ und „siddhivikarali“, danach die drei Bijas Phetkari, Hara und Kanika …

Anmerkung: Letzte beiden Decknamen aus harakanikaḥ unsicher gegliedert; nicht entschlüsselt.

Vers 1323
sphuradvayaṃ prasphura dvirmāṃ rakṣa yugalaṃ tathā |
kūrcadvayaṃ cāstrayugaṃ namaḥ svāhā ca paścime ||1323||

… zweimal „sphura“ – „Erstrahle!“ –, zweimal „prasphura“ – „Leuchte hervor!“ –, zweimal „mam raksha“ – „Schütze mich!“ –, zweimal Kurcha und zweimal Astra; am Ende „namah svaha“.

Vers 1324
śatamekonapañcāśadakṣarāṇi manāviha |
itarāsāṃ kumārīṇāṃ pratyekaṃ pūjanaṃ caret ||1324||

Dieser Mantra hat hundertneunundvierzig Laute. Die übrigen Mädchen verehre man jedes einzeln …

Anmerkung: Behauptete149Laute nicht anhand ergänzter beschädigter Bestandteile rekonstruiert.

Die übrigen Mädchen gleich bewirten

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1325
gandhapuṣpairdhūpadīpairnaivedyairanusambhṛtaiḥ |
śaktau tayā‍aiva gāyatryā'śaktau deveśyamantrakam ||1325||

… mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Lichtern und bereitgestellten Speisen; wenn möglich mit derselben Gayatri, andernfalls ohne Mantra, Herrin der Götter.

Anmerkung: OCR deveshyamantrakam als deveśi amantrakam verstanden.

Vers 1326
annāni yādṛśānyasyai mukhyāyai kalpitāni hi |
anyābhyastādṛśānyeva dātavyānyeṣa niścayaḥ ||1326||

Die übrigen sollen genau dieselben Speisen erhalten, die der Hauptperson bereitet wurden: Dies ist die feste Regel.

Verhalten während der Mahlzeit

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1327
phalāphalaṃ tu mukhyāyā jñeyamatra vipaścitā |
bhuñjānāsu kumārīṣu na tūryadhvanimācaret ||1327||

Erfolg und Misserfolg soll der Kundige jedoch an der Hauptperson erkennen. Während die Mädchen essen, lasse man keine Instrumentalmusik erklingen.

Vers 1328
nānyatra ca mano dadyāt sambādhaṃ naiva kalpayet |
kolāhalaṃ niṣedheta amaṅgalyāni yāni ca ||1328||

Man richte die Aufmerksamkeit nicht anderswohin, verursache kein Gedränge und unterbinde Lärm sowie alles Unheilvolle.

Vers 1326 [Quellzählung an Position 1329]
ruditāpānavāyū ca prayatnena vivarjayet |
sāvadhāno bhavedatra kimādau bhakṣayanti tāḥ ||1326||

Weinen und abgehende Winde vermeide man sorgfältig. Man achte darauf, was die Mädchen zuerst essen …

Anmerkung: Quellnummer 1326 an Position 1329.

Vers 1330
kutra dṛṣṭiṃ prakṣipanti bhītāḥ kiṃ vā bhavantyamūḥ |
ityādi nānājātīyāśceṣṭā āsāṃ prayatnataḥ ||1330||

… wohin sie blicken und ob sie sich fürchten. Ihre unterschiedlichen Verhaltensweisen dieser und anderer Art …

Vers 1331
sāvadhānatayā jñeyā bhadrābhadrasya sūcakāḥ |
bhakṣayantīṣu tāsvevaṃ paṭhettatstotramatvaraḥ ||1331||

… sind aufmerksam als Zeichen für Heil und Unheil zu beobachten. Während sie so essen, rezitiere man ohne Hast die Lobpreisung …

Anmerkung: Vorzeichenlehre des historischen Textes.

Lobpreis während der Speisung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1332
kṛtāñjalirnamraśirā āsāmanne kṣipan dṛśau |
jayakāli mahābhīme bhīmarāve bhayāpahe ||1332||

… mit gefalteten Händen und geneigtem Haupt, den Blick auf ihre Speise gerichtet: „Jayakali, überaus Furchtbare, mit furchterregendem Ruf, die du Angst vertreibst …“

Vers 1333
saṃsāradāvāgniśikhe vṛjinārṇavatāriṇi |
brahmendropendrabhūteśaprabhṛtyamaravandite ||1333||

„… Flamme im Waldbrand des Samsara, die du über den Ozean der Verfehlung führst, verehrt von Brahma, Indra, Upendra, Bhutesha und den übrigen Unsterblichen …“

Anmerkung: Bild Flamme im Samsara-Waldbrand nicht ohne Quelle zu dessen Löschung umgedeutet.

Vers 13234 [Quellzählung an Position 1334]
sargapālanasaṃhārakāriṇyahitamāriṇi |
guhyakāli parānandarasapūritavigrahe ||13234||

„… die du Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bewirkst und die Feinde tötest; Guhyakali, deren Gestalt vom Nektar höchster Glückseligkeit erfüllt ist …“

Anmerkung: Verformte Quellziffer 13234 an Position 1334.

Vers 1335
parabrahmarasāsvādakaivalyānandadāyini |
guṇātīte'pi saguṇe mahākalpāntanartaki ||1335||

„… die du den Genuss des höchsten Brahman und die Glückseligkeit der Befreiung schenkst, jenseits der Gunas und doch mit Eigenschaften versehen, Tänzerin am Ende des großen Kalpa …“

Vers 1336
kumārīrūpamāsthāya vijñāpyajñāsvarūpiṇi |
āgatāsi mamāgāraṃ śāradārcāsamāptaye ||1336||

„… du hast Mädchengestalt angenommen, du …, und bist in mein Haus gekommen, um die Herbstverehrung zu vollenden …“

Anmerkung: Fragment: vijñāpyajñāsvarūpiṇi beschädigte/mehrdeutige Anrede; kein philosophischer Sinn hineinkorrigiert.

Vers 1337
sāṃvatsarikakalyāṇasūcanāya tathaiva ca |
dhanyo'smi kṛtakṛtyo'smi saphalaṃ jīvitaṃ mama ||1337||

„… und um das Wohlergehen des kommenden Jahres anzuzeigen. Gesegnet bin ich, mein Werk ist erfüllt; mein Leben trägt Frucht …“

Vers 1338
yasmāttvamīdṛśaṃ kṛtvā kaumāraṃ rūpamuttamam |
guhyakāli samāyātā'bdikapūjādidṛkṣayā ||1338||

„… denn du hast diese herrliche Mädchengestalt angenommen und bist gekommen, Guhyakali, um die jährliche Puja anzusehen.“

Vers 13346 [Quellzählung an Position 1339]
tvamevaitena rūpeṇa devebhyaḥ prārthitā purā |
dattavatyasi sāmrājyaṃ varānapi samīhitān ||13346||

„Einst baten dich die Götter in eben dieser Gestalt, und du gewährtest ihnen Herrschaft und die ersehnten Segensgaben.“

Anmerkung: Verformte Quellziffer 13346 an Position 1339.

Bitte um vier Segensgaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1340
mahyamapyadya deveśi varaṃ dehi supūjitā |
brahmaṇe sṛṣṭisāmarthyaṃ tvaṃ purā dattavatyasi ||1340||

„Gewähre heute auch mir einen Segen, Herrin der Götter, die du gebührend verehrt bist! Einst gabst du Brahma die Fähigkeit zur Schöpfung …“

Vers 1341
viṣṇave ca tvamevādāstathā pālanaśaktitām |
mahārudrāya saṃhārakartṛtvamadadaḥ śive ||1341||

„… Vishnu gabst du die Kraft zur Erhaltung, und Maharudra verliehst du die Macht zur Auflösung, Shiva …“

Vers 1342
devebhyaścāpi daityānāṃ nāśane dakṣatāmapi |
antaryāminyasīśāni trilokīvāsināmapi ||1342||

„… den Göttern die Fähigkeit zur Vernichtung der Daityas. Du bist die innere Lenkerin aller Bewohner der drei Welten, Herrin.“

Vers 1342 [Quellzählung an Position 1343]
nivedayāmi kiṃ te'haṃ sarvakarmaikasākṣiṇi |
śatrunāśaṃ rājyalābhaṃ śarīrārogyameva ca ||1342||

„Was sollte ich dir mitteilen, der einzigen Zeugin aller Handlungen? Vernichtung der Feinde, Gewinn der Herrschaft, Gesundheit des Körpers …“

Anmerkung: Quellnummer 1342 erneut; eigenständiger Vers.

Vers 1344
tvatpādāmbujayorbhaktiṃ yāce'haṃ caturo varān |
namaste bhagavatyamba namaste bhaktavatsale ||1344||

„… und Hingabe an deine Lotusfüße: Diese vier Segensgaben erbitte ich. Verehrung dir, erhabene Mutter! Verehrung dir, die du deine Verehrer liebevoll umsorgst!“

Hingabe an die Mutter der Welt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1345
namaste jagadādhārarūpiṇi trāhi māṃ sadā |
mātarna vedmi rūpaṃ te na śarīraṃ na vā guṇam ||1345||

„Verehrung dir, die du den Grund der Welt verkörperst! Schütze mich stets! Mutter, ich kenne weder deine Gestalt noch deinen Leib noch deine Eigenschaften …“

Vers 1346
bhaktyā hṛtsthitayā pūjāṃ tava jānāmyananyadhīḥ |
tvaṃ mātā tvaṃ pitā bandhustvameva jagadīśvari ||1346||

„… ich weiß nur, dich mit der Hingabe meines Herzens zu verehren, ganz auf dich ausgerichtet. Du bist Mutter, du bist Vater, du allein bist mein Verwandter, Herrin der Welt.“

Vers 1347
tvaṃ gatiḥ śaraṇaṃ tvaṃ ca svargastvaṃ mokṣa eva ca |
vihāya tvāṃ jaganmātarnānyāṃ jānāmi devatām ||1347||

„Du bist mein Ziel und meine Zuflucht, du bist Himmel und Befreiung. Außer dir kenne ich keine andere Gottheit, Mutter der Welt.“

Vers 9348 [Quellzählung an Position 1348]
namaste'stu namaste'stu namaste'stu namo namaḥ |
ebhiḥ ślokaiḥ stutiṃ kuryāt kumārīṇāṃ varānane ||9348||

„Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, wieder und wieder Verehrung!“ Mit diesen Versen vollziehe man den Lobpreis der Kumaris, Schönangesichtige.

Anmerkung: Quellnummer 9348 an Position 1348.

Abschluss und Verabschiedung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1346 [Quellzählung an Position 1349]
dadyādācamanīyaṃ hi bhojanānte gatatvaraḥ |
tataḥ pradadyāt tāmbūlaṃ mṛgacandrādhivāsitam ||1346||

Nach der Mahlzeit gebe man ihnen ohne Hast Mundspülwasser, danach Betel, der mit Moschus und Kampfer parfümiert ist.

Anmerkung: Quellnummer 1346 an Position 1349.

Vers 1350
saha vādyādibhistāvadanuvrajya visarjayet |
śubhāśubhaphalaṃ vacmi sāmprataṃ tava pārvati ||1350||

Unter Instrumentalmusik und weiteren Ehren begleite und verabschiede man sie. Nun erkläre ich dir die günstigen und ungünstigen Bedeutungen, Parvati …

Anmerkung: Beginn Vorzeichenlehre; die folgenden Wirkungszuordnungen sind historische Textaussagen.

Speisereste und günstige Vorzeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1351
tatrāpyādau śubhaṃ vakṣye viparītaṃ tato'sya ca |
taducchiṣṭaṃ tato dadyājjambukebhyo'tha bhūtale ||1351||

… zuerst das Günstige, danach sein Gegenteil. Ihre Speisereste gebe man den Schakalen oder vergrabe sie in der Erde …

Vers 1352
nikhanedapsu vā devi samāloḍya visarjayet |
ādau bhaktaṃ kare datte subhikṣaṃ viṣaye bhavet ||1352||

… oder vermische und entlasse sie ins Wasser, Göttin. Nimmt sie zuerst gekochten Reis in die Hand, so soll im Land Überfluss an Nahrung herrschen.

Anmerkung: Vorzeichenaussage des Textes.

Vorzeichen der Speisewahl

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1353
pāyase yajamānasya paśuvṛddhiḥ prajāyate |
ghṛte syādāyurādhikyaṃ pūpa aiśvaryamṛdhyate ||1353||

Bei Milchreis wird dem Opferherrn Vermehrung seines Viehs vorhergesagt; bei Ghee längeres Leben, bei Kuchen wachsende Macht und Wohlstand.

Vers 1354
tathā modakaśaṣkulyoḥ santatirbhūyasī bhavet |
matsyajātiṣvarthalābhaḥ kṛśare yānasampadaḥ ||1354||

Modaka und Shashkuli verheißen zahlreiche Nachkommen, Fischarten Vermögensgewinn und Krishara, Getreide-Hülsenfruchtbrei, Wohlstand an Fahrzeugen.

Anmerkung: Speisenamen beibehalten, keine Rezeptrekonstruktion.

Vers 1355
māṃse tu putralābhaḥ syāt temane kāminī bhavet |
phalaṃ māṃsaviśeṣasya bhinnaṃ bhinnaṃ bravīhi tat ||1355||

Fleisch verheißt einen Sohn, eine Gemüsezubereitung eine Gefährtin. Die Bedeutung unterscheidet sich je nach Fleischart; [der Text fordert auf,] diese Unterschiede zu nennen.

Anmerkung: Bravihi Imperativ in fortlaufender Rede auffällig, nicht still zu bravimi geändert; keine neue Sprecherzeile erfunden.

Tierarten in der Vorzeichenlehre

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1356
arthalābhastu vārāhe khāḍge tu vijayo raṇe |
māhiṣeṇa tu māṃsena rājyaprāptirbhaveddhruvam ||1356||

Schweinefleisch steht für Vermögensgewinn, Nashornfleisch für Sieg im Kampf und Büffelfleisch für den sicheren Erwerb der Herrschaft.

Anmerkung: Vorzeichenbehauptungen, keine Ernährungs-/Gesundheitsempfehlungen.

Vers 1357
ārogyaṃ hāriṇenāśu kārṣṇasāreṇa vāgmitā |
śāśe medhāvitāṃ gacchedāje'pyajaratāmapi ||1357||

Hirschfleisch verheißt baldige Gesundheit, Schwarzantilopenfleisch Beredsamkeit, Hasenfleisch Verstandeskraft und Ziegenfleisch Freiheit vom Altern.

Anmerkung: Religiöse Vorzeichenzuordnung; keine medizinische Wirksamkeitsbehauptung der Ausgabe.

Vers 1358
vāyase palale devi sarvakalyāṇamāpnuyāt |
kāmaṭhe medinīlābho bahvannatvaṃ ca rāṅkave ||1358||

Krähenfleisch soll alles Wohlergehen verheißen, Göttin; Schildkrötenfleisch Landgewinn, Ranku-Wildfleisch reiche Nahrung.

Anmerkung: Vayase aus beschädigtem वये. vorläufig, genaue Tierart dort unsicher; Ranku nicht zoologisch festgelegt.

Vers 1356 [Quellzählung an Position 1359]
vārdhrīnase śatrunāśo hāṃse manujavaśyatā |
taittire'bhīṣṭasiddhiśca vartake pāpasaṃkṣayaḥ ||1356||

Vardhrinasa-Fleisch steht für die Vernichtung der Feinde, Gänsefleisch für die Beherrschung von Menschen, Rebhuhnfleisch für Wunscherfüllung und Wachtelfleisch für die Tilgung von Verfehlungen.

Anmerkung: Quellnummer 1356. Vardhrinasa zoologisch nicht sicher bestimmt; nicht mit Nashorn gleichgesetzt.

Weitere Speisen als Vorzeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1360
manastoṣo rasālāyāṃ phalekṣvorviśvavaryatā |
kīrtistu mahatī dadhni dugdhe sampadanuttamā ||1360||

Rasala verheißt Zufriedenheit des Gemüts, Früchte und Zuckerrohr Vorrang in der Welt, Dickmilch großen Ruhm und Milch unvergleichlichen Wohlstand.

Anmerkung: Rasala Speisebezeichnung hier nicht eindeutig Mango oder gesüßte Dickmilch; offen belassen.

Vers 12361 [Quellzählung an Position 1361]
piṣṭake tanayāvāptiḥ śāke ca ripusaṃkṣayaḥ |
hālāyāṃ puṇyavṛddhiḥ syāt coṣye saṃsatsu vāgmitā ||12361||

Mehlgebäck verheißt einen Sohn, Blattgemüse die Vernichtung der Feinde, Hala, alkoholisches Getränk, wachsenden religiösen Verdienst und Speisen zum Saugen Beredsamkeit in Versammlungen.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 12361; Alkoholkonsum als Vorzeichen im Text, keine Empfehlung.

Vers 1362
dhanāgamaḥ phāṇite tu kūcikāyāṃ balonnatiḥ |
tumbīvṛntākakūṣmāṇḍakāravellapaṭolakaiḥ ||1362||

Zuckersirup verheißt Geldzuwachs, Kuchika wachsende Kraft. Eine Gemüsezubereitung aus Flaschenkürbis, Aubergine, Wachskürbis, Bittergurke und Patola …

Anmerkung: Kuchika unbestimmte Speisebezeichnung; Patola Kürbisgewächs ohne genaue Artenfestlegung.

Vers 1363
ghoṣaśūraṇadīrghāṅgamūlakaistemane kṛte |
vidyālābho bhaveddevi takre vākpaṭutāpi ca ||1363||

… Ghosha, Surana, Dirghanga und Rettich verheißt Wissenserwerb, Göttin; Buttermilch Gewandtheit der Rede.

Anmerkung: Weitere Pflanzennamen mangels sicherer botanischer Zuordnung bewahrt.

Blicke und Gegenstände

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1364
godhūmacūrṇaghaṭitavastuni pratibhāvane |
devyāṃ dṛṣṭau bhavenmokṣo maṇḍape'pyunnatirbhavet ||1364||

Eine aus Weizenmehl bereitete Speise verheißt Einfallsreichtum. Blickt sie auf die Göttin, so steht dies für Befreiung; blickt sie auf den Pavillon, für Aufstieg.

Anmerkung: Erste Formulierung pratibhavane grammatisch beschädigt, Sinn vorläufig.

Vers 1365
cāmarachatrayostālavṛntaparyaṅkayorapi |
ghaṇṭādarpaṇayoścāpi dṛgdāne bhūpatirmahān ||1365||

Ein Blick auf Yakschweifwedel, Schirm, Palmfächer, Bettgestell, Glocke oder Spiegel soll große Königsherrschaft anzeigen.

Vers 1366
ākalpālaṅkaraṇayoḥ sparśacālanadṛṣṭiṣu |
nānāvidhāni saukhyāni bhavanti mahituḥ priye ||1366||

Berührt, bewegt oder betrachtet sie Ausstattung und Schmuck, so bedeutet dies für den Verehrer vielerlei Freuden, Geliebte.

Vers 1367
evaṃvidhāni bhūyāṃsi ceṣṭitānyaśanāni ca |
śubhādeśīni jāyante viparītānyataḥ śṛṇu ||1367||

Zahlreiche solche Verhaltensweisen und Speisewahlen zeigen Gutes an. Höre nun die entgegengesetzten Vorzeichen.

Ungünstige Vorzeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1368
mukhyabhūtā kumārī ceddhasati dvitrivārakam |
durbhikṣaṃ jāyate'vaśyaṃ prajāḥ syuḥ pīḍitā api ||1368||

Wenn das als Hauptperson verehrte Mädchen zwei- oder dreimal lacht, sagt der Text eine Hungersnot und Bedrängnis der Bevölkerung voraus.

Anmerkung: Historische Omenbehauptung, kein Urteil über normales kindliches Verhalten.

Vers 1366 [Quellzählung an Position 1369]
rājā vināśamāyāti kumāryā rodane kṛte |
uccāre tu mahāmārī purīṣe puradāhanam ||1366||

Weint die Kumari, wird der Untergang des Königs vorhergesagt; bei „uccara“ eine große Seuche, bei Kotabgang ein Stadtbrand.

Anmerkung: Quellnummer 1366; uccara kann Ausscheidung bezeichnen und steht neben purisha/Kot, genaue Abgrenzung unklar, nicht still als Urin festgelegt.

Vers 1370
abhojane śatrubhayamāpado bahubhojane |
abhāṣaṇe tvāmayāḥ syurvipado bahubhāṣaṇe ||1370||

Isst sie nicht, deutet der Text Feindesgefahr an; isst sie viel, Unglück. Schweigt sie, bedeutet es Krankheiten; spricht sie viel, Widrigkeiten.

Vers 1371
upasargā bahuvidhāśceṣṭayā karapādayoḥ |
atilajjā vināśāya tathā nirlajjatā śuce ||1371||

Bewegungen von Händen und Füßen werden als Zeichen verschiedener Bedrängnisse gewertet; übermäßige Schüchternheit als Zeichen des Untergangs, Schamlosigkeit als Zeichen von Kummer.

Vers 1372
nānotpātāstu maune syuḥ svāpe rājño vināśanam |
sarvanāśastu bhītāyāṃ kruddhāyāṃ mṛtyureva ca ||1372||

Schweigen soll verschiedene Unheilsereignisse anzeigen, Schlaf den Untergang des Königs, Furcht umfassendes Verderben und Zorn den Tod.

Furcht, Unruhe und Krankheit

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1373
āveśe tatkṣaṇād rājā mriyate nātra saṃśayaḥ |
śaṅkitāyāṃ śatruśaṅkā śrāntāyāmītito bhayam ||1373||

Bei Besessenheit sagt der Text den sofortigen Tod des Königs voraus; bei Argwohn die Furcht vor Feinden, bei Erschöpfung die Gefahr von Landplagen.

Anmerkung: Shatrushanka vorläufig aus शक्रशङ्का; Bezug Feind plausibel, Lesung unsicher.

Vers 1374
cintitāyāṃ tu vijñeyaṃ tadrāṣṭrasyaiva pātanam |
mohe vittavināśaḥ syājjāḍye pūjā tu niṣphalā ||1374||

Wirkt sie besorgt, gilt dies als Zeichen des Landesuntergangs; Benommenheit bedeutet Vermögensverlust, Teilnahmslosigkeit eine fruchtlose Puja.

Vers 1375
cāñcalye cañcalā lakṣmīḥ pūjakasyaiva jāyate |
viṣādavatyatha yadi kumārī tatra jāyate ||1375||

Unruhe gilt als Zeichen dafür, dass der Wohlstand des Verehrers unbeständig wird. Wird das Mädchen niedergeschlagen …

Anmerkung: Chanchalya vorläufig aus चाल्ये; Wortspiel unruhig/unbeständige Lakshmi erkennbar.

Vers 1376
sarājaṃ saprajaṃ rāṣṭraṃ tadā sīdati pārvati |
rogeṇa mriyate rājā yadi rugṇā prajāyate ||1376||

… so soll das Land mitsamt König und Bevölkerung in Not geraten, Parvati. Erkrankt sie, wird dem König der Tod durch Krankheit vorhergesagt.

Vers 1377
durbhikṣamarakātaṅkamatyaśrūṇi vimuñcati |
sarvanāśo bhavettarhi dhunoti yadi mastakam ||1377||

Vergießt sie viele Tränen, deutet der Text dies als Gefahr von Hunger und Seuche; schüttelt sie den Kopf, als umfassendes Verderben.

Körperliche Zeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1378
trastāyāṃ riputastrāsastasya rājñaḥ pradiśyate |
kampe sati syād vimukhī kālikā parameśvarī ||1378||

Erschrickt sie, wird dem König Schrecken durch Feinde vorhergesagt. Zittert sie, gilt die höchste Herrin Kalika als abgewandt.

Vers 1376 [Quellzählung an Position 1379]
nīcaḥ śiraścet kurute asantuṣṭā tadeśvarī |
hīnāyuḥ syāttadā pṛthvīpatiśced gadgadasvanā ||1376||

Senkt sie den Kopf, gilt die Göttin als unzufrieden. Spricht sie stockend, wird dem Herrscher eine verkürzte Lebensspanne vorausgesagt.

Anmerkung: Quellnummer 1376 an Position 1379.

Vers 1380
pūjakasya bhaved dainyaṃ vyākulā yadi jāyate |
mohena vyākulāyāṃ tu sarvaṃ nagaramākulam ||1380||

Ist sie aufgewühlt, wird dem Verehrer Not vorhergesagt; ist sie durch Verwirrung aufgewühlt, der ganzen Stadt Unruhe.

Vers 1381
vrīḍitāyāṃ bhaved rogaḥ svede dāradhanakṣayaḥ |
adhovāyuṃ tyajati cet kumārī daivayogataḥ ||1381||

Verlegenheit soll Krankheit anzeigen, Schwitzen den Verlust von Frau und Vermögen. Entweichen dem Mädchen zufällig Darmwinde …

Vers 1382
pīḍitaṃ paracakreṇa tadā bhavati pattanam |
gītaṃ gāyati cettatra kumārī rahitā kriyā ||1382||

… gilt dies als Zeichen einer Bedrängnis der Stadt durch ein fremdes Heer. Singt sie dort ein Lied, gilt die rituelle Handlung als wirkungslos …

Anmerkung: Rahita kriya elliptisch; Sinn mangelnder Ritualwirkung vorläufig.

Streit und Bewegungen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1383
saprajārāṣṭratanayadārasya nṛpatermṛtiḥ |
sahāgatābhiḥ kadācinmukhyā vivadate yadi ||1383||

… und dem König wird der Tod mitsamt Bevölkerung, Land, Söhnen und Frau vorhergesagt. Streitet die Hauptperson mit den Mädchen, die mit ihr gekommen sind …

Vers 1384
tadā samāyātyakasmāt paracakraṃ sudāruṇam |
yayā kayācit sārdhaṃ vā yena kenacideva vā ||1384||

… bedeutet dies das plötzliche Herannahen eines sehr grausamen fremden Heeres. Spricht das Mädchen mit irgendeiner Frau oder irgendeinem Mann …

Vers 13815 [Quellzählung an Position 1385]
kumārī bhāṣate vītabhayamandākṣasādhvasā |
prajāyante tadā tasya viṣayeṣu ṣaḍītayaḥ ||13815||

… ohne Furcht, Schüchternheit oder Scheu, so werden die sechs Landplagen im Herrschaftsgebiet vorhergesagt.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 13815; sechs Plagen hier nicht einzeln benannt, keine Liste ergänzt.

Vers 1386
vyatyāsaṃ yadi bhakṣyasya kurvate karacālanaiḥ |
vyastaṃ samastaṃ bhavati manaso vāñchitaṃ priye ||1386||

Wenn sie durch Handbewegungen die Speisen durcheinanderbringen, soll alles innerlich Erwünschte vereitelt werden, Geliebte.

Anmerkung: Plural im Sanskrit beibehalten.

Vers 1387
upāyanīkṛtaṃ yattaddravyaṃ devyai tu maṇḍape |
taccet karābhyāṃ spṛśati kāndiśīko bhavennṛpaḥ ||1387||

Berührt sie mit ihren Händen die Gegenstände, die der Göttin im Pavillon als Gaben bestimmt sind, wird dem König Flucht und Verängstigung vorhergesagt.

Licht und auffälliges Verhalten

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1388
nirvāpayati ced dīpaṃ kumārī mukhamārutaiḥ |
buddhibhraṃśo bhavettarhi jñānadīpaśca naśyati ||1388||

Bläst das Mädchen eine Lampe aus, deutet der Text dies als Verlust der Urteilskraft und Erlöschen des Lichts der Erkenntnis.

Vers 1386 [Quellzählung an Position 1389]
daivayogāddhi nṛtyanti kumāryaścet surākulāḥ |
sarājakaḥ saviṣayaḥ śmaśānamiva jāyate ||1386||

Wenn die Mädchen zufällig, vom Alkohol benommen, tanzen, so soll das Gebiet mitsamt seinem König einer Leichenstätte gleichen.

Anmerkung: Quellnummer 1386; surakula wörtlicher Alkoholbezug der Quelle sachlich, keine heutige Praxisanregung.

Vers 1360 [Quellzählung an Position 1390]
vāsāṃsyutsṛjya nagnāḥ syuryadi tatra kumārikāḥ |
śatrubhirmriyate tarhi rājā samaramūrdhani ||1360||

Wenn die Mädchen dort ihre Kleider ablegen und unbekleidet sind, sagt der Text dem König den Tod durch Feinde auf dem Schlachtfeld voraus.

Anmerkung: Quellnummer 1360; nichtsexuelle historische Vorzeichenbeschreibung ohne Ausschmückung.

Vers 13861 [Quellzählung an Position 1391]
yadi phūtkṛtya kūrdante karau dhṛtvā bhramanti ca |
bhūtāveśaḥ kṣitīśasya jāyate nātra saṃśayaḥ ||13861||

Wenn sie laut rufen, springen und sich an den Händen halten und im Kreis bewegen, gilt dies als Zeichen einer Besessenheit des Herrschers durch ein Bhuta.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 13861.

Vers 1362 [Quellzählung an Position 1392]
uccariṣyāmi harmye vā vadantītthaṃ kumārikāḥ |
bhojanāvasare tarhi mahāmārībhayaṃ bhavet ||1362||

Sagen die Mädchen während der Mahlzeit etwa „Ich werde im Haus … ausscheiden“, so wird die Gefahr einer großen Seuche vorhergesagt.

Anmerkung: Quellnummer 1362; Wortlaut der Äußerung beschädigt, uccarishyami wahrscheinlich Ausscheidung; Unsicherheit nicht verdeckt.

Weitere Unheilszeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1363 [Quellzählung an Position 1393]
vāme vā dakṣiṇe vāpi calattārakayā dṛśā |
raktograyā ghūrṇayate śiraḥ svasya kumārikā ||1363||

Wenn das Mädchen mit unruhigen Pupillen und rotem, wildem Blick seinen Kopf nach links oder rechts kreisen lässt …

Anmerkung: Quellnummer 1363 an Position 1393.

Vers 13864 [Quellzählung an Position 1394]
kurute vā'ṭṭahāsaṃ sā yena trasyanti mānavāḥ |
bhūtāveśo bhavettarhi pretā nṛtyanti vā pure ||13864||

… oder ein lautes Gelächter ausstößt, das Menschen erschreckt, deutet der Text dies als Besessenheit oder als Tanz von Totengeistern in der Stadt.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 13864.

Vers 1365 [Quellzählung an Position 1395]
dantairdantān pīḍayitvā kuryāt kaṭakaṭāravam |
prayāti sadanaṃ mṛtyoḥ sadārasutabāndhavaḥ ||1365||

Wenn sie die Zähne aufeinanderpresst und ein klapperndes Geräusch macht, wird [dem König] der Gang ins Haus des Todes mitsamt Frau, Söhnen und Verwandten vorhergesagt.

Anmerkung: Quellnummer 1365; Subjekt König aus vorangehender Vorzeichenreihe ergänzt und markiert.

Vers 1366 [Quellzählung an Position 1396]
dṛśāvanimiṣe kṛtvā saṃdaśyauṣṭhaṃ radena ca |
santarjayati śīrṣaṃ ca kampayantī kumārikā ||1366||

Wenn das Mädchen mit unbeweglichem Blick, auf die Lippe beißend und den Kopf schüttelnd Drohungen ausstößt …

Anmerkung: Quellnummer 1366 an Position 1396.

Vers 1367 [Quellzählung an Position 1397]
tadeva phalamuddiṣṭaṃ yasmāt kaṭakaṭārave |
ātyantikaṃ bhajenmaunaṃ kareṇānnaṃ spṛśenna ca ||1367||

… wird dieselbe Folge genannt wie beim Zähneklappern. Wenn sie gänzlich verstummt und die Speise nicht mit der Hand berührt …

Anmerkung: Quellnummer 1367; Satz läuft im nächsten Vers weiter.

Fortsetzung der Verhaltensliste

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1368 [Quellzählung an Position 1398]
śiro'tyarthaṃ ca namayedaṅguṣṭhena likhed bhuvam |
vidadhyād bhūtale rekhāṃ karajairniṣprayojanam ||1368||

… den Kopf tief senkt, mit dem Zeh auf dem Boden zeichnet oder grundlos mit den Fingernägeln Linien in die Erde zieht …

Anmerkung: Quellnummer 1368; angushtha kann Daumen oder große Zehe sein, Bodenkontext vorläufig als Zeh.

Vers 13646 [Quellzählung an Position 1399]
saṃhatābhyāṃ karābhyāṃ ca kaṇḍūyedathavā śiraḥ |
tṛṇānyakāraṇaṃ chindyādaṅgulīsphoṭamācaret ||13646||

… sich mit beiden Händen den Kopf kratzt, grundlos Grashalme zerreißt oder die Finger knacken lässt …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 13646.

Vers 1400
pāṇibhyāṃ mudrayennetre dvau karṇau pidadhāti vā |
kurvīta vā bāhurikāṃ pārṣṇivṛṣṭiṃ karoti vā ||1400||

… mit den Händen die Augen oder beide Ohren verschließt, eine … Armbewegung macht oder mit den Fersen aufstampft …

Anmerkung: Fragment: bahurika genaue Geste unklar, parshnivrishti/Fersenregen als Aufstampfen vorläufig.

Vers 1401
mahāntaṃ grāsamādatte mukhaṃ vyādāya tiṣṭhati |
annopari kṣutaṃ dhatte jṛmbhaṇaṃ vā muhurmuhuḥ ||1401||

… einen sehr großen Bissen nimmt, mit weit offenem Mund dasitzt, über die Speise niest oder wiederholt gähnt …

Vers 1402
gṛhītvā pāṇinā cānnaṃ caturdikṣu kṣipatyapi |
utthāya vā pracalati tyaktvānnaṃ pūjanaṃ tathā ||1402||

… Speise in die Hand nimmt und in alle vier Richtungen wirft oder aufsteht und fortgeht und dabei Mahlzeit und Puja verlässt …

Körperliche Beschwerden und Äußerungen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1403
āyāti vamanaṃ vāsyāḥ syātāṃ romāñcavepathū |
nirgaccheto'thavā gātrāt pūyāsre hetumantarā ||1403||

… erbricht, Gänsehaut bekommt und zittert oder ohne erkennbare Ursache Eiter und Blut aus dem Körper austreten …

Anmerkung: Puya/asra vorläufige Lesung aus पूयाखे; Symptome nicht als tatsächliche übernatürliche Zeichen bestätigt.

Vers 1404
akasmādeva kurute kākaṃ cet kāraṇaṃ vinā |
aślīlaṃ valgati tathā svavargyaṃ praroditi ||1404||

… plötzlich grundlos einen krähenartigen Laut ausstößt, Unanständiges äußert oder um eine Person aus ihrem eigenen Kreis weint …

Anmerkung: Kaka und svavargya syntaktisch beschädigt; Deutungen vorläufig, keine expliziten Äußerungen ergänzt.

Vers 1405
amuktālaṅkṛtīrmuñced gṛhaṃ yāsyāmi vā vadet |
yasya kasyāpi kuryād bhartsanaṃ tatsthale sthitā ||1405||

… den noch angelegten Schmuck abnimmt, sagt „Ich gehe nach Hause“ oder an diesem Ort irgendjemanden zurechtweist …

Vers 1406
upālabheta vā kāñcit sahaivāsyā upeyuṣīm |
bhinatti vā'nidānaṃ sā svahastavalayāni vā ||1406||

… eines der mitgekommenen Mädchen tadelt oder ohne Grund die Armreifen an ihren Händen zerbricht …

Vers 1407
kṛte mṛtasya kasyāpi bandhoḥ śocati tatragā |
yatkiñcid vā pralapati nirnimittaṃ kumārikā ||1407||

… dort um einen verstorbenen Angehörigen trauert oder grundlos zusammenhanglose Dinge sagt …

Vorhergesagte Folgen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1408
sarvametadamāṅgalyaṃ vijñeyaṃ tridaśārcite |
durbhikṣaṃ dhananāśaśca rogo mārī bhayaṃ tathā ||1408||

… all dies soll nach dem Text als unheilvoll gelten, du von den Göttern Verehrte: Hunger, Vermögensverlust, Krankheit, Seuche und Furcht …

Anmerkung: Abschluss der ab 1397 zusammenhängenden Omenliste; nicht als heutige Bewertung kindlichen Verhaltens.

Vers 1408 [Quellzählung an Position 1409]
pade pade'tra vipadaḥ śoko vyādhī ripūnnatiḥ |
paracakrāgamo'kasmādagnidāhaḥ pure gṛhe ||1408||

… Unglück auf Schritt und Tritt, Trauer, Leiden, Erstarken der Feinde, plötzliches Eindringen eines fremden Heeres und Feuer in Stadt und Haus …

Anmerkung: Quellnummer 1408 erneut; eigenständiger Vers.

Vers 1410
mṛtyustrāsaśca dāridryaṃ vicchedo bandhubhiḥ saha |
bhūtapretapiśācābhiniveśo'pi gṛhe gṛhe ||1410||

… Tod, Schrecken, Armut, Trennung von Angehörigen und das Eindringen von Bhutas, Pretas und Pishachas in jedes Haus.

Anmerkung: Vorhergesagte Folgen innerhalb der Vorzeichenlehre.

Vers 1411
aṣṭabhistu mahārogaiḥ prajānāṃ nidhanaṃ bhavet |
itastataḥ pradhāvanti lokā bhayanipīḍitāḥ ||1411||

Acht große Krankheiten sollen der Bevölkerung den Tod bringen; von Angst bedrängt laufen die Menschen hierhin und dorthin.

Anmerkung: Die acht Krankheiten nicht genannt; keine medizinische Liste ergänzt.

Vers 1412
kiṃ bahūktena deveśi kalpa ākāliko bhavet |
itareṣāmaṇīyastu bhayaṃ rājñāṃ mahad bhavet ||1412||

Wozu viele Worte, Herrin der Götter? Es wäre wie ein vorzeitiges Weltende. Für andere ist die Gefahr geringer, für Könige groß.

Anmerkung: Kalpa akalika elliptisch; Weltendbild aus Katastrophenkontext erschlossen.

Jahresprognose und rituelle Abhilfe

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1413
kumārīceṣṭitadvārā jñāyate hi śubhāśubham |
vārṣikaṃ ca phalaṃ rājño jayo vātha parājayaḥ ||1413||

Am Verhalten der Kumari sollen Heil und Unheil erkannt werden, die Jahresprognose für den König, Sieg oder Niederlage …

Vers 1414
mṛtyurduḥkhaṃ dhanaṃ saukhyaṃ śatrubhītirbalonnatiḥ |
rājyavṛddhiḥ prajāpīḍā vyaṅgyatā'nīkasaṃkṣayaḥ ||1414||

… Tod, Leid, Reichtum, Glück, Feindesfurcht, wachsende Heeresmacht, Ausdehnung des Reiches, Bedrängnis der Bevölkerung, … und Vernichtung des Heeres.

Anmerkung: Fragment: vyaṅgyatā vor anika nicht zuverlässig deutbar, keine weitere konkrete Vorhersage erfunden.

Vers 1415
kumārīpūjanāt sarvaṃ jāyate bhojanādapi |
parīkṣyaṃ yatnatastasmād rājñā svasya śubhāśubham ||1415||

All dies ergibt sich [als Vorzeichen] aus der Kumari-Verehrung und ihrer Mahlzeit. Daher soll der König sein eigenes Heil und Unheil sorgfältig prüfen …

Anmerkung: Erkenntnisbezug aus 1413–1414, keine kausale Schuldzuweisung an die Mädchen ergänzt.

Vers 1416
arcāto'pi viśeṣeṇa bhojanena sureśvari |
jāte śubhe samīcīnaṃ vṛtte taditaratra hi ||1416||

… insbesondere an der Mahlzeit, noch mehr als an der Puja, Herrin der Götter. Zeigt sich Gutes, ist es erfreulich; tritt das Gegenteil ein …

Vers 1417
kāmyārcā bahusambhārairdoṣaṃ tajjaṃ nivārayet |
nivṛtya svagṛhaṃ yātā yadi rugṇā kumārikā ||1417||

… soll man den daraus entstehenden Fehler durch eine wunschbezogene Puja mit reichen Gaben abwenden. Wird das Mädchen nach seiner Rückkehr ins eigene Haus krank …

Anmerkung: Historisches Ritualmittel; keine medizinische Handlungsempfehlung.

Vers 1418
tasminnevāhani bhavet tathāpi na śubhaṃ phalam |
ityādi phalavāhulyaṃ śubhasyāpyaśubhasya ca ||1418||

… und geschieht dies noch am selben Tag, gilt auch dies als ungünstig. So habe ich zahlreiche günstige und ungünstige Bedeutungen …

Erneute Puja um Mitternacht

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1416 [Quellzählung an Position 1419]
mayā vivicya kathitaṃ dhriyasva hṛdi yatnataḥ |
tato niśīthasamaye vidhivat pūjanaṃ punaḥ ||1416||

… im Einzelnen erklärt; bewahre sie sorgfältig im Herzen. Danach vollziehe man um Mitternacht erneut die vorschriftsgemäße Puja …

Anmerkung: Quellnummer 1416 an Position 1419; Übergang zur nächtlichen Verehrung.

Vers 1420
pīṭhamūrtyoḥ prakurvīta dhūpadīpānulepanaiḥ |
naivedyairupahāraiśca gītavādyādibhistathā ||1420||

… an Pitha und Kultbild, mit Räucherwerk, Lichtern, Salben, Speisegaben, weiteren Geschenken, Gesang, Instrumentalmusik und anderem.

Shivabali: Verehrung der Göttin in Schakalgestalt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1421
kecidatra prayacchanti śivābhyo balimuttamam |
upāsakā amuṣyā hi yatnato vidhipūrvakam ||1421||

Manche Verehrer dieser Göttin bringen dabei den Schakalinnen sorgfältig und vorschriftsgemäß ein ausgezeichnetes Bali dar.

Anmerkung: Shiva hier weibliche Schakale, wie1464 und1483–1484 ausdrücklich erklären.

Vers 1422
purād bahirniḥsaloke mahāraṇyasamīpataḥ |
gṛhītvā bhakṣyavastūni pūjāsambhṛtimapyuta ||1422||

Außerhalb der Stadt, an einem menschenleeren Ort nahe einem großen Wald, nehme man Speisen und Puja-Materialien mit …

Anmerkung: Nihsaloka beschädigt, Sinn menschenleer aus Kontext vorläufig.

Vers 1423
āptairanugato dvitraiḥ pradadyāt […] balim |
āmāni pakvānyapi ca māṃsāni bahunā yajet ||1423||

… begleitet von zwei oder drei Vertrauten, und bringe Bali dar. Man verehre mit reichlich rohem und gekochtem Fleisch.

Anmerkung: Fragment: Wort vor balim unverständlich; keine Orts-/Zeitbestimmung erfunden.

Vers 1424
tatrodīcīdigvadano vītabhīḥ śucirūrjitaḥ |
prāṇāyāmaṃ ṣaḍaṅgaṃ ca vidhāyārghyaṃ prapūrya ca ||1424||

Dort wende man sich nach Norden, furchtlos, rein und kraftvoll, vollziehe Pranayama und Sechsglieder-Nyasa und fülle das Arghya-Gefäß …

Vers 1425
utthāya muktacikuraḥ śivā ākārayecchanaiḥ |
vakṣyamāṇena mantreṇa puṣpāṇyañjalinā dadhat ||1425||

… stehe mit gelöstem Haar auf und rufe die Schakalinnen behutsam mit dem gleich genannten Mantra, Blumen in den gefalteten Händen haltend …

Der Einladungsmantra

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1426
asthāpayan kamapi hi naraṃ svobhayapārśvayoḥ |
tāro maidhaṃ bhauvaneśī kūrcaprāsādamanmathāḥ ||1426||

… ohne jemanden unmittelbar zu beiden eigenen Seiten aufzustellen. [Der Mantra beginnt mit] Tara, Maidha, Bhauvaneshi, Kurcha, Prasada und Manmatha …

Anmerkung: Maidha ungesicherter Deckname.

Vers 1427
bhūtadaṇḍatrapāgo'ṃśuśuklameṣāstataḥ param |
[…] śaktiramāścāpi bījānīmāni ṣoḍaśa ||1427||

… dann Bhuta, Danda, Trapa, Go, Amshu, Shukla und Mesha sowie … Shakti und Rama. Diese Bijas werden als sechzehn bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: weiteres Bija vor Shakti beschädigt (OCR दखर); keine fehlende Silbe anhand der Zahl ergänzt.

Elf Anreden

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1428
ekādaśānāṃ śabdānāṃ sambuddhiḥ kramāttataḥ |
tatrādyā guhyakālīti ghorarāvā tato'pyanu ||1428||

Danach folgen elf Wörter der Reihe nach in der Anredeform: zuerst Guhyakali, dann Ghorarava …

Anmerkung: Ghorarava=mit schrecklichem Ruf.

Vers 14286 [Quellzählung an Position 1429]
mahākāpālīti tato vikaṭadaṃṣṭrā tataḥ param |
sammohinī śoṣiṇī ca karālavadanā tathā ||14286||

… Mahakapali, Vikatadamshtra, Sammohini, Shoshini und Karalavadana …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 14286; Anreden große Schädelträgerin, mit gewaltigen Hauern, Verwirrerin, Austrocknerin, Schreckensgesichtige.

Vers 1430
madanonmādinī cāpi jvālāmālinyanantaram |
śivārūpiṇyapi tato bhagavatyatha kīrtayet ||1430||

… Madanonmadini, Jvalamalini, Shivarupini und schließlich Bhagavati.

Anmerkung: Anreden: in Liebesrausch Versetzende, Flammenbekränzte, Schakalgestaltige, Erhabene; keine wörtliche Bija-Deutung.

Vers 1431
āgacchayugalaṃ procya mama siddhimitīrayet |
dehi rakṣa dvayugayormadhye māmiti kīrtayet ||1431||

Man spreche zweimal „agaccha“ – „Komm!“ –, dann „mama siddhim“ – „meine Vollkommenheit“ –, zweimal „dehi“ – „Gewähre!“ –, „mam“ – „mich“ – und zweimal „raksha“ – „Schütze!“

Vers 1432
daṇḍo lajjā ca gauḥ śuklaḥ pūrakaḥ kumbhako'pi ca |
mahākrodhakṣetrapālau yugmaṃ kūrcāstriyoḥ śiraḥ ||1432||

Es folgen Danda, Lajja, Go, Shukla, Puraka, Kumbhaka, Mahakrodha und Kshetrapala, die doppelte Folge von Kurcha und Astra beziehungsweise Stri sowie Haupt.

Anmerkung: Kurchastriyoh Decknamengliederung unsicher; keine sichere vollständige Lautfolge behauptet.

Erwartung und Verehrung aus der Ferne

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1433
trirenaṃ manumābhāṣya varmāstre pratipālayet |
āgatāśced bahuphalaṃ nāgatāścenna ca kṣatiḥ ||1433||

Nach dreimaligem Sprechen dieses Mantras warte man unter [dem Schutz von] Panzer und Waffe. Kommen sie, wird reiche Frucht verheißen; kommen sie nicht, entsteht kein Schaden.

Anmerkung: Varmastre aus beschädigtem वर्मासि vorläufig; genaue Schutzhandlung nicht rekonstruiert.

Vers 1434
anāgamanajo doṣo vicāryo'sya śivābalau |
āyātābhyastu dūreṇa praṇamecchirasā muhuḥ ||1434||

Ein durch Nichtkommen entstehender Fehler ist bei diesem Shivabali zu bedenken. Sind sie gekommen, verneige man sich wiederholt aus der Ferne vor ihnen.

Anmerkung: Spannung zur vorigen Schadlosigkeitsangabe1433 bleibt bestehen; mögliche Negation nicht ergänzt.

Vers 1435
daviṣṭho bhaktibhāvena pūjayet susamāhitaḥ |
pādyārghyācamanīyena gandhapuṣpākṣatādibhiḥ ||1435||

Aus weiter Entfernung verehre man sie mit Hingabe und Sammlung, mit Fußwaschwasser, Arghya, Mundspülwasser, Duftstoffen, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern …

Vers 1436
naivedyadhūpadīpaiśca yadyadanyacca sambhavet |
yāvacchakyopacāreṇa bhaktinamraḥ samarcayet ||1436||

… Speisegaben, Räucherwerk, Lichtern und allem weiteren Verfügbaren. Demütig in Hingabe verehre man sie mit den nach eigenen Möglichkeiten bereiteten Opferdiensten.

Darbringung des Bali

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1437
sāmagrīṃ mahatīṃ nītāmekīkṛtyāgrataḥ śanaiḥ |
vāmena saṃspṛśannannaṃ dakṣeṇāmbu kareṇa hi ||1437||

Die mitgebrachten reichlichen Gaben lege man behutsam vor sich zusammen. Mit der linken Hand berühre man die Speise, mit der rechten gieße man Wasser aus …

Vers 1438
utsṛjan manunānena śivābhyo balimīśvari |
vedādirbhauvaneśī ca phetkārī kūrca eva ca ||1438||

… und widme so den Schakalinnen mit diesem Mantra Bali, Herrin. [Am Anfang stehen] Vedadi, Bhauvaneshi, Phetkari und Kurcha …

Vers 14386 [Quellzählung an Position 1439]
ḍākinī śākinī caiva tathā daṇḍādipañcakam |
guhyakālī mahāghorarāvā ca bhagamālinī ||14386||

… Dakini, Shakini und die mit Danda beginnende Fünfergruppe. [Die Anreden lauten:] Guhyakali, Mahaghorarava, Bhagamalini …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 14386; fünf Bijas hier nicht einzeln ausgeschrieben, nicht ergänzt.

Vers 1440
tathā śivārūpiṇī ca jvālāmālinyanantaram |
lalajjihvā mahādaṃṣṭrā mahābalaparākramā ||1440||

… Shivarupini, Jvalamalini, Lalajjihva, Mahadamshtra, Mahabalaparakrama …

Anmerkung: Schakalgestaltige, Flammenbekränzte, mit heraushängender Zunge, mit gewaltigen Hauern, von großer Kraft und Macht.

Vers 1441
karālavadanā cāpi vajrakāpālinīti ca |
mahācaṇḍapadasyānte tathā yogeśvarītyapi ||1441||

… Karalavadana, Vajrakapalini und Mahachandayogeshvari …

Anmerkung: Schreckensgesichtige, Vajra-Schädelträgerin, große gewaltige Herrin des Yoga; Namen im Mantra in Anredeform.

Vers 1442
mahākāpālinī cāpi jagacchabdājjananyapi |
mahārātrī mahāmāyā sarvaśeṣe tu ṣoḍaśī ||1442||

… Mahakapalini, Jagajjanani, Maharatri, Mahamaya und zuletzt als sechzehnte …

Anmerkung: Shodashi hier Ordinalzahl sechzehnte, nicht als zusätzliche Göttin eingefügt.

Der große Darbringungsmantra

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1443
śmaśānavāsinītyevaṃ sambodhanatayā sthitā |
imaṃ mahābalimiti prayacchāmi tato vadet ||1443||

… Shmashanavasini, „Bewohnerin der Leichenstätte“: So stehen sie in Anredeform. Dann spreche man „imam mahabalim prayacchami“ – „Ich bringe dieses große Bali dar.“

Vers 1444
gṛhṇagrahṇāpaya dvandvaṃ khāda khādi yugaṃ yugam |
mama siddhiṃ samābhāṣya kuruyugmamanantaram ||1444||

Dann spreche man die verdoppelten Aufforderungen „Nimm an! Lass annehmen!“ und die beiden Essensaufforderungen jeweils zweimal, danach „mama siddhim kuru kuru“ – „Bewirke meine Vollkommenheit!“

Anmerkung: Grahnapaya sowie khada/khadi als beschädigte Quellformen nicht in eine scheinbar fehlerfreie Gesamtformel umgeformt.

Vers 1445
prāsādarāvanṛhariparābhairavyathāpi ca |
bhāsāpuṣkarahairaṇyagarbhakūṭānyataḥ param ||1445||

Danach folgen Prasada, Rava, Nrihari, Parabhairavi sowie die Kutas Bhasa, Pushkara und Hairanyagarbha.

Anmerkung: Verschlüsselte Lautgruppen; keine wörtlichen Bija-Bedeutungen erfunden.

Feindschädigende Befehle

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1446
parokṣamaparokṣaṃ māṃ dviṣataḥ parikīrtayet |
nāśayādau māraya ca stambhayoccāṭayāpi ca ||1446||

Man spreche „Die mich verborgen oder offen hassen“ und danach zuerst: „Vernichte! Töte! Lähme! Vertreibe!“ …

Anmerkung: Historische feindschädigende Mantrabefehle quellentreu wiedergegeben.

Vers 1447
hana vidhvaṃsaya matha vidrāvaya pacāpi ca |
chindhi śoṣaya tasyānu vāsaya ruṭa mohaya ||1447||

… „Erschlage! Zerstöre! Zermalme! Jage fort! Koche! Schneide ab! Trockne aus!“ Danach „vasaya“, „rut“ und „Verwirre!“ …

Anmerkung: Vasaya/rut Funktion und Wortgestalt nicht zuverlässig deutbar; keine unbelegte deutsche Befehlsbedeutung ergänzt.

Vers 1448
unmūlaya tathā bhasmīkuru jambhaya cetyapi |
sphoṭaya kṣobhaya daha khādi vibhrāmayeti ca ||1448||

… „Entwurzele! Mache zu Asche! Überwältige! Sprenge! Erschüttere! Verbrenne! Iss! Bringe in Verwirrung!“ …

Anmerkung: Khadi Quellform erhalten.

Vers 1446 [Quellzählung an Position 1449]
hana santāḍaya turu dama madaya pātaya |
[…] āveśaya tathā bhindhi jvaraya cetyapi ||1446||

… „Erschlage! Züchtige!“ „turu“, „Bändige! Versetze in Rausch! Bringe zu Fall!“ … „Lass Besessenheit eintreten! Spalte! Versetze in Fieber!“ …

Anmerkung: Fragment: Verb vor aveshaya beschädigt; turu unklar, keine Lautbedeutung erfunden. Quellnummer 1446.

Vers 1450
bhrāmonmādaya bhakṣāpi chedayetyantimakriyā |
asya ṣaṭtriṃśakasyaiva dvivāroccāraṇaṃ smṛtam ||1450||

… „Lass umherirren! Mache wahnsinnig! Verzehre!“; die letzte Handlung heißt „Zerschneide!“ Für diese Gruppe von sechsunddreißig ist jeweils zweimaliges Sprechen vorgeschrieben.

Anmerkung: Erstes Verb bhrama im OCR dhama unsicher; Anzahl36 nicht durch Ergänzung beschädigter Verben erreicht.

Weitere Anreden und Bitten

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1451
tata uccārayet tāvat sarvabhūtavaśaṅkari |
tataḥ sarvajanetyuktvā manohāriṇi kīrtayet ||1451||

Danach spreche man „sarvabhutavashankari“ – „die du alle Wesen beherrschst!“ –, dann „sarvajanamanoharini“ – „die du die Herzen aller Menschen gewinnst!“ …

Vers 1452
sarvaśatrukṣayaṃ procya karyato bhagavatyapi |
dvirdvirjvala prajvala ca śivārūpadhare tathā ||1452||

… „sarvashatrukshayakari“ – „Vernichterin aller Feinde!“ –, „bhagavati“, jeweils zweimal „jvala“ und „prajvala“ – „Flamme auf! Lodere empor!“ –, dann „shivarupadhare“ – „Trägerin der Schakalgestalt!“ …

Vers 1453
kālī tathā ca kāpālī mahākāpālyapi trayam |
sambodhanaṃ tathā vācyaṃ tato daṇḍādipañcakam ||1453||

… die drei Anreden Kali, Kapali und Mahakapali, dann die mit Danda beginnende Fünfergruppe …

Anmerkung: Mahakapali vorläufig aus संहाकापाली, nach wiederkehrender Namensfolge; Unsicherheit markiert.

Vers 1454
[…] prāsādatrayamīrayet |
rājyaṃ me samuddhṛtya dada dehi yugaṃ yugam ||1454||

… [beschädigte weitere Decknamen], dreimal Prasada, dann „rajyam me“, „dada dada“, „dehi dehi“ – „Gib mir Herrschaft, gewähre sie mir!“ …

Anmerkung: Fragment: Anfang सराकामेस[ष] nicht zuverlässig lesbar, keine Bijas ergänzt.

Schutz und Wunscherfüllung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1455
kiliyugmācca cāmuṇḍe yamaghaṇṭe hileryugāt |
mama sarvābhīṣṭamiti padataḥ sādhaya dvayam ||1455||

… nach zweimal „kili“ die Anreden „chamunde“, „yamaghante“, nach zweimal „hili“ die Worte „mama sarvabhishtam sadhaya sadhaya“ – „Erfülle alles von mir Erwünschte!“ …

Anmerkung: Kili/hili Lautformeln ohne erfundene wörtliche Übersetzung.

Vers 1456
saṃhāriṇī ca sammohinī sambuddhyā padadvayam |
kurukulle kiriyugaṃ mahācaṇḍe turuṭdvayam ||1456||

… die beiden Anreden Samharini und Sammohini – „Auflöserin! Verwirrerin!“ –, „kurukulle“, zweimal „kiri“, „mahachande“ und zweimal „turut“ …

Vers 1457
mahāmāye sphuradvandvaṃ prasphuradvitayaṃ tataḥ |
jaya jīva yugaṃ yugmaṃ viśvaṃ pāhi dvayaṃ tataḥ ||1457||

… „mahamaye“, zweimal „sphura“ und zweimal „prasphura“ – „Erstrahle! Leuchte hervor!“ –, jeweils zweimal „jaya“ und „jiva“ – „Sei siegreich! Lebe!“ –, danach zweimal „vishvam pahi“ – „Schütze die Welt!“ …

Vers 1458
guhyakāli prasīda dviḥ kūrcatritayameva ca |
astratrayaṃ namaḥ śīrṣameṣa mantro mayoditaḥ ||1458||

… „guhyakali“, zweimal „prasida“ – „Sei gnädig!“ –, dreimal Kurcha, dreimal Astra, „namah“ und Haupt. Damit habe ich den Mantra erklärt.

Gabe und Beobachtung der Schakale

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1456 [Quellzählung an Position 1459]
triruccārya sakṛdvāpi sarvaṃ vastu samutsṛjet |
sthānāt tasmādapasaret kiñciddūrataraṃ priye ||1456||

Man spreche ihn dreimal oder einmal und widme sämtliche Gaben. Dann entferne man sich ein Stück von diesem Ort, Geliebte …

Anmerkung: Quellnummer 1456 an Position 1459.

Vers 1460
śivā yathā vītabhayā āgacchantyannasannidhau |
tatra sthitvā nirīkṣeta kiṃ kiṃ tā bhakṣayanti hi ||1460||

… damit die Schakalinnen ohne Furcht zur Speise kommen können. Von dort aus beobachte man, was sie jeweils fressen.

Vers 1461
sarvā āgatya cet sarvaṃ pradattaṃ bhakṣayanti hi |
vinirdiśet sarvasiddhiṃ rājyalābhaṃ dhanāgamam ||1461||

Kommen alle und fressen alles Dargebrachte, so deute man dies als Zeichen vollständiger Erfüllung, des Gewinns von Herrschaft und Vermögen.

Anmerkung: Vorzeichenlehre des Textes.

Vers 1462
yadyattā bhakṣayantyannaṃ tattatphalamavāpnuyāt |
yadyacca naiva khādanti tattannaiva phalaṃ labhet ||1462||

Welche Speise sie fressen, deren entsprechende Frucht soll man erhalten; was sie nicht fressen, dessen Frucht bleibt aus.

Vers 1463
śivābalividhāne tu viśeṣo'syopavarṇitaḥ |
tena nātra bruve devi granthādhikyabhayādapi ||1463||

Die Einzelheiten sind im Verfahren des Shivabali beschrieben. Deshalb wiederhole ich sie hier nicht, Göttin, auch um den Text nicht übermäßig anwachsen zu lassen.

Anmerkung: Quelleninterner Verweis; nicht als Erlaubnis zur Kürzung benachbarter Verse verwendet.

Die Göttin in Schakalgestalt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1464
kumārīrūpamāsthāya yathā yāti maheśvarī |
śivārūpaṃ tathā kṛtvā svayamāyāti kālikā ||1464||

Wie Maheshvari in Mädchengestalt kommt, so nimmt Kalika selbst Schakalgestalt an und erscheint.

Vers 1465
ato bhaktiḥ prakartavyā tāsu yatnena sādhakaiḥ |
śivāsu bhakṣayantīṣu sarvebhyo balimāharet ||1465||

Darum sollen Sadhakas ihnen sorgfältig Hingabe erweisen. Während die Schakalinnen fressen, bringe man allen [Begleitgottheiten] Bali dar …

Vers 1466
saṃhārabhairavāyādau vaṭukebhyastataḥ param |
vināyakebhyo mātṛbhyaḥ kṣetrapālebhya eva ca ||1466||

… zuerst Samharabhairava, dann den Vatukas, Vinayakas, Müttern und Kshetrapalas …

Vers 1467
yoginībhyo ḍākinībhyaḥ śivadūtībhya eva ca |
purokto mantra āsāṃ hi tena tena baliṃ haret ||1467||

… Yoginis, Dakinis und Shivadutis. Ihre Mantras wurden bereits genannt; mit jedem jeweiligen Mantra bringe man Bali dar.

Vers 1468
mahadaiśvaryamāpnoti niḥśeṣaṃ bhakṣayanti cet |
ardhe tu madhyamā siddhirabhakṣye tu vipad bhavet ||1468||

Fressen sie restlos alles, wird große Macht verheißen; bei der Hälfte mittlere Erfüllung, beim Nichtfressen Unglück.

Anmerkung: Nichtkommen1433gegenüberNichtfressenhier getrennte Aussagen, nicht harmonisiert.

Verheißene Früchte des Shivabali

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1464 [Quellzählung an Position 1469]
śivābalividhānena śāradārcā mahāphalā |
phalāvāptirbhūyasī ca jāyate parameśvari ||1464||

Durch die Ausführung des Shivabali soll die Herbstverehrung große Frucht tragen und reichliche Erfüllung eintreten, höchste Herrin.

Anmerkung: Quellnummer 1464 an Position 1469.

Vers 1470
vidyāvān balavān vāgmī cirañjīvī nirāmayaḥ |
dhārmiko vijayī dakṣo yaśasvī bhūpasannibhaḥ ||1470||

[Der Verehrer soll] wissend, stark, beredt, langlebig, gesund, rechtschaffen, siegreich, geschickt, ruhmreich und einem König gleich werden …

Anmerkung: Historische Phalashruti, keine Tatsachenzusage der Ausgabe.

Vers 1471
jñātiśreṣṭhaḥ putravāṃśca sarvayoṣitpriyaḥ sukhī |
rūpavān dhanavān dhīro vikrānto viśvapūjitaḥ ||1471||

… hervorragend unter seinen Angehörigen, mit Söhnen gesegnet, allen Frauen lieb, glücklich, schön, reich, standhaft, mächtig und von der Welt geehrt …

Vers 1472
kulīnaḥ sarvaviccaiva bhavatyatra na saṃśayaḥ |
saundaryabalavikrāntividyāyurdhanadhīratāḥ ||1472||

… von edler Herkunft und allwissend, so die Gewissheit des Textes. Schönheit, Kraft, Macht, Wissen, langes Leben, Vermögen und Standhaftigkeit …

Vers 1473
pratāpakāntiprabhutvaśīlaudāryadayādayaḥ |
aṇimādyāḥ siddhayaśca dāsā iva bhajanti tam ||1473||

… Strahlkraft, Glanz, Herrschaft, guter Charakter, Großzügigkeit, Mitgefühl und weitere Vorzüge sowie die Siddhis wie Anima sollen ihm wie Diener zur Verfügung stehen.

Anmerkung: Anima Fähigkeit äußerster Verkleinerung in der Siddhi-Lehre.

Vers 1474
yatkiñcidasti deveśi samaste jagatītale |
karāmalakavatsarvaṃ bhavatyasya na saṃśayaḥ ||1474||

Alles, was es auf der ganzen Erde gibt, Herrin der Götter, soll ihm so verfügbar sein wie eine Amalaki-Frucht auf der Handfläche – daran bestehe kein Zweifel.

Anmerkung: Quelleninterne Verheißung.

Lob des Bali-Verfahrens

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1475
śivābalestu mahimā mayā vaktuṃ na śakyate |
na cāpi phalavāhulyaṃ satyaṃ satyaṃ sureśvari ||1475||

Die Größe des Shivabali und die Fülle seiner Früchte vermag ich nicht auszusprechen. Wahrlich, wahrlich, Herrin der Götter!

Vers 1476
avyāhatagatitvaṃ ca sarvākarṣaṇamohanam |
sarvaṃ sādhayati kṣipraṃ śivābalividhānataḥ ||1476||

Ungehinderte Bewegungsfreiheit, das Heranziehen und Verwirren aller: All dies soll durch das Shivabali rasch erreicht werden.

Vers 1477
ārogyaṃ manasaḥ saukhyaṃ vijayo'bādhatā tathā |
avighnatā duḥkhanāśaḥ putralābhaḥ sukhonnatiḥ ||1477||

Gesundheit, Wohlbefinden des Gemüts, Sieg, Unversehrtheit, Freiheit von Hindernissen, Ende des Leids, Gewinn von Söhnen und wachsendes Glück …

Vers 1478
sarvakalyāṇavāñchāptirbhayanāśo mahodayaḥ |
nānāvipadvināśaśca jāyate hi śivābaleḥ ||1478||

… Erfüllung aller heilvollen Wünsche, Ende der Furcht, großes Gedeihen und Aufhebung vielerlei Unglücks werden als Früchte des Shivabali genannt.

Vers 1476 [Quellzählung an Position 1479]
balidānasya māhātmyaṃ kathayiṣye kiyattava |
niśāmayātaḥ prakṛtaṃ phalasyānto na vidyate ||1476||

Wie viel soll ich dir noch über die Größe der Bali-Gabe erzählen? Ihre Früchte haben kein Ende. Höre nun die Fortsetzung des eigentlichen Verfahrens.

Anmerkung: Quellnummer 1476 an Position 1479.

Verneigung vor den Schakalinnen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1480
khāditvotthāya tiṣṭhatsu śivāvṛndeṣu tatra hi |
daṇḍavat praṇamet sarvāḥ sveṣṭadevīdhiyā'muyā ||1480||

Wenn die Schakalscharen nach dem Fressen aufstehen und dort verweilen, verneige man sich ausgestreckt vor ihnen allen und betrachte sie als die eigene erwählte Göttin.

Vers 1481
puṣpāñjaliṃ samādāya gandhacandanacarcitam |
utthāya muktacikuro mīlitākṣo digambaraḥ ||1481||

Man nehme eine Handvoll Blumen, mit Duft und Sandelholz versehen, stehe mit gelöstem Haar, geschlossenen Augen und unbekleidet auf …

Anmerkung: Erwachsener Ritualist, nicht Kumari.

Vers 1482
bhaktiśālī vītabhayaḥ kiñcit praṇatakandharaḥ |
stutiṃ kuryāt stavairetairvaraprārthanapūrvakam ||1482||

… voller Hingabe, furchtlos und mit leicht geneigtem Nacken, und preise sie mit diesen Strophen, verbunden mit der Bitte um Segen:

Acht Strophen des Shiva-Lobpreises

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1483
śivārūpadhare devi guhyakāli namo'stu te |
ulkāmukhi lalajjihve ghorarāve śṛgālini ||1483||

„Göttin in Schakalgestalt, Guhyakali, Verehrung sei dir! Mit flammendem Antlitz, heraushängender Zunge und schrecklichem Ruf, Schakalin …“

Vers 1484
śmaśānavāsini prete śavamāṃsapriye'naghe |
araṇyacāriṇyanaghe śive jambukarūpiṇi ||1484||

„… Bewohnerin der Leichenstätte, Totengeist, der Leichenfleisch lieb ist, Makellose! Waldgängerin, Makellose, Shiva in Schakalgestalt …“

Anmerkung: Doppelte Anrede anaghe erhalten; historische Bildwelt nicht symbolisch geglättet.

Vers 1485
namo'stu te mahāmāye jagattāriṇi kālike |
mātaṅgi kukkuṭe raudri mahākāli namo'stu te ||1485||

„… Verehrung sei dir, Mahamaya, Retterin der Welt, Kalika! Matangi, Kukkuta, Raudri, Mahakali, Verehrung sei dir!“

Anmerkung: Kukkuta/Huhn als ungewöhnliche Namensanrede beibehalten, keine alternative Göttin erfunden.

Vers 1486
sarvasiddhiprade bhīme bhayaṅkari bhayāpahe |
prasannā bhava deveśi mama bhaktasya caṇḍike ||1486||

„Spenderin aller Vollkommenheiten, Furchtbare, die du Angst erregst und Angst vertreibst! Sei mir, deinem Verehrer, gnädig, Herrin der Götter, Chandika!“

Vers 1487
saṃsāratāraṇatare jaya sarvaśubhaṅkari |
visrastacikure caṇḍe cāmuṇḍe muṇḍamālini ||1487||

„Siegreich sei, die du über Samsara hinwegführst und alles Heil bewirkst! Mit gelöstem Haar, Chanda, Chamunda, mit einer Schädelgirlande geschmückt …“

Anmerkung: Taranatare bildhaft als besonders hinüberführend, genaue Kompositumbildung auffällig.

Vers 1488
saṃhārakāriṇi kruddhe sarvasiddhiṃ prayacchasi |
durge kirāti śabari pretāsanagate'bhaye ||1488||

„… Zornige, die du die Auflösung bewirkst und alle Vollkommenheit gewährst! Durga, Kirati, Shabari, auf einem Leichensitz Ruhende, Furchtlose …“

Anmerkung: Kirati/Shabari historische ethnische Göttinnenanreden bewahrt.

Vers 1484 [Quellzählung an Position 1489]
anugrahaṃ kuru sadā kṛpayā māṃ vilokaya |
rājyaṃ prayaccha vikaṭe vittamāyuḥsutān striyam ||1484||

„… schenke stets Gnade und blicke mit Mitgefühl auf mich! Gewähre Herrschaft, Furchtbare, Vermögen, langes Leben, Söhne und eine Frau!“

Anmerkung: Quellnummer 1484 an Position 1489.

Vers 14860 [Quellzählung an Position 1490]
śivābalividhānena tvaṃ prasannā bhaveśvari |
namaste'stu namaste'stu namaste'stu namo namaḥ ||14860||

„Mögest du durch dieses Shivabali gnädig gestimmt sein, Herrin! Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, wieder und wieder Verehrung!“

Anmerkung: Verformte Quellziffer 14860.

Abschluss des Shivabali

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1451 [Quellzählung an Position 1491]
ityetairaṣṭabhiḥ ślokaiḥ śivāstotramudīrayet |
tatastaccheṣamannaṃ yad bhājanaṃ vānyadeva vā ||1451||

Mit diesen acht Versen spreche man den Lobpreis der Schakalinnen. Danach sollen die übrig gebliebene Speise, das Gefäß und alles Weitere …

Anmerkung: Quellnummer 1451 an Position 1491.

Vers 14862 [Quellzählung an Position 1492]
sarvaṃ hi nikhaned bhūmau prayatnenaiva pārvati |
yadi kākāḥ kharāḥ śvāno ye cānye pāpajātayaḥ ||14862||

… sorgfältig in der Erde vergraben werden, Parvati. Wenn Krähen, Esel, Hunde oder andere im Text als unheilvoll eingestufte Arten …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 14862; historisches Reinheitsurteil als solches erkennbar.

Vers 1463 [Quellzählung an Position 1493]
bhakṣayanti taducchiṣṭaṃ tadā vighnaḥ prajāyate |
rātrāveva samāgacchennirbhayo vipināntarāt ||1463||

… diese Reste fressen, gilt dies als Entstehung eines Hindernisses. Noch in der Nacht kehre man furchtlos aus dem Wald zurück.

Anmerkung: Quellnummer 1463 an Position 1493.

Sandhi-Puja und ihre Zeitansätze

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 14864 [Quellzählung an Position 1494]
āgatya gandhapuṣpādyaiḥ punardevīṃ prapūjayet |
aṣṭamīnavamīsandhau kurvate kecidarcanam ||14864||

Nach der Rückkehr verehre man die Göttin erneut mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. Manche vollziehen die Verehrung am Übergang vom achten zum neunten Mondtag.

Anmerkung: Verformte Quellziffer 14864.

Vers 1465 [Quellzählung an Position 1495]
tat sandhipūjanamiti purāṇādiṣu kīrtitam |
navamyāmardharātre vā tatpareṇāpi pūjanam ||1465||

Dies wird in den Puranas und anderen Texten Sandhi-Puja genannt. Andere setzen die Verehrung auf Mitternacht des neunten Tages oder noch später …

Anmerkung: Quellnummer 1465 an Position 1495.

Vers 1446 [Quellzählung an Position 1496]
tāntrikāḥ kecidicchanti siddhiṃ tūbhayathā'rcanam |
cāmuṇḍārūpadhāriṇyāstatra devyāstu pūjanam ||1446||

… so wünschen es manche Tantriker; in beiden Formen soll die Verehrung Erfüllung bringen. Hier ist die Göttin in Chamunda-Gestalt zu verehren …

Anmerkung: Quellnummer 1446; Konstruktion siddhim...archanam beschädigt, Aussage zweier zulässiger Zeitansätze klar.

Vers 14457 [Quellzählung an Position 1497]
vihitaṃ nānyarūpiṇyāḥ […] ityeṣa niścayaḥ |
tanmantraṃ dhyānamasyāśca samākalaya sāmpratam ||14457||

… nicht in einer anderen Gestalt, so lautet die Festlegung. Höre nun ihren Mantra und ihre Meditation.

Anmerkung: Fragment: Negation aus OCR वान्यरूपिण्याः vorläufig, nachfolgendes कृत nicht sicher verständlich. Verformte Quellziffer 14457; Vorschriftscharakter klar, Ausschluss anderer Formen unsicher.

Chamundas Mantra

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1468 [Quellzählung an Position 1498]
praṇavaścāṅkuśaḥ kālīśākinīcaṇḍayoginīḥ |
khecarī krodhaphetkārī vidyutkālarujitrapāḥ ||1468||

[Die Bijas sind] Pranava, Ankusha, Kali, Shakini, Chanda, Yogini, Khechari, Krodha, Phetkari, Vidyut, Kala, … und Trapa …

Anmerkung: Quellnummer 1468; kalaruji aus कालरतित्रपाः beschädigt, genaue Zahl/Decknamengliederung nicht gesichert.

Vers 1469 [Quellzählung an Position 1499]
bhujaṅgamamahākrodhasauparṇān ṣoḍaśoddharet |
cāmuṇḍe iti saṅkīrtya jvalayugmaṃ hileḥ kileḥ ||1469||

… Bhujangama, Mahakrodha und Sauparna: sechzehn soll man bilden. Nach „chamunde“ folgen zweimal „jvala“ – „Flamme auf!“ – sowie „hili“ und „kili“ …

Anmerkung: Quellnummer 1469; Gesamtzahl16 nicht mit erfundenem Namen in1498 aufgefüllt.

Vers 1500
mama śatrūniti procya yugaṃ trāsaya māraya |
hanayugmaṃ pacayugaṃ bhakṣayadvayaṃ tathā ||1500||

… „mama shatrun“ – „meine Feinde“ –, jeweils zweimal „trasaya“ – „Versetze in Schrecken!“ –, „maraya“ – „Töte!“ –, „hana“ – „Erschlage!“ –, „pacha“ – „Koche!“ – und „bhakshaya“ – „Verzehre!“

Vers 1501
kālītrapāruṣāṃ yugmaṃ dvirastraṃ pāvakāṅganā |
ekasaptatyakṣaro'sau mantraḥ paramaśobhanaḥ ||1501||

Es folgen Kali, Trapa und Rush jeweils doppelt, zweimal Astra und Pavakangana. Dieser als höchst vortrefflich gepriesene Mantra ist einundsiebzigsilbig.

Anmerkung: Pavakangana=„Gattin des Feuers“, Deckname; beschädigte Stellen nicht zur behaupteten71Silbenzahl ergänzt.

Rishi, Nyasa und Gayatri

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1502
rāthītarakaṛṣiścāsya jagatīcchanda eva ca |
cāmuṇḍā devatā proktā kūrcaṃ bījamudāhṛtam ||1502||

Sein Rishi ist Rathitaraka, sein Versmaß Jagati, seine Gottheit Chamunda und sein Bija Kurcha.

Vers 1503
phetkārī śaktiruddiṣṭā garuḍaḥ kīlakaṃ matam |
samastaśatrukṣayāya viniyogaḥ prakīrtitaḥ ||1503||

Phetkari ist als Shakti bezeichnet, Garuda gilt als Kilaka. Seine Anwendung dient der Vernichtung sämtlicher Feinde.

Vers 1504
cāmuṇḍākhyena bījena ṣaḍdīrghānvitavarṣmaṇā |
ṣaḍaṅgadvayamuddhṛtya gāyatryā'bhyarcanaṃ caret ||1504||

Mit dem Chamunda genannten Bija, dessen Gestalt mit sechs langen Vokalen verbunden wird, bilde man die beiden Sechsglieder-Nyasas und vollziehe die Verehrung mit der Gayatri.

Anmerkung: Sechs lange Vokale nicht einzeln genannt, keine Formel ergänzt.

Vers 1505
ghorarāvā muṇḍamālinyetat padayugaṃ tataḥ |
cāmuṇḍā sarvaśeṣe syādanyat sarvaṃ puroktavat ||1505||

Darin stehen zunächst die beiden Wörter Ghorarava und Mundamalini, ganz am Schluss Chamunda; alles andere ist wie zuvor.

Anmerkung: Gayatri-Bildungsregel, keine vollständige fremde Formel eingesetzt.

Meditation über Chamunda

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1506
atha dhyānaṃ bruve devi yenārcā siddhimṛcchati |
dharālagnaśirojānuprasuptakuṇapopari ||1506||

Nun erkläre ich die Meditation, durch welche die Verehrung Erfüllung erlangt, Göttin: [Man schaue Chamunda] auf einem liegenden Leichnam, dessen Kopf und Knie die Erde berühren …

Vers 1507
niṣeduṣīṃ niṣpalalasarvāvayavabhīṣaṇām |
tvagasthimātraghaṭitāmatyugrākāradarśanām ||1507||

… sitzend, furchterregend durch ihre gänzlich fleischlosen Glieder, nur aus Haut und Knochen bestehend, von überaus schrecklicher Erscheinung …

Anmerkung: Mythisches Göttinnenbild quellentreu.

Vers 1508
śivākārapiśaṅgābhajaṭābhāravirājitām |
skandhāvasaktasaṃśuṣkanṛkaroṭāvataṃsakām ||1508||

… geschmückt mit einer Fülle verfilzten Haars von schakalähnlichem bräunlichem Glanz, mit ausgetrockneten Menschenschädeln als Schmuck an den Schultern …

Anmerkung: Shivakara Haarvergleich nicht eindeutig Schakal/Shiva, hier vorläufig Schakal; keine gesicherte Ikonographie behauptet.

Vers 1506 [Quellzählung an Position 1509]
narāsthinirmitānekabhūṣaṇāṃ bhīṣaṇākṛtim |
muṇḍamālāparikṣiptāṃ lalajjihvāsyacālinīm ||1506||

… mit vielerlei Schmuck aus Menschenknochen, schrecklich gestaltet, von einer Schädelgirlande umgeben, mit heraushängender Zunge und bewegtem Mund …

Anmerkung: Quellnummer 1506 an Position 1509.

Vers 1510
vikarālamahādaṃṣṭrāṃ raudrīṃ rudraparigrahām |
atiśuṣkodaraśroṇinitamborupayodharām ||1510||

… mit gewaltigen, furchterregenden Hauern, zornvoll, Rudras Gefährtin, mit völlig ausgetrocknetem Bauch, Becken, Gesäß, Oberschenkeln und Brüsten …

Anmerkung: Quelle bietet rudraparigra[ha?]m, Kasus als Herausgeberalternative vorläufig normalisiert; erwachsene Göttin.

Vers 1511
gaṇḍayorubhayapārśvasthapañjarāsthikarālinīm |
dīrghatāladrumākārakarapādāṃ hrasvamukhīm ||1511||

… mit schrecklich hervortretenden Knochen an Wangen und beiden Seiten des Brustkorbs, mit Händen und Füßen wie lange Palmenstämme und kleinem Gesicht …

Anmerkung: Erstes Kompositum syntaktisch unsicher, Knochenbezug erkennbar; keine anatomische Detailrekonstruktion.

Vers 1512
kharjūrakaṇṭakākāraromarājivirājitām |
lauhasūcyākṛtinakhāṃ samutkampiśiroruhām ||1512||

… mit Körperhaaren wie Dattelpalmdornen, Nägeln wie Eisennadeln und heftig zitterndem Haupthaar …

Vers 1513
kūpākāratrinayanāṃ vidyuccapalatārakām |
lambamānauṣṭhādharāṃ tāṃ nābhilagnapayodharām ||1513||

… mit drei brunnenartigen Augen und blitzschnell bewegten Pupillen, herabhängenden Lippen und Brüsten, die bis zum Nabel reichen …

Vers 1514
vidīrṇasṛkkayugalāṃ narāntrakaṭisūtriṇīm |
digambarāṃ carvayantīṃ śavaṃ kaṭakaṭāravaiḥ ||1514||

… mit weit aufgerissenen Mundwinkeln und einem Hüftband aus menschlichen Eingeweiden, unbekleidet, einen Leichnam mit klappernden Geräuschen kauend …

Anmerkung: Mythische Schreckensikonographie, keine Praxisumdeutung.

Die achtzehn Arme

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1515
aṣṭādaśabhujāṃ bhīmāṃ carantīṃ pitṛkānane |
vāme kare carmacāpakhaṭvāṅgaḍamarūn kramāt ||1515||

… achtzehnarmig, furchtbar, auf der Leichenstätte umhergehend, in den linken Händen der Reihe nach Schild, Bogen, Khatvanga und Damaru …

Vers 1516
aṅkuśaṃ ca tathā pāśaṃ bhindipālaṃ śavaṃ tathā |
raktapūrṇakapālaṃ ca dhārayantīṃ mahodarīm ||1516||

… Elefantenhaken, Schlinge, Bhindipala, Leichnam und eine mit Blut gefüllte Schädelschale tragend, die großbäuchige Göttin …

Anmerkung: Mahodari steht neben ausgetrocknetem Bauch1510, nicht harmonisiert.

Vers 1517
dakṣiṇe bibhratīṃ khaḍgaṃ viśikhaṃ ca triśūlakam |
cakraṃ śaktiṃ gadāṃ paraśumasthimālāṃ ca kartṛkām ||1517||

… in den rechten Händen Schwert, Pfeil, Dreizack, Diskus, Speer, Keule, Axt, Knochengirlande und Schneidemesser haltend …

Vers 1518
divā kālābhrasadṛśīṃ javāpuṣpāruṇāṃ niśi |
balākāsamadantālīṃ bhujaṅgakuṭilabhruvam ||1518||

… bei Tag wie eine dunkle Wolke, bei Nacht rot wie eine Hibiskusblüte, mit einer Zahnreihe weiß wie Reiher und Brauen, die sich wie Schlangen krümmen …

Vers 1516 [Quellzählung an Position 1519]
atibhīmākṛtivarāṃ dṛṣṭyaiva maraṇapradām |
ghorāṭṭahāsāṃ gagane plavantīṃ sarvatomukham ||1516||

… von überaus schrecklicher Gestalt, durch ihren Blick allein den Tod bringend, schauerlich lachend und nach allen Richtungen durch den Himmel schwebend.

Anmerkung: Quellnummer 1516; sarvatomukham adverbial vorläufig.

Vers 1520
cintayedīdṛśākārāṃ cāmuṇḍāṃ muṇḍamālinīm |
evaṃ dhyātvā ca sampūjya vividhopāyanādibhiḥ ||1520||

In dieser Gestalt meditiere man über Chamunda mit der Schädelgirlande. Nachdem man so meditiert und sie mit vielfältigen Gaben verehrt hat …

Bali für fünfzig Kalis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1521
śaktau tu mārtikāḥ sthālīḥ pūrayedanu temanaiḥ |
pakvāmamāṃsamāṣaiśca rudhirairdvayapakṣiṇām ||1521||

… fülle man, wenn möglich, irdene Schüsseln mit Gemüsezubereitungen, gekochtem und rohem Fleisch, Masha-Bohnen und Blut von … Vögeln.

Anmerkung: Fragment: dvayapakshinam/दयपक्षिणाम् Zahl oder Tiergruppe unsicher, nicht ergänzt.

Vers 1522
tāśca sampūjayed gandharaktapuṣpākṣatairapi |
upariṣṭād dhūpadīpairapi mālyena saṃyutāḥ ||1522||

Diese mit Girlanden versehenen Schüsseln verehre man mit Duftstoffen, roten Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und darüber mit Räucherwerk und Lichtern …

Vers 1523
pañcāśatsaṃkhyakāḥ kṛtvā devyagre paṅktiśaḥ priye |
pañcāśatsaṃkhyakābhyaśca kālībhyo balimāharet ||1523||

… stelle fünfzig davon in Reihen vor der Göttin auf, Geliebte, und bringe den fünfzig Kalis Bali dar …

Vers 1524
nāmnā tu tattatkālīnāṃ ṅe'ntena tridaśeśvari |
mṛtyuñjayaprāṇagatairakhilairmanubhiśca vā ||1524||

… mit dem jeweiligen Namen der Kali im Dativ, Herrin der Götter, oder mit sämtlichen zugehörigen Mantras aus dem Mrityunjayaprana.

Shakti-Puja und Verneigung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1525
baliṃ samutsṛjet tena mahatīṃ śriyamaśnute |
śaktipūjāmataḥ paścāt kecit kurvanti kaulikāḥ ||1525||

So widme man das Bali; dadurch wird großer Wohlstand verheißen. Danach vollziehen manche Kaulas eine Shakti-Puja.

Vers 1526
tadvidhānaṃ puraivoktaṃ tenaivaitāṃ samāpayet |
tataḥ pradakṣiṇīkṛtya patitvā daṇḍavad bhuvi ||1526||

Ihr Verfahren wurde bereits erklärt; entsprechend vollende man sie. Danach umschreite man die Göttin nach rechts und werfe sich ausgestreckt auf die Erde …

Vers 1527
bhaktinamraḥ stutiṃ jalpet kākugadgadayā girā |
alikaṃ nāsikā bāhū vakṣo jaṭharameva ca ||1527||

… demütig in Hingabe spreche man den Lobpreis mit bewegter, stockender Stimme. Wenn Stirn, Nase, Arme, Brust, Bauch …

Bitte um Leben, Glück und Sieg

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1528
pādau kṣmāṃ spṛśato daṇḍapraṇāmaḥ sa hi gadyate |
āyurdehi yaśo dehi bhagaṃ bhagavati dehi me ||1528||

… und Füße die Erde berühren, heißt dies Danda-Pranama, ausgestreckte Verneigung. „Gib mir langes Leben, gib mir Ruhm, gib mir Glück, Erhabene!“

Vers 1526 [Quellzählung an Position 1529]
putrān dehi dhanaṃ dehi sarvān kāmāṃśca dehi me |
pracaṇḍe putrade nityaṃ suprīte suranāyike ||1526||

„Gib mir Söhne, gib mir Vermögen, erfülle alle meine Wünsche! Prachanda, die du Söhne schenkst, stets hocherfreute Herrin der Götter …“

Anmerkung: Quellnummer 1526 an Position 1529.

Vers 1530
kuloddyotakare cogre jayaṃ dehi namo'stu te |
ugracaṇḍe pracaṇḍāsi pracaṇḍabalanāśini ||1530||

„… Furchtbare, die du das Geschlecht erstrahlen lässt, gib Sieg; Verehrung sei dir! Ugrachanda, du bist überaus gewaltig, Vernichterin mächtiger Heere …“

Vers 1531
rakṣa māṃ sarvadā devi viśveśvari namo'stu te |
durgattāriṇi durge tvaṃ sarvāśubhanisūdini ||1531||

„… schütze mich stets, Göttin, Herrin der Welt; Verehrung sei dir! Durga, die du aus Bedrängnis herausführst und alles Unheil vernichtest …“

Vers 1532
dharmārthamokṣade devi nityaṃ me varadā bhava |
durge devi mahābhāge trāhi māṃ śaraṇāgatam ||1532||

„… Göttin, die du Dharma, Wohlergehen und Befreiung schenkst, gewähre mir stets Segen! Durga, hochbegnadete Göttin, schütze mich, der ich Zuflucht bei dir suche!“

Bitte um Befreiung von Bedrängnis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1533
mahiṣāsṛṅmadonmatte praṇato'smi prasīda me |
hara pāpaṃ hara kleśaṃ hara śokaṃ harāśubham ||1533||

„Vom Blut Mahishas in Rausch Versetzte, ich verneige mich: Sei mir gnädig! Nimm Verfehlung hinweg, nimm Bedrängnis hinweg, nimm Trauer und Unheil hinweg!“

Vers 1534
hara rogaṃ hara kṣobhaṃ hara māraṃ hara śriye |
kāli kāli mahākāli kālike pāpahāriṇi ||1534||

„Nimm Krankheit hinweg, nimm Erschütterung und Tod hinweg, nimm sie zu meinem Gedeihen hinweg! Kali, Kali, Mahakali, Kalika, die du Verfehlungen beseitigst …“

Anmerkung: Letzte Aufforderung harashriye elliptisch, Sinn vorläufig.

Vers 1535
dharmakāmaprade devi nārāyaṇi namo'stu te |
saṅgrāme vijayaṃ dehi dhanaṃ dehi sadā gṛhe ||1535||

„… Göttin, die du Dharma und Wunscherfüllung schenkst, Narayani, Verehrung sei dir! Gib Sieg im Kampf und stets Vermögen im Haus!“

Vers 1536
dharmakāmārthasampattīrdehi devi namo'stu te |
mahiṣaghni mahāmāye cāmuṇḍe muṇḍamālini ||1536||

„Gib Erfüllung in Dharma, Verlangen und Wohlergehen, Göttin; Verehrung sei dir! Bezwingerin Mahishas, Mahamaya, Chamunda mit der Schädelgirlande …“

Anmerkung: Mahishaghni vorläufig aus abgebrochenem महिष; Name aus Kontext erschlossen und nicht als gesichert ausgegeben.

Vers 1537
āyurārogyavijayaṃ dehi devi namo'stu te |
āyurdadātu me kālī putrānapi sadā śivā ||1537||

„… gib langes Leben, Gesundheit und Sieg, Göttin; Verehrung sei dir! Kali möge mir langes Leben geben, Shiva stets Söhne …“

Schutz durch die Shaktis

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1538
arthakāmau mahāmāyā vibhavaṃ sarvamaṅgalā |
śiro me caṇḍikā pātu kaṇṭhaṃ pātu maheśvarī ||1538||

„… Mahamaya Wohlergehen und Wunscherfüllung, Sarvamangala Reichtum. Chandika schütze meinen Kopf, Maheshvari meinen Hals …“

Vers 1536 [Quellzählung an Position 1539]
hṛdayaṃ pātu cāmuṇḍā sarvataḥ pātu kālikā |
brahmāṇī caiva kaumārī vārāhī vaiṣṇavī tathā ||1536||

„… Chamunda mein Herz, Kalika mich von allen Seiten! Brahmani, Kaumari, Varahi, Vaishnavi …“

Anmerkung: Quellnummer 1536 an Position 1539.

Vers 1540
māheśvarī nārasiṃhī indrāṇī śivadūtyapi |
mahākālī ca cāmuṇḍā bhairavī kauśikī tathā ||1540||

„… Maheshvari, Narasimhi, Indrani, Shivaduti, Mahakali, Chamunda, Bhairavi, Kaushiki …“

Vers 1541
ugracaṇḍā pracaṇḍā ca caṇḍogrā caṇḍanāyikā |
caṇḍā caṇḍavatī caiva aticaṇḍā ca caṇḍikā ||1541||

„… Ugrachanda, Prachanda, Chandogra, Chandanayika, Chanda, Chandavati, Atichanda und Chandika …“

Vers 1542
etāścānyāśca rudrāṇi yāste tiṣṭhanti śaktayaḥ |
tābhiḥ sahaiva māṃ rakṣa saṅgrāme saṅkaṭe tathā ||1542||

„… diese und die anderen Shaktis, die zu dir gehören, Rudrani: Mit ihnen zusammen schütze mich im Kampf und in Bedrängnis!“

Zuflucht und Dank

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1543
nānāpurāṇavākyena nānādevarṣibhāṣitaiḥ |
sadāśivājñayā cāpi tvameva śaraṇaṃ mama ||1543||

„Nach den Aussagen vieler Puranas und der Worte zahlreicher göttlicher Seher sowie auf Sadashivas Weisung bist du allein meine Zuflucht.“

Anmerkung: Sadashivajñaya kann auch „stets auf Shivas Weisung“ gelesen werden; Worttrennung nicht eindeutig.

Vers 1544
tvāṃ vihāyetarāṃ naiva saṃśraye devatāṃ śive |
ataḥ paraṃ yaducitaṃ tatkartuṃ mātararhasi ||1544||

„Außer dir suche ich bei keiner anderen Gottheit Zuflucht, Shiva. Was nun angemessen ist, das mögest du tun, Mutter.“

Vers 1545
āndhyaṃ kuṣṭhaṃ ca dāridryaṃ rogaṃ śokaṃ ca dāruṇam |
bandhusvajanavairāgyaṃ durge tvaṃ hara durgatim ||1545||

„Blindheit, schwere Hautkrankheit, Armut, Krankheit, furchtbare Trauer und Entfremdung von Verwandten und Angehörigen: Durga, nimm diese Not hinweg!“

Anmerkung: Kushtha historischer Krankheitsbegriff, nicht als gesicherte moderne Diagnose übersetzt.

Vers 1546
rājyaṃ tasya pratiṣṭhā ca lakṣmīstasya sadā sthirā |
prabhutvaṃ tasya sāmarthyaṃ yasya tvaṃ mastakopari ||1546||

„Wer dich über seinem Haupt hat, dem gehören Herrschaft und Ansehen, beständiger Wohlstand, Macht und Fähigkeit.“

Vers 1547
dhanyo'haṃ kṛtakṛtyo'haṃ saphalaṃ jīvitaṃ mama |
āgatāsi yato durge māheśvari mamālayam ||1547||

„Gesegnet bin ich, mein Werk ist erfüllt, mein Leben trägt Frucht, denn du bist in mein Haus gekommen, Durga, Maheshvari.“

Vers 1548
arghyaṃ puṣpaṃ ca naivedyaṃ dhūpaṃ dīpaṃ baliṃ tathā |
gṛhāṇa varade devi kalyāṇaṃ kuru me sadā ||1548||

„Nimm Arghya, Blumen, Speisegabe, Räucherwerk, Licht und Bali an, segnende Göttin, und wirke stets mein Wohlergehen!“

Widmung der Puja

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 15446 [Quellzählung an Position 1549]
kṛtvaivaṃ vidhinā daṇḍapraṇāmaṃ stutipūrvakam |
pūjāṃ samarpayed devyai gṛhītvā pāṇinā jalam ||15446||

Nachdem man so vorschriftsgemäß die ausgestreckte Verneigung mit Lobpreis vollzogen hat, nehme man Wasser in die Hand und widme der Göttin die Puja:

Anmerkung: Verformte Quellziffer 15446.

Vers 1550
mantrahīnaṃ kriyāhīnaṃ bhaktihīnaṃ sureśvari |
yadarcitaṃ mayā devi paripūrṇaṃ tadastu me ||1550||

„Was ich dir an Verehrung dargebracht habe, Göttin, mag an Mantra, Handlung und Hingabe mangelhaft sein. Möge es für mich dennoch vollkommen werden, Herrin der Götter!“

Vers 1551
grahītuṃ śāradīṃ pūjāṃ martyamaṇḍalamāgatām |
caṇḍike tvāṃ namāmyadya pūjeyaṃ pratigṛhyatām ||1551||

„Chandika, die du in die Welt der Sterblichen gekommen bist, um die Herbst-Puja anzunehmen: Heute verneige ich mich vor dir. Möge diese Puja angenommen werden!“

Vers 1552
kāyena manasā vācā tvatto nānyā gatirmama |
antaścarasi bhūtānāṃ jñātrī tvaṃ sarvasākṣiṇī ||1552||

„Mit Körper, Geist und Wort habe ich keine andere Zuflucht als dich. Du wirkst im Inneren der Wesen, du bist die Erkennende und die Zeugin von allem.“

Abschluss und gemeinsames Fest

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1553
etāvat kṛtyamuditaṃ śāradīyārcanakrame |
prātarārabhya deveśi rātreryāmatrayāvadhi ||1553||

So weit sind die Verrichtungen der Herbstverehrung erklärt, vom Morgen bis zum dritten Nachtabschnitt, Herrin der Götter.

Vers 1554
śivābaliṃ kumāryarcāṃ prabhūtaṃ balimeva ca |
hitvādastrayamaṣṭamyāmayameva vidhiḥ śriye ||1554||

Lässt man diese drei aus – Shivabali, Kumari-Puja und das reichliche Bali –, so gilt dasselbe Verfahren auch am achten Mondtag, zum Gedeihen.

Vers 1555
tataḥ prasādaṃ devyā yadavaśiṣṭaṃ bhavedanu |
gandhaṃ puṣpaṃ ca naivedyaṃ siddhaṃ cāsiddhameva ca ||1555||

Danach genieße beziehungsweise verwende man den verbliebenen Prasada der Göttin: Duftstoffe, Blumen und Speisegaben, zubereitet oder unzubereitet …

Anmerkung: Bhunjita folgt1556, für nicht essbare Gaben als verwenden wiedergegeben.

Vers 1556
bandhubhiḥ saha bhuñjīta hāsyakautukapūrvakam |
gītanṛtyādikaṃ paścād devyagre viniyojayet ||1556||

… zusammen mit den Angehörigen, in Lachen und festlicher Freude. Danach lasse man vor der Göttin Gesang, Tanz und weitere Darbietungen stattfinden.

Der zehnte Mondtag

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1557
krīḍāṃ ca jñātibhiḥ sārdhaṃ vidadhīta vicakṣaṇaḥ |
tato daśamyāṃ nirvāhya snāto nityakriyāṃ nijām ||1557||

Der Kundige vergnüge sich mit seinen Verwandten. Am zehnten Mondtag bade er, vollziehe seine regelmäßigen Verrichtungen …

Vers 1558
yāvacchaktyupacāraistu pūjayannyāsamujjahat |
kṛtāñjaliḥ paṭhet paścād visarjanamanūnimān ||1558||

… und verehre mit den ihm möglichen Opferdiensten, diesmal unter Auslassung des Nyasa. Danach rezitiere er mit gefalteten Händen diese Verabschiedungsmantras:

Verabschiedungsgebete

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1556 [Quellzählung an Position 1559]
vidhihīnaṃ kriyāhīnaṃ bhaktihīnaṃ madārcitam |
pūrṇaṃ bhavatu tatsarvaṃ tvatprasādānmaheśvari ||1556||

„Meine Verehrung mag an Vorschrift, Handlung und Hingabe mangelhaft sein. Möge sie durch deine Gnade ganz vollkommen werden, Maheshvari!“

Anmerkung: Quellnummer 1556 an Position 1559; ähnlich1550aber eigenständiger Wortlaut.

Vers 1560
śaknuvanti na te pūjāṃ kartuṃ brahmādayaḥ surāḥ |
ahaṃ kiṃ vā kariṣyāmi mṛtyudharmā naro'lpadhīḥ ||1560||

„Nicht einmal Brahma und die anderen Götter vermögen dich angemessen zu verehren. Was könnte dann ich tun, ein sterblicher Mensch von geringer Einsicht?“

Vers 1561
na jāne'haṃ svarūpaṃ te na śarīraṃ na vā guṇān |
ekāmeva hi jānāmi bhaktiṃ tvaccaraṇābjayoḥ ||1561||

„Ich kenne weder dein wahres Wesen noch deinen Leib noch deine Eigenschaften. Eines allein kenne ich: die Hingabe an deine Lotusfüße.“

Vers 1562
tāṃ bhaktiṃ hṛdi sambhāvya śāradārcāṃ pragṛhya ca |
gaccha devi nijaṃ sthānaṃ mahyaṃ dattvā varān bahūn ||1562||

„Würdige diese Hingabe im Herzen, nimm die Herbstverehrung an und kehre an deinen eigenen Ort zurück, Göttin, nachdem du mir viele Segensgaben gewährt hast.“

Vers 1563
etān mantrān samuccārya caralagne carāṃśake |
pratimāṃ patrikāṃ vāpi cālayet pūjakaḥ śanaiḥ ||1563||

Nach dem Sprechen dieser Mantras bewege der Verehrer das Kultbild oder die Patrika behutsam, bei einem beweglichen Aszendenten und beweglichen Teilzeichen.

Anmerkung: Astrologische Zeitbestimmung; keine zusätzliche Berechnung.

Nirmalya und Entlassung ins Wasser

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1564
nirmālyena tato devyāḥ pūjayet kalaśopari |
nirmālyavāsinīṃ devīṃ ṅe'ntenādaḥpadena hi ||1564||

Danach verehre man auf dem Kalasha die Göttin Nirmalyavasini mit den gebrauchten Opfergaben der Göttin und ihrem Namen im Dativ.

Anmerkung: Nirmalya bereits dargebrachte Blumen und andere Gaben; nicht bloß Abfall.

Vers 1565
pradarśya yonimudrāṃ ca aiśānyāṃ diśi nikṣipet |
nirmālyaṃ bhagavatyāstaccaṇḍeśvaryai namo vadet ||1565||

Man zeige die Yoni-Mudra und lege diese gebrauchten Gaben Bhagavatis im Nordosten nieder, wobei man „chandeshvaryai namah“ – „Verehrung der Chandeshvari“ – spricht.

Vers 1566
mṛṇmūrtiṃ patrikāṃ vāpi jale'gādhe viniḥkṣipet |
srotasyatho majjayitvā nadīvegena hārayet ||1566||

Das Tonbild oder die Patrika gebe man in tiefes Wasser; man tauche es in die Strömung und lasse es vom Fluss forttragen.

Anmerkung: Historische Visarjana-Anweisung, kein heutiger Entsorgungsvorschlag.

Vers 1567
pīṭhamūrtī svakasthāne cālayitvā niveśayet |
cālane yanmanudvandvaṃ tadidānīṃ niśāmaya ||1567||

Pitha und Kultbild bewege man und stelle sie wieder an ihren eigenen Ort. Höre nun die beiden Mantras für das Bewegen:

Anmerkung: Zweierbezeichnung bei anschließender längerer Versfolge belassen.

Mantras zum Bewegen des Bildes

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1568
uttiṣṭha devi cāmuṇḍe śubhāṃ pūjāṃ pragṛhya me |
kuruṣva mama kalyāṇamaṣṭābhiḥ saha śaktibhiḥ ||1568||

„Erhebe dich, Göttin Chamunda, nachdem du meine heilvolle Puja angenommen hast! Wirke mein Wohlergehen zusammen mit den acht Shaktis!“

Vers 15646 [Quellzählung an Position 1569]
gaccha gaccha paraṃ sthānaṃ svasthānaṃ devi caṇḍike |
yatpūjitaṃ mayā devi paripūrṇaṃ tadastu me ||15646||

„Gehe, gehe an den höchsten Ort, deinen eigenen Ort, Göttin Chandika! Was ich an Verehrung dargebracht habe, Göttin, möge für mich vollkommen werden!“

Anmerkung: Verformte Quellziffer 15646.

Vers 1570
gamyatāmarthalābhāya kṣemāya vijayāya ca |
śatrordarpavināśāya punarāgamanāya ca ||1570||

„Ziehe hin zum Gewinn des Wohlergehens, zu Sicherheit und Sieg, zur Vernichtung des Hochmuts des Feindes und um wiederzukehren!“

Vers 1571
vraja tvaṃ srotasi jale madgehe tiṣṭha bhūtaye |
āgāmivatsare ca tvaṃ punarāyāsyasi dhruvam ||1571||

„Ziehe in das strömende Wasser und bleibe doch zum Gedeihen in meinem Haus! Im kommenden Jahr wirst du gewiss wiederkommen.“

Anmerkung: Gleichzeitiges Gehen/Bleiben als Ritualgebet bewahrt.

Vers 1572
iti devīṃ cālayitvā manunā kathayiṣyatā |
mahāvādyaravaṃ kuryānnabhodikpūri sarvataḥ ||1572||

Nachdem man die Göttin so mit dem noch zu nennenden Mantra in Bewegung gesetzt hat, lasse man mächtigen Instrumentenklang ertönen, der Himmel und Richtungen ringsum erfüllt.

Tantrischer Bewegungsmantra

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1573
tāratrapāruṣaścaiva śākinī ḍākinī tathā |
cāmuṇḍe calayugmaṃ ca cālayadvitayaṃ tathā ||1573||

[Der Mantra enthält] Tara, Trapa, Rush, Shakini und Dakini, „chamunde“, zweimal „chala“ – „Bewege dich!“ – und zweimal „chalaya“ – „Setze in Bewegung!“ …

Vers 1574
kūrcāstrānalakāntābhirmanubhiścālanakarmaṇi |
śaṅkhatūryaninādaiśca mṛdaṅgaiḥ paṭahaistathā ||1574||

… mit Kurcha, Astra und Analakanta als Mantra beim Bewegen. Unter dem Klang von Muscheln, Blasinstrumenten, Mridangas und Pataha-Trommeln …

Anmerkung: Analakanta=Gattin des Feuers, Deckname, keine freie Lautergänzung.

Musik und Shabara-Fest

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 15715 [Quellzählung an Position 1575]
ḍhakkābherījharjharaiśca paṇavānakagomukhaiḥ |
tālavāditravīṇābhirātodyairḍiṇḍimairapi ||15715||

… Dhakkas, Bheris, Jharjharas, Panavas, Anakas, Gomukhas, Rhythmusinstrumenten, Vinas, weiteren Instrumenten und Dindimas …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 15715; historische Instrumentennamen statt spekulativer moderner Entsprechungen.

Vers 1576
murajairveṇubhirḍhikkaistālamānalayānvitaiḥ |
dhūlikardamavikṣepaiḥ krīḍākautukamaṅgalaiḥ ||1576||

… Muraja-Trommeln, Flöten und Dhikkas in Rhythmus, Takt und Tempo, unter Werfen von Staub und Schlamm, Spiel, Festfreude und glückverheißenden Handlungen …

Anmerkung: Dhikka Instrumentenname vorläufig.

Vers 1577
veśayugveśanicayairvividhaiḥ śabarotsavaiḥ |
bhagaliṅgābhidhānaiśca bhagaliṅgapragītakaiḥ ||1577||

… mit vielerlei Verkleidungen und Shabara-Festspielen, mit Benennungen von Vulva und Penis und Liedern darüber …

Anmerkung: Erste Kostümwortgruppe beschädigt, allgemeiner Verkleidungsbezug erkennbar. Allgemeines Fest, nicht Fortsetzung der Mädchenbewirtung.

Vers 1578
bhagaliṅgakriyāśabdaveśaceṣṭābhiruktibhiḥ |
visarjanasyāvasare krīḍitavyaṃ nijecchayā ||1578||

… mit Worten, Kostümen, Gesten und Äußerungen, die Vulva, Penis und geschlechtliche Handlungen darstellen, soll man beim Visarjana nach Belieben ausgelassen feiern.

Anmerkung: Rituelle obszöne Festdarstellungen; keine zusätzlichen Handlungsdetails ergänzt.

Freude der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1576 [Quellzählung an Position 1579]
kāryaṃ janādhipairapyetad devīsantoṣahetave |
parairnākṣipyate yastu yaḥ parānnākṣipatyapi ||1576||

Auch Herrscher sollen dies zur Freude der Göttin tun. Wer sich von anderen nicht verspotten lässt und seinerseits andere nicht verspottet …

Anmerkung: Quellnummer 1576 an Position 1579.

Vers 1580
tasya kruddhā bhagavatī śāpaṃ dadyāt sudāruṇam |
etat prāsaṅgikīṃ devyā uktiṃ samavadhāraya ||1580||

… dem soll die erzürnte Bhagavati einen sehr schweren Fluch auferlegen. Vernimm hierzu diese Äußerung der Göttin:

Anmerkung: Historische Teilnahmeforderung und Fluchdrohung nicht modern empfohlen.

Vers 1581
mamānande sadānandaḥ sadānando bhaviṣyati |
mamānande nirānando nirānando bhaviṣyati ||1581||

„Wer bei meiner Freude stets freudig ist, wird immer Freude erfahren. Wer bei meiner Freude freudlos bleibt, wird freudlos sein.“

Vers 1582
yathā yathā mamānande bhavatyunmattavajjanaḥ |
tathā tathā'haṃ tuṣyāmi tatkṛtārcāsu vallabha ||1582||

„Je mehr ein Mensch bei meinem Freudenfest wie berauscht ist, desto mehr freue ich mich an seiner Verehrung, Geliebter.“

Anmerkung: Unmattavat Vergleich, keine bestimmte Substanz vorgeschrieben.

Die Zeichen Shivas und der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1583
khyātaṃ mama bhagaṃ cihnaṃ liṅgaṃ cihnaṃ tava prabho |
liṅgāṅkatvād bhagāṅkatvādiyaṃ māheśvarī prajā ||1583||

„Die Vulva gilt als mein Zeichen, der Penis als dein Zeichen, Herr. Weil die Wesen eines dieser beiden Zeichen tragen, gehört diese Schöpfung Maheshvara.“

Anmerkung: Historische binäre Symboldeutung quellentreu, keine heutige Geschlechterlehre ergänzt.

Vers 1584
tvāṃ māṃ vihāya naivānyat kiñcittribhuvanodare |
tasmāt matpūjanasyānte tvanmaccihnoktibhirjanaḥ ||1584||

„Außer dir und mir gibt es nichts im Inneren der drei Welten. Wer darum am Ende meiner Verehrung mit Worten über dein und mein Zeichen …“

Vers 15085 [Quellzählung an Position 1585]
yaḥ krīḍati mahābhāga sa me manasi tiṣṭhati |
akurvāṇo'pi surataṃ bhagaṃ bhagamiti bruvan ||15085||

„… scherzt, Hochbegnadeter, der wohnt in meinem Herzen. Auch ohne den Geschlechtsakt auszuführen, indem er ‚Vulva, Vulva‘ sagt …“

Anmerkung: Verformte Quellziffer 15085; Text unterscheidet ausdrücklich Rede und tatsächlichen Geschlechtsakt.

Vers 1586
liṅgaṃ liṅgamiti procya māṃ toṣayati tatkṣaṇāt |
retaḥ siktaṃ bhaved yādṛk tādṛk tatra prajāyate ||1586||

„… und ‚Penis, Penis‘, erfreut er mich sogleich. Wie der hineingegebene Same beschaffen ist, so entsteht dort die Nachkommenschaft.“

Anmerkung: Allgemeine nichtgrafische Fortpflanzungsaussage in göttlichem Dialog.

Vers 1587
bhagaṃ trijagatāṃ sraṣṭṛ ko vininditumarhati |
ityādivacanairdevyā yatheṣṭaṃ viharejjanaḥ ||1587||

„Wer dürfte die Vulva schmähen, die die drei Welten hervorbringt?“ Aufgrund solcher Worte der Göttin möge man nach Belieben feiern …

Versenkung und Wasserspiele

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1588
upasthayonijaghanaśabdaistattatkriyānvitaiḥ |
tato nītvodakābhyāsaṃ svayamambhaḥ praviśya ca ||1588||

… mit Worten über Geschlechtsorgan, Yoni und Schamregion sowie den entsprechenden Darstellungen. Danach bringe man [das Kultbild] ans Wasser und trete selbst hinein …

Anmerkung: Kriya im Festkontext Darstellungen/Handlungen; keine konkrete sexuelle Praxis ergänzt.

Vers 1586 [Quellzählung an Position 1589]
patrikāṃ mṛṇmayīṃ mūrtiṃ tadantaḥ sthāpayecchanaiḥ |
nimajjyāmbhasi sampūjya patrikā varjitā jale ||1586||

… und stelle die Patrika beziehungsweise das Tonbild behutsam hinein. Man tauche es ins Wasser, verehre es und spreche: „Die Patrika ist ins Wasser entlassen …“

Anmerkung: Quellnummer 1586; varjita vorläufig aus वजिता, Ritualkontext Entlassen klar.

Vers 1560 [Quellzählung an Position 1590]
mayā devi varān dattvā tato gaccha nijālayam |
ityanena tu mantreṇa devīṃ saṃsthāpayejjale ||1560||

„… von mir, Göttin. Gewähre Segensgaben und kehre dann an deinen eigenen Wohnort zurück!“ Mit diesem Mantra stelle man die Göttin ins Wasser.

Anmerkung: Quellnummer 1560 an Position 1590.

Vers 15461 [Quellzählung an Position 1591]
pīṭhamūrtyoridaṃ karma na kāryaṃ tridaśeśvari |
tataḥ sarvairjanaiḥ sārdhaṃ jalakrīḍāṃ samācaret ||15461||

Bei Pitha und [bleibendem] Kultbild ist diese Handlung nicht auszuführen, Herrin der Götter. Danach vergnüge man sich mit allen Anwesenden im Wasser …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 15461; bleibend zur Unterscheidung vom ausdrücklich irdenen Bild1566/1589 erläuternd.

Vers 1562 [Quellzählung an Position 1592]
nimajjanonmajjanaiśca tathā piñjulitāmbubhiḥ |
anyairjalavihāraiśca kṣaṇaṃ kautukamācaret ||1562||

… durch Unter- und Auftauchen, Wasserspritzen und andere Wasserspiele genieße man eine Weile die Festfreude.

Anmerkung: Quellnummer 1562; pinjulita als Wasserspritzen vorläufig.

Dakshina und Verteilung der Gaben

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1563 [Quellzählung an Position 1593]
pradadyād dakṣiṇāṃ pūjākārayitre svaśaktitaḥ |
hiraṇyaṃ rajataṃ dhenurbhūmirvāsāṃsi mandiram ||1563||

Dem Leiter der Puja gebe man Dakshina entsprechend den eigenen Mitteln: Gold, Silber, eine Kuh, Land, Gewänder oder ein Haus.

Anmerkung: Quellnummer 1563 an Position 1593.

Vers 15864 [Quellzählung an Position 1594]
yāvacchakyaṃ ca yacchakyaṃ dātavyā dakṣiṇā tataḥ |
yāni devyai pradattāni mahopakaraṇāni ca ||15864||

Man gebe an Dakshina, was und wie viel möglich ist. Die bedeutenden Ausstattungsgegenstände, die der Göttin dargebracht wurden …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 15864.

Vers 15465 [Quellzählung an Position 1595]
vibhajya tāni sarvebhyo dātavyānīti niścayaḥ |
evamuktaprakāreṇa kṛtvā śāradapūjanam ||15465||

… sollen unter allen aufgeteilt werden: Dies ist die feste Regel. Welche Frucht die auf diese Weise vollzogene Herbst-Puja bringt …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 15465.

Verheißener Aufenthalt in Deviloka

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1566 [Quellzählung an Position 1596]
yadāpnoti phalaṃ devi tadidānīṃ niśāmaya |
saptalokopari śive vaikuṇṭho loka ucyate ||1566||

… höre nun, Göttin. Oberhalb der sieben Welten wird die Welt Vaikuntha genannt, Shiva.

Anmerkung: Quellnummer 1566; hier beginnt die quelleninterne Kosmologie der Verheißung.

Vers 1567 [Quellzählung an Position 1597]
tadūrdhvaṃ śivaloko hi golokastadanantaram |
tasyopari priyatame devīloko virājate ||1567||

Darüber liegt Shivaloka, danach Goloka; über dieser erstrahlt Deviloka, die Welt der Göttin, Liebste.

Anmerkung: Quellnummer 1567.

Vers 1568 [Quellzählung an Position 1598]
yojanānāṃ koṭiśataṃ vistīrṇastāvadāyataḥ |
vibhavo vā guṇā yasya mama vācāmagocarāḥ ||1568||

Sie ist hundert Kotis Yojanas breit und ebenso lang. Ihre Herrlichkeit und Eigenschaften übersteigen meine Worte.

Anmerkung: Quellnummer 1568; traditionelle Großzahl und Längeneinheit nicht in moderne Distanz umgerechnet.

Vers 154686 [Quellzählung an Position 1599]
kalpakoṭiśataṃ sāgraṃ tatrāyaṃ vasati priye |
avyāhatagatirbhūtvā ṣaḍānana ivāparaḥ ||154686||

Dort soll der Verehrer mehr als hundert Kotis Kalpas wohnen, Geliebte, in ungehinderter Bewegungsfreiheit wie ein zweiter Shadanana …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 154686; Shadanana der sechsgesichtige Skanda.

Vers 1600
trilokīṃ vicaratyeṣa dvitīyo dviradānanaḥ |
yadīhāvataratyeṣa kadācit kālaparyayāt ||1600||

… durch die drei Welten wandernd wie ein zweiter Elefantengesichtiger. Wenn er nach langer Zeit irgendwann wieder hierher herabkommt …

Anmerkung: Dviradanana=Ganesha, anderer Vergleich als im vorigen Vers, nicht harmonisiert.

Wiedergeburt und Vorzüge

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1601
śatasaṃvatsarāyuḥ syāt samastapṛthivīpatiḥ |
tejasā sūryasadṛśaḥ kāntyā candramasā samaḥ ||1601||

… soll er hundert Jahre leben und über die ganze Erde herrschen, an Strahlkraft der Sonne und an mildem Glanz dem Mond gleich …

Vers 1602
kuberasannibho vitte kṣamāyāṃ kṣamayā samaḥ |
sthairye sumeruṇā tulyo gāmbhīrye sāgaropamaḥ ||1602||

… an Vermögen Kubera gleich, an Geduld der Erde, an Standfestigkeit dem Sumeru und an Tiefe dem Ozean …

Anmerkung: Wortspiel kshama Geduld/Erde.

Vers 1603
vidyayā vākpatisamaḥ saundarye manmathopamaḥ |
priyaṃvado vinītaśca dātā'mitaparākramaḥ ||1603||

… an Wissen dem Herrn der Rede und an Schönheit dem Liebesgott gleich, freundlich sprechend, bescheiden, freigebig und von unermesslicher Tatkraft.

Vers 1604
kiṃ bahūktena deveśi yāvanto hi guṇāḥ smṛtāḥ |
tamekaṃ saṃśrayante hi samudraṃ sarito yathā ||1604||

Wozu viele Worte, Herrin der Götter? Alle bekannten Vorzüge sollen sich bei ihm allein sammeln wie Flüsse im Ozean.

Vers 1605
pratyekamasyā bāhulyaṃ vartate phalasambhave |
na vistarabhayād vacmi ḍāmareṣu tadīritam ||1605||

Jeder einzelne Teil dieser Verehrung soll eine Fülle von Früchten hervorbringen. Um nicht zu weit auszuholen, führe ich sie nicht aus; sie sind in den Damaras gelehrt.

Königliches Nirajana

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1606
na tādṛśaṃ phalaṃ kiñcidyanna syācchāradārcanāt |
atha nīrājanaṃ rājā'parāhṇe vidadhīta vai ||1606||

Es gebe keine Frucht, die nicht aus der Herbstverehrung entstünde. Nun vollziehe der König am Nachmittag das Nirajana, die rituelle Lichterverehrung …

Vers 1607
vicitraveśavasanaḥ saha svajanabāndhavaiḥ |
cūḍāmaṇiparisphūrjatkirīṭaḥ kuṇḍalojjvalaḥ ||1607||

… in prachtvollem Aufzug und Gewand, mit Familie und Angehörigen, mit einer vom Kronjuwel erstrahlenden Krone und leuchtenden Ohrringen …

Vers 1608
lasatprālambiko muktāmālī kaṭakamaṇḍitaḥ |
keyūrī śṛṅkhalī tadvadaṅgulīyakabhūṣitaḥ ||1608||

… mit glänzend herabhängendem Schmuck, Perlenketten, Armreifen, Oberarmschmuck, Ketten und Fingerringen …

Vers 1604 [Quellzählung an Position 1609]
uṣṇīṣī baddhanistriṃśaścarcito malayadravaiḥ |
candrakuṅkumakastūrīvilepanaiḥ suvāsitaḥ ||1604||

… mit Kopfbinde, umgegürtetem Schwert, mit Sandelholzflüssigkeit gesalbt und von Kampfer-, Safran- und Moschussalben wohlriechend.

Anmerkung: Quellnummer 1604 an Position 1609.

Pferde, Elefanten und Waffen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1610
nānāviṣayajānaśvān bhūṣābhiḥ parivardhayet |
gāndhārajātāṃsturagān pārasīkodbhavānapi ||1610||

Er schmücke Pferde aus verschiedenen Ländern: aus Gandhara und aus Persien …

Vers 1611
kāmbojajānāyu‍bhavān bāhlīkamaṇitanthajān |
yuktāṃstadīyabhūṣābhiḥ kuthābhiḥ samupaśobhitān ||1611||

… aus Kamboja, … Bahlika und Manitantha, mit ihrem jeweiligen Schmuck und prächtigen Satteldecken versehen.

Anmerkung: Fragment: ayubhava weiterer Herkunftsname beschädigt, Manitantha ebenfalls unsicher; keine Geographie rekonstruiert.

Vers 1612
evameva gajendrāṃśca kuthaghaṇṭāṅkuśojjvalān |
kaliṅgajaṅgalabhavāṃśceditelaṅgasambhavān ||1612||

Ebenso die herrlichen Elefanten mit Decken, Glocken und Elefantenhaken: Tiere aus Kalinga und Jangala, Chedi und Telanga.

Anmerkung: Jangala kann Landschaftsname oder Waldgebiet sein, nicht festgelegt.

Vers 1613
evaṃ rathānapi vyūhettadupaskarasaṃyutān |
pādātīṃśca bhaṭāṃścāpi nānāpraharaṇānvitān ||1613||

Ebenso stelle er die Wagen mit ihrer Ausrüstung auf sowie Fußsoldaten und Krieger mit verschiedenartigen Waffen …

Vers 1614
kodaṇḍaśaranistriṃśaśūlapaṭṭiśatomarān |
gadāparighacakrarṣṭibhuśuṇḍīprāsakaurajān ||1614||

… Bogen, Pfeilen, Schwertern, Spießen, Pattishas, Tomaras, Keulen, Eisenstangen, Disken, Rishtis, Bhushundis, Wurfspeeren und Kaurajas …

Anmerkung: Letzter Waffenname Kauraja im OCR nicht zuverlässig bestimmbar; historische Bezeichnungen erhalten.

Vers 1615
bhindipālahalāśaktiparaśukuntāhimudgarān |
khaṭvāṅgavajramusalapāśāyoguḍakartarīḥ ||1615||

… Bhindipalas, Hala-Waffen, Shakti-Speeren, Äxten, Kuntas, … Hämmern, Khatvangas, Vajras, Mörserkeulen, Schlingen, Eisenknüppeln und Scheren …

Anmerkung: Fragment: ahi im Waffenkompositum nicht sicher deutbar; keine zusätzliche Waffe konstruiert.

Vers 1616
śataghnīśalyakuhalakarkacakṣurikāstathā |
etānyanyāni cāstrāṇi dadhataḥ sphuritaujasaḥ ||1616||

… Shataghnis, Geschossen, Kuhalas, Sägen und Messern. Mit diesen und weiteren Waffen seien die vor Kraft strahlenden Krieger ausgerüstet.

Anmerkung: Kuhala unbestimmte Waffenbezeichnung; kshurika vorläufig aus chyurika.

Der festliche Auszug

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1617
caturaṅgaṃ balaṃ cetthaṃ kṛtvā'gresaramīśvaraḥ |
nānāvidhairvāhanaiśca paurajānapadānapi ||1617||

So lasse der Herrscher das viergliedrige Heer voranziehen, ebenso die Stadt- und Landbewohner auf verschiedenen Fahrzeugen …

Anmerkung: Paura aus Quellkorrektur पा[पौ]र; viergliedrig Elefanten/Wagen/Reiterei/Fußvolk im vorangehenden Text.

Vers 1618
vāditrāṇi ca sarvāṇi vādayitvā viśeṣataḥ |
mahākolāhalaṃ kṛtvā samarābhiprayāṇavat ||1618||

… lasse alle Instrumente kräftig spielen und großen Lärm entstehen, wie beim Aufbruch zum Kampf.

Vers 16146 [Quellzählung an Position 1619]
jaya jīveti ninadaiḥ stūyamāno mahīpatiḥ |
vinirgacchet purāt svīyādanukūlāṃ diśaṃ prati ||16146||

Unter den preisenden Rufen „Siege! Lebe!“ ziehe der König aus seiner Stadt in eine günstige Richtung hinaus …

Anmerkung: Verformte Quellziffer 16146.

Vers 1620
brāhmaṇānagrataḥ kṛtvā tāmbūlaṃ carvayenmuhuḥ |
naṭān mallān vandinaśca śilpino gaṇikāstathā ||1620||

… Brahmanen an der Spitze, wiederholt Betel kauend. Schauspieler, Ringer, Lobredner, Handwerker und Kurtisanen …

Vers 1621
daivajñān vaṇijo dūtānanyānvaideśikānapi |
vilokayan hṛṣṭamanā etebhyaḥ pāritoṣikam ||1621||

… Astrologen, Händler, Boten und weitere Fremde betrachte er freudig, ihnen Geschenke zur Belohnung …

Vers 1622
dadadutsāhasaṃyukto vijigīṣuriva vrajet |
etannīrājanaṃ […] balāstrayoḥ ||1622||

… gebend, und ziehe voller Tatkraft wie ein Eroberungswilliger dahin. Dies ist das Nirajana … von Heer und Waffen.

Anmerkung: Fragment: मध्य „रामघटनाया“ nicht verständlich, keine Ritualbezeichnung erfunden.

Die drei Vögel als Vorzeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1623
etat kṛtvā mahīpālo bhūṣitastena cānvitaḥ |
khañjanaṃ sārasaṃ cāṣaṃ prayatnena vilokayet ||1623||

Nach dieser Handlung schaue der geschmückte und von seinem Gefolge begleitete König aufmerksam nach Bachstelze, Sarasa-Kranich und Chasha-Vogel aus.

Anmerkung: Chasha gewöhnlich Blauracke/Indische Racke, hier Vogelname bewahrt; keine exakte Artidentifizierung vorausgesetzt.

Vers 1624
anūpakacchagoṣṭhāgagoviḍamburuhādiṣu |
sthitoruvan vidhunvānaḥ pakṣatī khañjanaḥ śubhaḥ ||1624||

Eine Bachstelze gilt als günstig, wenn sie an Feuchtgebieten, Ufern, Viehplätzen, … oder Lotusgewächsen sitzt, ruft und die Flügel schüttelt.

Anmerkung: Fragment: Teile der Ortsliste und sthitoruvan beschädigt; keine vollständige Listenrekonstruktion.

Vers 1625
maṅgalyaṃ khañjanaṃ dṛṣṭvā medhyasthāne manorame |
śubhaṃ syādaśubhaṃ jñeyaṃ viparīte na saṃśayaḥ ||1625||

Der Anblick einer glückverheißenden Bachstelze an einem reinen, schönen Ort gilt als günstig; unter gegenteiligen Bedingungen als ungünstig, ohne Zweifel.

Anmerkung: Historische Vogelomen.

Bachstelzenomen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1626
vṛkṣeṣu goṣu mṛgavājimahorageṣu rājyapradaḥ kuśaladaḥ śuciśādvaleṣu |
bhasmāsthikāṣṭhatuṣalomatṛṇeṣu dṛṣṭo'riṣṭaṃ dadāti bahuśaḥ khalu khañjarīṭaḥ ||1626||

Auf Bäumen, Rindern, Wildtieren, Pferden und großen Schlangen soll die Bachstelze Herrschaft verheißen, auf reinem Rasen Wohlergehen. Auf Asche, Knochen, Holz, Spelzen, Haaren oder trockenem Gras gesehen, soll sie vielerlei Unheil anzeigen.

Anmerkung: GrasgegenüberreinemRasen Quellunterscheidung nicht geglättet.

Vers 1627
tasminnidhirbhavati maithunameti yasmin yasmin punarvasati tatra diśanti kācam |
aṅgāramapyupadiśanti purīṣaṇe ca tatkautukāya ca śubhāya ca khañjarīṭaḥ ||1627||

Wo sie sich paart, soll ein Schatz liegen; wo sie verweilt, wird Glas angezeigt, und wo sie Kot absetzt, Kohle. So dient die Bachstelze der Erkundung wunderlicher Zeichen und des Glücks.

Anmerkung: Kacam aus कां च vorläufig; Schatzsuch-Omen, keine Tatsachenbehauptung.

Anrufung der Bachstelze

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1628
dṛṣṭvā tu khañjanaṃ rājā praṇamed vihitāñjaliḥ |
imaṃ mantraṃ samuccārya ślokarūpaṃ varānane ||1628||

Erblickt der König eine Bachstelze, verneige er sich mit gefalteten Händen und spreche diesen versförmigen Mantra, Schönangesichtige:

Vers 1626 [Quellzählung an Position 1629]
khañjanaḥ khañjarīṭaśca śaṅkhamauliḥ śubhapradaḥ |
mahāpadmo nīlagalaścapalāṅgo haridvijaḥ ||1626||

„Khanjana, Khanjarita, Shankhamauli, Shubhaprada, Mahapadma, Nilagala, Chapalanga und Haridvija.“

Anmerkung: Quellnummer 1626; acht Namen der Bachstelze, darunter Heilspender, Blaukehliger, Beweglicher und Haris Vogel.

Vers 1630
yaḥ khañjarīṭaṃ praṇamedebhirnāmabhiraṣṭabhiḥ |
jāyate maṅgalaṃ tasya tato gehe yataḥ pathi ||1630||

Wer sich mit diesen acht Namen vor der Bachstelze verneigt, dem soll Heil entstehen, zu Hause wie auf dem Weg.

Bachstelze als Vishnu-Gestalt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1631
nārāyaṇaśarīrottha saṃvatsaraśubhaprada |
śālagrāmaśilākaṇṭha khañjarīṭa namo'stu te ||1631||

„Aus Narayanas Leib Entstandener, der du dem Jahr Glück verleihst, mit einem Hals wie ein Shalagrama-Stein: Khanjarita, Verehrung sei dir!“

Vers 1632
vāsudevasvarūpeṇa sarvakāmaphalaprada |
pṛthivyāmavatīrṇo'si khañjarīṭa namo'stu te ||1632||

„In Vasudevas Gestalt bist du auf die Erde herabgestiegen, alle Wünsche erfüllend. Khanjarita, Verehrung sei dir!“

Vers 1633
tvaṃ yogayukto muniputrakastvamadṛśyatāmeṣi ruṣodgamena |
tvaṃ dṛśyase prāvṛṣi nirgatāyāṃ tvaṃ khañjanāścaryamayo namaste ||1633||

„Du bist mit Yoga verbunden, ein Sohn eines Weisen; beim Aufkommen des Zorns wirst du unsichtbar. Nach dem Ende der Regenzeit wirst du sichtbar. Khanjana, du bist voller Wunder; Verehrung dir!“

Anmerkung: Rushodgamena im OCR klarer Zornbezug, ungewöhnliche Jahreszeitenverbindung nicht still zu anderem Wort repariert.

Befriedung ungünstiger Zeichen

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1634
aśubhaṃ khañjanaṃ dṛṣṭvā devabrāhmaṇapūjanam |
śāntiṃ kurvīta kuryācca snānaṃ sarvauṣadhījalaiḥ ||1634||

Bei einem ungünstigen Bachstelzenomen vollziehe man die Verehrung von Gottheiten und Brahmanen, einen Befriedungsritus und ein Bad mit Wasser, dem allerlei Kräuter beigegeben sind.

Vers 1635
ayaṃ khagastu vijñeyo viṣṇurūpī maheśvari |
saṃsūcayati varṣārthaṃ maṅgalāmaṅgaladvayam ||1635||

Dieser Vogel ist als Erscheinung Vishnus zu verstehen, Maheshvari; er soll Glück und Unglück für das Jahr anzeigen.

Sarasa als Gestalt der Göttin

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1636
devīrūpastu vijñeyaḥ sārasaḥ pakṣirāḍapi |
taṃ dṛṣṭvā toyatarvadrisadūrvorvītaleṣu hi ||1636||

Der Sarasa, König der Vögel, gilt dagegen als Erscheinung der Göttin. Sieht man ihn an Wasser, Bäumen, Bergen oder auf mit Durva bewachsenem Boden …

Anmerkung: Ortskompositum leicht beschädigt; genannte Orte hinreichend erkennbar.

Vers 1637
praṇamecchubhadaṃ keśaśavāsthigamabhadradam |
tathā kurvāṇamāhāraṃ cañcvā kaṇḍūṃ tanāvapi ||1637||

… verneige man sich vor ihm als Heilbringer; auf Haaren, Leichen oder Knochen gilt er als Unheilsbringer. Günstig ist er ebenso beim Fressen oder wenn er sich mit dem Schnabel am Körper kratzt …

Anmerkung: Letzte günstige Wertung aus Folgesatz1638.

Anrufung des Sarasa

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 16386 [Quellzählung an Position 1638]
tiṣṭhan kulāye śāvāya dadadvā bhojanaṃ śubhaḥ |
sārasaḥ sarasīvāsaḥ puṣkaraḥ puṣkarālayaḥ ||16386||

… wenn er im Nest steht oder seinem Jungen Nahrung gibt. [Die Anrufung nennt:] „Sarasa, Sarasivasa, Pushkara, Pushkaralaya …“

Anmerkung: Verformte Quellziffer 16386; Sarasivasa=Teichbewohner, Pushkaralaya=imLotus/TeichWohnender.

Vers 16346 [Quellzählung an Position 1639]
vighnāpahartā pakṣīndro devīrūpo mahābalaḥ |
vighnaṃ nāśaya pakṣīndra śubhaṃ dehi mahābala ||16346||

„… Hindernisbeseitiger, König der Vögel, Gestalt der Göttin, Kraftvoller! Vernichte das Hindernis, König der Vögel, gewähre Heil, Kraftvoller!“

Anmerkung: Verformte Quellziffer 16346.

Vers 1640
puṣkarābdaphalaṃ brūhi jahi śatrūn mahābala |
paṭhitvedaṃ padyayugaṃ praṇamet sārasaṃ budhaḥ ||1640||

„Pushkara, sage die Frucht des Jahres voraus, besiege die Feinde, Kraftvoller!“ Nach Rezitation dieser beiden Strophen verneige sich der Kundige vor dem Sarasa.

Anmerkung: Strophenzählung„beide“beziehtsichwohlMantrateilab 1638b,Originalversgrenzenbewahrt.

Chasha als Rudra-Gestalt

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1641
viparīte tathaitasya pūrvavacchāntikaṃ caret |
atha cāṣaṃ nirīkṣyāpi mahārudrasvarūpiṇam ||1641||

Bei gegenteiligen Vorzeichen vollziehe man auch für ihn wie zuvor einen Befriedungsritus. Erblickt man den Chasha in der Gestalt Maharudras …

Vers 1642
pūrvoditeṣu sthāneṣu praṇamenmaṅgalapradam |
anyatrāśubhadātāraṃ vihagaṃ śivarūpiṇam ||1642||

… verneige man sich vor diesem Vogel in Shivas Gestalt: An den zuvor genannten Orten bringt er Glück, an anderen Unheil.

Acht Namen des Chasha

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1643
aśokaśca viśokaśca nandīśaḥ puṣṭivardhanaḥ |
tāmracūḍo maṇigrīvaḥ svastikaścāparājitaḥ ||1643||

„Ashoka, Vishoka, Nandisha, Pushtivardhana, Tamrachuda, Manigriva, Svastika und Aparajita.“

Anmerkung: Acht Anrufungsnamen: Trauerlos, Kummerlos, HerrderFreude, MehrerderFülle,Kupferbekrönt,Juwelenhals,Heilbringend,Unbesiegt.

Vers 1644
aṣṭāvetāni nāmāni cāṣaṃ dṛṣṭvā tu yaḥ paṭhet |
agrato dhanalābhāya pārśvato vijayāya ca ||1644||

Wer beim Anblick des Chasha diese acht Namen rezitiert [erlangt Segen]. [Der Vogel erscheint] vor einem zum Vermögensgewinn, seitlich zum Sieg …

Anmerkung: Erster Satz im Übergang elliptisch, Ergänzung gekennzeichnet.

Vers 1645
pṛṣṭhataḥ kṣemavittābhyāṃ divyacāṣa namo'stu te |
aśokāya namastubhyaṃ sarvābhīṣṭapradāya ca ||1645||

„… hinter einem zu Sicherheit und Wohlstand. Göttlicher Chasha, Verehrung sei dir! Verehrung dir als Ashoka, dem Spender alles Ersehnten!“

Bitte um Heil und Freude

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1646
nīlakaṇṭhāya bhadrāya bhadrarūpāya te namaḥ |
bhadrastvaṃ dehi me bhadramāśāṃ pūraya pūraka ||1646||

„Verehrung dir, dem Blauhalsigen, Guten und Heilgestaltigen! Du bist heilvoll; gib mir Heil! Erfülle mein Hoffen, Erfüller!“

Vers 1647
svastiko'si kuru svasti tvaṃ māṃ nandīśa nandaya |
aśoka kuru aśokaṃ māṃ puṣya tvaṃ puṣṭivardhana ||1647||

„Du bist Svastika; wirke Heil! Nandisha, erfreue mich! Ashoka, mache mich frei von Trauer! Pushtivardhana, nähre mich und lass mich gedeihen!“

Anmerkung: Namenswortspiele durch Übersetzung sichtbar.

Shami-Baum und Rückkehr

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1648
evaṃ cāṣaṃ namaskṛtya gṛhītvā pītamṛttikām |
pradakṣiṇīkṛtya tathā śamīvṛkṣaṃ mahīpatiḥ ||1648||

Nachdem der König so den Chasha verehrt, gelbe Erde aufgenommen und den Shami-Baum nach rechts umschritten hat …

Vers 1646 [Quellzählung an Position 1649]
niyuddhaṃ prekṣya mallānāṃ bhaṭānāṃ śastralāghavam |
bharatānāṃ prekṣaṇaṃ ca dhāvanaṃ gajavājinām ||1646||

… schaue er den Ringkampf der Ringer an, die Waffengeschicklichkeit der Krieger, die Aufführungen der Schauspieler und das Rennen der Elefanten und Pferde.

Anmerkung: Quellnummer 1646.

Vers 1650
astaṃ gate dinamaṇau dīpikāśatasaṃvṛtaḥ |
praviśennagaraṃ rājā kolāhalapurassaram ||1650||

Nach Sonnenuntergang kehre der König, von Hunderten von Lichtern umgeben, unter lautem Festjubel in die Stadt zurück.

Vers 1651
anena vidhinā yastu kurute śāradaṃ maham |
tasya devī sadā tuṣṭā sadanaṃ naiva muñcati ||1651||

Wer das Herbstfest nach diesem Verfahren begeht, dessen Haus soll die stets erfreute Göttin niemals verlassen.

Anmerkung: Religiöse Verheißung.

Finsternis-Puja und Frühlingsverehrung

Die folgenden Verse ordnen Wünsche und Ritualbedingungen im historischen Lehrgespräch ein.

Vers 1652
phalaṃ yacchāradārcāyā vaktuṃ tat kena śakyate |
uparāge tu kartavyā pūjā naimittike yathā ||1652||

Wer könnte die Frucht der Herbstverehrung aussprechen? Bei einer Finsternis dagegen ist die Puja wie bei der anlassgebundenen Verehrung auszuführen.

Vers 1653
naiva tasmin paśubalidānaṃ vihitamīśvari |
na pātrasvīkṛtimadhye na śaktiparipūjanam ||1653||

Dabei ist kein Tier-Bali vorgeschrieben, Herrin, auch keine Annahme des Ritualgefäßes währenddessen und keine Shakti-Puja.

Anmerkung: Gefäßannahme technische Ritualhandlung, Inhalt hier nicht genannt.

Vers 1654
na ca nyāsādibāhulyaṃ nāvṛttyarcanabhūritā |
kālena tāvatā pūjā yāvatyeva samāpyate ||1654||

Ebenso wenig eine Fülle von Nyasas und ähnlichen Handlungen oder ausgedehnte Umkreisverehrung. Nur so viel Puja, wie in dieser Zeit abgeschlossen werden kann …

Vers 1655
tāvatyeva vidheyātra nādhikā vai kadācana |
grahamuktāvapi kṛtā naimittikyucyate nahi ||1655||

… soll hier ausgeführt werden, niemals mehr. Wird sie erst nach dem Ende der Finsternis vollzogen, heißt sie nicht mehr anlassgebunden.

Vers 1656
nimittaṃ rāhusaṃyogastasmin vṛtte kathañcana |
tadavacchinnakālena proktā pūjauparāgikī ||1656||

Der Anlass ist die Verbindung mit Rahu. Wenn sie eintritt, gilt die auf eben diesen Zeitraum begrenzte Puja als Finsternisverehrung.

Anmerkung: Quelleninterne traditionelle Finsternisvorstellung.

Vers 1657
smārtānāṃ nādhikāro'sti pūjāyāṃ śrāddhamantarā |
grahe tu tadakurvāṇo niraye paripacyate ||1657||

Smartas haben bei der Finsternis keinen Anspruch auf diese Puja, abgesehen vom Shraddha. Wer dieses dabei nicht vollzieht, wird nach der Drohung des Textes in der Hölle gepeinigt.

Anmerkung: Shraddhamantara kann „ohneShraddha“oder„außerShraddha“bedeuten; genaue Zulassungsregel nicht eindeutig. Höllendrohung als historische Textaussage.

Vers 1658
ityukte pūjane devi śāradīyauparāgike |
īdṛśyeva hi vāsantī pūjā kāryā madhau site ||1658||

So sind die beiden Verehrungsformen, die herbstliche und diejenige bei einer Finsternis, erklärt, Göttin. In gleicher Weise ist die Frühlings-Puja in der hellen Monatshälfte des Madhu auszuführen.

Anmerkung: Madhu traditioneller Frühlingsmonat.

Kolophon
iti śrīmadādināthaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ pañcaśatasāhasryāṃ śāradīpūjāvidhānaṃ nāma trayodaśatamaḥ paṭalaḥ |

Hier endet in der ehrwürdigen, Adinatha zugeschriebenen Mahakala-Samhita von fünfhunderttausend [Versen] das dreizehnte Kapitel, genannt „Verfahren der Herbst-Puja“.

Anmerkung: Quellkolophon MahakalaSamhita.txt Zeilen7439–7440. Zuschreibung und Gesamtumfang Selbstbezeichnung der Quelle, keine historisch bestätigte Autorschaft oder erhaltene Werkgröße.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 14

Damanaropana und Pavitrarohana bilden zwei jährliche Verehrungsordnungen. Die Quelle verbindet ihren rituellen Ablauf mit mythologischen Erzählungen, Mantras und Wirkungsverheißungen.

Zwei jährliche Verehrungsordnungen

Mahakala erklärt Damanaropana und Pavitrarohana als verpflichtende Ergänzungen der Jahresverehrung.

Vers 1
evaṃ te kathitau devi śāradīyauparāgikau |
pūjāvidhī viśeṣeṇa śrautatāntrikarūpiṇau ||1||

So habe ich dir, Göttin, die beiden Puja-Verfahren der Herbstzeit und der Finsternis im Einzelnen erklärt, in ihrer vedischen und tantrischen Form.

Anmerkung: Anschluss an Kapitel 13; keine neue Sprecherzeile vorVers 1 in der Quelle.

Vers 2
nityanaimittikī pūjā kāmyā veme'thavā punaḥ |
sarvā niṣphalatāṃ yānti yadyenāṃ na samācaret ||2||

Die regelmäßige, die anlassgebundene und die wunschbezogene Puja: Sie alle werden nach dem Text fruchtlos, wenn man die folgende Verehrung nicht ausführt.

Anmerkung: Beschädigte Verbindungswörter veme'thava, Hauptaussage klar.

Vers 3
damanāropaṇākhyaikā pavitrāropaṇī parā |
pratisaṃvatsaraṃ caite yo na kurvīta sādhakaḥ ||3||

Die eine heißt Damanaropana, das Darbringen von Damana-Pflanzen, die andere Pavitraropana, das Auflegen der Pavitra-Schnüre. Ein Sadhaka, der diese beiden nicht jährlich vollzieht …

Anmerkung: Pavitra zunächst Ritualbezeichnung; genaues Verfahren folgt im Kapitel.

Vers 4
tasya varṣakṛtā pūjā vyarthā bhavati bhāmini |
kṛtāmapi vilumpanti bhūtapretādayo gaṇāḥ ||4||

… dessen Puja des ganzen Jahres gilt als vergeblich, Schöne. Selbst die bereits vollzogene rauben ihm die Scharen von Bhutas, Pretas und anderen Wesen.

Anmerkung: Religiöse Drohung des Textes, keine Tatsachenzusage.

Vers 5
pratisaṃvatsaraṃ tasmāt kuryād yatnena sādhakaḥ |
damanāropaṇaṃ karma pavitrārohaṇaṃ tathā ||5||

Darum soll der Sadhaka jedes Jahr sorgfältig Damanaropana und Pavitrarohana ausführen.

Anmerkung: Aropana/arohana Varianten im Quellwortlaut nicht vereinheitlicht.

Parvati bittet um Kamas Wiederkehr

Die Ursprungserzählung setzt nach der Hochzeit Shivas und Parvatis ein.

Vers 6
purā purāriṇā sadyaḥ kāme bhasmīkṛte priye |
jāte vivāhe pārvatyā nivṛtte kautuke tathā ||6||

Einst hatte Purari Kama zu Asche verbrannt, Geliebte. Nachdem die Hochzeit mit Parvati stattgefunden hatte und die Feier vorüber war …

Vers 7
svasvasthānaṃ prayāteṣu sarveṣu tridaśeṣvatha |
himālayakṛtāvāsaṃ navodvāhamudanvitam ||7||

… und alle Götter an ihre eigenen Orte zurückgekehrt waren, [sah Parvati Shiva] im Himalaya wohnen, erfüllt von der Freude der Vermählung …

Vers 8
mahānurāgiṇaṃ matvātmani devī himādrijā |
rahasi prāha giriśaṃ madanāviṣṭacetasam ||8||

… und erkannte seine große Liebe zu ihr. Im Verborgenen sprach die aus dem Himalaya geborene Göttin zum Bergherrn, dessen Geist von Liebe erfüllt war.

Anmerkung: Erwachsenes göttliches Ehepaar.

Sprecherzeile
pārvatyuvāca |

Parvati sprach:

Parvatis Bitte

Parvati verbindet ihre Bitte um die Wiederbelebung des Liebesgottes mit der Freude des gemeinsamen Lebens.

Vers 46 [Quellzählung an Position 9]
ekaṃ vijñaptumicchāmi prāṇanātha maheśvara |
āsthāya paramaṃ yogaṃ yogīndreṇa tvayā prabho ||46||

Eines möchte ich vorbringen, Herr meines Lebens, Maheshvara: Du, Herr der Yogis, hattest dich in den höchsten Yoga versenkt und, o Herr …

Anmerkung: Quellziffer 46 an Position 9.

Vers 10
āvāṃ bubhukṣurmadano dagdho nayanavahninā |
kimarthaṃ pariṇītāhamatha bhogaṃ samutsṛjatā ||10||

… den Liebesgott, der uns beide begehren beziehungsweise vereinen wollte, durch das Feuer deines Auges verbrannt. Warum hast du mich dann geheiratet, wenn du den Genuss aufgibst?

Anmerkung: Hauptzeuge bubhukshu „begehren/verschlingenwollend“auffällig;FußnoteZeugenga yuyukshu „vereinigenwollend“, ausdrücklich als Alternative, nicht still ersetzt.

Vers 11
āvayoḥ kiṃ sukhaṃ tasmin mṛte rativivardhane |
yadyasi tvaṃ mayā sārdhaṃ cikīrṣuḥ kelimuttamām ||11||

Welche Freude bleibt uns beiden, wenn er tot ist, der die Liebeslust mehrt? Wenn du mit mir das höchste Liebesspiel genießen möchtest …

Vers 12
sañjīvaya tadā kāmaṃ prītaye mama dhūrjaṭe |
śrutvetthaṃ girijāvākyaṃ ratilīlāsukhāvaham ||12||

… dann belebe Kama wieder, um mich zu erfreuen, Dhurjati! Als Bhava diese Worte Girijas hörte, die Freude am Liebesspiel verhießen …

Vers 13
smitaṃ vidhāya provāca mānayan preyasīṃ bhavaḥ |
īdṛśī yadi te śraddhā kāmasañjīvane śriye ||13||

… lächelte er und sprach, seine Geliebte ehrend: Wenn du solchen Wunsch nach Kamas Wiederbelebung zu unserem Gedeihen hast …

Anmerkung: Sprecherzeile steht in der Quelle zwischen den Halbversen; beide Halbverse als vorhandener Verszusammenhang übersetzt, Sprecherzeile anschließend separat dokumentiert.

Sprecherzeile
śrībhagavānuvāca |

Der ehrwürdige Herr sprach:

Anmerkung: In der Quelle innerhalb vonVers 13 vor dessen zweitem Halbvers; im Vers selbst durch „sprach“und direkte Rede erkennbar.

Vers 14
na dāsyasi ratiṃ cāpi taṃ vinā ced girīndraje |
eṣa sañjīvayāmyenaṃ prītaye tava pārvati ||14||

… und wenn du ohne ihn keine Liebe gewähren willst, Tochter des Bergkönigs, dann werde ich ihn jetzt dir zuliebe wiederbeleben, Parvati.

Vers 15
khyātiṃ prakhyāpayiṣyāmi tavānena ca karmaṇā |
vidhāsyāmi tathā cānyāṃ vyavasthāṃ bhuvanatraye ||15||

Durch diese Tat werde ich deinen Ruhm verbreiten und zugleich eine weitere Ordnung in den drei Welten festsetzen.

Der Zeitpunkt der Wiederbelebung

Shiva bestimmt den rituellen Kalendertag und lässt Frühlingsblumen herbeibringen.

Vers 16
adyottarāphalgunībhaṃ tithiścāpi trayodaśī |
śuklaḥ pakṣaścaitramāso yogo vṛddhistathaiva ca ||16||

Heute steht der Mond unter Uttara-Phalguni; es ist der dreizehnte Mondtag der hellen Hälfte im Monat Chaitra, und der Yoga heißt Vriddhi.

Anmerkung: Traditionelle Kalenderkonstellation, keine aktuelle Terminberechnung.

Vers 17
srakṣyāmi mṛtamapyenaṃ mude tava mamāpi ca |
pūjākāle madhumāsapuṣpairevāsya vigraham ||17||

Auch wenn er tot ist, werde ich ihn zu deiner und meiner Freude neu erschaffen. Zur Puja-Zeit werde ich aus den Blumen des Frühlingsmonats seine Gestalt …

Vers 18
saṅkalpya racayiṣyāmi paśyantyāstava pārvati |
ityuktvājñāpya gaṇapānānāyya kusumāni ca ||18||

… entwerfen und bilden, während du zusiehst, Parvati. Nach diesen Worten befahl er den Anführern seiner Scharen, Blumen herbeizubringen …

Kamadevas Blumenleib

Die einzelnen Körperteile werden verschiedenen Blüten und Pflanzen zugeordnet.

Vers 146 [Quellzählung an Position 19]
kāmaṃ sañjīvayāmāsa tattadaṅgaṃ prakalpya saḥ |
sarvaṃ śarīraṃ damanairvadanaṃ kamalena ca ||146||

… und belebte Kama, indem er seine einzelnen Glieder gestaltete: den ganzen Körper aus Damana, das Gesicht aus einem Lotus …

Anmerkung: Quellziffer 146 an Position 19; Damana Pflanzenname, botanische Art nicht festgelegt.

Vers 20
nāsāṃ campakapuṣpeṇa dṛśau kuvalayena ca |
mallikābhiḥ kapolau dvau yūthībhiralikaṃ tathā ||20||

… die Nase aus einer Champaka-Blüte, die Augen aus blauen Wasserlilien, die beiden Wangen aus Mallika-Jasmin und die Stirn aus Yuthi-Blüten …

Vers 21
dvau karṇau karavīraiśca pāṭalābhirhanudvayam |
mādhavībhirjatruṇī dve śirīṣairgaṇḍayoryugam ||21||

… die beiden Ohren aus Karavira, die Kieferseiten aus Patala, die beiden Schlüsselbeine aus Madhavi und das Wangenpaar aus Shirisha …

Anmerkung: Wangenbereits20, Wiederholungnichtwegkorrigiert.

Vers 22
nāsāpuṭe dve vakulaiḥ karṇikārairgalastathā |
cūtāṅkurairbāhuyugaṃ keśapāśaḥ kuruṇṭakaiḥ ||22||

… die beiden Nasenöffnungen aus Vakula, den Hals aus Karnikara, die Arme aus Mangosprossen und das Haar aus Kuruntaka …

Anmerkung: Pflanzennamen im Zweifel bewahrt.

Vers 23
kāñcanārairaṃsayugaṃ kundaiḥ kukṣiyugaṃ tathā |
vakṣaḥsthalamaśokaiśca jaṭharaṃ ketakīdalaiḥ ||23||

… die beiden Schultern aus Kanchanara, die Bauchseiten aus Kunda, die Brust aus Ashoka und den Bauch aus Ketaki-Blättern …

Vers 24
pārśvadvayaṃ jātibhiśca vaṅkṣaṇaṃ kiṃśukairapi |
śatapatrairūruyugaṃ dve jaṅghe javayā tathā ||24||

… die beiden Flanken aus Jati, die Leistenregion aus Kimshuka, die Oberschenkel aus hundertblättrigen Lotusblüten und die Unterschenkel aus Java-Blüten …

Anmerkung: Java=Hibiskus; keine erotische Ausschmückung der Blumenleib-Schöpfung.

Vers 25
pārijātairmaruvakaiḥ kadambairbandhujīvakaiḥ |
aṅgopāṅgāni sarvāṇi pratyekaṃ kusumairbhavaḥ ||25||

Mit Parijata, Maruvaka, Kadamba und Bandhujivaka gestaltete Bhava alle Haupt- und Nebenglieder einzeln aus Blüten …

Vers 26
cakāra kāmadevasya samagraṃ tu kalevaram |
damanaiḥ kalpayāmāsa śarāṃścāpi śarāsanam ||26||

… so den gesamten Leib Kamadevas. Aus Damana schuf er auch die Pfeile und den Bogen …

Gefährten und Wiederbelebung

Rati, Priti, Frühling und weitere Begleiter treten mit Kama wieder ins Leben.

Vers 27
vasantaṃ kokilān bhṛṅgān malayānilameva ca |
ratiṃ ca vāmadigbhāge prītiṃ dakṣiṇatastathā ||27||

… den Frühling, Kokilas, Bienen und den Malaya-Wind, Rati an seiner linken und Priti an seiner rechten Seite.

Vers 28
prakalpya bhagavānīśo mṛtasañjīvanīṃ manum |
gṛṇan sañjīvayāmāsa svaśaktyā pramathādhipaḥ ||28||

Nachdem er dies gestaltet hatte, sprach der erhabene Herr der Pramathas den Mritasanjivani-Mantra und belebte ihn durch seine eigene Kraft wieder.

Anmerkung: Mantra nurbenannt, nichtausgeschrieben,keineLautfolgeergänzt.

Vers 26 [Quellzählung an Position 29]
sañjīvitaḥ samutthāya svasahāyasamanvitaḥ |
umāmaheśvarau bhaktyā nanāma bhuvi daṇḍavat ||26||

Wiederbelebt erhob sich Kama mit seinen Begleitern und verneigte sich voller Hingabe ausgestreckt auf der Erde vor Uma und Maheshvara.

Anmerkung: Quellnummer 26 an Position 29.

Vers 20 [Quellzählung an Position 30]
vijñāpayāmāsa tathā prāptadehaḥ smaro haram |
kiṃ kartavyaṃ mayā deva tadanujñātumarhasi ||20||

Smara, der seinen Körper zurückerhalten hatte, fragte Hara: Was soll ich tun, Gott? Bitte erteile mir deine Weisung!

Anmerkung: Quellnummer 20 an Position 30.

Shivas Weisung an Kama

Kama erhält seinen Auftrag und den nach ihm benannten Festtag.

Vers 31
uvāca taṃ maheśāno bhaktipraṇatakandharam |
trijaganmohayan nityaṃ pauṣpeṇa dhanuṣā smara ||31||

Maheshana sprach zu ihm, dessen Nacken sich in Hingabe neigte: Smara, bezaubere stets die drei Welten mit deinem Blumenbogen …

Vers 32
vicara svecchayaitābhiḥ śaktibhiḥ parivāritaḥ |
maitrībhūtasahasraiśca tathā'mībhirapi dhruvam ||32||

… und ziehe nach Belieben umher, umgeben von diesen Shaktis und den tausend dir freundschaftlich verbundenen Wesen …

Anmerkung: Maitribhuta Wortgliederung vorläufig, keine zusätzliche BegleitgöttinMaitri eingefügt.

Vers 33
mohayan yuvatīryūnaḥ śaraiḥ pañcavidhaiḥ sadā |
mattaḥ kalevaraṃ labdhaṃ tvayā devyāḥ prasādataḥ ||33||

… indem du junge Frauen und Männer stets mit deinen fünferlei Pfeilen bezauberst. Durch die Gnade der Göttin hast du von mir deinen Körper erhalten.

Anmerkung: Yuvati/yuvan erwachsene jungeFrauen/Männer; keinMinderjährigenaltergenannt.

Das Ananga-Fest

Der Text beschreibt die Gaben und ausgelassenen Feiern des Liebesgottes.

Vers 34
iyaṃ tithiranaṅgākhyā tava nāmnā bhaviṣyati |
tvāmasyāṃ ye'rcayiṣyanti gandhapuṣpādivistaraiḥ ||34||

Dieser Mondtag wird nach deinem Namen Ananga heißen. Wer dich an ihm mit reichlichen Duftstoffen, Blumen und anderen Gaben verehrt …

Vers 35
naivedyadhūpadīpādyairgītavādyādinartanaiḥ |
aślīlavacanākṣepairmādakadravyabhojanaiḥ ||35||

… mit Speisen, Räucherwerk, Lichtern, Gesang, Instrumentalmusik und Tanz, mit obszönen Zurufen und dem Genuss berauschender Stoffe …

Anmerkung: Historische Festbeschreibung ohne modernePraxisempfehlung.

Vers 36
yoniliṅgādiśabdānāṃ pralāpairhāsyakārakaiḥ |
tattadākāravacanairmahotsavasamanvitaiḥ ||36||

… mit scherzhaften Reden über Yoni, Linga und ähnliche Dinge, mit entsprechenden Darstellungen und Worten, begleitet von einem großen Fest …

Anmerkung: Linga=Penis/phallischesZeichen; allgemeineserwachsenesFest.

Vers 37
tvaṃ varānīpsitān dadyāsteṣāṃ madvacanāt smara |
tatpare'hani matpūjā vistāryā makaradhvaja ||37||

… denen gewähre auf mein Wort hin die ersehnten Segensgaben, Smara! Am darauffolgenden Tag soll meine Puja ausgedehnt vollzogen werden, Makaradhvaja.

Vers 38
ityuktvā saṃvisṛjyāmuṃ savasantaratiṃ haraḥ |
umāmuvāca pārśvasthāṃ vihasan mānayaṃśca tām ||38||

Nach diesen Worten entließ Hara ihn zusammen mit Vasanta und Rati. Lächelnd und ehrerbietig sprach er zu Uma an seiner Seite:

Die jährliche Damana-Verehrung

Shiva begründet das Darbringen der Damana-Pflanzen als Verehrung der Göttin.

Vers 36 [Quellzählung an Position 39]
devi tvadvākyamātreṇa mayā sañjīvitaḥ smaraḥ |
tavāpi nāma bhuvane khyāpayiṣyāmi sundari ||36||

Göttin, allein auf dein Wort hin habe ich Smara wiederbelebt. Auch deinen Namen werde ich in der Welt bekannt machen, Schöne.

Anmerkung: Quellnummer 36 an Position 39.

Vers 40
kāmadevaśarīrākhyairdamanairadhivāsitaiḥ |
paṅkaropitamūlaiśca tvāmarciṣyanti ye narāḥ ||40||

Menschen, die dich mit geweihten Damana-Pflanzen verehren, deren Wurzeln in feuchte Erde gesetzt sind und die als Kamadevas Körper gelten …

Anmerkung: Adhivasita rituellvorbereitet/geweiht, kein bloß botanischerDuftzusatz.

Vers 41
teṣāṃ tvayi kṛtā pūjā vārṣikī saphalā bhavet |
damanāropaṇaṃ karma na kṛtaṃ yaiḥ pramādataḥ ||41||

… deren dir im Jahreslauf dargebrachte Puja soll Frucht tragen. Wer aber aus Nachlässigkeit das Damanaropana nicht vollzieht …

Vers 42
śubhāni nāśayitvaiṣāmaśubhāni pradāsyasi |
tvadīyāśca gaṇāḥ sarve hariṣyantyābdikārcanam ||42||

… dessen Glück wirst du zerstören und ihm Unheil geben; deine Scharen werden ihm die ganze Jahresverehrung rauben.

Anmerkung: HistorischeGöttinnendrohung quellentreu, nichtalsTatsachebehauptet.

Vers 43
yathā te śāradīyārcā nityā kṣemapradāyinī |
damanāropaṇaṃ cādastathā bhavatu bhūtale ||43||

So wie deine Herbstverehrung verpflichtend und heilbringend ist, so soll auch dieses Damanaropana auf Erden sein.

Vers 44
ityuktvā tāṃ priyāṃ śambhuḥ kareṇādāya sasmitām |
rahaḥśṛṅgaṃ himādrestadāruroha mudānvitaḥ ||44||

Nach diesen Worten nahm Shambhu seine lächelnde Geliebte bei der Hand und stieg voller Freude mit ihr auf einen abgeschiedenen Gipfel des Himalaya.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Anmerkung: NachVers 44 beginnt dieRückkehrzumRituallehrgespräch.

Die richtige Jahreszeit

Mahakala grenzt die zugelassenen Jahreszeiten von der Regenzeit und den späteren Monaten ab.

Vers 45
damanāropaṇaṃ karma tataḥ prabhṛti sundari |
sthitamāvaśyakatayā kartavyatvena ca priye ||45||

Seit jener Zeit, Schöne, gilt Damanaropana als notwendige Pflicht, Geliebte.

Vers 46
kālastadīyo mukhyastu śuklaḥ pakṣo madhormataḥ |
madhyamo mādhavo jyeṣṭhaḥ śucistvadhama ucyate ||46||

Seine beste Zeit ist die helle Hälfte des Monats Madhu. Madhava und Jyeshtha gelten als mittlere Möglichkeiten, Shuchi als die geringste.

Anmerkung: HistorischeMonatsnamen, keine heutigenKalenderdatenbehauptet.

Vers 47
cāturmāsye praviṣṭe tu yaḥ kuryād dāmanaṃ vidhim |
na tasya durmateḥ siddhirviparītaṃ ca jāyate ||47||

Wer das Damana-Ritual nach Beginn der viermonatigen Regenzeit vollzieht, erreicht nach dem Text keine Erfüllung; für diesen Unverständigen entsteht vielmehr das Gegenteil.

Anmerkung: Quellenurteil,keineBewertungdurchdieAusgabe.

Vers 48
bhūtāḥ pretāḥ pranṛtyanti kṣudhāsaṃpīḍitodarāḥ |
asmākaṃ bhāgyayogena cetkaścit sādhakādhamaḥ ||48||

Bhutas und Pretas, vom Hunger im Bauch bedrängt, tanzen und sagen: „Wenn zu unserem Glück ein besonders schlechter Sadhaka …“

Vers 46 [Quellzählung an Position 49]
supte janārdane kuryād damanāropaṇaṃ vidhim |
tadā vayaṃ vilumpāmo bhakṣayāmo'rcanaṃ ca tat ||46||

„… das Damanaropana vollzieht, während Janardana schläft, dann rauben und verzehren wir seine Verehrung.“

Anmerkung: Quellnummer 46 an Position 49; SchlafVishnusalsrituellerJahreszeitenbezug.

Vers 50
ato vasante śiśire grīṣme kuryādamuṃ vidhim |
naiva varṣāsu śaradi hemantartau na ca śriye ||50||

Darum vollziehe man diesen Ritus im Frühling, im Spätwinter oder im Sommer, zum Gedeihen, jedoch nicht in der Regenzeit, im Herbst oder im Frühwinter.

Vers 51
tasmādṛtutraye pūrvodite damanakārcanam |
na parartutraye kāryaṃ devīprītiṃ vidhitsatā ||51||

Wer die Göttin erfreuen möchte, vollziehe die Damana-Verehrung also in den zuerst genannten drei Jahreszeiten, nicht in den anderen drei.

Vorbereitung am Vorabend

Damana wird gewaschen, bereitgelegt und durch einen Sankalpa der Jahresverehrung gewidmet.

Vers 52
atha prayogaṃ kalaya devyai tasya viśeṣataḥ |
damanāropaṇākhyasya karmaṇaḥ sāṅgatākṛtaḥ [m] ||52||

Höre nun im Einzelnen das Verfahren des Damanaropana für die Göttin, durch das die rituelle Handlung vollständig wird.

Anmerkung: Schlussformsaṅgatākritaḥ[ṃ]inderQuelleschwankend, SinnVervollständigungklar.

Vers 53
atha pūrvadine sāyaṃ rātrau vātha mahāniśi |
samūlāmagraṃ damanakamānāyya kṣālayejjalaiḥ ||53||

Am Vorabend, nachts oder zur tiefen Nacht bringe man Damana samt Wurzel und Spitze herbei und wasche es mit Wasser.

Anmerkung: Samulamagram grammatischeEndungenbeschädigt, Wurzel/Spitzedeutlicherkennbar.

Vers 54
pīṭhopari ca saṃsthāpya muṣṭimātrādhikaṃ sadā |
adhivāsanakarmāṅgabhūtaṃ saṅkalpamācaret ||54||

Man lege eine mehr als faustgroße Menge auf einen Sitz und fasse den Sankalpa als Bestandteil der Adhivasa-Vorbereitung …

Anmerkung: MaßmushtimatradhikaaufPflanzenmenge/Höhebeziehbar, keineexakteLängenfestlegung.

Vers 55
rāśitithyādikaṃ procya vartamānatayā sthitam |
vārṣikārcāsamāptyarthaṃ śvaḥ kartavyasya karmaṇaḥ ||55||

… wobei man das gegenwärtige Tierkreiszeichen, den Mondtag und die weiteren Zeitangaben nennt: „Zur Vollendung der Jahresverehrung werde ich für die morgen auszuführende Handlung …“

Vers 56
damanāropaṇākhyasyāṅgabhūtamadhivāsanam |
kariṣya iti saṅkalpya pañcāyatanamarcayet ||56||

„… des Damanaropana die zugehörige Adhivasa-Vorbereitung vollziehen.“ Nach diesem Sankalpa verehre man die fünf Gottheiten des Panchayatana.

Anmerkung: SankalpaOriginalinHalbversen, keineDatumsplatzhalterergänzt.

Kali, Kama und Adhivasa

Die Göttin, der Liebesgott und die Pflanzen werden in einer festen Reihenfolge verehrt.

Vers 57
upacāraiḥ ṣoḍaśabhistataḥ kālīṃ prapūjayet |
kāmaṃ ca vidhinā dhyātvā yathāśakti prapūjayet ||57||

Danach verehre man Kali mit sechzehn Opferdiensten, meditiere vorschriftsgemäß über Kama und verehre ihn nach den eigenen Möglichkeiten.

Vers 58
tataḥ pratyekamuditairvastubhistatkrameṇa hi |
tattanmantraṃ paṭhan dhīro damanānyadhivāsayet ||58||

Dann weihe der Besonnene die Damana-Pflanzen der Reihe nach mit den einzelnen genannten Gegenständen, während er die jeweiligen Mantras spricht.

Vers 586 [Quellzählung an Position 59]
ekaikaṃ vastu saṃgṛhya sparśayed damanaṃ śanaiḥ |
tato devīṃ ca tenaiva krameṇa manunāpi ca ||586||

Man nehme jeden Gegenstand einzeln, berühre damit behutsam das Damana und danach die Göttin, in derselben Reihenfolge und mit demselben Mantra.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 586 an Position 59.

Vers 60
sarvaśeṣe tu vastūni tānyekīkṛtya sādhakaḥ |
kṛtvaikabhājanasthāni sarvaśeṣe tu lambhayet ||60||

Ganz am Schluss vereinige der Sadhaka alle Gegenstände in einem Gefäß und lasse sie gemeinsam berühren.

Anmerkung: Berührungsobjekteaus 59,Damana/Göttin,nichtneuaufgeführt.

Die Gegenstände der Vorbereitung

Der Text zählt die Materialien für das Berühren und Weihen einzeln auf.

Vers 61
kramatastvatha vastūni śṛṇuṣvāvahitā mama |
śaṅkho varāharomāṇi dhānyaṃ potriradastathā ||61||

Höre aufmerksam die Gegenstände in ihrer Reihenfolge: Muschel, Schweineborsten, Getreide und Eberhauer …

Vers 62
mṛttikā candanaṃ gorocanā kastūryapi priye |
karpūraṃ kuṅkumaṃ dūrvā tiktatailaṃ sugandhyapi ||62||

… Erde, Sandelholz, Gorochana, Moschus, Geliebte, Kampfer, Safran, Durva-Gras, bitteres Öl und Duftstoff …

Vers 63
tato'pi peṣaṇadṛṣat sindūraṃ kajjalaṃ punaḥ |
haridrā svastikaṃ yāvo dadhidugdhākṣatāni ca ||63||

… Mahlstein, Sindura, Augenschminke, Kurkuma, Svastika, roter Lack, Dickmilch, Milch und ungebrochene Reiskörner …

Anmerkung: Yava/yavoalsroterLackvorläufig; Sanskrit यावोstatt Gersteयव. SvastikaGegenstand/Formhierunbestimmt.

Vers 64
phalaṃ puṣpaṃ ca mālā ca dhūpadīpau havirmadhu |
śvetasūtraṃ suvarṇaṃ ca rajataṃ ratnameva ca ||64||

… Frucht, Blume, Girlande, Räucherwerk, Licht, Ghee, Honig, weißer Faden, Gold, Silber und Edelstein …

Anmerkung: HavisKontextOpferfett/Ghee, allgemeinOpferspeisemöglich.

Vers 65
tataḥ siddhārthakādarśau viśikhaṃ cāsiputrikā |
ṣaṭtriṃśanmitametatsyādadhivāsanakarmaṇi ||65||

… ferner weiße Senfkörner, Spiegel, Pfeil und ein kleines Messer. Diese werden für die Adhivasa-Handlung als sechsunddreißig gezählt.

Vers 66
saptatriṃśattamaṃ coktaṃ vandanaṃ sārvavāstavam |
athāmīṣāṃ manūn vakṣye vastūnāṃ lambhane priye ||66||

Als siebenunddreißigstes ist das gemeinsame Vandana für alle Gegenstände genannt. Nun erkläre ich die Mantras, mit denen man sie berühren lässt, Geliebte.

Anmerkung: VandanaVerehrung/Grußritus; sarvavastavaaufalleGegenständebezogen.

Mantras der einzelnen Gegenstände

Unterschiedliche Bijas und ein gemeinsamer Abschluss kennzeichnen die Formeln.

Vers 67
ekaikaṃ kramaśo bījaṃ bhinnabhinnaṃ puraḥ sthitam |
śeṣe'straṃ niścalaṃ jñeyaṃ mantrāḥ syurvandanaṃ vinā ||67||

Je ein unterschiedliches Bija steht der Reihe nach am Anfang, am Ende unverändert Astra. So lauten die Mantras, mit Ausnahme des Vandana-Mantras.

Vers 68
māyā maidhaṃ ramā medho vadhūḥ pāśastataḥ param |
prāsādo gāruḍaḥ kṣetrapālaḥ somo ratistathā ||68||

[Die Bijas sind:] Maya, Maidha, Rama, Medha, Vadhu, Pasha, Prasada, Garuda, Kshetrapala, Soma und Rati …

Anmerkung: Maidha/MedhaQuellunterscheidungbewahrt,keineHarmonisierung.

Vers 66 [Quellzählung an Position 69]
narasiṃho yoginī ca ḍākinī kūrca eva ca |
kalpamāpretakāmāśca karṇikāhāraśṛṅkhalāḥ ||66||

… Narasimha, Yogini, Dakini, Kurcha, Kalpa, Ma, Preta, Kama, Karnika, Hara und Shrinkhala …

Anmerkung: Quellnummer 66 an Position 69; Kalpa/MaKompositumgliederungvorläufig, DecknamennichtinLauteaufgelöst.

Vers 70
mekhalādīpaphetkārīkulyaḥ sandīpanī kha [gha]ṭī |
kālarātriśca saṃhāro nāndikavyayasārasāḥ ||70||

… Mekhala, Dipa, Phetkari, Kulya, Sandipani, Khati [Herausgeberalternative: Ghati], Kalaratri, Samhara, Nandika, Vyaya und Sarasa …

Anmerkung: LetzteDecknamengruppeinGliederungunsicher;Quellkorrekturख[घ]टीsichtbarbewahrt.

Vers 71
vidhṛtiḥ śekharaścāpi cindukaḥ sarvaśeṣakaḥ |
atha vāndanikaṃ mantraṃ caramasthaṃ bravīmi te ||71||

… Vidhriti, Shekhara und zuletzt Chinduka. Nun nenne ich dir den abschließenden Vandana-Mantra.

Anmerkung: ChindukaungewöhnlicherDeckname, nichtstillzuBindukageändert.

Der Vandana-Mantra

Die abschließende Formel bittet um Wachstum, Erfüllung und glückverheißende Gegenwart.

Vers 72
tāramaidhatrapākāmavadhūprāsādavidyutaḥ |
śākinī ḍākinī ceti nava bījāni sammukhe ||72||

Am Anfang stehen neun Bijas: Tara, Maidha, Trapa, Kama, Vadhu, Prasada, Vidyut, Shakini und Dakini.

Vers 73
ṛddhaḥ samṛddho vṛddhaśca tripadyā bhava kīrtayet |
śubhāni tu upa procya tiṣṭhantāmiti kīrtayet ||73||

Mit den drei Wörtern „riddha“, „samriddha“, „vriddha“ verbinde man jeweils „bhava“: „Sei gedeihend, sei reich erfüllt, sei gewachsen!“ Dann spreche man „shubhani upatishthantam“ – „Möge Heil sich einstellen!“

Anmerkung: Befehlszuordnungbhavazuallen3Wörternaus„tripadya“erschlossen.

Vers 74
sandhiyuk tārataścāpi pratiṣṭha śīrṣa eva ca |
evaṃ gandhādhivāsākhyaṃ nirvartya damanasya hi ||74||

Danach folgen, durch Sandhi verbunden, Tara, „pratishtha“ und Haupt. Nachdem man so das Gandhadhivasa genannte Verfahren am Damana ausgeführt hat …

Anmerkung: PratishthaexakteMantrafunktionunsicher;keineerfundeneLautergänzung.

Acht Pfeile und Schutzschnüre

Die Richtungen werden markiert und mit dreifarbigen Schnüren verbunden.

Vers 75
tathaiva karma kurvīta devyā yantre'thavā tanau |
tato'ṣṭau viśikhān kṛtvā sapatākān varānane ||75||

… vollziehe man dasselbe am Yantra oder Körperbild der Göttin. Dann versehe man acht Pfeile mit kleinen Fahnen, Schönangesichtige …

Anmerkung: TanuLeibhierKultträgerderGöttin,keinmenschlichesOpferhinzugedacht.

Vers 76
nikhanedaṣṭadigbhāge phaṃ hūṃ phaḍiti mantrakaiḥ |
trivarṇarājibhistrighnaṃ raktapītāsitābhidhaiḥ ||76||

… und stecke sie in den acht Richtungen mit dem Mantra „pham hum phat“ in die Erde. Mit dreifarbigen Schnüren – rot, gelb und schwarz – …

Anmerkung: BijasIASTimSanskritphaṃhūṃphaṭ, keinewörtlicheBedeutung; trighnamdreifachimFolgeversbezogen.

Vers 77
tantubhirveṣṭayed bāṇāṃstairetairdamanaṃ punaḥ |
dadyāttato dhūpadīpabalīnmantraiḥ pṛthak pṛthak ||77||

… umwinde man die Pfeile dreimal und damit auch das Damana. Danach bringe man Räucherwerk, Licht und Bali dar, jeweils mit einem eigenen Mantra.

Räucherwerk und Licht

Zwei verwandte Formeln widmen die Gaben Madana im Damana-Leib.

Vers 78
caitanyād rāvayugalaṃ yugaṃ kūrcāstriyorapi |
eṣa dhūpa iti procya madanāya itīrayet ||78||

Nach Chaitanya folgen zweimal Rava sowie die doppelte Folge Kurcha und Astra beziehungsweise Stri. Dann spreche man „esha dhupo madanaya“ – „Dieses Räucherwerk [ist] für Madana“ …

Anmerkung: KurchastriyohDecknamengliederungunsicher,nichtentschlüsselt.

Vers 746 [Quellzählung an Position 79]
damanātmana ullikhya namaḥ svāhāntime vadet |
nivedya dhūpametena tato dīpaṃ nivedayet ||746||

… „damanatmane“ – „dessen Wesen Damana ist“ – und am Ende „namah svaha“. Nachdem man mit diesem Mantra das Räucherwerk dargebracht hat, bringe man das Licht dar.

Anmerkung: Quellziffer 746; Quellformdamanatmanaḥ/Dativsandhidamanātmaneunsicher, FunktionalsAnrededarbringungklar.

Vers 80
tāraprāsādāstrabījāt kālīstisraḥ samuddharet |
eṣa dīpa iyān bhedaḥ sarvamanyat puroktavat ||80||

Nach den Bijas Tara, Prasada und Astra füge man dreimal Kali hinzu. Dazu heißt es „esha dipah“ – „Dieses Licht“. Nur hierin besteht der Unterschied; alles andere ist wie zuvor.

Anmerkung: KaliimOCRphali/kaliunsicher, LesungKaliDecknamevorläufig.

Die Bali-Mischung

Getreide und Hülsenfrüchte bilden die Gabe für die acht Richtungen.

Vers 81
masūramāṣagodhūmayavataṇḍulaśālayaḥ |
sarājamāṣacipiṭā baleyā ekatāṃ gatāḥ ||81||

Linsen, Masha-Bohnen, Weizen, Gerste, geschälter Reis, Shali-Reis, Rajamasha-Bohnen und flachgedrückter Reis werden für das Bali miteinander vermischt …

Anmerkung: MehrereReisbegriffegetrennterhalten.

Anrufungen der Richtungswesen

Die wiederholten Gebete bitten die Begleitwesen um Annahme des Bali und Schutz der Pflanzen.

Vers 82
aṣṭadikṣu pradātavyāḥ śaramūlasya sannidhau |
prācyāśāvāsino raudrāḥ siddhīnāṃ paripanthinaḥ ||82||

… und in den acht Richtungen neben den unteren Enden der Pfeile dargebracht. „Ihr Schrecklichen, die ihr im Osten wohnt und den Siddhis entgegensteht …“

Anmerkung: BeginnRichtungsgabenmantras.

Vers 83
kṣetrapālā gadāhastā bhūcarāḥ khecarāstathā |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||83||

„… Kshetrapalas mit Keulen in den Händen, die ihr auf der Erde und im Luftraum umherzieht: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Vers 84
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
dakṣiṇāśāsthitāḥ sarve vaṭukā ye prakīrtitāḥ ||84||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert! Ihr sämtlichen Vatukas, die ihr als Bewohner des Südens genannt werdet …“

Vers 85
devīpūjāsu sarvatra nityaṃ sannihitā hi me |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||85||

„… die ihr bei meinen Göttinnen-Pujas überall stets gegenwärtig seid: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Vers 86
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
bhairavā ye mahāghorāḥ pratīcyāśānivāsinaḥ ||86||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert! Ihr überaus schrecklichen Bhairavas, die ihr im Westen wohnt …“

Vers 87
devyā anucaratvena khyātā aṣṭau mahābalāḥ |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||87||

„… ihr acht Kraftvollen, die ihr als Begleiter der Göttin bekannt seid: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Vers [=८; beschädigt] [Quellzählung an Position 88]
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
gaṇānāmadhipā ye syuruttarāśānivāsinaḥ ||88||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert! Ihr Anführer der Scharen, die ihr im Norden wohnt …“

Anmerkung: Quellzifferbeschädigt„=८“, Position 88hinreichendsicher,Anzeigeentsprechend.

Vers 86 [Quellzählung an Position 89]
gajānanā mahākāyā ye ca vighnavidhāyinaḥ |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||86||

„… mit Elefantengesichtern und gewaltigen Körpern, die ihr Hindernisse bereitet: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Anmerkung: Quellnummer 86 an Position 89.

Vers 0 [Quellzählung an Position 90]
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
āgneyavidiśāvāsā yoginyo yā bhayaṅkarāḥ ||0||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert! Ihr furchterregenden Yoginis, die ihr in der südöstlichen Zwischenrichtung wohnt …“

Anmerkung: Quellziffer 0 an Position 90.

Vers 61 [Quellzählung an Position 91]
devyāḥ pāriṣadībhūtāḥ pūjābhāginya eva ca |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||61||

„… dem Gefolge der Göttin angehörend und am Anteil der Puja beteiligt: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Anmerkung: Quellnummer 61 an Position 91, Satzgeht92weiter.

Vers 62 [Quellzählung an Position 92]
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
nairṛtyāṃ vidiśi proktā ḍākinyo yā bhayapradāḥ ||62||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert! Ihr furchterregenden Dakinis, die ihr in der südwestlichen Zwischenrichtung genannt werdet …“

Anmerkung: Quellnummer 62 an Position 92.

Vers 63 [Quellzählung an Position 93]
devīpūjāvalumpinya asṛkpā vighnadāstathā |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||63||

„… die ihr Göttinnen-Pujas raubt, Blut trinkt und Hindernisse bereitet: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Anmerkung: Quellnummer 63 an Position 93.

Vers [ई४; beschädigt] [Quellzählung an Position 94]
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
yāścāmuṇḍāḥ koṭisaṃkhyā vāyavyāṃ vidiśi sthitāḥ ||64||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert! Ihr zehn Millionen Chamundas in der nordwestlichen Zwischenrichtung …“

Anmerkung: BeschädigteQuellzifferई४ an Position 94.

Vers 65 [Quellzählung an Position 95]
karālavadanā ghorāḥ śmaśānavihitālayāḥ |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||65||

„… schreckensgesichtig, furchtbar, auf der Leichenstätte wohnend: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Anmerkung: Quellnummer 65 an Position 95.

Vers 66 [Quellzählung an Position 96]
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
asaṃkhyātā mātaro yāḥ paryaṭanti mahītale ||66||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert! Ihr unzähligen Mütter, die ihr über die Erde zieht …“

Anmerkung: Quellnummer 66 an Position 96; NordostenhiernichtausdrücklichimVersgenannt,nichtinFormeleingefügt.

Vers 67 [Quellzählung an Position 97]
andhakāsṛkpāyinyo devyāḥ sannidhimāśritāḥ |
namo mamāstu yuṣmabhyaṃ balireṣa pragṛhyatām ||67||

„… Andhakas Blut trinkend und in der Gegenwart der Göttin verweilend: Meine Verehrung sei euch! Nehmt dieses Bali an …“

Anmerkung: Quellnummer 67 an Position 97.

Vers 68 [Quellzählung an Position 98]
madanasya tanūrūpaṃ damanaṃ parirakṣyatām |
ityaṣṭadikṣu manubhirebhirdadyād baliṃ priye ||68||

„… und schützt das Damana, das Madanas Leib verkörpert!“ Mit diesen Mantras bringe man in den acht Richtungen Bali dar, Geliebte.

Anmerkung: Quellnummer 68 an Position 98.

Schutz während der Nacht

Muscheln, Glocken und brennende Lichter begleiten die nächtliche Verehrung.

Vers 66 [Quellzählung an Position 99]
tataḥ prabhṛti rakṣā ca vidhātavyā prayatnataḥ |
viśeṣato vādanīyāḥ śaṅkhā ghaṇṭāśca tatpuraḥ ||66||

Von da an ist sorgfältig für Schutz zu sorgen. Besonders Muscheln und Glocken sollen davor erklingen.

Anmerkung: Quellnummer 66 an Position 99.

Vers 100
sarvāṃ niśīthinīṃ vyāpya dīpān prajvālayedapi |
ślokānimāṃstato devi baddhāñjalirudīrayet ||100||

Die ganze Nacht hindurch lasse man auch Lichter brennen. Dann spreche man mit gefalteten Händen diese Verse, Göttin:

Acht Strophen an Kandarpa

Der Lobpreis vergegenwärtigt Verbrennung und Wiederbelebung des Liebesgottes.

Vers 101
kandarpa tvaṃ jagatkṣobhakāraka prītidāyaka |
brahmasūno mahābhāga naranārīsukhāvaha ||101||

„Kandarpa, du erschütterst die Welt und schenkst Liebe! Hochbegnadeter Sohn Brahmas, der du Männern und Frauen Freude bringst …“

Vers 102
pitrā śapto'si ca krodhāt tanayāṃ svāmabhīpsatā |
devaiḥ sampreṣitaścāsi tārakasya vadhaiṣibhiḥ ||102||

„… dein Vater, der seine eigene Tochter begehrte, verfluchte dich im Zorn. Die Götter sandten dich aus, weil sie Tarakas Tod herbeiführen wollten …“

Anmerkung: MythischerVerwandtschaftsbezugnichtsexuell ausgeschmückt;keinAltergenannt.

Vers 103
gato'si giriśābhyāsaṃ surakāryacikīrṣayā |
tatra rudreṇa dagdho'si svakīyena dṛgagninā ||103||

„… und du kamst zu Girisha, um das Anliegen der Götter zu erfüllen. Dort wurdest du von Rudra mit dem Feuer seines Auges verbrannt.“

Vers 104
jāte vivāhe pārvatyā vijñapto vṛṣabhadhvajaḥ |
sañjīvayāmāsa sadyastvāṃ kṛtaṃ bhasmasādapi ||104||

„Nach der Hochzeit bat Parvati den Stierbannerträger; sogleich belebte er dich wieder, obwohl du zu Asche geworden warst.“

Vers 105
damanena śarīraṃ te parikalpitavān prabhuḥ |
aṅgānyanyaiḥ prasūnaiste ratiprītisahāyinaḥ ||105||

„Aus Damana gestaltete der Herr deinen Körper, deine Glieder aus anderen Blumen, und gab dir Rati und Priti als Gefährtinnen.“

Vers 106
ahaṃ ca tvāṃ jīvayāmi rudravākyena manmatha |
pikāmramañjarībhṛṅgavasantamalayānilaiḥ ||106||

„Auch ich belebe dich durch Rudras Wort, Manmatha, zusammen mit Kokila, Mangoblütenrispen, Bienen, Frühling und Malaya-Wind …“

Vers 107
taccharīrātmakairetairdamanaiḥ śvastu kālikām |
arcayiṣyāmyābdikārcāparipūrtyarthamīśvara ||107||

„… und werde morgen Kalika mit diesen Damana-Pflanzen verehren, die deinen Leib verkörpern, um die Jahresverehrung zu vollenden, Herr.“

Vers 108
gandhairnānāvidhairdravyairadya tvamadhivāsitaḥ |
śvaste jīvaṃ pradāsyāmi kālikāprītihetave ||108||

„Heute bist du mit Duftstoffen und vielerlei Materialien vorbereitet worden. Morgen werde ich dir Leben verleihen, um Kalika zu erfreuen.“

Nachtwache und Morgen

Festliche Darbietungen gehen in die Vorbereitung des nächsten Tages über.

Vers 1056 [Quellzählung an Position 109]
ityaṣṭau mantrarūpān vai ślokānudgīrayet priye |
damanasya puraścādhivāsitasya surākṛteḥ ||1056||

So spreche man diese acht als Mantras dienenden Verse, Geliebte, vor dem vorbereiteten Damana in Gestalt der Gottheit …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 1056 an Position 109.

Vers 110
gītanṛtyādivādyāni prakurvīta tataḥ param |
rātrau jāgaraṇaṃ cāpi krīḍākautukamaṅgalaiḥ ||110||

… und lasse anschließend Gesang, Tanz und Instrumentalmusik stattfinden. Die Nacht verbringe man wach, mit Spiel, Festfreude und glückverheißenden Handlungen.

Vers 111
tataḥ prabhāte utthāya kṛtanityakriyāṃ nijām |
kṛtārcāsambhṛtiḥ pūjāmaṇḍapaṃ samupāviśet ||111||

Am Morgen stehe man auf, vollziehe die eigenen regelmäßigen Verrichtungen, bereite die Puja-Materialien vor und betrete den Verehrungspavillon.

Sankalpa und Erde

Das neue Erdgefäß und der gereinigte Boden werden vorbereitet.

Vers 112
mūrtiyantrālayādīni kuryādujjvalitāni hi |
saṅkalpaṃ pūrvavat kuryāt tadanantaramīśvari ||112||

Kultbild, Yantra, Heiligtum und alles Weitere bringe man zum Glänzen. Danach fasse man wie zuvor den Sankalpa, Herrin:

Vers 113
damanāropakarmāhaṃ kariṣya iti collikhet |
mṛtpātraṃ mṛttikāpūrṇaṃ keśāṅgārāsthivarjitam ||113||

„Ich werde das Damanaropana vollziehen.“ Dann nehme der Sadhaka ein irdenes Gefäß, gefüllt mit Erde, die frei von Haaren, Kohle und Knochen ist …

Vers 114
acalaṃ nūtanaṃ pūtaṃ dakṣe saṃsthāpya sādhakaḥ |
vakṣyamāṇena mantreṇa bhūmeḥ saṃśodhanaṃ caret ||114||

… standfest, neu und rein, stelle es rechts auf und reinige den Boden mit dem nun folgenden Mantra.

Reinigung des Bodens

Ein Gebet an die Erde begleitet die historische Reinigungsanweisung.

Vers 115
oṃ abdhinā kṣālitāsi tvaṃ varāheṇoddhṛtā purā |
mayā caivopaliptāsi pavitrā bhava kāśyapi ||115||

„Om. Vom Ozean bist du gewaschen worden, einst von Varaha emporgehoben. Nun wirst du von mir bestrichen: Sei rein, Kashyapi!“

Anmerkung: KashyapiAnredederErde;VarahaEbergestalt.

Vers 116
ityuccārya manuṃ devi gṛhītvā gomayaṃ puraḥ |
damanasya bhuvaṃ limpedvidadhyādapi śuṣkatām ||116||

Nach dem Sprechen dieses Mantras nehme man Kuhdung, Göttin, bestreiche damit den Boden für das Damana und lasse ihn trocknen.

Anmerkung: HistorischeRitualsubstanz,keinehygienischeEmpfehlung.

Vers 117
tataḥ sindūramādāya vartulaṃ maṇḍalaṃ caret |
vakṣyamāṇena mantreṇa vitastimitamīśvari ||117||

Dann nehme man Sindura und zeichne mit dem folgenden Mantra ein rundes Mandala von einer Handspanne Größe, Herrin.

Mantra zur Mandala-Bereitung

Bija-Decknamen und Anrufungen begleiten die Kreiszeichnung; beschädigte Wörter bleiben offen.

Vers 118
tāro maidhaṃ ramā pāśakāmavadhūstrapāruṣau |
ehyehi madanetyuktvā tavāriṣṭamitīrayet ||118||

[Der Mantra beginnt mit] Tara, Maidha, Rama, Pasha, Kama, Vadhu, Trapa und Rush. Danach spreche man „ehi ehi madana“ – „Komm, komm, Madana!“ –, dann „tavarishtam“ …

Anmerkung: Tavarishtam= tavarishtam beschädigt/mehrdeutig, nichtalsgesicherteAnredeübersetzt.

Vers 1186 [Quellzählung an Position 119]
kalpayāmi dharitrīyaṃ tvāṃ prasādhyati cerayet |
astraṃ hṛcchiraso vāpi manurmaṇḍalakalpane ||1186||

… „kalpayami“ – „Ich bereite“ –, „dharitriyam tvam prasadhyati“ – etwa „Diese Erde bringt dich zur Vollendung“. Dazu Astra oder Herz und Haupt: Dies ist der Mantra zum Bereiten des Mandalas.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 1186;Verbprasadhyati/Bestimmungunsicher,Formelalsvorläufigkenntlich,keineglatteVollrekonstruktion.

Das Damana-Yantra

Kama-Bija, Dreieck, Sechseck, Kreise, Alphabet und Lotus bilden die Anordnung.

Vers 120
samīkṛte tatra yantraṃ vakṣyamāṇaṃ likhettataḥ |
sarvāntaḥ kāmabījaṃ syāt trikoṇaṃ tadbahistathā ||120||

Auf der geglätteten Fläche zeichne man das folgende Yantra: Ganz innen steht das Kama-Bija, darum ein Dreieck …

Vers 121
ṣaṭkoṇaṃ tadbahiścāpi koṇāgre vanitāṅkuram |
vartulatritayaṃ dadyādakārādyaistato'kṣaraiḥ ||121||

… darum ein Sechseck, an dessen Ecken jeweils das Vanita-Bija steht. Danach zeichne man drei Kreise und umschließe alles mit den Lauten von „a“ …

Vers 122
kṣāntaiḥ saṃveṣṭayetsarvaṃ tato'ṣṭadalamambujam |
mṛtpūrṇaṃ mṛttikāpātraṃ saṃsthāpya karayordvayoḥ ||122||

… bis „ksha“, danach mit einem achtblättrigen Lotus. Das mit Erde gefüllte Tongefäß nehme man in beide Hände …

Aufstellen des Erdgefäßes

Die Formel bittet um Festigkeit und bereitet die Einladung der Gottheiten vor.

Vers 123
udīryamāṇamantreṇa nidadhyānmaṇḍalopari |
tārarāvatrapākūrcāḥ sthakārāḥ pañcadīrghiṇaḥ ||123||

… und stelle es mit dem folgenden Mantra auf das Mandala: Tara, Rava, Trapa, Kurcha sowie „stha“ mit fünf langen Vokalen …

Anmerkung: FünflangeVokaleQuellangabe, nichtvoreiligsechsnormiert.

Vers 124
sthiro bhaveti saṅkīrtya acalo bhava cerayet |
niścalo bhava ca procya tatastvayi surāniti ||124||

… „sthiro bhava“ – „Sei fest!“ –, „achalo bhava“ – „Sei unbeweglich!“ –, „nishchalo bhava“ – „Sei unerschütterlich!“ –, danach „tvayi suran“ – „In dir die Götter …“

Vers 125
āvāhayiṣya uccārya supratiṣṭho bhaverayet |
śiraḥ śeṣe tatastasyāṃ mṛdi dadyājjalaṃ śuci ||125||

… „avahayishye“ – „werde ich einladen“ –, „supratishtho bhava“ – „Sei fest gegründet!“ – und am Ende Haupt. Danach gebe man reines Wasser in die Erde …

Das Wassergebet

Der unnummerierte Prosamantra erbittet Durchfeuchtung, Fruchtbarkeit und Vollkommenheit.

