Mahakala Samhita Guhyakali Khanda

Aus Yogawiki

Mahakala Samhita – Guhyakali-Khanda, Kapitel 1–4: Sanskrit Text und deutsche Übersetzung: Guhyakali, die verborgene Göttin, erscheint in einer Vielfalt von Lauten und Gestalten. Der Text fragt zugleich nach der Wirklichkeit jenseits aller Gestalt. Die vier Kapitel sind bis zu ihren Kolophonen im lesbaren Umfang übersetzt. Lücken und unsichere Lesungen bleiben sichtbar.

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Kali und Shiva als Bild der Verehrung. Die Darstellung dient der allgemeinen Einordnung und zeigt keine besondere Ritualgestalt dieses Abschnitts.

Anregung zum Studium: Die ersten vier Kapitel führen von den vielen Namen und Gestalten der Guhyakali zur Frage nach der gestaltlosen Wirklichkeit. Meditation, die Überlieferung der Mantras und die Suche nach Erkenntnis stehen nebeneinander. Wer über die Fülle der Namen staunt, kann zunächst die Abschnitte über innere Verehrung und den Wert des menschlichen Lebens lesen.

Verwandte Lektüre: Die Frage nach der gestaltlosen Wirklichkeit lässt sich im Studium neben das Vijnana Bhairava Tantra stellen. Das Kularnava Tantra bietet einen weiteren Zugang zum Wert des menschlichen Lebens für die spirituelle Suche. Die Hinweise eröffnen einen Vergleich, keine Gleichsetzung der Überlieferungen.

Guhyakali-Khanda: die verborgene Göttin

Die Begegnung mit Guhyakali beginnt mit ihren unterschiedlichen Mantraüberlieferungen. Ihre Vielfalt wird im Text als zusammengehörige Verehrung derselben Göttin verstanden. Kapitel 1–9 folgen Datei c; Kapitel 13–14 folgen dem eigenständigen Text in „Mahakala Samhita.txt“. Kapitel 10–12 sind in diesen Haupttextzeugen nicht vorhanden. Zitate aus anderen Dateien werden nur als gekennzeichnete Parallelzeugen herangezogen.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 1

Das Kapitel führt die Mantras nach ihren überlieferten Verehrern ein. Es erläutert gebundene und ungebundene Formen, ihre rituellen Faktoren und die meditative Gestalt Guhyakalis. Die verschlüsselten Lautanweisungen werden nicht durch vermutete Vollformeln ersetzt.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Anmerkung: Sprecherzeile vor Vers 1; keine Versnummer in der Quelle.

Vers 1
guhyakālyāstu mantrāṇāmaṣṭādaśa bhidāḥ priye |
sarvāgameṣu gopyāste na prakāśyāḥ kadācana ||1||

Geliebte, die Mantras Guhyakalis haben achtzehn Formen. In allen Agamas sind sie geheim zu halten; niemals sollen sie öffentlich bekannt gemacht werden.

Anmerkung: Lesung sarvāgameṣu nach dem Parallelzitat in e, Anhang 2; c hat beschädigt svāgameṣu.

Vers 2
mantrāṇāṃ bhedato dhyānabhedāḥ syurvividhāstathā |
yantrabhedā api tathā vāhanānāṃ bhidāstathā ||2||

Mit den unterschiedlichen Mantras gehen unterschiedliche Meditationen einher; ebenso unterscheiden sich die Yantras und die Reittiere.

Anmerkung: Yantra-Lesung durch das Parallelzitat in e gestützt; c hat beschädigt satra.

Vers 3
yo mantro yena cābhyastastannāmnā sa prakīrtitaḥ |
brahmaṇā ca vasiṣṭhena rāmeṇa ca tathā priye ||3||

Jeder Mantra wird nach demjenigen benannt, der ihn eingeübt hat. Von Brahma, Vasishtha und Rama, Geliebte,

Anmerkung: Die Aufzählung setzt sich in 4–5 fort. Versziffer im OCR beschädigt, durch fortlaufende Folge gesichert.

Vers 4
hiraṇyākṣānujenāpi kubereṇa yamena ca |
bharatena daśāsyena balinā vāsavena ca ||4||

von Hiranyakshas jüngerem Bruder, von Kubera und Yama, von Bharata, dem Zehnköpfigen [Ravana], Bali und Vasava [Indra],

Anmerkung: Fortsetzung des Satzes aus Vers 3.

Vers 5
viṣṇunānyaiśca devaiśca daityendrairvividhairapi |
upāsitā siddhihetorlabdhā siddhiśca bhūyasī ||5||

von Vishnu, weiteren Göttern und verschiedenen Daitya-Herrschern wurde sie um der Siddhi willen verehrt; und große Vollendung wurde erlangt.

Vers 6
śatavaktrāśītivaktrā ṣaṣṭivaktrā tathaiva ca |
ṣaṭtriṃśadānanā triṃśadānanā parikīrtitā ||6||

Sie wird als hundertgesichtig, achtziggesichtig und sechziggesichtig beschrieben, ebenso mit sechsunddreißig und mit dreißig Gesichtern.

Anmerkung: Hauptlesung c: dreißig; Fußnote und Parallelzitat e bieten bei dieser Zahl eine abweichende Zwanziger-Lesung. Nicht harmonisiert.

Vers 7
tathā viṃśativaktrā ca daśavaktrā ca kālikā |
pañcavaktrā trivaktrā ca dvivaktrā caikavaktrikā ||7||

Kalika erscheint auch mit zwanzig und mit zehn Gesichtern, mit fünf, drei, zwei und mit einem Gesicht.

Anmerkung: Eine Fußnotenvariante nennt einundzwanzig statt zwanzig Gesichter.

Vers 8
yā guhyakālī tanmadhye bharatopāsitā priye |
daśavaktrā ṣoḍaśārṇā catuḥpañcāśaddoryutā ||8||

Unter ihnen ist die von Bharata verehrte Guhyakali, Geliebte, zehnköpfig; ihr Mantra hat sechzehn Silben, und sie besitzt vierundfünfzig Arme.

Anmerkung: Versziffer im OCR ausgefallen; Folge 7–9 und Parallelzitat sichern die Zuordnung. Zusammensetzung am Versende normalisiert.

Vers 9
sarvāsāṃ guhyakālīnāṃ sā vai mukhyatamā smṛtā |
tāmevādau vyāharāmi vyāhariṣye tataḥ parāḥ ||9||

Sie gilt als die vorzüglichste unter allen Gestalten Guhyakalis. Zuerst werde ich von ihr sprechen, danach von den anderen.

Anmerkung: Die OCR-Ziffer 6 ist in der fortlaufenden Folge als 9 gelesen.

Vers 10
ṣoḍaśākṣariko mantraḥ kīlito'thāpyakīlitaḥ |
tatrādau kīlitaṃ vacmi tato vakṣyāmyakīlitam ||10||

Der sechzehnsilbige Mantra liegt in gebundener und in ungebundener Form vor. Zuerst nenne ich die gebundene, danach werde ich die ungebundene nennen.

Anmerkung: Kīlita bezeichnet hier eine rituelle Bindung oder Sperrung des Mantras, nicht bloß eine Schreibweise.

Vers 11
kīlakākīlakadhyānamekameva hi pārvati |
ādau vedādimuddhṛtya tataḥ pasya dvitīyakam ||11||

Parvati, die Meditation ist für die gebundene und die ungebundene Form dieselbe. Zuerst entnehme man den „Anfang der Veden“, danach den zweiten [Laut] der mit pa beginnenden Reihe.

Anmerkung: Verschlüsselte Lautanweisung; die Quelle schreibt hier noch keine vollständig aufgelöste Mantraformel aus.

Vers 12
ekārayuktaṃ tadadho rephaṃ binduṃ ca yojayet |
siddhiśabdaṃ tataḥ procya karāli ca vinirdiśet ||12||

Man verbinde ihn mit dem Laut e und füge darunter r sowie den Bindu hinzu. Danach spreche man das Wort siddhi aus und anschließend karāli, „du Furchtbare“.

Anmerkung: Die räumliche Lautbeschreibung wird beibehalten; karāli ist Hauptlesung, eine Fußnote bietet karālī.

Vers 13
lajjākūrcamanusmṛtya kaphoṇiṃ vāmamuddharet |
[…] bindvadhovahniyuktaṃ kuryāt tataśca tam ||13||

Nach den Lautchiffren Lajja und Kurcha entnehme man den „linken Ellenbogen“. […] Diesen verbinde man mit Bindu und dem darunterstehenden Feuer-Laut.

Anmerkung: Fragment: Die Gruppe um vāma/dṛg im zweiten Halbvers ist syntaktisch und schriftlich beschädigt; keine vollständige Silbenrekonstruktion. Die Fußnote nennt Krodha als Variante zu Kurcha und erläutert beide als Bezeichnungen von hūṃ.

Vers 14
vadhūbījaṃ punarmantradvitīyaṃ bījamuddharet |
hṛnmantro vahnijāyā ca mantro'yaṃ ṣoḍaśākṣaraḥ ||14||

Dann entnehme man das Vadhu-Bija und erneut das zweite Bija des Mantras. Es folgen der Herz-Mantra und die „Gattin des Feuers“. Dieser Mantra hat sechzehn Silben.

Anmerkung: Die Silbenzahl ist eine Quellenangabe; fehlende Laute werden nicht anhand dieser Zahl ergänzt.

Unnummerierter Text
athākīlitamantraṃ tu śuddhaṃ guptaṃ niśāmaya |
kulāṅganā yogijāyā […] ||

Höre nun den ungebundenen, reinen, geheimen Mantra: Kulangana, Yogijaya […]

Anmerkung: Fragment: Zusatzvers ausschließlich in einer von c zitierten Handschriftenvariante vor 15. Die zweite Hälfte ist beschädigt. Keine eigene Quellversnummer; nicht stillschweigend in den Haupttext eingefügt.

Vers 15
athavā kāminībījāt pūrvaṃ krodhamanusmaret |
iyaṃ hi bharatopāsyā'kīlitāpi ca śāpataḥ ||15||

Oder man vergegenwärtige vor dem Kamini-Bija den Krodha-Laut. Dies ist die von Bharata verehrte Form, die von der durch den Fluch bewirkten Bindung frei ist.

Anmerkung: c liest akīlitā; das Parallelzitat e hat abweichend kīlitāpi. Die Hauptlesung folgt c und dem angekündigten Wechsel zur ungebundenen Form.

Vers 16
rāmopāsyāmatho vakṣye'kṣarasaptadaśānvitām |
sāpi hārītamuninā kīlitā tapaso balāt ||16||

Nun werde ich die von Rama verehrte Form mit siebzehn Silben nennen. Auch sie wurde vom Weisen Harita durch die Kraft seiner Askese gebunden.

Vers 17
ādau tasyaiva mantrasya caturo'rṇān samuddharet |
dvitīyabījopari ca hasakhaṃ viniyojayet ||17||

Zuerst entnehme man die vier Laute eben dieses Mantras. Über dem zweiten Bija setze man ha, sa und kha ein.

Vers 18
evaṃ tu pañcamaṃ bījaṃ ṣaṣṭhaṃ khena ca varjitam |
saptamaṃ hasahīnaṃ ca karāli tadanantaram ||18||

Auf diese Weise entsteht das fünfte Bija; das sechste lässt kha weg, das siebte ha und sa. Darauf folgt karāli, „du Furchtbare“.

Anmerkung: Die verschlüsselte Ableitung wird übersetzt, ohne eine neue ausgeschriebene Formel zu konstruieren.

Vers 19
trayodaśaikādaśake sthāne saptamamakṣaram |
pañcamaṃ dvādaśasthāne dvitīyaṃ ca caturdaśe ||19||

An der dreizehnten und der elften Stelle stehe der siebte Laut, an der zwölften der fünfte und an der vierzehnten der zweite.

Anmerkung: Letztes Wort nach dem lesbaren Parallelzitat e geklärt.

Vers 20
ādyaṃ pañcadaśe kuryād vahnijāyāntago manuḥ |
hārītopāsitā hyeṣā cyavanopāsitāṃ śṛṇu ||20||

An die fünfzehnte Stelle setze man den ersten; der Mantra endet mit der „Gattin des Feuers“. Dies ist die von Harita verehrte Form. Höre nun die von Chyavana verehrte.

Vers 21
ṣaṣṭhapañcamayorasya vyatyayaḥ samudīritaḥ |
etāvataiva bhavati cyāvanī sumahāphalā ||21||

Bei dieser werden der sechste und der fünfte [Laut] vertauscht. Allein dadurch entsteht die Chyavani-Form mit ihrer überaus großen Frucht.

Vers 22
ṣoḍaśākṣarayormantrabhedayoradhunā […] |
ṛṣyādikaṃ tataḥ saptadaśyāśca kathayāmi te ||22||

Nun nenne ich dir Rishi und die übrigen Zuordnungen der beiden sechzehnsilbigen Mantraformen; danach jene der siebzehnsilbigen Form.

Anmerkung: Fragment: Die Anrede am Ende des ersten Halbverses ist beschädigt; der Satzsinn bleibt gesichert.

Vers 23
atharvā ṛṣiruddiṣṭo jagatī chanda ucyate |
devatā guhyakālī ca dvitīyārṇaṃ tu kīlakam ||23||

Atharvan ist als Rishi angegeben, Jagati als Metrum. Die Gottheit ist Guhyakali, und der zweite Laut ist das Kilaka.

Anmerkung: Kilaka: der als „Riegel“ bezeichnete rituelle Mantra-Faktor.

Vers 24
śaktistu daśamaṃ bījaṃ dvitīye navamaṃ bhavet |
puruṣārthacatuṣkasya siddhaye kāmanāsthitiḥ ||24||

Die Shakti ist das zehnte Bija, in der zweiten Form das neunte. Die Zielausrichtung gilt der Verwirklichung der vier menschlichen Lebensziele.

Anmerkung: Shakti bezeichnet hier den Kraftfaktor des Mantras; die vier Purusharthas werden im Vers nicht einzeln aufgezählt.

Vers 25
saptadaśyāstu mantrasya parameṣṭhī ṛṣirmataḥ |
chandaśca supratiṣṭhākhyaṃ devatā guhyakālikā ||25||

Für den siebzehnsilbigen Mantra gilt Parameshthin als Rishi. Das Metrum heißt Supratishtha, die Gottheit ist Guhyakalika.

Vers 26
pañcamārṇaṃ kīlakaṃ syāt saptamaṃ śaktirucyate |
tadeva viparītaṃ hi cyāvanyāṃ samudīritam ||26||

Der fünfte Laut ist das Kilaka, der siebte wird Shakti genannt. Für die Chyavani-Form wird genau die umgekehrte Zuordnung gelehrt.

Vers 27
prayogaḥ sarvasiddhyarthaṃ jape proccārito bhavet |
anyeṣāṃ mantrabhedānāṃ yadoddhāraṃ vadāmi te ||27||

Bei der Rezitation soll die Anwendung mit dem Ziel aller Vollendungen ausgesprochen werden. Wenn ich dir die Erschließung der übrigen Mantraformen erkläre,

Anmerkung: Der Satz setzt sich in Vers 28 fort.

Die gemeinsame Meditation der Bharata- und Rama-Form

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 28
tadā ṛṣyādikaṃ teṣāṃ kathayiṣyāmi pārvati |
bharatopāsitā yā ca rāmopāsyā ca yā smṛtā ||28||

dann werde ich dir auch deren Rishi und weitere Zuordnungen nennen, Parvati. Für die von Bharata verehrte und die als Ramas Verehrungsform bekannte Gestalt

Vers 29
dhyānaṃ tayorekameva kathyamānaṃ mayā śṛṇu |
dhyāyeddevīprabhāvotthaprocchaladraktavāridhim ||29||

ist die Meditation dieselbe. Höre, wie ich sie beschreibe: Man meditiere einen aufwogenden Blut-Ozean, der aus der Macht der Göttin entstanden ist,

Vers 30
uttuṅgottuṅgakallolaprapūritadigantaram |
tatra dvīpaṃ raktamāṃsapūritaṃ raktavālukam ||30||

dessen hoch aufragende Wogen alle Himmelsrichtungen erfüllen. Darin [vergegenwärtige man] eine Insel voller Blut und Fleisch, mit blutrotem Sand,

Vers 31
navakoṭikacāmuṇḍākoṭibhairavaveṣṭitam |
tanmadhye maṇḍalaṃ dhyāyed yojanāyutavistṛtam ||31||

umgeben von neun Koti Chamundas und einer Koti Bhairavas. In ihrer Mitte meditiere man einen Bezirk von zehntausend Yojanas Ausdehnung.

Anmerkung: Koti bezeichnet zehn Millionen; die Maße gehören zur übersteigerten sakralen Bildwelt, nicht zu einer geographischen Ortsbeschreibung.

Vers 32
bhairavīkoṭighaṭitaṃ prākāraṃ tatra cintayet |
ekaṃ śmaśānaṃ tanmadhye śatayojanavistṛtam ||32||

Dort stelle man sich eine Umwallung vor, die aus einer Koti Bhairavis gebildet ist. In ihrer Mitte liege ein Verbrennungsplatz von hundert Yojanas Ausdehnung.

Vers 33
cintayet procchaladvahnijvālāvyāptakṣamaṇḍalam |
yoginīkoṭivihitakaratālikaveṣṭanam ||33||

Man stelle sich vor, wie aufschießende Feuerflammen den Erdkreis erfüllen und eine Koti Yoginis ihn mit ihrem Händeklatschen umgibt.

Anmerkung: Der beschädigte Feuer-Ausdruck in c ist mit dem Parallelzitat e normalisiert.

Vers 34
nārāntranaddhamuṇḍasrakkṛtatoraṇamālikam |
tadantaḥsthāyinīṃ kālīṃ dhyāyenniścalamānasaḥ ||34||

Seine Torbögen sind mit Schädelgirlanden geschmückt, die mit Menschendärmen zusammengebunden sind. Mit unbewegtem Geist meditiere man Kali, die darin wohnt.

Vers 35
ratnasiṃhāsanaṃ divyaṃ hīrāmuktādinirmitam |
dhārayantaṃ catuṣkoṇe yugaṃ vedaṃ ca cintayet ||35||

Man stelle sich einen göttlichen Edelsteinthron vor, aus Diamanten, Perlen und anderen Kostbarkeiten gebildet; an seinen vier Ecken tragen ihn die Weltalter und Veden.

Vers 36
satyayugaṃ ca ṛgvedaṃ śuklavarṇaṃ ca pūrvagam |
tretāyugaṃ yajurvedaṃ pītavarṇaṃ ca dakṣagam ||36||

Im Osten stehen Satyayuga und Rigveda in weißer Farbe, im Süden Tretayuga und Yajurveda in gelber Farbe.

Vers 37
dvāparaṃ sāmavedaṃ ca raktaṃ paścimadiggatam |
atharvavedaṃ ca kaliṃ śyāmamuttaradiggatam ||37||

Im Westen stehen Dvapara und Samaveda in roter Farbe; im Norden Atharvaveda und das Kali-Weltalter in dunkler Farbe.

Vers 38
upavedasya śubhrasya mūrdhni siṃhāsanaṃ sthitam |
tasya siṃhāsanasyordhvamanyat siṃhāsanaṃ mahat ||38||

Der Thron steht auf dem Haupt des weißen Upaveda. Über diesem Thron befindet sich ein weiterer großer Thron,

Anmerkung: Das in c beschädigte mūrdhni ist durch das Parallelzitat e geklärt. Der Singular Upaveda bleibt bewahrt.

Vers 39
svasvāstravāhanayutairdigaṣṭapatibhirvṛtam |
devyāḥ siṃhāsanadharāṃstāṃśca dhyāyedatandritaḥ ||39||

umgeben von den acht Hütern der Himmelsrichtungen, jeder mit seiner eigenen Waffe und seinem Reittier. Wach und unermüdlich meditiere man sie als Träger des Thrones der Göttin,

Vers 40
svāṃ svāṃ diśamavaṣṭabhya sthitān paramaśobhanān |
indraṃ pītaṃ savajraṃ ca sthitamairāvatopari ||40||

überaus prächtig, jeder in seiner eigenen Richtung stehend: Indra, gelb, mit dem Vajra, auf Airavata,

Anmerkung: Savajram nach dem Parallelzitat e; entsprechendes Wort in c unlesbar.

Vers 41
pāvakaṃ raktavarṇaṃ ca chāgasthaṃ śaktipāṇinam |
yamaṃ kṛṣṇaṃ kāsarasthaṃ daṇḍahastaṃ bhayānakam ||41||

Pavaka [Agni], rot, auf einem Ziegenbock, mit dem Speer in der Hand; Yama, schwarz und furchterregend, auf einem Büffel, mit dem Stab,

Vers 42
nirṛtiṃ dhūmravarṇaṃ ca khaḍgahastaṃ turaṅgakam |
varuṇaṃ pāśahastaṃ ca śubhraṃ makaravāhanam ||42||

Nirriti, rauchfarben, mit dem Schwert, auf einem Pferd; Varuna, weiß, mit der Schlinge, auf einem Makara,

Anmerkung: Nirriti und das Farbwort śubhra sind nach dem Parallelzitat e normalisiert. Makara: mythisches Wassertier.

Vers 43
śyāmaṃ vāyuṃ dhvajadharaṃ hariṇopari saṃsthitam |
gadādharaṃ kuberaṃ ca kuṅkumābhaṃ nare sthitam ||43||

Vayu, dunkel, mit einer Fahne, auf einer Antilope; Kubera, safranrot leuchtend, mit der Keule, von einem Menschen getragen,

Vers 44
īśānaṃ śubhravarṇaṃ ca śūlahastaṃ vṛṣasthitam |
siṃhāsanaṃ tṛtīyaṃ ca pañcapretairdhṛtaṃ priye ||44||

Ishana, weiß, mit dem Dreizack, auf einem Stier. Den dritten Thron tragen die fünf Pretas, Geliebte.

Anmerkung: Das beschädigte Farbwort ist nach e gelesen. Preta bezeichnet hier die folgenden Gottheiten in ihrer leichengleichen Trägergestalt.

Vers 45
brahmā viṣṇuśca rudraśca īśvaraśca sadāśivaḥ |
ete pañca mahāpretāḥ sthitāḥ siṃhāsanādadhaḥ ||45||

Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva: Diese fünf großen Pretas befinden sich unterhalb des Thrones.

Anmerkung: Eine Fußnotenvariante liest oberhalb statt unterhalb.

Vers 46
pītaḥ śyāmastathā rakto dhūmraḥ śvetaḥ kramādime |
daṇḍaṃ śaktiṃ ca cakraṃ ca śūlaṃ khaṭvāṅgameva ca ||46||

Der Reihe nach sind sie gelb, dunkel, rot, rauchfarben und weiß. Sie tragen Stab, Speer, Diskus, Dreizack und Khatvanga,

Anmerkung: Die Hauptlesung c nennt Speer vor Diskus. Herausgeberkorrektur und e vertauschen diese beiden Waffen; die Abweichung wird nicht stillschweigend beseitigt. Khatvanga: Schädelstab.

Vers 47
dhārayanto mukhanyastatarjanīkāstrilocanāḥ |
[…] phetkāraravabhīṣaṇāḥ ||47||

sind dreiäugig und legen den Zeigefinger an den Mund. […] Sie sind schrecklich durch ihre schnaubenden, heulenden Rufe.

Anmerkung: Fragment: Die Tiernamengruppe keśari/dvipi/kola ist schon in c mit Fragezeichen versehen; ihre syntaktische Zuordnung bleibt offen.

Vers 48
ṣaṣṭhaṃ pīṭhaṃ tato dhyāyed bhairavākhyaṃ bhayānakam |
ūrdhvaṃ sthūlataraṃ ghoraṃ kṛṣṇavarṇaṃ caturbhujam ||48||

Danach meditiere man den sechsten Sitz, den furchtbaren, Bhairava genannten: aufgerichtet, von sehr mächtiger Gestalt, schrecklich, schwarz und vierarmig,

Anmerkung: Die Quelle springt vom dritten zum sechsten Sitz; keine fehlenden Sitze ergänzt. Ūrdhvam nach e normalisiert; die räumliche Beziehung bleibt knapp.

Vers 49
pañcavaktraṃ trinetraṃ ca kīkasābharaṇānvitam |
khaṭvāṅgaṃ kartrikāṃ dakṣe kapālaṃ ḍamaruṃ tataḥ ||49||

mit fünf Gesichtern, drei Augen und Knochenschmuck; rechts trägt er Khatvanga und Schneidemesser, ferner Schädelschale und Damaru-Trommel,

Anmerkung: Kasusendungen der Dhyana-Reihe normalisiert; keine ergänzte Angabe „links“, die dieser Vers nicht ausdrücklich bietet.

Vers 50
dhārayantaṃ muṇḍamālāyutaṃ daṃṣṭrograbhīṣaṇam |
tadūrdhvaṃ ṣoḍaśadalaṃ padmaṃ yajñopakalpitam ||50||

geschmückt mit einer Schädelkette und furchtbar durch seine gewaltigen Fangzähne. Über ihm ist ein sechzehnblättriger Lotus vorzustellen, dessen Blätter aus Opfern gebildet sind:

Vers 51
jyotiṣṭomaścāgniṣṭomo vājapeyaśca ṣoḍaśī |
cayanaṃ puṇḍarīkaṃ ca rājasūyo'śvamedhakaḥ ||51||

Jyotishtoma, Agnishtoma, Vajapeya, Shodashi, Chayana, Pundarika, Rajasuya und Ashvamedha,

Anmerkung: Namen vedischer Opferformen; Pundarika ist durch die Fußnotenvariante und e geklärt. Varianten nennen Agnishoma statt Agnishtoma.

Vers 52
bārhaspatyaṃ viśvajicca gomedho naramedhakaḥ |
sautrāmaṇyardhasāvitrī sūryakrānto balambhidaḥ ||52||

Barhaspatya, Vishvajit, Gomedha, Naramedha, Sautramani, Ardhasavitri, Suryakranta und Balambhida.

Anmerkung: Einige seltene Opfernamen sind unsicher überliefert; e liest abweichend Suryakanta und Acalambhida. Gomedha und Naramedha bezeichnen Rinder- beziehungsweise Menschenopfer; hier erscheinen sie als Glieder der Visualisierung.

Vers 53
etādṛśaiḥ ṣoḍaśabhirdalaiḥ padmaṃ prakalpitam |
tasyopari tato dhyāyecchivāsanamanuttamam ||53||

Aus solchen sechzehn Blättern ist der Lotus gebildet. Darüber meditiere man dann den unvergleichlichen Shiva-Sitz,

Vers 54
bindunādayutaṃ nīlaṃ śaśāṅkakṛtalāñchanam |
mahārgharatnābharaṇaṃ trinetraṃ bhīmadarśanam ||54||

verbunden mit Bindu und Nada, blau, mit dem Mond als Zeichen, mit kostbarem Edelsteinschmuck, dreiäugig und furchterregend anzusehen:

Anmerkung: Bindu und Nada: Punkt beziehungsweise Klang als rituelle Lautprinzipien. Der Sitz wird in der folgenden Shiva-Gestalt vergegenwärtigt.

Vers 55
vajradaṃṣṭrānakhasparśaṃ padmapṛṣṭhaṃ śivottamam |
piṅgograkajaṭābhāraṃ dvibhujaṃ nāgahāriṇam ||55||

den höchsten Shiva auf dem Lotus, mit diamantartig harten Fangzähnen und Nägeln, mit einer gewaltigen Masse gelbbrauner Flechten, zweiarmig und mit einer Schlangenkette,

Anmerkung: Die zusammengesetzte Wendung vajradaṃṣṭrānakhasparśam ist ungewöhnlich; Übersetzung sinngemäß, keine zusätzliche Waffe ergänzt.

Vers 56
vasānaṃ carma vaiyāghraṃ śūlakhaṭvāṅgadhāriṇam |
aṣṭapatrāmbujaṃ tasyopariṣṭānnavamāsanam ||56||

bekleidet mit einem Tigerfell, Dreizack und Khatvanga tragend. Über ihm liegt ein achtblättriger Lotus als neunter Sitz.

Anmerkung: Tigerfell-Lesung durch e geklärt. Die Sitz-Zählung bleibt trotz ihrer Sprünge bestehen; Fußnoten verzeichnen weitere Lesungen.

Vers 57
dharmo jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryaṃ ca caturdiśi |
yaśo vivekaḥ kāmaśca mokṣaśceti vidigdiśi ||57||

In den vier Hauptrichtungen stehen Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaftsmacht; in den Zwischenrichtungen Ruhm, Unterscheidung, Verlangen und Befreiung.

Vers 58
evamaṣṭadalāmbhojopaviṣṭāṃ guhyakālikām |
dhyāyennīlotpalaśyāmāmindranīlasamadyutim ||58||

So meditiere man Guhyakalika, sitzend auf dem achtblättrigen Lotus, dunkel wie eine blaue Wasserlilie und strahlend wie ein Saphir,

Vers 59
ghanāghanatanudyotāṃ snigdhadūrvādaladyutim |
jñānaraśmicchaṭāṭopajyotirmaṇḍalamadhyagām ||59||

deren Leib wie eine dichte Regenwolke leuchtet, deren Glanz dem frischen Durva-Gras gleicht, inmitten eines Lichtkreises aus mächtig aufstrahlenden Erkenntnisstrahlen.

Anmerkung: Chhaṭā-Lesung nach der Fußnote und e; c hat ghaṭā im OCR.

Gesichter, Arme und Schmuck Guhyakalis

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 60
daśavaktrāṃ guhyakālīṃ saptaviṃśatilocanām |
dvidvinetrayutāṃ vaktre vāmadakṣiṇasammukhe ||60||

Guhyakali hat zehn Gesichter und siebenundzwanzig Augen. Das linke, rechte und vordere Gesicht besitzen je zwei Augen,

Anmerkung: Die Verteilung auf drei zweiaugige und sieben dreiäugige Gesichter entspricht der angegebenen Summe; durch den angeführten Hymnusparalleltext bestätigt.

Vers 61
saptasvanyeṣu vaktreṣu tritrilocanasaṃyutām |
ūrdhvavaktraṃ [dvīpikāsyaṃ] caṇḍayogeśvarīti hi ||61||

die sieben übrigen Gesichter je drei. Das oberste Gesicht ist [das eines Leoparden]; es heißt Chandayogeshvari.

Anmerkung: Die Ergänzung dvīpikāsyam steht bereits in eckigen Klammern der Quelle c; keine hier neu erfundene Lesung.

Vers 62
tasyādhaḥ keśarimukhaṃ śvetavarṇaṃ vibhīṣaṇam |
tasyādhaḥ pheruvaktraṃ ca kṛṣṇaṃ trailokyaḍāmaram ||62||

Darunter befindet sich ein weißes, furchtbares Löwengesicht; darunter ein schwarzes Schakalgesicht, das die drei Welten in Schrecken versetzt.

Vers 63
vānarāsyaṃ tato vāme raktavarṇaṃ maholbaṇam |
ṛkṣavaktraṃ bhaveddakṣe dhūmravarṇaṃ bhayaṅkaram ||63||

Links davon ist ein rotes, überaus gewaltiges Affengesicht; rechts ein rauchfarbenes, furchterregendes Bärengesicht.

Anmerkung: E hat eine abweichende Reihenfolge der Gesichter; c bleibt maßgeblich.

Vers 64
narāsyaṃ tadadho jñeyaṃ kirmīrābhaṃ madotkaṭam |
gāruḍāsyaṃ tato vāme piṅgavarṇaṃ sucañcukam ||64||

Darunter ist ein vielfarbig leuchtendes Menschengesicht, heftig im Rausch. Links davon ein gelbbraunes Garuda-Gesicht mit kräftigem Schnabel.

Vers 65
dakṣiṇe makarāsyaṃ ca haritābhaṃ prakīrtitam |
gajāsyaṃ vāmataḥ proktaṃ gauravarṇaṃ sravanmadam ||65||

Rechts wird ein grünlich schimmerndes Makara-Gesicht beschrieben, links ein helles Elefantengesicht, aus dem Brunftsekret strömt.

Vers 66
hayāsyaṃ dakṣiṇe kālyāḥ śyāmavarṇaṃ vicintayet |
mahādaṃṣṭrākarālāni dāruṇasvanavanti ca ||66||

Rechts an Kali stelle man sich ein dunkles Pferdegesicht vor. Ihre Gesichter sind durch große Fangzähne entsetzlich und stoßen grausige Laute aus,

Vers 67
aṭṭāṭṭahāsayuktāni sravadraktāni sarvadā |
lelihānaviniṣkrāntalalajjihvānvitāni ca ||67||

sind von lautem, wildem Lachen erfüllt, lassen ständig Blut fließen und tragen weit hervorgestreckte, leckende und hin und her spielende Zungen.

Vers 68
aharniśaṃ kampamānānyāsyāni dadhatīṃ śivām |
bhīmanihrādinīṃ bhīmāṃ bhrūbhaṅgakuṭilānanām ||68||

Shiva, die Heilvolle, trägt diese Tag und Nacht bebenden Gesichter. Sie ist furchtbar, stößt gewaltiges Dröhnen aus, und ihre Gesichter sind durch das Zusammenziehen der Brauen gekrümmt.

Anmerkung: Shivā ist hier eine Bezeichnung der Göttin, nicht der männliche Shiva.

Vers 69
piṅgalordhvajaṭājūṭāṃ candrārdhakṛtaśekharām |
nānāratnavinirmāṇasumuṇḍasvarṇakuṇḍalām ||69||

Ihre gelbbraunen Flechten ragen nach oben; der Halbmond bildet ihren Kopfschmuck. Sie trägt goldene Ohrringe mit Schädeln, aus verschiedenen Edelsteinen gestaltet.

Anmerkung: Das ungewöhnliche Schmuck-Kompositum ist sinngemäß übersetzt; eine Fußnote bietet allgemeiner „Goldschmuck“.

Vers 70
sravadraktanṛmuṇḍasrakkṛtanakṣatramālikām |
ākaṇṭhagulphalambinyālaṅkṛtāṃ muṇḍamālayā ||70||

Eine Girlande bluttriefender Menschenköpfe bildet ihre Sternenkette. Eine Schädelkette, die vom Hals bis zu den Knöcheln reicht, schmückt sie.

Vers 71
śvetāsthigulikāhāragraiveyakamahojjvalām |
śavadīrghāṅgulīpaṅktimaṇḍitoraḥsthalasthirām ||71||

Sie glänzt durch Halsketten und Halsschmuck aus weißen Knochenperlen. Reihen langer Finger von Leichen liegen als Schmuck auf ihrer Brust.

Vers 72
kaṭhorapīvarottuṅgavakṣojayugalānvitām |
mahāmārakatagrāvavediśroṇipariṣkṛtām ||72||

Sie besitzt zwei feste, volle und hoch aufragende Brüste; ihre Hüften sind wie eine große Altarplatte aus Smaragd gestaltet.

Anmerkung: Keine Altersangabe einer minderjährigen Gestalt in diesem Abschnitt; Bildsprache der Göttinnenmeditation.

Vers 73
viśālajaghanābhogāmatikṣīṇakaṭisthalām |
antranaddhārbhakaśirovalatkiṅkiṇimaṇḍitām ||73||

Ihre Hüften sind breit, ihre Taille sehr schmal. Kinderschädel, an Därmen befestigt und wie kleine Glöckchen schwingend, bilden ihren Schmuck.

Anmerkung: Drastischer Leichenschmuck der historischen Visualisierung; keine heutige Praxisanregung.

Vers 74
catuḥpañcāśatā doṣṇāṃ bhūṣitāṃ jagadambikām |
ratnamālāṃ kapālaṃ ca carmapāśaṃ tathaiva ca ||74||

Die Mutter der Welt ist mit vierundfünfzig Armen ausgestattet. [Sie hält] eine Edelsteinkette, eine Schädelschale und eine Lederschlinge,

Anmerkung: Die Aufzählung der linken Hände endet erst in Vers 77.

Vers 75
śaktiṃ khaṭvāṅgamuṇḍe ca bhuśuṇḍīṃ dhanureva ca |
cakraṃ ghaṇṭāṃ tato bālapretaśūlamataḥ param ||75||

einen Speer, Khatvanga und Schädel, eine Bhushundi-Waffe, einen Bogen, einen Diskus, eine Glocke und danach einen Spieß mit einem Kinderleichnam,

Anmerkung: Bhushundi: in dieser Waffenliste nicht sicher näher zu bestimmende Waffe.

Vers 76
narakaṅkālanakulau sarpamunmādavaṃśikām |
mudgaraṃ vahnikuṇḍaṃ ca ḍamaruṃ parighaṃ tathā ||76||

ein menschliches Skelett und einen Mungo, eine Schlange, eine Wahnsinn erregende Flöte, einen Hammer, ein Feuergefäß, eine Damaru-Trommel und eine eiserne Schlagstange,

Anmerkung: E und eine Fußnotenvariante nennen anstelle der Schlagstange eine weitere Trommel.

Vers 77
bhindipālaṃ ca musalaṃ paṭṭiśaṃ prāsameva ca |
śataghnīṃ ca śivāpotaṃ vāmahasteṣu bibhratīm ||77||

einen Bhindipala, einen Stößel, eine Pattisha-Stangenwaffe, einen Wurfspeer, eine Shataghni-Waffe und ein Schakaljunges: Diese hält sie in ihren linken Händen.

Anmerkung: Prāsa nach der lesbaren Fußnotenvariante; andere Zeugen haben pāśa, Schlinge. Seltene Waffenbezeichnungen nicht mit erfundenen Bauformen erklärt.

Vers 78
atha dakṣabhuje ratnamālāṃ kartrīmasiṃ tathā |
tarjanīmaṅkuśaṃ daṇḍaṃ ratnakumbhaṃ triśūlakam ||78||

In den rechten Armen [trägt sie] eine Edelsteinkette, ein Schneidemesser, ein Schwert, den drohend erhobenen Zeigefinger, einen Elefantenhaken, einen Stab, einen Edelsteinkrug und einen Dreizack,

Anmerkung: Katrī/asī-Wortgruppe nach dem Parallelzitat e geklärt.

Vers 79
pañca pāśupatān bāṇān śoṣakonmādamūrcchakān |
saṃhārakān mṛtyukarānevaṃnāmapradhāriṇaḥ ||79||

fünf Pashupata-Pfeile mit den Namen „Austrocknend“, „Wahnsinn erregend“, „Ohnmacht bewirkend“, „Vernichtend“ und „Tod bringend“,

Vers 80
kuntaṃ ca pārijātaṃ ca churikāṃ tomaraṃ tathā |
puṣpamālāṃ ḍiṇḍimaṃ ca gṛdhraṃ caiva kamaṇḍalum ||80||

eine Lanze, einen Parijata, einen Dolch, einen Tomara-Speer, eine Blumenkette, eine Dindima-Trommel, einen Geier und ein Wassergefäß,

Anmerkung: Parijata ist der Name des himmlischen Baumes; ob hier Zweig oder Blüte gemeint ist, sagt der Vers nicht.

Vers 81
māṃsakhaṇḍaṃ sruvaṃ bījapūraṃ sūcīṃ tathaiva ca |
paraśuṃ ca gadāṃ yaṣṭiṃ muṣṭiṃ kuṇapalālanam ||81||

ein Stück Fleisch, einen Opferlöffel, eine Zitronatzitrone, eine Nadel, eine Axt, eine Keule, einen Stock, die Faust und ein Leichenkind,

Anmerkung: Sruva nach e ergänzt; e liest beim nachfolgenden Gegenstand sruc statt c sūcī. Kuṇapalālana ist unsicher und hier als Leichenkind verstanden; keine sichere besondere Objektbestimmung behauptet.

Vers 82
dhārayantīṃ mahāraudrīṃ jagatsaṃhārakāriṇīm |
japāpuṣpābhanāgendrakṛtanūpurayugmakām ||82||

diese trägt die überaus Schreckliche, die Vernichterin der Welt. Zwei Schlangenkönige, rot wie Hibiskusblüten, bilden ihre Fußringe.

Vers 83
pītabhogīndravihitasarvahastaikakaṅkaṇām |
pāṭaloraganirmāṇalasadaṅgadaśobhitām ||83||

Gelbe Schlangenkönige bilden an allen Händen je einen Armreif; rosafarbene Schlangen schmücken sie als glänzende Oberarmreifen.

Anmerkung: Der erste Halbvers fehlt nach der Fußnote in zwei Textzeugen; er wird als vorhandener Zusatz von c mitübersetzt.

Vers 84
dhūsarāhikṛtasphītakaṭisūtrāvalambinīm |
supāṇḍubhujagendrakṛtayajñopavītinīm ||84||

Ein grauer Schlangenkörper bildet ihre breite, herabhängende Hüftschnur; ein sehr blasser Schlangenkönig ihre heilige Schnur.

Anmerkung: Die OCR hat die Zeilen und Versziffern 84–95 auseinandergerissen. Die fortlaufenden Halbverspaare sind nach ihrer Reihenfolge zugeordnet; keine zusätzliche Zeile ergänzt.

Vers 85
piśaṅgāśīviṣābhogakṛtahāramahojjvalām |
kalmāṣapavanāhārakṛtatāṭaṅkaśobhitām ||85||

Sie glänzt durch eine Halskette aus den Windungen gelbbrauner Giftschlangen; gescheckte „Luftesser“ bilden ihren Ohrschmuck.

Anmerkung: „Luftesser“ ist eine traditionelle Bezeichnung für Schlangen; in der OCR ausgelagerte beziehungsweise beschädigte Versziffer anhand der Folge bestimmt.

Vers 86
śvetadarvīkarānaddhajaṭāmukuṭamaṇḍitām |
vaiyāghracarmavasanāṃ dvīpicarmottarīyakām ||86||

Weiße Kobras umbinden ihre Flechtenkrone. Sie trägt ein Tigerfell und als Obergewand ein Leopardenfell.