Unnummerierter Text
oṃ pavitrābhirābhiradbhirabhiṣiñcāmi klinnā bhava siktā bhava ucchvasitā bhava stimitā bhava urvarā bhava tvayi siddhiṃ dhāsyāmi oṃ svāhā |

„Om. Mit diesen reinen Wassern besprenge ich dich. Werde feucht, werde benetzt, atme auf, werde durchtränkt, werde fruchtbar! In dir werde ich Vollkommenheit begründen. Om svaha.“

Anmerkung: UnnummerierterProsamantrazwischen125 und126inderQuelle;126a kündigtihnnachQuelllayoutan. NichtalszusätzlichernummerierterVersgezählt.

Vers 126
padasantānarūpeṇa mantreṇa varavarṇini |
anena śrutimantreṇa jalenāloḍayenmṛdam ||126||

… mit dem Mantra in fortlaufender Wortfolge, Schönfarbige. Mit diesem Shruti-Mantra vermische man die Erde mit Wasser.

Anmerkung: DieQuelleordnetdieProsaformelzwischenbeidenHalbversen126an; alsseparaterGrundtextU125 vollständigwiedergegeben.

Erde, Wasser und Pflanzen

Das nächste Gebet verbindet den Damana-Spross mit der lebensspendenden Erde.

Vers 127
paṅkaprāye tato jāte punaranyaṃ paṭhanmanum |
paṅkastvaṃ pṛthivīrūpo megharūpaṃ jalaṃ tvidam ||127||

Wenn daraus eine schlammartige Masse geworden ist, spreche man einen weiteren Mantra: „Du Schlamm hast die Gestalt der Erde; dieses Wasser hat die Gestalt der Wolke …“

Vers 128
annāni tvayi jāyante prāṇarūpāṇi dehinām |
ropayiṣyāmi damanaṃ madanasyāṅkurākṛti ||128||

„… in dir wachsen die Nahrungspflanzen, die das Leben der verkörperten Wesen ausmachen. Ich werde Damana pflanzen, den Spross in Madanas Gestalt …“

Anmerkung: Fortsetzung129nochoffen.

Vers 126 [Quellzählung an Position 129]
tena tvāṃ pūjayiṣyāmi paṅka tvaṃ susthiro bhava |
itthaṃ saṃsthāpya tatpaṅkaṃ prāṇāyāmaṃ vidhāya ca ||126||

„… damit werde ich dich verehren. Schlamm, sei fest gegründet!“ Nachdem man den Schlamm so bereitet und Pranayama vollzogen hat …

Anmerkung: Quellnummer 126 an Position 129.

Verehrung des Pflanzschlamms

Kosmische Träger und Kräfte werden nach der Ordnung des Pitha verehrt.

Vers 130
navāṅgabījaiścāvantaiḥ ṣaḍaṅgadvitayaṃ caret |
paṅkapūjāṃ tataḥ kuryāt pīṭhanyāsārcanādivat ||130||

… führe man mit den … Bijas die beiden Sechsglieder-Nyasas aus. Danach verehre man den Schlamm nach Art der Pitha-Nyasa-Verehrung und der zugehörigen Handlungen.

Anmerkung: Fragment: OCR नचादिबीजंश्चावन्तेः, Sanskritnavangabijaih...vorläufigundnichtzuverlässig, konkreteBijafolgenichtübersetztoderergänzt.

Vers 131
tārakāmāṅkurau cādyau hṛcchīrṣe'ntimage tathā |
madhye ṅe'ntāśca śabdāḥ syustānīdānīṃ bruve tava ||131||

Am Anfang stehen Tara und das Kama-Bija, am Ende Herz und Haupt; in der Mitte die Wörter im Dativ. Diese nenne ich dir nun:

Vers 132
mūlaprakṛtirityevaṃ mahāmaṇḍūka eva ca |
kūrmaḥ śeṣaśca pṛthvī ca samudrāḥ parvatāstathā ||132||

Mulaprakriti, der große Frosch, die Schildkröte, Shesha, die Erde, die Meere, die Berge …

Anmerkung: KosmischeTrägerdesPitha;keinenatürlicheBotanikbehauptet.

Vers 132 [Quellzählung an Position 133]
meghāśceme bahutve syuraṣṭadikṣvaṣṭa pūjayet |
atha madhye'rcayetpaṅkaṃ bījaistaireva tādṛśaiḥ ||132||

… und die Wolken, wobei diese [letzten Gruppen] im Plural stehen. Diese acht verehre man in den acht Richtungen, dann den Schlamm in der Mitte mit denselben Bijas.

Anmerkung: Quellnummer 132erneut, eigenständigerVers.

Vers 134
madhye'mībhyaḥ padebhyastu śaktaye parikīrtayet |
ādhārodbhitprāṇajīvabalecchātṛptikṛtkriyāḥ ||134||

In der Mitte verbinde man „shaktaye“ mit den Begriffen Grundlage, Pflanzenaustrieb, Lebenshauch, Leben, Kraft, Wille, Sättigung sowie … Handlung.

Anmerkung: Fragment: Schluss tṛptikṛtkriyāḥ möglicherweisegetrennteKräfte, keinefesteZahloderListeerfunden. SanskritKompositumbehalten.

Götter, Schätze und Nagas

Die Puja schließt die Weltenhüter, neun Schätze und acht Nagas ein.

Vers 135
brahmaviṣṇumaheśāṃśca madhye tadvatsamarcayet |
aṣṭadikṣvaṣṭadikpālānmadhye nava nidhīnapi ||135||

Ebenso verehre man in der Mitte Brahma, Vishnu und Mahesha, in den acht Richtungen die acht Weltenhüter und in der Mitte die neun Schätze …

Vers 136
mahāpadmaśca padmaśca śaṅkho makarakacchapau |
mukundakundanīlāśca kharvaḥ śeṣe prakīrtitaḥ ||136||

… Mahapadma, Padma, Shankha, Makara, Kacchapa, Mukunda, Kunda, Nila und zuletzt Kharva.

Anmerkung: TraditionelleNidhiNamen,keinewillkürlichenMineralentsprechungen.

Vers 137
aṣṭau nāgān punarmadhye yajedrītyā tathaiva hi |
itthaṃ nirvartya paṅkāṅgapūjāṃ paṅkaṃ tato'rcayet ||137||

Dann verehre man in der Mitte auf dieselbe Weise die acht Nagas. Nachdem man so die begleitenden Glieder der Schlamm-Puja vollzogen hat, verehre man den Schlamm selbst …

Vers 138
pādyādibhistūpacārairdaśabhiḥ parikalpitaiḥ |
sarvaśeṣe baliṃ dadyātpaṅkāya suravandite ||138||

… mit den zehn bereitgestellten Opferdiensten, beginnend mit Fußwaschwasser. Ganz am Schluss bringe man dem Schlamm Bali dar, du von den Göttern Verehrte.

Bali für den Schlamm

Die Formel widmet die Gabe der Grundlage aller Sprosse.

Vers 136 [Quellzählung an Position 139]
maidhanatrayaṃ trapārāvau ramākūrcavadhūsmarāḥ |
sarvāṅkurādhārapaṅkau ṅe'ntau dvau samuddharet ||136||

[Die Formel enthält] dreimal Maidha, Trapa, Rava, Rama, Kurcha, Vadhu und Smara. Danach bilde man die beiden Dativausdrücke „sarvankuradhara“ und „panka“ – „Grundlage aller Sprosse, Schlamm“ …

Anmerkung: Quellnummer 136; maidhanatrayamimOCRमैघनत्रयंunsicher, Dreizahlklar.

Vers 140
tubhyameṣa balirhārdamanuyukto manurmataḥ |
tato'nujñāṃ prārthayīta baddhāñjalipuṭaḥ sudhīḥ ||140||

… „tubhyam esha balih“ – „Dieses Bali ist für dich“ –, verbunden mit dem Herz-Mantra. So lautet die Formel. Dann erbitte der Verständige mit gefalteten Händen die Erlaubnis:

Bitte um Erlaubnis zum Pflanzen

Der Verehrer erläutert sein Vorhaben und bittet die Erde um Gelingen.

Vers 141
pūjito'si mayā paṅka devabuddhyā tvamādarāt |
tvamudbhijjasvarūpāṇāṃ padārthānāṃ parāyaṇam ||141||

„Schlamm, ich habe dich ehrerbietig als Gottheit verehrt. Du bist die Grundlage aller Stoffe, die als Pflanzen aus der Erde hervorsprossen.“

Vers 142
kandarpavapurākāraṃ damanaṃ tvayi ropaye |
tatra sampūjayiṣyāmi ratiprītisamanvitam ||142||

„In dich pflanze ich das Damana, das Kandarpas Leib verkörpert. Darin werde ich Kama mit Rati und Priti verehren …“

Anmerkung: Fußnote142–144mehrereZeileninZeugeghafehlend, Haupttexttrotzdemübersetzt;keineLückediesesZeugen.

Vers 146 [Quellzählung an Position 143]
kāmaṃ saparivāraṃ ca vasantaṃ malayānilam |
tvatta uddhṛtya damanaṃ śarīramiva mānmatham ||146||

„… zusammen mit seinem Gefolge, dem Frühling und dem Malaya-Wind. Dann werde ich das Damana, das gleichsam Manmathas Leib ist, aus dir herausheben …“

Anmerkung: Quellnummer 146 an Position 143.

Vers 144
devīṃ sampūjayiṣyāmi vārṣikārcāsamāptaye |
tasmātpaṅka sthiro bhūtvā mama kāryaṃ prasādhaya ||144||

„… und die Göttin damit verehren, um die Jahres-Puja zu vollenden. Darum, Schlamm, bleibe fest und bringe mein Vorhaben zum Gelingen!“

Beginn der Damana-Puja

Kalasha und Nyasa bereiten die Vergegenwärtigung Anangas vor.

Vers 145
paṭhitvemānmanūn devi paṅkaṃ cābhyarcya yatnataḥ |
prārabhed dāmanīṃ pūjāṃ vidhinā kathayiṣyatā ||145||

Nach dem Sprechen dieser Mantras und der sorgfältigen Verehrung des Schlamms beginne man, Göttin, die Damana-Puja nach dem gleich zu erklärenden Verfahren.

Vers 146
kalaśasthāpanaṃ kṛtvā prathamaṃ kathitakramaiḥ |
prācībhāge maṇḍalasya sampūjya ca yathāvidhi ||146||

Zuerst stelle man nach der genannten Ordnung einen Kalasha im östlichen Teil des Mandalas auf und verehre ihn vorschriftsgemäß …

Vers 147
pūrvoditamanaṅgasya ṣaḍaṅgaṃ vidadhīta vai |
proktayā'naṅgagāyatryā damane pīṭhasaṃsthite ||147||

… dann vollziehe man den zuvor gelehrten Sechsglieder-Nyasa Anangas am Damana, das auf dem Sitz steht, mit der genannten Ananga-Gayatri:

Die Ananga-Gayatri

Der vollständig überlieferte Mantra erbittet Erkenntnis und Anregung durch den Liebesgott.

Vers 148
klīṃ anaṅgāya vidmahe kāmadevāya dhīmahi |
tanno madanakaḥ pracodayāt ||148||

„Klim. Wir wollen Ananga erkennen; wir meditieren über Kamadeva. Möge Madanaka uns anregen.“

Anmerkung: BijaohneerfundeneWortbedeutung;MadanakaQuellformnichtzuMadanakorrigiert.

Vers 146 [Quellzählung an Position 149]
eṣā hyanaṅgagāyatrī kathitā tava pārvati |
tathā sāvayavīkṛtya ṣaḍaṅgānyatra vinyaset ||146||

Dies ist die dir gelehrte Ananga-Gayatri, Parvati. Indem man ihm so eine gegliederte Gestalt gibt, lege man dort die sechs Glieder auf.

Anmerkung: Quellnummer 146 an Position 149.

Vers 150
tato daśopacāreṇa damanaṃ paripūjayet |
viśeṣato dhūpadīpaṃ baliṃ pūrvoditakramaiḥ ||150||

Dann verehre man das Damana mit zehn Opferdiensten. Besonders Räucherwerk, Licht und Bali bringe man in der zuvor gelehrten Ordnung dar …

Pranapratistha des Damana

Die Formeln rufen Leben, Lebenshauch und Sinne in die Pflanzengestalt.

Vers 151
dattvā kurvīta ca prāṇapratiṣṭhāṃ damanasya hi |
paurasthe damane eva manunā kathayiṣyatā ||151||

… und vollziehe die Pranapratistha des vor einem befindlichen Damana mit dem nun folgenden Mantra.

Vers 152
medhānāṃ pañcakaṃ procya tato lakṣmīruṣo vadhūḥ |
kāmaḥ pāśaḥ śākinī ca ḍākinī nṛharistathā ||152||

Man spreche fünf Medha-Bijas, dann Lakshmi, Rush, Vadhu, Kama, Pasha, Shakini, Dakini und Nrihari …

Anmerkung: OCRnachPanchakam„तचरपालक्ष्मीरषो“beschädigt;DecknamenvorLakshmimöglicherweiseweitererBestandteil, nichtergänzt.

Vers 153
prāsādaścāpi phetkārī bījānīmāni ṣoḍaśa |
jīvātmaparamātmānau mṛtasañjīvanīmapi ||153||

… Prasada und Phetkari: Diese Bijas werden als sechzehn bezeichnet. Dann Jivatman, Paramatman und Mritasanjivani …

Anmerkung: SichtbareListeundZahl16nichtdurcherfundenesBijaangepasst.

Vers 154
kūṭatrayaṃ samuccārya tvāmahaṃ jīvayāmi ca |
uttiṣṭha dvirmadana ca śeṣa ityapi saṃlikhet ||154||

… diese drei Kutas spreche man aus und dann „tvam aham jivayami“ – „Ich belebe dich“ –, zweimal „uttishtha“ – „Erhebe dich!“ – und „madana“. Die anschließende Formulierung lautet möglicherweise „Warum schläfst du?“

Anmerkung: LetzteWörterki...shesheimOCRnichtvollklar, InterpunktionundDoppelungsangabeunsicher;keineglatteGesamtformelerfunden.

Lebenskräfte und Sinne einladen

Wiederholte Bijas rahmen die einzelnen Einsetzungsformeln ein.

Vers 155
tārapāśatrapāśṛṇyaḥ kulyādi guḍapaścimam |
bījāṣṭakaṃ samuddhṛtya haṃsabījaṃ tato vadet ||155||

[Es folgen] Tara, Pasha, Trapa und Shrini, eine mit Kulya beginnende und mit Guda endende Achtergruppe von Bijas, danach das Hamsa-Bija …

Anmerkung: FußnoteempfiehltKunya stattKulya; ZuordnungAchtergruppezuVoranstellungmehrdeutig, siehe13Lauteinheiten156,keineZählfüllung.

Vers 156
anaṅgasya tataḥ procya iha prāṇā itīrayet |
punastānyeva bījāni trayodaśa sureśvari ||156||

… dann „anangasya iha pranah“ – „Anangas Lebenskräfte [seien] hier“. Wiederum spreche man dieselben dreizehn Bijas, Herrin der Götter …

Anmerkung: SatznominalimSanskrit,keinfehlendesVerbhinzugefügt.

Vers 157
punastvanaṅgasya jīva iha sthita itīrayet |
punastānyeva bījāni anaṅgasya tataḥ param ||157||

… und „anangasya jiva iha sthita“ – „Anangas Lebenskern ist hier gegenwärtig“. Erneut dieselben Bijas, danach „anangasya“ …

Vers 158
sarvendriyāṇi iti ca punaścāpi trayodaśa |
anaṅgasya punaḥ procya vāṅmanaścakṣurityapi ||158||

… „sarvendriyani“ – „alle Sinne Anangas“ –, erneut die dreizehn [Bijas], dann „anangasya van manash chakshuh“ – „Anangas Rede, Geist, Auge …“

Vers 154 [Quellzählung an Position 159]
śrotraghrāṇācca rasanatvaca ityapi kīrtayet |
ihāgatya sukhaṃ procya ciraṃ tiṣṭhantu śīrṣavat ||154||

… „Gehör, Geruchssinn, Zunge und Haut“, dann „ihagatya sukham chiram tishthantu“ – „Mögen sie hierherkommen und lange freudig verweilen!“ – mit Haupt als Abschluss.

Anmerkung: Quellnummer 154 an Position 159.

Rezitation und Anheben der Pflanzen

Gayatri-Japa und Musik begleiten das behutsame Anheben des Damana.

Vers 160
mantreṇānena ca prāṇapratiṣṭhāṃ ca vidhāya vai |
japedanaṅgagāyatrīṃ pañcaviṃśatisaṃkhyakām ||160||

Nachdem man mit diesem Mantra Pranapratistha vollzogen hat, rezitiere man die Ananga-Gayatri fünfundzwanzigmal …

Vers 161
bhāvayejjīvito'yaṃ vai madanastripurāriṇā |
tatastūryaninadena ghaṇṭāśaṅkharaveṇa ca ||161||

… und vergegenwärtige sich: „Dieser Madana ist durch Tripurari wiederbelebt.“ Dann hebe man unter Instrumentenklang, Glocken- und Muscheltönen …

Vers 162
saha mantraṃ paṭhaṃstacca śanairdamanamuddharet |
muṣṭibandhena saṅgṛhya dvābhyāmeva varānane ||162||

… während man den Mantra spricht, das Damana behutsam an, indem man es mit beiden Händen fest umfasst, Schönangesichtige.

Mantra zum Ausheben

Anrufungen und Befehle bereiten das Pflanzen und die spätere Darbringung vor.

Vers 163
vaidikān yājñikān mantrān prajapet suravandite |
tārāt kāmāṅkurāt […] ratīrapi ||163||

Man rezitiere vedische, opferbezogene Mantras, du von den Göttern Verehrte. Nach Tara und Kama-Bija … [folgen weitere Bijas, darunter] Rati …

Anmerkung: Fragment:दर्श/patavat ish beschädigt;QuelleFußnotefürvaidikaevtlshlaukikaimnächstenAbschnitt,nichtpauschalüberschrieben.

Vers 164
ehyehyanaṅga sandhyonaṃ ratipriya tataḥ param |
prītipriya punaścāpi paṅke tvāmahamityapi ||164||

… „ehy ehy ananga“ – „Komm, komm, Ananga!“ – mit Sandhi, dann „ratipriya“, „pritipriya“ – „Geliebter Ratis, Geliebter Pritis!“ –, und „panke tvam aham“ – „In den Schlamm werde ich dich …“

Anmerkung: SandhyonaOCRunsicher, FunktionLautverbindungdurch165klar.

Vers 165
sasandhyāropayāmīti tadvadāvāhayāmi ca |
sampūjayāmyanu tataḥ siddhiṃ dehiyugaṃ tathā ||165||

… „aropayami“ – „pflanzen“ –, mit entsprechender Lautverbindung, ebenso „avahayami“ – „Ich lade dich ein“ – und „sampujayami“ – „Ich verehre dich“. Danach „siddhim dehi dehi“ – „Gewähre Vollkommenheit!“

Vers 166
vārṣikārcāṃ pūraya dviḥ kandarpa madanetyapi |
haranetrāgnidagdheti dviruttiṣṭha tataḥ param ||166||

Dann „varshikarcham puraya puraya“ – „Vervollständige die Jahresverehrung!“ –, „kandarpa madana haranetragnidagdha“ – „Kandarpa, Madana, der du vom Feuer aus Haras Auge verbrannt wurdest!“ –, und zweimal „uttishtha“ – „Erhebe dich!“

Anmerkung: Fußnotevariantharanayanagni gleichbedeutend„FeuervonHarasAuge“,nichtzweiteFormel.

Vers 167
ādau sandhānarahitaṃ dvitīyaṃ sandhinānvitam |
pūjāṃ gṛhṇadvayaṃ cāpi suprīto bhava caikakam ||167||

Das erste ohne Sandhi, das zweite mit Sandhi. Dann zweimal „pujam grihna“ – „Nimm die Puja an!“ – und einmal „suprito bhava“ – „Sei hocherfreut!“

Anmerkung: SandhibezugaufvorigenuttishthaDoppelanruf,genaueLautfolgeohneweitereRekonstruktion.

Vers 168
devyai tvāmarpayiṣye ca damanākārato dhara |
puṣṭād hṛṣṭācca santuṣṭāt pratyekaṃ bhava cerayet ||168||

„Ich werde dich der Göttin darbringen; nimm Damana-Gestalt an!“ Danach verbinde man „pushta“, „hrishta“ und „santushta“ jeweils mit „bhava“: „Sei genährt, sei freudig, sei zufrieden!“

Anmerkung: Damanakaratodhara grammatischleichtbeschädigt,Sinnklar.

Vers 166 [Quellzählung an Position 169]
daṇḍādipañcakaṃ procya vadeccādyādipañcakam |
tritayaṃ tritayaṃ brūyāttathā kūrcāstriyorapi ||166||

Man spreche die mit Danda beginnende Fünfergruppe und dann die mit Adya beginnende Fünfergruppe; ebenso Kurcha und Astra beziehungsweise Stri jeweils dreimal.

Anmerkung: Quellnummer 166;zweiteFünfergruppeAnfangcadyadiOCRunsicher,keineVollbijasergänzt.

Neun versförmige Einladungen

Kama, seine beiden Shaktis und sein Gefolge werden in die Pflanzengestalt eingeladen.

Vers 170
svāhā tu sarvaśeṣe syādvaidiko manurīritaḥ |
ślaukikānadhunā vakṣye manūn kamalalocane ||170||

Ganz am Ende steht „svaha“. Damit ist der als vedisch bezeichnete Mantra erklärt. Nun werde ich die versförmigen Mantras nennen, Lotusäugige.

Anmerkung: VedischSelbstbezeichnungdesTextes,nichtdurchunbelegteVedazuschreibungbestätigt. EditorFußnote„shlaukika“beiderFolgeanerkannteLesung.

Vers 171
oṃ uttiṣṭhottiṣṭha madana damanākṛtivigraha |
purā purāriṇā dagdho'dhunā tvāṃ jīvayāmyaham ||171||

„Om. Erhebe dich, erhebe dich, Madana, dessen Leib die Gestalt des Damana hat! Einst wurdest du von Purari verbrannt; jetzt belebe ich dich.“

Vers 172
mayā tvaṃ ropitaḥ paṅke kurvadhiṣṭhānamātmabhūḥ |
svaśaktibhyāṃ parivṛtaḥ parivāreṇa cātmanaḥ ||172||

„Ich pflanze dich in den Schlamm: Nimm dort deinen Sitz, Selbstgeborener, umgeben von deinen beiden Shaktis und deinem eigenen Gefolge!“

Vers 173
mayā kariṣyamāṇaṃ tvaṃ gṛhāṇa madanārcitam |
tvatpūjayā'dya santuṣṭā bhavatvadrisutā mama ||173||

„Nimm die Verehrung an, die ich vollziehen werde, Madana. Möge die Tochter des Berges heute durch deine Puja mit mir zufrieden sein!“

Vers 174
tvadīyadehākṛtibhiretairdamanakaiḥ punaḥ |
pūjayiṣyāmyahaṃ bhaktyā mahāmāyāṃ harapriyām ||174||

„Mit diesen Damana-Pflanzen, die die Gestalt deines Leibes tragen, werde ich sodann voller Hingabe Mahamaya, Haras Geliebte, verehren.“

Vers 175
ratiḥ prītiśca te śaktī vāmadakṣiṇasaṃsthite |
āvāhayāmi te cādya prītaye tava manmatha ||175||

„Deine beiden Shaktis Rati und Priti stehen links und rechts von dir. Auch sie lade ich heute zu deiner Freude ein, Manmatha.“

Vers 176
parivārāṃśca te kāma sarvānevāhvayāmyaham |
pañca bāṇān puṣpamayacāpāṃścūtāṅkurānyapi ||176||

„Dein gesamtes Gefolge lade ich ein, Kama: die fünf Pfeile, die Blumenbogen und die Mangosprossen …“

Anmerkung: QuellpluralBogenbeibehalten.

Vers 177
pikānvikārānbhramarān vasantaṃ malayānilam |
tathā'nyāṃstvatsahāyāṃśca […] jagadvaśe ||177||

„… Kokilas, … Bienen, Frühling, Malaya-Wind und deine anderen Helfer, mit denen du die Welt in deinen Bann bringst …“

Anmerkung: Fragment:vikaraimListenanfangundVerbgruppevorjagadvashebeschädigt; Wirkungskontexthinreichendklar, Sanskritlückenkenntlich.

Vers 178
sarvānāvāhayāmyadya tvadīye'naṅgavigrahe |
samāgatyātra tiṣṭhantu matpūjāgrahaṇāya te ||178||

„… alle lade ich heute in deinen Ananga-Leib ein. Sie mögen hierherkommen und verweilen, um meine Puja anzunehmen!“

Vers 1786 [Quellzählung an Position 179]
sānnidhyaṃ kalpayāmuṣyāṃ śākhāyāṃ damanasya hi |
saśaktiparivārastvaṃ yāvatpūjāṃ karomyaham ||1786||

„Stelle deine Gegenwart in diesem Damana-Zweig her, zusammen mit deinen Shaktis und deinem Gefolge, solange ich die Puja vollziehe!“

Anmerkung: VerformteQuellziffer 1786 an Position 179.

Vers 180
ityetānnava mantrāṃstu japitvā bahireva hi |
vakṣyamāṇena mantreṇa paṅke damanakaṃ nyaset ||180||

Nachdem man diese neun Mantras noch außerhalb [des Pflanzgefäßes] rezitiert hat, setze man das Damana mit dem gleich zu nennenden Mantra in den Schlamm.

Anmerkung: BahihaußerhalbgenauerBezugausPflanzhandlungerschlossen.

Elf Gruppen von Damana

Kama, seine Shaktis und acht Begleiter erhalten eigene Pflanzenbüschel.

Vers 181
kalpayitvaikādaśāṃśān […] diganukramāt |
madhye'dhikaṃ mahāgucchaṃ kāmadevasya vinyaset ||181||

Man teile die Pflanzen in elf Gruppen, … entsprechend der Reihenfolge der Richtungen. In die Mitte setze man ein größeres, umfangreiches Büschel für Kamadeva.

Anmerkung: Fragment:AngabederanfänglichenRichtungbeschädigt;Folge183–185konkret,keinWortaufgefüllt.

Vers 182
prītiṃ dakṣiṇataścāpi punaḥ stavakinīṃ tataḥ |
vāme ratiṃ tatsamānāmatha dikṣvaṣṭasu priye ||182||

Rechts setze man Priti als Blütenbüschel, links Rati in derselben Größe. In den acht Richtungen, Geliebte …

Vers 183
ekaikaṃ dvāvatha trīnvā gucchāṃstatra vinyaset |
prācyāṃ vasantaṃ dayite dakṣiṇe pañca mārgaṇān ||183||

… pflanze man jeweils ein, zwei oder drei Büschel: im Osten den Frühling, Liebste, im Süden die fünf Pfeile …

Vers 184
uttare puṣpakodaṇḍaṃ paścime malayānilam |
cūtāṅkurāṃstathāgneye nairṛtye kokilānapi ||184||

… im Norden den Blumenbogen, im Westen den Malaya-Wind, im Südosten Mangosprossen und im Südwesten Kokilas …

Vers 185
vikārānapi vāyavye aiśānyāṃ bhramarānapi |
evaṃ tadekādaśadhā kṛtvā paṅkeṣu nirvapet ||185||

… im Nordwesten Vikaras und im Nordosten Bienen. So teile man alles in elf Gruppen und setze sie in den Schlamm.

Anmerkung: Vikara bereits177unklar, wederVogelartnochGefühlsgruppealsgesichertübersetzt.

Pflanzmantras

Eine gemeinsame Schlussformel verbindet sich mit unterschiedlichen Namen und Bijas.

Vers 186
maidhatrayaṃ trikāmau ca anaṅga tvāmiti smaret |
pūjāyai nirvapāmīti svāhā paścimato vadet ||186||

[Beim Pflanzen spreche man] dreimal Maidha, dann … Kama und „ananga tvam pujayai nirvapami svaha“ – „Ananga, ich pflanze dich zur Verehrung, svaha.“

Anmerkung: Fragment:trikam auimOCRchikamaumehrdeutig,keineBijavervollständigung;Gebetsteilklar.

Vers 187
manuṣvanyeṣu daśasu caramīyā daśākṣarī |
etasyāḥ prāgvadettattadamantaṃ śabdamīśvari ||187||

Bei den übrigen zehn Mantras steht am Ende dieselbe zehnsilbige Schlussformel. Davor spreche man das jeweilige Wort im Akkusativ, Herrin …

Anmerkung: AmantaKasusmarker, keineZahlkorrekturbeigenanntemZehnsilber.

Vers 188
stryaṅgaṃ pumaṅgamathavā kramādetadanantaram |
etatpurobhavāṃ vakṣye ṣaḍbījīṃ kramato'dhunā ||188||

… je nachdem in weiblicher oder männlicher Form. Nun nenne ich der Reihe nach die davorstehenden Sechsergruppen von Bijas.

Anmerkung: Stryanga/pumanga grammatischeGeschlechtsformausKontext, nichtsexualisiert.

Die Sechsergruppen der Bijas

Die verschlüsselten Namen werden in der Reihenfolge der Quelle bewahrt.

Vers 184 [Quellzählung an Position 189]
tāramāyāramāḥ strīṇāṃ tritayaṃ syād dvitīyakam |
tārānaṅgau śākinī ca tārtīyaṃ ca ratitrayam ||184||

[Die erste Gruppe:] Tara, Maya, Rama und dreimal Stri. Die zweite: Tara, Ananga, Shakini und dreimal Rati.

Anmerkung: Quellnummer 184;Satzglied„zweite“/„dritte“imSanskritmehrdeutigaufDreier-Untergruppebezogen;Reihenfolgewiedergegeben,ZuordnungzuRati/Pritinichtgesichertergänzt.

Vers 160 [Quellzählung an Position 190]
pāśaprāsādanṛhariśaktipretāṅkuśāstataḥ |
maidhākṣadakṣiṇājambhapralayā ḍākinī tathā ||160||

Dann Pasha, Prasada, Nrihari, Shakti, Preta, Ankusha; danach Maidha, Aksha, Dakshina, Jambha, Pralaya und Dakini.

Anmerkung: Quellnummer 160 an Position 190;verschlüsselteDecknamen.

Vers 161 [Quellzählung an Position 191]
caitanyamekhalāhāraphetkārīśuklasetavaḥ |
tāramandārabhūtinyaḥ karṇikāśṛṅkhalāvyathāḥ ||161||

Chaitanya, Mekhala, Hara, Phetkari, Shukla, Setu; Tara, Mandara, Bhutini, Karnika, Shrinkhala und Vyatha.

Anmerkung: Quellnummer 161.

Vers 152 [Quellzählung an Position 192]
tāramaidhau duṣkṛtāntau kuṭilārāgasārasāḥ |
caitanyatantārañjinyo mandacarpaṭamudrikāḥ ||152||

Tara, Maidha, Dushkritanta, Kutila, Raga, Sarasa; Chaitanya, Tanta, Ranjini, Manda, Charpata und Mudrika.

Anmerkung: Quellnummer 152;DushkritantauDualimQuelltextbei6erGliederungauffällig, Tantaungewiss,nichtverschwiegen.

Vers 163 [Quellzählung an Position 193]
tāracāmarabhāraṇḍavimardāḥ prakaro vidik |
tasya tasya hi vikhyātaḥ paṅkāropaṇakṛnmanuḥ ||163||

Tara, Chamara, Bharanda, Vimarda, Prakara und Vidik. So ist jeweils der Mantra für das Einpflanzen in den Schlamm bezeichnet.

Anmerkung: Quellnummer 163;ZahlvonderReiheabhängignichtdurchfehlendeGruppeaufgefüllt,konkreteZuordnungnichtrekonstruiert.

Erneute Belebung und Nyasa

Nach dem Pflanzen folgen Pranapratistha, Körperauflegungen und Arghya.

Vers 1464 [Quellzählung an Position 194]
atha pūrvoditaprāṇapratiṣṭhāṃ smarasya hi |
paṅke saṃsthāpya damanaṃ punareva samācaret ||1464||

Nachdem man das Damana in den Schlamm gesetzt hat, vollziehe man erneut die zuvor gelehrte Pranapratistha Smaras.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 1464.

Vers 145 [Quellzählung an Position 195]
natvanyeṣāṃ varārohe kāryo'yaṃ vidhirīritaḥ |
pratyekamuccāritayā gāyatryā'naṅgasaṃjñayā ||145||

Für die anderen ist dieses Verfahren nicht vorgeschrieben, Schöne. Mit der jeweils rezitierten Ananga-Gayatri …

Anmerkung: Quellnummer 145 an Position 195.

Vers 166 [Quellzählung an Position 196]
mūlaṃ sāvayavīkṛtya ṣaḍdīrghaiḥ klākṣaraistataḥ |
pravinyasetṣaḍaṅgāni damane ca tathātmani ||166||

… gliedere man den Wurzelmantra und lege mit den „kla“-Lauten, verbunden mit sechs langen Vokalen, die sechs Glieder am Damana und am eigenen Körper auf.

Anmerkung: Quellnummer 166;klaksharaalsLautbasis,nichtvollständigeBijafolgeergänzt.

Vers 197
prāṇāyāmaṃ tataḥ kuryāttrayaṃ cāpyatandritaḥ |
sakalaṃ sakalairmantrairviśeṣārghyaṃ prakalpayet ||197||

Dann vollziehe man aufmerksam dreimal Pranayama und bereite das vollständige besondere Arghya mit allen zugehörigen Mantras.

Ananga-Matrika und Pitha-Nyasa

Alphabetlaute und Kama-Bija verbinden Körper und Pflanzengestalt.

Vers 168 [Quellzählung an Position 198]
purā mūlodīritayā sāmānyaṃ tadanantaram |
anaṅgamātṛkāṃ devi vidadhīta tataḥ param ||168||

Das allgemeine [Arghya bereite man] nach der zuvor gelehrten Grundformel; danach vollziehe man die Ananga-Matrika, Göttin.

Anmerkung: Quellnummer 168;Satzanschlussallgemeines/besonderesArghyainReihenfolgeunverständlichnichtumgestellt.

Vers 166 [Quellzählung an Position 199]
ādyāntasthāyinau syātāṃ mātṛkārṇau sajātikau |
antare kāmabījaṃ syātproktā sānaṅgamātṛkā ||166||

Am Anfang und Ende steht jeweils derselbe Matrika-Laut, dazwischen das Kama-Bija: Dies heißt Ananga-Matrika.

Anmerkung: Quellnummer 166 an Position 199.

Vers 200
mātṛkāsthānavatsthānamṛṣyādistadvadeva ca |
evaṃ tataḥ prakurvīta pīṭhanyāsaṃ surārcite ||200||

Die Körperstellen sind dieselben wie bei der Matrika, ebenso Rishi und die übrigen Angaben. Danach vollziehe man Pitha-Nyasa, du von den Göttern Verehrte.

Vers 201
sarvaṃ purāvattasyāpi kintu bījaṃ tadīyakam |
ādau sarvatra saṃyojyaṃ vidadhītobhayorapi ||201||

Auch dabei geschieht alles wie zuvor, doch wird überall sein eigenes Bija vorangestellt. Man führe dies an beiden aus …

Mulapatra und Meditation

Das Ritualgefäß und eine mit Trikhanda-Mudra gehaltene Blüte leiten zur Meditation über.

Vers 202
ātmadehe tataḥ paṅkaropite damane'pi ca |
tato'pyekaṃ mūlapātramanaṅgasya varānane ||202||

… am eigenen Körper und am in den Schlamm gepflanzten Damana. Danach stelle man ein einzelnes Mulapatra Anangas auf, Schönangesichtige …

Anmerkung: MulapatraRitualgefäß,nichtbotanischesWurzelblatt.

Vers 203
saṃsthāpayīta pūrvoktavidhānamanusaṃyutam |
evaṃ nirvartya sakalaṃ vidhānāṅgaṃ puroktavat ||203||

… mit dem zuvor gelehrten Verfahren und Mantra. Nachdem man so alle vorbereitenden Ritualglieder wie zuvor vollendet hat …

Vers 204
dhyānaṃ kurvīta kāmasya prītiratyorapi priye |
trikhaṇḍāmudrayā puṣpaṃ pragṛhya damanasya hi ||204||

… meditiere man über Kama sowie Priti und Rati, Geliebte, und nehme dabei mit der Trikhanda-Mudra eine Blüte des Damana auf.

Meditation über Kama

Schmuck, Blumenbogen, fünf Pfeile und die beiden Shaktis kennzeichnen den Liebesgott.

Vers 205
ratnasandohasaṃśobhikirīṭojjvalamastakaḥ |
māṇikyaśakaloddāsikuṇḍaladvayaśobhanaḥ ||205||

[Man schaue Kama:] Sein Haupt erstrahlt unter einer Krone voller Edelsteine; zwei mit Rubinstücken glänzende Ohrringe schmücken ihn.

Vers 206
śaratpārvaṇaśītāṃśusamānamukhamaṇḍalaḥ |
māṇikyakhaṇḍabhramakṛddantamaṇḍalamaṇḍitaḥ ||206||

Sein Antlitz gleicht dem Herbstvollmond; seine Zahnreihe ist so schön, dass sie den Eindruck von Rubinstücken erweckt.

Anmerkung: UngewöhnlicherroterZahnvergleichausm a nikyakhandabhram akritklar,nichtzuPerlengeändert.

Vers 207
viśālalocanayugaḥ śyāmākuñcitakeśikaḥ |
kaṅkaṇāṅgadakeyūramuktāhāravirājitaḥ ||207||

Er hat zwei große Augen und dunkles, gelocktes Haar; Armreifen, Oberarmschmuck und Perlenketten lassen ihn erstrahlen.

Vers 208
valgatkuṇḍalavispaṣṭakapoladvayarājitaḥ |
vihasaṃścapalo gaurastathā sarvāṅgasundaraḥ ||208||

Die beiden Wangen leuchten unter den schwingenden Ohrringen. Er lächelt, ist lebhaft, hell und an allen Gliedern schön.

Vers 206 [Quellzählung an Position 209]
pauṣpaṃ cāpaṃ kare vāme dakṣiṇe pañca sāyakān |
dadhānaścitravasano mañjīraraṇitāṅghrikaḥ ||206||

In der linken Hand trägt er den Blumenbogen, in der rechten fünf Pfeile; seine Gewänder sind bunt, an seinen Füßen klingen die Fußschellen.

Anmerkung: Quellnummer 206 an Position 209.

Vers 210
pikakokilabhṛṅgāravasantamalayānilaiḥ |
sevyamāno mudā śaktidvayāliṅgitavigrahaḥ ||210||

Pikas, Kokilas, Bienenklang, Frühling und Malaya-Wind dienen ihm freudig; seine beiden Shaktis umarmen seinen Leib …

Anmerkung: Pika/KokilawiederholteVogelnamenbewahrt;Bienenlautausbeschädigtemphank ar avorläufig.

Vers 211
dakṣabhāge prītināmnyā ratināmnyā ca vāmataḥ |
harahastāmṛtarasaiḥ sañjīvitakalevaraḥ ||211||

… rechts diejenige namens Priti, links diejenige namens Rati. Sein Leib wurde durch den Unsterblichkeitsnektar aus Haras Hand wiederbelebt.

Anmerkung: ErwachseneGefährtinnenimmythischenRahmen,Umarmungnichtgrafisch.

Meditation über Priti und Rati

Der Text beschreibt die beiden Gefährtinnen durch Farben, Schmuck, Gesichtszüge und Segensgesten.

Vers 212
īdṛgvidho hi madano dhyātavyaḥ siddhikāṅkṣibhiḥ |
atha prītyā rateścāpi dhyānaṃ kalaya sundari ||212||

So sollen jene, die Siddhi wünschen, über Madana meditieren. Höre nun auch die Meditation über Priti und Rati, Schöne.

Vers 213
nīlotpaladalaśyāmā prītiḥ prauḍheva kāminī |
taptakāñcanagaurāṅgī ratirbāleva bhāminī ||213||

Priti ist dunkel wie das Blatt einer blauen Wasserlilie und erscheint wie eine reife Geliebte. Rati hat einen Leib hell wie geschmolzenes Gold und erscheint wie ein junges Mädchen.

Anmerkung: BalevaVergleich„wieeinMädchen“wörtlichbewahrt,keineAlterszahlerfunden. RatiistbereitsalsKamasGefährtingerahmt;FolgeversehierschildernSchmuckundGestik,nichtsexuelleHandlungen.

Vers 214
same samagraramyāṃśairubhe api samākṛtī |
niraṅkapūrṇimāpūrṇacandrabimbasamānane ||214||

Beide sind in allen lieblichen Merkmalen gleich und von ähnlicher Gestalt. Ihre Gesichter gleichen der makellosen, vollen Scheibe des Vollmondes.

Vers 215
viśālapraphullarājīvadvayaśoṇāyatekṣaṇe |
vilasadratnatāṭaṅkaśravaṇābharaṇojjvale ||215||

Ihre großen, länglichen, rötlichen Augen gleichen zwei erblühten Lotusblumen; kostbare Ohrgehänge lassen sie erstrahlen.

Vers 216
mandāramālāsannaddhadhammillabharagarvite |
trailokyasārasaundaryayauvanonmādagarvite ||216||

Sie tragen stolz ihr mit Mandara-Girlanden geschmücktes, volles Haar und die Schönheit, die das Schönste der drei Welten vereint, erfüllt vom Überschwang der Jugend.

Anmerkung: NichtgrafischeSchönheitsbeschreibung,keineSexualisierungausgeschmückt.

Vers 217
siṃhāsanasamārūḍhe vicitratrividhāmbare |
svacchaśītāṃśuśakalasamacchavilalāṭike ||217||

Sie sitzen auf Löwenthronen, tragen vielfältige dreiteilige Gewänder und Stirnschmuck, dessen Glanz einer klaren Mondsichel gleicht.

Vers 218
vicitramālālalite bahuceṭīgaṇairvṛte |
gaurāṅgaśobhikastūrīkuṅkumāgurucitrake ||218||

Vielfältige Girlanden schmücken sie, zahlreiche Dienerinnen umgeben sie. Moschus, Safran und Aguru bilden Muster auf ihren strahlenden Körpern.

Anmerkung: GaurangahellerLeibstehtfürbeidegegenüberPritidunkel213;keineFarbkorrektur. „strahlend“umfasstQuellwortohneHarmonisierungsbehauptung.

Vers 2146 [Quellzählung an Position 219]
susmitodbhāsivadanacañcaddaśanakuḍmale |
bhujābhyāṃ dhārayantyau te varābhayamanuttamam ||2146||

Ein freundliches Lächeln erhellt ihre Gesichter, die Zahnknospen schimmern. Mit beiden Armen zeigen sie die höchsten Gesten von Segensgabe und Furchtlosigkeit.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2146.

Vers 220
upāsyamāne kāmasya parivāraiḥ samantataḥ |
malayācalavātena pikaiḥ surabhiṇā'libhiḥ ||220||

Von allen Seiten dienen ihnen Kamas Gefolge, der Wind des Malaya-Berges, Kokilas, der duftende Frühling und Bienen.

Anmerkung: Surabhiwörtlichduftend, alsFrühlingsnamevorläufig;nichtgesicherteZusatzperson.

Sechzehn Opferdienste

Die Darbringungsformel gilt Kama sowie Rati und Priti.

Vers 221
dhyātvetthaṃ dve prītiratī dattvā puṣpāñjalitrayam |
upacārān prayaccheta ṣoḍaśāpi pramāthine ||221||

Nachdem man so über Priti und Rati meditiert und dreimal Blumen mit gefalteten Händen dargebracht hat, bringe man dem Erschütterer [Kama] die sechzehn Opferdienste dar.

Vers 222
ādāvuccārya gāyatrīṃ kāmabījaṃ tataḥ param |
madanāyeti tadanu pade prītiratīti ca ||222||

Zuerst spreche man die Gayatri, danach das Kama-Bija, dann „madanaya“ und die beiden Wörter „priti“ und „rati“ …

Vers 223
vaiparītyena saṅkīrtya sahitāyeti coddharet |
etāvantaṃ manuṃ procya idaṃ pādyādikaṃ tathā ||223||

… in umgekehrter Reihenfolge, ergänzt um „sahitaya“ – „zusammen mit“. Nach dieser Formel spreche man „idam padyam“ – „dieses Fußwaschwasser“ – und entsprechend die übrigen Gaben.

Anmerkung: SatzbauDativformelnichtvollständigrekonstruiert;UmkehranweisungRati/Pritibewahrt.

Vers 224
tattanmantreṇa sakalaṃ pradadyādatvaraḥ priye |
eṣa eva manurjñeyaḥ pradāne sarvavastunām ||224||

Mit dem jeweiligen Mantra bringe man alles ohne Hast dar, Geliebte. Diese Formel gilt für die Darbringung sämtlicher Gegenstände.

Vers 225
pādyādīni samastāni dattvādau madanāya hi |
tato ratyai tataḥ prītyai pradadyādvidhināmunā ||225||

Zuerst bringe man Madana alle Gaben vom Fußwaschwasser an dar, danach Rati und schließlich Priti, nach diesem Verfahren.

Warum Rati zuerst verehrt wird

Die Quelle begründet Ratis Vorrang mit ihrem Einsatz für Kamas Wiederbelebung.

Vers 226
prītiryadyapi mānyā'sya priyā dakṣiṇabhāgagā |
tathāpi pūjā kartavyā raterādau varānane ||226||

Obwohl Priti seine verehrte Geliebte an seiner rechten Seite ist, soll zuerst Rati verehrt werden, Schönangesichtige …

Vers 227
yatastayārādhya haraṃ vilapya purato'sya ca |
rudatyā jīvitaḥ kāntaḥ prasādya pramathādhipam ||227||

… denn sie verehrte Hara, klagte und weinte vor ihm, stimmte den Herrn der Pramathas gnädig und erlangte so die Wiederbelebung ihres Geliebten.

Anmerkung: RativonfrüheremParvatiNarrativunterschiedlich,beidesbewahrt.

Vers 228
ato ratyādimā pūjā prītiśeṣā vidhīyate |
rateḥ prīteśca dātavyaṃ sarvameva pṛthak pṛthak ||228||

Deshalb beginnt die Puja mit Rati und endet mit Priti. Beiden ist alles einzeln darzubringen …

Vers 224 [Quellzählung an Position 229]
upacārādikaṃ yāvatkalpitaṃ kāmapūjane |
tato vidheyāvaraṇapūjā śambaravairiṇaḥ ||224||

… was an Opferdiensten und weiteren Gaben für Kamas Puja bereitet wurde. Danach folgt die Umkreisverehrung des Feindes Shambaras.

Anmerkung: Quellnummer 224 an Position 229.

Verehrung der einzelnen Glieder

Bija, Blumenname und Körperglied bilden den jeweiligen Mantra.

Vers 230
ādāvāvayavī pūjā tatrāpi hi vidhīyate |
prakāraṃ tatra kalaya mantraistridaśavandite ||230||

Auch dabei ist zuerst die Verehrung seiner einzelnen Glieder vorgeschrieben. Höre ihr Verfahren mit den Mantras, du von den Göttern Verehrte!

Vers 231
yena yena prasūnena yadyadaṅgaṃ prakalpitam |
pūjanīyaṃ tattadasya mantrarītiprakalpanaiḥ ||231||

Jedes seiner Glieder, das aus einer bestimmten Blüte gestaltet wurde, ist mit einem nach dieser Ordnung gebildeten Mantra zu verehren.

Vers 232
tadidānīmahaṃ vakṣye sugamoddhṛtipūrvakam |
sarvādyamekaṃ bījaṃ hi niścalatvena saṃsthitam ||232||

Ich werde dies nun mit einer leicht nachvollziehbaren Anleitung erklären: Ganz am Anfang steht stets dasselbe Bija …

Vers 233
tato'nantaramekaṃ ca bījaṃ sarvatra cañcalam |
tato'pi puṣpanāmāni bhinnabhinnāni pārvati ||233||

… danach jeweils ein wechselndes Bija und dann die unterschiedlichen Blumennamen, Parvati …

Vers 234
tato'pyaṅgapratyaṅganāmānyasthairyabhāñji ca |
pūrvāparībhūtapadadvayasyāpyatha vigrahaḥ ||234||

… gefolgt von den ebenfalls wechselnden Namen der Haupt- und Nebenglieder. Die beiden aufeinanderfolgenden Wörter werden als gesonderte Glieder ausgesprochen …

Vers 235
saṅe'nto'nte manuścaikaḥ sāmānyoddhṛtirīdṛśī |
tena syurekapañcāśanmanavo bhinnavigrahāḥ ||235||

… im Dativ; am Ende steht ein gemeinsamer Mantra-Abschluss. So lautet die allgemeine Bildung. Dadurch entstehen einundfünfzig Mantras verschiedener Gestalt.

Die wechselnden Bija-Decknamen

Die umfangreiche Lautchiffrenliste wird einzeln wiedergegeben.

Vers 236
sarvādyaḥ praṇavo bījaṃ calānyākalayādhunā |
maidhaṃ ramā trapā kūrcaḥ kālī prāsāda eva ca ||236||

Das Bija ganz am Anfang ist Pranava. Höre nun die wechselnden: Maidha, Rama, Trapa, Kurcha, Kali und Prasada …

Vers 237
śākinī ḍākinī śaktiḥ preto nṛharireva ca |
bhāruṇḍāsānuśuklāśca mauñjī dīpo'trireva ca ||237||

… Shakini, Dakini, Shakti, Preta, Nrihari, Bharunda, Asanu, Shukla, Maunji, Dipa und Atri …

Anmerkung: AsanuDecknameoderKompositumgliederungunsicher,keineLauteerfunden.

Vers 238
kākinī nākulī vajraṃ yakṣo nemiśca bhūtinī |
phetkārī pralayo hārajambhaśaiśukakarṇikāḥ ||238||

… Kakini, Nakuli, Vajra, Yaksha, Nemi, Bhutini, Phetkari, Pralaya, Hara, Jambha, Shaishuka und Karnika …

Anmerkung: ShaishukaDecknameunsicher.

Vers 2346 [Quellzählung an Position 239]
saṃhāraḥ śṛṅkhalā caiva duṣkṛtaṃ samaro'pi ca |
kuṭilā maṇimālā ca sambhūtirviratistathā ||2346||

… Samhara, Shrinkhala, Dushkrita, Samara, Kutila, Manimala, Sambhuti und Virati …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2346.

Vers 240
nādāntakaśca māraṇḍo parāntaḥ saumato'pi ca |
vainādaścāmaraścāpi kauluco vyajanaṃ tathā ||240||

… Nadantaka, Maranda, Paranta, Saumata, Vainada, Chamara, Kaulucha und Vyajana …

Anmerkung: MehrereDecknamenungewöhnlich/unsicher,nichtlexikalischscheingesichertentschlüsselt.

Vers 241
bindukaśca pratānaśca vidikśekharadākṣikāḥ |
sarvaśeṣe svakaṃ bījaṃ pañcāśaccaikasaṃyutāḥ ||241||

… Binduka, Pratana, Vidik, Shekhara, Dakshika und zuletzt sein eigenes Bija. Es werden einundfünfzig genannt.

Anmerkung: AnzahlalsTextangabe,keinekünstlicheListenauffüllung.

Die Blumen des Kama-Leibes

Pflanzennamen und Ausnahmen bleiben in ihrer überlieferten Reihenfolge.

Vers 242
ekaikaṃ kramaśo deyaṃ bījaṃ tattanmanau priye |
atha nāmāni puṣpāṇāṃ krameṇaitena vacmi te ||242||

Je ein Bija ist der Reihe nach in den entsprechenden Mantra einzusetzen, Geliebte. Nun nenne ich dir die Blumennamen in dieser Reihenfolge:

Vers 243
kuraṇṭakaṃ ca dhustūraṃ yūthīkṛṣṇāparājitāḥ |
tilakaṃ tataḥ kuvalayaṃ campakaṃ vakulaṃ tathā ||243||

Kurantaka, Dhustura, Yuthi, Krishna-Aparajita, Tilaka, Kuvalaya, Champaka und Vakula …

Anmerkung: HistorischePflanzennamen,keineunsichereArtenbestimmung.

Vers 248 [Quellzählung an Position 244]
śirīṣaṃ mallikā caiva pāṭalā devadārvapi |
karavīraṃ ca mandāramamlānaṃ kuṭajaṃ tataḥ ||248||

… Shirisha, Mallika, Patala, Devadaru, Karavira, Mandara, Amlana und Kutaja …

Anmerkung: Quellnummer 248 an Position 244.

Vers 245
kamalaṃ candrikā cāpi dāḍimaṃ parato'sanam |
karṇikāraśca svarṇaddhī kāñcanāraṃ ca mādhavī ||245||

… Kamala, Chandrika, Dadima, Asana, Karnikara, Svarnaddhi, Kanchanara und Madhavi …

Anmerkung: SvarnaddhiPflanzennamebeschädigt/unsicher,nichtdurcheinebekannteArtersetzt.

Vers 246
cūtāṅkuro'rjunamatha dhātakī munipuṣpayuk |
jātī kundaṃ ca punnāgamaśokaṃ ketakaṃ tathā ||246||

… Mangosprosse, Arjuna, Dhataki, Munipushpa, Jati, Kunda, Punnaga, Ashoka und Ketaka …

Vers 247
phiṇṭī tato'pi kathitaṃ nāgakeśaramīśvari |
śephālikā cāpi navamallikā kovidārayuk ||247||

… Phinti, Nagakeshara, Herrin, Shephalika, Navamallika und Kovidara …

Anmerkung: PhintiPflanzennameungewiss.

Vers 248
mālatī ca jayantī ca kiṃśukaṃ śatavargayuk |
niculaṃ kumudaṃ cāpi javā tadanu kīrtitā ||248||

… Malati, Jayanti, Kimshuka, Shatavarga, Nichula, Kumuda und Java …

Anmerkung: ShatavargaQuellformbehalten,nichtstillschweigendaus 24Shatapatrakorrigiert.

Vers 246 [Quellzählung an Position 249]
kadambaṃ ca maruvakaṃ bandhujīvamataḥ param |
pārijātaṃ ca dūrvā ca damanaṃ sarvaśeṣagam ||246||

… Kadamba, Maruvaka, Bandhujiva, Parijata, Durva und ganz zuletzt Damana.

Anmerkung: Quellnummer 246 an Position 249.

Eignung der Blumen und Körperglieder

Die Körperliste ergänzt die vorherigen Blumen- und Bija-Reihen; ein Zusatzzeuge steht gesondert.

Vers 250
imānyanaṅgadehatvāddevyarhakusumāni hi |
tyaktvā dhustūrakuṭajadevadārvijjalārjunān ||250||

Weil sie Anangas Leib bilden, sind diese Blüten für die Göttin geeignet – mit Ausnahme von Dhustura, Kutaja, Devadaru, Ijjala und Arjuna.

Anmerkung: IjjalaimOCRunsicher, möglicherweiseNichula,nichtstillharmonisiert.

Vers 251
athaitatparagāñśabdān krameṇaiva nibodha me |
keśaḥ śikhā lalāṭaṃ bhrūḥ kūrco netrameva ca ||251||

Höre nun der Reihe nach die darauf folgenden Wörter: Haar, Haarschopf, Stirn, Braue, Bart und Auge …

Anmerkung: KurchaKörperlisteBart/Büschel,nichthierautomatischBija.

Vers 252
nāsā nāsāpuṭaṃ gaṇḍaḥ kapolo hanureva ca |
cibukaṃ kaṇṭha oṣṭhaśca adharo danta eva ca ||252||

… Nase, Nasenöffnung, Wangenknochen, Wange, Kiefer, Kinn, Hals, Oberlippe, Unterlippe und Zahn …

Vers 253
vadanaṃ tālu jihvā ca mauliśca gala eva ca |
grīvā skandhastathā jatru bāhuścāpi kakoṇiyuk ||253||

… Gesicht, Gaumen, Zunge, Scheitel, Kehle, Nacken, Schulter, Schlüsselbein, Arm und Ellenbogen …

Anmerkung: Kakon i/k a phoni beschädigteForm,EllenbogenKontextklar.

Vers 254
maṇibandhaśca kakṣaśca pārśvaḥ kukṣistathaiva ca |
nābhirvastirmehanaṃ ca jānukṣastathaiva ca ||254||

… Handgelenk, Achsel, Flanke, Bauchseite, Nabel, Unterbauch, Penis und …

Anmerkung: Fragment:janukshaunverständlich,keinefehlendenGliederergänzt;erwachsenerKamadeva,anatomischeListe.

Unnummerierter Text
jaṭharaṃ pṛṣṭhamantraśca kaṭiḥ kaṭastataḥ param |
vaṅkṣaṇastathā jānu jaṅghā gulphastathaiva ca ||

Bauch, Rücken, Inneres beziehungsweise Eingeweide, Hüfte und Gesäß; danach Leiste, Knie, Unterschenkel und Knöchel.

Anmerkung: UnnummerierterZusatzversinHerausgeberfußnoteausZeugegha,zweiZusatzzeilenvorSchlussderGliederliste;genauerAnschlussnichtsicher. Antraausमन्त्रvorläufig,UnterschiedzurHauptlistebewahrt. EigenerGrundtext,nichtnummeriert.

Vers 255
pārṣṇiśca prapadaṃ cātha caraṇaṃ nakha eva ca |
śeṣe sarvaśarīraṃ ca ekapañcāśadīritāḥ ||255||

… Ferse, Vorderfuß, Fuß, Nagel und zuletzt der ganze Körper. Es werden einundfünfzig genannt.

Anmerkung: Quellangabe51nichtdurchErfindungweitererNamenhergestellt;ZusatzU254gesondert.

Einundfünfzig Namen Kamas

Die Namensverehrung folgt auf die Puja des Blumenleibes.

Vers 256
carame hārdamantraśca sphuṭa uddhāra īdṛśaḥ |
evaṃ sampūjya kāmasya śarīraṃ sakalaṃ priye ||256||

Am Schluss steht der Herz-Mantra: So lautet die ausdrücklich erklärte Bildung. Nachdem man so Kamas ganzen Leib verehrt hat, Geliebte …

Vers 257
gandhapuṣpākṣatairyāvallabhyairvastubhireva hi |
kāmānathaikapañcāśannāmabhiḥ paripūjayet ||257||

… mit Duftstoffen, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und den verfügbaren Gegenständen, verehre man die Kama-Gestalten mit einundfünfzig Namen.

Vers 258
tārakāmau puraḥ procya tattannāma ca madhyataḥ |
ṅe'ntaṃ vidhāya tadapi punaḥ kāmo vadhūrapi ||258||

Man spreche Tara und Kama voran, setze den jeweiligen Namen im Dativ in die Mitte und füge danach Kama und Vadhu hinzu …

Die Kama-Namen

Die Namen schildern Liebesverlangen, Bezauberung, Freude und erschütternde Macht.

Vers 256 [Quellzählung an Position 259]
astraṃ hṛdayaśīrṣaṃ ca sarvagaḥ rītiridṛśī |
ādyo'naṅgaḥ samākhyātastataḥ kandarpa ityapi ||256||

… Astra, Herz und Haupt. So ist überall das Verfahren. Der erste Name ist Ananga, danach Kandarpa …

Anmerkung: Quellnummer 256 an Position 259.

Vers 260
ratipriyaḥ pañcaśaraḥ suratātura ucyate |
manobhavastato jñeyaḥ kusumāyudha ityapi ||260||

… Ratipriya, „Ratis Geliebter“, Panchashara, „Fünfpfeiliger“, Suratatura, „nach Liebesvereinigung Verlangender“, Manobhava, „aus dem Geist Entstandener“, und Kusumayudha, „Blumenbewaffneter“ …

Anmerkung: ErwachsenerLiebesgott,NamenbedeutungenquellentreuohneGrafik.

Vers 261
cittarañjana ityevaṃ manmathastadanantaram |
sammohano yauvaneśo madanastatpareṇa ca ||261||

… Chittaranjana, „Erfreuer des Herzens“, Manmatha, „Aufwühler des Geistes“, Sammohana, „Bezauberer“, Yauvanesha, „Herr der Jugend“, und Madana, „Berauscher“ …

Vers 262
hṛtkṣobhakaścākarṣakaḥ kelivallabha eva ca |
cittavidrāvaṇaścāpi darpako bhrāmakastathā ||262||

… Hritkshobhaka, „Erschütterer des Herzens“, Akarshaka, „Anziehender“, Kelivallabha, „Freund des Liebesspiels“, Chittavidravana, „der den Geist auseinanderjagt“, Darpaka, „Stolz Erregender“, und Bhramaka, „Verwirrer“ …

Vers 263
trilokīvaśakārī ca makaradhvaja ityapi |
unmādakaro'nyakārī ca caṇḍavega itaḥ param ||263||

… Trilokivashakari, „Beherrscher der drei Welten“, Makaradhvaja, „mit dem Makara-Banner“, Unmadakara, „in Rausch Versetzender“, Anyakari und Chandavega, „von gewaltigem Drang“ …

Anmerkung: AnyakariunsicherimOCR, keineerfundeneNamensdeutung.

Vers 264
māra uccāṭanaścāpi tathā vyāmohadāyyapi |
puṣpadhanvā smaraścātha tataḥ santāpano mataḥ ||264||

… Mara, „Töter“, Ucchatana, „Vertreiber“, Vyamohadayi, „Verblendung Schenkender“, Pushpadhanvan, „Blumenbogenträger“, Smara und Santapana, „Erhitzer“ …

Vers 265
manaḥpramāthī bhagado mīnaketuritaḥ param |
upasthago yonivāsī tathā manasijo'pi ca ||265||

… Manahpramathi, „Erschütterer des Geistes“, Bhagada, „Glück Schenkender“, Minaketu, „Fischbannerträger“, Upasthaga, „im Geschlechtsorgan Weilender“, Yonivasi, „in der Yoni Wohnender“, und Manasija, „aus dem Geist Geborener“ …

Anmerkung: BhagadaauchsexuelleBedeutung„BhagaGewährender“imNamenskontextmöglich,MehrdeutigkeitnichtabsolutalsGlückfestgelegt.

Vers 266
puṣpacāpo yauvateśastathā viśvopatāpyapi |
vasantamitro malayaketuścetaḥpramodanaḥ ||266||

… Pushpachapa, „mit dem Blumenbogen“, Yauvatesha, „Herr der jungen Frauen“, Vishvopatapi, „die Welt Erhitzender“, Vasantamitra, „Freund des Frühlings“, Malayaketu und Chetahpramodana, „Erfreuer des Gemüts“ …

Vers 267
krathanaścaṇḍatejāśca dharmādharmapravartakaḥ |
komalāyudha ityevaṃ pramardana itaḥ param ||267||

… Krathana, „Verwundender“, Chandatejas, „von gewaltigem Glanz“, Dharmadharmapravartaka, „der Recht und Unrecht in Gang setzt“, Komalayudha, „mit zarter Waffe“, und Pramardana, „Zermalmer“ …

Anmerkung: Krathana von krath, verletzen/verwunden; nicht von Wunder abgeleitet.

Vers 268
trilokīsukhadaścāpi pikadundubhireva ca |
alipālī jagajjetā kāmo'nte ca prakīrtitaḥ ||268||

… Trilokisukhada, „Freudenspender der drei Welten“, Pikadundubhi, „dessen Trommel der Kokila ist“, Alipali, „Hüter der Bienen“, Jagajjeta, „Welteroberer“, und zuletzt Kama, „Verlangen“.

Kamas Gefolge in den Richtungen

Die Begleiter erhalten eigene Darbringungen mit Dativformeln.

Vers 264 [Quellzählung an Position 269]
ityekapañcāśanmitāḥ kāmāste parikīrtitāḥ |
tato'ṣṭadiggatān kāmaparivārān samarcayet ||264||

So sind dir die einundfünfzig Kama-Gestalten genannt. Danach verehre man Kamas Gefolge in den acht Richtungen …

Anmerkung: Quellnummer 264;Zahl51alsQuellangabe, keinefehlendenNamenvermutetergänzt.

Vers 270
naivedyadhūpadīpādyairgandhapuṣpākṣataiḥ pṛthak |
praṇavādinamo'ntaiśca madhye ṅe'ntapadairmanuḥ ||270||

… jeweils mit Speisen, Räucherwerk, Lichtern, Duftstoffen, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern. Die Mantras beginnen mit Pranava, enden mit „namah“ und enthalten den jeweiligen Namen im Dativ.

Vers 271
vasantapuṣpakodaṇḍamalayānilanāmni hi |
pañcamārgaṇaśabdaśca priye cūtāṅkurastathā ||271||

[Die Namen sind] Vasanta, Pushpakodanda, Malayanila, die fünf Pfeile und die Mangosprossen, Geliebte …

Vers 272
kokilaśca vikāraśca bhramarāśca bhyasantimāḥ |
manumadhye pañca yojyāstena tattanmanurmataḥ ||272||

… Kokilas, Vikaras und Bienen. Die fünf [Mehrzahlgruppen] erhalten die Endung „bhyah“ und werden in die Mitte des Mantras gesetzt. So entsteht der jeweilige Mantra.

Anmerkung: FünfPluralgruppenaus 271–272erschlossen;Vikaraweiterungeklärt.

Das Gefolge der Begleiter

Jahreszeiten, Monate und weitere Zeiteinheiten erweitern den Ritualkreis.

Vers 273
pṛthaṅmantrasya saṃsthityācarettantrato'rcanam |
parivārasyāpi tataḥ parivārān prapūjayet ||273||

Mit den jeweils gesonderten Mantras vollziehe man die tantrische Verehrung. Danach verehre man auch das Gefolge dieser Begleiter …

Vers 274
ādyantagena tāreṇa hṛdayena ca madhyataḥ |
ṅe'ntinā padavṛndena bahudvitvohaśālinā ||274||

… mit Tara und Herz als Einrahmung und den Wörtern im Dativ in der Mitte, jeweils passend als Singular, Dual oder Plural angepasst.

Anmerkung: Syntaxadyantagen atarena hriday en a leichtuneindeutig, gemeinsameRahmungnichtzurVollformelerweitert.

Vers 275
grīṣmarturatha varṣartustataḥ śaradṛturmataḥ |
hemantartustasya śeṣe śiśirarturudāhṛtaḥ ||275||

[Zu verehren sind] Sommer, Regenzeit, Herbst, Frühwinter und zuletzt Spätwinter …

Anmerkung: FrühlingbereitsHauptgefolge, nichtfehlendergänzt.

Vers 276
vaiśākhādīṃstato māsāṃścaitrāntān paripūjayet |
nakṣatrāṇi samagrāṇi pakṣau tithaya eva ca ||276||

… dann die Monate von Vaishakha bis Chaitra, sämtliche Mondhäuser, die beiden Monatshälften und die Mondtage.

Anmerkung: Chaitrantaausbeschädigtemचबान्तानvorläufig,KreisMonateplausibel,Unsicherheitmarkiert.

Kosmische und landschaftliche Begleiter

Zeitordnungen, Meere, Flüsse, Berge und Gottheiten werden in die Verehrung aufgenommen.

Vers 277
ayane rātridivasau pṛthagdvādaśa rāśayaḥ |
lokapālāstathā cāṣṭau digvidikpatitāntimāḥ ||277||

[Man verehre] die beiden Sonnenhalbjahre, Nacht und Tag, einzeln die zwölf Tierkreiszeichen sowie die acht Weltenhüter in den Haupt- und Zwischenrichtungen.

Anmerkung: LetztesKompositumd igvidikpat itant imaḥleichtbeschädigt,Ordnungsbezugklar.

Vers 278
samudrānatha saptāpi lavaṇādyabhidhānyutaḥ |
narmadā yamunā gaṅgā kāverī ca sarasvatī ||278||

Dann die sieben Meere mit ihren Namen, beginnend beim Salzmeer, ferner Narmada, Yamuna, Ganga, Kaveri, Sarasvati …

Vers 276 [Quellzählung an Position 279]
godāvarī kṛṣṇaveṇī candrabhāgā'ṣṭa cārcayet |
parvatopapadānaṣṭau pūjayīta girīnapi ||276||

… Godavari, Krishnaveni und Chandrabhaga: diese acht Flüsse. Auch acht Berge verehre man, jeweils mit dem Zusatz „parvata“:

Anmerkung: Quellnummer 276 an Position 279.

Vers 280
sumeruvindhyakailāsapāripātrahimālayāḥ |
mālyavān darduraḥ sahya ityete madanālayāḥ ||280||

Sumeru, Vindhya, Kailasa, Paripatra, Himalaya, Malyavan, Dardura und Sahya; diese gelten als Wohnstätten Madanas.

Vers 281
brahmā viṣṇuśca rudraśca umā ca vijayā jayā |
vīrabhadramahākālāvetānaṣṭau ca pūjayet ||281||

Ferner verehre man diese acht: Brahma, Vishnu, Rudra, Uma, Vijaya, Jaya, Virabhadra und Mahakala.

Vier Bali-Gaben

Ananga, Rati, Priti und das Gefolge erhalten jeweils eine eigene Gabe.

Vers 282
tato'naṅgasya gāyatryā dadyātpuṣpāñjalitrayam |
dhūpamārātrikaṃ dattvā pradadyāccaturo balīn ||282||

Dann bringe man mit Anangas Gayatri dreimal Blumen mit gefalteten Händen dar. Nach Räucherwerk und Arati gebe man vier Balis …

Vers 283
mukhyamekamanaṅgāya rataye tadanantaram |
prītyai ca parivārebhyo mantrāneṣāmataḥ śṛṇu ||283||

… das hauptsächliche für Ananga, danach eines für Rati, eines für Priti und eines für das Gefolge. Höre nun ihre Mantras.

Bali-Mantra für Madana

Der lange Mantra bittet um Gegenwart, Vollkommenheit und Bezauberung der Herzen.

Vers 284
maidhānāṃ pañcakaṃ procya māyālakṣmīvadhūruṣaḥ |
prāsādāṅkuśakāmāśca ehyehīti tataḥ param ||284||

Man spreche fünf Maidha-Bijas, dann Maya, Lakshmi, Vadhu, Rush, Prasada, Ankusha und Kama, danach „ehi ehi“ – „Komm, komm!“ …

Vers 285
anaṅgāvatarereyat sandhyūnamatra hi |
damane svavigraharūpe śaṅkhādipañcakam ||285||

… „ananga avatara atra damane svavigraharupe“ – „Ananga, steige hier in das Damana herab, das deine eigene Gestalt verkörpert!“ –, mit Sandhi, dann die mit Shankha beginnende Fünfergruppe …

Anmerkung: ErsteSanskritverbformbeschädigt, Mantraanredeundanweisungsbezugerkennbar; keineBijasausZahlvermutet.

Vers 286
sarvacittākarṣakānu mahābalaparākrama |
strīpramadanamanaḥśabdātpramathanoccaret ||286||

… „sarvachittakarshaka“ – „der du alle Herzen anziehst!“ –, „mahabalaparakrama“ – „von großer Kraft und Macht!“ –, danach eine Anrede als Erschütterer des Geistes und Erfreuer der Frauen …

Anmerkung: Fragment:AnfangzweiterHalbversOCRधयप्रमदनमनःnichtzuverlässig; keinegesicherteVollanredeaufgebaut.

Vers 287
trailokyamohanaṃ procya vadennadyādipañcakam |
imaṃ baliṃ gṛhṇayugmaṃ grahṇāpayayugaṃ tathā ||287||

Dann spreche man „trailokyamohana“ – „Bezauberer der drei Welten!“ –, die mit Nadi beginnende Fünfergruppe, „imam balim grihna grihna“ – „Nimm dieses Bali an!“ – und zweimal die Aufforderung „Lass es annehmen!“ …

Anmerkung: LetztesVerbQuellformgrahnapayavorläufig, keinVollmantrarekonstruiert.

Vers 288
sarvāḥ siddhīḥ sādhaya dviḥ sarvacetāṃsi tatparam |
mohaya dviranūccārya pramodayayugaṃ vadet ||288||

… „sarvah siddhih sadhaya sadhaya“ – „Verwirkliche alle Vollkommenheiten!“ –, „sarvachetamsi mohaya mohaya“ – „Bezaubere alle Herzen!“ – und zweimal „pramodaya“ – „Erfreue sie!“ …

Vers 286 [Quellzählung an Position 289]
juṣṭāttuṣṭācca puṣṭācca pratyekaṃ bhava īrayet |
daṇḍādipañcakasyānte kūrcāstrahṛdayaṃ śiraḥ ||286||

… „jushta“, „tushta“ und „pushta“ jeweils mit „bhava“ – „Sei begünstigt, sei zufrieden, sei genährt!“ Danach die mit Danda beginnende Fünfergruppe, Kurcha, Astra, Herz und Haupt.

Anmerkung: Quellnummer 286 an Position 289.

Bali-Mantra für Rati

Rati wird als Lebensspenderin Kamas und Gefährtin Umas angerufen.

Vers 2460 [Quellzählung an Position 290]
mantreṇānena deveśi madanāya baliṃ nyaset |
atha mantraṃ ratibalidānasya kalaya priye ||2460||

Mit diesem Mantra bringe man Madana Bali dar, Herrin der Götter. Höre nun den Mantra für Ratis Bali-Gabe, Geliebte.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2460.

Vers 261 [Quellzählung an Position 291]
tāramaidhatrapākāmavadhva āgacchadvitayaṃ tataḥ |
brahmanandini saṅkīrtya kāmajīvapradāyini ||261||

[Zuerst] Tara, Maidha, Trapa, Kama, Vadhu, dann zweimal „agaccha“ – „Komm!“ –, „brahmanandini“ – „Tochter Brahmas!“ –, „kamajivapradayini“ – „die du Kama das Leben zurückgabst!“ …

Anmerkung: Quellnummer 261 an Position 291.

Vers 262 [Quellzählung an Position 292]
umāsahacari procya rate cāpi ratitrayāt |
imaṃ baliṃ tubhyamarpayāmi gṛhṇadvayaṃ tataḥ ||262||

… „umasahachari rate“ – „Gefährtin Umas, Rati!“ –, nach dreimal Rati[-Bija] „imam balim tubhyam arpayami“ – „Ich bringe dir dieses Bali dar“ – und zweimal „grihna“ – „Nimm an!“ …

Anmerkung: Quellnummer 262.

Vers 263 [Quellzählung an Position 293]
saumyā prītā bhavetābhyāṃ prāktanī ca ṣaḍakṣarī |
ratyai balimanenaiva pradadyātsādhakottamaḥ ||263||

… „saumya bhava“, „prita bhava“ – „Sei milde, sei erfreut!“ – und die bereits genannte sechssilbige Schlussformel. Mit diesem Mantra bringe der treffliche Sadhaka Rati Bali dar.

Anmerkung: Quellnummer 263;Schlussformelnurverwiesen,nichterneuerfunden.

Bali-Mantra für Priti

Die Formel bittet Priti um Annahme, Freude und Erfüllung.

Vers 2464 [Quellzählung an Position 294]
balidānamanuṃ vakṣye prīteratha varānane |
tāro maidhaṃ ca pāśaśca māyāṅkuśaramāvadhūḥ ||2464||

Nun erkläre ich Pritis Bali-Mantra, Schönangesichtige: Tara, Maidha, Pasha, Maya, Ankusha, Rama und Vadhu …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2464.

Vers 2615 [Quellzählung an Position 295]
tato'nu kūrcaprāsādau nava bījāni coddharet |
ehyāgaccha tataḥ prīte prītidāyinyataḥ param ||2615||

… danach Kurcha und Prasada: diese neun Bijas. Dann „ehy agaccha prite pritidayini“ – „Komm, tritt herbei, Priti, Freudenspenderin!“ …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2615.

Vers 266 [Quellzählung an Position 296]
imaṃ baliṃ gṛhāṇānu siddhiṃ dehiyugaṃ tataḥ |
siddhiṃ dāpaya dviyugmaṃ ca siddhiṃ dāpaya ca dvayam [?] ||266||

… „imam balim grihana“ – „Nimm dieses Bali an!“ –, zweimal „siddhim dehi“ – „Gewähre Vollkommenheit!“ – und wiederholtes „siddhim dapaya“ – „Lass Vollkommenheit gewähren!“

Anmerkung: Quellnummer 266;zweiteZeilewiederholtFormelundDoppelungsangabe,Editorfragezeichen,keineeindeutigeWiederholungszahlbehauptet.

Vers 267 [Quellzählung an Position 297]
uktvā sarvajanamanonivāsini samīrayet |
kalpādīnyatha bījāni nṛsiṃhāntāni cerayet ||267||

Danach spreche man „sarvajanamanonivasini“ – „die du im Herzen aller Menschen wohnst!“ –, dann die Bijas von Kalpa bis Nrisimha …

Anmerkung: Quellnummer 267;Zwischengliedernichtausgeschrieben,nichtvermutetergänzt.

Vers 2568 [Quellzählung an Position 298]
muditā bhava saṅkīrtya tataḥ pramuditā bhava |
pūrvagevātra saṅkīrtyā caramīyā ṣaḍakṣarī ||2568||

… „mudita bhava“, „pramudita bhava“ – „Sei erfreut, sei hocherfreut!“ Hier ist wiederum die zuvor genannte sechssilbige Schlussformel zu sprechen.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2568.

Bali-Mantra für das Gefolge

Die Begleiter sollen die Gabe annehmen und Hindernisse beseitigen.

Vers 2564 [Quellzählung an Position 299]
parivārabaliṃ vakṣye kāmasyātha sureśvari |
tārakūrcastrībījebhyaḥ sarvebhyaḥ kāmaśabdataḥ ||2564||

Nun erkläre ich das Bali für Kamas Gefolge, Herrin der Götter. Nach Tara, Kurcha und dem Stri-Bija folgen „sarvebhyah“ und das Wort „kama“ …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2564.

Vers 300
parivārebhya uccārya sandhyāḍhyamubhayatra hi |
imaṃ baliṃ tasya paścādarpayāmi tataḥ param ||300||

… dann „parivarebhyah“, mit Sandhi verbunden, und „imam balim arpayami“ – „Allen Angehörigen von Kamas Gefolge bringe ich dieses Bali dar.“

Vers 301
siddhidā vṛddhidāścāpi bhavantvubhayato vadet |
vighnaṃ harantu ca procya piśācinyāstrayaṃ vadet ||301||

Danach spreche man „siddhida bhavantu“, „vriddhida bhavantu“ – „Mögen sie Vollkommenheit und Wachstum schenken!“ –, „vighnam harantu“ – „Mögen sie das Hindernis beseitigen!“ – und dreimal Pishachini[-Bija].

Vers 302
ante tu pūrvageva syādvarārohe ṣaḍakṣarī |
iti dattvā tu caturo balīn pātraṃ samarpayet ||302||

Am Ende steht dieselbe sechssilbige Formel wie zuvor, Schöne. Nach diesen vier Bali-Gaben bringe man das Gefäß dar …

Das Hauptgefäß

Der Nektar des Hauptgefäßes wird ausdrücklich nur Ananga dargebracht.

Vers 303
mūlabhūtaṃ sthāpitaṃ yattadanaṅgāya pārvati |
vakṣyamāṇena mantreṇa netarābhyāṃ kadācana ||303||

… das als Hauptgefäß aufgestellt wurde, allein Ananga, Parvati, mit dem nun folgenden Mantra; niemals den beiden anderen.

Anmerkung: GefäßausschlussRati/Pritiexplizit,InhalthierAmrita304.

Vers 304
tāramaidhānaṅgavadhūsudhā ādau samuddharet |
idamamṛtamāsvādaya sāmarasyaṃ bhajetyapi ||304||

An den Anfang setze man Tara, Maidha, Ananga, Vadhu und Sudha, dann „idam amritam asvadaya“ – „Koste diesen Nektar!“ –, „samarasyam bhaja“ – „Gehe in die Einheit des einen Geschmacks ein!“ …

Anmerkung: SamarasyaRitualbegriffEinheit/Einswerden,nichtbloßGeschmackgleichheit.

Vers 305
paramānandaṃ praviśa namaḥ svāhā ca paścime |
pātraṃ dattvā'munetasmai gāyatrīmasya sañjapet ||305||

… „paramanandam pravisha“ – „Tritt in höchste Glückseligkeit ein!“ – und am Ende „namah svaha“. Nachdem man ihm mit diesem Mantra das Gefäß dargebracht hat, rezitiere man seine Gayatri …

Gayatri-Japa und Widmung

Die Rezitation wird in festgelegter Zahl vollzogen und Kama gewidmet.

Vers 2306 [Quellzählung an Position 306]
aṣṭottaraśataṃ devi śaktau pañcaśatīmapi |
surakāryasamāsakta ratiprītisamanvita ||2306||

… hundertachtmal, Göttin, wenn möglich auch fünfhundertmal. [Dann spreche man:] „Dem Anliegen der Götter zugewandter, mit Rati und Priti Verbundener …“

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2306.

Vers 307
kandarpa madanāvāsa gṛhāṇemaṃ japaṃ mama |
mantramenaṃ samuccārya samarpyāsmai kṛtaṃ japam ||307||

„… Kandarpa, Wohnstätte des Liebesrauschs, nimm diesen meinen Japa an!“ Nach dem Sprechen dieses Mantras widme man ihm die vollzogene Rezitation …

Anmerkung: MadanavasaQuellformnichtzuanderemNamenkorrigiert.

Lobpreis Kamas

Die Anreden nennen seine freudenspendende wie seine störende Macht.

Vers 308
ārātrikaṃ pradāyātha stutimetāmudīrayet |
namaste sarvasiddhīnāṃ hetave pramadātmane ||308||

… bringe Arati dar und spreche diesen Lobpreis: „Verehrung dir, dem Ursprung aller Vollkommenheiten, dessen Wesen Freude ist …“

Vers 306 [Quellzählung an Position 309]
surāsurarṣimanujanārīcittapramāthine |
brahmaputramahābhāga jagadānandadāyaka ||306||

„… der du die Herzen von Göttern, Asuras, Sehern, Menschen und Frauen erschütterst! Hochbegnadeter Sohn Brahmas, Freudenspender der Welt …“

Anmerkung: Quellnummer 306;FrauennebenMenschenhistorischeListe,nichtstillzusammengezogen.

Vers 310
ratiprītiprāṇanātha tapovighnavidhāyaka |
indriyāṇāṃ pramathana kalipāpasuhṛt smara ||310||

„… Herr des Lebens von Rati und Priti, der du der Askese Hindernisse bereitest, Erschütterer der Sinne, Freund von Streit und Verfehlung, Smara …“

Anmerkung: UnangenehmeAnredennichtzuheilvollenEuphemismenkorrigiert.

Vers 311
dharmadhairyārthavidveṣiṃstrijagadvaśakāraka |
yathāśakti yathājñānaṃ mayā pūjā kṛtā tava ||311||

„… Gegner von Dharma, Standhaftigkeit und Wohlergehen, Beherrscher der drei Welten! Nach meinen Möglichkeiten und meinem Wissen habe ich deine Puja vollzogen.“

Anmerkung: DharmadhairyarthaFeindschaftexplizit,SpannungzuSiddhiverheißungbewahrt.

Erlaubnis zur Kalika-Puja

Der Verehrer erklärt, warum er Damana später der Göttin darbringen wird.

Vers 312
tvaṃ tayā tuṣya madana śaktibhyāṃ sahitaḥ sadā |
athānujñāṃ dehi mama kālikāyāḥ samarcane ||312||

„Sei durch sie stets zufrieden, Madana, zusammen mit deinen beiden Shaktis. Gewähre mir nun die Erlaubnis zur Verehrung Kalikas!“

Vers 313
tatastvāṃ yojayiṣyāmi devyā saha ratipriya |
āropito'si paṅke'smin yadarthaṃ tvaṃ mayā smara ||313||

„Dann werde ich dich mit der Göttin verbinden, Geliebter Ratis. Zu dem Zweck, zu dem ich dich in diesen Schlamm gepflanzt habe, Smara …“

Vers 314
tadidānīṃ kariṣyāmi madanājñāṃ pragṛhya te |
praṇipatya tayā rudraṃ jīvito'si yataḥ smara ||314||

„… werde ich nun handeln, Madana, nachdem ich deine Erlaubnis empfangen habe. Denn sie hat sich vor Rudra verneigt und deine Wiederbelebung erwirkt, Smara …“

Anmerkung: Fortsetzung315offen;GöttinRückbezugaufKalika/Parvati,NichtalszusätzlicheSprecherbehauptung.

Vers 315
atastatpūjanāya tvāṃ prārthaye'maravallabha |
tāvadetādṛgeva tvaṃ tiṣṭha paṅkeṣu pūjitaḥ ||315||

„… darum bitte ich dich um ihre Verehrung, Liebling der Götter. Bleibe inzwischen so verehrt im Pflanzschlamm …“

Vers 316
kālikāyā yāvadahaṃ karomi madanārcanam |
evamājñāṃ pragṛhyāsya kuryānnaimittikārcanam ||316||

„… solange ich Kalikas Puja vollziehe, Madana!“ Nachdem man so seine Erlaubnis erhalten hat, vollziehe man die anlassgebundene Verehrung.

Anmerkung: MadanaalsAnredeimSatz, nichtKalikaalsMadanapujafalschverbunden.

Vorgeschriebene Reinigungen und Nyasas

Neunzehn Nyasas strukturieren die anschließende Göttinnenverehrung.

Vers 317
tatra kartavyatāṃ vacmi vihitatvena saṃsthitām |
śodhanaṃ sarvavastuṣvādhikyena ca pṛthaktayā ||317||

Ich nenne nun die dabei vorgeschriebenen Pflichten: die Reinigung sämtlicher Materialien ausführlich und jeweils gesondert …

Vers 318
sānusvārā savisargā sanṛsiṃhā tathaiva ca |
mātṛkā trividhā kāryā sāmānyaḥ pīṭha eva ca ||318||

… die dreifache Matrika mit Anusvara, mit Visarga und mit Nrisimha sowie der allgemeine Pitha[-Nyasa] …

Vers 316 [Quellzählung an Position 319]
āvaśyakatayā prokto yogaratnāhvayastathā |
tādātmyādvaitanāmānau kālīpañjara eva ca ||316||

… ebenso der Yogaratna genannte, die beiden namens Tadatmya und Advaita sowie Kalipanjara sind als notwendig gelehrt …

Anmerkung: Quellnummer 316 an Position 319.

Vers 2320 [Quellzählung an Position 320]
vaktranyāso dhātubījanyāsāvāvaśyakau tathā |
tṛtīyapañcakasyāpi nyāsāḥ śeṣasthitāstrayaḥ ||2320||

… Vaktra-Nyasa, Dhatu- und Bija-Nyasa sowie die drei letzten Nyasas der dritten Fünfergruppe …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2320.

Vers 321
turyaṃ samastameveha kartavyaṃ pañcakaṃ śriye |
ekonaviṃśatimitā nyāsā ete mahāphalāḥ ||321||

… und die gesamte vierte Fünfergruppe sind hier zum Gedeihen auszuführen. Diese neunzehn Nyasas tragen große Frucht …

Vers 322
damanāropaṇārcāyā eva āvaśyakā matāḥ |
samayāstre tathā kāmye'nyeṣāmaicchikī sthitiḥ ||322||

… und gelten für die Damanaropana-Puja als notwendig, ebenso beim Samayastra und bei wunschbezogenen Riten. Die übrigen sind freigestellt.

Anmerkung: SamayastraBezeichnungungeklärt,nichtinbekanntenRitusumgedeutet.

Pflichtgaben und zusätzliche Opferdienste

Der Text unterscheidet Verpflichtendes von Gaben nach Möglichkeit und Wunsch.

Vers 323
upacārāḥ ṣoḍaśa syurnityatvena vyavasthitāḥ |
phalānāṃ kāmanāto'nye upacārā‍śca ṣoḍaśa ||323||

Sechzehn Opferdienste sind als verpflichtend festgelegt. Weitere sechzehn Opferdienste bringe man aus dem Wunsch nach bestimmten Früchten dar …

Vers 324
śaktau satyāṃ pradātavyā aśaktau kṣataye nahi |
pātrāṇāṃ nirṇayamatha bravīmi kamalānane ||324||

… sofern man dazu imstande ist; fehlt die Möglichkeit, entsteht kein Nachteil. Nun erkläre ich die Regelung der Gefäße, Lotusgesichtige.

Die Zahl der Ritualgefäße

Smarta-, Kaula- und Kapalika-Verfahren werden getrennt beschrieben.

Vers 325
ānukūlyena vidhinā ṣaḍeva smārta ācaret |
syuḥ ṣaṭtriṃśadamatrāṇi kaulikāpālikakrame ||325||

Ein Smarta verwende nach dem angepassten Verfahren nur sechs Gefäße. Im Kaula- und Kapalika-Verfahren sollen es sechsunddreißig sein …

Vers 326
syustriṃśattadaśaktau tu caturviṃśatirasya ca |
na caturviṃśaternyūnaṃ kāryaṃ kulamatasthitaiḥ ||326||

… bei mangelnder Möglichkeit dreißig oder vierundzwanzig. Anhänger der Kula-Lehre sollen jedoch nicht weniger als vierundzwanzig verwenden.

Vers 327
sthāpanaṃ pūjanañcaiṣāṃ tarpaṇaṃ pratipādanam |
naimittikārcoditavatkaraṇīyaṃ varānane ||327||

Aufstellen, Verehren, Tarpana und Darbringen dieser Gefäße geschehen wie für die anlassgebundene Puja gelehrt, Schönangesichtige.

Bali und vollständige Umkreisverehrung

Alle Begleitgottheiten sollen entsprechend den überlieferten Ordnungen verehrt werden.

Vers 328
aṣṭadhā ca balirdeyo nityapūjoditakramaiḥ |
kālaḥ sa eva devāśca ta eva parikīrtitāḥ ||328||

Achtfaches Bali ist nach der Ordnung der regelmäßigen Puja darzubringen; es gelten derselbe Zeitpunkt und dieselben genannten Gottheiten.

Vers 2324 [Quellzählung an Position 329]
tathā cāvaraṇārcāyāṃ prātyahikyāṃ yadīritam |
naimittikyāmapi tathā yāsāṃ yāsāṃ prapūjanam ||2324||

Ebenso soll in der Umkreisverehrung alles beachtet werden, was für die tägliche und die anlassgebundene Puja gelehrt wurde, und jede Gottheit …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2324.

Vers 320 [Quellzählung an Position 330]
devatānāṃ mayā proktaṃ dvayorapi ca pārvati |
madhye'ṇurapi na tyājyaḥ sarvathaivārcanakramaḥ ||320||

… deren Verehrung ich in beiden Verfahren genannt habe, Parvati. Kein noch so kleiner Bestandteil soll ausgelassen werden; die ganze Verehrungsordnung ist einzuhalten.

Anmerkung: Quellnummer 320 an Position 330.

Gaben nach den eigenen Möglichkeiten

Auch einfache Materialien können die Verehrung des gesamten Gefolges ermöglichen.

Vers 331
parivārā hi yāvanto vartante'syāḥ kramāgatāḥ |
āgacchanti hi te sarve damanāropakarmaṇi ||331||

Denn alle ihre Begleitwesen, die zu dieser überlieferten Ordnung gehören, kommen beim Damanaropana zusammen.

Vers 332
ato yatnena sampūjyā yathāvibhavamīśvari |
jalapuṣpākṣatadalairabhāve'nyasya vastunaḥ ||332||

Darum verehre man sie sorgfältig nach den eigenen Mitteln, Herrin; fehlt anderes Material, mit Wasser, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und Blättern.

Vers 333
pūjitā muditāḥ satyo dadyuḥ satyaṃ manorathān |
apūjitāḥ punarhanyū ruṣṭāstasya manorathān ||333||

Verehrt und erfreut sollen sie gewiss die Wünsche erfüllen; unverehrt und erzürnt dagegen sollen sie diese Wünsche zunichtemachen.

Anmerkung: TraditionelleVerheißungundDrohung.

Vers 334
ata eva hi sampūjyā nirudvignena cetasā |
yāvadāvaraṇārcāyā devatāḥ parameśvari ||334||

Deshalb verehre man mit unbesorgtem Geist sämtliche Gottheiten der Umkreis-Puja, höchste Herrin …

Vers 335
dalakeśarakoṇasthā vṛttāṣṭārāṃśamadhyagāḥ |
pañcāradvyārabindusthāḥ samaṣṭivyaṣṭināmakāḥ ||335||

… die auf Blättern, Staubfäden und Ecken, in Kreisen und achtteiligen Bereichen, in Fünfer- und Zweieranordnungen sowie im Bindu stehen, als Gesamtgestalten und Einzelgestalten bezeichnet.

Anmerkung: GeometrischeWörterashtara/panchara/dvyaramehrdeutig,keinevermeintlichpräziseYantrarekonstruktion.

Vers 326 [Quellzählung an Position 336]
pūjāvibhavavistāro mukhyāyā api kīrtitaḥ |
naivedyadhūpadīpānāṃ yathāśaktiprakalpanā ||326||

Auch für die Hauptgöttin ist eine reich ausgestattete Verehrung gelehrt: Speisegaben, Räucherwerk und Lichter bereite man nach den eigenen Möglichkeiten.

Anmerkung: Quellnummer 326 an Position 336.

Tier-Bali

Die Quelle nennt Tierarten und verlangt gerade Opferzahlen.

Vers 3357 [Quellzählung an Position 337]
japaḥ svārasikaścātra pūjā tadvacca mānasī |
bhūmā chāgabalīnāṃ ca kartavyo'tra viśeṣataḥ ||3357||

Japa und geistige Puja geschehen hier nach eigener innerer Neigung. Besonders reichlich sollen Ziegen-Balis dargebracht werden …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 3357;Tieropferausdrücklichnichtmetaphorisiert.

Vers 3238 [Quellzählung an Position 338]
paśūnāmapi cānyeṣāṃ vihitānāṃ samarhaṇe |
yugmā eva pradātavyā nāyugmā vai kadācana ||3238||

… und bei der Verehrung auch andere dafür zugelassene Tiere, stets in gerader Zahl, niemals in ungerader.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 3238; yugmaPaar/geradeZahl,nichtzwingendGeschlechterpaar.

Vers 336 [Quellzählung an Position 339]
avayo hariṇāśchāgāḥ śūkarā mahiṣāstathā |
gaṇḍakāḥ kacchapā grāhāḥ pakṣiṇo haṃsakukkuṭāḥ ||336||

Schafe, Hirsche, Ziegen, Schweine, Büffel, Nashörner, Schildkröten, Krokodile und Vögel wie Gänse und Hühner …

Anmerkung: Quellnummer 336;GandakaalsNashorntraditionelleTierbezeichnung,keineZusatzart.

Vers 240 [Quellzählung an Position 340]
balitvena pradātavyā damanāropakarmaṇi |
eṣāṃ vidhānamantrādi kāryaṃ naimittike yathā ||240||

… sind beim Damanaropana als Bali vorgesehen. Verfahren, Mantras und weitere Einzelheiten geschehen wie bei der anlassgebundenen Verehrung.

Anmerkung: Quellnummer 240 an Position 340.

Zeitpunkt der Shakti-Puja

Die Shakti-Verehrung wird ausdrücklich nach Damanaropana angesetzt.

Vers 341
śaktipūjā ca kartavyā damanāropaṇottaram |
kṛte purastātsakalaṃ viphalaṃ jāyate śriye ||341||

Die Shakti-Puja ist nach dem Damanaropana auszuführen. Wird sie vorher vollzogen, soll alles ohne Frucht bleiben.

Anmerkung: Parallelzu eAnhangDamanaropanaZitatab 17150;jetztimHaupttextübersetzt, späterAnhangnichtdoppelt.

Vers 342
śaktyarcane'kṛte cāpi niṣphalaṃ jāyate tathā |
ataḥ kāryā śaktipūjā damanāropaṇottaram ||342||

Auch wenn die Shakti-Verehrung unterbleibt, soll es fruchtlos sein. Darum ist sie nach dem Damanaropana auszuführen.

Vers 343
tasyā api vidhānaṃ hi yatpūrvaṃ te mayeritam |
ādhikyena prakartavyamevamīśvaraśāsanam ||343||

Ihr Verfahren, das ich dir bereits zuvor erklärt habe, ist reichlich auszuführen: So lautet die Weisung des Herrn.

Abschluss der Göttinnen-Puja

Lobpreis und Verneigung leiten zum Bewegen des Pflanzgefäßes über.

Vers 344
evaṃ nirvartya sakalaṃ guhyakālyāḥ prapūjanam |
sāṅgopāṅgaprakāreṇa balidānayutena ca ||344||

Nachdem man so Guhyakalis gesamte Verehrung mit allen Haupt- und Nebengliedern und mit Bali-Gaben vollzogen hat …

Vers 345
yathāśakti tathā stotrapāṭhadaṇḍapraṇāminā |
evaṃ nirvartya sakalāṃ pūjāṃ naimittikīṃ budhaḥ ||345||

… nach den eigenen Möglichkeiten, mit Hymnenrezitation und ausgestreckter Verneigung, und damit die gesamte anlassgebundene Puja abgeschlossen hat …

Acht Gebetsstrophen zum Anheben

Kama wird gebeten, mit seinem Gefolge in die Gegenwart der Göttin zu treten.

Vers 346
sapaṅkārūḍhadamanaṃ mṛtpātraṃ samuddharet |
uttiṣṭha madanānaṅga damanākṛtidhāraka ||346||

… hebe der Kundige das Tongefäß mit dem im Schlamm wachsenden Damana an: „Erhebe dich, Madana, Ananga, der du Damana-Gestalt trägst …“

Vers 2347 [Quellzählung an Position 347]
ratiprītiyutasvīyaparivārasamanvita |
gṛhītvā matkṛtāṃ pūjāṃ tava prāṇādrūpiṇīm ||2347||

„… zusammen mit deinem Gefolge, Rati und Priti! Nimm meine Puja an, die für dich Leben … bedeutet.“

Anmerkung: Fragment:pranadrupinimimOCRप्राखदरूपिणीम्nichtzuverlässigdeutbar;vermuteterLebensbezugmarkiert. VerformteQuellziffer 2347.

Vers 348
devyai samarpayiṣyāmi tvāmahaṃ rudraśāsanāt |
dagdhaḥ sañjīvito yadvattvaṃ rudreṇa dayālunā ||348||

„Auf Rudras Weisung werde ich dich der Göttin darbringen. Wie du nach deiner Verbrennung vom mitfühlenden Rudra wiederbelebt wurdest …“

Vers 345 [Quellzählung an Position 349]
tathā saṃsāradagdhaṃ māṃ tvaṃ jīvaya kṛpekṣaṇaiḥ |
tava dehasvarūpeṇa damanenāmunā smara ||345||

„… so belebe du mich, den Samsara verbrannt hat, durch deine mitfühlenden Blicke! Mit diesem Damana, das deinen Leib verkörpert, Smara …“

Anmerkung: Quellnummer 345 an Position 349.

Vers 350
vārṣikārcāsamāptyarthaṃ pūjayiṣyāmi kālikām |
atastvāṃ cālayāmyadya parvatādapi niścalam ||350||

„… werde ich Kalika verehren, um die Jahres-Puja zu vollenden. Darum bewege ich dich heute, der du fester als ein Berg stehst.“

Vers 351
calite tvayi kandarpa caliṣyantyakhilāḥ surāḥ |
tvaṃ cālayasi sarveṣāṃ dhairyāṇi makaradhvaja ||351||

„Wenn du dich bewegst, Kandarpa, werden alle Götter sich bewegen. Du erschütterst die Standhaftigkeit aller, Makaradhvaja.“

Vers 352
tvāṃ cālayāmyahamapi surakāryaikatatparam |
yathā surāṇāṃ kāryārthaṃ calitastvaṃ triviṣṭapāt ||352||

„Nun bewege auch ich dich, der du ganz dem Anliegen der Götter hingegeben bist. Wie du einst um ihrer Sache willen aus dem Himmel aufgebrochen bist …“

Vers 2353 [Quellzählung an Position 353]
matkāryāya cala tvaṃ hi sthānādasmāttataḥ smara |
tava sthito vasanto'gre śarāḥ pañca ca dakṣiṇe ||2353||

„… so verlasse jetzt um meiner Sache willen diesen Ort, Smara! Vor dir steht der Frühling, rechts die fünf Pfeile …“

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2353.

Vers 354
vāme cāpaḥ prītiratī pārśvayoḥ pṛṣṭhago'nilaḥ |
paṭhitvā vaidikānmantrānetānaṣṭau surārcite ||354||

„… links der Bogen, an deinen Seiten Priti und Rati und hinter dir der Wind.“ Nach Rezitation dieser acht als vedisch bezeichneten Mantras, du von den Göttern Verehrte …

Anmerkung: AchtStrophenumfassengeteilteVersgrenzen346b–354a,nichtneunummeriert.

Tantrischer Bewegungsmantra

Bijas, Kutas und Bewegungsaufforderungen bilden die ergänzende Formel.

Vers 355
tāntrikaṃ mantramuccārya cālayetpaṅkabhājanam |
tāramaidhatrapākāmavadhūprāsādaśaktayaḥ ||355||

… spreche man den tantrischen Mantra und bewege das Schlammgefäß: Tara, Maidha, Trapa, Kama, Vadhu, Prasada, Shakti …

Vers 356
tataśca rāvaḍākinyau bījāni purato nava |
syuḥ parācidanaṅgāni kūṭāni tadanantaram ||356||

… Rava und Dakini bilden die neun Bijas am Anfang. Danach folgen die Kutas Para, Chit und Ananga.

Anmerkung: ParachidanangaGruppierungvorläufig,keineverschlüsseltenLauteerfunden.

Vers 357
ehyehyuttiṣṭha madana dvitīyaṃ sandhivarjitam |
calayugmaṃ cālayadviḥ sarvabhūtavaśaṅkara ||357||

Dann „ehi ehi uttishtha madana“ – „Komm, komm, erhebe dich, Madana!“ –, beim zweiten Ausdruck ohne Sandhi; zweimal „chala“ – „Bewege dich!“ –, zweimal „chalaya“ – „Setze in Bewegung!“ –, „sarvabhutavashankara“ – „Beherrscher aller Wesen!“ …

Anmerkung: WelchezweiteFormgenauSandhiausnimmtunsicher,nichtvollrekonstruiert.

Vers 358
āgacchadvitayaṃ cāpi tathā'vatarayugmakam |
devīsannidhimābhāṣya vrajayugmaṃ tataḥ param ||358||

… zweimal „agaccha“ – „Komm!“ –, zweimal „avatara“ – „Steige herab!“ –, „devisannidhim vraja vraja“ – „Gehe in die Gegenwart der Göttin!“ …

Vers 3546 [Quellzählung an Position 359]
punaḥ sakūṭāni vadedbījāni vyutkramānnava |
ante huṃ phaṭ namaḥ svāhā prokto'yaṃ cālane manuḥ ||3546||

… dann wieder die neun Bijas samt Kutas in umgekehrter Reihenfolge. Am Ende „hum phat namah svaha“. So lautet der Mantra zum Bewegen.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 3546;Quellh am/h umunsicherOCRहं,daherhuṃvorläufiggekennzeichnet;keineunbelegteLängung.

Das Gefäß vor die Göttin bringen

Das Gefäß wird behutsam umgesetzt, umwunden und erneut verehrt.

Vers 360
imaṃ mantraṃ samuccārya padānyaṣṭau ca tānyapi |
śanairmṛtpātramuttolya karābhyāṃ śabdavarjitam ||360||

Nachdem man diesen Mantra und jene acht Strophen gesprochen hat, hebe man das Tongefäß behutsam mit beiden Händen ohne Geräusch an …

Vers 2361 [Quellzählung an Position 361]
samānayetpuro devyāḥ sthāpayecca same sthale |
navakṛtvastu sūtreṇa veṣṭayetparameśvari ||2361||

… bringe es vor die Göttin und stelle es auf eine ebene Fläche. Neunmal umwinde man mit einem Faden, höchste Herrin …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2361.

Vers 362
pīṭhaṃ mṛtpātramubhayaṃ huṃ phaṭ phaḍiti kīrtayan |
tayaivā'naṅgagāyatryā madanaṃ punararcayet ||362||

… sowohl Pitha als auch Tongefäß und spreche dabei „hum phat phat“. Mit derselben Ananga-Gayatri verehre man Madana erneut.

Anmerkung: Quellh am/hu mbeiहंunsicher,Lesunghuṃvorläufig;Kurzformnichtstillhūṃ.

Vers 362 [Quellzählung an Position 363]
pādyādibhirviśeṣeṇa pūjayedvastupañcakaiḥ |
gāyatryākhyena tenaiva pracuratvena kalpitaiḥ ||362||

Mit jener Gayatri verehre man ihn besonders durch fünf Arten von Gaben, beginnend mit Fußwaschwasser, reichlich bereitgestellt …

Anmerkung: Quellnummer 362erneut, keineDublettenlöschung.

Vers 364
pṛthakkarpūrakastūrīgandhakuṅkumakajjalaiḥ |
etenaiva prakāreṇa punareva hi caṇḍikām ||364||

… sowie einzeln mit Kampfer, Moschus, Duftstoff, Safran und Augenschminke. Auf dieselbe Weise verehre man dann auch Chandika …

Anmerkung: Satzgeht365weiter.

Damana der Göttin darbringen

Ein eigenes Gebet und eine Göttinnen-Gayatri begleiten die Pflanzengabe.

Vers 265 [Quellzählung an Position 365]
taireva pūjayed dravyaiḥ kintu naivedyasaṃyutaiḥ |
asminnavasare naiva mūlamantro hyapekṣitaḥ ||265||

… mit denselben Materialien, jedoch ergänzt um Speisegaben. Bei dieser Gelegenheit ist der Wurzelmantra nicht erforderlich.

Anmerkung: Quellnummer 265 an Position 365.

Vers 366
iṣṭā madanagāyatrī tāṃ bravīmyadhunā tava |
mahāmātre vidmahe ca kālasaṅkarṣaṇīṃ tataḥ ||366||

Hier ist die Madana-Gayatri vorgesehen; ich nenne sie dir nun: „mahamatre vidmahe“ – „Wir wollen die Große Mutter erkennen“ –, danach „kalasamkarshini“ …

Anmerkung: DieseMadana-GayatriistGöttinnenanrufung, andersalsAnangaGayatri148,nichtvertauscht.

Vers 3657 [Quellzählung an Position 367]
ṅe'ntāmuktvā dhīmahīti tanno yogīśvarī tataḥ |
pracodayādiyaṃ proktā gāyatrī madanābhidhā ||3657||

… im Dativ, mit „dhimahi“ – „Wir meditieren über diejenige, die die Zeit in sich zusammenzieht“ –, dann „tan no yogishvari prachodayat“ – „Möge Yogishvari uns anregen“. Dies ist die Madana genannte Gayatri.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 3657.

Vers 368
anayaiva prayaccheta prācuryaṃ pañcavastunām |
athāśokaṃ ropayenmadhye kāmavasantayoḥ ||368||

Mit ihr bringe man die fünf Arten von Gaben reichlich dar. Dann pflanze man einen Ashoka zwischen Kama und Vasanta.

Vers 366 [Quellzählung an Position 369]
yadyapyasya sitāṣṭamyāṃ caitre prāśastyamucyate |
tathāpi gauṇakālatvādyatra kutrāpi kalpanā ||366||

Obwohl hierfür der achte Tag der hellen Hälfte des Chaitra als besonders günstig bezeichnet wird, kann die Handlung als Ausweichtermin auch zu einer anderen Zeit angesetzt werden.

Anmerkung: Quellnummer 366;genaueReichweite„irgendwann“imrituellenKontext,nichtalleKalenderregelnaufgehoben.

Vers 370
tadalābhe'pi tatpatraṃ śuṣkaṃ kusumameva vā |
paṅka āropya sampūjyaṃ damanāropakarmaṇi ||370||

Ist kein Ashoka verfügbar, setze man ein Blatt oder eine getrocknete Blüte davon in den Schlamm und verehre es beim Damanaropana.

Vers 371
aśokatarumūle tu sadā vasati manmathaḥ |
yasmāttamapyarcayettatra madhye kāmavasantayoḥ ||371||

Manmatha wohnt stets am Fuß des Ashoka-Baumes. Darum verehre man auch diesen zwischen Kama und Vasanta.

Vers 372
tārādaśokavṛkṣāya nama ityeṣa vai manuḥ |
sarvopacārānetena vañjulāyārpayet priye ||372||

Nach Tara folgt „ashokavrikshaya namah“ – „Verehrung dem Ashoka-Baum“. Dies ist der Mantra; mit ihm bringe man Vanjula alle Opferdienste dar, Geliebte.

Anmerkung: VanjulaandererBaumnameimQuelltext, nichtstillzuAshokaersetzt.

Vers 373
lābhe tatpuṣpamālyena pañcabāṇaṃ prapūjayet |
alābhe śuṣkakusumapatreṇāpi sureśvari ||373||

Wenn verfügbar, verehre man den Fünfpfeiligen mit einer Girlande seiner Blüten; andernfalls mit einer getrockneten Blüte oder einem Blatt, Herrin der Götter.

Gebet und Lobpreis

Die Darbringung wird mit Bitten um Annahme, Befreiung und Erfüllung verbunden.

Vers 374
anujñāmatha gṛhṇīyād baddhāñjalipuṭo budhaḥ |
saṃspṛśya pīṭhamambāyā madhyamābhyāṃ hi hastayoḥ ||374||

Dann erbitte der Kundige die Erlaubnis, mit gefalteten Händen, während die beiden Mittelfinger den Sitz der Mutter berühren:

Vers 2715 [Quellzählung an Position 375]
oṃ jaya mātarjagaddhātri jaya śailendranandini |
jaya pāpaughadalani jaya dhūrjaṭivallabhe ||2715||

„Om. Sieg dir, Mutter, Trägerin der Welt! Sieg dir, Tochter des Bergkönigs! Sieg dir, Zermalmerin der Menge der Verfehlungen! Sieg dir, Geliebte Dhurjatis!“

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2715 an Position 375.

Vers 376
jaya kṣemaṅkari śive jaya siddhipradāyini |
jaya trailokyarakṣitri jaya śatruniṣūdani ||376||

„Sieg dir, heilwirkende Shiva! Sieg dir, Spenderin der Vollkommenheit! Sieg dir, Beschützerin der drei Welten! Sieg dir, Vernichterin der Feinde!“

Vers 377
devyayaṃ pūjitaḥ kāmo ratiprītisamanvitaḥ |
sakhyā vasantena yuto'śokadrumatalasthitaḥ ||377||

„Göttin, dieser Kama ist mit Rati und Priti verehrt worden, zusammen mit seinem Freund Vasanta, unter dem Ashoka-Baum stehend.“

Vers 378
paṅkādenaṃ samuddhṛtya madanaṃ damanātmakam |
tvāmahaṃ paridāsyāmi yadyanujñā tavāmbike ||378||

„Ich werde diesen Madana in Damana-Gestalt aus dem Schlamm herausheben und dir darbringen, wenn du es erlaubst, Ambika.“

Anmerkung: Tvamahamparidas yamiimSanskritKasusauffällig,Adressatintextklar,keineneueFormelergänzt.

Vers 3746 [Quellzählung an Position 379]
devyanujñāṃ gṛhītvetthaṃ kāmānujñāṃ ca prārthayet |
tayaiva mudrayā kintu bhinnairmanubhireva ca ||3746||

Nachdem man so die Erlaubnis der Göttin erhalten hat, erbitte man mit derselben Mudra, jedoch anderen Mantras, auch Kamas Erlaubnis.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 3746.

Vers 380
puṣpadhanvannamaste'stu namaste mīnaketana |
munīnāṃ lokapālānāṃ dhairyacyutikṛte namaḥ ||380||

„Blumenbogenträger, Verehrung sei dir! Verehrung dir, Fischbannerträger! Verehrung dem, der die Standhaftigkeit der Weisen und Weltenhüter erschüttert!“

Vers 381
mādhavātmaja kandarpa śambarāre ratipriya |
namastubhyaṃ jitāśeṣabhuvanāya manobhuve ||381||

„Sohn Madhavas, Kandarpa, Feind Shambaras, Geliebter Ratis! Verehrung dir, dem aus dem Geist Entstandenen, der alle Welten erobert hat!“

Anmerkung: SohnMadhavasversusBrahmasSohnfrühernichtharmonisiert,verschiedeneMythenschichten.

Vers 382
ādhayo mama naśyantu vyādhayaśca śarīrajāḥ |
sampadyatāmabhīṣṭaṃ me sampadaḥ santu me sthirāḥ ||382||

„Mögen meine seelischen Leiden und meine körperlichen Krankheiten vergehen! Möge sich mein Ersehntes erfüllen und mein Wohlergehen beständig sein!“

Anmerkung: Gebet,keineHeilungszusage.

Vers 383
namo mārāya kāmāya devadevasya mūrtaye |
brahmaviṣṇuśivendrāṇāṃ namaḥ kṣobhakarāya te ||383||

„Verehrung Mara, Kama, der Gestalt des Gottes der Götter! Verehrung dir, der du Brahma, Vishnu, Shiva und Indra erschütterst!“

Vers 2384 [Quellzählung an Position 384]
pūjito'si mayā bhaktyā tvaṃ devyai dātumādarāt |
atastvāmuddhariṣyāmi tatrānujñāṃ prayaccha me ||2384||

„Ich habe dich voller Hingabe verehrt, um dich ehrerbietig der Göttin darzubringen. Darum werde ich dich herausheben; gewähre mir hierzu deine Erlaubnis!“

Anmerkung: VerformteQuellziffer 2384.

Vers 385
utpātajanitaṃ duḥkhaṃ na kāryaṃ cetasi tvayā |
tvaccharīreṇa durgāyāḥ kariṣyāmyarcanaṃ smara ||385||

„Empfinde im Herzen keinen Schmerz durch das Herausziehen! Mit deinem Leib werde ich Durga verehren, Smara.“

Anmerkung: Utpat aHerausreißenimPflanzkontext, nichtOmenwieanderswo.

Vers 386
ādidvitīyayoḥ kāma vyatyayādvarṇayostava |
madanetyabhidhā jātā damaneti sthite'kṣare ||386||

„Kama, durch Vertauschung der ersten beiden [maßgeblichen] Laute wird aus der Lautfolge ‚damana‘ der Name ‚madana‘.“

Anmerkung: Wortspield/mstattlinearersterzweiZeichen;Quelle„ersteundzweite“Lauteerläutert,nichtalswissenschaftlicheEtymologie.

Vers 387
jāyate'tīva santuṣṭā tava dehena kālikā |
atastvāmuddharāmyadya kāmāgaḥ kṣamyatāṃ mama ||387||

„Durch deinen Leib wird Kalika überaus zufrieden. Darum hebe ich dich heute heraus; Kama, verzeihe mir diese Verfehlung!“

Guru, Gaben und Abschluss

Auch der Guru wird verehrt; der Text nennt Aufwendungen und Abschlussgaben.

Vers 388
mantrānaṣṭau japitvaitānaparaṃ tāntrikaṃ paṭhan |
manuṃ samuddhareddhīro damanaṃ madanātmakam ||388||

Nachdem man diese acht Mantras rezitiert hat, spreche der Besonnene einen weiteren tantrischen Mantra und hebe das Damana heraus, dessen Wesen Madana ist.

Vers 386 [Quellzählung an Position 389]
caitanyaṃ pāśamāye ca vadhūrmanmatha eva ca |
caladvayaṃ cālaya dviruttiṣṭhadvitayaṃ tathā ||386||

[Zuerst] Chaitanya, Pasha, Maya, Vadhu und Manmatha, dann zweimal „chala“ – „Bewege dich!“ –, zweimal „chalaya“ – „Setze in Bewegung!“ – und zweimal „uttishtha“ – „Erhebe dich!“ …

Anmerkung: Quellnummer 386 an Position 389.

Vers 360 [Quellzählung an Position 390]
sandhihīnaṃ brahmaputra sarvagarvaprabhañjana |
trilokīsukhadaṃ procya tathā daṇḍādipañcakam ||360||

… ohne Sandhi, „brahmaputra“ – „Sohn Brahmas!“ –, „sarvagarvaprabhanjana“ – „Zerbrecher alles Hochmuts!“ –, „trilokisukhada“ – „Freudenspender der drei Welten!“ –, und die mit Danda beginnende Fünfergruppe …

Anmerkung: Quellnummer 360 an Position 390.

Vers 341 [Quellzählung an Position 391]
vārṣikārcāṃ pūraya dvirasiddhātsādhanetyapi |
sandhānonaṃ siddhimiti dvirdvirdehi ca dāpaya ||341||

… „varshikarcham puraya puraya“ – „Vervollständige die Jahresverehrung!“ –, „asiddhasadhana“ – „Vollender des Unvollendeten!“ –, dann „siddhim“ mit je zweimal „dehi“ und „dapaya“ – „Gewähre Vollkommenheit, lass sie gewähren!“

Anmerkung: Quellnummer 341;Sandhi-Anweisungleichtbeschädigt, keinevollständigentschlüsselteFormel.

Vers 362 [Quellzählung an Position 392]
kūrcāstraśīrṣāṇyante ca mantra uddharaṇe mataḥ |
nānāvidheṣu vādyeṣu vādayatsu tataḥ param ||362||

Am Ende stehen Kurcha, Astra und Haupt. Dies gilt als der Mantra zum Herausheben. Während danach verschiedene Instrumente erklingen …

Anmerkung: Quellnummer 362 an Position 392.

Vers 3863 [Quellzählung an Position 393]
śaṅkhatūryamṛdaṅgeṣu ghaṇṭātodyadhvaneṣu ca |
utthāya sādhako dadyād damanaṃ kālikopari ||3863||

… Muscheln, Blasinstrumente, Mridangas, Glocken und andere Klangerzeuger, erhebe sich der Sadhaka und lege das Damana auf Kalika …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 3863.

Vers 364 [Quellzählung an Position 394]
vakṣyamāṇena mantreṇa vārāṃstrīn paṭhitena ca |
jaya jīveti śabdānāṃ kolāhalakutūhalaiḥ ||364||

… mit dem dreimal gesprochenen, gleich zu nennenden Mantra, unter freudigem Lärm und den Rufen „Siege! Lebe!“

Anmerkung: Quellnummer 364 an Position 394.

Vers 365 [Quellzählung an Position 395]
ādau tu tritayaṃ dadyānmaidhasya praṇavasya ca |
ramātrapāsmaravadhūkālīpāśalagāvipāḥ ||365||

Zuerst setze man je dreimal Maidha und Pranava; danach Rama, Trapa, Smara, Vadhu, Kali, Pasha und …

Anmerkung: Fragment:letzteDecknamenलगाविपाःunsicher,keinefehlendenSilbenergänzt. Quellnummer 365.

Vers 366 [Quellzählung an Position 396]
śākinī ḍākinī cāpi phetkārī pralayādimā |
tataśca duṣkṛtaṃ tandrā maṇimālā tathaiva ca ||366||

… Shakini, Dakini, Phetkari, [die mit] Pralaya [beginnende Gruppe], dann Dushkrita, Tandra und Manimala …

Anmerkung: Quellnummer 366;pralayadimaReichweiteunsicher,nichtListeerraten.

Der abschließende Mantra

Die Formel wird durch zahlreiche Bija-Decknamen beschrieben. Beschädigte Zuordnungen werden nicht ergänzt.

Vers 367 [Quellzählung an Position 397]
sāyujyāntānyatho śaktisarvasvādīni pañca ca |
teja ādityakhādīni navātmānyanupūrvaśaḥ ||367||

… darauf die fünf mit Shaktisarvasva beginnenden und mit Sayujya endenden [Kutas], danach der Reihe nach die neungliedrigen, mit Tejas, Aditya und Kha beginnenden …

Anmerkung: Quellnummer 367;komplexeKutaVerweisungnichtausVermutungentschlüsselt.

Vers 348 [Quellzählung an Position 398]
kalā śarvo bhayādyāni nava kūṭānyanukramāt |
sadyojātādikāḥ kūṭāḥ pañca śrautrakramāgatāḥ ||348||

… neun Kutas in der Reihenfolge Kala, Sharva, Bhaya und so fort; dann die fünf mit Sadyojata beginnenden Kutas nach der Shruti-Ordnung …

Anmerkung: Quellnummer 348;KalasharvobhayadyaGliederungvorläufig.

Vers 364 [Quellzählung an Position 399]
rasau sarau rahau cāpi harāvatha sahau hasau |
ubhau ca pūrvavadyuktau krameṇaiva kalādibhiḥ ||364||

… „ra-sa“, „sa-ra“, „ra-ha“, „ha-ra“, „sa-ha“ und „ha-sa“, jeweils beide wie zuvor mit Kala und den folgenden [Lautbestandteilen] verbunden …

Anmerkung: Quellnummer 364;DualealsLautpaare,keineVokalfüllungoderVollbijas.

Vers 400
aṣṭādaśātmānyaṣṭādaśa bhavanti varānane |
aikātmyāditrayaṃ śeṣe ṣaṣṭireva bhavanti hi ||400||

… daraus werden achtzehn achtzehngliedrige [Einheiten], Schönangesichtige. Am Ende steht die mit Aikatmya beginnende Dreiergruppe; insgesamt werden sechzig genannt.

Anmerkung: ZahlenangabennichtdurchfehlendeKutasrekonstruiert,Rechenbezugmehrdeutig.

Vers 401
pañcaviṃśatibījāni adhikāni tato daśa |
kūṭāni bhagavatyuktvā vajrakāpālini smaret ||401||

[Genannt werden] fünfundzwanzig Bijas und danach zehn weitere Kutas. Dann spreche man „bhagavati“ und „vajrakapalini“ …

Anmerkung: Zählverhältniszu400nichtglattgerechnet;keinapparentlycompleteMantra.

Vers 402
siddhiśabdāt pṛthagbrūyāt karāli vikarāli ca |
tato vadecca madanamanugṛhṇeti ekakam ||402||

… vor „karali“ und „vikarali“ jeweils „siddhi“, also „siddhikarali siddhivikarali“, dann einmal „madanam anugrihna“ – „Erweise Madana Gnade!“ …

Vers 403
damanaṃ gṛhṇayugmaṃ ca śivaśaktipadādanu |
sāmarasyaṃ bhajadvandvaṃ tataḥ parasadāśiva ||403||

… „damanam grihna grihna“ – „Nimm das Damana an!“ –, „shivashaktisamarasyam bhaja bhaja“ – „Gehe in die Einheit von Shiva und Shakti ein!“ –, danach „paras adashiva …“

Anmerkung: Wortläuft404weiter.

Vers 404
paryaṅkaśāyini procya śivamūrdhni sthitā vadet |
nṛtya gāya hasa krīḍa rama moda yugaṃ dvayam ||404||

… „paryankashayini“ – „die du auf dem Lager des höchsten Sadashiva ruhst!“ –, „shivamurdhni sthita“ – „die du auf Shivas Haupt stehst!“ –, dann jeweils zweimal „Tanze! Singe! Lache! Spiele! Erfreue dich! Sei froh!“

Anmerkung: KombinierteAnredenruh end/stehendquellentreu,nichtikonographischharmonisiert.

Vers 405
mamānu vārṣikārcāṃ vai samāpayayugaṃ tataḥ |
mṛtyuñjaya sahetyuktvā dharmacāriṇi kīrtayet ||405||

Danach „mama varshikarcham samapaya samapaya“ – „Vollende meine Jahresverehrung!“ –, „mrityunjayasahadharmacharini“ – „Gefährtin Mrityunjayas im gemeinsamen Dharma“ …

Vers 406
punaḥ kaulavrataṃ procya paripālinyanūccaret |
jaya jīva […] sphura prasphura vardhaya ||406||

… „kaulavrataparipalini“ – „Bewahrerin der Kaula-Gelübde!“ –, dann „Siege! Lebe!“ … „Erstrahle! Leuchte hervor! Mehre!“ …

Anmerkung: Fragment:BefehlezwischenjivaundsphuraOCRkahachayaunverständlich,keinefehlendenVerbenerraten.

Vers 407
eteṣāṃ yugalaṃ brūyādādyādīnyatha pañca ca |
nādāntādicatuṣkaṃ ca tāvanmāraṇḍakādi ca ||407||

Diese spreche man jeweils doppelt; danach die fünf mit Adya beginnenden [Bijas], die vier mit Nadanta beginnenden und ebenso vier mit Marandaka beginnende …

Vers 408
rañjanī ca ghaṭī ceti siddhiṃ me dehi dāpaya |
paramānandasandohaśālinīti tataḥ param ||408||

… Ranjani und Ghati, „siddhim me dehi dapaya“ – „Gewähre mir Vollkommenheit und lass sie gewähren!“ –, dann „paramanandasandohashalini“ – „die du von höchster Glückseligkeit erfüllt bist!“ …

Vers 406 [Quellzählung an Position 409]
brahmendropendravaruṇamuṇḍamālini cetyapi |
sañcāriṇi śmaśānārṇān trilokīmāriṇītyapi ||406||

… „brahmendropendravarunamundamalini“ – „die du eine Girlande aus den Köpfen Brahmas, Indras, Upendras und Varunas trägst!“ –, „shmashanasamcharini“ – „die du auf der Leichenstätte umherziehst!“ –, „trilokimarini“ – „Töterin der drei Welten!“ …

Anmerkung: Quellnummer 406 an Position 409;WortbildungsanweisungfürshmashanaimSanskritbewahrt.

Vers 410
guhyakālīti sakalakālikāmayaśabdataḥ |
śarīre jananītyevaṃ tathā tribhuvanārṇataḥ ||410||

… „guhyakali“, „sakalakalikamayasharire“ – „deren Leib aus allen Kali-Gestalten besteht!“ –, „tribhuvanajanani“ – „Mutter der drei Welten!“ …

Vers 411
tataśca paramārthādikūṭatrayamudīrayet |
tristriḥ kūrcaṃ tathā'straṃ ca manū hṛcchīrṣayorapi ||411||

… dann die drei mit Paramartha beginnenden Kutas, je dreimal Kurcha und Astra sowie die Mantras von Herz und Haupt.

Vers 412
mantreṇānena damanaṃ pīṭhasyopari vinyaset |
dhūpadīpādibāhulyavādyaprācuryapūrvakam ||412||

Mit diesem Mantra lege man das Damana auf den Pitha, begleitet von reichlichem Räucherwerk, Lichtern und voller Instrumentalmusik.

Vers 413
mantre'smin devi vijñeyā daśonā triśatākṣarī |
tataḥ stutiṃ yathāśakti devyāḥ kurvīta sādhakaḥ ||413||

Dieser Mantra wird als aus dreihundert weniger zehn, also zweihundertneunzig Lauten bestehend bezeichnet, Göttin. Danach preise der Sadhaka die Göttin nach seinen Möglichkeiten …

Anmerkung: Zahl290ausText,wederLautrekonstruktionnochunabhängigeBestätigung.

Vers 414
uktaiḥ pūrvāparībhūtairvividhaiḥ stotrapāṭhanaiḥ |
śaktipūjāṃ tataḥ kṛtvā naivedyānyupayojayet ||414||

… durch Rezitation der verschiedenen zuvor gelehrten Hymnen in ihrer Folge. Danach vollziehe man die Shakti-Puja und genieße die Speisegaben.

Nachtfeier und Entlassung

Der Festabschluss umfasst gemeinschaftliche Feiern und die rituelle Entlassung der Gottheiten.

Vers 415
mahāntamutsavaṃ kuryād gītanṛtyādinādanam |
evaṃ yaḥ kurute pūjāṃ damanāropaṇābhidhām ||415||

Man begehe ein großes Fest mit Gesang, Tanz und Musik. Wer so die Damanaropana genannte Puja vollzieht …

Vers 416
bhavanti nāpadastasya kadācidapi sundari |
sidhyanti tasya mantrāśca nārīṇāṃ vallabho bhavet ||416||

… den sollen niemals Widrigkeiten treffen, Schöne; seine Mantras sollen wirksam werden, und er soll den Frauen lieb sein.

Anmerkung: HistorischePhalashruti,keinegarantierteWirkungbehauptet.

Vers 417
sarvasampadyutaḥ śrīmān modate divi devavat |
madhumāse tu samprāpte śuklapakṣe trayodaśī ||417||

Mit allem Wohlstand versehen, soll er im Himmel wie ein Gott Freude genießen. [Die Zeit des Rituals ist] im Monat Madhu der dreizehnte Tag der hellen Hälfte …

Anmerkung: Zeitangabegeht418weiter.

Vers 418
athavā harinidrādi tadūrdhvamaśubhāvahā |
proktā damanabhañjīti mahāmāyāmahotsavaḥ ||418||

… beziehungsweise [bis zur Zeit von] Haris Schlaf; danach gilt sie als unheilvoll. Das große Fest Mahamayas wird Damanabhanji genannt.

Anmerkung: Zeitbestimmungbeschädigt/elliptisch„harinidradi“,keinepräziseAlternativfristalsgesichert. DamanabhanjiQuellname.

Vers 416 [Quellzählung an Position 419]
pūjayiṣyanti ye martyā damanaistatra kālikām |
te yānti paramaṃ sthānaṃ damanasya prabhāvataḥ ||416||

Menschen, die dabei Kalika mit Damana verehren, sollen durch dessen Kraft den höchsten Ort erreichen.

Anmerkung: Quellnummer 416 an Position 419.

Vers 420
purā vivāhe saṃvṛtte pārvatyāḥ śaṅkarasya ca |
na babhūva tayoḥ kelirvinā madanajīvanam ||420||

Einst, nach der Hochzeit Parvatis und Shankaras, gab es für beide kein Liebesspiel, solange Madana nicht wiederbelebt war.

Anmerkung: ErwachsenesgöttlichesEhepaar,nichtgrafisch.

Vers 421
ata eva vidhātavyā prativarṣamiyaṃ kriyā |
na kurvanti ca ye tatra damanāropaṇābhidham ||421||

Darum ist diese Handlung jedes Jahr auszuführen. Wer das Damanaropana unterlässt …

Vers 422
teṣāṃ puṇyaphalaṃ naṣṭaṃ jāyate prativatsaram |
damanāropaṇaṃ kṛtvā tasminnahani vā'pare ||422||

… dessen religiöse Verdienstfrucht soll jedes Jahr verlorengehen. Nach dem Damanaropana schmücke man sich am selben oder am folgenden Tag …

Anmerkung: Nashta ausOCRnesht a vorläufig,KontextVerlustklar.

Vers 423
ātmānaṃ bhūṣayedgandhālaṅkārakusumāmbaraiḥ |
jugupsitoktibhistatra mādakadravyabhakṣaṇaiḥ ||423||

… mit Duftstoffen, Schmuck, Blumen und Gewändern. Dabei vergnüge man sich mit anstößigen Äußerungen und dem Genuss berauschender Stoffe …

Anmerkung: HistorischeFestbeschreibung,nichtmoderneYogaübung.

Vers 424
bhagaliṅgoktikathanaistadākṛtiviceṣṭitaiḥ |
prasūnatāḍanākṣepaiḥ kardamakrīḍanairapi ||424||

… mit Reden über Vulva und Penis, entsprechenden darstellenden Gesten, spielerischem Schlagen oder Bewerfen mit Blumen und Schlammspielen …

Anmerkung: KeinegrafischenDetailszurFestbeschreibungergänzt.

Vers 425
yatheṣṭaṃ viharetstrībhiḥ parihāsarasaiḥ saha |
tena santuṣyate kāmo jaganmātā ca kālikā ||425||

… nach Belieben zusammen mit Frauen, in scherzhafter Freude. Dadurch sollen Kama und Kalika, die Mutter der Welt, zufriedengestellt werden.

Vers 426
damanāropaṇaṃ kṛtvā caṇḍikāyai samarpya ca |
yatphalaṃ prāpyate samyaṅna tatkratuśatairapi ||426||

Die Frucht, die aus dem vorschriftsgemäßen Damanaropana und seiner Widmung an Chandika erwächst, soll selbst durch hundert Opfer nicht erlangt werden.

Vers 427
samupya damanaṃ caitre tena cābhyarcya kālikām |
saptajanmakṛtaiḥ pāpairmucyate nātra saṃśayaḥ ||427||

Wer im Chaitra Damana pflanzt und Kalika damit verehrt, soll von den Verfehlungen aus sieben Geburten frei werden – daran bestehe kein Zweifel.

Anmerkung: ReligiöseVerheißungdesTextes.

Vers 428
caitraśuklatrayodaśyāmadhivāsanapūrvakam |
āropya damanaṃ durgāṃ vidhinā'nena pūjayet ||428||

Am dreizehnten Tag der hellen Chaitra-Hälfte pflanze man nach vorausgehender Adhivasa-Vorbereitung Damana und verehre Durga nach diesem Verfahren …

Vers 4286 [Quellzählung an Position 429]
mayoktena varārohe tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu |
aśvamedhasahasrasya rājasūyaśatasya ca ||4286||

… das ich gelehrt habe, Schöne. Höre seine Verdienstfrucht: diejenige von tausend Ashvamedhas und hundert Rajasuyas …

Anmerkung: VerformteQuellziffer 4286;historischeOpferarten.

Vers 430
tatphalaṃ samavāpyā'sau devavaddivi modate |
iti te kathitaṃ devi damanāropaṇārcanam ||430||

… soll man erhalten und im Himmel wie ein Gott Freude genießen. So habe ich dir, Göttin, die Damanaropana-Verehrung erklärt …

Die Frage nach Pavitrarohana

Die Göttin bittet um Erklärung der jährlich darzubringenden Pavitra-Fäden.

Vers 431
sakalaṃ vidhimantrādyaṃ kimanyacchrotumicchasi |
damanāropaṇaṃ karma nātha tvattaḥ śrutaṃ mayā ||431||

… mit allen Vorschriften, Mantras und weiteren Einzelheiten. Was möchtest du noch hören? [Die Göttin antwortet:] Herr, von dir habe ich die Handlung des Damanaropana vernommen.

Anmerkung: SprecherzeileDevyuvachainderQuellezwischenHalbversen,danachalsS4dokumentiert.

Sprecherzeile
devyuvāca |

Die Göttin sprach:

Anmerkung: In der Quelle zwischen den beiden Halbversen431; RedewechselimVersausgewiesen.

Vers 432
pavitrārohaṇaṃ nāma śrotumicchāmi sāmpratam |
kiṃ dravyaṃ kaḥ prakāraśca itikartavyatā katham ||432||

Jetzt möchte ich vom Pavitrarohana hören. Welches Material verwendet man, wie ist das Verfahren, und welche Pflichten sind dabei zu erfüllen?

Herkunft und Bedeutung des Pavitra

Mahakala erläutert das Ritual und verbindet es mit Reinheit und dem Abschluss der Jahresverehrung.

Vers 433
kiṃ phalaṃ kaśca vā kālaḥ sarvaṃ vistarato vada |
śṛṇu priye sāvadhānā pavitrārohaṇaṃ śubham ||433||

Welche Frucht bringt es, und wann ist seine Zeit? Erkläre alles ausführlich! [Antwort:] Höre aufmerksam, Geliebte, vom heilvollen Pavitrarohana …

Anmerkung: KeineausgeschriebeneSprecherzeilevorAntwort, nichtneu erfunden.

Vers 434
bruvato me viśeṣeṇa yathāvidhimatakramam |
vedā devāśca yajñāśca gāva āpaḥ kuśā haviḥ ||434||

… das ich dir im Einzelnen nach der vorgeschriebenen Ordnung darlege. Veden, Götter, Opfer, Kühe, Wasser, Kusha-Gras, Opferfett …

Vers 435
jñānaṃ vratāni dharmaśca gomayaṃ pṛthivī dvijāḥ |
etāni medhyādapi hi medhyāni manurabravīt ||435||

… Wissen, Gelübde, Dharma, Kuhdung, Erde und Zweimalgeborene: Diese erklärte Manu für reiner noch als das Reine.

Anmerkung: RituelleReinheitslehrealsQuellenaussage.

Vers 436
ebhyo'pyatipavitraṃ hi sūtramityavadīdvidhiḥ |
tacca kārpāsajaṃ jñeyaṃ śāṇaṃ vā paṭṭajaṃ tathā ||436||

Brahma erklärte den Faden für noch heiliger als diese. Er kann aus Baumwolle, Shana-Fasern oder Seide bestehen.

Anmerkung: ShanaBast/HanftraditionellerFasername, keinepräzisebotanischeFestlegung.

Vers 4237 [Quellzählung an Position 437]
sūcanāt [?] sūtramityāhuḥ sarvavaidikakarmaṇām |
sūtramācchādakaṃ jñeyamaṅgasya hrīvidhāyinaḥ ||4237||

Man nennt ihn „Sutra“, weil er alle vedischen Handlungen anzeigt beziehungsweise zusammenhält. Auch als Bedeckung des schamverursachenden Körperteils ist ein Faden [beziehungsweise daraus hergestelltes Gewebe] zu verstehen.

Anmerkung: VerformteQuellziffer 4237;Quelleसूचनात्mitFragezeichen, traditionelleWortdeutungunsicher, nichtsprachwissenschaftlichbehauptet.

Vers 438
sūtreṇa badhyate sarvaṃ guptaṃ sūtreṇa veṣṭitam |
unmuktasūtraḥ sarvo'pi laghurbhavati bhāmini ||438||

Durch den Faden wird alles gebunden und durch seine Umhüllung geschützt. Wer des Fadens entledigt ist, verliert sein Gewicht beziehungsweise Ansehen, Schöne.

Anmerkung: LaghuWortspielleicht/gering, keineobjektiveMenschenbewertung.

Vers 424 [Quellzählung an Position 439]
gāyatrī vedamātā yā brāhmaṇyaṃ kratavo'pi ca |
vedā vratāni dharmaśca kriyāścācārasambhavāḥ ||424||

Gayatri, die Mutter der Veden, Brahmanentum, Opfer, Veden, Gelübde, Dharma und die aus der Lebensordnung hervorgehenden Handlungen …

Anmerkung: Quellnummer 424 an Position 439.

Vers 440
upavītābhidhenaiva yajñasūtreṇa pārvati |
mantrapūrvakamābaddhāḥ sthiratāṃ yānti nānyathā ||440||

… werden, Parvati, durch den mit Mantras angelegten Opferfaden namens Upavita fest gegründet – anders nicht, so der Text.

Materialien der Pavitra-Fäden

Die Wahl von Gold, Silber, Seide und anderen Fasern folgt einer Rangordnung.

Vers 441
laṅghayantaṃ svakaṃ sthānaṃ garuḍenātiveginā |
purā viṣṇuṃ mahāmāyā baddhvā sūtreṇa mantriṇā ||441||

Einst überschritt Vishnu auf dem rasendschnellen Garuda seinen eigenen Bereich. Mahamaya band ihn mit einem mantraerfüllten Faden …

Vers 442
ciraṃ cikṣepa pātāle balaiśvaryāvalepinam |
aghorakalpe gārgyeṇa svāvahelanaroṣiṇā ||442||

… und warf ihn, der auf Kraft und Herrschaft stolz war, für lange Zeit in Patala. Im Aghora-Kalpa wiederum band Gargya, erzürnt über die ihm erwiesene Geringschätzung …

Vers 443
hemāṅgado mahīpālastriṣaṣṭyakṣauhiṇīpatiḥ |
śilākāṣṭhopamo yuddhe sasainyabalavāhanaḥ ||443||

… den König Hemangada, Herrn über dreiundsechzig Akshauhinis, sodass er im Kampf mitsamt Heer, Truppen und Fahrzeugen wie Stein und Holz wurde …

Anmerkung: AkshauhinitraditionelleHeeresgröße,nichtinMannzahlenumgerechnet.

Vers 444
baddhaḥ sūtreṇa niśceṣṭo mahāmantrābhisantriṇā |
skandhārūḍhaṃ tathā sūtraṃ dvijātitvāvabodhakam ||444||

… reglos gebunden durch einen mit einem großen Mantra geweihten Faden. Ebenso zeigt ein über der Schulter getragener Faden den Status als Zweimalgeborener an …

Anmerkung: LetzteMantraflexionbeschädigt,Sinnkonsekrationhinreichendklar.

Vers 445
tadabhāvastathā devi sadyaḥ śūdratvabodhakaḥ |
abhimantritāni sūtrāṇi vaidikairmanubhiḥ priye ||445||

… sein Fehlen dagegen nach dieser Lehre unmittelbar den Status eines Shudra, Göttin. Fäden, die mit vedischen Mantras besprochen sind, Geliebte …

Anmerkung: HistorischeKastenklassifikation,nichtalsheutigeMenschenbewertung.

Vers 446
upavītāni kathyante dhāryante'ṃse dvijaistathā |
tasmātsūtrātparaṃ nāsti karmasiddhividhāyakam ||446||

… heißen Upavitas und werden von Zweimalgeborenen über der Schulter getragen. Darum gilt nichts als höher als der Faden, wenn es um die Vollendung ritueller Handlungen geht.

Vers 447
kṛtaṃ navaguṇaṃ sūtramupavītamudīryate |
trayāṇāṃ taddhi varṇānāmaṃse tiṣṭhati sundari ||447||

Ein neunfach gearbeiteter Faden wird Upavita genannt. Er ruht auf der Schulter der Angehörigen der drei Varnas, Schöne.

Anmerkung: DreihöhereVarnasQuellordnung, nichtverallgemeinert.

Vers 448
tadeva sūtraṃ devānāṃ kaṇṭhe bahuguṇīkṛtam |
pavitramiti nāmnaiva kathyate nigamādiṣu ||448||

Derselbe Faden, vielfach gearbeitet und den Gottheiten um den Hals gelegt, wird in den Nigamas und anderen Texten Pavitra genannt.

Vers 444 [Quellzählung an Position 449]
sarve devāśca devānāṃ pūjopakaraṇāni ca |
pavitrāṇāṃ samārohānnikhilānyeva niścitam ||444||

Alle Gottheiten und sämtliche Geräte ihrer Verehrung werden durch das Auflegen der Pavitras …

Anmerkung: Quellnummer 444 an Position 449.

Vers 450
pavitrāṇyeva jāyante pavitraṃ tena cocyate |
tasyārohaṇakarmaiva pavitrārohaṇaṃ smṛtam ||450||

… rein beziehungsweise heilig. Deshalb heißt es „Pavitra“; die Handlung seines Auflegens wird Pavitrarohana genannt.

Anmerkung: WortspielpavitraFaden/rein.

Vers 451
sūtradravyamaśaktau syāddevi kārpāsasambhavam |
śaktau tu kṛmikośotthaṃ paṭṭasūtraṃ praśasyate ||451||

Bei begrenzten Mitteln darf der Faden aus Baumwolle bestehen, Göttin. Sind die Mittel vorhanden, wird ein Seidenfaden aus dem Kokon des Seidenwurms gelobt.

Vers 452
prakārastu vidhānaṃ syāttatte vakṣyāmyanantaram |
kālo grīṣmaḥ śaradvarṣā eṣu mukhyatamaḥ priye ||452||

Die Frage nach der Art betrifft das Verfahren; dieses werde ich anschließend erklären. Als besonders geeignete Zeiten gelten Sommer, Herbst und Regenzeit, Geliebte.

Anmerkung: ReihenfolgeQuelltextbewahrt.

Vers 453
kecidvasantamicchanti kālaṃ mādhyamikaṃ budhāḥ |
naiva hemantaśiśirau praśasyete kadācana ||453||

Einige Kundige lassen den Frühling als mittlere Möglichkeit gelten. Früh- und Spätwinter werden dagegen nicht empfohlen.

Farben und Herstellung

Himmelsrichtungen, Farben und die Herkunft der Fäden bestimmen die folgenden Vorschriften.

Vers 454
yaḥ ko'pi kālo bhavatu pavitrārohaṇe śriye |
āvaśyakatvenokto'yaṃ varṣe varṣe viśeṣataḥ ||454||

Welche Zeit man für Pavitrarohana auch wählt: Besonders ist seine jährliche Notwendigkeit gelehrt, zum Gedeihen.

Anmerkung: KeinAufhebenvorigerZeitbeschränkungerfunden.

Vers 455
upavītakriyāvaddhi devānāmidamiṣyate |
phalametasya deveśi mayā vaktuṃ na śakyate ||455||

Für die Gottheiten gilt dies als Entsprechung des Anlegens des Opferfadens. Seine Frucht vermag ich nicht auszusprechen, Herrin der Götter.

Vers 456
vidhānaṃ kathayiṣyāmi tadākarṇaya yatnataḥ |
āmnāyabhedādbhidyante sūtravarṇāḥ sureśvari ||456||

Nun erkläre ich das Verfahren; höre aufmerksam zu. Die Farben der Fäden unterscheiden sich nach den Amnayas, Herrin der Götter.

Vers 457
pūrvordhvayoḥ sitaṃ sūtraṃ raktaṃ sūtraṃ tathottare |
paścime'pyatha pītaṃ hi adhodakṣiṇayormatam ||457||

Für den östlichen und oberen Amnaya ist der Faden weiß, für den nördlichen rot. Für den westlichen wird Gelb genannt, ebenso für den unteren und südlichen.

Anmerkung: LetzterHalbverskeineeigeneFarbe,ZuordnunggelbvorläufigausSatzanschluss, nichtandererFarbworterfunden.

Vers 458
na nīlyāktaṃ bhavetsūtraṃ ṣaḍāmnāyeṣu kiñcana |
āmnāyeṣvatha sarveṣu praśastaṃ sitameva vā ||458||

In keinem der sechs Amnayas soll ein mit Indigo gefärbter Faden verwendet werden. Weiß gilt alternativ in sämtlichen Amnayas als geeignet.

Vers 456 [Quellzählung an Position 459]
kumārīkartitaṃ sūtramatiprāśastyakārakam |
pativatyāḥ kṛtaṃ madhyamadhamaṃ vidhavākṛtam ||456||

Ein von einem unverheirateten Mädchen gesponnener Faden gilt als besonders geeignet; der einer verheirateten Frau als mittelgut, der einer Witwe als geringwertig.

Anmerkung: Quellnummer 456;historischeHierarchisierungnachFamilienstandalsTextinhalt.

Vers 460
viprakṣatrāryajātīnāṃ patnībhīracitaṃ śuci |
āvarjitaṃ yacchūdrābhistadaśucyeva kathyate ||460||

Von Ehefrauen aus Brahmanen-, Kshatriya- und Arya-Gruppen hergestellte Fäden gelten als rein; von Shudra-Frauen bearbeitete werden als unrein bezeichnet.

Anmerkung: AryajatiQuellbegriffwohlVaishyaaberkeinesichereGleichsetzung. Kastenausschlussnichtbeschönigt.

Vers 461
viśeṣato hyamīṣāṃ hi vihitaṃ patihīnayā |
veśyayā kartitaṃ sūtraṃ medhyamityapare jaguḥ ||461||

Andere sagen dagegen, ein von einer Frau ohne Ehemann, insbesondere einer Kurtisane, gesponnener Faden sei für diese [Verfahren] vorgeschrieben und rein.

Anmerkung: AbweichendeMeinung„andere“ausdrücklichgetrennt;Bezugamishamnichtganzklar.

Vers 462
rajakyā vā'tha yāntrikyā kāṣāyapaṭayā'thavā |
gopyā vā'pyatha muṇḍinyā mālinyā yadvinirmitam ||462||

Ein Faden, der von einer Wäscherin, einer Yantriki, einer Trägerin ockerfarbener Gewänder, einer Hirtin, einer kahlgeschorenen Frau oder einer Blumenbinderin hergestellt ist …

Anmerkung: YantrikiBerufs-/Gruppennameunsicher;nichtmodern„Technikerin“übersetzt.

Vers 463
tatsūtrajapavitreṇa sānvayo narakaṃ vrajet |
tasmātsūtravinirmāṇe yatnaḥ kāryo viśeṣataḥ ||463||

… soll, als Pavitra verwendet, nach der Drohung des Textes den Benutzer mitsamt seinen Angehörigen in die Hölle führen. Darum wird bei der Fadenherstellung besondere Sorgfalt verlangt.

Anmerkung: HistorischediskriminierendeRitualdrohung,keinUrteilderAusgabe.

Kalendertage und Fadenweihe

Der Text ordnet geeignete Tage ein und gibt ein Gebet zur Reinigung des Baumwollfadens.

Vers 464
madhyamaḥ strīgrahīyastu pumbāraḥ śreṣṭha ucyate |
ṣaṇḍāho'dhamakalpaḥ syāt tithī riktā vivarjitā ||464||

Ein von einem weiblichen Planeten beherrschter Wochentag gilt als mittelmäßig, ein männlicher als vorzüglich und ein geschlechtsneutraler als gering. Eine Rikta-Tithi (ein als „leer“ bezeichneter Mondtag) wird ausgeschlossen.

Anmerkung: Historische astrologische Einteilung der Planeten und Tage.

Vers 4915 [Quellzählung an Position 465]
sāpi bhūtatithau grāhyā caturthī bhauma eva ca |
ravau tu saptamī varjyā riktā varjyā gurāvapi ||4915||

Doch auch eine solche ist unter der als Bhuta-Tithi bezeichneten Bedingung zulässig; der vierte Mondtag ist gerade am Dienstag erlaubt. Am Sonntag ist dagegen der siebte Mondtag zu meiden; eine Rikta-Tithi auch am Donnerstag.

Anmerkung: Bhuta-Tithi hier nicht zweifelsfrei aufgelöst; erste Ausnahme syntaktisch unsicher.

Vers 466
tithistyājyā na kāpīha bhaumena sahitā yadi |
pañcanakṣatrasya yogena phalādhikyaṃ hi janyate ||466||

Kein Mondtag muss hier ausgeschlossen werden, wenn er auf einen Dienstag fällt. Die Verbindung mit einem der fünf Nakshatras vermehrt die Frucht.

Anmerkung: Pañca aus beschädigtem pannakṣatra wahrscheinlich; folgende Liste ebenfalls beschädigt.

Vers 467
tāni [indrajīvadinakṛdviṣṇavo nikṛtistathā] |
keṣvapyeteṣu pūrvedyuḥ paredyurapi vā punaḥ ||467||

[Fragment:] Die fünf werden durch Namen wie Indra, Jiva, Sonne, Vishnu und Nikriti bezeichnet [Lesung unsicher]. Bei einem dieser Sterne, am Vortag oder wiederum am folgenden Tag …

Anmerkung: Fragment: Namenreihe beschädigt; keine sichere Zuordnung zu fünf Sternbildern ergänzt.

Vers 468
sitaṃ sūtraṃ pavitraṃ ca [bhratra] yāvadapekṣitam |
tāvaduktaṃ tathāpyenaṃ kṛtvā nikṣipya cāsane ||468||

… wird der weiße Faden für das Pavitra in der benötigten Menge hergestellt und auf einer Unterlage niedergelegt.

Anmerkung: Ein Wort vor yāvad unlesbar; der Zusammenhang der Herstellung ist verständlich. Uktam im Mittelsatz syntaktisch unsicher.

Vers 466 [Quellzählung an Position 469]
kṛtāñjaliḥ padyamenaṃ mantrarūpamudīrayet |
tvaṃ sūcanād vedamakhakriyāṇāṃ prāpto'si kārpāsikasūtrasaṃjñām |
tvayā vinirmāya bahūpavītaṃ dāsye'marebhyo bhava sūtra pūtam ||466||

Mit gefalteten Händen spreche man diese Strophe als Mantra: „Weil du die Handlungen von Veda und Opfer anzeigst, hast du die Bezeichnung Baumwollfaden erhalten. Aus dir werde ich viele heilige Schnüre fertigen und den Unsterblichen darbringen. O Faden, werde rein!“

Anmerkung: Kārpāsika aus beschädigtem kārpāsija vorläufig. Die Wortableitung sūcana–sūtra ist eine Deutung des Textes.

Vers 470
gandhādhivāsanaṃ karma yaduktaṃ damanārcane |
tatsarvamatra kartavyaṃ [so'haṃ vyūhamathāpi vā] ||470||

[Fragment:] Alles, was bei der Damana-Verehrung über die Vorbereitung mit Duftstoffen gesagt wurde, ist auch hier auszuführen.

Anmerkung: Fragment: letzter Viertelvers bereits in der Quelle mit Fragezeichen; nicht zuverlässig übersetzt.

Vers 471
tatra dravyāṇi tānyeva mantrarītistathaiva te |
tathā kāryāṇi pūrvedyustaddine kecidūcire ||471||

Die Stoffe sind dieselben, ebenso die Art der Mantras. Diese Handlungen sind am Vortag zu vollziehen; manche schreiben sie für den Festtag selbst vor.

Vers 472
kāpālikānāṃ sarveṣāṃ mauleyānāṃ tathaiva ca |
pūrvāhakṛtyametaddhi priye nāhno'parasya hi ||472||

Für alle Kapalikas und Mauleyas gehört dies jedoch, Geliebte, zur Verrichtung des vorausgehenden Tages und nicht zum folgenden Tag.

Anmerkung: Pūrvāha im Zusammenhang als vorausgehender Tag; Lesung der letzten Wörter geglättet.

Herstellung der heiligen Schnüre

Sechs Ritualschulen unterscheiden sich im Umfang der Verehrung; die Maße werden erläutert.

Vers 473
adhivāsanikaṃ kṛtvā rakṣāmapyasya yatnataḥ |
granthidānena sarveṣāmupavītaṃ prakalpayet ||473||

Nach der vorbereitenden Weihe und dem sorgfältigen Schutz des Fadens fertige man durch Knüpfen für sämtliche Gottheiten die heiligen Schnüre an.

Vers 474
bhinnaṃ bhinnaṃ hi tajjñeyaṃ devatānāṃ śucismite |
āvṛttiḥ kiyatī dīrghā kiyatī vā kiyatyaruḥ ||474||

Wisse, du mit dem reinen Lächeln: Die Schnüre unterscheiden sich je nach Gottheit – hinsichtlich der Zahl ihrer Windungen, ihrer Länge und ihrer Biegungen.

Anmerkung: Letztes Wort beschädigt; arus vermutlich Bezeichnung der anschließend definierten Biegungen.

Vers 4715 [Quellzählung an Position 475]
tannirṇayamidānīṃ te kathayāmi mano'rpaya |
yāvatyo devatāḥ santi nitye naimittike'pi vā ||4715||

Ich erkläre dir jetzt die genaue Bestimmung; richte deinen Geist darauf. Für alle Gottheiten, die zur täglichen oder anlassbezogenen Verehrung gehören …

Vers 476
yāścāvṛtiparīvārāḥ pañcāyatanasaṃyutāḥ |
apekṣitaṃ hi sarveṣāṃ pavitramatra karmaṇi ||476||

… und für die Gottheiten der Umkreise und des Gefolges einschließlich des Panchayatana ist bei dieser Handlung jeweils ein Pavitra erforderlich.

Anmerkung: Panchayatana: Anordnung von fünf Gottheitensitzen.

Vers 477
viśiṣya tadidānīṃ te kathayāmi surārcite |
pavitrārohaṇe vyāsaṃ mahāntaṃ ke'pi kurvate ||477||

Ich erkläre dir dies jetzt im Einzelnen, von den Göttern Verehrte. Manche führen Pavitrarohana in sehr umfangreicher Form aus.

Vers 478
āpekṣikamathaike'pi samāsamitare punaḥ |
tau kāpālikamauleyau vyāsamārgapravartinau ||478||

Andere wählen eine den Umständen entsprechende Form, wieder andere eine verkürzte. Kapalikas und Mauleyas folgen dem ausführlichen Verfahren.

Anmerkung: Āpekṣika aus apekṣika erschlossen; keine genaue mittlere Norm aus diesem Wort allein abgeleitet.

Vers 476 [Quellzählung an Position 479]
syātāṃ mādhyamikāvetau bhāṇḍikeradigambarau |
sāmānyakaulasmārtau dvāvaṇīyo'yanagāminau ||476||

Bhandikeras und Digambaras folgen der mittleren Form; gewöhnliche Kaulas und Smartas gehen den kürzeren Weg.

Anmerkung: Schlussausdruck im Druck mit Fragezeichen; Gegensatz ausführlich–mittel–kurz dennoch verständlich.

Vers 480
vakṣyāmi vyāsamevāhaṃ purato varavarṇini |
tayostayoryadyadūnaṃ tadvakṣye tadanantaram ||480||

Zuerst erkläre ich die ausführliche Form, du Schöne. Danach sage ich, was bei den jeweiligen anderen Formen wegfällt.

Vers 481
kṛtye'dasīye ṣaṇṇāṃ hi mantrakālakramāḥ samāḥ |
atrādhikāstu caturo nyāsānāha purārdanaḥ ||481||

Bei dieser Verrichtung sind Mantras, Zeitbestimmungen und Reihenfolge für die sechs rituellen Schulen gleich. Purardana, der Zerstörer der Stadt, hat hierfür jedoch vier zusätzliche Nyasas gelehrt.

Anmerkung: Sechs meint im Kontext die zuvor genannten sechs rituellen Schulen, nicht sechs Himmelsrichtungen.

Vers 482
tān paścāduddhariṣyāmi yenoktāḥ pūjayordvayoḥ |
atrāṅgulaṃ tu vijñeyamaṅguṣṭhasyāṅgulaṃ svakam ||482||

Ich werde diese später darlegen, die für die beiden Verehrungen gelehrt wurden. Als Angula-Maß gilt hier die Breite des eigenen Daumens.

Anmerkung: Erster Halbvers syntaktisch etwas unsicher; zwei Verehrungen nicht eigenmächtig identifiziert.

Windungen, Knoten und Biegungen

Begriffe und Zahlen bestimmen die Herstellung jedes einzelnen Pavitra.

Vers 483
guṇānāṃ veṣṭanaṃ yattu sāvṛttiriti kīrtitā |
yadantarāntarā tasya sūtraṇāveṣṭanaṃ bhavet ||483||

Das Umwinden der Fäden heißt Avritti. Wenn in gewissen Abständen eine Umschnürung mit einem Faden vorgenommen wird …

Vers 484
sa granthiriti nirdiṣṭastadāvṛttirhi bhaṅgimā |
yadyadadhi tattaddevānāṃ tadidānīṃ bruve tava ||484||

… so wird dies Granthi, „Knoten“, genannt; dessen Windung heißt Bhangima, „Biegung“. Ich sage dir jetzt, welche Bestimmungen für die einzelnen Gottheiten gelten.

Anmerkung: Definition von Bhangima nicht völlig eindeutig; Anfang des zweiten Halbverses beschädigt.

Vers 4815 [Quellzählung an Position 485]
pūjāgṛhadvāra ādau vijñeyaṃ [bhāmitāṅgulam] |
śatatrayaṃ tathāvṛttirgranthayaḥ pañca kīrtitāḥ ||4815||

[Fragment:] Zuerst erhält die Tür des Verehrungsraums ein Pavitra [Länge unlesbar]; dafür werden dreihundert Windungen und fünf Knoten genannt.

Anmerkung: Fragment: Zahlenwort der Länge beschädigt.

Vers 486
bhaṅgimānastathā sapta evaṃ sarvatra budhyatām |
dvārapālasyāṅgulāni caturviṃśatikāni hi ||486||

Dazu kommen sieben Biegungen. Diese Begriffe sind überall entsprechend zu verstehen. Für den Türhüter beträgt die Länge vierundzwanzig Angula.

Vers 487
āvṛttiratra sūtrāṇāṃ dviśatādhikasaptatiḥ |
granthirnava samūddiṣṭā bhaṅgayaḥ pañca ca priye ||487||

Hier sind zweihundertsiebzig Fadenwindungen, neun Knoten und fünf Biegungen vorgeschrieben, Geliebte.

Vers 488
aṅgulāni dvādaśa syurāvṛttistu kalāsamā |
granthayo'tra trayo jñeyāstathā bhaṅgī śaronmitā ||488||

[Für die Muschel:] Die Länge beträgt zwölf Angula, die Zahl der Windungen sechzehn; drei Knoten und fünf Biegungen sind vorgesehen.

Anmerkung: Bezug auf Muschel erst durch489 geklärt; kalā=16 und śara=5 als Zahlwörter.

Vers 4846 [Quellzählung an Position 489]
etasya dviguṇaṃ jñeyamarghyasya varavarṇini |
pūrvodiṣṭaṃ tu śaṅkhasya pīṭhaṃ tattriguṇīkṛtam ||4846||

Für das Arghya ist dies zu verdoppeln, du Schöne. Das zuvor Genannte gilt für die Muschel; für den Pitha, den Sitz, wird es verdreifacht.

Anmerkung: Ob jede Einzelzahl vervielfacht wird, wird hier nicht näher ausgeführt.

Pavitras der Gottheiten und Geräte

Die folgenden Verse nennen für jede Gestalt und jeden Gegenstand besondere Maße.

Vers 4860 [Quellzählung an Position 490]
aṅgulāni jināṅkāni tatsārdhāvṛttiriṣyate |
granthayo'ṣṭau ca bhaṅgyaḥ syuḥ saptasaṅkhyāni pārvati ||4860||

Die Länge beträgt vierundzwanzig Angula; anderthalbmal so viele Windungen sind erwünscht, also sechsunddreißig. Dazu kommen acht Knoten und sieben Biegungen, Parvati.

Anmerkung: Jina als Zahlwort24; Zuordnung zu Mahaganapati im folgenden Vers.

Vers 4861 [Quellzählung an Position 491]
yajñasūtramidaṃ proktaṃ mahāgaṇapatermayā |
raveraṣṭādaśāṅgulya āvṛttistu śatādhikā ||4861||

Dies ist die von mir beschriebene heilige Schnur Mahaganapatis. Für die Sonne beträgt die Länge achtzehn Angula; die Windungszahl ist hundert plus …

Vers 462 [Quellzählung an Position 492]
catuścatvāriṃśatsaṅkhyā granthayo dvādaśaiva tu |
pañcaiva bhaṅgī cāpyatra viṣṇostu dvādaśāṅgulam ||462||

… vierundvierzig, dazu zwölf Knoten und fünf Biegungen. Für Vishnu beträgt die Länge zwölf Angula.

Anmerkung: Windungszahl Sonne insgesamt 144, aus 491–492.

Vers 4863 [Quellzählung an Position 493]
caturviṃśatirāvṛttirgranthayo'ṣṭau samīritāḥ |
bhaṅgī ca saptasaṅkhyākā mahādevasya vai punaḥ ||4863||

[Vishnu erhält] vierundzwanzig Windungen, acht Knoten und sieben Biegungen. Für Mahadeva wiederum …

Vers 464 [Quellzählung an Position 494]
ekādaśāṅgulāni syustrayastriṃśattathāvṛttiḥ |
granthirbhaṅgī pañca pañca gurostattvāṅgulaṃ matam ||464||

… sind elf Angula Länge und dreiunddreißig Windungen vorgesehen, dazu je fünf Knoten und Biegungen. Für den Guru gilt eine Länge von sechsunddreißig Angula.

Anmerkung: Tattva als Zahlwort36 verstanden.

Vers 465 [Quellzählung an Position 495]
saptaviṃśatirāvṛttirgranthirbhaṅgī ca sapta vai |
viṃśatyaṅgulasaṅkhyākaṃ vaṭukasya vidhīyate ||465||

[Der Guru erhält] siebenundzwanzig Windungen sowie je sieben Knoten und Biegungen. Für Vatuka werden zwanzig Angula Länge vorgeschrieben.

Vers 4466 [Quellzählung an Position 496]
sūtrāvṛttiśca ṣaṭtriṃśadgranthirdaśa trivakratā |
pañcaviṃśāṅgulaṃ kṣetrapālasya tridaśāvṛttiḥ ||4466||

[Vatuka erhält] sechsunddreißig Fadenwindungen, zehn Knoten und drei Biegungen. Für Kshetrapala beträgt die Länge fünfundzwanzig Angula und die Windungszahl dreißig.

Anmerkung: Tridaśa hier zahlenmäßig30; nicht auf33 normalisiert.

Vers 497
granthiraṣṭau pañca bhaṅgyastriṃśadvai bhairavīṅgulam |
catvāriṃśadathāvṛttirbhaṅgī granthiśca ṣaḍdaśa ||497||

[Kshetrapala erhält] acht Knoten und fünf Biegungen. Für Bhairavi beträgt die Länge dreißig Angula, die Zahl der Windungen vierzig, der Biegungen sechs und der Knoten zehn.

Anmerkung: Ṣaḍ daśa als getrennte Zahlen6 und10 entsprechend den zwei Kategorien verstanden.

Vers 468 [Quellzählung an Position 498]
yugasya ṣoḍaśāṅgulyo'ṣṭādaśāvṛttireva ca |
parvāṇi catvāri tathā vakratāyāstrayī tathā ||468||

Für das Paar beträgt die Länge sechzehn Angula; es erhält achtzehn Windungen, vier Knoten und drei Biegungen.

Anmerkung: Yuga bezeichnet das Paar; hier keine weitergehende Identifizierung ergänzt. Parvan hier synonym für Knoten.

Vers 4686 [Quellzählung an Position 499]
vedasya ca catuḥṣaṣṭiraṅgulānāṃ nigadyate |
āvṛttiretaddviguṇā ṣoḍaśāṃśo'sya parva hi ||4686||

Für den Veda werden vierundsechzig Angula Länge genannt; die Windungszahl ist doppelt so groß, also hundertachtundzwanzig. Die Knotenzahl beträgt ein Sechzehntel davon.

Anmerkung: Bezug von asya vermutlich auf Windungszahl, also8; nicht stillschweigend als ausdrücklich genannte8 dargestellt.

Vers 500
bhaṅgī ca parvaturyāṃśa āśāpānāṃ dvisaptatiḥ |
āvṛttirardhametasya ṣoḍaśaṃ granthayo matāḥ ||500||

Die Biegungen betragen ein Viertel der Knotenzahl. Für die Hüter der Himmelsrichtungen gelten zweiundsiebzig Angula Länge, halb so viele Windungen und sechzehn Knoten.

Anmerkung: Erster Satz schließt die Veda-Schnur ab.

Vers 501
vakratā pañca coddiṣṭā pretānāṃ ṣaṣṭiraṅgulam |
āvṛttistriṃśadatra syuḥ parvāṣṭau pañca vakratā ||501||

[Die Richtungshüter erhalten] fünf Biegungen. Für die Pretas beträgt die Länge sechzig Angula, die Zahl der Windungen dreißig, der Knoten acht und der Biegungen fünf.

Vers 502
yajñākhyaṣoḍaśadalapadmasya triṃśadaṅgulam |
āvṛttiratra pañcāśat parūṃṣi daśa ṣoḍaśa ||502||

Für den sechzehnblättrigen Lotus namens Yajna beträgt die Länge dreißig Angula; vorgesehen sind fünfzig Windungen. Als Knotenzahl steht hier „zehn, sechzehn“ [Zahlengliederung unsicher].

Anmerkung: Die beiden Zahlen nicht eigenmächtig zu26 zusammengezogen; OCR oder Ausgangstext hier unklar.

Vers 503
arālatā trayī cāpi tathāṣṭābjasya sundari |
ṣoḍaśāṅgulayaḥ proktā āvṛttirdvayadhikā daśa ||503||

Dazu kommen drei Biegungen. Für den achtblättrigen Lotus, du Schöne, werden sechzehn Angula Länge und zwölf Windungen genannt.

Anmerkung: Aṣṭābja im Kontext achtblättriger Lotus.

Die Pavitras der Ritualgefäße

Auch die Gefäße erhalten jeweils eigene Schnüre mit festgelegten Windungen und Knoten.

Vers 504
granthirnava ca tattryaṃśavakratā parikīrtitā |
ṣaṇṇāṃ hi mūlapātrāṇāṃ pavitraṃ vivṛṇomi te ||504||

Es werden neun Knoten und ein Drittel so viele Biegungen genannt, also drei. Nun erkläre ich dir die Pavitras der sechs Hauptgefäße.

Vers 505
ṣaṭtriṃśadaṅgulīkaṃ tadviṃśatyabhyadhikaṃ śatam |
āvṛttistatra sūtrāṇāṃ ṣaṭtriṃśadgranthayo'pi ca ||505||

Die Länge beträgt sechsunddreißig Angula; die Fäden werden hundertzwanzigmal gewunden. Dazu kommen sechsunddreißig Knoten …

Vers 506
arālatā ca ṣaṭsaṅkhyā śrīpātrasyedṛśī sthitiḥ |
aṅgulyaḥ ṣoḍaśamitāḥ kulakumbhasya pārvati ||506||

… und sechs Biegungen. So ist die Schnur des Shripatra beschaffen. Für den Kulakumbha beträgt die Länge sechzehn Angula, Parvati.

Vers 507
tathā dvātriṃśadāvṛttirgranthayo dvādaśeritāḥ |
vakratā pañca tatraiva sudhādevyā niśāmaya ||507||

Dazu werden zweiunddreißig Windungen, zwölf Knoten und fünf Biegungen genannt. Höre nun die Bestimmungen für Sudhadevi.

Vers 508
caturviṃśatiraṅgulya etasya dviguṇāvṛttiḥ |
parvāṇyaṣṭau kīrtitāni bhaṅgyaḥ pañca ceritāḥ ||508||

Die Länge beträgt vierundzwanzig Angula; die Windungszahl ist doppelt so groß, also achtundvierzig. Acht Knoten und fünf Biegungen werden genannt.

Vers 5046 [Quellzählung an Position 509]
pavitraṃ śaktipātrasya dvādaśāṅgulasammitam |
granthayaḥ pañca bhaṅgyaśca triṃśadāvṛttireva ca ||5046||

Das Pavitra des Shakti-Gefäßes misst zwölf Angula. Es erhält je fünf Knoten und Biegungen sowie dreißig Windungen.

Vers 510
gurostu ṣoḍaśāṅgulya āvṛttiḥ saptaviṃśatiḥ |
parvāṇyaṣṭau vakratā ca navaiva syuḥ sureśvari ||510||

Für das Guru-Gefäß gelten sechzehn Angula Länge, siebenundzwanzig Windungen, acht Knoten und neun Biegungen, Herrin der Götter.

Anmerkung: Anderes Ritualobjekt als Guru-Schnur494–495; Zahlen nicht vereinheitlicht.

Vers 511
bhogasya dvādaśāṅgulyaḥ ṣoḍaśāvṛttireva ca |
parūṃṣi dvādaśa tathā catasro vakratā api ||511||

Für das Bhoga-Gefäß gelten zwölf Angula Länge, sechzehn Windungen, zwölf Knoten und vier Biegungen.

Vers 512
viṃśāṅgulaṃ vīrapātre dvātriṃśacca guṇāstathā |
parvāṇi pañca bhaṅgī tu sapta vā pañca vā bhavet ||512||

Beim Vira-Gefäß beträgt die Länge zwanzig Angula, die Zahl der Fadenwindungen zweiunddreißig und der Knoten fünf. Es kann sieben oder fünf Biegungen haben.

Vers 513
caturdaśāṅgulaṃ jñeyaṃ kulapātrapavitrakam |
ekaviṃśatirāvṛttirnavagranthistrivakratā ||513||

Das Pavitra des Kula-Gefäßes misst vierzehn Angula; es erhält einundzwanzig Windungen, neun Knoten und drei Biegungen.

Die neun Gesichter Guhyakalis

Tiergesichter und menschliches Hauptgesicht werden in einer bestimmten Reihenfolge berücksichtigt.

Vers 514
atha vakṣye navāsyānāṃ pratyekaṃ te pavitrakam |
aṣṭādaśāṅgulāni syurdvīpivaktrapavitrakam ||514||

Nun erkläre ich dir das Pavitra für jedes der neun Gesichter. Für das Leopardengesicht misst es achtzehn Angula.

Anmerkung: Dvīpin: Leopard bzw. Panther; keine moderne zoologische Präzisierung erzwungen.

Vers 515
sūtrāvṛttistu ṣaḍviṃśatparuṣāṃ daśakaṃ tathā |
vakratāścāpi pañca syuḥ siṃhāsyasyaikaviṃśatiḥ ||515||

Es erhält sechsundzwanzig Fadenwindungen, zehn Knoten und fünf Biegungen. Für das Löwengesicht beträgt die Länge einundzwanzig Angula.

Vers 516
pañcacatvāriṃśadguṇā granthayo dvādaśa smṛtāḥ |
catasro bhaṅgayaścātra pheruvaktre jināṅgulam ||516||

Hier sind fünfundvierzig Windungen, zwölf Knoten und vier Biegungen überliefert. Für das Schakalgesicht beträgt die Länge vierundzwanzig Angula.

Anmerkung: Jina als Zahlwort24.

Vers 517
dvicatvāriṃśadāvṛttirgranthayaḥ ṣoḍaśeritāḥ |
vakratā sapta nirdiṣṭā kapivaktre'ṅgulā daśa ||517||

Dafür sind zweiundvierzig Windungen, sechzehn Knoten und sieben Biegungen vorgesehen. Für das Affengesicht beträgt die Länge zehn Angula.

Vers 518
āvṛttistriguṇā jñeyā granthirbhaṅgyostrayaṃ trayam |
ṛkṣāsye triṃśadaṅgulyaḥ pañcāśatsaṅkhyakā guṇāḥ ||518||

Die Windungszahl ist dreimal so groß, also dreißig; Knoten und Biegungen sind jeweils drei. Für das Bärengesicht gelten dreißig Angula Länge und fünfzig Windungen.

Vers 516 [Quellzählung an Position 519]
granthayaḥ sapta nirṇītāścatasrastadarālatāḥ |
naravaktrā guhyakālī yeṣu paṅktyantarasthitāḥ ||516||

Es hat sieben Knoten und vier Biegungen. Guhyakali mit dem menschlichen Gesicht, die inmitten der Reihe dieser Gesichter steht …

Anmerkung: Naravaktrā genau: mit menschlichem Gesicht; nicht ganzer Körper menschlich behauptet.

Vers 520
sā mukhyā tatpavitraṃ hi sarvaśeṣe pravakṣyate |
garuḍāsyasya kartavyaṃ tithyaṅgulamiteḥ priye ||520||

… ist die Hauptgestalt; ihr Pavitra wird zuletzt beschrieben. Für das Garuda-Gesicht ist eine Länge von fünfzehn Angula vorzusehen, Geliebte.

Anmerkung: Tithi als Zahlwort15.

Vers 521
guṇāścāṣṭāviṃśatiḥ syustatturyāṃśamitaṃ paruḥ |
arālatā pañca tathā makarāsyasya viṃśatiḥ ||521||

Es erhält achtundzwanzig Windungen, ein Viertel so viele Knoten, also sieben, und fünf Biegungen. Für das Makara-Gesicht beträgt die Länge zwanzig …

Vers 522
aṅgulāni guṇā dantāḥ paruraṃśastribhaṅgatā |
aṅgulyo gajavaktrasya ṣaṣṭisaṅkhyāḥ prakīrtitāḥ ||522||

… Angula, die Windungszahl zweiunddreißig; die Knotenzahl wird als ein Anteil davon bezeichnet [Bruchzahl unklar]. Dazu kommen drei Biegungen. Für das Elefantengesicht werden sechzig Angula Länge genannt.

Anmerkung: Danta als Zahlwort32; parur aṃśa beschädigt, fehlender Bruchteil nicht ergänzt.

Vers 523
aṣṭottaraśatāvṛttiḥ sūtrāṇāmatra sundari |
tathā parvāṇi ṣaṭtriṃśadbhaṅgayo dvādaśāpi ca ||523||

Hier werden die Fäden hundertachtmal gewunden, du Schöne. Dazu kommen sechsunddreißig Knoten und zwölf Biegungen.

Vers 524
bhāṅgulaṃ vājivaktrasya triṣaṣṭistasya cāvṛttiḥ |
arkasaṅkhyā granthayaśca vakratartusamā tathā ||524||

Für das Pferdegesicht beträgt die Länge [vermutlich siebenundzwanzig] Angula; die Windungszahl ist dreiundsechzig, die Knotenzahl zwölf und die Zahl der Biegungen sechs.

Anmerkung: Bhāṅgula vermutlich bha als Stern-Zahl27; Lesung unsicher. Arka=12, ritu=6.

Pavitras weiterer Göttinnen

Die Zahlenlisten setzen sich für die im Ritual verehrten Göttinnen fort.

Vers 525
ravidantāṅgulāvṛttirgraheṣu parvavakrate |
pavitramugracaṇḍāyā aṣṭāvarcanakarmaṇi ||525||

Für Ugrachandas Pavitra bei der Verehrung gelten zwölf Angula Länge, zweiunddreißig Windungen, neun Knoten und fünf Biegungen. [Das anschließende Wort „acht“ lässt sich nicht sicher zuordnen.]

Anmerkung: Zahlwörter ravi12,danta32,graha9,iṣu5; aṣṭau im zweiten Halbvers bleibt ungeklärt.

Vers 526
ṣoḍaśāṅgulayo dvātriṃśadāvṛttiḥ paruḥ svarāḥ |
tribhaṅgī ca mahālakṣmyā mātaṅgyā aṅgulaṃ dviṣaṭ ||526||

Mahalakshmi erhält sechzehn Angula Länge, zweiunddreißig Windungen, Knoten in der Zahl der Vokale und drei Biegungen. Für Matangi beträgt die Länge zwölf Angula.

Anmerkung: Svara hier Zahl der Vokale, gewöhnlich16; Quelle nennt keine ausgeschriebene Zahl.

Vers 527
āvṛttirviṃśatirapi granthirbhaṅgyo daśa trayaḥ |
aṣṭādaśāṅgulaṃ sūtraṃ guṇāścāpyaṣṭaviṃśatiḥ ||527||

[Matangi erhält] zwanzig Windungen, zehn Knoten und drei Biegungen. [Für Bhuvaneshvari] misst die Schnur achtzehn Angula und besitzt achtundzwanzig Windungen.

Anmerkung: Zuordnung des zweiten Halbverses aus 528.

Vers 528
pavitraṃ bhuvaneśvaryāḥ parvabhaṅgyau nava [śramāḥ] |
ekādaśāṅgulāni syurāvṛttiḥ pañcaviṃśatiḥ ||528||

Bhuvaneshvaris Pavitra hat neun Knoten; die Zahl der Biegungen ist unklar. [Für Harasiddha] gelten elf Angula Länge und fünfundzwanzig Windungen.

Anmerkung: Wort nach nava im Druck bereits mit Fragezeichen; keine Zahl ergänzt.

Vers 5246 [Quellzählung an Position 529]
paruvakratvamaśveṣu harasiddhāpavitrake |
pavitramannapūrṇāyā aṅgulyāni caturdaśa ||5246||

Harasiddhas Pavitra hat zwei Knoten und fünf Biegungen. Das Pavitra Annapurnas misst vierzehn Angula.

Anmerkung: Aśva hier vermutlich Aśvin-Zahl2;iṣu5. Zusammengesetztes Zahlwort nicht völlig sicher.

Vers 530
pañcaviṃśatirāvṛttiḥ parurbhaṅgī ca ṣaḍguṇāḥ |
śakrāṅgulaṃ sarasvatyāḥ sūtraṃ ṣaṭtriṃśasaṅkhyakam ||530||

[Annapurna erhält] fünfundzwanzig Windungen sowie je sechs Knoten und Biegungen. Sarasvatis Schnur hat eine durch das Wort Shakra bezeichnete Länge [Zahl unklar] und sechsunddreißig Windungen.

Anmerkung: Śakra als Längenzahl nicht eindeutig; keine Zahl ergänzt.

Vers 531
parūṃṣi daśa bhaṅgyaśca catasraḥ parikīrtitāḥ |
pavitraṃ jayadurgāyāstrayodaśamitāṅgulam ||531||

Es werden zehn Knoten und vier Biegungen genannt. Jayadurgas Pavitra misst dreizehn Angula.

Vers 532
aṣṭacatvāriṃśadguṇaṃ granthirbhaṅgyau same śarāḥ |
sūtraṃ tripurasundaryāḥ ṣoḍaśāṅgulasammitam ||532||

[Jayadurga erhält] achtundvierzig Windungen sowie je fünf Knoten und Biegungen. Tripurasundaris Schnur misst sechzehn Angula.

Anmerkung: Śara als Zahlwort5.

Vers 533
āvṛttiruditāśītiḥ ṣoḍaśa granthayo'pi ca |
vakratā pañca nirdiṣṭā siddhilakṣmyāstathāṅgulam ||533||

Es werden achtzig Windungen, sechzehn Knoten und fünf Biegungen vorgeschrieben. Siddhilakshmis Schnur hat dieselbe Länge.

Anmerkung: „Dieselbe“ bezieht sich wahrscheinlich auf16Angula532.

Vers 534
guṇāvṛttiśca ṣaṭtriṃśatparvāṇi dvādaśāpi ca |
bhaṅgyastrayaḥ kuñjikāyā viṃśatyaṅgulasammitam ||534||

[Siddhilakshmi erhält] sechsunddreißig Windungen, zwölf Knoten und drei Biegungen. Kunjikas Schnur misst zwanzig Angula.

Vers 535
catuḥṣaṣṭistathāvṛttiraṣṭau parveṣu vakratā |
aṅgulyānyugratārāyāścaturdaśamitāni hi ||535||

[Kunjika erhält] vierundsechzig Windungen und acht Knoten; die Biegungszahl ist unsicher. Ugrataras Schnur misst vierzehn Angula.

Anmerkung: Parveṣu kann hier eine beschädigte Zusammenziehung von parva und iṣu5 sein; keine gesicherte5 in den Text eingesetzt.

Vers 536
āvṛttiretaddviguṇā granthirdaśa trijihyatā |
navāṅgulaṃ tithiguṇaṃ ṣaṭparvāṇi tribhaṅgatā ||536||

[Ugratara erhält] doppelt so viele Windungen, also achtundzwanzig, zehn Knoten und drei Biegungen. [Chinnamastas Pavitra] misst neun Angula und hat fünfzehn Windungen, sechs Knoten und drei Biegungen.

Anmerkung: Zuordnung Chinnamasta aus 537;Tithi15.

Vers 537
pavitraṃ chinnamastāyāścāmuṇḍāyā jināṅgulam |
pañcāśadguṇitaṃ sūtraṃ granthiraṣṭādaśāpi ca ||537||

Das eben Beschriebene ist Chinnamastas Pavitra. Chamundas Schnur misst vierundzwanzig Angula, wird fünfzigmal gewunden und besitzt achtzehn Knoten …

Vers 538
bhaṅgī ṣaḍuditā tatra śivadūtyā ghanāṅgulam |
ekapañcāśadāvṛttiḥ parvāṇyaṣṭau trivakratā ||538||

… sowie sechs Biegungen. Shivadutis Schnur hat eine als Ghana bezeichnete Länge [Zahl unklar], einundfünfzig Windungen, acht Knoten und drei Biegungen.

Anmerkung: Ghana als Zahlwort hier nicht sicher entschlüsselt.

Vers 536 [Quellzählung an Position 539]
kālasaṅkarṣiṇīsūtraṃ caturviṃśāṅgulaṃ matam |
ṣaṇṇavatyāvṛtaṃ yuktaṃ parvaṣoḍaśakānvitam ||536||

Kalasankarshinis Schnur misst vierundzwanzig Angula; sie erhält sechsundneunzig Windungen und sechzehn Knoten …

Vers 540
saptabhaṅgīvṛtaṃ cāpi caṇḍeśvaryā jināṅgulam |
āvṛttiḥ ṣaṣṭiruditā dvātriṃśadgranthayo'pi ca ||540||

… sowie sieben Biegungen. Chandeshvaris Schnur misst vierundzwanzig Angula; vorgeschrieben sind sechzig Windungen und zweiunddreißig Knoten …

Vers 541
vakratāḥ pañca nirdiṣṭāstithirmātṛgaṇāṅgulāḥ |
dvicatvāriṃśadāvṛttirvasugranthistrivakratā ||541||

… sowie fünf Biegungen. Für die Schar der Mütter gelten fünfzehn Angula Länge, zweiundvierzig Windungen, acht Knoten und drei Biegungen.

Anmerkung: Tithi15,Vasu8.

Vers 542
navagrahāṇāṃ bhāṅgulya ekāśītyāvṛttistathā |
tathā parvāṇi ṣaṭtriṃśadbhaṅgyastisra eva ca ||542||

Für die neun Planeten gelten [siebenundzwanzig?] Angula Länge, einundachtzig Windungen, sechsunddreißig Knoten und drei Biegungen.

Anmerkung: Bhāṅgulya wie524 vermutlich bha als Stern-Zahl27; unsicher markiert.

Fünf Haupt-Kalis und ihr Gefolge

Die fünf Hauptgestalten und ihre Begleiterinnen erhalten unterschiedliche Schnüre.

Vers 543
mukhyānāmatha pañcānāṃ sṛṣṭyādīnāṃ varānane |
kālīnāmadhunā vacmi pavitrāṇi krameṇa hi ||543||

Nun beschreibe ich der Reihe nach die Pavitras der fünf Haupt-Kalis, beginnend mit Srishti, du mit dem schönen Gesicht.

Anmerkung: Nicht alle fünf Namen hier ausgeschrieben; keine zusätzliche Liste ergänzt.

Vers 544
pañcaviṃśatyaṅgulāni aṣṭottaraśatāvṛttiḥ |
caturviṃśatiparvāṇi tisra eva hi vakratāḥ ||544||

[Für die erste:] fünfundzwanzig Angula Länge, hundertacht Windungen, vierundzwanzig Knoten und drei Biegungen.

Vers 545
saptaviṃśatyaṅgulāni āvṛttiḥ ṣaṣṭiyuk śatam |
dvātriṃśadatra parvāṇi jihyatāpi ca pūrvavat ||545||

[Für die zweite:] siebenundzwanzig Angula Länge, hundertsechzig Windungen, zweiunddreißig Knoten und dieselbe Zahl an Biegungen wie zuvor, also drei.

Vers 546
jinasaṅkhyāṅgulāvṛttau parūṃṣi kila viṃśatiḥ |
bhaṅgyo'trāpi tāvatyaḥ saptaviṃśatiraṅgulāḥ ||546||

[Für die dritte:] je vierundzwanzig Angula und Windungen, zwanzig Knoten und ebenso viele Biegungen [Bezugswort unsicher]. [Für die vierte:] siebenundzwanzig Angula …

Anmerkung: Tāvatyaḥ könnte auch auf die zuvor gleichbleibende Biegungszahl3 zurückverweisen; nicht entschieden.

Vers 547
śatādhikāśītiguṇā granthayastvekaviṃśatiḥ |
trivakratā jināṅgulyaścatvāriṃśacchatadvayam ||547||

… hundertachtzig Windungen, einundzwanzig Knoten und drei Biegungen. [Für die fünfte:] vierundzwanzig Angula und zweihundertvierzig …

Vers 548
guṇāḥ viṃśatiparvāṇi jihyatātritayaṃ tathā |
ekaikasyā athaitasyāścaturviṃśatisaṅkhyakāḥ ||548||

… Windungen, zwanzig Knoten und drei Biegungen. Zu jeder einzelnen dieser Kalis gehören vierundzwanzig …

Vers 5446 [Quellzählung an Position 549]
parivārāḥ smṛtāḥ kālyāstattāsāmekameva hi |
krameṇa vakṣyate devi pañcānāmapi tattvataḥ ||5446||

… Begleiterinnen. Für diese gilt jeweils eine gemeinsame Form des Pavitra. Sie wird nun für die Gefolge aller fünf der Reihe nach genau beschrieben, Göttin.

Vers 550
ṣaḍviṃśatyaṅgulaṃ sūtramādyāyā āvṛttiḥ punaḥ |
aśītiśca catasraśca parurviṃśatiraṣṭa ca ||550||

Für das Gefolge der ersten misst die Schnur sechsundzwanzig Angula, besitzt vierundachtzig Windungen und achtundzwanzig Knoten …

Vers 551
catasro bhaṅgyaścāpi dvitīyāyā manudvayam |
viṃśatyuttaramāvṛttiḥ śataṃ parva nakhonmitam ||551||

… sowie vier Biegungen. Für das Gefolge der zweiten gelten achtundzwanzig Angula Länge, hundertzwanzig Windungen und zwanzig Knoten …

Anmerkung: Manudvaya2×14,Nakha20.

Vers 552
vedasaṅkhyā bhaṅgyaśca dvāviṃśatyaṅgulaṃ tataḥ |
āvṛttiḥ ṣaṇṇavatiyuk kalāsaṅkhyaṃ parustathā ||552||

… sowie vier Biegungen. Danach [für das dritte Gefolge:] zweiundzwanzig Angula Länge, sechsundneunzig Windungen und sechzehn Knoten …

Anmerkung: Veda4,Kalā16.

Vers 553
tisraścārālatāstatra turyāyāḥ saptaviṃśatiḥ |
śatadvayaṃ guṇanikā granthayo dvādaśaiva tu ||553||

… sowie drei Biegungen. Für das vierte Gefolge gelten siebenundzwanzig Angula Länge, zweihundert Windungen und zwölf Knoten …

Vers 554
bhaṅgyaḥ pañca nirdiṣṭāḥ pañcamyā avadhāraya |
aṣṭādaśāṅgulamitaṃ guṇāścātra śatadvayam ||554||

… sowie fünf Biegungen. Beachte nun das fünfte: achtzehn Angula Länge und zweihundert …

Das Pavitra der Hauptgöttin

Die menschengesichtige Guhyakali bildet den Abschluss der Maßvorschriften.

Vers 555
saptatyadhikamīśāni granthayaḥ ṣoḍaśa smṛtāḥ |
tritayaṃ vakratāyāśca mukhyāyāḥ śṛṇvataḥ param ||555||

… siebzig Windungen, Herrin, dazu sechzehn Knoten und drei Biegungen. Höre nun von der Hauptgöttin.

Anmerkung: Windungszahl270 aus 554–555.

Vers 556
caturviṃśatisaṅkhyākamaṅgulaṃ parikīrtitam |
sūtrāṇāṃ guṇanaṃ cātra ṣaḍuttaraśatatrayam ||556||

Für sie werden vierundzwanzig Angula Länge genannt; die Fäden werden dreihundertsechsmal gewunden.

Anmerkung: 306bewahrt,nichtauf360korrigiert.

Vers 557
kalāsaṅkhyāni cāpyatra parvāṇi jagadīśvari |
vakratāśceṣusaṅkhyākā ityetasya vinirṇayaḥ ||557||

Dazu kommen sechzehn Knoten und fünf Biegungen, Herrin der Welt. So lautet die genaue Bestimmung.

Vers 558
naravaktrā tu yā mukhyā guhyakālī prakīrtitā |
pavitramīdṛśaṃ tasyā yena karma samāpyate ||558||

Dieses Pavitra gehört der als Hauptgestalt bezeichneten Guhyakali mit dem menschlichen Gesicht. Mit ihm wird die Handlung vollendet.

Vers 556 [Quellzählung an Position 559]
iti te kramaśo devi devatānāṃ pavitrakam |
sarvāsāmuktamuddhṛtya svasvalakṣaṇaśāli hi ||556||

So habe ich dir, Göttin, der Reihe nach die Pavitras sämtlicher Gottheiten mit ihren jeweils besonderen Merkmalen dargelegt.

Vers 560
samarpaṇe ya etāsāmetāsāṃ vihito manuḥ |
tatte nirvarṇayiṣyāmi tattatsamaya eva hi ||560||

Die für ihre Darbringung jeweils vorgeschriebenen Mantras werde ich dir an der entsprechenden Stelle erklären.

Vorbereitung der Festverehrung

Opfergaben, Ritualgeräte, Guru und teilnehmende Shaktis werden bereitgestellt.

Vers 561
atha naimittikasamārabhetārcanaṃ budhaḥ |
pīṭhasammārjanaṃ kuryādyatnenaivātra sundari ||561||

Nun beginne der Kundige die anlassbezogene Verehrung. Er reinige den Pitha sorgfältig, du Schöne.

Vers 562
chāgāścāvaśyakatvena dātavyā balikarmaṇi |
pātrāṇyatra ṣaḍeva syuryānyuktānīha naityake ||562||

Beim Bali sind Ziegen als verpflichtende Opfergaben darzubringen. Es sind dieselben sechs Gefäße zu verwenden, die für die tägliche Verehrung genannt wurden.

Anmerkung: Historische Tieropfervorschrift.

Vers 563
naivedyadhūpadīpānāṃ kartavyā bhūyasī sthitiḥ |
ākāraṇīyā yatnena svasvavargyāstu deśikaiḥ ||563||

Speisegaben, Räucherwerk und Lichter sind reichlich bereitzustellen. Die Lehrer sollen die Angehörigen ihrer jeweiligen Gemeinschaft sorgfältig zusammenrufen.

Anmerkung: Letzte Endung im OCRdeśikaḥ; Instrumentalplural deśikaiḥ kontextuell wahrscheinlich.

Vers 564
kusumaistoraṇaṃ kāryaṃ bahirantargṛhasya ca |
pavitrārohaṇe kārye nyāsā ye pūrvamīritāḥ ||564||

Innerhalb und außerhalb des Hauses sind Blumentorbögen anzubringen. Die früher für Pavitrarohana vorgeschriebenen Nyasas …

Vers 565
kartavyatvena deveśi tān kuryātprathamaṃ śanaiḥ |
virāṇnyāsaṃ tataḥ kuryādyogaratnāhvayaṃ tathā ||565||

… soll man zuerst ruhig und nacheinander ausführen, Herrin der Götter. Danach vollziehe man Virat-Nyasa und den Nyasa namens Yogaratna.

Vers 566
sāmānyaṃ ca viśeṣaṃ ca sthāpayedarghyayordvayam |
sarvopakaraṇairyuktaṃ śaṅkhamatra prakalpayet ||566||

Man stelle die beiden Arghyas bereit, das allgemeine und das besondere, und richte die Muschel mit allem Zubehör her.

Vers 567
śodhanaṃ sarvavittānāṃ yatnenaiva samācaret |
viśeṣataḥ prakurvīta prasannāmāṃsayoḥ priye ||567||

Man vollziehe sorgfältig die Reinigung sämtlicher Materialien, besonders des alkoholischen Getränks Prasanna und des Fleisches, Geliebte.

Vers 568
kulakumbhasya saṃskāra āvaśyakatayā mataḥ |
kṛtākṛtāvekṣaṇārthaṃ guruḥ sthāpyo'gratastathā ||568||

Die Weihe des Kulakumbha gilt als unerlässlich. Der Guru soll davor Platz nehmen, um zu überwachen, was bereits getan wurde und was noch aussteht.

Vers 5686 [Quellzählung an Position 569]
kriyāyāṃ sāvadhānaśca bhavitavyaṃ hi sādhakaḥ |
ādareṇa vyavasthāpyā devyagre śaktayo'pi ca ||5686||

Der Sadhaka muss während der Handlung aufmerksam bleiben. Auch die Shaktis sind ehrerbietig vor der Göttin zu platzieren.

Anmerkung: Shaktis hier im Ritual anwesende Frauen; nicht stillschweigend abstrakte Energien.

Aufmerksamkeit und vier besondere Nyasas

Der Text fordert Sammlung und nennt Nirvana, Samarasya, Vishvarupa und Nadichakra.

Vers 570
nidrāṃ nindāṃ tathā hāsyamālasyaṃ ca pramāditām |
śokaṃ krodhaṃ ca kāmaṃ ca bhayaṃ lobhaṃ madaṃ tvarām ||570||

Schlaf, üble Nachrede, Lachen, Trägheit und Unachtsamkeit; Trauer, Zorn, Begierde, Angst, Gier, Überheblichkeit und Hast …

Anmerkung: Liste von im Ritual zu meidenden Zuständen; keine pauschale Verurteilung jedes Lachens.

Vers 571
cāpalyamaṅgavikṛtiṃ vṛthāvalganameva ca |
jāḍyaṃ ca ṣoḍaśemāni prayatnena parityajet ||571||

… Unbeständigkeit, verzerrte Körperbewegungen, unnützes Herumspringen und Stumpfheit: Diese sechzehn soll man mit Sorgfalt beiseitelassen.

Anmerkung: Aṅgavikṛti aus beschädigter Zeichenfolge wahrscheinlich.

Vers 572
itthaṃ sarvatra vihitāvadhānaḥ prayataḥ śuciḥ |
pavitrārohaṇīyāṃśca nyāsāṃścatura ārabhet ||572||

So in jeder Hinsicht aufmerksam, gesammelt und rein beginne man die vier zu Pavitrarohana gehörenden Nyasas.

Vers 573
nirvāṇaṃ sāmarasyaṃ ca viśvarūpaṃ tathaiva ca |
nāḍīcakrāhvayaṃ turyaṃ krameṇaitān samācaret ||573||

Man vollziehe sie in dieser Reihenfolge: Nirvana, Samarasya, Vishvarupa und als vierten den sogenannten Nadichakra-Nyasa.

Beginn des Nirvana-Nyasa

Rishi, Versmaß und Gottheit werden angegeben, anschließend die allgemeine Bildung der Formeln.

Vers 574
nirvāṇasyoddhṛtiṃ vakṣye dvividhāṃ śṛṇu sādarā |
asya nirvāṇanyāsasya ṛṣiḥ kapila ucyate ||574||

Ich werde die zweifache Darlegung des Nirvana-Nyasa erklären; höre ehrfürchtig zu. Als Rishi dieses Nirvana-Nyasa wird Kapila genannt.

Vers 575
bṛhatī chanda ākhyātaṃ guhyakālī ca devatā |
tāramaidhe bījaśaktī prāsādaḥ kīlakaṃ matam ||575||

Sein Versmaß heißt Brihati, seine Gottheit ist Guhyakali. Tara und Maidha sind Bija und Shakti; Prasada gilt als Kilaka, als der rituelle „Verschluss“.

Anmerkung: Maidha-Deckname Lesung unsicher; keine Lautgestalt ergänzt.

Vers 576
kaivalyamokṣopapadātsādhane viniyogatā |
uddhāramatha sāmānyaṃ vadāmi puratastava ||576||

Seine Anwendung dient der Erlangung von Kaivalya, der Befreiung. Zunächst erläutere ich dir die allgemeine Bildung der Formeln.

Anmerkung: Erster Ausdruck beschädigt; Ziel Kaivalya-Moksha hinreichend verständlich.

Vers 577
pañca bījāni sarvatra sthirāṇi prathamaṃ kila |
tato bhinnāni nāmāni vibhakterāditāspṛśaḥ ||577||

Überall stehen zuerst dieselben fünf Bijas. Darauf folgen unterschiedliche Namen, die zunächst die erste Kasusform, den Nominativ, annehmen.

Anmerkung: Letzter Ausdruck syntaktisch unsicher; vibhaktiḥ ādi als erste Kasusform verstanden.

Vers 578
ekatve vā bahutve vā vacane saṃsthitāni hi |
ullekhenaiva tadbodhyaṃ tata ekaṃ padaṃ punaḥ ||578||

Sie stehen im Singular oder im Plural, wie aus ihrer jeweiligen Angabe zu erkennen ist. Darauf folgt wiederum ein weiteres Wort …

Vers 576 [Quellzählung an Position 579]
bhinnaṃ bhinnaṃ tacca ṅantaṃ bahutvaikatvamādivat |
tataḥ kriyāpadaṃ caikaṃ sthiratvena vyavasthitam ||576||

… das jeweils verschieden ist und im Dativ steht, im Plural oder Singular wie das erste. Danach folgt ein gleichbleibendes Verb.

Anmerkung: Ṅanta grammatischer Hinweis auf Dativ; Zahlform aus beschädigtem OCR kontextuell erschlossen.

Die unveränderlichen Teile der Nirvana-Formel

Kasusformen, Verben und Silbenfolgen bestimmen den Aufbau; örtliche Unklarheiten bleiben sichtbar.

Vers 580
punaḥ [kapadaikaṃ caikaṃ] caturakṣarabṛṃhitam |
etasyāpyanavasthāsnu caturvarṇaṃ kriyāpadam ||580||

[Fragment:] Danach folgt ein weiteres Wort von vier Silben und ein ebenfalls viersilbiges Verb. Die Aussage über dessen Wechsel oder Beständigkeit ist beschädigt.

Anmerkung: Fragment: Anfang und anavasthāsnu unsicher; keine vollständige Formel daraus konstruiert.

Vers 581
sarvatraiva ca sandhānaṃ vidheyaṃ varavarṇini |
tato nu pañca bījāni sthirāṇi pratimanvapi ||581||

Überall ist die Verbindung entsprechend herzustellen, du Schöne. Danach folgen in jeder Formel dieselben fünf Bijas.

Vers 582
prathamāsaptamīge dve ye pade pura īrite |
te tṛtīyādvitīyānte punaḥ kārye krameṇa hi ||582||

Die beiden zuvor genannten Wörter im Nominativ und Lokativ sind anschließend der Reihe nach in den Instrumental und Akkusativ zu setzen.

Anmerkung: Hier ausdrücklich saptamī/Lokativ, während579Dativ nahelegt; Widerspruch nicht stillschweigend beseitigt.

Vers 583
kriyāpadaṃ punaścaikaṃ caturvarṇaṃ sthiraṃ matam |
vākyatrayaṃ tataḥ stheyamekaikaṃ caturakṣaram ||583||

Darauf folgt ein gleichbleibendes Verb von vier Silben. Danach stehen drei ebenfalls gleichbleibende Aussagen mit jeweils vier Silben.

Vers 18 [Quellzählung an Position 584]
vāratrayaṃ tataścaikaṃ bījaṃ sthāsnu samīrayet |
tataḥ pade dve kūṭasthe vācye kartṛkriyāpade ||18||

Dann spreche man ein gleichbleibendes Bija dreimal. Danach sind zwei unveränderliche Wörter auszusprechen, die Subjekt und Verb bilden …

Anmerkung: Gedruckte Verszahl18bewahrt; Position 584.

Vers 585
vihite cāṣṭabhirvarṇairbījaṃ caikaṃ tataḥ sthiram |
sarvaśeṣe caturvarṇī sāmānyoddhṛtirīdṛśī ||585||

… und zusammen acht Silben umfassen. Danach folgt noch ein gleichbleibendes Bija und ganz am Ende eine viersilbige Folge. So ist die allgemeine Bildung.

Anmerkung: Vihite aus vidite vorläufig; Schlussfolge nicht an dieser Stelle aufgelöst.

Fünfundzwanzig Zuordnungen

Geistige Kräfte und Zustände werden mit Wirklichkeiten verbunden, in denen sie sich auflösen sollen.

Vers 586
ato viśeṣoddhāraṃ te pravadāmyavadhāraya |
vedādiratha caitanyaṃ prāsādaśca parā tathā ||586||

Nun erkläre ich dir die besondere Bildung; beachte sie: Vedadi, Chaitanya, Prasada, Para …

Anmerkung: Bija-Decknamen.

Vers 587
bhairavī ceti bījāni pañcādau kīrtitāni hi |
bhinnabhinnapadaṃ vakṣye vibhaktyoratha sundari ||587||

… und Bhairavi sind die fünf am Anfang genannten Bijas. Nun nenne ich die unterschiedlichen Wörter für die beiden Kasusstellungen, du Schöne.

Vers 588
vāk sattā bhāvanā māyā śāntiḥ kāntistathaiva ca |
nivṛttiśca pravṛttiśca titikṣā tadanantaram ||588||

Rede, Sein, geistige Vergegenwärtigung, Maya, Frieden und Glanz; Rückwendung, Hinwendung zur Tätigkeit und anschließend Geduld …

Anmerkung: Vāk,sattā,bhāvanā,māyā,śānti,kānti,nivṛtti,pravṛtti,titikṣā als Formelsubjekte.

Vers 5846 [Quellzählung an Position 589]
atho mumukṣendriyāṇi prakṛtistadanūdyate |
trayodaśī bhavet pañca tanmātrāṇi sureśvari ||5846||

… dann Befreiungsverlangen, Sinne und Prakriti, die Urnatur. Als dreizehnte Einheit folgen die fünf Tanmatras, die feinen Sinnesqualitäten, Herrin der Götter.

Anmerkung: Mumukṣā aus beschädigtem mumukṣendriyāṇi wahrscheinlich; Zusammenziehung der Liste nicht sicher.

Vers 560 [Quellzählung an Position 590]
cittavṛttiśca vikṛtiśceṣṭā buddhiritaḥ param |
utpattiśca tathā vidyā vāsanā saṃvideva ca ||560||

Darauf folgen Geistesbewegung, Veränderung, Tätigkeit, Buddhi (Erkenntnisvermögen), Entstehung, Wissen, latente Prägung und Bewusstsein …

Vers 5461 [Quellzählung an Position 591]
jīvātmā ca turīyā ca śaktigamyā tataḥ param |
prasannā sarvaśeṣe tu pañcaviṃśatirityamūḥ ||5461||

… individuelle Seele, Turiya, dann Shaktigamya und zuletzt Prasanna. Dies sind die fünfundzwanzig.

Anmerkung: Śaktigamyā als ein Eintrag belassen, Bedeutung „durch Shakti zugänglich“ nur vorläufig; nicht zu26Einträgen erweitert. Prasannā im Ritual auch Bezeichnung des alkoholischen Tranks.

Vers 552 [Quellzählung an Position 592]
athāpare punaḥ śabdā eteṣāmanu ye sthitāḥ |
prāṇāśca paramārthaścaitanyaṃ ca tṛtīyakam ||552||

Nun folgen die anderen Wörter, die diesen zugeordnet werden: die Lebenskräfte, die höchste Wirklichkeit und als drittes Bewusstheit …

Vers 543 [Quellzählung an Position 593]
tato liṅgaśarīraṃ ca vairāgyaṃ ca vivekavat |
tato jñānaṃ ca saṃsāro viṣayo yoga eva ca ||543||

… dann feinstofflicher Leib, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidung; Erkenntnis, Samsara, Sinnesgegenstand und Yoga …

Vers 5864 [Quellzählung an Position 594]
manaśca puruṣaścaiva tato'haṅkāra eva ca |
prapañcastathopādhiḥ śarīraṃ dharma eva ca ||5864||

… Geist, Purusha, Ichbewusstsein, entfaltete Erscheinungswelt, begrenzende Bedingung, Körper und Dharma …

Vers 565 [Quellzählung an Position 595]
pralayaśca prabodhaśca bhoga ānanda eva ca |
paramātmā ca nirvāṇaṃ śivo'pyamṛtameva ca ||565||

… Auflösung, Erwachen, Erfahrung, Glückseligkeit, höchste Seele, Nirvana, Shiva und Unsterblichkeitsnektar.

Auflösung, Einswerden und Selbsterkenntnis

Die Formeln verbinden Auflösung und Vereinigung mit Aussagen über Sein, Bewusstsein und Brahman.

Vers 5866 [Quellzählung an Position 596]
pañcaviṃśatisaṅkhyākānyetānyapi padāni hi |
ādyaṃ kriyāpadaṃ yattallīyatāmiti budhyatām ||5866||

Auch dies sind fünfundzwanzig Wörter. Das erste Verb lautet, wie du wissen sollst, „līyatām“: „Möge es sich auflösen.“

Vers 567 [Quellzählung an Position 597]
līyantāṃ vai kartṛpadabahutve parikīrtayet |
ekībhāvapadaṃ paścāt tatpaścādyatkriyāpadam ||567||

Steht das Subjekt im Plural, spreche man „līyantām“: „Mögen sie sich auflösen.“ Danach folgt das Wort Ekibhava, „Einswerden“, und anschließend das Verb …

Vers 5968 [Quellzählung an Position 598]
āpadyatāṃ tadvakti bahutve tu bahutvayuk |
bhauvaneśī yoginī ca kūrcaḥ strī śākinī tathā ||5968||

… „āpadyatām“, „möge eintreten“, bei mehreren im entsprechenden Plural. [Die nächsten fünf Bijas heißen:] Bhauvaneshi, Yogini, Kurcha, Stri und Shakini.

Anmerkung: Bhauvaneśī-Deckname nicht stillschweigend durch ein Bija ersetzt.

Vers 566 [Quellzählung an Position 599]
tṛtīyāyā dvitīyāyā vibhakteḥ sādhayāmi hi |
vijñeyaṃ tatsadasyekaṃ dvitīyaṃ taccidasyapi ||566||

Auf Instrumental und Akkusativ folgt „sādhayāmi“, „ich verwirkliche“. Die erste Aussage lautet „tat sad asi“, „Du bist jenes Sein“, die zweite „tac cid asi“, „Du bist jenes Bewusstsein“.

Anmerkung: Worttrennung der zusammengezogenen Aussagen nach 600.

Vers 600
tadbrahmāsi tṛtīyaṃ ca vākyatrayamidaṃ smṛtam |
trirāvṛttirūpastu praṇavaḥ parikīrtitaḥ ||600||

Die dritte lautet „tad brahmāsi“, „Du bist jenes Brahman“. Dies sind die drei Aussagen. Der dreimal zu wiederholende Laut ist der Pranava, Om.

Vers 601
aṣṭākṣarānuyāsā hi nirvāṇaṃ me samṛddhyatām |
[hyaḥ] so'haṃ ca śiraḥ śeṣe viśeṣoddhṛtirīdṛśī ||601||

Die folgende achtsilbige Aussage lautet: „nirvāṇaṃ me samṛddhyatām“ – „Möge Nirvana für mich zur Vollendung gelangen.“ Danach folgen ein beschädigter Laut, „so’ham“ („Das bin ich“) und der Deckname Shiras. So ist die besondere Bildung.

Anmerkung: Erster Viertelvers beschädigt aber Folgezitat klar; Laut hyaḥ nicht zu haṃsaḥ ergänzt; Shiras als Deckname belassen.

Körperstellen des Nirvana-Nyasa

Die Formeln werden auf fünfundzwanzig Stellen beziehungsweise umfassende Setzungen bezogen.

Vers 602
sthānāni kalayedānīṃ nyāsasya tridaśeśvari |
dakṣāṃsaścaiva vāmāṃso dakṣoroḥ sandhireva ca ||602||

Beachte nun die Stellen des Nyasa, Herrin der Götter: rechte Schulter, linke Schulter, rechtes Hüftgelenk …

Vers 603
vāmorusandhiḥ kaṇṭhaśca vāmapārśvaṃ ca nābhiyuk |
dakṣapārśvaṃ ca hṛdayaṃ pṛṣṭhaṃ syādvāmabāhuyuk ||603||

… linkes Hüftgelenk, Kehle, linke Körperseite, Nabel, rechte Körperseite, Herz, Rücken und linker Arm …

Vers 604
dakṣabāhurvāmapādaṃ dakṣapādaśca kandharā |
mukhaṃ ca vāmakarṇaśca dakṣakarṇastataḥ param ||604||

… rechter Arm, linker Fuß, rechter Fuß, Nacken, Gesicht, linkes Ohr und rechtes Ohr …

Vers 605
kapolau vāmadakṣau dvau vāmadakṣābhidhe dṛśau |
lalāṭaṃ brahmarandhraṃ ca vyāpakaṃ sarvavāṅmayam ||605||

… linke und rechte Wange, linkes und rechtes Auge, Stirn, Brahmarandhra und schließlich die alles durchdringende Setzung des gesamten sprachlichen Bestands.

Anmerkung: Schlusslesung sarvavāṅmaya aus beschädigtem OCR unsicher; vyāpaka als umfassender Nyasa.

Vers 606
nyasanīyānyavayavānyetāni kathitāni te |
nirvāṇanāmā nyāso'yaṃ kāryaḥ paramaśobhanaḥ ||606||

Diese Körperstellen für die Setzungen habe ich dir genannt. Dieser überaus glückverheißende Nyasa namens Nirvana ist auszuführen.

Vers 607
pavitrārohaṇe kārye prasannāvidhikarmaṇi |
āvaśyakatvametasya kāmyatvamaparatra ca ||607||

Bei Pavitrarohana und beim Prasanna-Ritual ist er verpflichtend; bei anderen Anlässen ist er eine Handlung nach besonderem Wunsch.

Der Samarasya-Nyasa

Der nächste Nyasa zielt auf die Vereinigung jeweils zweier Wirklichkeiten.

Vers 608
mumukṣubhirviśeṣeṇa kāryaḥ saṃsārabhīrubhiḥ |
sāmarasyākhyamaparaṃ nyāsaṃ samavadhāraya ||608||

Besonders sollen ihn Befreiungssuchende ausführen, die Samsara fürchten. Beachte nun den anderen Nyasa namens Samarasya, „Einheit des einen Geschmacks“.

Vers 608 [Quellzählung an Position 609]
etasyāpi hi nityatvaṃ tatrāpyatrāpi pārvati |
nyāsasya sāmarasyasya hārīta ṛṣirīritaḥ ||608||

Auch dieser ist bei beiden genannten Anlässen verpflichtend, Parvati. Als Rishi des Samarasya-Nyasa wird Harita genannt.

Anmerkung: Nummer608imZeugenwiederholt; eigenständigerVers.

Vers 610
jagatī chanda ākhyātaṃ guhyakālī ca devatā |
ḍākinī bījamuditaṃ kāminī śaktireva ca ||610||

Sein Versmaß heißt Jagati, seine Gottheit ist Guhyakali. Dakini wird als Bija und Kamini als Shakti angegeben.

Vers 611
madanaḥ kīlakaṃ cātra sāmarasyakṛtāvapi |
viniyogaḥ samuddiṣṭo dvayostattatpadārthayoḥ ||611||

Madana ist hier der Kilaka. Die Anwendung dient dazu, jeweils zwei miteinander verbundene Wirklichkeiten in Samarasya zu vereinigen.

Vers 612
gauṇīmuddhṛtimākhyāsye tavāthāsya sureśvari |
paścānmukhyāmapi vyaktyā yenāsau viśado bhavet ||612||

Zuerst erkläre ich dir seine mittelbare Bildung, Herrin der Götter, danach ausdrücklich die unmittelbare, damit er klar verständlich wird.

Anmerkung: Gauṇī/mukhyā hier Verhältnis allgemeiner Formelanweisung zu genauer Aufzählung.

Vers 613
ādāvekaṃ sthiraṃ bījaṃ bīje dve tadanantaram |
bhinnamabhinnaṃ pratimanu syātāṃ dve ca pade tataḥ ||613||

Am Anfang steht ein gleichbleibendes Bija, danach zwei weitere, die sich je nach Formel unterscheiden. Dann folgen zwei Wörter …

Anmerkung: Bhinnamabhinnaṃ-Lesung unsicher; Liste617–621macht wechselnde Paare deutlich.

Vers 614
pṛthagrūpe samasite ṣaṣṭhyā dvitve sthite api |
tato viṃśativarṇāstu kālavyāpitayoditāḥ ||614||

… in verschiedener Gestalt, miteinander verbunden und im Genitiv Dual. Darauf folgt eine gleichbleibende Folge von zwanzig Silben.

Anmerkung: Kālavyāpita beschädigte bzw. unklare Bezeichnung; Gleichbleiben durch625bestätigt.

Vers 615
tato nu bījamekaikaṃ sarvatra pṛthageva hi |
saptamyekatvagaścaiva śabdastasyānu bhedabhāk ||615||

Danach kommt jeweils ein weiteres, überall unterschiedliches Bija; ihm folgt ein ebenfalls wechselndes Wort im Lokativ Singular.

Vers 616
kriyāpadaṃ tato'pyekaṃ kūṭasthaṃ parameśvari |
dvivarṇaṃ sarvaśeṣe syātpadaṃ cobhayathā'vyayam ||616||

Darauf folgt ein gleichbleibendes Verb, höchste Herrin. Ganz am Schluss steht ein zweisilbiges, in jeder Hinsicht unveränderliches Wort.

Bijas und Begriffspaare

Die Quelle unterscheidet ausdrücklich zwischen Bija-Decknamen und den auszusprechenden Sachwörtern.

Vers 617
ityuddhāro hi sāmānyaḥ viśeṣamavadhāraya |
ādāvāgamamūrdhāsyastataścāpi dharā jalam ||617||

So ist die allgemeine Bildung; beachte nun die besondere. Zuerst steht Agamamurdhasya. Dann folgen [als erste Bija-Reihe:] Dhara und Jala …

Anmerkung: Anfangsdeckname aus beschädigtem OCR nur vorläufig; Dhara Erde,Jala Wasser,als Bijanamen.

Vers 618
tejo vāyurathākāśaḥ puruṣo mana eva ca |
bhūtaṃ ca paramātmā ca [rācaḥ] prāsāda eva ca ||618||

… Tejas, Vayu, Akasha, Purusha, Manas, Bhuta, Paramatman, [ein beschädigter Name] und Prasada …

Anmerkung: Fragment: Name vor Prasada unklar; nicht zu Vāc ergänzt.

Vers 616 [Quellzählung an Position 619]
amṛtaṃ sarvaśeṣe ca bījāni dvādaśaiva tu |
punaranyāni bījāni tatparāṇi niśāmaya ||616||

… und zuletzt Amrita. Es sind zwölf Bijas. Höre nun die anderen Bijas, die jeweils darauf folgen.

Vers 620
gandho rasaśca rūpaṃ ca sparśaḥ śabdastathaiva ca |
prakṛtiśca vikāraśca śarīraṃ tadanantaram ||620||

Gandha, Rasa, Rupa, Sparsha, Shabda, Prakriti, Vikara und Sharira …

Anmerkung: Decknamen: Geruch,Geschmack,Gestalt,Berührung,Klang,Urnatur,Veränderung,Körper; keine Silbenauflösung ergänzt.

Vers 621
jīvātmā yoginī cāpi kāminī maidhameva ca |
padadvayaṃ yaduktaṃ hi tasyādyaṃ kalayādhunā ||621||

… Jivatman, Yogini, Kamini und Maidha. Beachte nun das erste Wort der zuvor genannten Wortpaare.

Anmerkung: Maidha-Lesung wie575unsicher.

Vers 622
pṛthivī ca jalaṃ tejo vāyurākāśameva ca |
puruṣaśca manaḥ pañcamahābhūtaṃ tataḥ param ||622||

Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Purusha, Geist und dann die fünf großen Elemente …

Vers 623
paramātmā ca mantraśca śivo'mṛtamataḥ param |
padaṃ dvitīyaṃ gandhaḥ prāgraso rūpaṃ tathaiva ca ||623||

… höchste Seele, Mantra, Shiva und Amrita. Die zweite Wortreihe beginnt mit Geruch, Geschmack und Gestalt …

Vers 624
sparśaḥ śabdaśca prakṛtirvikāraśca śarīrayuk |
jīvātmā devatā śaktiḥ prasannā sarvaśeṣagā ||624||

… Berührung, Klang, Urnatur, Veränderung, Körper, individuelle Seele, Gottheit, Shakti und zuletzt Prasanna.

Die Formel des Einswerdens

Eine gleichbleibende Aussage über Ungetrenntheit verbindet die wechselnden Paare.

Vers 625
kūṭasthā viṃśatirvarṇāḥ śrotavyā adhunā tvayā |
ekībhāveneti padamādyaṃ bhavati tatra hi ||625||

Höre nun die gleichbleibenden zwanzig Silben. Das erste Wort lautet „ekībhāvena“, „durch Einswerden“.

Anmerkung: Ekībhāvena aus OCReko bhāvena erschlossen, Zusammenhang626; Silbenzahl der Quelle beibehalten.

Vers 626
abhedamiti cānyat syāt sādhayāmīti cāparam |
sāmarasyapadaṃ turyamasmādāpādayāmi ca ||626||

Das zweite lautet „abhedam“, „Ungetrenntheit“, das nächste „sādhayāmi“, „ich verwirkliche“, das vierte „sāmarasyam“, „Einheit des einen Geschmacks“, und darauf „āpādayāmi“, „ich führe herbei“.

Vers 627
syuḥ sandhitāḥ sarva eva padayoḥ pūrvayorapi |
yāni bījāni bhinnāni pura eṣāṃ bhavanti hi ||627||

Alle sind mit den beiden zuvor genannten Wörtern zu verbinden. Die unterschiedlichen Bijas, die ihnen vorangehen …

Anmerkung: Purā/agre-Stellung im Satz nicht völlig eindeutig; keine Rezitationsfolge eigenmächtig neu geordnet.

Vers 628
tānīdānīṃ pravakṣyāmi nyāsasiddhyarthamīśvari |
[prāṇaṃ] jihvā ca cakṣuśca tvak śrotramatha pañcamam ||628||

… nenne ich nun zur Vollendung des Nyasa, Herrin: [Prana oder Ghrana], Jihva, Chakshus, Tvak und als fünftes Shrotra …

Anmerkung: Erster Deckname OCRprāṇa; Parallelreihe631 nenntghrāṇa/Geruchsorgan. Nicht stillschweigend vereinheitlicht. Weitere Namen Zunge,Auge,Haut,Hörorgan.

Vers 624 [Quellzählung an Position 629]
mahattattvaṃ ca jīvaśca tanmātraṃ brahmakūṭakam |
trapā kūrco brahmabījaṃ sarvaśeṣe udāhṛtam ||624||

… Mahattattva, Jiva, Tanmatra, Brahmakuta, Trapa, Kurcha und zuletzt Brahmabija.

Anmerkung: Bija-Decknamen unverändert; keine fehlenden Silben ergänzt.

Opferformel und Körperstellen

Das Verb „ich opfere“ und Svaha schließen die Formel; die Körperstellen werden eigens aufgezählt.

Vers 630
saptamyekatvagāñśabdānadhunā kalaya priye |
śabdo'taḥ kevalaṃ grāhyo na tu bījaṃ padoddhṛtam ||630||

Beachte nun die Wörter im Lokativ Singular, Geliebte. Hier ist nur das Wort selbst zu nehmen, nicht das durch diesen Namen bezeichnete Bija.

Vers 631
ghrāṇaṃ jihvā ca cakṣuśca tvak tataḥ śrotrameva ca |
mahattattvaṃ ca jīvaśca tanmātraṃ brahma cetyapi ||631||

Geruchsorgan, Zunge, Auge, Haut und Hörorgan; das große Prinzip Mahat, individuelle Seele, Tanmatra und Brahman …

Vers 632
cittaṃ ca bhāvanaḥ brahma dvādaśaivaṃ bhavanti hi |
kriyāpadaṃ juhomīti saptamyantāt padādanu ||632||

… Geist, Bhavana und nochmals Brahman: So sind es zwölf. Nach dem Wort im Lokativ folgt das Verb „juhomi“, „ich bringe als Opfer dar“.

Anmerkung: Bhāvanaḥ-Form auffällig; als Begriff belassen statt sicher zu bhāvanā korrigiert.

Vers 633
dvidhā'vyayaṃ padaṃ yattatsvāheti pariniṣṭhitam |
nyasanīyasthānameṣāṃ syurmanāveṣa yadyapi ||633||

Das zweifach unveränderliche Schlusswort ist „svāhā“. Die Orte der Setzungen sind zwar bereits in den Formeln enthalten …

Anmerkung: Manāv eṣa beschädigt, Bezug auf Mantra aus Kontext634verständlich.

Vers 634
agre bhinnaprakāratvāt pṛthageva bravīmi te |
nāsikā ca tathā jihvā netraṃ sarvāṅgameva ca ||634||

… doch wegen der unterschiedlichen Anordnung nenne ich sie dir noch einmal gesondert: Nase, Zunge, Augen und der ganze Körper …

Vers 635
karṇau lalāṭaṃ bhrūmadhyaṃ skandhau hṛdayameva ca |
jaṭharaṃ brahmarandhraṃ ca vyāpakaṃ sarvaśeṣagam ||635||

… Ohren, Stirn, Mitte zwischen den Augenbrauen, Schultern, Herz, Bauch, Brahmarandhra und zuletzt die umfassende Setzung.

Verpflichtung und Fruchtverheißung

Der Text beschreibt Anlässe, Anwender und die erhoffte Erkenntnis des Selbst.

Vers 636
īdṛśī sāmarasyasya viśeṣoddhṛtirucyate |
kaivalyapadamicchūnāṃ prasannāvidhikāriṇām ||636||

So lautet die besondere Bildung des Samarasya-Nyasa. Für diejenigen, die den Zustand des Kaivalya erstreben, das Prasanna-Ritual ausführen …

Vers 637
pavitrārohaṇakṛtāṃ nityatvena vyavasthitaḥ |
imaṃ turīyānirvāṇaśāmbhavopāsakāstrayaḥ ||637||

… oder Pavitrarohana vollziehen, ist er verpflichtend. Die drei Gruppen der Verehrer von Turiya, Nirvana und Shambhava …

Vers 638
nyāsaṃ videhakaivalyaprāptyarthaṃ kurvate'nvaham |
etasya mahimānaṃ sā jānāti jagadambikā ||638||

… führen diesen Nyasa täglich aus, um die körperlose Befreiung zu erlangen. Seinen Ruhm kennt die Weltenmutter.

Vers 62386 [Quellzählung an Position 639]
uto'haṃ vedmi hārīto vetti naivetaro janaḥ |
etasya satatābhyāsādyogasiddhiḥ prajāyate ||62386||

Auch ich kenne ihn, und Harita kennt ihn; kein anderer kennt ihn. Durch beständige Übung dieses Nyasa entsteht, so die Verheißung, Vollkommenheit im Yoga.

Vers 640
trivarṣaṃ kurvato hyātmasākṣātkāraśca pārvati |
ayaṃ na vistaro nyāso varṇavākyapadakramaiḥ ||640||

Wer ihn drei Jahre ausführt, erlangt die unmittelbare Erkenntnis des Selbst, Parvati. Hinsichtlich seiner Laut-, Satz- und Wortfolgen ist dieser Nyasa nicht umfangreich.

Anmerkung: Fruchtverheißung des Textes, keine heutige Erfolgsgarantie.

Ursprung des Vishvarupa-Nyasa

Guhyakalis Glieder entstehen aus dem Glanz der Götter; der Nyasa vergegenwärtigt ihre Allgestalt.

Vers 641
mahimno yo'sya vistāro vaktuṃ śaknomi taṃ na hi |
viśvarūpamatha nyāsaṃ kathayāmi mahāphalam ||641||

Den ganzen Umfang seiner Größe vermag ich nicht auszusprechen. Nun erkläre ich den Nyasa namens Vishvarupa, der große Frucht bringt.

Anmerkung: Erster Halbvers schließt Samarasya ab.

Vers 642
cikīrṣayāpi yasya syurbhuktayo muktayo'pi ca |
yadā surāṇāṃ sarveṣāṃ tejobhirguhyakālikā ||642||

Schon der Wunsch, ihn auszuführen, soll Genuss und Befreiung bringen. Als Guhyakalika aus dem Glanz sämtlicher Götter …

Anmerkung: Fruchtverheißung des Textes.

Vers 643
samutpannā rambhakalpe tripuraghna imaṃ tadā |
upāyanīcakārāsyai vai devasamājagaḥ ||643||

… im Rambha-Kalpa entstanden war, brachte ihr Tripuraghna, der Zerstörer der drei Städte, diesen Nyasa als Geschenk dar, während er sich in der Götterversammlung befand.

Vers 644
trayastriṃśatkoṭimitāṃ devānāṃ jātayo hi yāḥ |
nirmitāvayavā tābhirāvirāsītkarālinī ||644||

Aus den Scharen der dreiunddreißig Koti Götter wurden ihre Glieder gebildet, und so erschien die Furchtbare.

Anmerkung: Koti wörtlich Zehnmillioneneinheit; traditionelle kosmische Zahl als Textangabe bewahrt.

Vers 645
sarvatridaśatejobhiḥ kalpitāṅgatayā hi sā |
viśvarūpeti vikhyātā viśveṣāṃ rūpadhāraṇāt ||645||

Weil ihre Glieder aus dem Glanz aller Götter geformt sind und sie die Gestalten aller trägt, ist sie als Vishvarupa bekannt, als die Allgestaltige.

Vers 646
tatkālīnatayāpyeṣa viśvarūpākhyayā smṛtaḥ |
mahimā jñāyate'muṣya yāvānnyāsasya vai mayā ||646||

Weil dieser Nyasa aus jener Zeit stammt, trägt auch er den Namen Vishvarupa. Ich kenne die Größe dieses Nyasa …

Vers 647
etatkaraṇajanyaṃ yatphalaṃ na jñāyate punaḥ |
etasya satatābhyāsādanubhāvī bhavejjanaḥ ||647||

… doch die ganze Frucht, die seine Ausführung hervorbringt, lässt sich nicht ermessen. Durch seine beständige Übung wird der Mensch einer, der selbst erfährt.

Anmerkung: ErsterHalbverswörtlich„Fruchtwirdnichtgewusst“;nichtalsgesichertesAusmaßbehauptet.

Vers 648
karmaṇyamuṣminnasyoktaṃ prādhānyamiti sāmpratam |
bravīmi viśvarūpākhyaṃ nyāsamuddhṛtipūrvakam ||648||

Seine Vorrangstellung bei diesem Ritual ist gelehrt worden. Daher erkläre ich jetzt den Vishvarupa-Nyasa zusammen mit der Bildung seiner Formeln.

Anmerkung: Asyoktam im Druck Fragezeichen; Zusammenhang verständlich.

Aufbau des Vishvarupa-Nyasa

Die Bildung verbindet feste Bijas und Kutas mit wechselnden Namen und Körpergliedern.

Vers 6446 [Quellzählung an Position 649]
nyāsasya viśvarūpasya ṛṣirasya kapiṣṭhalaḥ |
chandaśca bṛhatī proktā devatā guhyakālyapi ||6446||

Der Rishi des Vishvarupa-Nyasa ist Kapishthala, sein Versmaß Brihati und seine Gottheit Guhyakali.

Vers 650
parākūṭaṃ bījamuktaṃ citkūṭaṃ śaktireva ca |
jyeṣṭhakūṭaṃ kīlakaṃ ca viniyogaśca muktaye ||650||

Parakuta wird als Bija genannt, Chitkuta als Shakti und Jyeshthakuta als Kilaka. Seine Anwendung dient der Befreiung.

Anmerkung: Kuta-Decknamen nicht eigenmächtig aufgelöst.

Vers 651
dvividhāmuddhṛtiṃ cāsyedānīṃ kalaya cetasā |
aṣṭau bījāni purataḥ sthiratvena sthitāni hi ||651||

Beachte nun aufmerksam die zweifache Bildung. Am Anfang stehen acht gleichbleibende Bijas.

Vers 652
asyānu kūṭamekaṃ hi tadapi sthiratāśritam |
tataḥ paraṃ bhinnabhinnāḥ śabdāḥ kamalalocane ||652||

Danach kommt ein ebenfalls gleichbleibendes Kuta. Es folgen unterschiedliche Wörter, du Lotusäugige.

Vers 653
sthitāḥ ṣaṣṭhyā bahutve'mī sarva evāpyavigrahāḥ |
yuktāścaturaśītyā ca saṅkhyayā niyatāṇinaḥ ||653||

Sie stehen sämtlich im Genitiv Plural, unzerlegt, und sind in einer feststehenden Reihe von vierundachtzig angeordnet.

Anmerkung: Letztes Wort beschädigt;84alsQuellenangabe,nichtdurchErgänzungfehlenderNamenhergestellt.

Vers 654
tata ekaṃ padaṃ sthāsnu prathamādyavacaḥsthitam |
tatparaṃ cāparaṃ cedṛk taddvyarṇaṃ cāddhayuk param ||654||

[Fragment:] Danach folgt ein gleichbleibendes Wort im Nominativ Singular und ein weiteres entsprechendes Wort. Die Angaben zu ihrer Silbenzahl sind beschädigt.

Anmerkung: Fragment: Ende unklar; nicht harmonisiert mit späterer Angabe zweisilbig/einsilbig681.

Vers 655
tato'nu śabdāstaralāstāvatā saṅkhyayānvitāḥ |
sthitā vibhaktyā vādyāyāmeṣāṃ vacananirṇayaḥ ||655||

Darauf folgen ebenso viele wechselnde Wörter im ersten Kasus, dem Nominativ. Ihre jeweilige Zahlform …

Vers 656
viśeṣoddhāramadhye tu bodhya ullekharītitaḥ |
tataḥ padaṃ punaścaikaṃ sthiratvena vyavasthitam ||656||

… ist aus der Art ihrer Nennung in der besonderen Darstellung zu erkennen. Danach steht wieder ein gleichbleibendes Wort …

Vers 657
ādyāṃ vibhaktiṃ viṣṭabhya sthitamekākṣaraṃ ca tat |
amuṣya vacanasyāpi vyavasthā pūrvavanmatā ||657||

… im Nominativ, bestehend aus einer Silbe. Auch seine Zahlform richtet sich nach dem zuvor Gesagten.

Vers 658
etasyānantaramapi śabda ekaḥ sthiratvabhāk |
ṣaṣṭhyekatve sthitaścāpi varṇaikaghaṭito'pi ca ||658||

Darauf folgt ein weiteres gleichbleibendes einsilbiges Wort im Genitiv Singular.

Vers 656 [Quellzählung an Position 659]
punaḥ śabdāśca tāvantaḥ pṛthagākāradhāriṇaḥ |
eṣāmapi puraḥ satyā vacanasya vyavasthā ||656||

Dann folgen wiederum ebenso viele Wörter in unterschiedlicher Gestalt. Auch ihre Zahlform ist entsprechend den folgenden Angaben festzulegen.

Anmerkung: Zweiter Halbvers beschädigt, Grundanweisung verständlich.

Vers 660
tato'nu bījamekaikaṃ bhinnaṃ bhinnaṃ vyavasthitam |
tato ṅantatrayaṃ sthāsnu padarūpaṃ varānane ||660||

Danach folgt jeweils ein unterschiedliches Bija. Daran schließen sich drei gleichbleibende Wörter im Dativ an, du mit dem schönen Gesicht.

Vers 661
punarapyekaikaṃ bījaṃ sarvatra pṛthageva hi |
aliṅgavacane dve tu pade syātāṃ tataḥ pare ||661||

Wiederum folgt jeweils ein besonderes Bija. Danach stehen zwei Wörter ohne Veränderung nach Geschlecht und Zahl …

Vers 662
varṇaiścaturbhirghaṭite kālavyāpitayā sthite |
sāmānyāmuddhṛtiṃ procya viśeṣamadhunā vade ||662||

… zusammen aus vier Silben gebildet und stets gleichbleibend. Nach der allgemeinen Bildung erkläre ich nun die besondere.

Bijas und vierundachtzig Bezeichnungen

Die Namenreihe umfasst kosmische Bereiche, Götterscharen und ihre Funktionen.

Vers 663
praṇavo bhauvaneśī ca yoginī kūrca eva ca |
kāminī śākinī caiva ḍākinī tadanantaram ||663||

Pranava, Bhauvaneshi, Yogini, Kurcha, Kamini, Shakini und Dakini …

Vers 664
phetkārī ceti bījāni syuraṣṭa kathitāni te |
kūṭaṃ ca pauṣkaraṃ jñeyamataḥ śabdāñśṛṇūttarān ||664||

… sowie Phetkari sind die acht Bijas, die ich dir genannt habe. Das Kuta heißt Paushkara. Höre nun die darauffolgenden Wörter.

Anmerkung: KeineLautgestaltfürPaushkaraerfunden.

Vers 665
ācchādakā antakāśca lokāścaiva tṛtīyakāḥ |
jyotiścakrāṇi tadanu homakālāśca khecarāḥ ||665||

Die Umhüllenden, die Beender und als dritte die Welten; dann die Sternenkreise, die Homa-Zeiten und die Himmelswanderer …

Anmerkung: Funktionsnamen der später zugeordneten Gottheiten; nicht alle als individuelle Eigennamen behandelt.

Vers 666
mānasā atha yakṣāśca jvalantastadanantaram |
madayantaśca tadanu tathā kālavibhājakāḥ ||666||

… die Geistgeborenen, Yakshas, die Flammenden, die Berauschenden und die Einteiler der Zeit …

Vers 667
gaṇādhipāśca senānyastapantaḥ syuritaḥ param |
tataḥ sviṣṭakṛtaścāpi tejasvina ito'pyanu ||667||

… Scharenherren, Heerführer, die Erhitzenden, die Vollender des rechten Opfers und die Strahlenden …

Vers 668
paraṃ tu āgamāścāpi tata ādeśakāḥ smṛtāḥ |
devamātara ityevaṃ yoginaḥ syurito'pyanu ||668||

… dann Agamas, die Weisenden, die Göttermütter und die Yogis …

Vers 666 [Quellzählung an Position 669]
tato rātriñcarāḥ sarpāḥ kavyavāhā ito'pyanu |
tathā viśvasṛjaścāpi devaśilpina eva ca ||666||

… Nachtwanderer, Schlangen, Träger der Ahnenopfer, Weltschöpfer und göttliche Handwerker …

Vers 670
kalayantaśca tatpaścāttathā saṃhārakā api |
avakāśāstathotpādakā gāyantastataḥ param ||670||

… die Messenden, die Vernichter, die Räume, die Hervorbringer und die Singenden …

Anmerkung: Kalayan als messend/ordnend kontextuell; avakāśa Räume.

Vers 671
devā apyatha kravyādā digīśāśca kapardinaḥ |
ṣaṭtriṃśattamatā gaṇyā bhiṣajo vittarāśayaḥ ||671||

… Götter, Fleischverzehrer, Richtungsherren, Flechtenhaarige, die als sechsunddreißigste gezählten Ärzte und die Schätze …

Anmerkung: Ordnungszahl36alsTextangabebewahrt,keinefehlendenListeneinträgeerfunden.

Vers 672
daityamātara itthaṃ ca śūnyāni tadanantaram |
āditeyāḥ kāśyapayastimiraghnā ito'pyanu ||672||

… die Mütter der Daityas, die leeren Räume, die Söhne Aditis, die Nachkommen Kashyapas und die Vertreiber der Dunkelheit …

Vers 673
tathā pāriṣadā jñeyā varṣantaḥ syuḥ pareṇa ca |
caturdaśapadādvidyā ṛddhayo viṣayiṇastathā ||673||

… die Versammlungsbegleiter, die Regenspendenden, die vierzehn Wissensarten, die Füllen und die Träger der Sinneserfahrung …

Anmerkung: Caturdaśapadādvidyā Syntax unsicher;14anVidyagebundenentsprechendWortfolge,nichtzusätzliche14Einträgeeingefügt.

Vers 674
yatayaśca tathā rūpājīvāḥ syustadanantaram |
niḥsīmāḥ pakṣiṇaścāpi asthirāṇi tathaiva ca ||674||

… die Asketen, diejenigen, die von ihrer Schönheit leben, die Grenzenlosen, die Vögel und die Unbeständigen …

Vers 675
yādaḥpataya evaṃ syurbhogavantastathaiva ca |
ṣaṭṣaṣṭitamatā vyāptā vitteśāḥ svargasādhanāḥ ||675||

… die Herren der Wasserwesen, die Genussreichen, die als sechsundsechzigste genannten Durchdringenden, die Herren des Reichtums und die Mittel zum Himmel …

Anmerkung: Ordnungszahl66bewahrt,bezeichneteReiheimOCRnichtlückenloszählbar.

Vers 676
syandantyo vatsarāścāpi parameṣṭhina eva ca |
bhāsvanto rasavahāścāpi tathā rogaharā giraḥ ||676||

… die Strömenden, die Jahre, die Höchststehenden, die Leuchtenden, die Saftträger, die Krankheitsvertreiber und die Worte …

Vers 677
āmnāyā āvartinaśca devayānāni cetyapi |
agnihotrāṇi gahvarāṇi subhagāḥ syustataḥ param ||677||

… die Überlieferungen, die Wiederkehrenden, die Götterbahnen, die Feueropfer, die Höhlungen und die Glückbegabten …

Vers 678
bhūmipālā atha punarbhuvanāni tathaiva ca |
vināśakālāśca tathā sarvaśeṣe tu sundari ||678||

… die Erdenhüter, die Welten und die Zeiten der Vernichtung. Ganz am Ende, du Schöne …

Vers 676 [Quellzählung an Position 679]
adṛṣṭodgamaśabdastu bahutvavacane sthitaḥ |
evaṃ caturaśītirhi śabdā uktā mayā tava ||676||

… steht das Wort Adrishtodgama, „Ursprünge des Ungesehenen“, im Plural. So habe ich dir vierundachtzig Wörter genannt.

Anmerkung: Zählung84istQuellenaussage,ÜberlieferungderReihebleibtörtlichunklar.

Grammatische Verbindung und Götternamen

Geschlecht und Zahlform der Wörter richten sich nach den jeweils genannten Gestalten.

Vers 680
uddeśarītito bodhyā amīṣāṃ liṅganirṇayāḥ |
prathamāyā vibhaktyetat prathame vacane sthitam ||680||

Ihr grammatisches Geschlecht ist aus der Art ihrer Nennung zu erkennen. [Das folgende Wort] steht im ersten Kasus und in der ersten Zahlform, also im Nominativ Singular.

Vers 681
dvyakṣaraṃ tatpadaṃ mukhyamekārṇaṃ tadvadityapi |
ubhayoradhunā vacmi padayorliṅganirṇayam ||681||

[Fragment:] Das Hauptwort hat zwei Silben, das weitere eine Silbe. Nun erläutere ich das grammatische Geschlecht dieser beiden Wörter.

Anmerkung: Fragment: ob mukhya/tadvat die einzusetzenden Wörter selbst oder ihre Beschreibung sind, bleibt unsicher; keine vollständige Rezitationsfassung erstellt.

Vers 682
ataḥ paraṃ pravakṣyante ye śabdā bhinnatājuṣaḥ |
agrimā devarūpāśca talliṅgavacane ime ||682||

Die anschließend aufgeführten unterschiedlichen Wörter bezeichnen Göttergestalten. Nach deren Geschlecht und Zahlform richten sich diese …

Vers 683
pade dve api boddhavye sandhānaṃ ca gate tathā |
athaitayoḥ paragatāñśabdānākalaya priye ||683||

… beiden Wörter, wenn sie mit ihnen verbunden werden. Beachte nun die Wörter, die auf sie folgen, Geliebte.

Vers 684
sarvādimaṃ syādbrahmāṇḍordhvasampuṭamiti śrutam |
yamaśca satyalokaśca dhruvasandhye grahā api ||684||

An erster Stelle steht, wie überliefert, die obere Hülle des Welteneis; dann Yama, Satyaloka, Dhruva, die Dämmerung und die Planeten …

Anmerkung: Dhruvasandhye möglicherweise PaarDhruva/Sandhya; Originalzusammenstellungbewahrt.

Vers 685
saptarṣayaḥ kuberaśca pāvakaḥ kāma eva ca |
ahorātre ca herambaḥ skandaḥ pūṣāryamā bhagaḥ ||685||

… die sieben Rishis, Kubera, Pavaka, Kama, Tag und Nacht, Heramba, Skanda, Pushan, Aryaman und Bhaga …

Vers 686
pavanaśca tathā vedā dharmo'pyaditireva ca |
sādhyāśca rākṣasāścāpi trayoviṃśaśca vāsukiḥ ||686||

… Pavana, die Veden, Dharma, Aditi, die Sadhyas, die Rakshasas und als dreiundzwanzigster Vasuki …

Vers 687
viśvedevāstataḥ proktāḥ prajāpatirito'pyanu |
viśvakarmā ca kālaśca mṛtyustadanu vai diśaḥ ||687||

… dann die Vishvedevas, Prajapati, Vishvakarman, Kala, Mrityu und die Himmelsrichtungen …

Vers 688
dhātā tathā kinnaraḥ syānmahādevaśca nantataḥ |
īśānaśca tathā rudrā aśvinau ca nidhirditiḥ ||688||

… Dhata, Kinnara, Mahadeva, Ishana, die Rudras, die beiden Ashvins, der Schatz und Diti …

Anmerkung: Nantataḥ beschädigtesVerbindungswort; Namenreihelesbar.

Vers 6886 [Quellzählung an Position 689]
rodasīvyaṅgyayapadamindro viṣṇustathā'ruṇaḥ |
pramathāścāpi parjanyastrayī lakṣmīstathaiva ca ||6886||

… Rodasi, das Paar Himmel und Erde [grammatischer Zusatz beschädigt], Indra, Vishnu, Aruna, die Pramathas, Parjanya, die drei Veden und Lakshmi …

Anmerkung: Rodasi-Folgeörtlichunsicher,nichtneuerGötternameerfunden.

Vers 650 [Quellzählung an Position 690]
vasavo devarṣayaśca tathaivāpsaraso'pi ca |
candro mitro mātṛgaṇo bhaveyuḥ sāgarāstataḥ ||650||

… die Vasus, die göttlichen Rishis, die Apsaras, Chandra, Mitra, die Schar der Mütter und die Ozeane …

Vers 621 [Quellzählung an Position 691]
nāgāḥ pātālāni tathā śacī ṛtava eva ca |
gāyatrī pṛthivī cāpi diggajāstadanantaram ||621||

… die Nagas, die Unterwelten, Shachi, die Jahreszeiten, Gayatri, die Erde und die Elefanten der Himmelsrichtungen …

Vers 6562 [Quellzählung an Position 692]
ākāśo garuḍo vidyudgaruḍo'syānu kathyate |
gandharvāśca tathā yakṣā yajñā nadyo yugā api ||6562||

… Raum, Garuda, Blitz und nochmals Garuda; dann Gandharvas, Yakshas, Opfer, Flüsse und Weltalter …

Anmerkung: GarudazweimalimZeugen,nichtstillschweigenddurchanderenNamenausgetauscht.

Vers 663 [Quellzählung an Position 693]
brahmādityaśca meghāśca tata oṣadhayo matāḥ |
sarasvatī ca sāvitrī vatsarā ayane tataḥ ||663||

… Brahma, Aditya, Wolken, Heilpflanzen, Sarasvati, Savitri, Jahre und die beiden Jahreshälften …

Vers 654 [Quellzählung an Position 694]
māsāstathā cāntarīkṣaṃ devakanyā itaḥ param |
manavaśca tathā dvīpā mahākalpā itaḥ param ||654||

… Monate, Luftraum, Göttertöchter, die Manus, die Inselkontinente und die großen Kalpas …

Anmerkung: Dvīpa ausOCRdīpaimkosmologischenKontextvorläufig.

Vers 665 [Quellzählung an Position 695]
sarvādyasargaḥ śeṣe syādetāvanti padāni hi |
ete yalliṅgavacanāstalliṅgavacanāvubhau ||665||

… und zuletzt die allererste Schöpfung. Dies sind die Wörter. Welches Geschlecht und welche Zahlform sie auch haben, dieselben nehmen die beiden …

Vers 666 [Quellzählung an Position 696]
yau pūrvamīritau śabdau dvyakṣaraikākṣarāvapi |
eteṣāṃ liṅgavacananirṇayo jagadīśvari ||666||

… zuvor genannten Wörter von zwei beziehungsweise einer Silbe an. Das Geschlecht und die Zahlform dieser Ausdrücke, Herrin der Welt …

Vers 6467 [Quellzählung an Position 697]
uddhārasya krameṇaiva yathoccāraṇato'pi ca |
eṣāṃ caturaśītiśca saṅkhyā nonā na cādhikā ||6467||

… ergeben sich aus der Reihenfolge der Darstellung und ihrer ausgesprochenen Form. Ihre Zahl ist vierundachtzig, weder weniger noch mehr.

Anmerkung: QuellenbehauptungtrotzörtlichbeschädigterReihebewahrt;keineZahlenergänzungen.

Die Körperglieder der Allgestalt

Die aufgezählten kosmischen Gestalten werden nun mit Körpergliedern in Beziehung gesetzt.

Vers 668 [Quellzählung an Position 698]
tacchabdasya tato rūpaṃ sthitamādivibhāgagam |
eṣāmevānusāreṇa vacanasya vyavasthitiḥ ||668||

Darauf folgt eine Form des Wortes „tad“ im ersten Kasus, dem Nominativ. Ihre Zahlform richtet sich nach diesen Ausdrücken …

Vers 56 [Quellzählung an Position 699]
nirṇayo'pi ca liṅgānāṃ ṣaṣṭhyarthe te tataḥ param |
padāni punaranyāni kalayaitatparāṇi hi ||56||

… ebenso ihr Geschlecht. Danach steht „te“ im Sinne des Genitivs, „dein“. Beachte nun die weiteren Wörter, die darauf folgen.

Anmerkung: GedruckteVerszahl56;Position 699.

Vers 700
śiraśca keśapāśaśca sīmantaśca lalāṭavān |
bhruvau śaṅkhau ca kūrcaśca nāsikā tadanantaram ||700||

Kopf, Haarfülle, Scheitel, Stirn, die beiden Augenbrauen, die beiden Schläfen, Kurcha und danach die Nase …

Anmerkung: KurchaalsanatomischerBegriffhierunsicher,nichtvoreiligalsBartaufgelöst.

Vers 701
netrāṇi tatpareṇāpi kanīnaka ito'pyanu |
nimiṣonmeṣāvapi ca [miḍ] asyānu kathyate ||701||

… Augen, Pupille, Schließen und Öffnen der Augen sowie [ein unlesbarer Körper- oder Bewegungsbegriff] …

Anmerkung: Fragment: miḍ bereitsimDruckmitFragezeichen.

Vers 702
apāṅgau ca kile cāpi pakṣmāṇi milite tathā |
karṇau ca kūrcike cāpi vihalye tadanantaram ||702||

… die äußeren Augenwinkel, [Kila: unklar], die Wimpern, das Schließen [der Augen], die Ohren, die beiden Kurchikas und die beiden Vihalyas …

Anmerkung: Fragment: mehrereanatomischeBegriffebeschädigtoderunbestimmt;nichtdurchvermuteteSynonymeersetzt.

Vers 703
karṇau kapolau hanū ca vihaṇḍaṃ tadanantaram |
oṣṭhādharau ca dantāśca sṛkkaṇī tālu cetyapi ||703||

… Ohren, Wangen, Kiefer, Vihanda [unbestimmt], Ober- und Unterlippe, Zähne, Mundwinkel und Gaumen …

Anmerkung: Ohrenwiederholung702/703bewahrt;Vihandanichtrekonstruiert.

Vers 704
jihvā ca ghaṇṭikā cāpi culikā cibukaṃ tathā |
vadanaṃ ca tathā kaṇṭho grīvā ghāṭā tathaiva ca ||704||

… Zunge, Zäpfchen, Chulika [unbestimmt], Kinn, Gesicht, Kehle, Hals und Nacken …

Anmerkung: ChulikaLesungunsicher;ghaṭā/ghāṭāalsNackenverstanden.

Vers 705
aṃsau ca jatruṇī kakṣau pārśve madhyaṃ ca bāhavaḥ |
kaphoṇī ca pragaṇḍau ca prakoṣṭhau tadanantaram ||705||

… Schultern, Schlüsselbeine, Achselhöhlen, Flanken, Körpermitte, Arme, Ellenbogen, Oberarme und Unterarme …

Vers 706
maṇibandhau karāścāpi karāṅgulyo nakhā api |
vakṣaḥ stanau cūcuke ca kroḍo jaṭharameva ca ||706||

… Handgelenke, Hände, Finger, Nägel, Brustkorb, Brüste, Brustwarzen, Schoß und Bauch …

Anmerkung: AnatomischeNyasa-Liste,keineerotischeBeschreibung.

Vers 707
antrāṇi nābhirvastiśca jaghanopasthameva ca |
nitambaśca kaṭī pṛṣṭhaṃ trikaṃ vaṅkṣaṇameva ca ||707||

… Eingeweide, Nabel, Unterbauch beziehungsweise Blase, Schamgegend, Geschlechtsteil, Hüften, Taille, Rücken, Kreuzbeinbereich und Leisten …

Anmerkung: VastiumfasstUnterbauch/Blase;keinemoderneexakteAnatomieerzwungen.

Vers 708
ūrū ca jānunī jaṅghe pārṣṇī gulphau tathaiva ca |
prapade ca pade cāpi pādāṅgulyastathaiva ca ||708||

… Oberschenkel, Knie, Unterschenkel, Fersen, Knöchel, Fußballen, Füße und Zehen …

Anmerkung: PārṣṇīausOCRpāṇīdurchanatomischenKontexterschlossen.

Vers 706 [Quellzählung an Position 709]
nāḍayo lomāni vāṇī ca jṛmbhā ca kṣutameva ca |
grāso hikkā ca hāsaśca sakhī śayanameva ca ||706||

… Nadis, Körperhaare, Stimme, Gähnen, Niesen, Verschlingen, Schluckauf, Lachen, Gefährtin und Schlafen …

Anmerkung: SakhīauffälligerEintrag,alsGefährtinbewahrt;keinenanderenKörpervorgangeingesetzt.

Vers 710
śayyā krodhaḥ prabodhaśca śabdā ete krameṇa hi |
eṣāṃ hi liṅgavacane yathoktavadudīrayet ||710||

… Bett, Zorn und Erwachen: Dies sind die Wörter in ihrer Reihenfolge. Ihr Geschlecht und ihre Zahlform sind entsprechend der genannten Form auszusprechen.

Die erste Bija-Reihe

Die Quelle zählt Bija-Decknamen auf; beschädigte Namen werden nicht zu einer vollständigen Lautfolge ergänzt.

Vers 711
bhinnabhinnāni bījāni bravīmyahamataḥ param |
tāraḥ pāśaśca māyā ca vāgbhavaḥ kamalā smaraḥ ||711||

Nun nenne ich die unterschiedlichen Bijas: Tara, Pasha, Maya, Vagbhava, Kamala und Smara …

Anmerkung: AllefolgendenEinträgeBija-Decknamen,keinewörtlichenMantrabedeutungenerfunden.

Vers 712
kālīkalāṅkuśakrodharāvaprāsādagāruḍāḥ |
bhūtāmṛtakṣetrapālarativiśvāśca vidyutaḥ ||712||

… Kali, Kala, Ankusha, Krodha, Rava, Prasada, Garuda; Bhuta, Amrita, Kshetrapala, Rati, Vishva und Vidyut …

Anmerkung: WorttrennungderDecknamenreihevorläufig.

Vers 713
pretaḥ parā ca kāpālaṃ bhāruṇḍā kākinī virāṭ |
ḍākinī pralayaścāpi phetkārīhārakarṇikāḥ ||713||

… Preta, Para, Kapala, Bharunda, Kakini, Virat, Dakini, Pralaya, Phetkari, Hara und Karnika …

Anmerkung: LetzteDreiergliederungausZusammenschreibungvorläufig.

Vers 714
dakṣiṇā śṛṅkhalā vedaḥ kṛtyā caro ratā tathaiva ca |
[gau'śuśuklāḥ sādyadaṇḍājambhaḥ] paṅktiśikhe tathā ||714||

[Fragment:] Dakshina, Shrinkhala, Veda, Kritya, Chara und Rata; [eine beschädigte Reihe, in der Shukla, Danda und Jambha erkennbar sind], dann Pankti und Shikha …

Anmerkung: Fragment: mittlereDecknamenreiheunzuverlässig,nichtaufgefüllt.

Vers 715
svastirbhogo baliścāpi tugavetālasetavaḥ |
kalpādimā dīpaśeṣā ekaikaṃ kramato'khilāḥ ||715||

… Svasti, Bhoga, Bali, Tuga, Vetala, Setu, Kalpa, Adima, Dipa und Shesha; alle jeweils einzeln der Reihe nach …

Anmerkung: TugaLesungunsicher;Zusammensetzungsgrenzenvorläufig.

Vers 716
saṃvidvajraṃ ca nāgaśca yakṣaḥ kaṅkālamānasau |
yoginīkālacāmuṇḍākinnarāḥ kumbha eva ca ||716||

… Samvid, Vajra, Naga, Yaksha, Kankala, Manasa, Yogini, Kala, Chamunda, Kinnara und Kumbha …

Vers 717
somameghau ca dhanadā tathā nārācaśūlakau |
nālīkaśca bhuśuṇḍī ca gadā ca āsa eva ca ||717||

… Soma, Megha, Dhanada, Naracha, Shulaka, Nalika, Bhushundi, Gada und Asa.

Anmerkung: AsaalsDecknamebewahrt,nichtzusiṃoderasiumgebaut.

Vers 718
evaṃ caturaśītirhi bījānāṃ parikīrtitā |
ekaikamaṅgasyānte vai dātavyaṃ varavarṇini ||718||

So sind vierundachtzig Bijas genannt. Je eines ist nach dem jeweiligen Körperglied einzusetzen, du Schöne.

Anmerkung: Zahl84 Quellenangabe;beschädigteListekeinekünstlicheErgänzung.

Dativanrede und zweite Bija-Reihe

Die Anrede der Göttin verbindet drei Wörter; eine zweite Reihe von Decknamen folgt.

Vers 7186 [Quellzählung an Position 719]
padatrayaṃ tu ṅantaṃ yattadidānīṃ niśāmaya |
tacchabdaḥ prathamo jñeyo yuṣmacchabdastataḥ param ||7186||

Höre nun die drei Wörter im Dativ: zuerst das Wort „tad“, dann das Wort „yushmad“ …

Anmerkung: Pronomina„jener“und„du“;genaueDativformenwerdenin720–721grammatischbestimmt.

Vers 720
viśvarūpāpadaṃ cāpi paṭhedeṣāṃ trayaṃ kramāt |
ṭābanto'ntimo jñeyo madhyādyau sārvanāmikau ||720||

… und „Vishvarupa“. Diese drei sind der Reihe nach zu sprechen. Das letzte hat die feminine Endung auf langes a; das mittlere und das erste sind pronominal.

Vers 721
sarve strīliṅgatābhājo vacanasyaikatājuṣaḥ |
śabdāḥ sarve punarbījānyanyāni kalayādhunā ||721||

Alle diese Wörter beziehen sich auf das weibliche Geschlecht und stehen im Singular. Beachte nun die weiteren Bijas.

Anmerkung: Yushmadgrammatischgeschlechtsneutral;AussagealsQuellenvorschriftbewahrt.

Vers 722
kūliko vidhihākinyau nemiḥ parigha eva ca |
ardhacandraḥ kṣurabhraśca bhūtinī saṃhitā'pi ca ||722||

Kulika, Vidhi, Hakini, Nemi, Parigha, Ardhachandra, Kshurabhra, Bhutini und Samhita …

Anmerkung: Bija-Decknamen;KshurabhraLesungunsicher.

Vers 723
tāṭaṅkanīlākakudaḥ śaiśukaśca pracaṇḍayā |
kekarākṣī kālarātrirmandaḥ sammoha eva ca ||723||

… Tatanka, Nila, Kakuda, Shaishuka, Prachanda, Kekarakshi, Kalaratri, Manda und Sammoha …

Anmerkung: ZusammengezogeneNamenreiheörtlichunsicher,keineSilbenauflösung.

Vers 724
tathā patanasaṃhārau sandhānaṃ śiñjinī tathā |
aupahvaraṃ nāndikaṃ ca duḥkṛtaṃ padmameva ca ||724||

… Patana, Samhara, Sandhana, Shinjini, Aupahvara, Nandika, Duhkrita und Padma …

Anmerkung: DuhkritaauffälligeLesungbewahrt.

Vers 725
kuśikaśca vyayaścāpi surasaḥ samaro'pi ca |
rāgaśca sāraso dhenurmāriṣaḥ sukṛtaṃ tathā ||725||

… Kushika, Vyaya, Surasa, Samara, Raga, Sarasa, Dhenu, Marisha und Sukrita …

Vers 726
carpaṭo maṇimālā ca hāriṇyutkocinī tathā |
tataśca nandikā tandrā kuṭilā rañjinī ghaṭī ||726||

… Charpata, Manimala, Harini, Utkochini, Nandika, Tandra, Kutila, Ranjini und Ghati …

Anmerkung: HariniLesungausbeschädigtemhārariṇyunsicher.

Vers 727
vijayā cāpi sambhūtiścaturasramanantaram |
rayasakhaśca viratiścāpi saṃhārī tatpareṇa ca ||727||

… Vijaya, Sambhuti, Chaturasra, Rayasakha, Virati und Samhari …

Anmerkung: RayasakhaLesungunsicher.

Vers 728
nādāntakaścāmaraśca vidhṛtirvyañjanādimā |
aupadeyaśca māraṇḍo vinādo'syānu kathyate ||728||

… Nadantaka, Amara, Vidhriti, Vyanjana, Adima, Aupadeya, Maranda und Vinada …

Anmerkung: GliederungVyanjana/Adimavorläufig;keineDecknamenergänzung.

Vers 726 [Quellzählung an Position 729]
vimardaśekharau cāpi maulijo'pi virūpavān |
aparāntaśca prakarī binduko viraso'pi ca ||726||

… Vimarda, Shekhara, Maulija, Virupavan, Aparanta, Prakari, Binduka und Virasa …

Vers 730
dālbhikaḥ saumataḥ paścātpratānaṃ vidigeva ca |
tato veṭapakaulucau turīyā tadanantaram ||730||

… Dalbhika, Saumata, Pratana, Vidik, Vetapa, Kaulucha und Turiya …

Anmerkung: MehrereDecknamenörtlichunsicherinsbesondereVetapa/Kaulucha;nichtnormalisiert.

Vers 731
śaktividyā ca ṣaṭcakraṃ kaulaḥ sarvāgamādimaḥ |
āmnāyātītamasyānu vidyātattvamataḥ param ||731||

… Shaktividya, Shatchakra, Kaula, Sarvagamadima, Amnayatita und Vidyatattva …

Vers 732
tattvārṇavo'pi kathitaḥ śaktisarvasvamityapi |
parāparaḥ śobhanaśca cicchaktiḥ syāditaḥ param ||732||

… Tattvarnava, Shaktisarvasva, Parapara, Shobhana und Chitshakti …

Abschluss des Vishvarupa-Nyasa

Namaḥ und Svaha schließen die Formeln. Nichtanatomische Einträge werden durch Darstellung oder Nachahmung vollzogen.

Vers 733
śeṣe saṃhārakūṭaṃ syādevaṃ caturaśītitā |
yadavyayaṃ padadvandvamantime pariniṣṭhitam ||733||

… zuletzt Samharakuta. So ergibt sich die Zahl vierundachtzig. Das unveränderliche Wortpaar ganz am Ende …

Anmerkung: 84alsQuellenangabe;keinegarantiertlückenloseZählungderlesbarenDecknamen.

Vers 734
taccākhyātaṃ namaḥ svāhā nyāsa evaṃvidhaḥ sthitaḥ |
nyāsasthānāni sarvāṇi tiṣṭhanti nyāsa eva hi ||734||

… lautet „namaḥ svāhā“, „Verehrung, Svaha“. So ist dieser Nyasa beschaffen. Alle Stellen seiner Setzungen sind in ihm selbst enthalten.

Vers 735
saṃspṛśenmanumuccārya tattatsthānaṃ varānane |
ekādaśānāmanyeṣāṃ vāṇyādīnāṃ sthalaṃ kva nu ||735||

Nachdem man den Mantra ausgesprochen hat, berühre man die jeweilige Stelle, du Schöne. Doch wo ist die Stelle für die elf anderen, angefangen mit der Stimme?

Anmerkung: LetztesWortimOCRkuru;Frageaus 736eindeutig,kva nuvorläufig.

Vers 736
etasminsaṃśaye devi siddhāntaṃ tvaṃ niśāmaya |
kāryo'bhinaya eteṣāmanukāro'thavā punaḥ ||736||

Höre zu diesem Zweifel die verbindliche Erklärung, Göttin: Diese sind darzustellen oder nachzuahmen.

Anmerkung: NichtalleListeneinträgeseienanatomischberührbareStellen;Handlungsnachahmung.

Vers 737
tenaiva nikhilānāṃ syurnyāsasthānāni tāni hi |
vyākhyāto viśvarūpākhyo nyāso dvaividhyarūpataḥ ||737||

Dadurch ergeben sich für sie alle die Stellen beziehungsweise Vollzüge des Nyasa. So ist der Vishvarupa-Nyasa in seiner zweifachen Darstellung erklärt.

Vers 738
na śaknomi punarvaktumetatkaraṇajaṃ phalam |
pūrvoditāni vāpyeṣa nityo nirvāṇamicchatām ||738||

Die Frucht seiner Ausführung vermag ich wiederum nicht auszusprechen. Bei den zuvor genannten Anlässen und für diejenigen, die Nirvana wünschen, ist er verpflichtend.

Anmerkung: ZweiterHalbverssyntaktischbeschädigt;BezugaufzuvorgenannteAnlässeaus 739.

Beginn des Nadichakra-Nyasa

Der Nyasa verbindet Namen Shivas und Guhyakalis mit Nadis und Befreiungsbegriffen.

Vers 736 [Quellzählung an Position 739]
itareṣāṃ tu kāmyaḥ syānmukhyo nityo'tra karmaṇi |
nāḍīcakrasamuddhāramatho kalaya tattvataḥ ||736||

Für andere ist er eine Handlung nach besonderem Wunsch; in diesem Ritual ist er jedoch vorrangig und verpflichtend. Beachte nun die genaue Bildung des Nadichakra-Nyasa.

Vers 740
eṣo'pi viśvarūpeṇa samaḥ phalavidhānataḥ |
āvaśyaka'pyatra kṛtye muktaye cāpyarāgiṇām ||740||

Auch dieser steht hinsichtlich seiner Frucht dem Vishvarupa-Nyasa gleich. Er ist bei dieser Handlung erforderlich und dient den von Leidenschaft Freien zur Befreiung.

Anmerkung: ĀvaśyakaḥFormörtlichbeschädigt;Aussageklar.

Vers 741
nyāsasya nāḍīcakrasya sanāruka ṛṣirīritaḥ |
gāyatrīnāmakaṃ chando guhyakālī ca devatā ||741||

Der Rishi des Nadichakra-Nyasa wird Sanaruka genannt; sein Versmaß ist Gayatri und seine Gottheit Guhyakali.

Anmerkung: RishinameOCRsanārukaunsicher,nichtzuSanakaoderanderemNamenergänzt.

Vers 742
tāro bījaṃ brahma śaktiḥ sāyujyaṃ kīlakaṃ matam |
sākṣādvidehakaivalyaprāptaye viniyogatā ||742||

Tara ist das Bija, Brahma die Shakti und Sayujya der Kilaka. Seine Anwendung dient der unmittelbaren Erlangung körperloser Befreiung.

Allgemeine Bildung der Nadichakra-Formeln

Der Text erläutert Kasus, Zahlformen und die Reihenfolge der gleichbleibenden und wechselnden Wörter.

Vers 743
aṣṭādāviha bījāni sthairyaśālīni sundari |
tataḥ śambhostu nāmāni guhyakālyāstathaiva ca ||743||

Hier stehen zuerst acht gleichbleibende Bijas, du Schöne. Danach folgen Namen Shambhus und Guhyakalis …

Vers 744
bhinnāni bhinnatayā procya vigṛhya kathitāni hi |
tānyādyāyā vibhaktestu dvitve tiṣṭhanti sarvaśaḥ ||744||

… jeweils unterschiedlich genannt und miteinander verbunden. Sie stehen sämtlich im Nominativ Dual.

Vers 745
etattulye cāpare dve dve bīje tadanantaram |
te kālavyāpinī cāpi nāḍyekā tu pṛthakpṛthak ||745||

Darauf folgen jeweils zwei entsprechende Bijas. Diese bleiben gleich; anschließend wird jeweils eine andere Nadi genannt …

Anmerkung: ErsterTeil„entsprechend/gleich“syntaktischunsicher,nichtdurchfertigeFormelersetzt.

Vers 746
nāmarūpā tatastāsāmevākhyā bhinnarūpiṇī |
dvyarṇasyaikasya śabdasya tābhirvigraha iṣyate ||746||

… mit ihrem besonderen Namen. Mit diesen Namen wird jeweils ein zweisilbiges Wort zusammengesetzt.

Vers 747
vigṛhya tadamantaṃ ca kartavyaṃ jagadīśvari |
tataḥ kriyāpadaṃ caikaṃ sthiraṃ dvivacane sthitam ||747||

Die Zusammensetzung ist in den Akkusativ zu setzen, Herrin der Welt. Darauf folgt ein gleichbleibendes Verb im Dual.

Vers 748
tata ekārṇaghaṭitaṃ prathamādvitvagāmi ca |
padaṃ sthāvararūpaṃ syācchabdasyāsyaiva tatparam ||748||

Dann folgt ein gleichbleibendes einsilbiges Wort im Nominativ Dual. Darauf steht von demselben Wort …

Vers 748 [Quellzählung an Position 749]
tārtīyāyā vibhaktestu dvyarṇamādyavacaḥ padam |
amantaṃ punarekaṃ ca padaṃ stryekaṃ dvivarṇavat ||748||

… eine zweisilbige Form im Instrumental Singular. Es folgt wiederum ein zweisilbiges weibliches Wort im Akkusativ Singular.

Anmerkung: Nummer748wiederholt,eigenständigerVers.

Vers 750
punaḥ kriyāpadaṃ caikaṃ caturakṣarasaṃyutam |
punarekārṇaghaṭitaṃ ṣaṣṭhyekavacanaṃ padam ||750||

Dann folgen ein viersilbiges Verb und wiederum ein einsilbiges Wort im Genitiv Singular.

Vers 751
padānyetāni saptāpi sthirarūpāṇi sarvaśaḥ |
tato nu bhinnabhinnāni padāni punareva hi ||751||

Diese sieben Wörter bleiben überall gleich. Danach folgen erneut unterschiedliche Wörter …

Vers 752
ekenānyena śabdena vigṛhītaṃ sthireṇa hi |
taccāpyādyavibhaktyādyavacanaṃ kartṛrūpi ca ||752||

… jeweils mit einem anderen gleichbleibenden Wort zusammengesetzt. Diese Verbindung steht als Subjekt im Nominativ Singular.

Vers 753
pūrvoktaṃ yatkarmapadaṃ dviśabdaghaṭitaṃ tathā |
iyantaṃ taduccaredatha yaḥ kriyāpadamataḥ param ||753||

Das zuvor genannte, aus zwei Wörtern gebildete Objekt ist [mit der hier beschädigt angegebenen Endung] auszusprechen. Danach folgt das Verb.

Anmerkung: Fragment: Kasus-/Endungsangabeiyantamnichtzuverlässigentziffert.

Vers 754
punaḥ padayugaṃ sthāsnu tatrādyaṃ dvyakṣarātmakam |
ādye vibhakterādyāyā vacane paritiṣṭhati ||754||

Wiederum folgt ein gleichbleibendes Wortpaar. Das erste Wort hat zwei Silben und steht im Nominativ Singular.

Vers 755
dvitīyaṃ dvipadaṃ proktaṃ bahuvrīhigavigrahi |
vibhaktivacane cāsya jñeye pūrvoktiśabdavat ||755||

Das zweite besteht aus zwei Gliedern und ist als Bahuvrihi-Zusammensetzung gebildet. Kasus und Zahlform sind wie beim zuvor genannten Wort zu verstehen.

Anmerkung: Bahuvrihi:Zusammensetzung,dieeinenTrägereinerEigenschaftbezeichnet.

Vers 756
pañcavarṇātmakaścāpi sānto'pi parikīrtitaḥ |
tṛtīyaṃ tryakṣaramapi lyabantapadamīritam ||756||

Es hat fünf Silben und endet auf s. Als drittes wird ein dreisilbiges Wort mit der Endung lyap genannt, also eine Absolutivform.

Vers 757
kāryaṃ sarvatra sandhānaṃ pūrvatra ca paratra ca |
tataḥ paraṃ vibhinnāni padāni parameśvari ||757||

Überall sind die Verbindungen mit den vorausgehenden und folgenden Wörtern herzustellen. Danach folgen unterschiedliche Wörter, höchste Herrin …

Vers 758
tacca ṅantaṃ samuddiṣṭaṃ kriyāpadamito'pyanu |
bījadvayaṃ cāvyayaṃ syādetasmātparamīśvari ||758||

… im Dativ. Darauf folgt das Verb; danach stehen zwei Bijas und ein unveränderliches Wort, höchste Herrin.

Anmerkung: LetzteGliederungbījad v ayaṃcāvyayamalszweiBijas+unveränderlichesWortvorläufig.

Vers 759
padānyaṣṭa tathaitāni sthirāṇi paricakṣate |
eṣa sādhāraṇoddhāro viśeṣastvadhunocyate ||759||

Diese acht Wörter gelten als gleichbleibend. Dies war die allgemeine Bildung; nun wird die besondere erklärt.

Acht Bijas und die Namen Shivas

Die Anfangsbijas werden genannt, danach sechsundfünfzig Namen des Gottes.

Vers 760
caitanyamanmathaparāpāśamāyāṅkuśadhiyaḥ |
prāsādaścetyaṣṭabījaśreṇī purata īritā ||760||

Chaitanya, Manmatha, Para, Pasha, Maya, Ankusha, Dhi und Prasada bilden die zuvor genannte Reihe von acht Bijas.

Anmerkung: Decknamen,nichtzusicherenLautformelnaufgelöst.

Vers 761
pṛthakpṛthagataḥ śabdān devadevābhidhānvitān |
sarvānevāvadhehi tvaṃ procyamānān krameṇa hi ||761||

Beachte nun alle einzelnen Namen des Gottes der Götter, die ich der Reihe nach ausspreche.

Vers 762
sadāśivo mahākālo nīlalohita eva ca |
maheśvaraḥ kṛttivāsāstripurāntaka eva ca ||762||

Sadashiva (der ewig Heilvolle), Mahakala (die große Zeit), Nilalohita (der Blaurote), Maheshvara (der große Herr), Krittivasas (der ein Fell trägt) und Tripurantaka (der die drei Städte beendet) …

Vers 763
mṛtyuñjayo mahārudro viśvarūpo vṛṣadhvajaḥ |
ugraḥ śarvo bhavo bhīmo nīlakaṇṭhaśca dhūrjaṭiḥ ||763||

… Mrityunjaya (Besieger des Todes), Maharudra (großer Rudra), Vishvarupa (Allgestaltiger), Vrishadhvaja (mit dem Stierbanner), Ugra (Gewaltiger), Sharva, Bhava (Ursprung des Werdens), Bhima (Furchtbarer), Nilakantha (Blauhalsiger) und Dhurjati (mit schwerem Flechtenhaar) …

Vers 764
gaṅgādharaśca sarvajño mṛḍaḥ śambhurharo'pi ca |
viśveśvaro vāmadeva īśānaḥ śaṅkaro'pi ca ||764||

… Gangadhara (Träger der Ganga), Sarvajna (Allwissender), Mrida (Huldvoller), Shambhu (Heilspender), Hara (Hinwegnehmender), Vishveshvara (Herr des Alls), Vamadeva, Ishana (Herrscher) und Shankara (Wohltäter) …

Vers 765
virūpākṣo bhūtanātho nandīśvara itaḥ param |
vyomakeśo mahādevaḥ kapālī candraśekharaḥ ||765||

… Virupaksha (mit verschiedenartigen Augen), Bhutanatha (Herr der Wesen), Nandishvara, Vyomakesha (dessen Haar der Raum ist), Mahadeva (großer Gott), Kapali (Schädelträger) und Chandrashekhara (mit dem Mond als Kopfschmuck) …

Vers 766
harikeśaḥ somanāthaḥ śitikaṇṭhastrilocanaḥ |
bhargo hiraṇyabāhuśca pramathādhipatistataḥ ||766||

… Harikesha (mit gelblichem Haar), Somanatha (Herr des Soma), Shitikantha (mit hellem Hals), Trilochana (Dreiäugiger), Bharga (Strahlender), Hiranyabahu (Goldarmiger) und Pramathadhipati (Herr der Pramatha-Scharen) …

Vers 767
sthāṇuḥ pinākapāṇiśca dakṣayajñavināśanaḥ |
ūrdhvaretāḥ paśupatiḥ kapardī madanāntakaḥ ||767||

… Sthanu (Unerschütterlicher), Pinakapani (der den Pinaka-Bogen hält), Dakshayajnavinashana (Zerstörer von Dakshas Opfer), Urdhvaretas (dessen Samen aufwärts gerichtet ist), Pashupati (Herr der gebundenen Wesen), Kapardin (Flechtenhaariger) und Madanantaka (Vernichter des Liebesgottes) …

Vers 768
mahājvālo maheśaśca giriśastryambako'pi ca |
mīḍhuṣṭamastatpuruṣo digambara ito'pyanu ||768||

… Mahajvala (große Flamme), Mahesha (großer Herr), Girisha (Herr des Berges), Tryambaka (Dreiäugiger), Midhushtama (freigebigster Spender), Tatpurusha (jener Purusha) und Digambara (dessen Gewand die Himmelsrichtungen sind) …

Vers 766 [Quellzählung an Position 769]
śūlapāṇiḥ śaṅkukarṇo viśvasaṃhārako'ntime |
ṣaṭpañcāśanmitānyevaṃ nāmāni syurmaheśituḥ ||766||

… Shulapani (Dreizackträger), Shankukarna (mit spitzen Ohren) und zuletzt Vishvasamharaka (Auflöser des Alls). So sind es sechsundfünfzig Namen des großen Herrn.

Die Namen der Göttin

Die Gegenreihe beschreibt Guhyakali als Erkenntnis, Kraft, Freiheit und befreiende Gegenwart.

Vers 770
śṛṇu tvaṃ nāmadheyāni bhagavatyā itaḥ param |
caṇḍayogeśvarī tvādyā mahāmāyā tato'nu ca ||770||

Höre nun die Namen der erhabenen Göttin. Zuerst Chandayogeshvari (die gewaltige Herrin des Yoga), danach Mahamaya (große Maya) …

Vers 771
nirañjanā kalātītā sammohinyadvayāpi ca |
nityā ca paramānandā tathā nigamabodhinī ||771||

… Niranjana (Unbefleckte), Kalatita (jenseits der begrenzenden Teile), Sammohini (Bezaubernde), Advaya (Nichtzweifache), Nitya (Ewige), Paramananda (höchste Glückseligkeit) und Nigamabodhini (die die Offenbarungslehre verständlich macht) …

Anmerkung: AdvayāausOCRadayāwahrscheinlich,nichtvölligsicher.

Vers 772
akhaṇḍā cetanā cāpi mahāyoginyanantaram |
parāparā cādvitīyā tataḥ syādbodhasākṣiṇī ||772||

… Akhanda (Ungeteilte), Chetana (Bewusstheit), Mahayogini (große Yogini), Parapara (Höchste und Nichthöchste), Advitiya (ohne ein Zweites) und Bodhasakshini (Zeugin des Erkennens) …

Vers 773
ānandadā mahāsaṃvicchāntā mānasyanantaram |
anakṣagocarā cāpi niṣkriyā ca nirindhanā ||773||

… Anandada (Freudenspenderin), Mahasamvid (großes Bewusstsein), Shanta (Friedvolle), Manasi (Geistige), Anakshagochara (den Sinnen nicht zugänglich), Nishkriya (ohne Tätigkeit) und Nirindhana (ohne Brennstoff) …

Anmerkung: AnakṣagocarāHauptlesung;FußnoteZeugeṅaabweichendeEndungpyagocarā,nichtstillschweigendvereinigt.

Vers 774
ojasvinī dhyānabalā tatparaṃ sarvatomukhī |
saṃjñākarī jñānamayī pramodinyapyanantarā ||774||

… Ojasvini (Kraftvolle), Dhyanabala (deren Kraft die Meditation ist), Sarvatomukhi (nach allen Seiten gewandt), Samjnakari (die Bewusstheit hervorbringt), Jnanamayi (aus Erkenntnis bestehend) und Pramodini (Freudvolle) …

Anmerkung: AnantarāhierReihenfolgewort,nichteigenenNamenangefügt.

Vers 775
tato'vidyāpahā cāpi tato vai jātavedasī |
bhadravatyaprapañcā ca medhākaryabalasvinī ||775||

… Avidyapaha (Vertreiberin des Nichtwissens), Jatavedasi, Bhadravati (Heilvolle), Aprapancha (jenseits der entfalteten Erscheinungswelt), Medhakari (Spenderin von Einsicht) und Balasvini (Kraftvolle) …

Anmerkung: EndfolgeOCRavalasviniunsicher;Balasvinivorläufig.

Vers 776
sanātanī prāṇadā ca prasphaliddhinyasaṅgamā |
tejovahā viśvarucī nirmalāmnāyabodhitā ||776||

… Sanatani (Urewige), Pranada (Lebensspenderin), Prasphaliddhini [Name beschädigt], Asangama (Unverbundene), Tejovaha (Trägerin des Glanzes), Vishvaruchi (allumfassend Leuchtende) und Nirmalamnayabodhita (durch reine Überlieferung Erschlossene) …

Anmerkung: Fragment: Prasphaliddhiniunzuverlässig;letztesKompositummöglicherweisezweiNamen,nichtzurZahlerfüllunggeteilt.

Vers 777
kleśāpahā tathā tejomayī nāḍindhamāpi ca |
etatpaścātkalavikariṇī bhavati kīrtitā ||777||

… Kleshapaha (Vertreiberin des Leids), Tejomayi (aus Glanz bestehend), Nadindhama [Name unklar] und dann Kalavikarini …

Anmerkung: Nadindhamaörtlichunsicher;KalavikariniNamensbestandnichtzuKalavikarshininormalisiert.

Vers 778
tata uktā balavikariṇī ca prāṇavallabhe |
balapramathinī cāpi manonmanyapyanantaram ||778||

… dann Balavikarini, o Lebensgeliebte, sowie Balapramathini (die Kräfte zermalmt) und Manonmani (jenseits des gewöhnlichen Geistes) …

Vers 776 [Quellzählung an Position 779]
viśveśvarī parijñeyā sarvabhūtadamanī api |
tataḥ siddhikarālī ca siddhito vikarālī api ||776||

… Vishveshvari (Herrin des Alls), Sarvabhutadamani (Bezähmerin aller Wesen), Siddhikarali und Siddhivikarali …

Anmerkung: SiddhitoVikaralialsAnweisungPräfixSiddhiverstanden;Herkunftörtlichmarkiert.

Vers 780
vajrakāpālinī cāpi guhyakālyakhilāntimā |
pūrvā saṅkhyā yāvatī vai tāvatyeṣāpi budhyatām ||780||

… Vajrakapalini und ganz zuletzt Guhyakali. Wisse, dass ihre Zahl der zuvor genannten entspricht.

Anmerkung: Quellebeansprucht56;beschädigteNamenreihekeinekünstlicheAuffüllung.

Shiva, Shakti und die Nadis

Den beiden göttlichen Namen folgen Bijas, Kutas und die Namen der Nadis.

Vers 781
śivaśca śaktiriti ca dve pade tadanantaram |
vibhaktivacanābhyāṃ tu kāryametadvadīśvari ||781||

Danach folgen die beiden Wörter „Shiva“ und „Shakti“. Sie sind hinsichtlich Kasus und Zahlform ebenso zu behandeln, Herrin.

Vers 782
bīje śāmbhavacicchaktī etayoranukīrtite |
atha vai vakṣyamāṇānāṃ nāḍīnāṃ tattadākhyayā ||782||

Als ihre beiden Bijas werden Shambhava und Chitshakti genannt. Dann sind bei den anschließend zu nennenden Nadis die ihrem jeweiligen Namen entsprechenden …

Vers 783
yadyatkūṭaṃ purā proktaṃ tattatprāk samudīrya hi |
paścāttu tattannāḍīnāṃ nāmāni samudīrayet ||783||

… früher erklärten Kutas jeweils zuerst auszusprechen. Danach spreche man die Namen der betreffenden Nadis.

Anmerkung: FrühererKutaVerweisnichtalsErlaubniszuvermuteterVervollständigungverwendet.

Sechsundfünfzig Nadis

Die Quelle nennt die inneren Bahnen ihrer rituellen Ordnung und verbindet sie mit Befreiung.

Vers 784
athāsāmabhidhāṃ vakṣye krameṇa tridaśeśvari |
nāḍī sarvādimā sargā bandhanī tadanantaram ||784||

Nun nenne ich ihre Namen der Reihe nach, Herrin der Götter. Die erste Nadi heißt Sarga, danach kommt Bandhani …

Anmerkung: NadiNamenalsrituelleBezeichnungen,keinemodernenAnatomiegleichgesetzt.

Vers 785
praveśinī gālinī ca tato rasavahāpi ca |
bhāsurā ca prabuddhā ca dīptā cāpi prakāśinī ||785||

… Praveshini, Galini, Rasavaha, Bhasura, Prabuddha, Dipta und Prakashini …

Anmerkung: DīptāausOCRduptāvorläufig.

Vers 786
pūrṇā sarasvatī paścātkuhūrvāraṇayā saha |
pūṣā payasvinī cāpi śaṅkhinī ca yaśasvinī ||786||

… Purna, Sarasvati, Kuhu zusammen mit Varana, Pusha, Payasvini, Shankhini und Yashasvini …

Vers 787
gāndhārī hastijihvā ca etatpaścādalambuṣā |
tejasvinī ca sumukhī satī viśvodarottarā ||787||

… Gandhari, Hastijihva, Alambusha, Tejasvini, Sumukhi, Sati und danach Vishvodara …

Vers 788
āpyāyanī revatī ca viśvadūtā tathaiva ca |
hemā maitrī ca nandā ca viśālā dhāriṇī tathā ||788||

… Apyayani, Revati, Vishvaduta, Hema, Maitri, Nanda, Vishala und Dharini …

Vers 786 [Quellzählung an Position 789]
agnijvālā dhāriṇī ca tato'nu kathitā'balā |
tapinī tāpinī cāpi marīcirjvālinī tathā ||786||

… Agnijvala, nochmals Dharini, Abala, Tapini, Tapini mit langem a, Marichi und Jvalini …

Anmerkung: Dhāriṇīwiederholtgegenüber788bewahrt;tapinī/tāpinīIASTunterscheidetVokallänge.

Vers 760 [Quellzählung an Position 790]
sammohā lambikā cāpi ghaṇṭikā koṭarāpi ca |
kapardanī māṇḍavī ca praśāntā vegavatyapi ||760||

… Sammoha, Lambika, Ghantika, Kotara, Kapardani, Mandavi, Prashanta und Vegavati …

Anmerkung: Kapardaniörtlichunsicher.

Vers 7961 [Quellzählung an Position 791]
tandrāvatī ca viśrāntiḥ kaivalyāthāpyavigrahā |
turīyā yoganiḥśreṇī nirvāṇā cāpunarbhavā ||7961||

… Tandravati, Vishranti, Kaivalya, Avigraha, Turiya, Yoganihshreni, Nirvana und Apunarbhava.

Vers 762 [Quellzählung an Position 792]
ṣaṭpañcāśanmitā etā nāḍayo muktiprakāśikāḥ |
vāyuṃ yogina etāsu dhārayanto manastathā ||762||

Diese sechsundfünfzig Nadis lassen die Befreiung aufleuchten. Yogis, die in ihnen den Lebenswind und den Geist festhalten …

Anmerkung: 56alsQuellenangabe;NamenwiederholungenundUnklarheitennichtergänzt.

Vers 763 [Quellzählung an Position 793]
prāpurvidehakaivalyaṃ yogasiddhiṃ tathaiva ca |
ābhirhi cakraśabdasya vigrahaḥ karmatāṃ gataḥ ||763||

… erlangten körperlose Befreiung und Vollkommenheit im Yoga. Mit diesen Namen wird das Wort „Chakra“ verbunden und als Objekt gebraucht.

Anmerkung: Fassungsgrenze:DieHerausgeberfußnotemeldet,dassKapitel 14imZeugenkaHIERendet.DieanschließendeFortsetzungwurdeausZeugeṅaübernommen;keineeinheitlicheÜberlieferungbehauptet.

Fortsetzung nach der Fassungsgrenze

Nach der Herausgeberangabe endet Zeuge ka bei Vers 793. Der folgende Text ab 794 wurde aus Zeuge ṅa übernommen. Die Ausgabe kennzeichnet diese Fortsetzung, ohne beide Überlieferungsumfänge gleichzusetzen.

Vers 764 [Quellzählung an Position 794]
kriyāpadaṃ yadākhyātamadhyāsāta itīha tat |
tāvityekaṃ padaṃ paścāddvitīyaṃ tena cetyapi ||764||

Das erwähnte Verb lautet hier „adhyāsāte“, „die beiden nehmen ihren Sitz ein“. Danach folgt das Wort „tau“, „diese beiden“, und als zweites „tena“, „dadurch“.

Anmerkung: FortsetzungausZeugeṅalautHerausgeberfußnote,ab 794.Kasus-/VerbformenörtlichOCRunsicher;adhyāsāteausadhyāsātavorläufig.

Vers 765 [Quellzählung an Position 795]
muktimityaparaḥ śabdastṛtīya iha kathyate |
etasyānupadaṃ yattatkriyāpadamudāhṛtam ||765||

Als drittes Wort wird „muktim“, „Befreiung“, genannt. Das Verb, das unmittelbar darauf folgt …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 766 [Quellzählung an Position 796]
caturakṣaranirmāṇaṃ tacca kalpayatāmiti |
sambandhakārakasthāyi yadekākṣaranirmitam ||766||

… hat vier Silben und lautet „kalpayatām“, „mögen die beiden gewähren“. Das einsilbige Wort im Genitiv …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Die wechselnden Prinzipien

Geistige Zustände, Sinne und Erfahrungen werden als Tattvas in die Formeln eingesetzt.

Vers 747 [Quellzählung an Position 797]
padaṃ tatra [iti] proktaṃ pṛthakśabdānataḥ śṛṇu |
manojyotirathātmā ca jīvātmā tadanantaram ||747||

… ist [in der Quelle beschädigt]. Höre nun die unterschiedlichen Wörter: Geist, Licht, Selbst und individuelle Seele …

Anmerkung: Fragment:Genitivpronomennichtklarlesbar,nichtstillschweigendmeergänzt.FortsetzungZeugeṅa.

Vers 768 [Quellzählung an Position 798]
paramātmā jñānamicchā kṛtiḥ karma tataḥ param |
ahaṅkāraśca buddhiśca māyā samaya eva ca ||768||

… höchste Seele, Erkenntnis, Wille, Tun, Handlung, Ichbewusstsein, Buddhi, Maya und Samaya …

Anmerkung: SamayaZeit/Übereinkunft/Ritualregelmehrdeutig;Begriffbewahrt.Fortsetzungṅa.

Vers 74626 [Quellzählung an Position 799]
tṛṣṇā lobhaśca mānaśca yogo rāgaśca vāsanā |
saṅkalpaśca vikalpaśca bhāvanā śāntireva ca ||74626||

… Durst, Gier, Stolz, Yoga, Leidenschaft, latente Prägung, Entschluss, begriffliche Unterscheidung, Vergegenwärtigung und Frieden …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 800
kṣāntī rūpaṃ raso gandhaḥ sparśaḥ śabdastathendriyam |
vairāgyaṃ vāk tathā […] saṃjñā dharma eva ca ||800||

… Geduld, Gestalt, Geschmack, Geruch, Berührung, Klang, Sinnesvermögen, Leidenschaftslosigkeit, Rede, [Textlücke], Bewusstheit und Dharma …

Anmerkung: Fragment:QuellemarkiertLückemit 000;keinenfehlendenBegriffergänzt.Fortsetzungṅa.

Vers *०१ [beschädigte Quellzählung an Position 801]
pravṛttiśca nivṛttiśca kāmaśca mamatāpi ca |
prakṛtirvikṛtirmohabandhamokṣāstataḥ param ||*01||

… Hinwendung zur Tätigkeit, Rückwendung, Begehren, das Gefühl „mein“, Urnatur, Veränderung, Verblendung, Bindung und Befreiung …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 802
vivekaśca titikṣā ca samādhirdhyānameva ca |
nirvedaśca dhṛtiścāpi prītiḥ sukhamanantaram ||802||

… Unterscheidung, Geduld, Samadhi, Meditation, Ernüchterung, Standhaftigkeit, Freude und Glück …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 803
duḥkhaṃ janma ca mṛtyuśca kālaḥ sārvavimānikaḥ |
ṣaṭpañcāśadime śabdāḥ krameṇa parikīrtitāḥ ||803||

… Leid, Geburt, Tod und die alles bemessende Zeit. Diese sechsundfünfzig Wörter wurden der Reihe nach genannt.

Anmerkung: SarvavimanikaLesungunsicher;56 QuellzählungtrotzLücke800bewahrt.Fortsetzungṅa.

Auflösung in den Chakras

Die Grammatik verbindet die Prinzipien mit dem Chakra und dem Wunsch nach Auflösung.

Vers 854 [Quellzählung an Position 804]
padamebhirvigrahi yattattattvamiti kathyate |
pūrvoktaṃ yatkarmapadaṃ padadvayavinirmitam ||854||

Das mit diesen Wörtern zusammengesetzte Wort heißt „tattva“, „Prinzip“. Das zuvor genannte Objekt, das aus zwei Wörtern besteht …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 805
tatsuṣumṇādicakre syādasyānte yatkriyāpadam |
tallīyatāmiti bhaveddvyarṇaṃ padamahantviti ||805||

… lautet „im Sushumna-Chakra“ und entsprechend bei den weiteren Chakras. Das anschließende Verb lautet „līyatām“, „möge sich auflösen“. Das zweisilbige Wort ist „aham“, „ich“.

Anmerkung: Sushumnahiergenanntobwohlnichtklarin784–791;keineNamenreiheangepasst.Fortsetzungṅa.

Vers 806
yadbahuvrīhiṇā syūtaṃ padābhyāmekakaṃ padam |
pañcavarṇātmako devi sa hi syādvirajastamāḥ ||806||

Das aus zwei Gliedern als Bahuvrihi gebildete eine Wort hat fünf Silben, Göttin, und lautet „virajastamāḥ“: „frei von Rajas und Tamas“.

Anmerkung: BeziehtsichaufdasIch;keinenzusätzlichenBijamantraerfunden.Fortsetzungṅa.

Vers 807
tryarṇaṃ lyabantaṃ tārtīyaṃ sambhūyeti prakīrtitam |
etasmātparato ye syuḥ śabdā bhinnaśarīriṇaḥ ||807||

Das dritte Wort, eine dreisilbige Absolutivform, lautet „sambhūya“, „geworden seiend“. Die darauf folgenden wechselnden Wörter …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Bezeichnungen der Befreiung

Eine weitere Reihe nennt Befreiungszustände und verwandte Begriffe; örtlich widersprüchliche Lesungen bleiben erkennbar.

Vers 808
tānidānīṃ pravakṣyāmi sāvadhānā niśāmaya |
kaivalyamatha nirvāṇaṃ mokṣo'pyamṛtameva ca ||808||

… nenne ich jetzt; höre aufmerksam zu: Kaivalya, Nirvana, Befreiung und Unsterblichkeit …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 806 [Quellzählung an Position 809]
apavargaśca vijñānamānandastadanantaram |
nistraiguṇyaṃ turīyaśca tato nirviṣayo'pi ca ||806||

… Erlösung, unterscheidende Erkenntnis, Glückseligkeit, Freiheit von den drei Gunas, Turiya und Freiheit von Sinnesgegenständen …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 810
atha pāramahaṃsaḥ syādadvaitaścāsya paścime |
aikātmyamatha cinmātraṃ sattā saṃvedyameva ca ||810||

… der Zustand des Paramahamsa, Nichtdualität, Einheit des Selbst, reines Bewusstsein, Sein und das Erkennbare …

Anmerkung: AdvaitaerstesZeichenimOCRmitEditorergänzungdgegeben;nichtdvaitaübersetzt.Fortsetzungṅa.

Vers 811
nirābhāso nirvikalpo dvandvātīta ito'pyanu |
tato'pyapunarāvṛttiravidyānāśa eva ca ||811||

… Freiheit von Erscheinungsbildern, Freiheit von begrifflicher Unterscheidung, Jenseitigkeit der Gegensatzpaare, Nichtwiederkehr und Vernichtung des Nichtwissens …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 812
muktiśca bandhanāśaśca paramārthastataḥ param |
kṣetrajñopaśamau cāpi tataścāprākṛto mataḥ ||812||

… Befreiung, Aufhebung der Bindung, höchste Wirklichkeit, der Kenner des Feldes, Beruhigung und der Zustand jenseits der Prakriti …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 813
saṃvinmayo brahmabhūyo niḥśreyasamito'pyanu |
nairavasthyaṃ cinmayaśca caitanyaṃ tadanu smṛtam ||813||

… Bewusstseinsfülle, Brahman-Werden, höchstes Heil, Freiheit von festgelegten Zuständen, reines Geistsein und Bewusstheit …

Anmerkung: Nairavasthyaörtlichunsicher,wörtlicheAnnäherung.Fortsetzungṅa.

Vers 814
nirākāraḥ śuddhabodhaḥ prakāśamaya eva ca |
ṣaṭtriṃśo niṣkalo jñeyo hyasaṃvedanameva ca ||814||

… Formlosigkeit, reines Erkennen, Fülle des Lichts und als sechsunddreißigster der teillose Zustand; dann Nichtwahrnehmen …

Anmerkung: 36alsTextzählung;AsamvedanamnichtstillschweigendzuBewusstseinumgedeutet.Fortsetzungṅa.

Vers 815
nairantaryaṃ ca prādhānyaṃ nityabhāvaśca nirvṛtiḥ |
atīndriyaṃ śūnyarūpaṃ sākṣībhāvo manolayaḥ ||815||

… Ununterbrochenheit, Vorrang, ewiges Sein, Erlösung, Übersinnlichkeit, Leergestalt, Zeugenbewusstsein und Auflösung des Geistes …

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 816
sampratyayastato jñeyo nirālambanameva ca |
anīḍaṃ ca vaidehyamajanma mṛtyureva ca ||816||

… Gewissheit, Stützlosigkeit, Wohnungslosigkeit, Körperlosigkeit, Nichtgeburt und Tod …

Anmerkung: QuellemṛtyuohneNegation;imBefreiungskontextauffälligaberNICHTamṛtyuerfunden.AnīḍaausOCRanīḍlamvorläufig.Fortsetzungṅa.

Vers 817
asaṃsargo punarbhāvo mahāśreyastathaiva ca |
agarbhavāsaśca tathā catuḥpañcāśasaṅkhyakaḥ ||817||

… Unverbundenheit, erneutes Werden, großes Heil und als vierundfünfzigster der Zustand ohne Aufenthalt im Mutterleib …

Anmerkung: PunarbhāvaohneNegationüberliefert;NICHTapunarbhavaergänzt.Fortsetzungṅa.

Vers 818
tato dvitīyamabhāvaśca pañcapañcāśasaṅkhyakaḥ |
avyaktikapadādduḥkhadhvaṃso'ntimapadaṃ smṛtam ||818||

… dann Abhava, „Nichtsein“ beziehungsweise „Fehlen eines Zweiten“, als fünfundfünfzigster; zuletzt wird ein Ausdruck genannt, der Avyaktika mit der Vernichtung des Leids verbindet.

Anmerkung: Dvitīyamabhāvamehrdeutig;letztesKompositumbeschädigt,nichtzuscheinbarsicheremNamenrekonstruiert.Fortsetzungṅa.

Schluss der Nadichakra-Formeln

Sandhi, Schlussbijas und unterschiedliche Wiederholungszahlen werden erläutert.

Vers 8186 [Quellzählung an Position 819]
pratiṣṭhā iti ca jñeyaṃ kriyāpadamataḥ param |
padeṣu sarveṣu tathā sandhiyogyasthaleṣvapi ||8186||

Als folgendes Verb wird „pratishtha“ angegeben [Form unsicher]. Bei sämtlichen Wörtern und an allen Stellen, an denen Sandhi möglich ist …

Anmerkung: VerbOCRpratiṣṭhā,keinegesicherteFiniteForm;Funktionsanweisungklar.Fortsetzungṅa.

Vers 820
sandhirvidheyo deveśi nyāse'sminmantrakarmaṇi |
ayaṃ viśeṣaḥ sāmānye viśeṣe ca prakīrtitaḥ ||820||

… ist in diesem Nyasa-Mantraritual die Lautverbindung herzustellen, Herrin der Götter. Diese besondere Regel gilt für die allgemeine wie für die spezielle Darstellung.

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Vers 821
tatastāraśca sāyujyaṃ bījadvayamudāhṛtam |
carame'nalakāntā ca mantrā etādṛśāḥ sphuṭāḥ ||821||

Danach werden die beiden Bijas Tara und Sayujya genannt; am Ende steht Analakanta, „die Geliebte des Feuers“. So sind die Mantras dargelegt.

Anmerkung: AnalakantaDecknamefürSvahaimRitualkontext;LautnichtausfehlendenBijaserfunden.Fortsetzungṅa.

Vers 822
idaṃ bījadvayaṃ devi trivāraṃ kecidūcire |
bhāṇḍikerāśca kāpālā na tu mauladigambarau ||822||

Manche, Göttin, schreiben vor, dieses Bija-Paar dreimal zu sprechen: die Bhandikeras und Kapalikas, nicht jedoch die Mauleyas und Digambaras.

Anmerkung: KāpālaimDruckpaergänzt;Schulunterschiedbewahrt.Fortsetzungṅa.

Vers 823
upadeśo mamāpīdṛksakṛduccāraṇaṃ hi yat |
nāḍīcakrāhvayo nyāsa īdṛśo bhavati priye ||823||

Auch meine Unterweisung lautet, dass es nur einmal gesprochen wird. So ist der Nyasa namens Nadichakra beschaffen, Geliebte.

Anmerkung: FortsetzungZeugeṅa.

Körperstellen des Nadichakra-Nyasa

Die Quelle nennt die Berührungsstellen und die abschließende umfassende Setzung.

Vers 824
durūho svalpabuddhīnāṃ sugamaḥ sudhiyāṃ tathā |
ataḥ paraṃ nibodha tvaṃ sāvadhānena cetasā ||824||

Für wenig Verständige ist er schwer zu begreifen, für Einsichtige leicht zugänglich. Höre nun mit aufmerksamen Geist …

Anmerkung: FortsetzungausZeugeṅawieab 794.

Vers 825
sthānānyamuṣya nyāsasya krameṇa bruvato mama |
brahmarandhraṃ lalāṭaṃ ca kūṭaṃ bhrūyugameva ca ||825||

… wie ich die Stellen dieses Nyasa der Reihe nach nenne: Brahmarandhra, Stirn, Kuta [anatomisch unbestimmt] und das Augenbrauenpaar …

Vers 826
dṛśau śaṅkhau ca karṇau ca yugmaṃ gaṇḍakapolayoḥ |
hanū oṣṭhādharau dantapaṅktī tālu tathaiva ca ||826||

… die beiden Augen, Schläfen und Ohren, die beiden Wangenbereiche, Kiefer, Ober- und Unterlippe, die beiden Zahnreihen und der Gaumen …

Anmerkung: Gaṇḍa/KapolaähnlicheWangenbegriffe,nichtalsneuepräziseAnatomieerfunden.

Vers 827
jihvā sṛkkadvayaṃ cāpi cibukaṃ sakalaṃ mukham |
pṛṣṭhamaṃsau jatruṇau ca grīvāghrāṇe tathaiva ca ||827||

… Zunge, beide Mundwinkel, Kinn, ganzes Gesicht, Rücken, Schultern, Schlüsselbeine, Hals und Nase …

Vers 828
kukṣau pārśve kaphoṇiśca pragaṇḍastadanantaram |
maṇibandhāvaṅgulayaḥ karau bāhū [pitaṃ] tathā ||828||

… die Bauchseiten, Flanken, Ellenbogen, Oberarme, Handgelenke, Finger, Hände, Arme und [eine beschädigte Stelle] …

Anmerkung: Fragment:pitamimDruckmitFragezeichen.

Vers 826 [Quellzählung an Position 829]
vakṣaḥ kroḍastanau cāpi jaṭharaṃ nābhireva ca |
vastiḥ kaṭikaṭau cāpi vaṅkṣaṇāvaṃsāsthinī api ||826||

… Brustkorb, Schoß, Brüste, Bauch, Nabel, Unterbauch, Taille und Gesäß, die Leisten und die beiden Schulterknochen …

Anmerkung: AṃsāsthinīimZusammenhangauffällig,bewahrt,nichtzuOberschenkelknochenkorrigiert.

Vers 830
meḍhrāpāne jānunī ca jaṅghe pādau ca gulphakau |
prapadaṃ ca padāṅgulyastadaṅgulyastadagrameva ca ||830||

… Geschlechtsteil und After, Knie, Unterschenkel, Füße, Knöchel, Fußballen, Zehen, nochmals die Finger beziehungsweise Zehen und ihre Spitzen …

Anmerkung: TadaṅgulyaḥwiederholtbeschädigteBezeichnungnichtstillschweigendgestrichen.

Vers 831
vāmapārśvādvāmabhāgo dakṣapārśvācca dakṣiṇaḥ |
dakṣavaṅkṣaṇato dakṣapādaḥ sakalameva ca ||831||

… die ganze linke Seite von der linken Flanke aus, entsprechend die rechte Seite von der rechten Flanke aus, sowie das gesamte rechte Bein von der rechten Leiste bis zum Fuß …

Vers 8232 [Quellzählung an Position 832]
vāmavaṅkṣaṇato vāmapādaḥ sakala eva ca |
vyāpakaṃ sarvaśārīraṃ ṣaṭpañcāśattamo mataḥ ||8232||

… und das ganze linke Bein von der linken Leiste bis zum Fuß. Als sechsundfünfzigste gilt die umfassende Setzung am gesamten Körper.

Vers 833
sthānānīmāni sarvāṇi nyāsasya kramato priye |
teṣu teṣu sthāneṣveva nāḍīcakraṃ pravinyaset ||833||

Dies sind, Geliebte, alle Stellen des Nyasa in ihrer Reihenfolge. An jeder entsprechenden Stelle vollziehe man den Nadichakra-Nyasa.

Lobpreis des Nadichakra-Nyasa

Die Fruchtverheißung stellt Befreiung über diesseitige Ziele und vergleicht die Wirkung mit großen religiösen Verdiensten.

Vers 834
proktā tubhayathā nāḍīcakranyāsoddhṛtirmayā |
etattulyān purā proktān paśyanna nyāsasañcayān ||834||

Ich habe die Bildung des Nadichakra-Nyasa auf zweifache Weise erklärt. Unter den früher gelehrten Nyasas sehe ich keinen, der ihm gleichkäme.

Anmerkung: ZweiterHalbversbeschädigt;Vergleichsdurch835bestätigt.

Vers 835
etatsamastveṣa eva nānyo'sya sadṛśo bhuvi |
aihikārthapradā anye nyāsā ye triṃśadīritāḥ ||835||

Nur er selbst ist ihm gleich; kein anderer gleicht ihm auf Erden. Die übrigen dreißig genannten Nyasas verleihen diesseitige Ziele …

Vers 836
ayaṃ videhakaivalyadātā nityaprayogataḥ |
etasya satatābhyāsājjīvanmukto'bhijāyate ||836||

… dieser aber verleiht bei beständiger Anwendung körperlose Befreiung. Durch seine fortwährende Übung wird man, so die Lehre, zu einem bereits zu Lebzeiten Befreiten.

Anmerkung: Fruchtverheißung,nichtheutigeErfolgsgarantie.

Vers 837
sarve yogāḥ prasiddhyanti sukhasādhyā haṭhāstathā |
vāramātraṃ kṛto nyāso nāḍīcakrāhvayo hi yaiḥ ||837||

Alle Yogas gelangen zur Vollendung, und auch die Hatha-Verfahren werden leicht ausführbar. Diejenigen, die den Nadichakra-Nyasa auch nur einmal vollzogen haben …

Anmerkung: HaṭhāḥpluralalsHatha-Verfahren,nichtpräzisesmodernesÜbungssystem.

Vers 838
kiṃ kiṃ na taiḥ kṛtaṃ devi sukṛtaṃ pāralaukikam |
kṛtaḥ samastatīrthānāmabhiṣekaḥ samāhitaḥ ||838||

… welche heilsame Tat für die jenseitige Welt hätten sie nicht getan, Göttin? Es ist, als hätten sie gesammelt in sämtlichen heiligen Badeorten gebadet …

Anmerkung: LobpreisüberträgtVerdienstwirkung,nichtbiografischeBehauptung.

Vers 82386 [Quellzählung an Position 839]
sarve vedā adhītāḥ syuḥ sarve devā upāsitāḥ |
vratāni cīrṇāni tathā sarvaceṣṭāmayāstathā ||82386||

… alle Veden studiert, alle Götter verehrt und alle Gelübde erfüllt; [der abschließende Ausdruck über sämtliche Verrichtungen ist beschädigt].

Anmerkung: Fragment:Schlussnichtzuverlässigverständlich,lesbareAussagenübersetzt.

Vers 840
dattāni sarvadānāni sarve dharmā anuṣṭhitāḥ |
praṇavasya ca gāyatryā mantrāṇāmapi bhūriśaḥ ||840||

Es ist, als seien alle Spenden gegeben und sämtliche religiösen Pflichten erfüllt. Vom Pranava, von der Gayatri und von zahlreichen Mantras …

Vers 841
japtā bhavati teneha koṭirekā vidhānataḥ |
kiṃ kiṃ tena na kṛtaṃ karma kiṃ kiṃ tena na kṛtaṃ tapaḥ ||841||

… gilt eine Koti, zehn Millionen Wiederholungen, als von ihm ordnungsgemäß rezitiert. Welche Handlung hätte er nicht vollzogen, welche Askese nicht geübt?

Anmerkung: VerherrlichendeVerdienstgleichsetzungdesTextes.

Vers 842
kiṃ kiṃ vrataṃ nahi kṛtaṃ yena nyāso'yaṃ kṛto bhavet |
sa dhanyaḥ kṛtakṛtyaśca so'śocyo'sminbhavārṇave ||842||

Welches Gelübde hätte der nicht erfüllt, der diesen Nyasa vollzogen hat? Er ist gesegnet, hat sein Werk getan und ist in diesem Ozean des Werdens nicht zu beklagen.

Rishis und Könige als Träger der Überlieferung

Die Namenliste gehört zur traditionellen Selbstbeschreibung des Textes; sie ist kein unabhängig belegter historischer Nachweis.

Vers 843
mahimānaṃ viditvāsya jñātvā bhagavatīṃ tathā |
paurāṇā ṛṣayaḥ sarve cakruryasminparigraham ||843||

Die Rishis der alten Zeit erkannten seine Größe und die erhabene Göttin und nahmen diesen Nyasa an.

Anmerkung: TraditionelleZuschreibungderQuelle,nichtunabhängigbelegteGeschichte.

Vers 844
kaṇvo medhātithī raibhyo yavakrīdṛtasravāḥ |
medhaśravo vaijarāyo'nu jābālaḥ śākaṭāyanaḥ ||844||

Kanva, Medhatithi, Raibhya, Yavakri, Ritasravas, Medhashravas, Vaijaraya, Jabala und Shakatayana …

Anmerkung: MehrereEigennamenörtlichunsicher,besondersVaijaraya;nichtdurchbekanntereNamenersetzt.

Vers 845
hārīto nāciketāśca arvāvasu parāvasu |
upamanyurbharadvājo gautamaḥ pippalāyanaḥ ||845||

… Harita, Nachiketas, Arvavasu, Paravasu, Upamanyu, Bharadvaja, Gautama und Pippalayana …

Vers 846
akṣapādo gālavaśca śākaṭāyanavatsalau |
vāmadevo nāradaśca mārkaṇḍeyaḥ parāśaraḥ ||846||

… Akshapada, Galava, Shakatayana, Vatsala, Vamadeva, Narada, Markandeya und Parashara …

Anmerkung: Shakatayanawiederholung844bewahrt.

Vers 847
aṅgirāścyavano'triśca śāṇḍilyo devalo'sitaḥ |
vyāsaḥ kātyāyanaḥ paṅguḥ śvetāśvatara eva ca ||847||

… Angiras, Chyavana, Atri, Shandilya, Devala, Asita, Vyasa, Katyayana, Pangu und Shvetashvatara …

Anmerkung: PanguLesungvorläufig.

Vers 848
viśvāmitro vasiṣṭhaśca kapilo bhṛgureva ca |
prālambāyanamāṇḍavyadurvāsogargabābhravāḥ ||848||

… Vishvamitra, Vasishtha, Kapila, Bhrigu, Pralambayana, Mandavya, Durvasas, Garga und Babhrava …

Anmerkung: Pralambayana/Babhravaörtlichunsicher.

Vers 849
jaigīṣavyaśca saṃvartajamadagnipataṅgajāḥ |
dadhīcyuttaṅkaṛtavo vāsakakṣāyanā api ||849||

… Jaigishavya, Samvarta, Jamadagni, Patangaja, Dadhichi, Uttanka, Ritu und Vasakakshayana …

Anmerkung: LetzteNamenfolgeunsichergetrennt;keineIdentifizierungenbehauptet.

Vers 850
atharvā śaunakaścāpi utathyaścauḍulomayaḥ |
brahmavidyāratā ye'nye munayaḥ saṃśitavratāḥ ||850||

… Atharvan, Shaunaka, Utathya, Audulomi und andere strenggelübdehafte Munis, die sich der Brahman-Erkenntnis widmeten …

Vers 851
somasūryānvayodbhūtā rājāno nanu viśrutāḥ |
surāṣṭreśāstrigartajā jātājanakahaihayāḥ ||851||

… sowie berühmte Könige aus Mond- und Sonnengeschlecht, die Herren von Surashtra, die aus Trigarta Stammenden, Jata [unsicher], Janakas und Haihayas …

Anmerkung: JātaNamensgrenzebeschädigt;nichtausvermuteterDynastieergänzt.

Vers 852
nyāsarājamamuṃ prāpya brahmavidyāsu dīkṣitāḥ |
[āya ayaṃ yogasiddhasiddhe brahmatrayījuṣaḥ] ||852||

[Fragment:] Nachdem sie diesen König der Nyasas empfangen hatten, wurden sie in die Brahman-Lehren eingeweiht.

Anmerkung: Fragment:zweiterHalbversunverständlich,nurYoga-SiddhaundBrahma-Trayi-Elementeerkennbar.

Vers 853
yogino'nena siddhyanti prāpnuvanti paraṃ padam |
atra siddhigatāḥ paścātsiddhyantyatra vai kramāt ||853||

Durch ihn erlangen Yogis Vollkommenheit und den höchsten Zustand. Hier haben sie Vollendung erreicht, und hier werden weitere der Reihe nach Vollendung erlangen.

Anmerkung: LetzterZeitsinnauspaścāt,syntaktischunsicher.

Abschluss der vier besonderen Nyasas

Der Nyasa wird als Mittel gegen Bindung, Geburt und Tod gepriesen; danach beginnt die Fest-Puja.

Vers 854
vacojālaiḥ kimadhikairarthavādavadīritaiḥ |
bhavabandhaṃ jihāsūnāṃ prepsūnāṃ mokṣamavyayam ||854||

Wozu noch mehr Worte, die wie ein verherrlichender Lobpreis ausgesprochen werden? Für diejenigen, die die Bindung an das Werden abwerfen und unvergängliche Befreiung erlangen wollen …

Anmerkung: ArthavadaalsverherrlichendeAussagerichtigmarkiert.

Vers 855
janmamṛtyuṃ titīrṣūṇāmasau paramabheṣajam |
[kriyato bālakriyatāmalpadānyāsa eṣa vai] ||855||

[Fragment:] … und Geburt und Tod überwinden möchten, ist dieser Nyasa die höchste Arznei.

Anmerkung: Fragment:zweiterHalbversbereitsimDruckmitFragezeichen,nichtrekonstruiert.

Vers 856
pavitrārohaṇe kārye āvaśyakatayā sthitaḥ |
na kevalamayaṃ devi te trayo yasya pūrvagāḥ ||856||

Bei Pavitrarohana ist er verpflichtend; nicht nur dieser allein, Göttin, sondern auch die drei, die ihm vorausgehen.

Vers 857
evaṃ vidhāya catura etānnyāsānvarānane |
kuryānnaimittikīpūjāvadarcāṃ tadanantaram ||857||

Nachdem man diese vier Nyasas so ausgeführt hat, du Schöne, vollziehe man die Verehrung nach der Weise der anlassbezogenen Puja.

Vers 858
naimittike yā kathitā rītiḥ saiveha cocyate |
mantrāḥ sarve ta evātra ye naimittikapūjane ||858||

Hier gilt dieselbe Ordnung, die für die anlassbezogene Verehrung genannt wurde. Auch sämtliche Mantras sind dieselben …

Vers 8526 [Quellzählung an Position 859]
pavitrārpaṇikāstattaddevānāṃ manavaḥ pṛthak |
tānsarvānāhariṣyāmi samuddharaṇapūrvakam ||8526||

… nur die Mantras zur Darbringung der Pavitras an die einzelnen Gottheiten unterscheiden sich. Ich werde sie alle mit ihrer jeweiligen Bildung angeben.

Anmerkung: ĀharibzwāharishyamiimDruckteilweisemitErgänzungā.

Vers 860
sarveṣāmupacārāṇāṃ śodhanaṃ pūrvavaccaret |
damanāropaṇanyāsānatrāpi vidadhīta vai ||860||

Alle Opferdienste sind wie zuvor zu reinigen. Auch die für Damanaropana genannten Nyasas sind hier auszuführen.

Gefäße und Zeitpunkt der Pavitra-Gabe

Die Ritualschule bestimmt den Umfang. Das Pavitra wird jeder Gottheit zum Abschluss ihrer Verehrung dargebracht.

Vers 861
[dvividho'yaṃ] sthāpanaṃ ca pīṭhabhūtiparikriyām |
ṣaḍvā daśāṣṭau daśa vā caturviṃśatimeva ca ||861||

[Fragment:] Die Aufstellung und die Vorbereitung der Pitha-Träger sind vorzunehmen. Man stelle sechs, achtzehn, zehn oder vierundzwanzig …

Anmerkung: Fragment:Anfangbeschädigt;Zahlfolge„daśāṣṭau daśa“als18 und10vorläufig,keinfehlendesSchemaerfunden.

Vers 862
ṣaṭtriṃśadathavā kuryātpātrāṇāṃ sthāpanaṃ priye |
tattanmatānusāreṇa tattatkarma vidhīyate ||862||

… oder sechsunddreißig Gefäße auf, Geliebte. Die jeweilige Handlung richtet sich nach der betreffenden Lehrtradition.

Vers 863
kramamantrārcanānyeṣāṃ rītyā pūrvoktayā caret |
sarvaṃ naimittikasamaṃ jñeyamatrāpi sundari ||863||

Reihenfolge, Mantras und Verehrung sind nach der zuvor beschriebenen Weise auszuführen. Auch hier gilt alles entsprechend der anlassbezogenen Puja, du Schöne.

Vers 864
pavitrasyārpaṇe mantrāḥ kintu sarve pṛthakpṛthak |
yasya yasya tu devasya yo yo'rcāvasaro bhavet ||864||

Die Mantras zur Darbringung des Pavitra sind jedoch jeweils verschieden. Wenn für eine bestimmte Gottheit der Zeitpunkt ihrer Verehrung gekommen ist …

Vers 8615 [Quellzählung an Position 865]
tasya tasya tu devasya tasmiṃstasminvarānane |
pavitraṃ tasya dātavyaṃ tanmantroccārapūrvakam ||8615||

… ist ihr zu eben diesem Zeitpunkt, du Schöne, ihr Pavitra unter Aussprechen ihres Mantra darzubringen.

Das Pavitra der Tempeltür

Der erste Mantra widmet die Schnur der Tür des Göttinnenhauses.

Vers 866
tatrāpi khalu sarvādau pūjāgārapraveśane |
gṛhadvārasya dātavyaṃ yadadhyāste pureśvarī ||866||

Ganz zuerst, beim Eintritt in den Verehrungsraum, ist der Haustür ein Pavitra darzubringen, an der Pureshvari ihren Sitz hat.

Vers 867
tanmantrastāramaidhau prāsādakamalāstriyaḥ |
śākinī ḍākinī ceti bījāṣṭakamidaṃ punaḥ ||867||

Der Mantra beginnt mit Tara, Maidha, Prasada, Kamala, Stri, Shakini und Dakini. Diese werden als Gruppe von acht Bijas bezeichnet.

Anmerkung: LesbareNamenreihehatnursiebenklartrennbareEinträge;8 Quellangabe,nichtsaufgefüllt;Maidhaunsicher.

Vers 868
pavitramidamuccārya devīprāsāda uccaran |
dvārāya tadanu procya sarvaśobhākarāya ca ||868||

Dann spreche man: „Dieses Pavitra“, danach „für die Tür des Tempels der Göttin“ und „die allen Glanz hervorbringt“ …

Anmerkung: Quellwörterpavitramidam,devīprāsāda,dvārāya,sarvaśobhākarāya;grammatischeVerbindungerscheinthierverkürzt.

Vers 8646 [Quellzählung an Position 869]
phetkārīpāśadamanabījāni tadanūddharet |
samarpayāmi hṛcchīrṣaṃ sarvādyo manurīritaḥ ||8646||

… füge die Bijas Phetkari, Pasha und Damana an, dann „samarpayāmi“, „ich bringe dar“, und die Decknamen Hrid und Shirsha. Damit ist der allererste Mantra genannt.

Anmerkung: Hrid/ShirshaDecknamenbelassen.

Vers 870
pravivikṣuryadā pūjāgṛhaṃ sādhakasattamaḥ |
[pūjāgṛhaṃ tadekena mantreṇāyaṃ śivāgṛham] ||870||

[Fragment:] Wenn der vortreffliche Sadhaka den Verehrungsraum betreten will, [verwendet er diesen Mantra; die genaue zweite Vershälfte ist beschädigt].

Anmerkung: Fragment:imDruckFragezeichen;nichtzuvollständigerVersübersetzungerklärt.

Vers 871
pavitraṃ ca samarpyāsmi tataḥ pūjāṃ samārabhet |
[tacca ucyāṃ] gavākṣe vā kapāṭe dvāra eva vā ||871||

Nach Darbringung des Pavitra beginne man die Puja. Dieses ist [an einer höher gelegenen Stelle?], am Fenster, am Türflügel oder unmittelbar an der Tür …

Anmerkung: Höhenangabeunlesbar,FragezeichenwieQuelle;Grundhandlungklar.

Vers 872
badhnīyādambikāgāraśobhākaramanuttamam |
dvārapālapavitrasya yaḥ samarpaṇakṛnmanuḥ ||872||

… festzubinden, als vorzüglicher Schmuck von Ambikas Haus. Den Mantra zur Darbringung des Pavitra des Türhüters …

Das Pavitra der Muschel

Die Muschel und ihre Kalas werden verehrt; eine besondere Formel begleitet das Anlegen.

Vers 873
sa dvārapālapūjāyāṃ kathanīyo mayā tava |
puroditavidhānena śaṅkhaṃ saṃsthāpya yatnataḥ ||873||

… werde ich dir bei der Verehrung des Türhüters nennen. Nachdem man die Muschel sorgfältig nach der zuvor gelehrten Ordnung aufgestellt hat …

Vers 874
puṣpagandhākṣatairādya pratyekaṃ kalayā tathā |
śeṣe tadīyamādāya pavitraṃ pūrvavarṇitam ||874||

… verehre man sie mit Blumen, Duft und ungebrochenen Reiskörnern, auch jede Kala einzeln. Zuletzt nehme man das zuvor beschriebene Pavitra für sie …

Anmerkung: Ādy/OCRvorpratyekamunsicher;arcanabhāvaausKontext.

Vers 875
dhṛtvā karābhyāṃ manunā vakṣyamāṇena ropayet |
caitanyapāśaprāsādaśākinīvanitāsmarāḥ ||875||

… halte es mit beiden Händen und lege es mit dem nun genannten Mantra an: Chaitanya, Pasha, Prasada, Shakini, Vanita und Smara …

Anmerkung: BeginnBija-Decknamenreihe.

Vers 876
śaṅkhāmṛte kramādaṣṭabījāni tadanantaram |
parācijjyeṣṭhakūṭāni tataḥ kṣīrodasāgaraḥ ||876||

… Shankha und Amrita bilden die acht Bijas der Reihe nach. Danach folgen Para-, Chit- und Jyeshtha-Kuta sowie der Ausdruck „Milchmeer“ …

Anmerkung: KshirodaimDruckksha[ kshi ]korrigiert;alsHerausgeberkorrekturübernommen.

Vers 877
punaḥ prabhavasaṅkhyeti pavitramidamityapi |
tatastavāropayāmi hṛdyugmamataḥ param ||877||

… und „prabhava“ [„entsprungen“; Wortanschluss unsicher]. Dann: „Dieses Pavitra lege ich dir an.“ Anschließend folgt Hrid zweimal …

Anmerkung: SaṅkhyetibeschädigtmöglicherweiseAnredeShankha;NICHTalsgesicherteFormelkonstruiert.

Vers 878
kūrcadvayāstrayugale carame śira ityapi |
śaṅkho'rcāvasare'nena tasminsūtraṃ samarpayet ||878||

… dazu zweimal Kurcha, zweimal Astra und zuletzt Shiras. Mit diesem Mantra bringt man der Muschel bei ihrer Verehrung die Schnur dar.

Das Pavitra des besonderen Arghya

Die Formel bezeichnet das Arghya als Gestalt der Göttin und bittet um Annahme der Schnur.

Vers 874 [Quellzählung an Position 879]
bravīmyataḥ paraṃ kānte viśeṣārghyasya yo manuḥ |
vedādimāyāśākinyaḥ kālīprāsādavidyutaḥ ||874||

Nun nenne ich, Geliebte, den Mantra des besonderen Arghya: Vedadi, Maya, Shakini, Kali, Prasada und Vidyut …

Vers 880
pāśaḥ preto bhairavī ca jñānecchāsaṃvido'pi ca |
evaṃ dvādaśabījāni kūṭaṃ catvāri ca trayam ||880||

… Pasha, Preta, Bhairavi, Jnana, Iccha und Samvid. Dies sind zwölf Bijas; danach werden Kutas mit den Angaben „vier und drei“ genannt.

Anmerkung: KutaZahlengliederungunklar,nichtzueinerdefinitivenListeaufgefüllt.

Vers 881
idaṃ tato yajñasūtraṃ viśeṣārghyāya cetyapi |
samarpayāmi cābhāṣya tadāmuñca tataḥ param ||881||

Dann spreche man: „Diese heilige Schnur bringe ich dem besonderen Arghya dar; lege sie an!“ …

Vers 882
devīrūpo'si cābhāṣya tubhyaṃ hṛcchirasī tathā |
viśeṣārghyapavitrasya dāne manurayaṃ mataḥ ||882||

… und: „Du bist die Gestalt der Göttin; dir [sei sie dargebracht]“, gefolgt von Hrid und Shiras. Dies gilt als Mantra zur Darbringung des Pavitra an das besondere Arghya.

Vers 883
pratyekaṃ kurvate ye hi pādyādyarghyasya kalpanam |
te'pyanenaiva mantreṇa pradadyurupavītakam ||883||

Wer Fußwasser und weitere Arghya-Gaben jeweils gesondert bereitet, soll auch ihnen mit eben diesem Mantra die heilige Schnur darbringen.

Das Pavitra des gesamten Pitha

Der Göttersitz wird als Einheit aller Götter, Opfer, Shaktis und Veden angerufen.

Vers 884
atha sarvaikyarūpasya pīṭhasya vinigadyate |
punaḥ pratyekarūpeṇa sarveṣāṃ kathayiṣyate ||884||

Nun wird der Mantra für den Pitha als Einheit des Ganzen erklärt. Danach werden die Mantras aller einzelnen Gestalten genannt.

Vers 885
sārasvataḥ pāśakāmau gāruḍaḥ kūrca eva ca |
kṣetrapālaśca viśvaśca pañca kalpādyataḥ param ||885||

Sarasvata, Pasha, Kama, Garuda, Kurcha, Kshetrapala und Vishva; danach die fünf, die mit Kalpa beginnen …

Anmerkung: Decknamengruppe„Kalpausw.“nichtalsvollständigausgeschriebeneSilbenfolgeersetzt.

Vers 886
anāhataśca bhogaśca sṛṣṭistretā tathaiva ca |
kūrcamaṣṭādaśa mataṃ puṣkaraṃ parikīrtitam ||886||

… Anahata, Bhoga, Srishti, Treta und Kurcha als achtzehntes. Danach wird Pushkara genannt.

Anmerkung: AnzahlderlesbarenBijamitRückverweisnichtkünstlichkorrigiert;PushkaraKutaimKontext.

Vers 887
sarvāmaramaya procya sarvayajñamayeti ca |
sarvaśaktimaya procya sarvavedamayāpi ca ||887||

Dann spreche man: „Du, der du alle Götter umfasst, alle Opfer, alle Shaktis und alle Veden …“

Anmerkung: AnrededesPitha.

Vers 888
sarvayogaiśvaryamaya mahāsiṃhāsaneti ca |
idaṃ tubhyamupavītamupapādayāmi tataḥ ||888||

„… alle Macht des Yoga umfassender großer Thron! Diese heilige Schnur stelle ich dir bereit.“

Anmerkung: LetzterHalbversimDruckbeschädigtmitFragezeichen;tubhyam/upapādayāmiwahrscheinlicheLesung,keinevolleSicherheit.

Vers 886 [Quellzählung an Position 889]
idamāmuñca saṃlikhya devīmihayugaṃ tataḥ |
daṇḍādīni tu bījāni pañca procya tataḥ param ||886||

Dann folgen „Lege diese an“, das Wort „Devi“ und zweimal „iha“, „hier“. Anschließend spreche man die fünf Bijas, die mit Danda beginnen …

Anmerkung: Saṃlikhya„hinschreiben“imFormelaufbaumöglicheredaktionellerAusdruck;Devi-Satzanschlussnichtrekonstruiert.

Die vier Gottheiten des Panchayatana

Auch ohne eigene Panchayatana-Anordnung sollen die vier Gottheiten verehrt werden.

Vers 890
astratrayaṃ śivo'nte ca manuḥ pīṭhasya kīrtitaḥ |
gaṇapatyādikānāṃ hi caturṇāmatha kathyate ||890||

… dreimal Astra und zuletzt Shiva. Damit ist der Mantra des Pitha genannt. Nun wird für die vier Gottheiten, beginnend mit Ganapati …

Anmerkung: ShivaDecknameimSchluss,nichtselbständigvermuteteSilbe.

Vers 8861 [Quellzählung an Position 891]
devānāṃ yajñasūtrasya dāne yo hi manuḥ smṛtaḥ |
yadi pañcāyatanavān yadi tasyāpyabhāvavān ||8861||

… jeweils der Mantra zur Darbringung ihrer heiligen Schnur erklärt. Ob jemand ein Panchayatana besitzt oder nicht …

Vers 862 [Quellzählung an Position 892]
pavitrārohaṇe kārye tānsarvāṃścaturo yajet |
ādau gaṇapatervacmi pavitrārpaṇakaṃ manum ||862||

… bei Pavitrarohana soll er alle diese vier verehren. Zuerst nenne ich den Mantra zur Darbringung des Pavitra an Ganapati.

Vers 863 [Quellzählung an Position 893]
pavitrārpaṇakālastu yasya kasyāpi pārvati |
jñātavyaḥ sarvapūjāntastadante nāparārcanam ||863||

Die Darbringung des Pavitra erfolgt für jede Gottheit, Parvati, am Ende ihrer gesamten Verehrung. Danach soll keine weitere Verehrungshandlung für sie folgen.

Anmerkung: NāparārcanamLesungausbeschädigtemnāparāheṇamwahrscheinlich.

Ganapatis Pavitra-Mantra

Die Formel bittet den Beseitiger der Hindernisse um Schutz; beschädigte Wörter bleiben offen.

Vers 864 [Quellzählung an Position 894]
vedādiratha caitanyaṃ kāmo balistapā saha |
kākinīsomabhāruṇḍāstathā cāyādipañcakam ||864||

[Ganapatis Mantra beginnt mit:] Vedadi, Chaitanya, Kama, Bali und Tapa [unsicher]; Kakini, Soma, Bharunda und eine mit Chaya beginnende Fünfergruppe.

Anmerkung: TapaimDruckFragezeichen;chāyādiOCRunsicher,keinefehlendenBijasergänzt.

Vers 865 [Quellzählung an Position 895]
sarvavighnopaśamanaścaturthyekavacānvitā |
[yuṣmanma] gaṇapatistādṛgeva sureśvari ||865||

Dann folgt „Sarvavighnopashamana“, „der alle Hindernisse stillt“, im Dativ Singular. [Ein Pronomen ist beschädigt.] Ebenso ist „Ganapati“ zu beugen, Herrin der Götter.

Anmerkung: Fragment:yuṣmanmimDruckFragezeichen;keinegesichertePronominalform.

Vers 8466 [Quellzählung an Position 896]
yajñasūtramidaṃ procya [sandhiyuktayāmi ca] |
vighnaṃ me nāśayayugaṃ kūrcastrirhṛdayaṃ śiraḥ ||8466||

Man spreche „diese heilige Schnur“ und [eine beschädigte Darbringungsformel]. Dann: „Beseitige mein Hindernis, beseitige es!“ Es folgen dreimal Kurcha sowie Hridaya und Shiras.

Anmerkung: Fragment:ersterHalbversörtlichunlesbar;lesbareAufforderungvollwiedergegeben.

Suryas Pavitra-Mantra

Die Sonne wird als Herr des Glanzes angerufen und um Schutz der Darbringung gebeten.

Vers 867 [Quellzählung an Position 897]
atha sūryasya pūjānte tasmai sūtraṃ samarpayet |
pāśaḥ kalā ca hālaśca tritayaṃ purato vadet ||867||

Danach bringe man Surya am Ende seiner Verehrung die Schnur dar. Zuerst spreche man die drei Bijas Pasha, Kala und Hala.

Anmerkung: HalaLesungunsicher,nichtanderemBijanamenangeglichen.

Vers 868 [Quellzählung an Position 898]
daṇḍalajje samābhāṣya devyarṇaṃ savisargakam |
trivārameva tritayaṃ kathanīyaṃ varavarṇini ||868||

Dann spreche man Danda, Lajja und den Laut der Göttin mit Visarga. Diese Dreiergruppe ist dreimal zu sprechen, du Schöne.

Anmerkung: Devī-LautnichtausvermuteterLautgestaltergänzt.

Vers 866 [Quellzählung an Position 899]
sarvatejodhipatiyuk mahābhāsvararūpavān |
tataḥ sambhavaravāṃścāpi śrīsūryaḥ suravandite ||866||

Es folgen „Herr allen Glanzes“, „von überaus strahlender Gestalt“, „Sambhavarava“ [Bezeichnung unsicher] und „Shri Surya“, du von Göttern Verehrte.

Anmerkung: DrittesEpithetonbeschädigt,nichtfreiübersetzt.

Vers 600 [Quellzählung an Position 900]
padānīmāni catvāri caturthyantāni kārayet |
ekatve cāpi tadanu pavitramidamityapi ||600||

Diese vier Ausdrücke sind in den Dativ Singular zu setzen. Danach folgt „dieses Pavitra“ …

Vers 601 [Quellzählung an Position 901]
sambandhyāvedayāmīti […] |
idamāmuñca tadanu visandhi parikīrtitam ||601||

… verbunden mit „āvedayāmi“, „ich bringe dar“ [Textlücke]. Danach folgt, ohne Lautverschmelzung: „Lege dieses an.“

Anmerkung: Fragment:ausdrücklichelangePunkt-/ZiffernlückeinderQuelle,nichterschlossen.

Vers 602 [Quellzählung an Position 902]
pavitrāropaṇaṃ me ca pāhiyugamamanantaram |
namaḥ svāhā ca carame viṣṇoratha niśāmaya ||602||

Dann: „Beschütze meine Pavitra-Darbringung, beschütze sie!“ Am Ende stehen „namaḥ svāhā“. Höre nun die Formel Vishnus.

Vishnus und Maharudras Formeln

Vishnus bekannte Mantras werden nur bezeichnet; Maharudras Formel enthält besondere Bija-Decknamen und Anreden.

Vers 603 [Quellzählung an Position 903]
yo'sāvaṣṭākṣaro mantro yaścāsau dvādaśākṣaraḥ |
ekaikaṃ tu triruccārya pavitraṃ gṛhṇa ca dvayam ||603||

Sein achtsilbiger und sein zwölfsilbiger Mantra werden jeweils dreimal gesprochen. Danach heißt es: „Nimm das Pavitra an, nimm es an!“

Anmerkung: DiezweiVishnu-Mantrasnurbenannt,nichtimVersausgeschrieben;keinezusätzlicheFormelalsQuelltextausgegeben.

Vers 604 [Quellzählung an Position 904]
śeṣabhogaparyaṅkaśāyine tadanantaram |
tatastubhyamanantāya namaḥ svāhā ca paścime ||604||

Dann: „Dir, der du auf dem Lager aus Sheshas Schlangenleib ruhst, dir, dem Unendlichen: namaḥ svāhā.“

Vers 805 [Quellzählung an Position 905]
mahārudrasyātha śive mattaḥ kathayataḥ śṛṇu |
prāsādabījaṃ tārādi śāmbhavādyatrapañcakam ||805||

Höre nun, Glückverheißende, wie ich Maharudras Formel erkläre: Prasada-Bija, dem Tara vorausgeht, und die Fünfergruppe, die mit Shambhava beginnt.

Anmerkung: KeinefehlendenLautederFünfergruppeergänzt.

Vers 606 [Quellzählung an Position 906]
mahākālāgnirudraśca mahābalaparākramaḥ |
tato mahānīlakaṇṭho mahāsaṃhārakārakaḥ ||606||

Dann: Mahakalagnirudra (Rudra als großes Zeitfeuer), Mahabalaparakrama (von großer Kraft und Tapferkeit), Mahanilakantha (großer Blauhalsiger) und Mahasamharakaraka (Vollzieher der großen Auflösung) …

Vers 607 [Quellzählung an Position 907]
sarveśvaraśca [tritayaṃ caturthyantaṃ samādiśet] |
pavitradānaṃ tasyānte sarvatraiva viniścayaḥ ||607||

… sowie Sarveshvara (Herr von allem). [Die Kasusanweisung nennt „drei im Dativ“, ist aber beschädigt.] Am Ende erfolgt die Pavitra-Gabe; dies ist überall die festgelegte Regel.

Anmerkung: Fragment:gedruckteKlammer+Fragezeichen,Anzahl3passtsichtbarnichtzurNamensreihe,nichtrepariert.

Rajamatangis Mala-Mantra

Die historische Formel verfolgt ausdrücklich Bezauberung und Unterwerfung; dieses Ziel wird nicht umgedeutet.

Vers 608 [Quellzählung an Position 908]
vakṣye'tha rājamātaṅgīmantraṃ vaśyakaraṃ param |
sārasvataṃ bhauvaneśī kamalā tāra eva ca ||608||

Nun erkläre ich den vorzüglichen Mantra Rajamatangis, der Unterwerfung bewirken soll: Sarasvata, Bhauvaneshi, Kamala und Tara …

Anmerkung: HistorischesVashya-Ziel,nichtalsbloßeinnereHarmonieumgedeutet.

Vers 602 [Quellzählung an Position 909]
namo bhagavatītyuktvā mātaṅgeśvari coddharet |
tataḥ sarvajanetyevaṃ manoharipadaṃ tataḥ ||602||

Dann spreche man: „Verehrung, erhabene Matangeshvari, die die Herzen aller Menschen anzieht …“

Anmerkung: ReihenfolgeundAnredeausgeteiltenFormelwörternwiedergegeben.

Vers 610 [Quellzählung an Position 910]
punaḥ sarvamukha procya rañjinīti tataḥ param |
tata uccārayedevaṃ sarvarājavaśaṅkari ||610||

„… die alle Gesichter erfreut und alle Könige unter ihre Macht bringt …“

Vers 611 [Quellzählung an Position 911]
sarvastrīpuṃsamābhāṣya vaśaṅkari punarvadet |
sarvaduṣṭamṛgālikhya tato'nu ca vaśaṅkari ||611||

„… die alle Frauen und Männer sowie alle bösartigen Tiere unter ihre Macht bringt …“

Vers 612 [Quellzählung an Position 912]
etasyānu vadedevaṃ sarvasattvavaśaṅkari |
sarvalokamamuṃ me'nu sarvamānaya cetyapi ||612||

„… die alle Wesen beherrscht: Führe diese ganze Welt zu mir, führe sie ganz herbei!“

Anmerkung: SarvamānayaimZusammenhangcoerciv,nichtalsneutralenSegenverharmlost.

Bhuvaneshvaris großer Mantra

Die Göttin wird als Herrin der Weltbereiche angerufen.

Vers 613 [Quellzählung an Position 913]
śiro'nto manuruddiṣṭo vaśyakarmaphalapradaḥ |
atha te bhuvaneśvaryāḥ kathayāmi mahāmanum ||613||

Der Mantra endet mit Shiras und soll die Frucht des Unterwerfungsrituals verleihen. Nun erkläre ich dir Bhuvaneshvaris großen Mantra.

Vers 614 [Quellzählung an Position 914]
na kutrāpyeṣa kenāpi jñāta uddhṛta eva vā |
kevalaṃ śaṅkareṇoktamādiyāmala eva hi ||614||

Nirgendwo sonst, so heißt es, sei er von jemandem erkannt oder dargelegt worden. Nur Shankara habe ihn im Adiyamala gelehrt.

Anmerkung: Ausschließlichkeits-undQuellenbehauptungdesGrundtextes,nichtexternverifiziert.

Vers 615 [Quellzählung an Position 915]
svargiṇāṃ mūrdhā ādau pāśo māyāṅkuśastathā |
madano bhuvaneśvaryāḥ sambuddhistadanantaram ||615||

Am Anfang steht „Haupt der Himmelsbewohner“, danach Pasha, Maya, Ankusha und Madana. Es folgt die Anrede Bhuvaneshvaris.

Anmerkung: ErsterDecknameörtlichbeschädigt,mūrdhāvorläufig;keineLautauflösung.

Vers 616 [Quellzählung an Position 916]
saptalokāniti procya saptadvīpāniti smaret |
saptānu bhuvanānyuktvā pātālāni ca saptataḥ ||616||

Man spreche: „die sieben Welten, die sieben Inselkontinente, die sieben Weltbereiche und die sieben Unterwelten …“

Vers 617 [Quellzählung an Position 917]
saptārṇavāniti tataḥ śākinīyoginīstriyaḥ |
mahyaṃ dehi samuddhṛtya tato dāpaya kīrtayet ||617||

„… die sieben Ozeane“. Danach folgen Shakini, Yogini und Stri; dann: „Gib sie mir, lass sie mir geben …“

Vers 618 [Quellzählung an Position 918]
caturdaśānu bhuvananāyike tadanūddharet |
surāsurapadasyānte vandite paribhāvayet ||618||

„… Herrin der vierzehn Welten, von Göttern und Asuras Verehrte …“

Vers 6186 [Quellzählung an Position 919]
jaya jīva yugaṃ yugmaṃ dviḥ sphura prasphura dvayam |
jagattrayeti saṃlikhya pālinīti samuccaret ||6186||

„Siege, siege! Lebe, lebe! Erstrahle, erstrahle! Leuchte hervor, leuchte hervor! Beschützerin der drei Welten!“

Anmerkung: AlleangegebenenWiederholungenbewahrt.

Vers 620 [Quellzählung an Position 920]
pāśamāyāsṛṇīnāṃ ca tritayaṃ tritayaṃ paṭhet |
astraṃ śiraśca carame mahāmantro'yamīritaḥ ||620||

Pasha, Maya und Srini sind jeweils dreimal zu sprechen. Am Schluss folgen Astra und Shiras. Damit ist dieser große Mantra erklärt.

Anmerkung: SriniAnkushaDeckname,keinefehlendeSilbeerfunden.

Harasiddhas Formel

Die Anrufung bittet um Abwehr von Feinden und Bedrängnis sowie um Vollkommenheiten.

Vers 621 [Quellzählung an Position 921]
trirāvṛttiṃ vidhāyāsya tataḥ sūtraṃ samarpayet |
avācyāśāsaṃsthitāyai tṛtīyāyai [nitataḥ] ||621||

Nach dreimaliger Wiederholung bringe man die Schnur dar. [Nun folgt die Formel] für die dritte Göttin, die in der südlichen Richtung steht.

Anmerkung: LetztesWortbereitsFragezeichen;HarasiddhaausAbschnittstitelund926,keineEinleitungsbijaserfunden.

Vers 22 [Quellzählung an Position 922]
sarvaduṣṭaṃ hara yugmaṃ sarvopadravamityapi |
nāśaya dvitayaṃ cātha sarvābhīṣṭaṃ dada dvayam ||22||

„Nimm alles Böse hinweg, nimm es hinweg! Vernichte alle Bedrängnis, vernichte sie! Gewähre alles Erwünschte, gewähre es!“

Vers 623 [Quellzählung an Position 923]
sarvaśatrūn hara dvandvaṃ sarvasiddhiṃ ca dehi yuk |
tataḥ pracalaśabdānu jaṭābhārānu bhāsure ||623||

„Nimm alle Feinde hinweg, nimm sie hinweg! Gewähre sämtliche Vollkommenheiten! Du, die mit ihrer bewegten Flechtenfülle leuchtet …“

Vers 624 [Quellzählung an Position 924]
mahābhogipadādrājabhūṣiteti samuddharet |
sindūrāruṇadehe ca punaḥ śuṣkairyerayet ||624||

„… geschmückt mit dem großen König der Schlangen, du mit dem zinnoberroten Körper, mit trockenen …“

Anmerkung: LetztesAdjektivwirdin925mitSchädelnverbunden.

Vers 625 [Quellzählung an Position 925]
kapālābharaṇe ceti vidyutkoṭisamaprabhe |
uktvā prasīdayugalaṃ yugaṃ roṣāstrayostataḥ ||625||

„… Schädeln als Schmuck, strahlend wie zehn Millionen Blitze: Sei gnädig, sei gnädig!“ Danach folgen je zweimal Rosha und Astra.

Anmerkung: Rosha/AstraBija-Decknamen.

Vers 626 [Quellzählung an Position 926]
śira ekaṃ bhavedante harasiddhāmanustvayam |
triḥ saṅkīrtya tathaitena pavitraṃ vidhinārpayet ||626||

Am Ende steht einmal Shiras. Dies ist Harasiddhas Mantra. Man spreche ihn dreimal und bringe mit ihm das Pavitra vorschriftsgemäß dar.

Annapurna und Sarasvati

Die Darbringungsformeln verbinden die Göttinnenverehrung mit Nahrung, Wissen und Beredsamkeit.

Vers 627 [Quellzählung an Position 927]
atha vakṣye'nnapūrṇāyā viṃśatyakṣarakaṃ manum |
tripurāyāḥ prasaṅgena śaṅkareṇa yaduddhṛtam ||627||

Nun erkläre ich Annapurnas zwanzigsilbigen Mantra, den Shankara im Zusammenhang mit Tripura dargelegt hat.

Anmerkung: ZuschreibungalsQuellenaussage.

Vers 628 [Quellzählung an Position 928]
vedādiratha lajjā ca kamalā kāma eva ca |
namo bhagavatī procya sandhānarahitaṃ tataḥ ||628||

Vedadi, Lajja, Kamala und Kama; danach spreche man „namo bhagavati“ ohne Lautverschmelzung …

Vers 426 [Quellzählung an Position 929]
māheśvaryannapūrṇe ca śiraḥ śeṣe niyojayet |
pañcavārānimaṃ mantraṃ procya sūtraṃ nivedayet ||426||

… sowie „Maheshvari, Annapurne“, und setze am Schluss Shiras hinzu. Nach fünfmaligem Sprechen dieses Mantra bringe man die Schnur dar.

Anmerkung: MāheśvaryannapūrṇeausbeschädigtemOCRmādiśvayennapūrṇaersichtlichvorläufig.

Vers 620 [Quellzählung an Position 930]
atha sārasvataṃ mantraṃ vakṣye vidyāphalapradam |
kathitaṃ yadgirīśena kuñjikāyāḥ prasaṅgataḥ ||620||

Nun erkläre ich den Mantra Sarasvatis, der Wissen als Frucht verleiht und von Girisha im Zusammenhang mit Kunjika gelehrt wurde.

Vers 631 [Quellzählung an Position 931]
sārasvatācchiraḥ sandhiyugaṃ bhagavatīrayet |
vāgvādini samālikhya vadayugmaṃ tato vadet ||631||

Nach Sarasvata und Shiras [folgt eine unklare Verbindungsanweisung]. Dann spreche man: „Erhabene, Herrin des Sprechens, sprich, sprich!“

Anmerkung: Sandhiyugammehrdeutig,nichtzurWiederholungszahldesganzenMantrasumgedeutet.

Vers 632 [Quellzählung an Position 932]
mūkaṃ vādaya yugmaṃ ca visandhyaṣṭādaśoccaret |
vidyāprakāśini procya tato brahmamukhītyapi ||632||

„Lass den Stummen sprechen, lass ihn sprechen!“ [Es folgt eine unklare Angabe „ohne Sandhi, achtzehn“.] Dann: „Erleuchterin des Wissens, Brahmamukhi …“

Anmerkung: Aṣṭādaśa18nichtalsfehlende18Silbenausgefüllt;BrahmamukhiBrahmanalsMund/Gesichthabendmehrdeutig.

Vers 633 [Quellzählung an Position 933]
brahmavādinyanu brūyātpaṅkajāsana ityapi |
vāgmitvaṃ mayi dehyuktvā vāgagocara ityapi ||633||

„… Sprecherin des Brahman, auf dem Lotus Sitzende: Schenke mir Beredsamkeit, du jenseits der Reichweite der Rede …“

Anmerkung: EndungenPankajāsana/VāgagocaraimOCRbeschädigt,feminineAnredekontextklar.

Vers 634 [Quellzählung an Position 934]
vāgīśvarīti saṅkīrtya phaṭ svāhā tadanantaram |
pañca kṛtvastathaiṣo'pi proccāryaḥ sūtradattaye ||634||

„… Vagishvari!“ Danach folgen „phaṭ svāhā“. Auch dieser Mantra ist fünfmal zu sprechen, um die Schnur darzubringen.

Jayadurgas Mala-Mantra

Die Kampf- und Vernichtungsaufforderungen werden als historische Textaussagen vollständig wiedergegeben.

Vers 635 [Quellzählung an Position 935]
athaiśānyāṃ vidiśi yā jayadurgeti kathyate |
mālāmantraṃ vacmi tasyāḥ sāvadhānā niśāmaya ||635||

Nun erkläre ich den Mala-Mantra der im Nordosten stehenden Jayadurga. Höre aufmerksam zu.

Anmerkung: Mala-Mantra:längereAneinanderreihungvonAnredenundAufforderungen.

Vers 436 [Quellzählung an Position 936]
trapāramāsmarā ādau bhagavatyatha kathyate |
sambuddhirjayadurgāyā durgottāriṇi tatparam ||436||

Zuerst stehen Trapa, Rama und Smara. Danach folgt die Anrede: „Erhabene Jayadurga, die aus Schwierigkeiten herausführt …“

Vers 537 [Quellzählung an Position 937]
ākhyāya duṣṭāsureti nikṛntani tato vadet |
yuddhe jayaṃ me dehyuktvā śatrūnme nāśaya dvayam ||537||

„… Zerschneiderin böser Asuras! Schenke mir Sieg im Kampf! Vernichte meine Feinde, vernichte sie!“

Anmerkung: HistorischefeindschädigendeFormelvollübersetzt.

Vers 638 [Quellzählung an Position 938]
hana māra chindhi bhindhi paca trāsaya saṃhara |
yugaṃ yugaṃ sapta vadenmahāmāye tato'pyanu ||638||

Die sieben Befehle sind jeweils zweimal zu sprechen: „Schlage, schlage! Töte, töte! Schneide, schneide! Spalte, spalte! Verbrenne, verbrenne! Schrecke, schrecke! Vernichte, vernichte!“ Danach: „Mahamaya …“

Anmerkung: Pacwörtlichkochen/hierverbrennen;keineheutigeHandlungsanweisung.

Vers 636 [Quellzählung an Position 939]
mahābhāgyaprade cāpi mahaiśvaryavidhāyini |
śākinī ḍākinī cāpi pralayaḥ saha kṛtyayā ||636||

„… Spenderin großen Glücks, die große Herrschaft gewährt!“ Darauf folgen Shakini, Dakini, Pralaya und Kritya.

Anmerkung: LetztevierDecknamen,nichtalsAnredeübersetzt.

Vers 640 [Quellzählung an Position 940]
daityadānavamāriṇyanu ca saṃhāratāriṇi |
huṃ phaṭ svāhā sarvaśeṣe pūrṇo mantrastaveritaḥ ||640||

„Töterin der Daityas und Danavas, die durch die Auflösung hindurchrettet!“ Ganz am Schluss: „huṃ phaṭ svāhā“. Damit ist dir der vollständige Mantra genannt.

Anmerkung: ErstesBijaOCRha/h,huṃnurvorläufig,nichtzuverlässigeLautlängebehauptet;„vollständig“istAussagederQuelle,nichtRekonstruktionsbehauptungderAusgabe.

Vers 641 [Quellzählung an Position 941]
uccārya vāratritayamenaṃ dadyātpavitrakam |
ityaṣṭārastharītyāstu dattvā devībhya īśvari ||641||

Nach dreimaligem Sprechen bringe man das Pavitra dar. Nachdem so den Göttinnen des achtspeichigen Kreises die Gaben dargebracht wurden, Herrin …

Tripurasundaris sechzehnsilbiger Mantra

Bijas und Kutas bilden die im Text Shodashi genannte Formel; fehlende Lautgestalten werden nicht ergänzt.

Vers 642 [Quellzählung an Position 942]
yajñasūtraṃ tato dadyānnavārasthābhya ādṛtaḥ |
tāsāmādyā parijñeyā devī tripurasundarī ||642||

… gebe man ehrerbietig die heiligen Schnüre den Göttinnen des neunspeichigen Kreises. Als erste unter ihnen gilt die Göttin Tripurasundari.

Vers 643 [Quellzählung an Position 943]
ūrdhvāmnāye tu yā mukhyā brahmavidyāprakāśinī |
ṣaḍaśītirbhidāstasyā mantrāṇāṃ jagadīśvari ||643||

Sie ist die Hauptgöttin des Urdhvamnaya und offenbart das Wissen um Brahman. Ihre Mantras haben sechsundachtzig Formen, Herrin der Welt.

Anmerkung: TraditionelleZuordnungdesTextes.

Vers 644 [Quellzählung an Position 944]
tanmadhye ṣoḍaśārṇā tu mukhyānmukhyatarā matā |
yāmekavāramuccārya [namakyā] hṛdayabhūtayā ||644||

Unter ihnen gilt der sechzehnsilbige als der vorzüglichste. Wer diese den Wesenskern bildende Formel auch nur einmal spricht [ein Wort unlesbar] …

Anmerkung: Fragment:namakyāimDruckFragezeichen,nichtrekonstruiert.

Vers 645 [Quellzählung an Position 945]
saptadvīpavatīpṛthvīdānasya phalamaśnute |
kamalā bhauvaneśī ca kāmaścaitanyameva ca ||645||

… erlangt die Frucht einer Schenkung der Erde mit ihren sieben Inselkontinenten. [Die Bildung beginnt mit:] Kamala, Bhauvaneshi, Kama und Chaitanya …

Anmerkung: VerdienstverheißungderQuelle.

Vers 646 [Quellzählung an Position 946]
bhairavī cāpi vedādirmāyā lakṣmīḥ punastathā |
parākūṭe tamo dattvā citkūṭaṃ tadanantaram ||646||

… Bhairavi, Vedadi, Maya und nochmals Lakshmi. Man setze Tamas an Parakuta; danach folgt Chitkuta …

Anmerkung: TamasBezug/Lautaufbauunsicher,nichtalsvollständigeShodashiFormelerfunden.

Vers 647 [Quellzählung an Position 947]
jyeṣṭhākūṭaṃ ca tasyānu lakṣmībījaṃ tataḥ param |
punaḥ kulāṅganākāmau vāgbhavo bhairavī tathā ||647||

… anschließend Jyeshthakuta und Lakshmi-Bija, dann Kulangana, Kama, Vagbhava und Bhairavi.

Vers 48 [Quellzählung an Position 948]
bhagavatyai kathito hyeṣa ṣoḍaśārṇāhvayo manuḥ |
navavārānimaṃ procya yajñasūtraṃ samarpayet ||48||

Dieser für die erhabene Göttin gelehrte Mantra heißt „Sechzehnsilbiger“. Nach neunmaligem Sprechen bringe man die heilige Schnur dar.

Anmerkung: Benennung16nichtausDecknamenanzahlzurkritischenSilbenfassungrekonstruiert.

Siddhilakshmis Mala-Mantra

Die Quelle nennt widersprüchlich290 und90Silben. Die lesbaren Anreden werden übersetzt, ohne die Formel zu vervollständigen.

Vers 646 [Quellzählung an Position 949]
adasīyanavārīyadvitīyā devatā hi yā |
tasyā mālāmantramahamidānīṃ kathayāmi te ||646||

Nun erkläre ich dir den Mala-Mantra der zweiten Göttin dieses neunspeichigen Kreises.

Anmerkung: Siddhilakshmibezeichnetin950.

Vers 650 [Quellzählung an Position 950]
tatpāṭhādeva tatsūtradānaṃ siddhyati nānyathā |
mantreṣu siddhilakṣmyāḥ sa prokto mukhyatamaḥ priye ||650||

Nur durch seine Rezitation wird die Darbringung ihrer Schnur vollendet, nicht anders. Er gilt als der vorzüglichste unter den Mantras Siddhilakshmis, Geliebte.

Vers 651 [Quellzählung an Position 951]
akṣarairdaśabhirhīnastriśatākṣariko manuḥ |
mahāphalapradatvena khyātaḥ sarvāgameṣvayam ||651||

Der Mantra hat dreihundert Silben weniger zehn, also zweihundertneunzig. In allen Agamas, so der Text, ist er dafür bekannt, große Frucht zu verleihen.

Anmerkung: Zahl290widerspricht90in953;nichtstillkorrigiert.

Vers 652 [Quellzählung an Position 952]
mahāgopyatamo'pyeṣa siddhipradatayā drutam |
mālāmantraṃ siddhilakṣmyāḥ śṛṇvataḥ parameśvari ||652||

Er ist höchst geheim zu halten, weil er schnell Vollkommenheiten verleihen soll. Höre nun Siddhilakshmis Mala-Mantra, höchste Herrin.

Vers 653 [Quellzählung an Position 953]
śreṣṭheyaṃ sarvavidyānāṃ daśonā hi śatākṣarī |
anayārādhitā rājyalakṣmī rājyaphalapradā ||653||

Diese vorzüglichste aller Vidyas hat hundert Silben weniger zehn, also neunzig. Mit ihr verehrt, verleiht Rajyalakshmi als Frucht die Königsherrschaft.

Anmerkung: 90ausdrücklichgegenüber290in951beibehalten;Überlieferungsproblemmarkiert.

Vers 6154 [Quellzählung an Position 954]
ataḥ paramayatnena gopanīyā kulārthibhiḥ |
praṇavaṃ [hāhaṃmantau] ca saṃsiddhipadaṃ tataḥ ||6154||

Deshalb sollen diejenigen, die Kula-Verwirklichung erstreben, sie mit größter Sorgfalt geheim halten. [Die Formel beginnt mit] Pranava, [zwei beschädigten Lautangaben] und dem Wort „Samsiddhi“ …

Anmerkung: Fragment:ha-hamanta-Lautfolgenichtzuverlässiglesbar,nichtergänzt.

Vers 555 [Quellzählung an Position 955]
bhyasantā yoginīmuktvā hṛnmantrātsarvasiddhyapi |
punarbhyasantā mātā ca punarhṛnmanurmataḥ ||555||

… „Yogini“ mit der Endung -bhyas, danach Hrid; dann „Sarvasiddhi“ und „Mata“ ebenfalls mit -bhyas, gefolgt von Hrid.

Anmerkung: GrammatischeAnweisung,Dativplural;„Yoginibhyaḥ/Mātṛbhyaḥ“nichtalsrekonstruierteVollformausgegeben.

Vers 656 [Quellzählung an Position 956]
tatoditānandanandinyai samīrayet |
vadedasyānu sakalakulacakrapadaṃ priye ||656||

Dann spreche man „Uditanandanandinyai“ [Anrede unsicher]. Danach folgt der Ausdruck „Sakalakulachakra“, Geliebte …

Anmerkung: ErsterHalbversimDruckFragezeichen;Udita/Ananda/NandiniGliederungunsicher,keinefreieBedeutungerfunden.

Vers 657 [Quellzählung an Position 957]
nāyikāyai procya bhagavatyai caṇḍa tataḥ param |
kāpālinyai tārabījaṃ māyākūrcau tataḥ param ||657||

… mit „Nayikayai“: „der Herrin des gesamten Kula-Kreises“, dann „der erhabenen Chandakapalinī“. Es folgen Tara-Bija, Maya und Kurcha …

Anmerkung: AnredeChandakapalinyaivonaufgeteiltenWörtern;Vollformelanschlussnichtgesichert.

Anrufung der Träger des Göttersitzes

Die Überlieferung wechselt unvermittelt von Siddhilakshmi zu pluralischen Ritualträgern. Ein fehlender Übergang oder Mantrateil wird nicht rekonstruiert.

Vers 658 [Quellzählung an Position 958]
[nānuddharet] krameṇaiva hitvā vyatyāsamādarāt |
kālaḥ siṃhāsanadharaḥ sarvo yajñastataḥ param ||658||

[Fragment:] … sorgfältig in der angegebenen Reihenfolge, ohne Vertauschung. Darauf werden Kala, die Thronträger und sämtliche Opfer genannt.

Anmerkung: Fragment:VerbamAnfangbeschädigt;abrupterInhaltswechselzuPitha-Trägern,nichtalssicherlückenloseSiddhilakshmiFormelausgegeben.

Vers 654 [Quellzählung an Position 959]
padatrayamidaṃ devi bhyasantaṃ samudīrayet |
pavitrametadullikhyārpayāmyasyānu sandhimat ||654||

Diese drei Ausdrücke sind mit der Endung -bhyas zu sprechen, Göttin. Danach folgt verbunden: „Dieses Pavitra bringe ich dar.“

Anmerkung: DiepluralischenAdressatenschließenan958an;fehlenderÜbergangnichtrekonstruiert.

Vers 660 [Quellzählung an Position 960]
yūyamāmuñcata tataḥ siddhiṃ dadata tatparam |
visandhyasminkarmaṇi ca sākṣībhūtāḥ stha ityapi ||660||

Dann, ohne Lautverschmelzung: „Legt es an! Gewährt Vollendung! Seid Zeugen bei dieser Handlung!“

Vers 661 [Quellzählung an Position 961]
namo vo vedamūlebhyaḥ svāhā ca carame vadet |
śivāsanapavitrasya dāne yo manurīritaḥ ||661||

Am Schluss spreche man: „Verehrung euch, den Wurzeln der Veden! Svaha!“ Nun folgt der Mantra, der für die Darbringung des Pavitra an den Shiva-Sitz gelehrt wird …

Das Pavitra des Shiva-Sitzes

Mahakalagnirudra wird als Träger Guhyakalis, Zeuge und Vorsteher der Handlung angerufen.

Vers 662 [Quellzählung an Position 962]
tamidānīṃ bruve devi sāvadhānā niśāmaya |
tārādimau maidhapāśau māyāprāsādamanmathāḥ ||662||

… ich erkläre ihn dir jetzt, Göttin; höre aufmerksam zu. Tara, dann Maidha und Pasha, Maya, Prasada und Manmatha …

Anmerkung: MaidhaLesungunsicherwiefrüher.

Vers 663 [Quellzählung an Position 963]
śākinī ḍākinī ceti purato'ṣṭa samuddharet |
ehyehi bhagavatyuktvā mahākālāgnirudra ca ||663||

… Shakini und Dakini: Diese acht stehen am Anfang. Dann: „Komm, komm, Erhabener, Mahakalagnirudra …“

Anmerkung: BhagavatiimOCRimmasculinenAnredekontextauffällig;alsErhabenerübersetzt,nichtSanskritstillnormalisiert.

Vers 64 [Quellzählung an Position 964]
mahākalpāntasambhāṣya nartaketi tato vadet |
mahāmantramayetyuktvā vigraheti tataḥ param ||64||

„… Tänzer am Ende des großen Kalpa, dessen Gestalt aus großen Mantras besteht …“

Vers 65 [Quellzählung an Position 965]
guhyakālīvāhana mahāśivāsana tato'pyanu |
idaṃ te yajñasūtraṃ ca samarpayāmi cetyapi ||65||

„… Träger Guhyakalis, großer Shiva-Sitz: Diese heilige Schnur bringe ich dir dar.“

Vers 666 [Quellzählung an Position 966]
paridhatsva tathāmuñca sandhyūnaṃ dvitayaṃ yugam |
asmindevyupavītādikarmaṇi tvaṃ ca sākṣyapi ||666||

„Lege sie um, lege sie um! Lege sie an, lege sie an!“ Die beiden Ausdrücke stehen jeweils zweimal ohne Lautverschmelzung. „Bei dieser Handlung der heiligen Schnur für die Göttin sollst du Zeuge …“

Anmerkung: DevyupavitadiOCRbeschädigt,rituellerBezugklar.

Vers 67 [Quellzählung an Position 967]
bhavadvandvamadhiṣṭhātā bhava sandhyūnameva ca |
suprasanno bhava tathā varado bhava cetyapi ||67||

„… sein, Zeuge sein! Sei ihr Vorsteher! Sei gnädig gestimmt, sei ein Gewährer von Gaben!“ Auch diese Wörter sind ohne Lautverschmelzung zu sprechen.

Vers 568 [Quellzählung an Position 968]
tubhyaṃ namo namaḥ phaṭ ca svāhā sarvāntago'pi ca |
śivāsanīyasūtrasya dāne manurudīritaḥ ||568||

„Dir Verehrung, Verehrung! Phat! Svaha!“ Damit ist der Mantra zur Darbringung der Schnur an den Shiva-Sitz erklärt.

Das Pavitra des achtblättrigen Lotus

Die Formel verbindet Bija-Gruppen mit der Bitte um Zeugenschaft und Gegenwart.

Vers 6646 [Quellzählung an Position 969]
athāṣṭadalapadmasya mantramākalaya priye |
medhatārau ramāmāye kāmarāvau ca sāmṛtau ||6646||

Beachte nun, Geliebte, den Mantra des achtblättrigen Lotus: Medha, Tara, Rama, Maya, Kama, Rava und Amrita …

Anmerkung: MedhaabweichendvonMaidhaimZeugenbewahrt.

Vers 670 [Quellzählung an Position 970]
phetkārī ca tathā bījametadbījāṣṭakādanu |
dharmādīnāṃ caturṇāṃ hi tathā tatpratiyoginām ||670||

… sowie Phetkari. Nach diesen acht Bijas folgen die Bijas der vier, die mit Dharma beginnen, sowie ihrer Gegenspieler …

Anmerkung: DharmaundGegenbegriffeRückverweis,nichtalsvollausgeschriebeneMantraformelergänzt.

Vers 671 [Quellzählung an Position 971]
bījāni sarvāṇyullikhya vasahādyā navārṇakāḥ |
sekārāścāpi śokārāḥ ṣaṭkūṭāstadanantaram ||671||

[Fragment:] Nachdem alle diese Bijas genannt sind, folgen Angaben zu neun Lauten, beginnend mit „va-sa-ha“, sowie sechs Kutas. Die weiteren Lautangaben sind beschädigt.

Anmerkung: Fragment:sekara/shokaraFolgenunzuverlässig;keineKutasrekonstruiert.

Vers 672 [Quellzählung an Position 972]
tataśca nirvṛtimahānirvāṇau parikīrtitau |
evaṃ hi bījakūṭānāṃ viṃśatirdviśca [durūcchatā] ||672||

Danach werden Nirvriti und Mahanirvana genannt. [Die anschließende Angabe zur Gesamtzahl der Bijas und Kutas ist beschädigt.]

Anmerkung: Fragment:vimshati/dvishcaZahlverbindungnichtgesichert,keine40 oder42behauptet.

Vers 673 [Quellzählung an Position 973]
devīmūlāsanamaya mahāṣṭadalapadma ca |
caturvargamaya procya caturarthamayeti ca ||673||

Dann spreche man: „Du, der du den Grundsitz der Göttin bildest, großer achtblättriger Lotus, der die vier Lebensziele und den vierfachen Sinn umfasst …“

Anmerkung: CaturarthaalsvierfacherSinn/ZwecknahzuCaturvarga,keineneueViererlehreerfunden.

Vers 674 [Quellzählung an Position 974]
asminkarmaṇi saṃlikhya sākṣiṇo bhavateti ca |
sānnidhyaṃ ca kurudhvaṃ ca yuṣmabhyaṃ tadanantaram ||674||

„… seid Zeugen bei dieser Handlung! Gewährt eure Gegenwart! Euch …“

Anmerkung: PluralimMantrabeibehalten.

Vers 675 [Quellzählung an Position 975]
namo namastathā svāhā manureṣo'ṣṭapādikaḥ |
udīritānāmaṣṭānāmeṣāmaṣṭadalāvadhi ||675||

„… Verehrung, Verehrung! Svaha!“ Dies ist der Mantra für die achtgliedrige Anordnung. Für die acht genannten [Ritualträger] bis hin zum achtblättrigen Lotus …

Anmerkung: Aṣṭapādikaörtlichmehrdeutig;keine8fertigenVerszeilenbehauptet.

Zwei Auffassungen zum Zeitpunkt

Die Quelle stellt Darbringung vor und nach der Verehrung gegenüber und entscheidet sich für den Abschluss der jeweiligen Puja.

Vers 676 [Quellzählung an Position 976]
kālaḥ sūtrārpaṇe devi dvividhaḥ parikīrtitaḥ |
keṣāñcinmatamīdṛkṣaṃ prāgāvaraṇapūjanāt ||676||

… werden zwei Zeitpunkte der Schnurdarbringung gelehrt, Göttin. Nach der Meinung mancher soll vor der Verehrung der Umkreise …

Vers 677 [Quellzählung an Position 977]
deyaṃ pavitraṃ sarvebhyastatastatra prapūjanam |
keṣāmapi ca mūlasya pūjanānantaraṃ smṛtam ||677||

… allen das Pavitra gegeben werden; danach erfolgt ihre Verehrung. Andere lehren, dass es nach der Verehrung der Hauptgestalt dargebracht wird.

Vers 678 [Quellzählung an Position 978]
yasya yasyārcane kālo mūlamityupalakṣaṇam |
sarveṣāṃ bhāṇḍikerāṇāṃ mauleyānāṃ tathaiva ca ||678||

„Hauptgestalt“ steht dabei stellvertretend für jede einzelne Gottheit zu ihrem jeweiligen Verehrungszeitpunkt. Alle Bhandikeras, Mauleyas …

Vers 676 [Quellzählung an Position 979]
digambarāṇāmatha ca matamīdṛśameva hi |
mamāpi devadeveśi sthitaḥ siddhānta īdṛśaḥ ||676||

… und Digambaras vertreten diese Auffassung. Auch meine verbindliche Lehre ist so, Herrin des Gottes der Götter.

Vers 680 [Quellzählung an Position 980]
yasya kasyāpi deveśi purataḥ pūjanaṃ caret |
pūjāṃ samāpya vidhivaccarame sūtramarpayet ||680||

Für welche Gottheit auch immer, Herrin der Götter: Zuerst vollziehe man ihre Verehrung. Nach deren ordnungsgemäßem Abschluss bringe man zuletzt die Schnur dar.

Vers 681 [Quellzählung an Position 981]
matametatsamīcīnaṃ [bahurādi] puraskṛtam |
evaṃ sthite kramo jñeyo yannaimittika īritaḥ ||681||

Diese Auffassung gilt als richtig und [von einer beschädigt genannten Instanz] anerkannt. Demnach ist die Reihenfolge einzuhalten, die für die anlassbezogene Verehrung gelehrt wurde.

Anmerkung: Fragment:bahurādiimDruckFragezeichen,nichtzuAutoritätsnamenergänzt.

Vers 682 [Quellzählung an Position 982]
ārambhaṇīyā pūjādau krameṇa tridaśeśvari |
yasya kasyāpi bhavatu tadanvante samantrakam ||682||

Zuerst beginne man die Puja in der vorgesehenen Reihenfolge, Herrin der Götter. Für jede betreffende Gottheit folgt dann am Ende mit ihrem Mantra …

Vers 683 [Quellzählung an Position 983]
tasya tasyārpayetsūtramityeṣā vaidikī sthitiḥ |
evaṃ sthitāyāṃ vaidikyāṃ vyavasthāyāṃ sureśvari ||683||

… die Darbringung ihrer Schnur. Dies nennt der Text die vedische Ordnung. Wenn diese vedische Anordnung so feststeht, Herrin der Götter …

Anmerkung: „Vedisch“Selbstbezeichnung,nichtunabhängigVeda-Belegbehauptet.

Vers 684 [Quellzählung an Position 984]
mantroddhārakramo jñeyo ānuṣaṅgikayogataḥ |
tasmādasya viditvaivaṃ prakāraṃ sūtraropaṇe ||684||

… ist die Reihenfolge der Mantradarstellung nach dem jeweiligen Zusammenhang zu verstehen. Wer diese Art der Schnurdarbringung erkannt hat …

Die sechs Ritualgefäße: Shripatra

Der erste Gefäßmantra vergegenwärtigt Brahman, Erkenntnis, Nirvana und die umfassenden Ritualkräfte.

Vers 685 [Quellzählung an Position 985]
tattanmantrasyāvasare sa sa mantraḥ pragṛhyate |
pātrāṇāmadhunā ṣaṇṇāṃ sūtradānamanuṃ bruve ||685||

… verwendet jeden Mantra bei seinem jeweiligen Anlass. Nun nenne ich die Mantras zur Schnurdarbringung an die sechs Gefäße.

Vers 686 [Quellzählung an Position 986]
sārasvatāgamaśiraḥ kamalā kulabhāvinī |
pāśaḥ preto bhairavī ca śākinī ḍākinī tathā ||686||

Sarasvata, Agamashiras, Kamala, Kulabhavini, Pasha, Preta, Bhairavi, Shakini und Dakini …

Anmerkung: AgamashiraseinDeckname,nichtin2aufgespalten;9wie987.

Vers 687 [Quellzählung an Position 987]
nava bījānyamūnyuktvā prātilomyena kīrtayet |
kūṭatrayaṃ puṣkarādi bhāsādi tritayaṃ tataḥ ||687||

Nachdem man diese neun Bijas gesprochen hat, wiederhole man sie in umgekehrter Reihenfolge. Dann folgen die drei Kutas, die mit Pushkara beginnen, und die Dreiergruppe mit Bhasa …

Anmerkung: PratilomyakönnteauchFolgekutabetreffen;konkreteLautfolgenichterfunden.

Vers 688 [Quellzählung an Position 988]
vāmayogena saṅkīrtya parācijjyeṣṭhanāmakam |
kūṭatrayaṃ punardattvā vidhāyāṣṭādaśāṅkurīm ||688||

… die in umgekehrter Verbindung gesprochen wird. Dann füge man die drei Kutas Para, Chit und Jyeshtha hinzu und bilde so die achtzehngliedrige Ankurī-Folge.

Anmerkung: VamayogaundAnkuritechnischeBegriffe;exakteSilbenkombinationnichtrekonstruiert.

Vers 686 [Quellzählung an Position 989]
ehyehi brahmamaya ca tathā jñānamayeti ca |
tathā nirvāṇamaya ca evaṃ sambodhanatrayam ||686||

„Komm, komm, du aus Brahman Bestehender, aus Erkenntnis Bestehender, aus Nirvana Bestehender!“ So lauten die drei Anreden.

Vers 660 [Quellzählung an Position 990]
devīsvarūpā'mṛtamaya punaḥ sambodhanatrayam |
trirāmṛtaṃ bījamatha tata āyādipañcakam ||660||

Danach werden weitere Anreden mit „Gestalt der Göttin“ und „aus Nektar bestehend“ genannt; der Text spricht von drei Anreden. Darauf folgen dreimal Amrita-Bija und die mit Aya beginnende Fünfergruppe.

Anmerkung: DritteAnredennichtklarabgrenzbar;Aya-Lesungunsicher,keineErgänzung.

Vers 661 [Quellzählung an Position 991]
phetkāriṇī śeṣa uktvā bhavettena navāṅkurī |
vedayajñatapoyogasukhadhyānakulākula ||661||

Am Schluss spreche man Phetkarini; dadurch entsteht eine neungliedrige Ankurī-Folge. Dann die Wörter Veda, Opfer, Askese, Yoga, Glück, Meditation, Kula und Akula …

Vers 542 [Quellzählung an Position 992]
aṣṭabhya ebhyaḥ śabdebhyaḥ pratyekaṃ maya kīrtayet |
śrīpātreti ca sambuddhistubhyametaditi smaret ||542||

… an die jeweils „-maya“, „aus … bestehend“, anzufügen ist. Dann folgt die Anrede „Shripatra“ und: „Dir dieses …“

Vers 663 [Quellzählung an Position 993]
pavitramarpayāmyuktvā tenāmuktā bhaveti ca |
prasīda dvitayaṃ cāpi sarvasiddhiṃ dadadvayam ||663||

„… Pavitra bringe ich dar. Sei damit bekleidet! Sei gnädig, sei gnädig! Gewähre jede Vollkommenheit, gewähre sie!“

Anmerkung: ĀmuktāfeminineEndungimQuelltexttrotzneutralemGefäßnamenbewahrt.

Vers 64 [Quellzählung an Position 994]
pavitrārohaṇaṃ pūrṇaṃ kuruyugmamanantaram |
hṛdyugmamastrayugmaṃ ca sandhiyuktaṃ śiro'pi ca ||64||

„Vollende Pavitrarohana, vollende es!“ Danach folgen zweimal Hrid, zweimal Astra und verbunden Shiras.

Der Mantra des Vira-Gefäßes

Das Gefäß wird als Aufseher über den Ritualvollzug und als Spender von Vollkommenheiten angerufen.

Vers 6865 [Quellzählung an Position 995]
iti śrīpātrasūtrasya dāne manurudāhṛtaḥ |
tārarāvatrapākāmakālīpāśāṅkuśakrudhaḥ ||6865||

Damit ist der Mantra zur Schnurdarbringung an das Shripatra genannt. [Die nächste Formel beginnt mit:] Tara, Rava, Trapa, Kama, Kali, Pasha, Ankusha und Krudh …

Vers 666 [Quellzählung an Position 996]
kūlikapretabhairavyaḥ phetkārī dvādaśī tathā |
sadyojāto vāmadevo'ghoratatpuruṣāḥ kramāt ||666||

… Kulika, Preta, Bhairavi und als zwölftes Phetkari. Dann der Reihe nach Sadyojata, Vamadeva, Aghora und Tatpurusha …

Vers 6467 [Quellzählung an Position 997]
īśānaśāmbhavau ceti kūṭaṣaṭkamudāhṛtam |
tejodharmabalaprāṇasiddhitattvakriyāmanaḥ ||6467||

… Ishana und Shambhava: Dies sind die sechs Kutas. Danach folgen Glanz, Dharma, Kraft, Lebenshauch, Vollkommenheit, Prinzip, Tätigkeit und Geist …

Vers 688 [Quellzählung an Position 998]
mayetyamībhyo'pyaṣṭabhyo vīrapātreti tatparam |
adaḥ sūtraṃ gṛhāṇānu paridhatsva yugaṃ matam ||688||

… an die acht jeweils „-maya“, „aus … bestehend“, angefügt wird. Dann: „O Vira-Gefäß, nimm diese Schnur an! Lege sie um, lege sie um!“

Vers 66 [Quellzählung an Position 999]
kṛtākṛtāvekṣakaśca sandhānasahito bhava |
sarvasiddhipradāyānu tubhyaṃ hṛdyugalaṃ śiraḥ ||66||

„Sei der Aufseher über das Getane und das noch Ausstehende! Dir, dem Spender aller Vollkommenheiten …“ Danach folgen zweimal Hrid und Shiras.

Anmerkung: SaṃdhānasahitaḥAnweisungzurWortverbindung,nichteigeneGöttereigenschaft.

Der Mantra des Bhoga-Gefäßes

Das Gefäß wird als Träger von Erfahrung und als Mittel zur Verwirklichung der Kula-Ordnung angesprochen.

Vers 1000
vīrapātrasyaiṣa mantro bhogasyāpyadhunā śṛṇu |
sārasvataṃ śākinī ca ḍākinī ca tṛtīyakā ||1000||

Dies ist der Mantra des Vira-Gefäßes. Höre nun den des Bhoga-Gefäßes: Sarasvata, Shakini und als drittes Dakini …

Vers 1001
phetkāriṇī caturthī ca pañcamī sṛṣṭireva ca |
dve cāpi ṣaṣṭhīsaptamyau tretā kṛtyā tathaiva ca ||1001||

… als viertes Phetkarini, als fünftes Srishti und als sechstes und siebtes Treta und Kritya.

Anmerkung: FortsetzungBhogapatra-Mantra1000.

Vers 1002
aṣṭamo bhoga uddiṣṭo navamaṃ sṛṣṭikūṭakam |
māyābuddhidveṣarāgaśramamohalayasmṛti ||1002||

Als achtes wird Bhoga genannt, als neuntes Srishtikuta. Dann folgen Maya, Buddhi, Abneigung, Leidenschaft, Mühe, Verblendung, Auflösung und Erinnerung …

Vers 1002 [Quellzählung an Position 1003]
padebhyo'ṣṭabhya etebhyaḥ sambodhanatayā maya |
navasambhogapātraṃ ca tadapīdṛśamīśvari ||1002||

… an diese acht Wörter wird für die Anrede jeweils „-maya“, „aus … bestehend“, angefügt. Ebenso wird das Gefäß mit „Navasambhogapatra“ angerufen, Herrin.

Anmerkung: NavasambhogaBedeutungneu/neunfacherGenussunsicher;Namebewahrt.Quelle1002wiederholt,eigenständigerVers.

Vers 1004
pavitraṃ tubhyamidamahamarpayāmi tato'pi ca |
gṛhṇa gṛhṇa ca niḥsandhi āmuñca dvitayaṃ tathā ||1004||

Dann: „Dieses Pavitra bringe ich dir dar. Nimm es an, nimm es an! Lege es an, lege es an!“ Die Wörter stehen ohne Lautverschmelzung.

Vers 1005
tvayi sarvamotaprotamityevaṃ tadanantaram |
tvayānu kulasamayaṃ sādhayiṣye tataḥ param ||1005||

Danach: „In dir ist alles eingewebt und durchwoben. Mit dir werde ich die Kula-Ordnung verwirklichen.“

Anmerkung: SamayaalsrituelleOrdnung/Verbindlichkeit,nichtbloßZeit.

Vers 1006
prasīda dvitayaṃ paścātsumanā bhava caikakam |
sarvasiddhipradāyānu tubhyamaṅguṣṭhayugmakam ||1006||

Dann: „Sei gnädig, sei gnädig! Sei mir wohlgesinnt! Dir, dem Spender aller Vollkommenheiten …“ Danach folgt zweimal der Deckname Angushtha.

Anmerkung: Angushtha„Daumen“hierDeckname,nichtalsKörperberührungerfunden.

Der Mantra des Shakti-Gefäßes

Die Formel bittet um Annahme, Gaben und Offenbarung beziehungsweise Bewahrung des rituellen Wissens.

Vers 1007
śiraḥ śeṣa iti prokto bhogapātrasya vai manuḥ |
atha vakṣye śaktipātrasūtrasandhāyakaṃ manum ||1007||

Am Ende steht Shiras. Damit ist der Mantra des Bhoga-Gefäßes erklärt. Nun nenne ich den Mantra zum Anlegen der Schnur an das Shakti-Gefäß.

Vers 1008
tāro māyā ramā kāmaḥ strī kālī sṛṇireva ca |
amṛtaṃ śaktirityevaṃ nava bījāni vai puraḥ ||1008||

Zuerst stehen diese neun Bijas: Tara, Maya, Rama, Kama, Stri, Kali, Srini, Amrita und Shakti.

Vers 1006 [Quellzählung an Position 1009]
śaktisthitiparākhyāni trīṇi kūṭāni vai puraḥ |
ānandaśca trivargaśca kauliko maṅgalaṃ tathā ||1006||

Darauf folgen die drei Kutas Shakti, Sthiti und Para. Dann die Wörter Glückseligkeit, die drei Lebensziele, das Kaulische und Glückverheißung …

Vers 1010
mohanaṃ nivṛttiścāpi vijñānaṃ vāṅmayaṃ tathā |
trivarṇamayaśabdebhya ebhyaḥ sambuddhito maya ||1010||

… Bezauberung, Rückwendung, Erkenntnis und die Fülle der Sprache. An diese Wörter wird in der Anrede jeweils „-maya“, „aus … bestehend“, angefügt.

Anmerkung: ZusatztrivarnamayaimOCRsyntaktischunklar,nichtalsweitere3 Bijaserfunden.

Vers 1011
śaktipātraṃ tathaivoktvā pavitrametaduddharet |
nivedayāmi saṃlikhya paridhatsva dvayaṃ tathā ||1011||

Dann: „O Shakti-Gefäß, dieses Pavitra bringe ich dar. Lege es um, lege es um!“

Anmerkung: ParidhatsvaausOCRpravidhatsvaimwiederkehrendenKontext.

Vers 1012
gṛhāṇa yugalaṃ cāpi suprasanno bhava dvayam |
sumanā bhaveti yugalaṃ dvivāraṃ varado bhava ||1012||

„Nimm es an, nimm es an! Sei gnädig gestimmt, sei gnädig gestimmt! Sei wohlgesinnt, sei wohlgesinnt! Gewähre Gaben, gewähre Gaben!“

Vers 1013
punaḥ samayavidyāṃ ca dviḥ prakāśaya saṃlikhet |
kulavidyāṃ gopaya dviḥ parāparapadādanu ||1013||

Dann: „Offenbare das Wissen der Samaya-Ordnung, offenbare es! Bewahre das Kula-Wissen, bewahre es!“ Anschließend folgt „Parapara“ …

Vers 1014
cakrasvarūpāya tato bhava te hṛdayadvayam |
astradvayo'gnivanite mantro'yaṃ śaktisūtradaḥ ||1014||

… mit „Chakrasvarupaya“: „der Gestalt des höchsten und nichthöchsten Kreises“. [Der folgende Wortanschluss ist unsicher.] Danach kommen zweimal Hridaya, zweimal Astra und Agnivanita. Dies ist der Mantra zur Schnurdarbringung an das Shakti-Gefäß.

Anmerkung: Bhava tebeschädigt;AstradvayaausOCRastrayo,dvayavorläufig;AgnivanitaDeckname.

Der Mantra des Kula-Gefäßes

Das Gefäß soll die Verehrung schützen und als Zeuge des Kula-Weges gegenwärtig sein.

Vers 1015
sāmprataṃ kulapātrasya mantramākalaya priye |
caitanyapāśaśākinyaḥ kūrcaprāsādavidyutaḥ ||1015||

Beachte nun den Mantra des Kula-Gefäßes, Geliebte: Chaitanya, Pasha, Shakini, Kurcha, Prasada und Vidyut …

Vers 1016
yoginīpretabhairavyaḥ punardaṇḍādipañcakam |
kṣetrapālo ḍākinī ca phetkārī pralayādimā ||1016||

… Yogini, Preta, Bhairavi, dann die Fünfergruppe, die mit Danda beginnt, Kshetrapala, Dakini, Phetkari und Pralaya …

Anmerkung: PralayadimaimOCRVerbindungsweiseunsicher;18in1017nichtdurchextraAdimaaufgefüllt.

Vers 1017
aṣṭādaśabhya etebhyo bījebhyaḥ parameśvari |
parācijjyeṣṭhakūṭāni tatparaṃ prātilomyataḥ ||1017||

… nach diesen achtzehn Bijas, höchste Herrin, folgen die Kutas Para, Chit und Jyeshtha; danach in umgekehrter Reihenfolge …

Vers 1018
anāhatādi tritayaṃ bhāsādi tritayaṃ tathā |
evaṃ tu bījakūṭāni bhuvi tāni bhavanti hi ||1018||

… die mit Anahata beginnende Dreiergruppe und ebenso die mit Bhasa beginnende Dreiergruppe. So werden die Bijas und Kutas zusammengestellt.

Anmerkung: LetzteZähl-/Ortsangabebhuviunklar,keineGesamtzahlbehauptet.

Vers 1016 [Quellzählung an Position 1019]
icchā sattā cittabhāvastathā sargo guṇatrayam |
ebhyo mayapadaṃ procya kulapātreti tatparam ||1016||

An die Wörter Wille, Sein, Geist, Empfindung, Schöpfung und die drei Gunas füge man „-maya“ an, danach die Anrede „Kula-Gefäß“.

Anmerkung: CittabhavaalsGeist/Empfindungzweigliedrigvorläufig;Gunas3nichtimVersnamentlichaufgeführt.

Vers 1020
yajñasūtramidaṃ gṛhṇa dvitayaṃ samudīrayet |
svayaṃ bandha yugaṃ cāpi mamemāmarhaṇāmapi ||1020||

Dann: „Nimm diese heilige Schnur an, nimm sie an! Binde sie selbst um, binde sie um! Diese meine Verehrung …“

Vers 1021
rakṣadvayaṃ pāhiyugaṃ sarvasiddhipradāpi ca |
kulamārgapadātseto sākṣyeṇa tvāmahaṃ vṛṇe ||1021||

„… schütze, schütze! Bewahre, bewahre! Spender aller Vollkommenheiten, Brücke des Kula-Weges: Ich wähle dich als Zeugen …“

Der Mantra des Guru-Gefäßes

Erkenntnis, Unterscheidung und Offenbarung bestimmen die Anrede des Gefäßes.

Vers 1022
mahātejo'vatāreti tubhyaṃ sahṛdayaṃ śiraḥ |
atha bravīmi te mantraṃ gurupātrapradāyakam ||1022||

„… Verkörperung des großen Glanzes! Dir …“ Danach folgen Hrid und Shiras. Nun erkläre ich dir den Mantra zur Darbringung an das Guru-Gefäß.

Vers 1023
vedādirāvau caitanyaṃ kamalā ca kulāṅganā |
kāmo vadhūrgāruḍaṃ ca nakṣatraṃ yoginī tathā ||1023||

Vedadi, Rava, Chaitanya, Kamala, Kulangana, Kama, Vadhu, Garuda, Nakshatra und Yogini …

Vers 1024
kālādityau kākinī ca jñānecchāsaṃvidastrayaḥ |
śākinī ṣoḍaśatamā bījānyetāni vai puraḥ ||1024||

… Kala, Aditya, Kakini, die drei Jnana, Iccha und Samvid, sowie Shakini als sechzehntes. Diese Bijas stehen am Anfang.

Anmerkung: LesbareListebeiEinzeltrennung17Namen,Quellesagt16;keineStreichungzurAngleichung.

Vers 1025
kūṭau ca nirvāṇamahānirvāṇau tadanantaram |
prabhāvaśca prabodhaśca pramāṇapratyayāvapi ||1025||

Danach folgen die beiden Kutas Nirvana und Mahanirvana. Dann die Wörter Wirkkraft, Erwachen, Erkenntnismittel und Gewissheit …

Vers 1026
vairāgyaṃ ca vivekaśca vikāro'pi smayo'pi ca |
ebhyo maya samuddhṛtya gurupātreti tatparam ||1026||

… Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidung, Veränderung und Staunen. An sie füge man „-maya“ an; danach folgt „Guru-Gefäß“.

Anmerkung: SmayaauchStolzmehrdeutig,Staunenhierkontextuell.

Vers 1027
upavītamidaṃ procya gṛhāṇa tadanantaram |
āmuñca paridhatsveti tritayaṃ sandhivarjitam ||1027||

Dann: „Nimm diese heilige Schnur an! Lege sie an! Lege sie um!“ Diese drei Aufforderungen stehen ohne Lautverschmelzung.

Vers 1028
tataśca tatpadaṃ procya prakāśaka samuddharet |
tubhyamoṃ nama ityevaṃ phaṭ svāhā tadanantaram ||1028||

Danach: „Offenbarer jenes Zustands! Dir Om, Verehrung! Phat! Svaha!“

Anmerkung: Tatpada„jenerZustand/dasWorttat“mehrdeutig,nichtungekennzeichnetbestimmteMahavakyaergänzt.

Vers 10246 [Quellzählung an Position 1029]
evaṃ ṣaṭpātrapūjāvāre'mantrārcane kṛte |
śeṣe tattanmanūccārapūrvakaṃ sūtramarpayet ||10246||

So bringe man bei der Verehrung der sechs Gefäße jeweils am Ende die Schnur dar, nachdem die Verehrung vollzogen und der entsprechende Mantra gesprochen wurde.