Vers 87
kiṅkiṇījālaśobhāḍhyāṃ vīraghaṇṭāninādinīm |
nūpurārāvavalitāṃ ghargharārāvabhīṣaṇām ||87||

Ein Netz kleiner Glöckchen schmückt sie; ihre Heldenglocke ertönt. Sie ist vom Klang ihrer Fußringe umgeben und furchtbar durch rasselndes Dröhnen.

Vers 88
kaṭakāṅgadakeyūranarāsthikṛtaśobhanām |
raktapadmamayīmālāpādapadmāvalambitām ||88||

Armreifen und Oberarmschmuck aus Menschenknochen zieren sie; eine Kette roter Lotusblüten hängt bis zu ihren Lotusfüßen herab.

Anmerkung: Komposita behutsam normalisiert; die Hauptlesung ist metrisch und syntaktisch rau, der Sinn durch e gesichert.

Vers 89
kāñcīkaṅkārakapreṅkhatkaṭīmadhyavirājitām |
brahmasūtrojjvalatkaṇṭhayogapaṭṭottarīyakām ||89||

An ihrer Taille glänzt der schwingende, klingende Gürtel. Ihre heilige Schnur leuchtet am Hals; ein Yoga-Band bildet ihr Obergewand.

Anmerkung: Die erste Wortgruppe ist unsicher überliefert, auch e bietet keine vollständig sichere Lesung. Übersetzung gibt den erkennbaren Gürtel- und Schwingungssinn wieder.

Vers 90
saumyograbhūṣaṇairyuktāṃ nāgāṣṭakavirājitām |
ratnakuṇḍalakarṇaśrīṃ pañcakālānale sthitām ||90||

Sie trägt milden und furchtbaren Schmuck und ist durch acht Schlangen verherrlicht. Edelsteinohrringe schmücken ihre Ohren; sie steht im fünffachen Feuer der Zeit.

Anmerkung: Pañcakālānala ist knapp und mehrdeutig; die Deutung „fünffaches Feuer der Zeit“ bleibt als wörtliche Annäherung erkennbar.

Vers 91
padmopari sthitāṃ devīṃ nṛtyamānāṃ sadoditām |
padmāsanasukhāsīnāṃ sarvadevādhidevatām ||91||

Die Göttin befindet sich auf dem Lotus, tanzend und immer gegenwärtig; zugleich sitzt sie entspannt im Lotussitz, als Gottheit über allen Göttern.

Anmerkung: Die Quelle stellt Tanzen und Sitzen unmittelbar nebeneinander; nicht durch eine erfundene Bewegungsfolge harmonisiert.

Vers 92
muktahuṅkārajihvāgraṃ cālayantīṃ vicintayet |
trikoṭiśakticāmuṇḍānavakoṭibhiranvitām ||92||

Man stelle sich vor, wie sie mit ausgestoßenem Hum-Ruf ihre Zungenspitze bewegt, umgeben von drei Koti Shaktis und neun Koti Chamundas,

Anmerkung: Halbverse nach der erkennbaren Folge und dem Parallelzitat e verbunden; c hat versetzte Zeilen.

Vers 93
mahāyoginikoṭīnāmaṣṭādaśabhirūrjitām |
carantīṃ ca hasantīṃ ca ḍākinīṣaṣṭikoṭibhiḥ ||93||

gestärkt durch achtzehn Koti großer Yoginis, einhergehend und lachend mit sechzig Koti Dakinis,

Vers 94
bhairavyaśītikoṭībhiḥ parivāraiśca veṣṭitām |
koṭikālānalajvālānyakkārodyatkalevarām ||94||

umgeben von achtzig Koti Bhairavis und ihrem Gefolge. Ihr aufstrahlender Leib übertrifft die Flammen von einer Koti Weltendfeuern,

Vers 95
mahāpralayakoṭyarkavidyudarbudasannibhām |
durnirīkṣyāṃ mahābhīmāṃ sendrairapi surāsuraiḥ ||95||

gleicht unzähligen Sonnen und Blitzen der großen Weltauflösung und ist so furchtbar, dass selbst Götter und Asuras samt Indra ihren Anblick kaum ertragen.

Anmerkung: Koṭi und arbuda dienen hier der gewaltigen Zahlensteigerung; keine naturwissenschaftliche Lichtangabe.

Bewusstsein und gestaltlose Wirklichkeit

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 96
śatrupakṣakṣayakarīṃ daityadānavasūdinīm |
nirvikārāṃ nirābhāsāṃ kūṭasthāṃ cidvilāsinīm ||96||

Sie vernichtet die feindliche Seite und erschlägt Daityas und Danavas; zugleich ist sie unveränderlich, frei von Erscheinung, unwandelbar und im Spiel des Bewusstseins gegenwärtig.

Vers 97
advaitāṃ paramānandāṃ nityāṃ śuddhāṃ nirañjanīm |
sṛṣṭiḥ sthitiśca saṃhāro'nākhyā bhāsā padābhidhām ||97||

Sie ist nichtdual, höchste Wonne, ewig, rein und unbefleckt. Ihre Zustände werden Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, das Unnennbare und das Leuchten genannt.

Anmerkung: Die zweite Vershälfte hat eine raue, auch im Apparat variierende Kasusfügung; die fünf lesbaren Bezeichnungen sind bewahrt.

Vers 98
vedāntavedyāṃ kaivalyarūpāṃ nirvāṇakāriṇīm |
guṇātītāmātmarūpaprabodhātītagocarām ||98||

Sie ist durch den Vedanta zu erkennen, von der Natur der vollkommenen Freiheit und Nirvana bewirkend. Sie steht jenseits der Gunas; ihr Bereich überschreitet selbst das Erkennen der eigenen Wesensgestalt.

Anmerkung: Der letzte lange Ausdruck lässt mehrere Nuancen zu; keine zusätzliche systematische Lehre daraus abgeleitet.

Vers 99
śuddhacaitanyanirvāṇajñānānandamupeyuṣīm |
parānandāmṛtaghanāṃ turīyapadanirmalām ||99||

Sie ist in reines Bewusstsein, Nirvana, Erkenntnis und Wonne eingegangen; sie ist die verdichtete Unsterblichkeit höchster Wonne, rein im Zustand des Turiya.

Anmerkung: Turiya: der „vierte“ Bewusstseinszustand. Dieser Vers fehlt nach dem Apparat mit angrenzenden Zeilen in einzelnen Textzeugen; der vorhandene Wortlaut c wird übersetzt.

Vers 100
pratyagjyotiḥsvarūpāṃ ca sākṣivācāmagocarām |
pañcakramasya madhyasthāṃ guhyakālīṃ pareśvarīm ||100||

Guhyakali, die höchste Herrin, hat die Natur des inneren Lichtes; selbst das Wort „Zeuge“ vermag sie nicht zu erfassen. Sie steht im Zentrum der fünfgliedrigen Folge.

Anmerkung: Pañcakrama ist Hauptlesung c. Das Parallelzitat e hat pañcavaktra, „fünf Gesichter“; keine stille Angleichung. Der Rückbezug auf die fünf Zustände in 97 ist naheliegend, aber nicht ausdrücklich erklärt.

Vers 101
evaṃ dhyeyā mahākālī prodbhinnanavayauvanā |
evaṃ te kathitaṃ devi samāsāddhyānamuttamam ||101||

So ist Mahakali zu meditieren, in frisch aufgeblühter Jugend. Damit habe ich dir, Göttin, diese höchste Meditation in zusammengefasster Form beschrieben.

Anmerkung: Keine konkrete Minderjährigkeitsangabe; allgemeine Jugendmetapher der Gottheitsdarstellung.

Die hundertköpfige Gestalt

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 102
daśāsyaguhyakālyāstu kimidānīṃ hi pṛcchasi |
devyuvāca |
śataśīrṣā tu yā proktā guhyakālī parātparā ||102||

Was möchtest du jetzt über die zehnköpfige Guhyakali hinaus erfragen? Devi sprach: Jene allerhöchste Guhyakali, die als hundertköpfig beschrieben wird –

Anmerkung: Die Sprecherzeile steht innerhalb der nummerierten Einheit zwischen den Halbversen und bleibt dort erhalten.

Vers 103
mukhyo mantraśca kastasyā dhyānaṃ vā kīdṛśaṃ punaḥ |
etatsarvamaśeṣeṇa kathayasva mama prabho ||103||

welches ist ihr Hauptmantra, und wie ist ihre Meditation beschaffen? Erkläre mir dies alles ohne Auslassung, Herr.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Anmerkung: Sprecherzeile vor 104.

Vers 104
sādhu pṛṣṭaṃ tvayā devi sā mahogratarā smṛtā |
hiraṇyakaśipūpāsyā sarvāsāmādyarūpiṇī ||104||

Gut hast du gefragt, Göttin. Sie gilt als überaus furchtbar, wird von Hiranyakashipu verehrt und ist die ursprüngliche Gestalt unter ihnen allen.

Anmerkung: Die Rangbezeichnung steht neben dem zuvor gelehrten Vorrang der zehnköpfigen Gestalt; nicht harmonisiert.

Vers 105
uddharāmi manuṃ tasyāstatra ceto'vadhāraya |
rāmopāsyāsaptamārṇaṃ pañcamārṇaṃ savāmadṛk ||105||

Ich werde ihren Mantra erschließen; richte darauf deinen Geist. [Nimm] den siebten Laut der von Rama verehrten Form, dann den fünften zusammen mit dem „linken Auge“.

Anmerkung: Verschlüsselte Lautanweisung; keine aufgelöste Vollformel konstruiert.

Vers 106
tasyādyaṃ ca dvitīyaṃ ca etasya tricaturthakam |
lajjābījaṃ ca choṃkāraṃ krodhastrīkamalāhriyaḥ ||106||

Deren erster und zweiter [Laut] werden hier zum dritten und vierten. [Es folgen] das Lajja-Bija, der Laut choṃ, Krodha, Stri, Kamala und Hri.

Anmerkung: Choṃ ist die unsichere Hauptlesung; der Apparat schlägt chīṃ mit Fragezeichen vor. Die Chiffren bleiben als solche stehen.

Vers 107
repho hakāraḥ kṣamalā varayāstadanantaram |
vāmākṣikarṇasaṃyuktaṃ kūṭametat prakīrtitam ||107||

Dann folgen r, ha, ksha, ma, la, va, ra und ya. Verbunden mit „linkem Auge“ und „Ohr“ wird diese Lautgruppe als Kuta bezeichnet.

Anmerkung: Die Konsonantenfolge ist beschädigt beziehungsweise im Apparat variierend; die IAST-Lesung ist eine vorsichtige Segmentierung, keine gesicherte rezitierbare Formel.

Vers 108
ekādaśaṃ mahākūṭamakṣaraṃ parikīrtitam |
lakṣmīpraṇavalajjānāṃ bījāni tadanantaram ||108||

Als elfter Laut wird der Mahakuta genannt. Danach kommen die Bijas von Lakshmi, Pranava und Lajja.

Vers 109
dvitīyabījaṃ nirnetraṃ prathamaṃ ca tataḥ param |
evaṃ kālyāḥ ṣoḍaśārṇā sarvāgamasugopitā ||109||

Darauf [folgen] das zweite Bija ohne „Auge“ und danach das erste. So lautet Kalis sechzehnsilbige [Vidya], die in allen Agamas streng geheim gehalten wird.

Vers 110
kālānalo'sya mantrasya ṛṣiśchandaśca śakvarī |
ādyā yā guhyakālyākhyā devatā sā prakīrtitā ||110||

Kalanala ist der Rishi dieses Mantras, Shakvari sein Metrum. Als Gottheit wird die ursprüngliche Göttin namens Guhyakali bezeichnet.

Anmerkung: Der Apparat bietet śarkarī als abweichende Metrumsbezeichnung.

Vers 111
ādyaṃ bījaṃ hi bījaṃ syāccaturthaṃ caiva kīlakam |
śaktirekādaśaṃ bījaṃ viniyogaśca siddhaye ||111||

Das erste Bija ist der Samenfaktor, das vierte das Kilaka. Das elfte Bija ist die Shakti; die Anwendung dient der Vollendung.

Anmerkung: Einzelne Zeugen haben bei der Shakti eine abweichende beziehungsweise beschädigte Zehner-Lesung; Hauptlesung c bewahrt.

Vers 112
dhyānamasyā vidhehi tvaṃ kathyamānamataḥ param |
śatavaktrā guhyakālī dordaṇḍāyutamaṇḍitā ||112||

Vollziehe nun ihre Meditation, die ich im Folgenden beschreibe. Guhyakali ist hundertköpfig und mit zehntausend mächtigen Armen ausgestattet.

Anmerkung: Ayuta als zehntausend wird durch die fünftausend linken und fünftausend rechten Arme in 115–116 gestützt; der Apparat bietet eine kürzere Lesung.

Vers 113
siṃhebhavājiśarabhakapipherugarutmatām |
ṛkṣoṣṭrakharavaktrāṇāṃ prastāro'dhaḥkramāt priye ||113||

Die Gesichter sind, nach unten hin angeordnet, jene von Löwe, Elefant, Pferd, Sharabha, Affe, Schakal, Garuda, Bär, Kamel und Esel, Geliebte,

Anmerkung: Sharabha ist ein mythisches Tier; die hier genannte Liste wird nicht zu hundert einzeln erfundenen Gesichtern erweitert.

Vers 114
śatatrayeṇa netrāṇāṃ śobhitānāṃ sadaiva hi |
āgulphalambivisrastajaṭopari virājitām ||114||

immer mit dreihundert Augen geschmückt. Ihre gelösten Flechten hängen bis zu den Fußknöcheln herab und umgeben ihre prächtige Gestalt.

Anmerkung: Die Fügung um jaṭopari ist sprachlich rau; der erkennbare Sinn der langen herabhängenden Flechten wird wiedergegeben.

Vers 115
śivaviṣṇuśironyastapratyālīḍhapadakramām |
vāme pañcasahasrāṇi bāhūnāṃ bibhratīṃ śivām ||115||

In Pratyalidha-Stellung setzt sie ihre Füße auf die Häupter Shivas und Vishnus. Die Heilvolle besitzt links fünftausend Arme,

Anmerkung: Pratyalidha: eine breit gestellte, asymmetrische Kampfhaltung.

Vers 116
tāvantyeva hi cāpānāṃ dhārayantīṃ karāmbujaiḥ |
dakṣe ca pañcasāhasraiḥ śarāstrāṇi ca bibhratīm ||116||

und hält in ihren Lotushänden ebenso viele Bögen. Mit den fünftausend rechten [Armen] trägt sie Pfeilwaffen.

Anmerkung: Kasus der beschädigten rechten Armzahl kontextgestützt normalisiert.

Vers 117
vyāghracarmaparīdhānāṃ candrārdhakṛtaśekharām |
aṣṭottarasahasrābhirmuṇḍamālābhiranvitām ||117||

Sie trägt ein Tigerfell und den Halbmond als Kopfschmuck; eintausendacht Schädelgirlanden umgeben sie.

Vers 118
lelihānamahābhīmalalajjihvākarālinīm |
bhrūkuṭyarālavadanāṃ tryakṣāṃ sarvānane api ||118||

Sie ist schrecklich durch ihre gewaltigen, leckenden und sich bewegenden Zungen; das Zusammenziehen ihrer Brauen verzerrt die Gesichter. Jedes Gesicht besitzt drei Augen.

Vers 119
śārdūlatvakparīdhānāṃ viśvavistāritānanām |
galannṛmuṇḍahārāḍhyāṃ nādāpūritapuṣkarām ||119||

Mit Tigerhaut bekleidet, breitet sie ihre Gesichter über das Weltall aus. Ketten triefender Menschenköpfe schmücken sie, und ihr Dröhnen erfüllt den Himmel.

Anmerkung: Wiederholung der Tigerhaut aus 117 bleibt bewahrt.

Vers 120
jvaladdhutavahākāravisrastakacasañcayām |
narāsthikṛtasarvāṅgabhūṣaṇāṃ jagadambikām ||120||

Ihre gelöste Haarfülle gleicht loderndem Feuer. Die Mutter der Welt trägt an allen Gliedern Schmuck aus Menschenknochen.

Vers 121
koṭikoṭimahāghorabhairavīyoginīyutām |
śatavaktrāṃ guhyakālīṃ galadrudhiracarcitām ||121||

Myriaden furchtbarer Bhairavis und Yoginis umgeben die hundertköpfige Guhyakali, deren Leib mit fließendem Blut bestrichen ist.

Vers 122
siṃhāsanāsṛgadhvajāsanādyaiḥ pūrvavadyutām |
evaṃrūpāṃ guhyakālīṃ dhyāyenniścalamānasaḥ ||122||

Sie ist wie zuvor mit Thron, Blutbanner, Sitz und weiterem ausgestattet. Guhyakali in dieser Gestalt meditiere man mit unbewegtem Geist.

Anmerkung: Die zusammengesetzte Ausstattungsliste ist unsicher lesbar; „Blutbanner“ gibt die erkennbare Gruppe asṛgdhvaja wieder, ohne weitere Gegenstände zu ergänzen.

Vers 123
dhyātvaivaṃ pūjayet pūrvaprakāraireva sundari |
devyuvāca |
aśītivaktrāmācakṣva guhyakālīṃ karālinīm ||123||

Nach dieser Meditation verehre man sie auf die zuvor beschriebenen Arten, Schöne. Devi sprach: Erkläre mir die furchtbare achtzigköpfige Guhyakali.

Anmerkung: Sprecherwechsel innerhalb des Verses bewahrt.

Vers 124
sā kiyadbhirbhujairyuktā kasyopāsyā ca sā prabho |
guhyakālyāstu vaktrāṇāṃ kati bhedāḥ syurīśvara ||124||

Wie viele Arme hat sie, und von wem wird sie verehrt, Herr? Wie viele verschiedene Gesichter besitzt Guhyakali, Gebieter,

Vers 125
bāhūnāṃ vā tathāstrāṇāṃ tanme kathaya sāmpratam |
mahākāla uvāca |
strīsvabhāvāt priye sarvaṃ pṛcchasi tvamasādhvasā ||125||

und wie viele Arten von Armen und Waffen? Sage mir dies jetzt. Mahakala sprach: Aus weiblicher Natur, Geliebte, fragst du unerschrocken nach allem.

Anmerkung: Die geschlechtsbezogene Aussage gehört zur historischen Sprecherrede, nicht zur Haltung dieser Ausgabe. Sprecherwechsel an seiner Quellstelle.

Vers 126
akathyaṃ sarvamevedaṃ tavāpi purataḥ sadā |
prakāśyo mātṛjāro'pi prakāśyaṃ svadhanaṃ tathā ||126||

All dies soll eigentlich unausgesprochen bleiben, selbst vor dir. Eher dürfte man den Liebhaber der eigenen Mutter offenbaren und ebenso den eigenen Besitz,

Anmerkung: Die folgenden provokanten Vergleiche dienen im Text der Steigerung des Geheimhaltungsgebots.

Vers 127
prakāśyaḥ svāpamānaśca prakāśyaṃ channapātakam |
prakāśyaṃ nyāsaharaṇaṃ snuṣādigamanaṃ tathā ||127||

eher die eigene Schande, eine verborgene schwere Verfehlung, die Veruntreuung anvertrauten Gutes und ebenso den Geschlechtsverkehr mit der Schwiegertochter oder anderen [verbotenen Partnerinnen] bekannt machen,

Anmerkung: Nichtgrafische Wiedergabe der vom Text selbst als Verfehlung angeführten Tabubrüche.

Vers 128
na prakāśyamidaṃ sarvaṃ kṛntatyapi śirasyapi |
gopyād gopyataraṃ jñeyaṃ sārātsārataraṃ smṛtam ||128||

als diese ganze Lehre offenbaren, selbst wenn einem der Kopf abgeschnitten wird. Sie gilt als geheimer als das Geheime, als innerster Gehalt alles Wesentlichen.

Grundgestalt und Erscheinungsformen

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 129
tatsarvamapi deveśi kathayāmyavadhāraya |
daśavaktrā tu yā proktā guhyakālī mayā tava ||129||

Dennoch werde ich dir alles erklären, Herrin der Götter; höre aufmerksam zu. Jene zehnköpfige Guhyakali, die ich dir beschrieben habe,

Vers 130
prakṛtiḥ sā parijñeyā kālīnāṃ jagadambikā |
anyā vikṛtayaḥ proktāḥ kāryakāraṇabhedataḥ ||130||

ist als die Grundgestalt der Kalis zu erkennen, die Mutter der Welt. Die anderen werden als ihre Abwandlungen bezeichnet, entsprechend den Unterschieden von Ursache und Wirkung.

Anmerkung: Prakriti und Vikriti bezeichnen hier Grundgestalt und abgeleitete Formen.

Vers 131
tatsambandhād vaktrabāhvorādhikyamupajāyate |
teṣu teṣu ca kalpeṣu nimittaṃ tattadaiśvaram ||131||

Aus diesem Zusammenhang entsteht die größere Zahl ihrer Gesichter und Arme. In den jeweiligen Weltperioden ergreift sie einen entsprechenden göttlichen Anlass,

Anmerkung: Der Satz setzt sich in 132 fort; einzelne Wörter haben Varianten im Apparat.

Vers 132
āsādya kurute saiva svecchayā svāṅgavaibhavam |
tatrottamānāṃ sattvānāmākāro nāma jāyatām ||132||

und entfaltet nach ihrem eigenen Willen die Pracht ihrer Glieder. Nun mag sie wohl die Gestalt höherer Wesen annehmen –

Anmerkung: Die beschädigte Gruppe um ākāra ist kontextgestützt gelesen; die folgende Frage nach niedrigeren Gestalten sichert den Zusammenhang, nicht jeden Sanskritbuchstaben.

Vers 133
adhamānāṃ kathamiti cet sandehaḥ […] |
sā kiṃ bādhyā'smadādīnāṃ nirguṇabrahmaṇo'pi vā ||133||

wenn aber der Zweifel entsteht, wie sie [auch] Gestalten niederer Wesen annehmen könne: Ist sie etwa uns unterworfen oder selbst dem eigenschaftslosen Brahman?

Anmerkung: Fragment: Der Schluss des ersten Halbverses ist beschädigt; die Frage und der zweite Halbvers sind lesbar.

Vers 134
vayaṃ kiṃ tanniyantārastadicchaiva niyāmikā |
saiva jñeyā varārohe nirguṇabrahmarūpiṇī ||134||

Sind wir etwa ihre Lenker? Ihr eigener Wille ist die lenkende Kraft. Sie selbst ist, Schöne, als die Gestalt des eigenschaftslosen Brahman zu erkennen.

Vers 135
jagatsarvaṃ vaśe tasyā vaśyā kasyāpi sā na ca |
viśvaṃ sarvaṃ sṛjati sā ko'pi sṛjati tāṃ nahi ||135||

Die ganze Welt steht unter ihrer Macht, doch sie steht unter niemandes Macht. Sie erschafft das gesamte Weltall; niemand aber erschafft sie.

Vers 136
sā pālayati saṃsāraṃ tāṃ pālayati ko'pi na |
tāṃ na saṃharate ko'pi sā sarvaṃ saṃharatyadaḥ ||136||

Sie erhält die Welt des Werdens; niemand erhält sie. Niemand löst sie auf; sie aber löst dies alles auf.

Anmerkung: Beschädigter Versschluss durch das Parallelzitat e geklärt.

Vers 137
tadājñayā'nilo vāti sūryastapati tadbhayāt |
tadbhītyāgniḥ pacatyannaṃ mṛtyuścarati tadbhayāt ||137||

Auf ihren Befehl weht der Wind; aus Furcht vor ihr glüht die Sonne. Aus Furcht vor ihr gart das Feuer die Nahrung; aus Furcht vor ihr wirkt der Tod.

Anmerkung: Beschädigte Feuer-Gruppe durch das Parallelzitat e geklärt.

Drei Arten der Verehrung

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 138
tasyā upāsakā jñeyāstrividhāḥ parameśvari |
dhyānaṃ ca trividhaṃ jñeyaṃ saparyā ca tridhā matā ||138||

Ihre Verehrer sind als dreifach zu erkennen, höchste Herrin. Auch ihre Meditation und ihre Verehrung werden als dreifach gelehrt.

Anmerkung: Die Quelle druckt beim folgenden Vers erneut 138. Beide Einheiten werden bewahrt; keine stillschweigende Neunummerierung.

Vers 138 (zweite Einheit der Quelle)
vidhānaṃ trividhaṃ caiva niścayaśca tridhā mataḥ |
pratyekaṃ kathyamānaṃ me mano dattvā niśāmaya ||138||

Auch das Verfahren ist dreifach, und die grundlegende Überzeugung wird als dreifach angesehen. Höre aufmerksam zu, wie ich jedes einzeln erkläre.

Anmerkung: Zweite in der Quelle mit 138 bezeichnete Einheit. Interne Kennung 138b dient nur der Unterscheidung; die sichtbare Quellnummer bleibt 138.

Vers 139
triguṇebhyaḥ samutpannā ye trayo'pi tadaṃśakāḥ |
ta ādyopāsakāstasyā viṣṇubrahmamaheśvarāḥ ||139||

Die drei, die aus den drei Gunas hervorgegangen und deren Anteile sind – Vishnu, Brahma und Maheshvara –, sind ihre ersten Verehrer.

Anmerkung: Die OCR-Ziffer 136 ist in der erkennbaren Folge vor 140 als 139 normalisiert; die ausdrücklich doppelte 138 davor bleibt dennoch sichtbar.

Gestaltlose Meditation und innere Opfergaben

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 140
dhyānaṃ tasyā nirākāraṃ te trayaḥ […] |
tacca dhyānaṃ duṣkarākhyaṃ mano dattvā niśāmaya ||140||

Diese drei [vollziehen] ihre gestaltlose Meditation. Höre aufmerksam von dieser Meditation, die als schwer zu vollziehen bezeichnet wird.

Anmerkung: Fragment: Das Prädikat am Ende des ersten Halbverses ist im OCR unlesbar; gestaltlose Meditation und Bezug auf die drei Gottheiten sind gesichert.

Vers 141
arūpāmarasagandhāmasparśāmamitāmajām |
nirvikārāṃ guṇātītāṃ niṣprapañcāṃ nirañjanām ||141||

[Sie meditieren die Göttin] ohne Gestalt, ohne Geschmack und Geruch, unberührbar, unermesslich und ungeboren; unveränderlich, jenseits der Gunas, frei von weltlicher Vielheit und unbefleckt,

Anmerkung: Rasa/gandha als gemeinsame Verneinung gelesen; keine Sinnesqualität hinzugedichtet.

Vers 142
kālātītāṃ cidānandāṃ vedavedāntabodhitām |
nirīhāmajarāṃ śuddhāṃ nityāṃ caitanyarūpiṇīm ||142||

jenseits der Zeit, als Bewusstsein und Wonne, durch Veda und Vedanta gelehrt; ohne Streben, alterslos, rein, ewig und von der Natur des Bewusstseins,

Anmerkung: Śuddhām ist eine kontextgestützte Normalisierung des beschädigten Wortes; die Bedeutungsfolge bleibt nachvollziehbar.

Vers 143
asthūlāmanaṇuṃ satyāmahrasvāṃ citkalātigām |
ātmārāmāmanādyantāṃ tāmadīrghāmalohitām ||143||

nicht grob und nicht winzig, wahrhaft, nicht kurz, jenseits begrenzter Bewusstseinsanteile; in sich selbst ruhend, ohne Anfang und Ende, nicht lang und nicht rot,

Anmerkung: Die negierenden Bestimmungen werden nicht in eine positive Körperbeschreibung umgedeutet. Der Apparat bietet an mehreren Stellen andere Lesungen.

Vers 144
asnehāmadṛśaṃ sūkṣmāmacchāyāmasamīraṇām |
anākāśāmatanumanāsāṃ karṇavarjitām ||144||

ohne Anhaften, ohne Augen, subtil, ohne Schatten, ohne Wind, ohne Raum, ohne Leib, ohne Nase und ohne Ohren,

Anmerkung: Sanskritlesung nach der erkennbaren Hauptzeile normalisiert; Alternativen im Apparat verändern einzelne Verneinungen. Sneha kann auch Feuchtigkeit oder Öligkeit bedeuten; hier als Anhaften wiedergegeben.

Vers 145
nirābhāsāmanādhārāmadṛśyāmananehasām |
agrāhyāmanavasthākhyāṃ nistraiguṇyāmatīndriyām ||145||

ohne Erscheinung, ohne Stütze, unsichtbar und zeitlos; nicht ergreifbar, ohne festgelegten Zustand, frei von den drei Gunas und jenseits der Sinne,

Anmerkung: Ananehasam ist eine ungewöhnliche verneinende Form zu Zeit; die Lesung bleibt vorsichtig und wird nicht zu einer gesicherten terminologischen Definition erhoben.

Vers 146
apāṇipādāṃ nirvarṇāṃ vibhuṃ sarvagatāṃ parām |
asaṃskārāmasaṃyogāmanicchāṃ buddhisākṣiṇīm ||146||

ohne Hände und Füße, ohne Farbe, allmächtig, allgegenwärtig und höchst; ohne Prägung, ohne Verbindung, ohne Wünschen, als Zeugin des Erkennens.

Anmerkung: Sarvagatām ist kontextgestützte Normalisierung des beschädigten Wortes; vibhu im Sanskrit als vibhum bewahrt, trotz wechselnder Genusfügung.

Vers 147
evaṃvidhāṃ jagaddhātrīṃ dhyāyanti traya eva hi |
teṣāṃ manastu gandhaḥ syād buddhiḥ puṣpāṇi kīrtitā ||147||

So meditieren diese drei die Trägerin der Welt. Ihr Geist ist die Duftgabe; ihre Erkenntniskraft wird als Blumengabe bezeichnet.

Anmerkung: Die innere Deutung der Opfergaben steht ausdrücklich im Grundtext.

Vers 148
dhūpaśca kathitasteṣāmekībhāvena bhāvanā |
jyotīṃṣi cakṣuṣāṃ dīpo naivedyaṃ svakalevaram ||148||

Ihre Vergegenwärtigung im Einssein gilt als Räucherwerk. Das Licht der Augen ist die Lampe, der eigene Leib die Speisegabe.

Vers 149
pratyāhāraḥ samādhiśca prāṇāyāmaśca dhāraṇā |
pādyārghācamanīyasnānīyametat prakīrtitam ||149||

Pratyahara, Samadhi, Pranayama und Dharana werden als Fußwaschwasser, Ehrengabe, Wasser zum Mundspülen und Badewasser bezeichnet.

Anmerkung: Die Zuordnungsfolge bleibt wie in der Quelle; nicht einer moderneren Yoga-Reihenfolge angepasst.

Vers 150
anādi yanmahāvākyaṃ tannyāsamiti kathyate |
nyāsa eva hi vijñeyaḥ pūjāvidhiriha priye ||150||

Das anfanglose große Wort wird hier Nyasa genannt. Dieser Nyasa selbst ist, Geliebte, als das Verfahren der Verehrung zu verstehen.

Die fünf Mahavakyas

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 151
mahāvākyānyanādīni pañcaiva hi varānane |
naiva teṣāmṛṣiśchando bījaśaktī na kīlakam ||151||

Es gibt genau fünf anfanglose Mahavakyas, Schöne. Für sie gibt es weder Rishi noch Metrum, weder Bija und Shakti noch Kilaka.

Vers 152
sṛṣṭeḥ pūrvamidaṃ sarvaṃ tadā naiṣāṃ samudbhavaḥ |
tāni pañcāvadhehi tvaṃ mahāvākyāni sundari ||152||

Dies alles liegt vor der Schöpfung; sie entstehen nicht erst zu jener Zeit. Vernimm diese fünf Mahavakyas, Schöne.

Anmerkung: Der erste Halbvers ist sprachlich knapp; Übersetzung im Zusammenhang der eben behaupteten Anfanglosigkeit.

Vers 153
ādau tāraṃ tatastatsat tryakṣaraṃ prathamaṃ bhavet |
dvitīyaṃ so'hamasmīti caturakṣaramīritam ||153||

Zuerst [steht] Tara [Om], danach tat sat: Das erste [Mahavakya] hat drei Silben. Das zweite lautet so ’ham asmi, „Jener bin ich“, und wird als viersilbig bezeichnet.

Anmerkung: Erste Formel: oṃ tat sat, sinngemäß „Om – jenes ist das Wirkliche“. Tara ist hier eine Chiffre für Om; keine Anrufung der Göttin Tara ergänzt.

Vers 154
brahmāhamasmīti tatastṛtīyaṃ varṇapañcakam |
tatsaduktvāhameveti caturthaṃ syāt ṣaḍakṣaram ||154||

Das dritte lautet brahmāham asmi, „Ich bin Brahman“, und besteht aus fünf Lauten. Spricht man tat sat und danach aham eva, ergibt sich das vierte mit sechs Silben: „Jenes Wirkliche bin ich selbst“.

Anmerkung: Die Wortfolge und Silbenzahlen der Quelle bleiben bewahrt; die zweite Formel lautet tat sad aham eva mit lautlicher Anpassung an der Wortgrenze.

Vers 155
ahamevedamityuktvā sarvamityatha saṃvadet |
saptākṣaramidaṃ jñeyaṃ pañcamaṃ parameśvari ||155||

Nach aham evedam spreche man sarvam: „Ich selbst bin dies alles.“ Dies ist, höchste Herrin, als das fünfte, siebensilbige [Mahavakya] zu erkennen.

Anmerkung: Die vollständig lesbare Formel lautet aham evedaṃ sarvam.

Vers 156
devatā kevalaṃ caiṣāṃ guhyakālī prakīrtitā |
pañcaitānyapi vākyāni nyāsasteṣāmudāhṛtaḥ ||156||

Als ihre einzige Gottheit wird Guhyakali bezeichnet. Diese fünf Worte selbst werden als der Nyasa jener [ersten Verehrer] gelehrt.

Vers 157
saiva satyamasaccānyaditi teṣāṃ viniścayaḥ |
idānīmapi pūyante gṛṇanto'mūni pañca hi ||157||

Ihre feste Überzeugung lautet: „Sie allein ist wirklich, alles andere unwirklich.“ Auch jetzt werden jene gereinigt, die diese fünf [Mahavakyas] aussprechen.

Vers 158
mahāpātakajairghorairna lipyante narā aghaiḥ |
tiṣṭhan paśyan hasan jalpan svapannaśnan piban vrajan ||158||

Die Menschen werden [dadurch] nicht von den furchtbaren Übeln schwerer Verfehlungen befleckt. Ob stehend, sehend, lachend, redend, schlafend, essend, trinkend oder gehend:

Anmerkung: Der Satz setzt sich in 159 fort; die Reinigungsbehauptung wird als Textaussage wiedergegeben.

Vers 159
jalpannanukṣaṇamidaṃ brahmabhūyāya kalpate |
naitādṛśaṃ kimapyasti pātakaṃ jagatītale ||159||

Wer dies fortwährend ausspricht, wird zum Brahman-Sein befähigt. Auf Erden gibt es keine Verfehlung solcher Art,

Anmerkung: Fortsetzung in 160.

Vers 160
etaduccārayan nityaṃ yanna nāśayati priye |
trikālamuccaracchūdro'pīdaṃ mucyeta kilbiṣaiḥ ||160||

die nicht durch beständiges Aussprechen dieses Wortes vernichtet würde, Geliebte. Selbst ein Shudra, der es zu den drei Tageszeiten ausspricht, wird von Verfehlungen frei.

Anmerkung: Die Formulierung „selbst“ gibt die historische Kastenhierarchie des Textes wieder; sie ist keine Wertung dieser Ausgabe.

Vers 161
kiṃ punaste trayo varṇāḥ svadharmasthāḥ varānane |
vedānte'pyayamevārthaḥ sarvāsūpaniṣatsu ca ||161||

Um wie viel mehr dann die drei [anderen] Stände, die in ihrem eigenen Dharma leben, Schöne. Eben dieser Sinn ist auch im Vedanta und in allen Upanishaden

Vers 162
udīrito vistareṇa munibhistattvadarśibhiḥ |
vaikhānasānāṃ yatīnāmaparigrahiṇāṃ tathā ||162||

von den wahrheitssehenden Weisen ausführlich dargelegt worden. Für die Vaikhanasas, die Entsagenden und die Besitzlosen

Vers 163
nyāsapūjājapadhyānādi teṣāmidameva hi |
etajjapātiriktaṃ hi teṣāṃ karma na cetarat ||163||

ist dies allein Nyasa, Puja, Japa, Meditation und alles Weitere. Außer dieser Rezitation gibt es für sie keine andere [hier geforderte] Handlung.

Anmerkung: Die Aussage bezieht sich auf die zuvor genannte Verehrergruppe; nicht als allgemeine Abschaffung aller Ritualteile des Werkes verstanden.

Die zweite Gruppe der Verehrer

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 164
iti te kathitā devi prathamopāsakāstrayaḥ |
dvitīyopāsakādīnāṃ śṛṇvanukramamādarāt ||164||

Damit habe ich dir, Göttin, die drei ersten Verehrer erklärt. Höre nun mit Achtung der Reihe nach von der zweiten Gruppe und den weiteren.

Vers 165
indraścandraśca vāyuśca kubero varuṇastathā |
yamo'gnirnirṛtistvaṣṭā dhātā pūṣā bhago'ryamā ||165||

Indra, Chandra, Vayu, Kubera, Varuna, Yama, Agni, Nirriti, Tvashtar, Dhatar, Pushan, Bhaga und Aryaman,

Anmerkung: Gottheitsnamen, keine hier hinzugefügten Einzelmantras.

Vers 166
aṃśurdivākaro mitro nāsatyau vasavastathā |
rudrāśca viśvedevāśca sādhyāśca samarudgaṇāḥ ||166||

Amshu, Divakara [die Sonne], Mitra, die beiden Nasatyas, die Vasus, die Rudras, die Vishvedevas, die Sadhyas und die Scharen der Maruts,

Vers 167
svāyambhuvādyā manavo marīcyādyā maharṣayaḥ |
surarṣayo nāradādyāḥ śukrādyāścāsurarṣayaḥ ||167||

die Manus, beginnend mit Svayambhuva; die großen Rishis, beginnend mit Marichi; die göttlichen Rishis, beginnend mit Narada, und die Asura-Rishis, beginnend mit Shukra,

Vers 168
[…] sanandādyā vāsukyādyā bhujaṅgamāḥ |
rājarṣayo maruttādyā dakṣādyāśca prajarṣayaḥ ||168||

[…] jene um Sananda; die Schlangen, beginnend mit Vasuki; die königlichen Rishis, beginnend mit Marutta, und die Prajarshis, beginnend mit Daksha,

Anmerkung: Fragment: Gruppenbezeichnung am Versanfang unlesbar; Name Sananda und folgende Gruppen sind hinreichend lesbar.

Vers 169
urvaśyādyāścāpsaraso bhaumādyāḥ kinnarāstathā |
hāhādyāścāpi gandharvāstathā vidyādhararṣayaḥ ||169||

die Apsaras, beginnend mit Urvashi; die Kinnaras, beginnend mit Bhauma; die Gandharvas, beginnend mit Haha, und die Vidyadhara-Rishis,

Anmerkung: Bhauma ist eine unsichere Namenslesung. OCR-Ziffer 166 anhand der Folge als 169 erkannt.

Vers 170
asurā vipracittādyā namucyādyāśca dānavāḥ |
hiraṇyākṣādayo daityā rāvaṇādyāśca rākṣasāḥ ||170||

die Asuras, beginnend mit Viprachitta; die Danavas, beginnend mit Namuchi; die Daityas, beginnend mit Hiranyaksha, und die Rakshasas, beginnend mit Ravana:

Anmerkung: Der Name Viprachitta bleibt in der vorliegenden Lesung, statt still auf eine andere Namensform geändert zu werden.

Vers 171
tasyā upāsakāḥ sarve brahmaviṣṇuśivodbhavāḥ |
dhyānaṃ caiṣāṃ virāṭrūpaṃ vedoktaṃ tanniśāmaya ||171||

Sie alle sind ihre Verehrer und aus Brahma, Vishnu und Shiva hervorgegangen. Ihre Meditation ist die im Veda gelehrte kosmische Gestalt; höre davon.

Anmerkung: Virat: die alles umfassende kosmische Erscheinungsform.

Vers 172
atharvavedamadhye tu śākhā mukhyatamā hi ṣaṭ |
svayambhuvādyāḥ kathitāḥ putrāyātharvaṇe purā ||172||

Im Atharvaveda gibt es sechs vorzügliche Überlieferungszweige. Sie wurden einst von Svayambhu seinem Sohn Atharvan mitgeteilt.

Anmerkung: Die Gruppe svayambhuvādyāḥ ist textlich unsicher; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Überlieferungssinn, ohne die genaue Wortform als gesichert auszugeben. Die Quelle springt danach zu 174; kein Vers 173 erfunden.

Vers 174
tāsu guhyopaniṣadastiṣṭhanti varavarṇini |
nāmāni śṛṇu śākhānāṃ tatrādyā vāratantavī ||174||

In ihnen befinden sich die geheimen Upanishaden, Schöne. Höre die Namen der Überlieferungszweige: Der erste heißt Varatantavi,

Anmerkung: Vor dieser Einheit fehlt in der sichtbaren Zählung 173. Ob Textausfall oder bloßer Zählfehler, ist nicht zuverlässig entscheidbar.

Vers 175
mauñjāyanī dvitīyā tu tṛtīyā tārṇavendavī |
caturthī śaunakī proktā pañcamī paippalādikā ||175||

der zweite Maunjayani, der dritte Tarnavendavi, der vierte Shaunaki und der fünfte Paippaladika.