Anmerkung: AmantrārcaneimOCRunklar,nicht„ohneMantra“gegenKontextbehauptet.

Die Gesichter Guhyakalis: Leopard

Die Formeln der Nebengesichter verbinden Darbringung, Schutz und den Wunsch nach Befreiung.

Vers 1030
navānāmatha vaktrāṇāṃ vakṣye sūtrārpaṇe manum |
taccāvaraṇapūjāyāḥ prastāvetadanehasi ||1030||

Nun nenne ich die Mantras zur Schnurdarbringung an die neun Gesichter. Diese erfolgt beim entsprechenden Abschnitt der Verehrung der Umkreise.

Vers 1031
savedādi sacaitanyaṃ māyā pāśasmarāṅkuśam |
roṣavāmārāvaramāyoginī dīpa eva ca ||1031||

Vedadi, Chaitanya, Maya, Pasha, Smara, Ankusha, Rosha, Vama, Rava, Rama, Yogini und Dipa …

Vers 1032
dvādaśemāni bījāni vyāhṛtya purataḥ priye |
tato'dordhvaṃ vadetkūṭaṃ sattvaṃ bhāsāmanantaram ||1032||

… diese zwölf Bijas spreche man zuerst, Geliebte. Danach folgen Kutas mit den Bezeichnungen Sattva und Bhasa …

Anmerkung: Adordhvamörtlichbeschädigt,Reihenfolgeanzeigevorläufig;keinefehlendeKutabezeichnungergänzt.

Vers 1033
hiraṇyagarbhaṃ sāntvākhyaṃ saṃhāraṃ cādi puṣkaram |
punastāvanti bījāni ḍākinī pralayo'pi ca ||1033||

… Hiranyagarbha, Santva, Samhara und Adi-Pushkara [Gliederung unsicher]. Danach folgen wieder ebenso viele Bijas: Dakini, Pralaya …

Anmerkung: Santva/AdiPushkaraQuelllesungunsicher;ZahlenderKutasnichterzwungen.

Vers 1034
phetkārī karṇikādī dve surasādidvayaṃ tataḥ |
tantrādidvitayaṃ cāpi dve māraṇḍādime tathā ||1034||

… Phetkari, die zwei mit Karnika beginnenden, die zwei mit Surasa beginnenden, die zwei mit Tantra beginnenden und die zwei mit Maranda beginnenden …

Anmerkung: Rückverweispaare,nichtzuvermutetenBijasergänzt.

Vers 1035
punardvīpiśceti tato mahācaṇḍapadādanu |
yogeśvarīsvarūpeti dvīpivaktreti tatparam ||1035||

… dann Dvipi. Danach spreche man: „Gestalt der Mahachandayogeshvari, Leopardengesicht …“

Vers 1036
jvalayugmaṃ prajvaladviḥ sphura prasphura tādṛśam |
mohāndhakāramābhāṣya nāśaya dvitayaṃ tataḥ ||1036||

„… brenne, brenne! Lodere auf, lodere auf! Strahle, strahle! Leuchte hervor, leuchte hervor! Vernichte die Dunkelheit der Verblendung, vernichte sie!“

Anmerkung: MohāndhakāramausOCRmohāndhakāmānattributivklar.

Vers 1037
muktimārgaṃ punaḥ procya tataḥ prakaṭaya dvayam |
idamupavītaṃ te samarpayāmi tato'pyanu ||1037||

„Offenbare den Weg der Befreiung, offenbare ihn! Diese heilige Schnur bringe ich dir dar.“

Vers 1038
gṛhṇadvayasyānu paridhehi dvitayameva ca |
mamedaṃ karma ca tato vadetsaphalaya dvayam ||1038||

„Nimm sie an, nimm sie an! Lege sie um, lege sie um! Lass diese meine Handlung fruchtbar werden, lass sie fruchtbar werden!“

Vers 1035 [Quellzählung an Position 1039]
prasīda dvitayaṃ cāpi siddhiṃ dehi yugaṃ tathā |
namaste procya sarvāpaddharāya tadanantaram ||1035||

„Sei gnädig, sei gnädig! Gewähre Vollkommenheit, gewähre sie! Verehrung dir, der alle Bedrängnis hinwegnimmt …“

Das Löwengesicht

Vajrakapalinis Löwengestalt soll die Fesseln des Werdens zerreißen und Hindernisse beseitigen.

Vers 1040
astratrayaṃ sahṛdayaṃ mantra ādyo'yamīritaḥ |
pañca sārasvatasyānte ramā rāvaśca yoginī ||1040||

… gefolgt von dreimal Astra und Hrid. Damit ist der erste Mantra genannt. [Für die nächste Formel:] die fünf mit Sarasvata [beginnenden?], dann Rama, Rava und Yogini …

Anmerkung: PañcaSarasvatasyānteAnweisungunsicher;keinefünfBijaserraten.

Vers 1041
sakūrcakṣetrapavadhūprāsādāmṛtagāruḍam |
nṛsiṃhasiṃhau bījāni ṣoḍaśemāni vai puraḥ ||1041||

… Kurcha, Kshetrapa, Vadhu, Prasada, Amrita, Garuda, Narasimha und Simha. Diese sechzehn Bijas stehen am Anfang.

Anmerkung: KshetrapaKurzformbewahrt,Zahl16 Quellangabe.

Vers 1042
etadardhamatho kūṭaṃ tatrādyaṃ nārasiṃhakam |
tato dvitīyatārtīyau padmabhaumāvudīritau ||1042||

Die Kutas sind halb so viele. Das erste heißt Narasimha; als zweites und drittes werden Padma und Bhauma genannt …

Vers 1043
bṛhadrathantarayutau sarajastamasāvapi |
viśuddhākhyaṃ sarvaśeṣe punarbījāni ṣoḍaśa ||1043||

… dann Brihat, Rathantara, Rajas und Tamas, zuletzt Vishuddha. Darauf folgen nochmals sechzehn Bijas …

Vers 1044
bhogaḥ sṛṣṭistatastretā kṛtyā rañjinyatho ghaṭī |
carpaṭādīni catvāri tāvannādāntakādi ca ||1044||

… Bhoga, Srishti, Treta, Kritya, Ranjini, Ghati, die vier mit Charpata beginnenden und ebenso viele mit Nadantaka beginnende …

Vers 1045
punarnṛsiṃhasiṃhau ca catvāriṃśākṣarādanu |
vajrakāpālinīśabdātsvarūpaṃ parikīrtayet ||1045||

… dazu Narasimha und Simha. Nach der so bezeichneten vierziggliedrigen Lautfolge spreche man: „Gestalt der Vajrakapalini …“

Anmerkung: 40als8 Kutas+2×16 BijasnachQuelle;nicht40Einzelsilbengarantiert.

Vers 1046
siṃhavaktra samābhāṣya mahogratara ityapi |
punaruktvā vajranakhadaṃṣṭrāyudha samālikhet ||1046||

„… Löwengesicht, überaus Gewaltiger, mit diamantgleichen Klauen und Fangzähnen als Waffen …“

Vers 1047
jaya dvayaṃ jīva yugaṃ caṭa dviḥ pracaṭa dvayam |
bhavapāśaṃ dāraya dvirvidāraya yugaṃ tathā ||1047||

„Siege, siege! Lebe, lebe! Chata, chata! Prachata, prachata! Zerreiße die Fessel des Werdens, zerreiße sie! Spalte sie auf, spalte sie auf!“

Anmerkung: Chaṭa/PrachaṭalautmalerischeBefehlsformen,Bedeutungknattern/berstenunsicher;alsRitualrufegewahrt.

Vers 1048
tatastubhyamidaṃ yajñasūtramāvedayāmi ca |
gṛhṇadvayaṃ sandhihīnamāmuñca dvitayaṃ tathā ||1048||

„Diese heilige Schnur bringe ich dir dar. Nimm sie an, nimm sie an! Lege sie an, lege sie an!“ Die Aufforderungen stehen ohne Lautverschmelzung.

Vers 1046 [Quellzählung an Position 1049]
pavitrārohaṇamidamavighnaṃ kuru ca dvayam |
sānnidhyamatra saṃlikhya kalpaya dvitayaṃ tataḥ ||1046||

„Lass dieses Pavitrarohana ohne Hindernis gelingen, lass es gelingen! Gewähre hier deine Gegenwart, gewähre sie!“

Anmerkung: KalpayaimDruckErgänzungkalp.

Vers 1050
namaste jvalate procya punaḥ prajvalate vadet |
tato mahābhīṣaṇāya tatpaścānmṛtyumṛtyave ||1050||

„Verehrung dir, dem Brennenden, dem Auflodernden, dem höchst Furchtbaren, dem Tod des Todes!“

Vers 1051
roṣadvayaṃ phaṭtritayaṃ hṛdayaṃ śira eva ca |
iti te siṃhavaktrasya proktaḥ sūtrārpaṇe manuḥ ||1051||

Dann folgen zweimal Rosha, dreimal Phat, Hridaya und Shiras. Damit ist dir der Mantra zur Schnurdarbringung an das Löwengesicht erklärt.

Das Schakalgesicht

Die Gestalt des Verbrennungsplatzes wird mit drastischen feindschädigenden Aufforderungen angerufen.

Vers 1052
āgamānāṃ śiro medhaṃ pāśāṅkuśavadhūsmarāḥ |
kūrcarāvau pretapare kālādityau ca kākinī ||1052||

[Der nächste Mantra beginnt mit:] Agamashiras, Medha, Pasha, Ankusha, Vadhu, Smara, Kurcha, Rava, Preta, Para, Kala, Aditya und Kakini …

Vers 1053
yoginī bhairavaṃ cāpi bījāni daśa pañca ca |
ṣaḍeva kūṭāni tataḥ śrīkaṇṭhānandaśāmbhavāḥ ||1053||

… Yogini und Bhairava. Dies sind fünfzehn Bijas. Danach folgen sechs Kutas: Shrikantha, Ananda, Shambhava …

Vers 1054
anāhatābhidhaṃ cāpi maṇipūrakameva ca |
svādhiṣṭhānaṃ punaḥ pañcadaśa bījāni pārvati ||1054||

… Anahata, Manipura und Svadhishthana. Danach wiederum fünfzehn Bijas, Parvati …

Vers 1055
ḍākinī pralayo hāraśikhājambhāstathaiva ca |
kuśikaupahvarayamu rāgavyañjanasaṃjñakāḥ ||1055||

… Dakini, Pralaya, Hara, Shikha, Jambha, Kushika, Aupahvara, [Yamu: unsicher], Raga und Vyanjana …

Anmerkung: Fragment:Yamu-FolgeimDruckFragezeichen;Gliederungunvollständig.

Vers 1056
svasvadvitīyasaṃyuktādaśeṣāṇi tathaiva ca |
svarūpapadataḥ pūrvaṃ mahāḍāmaryudīrayet ||1056||

… jeweils mit dem zugehörigen zweiten [Eintrag; Anweisung beschädigt]. Danach spreche man „Gestalt der Mahadamari“ …

Anmerkung: Fragment:ErsterHalbversmitFragezeichen;nichtergänztePaarealsvollständigeBijaListeausgegeben.

Vers 1057
pheruvaktra samālikhya pherurāvācca bhīṣaṇa |
mahāśmaśānanilaya maholkāmukha cerayet ||1057||

„… Schakalgesicht, durch Schakalgeheul Furchtbarer, Bewohner des großen Verbrennungsplatzes, mit einem Maul wie eine gewaltige Feuerfackel …“

Vers 1058
pralayānalaṃ vamayugaṃ mama śatruṃ dahadvayam |
kahayugmaṃ vakayugaṃ jvaladviḥ prajvaladvayam ||1058||

„Speie das Feuer der Weltauflösung aus, speie es aus! Verbrenne meinen Feind, verbrenne ihn! Kaha, kaha! Vaka, vaka! Brenne, brenne! Lodere auf, lodere auf!“

Anmerkung: Kaha/VakaRitualrufeunbestimmterBedeutung,nichtfingiertübersetzt.

Vers 1056 [Quellzählung an Position 1059]
idaṃ pavitraṃ tubhyaṃ samarpayāmi samālikhet |
gṛhāṇadvitayaṃ cāpi paridhehi yugaṃ tathā ||1056||

„Dieses Pavitra bringe ich dir dar. Nimm es an, nimm es an! Lege es um, lege es um!“

Vers 1060
visandhyasminkarmaṇi ca sākṣībhava yugaṃ tataḥ |
namaste'nu mahāmāṃsapriyāya parikīrtayet ||1060||

Dann ohne Lautverschmelzung: „Sei Zeuge bei dieser Handlung, sei Zeuge! Verehrung dir, dem Liebhaber des Mahamamsa, des ‚großen Fleisches‘ …“

Anmerkung: MahamamsaalsritualtechnischerAusdruckbewahrt;hierTier-/MenschenzuordnungnichtausWortalleinerzwungen.

Vers 1061
sarvasiddhipradāyānu śatrukṣayakarāya ca |
roṣāstrahṛcchirāṃsyante tṛtīyo manurīritaḥ ||1061||

„… dem Spender aller Vollkommenheiten, dem Vernichter der Feinde!“ Am Ende stehen Rosha, Astra, Hrid und Shiras. Damit ist der dritte Mantra erklärt.

Das Affengesicht

Siddhikaralis Gestalt soll sich bewegen, Feinde vernichten und die Schnur annehmen.

Vers 1062
caitanyapāśakamalākālīprāsādagāruḍāḥ |
yoginī śākinī kūrcakālādityāśca ḍākinī ||1062||

Chaitanya, Pasha, Kamala, Kali, Prasada, Garuda, Yogini, Shakini, Kurcha, Kala, Aditya und Dakini …

Anmerkung: BeginnAffengesicht-Mantra.

Vers 1063
dvādaśemāni bījāni purataḥ samudāharet |
dalametasya kūṭaṃ tu vapuraṃ ca parāparam ||1063||

… diese zwölf Bijas stehen am Anfang. Die Zahl der Kutas beträgt die Hälfte; genannt werden Vapura und Parapara …

Anmerkung: VapuraLesungunsicher;dalamhierHälftenachwiederholtemFormelschema.

Vers 1064
citsaṃhārādidvayaṃ ca viparītatayā matam |
vidhiśca mekhalākuṇḍe karṇikāśṛṅkhale api ||1064||

… dann die beiden Gruppen, die mit Chit und Samhara beginnen, in umgekehrter Reihenfolge. [Die nächste Bija-Reihe:] Vidhi, Mekhala, Kunda, Karnika und Shrinkhala …

Anmerkung: Dvayam/zweierGruppenumfangunsicherkeineSilbenergänzung.

Vers 1065
nārācaśūlanālīkabhuśuṇḍyutkocinīyute |
tretā kṛtyā ca tāvanti tataḥ siddhikarālyapi ||1065||

… Naracha, Shula, Nalika, Bhushundi, Utkochini, Treta und Kritya, also ebenso viele. Danach „Siddhikarali …“

Vers 1066
svarūpakapivaktreti tato nakharaśabdataḥ |
daśanāyudhaṃ saṃlikhya mahāpiṅgalakīrtayet ||1066||

„… in ihrer Gestalt als Affengesicht, mit Klauen und Zähnen als Waffen, mit großer gelbbrauner …“

Vers 1067
saṭāya samanartya dviścala dviśca cālaya |
pratipakṣaṃ nāśaya dvirdvirmāraya tathaiva ca ||1067||

„… Mähne: Tanze, tanze! Bewege dich, bewege dich! Versetze in Bewegung, versetze in Bewegung! Vernichte den Gegner, vernichte ihn! Töte ihn, töte ihn!“

Anmerkung: Samanartya-Lesungunsicher,Befehlsbezugkontextuell.

Vers 1068
kicidvayaṃ kahayugaṃ tubhyaṃ sūtramidaṃ tathā |
nivedayāmi saṅkīrtya gṛhāṇa paridhatsva ca ||1068||

„Kichi, kichi! Kaha, kaha! Diese Schnur bringe ich dir dar. Nimm sie an! Lege sie um!“ …

Anmerkung: RitualrufeohneerfundeneWortbedeutung;WiederholungsanweisungfürletzteBefehle1069.

Vers 1066 [Quellzählung an Position 1069]
dvayaṃ dvayaṃ samābhāṣya tato'trādhiṣṭhito bhava |
sandhānarahitaṃ kāryaṃ namaste piṅgalerayet ||1066||

… wobei die letzten beiden Aufforderungen jeweils zweimal gesprochen werden. Dann ohne Lautverschmelzung: „Nimm hier deinen Sitz ein! Verehrung dir, dem mit gelbbraunen …“

Vers 1070
locanāyeti coddhṛtya mahājaṭulamūrtaye |
astratrayaṃ kūrcayugaṃ hṛdayaṃ śira eva ca ||1070||

„… Augen, dem von mächtiger, zottiger Gestalt!“ Danach folgen dreimal Astra, zweimal Kurcha, Hridaya und Shiras.

Anmerkung: Jaṭulaalszottigvorläufig.

Das Bärengesicht

Die waldbewohnende Gestalt wird um Vollendung der Handlung und Zeugenschaft gebeten.

Vers 1071
kulāṅganā yoginī ca roṣavadhvau ca śākinī |
ḍākinī cāpi phetkārī kālīgaruḍamanmathāḥ ||1071||

[Für das Bärengesicht:] Kulangana, Yogini, Rosha, Vadhu, Shakini, Dakini, Phetkari, Kali, Garuda und Manmatha …

Vers 1072
hākinīhāravetālakuṭilārāgacarpaṭāḥ |
hemamandārodayāstameruratnamaṇikramāḥ ||1072||

… Hakini, Hara, Vetala, Kutila, Raga und Charpata. [Dann die Kutas:] Hema, Mandara, Udaya, Asta, Meru, Ratna, Mani und Krama …

Vers 1073
aṣṭāvete kramātkūṭāḥ punarbījāni ṣoḍaśa |
bhrāmarī ca pracaṇḍā ca mandaḥ sammoha eva ca ||1073||

… dies sind die acht Kutas in ihrer Reihenfolge. Danach wieder sechzehn Bijas: Bhramari, Prachanda, Manda und Sammoha …

Vers 1074
bhogaḥ sṛṣṭiḥ sānurakṣastandrā kuṭilayā saha |
nādāntakaścāmaraṃ ca māraṇḍo'pi vinādayuk ||1074||

… Bhoga, Srishti, [Sanuraksha: Name oder Namensgruppe unklar], Tandra, Kutila, Nadantaka, Amara, Maranda und Vinada …

Anmerkung: Fragment:SanurakshaGliederungunsicher;keine16EinträgedurchErfindungherbeigeführt.

Vers 1075
virūpaścāparāntaśca catvāriṃśadime'khilāḥ |
tataḥ punarvadetsiddhivikarālīsvarūpa ca ||1075||

… Virupa und Aparanta. Insgesamt sind es vierzig. Dann spreche man: „Gestalt der Siddhivikarali …“

Anmerkung: 40istQuellzählungvonBijasundKutas.

Vers 1076
visandhānaṃ vadedṛkṣavaktra tatparataḥ punaḥ |
nirvibhaktau kariśca kheranakhareti pade vadet ||1076||

„… Bärengesicht …“, ohne Lautverschmelzung. Danach folgen ungebeugte Wörter mit [Kari: unklar] und „scharfen Klauen …“

Anmerkung: Fragment:zweiterHalbversbeschädigt,kharaauskheravorläufig.

Vers 1077
danta nīlasaṭābhārabhāsureti tataḥ param |
jvala prajvala ityevaṃ sphura prasphura ityapi ||1077||

„… Zähnen und strahlender Fülle dunkler Mähne: Brenne! Lodere auf! Strahle! Leuchte hervor!“ …

Anmerkung: BeziehtsichaufunvollständigenAnfang1076.

Vers 1078
catvāri dvirdvirābhāṣya prasīda dvitayaṃ tathā |
pavitramenaṃ tubhyaṃ ca sandhinā vedayāmi ca ||1078||

… diese vier Befehle werden jeweils zweimal gesprochen. Dann: „Sei gnädig, sei gnädig! Dieses Pavitra bringe ich dir dar“, mit Lautverbindung.

Vers 1076 [Quellzählung an Position 1079]
gṛhāṇa paridhehi dviryugayorapi sundari |
karmādaḥ pūraya dvandvaṃ sākṣībhava yugaṃ tataḥ ||1076||

„Nimm es an, nimm es an! Lege es um, lege es um! Vollende diese Handlung, vollende sie! Sei Zeuge, sei Zeuge!“ So, du Schöne.

Vers 1080
namaste'syānu ca vanavihāriṇa itīrayet |
mahākāntārapadataścāriṇe tadanantaram ||1080||

Dann: „Verehrung dir, dem im Wald Wandelnden, dem Wanderer durch die große Wildnis …“

Vers 1081
hṛdayāstraśīrṣaṃ carame manurārkṣa iti smṛtaḥ |
nāraṃ yadvadanaṃ ṣaṣṭhaṃ taddevyā mukhyamucyate ||1081||

… gefolgt von Hridaya, Astra und Shirsha. Dies gilt als Mantra des Bärengesichts. Das sechste, menschliche Gesicht wird als Hauptgesicht der Göttin bezeichnet.

Das Garuda-Gesicht

Die vogelgestaltige Macht wird mit Geschwindigkeit, Glanz und gewaltiger Kraft beschrieben.

Vers 1082
guhyakālyabhidhānaṃ ca taccheṣe kathayiṣyate |
adhunā gāruḍāsyasya manumākalaya priye ||1082||

Es trägt den Namen Guhyakali und wird zuletzt behandelt. Beachte jetzt den Mantra des Garuda-Gesichts, Geliebte.

Vers 1083
medhaṃ pāśo bhauvaneśī sṛṇikāmavadhūruṣaḥ |
prāsādo yoginī rāvaḍākinyau pralayo'pi ca ||1083||

Medha, Pasha, Bhauvaneshi, Srini, Kama, Vadhu, Rush, Prasada, Yogini, Rava, Dakini und Pralaya …

Vers 1084
śṛṅkhalā śūlanālīkaṣaḍaḥ kuṭilayā saha |
gāruḍaṃ ceti bījāni purato'ṣṭādaśa priye ||1084||

… Shrinkhala, Shula, Nalika, Shada [unsicher], Kutila und Garuda: Diese achtzehn Bijas stehen am Anfang, Geliebte.

Anmerkung: Shada-Decknameausbeschädigtemṣaḍaḥvorläufig.

Vers 1085
khecarī ḍākinī māyā prāsādakramasetavaḥ |
mantravarṇakulākhyā kūṭānnava tataḥ param ||1085||

Danach die neun Kutas: Khechari, Dakini, Maya, Prasada, Krama, Setu, Mantra, Varna und Kula.

Vers 1086
punastāvanti bījāni vedyādidvitayaṃ baliḥ |
kalpādipañcakaṃ jambho bhrāmaryā dvitayaṃ tathā ||1086||

Dann nochmals ebenso viele Bijas [wie zu Beginn]: die zwei mit Vedya beginnenden, Bali, die Fünfergruppe mit Kalpa, Jambha und die zwei mit Bhramari beginnenden …

Anmerkung: VedyadiLesungunsicher,RückverweiseohneLautergänzung.

Vers 1087
mandādidvitayaṃ cāpi yugalaṃ dākṣikādi ca |
ṣaṭcakraṃ śaktisarvasvaṃ […] ||1087||

… die zwei mit Manda beginnenden, das Paar mit Dakshika, Shatchakra und Shaktisarvasva [Textlücke] …

Anmerkung: Fragment:QuellenzeileendetmitStrichen/Sternen;keineSilbenergänzung.

Vers 1088
gāruḍākhyaṃ punarbījaṃ sarvaśeṣe prakīrtayet |
caṇḍakāpālinīśabdātsvarūpaṃ samudāharet ||1088||

Ganz am Ende spreche man nochmals Garuda-Bija. Dann: „Gestalt der Chandakapalini …“

Vers 10846 [Quellzählung an Position 1089]
tārkṣyavaktra tato'pyuktvā vajrādhikakarāla ca |
cañcupakṣaṃ samābhāṣya punaḥ pavanakoṭi ca ||10846||

„… Tarkshya-Gesicht, mit Schnabel und Flügeln schrecklicher als der Donnerkeil, mit der Geschwindigkeit von zehn Millionen Winden …“

Anmerkung: TarkshyaGarudaBezeichnung;Satzschlussfolgt1090.

Vers 1060 [Quellzählung an Position 1090]
guṇavegaṃ tato dattvā patadviḥ prapatadvayam |
tāvatsphura prasphura ca jīvayugmaṃ jayadvayam ||1060||

„… stürze herab, stürze herab! Fliege heran, fliege heran! Strahle, strahle! Leuchte hervor, leuchte hervor! Lebe, lebe! Siege, siege!“

Anmerkung: Pata/prapataBewegungsrufeMehrdeutigkeitfliegen/fallen,KontextGaruda.

Vers 10861 [Quellzählung an Position 1091]
mahābalaṃ prakaṭaya dviridaṃ sūtraṃ gṛhāṇa ca |
niḥsandhi sakṛdevāpi pratimuñca tathaikakam ||10861||

„Zeige deine große Kraft, zeige sie! Nimm diese Schnur an! Lege sie an!“ Die letzten beiden Befehle sind je einmal ohne Lautverschmelzung zu sprechen.

Vers 1062 [Quellzählung an Position 1092]
sānnidhyamatroddhṛtyānu vadetkalaya pārvati |
namaste'khaṇḍitaṃ procya ṅentaṃ brahmāṇḍamaṇḍalam ||1062||

Dann: „Gewähre hier deine Gegenwart“, Parvati. Darauf „Verehrung dir“ und im Dativ die Bezeichnung „Akhandita-Brahmanda-Mandala“ …

Anmerkung: Akhaṇḍita-brahmāṇḍamaṇḍala: unversehrter Welteneikreis; genaue Beziehung der Anrede örtlich unsicher.

Vers 1063 [Quellzählung an Position 1093]
mahātejapadaṃ tadvanmahogrākāra eva ca |
mahāpralayakārī ca brahmāṇḍaṃ parikīrtitaḥ ||1063||

… ebenso „von großem Glanz“, „von höchst gewaltiger Gestalt“, „Vollzieher der großen Auflösung“ und „Brahmanda“ …

Anmerkung: LetzterAusdruckverkürzt/unklar,nichtfreiesEpithetonerfunden.

Vers 1064 [Quellzählung an Position 1094]
viśeṣaṇānyamūni syurekākārāṇi pañca vai |
roṣatrayāstratritaye hṛdaye dvekamekakam ||1064||

Diese fünf Bezeichnungen sind in gleicher Form zu bilden. Danach folgen dreimal Rosha und dreimal Astra; die Angabe zu Hridaya und der abschließenden Wiederholung ist beschädigt.

Anmerkung: ZweiterHalbversimDruckFragezeichen;keineWiederholungszahlerfunden.

Das Makara-Gesicht

Die Formel ruft den König der Wasserwesen an und enthält Blut- und Vernichtungsbilder.

Vers 1065 [Quellzählung an Position 1095]
atho makaravaktrasya sūtradaṃ manumīraye |
tāramedhe pāśasṛṇī māyālakṣmīsmarastriyaḥ ||1065||

Nun erkläre ich den Mantra zur Schnurdarbringung an das Makara-Gesicht: Tara, Medha, Pasha, Srini, Maya, Lakshmi, Smara und Stri …

Vers 1066 [Quellzählung an Position 1096]
bhāruṇḍā yoginī kālī nṛsiṃhakṣetrapālakau |
ḍākinī cāpi phetkārī bījāni daśa pañca ca ||1066||

… Bharunda, Yogini, Kali, Narasimha, Kshetrapala, Dakini und Phetkari: Dies sind fünfzehn Bijas.

Vers 1047 [Quellzählung an Position 1097]
kūṭānyatra ṣaḍeva syurnavārṇaghaṭitāni hi |
puṣkarāditrayaṃ kintu prātilomyena kīrtayet ||1047||

Hier folgen sechs Kutas, aus neun Lauten gebildet. Die drei mit Pushkara beginnenden sind in umgekehrter Reihenfolge zu sprechen …

Anmerkung: NeunlautigkeitQuellenangabe,nichtrekonstruiert.

Vers 104668 [Quellzählung an Position 1098]
saṃhārādīni ca trīṇi kīrtanaṃ pūrvavatpriye |
ante'mīṣāṃ punarbījānyatha pañcadaśerayet ||104668||

… ebenso die drei mit Samhara beginnenden, Geliebte. Danach spreche man wieder fünfzehn Bijas …

Vers 1066 [Quellzählung an Position 1099]
muktāhārakramaśikhāḥ māraṇḍā sānumekhale |
tāṭaṅkanīlābhūtinyaḥ pracaṇḍā pūrakaṃ tathā ||1066||

… Mukta, Hara, Krama, Shikha, Maranda, [Sanu: unklar], Mekhala, Tatanka, Nila, Bhutini, Prachanda und Puraka …

Anmerkung: Sanu-Verbindungbeschädigt,nichtgesicherteNamensgliederung.

Vers 1100
māraṇḍādvitayaṃ śeṣa utkocinyapi kathyate |
aṭṭahāsinīśabdātsvarūpapadamīrayet ||1100||

… dazu das mit Maranda beginnende Paar und zuletzt Utkochini. Dann spreche man: „Gestalt der Attahasini, der laut Lachenden …“

Anmerkung: AttahasiniausOCRatohasinikontextuellwahrscheinlich.

Vers 1101
tato makaravaktreti tathā dīrghitāpi ca |
tato daṃṣṭrāvikarāla mahābhogācca bhāsura ||1101||

„… Makara-Gesicht, schrecklich durch langgestreckte Fangzähne, strahlend mit gewaltigem Leib …“

Anmerkung: MahabhogaauchgroßeSchlangenwindung/Genussmehrdeutig,hierLeibvorläufig.

Vers 1102
tathā jalacarādrāja bṛṃha bṛṃhaya dvayaṃ dvayam |
śatruraktaṃ pibadvandvaṃ prapiba dvitayaṃ tathā ||1102||

„… König der Wasserwesen: Brülle, brülle! Lass es erdröhnen, lass es erdröhnen! Trinke das Blut des Feindes, trinke es! Trinke es gänzlich, trinke es gänzlich!“

Anmerkung: Bṛṃh/BṛṃhayaLesungausbeschädigterFolgewahrscheinlich;historischeGewaltformel.

Vers 1103
māṃ rakṣayugalaṃ cāpi prasīdadvayameva ca |
yajñopavītametattu tathaivopanayāmi ca ||1103||

„Schütze mich, schütze mich! Sei gnädig, sei gnädig! Diese heilige Opferschnur bringe ich dir dar.“

Vers 1104
gṛhṇāmuñca tathā dhatsva dvitayaṃ dvitayaṃ likhet |
tataḥ pūrṇamidaṃ kāryaṃ samācara yugaṃ dadet ||1104||

„Nimm sie an, nimm sie an! Lege sie an, lege sie an! Trage sie, trage sie! Führe diese Handlung vollständig aus, führe sie vollständig aus!“

Vers 1105
niḥsandhānaṃ tathā cādhiṣṭhānaṃ kuru yugaṃ vadet |
namaste'nu vadedraktārṇavasañcāriṇe tathā ||1105||

Dann ohne Lautverschmelzung: „Nimm deinen Sitz ein, nimm deinen Sitz ein! Verehrung dir, der im Ozean des Blutes umherzieht …“

Das Elefantengesicht

Mundamalinis Elefantengestalt wird als mächtiger Schutz- und Kampfgott angerufen.

Vers 1106
mahāvikaṭapucchāya yādorājāya caiva hi |
hṛdayāstramastakānyante gajāsyasyādhunā śṛṇu ||1106||

„… mit gewaltigem, furchtbarem Schwanz, König der Wasserwesen!“ Am Ende stehen Hridaya, Astra und Mastaka. Höre nun die Formel des Elefantengesichts.

Vers 1107
medhaṃ tāraṃ tathā māyā lakṣmīkāmāṅganāstathā |
yoginīkālikāroṣāḥ prāsādagāruḍau tathā ||1107||

Medha, Tara, Maya, Lakshmi, Kama, Angana, Yogini, Kalika, Rosha, Prasada und Garuda …

Vers 1108
nṛsiṃhapretabhairavyaḥ śākinī […] [ḍākinī] tathā |
pralayaścātha phetkārī bījānyaṣṭādaśaiva hi ||1108||

… Narasimha, Preta, Bhairavi, Shakini, [beschädigte Stelle; der Herausgeber ergänzt Dakini], Pralaya und Phetkari. Es sind achtzehn Bijas.

Anmerkung: DakiniEDITORergänzungausdrücklich,nichtgesicherteZeugenlesung.

Vers 1104 [Quellzählung an Position 1109]
bhāsānākhye ca saṃhārastamaśca raja ityapi |
viśuddhājñe ca nirvāṇaṃ mahānirvāṇameva ca ||1104||

[Die Kutas heißen:] Bhasa, [Ana: unsicher], Samhara, Tamas, Rajas, Vishuddha, Ajna, Nirvana und Mahanirvana.

Anmerkung: ErsteZusammenschreibungBhasanakhyeunsicher,Nennzahl9aus 1110nichtmitErfindunggefüllt.

Vers 1110
eṣāṃ navānāmante ca dviguṇaṃ bījamuddharet |
duṣkṛtaṃ surasaścāpi mudrikā carpaṭastathā ||1110||

Nach diesen neun folgen doppelt so viele Bijas. Sie beginnen mit Dushkrita, Surasa, Mudrika und Charpata …

Anmerkung: MudrikaLesungausmadrikavorläufig.

Vers 1111
catuṣkaṃ ca catuṣkaṃ ca etadādi samuddharet |
parāparaḥ śāmbhavaśca dvāvetāvantimau matau ||1111||

… zu jedem dieser Anfänge nehme man jeweils eine Vierergruppe. Die beiden letzten sind Parapara und Shambhava.

Vers 1112
pañcacatvāriṃśatsaṅkhyā bījakūṭā bhavanti hi |
muṇḍamālinyanu brūyātsvarūpapadameva hi ||1112||

Damit beträgt die Zahl der Bijas und Kutas fünfundvierzig. Dann spreche man: „Gestalt der Mundamalini …“

Vers 1113
gajavaktra tataḥ paścādvajrādhikapadādanu |
dantaśuṇḍāyudha procya mahākāyāna cetyapi ||1113||

„… Elefantengesicht, mit Stoßzähnen und Rüssel als Waffen mächtiger als der Donnerkeil, von gewaltigem Körper …“

Anmerkung: MahakayanEndungörtlichunsicher.

Vers 1114
prasravaddānadhārānu vadedbhūṣitagaṇḍa ca |
mahāmadonmatta iti tathā samarakarkaśa ||1114||

„… dessen Wangen mit fließenden Strömen des Schläfensaftes geschmückt sind, von mächtigem Rausch erfüllt und im Kampf unerbittlich …“

Anmerkung: DānaElefantenschläfensaftimMusth,nichtSpende.

Vers 1115
bṛṃha prabṛṃha dvirdviśca cala dhāva dvayaṃ dvayam |
dviṣato mama saṃlikhya jahi yugmaṃ hana dvayam ||1115||

„Brülle, brülle! Lass mächtiges Brüllen erschallen, lass es erschallen! Bewege dich, bewege dich! Stürme, stürme! Erschlage meine Feinde, erschlage sie! Schlage sie nieder, schlage sie nieder!“

Vers 1116
māṃ pālaya yugaṃ cāpi pāhiyugmaṃ tathaiva ca |
pavitramidamābhāṣya tatomāvedayāmi ca ||1116||

„Behüte mich, behüte mich! Beschütze mich, beschütze mich! Dieses Pavitra bringe ich dar.“

Anmerkung: ĀvedayāmiimDruckausmāzuāberichtigtübernommen,mantrischerSatzanschlussklar.

Vers 11157 [Quellzählung an Position 1117]
gṛhāṇāmuñca ca paridhatsva dvirdviḥ samuddharet |
sandhyūnamatrādhiṣṭhānaṃ kuruyugmaṃ tato vadet ||11157||

„Nimm es an, nimm es an! Lege es an, lege es an! Lege es um, lege es um! Nimm hier deinen Sitz ein, nimm deinen Sitz ein!“ Die letzte Aufforderung steht ohne Lautverschmelzung.

Vers 1118
sākṣībhavadvayaṃ vāthā […] |
uktvā namaste ṅentaṃ ca mahābalaparākrama ||1118||

„Sei Zeuge, sei Zeuge!“ [Textlücke.] Danach: „Verehrung dir, dem von großer Kraft und Tapferkeit …“, mit der Anrede im Dativ.

Anmerkung: Fragment:expliziteStrichlückeundFragezeichenimZeugen,nichterschlossen.

Vers 11146 [Quellzählung an Position 1119]
tathā sarvātītaśaktirmahārājyādikameva ca |
kūrcastrirhṛdayānāṃ dviḥ sandhiyukśira ekakam ||11146||

„… dessen Macht alles übersteigt, der große Königsherrschaft [gewährt; Anschluss unklar].“ Dann folgen dreimal Kurcha, zweimal Hridaya und einmal Shiras, mit Lautverbindung.

Anmerkung: MaharajyadikaEndebeschädigt,Verbalbedeutungnichtgesichert.

Das Pferdegesicht

Die Gestalt der Kalachakreshvari erscheint als schneller Sänger der Veden und als gewaltige Schutzmacht.

Vers 1120
eṣa te gajavaktrasya mantraḥ samupavarṇitaḥ |
vājivaktramanuṃ vakṣye samprataṃ tridaśeśvari ||1120||

Damit ist dir der Mantra des Elefantengesichts erklärt. Nun nenne ich den Mantra des Pferdegesichts, Herrin der Götter.

Vers 1121
kulāṅganā yoginī ca roṣarāmā ca śākinī |
ḍākinī pralayastārkṣyo manmathaḥ pāśakālike ||1121||

Kulangana, Yogini, Rosha, Rama, Shakini, Dakini, Pralaya, Tarkshya, Manmatha, Pasha und Kalika …

Vers 1122
pralayo narasiṃhaśca phetkārī kratayā saha |
hayagrīvaḥ sarvaśeṣe bījānimāni ṣoḍaśa ||1122||

… nochmals Pralaya, Narasimha, Phetkari, Krata [unsicher] und zuletzt Hayagriva. Dies sind sechzehn Bijas.

Anmerkung: Pralayawiederholungbewahrt;Kratya/VaratyaLesungunsicher,keinfehlenderNameerfunden.

Vers 1123
kramato [yusvarektā] tāvarṇāḥ ṣaḍca kūṭakāḥ |
dvāvanyau śāmbhaveśānau bījālī tāvatī punaḥ ||1123||

[Fragment:] Der Reihe nach folgen sechs Kutas [ihre genaue Angabe ist beschädigt] und zwei weitere, Shambhava und Ishana. Danach wieder eine ebenso große Bija-Reihe …

Anmerkung: Fragment:ersterHalbversunzuverlässig,keine6 Kutasvermutet.

Vers 1124
nakṣatramādimaṃ vidyunmauñjīsūtraṃ sakarṇikam |
patanādidvayañcānyatpratānādidvayaṃ tathā ||1124||

… beginnend mit Nakshatra, Vidyut, Maunjisutra und Karnika; dann das mit Patana beginnende Paar und das mit Pratana beginnende Paar …

Vers 1125
virādhādidvayañcātha ṣaṭcakrādidvayaṃ tataḥ |
śaktisarvasvādiyugamantimaṃ ṣoḍaśāhvayam ||1125||

… das Paar mit Viradha, das Paar mit Shatchakra und zuletzt das Paar mit Shaktisarvasva. Die Reihe wird als sechzehngliedrig bezeichnet.

Anmerkung: LesbareRückverweiseergeben14statt16;keineweiteren2erfunden,Viradhavorläufig.

Vers 1126
kālacakreśvarīśabdātsvarūpahayavaktra ca |
khurakhaṇḍitatribhuvanodara cāpi manojava ||1126||

„Gestalt der Kalachakreshvari, Pferdegesicht, dessen Hufe das Innere der drei Welten zerschlagen, schnell wie der Geist …“

Vers 1127
trayīgāyakaṃ saṃlikhya jvaladvirjīva ca dvayam |
yugaṃ yugaṃ kaha dhaka prasīdadvayameva ca ||1127||

„… Sänger der drei Veden: Brenne, brenne! Lebe, lebe! Kaha, kaha! Dhaka, dhaka! Sei gnädig, sei gnädig!“

Anmerkung: Ritualrufekaha/dhakaohneerfundeneBedeutung.

Vers 1128
mama śatrūn hana paca matha dvirdviḥ samuddharet |
siddhiṃ me dehi yugalaṃ dāpaya dvitayaṃ tathā ||1128||

„Schlage meine Feinde, schlage sie! Verbrenne sie, verbrenne sie! Zermalme sie, zermalme sie! Gewähre mir Vollkommenheit, gewähre sie! Lass sie mir geben, lass sie mir geben!“

Vers 1125 [Quellzählung an Position 1129]
pavitramidamāvedayāmi gṛhṇayugaṃ tataḥ |
paridhehi yugañcāpi pavitrārohaṇe padāt ||1125||

„Dieses Pavitra bringe ich dar. Nimm es an, nimm es an! Lege es um, lege es um! Bei Pavitrarohana …“

Vers 1130
sānnidhyaṃ kalpaya dvandvaṃ sākṣībhava yugaṃ punaḥ |
namaste'nu mahāvegaḥ śakraiśvaryapradastathā ||1130||

„… gewähre deine Gegenwart, gewähre sie! Sei Zeuge, sei Zeuge! Verehrung dir, dem äußerst Schnellen, dem Spender von Indras Herrschaft …“

Vers 1131
mahābhīmatarahreṣāsantrāsitajagattrayam |
tathā mahāsaṭāmālī tathā svārājyadāyyapi ||1131||

„… der durch höchst furchtbares Wiehern die drei Welten erschreckt, der eine große Mähne trägt und eigenständige Herrschaft verleiht!“

Vers 1132
viśeṣaṇāni ṅantāni pañcāmūni bhavanti hi |
kūrcatrayāstratritayaṃ hṛdyugaṃ maulirekakaḥ ||1132||

Diese fünf Bezeichnungen stehen im Dativ. Danach folgen dreimal Kurcha, dreimal Astra, zweimal Hrid und einmal Mauli.

Anmerkung: MauliSchlussdeckname,nichtstillzuandererLautformergänzt.

Zusätzliche Gefäße für die Gesichter

Für jedes der neun behandelten Nebengesichter wird ein eigenes Gefäß bereitet; Kulakumbha und Sudhadevi erhalten besondere Gaben.

Vers 1133
pavitrārohaṇākhye'sminkarmaṇi tridaśeśvari |
adhikaṃ vartate kiñcittanniśāmaya sādarā ||1133||

Bei dieser Handlung namens Pavitrarohana gibt es noch eine zusätzliche Vorschrift, Herrin der Götter. Höre sie ehrfürchtig an.

Vers 1134
mukhebhyo navasaṅkhyebhya ekaikaṃ pṛthageva hi |
pātraṃ prakalpanīyaṃ syātkrameṇānanapūrvakam ||1134||

Für die neun Gesichter ist jeweils ein eigenes Gefäß zu bereiten, in der entsprechenden Reihenfolge mit Nennung des jeweiligen Gesichts.

Anmerkung: NeunbeziehtsichhieraufdieaufgezähltenNebengesichter;Hauptmenschengesicht1081sechstesgenanntundgesondertverschoben.DieQuellegebrauchtZählungenörtlichunterschiedlich,nichtharmonisiert.

Vers 1135
samāsairathavā vyāsaiḥ samayasyānusārataḥ |
mūlamantreṇa taddeyaṃ gṛhītvā nāmanī ubhe ||1135||

Dies geschieht nach der jeweiligen Überlieferungsordnung in verkürzter oder ausführlicher Form. Die Gabe erfolgt mit dem Grundmantra unter Nennung beider Namen.

Anmerkung: BeideNamenvonGöttinnengestaltundGesichtimKontext,nichtzusätzlicheWortefingiert.

Vers 1136
tataḥ prasannāpātraṃ hi nama ityevamuddharet |
kulakumbhāya tatsthāyai sudhādevyai ca sundari ||1136||

Danach spreche man „Prasanna-Gefäß“ und „namaḥ“. Dem Kulakumbha und der darin gegenwärtigen Sudhadevi, du Schöne …

Anmerkung: PatraimDruckauspāda[tra]korrigiert.

Vers 1137
pavitrayugalaṃ deyaṃ mantroccāraṇapūrvakam |
ṣaṇṇāṃ hi mūlapātrāṇāṃ kulakumbhaḥ pṛthaksthiraḥ ||1137||

… sind unter Mantrarezitation zwei Pavitras zu geben. Der Kulakumbha steht gesondert von den sechs Hauptgefäßen.

Vers 1138
tatrasthā ca sudhādevī ṣaḍadhiṣṭhātryudīritā |
navāsyapātrarītau tu pṛthagevāparo ghaṭaḥ ||1138||

Die darin befindliche Sudhadevi gilt als Vorsteherin der sechs. Bei der Gefäßordnung der neun Gesichter gibt es wiederum einen eigenen weiteren Krug …

Anmerkung: Ṣaḍadhiṣṭhātrī aus beschädigtem OCR vorläufig; Kontext: sechs Gefäße.

Vers 1135 [Quellzählung an Position 1139]
sudhādevī ca tatrasthā dvau vārau tatprapūjanam |
dvivāraṃ sūtradānañca tatrātrāpi sureśvari ||1135||

… und die darin gegenwärtige Sudhadevi. Beide werden also zweimal verehrt und erhalten zweimal die Schnur, dort wie hier, Herrin der Götter.

Vers 1140
eka eva manurjñeya ubhayatrāpi karmaṇi |
ata eva tayormantraḥ purā na pratipāditaḥ ||1140||

Bei beiden Handlungen ist derselbe Mantra zu verwenden. Deshalb wurde ihr Mantra zuvor noch nicht dargelegt.

Anmerkung: PuranapratipaditahOCRzusammen,voraussichtlichpurā na;nicht„imPurana“übersetzt.

Kulakumbha und Sudhadevi

Die beiden Formeln bitten um Annahme, Gegenwart und die Ermöglichung der gesamten Verehrung.

Vers 1141
tayostu kumbhasudhayoridānīṃ manumīraye |
tāro medhaṃ bhauvaneśī yoginī śākinī ruṣaḥ ||1141||

Nun nenne ich die Formeln für den Krug und Sudha: Tara, Medha, Bhauvaneshi, Yogini, Shakini und Rush …

Vers 1142
ḍākinī pralayaścāpi phetkārī maṇimālayā |
nṛsiṃhakumbhau tadanu bījāni dvādaśāgrataḥ ||1142||

… Dakini, Pralaya, Phetkari, Manimala, Narasimha und Kumbha: Diese zwölf Bijas stehen am Anfang.

Vers 1143
kulakumbhāya vai tubhyamupavītamudīrayet |
sasandhyupanayāmyuktvā tena naddho bhavoccaret ||1143||

Dann, mit Lautverbindung: „Dir, dem Kulakumbha, bringe ich die heilige Schnur dar. Sei durch sie umwunden …“

Vers 1142 [Quellzählung an Position 1144]
baddho bhava punarbrūyādruddho bhava punarvadet |
kṣīrodārṇavāvatīrṇeti pavitrārpaṇikaṃ manum ||1142||

„… sei gebunden, sei umschlossen!“ Danach [beginnt] der Pavitra-Mantra mit „aus dem Milchmeer herabgekommen …“

Anmerkung: ÜbergangzurSudhadeviFormelaus 1145–1148;WortstellungimZeugenbeibehalten,keinfehlenderSchlussfürKumbhaergänzt.

Vers 1145
maidhatrayaṃ trapāyugmaṃ rāvaḥ kāntā ca yoginī |
ḍākinī pralayo hāranṛsiṃhakṣetrapālakāḥ ||1145||

Dreimal Maidha, zweimal Trapa, dann Rava, Kanta, Yogini, Dakini, Pralaya, Hara, Narasimha und Kshetrapala …

Anmerkung: Medha1141vsMaidha1145bewahrt.

Vers 1146
gāruḍo madano lakṣmīḥ sudhādevyai tataḥ param |
pavitrametadābhāṣya sasandhyupanayāmi ca ||1146||

… Garuda, Madana und Lakshmi. Dann verbunden: „Sudhadevi bringe ich dieses Pavitra dar.“

Vers 1147
suprītā bhava tatpaścādvaradā bhava cetyapi |
tathā ca gatasandhānamadhiṣṭhātrī bhavāpi ca ||1147||

Darauf ohne Lautverschmelzung: „Sei erfreut! Sei eine Gewährerin von Gaben! Sei die Vorsteherin!“

Vers 1148
sarvānārādhayiṣye ca tvayā śabdādanantaram |
tatastubhyaṃ sudhādevyai hṛdayadvitayaṃ śiraḥ ||1148||

„Durch dich werde ich alle verehren. Dir, Sudhadevi …“ Danach folgen zweimal Hridaya und Shiras.

Vers 11486 [Quellzählung an Position 1149]
evamityubhayatrāpi sudhākalaśayormahaḥ |
kartavyo'mutra saṅkalpe tathā vaktravidhāvapi ||11486||

So ist die feierliche Verehrung Sudhas und des Kalasha an beiden Stellen vorzunehmen: bei der betreffenden rituellen Festlegung und bei der Ordnung der Gesichter.

Anmerkung: SankalpaBezugörtlichunsicher,nichtneueRitualstufeerfunden.

Die Göttinnen der acht und neun Speichen

Der Text kehrt zu den siebzehn Göttinnen zurück und beschreibt Ugrachandas und Mahalakshmis Grundmantras.

Vers 1150
pavitrārohaṇe kārye yā aṣṭārasya devatāḥ |
tatpavitramanūnvakṣye krameṇa tridaśeśvari ||1150||

Nun nenne ich der Reihe nach die Pavitra-Mantras der Gottheiten des achtspeichigen Kreises bei Pavitrarohana, Herrin der Götter.

Anmerkung: AbschnittwiedernachbereitsgenanntenGöttinnen;ReihenfolgederQuellebewahrt.

Vers 1151
aṣṭārasya navārasya devyaḥ saptadaśeha yāḥ |
mūlamantreṇa tāsāṃ hi sūtradānaṃ vidhīyate ||1151||

Für die siebzehn Göttinnen des acht- und des neunspeichigen Kreises ist die Schnurdarbringung jeweils mit ihrem Grundmantra vorgeschrieben.

Vers 1152
praṇavo bhauvaneśī ca yoginī rāva eva ca |
puṣkaraṃ kūṭamasyānu phetkārī kratayā saha ||1152||

Pranava, Bhauvaneshi, Yogini und Rava; danach Pushkara-Kuta, Phetkari und Krata …

Anmerkung: KrataLesungunsicherwie1122.

Vers 1153
karālī kṛtyayā sārdhaṃ devyāḥ sambodhanaṃ tataḥ |
pracaṇḍakaravālinyanu kūrcaḥ śira eva ca ||1153||

… Karali und Kritya. Dann folgt die Anrede der Göttin: „Prachandakaravalini, Trägerin des gewaltigen Schwertes!“ Danach Kurcha und Shiras.

Vers 1154
caturviṃśatyakṣaro'yaṃ mantrarājo mahāpadāt |
prasiddha ugracaṇḍāyā yāmale rudrabhāṣitaḥ ||1154||

Dieser vierundzwanzigsilbige Mantrakönig ist als Formel Ugrachandas mit dem Zusatz „Maha“ bekannt; Rudra habe ihn im Yamala gelehrt.

Anmerkung: MahapadatAnschlussnichtvölligklar,ZuschreibungalsQuellenaussage.

Vers 1155
trivāramevamuccārya pūrvādikramataḥ priye |
pavitraṃ pāṇinādāyogracaṇḍāyai nivedayet ||1155||

Nach dreimaliger Rezitation nehme man das Pavitra in die Hand und bringe es Ugrachanda dar, Geliebte, in der Reihenfolge von Osten aus.

Vers 1156
atha mantraṃ mahālakṣmyāḥ śṛṇu ṣaṭtriṃśadakṣaram |
yaduddhṛtaṃ śaṅkareṇa kuñjikāyāḥ prasaṅgataḥ ||1156||

Höre nun Mahalakshmis sechsunddreißigsilbigen Mantra, den Shankara im Zusammenhang mit Kunjika dargelegt habe.

Vers 1157
caitanyaṃ kamalā māyā madano vanitāpi ca |
śākinī garuḍo roṣaḥ prāsādo narakesarī ||1157||

Chaitanya, Kamala, Maya, Madana, Vanita, Shakini, Garuda, Rosha, Prasada und Narakesarin …

Vers 1158
mahālakṣmi samābhāṣya lakṣmīṃ me dehi kīrtayet |
namaḥ kamalavāsinyai mahārājyapradāpadam ||1158||

Dann: „Mahalakshmi, schenke mir Glück und Reichtum! Verehrung der Lotusbewohnerin, der Spenderin großer Königsherrschaft …“

Vers 1156 [Quellzählung an Position 1159]
ṅe'ntaṃ śeṣe śiraścāpi mahālakṣmyā manurmataḥ |
sarvatra vāratritayaṃ manūccāraṇa […] ||1156||

„…“, wobei die letzte Bezeichnung im Dativ steht. Am Ende folgt Shiras. Dies gilt als Mahalakshmis Mantra. Überall ist eine dreimalige Mantrarezitation [vorgesehen; der Text bricht ab].

Anmerkung: Fragment:explizitePunktlücke;HerausgebervermerktbeschädigteVorlage.KeinefehlendenGöttinnenformelnrekonstruiert.

Fragmentarische Anrufung nach einer Quellenlücke

Die Herausgebernotiz meldet hier eine beschädigte Vorlage. Nur die erhaltenen Anreden und Anweisungen werden wiedergegeben; der Adressat bleibt unbestimmt.

Vers 1160
sarvajñaḥ sarvāntaryāmyataḥ param […] |
sarvavyāpi tataścāpi aṣṭemāni padāni hi ||1160||

[Fragment einer nicht sicher zugeordneten Anrufung:] „Allwissender“, „innerer Lenker aller“ [Lücke], dann „Alldurchdringender“. Diese werden als acht Ausdrücke bezeichnet.

Anmerkung: Fragment:neuerAdressatnachLückenichtgesichert,NICHTMahalakshmioderMahadevazugewiesen;nurfaktischlesbareEpitheta.

Vers 1161
vibhakteḥ khalu turyāyā ekatve vihitāni ca |
tubhyaṃ pavitrametacca sasandhyāvedayāmi ca ||1161||

Sie stehen im Dativ Singular. Danach, mit Lautverbindung: „Dir bringe ich dieses Pavitra dar.“

Anmerkung: FortsetzungderfragmentarischenAnrufung1160,Adressatoffen.

Vers 1162
prasīda bhagavān procya prāsādatritayaṃ tataḥ |
tato hṛcchirasī dadyādetasyānantaraṃ punaḥ ||1162||

Dann: „Sei gnädig, Erhabener!“ Darauf folgen dreimal Prasada, danach Hrid und Shiras. Anschließend …

Anmerkung: MännlicheAnredeimText,Identifizierungnichtrekonstruiert.

Die Schnur für den Guru

Der Guru wird als Vermittler der Erkenntnis von „Das“ und „Du“ angerufen.

Vers 1163
gurupūjā prakartavyā tadante sūtramarpayet |
tanmantrastāraparamau jñānadīpapradāya ca ||1163||

… ist die Guru-Puja vorzunehmen; an ihrem Ende bringe man die Schnur dar. Ihr Mantra beginnt mit Tara und Parama, dann: „dem Spender des Lichts der Erkenntnis …“

Anmerkung: ParamaDecknamelesungvorläufig.

Vers 1164
tatpadaprakāśakāya tvampadadarśakāya ca |
idaṃ tato brahmasūtraṃ samarpayāmi cetyapi ||1164||

„… dem Offenbarer der Bedeutung von ‚Das‘ und dem Zeiger der Bedeutung von ‚Du‘ bringe ich diese Brahman-Schnur dar.“

Anmerkung: Tat/tvamalsWörterderSelbsterkenntnis,keineweitereMahavakyasilbeerfunden.

Vers 1165
tattvabodhakaṃ saṃlikhya prasīda dvitayaṃ tataḥ |
tubhyaṃ namastathā śīrṣaṃ gurusūtrārpaṇe manuḥ ||1165||

„Lehrer der Wirklichkeit, sei gnädig, sei gnädig! Dir Verehrung!“ Danach folgt Shirsha. Dies ist der Mantra zur Schnurdarbringung an den Guru.

Türhüter und Vatuka

Die Mantras bitten um Schutz der Verehrung und ihre erfolgreiche Vollendung.

Vers 1166
etasminneva samaye dvārapālaṃ prapūjayet |
pavitramasmai dadyācca tanmantramadhunā vade ||1166||

Zur selben Zeit verehre man den Türhüter und gebe ihm sein Pavitra. Nun nenne ich seinen Mantra.

Vers 1167
pāśasārasvatakrodhaprāsādakamalāstriyaḥ |
ḍākinī cātha phetkārī bījānyetāni vai puraḥ ||1167||

Pasha, Sarasvata, Krodha, Prasada, Kamala, Stri, Dakini und Phetkari: Diese Bijas stehen am Anfang.

Vers 1168
mahābhāga dvārapāla pavitraṃ bhavate padāt |
samarpayāmīti padamidamāmuñca cetyapi ||1168||

„Hochbeglückter Türhüter, dir bringe ich das Pavitra dar. Lege dieses an!“

Vers 1166 [Quellzählung an Position 1169]
sandhihīnaṃ tataḥ paścāttvaṃ māṃ pālaya pālaya |
pūjāmimāṃ rakṣayugaṃ phaṭtrayaṃ vahnivallabhā ||1166||

Dann ohne Lautverschmelzung: „Behüte mich, behüte mich! Schütze diese Puja, schütze sie!“ Darauf folgen dreimal Phat und Vahnivallabha.

Vers 1170
dvārapālapavitrasya manureṣa samarpakaḥ |
atho niśāmaya śive vaṭukārpaṇakaṃ manum ||1170||

Dies ist der Darbringungsmantra für das Pavitra des Türhüters. Höre nun, Glückverheißende, den Mantra für die Gabe an Vatuka.

Vers 1171
caitanyaṃ praṇavo māyā hāraḥ karṇikayā saha |
śṛṅkhalāditrayañcāpi mahāsiddhipradāya ca ||1171||

Chaitanya, Pranava, Maya, Hara, Karnika und die mit Shrinkhala beginnende Dreiergruppe. Dann: „dem Spender großer Vollkommenheiten …“

Vers 1172
mahārudrāvatārāya vadedbhagavate tataḥ |
punarvaṭukanāthāya pavitrametadityapi ||1172||

„… der Verkörperung Maharudras, dem erhabenen Vatukanatha, dieses Pavitra …“

Vers 1173
nivedayāmi sandhyākhyaṃ tubhyaṃ paścānmahābala |
parākramāya saṃlikhya kālādityau trivārakam ||1173||

„… bringe ich dar, dir von großer Kraft und Tapferkeit.“ Die Wörter werden verbunden. Danach spreche man Kala und Aditya dreimal.

Anmerkung: JeBija/PaarwiederholungnichtweiterspezifiziertalsQuelle.

Vers 1174
pavitrāropaṇaṃ procya saphalañca kuru dvayam |
hṛdastraśīrṣāṇyante ca kṣetrapālasya śṛṇvataḥ ||1174||

„Lass die Pavitra-Darbringung fruchtbar werden, lass sie fruchtbar werden!“ Am Ende folgen Hrid, Astra und Shirsha. Höre nun die Formel Kshetrapalas.

Kshetrapalas Darbringungsmantra

Der Beschützer des Ortes wird als Voranschreitender der Göttin und Spender von Vollkommenheit angesprochen.

Vers 1175
sārasvataṃ triruccārya kṣetrapālasya ca trayam |
kūrcaprāsādayostristristata āyādipañcakam ||1175||

Spreche Sarasvata dreimal, Kshetrapala dreimal, Kurcha und Prasada jeweils dreimal; danach folgt die mit Aya beginnende Fünfergruppe …

Anmerkung: Aya-Lesungwiefrüherunsicher.

Vers 1176
kūṭañca śāmbhavaṃ paścādevamaṣṭādaśottaram |
tubhyaṃ bhagavate kṣetrapālāyeti tataḥ param ||1176||

… und Shambhava-Kuta. Nach dieser als achtzehngliedrig bezeichneten Folge heißt es: „Dir, dem erhabenen Kshetrapala …“

Vers 1177
pavitramidamābhāṣyārpayāmi ca sandhimat |
gṛhṇa gṛhṇāpaya dvirdviḥ paridhatsva tathā dvayam ||1177||

„… bringe ich dieses Pavitra dar“, mit Lautverbindung. „Nimm es an, nimm es an! Lass es annehmen, lass es annehmen! Lege es um, lege es um!“

Anmerkung: GṛhṇāpayaauffälligeKausativaufforderungbewahrt.

Vers 1178
pavitrārohaṇañcoktvā sampūrṇaṃ kuru ca dvayam |
devīpuraḥsara mahābhāga sandhānavarjitam ||1178||

„Vollende Pavitrarohana, vollende es! Du, der Göttin Voranschreitender, Hochbeglückter …“, ohne Lautverschmelzung.

Vers 1179
acintyabalato brūyātparākramapadaṃ tataḥ |
siddhiṃ me dehi saṃlikhya sakṛddāpaya kīrtayet ||1179||

„… von unbegreiflicher Kraft und Tapferkeit: Gewähre mir Vollkommenheit, lass sie mir gewähren!“ Die letzte Aufforderung steht einmal.

Vers 1180
haṃ haṃ phaṭphaḍathoccārya carame vahnivallabhā |
sūtre yugebhyo dātavye mantraṃ te kathayāmyaham ||1180||

Dann spreche man „haṃ haṃ phaṭ phaṭ“ und am Schluss Vahnivallabha. Nun erkläre ich dir den Mantra zur Schnurdarbringung an die Weltalter.

Anmerkung: Quellehaṃ,nichtstillhūṃ;RitualfunktionkeineerfundeneWortbedeutung.

Die vier Weltalter und die Veden

Auch die Ordnungen von Zeit und Offenbarung erhalten ihre heiligen Schnüre.

Vers 1181
maidhapāśakalākāmahāradīpabalistriyaḥ |
phetkārīḍākinījambhapralayā dvādaśa smṛtāḥ ||1181||

Maidha, Pasha, Kala, Kama, Hara, Dipa, Bali, Stri, Phetkari, Dakini, Jambha und Pralaya: Diese zwölf werden genannt.

Vers 1182
caturbhyo'nu yugebhyaśca pavitramidamityapi |
arpayāmi sasandhānaṃ yūyametaditaḥ param ||1182||

Dann verbunden: „Den vier Weltaltern bringe ich dieses Pavitra dar. Ihr sollt dieses …“

Vers 1183
āmuñcata dviruccārya pratibadhnata ca dvayam |
pavitrārohaṇaṃ me ca rakṣata dvitayaṃ tathā ||1183||

„… anlegen, anlegen! Bindet es um, bindet es um! Schützt mein Pavitrarohana, schützt es!“

Vers 1184
yuṣmabhyaṃ hṛdayaṃ śīrṣaṃ vedānāmadhunā śṛṇu |
tāratrayaṃ samābhāṣya brahmaniḥśvasitaṃ padam ||1184||

Dann „euch“, gefolgt von Hridaya und Shirsha. Höre nun die Formel der Veden: dreimal Tara, dann „Brahmans Ausatmung …“

Vers 1185
kratupravartakamatha dharmanirṇāyakastathā |
padāni trīṇyamūnyatra bhyasantāni samācaret ||1185||

„… Begründer der Opfer, Bestimmer des Dharma“. Diese drei Ausdrücke sind mit der Endung -bhyas zu bilden.

Anmerkung: Dativplural.

Vers 1186
caturbhyo'nu ca vedebhya upavītamidaṃ tataḥ |
samarpayāmi saṃlikhya yūyaṃ sarve'tra karmaṇi ||1186||

„Den vier Veden bringe ich diese heilige Schnur dar. Ihr alle sollt bei dieser Handlung …“

Vers 1187
adhiṣṭhātāra ityuktvā bhavateti ca sandhimat |
namo vaḥ śīrṣamante ca dikpālānāmatha bruve ||1187||

„… Vorsteher sein“, mit Lautverbindung. „Verehrung euch!“ Am Ende steht Shirsha. Nun erkläre ich die Formel der Richtungshüter.

Die Richtungshüter

Die Träger des Göttinnenthrons sollen die Handlung schützen und vollenden.

Vers 1188
tārasārasvataramākāminīdhīkulāṅganāḥ |
prāsādaśākinīpretabhairavīkālikāruṣaḥ ||1188||

[Für die Richtungshüter:] Tara, Sarasvata, Rama, Kamini, Dhi, Kulangana, Prasada, Shakini, Preta, Bhairavi, Kalika und Rush …

Vers 1188 [Quellzählung an Position 1189]
kṣetrapālaśikhāpadmapralayāṅkuśavidyutaḥ |
māraṇḍāditrayaṃ paścātkuṭilāditrayaṃ tataḥ ||1188||

… Kshetrapala, Shikha, Padma, Pralaya, Ankusha und Vidyut; danach die Dreiergruppe mit Maranda und die Dreiergruppe mit Kutila.

Anmerkung: Quellnummer 1188wiederholt,eigenständig.

Vers 1160 [Quellzählung an Position 1190]
caturviṃśatisaṅkhyāni bījānyevaṃ bhavanti hi |
digvidigadhīśapadaṃ tato'ṣṭau padameva ca ||1160||

So sind es vierundzwanzig Bijas. Danach folgt „Herren der Haupt- und Zwischenrichtungen“ und das Wort „acht“ …

Vers 1161 [Quellzählung an Position 1191]
lokapālapadañcāpi padaṃ saparivāra ca |
devīsiṃhāsanadharapadaṃ tadanu kathyate ||1161||

… „Weltenhüter“, „mit Gefolge“ und „Träger des Throns der Göttin“ …

Vers 1152 [Quellzählung an Position 1192]
padānimāni pañcāpi bhyasantāni samācaret |
idaṃ yajñopavītañca yuṣmabhyaṃ tadanūddharet ||1152||

Diese fünf Ausdrücke sind mit der Endung -bhyas zu bilden. Danach: „Diese heilige Opferschnur euch …“

Anmerkung: Dativplural.

Vers 1163 [Quellzählung an Position 1193]
samarpayāmi coddhṛtya gṛhīta dvitayaṃ tataḥ |
karmādaḥ sāṅgamābhāṣya tathopanayatāpi ca ||1163||

„… bringe ich dar. Nehmt sie an, nehmt sie an! Führt diese Handlung mit allen ihren Teilen herbei …“

Anmerkung: GṛhītaungewöhnlicheImperativlesung,nichtfertigeSanskritformelvorgegeben.

Vers 11964 [Quellzählung an Position 1194]
sasandhānatayā vācyaṃ tato yāgamidaṃ vadet |
rakṣata dvitayañcāpi sampūrṇaṃ kuruta dvayam ||11964||

… mit Lautverbindung. Dann: „Schützt dieses Opfer, schützt es! Vollendet es, vollendet es!“

Vers 1165 [Quellzählung an Position 1195]
nādapāśau kṣetrakale sthāṇuśarvau tato'pyanu |
durdharṣavāgbhavau cāpi praṇavo'śvattha eva ca ||1165||

Danach folgen Nada, Pasha, Kshetra, Kala, Sthanu, Sharva, Durdharsha, Vagbhava, Pranava und Ashvattha …

Anmerkung: Bija-Decknamen.

Vers 11466 [Quellzählung an Position 1196]
kuṇapaḥ kaularajañcāpi śīrṣakaṃ śalyameva ca |
kolaṃ tathāsthibhedī ca bījānimāni ṣoḍaśa ||11466||

… Kunapa, Kaularaja, Shirshaka, Shalya, Kola und Asthibhedin. Dies sind sechzehn Bijas.

Anmerkung: KaularajaimDruckrErgänzungunsicher,keineLautauflösung.

Vers 1167 [Quellzählung an Position 1197]
astradvayaṃ hṛcchirasī dikpālārpaṇako manuḥ |
pretānāmatha pañcānāṃ bruve sūtrārpaṇaṃ manum ||1167||

Dann zweimal Astra, Hrid und Shiras. Dies ist der Darbringungsmantra für die Richtungshüter. Nun nenne ich die Formel für die Schnurdarbringung an die fünf Pretas.

Die fünf Pretas

Die göttlichen Sitzträger werden mit Bitten um Hindernisfreiheit, Heil und Gedeihen verehrt.

Vers 11868 [Quellzählung an Position 1198]
sārasvatañca praṇavo māyāpāśāṅkuśāvapi |
roṣarāvau ḍākinī ca preto bhairavyanantaram ||11868||

Sarasvata, Pranava, Maya, Pasha, Ankusha, Rosha, Rava, Dakini, Preta und Bhairavi …

Vers 11646 [Quellzählung an Position 1199]
imāni daśa bījāni purataḥ paribhāṣya ca |
brahmādipañcapretebhya idaṃ sūtramudīrayet ||11646||

Nach diesen zehn Anfangsbijas spreche man: „Den fünf Pretas, beginnend mit Brahma, diese Schnur …“

Anmerkung: PretashiergöttlicheTrägerdesSitzes,keinebeliebigenTotengeister.

Vers 1200
āvedayāmi sandhyāḍhyaḥ pratibadhnīta ca dvayam |
visandhyavighnamastūktvā śreyo'stu tadanantaram ||1200||

„… bringe ich dar“, mit Lautverbindung. Dann ohne Lautverschmelzung: „Bindet sie um, bindet sie um! Möge kein Hindernis entstehen! Möge Heil sein!“

Vers 1201
puṣṭirastu samābhāṣya samṛddhirastu cetyapi |
namo vo devadevebhyaḥ svāhā ca carame bhavet ||1201||

„Möge Gedeihen sein! Möge Fülle sein! Verehrung euch, den Göttern der Götter! Svaha!“

Bhairavas Sitz und die acht Bhairavas

Die Formel verbindet die Leichnamsgestalt des Sitzes mit der Bitte um Zeugenschaft.

Vers 1202
atha ṣaṣṭhasya pīṭhasya bhairavākhyasya sundari |
pavitradāyakaṃ mantraṃ viśeṣeṇopapādaye ||1202||

Nun erkläre ich im Besonderen den Mantra zur Pavitra-Gabe an den sechsten Sitz namens Bhairava, du Schöne.

Vers 1203
vedādirāvayoginyastrapā kāmastriyādapi |
kalpādipañcakaṃ vedī karṇikā śṛṅkhalā tathā ||1203||

Vedadi, Rava, Yogini, Trapa, Kama, Stri, die Fünfergruppe mit Kalpa, Vedi, Karnika und Shrinkhala …

Vers 1204
kūṭau puṣkarasaṃhārau syuraṣṭādaśasaṅkhyakāḥ |
samatvabhāsau tadanu mahābhairava cetyapi ||1204||

… sowie die Kutas Pushkara und Samhara; die Folge wird als achtzehngliedrig bezeichnet. Dann Samatva und Bhasa, gefolgt von „Mahabhairava …“

Anmerkung: 18umfasstvermutlichalle4 Kutas,Textstellungnichtumgestellt.

Vers 1205
bhayaṅkarākāra tataḥ śavarūpadharetyapi |
dvirdvirjvala prajvala ca mahāmantramayeti ca ||1205||

„… von furchterregender Gestalt, der die Gestalt eines Leichnams trägt: Brenne, brenne! Lodere auf, lodere auf! Du, der du aus großen Mantras bestehst …“

Vers 1206
tubhyamidamupavītamahaṃ dada itaḥ param |
uddhṛtya bandha bandheti paridhatsva dvayaṃ tathā ||1206||

„… dir gebe ich diese heilige Schnur. Binde sie um, binde sie um! Lege sie um, lege sie um!“

Vers 1207
asminpavitrārohaṇe sākṣībhava visandhi ca |
adhiṣṭhātā bhava tathā tataḥ prāsādapañcakam ||1207||

Dann ohne Lautverschmelzung: „Sei Zeuge bei diesem Pavitrarohana! Sei sein Vorsteher!“ Danach folgt fünfmal Prasada …

Vers 1208
roṣadvayaṃ phaḍdvitayaṃ hṛdayaṃ śira eva ca |
mantreṇaivāmunāṣṭārapūjāvasara īśvari ||1208||

… zweimal Rosha, zweimal Phat, Hridaya und Shiras. Mit eben diesem Mantra soll man bei der Verehrung des achtspeichigen Kreises, Herrin …

Vers 12086 [Quellzählung an Position 1209]
aṣṭabhyo bhairavebhyastu dadyātsūtraṃ hi tādṛśam |
asminneva hyavasare dadati digambarāḥ ||12086||

… den acht Bhairavas entsprechende Schnüre geben. Genau bei dieser Gelegenheit bringen die Digambaras sie dar.

Anmerkung: Quelltextbeid adatiörtlichFragezeichen,Grundsatzlesbar.

Vers 1210
mantreṇaiva hi nirvāhaṃ kecitkurvanti kaulikāḥ |
bhairavatvapuraskārādekameveti manmatam ||1210||

Manche Kaulas erfüllen die Handlung allein durch den Mantra. Meiner Auffassung nach ist es aufgrund ihres gemeinsamen Bhairava-Wesens ein und dieselbe [Formel].

Anmerkung: EkamBezugswortoffenimOriginal,Formelkontextuell.

Der sechzehnfache Opfersitz und Siddhilakshmis Formel

Der Abschnitt wird als Mantra des aus sechzehn Opfern gebildeten Sitzes eingeleitet. Später nennt Vers 1228Siddhilakshmi als Gottheit. Die auffällige Überlieferungsfolge wird bewahrt, ohne fehlende Übergänge zu erfinden.

Vers 1211
atha ṣoḍaśayajñena ghaṭitasyāsanasya hi |
pavitrārpaṇikaṃ mantraṃ durūhaṃ kathayāmi te ||1211||

Nun erkläre ich dir den schwer verständlichen Mantra zur Pavitra-Gabe an den Sitz, der aus den sechzehn Opfern gebildet ist.

Anmerkung: Überlieferungszuordnungauffällig:später1228wirdSiddhilakshmialsGottheitderFormelgenannt;beideAngabenbewahrt.

Vers 1212
tāratrayaṃ puro dattvā maidharāvau tato vadet |
prabhañjanādi saptaiva kālarātryantamīrayet ||1212||

Zuerst dreimal Tara, dann Maidha und Rava; danach die sieben, die mit Prabhanjana beginnen und mit Kalaratri enden …

Anmerkung: RückverweisreihekeineerfundenenSilben.

Vers 1213
rāgañca sārasaṃ paścātkuśikaṃ vyayameva ca |
yajñānāṃ ṣoḍaśānāṃ hi ye ye kūṭāḥ puroditāḥ ||1213||

… Raga, Sarasa, Kushika und Vyaya; dann die früher genannten Kutas der sechzehn Opfer …

Vers 1214
andhirāvau cāvabhṛthaṃ sṛṇibījañca hṛnmanuḥ |
vedādimuktvā paramahaṃsinīti prakīrtayet ||1214||

… Andhi [unsicher], Rava, Avabhritha, Srini-Bija und Hrid. Nach Vedadi spreche man „Paramahamsini …“

Anmerkung: AndhiLesungunsicher,keinepräziseBedeutungerfunden.

Vers 1215
nirvāṇamārgade procya viṣamopaplaverayet |
tataḥ praśamanītyuktvā sakaleti samuddharet ||1215||

„… Spenderin des Weges zu Nirvana, Stillende schwerer Bedrängnis, [Sakala: ‚ganz/alle‘; Anschluss unklar] …“

Anmerkung: SakalaWortanschlussbeschädigt.

Vers 1216
mama śatrūniti procya matha khāda yugaṃ yugam |
triśūleneti collikhya bhindhi chindhi dvayaṃ dvayam ||1216||

„Zermalme meine Feinde, zermalme sie! Verzehre sie, verzehre sie! Spalte sie mit dem Dreizack, spalte sie! Zerschneide sie, zerschneide sie!“

Anmerkung: KhādaausOCRkhahiunsicheraberVerbVerzehrenklar.

Vers 1217
khaḍgeneti padasyānu tāḍaya dvitayaṃ vadet |
phetkārī hāravedyau ca pretabījamataḥ param ||1217||

„Schlage sie mit dem Schwert, schlage sie!“ Danach folgen Phetkari, Hara, Vedya und Preta-Bija.

Vers 1218
mamānu sakaletyuktvā prade ca cāpi manorathān |
sādhaya dvandvamullikhya pravadetparametyapi ||1218||

„Gewährerin von allem: Erfülle meine Wünsche, erfülle sie! Höchste …“

Anmerkung: SakalapradeWortverbindungvorläufigausverstreutenAngaben.

Vers 1216 [Quellzählung an Position 1219]
mātaḥ praṇavaśabdācca janavatsalerayet |
tataḥ kāruṇike procya bhagavatīparikīrtayet ||1216||

„… Mutter, den Menschen Huldvolle, Barmherzige, Erhabene!“ Pranava wird ebenfalls genannt.

Anmerkung: PranavaeinfügepunktzwischenMatar/JanavatsalaimTextgenannt,nichtstillschweigendversetztzuVollformel.

Vers 1220
mahābhairavarūpā ca dhāriṇi tridaśetyapi |
tato vandite procya sakalānmantraṃ cetyapi ||1220||

„Trägerin der Gestalt Mahabhairavas, von den Göttern Verehrte, [alle Mantras …; Wortanschluss beschädigt] …“

Anmerkung: Fragment:Endeunvollständig,nichtzuSarvamantramayiniergänzt.

Vers 1221
devītyuktvā vāgbhavañca kāmaṃ lakṣmīṃ vadhūmapi |
yoginīñca mahākāli kālanāśini cetyapi ||1221||

„Göttin!“ Dann Vagbhava, Kama, Lakshmi, Vadhu und Yogini. Darauf: „Mahakali, Vernichterin der Zeit …“

Vers 1222
krodhatrayaṃ punaḥ procya prasīdadvitayaṃ vadet |
madanāturāñca saṅkīrtya kuruyugmaṃ samuddaret ||1222||

Nach dreimal Krodha: „Sei gnädig, sei gnädig! Mache von Liebesverlangen gequält, mache gequält …“

Anmerkung: MadanaturamOCRpadanaturamKontext1223,Formunsicher.

Vers 1223
surāsurapadādbrūyātkanyakāṃ tadanantaram |
trapāramāruṣaḥ procya tato'stratritayaṃ vadet ||1223||

„… die Töchter der Götter und Asuras.“ Dann folgen Trapa, Rama, Rush und dreimal Astra.

Anmerkung: KanyakaTöchter/jungeFrauenohneAltersangabe;keineexpliziteSexualdarstellung,coerciverMantrawunschalsTextaussage.

Silbenzahl und Zuordnung des Mala-Mantra

Die Quelle gibt290Silben, Prajapati als Rishi und Siddhilakshmi als Gottheit an. Ein längerer Mantra wird ausdrücklich nicht mitgeteilt.

Vers 1224
sarvaśeṣe śiromantraḥ kathitastava pārvati |
varṇānāṃ dviśataṃ jñeyaṃ navatyadhikamatra hi ||1224||

Ganz am Schluss steht Shiras. Damit ist dir der Mantra erklärt, Parvati. Seine Lautzahl beträgt zweihundert plus neunzig, also zweihundertneunzig.

Anmerkung: Zahl290 Quellenangabe,trotzTextlückennichtrekonstruiert.

Vers 1225
sarvāpaddvitīye'rṇe sampūrṇaṃ prathamaṃ śatam |
paramasyāpi madhye'rṇe dviśatī paripūritā ||1225||

Bei der zweiten Silbe von „Sarvapad“ soll das erste Hundert vollständig sein; bei der mittleren Silbe von „Parama“ das zweite Hundert.

Anmerkung: SarvapadstehtinderlesbarenFormelzuvornichtvollständig;ZählhinweisbelegtLücken,keineErgänzung.

Vers 1226
śiromantrāntākṣare ca samāptā navatiḥ priye |
jape home ca pūjāyāṃ mālāmantro mahāphalaḥ ||1226||

Mit der letzten Silbe des Shiras-Mantra sind auch die weiteren neunzig vollendet, Geliebte. Dieser Mala-Mantra soll bei Japa, Homa und Puja große Frucht bringen.

Vers 1227
yāmalādau prasiddho'yaṃ dhāryo yatnena sādhakaiḥ |
prasaṅgato bravīmyasya ṛṣyādi te sureśvari ||1227||

Er sei im Yamala und weiteren Schriften bekannt und von den Sadhakas sorgfältig zu bewahren. Bei dieser Gelegenheit nenne ich dir seinen Rishi und die übrigen Angaben, Herrin der Götter.

Anmerkung: Quellenbehauptung,nichtbibliographischeIdentifizierung.

Vers 1228
amuṣya mālāmantrasya prajāpatirṛṣirmataḥ |
anuṣṭupchanda uditaṃ siddhilakṣmīśca devatā ||1228||

Als Rishi dieses Mala-Mantra gilt Prajapati; sein Versmaß ist Anushtubh und seine Gottheit Siddhilakshmi.

Anmerkung: GottheitsangabeSiddhilakshmigegenüberEinleitungOpfersitz1211unharmonisiertbewahrt.

Vers 1226 [Quellzählung an Position 1229]
rāvo bījaṃ śaktirasyā bhavedavabhṛthā [drā] |
sṛṇiḥ kīlakamākhyātaṃ prayogaḥ sarvasiddhaye ||1226||

Rava ist das Bija; als Shakti wird Avabhritha genannt [Lesung und folgender Laut beschädigt]. Srini gilt als Kilaka. Die Anwendung dient sämtlichen Vollkommenheiten.

Anmerkung: AvabhrithaimDruckKorrekturvṛtā→bhṛthā,nichtgesicherteVollform.

Vers 1230
anenārādhayettasyāṃ nānyarūpaviparyayā |
jñeyo hṛdayamantraśca mantrasyāsya navākṣaraḥ ||1230||

Mit diesem soll man sie verehren, nicht durch Verwechslung mit einer anderen Gestalt. Wisse auch, dass der Herzmantra dieses Mantra neunsilbig ist.

Anmerkung: HerzmantranurAnzahlnichtvollständigaufgeführt.

Vers 1231
kāpālikādayaḥ kecitsahasrākṣarikaṃ manum |
siddhilakṣmyāḥ samuccārya sūtraṃ tasyai dadatyapi ||1231||

Manche Kapalikas und andere sprechen einen tausendsilbigen Mantra Siddhilakshmis und bringen ihr damit die Schnur dar.

Anmerkung: NurbenanntnichtimQuelltextenthalten,nichtausandererQuelleergänzt.

Vers 1232
bhūritādoṣamālokya tadatrānuddhṛtaṃ mayā |
amuṃ paṭhitvaikavāraṃ pavitraṃ vinivedayet ||1232||

Wegen des Nachteils seines großen Umfangs habe ich ihn hier nicht dargelegt. Nach einmaligem Sprechen des hier genannten Mantra bringe man das Pavitra dar.

Anmerkung: BewussteAuslassungdesGrundtextes,nichtOCRLücke.

Kunjikas Mala-Mantra

Die Göttin des westlichen Überlieferungsstroms wird als allgegenwärtige Aghora-Shakti angerufen.

Vers 1233
mālāmantraṃ kuñjikāyāstārtīyārārcanāya hi |
śṛṇu sāvahitā devi sadyaḥphalavidhāyakam ||1233||

Höre aufmerksam, Göttin, den Mala-Mantra Kunjikas zur Verehrung der dritten Speiche, der unmittelbar Frucht verleihen soll.

Vers 1234
vedāgamānāṃ mūrdhādau kūṭaṃ tadanu pauṣpakam |
ādiśaktiḥ kuñjikā ca tṛtīyā bhagavatyapi ||1234||

Zuerst die „Häupter von Veda und Agama“, dann Paushpaka-Kuta. Es folgen Adishakti, Kunjika, als drittes Bhagavati …

Anmerkung: PaushpakaLesungnichtstillzuPaushkaranormalisiert.

Vers 1235
caturthyaghorāmukhyuktā catvāri ṅantimāni hi |
kiṇistvataḥ paraṃ yugmaṃ viccāye tadanantaram ||1235||

… und als viertes Aghoramukhi. Alle vier stehen im Dativ. Danach folgen zweimal „kiṇi“ und „viccāye“.

Anmerkung: MantralauteausQuelleohneerfundenewörtlicheBedeutung.

Vers 1236
pañcānāmapi vargāṇāmantimārṇāni ca kramāt |
saṃhārakūṭaṃ tadanu jvalitādraktamukhyapi ||1236||

Dann der Reihe nach die letzten Laute der fünf Konsonantenklassen und Samharakuta. Anschließend die Anrede „Jvalitaraktamukhi“, „mit flammend rotem Gesicht“ …

Anmerkung: KeinezusätzlicheLautfolgealsausgeschriebenenQuelltextfingiert.

Vers 1237
sārasvataṃ bhauvaneśī yoginī tatpareṇa ca |
aghore tadanu procya daṇḍabījaṃ tataḥ smaret ||1237||

… Sarasvata, Bhauvaneshi und Yogini. Danach „Aghore“, „Nichtschreckliche“, und Danda-Bija …

Vers 1238
[nivinduratha sammātho] ghore bījaṃ trapābhidham |
ghoraghoratare procya gobījātsarvataḥ param ||1238||

[Fragment:] … [eine beschädigte Lautanweisung], dann „Ghore“, „Schreckliche“, und Trapa-Bija. Danach „Ghoraghoratare“, „Schrecklichste unter den Schrecklichen“, sowie Go-Bija …

Anmerkung: Fragment:AnfangimDruckFragezeichen,keineBindu-/Lautrekonstruktion.

Vers 1236 [Quellzählung an Position 1239]
sarvaśarvaṃ ca tadanu dve bīje'ṃśuḥ saśuklayuk |
namaste rudrarūpe ca meṣabījamataḥ param ||1236||

… danach „Sarvasharva“ [Anschluss unsicher] und die beiden Bijas Amshu und Shukla. Dann: „Verehrung dir, Gestalt Rudras!“ Anschließend Mesha-Bija …

Vers 1240
paścimeśvari saṃlikhya niḥsandhānamaghora ca |
śaktisvarūpe tadanu sarvavyāpini tatparam ||1240||

„… Herrin des Westens, Gestalt der Aghora-Shakti, Alldurchdringende!“ Die Wörter stehen ohne Lautverschmelzung.

Vers 1241
astratrayaṃ hṛcchirasī ekaike parikīrtayet |
trivāramenamuccārya tataḥ sūtraṃ samarpayet ||1241||

Es folgen dreimal Astra sowie je einmal Hrid und Shiras. Nach dreimaligem Sprechen dieses Mantra bringe man die Schnur dar.

Vers 1242
eṣā śatākṣarī vidyā kuñjikāyā varānane |
paścimāmnāyamadhye tu gopitā sarvadaivataiḥ ||1242||

Dies ist Kunjikas hundertsilbige Vidya, du Schöne. Im Pashchimamnaya wird sie, so der Text, von allen Gottheiten geheim gehalten.

Ugrataras Mala-Mantra

Die furchtbare Göttin des Verbrennungsplatzes wird um Einsicht, Kraft und Beredsamkeit gebeten.

Vers 1243
vakṣyāmyathogratārāyā mālāmantraṃ sugopitam |
turyārasūtradānārthaṃ lokānāṃ hitepsayā ||1243||

Nun erkläre ich den sorgsam geheim gehaltenen Mala-Mantra Ugrataras zur Schnurdarbringung an der vierten Speiche, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Welten.

Vers 1244
tāro lajjā nākulañca roṣāstre tadanantaram |
mahāmāye bhagavatyugratāre visandhi ca ||1244||

Tara, Lajja, Nakula, Rosha und Astra; dann ohne Lautverschmelzung: „Mahamaya, erhabene Ugratara …“

Anmerkung: NakulaDecknamevorläufig.

Vers 1245
vidyābuddhyatimedhānu balānu syātpradāyinī |
yoginī vanitā rāvo ḍākinī pralayo'pi ca ||1245||

„… Spenderin von Wissen, Erkenntnisvermögen, höchster Einsicht und Kraft …“ Danach Yogini, Vanita, Rava, Dakini und Pralaya.

Vers 1246
jāḍyāpahāriṇyuccārya pherurāviṇi tatparam |
kartṛkāpāladhāriṇyanu brūyātparameśvari ||1246||

Dann: „Vertreiberin der Stumpfheit, die den Schakalruf ertönen lässt, Trägerin von Schneidemesser und Schädelschale“, höchste Herrin.

Anmerkung: KartṛalsRitualmesserausKontext,nicht„Urheber“.

Vers 1247
mahāmāṃsapriye procya śmaśānādvāsinītyapi |
kṣvelannāgarājābharaṇe taruṇi kīrtayet ||1247||

„Liebhaberin des Mahamamsa, Bewohnerin des Verbrennungsplatzes, mit zischenden Schlangenkönigen geschmückt, jugendliche Göttin …“

Anmerkung: KshvelannagarajaVorlesungunsicher;TaruniGöttinnenepithetonohneAltersangabe,nichterotisch.

Vers 1248
nṛsiṃhatārkṣyaprāsādāḥ preto bhairavyanantaram |
mahāmadonmādini ca ghorarāve tato vadet ||1248||

Dann Narasimha, Tarkshya, Prasada, Preta und Bhairavi. Danach: „Die großen Rausch entfacht, mit schrecklichem Ruf …“

Vers 12486 [Quellzählung an Position 1249]
karavāladāritānekadānave tadanūddharet |
prajvalajjvalanaṃ procya citāmadhyasthiterayet ||12486||

„… die viele Danavas mit dem Schwert zerschneidet, die mitten im lodernden Feuer des Scheiterhaufens steht …“

Vers 1250
prasīda dvitayaṃ dattvā vāvadūkamitīrayet |
māṃ kuru dvandvamullikhya sarvaśāstrapadādanu ||1250||

„Sei gnädig, sei gnädig! Mache mich beredsam, mache mich beredsam! In allen Lehrschriften …“

Vers 1251
pāraṅgamaṃ kāraya dviḥ kūrcastriḥ śira eva ca |
mantramenaṃ samuccārya trivāraṃ varavarṇini ||1251||

„… lass mich Meisterschaft erlangen, lass mich Meisterschaft erlangen!“ Dann dreimal Kurcha und Shiras. Nachdem dieser Mantra dreimal gesprochen wurde, du Schöne …

Chinnamastas Darbringungsformel

Die Göttin mit dem abgetrennten Haupt wird in ihrer drastischen Bildsprache angerufen.

Vers 1252
pradadyādugratārāyai pavitraṃ sādhakottamaḥ |
atha chinnottamāṅgāyāḥ sūtradānamanuṃ śṛṇu ||1252||

… bringe der vortreffliche Sadhaka Ugratara das Pavitra dar. Höre nun die Schnurdarbringungsformel der Göttin mit dem abgetrennten Haupt, Chinnamasta.

Anmerkung: MythologischeIkonographie.

Vers 1253
caitanyaṃ kamalālajjāroṣarāvāśca ḍākinī |
kāmo vadhūraṣṭabījānmahāghoratarādi ||1253||

Chaitanya, Kamala, Lajja, Rosha, Rava, Dakini, Kama und Vadhu: Nach diesen acht Bijas folgen Worte, die mit „Mahaghoratara“, „höchst schrecklich“, beginnen …

Anmerkung: LetztesWortimOCRverkürzt,Anschluss1254unsicher.

Vers 1254
dhāriṇyante bhagavati kṛttamuṇḍadhare tathā |
vajravairocanīyai ca naramuṇḍācca mālini ||1254||

… und mit „Dharini“, „Trägerin“, enden. Dann: „Erhabene, die ein abgetrenntes Haupt hält, Vajravairochani, mit Menschenköpfen bekränzt …“

Anmerkung: VajraausOCRvraerschlossen;genaueersteZusammensetzungnichtvollständighergestellt.

Vers 1255
tato vadenmāṃ dviṣato jahi chindhi paca cuṭa |
caturṇāṃ pravadedyugmaṃ chinnamaste tataḥ param ||1255||

Dann jeweils zweimal: „Erschlage diejenigen, die mich hassen, erschlage sie! Zerschneide sie, zerschneide sie! Verbrenne sie, verbrenne sie! Chuta, chuta!“ Danach: „Chinnamasta …“

Anmerkung: ChuṭaRitualrufBedeutungunsicher,nichtfingiert.

Vers 1256
tato rudhiradhārānu pānalolupa īrayet |
dvayaṃ dvayaṃ vadetpaścājjvala prajvala jīva ca ||1256||

„… begierig, den Blutstrom zu trinken! Brenne, brenne! Lodere auf, lodere auf! Lebe, lebe!“

Anmerkung: MythologischeGöttinnenanrede.

Vers 1257
māṃ rakṣa sakṛdābhāṣya bhyasantaṃ sarvasaṅkaṭam |
svāhā niyojyā carame mantro'yaṃ gopya īśvari ||1257||

Dann einmal: „Schütze mich vor allen Bedrängnissen“, wobei „alle Bedrängnisse“ die Endung -bhyas erhält. Am Ende steht Svaha. Dieser Mantra ist geheim zu halten, Herrin.

Anmerkung: Hier-bhyasAblativplural,vonBedrängnissen,nichtDativ.

Chamundas einundsiebzigsilbiger Mantra

Die Formel verbindet Schutz in Bedrängnis mit feindschädigenden Befehlen.

Vers 1258
pañcadhainaṃ samuccārya pañcamāre guṇaṃ sṛjet |
atha ṣaṣṭhāramadhyasthā pavitrārohaṇe'dhipā ||1258||

Nach fünfmaligem Sprechen bringe man die Schnur an der fünften Speiche dar. Nun folgt die in der sechsten Speiche befindliche Herrin bei Pavitrarohana …

Anmerkung: Chamundabezeichnet1264.

Vers 1256 [Quellzählung an Position 1259]
adhunā tanmanuṃ vakṣye sarvatronnatikārakam |
yajjñātvā yatra kutrāpi saṅkaṭe nāvasīdati ||1256||

Ich erkläre jetzt ihren Mantra, der überall Wohlergehen bewirken soll. Wer ihn kennt, soll in keiner Bedrängnis untergehen …

Vers 1260
saṅkaṭe nirbhayo bhūyādadhigacchecca sampadam |
praṇavāṅkuśakālyaśca ḍākinī caṇḍaveginī ||1260||

… sondern in der Not furchtlos sein und Wohlstand erlangen. [Die Formel beginnt mit:] Pranava, Ankusha, Kali, Dakini und Chandavegini …

Vers 1261
khecarī krodhaphetkārī vidyutkālaratitrapāḥ |
bhaujaṅgamamahākrodhasauvarṇān ṣoḍaśoddharet ||1261||

… Khechari, Krodha, Phetkari, Vidyut, Kala, Rati, Trapa, Bhaujangama, Mahakrodha und Sauvarna. Es werden sechzehn Bijas angegeben.

Anmerkung: LesbareEinzelgliederung15,Quelle16nichtkünstlichaufgefüllt;Bhaujangamavorläufig.

Vers 1262
cāmuṇḍe iti saṅkīrtya yugmaṃ jvala hileḥ kileḥ |
mama śatrūniti procya yugaṃ nāśaya māraya ||1262||

Dann: „Chamunda, brenne, brenne! Hileh, kileh! Vernichte meine Feinde, vernichte sie! Töte sie, töte sie!“

Anmerkung: Hileh/KilehMantralauteLesungunbestimmt,nichterfundenübersetzt.

Vers 1263
hana yugmaṃ paca yugaṃ bhakṣaya dvitayaṃ tathā |
kālītrapāruṣāṃ yugmaṃ ṭhaṭha ityakṣaradvayam ||1263||

„Schlage sie, schlage sie! Verbrenne sie, verbrenne sie! Verzehre sie, verzehre sie!“ Danach folgen Kali, Trapa und Rush jeweils zweimal sowie die beiden Laute „ṭha ṭha“.

Vers 1264
vaiśvānarāṅganāśeṣe cāmuṇḍādaivato manuḥ |
ekasaptatyakṣarātmā sarvakāmaphalapradaḥ ||1264||

Am Schluss steht Vaishvanarangana. Dieser Mantra hat Chamunda als Gottheit, umfasst einundsiebzig Silben und soll alle Wünsche erfüllen.

Anmerkung: Zahl71alsQuellenangabe,keineRekonstruktion.

Shivadutis Mala-Mantra

Schreckliches Lachen und göttliche Macht leiten zur Bitte um Vollkommenheit über.

Vers 1265
triretaṃ mantramuccārya yajñasūtraṃ samarpayet |
adhiṣṭhātrī saptamāre śivadūtī prakīrtitā ||1265||

Nach dreimaligem Sprechen bringe man die heilige Schnur dar. Als Herrin der siebten Speiche wird Shivaduti genannt.

Vers 1266
tanmantramadhunā vacmi yajñasūtrasamarpakam |
sārasvatāgamaśirastrapālakṣmīḥ smarastriyaḥ ||1266||

Nun erkläre ich ihren Mantra zur Darbringung der heiligen Schnur: Sarasvata, Agamashiras, Trapa, Lakshmi, Smara und Stri …

Vers 1267
rāvaśca ḍākinī ceti bījānyaṣṭau puro vadet |
yūkāraghaṭitāḥ paścānnavātmānaḥ krameṇa ṣaṭ ||1267||

… Rava und Dakini. Diese acht Bijas stehen zuerst. Danach folgen der Reihe nach sechs neungliedrige [Kutas], die mit dem Laut yu gebildet werden.

Anmerkung: YukaraLesungunsicher,keinesechsKutaausgeschriebenerfunden.

Vers 1268
śivadūtīti cāryāya tato ghorāṭṭahāsataḥ |
santrāsitāsuraṃ tathā cakre bhagavatīti ca ||1268||

Dann: „Shivaduti, die mit schrecklichem schallendem Lachen die Scharen der Asuras erschreckt, Erhabene …“

Anmerkung: Caryaya/Anredeanweisungörtlichbeschädigt,zusammengesetztesEpithetonklar.

Vers 12626 [Quellzählung an Position 1269]
huṅkāranādapadataḥ kampitācca jagattraye |
galadraktamahāmuṇḍamālālaṅkṛtavigrahe ||12626||

„… die durch den Klang Hum die drei Welten erbeben lässt, deren Gestalt mit einer Girlande großer, bluttriefender Köpfe geschmückt ist …“

Anmerkung: Huṅkāra aus beschädigtem h akāranāda vorläufig gelesen; der Klang Hum ist nicht zweifelsfrei gesichert.

Vers 1270
gāruḍo narasiṃhaśca phetkārī pralayādimā |
kṛtyā ca pañcabījāni tadanu pratibhāvayet ||1270||

Dann folgen die fünf Bijas Garuda, Narasimha, Phetkari, Pralaya und Kritya.

Vers 1271
uktvā prasīdadvitayaṃ siddhiṃ me dehi dāpaya |
tritayaṃ tritayaṃ dadyātkūrcasyāstrasya ca priye ||1271||

„Sei gnädig, sei gnädig! Gewähre mir Vollkommenheit, lass sie mir gewähren!“ Danach spreche man Kurcha und Astra jeweils dreimal, Geliebte.

Vers 1272
hṛdayadvitayaṃ caikaṃ śiraḥ śeṣe niyojayet |
mālāmantro'yamīdṛkṣaḥ śivadūtyāḥ prakāśitaḥ ||1272||

Am Schluss stehen zweimal Hridaya und einmal Shiras. So ist Shivadutis Mala-Mantra offenbart.

Kalasankarshini und Chandeshvari

Die Göttinnen der Zeitauflösung und des gewaltigen Zorns erhalten eigene Mantras.

Vers 1273
rūpatrayaṃ vidhāyāsya dadyātsūtraṃ tataḥ śanaiḥ |
kālasaṅkarṣiṇīṃ devīmaṣṭamāre prapūjayet ||1273||

Nach dreimaliger Rezitation bringe man behutsam die Schnur dar. In der achten Speiche verehre man die Göttin Kalasankarshini.

Anmerkung: RupatrayamimKontextWiederholungdreimal,keinedreiBildgestaltenerfunden.

Vers 1274
tanmantramadhunā tubhyaṃ kathayāmi varānane |
yanna jñātaṃ na cākhyātaṃ kasmaicidapi kenacit ||1274||

Ich erkläre dir nun ihren Mantra, du Schöne, den nach der Behauptung des Textes niemand sonst erkannt oder jemandem mitgeteilt hat.

Vers 1275
kapālaḍāmare tāvadayaṃ kevalamuddhṛtaḥ |
tāratrapāramākāmavāgbhavāṅkuśakālikāḥ ||1275||

Er sei allein im Kapaladamara dargelegt. [Er beginnt mit:] Tara, Trapa, Rama, Kama, Vagbhava, Ankusha und Kalika …

Anmerkung: Quellenzuschreibung,nichtexternbelegt.

Vers 1276
pāśakrodhamahākrodhaprasādāmṛtagāruḍāḥ |
phetkārīdhanadācaṇḍayoginīśākinīdhanaiḥ ||1276||

… Pasha, Krodha, Mahakrodha, Prasada, Amrita, Garuda, Phetkari, Dhanada, Chanda, Yogini, Shakini und Dhana …

Anmerkung: ZusammengezogeneNamenreihevorläufiggegliedert.

Vers 1277
vidyudratipretabhūtakhecarīkālapannagāḥ |
kālasaṅkarṣaṇīṃ procya krodhayugmaṃ tataḥ param ||1277||

… Vidyut, Rati, Preta, Bhuta, Khechari, Kala und Pannaga. Dann spreche man „Kalasankarshini“ und zweimal Krodha.

Vers 1278
svāhānto mantrarājo'yaṃ mantraḥ ṣaṭtriṃśadakṣaraḥ |
pañcakṛtvo'mumābhāṣya yajñasūtraṃ nivedayet ||1278||

Dieser Mantrakönig endet mit Svaha und hat sechsunddreißig Silben. Nach fünfmaligem Sprechen bringe man die heilige Schnur dar.

Vers 1276 [Quellzählung an Position 1279]
navamīyā navārasya devatā bhūribhīṣaṇā |
nāmnā caṇḍeśvarī khyātā yanmantropīdṛśaḥ smṛtaḥ ||1276||

Die neunte, überaus furchtbare Gottheit des neunspeichigen Kreises ist unter dem Namen Chandeshvari bekannt. Ihr Mantra lautet folgendermaßen.

Vers 1280
bravīmyahaṃ tamadhunā pūrṇā yena vidhīyate |
tāralajjāramākrodhāṅkuśakālīvadhūsmarāḥ ||1280||

Ich erkläre ihn nun; durch ihn wird die Handlung vollständig. Tara, Lajja, Rama, Krodha, Ankusha, Kali, Vadhu und Smara …

Vers 1201 [Quellzählung an Position 1281]
aṣṭabījaṃ samuddhṛtya śāmbhavaṃ kūṭamuddharet |
tataśca bhairavīkūṭaṃ kūṭaṃ māheśvaraṃ tataḥ ||1201||

Nach diesen acht Bijas folgen Shambhava-Kuta, Bhairavi-Kuta und Maheshvara-Kuta …

Vers 1282
tataḥ parāparaṃ kūṭaṃ vyomakūṭaṃ ca pañcamam |
uktvā caṇḍeśvari tataḥ khecarī yoginīṃ likhet ||1282||

… dann Parapara-Kuta und als fünftes Vyoma-Kuta. Darauf „Chandeshvari“, anschließend Khechari und Yogini …

Vers 1283
śākinī gāruḍaṃ bījaṃ yugaṃ krodhāstrayostataḥ |
vahnijāyānvito mantro jagatītaladurlabhaḥ ||1283||

… Shakini und Garuda-Bija, dann je zweimal Krodha und Astra. Mit Vahnijaya endet dieser auf Erden schwer zu erlangende Mantra.

Vers 1284
nātaḥ parataro mantro na bhūto na bhaviṣyati |
yāmārādhya hi durvāsā mūrtiḥ krodha ivābhavat ||1284||

Kein höherer Mantra habe je existiert oder werde künftig existieren. Durch ihre Verehrung sei Durvasas gleichsam zur Verkörperung des Zorns geworden.

Anmerkung: TraditionelleExklusivitätsbehauptungundErzählung,nichtRedaktionsurteil.

Der gemeinsame Mantra der Mütter

Die Quelle kündigt neun Mütter an, nennt aber anschließend sechzehn. Beide Angaben bleiben sichtbar.

Vers 12815 [Quellzählung an Position 1285]
utkīrtyāmuṃ pañcavāraṃ pavitraṃ tannivedayet |
navānāmatha mātṝṇāmekameva manuṃ priye ||12815||

Nach fünfmaligem Sprechen bringe man ihr Pavitra dar. Nun [nenne ich] einen einzigen Mantra für die neun Mütter, Geliebte …

Anmerkung: Quelle„neun“,aber1288–1290Liste16;Zählungsunterschiednichtbeseitigt.

Vers 1286
navārārcāsaṅgatārthaṃ pravadāmi mano'rpaya |
tāraḥ sārasvataṃ lajjā pāśo lakṣmīḥ smaro vadhūḥ ||1286||

… im Zusammenhang mit der Verehrung des neunspeichigen Kreises. Richte deinen Geist darauf: Tara, Sarasvata, Lajja, Pasha, Lakshmi, Smara und Vadhu …

Vers 1287
prāsādaḥ śākinī kūrcaḥ kṣetrapālaśca gāruḍaḥ |
dvādaśemāni bījāni purataḥ parikīrtayet ||1287||

… Prasada, Shakini, Kurcha, Kshetrapala und Garuda. Diese zwölf Bijas sind zuerst zu sprechen.

Vers 1288
brahmāṇi māheśvari ca tataḥ kaumāri vaiṣṇavi |
vārāhi nārasiṃhīti tathendrāṇi visandhi ca ||1288||

Dann ohne Lautverschmelzung: „Brahmani, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Narasimhi und Indrani …“

Vers 12886 [Quellzählung an Position 1289]
śivadūti ca cāmuṇḍe mahākāli ca bhairavi |
mahālakṣmi mahārātri mahātāmasi bābhravi ||12886||

„… Shivaduti, Chamunda, Mahakali, Bhairavi, Mahalakshmi, Maharatri, Mahatamasi und Babhravi …“

Vers 12460 [Quellzählung an Position 1290]
ṣoḍaśī tu mahāmāyā tasyāḥ sambodhanaṃ vadet |
pavitrārohaṇamidaṃ madīyaṃ rakṣatadvayam ||12460||

Als sechzehnte wird Mahamaya angerufen. Dann: „Schützt dieses mein Pavitrarohana, schützt es!“

Anmerkung: Liste16trotzAnkündigung9in1285bewahrt.

Vers 1261 [Quellzählung an Position 1291]
sākṣiṇyo bhavata procya sannihitāstiṣṭhatāpi ca |
pavitramidamāmuñcateti tatparamīrayet ||1261||

„Seid Zeuginnen! Bleibt hier gegenwärtig! Legt dieses Pavitra an!“

Vers 12492 [Quellzählung an Position 1292]
punaryajñamitaṃpāt […] svāhānto manuruttamaḥ |
etaṃ trivāramuccārya dadyātsūtramudāradhīḥ ||12492||

[Fragment:] Danach folgt eine beschädigte Anweisung zum Opfer. Der vorzügliche Mantra endet mit Svaha. Nach dreimaligem Sprechen bringe der hochgesinnte Verehrer die Schnur dar.

Anmerkung: Fragment:yajñamitampātimDruckFragezeichen,nichtrekonstruiert.

Der Mantra der neun Planeten

Die Anfangsreihe ist beschädigt; die Planetennamen und die Bitten um Gegenwart sind lesbar.

Vers 1262 [Quellzählung an Position 1293]
atho manuṃ pravakṣyāmi grahāṇāṃ tridaśeśvari |
tāraḥ pāśaḥ kalā [seḥ śravaṇāścārthakṛtambharāḥ] ||1262||

Nun erkläre ich den Mantra der Planeten, Herrin der Götter: Tara, Pasha, Kala und [eine beschädigte Bija-Decknamenreihe] …

Anmerkung: Fragment:SehShravanaArthakritambharaNamensgrenzenundLesungunzuverlässig.

Vers 1264 [Quellzählung an Position 1294]
aṃhu ārohaśca sṛtirendriyañca kaṣāyakam |
ajanañca tathā śaṅkā kālo glāniśca dhūrapi ||1264||

… Amhu [unsicher], Aroha, Sriti, Indriya, Kashayaka, Ajana, Shanka, Kala, Glani und Dhu …

Anmerkung: MehrereDecknamenörtlichunsicher;keineBijasalsLautfolgeergänzt.

Vers 12865 [Quellzählung an Position 1295]
atistato'nu [ruktayokro] dhāraṇānṛtireva ca |
tārakaḥ kolakhedau ca rūpāditritayaṃ tathā ||12865||

[Fragment:] Ati, [beschädigte Namen], Dharana, Nriti, Taraka, Kola, Kheda und die mit Rupa beginnende Dreiergruppe …

Anmerkung: Fragment:MitteimDruckFragezeichen;NritiwieOCRbewahrt,nichtNrityafingiert.

Vers 1266 [Quellzählung an Position 1296]
ādityasomabhaumānu budhajīvapratīrayet |
śukramandaṃ tathā rāhuketavastadanantaram ||1266||

Dann spreche man Aditya, Soma, Bhauma, Budha, Jiva, Shukra, Manda, Rahu und Ketu …

Anmerkung: NeunPlanetenSonneMondMarsMerkurJupiterVenusSaturnRahuKetu.

Vers 1267 [Quellzählung an Position 1297]
nava grahāḥ sasandhānamubhayatrāpi pārvati |
idaṃ pavitraṃ gṛhṇīdhvamāmuñcata tataḥ param ||1267||

… die neun Planeten, mit Lautverbindung an beiden entsprechenden Stellen, Parvati. Dann: „Nehmt dieses Pavitra an! Legt es an!“

Vers 1268 [Quellzählung an Position 1298]
sānnidhyaṃ kurutābhāṣya prasīdata tataḥ param |
bhavadbhya ullikhya navagrahebhyaḥ sandhimattathā ||1268||

„Gewährt eure Gegenwart! Seid gnädig! Euch, den neun Planeten …“, mit Lautverbindung.

Die fünf Kalis: Srishtikali

Die Schöpfungsgöttin wird als ursprüngliche Shakti und Gebärerin der Welten angerufen.

Vers 12566 [Quellzählung an Position 1299]
hṛdayadvitayaṃ śīrṣaṃ mantro navagraho hyayam |
atha pañcāragāyāstu pañca sṛṣṭyādikālikāḥ ||12566||

Danach zweimal Hridaya und Shirsha. Dies ist der Mantra der neun Planeten. Nun folgen die fünf Kalis des fünfspeichigen Kreises, beginnend mit Srishti …

Vers 1300
tāsāṃ manūn pravakṣyāmi pavitrapratipādakān |
tāro rāvo bhauvaneśī yoginī roṣa eva ca ||1300||

… deren Mantras zur Pavitra-Darbringung ich jetzt erkläre: Tara, Rava, Bhauvaneshi, Yogini und Rosha …

Vers 1301
kamalākāmavadhvaśca ḍākinīpralayāvapi |
phetkārī karṇikā hāraśṛṅkhalā garuḍo vidhiḥ ||1301||

… Kamala, Kama, Vadhu, Dakini, Pralaya, Phetkari, Karnika, Hara, Shrinkhala, Garuda und Vidhi.

Vers 1302
kalāsaṅkhyāni bījāni pura etāni pārvati |
sattvaṃ hairaṇyagarbhañca pauṣkaraṃ śikharitrayam ||1302||

Diese sechzehn Bijas stehen am Anfang, Parvati. Dann folgen die drei Kutas Sattva, Hairanyagarbha und Paushkara.

Anmerkung: Kalā16;shikhariKutaBezeichnung.

Vers 1303
brahmakūṭaṃ sṛṣṭikūṭaṃ pañcemāni puraḥ smaret |
anāhatāditritayaṃ vyutkramātsṛṣṭituryayuk ||1303||

… dazu Brahmakuta und Srishtikuta. Diese fünf sind zunächst zu vergegenwärtigen. Danach die mit Anahata beginnende Dreiergruppe in umgekehrter Reihenfolge, mit Srishti als viertem …

Vers 1304
tattvasaṅkhyātmakā bījakūṭā bhagavatīrayet |
sṛṣṭikāli samābhāṣya caturvidhapadādanu ||1304||

… die Bijas und Kutas haben, so der Text, die Zahl der Tattvas. Dann: „Erhabene Srishtikali, die die vierfache …“

Anmerkung: Tattvazahlgewöhnlich36;vorangehendeKurzgruppenlassenGesamtzahlnichteindeutigerkennen,nichtaufgefüllt.

Vers 1305
bhūtasargapravartayitri parāparakulādanu |
cakranāyike ābhāṣya ādiśakti visandhi ca ||1305||

„… Schöpfung der Wesen in Gang setzt, Herrin des höchsten und nichthöchsten Kula-Kreises, ursprüngliche Shakti …“, ohne Lautverschmelzung.

Vers 1306
tataścaturaśītyuktvā koṭibrahmāṇḍaṃ kīrtayet |
prasavitri tataḥ procya sadyojātapadaṃ vadet ||1306||

„… Gebärerin von vierundachtzig Koti Welteneiern …“ Danach folgt „Sadyojata …“

Anmerkung: 84KotiQuellenzahl,nichtnaturwissenschaftlicheKosmologie.

Vers 1307
purā rūpaśivetyuktvā sahadharmānucāriṇi |
caturdaśānu bhuvanavyavasthākāriṇīrayet ||1307||

„… die den Dharma gemeinsam mit Shiva in seiner Sadyojata-Gestalt vollzieht, Ordnerin der vierzehn Welten …“

Vers 1308
mahāmāye trijagadutpattikāriṇi saṃlikhet |
idaṃ pavitraṃ ca mayopanītaṃ ca gṛhṇa ca dvayam ||1308||

„… Mahamaya, Hervorbringerin der drei Welten: Nimm dieses von mir dargebrachte Pavitra an, nimm es an!“

Vers 1306 [Quellzählung an Position 1309]
upanaddhā bhava yugaṃ pavitrārohaṇaṃ mama |
tataḥ saphalaya dvandvaṃ pāhi rakṣa yugaṃ yugam ||1306||

„Sei damit umwunden, sei damit umwunden! Lass mein Pavitrarohana fruchtbar werden, lass es fruchtbar werden! Bewahre es, bewahre es! Schütze es, schütze es!“

Vers 1310
visandhyavighnamābhāṣya kuru yugmaṃ tato likhet |
daṇḍādipañcakaṃ smṛtvā sṛṣṭikūṭamanūddharet ||1310||

Dann ohne Lautverschmelzung: „Mache es frei von Hindernissen, mache es frei von Hindernissen!“ Danach folgen die mit Danda beginnende Fünfergruppe und Srishtikuta.

Vers 1311
sakṛtprasannā bhava ca varadā bhava cetyapi |
supratiṣṭhitā bhava cādhiṣṭhitā bhava sandhikṛt ||1311||

Dann jeweils einmal: „Sei gnädig! Sei eine Gewährerin von Gaben! Sei fest gegründet! Nimm deinen Sitz ein!“ Die Wörter werden verbunden.

Vers 1312
siddhidā bhava sarvācca pañcaitāni sakṛtsakṛt |
rāvaroṣatrapāstrāṇāṃ yugmaṃ yugmaṃ sakṛtsakṛt ||1312||

„Sei Spenderin aller Vollkommenheiten!“ Diese fünf Aufforderungen stehen je einmal. Rava, Rosha, Trapa und Astra folgen jeweils als einmal gesprochenes Paar.

Anmerkung: SarvasiddhidasatzgliedausverstreutemQuellaufbau.

Sthitikali: Erhaltung

Die Göttin beschützt die Wesen, nährt sie und erhält die Ordnung der Welt.

Vers 1313
hṛdayaṃ ca śiro devi sthitikālyāḥ manuṃ śṛṇu |
tritayaṃ tritayaṃ tāramaidhayormanmathāṅgane ||1313||

Dann Hridaya und Shiras, Göttin. Höre nun Sthitikali-Mantra: je dreimal Tara und Maidha, dann Manmatha und Angana …

Vers 1314
lajjā lakṣmīśca pāśaśca garuḍaḥ śākinī ca ruṭ |
yoginī kālikā ceti pura etāni ṣoḍaśa ||1314||

… Lajja, Lakshmi, Pasha, Garuda, Shakini, Rut, Yogini und Kalika. Diese sechzehn Bijas stehen zuerst.

Anmerkung: WiederholungTaraMaidhamitzählend16.

Vers 1315
guṇatrayātmakaṃ kūṭaṃ krameṇa tadanūddharet |
amīṣāmanu nirvāṇaṃ mahānirvāṇameva ca ||1315||

Danach folgen der Reihe nach die Kutas der drei Gunas, anschließend Nirvana und Mahanirvana …

Anmerkung: GunaKutasalsdreiimKontextzählung25,EinzahlkutaKollektiv.

Vers 1316
parāparaḥ śāmbhavaśca turīyā sthitireva ca |
atrāpi pūrvavatpañcaviṃśatirbījakūṭayoḥ ||1316||

… Parapara, Shambhava, Turiya und Sthiti. Auch hier beträgt die Zahl der Bijas und Kutas wie zuvor fünfundzwanzig.

Anmerkung: „Wie zuvor 25“gegenüber1304Tattvazahlörtlichauffällig,nichtharmonisiert.

Vers 13157 [Quellzählung an Position 1317]
tato bhagavati procya sthitikālīti kīrtayet |
saptalokānu vai saptadvīpasaptapadādanu ||13157||

Dann: „Erhabene Sthitikali, die die sieben Welten, die sieben Inselkontinente und die sieben …“

Vers 1318
pātālapālinyullikhya rākṣasāsuradānava |
daityavidhvaṃsini procya sthitidvayācchakta eva ca ||1318||

„… Unterwelten beschützt, Vernichterin von Rakshasas, Asuras, Danavas und Daityas, Shakti der Erhaltung …“

Anmerkung: Sthitidvaya-Endfolgegrammatischunsicher,doppelteErhaltungnichtalsneueLehreaufgefasst.

Vers 13146 [Quellzählung an Position 1319]
visandhyābrahmakīṭādicaturvidhapadādanu |
bhūtasaṅghātpālayitri ca vāmadevapadādanu ||13146||

Ohne Lautverschmelzung: „Beschützerin der vierfachen Schar der Wesen, von Brahma bis zum Wurm …“ Danach „Vamadeva …“

Anmerkung: BrahmakitaausOCRbrahmakotaVorlesungkontextklar.

Vers 1320
likhedrūpaśivetyeva sahadharmānucāriṇi |
[prātyaprāṇi] vyavasthātaḥ kāriṇi pratikīrtayet ||1320||

„… die den Dharma gemeinsam mit Shiva in seiner Vamadeva-Gestalt vollzieht, die die Ordnung [der einzelnen Lebewesen?] herstellt …“

Anmerkung: KlammerwortimDruckFragezeichen;pratyaprāṇiunsicher.

Vers 1321
jagajjanani saṃlikhya jagatpālini cetyapi |
jagadādhāra ityevaṃ yajñasūtramidaṃ tataḥ ||1321||

„… Mutter der Welt, Beschützerin der Welt, Grundlage der Welt! Diese heilige Schnur …“

Vers 1322
paridhatsvāmuñca tathā yugmaṃ yugamudīrayet |
pavitrārohaṇamidaṃ pāhi rakṣa ca pālaya ||1322||

„… lege um, lege um! Lege an, lege an! Dieses Pavitrarohana bewahre, schütze und behüte …“

Anmerkung: Wiederholungenletzter3in1323.

Vers 1322 [Quellzählung an Position 1323]
dve dve trayāṇāmābhāṣya acchidraṃ kuru sandhikṛt |
kalpādipañcakaṃ procya sthitikūṭamudāharet ||1322||

… diese drei Aufforderungen jeweils zweimal. Dann verbunden: „Mache es lückenlos!“ Es folgen die mit Kalpa beginnende Fünfergruppe und Sthitikuta.

Anmerkung: Quelle1322wiederholt,eigenständigerVers.

Vers 1324
dogdhrī bhava tathā poṣṭrī bhava dātrī bhavāpi ca |
dhātrī bhava punaḥ pātrī bhaveti sakṛdeva hi ||1324||

Je einmal: „Sei die Milchspendende! Sei die Nährende! Sei die Gebende! Sei die Tragende! Sei die Beschützende!“

Anmerkung: DogdhriwörtlichMelkerin;MilchspendenderituelleBedeutung,nichtBiologiebehauptet.

Vers 1325
yoginīḍākinīkāmāstrivāramanukīrtayet |
hṛcchīrṣe vāramekaikaṃ dvitīyo manurīdṛśaḥ ||1325||

Yogini, Dakini und Kama werden jeweils dreimal gesprochen, Hrid und Shirsha je einmal. So lautet der zweite Mantra.

Samharakali: Auflösung

Die Weltenverschlingerin erscheint als Partnerin von Shivas Aghora-Gestalt und Tänzerin am Ende des Kalpa.

Vers 1326
atha saṃhārakālīyaṃ mantraṃ pāvitrikaṃ śṛṇu |
pañcakṛtvo maidhamādau vedādistāvadeva hi ||1326||

Höre nun Samharakalis Pavitra-Mantra. Zuerst fünfmal Maidha und ebenso oft Vedadi …

Vers 1327
pāśaḥ kāmaśca lakṣmīśca roṣaśca vanitā tathā |
yoginīrāvaḍākinyaḥ pralayaḥ phetkṛtistathā ||1327||

… dann Pasha, Kama, Lakshmi, Rosha, Vanita, Yogini, Rava, Dakini, Pralaya und Phetkriti …

Vers 1328
karṇikāśṛṅkhalāhāraprāsādapretabhairavīḥ |
ṣaṭtriṃśatibhya etebhyo bījebhyaḥ parameśvari ||1328||

… Karnika, Shrinkhala, Hara, Prasada, Preta und Bhairavi. Nach diesen als sechsunddreißig bezeichneten Bijas, höchste Herrin …

Anmerkung: LesbareFolgeeinschließlichWiederholungen26,nicht36;Quellenzahlbewahrtkeine10 Bijaserfunden.

Vers 1326 [Quellzählung an Position 1329]
hairaṇyagarbhaṃ pravadetkūṭaṃ pauṣkarameva ca |
ājñāviśuddhisaṃhārakūṭāni tadanantaram ||1326||

… spreche man Hairanyagarbha- und Paushkara-Kuta, danach die Kutas Ajna, Vishuddhi und Samhara.

Vers 1330
tato bhagavatītyevaṃ punaḥ saṃhārakāli ca |
devāsurapadaṃ brūyādādau sakalavarṇataḥ ||1330||

Dann: „Erhabene Samharakali …“, gefolgt von „sämtliche Götter und Asuras …“

Vers 1331
naranāgaprāṇahāriṇyuktvā ca vikarālini |
prahāsini tathā jagadgrāsini sandhikṛt ||1331||

„… Menschen und Nagas ihres Lebens Beraubende, Furchtbare, laut Lachende, Verschlingerin der Welt …“, mit Lautverbindung.

Vers 1332
tṛtīyaśakte tadanu sandhihīnamaghora ca |
tato rūpaśiva procya sahadharmānucāriṇi ||1332||

Dann ohne Lautverschmelzung: „Dritte Shakti, die den Dharma gemeinsam mit Shiva in seiner Aghora-Gestalt vollzieht …“

Vers 1333
mahākalpāntapadatastāṇḍavinyatha kīrtayet |
ekameva gṛhāṇoktvā paridhatsva dvayaṃ vadet ||1333||

„… Tänzerin des wilden Tandava am Ende des großen Kalpa: Nimm an! Lege es um, lege es um!“

Vers 1334
āmuñca pratimuñcāpi vāradvayamudīrayet |
karmedaṃ me pūraya dviḥ prapūraya tathaiva ca ||1334||

„Lege es an, lege es an! Befestige es, befestige es! Vollende diese meine Handlung, vollende sie! Führe sie ganz zur Erfüllung, führe sie ganz zur Erfüllung!“

Vers 1335
sarvatra sandhinā hīnamadhiṣṭhātrī bhavāpi ca |
avitrī bhava cekṣitrī bhava śrotrī bhavāpi ca ||1335||

Überall ohne Lautverschmelzung: „Sei die Vorsteherin! Sei die Beschützerin! Sei die Schauende! Sei die Hörende!“

Vers 1336
grahitā bhava deveśi pañcaitāni sakṛtsakṛt |
veṇvādipañcakasyānu kūṭaṃ sāṃhārikaṃ tathā ||1336||

„Sei die Empfangende!“ Diese fünf Aufforderungen stehen jeweils einmal, Herrin der Götter. Danach folgen die mit Venu beginnende Fünfergruppe und Samharika-Kuta.

Anmerkung: VenuDecknameLesungörtlichunsicher.

Vers 1337
tathā saṃhāraphetkāriṇyutkocinyāstrayastrayam |
namaḥ svāhā sarvaśeṣa ekaikavāramuddharet ||1337||

Samhara, Phetkarini und Utkochini sind je dreimal zu sprechen. Ganz am Ende stehen je einmal „namaḥ svāhā“.

Anakhyakali: das Unbenennbare

Die Göttin wandelt in den Herzen der Yogis und wird als Shakti des vierten Zustands angerufen.

Vers 1338
niśāmayādhunānākhyākālīmantraṃ sureśvari |
tāro rāvo yoginī ca roṣo vanitayā saha ||1338||

Höre nun den Mantra Anakhyakalis, Herrin der Götter: Tara, Rava, Yogini, Rosha und Vanita …

Anmerkung: Anakhya„nichtbenennbar“.

Vers 1334 [Quellzählung an Position 1339]
kāmo ramā ca pāśaśca ḍākinīpralayāvapi |
vaiparītye'nāhatādipañcakaṃ tadanantaram ||1334||

… Kama, Rama, Pasha, Dakini und Pralaya; danach in umgekehrter Reihenfolge die mit Anahata beginnende Fünfergruppe …

Vers 1340
kūṭe pāśupateśāne tato'nākhyābhidhaṃ tathā |
saṃhārādyaṃ śekharāntaṃ bījānāṃ daśakaṃ tataḥ ||1340||

… die Kutas Pashupata und Ishana sowie das Anakhya genannte Kuta. Dann zehn Bijas, beginnend mit Samhara und endend mit Shekhara …

Anmerkung: AnakhyaausOCRanasyaerschlossen,örtlichunsicher.

Vers 1341
ṣaṭcakrasarvāgamau ca āmnāyātītamityapi |
tattvārṇavastathā śaktisarvasvañca parāparam ||1341||

… Shatchakra, Sarvagama, Amnayatita, Tattvarnava, Shaktisarvasva und Parapara …

Vers 1342
tathā śāmbhavacicchaktī sarvaṃ ṣaṭtriṃśadīritam |
sandhihīnaṃ bhagavati anākhyākāli tatparam ||1342||

… Shambhava und Chitshakti. Insgesamt werden sechsunddreißig angegeben. Dann ohne Lautverschmelzung: „Erhabene Anakhyakali …“

Vers 1343
nigamāgamagocarādbhāvecchānantaśaktitaḥ |
mahimabalapauruṣe prapañcātīta ityapi ||1343||

„… deren Sein, Wille, unendliche Kraft, Größe, Stärke und Wirkmacht im Bereich von Nigama und Agama [liegen; Bezug unsicher], du jenseits der entfalteten Erscheinungswelt …“

Anmerkung: ErsterHalbverskomplex/beschädigt;keineNegation„nichtdurchVedenfassbar“erfunden.

Vers 1344
yogijanahṛdayāntaścāriṇīti tataḥ param |
turīyaśaktimābhāṣya tatastatpuruṣoddharet ||1344||

„… die im Innern der Herzen der Yogis wandelt, Shakti des vierten Zustands …“, danach „Tatpurusha …“

Vers 1345
tato rūpaśivetyuktvā sahadharmānucāriṇi |
yajñasūtramidaṃ gṛhṇa dvitayaṃ tadanantaram ||1345||

„… die den Dharma gemeinsam mit Shiva in seiner Tatpurusha-Gestalt vollzieht: Nimm diese heilige Schnur an, nimm sie an!“

Vers 1346
paridhehi dvayaṃ ca dvirāmuñca pratimuñca ca |
sandhihīnaṃ tato brūyātkarmaitadrakṣa rakṣa ca ||1346||

„Lege sie um, lege sie um! Lege sie an, lege sie an! Befestige sie, befestige sie!“ Dann ohne Lautverschmelzung: „Schütze diese Handlung, schütze sie!“

Vers 1347
acalā acitā caiva tathāddhivaraṃ dvisiddhyapi |
padebhya ebhyaḥ pañcabhyaḥ pratiśeṣaṃ bhavoddharet ||1347||

[Fragment:] Es folgen fünf Bezeichnungen, beginnend mit „Achala“, „unbeweglich“, und „Achita“ [unsicher]; die übrige Reihe ist beschädigt. Nach jeder ist „bhava“, „sei“, anzufügen.

Anmerkung: Fragment:keine5Epithetaausunlesbaremadhivaramdvisiddhierfunden.

Vers 1348
āyādipañcakaṃ procya kūṭe traipuraśāṅkare |
vedādimaidhapāśānāṃ tritayaṃ tritayaṃ vadet ||1348||

Dann die mit Aya beginnende Fünfergruppe, die Kutas Traipura und Shankara sowie Vedadi, Maidha und Pasha jeweils dreimal.

Vers 1344 [Quellzählung an Position 1349]
śeṣe hṛdastraśīrṣe dve ekaikaṃ na dviruccaret |
atha vakṣyāmi te devi pañcamyā manumuttamam ||1344||

Am Schluss folgen Hrid, Astra und Shirsha; die Wiederholungsanweisung ist unklar („zwei“, „je einmal“, „nicht zweimal“). Nun erkläre ich dir, Göttin, den vorzüglichen Mantra der fünften.

Anmerkung: Zahlenwidersprüchlichnichtscheinbaraufgelöst.

Bhasakali: Leuchten des Bewusstseins

Die Anreden verbinden die Göttin mit reiner Bewusstseinsfreude, Nada, Bindu, Urbild und Spiegelbild.

Vers 1350
tāratrayaṃ medhayugaṃ tristriḥ pāśakale vadet |
kāmavadhvau ramāmāye prāsādapretabhairavīḥ ||1350||

Dreimal Tara, zweimal Medha, Pasha und Kala je dreimal; dann Kama, Vadhu, Rama, Maya, Prasada, Preta und Bhairavi …

Vers 1351
śākinīṃ ḍākinīñcaiva phetkārī pralayādimām |
sukṛtādīni pañcāpi catvāraḥ surasādayaḥ ||1351||

… Shakini, Dakini, Phetkari, Pralaya, die fünf mit Sukrita beginnenden und die vier mit Surasa beginnenden …

Anmerkung: PralayadimagrammatischeGliederungunsicher,nichteigenesAdimahinzuerfunden.

Vers 1352
bhadrikādyāḥ punaḥ pañca pañcāśatpañcavarjitāḥ |
sambuddhyā bhagavatyuktvā bhāsākāli tato vadet ||1352||

… dann die fünf mit Bhadrika beginnenden: Insgesamt fünfzig weniger fünf, also fünfundvierzig. Danach die Anrede „Erhabene Bhasakali …“

Anmerkung: 45 Quellenangabe;GruppenverweisenichtzuvollständigerLautfolgerekonstruiert.

Vers 1353
śrutyagocaratattvāvatāre ca tadanūddharet |
cinmayānandaghanataḥ kalevara itīrayet ||1353||

„… Verkörperung der Wirklichkeit, die selbst der Offenbarung nicht zugänglich ist, deren Leib verdichtete Glückseligkeit reinen Bewusstseins ist …“

Vers 1355 [Quellzählung an Position 1354]
turīyapadaśabdānu prakāśini samālikhet |
nādabindvarṇato rūpiṇyuktvā ca śivaśaktitaḥ ||1355||

„… Offenbarerin des vierten Zustands, deren Gestalt Nada, Bindu und Laut ist …“ Danach „Shiva und Shakti …“

Anmerkung: Quelle1355hierwieFolgevers;Position 1354.

Vers 1355
vācyavācakarūpiṇyābhāṣya suravandite |
jīvātmaparamātmānu rūpiṇyapyasya paścime ||1355||

„… als Bezeichnetes und Bezeichnendes verkörpernd, von den Göttern Verehrte, deren Gestalt individuelle und höchste Seele ist …“

Anmerkung: Shiva/ShaktiZuordnungzumjeweiligenGliednichtimVerseindeutig,nichtzusätzlichfestgelegt.

Vers 1356
tato bimbapratibimbarūpiṇīti vibhāvayet |
īśānarūpaśivataḥ sahadharmācca cāriṇī ||1356||

„… deren Gestalt Urbild und Spiegelbild ist, die den Dharma gemeinsam mit Shiva in seiner Ishana-Gestalt vollzieht …“

Vers 1357
tataḥ prabodhacaitanyavijñānānandabrahma ca |
mayiśabdebhya etebhyaḥ pañcabhyaḥ parikīrtayet ||1357||

Danach werden die fünf Wörter Erwachen, Bewusstheit, Erkenntnis, Glückseligkeit und Brahman jeweils mit „-mayi“, „aus … bestehend“, verbunden.

Vers 1358
mayā niveditamidaṃ pavitraṃ gṛhṇa ca dvayam |
gṛhṇāpaya yugañcāpi āmuñca dvitayaṃ tathā ||1358||

„Nimm dieses von mir dargebrachte Pavitra an, nimm es an! Lass es annehmen, lass es annehmen! Lege es an, lege es an!“

Vers 1356 [Quellzählung an Position 1359]
paridhehi dvayañcāpi pinahya dvitayaṃ tathā |
idaṃ karma mama procya sampūrṇaṃ kuru ca dvayam ||1356||

„Lege es um, lege es um! Binde es fest, binde es fest! Vollende diese meine Handlung, vollende sie!“

Vers 1365 [Quellzählung an Position 1360]
sānnidhyamāveśaya ca prasīda dvitayaṃ tathā |
atha rāvā cāvyayālakṣyādṛśyāgamyā tathaiva ca ||1365||

„Lass deine Gegenwart eintreten! Sei gnädig, sei gnädig!“ Danach folgen Rava [unsicher], Avyaya (Unvergängliche), Alakshya (nicht als Gegenstand Erfassbare), Adrishya (Unsichtbare) und Agamya (Unzugängliche) …

Anmerkung: ErsterNamerā[vā]imDruckkorrigiertaberunklar;keineBedeutungfingiert.

Vers 1361
pratyekameṣāṃ carame bhavaśabdamudīrayet |
carpaṭādicatuṣkañca gāyatryādīni pañca ca ||1361||

… an jede Bezeichnung wird „bhava“, „sei“, angefügt. Danach folgen die Vierergruppe mit Charpata und die fünf mit Gayatri beginnenden …

Vers 1362
ye śabdā mayi paurastyāsteṣāṃ kūṭāni saṃlikhet |
yoginīḍākinīrāvatritayaṃ tritayaṃ tataḥ ||1362||

… sowie die Kutas der zuvor mit „-mayi“ gebildeten Wörter. Danach Yogini, Dakini und Rava jeweils dreimal.

Vers 1363
namaḥ svāhā sarvaśeṣe kālyaḥ pañceti tā mayā |
āsāṃ tu parivārāṇāṃ pratyekaḥ kramato śṛṇu ||1363||

Ganz am Schluss stehen „namaḥ svāhā“. Damit sind die fünf Kalis von mir behandelt. Höre nun der Reihe nach die einzelnen Formeln für ihr Gefolge.

Srishtikalis Gefolge

Die Prosaanrufung nennt tiergesichtige Göttinnen und ihre Kali-Namen. Beschädigte Namen werden nicht zu einer künstlichen Vierundzwanzigerliste ergänzt.

Vers 1364
pavitradānasya manūnsamuddharaṇapūrvakān |
tāro maidhaśca pāśaśca kālīprāsādamanmathāḥ ||1364||

[Höre] die Mantras zur Pavitra-Darbringung samt ihrer Bildung. Tara, Maidha, Pasha, Kali, Prasada und Manmatha …

Vers 1365
kūlikaḥ khecarī rāvaḥ kaśikāhāraśṛṅkhalāḥ |
nṛsiṃhapralayakrodhaphetkāryo bhrāmarī tathā ||1365||

… Kulika, Khechari, Rava, Kashika, Hara, Shrinkhala, Narasimha, Pralaya, Krodha, Phetkari und Bhramari …

Anmerkung: KashikaLesungörtlichunsicher.

Vers 1366
tathā patanasaṃhārau vīravetālanāmakau |
tathā caturasraviratibindukā bījasañcayāḥ ||1366||

… Patana, Samhara, Vira, Vetala, Chaturasra, Virati und Binduka: Dies ist die Bija-Reihe.

Unnummerierter Text
śārdūlavarāhapārāvatamarjārapikapretehāmṛgolūkaśyenarurubharadvājacamaradvīpikhaḍga[kakayumara]bhāsalelindabhūliṅgakaliṅgarohitaśalyadārvāghāṭagokarṇānanābhyaḥ samayānandacandraniyamatridaśahiraṇyavikṛtakrodholkāpherujīmūtaguptavigrahaprataptacaitanyaviśvakulajyotīrūpamedhāvyālottarāvartasiṃhanādamantrakālībhyaḥ sṛṣṭikālīparivārāvaraṇadevatābhya ābhyaścaturviṃśatibhya idaṃ pavitramarpayāmi |

„Denen mit Gesichtern von Tiger, Eber, Taube, Katze, Kuckuck, Preta, Fabelwild, Eule, Falke, Ruru-Antilope, Bharadvaja-Vogel, Yak, Leopard, Nashorn, [Kakayumara: beschädigt], Bhasa-Vogel, Lelinda, Bhulinga, Kalinga, Rohita, Stachelschwein, Specht und Gokarna; den Kalis namens Samaya, Ananda, Chandra, Niyama, Tridasha, Hiranya, Vikrita, Krodholka, Pheru, Jimuta, Guptavigraha, Pratapta, Chaitanya, Vishva, Kula, Jyoti, Rupa, Medha, Vyala, Uttaravarta, Simhanada und Mantra [Gliederung örtlich unsicher]; diesen als vierundzwanzig bezeichneten Gottheiten der Gefolge-Umkreise Srishtikalis bringe ich dieses Pavitra dar.“

Anmerkung: UnnummerierterProsamantranach 1366. Fragment:Tier-undNamensreiheörtlichbeschädigt;unsichereTiernamenalsNamenbewahrt,keine24-Paar-Zuordnungerfunden.KeinevorgeblichvollständigeListe.

Vers 1367
jinasaṅkhyāni bījāni prātilomyātpunarvadet |
avighnaṃ kuruta procya siddhiṃ dadata ityapi ||1367||

Die vierundzwanzig Bijas sind noch einmal in umgekehrter Reihenfolge zu sprechen. Dann: „Beseitigt die Hindernisse! Gewährt Vollkommenheit!“

Anmerkung: Jina24.

Vers 1368
adhiṣṭhātryo bhavata ca sandhihīnamidaṃ trayam |
kūrcāstrahṛcchirāṃsyante dvitīyamavadhāraya ||1368||

„Seid die Vorsteherinnen!“ Diese drei Aufforderungen stehen ohne Lautverschmelzung. Am Ende folgen Kurcha, Astra, Hrid und Shiras. Beachte nun die zweite Formel.

Sthitikalis Gefolge

Bija-Reihe und Prosaanrufung widmen das Pavitra den Kräften der Erhaltung.

Vers 1366 [Quellzählung an Position 1369]
tāramāyāmaidharāvaprāsādāṅkuśavidyutaḥ |
pāśaḥ preto bhairavī ca narasiṃhaśca dakṣiṇā ||1366||

Tara, Maya, Maidha, Rava, Prasada, Ankusha, Vidyut, Pasha, Preta, Bhairavi, Narasimha und Dakshina …

Anmerkung: SthitikalisGefolge.

Vers 1370
pralayaḥ karṇikāhārau nālīkādidvayaṃ tathā |
tataśca caṇḍasammohau duṣkṛtādicatuṣṭayam ||1370||

… Pralaya, Karnika, Hara, das mit Nalika beginnende Paar, Chanda, Sammoha und die mit Dushkrita beginnende Vierergruppe …

Unnummerierter Text
śarabhacātakasāraṅgagavayatarakṣumahiṣagodhākukkuṭagodhikācaṭakavakakṛṣṇasārakrakacasambarakareṭuśaśachāgakañcilakākaraṅkumeṣakākoladātyūhavṛṣabhānanābhyaḥ kālyotpātasammohacakradhārasamaravilāsamegharaktācalakapilapuṣkaraśikharavyūhatīvranakharavyūhatīvrapāṇḍarajambālamārtaṇḍaketukūṭayantrabhūtādidurdharṣalohitākṣakālībhyaḥ sthitikālīparivārāvaraṇadevatābhya ābhyaścaturviṃśatibhya idaṃ pavitramarpayāmi |

„Denen mit Gesichtern von Sharabha, Chataka-Vogel, Saranga, wildem Rind, Hyäne, Büffel, Waran, Hahn, Godhika, Sperling, Reiher, Schwarzbock, Krakacha, Sambar-Hirsch, Karetu, Hase, Ziege, Kanchilaka, Karanku, Widder, Kakola, Datyuha und Stier; den Kalis, deren Namen in der überlieferten Reihe Kalya, Utpata, Sammoha, Chakra, Dhara, Samara, Vilasa, Megha, Raktachala, Kapila, Pushkara, Shikhara, Vyuha, Tivra, Nakhara, wiederum Vyuha und Tivra, Pandara, Jambala, Martanda, Ketu, Kuta, Yantra, Bhutadi, Durdharsha und Lohitaksha enthalten [Namensgrenzen unsicher]; diesen als vierundzwanzig bezeichneten Gottheiten der Gefolge-Umkreise Sthitikalis bringe ich dieses Pavitra dar.“

Anmerkung: Fragment:unnummerierteProsaIMQuelllayoutzwischen1371Halbversen,zurLesbarkeitvor 1371ausgegeben.Tiernamenunbestimmtbewahrt;Vyuha/TivraWiederholungnichtgestrichen,Zählung24nichtscheinbarrepariert.

Vers 1371
maṇimālā ca bījānāṃ caturviṃśatirīritā |
caturviṃśatibījāni vaiparītyātpunarvadet |
avighnaṃ kuruta procya siddhiṃ dadata ityapi ||1371||

… und Manimala: Es werden vierundzwanzig Bijas genannt. [Hier steht in der Quelle die gesondert wiedergegebene Prosaanrufung.] Danach sind die vierundzwanzig Bijas in umgekehrter Reihenfolge zu wiederholen. Dann: „Beseitigt die Hindernisse! Gewährt Vollkommenheit!“

Anmerkung: Quellnummer 1371umfassthier3VerszeilenmitProsazwischen ersterundzweiter,keineerfundeneZusatznummer.

Vers 1372
adhiṣṭhātryo bhavata ca sandhihīnamidaṃ trayam |
kūrcāstrahṛcchirāṃsyante tṛtīyamadhunā bruve ||1372||

„Seid die Vorsteherinnen!“ Diese drei Aufforderungen stehen ohne Lautverschmelzung. Am Ende folgen Kurcha, Astra, Hrid und Shiras. Nun erkläre ich die dritte Formel.

Samharakalis Gefolge

Die Auflösungskräfte erhalten ihre Gabe und werden um Hindernisfreiheit und Vollendung gebeten.

Vers 1373
maidhatārau rāvamāye kāmavadhvau dhiyā saha |
prāsādo garuḍo vidyudvidhirbhūtinyanantaram ||1373||

Maidha, Tara, Rava, Maya, Kama, Vadhu, Dhi, Prasada, Garuda, Vidyut, Vidhi und Bhutini …

Anmerkung: SamharakalisGefolge.

Vers 1374
jambhaḥ sānumekhalā ca tandrā kuṭilayā saha |
maṇimālā carpaṭādyā cāmaraśca tadādiyuk ||1374||

… Jambha, [Sanu-Mekhala: Gliederung unsicher], Tandra, Kutila, Manimala, die mit Charpata beginnende Gruppe und die mit Chamara beginnende Gruppe …

Anmerkung: VerweiseohnefehlendeGruppenmitgliederzuerfinden.

Unnummerierter Text
uṣṭracillagardabhagṛdhraśukakukkuṭakrauñcasarpamūṣikaśiśumāramīnakṛkalāsavṛkagrāhasārasacakravākakacchapakarahaṃsodraviṭibhakalūtakakaṭkumbhīrānanābhyo dīpacāṇḍālasamṛddhisarveśvaraviśvavāhanantajaṭālamṛtyumukhatapanarauravasindhunādanihrādahemāṅgahavyavāhapūrṇabhadracapalamaṇitāramitranīladaityāntodyotaśoṇākṣaraṇasaṅkrandakālībhyaḥ saṃhārakālīparivārāvaraṇadevatābhya ābhyaścaturviṃśatibhya idaṃ pavitramarpayāmi |

„Denen mit Gesichtern von Kamel, Milan, Esel, Geier, Papagei, Hahn, Kranich, Schlange, Maus, Shishumara-Wassertier, Fisch, Eidechse, Wolf, Greifwassertier, Sarasa-Kranich, Chakravaka-Vogel, Schildkröte, Karahamsa, Otter, Vitibha, Kalutaka, Kataka und Krokodil [mehrere Tiernamen unsicher]; den Kalis mit den überlieferten Namen Dipa, Chandala, Samriddhi, Sarveshvara, Vishvavaha, Ananta, Jatala, Mrityumukha, Tapana, Raurava, Sindhu, Nada, Nihrada, Hemanga, Havyavaha, Purnabhadra, Chapala, Mani, Tara, Mitra, Nila, Daityanta, Udyota, Shonaksha, Rana und Sankranda [Grenzen teils unklar]; diesen als vierundzwanzig bezeichneten Gottheiten der Gefolge-Umkreise Samharakalis bringe ich dieses Pavitra dar.“

Anmerkung: Fragment:unnummerierteProsaimQuelltextnacherstemHalbvers1375,hiervor 1375.DipaQuelleFragezeichen.Tier-undNamensreihenunvollständig/unklarzählbar,keine24-Paar-Zuordnungerfunden.

Vers 1375
māraṇḍaśca vinādaśca pratānaṃ sarvaśeṣagam |
caturviṃśatibījāni pūrvoktāni varānane |
uccārya vyutkramatayā sarvatrāvighnamityapi ||1375||

… Maranda, Vinada und zuletzt Pratana. [Hier folgt in der Quelle die gesondert wiedergegebene Prosaanrufung.] Die zuvor genannten vierundzwanzig Bijas, du Schöne, werden in umgekehrter Reihenfolge gesprochen. Dann: „Überall Hindernisfreiheit …“

Anmerkung: 3VerszeilenmitProsazwischen ersterundzweiter.

Vers 1376
kurutaikaṃ samābhāṣya mama śatrūnatho vadet |
dvivāraṃ nāśayata siddhīrdadata vai sakṛt ||1376||

„… schafft!“ Dies steht einmal. Dann: „Vernichtet meine Feinde, vernichtet sie! Gewährt Vollkommenheiten!“ Die letzte Aufforderung steht einmal.

Vers 1377
adhiṣṭhitā bhavata ca sandhinā hīnamuddharet |
pavitrārohaṇamidaṃ dviḥ saṃvardhayaterayet ||1377||

Ohne Lautverschmelzung: „Seid hier gegenwärtig! Fördert dieses Pavitrarohana, fördert es!“

Vers 1378
dvirdvirmāyaruḍastrāṇāṃ vāraikaṃ hṛdayaṃ śiraḥ |
atho niśāmayānākhyāparivāramanuṃ priye ||1378||

Maya, Rut und Astra jeweils zweimal, Hridaya und Shiras je einmal. Höre nun den Mantra für Anakhyas Gefolge, Geliebte.

Anakhyakalis Gefolge

Die örtlich versetzte Namensliste bleibt als unsicher erkennbar. Die folgenden Bitten gelten der Aufhebung von Nichtwissen und Bindung.

Vers 1376 [Quellzählung an Position 1379]
praṇavaḥ kālikāmāyāpāśānaṅgastriyastathā |
śākinī ḍākinī roṣaprāsādapretabhairavīḥ ||1376||

Pranava, Kalika, Maya, Pasha, Ananga, Stri, Shakini, Dakini, Rosha, Prasada, Preta und Bhairavi …

Vers 1380
yoginījambhanṛharibhāruṇḍāśaktividyutaḥ |
jīvanīpuṭakau cāpi nāndīkavyayasārasāḥ ||1380||

… Yogini, Jambha, Nrihari, Bharunda, Shakti, Vidyut, Jivani, Putaka, Nandika, Vyaya und Sarasa …

Unnummerierter Text
śaṅkhaśalabhabhramaramayūrahārītakāraṇḍavaplavasaṃvṛkāśvataramalindatittirikalabhānukandaṃśavakrakārakānanābhyaḥ ūrṇanābhisarārigatapadavṛścikanakulamaṇḍūkatailapāyipataṅga […] viriñcivibhūtivinayavicitraraktanavotsāhakārdavakhecaraḍāmarakaraṅkasumekhasandhānasantānaghaṇṭāḍumeracikalapherusuvarṇāgnipiśācabhūtavīrabarburavetaṇḍakālībhyo'nākhyākālīparivārāvaraṇadevatābhyaścaturviṃśatibhya idaṃ pavitramarpayāmi |

„Denen mit Gesichtern von Muscheltier, Heuschrecke, Biene, Pfau, Harita-Vogel, Karandava-Ente, Plava, Samvrika, Maultier, Malinda, Rebhuhn, jungem Elefanten, Anukandamsha, Vakra und Karaka [Grenzen beschädigt]; ferner ist ein versetztes Listenstück mit Spinne, Sarari, Gatapada, Skorpion, Mungo, Frosch, Tailapayi und fliegendem Insekt lesbar. Den Kalis mit Namen wie Virinchi, Vibhuti, Vinaya, Vichitra, Rakta, Navotsaha, Kardava, Khechara, Damara, Karanka, Sumekha, Sandhana, Santana, Ghanta, Dumera, Chikala, Pheru, Suvarna, Agni, Pishacha, Bhuta, Vira, Barbura und Vetanda [Gliederung unsicher]; den als vierundzwanzig bezeichneten Gottheiten der Gefolge-Umkreise Anakhyakalis bringe ich dieses Pavitra dar.“

Anmerkung: Fragment:ProsazeilenimOCRversetzt;Tierlistenstück„śaṅkha…titti-“stehtvorSeitenkopf,Fortsetzung„-rikalabha…“später,„ūrṇanābhi…“separatdazwischen. AllelesbarenTeilewiedergegeben,ReihenfolgeNICHTalsgesichertrekonstruiert;AuslassungszeichenkennzeichnetunklarenAnschluss,keinebehauptetevollständige24erListe.

Vers 1386 [Quellzählung an Position 1381]
sarvaśeṣe vidigapi caturviṃśatirityamī |
vidigāditāraśeṣāṃ bījālīṃ jinasammitām |
pratilomena deveśi punareva samuccaret ||1386||

… und ganz zuletzt Vidik: Damit werden vierundzwanzig genannt. [Es folgt die gesondert wiedergegebene Prosaanrufung.] Die vierundzwanzig Bijas sind danach umgekehrt, von Vidik bis Tara, nochmals zu sprechen, Herrin der Götter.

Anmerkung: 3 Quellzeilen;Prosazwischen ersterundzweiter,Quelle1386 an Position 1381.

Vers 1382
mamākhilaṃ vighnamuktvā khaṇḍaya dvitayaṃ vadet |
sāmarasyapadaṃ procya prakāśaya yugaṃ smaret ||1382||

„Zerschlage alle meine Hindernisse, zerschlage sie! Offenbare Samarasya, die Einheit des einen Geschmacks, offenbare sie!“

Vers 1383
ajñānaṃ nāśaya dvandvaṃ dvirdvirbhasmīkuru truṭa |
bhavapāśaṃ chindhi yugaṃ kartaya dvitayaṃ tathā ||1383||

„Vernichte das Nichtwissen, vernichte es! Mache es zu Asche, mache es zu Asche! Zerbrich, zerbrich! Zerschneide die Fessel des Werdens, zerschneide sie! Trenne sie ab, trenne sie ab!“

Anmerkung: TruṭalsZerbrechenimKontext,wörtlicheFormlautbewahrt.

Vers 1384
mohamūlamanu procyonmūlaya yugaṃ smaret |
sandhihīnamadhiṣṭhātrī bhūtvā tiṣṭha yugaṃ tathā ||1384||

„Entwurzle die Wurzel der Verblendung, entwurzle sie! Sei als Vorsteherin gegenwärtig, sei gegenwärtig!“ Ohne Lautverschmelzung.

Anmerkung: SingularnachpluralischemGefolgemantraQuellformbewahrt.

Vers 1385
sakṛdeva punarbrūyādidaṃ karma samāpaya |
māṃ vāñchitaphalenoktvā yojayadvitayaṃ likhet ||1385||

Dann einmal: „Vollende diese Handlung!“ Danach: „Verbinde mich mit der ersehnten Frucht, verbinde mich mit ihr!“

Vers 138. [beschädigte Quellzählung an Position 1386]
sarvaṃ me rādhyatāñcaiva sādhyatāṃ tadanantaram |
samṛddhyatāñca tisṛṣu sarvaṃ me padamīrayet ||138.||

„Möge mir alles gelingen! Möge mir alles verwirklicht werden! Möge mir alles gedeihen!“ Bei allen drei Aussagen ist „alles für mich“ einzusetzen.

Anmerkung: Quellzahl138.mitfehlenderEndziffer.

Vers 1387
tritayaṃ tritayaṃ brūyādrāvasya ca kulastriyāḥ |
ḍākinyā atha roṣasya hārasyāstrasya tatparam ||1387||

Rava, Kulastri, Dakini, Rosha, Hara und Astra sind anschließend jeweils dreimal zu sprechen.

Bhasakalis Gefolge

Die Formel erbittet Frieden, Erkenntnis und das Sichtbarwerden der eigenen göttlichen Gestalt.

Vers 1388
sakṛdaṅguṣṭhatarjanyau pañcamīmadhunā bruve |
pañcakaṃ pañcakaṃ pūrvaṃ maidhasya praṇavasya ca ||1388||

Dann je einmal Angushtha und Tarjani. Nun erkläre ich die fünfte Formel: Zuerst je fünfmal Maidha und Pranava …

Anmerkung: BhasakalisGefolge;AngushthaTarjaniDecknamen.

Vers 1386 [Quellzählung an Position 1389]
tritayaṃ tritayañcāpi śākinīpadayorapi |
dvau kāmau dve ca vanite kālīprāsādagāruḍāḥ ||1386||

… je dreimal [die beiden durch Shakini bezeichneten Wörter; zweite Bezeichnung unklar], zweimal Kama und zweimal Vanita, danach Kali, Prasada und Garuda …

Anmerkung: Fragment:śākinīpadayoḥDualmitnureinemklarenNamen;keinzweiterBijanameerfunden.

Vers 1360 [Quellzählung an Position 1390]
yoginīkamalāpāśāḥ preto bhairavyanantaram |
ḍākinīpralayau cāpi jñānecchāsaṃvidastathā ||1360||

… Yogini, Kamala, Pasha, Preta, Bhairavi, Dakini, Pralaya, Jnana, Iccha und Samvid …

Vers 1361 [Quellzählung an Position 1391]
tathā śāmbhavacicchaktī sāyujyaṃ sarvaśeṣagam |
evaṃ ṣaḍviṃśato bījanikurambādvarānane ||1361||

… Shambhava, Chitshakti und zuletzt Sayujya. Nach dieser als sechsundzwanziggliedrig bezeichneten Bija-Gruppe, du Schöne …

Anmerkung: ZählungmitWiederholungennichtvereinheitlicht.

Vers 1362 [Quellzählung an Position 1392]
īśānāntaṃ śāmbhavādyaṃ kūṭāṣṭakamitaḥ param |
puṣkarāditrayaṃ tacca vyutkramāttadanantaram ||1362||

… folgen acht Kutas von Shambhava bis Ishana und danach die mit Pushkara beginnende Dreiergruppe in umgekehrter Reihenfolge …

Vers 1363 [Quellzählung an Position 1393]
saṃhārāditrayamapi jānīyādevameva hi |
aikātmyādicatuṣkañca pūrvārdhamiti varṇitam ||1363||

… ebenso die Dreiergruppe mit Samhara sowie die Vierergruppe mit Aikatmya. Dies wird als der erste Teil bezeichnet.

Unnummerierter Text
lāvakacakoravādhrīnasaśatapatrajīvaṃjīvamatsyavartakakaraṅkabhāruṇḍakālakaṇṭhadevaraśyāmabībhatsapātāladānavapiśācakūṣmāṇḍacandranābhaśoṇāṅkasuvarṇaratnavidyududumbaratrailokyānanābhyo ghargharaprabhāmahāśaṅkhaprakāśakarmārarohitavivarṇaviśālakarakamandārasiddhyaṅgārakeśaramarmamukulabhairavakuṇapamātaṅgabhramaramukuṭamuktiśakrāṇiguhyakālībhyo bhāsākālīparivārāvaraṇadevatābhya ābhyaścaturviṃśatibhya idaṃ pavitramarpayāmi |

„Denen mit Gesichtern von Lavaka-Vogel, Chakora, Vadhrinasa, Shatapatra, Jivamjiva, Fisch, Wachtel, Karanka, Bharunda, Kalakantha, Devara, Shyama, Bibhatsa, Patala, Danava, Pishacha, Kushmanda, Chandranabha, Shonanka, Suvarna, Ratna, Vidyut, Udumbara und Trailokya [mehrere Namen unbestimmt]; den Kalis mit den überlieferten Namen Gharghara, Prabha, Mahashankha, Prakasha, Karmara, Rohita, Vivarna, Vishala, Karaka, Mandara, Siddhi, Angara, Keshara, Marma, Mukula, Bhairava, Kunapa, Matanga, Bhramara, Mukuta, Mukti, Shakrani und Guhyakali [Grenzen unsicher]; diesen als vierundzwanzig bezeichneten Gottheiten der Gefolge-Umkreise Bhasakalis bringe ich dieses Pavitra dar.“

Anmerkung: Fragment:unnummerierteProsaimQuelllayoutnachAnfang1394,hiervor 1394.TeilweiseTier-/WesennamenkeinesichereArtenzuordnung;Kali-Reihenichtauf24aufgefüllt.Devar/Śakrāṇiörtlichunsicher.

Vers 1354 [Quellzählung an Position 1394]
pūrvaṃ mahātattvamidaṃ dve militvā yugeśavaḥ |
tāvantyeva hi kūṭāni bījāni tridaśeśvari |
vaiparītyena kīrtyāni catuḥpañcāśadeva hi ||1354||

Zuvor [steht] dieses große Prinzip; beide zusammen ergeben vierundfünfzig. [Hier folgt in der Quelle die gesondert wiedergegebene Prosaanrufung.] Ebenso viele Kutas und Bijas, nämlich vierundfünfzig, sind danach in umgekehrter Reihenfolge zu sprechen, Herrin der Götter.

Anmerkung: ErsteZeileBezugaufzweiGruppennichtganzklar;Zahl54durchletzteZeilegesichert.3 Quellzeilen.

Vers 1365 [Quellzählung an Position 1395]
vighnānuktvā sandhiyugaṃ tadopaśamayadvayam |
śāntimādeśayādeśaya kathyantadanantaram ||1365||

Dann mit Lautverbindung: „Stille die Hindernisse, stille sie! Gewähre Frieden, gewähre Frieden!“

Vers 1366 [Quellzählung an Position 1396]
pavitrārohaṇaṃ karma samāptaṃ kuru ca dvayam |
mahājñānaṃ prakaṭaya dvitayaṃ tadanūddharet ||1366||

„Vollende das Pavitrarohana-Ritual, vollende es! Offenbare die große Erkenntnis, offenbare sie!“

Vers 1367 [Quellzählung an Position 1397]
bhavapāśaṃ chindhiyugaṃ mohaṃ kṛntaya ca dvayam |
svapadaprakāśini tato dvaitanāśini cetyapi ||1367||

„Zerschneide die Fessel des Werdens, zerschneide sie! Schneide die Verblendung ab, schneide sie ab! Offenbarerin des eigenen Zustands, Vernichterin der Zweiheit …“

Anmerkung: Dvaita ausOCRd etaKontextklar.

Vers 1358 [Quellzählung an Position 1398]
nijarūpaṃ darśaya dvirmuktiṃ dviśca niyojaya |
cidrūpamayi saṃlikhya tathānandamayīrayet ||1358||

„… zeige deine eigene Gestalt, zeige sie! Führe zur Befreiung, führe zur Befreiung! Du aus Bewusstsein Bestehende, du aus Glückseligkeit Bestehende …“

Anmerkung: MuktiimOCRuktiausKontextvorläufig.

Vers 13646 [Quellzählung an Position 1399]
paramātmā manaḥ sattā caitanyopaśamau tathā |
vijñānaikātmyayogāśca brahmānte navamīmapi ||13646||

… [weitere Anreden beziehen sich auf] höchste Seele, Geist, Sein, Bewusstheit, Beruhigung, Erkenntnis, Einheit des Selbst, Yoga und als neuntes Brahman.

Anmerkung: Anschlussmayi1398imKontext,nichtfehlendeEndungeninSanskriteingesetzt.

Vers 1400
karmaṇyamuṣminnadhyakṣā bhavaikaṃ vāramuddharet |
visandhyadhiṣṭhānamapi kuruyugmaṃ tataḥ param ||1400||

Einmal: „Sei die Vorsteherin bei dieser Handlung!“ Danach ohne Lautverschmelzung: „Nimm deinen Sitz ein, nimm deinen Sitz ein!“

Vers 1401
tataḥ sarvamidaṃ me'nu paritaśca samāpyatām |
kriyāpadāni pañcārṇāni punaśca prathamānvitam ||1401||

„Möge dies alles für mich vollständig vollendet werden!“ Danach folgen weitere Verben mit [fünf Silben; Angabe unsicher], jeweils verbunden mit derselben vorausgehenden Aussage.

Anmerkung: PañcārṇāniOCRbeschädigt;keinefünfzusätzlichenVerbenfingiert.

Vers 1402
samṛddhyatāñca tathā caivopapadyatām |
āpyāyatāñca tadanu prapūryaṃ sarvaśeṣagam ||1402||

„Möge es gedeihen! Möge es zustande kommen! Möge es erfüllt werden!“ Ganz zuletzt folgt eine Form von „vollständig erfüllen“ [Verbform beschädigt].

Anmerkung: Fragment:DruckFragezeichenundunvollständigeSchlussform,nichtzuprapūryatāmergänzt.

Vers 1403
pavitrārohaṇatyeva ca […] |
tāvatyapi roṣāstraṃ namaḥ svāhaikamekakam ||1403||

[Fragment:] „Pavitrarohana …“ [Lücke]. Danach Rosha und Astra mit einer nicht sicher lesbaren Wiederholungsangabe; „namaḥ“ und „svāhā“ jeweils einmal.

Anmerkung: Fragment:explizitePunktlücke/Fragezeichen,keineWiederholungszahlerfunden.

Vers 1404
bhāsāyāḥ parivārāṇāṃ pavitrārpaṇakarmaṇi |
mantro viśiṣya kathitaḥ samabhyuddhārapūrvakaḥ ||1404||

Damit ist der Mantra zur Pavitra-Darbringung an Bhasakalis Gefolge im Einzelnen zusammen mit seiner Bildung erklärt.

Die Hauptgestalt Guhyakalis

Die lange Anrufung verbindet die furchtbare Ikonographie mit der Wirklichkeit jenseits von Geist und Rede.

Vers 1405
pravakṣye mukhyabhūtāyā guhyakālyā atho manum |
yajñasūtraṃ yena dadyātsamaṣṭivyaṣṭihetukam ||1405||

Nun erkläre ich den Mantra der Hauptgestalt Guhyakalis, mit dem die heilige Schnur sowohl für das Ganze als auch für die einzelne Gestalt dargebracht wird.

Vers 1406
tāramedhatrapārāvayoginīroṣayoṣitaḥ |
prāsādapretabhairavyaḥ kālīpāśasmarastriyaḥ ||1406||

Tara, Medha, Trapa, Rava, Yogini, Rosha, Yoshit, Prasada, Preta, Bhairavi, Kali, Pasha, Smara und Stri …

Vers 1407
phetkārī ḍākinī pūrvā bījānimāni ṣoḍaśa |
sattvaṃ hiraṇyagarbhaśca puṣkaraṃ tadanantaram ||1407||

… Phetkari und Dakini. Diese sechzehn Bijas stehen zuerst. Danach Sattva, Hiranyagarbha und Pushkara …

Vers 1408
saṃhārāditrayaṃ kūṭaṃ vyutkrameṇa tataḥ param |
śaktiśāmbhavakūṭe ca tadardhikatayākhilam ||1408||

… die mit Samhara beginnende Dreiergruppe von Kutas in umgekehrter Reihenfolge und die Kutas Shakti und Shambhava. Ihre Gesamtzahl ist halb so groß [wie die der Bijas], also acht.

Vers 1404 [Quellzählung an Position 1409]
bhagavatyā mūlanāmnaḥ sambuddhidvitayaṃ tathā |
ehyehi jagadamboktvā svaśaktiparivāra ca ||1404||

Dann wird der Grundname der erhabenen Göttin zweimal als Anrede gesprochen. Es folgt: „Komm, komm, Weltenmutter, mit deinen eigenen Shaktis und deinem Gefolge …“

Anmerkung: FortsetzungunnummerierterProsaU1409.

Unnummerierter Text
sahite suratejomayavigrahe mahāśmaśānavāsini navapañcacakrāntaścāriṇi daśavadanadhāriṇi navakaroṭikulākulasamayapravartini guhyānantatattvadhāriṇi manovāgagocare prapañcātītaniṣkalaturīyākāre vedopavedamayamahāsiṃhāsanādhiṣṭhe mahākhecarīsiddhividhāyini prabalajaṭābhārabhāsure ādiśakti digambari yantratantrādhidevate |

„… verbunden, deren Gestalt aus dem Glanz der Götter besteht, Bewohnerin des großen Verbrennungsplatzes, die sich innerhalb der neun- und fünffachen Kreise bewegt, Trägerin von zehn Gesichtern, die die Ordnung der neun Schädel sowie von Kula und Akula in Gang setzt [Zusammensetzung unsicher], Trägerin geheimer unendlicher Wirklichkeiten, jenseits von Geist und Rede, von der Erscheinungswelt freie, teillose Gestalt des vierten Zustands, die auf dem großen Thron aus Veden und Upavedas sitzt, Spenderin der großen Khechari-Siddhi, strahlend durch die gewaltige Fülle ihres Flechtenhaars, ursprüngliche Shakti, deren Gewand die Himmelsrichtungen sind, höchste Gottheit von Yantra und Tantra!“

Anmerkung: UnnummerierteGrundtextprosanach 1409.Nava/Pancaals9/5Kreiseplausibel;navakarotiZusammensetzungörtlichunsicher.ExplizitZEHNgesichterbestätigt9NebengesichterplusHauptgesicht,nichtalleZählstellenrückwirkendreparieren.

Vers 1410
bhāruṇḍādye tato bīje ādhāryāḥ pañca tatparāḥ |
tāvadevānāhatādi kintu vyutkramayogataḥ ||1410||

Danach folgen die mit Bharunda beginnenden Bijas [die genaue Gruppenangabe ist unsicher], dann fünf weitere und ebenso viele mit Anahata beginnende, diese jedoch in umgekehrter Reihenfolge.

Anmerkung: Fragment:Ādhāryāḥ/ĀthyādyāḥNamensgruppeunklar;keinevollständigeBijareihekonstruiert.

Unnummerierter Text
ūrdhvakeśi vyomakeśi vidyutkeśi vamadagnimukhi pherukoṭiparivṛte śuṣkanarakapālamālābharaṇe sadāśivāṅkaparyaṅkavihāriṇi mahānīlaghanāghanaśyāmakharvakalevare yajñasūtraṃ pavitrametadevaṃ vilikhya hi |

„Du mit aufgerichtetem Haar, mit dem Raum als Haar, mit Blitzhaar, mit Feuer speiendem Mund, umgeben von zehn Millionen Schakalen, geschmückt mit einer Girlande trockener Menschenschädel, die auf dem Lager von Sadashivas Schoß weilt, mit gedrungenem Körper, dunkel wie eine große tiefblaue Regenwolke: Diese heilige Schnur, dieses Pavitra …“ So ist es zu formulieren.

Anmerkung: UnnummerierteProsanacherstemHalbvers1411imQuelllayout;hieralsU1410vor 1411gesammelt.DrastischemythologischeIkonographieerwachsenerGöttin.

Vers 1411
nārācaśūle nālīkabhuśuṇḍyau tadanantaram |
samarpayāmyatha nivedayāmi tadanantaram |
gṛhṇa gṛhṇāpaya dvirdviraṅgīkuruyugaṃ tathā ||1411||

[Noch vor der gesondert wiedergegebenen Prosaanrufung folgen] Naracha, Shula, Nalika und Bhushundi. [An die Prosa anschließend:] „… bringe ich dar, widme ich dir. Nimm es an, nimm es an! Lass es annehmen, lass es annehmen! Nimm es zu eigen, nimm es zu eigen!“

Anmerkung: Quelle1411mit 3VerszeilenundProsazwischen ersterundzweiter;Positionausdrücklichbezeichnet.

Vers 1412
sandhyūnamāmuñca tathā pratimuñca yugaṃ yugam |
pinahyadvayamasyānte sumukhī suprasannayā ||1412||

Ohne Lautverschmelzung: „Lege es an, lege es an! Befestige es, befestige es! Binde es um, binde es um!“ Danach „freundlich zugewandt“ und „gnädig gestimmt“ …

Vers 1413
sudṛṣṭiśca tripadānte sarvatra bhava kīrtayet |
nigūḍhā tiṣṭha saṃlikhya guptācāraṃ tato vadet ||1413||

… sowie „mit gütigem Blick“; an alle drei wird „sei“ angefügt. Danach: „Bleibe verborgen!“ Dann „Guptachara“, „verborgene Ritualpraxis“ …

Vers 1414
sandhyūnamāvṛtāsveti adhyakṣā bhava tādṛśam |
adhiṣṭhātrī bhava tathā tata ānanditā bhava ||1414||

… mit „āvṛtāsva“ [Verbalform unklar], ohne Lautverschmelzung. Dann: „Sei die Aufseherin! Sei die Vorsteherin! Sei erfreut!“

Anmerkung: ErsterSatznichtvollständigverständlich;keineVollformelerfunden.

Vers 1415
gāyatryādyāḥ puraḥ pañca tāvantaḥ sukṛtādayaḥ |
bhadrikāyāśca tāvatyaḥ śaktisarvasvapaścimāḥ ||1415||

Darauf folgen die fünf mit Gayatri beginnenden, ebenso viele mit Sukrita beginnende und ebenso viele mit Bhadrika beginnende, mit Shaktisarvasva als Abschluss.

Anmerkung: Rückverweisgruppen,nichtstillerschlossen.

Unnummerierter Text
sarvamidaṃ karma paripūrya hāyanyarcā samāpyatāṃ siddhaya upatiṣṭhatāṃ samṛddhaya upapadyantāṃ vighnā me naśyantāṃ śatravo me vilīyantāṃ yānyaśubhāni tāni śamamāyāntvavadātāni karmāṇyupacīyantāṃ malīmasāni kṣīyantām |

„Nach der vollständigen Erfüllung dieser ganzen Handlung möge die jährliche Verehrung vollendet werden. Mögen sich die Vollkommenheiten einstellen, mögen die Füllen entstehen. Mögen meine Hindernisse vergehen, mögen meine Feinde sich auflösen. Alles Unheilsame möge zur Ruhe kommen; reine Handlungen mögen wachsen, befleckte mögen schwinden.“

Anmerkung: UnnummerierterProsamantranach 1415.HayanyaJahresverehrungLesungvorläufig,übrigezusammenhängendeAussagelesbar.

Einheit und Abschluss der Hauptgabe

Der Mantra spricht die Einheit von Verehrer und Göttin aus; danach wird das Pavitra der Hauptgestalt dargebracht.

Vers 1416
śāmbhavādyānatho kūṭānaṣṭau kramatīrayet |
parāparaśca śrīkaṇṭhasturīyā raudra eva ca ||1416||

Danach spreche man der Reihe nach die acht mit Shambhava beginnenden Kutas, dann Parapara, Shrikantha, Turiya und Raudra …

Vers 1417
cidānandakalānādāḥ ṣoḍaśaiva bhavanti hi |
brahmatattvānandamayi tathā cicchaktirūpiṇi ||1417||

… Chit, Ananda, Kala und Nada: So sind es sechzehn. Dann: „Du aus der Glückseligkeit der Brahman-Wirklichkeit Bestehende, Gestalt der Bewusstseinskraft …“

Vers 1418
yo'si tvaṃ so'smyahaṃ procya bījaṃ sāyujyamuddharet |
plutatāratrayaṃ maidhatrayañca plutapūrvakam ||1418||

„Was du bist, das bin ich.“ Danach folgt Sayujya-Bija. Tara und Maidha werden jeweils dreimal mit überlanger Vokaldehnung gesprochen.

Anmerkung: Masculineyo/soimQuelltexttrotzGöttinnenanredebewahrt;PlutaDehnungnichtdurcherfundeneLautformersetzt.

Vers 1416 [Quellzählung an Position 1419]
tritayaṃ tritayaṃ māyārāvayostadanantaram |
yoginīroṣakālānāṃ saṅkhyayā yāvadeva hi ||1416||

Danach Maya und Rava je dreimal; ebenso oft Yogini, Rosha und Kala.

Vers 1420
namaḥ svāhā ca tāraśca guhyakālyā ayaṃ manuḥ |
anena manunā devi trivāroccāritena hi ||1420||

Dann „namaḥ svāhā“ und Tara. Dies ist Guhyakalis Mantra. Mit diesem dreimal gesprochenen Mantra, Göttin …

Gefäßgaben und Balis

Die Quelle schreibt die weitere Darbringung von Gefäßen und Tier-Balis nach der anlassbezogenen Ritualordnung vor.

Vers 1421
prāṅnirmitaṃ pavitraṃ tanmūladevyai nivedayet |
svaśaktyavadhipātrāṇāṃ sthāpitānāṃ nimittavat ||1421||

… bringe man der Hauptgöttin das zuvor gefertigte Pavitra dar. Die Gefäße, die nach den eigenen Möglichkeiten wie bei der anlassbezogenen Puja aufgestellt wurden …

Vers 1422
mantrapūrvaṃ pūjitānāmarpaṇaṃ tadanantaram |
balayaḥ pūrvamuditā ye naimittikakarmaṇi ||1422||

… und mit Mantras verehrt worden sind, werden anschließend dargebracht. Die Balis, die zuvor für die anlassbezogene Handlung genannt wurden …

Vers 1423
te pradeyā yathāśakti samantravidhiprokṣaṇāḥ |
svagācchāgālulāyāvā āraṇyā mṛgaśūkarāḥ ||1423||

… sind nach den eigenen Möglichkeiten darzubringen, nach ritueller Besprengung mit Mantras. [Genannt werden] Haustiere, Ziegen und Büffel [erster Teil beschädigt], außerdem wild lebende Hirsche und Eber …

Anmerkung: Tierlisteörtlichunsicher,keineweiterenArtenvermutet.

Vers 1224 [Quellzählung an Position 1424]
vihitā ye jalacarā ye balitvena kīrtitāḥ |
te hi yugmatayā deyā naivāyugmāḥ kadācana ||1224||

… sowie die als Bali vorgeschriebenen Wassertiere. Sie sind in gerader Zahl darzubringen, niemals in ungerader.

Vers 1425
teṣāṃ vidhānaṃ kathitaṃ prāṅnaimittikapūjane |
yathā hi balibāhulyaṃ pavitrārohaṇe bhavet ||1425||

Ihre Ordnung wurde zuvor bei der anlassbezogenen Puja erklärt. Wer bei Pavitrarohana eine Fülle an Balis ermöglicht …

Anmerkung: Satzanschluss1426.

Vers 1426
tathā devi vidhātavyaṃ phalabāhulyamicchatā |
naivedyasya pradīpasya dhūpasya ca balestathā ||1426||

… soll, Göttin, entsprechend handeln, wenn er eine Fülle an Früchten wünscht. Speisegaben, Lampen, Räucherwerk und Balis …

Anmerkung: HistorischeFruchtlogikdesOpfers,nichtRedaktionsempfehlung.

Vers 1427
pātrāṇāmatha śaktīnāmatrādhikyaṃ samācaret |
gītānāṃ vādyanṛtyānāmatrādhikyaṃ phalāptaye ||1427||

… Gefäße und Shaktis sollen hier zahlreich sein, ebenso Gesang, Instrumentalmusik und Tanz, um die erhoffte Frucht zu erlangen.

Anmerkung: ShaktisteilnehmendeFrauenimRitualkontext.

Die Teilnehmenden und die gemeinsame Gabe

Sadhakas und Sadhikas sollen gesammelt und froh sein. Eine zusätzliche Schnur gilt allen genannten und ungenannten Gottheiten.

Vers 1428
sādhakāḥ sādhikā vāpi ye carantyatra karmaṇi |
snātā alaṅkṛtā dhautacaraṇāṃśukapāṇayaḥ ||1428||

Die Sadhakas und Sadhikas, die an dieser Handlung teilnehmen, seien gebadet und geschmückt; Füße, Kleidung und Hände seien gewaschen …

Vers 1424 [Quellzählung an Position 1429]
muditāḥ suprasannāśca sotsāhā atra karmaṇi |
vihite balidāne tu vidhivadvibudheśvari ||1424||

… und sie seien bei der Handlung froh, wohlgestimmt und eifrig. Nachdem das vorgeschriebene Bali ordnungsgemäß dargebracht ist, Herrin der Götter …

Vers 1430
ekaṃ pavitraṃ sarvābhyo devatābhyaḥ samarpayet |
uktānuktāśca ye keciddevā vā devya eva vā ||1430||

… bringe man allen Gottheiten gemeinsam ein Pavitra dar: sämtlichen Göttern und Göttinnen, ob ausdrücklich genannt oder nicht.

Vers 1431
pūrṇāhutivadetebhyo dadyādetatkriyāvidhau |
āvṛttistasya ṣaṣṭiḥ syādaṣṭottaraśatādhikā ||1431||

Diese Gabe erfolgt wie die abschließende volle Opfergabe, Purnahuti. Das Pavitra soll hundertacht plus sechzig, also hundertachtundsechzig Windungen haben …

Vers 1432
dvādaśagranthisaṃyuktā ṣaṭtriṃśāṅgulimāyatā |
pañcabhaṅgyānvitā tadatha mantraṃ śṛṇu priye ||1432||

… zwölf Knoten, sechsunddreißig Angula Länge und fünf Biegungen. Höre nun den Mantra, Geliebte.

Vers 1433
samāpte balidāne tu pavitramadhunoditam |
pāṇibhyāṃ tatsamādāya vakṣyamāṇamanuṃ gṛṇan ||1433||

Nach Abschluss der Bali-Gabe nehme man das eben beschriebene Pavitra in beide Hände und spreche den folgenden Mantra …

Der Mantra für sämtliche Gottheiten

Die universale Gabe schließt auch ungerufene und störende Wesen ein und bittet um Schutz und Gelingen.

Vers 1434
pradadyātsarvadevebhyo ye pavitrādhikāṅkṣiṇaḥ |
tāro maidhaśca pāśaśca māyā kāmo vadhūrapi ||1434||

… und gebe es allen Gottheiten, die das Pavitra begehren. Tara, Maidha, Pasha, Maya, Kama und Vadhu …

Vers 1435
yoginīrāvaḍākinyaḥ phetkārī pralayādimā |
prāsādapretabhairavyaḥ karṇikāhāraśṛṅkhalāḥ ||1435||

… Yogini, Rava, Dakini, Phetkari, Pralaya, Prasada, Preta, Bhairavi, Karnika, Hara und Shrinkhala …

Anmerkung: PralayadimawiederkehrendeGliederungunsicher,nichtzusätzlichenNamenAdimaerfunden.

Vers 1436
utkocinī sarvaśeṣe kūṭānyaṣṭādaśāpyataḥ |
tāraśāṅkarabhairavyo nādasauvarṇaguhyakāḥ ||1436||

… und zuletzt Utkochini. Danach achtzehn Kutas: Tara, Shankara, Bhairavi, Nada, Sauvarna und Guhya …

Vers 1437
sṛṣṭyādayaḥ pañca tathā sattvaṃ hairaṇyagarbhavat |
puṣkarañcāpi tadanu parācijjyeṣṭha eva ca ||1437||

… die fünf mit Srishti beginnenden, Sattva, Hairanyagarbha, Pushkara, Para, Chit und Jyeshtha …

Unnummerierter Text
trayastriṃśatkoṭijātināmadhāriṇo devāstādṛśyo devyaśca ye caitatkarmaṇyadhiṣṭhitā āhūtā vā sāvaraṇā nirāvaraṇā bhāgino rakṣakā lumpakā rakṣakā bhakṣakāstebhya idaṃ pavitraṃ samarpayāmi nivedayāmyupaḍhaukayāmi gṛhṇītāmuñcata paridadhata mamādaḥ karma samāpayata prekṣadhvaṃ mā lumpadhvaṃ mā bhakṣayadhvaṃ yuṣmabhyo bhāgamadadaṃ tenaiva muditā bhavatāvighnaṃ kuruta bhayaṃ śamayata pratyakṣaṃ dviṣato ghnata |

„Den Göttern und entsprechenden Göttinnen der dreiunddreißig Koti Arten und Namen, die bei dieser Handlung gegenwärtig oder herbeigerufen sind, mit oder ohne Umkreis, den Anteilnehmenden, Beschützern, Wegraffenden, Beschützern und Verzehrenden: Ihnen bringe ich dieses Pavitra dar, widme es und überreiche es. Nehmt es an, legt es an, tragt es! Vollendet diese meine Handlung, schaut auf sie! Raffet nichts hinweg, verzehrt nichts! Ich habe euch euren Anteil gegeben; seid darüber erfreut. Beseitigt die Hindernisse, stillt die Furcht, erschlagt die offen auftretenden Feinde!“

Anmerkung: UnnummerierterProsamantrazwischen ersterundzweiterZeile1438.HierU1437vor 1438mitPositionsnote.RakshakazweimalinderQuellebewahrt,keineDublettenbereinigunginnerhalbFormel.

Vers 1438
sarvaśeṣe parijñeyaṃ mahānirvāṇanāmakam |
sarvakarmāṇi siddhyantu mama śabdātsamuddharet |
sampado'nu ca vardhantāṃ pūrvoktātpadataḥ priye ||1438||

… ganz zuletzt das Mahanirvana genannte Kuta. [Es folgt die gesondert wiedergegebene Prosaanrufung.] Dann: „Mögen alle meine Handlungen gelingen! Möge mein Wohlstand wachsen!“, Geliebte.

Anmerkung: 3 QuellzeilenmitProsanachderersten;„mein“inbeidenSätzenlautAnweisung.

Vers 1436 [Quellzählung an Position 1439]
amṛtakṣetrapālau ca kākinī dakṣiṇā baliḥ |
jambhaḥ prāso vidhiścañcuḥ pracaṇḍāntā ca bhūtinī ||1436||

Danach Amrita, Kshetrapala, Kakini, Dakshina, Bali, Jambha, Prasa, Vidhi, Chanchu, Prachanda und Bhutini …

Anmerkung: PracandantaVerbindungsunsicherheit,nichtneuenEndnamenergänzt.

Vers 1440
tathā patanasaṃhārau vinādādyāstrayo'pi ca |
prasīdata dvayamatha varadā bhavataikakam ||1440||

… Patana, Samhara und die drei mit Vinada beginnenden. Dann: „Seid gnädig, seid gnädig! Seid Gewährer von Gaben!“ Die letzte Aufforderung steht einmal.

Vers 1441
sarvānkāmānvindata ca dve dve śeṣāstrayostataḥ |
carame'ṅguṣṭhatarjanyāvekaikau samudāharet ||1441||

„Lasst alle Wünsche erfüllt werden!“ Danach Shesha und Astra jeweils zweimal; am Ende Angushtha und Tarjani je einmal.

Anmerkung: Vindatawörtlichfindet/erlangt;WunschbezugRitualanrede.DecknameSheshalesungunsicher.

Vers 1442
anena manunā devi yāvatyo devadevatāḥ |
divyantarīkṣapātāle bhūmāvandhau tarau jale ||1442||

Durch diesen Mantra, Göttin, werden sämtliche Gottheiten im Himmel, im Luftraum, in der Unterwelt, auf der Erde, im Brunnen, im Baum und im Wasser …

Anmerkung: AndhaualsBrunnenausKontextvorläufig.

Vers 1443
goṣṭhe śmaśāne bhavane kāntāre nadya eva vā |
bhavanti pūjitāḥ sarvāḥ pavitreṇa varānane ||1443||

… im Viehstall, am Verbrennungsplatz, im Haus, in der Wildnis oder im Fluss durch das Pavitra verehrt, du Schöne.

Anmerkung: NadyamimDrucknadyHerausgeberergänzung,nichtunabhängiggesichert.

Musik, Lichter und Shakti-Puja

Die Feier wird klangvoll fortgesetzt; bei der anschließenden Shakti-Verehrung verlangt der Text, sexuelle Erregung zu vermeiden.

Vers 1444
tato vādyaṃ vādayīta pracuraṃ śaṅkhaghaṇṭayoḥ |
anyeṣāmapi vādyānāṃ śabdaṃ yatnena kārayet ||1444||

Danach lasse man Muscheln und Glocken reichlich erklingen und sorge auch für den Klang anderer Instrumente …

Vers 1445
ḍamarośca mṛdaṅgasya vīṇāyā ānakasya ca |
paṭahasyātha ḍhakkāyā ghanasya śuṣirasya ca ||1445||

… Damaru, Mridanga, Vina, Anaka, Pataha und Dhakka sowie weiterer Schlag- und Blasinstrumente.

Anmerkung: Instrumentnamenbewahrt;ghanaklingendeFestkörper,shushiraBlasinstrumente.

Vers 1446
prācuryaṃ tatkṣaṇe kuryādviśeṣāddhūpadīpayoḥ |
śaktipūjāṃ tataḥ kuryādrītyā pūrvoktayā priye ||1446||

In diesem Augenblick sorge man besonders für reichliches Räucherwerk und viele Lichter. Danach vollziehe man die Shakti-Puja nach der zuvor genannten Weise, Geliebte.

Vers 1447
vikāro mānmathastatra varjanīyaḥ prayatnataḥ |
aṅgahānistu pūjāyāḥ kṛte'muṣminprajāyate ||1447||

Dabei ist die Erregung durch sexuelles Begehren sorgfältig zu vermeiden. Tritt sie auf, so entsteht nach der Rituallehre ein Mangel an der Verehrung.

Anmerkung: BeziehtsichaufShakti-Puja,nichtheimlichsexualisiert.

Vers 1448
pāruṣyaṃ kalahaṃ nindāṃ dveṣamālasyameva ca |
tvarāṃ tandrāṃ madaṃ jāḍyaṃ viṣādaṃ rodanaṃ bhayam ||1448||

Härte, Streit, üble Nachrede, Hass, Trägheit, Hast, Schläfrigkeit, Überheblichkeit, Stumpfheit, Niedergeschlagenheit, Weinen und Furcht …

Vers 1445 [Quellzählung an Position 1449]
dvādaśaitāni varjyāni yatnātsmaravikāravat |
vastrālaṅkaraṇādīni śaktitaḥ śaktaye'rpayet ||1445||

… diese zwölf sind ebenso sorgfältig zu meiden wie sexuelle Erregung. Nach den eigenen Möglichkeiten gebe man der Shakti Kleider, Schmuck und weitere Gaben.

Anmerkung: HistorischeRitualdisziplin,keineallgemeineUnterdrückungvonTrauerempfohlen.

Vers 1450
yaiḥ kairapi prakāraistu śaktiṃ tuṣṭāṃ samācaret |
[vidāyāyaṅgavikṛtiṃ] tena tuṣyati kālikā ||1450||

Man soll die Shakti auf geeignete Weise zufriedenstellen. [Eine Einschränkung über körperliche Erregung ist beschädigt.] Dadurch wird Kalika erfreut.

Anmerkung: Fragment:mittlereWortfolgeimDruckFragezeichen,nichtsexuelleInstruktionhineinrekonstruiert.

Kumari-Verehrung und Bewirtung

Die Kumaris werden als Göttinnen verehrt und gespeist, begleitet von Hymnen und Mantras. Dieser Abschnitt beschreibt keine sexuelle Handlung.

Vers 1451
tāṃ samāpya kriyāṃ devi kumārīratha pūjayet |
tisraḥ pañca tathā sapta navaikādaśa vā tathā ||1451||

Nach Abschluss dieser Handlung, Göttin, verehre man Kumaris: drei, fünf, sieben, neun oder elf.

Anmerkung: Kumari-PujaalsnichtsexuelleVerehrungundBewirtung,anschließenderAbschnitt.

Vers 1452
etadūrdhvaṃ na kartavyā yugmā vā yugmarūpiṇīḥ |
arcāyāṃ śāradīyāyāmetasya vidhirīritaḥ ||1452||

Man soll nicht darüber hinausgehen und keine gerade Zahl wählen [zweite Zahlenformulierung beschädigt]. Die Ordnung hierfür wurde bei der Herbstverehrung erklärt.

Anmerkung: Yugmavayugmarupinihunklar,VerweisaufKapitel 13nichtdurchneueVorschriftersetzt.

Vers 1453
etāsāṃ ceṣṭanavidhau pūrvavatphalameva hi |
devyā eva puraḥ sarvā bhojayīta vicakṣaṇaḥ ||1453||

Für ihr Verhalten gelten dieselben Deutungen der Frucht wie zuvor. Der Kundige soll sie alle vor der Göttin speisen lassen.

Anmerkung: OmenverweisKapitel 13,historischeDeutungen.

Vers 1454
khādyadravyasyāpi phalaṃ pūrvavatkathitaṃ priye |
bhakṣayantīṣu tāsvitthaṃ paṭhetstotramananyadhīḥ ||1454||

Auch die Frucht der Speisen wurde zuvor erklärt, Geliebte. Während sie essen, rezitiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit einen Lobpreis …

Vers 1455
nāmnāṃ sahasraṃ gadyaṃ vā sudhādhārāmathāpi vā |
bījamālāmayīmantramathavā samudāharet ||1455||

… die tausend Namen, den Prosahymnus, die Sudhadhara oder den Bijamalamayi-Mantra …

Anmerkung: Werke/Formelnnurbenannt,hiernichtzusätzlichvervollständigt.

Vers 1456
viṣṇūpāsyāyutārṇaṃ vā na tūṣṇīṃ sthitimācaret |
sambhāvitā visarjyetā ucchiṣṭāni nirasya ca ||1456||

… oder den von Vishnu verehrten zehntausendsilbigen Mantra. Man soll nicht schweigend dasitzen. Danach entlasse man die ehrerbietig bewirteten Kumaris und entferne die Speisereste.

Anmerkung: NichtsexuelleBewirtung.

Blumengaben und Verneigung

Vierundzwanzig Mantras begleiten die Blumenhandvoll; Umrundung und vollständige Verneigung folgen.

Vers 1457
caturviṃśatibhirmantraiḥ pṛthakpṛthagudīritaiḥ |
śanaiḥ śanairniralaso dadyātpuṣpāñjalitrayam ||1457||

Mit vierundzwanzig einzeln gesprochenen Mantras bringe man ruhig, ohne Trägheit, jeweils drei Handvoll Blumen dar.

Vers 14158 [Quellzählung an Position 1458]
ekākṣaraṃ samārabhya yāvatsāhasrikākṣaraḥ |
yāvanto guhyakālyāstu mantrā atra mayoditāḥ ||14158||

Beginnend mit dem einsilbigen bis zum tausendsilbigen: alle hier von mir gelehrten Mantras Guhyakalis …

Vers 14596 [Quellzählung an Position 1459]
tānekaikaṃ samuccārya trivāraṃ tridaśeśvari |
nimīlya netre bhaktyetthaṃ pradadyātkusumāñjalim ||14596||

… spreche man einzeln dreimal, Herrin der Götter. Mit geschlossenen Augen bringe man so voller Hingabe die Blumenhandvoll dar.

Vers 1460
pradakṣiṇaṃ tato dadyāddakṣiṇaplutipūrvakam |
daṇḍapraṇāmañca caredaṣṭāṅgāvanisaṅginam ||1460||

Danach umrunde man die Göttin im Uhrzeigersinn, mit einem Schritt beziehungsweise Sprung nach rechts beginnend. Dann vollziehe man die ausgestreckte Verneigung, bei der acht Körperteile den Boden berühren.

Anmerkung: DakshinaplutirituellerSchritt/SprungnichtstillschweigendnormalesGehen.

Lichtschwenken und Shiva-Bali

Nach den Blumengaben folgen die Lichtdarbringung und die Gabe an Shiva; die lokalen Mantraanweisungen bleiben in ihrer überlieferten Gestalt.

Vers 1461
ārātrikaṃ tato dadyādyathāvibhavaśakti ca |
sāyāhne'hani sañjāte śivābhyo balimāharet ||1461||

Danach vollziehe man Arati nach den eigenen Mitteln und Möglichkeiten. Wenn der Abend gekommen ist, bringe man den Shivas, den Schakalgestalten, ein Bali dar.

Anmerkung: ShivaBaliKontextKapitel 13;keineGleichsetzungmitmännlichemShiva.

Vers 1462
samāṃsatemanairannaiḥ sāmiṣyānyayāpi tathā |
vidhānaṃ dvividhaṃ tasya mayā pūrvaṃ nirūpitam ||1462||

Die Gabe besteht aus Speisen mit Fleisch und Brühe sowie weiteren fleischhaltigen Zubereitungen. Ich habe dafür zuvor zwei Verfahren erklärt.

Anmerkung: ZweiterSpeiseausdruckörtlichbeschädigt,Grundinhaltlesbar.

Vers 1463
ekaṃ nānāmiṣaiḥ sādhyaṃ bahvāyāsaṃ mahatphalam |
tacca kāmakalākālyāḥ prasaṅgena tvayā śrutam ||1463||

Das eine erfordert verschiedene Fleischgaben, ist aufwendig und soll große Frucht bringen. Du hast es im Zusammenhang mit Kamakalakali gehört.

Anmerkung: InternerWerkteilverweis,nichtzusätzlichePassageerfunden.

Vers 1464
anyadguhyāprasaṅgena vāradvayamudīritam |
yatrātmanaḥ syātsāmarthyaṃ svalpaṃ vā yadi vā bahu ||1464||

Das andere wurde im Zusammenhang mit Guhya zweimal erklärt. Ob die eigenen Möglichkeiten gering oder groß sind …

Vers 1465
samācarettadevātra sādhako nijayā dhiyā |
rātrāveṣa vidhiḥ kāryo na tiṣṭhati divākare ||1465||

… danach soll der Sadhaka hier mit eigenem Urteilsvermögen handeln. Dieser Ritus ist nachts auszuführen, nicht bei scheinender Sonne.

Vers 1466
asya rītiphale devi tatraiva pratipādite |
tato gate yāmamātre rātrerabhyadhike'pi vā ||1466||

Seine Ordnung und seine Frucht wurden dort erklärt, Göttin. Nachdem dann etwa eine Nachtwache oder mehr vergangen ist …

Anmerkung: YamaNachtwache,nichtminutengenaufestgelegt.