Anmerkung: Seltene Schulnamen nach der vorliegenden Lesung normalisiert, nicht aus externen Listen ersetzt.

Vers 176
ṣaṣṭhī saumantavī jñeyā sārātsāratarā imāḥ |
guhyopaniṣado gūḍhāḥ santi śākhāsu ṣaṭsvapi ||176||

Der sechste ist als Saumantavi zu kennen. Sie sind der innerste Gehalt des Wesentlichen. In allen sechs Zweigen liegen die geheimen Upanishaden verborgen.

Vers 177
tā ekīkṛtya sarvāstu mayā'syāṃ viniveśitāḥ |
saṃhitāyāṃ sādhakānāmuddhārāya varānane ||177||

Ich habe sie alle zusammengeführt und in diese Samhita aufgenommen, um die Übenden emporzuführen, Schöne.

Anmerkung: Dies ist eine Selbstaussage des Werkes über seine Quellen, kein unabhängiger Nachweis einer historischen Zusammenstellung.

Vers 178
tāste vadāmi yatproktaṃ dhyānaṃ kurvanti devatāḥ |
virāḍdhyānaṃ hi tajjñeyaṃ mahāpātakanāśanam ||178||

Ich werde sie dir mitteilen: Die Gottheiten vollziehen die darin gelehrte Meditation. Sie ist als Virat-Meditation zu erkennen, die schwere Verfehlungen vernichtet.

Die Göttin als kosmische Gestalt

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 179
brahmāṇḍād bahirūrdhvaṃ hi mahattattvamahaṅkṛtiḥ |
rūpāṇi pañca tanmātrāḥ puruṣaḥ prakṛtirnava ||179||

Außerhalb und oberhalb des Welteis [liegen] Mahat, das Ich-Prinzip, die fünf feinen Sinnesgrundlagen, Purusha und Prakriti: neun Formen.

Anmerkung: Die syntaktisch raue Aufzählung wird entsprechend ihren erkennbaren Gliedern verstanden; keine zusätzlichen Tattvas ergänzt.

Vers 180
mahāpātālapādāntalambāṃ tasyā jaṭāṃ smaret |
brahmāṇḍordhvakapāle hi śirastasyā vibhāvayet ||180||

Man vergegenwärtige ihre Flechten, die bis zum untersten Rand des großen Patala hinabhängen. Ihr Haupt stelle man sich an der oberen Schale des Welteis vor.

Vers 181
devīlokaṃ lalāṭaṃ ca […] lakṣayojanam |
meruḥ sīmantadaṇḍo'syāḥ graharatnasamākulaḥ ||181||

Die Göttinnenwelt bildet ihre Stirn, [beschädigte Zahl] Lakh Yojanas weit. Der Meru ist die Linie ihres Haarscheitels, besetzt mit den Planeten als Edelsteinen.

Anmerkung: Fragment: Zahl vor Lakh im Haupttext beschädigt; Fußnote nennt eine abweichende Sechsundzwanziger-Lesung. Keine scheinbar gesicherte Zahl rekonstruiert. Lakh bezeichnet hunderttausend.

Vers 182
ajavīthī nāgavīthī bhruvāvasyāḥ prakīrtite |
śivalokaśca vaikuṇṭhalokaḥ karṇāvubhau matau ||182||

Ajavithi und Nagavithi werden als ihre beiden Brauen bezeichnet. Shivaloka und Vaikunthaloka gelten als ihre beiden Ohren.

Anmerkung: Ajavithi und Nagavithi sind benannte Himmelsbahnen; keine ungesicherte moderne astronomische Entsprechung ergänzt.

Vers 183
rohitaṃ tilakaṃ dhyāyennāsāṃ mandākinīṃ tathā |
cakṣuṣī candrasūryau ca pakṣmāṇi kiraṇāstathā ||183||

Rohita meditiere man als ihr Stirnzeichen, Mandakini als ihre Nase. Mond und Sonne sind ihre Augen, deren Strahlen ihre Wimpern.

Anmerkung: Rohita bleibt mangels sicherer kosmographischer Zuordnung als Name stehen; Mandakini bezeichnet den himmlischen Ganges.

Vers 184
gaṇḍau syātāṃ tapolokasatyalokau yathākramam |
janalokamaharlokau kapolau parikīrtitau ||184||

Tapoloka und Satyaloka bilden der Reihe nach ihre beiden Wangen; Janaloka und Maharloka werden ebenfalls als ihre Wangenpartien bezeichnet.

Anmerkung: Gaṇḍa und kapola überlappen semantisch; keine anatomische Unterscheidung erfunden, die die Quelle nicht erklärt.

Vers 185
syātāṃ himādrikailāsau tasyā devyāstu kuṇḍale |
svarlokaśca bhuvarloko devyā oṣṭhādharau matau ||185||

Himalaya und Kailasa sind die Ohrringe der Göttin; Svarloka und Bhuvarloka gelten als ihre Ober- und Unterlippe.

Vers 186
dikpatīnāṃ grahāṇāṃ ca lokāścādhoradāvalī |
gandharvasiddhasādhyānāṃ pitṛkinnararakṣasām ||186||

Die Welten der Himmelsrichtungshüter und Planeten bilden ihre untere Zahnreihe. [Die Welten] der Gandharvas, Siddhas, Sadhyas, Ahnen, Kinnaras und Rakshasas,

Anmerkung: Die Aufzählung der oberen Zahnreihe reicht bis 188.

Vers 187
piśācayakṣāpsarasāṃ marīceḥ pāyināṃ tathā |
vidyādharāṇāmājyoṣmapānāṃ somaikapāyinām ||187||

der Pishachas, Yakshas und Apsaras, der Strahlentrinker, der Vidyadharas, jener, die Ghee und Dampf trinken, und jener, die allein Soma trinken,

Anmerkung: Marīceḥ pāyinām ist eine raue Hauptlesung; der Apparat hat alternativ „Strahlenwanderer“. Die Gruppen werden nicht durch vermutete Eigennamen ersetzt.

Vers 188
saptarṣīṇāṃ dhruvasyāpi lokā ūrdhvaradāvalī |
mukhaṃ ca rodasī jñeyaṃ dyaurlokaścibukaṃ tathā ||188||

der sieben Rishis und Dhruvas bilden ihre obere Zahnreihe. Himmel und Erde sind als ihr Mund zu erkennen, die Himmelswelt als ihr Kinn.

Vers 189
brahmaloko galaḥ prokto nabho vakṣaḥsthalaṃ tathā |
hāro nakṣatramālā syād bāhavo digvidikcayāḥ ||189||

Brahmaloka wird als ihr Hals bezeichnet, der Luftraum als ihre Brust. Die Reihe der Sterne ist ihre Halskette; Haupt- und Zwischenrichtungen bilden ihre Arme.

Vers 190
tattallokaphalaṃ cāstraṃ […] |
tathāntarikṣamudaraṃ girayo'ntrāṇi sarvaśaḥ ||190||

Die jeweilige Frucht der Welten ist ihre Waffe. […] Der Zwischenraum ist ihr Bauch; alle Berge bilden ihre Eingeweide.

Anmerkung: Fragment: Die Waffenformulierung ist bereits in der Quelle mit Fragezeichen markiert; die Zuordnung von Rücken und Himmel im restlichen ersten Halbvers ist beschädigt. Lesbarer Sinn nur vorsichtig wiedergegeben.

Vers 191
jaṭharaḥ sindhavaḥ proktā vāyavaḥ prāṇarūpiṇaḥ |
vanaspataya oṣadhyo lomāni paricakṣate ||191||

Die Meere werden als ihr Leibinneres bezeichnet, die Winde als ihre Lebenshauche. Bäume und Pflanzen werden ihre Körperhaare genannt.

Anmerkung: Jathara wiederholt beziehungsweise variiert die Bauchzuordnung des vorigen Verses; keine eindeutige anatomische Unterteilung erfunden.

Vers 192
vidyuddṛṣṭirahorātraṃ nimeṣonmeṣasaṃjñakam |
viśvaṃ tu hṛdayaṃ proktaṃ pṛthivī pāda ucyate ||192||

Der Blitz ist ihr Blick; Tag und Nacht heißen ihr Schließen und Öffnen der Augen. Das All ist ihr Herz, die Erde wird ihr Fuß genannt.

Anmerkung: OCR-Ziffer 162 entsprechend der Folge normalisiert.

Vers 193
talaṃ talātalaṃ caiva pātālaṃ sutalaṃ tathā |
rasātalaṃ nāgalokāḥ pādāṅgulayaḥ prakīrtitāḥ ||193||

Tala, Talatala, Patala, Sutala, Rasatala und die Naga-Welten werden als ihre Zehen bezeichnet.

Anmerkung: Die Liste wird nicht auf eine konventionelle Siebenerzahl erweitert; Quellzählung im OCR beschädigt.

Vers 194
vedā vācaḥ syandamānā nadyo nāḍyo'mitā matāḥ |
kalākāṣṭhāmuhūrtāśca ṛtavo'yanameva ca ||194||

Die Veden sind ihre Worte, die strömenden Flüsse gelten als ihre unzähligen Kanäle. Kala, Kashtha und Muhurta, die Jahreszeiten und Halbjahre,

Anmerkung: Kala, Kashtha und Muhurta sind hier Zeiteinheiten. Der Satz setzt sich bis 196 fort.

Vers 195
pakṣā māsāstathā cābdāścatvāro'pi yugāḥ priye |
kaphoṇirmaṇibandhaśca jaṅghorukaṭivaṅkṣaṇāḥ ||195||

Monatshälften, Monate, Jahre und die vier Weltalter, Geliebte, [bilden] Ellenbogen, Handgelenk, Unterschenkel, Oberschenkel, Taille und Leisten,

Anmerkung: Keine zusätzliche genaue Eins-zu-eins-Zuordnung der verschieden langen Listen eingeführt.

Vers 196
prapadāśca sphicaścaiva sarvāṅgāni pracakṣate |
vaḍavānalaḥ kālamṛtyū jihvātrayamidaṃ smṛtam ||196||

Vorderfüße, Gesäß und alle ihre Glieder. Das unterseeische Vadava-Feuer, Kala und Mrityu gelten als ihre drei Zungen.

Anmerkung: Kala: Zeit beziehungsweise Tod; Mrityu: Tod. Die beiden Namen stehen in der Quelle nebeneinander.

Vers 197
ābrahmastambaparyantaṃ mantramasyāḥ pracakṣate |
pralayo bhojanakālastṛptistena ca nālpikā ||197||

Alles von Brahma bis zum Grashalm wird als ihr Mantra bezeichnet. Die Weltauflösung ist ihre Mahlzeit, und ihre Sättigung dadurch ist nicht gering.

Anmerkung: Die Hauptlesung mantra wird bewahrt; eine Parallelfassung hat tanu, „Leib“, statt Mantra. Keine stille Angleichung an die Körpermeditation.

Vers 198
jñeyaḥ pārśvaparivarto mahākalpāntarodbhavaḥ |
virāḍrūpasya te dhyānamiti saṃkṣepato'rpitam ||198||

Der Beginn eines anderen großen Weltzyklus ist als ihr Sich-auf-die-andere-Seite-Wenden zu verstehen. Damit habe ich dir die Meditation ihrer kosmischen Gestalt in Kürze dargelegt.

Guhyopanishad: Weltursprung und inneres Erkennen

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 199
tasyāḥ svarūpavijñānaṃ saparyā parikīrtitā |
tadeva hi śrutiproktamavadhāraya pārvati ||199||

Das Erkennen ihres eigenen Wesens wird als ihre Verehrung bezeichnet. Höre, Parvati, eben dies, wie es die Shruti lehrt.

Anmerkung: Die anschließende Passage wird in der Quelle redaktionell als Beginn der Guhyopanishad bezeichnet.

Vers 200
yathorṇanābhiḥ sūtrāṇi sṛjatyapi gilatyapi |
yathā pṛthivyāmoṣadhyaḥ sambhavanti galantyapi ||200||

Wie die Spinne ihre Fäden hervorbringt und wieder verschlingt, wie Pflanzen auf der Erde entstehen und wieder vergehen,

Anmerkung: Die Ausgabe nennt zum Vergleich Mundaka-Upanishad 1.1.7; hier wird der tatsächlich vorliegende Mahakala-Wortlaut übersetzt.

Vers 201
puruṣāt keśalomāni jāyante ca kṣarantyapi |
utpadyante vilīyante tathā tasyāṃ jagantyapi ||201||

wie Kopf- und Körperhaare aus dem Menschen wachsen und wieder ausfallen, so entstehen auch die Welten in ihr und lösen sich wieder in ihr auf.

Vers 202
jvalataḥ pāvakād yadvat sphuliṅgāḥ koṭikoṭiśaḥ |
nirgacchanti vinaśyanti viśvaṃ tasyāstathā priye ||202||

Wie aus einem lodernden Feuer Myriaden von Funken hervorgehen und vergehen, so [entsteht und vergeht] aus ihr das Weltall, Geliebte.

Anmerkung: Das im OCR beschädigte Verb ist durch den erkennbaren Satzbau normalisiert; keine zusätzliche Paralleltext-Rekonstruktion.

Vers 203
ṛco yajūṃṣi sāmāni dīkṣā yajñāśca dakṣiṇāḥ |
adhvaryuryajamānaśca bhuvanāni caturdaśa ||203||

Die Rig-Verse, Yajus-Formeln und Saman-Gesänge, Einweihungen, Opfer und Opferlöhne, der Adhvaryu-Priester, der Opferherr und die vierzehn Welten,

Anmerkung: Aufzählung als Objekt der Schöpfungsaussage in 205.

Vers 204
brahmaviṣṇvādikā devā manuṣyāḥ paśavo vayaḥ |
prāṇāpānau vrīhayaśca satyaṃ śraddhā vidhistapaḥ ||204||

die Götter, beginnend mit Brahma und Vishnu, Menschen, Tiere und Vögel, Prana und Apana, Reis, Wahrheit, Vertrauen, Ordnung und Askese,

Vers 205
samudrā girayo nadyaḥ sarvaṃ sthāvarajaṅgamam |
visṛjyemāni sargādau svaṃ prakāśayate tataḥ ||205||

Meere, Berge, Flüsse, alles Unbewegliche und Bewegliche: Nachdem sie dies am Beginn der Schöpfung hervorgebracht hat, offenbart sie sich darin selbst.

Vers 206
jaṅgamāni vidhāyātha viṣṭabhya pratibhūtakam |
navadvāraṃ puraṃ kṛtvā gavākṣāṇīndriyāṇi ca ||206||

Nachdem sie die beweglichen Wesen geschaffen und jedes einzelne Wesen getragen hat, errichtet sie die Stadt mit neun Toren und macht die Sinne zu ihren Fenstern.

Anmerkung: Vidhāyātha nach der ausdrücklich zitierten Variante; andere Lesung: „tritt in jedes Wesen ein“. Die Neuntorstadt bezeichnet im Zusammenhang den Leib, nicht eine äußere Stadt.

Vers 207
sā paśyatyatti vadati gacchati krīḍatīcchati |
[…] jighrati tathā ramate viramatyapi ||207||

Sie sieht, isst, spricht, geht, spielt und wünscht; […] sie riecht, erfreut sich und kommt wieder zur Ruhe.

Anmerkung: Fragment: Das erste Wort des zweiten Halbverses ist beschädigt. Eine Parallelfassung bietet „berührt“; nicht ohne Kennzeichnung in den Haupttext eingesetzt.

Vers 208
tayā muktaṃ puraṃ taddhi mṛtamityabhidhīyate |
antaḥśarīre jyotirmayīṃ tāṃ bhāgyenaiva paśyanti yatayaḥ kṣīṇadoṣāḥ ||208||

Jene Stadt, die sie verlassen hat, wird „tot“ genannt. Die Entsagenden, deren Fehler geschwunden sind, schauen sie durch glückliche Fügung als Lichtgestalt im Innern des Leibes.

Anmerkung: Muktam nach dem lesbaren Zusammenhang normalisiert; im OCR beschädigt. Die folgende längere Zeile hat unregelmäßiges Metrum, bleibt aber als vorliegende Einheit bewahrt.

Vers 209
bṛhacca taddivyamacintyarūpaṃ sūkṣmācca tatsūkṣmataraṃ vibhāti |
dūrāt sudūre tadihāntike ca paśyatsvihaiva nihitaṃ guhāyām ||209||

Groß ist jenes Göttliche, von undenkbarer Gestalt, und leuchtet feiner als das Feine. Es ist ferner als das Ferne und zugleich hier ganz nah; für die Schauenden ist es hier selbst in der verborgenen Höhle niedergelegt.

Anmerkung: Die Höhle wird im Zusammenhang als innerster Bewusstseinsraum gelesen. Die Quelle verweist auf Mundaka-Upanishad 3.1.7; kleinere Lesungsunterschiede bleiben bestehen.

Vers 210
na cakṣuṣā gṛhyate nāpi vācā nānyairyogaistapasā karmaṇā vā |
jñānaprasādena viśuddhasattvastatastu tāṃ paśyati niṣkalāṃ dhyāyamānaḥ ||210||

Sie wird weder mit dem Auge noch mit Worten ergriffen, auch nicht durch andere Yoga-Verfahren, Askese oder Handlungen. Wer durch die Klarheit der Erkenntnis im Innern gereinigt ist, schaut sie dann meditierend als die Ungeteilte.

Anmerkung: Der Text liest yogaiḥ; nicht still an den Wortlaut einer bekannteren Upanishadenfassung angeglichen.

Vers 211
yathā nadyaḥ syandamānāḥ samudre'staṃ gacchanti nāmarūpe vihāya |
tathā vidvānnāmarūpād vimuktaḥ parātparaṃ jagadambāmupaiti ||211||

Wie strömende Flüsse im Meer verschwinden und Namen und Gestalt hinter sich lassen, so gelangt der Erkennende, von Name und Gestalt befreit, zur Mutter der Welt, die höher ist als das Höchste.

Anmerkung: Die grammatische Form parātparam steht neben dem femininen jagadambām; keine vermeintlich ursprüngliche Fassung rekonstruiert.

Vers 212
sarve vedā yatpadamāmananti tapāṃsi sarvāṇi ca yad vadanti |
yadicchanto brahmacaryaṃ caranti tatte padaṃ saṅgraheṇa bravīmi ||212||

Das Ziel, von dem alle Veden sprechen, auf das alle Formen der Askese weisen und nach dem jene verlangen, die Brahmacharya leben – dieses Ziel nenne ich dir in Kürze.

Anmerkung: Die Quelle vergleicht Katha-Upanishad 1.2.15. Unter Nummer 213 folgt eine Wiederholung dieses Verses mit zusätzlichem wiederholtem Schlussglied aus 211; einmal übersetzt, Wiederholung separat kenntlich.

Vers 213
parātparaṃ jagadambāmupaiti |
sarve vedā yatpadamāmananti tapāṃsi sarvāṇi ca yad vadanti |
yadicchanto brahmacaryaṃ caranti tatte padaṃ saṅgraheṇa bravīmi ||213||

Wiederholung: Schlussglied von Vers 211 („gelangt zur Mutter der Welt, die höher ist als das Höchste“) und danach der bereits vollständig übersetzte Vers 212. Kein zusätzlicher eigenständiger Sinntext.

Anmerkung: Die Wiederholung ist im vorhandenen c-Text enthalten; der Apparat erklärt, dass diese fünf Zeilen in mehreren anderen Zeugen fehlen. Nicht als weiterer unterschiedlicher übersetzter Vers gezählt.

Vers 214
eṣaivālambanaṃ śreṣṭhameṣaivālambanaṃ param |
eṣaivālambanaṃ jñātvā brahmaloke mahīyate ||214||

Sie allein ist die beste Stütze, sie allein die höchste Stütze. Wer sie als diese Stütze erkennt, wird in der Brahman-Welt verherrlicht.

Vers 215
indriyebhyaḥ parā hyarthā hyarthebhyaśca paraṃ manaḥ |
manasastu parā buddhirbuddherātmā mahān paraḥ ||215||

Höher als die Sinne stehen ihre Gegenstände, höher als diese der Geist. Höher als der Geist steht die Erkenntniskraft, höher als sie das große Selbst.

Vers 216
mahataḥ paramavyaktamavyaktāt puruṣaḥ paraḥ |
puruṣāttu parā devī sā kāṣṭhā sā parā gatiḥ ||216||

Höher als Mahat steht das Unmanifestierte, höher als das Unmanifestierte Purusha. Doch höher als Purusha steht die Göttin. Sie ist die äußerste Grenze, sie das höchste Ziel.

Anmerkung: Die Göttinnenaussage gehört ausdrücklich zur vorliegenden Fassung und wird nicht durch den Wortlaut anderer Upanishaden ersetzt.

Vers 217
yathodakaṃ girau vṛṣṭaṃ samudreṣu vidhāvati |
evaṃ dharmān pṛthak paśyaṃstāmevānuvidhāvati ||217||

Wie Wasser, das auf einen Berg regnet, zu den Meeren läuft, so folgt derjenige, der die Erscheinungen gesondert sieht, doch ihr allein.

Anmerkung: Die Aussage und die Lesung samudreṣu sind auffällig, aber hinreichend verständlich. Keine Angleichung an einen anderen bekannten Vergleichsvers.

Vers 218
ekā guhyā sarvabhūtāntarātmā ekā rūpaṃ bahudhā yā karoti |
tāmātmasthāṃ ye'nupaśyanti dhīrāsteṣāṃ sukhaṃ śāśvataṃ netareṣām ||218||

Die eine Verborgene ist das innere Selbst aller Wesen; die Eine macht ihre Gestalt vielfältig. Die Einsichtigen, die sie im eigenen Selbst schauen, besitzen bleibendes Glück – nicht die anderen.

Vers 219
nityā nityānāṃ cetanā cetanānāmekā bahūnāṃ yā vidadhāti kāmān |
tāmātmasthāṃ ye'nupaśyanti dhīrāsteṣāṃ śāntiḥ śāśvatī netareṣām ||219||

Die Ewige unter den Ewigen, das Bewusstsein der Bewussten, die Eine, die vielen ihre Wünsche gewährt: Die Einsichtigen, die sie im eigenen Selbst schauen, besitzen bleibenden Frieden – nicht die anderen.

Vers 220
na tatra sūryo bhāti na candratārakaṃ nemā vidyuto bhānti kuto'yamagniḥ |
tāṃ bhāntīmanubhāti sarvaṃ tasyā bhāsā sarvamidaṃ vibhāti ||220||

Dort leuchtet weder die Sonne noch Mond und Sterne; auch diese Blitze leuchten dort nicht – wie erst dieses Feuer? Indem sie leuchtet, leuchtet alles ihr nach. Durch ihr Licht erstrahlt dies alles.

Anmerkung: Die Göttin ist ausdrücklich das grammatische Subjekt der weiblichen Fassung; keine Rückänderung in eine andere Upanishadenfassung.

Vers 221
yasyāḥ paraṃ nāparamasti kiñcid yasyā nāṇīyo na jyāyo'sti kiñcit |
vṛkṣa iva stabdhā divi tiṣṭhatyekā tayedaṃ pūrṇaṃ bhagavatyā sarvam ||221||

Über ihr und jenseits von ihr gibt es nichts; nichts ist kleiner oder größer als sie. Wie ein feststehender Baum steht sie allein im Himmel; von dieser Erhabenen ist alles hier erfüllt.

Anmerkung: Die beschädigte Baum-Zeile ist nach der ausdrücklich im Apparat angeführten Parallelfassung gelesen; die übrigen Zeilen bleiben der Hauptfassung folgend.

Vers 222
tato yaduttarataraṃ tadarūpamanāmayam |
[…] ||222||

Was darüber hinaus noch höher ist, das ist gestaltlos und frei von Übel. […]

Anmerkung: Fragment: Der zweite Halbvers fehlt bereits als ausdrücklich markierte Lücke in der Vorlage; keine Ergänzung aus anderen Upanishaden.

Vers 223
etāṃ viduramṛtāste bhavanti |
athetare duḥkhamevāpiyanti ||223||

Die sie erkennen, werden unsterblich. Die anderen hingegen gelangen allein ins Leiden.

Anmerkung: Nur dieser kürzere, eigens mit 223 nummerierte Wortlaut liegt vor; nicht zu einem längeren Vers vervollständigt.

Vers 224
sarvānanaśirogrīvā sarvabhūtaguhāśayā |
sarvatrasthā bhagavatī tasmāt sarvagatā śivā ||224||

Alle Gesichter, Häupter und Hälse sind ihr eigen; sie wohnt im verborgenen Innern aller Wesen. Die Erhabene ist überall gegenwärtig; darum ist die Heilvolle allgegenwärtig.

Vers 225
sarvataḥ pāṇipādāntā sarvato'kṣiśiromukhā |
sarvataḥ śrutimatyeṣā sarvamāvṛtya tiṣṭhati ||225||

Überall sind ihre Hände und Füße, überall ihre Augen, Häupter und Münder. Überall hört sie; alles umfassend besteht sie.

Vers 226
sarvendriyaguṇābhāsā sarvendriyavivarjitā |
sarveṣāṃ prabhurīśānī sarveṣāṃ śaraṇaṃ suhṛt ||226||

Sie erscheint in den Eigenschaften aller Sinne und ist doch ohne alle Sinne. Als Gebieterin herrscht sie über alle; sie ist aller Wesen Zuflucht und Freundin.

Vers 227
navadvāre pure devī haṃsī līlāyate bahiḥ |
dhyeyā sarvasya lokasya sthāvarasya carasya ca ||227||

In der neuntorigen Stadt spielt die Göttin als Hamsi nach außen hin. Die ganze Welt, das Unbewegliche und das Bewegliche, soll sie meditieren.

Anmerkung: Hamsi: weiblicher Hamsa, hier Bild der im Leib gegenwärtigen Göttin. Varianten verändern das Verb; keine zusätzliche Atemformel hineingelesen.

Vers 228
apāṇipādā javanā gṛhītrī paśyatyacakṣuḥ sā śṛṇotyakarṇā |
sā vetti vedyaṃ na tasyā asti vettā tāmāhuragryāṃ jagato mahīyasīm ||228||

Ohne Hände und Füße ist sie schnell und ergreift; ohne Augen sieht sie, ohne Ohren hört sie. Sie kennt das Erkennbare, doch niemand kennt sie. Man nennt sie die Erste, die Größte der Welt.

Vers 229
saivāgniḥ sā ca sūryaḥ sā vāyuḥ sā ca candramā |
saiva śukraṃ sā brahma sā cāpaḥ sā prajāpatiḥ |
saiva strī sā ca pumān sā kumāraḥ kumārikā ||229||

Sie ist Feuer, sie ist Sonne, sie ist Wind und Mond. Sie ist der lichte Glanz, sie ist Brahman, sie ist das Wasser und Prajapati. Sie ist Frau und Mann, sie ist Knabe und Mädchen.

Anmerkung: Die Quelle fasst hier drei Halbverspaare unter einer Nummer zusammen. Shukra kann Glanz oder Zeugungskraft bezeichnen; nicht ohne Kennzeichnung als Planet Venus festgelegt. Nichtsexualisierte Aussage universeller Gegenwart.

Vers 230
[…] parame vyoman yasyāṃ devā adhirudrā niṣeduḥ |
yastāṃ na veda kimṛcā kariṣyati ye tāṃ vidustadvime samāsate ||230||

[…] im höchsten Raum, in der die Götter und Rudras ihren Sitz genommen haben: Wer sie nicht kennt – was wird er mit einem Rig-Vers erreichen? Jene, die sie kennen, sind in ihr vereint.

Anmerkung: Fragment: Der erste Ausdruck ist unlesbar. Adhirudrā und der Versschluss sind rau überliefert; der erkennbare Sinn wird wiedergegeben, ohne die ganze Zeile aus einem Parallelwerk zu ergänzen.

Vers 231
chandāṃsi yajñāḥ kratavo vratāni bhūtaṃ bhavyaṃ yacca vedā vadanti |
sarvaṃ devī sṛjate viśvametat tasyāścānyo māyayā sanniruddhaḥ ||231||

Die vedischen Metren, Opfer, Riten und Gelübde, Vergangenes und Zukünftiges und alles, wovon die Veden sprechen: Dieses ganze All erschafft die Göttin. Wer von ihr verschieden ist, ist durch Maya gebunden.

Vers 232
māyāṃ tu prakṛtiṃ vidyāt prabhuṃ tasyā maheśvarīm |
asyā avayavaiḥ […] sarvamidaṃ jagat ||232||

Maya erkenne man als Prakriti, Maheshvari als ihre Herrin. Von ihren Gliedern [ist] diese ganze Welt [durchdrungen].

Anmerkung: Fragment: Das Verb im zweiten Halbvers ist beschädigt. Der Sinn ist im Zusammenhang erkennbar, aber nicht als vollständige sichere Sanskritlesung ausgegeben.

Vers 233
yā devānāṃ prabhavā […] ca viśvādhipā sarvabhūteṣu gūḍhā |
hiraṇyagarbhaṃ janayāmāsa pūrvaṃ sā no buddhyā śubhayā saṃyunaktu ||233||

Sie, der Ursprung der Götter […], die Herrin des Alls, in allen Wesen verborgen, die einst Hiranyagarbha hervorbrachte – möge sie uns mit heilsamer Einsicht verbinden.

Anmerkung: Fragment: Ein Ausdruck im ersten Viertel ist beschädigt. No statt des OCR mo kontextgestützt normalisiert.

Vers 234
sūkṣmātisūkṣmaṃ salilasya madhye viśvasya sraṣṭrīṃ tāmanekāmanākhyām |
viśvasyaikāṃ pariveṣṭayitrīṃ jñātvā guhyāṃ śāntimatyantameti ||234||

Wer die Verborgene erkennt, feiner als das Feinste, mitten im Wasser, die Schöpferin der Welt, vielgestaltig und unnennbar, die Eine, die das All umschließt, gelangt zu vollkommenem Frieden.

Anmerkung: Salila, „Wasser“, ist Hauptlesung; der Apparat bietet kalila, „Verwirrung/Gewirr“. Anākhyā und anekā werden bewahrt, nicht an andere Fassungen angepasst.

Vers 235
sā hyeva kāle bhuvanasya goptrī viśvādhipā sarvabhūteṣu gūḍhā |
yasyāṃ muktā brahmarṣayo devatāśca tāmeva jñātvā mṛtyupāśāṃśchinatti ||235||

Sie allein ist zur gegebenen Zeit die Hüterin der Welt, die Herrin des Alls, verborgen in allen Wesen. In ihr sind Brahmarshis und Gottheiten befreit; wer sie erkennt, zerschneidet die Fesseln des Todes.

Vers 236
ghṛtātparaṃ maṇḍamivātisūkṣmāṃ jñātvā kālīṃ sarvabhūteṣu gūḍhām |
kalpānte vai sarvasaṃhārakartrīṃ jñātvā guhyāṃ mucyate sarvapāśaiḥ ||236||

Wer Kali erkennt, feiner als die feinste Essenz geklärter Butter, verborgen in allen Wesen, die am Ende des Weltzyklus alles auflöst – wer diese Verborgene erkennt, wird von allen Fesseln frei.

Anmerkung: Der Schluss ist im OCR beschädigt; sarvapāśaiḥ ist eine kontextgestützte Lesung und keine rekonstruierte zusätzliche Zeile.

Vers 237
eṣā devī viśvayonirmahātmā sadā janānāṃ hṛdaye sanniviṣṭā |
hṛdā manīṣā manasā'bhiklṛptā etāṃ viduramṛtāste bhavanti ||237||

Diese Göttin, der Schoß des Alls, die Große, wohnt immer im Herzen der Menschen. Durch Herz, Einsicht und Geist wird sie vergegenwärtigt. Die sie erkennen, werden unsterblich.

Vers 238
yadā tamastanna divā na rātri na sanna cāsad bhagavatyeva guhyā |
tadakṣaraṃ tatsaviturvareṇyaṃ prajñā ca tasyāḥ prasṛtā purāṇī ||238||

Wenn Dunkelheit ist, gibt es weder Tag noch Nacht, weder Seiendes noch Nichtseiendes: allein die erhabene Verborgene. Das ist das Unvergängliche, das Erwählenswerte des Savitri; aus ihr strömt die uralte Weisheit.

Anmerkung: Der Versanfang ist rau überliefert; Apparat bietet „Wenn Dunkelheit ist, dort …“. Der erkennbare Sinn bleibt erhalten, keine vollständige Anpassung an eine externe Fassung.

Vers 239
naināmūrdhvaṃ na tiryañcaṃ na madhye parijagrabhat |
na tasyāḥ pratimāpyasti tasyā nāma mahadyaśaḥ ||239||

Niemand hat sie oben, seitwärts oder in der Mitte erfasst. Es gibt kein ihr entsprechendes Bild; ihr Name ist „großer Ruhm“.

Anmerkung: Pratima kann Bild, Ebenbild oder Entsprechung heißen. Der Satz wird nicht als pauschales Bilderverbot gegen die vorangehenden Meditationen umgedeutet.

Vers 240
na sandṛśe tiṣṭhati rūpamasyā na cakṣuṣā paśyati kaścanainām |
hṛdā manīṣā manasā'bhiklṛptā ya etāṃ viduramṛtāste bhavanti ||240||

Ihre Gestalt steht nicht im Bereich sichtbarer Wahrnehmung; niemand sieht sie mit dem Auge. Durch Herz, Einsicht und Geist wird sie vergegenwärtigt. Die sie erkennen, werden unsterblich.

Anmerkung: Sandṛśe ist eine kontextgestützte Normalisierung der beschädigten Anfangsgruppe; die vollständige Wiederholung früherer Aussagen wird wegen ihres eigenen Verszusammenhangs bewahrt.

Unnummerierter Text
athetare duḥkhamevāpiyanti |

Die anderen hingegen gelangen allein ins Leiden.

Anmerkung: Unnummerierte Wiederholung des Schlussglieds von 223 nach 240; in einer Parallelfassung laut Apparat fehlend. Separat kenntlich, kein zusätzlicher vollständiger Vers.

Vers 241
bhūyaśca sṛṣṭvā tridaśānapyatheśī sarvādhipatyaṃ kurute bhavānī |
sarvā diśa ūrdhvamadhaśca tiryak prakāśayantī bhrājate guhyakālī ||241||

Nachdem Bhavani erneut die Götter erschaffen hat, übt die Herrin ihre Herrschaft über alles aus. Guhyakali strahlt und erhellt alle Richtungen: nach oben, nach unten und nach allen Seiten.

Vers 242
naiva strī na pumāneṣā naiva ceyaṃ napuṃsakā |
yadyaccharīramādatte tena tenaiva yujyate ||242||

Sie ist weder Frau noch Mann, auch ist sie nicht geschlechtslos. Welche Körpergestalt sie jeweils annimmt, mit dieser verbindet sie sich.

Anmerkung: Die Aussage über die höchste Wirklichkeit steht neben den vielen weiblichen Gottheitsgestalten; keine stille Harmonisierung.

Vers 243
dharmāvahāṃ pāpanudaṃ bhageśīṃ jñātvātmasthāmamṛtaṃ viśvadhāma |
tāmīśvarāṇāṃ paramaṃ maheśvarīṃ tāṃ devatānāṃ paramāṃ ca devatām ||243||

[Man erkenne] sie, die Dharma bringt und Verfehlungen vertreibt, die Herrin der Fülle, im eigenen Selbst gegenwärtig, unsterblich, die Wohnstätte des Alls; sie, die höchste Maheshvari über allen Herrschern, die höchste Gottheit über allen Göttern.

Anmerkung: Der Satz geht in 244 weiter. Die wechselnden grammatischen Formen des Sanskrit werden nicht als neue Lehren ausgelegt.

Vers 244
patiṃ patīnāṃ paramāṃ purastād vidāma tāṃ guhyakālīmanīśām |
na tasyā kāryaṃ karaṇaṃ ca vidyate na tatsamā cābhyadhikā ca dṛśyate ||244||

Mögen wir Guhyakali erkennen, die höchste Herrscherin der Herrscher, die vor allem steht und selbst keinen Herrn hat. Für sie gibt es weder ein zu verrichtendes Werk noch ein Werkzeug; niemand ist ihr gleich oder überlegen.

Anmerkung: Anīśā hier: ohne einen übergeordneten Gebieter. Die beschädigten Satzanschlüsse sind kontextgestützt normalisiert.

Vers 245
parāsyāḥ śaktirvividhaiva śrūyate svābhāvikī jñānabalakriyā ca |
kaścinna tasyāḥ patirasti loke na ceśitā naiva vā kiñcilliṅgam ||245||

Ihre höchste Kraft wird als vielfältig gelehrt; Erkenntnis, Stärke und Wirken gehören ihr von Natur aus an. Niemand in der Welt ist ihr Herr oder Lenker; auch gibt es kein sie festlegendes Merkmal.

Vers 246
sā kāraṇaṃ kāraṇādhipādhipā kaścinna cāsyāḥ janitā na cādhipaḥ |
ekā devī sarvabhūteṣu gūḍhā vyāpnotyetat sarvabhūtāntarasthā ||246||

Sie ist die Ursache, die Herrin über den Herrn der Ursachen. Niemand hat sie hervorgebracht, niemand herrscht über sie. Die eine Göttin ist in allen Wesen verborgen; im Innern aller Wesen gegenwärtig, durchdringt sie dies alles.

Vers 247
karmādhyakṣā sarvabhūtādhivāsā sākṣiṇī […] kevalā nirguṇā ca |
ekā vaśinī niṣkriyāṇāṃ bahūnāmekaṃ bījaṃ bahudhā yā karoti ||247||

Sie wacht über die Handlungen und wohnt in allen Wesen, ist Zeugin […], einzig und ohne Eigenschaften. Als die Eine herrscht sie über die vielen, die aus sich selbst nicht handeln; den einen Samen macht sie vielfältig.

Anmerkung: Fragment: Ein Ausdruck nach sākṣiṇī ist in Haupttext und Apparat unterschiedlich und nicht zuverlässig lesbar. Die übrigen Aussagen bleiben übersetzt.

Vers 248
nānārūpaṃ yā ca vaktraṃ vidhatte nānārūpān yā ca bāhūn bibharti |
nityā nityānāṃ cetanā cetanānāmekā bahūnāṃ yā vidadhāti kāmān ||248||

Sie gestaltet Gesichter in mannigfacher Form und trägt Arme in mannigfacher Gestalt. Sie ist die Ewige unter den Ewigen, das Bewusstsein der Bewussten, die Eine, die vielen ihre Wünsche gewährt.

Anmerkung: Der zweite Teil wiederholt 219, steht hier aber in einem eigenständigen Vers mit neuer erster Hälfte; keine Dublette des ganzen Verses.

Vers 249
tatkāraṇaṃ sāṅkhyayogādhigamyaṃ jñātvā devīṃ mucyate sarvapāśaiḥ |
yā brahmāṇaṃ vidadhāti pūrvaṃ yā vai vedāṃśca prahiṇoti tasmai ||249||

Wer die Göttin als jene durch Sankhya und Yoga zu erfassende Ursache erkennt, wird von allen Fesseln frei. Sie bringt am Anfang Brahma hervor und übermittelt ihm die Veden;

Anmerkung: Tasmei/tasyai wird in der Vorlage selbst fragend diskutiert; hier der Hauptlesung tásmai entsprechend auf Brahma bezogen.

Vers 250
yā vai viṣṇuṃ pālane sanniyuṅkte rudraṃ devaṃ saṃhṛtau cāpi guhyā |
tāṃ devīmātmabuddhiprakāśāṃ mumukṣurvai śaraṇamahaṃ prapadye ||250||

sie, die Verborgene, beauftragt Vishnu mit dem Erhalten und Gott Rudra mit dem Auflösen. Bei dieser Göttin, die die Erkenntnis des Selbst erhellt, suche ich als einer, der Befreiung ersehnt, Zuflucht.

Vers 251
niṣkalāṃ niṣkriyāṃ śāntāṃ niravadyāṃ nirañjanām |
amṛtasya paraṃ setuṃ dagdhendhanamivānalam ||251||

[Bei ihr,] der Ungeteilten, Untätigen, Friedvollen, Makellosen und Unbefleckten, der höchsten Brücke zur Unsterblichkeit, dem Feuer gleich, dessen Brennstoff verbrannt ist.

Anmerkung: Die Zufluchtsanrufung setzt sich im folgenden unnummerierten Halbvers fort.

Unnummerierter Text
bahvānanakarāṃ devīṃ guhyāmekāṃ samāśraye |

Bei der einen verborgenen Göttin mit ihren vielen Gesichtern und Händen suche ich Zuflucht.

Anmerkung: Unnummerierter Halbvers nach 251, vor der eigenständigen längeren Einheit 252.

Vers 252
iyaṃ hi guhyopaniṣat sugūḍhā yāṃ vai brahmā vandate viśvayoniḥ |
etāṃ jalpantaścānvahaṃ tanmayā ye satyaṃ satyamamṛtāste bhavanti ||252||

Dies ist die tief verborgene Guhyopanishad, die Brahma, der Ursprung der Welt, verehrt. Wer sie Tag für Tag ausspricht und von ihr ganz erfüllt ist, wird unsterblich – wahrlich, wahrlich!

Vers 253
vedavedāntayorguhyaṃ purākalpapracoditam |
nāpraśāntāya dātavyaṃ nāputraśiṣyāya vai punaḥ ||253||

Dieses Geheimnis von Veda und Vedanta, in einem früheren Weltzyklus verkündet, soll keinem Unbefriedeten mitgeteilt werden und ebenso niemandem, der weder Sohn noch Schüler ist.

Anmerkung: Hauptlesung mit doppelter Verneinung; der Apparat bietet abweichende positive und negative Formulierungen der Überlieferungsregel.