Vers 1467
saṃsthāpitānāṃ pātrāṇāṃ kuryāttadanu tarpaṇam |
yaḥ pakṣo yasya yaḥ proktaḥ sa tena vidadhīta tam ||1467||

… vollziehe man Tarpana mit den aufgestellten Gefäßen. Jeder verfahre nach der für seine Überlieferung genannten Ordnung.

Vers 1468
ṣaṭtriṃśāṣṭādaśa tathā dvādaśāpi tadardhikam |
tattanmaryādayā tasya tasya tarpaṇamācaret ||1468||

Sechsunddreißig, achtzehn, zwölf oder die Hälfte davon: Nach der jeweiligen Regel vollziehe man die entsprechende Tarpana-Gabe.

Anmerkung: Hälfte12also6imKontext,QuelltextnenntHalbierung.

Vers 14646 [Quellzählung an Position 1469]
kramo'pyasyoditaḥ pūrvaṃ tatsamayaṃ tu karmaṇi |
kecidvadantyatra kārye kuryānmatacatuṣṭayam ||14646||

Auch die Reihenfolge wurde zuvor bei der betreffenden Handlung erklärt. Manche lehren, man solle bei diesem Ritual alle vier Überlieferungsverfahren ausführen …

Vers 1470
ekaṃ dvayaṃ trayañcāpi kuryādatha catuṣṭayam |
mataṃ mamāpyetadeva phalabhūmā yato bhavet ||1470||

… eines, zwei, drei oder alle vier. Auch ich vertrete dies, weil daraus eine größere Fülle der Frucht entstehen soll.

Vers 1471
kṛtenaikaprakāreṇa nāṅgahāniḥ prajāyate |
kṛtaiḥ sarvaprakāraistu phalabāhulyamucyate ||1471||

Wenn nur ein Verfahren ausgeführt wird, entsteht kein Mangel an einem Ritualglied. Bei Ausführung sämtlicher Verfahren wird jedoch eine größere Frucht verheißen.

Vers 1472
yathā yasyābhilaṣitaṃ vidheyaṃ tena tattathā |
pavitrārohaṇaṃ karma mahametaddhi vārṣikam ||1472||

Jeder soll so verfahren, wie er es anstrebt. Denn Pavitrarohana ist ein großes jährliches Fest.

Vers 1473
atra sarve yathā devāstuṣṭāḥ syustatsamācaret |
itthaṃ samāpya deveśi karma tarpaṇikaṃ śubham ||1473||

Man handle so, dass alle Gottheiten zufriedengestellt werden. Nach diesem Abschluss der glückverheißenden Tarpana-Handlung, Herrin der Götter …

Vers 1474
vāmena ghaṇṭāmādhūya dakṣeṇārātrikaṃ vahan |
vakṣyamāṇaiḥ stavaślokaiḥ stutiṃ devyagra ācaret ||1474||

… läute man mit der linken Hand die Glocke und halte mit der rechten das Arati-Licht. Vor der Göttin singe man den folgenden Lobpreis.

Hymnus an die Göttin

Die Verse preisen die Göttin als Grund der Welt und bitten um Hingabe und Schutz.

Vers 1475
jaya janmajarāmṛtyuvyādhihāriṇi kālike |
jaya saṃsārapāthodhitaraṇe karuṇāmayi ||1475||

Heil dir, Kalika, die Geburt, Alter, Tod und Krankheit hinwegnimmt! Heil dir, Barmherzige, die über den Ozean des Samsara hinüberträgt!

Vers 1476
jaya pāpamahāśailapakṣacchedāśane'mbike |
jaya śrīkaṇṭhagṛhiṇi bhaktakalpalate jaya ||1476||

Heil dir, Ambika, Donnerkeil, der dem großen Berg der Verfehlung die Flügel abschlägt! Heil dir, Gemahlin Shrikanthas, wunscherfüllende Ranke für die Hingebungsvollen!

Anmerkung: MythologischesBildgeflügelterBerge,nichtwegerklärt.

Vers 1477
jaya brahmamayīśāni jaya nitye śive jaya |
jaya vedāmbudhisudhe cidānandākṛte jaya ||1477||

Heil dir, Herrin, die aus Brahman besteht! Heil dir, Ewige, Heilvolle! Heil dir, Nektar des Veden-Ozeans, Gestalt von Bewusstsein und Glückseligkeit!

Vers 1478
jaya duḥkhaughataruvyūhajvaladagniśikhe pare |
jaya śmaśānanilaye jaya muktipradāyini ||1478||

Heil dir, Höchste, lodernde Feuerflamme im Wald der Leiden! Heil dir, Bewohnerin des Verbrennungsplatzes! Heil dir, Spenderin der Befreiung!

Anmerkung: Shikh eausOCRshiveKontextflammenbildvorläufig,nichtvölliggesichert.

Vers 1476 [Quellzählung an Position 1479]
parāparasamuddhṛtacidānandaikavigrahe |
kulākulamatāmbhodhe guhyakāli daśānane ||1476||

Du, deren eine Gestalt Bewusstsein und Glückseligkeit ist, hervorgegangen aus Höchstem und Nichthöchstem! Ozean der Lehren von Kula und Akula, Guhyakali mit zehn Gesichtern!

Vers 1480
bhīmarāve mahāghore sṛṣṭisthityantakāriṇi |
sarvāntaryāmini śive'khilakarmaikasākṣiṇi ||1480||

Du mit furchtbarem Ruf, höchst Schreckliche, die Schöpfung, Erhaltung und Ende bewirkt! Innerer Lenker aller, Heilvolle, einzige Zeugin sämtlicher Handlungen!

Vers 1481
nirañjane mahāmāye nādabindukalātmike |
vedāntāgocare durge durgottāriṇi pārvati ||1481||

Unbefleckte Mahamaya, deren Wesen Nada, Bindu und Kala ist! Selbst dem Vedanta unzugängliche Durga, die aus Schwierigkeiten hinüberrettet, Parvati!

Vers 1482
dharmādharmamahāsroto'rṇavarūpiṇi cinmaye |
trailokyavyāpike nitye jñānāmṛtakalānidhe ||1482||

Du reines Bewusstsein, Ozean der großen Ströme von Dharma und Adharma! Ewige, die die drei Welten durchdringt, Schatz der Kräfte des Erkenntnisnektars!

Vers 1483
harasya cāriṇīśāni sarvakarmaikasākṣiṇi |
dharmādharmamahāpāśahaste trailokyaḍāmari ||1483||

Herrin, Gefährtin Haras, einzige Zeugin aller Handlungen! Du hältst die großen Fesseln von Dharma und Adharma in der Hand, Erschütterin der drei Welten!

Vers 1484
nādabindukalārūpe yogodadhisudhāmayi |
āgamāraṇyapañcāsye brahmaviṣṇuśivāsane ||1484||

Gestalt von Nada, Bindu und Kala, Nektar des Yoga-Ozeans! Löwin im Wald der Agamas, deren Sitz Brahma, Vishnu und Shiva bilden!

Anmerkung: PanchasyawörtlichfünfmündigauchLöwe,WaldbildstütztLöwin.

Vers 1485
aṭṭahāsini nādasantrāsitajagattraye |
caturvargamahāvṛkṣaphalarūpiṇi śāṅkari ||1485||

Du laut Lachende, deren Klang die drei Welten erschreckt! Shankari, Frucht des großen Baumes der vier Lebensziele!

Vers 1486
yāni kāni purāṇāni ye kecinnigamāgamāḥ |
sāṅkhyāni yogā jñānāni tvaṃ teṣāṃ tattvamucyate ||1486||

Welche Puranas, Nigamas und Agamas es auch gibt, welche Samkhya-Lehren, Yogas und Erkenntniswege: Du wirst als ihre innerste Wirklichkeit bezeichnet.

Vers 1487
na vidurvedavedāntāstava tattvaṃ na ceśvaraḥ |
na viṣṇurnaiva ca brahmā kuta evādhamā vayam ||1487||

Weder Veda und Vedanta noch Ishvara erkennen dein ganzes Wesen; auch Vishnu und Brahma nicht. Wie viel weniger vermögen wir Geringen es!

Vers 1488
pavitrārohaṇaṃ karma yadidaṃ vai kṛtaṃ mayā |
gṛhāṇa sarvadeveśi parivāragaṇaiḥ saha ||1488||

Diese Pavitrarohana-Handlung, die ich vollzogen habe: Nimm sie an, Herrin aller Gottheiten, gemeinsam mit den Scharen deines Gefolges!

Vers 14886 [Quellzählung an Position 1489]
na rūpaṃ naiva te śīlaṃ naivākāraṃ na ca kriyām |
na jāne bhagavatyamba bhaktiṃ te vedmi kevalam ||14886||

Ich kenne weder dein Wesen noch dein Wirken, weder deine Gestalt noch deine Art, erhabene Mutter. Ich kenne allein die Hingabe an dich.

Anmerkung: Rupa/Shila/Akara/Kriyaalle4wiedergegeben,inDeutschReihenfolgelockerverständlich.

Vers 1460 [Quellzählung an Position 1490]
iti ṣoḍaśabhiḥ padyaiḥ prathitairbhaktibhāvitaiḥ |
ārātrikaṃ samāpyaiva daṇḍavatpraṇamedbhuvi ||1460||

Nachdem man Arati mit diesen als sechzehn bezeichneten, von Hingabe erfüllten Strophen beendet hat, verneige man sich ausgestreckt auf dem Boden.

Anmerkung: Lesbar1475–1489nur15 nummerierteStrophen;Quelle16nichtmitErfindungaufgefüllt.

Gaben und Friedensrezitation

Der folgende Shantipatha enthält neben Segensbitten heftige Flüche gegen Gegner der Kula-Lehre. Sie werden als historische Textaussagen übersetzt.

Vers 1461 [Quellzählung an Position 1491]
praṇāmānyāvataḥ kartuṃ śaknuyātkālikāgrataḥ |
ācarettāvato bhaktyā sādhakaḥ stutimīrayan ||1461||

So viele Verneigungen, wie der Sadhaka vor Kalika auszuführen vermag, vollziehe er mit Hingabe und rezitiere dabei ihren Lobpreis.

Vers 1462 [Quellzählung an Position 1492]
paṭhettato nu kavacaṃ sādhakaḥ śaktibhiryutaḥ |
parivāragaṇaiḥ sarvairanyairmantreṣu dīkṣitaiḥ ||1462||

Danach rezitiere der Sadhaka den Kavacha gemeinsam mit den Shaktis, dem gesamten Gefolge und den anderen in die Mantras Eingeweihten.

Anmerkung: Kavachahiernurbenannt,nichterfunden.

Vers 1443 [Quellzählung an Position 1493]
tāṃ rātriṃ sakalāṃ vyāpya pavitrakusumāṃśukam |
tathaiva sarvaṃ devyaṅge sthāpayīta vicakṣaṇaḥ ||1443||

Die ganze Nacht über lasse der Kundige die Pavitras, Blumen, Gewänder und die übrigen Gaben am Leib der Göttin liegen.

Anmerkung: RitualbildderGöttin.

Vers 14864 [Quellzählung an Position 1494]
tato niśīthe sañjāte prasupte sakale jane |
sādhakaḥ sādhikābhiśca saha mukhyo hi sādhakaḥ ||14864||

Wenn dann Mitternacht gekommen ist und alle Menschen schlafen, soll der leitende Sadhaka gemeinsam mit den Sadhakas und Sadhikas …

Anmerkung: WiederholungSadhakaimZeugen,HierleitenderVerehrerplusGruppe.

Vers 1445 [Quellzählung an Position 1495]
pātrāmṛtāni naivedyaṃ candanaṃ kusumaṃ phalam |
upayuñjīta vidhivadanyebhyo'pi pradāpayet ||1445||

… den Nektar der Gefäße, die Speisegaben, Sandel, Blumen und Früchte vorschriftsgemäß entgegennehmen und verwenden sowie auch anderen davon geben lassen.

Anmerkung: UpayujnichtalleGabenessen,verwendenumfasstDuftBlumen.

Vers 1446 [Quellzählung an Position 1496]
yadyatpātraṃ yasya yogyaṃ yadvihitamatra ca |
tatsarvamanyūnatayā vidhātavyaṃ svayā dhiyā ||1446||

Welches Gefäß für wen angemessen und was hierfür vorgeschrieben ist: All dies ist mit eigenem Urteilsvermögen ohne Auslassung zu beachten.

Vers 1467 [Quellzählung an Position 1497]
śāntipāṭhaṃ tataḥ kuryātsaviśeṣatayoditam |
pavitrārohaṇavidhau ye kecidiha devatāḥ ||1467||

Danach vollziehe man die besonders beschriebene Shanti-Rezitation: „Alle Gottheiten, die bei diesem Pavitrarohana-Ritus …“

Anmerkung: ShantipathaenthältanschließendauchVerfluchungen,nichtalsdurchwegfriedlichesGebetbeschönigt.

Vers 1448 [Quellzählung an Position 1498]
samāyātā mayāhūtā devyā saha ya āgatāḥ |
kaulikāgamarītyedaṃ mayā karma samāpitam ||1448||

„… zusammengekommen, von mir gerufen oder mit der Göttin gekommen sind: Nach der Ordnung des Kaula-Agama habe ich diese Handlung vollendet.“

Vers 144 [Quellzählung an Position 1499]
pūjitā guhyakālī ca yathāśakti yathāvastu |
tena me prīyatāṃ saiva yadi satyaṃ sadāśivaḥ ||144||

„Guhyakali ist nach meinen Kräften und verfügbaren Mitteln verehrt worden. Möge sie deshalb mit mir zufrieden sein, wenn Sadashivas Wort wahr ist.“

Anmerkung: SatyaSadashivaWortergänzungimDeutschenfürSinn,Quellwörtlich„wennSadashivawahr“.

Vers 1500
surāmiṣairmayā devī pūjitā śivaśāsanāt |
mayi prasannā sā bhūyātkimanyaiḥ śāstravistaraiḥ ||1500||

„Mit Alkohol und Fleisch habe ich die Göttin nach Shivas Weisung verehrt. Möge sie mir gnädig sein! Was sollen da die weitläufigen Ausführungen anderer Lehrschriften?“

Anmerkung: HistorischekonfessionelleStellungnahmedesTextes.

Vers 1501
kaulikācārakathitāṃ ye nindante'rhaṇāṃ tava |
te tvatkaradṛṣṭinihatāḥ patantu bhuvi parṇavat ||1501||

„Wer deine nach Kaula-Brauch vorgeschriebene Verehrung schmäht, möge, von deinem Handeln und Blick getroffen, wie ein Blatt zur Erde fallen.“

Anmerkung: VerfluchungalsQuelltext,keinePositionderAusgabe;tv atkara d rishtiörtlichunsicher.

Vers 1502
patantu niraye ghore yāvadindrāścaturdaśa |
tānrudraḥ śapatāṃ sadyaḥ sadārasutabāndhavān ||1502||

„Mögen sie für die Dauer von vierzehn Indra-Herrschaften in die schreckliche Hölle fallen! Möge Rudra sie sogleich verfluchen, mitsamt Frauen, Kindern und Angehörigen …“

Anmerkung: HistorischeVerfluchungunverändertübersetzt.

Vers …3 [beschädigte Quellzählung an Position 1503]
ye pūjāmīdṛśīṃ te'mba nindanti jñānagarvitāḥ |
sadāstu śubhamasmākaṃ sampadaḥ santu kāmitāḥ ||1503||

„… jene, Mutter, die deine solche Verehrung aus Stolz auf ihr Wissen schmähen. Uns aber möge stets Heil zuteilwerden; möge die ersehnte Fülle eintreten.“

Anmerkung: QuellnummernurSchluss3klar,Position 1503.

Vers 15024 [Quellzählung an Position 1504]
rājāno vaśamāyāntu vidyā cāstu nirargalā |
putrapautrābhivṛddhiḥ syājjīvāma śaradāṃ śatam ||15024||

„Mögen Könige unter unsere Macht kommen und das Wissen ungehindert sein! Mögen Söhne und Enkel gedeihen; mögen wir hundert Herbste leben!“

Anmerkung: HerrschaftswunschalsQuelle,nichtmoderneEmpfehlung.

Vers 15015 [Quellzählung an Position 1505]
śatravo nāśamāyāntu vṛddhiṃ mitrāṇi caiva me |
vedasmṛtipurāṇāni kiṃ kariṣyanti mādṛśām ||15015||

„Mögen meine Feinde vergehen und meine Freunde wachsen! Was können Veda, Smriti und Purana Leuten wie mir anhaben …“

Anmerkung: RhetorischimSatzanschluss1506,nichtpauschaleredaktionelleAbwertung.

Vers 1506
mayyamba karuṇādṛṣṭiryadi te pakṣapātini |
śivājñayā tvadarcāyāṃ kṛtāyāṃ yadi kālike ||1506||

„… wenn dein barmherziger Blick, Mutter, mir zugewandt ist, du deine Verehrer Begünstigende? Wenn wir dich auf Shivas Geheiß verehren, Kalika, und dabei …“

Vers 1507
śrutyaśca cyutirasmākaṃ tvaṃ tadā tārayiṣyasi |
kulanindākarā ye ca ye cāmuṣyāndhano'hitāḥ ||1507||

„… von der Shruti abweichen sollten, dann wirst du uns hinüberretten. Diejenigen aber, die Kula schmähen, und jene [deren weitere Bezeichnung beschädigt ist] …“

Anmerkung: Fragment:śruty aśca+letzteZeilebeideFragezeichenimZeugen,ersteAussagewahrscheinlichZuwiderhandelnShruti.

Vers 1508
ye dviṣanti śivānujñāṃ ye ca tvayyanasūyakāḥ |
ya āgamaṃ na manyante ye ca śaṅkukālasāḥ ||1508||

„… die Shivas Erlaubnis hassen, die dir missgünstig sind, den Agama nicht anerkennen und voller Zweifel oder träge sind …“

Anmerkung: AnusuyakaOCRnegationsähnlichanusuya,KontextasuyaMissgunstLesungunsicher;Shankukalasawortgliederungvorläufig.

Vers 1506 [Quellzählung an Position 1509]
pratyakṣaṃ vā parokṣaṃ vā ye dviṣanti ca mādṛśaḥ |
yeṣāmavajñā caiteṣu dveṣālīkamatāṃ tathā ||1506||

„… die offen oder verborgen Menschen wie mich hassen und diese [Lehren oder Verehrer] verachten, [mit Hass und falscher Auffassung; Lesung unsicher] …“

Anmerkung: Fragment:zweiterHalbverssyntaktischbeschädigt,keinebestimmteGruppehinzuerfunden.

Vers 1510
ye svayaṃ dhārmikammanyā ye'pyācāraparāyaṇāḥ |
ye vaidikā yājñikāśca tathā ye cāgnihotriṇaḥ ||1510||

„… die sich selbst für rechtschaffen halten, am vorgeschriebenen Wandel hängen, Vedisten, Opferpriester und Agnihotra-Vollzieher sind …“

Anmerkung: PolemikdeshistorischenTextes.

Vers 1511
tvayyanāsthāṃ vidadhati ye kecitpāpayonayaḥ |
te sarve vilayaṃ yāntu patitāstava kharpare ||1511||

„… und dir keine Achtung schenken, die als aus bösem Ursprung bezeichnet werden: Sie alle mögen in deine Schädelschale fallen und darin untergehen!“

Anmerkung: AbwertenderAusdruckpāpayonialsTexturteilmarkiert,nichtübernommenalsRedaktionsbewertung.

Vers 1512
ḍākinyo'dantu tānsarvānvidhāya lavaśastathā |
bhairavyo bhairavāścāpi niraye pātayantu tān ||1512||

„Mögen die Dakinis sie alle in Stücke teilen und verzehren; mögen Bhairavis und Bhairavas sie in die Hölle stürzen …“

Anmerkung: HistorischemythischeVerfluchung.

Vers 1513
vaṭukāḥ kṣetrapālāśca ye tvatsiṃhāsanodvahāḥ |
tvaṃ teṣāṃ piba raktāni khāda māṃsāni pārvati ||1513||

„… ebenso die Vatukas und Kshetrapalas, die deinen Thron tragen! Du selbst, Parvati, trinke ihr Blut und verzehre ihr Fleisch!“

Anmerkung: DrohbilddeshistorischenGebets,keineHandlungsaufforderunganLesende.

Vers 1514
athavā narake ghore pātayitvā prasādhi vā |
śālāvṛkodareṣvete prabhūtāyāntu tatkṣaṇāt ||1514||

„Oder stürze sie in eine schreckliche Hölle und strafe sie! Mögen sie augenblicklich in den Leibern von Wölfen geboren werden …“

Anmerkung: LetzteVerbformbeschädigt,Wiedergeburtswunschvorläufig;ShalavrikamehrdeutigwildeHunde/Wölfe.

Vers 1515
kaṣṭātkaṣṭataraṃ vāpi te sarve kālikādviṣaḥ |
dharmasya setavo ye ca ye sadācāradeśinaḥ ||1515||

„… oder in einem noch leidvolleren Zustand, all diese Feinde Kalikas! Jene aber, die den Dharma stützen und guten Wandel lehren …“

Anmerkung: WendetvonVerfluchungzuSchutzbitte.

Ein umfassender Segenswunsch

Schriften, göttliche Mächte, Landschaften, Opferstoffe und heilige Handlungen werden zum Wohlergehen angerufen.

Vers 1516
pramāṇīkurvate ye tvāṃ rakṣakāste bhavantu naḥ |
catvāro devi ye vedā ye caiṣāṃ saṅgatāṃ gatāḥ ||1516||

„… und dich als maßgebliche Autorität anerkennen, mögen unsere Beschützer sein. Die vier Veden, Göttin, und alles, was mit ihnen verbunden ist …“

Anmerkung: SpäterVedenpositivgegen1505Polemikbeidesbewahrt.

Vers 1517
āmnāyā ye ṣaḍākhyātā ye caiṣāmanuyāyinaḥ |
nirūpitā yā ṛṣibhirdharmācārasya saṃhitāḥ ||1517||

„… die sechs genannten Überlieferungsströme und ihre Anhänger, die von den Rishis dargelegten Sammlungen über Dharma und Lebensführung …“

Vers 1518
mīmāṃse kathite ye dve jñānakarmaprakāśike |
jñānaṃ sāṅkhyaṃ tapo yogo vidyāśca caturdaśa ||1518||

„… die beiden Mimamsa-Lehren, welche Erkenntnis und Handlung erhellen, Wissen, Samkhya, Askese, Yoga und die vierzehn Wissensgebiete …“

Vers 15186 [Quellzählung an Position 1519]
purāṇānītihāsāśca tarkavyākaraṇādayaḥ |
samudrā lavaṇodādyā ye sapta parikīrtitāḥ ||15186||

„… Puranas und Itihasas, Logik, Grammatik und die weiteren Disziplinen, die sieben Ozeane, beginnend mit dem Salzwassermeer …“

Vers 1520
jambūplakṣādayo dvīpāḥ pātālāni tathaiva ca |
dyaurantarīkṣaṃ mārtaṇḍo nakṣatrāṇi grahāḥ śaśī ||1520||

„… die Inselkontinente Jambu, Plaksha und die übrigen, die Unterwelten, Himmel und Luftraum, Sonne, Mondhäuser, Planeten und Mond …“

Vers 1521
rāśayo dvādaśa tathā lagnāni tithayo'pi ca |
muhūrtāśca kalā kāṣṭhā truṭī rātridine tathā ||1521||

„… die zwölf Tierkreiszeichen, die Aszendenten, Mondtage, Muhurtas, Kalas, Kashthas und Trutis sowie Nacht und Tag …“

Anmerkung: TraditionelleZeiteinheitenohneunsichereSekundenumrechnung.

Vers 1522
pakṣau māsāstathaivāhnā ṛtavaścāyane api |
yugāni catvāri tathā kalpā manvantarāṇi ca ||1522||

„… die beiden Monatshälften, Monate, Tage [Lesung unsicher], Jahreszeiten, die beiden Jahreshälften, die vier Yugas, Kalpas und Manvantaras …“

Anmerkung: AhnaOCRauffällig,nicht„Jahre“hineinrepariert.

Vers 1523
nāgājasaṅkhyake vīthyau nidhayaḥ kalpapādapāḥ |
sumervādyāstathā śailā ananto nāgarāṭtathā ||1523||

„… [zwei Bahnen mit beschädigter Zahlenangabe], die Schätze, wunscherfüllenden Bäume, die Berge von Sumeru an und Ananta, der König der Nagas …“

Anmerkung: Fragment:ersteAngabeimDruckFragezeichen;letzterAusdruckNagaratwahrscheinlich,keineBahnenbenannt.

Vers 1524
vāsukyādyāstathā sarpā garuḍādyāḥ khagā api |
indro vahniryamaścāpi nirṛtirvaruṇo marut ||1524||

„… die Schlangen von Vasuki an, die Vögel von Garuda an, Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna und der Wind …“

Vers 1525
yakṣādhipatirīśāno'ṣṭau tathā ye kulācalāḥ |
devā devarṣayaḥ sarve gaṅgādyāḥ saritastathā ||1525||

„… der Herr der Yakshas und Ishana, die acht Kula-Berge, sämtliche Götter und göttlichen Rishis sowie die Flüsse von der Ganga an …“

Anmerkung: AchtKulabergeQuellenzahl,nichtaufüblicheandereZahlkorrigiert.

Vers 1526
kāśyādīni ca tīrthāni śivaliṅgāni yāni ca |
kīrtitāni purāṇādau ye ca kṣetroṣarāhvayāḥ ||1526||

„… die heiligen Orte von Kashi an, die in den Puranas und anderen Schriften genannten Shiva-Lingas sowie die als Kshetra und Ushara bezeichneten heiligen Stätten …“

Anmerkung: UsharaBezeichnungheiligerbefreienderOrtehierohnebreiteZusatzrecherche.

Vers 1527
sarāṃsi puṣkarādīni vanānyupavanāni ca |
jyotiṣṭomādayo yāgāḥ parākāditapāṃsi ca ||1527||

„… Seen wie Pushkara, Wälder und Haine, Opfer wie Jyotishtoma und Askesen wie Paraka …“

Anmerkung: YagaausOCRyogawegenJyotishtomaOpferklar.

Vers 15208 [Quellzählung an Position 1528]
yamāśca niyamāścāpi gārhapatyādayo'gnayaḥ |
āgameyāstathā śrautā ye'nyatra parikīrtitāḥ ||15208||

„… Yamas und Niyamas, die Opferfeuer von Garhapatya an sowie die anderswo genannten agamikischen und vedischen [Riten beziehungsweise Feuer] …“

Anmerkung: LetzterHalbversimDruckFragezeichen,Bezugswortoffen.

Vers 1526 [Quellzählung an Position 1529]
ṛtvijo vasudhā gāvaśchandāṃsi nikhilāni ca |
ghṛtaṃ payo dadhi madhu gomayaṃ kusumākṣatam ||1526||

„… Opferpriester, Erde, Kühe, sämtliche Versmaße, Ghee, Milch, Dickmilch, Honig, Kuhdung, Blumen und ungebrochene Reiskörner …“

Vers 1530
kuśāstilāstathā dūrvā yaccānyanmedhyamīritam |
kālikāyāḥ prasādena mama bhaktyā tathaiva ca ||1530||

„… Kusha-Gras, Sesam, Durva-Gras und alles andere, was als rituell rein gilt: Durch Kalikas Gnade und durch meine Hingabe …“

Vers 1531
sarvaṃ śubhāya bhavatvaśubhakṣayameva ca |
sarvāsu dikṣu māṃ siddhikarālī pātu sā sadā ||1531||

„… möge all dies zum Heil und zum Schwinden des Unheils beitragen. Möge Siddhikarali mich immer in sämtlichen Richtungen beschützen!“

Schutz in den Gefahren des Lebens

Verschiedene Göttinnen schützen nach Aussage des Gebets unterschiedliche Orte und Lebenslagen. Daran schließen sich weltliche und befreiungsbezogene Wünsche an.

Vers 1532
vidikṣu ca mahācaṇḍayogeśvaryavatu dhruvam |
ḍāmarī māṃ sthale pātu jale'vatvaṭṭahāsinī ||1532||

„In den Zwischenrichtungen möge Mahachandayogeshvari mich gewiss behüten. Damari beschütze mich auf dem Land, Attahasini im Wasser.“

Vers 1532 [Quellzählung an Position 1533]
kālacakreśvarī pātu nirādhāre nabhastale |
cāmuṇḍā māṃ raṇe rakṣenmātaṃgī gahane vane ||1532||

„Kalachakreshvari beschütze mich im haltlosen Himmelsraum, Chamunda im Kampf, Matangi im dichten Wald.“

Anmerkung: Die Quelle wiederholt die Nummer1532.

Vers 1534
avyānnadyudadhau tārā siddhilakṣmīrnṛpāṅgaṇe |
vivāde bagalā pātu dāridrye dhanadāvatu ||1534||

„Tara behüte mich in Fluss und Meer, Siddhilakshmi am Königshof. Bagala beschütze mich im Streit, Dhanada in Armut.“

Vers 1535
tripurā trividhotpāte paradeśe'parājitā |
atyutpāte mahākālī tvaritā prāṇasaṃkaṭe ||1535||

„Tripura [behüte mich] bei den dreifachen Unheilserscheinungen, Aparajita in der Fremde, Mahakali bei übermächtigem Unheil, Tvarita in Lebensgefahr.“

Vers 1536
jayantī vijigīṣāsu bhadrakālyadrimūrdhani |
mṛtyuñjayāmaye pātu vipattau saṃkaṭāmbikā ||1536||

„Jayanti [behüte mich] beim Streben nach Sieg, Bhadrakali auf Berggipfeln. Mrityunjaya beschütze mich bei Krankheit, Sankatambika im Unglück.“

Vers 1537
moheṣu tripuṭā pātu bhūtāveśeṣu bhairavī |
rātrau caṇḍeśvarī rakṣenmahāmāyā dine'vatu ||1537||

„Triputa beschütze mich in Verblendung, Bhairavi bei Besessenheit durch Geister. Chandeshvari behüte mich bei Nacht, Mahamaya am Tag.“

Vers 1538
sandhyayo rudracaṇḍāvyānnākulī vṛkṣakoṭare |
dasyutaskarato durgā śvāpadebhyaśca śūlinī ||1538||

„Rudrachanda behüte mich in beiden Dämmerungen, Nakuli in Baumhöhlen; Durga vor Räubern und Dieben, Shulini vor wilden Tieren.“

Vers 1534 [Quellzählung an Position 1539]
kṛtyābhicārato bālā grahadoṣeṣu kubjikā |
śastrāstrebhyaśchinnamastā śivadūtī davānalāt ||1534||

„Bala [behüte mich] vor Schadenszauber und feindlichen Riten, Kubjika bei schädlichen Planeteneinflüssen; Chinnamasta vor Hieb- und Wurfwaffen, Shivaduti vor Waldbrand.“

Vers 1540
samudravātyāyānādau carcikā māṃ sadāvatu |
rājarājeśvarī rakṣetsarvasmādasumoṣakāt ||1540||

„Charchika behüte mich stets auf Seefahrten, bei Wirbelstürmen und unterwegs. Rajarajeshvari beschütze mich vor allem, was das Leben raubt.“

Anmerkung: Die Trennung der ersten Wortreihe ist nicht völlig sicher.

Vers 1541
pātu sarvābhya ītibhyo bābhravī babhrupiṅgalā |
jale sthale girau nadyāṃ samudre ghorakānane ||1541||

„Babhravi, die braunrot Leuchtende, beschütze mich vor allen Plagen. Im Wasser, auf dem Land, im Gebirge, im Fluss, im Meer und im furchtbaren Wald …“

Anmerkung: Die Gefahrenaufzählung reicht bis 1546; das abschließende Schutzverb steht1547.

Vers 1542
yāte jale dasyubhaye śvāpadatrāsa eva vā |
vivāde saṃkaṭe vāpi raṇe rājakule tathā ||1542||

„… auf Reisen, im Wasser, bei Räubergefahr oder Angst vor wilden Tieren, im Streit oder in Not, im Kampf und am Königshof …“

Anmerkung: याते ist als Reisebezug verstanden; die Lesung ist nicht ganz sicher.

Vers 1543
viṣabhītau vajrapāte kāntāre caurasaṃkule |
upadrave vā vyādhīnāṃ trividhotpāta eva vā ||1543||

„… bei Furcht vor Gift, bei Blitzschlag, in einer von Dieben erfüllten Wildnis, bei der Bedrängnis durch Krankheiten oder bei dreifachen Unheilserscheinungen …“

Vers 1544
mahāmārīṣu durbhikṣe bhaye vā rājasarpayoḥ |
divase vā tathā rātrau sandhyayorubhayorapi ||1544||

„… bei großen Seuchen, bei Hungersnot oder bei Gefahr durch König oder Schlange, am Tag und bei Nacht sowie in beiden Dämmerungen …“

Vers 1545
nānāprakārāsvāpatsu bandhuviccheda eva ca |
abhyutthāne ripūṇāmvā upasargabhaye tathā ||1545||

„… in vielfältigen Unglückslagen, bei Trennung von Angehörigen, beim Aufstand der Feinde und bei drohender Bedrängnis …“

Vers 1546
kutsitasvapnasaṃdarśe mahatyagnibhaye tathā |
uktānuktāsu sarvāsu … bhītiṣu ||1546||

„… beim Erleben schlechter Träume, bei großer Feuersgefahr und bei allen genannten und ungenannten … Gefahren …“

Anmerkung: Fragment: Das Wort vor भीतिषु ist beschädigt.

Vers 1547
vajrakāpālinī pātu svagaṇaiḥ parivāritā |
vidyā kīrtiśca bhogaśca hiraṇyāni hayā gajāḥ ||1547||

„… beschütze mich Vajrakapalini, umgeben von ihren Scharen! Wissen, Ruhm und Genuss, Gold, Pferde und Elefanten …“

Anmerkung: Die neue Wunschliste wird1551 abgeschlossen.

Vers 1548
yuvatyo rūpavatyaśca vibhramābharaṇāḥ striyaḥ |
tavārcā tava bhaktiśca bhavapāśacchidā tathā ||1548||

„… junge, schöne Frauen, deren Schmuck ihr anmutiges Spiel ist, deine Verehrung, Hingabe an dich und das Durchtrennen der Fessel des Werdens …“

Vers 1544 [Quellzählung an Position 1549]
putrapautrādibāhulyaṃ bhūyasī mānyatā nṛpāt |
yāvajjīvamanārogyaṃ mahadāyustathaiva ca ||1544||

„… zahlreiche Söhne, Enkel und weitere Nachkommen, hohe Achtung beim König, lebenslanges ‚Nichtgesundsein‘ und ebenso eine lange Lebensdauer …“

Anmerkung: Die OCR liest अनारोग्यं, „Nichtgesundsein“, im Zusammenhang vermutlich fehlerhaft für einen Gesundheitswunsch. Die widersinnige Lesung wird nicht stillschweigend umgekehrt.

Vers 1550
indriyāṇāmavaikalyaṃ tathā nirveśaśaktitā |
jayo vivāde sarvatra lokānāṃ vaśatā tathā ||1550||

„… Unversehrtheit der Sinne und die Fähigkeit zum Genuss, überall Sieg im Streit und das Gefügigmachen der Menschen …“

Anmerkung: निर्वेशशक्तिता ist als Fähigkeit zum Genuss verstanden; die Lesung bleibt etwas unsicher.

Vers 1551
tathā'pratihatecchatvaṃ sutīrthe dehapātanam |
etatsarvaṃ bhavetsiddhikarālyāstava bhaktitaḥ ||1551||

„… ferner ein ungehinderter Wille und das Ablegen des Körpers an einem heiligen Pilgerort: All dies möge aus der Hingabe an dich, Siddhikarali, erwachsen.“

Vers 1552
guhyakālī namaste'stu namaste'stu namonamaḥ |
iti bhinnakramaṃ śāntipāṭhaṃ kṛtvā varānane ||1552||

„Guhyakali, Verehrung sei dir! Verehrung sei dir, immer wieder Verehrung!“ – Nachdem er so diesen Shantipatha (Friedensrezitation) in gesonderter Reihenfolge vollzogen hat, du Schöngesichtige, …

Anmerkung: Hier endet die zitierte Rezitation; die Ritualanweisung setzt wieder ein.

Die letzte Festnacht und der Morgen

Der Text beschreibt Genuss nach dem Wunsch der Shakti, Nachtwache, erneute Verehrung und die Vorbereitung der Verabschiedung.

Vers 1553
śaktīcchāpūrvakaṃ kuryātsa bhogasuratotsavam |
yadyadīhate manastasyāṃ rātrau tattatsamācaret ||1553||

… soll er, dem Wunsch der Shakti folgend, ein Fest des Genusses und der sexuellen Vereinigung veranstalten. Was immer sein Sinn in jener Nacht begehrt, das soll er ausführen.

Anmerkung: Historische Ritualvorschrift; die Priorität des Wunsches der Shakti ist ausdrücklich genannt.

Vers 1554
naivedyabhakṣaṇaṃ vāpi tathānyatsānarotsavam |
evaṃ sarvāṃ niśāṃ tatra nītvā jāgaraṇādinā ||1554||

Er mag die Opferspeisen essen oder … ein anderes Fest feiern. Nachdem er dort auf diese Weise die ganze Nacht mit Wachen und Ähnlichem verbracht hat, …

Anmerkung: Fragment: Das Attribut vor उत्सवम् ist nicht zuverlässig lesbar.

Vers 1555
prātaḥ snātvā tathā cīrṇaṃ nityaṃ … udaṅmukhaḥ |
pañcopacārairdaśabhirupacārairathāpi vā ||1555||

… soll er morgens baden und seine täglichen Pflichten … verrichten; nach Norden gewandt, mit fünf oder auch zehn Upacharas (Verehrungsgaben) …

Anmerkung: Fragment: Die Verbfügung nach नित्यं ist beschädigt; der erkennbare Satzsinn ist wiedergegeben.

Vers 1556
pūjayitvā jagaddhātrīṃ dhūpādyaiḥ kusumākṣataiḥ |
dīpanaivedyabāhulyaiḥ kuloktairbhūrivastubhiḥ ||1556||

… die Mutter der Welt verehren, mit Räucherwerk und weiteren Gaben, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern, zahlreichen Lampen und Opferspeisen sowie vielen in der Kula-Lehre genannten Gegenständen.

Vers 1557
ghaṇṭāvādairārātrikaṃ nivedya tadanantaram |
mūrdhni chatraṃ samāropya cāmareṇopavījya ca ||1557||

Dann soll er ihr unter Glockenklang das Aratrika-Licht darbringen, einen Schirm über ihr Haupt setzen und ihr mit dem Chamara-Wedel Luft zufächeln.

Vers 1558
anyānyapi hi vādyāni vādayitvā bahūni ca |
kṛtāñjalipuṭāḥ kṛtvā svavargyā puruṣāḥ striyaḥ ||1558||

Auch viele weitere Instrumente soll man erklingen lassen. Die zu seinem Kreis gehörenden Männer und Frauen sollen die Hände zum Anjali zusammenlegen …

Anmerkung: Die grammatische Fügung um कृत्वा ist unregelmäßig; der Handlungssinn ist erkennbar.

Vers 1556 [Quellzählung an Position 1559]
devyanujñāṃ samādāya kuryādasyā visarjanam |
maṇḍalaṃ sthaṇḍilaṃ vāpi kalaśaṃ khaḍgameva vā ||1556||

… und nach Empfang der Erlaubnis der Göttin ihre rituelle Verabschiedung vollziehen. Das Mandala, den Opferplatz, das Gefäß oder das Schwert …

Vers 1560
pīṭhaṃ vā yantramūrtiṃ vā spṛṣṭvā dakṣeṇa pāṇinā |
vakṣyamāṇānmantrarūpān ślokān dhīraḥ samuccaret ||1560||

… den Sitz oder das Yantra-Bild soll der Besonnene mit der rechten Hand berühren und die nun folgenden Verse als Mantras aussprechen.

Die Göttin verabschieden

Der Hymnus dankt für die angenommene Verehrung, bittet um Gunst und Rückkehr und unterscheidet gestaltete und gestaltlose Gegenwart.

Vers 1561
jaya devi jagaddhātri jaya praṇatavatsale |
jaya pāpaughasaṃhantri sadāśivasadharmiṇi ||1561||

„Heil dir, Göttin, Mutter der Welt! Heil dir, die du die sich Verneigenden liebst! Heil dir, Vernichterin der Menge des Übels, Gefährtin Sadashivas!“

Anmerkung: Verabschiedungshymnus1561–1579.

Vers 1562
jaya janmajarādāvāmṛta… jayeśvari |
jaya dāridryakuliśahatabhaktamahauṣadhi ||1562||

„Heil dir, … Nektar für den Waldbrand von Geburt und Alter …, siegreiche Herrin! Heil dir, große Heilkraft für die vom Blitzschlag der Armut getroffenen Verehrer!“

Anmerkung: Fragment: Die Mitte der ersten Zeile ist beschädigt; die beiden lesbaren Vergleiche sind bewahrt.

Vers 1563
asaṃkhyaśaktisahite jayācintyaparākrame |
śaraṇāgatarakṣitri vāñchākalpalate jaya ||1563||

„Heil dir, begleitet von unzähligen Shaktis, deren Macht undenkbar ist! Heil dir, Beschützerin der Zufluchtsuchenden, Wunsch erfüllende Himmelsranke!“

Vers 1564
suratejomayi jaya praṇatārtihare jaya |
jaya siddhiprade devi jaya kaṣṭanivāriṇi ||1564||

„Heil dir, die du aus dem Glanz der Götter bestehst! Heil dir, die du die Not der sich Verneigenden fortnimmst! Heil dir, Göttin, Spenderin der Siddhis! Heil dir, Abwehrerin des Leids!“

Vers 1565
yuddhakāli mahārāve daśavaktre karālini |
aṭṭahāse ghorarūpe muṇḍamālāvirājite ||1565||

„Du Kali des Kampfes, gewaltig Rufende, Zehngesichtige, Furchtbare, laut Auflachende, von schrecklicher Gestalt, geschmückt mit einer Girlande von Köpfen …“

Vers 1566
catuḥpañcāśadordaṇḍairdivyānyastrāṇi bibhrati |
sarvadevamayācintyasiṃhāsanavirājite ||1566||

„… die du mit vierundfünfzig mächtigen Armen göttliche Waffen trägst und auf einem unvorstellbaren Thron erstrahlst, der aus allen Göttern besteht!“

Vers 1567
āhūtāsi mayā devi pavitrārohaṇe vidhau |
pūjitāsi yathābhakti yathāvibhavamīśvari ||1567||

„Göttin, beim Ritus des Pavitrarohana habe ich dich angerufen. Meiner Hingabe und meinen Mitteln entsprechend habe ich dich verehrt, Herrin.“

Anmerkung: आहूतासि ist aus dem Zusammenhang erschlossen; die OCR liest भ्रातासि.

Vers 15608 [Quellzählung an Position 1568]
yojitā cāsi yajñoktayajñasūtreṇa kālike |
balibhistarpitā cāsi stotreṇāpi stutā'pyasi ||15608||

„Kalika, ich habe dich mit der für das Opfer vorgeschriebenen Opferschnur versehen, dich durch Balis gesättigt und auch durch einen Hymnus gepriesen.“

Vers 15646 [Quellzählung an Position 1569]
parivārāstathā te'mba pavitraiḥ pūjitā mayā |
upacāraistathā cānyaiḥ śaktayastava pūjitāḥ ||15646||

„Mutter, auch dein Gefolge habe ich mit Pavitras verehrt; ebenso habe ich deine Shaktis mit weiteren Verehrungsgaben geehrt.“

Vers 1570
pavitrārohaṇākhyāṃ te kṛtāṃ pūjāṃ mayā śive |
sarvābhiḥ śaktibhiḥ sārdhaṃ gṛhītvā guhyakālike ||1570||

„Du Heilvolle, Guhyakalika, nimm gemeinsam mit sämtlichen Shaktis die von mir vollzogene Verehrung an, die Pavitrarohana heißt …“

Vers 1571
samāpya vārṣikīṃ pūjāṃ kṛtvā nirvighnamāśu me |
siddhīrdattvā ca vividhā gṛhītvā matkṛtārcanam ||1571||

„… vollende die jährliche Verehrung und mache [mein Werk] rasch frei von Hindernissen. Gewähre vielfältige Siddhis und nimm die von mir vollzogene Anbetung an …“

Vers 1572
prasannā mayi bhūtvā ca bhūtvā ca muditā tathā |
yathoktaphaladā bhūtvā gaccha devi yathāsukham ||1572||

„… sei mir gnädig und sei erfreut; schenke die genannten Früchte und gehe, Göttin, wie es dir wohlgefällt!“

Vers 1573
sākāreṇānu rūpeṇa ciraṃ tiṣṭha gṛhe mama |
nirākāreṇa rūpeṇa devi dhāma nijaṃ vraja ||1573||

„Bleibe in deiner Gestalt lange in meinem Haus. In deiner gestaltlosen Form, Göttin, gehe in deine eigene Wohnstatt!“

Anmerkung: Die Fügung साकारेणानु रूपेण ist etwas unsicher; der Gegensatz gestaltet/gestaltlos ist deutlich.

Vers 1574
gaccha gaccha svakaṃ sthānaṃ parivāragaṇaiḥ saha |
yatsthānaṃ na vidurdevā viṣṇvādyāstava kālike ||1574||

„Gehe, gehe mit den Scharen deines Gefolges an deinen eigenen Ort, Kalika – an jenen deinen Ort, den selbst Vishnu und die anderen Götter nicht kennen.“

Vers 1575
visarjayāmi tvāṃ devi svadhāmagamanāya hi |
śivena saha saṃyujya punarāyāhi madgṛham ||1575||

„Göttin, ich verabschiede dich, damit du in deine eigene Wohnstatt gehst. Vereine dich mit Shiva und kehre wieder in mein Haus zurück!“

Vers 1576
anujānāmi devi tvāṃ saṃgṛhītāsmadarcanām |
parivārasvaśaktibhyāṃ sahitā tridaśeśvari ||1576||

„Ich gewähre dir den Abschied, Göttin, nachdem du unsere Verehrung angenommen hast, begleitet von deinem Gefolge und deinen eigenen Shaktis, Herrin der Götter.“

Vers 1577
mano mama tvaṃ jānāsi bhaktiṃ jāne tavā'pyaham |
kṛtaṃ mayā svocitaṃ hi tvamapi svocitaṃ kuru ||1577||

„Du kennst meinen Sinn; auch ich kenne die Hingabe an dich. Ich habe getan, was mir zukommt; tue auch du, was dir zukommt!“

Anmerkung: तव भक्तिम् kann grammatisch auch „deine Zuneigung“ heißen; der folgende Vers erläutert die Hingabe des Verehrers.

Vers 1578
mamaucityaṃ sureśāni tvadbhaktistvatpadārcanam |
bhogāpavargayordānaṃ tavaucityaṃ prakīrtitam ||1578||

„Herrin der Götter, mir kommt die Hingabe an dich und die Verehrung deiner Füße zu. Dir kommt es, so wird gelehrt, zu, Genuss und Befreiung zu schenken.“

Vers 1576 [Quellzählung an Position 1579]
śubhāya mama bhūtyai ca gaccha kāli nijaṃ gṛham |
santatyai śatrunāśāya punarāgamanāya ca ||1576||

„Zu meinem Heil und Gedeihen gehe in dein eigenes Haus, Kali: für Nachkommenschaft, für die Vernichtung der Feinde und um wiederzukommen!“

Verteilung der Gaben und Schlussverheißung

Pavitras und übrige Gaben werden verteilt. Abschließend betont der Text die jährliche Ritualpflicht und verheißt Schutz für Haus und Reich.

Vers 1580
ebhirmantraiḥ supaṭhitaistrivāraṃ sakṛdeva vā |
visarjayīta rudrāṇīṃ deśiko nijavargayuk ||1580||

Mit diesen sorgfältig gesprochenen Mantras – dreimal oder auch nur einmal – soll der Deshika gemeinsam mit seinem Kreis Rudrani verabschieden.

Vers 1581
sarvāṇi ca pavitrāṇi vastrāṇyābharaṇāni ca |
avatārya śanairdevyā aṅgātsādhakasādhakaiḥ ||1581||

Alle Pavitras, Gewänder und Schmuckstücke sollen die Sadhakas behutsam vom Körper der Göttin abnehmen …

Anmerkung: Die Wiederholung साधकसाधकैः ist in der Quelle auffällig; keine zusätzliche Personengruppe ergänzt.

Vers 1582
naivedyāni tathā mālāḥ kusumānyanulepanam |
dadyādvibhajya sarvebhyo yathāyogyaṃ varānane ||1582||

… und die Opferspeisen, Girlanden, Blumen und Salben soll man unter alle in angemessener Weise aufteilen, du Schöngesichtige.

Vers 1583
dhārayīta svayaṃ mūlapavitraṃ galakaṇṭhayoḥ |
gale pavitramanye'pi dhārayeyuryathocitam ||1583||

Das Haupt-Pavitra soll er selbst an Hals und Kehle tragen. Auch die anderen sollen, wie es ihnen zukommt, ein Pavitra um den Hals tragen.

Vers 1584
bhūṣaṇāni ca vāsāṃsi gurave pratipādayet |
tadabhāve deśikāya tantrajñāya viśeṣataḥ ||1584||

Die Schmuckstücke und Gewänder soll er dem Guru übergeben; wenn dieser fehlt, einem Deshika, insbesondere einem Kenner des Tantra.

Vers 15815 [Quellzählung an Position 1585]
yaḥ kaścidapi pātraṃ syānnaivedyakusumāsrajām |
pavitrāṇāṃ hi pātrāṇi viralāni sureśvari ||15815||

Für Opferspeisen, Blumen und Girlanden kann jeder ein geeigneter Empfänger sein; geeignete Empfänger der Pavitras aber sind selten, Herrin der Götter.

Anmerkung: Die Wortfügung um कुसुमास्रजाम् ist geringfügig unsicher; Blumen und Girlanden sind erkennbar.

Vers 1586
iti te kathito devi pavitrārohaṇakramaḥ |
anena vidhinā devi varṣe varṣe pavitrakam ||1586||

So habe ich dir, Göttin, die Abfolge des Pavitrarohana erklärt. Nach diesem Verfahren soll Jahr für Jahr das Pavitra[-Ritual] …

Vers 1587
kartavyamanyathā pūjā varṣasyaikasya niṣphalā |
yathāgastyāyārghyadānaṃ yathā bhīṣmāya tarpaṇam ||1587||

… vollzogen werden; andernfalls bleibt die Verehrung eines ganzen Jahres ohne Frucht. Wie bei der Arghya-Gabe an Agastya und dem Tarpana an Bhishma …

Vers 1588
akṛte vārṣikaṃ kṛtyaṃ sarvaṃ niṣphalatāmiyāt |
pavitrārohaṇe'pyevamakṛte niṣphalākhilā ||1588||

… bei deren Unterlassung sämtliche jährlichen Pflichten fruchtlos werden sollen, so bleibt auch die gesamte [Verehrung] ohne Frucht, wenn das Pavitrarohana unterbleibt.

Anmerkung: Die Ausschließlichkeitsaussage gehört zur historischen Rituallehre.

Vers 1584 [Quellzählung an Position 1589]
damanāropaṇaṃ karma pavitrārohaṇaṃ tathā |
ubhe nitye parijñeye akṛte pāpadāyinī ||1584||

Damanaropana und Pavitrarohana sind beide als verpflichtende Riten zu verstehen; unterlassen, bringen sie Verfehlung hervor.

Vers 1540 [Quellzählung an Position 1590]
kṛtayoḥ kālikā tuṣṭā dadāti varamīpsitam |
vaśe tiṣṭhanti bhūpālāḥ śatravo yānti ca kṣayam ||1540||

Werden beide vollzogen, ist Kalika erfreut und schenkt den gewünschten Segen. Könige werden gefügig, und Feinde gehen zugrunde.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungszusage.

Vers 15461 [Quellzählung an Position 1591]
vardhante saṃpado gehe putrapautrādayo'pi ca |
pakṣiṇī pañjarasthaiva vidyāsya gṛhavāsinī ||15461||

Reichtum und Nachkommen vermehren sich im Haus. Die Vidya wohnt in seinem Haus wie ein Vogel im Käfig.

Anmerkung: Vidya kann hier die Mantragöttin beziehungsweise ihre Kraft bezeichnen; der Vergleich ist der des Textes.

Vers 1562 [Quellzählung an Position 1592]
sadādhiṣṭhānamīśānī kurute tasya mandire |
anāhūtā api janāstadājñākāriṇaḥ sadā ||1562||

Ishani nimmt dauerhaft in seinem Haus Wohnung. Auch ungerufen stehen Menschen stets bereit, seinen Befehlen zu folgen.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungszusage.

Vers 15463 [Quellzählung an Position 1593]
tadvaṃśo vardhate nityaṃ dīrghamāyuravāpnuyāt |
mahāmārī mārayati utpātānnāśayatyapi ||15463||

Sein Geschlecht gedeiht beständig; er erlangt ein langes Leben. Mahamari tötet [das zu Bekämpfende] und vernichtet auch Unheilserscheinungen.

Anmerkung: Die letzte Zeile ist syntaktisch unsicher: महामारी kann die Göttin Mahamari oder „große Seuche“ bezeichnen. Ein in der OCR fehlendes Objekt oder eine Verneinung wird nicht ergänzt.

Vers 1564 [Quellzählung an Position 1594]
pavitrārohaṇaṃ karma rājye yasya mahīpateḥ |
jāyate devi vidhyuktaṃ dhanyaṃ rāṣṭraṃ taducyate ||1564||

Das Reich eines Königs, in dem der Pavitrarohana-Ritus vorschriftsgemäß stattfindet, wird glücklich gepriesen, Göttin.

Vers 1565 [Quellzählung an Position 1595]
na durbhikṣaṃ na cotpātā na mārī nāgnitaskarāḥ |
netirna paracakraṃ ca nānye kecidupadravāḥ ||1565||

Dort gebe es keine Hungersnot, keine Unheilserscheinungen, keine Seuche, keine Brände und Diebe, keine Plage, kein feindliches Heer und keinerlei andere Bedrängnisse.

Anmerkung: Historische Schutzverheißung; keine sachliche Garantie.

Vers 1566 [Quellzählung an Position 1596]
kṛtyā nāśamāyānti galanti vividhāmayāḥ |
nākāle mriyate kaścidavagrāho na jāyate ||1566||

Schadenszauber gehen zugrunde, vielfältige Krankheiten schwinden. Niemand stirbt vor seiner Zeit, und es entsteht keine Dürre.

Anmerkung: Das erste Wort ist als कृत्या verstanden; die OCR ist beschädigt.

Vers 15467 [Quellzählung an Position 1597]
na daridro na vā duḥkhī nopasargo na pīḍitaḥ |
nākālamṛtyuvān ko'pi tasya rāṣṭre'bhijāyate ||15467||

In seinem Reich werde niemand arm oder unglücklich, niemand bedrängt oder gequält, und niemand erleide einen vorzeitigen Tod.

Anmerkung: Die Fügung नोपसर्गो ist grammatisch unregelmäßig; der erkennbare Verheißungssinn ist wiedergegeben.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāṃ damanāropaṇapavitrārohaṇavidhānakathanaṃ nāma caturdaśatamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der Mahakala-Samhita das vierzehnte Kapitel mit dem Titel „Darlegung der Vorschriften für Damanaropana und Pavitrarohana“.

Anmerkung: Kolophon; einfache OCR-Fehler im Titel bereinigt.

Bilder und Videos zur Vertiefung

Feuerzeremonie bei Yoga Vidya: eine heutige Darstellung gemeinsamer Verehrung.
Shiva und Shakti: eine Darstellung zur Betrachtung des Göttlichen.

Die folgenden Einführungsvorträge erläutern allgemeine Begriffe; sie sind keine Kommentare zu den einzelnen Versen.

Kali – die Schwarze Göttin

Tantra – Wort und Bedeutung

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Bilder und Videos · Quellen und Literatur · Verwandte Themen

Abschluss

Fest und Alltag geben der Hinwendung zur Göttlichen Mutter immer neue Anlässe. Für heutige Devotees kann die Lektüre dazu anregen, Dankbarkeit bewusst auszudrücken und die eigenen Wünsche ehrlich zu betrachten. Ein Gebet, eine hilfreiche Tat und ein stiller Rückblick am Abend können diese Betrachtung begleiten. Das ist eine heutige Anregung, keine zusätzliche Ritualanweisung des Werkes.

Siehe auch

Die folgenden Tantra- und Yogaschriften eröffnen weitere Zugänge zum Studium. Ihre Lehren und Ritualordnungen sind jeweils in ihrem eigenen Zusammenhang zu lesen.

Wegweiser durch die Ausgabe

Mahakala Samhita – Guhyakali-Khanda, Kapitel 9: Sanskrit Text und deutsche Übersetzung

Lesen und weitergehen: Einführung · 108 Verse und Mantras · Devanagari zu diesem Text · Vorheriger Textteil · Nächster Textteil · Alle Teile

Das neunte Kapitel versammelt weitere Formen des Nyasa. Lautfolgen, Göttinnennamen, heilige Orte und Ursprungserzählungen verbinden die menschliche Gestalt mit der verehrten Welt. Die Ausgabe umfasst das Kapitel bis Vers 1645 und zum Kolophon. Örtliche Beschädigungen bleiben gekennzeichnet.

Kali und Shiva als Bild der Verehrung. Die Darstellung dient der allgemeinen Einordnung und zeigt keine besondere Ritualgestalt dieses Abschnitts.

Anregung zum Studium: Kapitel 9 entfaltet den Nyasa in einer Fülle von Lauten, Namen, Orten und Ursprungserzählungen. Es schließt an die Kapitel 5–8 an. Die Erzählungen geben den rituellen Zuordnungen einen weiteren Horizont; die Zwischenüberschriften erleichtern es, einzelne Gedankengänge bewusst zu verfolgen.

Verwandte Lektüre: Weitere Vergleichswege eröffnen Netra Tantra, Rudrayamala Tantra und Tantraloka. Die jeweiligen Zuordnungen sind werkbezogen zu lesen. Die Hinweise eröffnen einen Vergleich, keine Gleichsetzung der Überlieferungen.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 9

Die fünfte Fünfergruppe führt durch Bija-, Kuta-, Krama-, Dhatu- und Tattva-Nyasa. Danach entfaltet das Kapitel den Laghu-Shodha und die großen Shodha-Formen. Heilige Orte, Berge, Flüsse, Waffen, Opfer, Könige und Siddhas werden durch Mantras mit dem Körper verbunden. Umfangreiche Ursprungserzählungen erläutern diese Verbindungen; Bali-Gaben, Lehrerbindung und Verheißungen schließen das Kapitel ab. Alle lesbaren Einzelheiten der historischen Lehrrede bleiben erhalten.

Sprecherzeile
śrīmahākāla uvāca |

Der ehrwürdige Mahakala sprach:

Bija-Nyasa: der Same der kosmischen Erscheinungen

Vers 1
pañcamaṃ pañcakaṃ matto nibodhātaḥ paraṃ priye |
yasyādyabhūtaḥ kathito bījanyāso mahodayaḥ ||1||

Vernimm nun von mir die fünfte Fünfergruppe, Geliebte. Als ihr erstes Glied wird der Bija-Nyasa genannt, der großen Aufstieg gewährt.

Anmerkung: Fußnote bietet aṅga statt ādya; Hauptlesung als „erstes Glied“ wiedergegeben. Nummer1 im OCR beschädigt.

Vers 2
bījanyāsastu sarveṣāṃ nityatvena vyavasthitaḥ |
yatīnāmatha kaulānāṃ gṛhasthānāṃ tatheśvari ||2||

Der Bija-Nyasa ist für alle als regelmäßige Pflicht festgelegt: für Entsagende, Kaulas und Hausleute, Herrin.

Vers 3
padārthānāṃ hi sarveṣāṃ brahmāṇḍodaravartinām‌ |
bījanyāsastu bījatvenoktastripuravairiṇā ||3||

Der Feind Tripuras hat den Bija-Nyasa als Samen aller Dinge bezeichnet, die sich im Inneren des Welteneis befinden.

Anmerkung: Tripuravairin bezeichnet Shiva.

Vers 4
ataḥ śreṣṭhatamo jñeyaḥ kāraṇatvena śambhuvat‌ |
niśāmayādhunaitasya samuddhāraṃ vadāmi te ||4||

Darum ist er als der höchste zu erkennen, da er wie Shambhu Ursache ist. Höre jetzt: Ich erkläre dir seine Erschließung.

Anmerkung: Nummer4 im OCR beschädigt.

Ritualfaktoren und allgemeiner Formelbau

Vers 5
prajāpatirṛṣiḥ prokto bṛhatīchandasā yutaḥ |
sarve bhāvā devatā ca […] bījamudāhṛtam‌ ||5||

Prajapati wird als Rishi genannt, Brihati als Versmaß. Alle Wesen beziehungsweise Daseinsformen sind die Gottheit; als Bija wird […] genannt.

Anmerkung: Fragment: Bija-Name im OCR „मधं“, nicht zuverlässig bestimmbar.

Vers 6
kalā śaktiḥ sarvabījaṃ kīlakaṃ samudāhṛtam‌ |
carācarasya jagataḥ sargasya viniyogatā ||6||

Kala ist die Shakti, Sarvabija wird als Kilaka genannt. Die rituelle Anwendung gilt der Schöpfung der beweglichen und unbeweglichen Welt.

Vers 7
purataḥ […] sāmānyamuddhāraṃ suravandite |
vakṣye viśeṣaṃ tadanu yena nyāsaḥ sphuṭo bhavet‌ ||7||

Zuerst […] die allgemeine Erschließung, von den Göttern Verehrte. Danach werde ich die Einzelheiten erklären, damit der Nyasa deutlich wird.

Anmerkung: Fragment: ein Wort der ersten Hälfte unlesbar; Satzsinn im Übrigen klar.

Vers 8
bījatrayamayī paṅktirādau pratyekamīritā |
bhinnabhinnābhidhānena tataḥ śabdāḥ prakīrtitāḥ ||8||

Zu Beginn wird jeweils eine Reihe aus drei Bijas angegeben. Danach werden Wörter mit unterschiedlichen Bezeichnungen genannt.

Anmerkung: Abhidhāna aus leicht beschädigtem abhighāna gelesen; Fußnote bietet eine anderslautende Wendung mit vidhāna.

Vers 9
tato bījaśabdasya punarvigrahaḥ paripaṭhyate |
bhinnabhinnāstataḥ śabdā jñeyā ṅe'ntāvubhāvapi ||9||

Dann wird wiederum die Verbindung mit dem Wort „Bija“ ausgeführt. Danach folgen jeweils verschiedene Wörter; beide Glieder sind im Dativ zu verstehen.

Anmerkung: Vigraha bezeichnet hier die sprachliche Auflösung beziehungsweise Verbindung des Kompositums; kein vollständiger Mantrawortlaut ergänzt.

Vers 10
viśeṣyabhūtāḥ paragā viśeṣaṇatayā pare |
te liṅgagrāhiṇaḥ sarve paragānāṃ varānane ||10||

Die nachfolgenden Wörter sind die Bezugswörter, die anderen dienen als ihre Bestimmungen. Diese übernehmen sämtlich das grammatische Geschlecht der nachfolgenden Wörter, Schönangesichtige.

Anmerkung: Hauptlesung pare im Gegensatz zu Fußnotenlesung pūrve; die syntaktische Funktion bleibt durch viśeṣya/viśeṣaṇa erkennbar.

Vers 11
bhinnabhinnā tataḥ paṅktirbījatrayamayī punaḥ |
tato ṅe'ntā guhyakālī ṅe'ntaṃ ca paramagrimam‌ ||11||

Danach folgt wiederum eine jeweils andere Reihe aus drei Bijas. Dann steht „Guhyakali“ im Dativ, und auch das anschließend folgende Glied steht im Dativ …

Vers 12
anantaśaktimūrtyākhyaṃ śeṣe kūrcāstramastakāḥ |
imāni śeṣabhūtāni ṣoḍaśārṇāni pārvati ||12||

… nämlich „Anantashaktimurti“, die Verkörperung unendlicher Kraft. Am Schluss stehen Kurcha, Astra und der Kopfabschluss. Diese abschließenden sechzehn Silben, Parvati …

Anmerkung: Anrufungsnamen in Dativform guhyakālyai / anantaśaktimūrtaye; Kurcha und Astra sind hier Lautchiffren, nicht stillschweigend aufgelöst.

Vers 13
pratimantraṃ susthirāṇi jñātavyāni vipaścitā |
iti sāmānyamudito viśeṣamadhunā śṛṇu ||13||

… muss der Kundige in jedem Mantra als unveränderlich erkennen. Damit ist der allgemeine Aufbau erklärt; höre nun die Einzelheiten.

Die erste Folge der Bija-Dreiergruppen

Vers 14
tāramāyāramāmedhalakṣmīkāmāstataḥ param‌ |
pāśāṅkuśau gāruḍaśca krodhaḥ kālī vadhūrapi ||14||

Tara, Maya, Rama, Medha, Lakshmi und Kama; danach Pasha und Ankusha, Garuda, Krodha, Kali und Vadhu …

Anmerkung: Bija-Namen; Medha nach sichtbarer Wortform, keine ausgeschriebenen Laute ergänzt.

Vers 15
prāsādaḥ kṣetrapālastu mahākrodhāt paraḥ sthitaḥ |
amṛtāditrayaṃ ratyāditrayaṃ tadanantaram‌ ||15||

… Prasada und Kshetrapala, der nach Mahakrodha steht; dann die mit Amrita beginnende Dreiergruppe und danach die mit Rati beginnende Dreiergruppe …

Anmerkung: Hauptlesung ratyādi; Fußnote rambhādi. Die Stellung Mahakrodhas wird ausdrücklich angegeben, ohne die Quellreihenfolge stillschweigend umzuschreiben.

Vers 16
nāsatyaśakticapalā viśvabhūto mayustathā |
kulikapretabhairavyo yoginīrāvatārakāḥ ||16||

… Nasatya, Shakti und Chapala, Vishvabhuta und Mayu; Kulika, Preta und Bhairavi sowie Yogini, Rava und Taraka …

Anmerkung: Worttrennung der verketteten Bija-Namen; Mayu nach sichtbarer Schreibung.

Vers 17
tataḥ kṣamāditritayaṃ nākulāditrayaṃ tathā |
triśaktiratha cāmuṇḍā kūṣmāṇḍī tadanantaram‌ ||17||

… dann die mit Kshama beginnende Dreiergruppe und die mit Nakula beginnende Dreiergruppe; Trishakti, dann Chamunda und danach Kushmandi …

Anmerkung: Fußnote meldet das Fehlen einer Zeile in einem Zeugen; Haupttext bewahrt.

Vers 18
bhāruṇḍātantravarṇāśca jñānāditritayaṃ tataḥ |
kālīhayagrīvadharmāḥ kālādityo dhanapradā ||18||

… Bharunda, Tantra und Varna, danach die mit Jnana beginnende Dreiergruppe; Kali, Hayagriva und Dharma, Kaladitya und Dhanaprada …

Anmerkung: Worttrennung der ersten Namengruppe vorläufig.

Vers 19
nāgo viriñciramalaṃ tāpinyaudumbarau tataḥ |
rathantaraṃ ca pūrṇā ca dhūmaśca lalitā tathā ||19||

… Naga, Virinchi und Amala, danach Tapini und Audumbara; Rathantara, Purna, Dhuma und Lalita …

Vers 20
kaikaraḥ sūcivairājau jaṭāditritayaṃ tataḥ |
virāṭpheravakaumāryo gokarṇāditrayaṃ tataḥ ||20||

… Kaikara, Suchi und Vairaja, danach die mit Jata beginnende Dreiergruppe; Virat, Pherava und Kaumari, danach die mit Gokarna beginnende Dreiergruppe …

Anmerkung: Seltene Namen gemäß sichtbarer Schreibung; Kaikara nicht stillschweigend Kekara.

Vers 21
vṛṣapuṣṭī kaumudī ca nirmalaṃ kulacitrake |
ityekāśītibījāni krameṇa kathitāni te ||21||

… Vrisha und Pushti, Kaumudi, Nirmala, Kula und Chitraka. Damit habe ich dir einundachtzig Bijas in ihrer Reihenfolge genannt.

Anmerkung: Textangabe81; verkürzte „mit … beginnende“ Gruppen werden nicht durch vermutete Namen aufgefüllt.

Die mit Bija verbundenen Begriffe

Vers 22
ekaikasmin manau deyā paṅktirbījatrayātmikā |
cidādau tadanu hyātmā āvāpodvāpa eva ca ||22||

In jedem einzelnen Mantra ist eine Reihe aus drei Bijas einzusetzen. Nun folgen die Begriffe: zuerst Bewusstsein, danach das Selbst sowie Einsetzen und Herausnehmen …

Anmerkung: Āvāpodvāpa als verbundenes Begriffspaar bewahrt; keine erzwungene Zählung in zwei separate Mantras.

Vers 23
jyotiḥ pātālamudadhiḥ ṣaṣṭho hi parikīrtyate |
saptamaścāpi saṅkalpavikalpaḥ parameśvari ||23||

… Licht, Unterwelt und als sechstes das Meer. Als siebtes wird Entschluss und Unterscheidung genannt, höchste Herrin …

Anmerkung: Saṅkalpavikalpa kann auch Vorstellen und alternatives Vorstellen bezeichnen; hier als Begriffspaar.

Vers 24
kālo rūpaṃ ca śabdaśca tato gandho rasastathā |
tataḥ [sparśaḥ?] maithunamannaṃ ca tato'gniḥ pāpameva ca ||24||

… Zeit, sichtbare Gestalt und Klang, dann Geruch und Geschmack; danach [Berührung?], geschlechtliche Vereinigung und Nahrung, sodann Feuer und Unrecht …

Anmerkung: Sparśa steht bereits in der Quelle in eckigen Klammern mit Fragezeichen; als unsichere Herausgeberergänzung bewahrt. Keine erotische Beschreibung.

Vers 24 (zweite Nennung; Folgeposition 25)
puṇyamasyānu cājñānaṃ jñānaṃ tadanu kathyate |
vāsanā karma ca dhyānaṃ sattvaṃ cāpi rajastamaḥ ||24||

… danach Verdienst, Unwissenheit und Wissen; latente Neigung, Handlung, Meditation sowie Sattva, Rajas und Tamas …

Anmerkung: Quelle wiederholt Nummer24; interne Kennung25, ursprüngliche Ziffer bewahrt.

Vers 26
[…] guhyakālī devatā parikīrtitā |
ete śabdāḥ parijñeyā bījaśabdasya […] ||26||

… […] Guhyakali wird als Gottheit genannt. Diese Wörter sind als […] des Wortes „Bija“ zu verstehen.

Anmerkung: Fragment: Versanfang und Schlussbeziehung beschädigt; keine verbindliche Kompositumform ergänzt.

Vers 27
bījānantaragān devi sāmprataṃ tvaṃ niśāmaya |
ādau brahmāṇḍamākāśo vāyustejo jalaṃ tathā ||27||

Höre jetzt, Göttin, die nach „Bija“ folgenden Begriffe: zuerst das Weltenei, der Raum, Wind, Feuer und Wasser …

Vers 28
pṛthivīmana auṣadhyaścakṣuḥśrotramataḥ param‌ |
ghrāṇaṃ ca rasanaṃ tvak ca vijñeyātra trayodaśī ||28||

… Erde, Geist und Pflanzen, danach Auge und Ohr, Geruchssinn und Geschmackssinn; als dreizehntes ist hier die Haut zu verstehen …

Vers 29
prajāsargastathā prāṇāḥ suvarṇaṃ narakastathā |
svargo māyā mokṣajanmamaraṇāni yathākramam‌ ||29||

… die Hervorbringung der Geschöpfe, die Lebenskräfte, Gold und Hölle; Himmel, Maya, Befreiung, Geburt und Tod in dieser Reihenfolge …

Vers 30
layo viṣṇustathā brahmā rudro'pi ca carācaram‌ |
viśeṣyabhūtāḥ paragā ime śabdāḥ prakīrtitāḥ ||30||

… Auflösung, Vishnu, Brahma, Rudra und die bewegliche und unbewegliche Welt. Diese nachfolgenden Wörter sind die Bezugswörter der Verbindungen.

Vers 31
vijñeye liṅgavacane ebhireva varānane |
punaḥ paṅktiṃ tribījānāṃ śive samavadhāraya ||31||

Nach ihnen richten sich das grammatische Geschlecht und die Zahl, Schönangesichtige. Vernimm nun wiederum die Folge der Bija-Dreiergruppen, Segensreiche.

Die zweite Folge der Bija-Dreiergruppen

Vers 32
pṛthunedastārakā […] |
[…] chaṭā prābhavaṃ kalyāṇaṃ ca sādhakaḥ ||32||

Prithuneda, Taraka, […]; […], Chhata, Prabhava, Kalyana und Sadhaka …

Anmerkung: Fragment: mehrere Bija-Namen stark beschädigt; Prithuneda nur vorläufige Lesung. Keine Laute aus vermuteten Namen abgeleitet.

Vers 33
[…] ṣaḍaṅgaṃ kakudeva ca |
[…] vratatirmokavetaṇḍā akṣamauñjike ||33||

… […], Shadanga und Kakuda; […], Vratati, Moka, Vetanda, Aksha und Maunjika …

Anmerkung: Fragment: Versanfang und Beginn der zweiten Hälfte unlesbar; Trennung Moka/Vetanda vorläufig.

Vers 34
[…] kuṇḍaṃ ca garbhaśca dīpo līlā tataḥ param‌ |
[…] bhāriṣaścāpi pracaṇḍā tadanantaram‌ ||34||

… […], Kunda, Garbha, Dipa und danach Lila; […], Bharisha und anschließend Prachanda …

Anmerkung: Fragment: zwei Namen beschädigt; Bharisha nach sichtbarer Schreibung, unsicher.

Vers 35
kekarākṣī kālarātriḥ sammohaḥ patanaṃ tathā |
pahāraśca tato jñeyā […] ||35||

… Kekarakshi, Kalaratri, Sammoha und Patana; dann [Name unsicher: Pahara] und […] …

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte beschädigt; Pahara nicht stillschweigend Prahara ergänzt.

Vers 36
nāndikaṃ paṅkakuśikau […] samaraḥ smṛtaḥ |
rāgaśca sārasaścātha kuṭilā rañjinī ghaṭī ||36||

… Nandika, Panka und Kushika, […], Samara; Raga und Sarasa, danach Kutila, Ranjini und Ghati …

Anmerkung: Fragment: Name vor Samara beschädigt. Hauptlesung Kushika; Fußnote Kulika.

Vers 37
maṇimālā hāriṇī ca tadanūtkocinī priye |
caturasrāditrayaṃ ca cāmarāditrayaṃ tataḥ ||37||

… Manimala und Harini, danach Utkochini, Geliebte; die mit Chaturasra beginnende Dreiergruppe und anschließend die mit Chamara beginnende Dreiergruppe …

Vers 38
vinādāditrayaṃ cāpi aparāntādi ca trayam‌ |
saumatāditrayaṃ cātha ullopyāditrayaṃ punaḥ ||38||

… die mit Vinada beginnende Dreiergruppe sowie die mit Aparanta beginnende; danach die mit Saumata beginnende und wiederum die mit Ullopya beginnende Dreiergruppe …

Vers 39
turīyāgrāvapathyāni tataḥ sarvāgamaḥ priye |
āmnāyātītatattvārṇavau vijñeyau tataḥ param‌ ||39||

… Turiya, Grava und Pathya, danach Sarvagama, Geliebte; anschließend Amnayatita und Tattvarnava …

Anmerkung: Worttrennung der ersten drei Namen vorläufig; Versnummer39 im OCR beschädigt.

Vers 40
parāparaṃ vaktra [carma?] varma tato brahmakapālakam‌ |
cicchaktirjagadāvṛttiḥ sarvaśeṣe paristhitam‌ ||40||

… Parapara, Vaktra [Lesung des Herausgebers: Charma?], Varman und dann Brahmakapalaka; Chitshakti und Jagadavritti. Ganz zuletzt steht …

Anmerkung: Satzfortsetzung41. Bereits in der Quelle steht eine unsichere Lesung in eckigen Klammern; nicht als zusätzlicher gesicherter Bija-Name gezählt.

Vers 41
mahākalpasthāyibījaṃ nyāsaḥ pūrṇo'munā'bhavat‌ |
bījasaṃjño'dhunā sthānānyākarṇaya sureśvari ||41||

… das Mahakalpasthayi-Bija. Damit ist der sogenannte Bija-Nyasa vollständig. Höre nun die Körperstellen, Herrin der Götter.

Körperstellen und Abschluss des Bija-Nyasa

Vers 42
lalāṭaṃ […] ca grīvā gala urastathā |
jaṭharaṃ nābhivastī ca meḍhraṃ vaṅkṣaṇayordvayam‌ ||42||

Die Stirn, […], Nacken, Kehle und Brust; Bauch, Nabel und Unterleib, das Glied und die beiden Leisten …

Anmerkung: Fragment: Körperstelle nach Stirn unlesbar. Vasti bezeichnet den Blasen- beziehungsweise Unterleibsbereich.

Vers 43
ūrū jānudvayaṃ jaṅghe gulphau pārṣṇī tataḥ param‌ |
prapade pārśvayugalaṃ bāhumūle tathāṃsayuk‌ ||43||

… die Oberschenkel, beide Knie, die Unterschenkel, Knöchel und danach Fersen; Vorderfüße, beide Körperseiten, Armansätze und Schultern …

Vers 44
hanū […] gaṇḍau cakṣuṣī śravaṇe tathā |
kūrcaṃ ca brahmarandhraṃ ca vyāpakaṃ tadanantaram‌ ||44||

… die Kiefer, […], Wangen, Augen und Ohren; Kurcha und Brahmarandhra, danach das Durchdringen des ganzen Körpers …

Anmerkung: Fragment: Wort nach den Kiefern unlesbar. Anatomische Bestimmung von Kurcha bleibt offen.

Vers 45
iti sthānāni sarvāṇi krameṇa kathitāni te |
nityanaimittikatvaṃ ca puraiva pratipāditam‌ ||45||

So habe ich dir sämtliche Stellen in ihrer Reihenfolge genannt. Die regelmäßige und anlassgebundene Anwendung wurde bereits zuvor dargelegt.

Kuta-Nyasa: Herkunft und Anlässe

Vers 46
kūṭanyāsamidānīṃ tvaṃ vistārād gadataḥ śṛṇu |
bījānāṃ madhyagā yatrāsate kūṭāstrayastrayaḥ ||46||

Höre nun meine ausführliche Erklärung des Kuta-Nyasa, in dem sich jeweils drei Kutas zwischen den Bijas befinden.

Vers 47
ayaṃ hi śambhunā prokto nyāso vai vajraḍāmare |
mayā samānīya tataḥ saṃhitāyāṃ niveśitaḥ ||47||

Diesen Nyasa hat Shambhu im Vajradamara gelehrt. Ich habe ihn von dort übernommen und in die Samhita aufgenommen.

Anmerkung: Werktitel im OCR „वञ्चडामरे“, wahrscheinlich Vajradamara; Normalisierung ausdrücklich vorläufig.

Vers 48
siddhipradaḥ sadya eva sadya eva […] |
śuddhāśuddhaprakāreṇa kūṭabāhulyayogataḥ ||48||

Er gewährt sogleich Siddhi und sogleich […], je nachdem, ob er korrekt oder fehlerhaft vollzogen wird, denn er enthält zahlreiche Kutas.

Anmerkung: Fragment: zweites Wirkungswort unlesbar; kein bestimmtes Unglück ergänzt.

Vers 49
ata eva yathā śuddho bhaved yatnaṃ tathā caret‌ |
nityatvenodito hyeṣa vedoktāyanacāriṇām‌ ||49||

Deshalb soll man sich darum bemühen, dass er korrekt ausgeführt wird. Für diejenigen, die dem im Veda gelehrten Weg folgen, ist er als regelmäßige Pflicht bestimmt.

Vers 50
kāmyatvena ca kaulānāṃ naimittikatayā'pi ca |
kartavyo bhaktibhāvena sāvadhānatayā'pi ca ||50||

Für Kaulas ist er sowohl als Wunschritual als auch anlassgebunden vorgesehen. Er soll mit Hingabe und Aufmerksamkeit vollzogen werden.

Ritualfaktoren und allgemeiner Aufbau

Vers 51
idānīmasya kalaya ṛṣyādyamaravandite |
ṛṣirbhujyuḥ samākhyāto madhyā chanda udīyate ||51||

Vernimm nun seine Rishi- und weiteren Zuordnungen, von den Unsterblichen Verehrte. Bhujyu wird als Rishi genannt, Madhya als Versmaß.

Anmerkung: Madhyā nach Quelle, nicht in einen geläufigeren Metrumsnamen geändert.

Vers 52
devatā guhyakālī ca ṣaṭcakraṃ bījamucyate |
śaktiśca śaktisarvasvaṃ śāmbhavaṃ kīlakaṃ matam‌ ||52||

Die Gottheit ist Guhyakali, das Bija heißt Shatchakra. Die Shakti ist Shaktisarvasva, als Kilaka gilt Shambhava.

Vers 53
kaivalyapadalābhāya viniyogaḥ prakīrtyate |
ādau sāmānyamuddhāraṃ śṛṇvetasya samāhitā ||53||

Als rituelles Ziel wird das Erlangen des Kaivalya-Zustandes genannt. Höre zunächst gesammelt seinen allgemeinen Aufbau.

Anmerkung: Kaivalya: Befreiung beziehungsweise Unabhängigkeit vom gebundenen Dasein.

Vers 54
tato viśeṣaṃ vakṣyāmi yena bhaktiṃ [vyaktīm‌?] […] |
pañcabījī tu purataḥ sarveṣu manuṣu sthirā ||54||

Danach werde ich die Einzelheiten erklären, wodurch […] [Deutung des Herausgebers: deutlich werden?]. Zu Beginn steht in allen Mantras dieselbe Gruppe aus fünf Bijas.

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte beschädigt; bereits in der Quelle unsichere Konjektur व्यक्तीम०, nicht als gesicherter Sanskritwortlaut rekonstruiert.

Vers 55
bhinnā trikūṭī vijñeyā devi pratimanu kramāt‌ |
sthirā tribījī tadanu pratimantraṃ varānane ||55||

In jedem Mantra ist der Reihe nach eine andere Gruppe aus drei Kutas einzusetzen, Göttin. Danach folgt in jedem Mantra dieselbe Dreiergruppe von Bijas, Schönangesichtige.

Vers 56
śeṣe'strahṛcchirāṃsyeva kūṭanyāso vyavasthitaḥ |
viśeṣaṃ kalayedānīmetasya parameśvari ||56||

Am Schluss stehen Astra, Herz und Kopfabschluss. So ist der Kuta-Nyasa aufgebaut. Vernimm nun seine Einzelheiten, höchste Herrin.

Feste Bijas und wechselnde Kuta-Gruppen

Vers 57
tāro rāvaśca māyā ca yoginī vanitā tathā |
pañcabījātmikā rekhā sthirā […] kīrtitā ||57||

Tara, Rava, Maya, Yogini und Vanita: Diese Reihe aus fünf Bijas wird als unveränderlich […] bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor kīrtitā beschädigt; die vollständige Bija-Gruppe ist lesbar.

Vers 58
ataścalāṃ vai kūṭālīṃ kīrtyamānāṃ mayā śṛṇu |
śāmbhavaṃ vāmadevyaṃ ca māheśvaramataḥ param‌ ||58||

Höre nun die von mir genannte wechselnde Kuta-Reihe: Shambhava, Vamadevya und danach Maheshvara …

Vers 59
sadyojātaṃ tatpuruṣaṃ tato'ghoraṃ varānane |
śrīkaṇṭhamṛtyuñjayau ca raudramasyānu paṭhyate ||59||

… Sadyojata, Tatpurusha und dann Aghora, Schönangesichtige; Shrikantha und Mrityunjaya, danach Raudra …

Anmerkung: Nummer59 im OCR beschädigt.

Vers 60
khecarīkūṭamandārakūṭaṃ kūṭaṃ ca cākrikam‌ |
ādityaṃ nābhasaṃ cāpi bhānavaṃ tadanu smṛtam‌ ||60||

… Khechari-Kuta, Mandara-Kuta und Chakrika-Kuta; Aditya, Nabhasa und danach Bhanava …

Vers 61
udayāstamayau kūṭau caṇḍakūṭamataḥ param‌ |
sṛṣṭisthityākhyasaṃhārakūṭāni tadanantaram‌ ||61||

… die Kutas Udaya und Astamaya, danach Chanda-Kuta; anschließend die Kutas namens Srishti, Sthiti und Samhara …

Anmerkung: Hauptlesung Chanda, Fußnote Chandra.

Vers 62
hemakūṭaṃ ratnakūṭaṃ maṇikūṭamataḥ param‌ |
anākhyākhyaṃ mahākūṭaṃ bhāsā puṣkarameva ca ||62||

… Hema-Kuta, Ratna-Kuta und Mani-Kuta; der große Kuta namens Anakhya, Bhasa und Pushkara …

Vers 63
padakramajaṭākūṭānyetasyānantaraṃ priye |
sattvakūṭaṃ rajaḥkūṭaṃ tamaḥkūṭamataḥ param‌ ||63||

… danach die Kutas Pada, Krama und Jata, Geliebte; Sattva-Kuta, Rajas-Kuta und Tamas-Kuta …

Vers 64
prāsādadhvajamālākhyakūṭānyasyānu bhāmini |
kūṭaṃ yat kuṇḍalinyākhyaṃ svādhiṣṭhānākhyayugmakam‌ ||64||

… die Kutas namens Prasada, Dhvaja und Mala, Strahlende; der Kuta namens Kundalini und das Paar namens Svadhishthana …

Anmerkung: Die Benennung eines „Paares“ bleibt wie überliefert; kein fehlender zweiter Name erfunden.

Vers 65
tasyānu kūṭopapadā ḍākinī vaktradṛṣṭayaḥ |
ṛgyajuḥsāmakūṭāni kathitāni tataḥ param‌ ||65||

… danach Dakini, Vaktra und Drishti, jeweils mit „Kuta“ verbunden; anschließend die Kutas Rig, Yajus und Sama …

Vers 66
merugahvarakailāsakūṭānītaḥ paraṃ priye |
kūṭaṃ rathantaraṃ jyeṣṭhakūṭamātharvaṇaṃ tathā ||66||

… danach die Kutas Meru, Gahvara und Kailasa, Geliebte; Rathantara-Kuta, Jyeshtha-Kuta und Atharvana …

Vers 67
varṇakūṭaṃ mantrakūṭaṃ tathā samayakūṭakam‌ |
kūṭaṃ dhaumāvatyasaṃjñaṃ prabhā jyotirmayaṃ tathā ||67||

… Varna-Kuta, Mantra-Kuta und Samaya-Kuta; der Kuta namens Dhaumavatya, Prabha und Jyotirmaya …

Anmerkung: Seltene Form Dhaumavatya nach sichtbarem Wortlaut; nicht stillschweigend Dhumavati.

Vers 68
vairāgyaiśvaryadharmākhyāstrayaḥ kūṭāstataḥ param‌ |
rāgadveṣavipākākhyāḥ kūṭā eṣāmanusmṛtāḥ ||68||

… danach die drei Kutas namens Vairagya, Aishvarya und Dharma; auf sie folgen die Kutas Raga, Dvesha und Vipaka …

Anmerkung: Fußnote bietet Vipasha statt Vipaka; Hauptlesung bewahrt.

Vers 69
vājapeyaḥ ṣoḍaśī ca puṇḍarīkastataḥ param‌ |
ahaṅkāro mano buddhiḥ kūṭatrayamitaḥ param‌ ||69||

… Vajapeya, Shodashi und danach Pundarika; anschließend die Kuta-Dreiergruppe Ahamkara, Manas und Buddhi …

Anmerkung: OCR-Ziffer66 im Zusammenhang69.

Vers 70
rājasūyo'śvamedhaśca viśvajittadanantaram‌ |
advaitavāsanāyogabhūmikūṭānyataḥ param‌ ||70||

… Rajasuya, Ashvamedha und danach Vishvajit; anschließend die Kutas Advaita, Vasana und Yogabhumi …

Anmerkung: Yogabhumi aus beschädigtem yogabhrami vorläufig gelesen; genaue Namensgrenzen nicht gesichert.

Vers 71
jīvātmaparamātmānāvadvaitaṃ kūṭameva ca |
aikātmyamatha nirvāṇaṃ mahānirvāṇameva ca ||71||

… Jivatman, Paramatman und Advaita-Kuta; dann Aikatmya, Nirvana und Mahanirvana.

Anmerkung: Wiederholung Advaita gegenüber70 bewahrt.

Vers 72
saptaviṃśatisaṅkhyākā rekhetthaṃ tritrikūṭikā |
atha tribījāṃ pāścāttyāṃ sthirāṃ samavadhāraya ||72||

So besteht die Reihe aus siebenundzwanzig Gruppen von jeweils drei Kutas. Vernimm nun die nachfolgende, unveränderliche Dreiergruppe von Bijas …

Anmerkung: Kontrollzahl27, keine Auffüllung beschädigter Gruppen.

Schlussbijas, Körperstellen und Verheißungen

Vers 73
śākinī ḍākinī krodhā iti nyāsaḥ sphuṭo'bhavat‌ |
nyasanīyasthānamitaḥ paraṃ kalaya bhāmini ||73||

… Shakini, Dakini und Krodha. Damit ist der Nyasa deutlich geworden. Vernimm jetzt die Stellen, an denen er einzusetzen ist, Strahlende.

Vers 74
pādau […] cāpi jānunī […] |
liṅgaṃ ca jaṭharaṃ cāpi vakṣo'ṃsayugalaṃ tathā ||74||

Die Füße, […], die Knie, […]; das Glied, der Bauch, die Brust und die beiden Schultern …

Anmerkung: Fragment: zwei Körperstellen unlesbar.

Vers 75
hanū kapolau dantāśca netre karṇau […] |
nāsāpuṭe bhruvau śaṅkhau śiraścāpi śikhā tathā ||75||

… die Kiefer, Wangen und Zähne, Augen und Ohren, […]; Nasenöffnungen, Augenbrauen, Schläfen, Kopf und Haarspitze …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach den Ohren beschädigt.

Vers 76
maṇi[va?]ndhakakṣapṛṣṭhāni kaṭidakṣakarādayaḥ |
tathā vāmakarādiśca dakṣapādādireva ca ||76||

… Handgelenke, Achseln und Rücken, Taille sowie der mit der rechten Hand beginnende Bereich; ebenso der mit der linken Hand und der mit dem rechten Fuß beginnende Bereich …

Anmerkung: Quelle markiert v in maṇibandha unsicher; anatomische Bedeutung hinreichend klar. Ādi-Gruppen nicht um ungenannte Körperglieder erweitert.

Vers 77
vāmapādādirasyānu kathitaḥ parameśvari |
vyāpakaṃ sarvaśarīraṃ proktā sthānasthitiḥ sthirā ||77||

… danach der mit dem linken Fuß beginnende Bereich, höchste Herrin, und das Durchdringen des ganzen Körpers. Damit ist die feststehende Anordnung der Stellen genannt.

Vers 78
nirvāṇaṃ pravivikṣūṇāmayamekaḥ parāyaṇam‌ |
siddhidātā bhogadātā mokṣadātā tathaiva ca ||78||

Für diejenigen, die ins Nirvana eintreten möchten, ist er die einzige Zuflucht. Er schenkt Siddhi, Genuss und ebenso Befreiung.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungsverheißung.

Vers 79
yatīnāṃ ca gṛhasthānāṃ sarvathaivāmṛtapradā |
kūṭanyāso hi kaulānāmapi kāmyānuvartinām‌ ||79||

Der Kuta-Nyasa gewährt Entsagenden und Hausleuten in jeder Hinsicht Unsterblichkeit, ebenso den Kaulas, die wunschbezogenen Ritualen folgen.

Krama-Nyasa: sechs Amnayas und ihre Abfolge

Vers 80
atha śṛṇu kramanyāsaṃ kramo yena hi budhyate |
sa kramaḥ kīdṛgiti cettaduttarapadaṃ śṛṇu ||80||

Höre nun den Krama-Nyasa, durch den die überlieferte Abfolge verstanden wird. Fragst du, welcher Art diese Abfolge ist, so höre die Antwort.

Vers 81
āmnāyāstu sureśāni ṣaḍeva pratipāditāḥ |
ṣaḍāmnāyeṣu sarveṣu mantrā uktāḥ pṛthak pṛthak ||81||

Sechs Amnayas sind gelehrt worden, Herrin der Götter. In allen sechs Überlieferungsströmen sind jeweils besondere Mantras verkündet.

Vers 82
devyaśca tattanmantrāṇāṃ saumyogrāsteṣu ceritāḥ |
tāsāṃ tattaddhyānapūjāsteṣveva pratipāditāḥ ||82||

Dort werden die sanften und wilden Göttinnen dieser Mantras genannt. Ebenso werden darin ihre jeweiligen Meditationen und Verehrungsweisen dargelegt.

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge82.

Vers 82 (zweite Nennung; Folgeposition 83)
yena krameṇa kathitaḥ sa kramaḥ krama ucyate |
so'tra tiṣṭhati vai nyāse tena nyāsaḥ […] ||82||

Die Reihenfolge, in der sie gelehrt wurden, heißt „Krama“. Sie ist in diesem Nyasa enthalten; daher wird der Nyasa […] genannt.

Anmerkung: Fragment: Schlusswort unlesbar. Quelle zeigt82 ein zweites Mal; interne Kennung83, Quellziffer bewahrt.

Vers 84
yāvān kramaḥ kramanyāse vartate tridaśeśvari |
tāvān kramo mayā vācyo na nyūno nādhiko'pi ca ||84||

Ich werde genau die Abfolge erklären, die im Krama-Nyasa enthalten ist, Herrin der Götter: nicht weniger und auch nicht mehr.

Vers 85
vistareṇa tadullekhe bhavedaprastutābhidhā |
yā yā devī yadāmnāyasamayapratipāditā ||85||

Eine ausführliche Darstellung würde über das gegenwärtige Thema hinausführen. Welche Göttin in welcher Ordnung eines Amnaya gelehrt wird …

Vers 86
āvirbhūtā yathā cāpi yasyā yasyāḥ śarīrataḥ |
krame'muṣmin prabravīmi tameva tridaśeśvari ||86||

… und auf welche Weise sie aus dem Körper welcher anderen Göttin hervorgegangen ist: Genau diese Abfolge erkläre ich hier, Herrin der Götter.

Anmerkung: Versziffer leicht beschädigt.

Ritualfaktoren und sechs Körperstellen

Vers 87
etasya cānusandheyo vistaro ḍāmarādiṣu |
kramanyāsasya deveśi saṃvarta ṛṣirīritaḥ ||87||

Die ausführliche Darstellung ist in den Damara-Schriften und verwandten Werken nachzulesen. Für den Krama-Nyasa wird Samvarta als Rishi genannt, Herrin der Götter.

Anmerkung: Die Quelle verweist auf andere Werke; deren fehlender Wortlaut wird nicht ergänzt.

Vers 88
pratiṣṭhā chanda ākhyātaṃ ṣaḍāmnāyasthaśabdataḥ |
[…] devatāśca phetkārī bījamucyate ||88||

Pratishtha wird als Versmaß genannt. Nach dem Ausdruck „in den sechs Amnayas befindlich“ […] werden die Gottheiten bezeichnet; Phetkari heißt das Bija.

Anmerkung: Fragment: Gottheitenbezeichnung beziehungsweise Verbindung am Beginn der zweiten Hälfte beschädigt. OCR-Ziffer85 im Zusammenhang88.

Vers 89
kuṭilā śaktiruditā hāriṇī kīlakaṃ matam‌ |
viniyogastu […] kramanyāse prakīrtitaḥ ||89||

Kutila ist die Shakti, Harini gilt als Kilaka. Die rituelle Anwendung […] wird für den Krama-Nyasa genannt.

Anmerkung: Fragment: Anwendungsformulierung beschädigt. Fußnote Hakini statt Harini; Hauptlesung bewahrt.

Vers 90
nāsya sāmānyamuddhāro na viśeṣo varānane |
ṣaḍeva mantrāḥ ṣaṭsthānānyevamāha puradviṣaḥ ||90||

Hier gibt es weder einen allgemeinen noch einen besonderen Formelaufbau, Schönangesichtige. Es sind sechs Mantras und sechs Stellen: So sprach der Zerstörer der Städte.

Anmerkung: OCR-Ziffer60 im Zusammenhang90. Die sechs Mantras umfassen die folgenden längeren Gruppen; nicht mit sechs einzelnen Göttinnennamen gleichgesetzt.

Die Göttinnen des östlichen Amnaya

Vers 91
tāṃśca tāni kramād vakṣye sāvadhānā niśāmaya |
tāro medho ramā kāmo vadhūrlajjāṅkuśaḥ kalā ||91||

Ich werde diese Mantras und Stellen der Reihe nach nennen; höre aufmerksam. Tara, Medha, Rama, Kama, Vadhu, Lajja, Ankusha und Kala …

Anmerkung: Medha im OCR leicht beschädigt, Fußnote ebenfalls medha; Bija-Namen nicht ausgeschrieben.

Vers 92
kinnaraśceti bījāni navaiva prathamaṃ priye |
caṇḍeśvaryāśca sambuddhirataḥ paramudīritā ||92||

… und Kinnara: Diese neun Bijas stehen zuerst, Geliebte. Danach wird Chandeshvari angerufen.

Anmerkung: Anrede: caṇḍeśvari, „o Chandeshvari“. OCR-Ziffer62 im Zusammenhang92.

Vers 93
yoginī śākinī krodhā [dhaścā?] astraśīrṣe tataḥ param‌ |
vedādirbhauvaneśī ca lakṣmīroṣāṅkuśāstathā ||93||

Yogini, Shakini, Krodha [Lesung unsicher], dann Astra und Kopfabschluss. [Die nächste Formel beginnt mit:] Vedadi, Bhauvaneshi, Lakshmi, Rosha und Ankusha …

Anmerkung: Quellkonjektur zur Endung von Krodha ausdrücklich unsicher; keine Silbe daraus erfunden. OCR-Ziffer63 im Zusammenhang93.

Vers 94
kālī vadhūśca kāmaśca kūṭaṃ tadanu śāmbhavam‌ |
bhairavīkūṭamasyānu māheśvaramataḥ param‌ ||94||

… Kali, Vadhu und Kama; danach Shambhava-Kuta, darauf Bhairavi-Kuta und anschließend Maheshvara …

Anmerkung: OCR-Ziffer64 im Zusammenhang94.

Vers 95
parāparaṃ tataḥ kūṭaṃ tadanu vyomakūṭakam‌ |
caṇḍeśvarīti tadanu khecarī yoginī tathā ||95||

… dann Parapara-Kuta und darauf Vyoma-Kuta; anschließend „Chandeshvari“, Khechari und Yogini …

Anmerkung: Anrede caṇḍeśvari: „o Chandeshvari“.

Vers 96
śākinīgāruḍau dve dve roṣāstre śira eva ca |
tāracaitanyamāyāśrīkāmāḥ kālī tathaiva ca ||96||

… Shakini und Garuda, jeweils zweimal, Rosha, Astra und Kopfabschluss. [Danach:] Tara, Chaitanya, Maya, Shri, Kama und Kali …

Anmerkung: Die genaue Reichweite von dve dve innerhalb der Folge ist knapp formuliert; Wiederholungen nicht als ausgeschriebene Lautfolge erfunden.

Vers 97
pāśāṅkuśau caṇḍaroṣamahāroṣāstataḥ param‌ |
phetkārī śākinī ceti bījānyādau trayodaśa ||97||

… Pasha und Ankusha, Chanda, Rosha und Maharosha, danach Phetkari und Shakini: Diese dreizehn Bijas stehen am Anfang.

Vers 98
harasiddhe sarvasiddhiṃ tataḥ kuruyugaṃ priye |
dehidvayaṃ dāpaya ca dvitayaṃ tadanantaram‌ ||98||

Dann: „O Harasiddhi, bewirke, bewirke sämtliche Vollendungen; gib, gib; lass geben, lass geben!“, Geliebte.

Anmerkung: Formelbestandteile: harasiddhe sarvasiddhiṃ kuru kuru dehi dehi dāpaya dāpaya. OCR-Ziffer68 im Zusammenhang98.

Vers 99
[…] phaṭtrayaṃ ca svāhaikaṃ paripaṭhyate |
medhatrapāramākāmaphetkārīroṣasaṃjñakāḥ ||99||

[…], dann dreimal phat und einmal svaha. [Die nächste Formel beginnt mit den Bijas] namens Medha, Trapa, Rama, Kama, Phetkari und Rosha …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied beschädigt; Fußnote bietet kūrcatrayaṃ, „dreimal Kurcha“, als Parallelvariante, nicht stillschweigend eingesetzt. OCR-Ziffer969 im Zusammenhang99.

Vers 100
sambuddhiḥ kukkuṭītyevaṃ kālīpāśāṅkuśāstataḥ |
rāvacaṇḍāvastrayugmaṃ svāhā tadanu bhāmini ||100||

Es folgt die Anrede „Kukkuti“, dann Kali, Pasha und Ankusha, Rava und Chanda, zweimal Astra und anschließend svaha, Strahlende.

Anmerkung: Kukkuṭi: Anrede an Kukkuti; keine vollständige Lautform aus Chiffren ergänzt.

Vers 101
vedādiraṅkuśastārkṣyaḥ phetkārī ruṭ ca yoginī |
phetkārīti tato deyaṃ sambodhanapadaṃ priye ||101||

Vedadi, Ankusha, Tarkshya, Phetkari, Rut und Yogini; danach ist die Anrede „Phetkari“ einzusetzen, Geliebte.

Anmerkung: Phetkari kommt sowohl als Bija-Name als auch als Göttinnenanrede vor; diese Funktionen bleiben getrennt.

Vers 102
dadadvayaṃ dehi caikaṃ dāpayaikaṃ śiro'pi ca |
caitanyapretaḍākinyo yugāntastadanantaram‌ ||102||

Zweimal „dada“, einmal „dehi“, einmal „dapaya“ und der Kopfabschluss: „Gib, gib; gib; lass geben!“ Danach folgen Chaitanya, Preta, Dakini und Yuganta …

Anmerkung: Dada und dehi haben beide Aufforderungsfunktion „gib“; unterschiedliche Sanskritformen bewahrt.

Weltauflösung und Schutzanrufungen

Vers 103
vāḍavaṃ kūṭamasyānu ehyehi bhagavatyapi |
vābhravīti padaṃ paścānmahāpralayaśabdataḥ ||103||

… darauf Vadava-Kuta und „Komm, komm, Erhabene!“ Danach das Wort „Vabhravi“ und anschließend „Mahapralaya“ …

Anmerkung: Vābhravī nach sichtbarer Schreibung; mögliche andere Namensform nicht stillschweigend ersetzt. Fortsetzung104.

Vers 104
tathā tāṇḍavaśabdācca kāriṇīti pravinyaset‌ |
gaganagrāsini padaṃ tataḥ paramudīrayet‌ ||104||

… daran füge man „Tandava“ und „Karini“: „Die beim großen Weltuntergang den wilden Tanz ausführt!“ Danach spreche man „Gaganagrasini“: „Die den Himmel verschlingt!“

Anmerkung: Gemeinte Anrede mahāpralayatāṇḍavakāriṇi; die Quelle nennt die zu verbindenden Wörter.

Vers 105
māyākūrcau yoginī ca vadhūḥ śākinyanantaram‌ |
śatrūn hanayugaṃ cāpi sarvaiśvaryaṃ dadadvayam‌ ||105||

Maya und Kurcha, Yogini und Vadhu, danach Shakini; dann: „Töte, töte die Feinde! Gib, gib jegliche Herrschermacht!“

Anmerkung: Historische Mantraanrufung. Formelglieder: śatrūn hana hana; sarvaiśvaryaṃ dada dada.

Vers 106
mahotpātāniti procya vidhvaṃsayayugaṃ vadet‌ |
sarvarogāniti procya nāśayadvitayaṃ tathā ||106||

Nach „die großen Unheilserscheinungen“ spreche man zweimal „vernichte“; nach „alle Krankheiten“ ebenso zweimal „beseitige“.

Anmerkung: Formelglieder: mahotpātān vidhvaṃsaya vidhvaṃsaya; sarvarogān nāśaya nāśaya. Rituelle Bitte, keine zugesicherte Heilwirkung.

Vers 107
vedādilakṣmīkāmaprāsādapāśāstataḥ param‌ |
mahākṛtyābhicārānu grahadoṣānitīrayet‌ ||107||

Danach Vedadi, Lakshmi, Kama, Prasada und Pasha. Dann spreche man von „großer Kritya und Schadenzauber“ und anschließend von „Graha-Störungen“ …

Anmerkung: Kṛtyā bezeichnet hier eine schädigende rituelle Macht; graha kann Planeten- oder ergreifende Geistermächte bezeichnen.

Vers 108
nivārayayugaṃ procya […] udīrayet‌ |
sṛṇikālāmṛtaṃ procya pralayaṃ tadanuddharet‌ ||108||

… und zweimal „wehre ab“; danach […]. Nach Srini, Kala und Amrita füge man Pralaya ein …

Anmerkung: Fragment: ein Glied nach nivāraya nivāraya beschädigt; Srini/Kala/Amrita als vorläufige Trennung der Bija-Namen.

Vers 109
phetkārī vahnijāyā ca tāralakṣmītrapāsmarāḥ |
vadhūrāvaruḍastrāṇi brahmavetālarākṣasi ||109||

… Phetkari und Vahnijaya. [Danach:] Tara, Lakshmi, Trapa und Smara, Vadhu, Rava, Rut und Astra; „O Brahmavetala-Rakshasi!“

Anmerkung: Vahnijāyā ist die Chiffre des Svaha-Abschlusses; letzte Anrede benennt eine Rakshasi mit Brahmavetala-Bezug, nähere Mythologie nicht ergänzt.

Vers 110
kālīmahākrodhacaṇḍāstataḥ paramudīrayet‌ |
tato vaded viṣṇuśarāvataṃsika iti priye ||110||

Danach spreche man Kali, Mahakrodha und Chanda. Dann sage man die Anrede „Vishnu-shara-vatamsika“ [Lesung unsicher], Geliebte.

Anmerkung: Fragment: zusammengesetzte Anrede beschädigt. Sichtbare Zeichen bewahrt; weder śara („Pfeil“) noch śava („Leichnam“) als gesicherte Lesung oder Bedeutung behauptet.

Vers 111
tato yogini pretāmā mahārudrapadaṃ tataḥ |
kuṇapārūḍha iti ca vāgbhavaḥ pāśa eva ca ||111||

Dann „Yogini“, „Pretama“, darauf das Wort „Maharudra“ und „Kunaparudha“: „auf einen Leichnam gestiegen“; danach Vagbhava und Pasha …

Anmerkung: Pretama sowie die grammatische Verbindung Maharudra/kunapārūḍha sind unsicher; kein vollständiger zusammengesetzter Göttinnenname erfunden.

Wilde Tänzerinnen und Göttinnenanreden

Vers 112
prāsādaḥ phaṭtrayaṃ cāpi namaḥ svāhā tataḥ param‌ |
tāramāye […] lakṣmīkāmau tathaiva ca ||112||

… Prasada, dreimal phat, danach namah und svaha. [Die nächste Formel beginnt mit:] Tara und Maya, […], Lakshmi und Kama …

Anmerkung: Fragment: Verbindung beziehungsweise Glied nach Tara/Maya beschädigt. Namah bedeutet Verehrung; svaha fungiert als ritueller Darbringungsabschluss.

Vers 113
pāśāṅkuśau ca prāsādastato bhagavatīti ca |
mahāghorakarālinyanu tāmasi samuddharet‌ ||113||

… Pasha und Ankusha, Prasada, dann „Bhagavati“ und „Mahaghorakaralini“, danach „Tamasi“: „O Erhabene, überaus Furchtbare mit aufgerissenem Rachen, Dunkle!“

Anmerkung: Die Anrufungsfunktion ist klar; Quelle schreibt die Namen teilweise als anzufügende Wortstämme.

Vers 114
mahāpralayaśabdācca tāṇḍavinyapi kīrtayet‌ |
tato dadyāt sureśāni carcarīkaratālike ||114||

Nach dem Wort „Mahapralaya“ nenne man „Tandavini“: „Tänzerin beim großen Weltuntergang!“ Dann setze man ein, Herrin der Götter: „Charcharikaratalike“, „die zum Charchari-Rhythmus in die Hände schlägt“ …

Anmerkung: Charcharī als Tanz-/Gesangsbezeichnung bewahrt.

Vers 115
[…] janani ca jambhayugmamataḥ param‌ |
mahākālīti saṃlikhya pravadet kālanāśini ||115||

… […], „Mutter“ und dann zweimal „jambha“. Man schreibe „Mahakali“ und spreche „Kalanashini“: „Große Kali, Vernichterin der Zeit!“

Anmerkung: Fragment: erster Name beschädigt; jambha als überlieferte Rezitationsform ohne gesicherte wörtliche Deutung bewahrt.

Vers 116
bhramari bhrāmari procya ḍamarubhrāmiṇīti ca |
caitanyānaṅgabhūtāni yoginī strī ca śākinī ||116||

Man spreche „Bhramari, Bhramari“ mit kurzem beziehungsweise langem ersten a, dann „Damarubhramini“, „die die Damaru-Trommel kreisen lässt“; anschließend Chaitanya, Ananga, Bhuta, Yogini, Stri und Shakini …

Anmerkung: Bhramari und Bhrāmari als unterschiedliche überlieferte Anredeformen bewahrt.

Vers 117
ḍākinī pralayaścāpi phetkāryastre namaḥ śiraḥ |
kālīvedādiruḍrāvavadhūcaṇḍāḥ kramādime ||117||

… Dakini, Pralaya, Phetkari und Astra, namah und Kopfabschluss. [Danach beginnen in dieser Reihenfolge:] Kali, Vedadi, Rut, Rava, Vadhu und Chanda …

Anmerkung: Fußnote bietet phetkāryāyai namaḥ śiraḥ als andere Fügung; nicht mit Haupttextform vermischt.

Vers 118
caṇḍakhecari saṃlikhya jvalayugmamudīrayet‌ |
prajvaladvitayaṃ cāpi tato nirmāṃsaśabdataḥ ||118||

Man schreibe „Chandakhechari“ und spreche zweimal „brenne“, danach zweimal „lodere auf“. Dann verbinde man „fleischlos“ …

Anmerkung: Formelglieder: caṇḍakhecari jvala jvala prajvala prajvala; Fortsetzung119.

Vers 119
dehe hṛcchirasī cāpi praṇavaḥ kulakāminī |
kāmakūrcau bhagavati mahāḍāmari coddharet‌ ||119||

… mit „Dehe“: „Die einen fleischlosen Körper hat!“ Es folgen Herz- und Kopfabschluss. [Danach:] Pranava, Kulakamini, Kama und Kurcha, dann „Bhagavati Mahadamari“, „Erhabene Mahadamari“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer116 im Zusammenhang119; Nirmamsadehe als Anrede, nicht als zusätzliche Körperanweisung verstanden.

Vers 120
tato ḍamaruhaste ca nīlapītamukhītyapi |
jīvadbrahmagaletyuktvā niṣpeṣiṇi samuddharet‌ ||120||

… dann „Damaruhaste“, „die die Damaru in der Hand hält“, und „Nilapitamukhi“, „Blau- und Gelbgesichtige“. Nach „jivadbrahmagala“ setze man „nishpeshini“: „Die den Hals des lebenden Brahma zerquetscht!“

Anmerkung: Jīvadbrahmagala aus leicht beschädigtem jīvanbrahmagala gelesen; Brahma-Bezug wahrscheinlich, nicht vollständig gesicherte Worttrennung.

Vers 121
yoginī vanitārāvaḍākinyastadanantaram‌ |
mahāśmaśānaraṅgānu carcarīgāyike vadet‌ ||121||

Danach Yogini, Vanita, Rava und Dakini. An „Mahashmashanaranga“ schließe man „Charcharigayike“ an: „Sängerin des Charchari auf der Bühne des großen Verbrennungsplatzes!“

Vers 122
[…] mardayugmaṃ mardayadvitayaṃ tathā |
phetkārībījataḥ svāhā tārahṛtpāśabījataḥ ||122||

[…], zweimal „marda“ und zweimal „mardaya“, „zermalme!“; nach dem Phetkari-Bija folgt svaha. [Danach:] Tara, Herzabschluss und Pasha-Bija …

Anmerkung: Fragment: Versanfang beschädigt; marda und mardaya als verschiedene überlieferte Aufforderungsformen bewahrt.

Vers 123
trilokīvandite ṅe'ntā kartavyā śabareśvarī |
[…] namaḥ kulavadhūḥ […] śirastathā ||123||

„Trilokivandite“, „von den drei Welten Verehrte“, und Shabareshvari im Dativ; […], namah, Kulavadhu, […] und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: mehrere Formelglieder beschädigt. Sicherer Dativ: śabareśvaryai, „der Herrin der Shabaras“; kein vollständiger Mantra ergänzt.

Mahalakshmi, Bagalamukhi und Aparajita

Vers 124
tāro ramā trapā lakṣmīḥ kamale kamalālaye |
prasīdadvitayaṃ cāpi ramayorantare trapā ||124||

Tara, Rama, Trapa und Lakshmi; „Kamale Kamalalaye“, „Lotushafte, im Lotus Wohnende“, und zweimal „prasida“, „sei gnädig!“ Danach Trapa zwischen zwei Rama-Bijas …

Anmerkung: Formelglieder: kamale kamalālaye prasīda prasīda. Die Bija-Chiffren bleiben unaufgelöst.

Vers 125
mahālakṣmīstato ṅe'ntā śeṣe hṛnmantrasaṃyutā |
praṇavānu prabhābījaṃ bagalāmukhi cetyapi ||125||

… danach Mahalakshmi im Dativ, verbunden mit dem abschließenden Herzmantra. [Danach:] Pranava, das Prabha-Bija und „Bagalamukhi“ …

Anmerkung: Dativ mahālakṣmyai: „der Mahalakshmi“; bagalāmukhi ist Anrede. Prabha nicht in eine aus anderer Überlieferung bekannte Silbe umgewandelt.

Vers 126
tataśca sarvaduṣṭānāṃ mukhaṃ vācaṃ samuddharet‌ |
stambhaya procya jihvāṃ ca kīlayadvitayaṃ vadet‌ ||126||

Dann setze man „aller Übeltäter Mund und Rede“ ein und spreche „lähme“; anschließend „die Zunge“ und zweimal „hefte fest“.

Anmerkung: Formelglieder: sarvaduṣṭānāṃ mukhaṃ vācaṃ stambhaya; jihvāṃ kīlaya kīlaya. Historische Bannformel.

Vers 127
buddhiṃ nāśaya saṅkīrtya prabhāṃ tāraṃ śiro'pi ca |
tāraṃ hṛdayamantraśca śvetaśabdānu […] ||127||

Nach „vernichte den Verstand“ folgen Prabha, Tara und Kopfabschluss. [Danach:] Tara und der Herzmantra; auf das Wort „weiß“ folgt […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussglied unlesbar. Formelbestandteil buddhiṃ nāśaya; beschädigten nächsten Göttinnennamen nicht ergänzt.

Vers 128
puṇḍarīkāsanāyai ca tataḥ pratipadādanu |
tathā samaraśabdānu vijayānu ca sundari ||128||

… „Pundarikasanayai“, „der auf einem weißen Lotus Sitzenden“; dann „prati“ und daran „samara“, anschließend „vijaya“, Schöne …

Anmerkung: Fortsetzung129; die Quelle baut einen zusammengesetzten Ausdruck auf.

Vers 129
pradāyai bhagavatyai ca ṅe'ntā caivāparājitā |
lajjālakṣmīsmarāścāstraṃ śiraḥ praṇava eva ca ||129||

… mit „pradayai“: „der in jedem Kampf Sieg Gewährenden“; „bhagavatyai“, „der Erhabenen“, und Aparajita im Dativ: „der Unbesiegten“. Lajja, Lakshmi und Smara, Astra, Kopfabschluss und Pranava folgen.

Anmerkung: Formelglieder prati-samara-vijaya-pradāyai bhagavatyai aparājitāyai. OCR-Ziffer126 im Zusammenhang129.

Pingala, Hayagriveshvari und östlicher Abschluss

Vers 130
tāramedhau pāśakālyau lakṣmīkāmaruṣastataḥ |
śākinī ḍākinī cāpi phetkārī tadanantaram‌ ||130||

Tara und Medha, Pasha und Kali, danach Lakshmi, Kama und Rush; Shakini, Dakini und anschließend Phetkari …

Vers 131
piṅgalāyāśca sambuddhirvāradvayamataḥ param‌ |
tato mahāpiṅgale ca asthibhedi tryambikam‌(?) ||131||

… danach zweimal die Anrede „Pingale“. Dann „Mahapingale“, „große rotbraune Göttin“, sowie „Asthibhedi“, „Knochen Spaltende“, und „Tryambikam [?]“ …

Anmerkung: Tryambika-Glied bereits in Quelle fraglich; keine gesicherte Anrede oder grammatische Endung ergänzt.

Vers 132
[…] cāstrayugaṃ śīrṣaṃ śeṣe viniḥkṣipet‌ |
tāramāyākṣetrapālāṅkuśāścāpi […] ||132||

[…], zweimal Astra und Kopfabschluss setze man an das Ende. [Danach:] Tara, Maya, Kshetrapala und Ankusha sowie […] …

Anmerkung: Fragment: Anfangs- und Schlussglied unlesbar.

Vers 133
hayagrīveśvari tataścaturvedamayītyapi |
śākinīyoginīkāntākūrcāśca tadanu bhāmini ||133||

Dann „Hayagriveshvari“ und „Chaturvedamayi“: „Herrin Hayagrivi, die aus den vier Veden besteht!“ Danach Shakini, Yogini, Kanta und Kurcha, Strahlende …

Anmerkung: Göttinnenname nach tatsächlicher Hayagriva-Verbindung bewahrt; keine Identifizierung mit einer andersnamigen Gestalt ergänzt.

Vers 134
tataśca […] mayyadhiṣṭhānamīśvari |
[…] śirastārastataḥ sampuṭakṛnmanuḥ ||134||

… danach […] „in mir die Gegenwart, Herrin“; […], Kopfabschluss und Tara. Dann folgt der Mantra, der die Umrahmung bildet …

Anmerkung: Fragment: Verb der Bitte und weiteres Glied beschädigt; „nimm in mir Wohnung“ nicht als vollständigen Quellwortlaut ergänzt.

Vers 135
medhatrapāramākāmavadhūroṣāśca yoginī |
ato bhairavyapi śive śākinī ḍākinī tathā ||135||

… Medha, Trapa, Rama, Kama, Vadhu, Rosha und Yogini; danach Bhairavi, Segensreiche, sowie Shakini und Dakini …

Anmerkung: Shive hier als Anrede des Sprechers verstanden, nicht als zusätzliche Bija-Chiffre. Fußnote vertauscht Shakini und Dakini.

Vers 136
pralayaścāpi phetkārī krodhāstre śira eva ca |
manūnetāvataḥ smṛtvā dakṣiṇāṃse pravinyaset‌ ||136||

… Pralaya, Phetkari, Krodha, Astra und Kopfabschluss. Nachdem man diese Mantras vergegenwärtigt hat, setze man sie an der rechten Schulter ein.

Vers 137
pūrvāmnāyasthitā devya etāḥ ṣoḍaśa kīrtitāḥ |
krameṇa tattaddevībhyastāstā devyo vinirgatāḥ ||137||

Diese sechzehn Göttinnen des östlichen Amnaya sind genannt. Der Reihe nach sind die jeweiligen Göttinnen aus den jeweils vorangehenden Göttinnen hervorgegangen.

Anmerkung: Die Quelle zählt16; beschädigte Anrufungen nicht zur Zahl ergänzt.

Vers 138
tattaddevīmanubhyastu tattanmantrā api priye |
etāḥ ṣoḍaśa vijñeyāḥ pūrvāmnāyasya pālikāḥ ||138||

Ebenso gingen die jeweiligen Mantras aus den Mantras der entsprechenden Göttinnen hervor, Geliebte. Diese sechzehn sind als Hüterinnen des östlichen Amnaya zu verstehen.

Die Göttinnen des südlichen Amnaya

Vers 139
tattatkramasya yogena kramanyāso'bhidhīyate |
atastvaṃ dakṣiṇāmnāyadevīmantrān nibodha me ||139||

Wegen dieser jeweiligen Abfolge heißt er Krama-Nyasa. Vernimm nun von mir die Mantras der Göttinnen des südlichen Amnaya.

Anmerkung: OCR-Ziffer136 im Zusammenhang139.

Vers 140
yasyādyabhūtā mātaṅgī sadyo viśvavaśaṅkarī |
atrāpi pūrvavajjñeyo mantrāṇāṃ sampuṭaḥ śive ||140||

An seinem Anfang steht Matangi, die sogleich die Welt unter ihre Macht bringt. Auch hier ist die Umrahmung der Mantras wie zuvor zu verstehen, Segensreiche.

Anmerkung: Historische Machtverheißung des Textes.

Vers 141
tāro ramā smaro māyā yoginī śākinī ruṣaḥ |
dviḥ sphura prasphurayugaṃ sānnidhyaṃ kuruyugmakam‌ ||141||

Tara, Rama, Smara, Maya, Yogini, Shakini und Rush; zweimal „sphura“, zweimal „prasphura“: „Erstrahle, erstrahle; leuchte hervor, leuchte hervor!“ Dann „sannidhyam kuru kuru“: „Werde gegenwärtig, werde gegenwärtig!“

Anmerkung: Sphur/prasphur können auch Aufblitzen und Hervortreten bezeichnen; rituelle Gegenwartsbitte.

Vers 142
kūrcāstraśīrṣāṇyante ca tattanmantrāstato'nu […] |
medhamāyāramātārā namo bhagavatīti ca ||142||

Am Ende stehen Kurcha, Astra und Kopfabschluss; danach die jeweiligen Mantras […]. Medha, Maya, Rama und Tara, dann „namo bhagavati“, „Verehrung, Erhabene!“ …

Anmerkung: Fragment: Wort nach der Ankündigung der Einzelmantras beschädigt. Kurcha/Astra aus leicht beschädigter Verbindung gelesen.

Vers 143
[…] saṅkīrtya tataḥ sarvajanākṣarāt‌ |
manohari tataḥ sarvamukharañjani cetyapi ||143||

Nach […] verbinde man „sarvajana“ mit „manohari“: „Die aller Menschen Herz bezaubert!“ Dann „sarvamukharanjani“: „Die jedes Gesicht erfreut!“ …

Anmerkung: Fragment: Göttinnenanrede am Versanfang unlesbar; nicht aus dem Matangi-Kontext ergänzt.

Vers 144
sarvarājavaśaṅkaryanu […] |
punaḥ puruṣaśabdānu […] samuddharet‌ ||144||

… danach „sarvarajavashankari“, „die sämtliche Könige unter ihre Macht bringt“, […]; ferner an das Wort „purusha“, „Mensch beziehungsweise Mann“, anschließend […] …

Anmerkung: Fragment: große Teile der Formel beschädigt; fehlende Beherrschungsobjekte nicht ergänzt.

Vers 145
sarvaduṣṭamṛgetyuktvā […] tato'pyanu |
sarvagrahapadāddevi sarvasattvapadādapi ||145||

Nach „alle bösen Tiere“ […]; danach an „alle Grahas“, Göttin, und an „alle Wesen“ …

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe nach sarvaduṣṭamṛga unlesbar. Fortsetzung146.

Vers 146
vaśaṅkarīti pratyekaṃ tataḥ paramudīrayet‌ |
sarvalokamamuṃ me ca vaśamānaya cetyapi ||146||

… füge man jeweils „vashankari“ an: „die sie unter ihre Macht bringt“. Dann: „Bringe mir diese ganze Welt unter meine Herrschaft!“

Anmerkung: Formelglied: sarvalokam amuṃ me vaśam ānaya. Historische Beherrschungsbitte.

Annapurna, Ashvarudha und weitere südliche Formen

Vers 147
śiraḥ śeṣe tato māyā namo bhagavatīti ca |
māheśvari visandhyuktvā annapūrṇe śirastathā ||147||

Am Ende folgt der Kopfabschluss. Dann Maya und „namo bhagavati“, „Verehrung, Erhabene!“ Man spreche ohne Sandhi-Verbindung „Maheshvari, Annapurne“, „Herrin des großen Gottes, Fülle der Nahrung“, und den Kopfabschluss.

Anmerkung: Māheśvari im OCR leicht beschädigt. Visandhi verlangt ausdrücklich das Unterlassen der Lautverschmelzung.

Vers 148
pāśamāyāṅkuśāstāratrapālakṣmīruṣaḥ smaraḥ |
pāśo ṅe'ntā tato'pyaśvārūḍhāstradvitayaṃ śiraḥ ||148||

Pasha, Maya und Ankusha, Tara, Trapa, Lakshmi, Rush und Smara; Pasha, dann Ashvarudha im Dativ, zweimal Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Aśvārūḍhāyai: „der auf einem Pferd Reitenden“. Fußnote nennt dreimal statt zweimal Astra; Fassungen getrennt bewahrt.

Vers 149
jvalayugmaṃ śūlini ca tato duṣṭagrahaṃ vadet‌ |
grasa saṅkīrtya śīrṣaṃ ca ramālajjāsmarāstataḥ ||149||

Zweimal „jvala“, „brenne“, dann „Shulini“, „Dreizackträgerin“, danach „den bösen Graha verschlinge!“ und Kopfabschluss. Anschließend Rama, Lajja und Smara …

Anmerkung: Lesbare Formelglieder: jvala jvala śūlini duṣṭagrahaṃ grasa. Keine ergänzten Anfangsbijas für diese Formel.

Vers 150
tāro māyā medhamāye tāro ṅe'ntā sarasvatī |
hṛnmantraśca tatastāro māyā ca kamalā smaraḥ ||150||

… Tara, Maya, Medha und Maya, Tara, Sarasvati im Dativ und Herzmantra. Danach Tara, Maya, Kamala und Smara …

Anmerkung: Sarasvatyai: „der Sarasvati“. Wiederholungen der Bija-Namen bleiben bewahrt.

Vers 151
prāsādaśca sṛṇiścāpi svapnaprastāriṇīti ca |
svāhā tāro bhauvaneśī […] pāśo'ṅkuśastathā ||151||

… Prasada und Srini, dann „Svapnaprastarini“, „die Träume ausbreitet“, und svaha. Danach Tara, Bhauvaneshi, […], Pasha und Ankusha …

Anmerkung: Fragment: ein Bija-Name beschädigt; Svapnaprastarini aus leicht beschädigter Schreibung vorläufig gelesen.

Vers 152
vadhūḥ krodhaḥ kṣetrapālaḥ kulanārī phaḍantimā |
tāramedhatrapā nityaklinne ca madadrave ||152||

… Vadhu, Krodha, Kshetrapala, Kulanari und als Schluss phat. Danach Tara, Medha und Trapa; „Nityaklinne Madadrave“, „stets Benetzte, von Rausch Zerfließende“ …

Anmerkung: Göttinnenanreden, keine körperliche Handlung vorgeschrieben.

Vers 153
vāgbhavo bhauvaneśī ca svāhā ca tadanantaram‌ |
kūrco drohaśca viśirāḥ [?] bradhno medhasya pañcakam‌ ||153||

… Vagbhava, Bhauvaneshi und danach svaha. Dann die Fünfergruppe Kurcha, Droha, Vishiras [?], Bradhna und Medha …

Anmerkung: Vishiras bereits in der Quelle fraglich; die Fünfergruppe entsprechend dem erkennbaren Satzsinn, keine Lautauflösung ergänzt.

Vers 154
tato dadyānmuṇḍamadhumatyai iti padaṃ priye |
tasyānu śaktibhūtinyai trapātritayamastrayuk‌ ||154||

Danach setze man das Wort „Mundamadhumatyai“ ein, Geliebte, anschließend „Shaktibhutinyai“, dreimal Trapa und Astra.

Anmerkung: Dativanreden Mundamadhumati und Shaktibhutini; genaue Namensbedeutung nicht gesichert, keine scheinbar wörtliche Deutung erfunden.

Sieg, Rettung und Gegenwart der Göttin

Vers 155
tāramedhe ca samarapadād vijayadāyini |
mattamātaṅgayāyinyanu śrīpāśakulāṅganāḥ ||155||

Tara und Medha; an „samara“ schließe man „vijayadayini“ an: „Sieg im Kampf Gewährende!“ Dann „Mattamatangayayini“, „auf einem brünstigen Elefanten Fahrende“, danach Shri, Pasha und Kulangana …

Vers 156
tato bhagavatītyuktvā jayanti samare jayam‌ |
dehiyugmaṃ samābhāṣya mama śatrūnitīrayet‌ ||156||

Dann spreche man: „Erhabene Jayanti, gib, gib Sieg im Kampf!“ Danach sage man „meine Feinde“ …

Anmerkung: Formelglieder: bhagavati jayanti samare jayaṃ dehi dehi; mama śatrūn. Fortsetzung157.

Vers 157
vidhvaṃsayayugaṃ vidrāvayayugaṃ tataḥ param‌ |
bhañjayugmaṃ tato jñeyaṃ madayadvitayaṃ tathā ||157||

… zweimal „vernichte“, danach zweimal „vertreibe“, dann zweimal „zerbrich“ und ebenso zweimal „versetze in Rausch“.

Anmerkung: Vidhvaṃsaya vidhvaṃsaya vidrāvaya vidrāvaya bhañja bhañja madaya madaya. Historische Feindbezwingungsformel.

Vers 158
[…] ramā kāmavadhvau hṛcchira eva ca |
praṇavo vāgbhavaścāpi tato raktāmbare padam‌ ||158||

[…], Rama, Kama und Vadhu sowie Herz- und Kopfabschluss. Danach Pranava, Vagbhava und das Wort „Raktambare“, „Rotgewandete“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Formelglied beschädigt.

Vers 159
asyānu kathayeddevi raktasraganulepane |
mahāmāṃsapadādraktapriye tadanu ca priye ||159||

… anschließend spreche man, Göttin, „Raktasraganulepane“, „mit roten Girlanden und roter Salbung Geschmückte“. Auf „Mahamamsa“ folge „Raktapriye“: „Die Menschenfleisch und Blut liebt“, Geliebte …

Anmerkung: Mahāmāṃsa, wörtlich „großes Fleisch“, bezeichnet in diesem Ritualwortschatz Menschenfleisch; als historische Göttinnenanrede wiedergegeben. OCR-Ziffer156 im Zusammenhang159.

Vers 160
mahākāntārato […] māṃ trāhi […] tataḥ |
kamalākāmamāyāruḍrāvāstrāṇi śirastataḥ ||160||

„Aus der großen Wildnis […] rette mich […]“; danach Kamala, Kama, Maya, Rut, Rava, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: Kasusanweisung und Wiederholungsangabe beschädigt; keine Zahl der Wiederholungen ergänzt. Fußnote bietet eine abweichende Lautfolge mit Naracha.

Vers 161
māyā […] ṛtambhara itaḥ param‌ |
saṅkaṭā devi collikhya saṅkaṭebhyo vadettataḥ ||161||

Maya, […], danach Ritambhara. Man schreibe „Sankata Devi“, „Göttin Sankata“, und spreche anschließend „aus den Bedrängnissen“ …

Anmerkung: Fragment: mehrere Bija-Namen beziehungsweise Verbindungen der ersten Hälfte beschädigt.

Vers 162
māmuktvā tārayayugaṃ kamalā kāma eva ca |
prāsādakūrcapāśāśca śeṣe phaṭ vahnivallabhā ||162||

… dann „mich“ und zweimal „führe hinüber“; Kamala, Kama, Prasada, Kurcha und Pasha. Am Schluss phat und Vahnivallabha.

Anmerkung: Mit161: saṅkaṭebhyo māṃ tāraya tāraya, „Führe mich aus den Bedrängnissen hinüber!“ Vahnivallabha bezeichnet den Svaha-Abschluss.

Vers 163
[…] samābhāṣya vāgvādini samuddharet‌ |
kulikaṃ bījamuccārya klinnakledini kīrtayet‌ ||163||

Nach […] setze man „Vagvadini“, „Rede Sprechende“, ein. Nach dem Kulika-Bija spreche man „Klinnakledini“, „Benetzte und Benetzende“ …

Anmerkung: Fragment: Anfangslaut beziehungsweise Anfangswort beschädigt.

Vers 164
mahākṣobhaṃ kuru tato kalpabījaṃ ca tārayuk‌ |
mokṣaṃ kuru tataḥ śeṣe kulikaṃ bījamucyate ||164||

… dann „bewirke große Erschütterung“, das Kalpa-Bija zusammen mit Tara und „bewirke Befreiung“. Am Ende wird das Kulika-Bija genannt.

Anmerkung: Formelglieder mahākṣobhaṃ kuru und mokṣaṃ kuru; keine zusätzliche Bedeutung der Bijas erfunden.

Vers 165
tāro medhaṃ tathā kālī kūrcaṃ māyā smarastataḥ |
mekhalāmauñjikuṇḍāni rāgasārasabhadrikāḥ ||165||

Tara, Medha, Kali, Kurcha, Maya und danach Smara; Mekhala, Maunji, Kunda, Raga, Sarasa und Bhadrika …

Anmerkung: Medha im OCR als Megha lesbar; Angleichung an die wiederholt benannte Chiffre nur vorläufig.

Vers 166
dṛṣṭiṃ niveśaya indraṃ kūrcāstre vahnivallabhā |
ūrdhvaṃ sampuṭamunneyaṃ ṣaḍviṃśatibhirakṣaraiḥ ||166||

„Richte den Blick darauf!“ Dann Indra, Kurcha, Astra und Vahnivallabha. Am oberen beziehungsweise abschließenden Ende ist die Umrahmung aus sechsundzwanzig Silben einzusetzen.

Anmerkung: Indra nach sichtbarer Form als Bija-Name verstanden; genaue Verbindung zur vorangehenden Blickanweisung unsicher. Die26Silben nicht aus anderen Fassungen ergänzt.

Vers 167
etāḥ ṣoḍaśa vai devyo dakṣiṇāmnāyagocarāḥ |
krameṇa nirgatāstattaddevītaḥ kamalānane ||167||

Diese sechzehn Göttinnen gehören zum südlichen Amnaya. Sie sind der Reihe nach aus den jeweiligen Göttinnen hervorgegangen, Lotusgesichtige.

Vers 168
āsāṃ mantrāstathaivaite tattanmantrebhya udgatāḥ |
pārśve tu dakṣiṇe nyasyenmantrān ṣoḍaśa sādhakaḥ ||168||

Ebenso sind ihre Mantras aus den jeweiligen vorangehenden Mantras hervorgegangen. Der Übende soll die sechzehn Mantras an der rechten Körperseite einsetzen.

Die Göttinnen des westlichen Amnaya

Vers 169
pratīcyāmnāyagāḥ sarvāḥ kramanyāse niśāmaya |
tatrādhaḥ sampuṭaṃ vakṣye bījavarṇapuraskṛtam‌ ||169||

Vernimm nun alle Göttinnen des westlichen Amnaya im Krama-Nyasa. Zuerst erkläre ich die untere beziehungsweise einleitende Umrahmung, der Bija-Laute vorangestellt sind.

Vers 170
tāro medhaśca pāśaśca trapā yoginyamākrudhaḥ |
hāriṇyutkocinīnādāntakacāmarasaumatāḥ ||170||

Tara, Medha, Pasha, Trapa, Yogini, Ama und Krudh; Harini, Utkochini, Nadantaka, Chamara und Saumata …

Vers 171
dvādaśaitāni bījāni purataḥ prativinyaset‌ |
tato bhagavati procya āgacchadvitayaṃ tataḥ ||171||

Diese zwölf Bijas setze man an den Anfang. Dann spreche man „Bhagavati“ und zweimal „agaccha“: „Erhabene, komm, komm!“

Vers 172
tato vadet sannihitā bhavayugmamataḥ param‌ |
śākinī ḍākinī kṛtyā kauluñcaḥ prakarī tathā ||172||

Dann sage man „sannihita bhava bhava“, „sei gegenwärtig, sei gegenwärtig!“ Danach Shakini, Dakini, Kritya, Kauluncha und Prakari …

Vers 172 (zweite Nennung; Folgeposition 173)
[…] |
saptaviṃśativarṇāni kathitāni mayā tava ||172||

[…]. Siebenundzwanzig Silben habe ich dir genannt.

Anmerkung: Fragment: erste Vershälfte als Strich-/Fehlstelle in der Quelle. Quelle wiederholt172; interne Kennung173, Quellziffer bewahrt.

Vers 174
ūnacatvāriṃśadvarṇāḥ sarva ete prakīrtitāḥ |
sampuṭasthānatho mantravarṇān madhye sthitān śṛṇu ||174||

Zusammen werden sie als neununddreißig Silben bezeichnet. Höre nun die Mantra-Laute, die in der Mitte dieser Umrahmung stehen.

Anmerkung: Die Gesamtzahl39 wird überliefert, fehlende Silben aus 173 nicht rechnerisch ergänzt.

Kubjika, Aghora und weitere Anrufungen

Vers 175
praṇavo vāgbhavo māyā kāmo lakṣmīśca śākinī |
pralayaścāpi phetkārī sattvakūṭaṃ tataḥ param‌ ||175||

Pranava, Vagbhava, Maya, Kama, Lakshmi und Shakini; Pralaya, Phetkari und danach Sattva-Kuta …

Vers 176
uktvā bhagavatītyevaṃ vicce ghore tataḥ param‌ |
śrīkubjike ca tretārṇān […] kulikaṃ tathā ||176||

… nach „Bhagavati“ folgen „vicce“, „Ghore“ und „Shrikubjike“: „Erhabene, vicce, Furchtbare, ehrwürdige Kubjika!“ Dann die […] drei Laute und Kulika …

Anmerkung: Fragment: nähere Lautanweisung der zweiten Hälfte beschädigt. Vicce als rituelles Lautwort ohne erfundene deutsche Wortbedeutung bewahrt.

Vers 177
pañcānāmapi vargāṇāṃ yathoktān pañca varṇakān‌ |
śeṣagān samanuddhṛtya visandhi tadanantaram‌ ||177||

Man entnehme nach der gegebenen Anweisung die fünf jeweils letzten Laute der fünf Lautklassen; danach spreche man ohne Sandhi-Verbindung …

Anmerkung: Lautchiffre, keine stillschweigende Ergänzung der ausgeschriebenen Nasale in den Mantra.

Vers 178
saghorāmukhi saṃlikhya uṣastṛṣṇāparādhakān‌ |
kiṇidvandvaṃ tato vicce vadhū ruṭ preta eva ca ||178||

… „Saghoramukhi“ [Anrede unsicher], dann Ushas, Trishna und Paradhaka; zweimal „kini“, danach „vicce“, Vadhu, Rut und Preta …

Anmerkung: Fragment: erste Anrede und Trennung der folgenden Namen unsicher; keine gesicherte Bedeutung erfunden.

Vers 179
tato'nu pādukāmuktvā pūjayāmi namaḥ śiraḥ |
trapāramāsṛṇyanaṅgavadhūvāgbhavagāruḍāḥ ||179||

Danach spreche man „padukam pujayami“, „ich verehre die Sandalen“, namah und Kopfabschluss. [Danach:] Trapa, Rama, Srini, Ananga, Vadhu, Vagbhava und Garuda …

Vers 180
yoginī śākinī kālī phetkārī ruṣa eva ca |
aghore siddhimuccārya me padād dehi dāpaya ||180||

… Yogini, Shakini, Kali, Phetkari und Rush. Man spreche „Aghore“, „Nichtfurchtbare“, dann „siddhim me dehi dapaya“, „gib mir Siddhi, lass sie mir geben“ …

Vers 181
svāhā śeṣe tatastāralakṣmīpāśāṅkuśasmarāḥ |
kūrcastato'nu dhanadā samādhistadanantaram‌ ||181||

… und am Ende svaha. Danach Tara, Lakshmi, Pasha, Ankusha und Smara; Kurcha, Dhanada und anschließend Samadhi …

Vers 182
ekānaṃśe samullikhya ḍamaruḍāmari smaret‌ |
nīlāmbare nīlapadād vibhūṣaṇa itīrayet‌ ||182||

Man schreibe „Ekanamshe“ und vergegenwärtige „Damarudamari“. Dann „Nilambare“, „Blaugewandete“, und nach „nila“ das Wort „vibhushana“: „mit blauem Schmuck“ …

Anmerkung: Damarudamari als überlieferte Anrede bewahrt; keine sichere vollständige Etymologie behauptet.

Vers 183
nīlanāgāsane procya sakalānu surāsurān‌ |
vaśe tataḥ kuruyugaṃ jalpike kalpike tathā ||183||

Man spreche „Nilanagasane“, „auf einer blauen Schlange Sitzende“, dann „alle Götter und Asuras bringe, bringe unter die Gewalt!“ Danach „Jalpike, Kalpike“ …

Anmerkung: Naga kann auch Elefant bedeuten; hier Schlangenlesung als vorläufige Bilddeutung. Letzte Anreden nicht durch vermutete Lautsilben ersetzt.

Vers 184
siddhide vṛddhide cāpi yoginīstrīruṣaḥ smaraḥ |
rāvaprāsādāstraśīrṣāṇyataḥ paramudīrayet‌ ||184||

„Siddhi Gewährende, Wachstum Gewährende!“ Danach spreche man Yogini, Stri, Rush, Smara, Rava, Prasada, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Siddhide vṛddhide als Anreden.

Chamunda und ihre wilde Gestalt

Vers 185
tāro hṛnmantrasaṃyuktaścāmuṇḍe sandhinānvitaḥ |
karaṅkiṇi samābhāṣya karaṅkapadamīrayet‌ ||185||

Tara, verbunden mit dem Herzmantra; „Chamunde“ mit Sandhi-Verbindung. Man spreche „Karankini“ und danach das Wort „karanka“, „Skelett“ …

Anmerkung: Fortsetzung186.

Vers 186
mālādhāriṇītaḥ kiṃ kiṃ vilambasa itīrayet‌ |
tato bhagavatītyuktvā śuṣkānani samuccaret‌ ||186||

… mit „maladharini“: „Trägerin einer Skelettgirlande! Warum, warum zögerst du?“ Danach spreche man „Bhagavati Shushkanani“, „Erhabene mit ausgedörrtem Gesicht!“

Anmerkung: Formelglieder kiṃ kiṃ vilambase; bhagavati śuṣkānani.

Vers 187
korajadvitayaṃ bindurahitaṃ tadanantaram‌ |
tato niḥsandhyantrakarāvadanaddhe [vanaddhe?] bhoyugaṃ tathā ||187||

Danach zweimal Koraja ohne Bindu. Dann ohne Sandhi-Verbindung die Anrede „Antrakaravadanaddhe“ [Lesung unsicher; Herausgeber: vanaddhe?], ferner zweimal „bho“ …

Anmerkung: Fragment: zusammengesetzte Anrede beschädigt; erkennbare Darm-/Handbestandteile nicht zu einer gesicherten Gesamtbeschreibung rekonstruiert. Koraja bleibt Lautchiffre; bho Anrufungslaut.

Vers 188
valā dvandvaṃ tataḥ kṛṣṇabhujaṅgapadamuddharet‌ |
tasyānu veṣṭitatanusambuddhistadanantaram‌ ||188||

Zweimal „vala“; dann setze man „krishnabhujanga“, „schwarze Schlange“, ein und verbinde es mit der Anrede „veshtitatanu“: „deren Leib von schwarzen Schlangen umwunden ist!“ …

Anmerkung: Vala nach sichtbarer Schreibung als Rezitationswort; keine Bedeutung erraten.

Vers 189
jñeyo lambakapālāyā huḍḍayugmamataḥ param‌ |
[…] paṭyugaṃ patākāhasta ityapi ||189||

… die Anrede Lambakapala, „mit herabhängendem Schädel“, danach zweimal „hudda“; […], zweimal „pat“ und „Patakahasta“, „mit einem Banner in der Hand“ …

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Hälfte beschädigt; Anredeendungen teilweise unklar, keine normalisierte Gesamtformel ergänzt.

Vers 190
jvala jvala samābhāṣya jvālāmukhi tato vadet‌ |
visandhyavarṇato niṣkaṃ tarjanītritayaṃ priye ||190||

Man spreche „jvala jvala“, „brenne, brenne“, danach „Jvalamukhi“, „Flammengesichtige!“ Ohne Sandhi-Verbindung folgen der a-Laut, Nishka und dreimal Tarjani, Geliebte …

Anmerkung: Die Lautanweisung avarṇato niṣkam ist nicht völlig eindeutig; keine ausgeschriebene Silbenkombination abgeleitet.

Vers 191
khaṭvāṅgadhāriṇyuktvā ca hāhā caṭṭayugaṃ tataḥ |
he he kevalavarṇau hi na tu bījaṃ varānane ||191||

Man spreche „Khatvangadharini“, „Trägerin des Schädelstabes“, dann „haha“, zweimal „chatta“ und „he he“. Dies sind bloße Laute, kein Bija, Schönangesichtige.

Anmerkung: Quelle erklärt die Lautfunktion ausdrücklich; keine erfundene Wortbedeutung.

Vers 192
aṭṭāṭṭahāsini tataḥ […] […] tataḥ param‌ |
sandhānarahitāvetau pūrvatra ca paratra ca ||192||

Dann „Attattahasini“, „laut und dröhnend Lachende“, danach […] und […]. Diese beiden sind weder mit dem Vorangehenden noch mit dem Folgenden lautlich zu verbinden.

Anmerkung: Fragment: zwei Rezitationsglieder beschädigt; keine geratenen Laute.

Vers 193
tato vetālamukhi ca sikidvandvamito'pyanu |
sphuliṅgapiṅgalākṣīti tataścala caletyapi ||193||

Dann „Vetalamukhi“, „Vetala-Gesichtige“, zweimal „siki“, „Sphulingapingalakshi“, „mit funkenhaft rotbraunen Augen“, und „chala chala“, „bewege dich, bewege dich!“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer183 im Zusammenhang193.

Vers 194
cālayadvitayasyānu karaṅkapadamīśvari |
namo'stu te mālinītaḥ svāhā śeṣe nigadyate ||194||

… nach zweimal „chalaya“, „bewege“, das Wort „karanka“, Herrin, verbunden mit „malini“: „Skelettgirlanden-Trägerin, Verehrung sei dir!“ Am Ende wird svaha gesprochen.

Anmerkung: Quellanweisung nennt namo'stu te zwischen den Namensgliedern; deutsche Verbindung erläutert den Sinn, ersetzt nicht die angegebene Reihenfolge. OCR-Ziffer164 im Zusammenhang194.

Varahi: Bann und Schutz

Vers 195
medhamāyāramāpāśā amṛtaṃ kalayā saha |
pāśaśca padmakūṭaṃ ca namo bhagavatīti ca ||195||

Medha, Maya, Rama und Pasha, Amrita zusammen mit Kala; Pasha, Padma-Kuta und „namo bhagavati“, „Verehrung, Erhabene!“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer165 im Zusammenhang195.

Vers 196
vārtālidvitayaṃ cāpi vārāhiyugalaṃ tathā |
varāhamukhyapi dviśca tato medhāmṛte priye ||196||

… zweimal „Vartali“, ebenso zweimal „Varahi“ und zweimal „Varahamukhi“, „Ebergesichtige“; danach Medha und Amrita, Geliebte …

Vers 197
andhe andhini hṛnmantro rundhe rundhini hṛnmanuḥ |
jambhe jambhinyanu namo mohe mohinyato namaḥ ||197||

„Andhe Andhini“ und der Herzmantra; „Rundhe Rundhini“ und der Herzmantra; nach „Jambhe Jambhini“ namah, nach „Mohe Mohini“ namah.

Anmerkung: Anreden mit Funktionen des Blendens, Hemmens, Lähmens und Verwirrens; ungewöhnliche erste Formen der Paare nicht stillschweigend zu Imperativen umgeschrieben.

Vers 198
[…] visandhi tritayaṃ stambhe stambhini vai namaḥ |
sarvaduṣṭapraduṣṭānāṃ sarveṣāṃ sarvaśabdataḥ ||198||

[…] dreimal ohne Sandhi-Verbindung; „Stambhe Stambhini namah“, „Verehrung der Lähmenden!“ Danach „aller Bösen und Verderbten, aller“ und das Wort „sarva“, „sämtlich“ …

Anmerkung: Fragment: zu verdreifachendes Glied unlesbar.

Vers 199
vākcittacakṣuḥśrotramukhagatijihvāpadaṃ tataḥ |
stambhaṃ kuruyugaṃ śīghraṃ vaśaṃ kuruyugaṃ tataḥ ||199||

… danach die Wörter „Rede, Denken, Auge, Ohr, Mund, Bewegung und Zunge“. Dann „bewirke, bewirke Lähmung; bringe sie schnell, bringe sie unter die Gewalt!“

Anmerkung: Formelglieder stambhaṃ kuru kuru śīghraṃ vaśaṃ kuru kuru; historische Bannbitte.

Vers 200
caitanyakālīkamalā […] piśācinī |
pañcākṛtidharā […] krodhāstraśirāṃsi ca ||200||

Chaitanya, Kali, Kamala, […], Pishachini, Panchakritidhara, […], Krodha, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: mehrere verkettete Bija-Namen beschädigt; keine vollständige Schlussformel rekonstruiert.

Purneshvari und weitere westliche Formeln

Vers 201
bhauvaneśī śākinī ca ḍākinī kāma eva ca |
pūrṇeśvarīti saṅkīrtya sarvān kāmāṃśca pūraya ||201||

Bhauvaneshi, Shakini, Dakini und Kama; danach „Purneshvari, erfülle alle Wünsche!“

Anmerkung: Formelglieder pūrṇeśvari sarvān kāmān pūraya.

Vers 202
tārāstraśīrṣāṇyante ca vāsiṣṭhaṃ kūṭamanvataḥ |
ugrasvapnāvatīkūṭau […] kālikaṃ tathā ||202||

Am Ende Tara, Astra und Kopfabschluss. Danach Vasishtha-Kuta, die Kutas Ugra und Svapnavati, […] und Kalika …

Anmerkung: Fragment: Verbindung beziehungsweise Glied vor Kalika beschädigt.

Vers 203
vedādimāyāśākinyaḥ krodhabījaṃ tataḥ param‌ |
mahādigambarītyuktvā medhaśrīkāmapāśakāḥ ||203||

Vedadi, Maya und Shakini, danach das Krodha-Bija; dann „Mahadigambari“, „große Himmelsgewandete“, und Medha, Shri, Kama und Pasha …

Anmerkung: Himmelsgewandete bedeutet unbekleidet; keine metaphorische Verdeckung der ikonografischen Aussage.

Vers 204
muktakeśī [śi] tataścaṇḍāṭṭahāsini samuddharet‌ |
yoginīkāminīkālīpīyūṣāni yathākramam‌ ||204||

… danach „Muktakeshi“, „mit gelöstem Haar“, und „Chandattahasini“, „wild Lachende“; der Reihe nach Yogini, Kamini, Kali und Piyusha …

Anmerkung: Quelle berichtigt die Endung -keśī zu -keśi in Klammern; Anrede gemäß diesem Hinweis.

Vers 205
muṇḍamālinyatastāraḥ svāhā ca tadanantaram‌ |
māyāramāṅkuśānaṅgavadhūvāgbhavagāruḍāḥ ||205||

„Mundamalini“, „Trägerin einer Schädelgirlande“, Tara und danach svaha. [Es folgen:] Maya, Rama, Ankusha, Ananga, Vadhu, Vagbhava und Garuda …

Vers 206
yoginī śākinī kālī phetkārī ruṣa eva ca |
[…] siddhiṃ me dehi dāpaya mastakāḥ ||206||

… Yogini, Shakini, Kali, Phetkari und Rush; […] „gib mir Siddhi, lass sie mir geben“, und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: Anrede vor siddhiṃ beschädigt; nicht aus der ähnlichen Formel180 ergänzt.

Vers 207
kālīdvayaṃ caturoṣī sṛṇitritayameva ca |
ramāyugaṃ trapāyugmaṃ yoginī śākinī vadhūḥ ||207||

Zweimal Kali, viermal Rosha und dreimal Srini; zweimal Rama, zweimal Trapa, Yogini, Shakini und Vadhu …

Anmerkung: Kālīdvaya aus beschädigtem kālīhaya gelesen; Zählfolge deutlich.

Vers 208
caṇḍaghaṇṭe tataḥ śatrūn jambhayadvitayaṃ tataḥ |
mārayadvitayaṃ cāpi kūrcāstre śira eva ca ||208||

Dann „Chandaghante, lähme, lähme die Feinde; töte, töte!“ Danach Kurcha, Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Formelglieder caṇḍaghaṇṭe śatrūn jambhaya jambhaya māraya māraya; historische Feindvernichtungsbitte.

Vers 209
vedādimedhapāśaśrīkūrcāṅkuśamahāruṣaḥ |
kālītārkṣyau śākinī cānaṅgamāle striyaṃ tataḥ ||209||

Vedadi, Medha, Pasha, Shri, Kurcha, Ankusha und Maharush; Kali, Tarkshya und Shakini, dann „Anangamale“ und „die Frau“ …

Anmerkung: Anangamala als Göttinnenanrede; folgende Anziehungssprache historisch bewahrt.

Vers 210
visandhyākarṣayayugaṃ truṭa chedaya pūrvavat‌ |
dve ruṣau dve tathāstre ca śira ekamataḥ param‌ ||210||

… ohne Sandhi-Verbindung zweimal „ziehe herbei“, dann „trut“ und „zertrenne“, wie zuvor. Zweimal Rush, zweimal Astra und danach einmal Kopfabschluss.

Anmerkung: Ākarṣaya ākarṣaya; truṭ chedaya. Die genaue grammatische Funktion von truṭ bleibt offen; kein zusätzliches Objekt der Zerstörungswörter ergänzt.

Kirateshvari und weitere Göttinnen

Vers 211
[…] pāśakalāsarvā ehyehi tataḥ param‌ |
tato'nu syād bhagavati kirāteśvari cetyapi ||211||

[…], Pasha, Kala und Sarva, danach „Komm, komm!“ Dann „Bhagavati Kirateshvari“, „Erhabene Herrin der Kiratas!“ …

Anmerkung: Fragment: Anfangsbijas beschädigt.

Vers 212
tato vipinaśabdānu […] tathaiva ca |
vartaṃsitānukarṇe ca pādād bhujagatastataḥ ||212||

… danach das Wort „vipina“, „Wald“, und […]; dann die Verbindung „als Ohrschmuck tragend“ […], anschließend „bhujaga“, „Schlange“ …

Anmerkung: Fragment: mehrere Wörter und Kompositumgrenzen beschädigt; Art des Waldschmucks nicht ergänzt. Fortsetzung213.

Vers 213
nirmokakañcukinyeva trapā rākā yugaṃ yugam‌ |
kaha jvala prajvala ca dvitayaṃ dvitayaṃ dvayam‌ ||213||

… mit „nirmokakanchukini“: „mit einem Gewand aus abgestreifter Schlangenhaut“. Je zweimal Trapa und Raka; dann jeweils zweimal „kaha“, „jvala“ und „prajvala“: [Lautwort], „brenne“, „lodere auf“ …

Anmerkung: Kaha nach Quelle als Rezitationslaut; keine erfundene wörtliche Bedeutung.

Vers 214
sarvasiddhiṃ dadayugaṃ tadvaddehi ca dāpaya |
sarvaśatrūn […] bandhayugmaṃ pacadvayam‌ ||214||

„Gib, gib sämtliche Vollendungen!“ Ebenso „dehi“ und „dapaya“, „gib“ und „lass geben“. Dann „alle Feinde“, […], zweimal „binde“ und zweimal „koche“ …

Anmerkung: Fragment: Wort nach sarvaśatrūn beschädigt. Die aggressive Ritualsprache bleibt ausdrücklich historische Anrufung.

Vers 215
matha vidhvaṃsaya tathā yugaṃ yugamudīrayet‌ |
trikūrcāstre namaḥ śīrṣaṃ vedādiḥ kulakāminī ||215||

… ebenso spreche man jeweils zweimal „zerreibe“ und „vernichte“. Dreimal Kurcha, Astra, namah und Kopfabschluss. Danach Vedadi und Kulakamini …

Anmerkung: Nummer215 im OCR beschädigt.

Vers 216
[…] mahāvidye viśvaṃ mohaya pūrvagam‌ |
caitanyakamalānaṅgāstrailokyaṃ tadanantaram‌ ||216||

… […], „Mahavidye, verwirre die Welt!“ Danach Chaitanya, Kamala und Ananga, anschließend „die drei Welten“ …

Anmerkung: Fragment: Anrede am Anfang beschädigt; Mahavidya vollständig lesbar.

Vers 217
sasandhyāveśaya tato roṣo'nvastrayugaṃ śiraḥ |
pāśaḥ kalā sarvamedhāśvatyāśca tadanantaram‌ ||217||

… daran schließe man mit Sandhi „aveshaya“ an, „durchdringe/besetze sie“; danach Rosha, zweimal Astra und Kopfabschluss. Dann Pasha, Kala, Sarva, Medha und Ashvatya …

Anmerkung: Worttrennung der letzten Bija-Gruppe vorläufig; Bedeutung von āveśaya im Ritual auch „in Besessenheit versetzen“, nicht zu Meditation umgedeutet.

Vers 218
ṅe'ntā kṣemaṅkarī cāpi svāhā śeṣe bhavet priye |
praṇavo bhauvaneśī ca lakṣmīḥ kāmaśca yoginī ||218||

Kshemankari im Dativ und am Ende svaha, Geliebte. Danach Pranava, Bhauvaneshi, Lakshmi, Kama und Yogini …

Anmerkung: Kṣemaṅkaryai: „der Wohlergehen Gewährenden“.

Mayuri, Charchika und westlicher Abschluss

Vers 219
vadhūḥ siddhā raktapā ca kūrcāstre tadanantaram‌ |
karālini samābhāṣya tato māyūri kīrtayet‌ ||219||

… Vadhu, Siddha, Raktapa, danach Kurcha und Astra. Man spreche „Karalini“, „Furchtbare mit aufgerissenem Rachen“, und anschließend „Mayuri“, „Pfauengöttin“ …

Vers 220
śikhipicchikāhasta iti khecarīmeghavidyutaḥ |
ṛkṣakarṇīti saṃlikhya jālandhari tataḥ param‌ ||220||

… „mit einem Pfauenfederbüschel in der Hand“, Khechari, Megha und Vidyut. Man schreibe „Rikshakarni“, „Bärenohrige“, und danach „Jalandhari“ …

Anmerkung: Megha hier als sichtbarer Name „Wolke“ neben Vidyut bewahrt, nicht an Medha angeglichen.

Vers 221
mā māṃ dviṣantu tadanu śatravo na tudantu ca |
tato bhūpatayaḥ procya bhayaṃ mocaya sandhiyuk‌ ||221||

Dann: „Mögen die Feinde mich nicht hassen; mögen die Könige mich nicht bedrängen!“ Danach mit Sandhi-Verbindung: „Befreie von Furcht!“

Anmerkung: Die Zuordnung „Feinde“ zum ersten und „Könige“ zum zweiten Verbum folgt der syntaktischen Anweisung; bhayaṃ mocaya wird nicht durch einen anders überlieferten Wortlaut ersetzt.

Vers 222
huṃ phaṭ svāhā sarvaśeṣe tāraḥ kālī ca śākinī |
uktvā vetālamukhi ca carcike tadanantaram‌ ||222||

Ganz am Schluss hum phat svaha. Danach Tara, Kali und Shakini; man spreche „Vetalamukhi“, „Vetala-Gesichtige“, und anschließend „Charchike“ …

Anmerkung: Hum/phat als Ritualsilben ohne erfundene wörtliche Bedeutung.

Vers 223
krodhabījaṃ yoginī ca vadhūbījamataḥ param‌ |
jvālāmālini padād visphuliṅgānu vamanītyapi ||223||

… das Krodha-Bija, Yogini und danach das Vadhu-Bija; auf „Jvalamalini“, „Flammengirlanden-Trägerin“, folge „visphulinga“ mit „vamani“: „Funken Ausspeiende!“ …

Anmerkung: OCR-Ziffer293 im Zusammenhang223.

Vers 224
mahākāpālini tataḥ kātyāyani tathaiva ca |
kamalānaṅgaḍākinyaḥ kahayugmaṃ […] ||224||

… dann „Mahakapalini“, „große Schädelträgerin“, und „Katyayani“; Kamala, Ananga, Dakini, zweimal „kaha“ und […] …

Anmerkung: Fragment: letztes Glied beschädigt.

Vers 225
[…] pāśasṛṇiprāsādāstadanantaram‌ |
naramāṃsācca rudhirapariprītaśabdataḥ ||225||

… […], danach Pasha, Srini und Prasada. Man verbinde „Menschenfleisch“, „Blut“ und „erfreut“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Formelglied beschädigt; die historische Anrede wird nicht beschönigt. Fortsetzung226.

Vers 226
kapāle'mā medhaśaktī kūrcāni trīṇi phaḍyugam‌ |
svāhaikaṃ sampuṭamatho […] ||226||

… mit „Kapale“: „Kapala, durch Menschenfleisch und Blut erfreut!“ Ama, Medha und Shakti, dreimal Kurcha, zweimal phat und einmal svaha. Dann die Umrahmung […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussanweisung beschädigt; keine vollständige Rekonstruktion der Umrahmung. Nummer226 aus der erkennbaren Folge.

Vers 227
māyānaṅgau medhatārau bhoganetre tathaiva ca |
duṣkṛtaṃ padmasurasasamarāstadanantaram‌ ||227||

Maya und Ananga, Medha und Tara, Bhoga und Netra; Dushkrita, Padma, Surasa und danach Samara …

Anmerkung: Bija-Namen, keine wertende Aussage über ihre Träger.

Vers 228
tantrā ca kuṭilā caiva capeṭaṃ maṇimālayā |
nādāntakaścāmaraṃ ca bījānīmāni ṣoḍaśa ||228||

… Tantra, Kutila, Chapeta zusammen mit Manimala, Nadantaka und Chamara: Dies sind die sechzehn Bijas.

Anmerkung: Chapeta aus leicht beschädigter Schreibung gelesen.

Vers 229
tato vaded bhagavati mahābalaparākrame |
[…] sānnidhyamiti kuruyugmamataḥ param‌ ||229||

Dann sage man: „Erhabene, von großer Kraft und Tapferkeit!“ Danach […] „sannidhyam kuru kuru“, „werde gegenwärtig, werde gegenwärtig!“ …

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor sannidhyam beschädigt.

Vers 230
kūrce astre samuccārya mama sarvamanorathān‌ |
pūrayadvitayaṃ procya pālayadvitayaṃ vadet‌ ||230||

… nach Kurcha und Astra spreche man „erfülle, erfülle all meine Herzenswünsche; behüte, behüte!“ …

Anmerkung: Formelglieder mama sarvamanorathān pūraya pūraya pālaya pālaya.

Vers 231
māṃ rakṣayugalaṃ sarvopadravebhyastataḥ param‌ |
[…] śeṣe samābhāṣya piciṇḍāṃ prativinyaset‌ ||231||

… „mich schütze, schütze vor allen Bedrängnissen!“ Nach […] am Schluss setze man [den Mantra am] Bauch ein.

Anmerkung: Fragment: Schlusslaut beschädigt. Piciṇḍā hier Körperstelle „Bauch“, aus dem Zusammenhang der sechs Nyasa-Stellen verstanden.

Vers 232
etā vai paścimāmnāyadevyo mantrāśca tādṛśāḥ |
idānīmuttarāmnāyadevīrākalaya priye ||232||

Dies sind die Göttinnen des westlichen Amnaya und die entsprechenden Mantras. Vernimm nun die Göttinnen des nördlichen Amnaya, Geliebte.

Die Göttinnen des nördlichen Amnaya

Vers 233
yāsāmādyā bhagavatī guhyakālī bhayānakā |
tatrādau sampuṭaṃ vacmi vistārādadharetaram‌ ||233||

An ihrem Anfang steht die Erhabene, die furchterregende Guhyakali. Zuerst erkläre ich ausführlich die nicht untere, also obere Umrahmung.

Anmerkung: Adharetara wörtlich „anders als die untere“; die Quelle nennt später239 ausdrücklich ūrdhva, und282 erneut eine obere Umrahmung. Nicht harmonisiert.

Vers 234
medhaṃ rāvaṃ tāralajje tato daṇḍādipañcakam‌ |
rākāmeṣau śilparāgau vivatsādidvayaṃ tataḥ ||234||

Medha, Rava, Tara und Lajja, dann die mit Danda beginnende Fünfergruppe; Raka und Mesha, Shilpa und Raga, danach das mit Vivatsa beginnende Paar …

Anmerkung: Medha und Mesha nach leicht beschädigter Schrift vorläufig; Gruppen nicht ausgeschrieben ergänzt.

Vers 135 (Folgeposition 235)
tataḥ sāmayikaṃ kūṭaṃ vāṇikaṃ bhairavaṃ tathā |
gahvaraṃ mantrakūṭaṃ ca pañcame [?] kramaśaḥ priye ||135||

… dann Samayika-Kuta, Vanika und Bhairava, Gahvara und Mantra-Kuta, [fünftes Glied?], der Reihe nach, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: pañcame bereits mit Fragezeichen in Quelle; Listenstruktur nicht geglättet. Quellnummer 135 an Folgeposition235 bewahrt.

Vers 236
mahākalpasthāyibījaṃ śāmbhavaṃ […] ca |
jagadāvṛttikaṃ brahmakapālaṃ tadanantaram‌ ||236||

… Mahakalpasthayi-Bija, Shambhava und […]; danach Jagadavrittika und Brahmakapala …

Anmerkung: Fragment: Glied nach Shambhava unlesbar; OCR-Ziffer2369 im Zusammenhang236.

Vers 237
[…] jīvayugaṃ jvala prajvala tatsamam‌ |
mahābhairavaśabdānu śivāsanapadādanu ||237||

… […], zweimal „jiva“, ebenso „jvala“ und „prajvala“: „Lebe; brenne; lodere auf!“ Danach verbinde man „Mahabhairava“ mit „Shivasana“ …

Anmerkung: Fragment: Versanfang beschädigt; Fortsetzung238.

Vers 238
saṃviṣṭhe vikarālānu rūpadhāriṇi kīrtayet‌ |
mekhalādicatuṣkaṃ ca kūrcamastradvayaṃ tathā ||238||

… und „Samvishthe“: „Auf dem Shiva-Sitz Mahabhairavas Thronende!“ Dann „Vikaralarupadharini“, „Trägerin einer überaus furchtbaren Gestalt“, die mit Mekhala beginnende Vierergruppe, Kurcha und zweimal Astra …

Anmerkung: Die genaue Kompositumbeziehung mahābhairavaśivāsana bleibt offen; nicht als zusätzliche Gottheit aufgespalten.

Vers 236 (zweite Nennung; Folgeposition 239)
svāhā ca carame cordhvaṃ sampuṭaṃ parikīrtitam‌ |
ramā māyā ca sānuśca bhogaḥ kūṭo'pyanāhutaḥ ||236||

… und zuletzt svaha. Damit ist die obere Umrahmung genannt. Rama, Maya und Sanu, Bhoga und Anahuta-Kuta …

Anmerkung: Quellnummer 236 an Folgeposition239 bewahrt. Sanu Hauptlesung, Fußnote Tapas; Anahuta nach sichtbarer Schreibung.

Guhyakali und weitere nördliche Formeln

Vers 240
tato'nu ḍākinīhārau saṃhitā mekhalā'pi ca |
tataśca yoṣidyoginyau punaḥ siddhikarāli ca ||240||

… danach Dakini und Hara, Samhita und Mekhala; Yoshit und Yogini, dann wieder „Siddhikarali“ …

Anmerkung: Siddhikarali erscheint als Göttinnenname innerhalb der Lautanweisung; genaue Anredegrenze nicht sicher.

Vers 241
śeṣe'straṃ […] kūrcarāvayoginyaḥ preta eva ca |
kālī tato'ṅkuśaṃ cāpi śākinī vanitā tathā ||241||

Am Ende Astra, […]; Kurcha, Rava, Yogini und Preta, danach Kali, Ankusha, Shakini und Vanita …

Anmerkung: Fragment: ein Glied nach Astra beschädigt.

Vers 242
ramā caṇḍaśca kālaśca vidyunnāgastathaiva ca |
svāhānte ḍākinī cāpi phetkārī hāra eva ca ||242||

… Rama, Chanda, Kala, Vidyut und Naga; am Ende svaha. Danach Dakini, Phetkari und Hara …

Vers 243
tāro māyā ca saṃvicca caṇḍayogeśvarītyapi |
tataḥ kālī ca rāvaśca namaḥ śeṣe niyojayet‌ ||243||

… Tara, Maya und Samvit sowie „Chandayogeshvari“. Dann Kali und Rava; am Ende setze man namah ein.

Anmerkung: Chandayogeshvari: die wilde Herrin des Yoga; Wortlaut als Anrede nicht durch einen Dativ ersetzt.

Vers 244
kamalā bhauvaneśī ca caitanyaṃ śaktireva ca |
ādityanādakṣetrāṇi pāśādanu kalā tathā ||244||

Kamala, Bhauvaneshi, Chaitanya und Shakti; Aditya, Nada und Kshetra, nach Pasha auch Kala …

Vers 245
subantā rājadevī ca rājalakṣmīrapi priye |
bhairavī cāpi mārīcamedhamāyāramāstathā ||245||

… Rajadevi mit Kasusendung und Rajalakshmi, Geliebte; Bhairavi sowie Maricha, Medha, Maya und Rama …

Anmerkung: Subanta bezeichnet eine nominale Kasusform, bestimmt hier aber nicht ausdrücklich welchen Kasus. Keine Dativendung erfunden.

Vers 246
vedādimāyākamalāḥ pralayaḥ preta eva ca |
tāralajjākūrcarāvāstato rājyaprade iti ||246||

Vedadi, Maya, Kamala, Pralaya und Preta; Tara, Lajja, Kurcha und Rava, dann „Rajyaprade“, „Herrschaft Gewährende!“ …

Vers 247
ḍākinī cāpi phetkārī ugracaṇḍe tato vadet‌ |
raṇamardini saṅkīrtya ruḍrāvau yoginī vadhūḥ ||247||

… Dakini und Phetkari; dann spreche man „Ugrachande“, „gewaltig Wilde“, und „Ranamardini“, „im Kampf Zermalmende“; Rut und Rava, Yogini und Vadhu …

Vers 248
sadā rakṣadvayaṃ tvaṃ māṃ kālādityau tataḥ param‌ |
tato mṛtyuhare procya namaḥ svāhā niyojayet‌ ||248||

„Schütze, schütze mich stets!“ Dann Kala und Aditya; danach spreche man „Mrityuhare“, „Tod Hinwegnehmende“, und setze namah svaha ein.

Katyayani und die Göttin des Verbrennungsplatzes

Vers 249
vedādimāyāhṛnmantrāstataḥ paramabhīṣaṇe |
[…] karaṅkārṇād vadet kaṅkālamālini ||249||

Vedadi, Maya und Herzmantra; dann „Paramabhishane“, „überaus Schreckliche“; […], nach dem Karanka-Laut spreche man „Kankalamalini“, „Trägerin einer Skelettgirlande“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor Karanka beschädigt; Paramabhishane möglicherweise getrennt paraṃ abhīṣaṇe, Hauptdeutung vorläufig.

Vers 250
śākinīdvayataḥ kātyāyaniśabdaṃ vinirdiśet‌ |
vyāghracarmāvṛtakaṭi kālīyugmaṃ tato vadet‌ ||250||

… nach zweimal Shakini nenne man „Katyayani“ und „Vyaghracharmavritakati“, „deren Hüften ein Tigerfell umhüllt“. Danach spreche man zweimal Kali …

Vers 251
śmaśānacāriṇi procya nṛtya nṛtya tataḥ param‌ |
gāyayugmaṃ hasayugaṃ huṃ huṃkārānu nādini ||251||

… „Shmashanacharini“, „auf dem Verbrennungsplatz Wandelnde“, und dann „tanze, tanze; singe, singe; lache, lache!“ Danach „hum hum“ und „Nadini“, „die diesen Ruf erschallen lässt“ …

Anmerkung: Lesbare Verben nṛtya nṛtya gāya gāya hasa hasa; keine gewöhnliche Wortbedeutung für hum ergänzt.

Vers 252
uktvāṅkuśayugaṃ devi śavavāhini […] |
māṃ rakṣayugalaṃ cāpi phaḍyugaṃ krodhayordvayam‌ ||252||

Nach zweimal Ankusha, Göttin, „Shavavahini“, „die auf einem Leichnam fährt“, […]; „mich schütze, schütze“, zweimal phat und zweimal Krodha …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Shavavahini beschädigt.

Vers 252 (zweite Nennung; Folgeposition 253)
hṛcchīrṣe tadanu jñeye vāgbhavāḥ pañca tatpare |
kāmakūrcaramāmuktāstato mahiṣamardini ||252||

… danach Herz- und Kopfabschluss; darauf fünf Vagbhava-Bijas, ohne Kama, Kurcha und Rama; dann „Mahishamardini“, „Büffeldämon-Bezwingerin“ …

Anmerkung: Kāmakūrcaramāmuktāḥ Hauptlesung als „frei von“; Fußnote vyukta bestätigt eine Trennung, genaue rituelle Reichweite bleibt offen. Quelle wiederholt252, interneKennung253.

Weitere Kutas und Anreden

Vers 254
eko nityaḥ pañca medhāstāraḥ kumbhaka eva ca |
prakṛtiśca tathā ghrāṇastato bhagavatīti ca ||254||

Ein Nitya, fünf Medha-Bijas, Tara und Kumbhaka; Prakriti und Ghrana, dann „Bhagavati“, „Erhabene“ …

Anmerkung: Nitya als Bija-Name nach dem Listencharakter verstanden.

Vers 255
maryādādiśca saṃhārakūṭastadanu bhāmini |
hiraṇyagarbhakūṭaṃ ca caṇḍahuṅkāraśabdataḥ ||255||

… das mit Maryada beginnende Glied, danach Samhara-Kuta, Strahlende; Hiranyagarbha-Kuta und nach den Wörtern „Chanda“ und „Humkara“ …

Anmerkung: Keine Zahl oder Namen der nur begonnenen Maryada-Gruppe ergänzt.

Vers 256
kāpālinīti pravadejjaya raṅkeśvarīti ca |
tato'nu hṛcchiromantrau medhamāyāramāstathā ||256||

… „Kapalini“: „Schädelträgerin mit wildem Hum-Ruf!“ Dann „Jaya Rankeshvari“, „Sieg dir, Rankeshvari!“ Danach Herz- und Kopfmantra, anschließend Medha, Maya und Rama …

Anmerkung: Rankeshvari nach sichtbarer Schreibung; nicht Rangeshvari oder ein anderer Name eingesetzt.

Vers 257
pralayaḥ kulikaṃ cāpi tatheṣyā dhāraṇā'pi ca |
ghrāṇo daṇḍāditrayaṃ ca saṃhārānākhyakūṭakau ||257||

… Pralaya, Kulika, Ishya und Dharana; Ghrana, die mit Danda beginnende Dreiergruppe sowie Samhara-Kuta und Anakhya-Kuta …

Anmerkung: Ishya aus beschädigtem eṣyā vorläufig; nicht in īrṣyā ergänzt.

Vers 258
śivaśaktipadasyānte dadyāt sumaraseti ca |
caṇḍakāpāleśvari ca kūrco hṛnmantrasaṃyutaḥ ||258||

… an „Shiva-Shakti“ füge man „Sumarasa“ an; dann „Chandakapaleshvari“, „wilde Herrin der Schädel“, und Kurcha, verbunden mit dem Herzmantra.

Anmerkung: Sumarasa nach sichtbarer Schreibung; mögliche Samarasa-Lesung nicht stillschweigend eingesetzt.

Vers 256 (zweite Nennung; Folgeposition 259)
bījāni trīṇi purataḥ etasyaivādimāni hi |
ādityakūṭaṃ tadanu ṛvarṇe [?] yugalaṃ tataḥ ||256||

Zu Beginn stehen die drei Anfangsbijas eben dieser Formel. Danach Aditya-Kuta und anschließend zweimal der ri-Laut [?] …

Anmerkung: Quellfrage bei ṛvarṇa bewahrt; Ziffer256 an Folgeposition259. Kein gesicherter Laut daraus abgeleitet.

Vers 260
mahāsuvarṇapadataḥ kūṭeśvari samālikhet‌ |
ādityakūṭādārabhya catvāri suravandite ||260||

… an „Mahasuvarna“ schließe man „Kuteshvari“ an, „Herrin des großen goldenen Kuta“. Die vier Glieder, beginnend mit Aditya-Kuta, von den Göttern Verehrte …

Anmerkung: Kuta als Lautgruppe beziehungsweise Namenglied, nicht ohne Weiteres geografischer Berg.

Vers 261
ādyāni viparītāni hṛcchīrṣaṃ tadanantaram‌ |
tāramedharamāmāyāśākinīpretakālikāḥ ||261||

… stehen umgekehrt, danach Herz- und Kopfabschluss. [Die nächste Folge beginnt mit:] Tara, Medha, Rama, Maya, Shakini, Preta und Kalika …

Anmerkung: Umkehranweisung nicht durch eine erfundene ausgeschriebene Formel ersetzt.

Vagishvari, Chamunda und die Rede

Vers 262
raṇḍā nāḍī haṃsasūktaṃ kapilo varṇa eva ca |
daśaitān purataḥ procya jaya vāgīśvarīrayet‌ ||262||

… Randa, Nadi, Hamsa-Sukta und die Farbe Kapila. Nachdem man diese zehn am Anfang gesprochen hat, sage man „Jaya Vagishvari“, „Sieg dir, Herrin der Rede!“ …

Anmerkung: Randa als Name der Nadi und Kapila als Farbe können zusammengesetzte Listenglieder sein; die Textzahl10 nicht durch Umgruppierung erzwungen.

Vers 263
jñānaṃ prakaṭaya […] buddhiṃ me dehiyugmakam‌ |
devikā taṭinī cāpi hemakūṭamataḥ param‌ ||263||

„Lass Wissen offenbar werden […]! Gib, gib mir Einsicht!“ Danach der Fluss Devika und Hema-Kuta …

Anmerkung: Fragment: Glied beziehungsweise Wiederholungsangabe nach prakaṭaya beschädigt. Devikā taṭinī als Flussname plus Gattungswort, nicht zwei Bijas.

Vers 264
jñānakūṭaṃ vāgbhavaśca yoginīrāvamanmathāḥ |
kūrco'strayugalaṃ śīrṣaṃ praṇavaḥ sṛṇikālike ||264||

… Jnana-Kuta, Vagbhava, Yogini, Rava und Manmatha; Kurcha, zweimal Astra und Kopfabschluss. Danach Pranava, Srini und Kalika …

Vers 265
rāvacaṇḍau yoginī ca khecarī kūrca eva ca |
phetkārīcapalākālarātrimāyābhujaṅgamāḥ ||265||

… Rava und Chanda, Yogini, Khechari und Kurcha; Phetkari, Chapala, Kalaratri, Maya und Bhujangama …

Vers 266
mahāroṣakhagādhīśau bījānīmāni ṣoḍaśa |
cāmuṇḍe jvalayugmaṃ ca hiliyugmaṃ kilidvayam‌ ||266||

… Maharosha und Khagadhisha: Dies sind sechzehn Bijas. Dann „Chamunde“, zweimal „jvala“, „brenne“, zweimal „hili“ und zweimal „kili“ …

Anmerkung: Hili/kili als rituelle Lautwörter ohne erfundene Bedeutung bewahrt.

Vers 267
mama śatrūniti procya trāsayadvitayaṃ vadet‌ |
māraya […] pacadvayam‌ ||267||

Man spreche „meine Feinde erschrecke, erschrecke“; dann „töte“, […], zweimal „koche“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangabe und Glied zwischen māraya und paca beschädigt; keine Silbenfolge ergänzt.

Vers 268
bhakṣayadvitayaṃ procya kālīyugmaṃ trapāyugam‌ |
krodhadvitayamastrasya dvitayaṃ śira eva ca ||268||

… zweimal „verzehre“, zweimal Kali, zweimal Trapa, zweimal Krodha, zweimal Astra und Kopfabschluss.

Anmerkung: Historische aggressive Mantraformel; vollständig lesbarer Wortlaut übersetzt.

Vajravairochani und die große Shivaduti

Vers 269
māyānākulakūrcāstrāṇyataḥ paramudīrayet‌ |
tāraśca kamalā māyā sārasvatamataḥ param‌ ||269||

Danach spreche man Maya, Nakula, Kurcha und Astra. Dann Tara, Kamala, Maya und Sarasvata …

Vers 270
vajravairocanīye ca kūrcadvandvāstramastakāḥ |
pañca sārasvatānuktvā trīṇi kūrcāni tatparam‌ ||270||

… „Vajravairochaniye“, danach zweimal Kurcha, Astra und Kopfabschluss. Dann fünf Sarasvata-Bijas und anschließend drei Kurcha-Bijas …

Anmerkung: Vajravairocaniye als überlieferte Anredeform bewahrt; keine andere vertraute Mantraversion eingesetzt.

Vers 271
huṃ huṃkārapadād ghoranādavitrāsita priye |
jagattraye samābhāṣya trapātritayamuddharet‌ ||271||

Nach „hum humkara“ spreche man: „Die mit ihrem furchtbaren Ruf die drei Welten erschreckt“, Geliebte. Danach setze man dreimal Trapa ein …

Anmerkung: Anrede huṃhuṃkāraghoranādavitrāsitajagattraye; Sinnzusammenhang klar, zusammengesetzte Rezitation aus der Wortanweisung erläutert.

Vers 272
prasāritāyutabhuje mahāvegapradhāvite |
trikāmyāḥ padavinyāsatrāsiteti prakīrtayet‌ ||272||

„Die zehntausend Arme ausstreckt, mit gewaltiger Schnelligkeit dahinstürmt!“ Dann drei Kamya-Bijas und die Worte „durch das Aufsetzen ihrer Füße erschreckend“ …

Anmerkung: Trikāmyāḥ als dreifache Lautchiffre nach dem Listenbau verstanden; Kamya nach sichtbarer Schreibung, nicht in Kama geändert.

Vers 273
tataḥ sakalapātāle kamalātritayaṃ tataḥ |
tato vyāpakaśabdānu śivadūti samuddharet‌ ||273||

… „sämtliche Unterwelten“. Dann dreimal Kamala; nach dem Wort „allgegenwärtig“ füge man „Shivaduti“ an: „Allgegenwärtige Botin Shivas!“ …

Vers 274
punaḥ paramaśabdānu śivaparyaṅkaśāyini |
yoginītritayasyānte galadrudhiraśabdataḥ ||274||

… ferner „auf dem Lager des höchsten Shiva Ruhende“. Nach dreimal Yogini verbinde man „von Blut tropfend“ …

Vers 275
muṇḍamālādhāriṇi ca ghoraghorataretyapi |
rūpiṇi procya rāvāṇāṃ tritayaṃ samudīrayet‌ ||275||

… mit „Mundamaladharini“: „Trägerin einer von Blut tropfenden Schädelgirlande“. Man spreche „Ghoraghoratararupini“, „von furchtbarer, überaus furchtbarer Gestalt“, und dreimal Rava …

Vers 276
jvālāmāli padāt piṅgajaṭājūṭe samālikhet‌ |
visandhyacintyamahimabalaśabdādanu priye ||276||

Nach „jvalamali“ schreibe man „Pingajatajute“: „mit flammenumkränztem rotbraunem Haarknoten“. Dann ohne Sandhi-Verbindung die Wörter „unvorstellbare Größe und Kraft“, Geliebte …

Anmerkung: Kompositum aus den lesbaren Anweisungswörtern erläutert; nicht als neue unabhängige Formel ausgegeben.

Vers 277
prabhāve trīṇi vadhvāśca daityadānavaśabdataḥ |
nikṛntanīti sakalasurakāryānu sādhike ||277||

… verbunden mit „Prabhave“, „von solcher Macht“; dreimal Vadhu. Nach „Daityas und Danavas“ folgt „Nikrintani“, „Zerschneiderin“, danach „Vollbringerin sämtlicher Aufgaben der Götter“ …

Siddhilakshmi und die nördliche Schlussumrahmung

Vers 278
praṇavatritayaṃ cāstraṃ hṛdā śīrṣṇā cānvitam‌ |
vedādimāyākamalākāmamedhāṅkuśāḥ kramāt‌ ||278||

… dreimal Pranava und Astra, verbunden mit Herz- und Kopfabschluss. Danach der Reihe nach Vedadi, Maya, Kamala, Kama, Medha und Ankusha …

Anmerkung: Medha/Megha im OCR wechselnd, hier vorläufige Lesung Medha, ohne ausgeschriebene Bija-Silbe.

Vers 279
kālīpāśakrodhamahākrodhaprāsādanāmakāḥ |
amātārkṣyau ca phetkārī dhanadācaṇḍayoginī [?] ||279||

… die Bijas namens Kali, Pasha, Krodha, Mahakrodha und Prasada; Ama und Tarkshya, Phetkari, Dhanada, Chanda und Yogini [?] …

Anmerkung: Letzte Namenfolge bereits in der Quelle fraglich; nicht als gesicherte Zahlaufteilung ausgegeben.

Vers 280
śākinī meghacapale ratipretau sabhūtakau |
khecarīkālanāgāśca bījānāṃ ṣaṭ ca viṃśatiḥ ||280||

… Shakini, Megha und Chapala, Rati und Preta zusammen mit Bhuta; Khechari, Kala und Naga: Das sind sechsundzwanzig Bijas.

Anmerkung: Megha hier gemäß sichtbarer Schreibung, Unterschied zur Medha-Lesung278 nicht geglättet. Kontrollzahl26 ohne Ergänzungen.

Vers 281
kālasaṅkarṣiṇi tato roṣayugmaṃ śiro'pi ca |
ṣaṭtriṃśadakṣaro mantraḥ siddhilakṣmībhidhābhidhaḥ ||281||

Dann „Kalasamkarshini“, „die die Zeit an sich zieht“, zweimal Rosha und Kopfabschluss. Der sechsunddreißigsilbige Mantra trägt den Namen Siddhilakshmi.

Anmerkung: Textzahl36; nicht gegen die zuvor genannte Bija-Zahl ausgeglichen.

Vers 282
etāḥ ṣoḍaśa vai devya uttarāmnāyagocarāḥ |
athoparitanaṃ vacmi sampuṭaṃ kamalānane ||282||

Dies sind die sechzehn Göttinnen des nördlichen Amnaya. Nun erkläre ich die obere Umrahmung, Lotusgesichtige.

Anmerkung: Erneute Benennung einer oberen Umrahmung nach 233/239 bleibt bewahrt.

Vers 283
medhamāyāramākāmayoginyaḥ śākinī tathā |
dakṣiṇājambhamandāracūḍāmaṇaya eva ca ||283||

Medha, Maya, Rama, Kama und Yogini, ebenso Shakini; Dakshina, Jambha, Mandara und Chudamani …

Vers 284
santāra[na]maunavaikakṣasaṃvartakavivartakāḥ |
pārīndraśca śubhaṃyuśca jaimacādicatuṣṭayam‌ ||284||

… Santara [Lesung des Herausgebers: Santana], Mauna, Vaikaksha, Samvartaka und Vivartaka; Parindra, Shubhamyu und die mit Jaimacha beginnende Vierergruppe …

Anmerkung: Hauptlesung samt eingeklammerter Buchstabenalternative bewahrt; weitere Fußnote Samhara. Jaimacha im OCR unsicher, nicht stillschweigend Jaimana.

Vers 285
virādhaśca turīyā ca modako vāsitā tathā |
pañcaviṃśatibījebhya āgacchadvitayaṃ likhet‌ ||285||

… Viradha, Turiya, Modaka und Vasita. Nach den fünfundzwanzig Bijas schreibe man zweimal „agaccha“, „komm!“ …

Anmerkung: Die Zahl25 wird bewahrt; die nur mit ihrem Anfang benannte Vierergruppe284 nicht aufgefüllt.

Vers 286
hasadvayaṃ valāyugaṃ mahākuṇapabhojini |
dṛṣṭiṃ niveśayayugaṃ māyāprāsādagāruḍāḥ ||286||

… zweimal „hasa“, „lache“, zweimal „vala“ und „Mahakunapabhojini“, „große Leichenverzehrerin“. Zweimal „drishtim niveshaya“, „richte den Blick darauf“, dann Maya, Prasada und Garuda …

Anmerkung: Vala als überliefertes Lautwort ohne geratene Übersetzung bewahrt.

Vers 287
nṛsiṃhapretabhairavyaḥ kamalāśākinīruṣaḥ |
phaṭtrayaṃ śirasā yuktaṃ sarvaśeṣe niyojayet‌ ||287||

… Nrisimha, Preta und Bhairavi, Kamala, Shakini und Rush. Ganz am Ende setze man dreimal phat, verbunden mit dem Kopfabschluss, ein.

Vers 288
hṛdaye vinyaseddevi manūnetān samuccaran‌ |
ataḥ paraṃ bravīmyanyā ūrdhvāmnāyagatāḥ śivāḥ ||288||

Diese Mantras soll man, Göttin, rezitierend im Herzen einsetzen. Nun erkläre ich die anderen segensreichen Göttinnen, die zum oberen Amnaya gehören.

Die Göttinnen des oberen Amnaya

Vers 289
devī yāsāmādibhūtā mahātripurasundarī |
mokṣalakṣmīḥ sarvaśeṣe śeṣe'nyāstu caturdaśa ||289||

Unter ihnen steht die Göttin Mahatripurasundari an erster Stelle, Mokshalakshmi ganz am Schluss; dazwischen befinden sich die übrigen vierzehn.

Vers 290
ādāvākarṇaya śive uparisthitasampuṭam‌ |
praṇavatritayaṃ […] kamalāsmarau ||290||

Höre zuerst die obere Umrahmung, Segensreiche: dreimal Pranava, […], Kamala und Smara …

Anmerkung: Fragment: Glied nach den drei Pranavas beschädigt.

Vers 291
nakṣatravidyutau māyā garbhadīpau ca yoginī |
[…] jīvayugaṃ mama sarvamanorathān‌ ||291||

… Nakshatra und Vidyut, Maya, Garbha und Dipa sowie Yogini; […], zweimal „jiva“, „lebe“, dann „all meine Herzenswünsche“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor jīva beschädigt.

Vers 292
pūrayadvitayaṃ procya […] dvitayaṃ tathā |
adhiṣṭhānaṃ kuruyugaṃ carpaṭādicatuṣṭayam‌ ||292||

… gefolgt von zweimal „erfülle“, dann ebenso zweimal […]; „adhishthanam kuru kuru“, „nimm deinen Sitz ein, nimm deinen Sitz ein“, und die mit Charpata beginnende Vierergruppe …

Anmerkung: Fragment: ein zu wiederholendes Wort beschädigt; Versziffer aus Folge292.

Vers 293
kāmavadhvau pṛthunadau […] śira eva ca |
parākūṭaṃ ca citkūṭaṃ jyeṣṭhakūṭaṃ […] ca ||293||

… Kama und Vadhu, Prithu und Nada, […], und Kopfabschluss. Dann Para-Kuta, Chit-Kuta, Jyeshtha-Kuta und […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Glieder beschädigt; Prithu/Nada als vorläufige Worttrennung.

Mahatripurasundari und weitere Formen

Vers 294
meghānaṅgau tathā pretastāramedhatrapāramāḥ |
kāmo bhagavati procya mahāmohini kīrtayet‌ ||294||

… Megha und Ananga, Preta, Tara, Medha, Trapa, Rama und Kama; nach „Bhagavati“ spreche man „Mahamohini“, „Erhabene große Verzauberin“ …

Anmerkung: Megha am Anfang und Medha später nach sichtbarer Schreibung unterschieden.

Vers 264 (Folgeposition 295)
brahmaviṣṇuśivādīti sakalānu surāsura |
mohinyanu ca vai dadyāt sakalaṃ janamityapi ||264||

… „die Brahma, Vishnu, Shiva und sämtliche Götter und Asuras bezaubert“. Danach füge man „alle Menschen“ hinzu …

Anmerkung: Quellziffer 264 an Folgeposition295 bewahrt; Anweisung zum Aufbau des Mohini-Kompositums.

Vers 266 (Folgeposition 296)
mohayadvitayaṃ cāpi vaśīkuruyugaṃ tathā |
kāmāṅgadrāviṇi padāt kāmāṅkuśa itīrayet‌ ||266||

… zweimal „bezaubere“ und zweimal „bringe unter die Gewalt“. Nach „Kamangadravini“, „die den Leib des Begehrens schmelzen lässt“, spreche man Kama und Ankusha …

Anmerkung: Quellziffer 266 an Folgeposition296 bewahrt; Abgrenzung Kama/Ankusha vorläufig, auch Kompositum möglich.

Vers 297
vadhūtrayāt kāmarame […] medhapraṇavā api |
caitanyakālīprāṇāśca ḍākinīprāṇaśākinīḥ ||297||

Nach dreimal Vadhu folgen Kama und Rama, […], Medha und Pranava. Dann Chaitanya, Kali, Prana, Dakini, Prana und Shakini …

Anmerkung: Fragment: Glied vor Medha beschädigt. Wiederholung Prana bewahrt.

Vers 295 (Folgeposition 298)
medhamāyāramāśceti nava bījāni pārvati |
trailokyavijayāyai ca namaḥ svāhā niyojayet‌ ||295||

… Medha, Maya und Rama: Diese neun Bijas, Parvati, und „Trailokyavijayayai namah svaha“ setze man ein: „Verehrung der Siegerin über die drei Welten, svaha!“

Anmerkung: Quellziffer 295 an Folgeposition298 bewahrt; Name im Dativ vollständig lesbar.

Vers 299
śakticūḍāhvayau kūṭau phetkārībījameva ca |
śāṅkarāstraṃ vyomakūṭaṃ nādāntakacatuṣṭayam‌ ||299||

Die Kutas namens Shakti und Chuda, das Phetkari-Bija, Shankara-Astra, Vyoma-Kuta und die mit Nadantaka beginnende Vierergruppe …

Vers 300
dākṣikaṃ saumataṃ cāpi nitye'nityapadādanu |
bhogapriye samābhāṣya nityoditapadādanu ||300||

… Dakshika und Saumata, „Nitye“, „Ewige“; an „anitya“ schließe man „bhogapriye“ an: „die vergänglichen Genuss liebt“. Danach an „stets aufgehend“ …

Anmerkung: Die Folge nitye anitya bleibt als Quelle bewahrt; keine Harmonisierung von Ewigem und Vergänglichem.

Vers 301
vaibhave pāśamāyāśrīkāmapretāśca bhairavī |
kūrco namaśca svāhā ca tāro hṛnmantra eva ca ||301||

… „Vaibhave“: „deren Herrlichkeit stets aufgeht“. Pasha, Maya, Shri, Kama, Preta und Bhairavi, Kurcha, namah und svaha. Danach Tara und Herzmantra …

Vers 302
kāmeśvari padāt kāmāṅkuśe kāmapradāyike |
bhagavatyanu vai nīlapatāke ca bhagāntike ||302||

Nach „Kameshvari“ folgen „Kamankushe, Kamapradayike“: „Herrin des Begehrens, Lenkerin des Begehrens, Wünsche Gewährende“. Nach „Bhagavati“ dann „Nilapatake“ und „Bhagantike“: „Erhabene mit blauem Banner, Bhagantika“ …

Anmerkung: Bhagantika wörtliche Bedeutung im Zusammenhang unsicher; Name bewahrt. Ankusha als Elefantenhakenbild in der Anrede „Lenkerin“ erläutert.