Vers 254
yasya devyāṃ parā bhaktiryathā devyāṃ tathā gurau |
tasyaite kathitā hyarthāḥ prakāśante mahātmanaḥ ||254||

Wer höchste Hingabe an die Göttin besitzt und dieselbe Hingabe an den Guru, diesem großherzigen Menschen leuchten die hier gelehrten Bedeutungen auf.

Kolophon
ityatharvavede guhyopaniṣat |

So [endet] die Guhyopanishad im Atharvaveda.

Anmerkung: Eigenständiger Abschnittskolophon innerhalb des Kapitels. Die Atharvaveda-Zuordnung ist eine Selbstaussage des vorliegenden Textes, keine hier unabhängig bestätigte historische Zuschreibung.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Anmerkung: Erneute Sprecherzeile nach dem Upanishad-Kolophon.

Drei Mahavakyas der zweiten Verehrergruppe

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 255
guhyopaniṣadityeṣā gopyād gopyatarā sadā |
caturbhyaścāpi vedebhya ekīkṛtyātra yojanā ||255||

Diese sogenannte Guhyopanishad ist stets geheimer als das Geheime. Aus den vier Veden zusammengeführt, ist sie hier eingefügt.

Anmerkung: Vers 172 sprach von sechs Atharvaveda-Zweigen, dieser Vers von vier Veden. Beide Quellenaussagen bleiben unvereinheitlicht.

Vers 256
upadiṣṭavantaḥ sargādau sarvāneva divaukasaḥ |
evaṃvidhaṃ hi yad […] ca kīrtitam ||256||

[Sie] unterwiesen am Anfang der Schöpfung alle Himmelsbewohner. Was in dieser Weise […] beschrieben wurde,

Anmerkung: Fragment: Die Wortgruppe im zweiten Halbvers ist beschädigt. Das Subjekt der ersten Hälfte ist im vorliegenden Satzanschluss nicht eindeutig; nicht durch einen erfundenen Namen ergänzt.

Vers 257
sā saparyā parijñeyā vidhānamadhunā śṛṇu |
so'hamasmīti prathamaṃ sāhamasmi dvitīyakam ||257||

das ist als ihre Verehrung zu erkennen. Höre nun das Verfahren: Das erste [Wort] lautet so ’ham asmi, „Jener bin ich“; das zweite sāham asmi, „Jene bin ich“.

Anmerkung: Die weibliche zweite Formel bleibt von der männlichen ersten unterschieden; eine Parallelfassung wiederholt stattdessen so ’ham asmi.

Vers 258
tadahamasmi tṛtīyaṃ ca mahāvākyatrayaṃ bhavet |
ādyānyetāni vākyāni gopyād gopyatarāṇi hi ||258||

Das dritte lautet tad aham asmi, „Das bin ich“. Diese bilden die drei Mahavakyas. Diese ursprünglichen Worte sind geheimer als das Geheime.

Vers 259
vedeṣu ca purāṇeṣu kathitāni svayambhuvā |
devīsantoṣakārīṇi paṭhyante tattvadarśibhiḥ ||259||

In den Veden und Puranas wurden sie von Svayambhu verkündet. Sie erfreuen die Göttin und werden von den Wahrheitssehenden rezitiert.

Vers 260
brahmaviṣṇumahārudrāstrayāṇāmṛṣayo matāḥ |
jagatīpaṅktigāyatrīcchandāṃsi paricakṣate ||260||

Brahma, Vishnu und Maharudra gelten als die Rishis der drei [Worte]. Als ihre Metren werden Jagati, Pankti und Gayatri genannt.

Anmerkung: Anders als bei der ersten Fünfergruppe 151–156 nennt der Text hier ausdrücklich rituelle Faktoren; nicht als Widerspruch beseitigt.

Unnummerierter Text
tathānalpaphalāḥ proktāḥ sukhaiśvaryavidhāyakāḥ |

Auch werden ihnen große Früchte zugeschrieben: Sie verleihen Glück und Herrschaftsmacht.

Anmerkung: Zusätzlicher unnummerierter Halbvers zwischen 260 und 261 in c. Die Vorlage setzt ihn vor die nächste nummerierte Zweizeileneinheit.

Vers 261
devatā guhyakālī ca rajaḥsattvatamoguṇāḥ |
sarveṣāṃ praṇavo bījaṃ haṃsaḥ śaktiḥ prakīrtitā ||261||

Die Gottheit ist Guhyakali; [zugeordnet sind] die Gunas Rajas, Sattva und Tamas. Für alle ist Pranava [Om] das Bija; Hamsa wird als Shakti bezeichnet.

Anmerkung: Die genaue grammatische Einbindung der Gunas ist knapp; keine weiteren Gottheiten ergänzt.

Vers 262
makāraśca akāraśca ukāraśceti kīlakam |
ebhirvākyatraye sarvaṃ karma proktaṃ vidhānakam ||262||

Ma, a und u bilden jeweils das Kilaka. Mit diesen drei Worten wird das gesamte Handeln als rituelles Verfahren gelehrt.

Anmerkung: Die Reihenfolge m–a–u entspricht der Quelle und wird nicht zur geläufigeren Folge a–u–m umgestellt.

Vers 263
anukṣaṇaṃ japaścaiṣāṃ niścayaḥ parikīrtyate |
dvitīyopāsakānāṃ hi paripāṭīyamīritā ||263||

Ihre ununterbrochene Rezitation wird als feste Ausrichtung bezeichnet. Damit ist die Ordnung der zweiten Verehrergruppe erklärt.

Befreiung und die Grenze des Siddhi-Strebens

Der folgende Abschnitt entfaltet diesen Aspekt innerhalb der historischen Lehrrede.

Vers 264
evamācarate yastu manuṣyo bhaktibhāvitaḥ |
vimuktaḥ sarvapāpebhyaḥ kaivalyāyopatiṣṭhate ||264||

Der Mensch, der so handelt und von Hingabe erfüllt ist, wird von allen Verfehlungen frei und gelangt zur vollkommenen Freiheit.

Unnummerierter Text
sarvābhiḥ siddhibhistasya kiṃ kāryaṃ kamalānane |

Was braucht er dann noch all die Siddhis, Lotusgesichtige?

Anmerkung: Unnummerierter Halbvers nach 264. Die Ablehnung des Strebens nach Sonderkräften steht ausdrücklich im Grundtext.

Vers 265
kulaṃ pavitraṃ jananī kṛtārthā viśvambharā puṇyavatī ca tena |
apārasaṃsārasamudramadhye īdṛgvidho niścayo yasya jātaḥ ||265||

Wessen feste Einsicht von solcher Art geworden ist, mitten im uferlosen Meer des Samsara: Durch ihn ist seine Familie geheiligt, seine Mutter hat ihr Ziel erreicht, und die Erde ist gesegnet.

Vers 266
merumandaratulyāni pātakāni mahāntyapi |
taṃ prāpya vilayaṃ yānti tūlānīva hi pāvake ||266||

Selbst gewaltige Verfehlungen, so groß wie Meru und Mandara, lösen sich auf, wenn sie auf ihn treffen – wie Baumwollflocken im Feuer.

Anmerkung: Lobpreisende Wirkungsverheißung der Quelle, keine Aufhebung zwischenmenschlicher Verantwortung als heutige Lehre.

Vers 267
japanyāsārcanaistasya kiṃ kāryaṃ varavarṇini |
yasyedṛśaṃ vidhānaṃ hi jāgarūkaṃ sadā hṛdi ||267||

Was braucht derjenige Japa, Nyasa und äußere Verehrung, Schöne, in dessen Herzen dieses Verfahren stets wach gegenwärtig ist?

Vers 268
japanyāsārcanaistasya kiṃ kāryaṃ varavarṇini |
vidhānasyāsya mahimā mayā vaktuṃ na śakyate ||268||

Was braucht er Japa, Nyasa und äußere Verehrung, Schöne? Die Größe dieses Verfahrens vermag ich nicht auszusprechen.

Anmerkung: Die erste Hälfte wiederholt 267, die zweite ist neu; deshalb vollständiger eigenständiger Vers, keine ganze Dublette.

Vers 269
truṭimātramapīdaṃ hi vidhānaṃ […] priye |
saptāvarān saptapūrvān tārayed vaṃśasambhavān ||269||

[Wer] dieses Verfahren auch nur für einen Augenblick [vollzieht], Geliebte, führt sieben spätere und sieben frühere Generationen seines Geschlechts hinüber.

Anmerkung: Fragment: Das Verb im ersten Halbvers ist beschädigt; die sinngemäße Handlung ist aus dem Satzanschluss erschlossen. Variante śrutimātram, „bloßes Hören“, statt truṭimātram, „nur einen Augenblick“.

Vers 270
sāyujyamokṣamāpnoti svayamapyatinirmamaḥ |
etasya hi vidhānasya kriyamāṇasya pārvati ||270||

Er selbst erlangt, völlig frei vom Besitzdenken, die Befreiung der Vereinigung. Bei der Ausführung dieses Verfahrens, Parvati,

Anmerkung: Der Satz setzt sich in 271 fort. Sayujya-Moksha: Befreiung als Vereinigung; kein körperlicher Vorgang gemeint.

Vers 271
siddhayo vighnakāriṇyaḥ phalaprāptiśca tādṛśī |
dhyānapūjājapanyāsāḥ kevalāyāsahetavaḥ ||271||

werden Siddhis zu Hindernissen, ebenso das Erlangen [besonderer] Früchte. Meditation, Puja, Japa und Nyasa sind dann bloß Anlässe zur Mühe.

Anmerkung: Die Aussage bezieht sich auf die zuvor beschriebene innere Verehrungsweise, nicht auf jede Stelle des gesamten Ritualwerkes.

Vers 272
mahāphalamanāyāsādidamekaṃ viśiṣyate ||272||

Dieses eine Verfahren zeichnet sich durch große Frucht ohne Mühe aus.

Anmerkung: Nummerierter Halbvers, nicht als vollständiger zweizeiliger Shloka ausgegeben.

Vers 273
dvitīyarūpaṃ devyāstu dvitīyopāsakāstathā |
iti te kathitaṃ sarvaṃ tṛtīyamadhunā śṛṇu ||273||

Damit habe ich dir alles über die zweite Form der Göttin und ihre zweite Verehrergruppe erklärt. Höre nun von der dritten.

Anmerkung: Die Schlussziffer ist im OCR beschädigt; die unmittelbar fortlaufende Folge nach 272 ist eindeutig.

Kolophon
iti śrīmahākālasaṃhitāyāṃ dvitīyopāsakakathanaṃ nāma prathamaḥ paṭalaḥ |

So endet in der ehrwürdigen Mahakala-Samhita das erste Kapitel namens „Darlegung der zweiten Verehrergruppe“.

Anmerkung: Kapitelkolophon; der Titel benennt den zuletzt ausführlich behandelten Abschnitt, obwohl das Kapitel auch die erste Gruppe enthält.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 2

Die Götter streiten um den Vorrang beim Empfang des Segens; die Göttin antwortet mit vielen Gesichtern. Ausführliche Gesichter-, Arm- und Waffenlisten führen zur Erzählung über Mitgefühl und zur Lehre weiterer Mahavakyas. Beschädigte Namen und Zahlchiffren bleiben kenntlich.

Sprecherzeile
[…] uvāca |

[…] sprach:

Anmerkung: Sprechername in der Kapitelanfangszeile beschädigt; Zusammenhang führt Mahakalas Lehrrede fort, ohne den Namen als sicher erhalten auszugeben.

Vers 1
[…] deveṣu jagadambayā |
dattādhikāreṣu tathā tattatkāryaikasiddhaye ||1||

[…] nachdem die Mutter der Welt den Göttern ihre Zuständigkeiten verliehen hatte, damit jede einzelne Aufgabe erfüllt werde,

Anmerkung: Fragment: Die erste Hälfte des ersten Halbverses ist unlesbar. Der erhaltene Satzanschluss wird übersetzt.

Vers 2
babhūva prākṛtaḥ sargo […] kāmasambhavaḥ |
tatrādau manavo jātāścaturdaśa ca vāsavāḥ ||2||

entstand die natürliche Schöpfung, […] aus Verlangen hervorgehend. Am Anfang entstanden die Manus und die vierzehn Vasavas [Indras].

Anmerkung: Fragment: Eine Wortgruppe im ersten Halbvers ist beschädigt. Die Zahl vierzehn steht ausdrücklich bei Vasava; keine zusätzliche Zahl in die Sanskritzeile eingefügt.

Vers 3
marīcyādyāśca munayastadvaṃśyāścāpare tathā |
indrādayastathā rudrā ādityā vasavo'nilāḥ ||3||

Auch die Weisen um Marichi und die weiteren Angehörigen ihrer Geschlechter entstanden, ebenso die Götter um Indra, die Rudras, Adityas, Vasus und Windgötter.

Vers 4
te ca svasyādhikārasyotkarṣārthamatirekataḥ |
ahamahamikayā baddhaspardhāstulye'pi janmani ||4||

Obwohl ihre Herkunft gleich war, wetteiferten sie miteinander und riefen gleichsam „Ich zuerst!“, jeder um seine eigene Zuständigkeit über die der anderen zu erheben.

Vers 5
cakrustapo mahāghoraṃ devyarādhanahetave |
nirāhārāstaponiṣṭhāstaccittāstatparāyaṇāḥ ||5||

Um die Göttin zu verehren, übten sie äußerst strenge Askese: ohne Nahrung, ganz ihrer Askese hingegeben, den Geist auf sie gerichtet und sie als höchstes Ziel betrachtend.

Anmerkung: Die geschilderte Askese gehört zur mythologischen Erzählung, nicht zu einer heutigen Fastenempfehlung.

Vers 6
kecid varṣāyutaṃ devi kecinniyutameva ca |
anye ca prayutaṃ dattacittā bhaktiparāyaṇāḥ ||6||

Einige [übten] zehntausend Jahre, Göttin, andere ein Niyuta, wieder andere ein Prayuta – mit gesammeltem Geist und ganz der Hingabe zugewandt.

Anmerkung: Niyuta und Prayuta bezeichnen große Zahlen mit wechselnder historischer Größenordnung; keine ungesicherte moderne Dezimalzahl festgelegt.

Vers 7
dhyānalīnā yatātmānastadarpitamanaḥkriyāḥ |
pūrvoditopaniṣado gṛṇanto vākyasaṃyutāḥ ||7||

In Meditation versunken, sich selbst beherrschend und ihr Geist und Handeln darbringend, rezitierten sie die zuvor gelehrten Upanishaden zusammen mit den [großen] Worten.

Vers 8
tatastutoṣa devānāṃ guhyakālī varānane |
varṣavātātapakliṣṭavapuṣāṃ śuddhacetasām ||8||

Da war Guhyakali, Schöne, mit den Göttern zufrieden, deren Leiber durch Regen, Wind und Hitze gepeinigt, deren Herzen aber rein waren.

Vers 9
athaiṣāṃ varadānārthamāvirāsīt sureśvarī |
varaṃ vṛṇudhvamityuktāste'haṃpūrvikayoddhṛtāḥ ||9||

Um ihnen einen Wunsch zu gewähren, erschien die Herrin der Götter. Als sie sagte: „Wählt euren Segen!“, ließen sie sich vom Drang hinreißen, jeweils zuerst zu kommen.

Anmerkung: Die beschädigte Gruppe vor vṛṇudhvam ist dem unmittelbar folgenden Wortlaut entsprechend als varaṃ gelesen.

Vers 10
vyavadanta mithaḥ sarve gaṇarūpā divaukasaḥ |
nivedayāmāsurapi devyai svasvāśayaṃ ca te ||10||

Alle Himmelsbewohner stritten in ihren Gruppen miteinander und trugen der Göttin ihre jeweilige Absicht vor:

Vers 11
tulye tapasi sarveṣāṃ sa purastād grahīṣyati |
varaṃ tvatto jagaddhātri paścāt kathamahaṃ punaḥ ||11||

„Wenn unser aller Askese gleich ist, soll dann er zuerst deinen Segen empfangen, Trägerin der Welt, und ich erst danach?

Anmerkung: Fortsetzung der direkten Rede.

Vers 12
varaṃ vā ditsasi yadi tadā yugapadarpaya |
tulye tapasi tulyāyāṃ tava prītau sureśvari ||12||

Wenn du uns einen Segen geben willst, gewähre ihn gleichzeitig! Unsere Askese ist gleich, und ebenso dein Wohlgefallen, Herrin der Götter.

Vers 13
mattaḥ pūrvaṃ varamayaṃ grahīṣyati kathaṃ śive |
paścādahaṃ kathamiti duḥkhaṃ māṃ bādhate mahat ||13||

Wie kann dieser vor mir den Segen empfangen, Heilvolle? Der Gedanke, dass ich erst danach an die Reihe komme, bereitet mir großen Kummer!“

Vers 14
evaṃ sarve'pi kalahāyamānāstu parasparam |
gṛhītavanto na varamīrṣyākulitamānasāḥ ||14||

So stritten sie alle miteinander; von Eifersucht im Geist aufgewühlt, nahmen sie keinen Segen an.

Vers 15
itthaṃ parasparaṃ teṣāmahaṅkārānuvartinām |
vivādaṃ prekṣya devānāṃ hasantī tridaśeśvarī ||15||

Als die Herrin der Götter diesen Streit der ihrem Ichgefühl folgenden Gottheiten sah, lachte sie

Vers 16
cakre tāvanti vaktrāṇi yugapad varadattaye |
sadāśivāyaikavaktrā […] triguṇāya ca ||16||

und schuf ebenso viele Gesichter, um ihnen gleichzeitig den Segen zu geben. Für Sadashiva wurde sie eingestaltig im Gesicht; […] für die Drei-Guna-[Gestalt].

Anmerkung: Fragment: Die Gesichtsangabe vor triguṇāya ist beschädigt; keine sichere Drei-Gesichter-Lesung in den Sanskrittext eingefügt. Die folgenden Zahlen werden weiter übersetzt.

Vers 17
pretebhyaḥ pañcavaktrā'bhūd varadānārthamambikā |
saptarṣīṇāṃ saptavaktrā vasūnāmaṣṭatuṇḍikā ||17||

Um den Pretas Segen zu gewähren, wurde die Mutter fünfgesichtig; für die sieben Rishis siebengesichtig, für die Vasus achtgesichtig.

Vers 18
grahāṇāṃ navavaktrā ca dikpālānāṃ daśānanā |
ekādaśāsyā rudrāṇāṃ sūryāṇāṃ dvādaśānanā ||18||

Für die Planeten wurde sie neungesichtig, für die Richtungshüter zehngesichtig, für die Rudras elfgesichtig und für die Sonnen zwölfgesichtig.

Vers 19
trayodaśāsyā viśveṣāṃ vetālānāṃ tathaiva ca |
caturdaśamukhendrāṇāṃ manūnāṃ tāvadānanā ||19||

Für die Vishvedevas und ebenso die Vetalas besaß sie dreizehn Gesichter; für die Indras vierzehn, für die Manus ebenso viele.

Vers 20
agnīnāṃ varadānārthaṃ guhyā pañcadaśānanā |
siddhānāṃ ṣoḍaśāsyā ca sādhye saptadaśānanā ||20||

Um den Feuergöttern Segen zu geben, wurde die Verborgene fünfzehngesichtig; für die Siddhas sechzehngesichtig, für die Sadhyas siebzehngesichtig.

Anmerkung: Eine Fußnotenvariante nennt bei sechzehn Gesichtern eine andere Gruppe.

Vers 21
aṣṭādaśāsyā yakṣāṇāmūnaviṃśā ca rakṣasām |
viṃśatyāsyā kinnarāṇāmekaviṃśāpsaraḥsu ca ||21||

Für die Yakshas hatte sie achtzehn Gesichter, für die Rakshasas neunzehn, für die Kinnaras zwanzig und für die Apsaras einundzwanzig.

Vers 22
guhyakānāṃ piśācānāṃ tāvadvaktrā maheśvarī |
dvāviṃśāsyā bhāskarāṇāṃ gandharvāṇāṃ dvayottarā ||22||

Für die Guhyakas und Pishachas besaß Maheshvari ebenso viele Gesichter. Für die Bhaskaras hatte sie zweiundzwanzig; für die Gandharvas zwei mehr.

Anmerkung: Bhaskara-Gruppe und Zahl sind in der Quelle ungewöhnlich; Fußnote bietet eine unsichere abweichende Zahl. Keine künstliche Gleichsetzung mit den schon genannten Sonnen.

Vers 23
vidyādharāṇāṃ triṃśāsyā ṣaṭtriṃśāsyā prajeśituḥ |
tuṣitānāṃ ṣaṣṭyāsyā mārutānāmaśītikā ||23||

Für die Vidyadharas hatte sie dreißig Gesichter, für den Herrn der Geschöpfe sechsunddreißig, für die Tushitas sechzig und für die Maruts achtzig.

Vers 24
daityānāmasurāṇāṃ ca dānavānāṃ śatādhikā |
mahākalpe tu samprāpte ayutāsyā bhaviṣyati ||24||

Für die Daityas, Asuras und Danavas hatte sie mehr als hundert. Wenn der große Weltzyklus eintritt, wird sie zehntausend Gesichter besitzen.

Anmerkung: Śatādhikā wörtlich „mehr als hundert“, nicht still auf genau hundert reduziert.

Vers 25
dvilakṣabāhuniyutadīrghadehā bhaviṣyati |
evaṃ bhūtvā jagaddhātrī varaṃ tebhyo dadau purā ||25||

Sie wird zweihunderttausend Arme haben und einen Leib von Niyuta-Länge. Indem sie solche Gestalten annahm, gewährte die Trägerin der Welt ihnen einst den Segen.

Anmerkung: Die Maßeinheit der Körperlänge wird hier nicht angegeben; Niyuta nicht zu einem vermeintlich genauen räumlichen Maß ergänzt.

Vers 26
nirguṇā saguṇā jātā nirākārā'pi sākṛtiḥ |
adehā'pi sadehābhūdarūpā rūpadhāriṇī ||26||

Die Eigenschaftslose wurde mit Eigenschaften begabt; obwohl gestaltlos, nahm sie Gestalt an. Obwohl leiblos, erhielt sie einen Leib; die Formlose wurde zur Trägerin einer Form.

Anmerkung: Derselbe Vers ist in e, Anhang 1, als Guhyakali 2.29 zitiert. Maßgeblich für diese Ausgabe ist die sichtbare Zählung 2.26 in c; keine zweite Übersetzung des Zitats.

Vers 27
yathā yathā mukhādhikyaṃ bhujādhikyaṃ tathā tathā |
astrādhikyaṃ bhujādhikyādastrādhikyāt karālatā ||27||

Mit der Zahl der Gesichter wächst jeweils die Zahl der Arme; mit der Zahl der Arme die Zahl der Waffen, und mit der Zahl der Waffen ihre Furchtbarkeit.

Vers 28
tattannimittamityuktaṃ yatpurā tadudīritam |
[…] mukhakartṛtve kāraṇaṃ tu puroditam ||28||

Was zuvor als der jeweilige Anlass bezeichnet wurde, ist damit erklärt. […] Der Grund dafür, dass sie Gesichter hervorbringt, wurde bereits genannt.

Anmerkung: Fragment: Anfang des zweiten Halbverses beschädigt. Herausgeber verweist auf Guhyakali 1.130–132.

Vers 29
varaṃ yugapadāsādya devyā devā yathocitam |
jagmuḥ svasvādhikārāṇāṃ pālanārthaṃ triviṣṭapam ||29||

Nachdem die Götter von der Göttin gleichzeitig den jeweils angemessenen Segen empfangen hatten, gingen sie in den Himmel, um ihre eigenen Zuständigkeiten wahrzunehmen.

Anmerkung: OCR-Ziffer 26 in der eindeutigen Folge als 29 gelesen.

Vers 30
tataḥ prabhṛti bhūpālāḥ somasūryānvayodbhavāḥ |
nānāgotrodbhavāścāpi ṛṣayo munayastathā ||30||

Seitdem [verehrten sie] die Könige aus Mond- und Sonnengeschlecht, die Rishis und Weisen aus den verschiedenen Abstammungslinien,

Anmerkung: Der Satz setzt sich in 31 fort.

Vers 31
yuge yuge manuṣyāśca sādhakāśca viśeṣataḥ |
upāsāñcakrire devīṃ tāvattāvanmukhāṃ priye ||31||

und in jedem Weltalter die Menschen, besonders die Übenden: Sie verehrten die Göttin mit der jeweils entsprechenden Zahl von Gesichtern, Geliebte.

Gesichter, Arme und Waffen

Die folgende Passage wird als zusammenhängender Grundtext mit ihren ursprünglichen Versnummern wiedergegeben.

Vers 32
atha vaktrabhidā devi bāhubhedān niśāmaya |
yeṣāṃ yeṣāṃ ca jantūnāmākāreṇa mukhaṃ bhavet ||32||

Höre nun, Göttin, von den unterschiedlichen Armen entsprechend den unterschiedlichen Gesichtern und davon, nach welchen Lebewesen die Gesichter jeweils geformt sind.

Vers 33
daśānanā tu yā guhyā catuḥpañcāśadbāhukā |
naradvīpiharigrāhaśivebhakapivājinām ||33||

Die zehnköpfige Verborgene besitzt vierundfünfzig Arme. [Ihre Gesichter haben die Form von] Mensch, Leopard, Löwe, Wassertier, Schakal, Elefant, Affe und Pferd,

Anmerkung: Die Aufzählung endet im folgenden Halbvers mit Garuda und Bär; graha wird nicht ungeprüft auf eine konkrete Tierart beschränkt.

Vers 34
tārkṣyarkṣākāravaktrā sā karāstre pūrvamīrite |
athādhikye tu vaktrāṇāṃ bhujānāṃ varavarṇini ||34||

von Garuda und Bär. Ihre Hände und Waffen wurden zuvor beschrieben. Wenn nun die Zahl der Gesichter und Arme zunimmt, Schöne,

Anmerkung: Die beschädigte Anfangsgruppe ist anhand der erkennbaren Tiernamen und der Zehnerliste normalisiert.

Vers 35
āsye tu viṣame'ṣṭānāṃ daśānāṃ ca same tathā |
karāṇāmatirekatvamiti siddhānta īritaḥ ||35||

so wird bei einer ungeraden Gesichterzahl ein Zuwachs von acht Händen, bei einer geraden ein Zuwachs von zehn gelehrt. So lautet die festgelegte Regel.

Anmerkung: Daśānāṃ ca ist die ausdrücklich in der Quelle angebotene Korrektur des beschädigten daśamānām; als Herausgeberlesung übernommen.

Vers 36
aṣṭāstragaṇamekatra daśāstramitaratra ca |
krameṇa vakṣyamāṇeṣu jñeyaṃ sādhakasattamaiḥ ||36||

Die besten Übenden sollen in den folgenden, der Reihe nach beschriebenen [Formen] auf der einen Seite die Gruppe von acht Waffen, auf der anderen die von zehn erkennen.

Vers 37
athādau mukhamākhyāsye tatra yatnā bhaveśvari |
astravad vadanasyāpi viṣame ca same tathā ||37||

Zuerst werde ich die Gesichter beschreiben; sei dabei aufmerksam, Herrin. Wie bei den Waffen gilt auch bei den Gesichtern die Unterscheidung von ungerade und gerade.

Anmerkung: Die Wendung yatnā bhava ist sprachlich rau; Sinn der Aufforderung zur Aufmerksamkeit hinreichend klar.

Vers 38
vaikiraṃ ca viṣame same cātuṣpadaṃ bhavet |
vihāya nāgaśarabhāvanantāṣṭapadau hi tau ||38||

Bei ungerader [Zahl] sei es ein Vogelgesicht, bei gerader das eines Vierfüßers. Ausgenommen sind Naga und Sharabha; jene sind ohne [beziehungsweise] mit acht Füßen.

Anmerkung: Fragment: Die erste Vogelbezeichnung und die Gruppe ananta/aṣṭapada sind beschädigt beziehungsweise unsicher. Sinn der Ausnahme bei Schlange und achtfüßigem Sharabha vorsichtig wiedergegeben; Sanskrit nicht als sichere zoologische Terminologie behandelt. OCR-Ziffer wiederholt 35, Folge als 38 erkennbar.

Vers 39
śikhihaṃsaśyenaśukarākolūkapadāyuvān |
krauñcasārasakaṅkāṃśca viṣamāsye tu yojayet ||39||

Bei einer ungeraden Gesichterzahl setze man [Gesichter von] Pfau, Hamsa, Falke, Papagei, Raka, Eule, Padayu, Krauncha, Sarasa und Kanka ein.

Anmerkung: Mehrere Vogelnamen sind nicht sicher artgenau bestimmbar; besonders Raka und Padayu sind unsicher gelesen. Bekannte und unsichere Namen nicht durch erfundene Arten ersetzt.

Vers 40
[…] kolavṛṣājoṣṭramṛgasairibhapannagān |
[…] same vaktre vinirdiśet ||40||

[…] Eber, Stier, Ziege, Kamel, Wildtier, Büffel und Schlange […] sind bei einer geraden Gesichterzahl anzugeben.

Anmerkung: Fragment: Anfang und eine weitere Tiernamengruppe im zweiten Halbvers unlesbar. Die lesbaren Tiere werden übersetzt, ohne die Liste zu vervollständigen.

Vers 41
kareṣvevaṃ daśāsyāyā vakṣyamāṇān praveśayet |
[…] śukaṃ caiva śīrṣakaṃ vāmato nyaset ||41||

In die Hände der Zehnköpfigen setze man auf diese Weise die im Folgenden genannten [Gegenstände]. […] Einen Papagei und einen Kopf setze man auf die linke Seite.

Anmerkung: Fragment: Die erste Gegenstandsgruppe im zweiten Halbvers ist im Haupttext unlesbar. Fußnote bietet ṭaṅka und tūlā, Axt und Waage, als Variante; nicht still in die Hauptlesung aufgenommen.

Vers 42
dakṣe vajrāyoguḍe ca karakaṃ cārdhacandrakam |
śāriṅgaṃ krakacaṃ śalyaṃ darpaṇaṃ niṣaḍhaṃ tathā ||42||

Rechts [halte sie] Vajra und Eisenkugel, ein Gefäß, einen Halbmond, einen Sharinga, eine Säge, einen Spieß, einen Spiegel und einen Nishadha.

Anmerkung: Sharinga und Nishadha sind in dieser Liste unsicher überlieferte Objekt- beziehungsweise Waffennamen; der Apparat kennzeichnet auch beim letzten Wort Zweifel. Keine erfundene Detailerklärung.

Vers 43
ṛṣṭiṃ ca kaurajaṃ śātakarṇīṃ kandukaśaṅkukau |
pustakaṃ ratnasaṃpīṭhaṃ hetiṃ cāpi phaṇīmukham ||43||

[Ebenfalls:] eine Rishti-Lanze, Kauraja, Shatakarni, Ball und Pflock, ein Buch, einen Edelsteinsitz, eine Waffe und Phanimukha.

Anmerkung: Mehrere Gegenstandsnamen sind unsicher überliefert. Kauraja, Shatakarni und Phanimukha bleiben ohne erfundene Sachidentifikation; kleinere Kasusendungen normalisiert.

Vers 44
vyākhyānamudrāṃ ḍamarumasthibhedīṃ nārācakam |
śatrujihvāpadmasudhābhāṇḍaśaṅkhābhayaṃ tathā ||44||

Die Lehrgeste, eine Damaru-Trommel, den „Knochenbrecher“, einen Naracha-Pfeil, eine Feindeszunge, einen Lotus, ein Nektargefäß, ein Muschelhorn und die Furchtlosigkeitsgeste,

Anmerkung: Gesten und Gegenstände stehen in derselben Liste; nicht sämtlich als Waffen umgedeutet.

Vers 45
tāmbūlaṃ cāmaraṃ ratnadarvīṃ vyajanakaṃ varam |
madhuparkastathā vīṇā jālaṃ dīpakaraṇḍakam ||45||

Betel, einen Yakschweifwedel, einen Edelsteinschöpflöffel, einen Fächer, die Wunschgewährungsgeste, Madhuparka, eine Vina, ein Netz und einen Lampenkorb,

Anmerkung: Madhuparka: zeremonielle Honiggabe beziehungsweise entsprechende Mischung; der Vers nennt kein Rezept.

Vers 46
dhvajaśca sruvahastaśca kaśā cātha capeṭikā |
ata ūrdhvaṃ ca divyāstraṃ sameṣu viṣameṣu ca ||46||

eine Fahne, eine Hand mit Opferlöffel, eine Peitsche und die schlagende Hand. Darüber hinaus [folgen] göttliche Waffen, bei geraden wie bei ungeraden [Gesichterzahlen].

Anmerkung: Sruvahasta ist eine vorsichtige Lesung der beschädigten Gruppe; chapeṭikā bezeichnet eine Ohrfeige beziehungsweise dafür erhobene Hand, kein erfundenes Waffenmodell.

Vers 47
tāvatyeva hi vijñeyā saṃkhyā tu varavarṇini |
nārāyaṇāstraṃ brahmāstraṃ śāṅkarāstramataḥ param ||47||

Die Zahl ist dabei entsprechend zu verstehen, Schöne. [Es folgen] die Narayana-Waffe, die Brahma-Waffe und danach die Shankara-Waffe,

Vers 48
vaiṣṇavāstraṃ tathā prājāpatyāstraṃ tadanantaram |
kauberāstraṃ tathāgneyaṃ kampanāstraṃ tathaiva ca ||48||

die Vishnu-Waffe, danach die Prajapati-Waffe, die Kubera-Waffe, die Feuerwaffe und ebenso die Erschütterungswaffe,

Anmerkung: Eine Variante liest Kaurava statt Kaubera; Hauptlesung c bewahrt.

Vers 49
aindrāstraṃ vāruṇāstraṃ ca jñeyamaṣṭottare śate |
vāyavyāstraṃ ca yāmyāstraṃ kālāstraṃ bhautikāstrakam ||49||

die Indra- und die Varuna-Waffe: [Dies gilt] bei einhundertacht. [Weiter:] die Windwaffe, die Yama-Waffe, die Kala-Waffe und die Bhutika-Waffe,

Anmerkung: Der Bezug der Zahl 108 ist knapp überliefert; nicht durch neu berechnete Armzahlen ersetzt. Bhutika: auf Bhutas bezogen, ohne hier eindeutige Festlegung auf Elemente oder Geister.

Vers 50
pārjanyāstraṃ vaidyutāstraṃ nāgāstraṃ pārvatāstrakam |
pāṣāṇāstraṃ ca sauparṇaṃ tvāṣṭraṃ tāmasataimire ||50||

die Regenwaffe, die Blitzwaffe, die Schlangenwaffe, die Bergwaffe, die Steinwaffe, die Suparna-[Garuda-]Waffe, die Tvashtar-Waffe sowie die Tamas- und die Finsterniswaffe,

Anmerkung: Die letzten beiden Namen variieren im Apparat; als erkennbare Dunkelheitsbezeichnungen bewahrt.

Vers 51
mātaṅgajambhakaṃ […] cākramaudumbaraṃ tathā |
dānavāstraṃ ca gāndharvaṃ paiśācaṃ jṛmbhaṇaṃ tathā ||51||

Die Matanga-Waffe, die lähmende Jambhaka-Waffe, […], die Diskuswaffe und Audumbara; die Danava-, Gandharva- und Pishacha-Waffe sowie die Gähnen auslösende Waffe,

Anmerkung: Fragment: Eine Waffenbezeichnung in der ersten Hälfte ist unlesbar. Audumbara ist ein überlieferter Name; keine besondere Bauform erschlossen.

Vers 52
prasvāpanaṃ haimanaṃ ca rākṣasaṃ saurameva ca |
[…] cāpi bhāruṇḍaṃ śābaraṃ kālakūṭakam ||52||

die einschläfernde Waffe, die Kältewaffe, die Rakshasa-Waffe, die Sonnenwaffe, […] die Bharunda-Waffe, die Shabara-Waffe und die Kalakuta-Giftwaffe.

Anmerkung: Fragment: Erster Name der zweiten Hälfte beschädigt. Die übrigen Namen bleiben übersetzt beziehungsweise als Eigennamen erhalten.

Vers 53
astraṃ brahmaśiraścāpi vāmataḥ sanniveśayet |
vaitālaṃ śārabhaṃ rājasākṣaṃ skāndaṃ tathaiva ca ||53||

Auch die Brahmashiras-Waffe setze man links ein. [Weiter:] die Vetala-Waffe, die Sharabha-Waffe, Rajasaksha und die Skanda-Waffe,

Anmerkung: Rajasaksha ist unsicher gelesen; keine sichere Gottheits- oder Waffenidentifikation behauptet.

Vers 54
pramathāstraṃ vaināyakaṃ gaṇāstrotpātameva ca |
jvarāstraṃ cāpi kūṣmāṇḍaṃ mūrcchanaṃ bhrāmakaṃ tathā ||54||

die Pramatha-Waffe, die Vinayaka-Waffe, die Gana-Waffe und die Unheilswaffe, die Fieberwaffe, die Kushmanda-Waffe, die Ohnmachtswaffe und die Verwirrungswaffe,

Anmerkung: Gaṇa/nāga und Worttrennung bei astrotpāta schwanken im Apparat; Hauptlesung vorsichtig segmentiert.

Vers 55
gālanaṃ mākaraṃ svāpnaṃ mohanaṃ stambhanaṃ tathā |
balāmatibalāṃ cāpi nimīlanamacetanam ||55||

Galana, die Makara- und die Traumwaffe, die Verblendungs- und die Erstarrungswaffe, Bala und Atibala, die Schließungswaffe und die Bewusstlosigkeitswaffe,

Anmerkung: Galana ist als Name unklar; Bala/Atibala bedeuten hier Kraft-/Überkraft-Formen, nicht kindliche Gestalten.

Vers 56
unmādāstraṃ sarvaśeṣe dviṣaṣṭiśatabāhukā |
[…] mukhato devyāstanna sambhavati priye ||56||

zuletzt die Wahnsinnswaffe: [So ist sie] mit einhundertzweiundsechzig Armen ausgestattet. […] Diese [bestimmte Gesichtergestalt] der Göttin kommt jedoch nicht zustande, Geliebte.

Anmerkung: Fragment: Die Formulierung pādāstra/mukhataḥ im zweiten Halbvers ist beschädigt und auch im Apparat schwankend. Der folgende Erzählzusammenhang betrifft die ausgeschlossene dreiundzwanziggesichtige Gestalt; diese Zahl nicht als erhaltenen Wortlaut hier eingesetzt.

Vers 57
pratiṣiddhā svayaṃ devyā nirvedaṃ gatayā tayā |
hetuṃ kañcit samālambya jugupsākaruṇāśrayam ||57||

Sie wurde von der Göttin selbst untersagt, als sie Ernüchterung empfand – aus einem bestimmten Anlass, der Abscheu und Mitgefühl hervorrief.

Sprecherzeile
devyuvāca |

Devi sprach:

Anmerkung: Sprecherwechsel vor 58.

Warum die Göttin eine Gestalt zurücknahm

Die folgende Passage wird als zusammenhängender Grundtext mit ihren ursprünglichen Versnummern wiedergegeben.

Vers 58
ko hetustatra deveśa kā jugupsā kṛpātha kā |
kathaṃ devyā svakā mūrtiḥ svayamevopasaṃhṛtā ||58||

Was war der Anlass, Herr der Götter? Welche Abscheu, welches Mitgefühl? Warum hat die Göttin selbst ihre eigene Erscheinung zurückgenommen?

Anmerkung: Mūrti nach dem Zusammenhang und der Wiederaufnahme in 69; OCR hat beschädigt mṛti.

Vers 59
na hyalpaṃ kāraṇaṃ bhāvi tadantardhānakārakam |
kathaya tvaṃ samāsena mahatkautūhalaṃ mama ||59||

Es kann kein geringer Grund gewesen sein, der sie verschwinden ließ. Erzähle es kurz; meine Neugier ist groß.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Anmerkung: Sprecherwechsel vor 60.

Vers 60
śrūyatāṃ devadeveśi tanniṣedhasya kāraṇam |
adyāpi kenacinnaiva rahasyaṃ jñāyate tvidam ||60||

Höre, Herrin der Götter, den Grund dieses Verbots. Selbst heute ist dieses Geheimnis niemandem bekannt.

Anmerkung: Die Geheimheitsbehauptung gehört zum Erzählstil der Quelle.

Vers 61
na yāmalādau kathitaṃ naivedaṃ vāmakeśvare |
tripuraghnastu māṃ prāha rahasyamidamuttamam ||61||

Es ist weder in den Yamalas und ähnlichen Werken noch im Vamakeshvara erzählt. Tripuraghna, der Vernichter der drei Städte, hat mir dieses höchste Geheimnis mitgeteilt.

Anmerkung: Quelleneigene Überlieferungsbehauptung; nicht extern historisch bestätigt.

Vers 62
trayoviṃśatyāsyayā hi guhyakālikayā purā |
svaśaktibhiḥ saṃvṛtayā krīḍantyā pitṛkānane ||62||

Einst spielte die dreiundzwanziggesichtige Guhyakalika, umgeben von ihren Shaktis, auf dem Verbrennungsplatz.

Anmerkung: Der Satz setzt sich in 63–65 fort; pitṛkānana wörtlich „Ahnenwald“ bezeichnet hier den Leichenverbrennungsplatz.

Vers 63
dauhitrān gautamasyarṣerjārūthyāṃstrīn munīśvarān |
paiṅgeliṃ śaralomānaṃ palāśāyanameva ca ||63||

[Dort kamen] drei große Weise, Enkel des Rishi Gautama durch seine Tochter, die Jaruthyas: Paingeli, Sharaloman und Palashayana.

Anmerkung: Paingeli ist die ausdrücklich angebotene Herausgeberlesung; Jaruthya und weitere Namen sind selten und teilweise unsicher überliefert.

Vers 64
saṃścikīrṣūn mṛtaṃ tātaṃ samāyātān mahāniśi |
svecchayopasthitān vīkṣya viprānāpānamattayā ||64||

Sie waren mitten in der Nacht freiwillig dorthin gekommen, um ihren verstorbenen Vater [zu bestatten]. Als die vom Trinken berauschte Göttin diese Brahmanen sah,

Anmerkung: Das Verb saṃścikīrṣūn ist rau überliefert; der Zusammenhang mit dem toten Vater wird als Bestattungsvorhaben wiedergegeben, ohne eine konkrete Ritualtechnik zu ergänzen.

Vers 65
bhakṣitāḥ saśavā yadvad dvīpinyā śaśaśāvakāḥ |
kālacakranṛsiṃhena devīsannidhivartinā ||65||

verschlang sie sie mitsamt dem Leichnam, wie eine Leopardin junge Hasen verschlingt. Kalachakra-Nrisimha, der sich in der Nähe der Göttin befand,

Anmerkung: Nichtgrafische Übersetzung der mythologischen Gewalttat; Satzfortsetzung im nächsten Vers.

Vers 66
tvayā kṛtā brahmahatyā sahāsamukhamīritā |
vimṛśantyākṣaṇācceṣṭāṃ tataḥ sapitarastrayaḥ ||66||

sagte mit lächelndem Gesicht: „Du hast Brahmanenmord begangen.“ Sie bedachte ihre Tat; darauf wurden die drei zusammen mit ihrem Vater sogleich

Vers 67
te […] jīvitā viprāḥ sañjātakṛpayā tayā |
jātanirvedayā proktā cāmuṇḍā bhairavī puraḥ ||67||

von ihr, in der Mitgefühl erwacht war, wieder lebendig gemacht. Ernüchtert sprach sie vor sich zu Chamunda-Bhairavi:

Anmerkung: Fragment: Eine kurze Bezugsgruppe vor jīvitā ist beschädigt. Die Wiederbelebung der Brahmanen und des Vaters ist aus 66–67 klar.

Vers 68
saśavā bhakṣitā viprā yādṛgākārayā mayā |
na kadāpi bhaviṣyāmi tādṛśākāradhāriṇī ||68||

„In welcher Gestalt ich diese Brahmanen mitsamt dem Leichnam verschlungen habe – eine solche Gestalt werde ich niemals wieder annehmen.

Vers 69
adyaprabhṛti yuṣmābhirjñātavyaṃ madudīritam |
tataḥ prabhṛti sā mūrtirantardhānamupāgatā ||69||

Von heute an sollt ihr wissen, was ich erklärt habe.“ Seitdem ist jene Gestalt verschwunden.

Vers 70
etasmāt kāraṇāddevi sā nopāsyā hi karhicit |
[…] ||70||

Aus diesem Grund, Göttin, darf jene Gestalt niemals verehrt werden. […]

Anmerkung: Fragment: Der zweite Halbvers über kāsarāsya, ein Büffelgesicht, und pādāstra/anana ist nicht zuverlässig verständlich; keine rituelle Regel aus einer unsicheren Reparatur erfunden.

Vers 71
viṣamāsyāṣṭabāhutvamato dūrībabhūva ha |
caturviṃśānanāyāstu daśa doṣṇāṃ vidhīyate ||71||

Darum entfiel [hier] der Zuwachs von acht Armen bei ungerader Gesichterzahl. Für die vierundzwanziggesichtige Gestalt werden zehn [weitere] Arme vorgeschrieben.

Vers 72
bhairavaṃ cāpyulūkaṃ ca tathāpasmāra eva ca |
[…] māraṇaṃ ca vāmataḥ sanniveśayet ||72||

Bhairava, eine Eule, Apasmara, […] und Marana setze man links ein.

Anmerkung: Fragment: Eine Bezeichnung im zweiten Halbvers ist unlesbar. Apasmara und Marana erscheinen als personifizierte beziehungsweise benannte Kräfte, Vergessenheit/Anfall und Töten; nicht zu neuen Ritualanweisungen ausgearbeitet.

Vers 73
traidaśaṃ cāpi snehaṃ ca jāḍyāsyandaviṣādakam |
dakṣiṇe sanniveṣṭavyaṃ śatādūrdhvaṃ dvisaptatiḥ ||73||

Traidasha, Sneha, Jadyasyanda und Vishada sind rechts einzusetzen. [Die Armzahl beträgt] einhundertzweiundsiebzig.

Anmerkung: Seltene Namen nach den lesbaren Apparatvarianten; genaue Objektdeutung von Traidasha/Jadyasyanda nicht gesichert. Keine zusätzliche Waffe zur rechnerischen Auffüllung erfunden.

Vers 74
krauñcasārasakaṅkāhi[…] |
triṃśadvaktrā guhyakālī dhyātavyā jagadambikā ||74||

[Mit Gesichtern von] Krauncha, Sarasa, Kanka, Schlange […] ist Guhyakali, die Mutter der Welt, dreißiggesichtig zu meditieren.

Anmerkung: Fragment: Restliche Tiergruppe im ersten Halbvers beschädigt. Die lesbaren Namen und Gestaltzahl bleiben erhalten.

Vers 75
vāme mahiṣakhaḍga[…] yoginīṃ tathā |
dakṣe bhairavacāmuṇḍāḍākinīnārasiṃhakam ||75||

Links [halte sie] einen Büffel, ein Schwert beziehungsweise einen Khadga […], und eine Yogini; rechts Bhairava, Chamunda, Dakini und Narasimha,

Anmerkung: Fragment: Mittlere Gegenstandsgruppe beschädigt; der Apparat bietet kuñjara, Elefant, als Variante. Khadga kann hier Schwert oder Nashorn bezeichnen, nicht eindeutig entschieden.

Vers 76
vārāhaṃ ca tato doṣṇāṃ tvaśītiṃ ca śatādhikam |
ṣaṭtriṃśadānanāyāstu mukhabhedaṃ niśāmaya ||76||

und Varaha. Damit [hat sie] einhundertachtzig Arme. Höre nun von den unterschiedlichen Gesichtern der sechsunddreißiggesichtigen Gestalt.

Vers 77
bābhravaṃ kāmaṭhaṃ nākraṃ pārāvatamathāpi ca |
kāraṇḍavaṃ ca hārītaṃ ṣaḍetāni prayojayet ||77||

Man verwende diese sechs [Gesichter]: Babhru, Schildkröte, Krokodil, Taube, Karandava und Harita.

Anmerkung: Babhru ist ein unsicher bestimmbarer brauner Tiername; Karandava und Harita sind Vogelnamen, deren genaue Art hier offenbleibt.

Vers 78
pūrvoditastu niyamo nātaḥ paramudīryate |
samāsye daśabāhūnāmādhikyamiti pārvati ||78||

Von hier an gilt die zuvor gelehrte Regel nicht mehr, Parvati, nach der bei gerader Gesichterzahl zehn Arme hinzukommen.

Vers 79
triṃśadāsyāyā yāvantyastrāṇi ca kramāt |
bhavettaccaturāvṛttyā […] ||79||

Die Waffen der dreißiggesichtigen Gestalt werden der Reihe nach vierfach wiederholt. […]

Anmerkung: Fragment: Die anschließende Zahlchiffre nāga/dik/kuñjara ist unsicher und nicht zuverlässig aufzulösen; keine Gesamtzahl erfunden. Anfangszahl im OCR beschädigt, im folgenden Vers erneut als dreißig belegt.

Vers 80
tasyā vaktre dviguṇite ṣaṣṭivaktrā prajāyate |
bāhavastriṃśadāsyāyā yāvantaḥ parikīrtitāḥ ||80||

Durch Verdopplung ihrer Gesichter entsteht die sechziggesichtige Gestalt. Die für die dreißiggesichtige Form angegebene Armzahl

Vers 81
teṣāṃ dvātriṃśadāvṛttyā ṣaṣṭyāsyāyāḥ karāḥ smṛtāḥ |
te yugākṣidvipaśarāḥ piṇḍībhūtā bhavanti hi ||81||

wird zweiunddreißigfach wiederholt: So werden die Hände der sechziggesichtigen Gestalt bestimmt. Zusammengefasst werden sie durch die Zahlwörter Yuga, Akshi, Dvipa und Shara bezeichnet.

Anmerkung: Die Zahlchiffre wird wörtlich bewahrt; sie wird nicht durch eine rechnerisch passend gemachte Silben- oder Ziffernfolge ersetzt.

Vers 82
ataḥ paramaśītyāsyāṃ yatnā bhūtvā niśāmaya |
viṃśāsyācaturāvṛttimaśītyāsyāṃ vinirdiśet ||82||

Höre nun aufmerksam von der achtziggesichtigen Gestalt. Sie ist als vierfache Wiederholung der zwanziggesichtigen zu bestimmen.

Vers 83
aṣṭāśītiśataṃ nāgayugaghnaṃ bāhavo matāḥ |
[…] ||83||

Als ihre Arme werden einhundertachtundachtzig, vervielfacht mit der Zahlchiffre Naga-Yuga, angegeben. […]

Anmerkung: Fragment: Die längere Ziffernchiffre im zweiten Halbvers ist beschädigt; auch die Multiplikationsangabe des ersten wird nicht als gesicherte Dezimalzahl ausgegeben.

Vers 84
śatāsyā pūrvamevoktā sakarāstrā mayā tava |
etāvanto viśeṣāḥ syuranyatsarvaṃ puroktavat ||84||

Die hundertgesichtige Gestalt habe ich dir bereits samt Händen und Waffen beschrieben. Dies sind die besonderen Unterschiede; alles Übrige ist wie zuvor gelehrt.

Vers 85
āsanādyahibhūṣādirūparaktārṇavādayaḥ |
īdṛgākāriṇīṃ guhyāṃ manuṣyāḥ samupāsate ||85||

Sitz, Schlangenschmuck und die weiteren Gestaltmerkmale, das Blutmeer und alles Weitere [bleiben wie zuvor]. Die Menschen verehren die Verborgene in solchen Formen:

Vers 86
ṛṣayaḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāścāpi striyastathā |
yasyāṃ yasyāṃ yasya yasya bhaktirutpadyate priye ||86||

Rishis, Kshatriyas, Vaishyas, Shudras und ebenso Frauen. Für welche ihrer Formen bei jemandem Hingabe erwacht, Geliebte,

Anmerkung: Historische Aufzählung der Quelle; keine moderne Zugangsbeschränkung daraus abgeleitet.

Vers 87
upāste sa sa tāṃ tāṃ hi phalabhāk cāpi jāyate |
idānīṃ śrūyatāṃ śeṣamahāvākyaṃ mahodayam ||87||

diese verehrt er und empfängt dadurch ihre Frucht. Höre nun das noch verbleibende, große Erhebung bringende Mahavakya.

Vers 88
taddvidhā bhāvanākhyaṃ ca kriyākhyaṃ ca bhavediha |
puro'vadhārayādyaṃ hi dvitīyaṃ tadanantaram ||88||

Es ist hier zweifach: als Bhavana, innere Vergegenwärtigung, und als Kriya, rituelle Handlung. Vernimm zuerst das erste, danach das zweite.

Mahavakyas der inneren Vergegenwärtigung

Die folgende Passage wird als zusammenhängender Grundtext mit ihren ursprünglichen Versnummern wiedergegeben.

Vers 89
ādau tattvamasi jñeyaṃ tattvamasmi tataḥ param |
ayamātmā brahma tatastato brahmāhamasmi ca ||89||

Zuerst ist tat tvam asi, „Das bist du“, zu kennen; danach tattvam asmi, „Ich bin die Wirklichkeit“. Dann [folgt] ayam ātmā brahma, „Dieses Selbst ist Brahman“, und brahmāham asmi, „Ich bin Brahman“.

Anmerkung: Die zweite Formel hat ausdrücklich asmi; sie wird nicht still mit der ersten gleichgesetzt. Tattvam kann als „Wirklichkeit/Wesensgrund“ verstanden werden; die Segmentierung bleibt eine Deutung der vorliegenden Lautfolge.

Vers 90
ayamātmā sā tayā'mṛtaḥ kaivalyāyopatiṣṭhate |
bhāvanāyā idaṃ śeṣamahāvākyaṃ mahāphalam ||90||

„Dieses Selbst ist sie.“ Durch sie unsterblich geworden, gelangt man zur vollkommenen Freiheit. Dies ist das letzte Mahavakya der inneren Vergegenwärtigung, das große Frucht trägt.

Anmerkung: Formel ayam ātmā sā; die anschließende Wirkungsverheißung wird nicht ohne Kennzeichnung als Teil der Formel gezählt.

Vers 91
pratyekameṣāmṛṣyādi śṛṇu yatnena cetasā |
ṛṣirādyasya sanakaḥ pratiṣṭhācchanda ucyate ||91||

Höre aufmerksam die Rishis und weiteren Zuordnungen jedes einzelnen. Der Rishi des ersten ist Sanaka; sein Metrum heißt Pratishtha.

Vers 92
jñeyā guhyā devatā ca praṇavo bījamucyate |
śaktiḥ kalā'mṛtaṃ bījaṃ kīlakaṃ parikīrtitam ||92||

Als Gottheit ist Guhya zu erkennen; Pranava [Om] wird als Bija genannt. Kala ist die Shakti, das Amrita-Bija wird als Kilaka bezeichnet.

Anmerkung: Die verbundene Gruppe kalāmṛtam wird nach den erkennbaren rituellen Faktoren in kalā/amṛta getrennt; keine ungeschriebene Amrita-Silbe ergänzt.

Vers 93
upayogo'sya vijñeyaḥ sadā kaivalyamuktaye |
sanandarṣirdvitīyasya madhyācchando vidhīyate ||93||

Seine Anwendung dient stets der Kaivalya-Befreiung. Für das zweite ist Sananda der Rishi; Madhya wird als Metrum bestimmt.

Vers 94
devatā saiva vijñeyā brahmabījaṃ prakīrtitam |
ānandaḥ śaktiruddiṣṭaḥ śāntiḥ kīlakamucyate ||94||

Die Gottheit ist dieselbe. Als Bija wird Brahma genannt, als Shakti Ananda, Wonne, und als Kilaka Shanti, Frieden.

Anmerkung: Die Begriffe fungieren hier als rituelle Faktoren; keine frei erfundenen Bija-Silben daraus gebildet.

Vers 95
upayogastu sarveṣāṃ pūrvoditaphalāptaye |
sanātanastṛtīyasya ṛṣiḥ saṅkīrtyate priye ||95||

Bei allen dient die Anwendung dem zuvor genannten Ziel. Für das dritte wird Sanatana als Rishi genannt, Geliebte.

Vers 96
chanda ukthā guhyakālī devī bījaṃ tathāparam |
śaktirnādaḥ kīlakaṃ tu kṣetrajñaḥ samudīritaḥ ||96||

Das Metrum ist Uktha, die Göttin Guhyakali und das Bija Para. Nada ist die Shakti; als Kilaka wird Kshetrajna, der Kenner des Feldes, gelehrt.

Anmerkung: Die Worttrennung bījaṃ tathā param ergibt Para als Faktorname; sie bleibt eine vorsichtige Deutung, keine ausgeschriebene Mantrasilbe.

Vers 97
turyarṣirāsurirjñeyo gāyatrī chanda ucyate |
devī guhyā'vyayaṃ bījaṃ śaktiścāpi nirañjanam ||97||

Als Rishi des vierten ist Asuri zu kennen, als Metrum Gayatri. Die Göttin ist Guhya, das Bija Avyaya, das Unvergängliche, und die Shakti Niranjana, das Unbefleckte.

Vers 98
tattvaṃ ca kīlakaṃ jñeyamupayogastu pūrvavat |
ṛṣiḥ śeṣasya kapilaśchandaśca bṛhatī matā ||98||

Tattva, die Wirklichkeit, ist als Kilaka zu kennen; die Anwendung ist wie zuvor. Der Rishi des letzten ist Kapila, sein Metrum gilt als Brihati.

Vers 99
bījaṃ tu vāgbhavaṃ proktaṃ mokṣaḥ śaktiḥ prakīrtyate |
nirvāṇaṃ kīlakaṃ cāpi upayogastu pūrvavat ||99||

Das Bija heißt Vagbhava, als Shakti wird Moksha, Befreiung, genannt und als Kilaka Nirvana. Die Anwendung ist wie zuvor.

Mahavakyas der rituellen Handlung

Die folgende Passage wird als zusammenhängender Grundtext mit ihren ursprünglichen Versnummern wiedergegeben.

Vers 100
yatkriyākhyaṃ mahāvākyaṃ tadidānīṃ niśāmaya |
eteṣāmupayogaśca kriyāyāmeva dṛśyate ||100||

Höre nun das Mahavakya, das Kriya genannt wird. Diese [Worte] finden ihre Anwendung in der rituellen Handlung.

Vers 101
sargādau yatsamutpannaṃ yasmādante layaṃ yāsyati |
yatra tadbhāvanā devi mahāvākyaṃ kriyātmakam ||101||

Die Vergegenwärtigung dessen, was am Anfang der Schöpfung aus etwas hervorgeht und am Ende wieder darin aufgeht, Göttin, ist das handlungsbezogene Mahavakya.

Anmerkung: Sanskritgruppe am Ende des ersten Halbverses beschädigt; layam yāsyati ist eine kontextgestützte Lesung nach den unmittelbar folgenden wiederholten Formulierungen. Der deutsche Sinn ist gesichert, nicht jeder Sanskritbuchstabe.

Vers 102
yogināṃ tacca […] vaidikānāṃ ca viṃśatiḥ |
vedāntināṃ dvādaśa ca catvāryeva hi mantriṇām ||102||

Für Yogins gibt es davon […], für die vedischen Ritualkundigen zwanzig, für die Vedantins zwölf und für die Mantra-Praktizierenden genau vier.

Anmerkung: Fragment: Zahl der Yogin-Gruppe unlesbar; übrige Zahlen erhalten. Keine rechnerische Ergänzung.

Vers 103
tasyopayoga āsanaśodhanādau prakīrtitaḥ |
prathamaṃ tu mahāvākyaṃ śakterjātaḥ śivaḥ svayam ||103||

Ihre Anwendung wird bei der Reinigung des Sitzes und ähnlichen Handlungen gelehrt. Das erste Mahavakya lautet: „Aus Shakti ist Shiva selbst hervorgegangen;

Anmerkung: Die Formel setzt sich in der ersten Hälfte von 104 fort.

Vers 104
layameṣyati cānte'syāḥ sarveṣāmuttamaṃ tvidam |
asya śaktiśivākhyasya mahāvākyasya pārvati ||104||

am Ende wird er wieder in ihr aufgehen.“ Dieses ist das höchste von allen. Für dieses Shakti-Shiva genannte Mahavakya, Parvati,

Anmerkung: Asyāḥ ist in der Rückkehrwendung grammatisch rau; der Sinn des Aufgehens in Shakti wird durch die Parallelstruktur der folgenden Formeln gestützt.

Vers 105
sadāśiva ṛṣiḥ prokto virāṭ chandaḥ prakīrtitam |
devate śaktiśivau kāmārṇaḥ śaktirucyate ||105||

wird Sadashiva als Rishi und Virat als Metrum genannt. Seine beiden Gottheiten sind Shakti und Shiva; der Kama-Laut wird als Shakti bezeichnet.

Vers 106
prāsādaṃ kīlakaṃ jñeyaṃ bījaṃ vāgbhavamucyate |
viniyogaḥ sāmarasyānandānubhavasiddhaye ||106||

Prasada ist als Kilaka zu kennen, Vagbhava wird als Bija genannt. Die Anwendung dient der Verwirklichung der Erfahrung von Wonne in der Wesenseinheit.

Anmerkung: Samarasya: „gleicher Geschmack“, hier Einheit beziehungsweise gleichwesentliches Zusammenstimmen; keine sexuelle Handlung aus dem Begriff allein erschlossen.

Vers 107
jape ceti pratijñāya ṣaḍdīrghairmāyayā nyaset |
ṣaḍaṅgaṃ yoginīkūrcakāminyarṇatrayaṃ japet ||107||

Nachdem man die Absicht zur Rezitation erklärt hat, vollziehe man den sechsfachen Nyasa mit Maya und den sechs langen Vokalen. Man rezitiere die drei Laute Yogini, Kurcha und Kamini.

Anmerkung: Die Bijas werden durch ihre Namen angegeben; keine fehlende ausgeschriebene Silbenfolge konstruiert.

Vers 108
yathāśakti dvitīyaṃ tu mahāvākyaṃ tataḥ smaret |
paramātmanaḥ samutpanno jīvātmā janmahetave ||108||

Danach vergegenwärtige man nach Vermögen das zweite Mahavakya: „Aus dem höchsten Selbst ist das individuelle Selbst hervorgegangen, zum Zweck der Geburt;

Anmerkung: Alternative Lesung im Apparat: ātmahetave statt janmahetave. Die Hauptlesung wird nicht ersetzt.

Vers 109
layameṣyati tatrānte dvitīyaṃ tat prakīrtitam |
asya paramātmajīvātmamahāvākyasya pārvati ||109||

am Ende wird es wieder dort aufgehen.“ Dies wird als das zweite bezeichnet. Für dieses Mahavakya von Paramatman und Jivatman, Parvati,

Vers 110
brahmā ṛṣiḥ samuddiṣṭo gāyatrī chanda ucyate |
paramātmā ca jīvātmā devatā parikīrtitā ||110||

ist Brahma als Rishi angegeben, Gayatri als Metrum; Paramatman und Jivatman werden als Gottheit genannt.

Vers 111
pāśaḥ śaktiḥ […] praṇavaṃ kīlakaṃ matam |
nādabījaṃ hi bījaṃ syājjīvātmaparamātmanoḥ ||111||

Pasha ist die Shakti […], Pranava [Om] gilt als Kilaka. Das Nada-Bija ist das Bija von individuellem und höchstem Selbst.

Anmerkung: Fragment: Kurzes Wort nach śaktiḥ beschädigt; Faktoren und Zuordnung sind lesbar.

Vers 112
sāmarasyākhyakaivalyanirvāṇe viniyogatā |
ṣaḍaṅgaṃ cāpi […] kṛtvā mantraṃ japedanu ||112||

Die Anwendung gilt Kaivalya und Nirvana in der als Samarasya bezeichneten Einheit. Nach Vollzug des sechsfachen [Nyasa] mit […] rezitiere man den Mantra.

Anmerkung: Fragment: Die Lautangabe zum sechsfachen Nyasa ist beschädigt; nicht aus der vorherigen Formel ergänzt.

Vers 113
oṃ haṃsaḥ so'hamiti vai yathāśakti japedamum |
tṛtīyaṃ tu mahāvākyaṃ niśāmaya maheśvari ||113||

Man rezitiere nach Vermögen: oṃ haṃsaḥ so ’ham – „Om, Hamsa; jener bin ich.“ Höre nun das dritte Mahavakya, große Herrin.

Anmerkung: Hamsa bleibt als heiliger Formelname stehen; keine erfundene wörtliche Bija-Deutung.

Vers 114
jīvātmanaḥ prajātāni tanmātrāṇīndriyāṇi ca |
layameṣyati tatrānte ṛṣyādi vinibodha me ||114||

„Aus dem individuellen Selbst sind die feinen Sinnesgrundlagen und die Sinne hervorgegangen; am Ende werden sie dort wieder aufgehen.“ Vernimm von mir Rishi und die weiteren Zuordnungen.

Anmerkung: Die Quelle hat im Rückkehrsatz den Singular layam eṣyati trotz vorausgehenden Plurals; im Deutschen sinngemäß wiedergegeben, im Sanskrit bewahrt.

Vers 115
asya jīvātmatanmātrendriyavākyasya pārvati |
ṛṣiḥ prajāpatiḥ proktaḥ pratiṣṭhā chanda ucyate ||115||

Für dieses Wort von Jivatman, Tanmatras und Sinnen, Parvati, wird Prajapati als Rishi genannt und Pratishtha als Metrum.

Vers 116
devatā cāpi tanmātrajīvātmendriyamucyate |
vāgbhavaṃ śaktirākhyātāṅkuśaṃ kīlakamucyate ||116||

Als Gottheit werden Tanmatras, individuelles Selbst und Sinne genannt. Vagbhava heißt die Shakti, Ankusha das Kilaka.

Vers 117
prāsādaṃ bījamuddiṣṭaṃ vāṅmanonetraśrāvasām |
ghrāṇajihvātvacaḥ sāmarasye ca viniyogatā ||117||

Prasada ist als Bija angegeben. Die Anwendung gilt der Einheit von Rede, Geist, Augen, Gehör, Geruch, Zunge und Haut.

Vers 118
śabdādibhiḥ ṣaḍaṅgaṃ syāt ṣaḍdīrghaṃ prajapenmanum |
caturthaṃ tu mahāvākyamamṛtāttīrthamutthitam ||118||

Der sechsfache [Nyasa] erfolgt mit Klang und den weiteren [Sinnesgrundlagen]; man rezitiere den Mantra mit den sechs langen [Vokalen]. Das vierte Mahavakya lautet: „Aus Amrita ist das Tirtha hervorgegangen;

Anmerkung: Tirtha: heiliger Wasserort beziehungsweise rituelles Heilwasser; Amrita: Unsterblichkeitsnektar. Die Folge beginnt bei Klang, ergänzt aber keine in dieser Zeile ungeschriebene Liste.

Vers 119
layameṣyati cānte'tra mahāvākyaṃ tataḥ smṛtam |
asya tīrthāmṛtanyāsasya kauśika ṛṣirmataḥ ||119||

am Ende wird es wieder darin aufgehen.“ So wird das Mahavakya überliefert. Als Rishi dieses Tirtha-Amrita-Nyasa gilt Kaushika.

Anmerkung: Singular eṣyati nach der in der Quelle selbst angebotenen Korrektur; OCR hat an dieser Stelle eine unsichere Pluralendung.

Vers 120
paṅktiśchando'mṛtaṃ devī śaktirapyamṛtaṃ bhavet |
māyābījaṃ smaraḥ kīlaḥ sāmarasyopayogitā ||120||

Pankti ist das Metrum, Amrita die Gottheit und ebenso die Shakti. Maya ist das Bija, Smara das Kilaka; die Anwendung dient der Einheit.

Anmerkung: Bija-Namen werden nicht in ungeschriebene Lautfolgen aufgelöst.

Vers 121
yoginīkūrcarāvāṇāṃ japaṃ kuryācca śaktitaḥ |
kriyākhyaṃ tu mahāvākyamityetat prakīrtitam ||121||

Man rezitiere die Yogini-, Kurcha- und Rava-[Laute] nach Vermögen. Damit ist das handlungsbezogene Mahavakya erklärt.

Anmerkung: Rava ist die vorliegende, nicht völlig sichere Lautchiffre; keine ergänzte Silbe.

Vers 122
upāsakānāṃ devyāśca iti bhedā mayeritāḥ |
yāvadyāvanmukhāyāstu yo yo mantraḥ prakīrtitaḥ ||122||

So habe ich die Unterschiede der Verehrer und der Göttin erklärt. Die jeweils für ihre verschiedenen Gesichterzahlen angegebenen Mantras,

Anmerkung: Fortsetzung in 123–124.

Vers 123
teṣāṃ manūnāmuddhāramekavarṇāyutāvadhi |
ṛṣicchandobījaśaktikīlakādisamanvitam ||123||

ihre Erschließung von einer Silbe bis zu zehntausend, zusammen mit Rishi, Metrum, Bija, Shakti, Kilaka und den übrigen Faktoren,

Vers 124
ataḥ paraṃ sāvadhānā śṛṇu yatnena cetasā |
nyāsabhedān yantrabhedān pūjābhedāṃstataḥ param ||124||

höre nun aufmerksam und mit gesammeltem Geist. Danach [höre] die verschiedenen Nyasas, Yantras und Arten der Puja.

Vers 125
pavitradamanāropaśaratkāloparāgikāḥ |
kriyāḥ śroṣyasi yacchrutyā sarvapāpakṣayo bhavet ||125||

Du wirst von Pavitra- und Damana-Darbringung sowie von den Handlungen im Herbst und bei Finsternissen hören; durch ihr Hören, so heißt es, werden alle Verfehlungen getilgt.

Anmerkung: Kapitelvorschau der Quelle; nicht als Behauptung einer schon vollständig vorliegenden deutschen Übersetzung ausgegeben.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāṃ trividhadhyānadevatopāsakādinirṇayo nāma dvitīyaḥ paṭalaḥ |

So endet in der Mahakala-Samhita das zweite Kapitel namens „Bestimmung der dreifachen Meditation, der Gottheit, der Verehrer und weiterer Gegenstände“.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 3

Mahakala erschließt zahlreiche Mantraformen Guhyakalis nach ihren überlieferten Verehrern. Auf Lautchiffren folgen jeweils Rishi, Metrum, Gottheit, Bija, Shakti, Kilaka, Ritualziel und Gestaltmerkmale. Auch wiederholende Zuordnungen werden übersetzt; beschädigte Formeln bleiben unvollständig.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Ein- und dreisilbige Formen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 1
ekayaiva hi śākinyā bhavedekākṣarī śubhā |
ṛṣirhiraṇyagarbho'sya chanda ukthā prakīrtitā ||1||

Allein aus Shakini entsteht die segensreiche einsilbige [Vidya]. Ihr Rishi ist Hiranyagarbha, ihr Metrum wird Uktha genannt.

Anmerkung: Shakini ist hier eine Lautchiffre. Die Quelle gibt an dieser Stelle keine ausgeschriebene Einzelsilbe an.

Vers 2
devatā guhyakālī ca kālībījaṃ tu bījakam |
kūrcaḥ śaktiḥ smaraḥ kīla upayogastu muktaye ||2||

Die Gottheit ist Guhyakali, das Kali-Bija der Samenfaktor. Kurcha ist die Shakti, Smara das Kilaka; die Anwendung dient der Befreiung.

Vers 3
devyasya […] ekamukhī dvibāhurasicarmadhṛk |
vidhātrupāsitādhyānaṃ sarvamanyat puroktavat ||3||

Die Göttin dieser [Form] […] hat ein Gesicht und zwei Arme und trägt Schwert und Schild. Dies ist die Meditation der von Vidhatar verehrten Form; alles Übrige ist wie zuvor gelehrt.

Anmerkung: Fragment: Eine kurze Gruppe vor ekamukhī ist beschädigt. Vidhatar: der Schöpfer. Die lesbaren Gestaltmerkmale vollständig übersetzt.

Vers 4
tāratrapāśākinībhistryakṣaro'nyo bhavenmanuḥ |
asyarṣiḥ parameṣṭhī syājjagatīcchanda ucyate ||4||

Ein weiterer, dreisilbiger Mantra besteht aus Tara, Trapa und Shakini. Sein Rishi ist Parameshthin, sein Metrum heißt Jagati.

Anmerkung: Tara/Trapa/Shakini bleiben als Lautchiffren; keine drei Göttinnen als eigenständige zusätzliche Mantragottheiten erfunden.

Vers 5
mantradevī guhyakālī māyābījamudīryate |
lakṣmīḥ śaktiryoginī ca kīlakaṃ samudāhṛtam ||5||

Die Mantragöttin ist Guhyakali, Maya wird als Bija genannt. Lakshmi ist die Shakti, Yogini das Kilaka.

Vers 6
sarvāsāmeva siddhīnāṃ sādhanāyopayogitā |
trimukhī manujadvīpipheruvaktreṇa śobhitā ||6||

Die Anwendung dient dem Erlangen aller Siddhis. Sie ist dreigesichtig, geschmückt mit Menschen-, Leoparden- und Schakalgesicht.

Vers 7
caturbhujā khaḍgaśūlau dakṣiṇe bibhratī śivā |
vāmakare pāśamuṇḍau dadhānā kālavigrahā ||7||

Die Heilvolle hat vier Arme; rechts trägt sie Schwert und Dreizack, links Schlinge und Schädel. Ihr Leib ist dunkel.

Anmerkung: Diese Versnummer 3.7 in c ist NICHT das in e zitierte Guru-Unterweisungswort. Dortige Kapitel-/Versverweise nicht ungeprüft gleichsetzen.

Vers 8
anaṅgopāsitā vidyā trailokyasyāpi mohinī |
strīvaśyakāriṇāṃ nṛṇāṃ sadyaḥ pratyayadāyinī ||8||

Die von Ananga verehrte Vidya bezaubert sogar die drei Welten. Männern, die Frauen unter ihre Gewalt bringen wollen, soll sie unmittelbar einen Wirksamkeitsbeweis geben.

Anmerkung: Historische Verheißung einer Unterwerfungsanwendung; keine heutige Praxisempfehlung.

Vers 9
yoginīśākinīstrībhistryakṣaro hyaparo manuḥ |
ṛṣirātharvaṇo hyasya madhyācchanda udīryate ||9||

Ein weiterer dreisilbiger Mantra besteht aus Yogini, Shakini und Stri. Sein Rishi ist Atharvana; Madhya wird als Metrum genannt.

Vers 10
devī guhyā smaro bījaṃ śaktiḥ kālī nigadyate |
aṅkuśaḥ kīlakaṃ cāpi viniyogo'sya sampade ||10||

Die Göttin ist Guhya, das Bija Smara, die Shakti wird Kali genannt. Ankusha ist das Kilaka; die Anwendung dient dem Gedeihen und Wohlstand.

Vers 11
eṣāpi tryānanā jñeyā gajavājinarākṛtiḥ |
caturdormaṇḍitā raktā dadhānā dakṣiṇe bhuje ||11||

Auch sie ist als dreigesichtig zu erkennen, mit Elefanten-, Pferde- und Menschengestalt. Sie ist rot und mit vier Armen ausgestattet; in den rechten Händen trägt sie

Vers 12
bāṇāṅkuśau vāmakare cāpapheruśiśūn kramāt |
varuṇopāsitā vidyā tava devi mayoditā ||12||

Pfeil und Elefantenhaken, in den linken der Reihe nach Bogen und Schakaljunges. Damit habe ich dir, Göttin, die von Varuna verehrte Vidya erklärt.

Anmerkung: Die Kasusfügung der Gegenstandsliste ist rau; Sinn der Handzuordnung klar.

Fünfsilbige Formen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 13
rāvakūrcāgnikāntābhistārādyābhirvarānane |
pañcākṣarī mahāvidyā pāvakopāsitā matā ||13||

Mit Tara am Anfang, dann Rava, Kurcha und Agnikanta, Schöne, entsteht die fünfsilbige Mahavidya, die als von Pavaka [Agni] verehrt gilt.

Anmerkung: Silbenzahl ist Quellenangabe; Agnikanta „Gattin des Feuers“ bezeichnet traditionell Svaha. Die übrigen Chiffren nicht frei aufgelöst.

Vers 14
ṛṣirīśvara etasya chandobīje bṛhatsmarau |
meghaḥ śaktī ramā kīlaṃ devatā guhyakālikā ||14||

Ihr Rishi ist Ishvara; Metrum und Bija sind Brihat und Smara. Megha ist die Shakti, Rama das Kilaka, die Gottheit Guhyakalika.

Anmerkung: Bṛhat als vorliegende Kurzform der Metrumsbezeichnung bewahrt; die Lautnamen werden nicht mit neuen Silben ergänzt.

Vers 15
puruṣārthacatuṣkasya siddhaye viniyogatā |
pañcānanā naradvipapherusiṃhanagākṛtiḥ ||15||

Die Anwendung gilt der Verwirklichung der vier menschlichen Lebensziele. Sie besitzt fünf Gesichter: Mensch, Elefant, Schakal, Löwe und Naga.

Anmerkung: Der letzte Tiername ist im OCR naga; hier vorsichtig als Naga/Schlange gelesen. Keine andere fünfte Tierart erfunden.

Vers 16
aṣṭabāhuḥ kṛpāṇeṣucakrākṣāṇi ca dakṣiṇe |
dhārayantī vāmakare carmacāpāṅkuśasrajaḥ ||16||

Sie hat acht Arme und trägt rechts Schwert, Pfeil, Diskus und Gebetskette; links Schild, Bogen, Elefantenhaken und Girlande.

Anmerkung: Eine Apparatvariante bietet Schlinge statt Bogen in der linken Handliste.

Vers 17
raktaśyāmavapurbhāsā sarvamanyat puroditam |
praṇavo bhauvaneśīruḍyoginīśākinīyutaḥ ||17||

Ihr Leib leuchtet rot und dunkel; alles Übrige wurde zuvor beschrieben. [Für die nächste Form:] Pranava, Bhauvaneshi, Rud, Yogini und Shakini,

Anmerkung: Die ungewöhnliche Chiffre bhauvaneśī und rud werden als Namen bewahrt; keine vollständig sichere Silbenauflösung. Die erste Hälfte schließt die vorige Form ab.

Vers 18
pañcākṣaraḥ krameṇānyo guhyakālyā mahāmanuḥ |
ṛṣiḥ pitāmaho hyasya gāyatrīcchanda iṣyate ||18||

bilden in dieser Reihenfolge einen weiteren fünfsilbigen großen Mantra Guhyakalis. Sein Rishi ist Pitamaha, Gayatri gilt als Metrum.

Vers 19
guhyā devī ramā bījaṃ śaktikīle smarāmṛte |
vaśyakarmaṇi bhūpānāṃ viniyogo'sya kīrtitaḥ ||19||

Guhya ist die Göttin, Rama das Bija; Shakti und Kilaka sind Smara und Amrita. Die Anwendung wird zur Unterwerfung von Herrschern gelehrt.

Vers 20
eṣāpi pañcavadanā tārkṣya[…] dantibhiḥ |
pūrvavaccāṣṭadoryuktā tairevāstraiśca maṇḍitā ||20||

Auch sie hat fünf Gesichter, [darunter] Garuda […] und Elefant. Wie zuvor besitzt sie acht Arme und ist mit denselben Waffen ausgestattet.

Anmerkung: Fragment: Die mittlere Tiernamengruppe ist beschädigt; keine vollständige Fünferliste rekonstruiert.

Vers 21
adityupāsitā proktā sarvakāmaphalapradā |
yoginī kūrcaramaṇī rāvairmāyādibhirmanuḥ ||21||

Sie wird als von Aditi verehrt bezeichnet und gewährt die Frucht aller Wünsche. [Für die nächste Form:] Maya am Anfang, dann Yogini, Kurcha, Ramani und Rava bilden den Mantra.

Anmerkung: Aditi ist Hauptlesung; der Herausgeber begründet die Konjektur Aditya, der Sonnengott. Beide Zuordnungen offen ausgewiesen, nicht still gewechselt.

Vers 22
pañcākṣaraḥ śacyupāsyaḥ saubhāgyaphaladāyakaḥ |
ṛṣiḥ svayambhūrbṛhatīcchando guhyā ca devatā ||22||

Er hat fünf Silben, wird von Shachi verehrt und schenkt Glück. Svayambhu ist der Rishi, Brihati das Metrum und Guhya die Gottheit.

Vers 23
bījamasya samuddiṣṭaṃ nālīkaṃ varavarṇini |
caṇḍaḥ śaktiḥ kīlakaṃ ca khecarī bhavati priye ||23||

Als sein Bija ist Nalika angegeben, Schöne. Chanda ist die Shakti; Khechari bildet das Kilaka, Geliebte.

Anmerkung: Nalika ist eine nicht sicher auflösbare Lautchiffre; keine Silbe erfunden.

Vers 24
viniyogaḥ sarvakāryasiddhaye parikīrtitaḥ |
pītāruṇena varṇena ṣaṇmukhī daśabāhukā ||24||

Die Anwendung dient der Vollendung aller Vorhaben. Sie ist von gelbroter Farbe, besitzt sechs Gesichter und zehn Arme.

Anmerkung: Die fünfsilbige Mantraangabe im vorherigen Vers wird nicht in eine andere Gesichterzahl umgerechnet.

Vers 25
ibhāśvatārkṣyamakarakapipherumukhākṛtiḥ |
śūlaṃ cakraṃ gadāṃ śaktiṃ bījapūraṃ ca dakṣiṇe ||25||

Ihre Gesichter haben die Form von Elefant, Pferd, Garuda, Makara, Affe und Schakal. Rechts [hält sie] Dreizack, Diskus, Keule, Speer und Zitronatzitrone,

Vers 26
gṛdhrarājaṃ śivāpotamaṅkuśaṃ ratnamālikām |
nṛmuṇḍaṃ vāmahaste ca dhārayantī maheśvarī ||26||

in den linken Händen trägt Maheshvari einen Geierkönig, ein Schakaljunges, einen Elefantenhaken, eine Edelsteinkette und einen Menschenkopf.

Neunsilbige Formen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 27
dhyānapūjādikaṃ cānyat samānaṃ sarvameva hi |
purataḥ śākinīṃ dattvā ḍākinīṃ tadanantaram ||27||

Die übrige Meditation, Verehrung und alles Weitere sind gleich. [Für die nächste Form:] Zuerst setze man Shakini, danach Dakini,

Vers 28
varṇādārabhya bhāratyāstṛtīyāt saptamāvadhi |
varṇānetāntarāle śiro'ntaḥ smṛto navākṣarī ||28||

dann die Laute der Bharati-[Form] vom dritten bis zum siebten in die Mitte. Mit dem Haupt-[Mantra] am Ende wird diese [Vidya] als neunsilbig überliefert.

Anmerkung: Der Sanskritanschluss ist beschädigt und grammatisch rau; die erkennbare Sequenz wird übersetzt, nicht zu einer vollständigen Formel rekonstruiert.