Vers 303
ratihṛnmantro'stu te ca paramānte tathaiva ca |
guhye kūrcatrayaṃ cāpi madane madanāntaka ||303||

Rati und Herzmantra, dann „astu te“, „sei dir“, sowie nach „parama“ „guhye“, „höchst Geheime“. Dreimal Kurcha; danach „Madane“ und „Madanantaka“ …

Anmerkung: Die Rati/Namah-Verbindung könnte „Hingabe sei dir“ bilden; nicht als gesicherte vollständige Formel ergänzt. Fortsetzung304.

Vers 304
dehe trailokyamiti ca visandhyāveśayerayet‌ |
roṣāstraśīrṣāṇyante ca vedādimedha eva ca ||304||

… verbunden mit „Dehe“, „deren Leib der Vernichter des Liebesgottes ist“. Dann „die drei Welten“ und ohne Sandhi „aveshaya“, „durchdringe/besetze“. Am Ende Rosha, Astra und Kopfabschluss. Danach Vedadi und Medha …

Anmerkung: Madanāntakadehe als zusammengesetzte Anrede nach der Wortanweisung verstanden; Deutung bleibt ungewöhnlich, nicht zu einer vertrauten Form umgeschrieben.

Paramahamseshvari, Dhumavati und Kamakhya

Vers 305
pāśo māyā brahma cāpi tataḥ paramaśabdataḥ |
haṃseśvari samālikhya kaivalyaṃ sādhayāpi ca ||305||

… Pasha, Maya und Brahma; an „Parama“ schließe man „Hamseshvari“ an: „Herrin des höchsten Hamsa“. Dann „kaivalyam sadhaya“, „verwirkliche Kaivalya“ …

Anmerkung: Hamsa als spiritueller Name/Symbol bewahrt; Kaivalya bedeutet Befreiung.

Vers 306
svāhā tāraśca hṛnmantraḥ pracaṇḍapadamanvataḥ |
ghoradāvānaletyuktvā vāsinyai tadanantaram‌ ||306||

… svaha. Danach Tara und Herzmantra; auf „Prachanda“ und „Ghoradavanala“ folge „Vasinyai“: „der im gewaltigen, furchtbaren Waldbrand Wohnenden“ …

Anmerkung: Dativ der Anrufung bewahrt.

Vers 307
trapāroṣau ca samayavidyākulapadaṃ tataḥ |
punaśca tattvadhāriṇyai mahāmāṃsetyapi priye ||307||

… Trapa und Rosha, dann die Wörter „Samaya, Vidya, Kula“, verbunden mit „Tattvadharinyai“: „der Trägerin ihrer Grundwahrheit“. Danach „Mahamamsa“, Geliebte …

Anmerkung: Samaya/Vidya/Kula als überlieferte Begriffe, nicht als moderne Yogaarten gedeutet.

Vers 308
rudhiretyapi saṃlikhya priyāyai baliśabdataḥ |
yoginī kāminī kāmo dhūmāvatyai tataḥ param‌ ||308||

… „Rudhira“ und „Priyayai“ mit „Bali“: „der Menschenfleisch und Blut als Opfergabe Liebenden“. Yogini, Kamini und Kama, danach „Dhumavatyai“, „der Dhumavati“ …

Anmerkung: Mahamamsa als historischer Ritualbegriff, nicht als heutige Opferempfehlung; Wortstellung des Bali-Gliedes im Sanskrit knapp.

Vers 306 (zweite Nennung; Folgeposition 309)
sarvajñatāsiddhidāyai rāvāstrānalavallabhā |
tārapāśau medhamāye kamalā tadanantaram‌ ||306||

… „Sarvajnatasiddhidayai“, „der die Vollendung der Allwissenheit Gewährenden“, Rava, Astra und Analavallabha. Danach Tara und Pasha, Medha und Maya sowie Kamala …

Anmerkung: Quellnummer 306 an Folgeposition309 bewahrt; Analavallabha als Svaha-Chiffre.

Vers 310
śaktisopānikamalāsane varṇābhidhānataḥ |
uccāṭayadvayaṃ procya vidveṣayayugaṃ vadet‌ ||310||

… Shakti, Sopani und „Kamalasane“, „auf dem Lotus Sitzende“, nach den genannten Lautbezeichnungen. Man spreche zweimal „vertreibe“ und zweimal „stifte Zwietracht“ …

Anmerkung: Worttrennung Shakti/Sopani/Kamalasane vorläufig; keine gesicherte Göttinnenidentifizierung ergänzt. Versziffer310 im OCR beschädigt.

Vers 311
hūṃ phaṭ svāhā sarvaśeṣe tārakāmāmṛtānyapi |
trapāvadhūkūrcarāvayoginīcaṇḍasaṃjñakāḥ ||311||

… ganz am Ende hum phat svaha. Danach Tara, Kama und Amrita sowie die Bijas namens Trapa, Vadhu, Kurcha, Rava, Yogini und Chanda …

Anmerkung: Hūṃ in der Quelle mit langem u; nicht an huṃ222 angeglichen.

Vers 312
tato ṅe'ntā ca kāmākhyā phaṭ svāhā tadanantaram‌ |
caitanyapāśaprāsādāḥ pretaśca […] ca ||312||

… dann Kamakhya im Dativ, danach phat svaha. Chaitanya, Pasha und Prasada, Preta und […] …

Anmerkung: Fragment: letztes Bija-Glied beschädigt. Kāmākhyāyai: „der Kamakhya“.

Weltgestalt und Wünsche erfüllende Anreden

Vers 313
kālaścaturaśītyuktvā koṭimūrtaya īrayet‌ |
tato ṅe'ntā viśvarūpā brahmāṇḍajaṭharā tathā ||313||

… Kala. Nach „vierundachtzig“ spreche man „Kotimurtaye“, „der mit vierundachtzig Koti Gestalten“. Dann Vishvarupa und Brahmandajathara im Dativ: „der allgestaltigen Göttin, deren Bauch das Weltenei ist“ …

Anmerkung: Koti als große traditionelle Zähleinheit; keine Silben zur grammatischen Glättung der im OCR beschädigten mūrti-Form ergänzt.

Vers 314
tāraḥ svāhā ca caitanyamāyāprāṇāśca ḍākinī |
prāṇarāvau meghamāyākamalāstadanantaram‌ ||314||

… Tara und svaha. Danach Chaitanya, Maya und Prana, Dakini, Prana und Rava, anschließend Megha, Maya und Kamala …

Anmerkung: Wiederholungen Prana und Maya bewahrt; Megha gemäß sichtbarer Schreibung.

Vers 315
trailokyavijayā ṅe'ntā namaḥ svāhā tathaiva ca |
vedādimāyāhṛnmantrāścitrāmbara itīti ca ||315||

Trailokyavijaya im Dativ, namah und svaha. Danach Vedadi, Maya und Herzmantra sowie „Chitrambara“, „mit buntem Gewand“ …

Anmerkung: Trailokyavijaya erneut genannt, wie298; keine Dublette der ganzen Formel, da Bijas abweichen.

Vers 316
cintāmaṇiṃ prakaṭaya paramarddhiṃ dadadvayam‌ |
guhyakūṭaṃ ratnakūṭaṃ hemakūṭaṃ tathaiva ca ||316||

„Lass den wunscherfüllenden Edelstein offenbar werden; gib, gib höchste Fülle!“ Danach Guhya-Kuta, Ratna-Kuta und Hema-Kuta …

Anmerkung: Formelglieder cintāmaṇiṃ prakaṭaya paramarddhiṃ dada dada.

Vers 317
yoginī kāmavanitā ḍākinī ruṣa eva ca |
phaṭ svāhā tadanu jñeyā praṇavaḥ kāma eva ca ||317||

… Yogini, Kama, Vanita, Dakini und Rush; danach phat svaha. Dann Pranava und Kama …

Waffenbezwingung und Mokshalakshmi

Vers 318
daṇḍaḥ kāmo brahmavidye jagadgrasanaśabdataḥ |
śīle mahāvidya iti māyākūrcau prabhā tathā ||318||

… Danda und Kama; „Brahmavidye“, „Wissen des Brahman“, verbunden mit „Jagadgrasanashile“, „deren Wesen es ist, die Welt zu verschlingen“, und „Mahavidye“, „große Vidya“. Maya, Kurcha und Prabha …

Vers 314 (zweite Nennung; Folgeposition 319)
viṣṇumāye samābhāṣya kṣobhayadvitayaṃ likhet‌ |
smarāṅkuśau pāśaprabhe sarvāstrāṇi grasadvayam‌ ||314||

Man spreche „Vishnumaye“, „Maya Vishnus“, und zweimal „erschüttere“; Smara und Ankusha, Pasha und Prabha, dann „verschlinge, verschlinge sämtliche Waffen!“ …

Anmerkung: Quellziffer 314 an Folgeposition319 bewahrt.

Vers 327 (Folgeposition 320)
kūrcāstrapraṇavānuktvā prabhā ca bagalāmukhi |
sarvaśatrūn samābhāṣya stambhayadvitayaṃ tataḥ ||327||

Nach Kurcha, Astra und Pranava folgen Prabha und „Bagalamukhi“. Dann „alle Feinde lähme, lähme!“ …

Anmerkung: Quellziffer 327 an Folgeposition320 bewahrt; keine Gleichsetzung mit der abweichenden Bagalamukhi-Form126–127.

Vers 321
tataśca brahmaśirase brahmāstrāya tataḥ param‌ |
roṣānaṅgaprabhātārāḥ hṛcchīrṣe tadanantaram‌ ||321||

… danach „dem Brahma-Haupt“ und „der Brahma-Waffe“; Rosha, Ananga, Prabha und Tara, anschließend Herz- und Kopfabschluss.

Anmerkung: Brahmaśirase brahmāstrāya sind Dativglieder der Formel; keine zusätzlichen Bijas daraus gebildet.

Vers 322
vedādirbhauvaneśī ca kamalātritayaṃ tataḥ |
dvau kāmau nirvikārasthacidānandapadaṃ tataḥ ||322||

Vedadi und Bhauvaneshi, danach dreimal Kamala und zweimal Kama; dann die Wörter „in Unveränderlichkeit ruhendes Bewusstsein und Glückseligkeit“ …

Anmerkung: Fortsetzung323.

Vers 323
ghanarūpā tato ṅe'ntā mokṣalakṣmīstathaiva ca |
tato'mitānantaśaktitattvāyai sandhivat […] ||323||

… verbunden mit „Ghanarupa“ im Dativ: „deren Gestalt deren dichte Fülle ist“, ebenso Mokshalakshmi im Dativ. Dann mit Sandhi „der Wirklichkeit unermesslicher, unendlicher Kraft“ […] …

Anmerkung: Fragment: Schluss der Sandhi-Anweisung beschädigt; ghanarūpa aus OCR dhanarupa im Zusammenhang cidānanda als vorläufige Lesung. Mokṣalakṣmyai sicher.

Vers 324
dvau kāmau kamalāstisro māyā praṇava eva ca |
evamūrdhvāmnāyasaṃsthāḥ devyaḥ ṣoḍaśa kīrtitāḥ ||324||

Zweimal Kama, dreimal Kamala, Maya und Pranava. Damit sind die sechzehn Göttinnen des oberen Amnaya genannt.

Die untere Umrahmung des oberen Amnaya

Vers 325
adhaḥsampuṭamīśāni śṛṇvataḥ paramuttamam‌ |
caitanyakamalāmāyāpretā bhairavyapi priye ||325||

Höre nun die vorzügliche untere Umrahmung, Herrin: Chaitanya, Kamala, Maya, Preta und Bhairavi, Geliebte …

Vers 326
kai[sau?]mataṃ dākṣiko rāgo bhadrikā kuśiko'vyayaḥ |
merutrikūṭakailāsakūṭāni tadanantaram‌ ||326||

… Kaimata [Lesung des Herausgebers: Saumata?], Dakshika, Raga, Bhadrika, Kushika und Avyaya; danach die Kutas Meru, Trikuta und Kailasa …

Anmerkung: Erster Name bereits mit eingeklammerter Lesungsfrage; keine sichere Sanskritform erfunden. Fußnote Kama statt Raga.

Vers 327
tataśca khecarīmudrāṃ punaḥ prakaṭayadvayam‌ |
sānnidhyamāveśaya ca yoginīḍākinīruṣaḥ ||327||

Dann „Khechari-Mudra offenbare, offenbare; lass Gegenwart einkehren!“ Danach Yogini, Dakini und Rush …

Anmerkung: Formelglieder khecarīmudrāṃ prakaṭaya prakaṭaya sānnidhyam āveśaya; keine moderne körperliche Anleitung zur Mudra ergänzt.

Vers 328
astratritayasaṃyuktastato hṛcchīrṣayormanuḥ |
evaṃ ṣoḍaśadevīnāṃ manubhiḥ sampuṭīkṛtaiḥ ||328||

… verbunden mit dreimal Astra, danach Herz- und Kopfmantra. Mit diesen so umrahmten Mantras der sechzehn Göttinnen …

Anmerkung: Fortsetzung329.

Vers 329
brahmarandhre nyaseddevi sadordhvāmnāyagocaraiḥ |
niśāmayādhaāmnāyagocarān devatāmanūn‌ ||329||

… des oberen Amnaya soll man stets am Brahmarandhra Nyasa ausführen, Göttin. Vernimm nun die Gottheitenmantras des unteren Amnaya.

Die Göttinnen des unteren Amnaya

Vers 330
yasyādyabhūtā vikhyātā bhīmādevī bhayānakā |
ādau sampuṭamākhyāsye […] suravandite ||330||

An seinem Anfang steht die bekannte, furchterregende Bhimadevi. Zuerst erkläre ich die Umrahmung […], von den Göttern Verehrte.

Anmerkung: Fragment: Wort vor der Anrede beschädigt; obere/untere Stellung hier nicht geraten.

Vers 331
caitanyapañcakaṃ tārapañcakaṃ pāśapañcakam‌ |
māyālakṣmīkāmavadhūyoginyaḥ krodharāvakau ||331||

Fünfmal Chaitanya, fünfmal Tara, fünfmal Pasha; Maya, Lakshmi, Kama, Vadhu und Yogini, Krodha und Rava …

Vers 332
ḍākinīpralayau cāpi phetkārī kṛtyayā […] |
sphura prasphurayugmaṃ ca jaya jīva tathaiva ca ||332||

… Dakini und Pralaya, Phetkari zusammen mit Kritya […]; „sphura“, „prasphura“ jeweils zweimal, ebenso „jaya“ und „jiva“: „Erstrahle, leuchte hervor; siege, lebe!“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Kritya beschädigt; Wiederholungsanweisung yugma/tathaiva auf die aufgeführten Verben bezogen, nicht als gesicherte ausgeschriebene Silbenfolge ausgegeben.

Vers 333
visandhyehyehi tadanu bhagavatyapi kīrtayet‌ |
kāpālini samullikhya karāli tadanantaram‌ ||333||

… ohne Sandhi „ehi ehi“, „komm, komm“, danach „Bhagavati“, „Erhabene“. Man schreibe „Kapalini“, „Schädelträgerin“, und anschließend „Karali“, „Furchtbare mit aufgerissenem Rachen“ …

Vers 334
virūpamaparāntaṃ ca […] |
vimardaśekharau cāpi sarvasvaṃ vipriyaṃ tataḥ ||334||

… Virupa, Aparanta und […]; Vimarda und Shekhara, danach Sarvasva und Vipriya …

Anmerkung: Fragment: Teile der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 334 (zweite Nennung; Folgeposition335)
kulamālāvarṇamerukūṭāni tadanantaram‌ |
khaṇḍaketū tato bīje saṅgatirbarha eva ca ||334||

… danach die Kutas Kula, Mala, Varna und Meru; die Bijas Khanda und Ketu, Samgati und Barha …

Anmerkung: Quelle wiederholt334; interneKennung335, Quellziffer bewahrt. Fußnote zu Samgati unklar, nicht als sicherer Zusatz übernommen.

Bhimadevi und ihr furchtbarer Ruf

Vers 336
[…] phaṭtrayaṃ ca carame śira eva ca |
medhahrīkamalākrodhakāmarāvāśca yoginī ||336||

[…], dreimal phat und zuletzt Kopfabschluss. [Danach:] Medha, Hri, Kamala, Krodha, Kama, Rava und Yogini …

Anmerkung: Fragment: erstes Schlussglied beschädigt; Hri nach erkennbarem hrī als Bija-Name, nicht automatisch hrīṃ ergänzt.

Vers 337
vanitā cāpi phetkārī bhīmādevi tataḥ param‌ |
bhīmanāde samābhāṣya tato bhīmakarāli ca ||337||

… Vanita und Phetkari; dann „Bhimadevi“, „furchtbare Göttin“, „Bhimanade“, „mit furchtbarem Ruf“, und „Bhimakarali“, „furchtbar Rachenaufreißende“ …

Vers 338
mahāpralayacaṇḍānu lakṣmīḥ siddheśvarīrayet‌ |
bṛhadrathantarau kūṭau jyeṣṭhakūṭādanusmṛtau ||338||

… nach „Mahapralayachanda“ Lakshmi und „Siddheshvari“, „Herrin der Vollendungen“. Die Kutas Brihat und Rathantara folgen auf Jyeshtha-Kuta …

Anmerkung: Mahapralayachanda wörtlich „wild beim großen Weltuntergang“; Abgrenzung von Namens- und Bija-Gliedern in der knappen Anweisung nicht sicher.

Vers 339
mahāghorapadād ghoratare bhagavatīti ca |
bhayahāriṇi saṅkīrtya dviṣatastadanantaram‌ ||339||

… nach „Mahaghora“ „Ghoratare“, „über das große Schreckliche hinaus Schreckliche“, und „Bhagavati“, „Erhabene“. Man spreche „Bhayaharini“, „Furcht Hinwegnehmende“, danach „die Feinde“ …

Vers 340
nirmalayadvayaṃ sandhiyutaṃ vidrāvayadvayam‌ |
utsādayayugaṃ cāpi mahārājyapadādanu ||340||

… zweimal „nirmalaya“, „beseitige/mache rein“, mit Sandhi verbunden; zweimal „vertreibe“ und zweimal „vernichte“. Dann an „große Königsherrschaft“ …

Anmerkung: Nirmalaya gemäß sichtbarem Text, nicht in nirmūlaya geändert; deshalb genaue Feindvernichtungsbedeutung nur kontextuell.

Vers 341
lakṣmīṃ vitarayugmaṃ ca dehidvitayameva ca |
dāpayadvayamasyānu ḍākinīpralayāvapi ||341||

… „Lakshmi“ angeschlossen: „Gewähre, gewähre den Glanz großer Königsherrschaft; gib, gib; lass geben, lass geben!“ Danach Dakini und Pralaya …

Anmerkung: OCR-Ziffer3419 im Zusammenhang341.

Vers 342
amāpretau pāśasṛṇī kṣetrapālastato'pyanu |
śaktiprāsādasañjñau ca jayayugmamito'pyanu ||342||

… Ama und Preta, Pasha und Srini, danach Kshetrapala, die Bijas namens Shakti und Prasada, anschließend zweimal „jaya“, „siege!“ …

Vers 343
rākṣasakṣayakāriṇyanu tārahrīruṣaḥ kramāt‌ |
piśācinītrayaṃ sargarahitaṃ phaṭtrayaṃ tathā ||343||

… „Rakshasakshayakarini“, „Rakshasas Vernichtende“, danach der Reihe nach Tara, Hri und Rush; dreimal Pishachini ohne Sarga und dreimal phat …

Anmerkung: Sarga hier Lautzeichenanweisung, wahrscheinlich Visarga; Quelle sagt sarga, nicht stillschweigend zu einer vollständigen Bijaform ergänzt. Fußnote zweimal statt dreimal Pishachini.

Vers 344
namaḥ svāhā ca tadanu medhamāye tataḥ param‌ |
pāśāṅkuśau bhairavī ca kāmabījaṃ tataḥ param‌ ||344||

… danach namah svaha. Dann Medha und Maya, Pasha und Ankusha, Bhairavi und anschließend das Kama-Bija …

Hatakeshvari und ihre Anrufung

Vers 345
mahābhogipadād rājabhūṣaṇe parikīrtayet‌ |
sṛṣṭisthitipralayataḥ kāriṇyapi samuddharet‌ ||345||

… an „Mahabhogi“ schließe man „Rajabhushane“ an: „Die den großen Schlangenkönig als Schmuck trägt“. Nach „Schöpfung, Erhaltung und Auflösung“ füge man „Karini“ an: „Die dies alles vollbringt“ …

Vers 346
hūṃ […] kārapadānnādabhūridāriṇi cetyapi |
bhagavatyapi saṃlikhya hāṭakeśvari kīrtayet‌ ||346||

… „hum […]-kara“, verbunden mit „die durch ihren Ruf vieles zerreißt“. Man schreibe „Bhagavati“ und spreche „Hatakeshvari“, „Erhabene Herrin des Goldes“ …

Anmerkung: Fragment: zweiter Laut vor kāra beschädigt; keine genaue Rufwiederholung erfunden.

Vers 347
amṛtaṃ śaktirānando raudro lakṣmīrapi kramāt‌ |
caitanyacaṇḍaśākinyo ḍākinībījamanvataḥ ||347||

… der Reihe nach Amrita, Shakti, Ananda, Raudra und Lakshmi; Chaitanya, Chanda und Shakini, danach das Dakini-Bija …

Vers 348
mama śatrūniti procya mārayadvitayaṃ likhet‌ |
bandhayadvitayaṃ cāpi mardayadvitayaṃ tathā ||348||

Man spreche „meine Feinde“ und schreibe zweimal „töte“, zweimal „binde“ und ebenso zweimal „zermalme“ …

Anmerkung: Formelglieder mama śatrūn māraya māraya bandhaya bandhaya mardaya mardaya; historische Ritualrede.

Vers 349
tataḥ pātayayugmaṃ ca catvāryeva kriyāpadam‌ |
dhanadhānyāyurārogyaiśvaryaṃ dehiyugaṃ tataḥ ||349||

… danach zweimal „bringe zu Fall“: Das sind vier Verben. Dann „gib, gib Reichtum, Getreide, Lebensdauer, Gesundheit und Herrschermacht!“ …

Anmerkung: Die vier Verben beziehen sich auf348–349. Gesundheit ist Gegenstand der Bitte, keine zugesicherte Wirkung.

Vers 350
dāpayadvitayaṃ cāpi mānasaṃ vajrameva ca |
kāpālamatha bhāruṇḍā prāsādaḥ pāśa eva ca ||350||

… ebenso zweimal „lass geben“; Manasa und Vajra, Kapala, dann Bharunda, Prasada und Pasha …

Vers 351
aṅkuśo […] ca hṛdayaṃ śira eva ca |
tāramedharamāmāyāroṣarāvāśca ḍākinī ||351||

… Ankusha, […] sowie Herz- und Kopfabschluss. Danach Tara, Medha, Rama, Maya, Rosha, Rava und Dakini …

Anmerkung: Fragment: Glied nach Ankusha unlesbar.

Mahamaya und die Schädelträgerinnen

Vers 352
pralayaścāpi phetkārī saṃvicceti daśa kramāt‌ |
tataḥ praviśa saṃsāraṃ mahāmāye ca kīrtayet‌ ||352||

… Pralaya, Phetkari und Samvit: zehn der Reihe nach. Dann spreche man „Pravisha samsaram Mahamaye“, „Tritt in das Weltdasein ein, große Maya!“ …

Vers 353
saṃvidastraṃ brahmaśironikṛntani samuddharet‌ |
punaśca viṣṇutanuto nirdalinyapi pārvati ||353||

… Samvit und Astra, dann „Brahmashironikrintani“, „Brahmas Haupt Abschneidende“. Ferner, Parvati, nach „Vishnutanu“ „Nirdalini“: „Vishnus Leib Zerreißende“ …

Anmerkung: Historische wilde Göttinnenanreden, nicht zu psychologischen Symbolhandlungen umgeschrieben.

Vers 354
śraddhā ca jambhike peṭī stambhike tadanantaram‌ |
chindhi […] bhindhiyugaṃ […] mathadvayam‌ ||354||

Shraddha, „Jambhike“, Peti und danach „Stambhike“; „schneide“ […], zweimal „spalte“, […] und zweimal „zerreibe“ …

Anmerkung: Fragment: Glieder beziehungsweise Wiederholungsanweisungen beschädigt. Shraddha/Peti als Lautnamen, Jambhika/Stambhika als Anreden vorläufig getrennt.

Vers 355
yugalaṃ pañca vai pañcaśavārūḍhe tataḥ param‌ |
pañcavāgbhapriye mantre na tu sambodhanaṃ tava ||355||

Zweimal „pancha“, „fünf“, dann „Panchashavarudhe“, „auf fünf Leichnamen Thronende“. Fünf Vagbhava-Bijas, Geliebte, gehören zum Mantra; das Wort „Geliebte“ ist hier keine Anrede im Mantra an dich.

Anmerkung: Quelle trennt priye ausdrücklich als Anrede des Lehrgesprächs von Mantrawörtern; der doppelte Bezug der Erläuterung ist knapp, kein zusätzlicher Göttinnenname gebildet.

Vers 356
pīyūṣaśaktikhecaryaḥ kamalākāmasaṃvidaḥ |
pañca pāśupatāstrānu dhāriṇyapi samuddharet‌ ||356||

Piyusha, Shakti und Khechari, Kamala, Kama und Samvit; an „fünf Pashupata-Waffen“ füge man „Dharini“ an: „Trägerin der fünf Pashupata-Waffen“ …

Anmerkung: Fußnote nennt eine andere Waffenbezeichnung; Hauptlesung bewahrt.

Vers 357
kūrcatrayaṃ phaḍyugaṃ ca śeṣe cānalavallabhā |
caitanyapāśavedādihṛnmantrāḥ prathamaṃ smṛtāḥ ||357||

Dreimal Kurcha, zweimal phat und am Ende Analavallabha. [In der nächsten Formel] stehen zunächst Chaitanya, Pasha, Vedadi und Herzmantra …

Vers 358
paramārṇācca śivaviparītācārakāriṇi |
bhauvaneśī ramākāmayoginīvanitā api ||358||

Nach „Parama“ folgt „Shivaviparitacharakarini“: „Die mit dem höchsten Shiva den umgekehrten Vollzug ausführt“. Danach Bhauvaneshi, Rama, Kama, Yogini und Vanita …

Anmerkung: Viparītācāra kann im tantrischen Kontext den umgekehrten sexuellen Vollzug mit der Frau oben bezeichnen; die Anrede enthält keine nähere Handlungsbeschreibung.

Vers 359
mahāghorapadaṃ procya vikarālini kīrtayet‌ |
tasyānu khaṇḍārddhaśirodhāriṇi pratikīrtayet‌ ||359||

Nach „Mahaghora“ spreche man „Vikaralini“, „überaus Schreckliche mit gewaltigem Rachen“. Danach „Khandardhashirodharini“, „Trägerin eines in Hälften geteilten Hauptes“ …

Anmerkung: Kompositum khaṇḍārdha leicht beschädigt; Übersetzung vorläufig, keine eindeutige Identifizierung des Hauptes ergänzt.

Vers 360
bhāvatyagra iti ca śākinī ḍākinī tataḥ |
pralayaścāpi phetkārī kūṭaḥ saṃhāranāmakaḥ ||360||

„Bhavatyagra“ [Lesung unsicher], danach Shakini, Dakini, Pralaya, Phetkari und der Kuta namens Samhara …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied beschädigt, keine scheinbar gesicherte Anrede daraus gebildet.

Vers 361
hairaṇyagarbhakūṭaśca kūrcāstre śira eva ca |
māyākūrcau sarvaśeṣe pāśalajjāruṣaḥ smaraḥ ||361||

… Hiranyagarbha-Kuta, Kurcha, Astra und Kopfabschluss. Ganz am Ende Maya und Kurcha. Danach Pasha, Lajja, Rush und Smara …

Vers 362
kamalāmedhatārāśca kālādityau ca śākinī |
ḍākinīyogatantrādicatuṣṭayamataḥ param‌ ||362||

… Kamala, Medha und Tara, Kala und Aditya sowie Shakini; Dakini und danach die mit Yogatantra beginnende Vierergruppe …

Vers 363
vyañja[ja?]nasyāpi vimardasyāpi vismṛteḥ |
sāntasya [?] tridaśeśāni yugmaṃ yugmaṃ yugaṃ yugam‌ ||363||

Von Vyanjana [Lesung des Herausgebers: Vyajana?], Vimarda, Vismriti und Santa [?], Herrin der Götter, jeweils zwei, zwei, zwei und zwei …

Anmerkung: Quellenfragen bewahrt; vier Namen nicht anhand anderer Listen rekonstruiert.

Vajrachandi und der Kapalika-Weg

Vers 364
tataśca vajracaṇḍīti sambodhanamudīryate |
mahākāpālini procya mālinyapi kapālataḥ ||364||

Dann wird die Anrede „Vajrachandi“ gesprochen. Man sage „Mahakapalini“, „große Schädelträgerin“, und verbinde „Kapala“ mit „Malini“: „Schädelgirlanden-Trägerin“ …

Vers 365
kāpālikācārapadāt pravartini padaṃ smṛtam‌ |
[…] ghamayugaṃ gaganagrāsinītyapi ||365||

An „Kapalika-Achara“ schließt sich „Pravartini“ an: „Die den Kapalika-Weg in Gang setzt“. […], zweimal „ghama“ und „Gaganagrasini“, „Himmelsverschlingerin“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor ghama beschädigt; ghama als sichtbares Lautwort ohne gesicherte Bedeutung bewahrt.

Vers 366
mahāmāye mahāmāyāpravartinyapyataḥ param‌ |
sarvaiśvaryaṃ dehiyugaṃ dāpayadvitayaṃ tataḥ ||366||

Danach „Mahamaye, Mahamayapravartini“, „große Maya, die große Maya in Bewegung setzt!“ Dann „gib, gib alle Herrschermacht; lass geben, lass geben!“ …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge366.

Vers 367
sarvāpadaṃ samābhāṣya nirmūlayayugaṃ likhet‌ |
tato'ṅkuśo gāruḍaśca kālādityau tathaiva ca ||367||

Man spreche „sämtliches Unglück“ und schreibe zweimal „rotte aus“. Danach Ankusha, Garuda, Kala und Aditya …

Anmerkung: Formelglieder sarvāpadaṃ nirmūlaya nirmūlaya.

Vers 368
pretaśca kulikaścāpi hūṃ phaṭ svāhā tathaiva ca |
sārasvataśca vedāditrapākāmaramāruṣaḥ ||368||

… Preta und Kulika sowie hum phat svaha. Danach Sarasvata, Vedadi, Trapa, Kama, Rama und Rush …

Anmerkung: Hūṃ nach sichtbarer Länge; nicht als Wort übersetzt.

Vers 369
samādhānādi catvāri guptācārādi ca trayam‌ |
sampradāyādidvayaṃ ca tato'pāyo nikārayuk‌ ||369||

… die mit Samadhana beginnende Vierergruppe, die mit Guptachara beginnende Dreiergruppe und das mit Sampradaya beginnende Paar; danach Apaya zusammen mit Nikara …

Anmerkung: Nur Anfangsnamen der Gruppen überliefert; keine Ergänzung aus einer vermuteten Reihenfolge.

Jvaleshvari, Kuleshvari und Kalaratri

Vers 370
jvāleśvari samālikhya jvalajjvalanavāsini |
citāṅgārapadasyānte hāriṇi pratikīrtayet‌ ||370||

Man schreibe „Jvaleshvari“, „Herrin der Flammen“, und „Jvalajjvalanavasini“, „im lodernden Feuer Wohnende“. An „Chitangara“ schließe man „Harini“ an: „mit einer Girlande aus Scheiterhaufenglut“ …

Anmerkung: Hāriṇī als Girlandenträgerin im Zusammenhang, nicht mit hāriṇī „wegnehmend“ verwechselt.

Vers 271 (Folgeposition 371)
mṛtacelāvṛtārṇācca śarīre samudīrayet‌ |
brahmāstraṃ tadanu procya vadet prakaṭayeti ca ||271||

… an „mit dem Gewand eines Toten bedeckt“ füge man „Sharire“ an: „deren Leib so verhüllt ist“. Dann spreche man „Brahmastra prakataya“, „offenbare die Brahma-Waffe!“ …

Anmerkung: Quellziffer 271 an Folgeposition371 bewahrt.

Vers 272 (Folgeposition 372)
śatrūn stambhayayugmaṃ ca mārayadvitayaṃ tataḥ |
sarvān kāmān pūraya ca dvitayaṃ pravibhāvayet‌ ||272||

„Die Feinde lähme, lähme; töte, töte! Erfülle, erfülle sämtliche Wünsche!“ So soll man die Worte vergegenwärtigen.

Anmerkung: Quellziffer 272 an Folgeposition372 bewahrt; vollständige historische Formelbitte.

Vers 373
roṣatrapāstratritayaṃ svāhā śeṣe niyojayet‌ |
pāśamāyāṅkuśapretacaṇḍāmṛtataḍidruṣaḥ ||373||

Rosha, Trapa, dreimal Astra und am Ende svaha setze man ein. Danach Pasha, Maya, Ankusha, Preta, Chanda, Amrita, Tadit und Rush …

Vers 374
kuleśvari samābhāṣya kaulikānāmitīrayet‌ |
tataśca sarvasamayalābhaṃ kuru vibhāvayet‌ ||374||

Man spreche „Kuleshvari“, „Herrin des Kula“, danach „für die Kaulikas“, und vergegenwärtige „bewirke das Erlangen aller Samayas“ …

Anmerkung: Samaya kann hier überlieferte Ordnungen, Verpflichtungen und Überlieferungszweige umfassen; nicht auf eine einzige deutsche Bedeutung verengt.

Vers 375
dviṣado jahiyugmaṃ ca hṛcchīrṣaṃ tadanantaram‌ |
praṇavo medhamāye ca manmathaḥ kamalāpi ca ||375||

„Die Feinde schlage, schlage!“ Danach Herz- und Kopfabschluss. Pranava, Medha und Maya, Manmatha und Kamala …

Anmerkung: Formelglieder dviṣado jahi jahi.

Vers 376
kāleśvari samābhāṣya tataḥ sarvamukhākṣarāt‌ |
stambhinyuktvā sarvajanamanohari samālikhet‌ ||376||

Man spreche „Kaleshvari“, „Herrin der Zeit“, und verbinde „alle Münder“ mit „Stambhini“, „die alle Münder lähmt“. Dann schreibe man „Sarvajanamanohari“, „die aller Menschen Herz bezaubert“ …

Vers 377
punaḥ sarvajanaṃ procya vaśaṅkari samādiśet‌ |
sarvaduṣṭārṇato brūyāddevi nirdalinītyapi ||377||

Wiederum an „alle Menschen“ schließe man „Vashankari“ an, „die alle Menschen unter ihre Macht bringt“. An „alle Bösen“ füge man „Nirdalini“ an, Göttin: „alle Bösen Zerreißende“ …

Vers 378
sarvastrīpuruṣākarṣiṇyuktvā vai bandiśṛṅkhalām‌ |
troṭayadvitayaṃ sarvaśatrūn jambhayayugmakam‌ ||378||

Man spreche „Sarvastripurushakarshini“, „alle Frauen und Männer Heranziehende“; dann „die Gefangenenkette zerbrich, zerbrich; alle Feinde lähme, lähme!“ …

Anmerkung: Anziehungs- und Bannbitten der historischen Formel, keine heutige Handlungsanweisung.

Vers 379
dviṣānuccārya tadanu dvayaṃ nirdalayerayet‌ |
sarvān stambhayayugmaṃ ca mohanāstreṇa kīrtayet‌ ||379||

Nach „die Feinde“ spreche man zweimal „zerreiße“; dann „alle lähme, lähme“ mit dem Mohana-Astra, der Bezauberungswaffe …

Vers 380
dveṣiṇo'nu yugaṃ brūyāduccāṭayapadaṃ priye |
sarvavaśyaṃ kuruyugaṃ śīrṣaṃ dehidvayaṃ tataḥ ||380||

An „die Feindseligen“ füge man zweimal „vertreibe“ an, Geliebte. „Mache, mache alles gefügig“, Kopfabschluss und danach zweimal „gib“ …

Anmerkung: Die ungewöhnliche Stellung des Kopfabschlusses vor dehi bleibt bewahrt.

Vers 381
sarvā ṅe'ntā kālarātrī kāminī ca gaṇeśvarī |
hṛnmantraḥ sarvaśeṣe ca kālarātrimanustvayam‌ ||381||

Alle [folgenden Namen] stehen im Dativ: Kalaratri, Kamini und Ganeshvari. Ganz am Ende steht der Herzmantra. Dies ist der Kalaratri-Mantra.

Anmerkung: Sarvā als Bestimmung der Namen verstanden; genaue Zahl-/Kasusform im Sanskrit knapp, kein weiterer Göttinnenname „Sarva“ hinzugefügt.

Bhramari und die Bienengestalt

Vers 352 (Folgeposition 382)
vedādīṃstrīn puraḥ procya medhāṃstāvata īrayet‌ |
māyāramākāmavadhūyoginīruṣa eva ca ||352||

Zuerst spreche man dreimal Vedadi und ebenso oft Medha; Maya, Rama, Kama, Vadhu, Yogini und Rush …

Anmerkung: Quellziffer 352 an Folgeposition382 bewahrt.

Vers 383
tataśca rāvaḍākinyau phetkārī pralayādimā |
ṣoḍaśaitāni bījāni purataḥ samudīrayet‌ ||383||

… danach Rava und Dakini, Phetkari mit vorangestelltem Pralaya. Diese sechzehn Bijas spreche man zu Beginn.

Vers 384
tato bhrāmari saṅkīrtya bhramarākāradhāriṇi |
jayadvayaṃ jīvayugaṃ sphuraprasphuramuktavat‌ ||384||

Dann spreche man „Bhramari, Bhramarakaradharini“, „Bienengöttin, die Bienengestalt annimmt“; zweimal „siege“, zweimal „lebe“, „erstrahle“ und „leuchte hervor“ wie zuvor …

Vers 385
jvala prajvalanāmnyośca kriyayoryugalaṃ vadet‌ |
bhīṣaṇākāradhāriṇyanu brūyād bhagavatītyapi ||385||

Die Verben „jvala“ und „prajvala“, „brenne“ und „lodere auf“, spreche man jeweils zweimal; danach „Bhishanakaradharini Bhagavati“, „Erhabene, die eine schreckliche Gestalt annimmt“ …

Vers 386
pracaṇḍataraśabdānu tathā dāvānalādanu |
vadejjvalitavaktre ca huṃhuṃkārārṇato vadet‌ ||386||

Nach „überaus gewaltig“ und „Waldbrand“ spreche man „Jvalitavaktre“, „deren Gesicht in einem überaus gewaltigen Waldbrand flammt“. Nach dem Ausdruck „hum-hum-Ruf“ spreche man …

Anmerkung: Fortsetzung387.

Vers 387
nādinyanu […] deveśi khecarīcakravāsini |
bhūtinyādidvayaṃ procya mandādidvitayaṃ vadet‌ ||387||

… „Nadini“, „die ihn erschallen lässt“, […], Herrin der Götter, und „Khecharichakravasini“, „im Kreis der Khecharis Wohnende“. Man spreche das mit Bhutini beginnende Paar und das mit Manda beginnende Paar …

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor der Anrede beschädigt; nicht als zusätzlicher Laut ergänzt.

Vers 388
saṃsṛṣṭiṃ ca vikośaṃ ca kaitavātaṅkameva ca |
śuddhanidrādiyugalaṃ vivṛttaṃ santalaṃ tathā ||388||

… Samsrishti, Vikosha, Kaitava und Atanka, das mit Shuddhanidra beginnende Paar, Vivritta und Santala …

Anmerkung: Shuddhanidradi-Kompositum kann die Namen anders gruppieren; keine erzwungene Auflösung.

Vers 389
āmnāyātītatattvārṇavau tataḥ paramīrayet‌ |
mama śatrūn grasadvandvaṃ bhakṣayadvitayaṃ tathā ||389||

Danach spreche man Amnayatita und Tattvarnava; „meine Feinde verschlinge, verschlinge; verzehre, verzehre!“ …

Anmerkung: Grasadvandva aus leicht beschädigtem grasa indra im Wiederholungskontext gelesen; keine zusätzliche Bija-Chiffre Indra eingesetzt.

Vers 360 (Folgeposition 390)
sāmrājyaṃ dehiyugalaṃ dāpayadvitayaṃ tathā |
ekā ruḍastratritayaṃ hṛcchiromantra eva ca ||360||

„Gib, gib Oberherrschaft; lass sie geben, lass sie geben!“ Ein Rut, dreimal Astra und Herz- und Kopfmantra folgen.

Anmerkung: Quellziffer 360 an Folgeposition390 bewahrt.

Die Schädelträgerin und Raktadantika

Vers 391
medhatārau trapāroṣau smaravadhvau sudhārame |
tataḥ śākiniḍākinyau yoginī khecarī tathā ||391||

Medha und Tara, Trapa und Rosha, Smara und Vadhu, Sudha und Rama; danach Shakini und Dakini, Yogini und Khechari …

Vers 392
tataḥ śmaśānaśabdānu kāpālini vibhāvayet‌ |
paścāt sambodhanatayā khecarīsiddhidāyinī ||392||

An „Shmashana“ schließe man „Kapalini“ an: „Schädelträgerin des Verbrennungsplatzes“. Dann als Anrede „Khechari-Siddhi Gewährende“ …

Anmerkung: Khechari-Siddhi als überlieferter Begriff, nicht in eine moderne Übung übersetzt.

Vers 393
parāparakulārṇācca pūrvavaccakranāyikā |
aṅkuśo gāruḍaḥ kṣetrapālaścaṇḍaśca kinnaraḥ ||393||

An „Parapara-Kula“ füge man ebenso „Chakranayika“ als Anrede an: „Herrin des Kreises des höheren und niederen Kula“. Ankusha, Garuda, Kshetrapala, Chanda und Kinnara …

Vers 364 (Folgeposition 394)
triśūlajhaṅkāriṇi ca tato ḍāmaramukhyapi |
tato vajraśarīre ca tato'trikakudau priye ||364||

„Trishulajhamkarini“, „die den Dreizack klirren lässt“, dann „Damaramukhi“ [Anrede], „Vajrasharire“, „mit diamantfestem Körper“, danach Atri und Kakuda, Geliebte …

Anmerkung: Quellziffer 364 an Folgeposition394 bewahrt. Damaramukhi nach sichtbarer Form, keine gesicherte Bedeutung behauptet; Atri/Kakuda vorläufige Namenstrennung.

Vers 395
namaḥ svāhā tadante ca tārasārasvatau tataḥ |
yoginī ca vadhūrmāyā rāvo lakṣmīśca manmathaḥ ||395||

Am Ende namah svaha. Danach Tara und Sarasvata, Yogini, Vadhu, Maya, Rava, Lakshmi und Manmatha …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge395.

Vers 366 (Folgeposition 396)
ḍākinīroṣasaṃvartaphetkāryo vidhṛtistathā |
śekharo viratiścāpi ṣoḍaśī vinigadyate ||366||

… Dakini, Rosha, Samvarta, Phetkari und Vidhriti, Shekhara und Virati. [Die Folge] wird als sechzehnfach bezeichnet.

Anmerkung: Quellziffer 366 an Folgeposition396 bewahrt. Ṣoḍaśī als Zählangabe „sechzehnfach“ verstanden; die vorliegende Namensliste erreicht diese Zahl nicht sicher. Kein zusätzlicher Name Shodashi zur Auffüllung eingesetzt.

Vers 367 (Folgeposition 397)
bhagavatyanu vai raktadantike parikīrtayet‌ |
lelihānārṇato brūyād rasanānu bhayānake ||367||

Nach „Bhagavati“ spreche man „Raktadantike“, „Erhabene mit roten Zähnen“. Dann verbinde man „lelihana“, „leckend“, mit „Zunge“ und „Furchtbare“: „Durch ihre leckende Zunge Furchterregende“ …

Anmerkung: Quellziffer 367 an Folgeposition397 bewahrt.

Vers 398
tato ghorataraṃ procya tathā daśanacarcite |
brahmāṇḍaṃ caṇḍayogeśvari śaktipadamanvataḥ ||398||

Dann „überaus furchtbar“ und „mit Zähnen versehen“; „Brahmanda“, „Weltenei“, „Chandayogeshvari“, „wilde Herrin des Yoga“, danach das Wort „Shakti“ …

Anmerkung: Einzelglieder lesbar, genaue Kompositumgrenze um Brahmanda unsicher; kein zusätzliches Verschlingungsverb ergänzt. Versnummer im OCR beschädigt.

Vers 399
tataśca tattvamahite […] |
aupahvaraṃ nāndikaṃ ca ghaṭī caitāni pañca vai ||399||

… dann „Tattvamahite“, „durch die Wirklichkeit Erhabene“, […]; Aupahvara, Nandika und Ghati: Dies sind fünf [Glieder] …

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte beschädigt; Kontrollzahl5 ohne Ergänzung fehlender Namen.

Vers 400
pracaṇḍacaṇḍini tato mahāmārīsahāyini |
cāmuṇḍāyoginīśabdāḍḍākinī śākinīti ca ||400||

Dann „Prachandachandini“, „gewaltig Wilde“, und „Mahamarisahayini“, „Gefährtin der Mahamari“. Nach den Wörtern Chamunda und Yogini folgen Dakini und Shakini …

Anmerkung: Fortsetzung401; Mahamari als Göttinnenname mit Bedeutung „große Seuche“ nicht beschönigt.

Vers 401
bhairavīmātṛgaṇato madhyage tadanantaram‌ |
jayayugmaṃ kahayugaṃ hasa prahasa pūrvavat‌ ||401||

… an „Bhairavi und die Schar der Mütter“ füge man „Madhyage“ an: „in ihrer Mitte Weilende“. Zweimal „siege“, zweimal „kaha“, „lache“ und „lache laut“ wie zuvor …

Anmerkung: Kaha bleibt Lautwort.

Vers 402
yugalaṃ yugalaṃ jṛmbha turu dhāva tathaiva ca |
śmaśānavāsini procya śavavāhini […] ||402||

… jeweils zweimal „jrimbha“, „öffne dich/gähne“, „turu“ [Lautwort] und „dhava“, „eile“. Man spreche „Shmashanavasini“, „auf dem Verbrennungsplatz Wohnende“, und „Shavavahini“, „auf einem Leichnam Fahrende“, […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussverbindung beschädigt; turu ohne erfundene Wortbedeutung.

Vers 403
naramāṃseti saṃlikhya pravaded bhojinīti ca |
kaṅkālamālini tato bhadrā ca kuṭilā tathā ||403||

Man verbinde „Menschenfleisch“ mit „Bhojini“: „Menschenfleisch Verzehrende“. Dann „Kankalamalini“, „Skelettgirlanden-Trägerin“, Bhadra und Kutila …

Anmerkung: Historische wilde Göttinnenanrede.

Vers 404
[…] maṇimālā ca vijayā ceti pañca tāḥ |
sasandhi […] procya śiraḥ praṇava eva ca ||404||

… […], Manimala und Vijaya: Diese fünf. Nach […] mit Sandhi-Verbindung folgen Kopfabschluss und Pranava …

Anmerkung: Fragment: ein Name und ein weiteres Formelglied beschädigt; nicht zur Fünferzahl ergänzt.

Shambari und Mahamari

Vers 405
kūrcatrayaṃ phaṭtrayaṃ ca sarvaśeṣe śiro'pi ca |
vedādī raudrakūṭaśca sasandhirhṛnmanustataḥ ||405||

… dreimal Kurcha, dreimal phat und ganz zuletzt Kopfabschluss. Danach Vedadi, Raudra-Kuta und mit Sandhi-Verbindung Herzmantra …

Vers 406
caṇḍāticaṇḍe tadanu śāmbarīti tataḥ param‌ |
kālavañcani coddhṛtya mahāṅkuśa itīrayet‌ ||406||

… dann „Chandatichande“, „Wilde, überaus Wilde“, und „Shambari“. Nach „Kalavanchani“, „die die Zeit täuscht“, spreche man Mahankusha …

Vers 407
āgneyakūṭaṃ pātālanāgavāhini kīrtayet‌ |
gaganagrāsini procya brahmāṇḍapadamanvataḥ ||407||

Agneya-Kuta und „Patalanagavahini“, „auf einer Unterweltsschlange Fahrende“. Man spreche „Gaganagrasini“, „Himmelsverschlingerin“, danach das Wort „Brahmanda“, „Weltenei“ …

Vers 408
niṣpeṣiṇi śiroyuktamākāśatritayaṃ tataḥ |
manoruṣaśca tadanu tritayaṃ tritayaṃ priye ||408||

… mit „Nishpeshini“, „das Weltenei Zerquetschende“, verbunden mit Kopfabschluss. Danach dreimal Akasha, dann je dreimal Manas und Rush, Geliebte …

Anmerkung: Manas als Chiffrenname aus mano- gelesen, nicht sicher in einen anderen Mantranamen umgedeutet.

Vers 409
tāvantyastrāṇi tadanu hṛdayaṃ śira eva ca |
āgamānāṃ śiro medhatrape ca kamalā smaraḥ ||409||

… ebenso viele Astra-Glieder, danach Herz- und Kopfabschluss. Dann „Haupt der Agamas“, Medha und Trapa, Kamala und Smara …

Anmerkung: Āgamānāṃ śiras als überlieferte Lautbezeichnung bewahrt, nicht als neue Kapitelüberschrift.

Vers 410
roṣayoginyaṅganāśca śākinī ḍākinī tathā |
pralayaścāpi phetkārī mekhalāhārasānavaḥ ||410||

… Rosha, Yogini und Angana, Shakini und Dakini, Pralaya, Phetkari, Mekhala, Hara und Sanu …

Vers 411
bhagavatyapi sambodhya mahāmāri tataḥ param‌ |
jagadunmūlini tataḥ punaḥ kalpāntakāriṇi ||411||

Nach der Anrede „Bhagavati“, „Erhabene“, folgt „Mahamari“, „große Seuche“, dann „Jagadunmulini“, „die die Welt entwurzelt“, und „Kalpantakarini“, „die das Ende des Weltalters herbeiführt“ …

Anmerkung: Mahamari zugleich Göttinnenname; keine tatsächliche Verursachung heutiger Krankheiten behauptet.

Vers 412
śironiviṣṭānu vāmacaraṇe tadanantaram‌ |
digambarīti samayakulacakrapadādanu ||412||

… „deren linker Fuß auf dem Kopf ruht“, danach „Digambari“, „Himmelsgewandete“, und die Wörter „Samaya-Kula-Chakra“ …

Anmerkung: Wessen Kopf gemeint ist, wird hier nicht zuverlässig bestimmt; nicht ergänzt.

Vers 413
[…] māṃ tadanu rakṣa trāhiyugaṃ yugam‌ |
pālayadvitayaṃ cāpi tataḥ paramudīrayet‌ ||413||

… […], danach „mich schütze, schütze; rette, rette; behüte, behüte!“ …

Anmerkung: Fragment: Wortanschluss an Samayakulachakra aus 412 beschädigt.

Vers 414
tato'nu prajvaladdāvānalajvālājaṭāla ca |
jaṭile triguṇaṃ cātha carame ca namaḥ śiraḥ ||414||

… danach die Anrede mit „loderndem Waldbrand“, „Flammen“ und „verfilztem Haar“: „mit flammenverworrenem Haarschopf“. Dann dreifach […], am Schluss namah und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: genaue Verbindung jaṭāla/jaṭile sowie Bezugswort zu triguṇa unsicher; Wiederholungsgegenstand nicht erfunden.

Raktamundeshvari und Mahadakini

Vers 415
tāraṃ medhaṃ ca māyā ca kamalā manmatho vadhūḥ |
yoginīrāvasaṃvartaphetkāryaḥ kūrca eva ca ||415||

Tara, Medha, Maya, Kamala, Manmatha und Vadhu; Yogini, Rava, Samvarta, Phetkari und Kurcha …

Vers 416
[…] kṣetrapālau ca viśvaṃ cāmṛtameva ca |
vidyunnṛsiṃhau pretaśca kuliko bhairavī tathā ||416||

… […] und Kshetrapala, Vishva und Amrita; Vidyut und Nrisimha, Preta, Kulika und Bhairavi …

Anmerkung: Fragment: erster Bija-Name beschädigt.

Vers 417
kākinīmekhalātuṅgapatanāni ca saṃhṛtiḥ |
kaitavaṃ ca vivatsaṃ ca turīyāmodakau tataḥ ||417||

… Kakini, Mekhala, Tunga, Patana und Samhriti, Kaitava, Vivatsa, danach Turiya und Modaka …

Vers 418
ṣaṭcakraṃ śaktisarvasvaṃ śāmbhavaṃ ca parāparam‌ |
tato'nu vajrakavacaṃ tato brahmakapālakam‌ ||418||

… Shatchakra, Shaktisarvasva, Shambhava und Parapara, danach Vajrakavacha und Brahmakapalaka …

Vers 419
mahākalpasthāyibījaṃ sarvaśeṣe sureśvari |
ṣaṭtriṃśadakṣaro mantro mahogrataranāmakaḥ ||419||

… ganz zuletzt Mahakalpasthayi-Bija, Herrin der Götter. Dieser sechsunddreißigsilbige Mantra heißt Mahogratara, „der überaus Gewaltige“.

Anmerkung: Quellzahl36 ohne Ergänzung des beschädigten Namens416.

Vers 420
madhye nāmno mito raktamuṇḍeśvaryā varānane |
tāraśca śākinībījaṃ tataḥ sarvābhayaprade ||420||

In der Mitte [steht] der Name Raktamundeshvari, Schönangesichtige. Danach Tara, das Shakini-Bija und „Sarvabhayaprade“, „jegliche Furchtlosigkeit Gewährende“ …

Anmerkung: Erste Satzkonstruktion mit mito leicht beschädigt; Name Raktamundeshvari lesbar, genaue Einsetzungsregel nicht rekonstruiert.

Vers 421
sarvasampatprade cāpi sarvasiddhiṃ dadadvayam‌ |
mṛtyuṃ harayugaṃ cāpi mṛtyuñjayapadādanu ||421||

„Alle Fülle Gewährende, gib, gib sämtliche Vollendungen! Nimm den Tod hinweg, nimm ihn hinweg!“ Danach an „Mrityunjaya“ …

Anmerkung: Fortsetzung422; Todesüberwindung als Ritualbitte.

Vers 422
gṛhiṇyuktvā namaḥ svāhā medhānāṃ pañcakaṃ tataḥ |
pāśāṅkuśau pretapare khecarīvidyudaṃśavaḥ ||422||

… „Grihini“ angeschlossen: „Gattin des Todesüberwinders“. Namah svaha; danach fünfmal Medha, Pasha und Ankusha, Preta und Para, Khechari, Vidyut und Amshu …

Anmerkung: OCR verschiebt die zweite Hälfte mit Nummer422 hinter426. Beide Hälften hier nach der originalen Versnummer zusammengeführt; keine zusätzliche Vershälfte erfunden. Trennung Pretapara vorläufig.

Vers 423
tato mahāḍākinito […] saiva nigadyate |
nipītabālanarato rudhirāyai tataḥ param‌ ||423||

Danach „Mahadakini“, […] wird sie genannt; dann „derjenigen, die das Blut von Kindern und Menschen getrunken hat“ …

Anmerkung: Fragment: grammatische Anweisung nach Mahadakini beschädigt. Grausame Göttinnenikonografie; Wortbestandteile nipītabālanararudhirāyai lesbar.

Vers 424
tvagasthicarmākṣarato vaśiṣṭāgre […] ca |
mahāśmaśānaśabdānu tathā dhāvanaśabdataḥ ||424||

Nach den Wörtern „Haut, Knochen und Fell“ […] „übrig geblieben“ […]; dann an „großer Verbrennungsplatz“ und „Laufen“ …

Anmerkung: Fragment: Zusammenhang der ersten Hälfte unlesbar; keine vervollständigte Körperbeschreibung. Fortsetzung425.

Vers 425
punaḥ pracalitād piṅgajaṭābhārā ṅe'ntikā |
nṛsiṃharauravau procya […] viśvameva ca ||425||

… „durch die Bewegung schwankende rotbraune Haarlast“, mit Dativendung: „derjenigen, deren rotbraunes Haar beim Laufen auf dem großen Verbrennungsplatz schwankt“. Danach Nrisimha und Raurava, […] und Vishva …

Anmerkung: Fragment: ein Bija-Glied beschädigt; Anredeverbindung aus 424–425 kenntlich zusammengeführt.

Vers 426
khecaryantāni vai pañca bījānīmāni pārvati |
mamābhīṣṭapradāt siddhiṃ dehi […] tataḥ param‌ ||426||

Diese fünf Bijas enden mit Khechari, Parvati. Dann die Worte „meinen Wunsch gewährend, Siddhi gib […]“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung mamābhīṣṭapradāt und Wiederholungsangabe nach dehi beschädigt; keine vollständige Formel daraus erfunden.

Vers 427
vitaradvitayaṃ cāpi roṣarāvau tathaiva ca |
ḍākinī kākinī caiva śākinī rākinī tathā ||427||

… zweimal „vitara“, „gewähre“, sowie Rosha und Rava; Dakini, Kakini, Shakini und Rakini …

Anmerkung: Fortsetzung428.

Vers 428
lākinī hākinī ceti krameṇaitāḥ ṣaḍīritāḥ |
kintu sambuddhiretāsāṃ na tu bījāni pārvati ||428||

… Lakini und Hakini: Diese sechs werden der Reihe nach genannt. Es sind jedoch ihre Anreden, nicht ihre Bijas, Parvati.

Anmerkung: Ausdrückliche Unterscheidung der Quelle; Namen nicht in Bija-Silben verwandelt.

Vers 429
nareti procya rudhiraṃ pibayugmaṃ tataḥ param‌ |
mahāmāṃsaṃ khādayugaṃ bījānyaṣṭau tataḥ param‌ ||429||

Man verbinde „Mensch“ mit „Blut“ und zweimal „trinke“: „Trinke, trinke Menschenblut!“ Dann „Mahamamsam khada khada“, „iss, iss Menschenfleisch!“ Danach acht Bijas …

Anmerkung: Historische Anrufung der Mahadakini; keine heutige Opferanweisung.

Vers 430
tāralakṣmītrapākāmaruḍrāvā yoginī vadhūḥ |
[…] śiroyuktaṃ sarvaśeṣe surārcite ||430||

… Tara, Lakshmi, Trapa, Kama, Rut, Rava, Yogini und Vadhu. Ganz am Schluss […] verbunden mit Kopfabschluss, von den Göttern Verehrte.

Anmerkung: Fragment: Schlussglied vor Kopfabschluss unlesbar.

Die untere Umrahmung und ihre Anrufungen

Vers 431
athādharākhyaṃ kalaya sampuṭaṃ pūrṇatākaram‌ |
praṇavaḥ pāśamedhau ca māyā lakṣmīḥ smaro vadhūḥ ||431||

Vernimm nun die untere Umrahmung, die Vollständigkeit herstellt: Pranava, Pasha und Medha, Maya, Lakshmi, Smara und Vadhu …

Vers 432
yoginī rāvaḍākinyastretābhogāyamekhalāḥ |
indrasaṅkhyāni caitāni bījāni purataḥ priye ||432||

… Yogini, Rava, Dakini, Treta, Bhoga, Aya und Mekhala. Diese Bijas in der Indra-Zahl stehen zuerst, Geliebte.

Anmerkung: Worttrennung Treta/Bhoga/Aya/Mekhala vorläufig. Indra-Zahl als Quellchiffre bewahrt, nicht ohne gesicherte Entschlüsselung numerisch ersetzt.

Vers 433
tato bhagavati procya mahābhogācca bhāsure |
bhīmaśabdānu vikarālini kāli […] ca ||433||

Dann spreche man „Bhagavati“, „Erhabene“, verbinde „Mahabhoga“ mit „Bhasure“, „durch großen Bhoga Glänzende“, und „Bhima“ mit „Vikaralini“, „furchtbar Rachenaufreißende“. „Kali“ und […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussglied beschädigt. Bhoga mehrdeutig: Genuss, Fülle, Schlangenwindung; hier nicht auf eine gesicherte Bildbedeutung festgelegt.

Vers 434
uktvā kāpālini punarguhyakāli prakīrtayet‌ |
ghorarāve samābhāṣya vikaṭadaṃṣṭre tathaiva ca ||434||

Nach „Kapalini“, „Schädelträgerin“, nenne man „Guhyakali“. Dann „Ghorarave“, „mit furchtbarem Ruf“, und „Vikatadamshtre“, „mit gewaltigen Fangzähnen“ …

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge434.

Vers 435
sammohinī śoṣiṇī ca sambodhanatayā tataḥ |
karālavadane ceti madanonmādinīti ca ||435||

… Sammohini, „Verwirrerin“, und Shoshini, „Austrocknende“, jeweils als Anrede; „Karalavadane“, „mit aufgerissenem Rachen“, und „Madanonmadini“, „durch Begehren in Rausch Versetzende“ …

Vers 436
jvālāmālini saṃlikhya śivāsana itīrayet‌ |
imaṃ balimiti sthāpya prayacchāmi sakṛdvadet‌ ||436||

Man schreibe „Jvalamalini“, „Flammengirlanden-Trägerin“, und spreche „Shivasana“, „Shiva als Sitz“. Nach „diese Bali-Gabe“ sage man einmal „bringe ich dar“ …

Anmerkung: Formelglied imaṃ baliṃ prayacchāmi; Shivāsana in der Quelle ohne sicher lesbare Anredeendung, nicht ergänzt.

Vers 427 (Folgeposition 437)
gṛhāṇa […] khādayugaṃ mama siddhimataḥ param‌ |
kuruyugaṃ samuddhṛtya mama śatrūnathoccaret‌ ||427||

„Nimm an […]! Iss, iss! Bewirke, bewirke meine Siddhi!“ Dann spreche man „meine Feinde“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangabe nach gṛhāṇa unlesbar. Quellziffer 427 an Folgeposition437 bewahrt.

Vers 438
nāśaya kledaya tathā māraya glāpayetyapi |
stambhayoccāṭaya hana vidhvaṃsaya mathāpi ca ||438||

„Vernichte, durchnässe/zersetze, töte, entkräfte; lähme, vertreibe, erschlage, zerstöre, zerreibe …“

Anmerkung: Fortlaufende Verben der historischen Feindformel; ihre Wiederholung wird441 angeordnet. Nummer im OCR beschädigt, Folge438.

Vers 429 (Folgeposition 439)
vidrāvaya paca chindhi śoṣaya trāsaya […] |
mohayonmūlaya tathā bhasmīkuru tataḥ param‌ ||429||

„Vertreibe, koche, zerschneide, trockne aus, erschrecke, […], verwirre, entwurzle und mache zu Asche …“

Anmerkung: Fragment: Glied nach trāsaya beschädigt. Quellziffer 429 an Folgeposition439 bewahrt.

Vers 440
jambhaya sphoṭaya tathā bhakṣa viśrāmayeti ca |
hara vikṣobhaya turu dama madaya pātaya ||440||

„Lähme, sprenge, verzehre, bringe zur Ruhe; nimm hinweg, erschüttere, turu [Lautwort], zähme, berausche, bringe zu Fall!“

Anmerkung: Turu ohne sichere lexikalische Bedeutung; die ungewöhnliche Lesung viśrāmaya nicht zu einer aggressiveren Form korrigiert.

Vers 441
aṣṭāviṃśatikasyāsya yugaṃ yugamitīrayet‌ |
tata uccārayedetat sarvabhūtavaśaṅkari ||441||

Jedes dieser achtundzwanzig Glieder spreche man zweimal. Danach diese Anrede: „Sarvabhutavashankari“, „die alle Wesen unter ihre Macht bringt“ …

Anmerkung: Kontrollzahl28; fehlendes Glied439 nicht durch Zählen ergänzt.

Vers 442
tataḥ sarvajanetyuktvā manohāriṇi coddharet‌ |
sarvaśatrukṣayaṃ procya kariśabdaṃ vinirdiśet‌ ||442||

Dann verbinde man „alle Menschen“ mit „Manoharini“, „die aller Menschen Herz bezaubert“. Nach „Vernichtung aller Feinde“ füge man „Kari“ an: „die sämtliche Feinde vernichtet“ …

Vers 443
[…] prajvalayugaṃ brahmarūpiṇi cetyapi |
kāli kāpāli saṅkīrtya mahākāpāli kīrtayet‌ ||443||

[…], zweimal „prajvala“, „lodere auf“, und „Brahmarupini“, „deren Gestalt Brahman ist“. Man spreche „Kali, Kapali“ und „Mahakapali“, „Kali, Schädelträgerin, große Schädelträgerin“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied unlesbar; nicht aus der ähnlichen früheren Folge jvala ergänzt.

Vers 444
cāmarādidvayaṃ […] hāriṇī tathā |
rājyaṃ me samanuddhṛtya dehiyugmamatho vadet‌ ||444||

Das mit Chamara beginnende Paar, […], und Harini. Dann „rajyam me dehi dehi“, „gib, gib mir Königsherrschaft!“ …

Anmerkung: Fragment: Name zwischen Paar und Harini beschädigt.

Vers 445
kiliyugmācca cāmuṇḍā yamaghaṇṭe hiliyugāt‌ |
mama sarvābhīṣṭapadaṃ tato vai sādhayadvayam‌ ||445||

Nach zweimal „kili“ Chamunda und „Yamaghante“, „Glocke Yamas“; nach zweimal „hili“ die Worte „all mein Erwünschtes“, dann zweimal „verwirkliche“ …

Anmerkung: Kili/hili Lautwörter; Formelglied mama sarvābhīṣṭaṃ sādhaya sādhaya.

Vers 446
saṃhāriṇi padaṃ dattvā sammohini padaṃ vadet‌ |
kurukulleti sambodhya tataḥ kiriyugaṃ paṭhet‌ ||446||

Nach „Samharini“, „Auflöserin“, spreche man „Sammohini“, „Verwirrerin“. Nach der Anrede „Kurukulle“ rezitiere man zweimal „kiri“ …

Anmerkung: Kurukulla als Name der Quelle, keine Gleichsetzung mit einer anders überlieferten vollständigen Formel.

Abschluss des unteren Amnaya

Vers 447
kūrcayugmāstrayugmaṃ ca śiro'nto manurīritaḥ |
adhastāt sampuṭamidaṃ matenāveṣṭaya tān manūn‌ ||447||

… zweimal Kurcha, zweimal Astra und Kopfabschluss: So ist der Mantra angegeben. Mit dieser unteren Umrahmung umschließe man nach der Lehre die genannten Mantras …

Vers 448
pādayorvinyaseddevi adhaāmnāyagocarān‌ |
ityayaṃ kathito devi kramanyāso mahāphalaḥ ||448||

… des unteren Amnaya und setze sie an den Füßen ein, Göttin. Damit ist der Krama-Nyasa erklärt, dem großer Erfolg zugeschrieben wird, Göttin.

Die sechs Überlieferungsströme im Rückblick

Vers 449
ṣaḍāmnāyasthadevīnāmekatraiva vyavasthitiḥ |
tāsāṃ manūnāmapi ca sahāvasthānamekataḥ ||449||

Die Göttinnen der sechs Amnayas sind darin an einem Ort angeordnet; ebenso befinden sich ihre Mantras dort gemeinsam.

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge449.

Vers 450
ata evāyamadhiko nyāsebhyo'nyebhya uttamaḥ |
kapālaḍāmaramṛte saṃhitāṃ cāntarā mama ||450||

Eben deshalb übertrifft er die anderen Nyasas und ist der höchste. Außer im Kapaladamara und in meiner Samhita …

Anmerkung: Traditionelle Vorrang- und Überlieferungsbehauptung; Fortsetzung451.

Vers 451
nānyatraiṣa prasiddho'bhūt satyaṃ satyaṃ sureśvari |
[…] mahāgopye sarvādyā tripurāriṇā ||451||

… ist er nirgendwo bekannt geworden, wahrlich, wahrlich, Herrin der Götter. Im höchst geheimen […] wurde vom Feind Tripuras als allererste …

Anmerkung: Fragment: Bezeichnung vor mahāgopye beschädigt; nach 452 ist die östliche Gruppe gemeint, aber fehlendes Sanskrit nicht ergänzt.

Vers 452
uktā caṇḍeśvarī śeṣe hayagrīveśvarī tathā |
evaṃ ca dakṣiṇāmnāye mātaṅgyādyā prakīrtitā ||452||

… Chandeshvari genannt und als letzte Hayagriveshvari. Ebenso wird im südlichen Amnaya Matangi als erste genannt …

Vers 453
vāgvādinī ca carame madhye cānyāścaturdaśa |
tathaiva paścimāmnāye kubjikā prathamā smṛtā ||453||

… und Vagvadini als letzte; dazwischen die übrigen vierzehn. Im westlichen Amnaya gilt entsprechend Kubjika als erste …

Vers 454
carcikā sarvaśeṣe tu mahāghoratarākṛtiḥ |
uttarābhidha āmnāye guhyakālī matādimā ||454||

… und Charchika mit ihrer überaus schrecklichen Gestalt als allerletzte. Im nördlich genannten Amnaya gilt Guhyakali als erste …

Vers 455
kālasaṅkarṣiṇī sarvaśeṣasthā parikīrtitā |
ūrdhvāmnāyādibhūtā vai jñeyā tripurasundarī ||455||

… und Kalasamkarshini wird als letzte genannt. Als erste des oberen Amnaya ist Tripurasundari zu erkennen …

Vers 456
mokṣalakṣmīḥ sarvaśeṣe ityetasya vinirṇayaḥ |
adhaāmnāyādibhūtā bhīmādevī bhayaṅkarā ||456||

… und Mokshalakshmi steht ganz am Schluss: So ist es festgelegt. Am Anfang des unteren Amnaya steht die furchterregende Bhimadevi …

Vers 457
śeṣe mahāḍākinī ca kathitā tava sundari |
āmnāyānāṃ ca ṣaṇṇāṃ vai samāsādādipaścime ||457||

… und zuletzt Mahadakini, wie ich dir erklärt habe, Schöne. Damit sind zusammenfassend die erste und letzte …

Anmerkung: Fortsetzung458.

Vers 458
devyāvukte'tha sarveṣāṃ madhye jñeyāścaturdaśa |
tāsāmāvirbhāvamadhye yaḥ kramaḥ parikīrtitaḥ ||458||

… Göttin jedes der sechs Amnayas genannt. Dazwischen sind jeweils vierzehn zu verstehen. Die Abfolge, die für ihr Hervorgehen beschrieben wurde …

Parallelen der großen Mantras und Abschluss des Krama-Nyasa

Vers 456 (Folgeposition 459)
sa hi kramaḥ kramanyāsarūpatvena sthitaḥ priye |
mantre kāmakalākālyā ayutākṣaranāmani ||456||

… ist eben jene Abfolge, die im Krama-Nyasa Gestalt annimmt, Geliebte. Im Mantra der Kamakalakali, der „Zehntausendsilber“ heißt …

Anmerkung: Quellziffer 456 an Folgeposition459 bewahrt.

Vers 460
mṛtyuñjayaprāṇanāmnā vikhyātitvamupeyuṣi |
guhyakālyāstathā bījamālāmayyabhidhāvati ||460||

… und unter dem Namen Mrityunjayaprana bekannt geworden ist, ebenso in Guhyakalis Mantra namens Bijamalamayi …

Anmerkung: Die zwei Überlieferungen werden ausdrücklich getrennt benannt; nicht zu einer Fassung verschmolzen.

Vers 461
prāyaśo'mī amuścāpi mantrā devyo vyavasthitāḥ |
kapālaḍāmare tvasya viśeṣāstripurāriṇā ||461||

… sind diese Mantras und Göttinnen größtenteils enthalten. Im Kapaladamara aber wurden die Einzelheiten vom Feind Tripuras …

Anmerkung: Fortsetzung462.

Vers 462
vivicya kathitā devi sādhakānāṃ hitepsayā |
granthabāhulyabhayato na viśiṣya mayeritā ||462||

… gesondert erklärt, Göttin, im Wunsch, den Übenden zu helfen. Aus Sorge, das Werk zu umfangreich werden zu lassen, habe ich sie nicht einzeln ausführlich dargelegt …

Anmerkung: Die Kürzung wird von der Quelle selbst erklärt, nicht von der Übersetzung vorgenommen.

Vers 463
uktaḥ sūkṣmatayā kintu kramanyāsaprasaṅgataḥ |
virāḍdhyānakramanyāsāvubhau tulyau matau mama ||463||

… sondern nur knapp im Zusammenhang mit dem Krama-Nyasa. Die Virat-Meditation und den Krama-Nyasa halte ich für gleichwertig.

Vers 464
[…] viśvarūpatvaṃ tatra tu pratipāditam‌ |
atra sarvāmnāyasaṃsthāḥ samantrā devya īritāḥ ||464||

Dort wird […] die Allgestaltigkeit dargelegt; hier werden die Göttinnen sämtlicher Amnayas samt ihren Mantras genannt.

Anmerkung: Fragment: Bezugswort am Anfang unlesbar; Gegensatz der beiden Darstellungen hinreichend klar.

Vers 465
naimittikatvaṃ kāmyatvamatha nityatvameva ca |
puraivaitasya kathitaṃ tava tridaśavandite ||465||

Die anlassgebundene, wunschbezogene und regelmäßige Anwendung habe ich dir bereits zuvor erklärt, von den Göttern Verehrte.

Vers 466
kiṃ […] deveśi satyapūrvaṃ vadāmyaham‌ |
kramanyāsasamo nyāso na bhūto na bhaviṣyati ||466||

Was […] Herrin der Götter? Ich sage wahrhaftig: Ein Nyasa, der dem Krama-Nyasa gleicht, hat weder bestanden noch wird er bestehen.

Anmerkung: Fragment: Teil der rhetorischen Einleitung beschädigt; Vorrangbehauptung vollständig lesbar.

Vers 467
yadīcchasi parāṃ siddhiṃ sarva[…] ca pārvati |
bhaktiṃ bhuktiṃ tathā muktiṃ kramanyāsaṃ tadā kuru ||467||

Wenn du höchste Siddhi und alle […] wünschst, Parvati, Hingabe, Genuss und Befreiung, dann vollziehe den Krama-Nyasa.

Anmerkung: Fragment: Wort nach sarva beschädigt; keine fehlende Erfolgsart geraten. Bhakti, Bhukti und Mukti vollständig lesbar.

Dhatu-Nyasa: die Bedeutungen von Dhatu

Vers 468
dhātunyāsamidānīṃ tvaṃ samākalaya tattvataḥ |
nānābhidhāyī śabdo'yaṃ kathyate śāstravedibhiḥ ||468||

Vernimm nun den Dhatu-Nyasa seinem Wesen nach. Die Kenner der Lehrschriften sagen, dass das Wort „Dhatu“ viele Bedeutungen besitzt.

Vers 466 (Folgeposition 469)
tvagasṛṅmāṃsamedo'sthimajjāśukrāṇi dhātavaḥ |
dhātuśabdena kathyante vātapittakaphāstrayaḥ ||466||

Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Zeugungsstoff heißen Dhatus. Auch die drei Vata, Pitta und Kapha werden mit dem Wort „Dhatu“ bezeichnet.

Anmerkung: Quellziffer 466 an Folgeposition469 bewahrt. Die Quelle führt Haut in ihrer Liste; nicht nach einer heutigen Ayurveda-Standardliste korrigiert.

Vers 470
dhātavaḥ pañca bhūtāni tanmātrāḥ dhātavastathā |
dhātavo gairikādīni dhātavaścendriyāṇi hi ||470||

Die fünf Elemente heißen Dhatus, ebenso die feinstofflichen Sinnesqualitäten, die Tanmatras. Auch Mineralien wie roter Ocker und die Sinnesvermögen werden Dhatus genannt.

Vers 471
śabdānāmādibhūtāni kathyante dhātavastathā |
svabhāvo dhāturuditaḥ śarīrāṅgāni dhātavaḥ ||471||

Ebenso heißen die Grundformen der Wörter Dhatus, also Wortwurzeln. Auch die eigene Natur wird Dhatu genannt und die Glieder des Körpers heißen Dhatus.

Vers 472
dhātavaḥ svarṇarūpyādi malamūtrāṇi dhātavaḥ |
evaṃ sthite hi śabdārthe nānāvastvabhidhāyini ||472||

Gold, Silber und andere Metalle heißen Dhatus, ebenso Kot und Urin. Da das Wort auf diese Weise verschiedene Dinge bezeichnen kann …

Anmerkung: Überlieferte Bedeutungsreihe; keine heutige naturwissenschaftliche Klassifikation.

Die Göttin als Mantragestalt

Vers 473
tanvaṅgānyatra gṛhyante netarāṇi varānane |
karmamīmāṃsakaśreṣṭhā jaiminyādyāḥ […] ||473||

… sind hier die Körperglieder gemeint, nicht die anderen Bedeutungen, Schönangesichtige. Die führenden Vertreter der Karma-Mimamsa, Jaimini und die anderen, […] …

Anmerkung: Fragment: letztes Wort beschädigt; Satzfortsetzung474.

Vers 474
devatāṃ vigrahavatīṃ naivāṅgīkurvate hi te |
kintu tāṃ tāṃ mantramayīṃ manyante jñānaśālinaḥ ||474||

Sie erkennen eine Gottheit mit körperlicher Gestalt nicht an. Vielmehr betrachten diese Wissenden die jeweilige Gottheit als aus Mantra bestehend.

Anmerkung: Darstellung der Mimamsa innerhalb der tantrischen Quelle; keine pauschale Gleichsetzung sämtlicher historischer Mimamsa-Lehren.

Vers 475
ye ca śrutipurāṇādau śrūyante'strāṃśubāhavaḥ |
prapañcatvena tatproktaṃ na tu satyatayā tathā ||475||

Die Waffen, Strahlen und Arme, von denen man in Shruti, Puranas und anderen Schriften hört, sind als entfaltete Darstellung beschrieben, nicht in dieser Weise als wörtliche Wirklichkeit.

Anmerkung: Prapañca hier bildhafte Entfaltung; Quelle argumentiert für die Mantragestalt, nicht für die Nichtexistenz der Göttin.

Vers 476
devyāstu mantrarūpāyā nānyānyaṅgāni varṣma vā |
[…] śāstrajñaireṣa nyāso'bhidhīyate ||476||

Die Göttin, deren Gestalt Mantra ist, hat keine anderen Glieder oder einen davon verschiedenen Körper. […] wird dieser Nyasa von den Schriftkundigen erklärt.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Hälfte beschädigt.

Vers 477
bījātmakasya mantrasya bījānyeva hi kevalam‌ |
aṅgatvenoditānīti tānīdānīṃ śṛṇu priye ||477||

Bei dem aus Bijas bestehenden Mantra werden allein die Bijas als seine Glieder bezeichnet. Höre sie nun, Geliebte.

Ritualfaktoren und Formelbau des Dhatu-Nyasa

Vers 478
dhātunyāsasya hi ṛṣirdṛptabālākirucyate |
supratiṣṭhā tathā chando devatā guhyakālikā ||478||

Als Rishi des Dhatu-Nyasa wird Driptabalaki genannt, als Metrum Supratishtha und als Gottheit Guhyakalika.

Anmerkung: Rishi-Name im OCR leicht beschädigt, Dṛptabālāki vorläufige Lesung; keine sichere Gleichsetzung mit einem anderen Namensvetter behauptet.

Vers 476 (Folgeposition 479)
bījaṃ sārasvataṃ bījaṃ pāśaḥ śaktirnigadyate |
kalā kīlakamuddiṣṭaṃ tattvaṃ tāramudīyate ||476||

Das Sarasvata-Bija ist das Bija, Pasha wird als Shakti bezeichnet. Kala ist das Kilaka, Tara wird als Tattva genannt.

Anmerkung: Quellziffer 476 an Folgeposition479 bewahrt; wiederholtes Wort bīja im Sanskrit nicht entfernt.

Vers 480
nistraiguṇyena kaivalyapadalābhe niyogatā |
atha sāmānyamuddhāraṃ bodhayāmi bhavādṛśīm‌ ||480||

Seine Anwendung dient dazu, jenseits der drei Gunas den Zustand des Kaivalya zu erlangen. Nun erkläre ich dir den allgemeinen Aufbau.

Vers 481
tato viśeṣaṃ vakṣyāmi yena vyakto bhaviṣyati |
bījairavayavākāraceṣṭāveśādikalpanā ||481||

Danach werde ich die Einzelheiten erklären, damit er deutlich wird. Mit Bijas werden die Glieder, Gestalt, Bewegungen, Erscheinung und weitere Merkmale vergegenwärtigt.

Anmerkung: Nummer481 im OCR erst nach dem Text von490 ausgegeben; nach Versfolge dieser Zweizeiler481 zugeordnet, Verschiebung ausdrücklich vermerkt.

Vers 482
nānyā tanurmantramayī martyavadgātrasaṃsthitiḥ |
ādau tu sapta bījāni kūṭasthāni varānane ||482||

Es gibt keinen anderen Körper: Er besteht aus Mantra, doch seine Glieder sind wie bei einem Menschen angeordnet. Zunächst stehen sieben unveränderliche Bijas, Schönangesichtige …

Vers 483
tato'nu saṅkhyāsamūho vidheyaḥ sūkṣmayā dhiyā |
sabhūpakṣaguṇābdhīṣurasanandāvadhiḥ sadā ||483||

… danach ist mit feinem Verständnis eine Folge von Zahlen einzusetzen. Sie reicht von den Chiffren Sa, Erde, Paar, Gunas, Meere, Pfeile und Geschmäcker bis zu Nanda.

Anmerkung: Die erste Zahlchiffre sa und genaue Folge sind unsicher; keine vollständige Zahlenreihe oder Ziffernfolge rekonstruiert.

Vers 484
sa nityavigrahī jñeyo'kṣarākṣaracayairimāḥ |
eta evāntarasthāyi […] ucyate ||484||

Diese [Folge] ist als mit bleibender Gestalt versehen zu verstehen […]. Genau diese, im Inneren befindlich, […] wird genannt.

Anmerkung: Fragment: grammatische Verbindungen und mehrere Wörter beschädigt; keine vollständige Zahlen-/Lautanweisung erschlossen.

Vers 485
saptavarṇātmakaḥ śabdo ṅasantastadanantaram‌ |
pūrvavacca parijñeyā caturvarṇī punaḥ priye ||485||

Danach folgt ein siebensilbiges Wort im Genitiv. Ebenso wie zuvor ist anschließend ein viersilbiges Glied zu verstehen, Geliebte …

Anmerkung: Ṅas bezeichnet die Genitivendung; Einzelwörter erst491–492 genannt.

Vers 486
anvetasyāṅgasaṃsthānaṃ tacca ṅe'ntamudīritam‌ |
tato'nu tattadbījāni samuccāraṇavarti hi ||486||

… danach die Bezeichnung der jeweiligen Körperstelle im Dativ. Anschließend sind die entsprechenden Bijas tatsächlich auszusprechen.

Vers 487
etat pūrvaṃ calaṃ jñeyaṃ tatpūrvau niścalau tathā |
uccāritasya bījasya nāma bījapadasya ca ||487||

Das zuvor genannte Glied ist als veränderlich zu verstehen, die beiden davorstehenden als unveränderlich. Der Name des ausgesprochenen Bijas wird mit dem Wort „Bija“ …

Anmerkung: Fortsetzung488; die knappe Rückverweisung wird nicht durch ungesicherte Formelrekonstruktion aufgelöst.

Vers 488
vigraho ṅe'ntayuk pūrvaṃ calaṃ śeṣaṃ sthiraṃ matam‌ |
sapta bījāni hṛcchīrṣaṃ manuścaikadaśa priye ||488||

… im Dativ verbunden; das vorangehende Glied wechselt, das übrige gilt als unveränderlich. Sieben Bijas, Herz- und Kopfabschluss: elf [Silben] des Mantras, Geliebte …

Anmerkung: Zählangabe11 wird bewahrt; keine fehlenden Silben eingesetzt. Fortsetzung489.

Vers 489
varṇāḥ kālavyāpinaste samāso'yamudīritaḥ |
atha vistāramākhyāsye tatraivāvahitā bhava ||489||

Diese Laute durchdringen die Zeit. Damit ist der Aufbau kurz erklärt. Nun werde ich ihn ausführlich darlegen; sei darauf aufmerksam.

Vers 460 (Folgeposition 490)
ādyastāraḥ samuddiṣṭo […] |
rāvayorantarasthāni […] tatpare ||460||

Als erstes ist Tara angegeben; […]. Zwischen zwei Rava-[Bijas] befinden sich […] die darauf folgenden …

Anmerkung: Fragment: mehrere Glieder beschädigt; Zahl der eingeschlossenen Bijas nicht aus der Siebenerzahl geraten. Quellziffer 460 an Folgeposition490 bewahrt.

Vers 461 (Folgeposition 491)
mandākṣayoginīkūrcanārīsañjñāni tāni ca |
tato mantramayārṇān vigrahāpadamucyate ||461||

… die Bijas namens Mandaksha, Yogini, Kurcha und Nari. Dann verbinde man „mantramaya“, „aus Mantra bestehend“, mit dem Wort „vigraha“, „Gestalt“ …

Anmerkung: Quellziffer 461 an Folgeposition491 bewahrt; Mandaksha als eine Chiffre, nicht ohne Anlass Manda/Aksha aufgespalten.

Vers 492
guhyakālī tato jñeyā vibhaktiḥ pūrvamīritā |
athāṅgānyavadhehi tvaṃ krameṇa tridaśārcite ||492||

… danach Guhyakali; der Kasus wurde zuvor angegeben. Beachte nun die Körperglieder der Reihe nach, von den Göttern Verehrte.

Anmerkung: Die Formelfolge bezeichnet die aus Mantra bestehende Guhyakali im Genitiv; keine fehlenden Bijas ergänzt.

Körperglieder von den Füßen bis zum Rumpf

Vers 493
ādau dakṣiṇapādāṅgulyagraṃ sampratipāditam‌ |
[…] vāmapadāṅgulyagraṃ dakṣaprapadastataḥ ||493||

Zuerst sind die Spitzen der rechten Zehen genannt, […] die Spitzen der linken Zehen, danach der rechte Vorderfuß …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort am Beginn der zweiten Hälfte unlesbar; Körperstellen vollständig erkennbar.

Vers 464 (Folgeposition 494)
etasyānu parijñeyo vāmaprapada eva hi |
dakṣapādāṅgulīmūlaṃ vāmapādāṅgulerapi ||464||

… danach der linke Vorderfuß; die Wurzeln der rechten Zehen und ebenso die der linken Zehen …

Anmerkung: Quellziffer 464 an Folgeposition494 bewahrt.

Vers 465 (Folgeposition 495)
dakṣagulpho vāmagulpho dakṣapārṣṇistathetaraḥ |
dakṣapādo vāmapādo dakṣajaṅghā tathetarā ||465||

… rechter und linker Knöchel, rechte und linke Ferse, rechter und linker Fuß, rechter und linker Unterschenkel …

Anmerkung: Quellziffer 465 an Folgeposition495 bewahrt.

Vers 496
dakṣajānu tathā vāmajānu dakṣorureva ca |
aṣṭādaśatamo jñeyo vāmorurdakṣavaṅkṣaṇaḥ ||496||

… rechtes und linkes Knie, rechter Oberschenkel; als achtzehntes der linke Oberschenkel. Dann die rechte Leiste …

Anmerkung: Quellzählmarke18 bewahrt.

Vers 497
vāmavaṅkṣaṇavastī ca nābhirdakṣakaṭastathā |
tato vāmakaṭaḥ śroṇī guhyaṃ nitambameva ca ||497||

… linke Leiste, Unterleib, Nabel und rechte Hüfte; dann linke Hüfte, Becken, Genitalbereich und Gesäß …

Anmerkung: Kata/śroṇi/nitamba überschneiden sich anatomisch; keine künstlich eindeutige moderne Differenzierung.

Vers 468 (Folgeposition 498)
jaghanaṃ tatparaṃ dakṣakakundaramudīryate |
vāmaṃ kakundaraṃ dakṣasphig vāmasphig ataḥ param‌ ||468||

… danach Schamgegend, rechte und linke Kakundara-Stelle, rechte und linke Gesäßhälfte …

Anmerkung: Quellziffer 468 an Folgeposition498 bewahrt. Kakundara als benannte Körperstelle im Beckenbereich, genaue anatomische Lokalisierung nicht rekonstruiert.

Vers 499
saubhagaṃ jaṭharaṃ cāpi hṛdayaṃ tadanantaram‌ |
dakṣapārśvaṃ vāmapārśvaṃ parśukā tatparā matā ||499||

… Saubhaga, Bauch und danach Herz, rechte und linke Körperseite sowie die Rippen …

Anmerkung: Saubhaga als seltene Körperbezeichnung belassen; nicht als gesicherte moderne Organbezeichnung übersetzt.

Vers 500
dakṣastato vāmakuco dakṣacūcukameva ca |
vāmaṃ cūcukamasyānu kroḍaṃ vakṣo'pi tatparam‌ ||500||

… rechte und linke Brust, rechte Brustwarze und danach linke Brustwarze; Schoß beziehungsweise Brusthöhlung und anschließend Brustkorb …

Anmerkung: Kroḍa mehrdeutige Körperregion; im Kontext nicht als Schweinegestalt gelesen.

Arme, Kopf und Sinnesorgane

Vers 501
dakṣāṃsamatha vāmāṃsaṃ dakṣakakṣastathetaraḥ |
dakṣavāmau kūrparau dvau pragaṇḍau tādṛśau tataḥ ||501||

… rechte und linke Schulter, rechte und linke Achsel, rechter und linker Ellenbogen; danach die beiden Oberarme, ebenfalls rechts und links …

Vers 502
prakoṣṭhau punarīdṛkṣau maṇibandhau tathedṛśau |
dakṣahastāṅgulīmūlaṃ vāmahastāṅgulerapi ||502||

… ebenso die beiden Unterarme und die beiden Handgelenke, die Fingerwurzeln der rechten Hand und die der linken Hand …

Vers 503
aṅgulyagraṃ dakṣavāmakarayostadanantaram‌ |
dakṣahasto vāmahasto dakṣabāhustathetaraḥ ||503||

… danach die Fingerspitzen der rechten und linken Hand, rechte und linke Hand, rechter und linker Arm …

Vers 574 (Folgeposition 504)
dakṣaṃ jatru tathā vāmaṃ kaṇṭho grīvā tataḥ param‌ |
ghrāṭā pṛṣṭhaṃ kaśeruśca dakṣā hanurathetarā ||574||

… rechtes und linkes Schlüsselbein, Kehle und Nacken, Ghrata [Körperstelle unsicher], Rücken und Wirbelsäule, rechte und linke Kieferseite …

Anmerkung: Fragment: Wort ghāṭā/ghrāṭā unklar, keine bestimmte Körperstelle erfunden. Quellziffer 574 an Folgeposition504 bewahrt.

Vers 505
cibukaṃ cauṣṭhamadharamūrdhvadantāstataḥ param‌ |
adhodantā dakṣasṛkkaṃ vāmasṛkkaṃ tathaiva ca ||505||

… Kinn, Oberlippe und Unterlippe, obere und untere Zähne, rechter und linker Mundwinkel …

Vers 506
dakṣagaṇḍo vāmagaṇḍaḥ kapolo dakṣiṇastataḥ |
vāmaḥ kapolastāluḥ syājjihvā ca tadanantaram‌ ||506||

… rechte und linke Wange, rechte und linke Wangenseite, Gaumen und danach Zunge …

Anmerkung: Gaṇḍa und kapola beide genannt; die Überschneidung nicht durch Auslassung bereinigt.

Vers 507
dakṣanetraṃ vāmanetraṃ dakṣapakṣma […] |
dakṣavāmāvathāpāṅgau nāsikā dakṣatārakā ||507||

… rechtes und linkes Auge, rechte Wimpern, […], rechter und linker äußerer Augenwinkel, Nase und rechte Pupille …

Anmerkung: Fragment: nach rechten Wimpern beschädigte Stelle; linke Wimpern wahrscheinlich, aber nicht als sicherer Wortlaut ergänzt.

Vers 508
tārakā ca tathā vāmā dṛṣṭiśca tadanantaram‌ |
dakṣakarṇo vāmakarṇo dakṣabhrūrapyathetarā ||508||

… linke Pupille und danach Blick, rechtes und linkes Ohr, rechte und linke Augenbraue …

Vers 509
kūrco lalāṭaṃ tadanu tato bhramarakaṃ matam‌ |
keśapāśo mukhanakhaṃ romāṇi tadanantaram‌ ||509||

… Kurcha, Stirn, dann Bhramaraka; Haarflechte, Gesicht und Nägel, danach Körperhaare …

Anmerkung: Kurcha und Bhramaraka sind hier Körperstellen; genaue Lokalisierung unsicher. Mukhanakha in Gesicht/Nägel getrennt, vorläufig.

Körperbestandteile, Schmuck und Zustände

Vers 510
kūrparaścāpi kaṅkālaḥ karoṭistadanantaram‌ |
tvagraktamāṃsamedo'sthīni majjāśukrameva ca ||510||

… Ellenbogen, Skelett und Schädel, Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Zeugungsstoff …

Anmerkung: Kūrpara wiederholt den Ellenbogen aus 501; nicht stillschweigend zu einem anderen Organ geändert.

Vers 511
vapā manyā śirā caiva mastiṣkaṃ cāntrameva ca |
gulmaḥ snāyuryakṛccāpi vāk svabhāvastathaiva ca ||511||

… Bauchfell beziehungsweise Netz, Halsader, Gefäße, Gehirn und Eingeweide, Gulma, Sehnen, Leber, Rede und eigene Natur …

Anmerkung: Gulma bleibt als anatomisch unklare Bezeichnung stehen; nicht ohne Beleg einem bestimmten Organ zugeordnet. Śirā/sirā-Schreibung der Quelle bewahrt.

Vers 513 (Folgeposition 512)
śarīragaticeṣṭāśca muṣṭirañjalireva ca |
capeṭaveśo mukuṭaṃ cūḍāmaṇirataḥ param‌ ||513||

… Körperbewegungen und Gebärden, Faust und zusammengelegte Hände, Handflächen beziehungsweise Schläge mit der Hand, Erscheinung, Krone und danach Scheiteljuwel …

Anmerkung: Quelle zeigt513 vor 512; interneKennung512 bezeichnet nur die Reihenfolge, display_verse513 bewahrt. Capeṭa kann Handfläche oder Schlag damit bedeuten; beide Möglichkeiten genannt.

Vers 512 (Folgeposition 513)
dakṣakuṇḍalamasyānu vāmakuṇḍalameva ca |
hāraśca valayaścāpi keyūraṃ kaṅkaṇaṃ tathā ||512||

… rechter und linker Ohrring, Halskette, Armreif, Oberarmschmuck und Handgelenkreif …

Anmerkung: Quelle zeigt512 nach 513; interneKennung513 bezeichnet nur die Reihenfolge, display_verse512 bewahrt. Keine stillschweigende Umnummerierung.

Vers 514
mudrikā mekhalā haṃso nūpuraṃ tadanantaram‌ |
kṣaumaṃ ca tilakaṃ cāpi sindūraṃ kajjalaṃ tathā ||514||

… Ring, Gürtel, Hamsa und danach Fußschelle, Leinengewand, Stirnzeichen, Sindura und Augenschminke …

Anmerkung: Hamsa als Bezeichnung innerhalb der Schmuckliste unklar; nicht zu Halskette oder Schwanenfigur umgedeutet.

Vers 515
hāsyaṃ tandrā ca śayanaṃ nidrā jāgaraṇaṃ tataḥ |
kṣudhālasye tathā krodhaḥ prasādo'pi tataḥ param‌ ||515||

… Lachen, Schläfrigkeit, Liegen, Schlaf und Wachsein, Hunger und Trägheit, Zorn und danach freundliche Klarheit …

Anmerkung: Prasāda im Gegensatz zu krodha als gnädige/heitere Stimmung verstanden.

Vers 516
[…] parijñeyaḥ sarvavigraha eva […] |
ityeṣā tanumaryādā ṣaṣṭirekaśatādhikā ||516||

[…] ist als der ganze Körper zu verstehen […]. Damit beträgt dieser Umfang der Körperglieder einhundertsechzig …

Anmerkung: Fragment: Anfang und Ende der ersten Hälfte beschädigt. Zählangabe160 vollständig lesbar, Liste nicht künstlich ergänzt.

Vers 517
śāstravidbhiḥ parijñeyā bhagavatyā manuṣyavat‌ |
atha krameṇa bījāni vyāharāmi varānane ||517||

… die Schriftkundigen sollen ihn bei der Göttin entsprechend einem Menschen verstehen. Nun nenne ich die Bijas der Reihe nach, Schönangesichtige.

Anmerkung: Fortsetzung516.

Die Bijas der einzelnen Körperglieder

Vers 518
ḍākinī kekarākṣī ca bhrāmarī tadanantaram‌ |
pracaṇḍācaṇḍaviśvāśca tato'ṅkuśa udīryate ||518||

Dakini, Kekarakshi und danach Bhramari, Prachanda, Chanda und Vishva; dann wird Ankusha genannt …

Vers 519
punargāruḍatāṭaṅkī līlāmandau tataḥ param‌ |
sammohaḥ kamalā kāmaḥ samādhirapi tatparaḥ ||519||

… Garuda und Tatanki, danach Lila und Manda, Sammoha, Kamala, Kama und anschließend Samadhi …

Vers 520
prāsādaḥ patanaṃ cāpi saṃhāraḥ preta eva ca |
kuliko dasraśaktī ca vedī cāpi jarā tataḥ ||520||

… Prasada, Patana, Samhara und Preta, Kulika, Dasra und Shakti sowie Vedi und Jara …

Vers 521
baliḥ pṛthuranantaśca khecarī ca kramastataḥ |
nṛsiṃha ādeśa itaśchaṭā phairavameva ca ||521||

… Bali, Prithu, Ananta und Khechari, dann Krama, Nrisimha, Adesha, Chhata und Phairava …

Anmerkung: Phairava nach sichtbarer Schreibung; nicht stillschweigend Bhairava.

Vers 522
kumārī tadanu jñeyā muktā cāpi mahā priye |
mandārasindhukakudaḥ śaiśukaḥ kākinī tathā ||522||

… danach Kumari, Mukta und Maha, Geliebte; Mandara, Sindhu, Kakuda, Shaishuka und Kakini …

Anmerkung: Bija-Namen. Maha als separates Listenglied vor priye vorläufig gelesen.

Vers 523
nemiraṃśuśca śuklaśca tatheṣṭivratasānavaḥ |
akṣo jambhaḥ ṣaḍaṅgaṃ ca mekhalā kuṇḍameva ca ||523||

… Nemi, Amshu, Shukla, Ishti, Vrata und Sanu, Aksha, Jambha, Shadanga, Mekhala und Kunda …

Vers 524
kāpālamatha gokarṇo garbho dīpa itaḥ param‌ |
bhogasṛṣṭī tato jñeye aupahvara itaḥ param‌ ||524||

… Kapala, dann Gokarna, Garbha und Dipa, Bhoga und Srishti, danach Aupahvara …

Vers 525
nāndikaṃ cāpi phetkārī tretā duṣkṛtameva ca |
padmaṃ dhanyamathollopyaṃ karālī kṛtyayānvitā ||525||

… Nandika, Phetkari, Treta und Dushkrita, Padma, Dhanya, dann Ullopya, Karali und Kritya …

Vers 526
kuśikaśca vyayaścāpi nakṣatraṃ vidyudeva ca |
nārācaśūlasurasāḥ samarastadanantaram‌ ||526||

… Kushika, Vyaya, Nakshatra und Vidyut, Naracha, Shula und Surasa, danach Samara …

Anmerkung: Vyaya gemäß sichtbarem Text, nicht Avyaya wie in einer anderen Liste.

Vers 527
mahākrodhakṣetrapālāvardhacandraḥ kṣuraprayuk‌ |
rāgaḥ sārasa[…] māriṣastadanu smṛtaḥ ||527||

… Mahakrodha, Kshetrapala, Ardhachandra und Kshurapra, Raga, Sarasa […], danach Marisha …

Anmerkung: Fragment: Glied beziehungsweise Verbindung nach Sarasa beschädigt. Versnummer im OCR unlesbar, Folge527.

Vers 528
nālīkaśca bhuśuṇḍī ca nandā cāpi jaṭā tathā |
tandrā ca kuṭilā cāpi gadā prāsaśca rañjinī ||528||

… Nalika, Bhushundi, Nanda und Jata, Tandra, Kutila, Gada, Prasa und Ranjini …

Vers 529
ghaṭīkālīhayagrīvaprāṇameghāśca carpaṭaḥ |
maṇimālāveśasomacāmuṇḍā api tatpare ||529||

… Ghati, Kali, Hayagriva, Prana, Megha und Charpata, danach Manimala, Vesha, Soma und Chamunda …

Vers 530
kūṣmāṇḍī hāriṇī cāpi tathaivotkocinī tataḥ |
buddhiḥ kṣamā ca vijayā sambhṛtistadanu smṛtā ||530||

… Kushmandi, Harini und danach Utkochini, Buddhi, Kshama, Vijaya und anschließend Sambhriti …

Vers 521 (Folgeposition 531)
pratānaṃ ca vidik […] viratirmālayā […] |
nīlanāgasamūhāśca dākṣikaḥ saumato'pi ca ||521||

… Pratana, Vidik, […], Virati mit Mala […], Nila, Naga und Samuha, Dakshika und Saumata …

Anmerkung: Fragment: zwei Namen beziehungsweise Verbindungen beschädigt. Quellziffer 521 an Folgeposition531 bewahrt.

Weitere Bijas und Abschluss des Dhatu-Nyasa

Vers 532
nādāntakaścāmaraṃ ca bhāruṇḍā tantrameva ca |
vyajanaṃ vidhṛtiścāpi saṃsṛṣṭiśca vikośayuk‌ ||532||

Nadantaka, Chamara, Bharunda und Tantra, Vyajana, Vidhriti sowie Samsrishti zusammen mit Vikosha …

Anmerkung: Fortsetzung der Bija-Liste.

Vers 533
tato rasapuṭo jñeyo bhavet sannyāsa ityapi |
māraṇḍaśca vinādaśca maunaṃ cūlikayānvitam‌ ||533||

… dann Rasaputa und Samnyasa, Maranda und Vinada, Mauna zusammen mit Chulika …

Vers 534
vimardaśekharau cāpi tato visvaritaṃ matam‌ |
vyuttaraṃ ca virūpaṃ syādaparāntaṃ ca jaimanam‌ ||534||

… Vimarda und Shekhara, danach Visvarita, Vyuttara, Virupa, Aparanta und Jaimana …

Vers 535
saṃvyānaṃ ca vivatsaśca sambhāraḥ prakarī tathā |
bindukaścāpi saṃyogo viyogaśca vijṛmbhayuk‌ ||535||

… Samvyana, Vivatsa, Sambhara und Prakari, Binduka, Samyoga und Viyoga zusammen mit Vijrimbha …

Vers 536
uttānaṣaṭcakrabīje sarvāgama itaḥ param‌ |
āmnāyātītamasyānu tatastattvārṇavo mataḥ ||536||

… die Bijas Uttana und Shatchakra, danach Sarvagama, anschließend Amnayatita und Tattvarnava …

Vers 537
śaktisarvasvamatha ca parāpara ito'pyanu |
asyānu śāmbhavaṃ jñeyaṃ cicchaktistadanantaram‌ ||537||

… Shaktisarvasva und danach Parapara, anschließend Shambhava und Chitshakti …

Vers 538
tato brahmakapālākhyaṃ mahābījaṃ varānane |
mahākalpasthāyibījaṃ sarvaśeṣe prakīrtitam‌ ||538||

… dann das große Bija namens Brahmakapala, Schönangesichtige. Ganz zuletzt wird das Mahakalpasthayi-Bija genannt.

Vers 539
yāvanti hi pratīkāni tāvantyetānyapi priye |
jñātavyaṃ sarvamantrasya tattadaṅgamiti dhruvam‌ ||539||

So viele Körperglieder es gibt, so viele sind auch diese Bijas, Geliebte. Jedes ist als das entsprechende Glied des ganzen Mantras zu erkennen.

Anmerkung: Zahlentsprechung der Quelle; beschädigte Listenglieder nicht ergänzt.

Vers 540
tārarāvatrapā uktvā yoginīkūrcakāminīḥ |
śākinī hārdamantraśca śiromantrastataḥ param‌ ||540||

Man spreche Tara, Rava, Trapa, Yogini, Kurcha, Kamini und Shakini, dann Herzmantra und Kopfmantra.

Anmerkung: Vollständig lesbare Schlussgruppe des Dhatu-Nyasa, Chiffren nicht in Silben aufgelöst.

Vers 541
iti nyā[vyā?]sena kathito dhātunyāso mayā tava |
gṛhasthānāṃ yatīnāṃ ca kaulācāravatāmapi ||541||

So habe ich dir den Dhatu-Nyasa [ausführlich?] erklärt. Für Hausleute, Entsagende und Anhänger des Kaula-Weges …

Anmerkung: Quelle markiert nyāsena/vyāsena unsicher; deutscher Sinn „ausführlich“ entsprechend der Herausgeberfrage kenntlich.

Vers 542
trayāṇāmeṣa vai nityastripuraghnena varṇitaḥ |
yataḥ śarīraṃ sarveṣāmāvaśyakatayā matam‌ ||542||

… für alle drei hat der Zerstörer Tripuras ihn als regelmäßige Pflicht beschrieben, weil der Körper für sie alle als notwendig gilt.

Vers 543
tadayaṃ vigrahākāro nyāse'sminnabhidhīyate |
enaṃ nyāsamakṛtvā tu pūjā vai niṣphalā bhavet‌ ||543||

Diese Körpergestalt wird in diesem Nyasa dargelegt. Ohne diesen Nyasa auszuführen, bleibt die Puja nach dieser Lehre ohne Frucht.

Anmerkung: Historische rituelle Geltungsbehauptung.

Vers 544
mantra eva vijānīyādasya nyāsasya bhūmikāḥ |
sṛṣṭyādayo ye bhāsāntā nyāsāḥ pañca puroditāḥ ||544||

Die Stellen dieses Nyasa erkenne man bereits im Mantra selbst. Die fünf zuvor gelehrten Nyasas von Srishti bis Bhasa …

Anmerkung: Fortsetzung545.

Tattva-Nyasa: Erkenntnis und Voraussetzungen

Vers 545
taiḥ pañcabhiḥ samo jñeyo dhātunyāso varānane |
tattvanyāsamidānīṃ tvaṃ samākalaya sādarā ||545||

… ihnen allen fünf ist der Dhatu-Nyasa gleichwertig, Schönangesichtige. Vernimm nun aufmerksam den Tattva-Nyasa.

Vers 546
aparigrahiṇāmeṣa nityatvena prakāśyate |
kāmyatvena gṛhasthānāṃ kaulānāmapyudīryate ||546||

Für Besitzlose wird er als regelmäßige Pflicht gelehrt; für Hausleute und Kaulas dagegen als wunschbezogener Vollzug …

Anmerkung: Aparigrahin: Menschen ohne Besitz beziehungsweise ohne Besitzergreifen, hier asketischer Kontext.

Vers 547
naimittikatvena vāpi kadācid gṛhikaulayoḥ |
asya garga ṛṣiḥ prokto gāyatrīcchanda iṣyate ||547||

… oder zuweilen als anlassgebundener Vollzug für Hausleute und Kaulas. Als sein Rishi wird Garga genannt, als Metrum gilt Gayatri.

Vers 548
vaded vyaṣṭisamaṣṭyarṇād rūpiṇīti sureśvari |
guhyakālī devatā ca praṇavo bījamucyate ||548||

Man verbinde „Einzelgestalt und Gesamtheit“ mit „Rupini“: Guhyakali, deren Gestalt beides ist, ist die Gottheit, Herrin der Götter. Pranava wird als Bija genannt.

Anmerkung: Vyaṣṭi/samaṣṭi: Einzelnes/Gesamtheit; Name der Gottheit gemäß Wortanweisung erläutert.

Vers 549
rāvaḥ śaktiḥ kīlakaṃ tu sārasvatamudīryate |
viniyogaḥ samuddiṣṭastattvajñāne jape tathā ||549||

Rava ist die Shakti; Sarasvata wird als Kilaka bezeichnet. Die Anwendung ist für Tattva-Erkenntnis und Japa bestimmt.

Der allgemeine Aufbau des Tattva-Nyasa

Vers 550
atha prākkṛtamuddhāraṃ prathamaṃ […] pārvati |
viśeṣaṃ śroṣyasi tato bhaviṣyati tataḥ sphuṭaḥ ||550||

Zuerst […] den vorbereitenden Aufbau, Parvati. Danach wirst du die Einzelheiten hören; dadurch wird er deutlich werden.

Anmerkung: Fragment: Verb der ersten Hälfte unlesbar; prākkṛta als vorläufige Lesung der sichtbaren Form.

Vers 551
sapta bījāni purataḥ samastānāmapi priye |
mantrāṇāṃ tāni ca śive kūṭasthānyakhileṣvapi ||551||

Sieben Bijas stehen allen Mantras voran, Geliebte. Sie bleiben in sämtlichen Mantras unverändert, Segensreiche.

Vers 552
tato nāmāni bhinnāni ṣaṭtriṃśatsaṅkhyakāni hi |
taistattvaśabdasya sadā vigraho ṅivibhaktikaḥ ||552||

Danach folgen sechsunddreißig verschiedene Namen. Sie werden jeweils mit dem Wort „Tattva“ verbunden, und zwar im Lokativ.

Anmerkung: Ṅi bezeichnet den Lokativ; nicht als Dativ wie in anderen Nyasas ausgegeben.

Vers 553
asthirāṇi tu pūrvāṇi sthiraṃ śeṣagataṃ padam‌ |
sandhihīnā sthirā'śeṣakarmāṇīti ṣaḍakṣarī ||553||

Die vorderen Namen wechseln, das nachfolgende Wort bleibt gleich. Danach steht ohne Sandhi-Verbindung unveränderlich die sechssilbige Folge „asheshakarmani“, „sämtliche Handlungen“ …

Anmerkung: Aśeṣakarmāṇi vollständig lesbar.

Vers 554
punaḥ saṃśamayāmīti tathaivāpanayāmi ca |
pūrvavat susthirā jñeyā sandhiyuktā navākṣarī ||554||

… ferner „samshamayami“, „ich bringe zur Ruhe“, und „apanayami“, „ich entferne“. Diese neunsilbige, mit Sandhi verbundene Folge bleibt ebenso unverändert …

Anmerkung: Formelglieder saṃśamayāmi / apanayāmi; keine andere Verbform eingesetzt.

Vers 555
bhavabandhaṃ ceti tataḥ sthirohyā caturakṣarī |
hitvā tattvārṇamevaṃ syurūnaviṃśatisammitāḥ ||555||

… danach die unveränderliche viersilbige Folge „bhavabandham“, „die Bindung an das Werden“. Ohne das Tattva-Glied ergeben sich so neunzehn Silben.

Anmerkung: Die Zählung19 ist Textangabe; Satzsinn553–555: Handlungen zur Ruhe bringen und Bindung entfernen.

Vers 556
tato'nu pañca bījāni bhinnāni pratimanvapi |
guhyakāli prasīdeti sthirā saptākṣarī tataḥ ||556||

Dann folgen in jedem Mantra fünf jeweils andere Bijas. Danach die unveränderliche siebensilbige Bitte „Guhyakali prasida“, „Guhyakali, sei gnädig!“

Anmerkung: Guhyakāli prasīda zuverlässig vollständig.

Vers 557
ekaṃ kūṭaṃ tato bhinnaṃ bhinnaṃ jñeyaṃ manau manau |
astramantraḥ śiromantraḥ sarvaśeṣe tathoditaḥ ||557||

Danach ein Kuta, der von Mantra zu Mantra wechselt. Ganz am Ende sind Astra-Mantra und Kopfmantra vorgesehen.

Vers 558
iti sāmānya uddhāra uditastava pārvati |
viśeṣamadhunā vacmi tattvanyāsasamāśrayam‌ ||558||

So ist dir der allgemeine Aufbau erklärt, Parvati. Jetzt nenne ich die Einzelheiten des Tattva-Nyasa.

Feste Bijas und sechsunddreißig Prinzipien

Vers 559
praṇavo medhamāye ca yoginī śākinī vadhūḥ |
[…] cetīmāni bījāni saptāśeṣe sthirāṇi hi ||559||

Pranava, Medha, Maya, Yogini, Shakini, Vadhu und […]: Diese sieben Bijas bleiben überall unverändert.

Anmerkung: Fragment: siebtes Bija unlesbar; nicht aus anderen Siebenergruppen ergänzt.

Vers 560
athākalaya nāma tvaṃ bhinnaṃ tattvapadādigam‌ |
pṛthivyāpastatastejo vāyurākāśameva ca ||560||

Vernimm nun die wechselnden Namen, die dem Wort „Tattva“ vorangehen: Erde, Wasser, dann Feuer, Wind und Raum …

Vers 561
gandho rasaśca cakṣu[rūpa]śca sparśaḥ śabdastathaiva ca |
ātmā tato'nu jīvātmā paramātmā tataḥ param‌ ||561||

… Geruch, Geschmack, Auge [Herausgeberlesung: sichtbare Form], Berührung und Klang; danach Atman, Jivatman und Paramatman …

Anmerkung: Quelle hat cakṣus und ergänzt rūpa in Klammern. Nicht stillschweigend durch die standardisierte Tanmatra-Liste ersetzt.

Vers 562
sattā'vidyānivṛttiśca prakṛtirmahadeva ca |
ahaṅkārastataḥ pañcatanmātraṃ samudāhṛtam‌ ||562||

… Sein, Unwissenheit, Zurücknahme, Prakriti und Mahat, danach Ahamkara und die fünf Tanmatras …

Anmerkung: Sattā/avidyā/nivṛtti als vorläufige Gliederung; Zahl36 nicht durch erzwungene Kompositumtrennung hergestellt.

Vers 563
bhāvābhāvaprapañcau dvāvadvaitaṃ vāsanā tathā |
prajñā pramāṇamiti ca paramārtha itaḥ param‌ ||563||

… die beiden Entfaltungen des Seins und Nichtseins, Nichtzweiheit und latente Neigung, Einsicht und Erkenntnismittel, danach höchste Wirklichkeit …

Anmerkung: Bhāva/abhāva mit prapañca als zwei Glieder; keine externe philosophische Liste über die Quelle gelegt.

Vers 564
ābhāsapratibimbau ca sūkṣmaṃ kaivalyameva ca |
caitanyaṃ ca prabodhaśca tathaivāśaya eva ca ||564||

… Erscheinung und Spiegelbild, das Feine und Kaivalya, Bewusstsein, Erwachen und ebenso Ashaya, der innere Grund der Anlagen …

Vers 565
ānandaśca tato brahmamayaḥ sarvāntimo mataḥ |
evaṃ śabdāḥ parijñeyāḥ ṣaṭtriṃśatsaṅkhyakā ime ||565||

… Glückseligkeit und danach als allerletztes „aus Brahman bestehend“. Diese Wörter sind als sechsunddreißig an der Zahl zu verstehen.

Anmerkung: Kontrollzahl36; unklare Gruppierung562 nicht durch Ergänzungen ausgeglichen.

Die wechselnden Bija-Fünfergruppen

Vers 166 (Folgeposition 566)
vibhinnarūpāmadhunā pañcabījāvalīṃ […] |
smaro ramā ca prāsādo ḍākinī pralayo'pi ca ||166||

Nun […] die jeweils verschiedenen Fünfergruppen von Bijas: Smara, Rama, Prasada, Dakini und Pralaya …

Anmerkung: Fragment: Verb im ersten Halbvers unlesbar. Quellziffer 166 an Folgeposition566 bewahrt.

Vers 567
pāśaścaṇḍaśca viśvaśca sudhāsomau […] ca |
kalā dasraśca śaktiśca nakṣatraṃ vidyudeva ca ||567||

… Pasha, Chanda und Vishva, Sudha und Soma […]; Kala, Dasra, Shakti, Nakshatra und Vidyut …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort nach Soma beschädigt; keine zusätzliche Bija zur Zahlenerfüllung.

Vers 565 (Folgeposition 568)
khecarīpretabhairavyaḥ kālādityau tataḥ param‌ |
bhāruṇḍādidvayaṃ kākinyādiyugmaṃ mahāruṣā ||565||

… Khechari, Preta und Bhairavi, danach Kala und Aditya; das mit Bharunda beginnende Paar, das mit Kakini beginnende Paar und Maharush …

Anmerkung: Quellziffer 565 an Folgeposition568 bewahrt.

Vers 569
kulikaḥ saṃhitā cañcurḍākinīvidhayastataḥ |
bhrāmarī ca pracaṇḍā ca kekarākṣī tataḥ param‌ ||569||

… Kulika, Samhita, Chanchu, Dakini und Vidhi, danach Bhramari, Prachanda und Kekarakshi …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge569.

Vers 570
mahārātriḥ kālarātrirāsyayug bījavarjitā |
tṛvṛtakāpālagokarṇasurabhīrauravāṇi ca ||570||

… Maharatri und Kalaratri, verbunden mit „Gesicht“, ohne Bija; dann Trivrita, Kapala, Gokarna, Surabhi und Raurava …

Anmerkung: Die Anweisung āsyayug bījavarjitā ist knapp und möglicherweise beschädigt; keine ausgeschriebenen Anredeformen geraten. Trivrita aus sichtbarem tṛvṛta vorläufig gelesen.

Vers 571
tretādyanāhatāntaṃ ca viparītakrameṇa hi |
mandasammohapatanayugāntāḥ saṃhṛtistataḥ ||571||

… die Reihe von Treta bis Anahata in umgekehrter Reihenfolge; Manda, Sammoha, Patana, Yuganta und danach Samhriti …

Anmerkung: Verkürzte Gruppenangabe nicht durch vermutete Zwischenglieder ergänzt.

Vers 572
mandārasindhū ca tato mahendrakaruṇeśvarāḥ |
kalpo muktā mahā caiva kramaśca narasiṃhayuk‌ ||572||

… Mandara und Sindhu, dann Mahendra und Karuneshvara; Kalpa, Mukta, Maha und Krama zusammen mit Narasimha …

Anmerkung: Mahendra/Karuneshvara als vorläufige Gliederung des Kompositums.

Vers 573
jambhaḥ ṣaḍaṅgakakudau saṅghātaḥ saha śaṃśukaḥ |
veṇuḥ sānurathākṣaśca mauñjīsūtre tathaiva ca ||573||

… Jambha, Shadanga und Kakuda, Samghata zusammen mit Shamshuka, Venu, Sanu, dann Aksha sowie Maunji und Sutra …

Anmerkung: Shamshuka nach sichtbarer Schreibung, nicht an Shaishuka522 angeglichen. Versnummer im OCR beschädigt, Folge573.

Vers 574
tāṭaṅkalīle dhenuśca kṣobhaṇo māriṣastathā |
āyaśca mekhalā kuṇḍaṃ garbho dīpastataḥ param‌ ||574||

… Tatanka und Lila, Dhenu, Kshobhana und Marisha; Aya, Mekhala, Kunda, Garbha und danach Dipa …

Anmerkung: Aya Hauptlesung, Fußnote Adya.

Vers 575
vīravetālabhauvāni […] puṭakameva ca |
gāyatrī kaṇikā śṛṅkhalaupahvarakanāndikam‌ ||575||

… Vira, Vetala und Bhauva, […], Putaka, Gayatri, Kanika, Shrinkhala, Aupahvaraka und Nandika …

Anmerkung: Fragment: ein Name unlesbar; Bhauva nach sichtbarer Form, unsicher.

Vers 576
vijayā cāpi sambhūtiścaturasrādi ca trayam‌ |
sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ padmaṃ kuśiko vyaya eva ca ||576||

… Vijaya, Sambhuti, die mit Chaturasra beginnende Dreiergruppe, Sukrita, Dushkrita, Padma, Kushika und Vyaya …

Vers 577
saṃhāryādidvayaṃ procya cāmarāditrayaṃ paṭhet‌ |
kalā mānī ca surasaḥ samaro rāgasārasau ||577||

Nach dem mit Samhari beginnenden Paar rezitiere man die mit Chamara beginnende Dreiergruppe; Kala, Mani, Surasa, Samara, Raga und Sarasa …

Anmerkung: Samhari/Mani nach sichtbarer Wortform, keine sichere Silbenbedeutung behauptet.

Vers 578
aupadeyaśca māraṇḍo vinādāditrayaṃ tataḥ |
bhadrikā ca tathā tandrā kuṭilā rañjinī ghaṭī ||578||

… Aupadeya, Maranda und danach die mit Vinada beginnende Dreiergruppe; Bhadrika, Tandra, Kutila, Ranjini und Ghati …

Vers 579
mauliṅgaśca virūpaścāparāntāditrayaṃ tataḥ |
sauraṅgaścarpaṭādīni catvāri tadanantaram‌ ||579||

… Maulinga, Virupa und danach die mit Aparanta beginnende Dreiergruppe; Sauranga und anschließend die mit Charpata beginnende Vierergruppe …

Anmerkung: Seltene Namen Maulinga und Sauranga nach sichtbarem Text, vorläufig.

Vers 580
viraso dākṣikaḥ saumatapratāne vidik tathā |
vicitraṃ dhanyamullopyaṃ vismṛtiḥ pāṇigītikā ||580||

… Virasa, Dakshika, Saumata und Pratana, Vidik, Vichitra, Dhanya, Ullopya, Vismriti und Panigitika …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge580.

Vers 581
[…] yogatantrādicatuṣṭayamataḥ param‌ |
vikarālī ca maunaṃ ca cūlikāditrayaṃ tataḥ ||581||

… […], danach die mit Yogatantra beginnende Vierergruppe; Vikarali, Mauna und dann die mit Chulika beginnende Dreiergruppe …

Anmerkung: Fragment: erster Name unlesbar.

Vers 582
vijñeyaṃ tadanu prājñaiḥ kalāvatyādipañcakam‌ |
dhvāno vivatsasambhāvau saṃyogaśca viyogayuk‌ ||582||

… danach sollen die Kundigen die mit Kalavati beginnende Fünfergruppe erkennen; Dhvana, Vivatsa und Sambhava, Samyoga zusammen mit Viyoga …

Vers 583
virādhaśca turīyā ca grāvāditritayaṃ […] |
kaulavidyā tattvahīnaṃ śaktividyādisaptakam‌ ||583||

… Viradha, Turiya, die mit Grava beginnende Dreiergruppe […]; Kaulavidya ohne „Tattva“ und die mit Shaktividya beginnende Siebenergruppe …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Dreiergruppe unlesbar; tattvahīna als Weglassungsanweisung verstanden, nicht als Urteil über den Wahrheitsgehalt der Kaula-Lehre.

Vers 584
bhagamālinyataḥ śaktisarvasvaṃ ca parāparam‌ |
tato'nu vajrakavacaṃ kapālaṃ brahmaśabdataḥ ||584||

… Bhagamalini, danach Shaktisarvasva und Parapara, anschließend Vajrakavacha und Kapala nach dem Wort „Brahma“, also Brahmakapala …

Vers 484 (Folgeposition 585)
śāmbhavaṃ vedavatyādyaṃ cicchaktirjagadāvṛttiḥ |
mahākalpasthāyibījaṃ sarvaśeṣe nigadyate ||484||

… Shambhava, das mit Vedavati beginnende Glied, Chitshakti und Jagadavritti. Ganz zuletzt wird das Mahakalpasthayi-Bija genannt.

Anmerkung: Quellziffer 484 an Folgeposition585 bewahrt; Vedavati-Gruppe ohne sichere Anzahl nicht erweitert.

Sechsunddreißig Kutas und Körperstellen

Vers 586
atha krameṇa kūṭāni sāvadhānā niśāmaya |
bhāsāsaṃhārāvanākhyaṃ kūṭaṃ tadanu pārvati ||586||

Höre nun aufmerksam die Kutas der Reihe nach: Bhasa und Samhara, danach Anakhya-Kuta, Parvati …

Vers 587
sattvaṃ rajastamaḥkūṭaṃ puṣkarādidvayaṃ tataḥ |
guhyakaṃ candrakūṭaṃ ca […] parā kalā ||587||

… Sattva, Rajas- und Tamas-Kuta, danach das mit Pushkara beginnende Paar; Guhyaka, Chandra-Kuta, […], Para und Kala …

Anmerkung: Fragment: Glied vor Para beschädigt; Trennung Para/Kala vorläufig.

Vers 588
udayāstābhidhau kūṭau caṇḍacakrau tataḥ param‌ |
maṇiratne tathā kūṭe manthānaḥ setureva ca ||588||

… die Kutas namens Udaya und Asta, danach Chanda und Chakra, die Kutas Mani und Ratna, Manthana und Setu …

Vers 589
samayo varṇamantrau ca kailāso merureva ca |
vairāgyaiśvaryanirvāṇamahānirvāṇameva ca ||589||

… Samaya, Varna und Mantra, Kailasa und Meru, Vairagya, Aishvarya, Nirvana und Mahanirvana …

Vers 560 (Folgeposition 590)
avidyā ca vipākaśca vāsanādvaitameva ca |
jīvātmaparamātmānāvānandamaya eva ca ||560||

… Avidya, Vipaka, Vasana und Advaita, Jivatman, Paramatman und Anandamaya.

Anmerkung: Quellziffer 560 an Folgeposition590 bewahrt.

Vers 561 (Folgeposition 591)
iti ṣaṭtriṃśatsaṅkhyāni kūṭāni kathitāni te |
nyasanīyasthānamato niśāmaya sureśvari ||561||

So habe ich dir die sechsunddreißig Kutas genannt. Höre nun die Stellen, an denen sie einzusetzen sind, Herrin der Götter.

Anmerkung: Quellziffer 561 an Folgeposition591 bewahrt; Kontrollzahl36 ohne Ergänzung.

Vers 592
gulphau jaṅghe tathā jānū tata ūrū ca vaṅkṣaṇau |
guhyaṃ vastiśca nābhiśca jaṭharaṃ pārśvayoryugam‌ ||592||

Knöchel, Unterschenkel und Knie, dann Oberschenkel und Leisten; Genitalbereich, Unterleib, Nabel, Bauch und beide Körperseiten …

Vers 563 (Folgeposition 593)
hṛdayaṃ ca tathā skandhau jatruṇī ca śirā tathā |
hanū kapolau sṛkkaṇī ca tata oṣṭho'dharo'pi ca ||563||

… Herz, Schultern und Schlüsselbeine, Shira [Körperstelle unsicher], Kiefer, Wangen, Mundwinkel, dann Ober- und Unterlippe …

Anmerkung: Fragment: śirā könnte „Gefäß“ heißen oder beschädigte andere Körperbezeichnung sein; nicht stillschweigend „Kopf“ ergänzt. Quellziffer 563 an Folgeposition593 bewahrt.

Vers 594
ūrdhvadantā adhodantā gaṇḍau nāsāpuṭe tathā |
netre karṇau bhruvau cāpi maṇibandhau sakūrcakau ||594||

… obere und untere Zähne, Wangen, Nasenöffnungen, Augen, Ohren, Augenbrauen und Handgelenke samt Kurchaka …

Anmerkung: Kurchaka als anatomische Bezeichnung unaufgelöst; keine präzise Lage erfunden.

Vers 595
bhālaḥ śiraḥ śikhā caiva doḥpadorvyāpakāni […] |
sarvaśarīragaṃ śeṣe vyāpakaṃ parikīrtitam‌ ||595||

… Stirn, Kopf und Haarspitze sowie das Durchdringen von Armen und Füßen […]. Am Ende wird das Durchdringen des ganzen Körpers genannt.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort am Ende der ersten Hälfte beschädigt, Körperanweisung ansonsten lesbar.

Vers 596
uktastattvanyāsa itthaṃ prapañcatvena bṛṃhitaḥ |
pañcamaṃ pañcakaṃ cāpi gatametana pārvati ||596||

So ist der Tattva-Nyasa in ausführlicher Entfaltung erklärt. Damit ist auch die fünfte Fünfergruppe abgeschlossen, Parvati.

Vers 597
naimittikatvaṃ kāmyatvamatha nityatvameva ca |
vivicya tu viśeṣeṇa pūrvaṃ pratipāditam‌ ||597||

Seine anlassgebundene, wunschbezogene und regelmäßige Anwendung wurde zuvor im Einzelnen unterschieden und erklärt.

Laghu-Shodha: der kleine sechsfache Nyasa

Vers 598
idānīṃ […] laghu mahānyāsaṃ niśāmaya |
kaṭhinoddhāramatulaṃ sarvāghaughavināśanam‌ ||598||

Vernimm nun […] den kleinen großen Nyasa, unvergleichlich, schwierig zu erschließen und alle Ansammlungen von Schuld vernichtend.

Anmerkung: Fragment: Name beziehungsweise Verbindung vor laghu beschädigt; Abschnittsüberschrift nennt Laghu-Shodha-Nyasa. Nicht stillschweigend aus Überschrift in Vers ergänzt.

Vers 599
aṅgī mukhyo nyāsa ekaḥ ṣaḍaṅgānyasya pārvati |
ato hi ṣoḍhābhidhayā khyāto nyāso mahodayaḥ ||599||

Ein Nyasa ist der Hauptträger, und er besitzt sechs Glieder, Parvati. Deshalb ist dieser Nyasa mit großer Wirkung unter dem Namen „Shodha“, „sechsfach“, bekannt.

Anmerkung: Ṣoḍhā bedeutet sechsfach, nicht śodhana „Reinigung“.

Vers 600
nāsāviṣṭo mumukṣūṇāṃ bhogaihikaphalapradaḥ |
[…] gṛhiṇā nityaṃ kaulācāravatāpi ca ||600||

Er ist nicht für Befreiung Suchende vorgesehen, denn er gewährt Genuss und diesseitige Früchte. […] vom Hausvater regelmäßig und ebenso vom Anhänger des Kaula-Weges …

Anmerkung: Fragment: erstes Wort der zweiten Hälfte beschädigt; Fortsetzung601.

Ritualpartnerin und Ausführungsbedingungen

Vers 601
enaṃ kurvan svavāmorau śaktiṃ saṃsthāpya yatnataḥ |
kurvīta ṣoḍhāṃ tenaiva siddhiḥ syānnānyathā bhavet‌ ||601||

Wer ihn ausführt, soll die Shakti sorgfältig auf seinen linken Oberschenkel setzen und so den Shodha-Nyasa vollziehen. Nur dadurch entstehe Siddhi, nicht auf andere Weise.

Anmerkung: Shakti bezeichnet hier eine menschliche Ritualpartnerin; keine bloß mentale Meditation daraus gemacht.

Vers 602
svakīyā parakīyā vā śaktirāvaśyakī priye |
striyā apyevameva syādityācāro vyavasthitaḥ ||602||

Eine Shakti ist erforderlich, Geliebte, sei sie die eigene oder eine andere Partnerin. Auch für eine Frau soll es entsprechend gelten: So ist die Praxis festgelegt.

Anmerkung: Svakiya/parakiya bezeichnet die eigene beziehungsweise eine einem anderen zugehörige Partnerin; historische Partnerschaftsordnung, nicht heutige Empfehlung.

Vers 603
ata eva hi bhikṣūṇāṃ nādhikāro'tra vartate |
te īhamānā api vai patanti vanitāṃ śive ||603||

Eben deshalb sind Bettelasketen hierzu nicht berechtigt. Bemühen sie sich dennoch darum, fallen sie […] durch die Frau, Segensreiche.

Anmerkung: Fragment: grammatische Beziehung vanitām/patanti beschädigt; Ausschluss der Asketen vollständig lesbar, genaues Verbobjekt nicht geglättet.

Vers 604
pūjākāle […] phalārthinaḥ |
te'pi śaktiṃ puraḥkṛtvā kariṣyanti na saṃśayaḥ ||604||

Bei der Puja […] diejenigen, die nach Früchten verlangen: Auch sie werden dies nur unter Voranstellung einer Shakti vollziehen, daran besteht kein Zweifel.

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte stark beschädigt; keine konkrete Personengruppe ergänzt.

Vers 605
tatasteṣāṃ phalaṃ bhāvi nānyathā vai kadācana |
uddhāraṃ kalayedānīmetasya suravandite ||605||

Dann wird ihnen die Frucht zuteil, sonst niemals. Vernimm nun seinen Aufbau, von den Göttern Verehrte.

Vers 606
prāṇāyāmaṃ vidhāyādau dhyānaṃ pūrvoditaṃ tataḥ |
ṣoḍhānyāsaṃ prakurvīta sarvakāmārthasiddhaye ||606||

Nachdem man zuerst Pranayama und danach die zuvor erklärte Meditation ausgeführt hat, vollziehe man den Shodha-Nyasa zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele.

Anmerkung: Überlieferte Ritualabfolge, keine heutige Pranayama-Anleitung.

Vers 607
ādye nyāsadvaye devi sarvatraiva navākṣarī |
vijñātavyā pratimanu kālavyāpitayā priye ||607||

In den ersten beiden Nyasas ist überall in jedem Mantra die neunsilbige Formel als die Zeit durchdringend zu verstehen, Göttin, Geliebte.

Anmerkung: Navākṣarī aus beschädigtem navāṅkurī im Mantra-Kontext gelesen; keine neun fehlenden Laute ergänzt.

Vers 608
raktacarmāmbare sthitvā vāmāṅkanyastaśaktikaḥ |
dvīpicarmanṛmuṇḍe vā ṣoḍhānyāsaṃ samācaret‌ ||608||

Auf rotem Fell beziehungsweise Gewand sitzend, mit der Shakti auf dem linken Schoß, vollziehe man den Shodha-Nyasa, oder auf Pantherfell beziehungsweise einem menschlichen Schädel.

Anmerkung: Die Gruppierung der Sitzmaterialien im Sanskrit ist knapp; Deutung als alternative Unterlagen vorläufig. Rituelle Gegenstände unverändert benannt.

Vers 609
sādhakaḥ siddhimāpnoti dvitīya iva bhairavaḥ |
kālīkulakrame ṣoḍhānyāsāt sākṣācchivo bhavet‌ ||609||

Der Übende erlangt Siddhi wie ein zweiter Bhairava. Im Kali-Kula-Krama werde er durch den Shodha-Nyasa unmittelbar Shiva.

Anmerkung: Traditionelle Identitäts- und Wirkungsverheißung, nicht als empirisches Ergebnis behauptet.

Panchakrama-Shodha: Gruppen und Ritualfaktoren

Vers 610
sā nāsti siddhiryā na syāt trailokye sacarācare |
ugramātṛkramaḥ kālīkulaṃ pīṭhaśca yoginī ||610||

Es gibt in den drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen keine Siddhi, die dadurch nicht erlangt würde. Ugramatrikrama, Kalikula, Pitha und Yogini …

Anmerkung: Vorrangbehauptung der Quelle. Ugramatri aus leicht beschädigtem Anfang der zweiten Hälfte nach klarer Folge616 gelesen.

Vers 611
[…] mantrarūpaṃ ca ṣoḍhānyāso laghustvayam‌ |
pañcakramākhyo nyāso'yaṃ sarvāgamasugopitaḥ ||611||

… […] und Mantrarupa bilden diesen kleinen Shodha-Nyasa. Dieser Nyasa heißt Panchakrama und wird in sämtlichen Agamas wohl gehütet.

Anmerkung: Fragment: erstes Listenglied unlesbar; nicht zur Sechserzahl aufgefüllt. Panchakrama als abweichende Bezeichnung innerhalb des sechsfachen Nyasa bewahrt.

Vers 612
ṣaṇṇāmamīṣāṃ nyāsānāmṛṣyādistu pṛthak pṛthak‌ |
svamatyā nyasanīyo'yaṃ kaṭhināmākṛtiṃ vahan‌ ||612||

Für diese sechs Nyasas sind Rishi und weitere Faktoren jeweils verschieden. Dieser Nyasa mit seiner schwierigen Form ist nach eigenem Verständnis einzusetzen.

Anmerkung: Svamatyā wörtlich nach eigener Einsicht; nicht als Erlaubnis zum beliebigen Erfinden von Lauten ausgelegt.

Vers 613
guhyakālīpañcakramaṣoḍhānyāsasya pārvati |
sadāśiva ṛṣiḥ prokto bṛhatīcchanda iṣyate ||613||

Für Guhyakalis Panchakrama-Shodha-Nyasa, Parvati, wird Sadashiva als Rishi genannt; als Metrum gilt Brihati.

Vers 614
śivaśaktisamarasapadānnirvāṇakārikā |
śrīguhyakālī devatā kaurajaṃ bījamucyate ||614||

Aus den Worten „Gleichklang Shivas und Shaktis“ und „Nirvana Bewirkende“ ergibt sich die Gottheitsbezeichnung: die ehrwürdige Guhyakali, die durch diese Einheit Nirvana bewirkt. Kauraja wird als Bija genannt.

Anmerkung: Anfang leicht beschädigt; śivaśakti aus sichtbarer Form gelesen. Kauraja nach Quelle, nicht an Koraja anderer Stellen angeglichen.

Vers 615
māyāśaktirḍākinī ca kīlakaṃ paripaṭhyate |
phetkārītattvamuditaṃ sarvasiddhipadādanu ||615||

Maya ist die Shakti, Dakini wird als Kilaka genannt, Phetkari als Tattva. Nach den Worten „sämtliche Vollendungen“ …

Anmerkung: Fortsetzung616.

Ugramatrikrama: Handglieder-Nyasa

Vers 616
vadet sādhanasiddhyarthe jape ca viniyogatā |
ugramātṛkramoddhāraṃ tatrādau śṛṇu pārvati ||616||

… sage man „zur Vollendung ihrer Verwirklichung“; die Anwendung gilt auch dem Japa. Höre darin zuerst den Aufbau des Ugramatrikrama, Parvati.

Vers 617
karāṅgānāṃ ca hṛdayāṅgānāmapi ca […] |
prakāraḥ kevalo hyāste kimapi hyadhikaṃ nahi ||617||

Er besteht allein in der Art des Nyasa an den Handgliedern und an den mit dem Herzen beginnenden Gliedern […]; darüber hinaus gibt es nichts Zusätzliches.

Anmerkung: Fragment: letztes Wort der ersten Hälfte beschädigt.

Vers 618
vakṣye tatrāpi purataḥ karāṅganyāsamuttamam‌ |
tato'paraṃ ṣaḍaṅgākhyaṃ nyāsaṃ vakṣyāmi śobhanam‌ ||618||

Dabei werde ich zuerst den vorzüglichen Handglieder-Nyasa erklären. Danach erkläre ich den schönen Nyasa, der sechsgliedrig genannt wird.

Vers 616 (Folgeposition 619)
ādau sarvatra yojyāni navabījānyanukramāt‌ |
vedādiśākinīmāyāyoginīkūrcakāminīḥ ||616||

Zu Beginn sind überall der Reihe nach neun Bijas einzusetzen: Vedadi, Shakini, Maya, Yogini, Kurcha und Kamini …

Anmerkung: Quellziffer 616 an Folgeposition619 bewahrt; Fortsetzung620.

Vers 620
ramāsmarau ḍākinī […] sarvatrādisaṃsthitāḥ |
[…] dvābhyāṃ savarṇābhyāṃ svarābhyāṃ puṭitātmakam‌ [?] ||620||

… Rama, Smara und Dakini […], die überall am Anfang stehen. […] von zwei gleichartigen Vokalen umrahmt [?] …

Anmerkung: Fragment: mehrere Anweisungswörter beschädigt; Quelle markiert selbst Unsicherheit. Neun Anfangsbijas aus 619–620 vollständig lesbar, genaue Vokalumrahmung nicht rekonstruiert.

Vers 621
yogeśvarī subantā hi pūrvopapadasaṃyutā |
aṅguṣṭhādikrameṇaiva nyasyā mantraistadīyakaiḥ ||621||

Yogeshvari mit Kasusendung und vorangestelltem Bestimmungswort ist mit den entsprechenden Mantras der Reihe nach an den Daumen und den folgenden Handgliedern einzusetzen.

Anmerkung: Fußnote: In den Zeugen kha, ga und gha endet hier das neunte Kapitel. Der vorliegende Haupttext setzt es fort; diese Fassungsgrenze wird ausdrücklich bewahrt.

Yogeshvari-Namen und abweichende Kapitelgrenze

Vers 622
pūrvopapadamākhyāsye tatra dhehi manaḥ priye |
mahācaṇḍaśca paramapracaṇḍastadanantaram‌ ||622||

Ich werde die vorangestellten Bestimmungswörter nennen; richte deinen Geist darauf, Geliebte: Mahachanda, danach Paramaprachanda …

Anmerkung: Haupttextfortsetzung nach der in621 genannten abweichenden Kapitelgrenze anderer Zeugen.

Vers 623
naramuṇḍamahāmārī mahāmāyā tataḥ […] |
unmattacaṇḍograsañjñau kālarātristathaiva ca ||623||

… Naramunda, Mahamari und Mahamaya […], die Namen Unmattachanda und Ugra sowie Kalaratri …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach Mahamaya beschädigt; Unmattachanda/Ugra vorläufige Trennung gemäß Dual saṃjñau, nicht sicher zu drei Namen aufgespalten.

Vers 624
sarvaśeṣe viśvage nādaniḥśreṇisaṃyutā |
karayorvyāpakatvena nyasanīyā varānane ||624||

Ganz am Schluss steht „Vishvage“, „die in allem gegenwärtig ist“, verbunden mit der Nada-Stufenfolge. Sie ist als beide Hände durchdringend einzusetzen, Schönangesichtige.

Anmerkung: Nada-Stufenfolge verschlüsselt, nicht mit vermuteten Lauten ausgeschrieben.

Die sechs Glieder des Ugramatrikrama

Vers 625
karāṅganyāsa īdṛkṣaḥ kathitastava yatnataḥ |
bhinnaṃ bhinnaṃ ṣaḍaṅgākhyaṃ hārdādīnāṃ bruve'dhunā ||625||

So habe ich dir den Handglieder-Nyasa sorgfältig erklärt. Nun erkläre ich einzeln den sechsgliedrigen Nyasa der mit dem Herzen beginnenden Glieder.

Vers 626
āste'nuvartamānā sā navabījī varānane |
śuddhāḥ svarāḥ ṣoḍaśa ca bindusargavivarjitāḥ ||626||

Die genannte Gruppe aus neun Bijas setzt sich fort, Schönangesichtige. Danach die sechzehn reinen Vokale ohne Bindu und Sarga …

Anmerkung: Sarga als Visarga-Zeichen verstanden; die genannte Vokalzahl nicht durch Veränderung der Lautzeichen harmonisiert.

Vers 627
tāro namaśca paramapadācchivatamerayet‌ |
viparītācāramahābhairaveti tataḥ param‌ ||627||

… Tara und namah; an „Parama“ schließe man „Shivatama“ an, „höchster, ganz und gar segensreicher Shiva“. Danach „Viparitachara-Mahabhairava“, „großer Bhairava des umgekehrten Vollzugs“ …

Anmerkung: Anrede-/Kasusendungen in der Wortanweisung nicht vollständig bestimmt; keine durchgehend normalisierte Mantraform erfunden.

Vers 628
kālaśabdādanu vadennisūdanapadaṃ priye |
punaḥ kālamukhetyuktvā khāhi bhuṅkṣva yugaṃ yugam‌ ||628||

An „Kala“ füge man „Nisudana“ an: „Vernichter der Zeit“, Geliebte. Dann „Kalamukha“, „Zeitgesichtiger“, sowie je zweimal „khahi“ und „bhunkshva“, „iss“ und „genieße“ …

Anmerkung: Khāhi als überlieferte Aufforderungsform bewahrt, nicht stillschweigend khāda ersetzt.

Vers 629
kāliyugmaṃ mahākāliyugalaṃ cādhvanāṃ trayam‌ |
hāsinyanu ca sānuḥ syād guḍam […] kulāṅganā ||629||

Zweimal „Kali“, zweimal „Mahakali“, dreimal Adhvan; danach „Hasini“, „Lachende“, Sanu, Guda […], und Kulangana …

Anmerkung: Fragment: Ausdruck bei Guda bereits beschädigt/fraglich; Anrede- und Bija-Funktionen nicht durch eine erfundene durchgehende Formel harmonisiert.

Vers 620 (Folgeposition 630)
hṛdayāya namaśceti prathamāṅgamudāhṛtam‌ |
navabījānu kuṇapādipañcakamudīrayet‌ ||620||

„Hridayaya namah“, „Verehrung dem Herzen“: Damit ist das erste Glied genannt. Nach den neun Bijas spreche man [für das nächste Glied] die mit Kunapa beginnende Fünfergruppe …

Anmerkung: Quellziffer 620 an Folgeposition630 bewahrt.

Vers 631
tato vedādihṛnmantrau ṅe'nto'syānte sadāśivaḥ |
bhagavānapyathādhvā ca tata ehyehi kīrtayet‌ ||631||

… dann Vedadi und Herzmantra, danach Sadashiva im Dativ, Bhagavan und Adhvan; dann spreche man „ehi ehi“, „komm, komm!“ …

Anmerkung: Sadāśivāya Dativ sicher; Stellung und Kasus des folgenden Bhagavan nicht ergänzt.

Vers 632
paramātmane sarvaśatrupadādanto [nte?] nisūdanaḥ |
tadvad brahmaśiraścāpi śaikho manurataḥ param‌ ||632||

„Paramatmane“, „dem höchsten Selbst“; nach „alle Feinde“ am Ende [?] „Nisudana“, „Vernichter“. Ebenso Brahma-Haupt, danach der Haarspitzen-Mantra …

Anmerkung: Quelle markiert anta/ante unsicher; śaikha als auf śikhā bezogen verstanden, trotz Stellung im zweiten Nyasa-Glied nicht in „Kopfmantra“ umgeändert.

Vers 633
paramavyomavāsinyanu kaurajatrayaṃ bhavet‌ |
vyomarūpe tataḥ satye dhruve guhye tripūrakam‌ ||633||

Auf „Paramavyomavasini“, „im höchsten Raum Wohnende“, folgen dreimal Kauraja; dann „Vyomarupe, Satye, Dhruve, Guhye“, „Raumgestaltige, Wahre, Beständige, Geheime“, und Tripuraka …

Anmerkung: Tripuraka nach sichtbarer Schreibung als Lautchiffre belassen; keine Dreiergruppe erfunden.

Vers 634
vāvidhānī [?] kṣetrapāladhanadākulayoṣitaḥ |
ṅe'ntaṃ brahmaśiraḥ svāhā dvitīyaṃ samudāhṛtam‌ ||634||

Vavidhani [?], Kshetrapala, Dhanada und Kulayoshit; „Brahma-Haupt“ im Dativ und svaha. Damit ist das zweite Glied genannt.

Anmerkung: Erster Name bereits in der Quelle fraglich; Dativ brahmaśirase vollständig erschließbar. OCR-Ziffer am Ende beschädigt, Folge634.

Haarspitze und Schutzpanzer

Vers 635
pravadennavabījītaḥ śīrṣakādīni pañca ca |
caṇḍakāpālinī devi trikūrcaṃ ca jvalatrayam‌ ||635||

Nach der Gruppe aus neun Bijas spreche man die mit Shirshaka beginnende Fünfergruppe; „Chandakapalini“, Göttin, „wilde Schädelträgerin“, dreimal Kurcha und dreimal „jvala“, „brenne!“ …

Vers 636
prajvaladvitayaṃ cāpi hitti […] yugaṃ yugam‌ |
bhitti yojaya ca dve dve granthyagraṃ gṛhṇa ca […] ||636||

… zweimal „prajvala“, „lodere auf“, „hitti“ und […] jeweils zweimal; „bhitti“ und „yojaya“ jeweils zweimal, „granthyagram grihna“, „ergreife das Ende des Knotens“, und […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Laut-/Wiederholungsglieder beschädigt. Hitti/bhitti als sichtbare Rezitationswörter ohne sichere lexikalische Bedeutung; yojaya „verbinde“.

Vers 637
hṛjjambhite stambhite ca mohite carcite tathā |
jambhaya dviḥ paramacaṇḍetaḥ śīghramānaya ||637||

„Hrijjambhite“, „deren Herz gelähmt ist“, „Stambhite, Mohite, Charchite“, „Erstarrte, Verwirrte, Gesalbte“; zweimal „jambhaya“, „lähme“, und nach „Paramachande“, „höchst Wilde“, „bringe schnell herbei!“ …

Anmerkung: Ungewöhnliche passive Anreden gemäß sichtbaren Formen bewahrt; kein ungenanntes Objekt des Herbeibringens ergänzt.

Vers 638
tāratrape mahatsūkṣme lāguḍaṃ bījameva ca |
ṅe'ntā ca bhagavacchaktiḥ […] śikhāyai vaṣaṭ tathā ||638||

Tara und Trapa, Mahat und Sukshma, das Laguda-Bija; Bhagavat-Shakti im Dativ, […], und „shikhayai vashat“, „der Haarspitze vashat“ …

Anmerkung: Fragment: Glied vor śikhāyai beschädigt; Vaṣaṭ ritueller Abschluss, keine erfundene Wortübersetzung.

Vers 636 (Folgeposition 639)
navabījānu kīlādipañcakaṃ praṇavatrayam‌ |
bhīmarāve bhagavati visandhyehyehi tatparam‌ ||636||

Nach den neun Bijas die mit Kila beginnende Fünfergruppe und dreimal Pranava; „Bhimarave Bhagavati“, „Erhabene mit furchtbarem Ruf“, dann ohne Sandhi „ehi ehi“, „komm, komm!“ …

Anmerkung: Quellziffer 636 an Folgeposition639 bewahrt.

Vers 640
[…] dvisturu prasphuradvayam‌ |
vyoṣo [?] māyā meghamāle mahāmārīśvarīti ca ||640||

[…], zweimal „turu“ und zweimal „prasphura“, „leuchte hervor“; Vyosha [?], Maya, „Meghamale“, „Wolkengirlanden-Trägerin“, und „Mahamarishvari“, „Herrin der großen Seuche“ …

Anmerkung: Fragment: Beginn stark beschädigt; Vyosha bereits in Quelle fraglich. Turu Lautwort ohne geratene Bedeutung.

Vers 641
vidyutkaṭākṣe kṣapitadurite tadanantaram‌ |
arūpe bahurūpe ca virūpe jvalitamukhyapi ||641||

Danach „mit blitzendem Seitenblick, Vernichterin des Unheils, Gestaltlose, Vielgestaltige, Andersgestaltige, mit flammendem Gesicht!“ …

Anmerkung: Vollständig lesbare Anreden vidyutkaṭākṣe kṣapitadurite arūpe bahurūpe virūpe jvalitamukhi.

Vers 642
caṇḍeśvaryanu haṭṭiḥ syādvajrāyudhadhāriṇi |
hanayugmaṃ tataḥ kūrcaṃ tato ḍāmaramukhyapi ||642||

Nach „Chandeshvari“ folgt Hatti, dann „Vajrayudhadharini“, „Trägerin der Donnerkeilwaffe“. Zweimal „hana“, „erschlage“, danach Kurcha und „Damaramukhi“ …

Anmerkung: Hatti als sichtbares Lautglied; Damaramukhi nicht sicher wörtlich aufgelöst.

Vers 643
bīje vijayamandākhye bhavatastadanantaram‌ |
kīrtayed vajraśabdānu śarīre kavacāya īm‌ ||643||

Danach die beiden Bijas namens Vijaya und Manda. An „Vajra“ schließe man „Sharire“ an: „mit diamantfestem Körper“, dann „kavachaya im“, „dem Schutzpanzer im“.

Anmerkung: Quelle schreibt ईम्‌, īm, nicht den üblichen hum-Abschluss; ungewöhnliche Lesung ausdrücklich bewahrt, nicht harmonisiert.

Augen- und Astra-Glied

Vers 644
navabījādanūnmāthādipañcakamudīrayet‌ |
[…] phaṭtrayaṃ ca tārasambhramaroṣaṇāḥ ||644||

Nach den neun Bijas spreche man die mit Unmatha beginnende Fünfergruppe; […], dreimal phat, Tara, Sambhrama und Roshana …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied der zweiten Hälfte unlesbar.

Vers 644 (Folgeposition 645)
astraṃ mahākirātānu cāṇḍālaṃ sandhivarjitam‌ |
tato'vatarayugmaṃ ca sandhā[ndhi]none punarvadet‌ ||644||

Astra, dann „Mahakirata“ und „Chandala“ ohne Sandhi-Verbindung; danach zweimal „avatara“, „steige herab“. Ferner ohne Sandhi [?] spreche man …

Anmerkung: Quelle wiederholt644; interneKennung645, Originalziffer bewahrt. Sandhi-Anweisung bereits in Quelle mit Korrekturklammer.

Vers 646
āvāhanamukhītyevaṃ bījaṃ mauñjabalaṃ tataḥ |
śaktiḥ santānamapi ca vajrasāramukhetyapi ||646||

… „Avahanamukhi“, „der Anrufung Zugewandte“; danach das Bija Maunjabala, Shakti und Santana sowie „Vajrasaramukhe“, „mit diamantfestem Gesicht“ …

Anmerkung: Maunjabala im OCR leicht beschädigt und möglicherweise zwei Namen; nicht sicher getrennt. Nummer beschädigt, Folge646.

Unnummerierter Text
hīṃ jahi dviḥ kāliyugaṃ kālavidhvaṃsinītyapi |
roṣastokī […] ca dakṣiṇāstre tataḥ […] ||[…]||

Him, zweimal „jahi“, „schlage“, zweimal „Kali“ und „Kalavidhvamsini“, „Vernichterin der Zeit“; Rosha, Stoki, […] und Dakshina-Astra, danach […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Glieder beschädigt. Versziffer nicht zuverlässig lesbar;647nurinterneFolgeposition. Sichtbares hīṃ bewahrt, nicht hrīṃ ergänzt.

Unnummerierter Text
netratrayāya vauṣaṭ ca pañcamaṃ samudāhṛtam‌ |
navabhyo devi bījebhyaḥ churikādīni pañca vai ||[…]||

„Netratrayaya vaushat“, „den drei Augen vaushat“: Damit ist das fünfte Glied genannt. Nach den neun Bijas folgen, Göttin, die fünf mit Chhurika beginnenden Glieder …

Anmerkung: Versziffer fehlt beziehungsweise unlesbar;648nurinterneFolgeposition. Neue Formel beginnt in der zweiten Hälfte; nächste sichere Nummer649.

Vers 649
āgaccha […] ruṭtritayaṃ cakrarājeśvarītyapi |
mahāśabde taradvandvaṃ […] sāmidhenyapi ||649||

„Komm […]“, dreimal Rut und „Chakrarajeshvari“, „Herrin des Königs der Kreise“; „Mahashabde“, „mit großem Klang“, zweimal „tara“, […], und Samidheni …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangaben beziehungsweise Verbindungen beschädigt; tara als sichtbares Wort, Bedeutung offen.

Vers 650
vyomamālā jvalayugaṃ mahāraudre tataḥ param‌ |
rauṣikānalamābhāṣya […] pata[tapa?] dviśca tāpaya ||650||

Vyomamala, zweimal „jvala“, „brenne“, danach „Maharaudre“, „überaus Wilde“. Nach „Raushikanala“ […] „pata“ [Herausgeber: tapa?] und zweimal „tapaya“, „erhitze!“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungswort beschädigt; pata/tapa bereits Quellenfrage, keine eindeutige Übersetzung des fraglichen Verbs.

Vers 651
[…] haṭṭayugaṃ ghorācārapadādanu |
mahāghorapadāccāpi vāḍavāgniṃ grasadvayam‌ ||651||

[…], zweimal „hatta“, dann „Ghorachara“ und „Mahaghora“, „furchtbarer Vollzug“ und „überaus furchtbar“; „Vadavagnim grasa grasa“, „verschlinge, verschlinge das untermeerische Feuer!“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied unlesbar; Wortverbindung vor Vadavagni nicht vollständig gesichert.

Vers 652
jvālaya dvirdakṣiṇā ca dve bīje bhaimatāntrike |
nāmnā kuladharaṃ caikaṃ pramītaṃ tadanantaram‌ ||652||

Zweimal „jvalaya“, „lass aufflammen“, Dakshina und die beiden Bijas Bhaima und Tantrika; ein [Bija] namens Kuladhara, danach Pramita …

Anmerkung: Bhaima/Tantrika gemäß Dual als zwei Chiffren verstanden.

Zwei durchdringende Formen und Abschluss

Vers 653
astrāya phaṭ sarvaśeṣe pūrvametat ṣaḍaṅgakam‌ |
vyāpakadvayamanyaddhi vartate suravandite ||653||

Ganz zuletzt „astraya phat“, „der Waffe phat“. Damit ist der vorangehende sechsgliedrige Nyasa erklärt. Zwei weitere durchdringende Formen kommen hinzu, von den Göttern Verehrte.

Vers 654
galādhonābhiparyantamekamuktaṃ purāriṇā |
ābrahmarandhrapādāntaṃ dvitīyaṃ samudāhṛtam‌ ||654||

Der Zerstörer der Städte hat die eine vom Bereich unterhalb der Kehle bis zum Nabel beschrieben, die zweite vom Brahmarandhra bis zu den Füßen.

Vers 655
navabījādanu bhavet kuṇyādidaśabījakam‌ |
kintu santarjanīyuktaṃ guḍādanu varānane ||655||

Nach den neun Bijas folgt die mit Kunya beginnende Zehnergruppe, jedoch verbunden mit Santarjani nach Guda, Schönangesichtige.

Anmerkung: Kunya/Guda nach sichtbaren Namen; nicht aus der anderen Reihe Kunapa rekonstruiert. Santarjani als Zusatzglied, nicht stillschweigend Handgeste.

Vers 656
tārān mahābalo ṅe'nto namo rudrāya cetyapi |
phetkārīsānu[…]roṣabījānyastraṃ […] ca ||656||

Nach Tara „Mahabala“ im Dativ, „dem sehr Mächtigen“, und „namo rudraya“, „Verehrung Rudra“. Die Bijas Phetkari, Sanu, […], Rosha, Astra und […] …

Anmerkung: Fragment: zwei Formelglieder beschädigt; Mahābalāya als Dativ, nicht ohne Beleg weiblich flektiert.

Vers 657
tato mahācaṇḍayogeśvarī śrīpādukāmapi |
sarvaśeṣe pūjayāmi prathamaṃ vyāpakaṃ tvadaḥ ||657||

Dann „Mahachandayogeshvari“, „große wilde Herrin des Yoga“, und „Shripadukam“, „die ehrwürdigen Sandalen“. Ganz zuletzt „pujayami“, „ich verehre“. Dies ist die erste durchdringende Form.

Anmerkung: Sinn der Formel: Verehrung der Sandalen Mahachandayogeshvaris; Kasusverbindung in der Wortanweisung knapp.

Vers 658
dvitīyaṃ navabījītaḥ svarāḥ ṣoḍaśa sendukāḥ |
kuṇapādidrumāntaṃ […] sasantarjani tatparam‌ ||658||

Bei der zweiten folgen auf die neun Bijas die sechzehn Vokale mit Bindu; die Reihe von Kunapa bis Druma […], danach zusammen mit Santarjani …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort beschädigt; Reiheninhalt nicht ergänzt.

Vers 659
ṣaṣṭireva samuccārya mahāvyāpakamācaret‌ |
ugramātṛkramanyāsaḥ prathamo'yamudāhṛtaḥ ||659||

Nachdem man die sechzig [Glieder] ausgesprochen hat, vollziehe man das große Durchdringen. Damit ist der erste Nyasa, der Ugramatrikrama-Nyasa, erklärt.

Anmerkung: Kontrollzahl60; nicht mit geratenen Namen aufgefüllt. Versnummer im OCR beschädigt, Folge659.

Kali-Kula-Krama: die Matrika-Stellen

Vers 660
kālīkulakramanyāsamadhunā kalaya […] |
śrīkrodhabhairava ṛṣiḥ pratiṣṭhācchanda eva ca ||660||

Vernimm nun den Kali-Kula-Krama-Nyasa […]. Der ehrwürdige Krodhabhairava ist der Rishi, Pratishtha das Metrum …

Anmerkung: Fragment: Anrede am Schluss der ersten Hälfte beschädigt; Rishi aus leicht beschädigter Schrift gelesen.

Vers 661
koṭiyoginyanu parivṛtā dakṣiṇaśabdataḥ |
kālyādinavakālī ca devatā parikīrtitā ||661||

… als Gottheit werden die neun Kalis, beginnend mit Dakshinakali, genannt, umgeben von einer Koti Yoginis.

Anmerkung: Wortanweisung für die Gottheitsbezeichnung; Koti traditionelle große Zähleinheit.

Vers 662
[…] kāntānṛharayorbījaśaktikakīlakāḥ |
[…] mama guhyānu kālīprītyartha eva ca ||662||

[…] Kanta und Nrihari sind Bija, Shakti und Kilaka […]. Für mich, zum Wohlgefallen der Guhyakali …

Anmerkung: Fragment: erster Faktor sowie Verbindung zur Anwendungsangabe beschädigt. Kanta/Nrihari nicht ohne sichere Satzstruktur einzeln den verbleibenden Faktoren zugeordnet.

Vers 663
jape niyogamuccārya nyāsaṃ kālīkulaṃ caret‌ |
uddhāramadhunaitasya pravadāmi samāsataḥ ||663||

… im Japa: Nachdem man die Anwendung ausgesprochen hat, vollziehe man den Kali-Kula-Nyasa. Nun erkläre ich seinen Aufbau zusammenfassend.

Vers 664
[…] bījāni yānyuktāni purā nava |
praṇavo ḍākinī lajjā punarbījatrayaṃ sthiram‌ ||664||

[…] die zuvor genannten neun Bijas; dazu Pranava, Dakini und Lajja als weitere unveränderliche Dreiergruppe von Bijas …

Anmerkung: Fragment: Anfangsverbindung beschädigt; neun frühere Bijas werden nicht unnötig erneut ausgeschrieben.

Vers 665
ebhyo dvādaśabījebhyaḥ svarāḥ sarve halanvitāḥ |
sabindavo'mī ekaikaṃ kramān mantreṣu yojitāḥ ||665||

Nach diesen zwölf Bijas werden sämtliche Vokale samt den Konsonanten, jeweils mit Bindu, der Reihe nach einzeln in die Mantras eingesetzt.

Anmerkung: Lautklassen und Bindu-Anweisung vollständig lesbar; keine zusätzliche alphabetische Version eingefügt.

Vers 666
kartavyāstatparaṃ bīje jñānecche samahākṣare |
evaṃ varṇāḥ saptadaśa vijñātavyā varānane ||666||

Danach sind die Bijas Jnana und Iccha zusammen mit dem Maha-Laut einzusetzen. So sind sie als siebzehn Laute zu verstehen, Schönangesichtige.

Anmerkung: Mahākṣara als Chiffre beziehungsweise großes Lautglied unaufgelöst; Silbenzahl17 nicht durch geratene Laute erfüllt.

Vers 667
eṣu trayodaśatamaścalo varṇo na cetare |
kālī śrīpādukāyai hṛ[…]varṇāśca paścime ||667||

Von diesen wechselt der dreizehnte Laut, die anderen nicht. Am Ende stehen „Kali“, „Shripadukayai“, „den ehrwürdigen Sandalen“, Herz[…] und die folgenden Laute.

Anmerkung: Fragment: genaue Laut-/Zählangabe nach hṛ beschädigt; keine vollständige Endformel erfunden.

Vers 668
acalāmātṛkāsthānameṣāṃ sthānaṃ varānane |
sarvaśeṣe viśeṣo'sti tamākarṇaya pārvati ||668||

Ihre Körperstellen entsprechen denen der unveränderlichen Matrika, Schönangesichtige. Ganz am Schluss gibt es eine Besonderheit; höre sie, Parvati.

Vers 669
jñānecchayoranu mahāvarṇataḥ pūrvamīśvari |
vedādirāvaḍākinyastatrādhikatayā matāḥ ||669||

Nach Jnana und Iccha, aber vor dem Maha-Laut, Herrin, werden zusätzlich Vedadi, Rava und Dakini eingesetzt.

Vers 670
etasyānantaro yaśca sarvāṅgavyāpako manuḥ |
tasyoddhāraṃ tu carame kathayiṣyāmi sundari ||670||

Den Aufbau des darauffolgenden Mantras, der alle Körperglieder durchdringt, werde ich am Ende erklären, Schöne.

Die Kali-Namen in ihrer Reihenfolge

Vers 671
sṛṣṭiḥ sthitiśca saṃhāro'nākhyā bhāsā tathaiva ca |
jñānaṃ sūryaśca somaśca jñānānandastathaiva ca ||671||

Srishti, Sthiti, Samhara, Anakhya und Bhasa, Jnana, Surya, Soma und Jnanananda …

Anmerkung: Namensvorsätze zu Kali; keine vollständigen neuen Mantras erfunden.

Vers 672
jñānaprabhā nabhaḥ kṣīraṃ mahārciḥ keturityapi |
kuliśaṃ ca pāśupataṃ ca tāpinī ca narāśatī ||672||

… Jnanaprabha, Nabhas, Kshira, Maharchis und Ketu, Kulisha, Pashupata, Tapini und Narashati …

Anmerkung: Narashati gemäß sichtbarer Schreibung, unsicher; nicht in einen vertrauteren Namen geändert.

Vers 673
kṣaśca siddhidā caiva ṛddhidā daṃṣṭriṇī tathā |
mantradā jvālinī mantrasiddhistadanu kathyate ||673||

Ksha [Name unsicher], Siddhida, Riddhida und Damshtrini, Mantrada, Jvalini und danach Mantrasiddhi …

Anmerkung: Fragment: erster Name nur als kṣa lesbar; nicht als Kshama ergänzt.

Vers 674
gaṇeśvarī tathā māyā nityā śāntā tataḥ param‌ |
vidyā tathā nandinī ca sandhihīnā tato'mbā ||674||

… Ganeshvari, Maya, Nitya, Shanta, Vidya und Nandini, danach Amba ohne Sandhi-Verbindung …

Vers 675
punaḥ sasandhirānando balastadanu vanditā |
subhagā syājjayā lakṣmīḥ siddhilakṣmīśca kuñjikā ||675||

… dann Ananda mit Sandhi, Bala und danach Vandita, Subhaga, Jaya, Lakshmi, Siddhilakshmi und Kunjika …

Anmerkung: Kunjika nach sichtbarer Schreibung, nicht an Kubjika anderer Abschnitte angeglichen.

Vers 676
viśvalakṣmīratha jayāvahā kālyambayā saha |
sundarī tripurā caiva ḍāmarī tadanantaram‌ ||676||

… Vishvalakshmi, dann Jayavaha, Kali zusammen mit Amba, Sundari, Tripura und danach Damari …

Anmerkung: Kālī/Ambā als zwei erkennbare Namenglieder; keine feste Zählung daraus erzwungen.

Vers 677
pūrṇeśvarī naiḥśreyasī rājeśvaryapyanantaram‌ |
[…] bhairavyatha malāpakarṣiṇyapi kathyate ||677||

… Purneshvari, Naishreyasi und danach Rajeshvari, […], Bhairavi und Malapakarshini, „die die Unreinheit entfernt“ …

Anmerkung: Fragment: Name vor Bhairavi unlesbar.

Den ganzen Körper durchdringende Form

Vers 678
ekapañcāśaduditāḥ sarvāṅgavyāpakaṃ […] |
navabījyāstārarāvaḍākinyo jñānamicchayā ||678||

Einundfünfzig sind genannt. [Höre] den den ganzen Körper durchdringenden Mantra […]: nach der neunteiligen Bija-Gruppe Tara, Rava, Dakini und Jnana zusammen mit Iccha …

Anmerkung: Fragment: Einleitungsverb beschädigt; Kontrollzahl51 nicht mit erfundenen Namen aufgefüllt.

Vers 679
tato nādādiniḥśreṇicaramaṃ ṣoḍaśoccaret‌ |
kuṇapādidrumāntaṃ ca pañcatriṃśaddhalo'pi ca ||679||

Danach spreche man die sechzehn [Laute] bis zum Ende der mit Nada beginnenden Stufenfolge, die Reihe von Kunapa bis Druma und die fünfunddreißig Konsonanten …

Anmerkung: Verkürzte Lautreihen nicht aus anderen Fassungen vollständig rekonstruiert.

Vers 680
tato mahāguhyakālī mātā ca tadanantaram‌ |
prapañcarūpā ca tathā tritayaṃ ṅe'ntamuccaret‌ ||680||

Dann spreche man Mahaguhyakali, Mata und Prapancharupa, alle drei im Dativ: „der großen Guhyakali, der Mutter, deren Gestalt die entfaltete Welt ist“ …

Anmerkung: Mahāguhyakālyai mātre prapañcarūpāyai als erläuterte Dativformen, keine ergänzten Lautchiffren.

Vers 681
mahāyoginyanu tato ḍākinī śabarītyapi |
saptākṣarī tataḥ sarvacaramīyāṇi yojayet‌ ||681||

Danach Mahayogini, Dakini und Shabari; die siebensilbige [Folge] und sämtliche Schlussglieder sind anschließend einzusetzen.

Anmerkung: Die sieben Silben werden hier nicht ausgeschrieben; keine erfundene Vollform.

Vers 682
etena vāratritayaṃ sarvāṅgavyāpakaṃ nyaset‌ |
vistareṇaiva kathito nyāsaḥ kālīkulakramaḥ ||682||

Mit diesem Mantra vollziehe man dreimal das den ganzen Körper durchdringende Einsetzen. Damit ist der Kali-Kula-Krama-Nyasa ausführlich erklärt.

Pitha-Krama: die heiligen Sitze im Körper

Vers 683
pīṭhanyāsamidānīṃ tvaṃ sāvadhānā niśāmaya |
ṛṣiḥ pīṭhakramanyāsasya kauṣītaka īritaḥ ||683||

Vernimm nun aufmerksam den Pitha-Nyasa. Als Rishi des Pitha-Krama-Nyasa wird Kaushitaka genannt.

Vers 684
atyaṣṭiśchanda ākhyātaṃ sakalānu kulākula |
paramādhidevataśrīrājarājeśvarītyapi ||684||

Atyashti wird als Metrum genannt. Die Gottheitsbezeichnung verbindet „sämtliches Kula und Akula“, „höchste herrschende Gottheit“ und „ehrwürdige Rajarajeshvari“ …

Anmerkung: Kula/Akula als komplementäre traditionelle Begriffe bewahrt; keine nicht belegte vollständige Theologie ergänzt.

Vers 685
devatā yoginī bījaṃ ḍākinī śaktireva ca |
vadhūḥ kīlakamuddiṣṭaṃ rāvastattvamudāhṛtam‌ ||685||

… so lautet die Gottheit. Yogini ist das Bija, Dakini die Shakti. Vadhu wird als Kilaka genannt, Rava als Tattva.

Vers 686
śrīguhyakālīprītyarthe viniyoga udāhṛtaḥ |
aṣṭau bījāni devyatra susthirāṇyuditāni hi ||686||

Die Anwendung dient dem Wohlgefallen der ehrwürdigen Guhyakali. Acht Bijas sind hier, Göttin, als unveränderlich angegeben …

Vers 687
tāni praṇavaḍākinyau trapārāvau ramāruṣau |
yoginīvanite cāpi sarvatrāmūni yojayet‌ ||687||

… Pranava und Dakini, Trapa und Rava, Rama und Rush, Yogini und Vanita. Diese sind überall einzusetzen.

Vers 688
śaktiśrīpādukāyai hṛdante sthāsnu navākṣarī |
atha madhyagatān vakṣye saṃsthānān jagadīśvari ||688||

Am Ende steht unveränderlich die neunsilbige Folge „Shakti-Shripadukayai“ mit Herzabschluss: „den ehrwürdigen Sandalen der Shakti“. Nun nenne ich die dazwischenstehenden Anordnungen, Herrin der Welt.

Anmerkung: Śaktiśrīpādukāyai als überlieferte Anrede im Dativ; abschließender Herzmantra hier nur durch Funktion benannt.

Die ersten Pithas und ihre Göttinnen

Vers 689
nādaḥ pāśastathā kṣetraṃ siddhiyonipadādanu |
mahārāviṇīpīṭhasiddhikālīti tadanantaram‌ ||689||

Nada, Pasha und Kshetra; nach „Siddhiyoni“ dann „Maharavini-Pitha“, „Sitz der laut Rufenden“, und „Siddhikali“ …

Anmerkung: Die Abgrenzung Siddhiyoni/Maharavini/Pitha innerhalb der Ortsbezeichnung ist unsicher; keine heutige geografische Lokalisierung behauptet.

Vers 660 (Folgeposition 690)
mahācarcikāmābhāṣya parātiparaśabdataḥ |
brūyād guhyamaṅgaleti bhrūmadhye parivinyaset‌ ||660||

Man spreche Mahacharchika und verbinde „Paratipara“ mit „Guhyamangala“, „höher als das Höchste, geheim und heilbringend“. Dies setze man zwischen den Augenbrauen ein.

Anmerkung: Quellziffer 660 an Folgeposition690 bewahrt; Anredeendungen in der Wortanweisung nicht überall sicher.

Vers 661 (Folgeposition 691)
aṣṭau bījāni tānyeva kalāṃ sthāṇuṃ saśarvakam‌ |
oḍḍiyānamahāpīṭhe mahācaṇḍapadādanu ||661||

Dieselben acht Bijas, Kala, Sthanu und Sharva; „im großen Pitha Oddiyana“, danach an „Mahachanda“ …

Anmerkung: Quellziffer 661 an Folgeposition691 bewahrt.

Vers 692
yogeśvarī kālakālī chippiṇī śaṅkhinī tathā |
mohinī ca tato guhyātiguhyapadamīrayet‌ ||692||

… Yogeshvari, Kalakali, Chhippini, Shankhini und Mohini; dann spreche man „Guhyatiguhya“, „geheimer als das Geheime“ …

Anmerkung: Chhippini als überlieferte weibliche Berufs-/Gruppenbezeichnung oder Name; keine sichere moderne Kastenidentifizierung erfunden.

Vers 663 (Folgeposition 693)
parāparaṃ samābhāṣya vaktramadhye pravinyaset‌ |
bījāṣṭakaṃ tataḥ sendu saptamādisvaratrayam‌ ||663||

… und „Parapara“. Dies setze man in der Mitte des Gesichts ein. Danach die acht Bijas und die drei Vokale, beginnend mit dem siebten, jeweils mit Bindu …

Anmerkung: Quellziffer 663 an Folgeposition693 bewahrt; Vokale nicht ausgeschrieben ergänzt.

Vers 664 (Folgeposition 694)
jālandharamahāpīṭhe mahācaṇḍapadādanu |
kāpālinī tataḥ kālāntakakālī ca dhīvarī ||664||

„Im großen Pitha Jalandhara“; auf „Mahachanda“ folgt Kapalini, dann Kalantakakali und Dhivari …

Anmerkung: Dhivari: Fischerin beziehungsweise Name einer entsprechenden Shakti. Quellziffer 664 an Folgeposition694 bewahrt.

Vers 665 (Folgeposition 695)
guhyāntarāntarā ceti lalāṭe vinyaset priye |
daśamājanvitaṃ sendu bījāṣṭakamupanyaset‌ ||665||

… und „Guhyantarantara“, „im innersten Geheimen“. Dies setze man an der Stirn ein, Geliebte. Danach die acht Bijas mit dem zehnten Vokal und Bindu …

Anmerkung: Quellziffer 665 an Folgeposition695 bewahrt; daśamāj- als daśama ac, zehnter Vokal, verstanden.

Vers 696
[…] caitanyaṃ kāmarūpapadādanu |
mahāpīṭhe mahācaṇḍarāviṇī tadanantaram‌ ||696||

[…], Chaitanya, dann „im großen Pitha Kamarupa“ und danach „Mahachandaravini“, „die mit gewaltig wildem Ruf“ …

Anmerkung: Fragment: erstes Formelglied unlesbar; Versziffer beschädigt, Folge696.

Vers 697
yamāntakapadāt kālī phetkāriṇyapyanantaram‌ |
asandhānātiguhyācintyeti nyāsasthalaṃ mukham‌ ||697||

An „Yamantaka“ schließe man Kali an, dann Phetkarini; ohne Sandhi „Atiguhya, Achintya“, „überaus geheim, unvorstellbar“. Die Stelle des Nyasa ist das Gesicht.

Anmerkung: Gesicht erneut gegenüber693; nicht als Schreibfehler korrigiert. Versziffer beschädigt, Folge697.

Purnagiri, Prayaga und Varanasi

Vers 698
aṣṭabhyaḥ praṇavāśvatthau tataḥ pūrṇāgirīti ca |
mahāpīṭhe pulindanī mahācaṇḍācca roṣiṇī ||698||

Nach den acht Bijas Pranava und Ashvattha; dann „im großen Pitha Purnagiri“, Pulindani und an „Mahachanda“ angeschlossen Roshini …

Anmerkung: Pulindani als weibliche Gruppenbezeichnung beziehungsweise Shakti-Name bewahrt.

Vers 699
kālīśabdāt tathā kālavañcanī ca parāparam‌ |
guhyātiguhyā saṅkīrtya viśuddhāveva vinyaset‌ ||699||

… an das Wort Kali schließe man Kalavanchani an, „die die Zeit täuscht“, dazu Parapara und Guhyatiguhya, „geheimer als das Geheime“. Dies setze man im Vishuddha ein.

Anmerkung: Vishuddha: Halszentrum; Quellziffer mit überschüssigem OCR-Zeichen normalisiert.

Vers 700
aṣṭabījī tathā nādo niḥśreṇī tadanantaram‌ |
syāt prayāgamahāpīṭhe veśyā […] tathā ||700||

Die acht Bijas, Nada und danach Nishreni; „im großen Pitha Prayaga“, Veshya, die Prostituierte, und […] …

Anmerkung: Fragment: weiterer Shakti-Name beschädigt; Veshya-Bezeichnung nicht beschönigt. Versziffer im OCR unlesbar, Folge700.

Vers 701
mahācaṇḍapadāddaṇḍinyapi sandhivivarjitā |
atiguhyarahasyeti nyāsasthānamanāhatam‌ ||701||

An „Mahachanda“ schließe man Dandini an, ohne Sandhi, und „Atiguhyarahasya“, „das höchst verborgene Geheimnis“. Die Nyasa-Stelle ist Anahata.

Anmerkung: Anahata: Herzzentrum. Versziffer im OCR beschädigt, Folge701.

Vers 702
aṣṭabhyaḥ kuṇapādīni pañcabījāni sundari |
vārāṇasīmahāpīṭhe rudravatyatha […] ||702||

Nach den acht Bijas die mit Kunapa beginnende Fünfergruppe, Schöne; „im großen Pitha Varanasi“, Rudravati und […] …

Anmerkung: Fragment: letzter Name unlesbar.

Vers 703
mahācaṇḍapadasyānte śūlinī śauṇḍinī tathā |
guhyātiguhyayoginyuktvā nyasenmaṇipūrake ||703||

An „Mahachanda“ füge man Shulini an, dazu Shaundini. Nach „Guhyatiguhyayogini“, „Yogini, geheimer als das Geheime“, setze man dies im Manipura ein.

Anmerkung: Shaundini bezeichnet eine Schankwirtin beziehungsweise entsprechende Shakti; Wortform Quelle śoṇḍinī, hier vorsichtig normalisiert. Manipura: Nabelzentrum.

Kolapura, Attahasa und Jayanti

Vers 704
aṣṭānāṃ carame pañca śīrṣakādīni kīrtayet‌ |
kolāpuramahāpīṭhe […] tadanantaram‌ ||704||

Nach den acht Bijas spreche man die mit Shirshaka beginnende Fünfergruppe. „Im großen Pitha Kolapura“, danach […] …

Anmerkung: Fragment: Gottheitenname nach Ortsangabe beschädigt; kein moderner Ortsname in den Sanskrittext eingefügt.

Vers 705
gṛheśīto mahācaṇḍātiveginyapi […] |
svādhiṣṭhāne nyasedetat tato bījāṣṭakaṃ priye ||705||

Nach Griheshi „Mahachandativegini“, „die gewaltig wild und überaus schnell ist“, […]. Dies setze man im Svadhishthana ein. Danach die acht Bijas, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Anschlusswort der ersten Hälfte beschädigt; Svadhishthana als Körperzentrum, keine zusätzliche anatomische Präzision.

Vers 706
kīlādirajjuparyantaṃ pañcabījānyataḥ param‌ |
aṭṭahāsamahāpīṭhe khaḍgakī tadanantaram‌ ||706||

… dann die fünf Bijas von Kila bis Rajju; „im großen Pitha Attahasa“, danach Khadgaki …

Vers 707
nārāyaṇī cakriṇī ca guhyakālī ca paścime |
mūlādhāre pravinyasya bījānyaṣṭau samuccaret‌ ||707||

… Narayani, Chakrini und zuletzt Guhyakali. Nachdem man dies im Muladhara eingesetzt hat, spreche man die acht Bijas …

Anmerkung: Versziffer im OCR beschädigt, Folge707.

Vers 708
unmāthādīni pañcāpi jayantīti padaṃ tataḥ |
mahāpīṭhe bandhakī ca ghoṇavatyapi kīrtayet‌ ||708||

… und die mit Unmatha beginnende Fünfergruppe. Dann „im großen Pitha Jayanti“; man nenne Bandhaki und Ghonavati …

Anmerkung: Bandhaki kann eine untreue Frau beziehungsweise Prostituierte bezeichnen; hier als Quellenname einer Shakti bewahrt, nicht wertend auf heutige Frauen angewandt.

Vers 706 (Folgeposition 709)
mahācaṇḍāṅkuśavatī tato guhyātiguhya ca |
pātālacāriṇī paścāt kuṇḍalinyāṃ pravinyaset‌ ||706||

… Mahachandankushavati, „die den gewaltig wilden Haken trägt“, dann Guhyatiguhya und Patalacharini, „in der Unterwelt Wandelnde“. Dies setze man in Kundalini ein.

Anmerkung: Quellziffer 706 an Folgeposition709 bewahrt.

Hastinapura, Ekamranatha und Devikota

Vers 710
churikādīni pañcāpi bījāṣṭakata īrayet‌ |
hastināpuramahāpīṭhe rajakī śakravatyapi ||710||

Nach den acht Bijas spreche man die mit Chhurika beginnende Fünfergruppe. „Im großen Pitha Hastinapura“, Rajaki, die Wäscherin, und Shakravati …

Vers 711
mahācaṇḍavajriṇī ca visandhānātiguhyayā |
etenorasi vinyasya bījāṣṭakamudīrayet‌ ||711||

… Mahachandavajrini, „Trägerin des gewaltig wilden Donnerkeils“, und ohne Sandhi Atiguhya. Nachdem man damit an der Brust Nyasa ausgeführt hat, spreche man die acht Bijas …

Anmerkung: Vajriṇī aus leicht beschädigtem vastriṇī vorläufig gelesen; keine sichere andere Waffe ergänzt.

Vers 712
kuṇyādidhūmalāntāni catvāri tadanantaram‌ |
ekāmranāthamahāpīṭhe cāmuṇḍāśivadūtyapi ||712||

… danach die vier von Kunya bis Dhumala. „Im großen Pitha Ekamranatha“, Chamunda und Shivaduti …

Anmerkung: Kunya wie655 nach Quelle; kein Kunapa ergänzt.

Vers 713
mahācaṇḍakartarī ca syāt kulārṇavacāriṇī |
vinyasya jānudvitaye punaraṣṭau samullikhet‌ ||713||

… Mahachandakartari, „mit gewaltig wilder Schere“, und Kularnavacharini, „im Kula-Ozean Wandelnde“. Nach dem Nyasa an beiden Knien schreibe man wieder die acht Bijas …

Vers 714
vedhyādīni drumāntāni pañcabījāni saṃsmaret‌ |
devīkoṭamahāpīṭhe koṭavī caṇḍikāpi ca ||714||

… und vergegenwärtige die fünf von Vedhya bis Druma. „Im großen Pitha Devikota“, Kotavi und Chandika …

Vers 715
mahācaṇḍāt khāḍganī ca sandhihīnātiguhyataḥ |
yogeśvarīti saṅkīrtya jaṅghayornyāsamācaret‌ ||715||

… an „Mahachanda“ schließe man Khadgani an, „mit gewaltig wildem Schwert“, dann ohne Sandhi „Atiguhya-Yogeshvari“, „höchst geheime Herrin des Yoga“. Damit vollziehe man Nyasa an den Unterschenkeln.

Karavira, Rajagriha und Abschluss des Pitha-Nyasa

Vers 716
pūrvarītirnivṛttātha punaranyā nigadyate |
caitanyaḍākinīlajjāḥ śākinī kamalā tathā ||716||

Die bisherige Weise ist damit beendet; nun wird eine andere genannt. Chaitanya, Dakini, Lajja, Shakini und Kamala …

Vers 717
pañcemāni samuddhṛtya svarān ṣoḍaśa sendukān‌ |
karavīramahāpīṭhe caṇḍacaṇḍeśvarī tataḥ ||717||

… diese fünf Bijas und die sechzehn Vokale mit Bindu entnehme man. „Im großen Pitha Karavira“, danach Chandachandeshvari …

Vers 718
mahāguhye nyaselliṅge sarvamanyat puroktavat‌ |
imāni pañcabījāni pañcatriṃśaddhalastathā ||718||

… „Mahaguhye“, „höchst Geheime“. Dies setze man am Glied ein; alles andere wie zuvor. [Danach] diese fünf Bijas und die fünfunddreißig Konsonanten …

Anmerkung: Nichtsexueller Körper-Nyasa; linga hier Körperglied, nicht stillschweigend allgemeines Symbol.

Vers 719
rājagṛhamahāpīṭhe sṛṣṭisthitipadādanu |
saṃhārānākhyayā sārdhaṃ bhāsā kālīkuleti ca ||719||

„Im großen Pitha Rajagriha“; an die Wörter Srishti und Sthiti schließen sich Samhara, Anakhya und Bhasa an, dazu „Kalikula“ …

Anmerkung: Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Unbenennbares und Leuchten als Namensglieder bewahrt.

Vers 720
mahācaṇḍapadād yogeśvarī cāpi parāparam‌ |
parama rahasyakālīkrama […] sarvaṃ puroktavat‌ ||720||

An „Mahachanda“ füge man Yogeshvari an, dazu Parapara, „höchster geheimer Kali-Krama“ […]; alles wie zuvor …

Anmerkung: Fragment: genaue Verbindung um paramarahasyakālīkrama beschädigt; keine zusätzliche vollständige Anrede erfunden.

Vers 721
vyāpakaṃ vinyaset sarvaṃ pīṭhanyāso'yamīritaḥ |
nibodhātaḥ paraṃ devi yoginīnyāsamuttamam‌ ||721||

Dies alles setze man den ganzen Körper durchdringend ein. Damit ist der Pitha-Nyasa erklärt. Vernimm nun, Göttin, den vorzüglichen Yogini-Nyasa.

Yogini-Nyasa: Schutz der Körperbestandteile

Vers 722
asya śrīyoginīnyāsasya jambhaka ṛṣirmataḥ |
madhyācchandaḥ samākhyātaṃ parāparapadādanu ||722||

Als Rishi dieses ehrwürdigen Yogini-Nyasa gilt Jambhaka, als Metrum wird Madhya genannt. Nach dem Wort „Parapara“ …

Vers 723
cāmuṇḍāsahitaṃ procya yoginī devatā tataḥ |
yoginībījamākhyātaṃ trapāśaktirudāhṛtā ||723||

… spreche man „mit Chamunda verbunden“; Yogini ist die Gottheit. Yogini wird als Bija, Trapa als Shakti genannt.

Anmerkung: Wortanweisung zur Bezeichnung der Gottheit; Parapara-Verbindung nicht zu einer neuen vollständigen Formel ergänzt.

Vers 724
[…] kīlakamākhyātaṃ ḍākinī tattvamucyate |
paramābhīṣṭasiddhyarthe viniyoga udāhṛtaḥ ||724||

[…] wird als Kilaka genannt, Dakini als Tattva. Die Anwendung dient der Erfüllung des höchsten Erwünschten.

Anmerkung: Fragment: Kilaka-Name unlesbar.

Grundform, Haut und Blut

Vers 725
uddhāramadhunaitasya sāvadhānā niśāmaya |
ādau bījatrayaṃ tāraḍākinīkulayoṣitaḥ ||725||

Höre nun aufmerksam seinen Aufbau. Zu Beginn die drei Bijas Tara, Dakini und Kulayoshit …

Vers 726
śaktyai namaḥ sarvaśeṣe sthirametaddvayaṃ matam‌ |
kiñcidekaprakāraṃ ca vibhinnaṃ kiñcideva hi ||726||

… ganz am Ende „shaktyai namah“, „Verehrung der Shakti“. Diese beiden [Anfang und Schluss] gelten als unveränderlich. Ein Teil des Übrigen ist gleichförmig, ein Teil unterschiedlich.

Anmerkung: Śaktyai namaḥ als vollständige Widmung lesbar.

Vers 727
tannirṇetumaśakyatvād bhinnaṃ bhinnamahaṃ […] |
sāgaro guptisantoṣau kauberāstramataḥ param‌ ||727||

Da es sich so nicht eindeutig bestimmen lässt, werde ich jedes einzeln […] erklären. Sagara, Gupti und Santosha, danach Kaubera-Astra …

Anmerkung: Fragment: Schlussverb der ersten Hälfte beschädigt, Aussage des Einzelvorgehens klar.

Vers 728
tato mahācaṇḍakāli ḍākini yogini smaret‌ |
mama […] tvagdhātūn […] trapāruṣau ||728||

Dann vergegenwärtige man „Mahachandakali, Dakini, Yogini“. „Meine Hautbestandteile […]“, […], Trapa und Rush …

Anmerkung: Fragment: Verbindungen und Schutzverb beschädigt; nicht aus der späteren Parallelstruktur stillschweigend ergänzt.

Vers 729
kāpālini mahākāli vaiparītyena kīrtayet‌ |
viśuddhipīṭhe ṣoḍaśa ca sarvamanyat puroditam‌ ||729||

„Kapalini, Mahakali“ spreche man in umgekehrter Reihenfolge. „Im Vishuddhi-Pitha, sechzehn“; alles andere wie zuvor …

Anmerkung: Zahl16 wird genannt, ihr Bezugswort hier nicht ausgeschrieben; keine Lotusblätter in den Sanskrit ergänzt.

Vers 730
mantreṇānena deveśi viśuddhau vinyaset sudhīḥ |
tribījī tārakaṃ kīlaḥ kheda āgneyakūṭakam‌ ||730||

Mit diesem Mantra soll der Kundige, Herrin der Götter, Nyasa im Vishuddha ausführen. Dann die drei Bijas, Taraka, Kila, Kheda und Agneya-Kuta …

Anmerkung: Kila aus leicht beschädigtem kola vorläufig gelesen; nicht als sicherer anderer Name ausgegeben.

Vers 731
tato mahācaṇḍakāli ṣaḍvarṇānuddharet priye |
punarmamāsṛgdhātūṃśca […] trapāruṣau ||731||

Dann entnehme man die sechs Silben „Mahachandakali“, Geliebte. Ferner „meine Blutbestandteile“ und […], Trapa und Rush …

Anmerkung: Fragment: Schutzanweisung vor Trapa/Rush beschädigt; keine Ergänzung aus 734.

Vers 732
mahākāli kāpālini sandhihīnamanāhata |
pīṭhe dvādaśa […] purāvatsyādanāhate ||732||

„Mahakali, Kapalini“, ohne Sandhi; „im Anahata-Pitha, zwölf“ […]. Wie zuvor ist der Nyasa im Anahata auszuführen.

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach dvādaśa beschädigt; keine fehlende Zahl-/Lotusbeschreibung ergänzt.

Fleisch, Fett, Knochen und Mark

Vers 733
bījatrayaṃ sattvatamoratayaścaindramasta[stra?]kam‌ |
sambodhanaṃ mahācaṇḍakālyā lākini tatparam‌ ||733||

Die drei Bijas, Sattva, Tamas und Rati; Aindra-Astra [?]. Die Anrede „Mahachandakali“, danach „Lakini“ …

Anmerkung: Astra/Mastaka bereits Herausgeberfrage; die drei davorstehenden Bija-Namen Sattva, Tamas und Rati sind lesbar.

Vers 734
mama māṃsapadād dhātūn rakṣayugmaṃ trapāruṣau |
mahākāli samābhāṣya kāpālini samuddharet‌ ||734||

An „mein Fleisch“ schließe man „Bestandteile“ an; zweimal „raksha“, „schütze“, Trapa und Rush. Man spreche „Mahakali“, dann „Kapalini“ …

Anmerkung: Formelglieder mama māṃsadhātūn rakṣa rakṣa; vollständiger Schutzbefehl hier lesbar.

Vers 735
maṇipūrakapīṭhe ca daśa sarvaṃ puroktavat‌ |
nābhau pravinyased bījatrayaṃ punarapīrayet‌ ||735||

„Im Manipura-Pitha, zehn“, alles wie zuvor. Man setze dies am Nabel ein. Danach spreche man wieder die drei Bijas …

Vers 736
rūpaṃ rasastathā gandho vāruṇāstraṃ tataḥ param‌ |
mahācaṇḍapadāt kāli kākinyapi samuddharet‌ ||736||

… Rupa, Rasa und Gandha, danach Varuna-Astra. An „Mahachanda“ füge man „Kali“ an, dann „Kakini“ …

Vers 737
mamānu medodhātūṃśca rakṣayugmaṃ trapāruṣau |
nābhisthānavadasyānu samāṣṭākṣarī matā ||737||

Nach „meine“ die „Fettbestandteile“, zweimal „schütze“, Trapa und Rush. Danach dieselbe achtsilbige Folge wie bei der Nabelstelle …

Anmerkung: Verweis auf vorherige Anreden, nicht durch eine fremde Vollform ergänzt.

Vers 738
svādhiṣṭhānānu pīṭhe ṣaṭ svādhiṣṭhāne pravinyaset‌ |
śramārthambharā vāyavyāstraṃ vācyaṃ tribījataḥ ||738||

„Im Svadhishthana-Pitha, sechs“. Dies setze man im Svadhishthana ein. Nach den drei Bijas spreche man Shrama, Arthambhara und Vayavya-Astra …

Anmerkung: Wortgruppe śramārthambharā im OCR unsicher; Trennung und Namen nur vorläufig, keine fehlende Dreiergruppe aufgefüllt.

Vers 739
mahākṣarāccaṇḍakāli śākinyapi navākṣaram‌ |
mamāsthi tadanu grāhyā prākkṛtī ṣoḍaśākṣarī ||739||

An „Maha“ füge man „Chandakali, Shakini“ an: eine neunsilbige Folge. Dann „meine Knochen“ und die zuvor gebildete sechzehnsilbige Formel …

Anmerkung: Zählangaben9/16 bewahrt, keine fehlenden Laute ergänzt.