Vers 29
ṛṣiḥ svayambhūruddiṣṭaśchandaḥ paṅktiriyaṃ surī |
eṣā bījavatī kuntabījena parameśvari ||29||

Svayambhu ist als Rishi genannt, Pankti als Metrum; diese [Guhyakali] ist die Göttin. Ihr Bija ist das Kunta-Bija, höchste Herrin.

Anmerkung: Sūrī/surī-Lesung unsicher; der Bezug auf die Mantragöttin ist aus dem Zusammenhang wiedergegeben.

Vers 30
yoginī śaktiruddiṣṭā bhūtaḥ kīlakamucyate |
māraṇāyābhicārāya viniyogo'sya kathyate ||30||

Yogini ist als Shakti angegeben, Bhuta wird Kilaka genannt. Als Anwendung werden Töten und schädigender Zauber gelehrt.

Anmerkung: Historische Ritualfunktion, keine Handlungsempfehlung.

Vers 31
aṣṭāsyā ṣoḍaśabhujāṅgabhāsā kṛṣṇalohitā |
dviparkṣatārkṣyapañcāsyakapigrāhāśvapherusi ||31||

Sie ist achtgesichtig, hat sechzehn Arme und einen schwarzroten Körperglanz. [Ihre Gesichter sind] Elefant, Bär, Garuda, Löwe, Affe, Wassertier, Pferd und Schakal.

Anmerkung: Die Sanskrit-Tierreihe ist lautlich beschädigt; die acht erkennbaren Namen sind vorsichtig normalisiert, ohne neue Tierformen zu ergänzen.

Vers 32
triśūlakhaḍgacakreṣugadāprāsatrikartṛkā |
dadhānā dakṣiṇe haste vāme pāśaṃ ca carma ca ||32||

Rechts trägt sie Dreizack, Schwert, Diskus, Pfeil, Keule, Wurfspeer und eine Tri-Kartrika; links Schlinge und Schild,

Anmerkung: Die Gruppe trikartṛkā ist unsicher segmentierbar; keine zusätzliche achte rechte Waffe zur Erfüllung der Armzahl erfunden.

Vers 33
ahikodaṇḍaparaśughaṇṭāmālākapālakān |
dānavopāsitā vidyā caturvargaphalapradā ||33||

Schlange, Bogen, Axt, Glocke, Kette und Schädelschale. Diese von den Danavas verehrte Vidya gewährt die Frucht der vier Lebensziele.

Vers 34
etasyaiva dvitīyārṇaṃ mahadātaścaṇḍato'pyanu |
sambodhanapadaṃ yogeśvaryā mantro navākṣaraḥ ||34||

[Man nehme] den zweiten Laut eben dieser [Form], danach Mahat und Chanda sowie die Anrede an Yogeshvari: [So entsteht] der neunsilbige Mantra.

Anmerkung: Die Gruppe mahadātaś caṇḍataḥ ist unsicher gelesen; die Übertragung nennt nur erkennbare Chiffren und bildet keine sichere ausgeschriebene Formel.

Vers 35
ṛṣirmṛtyuñjayo'sya chandastriṣṭubudīritam |
etannāmayutā guhyakālī bhavati devatā ||35||

Sein Rishi ist Mrityunjaya, als Metrum wird Trishtubh genannt. Die Gottheit ist Guhyakali mit diesem Namen.

Anmerkung: Welcher vorangehende Name durch etannāma genau aufgegriffen wird, ist nicht zweifelsfrei; keine neue Namensform erfunden.

Vers 36
syādatra khecarībījaṃ strīkālyau śaktikīlake |
viniyogastu […] kaivalyapadalabdhaye ||36||

Hier ist Khechari das Bija; Stri und Kali sind Shakti und Kilaka. Die Anwendung […] dient dem Erlangen des Zustandes vollkommener Freiheit.

Anmerkung: Fragment: Kurze Anrede oder Partikel im zweiten Halbvers beschädigt; Ritualziel vollständig lesbar.

Vers 37
tāraṃ vinā bhāratīyamukhāni kramato nava |
bhujairyutāṣṭādaśabhistattadastropaśobhitaiḥ ||37||

Ohne Tara [besitzt sie] der Reihe nach neun Gesichter der Bharati-Form. Sie ist mit achtzehn Armen ausgestattet, die durch die jeweiligen Waffen geschmückt sind.

Anmerkung: Tara ist in diesem Gestaltzusammenhang nicht eindeutig bestimmt; keine bestimmte ausgeschlossene Tierart hinzuerfunden.

Vers 38
khaḍgāṅkuśau ratnamālāṃ triśūlaṃ paraśuṃ tathā |
bāṇān pāśupatān pañca gadāṃ muṣṭiṃ ca kartṛkām ||38||

Schwert und Elefantenhaken, Edelsteinkette, Dreizack, Axt, die fünf Pashupata-Pfeile, Keule, Faust und Schneidemesser

Vers 39
dakṣiṇe vāmataścarma pāśaṃ khaṭvāṅgameva ca |
bhuśuṇḍīṃ cakradhanuṣī ghaṇṭāmunmādavaṃśikām ||39||

[trägt sie] rechts; links Schild, Schlinge, Khatvanga, Bhushundi, Diskus und Bogen, Glocke und die Wahnsinn erregende Flöte

Vers 40
kapālaṃ kramaśaśceti bibhratī ghorarūpiṇī |
deveśi mṛtyukālābhyāmiyaṃ pūrvamupāsitā ||40||

und schließlich die Schädelschale. Diese furchtbare Gestalt wurde einst von Mrityu und Kala verehrt, Herrin der Götter.

Bharata und verwandte Mantraüberlieferungen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 41
yā […] vidyā bharatopāsitā priye |
anyonyavyatyayāttasyā bījānāmupajāyate ||41||

Jene […] von Bharata verehrte Vidya, Geliebte, bringt durch gegenseitige Vertauschung ihrer Bijas [weitere Formen] hervor.

Anmerkung: Fragment: Ein Wort im ersten Halbvers ist beschädigt; keine ungesicherte Silbenzahl in die Zeile eingesetzt.

Vers 42
ādyayā trapayā jñeyo bharatopāsito manuḥ |
purasthayā tu yoginyā cyāvanī parikīrtitā ||42||

Mit Trapa am Anfang ist der Mantra als Bharatas Verehrungsform zu erkennen; mit Yogini an erster Stelle wird er Chyavani genannt.

Vers 43
hārītopāsitā proktā prathamoccāraṇādruṣaḥ |
jābālopāsitā saiva purataḥ sthitayā striyā ||43||

Wird Rush zuerst ausgesprochen, heißt sie die von Harita verehrte [Form]. Dieselbe wird zur von Jabala verehrten Form, wenn Stri an erster Stelle steht.

Anmerkung: Rush, „Zorn“, ist hier eine Lautchiffre, keine Aufforderung zu emotionaler Erregung.

Vers 44
purogayā tu śākinyā sā dakṣopāsitā bhavet |
pūrvoditāni vaktrāṇi daśaivāsāṃ bhavanti hi ||44||

Mit Shakini am Anfang wird sie zur von Daksha verehrten Form. Diese Formen besitzen die zuvor beschriebenen zehn Gesichter.

Vers 45
catuḥpañcāśadastrāṇi bhujāstāvanta eva ca |
ṛṣyādikaṃ ca bhāratyāḥ pūrvamevoditaṃ priye ||45||

Sie haben vierundfünfzig Waffen und ebenso viele Arme. Rishi und die weiteren Zuordnungen der Bharati-Form wurden bereits genannt, Geliebte.

Vers 46
cyāvanyāḥ krauñcapādākhya ṛṣiśchandaśca […] |
saiva devī vadhūbījaṃ setūgrau śaktikīlake ||46||

Für die Chyavani-Form heißt der Rishi Kraunchapada, das Metrum […]. Die Göttin ist dieselbe; Vadhu ist das Bija, Setu und Ugra sind Shakti und Kilaka.

Anmerkung: Fragment: Metrumsname unlesbar; die übrigen Faktoren bewahrt.

Vers 47
sa eva viniyogaḥ syāt sarveṣveva manuṣvapi |
ṛṣirmedhuko hārītyāstraiṣṭubhā chandasānvitaḥ ||47||

Die Anwendung ist bei all diesen Mantras dieselbe. Der Rishi der Harita-Form ist Medhuka; sie ist mit dem Trishtubh-Metrum verbunden.

Anmerkung: Medhuka ist eine unsichere Namenslesung, nicht durch einen bekannteren Rishinamen ersetzt.

Vers 48
eṣā devī balirbījaṃ gāruḍaḥ śaktirīritā |
meghaḥ kīlakamākhyātaṃ viniyogaḥ sa eva hi ||48||

Die Göttin ist diese [Guhyakali]; Bali ist das Bija, Garuda wird als Shakti genannt, Megha als Kilaka. Die Anwendung bleibt dieselbe.

Vers 49
ṛṣiḥ paiṅgastu jābālyāḥ śakvaryā chandasā surī |
sā bījamakṣo dhanadā śaktirvidyucca kīlakam ||49||

Der Rishi der Jabala-Form ist Painga, das Metrum Shakvari; sie selbst ist die Göttin. Aksha ist das Bija, Dhanada die Shakti und Vidyut das Kilaka.

Anmerkung: Der Rishiname ist im OCR getrennt und unsicher; seine erkennbare Form bleibt erhalten.

Vers 50
kauṣītaka ṛṣirdākṣyā atyaṣṭiśchanda ucyate |
devīyaṃ mānasaṃ bījaṃ śaktikīle gadāmahe ||50||

Der Rishi der Daksha-Form ist Kaushitaka, ihr Metrum heißt Atyashti. Sie ist die Göttin, Manasa das Bija; Shakti und Kilaka heißen Gada und Maha.

Anmerkung: Die Schlussgruppe gadāmahe ist unsicher segmentiert. Die zwei Namen sind eine vorsichtige Lesung, keine gesicherte Mantraauflösung.

Hiranyakashipu, Brahma und Vasishtha

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 51
rāmopāsyā ṛṣicchando'nvitā pūrvaṃ samuddhṛtā |
ato hiraṇyakaśipūpāsitāṃ tvaṃ niśāmaya ||51||

Die von Rama verehrte Form wurde samt Rishi und Metrum bereits erschlossen. Höre nun die von Hiranyakashipu verehrte.

Vers 52
ḍākinīkopavedādirāvā māyā ca yoginī |
krodhāṅganāramālajjāstataḥ kūṭo'pyanāhataḥ ||52||

Dakini, Kopa, Vedadi, Rava, Maya und Yogini; Krodha, Angana, Rama und Lajja, danach der Anahata-Kuta,

Anmerkung: Kopa ist aus der beschädigten Gruppe koṣa vorsichtig gelesen; die Chiffren bleiben unaufgelöst.

Vers 53
lakṣmīstāro bhauvaneśī phetkārī ḍākinī tathā |
iyaṃ hiraṇyakaśipūpāsitā ṣoḍaśākṣarī ||53||

Lakshmi, Tara, Bhauvaneshi, Phetkari und Dakini: Dies ist die von Hiranyakashipu verehrte sechzehnsilbige [Vidya].

Anmerkung: Die von der Quelle genannte Silbenzahl wird nicht zur Ergänzung fehlender Zeichen benutzt.

Vers 54
pūrvamapyuddhṛtā caiṣā sāmprataṃ ca samuddhṛtā |
mahāpralayakartṛtvānnopāsyeyaṃ nṛṇāṃ priye ||54||

Sie wurde zuvor erschlossen und wird nun erneut erschlossen. Weil sie die große Weltauflösung bewirkt, soll sie von Menschen nicht verehrt werden, Geliebte.

Anmerkung: Das Verbot steht im Grundtext selbst und wird neben der Mantrabeschreibung bewahrt.

Vers 55
śataśīrṣāyutakarā durnirīkṣyatarākṛtiḥ |
ṛṣyādiḥ pūrvamukto'sya brahmopāsyāmataḥ śṛṇu ||55||

Sie hat hundert Köpfe und zehntausend Hände; ihre Erscheinung ist kaum anzusehen. Rishi und die übrigen Faktoren wurden schon genannt. Höre nun die von Brahma verehrte Form.

Vers 56
sānuphetkāriḍākinyastāralajjāramāstataḥ |
rāvāt siddhipadaṃ procya karāli tadanantaram ||56||

Sanu, Phetkari und Dakini, danach Tara, Lajja und Rama. Nach Rava spreche man das Wort siddhi aus und darauf karāli, „du Furchtbare“.

Vers 57
yoginyanaṅgaśākinyo hṛnmantrāntāstataḥ param |
iyaṃ saptadaśī brahmopāsitā parameśvarī ||57||

Danach [folgen] Yogini, Ananga und Shakini, mit dem Herz-Mantra am Ende. Diese siebzehnsilbige höchste Herrin wird von Brahma verehrt.

Vers 58
ādinārāyaṇa ṛṣirbārhatacchandasānvitaḥ |
mahāguhyā devatāsya devi kālyantayā […] ||58||

Adinarayana ist der Rishi; [die Formel] ist mit dem Brihati-Metrum verbunden. Mahaguhya ist ihre Gottheit, Göttin; [eine Benennung] mit Kali am Ende […].

Anmerkung: Fragment: Die Gruppe kālyantayā ist bereits in der Vorlage mit Fragezeichen versehen. Der sichere Gottheitsname Mahaguhya bleibt erhalten, kein vollständiger zusätzlicher Name erfunden.

Vers 59
sṛṣṭyā bījena caivaiṣā śaktyā karṇikayānvitā |
vetālakīlakenādyā muktyā ca viniyoginī ||59||

Die ursprüngliche [Vidya] besitzt Srishti als Bija, Karnika als Shakti und Vetala als Kilaka; ihre Anwendung dient der Befreiung.

Vers 60
karāstrānanabhedo'syā bhāratyeva prakīrtyate |
lakṣmīrlajjā ca sānuśca bhogaḥ kūṭo'pyanāhataḥ ||60||

Ihre Hände, Waffen und Gesichter werden wie bei Bharati beschrieben. [Für die nächste Form:] Lakshmi, Lajja, Sanu, Bhoga und der Anahata-Kuta,

Vers 61
tataśca ḍākinīhārau saṃhitā mekhalāpi ca |
ato nu yoṣidyoginyau sambuddhirguhyanāmani ||61||

danach Dakini und Hara, Samhita und Mekhala, ferner Yoshit und Yogini sowie die Anrede mit dem Namen Guhya.

Anmerkung: Guhya ist die ausdrücklich in Klammern vorgeschlagene Lesung der Quelle statt des beschädigten gapta; als redaktionelle Hilfe übernommen.

Vers 62
astrāntā saptadaśikā vāsiṣṭhī parikīrtitā |
ṛṣī rucirbṛhacchando guhyeyamapi devatā ||62||

Mit dem Astra-[Mantra] am Ende heißt diese siebzehnsilbige Form Vasishthi. Ihr Rishi ist Ruchi, ihr Metrum Brihat; auch hier ist Guhya die Gottheit.

Vers 63
dhaumāvatyena kūṭena bījamasyopavarṇitam |
pralayaḥ śaktiruditā baliḥ kīlakamiṣyate ||63||

Ihr Bija wird durch den Dhaumavati-Kuta beschrieben. Pralaya ist die Shakti; Bali gilt als Kilaka.

Anmerkung: Die im OCR angehängte zusätzliche Ziffer bei 63 ist Druck-/Erkennungsfehler, keine neue Nummer 623.

Vishnutattva und das Herz der Mutter

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 64
viniyogo'mṛtāyaiva bhāratīvad varānane |
praṇavo ḍākinī kṛtyā ḍākinīpraṇavo tataḥ ||64||

Die Anwendung gilt der Unsterblichkeit, wie bei Bharati, Schöne. [Für die nächste Form:] Pranava, Dakini, Kritya, dann Dakini und Pranava,

Anmerkung: Amṛta ist eine kontextgestützte Lesung der beschädigten Gruppe aśṛta; Unsicherheit der Einzelzeichen bleibt.

Vers 65
pañcākṣaro mahāmantraḥ sarvādyaḥ parikīrtitaḥ |
viṣṇunā vidhṛtaṃ yasmāt tattvavaccāpi cintitam ||65||

bilden den als Anfang aller [Formen] bezeichneten fünfsilbigen großen Mantra. Weil Vishnu ihn aufgenommen und seinem Wesen gemäß betrachtet hat,

Vers 66
nāmnā khyātaṃ viṣṇutattvaṃ mantrāṇāmuttamottamam |
ṛṣirasya virūpākṣaśchandasā supratiṣṭhayā ||66||

ist er unter dem Namen Vishnutattva bekannt, der höchste unter den Mantras. Sein Rishi ist Virupaksha; sein Metrum ist Supratishtha.

Vers 67
ādiśaktirmahāguhyā devatā parikīrtitā |
sāvitrī nāmakaṃ kūṭaṃ bījamasya śucismite ||67||

Adishakti Mahaguhya wird als Gottheit genannt. Sein Bija ist der Savitri genannte Kuta, du rein Lächelnde.

Vers 68
śaktistu gosavo jñeyo naramedhastu kīlakam |
viniyogo'sya mantrasya sarvasminnapi karmaṇi ||68||

Gosava ist als Shakti zu kennen, Naramedha als Kilaka. Die Anwendung dieses Mantras erstreckt sich auf alle Handlungen.

Anmerkung: Gosava und Naramedha sind hier Namen ritueller Mantra-Faktoren; aus ihrer Opferetymologie wird keine zusätzliche Opferanweisung abgeleitet.

Vers 69
asyāḥ karānanāstrāṇi sūryopāsyāsamāni hi |
[…] samuddhṛtya devi vedānanānanām ||69||

Ihre Hände, Gesichter und Waffen sind dieselben wie bei der vom Sonnengott verehrten Form. [Für die nächste Form:] […] entnehme man, Göttin, die als Vedanananana bezeichnete [Lautgruppe].

Anmerkung: Fragment: Anfang der neuen Mantraerschließung beschädigt; auch vedānanānanām ist keine sicher auflösbare Lautchiffre. Keine Vollformel ergänzt. Der Sonnenverweis stützt die in 21 dokumentierte Herausgebervermutung Aditya statt Aditi.

Vers 70
ḍākinyorantare bhogaṃ sasmaraṃ hṛnmantrasaṃyutam |
uddhṛtyopāsya deveśi mantramaṣṭākṣaraṃ tvimam ||70||

Zwischen zwei Dakini-[Lauten stehe] Bhoga zusammen mit Smara und dem Herz-Mantra. Wer diesen achtsilbigen Mantra erschließt und verehrt, Herrin der Götter,

Vers 71
mātṛtaḥ pitṛtaścāpi kulakoṭiṃ samuddharet |
āruṇeya ṛṣiḥ prokto gāyatrīcchanda ityapi ||71||

führt eine Koti Familienlinien mütterlicher- und väterlicherseits empor. Aruneya ist als Rishi genannt, Gayatri als Metrum.

Anmerkung: Koti: zehn Millionen; Lobpreiszahl der Quelle, kein nachprüfbarer genealogischer Umfang.

Vers 72
guhyāmbā devatāpyasya bījaṃ tretā pragīyate |
vikuntaḥ śaktiruditā śūlaṃ kīlakamiṣyate ||72||

Seine Gottheit ist Guhyamba, als Bija wird Treta gepriesen. Vikunta heißt die Shakti, Shula gilt als Kilaka.

Anmerkung: Vikunta ist eine unsichere Lautchiffre; keine Gleichsetzung mit einem bekannteren Namen erzwungen.

Vers 73
prayogaḥ sarvasiddhyarthaṃ viśeṣeṇa tu muktaye |
ambāyā hṛdayaṃ yasmādato'mbāhṛdayaṃ tvidam ||73||

Die Anwendung dient allen Vollendungen, besonders aber der Befreiung. Weil dies das Herz der Mutter ist, heißt es Ambahridaya.

Überlieferung des nördlichen Amnaya

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 74
asyāpi sarvaṃ vijñeyaṃ bhāratīvad varānane |
ādau lajjāṃ tato lakṣmīṃ tatastāraṃ ca ḍākinīm ||74||

Auch hier ist alles wie bei Bharati zu verstehen, Schöne. [Für die nächste Form:] zuerst Lajja, dann Lakshmi, danach Tara und Dakini,

Vers 75
tato nu dadyāt phetkārīṃ bhāsākūṭamataḥ param |
mekhalāhāramahilāyoginīkūrcaḍākinīḥ ||75||

danach setze man Phetkari und den Bhasa-Kuta, dann Mekhala, Hara, Mahila, Yogini, Kurcha und Dakini,

Vers 76
tato nu mānasaṃ vaktraṃ hṛnmantrāntamuddharet |
khyātā mahāṣoḍaśīyamuttarāmnāyagopitā ||76||

danach entnehme man Manasa und Vaktra, mit dem Herz-Mantra am Ende. Diese heißt Mahashodashi und wird im nördlichen Überlieferungsstrom geheim gehalten.

Vers 77
ṛṣirasyā lomapādaśchandaḥ paṅktirudāhṛtā |
guhyātiguhyā devyasyā nṛsiṃho bījamiṣyate ||77||

Ihr Rishi ist Lomapada, als Metrum wird Pankti genannt. Ihre Göttin ist Guhyatiguhya, „die noch Geheimere als die Geheime“; Nrisimha gilt als Bija.

Vers 78
śaktiḥ piṇḍaḥ kākinī tu kīlakaṃ samudāhṛtam |
niḥśreyasapadāvāptyai viniyogo'sya kathyate ||78||

Pinda ist die Shakti, Kakini wird als Kilaka genannt. Die Anwendung dient dem Erlangen des Zustandes höchsten Heils.

Vers 79
ekādaśāsyopāsyā hi vijñeyā varavarṇini |
tāratrapāramākāmayoginīkāminīruṣaḥ ||79||

Als elfgesichtige Gestalt ist sie zu verehren, Schöne. [Für die nächste Form:] Tara, Trapa, Rama, Kama, Yogini, Kamini und Rush,

Vers 80
rāvaḥ kālī ḍākinī ca mānasaṃ […] ca |
caṇḍasānūttamāṅgāntā ṣoḍaśārṇā prakīrtitā ||80||

Rava, Kali, Dakini, Manasa und […]; mit Chanda, Sanu und Uttamanga am Ende wird sie als sechzehnsilbig bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: Eine Lautchiffre nach Manasa unlesbar; keine fehlende Silbe anhand der Zahl sechzehn ergänzt.

Vers 81
asyarṣiḥ śarasomākhyo madhyayā chandasā yutaḥ |
ṣoḍaśārṇeśvarī guhyakālī devī prakīrtitā ||81||

Ihr Rishi heißt Sharasoma; sie ist mit dem Madhya-Metrum verbunden. Die Göttin wird Guhyakali Shodasharneshvari, „Herrin der sechzehn Silben“, genannt.

Anmerkung: Rishiname selten und unsicher überliefert; keine Änderung in eine bekanntere Namensform.

Vers 82
hākinī dīrghamandārāḥ bījaśaktikīlakāḥ |
trayodaśāsyā vijñeyā mantradevī mahāphalā ||82||

Hakini, Dirgha und Mandara sind Bija, Shakti und Kilaka. Als dreizehngesichtig ist diese Mantragöttin zu erkennen, die große Frucht gewährt.

Anmerkung: Die Gruppe dīrghamandārāḥ wird nach den drei aufgezählten Faktoren segmentiert; keine Silbenauflösung behauptet.

Ravanas Mantraformen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 83
māyānaṅgau rāvakūrcau sṛṇibījaṃ tataḥ param |
guhyakālyāśca sambuddhiḥ kālīyoginyanukramāt ||83||

Maya und Ananga, Rava und Kurcha, danach das Srini-Bija, die Anrede an Guhyakali und anschließend Kali und Yogini,

Anmerkung: Beginn der Ravana zugeschriebenen Form; Fortsetzung in 84. Srini ist eine Chiffre mit der Bedeutung Haken, nicht als vollständiger Laut ausgeschrieben.

Vers 84
phetkāricaṇḍau tadanu yoginī stryagnivallabhā |
rāvaṇopāsitā jñeyā devī saptadaśākṣarī ||84||

danach Phetkari und Chanda, Yogini, Stri und Agnivallabha: Als von Ravana verehrt ist diese siebzehnsilbige Göttin zu erkennen.

Anmerkung: Agnivallabha: die „Geliebte des Feuers“, Chiffre für den Svaha-Abschluss.

Vers 85
ṛṣiḥ kātyāyano hyasya chandasānuṣṭubhānvitaḥ |
devatā […] bījaṃ śaktirnāgaśca kathyate ||85||

Ihr Rishi ist Katyayana, ihr Metrum Anushtubh. Die Gottheit […] und das Bija […] ; als Shakti wird Naga genannt.

Anmerkung: Fragment: Die Gruppe um saughanī zwischen Gottheit und Bija ist nicht zuverlässig zu trennen; keine sichere Zuordnung erfunden.

Vers 86
kuṇḍaṃ kīlakamuddiṣṭaṃ viniyogaśca siddhaye |
[…] sarvameveha grāhyamanyat sureśvari ||86||

Kunda ist als Kilaka angegeben; die Anwendung dient der Vollendung. […] Alles Übrige ist hier [entsprechend] zu übernehmen, Herrin der Götter.

Anmerkung: Fragment: Der Verweisname am Anfang des zweiten Halbverses ist unlesbar; nicht durch Vermutung ersetzt.

Vers 87
tārameghatrapālakṣmīsmararāvāśca yoginī |
kūrco'ṅganā ḍākinī ca tadante bhuvaneśvarī ||87||

[Für die nächste Form:] Tara, Megha, Trapa, Lakshmi, Smara, Rava und Yogini, Kurcha, Angana, Dakini und zuletzt Bhuvaneshvari.

Vers 88
sambodhanapadaṃ paścād guhyakālyāḥ prakīrtitam |
ekādaśāni bījāni pratilomnā tataḥ param ||88||

Danach wird die Anrede an Guhyakali gesprochen, anschließend die elf Bijas in umgekehrter Reihenfolge.

Anmerkung: Ekādaśāni ist die lesbare Apparatvariante zum grammatisch beschädigten Haupttext.

Vers 89
trapāyoginyaṅganāśca tataḥ paramudīrayet |
astratrayānte hṛcchirasī jñeyā ṣaṭtriṃśadakṣarī ||89||

Danach spreche man Trapa, Yogini und Angana. Auf drei Astra-[Laute] folgen Herz und Haupt. Diese [Vidya] ist als sechsunddreißigsilbig zu erkennen.

Anmerkung: Keine fehlenden Laute zur Bestätigung der Quellen-Silbenzahl ergänzt.

Vers 90
iyamapyugrato'pyugrā rāvaṇopāsitā matā |
ṛṣiḥ karandhamaścāsya chando vikṛtirucyate ||90||

Auch diese gilt als von Ravana verehrt und furchtbarer als das Furchtbare. Ihr Rishi ist Karandhama, ihr Metrum heißt Vikriti.

Anmerkung: Der Apparat bietet Kabandhama als abweichende Rishilesung.

Vers 91
ugrogrā guhyakālī sā devatā parikīrtitā |
jambho bījaṃ kṣamā śaktirbhāruṇḍā kīlakaṃ matam ||91||

Als Gottheit wird Ugrograguhyakali genannt, die überaus Furchtbare. Jambha ist das Bija, Kshama die Shakti und Bharunda gilt als Kilaka.

Vers 92
ugrāya karmaṇe'pyasya viniyogaḥ prakīrtitaḥ |
iyaṃ prakṛtivat khyātā rakṣaḥsaptadaśī yathā ||92||

Ihre Anwendung wird für furchtbare Handlungen gelehrt. Diese [Gestalt] gilt als der Grundform gleich, ebenso wie die siebzehnsilbige [Form] des Rakshasa [Ravana].

Anmerkung: Bezug auf die vorausgehende Ravana-Form; keine eigenständige zusätzliche Gottheit ergänzt.

Die achtundfünfzigsilbige Mahavidya

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 93
tārābhyāṃ ḍākinīmuktvā mahācaṇḍaṃ yathākṣaram |
yogeśvari trapāvadhvau tato jaya mahā vadet ||93||

Nach zwei Tara-[Lauten] spreche man Dakini und buchstabengetreu mahācaṇḍa, „überaus Furchtbarer/Furchtbare“. Dann [folgen] yogeśvari, „Herrin des Yoga“, Trapa und Vadhu; danach spreche man jaya mahā – „sei siegreich, du große …“.

Anmerkung: Die Anredeform yogeśvari ist kontextgestützt normalisiert; Haupttext zeigt yogaśvara/yogeśvara ohne sichere Endung. Die Wortanweisung wird fortlaufend übersetzt, keine fertige Mantraform erfunden.

Vers 94
maṅgale rāvataḥ siddhikarālini vadet priye |
bhauvaneśī yoginī ca kūrcaḥ strī śākinī tataḥ ||94||

„… Segensreiche!“ Nach Rava spreche man siddhikarālini, „du furchtbare Vollendete“, Geliebte. Danach [folgen] Bhauvaneshi, Yogini, Kurcha, Stri und Shakini.

Anmerkung: Siddhikaralini kann auch die Furchtbare der Siddhi bezeichnen; keine behauptete einzige Wortbedeutung.

Vers 95
kāliśabdānmahāśabdānnirvāṇāt siddhiṃ coddharet |
prade mahābhairavi tato vicce ghore tataḥ param ||95||

Nach dem Wort kāli entnehme man mahā, nirvāṇa, siddhi und prade: „Kali, du Verleiherin großer Befreiung und Vollendung“. Danach [spreche man] mahābhairavi, „große Bhairavi“, vicce und ghore, „du Furchtbare“.

Anmerkung: Vicce ist eine Formelsilbe; keine wörtliche deutsche Bedeutung erfunden. Der Anschluss mahānirvāṇa/siddhi ist nach der vorhandenen Wortfolge sinngemäß übertragen.

Vers 96
hārakūrcau phaṭtrayānte bhavedanalavallabhā |
mahāvidyā mayā proktā hyaṣṭapañcāśadakṣarā ||96||

[Es folgen] Hara und Kurcha; nach dreimal phaṭ steht Analavallabha [Svaha]. Diese von mir gelehrte Mahavidya hat achtundfünfzig Silben.

Anmerkung: Die Silbenzahl ist die Angabe der Quelle, keine hier nachgewiesene vollständige Rezitationsfassung.

Vers 97
sammohana ṛṣistvasyā jagatīcchanda ucyate |
maṅgalā guhyakālī ca devatā parikīrtitā ||97||

Ihr Rishi ist Sammohana, ihr Metrum heißt Jagati. Als Gottheit wird Mangala Guhyakali genannt.

Vers 98
bhogasiddhiphalāḥ kūṭā bījaśaktikīlakāḥ |
samupāsyā ṣoḍaśāsyā tathā pañcadaśānanā ||98||

Die Kutas Bhoga, Siddhi und Phala sind Bija, Shakti und Kilaka. Sie ist als sechzehngesichtige und ebenso als fünfzehngesichtige Gestalt zu verehren.

Anmerkung: Apparatvariante bei der Kuta-Gruppe; keine der beiden Gesichterzahlen still gestrichen.

Bhogavidya: Bitte um weltliche Erfüllung

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 99
ataḥ paraṃ bhogavidyāmākarṇaya varānane |
ādau tāraṃ samuddhṛtya tataścāpi namo mahā ||99||

Höre nun die Bhogavidya, Schöne. Zuerst entnehme man Tara [Om], danach namo mahā – „Verehrung, du große …“.

Anmerkung: Beginn einer langen Formel für weltliche Erfüllung; Wortanweisung setzt sich im nächsten Vers fort.

Vers 100
māye proddhṛtya ruḍrāvau trailokyatrāṇakāriṇi |
yoginībījayugalaṃ siddhisiddhi tataḥ param ||100||

„… Maya!“ Danach entnehme man Rud und Rava, [spreche] trailokyatrāṇakāriṇi, „Retterin der drei Welten“, zweimal das Yogini-Bija und danach siddhi siddhi.

Anmerkung: Siddhi wird als Formelwort für Vollendung bewahrt; keine zusätzliche flektierte Verbform eingefügt.

Vers 101
[…] procya dhārayadvitayaṃ vadet |
tataḥ putradhanetyuktvā tato dhānyasuvarṇaṃ ca ||101||

Nach […] spreche man zweimal dhāraya, „erhalte, erhalte“. Dann [nenne man] putra, Sohn, dhana, Vermögen, dhānya, Getreide, und suvarṇa, Gold.

Anmerkung: Fragment: Vor dem Wiederholungsbefehl steht eine beschädigte Gruppe. Alle lesbaren Gegenstände und Befehle weiter übersetzt.

Vers 102
paścād ratnahiraṇyeti tato dārakuṭumba ca |
mahānidhimiti procya siddhiṃ dehidvayaṃ tataḥ ||102||

Danach [nenne man] ratna, Edelsteine, hiraṇya, Gold, dāra, Ehepartnerin beziehungsweise Ehepartner, kuṭumba, Familie, und mahānidhi, großen Schatz. Darauf [folgen] siddhiṃ dehi dehi: „Gewähre, gewähre Vollendung!“

Anmerkung: Die Gruppe siddhīdehi im OCR ist als siddhiṃ dehi gelesen; die Anweisung nennt dehi zweimal.

Vers 103
mahāgauri smṛtimahāmedhā ityapi kīrtayet |
yaśo'strarājyasaubhāgyasarvaṃ dehi […] ||103||

Man spreche auch mahāgauri, „große Gauri“, smṛti, Gedächtnis, und mahāmedhā, große Einsicht. [Dann:] Ruhm, Waffen, Herrschaft, Glück – „gib alles“ […].

Anmerkung: Fragment: Die Gruppe um sarvadīpa/dehi ist schon in der Quelle fraglich. Sinn der aufgezählten Gaben erkennbar, genauer Befehlsschluss nicht gesichert; dehi nur als vorsichtige Lesung, keine sichere Vollformel.

Vers 104
samastakarma ityuktvā kari siddhi itīrayet |
cāmuṇḍe iti saṃlikhya pūrayadvitayāt trapā ||104||

Nach samastakarma spreche man kari und siddhi: „du, die alle Handlungen vollbringt, Vollendung“. Man schreibe cāmuṇḍe, „Chamunda“, dann zweimal pūraya, „erfülle, erfülle“, und Trapa.

Anmerkung: Siddhi ist in der vorliegenden Wortanweisung isoliert; nicht ohne Kennzeichnung in einen neu konstruierten Satz eingebaut.

Vers 105
tataḥ samuddhareddevi sarvapūrvaṃ manorathān |
sarvasampadamityuktvā varṣayugmaṃ tataḥ param ||105||

Danach entnehme man, Göttin, manorathān mit sarva davor: „alle Herzenswünsche“. Nach sarvasampadam, „alle Fülle“, [spreche man] zweimal varṣa: „lass es regnen, lass es regnen!“

Anmerkung: Die Befehle beziehen sich auf die angerufene Göttin und die erbetenen Gaben.

Vers 106
[…] tatra pātayadvitayaṃ likhet |
nidhimuktvā dadadvayamaṣṭaiśvaryaṃ visandhi ca ||106||

[…] dann schreibe man zweimal pātaya, „lass herabfallen“. Nach nidhi, „Schatz“, [spreche man] zweimal dada, „gib“, dann aṣṭaiśvaryam, „achtfache Herrschaftsmacht“, ohne Sandhi-Verbindung.

Anmerkung: Fragment: Anfang beschädigt. Die ausdrückliche Trennungsanweisung visandhi bleibt erhalten.

Vers 107
dadadvayād gṛhadhanāyuḥsukhaṃ samudīrayet |
punardadadvayaṃ procya nidhānamiti coccaret ||107||

Nach zweimal dada [spreche man] gṛha, Haus, dhana, Vermögen, āyus, Lebensdauer, und sukha, Glück. Nach erneut zweimal dada spreche man nidhāna, „Schatzkammer“.

Anmerkung: Dada ist die von der Quelle vorgegebene Befehlsform; nicht in dehi umgeschrieben.

Vers 108
tato dhānyahiraṇyaṃ ca tato dadayugaṃ punaḥ |
sarvatra […] ca tataḥ […] vadet ||108||

Danach [nenne man] Getreide und Gold, dann erneut zweimal dada, „gib“. [Man spreche] „überall“ […] und danach […].

Anmerkung: Fragment: Zwei Wortgruppen im zweiten Halbvers unlesbar; lesbare Nachbarteile erhalten.

Vers 109
[…] trapāvadhvoryugaṃ yugamudīrayet |
ekād rāvādratnamayavarṣamuktvā dadadvayam ||109||

[…] Trapa und Vadhu spreche man je zweimal. Nach einem Rava [sage man] ratnamayavarṣam dada dada: „Gib, gib einen Regen von Edelsteinen!“

Anmerkung: Fragment: Der Versanfang vor den Bija-Wiederholungen ist beschädigt.

Vers 110
sarvayakṣāniti procya yugamādeśayoddharet |
ājñāpayadvayaṃ paścāt śriyaṃ rājyaṃ tataḥ param ||110||

Nach sarvayakṣān, „alle Yakshas“, entnehme man zweimal ādeśaya, „erteile Befehl“. Danach [sage man] zweimal ājñāpaya, „gebiete“, gefolgt von śriyam, „Fülle“, und rājyam, „Königsherrschaft“.

Vers 111
dadadvayādavighnaṃ ca visandhi kuruyugmakam |
namo mahāyakṣarājārādhitāyai tataḥ param ||111||

Nach zweimal dada [spreche man] avighnaṃ kuru kuru, getrennt ohne Sandhi: „Mache es frei von Hindernissen!“ Danach: namo mahāyakṣarājārādhitāyai, „Verehrung der vom großen Yaksha-König Verehrten“.

Vers 112
hrīyoginīvadhūnāṃ ca tritayaṃ tritayaṃ tataḥ |
mahādhanāni ca tato dadayugmānmametyapi ||112||

Darauf [spreche man] Hri, Yogini und Vadhu jeweils dreimal, danach mahādhanāni dada dada mama: „Gib, gib mir große Reichtümer!“

Anmerkung: Die Quelle weist die Reihenfolge der Wörter einzeln an; Übersetzung stellt den lesbaren Sinn zusammen, ohne Bijas zu vervollständigen.

Vers 113
tataḥ sarvadhanaṃ procya prayacchadvitayaṃ vadet |
siddhigauri tataḥ […] hārdamanustataḥ ||113||

Nach sarvadhanam, „allen Reichtum“, spreche man zweimal prayaccha, „gewähre“. Danach siddhigauri, „Gauri der Vollendung“, […], danach der Herz-Mantra.

Anmerkung: Fragment: Eine kurze Gruppe nach der Göttinnenanrede ist beschädigt.

Vers 114
piśācinītrayādagnivallabhānto mahāmanuḥ |
saptāśītyadhikaṃ devi varṇānāṃ hi śatadvayam ||114||

Nach dreimal Pishachini endet der große Mantra mit Agnivallabha [Svaha]. Seine Lautzahl beträgt, Göttin, zweihundertsiebenundachtzig.

Anmerkung: Zahl nach Quelle; beschädigte Gruppen nicht zur Erreichung dieser Zahl rekonstruiert.

Vers 115
vartate mantrarāje'smin sarvasiddhividhāyakam |
pūrayadvitayasyānte […] śataṃ bhavet ||115||

In diesem Mantrakönig liegt das Vermögen, alle Vollendungen zu gewähren. Am Ende des zweimaligen pūraya [ist] […] die Zahl hundert erreicht.

Anmerkung: Fragment: Kurzes Wort vor śatam beschädigt; Zählmarke selbst lesbar.

Vers 116
yakṣānityasya ye varṇā dviśataṃ pūrṇatāṃ gatam |
saptāśītiśca deveśi svāhānte pūrṇatā mitā ||116||

Bei den Lauten des Wortes yakṣān ist die Zahl zweihundert vollständig erreicht. Weitere siebenundachtzig, Herrin der Götter, sind am Schluss mit svāhā vollendet.

Anmerkung: Zählanweisung der Quelle, nicht als überprüfte Silbenzählung einer hier vollständigen Formel ausgegeben.

Vers 117
bhogapradatvādeṣā hi bhogavidyeti kathyate |
devaiśca dānavaiścāpi samrāḍbhirmunibhistathā ||117||

Weil sie Erfüllung und Genuss gewährt, wird sie Bhogavidya genannt. Von Göttern und Danavas, von Herrschern und Weisen

Vers 118
bhogecchubhiḥ pūrvameṣārādhitā jagadambikā |
jātukarṇa ṛṣiścāsyā virāṭchandaḥ prakīrtitam ||118||

wurde diese Mutter der Welt einst verehrt, wenn sie solche Erfüllung begehrten. Jatukarna ist ihr Rishi, Virat ihr genanntes Metrum.

Vers 119
bhogeśvarī guhyakālī devatā parikīrtitā |
lajjābījaṃ vidhiḥ śaktiścañcuḥ kīlakamiṣyate ||119||

Als Gottheit wird Bhogeshvari Guhyakali genannt, „die Herrin der Erfüllung“. Lajja ist das Bija, Vidhi die Shakti und Chanchu gilt als Kilaka.

Anmerkung: Chanchu ist eine Lautchiffre; keine passende Silbe hinzugefügt.