Vers 740
mūlādhārānu pīṭhe ca catustatraiva vinyaset‌ |
trayamadhvamanaḥkrodhāḥ yāmyāstraṃ tadanantaram‌ ||740||

„Im Muladhara-Pitha, vier“; dort setze man sie ein. Danach die drei [Anfangsbijas], Adhvan, Manas und Krodha, anschließend Yamya-Astra …

Vers 741
caṇḍakāli hākini ca mahākṣarayugāt paṭhet‌ |
mama majjāpadasyānte saiva syāt ṣoḍaśākṣarī ||741||

Nach den beiden Silben „Maha“ rezitiere man „Chandakali, Hakini“. An „mein Mark“ schließe sich dieselbe sechzehnsilbige Formel an …

Vers 742
ājñāpīṭhe dvīti vācyaṃ sandhihīnaṃ varānane |
ājñācakre nyasedenaṃ punarbījatrayaṃ smaret‌ ||742||

„Im Ajna-Pitha, zwei“ spreche man ohne Sandhi, Schönangesichtige. Dies setze man im Ajna-Chakra ein. Danach vergegenwärtige man wieder die drei Bijas …

Zeugungsstoff und den Körper durchdringende Formel

Vers 743
jīvadik[…]kālāstraṃ mahācaṇḍapadādanu |
kālī yākini [?] coddhṛtya mama śukraṃ samuddharet‌ ||743||

… Jiva, Dik, […] und Kala-Astra. An „Mahachanda“ füge man „Kali, Yakini [?]“ an, danach „mein Zeugungsstoff“ …

Anmerkung: Fragment: Glied zwischen Dik und Kala-Astra beschädigt; Yakini bereits mit Fragezeichen in der Quelle.

Vers 744
varṇāḥ ṣoḍaśa te'trāpi vyomapīṭhe'nu sarvaṃ ca |
pravinyased brahmarandhre mantro'nyo vyāpako hyataḥ ||744||

Auch hier folgen jene sechzehn Silben; „im Vyoma-Pitha“ und alles Weitere [wie zuvor]. Man setze dies am Brahmarandhra ein. Danach folgt ein anderer, durchdringender Mantra.

Vers 745
tānyeva trīṇi bījāni medhaṃ kālī ca yoginī |
[…] kūrcaḥ svarāḥ sarve tato vai nikhilā halaḥ ||745||

Dieselben drei Bijas, Medha, Kali und Yogini, […], Kurcha, sämtliche Vokale und danach alle Konsonanten …

Anmerkung: Fragment: Name vor Kurcha beschädigt; keine vollständige Alphabetreihe erfunden.

Vers 746
anantakoṭipadataḥ kālivargaśabdamuccaret‌ |
tato mahāsiddhicakrayoginīśaktiṃ coddharet‌ ||746||

An „unendliche Koti“ füge man „Scharen von Kalis“ an; danach „Maha-Siddhi-Chakra-Yogini-Shakti“, die Kraft der Yoginis des großen Vollendungskreises …

Anmerkung: Fortsetzung747; Zahlformel als traditionelle Unermesslichkeitsbezeichnung.

Vers 747
yuktāyai guhyakālyai hṛt sarvāṅgavyāpako manuḥ |
ityukto yoginīnyāsaḥ [saṃ?] devato nyāsa ucyate ||747||

… mit „verbundenen Guhyakali“ im Dativ und Herzabschluss. Dies ist der den ganzen Körper durchdringende Mantra. Damit ist der Yogini-Nyasa erklärt; nun wird der Gottheiten-Nyasa gelehrt.

Anmerkung: Quelle markiert ein Präfix vor devata als fraglich; nicht in einen neuen Nyasa-Namen umgedeutet. Guhyakālyai als Dativ sicher.

Gottheiten-Nyasa: Faktoren und erste Mantras

Vers 748
asya devatānyāsasya prajāpatirṛṣirmataḥ |
paṅktiśchandaḥ syāt samastadevatā devatā tathā ||748||

Für diesen Gottheiten-Nyasa gilt Prajapati als Rishi, Pankti als Metrum; sämtliche Gottheiten bilden seine Gottheit.

Vers 749
tāramedhau bījakīlau pāśaḥ śaktirudāhṛtaḥ |
trapā tattvaṃ tataḥ sarvasiddhyarthe viniyogatā ||749||

Tara und Medha sind Bija und Kilaka, Pasha wird als Shakti genannt, Trapa als Tattva. Die Anwendung dient allen Vollendungen.

Anmerkung: Reihenfolge Bija/Kilaka wie Quelle, nicht mit Shakti vertauscht.

Vers 750
bhinnaṃ bhinnaṃ samuddhāraṃ mantrāṇāṃ tvaṃ niśāmaya |
praṇavo ḍākinī lajjā tato bhagavate padam‌ ||750||

Höre nun den Aufbau jedes einzelnen Mantras: Pranava, Dakini und Lajja, dann das Wort „Bhagavate“, „dem Erhabenen“ …

Vers 751
rudrāya kālādityau ca […] paramātmane |
ādyo manurayaṃ prokto hyanyeṣāmuddhṛtiṃ śṛṇu ||751||

… „Rudraya“, „Rudra“, Kala und Aditya, […] und „Paramatmane“, „dem höchsten Selbst“. Damit ist der erste Mantra genannt; höre den Aufbau der anderen.

Anmerkung: Fragment: Glied vor Paramatmane unlesbar. Quellziffer 051 im Zusammenhang751.

Vers 752
vedādiḍākinīlajjāstāro nṛharireva ca |
gauḥ […] tataḥ ṅe'ntamudīrayet‌ ||752||

Vedadi, Dakini, Lajja, Tara und Nrihari; Gau, […] danach spreche man im Dativ …

Anmerkung: Fragment: Zahlen-/Lautanweisung nach Gau beschädigt; keine sechste Silbe geraten.

Vers 753
ādau kṣapitatamā [?] narasiṃhastataḥ param‌ |
kālādityau tato ṅe'nto jñānātmā hṛdayaṃ tathā ||753||

… zuerst „dessen Dunkelheit vernichtet ist“ [?], danach Narasimha, Kala und Aditya, dann Jnanatman im Dativ, „dem Erkenntnisselbst“, und Herzabschluss.

Anmerkung: Kṣapitatamas bereits fraglich in Quelle. Nummer beschädigt, Folge753.

Vers 754
tṛtīye tu dvitīyādyāścatvāro'rṇāḥ […] |
vīryanirjitadikcakrapadaṃ ṅe'ntamataḥ param‌ ||754||

Im dritten stehen die vier Anfangslaute des zweiten […]. Danach im Dativ „dem, der durch seine Kraft den Kreis der Himmelsrichtungen bezwungen hat“ …

Anmerkung: Fragment: zusätzliches Lautglied nach den vier Anfangslauten beschädigt; viryanirjitadikcakra lesbar.

Dharma, Nichtanhaften und ihre Gegenstücke

Vers 755
kālādityau ca dharmāya nama ityantimākṣarāḥ |
ādyasyādyāstrayo varṇā mānasaṃ turya […] ||755||

Kala und Aditya, dann als Schlussworte „dharmaya namah“, „Verehrung dem Dharma“. Im vierten […] die ersten drei Laute des ersten und Manasa …

Anmerkung: Fragment: letzte Verbindung beschädigt.

Vers 756
ṅe'ntaṃ tejaścaṇḍapadaṃ kālādityāvataḥ param‌ |
vairāgyāya namaścānte pañcame tata ādimā ||756||

„Tejashchanda“ im Dativ, „dem durch Glanz Gewaltigen“, danach Kala und Aditya; am Ende „vairagyaya namah“, „Verehrung dem Nichtanhaften“. Im fünften folgt die anfängliche …

Anmerkung: Fortsetzung757.

Vers 757
bījatrayī ca dhanadā […] ādityāstadanvatha |
ṅe'nto'mṛtātmā tatpaścāt kālādityāvataḥ param‌ ||757||

… Dreiergruppe von Bijas, Dhanada, […] und Aditya; danach Amritatman im Dativ, „dem unsterblichen Selbst“, anschließend Kala und Aditya …

Anmerkung: Fragment: Bija-Gruppe nach Dhanada beschädigt; wiederholtes Aditya nicht gestrichen.

Vers 758
aiśvaryāya namo'nte ca ṣaṣṭha ādau tribījyatha |
tatastārakaphoṇau ca jvalayugaṃ […] ||758||

… und am Ende „aishvaryaya namah“, „Verehrung der Herrschermacht“. Im sechsten stehen zuerst die drei Bijas, dann Taraka und Phona, zweimal „jvala“, „brenne“, und […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussglied beschädigt; Phona nach sichtbarer Schreibung, unsicher. Nummer im OCR beschädigt, Folge758.

Vers 756 (Folgeposition 759)
ṅe'ntaṃ gīrvāṇamukhaṃ ca kālādityāvanantaram‌ |
adharmāya namaścānte saptamaṃ kathayāmi te ||756||

„Girvanamukha“ im Dativ, „dem Mund der Götter“, danach Kala und Aditya und als Abschluss „adharmaya namah“, „Verehrung dem Adharma“. Nun erkläre ich dir den siebten …

Anmerkung: Adharma, das Gegenstück zu Dharma, ausdrücklich in der Quelle; nicht aus inhaltlichem Unbehagen korrigiert. Quellziffer 756 an Folgeposition759 bewahrt.

Vers 760
tribījī daṇḍagrāvau ca jvālāmālī tataḥ param‌ |
kālādityaprathamato […] vajramahābalaḥ ||760||

Die drei Bijas, Danda und Grava, danach Jvalamali; Kala und Aditya zuvor […], dann „Vajramahabala“, „mit gewaltiger Donnerkeilkraft“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung und genaue Stellung um Vajramahabala beschädigt. OCR-Ziffer7560 im Zusammenhang760.

Vers 761
ajñānāya namaḥ śeṣe manūnanyānatho śṛṇu |
ādau […] vedādiḥ kālādityau ca paścime ||761||

Am Ende „ajnanaya namah“, „Verehrung dem Nichtwissen“. Höre nun die anderen Mantras: Am Anfang […] Vedadi, am Ende Kala und Aditya …

Anmerkung: Fragment: allgemeine Einleitungsbestimmung beschädigt; Verehrung des Nichtwissens als Quellwortlaut bewahrt.

Brahma, Vishnu, Rudra und weitere Widmungen

Vers 762
sattvaṃ ca brahmaṇe cādya ādhānaṃ nāda eva ca |
viṣṇave'yaṃ dvitīyaḥ syāt tṛtīye cādhvatārakau ||762||

Im ersten Sattva und „Brahmane“, „Brahma“; im zweiten Adhana, Nada und „Vishnave“, „Vishnu“. Im dritten Adhvan und Taraka …

Vers 763
rudrāya turye jīvārṇamīśvarāyātha pañcame |
icchā sadāśivāya syāt ṣaṣṭhe tu glānibījataḥ ||763||

… und „Rudraya“, „Rudra“. Im vierten das Jiva-Lautglied und „Ishvaraya“, „Ishvara“; im fünften Iccha und „Sadashivaya“, „Sadashiva“. Im sechsten nach dem Glani-Bija …

Vers 764
ātmajñānāya tadanu parajñānāya pūrakāt‌ |
daṇḍādaghorāya tatastvaco ghorāya tatparam‌ ||764||

… „Atmajnanaya“, „der Selbsterkenntnis“; danach, nach Puraka, „Parajnanaya“, „der höchsten Erkenntnis“. Nach Danda „Aghoraya“, „dem Nichtfurchtbaren“, dann nach Tvach „Ghoraya“, „dem Furchtbaren“ [Lesung unsicher].

Anmerkung: Quelle sichtbar tvaco ghorāya, hier ohne ergänztes Avagraha bewahrt. Als Sandhi auch tvaco aghorāya möglich; Gegensinn nicht als gesicherte Lesung behauptet.

Vers 765
prāsādād ghorarūpāya bhairavāya tathā […] |
śuklācca vīrabhadrāya pretāt ṅe'ntamataḥ param‌ ||765||

Nach Prasada „Ghorarupaya Bhairavaya“, „dem furchtgestaltigen Bhairava“, […]; nach Shukla „Virabhadraya“, „Virabhadra“. Nach Preta im Dativ …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort nach Bhairava unlesbar.

Vers 766
śarabhavanamityevaṃ padaṃ devi niyojayet‌ |
balapramathanaḥ paścāt pracaṇḍadaṇḍa ityapi ||766||

… setze man das Wort „Sharabhavana“ ein, Göttin. Danach Balapramathana, „Kraft Zermalmender“, und Prachandadanda, „mit gewaltigem Strafstab“ …

Anmerkung: Sharabhavana nach sichtbarem Wortlaut, unsicher; kein fehlender Teil eines Sharabha-Namens ergänzt.

Vers 767
paramātmā vākpatiśca ṅe'ntāṃścatura īrayet‌ |
tato bhūtalapātālavāsiśabdo bhyasantimaḥ ||767||

… Paramatman, „höchstes Selbst“, und Vakpati, „Herr der Rede“: Diese vier spreche man im Dativ. Danach „die auf der Erde und in der Unterwelt wohnen“, mit der Dativ-Pluralendung -bhyas …

Vers 760 (Folgeposition 768)
pracaṇḍabhairavāyātha vadet sarvātmane priye |
namo rudrāya cetyante sthānānyākalayādhunā ||760||

Dann spreche man „Prachandabhairavaya“, „dem gewaltigen Bhairava“, und „Sarvatmane“, „dem Selbst von allem“, Geliebte. Am Ende „namo rudraya“, „Verehrung Rudra“. Vernimm jetzt die Körperstellen.

Anmerkung: Quellziffer 760 an Folgeposition768 bewahrt.

Körperstellen und feinstoffliche Stationen

Vers 769
ādau lalāṭe'nu dṛśorgaṇḍayoḥ karṇayorapi |
skandhayoratha bāhvośca karāṅguliṣu vakṣasi ||769||

Zuerst an der Stirn, dann an den Augen, Wangen und Ohren, den Schultern, Armen, Fingern und der Brust …

Vers 770
jaṅghāyāṃ pādayoḥ pādāṅgulīṣvatha anāhate |
punastāluni bindau cārdhacandre nāda eva ca ||770||

… am Unterschenkel, an den Füßen und Zehen, dann im Anahata, ferner am Gaumen, im Bindu, im Halbmond und im Nada …

Anmerkung: Jangha im Singular der Quelle; nicht stillschweigend als Paar gezählt.

Vers 771
nirodhikāyāṃ vyāpinyāṃ rasanāyāṃ tataḥ param‌ |
kulākule manonmanyāmunmanyāṃ śāmbhavāntime ||771||

… in Nirodhika, Vyapini und danach Rasana, in Kula-Akula, Manonmani, Unmani und am Shambhava-Endpunkt …

Anmerkung: Überlieferte subtile Stationen; keine modernen anatomischen Zuordnungen erfunden.

Vers 772
ṣoḍaśānte ca sūkṣmānte parānte kula eva ca |
saptaviṃśatiretāni vyāpakaṃ […] param‌ ||772||

… am Shodashanta, Sukshmanta, Paranta und im Kula. Dies sind siebenundzwanzig Stellen. Danach die durchdringende Form […] …

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort beschädigt; Kontrollzahl27 nicht durch erzwungene Körperzählung harmonisiert.

Vers 773
caitanyaḍākinīlajjātārebhyaḥ parikīrtayet‌ |
ṅe'ntaḥ pracaṇḍacaṇḍānu mahāghorānu bhairavaḥ ||773||

Nach Chaitanya, Dakini, Lajja und Tara spreche man im Dativ „Prachanda, Chanda, Mahaghora, Bhairava“: „dem gewaltigen, wilden, überaus furchtbaren Bhairava“ …

Vers 774
kramād dvirdviranuccārya […] jvala prajvala |
ḍākinī bhāsākūṭaṃ ca kaumudī roṣasaṃvidau ||774||

… der Reihe nach jeweils zweimal […], „jvala“ und „prajvala“, „brenne“ und „lodere auf“. Dakini, Bhasa-Kuta, Kaumudi, Rosha und Samvit …

Anmerkung: Fragment: Wort vor den beiden Feuerverben beschädigt; Wiederholung nicht auf unbekanntes Glied konkretisiert.

Vers 775
kālanāśaka māṃ rakṣadvitayaṃ tadanantaram‌ |
[…] mahāpracaṇḍānu bhairavaḥ prāg dvibījyapi ||775||

„Kalanashaka“, „Vernichter der Zeit“, dann „mich schütze, schütze“; […], nach „Mahaprachanda“ Bhairava und die frühere Zweiergruppe von Bijas …

Anmerkung: Fragment: Verbindung beziehungsweise Formelglied am Beginn der zweiten Hälfte beschädigt; keine vollständige Schlussformel ergänzt.

Vers 776
etena vyāpakaṃ nyasyed devatānyāsa īdṛśaḥ |
atha mantrakramanyāsaṃ ṣaṣṭhamākalayābale ||776||

Mit diesem Mantra vollziehe man das durchdringende Einsetzen. So ist der Gottheiten-Nyasa beschaffen. Vernimm nun den sechsten, den Mantra-Krama-Nyasa, du Zarte.

Anmerkung: Abalā traditionelle Anrede, wörtlich „Schwache“; nicht als allgemeine Aussage über Frauen gedeutet.

Mantra-Krama: Faktoren und zehn Gesichtsmantras

Vers 777
bharadvāja ṛṣistasya chanda uṣṇik tathaiva ca |
samastamantrāścaitasya devatāḥ parikīrtitāḥ ||777||

Sein Rishi ist Bharadvaja, sein Metrum Ushnih. Als seine Gottheiten werden sämtliche Mantras genannt.

Vers 778
tāro bījaṃ trapā śaktirhākinī kīlakaṃ tathā |
kūrcastattvaṃ tataḥ sarvābhīṣṭasiddhyartha eva ca ||778||

Tara ist das Bija, Trapa die Shakti, Hakini das Kilaka und Kurcha das Tattva. Zur Erfüllung alles Erwünschten …

Anmerkung: Fortsetzung779.

Vers 779
viniyogaḥ samuddiṣṭo nyāsoddhāramatho śṛṇu |
daśānāmapi vaktrāṇāṃ daśa mantrāḥ pṛthak pṛthak‌ ||779||

… ist seine Anwendung bestimmt. Höre nun den Aufbau des Nyasa. Für die zehn Gesichter gibt es zehn einzelne Mantras, je einen für jedes Gesicht.

Anmerkung: Zehn insgesamt, je einer für jedes Gesicht, wie Folge791–794 verdeutlicht.

Vers 780
tāṃste vivicya vakṣyāmi tato'nyānaparān kramāt‌ |
akhilānāṃ purastāro ḍākinī bhuvaneśvarī ||780||

Ich werde sie dir einzeln erklären, danach die übrigen der Reihe nach. Allen stehen Tara, Dakini und Bhuvaneshvari voran …

Vers 781
tattadvaktrāya hṛccānte viśeṣaṃ madhyagaṃ […] |
vadhūbījānmahācaṇḍayogeśvari samuddharet‌ ||781||

… am Schluss „dem jeweiligen Gesicht“ und der Herzabschluss. Die unterschiedlichen Mittelglieder […]: Nach dem Vadhu-Bija füge man „Mahachandayogeshvari“ an …

Anmerkung: Fragment: Aufforderungsverb der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 702 (Folgeposition 782)
mānasaṃ vastrakāpāle prathamo'yaṃ manurmataḥ |
vedādiyoginīroṣavadhūmarmarisaṃvidaḥ ||702||

… Manasa, Vastra und Kapala: Dies gilt als erster Mantra. [Der zweite enthält:] Vedadi, Yogini, Rosha, Vadhu, Marmari und Samvit …

Anmerkung: Quellziffer 702 an Folgeposition782 bewahrt; Wort Vastra sichtbar, nicht in Astra geändert.

Weitere Gesichtsformeln

Vers 783
tṛtīye sānurastrāṇāṃ tritayaṃ samudāhṛtam‌ |
turye tu nigamādīruḍbāndhavaḥ sānucullikau ||783||

Im dritten werden Sanu und dreimal Astra genannt. Im vierten Nigamadi, Rut und Bandhava, Sanu und Chullika …

Anmerkung: Seltene Namen nach sichtbarem Wortlaut.

Vers 784
ruṭsaṃvidastrāṇi tataḥ pañcamaṃ kalayādhunā |
vadhūbāndhavamāṇḍilyakumbhāṅgāḥ krodha eva ca ||784||

… dann Rut, Samvit und Astra. Vernimm nun den fünften: Vadhu, Bandhava, Mandilya, Kumbha, Anga und Krodha …

Anmerkung: Kumbha/Anga als vorläufige Trennung; nicht zur Sollzahl ergänzt.

Vers 785
divyabhālaḥ saṃvidastre kūrcatritayameva ca |
astratritayamasyānu ṣaṣṭhaṃ vacmyadhunā priye ||785||

… Divyabhala, Samvit und Astra, dreimal Kurcha und danach dreimal Astra. Nun erkläre ich den sechsten, Geliebte …

Vers 786
puṣpamālaikāvalī ca kaumudīcāmarakramāḥ |
saṃvit […] tristriśca saptamaṃ kathayāmi te ||786||

… Pushpamala und Ekavali, Kaumudi, Chamara und Krama, Samvit, […] jeweils dreimal. Nun erkläre ich dir den siebten …

Anmerkung: Fragment: Lautglieder nach Samvit beschädigt; Wiederholungsbezug nicht erfunden.

Vers 787
yoginīvidyudamṛtamekhalāhārakinnarāḥ |
saṃvidroṣatrayaṃ cāstratritayaṃ tadanantaram‌ ||787||

… Yogini, Vidyut, Amrita, Mekhala, Hara und Kinnara, Samvit, dreimal Rosha und danach dreimal Astra …

Vers 788
aṣṭamaḥ śākinī bhogaśṛṅkhalāpralayāṃśavaḥ |
bhrāmarīsaṃvidastrāṇi tristriḥ kūrcāstrayorapi ||788||

Der achte: Shakini, Bhoga, Shrinkhala, Pralaya und Amshu; Bhramari, Samvit und Astra, jeweils dreimal Kurcha und Astra.

Anmerkung: Die doppelte Nennung Astra bleibt bestehen.

Vers 789
navame tu puraḥ preto haimanāstraṃ ca daṇḍayuk‌ |
kālī nityaśca śaṅkhaśca daśamaṃ kalayādhunā ||789||

Im neunten stehen zuerst Preta und Haimana-Astra zusammen mit Danda, Kali, Nitya und Shankha. Vernimm nun den zehnten …

Vers 760 (Folgeposition 790)
nityakāmaprabhāratnakumbhāḥ phalakameva ca |
divyabhālaḥ puṣpamālā saṃvid roṣāstrayostrayam‌ ||760||

… Nitya, Kama, Prabha, Ratna und Kumbha, Phalaka, Divyabhala, Pushpamala und Samvit, dreimal Rosha und dreimal Astra.

Anmerkung: Quellziffer 760 an Folgeposition790 bewahrt.

Gesichtsarten und Körperstellen

Vers 791
prākṛtīni tu vaktrasya pravadāmyadhunā tava |
dvīpī siṃhaśca pheruśca kapirṛkṣo narastathā ||791||

Nun nenne ich dir die ursprünglichen Arten der Gesichter: Panther, Löwe, Schakal, Affe, Bär und Mensch …

Anmerkung: Prākṛtīni leicht beschädigt, Sinn „zugrunde liegende Gestalten“; keine zoologische Artgenauigkeit behauptet.

Vers 762 (Folgeposition 792)
garuḍo makaraścaiva gajo haya itaḥ […] |
atha sthānamākhyāsye daśānāmapi pārvati ||762||

… Garuda, Makara, Elefant und Pferd […]. Nun nenne ich die Stellen aller zehn, Parvati.

Anmerkung: Fragment: letztes Verbindungswort der ersten Hälfte beschädigt. Quellziffer 762 an Folgeposition792 bewahrt.

Vers 793
tato'parān manūn vakṣye sthānaṃ teṣāṃ tataḥ param‌ |
brahmarandhraṃ lalāṭaṃ ca netre dakṣiṇavāmake ||793||

Danach werde ich weitere Mantras und anschließend ihre Stellen nennen. [Für die zehn Gesichter:] Brahmarandhra, Stirn, rechtes und linkes Auge …

Vers 794
karṇau tathā kapolau ca hṛdayaṃ śira eva ca |
ṣaḍanyānaparān mantrānuddharāmyavadhāraya ||794||

… beide Ohren, beide Wangen, Herz und Kopf. Nun erschließe ich sechs weitere Mantras; höre aufmerksam.

Mantras der sechs Chakras

Vers 795
prāktanyeva tribījyādau hṛnmantrān sandhisaṃyutān‌ |
cāmuṇḍāṃ samanuddhṛtya mālinyapi karaṅkataḥ ||795||

Zuerst dieselbe frühere Dreiergruppe von Bijas, mit dem Herzmantra durch Sandhi verbunden; dann Chamunda und an „Karanka“ anschließend „Malini“, „Skelettgirlanden-Trägerin“ …

Anmerkung: Hṛnmantrān im Plural der Quelle trotz knapper Anweisung bewahrt; keine zusätzliche Anzahl ergänzt.

Vers 796
punaḥ karaṅkamālānu dhāriṇi pratikīrtayet‌ |
tato bhagavati procya icchānirvedasaṃvidaḥ ||796||

Wiederum verbinde man „Skelettgirlande“ mit „Dharini“, „Trägerin“. Dann spreche man „Bhagavati“, „Erhabene“, und Iccha, Nirveda und Samvit …

Anmerkung: Wiederholte Skelettgirlanden-Anrede nicht als Dublette entfernt.

Vers 797
caṇḍakāpālinīśabdo mahātaḥ kālikā tathā |
ubhayaṃ ṅe'ntamullikhya śeṣe hṛnmantramuddharet‌ ||797||

… den Namen Chandakapalini und Mahakalika. Beide schreibe man im Dativ und füge am Schluss den Herzmantra an.

Anmerkung: Beide Namen sind als Dativanreden bestimmt; nicht zu einer einzelnen Göttinnenbezeichnung zusammengezogen.

Vers 798
mūlādhāre nyasedenaṃ dvitīyamavadhāraya |
pūrvoditatribījyante gāmastraṃ parikīrtayet‌ ||798||

Diesen Mantra setze man im Muladhara ein. Vernimm den zweiten: Nach der zuvor genannten Dreiergruppe von Bijas spreche man Gamastra …

Anmerkung: Gām astra im sichtbaren Text unklare Worttrennung beziehungsweise Waffenbezeichnung; keine sichere Silbenauflösung. Versnummer beschädigt, Folge798.

Vers 799
mahācaṇḍād bhairavi ca bhrāmarīmatha dakṣiṇām‌ |
astraṃ prasvāpanāstraṃ ca cūḍāmaṇimataḥ param‌ ||799||

An „Mahachanda“ füge man „Bhairavi“ an, dann Bhramari und Dakshina, Astra, Prasvapana-Astra und danach Chudamani …

Anmerkung: Prasvapana-Astra: einschläfernde rituelle Waffe; Bija-/Waffenname, keine materielle Substanzanleitung.

Vers 800
dvīpārṇādapyana[…] kīlaṃ tadanu mekhalā |
skāndāstrāt tatpunarvācyaṃ mekhalā prāgvadīritam‌ ||800||

Nach dem Dvipa-Laut […] Kila und danach Mekhala; nach Skanda-Astra ist jenes erneut zu sprechen, Mekhala wie zuvor angegeben …

Anmerkung: Fragment: Anfangsverbindung beschädigt; knappe Rückverweise nicht zu einer erfundenen vollständigen Formel entfaltet.

Vers 801
svādhiṣṭhāne nyasedenaṃ tṛtīyamadhunā […] |
tāro māyā maulyanalavihīnā mekhalā tataḥ ||801||

Diesen setze man im Svadhishthana ein. Nun den dritten […]: Tara, Maya ohne Mauli und Anala, danach Mekhala …

Anmerkung: Fragment: Verb der ersten Hälfte unlesbar; Zuordnung der Weglassungsanweisung maulyanalavihīnā zu Maya vorläufig, keine konkrete Silbe rekonstruiert.

Vers 802
digadhaḥ sānalā […] kākinīkālikāruṣaḥ |
astramante nyasedenaṃ maṇipūre varānane ||802||

Dik darunter, mit Anala […]; Kakini, Kalika und Rush, am Ende Astra. Dies setze man im Manipura ein, Schönangesichtige.

Anmerkung: Fragment: Lautanweisung der ersten Hälfte beschädigt; kein kompletter Silbenaufbau behauptet.

Vers 803
pāśāstraiḥ kālikā ca trapā ca triśikhā tathā |
mānasaṃ kākinī caiva kāpālaṃ vajramastrayuk‌ ||803||

Pasha und Astra, Kalika, Trapa und Trishikha, Manasa, Kakini, Kapala und Vajra zusammen mit Astra …

Anmerkung: Anfangsform im OCR leicht beschädigt; keine Anzahl aus Kasusendung geraten.

Vers 804
anāhate nyasedenaṃ viśuddheradhunā […] |
purato ratināgau caudumbaraṃ hāramekhale ||804||

Dies setze man im Anahata ein. Nun [höre] die Form für Vishuddhi […]: zuerst Rati und Naga, Audumbara, Hara und Mekhala …

Anmerkung: Fragment: Verb am Ende der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 805
[…] tadanantaramīśvari |
adhvaśramādhānajīvasaṅkhyakaṃ pratilomataḥ ||805||

[…] danach, Herrin; die Folge Adhvan, Shrama, Adhana und Jiva in umgekehrter Reihenfolge …

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte stark beschädigt; keine Zahl der fehlenden Bijas ergänzt.

Vers 806
kālikāyai namaścānte ājñāyāḥ kalayādhunā |
hāraṃ yamamukhi procya yamahaste tataḥ param‌ ||806||

Am Ende „Kalikayai namah“, „Verehrung der Kalika“. Vernimm nun die Form für Ajna: Hara, „Yamamukhi“, „Yama-Gesichtige“, und danach „Yamahaste“, „mit Yama in der Hand“ …

Anmerkung: Anreden in ihrer sichtbaren Zusammensetzung bewahrt; nicht in andere ikonografische Attribute umgedeutet.

Vers 807
sānu jambhaṃ tathā cūḍāmaṇimastratrayaṃ tataḥ |
ṣaṭcakramantrānetān vai vinyasya tadanantaram‌ ||807||

Sanu, Jambha und Chudamani, danach dreimal Astra. Nachdem man diese Mantras der sechs Chakras eingesetzt hat …

Anmerkung: Fortsetzung808.

Bharati, drei Gesichter und sechzehn Stellen

Vers 808
bhāratyā eva sarvatra ṣaḍaṅgaṃ cācaret punaḥ |
punastasyaiva mantrasya saptārṇān parikīrtya vai ||808||

… vollziehe man überall erneut den sechsgliedrigen Nyasa der Bharati. Dann spreche man die sieben Silben desselben Mantras …

Anmerkung: Bharati als überlieferter Mantra-/Göttinnenbezug; keine konkrete Sarasvati-Form von außen ergänzt.

Vers 809
vaded dakṣiṇavaktrāya hṛdante dakṣiṇe nyaset‌ |
tadanu tryarṇamābhāṣya vāmavaktrāya hṛt tathā ||809||

… und „Dakshinavaktraya“, „dem rechten Gesicht“, mit Herzabschluss; rechts setze man dies ein. Danach die drei Silben, „Vamavaktraya“, „dem linken Gesicht“, und Herzabschluss …

Anmerkung: Die sieben beziehungsweise drei Silben werden nur durch Rückverweis genannt.

Vers 810
vāme pravinyaseddevi […] ṣaḍakṣaram‌ |
procya madhyamavaktrāya namo'nte madhyato nyaset‌ ||810||

… links setze man dies ein, Göttin. Nach der sechssilbigen [Folge] […] spreche man „Madhyamavaktraya namah“, „Verehrung dem mittleren Gesicht“, und setze sie in der Mitte ein.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort vor ṣaḍakṣara beschädigt; keine sechs ungenannten Silben ergänzt.

Vers 811
punarmūlamanordevi ekaikaṃ varṇamuccaran‌ |
rāvābhyāṃ puṭitaṃ kṛtvā madhyagaṃ taṃ yathāsthitam‌ ||811||

Dann spreche man jeden einzelnen Laut des Grundmantras, Göttin, jeweils zwischen zwei Rava-Bijas gesetzt, und lasse ihn in der Mitte an seiner vorgesehenen Stelle stehen …

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge811.

Vers 812
sthaleṣu vakṣyamāṇeṣu vinyaset ṣoḍaśasvapi |
tattatsthānapadaṃ muktvā navārṇāccheṣato vadet‌ ||812||

… und setze ihn an den sechzehn gleich zu nennenden Stellen ein. Abgesehen vom Wort für die jeweilige Stelle spreche man am Schluss die neun Silben …

Vers 813
tacca deveśvari sthānapādukāṃ pūjayāmi hi |
[…] sthāna[…] te kathayāmyaham‌ ||813||

… nämlich, Herrin der Götter, „sthanapadukam pujayami“, „ich verehre die Sandalen der [jeweiligen] Stelle“. […] Die Stellen […] werde ich dir nennen.

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte beschädigt; Formelteil erste Hälfte lesbar.

Vers 814
ādau śiro'nu hṛdayaṃ nābhiśca tadanantaram‌ |
tato dakṣiṇanetraṃ ca vāmanetramataḥ param‌ ||814||

Zuerst der Kopf, dann das Herz und danach der Nabel, anschließend das rechte und das linke Auge …

Vers 815
vāmanāsāpuṭaṃ nāsāpuṭaṃ dakṣiṇatastathā |
vāmakarṇo dakṣiṇataḥ karṇo liṅgaṃ tathaiva ca ||815||

… linke und rechte Nasenöffnung, linkes und rechtes Ohr und das Glied …

Vers 816
guhyaṃ bhrūmadhyamasyānu brahmarandhraṃ śirastathā |
tato mastakātpādāntaṃ pādānmastakāntaṃ tathā ||816||

… der geheime Bereich, dann die Mitte zwischen den Augenbrauen, Brahmarandhra und Kopf; danach vom Kopf bis zu den Füßen und von den Füßen bis zum Kopf.

Anmerkung: Guhya neben linga815 als eigene Körperregion bewahrt; nicht beide zusammengestrichen. Kopf wiederholt814, Quelle bleibt unverändert.

Vers 817
iti ṣoḍaśa deveśi sthānāni kathitāni [te?] |
asyānu mantradvitayaṃ vartate sāṅgatākaram‌ ||817||

So sind [dir?], Herrin der Götter, die sechzehn Stellen genannt. Danach folgen zwei Mantras, die den Vollzug mit allen Gliedern vervollständigen.

Anmerkung: Te bereits Herausgeberfrage, Sinn eindeutig; Nummer im OCR beschädigt, Folge817.

Zwei Schlussmantras und Abschluss des Laghu-Shodha

Vers 818
tadākalaya tāraśrīsaṃvido guhyakālikam‌ |
astraṃ triḥ krodhahṛdī śirasi prativinyaset‌ ||818||

Vernimm sie: Tara, Shri und Samvit, Guhyakalika, dreimal Astra, Krodha und Herzabschluss. Dies setze man am Kopf ein.

Anmerkung: Guhyakalika hier als benanntes Formelglied, genaue Kasusform nicht ausgeschrieben ergänzt.

Vers 819
manuṃ dvitīyaṃ sarvāṅgavyāpakaṃ kalayādhunā |
praṇavo ḍākinī lajjā caitanyaṃ ḍākinī trapā ||819||

Vernimm nun den zweiten Mantra, der den ganzen Körper durchdringt: Pranava, Dakini, Lajja, Chaitanya, Dakini und Trapa …

Anmerkung: Wiederholte Dakini nicht entfernt.

Vers 820
kamalaṃ ḍākinī cāpi meṣo nādo […] yuk‌ |
astraṃ ca kūrcayormadhye ḍākinī tadanantaram‌ ||820||

… Kamala, Dakini, Mesha, Nada verbunden mit […], Astra zwischen zwei Kurcha-Bijas, danach Dakini …

Anmerkung: Fragment: Name nach Nada beschädigt; Mesha gemäß sichtbarer Schreibung, nicht Medha ersetzt.

Vers 821
tataḥ siddhikarālyuktvā tārarāvau prakīrtayet‌ |
[…] nādo […] śirasaṃ rākāṃ tadanu coddharet‌ ||821||

Dann spreche man Siddhikarali, Tara und Rava; […], Nada, […], Shiras und danach Raka …

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte stark beschädigt; Shiras als sichtbares Glied, genaue Funktion nicht sicher.

Vers 822
tato mahācaṇḍayogeśvarīpadamudīrayet‌ |
śrīpādukāyai hṛccānte'munā hi vyāpakaṃ caret‌ ||822||

Danach spreche man den Namen Mahachandayogeshvari, „Shripadukayai“, „den ehrwürdigen Sandalen“, und als Abschluss den Herzmantra. Damit vollziehe man das durchdringende Einsetzen.

Vers 823
ityeṣa kathito devi mantranyāso mahāphalaḥ |
enaṃ vidhāya sarvānte laghuṣoḍhā samāpyate ||823||

Damit ist, Göttin, der Mantra-Nyasa mit seiner großen Frucht erklärt. Wenn man ihn ganz am Ende ausgeführt hat, ist der Laghu-Shodha-Nyasa abgeschlossen.

Anmerkung: Nummer im OCR beschädigt, Folge823; spätere Bali-Abschlussriten werden trotzdem weiterübersetzt.

Vers 824
nānayā sadṛśī […] lokeṣu vidyate |
kālīkulakramāyātā siddhidā parameśvarī ||824||

Eine ihr gleiche […] gibt es in den Welten nicht. Sie stammt aus dem Kali-Kula-Krama, gewährt Siddhi und ist höchste Herrin.

Anmerkung: Fragment: Vergleichsbezeichnung der ersten Hälfte beschädigt; Quelle personifiziert den Nyasa als Göttin. Versnummer am Seitenwechsel getrennt,824.

Lobpreis und zwei Bali-Gaben

Vers 825
laghuṣoḍheti vikhyātā nāmneyaṃ nikhilāgame |
kartavyā bhaktibhāvena guhyāsantoṣahetave ||825||

In sämtlichen Agamas ist diese Form unter dem Namen Laghu-Shodha bekannt. Sie soll mit Hingabe ausgeführt werden, um Guhya zufriedenzustellen.

Anmerkung: Guhya als Kurzbezeichnung der Göttin nach Kontext.

Vers 826
nyāsānāmiha sarveṣāmiyaṃ mukhyatamā matā |
vinyastavyā prayatnena bahumaṅgalamicchatā ||826||

Von allen Nyasas gilt sie hier als die vorzüglichste. Wer reiches Heil wünscht, soll sie sorgfältig einsetzen.

Anmerkung: Traditionelle Vorrangbehauptung.

Vers 827
laghuṣoḍhāṃ samāpyetthaṃ dadyāddevi balidvayam‌ |
ekena rudramantreṇa bhairavasyāpareṇa ca ||827||

Nachdem man den Laghu-Shodha so abgeschlossen hat, soll man zwei Bali-Gaben darbringen, Göttin: eine mit dem Rudra-Mantra, die andere mit dem Bhairava-Mantra.

Anmerkung: Bali ist rituelle Opfergabe; Stoffe erst im weiteren Text beziehungsweise Rückverweis bestimmt.

Der Rudra-Mantra zur ersten Bali-Gabe

Vers 828
tayoruddhāramadhunā samākalaya pārvati |
trapālakṣmyau sarvapīṭhe […] tataḥ param‌ ||828||

Vernimm nun ihren Aufbau, Parvati: Trapa und Lakshmi, „Sarvapithe“, „an allen heiligen Sitzen“, […] und danach …

Anmerkung: Fragment: zweite Hälfte weist sichtbare Beschädigung auf; keine vollständige Ortsanrufung ergänzt.

Vers 829
cakrayogeśvarī procya candrapīṭhe tato vadet‌ |
vyomakālī samābhāṣya siddhipīṭhe tato vadet‌ ||829||

… „Chakrayogeshvari“, dann „Chandrapithe“, „am Mondsitz“. Nach „Vyomakali“ spreche man „Siddhipithe“, „am Vollendungssitz“ …

Anmerkung: Quelle siddhipīṭhe, „Siddhi-Sitz“; nicht stillschweigend ein geografisch bestimmtes Siddhapitha behauptet.

Vers 830
[…] yogapīṭhe tataḥ param‌ |
bhīmakālī kāmarūpapīṭhe tadanu kīrtayet‌ ||830||

[…], danach „Yogapithe“, „am Yoga-Sitz“. Dann nenne man Bhimakali und „Kamarupapithe“, „am Pitha Kamarupa“ …

Anmerkung: Fragment: erste Göttinnenanrede beschädigt.

Vers 831
siddhikālī pūrṇagiripīṭhe tasyānu saṃvadet‌ |
caṇḍakālī oḍḍiyānapīṭhe tasyāpyanūccaret‌ ||831||

… Siddhikali und „am Pitha Purnagiri“, danach Chandakali und „am Pitha Oddiyana“ …

Vers 832
raktakālī samābhāṣya rāvāntā caturakṣarī |
pretaśca bhairavī sarvasamayāllābhamīrayet‌ ||832||

Nach Raktakali eine viersilbige, mit Rava endende Folge; Preta und Bhairavi. Man verbinde „sämtliche Samayas“ mit „Erlangen“ …

Anmerkung: Nicht ausgeschriebene viersilbige Folge unergänzt; Samaya als Überlieferungs-/Ritualordnung.

Vers 833
[…] susiddhiṃ ca prasareti dviruccaret‌ |
prasārayadvayaṃ caiva samādhidvitayaṃ tataḥ ||833||

[…] und „Susiddhi“, „vollendeter Erfolg“; zweimal „prasara“, „breite dich aus“, zweimal „prasaraya“, „lass sich ausbreiten“, danach zweimal Samadhi …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied unlesbar; Dvir-Anweisung aus leicht beschädigtem Text gelesen.

Vers 834
ādityadvitayaṃ cātha siddhiḥ kaurajārṇakam‌ |
khāhi dviḥ kālikābījadvitayaṃ hrīyugaṃ tathā ||834||

Dann zweimal Aditya, Siddhi und das Kauraja-Lautglied; zweimal „khahi“, „iss“, zweimal Kalika-Bija und zweimal Hri …

Anmerkung: Hri nach sichtbarer Bezeichnung, nicht durch Ergänzung von Anusvara zu hrīṃ normalisiert.

Vers 835
[…] vāhiyugalaṃ kāhi khāhi dvayaṃ dvayam‌ |
drohaḥ krodhastathā sattvamire sattvamuṣastathā ||835||

[…], zweimal „vahi“, je zweimal „kahi“ und „khahi“; Droha, Krodha, Sattva, Ire und Sattvamush …

Anmerkung: Fragment: erstes Glied und Namensgrenzen der zweiten Hälfte beschädigt; Lautwörter ohne gesicherte Bedeutung bewahrt, khahi hat Essaufforderung.

Vers 836
krodhādhvādhyānamāyāśca lakṣmīḥ krodhaśca bhairavī |
rākā guḍaḥ krodhayugamaṃśuḥ krodho'strahṛcchiraḥ ||836||

Krodha, Adhvan, Adhyana und Maya, Lakshmi, Krodha und Bhairavi; Raka, Guda, zweimal Krodha, Amshu, Krodha, Astra, Herz- und Kopfabschluss.

Anmerkung: Adhvan/Adhyana als vorläufige Trennung der sichtbaren Lautnamenfolge; Wiederholungen unverändert.

Vers 837
ityeṣa kathito rudramantraḥ paramaśobhanaḥ |
nyāsaṃ samāpya manunāmunā balimathāharet‌ ||837||

Damit ist der überaus schöne Rudra-Mantra erklärt. Nach Abschluss des Nyasa bringe man mit diesem Mantra die Bali-Gabe dar.

Anmerkung: Nummer im OCR beschädigt, Folge837.

Der Bhairava-Mantra zur zweiten Bali-Gabe

Vers 838
athāpareṇa mantreṇa bhairavākhyena […] |
kālikāyai baliṃ dadyād dvitīyaṃ bhaktibhāvitaḥ ||838||

Dann mit dem anderen Mantra, der Bhairava heißt, […], bringe man Kalika, von Hingabe erfüllt, die zweite Bali-Gabe dar.

Anmerkung: Fragment: Schlusswort der ersten Hälfte unlesbar.

Vers 839
dravyaṃ baleyamīśāni proktaṃ svaṃ svaṃ yathoditam‌ |
praṇavo vāgbhavaṃ māyā kamalā kāma eva ca ||839||

Das jeweils zur Bali-Gabe bestimmte Material, Herrin, ist bereits entsprechend erläutert. [Der Mantra beginnt:] Pranava, Vagbhava, Maya, Kamala und Kama …

Anmerkung: Quellenrückverweis auf Opfermaterialien nicht durch zusätzliche Anweisungen ersetzt.

Vers 840
yoginī roṣavadhvaśca śākinī ḍākinī tathā |
phetkāryanāhataṃ kūṭaṃ khedo muktā tathaiva ca ||840||

… Yogini, Rosha und Vadhu, Shakini und Dakini, Phetkari, Anahata-Kuta, Kheda und Mukta …

Vers 841
hārasānupretaśaktiśṛṇika[…] |
kāpālaṃ phaṭtrayasyānte visandhyehyehi kīrtayet‌ ||841||

… Hara, Sanu, Preta, Shakti und Shrinika […], Kapala und dreimal phat. Danach ohne Sandhi „ehi ehi“, „komm, komm!“ …

Anmerkung: Fragment: letzte Bija-Namen der ersten Hälfte beschädigt; Shrinika vorläufige Lesung.

Vers 842
tato bhagavati procya guhyakāli samīrayet‌ |
punaḥ sakalaśabdānu parāparakuloccaret‌ ||842||

Dann spreche man „Bhagavati Guhyakali“, „Erhabene Guhyakali“. Ferner verbinde man „sämtlich“ mit „Parapara-Kula“ …

Anmerkung: Fortsetzung843.

Vers 843
cakramantrapadād yantramayadehe samīrayet‌ |
samāṃsaraktānu baliṃ tataḥ ṣaṇṇāṃ yugaṃ vadet‌ ||843||

… und mit „Chakra, Mantra, Yantra“ sowie „Mayadehe“: „deren Leib aus allen Kreisen, Mantras und Yantras des höheren und niederen Kula besteht“. Dann „die mit Fleisch und Blut versehene Bali-Gabe“ und jeweils zweimal die folgenden sechs Verben …

Anmerkung: Anweisung zur zusammengesetzten Göttinnenanrede; Stoffe der Gabe werden ausdrücklich genannt.

Vers 844
gṛhāṇa gṛhṇāpaya tathā bhakṣa bhakṣaya cetyapi |
khāda khāhyanu pratyakṣaparokṣaṃ dveṣiṇo mama ||844||

„Nimm an, lass annehmen; verzehre, lass verzehren; iss, iss!“ Danach „meine offen und verborgen Feindseligen“ …

Anmerkung: Sechs sichtbare Verbformen gṛhāṇa gṛhṇāpaya bhakṣa bhakṣaya khāda khāhi; unterschiedliche Sanskritformen trotz ähnlicher deutscher Bedeutung bewahrt.

Vers 845
śatrūniti samābhāṣya ṣaṇṇāṃ yugmaṃ hi pūrvavat‌ |
pravadedīśvari daha tathā mardaya pātaya ||845||

… und „Feinde“. Wie zuvor jedes der sechs Verben zweimal, Herrin: „verbrenne, zermalme, bringe zu Fall …“

Anmerkung: Fortsetzung846.

Vers 846
mūrcchaya trāsaya tathā tato'nvapi ca śoṣaya |
svakharpare sthāpaya dvistato vai dīrghadaṃṣṭrayā ||846||

„… versetze in Ohnmacht, erschrecke, trockne aus!“ Dann zweimal „lege sie in deine Schädelschale“; danach „mit deinem langen Fangzahn …“

Anmerkung: Historische Feindvernichtungsformel; Fortsetzung847.

Vers 847
bhindhi chindhiyugaṃ yugmamastratritayameva ca |
pāśaḥ kalā ca […] vāgbhavo'śvattha eva ca ||847||

„… spalte, spalte; schneide, schneide!“ Dreimal Astra, Pasha, Kala, […], Vagbhava und Ashvattha …

Anmerkung: Fragment: Name nach Kala im OCR unsicher, nicht als sicheres Sam/Sarva ergänzt.

Vers 848
mama rājyaṃ dehiyugaṃ dāpayadvitayaṃ tathā |
putrapautradhanaiśvaryāyuḥstrīvājigajetyapi ||848||

„Gib, gib mir Königsherrschaft; lass sie geben, lass sie geben!“ Dann die Wörter „Söhne, Enkel, Reichtum, Macht, Lebensdauer, Frauen, Pferde und Elefanten“ …

Anmerkung: Historische Wunschliste unverändert; Frauen als Bestandteil dieser patriarchalen Aufzählung nicht stillschweigend in „Partnerschaft“ umgedeutet. Versnummer beschädigt, Folge848.

Vers 849
ratnasaubhāgyapadataḥ sasandhyārogyaṃ kīrtayet‌ |
samṛddhyā māṃ pūraya […] varṣāpayadvayam‌ ||849||

… „Edelsteine und Glück“, daran mit Sandhi „Gesundheit“. Dann „erfülle mich mit dieser Fülle […]! Lass sie herabregnen, lass sie herabregnen!“ …

Anmerkung: Fragment: Wiederholungsangabe nach pūraya beschädigt; keine genaue Zahl ergänzt.

Vers 850
tāro māyā yoginī ca ruḍvadhūbījameva ca |
astratrayaṃ hṛdyugalaṃ sandhyādaya śira eva ca ||850||

Tara, Maya, Yogini, Rut und Vadhu-Bija; dreimal Astra, zweimal Herzabschluss, mit Sandhi verbunden, und Kopfabschluss.

Anmerkung: Sandhyādaya leicht beschädigte Verbindungsanweisung, Sinn Sandhi-Verknüpfung vorläufig; keine neue Silbe erfunden.

Vers 851
etāvatā samāpyeta mantro bhairavanāmakaḥ |
pradadyād balimetena tena nyāsaḥ samāpyate ||851||

Damit endet der Mantra namens Bhairava. Mit ihm bringe man die Bali-Gabe dar; dadurch wird der Nyasa abgeschlossen.

Zeitliche Freiheit und besondere Abschlussriten

Vers 852
ṣoḍhānyāsamimaṃ kṛtvā guhyakālyāstu sādhakaḥ |
sarvatra jayamāpnoti siddhiṃ cāpi pade pade ||852||

Wenn der Verehrer Guhyakalis diesen Shodha-Nyasa ausgeführt hat, erlange er überall Sieg und auf Schritt und Tritt Siddhi.

Anmerkung: Traditionelle Wirkungsverheißung.

Vers 853
pūjāvasara evāmuṃ kuryānnānyakṣaṇe priye |
nāstyevaṃ niyamaḥ ko'pi svecchaivātra niyāmikā ||853||

Es gibt keine Regel, Geliebte, dass man ihn nur zur Puja und zu keiner anderen Zeit ausführen dürfte. Hier bestimmt die eigene Wahl.

Anmerkung: Die Negation der zweiten Hälfte bezieht sich auf die in der ersten zitierte Regel; nicht als widersprüchliche Zeitvorschrift übersetzt. Versziffer im OCR beschädigt, Folge853.

Vers 854
divase vā tathā rātrau sandhyāyāṃ prātareva […] |
yadā tadā prakartavyo na kālaniyamaḥ kṛtaḥ ||854||

Am Tag oder in der Nacht, in der Dämmerung oder am Morgen […], zu beliebiger Zeit kann er ausgeführt werden. Eine feste Zeitregel wurde nicht gesetzt.

Anmerkung: Fragment: Partikel am Ende der ersten Hälfte beschädigt; Sinn vollständig klar.

Vers 855
smārtānāmatha kaulānāṃ rītirekaiva kīrtitā |
prayogakaraṇe devi uttarāṃ tu kriyāṃ punaḥ ||855||

Für Smartas und Kaulas wird dieselbe Weise des Vollzugs beschrieben, Göttin. Die anschließende Handlung jedoch …

Anmerkung: Fortsetzung856.

Vier Kaula-Gruppen und Shakti-Puja

Vers 856
kaulikāḥ kurvate devi pṛthageva nibodha tām‌ |
kāpālikāḥ bhāṇḍikerā mauleyāśca digambarāḥ ||856||

… führen die Kaulikas auf besondere Weise aus, Göttin; vernimm sie. Kapalikas, Bhandikeras, Mauleyas und Digambaras …

Anmerkung: Vier historische Gruppenbezeichnungen; keine ungesicherte moderne Zuordnung oder Datierung ergänzt.

Vers 857
śaktipūjāṃ prakurvanti nyāsānantarameva hi |
tadvidhānaṃ mayā vācyaṃ naimittikasamarhaṇe ||857||

… führen unmittelbar nach dem Nyasa die Shakti-Puja aus. Ihre Vorschrift werde ich bei der anlassgebundenen Verehrung erklären.

Anmerkung: Quellenankündigung, kein redaktionelles Überspringen vorhandener Verse.

Vers 858
dhūpadīpādinaivedyadānamāmiṣasaṃyutam‌ |
āvaśyakatayā devyai dadati prītikārakam‌ ||858||

Der Göttin bringen sie notwendigerweise Weihrauch, Licht und weitere Speisegaben dar, verbunden mit Fleisch, um ihr Wohlgefallen zu bereiten.

Vers 859
nyāsaṃ kṛtvā muhūrte'nte tiṣṭhantyantarhitāḥ […] |
taddhetuḥ sannidhatte'ṅge kṣaṇameṣāṃ hi kālikā ||859||

Nach dem Nyasa bleiben sie am Ende eines Muhurta verborgen beziehungsweise zurückgezogen […]. Der Grund ist, dass Kalika für einen Augenblick in ihrem Körper gegenwärtig wird.

Anmerkung: Fragment: letztes Wort der ersten Hälfte beschädigt; genaue zeitliche Konstruktion muhūrte'nte vorläufig, nicht stillschweigend „eine Stunde“.

Vers 860
ato manuṣyairālāpaṃ saha caite na kurvate |
pratyakṣaṃ mānasaṃ vāpi carantyātmaprapūjanam‌ ||860||

Deshalb führen sie kein Gespräch mit Menschen. Sie vollziehen eine Verehrung ihrer selbst, äußerlich oder im Geist.

Anmerkung: Historische Selbstverehrung aufgrund der angenommenen göttlichen Gegenwart, keine allgemeine soziale Empfehlung.

Die Entlassungsformel

Vers 861
visarjanaṃ vidadhati tadanantaramīśvari |
tanmantrastāracaitanyakālīrāvāśca ḍākinī ||861||

Danach vollziehen sie die Entlassung, Herrin. Ihr Mantra [beginnt mit] Tara, Chaitanya, Kali, Rava und Dakini …

Vers 862
tato bhagavati procya guhyakāli samīrayet‌ |
paramātmani līnā ca bhava caitanyarūpiṇi ||862||

Dann spreche man: „Bhagavati Guhyakali, Paramatmani lina bhava, Chaitanyarupini“ — „Erhabene Guhyakali, gehe im höchsten Selbst auf, du Gestalt des Bewusstseins!“ …

Anmerkung: Quellziffer 062 im Zusammenhang862; lesbare Entlassungsformel, keine fehlende Bija ergänzt.

Vers 863
[…] praviśa procya sāyujyaṃ dehi kīrtayet‌ |
svasthānaṃ gaccha sambhāṣya phaḍaṅguṣṭhau śiro'pi ca ||863||

[…] „tritt ein“, dann „gewähre Einssein“. Man spreche „gehe an deinen eigenen Ort“, danach phat, Angushtha und Kopfabschluss.

Anmerkung: Fragment: Wort vor praviśa beschädigt. Formelglieder sāyujyaṃ dehi; svasthānaṃ gaccha. Aṅguṣṭha als benanntes Schlussglied, nicht ohne sichere Anweisung zu einer konkreten Geste gemacht.

Vers 864
evaṃ nānāvidhā rītīrnyāsātte vidadhatyamī |
tattanmatīnatantroktaprakāratvānna cānyathā ||864||

So vollziehen diese nach dem Nyasa unterschiedliche Verfahrensweisen: nach den Vorschriften der Tantras ihrer jeweiligen Überlieferung, nicht anders.

Anmerkung: Lesung matīna im Kompositum unsicher; Sinn des Bezugs auf die jeweiligen tantrischen Vorschriften hinreichend klar. Quellziffer stark beschädigt; 864 aus der Folge erschlossen.

Vers 864 (zweite Zählung; Position 865)
naitāni kiñcidapi hi dakṣiṇe […] priye |
nyāsācaraṇamātraṃ hi balidānaṃ tataḥ param‌ ||864||

Im Dakshina-[…] gibt es nichts von alledem, Geliebte: lediglich die Durchführung des Nyasa und danach die Bali-Gabe.

Anmerkung: Fragment: Bestimmung nach dakṣiṇe unlesbar. Quelle zählt erneut 864; keine sichere Ergänzung zu Dakshinachara.

Sprecherzeile
devyuvāca |

Die Göttin sprach:

Die Göttin fragt nach dem großen Shodha

Vers 866
jagadādhāra sarvajña sṛṣṭisthitividhāyaka |
karuṇāmbhonidhe nātha mahākāla dayāmaya ||866||

Du Stütze der Welt, Allwissender, der Schöpfung und Erhaltung bewirkt! Du Meer des Mitgefühls, Herr Mahakala, voller Güte!

Vers 867
ekaṃ pṛcchāmi deveśa saṃśayaṃ svamanogatam‌ |
ekamevāyamīśānyāḥ ṣoḍhānyāso mahāphalaḥ ||867||

Eine Frage stelle ich dir, Herr der Götter, einen Zweifel, der in meinem Geist entstanden ist: Ist dies der einzige so fruchtbringende Shodha-Nyasa der Herrin …

Anmerkung: Herausgeberkorrektur eva für beschädigtes me übernommen; Satz setzt sich in 868 fort.

Vers 868
āgamādau gataḥ khyātimutānyaḥ ko'pi vidyate |
ito'pi śobhano divyaḥ sadyaḥ siddhividhāyakaḥ ||868||

… der in den Agamas und anderen Schriften Berühmtheit erlangt hat? Oder gibt es noch einen anderen, schöner als dieser, göttlich und unmittelbar Siddhi gewährend?

Vers 869
yadyasti ko'pi vikhyātaḥ ṣoḍhānyāso vṛṣadhvaja |
guhyakālyā viśeṣeṇa santoṣādhikatākaraḥ ||869||

Wenn es einen solchen berühmten Shodha-Nyasa gibt, du mit dem Stierbanner, der Guhyakali in besonderem Maße größere Zufriedenheit bereitet …

Vers 870
tadānugṛhya māṃ nātha vada prāṇeśvara prabho |
jāne yadyapyahaṃ satyaṃ na kiñcid‌ gopayiṣyasi ||870||

… dann sei mir gnädig und teile ihn mir mit, Herr, Gebieter meines Lebens! Zwar weiß ich gewiss: Du wirst nichts verbergen …

Vers 871
mayi guhyaṃ yadyapi syāt‌ tathāpi jagadīśvara |
tatraiva viniyuṅkte māṃ śuśrūṣeyaṃ tathāpi bhoḥ ||871||

… vor mir, selbst wenn es geheim wäre, Herr der Welt. Dennoch drängt mich gerade dorthin dieser Wunsch, zu hören, o Herr.

Anmerkung: Lesung tatraiva folgt der fragend eingesetzten Herausgeberergänzung; der genaue Wortlaut bleibt unsicher.

Vers 872, erste Hälfte
tasmādanugrahavaśādanyāṃ ṣoḍhāṃ vada prabho |

Darum sprich aus Gnade von einem anderen Shodha, Herr!

Anmerkung: Erste Hälfte von Quellvers 872. Der Sprecherwechsel steht innerhalb des Verses; keine fehlende Halbzeile.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Vers 872, zweite Hälfte
tvayaiva jñāyate devi hṛdayaṃ māmakaṃ yathā ||872||

Du selbst weißt, Göttin, wie mein Herz …

Anmerkung: Zweite Hälfte von Quellvers 872; zusammen mit der ersten Hälfte nur ein Vers. Satz geht in 873 weiter.

Vers 873
tvayi snigdhaṃ sābhilāṣaṃ tvadājñāvaśavarti ca |
akathyamatha gopyaṃ me tvayi kiñcinna vidyate ||873||

… dir liebevoll zugewandt ist, nach dir verlangt und deinem Gebot folgt. Dir gegenüber gibt es für mich nichts Unsagbares oder geheim zu Haltendes.

Anmerkung: Quellziffer beschädigt; Zuordnung nach Versfolge.

Vers 874
tathāpi vastumāhātmyād‌ gopyaṃ tvayyapyadaḥ priye |
ṣoḍhānyāsādamuṣyāddhi vartate'bhyadhikaḥ paraḥ ||874||

Doch wegen der Erhabenheit der Sache ist dies selbst dir gegenüber geheim, Geliebte. Denn es gibt noch einen anderen, der diesen Shodha-Nyasa übertrifft.

Vers 875
tatte'haṃ kathayiṣyāmi yadi gopyaṃ kariṣyasi |
etasmāllakṣaguṇitastathā koṭiguṇo'pi ca ||875||

Ich werde ihn dir mitteilen, wenn du ihn geheim halten wirst. Hunderttausendfach, ja zehnmillionenfach größer als dieser …

Anmerkung: Rituelle Rangbehauptung des Textes; Satz setzt sich fort.

Vers 876
vartate devadeveśa ṣoḍhānyāso'mbikāpriyaḥ |
kapālaḍāmare nāsau na cāyaṃ yāmale tathā ||876||

… ist ein Shodha-Nyasa, der Ambika lieb ist. Er steht weder im Kapala-Damara noch im Yamala …

Anmerkung: Anrede devadeveśa steht so in der beschädigten Quelle; ihre grammatische Zuordnung zur weiblichen Gesprächspartnerin bleibt offen.

Vers 877
saṃhitāyāṃ na bhairavyāṃ kimutānyatra pārvati |
tripuraghna imaṃ veda tatprasādādahaṃ tathā ||877||

… und nicht in der Bhairavi-Samhita — wie viel weniger anderswo, Parvati! Der Vernichter Tripuras kennt ihn, und durch seine Gnade auch ich.

Anmerkung: Zuschreibung des Lehrgesprächs; kein unabhängig belegter Befund über den Inhalt sämtlicher genannter Werke.

Vers 878
tvaṃ matto jñāsyasīmaṃ ca nānye jñāsyantyamuṃ punaḥ |
maduktāṃ saṃhitāṃ ye vai dhārayiṣyanti bhāgyataḥ ||878||

Du wirst ihn von mir kennenlernen; andere werden ihn nicht kennen. Die Menschen jedoch, die glücklicherweise die von mir gelehrte Samhita bewahren …

Vers 676 (Position 879)
amuṃ cādhigamiṣyanti te narā netare punaḥ |
tatte ṣoḍhānyāsamahaṃ pravadāmi śucismite ||676||

… werden auch ihn erlernen, andere dagegen nicht. Diesen Shodha-Nyasa werde ich dir nun lehren, du mit dem reinen Lächeln.

Anmerkung: Quellziffer 676 an der durch die Folge bestimmten Stelle 879 bewahrt.

Nirvana-Shodha: Rang und Voraussetzungen

Vers 880
sāvadhānatamā bhūtvā niśāmaya kṛtāñjaliḥ |
nāmnā nirvāṇaṣoḍheti vikhyātā nigamādiṣu ||880||

Höre mit gefalteten Händen und höchster Aufmerksamkeit zu. Unter dem Namen Nirvana-Shodha ist diese [Methode] in den Nigamas und anderen Schriften bekannt.

Vers 881
phalaṃ vā mahimetasya devi […] na śakyate |
carācaraṃ jagatsarvaṃ praviṣṭamiha kathyate ||881||

Seine Frucht oder Größe, Göttin, lässt sich nicht […]. Die ganze Welt, das Bewegliche wie das Unbewegliche, ist, so heißt es, darin enthalten.

Anmerkung: Fragment: Infinitiv nach devi beschädigt; nicht stillschweigend ergänzt.

Vers 882
atisūkṣmatayā līnaṃ drumādau puṣpavarṇavat‌ |
uddhārakramato hyasya svalpatā parikīrtitā ||882||

Sie liegt darin in feinster Weise verborgen, wie die Farbe der Blüte im Baum und dergleichen. Hinsichtlich der Reihenfolge der Mantra-Erschließung wird dieses Verfahren als kurz bezeichnet …

Vers 883
itikartavyatārītyā bāhulyaṃ hi nigadyate |
tīrthaśailataṭinyastrayajñakalpāvamānikā ||883||

… hinsichtlich der Durchführung jedoch als umfangreich. [Genannt werden] Tirthas, Berge, Flüsse, Waffen, Opfer und Kalpas […].

Anmerkung: Fragment: Schlusskompositum beschädigt; Quelle erwägt kalpopanāmikā. Die lesbaren Glieder werden bewahrt, ihre vollständige syntaktische Verbindung bleibt offen.

Vers 884
guhyakālyāḥ mahāṣoḍhā sadyaḥ siddhividhāyinī |
iyaṃ hi laghuṣoḍhāto jñeyā koṭiguṇā punaḥ ||884||

Der Mahashodha der Guhyakali gewährt unmittelbar Siddhi. Man soll ihn als zehnmillionenfach größer als den Laghu-Shodha verstehen.

Anmerkung: Verheißung und Rangvergleich der Quelle.

Vers 885
śivaliṅganṛsiṃharṣibhairavorvīśasiddhiyuk‌ |
mahāṣoḍhaiva nirvāṇamahāṣoḍhābhidhīyate ||885||

Derselbe Mahashodha heißt Nirvana-Mahashodha, wenn er mit Shiva-Linga, Narasimha, Rishi, Bhairava, Königen und Siddhi verbunden ist.

Anmerkung: Sechs zusätzliche Nyasa-Gruppen; keine sechs äußerlichen Ritualgegenstände.

Vers 886
iyaṃ hi sādhakairjñeyā koṭikoṭiguṇā tataḥ |
yathā kāmakalākālyāstrailokyavijayāhvayaḥ ||886||

Die Übenden sollen diesen wiederum als zehn Millionen mal zehn Millionen größer als jenen verstehen. Wie bei Kamakalakali der sogenannte Trailokyavijaya …

Vers 887
tatheyaṃ guhyakālyāstu mahānirvāṇaṣoḍhikā |
kurvannetāṃ pratyahaṃ tu trailokyamapi kampayet‌ ||887||

… so verhält es sich bei Guhyakali mit diesem Mahanirvana-Shodha. Wer ihn täglich vollzieht, vermag sogar die drei Welten zu erschüttern.

Anmerkung: Rituelle Wirksamkeitsbehauptung des Textes.

Vers 888
[…] tu sarvasiddhiṃ niyacchati |
yāvanmantropadeśeṣu vidhānaṃ parikīrtitam‌ ||888||

[…] gewährt alle Siddhis. Alle Regeln, die für die Unterweisung in Mantras gelehrt werden …

Anmerkung: Fragment: Vollzug bzw. Mengenangabe am Versanfang beschädigt; keine Zahl rekonstruiert.

Vers 889
tāvadasyopadeśe'pi kartavyaṃ kamalānane |
na pustakeṣu likhitaṃ dṛṣṭvā kuryājjijīviṣuḥ ||889||

… sind auch bei seiner Unterweisung einzuhalten, du mit dem Lotusantlitz. Wer leben möchte, soll ihn nicht allein deshalb ausführen, weil er ihn in Büchern niedergeschrieben gesehen hat.

Vers 890
vidadhanmṛtyumāpnoti saptāhābhyantare naraḥ |
tasmādādāya hi gurorupadeśaṃ yathāvidhi ||890||

Ein Mensch, der dies tut, erleidet innerhalb von sieben Tagen den Tod. Deshalb soll man zunächst nach der vorgeschriebenen Ordnung die Unterweisung vom Guru empfangen …

Anmerkung: Drohung der historischen Quelle zur Geheimhaltung und Lehrerbindung, keine Tatsachenbehauptung der Ausgabe.

Vers 891
mahānirvāṇaṣoḍhāṃ hi kuryāt‌ prayatamānasaḥ |
nīrave rahasi sthitvā nirākṛtya mano'nyataḥ ||891||

… und den Mahanirvana-Shodha mit gesammeltem Geist vollziehen. Man halte sich an einem stillen, abgeschiedenen Ort auf und ziehe den Geist von anderem zurück …

Vers 892
śanaiḥ śanaiḥ prakurvīta mantraṃ nikhilamuccaran‌ |
etasya kathayoddhāramathātastridaśeśvari ||892||

… und vollziehe ihn langsam, während man den gesamten Mantra ausspricht. Nun [lehre ich] seine Erschließung, Herrin der Götter …

Anmerkung: Verbform kathayoddhāram beschädigt; deutscher Anschluss nach dem klaren Lehrzusammenhang, Sanskrit nicht als gesicherte Verbkorrektur ausgegeben.

Vers 893
bhavitrī prakaṭā tena mahānirvāṇaṣoḍhikā |
rahitottaraṣaṭkena mahāṣoḍhābhijāyate ||893||

… wodurch der Mahanirvana-Shodha offenbar werden wird. Ohne die abschließende Sechsergruppe ergibt sich der Mahashodha.

Vers 894
mahānirvāṇaṣoḍhāsyā jāyate'nena saṃyutā |
śeṣamevābhidhāsyāmi nādyāṃ nāpi pṛthak‌ pṛthak‌ ||894||

Mit ihr verbunden heißt er Mahanirvana-Shodha. Ich werde nur die letztere Form beschreiben, nicht die erste und auch nicht beide einzeln.

Anmerkung: Die Benennung der letzten Form bestimmt den Anschluss; kein Überspringen von Grundtext durch die Übersetzung.

Vers 895
ādyāṃ cikīrṣuḥ śeṣāṇāṃ […] suravandite |
uddhāramekamevāhamubhayoḥ prabravīmi te ||895||

Wer die erste Form ausführen möchte, [hat hinsichtlich] der übrigen [Glieder …], du von Göttern Verehrte. Ich erkläre dir für beide eine einzige Mantra-Erschließung.

Anmerkung: Fragment: Erste Halbzeile bietet keine verlässliche Auslassungsanweisung; nicht aus 893 ergänzt. Quellziffer beschädigt.

Vers 896
bhavedekasya kasyāpi mantrasyopāsako yadi |
tadadhikārī bhavati kartumenāṃ vidhānavit‌ ||896||

Wenn jemand auch nur einen beliebigen Mantra verehrt, ist er berechtigt, diese [Methode] zu vollziehen, sofern er ihre Ordnung kennt.

Anmerkung: Die Berechtigungsaussage hebt die vorausgehende Forderung nach Unterweisung nicht ausdrücklich auf.

Mahanirvana-Shodha: Ritualfaktoren

Vers 897
asya śrīguhyakālītaḥ pūrvaṃ tāramanusmaret‌ |
mahānirvāṇaṣoḍheti padānnyāsasya kīrtayet‌ ||897||

Man setze Tara vor „asya shriguhyakali“, spreche danach „mahanirvanashodha“ und anschließend „nyasasya“.

Anmerkung: Zusammensetzung der Einleitungsformel, keine ausgeschriebene Bija ergänzt.

Vers 898
ṛṣiḥ pañcaśikhaśceti vyatyayena prakīrtayet‌ |
chando'tijagatī cātipūrvavadvaravarṇini ||898||

Man nenne Panchashikha als Rishi, in umgekehrter Wortfolge. Als Metrum wird Atijagati genannt, mit vorangestelltem „ati“, du Schönfarbige.

Anmerkung: Die zusätzliche ati-Anweisung ist im Wortlaut nicht eindeutig; kein gesicherter standardisierter Metrumname daraus konstruiert.

Vers 899
ādau hairaṇyakaśipavī brāhmī tadanantaram‌ |
vāsiṣṭhī tatparaṃ vāmī cyāvanī tadanantaram‌ ||899||

Zuerst Hairanyakashipavi, danach Brahmi, dann Vasishthi, Vami und anschließend Chyavani …

Anmerkung: Folge von Namen bzw. Zuordnungen; Funktion der ganzen Reihe im unmittelbaren Satzanschluss nicht ausdrücklich wiederholt.

Vers 900
hārītī bhāratī vaiṣṇutāttvī nāradī cāthāpi vā |
āmbahārdī ca sauparṇī dākṣī gārgī tataḥ param‌ ||900||

… Hariti, Bharati, Vaishnutattvi, Naradi, Ambahardi, Sauparni, Dakshi und dann Gargi …

Anmerkung: Einzelne seltene Namen, insbesondere Vaishnutattvi und Ambahardi, nur nach vorläufig lesbarer Lautgestalt.

Vers 901
paunahī ca krātavyāṅgīrasyātreyī tato'nu ca |
gautamī cāpi jābālī bhāradvājī ca rāvaṇī ||901||

… Paunahi, Kratavi, Angirasi, danach Atreyi, Gautami, Jabali, Bharadvaji und Ravani.

Anmerkung: Quelle erwägt Paulahi statt Paunahi; keine stille Entscheidung für die Variante. Namensformen teilweise unsicher.

Vers 902
ekavaktrādyanu śatavaktrāntā guhyakālyapi |
devatā kathitā rāvo bījaṃ śaktiśca ḍākinī ||902||

Als Gottheit wird Guhyakali bezeichnet, angefangen bei der eingesichtigen bis zur hundertgesichtigen Gestalt. Rava ist das Bija, Dakini die Shakti.

Vers 903
phetkārī kīlakaṃ proktaṃ pralayastattvamityapi |
mahānirvāṇaṣoḍhānyāse jape viniyogatā ||903||

Phetkari wird als Kilaka bezeichnet, Pralaya als Tattva. Die Anwendung gilt dem Mahanirvana-Shodha-Nyasa und dem Japa.

Die sechs Glieder und der Tirtha-Shiva-Linga-Nyasa

Vers 904
iti vinyasya kurvīta ṣaḍaṅgaṃ cāsya pārvati |
māyākāmavadhūpretabhairavyo'ṅguṣṭhayorhṛdi ||904||

Nach dieser Einsetzung vollziehe man seine sechs Glieder, Parvati: Maya, Kama, Vadhu, Preta und Bhairavi an den Daumen und am Herzen …

Vers 905
pāśakrodhāmṛtaprāṇān‌ nṛsiṃhāstarjanīkayoḥ |
śikhāmadhyamayormedhakālīśaktīṣṭinemayaḥ ||905||

… Pasha, Krodha, Amrita, Prana und Narasimha an den Zeigefingern; Medha, Kali, Shakti, Ishti und Nemi an Haarspitze und Mittelfingern …

Anmerkung: Zuordnung eines zusätzlichen Kopfgliedes nicht ausdrücklich lesbar und nicht ergänzt.

Vers 906
varmānāmikayoraṃśuhārātribalisetavaḥ |
kaniṣṭhātridṛśoḥ sānukāñcījambha[…] ||906||

… Amshu, Hara, Atri, Bali und Setu am Schutzpanzer und an den Ringfingern; Sanu, Kanchi, Jambha […] an den kleinen Fingern und den drei Augen …

Anmerkung: Fragment: Ende der zweiten Lautgruppe beschädigt.

Vers 907
karapṛṣṭhāstrayostu jramandapadmabhogacāmarāḥ |
ṣoḍhānyāsasya sarvasya ṛṣyādirayamīritaḥ ||907||

… Jra, Manda, Padma, Bhoga und Chamara an Handrücken und Astra. Damit sind Rishi und die übrigen Faktoren des gesamten Shodha-Nyasa genannt.

Anmerkung: Trennung der ersten Lautchiffren jra/manda vorläufig; keine entschlüsselte Silbenreihe erfunden.

Vers 908
pratyekamatha ṣaṇṇāṃ vai bhinnabhinnatayoditaḥ |
tārātparaṃ cāsya tīrthaśivaliṅgapadādanu ||908||

Nun werden sie für jede der sechs [Gruppen] gesondert genannt. Nach Tara [spreche man] „asya“, dann „tirthashivalinga“ …

Vers 909
nyāsasya gautama ṛṣiranuṣṭup‌ chanda eva ca |
tataḥ paraṃ mahātīrthaśivaliṅge ca devate ||909||

… und „nyasasya“. Gautama ist der Rishi, Anushtubh das Metrum; die Gottheiten sind Mahatirtha und Shiva-Linga.

Vers 910
tāro bījaṃ trapā śaktirvāgbhavaṃ kīlakaṃ tathā |
pāśastattvaṃ samuddiṣṭaṃ tīrthanyāse jape tathā ||910||

Tara ist das Bija, Trapa die Shakti, Vagbhava das Kilaka; Pasha wird als Tattva angegeben. Dem Tirtha-Nyasa und dem Japa …

Allgemeiner Aufbau der Mantras

Vers 911
viniyogaḥ samuddiṣṭaḥ ṛṣyādi pūrvavatsmaret‌ |
atha nyāsagaṇasyāsya dvividhoddhṛtirucyate ||911||

… gilt die Anwendung. Man vergegenwärtige sich Rishi und die übrigen Faktoren wie zuvor. Nun wird eine zweifache Erschließung dieser Nyasa-Gruppe gelehrt …

Vers 912
sāmānyā ca viśeṣā ca kaṭhinā dvayyapi priye |
ādyāmādau tatra vacmi tato vakṣye'parāmapi ||912||

… eine allgemeine und eine besondere. Beide sind schwierig, Geliebte. Zuerst lehre ich die erste, danach auch die andere.

Vers 913
ādau dvādaśa bījāni sarvatraiva sthirāṇi hi |
tato nāmāni bhinnānyekapañcāśatsaṃkhyakāni hi ||913||

Am Anfang stehen zwölf Bijas, die überall unverändert bleiben. Danach folgen die verschiedenen Namen, einundfünfzig an der Zahl …

Vers 914
tatastīrtha iti padaṃ sarvatraivācalaṃ matam‌ |
asya pūrvapadasyāpi vigrahaḥ sāhajo'pi vā ||914||

… dann das Wort „tirtha“, das überall unverändert bleibt. Die Auflösung seiner Verbindung mit dem vorangehenden Wort ist die natürliche [Wortverbindung].

Anmerkung: Knappe grammatische Anweisung; genaue Funktion von vā im beschädigten Zusammenhang offen.

Vers 915
tato'parāṇi nāmāni tāvatsaṃkhyāni sundari |
pṛthak‌ pṛthaktayoktāni samāsaṃ prāpitāni hi ||915||

Danach kommen ebenso viele weitere Namen, Schöne. Sie werden jeweils einzeln genannt und zu einem Kompositum verbunden.

Vers 916
agrimasvarasaṃkhyākavarṇaiḥ sārdhaṃ sthirātmakaḥ |
punastāvanti nāmāni […] pratimanvapi ||916||

Mit Lauten in der durch „den ersten Vokal“ bezeichneten Anzahl [folgt ein] festes [Glied]. Wiederum ebenso viele Namen […] in jedem Mantra.

Anmerkung: Fragment: Zahlchiffre und syntaktischer Anschluss beschädigt; keine vollständige Bauanweisung daraus rekonstruiert.

Vers 917
tataḥ saptārṇaghaṭitamekaṃ padamidaṃ […] |
ṅe'ntaṃ sthiraṃ caitadapi punaśca dvādaśākṣaraḥ ||917||

Danach kommt ein aus sieben Silben bestehendes Wort […], mit Dativendung; auch dieses bleibt unverändert. Darauf [folgt ein] zwölfsilbiges …

Anmerkung: Fragment: Wort vor der Dativanweisung beschädigt. ṅe bezeichnet die Dativendung, keine zusätzlich auszusprechende Silbe.

Vers 918
nirmitaṃ padamekaṃ hi ṅe'ntaṃ tadapi ca sthiram‌ |
tato'paraṃ tāvadeva varṇanirmitamīśvari ||918||

… gebildetes Wort, ebenfalls im Dativ und unverändert. Danach ein weiteres, aus ebenso vielen Lauten gebildet, Herrin …

Vers 919
tadvadākāramapi ca kālavyāpi […] |
caturarṇātmakaṃ caikaṃ tato nāma varānane ||919||

… von entsprechender Gestalt und alle Zeit durchdringend […]. Dann kommt ein Name aus vier Silben, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Fragment: Verbindung der ersten Halbzeile beschädigt; keine zusätzliche Zahl ergänzt.

Vers 920
[…] sāttvikaguṇasampannaṃ parikīrtitam‌ |
eko mantrastatastasyāḥ niścalatvena coditaḥ ||920||

[…] wird als mit sattvischer Qualität ausgestattet bezeichnet. Danach wird ein Mantra von ihr als unveränderlicher Bestandteil vorgeschrieben.

Anmerkung: Fragment: Bezugswort am Anfang beschädigt.

Vers 921
tataśca pañca bījāni kālavyāpīni pārvati |
tato'nu bījamekaikaṃ bhinnabhinnatayā smṛtam‌ ||921||

Danach folgen fünf alle Zeit durchdringende Bijas, Parvati. Dann ist jeweils ein einzelnes, von Mantra zu Mantra wechselndes Bija vorgesehen.

Vers 922
saptākṣarī sarvaśeṣe kūṭatvena vyavasthitā |
iti sāmānya uddhāro mayā te pratipāditaḥ ||922||

Ganz am Schluss steht eine siebensilbige Formel als Kuta. Damit habe ich dir die allgemeine Erschließung dargelegt.

Feste Bijas und die heiligen Orte

Vers 923
krameṇaivāparaṃ devi viśeṣamavadhāraya |
sārasvato bhauvaneśī kamalā kāma eva ca ||923||

Höre nun der Reihe nach die andere, besondere [Erschließung], Göttin: Sarasvata, Bhauvaneshi, Kamala und Kama …

Vers 924
kālī ca yoginī cāpi krodho'pi vanitā tathā |
śākinī ḍākinī cāpi pralayastadanantaram‌ ||924||

… Kali, Yogini, Krodha, Vanita, Shakini, Dakini und danach Pralaya …

Vers 925
phetkārī sarvaśeṣe ca bījāni dvādaśaiva hi |
prathamaṃ viniyojyāni sthiratvenaiva pārvati ||925||

… und zuletzt Phetkari: Diese zwölf Bijas sind zuerst einzusetzen, überall unverändert, Parvati.

Vers 926
mantrāṇāmapi sarveṣāṃ pañcāśatsaṃkhyatājuṣām‌ |
idānīṃ kathayāmīṣāṃ tīrthānyanu varānane ||926||

Nun nenne ich die Tirthas dieser sämtlichen fünfzig Mantras der Reihe nach, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Quelle nennt hier fünfzig, in 913 und 936 einundfünfzig; Unterschied nicht ausgeglichen.

Vers 927
prayāgo naimiṣāraṇyaṃ śūkarakṣetrameva ca |
ekāmvaraṃ badarikāśramaśca tadanantaram‌ ||927||

Prayaga, Naimisharanya, Shukarakshetra, Ekamvara und danach Badarikashrama …

Anmerkung: Name Ekamvara in der Quelle beschädigt; keine geografische Identifikation oder Ersetzung durch Ekamra behauptet.

Vers 928
kurukṣetraṃ prabhāsaśca tathaivāmarakaṇṭakam‌ |
puṣkaraṃ ca gayā vārāṇasyayodhyā […] ||928||

… Kurukshetra, Prabhasa, Amarakantaka, Pushkara, Gaya, Varanasi und Ayodhya […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswörter beschädigt; lesbare Ortsnamen vollständig wiedergegeben.

Vers 929
mathurā tadanu jñeyā māyāpuramataḥ param‌ |
śivakāñcī pañcadaśī tata ujjayinī matā ||929||

Danach ist Mathura zu nennen, anschließend Mayapura, als fünfzehnte Shivakanchi, dann Ujjayini …

Anmerkung: Zählmarke fünfzehn wird bewahrt; die unvollständige Liste nicht entsprechend ergänzt.

Vers 930
tasyā anu dvārakā ca puruṣottama eva ca |
marutkoṭistathā […] kamalalocane ||930||

… danach Dvaraka, Purushottama, Marutkoti und […], du Lotusäugige.

Anmerkung: Fragment: Weiterer Name beschädigt.

Vers 931
śaṅkukarṇā rudrakoṭiśchagalāṇḍamataḥ param‌ |
āmrātakaṃ cāruṇācalaśca vṛndāvanaṃ tathā ||931||

Shankukarna, Rudrakoti, danach Chagalanda, Amrataka, Arunachala und Vrindavana …

Anmerkung: Lesung Amrataka vorläufig; keine moderne Ortsgleichsetzung.

Vers 932
bhadrakarṇahradaścāpi hariścandrastathaiva ca |
madhyameśvara ityevaṃ vastrāpathamataḥ param‌ ||932||

… Bhadrakarnahrada, Harishchandra, Madhyameshvara und danach Vastrapatha …

Vers 933
tataḥ kanakhalaṃ cāpi devadāruvanaṃ tathā |
nepālaḥ karṇikāraśca trisandhyā tadanantaram‌ ||933||

… danach Kanakhala, Devadaruvana, Nepala, Karnikara und anschließend Trisandhya …

Vers 934
tricatvāriṃśasaṃkhyākaḥ kulūtaśca śivālayaḥ |
pṛthūdakaṃ tataḥ kāyāvatāraḥ parameśvari ||934||

… als dreiundvierzigster Kuluta, dann Shivalaya, Prithudaka und Kayavatara, höchste Herrin …

Anmerkung: Zählmarke dreiundvierzig bewahrt. Die Quelle vermerkt in einer Fußnote einen mutmaßlichen Versausfall innerhalb dieses Listenbereichs; keine Namen zur Auffüllung erfunden.

Vers 935
karavīrastataścāpi maṇḍaleśvara īritaḥ |
tato harṣapathaṃ jñeyamalakāpurameva ca ||935||

… danach Karavira und Mandaleshvara. Dann sind Harshapatha und Alakapura zu nennen …

Vers 936
sarvaśeṣe parijñeyaṃ vaḍavāmukhanāmakam‌ |
ekapañcāśaditi hi tīrthāni kathitāni te ||936||

… und ganz zuletzt der Ort namens Vadavamukha. Damit wurden dir einundfünfzig Tirthas genannt.

Anmerkung: Die erhaltene Liste ist gegenüber dieser Quellzählung lückenhaft. Ein mutmaßlich fehlender Vers wird auch redaktionell in der Quelle angezeigt; keine Rekonstruktion.

Shiva-Namen an den heiligen Orten

Vers 937
athāsyāgrimanāmāni krameṇa kathayeśvari |
maheśvaro devadevo bhārabhūteśvarastathā ||937||

Nun [nenne ich] der Reihe nach die anschließenden Namen, Herrin: Maheshvara, Devadeva und Bharabhuteshvara …

Anmerkung: Verb kathaya in der Quelle grammatisch beschädigt; Sinn des Listenbeginns klar. Versziffer beschädigt, nach Anschluss zugeordnet.

Vers 938
kṛttivāseśvaraścāpi trilocana iti smṛtaḥ |
sthāṇuśca somanāthaśca oṃkāreśvara eva ca ||938||

… Krittivaseshvara, Trilochana, Sthanu, Somanatha und Omkareshvara …

Anmerkung: Erster Name durch einfachen OCR-Fehler beschädigt, Lesung nach erkennbarer Wortgestalt vorläufig.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 939)
ayogandheśvaraścāpi pitāmaha īritaḥ |
mahādevaśca tadanu candraśekhara […] ||[…]||

… Ayogandheshvara, Pitamaha, danach Mahadeva und Chandrashekhara […].

Anmerkung: Fragment: Versende und Ziffer unlesbar. Interne Position 939 ist keine gesicherte Quellnummer.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 940)
bhūteśvaro mahāliṅgeśvaraśca parikīrtitaḥ |
vyomakeśo mahākālaḥ pinākīśvara […] ||[…]||

Bhuteshvara und Mahalingeshvara werden genannt, Vyomakesha, Mahakala und Pinakishvara […].

Anmerkung: Fragment: Schluss und Ziffer unlesbar; interne Position zwischen 938 und 944.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 941)
bilvakeśvara ityevaṃ kamaleśvara ityapi ca |
nīlalohita ekāmranāthaśca […] ||[…]||

Bilvakeshvara und Kamaleshvara, Nilalohita und Ekamranatha […].

Anmerkung: Fragment: Schluss und Ziffer unlesbar; interne Position zwischen 938 und 944.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 942)
jambukeśvarasaṃjñaśca dvāviṃśatitamo […] |
jaṭīśvaro'mareśvaraśca mahotkaṭa […] ||[…]||

Als zweiundzwanzigster der Jambukeshvara Genannte […]; Jatishvara, Amareshvara und Mahotkata […].

Anmerkung: Fragment: Zeilenenden und Ziffer beschädigt. Zählmarke zweiundzwanzig bewahrt, keine Listenauffüllung.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 943)
aṭṭahāso mahātejā mahāyogastathā […] |
kapardīśvaranāmā […] ||[…]||

Attahasa, Mahatejas, Mahayoga […] und der Kapardishvara Genannte […].

Anmerkung: Fragment: Zeilenenden und Ziffer unlesbar. Quelle enthält hier die Fußnote, dass ein Vers ausgefallen zu sein scheint; genauer Bezug im OCR nicht sicher zu bestimmen.

Vers 944
sarvajñeśvarasaṃjñaśca gopīśvara iti smṛtaḥ |
śivo harastathā śarvo bhava ugreśvarastathā ||944||

Der Sarvajneshvara Genannte, Gopishvara, Shiva, Hara, Sharva, Bhava und Ugreshvara.

Anmerkung: Letzter Name Ugreśvara; ungewöhnliche Namen nicht durch gebräuchlichere Ortsnamen ersetzt.

Vers 945
daṇḍīśvaraḥ paśupatirgaṇādhyakṣastathaiva ca |
tāmrakeśvara ityevaṃ maṇimaheśa ityapi ||945||

Dandishvara, Pashupati, Ganadhyaksha, Tamrakeshvara und Manimahesha …

Vers 946
ghusṛṇeśvaro vāmadevo laguḍīśvara ityapi |
kapileśvaraśca śrīkaṇṭho harṣitīśvara eva ca ||946||

… Ghusrineshvara, Vamadeva, Lagudishvara, Kapileshvara, Shrikantha und Harshitishvara …

Anmerkung: Seltene Namensformen nach lesbarem Quellenbestand; Harshitishvara bleibt vorläufig.

Vers 947
prahāseśvaranāmā ca tathā caivānaleśvaraḥ |
ekapañcāśadityevaṃ śambhunāma mayoditam‌ ||947||

… der Prahaseshvara Genannte und Analeshvara. Damit habe ich einundfünfzig Namen Shambhus genannt.

Anmerkung: Quellzählung; die beschädigte Namensreihe wird nicht auf einundfünfzig ergänzt.

Vers 948
śivaliṅgapadasyānte sahitetyakṣaratrayam‌ |
saptavarṇa ime proktā eṣāṃ pūrvapadaiḥ saha ||948||

An das Wort „shivalinga“ schließen sich die drei Silben „sahita“ an. Zusammen sind dies sieben Silben; mit ihren vorausgehenden Wörtern …

Die Shaktis der Tirthas

Vers 949
samāsaścātha paurastyapadānyākalayādhunā |
ādyā tu lalitā jñeyā tato vai liṅgadhāriṇī ||949||

… werden sie zu Komposita verbunden. Höre nun die folgenden Wörter: Als erste ist Lalita zu nennen, danach Lingadharini …

Vers 950
punarvegavatī jñeyā mātaṅgī tadanantaram‌ |
pañcamī vedavatyuktā bhavānī ṣaṣṭhyudīryate ||950||

… dann Vegavati, anschließend Matangi; als fünfte Vedavati, als sechste Bhavani …

Vers 951
rājarājeśvarī cāpi tato nigamabodhinī |
[…] ca kathitā tathā caiva harapriyā ||951||

… Rajarajeshvari, danach Nigamabodhini, […] und Harapriya …

Anmerkung: Fragment: Göttinnenname am Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt.

Vers 952
viśālākṣī mohinī ca pārvatī tadanantaram‌ |
raktāmbarā tathā bhaṅkāriṇī bhogavatī tathā ||952||

… Vishalakshi, Mohini, danach Parvati, Raktambara, Bhankarini und Bhogavati …

Anmerkung: Bhankarini nach vorläufiger Lesung; keine stillschweigende Umformung zu einem bekannteren Namen.

Vers 953
aśvārūḍhā tathā bilvapatrikā kamalāpi ca |
tataśca kundadā kīrtimatī dvāviṃśatimatā ||953||

… Ashvarudha, Bilvapatrika, Kamala, danach Kundada und als zweiundzwanzigste Kirtimati …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt; Zählmarke der Namen bewahrt.

Vers 954
vajraprastāriṇī bhadrakarṇikā ca […] |
sarasvatī tathā bhadrāvatī prāṇapradāpi ca ||954||

… Vajraprastarini, Bhadrakarnika, […], Sarasvati, Bhadravati und Pranaprada …

Anmerkung: Fragment: Name am Ende der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 955
siddhidāyinyatho jñeyā rudrāpyojasvinī tathā |
vidyeśvarī tathā bhīmā rādhā śāntā tathaiva ca ||955||

… dann Siddhidayini, Rudra, Ojasvini, Vidyeshvari, Bhima, Radha und Shanta …

Vers 956
pañcatriṃśattamā jñeyā tato vai jayamaṅgalā |
śarvāṇī ca śivā caṇḍavatī sāvitryapi priye ||956||

… als fünfunddreißigste [Shanta]; danach Jayamangala, Sharvani, Shiva, Chandavati und Savitri, Geliebte …

Anmerkung: Zählmarke wird syntaktisch auf die zuletzt genannte Shanta bezogen; nicht zur Rekonstruktion fehlender Namen benutzt.

Vers 957
guhyeśvarī ca kalyāṇī padmāvatyapi kathyate |
śākambharī tathā siddheśvarī tejovatītyapi ||957||

… Guhyeshvari, Kalyani, Padmavati, Shakambhari, Siddheshvari und Tejovati …

Vers 958
tato'nu vijayā jñeyā prabhāvatyucyate tataḥ |
nārāyaṇī tataḥ proktā pramohinyapyudīryate ||958||

… danach Vijaya, anschließend Prabhavati, dann Narayani und Pramohini …

Vers 959
māyāmayī tataḥ śeṣe medhānāmnī nigadyate |
ityevaṃ śaktayastattattīrtheṣu pariniṣṭhitāḥ ||959||

… Mayamayi und zuletzt die Medha Genannte. So sind die an den jeweiligen Tirthas gegenwärtigen Shaktis …

Schlussglieder der Tirtha-Mantras

Vers 960
ekapañcāśaduditāḥ krameṇa nyāsakarmaṇi |
tataścaikaṃ padaṃ devi śaktirūpiṇyudīryate ||960||

… einundfünfzig an der Zahl, in ihrer Reihenfolge für den Nyasa genannt. Danach folgt ein Wort, Göttin: „shaktirupini“ …

Vers 961
saptākṣareṇa ghaṭitā […] parikīrtitā |
atha dvādaśabhirvarṇairyānyākhyā vidyate priye ||961||

… als siebensilbig zusammengesetzt […]. Nun gibt es einen weiteren Namen aus zwölf Silben, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Verbindung und mögliche Endungsanweisung beschädigt; keine siebensilbige Vollform erfunden.

Vers 962
tāṃ te vadāmi nyāsasya parijñānāya tattvataḥ |
navakoṭipadasyānte kulākulaṃ samuddharet‌ ||962||

… den ich dir nenne, damit du den Nyasa seinem Wesen nach verstehst. An das Wort „navakoti“ füge man „kulakula“ …

Vers 963
cakreśvarī tataścāpi nāmedaṃ dvādaśākṣaram‌ |
punardvādaśavarṇāḍhyaṃ nāmānyat‌ pravadāmi te ||963||

… und danach „chakreshvari“: Dieser Name hat zwölf Silben. Wiederum nenne ich dir einen anderen Namen aus zwölf Lauten …

Anmerkung: Lesbarer Name navakoṭikulākulacakreśvarī: Herrin der neunzig Millionen Kula- und Akula-Kreise; keine zusätzliche Formelendung ergänzt.

Vers 964
sakalaguhyānantapadāttattvadhāriṇyanūcyate |
caturvarṇātmakaṃ nāma guhyakālīti kathyate ||964||

… nach „sakalaguhyananta“ spricht man „tattvadharini“. Der viersilbige Name lautet „guhyakali“.

Anmerkung: Erste Anrede etwa „Trägerin sämtlicher geheimer, unbegrenzter Prinzipien“; Zusammensetzung bleibt im IAST überprüfbar.

Vers 965
mantrastu prakṛtirmukhyā bhāratī ṣoḍaśākṣarī |
tato'nu pañcabījāni sudhāśaktistataḥ param‌ ||965||

Der Mantra ist die grundlegende, vorrangige sechzehnsilbige Bharati. Danach folgen fünf Bijas: Sudha, Shakti …

Anmerkung: Lesung prakṛtir mukhyā vorläufig. Es folgt keine ausgeschriebene sechzehnsilbige Bharati-Formel; keine Ergänzung von außen.

Vers 966
dhanadā nirmalaṃ pretā mātṛkākṣarameva ca |
bhinnaṃ bhinnamupāntye tu […] parinirdiśet‌ ||966||

… Dhanada, Nirmala und Preta; dazu jeweils ein wechselnder Matrika-Laut. An vorletzter Stelle soll man […] angeben.

Anmerkung: Fragment: Schlussanweisung beschädigt; die fünf Bija-Decknamen über 965–966 zusammen lesbar.

Vers 967
astratrayaṃ hṛcchirasī sarvaśeṣe udāhṛte |
sthānaṃ tu mātṛkānyāsavaduktaṃ tripurāriṇā ||967||

Ganz am Schluss werden dreimal Astra, Herz- und Kopfabschluss genannt. Die Körperstellen hat der Feind Tripuras wie beim Matrika-Nyasa angegeben.

Vers Nummer unlesbar (Folgeposition 968)
iti te kathitastīrthaśivaliṅgābhidho […] |
[…] pātakanāśanaḥ ||[…]||

Damit wurde dir der Tirtha-Shiva-Linga genannte [Nyasa] gelehrt, […] der Verfehlungen vernichtet.

Anmerkung: Fragment: Teile beider Halbzeilen und Versziffer beschädigt; interne Position 968 aus der Folge, keine gesicherte Nummer.

Satis Körper und die Entstehung heiliger Orte

Vers 969
yadā satī jahau dehaṃ pituryajñe'bhimānataḥ |
tadā taddehamāśliṣya nidhāyāṅke svake prabhuḥ ||969||

Als Sati aus verletztem Stolz beim Opfer ihres Vaters ihren Körper verließ, umarmte der Herr ihren Leichnam und nahm ihn auf seinen Schoß.

Anmerkung: Mythische Erzählung der Quelle; Versziffer beschädigt, Zuordnung nach fortlaufender Folge.

Vers 970
nimīlitākṣo duḥkhena śokabāṣpabharākulaiḥ |
uḍḍīyamānaḥ pakṣīva gagane ruroda […] ||970||

Mit vor Schmerz geschlossenen, von Trauertränen erfüllten Augen flog er wie ein Vogel am Himmel und weinte […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt; Augenbeschreibung in der Quelle grammatisch uneinheitlich.

Vers 971
tadaśrubindupātena jagadetaccarācaram‌ |
vyākulaṃ sarvamabhavadādīpitamivārtitaḥ ||971||

Durch das Herabfallen seiner Tränentropfen geriet diese ganze Welt, das Bewegliche wie das Unbewegliche, in Aufruhr, als wäre sie vom Leid in Brand gesetzt.

Anmerkung: Lesung des Schlusses ārtitaḥ vorläufig; Bild von Leid und Entflammung klar.

Vers 972
vīkṣya devā jagatkṣobhaṃ mahāpralayasannibham‌ |
nārāyaṇamukhāḥ sarve gṛhīteṣuśarāsanāḥ ||972||

Als die Götter diese Erschütterung der Welt sahen, die der großen Weltauflösung glich, ergriffen sie alle, mit Narayana an der Spitze, Pfeile und Bogen …

Vers 973
cakṛntustatsatīdehaṃ khaṇḍakhaṇḍatayeṣubhiḥ |
vāyavyāstrasya vegena yatra yatrāpatat‌ kṣitau ||973||

… und zerschnitten Satis Leichnam mit ihren Pfeilen in einzelne Stücke. Wo immer durch die Gewalt der Windwaffe auf der Erde …

Anmerkung: Keine Ersetzung der hier genannten Pfeile durch eine Waffe aus einer anderen Sati-Erzählung.

Vers 974
aṅgaṃ devyāstatra tatra liṅgarūpadharo […] |
sānnidhyamakarottasya rakṣaṇārthaṃ varānane ||974||

… ein Körperteil der Göttin niederfiel, wurde [Shiva] in Gestalt eines Linga gegenwärtig, um es zu schützen, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Fragment: Wort nach rūpadharaḥ beschädigt; Shiva als handelnde Gestalt durch den unmittelbaren Erzählzusammenhang gesichert, nicht als rekonstruierte Sanskritlesung eingesetzt.

Vers 975
harasya prema saṃvīkṣya devyapi premalālasā |
tāṃ tāṃ mūrtiṃ tathā tattannāma dhṛtvāghanāśanam‌ ||975||

Als die Göttin Haras Liebe sah, wurde auch sie von Liebe erfüllt. Sie nahm jeweils jene Gestalt und jenen Namen an, die Verfehlungen vernichten …

Vers 976
tasmiṃstasmin‌ sthale devī sthitā bharturmude satī |
tāni sthānāni jātāni tīrtharūpāṇi kānicit‌ ||976||

… und blieb als Göttin Sati an dem jeweiligen Ort, ihrem Gemahl zur Freude. Manche dieser Orte wurden zu Tirthas …

Vers 977
anyāni pīṭharūpāṇi kṣetrarūpāṇi caiva hi |
teṣu teṣu ca deśeṣu khyātāni svasvanāmataḥ ||977||

… andere zu Pithas und zu Kshetras. In den jeweiligen Gegenden wurden sie unter ihren eigenen Namen bekannt.

Anmerkung: Tirtha: heiliger Übergangs- oder Pilgerort; Pitha: heiliger Sitz; Kshetra: geheiligter Bereich.

Verheißungen und verehrende Weise

Vers 978
nāmāni tattatsthānānāṃ devyāścāpi śivasya ca |
kīrtitāni varārohe sādhayanti manorathān‌ ||978||

Die Namen jener Orte, der Göttin und Shivas erfüllen, wenn sie gepriesen werden, die Herzenswünsche, du Wohlgestaltete.

Anmerkung: Verheißung der Quelle.

Vers 979
siddhīrdadati pāpaughān‌ kṣapayantyadrisannibhān‌ |
ārogyamāśu yacchanti maṅgalaṃ vidadhatyapi ||979||

Sie schenken Siddhis, tilgen bergehohe Ansammlungen von Verfehlungen, gewähren rasch Gesundheit und bewirken Heil.

Anmerkung: Religiöse Verheißung, keine medizinische Aussage dieser Ausgabe.

Vers 980
vitaranti jayaṃ yuddhe yogasiddhiṃ ca kurvate |
ata eva viditveṣāṃ mahimānamanuttamam‌ ||980||

Sie schenken Sieg im Kampf und bewirken Yoga-Siddhi. Eben deshalb, weil sie ihre unübertreffliche Größe kennen …

Vers 981
nyāsānanyān‌ pañca hitvā munayaḥ śaṃsitavratāḥ |
kurvanti bhaktibhāvena tvamuṃ kevalameva hi ||981||

… lassen die Munis mit ihren gepriesenen Gelübden die fünf anderen Nyasas beiseite und vollziehen einzig diesen, erfüllt von Hingabe.

Anmerkung: Quellziffer beschädigt; Folge 981. Keine redaktionelle Auslassung der noch folgenden fünf Gruppen.

Vers 982
jamadagnirbharadvājo vāmadeva ṛtaśravāḥ |
kaṭho'gastyo dadhīciśca vītahavyaḥ parāśaraḥ ||982||

Jamadagni, Bharadvaja, Vamadeva, Ritashravas, Katha, Agastya, Dadhichi, Vitahavya und Parashara …

Vers 983
kātyāyano nāciketā hārīto'triśca kaśyapaḥ |
jaigīṣavyo bhṛgurvatso vasiṣṭhaḥ pippalāyanaḥ ||983||

… Katyayana, Nachiketas, Harita, Atri, Kashyapa, Jaigishavya, Bhrigu, Vatsa, Vasishtha und Pippalayana …

Anmerkung: Seltene Namen nach vorläufiger OCR-Lesung normalisiert, insbesondere Jaigishavya.

Vers 984
śivaśaktyātmake rudra ete bhaktiparāyaṇāḥ |
kurvate'muṃ mahānyāsaṃ vihāyānyān‌ varānane ||984||

… sie alle sind dem aus Shiva und Shakti bestehenden Rudra in Hingabe ergeben. Sie vollziehen diesen großen Nyasa und lassen andere beiseite, du mit dem schönen Antlitz.

Anmerkung: Traditionelle Zuschreibung der Quelle, keine unabhängig belegte Lebensgeschichte der genannten Weisen.

Vers 985
nāmabhiḥ śivaliṅgānāṃ mūlena pratimanvapi |
kevalenāmunā kintu mahāṣoḍhābhijāyate ||985||

Mit den Namen der Shiva-Lingas und der Grund-[Formel] in jedem Mantra ergibt sich durch dieses Verfahren allein der Mahashodha.

Anmerkung: Die genaue Verbindung von mūlena mit den Namen und die Abgrenzung der beiden Fassungen bleibt im knappen Satz offen.

Berg-Narasimha-Nyasa: Ritualfaktoren

Vers 986
athāvadhehi deveśi parvatanyāsamuttamam‌ |
narasiṃhayutaṃ cāpi mahānirvāṇanāmakam‌ ||986||

Höre nun aufmerksam vom erhabenen Berg-Nyasa, Herrin der Götter. Mit Narasimha verbunden trägt er die Bezeichnung Mahanirvana.

Vers 987
omasya parvatanarasiṃhanyāsasya kathyate |
ṛṣiḥ śailūṣipadato jñeyaḥ kulmalabarhiṣaḥ ||987||

Man spricht: „Om, asya parvatanarasimhanyasasya“ — „Om, dieses Berg-Narasimha-Nyasa“. Als Rishi ist der Name Kulmalabarhisha nach dem Wort Shailushi zu nennen.

Anmerkung: Seltene Rishi-Bezeichnung nach vorläufig lesbarer Quelle; keine historische Identifikation behauptet.

Vers 988
uṣṇik‌ chandaḥ samākhyātaṃ viśeṣāttadanūccaret‌ |
hairaṇyakaśipupadānmantrādhiṣṭhātryudīrayet‌ ||988||

Ushnih wird als Metrum genannt. Danach spreche man als besondere Bestimmung nach „hairanyakashipu“ das Wort „mantradhishthatri“ …

Anmerkung: Die Zusammensetzung bezeichnet die über dem betreffenden Hiranyakashipu-Mantra waltende Göttin; keine vollständige Mantraform daraus ergänzt.

Vers 989
guhyakālī devatā ca sānurbījamudāhṛtam‌ |
pralayaḥ śaktiruditā ḍākinī kīlakaṃ tathā ||989||

… Guhyakali ist die Gottheit. Sanu wird als Bija bezeichnet, Pralaya als Shakti, Dakini als Kilaka.

Vers 990
kaṇikā tattvamapi ca pūrvoktanyāsa eva hi |
jape ca viniyogaḥ syādṛṣyādi pūrvavatsmaret‌ ||990||

Kanika ist das Tattva. Die Anwendung gilt dem zuvor genannten Nyasa und dem Japa. Man vergegenwärtige sich Rishi und die übrigen Faktoren wie zuvor.

Die sechs Glieder

Vers 991
ṣaḍaṅgamadhunā vacmi ubhayaṃ te sureśvari |
anāhato bhogasṛṣṭī tretā kṛtyā tathaiva ca ||991||

Nun lehre ich dir die sechs Glieder in beiden Formen, Herrin der Götter: Anahata, Bhoga, Srishti, Treta und Kritya …

Vers 992
anena prathamaṃ kuryād‌ gāyatrī kaṇikā tathā |
śṛṅkhalopahvaraṃ cāpi nāndikaṃ ca dvitīyake ||992||

… damit vollziehe man das erste Glied. Beim zweiten [verwende man] Gayatri, Kanika, Shrinkhala, Upahvara und Nandika.

Anmerkung: Namensglieder nach vorläufiger Worttrennung; keine offenen Bija-Silben ersetzt.

Vers 993
saṃhāripramukhairdevi pañcabhiśca tṛtīyakam‌ |
evameva hi turye syāt‌ pañcabhirvirasādibhiḥ ||993||

Das dritte [Glied vollziehe man] mit den fünf, die mit Samhari beginnen, Göttin; ebenso das vierte mit den fünf, die mit Virasa beginnen.

Anmerkung: Die hier nur abgekürzt genannten Reihen werden nicht redaktionell aufgefüllt.

Vers 994
pañcame pañcabhirjñeyaṃ bhadrikādibhireva ca |
pañcabhiḥ ṣaṣṭha uditaḥ sauraṅgādibhireva hi ||994||

Für das fünfte gelten die fünf, die mit Bhadrika beginnen; für das sechste werden die fünf mit Sauranga beginnenden genannt.

Vers 994 (zweite Zählung; Position 995)
atho pūrvavaduddhāramubhayaṃ kathayāmi te |
sāmānyaṃ ca viśeṣaṃ ca prathamaṃ prathamaṃ […] ||994||

Nun erkläre ich dir wie zuvor beide Formen der Erschließung, die allgemeine und die besondere; zuerst die erste […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt. Quelle zählt erneut 994; Folgeposition 995.

Allgemeiner Aufbau der Berg-Mantras

Vers 996
bījānyādau pañcadaśa kūṭaṃ caikaṃ tataḥ param‌ |
sthirāṇi ṣoḍaśaitāni pratimantraṃ sureśvari ||996||

Zuerst fünfzehn Bijas und danach ein Kuta: Diese sechzehn bleiben in jedem Mantra unverändert, Herrin der Götter.

Vers 997
pañcāśatsaṃkhyakā ekādhikāḥ śabdāstataḥ param‌ |
te calatvena kathitāstataśca tryakṣaraṃ padam‌ ||997||

Danach kommen einundfünfzig Wörter, die als wechselnd bezeichnet werden. Anschließend ein dreisilbiges Wort …

Anmerkung: Lesung te … kathitāḥ folgt der in der Quelle vorgeschlagenen grammatischen Korrektur.

Vers 998
ekaṃ taṅṅyantamuditaṃ pūrvoktaiḥ saha vigrahe |
tato'parāṇi nāmāni tāvatsaṃkhyāni pārvati ||998||

… das mit einer weiblichen Endung und in Verbindung mit den zuvor genannten Wörtern angegeben wird. Danach kommen ebenso viele weitere Namen, Parvati …

Anmerkung: Endungslesung ṅyanta vorläufig; die genaue grammatische Gestalt nicht zu einer fertigen Rezitationsform umgebaut.

Vers 999
pratimantraṃ vibhinnāni tato varṇāni sapta hi |
sthiratvenoditānyatra padāni tadanantaram‌ ||999||

… in jedem Mantra verschieden. Dann werden sieben Laute als unverändert angegeben. Anschließend Wörter …

Vers 1000
ekapañcāśatsaṃkhyāni vibhinnāni sureśvari |
madhyasthitena saptārṇaghaṭitena padena hi ||1000||

… einundfünfzig an der Zahl, voneinander verschieden, Herrin der Götter. Mit dem in der Mitte stehenden, aus sieben Silben gebildeten Wort …

Vers 1001
āgantukairvāmadakṣasthitaiḥ śabdaiśca vigrahaḥ |
athottarapadaiḥ sārdhaṃ pṛthaktvena vyavasthitaiḥ ||1001||

… werden die hinzukommenden Wörter links und rechts verbunden. Ferner [erfolgt die Verbindung] mit den nachfolgenden, jeweils gesondert angeordneten Wörtern …

Vers 1002
dvyarṇātmakasya śabdasya strīliṅgākāradhāriṇaḥ |
ṅe'ntasya vigraho'pyuktaḥ sarvatra sthiratājuṣaḥ ||1002||

… sowie mit einem zweisilbigen Wort in weiblicher Form und im Dativ, das überall unverändert bleibt.

Anmerkung: Zweisilbenlesung vorläufig; Quelle vermerkt eine Korrektur innerhalb des Wortes. Keine konkrete Endform aus der knappen Anweisung erfunden.

Vers 1003
tato'nu pañcadaśabhirvarṇairekaṃ vinirmitam‌ |
padaṃ tato'nyannavabhirghaṭitaṃ tadanantaram‌ ||1003||

Danach folgt ein aus fünfzehn Lauten gebildetes Wort, dann ein anderes aus neun und anschließend …

Vers 1004
etāvadbhirvihīnaistu kintvekena sureśvari |
tataḥ ṣaḍakṣaramidaṃ padamekaṃ tato'pyanu ||1004||

… eines aus ebenso vielen weniger einem, Herrin der Götter. Danach ein Wort aus sechs Silben, und dann …

Anmerkung: Acht Silben als ausdrücklich beschriebene Differenz neun minus eins; keine freie Zahlrekonstruktion.

Vers 1005
padadvayaṃ parijñeyaṃ caturarṇātmakaṃ tathā |
ṣaḍapyetāni ṅe'ntāni […] padāni hi ||1005||

… zwei Wörter mit jeweils vier Silben. Alle diese sechs Wörter stehen im Dativ […] …

Anmerkung: Fragment: Weitere Bestimmung nach der Dativanweisung beschädigt.

Vers 1006
kālavyāpitayā caiva jñātavyāni manau manau |
tataścaiko mahāmantraḥ ṣoḍaśārṇavinirmitaḥ ||1006||

… und sind in jedem Mantra als alle Zeit durchdringend zu verstehen. Danach folgt ein großer Mantra aus sechzehn Silben.

Vers 1007
so'pi kūṭastharūpeṇa kathitastripurāriṇā |
bījāni pañca tadanu mukhyāni sthairyabhāñji ca ||1007||

Auch er wurde vom Feind Tripuras als unveränderlich gelehrt. Danach folgen fünf Hauptbijas, die ebenfalls unverändert bleiben.

Vers 1008
upabījāni daśa ca mantrāṅgatvena yāni hi |
kathitānyāgame devi tāni syustadanantaram‌ ||1008||

Danach kommen die zehn Nebenbijas, die im Agama als Glieder des Mantra gelehrt werden, Göttin.

Vers 1009
amūnyapi sthirākārāṇyapi jñeyāni paṇḍitaiḥ |
iti sāmānya uddhāro viśeṣamadhunā śṛṇu ||1009||

Auch diese sollen die Kundigen als unveränderlich verstehen. Damit endet die allgemeine Erschließung. Höre nun die besondere.

Feste Bijas und die Berge

Vers 1010
tāraḥ kalpaśca muktā ca mahākramanṛsiṃhakāḥ |
mānasaṃ carmakāpālaṃ bhāruṇḍā sānureva ca ||1010||

Tara, Kalpa, Mukta, Maha, Krama, Narasimha, Manasa, Charma, Kapala, Bharunda und Sanu …

Anmerkung: Worttrennung der Bija-Namen mahā/krama und carma/kāpāla nach dem erkennbaren Listenbau; unaufgelöste Decknamen, keine fertigen Silben.

Vers 1011
hāraśca mekhalā caiva saṃgraho jambha eva ca |
etāni pañcadaśa vai bījāni kathitāni te ||1011||

… Hara, Mekhala, Sangraha und Jambha: Diese fünfzehn Bijas wurden dir genannt.

Vers 2012 (Position 1012)
bhāsākhyaḥ ṣoḍaśatamaḥ kūṭaśca tadanantaram‌ |
śailā athaikapañcāśat‌ krameṇaiva nibodha me ||2012||

Als sechzehntes folgt danach der Bhasa genannte Kuta. Höre nun von mir die einundfünfzig Berge in ihrer Reihenfolge.

Anmerkung: Quellziffer 2012 an Folgeposition 1012 bewahrt.

Vers 1013
ādau himālayaḥ prokto gandhamādana ityapi |
bhadrāśvaḥ ketumālaśca sumeruvindhya eva ca ||1013||

Zuerst Himalaya und Gandhamadana, dann Bhadrashva, Ketumala, Sumeru und Vindhya …

Anmerkung: Die Quelle behandelt sämtliche Namen dieser Reihe als Berge; keine moderne geografische Korrektur.

Vers 1014
niṣadho hemakūṭaśca pāripātrastathā param‌ |
kailāsa udayaścāpi asta ityeva tatparam‌ ||1014||

… Nishadha, Hemakuta, danach Paripatra, Kailasa, Udaya und anschließend Asta …

Vers 1015
mālyavantaśca sahyaśca malayo dardurastathā |
ṛṣyamūkaḥ śuktimanto mahendro'rbuda eva ca ||1015||

… Malyavant, Sahya, Malaya, Dardura, Rishyamuka, Shuktimant, Mahendra und Arbuda …

Vers 1016
droṇaśca revataścātha krauñcastadanu kīrtyate |
citrakūṭaśca kāśmīraḥ kālañjara itaḥ param‌ ||1016||

… Drona, Revata, danach Krauncha, Chitrakuta, Kashmira und anschließend Kalanjara …

Vers 1017
śrīśailaścātha mainākastato muñjagirirmataḥ |
gomanthaśca trikūṭaśca subalaḥ saindhavastathā ||1017||

… Shrishaila, Mainaka, dann Munjagiri, Gomantha, Trikuta, Subala und Saindhava …

Anmerkung: Gomantha nach Quelllaut; nicht stillschweigend Gomanta eingesetzt.

Vers 1018
kalindo ravibhā lokāloko mandara eva ca |
kedāro'ṣṭatriṃśasaṃkhyo nīlācala itaḥ param‌ ||1018||

… Kalinda, Ravibha, Lokaloka, Mandara, als achtunddreißigster Kedara und danach Nilachala …

Anmerkung: Name Ravibha vorläufig; Zählmarke unverändert bewahrt.

Vers 1019
añjanaśca varāhaśca tathā caitraratho mataḥ |
karṇikāraśca mandāraḥ kokāmukha itaḥ param‌ ||1019||

… Anjana, Varaha, Chaitraratha, Karnikara, Mandara und anschließend Kokamukha …

Anmerkung: Kokamukha aus beschädigter Schlussform vorläufig gelesen; Mandara hier mit langem ā gegenüber mandara in 1018.

Vers 1020
kolāgiristuṣāraśca vāṭadhānastato'pi ca |
tasyānu syānnīcagiriryotidharta […] ||1020||

… Kolagiri, Tushara, Vatadhana, danach Nichagiri und Yotidharta […].

Anmerkung: Fragment: Letzter Name stark beschädigt; Lautgestalt Yotidharta nur vorläufig, keine sichere Identifikation. Nicht als ausgelassener ganzer Vers behandelt.

Vers 1021
hariścandraḥ sarvaśeṣe ekapañcāśadīritāḥ |
idaṃ parvata ityevaṃ tryakṣaraṃ ṅyantamīśvari ||1021||

Ganz zuletzt Harishchandra: Einundfünfzig wurden genannt. Das dreisilbige Wort „parvata“ wird mit einer weiblichen Endung angegeben, Herrin.

Anmerkung: Endungsangabe ṅyanta wie in 998; ungewöhnliche Grammatik nicht zu einer sicheren Formel normalisiert.

Die Narasimha-Namen

Vers 1022
athāparāṃstāvato hi śabdānākalaya kramāt‌ |
jvālāmālī karālaśca bhīmaścaivāparājitaḥ ||1022||

Höre nun der Reihe nach ebenso viele weitere Wörter: Jvalamali, Karala, Bhima und Aparajita …

Anmerkung: Beginn der Narasimha-Namensliste.

Vers 1023
kṣobhaṇaśca tathā sṛṣṭiḥ sthitiḥ kalpānta ityapi |
anantaśca virūpaśca tato […] mataḥ ||1023||

… Kshobhana, Srishti, Sthiti, Kalpanta, Ananta, Virupa und danach […] …

Anmerkung: Fragment: Letzter Name beschädigt.

Vers 1024
parāparo dvādaśākhyastataḥ pradhvaṃso mataḥ |
viśvamardana ityevamugro bhadrastato'pyanu ||1024||

… als zwölfter Parapara, dann Pradhvamsa, Vishvamardana, Ugra und anschließend Bhadra …

Vers 1025
mṛtyuḥ saptadaśa […] |
[…] ghoradaṃṣṭro mahākālāgnireva ca ||1025||

… als siebzehnter Mrityu, […], Ghoradamshtra und Mahakalagni …

Anmerkung: Fragment: Mehrere Namen und Verbindungen beschädigt; keine vollständige Namensreihe erfunden.

Vers 1026
meghanādaśca vikaṭastathā piṅgasaṭo'pi ca |
pradīpto viśvarūpaśca vidyud[…] eva ca ||1026||

… Meghanada, Vikata, Pingasata, Pradipta, Vishvarupa und Vidyud-[…] …

Anmerkung: Fragment: Letzter Name nach vidyud beschädigt; nicht als bekannter Narasimha-Name ergänzt.

Vers 1027
vidāro vikramaścāpi pracaṇḍaḥ sarvatomukhaḥ |
vajro divyaśca bhogaśca mokṣo lakṣmīriti kramāt‌ ||1027||

… Vidara, Vikrama, Prachanda, Sarvatomukha, Vajra, Divya, Bhoga, Moksha und Lakshmi, in dieser Reihenfolge …

Anmerkung: Lakshmi steht ausdrücklich in dieser Narasimha-Namensliste; nicht in eine andere Reihe verschoben.

Vers 1028
vidrāvaṇaḥ kālacakraḥ kṛtāntastaptahāṭakaḥ |
bhrāmako raudra iti ca viśvāntaka itaḥ param‌ ||1028||

… Vidravana, Kalachakra, Kritanta, Taptahataka, Bhramaka, Raudra und danach Vishvantaka …

Vers 1026 (erneute Zählung; Position 1029)
bhayaṅkaraḥ prataptaśca vijayastadanantaram‌ |
tejomayastathā jvālājaṭālaḥ parikīrtitaḥ ||1026||

… Bhayankara, Pratapta, danach Vijaya, Tejomaya und Jvalajatala …

Anmerkung: Quelle zählt erneut 1026; Folgeposition 1029.

Vers 1030
tataḥ […] kharanakharo nādadāruṇaḥ |
nirvāṇanarasiṃhaśca sarvaśeṣa udīritaḥ ||1030||

… danach […], Kharanakhara und Nadadaruna. Als allerletzter wird Nirvana-Narasimha genannt.

Anmerkung: Fragment: Name am Versanfang beschädigt.

Vers 1031
ekaḥ pañcāśadityete śabdāḥ kramasamutthitāḥ |
padaṃ yat‌ saptavarṇāḍhyaṃ tadākalaya bhāmini ||1031||

So stehen diese Wörter, einundfünfzig an der Zahl, in ihrer Reihenfolge. Höre nun das siebensilbige Wort, Strahlende.

Anmerkung: Anfang der Zahlformel beschädigt; Bedeutung einundfünfzig aus dem Listenrahmen gesichert, Wortlaut ekaḥ pañcāśat nicht als grammatisch gesichert ausgegeben.

Vers 1032
narasiṃhapadasyānte sahitetyakṣaratrayam‌ |
pūrvaiḥ padairuttaraiśca vakṣyamāṇaiḥ saheśvari ||1032||

An „narasimha“ schließen sich die drei Silben „sahita“ an. Mit den vorangehenden und den noch zu nennenden folgenden Wörtern, Herrin …

Vers 1033
dvandvākhyavigrahayutaṃ sarvatraiva prakīrtitam‌ |
atha bravīmi kramaśastaduttarapadāni hi ||1033||

… wird überall eine Dvandva genannte Wortverbindung gebildet. Nun nenne ich der Reihe nach die darauf folgenden Wörter.

Anmerkung: Dvandva: koordinierende Zusammensetzung; keine darüber hinaus rekonstruierte Formelgrammatik.

Die Shaktis der Narasimha-Formen

Vers 1034
vidyutkeśī kālarātrirulkāmukhyatha kathyate |
tataḥ piṅgajaṭā kuṇḍodarī pretāsanāpi ca ||1034||

Vidyutkeshi, Kalaratri und Ulkamukhi werden genannt, dann Pingajata, Kundodari und Pretasana …

Anmerkung: Beginn der Shakti-Namen der Narasimha-Formen.

Vers 1035
kapālakuṇḍalā caṇḍacāmuṇḍā tadanantaram‌ |
dhūmāvatī tataḥ śuṣkodarī jvālākulā tataḥ ||1035||

… Kapalakundala, danach Chandachamunda, dann Dhumavati, Shushkodari und Jvalakula …

Vers 1036
tato'ñjanaprabhā vajravārāhī kālamardinī |
nāgahāriṇyatho ghoranādā caiva karālinī ||1036||

… danach Anjanaprabha, Vajravarahi, Kalamardini, Nagaharini, Ghoranada und Karalini …

Vers 1037
aṣṭādaśatamā muṇḍacarcikā vinigadyate |
śmaśānacāriṇī cāpi śavavāhinyanantaram‌ ||1037||

… als achtzehnte Mundacharchika, dann Shmashanacharini und anschließend Shavavahini …

Anmerkung: Shmashanacharini: śmaśānacāriṇī, „die auf dem Verbrennungsplatz umhergeht“; Zählmarke bewahrt.

Vers 1030 (Position 1038)
raktapāyinyatho caṇḍaghaṇṭā cāṭṭāṭṭahāsinī |
kaṅkālinī tathā bhūtonmādinī ca piśācinī ||1030||

… dann Raktapayini, Chandaghanta, Attattahasini, Kankalini, Bhutonmadini und Pishachini …

Anmerkung: Quelle zeigt 1030 an Folgeposition 1038; erhaltene Form Attattahasini nicht gekürzt.

Vers 1039
tato vikaṭadaṃṣṭrā ca meghamālā tathaiva ca |
pūtituṇḍā ca bhāruṇḍaruṇḍā phetkāriṇī tataḥ ||1039||

… danach Vikatadamshtra, Meghamala, Putitunda, Bharundarunda und Phetkarini …

Vers 1040
piciṇḍanāsā ca hūṃhuṃkāranādinyanantaram‌ |
kolānanā ca pañcaviṃśattamā ca nirañjanī ||1040||

… Pichindanasa, danach Humhumkaranadini, Kolanana und als fünfundzwanzigste Niranjani …

Anmerkung: Die Zählmarke fünfundzwanzig steht so in der Quelle, obwohl sie mit der fortlaufenden Liste nicht übereinstimmt; nicht stillschweigend korrigiert.

Vers 1041
jñeyā tato'nu bhramarāmbikā tridaśavandite |
muṇḍatāṭaṅkinī śūlacaṇḍikāpi kaṭakaṭā ||1041||

Danach ist Bhramarambika zu nennen, du von den Göttern Verehrte; Mundatatankini, Shulachandika und Katakata …

Anmerkung: Lesung muṇḍatāṭaṅkinī aus beschädigtem mula vorläufig; Sanskritzeichen des Namens nicht vollständig gesichert.

Vers 1042
kukkuṭī pukkaśī viśvabhañjikā śaṅkhinītyapi |
nīlāmbarā tataḥ kālasaṅgharṣiṇyapi kathyate ||1042||

… Kukkuti, Pukkashi, Vishvabhanjika, Shankhini, Nilambara und anschließend Kalasamgharshini …

Anmerkung: Name Pukkashi und Lesung Shankhini in beschädigter Vorlage vorläufig.

Vers 1043
tato'parāṇi kuṇapabhojinī parikīrtitā |
saptacatvāriṃśasaṃkhyā daityavidhvaṃsinī matā ||1043||

Danach wird Kunapabhojini genannt und als siebenundvierzigste Daityavidhvamsini …

Anmerkung: Anschluss aparāṇi grammatisch gestört; keine zusätzliche Göttin daraus erzeugt.

Vers 1044
vidārisṛkkiṇī kṣetrapālinī kulakuṭṭunī |
ānandadāyinī sarvaśeṣe deveśi paṭhyate ||1044||

… Vidarisrikkini, Kshetrapalini, Kulakuttuni und, ganz zuletzt, Anandadayini, Herrin der Götter.

Anmerkung: Erster und dritter Name nach vorläufiger Lautgestalt; keine sicheren Normalformen behauptet.

Vers 1044 (zweite Zählung; Position 1045)
ityekapañcāśanmitā narasiṃhasya śaktayaḥ |
krameṇa kathanīyā hi sahitetyakṣaratrayāt‌ ||1044||

Diese einundfünfzig Shaktis Narasimhas sind der Reihe nach hinter den drei Silben „sahita“ zu nennen.

Anmerkung: Quelle zählt erneut 1044; Folgeposition 1045. Fehlende oder unsichere Namen nicht auf einundfünfzig ergänzt.

Schlussglieder der Berg-Mantras

Vers 1046
yatrājādyābhidhā devi sandhānaṃ tatra nirdiśet‌ |
dvyarṇātmako hi yaḥ śabdaḥ strīliṅgākāradhāryapi ||1046||

Wo ein Name mit einem Vokal beginnt, Göttin, ist die Lautverbindung vorzunehmen. Das zweisilbige Wort in weiblicher Form …

Anmerkung: Lesung dvya vorläufig; Quelle bietet beschädigtes ic. Sandhi ist hier eine Lautverbindungsanweisung, keine frei ergänzte Formel.

Vers 1047
svarūpā iti vijñeyo varṇapañcadaśātmakam‌ |
padamākalayedānīṃ sāvadhānā sureśvari ||1047||

… lautet „svarupa“. Höre nun aufmerksam das fünfzehnsilbige Wort, Herrin der Götter.

Anmerkung: Quelle schwankt ausdrücklich zwischen sa- und sva-rūpā; svarūpā hier als vorläufige Lesung. Silbenangabe aus 1046 nicht eigenmächtig berichtigt.

Vers 1048
ādau caturaśītyuktvā koṭibrahmāṇḍaṃ tatparam‌ |
sṛṣṭikāriṇyapi tataḥ śabdaḥ pañcadaśākṣaraḥ ||1048||

Zuerst spreche man „chaturashiti“, danach „kotibrahmanda“, dann „srishtikarini“: ein fünfzehnsilbiges Wort.

Anmerkung: Anrede „die vierundachtzig Zehnmillionen Welteneier erschafft“; Srishtikarini aus beschädigtem srishta vorläufig gelesen, nicht als gesicherte Konjektur verborgen.

Vers 1046 (Position 1049)
ekīkṛto vigraheṇa ṅībantaḥ suravandite |
vibhaktiḥ pūrvamuditā navārṇāḍhyaṃ padaṃ śṛṇu ||1046||

Es wird zu einer Wortverbindung vereinigt, mit weiblicher Endung, du von Göttern Verehrte; der Kasus wurde zuvor genannt. Höre das neunsilbige Wort …

Anmerkung: Quelle zeigt 1046 an Folgeposition 1049. Ṅīb bezeichnet eine feminine Bildungsendung, keine Mantrasilbe.

Vers 1050
prajvalajjvalanasyānte locanā iti […] |
ado'pi vigrāhi jñeyaṃ vibhaktiḥ pūrvikaiva hi ||1050||

… an „prajvalajjvalana“ schließt sich „lochana“ an […]. Auch dies ist als Wortverbindung zu verstehen; es steht im zuvor genannten Kasus.

Anmerkung: Fragment: Verb nach locanā beschädigt. Anrede „deren Augen loderndes Feuer sind“.

Vers 1051
aṣṭākṣaraṃ padaṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhā iti |
ṣaḍakṣaraṃ durnirīkṣyākārā iti padaṃ priye ||1051||

Das achtsilbige Wort lautet „vajranakhadamshtrayudha“ — „die Vajra-Krallen und Fangzähne als Waffen hat“. Das sechssilbige Wort lautet „durnirikshyakara“ — „deren Gestalt schwer anzublicken ist“, Geliebte.

Anmerkung: Nennformen nach der Quelle, keine zusätzlich konstruierte Dativfassung ausgegeben.

Vers 1052
caturvarṇātmake yacca padadvayamudāhṛtam‌ |
tatrādyaṃ bhagavatyevaṃ guhyakālī dvitīyakam‌ ||1052||

Von den beiden erwähnten viersilbigen Wörtern lautet das erste „bhagavati“, das zweite „guhyakali“.

Vers 1053
mahāmantrastu deveśi ṣoḍaśārṇavinirmitaḥ |
hiraṇyakaśipūpāsyastataḥ paramudīritaḥ ||1053||

Der große, aus sechzehn Silben gebildete Mantra, den Hiranyakashipu verehrt, wird danach genannt, Herrin der Götter.

Anmerkung: Verweis auf den Mantra, hier keine ausgeschriebene Formel. Keine Silben ergänzt.

Vers 1054
pañca bījāni yānyasya carame kathitāni hi |
tāni raudraśca kālaśca nityo yātanayā saha ||1054||

Die fünf Bijas, die für seinen Schluss genannt werden, sind Raudra, Kala, Nitya, zusammen mit Yatana …

Vers 1055
dīpanī ceti daśopabījāni śṛṇuṣva me |
kaurajatritayaṃ cāstratritayaṃ hṛdayaṃ śiraḥ ||1055||

… und Dipani. Höre von mir die zehn Nebenbijas: dreimal Kauraja, dreimal Astra, Herz und Kopf.

Anmerkung: Die ausdrücklich genannten Gruppen ergeben nicht ohne Weiteres zehn; fehlende Glieder nicht ergänzt und Quellzahl nicht korrigiert.

Vers 1056
iti te kathito devi narasiṃhasamanvitaḥ |
uttamaḥ parvatanyāsaḥ kālīprītipradāyakaḥ ||1056||

Damit habe ich dir, Göttin, den erhabenen, mit Narasimha verbundenen Berg-Nyasa gelehrt, der Kali Freude bereitet.

Mahakali auf den Bergen: Schutz der Weisen

Vers 1057
yasmin‌ yasmin‌ girau yāṃ yāṃ mūrtiṃ saṃjñāṃ tathaiva ca |
dhṛtvā sthitā mahākālī trijagatpālanāya hi ||1057||

Welche Gestalt und welchen Namen Mahakali auch auf dem jeweiligen Berg angenommen hat, um die drei Welten zu schützen …

Vers 1058
tasya tasya girernāma tattanmūrtestathaiva ca |
nyāse'smin‌ kathitaṃ devi tato'yamadhiko mataḥ ||1058||

… der Name dieses Berges und dieser Gestalt wird in diesem Nyasa genannt, Göttin. Darum gilt er als besonders erhaben.

Vers 1056 (Position 1059)
sahavāso nṛsiṃhena kathamityatra saṃśaye |
samākalaya siddhāntaṃ kathyamānaṃ mayā priye ||1056||

Falls du dich fragst, wie es zum Zusammenleben mit Narasimha kam, höre die Erklärung, die ich dir gebe, Geliebte.

Anmerkung: Quelle zählt 1056 an Folgeposition 1059.

Vers 1060
ukteṣu śailaśreṣṭheṣu munayastapasi sthitāḥ |
ṛṣayaśca mahābhāgāstathā brahmarṣayo'pare ||1060||

Auf den genannten erhabenen Bergen lebten Munis in Askese, hochbegnadete Rishis und weitere Brahmarshis.

Vers 1061
vijñāya ghoraṃ gahanaṃ raho rūpaṃ tapohitam‌ |
svecchāviṣayabhūtāni cakruḥ karmāṇi te'khilāḥ ||1061||

Sie erkannten die wilde, unzugängliche und abgeschiedene Beschaffenheit [dieser Orte] als günstig für die Askese und vollzogen dort alle die von ihnen selbst gewählten Übungen.

Anmerkung: Die Zuordnung von rūpa zur Beschaffenheit der Orte ist nach dem Erzählzusammenhang vorgenommen.

Vers 1062
tapāṃsi tepire kecinmantrān‌ jepurathāpare |
yogāṃśca sādhayāmāsuḥ kecittatrordhvaretasaḥ ||1062||

Einige übten Askese, andere rezitierten Mantras. Wieder andere, deren Zeugungskraft aufwärts gerichtet war, vollzogen dort Yoga-Übungen.

Anmerkung: Ūrdhvaretas: traditionelle Bezeichnung für bewahrte bzw. aufwärts gerichtete Zeugungskraft; keine moderne anatomische Behauptung.

Vers 1063
jaguḥ sāmānyatha pare brahma dadhyurathāpare |
teṣāmevaṃ vidadhatāṃ svasvakarmāṇi pārvati ||1063||

Andere sangen Saman-Gesänge, wieder andere meditierten über Brahman. Während sie so ihre jeweiligen Übungen vollzogen, Parvati …

Vers 1064
rākṣasā dānavāścāpi daiteyā asurāstathā |
varadānamadonmattāstapovighnaṃ pracakrire ||1064||

… störten Rakshasas, Danavas, Daityas und Asuras ihre Askese, übermütig geworden durch die ihnen gewährten Segensgaben.

Vers 1065
[…] munīn‌ kāṃścid‌ dhyānamaunaparāyaṇān‌ |
atha te śaraṇaṃ jagmurjagadambāṃ parāparām‌ ||1065||

[…] einige Munis, die sich Meditation und Schweigen widmeten. Darauf nahmen diese Zuflucht zur Weltmutter, die das Höhere und Niedere umfasst.

Anmerkung: Fragment: Verb am Anfang beschädigt; keine konkrete Gewalttat ergänzt.

Vers 1066
teṣāmṛṣīṇāṃ trāṇāya tapovighnāpanuttaye |
mahograṃ vapurāsthāya durnirīkṣyaṃ surāsuraiḥ ||1066||

Um jene Rishis zu retten und die Hindernisse ihrer Askese zu beseitigen, nahm sie eine überaus furchtbare Gestalt an, die selbst Götter und Asuras kaum anzublicken vermochten …

Vers 1067
jaghāna dānavān‌ daityān‌ rākṣasānasurāṃstathā |
atharṣibhiḥ prārthitā sā tādṛśākāradhāriṇī ||1067||

… und tötete Danavas, Daityas, Rakshasas und Asuras. Dann baten die Rishis sie, die eine solche Gestalt trug …

Vers 1068
taṃ taṃ śailaṃ na tatyāja tāstā ghorāstanūrapi |
viharantī tatra tatra śaile śaile maheśvarī ||1068||

… und sie verließ weder die jeweiligen Berge noch ihre furchtbaren Gestalten. Maheshvari verweilte an diesen verschiedenen Orten, von Berg zu Berg.

Shivas Suche nach der Göttin

Vers 1069
tattadvigrahādhyāsāt‌ svamāyāparikalpitāt‌ |
nijaṃ patiṃ visasmāra rūpaṃ ca svaṃ nirañjanam‌ ||1069||

Durch die Identifikation mit den jeweiligen Gestalten, die ihre eigene Maya hervorgebracht hatte, vergaß sie ihren Gemahl und ihre eigene unbefleckte Gestalt.

Anmerkung: Anfangspartikel beschädigt, der zusammenhängende Satz hinreichend lesbar; adhyāsa als Identifikation bzw. Überlagerung übersetzt.

Vers 1070
athāpaśyanmahārudro nijāṃ chāyāmiva priyām‌ |
anviyeṣa śucodvignastrailokye sacarācare ||1070||

Als Maharudra seine Geliebte, die wie sein eigener Schatten war, nicht mehr sah, suchte er sie von Kummer bewegt in den drei Welten, unter allem Beweglichen und Unbeweglichen.

Anmerkung: Apaśyan als „nicht sehend“ im Erzählanschluss, nicht als Vergangenheitsform „er sah“.

Vers 1071
dadarśa nānārūpāṇi mahāghorāṇi bibhratīm‌ |
adrāvadrau mahāmāyāṃ tiṣṭhantīṃ vikarālinīm‌ ||1071||

Er sah Mahamaya auf den verschiedenen Bergen verweilen, in vielen überaus furchtbaren Gestalten, schreckenerregend.

Vers 1072
dṛṣṭvopasarpituṃ śambhurnāśakat‌ saumyavigrahī |
bhītaśca tādṛśākāraṃ vīkṣya devyā bhayaṅkaram‌ ||1072||

Als Shambhu in seiner sanften Gestalt sie sah, vermochte er sich ihr nicht zu nähern. Beim Anblick der so furchtbaren Gestalt der Göttin ergriff ihn Angst.

Vers 1073
bahvīrmūrtīstathālokya svayaṃ caiko vṛṣadhvajaḥ |
mānase cintayāmāsa kiṃ vidheyaṃ mayeti hi ||1073||

Als der Stierbanner-Träger ihre vielen Gestalten sah und sich selbst als einen einzigen, dachte er im Geist: „Was soll ich tun?“

Vers 1074
iyaṃ saṃvartagṛhiṇī mama prāṇeśvarī priye |
āyātā munirakṣārthamasurāṇāṃ vadhāya ca ||1074||

„Diese Herrin der Weltauflösung, die Gebieterin meines Lebens, ist gekommen, um die Munis zu schützen und die Asuras zu töten“, Geliebte.

Anmerkung: Priye als Anrede des Lehrgesprächs vom inneren Monolog abgesetzt; Lesung saṃvartagṛhiṇī vorläufig.

Vers 1075
kāryaṃ kṛtvāpi devānāṃ na jahāti tanūrimāḥ |
svamāyayā kalpitena manasaiva viḍambitā ||1075||

„Obwohl sie den Auftrag der Götter erfüllt hat, gibt sie diese Gestalten nicht auf. Ihr eigener Geist, von ihrer Maya hervorgebracht, führt sie in die Irre.

Anmerkung: Fortsetzung von Rudras innerer Rede.

Vers 1076
na caivaināṃ vihāyāhaṃ kṣaṇaṃ sthātuṃ samutsahe |
na copasarpituṃ devīṃ śaknomyetena varṣmaṇā ||1076||

Ich vermag es nicht, auch nur einen Augenblick ohne sie zu bleiben; doch mit diesem Körper kann ich mich der Göttin nicht nähern.

Vers 1077
kamupāyaṃ vidhāsyāmi kāṃ matiṃ copasarpitum‌ |
itthaṃ vicintayan‌ rudro niścayaṃ nādhyagacchata ||1077||

Welches Mittel soll ich anwenden, welchen Plan fassen, um mich ihr zu nähern?“ So überlegte Rudra, ohne zu einem Entschluss zu gelangen.

Mahakalis Bitte an ihren Gemahl

Vers 1378 (Position 1078)
sarvajñatvād‌ bhagavatī jñātvābhiprāyamaiśvaram‌ |
uccairuvāca giriśaṃ meghagambhīrayā girā ||1378||

Die Erhabene erkannte aufgrund ihrer Allwissenheit die Absicht des Herrn und sprach laut zu Girisha, mit einer Stimme tief wie eine Gewitterwolke:

Anmerkung: Quelle zeigt 1378 an Folgeposition 1078.

Vers 1076 (Position 1079)
na bhetavyaṃ prāṇanātha tvayā māmupasarpitum‌ |
kintvekaṃ vacanaṃ kuryā mama prītikaraṃ prabho ||1076||

„Du brauchst dich nicht zu fürchten, Herr meines Lebens, dich mir zu nähern. Doch erfülle mir eine Bitte, die mich erfreut, Herr.

Anmerkung: Quelle zeigt erneut 1076; Folgeposition 1079.

Vers 1080
nāhametādṛśīrghorāstanūstyakṣyāmi sarvathā |
nāhamekākinī cāpi vastumicchāmi parvate ||1080||

Ich werde diese furchtbaren Gestalten keinesfalls aufgeben. Ich möchte aber auch nicht allein auf dem Berg wohnen.

Vers 1081
mano'bhilaṣitān‌ bhogān‌ bhoktumīhe tvayā saha |
tvaṃ cāmunātisaumyena śarīreṇopasarpitum‌ ||1081||

Ich wünsche, mit dir die Freuden zu genießen, nach denen mein Herz verlangt. Du aber kannst dich mir mit diesem überaus sanften Körper …

Vers 1082
na śaknoṣi tato vakṣye prakāraṃ hitamāvayoḥ |
ahaṃ yathā mahāghorāmākṛtiṃ […] ||1082||

… nicht nähern. Deshalb nenne ich eine Weise, die uns beiden gut tut. Wie ich eine überaus furchtbare Gestalt […] …

Anmerkung: Fragment: Schlussverb beschädigt; aus dem Nachbarvers nicht in den Sanskrittext ergänzt.

Vers 1083
tathā tvamapi deveśa dhṛtvogratamāṃ tanum‌ |
tadāvāṃ vihariṣyāvastatra tatra girau girau ||1083||

… so [nimm] auch du, Herr der Götter, einen überaus wilden Körper an. Dann werden wir beide zusammen auf den verschiedenen Bergen verweilen.“

Anmerkung: Die Verbgestalt dhṛtvā/dhṛyasva ist beschädigt; der Aufforderungssinn aus dem Satzanschluss sicher.

Vers 1084
evamukte mahākālyā vacasi premagarbhite |
pinākī […] vacanaṃ kiñcidvigatasādhvasaḥ ||1084||

Als Mahakali diese von Liebe erfüllten Worte gesprochen hatte, [antwortete] der Träger des Pinaka-Bogens, dessen Furcht etwas gewichen war:

Anmerkung: Fragment: Einleitendes Sprechverb beschädigt; seine Funktion aus dem folgenden Zitat klar.

Vers 1085
tvameva me devadevi samājñāpaya tādṛśīm‌ |
tanuṃ yayā tvayā sārdhaṃ tiṣṭhāmi gatabhīḥ sadā ||1085||

„Du selbst, Göttin der Götter, bestimme für mich eine solche Gestalt, in der ich immer ohne Furcht bei dir sein kann …

Vers 1086
yayā ca tvaṃ mayā sākaṃ bhogān‌ bhokṣyasa īpsitān‌ |
niśamyedṛgvacastasya devadevasya śūlinaḥ ||1086||

… und in der du zusammen mit mir die ersehnten Freuden genießen wirst.“ Als Rudrani diese Worte des dreizacktragenden Gottes der Götter hörte …

Vers 1087
smitaṃ vidhāya rudrāṇī punarūce vacaḥ patim‌ |
evaṃ cenmanyase nātha śarīraṃ hitamāvayoḥ ||1087||

… lächelte sie und sprach erneut zu ihrem Gemahl: „Wenn du, Herr, eine Gestalt wünschst, die uns beiden gut tut …

Vers 1088
narasiṃhākṛtiṃ dhṛtvā tadā […] bhoḥ |
narasiṃhākṛternānyā tanurghorā jagattraye ||1088||

… dann nimm die Gestalt Narasimhas an und […], o Herr. In den drei Welten gibt es außer der Narasimha-Gestalt keinen furchtbaren Körper …

Anmerkung: Fragment: Handlung nach dhṛtvā beschädigt; nicht frei zu „komm zu mir“ ergänzt.

Vers 1086 (Position 1089)
vidyate māmakasyāsya tulyākārasya varṣmaṇaḥ |
mannāmāni yathā cakrurmunayo bhaktibhāvitāḥ ||1086||

… der diesem meinen Körper an Gestalt gleichkäme. Wie die von Hingabe erfüllten Munis meine Namen geschaffen haben …

Anmerkung: Quelle zeigt 1086 an Folgeposition 1089.

Shiva und Shakti: Gestalt und Bedeutung

Vers 1060 (Position 1090)
tvannāmāni tathāhaṃ vai vidhāsyāmi mudānvitā |
tvaṃ preyān‌ preyasī cāhamahaṃ śaktirbhavāñchivaḥ ||1060||

… so werde ich voller Freude deine Namen schaffen. Du bist der Geliebte, ich bin die Geliebte; ich bin Shakti, du bist Shiva.

Anmerkung: Quelle zeigt 1060 an Folgeposition 1090.

Vers 1061 (Position 1091)
puruṣastvaṃ prakṛtirahaṃ vācyāhaṃ vācako bhavān‌ |
ityuktamātre rudrāṇyā tathetyuktvā sadāśivaḥ ||1061||

Du bist Purusha, ich bin Prakriti; ich bin das Bezeichnete, du bist das Bezeichnende.“ Kaum hatte Rudrani dies gesagt, erwiderte Sadashiva: „So sei es!“ …

Anmerkung: Quelle zeigt 1061 an Folgeposition 1091. Vācya/vācaka: Bedeutung bzw. Bezeichnetes und sprachlicher Ausdruck bzw. Bezeichnendes.

Vers 1092
narasiṃhākṛtiṃ ghorāṃ dhṛtavān‌ pramathādhipaḥ |
vidārisṛkkayugalāṃ dīrghadaṃṣṭrācatuṣṭayām‌ ||1092||

… und der Herr der Pramathas nahm die furchtbare Gestalt Narasimhas an: mit aufgerissenen Mundwinkeln und vier langen Fangzähnen …

Vers 1093
cāmarābhasaṭājālāṃ vajrādhikanakhāṅkurām‌ |
bahubāhvastrakalitāṃ mahogrataratāmayīm‌ ||1093||

… mit einer Mähne wie ein Yakhaarwedel, Krallenspitzen härter als der Vajra, vielen Armen und Waffen versehen, von äußerster Wildheit erfüllt …

Anmerkung: Letztes Kompositum grammatisch beschädigt, die Steigerung der Wildheit hinreichend lesbar.

Vers 1094
vamadulkājālamukhāṃ jvalatpāvakalocanām‌ |
raudraraudraṃ […] svasahāvasthitikṣamam‌ ||1094||

… mit einem Mund, der Scharen von Feuerbränden ausspie, und Augen aus loderndem Feuer. [Die Göttin sah diese] überaus schreckliche [Gestalt], die geeignet war, mit ihr zusammenzuleben …

Anmerkung: Fragment: Mittlere Satzverbindung beschädigt; keine zusätzliche Handlung rekonstruiert.

Die vereinten Namen

Vers 1095
devī tutoṣa […] pūrṇatvād‌ vāñchitasya hi |
jvālāmālyādīni tathā nirvāṇāntāni caiva hi ||1095||

… und die Göttin war zufrieden […], weil ihr Wunsch erfüllt war. Die mit Jvalamali beginnenden und mit Nirvana endenden …

Anmerkung: Fragment: Wörter nach tutoṣa beschädigt; keine Lesung te ke aus der Quelle als sicher ausgegeben.

Vers 1066 (Position 1096)
nāmāni cakre rudrasya nṛsiṃhākāradhāriṇaḥ |
chāyā tanorivābhinnau prītiyuktau parasparam‌ ||1066||

… Namen gab sie Rudra, der die Gestalt Narasimhas trug. Ungetrennt wie der Schatten vom Körper und einander in Liebe zugewandt …

Anmerkung: Quelle zeigt 1066 an Folgeposition 1096.

Vers 1097
ceratustatra tatrādrau […] tu dampatī |
devyā yāḥ pañcāśanmūrtayaḥ pariniṣṭhitāḥ ||1097||

… verweilte das Paar auf den verschiedenen Bergen […]. So viele Gestalten der Göttin dort gegenwärtig waren — [hier:] fünfzig …

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor dampatī beschädigt; Zahlbeginn unklar, lesbares pañcāśat nicht stillschweigend zu einundfünfzig ergänzt.

Vers 1098
narasiṃhākṛteḥ śambhorjātāstāvatya eva hi |
[…] munayaḥ sarve samādhimayacakṣuṣā ||1098||

… ebenso viele entstanden von Shambhu in Narasimha-Gestalt. Alle Munis [erkannten dies …] mit dem Auge des Samadhi …

Anmerkung: Fragment: Verb am Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt; Erkenntnisvorgang durch den Anschluss gesichert.

Vers 1069 (Position 1099)
devyā devasyābhilāṣaṃ dṛṣṭvā ca vapuṣī tayoḥ |
viditvā nāma ca tayoḥ saṃyojya ca parasparam‌ ||1069||

… sie sahen das Verlangen der Göttin und des Gottes sowie ihre beiden Gestalten, erkannten ihre Namen und verbanden diese miteinander …

Anmerkung: Quelle zeigt 1069 an Folgeposition 1099.

Vers 1100
śivaśaktyātmikāṃ saṃjñāmupāsāṃcakrire tadā |
tattadgirau tadākārābhidhānadharayā tadā ||1100||

… und verehrten darauf die aus Shiva und Shakti bestehende Benennung. Auf den jeweiligen Bergen [wurde] von ihr, die jene Gestalten und Namen trug …

Anmerkung: Satz setzt sich über 1101–1102 fort.

Vers 1101
yutayā devadevena nṛsiṃhākāradhāriṇā |
[…] bhartṛharisvāsyā ekīkṛtya dadhānayā ||1101||

… und mit dem Gott der Götter in Narasimha-Gestalt vereint war, […] …

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile nicht zuverlässig verständlich. Keine Verbindung der beschädigten Wörter zu einem vermeintlichen Bhartṛhari-Namen oder einer neuen Lehre.

Vers 1102
nyāse'smin‌ nikhilaṃ nyastaṃ munibhyaḥ kathitaṃ tadā |
tadāprabhṛti te sarve mahākālyā anujñayā ||1102||

… alles in diesem Nyasa niedergelegt und den Munis gelehrt. Seitdem vollziehen sie alle mit Mahakalis Erlaubnis …

Vers 1103
[…] mahānyāsaṃ śivaśaktyormudāvaham‌ |
etannyāsaprasaṅgena kathā paurātanī mayā ||1103||

… den großen Nyasa, der Shiva und Shakti Freude bereitet. Im Zusammenhang mit diesem Nyasa habe ich dir die alte Geschichte …

Anmerkung: Fragment: Verb am Anfang beschädigt; der Vollzug der genannten Praxis geht aus dem Satzanschluss hervor.

Narasimha als Rudra-Gestalt

Vers 1104
kathitā sarvapāpaghnī sarvasiddheśca dāyinī |
rudrā ete naiva cānye narasiṃhābhidhādharāḥ ||1104||

… erzählt, die alle Verfehlungen vernichtet und alle Siddhis gewährt. Diese Träger des Namens Narasimha sind Rudra-Formen und keine anderen.

Anmerkung: Lesung ete naiva statt zusammengezogenem etenaiva aufgrund des klaren Gegensatzes zu anye und der Aussage1113–1114; keine Gleichsetzung mit Vishnus Narasimha.

Vers 1105
ko hi rudramṛte kālyāḥ sannidhiṃ gantumīśvaraḥ |
rudro yatra bibheti sma sannidhātuṃ sureśvari ||1105||

Wer außer Rudra vermag in Kalis Gegenwart zu treten? Wo selbst Rudra sich fürchtete, sich ihr zu nähern, Herrin der Götter …

Vers 1106
[…] tatrānyeṣāṃ hi kā kathā |
ato vadāmi te satyaṃ nyāsasyāsya samānatām‌ ||1106||

… wie könnte dort erst von anderen die Rede sein? Deshalb sage ich dir wahrhaftig: Gleichrangigkeit mit diesem Nyasa …

Anmerkung: Fragment: Versanfang beschädigt, auch Quellkorrektur bleibt fraglich.

Vers 1107
nāpnuvantyapare koṭiprakārairapi […] |
pāvanā yatra te śailā yatra caiva sadāśivāḥ ||1107||

… erreichen andere auch in zehn Millionen Formen nicht […]. In ihm sind jene heiligen Berge und jene Sadashiva-Gestalten …

Anmerkung: Fragment: Schluss der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 1108
narasiṃhākāradharā yatrāmnāyāśca mūrtayaḥ |
mahogrāstattadākhyābhiranvitāḥ śivaśaktibhiḥ ||1108||

… die Narasimha-Gestalt tragen; in ihm sind die Überlieferungsströme und die überaus wilden Gestalten, verbunden mit den jeweiligen Namen und Shiva-Shaktis.

Anmerkung: Syntax der letzten Bestimmung gedrängt; keine vollständige metaphysische Systematik daraus ergänzt.

Vers 1106 (Position 1109)
mahimānamamuṣyāto vijñāya paramarṣayaḥ |
[…] mahānyāsaṃ hitvānyān‌ pañca pārvati ||1106||

Darum erkennen die höchsten Rishis seine Größe und [vollziehen] diesen großen Nyasa, während sie die fünf anderen beiseitelassen, Parvati.

Anmerkung: Fragment: Handlungsverb beschädigt. Quelle zeigt 1106 an Folgeposition 1109.

Vers 1110
rāthītarā auḍulomā vāmakakṣāyanāstathā |
kauṣītakeyā vāsiṣṭhā āśmarathyāśca kevalāḥ ||1110||

Die Rathitara-, Auduloma-, Vamakakshayana-, Kaushitakeya-, Vasishtha- und Ashmarathya-[Traditionen] …

Anmerkung: Pluralische Rishi-Namen als Überlieferungsträger verstanden; Quelle erwägt Rathantara statt Rathitara. Keine sichere Schulgeschichte behauptet.

Vers 1111
japanti devajananīmivāmuṃ nyāsamuttamam‌ |
siddhiṃ ca paramāṃ prāptā nyāsasyāsya prasādataḥ ||1111||

… rezitieren diesen erhabenen Nyasa wie die Mutter der Götter selbst. Durch die Gnade dieses Nyasa haben sie höchste Siddhi erlangt.

Vers 1112
tathā tvamapi deveśi […] prativāsaram‌ |
nānāvidhānāṃ siddhīnāṃ bhaviṣyasi ca bhājanam‌ ||1112||

So auch du, Herrin der Götter, [vollziehe ihn …] täglich. Dann wirst du verschiedenster Siddhis teilhaftig werden.

Anmerkung: Fragment: Handlungsverb beschädigt; keine neue Übungsanweisung ergänzt.

Vers 1113
ato jānīhi siddhāntaṃ na nṛsiṃhākṛtirhariḥ |
sannidhānaṃ gato devyā bhinnabhāvena sundari ||1113||

Erkenne darum die Lehraussage: Nicht Hari in Narasimha-Gestalt ist als ein von ihr Verschiedener in die Gegenwart der Göttin getreten, Schöne.

Anmerkung: Explizite theologische Abgrenzung der Quelle; Hari bezeichnet hier den von Rudra unterschiedenen Gott.

Vers 1114
rudra eva tamākāraṃ vidhāyātibhayaṅkaram‌ |
śivaśaktisamāyogasiddhaye'gāttadājñayā ||1114||

Rudra selbst nahm jene überaus furchtbare Gestalt an und kam auf ihr Geheiß, um die Vereinigung von Shiva und Shakti zu vollenden.

Fluss-Rishi-Nyasa: Ritualfaktoren

Vers 1111 (Position 1115)
atha nirvāṇaṣoḍhāyāṃ tṛtīyaṃ nyāsamādarāt‌ |
nadyṛṣinyāsanāmānaṃ sāvadhānā niśāmaya ||1111||

Höre nun ehrfürchtig und aufmerksam den dritten Nyasa innerhalb des Nirvana-Shodha, den sogenannten Fluss-Rishi-Nyasa.

Anmerkung: Quelle zeigt 1111 an Folgeposition 1115; nadī und ṛṣi verbinden Flüsse und Weise.

Vers 1116
asya nadyṛṣinyāsasya pāraskara ṛṣirmataḥ |
chanda ākṛtirākhyātā tataḥ prakṛtiśabdataḥ ||1116||

Als Rishi dieses Fluss-Rishi-Nyasa gilt Paraskara, als Metrum Akriti. Nach dem Wort „prakriti“ …

Vers 1117
tathā mṛtyantarapadād‌ dhāriṇīti samuddharet‌ |
guhyakālī devatā ca megho bījamudāhṛtam‌ ||1117||

… und dem Wort „mrityantara“ füge man „dharini“ an. Guhyakali ist die Gottheit; Megha wird als Bija genannt.

Anmerkung: Mittleres Wort mṛtyantara beschädigt, keine sichere Bedeutung oder vollständige Göttinnenanrede daraus erfunden. Megha nicht stillschweigend Medha.

Vers 1115 (Position 1118)
dhanadā śaktiruditā khecarī kīlakaṃ tathā |
dānavastattvamityāhurmauleyā na śrutīśvarāḥ ||1115||

Dhanada wird als Shakti bezeichnet, Khechari als Kilaka. Danava nennen die Mauleyas als Tattva, nicht die Meister der Shruti.

Anmerkung: Quelle zeigt 1115 an Folgeposition 1118; das ausdrücklich vorhandene na bleibt als Verneinung erhalten.

Vers 1116 (Position 1119)
mahānirvāṇaṣoḍhāṅganyāsabhūtapadādanu |
nadyṛṣinyāsa ityevaṃ jape ca viniyogatā ||1116||

Nach „mahanirvanashodhanganyasabhuta“ [spricht man] „nadyrishinyasa“. Die Anwendung gilt diesem Nyasa als Glied des Mahanirvana-Shodha und dem Japa.

Anmerkung: Quelle zeigt erneut 1116; Folgeposition 1119. Zusammensetzung als Ritualzuweisung, keine Bija-Auflösung.

Vers 1120
evamṛṣyādikaṃ smṛtvā ṣaḍaṅgaṃ vidadhīta vai |
kiñcit‌ krūraṃ ṣaḍaṅgaṃ ca tadākalaya sādarā ||1120||

Nachdem man sich Rishi und die übrigen Faktoren so vergegenwärtigt hat, vollziehe man die sechs Glieder. Diese sechs Glieder sind etwas furchtbar; höre sie ehrfürchtig.

Die sechs Glieder und Göttinnenanreden

Vers 1121
praṇavo vāgbhavaḥ pāśaḥ prāsādaḥ kamalāpi ca |
kātyāyanī carācarajagadvyāpinīti padadvayam‌ ||1121||

Pranava, Vagbhava, Pasha, Prasada und Kamala; dann die beiden Wörter „katyayani“ und „characharajagadvyapini“ — „Katyayani, die die Welt des Beweglichen und Unbeweglichen durchdringt“ …

Anmerkung: Quelle setzt ein Fragezeichen nach der Zweiwortangabe; lesbare Anrede unverändert.

Vers 1122
ṅe'ntaṃ kṛtvā trapākāmavadhūkūrcāstataḥ […] |
samuccaret‌ sarvasiddhidāyinyai tadanantaram‌ ||1122||

… im Dativ. Danach Trapa, Kama, Vadhu und Kurcha […]; anschließend spreche man „sarvasiddhidayinyai“ — „der Geberin aller Siddhis“.

Anmerkung: Fragment: Wort nach der Bija-Gruppe beschädigt; keine weitere Silbe ergänzt.

Vers 1123
aṅguṣṭhayośca hṛdaye nyasettanmanunā priye |
atha kālī sudhātārkṣyakṣetrapālāśca yoginī ||1123||

Mit diesem Mantra vollziehe man die Einsetzung an den Daumen und am Herzen, Geliebte. Dann [folgen] Kali, Sudha, Tarkshya, Kshetrapala und Yogini …

Vers 1124
bhadrakālī mahāghoratarākārā tathaiva ca |
[…] samuccārya śākinī ḍākinī tathā ||1124||

… „bhadrakali“ und „mahaghoratarakara“ — „Bhadrakali von überaus furchtbarer Gestalt“. Nach […] spreche man Shakini und Dakini …

Anmerkung: Fragment: Anweisung vor samuccārya beschädigt; keine sichere Kasusbestimmung an dieser Stelle behauptet.

Vers 1125
pretaḥ parā parāpararūpāyai ityudīrya hi |
tarjanyoścāpi śirasi vinyaset‌ parameśvari ||1125||

… Preta und Para sowie „parapararupayai“ — „derjenigen, deren Gestalt das Höhere und Niedere ist“. Man vollziehe die Einsetzung an den Zeigefingern und am Kopf, höchste Herrin.

Vers 1126
mānasaṃ vajrakāpāle kākinī nṛharistathā |
mahāmāyā janmamṛtyupāpanāśinyado dvayam‌ ||1126||

Manasa, Vajra, Kapala, Kakini und Nrihari; dann die beiden [Anreden] „mahamaya“ und „janmamrityupapanashini“ — „Mahamaya, die Geburt, Tod und Verfehlung vernichtet“ …

Vers 1127
caturthyekavacaḥ kṛtvā gauḥ śaktirbhūtakinnarau |
pravadennaramuṇḍānu mālāyai tadanantaram‌ ||1127||

… im Dativ Singular. [Es folgen] Go, Shakti, Bhuta und Kinnara. Danach spreche man „naramunda“ und anschließend „malayai“ — „der Girlande aus Menschenschädeln“.

Anmerkung: Ungewöhnliche Quellform naramuṇḍamālāyai beibehalten, nicht zur Anrede einer Girlandenträgerin erweitert.

Vers 1128
madhyamāśikhayornyasyedaṃśuḥ sānuśca dakṣiṇā |
cūḍāmaṇiśca jambhaśca tato bhagavatī padam‌ ||1128||

Man setze [diesen Mantra] an Mittelfingern und Haarspitze ein. [Dann folgen] Amshu, Sanu, Dakshina, Chudamani und Jambha; danach das Wort „bhagavati“ …

Vers 1129
mahāpralayaśabdānu vilāsinyapi kathyate |
etat‌ padadvayaṃ ṅe'ntaṃ vidhāya tadanantaram‌ ||1129||

… und nach „mahapralaya“ das Wort „vilasini“ — „die in der großen Weltauflösung spielt“. Man setze diese beiden Anreden in den Dativ, und anschließend …

Vers 1130
phetkāriṇī dvīpabalipralayāstatparaṃ matāḥ |
syācchmaśānavihāriṇyai padametattataḥ param‌ ||1130||

… folgen Phetkarini, Dvipa, Bali und Pralaya. Danach steht „shmashanaviharinyai“ — „der auf dem Verbrennungsplatz Weilenden“.

Vers 1131
anāmikāyāṃ kavace tanmantreṇaiva vinyaset‌ |
vedī ca pārijātaśca kaṇikāhāraśṛṅkhalāḥ ||1131||

Mit diesem Mantra setze man am Ringfinger und am Schutzpanzer ein. [Dann folgen] Vedi, Parijata, Kanika, Hara und Shrinkhala …

Vers 1122 (Position 1132)
caṇḍikā ca mahogrānu caṇḍakāpālinī tathā |
vibhakterapi turyāyā ādyena vacanena hi ||1122||

… „chandika“ und nach „mahogra“ „chandakapalini“ — „Chandika, die überaus wilde Chandakapalini“. Im Singular des vierten Kasus …

Anmerkung: Quelle zeigt 1122 an Folgeposition 1132. Kāpālinī bezeichnet eine Schädelträgerin; Kompositum nicht in zusätzliche Göttinnennamen zerlegt.

Vers 1133
yojayet‌ prākpadadvandvaṃ hākinīvidhicañcavaḥ |
kṛtyā kulācārapadād‌ bhavet‌ samayapālinī ||1133||

… verbinde man die beiden vorangegangenen Wörter. [Es folgen] Hakini, Vidhi, Chanchu und Kritya; nach „kulachara“ kommt „samayapalini“ — „die Hüterin der Verpflichtungen des Kula-Weges“ …

Vers 1134
ṅe'nteyamapi deveśi kaniṣṭhāyāṃ dṛśīrayet‌ |
sārasaḥ padmakuśikau prakarī rañjinī tathā ||1134||

… auch dies im Dativ, Herrin der Götter. Man spreche [den Mantra] am kleinen Finger und an den Augen. [Dann folgen] Sarasa, Padma, Kushika, Prakari und Ranjini …

Anmerkung: Namenslesung Prakari/Ranjini vorläufig.

Vers 1135
tataḥ siddhikarālī ca punarghorātighoraca |
padānmahāḍāmarī ca dvayaṃ ṅe'ntaṃ samuddharet‌ ||1135||

… danach „siddhikarali“ und nach „ghoratighora“ „mahadamari“. Man bilde die beiden Anreden im Dativ: „der Siddhikarali“ und „der furchtbarsten Mahadamari“.

Anmerkung: Verbindungslaut nach ghorātighora beschädigt; Mahadamari vorläufig gelesen.

Vers 1136
mandapracaṇḍau vyajanavinādāstadanantaram‌ |
mahācaṇḍapadād‌ yogeśvaryai ityabhinidiśet‌ ||1136||

Danach Manda, Prachanda, Vyajana und Vinada. Nach „mahachanda“ füge man „yogeshvaryai“ an — „der Mahachandayogeshvari“.

Anmerkung: Bija-Decknamen, darunter Vyajana/Vyujana, in beschädigter Quelle nicht vollständig gesichert.

Vers 1137
vadet‌ karatalapṛṣṭhābhyāṃ tathāstrāyāpi pārvati |
ityevaṃ nadyṛṣinyāsaṣaḍaṅgaṃ samudāhṛtam‌ ||1137||

Man spreche [die Widmung] für Handflächen und Handrücken sowie für Astra, Parvati. Damit sind die sechs Glieder des Fluss-Rishi-Nyasa dargelegt.

Allgemeiner Aufbau der Fluss-Mantras

Vers 1138
nyāsoddhāramidānīṃ te kathayāmi viśeṣataḥ |
sāmānyaśca viśeṣaśca syādasāvubhayātmakaḥ ||1138||

Nun erkläre ich dir die Erschließung des Nyasa im Einzelnen. Sie hat zwei Formen, eine allgemeine und eine besondere.

Vers 1136 (Position 1139)
ādau daśaiva bījāni sarvatraiva sthirāṇi hi |
upabījāni ṣaṭ‌ cāpi kālavyāpīnyataḥ param‌ ||1136||

Am Anfang stehen zehn Bijas, überall unverändert; danach sechs Nebenbijas, die alle Zeit durchdringen.

Anmerkung: Quelle zeigt 1136 an Folgeposition 1139.

Vers 1140
bhinnabhinnāni nāmāni calāni tadanantaram‌ |
ekādhikāni pañcāśatsaṃkhyākāni sureśvari ||1140||

Dann folgen die verschiedenen, wechselnden Namen, einundfünfzig an der Zahl, Herrin der Götter.

Vers 1141
dvyakṣaradvipadenaiva ṣaṣṭhī vigrahaśālinī |
ṅyantena ca sthireṇāpi […] manau manau ||1141||

Mit zwei zweisilbigen Wörtern [erfolgt] eine Wortverbindung im Genitiv; mit weiblicher Endung und unverändert […] in jedem Mantra.

Anmerkung: Fragment: Worttrennung und Endungsanweisung beschädigt. Keine vollständige grammatische Bauvorschrift rekonstruiert.

Vers 1142
tato'parāṇi nāmāni bhinnabhinnāni sarvaśaḥ |
tairajādipadaikena tryākārāntargatena ca ||1142||

Danach kommen weitere Namen, alle voneinander verschieden. Mit ihnen [wird] ein mit Vokal beginnendes Wort […] [verbunden] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung tryākārāntargata nicht zuverlässig verständlich; keine Silbenzahl daraus abgeleitet.

Vers 1143
ṅe'ntena pūrvaśabdena sākaṃ sandhānaśālinā |
tato devyā vibhinnāni nāmāni kathitāni hi ||1143||

… das im Dativ steht und mit dem vorangehenden Wort durch Lautverbindung vereinigt wird. Danach werden die verschiedenen Namen der Göttin genannt.

Vers 1144
taiḥ padadvitayārabdhanāmnāmekena vigrahaḥ |
caturvarṇātmakaṃ […] tadanu vai pṛthak‌ ||1144||

Mit ihnen [erfolgt] die Verbindung durch einen aus zwei Wörtern bestehenden Namen. Danach gesondert ein viersilbiges […] …

Anmerkung: Fragment: Angaben in der zweiten Halbzeile beschädigt; nach 1187–1188 sind zwei viersilbige Anreden gemeint, doch nicht in den Sanskritwortlaut ergänzt.

Vers 1145
nāmakaṃ ghaṭitaṃ paścāt‌ punarekādaśākṣaraiḥ |
tasyāpyanu sureśāni tadvat‌ punarathāṣṭabhiḥ ||1145||

… Name; danach einer aus elf Silben, und anschließend, Herrin der Götter, ebenso einer aus acht …

Vers 1146
pūrvavat‌ pañcadaśabhirakṣarairnirmitaṃ tathā |
nāmakaṃ ṣaḍimāni syurṅe'ntāni varavarṇini ||1146||

… und ferner ein Name aus fünfzehn Silben, wie zuvor. Diese sechs stehen im Dativ, du Schönfarbige.

Vers 1147
yogātturyavibhāgasya varṇādhikyaṃ prajāyate |
tato mahāmanuścaiko varṇasaptadaśātmakaḥ ||1147||

Durch die Verbindung mit dem vierten Kasus entsteht eine größere Silbenzahl. Danach kommt ein großer Mantra aus siebzehn Silben …

Anmerkung: Vierter Kasus: Dativ; nicht ein zusätzliches Bija.

Vers 1148
sarvatraivācalaḥ proktaḥ saha ṣaḍbhiḥ padairhi […] |
aṣṭau bījāni tadanu tānyapi sthairyabhāñji hi ||1148||

… der zusammen mit den sechs Wörtern überall unverändert bleibt […]. Danach folgen acht Bijas, die ebenfalls unverändert bleiben.

Anmerkung: Fragment: Letzte Partikel der ersten Halbzeile beschädigt, inhaltliche Anweisung lesbar.

Vers 1146 (Position 1149)
upabījākṣaraśreṇyaścatasrastadanu smṛtāḥ |
sāmānyoddhṛtirityeṣā tava devi mayoditā ||1146||

Danach sind vier Reihen von Nebenbija-Lauten vorgesehen. Dies ist die allgemeine Erschließung, die ich dir gelehrt habe, Göttin.

Anmerkung: Quelle zeigt 1146 an Folgeposition 1149.

Feste Bijas und die Flussnamen

Vers 1150
viśeṣabhūtāmadhunā pravadāmi niśāmaya |
pāśaḥ kalā ca śarvaśca vāgbhavo'śvattha eva ca ||1150||

Nun lehre ich die besondere Form; höre zu: Pasha, Kala, Sharva, Vagbhava und Ashvattha …

Anmerkung: Kalā mit langem ā, unterschieden von Kāla in 1151.

Vers 1151
kāmaḥ pretaśca caṇḍaśca sṛṇiḥ kālastathaiva ca |
bījānīmāni daśa vai purataḥ kathitāni hi ||1151||

… Kama, Preta, Chanda, Srini und Kala: Dies sind die zehn Bijas, die für den Anfang genannt wurden.

Anmerkung: Kāla gegenüber kalā in 1150; Decknamen nicht zu ungesicherten Lautformen entschlüsselt.

Vers 1152
manthānītritayaṃ cāstratritayaṃ tadanantaram‌ |
nāmāni bhinnabhinnāni samākalaya sāmpratam‌ ||1152||

Danach dreimal Manthani und dreimal Astra. Höre jetzt die verschiedenen Namen.

Vers 1153
sarvādyā yamunā proktā sarasvatyatha kathyate |
vipāśerāvatī cāpi candrabhāgā ca pañcamī ||1153||

Als allererste wird Yamuna genannt, danach Sarasvati, Vipasha, Iravati und als fünfte Chandrabhaga …

Vers 1154
vitastā devikā caiva gomatī narmadā tathā |
siprā ca kṛṣṇavellā ca tuṅgabhadrā tato'pyanu ||1154||

… Vitasta, Devika, Gomati, Narmada, Sipra, Krishnavella und anschließend Tungabhadra …

Anmerkung: Quellformen Sipra und Krishnavella nicht stillschweigend durch moderne Flussnamen ersetzt.

Vers 1155
kāverī tadanu jñeyā tato godāvarīti ca |
tāpī payoghnī kathitā paścād‌ bhīmarathī matā ||1155||

… danach Kaveri, dann Godavari, Tapi, Payoghni und anschließend Bhimarathi …

Anmerkung: Payoghni ist die lesbare Quellform; keine Angleichung an andere Flusslisten.

Vers 1156
bāhudā karatoyā ca gaṇḍakī sarayūstathā |
dvāviṃśatitamā jñeyā kauśikī ca śarāvatī ||1156||

… Bahuda, Karatoya, Gandaki und Sarayu; als zweiundzwanzigste Kaushiki, dann Sharavati …

Vers 1157
irāvatī cotpalinī samaṅgā vetravatyapi |
aṣṭāviṃśatisaṃkhyākā tamasā parikīrtitā ||1157||

… Iravati, Utpalini, Samanga, Vetravati und als achtundzwanzigste Tamasa …

Anmerkung: Iravati wiederholt den Namen aus 1153; Quellwiederholung nicht beseitigt.

Vers 1145 (Position 1158)
carmaṇvatī dhūtapāpā tataścāpi varānane |
suvarṇarekhā gaditā virajā tadanantaram‌ ||1145||

… Charmanvati und Dhutapapa, du mit dem schönen Antlitz; dann Suvarnarekha und danach Viraja …

Anmerkung: Quelle zeigt 1145 an Folgeposition 1158.

Vers 1159
trayastriṃśattamā proktā nirvindhyā ca mahānadī |
suralā tatparaṃ jyotīrasā pārāvatī tathā ||1159||

… als dreiunddreißigste Nirvindhya, dann Mahanadi, Surala, Jyotirasa und Paravati …

Anmerkung: Seltene Flussnamen nach vorläufig lesbarer Lautgestalt; keine geografische Gleichsetzung.

Vers 1160
vāgmatī syādanu malaprahāriṇyapi kathyate |
varuṇā ca tato mandākinī bhogavatīti ca ||1160||

… anschließend Vagmati und Malapraharini, dann Varuna, Mandakini und Bhogavati …

Vers 1161
śoṇaḥ śatadrurapi ca hiraṇyākṣa itaḥ param‌ |
sindhuśca […] kokanadī lauhitya eva ca ||1161||

… Shona, Shatadru, danach Hiranyaksha, Sindhu, […], Kokanadi und Lauhitya …

Anmerkung: Fragment: Wort nach Sindhu beschädigt; keine zusätzliche Flussidentität ergänzt.

Vers 1162
tato'nvalakanandā ca gaṅgā sarvasya śeṣagā |
nāmānītyekapañcāśaduditāni yathākramam‌ ||1162||

… danach Alakananda und ganz zuletzt Ganga. Damit wurden die einundfünfzig Namen in ihrer Reihenfolge genannt.

Anmerkung: Quellzählung, keine künstliche Ergänzung beschädigter Listenglieder.

Vers 1163
eteṣāmanu ye prokte pade te vai niśāmaya |
ādyaṃ nadīti kathitaṃ dvitīyaṃ tīramityapi ||1163||

Höre die beiden Wörter, die auf diese Namen folgen: Das erste lautet „nadi“, Fluss, das zweite „tira“, Ufer.

Vers 1164
ataḥ paraṃ bhinnabhinnānyetayoranu yāni hi |
udīritāni nāmāni tadākalaya sundari ||1164||

Höre nun die verschiedenen Namen, die nach diesen beiden Wörtern genannt werden, Schöne.

Die Rishi-Namen

Vers 1165
ādau marīciratriśca tataścaivāṅgirā mataḥ |
pulastyaḥ pulahaścāpi kratuḥ ṣaṣṭha udāhṛtaḥ ||1165||

Zuerst Marichi, Atri, danach Angiras, Pulastya, Pulaha und als sechster Kratu …

Vers 1166
vasiṣṭhaḥ saptamo jñeyo bhṛguraṣṭama eva ca |
bharadvājaḥ kardamaśca kapilastatpareṇa hi ||1166||

… als siebter Vasishtha, als achter Bhrigu, dann Bharadvaja, Kardama und anschließend Kapila …

Vers 1167
durvāsā dvādaśatamo dattātreyastataḥ param‌ |
agastyo'tha parijñeyaḥ parāśara itaḥ param‌ ||1167||

… als zwölfter Durvasas, danach Dattatreya, dann Agastya und anschließend Parashara …

Vers 1168
vyāso viśvāmitra iti gargo gautama eva ca |
śāṇḍilyaścāsitaḥ prokto devalastadanantaram‌ ||1168||

… Vyasa, Vishvamitra, Garga, Gautama, Shandilya, Asita und danach Devala …

Vers 1169
jñeyaḥ śātātapaḥ paścāt‌ kātyāyana ito'pyanu |
āpastambastathā śaṅkhalikhitau hyekatāṃ gatau ||1169||

… anschließend Shatatapa, dann Katyayana, Apastamba sowie Shankha und Likhita, die zu einer Einheit zusammengefasst sind …

Anmerkung: Dualform der ausdrücklich als Einheit behandelten Namen nach Satzsinn normalisiert; OCR bietet eine gestörte Singularform.

Vers 1170
hārīto jamadagniśca ṛcīkaścyavano'pi ca |
ekatriṃśattamo jñeyaḥ paiṭhīnasiritīśvari ||1170||

… Harita, Jamadagni, Richika, Chyavana und als einunddreißigster Paithinasi, Herrin …

Vers 1171
uddālakaḥ śvetaketurdadhīcirjaiministathā |
vaiśampāyana ityevaṃ vāmadevaśca gālavaḥ ||1171||

… Uddalaka, Shvetaketu, Dadhichi, Jaimini, Vaishampayana, Vamadeva und Galava …

Vers 1172
saṃvartaḥ paraśurāmaśca jābālaḥ kathitastataḥ |
śarabhaṅgaśca vālmīkirnāradaḥ kaśyapo'pi ca ||1172||

… Samvarta, Parashurama, danach Jabala, Sharabhanga, Valmiki, Narada und Kashyapa …

Vers 1173
atharvā tadanu jñeyo mārkaṇḍeyo'tha lomaśaḥ |
aurvastato'pyanūttaṅko yājñavalkyaśca śeṣagaḥ ||1173||

… danach Atharvan, Markandeya, Lomasha, dann Aurva, Uttanka und zuletzt Yajnavalkya.

Anmerkung: Uttanka aus beschädigtem uttandha vorläufig gelesen; keine weitere Person hinzugefügt.

Vers 1174
ṛṣayastvekapañcāśadityete parikīrtitāḥ |
eteṣāmagrato devi nāmnāmekaṃ padaṃ matam‌ ||1174||

Diese einundfünfzig Rishis wurden genannt. Auf ihre Namen folgt ein Wort, Göttin …

Vers 1175
caturvarṇātmakaṃ taccopāsitetyaṅganāṅgatiḥ |
punarbhinnāni nāmāni sāmānye yadudīritam‌ ||1175||

… aus vier Silben: „upasita“, „verehrt“, mit weiblicher Form. Die weiteren verschiedenen Namen, die in der allgemeinen Darstellung angekündigt wurden …

Anmerkung: Grammatische Schlussbestimmung aṅganāṅgati beschädigt; Bedeutung einer weiblichen Form vorläufig nach Kontext, keine sichere technische Lesung behauptet.

Die Göttinnen an den Flüssen

Vers 1176
tānīdānīṃ pravakṣyāmi tattatkramagatāni hi |
kāmadā ca mahāvidyā gaurī tārtīyakī matā ||1176||

… nenne ich nun in ihrer jeweiligen Reihenfolge: Kamada, Mahavidya und als dritte Gauri …

Vers 1177
caturthī cāpi kāmākhyā tato māheśvarī matā |
tatpaścād‌ viśvarūpā ca tapasvinyatha kathyate ||1177||

… als vierte Kamakhya, danach Maheshvari, anschließend Vishvarupa und Tapasvini …

Vers 1178
puṇyapradā tato vindhyavāsinī parikīrtitā |
mahāmāyā ca daśamī śivaśaktirataḥ param‌ ||1178||

… dann Punyaprada, Vindhyavasini, als zehnte Mahamaya und danach Shivashakti …

Vers 1176 (Position 1179)
kṣemaṅkarī cātha bhavahāriṇī ca trayodaśī |
sūkṣmā padmāvatī cāpi ṣoḍaśyuktā kuleśvarī ||1176||

… dann Kshemankari, als dreizehnte Bhavaharini, Sukshma, Padmavati und als sechzehnte Kuleshvari …

Anmerkung: Quelle zeigt 1176 an Folgeposition 1179; ṣoḍaśī hier Zählmarke, kein zusätzlicher Name Shodashi.

Vers 1180
tataḥ saptadaśī devi kauśikī ca mahodayā |
vimalā ca tathā padmāsanā cāpi priyaṅkarī ||1180||

… dann als siebzehnte Kaushiki, Göttin; Mahodaya, Vimala, Padmasana und Priyankari …

Vers 1181
sarvāśrayā guṇānandā kalātītā tathaiva ca |
nādasvarūpiṇī cāpi tato nārāyaṇī matā ||1181||

… Sarvashraya, Gunananda, Kalatita, Nadasvarupini und danach Narayani …

Vers 1182
tāpasī vedamātā ca jñānavedyā tataḥ param‌ |
bhavatāriṇyatho jñeyā muditā nandinī tathā ||1182||

… Tapasi, Vedamata, danach Jnanavedya, dann Bhavatarini, Mudita und Nandini …

Vers 1153 (Position 1183)
harapriyā kuṇḍalinī dayāvatyapi śāṅkarī |
advaitā naigamī cāpi tathaiva śrutibodhitā ||1153||

… Harapriya, Kundalini, Dayavati, Shankari, Advaita, Naigami und Shrutibodhita …

Anmerkung: Quelle zeigt 1153 an Folgeposition 1183.

Vers 1184
śāmbhavī caikacatvāriṃśattamā ca parāparā |
tato bhogavatī nityānandā caiva sureśvari ||1184||

… Shambhavi, als einundvierzigste Parapara, dann Bhogavati und Nityananda, Herrin der Götter …

Vers 1185
turīyā tatparaṃ vāgagocarā mokṣadā tathā |
yogavidyā ca nirlepā tathā caiva nirindhanī ||1185||

… danach Turiya, Vagagochara, Mokshada, Yogavidya, Nirlepa und Nirindhani …

Anmerkung: Vagagochara entspricht vāgagocarā, „der Rede unzugänglich“; nicht in das gegenteilige vāggocarā umgedeutet.

Vers 1186
mānasī sarvaśeṣe tu […] parikīrtitā |
dvipadārabdhanāmaikaṃ pañcavarṇātmakaṃ hi yat‌ ||1186||

… und ganz zuletzt wird Manasi […] genannt. Der eine fünfsilbige Name, der aus zwei Wörtern besteht …

Anmerkung: Fragment: Weitere Bestimmung vor parikīrtitā beschädigt; Name lesbar.

Vers 1187
tatrādyo nāmaśabdaśca dvitīyo dhāriṇītyapi |
caturvarṇātmakaṃ yacca padadvandvamudāhṛtam‌ ||1187||

… hat „nama“ als erstes und „dharini“ als zweites Wort — „die den Namen trägt“. Von den beiden viersilbigen Wörtern, die genannt wurden …

Vers 1188
tatrādyaṃ bhagavatyekaṃ dvitīyaṃ guhyakālyapi |
ekādaśārṇaghaṭitaṃ yatpadaṃ samudāhṛtam‌ ||1188||

… lautet das erste „bhagavati“, das zweite „guhyakali“. Das erwähnte Wort aus elf Silben …

Weitere Anreden und Schlussbijas

Vers 1189
adhunā tadahaṃ vacmi samākalaya bhāmini |
lelihānapadasyānte rasanāśabdamuddharet‌ ||1189||

… nenne ich nun; höre zu, Strahlende. An das Wort „lelihana“ füge man „rasana“ …

Vers 1160 (Position 1190)
bhayānakā tatparaṃ ca evamekādaśākṣaram‌ |
vibhāgaviniyogena bhaved‌ dvādaśatāsya hi ||1160||

… und danach „bhayanaka“: So hat es elf Silben. Durch die Verwendung der Kasusendung werden es zwölf.

Anmerkung: Quelle zeigt 1160 an Folgeposition 1190. Lelihānarasanābhayānakā: „furchtbar mit leckender Zunge“; keine neue Bija-Bedeutung.

Vers 1191
etasyānu padaṃ devi yattadaṣṭākṣarātmakam‌ |
tadvai vikaṭadaṃṣṭrānu karālā iti kīrtitam‌ ||1191||

Das darauffolgende achtsilbige Wort, Göttin, besteht aus „vikatadamshtra“ und anschließend „karala“ — „furchtbar durch gewaltige Fangzähne“.

Vers 1192
ado'pi hi vibhaktyāḍhyaṃ navavarṇātmakaṃ bhavet‌ |
yaduktaṃ pañcadaśabhirvarṇairekaṃ padaṃ priye ||1192||

Auch dieses wird mit der Kasusendung neunsilbig. Das eine Wort, das als fünfzehnsilbig bezeichnet wurde, Geliebte …

Vers 1163 (Position 1193)
tadvai mahācaṇḍayogeśvarīśaktipadādanu |
vadecca tattvasahitaḥ ityevaṃ parameśvari ||1163||

… [bildet man aus] „mahachandayogeshvarishakti“ und danach „tattvasahita“, höchste Herrin.

Anmerkung: Quelle zeigt 1163 an Folgeposition 1193; sahitaḥ statt erwarteter weiblicher Form bewahrt. Anrede etwa „mit dem Shakti-Prinzip der Mahachandayogeshvari verbunden“; genaue Kompositumgrenze offen.

Vers 1194
iyaṃ vibhaktyā bhavati sahitā ṣoḍaśākṣarī |
ṣaṇṇāṃ padānāmeteṣāṃ vibhaktiḥ pūrvamīritā ||1194||

Mit der Kasusendung wird diese [Anrede] sechzehnsilbig. Der Kasus dieser sechs Wörter wurde zuvor angegeben.

Vers 1195
eṣāṃ padānāmante hi mahāmantro'yamīśvari |
sa vasiṣṭhopāsito hi jñeyaḥ saptadaśākṣaraḥ ||1195||

Am Ende dieser Wörter steht jener große Mantra, Herrin; er ist als der von Vasishtha verehrte siebzehnsilbige zu verstehen.

Anmerkung: Verweis, keine hier ausgeschriebene Formel; kein Ergänzen aus ungesicherten anderen Fassungen.

Vers 1196
etasya paścād‌ bījāni yānyaṣṭau kathitāni te |
tānīdānīṃ pravakṣyāmi hyupabījānyataḥ param‌ ||1196||

Die acht Bijas, die dir für danach genannt wurden, werde ich jetzt mitteilen, und anschließend die Nebenbijas.

Vers 1197
jīvaḥ kālo'vaniścāpi vikāro'rcā durī tathā |
ādityajye itīmāni hṛcchīrṣaṃ copabījake ||1197||

Jiva, Kala, Avani, Vikara, Archa, Duri, Aditya und Jya: Dies sind sie. Herz und Kopf sind die beiden Nebenbijas.

Anmerkung: Duri vorläufiger Deckname. Hier zwei Nebenbijas gegenüber vier Reihen in1149; Differenz nicht mit fehlenden Silben aufgefüllt.

Vers 1168 (Position 1198)
ityākhyāto viśeṣoddhāraste varavarṇini |
anena nadyṛṣinyāsaḥ sphuṭatāmāpa sarvataḥ ||1168||

Damit wurde dir die besondere Erschließung erklärt, du Schönfarbige. Dadurch ist der Fluss-Rishi-Nyasa in jeder Hinsicht deutlich geworden.

Anmerkung: Quelle zeigt 1168 an Folgeposition 1198; Vollständigkeitsbehauptung der Quelle trotz örtlicher Überlieferungsschäden.

Die Flüsse bitten Kali um Segen

Vers 1199
purā nadyastapastepuḥ kalpe kuśikanāmani |
kālikāyāḥ prasādārthaṃ jepustāḥ ṣoḍaśīmanum‌ ||1199||

Einst, im Kalpa namens Kushika, übten die Flüsse Askese. Um Kalikas Gnade zu erlangen, rezitierten sie den sechzehnsilbigen Mantra …

Anmerkung: Shodashi hier Silbenbezeichnung des Mantra; kein Alter einer Person.

Vers 1200
nānāvidhavarāvāptyai sahasraṃ parivatsarān‌ |
tāsāṃ tuṣṭā tataḥ kālī pratyakṣaṃ samabhāṣata ||1200||

… tausend Jahre lang, um vielfältige Segensgaben zu erhalten. Da war Kali mit ihnen zufrieden, erschien vor ihnen und sprach.

Anmerkung: Mythische Zeitangabe, keine Übungsdauer als heutige Empfehlung.

Die fünf Bitten der Flüsse

Vers 1201
varaṃ vṛṇīdhvaṃ sarito manasā yadabhīpsitam‌ |
tataḥ pañca varān‌ vavruḥ saritaḥ sambhūya sundari ||1201||

„Wählt einen Segen, ihr Flüsse, was immer euer Herz ersehnt!“ Da versammelten sich die Flüsse und erbaten fünf Segensgaben, Schöne.

Vers 1202
ekaṃ pāvanapānīyā bhavāmaḥ kṣitimaṇḍale |
dvitīyaṃ nāmamūrtī tvaṃ dhṛtvā svecchāprakalpite ||1202||

„Erstens: Mögen unsere Wasser auf Erden reinigend sein. Zweitens: Nimm nach deinem eigenen Willen einen Namen und eine Gestalt an …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, nach fortlaufender Folge zugeordnet.

Vers 1203
asmākaṃ rodhasostiṣṭha yāvat‌ sthāsyati no jalam‌ |
tṛtīyamṛṣayo brāhmāstīre'smākaṃ nijoṭajam‌ ||1203||

… und bleibe an unseren Ufern, solange unser Wasser besteht. Drittens: Mögen die Brahma-Rishis an unseren Ufern ihre eigenen Hütten …

Vers 1204
kṛtvā tapasyantu tapaḥ pūtāḥ syāma tathā vayam‌ |
caturthaṃ dve tanū kāli bhūyāstāṃ tvatprasādataḥ ||1204||

… errichten und Askese üben; so mögen auch wir gereinigt werden. Viertens, Kali: Mögen wir durch deine Gnade zwei Gestalten besitzen …

Vers 1205
asmākamekā hi jalātmikānyā daivikī tathā |
tanvāṃ jalātmikāyāṃ tu prāṇino hi caturvidhāḥ ||1205||

… eine aus Wasser bestehende und eine göttliche. In unserer Wassergestalt mögen die vier Arten von Lebewesen …

Anmerkung: Die vier Lebensklassen werden an dieser Stelle nicht einzeln erklärt; keine Liste ergänzt.

Vers 1206
āpyāyantāṃ ca tṛpyantāṃ drumauṣadhilatā api |
anyayā patimambhodhiṃ prāpnumastvatprasādataḥ ||1206||

… genährt und erquickt werden, ebenso Bäume, Kräuter und Schlingpflanzen. In der anderen Gestalt mögen wir durch deine Gnade den Ozean als unseren Gemahl erreichen.

Vers 1207
kūlāni havyakavyādiphalādhikyāya santu naḥ |
tanutyajasteṣu yāntu nirayaṃ mā kadācana ||1207||

Mögen unsere Ufer die Früchte der Gaben an Götter und Ahnen sowie anderer Riten vermehren. Mögen diejenigen, die dort ihren Körper verlassen, niemals in eine Hölle gelangen.“

Anmerkung: Die fünfte Bitte ist nicht nochmals ausdrücklich nummeriert; keine zusätzliche Nummer in den Grundtext eingesetzt.

Die Göttin und die Weisen an den Ufern

Vers 1208
iti tāsāṃ vacaḥ śrutvā hasantī jagadambikā |
sarvaṃ tathāstviti procya kṣaṇādantarhitābhavat‌ ||1208||

Als die Weltmutter ihre Worte hörte, lächelte sie und sprach: „So möge alles sein!“ Im selben Augenblick verschwand sie.

Vers 1209
nānāśikharipādebhyo nirgatāḥ saritāṃ varāḥ |
pāvayantyo janapadān‌ nagaragrāmakharvaṭān‌ ||1209||

Die erhabenen Flüsse entsprangen am Fuß verschiedener Berge, reinigten Länder, Städte, Dörfer und befestigte Siedlungen …

Vers 1210
viviśuḥ patimambhodhimanāvartinya īśvari |
pratiśrutākaraṇato lajjayevāpi kālikā ||1210||

… und gingen ohne Umkehr in ihren Gemahl, den Ozean, ein, Herrin. Kalika, gleichsam aus Scheu davor, ihr Versprechen nicht zu erfüllen …

Vers 1211
svayameva svasya dhṛtvā nāmamūrtī samīhite |
rodhassu tattatsaritāṃ tasthau bhūtvā sadā sthirā ||1211||

… nahm selbst die von ihr gewünschten Namen und Gestalten an und blieb dauerhaft an den Ufern der jeweiligen Flüsse gegenwärtig.