Vers 120
viniyogaḥ sukhaiśvaryāvāptaye parikīrtitaḥ |
ārabhyaikānanāṃ yāvadaśītivadanā bhavet ||120||

Die Anwendung dient dem Erlangen von Glück und Herrschaftsmacht. Von der eingesichtigen bis zur achtziggesichtigen Gestalt

Vers 121
sarvā bhavanti deveśi upāsyā manunāmunā |
upadiṣṭo hi yasya syādeṣa mantro varānane ||121||

sind alle, Herrin der Götter, mit diesem Mantra zu verehren. Wem dieser Mantra unterwiesen wurde, Schöne,

Vers 122
tasyādhikāro vijñeyaḥ sahasrārṇāyutārṇayoḥ |
agṛhītvā tu yo vidyāmetāṃ tāvicchati priye ||122||

dem kommt die Berechtigung für den tausend- und den zehntausendsilbigen [Mantra] zu. Wer aber diese Vidya nicht empfangen hat und dennoch jene beiden begehrt, Geliebte,

Vers 123
sa bhakṣyatāmupāyāti tasyā devyā na saṃśayaḥ |
gurūpadeśādhigatestanmantrasya sureśvari ||123||

gerät der Göttin zur Speise, daran besteht [nach dem Text] kein Zweifel. Durch den Empfang dieses Mantras aus der Unterweisung des Gurus, Herrin der Götter,

Anmerkung: Die Verzehrungsdrohung gehört zur historischen Geheimhaltungs- und Einweihungssprache.

Die hundertsilbige Nirvana-Vidya

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 124
mahāmantreṣu gupteṣu ṣaṭsvapyasyādhikāritā |
ataḥ śatākṣarīṃ vidyāṃ sāvadhānā niśāmaya ||124||

erhält er die Berechtigung auch für die sechs geheimen großen Mantras. Höre nun aufmerksam die hundertsilbige Vidya.

Vers 125
ḍākinī bhūtinī mantraṃ caṇḍe caṇḍa ca kīrtayet |
cāmuṇḍe'pi trapābījaṃ kūrco yoṣicca yoginī ||125||

[Man nehme] Dakini, Bhutini und den Mantra[-Laut]; dann spreche man caṇḍe caṇḍa, „Furchtbare, Furchtbarer“, und cāmuṇḍe, „Chamunda“. [Es folgen] das Trapa-Bija, Kurcha, Yoshit und Yogini.

Anmerkung: Mantram an dieser Stelle und der Wechsel caṇḍe/caṇḍa sind nicht eindeutig; keine ungeschriebene Bija-Silbe und keine sichere geschlechtliche Differenzierung der angerufenen Gestalt ergänzt.

Vers 126
vicce ghore mahāprocya madonmani itīrayet |
uktvā bīje kāmaśaktī guhyeśvari tato vadet ||126||

Nach vicce, ghore, „du Furchtbare“, und mahā [spreche man] madonmani, „du vom Rausch über den Geist Hinausgehobene“. Nach den beiden Bijas Kama und Shakti sage man guhyeśvari, „Herrin des Geheimen“.

Anmerkung: Madonmani ist ein mehrdeutiger Gottheitsname; deutsche Umschreibung vorsichtig. Vicce erhält keine erfundene Wortbedeutung.

Vers 127
tārabījāt paretyuktvā nirvāṇe brahmarūpiṇi |
tasyānu tāraśākinyau tataḥ siddhikarāli ca ||127||

Nach dem Tara-Bija spreche man pare, „Höchste“, nirvāṇe, „Nirvana“, und brahmarūpiṇi, „du von der Gestalt Brahmans“. Danach [folgen] Tara und Shakini, dann siddhikarāli, „furchtbare Vollendete“.

Anmerkung: Tara ist im letzten Lautpaar eine ausdrücklich im Apparat fragend vorgeschlagene Lesung; im Haupt-OCR steht die Flexion beschädigt.

Vers 128
āpyāyini padaṃ procya nava pañca samuddharet |
tato'pi cakranilaye paścād ghorāṭṭarāviṇi ||128||

Nach dem Wort āpyāyini, „du Erquickende“, entnehme man nava und pañca, „neun“ und „fünf“. Danach [spreche man] cakranilaye, „Bewohnerin des Chakra“, und ghorāṭṭarāviṇi, „du mit dem furchtbaren lauten Rufen“.

Anmerkung: Nava/pañca bleiben als ausdrücklich angewiesene Wortglieder stehen; keine stillschweigende Umrechnung in eine bestimmte Chakra-Anzahl.

Vers 129
kalāsahasramityuktvā tataścāpi nivāsini |
trikaurajaṃ ca kulikamaśrubījamataḥ param ||129||

Nach kalāsahasra spreche man nivāsini: „du in tausend Kalas Wohnende“. Danach [folgen] Trikauraja, Kulika und das Ashru-Bija.

Anmerkung: Die drei letzten Lautchiffren sind selten und unsicher überliefert; keine erfundene syllabische Auflösung.

Vers 130
avarṇeśvari uccārya prakṛtyapara ityapi |
śivanirvāṇade procya ḍākinyanalavallabhā ||130||

Man spreche avarṇeśvari, „Herrin jenseits der Laute“, und prakṛtyapara, „jenseits der Prakriti“. Nach śivanirvāṇade, „Geberin des heilvollen Nirvana“, [folgen] Dakini und Analavallabha [Svaha].

Anmerkung: Beide Anfangsanreden sind unsicher segmentiert; die deutsche Bedeutung ist eine vorsichtige Annäherung, kein gesicherter neuer Sanskritwortlaut.

Vers 131
iyaṃ śatākṣarī vidyā mahāghaughapraṇāśinī |
ṛṣiḥ santānako'muṣyāśchando madhyā prakīrtitā ||131||

Diese hundertsilbige Vidya vernichtet die Flut schwerer Verfehlungen. Ihr Rishi ist Santanaka; Madhya wird als Metrum genannt.

Anmerkung: Mahāghaugha als mahā-agha-ogha verstanden, „große Flut der Verfehlungen“; OCR geringfügig normalisiert.

Vers 132
nirvāṇaguhyakālī ca devatā'syāḥ samarthitā |
bījaṃ bhuśuṇḍī śaktiśca piñjalā paripaṭhyate ||132||

Als ihre Gottheit wird Nirvanaguhyakali bestimmt. Bhushundi wird als Bija und Pinjala als Shakti gelehrt.

Anmerkung: Pinjala ist die vorliegende unsichere Chiffrenlesung; nicht still in Pingala geändert.

Vers 133
kīlakaṃ pralayaścāpi prayogaḥ sarvasiddhaye |
asyopāsyā tu viṃśāsyā sarvamanyat puroditam ||133||

Pralaya ist das Kilaka; die Anwendung dient allen Vollendungen. Dabei ist die zwanziggesichtige Gestalt zu verehren; alles Übrige wurde bereits gelehrt.

Die tausendsilbige Formel in Neunergruppen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 134
idānīṃ sāvadhānā tvaṃ sahasrārṇamanuṃ śṛṇu |
bījānāmatha kūṭānāṃ navānāṃ hi prayogataḥ ||134||

Höre nun aufmerksam den tausendsilbigen Mantra. Durch die Verwendung von jeweils neun Bijas und Kutas

Vers 135
khyātā navanavārṇeti sarvamantrottamottamā |
vedādilajjāyoginyaḥ kūrcaḥ strī śākinī tathā ||135||

heißt diese höchste unter allen Mantraformen „Neun-neun-lautig“. [Zuerst:] Vedadi, Lajja, Yogini, Kurcha, Stri und Shakini,

Anmerkung: Der Text erklärt die Formel in Neunergruppen. Keine externe Rekonstruktion der behaupteten tausend Silben.

Vers 137 (erste Einheit der Quelle)
ḍākinī pralayaścāpi phetkārī ca naveva hi |
jayadvayaṃ bhagavati guhyakāli tato vadet ||137||

Dakini, Pralaya und Phetkari – genau neun. Danach spreche man jaya jaya bhagavati guhyakāli: „Sieg, Sieg dir, erhabene Guhyakali!“

Anmerkung: Erste von zwei im OCR mit 137 bezeichneten Einheiten. Nummer 136 fehlt sichtbar; keine stille Neunummerierung. Interne Kennung 137a ist keine zusätzliche Quellenzählung.

Vers 137 (zweite Einheit der Quelle)
tataḥ siddhikarālīti kāli kāpāli cetyapi |
meghāṅkuśāmṛtaśaktinṛsiṃhāḥ somavidyutau ||137||

Danach [spreche man] siddhikarāli, „furchtbare Vollendete“, kāli und kāpāli, „Kali, Schädeltragende“. [Es folgen die Bijas] Megha, Ankusha, Amrita, Shakti, Nrisimha, Soma und Vidyut,

Anmerkung: Zweite in c mit 137 bezeichnete Einheit. Die Neunergruppe setzt sich im folgenden Vers fort.

Vers 138
tataśca khecarīpretau bījānyetāni vai nava |
tato narāntrarudhiramāṃsamityapi coddharet ||138||

danach Khechari und Preta: Dies sind die neun Bijas. Dann entnehme man nara, „Mensch“, antra, „Eingeweide“, rudhira, „Blut“, und māṃsa, „Fleisch“.

Anmerkung: Die einzeln angewiesenen Wörter bilden erst mit dem folgenden Vers eine zusammenhängende Anrede.

Vers 139
paripūrṇakapāle ca naradvīpa tataḥ param |
siṃhapherukapītyuktvā kramelakamitīrayet ||139||

[Darauf folgt] paripūrṇakapāle: „du, deren Schädelschale mit Menscheneingeweiden, Blut und Fleisch gefüllt ist“. Dann [sage man] nara, Mensch, dvīpi, Leopard, siṃha, Löwe, pheru, Schakal, kapi, Affe, und kramelaka, Kamel,

Anmerkung: Dvīpa/dvīpi ist in der Quelle fragend als Korrektur vorgeschlagen; Tierlesung hier entsprechend der anschließenden Gesichterliste.

Vers 140
bhallūkagaruḍau procya gajato makareti ca |
[…] vadane'nūcya pāśalakṣmīsmarārṇakān ||140||

Bär und Garuda, dann Elefant und Makara; danach […] vadane, „du mit [solchen] Gesichtern“. Anschließend [entnehme man] die Laute Pasha, Lakshmi und Smara,

Anmerkung: Fragment: Eine Gruppe vor vadane unlesbar; keine vollständige Gesichter-Anrede rekonstruiert.

Vers 141
bīje mānasavajrākhye kāpālaṃ cāpi kākinīm |
muktānāgāviti nararaktārṇavaṃ tato vadet ||141||

die beiden Bijas Manasa und Vajra, Kapala und Kakini, Mukta und Naga. Danach [spreche man] nararaktārṇava, „Meer von Menschenblut“.

Anmerkung: Mukta ist eine vorsichtige Lesung des beschädigten bhukta/mukta; Neunergruppe nicht durch neue Silben vervollständigt. Apparatvariante Kamini statt Kakini.

Vers 142
dvīpamadhyamiti procya prajvaladdhutamityapi |
vahajvālājaṭālācca mahā ityapi kīrtayet ||142||

Nach dvīpamadhya, „inmitten der Insel“, [spreche man die Wortteile] prajvaladdhuta und vahajvālājaṭāla: „umgeben von dicht lodernden Feuerflammen“, dann mahā, „groß“.

Anmerkung: Die Wortteilung hutavaha wird im Vers über die Halbversgrenze geführt; im Deutschen ist der zusammengehörige Ausdruck Feuer wiedergegeben.

Vers 143
tataḥ śmaśānavāsinyāḥ sambuddhikathanaṃ priye |
caṇḍaviśvau bhūtamayū ghanasomakṣaṇaprabhāḥ ||143||

Danach folgt die Anrede an die Bewohnerin des Verbrennungsplatzes, Geliebte. [Als Bijas folgen] Chanda, Vishva, Bhuta, Mayu, Ghana, Soma und Kshanaprabha,

Anmerkung: Mayu ist unsicher gelesen; keine sichere wörtliche Bedeutung der Chiffre behauptet.

Vers 144
nīlayakṣāviti nava bhairavīṃ […] |
cāmuṇḍāśatakoṭyuktvā tataḥ parivṛte vadet ||144||

Nila und Yaksha – [damit] neun. [Es folgt] Bhairavi […]; nach cāmuṇḍāśatakoṭi spreche man parivṛte: „du, umgeben von hundert Koti Chamundas“.

Anmerkung: Fragment: Gruppe nach Bhairavi unlesbar; keine zusätzliche Zahl oder Gefolgschaft ergänzt.

Vers 145
guhyātiguhyaparamarahasyaṃ tadanantaram |
kulākulācca samayacakrapravartinīti ca ||145||

Danach [spreche man] guhyātiguhyaparamarahasya, „höchstes Geheimnis, noch geheimer als das Geheime“, kula-akula und samayacakrapravartini: „du, die den Samaya-Kreis von Kula und Akula in Gang setzt“.

Anmerkung: Kula/Akula und Samaya sind mehrdeutige tantrische Begriffe; die konkrete metaphysische Systematik wird nicht aus dieser knappen Anrede allein ergänzt.

Vers 146
sānviṣṭituṅgāṃścaturo mekhalāntān samuddharet |
mandārasetutaścūḍāmaṇiṃ balimataḥ param ||146||

Man entnehme die vier [Bijas] Sanu, Ishti, Tunga und zuletzt Mekhala; danach Mandara, Setu, Chudamani und Bali,

Anmerkung: Ishti ist eine unsichere Segmentierung der verbundenen Lautchiffren; die Folge wird nicht zu gesicherten Bijas aufgelöst.

Vers 147
sarvaśeṣe tathā jambhabījānāṃ navakaṃ tvidam |
navakoṭimiti procya guhyānantamitīrayet ||147||

und zuletzt Jambha: Dies ist die Neunergruppe der Bijas. Nach navakoṭi, „neun Koti“, spreche man guhyānanta, „geheim und unendlich“.

Anmerkung: Wortanweisung setzt sich in der nächsten Anrede fort; keine eigenständige abgeschlossene Aussage über neun Koti erfunden.

Vers 148
tattvadhāriṇi coddhṛtya tataḥ paramataḥ śiva |
sāmarasyāccāriṇi ca sṛṣṭisthitiṃ vadet tataḥ ||148||

Nach tattvadhāriṇi, „Trägerin der Wirklichkeitsprinzipien“, [entnehme man] parama, śiva, sāmarasya und cāriṇi: „du, die in höchster Shiva-Einheit wandelt“. Danach spreche man sṛṣṭi, „Schöpfung“, und sthiti, „Erhaltung“.

Anmerkung: Die aufgelöste deutsche Anrede verbindet die vom Text einzeln angewiesenen Wörter; sie ist keine Ergänzung fehlender Silben.

Vers 149
pralayāt kāriṇi procya tato bhallārdhacandrakau |
vatsadantakṣuraprau ca tataḥ sandaṃśakaṃ vadet ||149||

Nach pralaya, „Auflösung“, spreche man kāriṇi: „du, die Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bewirkt“. [Es folgen die Bijas] Bhalla, Ardhachandra, Vatsadanta, Kshurapra und Sandamshaka,

Anmerkung: Waffen- und Werkzeugnamen dienen hier ausdrücklich als Lautchiffren.

Vers 150
nālīkaṃ ca bhuśuṇḍīṃ ca gadāprāsau ca te nava |
vahnisphuliṅgapiṅgācca vadellalitajaṭāpadam ||150||

Nalika, Bhushundi, Gada und Prasa: Das sind neun. Nach vahnisphuliṅgapiṅga [spreche man] lalitajaṭā: „schön bewegte, von Feuerfunken gelbbraun leuchtende Flechten …“.

Anmerkung: Das Kompositum setzt sich in 151 fort. Die IAST-Zeile gibt die zusammenhängende Sanskritform, nicht die erläuternde deutsche Worttrennung wieder.

Vers 151
bhāraśabdād bhāsure ca mahādaityācca dānava |
piśācarākṣasetyuktvā bhūtapretapadaṃ vadet ||151||

Nach bhāra, „Fülle“, [spreche man] bhāsure, „du damit Strahlende“. Dann [nenne man] große Daityas, Danavas, Pishachas, Rakshasas, Bhutas und Pretas,

Anmerkung: Die Anrede über die Flechten wird abgeschlossen; die neue Liste setzt sich in 152 fort.

Vers 152
kūṣmāṇḍabhayato […] vināśinipadaṃ priye |
anāhato bhogasṛṣṭī phetkārī tretayā saha ||152||

Kushmandas und Furcht […], dann vināśini, „du Vernichterin [dieser Bedrohungen]“, Geliebte. [Als Bijas folgen] Anahata, Bhoga, Srishti, Phetkari und Treta,

Anmerkung: Fragment: Ein Wort zwischen bhaya und vināśini beschädigt; die lesbare Abwehranrede wird nicht ausgelassen.

Vers 153
karālī kṛtyayā yuktā tarjanī ca kaṭakaṭā |
etāni nava bījāni sarvadīrghānvitāni hi ||153||

Karali, Kritya, Tarjani und Katakata. Diese neun Bijas sind sämtlich mit langen [Vokalen] verbunden.

Vers 154
tataḥ kaṭakaṭāyeti […] vikaṭeti ca |
dīrghadaṃṣṭrācarciteti nṛkapāle tataḥ param ||154||

Danach [spreche man] kaṭakaṭāya, […], vikaṭa, „gewaltig“, dīrghadaṃṣṭrācarcita und nṛkapāle: „du mit langen Fangzähnen und Menschenschädeln Geschmückte“.

Anmerkung: Fragment: Die Verbindung nach kaṭakaṭāya ist beschädigt, ebenso die genaue syntaktische Verknüpfung der Fangzahn-/Schädelgruppe. Nur der erkennbare Bildsinn wiedergegeben, keine sichere ganze Anrede behauptet.

Vers 155
lelihānamahābhīmaraśanā tadanantaram |
vikarāle candrakhaṇḍāṅkitabhāle tato vadet ||155||

Danach [spreche man] „du, furchtbar durch deine gewaltige leckende Zunge“, und candrakhaṇḍāṅkitabhāle, „du, deren Stirn mit der Mondsichel gezeichnet ist“.

Anmerkung: Rasanā/Zunge ist im OCR beschädigt; im Sanskrit wird die erhaltene raue Form raśanā nicht als völlig gesicherte Lesung dargestellt.

Vers 156
sṛṣṭikūṭaṃ sthitikūṭaṃ kūṭaṃ saṃhārameva ca |
tato'nākhyākūṭamuktvā bhāsākūṭaṃ tataḥ param ||156||

[Man entnehme] den Srishti-Kuta, den Sthiti-Kuta und den Samhara-Kuta, danach den Anakhya-Kuta und den Bhasa-Kuta,

Anmerkung: Kutas von Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Unnennbarem und Leuchten; keine Lautgruppen aus ihrer Bedeutung erfunden.

Vers 157
kuṇḍalinyāstataḥ kūṭaṃ pauruṣaṃ kūṭameva ca |
paiśācakūṭaṃ ca tataḥ siddhikūṭamataḥ param ||157||

dann den Kundalini-Kuta, den Paurusha-Kuta, den Paishacha-Kuta und danach den Siddhi-Kuta.

Vers 158
nava kūṭāni saṅkīrtya tato nārāyaṇādi ca |
tataḥ pāśupatāntācca trayastriṃśat samuddharet ||158||

Nachdem man die neun Kutas genannt hat, entnehme man die dreiunddreißig, die mit Narayana beginnen und mit Pashupata enden.

Anmerkung: Die Quelle selbst bezweifelt Pashupata: Der Herausgeber schlägt Prasvapana als Endglied vor, weil es in der späteren Upakuta-Liste an 33. Stelle stehe. Hauptlesung nicht still ersetzt; Zahl und Variante transparent bewahrt.

Vers 159
tataḥ koṭiṃ mahādivyāstrasandhānamitīrayet |
vidhāyinīti procya sakalācca surāsura ||159||

Danach spreche man koṭi, mahādivyāstra, sandhāna und vidhāyini: „du, die eine Koti großer göttlicher Waffen zum Einsatz fügt“. Dann [nenne man] sämtliche Götter und Asuras,

Vers 160
siddhavidyādharetyuktvā kinnaroragamityapi |
seviteti prakīrtyeta caraṇe ca prakīrtayet ||160||

Siddhas, Vidyadharas, Kinnaras und Schlangenwesen; [dann] sevita, „verehrt“, und caraṇa, „Füße“.

Anmerkung: Die vollständige Fuß-Anrede endet im folgenden Vers.

Vers 161
tataḥ kamalamityuktvā yugale baddhamityapi |
nārāntrayogapaṭṭeti bhūṣite tadanantaram ||161||

Danach [sage man] kamala und yugale: „du, deren Lotusfußpaar [von ihnen] verehrt wird“. Dann baddha, nārāntrayogapaṭṭa und bhūṣite: „du, geschmückt mit einem gebundenen Yoga-Band aus Menschendärmen“.

Anmerkung: Drastisches Bild der historischen Gottheitsanrufung; keine moderne Übung daraus gemacht.

Vers 162
vibhūtirūṣite procyāsaṅkhyeti visandhimat |
tato mahimasaṅkīrtya vibhave ca prakīrtayet ||162||

Nach vibhūtirūṣite, „du mit heiliger Asche Bestrichene“, spreche man asaṃkhya getrennt ohne Sandhi, dann mahima und vibhave: „du von unermesslicher Größe und Macht“.

Anmerkung: Die ausdrückliche Anweisung zur Worttrennung bleibt erhalten.

Vers 163
tejasāmaramaudumbarakūrmau drāvaṇaṃ tathā |
āsuraṃ ca samūhaṃ ca buddhiṃ triśikhāmapi ||163||

[Es folgen die Bijas] Tejas, Amara, Audumbara, Kurma, Dravana, Asura, Samuha, Buddhi und Trishikha.

Anmerkung: Die erste verbundene Gruppe ist vorsichtig in die angekündigten neun Namen segmentiert; keine gesicherten Einzelsilben daraus gebildet.

Vers 164
bījānyetāni nava vai samuddhṛtya varānane |
catuḥpañcāśatpadato dormaṇḍalavirājite ||164||

Nach dem Entnehmen dieser neun Bijas, Schöne, [spreche man] catuḥpañcāśat und dormaṇḍalavirājite: „du, die mit einem Kreis von vierundfünfzig Armen erstrahlt“.

Vers 165
tato hariharetyuktvā viriñcimiti kīrtayet |
sabhājite samuddhṛtya […] uddharet ||165||

Nach Hari und Hara nenne man Virinchi und entnehme sabhājite: „du, die von Hari, Hara und Virinchi geehrt wird“. Danach entnehme man […].

Anmerkung: Fragment: Letzte Wortgruppe unlesbar. Die Namen bezeichnen Vishnu, Shiva und Brahma.

Vers 166
majjanonmajjanapadāt priye iti padaṃ priye |
jagajjanani saṃlikhya pravadejjagadāśraye ||166||

Nach majjanonmajjana, „Untertauchen und Auftauchen“, folge priye, „du daran Erfreute“, Geliebte. Dann schreibe man jagajjanani, „Mutter der Welt“, und spreche jagadāśraye, „Zuflucht der Welt“.

Anmerkung: Worauf sich Unter- und Auftauchen bezieht, ist wegen der vorherigen Lücke offen; keine Flüssigkeit oder Handlung ergänzt.

Vers 167
śivaviṣṇupade procya rūpaśabdaṃ tato vadet |
siṃhāsanādhirūḍhe ca kūṭaṃ puṣkaramantataḥ ||167||

Nach den Wörtern Shiva und Vishnu spreche man rūpa, „Gestalt“, und siṃhāsanādhirūḍhe: „du, die auf dem Thron in Gestalt Shivas und Vishnus sitzt“. Danach [entnehme man] den Pushkara-Kuta.

Vers 168
hairaṇyagarbhakūṭaṃ ca sattvakūṭaṃ tataḥ param |
bṛhadrathantare kūṭe kūṭaṃ jyeṣṭhaṃ mahattathā ||168||

[Es folgen] der Hiranyagarbha-Kuta, der Sattva-Kuta, die Kutas Brihat und Rathantara sowie Jyeshtha und Mahat,

Vers 169
sāmaguhye tataḥ kūṭe navaitāni bhavanti hi |
jayadvayaṃ jīvayugaṃ jvalayugmaṃ tataḥ param ||169||

danach die Kutas Sama und Guhya: Dies sind neun. Dann [spreche man] zweimal jaya, „sei siegreich“, zweimal jīva, „lebe“, und zweimal jvala, „lodere“.

Vers 170
prajvaladvitayaṃ procyācintyeti visandhikam |
prabhāve tadvadamitabalataśca parākrame ||170||

Nach zweimal prajvala, „flamme auf“, spreche man acintya getrennt ohne Sandhi und prabhāve: „du von unvorstellbarer Macht“. Ebenso [folgen] amitabala und parākrame: „du von unermesslicher Kraft und Tatgewalt“.

Vers 171
pūrvavaccāgaṇeyeti tato guṇagaṇe'pi ca |
tato'jite'mite caiva tathā caivāparājite ||171||

Wie zuvor [spreche man] agaṇeya und guṇagaṇe: „du mit unzählbaren Scharen von Eigenschaften“. Danach ajite, „Unbesiegte“, amite, „Unermessliche“, und aparājite, „Unüberwundene“.

Anmerkung: Agaṇeya ist die erkennbare, aber ungewöhnliche Form; nicht ohne Kennzeichnung zu einer anderen Anrede umgeschrieben.

Vers 172
alakṣite ca […] sarvaṃ caiva visandhikam |
nityaprabhāvihaṅgāśca pauṣpadānavamanmathāḥ ||172||

[Es folgt] alakṣite, „nicht Wahrnehmbare“, […], alles ohne Sandhi-Verbindung. [Als Bijas:] Nitya, Prabha, Vihanga, Paushpa, Danava und Manmatha,

Anmerkung: Fragment: Eine Anrede nach alakṣite unlesbar; Neunergruppe setzt sich in 173 fort.

Vers 173
kuntadasrauṣadhīkāśca navaitāni vinirdiśet |
mahāmāye mahāvidye mahā'vidye tataḥ param ||173||

Kunta, Dasra und Aushadhika: Diese neun gebe man an. Danach [spreche man] mahāmāye, „große Maya“, mahāvidye, „große Erkenntnis“, und mahāvidye [mahā-avidye], „große Nicht-Erkenntnis“.

Anmerkung: Kunta/Kumbha in der Quelle fraglich. Die dritte Anrede ist ausdrücklich mit Avagraha als mahā-avidyā gekennzeichnet; Unterschied zur vorherigen Vidya bewahrt.

Vers 174
bhagamālini cetyuktvā tataścāpi bhagapriye |
bhagāṅkiti ca tasyānu bhagarūpiṇyataḥ param ||174||

[Man spreche] bhagamālini, „du mit der Bhaga-Girlande“, bhagapriye, „du, der Bhaga lieb ist“, bhagāṅkiti, „mit Bhaga Gezeichnete“, und bhagarūpiṇi, „du von der Gestalt der Bhaga“.

Anmerkung: Bhaga hat Bedeutungen wie Anteil, Fülle und weibliches Geschlecht; im Zusammenhang tantrischer Göttinnenanrufungen kann ausdrücklich die Vulva gemeint sein. Die sexuelle Bedeutung wird nicht durch eine alleinige Glücksdeutung verdeckt; einzelne Bezüge bleiben mehrdeutig.

Vers 175
tato bhagavatītyuktvā mahākāmāture'pi ca |
mahākālapriye procya pracaṇḍācca kalevare ||175||

Danach [spreche man] bhagavati, „Erhabene“, mahākāmāture, „von großem Liebesverlangen Ergriffene“, mahākālapriye, „Geliebte Mahakalas“, und pracaṇḍakalevare, „du von überaus furchtbarem Leib“.

Anmerkung: Erwachsene Gottheitsanrufung ohne Minderjährigkeitsangabe; nicht in eine moderne Yogaübung umgedeutet.

Vers 176
vikaṭotkaṭadaṃṣṭrāto raudrarūpiṇi […] |
puṣkarābhidhahairaṇyagarbhasattvākhyakūṭakāḥ ||176||

Nach vikaṭotkaṭadaṃṣṭrā [spreche man] raudrarūpiṇi: „du von schrecklicher Gestalt mit gewaltigen Fangzähnen“ […]. [Es folgen] die Kutas Pushkara, Hiranyagarbha und Sattva,

Anmerkung: Fragment: Kurzes Wort am Ende der ersten Hälfte beschädigt; die lesbare Anrede vollständig übersetzt.

Vers 177
svādhiṣṭhānaṃ tataḥ kūṭaṃ kūṭaṃ ca maṇipūrakam |
kūṭaṃ cānāhataṃ paścāt pauṇḍarīkaṃ tataḥ param ||177||

dann die Kutas Svadhishthana, Manipura, Anahata und danach Paundarika,

Anmerkung: Chakra- und Opfernamen fungieren hier als Namen von Lautgruppen; keine zusätzliche Chakra-Praxis eingeführt.

Vers 178
vājimedhastataḥ kūṭo rājasūyastataḥ param |
kramādetāni kūṭāni navoddhṛtya varānane ||178||

dann Vajimedha und Rajasuya. Nachdem man diese neun Kutas in der Reihenfolge entnommen hat, Schöne,

Vers 179
vyomakeśi tato lolajihve ityapi kīrtayet |
[…] ullikhya karataścaraṇe tathā ||179||

spreche man vyomakeśi, „du mit dem Raum als Haar“, und lolajihve, „du mit beweglicher Zunge“. Nach […] schreibe man „Hände“ und „Füße“.

Anmerkung: Fragment: Die nähere Bestimmung vor kara/caraṇa ist unlesbar, deshalb keine vollständige Anrede zu Händen und Füßen rekonstruiert.

Vers 180
sahasratrayanetre ca mahāmāṃsaṃ tataḥ param |
rudhirapriye saṅkīrtya madaghūrṇitalocane ||180||

[Dann:] sahasratrayanetre, „du mit dreitausend Augen“, mahāmāṃsarudhirapriye, „Liebhaberin von Menschenfleisch und Blut“, und madaghūrṇitalocane, „du, deren Augen im Rausch rollen“.

Anmerkung: Mahamamsa ist im rituellen Sprachgebrauch „großes Fleisch“, hier als Menschenfleisch verstanden. Die genannte Augenzahl bleibt ohne Anpassung an andere Gestalten.

Vers 181
mahāmāri tataḥ kharparahaste parikīrtayet |
mahāśaṅkhasamākule […] sadārdranā ||181||

Danach [spreche man] mahāmāri, „große Todesmacht“, kharparahaste, „du mit der Schädelschale in der Hand“, und mahāśaṅkhasamākule, „du ganz von Mahashankha umgeben“, […] „stets feuchte Menschen- …“.

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe nach der Mahashankha-Anrede beschädigt; das letzte Wort wird über die Versgrenze geteilt. Mahashankha kann hier menschlichen Knochenschmuck bezeichnen, nicht zwingend Muscheln.

Vers 182
racarmāvṛtaṃ ullikhya śarīre tadanantaram |
tūṇajyāśaṅkuvetālakoṭighaṇṭāsyapiñjalāḥ ||182||

[Man schreibe als Fortsetzung] nara-carmāvṛta-śarīre: „du, deren Leib mit stets feuchter Menschenhaut bedeckt ist“. [Es folgen die Bijas] Tuna, Jya, Shanku, Vetala, Koti, Ghantasya und Pinjala,

Anmerkung: Die Haut-Anrede ergibt sich aus den zusammengehörigen Wortteilen von 181–182. Die Bijagruppe ist vorsichtig segmentiert; keine sicheren Lautwerte behauptet.

Vers 183
citādhvajau ceti nava viśvakartri tataḥ param |
viśvato vyāpike procya viśvasya jananītyapi ||183||

Chita und Dhvaja – damit neun. Danach [spreche man] viśvakartri, „Schöpferin des Alls“, viśvato vyāpike, „alles Durchdringende“, und viśvasya janani, „Mutter des Alls“.

Anmerkung: Die Gruppe vor janani ist beschädigt, aber der Welt-/Mutter-Sinn erkennbar; Sanskrit kontextgestützt normalisiert.

Vers 184
viśveśvari tato viśvādhāre ityapi kīrtayet |
viśvasaṃhāriṇi kulākulacakramitīrayet ||184||

Danach [spreche man] viśveśvari, „Herrin des Alls“, viśvādhāre, „Trägerin des Alls“, und viśvasaṃhāriṇi, „Auflöserin des Alls“, dann kulākulacakra, „Kreis von Kula und Akula“.

Vers 185
tataḥ samuddhatapadaṃ coddhared […] |
paramānandarasa ca sāmarasyapratiṣṭhite ||185||

Danach entnehme man samuddhata, „emporgehoben/gewaltig“, […], sowie paramānandarasa und sāmarasyapratiṣṭhite: „du, die in der Einheit des Geschmacks höchster Wonne gegründet ist“.

Anmerkung: Fragment: Eine verbindende Wortgruppe ist unlesbar; die Kula-Akula-Anrede wird daher nicht als sicher vollständig konstruiert.

Vers 186
tataḥ samuddhareddevi saṃhāriṇi vihāriṇi |
prahāriṇi tataḥ procya daityamāriṇi ityapi ||186||

Dann entnehme man, Göttin, saṃhāriṇi, „Auflösende“, vihāriṇi, „Spielende/Wandelnde“, prahāriṇi, „Zuschlagende“, und daityamāriṇi, „Töterin der Daityas“.

Vers 187
naranārīvimohini khaḍgāñjanapādukā |
dhātuvādācca guṭikā yakṣiṇīsiddhitaḥ prade ||187||

[Dann:] „du, die Männer und Frauen bezaubert, die Schwert-, Augensalben-, Sandalen-, Alchemie-, Gutika- und Yakshini-Siddhi gewährt“.

Anmerkung: Gutika: rituelle Kugel oder Pille; Siddhi-Verheißungen keine medizinische oder technische Wirksamkeitsbestätigung.

Vers 188
kūṭaṃ mahāvrataṃ sautrāmaṇistadanu ṣoḍaśī |
viśvajitkūṭato dīkṣāsomasarvasvadakṣiṇe ||188||

[Es folgen] der Mahavrata-Kuta, Sautramani, Shodashi und Vishvajit, danach Diksha, Soma und Sarvasvadakshina,

Anmerkung: Opfernamen dienen als Kuta-Namen, keine zusätzlichen Opferhandlungen angewiesen.

Vers 189
tataḥ […] kūṭaṃ naramedhagavāmayau |
amūni nava kūṭāni tato raktasamudra ca ||189||

Danach […] der Kuta, Naramedha und Gavamaya. Dies sind neun Kutas. Dann [spreche man] raktasamudra, „Blutmeer“.

Anmerkung: Fragment: Ein Gruppenwort vor kūṭam ist beschädigt; da die neun Namen schon erkennbar sind, wird kein zusätzlicher zehnter Kuta erfunden. OCR-Ziffer 199 entsprechend der Folge als 189 normalisiert.

Vers 190
vāsini prajvalitaṃ ca pāvakajvālajāla ca |
jaṭālāṣṭapadānmuṇḍāṣṭatriśūlāṅkitamuddharet ||190||

[Es folgt] vāsini, „du dort Wohnende“. Dann entnehme man „von einem dichten Netz lodernder Feuerflammen [umgeben], mit acht Schädeln und acht Dreizacken gezeichnet …“.

Anmerkung: Die Wortverbindung jaṭā/jatāla ist unsicher; jaṭāla folgt der ausdrücklich zitierten Variante. Die vollständige Wohnort-Anrede endet in 191.

Vers 191
śmaśānakṛtavāse ca ṣoḍaśadvādaśāṣṭa ca |
dalataḥ sarasīruha ca baddhapadmāsane'pi ca ||191||

„… du, die dort auf dem Verbrennungsplatz ihre Wohnung genommen hat.“ Dann [spreche man] „sechzehn, zwölf und acht Blätter“, „Lotus“ und baddhapadmāsane: „du im gebundenen Lotussitz auf [solchen] Lotussen“.

Anmerkung: Keine nicht genannte Anordnung der verschiedenblättrigen Lotusse ergänzt.

Vers 192
rogadāridryato bandhuviyogapadamīrayet |
narakārtitato nāśini dvādaśapadaṃ priye ||192||

Man spreche „Krankheit“, „Armut“, „Trennung von Angehörigen“, „Höllenqual“ und nāśini: „du Vernichterin [dieser Leiden]“. Dann [folgt] das Wort dvādaśa, „zwölf“, Geliebte.

Anmerkung: Einzelne Zeichen in der Höllenqual-Gruppe beschädigt; eine Variante hat narakotpāta. Keine neue Krankheit benannt.

Vers 193
koṭibrahmāṇḍaṃ saṅkīrtya vartibhūtaśirastathā |
kirīṭanighṛṣṭacaraṇayugale tadanantaram ||193||

Nach „Koti Welteneier“ [spreche man] „die darin wohnenden Wesen“, „Häupter“, „Kronen“ und „Fußpaar“: „du, deren Füße von den Kronen der Häupter der Wesen in zwölf Koti Weltallen berührt werden“.

Anmerkung: Der Satz ist in der Quelle mit Fragezeichen versehen; deutsche Zusammenfügung gibt den erkennbaren Verehrungssinn wieder, nicht eine sichere vollständige Sanskritanrede.

Vers 194
tatastriṃśacca bījānāmuddhared varavarṇini |
vedādimeghapāśahrīlakṣmīkāmāśca yoginī ||194||

Danach entnehme man dreißig Bijas, Schöne: Vedadi, Megha, Pasha, Hri, Lakshmi, Kama und Yogini,

Vers 195
vadhūkūrcau śākinī ca ḍākinīpralayau tathā |
phetkārī kālikā cāpi hayagrīvaśca dharmayuk ||195||

Vadhu, Kurcha, Shakini, Dakini, Pralaya, Phetkari, Kalika, Hayagriva und Dharma,

Vers 196
tārkṣyacaṇḍau viśvabhūtau kinnaraśca mahāruṣā |
kṣetrapālāmṛte somaḥ śaktirvidyucca khecarī ||196||

Tarkshya, Chanda, Vishva, Bhuta, Kinnara, Maharush, Kshetrapala, Amrita, Soma, Shakti, Vidyut und Khechari,

Vers 197
cāmuṇḍā ca triśaktiśca triṃśadbījānyamūni hi |
tathaikādaśakūṭāni sarvapāpaharāṇi ca ||197||

Chamunda und Trishakti: Dies sind die dreißig Bijas. Ebenso [folgen] elf Kutas, die alle Verfehlungen tilgen:

Anmerkung: Die Zahl dreißig ist eine Quellenangabe; keine ergänzte Silbe zur rechnerischen Anpassung.

Vers 198
nārasiṃhaṃ ca laiṅgaṃ ca haṃso bhogaśca śaktiyuk |
nirvāṇaṃ ca mahānirvāṇaṃ rajastamasī tataḥ ||198||

Narasimha, Lainga, Hamsa, Bhoga, Shakti, Nirvana, Mahanirvana, Rajas und Tamas,

Vers 199
viśuddhājñe ca deveśi mayā te parikīrtite |
tato mahāmantramayaśarīre iti kīrtayet ||199||

Vishuddha und Ajna: Diese habe ich dir genannt, Herrin der Götter. Danach spreche man mahāmantramayaśarīre, „du, deren Leib aus großen Mantras besteht“.

Vers 200
sarvāgamatattvarūpe ityuddhārayet priye |
guṃ trayaṃ tathādhvaikasambhramatritayaṃ tathā ||200||

Dann entnehme man sarvāgamatattvarūpe, „du von der Wesensgestalt aller Agamas“, Geliebte. [Es folgen] dreimal guṃ, einmal Adhva und dreimal Sambhrama.

Anmerkung: Guṃ ist die im vorliegenden Schrifttext erkennbare Silbe; Adhva und Sambhrama bleiben Chiffren. Einzelzeichen der verbundenen Gruppe sind unsicher.

Vers 201
ekā ruḍaśrutritayaṃ rambhāvadhvoryugaṃ yugam |
astratrayānte hṛnmantrastadante pāvakābalā ||201||

Einmal Rud, dreimal Ashru, Rambha und Vadhu je zweimal; nach dreimal Astra folgt der Herz-Mantra, danach Pavakabala [Svaha].

Anmerkung: Keine lautliche Ergänzung der nur namentlich genannten Bijas.

Zählmarken und rituelle Zuordnung des Tausendsilbers

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 202
sahasrākṣariko mantrastava devi mayoditaḥ |
nyūnātiriktatādoṣādasya mantrasya pārvati ||202||

Damit habe ich dir, Göttin, den tausendsilbigen Mantra gelehrt. Durch den Fehler fehlender oder überzähliger [Laute] dieses Mantras, Parvati,

Anmerkung: Satzfortsetzung in 203.

Vers 203
japānmṛtyumavāpnoti tadarthaṃ nirṇayaṃ śṛṇu |
yasmin varṇe śataṃ pūrṇaṃ tanmayaiva nigadyate ||203||

erlangt man bei seiner Rezitation den Tod. Höre deshalb die genaue Bestimmung: Ich selbst gebe an, bei welchem Laut jeweils ein Hundert vollendet ist.

Anmerkung: Die Todesdrohung ist Teil der historischen Rituallehre. Wegen der beschädigten Grundlage wird keine sichere rezitierbare Vollfassung behauptet.

Vers 204
dvīpamadhyasya me varṇe pūrṇamekaṃ śataṃ bhavet |
cāriṇyāścākṣare devi dviśatī pūrṇatā mitā ||204||

Beim Laut me von dvīpamadhya ist das erste Hundert vollendet; beim Laut cā von cāriṇī, Göttin, sind zweihundert vollständig erreicht.

Anmerkung: Erste Zählmarke me passt nicht ohne Weiteres zur vorherigen Form dvīpamadhya; die Quellenangabe bleibt unverändert und nicht rechnerisch repariert.

Vers 205
bhīvarṇe triśatī bhīmarasanāyā varānane |
ṣivarṇe rūṣite śabde'syāpi pūrṇā catuḥśatī ||205||

Beim Laut bhī von bhīmarasanā, Schöne, sind dreihundert erreicht; beim Laut ṣi des Wortes rūṣite ist das vierte Hundert vollständig.