Vers 1212
viditvā devyadhiṣṭhānamṛṣayaśca tadājñayā |
nijāṃ nijāṃ parṇaśālāṃ kṛtvā te nyavasan‌ priye ||1212||

Die Rishis erkannten die Gegenwart der Göttin. Auf ihr Geheiß errichteten sie sich jeweils eine Laubhütte und wohnten dort, Geliebte.

Vers 1213
yasya yasya ruciryasyāṃ yasyāṃ nadyāṃ babhūva hi |
sa tattadāpagātīre cakāra svaṃ svamāśramam‌ ||1213||

Jeder errichtete seinen eigenen Ashram am Ufer jenes Flusses, der ihm besonders zusagte.

Anmerkung: Nadyām ist die in der Quelle fragend vorgeschlagene Ergänzung; Sinn des Flussbezugs klar, einzelne Sanskritzeichen unsicher.

Vers 1214
tattannāmadharāṃ devīṃ tattanmūrtidharāmapi |
ārādhayanta […] upāsāṃcakrire'mbikām‌ ||1214||

Sie verehrten die Göttin unter den jeweiligen Namen und in den jeweiligen Gestalten; […] sie widmeten sich der Verehrung Ambikas.

Anmerkung: Fragment: Wort in der zweiten Halbzeile beschädigt; die doppelte Verehrungsaussage nicht als Dublette gestrichen.

Vers 1214 (zweite Zählung; Position 1215)
śrautoktena ca vidhinā vidadhuśca tapo mahat‌ |
siddhiṃ ca paramāṃ prāptā yogaṃ kaivalyameva ca ||1214||

Nach der in der Shruti gelehrten Ordnung übten sie große Askese. Sie erlangten höchste Siddhi, Yoga und Kaivalya.

Anmerkung: Quelle zählt erneut 1214; Folgeposition 1215. Kaivalya: Befreiung bzw. vollkommene Eigenständigkeit des Selbst im hier verwendeten religiösen Sinn.

Könige und Opfer an den Flüssen

Vers 1216
śrutvemamakhilodantaṃ nimnagānāṃ tapaḥkriyām‌ |
varadānaṃ tathā devyā ṛṣīṇāmapi ca sthitim‌ ||1216||

Als sie diese ganze Geschichte hörten — von der Askese der Flüsse, der Segensgabe der Göttin und dem Aufenthalt der Rishis …

Anmerkung: Subjekt Könige folgt in1217.

Vers 1217
adhiṣṭhānaṃ tathā devyāstattanmūrtyabhidhājuṣaḥ |
rājānaḥ svapuraṃ hitvā tatra tatra sarittaṭe ||1217||

… sowie von der Gegenwart der Göttin unter den jeweiligen Gestalten und Namen —, verließen Könige ihre Städte und [begaben sich] an die verschiedenen Flussufer …

Vers 1218
kṛtvā tāṃstān‌ munīn‌ devi yājakān‌ vedapāragān‌ |
ījire vividhairyajñaiḥ samāptavaradakṣiṇaiḥ ||1218||

… machten jene in den Veden bewanderten Munis zu ihren Opferpriestern, Göttin, und vollzogen vielfältige Opfer, abgeschlossen mit reichen Opferlöhnen.

Anmerkung: Dakshina hier Gabe bzw. Lohn für die Opferpriester, keine Bija-Chiffre.

Vers 1219
sevamānā jagaddhātrīṃ rahasyairnāmabhiḥ sadā |
ṛṣivat‌ prāptavantaśca sveṣṭaṃ rājarṣayo'pi ca ||1219||

Indem auch diese königlichen Weisen die Welterhalterin beständig mit geheimen Namen verehrten, erreichten sie wie die Rishis das von ihnen Ersehnte.

Vers 1220
pūjāsambhāramālokya munibhī rājabhistathā |
kriyamāṇaṃ svasya vīkṣya mumude'tīva kālikā ||1220||

Als Kalika die Fülle der Verehrung sah, die ihr die Munis und Könige darbrachten, freute sie sich außerordentlich.

Anmerkung: Grammatik von munibhī beschädigt, handelnde Gruppen eindeutig.

Kalis Auftrag und die Entstehung des Nyasa

Vers 1221
athovāca priyatamaṃ tripuraghnaṃ rahogatā |
kaccho'yaṃ saritāṃ svacchaḥ pāvano'tīvanirmalaḥ ||1221||

Dann sprach sie in der Abgeschiedenheit zu ihrem geliebten Tripura-Vernichter: „Diese Uferlandschaft der Flüsse ist klar, heilig und überaus rein.

Vers 1222
atra māṃ nāmabhistaistairmunayaḥ samupāsate |
mama tenātisantoṣo jāyate parameśvara ||1222||

Hier verehren mich die Munis unter den jeweiligen Namen. Das bereitet mir höchste Zufriedenheit, erhabener Herr.

Vers 1223
nadīnāṃ ca munīnāṃ ca mama caivākhyayā vibho |
vinirmitaṃ nyāsamekaṃ […] mama tuṣṭaye ||1223||

[Erschaffe] einen Nyasa, der aus den Namen der Flüsse, der Munis und meinen eigenen Namen gebildet ist, Allgegenwärtiger, zu meiner Freude.“

Anmerkung: Fragment: Aufforderungsverb beschädigt, aus der Antwort1224 als Auftrag sicher erkennbar; nicht als gesicherte Sanskritrekonstruktion eingesetzt.

Vers 1224
niśamya kālikāśiṣṭimitthaṃ sa tripuradviṣaḥ |
nyāsaṃ nadyṛṣināmānaṃ kṛtvā devyai nyavedayat‌ ||1224||

Als der Feind Tripuras so Kalikas Auftrag gehört hatte, schuf er den sogenannten Fluss-Rishi-Nyasa und legte ihn der Göttin vor.

Vers 1295 (Position 1225)
mahānyāsamimaṃ śrutvā tutoṣa parameśvarī |
uvāca cemaṃ ye nyāsaṃ kariṣyanti surā narāḥ ||1295||

Die höchste Herrin hörte diesen großen Nyasa und war zufrieden. Sie sprach: „Den Göttern und Menschen, die diesen Nyasa vollziehen …

Anmerkung: Quelle zeigt 1295 an Folgeposition 1225.

Vers 1226
teṣāmahaṃ bhaviṣyāmi santuṣṭā phaladātryapi |
tadā […] nyāso vikhyātiṃ paramāṃ gataḥ ||1226||

… werde ich wohlgesonnen sein und die Frucht gewähren.“ Darauf […] erlangte der Nyasa höchste Berühmtheit.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort in der zweiten Halbzeile beschädigt.

Vers 1227
ṣoḍhānyāse nibaddhaśca śambhunā kālikājñayā |
ityeṣa kathito devi nyāsarājasamudbhavaḥ ||1227||

Auf Kalikas Geheiß fügte Shambhu ihn in den Shodha-Nyasa ein. Damit ist dir, Göttin, die Entstehung dieses Königs der Nyasas erzählt.

Vers 1228
mahimā nāsya saṃkhyātuṃ śakyo varṣaśatairapi |
pṛthaktvenāpi vihitaḥ sarvāḥ siddhīḥ prayacchati ||1228||

Seine Größe lässt sich selbst in Hunderten von Jahren nicht aufzählen. Auch für sich allein vollzogen, gewährt er alle Siddhis.

Anmerkung: Verheißung der Quelle, keine bestätigte Wirkungsaussage.

Astra-Bhairava-Nyasa: Ritualfaktoren und Absicht

Vers 1229
atha turyatamaṃ cāstrabhairavādyabhidhānakam‌ |
asyāstrabhairavādinyāsasya proktaḥ prajāpatiḥ ||1229||

Nun [folgt] als vierter der sogenannte Astra-Bhairava-[Nyasa]. Für diesen Astra-Bhairava-Nyasa wird Prajapati …

Vers 1230
ṛṣiśchando'pyutkṛtiśca śatakoṭipadādanu |
[…] tathā śaktiparāparakuleti ca ||1230||

… als Rishi genannt und Utkriti als Metrum. Nach „shatakoti“ […] [folgen] „shakti“, „parapara“ und „kula“ …

Anmerkung: Fragment: Wort nach der Zahlenangabe beschädigt; keine vollständige Anrede rekonstruiert.

Vers 1231
cakrād‌ vadetsāmarasyakāriṇītyekakaṃ padam‌ |
tato'nu nararudhiramāṃsabhojinyapīrayet‌ ||1231||

… nach „chakra“ spreche man „samarasyakarini“, zu einer einzigen Wortverbindung gefügt — „die Gleichklang bewirkt“. Dann „nararudhiramamsabhojini“ — „die Menschenblut und Menschenfleisch verzehrt“ …

Anmerkung: Die grausame Anrede ist wörtlich als historische Textaussage übersetzt, nicht in moderne Praxis umgedeutet.

Vers 1232
punaśca daśavadanadhāriṇīti padaṃ bhavet‌ |
tasyānu paramaśivanivāsinyapi kīrtitā ||1232||

… dann „dashavadanadharini“ — „die zehn Gesichter trägt“; danach „paramashivanivasini“ — „die in Paramashiva wohnt“ …

Vers 1233
punarbhagavatī guhyakālī vai devatā matā |
ḍākinī bījamākhyātaṃ kaṇikā śaktirucyate ||1233||

… und ferner Bhagavati Guhyakali: Sie gilt als die Gottheit. Dakini wird als Bija genannt, Kanika als Shakti.

Vers 1234
kīlakaṃ preta ityevaṃ hārastattvamapīṣyate |
mahāpātakopapātātipātakādipadādanu ||1234||

Preta ist das Kilaka, Hara gilt als Tattva. Nach den Wörtern für schwere Verfehlungen, nachgeordnete Verfehlungen und überaus schwere Verfehlungen …

Anmerkung: Quellwort upapāta beschädigt; Bezug auf die benannten Verfehlungsklassen klar, keine Rechtslehre dazu ergänzt.

Vers 1235
trividhapāpakṣayārthe punaḥ sakalaśatru ca |
kṣayapūrvakarājyānu prāptaye parikīrtayet‌ ||1235||

… spreche man „zur Tilgung der dreifachen Schuld“. Ferner „sakalashatru“ und „kshayapurvaka“, dann „rajya“ und „praptaye“ — „zur Erlangung der Herrschaft nach der Vernichtung sämtlicher Feinde“.

Anmerkung: Rituelle Zweckbestimmung der Quelle, keine heutige Handlungsaufforderung.

Vers 1236
mahānirvāṇaṣoḍhāṅgabhūtāstrapadato'pyanu |
vaded‌ bhairavabhairavyādinyāsa iti pārvati ||1236||

Nach „mahanirvanashodhangabhutastra“ spreche man „bhairavabhairavyadinyasa“, Parvati: der Astra-, Bhairava- und Bhairavi-Nyasa als Bestandteil des Mahanirvana-Shodha.

Vers 1237
siddhyarthe ca jape caiva viniyoga udāhṛtaḥ |
evamābhāṣya ṛṣyādimasya devi smared‌ budhaḥ ||1237||

Die Anwendung gilt dem Erlangen von Siddhi und dem Japa. Nachdem der Kundige so gesprochen hat, vergegenwärtige er sich dessen Rishi und die übrigen Faktoren, Göttin.

Die sechs Glieder des Astra-Nyasa

Vers 1238
ṣaḍaṅgamadhunā vakṣye nātibāhulyakalpitam‌ |
sauraṅgapramukhaiḥ pañcabījairādyantatāribhiḥ ||1238||

Nun lehre ich die sechs Glieder, die nicht allzu weitläufig gestaltet sind: [das erste] mit den fünf Bijas, die mit Sauranga beginnen, mit Tara am Anfang und am Ende …

Anmerkung: Gliedzuordnung aus der folgenden Reihenfolge; verkürzt genannte Fünfergruppe nicht aufgefüllt.

Vers 1236 (Position 1239)
sukṛtādibhirapyevaṃ medhādyantimaśālibhiḥ |
tathā punarbhadrikādipañcabhiḥ parameśvari ||1236||

… ebenso [das zweite] mit den bei Sukrita beginnenden [Bijas], mit Medha an Anfang und Ende. Ferner [das dritte] mit den fünf, die mit Bhadrika beginnen, höchste Herrin …

Anmerkung: Quelle zeigt 1236 an Folgeposition 1239.

Vers 1240
mukhapāścātyasaṃsthāyitrapābījibhirīdṛśaiḥ |
hāryādibhirapyevaṃ puraḥśeṣe sakāmakaiḥ ||1240||

… mit Trapa-Bija an Anfang und Ende. Ebenso [das vierte] mit den bei Harya beginnenden [Bijas], von Kama an Anfang und Ende begleitet.

Anmerkung: Name Harya vorläufig; nicht zu Hara geglättet.

Vers 1241
aupādeyādibhistadvatpañcabhirmukhaśeṣagaiḥ |
[…] pañcamaṃ kuryāt‌ ṣaṣṭhaṃ maulijjakādibhiḥ ||1241||

Das fünfte vollziehe man ebenso mit den fünf, die bei Aupadeya beginnen, mit […] an Anfang und Ende; das sechste mit den bei Maulijjaka beginnenden [Bijas] …

Anmerkung: Fragment: Umrahmungsbija des fünften Glieds unlesbar; Aupadeya und Maulijjaka vorläufige Decknamen.

Vers 1242
[…] ādyantagairdevi ṣaḍaṅgamubhayaṃ smṛtam‌ |
athoddhāraṃ bravīmyasya dvividhaṃ tridaśārcite ||1242||

… mit […] an Anfang und Ende, Göttin. So sind die sechs Glieder in beiden Formen vorgesehen. Nun lehre ich ihre zweifache Erschließung, du von Göttern Verehrte …

Anmerkung: Fragment: Umrahmungsbija des sechsten Glieds beschädigt; nicht ergänzt.

Allgemeiner Aufbau der Astra-Mantras

Vers 1243
sāmānyaṃ ca viśeṣaṃ ca nyāsābhivyaktaye sphuṭam‌ |
dvāviṃśatimitairbījairghaṭito'yaṃ […] ||1243||

… die allgemeine und die besondere, damit der Nyasa klar hervortritt. Dieser [Mantra] ist aus zweiundzwanzig Bijas gebildet […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt. Die folgende besondere Erschließung nennt neben Bijas auch Kutas; keine Harmonisierung der Terminologie.

Vers 1244
sa […] sarvamantrādau kālavyāpitayeritaḥ |
tato nāmāni bhinnāni sarveṣu manuṣu priye ||1244||

Er […] wird als alle Zeit durchdringender Anfang sämtlicher Mantras angegeben. Danach kommen in allen Mantras verschiedene Namen, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Wort nach sa beschädigt.

Vers 1245
ajādidvyarṇaśabdena dāntena prathamairitaiḥ |
sandhānaṃ vigrahaścāmā sarvatra sthairyaśālinā ||1245||

… [verbunden] durch Lautverbindung und Wortzusammensetzung mit einem vokalisch beginnenden zweisilbigen Wort, das überall unverändert bleibt, und mit den zuerst genannten [Namen].

Anmerkung: Fragment: Bestimmung dānta und Verbindung cāmā ausdrücklich unsicher. Keine sichere Endungs- oder Kasusregel rekonstruiert.

Vers 1246
punastato'nu nāmāni bhinnabhinnāni pūrvavat‌ |
eteṣāmagrimapadadvandvena saha vigrahaḥ ||1246||

Danach folgen erneut verschiedene Namen, wie zuvor. Sie werden mit den beiden anschließenden Wörtern verbunden.

Vers 1247
tatrādyaṃ tu padaṃ jñeyamajādi […] |
dvitīyamapi ca […] ṅībantaṃ strītvaṅe'ntavat‌ ||1247||

Das erste dieser Wörter beginnt mit einem Vokal […]. Das zweite […] hat eine weibliche Bildungsendung und steht im Dativ.

Anmerkung: Fragment: Teile beider Halbzeilen beschädigt; keine fehlenden Lautzahlen ergänzt.

Vers 1248
parasparaṃ tribhiḥ śabdaiḥ samāsaḥ parikīrtitaḥ |
[…] parau dvau tu kūṭatvena vyavasthitau ||1248||

Die drei Wörter werden miteinander zu einem Kompositum verbunden. […] Die beiden letzten bleiben dabei fest.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt. Kūṭatva im Gegensatz zu wechselnden Namen als Unveränderlichkeit verstanden, nicht zwingend als neue zwei Bija-Kutas.

Vers 1246 (Position 1249)
padānāmanu caiteṣāṃ punaḥ śabdāḥ pṛthak‌ pṛthak‌ |
eṣāmagre caturbhistu padairvigrahatāṃ gataiḥ ||1246||

Nach diesen Wörtern folgen wiederum einzelne verschiedene Wörter. Vor ihnen [steht eine Verbindung] mit vier Wörtern …

Anmerkung: Quelle zeigt 1246 an Folgeposition 1249; Satz geht in1250weiter.

Vers 1250
strīliṅgaṃ ca tathākārāntaṃ padaṃ caikamiṣyate |
[…] caitena purata īritairasthiraiḥ padaiḥ ||1250||

… die zu einem einzigen Wort im Femininum mit langem a am Ende vereinigt werden sollen. […] Dieses wird mit den zuvor genannten wechselnden Wörtern …

Anmerkung: Fragment: Kasusangabe am Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt; nicht frei ergänzt.

Vers 1251
samāsaḥ kintu śeṣasthā catuṣpadyapi susthirā |
eṣāṃ padānāṃ pañcānāmādye ye tu calācale ||1251||

… zusammengesetzt; die abschließende Vierwortgruppe bleibt jedoch unverändert. Von diesen fünf Wörtern sind die ersten [beiden] wechselnd und unverändert …

Anmerkung: Gedrängte Bauanweisung; keine vollständige Formel aus der allgemeinen Beschreibung rekonstruiert.

Vers 1252
te samasya tu ṅībante kārye vai pañcavarṇike |
ābhyāṃ tvakṣaraśabdasya stryākāraṅe'ntaśālinaḥ ||1252||

… man verbinde sie zu einer fünfsilbigen weiblichen Form. Mit diesen [verbindet man] ein Wort […], ebenfalls weiblich und im Dativ …

Anmerkung: Fragment: Lautzahl in akṣaraśabda nicht zuverlässig angegeben; fehlende Zahl nicht ergänzt.

Vers 1252 (Position 1253)
samāsaḥ sthiratāsthairye vijñeye pūrvaśabdavat‌ |
tato […] padaṃ caikaṃ caturarṇavinirmitam‌ ||1252||

… zu einem Kompositum. Unveränderlichkeit und Wechsel sind wie bei den früheren Wörtern zu verstehen. Danach ein weiteres Wort […] aus vier Silben.

Anmerkung: Fragment: Endungsangabe beschädigt. Quelle zählt erneut 1252; Folgeposition1253.

Vers 1254
asya śeṣe mahāmantraścaikaḥ ṣoḍaśavarṇikaḥ |
sa sthiratvena nirdiṣṭastato vai ṣaḍbhirakṣaraiḥ ||1254||

An dessen Ende steht ein großer Mantra aus sechzehn Silben, als unveränderlich vorgeschrieben. Danach [ein Wort], aus sechs Silben …

Vers 1255
ghaṭitaṃ ṅe'ntaṅībantaṃ tathāpyacalamucyate |
tataśca pañcabījānāṃ yugalaṃ yugalaṃ kramāt‌ ||1255||

… gebildet, mit weiblicher Bildungsendung und im Dativ, ebenfalls unveränderlich. Dann folgen der Reihe nach die fünf Bijas jeweils paarweise …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, nach Folge zugeordnet.

Vers 1256
caletaratayā jñeyaṃ tacca sarvaṃ varānane |
pañcākṣaropabījāstratritayaṃ tritayaṃ tataḥ ||1256||

… und all dies ist als unveränderlich zu verstehen, du mit dem schönen Antlitz. Danach [folgen] fünfsilbige Nebenbijas und Astra, jeweils dreifach.

Anmerkung: Trennung pañcākṣaropabījāstra im OCR unsicher; keine fertige Schlussformel konstruiert.

Vers 1257
iti sāmānya uddhāro viśeṣastvadhunocyate |
mantro ya uktaḥ prathamaṃ dvāviṃśatibhirakṣaraiḥ ||1257||

Damit endet die allgemeine Erschließung. Nun wird die besondere gelehrt. Jener zu Beginn genannte Mantra aus zweiundzwanzig Silben …

Guhya-Mahabhairavi und Ekavali-Hara

Vers 1258
ādau śṛṇu taduddhāraṃ bījakūṭamayaṃ priye |
bhāsākūṭaṃ hārabījaṃ bhogakūṭaṃ ca kaṇikā ||1258||

… höre zuerst seine aus Bijas und Kutas bestehende Erschließung, Geliebte: Bhasa-Kuta, Hara-Bija, Bhoga-Kuta und Kanika …

Vers 1259
kalākūṭaṃ śākinī ca kūṭaṃ svāyambhuvaṃ tataḥ |
ḍākinī yāmyakūṭaṃ ca pralayo brāhmakūṭakam‌ ||1259||

… Kala-Kuta, Shakini, danach Svayambhuva-Kuta, Dakini, Yamya-Kuta, Pralaya und Brahma-Kuta …

Vers 1260
phetkārī cāpi sauparṇakūṭaṃ tadanu […] |
gauhyakaṃ kūṭamasyānu bījaṃ cākorameva ca ||1260||

… Phetkari, Sauparna-Kuta, danach […], Gauhyaka-Kuta und anschließend das Chakora-Bija …

Anmerkung: Fragment: Ein Glied nach Sauparna-Kuta beschädigt; nicht aus einer anderen Reihe ergänzt.

Vers 1261
nairṛtaṃ kūṭamasyānu bījamāghoṣaṇābhidham‌ |
prapañcakūṭaṃ ca khaṭī kūṭamaindraṃ sasṛṣṭi ca ||1261||

… danach Nairrita-Kuta, das Aghoshana genannte Bija, Prapancha-Kuta, Khati, Aindra-Kuta und Srishti.

Anmerkung: Khati ist bereits in der Quelle mit Fragezeichen versehen; keine fehlenden Silben ergänzt.

Vers 1262
dvāviṃśatyakṣaro mantra ityeṣa parikīrtitaḥ |
guhyā mahābhairavīti nāmnā khyātāgamādiṣu ||1262||

Damit ist dieser zweiundzwanzigsilbige Mantra genannt. Unter dem Namen Guhya-Mahabhairavi ist er in den Agamas und anderen Schriften bekannt.

Anmerkung: Quellname und Quellzählung trotz beschädigter Einzelglieder bewahrt.

Vers 1263
etena manunopāsya bhairavāḥ kālikāṃ purā |
siddhiṃ prāptā nijākārāḥ śaktīśca kamalānane ||1263||

Einst verehrten die Bhairavas Kalika mit diesem Mantra und erlangten Siddhi, ihre eigenen Gestalten und ihre Shaktis, du mit dem Lotusantlitz.

Anmerkung: Grammatik nijākārāḥ statt erwarteter Objektform beschädigt; Aufzählung nach erkennbarem Satzsinn.

Vers 1264
ekāvalīhāra iti nāmnā khyāto manastvayam‌ |
ekapañcāśadityevaṃ nāmānyākarṇayādhunā ||1264||

Dieser Mantra ist unter dem Namen Ekavali-Hara, „einreihige Halskette“, bekannt. Höre nun die einundfünfzig Namen.

Anmerkung: Die beiden Bezeichnungen Guhya-Mahabhairavi1262 und Ekavali-Hara1264 werden nebeneinander bewahrt.

Die Astra-Namen

Vers 1295 (Position 1265)
brahmā nārāyaṇaḥ prājāpatya aindraśca vaiṣṇavaḥ |
kampanaścātha vāyavyo varuṇo yāmya eva ca ||1295||

Brahma, Narayana, Prajapatya, Aindra, Vaishnava, Kampana, Vayavya, Varuna und Yamya …

Anmerkung: Astra-Namen. Quelle erwägt Brāhma statt Brahmā; Variante nicht stillschweigend eingesetzt. Quellziffer 1295 an Position 1265.

Vers 1266
kāla āgneyabhūtau ca kauberastadanantaram‌ |
pārjanyo vaidyutaścātha pārvataḥ parameśvari ||1266||

… Kala, Agneya, Bhuta, danach Kaubera, Parjanya, Vaidyuta und Parvata, höchste Herrin …

Vers 1267
pāṣāṇanāgatvāṣṭrāśca sauparṇastāmaso'pi ca |
taimiraścātha gāndharvaḥ prasvāpana itaḥ param‌ ||1267||

… Pashana, Naga, Tvashtra, Sauparna, Tamasa, Taimira, Gandharva und anschließend Prasvapana …

Vers 1168 (Position 1268)
[…] jambhaṇaścāpi mātaṅgaiṣīkasaṃjñakau |
audumbaro rākṣasaśca bhāruṇḍo'pyaparo mataḥ ||1168||

… […], Jambhana, die Matanga und Aishika genannten, Audumbara, Rakshasa und ferner Bharunda …

Anmerkung: Fragment: Erstes Listenglied beschädigt. Quelle zeigt1168 an Position 1268.

Vers 1269
tato brahmaśiro devi guhyakaḥ kālakūṭaśca |
vetālavaināyakau ca skandaḥ pramatha eva ca ||1269||

… danach Brahmashiras, Göttin, Guhyaka, Kalakuta, Vetala, Vainayaka, Skanda und Pramatha …

Anmerkung: Kalakuta in der Quelle mit Fragezeichen; vorläufiger Name.

Vers 1270
utpātaścātha kūṣmāṇḍo bhrāmako gālano'pi ca |
sammohano balā cātibalā cātha nimīlanaḥ ||1270||

… Utpata, Kushmanda, Bhramaka, Galana, Sammohana, Bala, Atibala und Nimilana …

Anmerkung: Weibliche Formen Bala/Atibala in der Liste bewahrt.

Vers 2271 (Position 1271)
acetanastathonmādo'pasmāro māraṇo'pi ca |
sarvaśeṣe pāśupata ityevaṃ śabdasaṃhatiḥ ||2271||

… Achetana, Unmada, Apasmara, Marana und ganz zuletzt Pashupata. So lautet die Folge der Wörter.

Anmerkung: Quelle zeigt2271 an Position 1271.

Vers 1272
ajādidvyarṇaśabdastu astramityabhidhīyate |
punaḥ śabdānākalaya parato'pyasya ye sthitāḥ ||1272||

Das vokalisch beginnende zweisilbige Wort heißt „astra“, Waffe. Höre nun die Wörter, die darauf folgen.

Die Asura-Namen

Vers 1273
vidyujjihvaśca muṇḍaśca ruruḥ khaṭvāṅga eva ca |
añjano durga ityevaṃ vipracittiśca saptamaḥ ||1273||

Vidyujjihva, Munda, Ruru, Khatvanga, Anjana, Durga und als siebter Viprachitti …

Anmerkung: Asura-Namen; Durga hier männlicher Name, keine Umdeutung zur Göttin Durga.

Vers 1274
mahiṣaḥ kapotaromā mataṅgo daśamo'pi ca |
hayagrīvo vairandhamaścaṇḍamuṇḍastathaiva ca ||1274||

… Mahisha, Kapotaroman, als zehnter Matanga, Hayagriva, Vairandhama und Chandamunda …

Anmerkung: Chandamunda als zusammengesetztes Listenglied bewahrt; keine zusätzliche Zählung aus zwei Dämonen anderer Erzählungen.

Vers 1275
pātālodaranāmā ca tathā gaganaśirā iti |
pataṅgavegastadanu makarāsyastataḥ param‌ ||1275||

… der Patalodara Genannte, Gaganashiras, danach Patangavega und anschließend Makarasya …

Vers 1276
raktabījo nikumbhaśca puñjamālī mahāhanuḥ |
darduro durjayahiraṇyakeśo ca pramāthyapi ||1276||

… Raktabija, Nikumbha, Punjamali, Mahahanu, Dardura, Durjaya, Hiranyakesha und Pramathin …

Anmerkung: Durjaya und Hiranyakesha nach erkennbarem Namensbau getrennt; Quellkompositum selbst knapp.

Vers 1277
meghamālī niśumbhaśca tataścāpi prakampanaḥ |
vātavego […] krātho vajrāṅga eva ca ||1277||

… Meghamali, Nishumbha, danach Prakampana, Vatavega, […], Kratha und Vajranga …

Anmerkung: Fragment: Name nach Vatavega beschädigt.

Vers 1278
candrārirnīla ityevaṃ śailajaṅghastathaiva ca |
vajramuṣṭistathā […] yugaṃpaca eva ca ||1278||

… Chandrari, Nila, Shailajangha, Vajramushti, […] und Yugampacha …

Anmerkung: Fragment: Name nach Vajramushti beschädigt.

Vers 1279
jambukaśca tathā tāladhvajo vai kumbhamālyapi |
tathā sarpaśirāḥ pātālaketuścañciko'pi ca ||1279||

… Jambuka, Taladhvaja, Kumbhamali, Sarpashiras, Patalaketu und Chanchika …

Anmerkung: Letzter Name Chanchika vorläufig.

Vers 1280
kuṇḍakavacāsilomāpi tapanastuṇḍarīkaśca |
tato'nvaśaniparvā ca yajñakopastataḥ param‌ ||1280||

… Kundakavacha, Asiloman, Tapana, Tundarika, danach Ashaniparvan und anschließend Yajnakopa …

Anmerkung: Tundarika ist bereits in der Quelle fraglich; keine Ersetzung durch Pundarika.

Vers 1281
śeṣe pralayarambhaśca ekapañcāśadīritāḥ |
ajādidvyakṣaradvandvakṛtamekaṃ padaṃ hi yat‌ ||1281||

… zuletzt Pralayarambha: Einundfünfzig wurden genannt. Das eine Wort, das aus zwei vokalisch beginnenden zweisilbigen Wörtern gebildet ist …

Anmerkung: Allgemeine grammatische Angabe wirkt gegenüber der ausgeschriebenen Form1282 ungenau; nicht harmonisiert.

Die Bhairava-Namen

Vers 1282
dvivigrahi ṅībantaṃ bhavedasuraghātinī |
krodhaḥ śmaśānakāpālī kālakālāntako ruruḥ ||1282||

… besteht aus zwei Gliedern und hat eine weibliche Endung: „asuraghatini“, „Töterin der Asuras“. [Nun folgen die Bhairava-Namen:] Krodha, Shmashanakapali, Kala, Kalantaka und Ruru …

Anmerkung: Beginn der Bhairava-Liste mitten im Vers; Worttrennung Kāla/Kālāntaka vorläufig.

Vers 1283
aghoro ghorataraḥ mandāraścaṇḍa eva ca |
huḍḍāro nādirunmatta ānandastadanantaram‌ ||1283||

… Aghora, Ghoratara, Mandara, Chanda, Huddara, Nadi, Unmatta und danach Ananda …

Anmerkung: Quelle erwägt Samhara statt Mandara. Aghora am Versanfang und Nadi vorläufig gelesen; Variante getrennt bewahrt.

Vers 1284
bhūtādhipaḥ kṛtāntaḥ syādasitāṅgastataḥ param‌ |
kālāgnirugrāyudhayug‌ vajrāṅgaśca karālayuk‌ ||1284||

… Bhutadhipa, Kritanta, danach Asitanga, Kalagni, Ugrayudha, Vajranga und Karala …

Anmerkung: Yuk als Listenverbindung verstanden, nicht als zusätzlicher Bhairava-Name.

Vers 1285
vikarālo mahākālaḥ kalpāntastadanu priye |
viśvāntakaḥ pracaṇḍaḥ syād‌ bhagamālyugra eva ca ||1285||

… Vikarala, Mahakala, danach Kalpanta, Geliebte; Vishvantaka, Prachanda, Bhagamali und Ugra …

Vers 1286
bhūtanāthaḥ subhadraśca tataḥ sampatprado mataḥ |
mṛtyuryamāntakaścolkāmukhaḥ syādekapādaśca ||1286||

… Bhutanatha, Subhadra, danach Sampatprada, Mrityu, Yamantaka, Ulkamukha und Ekapada …

Vers 1287
pretaśca muṇḍamālī ca vaṭukaḥ kṣetrapālayuk‌ |
digambaro vajramuṣṭirghoranādastathaiva ca ||1287||

… Preta, Mundamali, Vatuka, Kshetrapala, Digambara, Vajramushti und Ghoranada …

Vers 1188 (Position 1288)
caṇḍograsantāpanau ca kṣobhaṇaḥ syādataḥ param‌ |
jvālā tato'nu saṃvartavīrabhadrāviti smṛtau ||1188||

… Chandogra und Santapana, danach Kshobhana, Jvala und anschließend Samvarta und Virabhadra …

Anmerkung: Quelle zeigt1188 an Position 1288. Dualform unterstützt Chandogra/Santapana als zwei Namen, nicht drei.

Vers 1289
trikālāgniśca tripurāntaka ityevamīśvari |
eteṣāmagratastvādau śabdo bhairava ityapi ||1289||

… Trikalagni und Tripurantaka, Herrin. Auf diese [Namen] folgt zuerst das Wort „bhairava“ …

Anmerkung: Quellenfußnote nennt Shoshana als ausgelassenen Bhairava, ohne im OCR sichere Einordnungsstelle; gesondert notiert, nicht still in die Reihe eingefügt.

Unnummerierter Text
śoṣaṇābhidhaḥ |

„der Shoshana Genannte“.

Anmerkung: Zusätzlich lesbarer Name aus der Herausgeberfußnote: „Der Name dieses Bhairava steht nicht [im Text]; er heißt Shoshana.“ Keine eigenständige Quellversnummer und keine gesicherte Position in der Hauptliste.

Bhairavi-Anreden und Schlussglieder

Vers 1260 (Position 1290)
dvitīyaḥ suratetyevaṃ tārtīyo rasa ityapi |
lolupeti tathā turyaḥ pañcāpi hi samāsinaḥ ||1260||

… als zweites „surata“, als drittes „rasa“, als viertes „lolupa“. Alle fünf werden zu einem Kompositum verbunden.

Anmerkung: Quelle zeigt1260 an Position 1290. Mit dem jeweiligen Bhairava-Namen: „nach dem Genuss der Liebesvereinigung mit … Bhairava verlangend“. Erwachsene erotische Ritualsprache, keine moderne Umdeutung.

Vers 1291
pañcānāmādimebhyastu śabdebhyastadanantaram‌ |
bhairavīti padaṃ tryarṇaṃ rūpā ca dvyarṇameva hi ||1291||

Danach folgen auf die jeweils ersten Wörter der Fünfergruppen das dreisilbige „bhairavi“ und das zweisilbige „rupa“ …

Vers 1262 (Position 1292)
savigrahāṇi sarvāṇi vibhaktiḥ pūrvamīritā |
guhyakālītyapi padaṃ tadanantaramiṣyate ||1262||

… alles zu Wortverbindungen gefügt, im zuvor genannten Kasus. Danach ist das Wort „guhyakali“ vorgesehen.

Anmerkung: Quelle zeigt1262 an Position 1292.

Vers 1293
yā mahāṣoḍaśītyevaṃ mahāvidyā pureritā |
sā tatpaścāt‌ sthiratvena kathanīyā manau manau ||1293||

Die zuvor als Mahashodashi bezeichnete Mahavidya ist danach in jedem Mantra unverändert zu sprechen.

Anmerkung: Mantra-Verweis; keine hier nicht ausgeschriebenen Silben ergänzt.

Vers 1294
śmaśānavāsinītyevaṃ tasyā anu nigadyate |
trapāyoginiruṅnārīrāvāṇāṃ dvitayaṃ dvayam‌ ||1294||

Danach spricht man „shmashanavasini“ — „die auf dem Verbrennungsplatz wohnt“. Trapa, Yogini, Rung, Nari und Rava folgen jeweils zweimal.

Anmerkung: Mittleres Bija-Deckwort ruṅ vorläufig; nicht ohne Grundlage in eine bekannte Silbe verwandelt.

Vers 1265 (Position 1295)
astraṃ hṛcchirasī cāpi trivāraṃ samudāharet‌ |
viśeṣoddhāra ityevaṃ mayā te parikīrtitaḥ ||1265||

Astra, Herz und Kopf spreche man jeweils dreimal. Damit habe ich dir die besondere Erschließung gelehrt.

Anmerkung: Quelle zeigt1265 an Position 1295.

Andhaka und Shivas Segensgabe

Vers 1296
kālyāḥ kathaṃ bhairavītvamityasmin‌ saṃśaye […] |
ākhyāyikāṃ kathyamānāṃ paurāṇīṃ matta īśvari ||1296||

Wenn du dich fragst, wie Kali zur Bhairavi wurde, [höre] die alte Geschichte, die ich dir erzähle, Herrin.

Anmerkung: Fragment: Verb am Ende der ersten Halbzeile beschädigt; Hör-Aufforderung nach Satzanschluss.

Vers 1297
hiraṇyākṣastapastaptvā divyānāṃ śaradāṃ śatam‌ |
haratārtīyanayanātmakaṃ lebhe sutaṃ śivāt‌ ||1297||

Hiranyaksha übte hundert göttliche Jahre lang Askese und erhielt von Shiva einen Sohn, dessen Wesen aus Haras drittem Auge stammte …

Anmerkung: Mythische Herkunftsangabe der Quelle; keine Angleichung an andere Andhaka-Erzählungen.

Vers 1298
kalpakoṭisahasrāṇi trīṇi mṛtyuvivarjitam‌ |
ajayyaṃ tridaśaiḥ sarvairbrahmaviṣṇupuraḥsaraiḥ ||1298||

… der dreitausendmal zehn Millionen Kalpas vom Tod verschont und für sämtliche Götter, Brahma und Vishnu an ihrer Spitze, unbesiegbar sein sollte.

Anmerkung: Große mythische Zeitangabe aus trīṇi kalpakoṭisahasrāṇi; keine historische Zeitrechnung.

Vers 1266 (Position 1299)
āgaḥsahasrakartāramapyenaṃ varadarpitam‌ |
nāśayiṣyāmyahaṃ nāmuṃ nānye śakṣyanti cāmarāḥ ||1266||

„Selbst wenn er tausend Vergehen begeht, übermütig durch den gewährten Segen, werde ich ihn nicht vernichten; auch die anderen Unsterblichen werden es nicht vermögen.

Anmerkung: Quelle zeigt1266 an Position 1299. Negation nāmum folgt dem fragenden Herausgebervorschlag; Aussage durch den zugesicherten Todesschutz und1301 gestützt, Wortlaut bleibt unsicher.

Vers 1300
kintvekamasyāparādhaṃ kṣamiṣye na kadācana |
kāmabhogābhilāṣeṇa pārvatīharaṇodyamam‌ ||1300||

Doch eine einzige Verfehlung werde ich ihm niemals verzeihen: den Versuch, Parvati aus Verlangen nach sinnlichem Genuss zu rauben.

Anmerkung: Shivas Rede innerhalb des Mythos; keine Ausschmückung des sexuellen Begehrens.

Vers 1301
prāṇairviyojayiṣyāmi naiva tatrāpyamuṃ paśum‌ |
darpaṃ saṃśamayiṣyāmi vineṣyāmi śubhe pathi ||1301||

Doch selbst dann werde ich diesem Tier nicht das Leben nehmen. Ich werde seinen Hochmut besänftigen und ihn auf einen heilsamen Weg führen.“

Anmerkung: Abwertendes paśu, „Tier“, als Quellwort bewahrt.

Der Kampf auf dem Mandara

Vers 1302
sa hi dhūmākulākṣitvādandhako nāma […] |
sarvān‌ vijitya tridaśān‌ hartukāmo girīndrajām‌ ||1302||

Weil seine Augen von Rauch verdunkelt waren, [hieß] er Andhaka […]. Nachdem er alle Götter besiegt hatte, wollte er die Tochter des Bergkönigs rauben …

Anmerkung: Fragment: Verb der Namensgebung beschädigt. Lesung hartukāma statt OCR hantukāma durch1300 und1321 gestützt, ausdrücklich vorläufig.

Vers 1303
mandarasthāṃ samabhyāgāddaityānāṃ padmakoṭibhiḥ |
tatra yuddhaṃ mahadghoramabhavadromaharṣaṇam‌ ||1303||

… die sich auf dem Mandara befand, und rückte mit ungeheuren, in Padma-Kotis gezählten Daitya-Heeren gegen sie vor. Dort entstand eine gewaltige, furchtbare Schlacht, die das Haar zu Berge stehen ließ …

Anmerkung: Padma-Koti als mythische Großzahl bewahrt, nicht in eine unsicher angenommene Dezimalzahl umgerechnet.

Vers 1304
nandinā pramathaiścāpi sahāndhakabalasya ca |
pramathāstatra daityendrairjitā yuddhe sanandinaḥ ||1304||

… zwischen Andhakas Heer auf der einen und Nandin samt den Pramathas auf der anderen Seite. Die Pramathas wurden zusammen mit Nandin von den Daitya-Fürsten im Kampf besiegt.

Vers 1305
atha śūlaṃ samādāya yoddhukāmo maheśvaraḥ |
ājagāma tathā devī mandarāt‌ prapalāyitā ||1305||

Darauf ergriff Maheshvara den Dreizack und kam, um zu kämpfen. Die Göttin floh währenddessen vom Mandara.

Vers 1306
tatreśvareṇa ditijāḥ prāyaśo vimukhīkṛtāḥ |
raṇo mahān‌ babhūvātha śaṅkarasyāndhakasya ca ||1306||

Dort schlug der Herr die Daityas größtenteils zurück. Dann kam es zu einem gewaltigen Kampf zwischen Shankara und Andhaka …

Vers 1307
yāmadvayaṃ mandarasya śikhare samabhūmaye |
tataḥ śūlena nirbhidya pṛṣṭhanirgatakoṭinā ||1307||

… zwei Yamas lang auf einer ebenen Fläche am Gipfel des Mandara. Dann durchbohrte [Hara ihn] mit dem Dreizack, dessen Spitze durch den Rücken trat …

Anmerkung: Zwei Yamas: traditionelle Zeitabschnitte, ohne unbelegte minutengenaue Umrechnung.

Vers 1308
haraḥ […] taṃ dadhre hasañchatramivāsitam‌ |
śūlaproto'pi daityendro gadayā bhīmapātayā ||1308||

… und hielt ihn lachend wie einen schwarzen Schirm […]. Obwohl auf den Dreizack gespießt, [schlug] der Daitya-Fürst mit seiner schrecklich niederfahrenden Keule …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung nach Hara beschädigt; Satz setzt sich in1309fort.

Vers 11303 (Position 1309)
pātayāmāsa śirasi girīśaṃ vajrakalpayā |
mastake tāḍitasyātha girīśasya varānane ||11303||

… die dem Vajra glich, Girisha auf den Kopf. Vom Haupt des so am Schädel getroffenen Girisha, du mit dem schönen Antlitz …

Anmerkung: Quellziffer 11303starkbeschädigtan Position 1309. Grammatik girīśam gestört; Treffer auf den Kopf durch zweite Halbzeile eindeutig.

Aus Rudras Blut entstehen die Bhairavas

Vers 1310
śīrṣācchuśrāva rudhiramutsādiva girerjalam‌ |
yathā hi raktabījasya daityendrasya hi […] ||1310||

… floss Blut wie Wasser aus einer Bergquelle. Wie bei dem Daitya-Fürsten Raktabija […] …

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt; Vergleich wird im Folgevers ausgeführt.

Vers 1311
yāvanto raktapṛṣatāḥ patanti dharaṇītale |
tāvanto hi tadākārā uttiṣṭhante sma daityapāḥ ||1311||

… aus jedem Blutstropfen, der auf die Erde fällt, ein Daitya-Fürst von gleicher Gestalt ersteht …

Vers 1312
evaṃ harasya yāvantyo vipruṣaḥ patitāstanoḥ |
tāvanto bhairavā jātāstadākārāstadāśayāḥ ||1312||

… so entstanden aus den Tropfen, die von Haras Körper fielen, ebenso viele Bhairavas, von seiner Gestalt und Gesinnung.

Vers 1313
uttamāṅgasyāṣṭadikṣu pūrvādiṣu varānane |
krameṇa jātāste sarve bhairavāḥ śivavigrahāḥ ||1313||

In den acht Richtungen um sein Haupt, mit Osten beginnend, entstanden der Reihe nach all diese Bhairavas als Gestalten Shivas, du mit dem schönen Antlitz.

Vers 1314
ekaikasyāṃ diśi punaraṣṭāvaṣṭau prajajñire |
kṣaṇena te daityasainyaṃ bhasmasāccakrurañjasā ||1314||

In jeder Richtung entstanden jeweils acht. Im Augenblick machten sie das Daitya-Heer vollständig zu Asche.

Vers 1315
haro hi yādṛśatanurbhūtvā yuddhaṃ cakāra ha |
tādṛśā eva te jātā balarūpāśayakramaiḥ ||1315||

So wie Haras Gestalt war, in der er den Kampf führte, so entstanden auch sie: entsprechend seiner Kraft, seinem Aussehen und seiner Gesinnung.

Vers 1316
atha taṃ śoṣayāmāsa […] parivatsarān‌ |
andhakaṃ śūlabhinnāṅgaṃ chatrīkṛtamiva svakam‌ ||1316||

Dann ließ er Andhaka […] Jahre lang austrocknen, den Körper vom Dreizack durchbohrt und gleichsam zu seinem eigenen Schirm gemacht.

Anmerkung: Fragment: Jahreszahl unlesbar. Śoṣayāmāsa vorläufig statt OCR poṣayāmāsa, durch die Austrocknung1317–1318 gestützt; nicht als sichere Lesung ausgegeben.

Vers 1317
varṣavātārkakiraṇaśoṣaṇotplāvanādibhiḥ |
yāsṛgdhārā papātāsya vakṣasaḥ parameśvari ||1317||

Durch Regen, Wind, Sonnenstrahlen, Austrocknung, Überflutung und dergleichen fiel ein Blutstrom aus seiner Brust, höchste Herrin …

Vers 1318
gaṇāḥ karālavadanā jajñire koṭiśastathā |
asthitvagavaśiṣṭo'pi tataḥ prāhāndhakaḥ śivam‌ ||1318||

… und daraus entstanden Scharen mit schrecklichen Gesichtern, zu Zehnmillionen. Obwohl nur noch Haut und Knochen übrig waren, sprach Andhaka darauf zu Shiva:

Andhakas Umkehr und Aufnahme als Bhringi

Vers 1319
jitaṃ mahādeva mayā drāk‌ tavoparivartinā |
adhaḥsthitena bhavatā labdho mattaḥ parājayaḥ ||1319||

„Ich habe gesiegt, Mahadeva, denn ich befinde mich über dir! Du stehst unter mir und hast daher eine Niederlage gegen mich erlitten.“

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, Zuordnung nach Folge.

Vers 1320
ityuktavati daityendre jahāsa prītimān‌ haraḥ |
varaṃ vṛṇviti taṃ prāha yadiṣṭaṃ girijāmṛte ||1320||

Als der Daitya-Fürst so sprach, lachte Hara erfreut und sagte zu ihm: „Wähle einen Segen, was immer du wünschst — außer Girija.“

Vers 1321
punaḥ prāhāndhako rudraṃ yadi tuṣṭo'si me vibho |
śivājihīrṣājanitaṃ vṛjinaṃ nāśametu me ||1321||

Andhaka antwortete Rudra: „Wenn du mir wohlgesonnen bist, Allgegenwärtiger, dann möge meine Schuld vergehen, die aus dem Wunsch entstand, Shiva [die Göttin] zu rauben.

Anmerkung: Weibliches Śivā bezeichnet hier die Göttin; vom männlichen Shiva klar unterschieden.

Vers 1322
tvaṃ pitā sā ca jananī tanayo yuvayoraham‌ |
yathā nandī gaṇādhyakṣaḥ priyastava guho'pi ||1322||

Du bist mein Vater, sie ist meine Mutter, ich bin euer beider Sohn. Wie dir Nandin, der Anführer der Scharen, und Guha lieb sind …

Vers 1323
tathāpyahamapi svāsṛgjātaiḥ koṭigaṇairvṛtaḥ |
gaṇeśvarāgraṇīrbhūtvā bhavāmi tava sevakaḥ ||1323||

… so möchte auch ich, umgeben von den Zehnmillionen Scharen, die aus meinem eigenen Blut entstanden sind, an der Spitze der Scharenführer dein Diener sein.“

Anmerkung: Svāsṛg aus beschädigtem svāstra nach 1317–1318vorläufig; kein Waffenursprung erfunden.

Vers 1324
ityuktavati daityendre smitaṃ kṛtvā maheśvaraḥ |
avatārya śanaiḥ śūlaṃ vicakarṣāsurorasaḥ ||1324||

Als der Daitya-Fürst so gesprochen hatte, lächelte Maheshvara, senkte ihn langsam herab und zog den Dreizack aus der Brust des Asuras.

Vers 13245 (Position 1325)
dadad‌ vraṇe'sya phūtkāraṃ mṛtasañjīvanīṃ paṭhan‌ |
saṃśoṣitavraṇaṃ cakre varān‌ dattvākhilānapi ||13245||

Er hauchte auf seine Wunde und rezitierte die Mritasamjivani. Nachdem er ihm alle Segensgaben gewährt hatte, ließ er die Wunde eintrocknen.

Anmerkung: Quelle zeigt13245 an Position 1325. Mritasamjivani, „die Tote wiederbelebt“, nur benannte Rezitationsformel; kein Wortlaut in diesem Vers.

Vers 1326
bhṛṅgīti nāma vidadhe sadṛśaṃ nandinastathā |
tatrāgatāyā devyāstu pādau jagrāha bhṛṅgyapi ||1326||

Er gab ihm den Namen Bhringi und stellte ihn Nandin gleich. Bhringi ergriff die Füße der Göttin, die dorthin gekommen war:

Vers 1327
mātastvadviṣaye yat‌ pāpaṃ vihitaṃ hṛdi |
bhavatī kṣamatāṃ tanme tava putro'smi dharmataḥ ||1327||

„Mutter, verzeihe mir die Verfehlung, die ich in meinem Herzen gegen dich begangen habe. Dem Dharma gemäß bin ich dein Sohn.“

Anmerkung: Anfang mātas nach beschädigtem OCR vorläufig, durch die ausdrückliche Sohn-Aussage und1322gestützt.

Vers 1328
bhṛṅgī bhūtvāndhako daityo gaurīśaṅkarayoḥ sutaḥ |
babhūva varadānena tasminneva hi janmani ||1328||

Der Daitya Andhaka wurde zu Bhringi und durch die gewährte Segensgabe noch in demselben Leben zum Sohn Gauris und Shankaras.

Rudras Auftrag an die Bhairavas

Vers 1329
atha rudrāsṛgudbhūtā bhairavāste maheśvaram‌ |
abruvan‌ kiṃ kariṣyāmo vayaṃ deva tadādiśa ||1329||

Darauf sprachen jene aus Rudras Blut entstandenen Bhairavas zu Maheshvara: „Was sollen wir tun, Gott? Gib uns deinen Auftrag!“

Vers 1330
tānāha bhairavān‌ rudro devyāḥ purata eva hi |
yūyamadasvarasañjñānā maccharīrācca matsamāḥ ||1330||

Rudra sprach vor der Göttin zu den Bhairavas: „Ihr […] seid aus meinem Körper hervorgegangen und mir gleich …

Anmerkung: Fragment: Anfang der zweiten Halbzeile stark beschädigt; keine Namensetymologie erfunden.

Vers 1361 (Position 1331)
mattulyabalavīryāśca yūyamevāhamīśvarāḥ |
ye yūyaṃ so'smyahaṃ rudro yūyaṃ te yo'smyahaṃ punaḥ ||1361||

… von gleicher Kraft und Macht wie ich. Ihr seid ich selbst, ihr Herren. Was ihr seid, das bin ich, Rudra; was ich bin, das seid ihr.

Anmerkung: Quelle zeigt1361 an Position 1331; stellenweise durch Kontext lesbare Personalpronomen normalisiert.

Vers 1332
nāntaraṃ mama yuṣmākaṃ vācyavācakayoriva |
yathāhaṃ mandaragirau vasāmi śivayā saha ||1332||

Zwischen mir und euch besteht kein Unterschied, wie zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem. Wie ich mit Shiva [der Göttin] auf dem Mandara wohne …

Anmerkung: Philosophischer Vergleich der Quelle, nicht mit der anders gerichteten Rollenverteilung1091 vermischt.

Vers 1333
yūyaṃ tathā svarucite girau tiṣṭhadhvamīśvarāḥ |
vyācakṣāṇāḥ śivāmantradhyānārcanavidhikramān‌ ||1333||

… so wohnt auch ihr auf einem Berg eurer Wahl, ihr Herren. Lehrt die Mantras der Göttin Shiva sowie die Ordnungen ihrer Meditation und Verehrung …

Vers 1334
nānātantrāgamagranthān‌ kurvantaḥ prakaṭā nṛṣu |
ityuktvā tān‌ punaḥ prāha devīṃ tatraiva tasthuṣīm‌ ||1334||

… und macht die verschiedenen Tantra- und Agama-Schriften unter den Menschen bekannt.“ Nachdem er so zu ihnen gesprochen hatte, wandte er sich an die dort stehende Göttin:

Anmerkung: Grammatischer Anschluss prakaṭā/prakaṭān beschädigt; Bekanntmachen der Schriften klar.

Vers 13345 (Position 1335)
ete hi bhairavāḥ sarve yādṛśākāradhāriṇaḥ |
tādṛśākāramāsthāya […] eṣāmanucarī bhava ||13345||

„Nimm jeweils eine Gestalt an, wie diese Bhairavas sie tragen, […] und werde ihre Gefährtin.

Anmerkung: Fragment: Wort vor eṣām beschädigt. Quellziffer 13345 an Position 1335.

Vers 1336
na te bhramo'stu girije bhinnā hi puruṣā ime |
bhairavo […] satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ ||1336||

Girija, verfalle nicht dem Irrtum, diese Männer seien [von mir] verschieden. Bhairava […] — wahrlich, wahrlich, daran ist kein Zweifel.

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile beschädigt. Bhrama statt OCR śrama vorläufig; die Aussage der Nichtverschiedenheit ist in1331–1332gesichert, Sanskrit nicht weiter ergänzt.

Vers 1337
[…] tān‌ kārayiṣyāmi bhairavān‌ prāṇavallabhe |
tava trilokīrūpāyāḥ sadā mahimavṛddhaye ||1337||

Ich werde jene Bhairavas […] tun lassen, Geliebte meines Lebens, damit die Größe deiner, deren Gestalt die drei Welten sind, beständig zunimmt.“

Anmerkung: Fragment: Gegenstand des Veranlassens am Anfang unlesbar; keine konkrete Verehrungsanweisung ergänzt.

Kali, Guhya und die Bhairavi-Gestalten

Vers 1338
ityuktvā punarapyāha bhairavān‌ purataḥ sthitān‌ |
iyaṃ hi janmanā kālī varṇataśca girīndrajā ||1338||

Nach diesen Worten sprach er erneut zu den vor ihm stehenden Bhairavas: „Sie ist der Geburt nach Kali, der Farbe nach die Tochter des Bergkönigs …

Anmerkung: Ungewöhnliche Hauptlesung ausdrücklich bewahrt. Herausgebervorschlag als eigener unnummerierter Varianten-Datensatz unmittelbar anschließend.

Unnummerierter Text
iyaṃ hi varṇataḥ kālī janmanā ca girīndrajā |

„Sie ist der Farbe nach Kali, der Geburt nach die Tochter des Bergkönigs.“

Anmerkung: Fragender Korrekturvorschlag der Quelle zu1338, separat bewahrt; keine zusätzliche selbständige Strophe und nicht still in den Haupttext gemischt.

Vers 1339
mayā hi gopitā yasmāt‌ tasmād‌ guhyā babhūva ha ||1339||

Weil ich sie verborgen gehalten habe, wurde sie Guhya, die Verborgene.

Anmerkung: Fragment: Quelle bietet hier nur diese Halbzeile; als erhaltenes Fragment wiedergegeben, keine zweite Hälfte ergänzt.

Vers 1340
vihāyemāmākṛtiṃ hi kṛtvānyāṃ bhairavākṛtim‌ |
yuṣmākaṃ śaktayo hyeṣā bhaviṣyati girā mama ||1340||

Auf mein Wort hin wird sie diese Gestalt ablegen, andere Bhairava-Gestalten annehmen und zu euren Shaktis werden.

Vers 1341
yūyamasyā mahāvidyāṃ trailokye'pyatidurlabhām‌ |
[…] mahābhairavīti dvāviṃśatyakṣarātmikām‌ ||1341||

Ihr [sollt] ihre Mahavidya, die selbst in den drei Welten äußerst schwer zu erlangen ist, […] Mahabhairavi genannt, aus zweiundzwanzig Silben bestehend …

Anmerkung: Fragment: Namensglied vor mahābhairavī beschädigt; Guhya aus 1262nicht still eingesetzt.

Vers 1342
enāmārādhayanto hi japadhvaṃ ṣaṣṭihāyanān‌ |
tata eṣā susantuṣṭā kṛtvā yuṣmatsamākṛtim‌ ||1342||

… sechzig Jahre lang rezitieren und sie damit verehren. Dann wird sie höchst zufrieden eine eurer Gestalt entsprechende Form annehmen …

Anmerkung: Japadhvam statt OCR jayadhvam nach Rezitationszusammenhang vorläufig; keine heutige Übungsdauerempfehlung.

Vers 1343
bhavatāṃ prītaye satyaṃ sannidhānaṃ gamiṣyati |
saumyogramūrteretasyā mantrā guptatarā hi ye ||1343||

… und wahrhaftig zu eurer Freude gegenwärtig werden. Die besonders geheimen Mantras dieser Göttin in sanften und wilden Gestalten …

Vers 1344
stavadhyānārcanācārā guptā nānāvidhā hi ye |
bhairavīsaṃhitāṃ […] lokānāṃ hitakāmyayā ||1344||

… die vielfältigen geheimen Lobgesänge, Meditationen, Verehrungsweisen und Praktiken sowie die Bhairavi-Samhita […] zum Wohl der Menschen …

Anmerkung: Fragment: Schlussverbindung der Aufzählung beschädigt; Quellvorschlag satyam fraglich, nicht übernommen.

Vers 1345
prakāśayadhvametadvai yuṣmākaṃ kāryamīritam‌ |
ityuktā bhairavāḥ sarve devadevena śambhunā ||1345||

… macht all dies bekannt! Dies ist euer Auftrag.“ So wurden alle Bhairavas von Shambhu, dem Gott der Götter, angewiesen …

Die Göttin erscheint den Bhairavas

Vers 1346
krodhādīni svanāmāni dhṛtvā te'nyonyamīśvari |
japantastāṃ mahāvidyāṃ tapastepuḥ sudāruṇam‌ ||1346||

… und nahmen ihre jeweiligen Namen an, angefangen mit Krodha, Herrin. Sie rezitierten jene Mahavidya und übten überaus strenge Askese.

Vers 1247 (Position 1347)
atha rudrājñayā devī santuṣṭā ca japārcanaiḥ |
yasya yasya ya ākāro mukhavarṇāstrabāhubhiḥ ||1247||

Darauf, auf Rudras Geheiß und erfreut über Japa und Verehrung, [nahm] die Göttin die jeweilige Gestalt an, entsprechend den Gesichtern, Farben, Waffen und Armen eines jeden …

Anmerkung: Quelle zeigt1247 an Position 1347; Satz setzt sich fort.

Vers 1340 (Position 1348)
taṃ taṃ vidhṛtya puratasteṣāmupajagāma […] |
bhāgyodayaṃ manyamānāste sarve bhairavāḥ priye ||1340||

… und trat so vor sie […]. Alle Bhairavas erkannten darin das Aufgehen ihres Glücks, Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Wort nach upajagāma beschädigt. Quelle zeigt1340 an Position 1348.

Vers 1349
svayā svayā yuyujire śaktyā […] rasākulāḥ |
devī ca tattatsthāneṣu sthitā ye ye […] ||1349||

… und vereinigten sich jeweils mit ihrer eigenen Shakti, erfüllt von […] Empfindung. Die Göttin blieb an den jeweiligen Orten; welche […] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung vor rasākula sowie Schluss der zweiten Halbzeile beschädigt. Vereinigung erwachsener Gottheiten sachlich übersetzt; keine weitere sexuelle Einzelheit ergänzt.

Vers 1350
asurā dānavā daityā rākṣasā varagarvitāḥ |
[…] bhairavīrūpamekaikena varānane ||1350||

… Asuras, Danavas, Daityas und Rakshasas auch, überheblich durch ihre Segensgaben, […] in jeweils einer Bhairavi-Gestalt, du mit dem schönen Antlitz …

Anmerkung: Fragment: Verbindung der beiden Halbzeilen beschädigt; Fortsetzung1351lesbar.

Vers 1351
divyāstreṇa jaghānāśu tān‌ sarvān‌ devakaṇṭakān‌ |
bubhuje mānmathān‌ bhogān‌ patyā saha hṛdīpsitān‌ ||1351||

… tötete sie rasch mit einer göttlichen Waffe all diese Bedränger der Götter. Mit ihrem Gemahl genoss sie die Liebesfreuden, die ihr Herz ersehnte.

Anmerkung: Erwachsene erotische Aussage und mythische Gewalt bleiben im Wortlaut erhalten.

Vers 1352
ityuktaṃ te sureśāni guptaṃ tantrāgamādiṣu |
guhyakālyā bhairavītvaṃ bhairavāṇāṃ ca sambhavaḥ ||1352||

Damit habe ich dir, Herrin der Götter, erklärt, was in den Tantras, Agamas und anderen Schriften geheim gehalten wird: wie Guhyakali Bhairavi wurde und wie die Bhairavas entstanden …

Vers 1353
prasaṅgato'ndhakavadho bhṛṅgitvaṃ cāsya bhāgyataḥ |
ataḥ paraṃ śṛṇu paraṃ pañcamaṃ nyāsamīśvari ||1353||

… und im Zusammenhang damit Andhakas Niederwerfung und wie er glücklicherweise zu Bhringi wurde. Höre nun als Nächstes den fünften Nyasa, Herrin.

Anmerkung: Vadha hier nach ausdrücklicher Nichttötung1301 undHeilung1325alsNiederwerfung; keine widersprechendeTötungbehauptet.

Yajna-Maharaja-Nyasa: Opfer und Königsmacht

Vers 1354
nāmnā yajñamahārājaṃ mahadaiśvaryakārakam‌ |
asya yajñamahārājanyāsasya suravandite ||1354||

… namens Yajna-Maharaja, der große Herrschaftsmacht bewirkt. Für diesen Yajna-Maharaja-Nyasa, du von Göttern Verehrte …

Anmerkung: Anschluss an1353; yajña und mahārāja: Opfer und Großkönig.

Vers 1355
[…] ṛṣiruddiṣṭo vikṛticchanda ucyate |
parāpareśvarī nāmnī guhyakālī ca devatā ||1355||

… wird […] als Rishi angegeben, Vikriti als Metrum. Die Gottheit ist Guhyakali unter dem Namen Parapareshvari, Herrin des Höheren und Niederen.

Anmerkung: Fragment: Rishi-Name unlesbar; nicht aus der Königsliste ergänzt.

Vers 1356
kāmo bījaṃ trapā śaktiḥ śākinī kīlakaṃ matam‌ |
strītattvamāhurārogyasukhaiśvaryārthapūrvakam‌ ||1356||

Kama ist das Bija, Trapa die Shakti, Shakini gilt als Kilaka. Stri wird als Tattva genannt. [Die Zweckbestimmung beginnt mit:] „für Gesundheit, Glück und Herrschaftsmacht“ …

Anmerkung: Strī, Frau bzw. Weibliches, als benannte Tattva-Bezeichnung; keine Mantrasilbe geraten.

Vers 1357
niḥsapatnapadād‌ rājyaprāptaye tadanantaram‌ |
bhaved‌ yajñamahārājanyāse ca viniyogatā ||1357||

… nach „nihsapatna“ folgt „rajyapraptaye“ — „zur Erlangung einer Herrschaft ohne Rivalen“. Die Anwendung gilt dem Yajna-Maharaja-Nyasa.

Die sechs Glieder

Vers 13458 (Position 1358)
ṛṣyādimasya saṃsmṛtya ṣaḍaṅgamapi cācaret‌ |
kuṇapādīn‌ pañca japedantare nādapāśayoḥ ||13458||

Nachdem man sich Rishi und die übrigen Faktoren vergegenwärtigt hat, vollziehe man die sechs Glieder. Man rezitiere die fünf bei Kunapa beginnenden [Bijas] zwischen Nada und Pasha …

Anmerkung: Quelle zeigt13458 an Position 1358. Die nur durch ihr erstes Glied bezeichnete Fünferreihe nicht frei aufgefüllt.

Vers 1359
tathaiva kṣetrakalayoḥ śīrṣakādīni pañca ca |
uddharet‌ […] antastataḥ kolādipañcakam‌ ||1359||

… ebenso die fünf bei Shirshaka beginnenden zwischen Kshetra und Kala. Danach erschließe man die bei Kola beginnende Fünfergruppe innerhalb von […] …

Anmerkung: Fragment: Umrahmung der dritten Gruppe beschädigt; Quelle schwankt bei einem Laut zwischen va und sha.

Vers 1360
uddharṣamedhayormadhye unmāthādīni pañca ca |
praṇavāśvatthapuṭitaṃ churikādikapañcakam‌ ||1360||

… und die fünf bei Unmatha beginnenden zwischen Uddharsha und Medha; die bei Chhurika beginnende Fünfergruppe wird von Pranava und Ashvattha umrahmt …

Anmerkung: Deckname Uddharsha vorläufig.

Vers 1361
antarā nādaniḥśreṇyoḥ kuṇapādi drumapaścimam‌ |
aṅguṣṭhādau hṛdādau ca ubhayatrāpi vinyaset‌ ||1361||

… zwischen Nada und Nihshreni [steht die Gruppe], die mit Kunapa beginnt und mit Druma endet. Man setze sie in beiden Reihen ein, beginnend bei den Daumen und beim Herzen.

Vers 1362
vidhāyetthaṃ ṣaḍaṅge dve tato nyāsaṃ samācaret‌ |
tasyoddhāradvayaṃ vakṣye sāmānyaṃ ca viśeṣakam‌ ||1362||

Nach diesen beiden sechsgliedrigen Einsetzungen vollziehe man den Nyasa. Ich werde seine beiden Erschließungsweisen lehren, die allgemeine und die besondere.

Allgemeiner Aufbau des Yajna-Nyasa

Vers 1363
puro'ṣṭādaśa bījāni tato nāmāni vai pṛthak‌ |
ādyāni tatra sthairyāṃśi parāṇyāgantukāni hi ||1363||

Zuerst stehen achtzehn Bijas, danach jeweils verschiedene Namen. Die ersten sind unveränderlich, die nachfolgenden werden jeweils hinzugefügt.

Vers 1364
tato dvivarṇaghaṭitaṃ ṅyantamekaṃ padaṃ priye |
[…] nāmāni tasyānu ca calāni hi ||1364||

Danach steht ein zweisilbiges Wort mit weiblicher Endung, Geliebte. […] Anschließend folgen wechselnde Namen.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Halbzeile beschädigt. Endungslesung ṅyanta vorläufig wie in anderen allgemeinen Bauanweisungen.

Vers 1365
dvipadīghaṭitaṃ caikaṃ padaṃ ṅe'ntaṃ tadiṣyate |
pūrveritaiḥ samāso'sya sthairyamālambya tasthuṣaḥ ||1365||

Dann ist ein aus zwei Wörtern gebildetes Wort im Dativ vorgesehen. Dieses bleibt unverändert und wird mit den zuvor genannten Wörtern zusammengesetzt.

Vers 1366
nāmānyasyāpi carame bhinnabhinnāni sundari |
tatastribhiḥ padairekaṃ nirmitaṃ padamucyate ||1366||

Auch darauf folgen verschiedene Namen, Schöne. Danach wird ein aus drei Wörtern gebildetes Wort genannt …

Vers 1367
ṅībantaṃ ṅe'ntamapi ca […] savigrahi |
śāśvataṃ ca varārohe na tu […] kathañcana ||1367||

… mit weiblicher Bildungsendung und im Dativ, verbunden mit […] und beständig, du Wohlgestaltete; keineswegs […] …

Anmerkung: Fragment: Zwei grammatische Bestimmungen beschädigt; negierter Gegenstand nicht geraten.

Vers 1368
tato'pyaniyataiḥ śabdairnānārūpatayā sthitaiḥ |
ekadvitricatuḥpañcaṣaḍādiracitakramaiḥ ||1368||

Danach [entsteht aus] wechselnden Wörtern verschiedener Gestalt, in Folgen aus einem, zwei, drei, vier, fünf, sechs und weiteren Gliedern …

Vers 1366 (Position 1369)
jātaṃ samasitaṃ cāpi padamekaṃ calaṃ sadā |
kīrtanādeva tadgamyaṃ tripadyā racitaṃ padam‌ ||1366||

… ein zusammengesetztes Wort, das stets wechselt. Es wird aus seiner ausdrücklichen Nennung verständlich. [Dann folgt] ein aus drei Wörtern gebildetes Wort …

Anmerkung: Quelle zeigt1366 an Position 1369.

Vers 1370
ekaṃ saptārṇikaṃ cāpi śubhaṃ pūrvoditaiḥ padaiḥ |
sarvatrācalametaddhi vijñeyaṃ sūkṣmayā dhiyā ||1370||

… ein heilsames siebensilbiges [Glied, verbunden] mit den zuvor genannten Wörtern. Dieses ist überall unveränderlich; man erfasse es mit feinem Verständnis.

Anmerkung: Letztes Wort dhiya aus beschädigtem taya vorläufig; Sinn der Aufforderung zum genauen Verstehen klar.

Vers 1371
ākārāntaṃ dvādaśāntaṃ racitaṃ pañcabhiḥ padaiḥ |
ekaṃ padaṃ vigrahi ca etaduccāryameva hi ||1371||

Ein aus fünf Wörtern zusammengesetztes Wort endet auf langes a und wird durch „zwölf“ bestimmt. Dieses zusammengesetzte Wort ist auszusprechen.

Anmerkung: Dvādaśānta beschädigte bzw. verkürzte Silbenangabe; nicht in eine gesicherte grammatische Regel umgedeutet. Vergleich der ausgeschriebenen Form1427–1428 bleibt möglich.

Vers 12372 (Position 1372)
sarvarūpaṃ kintu varṇaiścaturdaśabhirācitam‌ |
caturbhirakṣarairjātaṃ […] pṛthak‌ pṛthak‌ ||12372||

[Ein weiteres hat] eine alle Gestalten umfassende Form und besteht aus vierzehn Lauten. [Dann folgen] aus jeweils vier Silben gebildete […] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmungen beschädigt; keine vollständige Anzahl der viersilbigen Wörter hier ergänzt. Quellziffer 12372 an Position 1372.

Vers 1373
padapañcakamevāpi ṅe'ntaṃ vijñeyamīśvari |
tato mahāmanuścaiko japyaḥ saptadaśākṣaraḥ ||1373||

Die fünf Wörter sind als im Dativ stehend zu verstehen, Herrin. Danach ist ein großer siebzehnsilbiger Mantra zu rezitieren.

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, nach Anschluss zugeordnet.

Vers 1374
tato'nu pañca bījāni saptārṇāścauparājikāḥ |
vihāyāniyatān‌ kāṃścit‌ sarva evācalāḥ priye ||1374||

Danach folgen fünf Bijas und sieben Nebenlaute. Abgesehen von einigen wechselnden Gliedern bleiben alle unverändert, Geliebte.

Anmerkung: Bezeichnung auparājika vorläufig; keine zusätzlichen Silben rekonstruiert.

Vers 1275 (Position 1375)
dvisaptatimitā varṇā rūpādyāḥ śīrṣapaścimāḥ |
atho ahaṃ viśeṣeṇa vadāmi punarapyamum‌ ||1275||

Zweiundsiebzig Laute werden gezählt, beginnend bei „rupa“ und endend beim Kopfabschluss. Nun erläutere ich ihn erneut im Einzelnen.

Anmerkung: Quelle zeigt1275 an Position 1375; Quellzählung nicht zur Auffüllung beschädigter Teile benutzt.

Die achtzehn festen Bijas

Vers 1379 (Position 1376)
tāro māyā yoginī ca praṇavaḥ kamalā vadhūḥ |
vedādiḥ kāmakūrcau ca gāyatrīmukha eva ca ||1379||

Tara, Maya, Yogini, Pranava, Kamala, Vadhu, Vedadi, Kama, Kurcha und Gayatrimukha …

Anmerkung: Quelle zeigt1379 an Position 1376. Tara, Pranava und Vedadi werden als getrennte Decknamen bewahrt, nicht wegen möglicher Lautgleichheit gestrichen.

Vers 1377
śākinī ḍākinī caiva tathaivāgamamastakaḥ |
pralayaścāpi phetkārī tatastraivarṇikāṅkuśau ||1377||

… Shakini, Dakini, Agamamastaka, Pralaya, Phetkari, danach Traivarnika und Ankusha …

Vers 1378
kālībījaṃ sarvaśeṣe bījānyaṣṭādaśaiva hi |
asminnyāse tu sarvatra visandhiḥ parikīrtitaḥ ||1378||

… und zuletzt das Kali-Bija: Es sind achtzehn Bijas. In diesem Nyasa wird überall das Ausbleiben der Lautverschmelzung vorgeschrieben …

Die Opfernamen

Vers 1379
asamāsavibhāge tu hitvā dvitripadīkṛtam‌ |
agniṣṭomo'tyagniṣṭomo vājapeyaśca ṣoḍaśī ||1379||

… im Bereich nicht zusammengesetzter Wörter, mit Ausnahme der aus zwei oder drei Wörtern gebildeten Verbindungen. [Die Opfernamen sind:] Agnishtoma, Atyagnishtoma, Vajapeya und Shodashi …

Anmerkung: Shodashi als Opfername, keine Altersangabe.

Vers 1380
puṇḍarīko'śvamedhaśca rājasūyastataḥ param‌ |
tathā bahusuvarṇaśca gosavaśca mahāvrataḥ ||1380||

… Pundarika, Ashvamedha, danach Rajasuya, Bahusuvarna, Gosava und Mahavrata …

Anmerkung: Opfernamen vollständig bewahrt, keine hier nicht beschriebenen Ausführungsdetails ergänzt.

Vers 1381
viśvajittadanu prājāpatyāśvakrāntasaṃjñitau |
rathakrānto viśvakrāntaḥ sūryakrānta itaḥ param‌ ||1381||

… danach Vishvajit, die Prajapatya und Ashvakranta genannten, Rathakranta, Vishvakranta und anschließend Suryakranta …

Anmerkung: Quelle erwägt Vishnukranta statt Vishvakranta; Hauptlesung bewahrt.

Vers 1382
gajakrāntaśca balabhinnāgayajña itaḥ param‌ |
sāvitrī cārdhasāvitrī sarvatobhadra eva ca ||1382||

… Gajakranta, Balabhid, danach Nagayajna, Savitri, Ardhasavitri und Sarvatobhadra …

Anmerkung: Worttrennung balabhid/nāgayajña vorläufig; keine zusätzliche Opferzahl behauptet.

Vers 1383
ādityāmaya ityevaṃ gavāmaya itaḥ param‌ |
sarpāmayaḥ kauṇḍapāmayāgnicid‌ dvādaśāhayuk‌ ||1383||

… Adityamaya, danach Gavamaya, Sarpamaya, Kaundapamaya, Agnichit und Dvadashaha …

Anmerkung: Ungewöhnliche Quellformen mit -amaya bewahrt, nicht still durch bekannte -ayana-Namen vedischer Opfer ersetzt.

Vers 1384
upāṃśurūtriśākhyastataścāśvapratigrahaḥ |
bahiratho'bhyudayaśca tathā sarvasvadakṣiṇaḥ ||1384||

… Upamshu, der als einunddreißigster bezeichnet wird, danach Ashvapratigraha, Bahiratha, Abhyudaya und Sarvasvadakshina …

Anmerkung: Quellwort rūtriśākhya beschädigt, Zählmarke einunddreißig vorläufig. Bahiratha bzw. bahir atha nicht sicher getrennt; keine Standardopferliste von außen eingesetzt.

Vers 1385
dīkṣā somastathā svāhākāraścāpi tanūnapāt‌ |
godohano naramedho jyotiṣṭomastathaiva ca ||1385||

… Diksha, Soma, Svahakara, Tanunapat, Godohana, Naramedha und Jyotishtoma …

Anmerkung: Naramedha: Menschenopfer als genannter Ritualname; keine in dieser Stelle nicht vorhandene Beschreibung ergänzt.

Vers 1386
tato bhaveddarśapaurṇamāsaścāpyatirātrayuk‌ |
saubharaḥ saubhāgyakṛcca śāntikṛttadanantaram‌ ||1386||

… danach Darshapurnamasa, Atiratra, Saubhara, Saubhagyakrit und anschließend Shantikrit …

Vers 1387
sauparṇaścāpi trailokyamohanaḥ parikīrtitaḥ |
śaṅkhacūḍastathā pūrvaṃ kandarpabalaśātanaḥ ||1387||

… Sauparna, Trailokyamohana, Shankhachuda und Kandarpa-Balashatana …

Anmerkung: Letzter Name in der Quelle als Verbindung mehrerer Wörter; keine mythologische Episode ergänzt.

Vers 1388
gajacchāyastato viṣṇuvikramo vinigadyate |
mahāraudraḥ sarvaśeṣe nāmānyetāni sundari ||1388||

… Gajacchaya, danach Vishnuvikrama und ganz zuletzt Maharaudra. Dies sind die Namen, Schöne.

Vers 1389
dvyarṇātmako yajñaśabda ukta eṣāmanantaram‌ |
asyāpyanu ca ye śabdāstān‌ bravīmi priye tava ||1389||

Auf diese folgt das zweisilbige Wort „yajna“, Opfer. Die darauf folgenden Wörter werde ich dir nun nennen, Geliebte.

Die Königsnamen

Vers 1360 (Position 1390)
priyavrataśca nahuṣo'mbarīṣaśca dilīpayuk‌ |
kārtavīryārjunaścātha maruttaḥ ṣaṣṭha īritaḥ ||1360||

Priyavrata, Nahusha, Ambarisha, Dilipa, Kartaviryarjuna und als sechster Marutta …

Anmerkung: Quelle zeigt1360 an Position 1390; Beginn der Königsliste.

Vers 1391
hariścandro nalaścāpi divodāsastataḥ param‌ |
bharato bhadraśreṇyaśca suhotraḥ śaśabinduyuk‌ ||1391||

… Harishchandra, Nala, danach Divodasa, Bharata, Bhadrashrenya, Suhotra und Shashabindu …

Anmerkung: Bhadrashrenya vorläufige Namenslesung.

Vers 1392
bṛhadaśvaḥ pauravaḥ syādikṣvākuśca yayātiyuk‌ |
indradyumnaśca śaryātiḥ śibiḥ śatruñjayastathā ||1392||

… Brihadashva, Paurava, Ikshvaku, Yayati, Indradyumna, Sharyati, Shibi und Shatrunjaya …

Anmerkung: Quelle schwankt ausdrücklich bei Sharyati/Saryati. Quellenfußnote: Ein anderer Zeuge überspringt Text innerhalb des Bereichs von Brihadashva bis Bhagiratha; hier vorhandene Namen dennoch übersetzt.

Vers 1393
ṛtuparṇo rāmacandro vidūratha itaḥ param‌ |
māndhātā tadanu jñeyo bhagīratha iti priye ||1393||

… Rituparna, Ramachandra, danach Viduratha, dann Mandhatri und Bhagiratha, Geliebte …

Vers 1394
yuvanāśvo rantideva āgnīdhraśca purūravāḥ |
gayo'larkaḥ pṛthuraghū pratardana itaḥ param‌ ||1394||

… Yuvanashva, Rantideva, Agnidhra, Pururavas, Gaya, Alarka, Prithu, Raghu und anschließend Pratardana …

Vers 1395
tataḥ sagaraharyakṣājamīḍhapurukutsavat‌ |
khaṭvāṅgo rajirityevaṃ […] ca ||1395||

… dann Sagara, Haryaksha, Ajamidha, Purukutsa, Khatvanga, Raji und […] …

Anmerkung: Fragment: Letzter Name beschädigt; Khatvanga/Raji-Verbindung in der Quelle fraglich. Keine Auffüllung auf eine erwartete Gesamtzahl.

Vers 1396
ayutāyurmatināvastathā jīmūtavāhanaḥ |
rambho nṛgo vīrabāhustato vasumatā api ||1396||

… Ayutayus, Matinava, Jimutavahana, Rambha, Nriga, Virabahu und danach Vasumata …

Anmerkung: Matinava und Vasumata vorläufige Quellformen, keine stillschweigende Ersetzung durch bekanntere Königsnamen.

Vers 1367 (Position 1397)
citrāyudhaḥ saptasaptatiḥ janakaḥ sarvapaścime |
eteṣāmanu rājāsādhiteti padaṃ smṛtam‌ ||1367||

… Chitrayudha, Saptasaptati und ganz zuletzt Janaka. Auf diese folgt das Wort „rajasadhita“ — „durch den König vollzogen“.

Anmerkung: Quelle erwägt Saptasapti statt Saptasaptati; Name nicht als neue Gesamtzählung übersetzt. Quelle zeigt1367 an Position 1397. Königliche Opferhandlung aus Listenverbindung; keine genaue zusammengesetzte Formel erfunden.

Die Lakshmi-Bezeichnungen

Vers 1398
punarnāmāni bhinnāni krameṇākalaya priye |
jaya aiśvaryasattve ca jñānaṃ dharmaḥ kriyā tathā ||1398||

Höre nun wiederum verschiedene Namen in ihrer Reihenfolge, Geliebte: Jaya, Aishvarya, Sattva, Jnana, Dharma und Kriya — Sieg, Herrschaftsmacht, Sattva, Erkenntnis, Dharma und Wirken …

Anmerkung: Beginn der Lakshmi-Namensglieder, wie1404erläutert; Sattva und Dharma wegen Bedeutungsbreite bewahrt.

Vers 1399
buddhirmokṣaśca yogaśca siddhirvṛddhistathaiva ca |
vidyāsantānajīvāśca bhogo dharmārthamityapi ||1399||

… Buddhi, Moksha, Yoga, Siddhi, Vriddhi, Vidya, Santana, Jiva, Bhoga und Dharmartha — Einsicht, Befreiung, Yoga, Vollendung, Wachstum, Wissen, Nachkommenschaft, Leben, Genuss und Dharma mit Wohlergehen …

Anmerkung: Dharmartha als Quellverbindung erhalten; keine sichere Trennung in zwei zusätzliche Listenglieder behauptet.

Vers 1400
udayaśca vibhūtiśca dayā krodha itaḥ param‌ |
rājyaṃ nayastathaivājñā dhanaṃ cābhayameva ca ||1400||

… Udaya, Vibhuti, Daya, Krodha, Rajya, Naya, Ajna, Dhana und Abhaya — Aufstieg, Entfaltung von Macht, Mitgefühl, Zorn, Herrschaft, Staatsklugheit, Gebot, Reichtum und Furchtlosigkeit …

Anmerkung: Krodha, Zorn, steht ausdrücklich in der Reihe und wird nicht spirituell beschönigt.

Vers 1401
varaḥ pratāpaḥ śaktiśca nirvāṇaśca parāparaḥ |
advaitamicchā cāveśa utsāho'mṛtameva ca ||1401||

… Vara, Pratapa, Shakti, Nirvana, Parapara, Advaita, Iccha, Avesha, Utsaha und Amrita — Segensgabe, Glanz der Macht, Kraft, Nirvana, Höheres und Niederes, Nichtdualität, Wille, Ergriffenheit, Tatkraft und Unsterblichkeit …

Vers 1402
tattvaṃ moho mahākāla uddhāraḥ kīrtireva ca |
vīra ānandasaubhāgye vaśyaṃ tapa itaḥ param‌ ||1402||

… Tattva, Moha, Mahakala, Uddhara, Kirti, Vira, Ananda, Saubhagya, Vashya und Tapas — Wirklichkeit, Verblendung, Mahakala, Errettung, Ruhm, Heldentum, Freude, Glück, Unterwerfung und Askese …

Anmerkung: Moha und Vashya sind Quellglieder, nicht ausgelassen oder in rein positive Eigenschaften umgedeutet.

Vers 1403
khaḍgaścodārakāntī ca kaivalyaṃ sarvaśeṣagam‌ |
tribhiḥ padairviracitametadagrapadaṃ hi yat‌ ||1403||

… Khadga, Udara, Kanti und zuletzt Kaivalya — Schwert, Großmut, Schönheit und Befreiung. Das anschließende Wort, das aus drei Wörtern gebildet ist …

Anmerkung: Worttrennung Udara/Kanti nach Dualform vorläufig; nicht zur Erreichung einer Zahl verändert.

Vers 1404
ebhiḥ samasitaṃ jñeyaṃ tallakṣmīnāmadhāriṇī |
ato'niyataśabdārthairyadvākyaṃ ghaṭitaṃ priye ||1404||

… wird mit diesen zusammengesetzt: „lakshminamadharini“ — „die den Namen der jeweiligen Lakshmi trägt“. Die nun aus wechselnden Wörtern und Bedeutungen gebildete Wortfolge, Geliebte …

Anmerkung: Die Namen1398–1403verbinden sich damit zu verschiedenen Lakshmi-Bezeichnungen.

Königliche Früchte und mythische Taten

Vers 1405
taducyate durūhaṃ hi boddhavyaṃ sūkṣmayā dhiyā |
saptadvīpavatī pṛthvīpadād‌ digvijayaḥ puraḥ ||1405||

… wird jetzt genannt. Sie ist schwer zu verstehen und verlangt feine Aufmerksamkeit. Nach „saptadvipavati prithvi“ folgt „digvijaya“ — „Eroberung der Welt mit ihren sieben Kontinenten“ …

Anmerkung: Beginn wechselnder königlicher Frucht- und Tatenbezeichnungen; nicht als ein einziger eigenständiger Mantra ausgegeben.

Vers 1406
tataḥ surapatitvaṃ ca punaḥ paramanirvṛtiḥ |
nāgalokavijayaśca […] parikīrtitaḥ ||1406||

… danach „Herrschaft über die Götter“, dann „höchste Erfüllung“ und „Eroberung der Naga-Welt“ […] …

Anmerkung: Fragment: Zähl- oder Anschlusswort nach Nāgalokavijaya beschädigt.

Vers 1407
pañcāśītisahasrānu varṣajīvanameva ca |
daśadikpālapadato vaśīkaraṇameva ca ||1407||

… nach „fünfundachtzigtausend“ folgt „Lebensjahre“; nach „zehn Hütern der Himmelsrichtungen“ folgt „Unterwerfung“ …

Anmerkung: Mythische Lebensspanne und Machtaussage, keine Tatsachenzusage.

Vers 1408
tataḥ sakaladevatākriyamāṇastutirbhavet‌ |
punaḥ paramasaundaryaṃ niḥsapatnānurājyaṃ ca ||1408||

… danach „Lobpreis, dargebracht von allen Gottheiten“, dann „höchste Schönheit“ und nach „ohne Rivalen“ das Wort „Herrschaft“ …

Vers 1409
syāt‌ samrāṭ‌ cakravarti daśamaṃ suravandite |
saptapātālavijayastadanantaramucyate ||1409||

… als zehntes „Samrat, Chakravartin“ — universaler Herrscher, du von Göttern Verehrte. Danach wird „Eroberung der sieben Unterwelten“ genannt …

Anmerkung: Quellzählmarke zehn bewahrt; keine Glieder umgruppiert, um sie zu erzwingen.

Vers 1410
sarasvatyanu dāsītvaṃ bhaved‌ dvādaśasaṃkhyakam‌ |
śatasahasrapatnī niyutakanyā koṭisuteti ca ||1410||

… nach „Sarasvati“ folgt „Dienerinnenschaft“, als zwölftes; dann „hunderttausend Ehefrauen“, „eine Niyuta Töchter“ und „zehn Millionen Söhne“ …

Anmerkung: Patriarchale mythische Besitz- und Nachkommensliste wörtlich. Kanyā hier Töchter in der Nachkommenschaftsreihe, keine sexuelle Handlung; Niyuta als Großzahl ohne unsichere Dezimalauflösung.

Vers 1411
lakṣādhikāśītipadāt‌ sahasravarṣajīvanam‌ |
pravadedurvaśī rambhā menakānu tilottamā ||1411||

… nach „achtzig [Tausend] über hunderttausend“ folgt „Lebensjahre“; dann spreche man „Urvashi, Rambha, Menaka“ und danach „Tilottama“ …

Anmerkung: Zahlverbindung lakṣādhikāśītisahasra ergibt wohl180000, bleibt wegen knapper Wortbildungsanweisung ausdrücklich vorläufig.

Vers 1412
dviṣaṣṭyapsaraḥsambhogasiddhasaptatipadādanu |
śākhāvedadhāraṇaṃ ca tato'ṣṭādaśalakṣataḥ ||1412||

… „Liebesvereinigung mit zweiundsechzig Apsaras“. Nach „siebzig Siddha-[…]“ folgt „Bewahrung der Veda-Zweige“. Dann nach „achtzehn Hunderttausend“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung siddha-saptati-śākhāveda nicht zuverlässig aufzulösen; Apsaras erotisch als erwachsene Himmelswesen, ohne zusätzliche Altersannahmen.

Vers 1413
maharṣipratyahārthānu bhojanaṃ parikīrtitam‌ |
syānmaharlokaparyantarathagamanameva ca ||1413||

… wird „tägliche Speisung von Maharshis“ genannt; dann „Fahrt im Wagen bis zum Maharloka“ …

Anmerkung: Achtzehn Lakhs aus 1412beziehen sich im Satzanschluss auf die zu speisenden Maharshis.

Vers 1414
tataḥ samaravijayapūrvakāt‌ kālakeya ca |
ditijānu tathā kanyāharaṇaṃ parikīrtitam‌ ||1414||

… danach „nach Sieg in der Schlacht“, „Kalakeya-Daityas“ und „Raub der Tochter“ …

Anmerkung: Kanyā kann Tochter oder junge Frau bezeichnen; Alter nicht angegeben. Historische Entführungsaussage ohne sexuelle Ausmalung übersetzt.

Vers 1415
svamāṃsotkartanād‌ dharmo bhaved‌ gomukhadaitya ca |
ṣaṭtriṃśadakṣauhiṇīto bhasmīkaraṇameva ca ||1415||

… „Dharma durch Herausschneiden des eigenen Fleisches“; dann „Gomukha-Daitya“, „sechsunddreißig Akshauhinis“ und „Zu-Asche-Machen“ …

Anmerkung: Mythische Tatenbezeichnungen, keine Handlungsanleitung. Akshauhini: traditionelle Heeresgröße, hier ohne Zahlenrekonstruktion.

Vers 1416
tathāpratihatājñatvaṃ rājatattvamataḥ param‌ |
vāsukito daṇḍagrahaṇaṃ caturviṃśatisaṃkhyake ||1416||

… „unwiderstehliche Befehlsgewalt“, danach „Königswesen“ und als vierundzwanzigstes „Empfang des Herrscherstabes von Vasuki“ …

Anmerkung: Rājatattva aus beschädigtem rājatvatva vorläufig. Daṇḍagrahaṇa kann auch andere Herrschaftsbezüge haben; Stabdeutung im Königsrahmen vorläufig.

Vers 1417
vāsavopakārakaraṇaṃ sevakādipadādanu |
bhavet‌ khecarasiddhitvaṃ lakṣamattapadādanu ||1417||

… „Vasava einen Dienst erweisen“; nach „Diener […]“ folgt „Siddhi des Bewegens im Luftraum“. Nach „hunderttausend brünstigen …“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung sevakādi unklar; keine sichere Dienerzahl ergänzt. Elefanten folgen1418.

Vers 1418
hastibalaṃ caiva saptaviṃśatisaṃkhyake |
caturvidhārthasāmagrī svecchācāritvameva ca ||1418||

… „Elefanten“ folgt „Kraft“, als siebenundzwanzigstes; dann „Fülle der vier Lebensziele“ und „Handeln nach eigenem Willen“ …

Anmerkung: Erste Halbzeile in Quelle typografisch kurz, ohne weitere ergänzte Anfangssilben. Die Elefantenkraft verbindet sich mit 1417.

Vers 1419
anāyāsapadasyānte trilokīrakṣaṇaṃ tathā |
svecchārūpitvamasyānu mahāyogācca siddhiśca ||1419||

… nach „mühelos“ folgt „Schutz der drei Welten“, danach „beliebige Gestalt annehmen“ und nach „Mahayoga“ das Wort „Siddhi“ …

Vers 1420
cirajīviteti kathitā caturvidhapadāttataḥ |
bhūtasaṅghavṛttistathā kalpaneti priyaṃvade ||1420||

… „langes Leben“; nach „vierfach“ folgen „Lebensunterhalt der Scharen von Wesen“ und „Bereitstellung“, du Lieblichsprechende …

Anmerkung: Die vier Wesenklassen werden nicht einzeln benannt; keine externe Liste ergänzt.

Vers 1421
kuberajaya ityevaṃ syāt‌ purandarasakhyaṃ ca |
ripuvirūpakaraṇaṃ svecchānu […] ca ||1421||

… „Sieg über Kubera“, „Freundschaft mit Purandara“, „Entstellung der Feinde“ und nach „nach eigenem Willen“ […] …

Anmerkung: Fragment: Letztes Glied unlesbar; Feindentstellung nicht beschönigt.

Vers 1422
prasabhavāsukikanyāpadāt‌ pariṇayo'pi ca |
varuṇaniruddhajayo vāsavāsādhyaśabdataḥ ||1422||

… nach „gewaltsam“ und „Vasukis Tochter“ folgt „Heirat“; dann „Sieg über die Gefangensetzung durch Varuna“ und nach „für Vasava unbezwingbar“ …

Anmerkung: Erzwungene Heirat im mythischen Tatenkatalog sachlich übersetzt. Alter der Tochter nicht angegeben; keine sexuelle Ausschmückung.

Vers 1423
bhaveddaityajaya iti syād‌ dikpālapadāttataḥ |
nirodhasaṅkaṭaṃ procya taraṇeti tataḥ param‌ ||1423||

… „Sieg über den Daitya“. Nach „Hütern der Himmelsrichtungen“ spreche man „Not der Gefangenschaft“ und danach „Überwindung“ …

Vers 1424
śacyuddhāro nikumbhānu daityagarvānubhañjanam‌ |
ajātaśatrutā cāpi trilokīprārthayamāna ca ||1424||

… „Befreiung Shachis“, nach „Nikumbha-Daitya“ „Brechen des Hochmuts“, ferner „Feindlosigkeit“ und „von den drei Welten Erbetenes …“ …

Anmerkung: Letzte Verbindung grammatisch knapp; Fortsetzung1425.

Vers 1425
bhaved‌ vastuvitaraṇaṃ jagadvaśīkaraṇaṃ ca |
mahāvadānyaṃ tadanu tato'tirathatāpi ca ||1425||

… „Verteilen von Gütern“, „Unterwerfung der Welt“, danach „große Freigebigkeit“ und „Rang eines Atiratha“ …

Anmerkung: Atiratha: außerordentlicher Wagenkämpfer; kein moderner militärischer Rang.

Vers 1426
syāt‌ pūrvapuruṣoddhāraḥ saundaryaikanidhānaṃ ca |
sāyujyamuktiḥ śeṣe syāt‌ padānyaniyateritāni ||1426||

… „Errettung der Vorfahren“, „einzige Schatzstätte der Schönheit“ und zuletzt „Befreiung durch Einssein“. Dies sind die wechselnden Wörter.

Schlussanreden und Brahmas Mantra

Vers 1427
tripadyā racitaṃ yattat‌ syādrūpaphaladāyinī |
dvādaśārṇaṃ hi nakṣatranaramuṇḍapadādanu ||1427||

Das aus drei Wörtern gebildete [Glied] lautet „rupaphaladayini“ — „die als Frucht die jeweilige Gestalt [bzw. Art] gewährt“. Im zwölfsilbigen [Glied] folgt auf „nakshatra“, „nara“ und „munda“ …

Anmerkung: Rūpa in der Folge wechselnder Wirkungen mehrdeutig, nicht in eine konkrete äußere Körpergestalt verengt.

Vers 1428
[…] mālālaṅkṛteti […] padaṃ ca |
ādau caturdaśa […] bhuvanasevita ||1428||

… „malalamkrita“ — „mit einer Girlande geschmückt“ […]. [Im nächsten Glied] zuerst „vierzehn“, dann […] „von den Welten verehrt“ …

Anmerkung: Fragment: Mehrere Verbindungswörter beschädigt; kein vollständiges Kompositum aus nakṣatra/nara/muṇḍa rekonstruiert.

Vers 1429
pādapadmā tatparaṃ ca tato bhagavatī padam‌ |
guhyakālīti tasyānte brahmopāsyastato manuḥ ||1429||

… danach „padapadma“ — „deren Lotusfüße [von den vierzehn Welten verehrt werden]“. Dann die Wörter „bhagavati“ und „guhyakali“, gefolgt vom durch Brahma verehrten Mantra …

Anmerkung: Lesbare Anrede über1428–1429verbunden, beschädigte Mittelwörter nicht im Sanskrit ergänzt.

Vers 1430
varṇasaptadaśāḍhyo'yaṃ pañca bījāni me […] |
rāvo vadhūruḍyoginyastrapā ca tadanantaram‌ ||1430||

… der siebzehn Silben umfasst. Die fünf Bijas [höre von mir …]: Rava, Vadhu, Rud, Yogini und danach Trapa.

Anmerkung: Fragment: Sprechverb beschädigt; mittlerer Bija-Deckname ruḍ/ruṭ aus gestörter Verbindung vorläufig. Brahmas Mantra nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.

Vers 1431
astratrayaṃ hṛcchirasī śeṣā vai prakaṭoddhṛtiḥ |
dvisaptatimitā varṇā vibhaktyā sahitā ime ||1431||

Den Schluss bilden dreimal Astra, Herz und Kopf. Damit ist die Erschließung offen dargelegt. Diese Laute zählen zusammen mit den Kasusendungen zweiundsiebzig.

Anmerkung: Quellzählung nicht durch Ergänzung beschädigter Formeln erzwungen.

Die Aufgaben von Brahmanen und Königen im Ursprungsmythos

Vers 1432
nānāsandehāpanuttyai kathyamānāṃ purātanīm‌ |
ākhyāyikāṃ varārohe kīrtyamānāṃ nibodha me ||1432||

Höre nun von mir die alte Geschichte, du Wohlgestaltete, die verschiedene Zweifel beseitigen soll.

Vers 1433
kalpādau bhagavān‌ brahmā jagat‌ sṛṣṭvā carācaram‌ |
sārabhūtāni sarvāṇi brāhmaṇebhyaḥ svayaṃ dadau ||1433||

Am Anfang des Kalpa erschuf der erhabene Brahma die bewegliche und unbewegliche Welt und gab den Brahmanen selbst alles Wesentliche …

Anmerkung: Beginn eines brahmanisch geprägten Ursprungsmythos sozialer Aufgaben; historische Textaussage.

Vers 1434
sāṅgān‌ vedānadhvarāṃśca tapaḥ satyaṃ kṣamāṃ dhṛtim‌ |
yogaṃ jñānaṃ brahmacaryaṃ vairāgyaṃ brahmabhāvanām‌ ||1434||

… die Veden samt ihren Hilfswissenschaften, Opfer, Askese, Wahrhaftigkeit, Geduld, Standhaftigkeit, Yoga, Erkenntnis, Brahmacharya, Nichtanhaften und die Versenkung in Brahman …

Vers 1435
vivekaṃ dhairyamācāraṃ dayāṃ niṣṭhāṃ sahiṣṇutām‌ |
amīṣāṃ pātratāṃ jñātvā ratnapūrṇāṃ vasundharām‌ ||1435||

… Unterscheidungskraft, Mut, rechte Lebensführung, Mitgefühl, Beständigkeit und Duldsamkeit. Weil er ihre Eignung erkannte, [gab er] die von Edelsteinen erfüllte Erde …

Vers 1436
sasamudradvīpaśailāṃ tebhya eva dadatprabhuḥ |
gṛhītvā cātha te viprā vibhaktyānyonyamīśvari ||1436||

… samt Meeren, Kontinenten und Bergen eben ihnen. Die Brahmanen nahmen sie entgegen und teilten sie untereinander auf, Herrin …

Anmerkung: Erste Verbform im OCR beschädigt; Geben der Erde klar.

Vers 1437
tapodhanā bhogahīnāstapasyeva mano dadhuḥ |
kurvāṇeṣu tapoghoraṃ vipreṣu dhyānaśāliṣu ||1437||

… doch da Askese ihr Reichtum war und sie auf Genuss verzichteten, richteten sie den Geist allein auf Askese. Während die der Meditation hingegebenen Brahmanen strenge Askese übten …

Vers 1438
apālanakṛtād‌ doṣād‌ viparyastābhavat‌ kṣitiḥ |
dasyutaskara[…] hiṃsrajantusamākulā ||1438||

… geriet die Erde durch mangelnden Schutz in Unordnung, erfüllt von Räubern, Dieben […] und wilden Tieren …

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach taskara beschädigt; lesbare Aussage weitergeführt.

Vers 1439
nirmaryādā nirādhārā kāndiśīkajanācitā |
na ko'pi manyate kiñcidaparādhabhayāt‌ priye ||1439||

… ohne Ordnung, ohne Halt, voller umherirrender Menschen. Aus Furcht vor Übergriffen konnte niemand sich um etwas kümmern, Geliebte.

Anmerkung: Kāndiśīkajanācitā in Quelle fraglich. Zweite Halbzeile wörtlich „niemand bedenkt etwas aus Furcht vor Vergehen“, Sinn der Unsicherheit der Bewohner vorläufig nach Kontext.

Vers 1440
brāhmaṇāñcharaṇaṃ jagmuḥ prajā bhītāśca vidrutāḥ |
te na śekurdvijāstrātuṃ prajāḥ śvāpadadasyutaḥ ||1440||

Die verängstigten, auseinandergetriebenen Menschen suchten bei den Brahmanen Zuflucht. Doch diese Zweimalgeborenen konnten sie vor Raubtieren und Räubern nicht schützen.

Vers 1441
atha brahmāṇamabhyetya procuḥ prāñjalayo dvijāḥ |
vītarāgā vayaṃ brahman‌ dhyānaniṣṭhāstapodhanāḥ ||1441||

Darauf gingen die Zweimalgeborenen zu Brahma und sprachen mit gefalteten Händen: „Brahma, wir sind frei von Verlangen, der Meditation gewidmet, und Askese ist unser Reichtum.

Vers 1442
na śaktāḥ smo vayaṃ sarvāṃ rakṣituṃ pṛthivīmimām‌ |
trātuṃ prajāśca dasyubhyastrasyāmo yuddhadarśanāt‌ ||1442||

Wir sind nicht imstande, diese ganze Erde zu schützen und die Menschen vor Räubern zu retten; beim Anblick eines Kampfes erschrecken wir.

Vers 1443
na śaknumo vayamimāṃ rakṣituṃ medinīṃ vibho |
asmatto'varajo varṇaḥ kṣatra ityabhiviśrutaḥ ||1443||

Wir vermögen diese Erde nicht zu schützen, Allgegenwärtiger. Der nach uns geborene Varna ist als Kshatra bekannt …

Anmerkung: Varna hier gesellschaftlicher Stand im Ursprungsmythos. Avaraja zunächst „jünger/nachgeboren“, nicht zusätzliche moderne Wertung.

Königsherrschaft, Schutz und Opfer

Vers 1444
jāto bāhvorhareḥ sākṣādimāṃ tasmai […] |
ityukto bhagavān‌ brahmā saha sammantrya vāḍavaiḥ ||1444||

… unmittelbar aus Haris Armen geboren. [Gib] ihm diese Erde […].“ So angesprochen, beriet sich der erhabene Brahma mit den Brahmanen …

Anmerkung: Fragment: Verb nach tasmai beschädigt; Übergabe als Auftrag durch1445gesichert. Bezug auf Hari bleibt stehen, nicht zu Brahma geändert.

Vers 1445
kṣatrebhyaḥ pradadau pṛthvīṃ brāhmaṇānumato priye |
śastrāstrāṇi balaṃ bāhvordaṇḍanītiṃ ca śūratām‌ ||1445||

… und gab mit ihrer Zustimmung den Kshatriyas die Erde, Geliebte, ferner Waffen und Geschosse, Armkraft, Regierungskunst und Tapferkeit …

Vers 1446
utsāhabhogakoṣāṃśca caturaṅgabalaṃ tathā |
pratāpaṃ ca prabhāvaṃ ca śastrakṣatasahiṣṇutām‌ ||1446||

… Tatkraft, Genuss, Schatzkammern, ein viergliedriges Heer, Herrscherglanz, Macht und die Fähigkeit, Verwundungen durch Waffen zu ertragen …

Vers 1447
ijyāṃ baliṃ prajābhyaśca yacca sārataraṃ bhuvaḥ |
te prāpya nikhilāmurvīṃ kṣatriyā dharmatatparāḥ ||1447||

… Opferdienst, Abgaben von den Untertanen und was immer auf Erden besonders wertvoll ist. Als die dem Dharma zugewandten Kshatriyas die ganze Erde erhalten hatten …

Anmerkung: Bali hier Abgabe/Tribut im Herrschaftszusammenhang, nicht die frühere tantrische Opfergabe.

Vers 1448
pālayāmāsuravaniṃ smṛtiproktena vartmanā |
purīrniveśayāmāsuḥ kheṭāvasathakharvaṭān‌ ||1448||

… schützten sie sie nach dem in der Smriti gelehrten Weg. Sie gründeten Städte, Ortschaften, Wohnstätten und befestigte Siedlungen.

Vers 1449
jaghnurdasyūñchvāpadāṃśca kāntārasthānapi priye |
balīnāhārayāmāsurbhogān‌ bubhujire tathā ||1449||

Sie töteten Räuber und Raubtiere, auch jene in der Wildnis, Geliebte, ließen Abgaben einziehen und genossen ihre Güter.

Anmerkung: Historische Legitimation von Königsherrschaft und Gewalt in der Quelle.

Vers 1450
yuyudhū rājyahetośca parasparamamī tathā |
āgaḥkṛtsu tathā daṇḍaṃ praṇinyurvadhameva ca ||1450||

Sie kämpften auch untereinander um Herrschaft und verhängten gegen Übeltäter Strafen, bis hin zur Tötung.

Anmerkung: Agaḥkṛtsu aus beschädigtem āgaḥkṛtsnaṃ nach klarer Strafkonstellation vorläufig; nicht als sicherer Wortlaut verborgen.

Vers 1451
evaṃ kṛte mumudire prajāḥ sarvā nirākulāḥ |
nirbhayāścāpyavardhanta svasthamāsījjagattrayam‌ ||1451||

Als dies geschehen war, freuten sich alle Menschen, frei von Unruhe. Ohne Furcht gediehen sie, und die drei Welten befanden sich in Wohlergehen.

Anmerkung: Idealisiertes Ergebnis im Ursprungsmythos der Quelle.

Vers 1452
balīn‌ prajābhyaḥ saṅgṛhya kṛtvātha koṣasañcayam‌ |
yiyakṣavo'bhavan‌ sarve vedadṛṣṭena vartmanā ||1452||

Nachdem sie Abgaben von den Untertanen eingezogen und Schätze angesammelt hatten, wollten alle nach dem in den Veden gelehrten Weg Opfer darbringen.

Die Götter bleiben dem Opfer fern

Vers 1453
ṛṣīnānāyya vedajñān‌ yajñavāṭaṃ vidhāya ca |
vidhāya makhasambhārānabhūvan‌ dīkṣitāḥ kratau ||1453||

Sie ließen vedakundige Rishis herbeirufen, richteten den Opferplatz her, stellten die Opfermaterialien zusammen und empfingen die Weihe zum Opfer.

Vers 1454
yajñasambandhikarmāṇi […] maharṣayaḥ |
sadasyāḥ ke'pi tatrāsan‌ […] tathāpare ||1454||

Die Maharshis [verrichteten …] die zum Opfer gehörenden Handlungen. Einige waren Mitglieder der Opferversammlung, andere […] …

Anmerkung: Fragment: Verb und Bezeichnung einer weiteren Priestergruppe beschädigt; keine vedische Standardliste ergänzt.

Vers 1454 (Position 1455)
adhvaryavo'tha hotāro'bhavan‌ vettāra eva ca |
pravṛtteṣvadhvareṣvevaṃ dīkṣiteṣu nṛpeṣvatha ||1454||

… waren Adhvaryus, Hotris und Kundige. Als die Opfer so begonnen hatten und die Könige geweiht waren …

Anmerkung: Quelle zählt erneut1454;Folgeposition1455. Vettāraḥ wird als „Kundige“ bewahrt, nicht in einen vermuteten Spezialpriesternamen verwandelt.

Vers 1456
dīyamāneṣu dāneṣu hūyamāneṣu […] |
devānāvāhayāmāsustattanmantrairmaharṣayaḥ ||1456||

… als Gaben verteilt und […] ins Feuer geopfert wurden, riefen die Maharshis die Gottheiten mit ihren jeweiligen Mantras herbei …

Anmerkung: Fragment: Gegenstand des Feueropfers beschädigt.

Vers 1457
indramagniṃ […] vāyuṃ nairṛtaṃ ca pracetasam‌ |
somaṃ varuṇamīśānaṃ brahmāṇaṃ viṣṇumeva ca ||1457||

… Indra, Agni, […], Vayu, Nairrita, Prachetas, Soma, Varuna, Ishana, Brahma und Vishnu.

Anmerkung: Fragment: Ein Name zwischen Agni und Vayu unlesbar; nicht automatisch Yama ergänzt. Prachetas und Varuna beide bewahrt.

Vers 1458
ijyamāneṣu yajñeṣu sthāne sthāne'vanīśvaraiḥ |
[…] hūyamānāsu havirdhārābhirīśvari ||1458||

Während die Könige an den verschiedenen Orten Opfer darbrachten und Ströme von Opfergaben […] dargebracht wurden, Herrin …

Anmerkung: Fragment: Substantiv am Anfang der zweiten Halbzeile beschädigt.

Vers 1459
devāḥ kutrāpi nājagmuḥ sākṣād‌ vigrahadhāriṇaḥ |
atha dvitricaturvārān‌ jepurmantrān‌ maharṣayaḥ ||1459||

… erschienen die Götter nirgends persönlich in verkörperter Gestalt. Darauf rezitierten die Maharshis die Mantras zwei-, drei- und viermal.

Vers 1460
tathāpi nāgatā devā yajñabhāgajighṛkṣayā |
punarmūrtidharān‌ vedānāhvayāmāsurañjasā ||1460||

Dennoch kamen die Götter nicht, um ihren Opferanteil zu empfangen. Darauf riefen sie die verkörperten Veden unmittelbar herbei …

Anmerkung: Vedan statt beschädigtem devan vorläufig, durch1461vidya1466vedaundFolgegestützt; nichtalsgesicherteLesungverschwiegen.

Vers 1461
nāgatāste'pi deveśi yatnenākāritā api |
tathaiva vidyā āhūtāḥ sarvāstā api nāgatāḥ ||1461||

… doch auch diese kamen nicht, Herrin der Götter, obwohl man sie mit Nachdruck gerufen hatte. Ebenso wurden die Vidyas angerufen, und auch sie alle erschienen nicht.

Vers 1462
brahmāpi tatra nāyātaḥ sākṣī sarvādhvarasya ca |
atha vismayamāpannā rājānaḥ krodhameva ca ||1462||

Selbst Brahma, der Zeuge jedes Opfers, kam nicht dorthin. Da gerieten die Könige in Verwunderung und Zorn.

Vers 14623 (Position 1463)
mandākṣabhayanirvedacintāmohāvamānanāḥ |
maharṣīn‌ viviśustatra mṛtakalpāstrapābharaiḥ ||14623||

Scham, Angst, Mutlosigkeit, Sorge, Verwirrung und das Gefühl der Erniedrigung erfüllten die Maharshis. Unter der Last der Beschämung waren sie wie tot.

Anmerkung: Quelle zeigt14623 an Position 1463.

Kali als Herrin von Göttern und Veden

Vers 1464
atha te lajjitā dhyānādanāgamanakāraṇam‌ |
vijñāya preṣayāmāsurmahādevīṃ surāntikam‌ ||1464||

Beschämt erkannten sie durch Meditation den Grund des Ausbleibens und sandten die große Göttin zu den Göttern.

Anmerkung: Quelle nennt hier mahādevī, die Botin wird1466Sanjna genannt. Nicht still mit der erst später einzuladenden Kali gleichgesetzt; Erzählbezug bleibt uneindeutig.

Vers 1465
sā gatvā tridaśānāha […] kimiti vai makhe |
vihitāvāhanāmantrairnāgacchadhvaṃ kimityaho ||1465||

Sie ging zu den Göttern und sagte: „[…] Warum kommt ihr nicht zum Opfer, obwohl die vorgeschriebenen Anrufungsmantras vollzogen wurden? Warum nur?“

Anmerkung: Fragment: Anrede vor der Frage beschädigt.

Vers 1466
sannidhānaṃ na kurvanti vedā brahmaharī api |
ta ūcuramarāḥ sañjñāṃ sammantrya militā mithaḥ ||1466||

„Auch die Veden, Brahma und Hari erscheinen nicht.“ Nachdem sich die Unsterblichen miteinander beraten und versammelt hatten, sprachen sie zu Sanjna:

Anmerkung: Sañjñā als Botinnenname aus der Anrede; nicht ohne Beleg mit einer anderswo bekannten Göttinnengestalt identifiziert.

Vers 1467
vayaṃ nātmavaśāḥ sarve parādhīnāḥ sma sarvadā |
parasya vāhanībhūtāstathaiva paricārakāḥ ||1467||

„Wir alle verfügen nicht über uns selbst; wir stehen immer unter einer anderen Macht. Wir dienen als Träger und als Diener eines anderen …

Vers 1468
kālyāḥ siṃhāsanadharāstadājñāvaśavartinaḥ |
kathaṃ siṃhāsanaṃ tyaktvā yāmastasmin‌ makhe makhe ||1468||

… wir tragen Kalis Thron und folgen ihrem Gebot. Wie könnten wir den Thron verlassen und zu den einzelnen Opfern gehen?

Vers 1469
vayaṃ yadvāhanavahāḥ sā tatrākāritā na cet‌ |
vayaṃ kathaṃ gamiṣyāmastatra sañjñe sureśvari ||1469||

Wenn sie, deren Träger wir sind, nicht dorthin eingeladen wurde, wie könnten wir dann dorthin gehen, Sanjna, Herrin der Götter?“

Anmerkung: Quelle erwägt yajñe statt sañjñe; Hauptlesung Sanjna passend1466gesondertbewahrt.

Vers 1470
ityuktā sā yayau tatra yajñavāṭaṃ mahībhṛtām‌ |
devavedoditaṃ sarvaṃ maharṣibhyo nyavedayat‌ ||1470||

So beschieden, kehrte sie zum Opferplatz der Könige zurück und berichtete den Maharshis alles, was die Götter und Veden gesagt hatten.

Anmerkung: Singularverb am Schluss aus OCRPlural nach Subjekt normalisiert.

Vers 1471
bhūpān‌ vijñāpayāmāsuste'nāgamanakāraṇam‌ |
etasminneva samaye yajñā mantraiḥ sahākhilāḥ ||1471||

Diese teilten den Königen den Grund des Ausbleibens mit. Genau zu dieser Zeit verschwanden sämtliche Opfer samt ihren Mantras …

Vers 1472
antarhitā babhūvuśca svāhākārā vaṣaṭ‌ tathā |
antarhiteṣu teṣvevaṃ bhṛśaṃ duḥkhānvitā nṛpāḥ ||1472||

… ebenso die Svaha- und Vashat-Rufe. Als sie so verschwunden waren, wurden die Könige von tiefem Leid erfüllt …

Anmerkung: Svāhā und vaṣaṭ hier ausdrücklich benannte Opferrufe, keine wörtliche Übersetzung erfunden.

Vers 1473
[…] viṣaṇṇāḥ papracchuritikartavyatāṃ munīn‌ |
ta ūcustathyamamarā […] saṃśayaḥ ||1473||

… und fragten die Munis niedergeschlagen, was zu tun sei. Diese sagten: „Die Götter [haben] die Wahrheit [gesprochen …; daran besteht kein] Zweifel.

Anmerkung: Fragment: Anfang, Sprechverb und Negationsverbindung beschädigt; nachfolgende Erklärung1474stützt den Sinn, Sanskritlücken offen.

Vers 1474
te sevakāḥ mahākālyāḥ siṃhāsanavahāstathā |
yajñā api punaḥ saptamāsanatāṃ gatāḥ ||1474||

Sie sind Mahakalis Diener und Träger ihres Thrones. Auch die Opfer sind zu ihrem siebenten Sitz geworden.

Anmerkung: Quelle saptamāsanatā bewahrt; keine alternative Zahl oder Sitzordnung rekonstruiert.

Vers 1475
devī nāvāhitā […] āgamiṣyanti vai katham‌ |
seśvarī kiṅkarāścānye devavedādhvarādayaḥ ||1475||

Die Göttin wurde nicht angerufen; […] wie könnten sie also kommen? Sie ist die Herrin; die anderen — Götter, Veden, Opfer und weitere — sind ihre Diener.

Anmerkung: Fragment: Verbindungswort nach nāvāhitā beschädigt.

Die Könige wenden sich an die Göttin

Vers 1476
ayogyā na vayaṃ bhūpā na vidmo na manuṃ tathā |
yajñakarmānabhijñā no nānūcānā na vā tathā ||1476||

Wir sind nicht ungeeignet, ihr Könige. Es ist nicht so, dass wir die Mantras nicht kennen. Wir sind weder unkundig des Opferhandelns noch ungelehrt.

Anmerkung: Doppelte Negationen nach Satzfolge bewahrt; keine Eingeständnisse mangelnder Veda-Kenntnis daraus gemacht.

Vers 1477
vayaṃ naivābhiyoktavyāḥ surānāgamane […] |
ityuktāste nṛpāḥ procurmaharṣīn‌ sambhramākulāḥ ||1477||

Uns darf das Ausbleiben der Götter nicht zur Last gelegt werden […].“ So angesprochen, sagten die Könige erregt zu den Maharshis:

Anmerkung: Fragment: Schlussanrede der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 1478
yasyā ime dāsabhūtā yajñā vedāḥ surāstathā |
saiva devī mahāmāyā kimityākāryate nahi ||1478||

„Warum wird dann nicht jene Göttin Mahamaya selbst herbeigerufen, deren Diener die Opfer, Veden und Götter sind?

Vers 1476 (Position 1479)
ārādhyā saiva sarveṣāmasmābhirjñātamityapi |
[…] etasyāḥ prayatnaḥ saṃvidhīyatām‌ ||1476||

Wir haben erkannt, dass sie es ist, die von allen verehrt werden soll. Bemüht euch […] um sie!“

Anmerkung: Fragment: Bestimmung des Bemühens beschädigt. Quelle zeigt1476 an Position 1479.

Vers 1480
bhūpoktaṃ vacanaṃ śrutvā […] |
dhanyāḥ stha yūyaṃ bhūpālā devyadhiṣṭhāpane yataḥ ||1480||

Als [die Maharshis] die Worte der Könige hörten, [antworteten sie …]: „Gesegnet seid ihr, Könige, denn auf die Gegenwärtigsetzung der Göttin …

Anmerkung: Fragment: Sprechereinleitung der ersten Halbzeile beschädigt.

Vers 1481
bhāgyād‌ vyavasitaṃ cittaṃ tasyā ārādhane'pi ca |
ārādhitāyāṃ tasyāṃ vai sarve vedā makhāḥ surāḥ ||1481||

… und ihre Verehrung ist euer Geist glücklicherweise ausgerichtet. Wenn sie verehrt wird, werden alle Veden, Opfer und Götter …

Vers 1483 (Position 1482)
svayamevāgamiṣyanti tayā devyā sahaiva hi |
yuṣmākaṃ ca dhane dhānye pratāpe balakoṣayoḥ ||1483||

… von selbst zusammen mit ihr kommen. Euer Reichtum und Getreide, euer Herrscherglanz, eure Macht und Schatzkammern …

Anmerkung: Quelle zeigt1483vornochmals1483; Folgeposition1482.

Vers 1483
āyurārogyasaubhāgyavijayātmajaśarmasu |
bāhulyaṃ koṭiguṇitaṃ bhaviṣyati na saṃśayaḥ ||1483||

… euer Leben, eure Gesundheit, euer Glück, eure Siege, Nachkommen und Freuden werden sich zweifellos zehnmillionenfach vermehren.

Anmerkung: Verheißung innerhalb des Mythos, keine Tatsachenzusage dieser Ausgabe.

Vers 1484
prāpte'bhyudaye devī lakṣmīrūpā gṛhe bhavet‌ |
alakṣmīrūpiṇī saiva vināśe pratyupasthite ||1484||

Wenn Wohlergehen eintritt, ist die Göttin im Haus als Lakshmi gegenwärtig; wenn Untergang bevorsteht, erscheint dieselbe als Alakshmi.

Anmerkung: Lakshmi und Alakshmi: hier personifiziertes Glück und Unglück; kein Schuldurteil über tatsächliche Lebensumstände heutiger Leser.

Vers 1485
yadyadiṣṭatamaṃ bhūpā yuṣmākaṃ manasi sthitam‌ |
tattallakṣmīsvarūpeṇa saivātra prakaṭiṣyati ||1485||

Was auch immer euch Königen im Herzen am meisten ersehnt ist, eben das wird sie hier in der entsprechenden Lakshmi-Gestalt offenbaren.“

Kali erscheint als Lakshmi

Vers 1486
ityuktāste maharṣibhyo gṛhītvā mantramuttamam‌ |
tasminneva kratau devīmārarādhustrivatsaram‌ ||1486||

So belehrt, empfingen sie von den Maharshis den erhabenen Mantra und verehrten bei ebenjenem Opfer die Göttin drei Jahre lang.

Vers 1487
atha tatrāgatā devī śuklavastravapurdharā |
kālīrūpaṃ parityajya lakṣmīrūpeṇa pārvati ||1487||

Dann kam die Göttin dorthin, mit weißem Gewand und weißem Körper. Sie hatte die Kali-Gestalt abgelegt und erschien als Lakshmi, Parvati.

Vers 14885 (Position 1488)
vidhīśaviṣṇupramukhā dikpālā nigamādhvarāḥ |
saha tatrāgatā devyā vahantaḥ śirasāsanam‌ ||14885||

Die Hüter der Richtungen, Brahma, Isha und Vishnu an ihrer Spitze, sowie die Nigamas und Opfer kamen mit der Göttin dorthin und trugen ihren Sitz auf den Köpfen.

Anmerkung: Quelle zeigt14885 an Position 1488; personifizierte Schriften und Opfer als mythische Träger.

Vers 1489
[…] punastasyāmāgatāyāṃ mahāmakhāḥ |
cakre kālī sannidhānaṃ tatra tatra kratau svayam‌ ||1489||

Als sie gekommen war, [erschienen] die großen Opfer wieder […]. Kali selbst wurde bei jedem einzelnen Opfer gegenwärtig.

Anmerkung: Fragment: Anfangsverb beschädigt; Wiederkehr nach 1472imKontextklar.

Vers 1460 (Position 1490)
yajñabhāgaṃ ca bubhuje sarvairdevagaṇaiḥ saha |
bhūpālebhyaśca sarvebhyaḥ svasvābhīṣṭaṃ varaṃ dadau ||1460||

Sie genoss den Opferanteil zusammen mit allen Götterscharen und gewährte jedem der Könige die von ihm ersehnte Segensgabe.

Anmerkung: Quelle zeigt1460 an Position 1490.

Vers 1461 (Position 1491)
[…] dhūpaiśca dīpairnaivedyasañcayaiḥ |
stotrairdaṇḍapraṇāmaiśca parituṣṭā maheśvarī ||1461||

Durch […], Räucherwerk, Lampen, Speisegaben, Lobgesänge und ausgestreckte Niederwerfungen höchst erfreut, [gewährte] Maheshvari …

Anmerkung: Fragment: Erste Gaben der Aufzählung unlesbar. Quelle zeigt1461 an Position 1491.

Vers 1462 (Position 1492)
rājabhyo bhaktinamrebhyaḥ prāyacchadakhilān‌ varān‌ |
yo yasya hṛdyāsasāda puruṣārthatayā priye ||1462||

… den in Hingabe verneigten Königen sämtliche Segensgaben. Was einem jeden als Lebensziel am Herzen lag, Geliebte …

Anmerkung: Quelle zeigt1462 an Position 1492.

Vers 1463 (Position 1493)
taṃ taṃ sa lebhe rudrāṇyāḥ sānnidhyācca prasādataḥ |
atha tuṣṭā jagaddhātrī maharṣīn‌ prāha saṃsadi ||1463||

… das erlangte er durch Rudranis Gegenwart und Gnade. Darauf sprach die zufriedene Welterhalterin in der Versammlung zu den Maharshis …

Anmerkung: Quelle zeigt1463 an Position 1493.

Der Auftrag zur Bildung des Nyasa

Vers 1494
[…] vasiṣṭhaṃ kapilamatriṃ durvāsasaṃ tathā |
hārītaṃ gautamaṃ kaṇvaṃ jaigīṣavyaṃ ca nāradam‌ ||1494||

… zu […], Vasishtha, Kapila, Atri, Durvasas, Harita, Gautama, Kanva, Jaigishavya und Narada:

Anmerkung: Fragment: Erster Name der Reihe unlesbar.

Vers 1465 (Position 1495)
bho bho maharṣayaḥ sarve yogavantastapodhanāḥ |
śṛṇudhvamekāmājñāṃ me kurudhvaṃ cāpi tatkṣaṇāt‌ ||1465||

„Ihr Maharshis alle, mit Yoga begabt und an Askese reich, hört einen Auftrag von mir und erfüllt ihn unverzüglich!

Anmerkung: Quelle zeigt1465 an Position 1495.

Vers 1496
yena yenāvanīpena yasmin‌ yasmin‌ kratāvaham‌ |
yena yenābhidhānena […] ||1496||

Von welchem König ich auch bei welchem Opfer unter welchem Namen […] …

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile nach abhidhānena stark beschädigt; keine fehlende Handlung in den Sanskrittext eingesetzt.

Vers 1497
yaṃ yaṃ varaṃ prārthayatārādhitā bhaktiśālinā |
phalaṃ yadyadadāṃ tebhyastatsarvamakhilena hi ||1497||

… von einem in Hingabe Erfüllten verehrt wurde, der eine bestimmte Segensgabe erbat, und welche Frucht ich ihnen jeweils gewährte — all dies ohne Ausnahme …

Anmerkung: Verb adām im OCR adāt, als Göttinnenrede vorläufig normalisiert.

Vers 1465 (Position 1498)
mantrarūpeṇa sandiśya nyāsaḥ kāryo bhavādṛśaiḥ |
tenāhaṃ toṣameṣyāmi nyāsena brahmasūnavaḥ ||1465||

… sollt ihr in Mantraform angeben und daraus einen Nyasa bilden. Dieser Nyasa wird mich erfreuen, ihr Söhne Brahmas.

Anmerkung: Quelle zeigt1465 an Position 1498.

Vers 1499
ye kariṣyanti taṃ nyāsaṃ bhavadbhiḥ parigumphitam‌ |
etebhya iva tebhyo'pi dāsyāmi prārthitān‌ varān‌ ||1499||

Denen, die den von euch zusammengestellten Nyasa vollziehen, werde ich die erbetenen Segensgaben schenken, ebenso wie diesen [Königen].“

Anmerkung: Parigumphitam als fragender Herausgebervorschlag übernommen; keine gesicherte Lesung behauptet.

Vers 1500
ityuktvāntarhitā devī te'pi sarve munīśvarāḥ |
cakrurnyāsaṃ harasyāgre bhadrakālyā yathoditam‌ ||1500||

Nach diesen Worten verschwand die Göttin. Alle Munis schufen darauf vor Hara den Nyasa so, wie Bhadrakali ihn angeordnet hatte.

Vers 1501
kathitaṃ yajñanāmādau tattadbhūpābhidhā tataḥ |
tattannāmāṅkalakṣmyantā devyāsyā tadanantaram‌ ||1501||

Zuerst wurde der Opfername genannt, danach der Name des jeweiligen Königs; anschließend die Bezeichnung der Göttin, durch den jeweiligen Namen bestimmt und mit „Lakshmi“ endend …

Anmerkung: Gedrängte Kompositumgrammatik; Verbindung der drei Listen als Quellaussage, keine zusätzliche Namensliste.

Vers 1502
tattadvarasya saṃjñānu phalarūpatayoditā |
iti te kathito devi nyāsasyāsya samudbhavaḥ ||1502||

… danach die Bezeichnung der jeweiligen Segensgabe, als Frucht angegeben. Damit habe ich dir, Göttin, die Entstehung dieses Nyasa erzählt.

Kalpa-Siddha-Nyasa: Ritualfaktoren und sechs Glieder

Vers 1503
kalpasiddhanyāsamatho pravadāmyavadhāraya |
asya śrīkalpasiddhākhyanyāsasya parameśvari ||1503||

Nun lehre ich den Kalpa-Siddha-Nyasa; höre aufmerksam zu. Für diesen erhabenen Kalpa-Siddha genannten Nyasa, höchste Herrin …

Vers 1504
ṛṣiḥ śivena […] haridrumatagautamaḥ |
uṣṇik‌ chandaḥ samākhyātamekapañcāśaduttaram‌ ||1504||

… [wurde] von Shiva Haridrumata-Gautama als Rishi [genannt …]. Ushnih wird als Metrum bezeichnet. Nach „einundfünfzig“ …

Anmerkung: Fragment: Verb und seltene Namensform beschädigt; Haridrumata-Gautama nur vorläufig, keine Gleichsetzung mit einem anderweitig bekannten Rishi behauptet.

Vers 1505
vadecca kālīsahitā guhyakālī ca devatā |
saṃhāro bījamamṛtaṃ śaktiḥ syāt‌ kaurajatrayam‌ ||1505||

… spreche man „kalisahita“: Guhyakali, begleitet von einundfünfzig Kalis, ist die Gottheit. Samhara ist das Bija, Amrita die Shakti, die drei Kaurajas …

Vers 1506
kīlakaṃ cātha phetkārī tattvamabhyuditaṃ priye |
mahānirvāṇaṣoḍhāṅgabhūtakalpapadādanu ||1506||

… sind das Kilaka; Phetkari wird als Tattva genannt, Geliebte. Nach „mahanirvanashodhangabhutakalpa“ …

Vers 1507
siddhanyāsānu siddhyarthe jape ca viniyogatā |
ṛṣyādimasya kṛtvāgre vidadhīta ṣaḍaṅgakam‌ ||1507||

… folgt „siddhanyasa“: Die Anwendung gilt dem Erlangen von Siddhi und dem Japa. Nachdem man zuerst Rishi und die übrigen Faktoren eingesetzt hat, vollziehe man die sechs Glieder.

Vers 1518 (Position 1508)
brahmopāsyā saptadaśī vāsiṣṭhī tāvadakṣarā |
tato mahāṣoḍaśī ca ṣoḍaśārṇā tataḥ param‌ ||1518||

[Man verwendet] die von Brahma verehrte siebzehnsilbige [Vidya], die ebenso viele Silben umfassende Vasishthi, dann Mahashodashi und anschließend die sechzehnsilbige …

Anmerkung: Quelle zeigt1518 an Position 1508. Reihenfolge nach Quelltext; nicht eigenmächtig aus sechs erwarteten Gliedern weitere Namen erzeugt.

Vers 1509
hiraṇyakaśipūpāsyā rāmopāsyā tataḥ param‌ |
mantrairamībhirubhayaṣaḍaṅgaṃ vidadhīta vai ||1509||

… von Hiranyakashipu verehrte [Vidya] und danach die von Rama verehrte. Mit diesen Mantras vollziehe man beide sechsgliedrigen Einsetzungen.

Anmerkung: Die knappe Aufzählung1508–1509 ist gegenüber der verlangten Sechszahl nicht eindeutig vollständig; keine zusätzliche Vidya erfunden.

Allgemeiner Aufbau der Kalpa-Mantras

Vers 1510
atha vakṣye samuddhāraṃ dvidhābhūtaṃ varānane |
ādāvaṣṭādaśeśāni bījānyeva kevalāni hi ||1510||

Nun lehre ich die zweifache Erschließung, du mit dem schönen Antlitz. Am Anfang stehen allein achtzehn Bijas, Herrin.

Vers 1511
tato nāmāni bhinnāni brahmavāsavasaṃjñayā |
dvyarṇātmakaṃ padaṃ caikaṃ […] tadanu paṭhyate ||1511||

Danach folgen verschiedene Namen, mit Brahma und Vasava bezeichnet. Anschließend wird ein zweisilbiges Wort […] gesprochen.

Anmerkung: Fragment: Endungsangabe beschädigt. Brahmavāsava nach sichtbarer Quellform, nicht vorzeitig in „Kalpas“ umgeschrieben.

Vers 1512
pūrvaiḥ samāsa etasya calairavicalasya hi |
punarnāmāni bhinnāni […] racitena hi |
padenaikena ṅe'ntena stryākāraparidhāriṇā ||1512||

Dieses unveränderliche Wort wird mit den vorangegangenen wechselnden verbunden. Wiederum verschiedene Namen [verbindet man] mit einem aus […] gebildeten Wort, das im Dativ steht und weibliche Gestalt trägt …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung der Wortbildung beschädigt. Quelle bietet unter1512dreiHalbzeilen; keine zusätzliche Versnummer erfunden.

Vers 1513
savigrahāṇi deveśi pūrvavacca calācalam‌ |
punarapyatha bhinnāni nāmānyasyānu sarvaśaḥ ||1513||

… zu Komposita, Herrin der Götter. Wechsel und Unveränderlichkeit gelten wie zuvor. Danach folgen wieder durchweg verschiedene Namen …

Vers 1514
śabdaiḥ pañcabhirārabdhaṃ ṅībantaṃ padamekakam‌ |
samāsaḥ pūrvavat‌ pūrvaiḥ sthitiścāpi calācalā ||1514||

… und ein aus fünf Wörtern gebildetes Wort mit weiblicher Endung. Die Zusammensetzung mit dem Vorangehenden und die Verteilung auf wechselnde und feste Glieder sind wie zuvor.

Vers 1515
punarvibhinnanāmāni dvyarṇaṅībantakena hi |
padenaikena protāni sthitiḥ pūrvā calācale ||1515||

Wiederum werden verschiedene Namen mit einem zweisilbigen Wort weiblicher Endung verbunden. Für wechselnde und feste Glieder gilt die bisherige Ordnung.

Anmerkung: Zweisilbenlesung vorläufig aus beschädigtem Anfang des Kompositums.

Vers 1516
punaścaikaṃ padaṃ jñeyamābaddhaṃ pañcabhiḥ padaiḥ |
bodhyaṃ tadacalaṃ devi dvipadyā racitaṃ tataḥ ||1516||

Dann ist ein aus fünf Wörtern gebildetes Wort vorgesehen; es ist als unveränderlich zu verstehen, Göttin. Danach ein aus zwei Wörtern gebildetes …

Vers 1517
padaṃ caikaṃ punastadvadanyadasyānu kīrtitam‌ |
bhinnabhinnaṃ tato jñeyaṃ padayugmaṃ pṛthak‌ pṛthak‌ ||1517||

… Wort und anschließend ebenso ein weiteres. Dann sind zwei voneinander verschiedene Wörter jeweils gesondert zu verstehen.

Vers 1518
sarvaṃ viśeṣaṇībhūtaṃ padaṣaṭkaṃ tathāntimam‌ |
viśeṣyabhūtaṃ saptāpi ṅe'ntaṃ gamyaṃ sureśvari ||1518||

Die sechs Wörter sind sämtlich Beiwörter, das letzte ist das von ihnen bestimmte Wort. Alle sieben stehen im Dativ, Herrin der Götter.

Vers 1516 (Position 1519)
mahāmantraḥ punaścaiko calaḥ saptadaśākṣaraḥ |
bījānyekādaśa tata upabījāni pañca ca ||1516||

Danach folgt ein großer siebzehnsilbiger Mantra, [hier:] wechselnd. Dann elf Bijas und fünf Nebenbijas.

Anmerkung: Quelle zeigt1516 an Position 1519. Calaḥ steht ausdrücklich, obwohl Folge und allgemeiner Aufbau feste Bestandteile nahelegen; nicht still acalaḥ ergänzt.

Vers 1520
sthirāṇi sapta ṅe'ntāni padānyapi varānane |
viśeṣabhūtāmadhunā vakṣyāmyuddhṛtimasya hi ||1520||

Die sieben im Dativ stehenden Wörter bleiben ebenfalls unverändert, du mit dem schönen Antlitz. Nun lehre ich die besondere Form seiner Erschließung.

Anfangsbijas und die Kalpa-Namen

Vers 1521
tārādekāntarāḥ sarve madhyayoginīstriyaḥ |
[…] kūrcāntā nāmānyākalayādhunā ||1521||

Von Tara aus [werden die Glieder] jeweils abwechselnd [eingesetzt], in der Mitte Yogini und Stri […], mit Kurcha am Ende. Höre nun die Namen.

Anmerkung: Fragment: Bija-Bauanweisung stark beschädigt; auch die Quelle bietet eine fragende Korrektur. Keine achtzehn Silben rekonstruiert.

Vers 1522
tapo abhavyaśca ratnaśca havyavāhakratoḥ paraḥ |
sāvitrasnavakuśikā gāndhāra ṛṣabhastathā ||1522||

Tapas, Abhavya, Ratna, Havyavaha, Kratu, danach Savitra, Snava, Kushika, Gandhara und Rishabha …

Anmerkung: Beginn der Kalpa-Namen. Ratna ist der fragende Herausgebervorschlag für ranta; weitere Namensformen nach vorläufig lesbarer Quelle, nicht mit externen Kalpa-Listen ersetzt.

Vers 1523
mārjālīyo madhyamaśca vairājaśca niṣādayuk‌ |
meṣavāhana ityevaṃ pañcamaścintako'pi ca ||1523||

… Marjaliya, Madhyama, Vairaja, Nishada, Meshavahana, Panchama und Chintaka …

Anmerkung: Panchama hier Name innerhalb der Liste, nicht rückwirkend fünfte Zählposition.

Vers 1524
tathaivākṛtivijñāno bṛhaccāpi rathantaram‌ |
raktaśca pītavāsāśca viśvarūpastataḥ param‌ ||1524||

… Akriti, Vijnana, Brihat, Rathantara, Rakta, Pitavasas und danach Vishvarupa …

Anmerkung: Worttrennung Akriti/Vijnana vorläufig; Quelle nennt als Variante vijñātau. Nicht zu einer sicheren Einheitsbezeichnung verschmolzen.

Vers 1525
[…] śvetanīlalohitau vāmadevayuk‌ |
rauravaprāṇasadyojātatatpuruṣasaṃjñakāḥ ||1525||

… […], Shveta, Nilalohita, Vamadeva, die Raurava, Prana, Sadyojata und Tatpurusha genannten …

Anmerkung: Fragment: Erstes Namensglied beschädigt. Dual Shveta/Nilalohita nach Quellform; nicht drei Farbnamen daraus erzeugt.

Vers 1526
aghoreśānajñānāni sārasvatamudānayuk‌ |
tathā gāruḍakūrmau ca nārasiṃhaśca vāmanaḥ ||1526||

… Aghora, Ishana, Jnana, Sarasvata, Udana, Garuda, Kurma, Narasimha und Vamana …

Vers 1527
āgneyasomau mānavo lakṣmyabhikhyayā |
vaikuṇṭho gauryapi tato māheśvara iti smṛtaḥ ||1527||

… Agneya, Soma, Manava, der Lakshmi Genannte, Vaikuntha, Gauri und danach Maheshvara …

Anmerkung: Erste Halbzeile metrisch verkürzt überliefert; lesbare Namen übersetzt, keine fehlenden Wörter ergänzt.

Vers 1528
pitṛpadmau tathā śvetavārāhaḥ sarvaśeṣagaḥ |
dvyarṇātmakaṃ paraṃ kalpaḥ punarnāmāni vai śṛṇu ||1528||

… Pitri, Padma und ganz zuletzt Shvetavaraha. Danach folgt das zweisilbige „kalpa“. Höre nun weitere Namen.

Kali-Gestalten in den Kalpas

Vers 1529
jvālādau ghoranādograu vetālastadanantaram‌ |
saṃhāraraudrau tadanu kṛtānto bhīma eva ca ||1529||

Zuerst Jvala, Ghoranada, Ugra, danach Vetala, dann Samhara, Raudra, Kritanta und Bhima …

Anmerkung: Beginn der wechselnden Kali-Namensglieder, deren Anschluss1535erläutert.

Vers 1530
caṇḍo dhanaṃ ca bhadraśca śmaśānaṃ kāmakalāpi ca |
siddhidakṣiṇaghorāśca santrāsaḥ preta eva ca ||1530||

… Chanda, Dhana, Bhadra, Shmashana, Kamakala, Siddhi, Dakshina, Ghora, Santrasa und Preta …

Anmerkung: Quelle enthält verschiedene grammatische Geschlechter; Namen als Bausteine bewahrt.

Vers 1531
pralayaśca vibhūtiśca jayo bhogastataḥ param‌ |
kalpāntamanthānasaṃjñau durjayaḥ kālavajrayuk‌ ||1531||

… Pralaya, Vibhuti, Jaya, danach Bhoga, die Kalpanta und Manthana genannten, Durjaya und Kalavajra …

Anmerkung: Quellenfußnote nennt japa statt jaya als Variante; nicht in Hauptfassung gemischt.

Vers 1532
vidyāśaktiviśvarūpo māyā caiva mahākulam‌ |
nādo muṇḍaṃ tathā dhūmānandatigmāstataḥ param‌ ||1532||

… Vidya, Shakti, Vishvarupa, Maya, Mahakula, Nada, Munda, danach Dhuma, Ananda und Tigma …

Vers 1533
mahārātriśca saṅgrāmaśavanagnā ito'pyanu |
rudhiraṃ cāpi kaṅkālaṃ pheruḥ pūrvaṃ bhayaṅkaraḥ ||1533||

… Maharatri, Samgrama, Shava, Nagna, dann Rudhira, Kankala, Pheru und Bhayankara …

Anmerkung: Pheru nach vorläufigem Quelllaut; keine sichere Normalform ergänzt.

Vers 1524 (Position 1534)
vikaṭaśca karālaśca vikarājastato mataḥ |
ghoraghorataraḥ śeṣo guhya ityabhidhīyate ||1524||

… Vikata, Karala, danach Vikaraja, Ghoraghoratara und zuletzt Guhya.

Anmerkung: Quelle zeigt1524 an Position 1534. Vikaraja vorläufig; ghoraghoratara als Quellkompositum, keine künstliche weitere Listenaufteilung.

Vers 1535
dvipadyā racitaḥ śabdaḥ kālīmūrtiriti smṛtaḥ |
yāni bhinnānyadaḥśeṣe nāmāni […] tāni hi ||1535||

Das aus zwei Wörtern gebildete Glied heißt „kalimurti“, Kali-Gestalt. Die verschiedenen Namen, die danach folgen, [höre nun …].

Anmerkung: Fragment: Sprechverb beschädigt; Quellziffer beschädigt, nach Reihenfolge zugeordnet.

Die Siddha-Namen

Vers 1536
dharmo jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryamamṛtaṃ tathā |
vivekapūrṇau ca kriyā pracaṇḍo bhairavo'pi ca ||1536||

Dharma, Jnana, Vairagya, Aishvarya, Amrita, Viveka, Purna, Kriya, Prachanda und Bhairava …

Anmerkung: Beginn der Namensglieder der Siddhas, ergänzt durch1537–1542.

Vers 1537
krodhaḥ paramatattvaṃ ca kaivalyaṃ vijayādimam‌ |
khecaraścāpi nirvāṇaṃ mokṣaḥ siddhiśca bhūkaro'pi ca ||1537||

… Krodha, Paramatattva, Kaivalya, Vijaya, Khechara, Nirvana, Moksha, Siddhi und Bhukara …

Anmerkung: Vijayādimam grammatisch knapp; Bhukara in Quelle mit Fragezeichen. Keine Gleichsetzung mit dem folgenden Bhuchara.

Vers 1538
bhūcaraścāpi pātālaṃ sundaro mohano'pi ca |
nirañjanāruṇau cāpi bhāskaraḥ pañcaviṃśakaḥ ||1538||

… Bhuchara, Patala, Sundara, Mohana, Niranjana, Aruna und als fünfundzwanzigster Bhaskara …

Vers 1539
jaganmitrapratāpau ca pauruṣaḥ kamalāpi ca |
pramodavikramau harṣa ugraścāpi vicitrayuk‌ ||1539||

… Jaganmitra, Pratapa, Paurusha, Kamala, Pramoda, Vikrama, Harsha, Ugra und Vichitra …

Vers 1540
udayotsāhakaruṇābhīmabhāvāstataḥ param‌ |
paramāvyayayogāśca tataḥ śabdo prameyayuk‌ ||1540||

… danach Udaya, Utsaha, Karuna, Bhima, Bhava, Parama, Avyaya, Yoga sowie Shabda und Prameya …

Anmerkung: Shabda kann hier auch „das Wort“ als Listenanweisung sein; Einordnung als Namensglied vorläufig.

Vers 1541
maṅgaleśvarakapilamādhavaraudrā dayāpi ca |
[…] prasannaśca padaṃ pañcapadīyutam‌ ||1541||

… Mangaleshvara, Kapila, Madhava, Raudra, Daya, […] und Prasanna. [Es folgt] ein aus fünf Wörtern bestehendes Glied …

Anmerkung: Fragment: Name vor Prasanna unlesbar; Mangaleshvara nach maṅgaleśvara.

Vers 1542
ānando nātha ityevaṃ siddhaḥ siddhividhāyinī |
ebhiḥ samasitairekaṃ padaṃ pūrvairapi ca ||1542||

… „ananda“, „natha“, „siddha“ und „siddhividhayini“. Daraus wird zusammen mit dem Vorangehenden ein einziges Wort gebildet.

Anmerkung: Siddhividhayini kann im angekündigten Fünfwortbau als siddhi+vidhāyinī aufgelöst werden: „die dem jeweiligen … Anandanatha-Siddha Siddhi gewährt“. Keine weitere Namensendung erfunden.

Weitere Göttinnennamen

Vers 1543
atha nāmāni bhinnāni kathayāmyasya paścime |
mahārātriḥ kālarātrirvirūpā ca kapālinī ||1543||

Nun nenne ich die verschiedenen darauf folgenden Namen: Maharatri, Kalaratri, Virupa und Kapalini …

Vers 1544
mahotsavā […] tato dordaṇḍakhaṇḍinī |
vajriṇī śūlinī caiva vimalā ca mahodarī ||1544||

… Mahotsava, […], danach Dordandakhandini, Vajrini, Shulini, Vimala und Mahodari …

Anmerkung: Fragment: Name nach Mahotsava beschädigt; Vajrini vorläufig aus beschädigtem vatrini.

Vers 1545
kurukullā kaumudī ca kaulinī kālasundarī |
balākinī pheravī ca ḍamarukā ghaṭodarī ||1545||

… Kurukulla, Kaumudi, Kaulini, Kalasundari, Balakini, Pheravi, Damaruka und Ghatodari …

Anmerkung: Pheravi ist die vorläufige Quellform, nicht still zu Bhairavi normalisiert.

Vers 1546
bhīmadaṃṣṭrā cāpi bhagamālinī menayā saha |
tārāvatī bhānumatī ekānaṅgā tathaiva ca ||1546||

… Bhimadamshtra, Bhagamalini, Mena, Taravati, Bhanumati und Ekananga …

Anmerkung: Ekananga nach Quelllaut; keine sichere Ersetzung durch Ekanamsha.

Vers 1547
kekarākṣī saṃhāriṇī aindrākṣī ca prabhañjanā |
bhrāmarī ca pracaṇḍākṣī tathaivāparājitā ||1547||

… Kekarakshi, Samharini, Aindrakshi, Prabhanjana, Bhramari, Prachandakshi und Aparajita …

Vers 1548
vidyutkeśī mahāmārī śoṣiṇī vajranakhyapi |
śucī tuṇḍī jambhakā ca tīvrā prasvāpanī […] ||1548||

… Vidyutkeshi, Mahamari, Shoshini, Vajranakhi, Shuchi, Tundi, Jambhaka, Tivra und Prasvapani […] …

Anmerkung: Fragment: Schlusswort unlesbar; Shuchi/Tundi nach gedruckter Worttrennung vorläufig, nicht zu einer gesicherten neuen Namenseinheit verschmolzen.

Vers 1549
jvālikī caṇḍaghaṇṭā ca lambodaryarimardinī |
ekadantolkāmukhī ca śūrpajihvā ca ghoṇakī ||1549||

… Jvaliki, Chandaghanta, Lambodari, Arimardini, Ekadanta, Ulkamukhi, Shurpajihva und Ghonaki …

Anmerkung: Ekadanta/Ulkamukhi als zwei Glieder nach Wortanschluss vorläufig.

Vers 1550
pūtanā vegamālā ca guhyakālī ca śeṣagā |
dvyarṇapadaṃ hi ṅībantaṃ nāmnīti paripaṭhyate ||1550||

… Putana, Vegamala und zuletzt Guhyakali. Das zweisilbige Wort mit weiblicher Endung lautet „namni“, „die so Genannte“.

Schlussanreden und Ramas Mantra

Vers 1551
pūrvaṃ pañcapadārabdhaṃ yattat‌ samprati kathyate |
bhairavīti bhavedādyaṃ cāmuṇḍeti dvitīyakam‌ ||1551||

Was zuvor als aus fünf Wörtern gebildet bezeichnet wurde, wird nun genannt: Das erste Wort ist „bhairavi“, das zweite „chamunda“ …

Vers 1552
śataṃ tṛtīyaṃ koṭiśca turyaṃ parivṛtā tataḥ |
śmaśānanilayāsyānu mahāśabdād‌ digambarā ||1552||

… das dritte „shata“, das vierte „koti“, danach „parivrita“ — „von hundert Kotis Bhairavis und Chamundas umgeben“. Anschließend „shmashananilaya“, „die auf dem Verbrennungsplatz wohnt“, und nach „maha“ „digambara“, „die große Himmelbekleidete“ …

Anmerkung: Hundert Kotis entsprechen einer Milliarde; Quelle gebraucht mythische Größe, nicht historische Personenzahl.

Vers 1553
tato bhagavatītyevaṃ guhyakālī tataḥ param‌ |
rāmopāsyastataḥ saptadaśavarṇātmako manuḥ ||1553||

… dann „bhagavati“ und anschließend „guhyakali“. Danach folgt der von Rama verehrte Mantra aus siebzehn Silben.

Anmerkung: Mantra nur bezeichnet, kein ausgeschriebener Wortlaut an dieser Stelle.

Vers 1554
amāśaktī ca dhanadā kulastrīyoginīruṣaḥ |
vadhūśca śākinīstisro manthanyaḥ phaṭtrayaṃ tataḥ ||1554||

Ama, Shakti, Dhanada, Kulastri, Yogini, Rush, Vadhu und Shakini; dann drei Manthanis und dreimal phat …

Anmerkung: Acht genannte Bijas plus drei Manthanis können die zuvor verlangten elf bilden; keine Silben ergänzt. Schreibform Manthani/Manthani mit anderem Vokal nach Quelle unsicher.

Vers 1555
namaḥ svāhā svaśeṣaṃ viśeṣoddhṛtirīdṛśī |
[…] nigaditā brahmaṇo divasā ime ||1555||

… namah und svaha ganz zuletzt. So lautet die besondere Erschließung. […] Diese wurden als Tage Brahmas bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: Anfang der zweiten Halbzeile beschädigt; Bezug auf Kalpas im folgenden Vers klar. Namah bedeutet Verehrung; svaha Opferruf ohne erfundene wörtliche Bedeutung.

Die Siddhas waren Menschen

Vers 1556
śvetavārāhakalpe'smin‌ pravṛtte brahmaṇo dine |
guhyakālī yathā mukhyā kālīṣu nikhilāsu hi ||1556||

Wie in diesem Shvetavaraha-Kalpa, dem gegenwärtigen Tag Brahmas, Guhyakali unter allen Kalis die Vorrangige ist …

Anmerkung: Mythische Gegenwart der Quelle, keine weltgeschichtliche Datierung.

Vers 1557
teṣu teṣu tu kalpeṣu sā sā kālī varānane |
prasiddhimagamaddevi mantradhyānārcanakramaiḥ ||1557||

… so erlangte in den jeweiligen Kalpas die betreffende Kali Bekanntheit durch Mantra, Meditation und die Ordnung ihrer Verehrung, Göttin mit dem schönen Antlitz.

Vers 1550 (Position 1558)
ya ime kathitā devi siddhā nyāsāntare tathā |
āsan‌ manuṣyā evaite prākṛtā iva sāmpratam‌ ||1550||

Jene Siddhas, die im Nyasa genannt wurden, Göttin, waren Menschen wie die gewöhnlichen Menschen heute …

Anmerkung: Quelle zeigt1550 an Position 1558.

Vers 1559
janmamṛtyusadharmāṇo rogaśokasamākulāḥ |
kecid‌ viprāḥ ke'pi bhūpā vaiśyāḥ kecana pārvati ||1559||

… Geburt und Tod unterworfen, von Krankheit und Kummer bedrängt. Einige waren Brahmanen, andere Könige, einige Vaishyas, Parvati …

Vers 1560
keciccāvarajā varṇāścāturāśramyaśālinaḥ |
kālīmārādhayāmāsustāṃ tāṃ tattanmanūccarāḥ ||1560||

… andere gehörten nachgeordneten Varnas an; sie lebten in den vier Ashramas. Sie verehrten die jeweilige Kali, indem sie deren jeweilige Mantras rezitierten.

Anmerkung: Historische hierarchische Varna-Sprache bewahrt. Die Quelle nennt die nachgeordneten Gruppen nicht einzeln; keine Kastenliste ergänzt.

Vers 1561
mānavaughāstu sañjātā divyaughāstatprasādataḥ |
kālī teṣāṃ prasannābhūdārādhanajapārcanaiḥ ||1561||

Die menschlichen Überlieferungsströme wurden durch ihre Gnade zu göttlichen Überlieferungsströmen. Kali wurde durch ihre Hingabe, Rezitation und Verehrung erfreut.

Anmerkung: Mānavaugha/divyaugha: hier rituelle Überlieferungsgruppen; nicht gewöhnliche biologische Umwandlung behauptet.

Vers 1562
abhidhānaṃ tattadeṣāṃ nirākṛtya maheśvarī |
yuyoja svecchayā nāmātha dvitricaturakṣaraiḥ ||1562||

Maheshvari hob ihre bisherigen Namen auf und gab ihnen nach ihrem Willen einen Namen aus zwei, drei oder vier Silben …

Vers 1563
ānandanātha ityante prasiddhyamupapāditam‌ |
siddhā bhūtvā te'pi devi svasvotkarṣavivṛddhaye ||1563||

… mit „Anandanatha“ am Ende; so wurde ihre neue Benennung bekannt. Als sie Siddhas geworden waren, wollten auch sie, Göttin, ihre eigene Vorrangstellung vergrößern …

Anmerkung: Quellziffer beschädigt, Folge1563; Entwicklung der Namensform als historische Textaussage.

Vers 1564
saṅgopya tattannāmāsyāścakruranyaṃ nijecchayā |
mantrān‌ prakaṭayāmāsurye tantre bhairave sthitāḥ ||1564||

… verbargen die jeweiligen Namen der Göttin, schufen nach eigenem Willen andere und machten die Mantras bekannt, die im Bhairava-Tantra stehen.

Anmerkung: Pronominalverbindung nāmāsyāḥ aus beschädigtem nāmāṃsāṃ vorläufig; Bezug auf Kalis Namen im folgenden Verlauf1566klar, nicht als sichere Konjektur verborgen.

Vers 1565
śvetavārāhakalpādau guhyakālī yadā svakam‌ |
rūpaṃ prakaṭayāmāsa mahābhīṣaṇamulbaṇam‌ ||1565||

Als Guhyakali zu Beginn des Shvetavaraha-Kalpa ihre eigene, überaus furchtbare und gewaltige Gestalt offenbarte …

Vers 1566
tadā luptatarā jātāstāḥ kālyo mantravigrahaiḥ |
mūrtīrantarhitā dṛṣṭvā tāḥ svīyā jagadambikā ||1566||

… verschwanden jene Kali-Gestalten mitsamt ihren Mantragestalten immer mehr. Als die Weltmutter sah, dass diese ihre eigenen Gestalten verborgen worden waren …

Anmerkung: Fortsetzung der Erzählung im folgenden Vers, kein Kapitelabschluss.

Kali bittet um Bewahrung ihrer Gestalten

Vers 1567
duḥkhitevābravīt‌ kiñcit‌ tripuraghnamidaṃ vacaḥ |
prāṇanātha purārāte prāktanyo mama mūrtayaḥ ||1567||

… sprach sie gleichsam betrübt zu Tripuras Vernichter: „Herr meines Lebens, Feind der Festungen! Meine früheren Gestalten …

Vers 1568
jvālākālīprabhṛtayaḥ pūrvamārādhitā hi yāḥ |
dharmānandaprabhṛtibhiramīṣāṃ varadāśca yāḥ ||1568||

… Jvalakali und die übrigen, die einst von Dharmananda und den anderen verehrt wurden und ihnen Segensgaben gewährten …

Vers 1569
anupāsakatādoṣādantardhānamupāgatāḥ |
svaiḥ svairmantrairvigrahaiśca sahitā nāmabhistathā ||1569||

… sind verschwunden, weil ihnen Verehrer fehlten, mitsamt ihren jeweiligen Mantras, Gestalten und Namen.

Vers 1570
svamūrtilopaduḥkhena duḥkhitāṃ māṃ samuddhara |
teṣāṃ teṣāṃ hi kalpānāṃ nāmabhiḥ paribṛṃhitaḥ ||1570||

Errette mich, die ich unter dem Verschwinden meiner Gestalten leide! Durch die Namen der jeweiligen Kalpas erweitert …

Vers 1571
tāsāṃ tāsāṃ ca kālīnāṃ siddhānāmapi he vibho |
abhidhānaistathā siddhavihitairanvitastathā ||1571||

… und mit den Namen der jeweiligen Kalis und Siddhas, Allgegenwärtiger, sowie mit den von den Siddhas gegebenen Benennungen versehen …

Vers 1572
nyāsaḥ ko'pi nibaddhavyo yena nāsāṃ vilopanam‌ |
kalpasiddhanyāsa iti prasiddhiṃ ca kariṣyasi ||1572||

… soll ein Nyasa zusammengestellt werden, durch den sie nicht verschwinden. Du wirst ihn unter dem Namen Kalpa-Siddha-Nyasa bekannt machen.“

Anmerkung: Ko'pi statt OCR kare'pi nach Satzbau vorläufig.

Vers 1573
itthaṃ vijñāpitaḥ kālyā devadevo maheśvaraḥ |
sarvaṃ babandha nyāse'smin‌ devī tena tutoṣa ca ||1573||

So von Kali gebeten, fasste Maheshvara, der Gott der Götter, alles in diesem Nyasa zusammen. Dadurch wurde die Göttin erfreut.

Vers 1574
ye kariṣyantyamuṃ nyāsaṃ devīduḥkhāpahārakam‌ |
teṣāṃ […] guhyakālī kariṣyati ||1574||

Wer diesen Nyasa vollzieht, der das Leid der Göttin beseitigt, für den wird Guhyakali […] tun.

Anmerkung: Fragment: Verheißener Gegenstand unlesbar; kein Segen oder Leidenstilgen hinzuerfunden.

Mantraüberlieferung und Abschluss des Kalpa-Siddha

Vers 1575
[…] visandhitāsminniti mṛtyuñjayo'bravīt‌ |
nyāsasthānaṃ ca sarvatra mātṛkāvadudīritam‌ ||1575||

Mrityunjaya sagte: „In diesem [Nyasa gilt …] keine Lautverschmelzung.“ Die Stellen des Nyasa werden überall wie beim Matrika-Nyasa angegeben.

Anmerkung: Fragment: Geltungsbestimmung am Anfang beschädigt; nicht zu einer ausnahmslosen Sandhi-Regel erweitert.

Vers 1576
ata eva hi kālīnāṃ tāsāṃ mantrān‌ maheśvaraḥ |
mṛtyuñjayaprāṇamadhye bījamālāmaye'pi ca ||1576||

Eben deshalb fügte Maheshvara die Mantras jener Kalis in den Mrityunjayaprana und auch in den Bijamalamaya ein …

Anmerkung: Zwei ausdrücklich getrennte große Mantra-Zusammenhänge; keine Vermischung ihrer Fassungen.

Vers 1577
babandha bhagavān‌ rudraḥ kālīnāṃ vividhān‌ manūn‌ |
saṃhitāyāṃ ca […] babandhurbhairavāstathā ||1577||

… der erhabene Rudra vereinte darin die verschiedenen Kali-Mantras. Ebenso fassten die Bhairavas sie in der […] Samhita zusammen.

Anmerkung: Fragment: Samhita-Name beschädigt; nicht automatisch Bhairavi ergänzt.

Vers 1478 (Position 1578)
khyātimagamat‌ kālī nāmabhiḥ siddhakalpitaiḥ |
taistairnāmabhiranye ca vikhyātiṃ manavo'gaman‌ ||1478||

Kali wurde durch die von Siddhas gebildeten Namen bekannt, und unter den jeweiligen Namen erlangten auch andere Mantras Bekanntheit.

Anmerkung: Quelle zeigt1478 an Position 1578.

Vers 1579
kapālaḍāmare proktā mantrāste tripurāriṇā |
kalpasiddhanyāsa iti tenāyaṃ prathitaḥ priye ||1579||

Diese Mantras wurden vom Feind Tripuras im Kapala-Damara gelehrt. Daher ist dieser als Kalpa-Siddha-Nyasa bekannt, Geliebte.

Anmerkung: Werkbezug als Aussage der vorhandenen Quelle, nicht anhand einer externen Edition bestätigt.

Vers 1580
mahāsiddhividhātedṛṅnānyo nyāso bhaviṣyati |
etasya mahimānaṃ dvau jānataḥ kālikāśivau ||1580||

Kein anderer Nyasa wird in gleicher Weise große Siddhi gewähren. Seine Größe kennen zwei: Kalika und Shiva.

Vers 1581
jānāmyahaṃ tvatprasādānnānye vijñātumīśate |
ityeṣa kathito nyāso mahāṣoḍhāhvayastava ||1581||

Durch deine Gnade kenne auch ich ihn; andere vermögen ihn nicht zu erkennen. Damit habe ich dir den Mahashodha genannten Nyasa gelehrt.

Anmerkung: Mahakala als Sprecher des übergeordneten Lehrgesprächs, nicht still zu Shiva umbenannt.

Nirvana und die abschließenden Gaben

Vers 1582
tattalliṅgādiyuk‌ cāyamanyatrānyaiśca saṃyutaḥ |
mahopapadatāmeti dvaividhyaṃ tena […] ||1582||

Mit den jeweiligen Lingas und weiteren Gliedern verbunden, andernorts mit anderen, erhält er die zusätzliche Bezeichnung „maha“. Dadurch [entsteht] seine Zweifachheit […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt; knappe Abgrenzung der Fassungen nicht zu einem vollständigen neuen Schema ausgearbeitet.

Vers 1583
akāmataḥ kṛtaścāyaṃ nirvāṇākhyaṃ prapadyate |
samāpya sakalaṃ nyāsaṃ baliṃ devyai nivedayet‌ ||1583||

Wird er ohne Begehren nach einem Ergebnis vollzogen, erhält er die Bezeichnung Nirvana. Nach Vollendung des gesamten Nyasa bringe man der Göttin eine Bali-Gabe dar.

Vers 1584
naivedyaṃ śaktaye cāpi siddhyākāṅkṣyubhayaṃ caret‌ |
pāratrikaṃ cehamānaḥ pūrvamācarate priye ||1584||

Auch der Shakti bringe man eine Speisegabe. Wer Siddhi erstrebt, vollziehe beides; wer nach dem Jenseitigen verlangt, vollzieht das zuerst Genannte, Geliebte.

Anmerkung: Beides bezieht sich im unmittelbaren Anschluss auf Bali für die Göttin und Gabe für Shakti; keine Gleichsetzung mit zwei Nyasa-Fassungen.

Vers 1485 (Position 1585)
balidānamanuṃ vakṣye sampratyuddhṛtipūrvakam‌ |
uccārya yaṃ baliṃ dadyānnyāsānantaramīśvari ||1485||

Nun lehre ich den Bali-Mantra mit seiner Erschließung. Nach dem Nyasa spreche man ihn aus und bringe die Bali-Gabe dar, Herrin.

Anmerkung: Quelle zeigt1485 an Position 1585.

Der große Bali-Mantra

Vers 1586
praṇavo vāgbhavapāśāṅkuśānyetāni vai punaḥ |
ekapañcāśadityevaṃ mantre'muṣmin‌ padaṃ priye ||1586||

Pranava, Vagbhava, Pasha und Ankusha; dann steht in diesem Mantra das Wort „ekapanchashat“, einundfünfzig, Geliebte.

Vers 1587
vārān‌ dvādaśa saṅkīrtya svasvopapadabṛṃhitam‌ |
satatatayā vācyamādau tīrthamupanyaset‌ ||1587||

Man spreche es zwölfmal, jeweils mit seinem zugehörigen Wort erweitert, in fortlaufender Folge. Zuerst setze man „tirtha“, heiliger Ort, ein.

Anmerkung: Vārān statt beschädigtem dārān durch „zwölfmal“ vorläufig; keine fehlenden Kategorien erfunden, auch wenn Folgeliste knapp bleibt.

Vers 1988 (Position 1588)
kamalā bhauvaneśī ca roṣaḥ prāsāda eva ca |
paurastyaṃ padamuccārya śivaliṅgaṃ ca pūrvavat‌ ||1988||

Kamala, Bhauvaneshi, Rosha und Prasada. Nach dem vorangehenden Wort spreche man wie zuvor „shivalinga“.

Anmerkung: Quelle zeigt1988 an Position 1588.

Vers 1589
pretaḥ kālī khecarī dik‌ śailaśca prāktanāt‌ padāt‌ |
śucī ca vaiśvadevaśca tāpinī […] ||1589||

Preta, Kali, Khechari, Dik; nach dem vorangehenden Wort „shaila“, Berg. Dann Shuchi, Vaishvadeva und Tapini […] …

Anmerkung: Fragment: Letztes Glied oder Verbindungswort beschädigt.

Vers 1560 (Position 1590)
prāguktapadataścāpi […] sandhiyuk‌ |
kalpo muktā mahā caiva nṛsiṃhastadanantaram‌ ||1560||

… nach dem zuvor genannten Wort […] mit Lautverbindung. Kalpa, Mukta, Maha und danach Narasimha …

Anmerkung: Fragment: Eingesetzter Kategoriename der ersten Halbzeile unlesbar; nicht aus dem Nyasa-Schema ergänzt. Quelle zeigt1560 an Position 1590.

Vers 1561 (Position 1591)
prācīnāt‌ padataḥ sandhiyuto nadyapi kīrtayet‌ |
kāmo muñjavalārṇo hi dvādaśyā mātrayānvitam‌ ||1561||

Nach dem vorangehenden Wort spreche man mit Lautverbindung auch „nadi“, Fluss. [Dann folgen] Kama und der Laut Munjavala, mit dem zwölften Vokalzeichen verbunden.

Anmerkung: Seltenes Deckwort muñjavala beschädigt und vorläufig; keine Lautform daraus rekonstruiert. Quelle zeigt1561 an Position 1591.

Vers 1592
āturaṃ cāpi nirvāṇaṃ pūrvasmāt‌ padatastathā |
sandhiyukta ṛṣiścāpi vadhūrvājigalo'pi ca ||1592||

Atura und Nirvana; nach dem vorangehenden Wort, durch Lautverbindung angeschlossen, „rishi“. Dann Vadhu und Vajigala …

Anmerkung: Decknamen Atura und Vajigala vorläufig.

Vers 1563 (Position 1593)
dānavaḥ sthapatiścāpi prāguktāt‌ padato'pi ca |
astraṃ ca yoginī paścāt‌ samādhiścādhvanā saha ||1563||

… Danava und Sthapati; nach dem zuvor genannten Wort „astra“. Danach Yogini, Samadhi und Adhvan …

Anmerkung: Quelle zeigt1563 an Position 1593.

Vers 1594
prāktanādeva padato bhairavaḥ samudāhṛtaḥ |
rāvaḥ sānuḥ ketunitye pūrvaśabdādapi priye ||1594||

… nach dem früheren Wort wird „bhairava“ genannt. Rava, Sanu, Ketu und Nitya; nach dem vorangehenden Wort, Geliebte …

Vers 1565 (Position 1595)
yajñaśca mānasaṃ […] mekhalā ca vibhūtiyuk‌ |
prāguktapadato rājā bhāruṇḍā yoginī tathā ||1565||

… „yajna“. Dann Manasa, […], Mekhala und Vibhuti; nach dem zuvor genannten Wort „raja“. Bharunda und Yogini …

Anmerkung: Fragment: Lautglied nach Manasa beschädigt; Quelle zeigt1565 an Position 1595.

Vers 1596
lajjāratī pūrvapadāt‌ kalpaḥ parinigadyate |
ḍākinyanu syāt‌ prāsādo'mṛtaṃ śaktistathaiva ca ||1596||

… Lajja und Rati; nach dem vorangehenden Wort wird „kalpa“ genannt. Nach Dakini folgen Prasada, Amrita und Shakti …

Anreden und Schluss der Göttinnen-Bali

Vers 1567 (Position 1597)
pūrvasmādeva padataḥ siddha ityapi kīrtitaḥ |
tatastāro bhauvaneśī yoginīroṣayoṣitaḥ ||1567||

… nach dem früheren Wort wird „siddha“ genannt. Dann Tara, Bhauvaneshi, Yogini, Rosha und Yoshit …

Anmerkung: Quelle zeigt1567 an Position 1597.

Vers 1565 (Position 1598)
śākinī ḍākinī caiva phetkārī tadanantaram‌ |
bhāsākūṭāt‌ […] bhagavatyanu kīrtyate ||1565||

… Shakini, Dakini und danach Phetkari. Nach Bhasa-Kuta […] wird „bhagavati“, Erhabene, gesprochen …

Anmerkung: Fragment: Zwischenglied nach Bhasa-Kuta beschädigt. Quelle zeigt1565 an Position 1598.

Vers 1599
guhyakāli samābhāṣya tato'rṇaṃ nāṅkuraṃ vadet‌ |
yoginī ḍākinī caiva śākinī bhairavī tathā ||1599||

… und „guhyakali“. Dann spreche man den Laut Nankura. [Es folgen die Namen] Yogini, Dakini, Shakini und Bhairavi …

Anmerkung: Nāṅkura als beschädigter Lautdeckname vorläufig; nicht in eine vermeintlich sichere Bija-Silbe entschlüsselt.

Vers 1600
cāmuṇḍādisvaśaktyuktvā tataḥ parivṛte vadet‌ |
kāmale mānmathaṃ meghaṃ prāsādaṃ kālikāhvayam‌ ||1600||

… danach „chamundadi-svashakti“ und „parivrite“ — „von deinen Shaktis, Yogini, Dakini, Shakini, Bhairavi, Chamunda und weiteren umgeben“. [Dann] Kamala, Manmatha, Megha, Prasada und das Kalika genannte …

Anmerkung: Megha wie Quelle, nicht Medha; erste Gruppe Göttinnenanreden, zweite Bija-Decknamen.

Vers 1601
bījaṃ sadāśivapretādhirūḍhe parametyapi |
tataḥ śive sāmarasyarasapramudite smaret‌ ||1601||

… Bija. [Dann die Anreden:] „Sadashivapretadhirudhe“ — „du auf dem Leichnam Sadashivas Thronende“; „Paramashive“ — „höchste Shiva“; „Samarasyarasapramudite“ — „du im Geschmack des Einsseins Erfreute“ …

Anmerkung: Zusammenhängende Anreden aus der Wortbildungsanweisung; keine Umdeutung des Leichnams in bloß ein Sitzkissen.

Vers 1602
śmaśānanilaye procya naramuṇḍapadādatha |
mālāracitahāre […] imaṃ baliṃ tataḥ ||1602||

… „Shmashananilaye“ — „du auf dem Verbrennungsplatz Wohnende“; nach „naramunda“ folgt „malarachitahare“ — „du mit einer Halskette aus Menschenschädeln Geschmückte“. […] Danach „imam balim“, diese Bali-Gabe …

Anmerkung: Fragment: Lautverbindungsanweisung vor imam balim beschädigt; keine sichere Sandhi-Regel ergänzt.

Vers 1603
[…] bhakṣa ca […] |
mama śatrūnathotkīrtya hanayugmaṃ mathadvayam‌ ||1603||

… „verzehre“ […]! Dann spreche man „mama shatrun“, meine Feinde, und zweimal „hana“, schlage/töte, sowie zweimal „matha“, zermalme.

Anmerkung: Fragment: Weitere Annahme- und Essverben der ersten Halbzeile unlesbar; nicht aus anderen Bali-Formeln ergänzt.

Vers 1604
khādadvayaṃ trapākūrcau vadhū rāvaśca yoginī |
satvare yugalaṃ cāpi vyutkramād‌ […] punaḥ ||1604||

Zweimal „khada“, friss! Dann Trapa, Kurcha, Vadhu, Rava und Yogini. Zweimal „satvare“, Eilige, und nochmals in umgekehrter Reihenfolge […] …

Anmerkung: Fragment: Gegenstand der Rückwärtsanweisung beschädigt; keine umgekehrte Silbenreihe erfunden.

Vers 1605
ḍākinī pralayaścāpi phetkārī tadanūditā |
astratrayaṃ hṛcchirasī sarvaśeṣe prakīrtite ||1605||

… Dakini, Pralaya und danach Phetkari. Ganz am Schluss werden dreimal Astra, Herz und Kopf genannt.

Vers 1606
nyāsānte balidānāya kathito'yaṃ mahāmanuḥ |
baliṃ dadadanenaiva śivāyai manunā priye ||1606||

Dieser große Mantra wurde für die Bali-Gabe am Ende des Nyasa gelehrt. Wer mit eben diesem Mantra Shiva [der Göttin] die Gabe darbringt, Geliebte …

Unterschiedliche Vollzugstraditionen

Vers 1607
saphalaṃ kurute nyāsamasampūrṇaṃ tathādadat‌ |
ādyaṃ nyāsaṃ mātṛkāḍhyaṃ bravīti tripuradviṣaḥ ||1607||

… macht den Nyasa fruchtbringend; wer die Gabe nicht darbringt, lässt ihn unvollständig. Der Feind Tripuras lehrt den ersten Nyasa als mit Matrika verbunden.

Anmerkung: Zweiter Satz beginnt Vergleich von Vollzugstraditionen, nicht neuer erster Nyasa im Kapitel.

Vers 1608
kāpālikāstu pañcānyāṃstadāḍhyān‌ bruvate tathā |
tatsthānaṃ śeṣahṛcchīrṣacaramaṃ varṇayanti te ||1608||

Die Kapalikas bezeichnen auch die fünf anderen als damit verbunden. Sie beschreiben dessen Stelle am Ende, nach dem abschließenden Herz- und Kopfglied.

Anmerkung: Matrika als Bezug von tad nach 1607; knappe Endstellenanweisung nicht zu Körperanatomie umgedeutet.

Vers 1606 (Position 1609)
sarvādāvapi mauleyā na kutrāpīti niḥpaṭhāḥ |
bhāṇḍikerāstathā sarve manmatasyānusāriṇaḥ ||1606||

Die Mauleyas setzen es ganz an den Anfang; die Nihpathas [sagen:] „nirgends“. Ebenso [verfahren] die Bhandikeras und alle, die meiner Lehre folgen.

Anmerkung: Quelle zeigt1606 an Position 1609. Bezug von tathā wahrscheinlich auf die letztgenannte Weglassung, aber gedrängte Syntax nicht als sichere allgemeine Regel ausgegeben.

Vers 1610
sthānāni ṣaṇṇāṃ nyāsānāṃ mātṛkānyāsavat‌ priye |
matametaddhi sarveṣāṃ mama ca tripuradviṣaḥ ||1610||

Die Stellen der sechs Nyasas entsprechen denen des Matrika-Nyasa, Geliebte. Dies ist die Auffassung aller, auch meine und die des Feindes Tripuras.

Vers 1611
sandhyasandhī tu vijñeyau vacanādupadeśataḥ |
paramparāyātarītyā na caturthāt‌ prakārataḥ ||1611||

Lautverschmelzung und ihr Ausbleiben sind aus dem Wortlaut, durch Unterweisung und nach der überlieferten Tradition zu bestimmen — nicht auf eine vierte Weise.

Die Gabe für Shakti

Vers 1612
śaktipradhānapūjākṛt‌ kulamārgarato'khilaḥ |
devībalipradānānte śaktaye balimṛcchati ||1612||

Wer dem Kula-Weg ergeben ist und eine auf Shakti ausgerichtete Verehrung vollzieht, bringt nach der Bali-Gabe für die Göttin auch der Shakti eine Bali-Gabe dar.

Anmerkung: Shakti als besondere Empfängerin von der Göttinnen-Bali unterschieden; Kontext1620 nennt anschließendeVereinigung.

Vers 1613
ko'pi naivedyamapi vā manureko dvayorapi |
tāro medhaṃ trapā kāmaḥ śākinī ḍākinī tathā ||1613||

Manche bringen stattdessen eine Speisegabe dar. Für beides gilt derselbe Mantra: Tara, Medha, Trapa, Kama, Shakini und Dakini …

Anmerkung: Hier Medha nach Quellform, gegenüber Megha1600nichtvereinheitlicht.

Vers 1614
bhāsāpuṣkarasattvākhyakūṭāni tadanantaram‌ |
imaṃ baliṃ […] yugaṃ […] yugaṃ tathā ||1614||

… danach die Bhasa, Pushkara und Sattva genannten Kutas. „Imam balim“, diese Bali-Gabe, dann zweimal […] und zweimal […] …

Anmerkung: Fragment: Beide Annahmeverben beschädigt; nicht aus 1615 oderfrüherenMantrasaufgefüllt.

Vers 1615
bhakṣa bhakṣaya ca […] khādaya cetyapi |
ehyehi śaktirūpe ca bhagavatyasya paścime ||1615||

„Bhaksha, bhakshaya“, verzehre, lass verzehren, […] und „khadaya“, lass essen; „ehy ehi shaktirupe“, komm, komm, du in Shakti-Gestalt, und danach „bhagavati“, Erhabene …

Anmerkung: Fragment: Weiteres Essverb bzw. Wiederholungsangabe beschädigt. Kausative nicht still in identische Imperative verwandelt.

Vers 1616
guhyakāli tataḥ procya svapadaṃ darśaya dvayam‌ |
nijarūpaṃ prakaṭaya dvivāraṃ samudīrayet‌ ||1616||

… dann „guhyakali“. Zweimal „svapadam darshaya“ — „zeige deinen eigenen Zustand“; zweimal „nijarupam prakataya“ — „offenbare deine eigene Gestalt“ …

Anmerkung: Svapada kann eigener Ort/Stand/Zustand heißen; keine zusätzliche anatomische Deutung.

Vers 1617
praviśa dviḥ sāmarasyabhāvamādau hi |
śṛṅkhalākaṇikāhārakuṭilārañjinīghuḍīḥ ||1617||

… zweimal „pravisha“, tritt ein, mit „samarasyabhavam“ davor — „tritt in den Zustand des Einsseins ein“. [Dann] Shrinkhala, Kanika, Hara, Kutila, Ranjini und Ghudi …

Anmerkung: Vers metrisch ungleich überliefert; Ghudi vorläufiger Deckname, keine sichere Silbe rekonstruiert.

Vers 1618
sapadmavyayamāraṇḍābījāni parikīrtayet‌ |
citkalābhogakūṭāni tadanantaramīrayet‌ ||1618||

… dazu die Padma, Vyaya und Maranda genannten Bijas. Danach spreche man die Chit-, Kala- und Bhoga-Kutas …

Anmerkung: Deckname Maranda und erste Kuta-Trennung Chit/Kala vorläufig nach Quelle; keine zusätzlichen Lautgruppen ergänzt.

Vers 1619
saprāsādaparā pretaṃ phaṭtrayaṃ hṛcchiro'ntime |
naivedyaṃ ca baliṃ vāpi dadyuretena śaktaye ||1619||

… mit Prasada, Para und Preta, dreimal phat sowie Herz- und Kopfabschluss. Mit diesem [Mantra] bringe man der Shakti eine Speise- oder Bali-Gabe dar.

Vers 1620
kaulikāḥ kurvate cāpi tadanantaramarhaṇam‌ |
ratiṃ ca vāmamārgīyā na tu śrutyadhvani sthitāḥ ||1620||

Die Kaulikas vollziehen danach weitere Verehrung; die Anhänger des linken Weges auch geschlechtliche Vereinigung, nicht jedoch die auf dem Weg der Shruti Stehenden.

Anmerkung: Rati als erwachsene sexuelle Vereinigung sachlich übersetzt, nicht in Meditation umgedeutet.

Lobpreis und Lehrerbindung

Vers 1621
ṣoḍhānyāso'yamuktaste samuddharaṇapūrvakaḥ |
mahopapadavikhyāto nirvāṇopapadena ca ||1621||

Damit wurde dir dieser Shodha-Nyasa mitsamt seiner Erschließung gelehrt, bekannt mit dem Zusatz „Maha“ und mit dem Zusatz „Nirvana“.

Vers 1622
kiṃ kṛtairbahubhirnyāsairayaṃ nyāsaḥ kṛto na cet‌ |
kṛte'pi nyāsarāje tu kimanyairnyāsavistaraiḥ ||1622||

Was nützen viele vollzogene Nyasas, wenn dieser Nyasa nicht vollzogen wird? Und wenn dieser König der Nyasas vollzogen wurde, wozu dann weitere ausgedehnte Nyasa-Folgen?

Anmerkung: Rhetorische Vorrangbehauptung der Quelle.

Vers 1623
yasya syānmahatī bhaktirguhyakālīmupāsitum‌ |
tenāyaṃ saṅgrahītavyaḥ […] viśeṣataḥ ||1623||

Wer große Hingabe empfindet und Guhyakali verehren möchte, soll gerade diesen [Nyasa] aufnehmen, besonders […] …

Anmerkung: Fragment: Bestimmung vor viśeṣataḥ beschädigt.

Vers 1624
saptakoṭimahāmantrāstava ḍāmarayāmalāt‌ |
uddhṛtya caikataḥ kṛtvedaṃ cāpi tulayā dhṛtam‌ ||1624||

Siebzig Millionen große Mantras wurden aus deinem Damara und Yamala entnommen und zusammen auf eine Waagschale gelegt; dieser [Nyasa] wurde auf die andere gelegt.

Anmerkung: Mythischer Wertvergleich; keine überprüfbare Textumfangsangabe für die genannten Werke.

Vers 1625
satyaṃ satyaṃ punaḥ satyamidaṃ tebhyo'tyaricyata |
tataḥprabhṛti deveśa mayā bhaktipareṇa hi ||1625||

Wahrlich, wahrlich, nochmals wahrlich: Dieser überwog sie. Seitdem habe ich, ganz der Hingabe ergeben, Herr der Götter …

Anmerkung: Männliche Anrede deveśa steht in der Quelle innerhalb des Lehrgesprächs; nicht still zur weiblichen Form korrigiert.

Vers 1626
nyāsaṃ rudrākṣamālāyāṃ vilikhya paramādarāt‌ |
kaṇṭhe saṃsthāpya sā devī dhyāyate niścitātmanā ||1626||

… den Nyasa mit höchster Verehrung auf einer Rudraksha-Kette aufgezeichnet und um den Hals gelegt; mit fest ausgerichtetem Geist meditiere ich über die Göttin.

Anmerkung: Ungewöhnliche Aufzeichnung auf einer Kette als Quellaussage bewahrt; keine technische Herstellungsanleitung erfunden.

Vers 1627
dhārayiṣyanti ye'nye'pi guhyā teṣāṃ varapradā |
nātaḥ parataraḥ ko'pi nyāso […] śucipradaḥ ||1627||

Auch anderen, die ihn tragen, gewährt Guhya Segen. Es gibt keinen höheren, Reinheit spendenden Nyasa […] …

Anmerkung: Fragment: Orts-/Anredebestimmung beschädigt; Quelle erwägt bhuvi, Fußnote bhuvi priye. Keine davon als sicher eingesetzt.

Vers 1628
jagattraye'pi nyāso'nyo nāsti so'tra sureśvari |
yo gacchedasya samatāṃ phalādhikyapradānataḥ ||1628||

… in den drei Welten gibt es keinen anderen Nyasa, Herrin der Götter, der ihm an überragender Frucht gleichkäme.

Vers 1629
śubhe'hani gurorvaktrādupadeśaṃ pragṛhya hi |
yatnāt‌ santoṣya ca guruṃ hemaratnāmbarādibhiḥ ||1629||

An einem günstigen Tag empfange man die Unterweisung aus dem Mund des Guru und stelle ihn sorgfältig mit Gold, Edelsteinen, Gewändern und anderen Gaben zufrieden …

Anmerkung: Historische Guru-Gaben der Quelle, keine Aufforderung der Ausgabe zu Zahlungen.

Vers 1630
caturdaśyāmathāṣṭamyāmārabhetāsya dhāraṇam‌ |
vinopadeśaṃ yo […] tasya […] parāṅmukhī ||1630||

… und beginne am vierzehnten oder achten Mondtag, ihn zu tragen. Wer dies ohne Unterweisung [tut …], von dem wendet sich […] ab.

Anmerkung: Fragment: Verb und Subjekt der Abwendung beschädigt; Göttin naheliegend, aber nicht in den Sanskrittext ergänzt.

Vers 1631
vidhānāddhriyamāṇastu sarvasiddhiṃ prayacchati |
avidhānāddhṛto devi tamevātti na saṃśayaḥ ||1631||

Nach der vorgeschriebenen Ordnung getragen, gewährt er alle Siddhi. Vorschriftswidrig getragen, verzehrt er seinen Träger selbst, Göttin — daran ist kein Zweifel.

Anmerkung: Drohung der historischen Quelle zur Bindung an Unterweisung und Ordnung; keine bestätigte Gefahrenbehauptung der Ausgabe.

Vereinfachte Anlässe und schriftliche Aufzeichnung

Vers 1632
yadi kartuṃ na śaknoti nyāsamenaṃ dine dine |
[…] lakṣyīkṛtya kuryāccaturdaśyaṣṭamīmukham‌ ||1632||

Wenn man diesen Nyasa nicht täglich vollziehen kann, richte man sich nach […] und vollziehe ihn besonders am vierzehnten und achten Mondtag.

Anmerkung: Fragment: Übergeordnete Kalenderbestimmung beschädigt; keine zusätzlichen Festtage ergänzt.

Vers 1633
tatrāpyaśaktaḥ kurvīta śāradīyārhaṇādine |
kartumetadaśakto'pi bhūrjapatre vilikhya hi ||1633||

Wer auch dazu nicht imstande ist, vollziehe ihn an einem Tag der herbstlichen Verehrung. Wer selbst dies nicht ausführen kann, schreibe ihn auf Birkenrinde …

Vers 1634
bhuje badhnīta vā yantrapīṭhavat‌ paripūjayet‌ |
yatraiṣa likhitastiṣṭhennyāso'yaṃ parameśvari ||1634||

… und binde ihn am Arm fest oder verehre ihn wie einen Yantra-Pitha. Wo dieser Nyasa niedergeschrieben vorhanden ist, höchste Herrin …

Anmerkung: Yantra-Pitha: ritueller Sitz bzw. Träger eines Yantra; keine genaue Gegenstandsform ergänzt.

Vers 1635
na tatra mārī durbhikṣaṃ rogaśokau tathā na ca |
na cāpi grahajā pīḍā kāścidapyāpado na ca ||1635||

… dort gibt es weder Seuche noch Hungersnot, weder Krankheit noch Kummer, keine von Grahas verursachte Bedrängnis und keinerlei Unglück …

Anmerkung: Schutzverheißung der Quelle, keine medizinisch oder anderweitig gesicherte Wirkung.

Vers 1636
bhūtapretāveśajanyā naivopadravarāśayaḥ |
trividhotpātaśāntiśca vahnyavagrahanāśanam‌ ||1636||

… auch keine Scharen von Plagen, die aus Besessenheit durch Bhutas und Pretas entstehen. Die dreifachen Unheilszeichen werden besänftigt, Feuer und Dürre beseitigt …

Anmerkung: Avagraha hier wohl Dürre/Regenhemmung; die drei Arten der Unheilszeichen werden nicht einzeln genannt.

Vers 1627 (Position 1637)
ādhikyaṃ maṅgalānāṃ hi tasya gehe prajāyate |
nityamaiśvaryavṛddhiḥ syāt‌ putrāṇāmāyuṣastathā ||1627||

… und in seinem Haus nimmt das Heil zu. Herrschaftsmacht, Söhne und Lebensdauer wachsen beständig.

Anmerkung: Quelle zeigt1627 an Position 1637.

Vers 1638
bhūpatirvaśyatāmeti […] sukhasampadaḥ |
kiṃ kiṃ na sādhayatyeṣa likhitaḥ sthāpito gṛhe ||1638||

Der König gerät unter seinen Einfluss; […] Glück und Wohlstand. Was vermag dieser Nyasa nicht zu bewirken, wenn er niedergeschrieben im Haus aufgestellt ist?

Anmerkung: Fragment: Verb oder Bestimmung vor sukhasaṃpadaḥ beschädigt.

Vers 1629 (Position 1639)
tasmād‌ devi prayatnena […] dine dine |
mahānirvāṇaṣoḍhākhyo nyāsaḥ paramaśobhanaḥ ||1629||

Deshalb, Göttin, [vollziehe] sorgfältig Tag für Tag […] den überaus erhabenen Nyasa namens Mahanirvana-Shodha.

Anmerkung: Fragment: Vollzugsverb beschädigt; Quelle zeigt1629 an Position 1639.

Vers 1640
nyāsānāmeṣa sarveṣāṃ cūḍāmaṇiriti smṛtaḥ |
[…] sureśāni sarvacūḍāmaṇirbhavet‌ ||1640||

Er gilt als Kronjuwel aller Nyasas. […] wird, Herrin der Götter, zum Kronjuwel aller.

Anmerkung: Fragment: Subjekt oder Vollzugsbestimmung der zweiten Halbzeile unlesbar; nicht frei „sein Verehrer“ ergänzt.

Abschließender Lobpreis

Vers 1641
trisatyapūrvaṃ te vacmi nyāso'nyo'sya samo nahi |
iti ṣoḍhātrayaṃ proktaṃ vivicya tava pārvati ||1641||

Mit dreifacher Wahrheitsbeteuerung sage ich dir: Kein anderer Nyasa ist ihm gleich. So habe ich dir die drei Shodha-Formen einzeln erläutert, Parvati …

Vers 1642
uttarottarataḥ śreṣṭhaṃ śambhunā svayamīritam‌ |
mahānirvāṇaṣoḍhāryā […] tvayeritā ||1642||

… jede nachfolgende gilt als vorzüglicher, wie Shambhu selbst gelehrt hat. Die erhabene Mahanirvana-Shodha […] wurde von dir genannt.

Anmerkung: Fragment: Zweite Halbzeile stark beschädigt; kein vollständiger Vergleich der drei Formen rekonstruiert.

Vers 1643
na tattulye smṛte […] yadyapyanuttame ||1643||

Jene beiden gelten ihr nicht als gleich […], obwohl sie überaus erhaben sind.

Anmerkung: Fragment: Nur eine beschädigte Halbzeile unter eigener Quellziffer erhalten; Dualform bewahrt, Bezug wohl auf die beiden zuvor gelehrten Formen, nicht als sichere Ergänzung ausgegeben.

Vers 1644
pāpatṛṇāraṇiriyaṃ siddhiratnamahākhaniḥ |
bhogecchākalpalatikā duḥkhaśokaughakartanī ||1644||

Sie ist [das Feuerreibholz] für das Gras der Verfehlungen, eine große Mine von Siddhi-Juwelen, eine Wünsche erfüllende Ranke für das Verlangen nach Genuss, die Abschneiderin der Fluten von Leid und Kummer.

Anmerkung: Erstes Kompositum im OCR pāpatṛṇāraṇi; Bild araṇi Feuerreibholz vorläufig, Sanskritlesung beschädigt. Keine eigenmächtige Ersetzung durch Feuer oder Wald als sichere Lesung.

Vers 1645
yadīcchase guhyakālīṃ sammukhīkartumañjasā |
tadā nirvāṇaṣoḍhāṃ tvaṃ kurvīthā bhaktibhāvitā ||1645||

Wenn du Guhyakali unmittelbar vor dir gegenwärtig machen möchtest, dann vollziehe, von Hingabe erfüllt, den Nirvana-Shodha.

Anmerkung: Quelle schwankt bei der Endung von icchase; deutscher Sinn hinreichend klar. Rituelle Verheißung und Aufforderung der Quelle, keine garantierte heutige Erfahrung.

Kolophon
mahākālasaṃhitāyāṃ ṣoḍhānyāsoddhāro nāma navamaḥ paṭalaḥ |

In der Mahakala-Samhita endet das neunte Kapitel mit dem Titel „Erschließung des Shodha-Nyasa“.

Anmerkung: Kolophon der vorliegenden Hauptfassung in c. Nach der Fußnote zu621enden drei Parallelzeugen bereits dort; die Hauptfassung reicht hier bis 1645. Anschließend folgen Anhänge, die gesondert auf zusätzlichen Grundtext zu prüfen sind.

Bilder und Videos zur Vertiefung

Feuerzeremonie bei Yoga Vidya: eine heutige Darstellung gemeinsamer Verehrung.
Shiva und Shakti: eine Darstellung zur Betrachtung des Göttlichen.

Die folgenden Einführungsvorträge erläutern allgemeine Begriffe; sie sind keine Kommentare zu den einzelnen Versen.

Kali – die Schwarze Göttin

Tantra – Wort und Bedeutung

Weiterführende Seminare

Indische Schriften

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Mantras und Musik

06.11.2026 - 08.11.2026 Asana Intensiv - Musikalisch-Meditativ

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Gopi Jana Kretschmer da Conceição
06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar

Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova

Bilder und Videos · Quellen und Literatur · Verwandte Themen

Abschluss

Nach der Fülle von Namen und heiligen Orten darf die Aufmerksamkeit wieder beim eigenen gegenwärtigen Leben ankommen. Als heutige Betrachtung kann die Frage dienen: Wo kann ich mit mehr Ehrfurcht, Ruhe und Verantwortung handeln? Bhakti kann sich auch darin zeigen, dem scheinbar Gewöhnlichen ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Siehe auch

Die folgenden Tantra- und Yogaschriften eröffnen weitere Zugänge zum Studium. Ihre Lehren und Ritualordnungen sind jeweils in ihrem eigenen Zusammenhang zu lesen.

Wegweiser durch die Ausgabe