Anmerkung: Zählanweisung der Quelle, keine Bestätigung der Silbenzahl des beschädigten OCR-Mantras.

Vers 206
jvalajvalayugasyānte pūrṇā pañcaśatī priye |
mahākālapriye me'rṇe ṣaṭśatī pūrṇatāṃ gatā ||206||

Am Ende des Paares jvala jvala sind fünfhundert vollendet, Geliebte; beim Laut me in mahākālapriye ist das sechste Hundert erreicht.

Anmerkung: Me ist mit dem angegebenen Wort nicht offensichtlich vereinbar; nicht still in ma oder einen anderen Laut korrigiert.

Vers 207
carmāvṛtaśarīre'tra rīvarṇe śatasaptakam |
guṭikāyā guvarṇe ca samāptāṣṭaśatī tathā ||207||

Beim Laut rī in carmāvṛtaśarīre [sind] siebenhundert [erreicht]; beim Laut gu von guṭikā sind achthundert vollendet.

Vers 208
[…] brahmāṇḍaśabdasya pūrṇā navaśatī dhruvam |
svāhānte tu sahasrārṇaṃ pūrṇaṃ bhavati niścitam ||208||

Bei […] des Wortes brahmāṇḍa sind sicher neunhundert vollendet. Am Ende von svāhā ist das volle Tausend von Lauten erreicht.

Anmerkung: Fragment: Der genaue Zähl-Laut im ersten Halbvers ist beschädigt; keine vermutete Silbe eingefügt.

Vers 209
asyarṣiścyavanaḥ proktaśchando'tijagatī tathā |
triṃśadvaktrā guhyakālī devatā parikīrtitā ||209||

Als Rishi wird Chyavana genannt, als Metrum Atijagati. Die Gottheit ist die dreißiggesichtige Guhyakali.

Vers 210
bījaṃ hi ḍākinī proktaṃ śaktirbhāsākhyakūṭakam |
phetkārī pralayaścāpi kīlakaṃ tattvamityapi ||210||

Dakini ist als Bija genannt, der Bhasa-Kuta als Shakti; Phetkari und Pralaya [werden] als Kilaka und Tattva [genannt].

Anmerkung: Die knappe Zuordnung des zweiten Halbverses ist nicht völlig eindeutig; Übersetzung folgt der aufgeführten Reihenfolge, ohne die Syntax als gesichert auszugeben.

Vers 211
sarvābhīṣṭaprasiddhyarthaṃ viniyoga udāhṛtaḥ |
daśānanādiṣaṭtriṃśadānanāvadhi kālikā |
upāsanīyā bhavati mantreṇānena sundari ||211||

Die Anwendung dient der Verwirklichung aller Wünsche. Mit diesem Mantra ist Kalika von der zehn- bis zur sechsunddreißiggesichtigen Gestalt zu verehren, Schöne.

Anmerkung: Die Quelle bietet hier drei Halbverse unter einer Nummer; nicht in erfundene Einzelverse geteilt.

Vers 212
bahubhiḥ kiṃ vacojālairmahimāsya manoriyān |
iti vaktuṃ na śaknomi satyaṃ satyaṃ vadāmyaham ||212||

Wozu ein Geflecht vieler Worte? Ich vermag nicht zu sagen: „So groß ist die Herrlichkeit dieses Mantras.“ Wahrlich, wahrlich, so spreche ich.

Sprecherzeile
devyuvāca |

Devi sprach:

Anmerkung: Sprecherwechsel vor Vers 213.

Zwei zehntausendsilbige Überlieferungen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 213
mantrābdhipāraga śreṣṭha nātha he karuṇānidhe |
tvattaḥ śrutā mayā mantroddhārā ṛṣyādibhiḥ saha ||213||

Bester unter denen, die den Ozean der Mantras durchquert haben, Herr, Schatz des Mitgefühls! Von dir habe ich die Mantraerschließungen samt Rishis und den weiteren Faktoren gehört,

Vers 214
ārabhyaikākṣarānmantrādāsahasrārṇamīśvara |
yena yena ca mantreṇa yā yopāsyā bhavet punaḥ ||214||

vom einsilbigen Mantra bis zum tausendsilbigen, Gebieter. Und welche [Gestalt] mit welchem Mantra jeweils zu verehren ist,

Vers 215
tadapyākarṇitaṃ sarvaṃ śrutvā caivāvadhāritam |
idānīmayutākṣaryāḥ samuddhāraṃ vada prabho ||215||

auch das habe ich alles gehört und verstanden. Erkläre nun die Erschließung der zehntausendsilbigen [Vidya], Herr.

Vers 216
tayā kīdṛgvidhā devī samupāsyā nṛṇāṃ bhavet |
kena cārādhitā tena mantreṇa jagadambikā ||216||

In welcher Gestalt sollen Menschen die Göttin mit ihr verehren? Und von wem wurde die Mutter der Welt mit diesem Mantra verehrt?

Vers 217
tatsarvaṃ śrotumicchāmi kathyamānaṃ tvayā śanaiḥ |
anukṣaṇaṃ me śuśrūṣā vartate tvadudīraṇāt ||217||

Dies alles möchte ich hören, während du es mir nach und nach erklärst. Durch deine Worte wächst mein Wunsch zuzuhören von Augenblick zu Augenblick.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Anmerkung: Sprecherwechsel vor 218.

Vers 218
satyaṃ dhanyāsi deveśi śuśrūṣānukṣaṇaṃ yataḥ |
vartate tava mantrāṇāmākarṇanavidhau sadā ||218||

Wahrlich, du bist gesegnet, Herrin der Götter, weil dein Verlangen, die Mantras zu hören, stets und von Augenblick zu Augenblick fortbesteht.

Vers 219
[…] pradātavyamityāmnāyasya niścayaḥ |
tvaṃ ca śuśrūṣase'tyarthamato vakṣyāmi niścitam ||219||

[…] soll [die Lehre] gegeben werden: So lautet die feste Regel der Überlieferung. Du aber begehrst sie sehr zu hören; darum werde ich sie dir gewiss erklären.

Anmerkung: Fragment: Bezeichnung des Empfängers am Versanfang unlesbar. Keine vollständig erhaltene Guru-Regel vorgetäuscht.

Vers 220
deveśi dve'yutākṣaryau guhyakālyā mahāphale |
viṣṇunārādhitā tvekā mayā cārādhitā'parā ||220||

Herrin der Götter, es gibt zwei zehntausendsilbige [Vidyas] Guhyakalis mit großer Frucht. Die eine wurde von Vishnu verehrt, die andere von mir.

Vers 221
ubhe api vadiṣyāmi tava deveśi niścitam |
viṣṇunārādhitā yā tu sā sapatnapramāthinī ||221||

Beide werde ich dir gewiss erklären, Herrin der Götter. Die von Vishnu verehrte zerschmettert die Widersacher,

Vers 222
khyātā nāmnā kalpalatā sārvadaihikaphalapradā |
upāsitā viṣṇunā hi vadhārthaṃ kālaneminaḥ ||222||

ist unter dem Namen Kalpalata, „Wunschranke“, bekannt und gewährt leibbezogene Früchte. Vishnu verehrte sie, um Kalanemi zu töten.

Anmerkung: Sārvadaihika ist die vorsichtige Lesung der beschädigten Fruchtbestimmung; keine sichere weitergehende Deutung als medizinische Heilwirkung.

Vers 223
yā mayārādhitā devi sā tu mokṣaikadāyinī |
bījamālāmayamantramālānāmnā prathāṃ gatā ||223||

Die von mir verehrte aber, Göttin, gewährt allein Befreiung. Sie ist als „Mantra-Girlande aus einer Bija-Girlande“ bekannt geworden.

Anmerkung: Der lange Name wird nach seinen lesbaren Bestandteilen übersetzt, nicht zu einem anderweitig belegten Werktitel umgeformt.

Vers 224
mumukṣūn kṛtavairāgyān tyaktasaṃsāravāsanān |
upadiṣṭavānahaṃ pūrvaṃ munīn kaivalyalabdhaye ||224||

Ich habe sie einst jenen Weisen unterwiesen, die Befreiung begehrten, Leidenschaftslosigkeit entwickelt und das Verlangen nach weltlichem Dasein aufgegeben hatten, damit sie Kaivalya erlangen.

Vers 225
viṣṇvārādhyāṃ ca tatrādau niśāmaya varānane |
mamārādhyāṃ tu tasyānu śroṣyasi prayatā satī ||225||

Höre unter diesen zunächst die von Vishnu verehrte Form, Schöne. Danach wirst du, gesammelt und rein ausgerichtet, die von mir verehrte hören.

Kalpalata: Beginn der von Vishnu verehrten Formel

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 226
āmnāyaśīrṣameghahrīśrīkāmā yoginīruṣau |
yoṣicchākiniḍākinyaḥ phetkārīpralayādimāḥ ||226||

[Zuerst stehen die Lautchiffren] Amnayashirsha, Megha, Hri, Shri, Kama, Yogini, Rush, Yoshit, Shakini, Dakini, Phetkari und Pralaya.

Anmerkung: Die Anfangsgruppe ist vorsichtig segmentiert; die Quelle gibt hier noch keine ausgeschriebene Vollformel.

Vers 227
kulikaḥ kālinṛharibhāsākūṭāstataḥ param |
jayatrayād bhagavati guhyakāli tataḥ param ||227||

Danach [folgen] Kulika, Kali, Nrihari und der Bhasa-Kuta. Nach dreimal jaya, „Sieg“, [spreche man] bhagavati guhyakāli: „erhabene Guhyakali“.

Anmerkung: Eine Variante liest zweimal statt dreimal jaya; Hauptlesung bewahrt.

Vers 228
kātyāyinyanu vai siddhikarāli tadanantaram |
kāpāli śavavāhinyataḥ paraṃ sakalerayet ||228||

Danach [spreche man] kātyāyini, „Katyayini“, siddhikarāli, „furchtbare Vollendete“, kāpāli, „Schädeltragende“, śavavāhini, „auf einer Leiche Einherfahrende“, und danach sakala, „alles“.

Vers 229
suratasyānu ca manorañjani syāttataḥ param |
daityadānavadarpotabhañjanyanu daśoddharet ||229||

Nach surata [folgt] manorañjani: „du, die das Herz durch alle Liebesspiele erfreut“. Dann „du, die den Hochmut der Daityas und Danavas zerbricht“; danach entnehme man daśa, „zehn“.

Anmerkung: Der in darpot/bhañjani beschädigte Anschluss ist dem erkennbaren Sinn entsprechend normalisiert; keine grafische Ausarbeitung der erotischen Anrede.

Vers 230
vadanaṃ procya tasyānu dhāriṇi pratikīrtayet |
nṛmuṇḍamālādhāriṇyanu sṛṣṭisthitiṃ […] ||230||

Nach vadana spreche man dhāriṇi: „du, die zehn Gesichter trägt“. Danach nṛmuṇḍamālādhāriṇi, „Trägerin einer Kette von Menschenköpfen“, dann „Schöpfung“ und „Erhaltung“ […].

Anmerkung: Fragment: Kurzes Wort am Versende unlesbar; vollständiger Anredesinn folgt in 231.

Vers 231
pralayaṃ procya kāriṇyato nareti padoddhṛtiḥ |
rudhirānuvasāmāṃsamastiṣkāntramiti kīrtayet ||231||

Nach pralaya spreche man kāriṇi: „du, die Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bewirkt“. Danach entnehme man nara, „Mensch“, und nenne Blut, Fett, Fleisch, Gehirn und Eingeweide.

Anmerkung: Drastische Bildbestandteile der folgenden Schädelschalen-Anrede vollständig erhalten.

Vers 232
paripūritamityuktvā kapāle tadanantaram |
tato vikaṭarāve ca ghorarūpe ca kīrtayet ||232||

Dann [spreche man] paripūrita und kapāle: „du, deren Schädelschale damit gefüllt ist“. Danach vikaṭarāve, „du mit gewaltigem Rufen“, und ghorarūpe, „du von furchtbarer Gestalt“.

Vers 233
tataḥ kaṭakaṭāyamānato daśanetyapi |
paṅktiprakaṭadaṃṣṭrā ca tato'pi ca bhayaṅkari ||233||

Danach [entnehme man] „mit klappernder Zahnreihe und hervortretenden Fangzähnen“ sowie bhayaṅkari: „du Furcht Erregende“.

Anmerkung: Kaṭakaṭāyamāna ist als zusammengehörige, im OCR getrennte Wortgruppe gelesen.

Vers 234
baddhanārāntrayogeti tadante paṭṭabhūṣite |
daśabījāni nāgre syuḥ kevalānyakṣarāṇi tu ||234||

[Man spreche] baddhanārāntrayoga und paṭṭabhūṣite: „geschmückt mit einem gebundenen Yoga-Band aus Menschendärmen“. Danach sollen keine zehn Bijas vorangestellt sein, sondern nur die [folgenden] Wortlaute.

Anmerkung: Die Anweisung zu zehn Bijas ist knapp und ungewöhnlich; nicht eigenmächtig in eine andere Zahl oder Wiederholungsregel geändert.

Vers 235
yoginībhairavī procya ḍākinīśākinī tataḥ |
cāmuṇḍāśaktito bhūtavetālapretamityapi ||235||

[Man nenne] Yoginis, Bhairavis, Dakinis, Shakinis, Chamundas, Shaktis, Bhutas, Vetalas und Pretas,

Anmerkung: Beginn einer zusammenhängenden Gefolgschaftsanrede bis 238.

Vers 236
piśācatasyānu vināyakaskandācca jambhaka |
daityadānavayakṣeti rākṣaseti tataḥ param ||236||

danach Pishachas, Vinayakas, Skandas, Jambhakas, Daityas, Danavas, Yakshas und Rakshasas,

Vers 237
gāndharvaguhyaketyuktvā tato ghoṇakamityapi |
kṣetrapālād bhairaveti kūṣmāṇḍabaṭuketyapi ||237||

Gandharvas, Guhyakas, Ghonakas, Kshetrapalas, Bhairavas, Kushmandas und Batukas,

Anmerkung: Ghonaka ist eine unsichere Gruppenbezeichnung; nicht mit einer erfundenen bekannten Wesenart gleichgesetzt.

Vers 238
siddhataḥ khecarādīni tato navatiṃ coddharet |
mahāpadmasamājācca bhāsure ca sureśvari ||238||

Siddhas, Khecharas und weitere. Danach entnehme man navati, „neunzig“, mahāpadmasamāja und bhāsure: „du, die in einer Versammlung von neunzig Mahapadmas [solcher Wesen] erstrahlt“, Herrin der Götter.

Anmerkung: Mahapadma ist hier eine riesige traditionelle Zahl, keine Lotusblume; genaue Dezimalgröße nicht ohne gesicherten Bezug festgelegt.

Vers 239
triśūlakhaḍgamuccārya kheṭaketi tataḥ param |
khaṭvāṅgamiti saṅkīrtya tasyānu parighamuccaret ||239||

Man spreche „Dreizack“, „Schwert“ und danach „Schild“, dann „Khatvanga“ und „eiserne Schlagstange“.

Anmerkung: Beginn einer Waffen- und Gegenstandsreihe der Gottheitsanrede, kein Herstellungsrezept.

Vers 240
gadācakrabhuśuṇḍī ca tomaraprāsapaṭṭiśa |
bhindipālācca paraśu śaktivajraṃ tataḥ param ||240||

[Es folgen] Keule, Diskus, Bhushundi, Tomara, Prasa, Pattisha, Bhindipala, Axt, Speer und Vajra.

Anmerkung: Vajra nach dem erkennbaren Waffenlisten-Zusammenhang gelesen; OCR hat vastra, „Gewand“. Unsichere Einzelzeichen nicht als gesicherte diplomatische Lesung ausgegeben.

Vers 241
pāśāṅkuśācchaṅkhanāgaśivāpotākṣakīrtayet |
mālāmuṇḍād gṛdhraśūlanakulādi tataḥ param ||241||

Man nenne Schlinge, Elefantenhaken, Muschelhorn, Schlange, Schakaljunges, Gebetskette, Schädel, Geier, Spieß, Mungo und weitere [Gegenstände].

Anmerkung: Die Verbindung gṛdhraśūla ist beschädigt; die Gegenstandsnamen werden vorsichtig getrennt, ohne eine neue Waffenform zu erfinden.

Vers 242
tataḥ kuṇḍavarābhayavyāpṛtakarkaśa |
bhujadaṇḍe brahmaviṣṇumahādevendracandra ca ||242||

Danach [spreche man] kuṇḍa, „Feuergefäß“, vara und abhaya, „Wunschgewährung“ und „Furchtlosigkeit“, dann „du, deren mächtige Arme damit tätig sind“. [Es folgen] Brahma, Vishnu, Mahadeva, Indra und Chandra,

Anmerkung: Die Gruppe über Arme und Gesten ist lautlich rau; deutscher Zusammenhang vorsichtig aus den lesbaren Wörtern gebildet.

Vers 243
vāyuto varuṇaṃ procya kuberāt pāvake tathā |
īśānanirṛtisiddheti vidyādharaṃ tato vadet ||243||

Vayu, Varuna, Kubera, Pavaka, Ishana, Nirriti, Siddhas und Vidyadharas,

Vers 244
gandharvakinnarāvityuragaśabdaṃ tato'pyanu |
vibhāvanīyacaraṇakamalād yugale tathā ||244||

Gandharvas, Kinnaras und Schlangenwesen. Dann [spreche man] „du, deren Lotusfußpaar [von ihnen] meditativ zu vergegenwärtigen ist“.

Vers 245
niyutāt karataścāpi caraṇe iti kīrtayet |
sarveśvari tataḥ procya sarvaduṣṭakṣayaṅkari ||245||

Nach niyuta [spreche man] „Hände“ und „Füße“: „du mit Niyuta Händen und Füßen“. Danach sarveśvari, „Herrin aller“, und sarvaduṣṭakṣayaṅkari, „Vernichterin aller Bösartigen“.

Anmerkung: Niyuta als traditionelle große Zahl ohne ungesicherte Dezimalfestlegung.

Vers 246
sarvadeveti saṅkīrtya maheśvari tataḥ param |
koṭito niyutetyuktvā tataḥ praharaṇāyudhe ||246||

Nach sarvadeva spreche man maheśvari: „höchste Herrin aller Götter“. Nach koṭi und niyuta [sage man] praharaṇāyudhe: „du mit unermesslich vielen Waffen“.

Anmerkung: Die Zahlenwörter Koti und Niyuta werden als Quellengrößen bewahrt; ihre Verknüpfung wird nicht zu einer angeblich exakten Gesamtzahl umgerechnet.

Vers 247
visandhyacintyaprabhāve tato'mitabaletyapi |
parākrame'gaṇeyeti tato guṇagaṇe'pi ca ||247||

Ohne Sandhi-Verbindung [spreche man] „du von unvorstellbarer Macht“, danach „du von unermesslicher Kraft und Tatgewalt“, dann „du mit unzählbaren Scharen von Eigenschaften“.

Anmerkung: Quellwort gaṇa/guṇa unsicher; hier entsprechend der nahen Parallelfolge 171 als guṇa verstanden, ausdrücklich keine diplomatisch sichere Lesung.

Vers 248
asaṅkhyamahima procya vibhave ajite tathā |
tata ākhyāyāmite tataścaivāparājite ||248||

Nach asaṃkhyamahima spreche man vibhave: „du von unermesslicher Größe und Macht“, dann ajite, „Unbesiegte“, amite, „Unermessliche“, und aparājite, „Unüberwundene“.

Vers 249
alakṣite cādvaite tato'nante prakīrtayet |
avyakte ca tato'dṛśye agrāhye cātīndriye ||249||

[Man spreche] „nicht Wahrnehmbare“, „Nichtduale“, „Unendliche“, „Unmanifestierte“, „Unsichtbare“, „nicht Ergreifbare“ und „jenseits der Sinne Gegenwärtige“.

Vers 250
apāre ugracaṇḍe ca pracaṇḍogratare tathā |
śmaśānacāriṇi procya brahmāṇi tadanantaram ||250||

[Dann:] „Uferlose“, „grimmig Furchtbare“, „überaus Gewaltsame und Schreckliche“, „auf dem Verbrennungsplatz Wandelnde“, danach brahmāṇi, „Brahmani“.

Vers 251
nārāyaṇi tataḥ śāṅkaryaindri kaumāri cetyapi |
vārāhi nārasiṃhi syāccāmuṇḍe bhairavītyapi ||251||

[Man spreche] nārāyaṇi, „Narayani“, śāṅkari, „Shankari“, aindri, „Aindri“, kaumāri, „Kaumari“, vārāhi, „Varahi“, nārasiṃhi, „Narasimhi“, cāmuṇḍe, „Chamunda“, und bhairavi, „Bhairavi“.

Anmerkung: Die zusammengezogene Shankari/Aindri-Gruppe ist beschädigt; Segmentierung nach der erkennbaren Matrika-Liste. Eigennamen bleiben erhalten.

Vers 252
āgneyi aiśāni tathā tato vāruṇi kīrtayet |
tataḥ kauberi vāyavye śoṇitārṇavamīrayet ||252||

Dann [spreche man] āgneyi, „Feuergöttin“, aiśāni, „Ishani“, vāruṇi, „Varuni“, kauberi, „Kauberi“, vāyavye, „Windgöttin“, und śoṇitārṇava, „Blutmeer“.

Vers 253
majjanonmajjanapadāt priye ityapi ca priye |
jagajjanani saṅkīrtya tataśca jagadāśraye ||253||

Nach „Untertauchen und Auftauchen“ [spreche man] priye: „du, die sich am Unter- und Auftauchen im Blutmeer erfreut“, Geliebte. Dann „Mutter der Welt“ und „Zuflucht der Welt“.

Anmerkung: Hier ist der Blutmeer-Bezug ausdrücklich vorhanden; nicht rückwirkend still in eine beschädigte frühere Formel eingesetzt.

Vers 254
uktvā jagatkāriṇi ca jvalaprajvalayoryugam |
jayadvayaṃ jīvayugaṃ bhāsākūṭaṃ tataḥ param ||254||

Nach jagatkāriṇi, „Schöpferin der Welt“, [spreche man] jvala jvala, „lodere, lodere“, prajvala prajvala, „flamme auf, flamme auf“, jaya jaya, „sei siegreich“, und jīva jīva, „lebe“. Danach folgt der Bhasa-Kuta.

Anmerkung: Die beschädigte jaya-Gruppe wird durch die ausgeschriebene Parallelform im Anhang c um Zeile 30359 gestützt; keine Bija-Rekonstruktion daraus.

Vers 255
nṛsiṃhakālīkulikaphetkārīpralayāstathā |
ḍākinī śākinī rāmā kūrcayoginimanmathāḥ ||255||

[Es folgen] Nrisimha, Kali, Kulika, Phetkari, Pralaya, Dakini, Shakini, Rama, Kurcha, Yogini und Manmatha,

Vers 256
lakṣmītrapāmeghatārāḥ śivaviṣṇu tataḥ param |
rūpasiṃhāsanā procyādhirūḍhe grahamityapi ||256||

Lakshmi, Trapa, Megha und Tara. Danach [spreche man] Shiva, Vishnu, rūpasiṃhāsana und adhirūḍhe: „du, die auf dem Thron in Gestalt Shivas und Vishnus sitzt“, dann graha, „Planet/ergreifende Macht“.

Vers 257
nakṣatrotpātabhūtonmādāveśabhayamityapi |
vināśini tataḥ procya tathā traikālikāni ca ||257||

[Es folgen] „Sterne“, „Unheil“, „Geister“, „Wahnsinn“, „Besessenheit“ und „Furcht“, dann vināśini, „Vernichterin [dieser Bedrohungen]“. Danach [sage man] traikālikāni, „aus den drei Zeiten“.

Anmerkung: Historische Benennung von Bedrohungen; keine heutige Erklärung psychischer Erkrankungen durch Geister.

Vers 258
mama pātakopamullikhya pātakāni tataḥ param |
punaruktvā pātakamahāpātakāni tato'pyanu ||258||

Nach mama, „meine“, schreibe man pātaka und upapātakāni, „Verfehlungen und Nebenverfehlungen“, und erneut pātaka-mahāpātakāni, „Verfehlungen und schwere Verfehlungen“.

Anmerkung: Die Wiederholung ist in der Vorlage selbst fraglich, wird aber durch die ausgeschriebene Anhangform c gestützt; nicht still gestrichen.

Vers 259
śamayadvitayaṃ procya tataḥ praśamayadvayam |
tataśca nāśayayugaṃ vināśayayugaṃ tathā ||259||

[Man spreche] zweimal śamaya, „besänftige“, zweimal praśamaya, „bringe völlig zur Ruhe“, zweimal nāśaya, „vernichte“, und zweimal vināśaya, „lösche aus“.

Anmerkung: Die Befehle beziehen sich hier auf die zuvor genannten Verfehlungen und Bedrohungen.

Vers 260
pacadvandvaṃ hanayugaṃ vidrāvayayugaṃ tataḥ |
tathā vidhvaṃsayayugaṃ bhasmīkuru tathaiva ca ||260||

Je zweimal [folgen] paca, „verbrenne/koche“, hana, „schlage nieder“, vidrāvaya, „vertreibe“, vidhvaṃsaya, „zerstöre“, und bhasmīkuru, „mache zu Asche“.

Anmerkung: Das beschädigte Wiederholungswort ist durch die ausgeschriebene Anhangform geklärt; keine neue Gewaltanwendung außerhalb des Formelkontexts hinzugefügt.

Vers 261 (erste Einheit der Quelle)
tato nikhiladuritavimocinipadaṃ vadet |
devi devi mahādevi mahāghore tataḥ param ||261||

Danach spreche man nikhiladuritavimocini, „Befreierin von allem Übel“, und devi devi mahādevi mahāghore: „Göttin, Göttin, große Göttin, überaus Furchtbare“.

Anmerkung: Die folgende Einheit trägt im OCR erneut 261; beide erhalten, keine stille neue Nummer 262.

Vers 261 (zweite Einheit der Quelle)
mahāvāme mahāprocya jaṭājūṭapadaṃ punaḥ |
bhāre jñānatato buddhimānalakṣmīkavitva ca ||261||

[Man spreche] mahāvāme, „große Vama“, dann „du mit gewaltiger Flechtenfülle“, gefolgt von „Erkenntnis“, „Einsicht“, „Ansehen“, „Fülle“ und „Dichtkunst“.

Anmerkung: Zweite mit 261 bezeichnete Einheit, interne Kennung 261b; sichtbare 262 fehlt. Variante Maharava statt Mahavama. Keine bestimmte Deutung von Vama erzwungen.

Vers 263
sarvaśeṣe tato brūyād devi rājyaprade padam |
sṛṇiprāsādoruroṣabhūtāḥ pīyūṣameva ca ||263||

Zum Schluss sage man devi rājyaprade, „Göttin, Geberin von Herrschaft“ [sowie der zuvor genannten Gaben]. Dann [folgen die Chiffren] Srini, Prasada, Uru, Rosha, Bhuta und Piyusha,

Anmerkung: Der Apparat bietet Srishti statt Srini. Die Gabenanrede wird durch die ausgeschriebene Anhangform c bestätigt.

Vers 264
ratikālau khecarī ca bhāruṇḍā mānasādimā |
kāpālaṃ drāvaṇaṃ nīlaṃ vetālo vajrameva ca ||264||

Rati, Kala, Khechari, Bharunda, Manasa, Kapala, Dravana, Nila, Vetala und Vajra,

Anmerkung: Manasādimā ist eine raue Gruppenfügung; keine nicht sicher lesbare zusätzliche Silbe eingefügt.

Vers 265
cāmuṇḍāśaktivajrāṇi raudrakūrcau ca yoginī |
lajjāvadhvau mahācaṇḍayogeśvari tato vadet ||265||

Chamunda, Shakti, Vajra, Raudra, Kurcha, Yogini, Lajja und Vadhu. Danach spreche man mahācaṇḍayogeśvari: „überaus furchtbare Herrin des Yoga“.

Anmerkung: Vajra steht auch schon im vorigen Vers; Wiederholung nicht als vermeintlicher Fehler beseitigt.

Vers 266
mama śatrūniti procya baliṃ […] |
[…] yugaṃ paścād yugalaṃ bhakṣa bhakṣaya ||266||

Nach mama śatrūn, „meine Feinde“, [spreche man] „als Opfergabe“ […] und danach zweimal […]; dann jeweils zweimal bhakṣa und bhakṣaya: „verzehre, lass verzehren“.

Anmerkung: Fragment: Die Gruppen um gṛhāṇa/gṛhāṇāpaya sind im Haupttext stark beschädigt. Die ausgeschriebene Anhangform nennt entsprechende Annahmebefehle, bleibt hier aber ausdrücklich Parallelhilfe, nicht still eingesetzter vollständiger Wortlaut.

Vers 267
nāśayoccāṭaya hana truṭa chindhi pacāpi ca |
matha vidrāvaya tathā mārayāpi damāpi ca ||267||

[Man spreche] „vernichte“, „vertreibe“, „schlage nieder“, „zerbrich“, „zerschneide“, „verbrenne“, „zermalme“, „jage fort“, „töte“ und „bezwinge“.

Anmerkung: Feindgerichtete Schadensbefehle des historischen Mantras. Dama statt OCR damāmi durch die ausgeschriebene Anhangform gestützt; keine heutige Empfehlung.

Vers 268
nivāraya stambhaya ca tato mardaya śoṣaya |
pātayātaḥ khādaya ca tato hara dhameti ca ||268||

[Es folgen] „halte ab“, „lähme“, „zerdrücke“, „trockne aus“, „stürze nieder“, „verzehre“, „nimm hinweg“ und „blase“.

Vers 269
udvāsaya mohaya ca kṣobhaya chindhi trāsaya |
unmūlaya saṅkīrtya jṛmbhaya sphoṭayāpi ca ||269||

[Man spreche] „treibe hinaus“, „verblende“, „erschüttere“, „zerschneide“, „erschrecke“, „entwurzele“, „lass erstarren/gähnen“ und „sprenge auf“.

Anmerkung: Kurze beschädigte Gruppe vor unmūlaya nicht als zusätzlicher Befehl rekonstruiert; jṛmbhaya hat hier einen ritualsprachlich mehrdeutigen Sinn.

Vers 270
vikṣobhaya turu procya tato hili kilītyapi |
cala cālaya tataścintaya smarottiṣṭha paśya ca ||270||

[Man spreche] „wühle auf“, dann turu, hili und kili; anschließend „bewege dich“, „setze in Bewegung“, „bedenke“, „erinnere dich“, „erhebe dich“ und „sieh“.

Anmerkung: Turu, hili und kili sind Formelwörter ohne hier zuverlässig gesicherte wörtliche Bedeutung.

Vers 271
saptātriṃśatkriyāṇāṃ hi yugaṃ yugamudīrayet |
ṣaṭpañcāśacca devīnāṃ sambodhanapadaṃ tataḥ ||271||

Jede der siebenunddreißig Handlungsformeln spreche man zweimal. Danach [folgen] die Anreden von sechsundfünfzig Göttinnen.

Anmerkung: Die Quellenzahlen werden nicht durch erfundene zusätzliche Befehle oder Namen aufgefüllt. Sanskrit-Zahlform im OCR rau, siebenunddreißig als erkennbare Angabe.

Vers 272
ādau dakṣiṇakālyāśca bhadrakālyāstataḥ param |
śmaśānakālyāśca tataḥ kālakālyāstataḥ param ||272||

Zuerst [die Anrede] an Dakshinakali, danach an Bhadrakali, Shmashanakali und Kalakali,

Vers 273
guhyakālyāḥ kāmakalākālyāśca tadanantaram |
dhanakālyāḥ siddhikālyāścaṇḍakālyāstathaiva ca ||273||

dann an Guhyakali, Kamakalakali, Dhanakali, Siddhikali und Chandakali,

Vers 274
mahālakṣmyāśca mātaṅgyāstasyā rājapadāt punaḥ |
tato'nu bhuvaneśvaryā vāgīśvaryāstataḥ param ||274||

an Mahalakshmi, Matangi und wiederum diese mit dem Wort Raja davor, also Rajamatangi; danach an Bhuvaneshvari und Vagishvari,

Vers 275
tata ucchiṣṭacāṇḍālyāḥ klinnāyā nityapūrvataḥ |
madadravāyā bhairavyāścāṇḍālinyāstato'pyanu ||275||

an Ucchishtachandali, an Klinna mit Nitya davor, also Nityaklinna, an Madadrava, Bhairavi und Chandalini,

Anmerkung: Göttinnennamen werden als Eigennamen bewahrt; keine neu erfundenen Bedeutungen für beschädigte seltene Formen.

Vers 276
tripuṭāyāstvaritāyāḥ śūlinyāstadanantaram |
tato vanajayārṇābhyāṃ durgayorapi pārvati ||276||

an Triputa, Tvarita und Shulini, dann an die beiden Durgas mit den Wörtern Vana und Jaya davor, Parvati: Vanadurga und Jayadurga,

Vers 277
prastāriṇyā vajraśabdapūrvāyāstadanantaram |
siddhirājyajayebhyo hi lakṣmīṇāṃ tadanantaram ||277||

dann an Prastarini mit Vajra davor, also Vajraprastarini; danach an die Lakshmis mit Siddhi, Rajya und Jaya davor: Siddhilakshmi, Rajyalakshmi und Jayalakshmi,

Vers 278
padmāvatyāstataḥ kālasaṅkarṣiṇyā varānane |
kubjikāyāstato hyannapūrṇāyāḥ parikīrtayet ||278||

dann an Padmavati, Kalasamkarshini, Kubjika und Annapurna, Schöne,

Vers 279
kukkuṭyā dhanadāyāśca śabareśvaryāstataḥ param |
kirātyāścaiva bālāyāstato'pi parikīrtayet ||279||

an Kukkuti, Dhanada, Shabareshvari, Kirati und Bala,

Anmerkung: Bala ist hier ausschließlich ein nichtsexualisierter Göttinnenname innerhalb der Liste.

Vers 280
tathā tripurabhairavyāḥ sundaryāstripurāntataḥ |
tato nīlasarasvatyāḥ sarasvatyāstataḥ param ||280||

an Tripurabhairavi und Sundari nach Tripura, also Tripurasundari; danach an Nilasarasvati und Sarasvati,

Anmerkung: Im OCR versetzte erste Zeile nach dem fortlaufenden Zusammenhang geordnet.

Vers 281
tataśca chinnamastāyā nāsāyāśchinnamantataḥ |
punarnīlapatākāyā ghaṇṭāyāścaṇḍato'pi ca ||281||

dann an Chinnamasta, an Nasa mit Chinna verbunden, also Chinnanasa, an Nilapataka und an Ghanta nach Chanda, also Chandaghanta,

Anmerkung: Chinnanasa ist der erkennbare seltene Name; nicht still durch eine bekanntere Göttin ersetzt. OCR-Ziffer 251 entsprechend der Folge als 281 gelesen.

Vers 282
caṇḍeśvaryāstataḥ procya cāmuṇḍāyāstato'pyanu |
bagalā harasiddhānu phetkāriṇyāstato'pyanu ||282||

an Chandeshvari, Chamunda, Bagala, Harasiddha und Phetkarini,

Anmerkung: Harasiddha ist die vorliegende Namensform; nicht still zur geläufigeren Harasiddhi verändert.

Vers 283
tato'nu mṛtyuhāriṇyā nākulyāśca tataḥ param |
tato nu lavaṇeśvaryā nityāyāḥ ṣoḍaśottarāt ||283||

danach an Mrityuharini, Nakuli, Lavaneshvari und an Nitya nach Shodasha, also Shodashanitya.

Anmerkung: Die letzte Namensbildung ist knapp und ungewöhnlich; keine ganze zusätzliche Reihe von sechzehn Nityas erfunden.

Vers 284
tato jaye ca vijaye aghore'rundhati kramāt |
sāvitri gāyatri tato viśvarūpe tataḥ param ||284||

Dann der Reihe nach: „Jaya, Vijaya, Aghora, Arundhati, Savitri, Gayatri, du mit dem All als Gestalt“,

Anmerkung: Hier wechselt die Quelle von Beschreibungen der Anreden zu den Anreden selbst.

Vers 285
bahurūpe ca vikaṭarūpe'rūpe tataḥ param |
mahāmāyāṃ samuccārya rūpe'pi tadanantaram ||285||

„Vielgestaltige, du von gewaltiger Gestalt, Gestaltlose“; danach mahāmāyā und rūpe: „du von der Gestalt der großen Maya“.

Vers 286
mahāvidye mahā'vidye bhagamālini […] |
bhagapriye samuddhṛtya tato'pi ca bhagāṅkite ||286||

„Große Erkenntnis, große Nicht-Erkenntnis, du mit der Bhaga-Girlande“ […]; danach „Liebhaberin der Bhaga“ und „mit Bhaga Gezeichnete“.

Anmerkung: Fragment: Kurze Gruppe nach Bhagamalini beschädigt. Bhaga kann in diesem tantrischen Kontext ausdrücklich das weibliche Geschlecht bezeichnen; nicht still ausschließlich als Wohlstand übersetzt.

Vers 287
bhagarūpiṇi saṃlikhya tato bhagavatītyapi |
mahākāmāture procya mahākālapriye tathā ||287||

Man schreibe „du von der Gestalt der Bhaga“, dann „Erhabene“, „von großem Liebesverlangen Ergriffene“ und „Geliebte Mahakalas“.

Anmerkung: Die Anrede gilt der erwachsenen Hauptgöttin; die zuvor aufgezählten Namen werden nicht zu einzelnen erotischen Gestaltbeschreibungen umgedeutet.

Vers 288
pracaṇḍaśabdato brūyāt tato'pi ca kalevare |
vikaṭotkaṭadaṃṣṭrāto raudrarūpiṇi coddharet ||288||

Nach pracaṇḍa spreche man kalevare: „du von überaus furchtbarem Leib“. Dann entnehme man „du von schrecklicher Gestalt mit gewaltigen Fangzähnen“.

Vers 289
vyomakeśi tato lolajihve ityapi kīrtayet |
[…] ityuktvā karataścaraṇe tataḥ ||289||

Danach spreche man „du mit dem Raum als Haar“, „du mit beweglicher Zunge“, dann […] „Hände“ und „Füße“.

Anmerkung: Fragment: Die Zahl beziehungsweise nähere Bestimmung vor kara/caraṇa ist unlesbar; keine Ergänzung aus Vermutungen.

Vers 290
sahasratrayanetre ca mahāmāṃsaṃ tato'pi ca |
rudhirapriye coccārya madataśca vighūrṇita ||290||

[Man spreche] „du mit dreitausend Augen“, „Liebhaberin von Menschenfleisch und Blut“, dann „im Rausch rollende …“.

Anmerkung: Die Augen-Anrede setzt sich in 291 fort. Mahamamsa im rituellen Sinn als Menschenfleisch verstanden.

Vers 291
locane ca mahāmāri haste […] |
śoṇitāśani ityuktvā mahāśaṅkhasamākule ||291||

„… Augen Habende“, „große Todesmacht“, „in der Hand […] tragend“, dann „Blutverzehrende“ und „ganz von Mahashankha umgeben“.

Anmerkung: Fragment: Der Gegenstand der Hand-Anrede ist beschädigt; nicht still aus einem früheren ähnlichen Vers ersetzt. Mahashankha kann menschlichen Knochenschmuck bezeichnen.

Vers 292
sadārdranaracarmāvṛtaśarīre tataḥ param |
tārā vāṇā grahā rāvā lajjārkā yoginī punaḥ ||292||

Danach [spreche man] „du, deren Leib mit stets feuchter Menschenhaut bedeckt ist“. [Dann folge] Tara mit der Zahlchiffre Bana, Rava mit Graha, Lajja mit Arka und wiederum Yogini [mit der in 293 folgenden Zahlenbestimmung].

Anmerkung: Die verdichtete Reihe enthält Zahlchiffren für Wiederholungen, nicht nur eine Liste zusätzlicher Bijas. Zuordnung nach dem Anschluss in 293; einzelne Zeichen und Zahlen bleiben unsicher. Keine vollständige ausgeschriebene Wiederholungsformel rekonstruiert.

Vers 293
vasucandrā jināḥ kūrcā dantā vadhvastataḥ param |
tarkānalā śākinī ca ḍākinī tāvatī tataḥ ||293||

[Yogini erhält die Zahlchiffre] Vasu-Chandra; Kurcha [die Zahl] Jina, danach Vadhu [die Zahl] Danta, Shakini Tarka-Anala und Dakini dieselbe Zahl.

Anmerkung: Die verdichtete Wiederholungsanweisung wird mit ihren Zahlchiffren wiedergegeben. Keine ungeprüfte Dezimalauflösung; die anfangs mehrdeutige Liste aus 292 wird im Zusammenhang gelesen.

Vers 294
āvadhya praṇavāntāni pratilomnā ca tāvatī |
phetkāritritayaṃ paścāt trisauparṇāstrameva ca ||294||

Dann [nehme man] dieselbe Folge in umgekehrter Richtung bis zum Pranava. Danach [spreche man] dreimal Phetkari und dreimal die Suparna-Waffe.

Anmerkung: Das einleitende Verb āvadhya ist beschädigt beziehungsweise ungewöhnlich; der erkennbare Sinn der Umkehrung bleibt, keine zusätzliche Methode ergänzt.

Vers 295
dviścitrakūṭamaruṇakūṭamekaṃ tato vadet |
[…] tato viśvavyāpike parikīrtayet ||295||

Danach spreche man den Chitra-Kuta zweimal und den Aruna-Kuta einmal; […] dann viśvavyāpike, „du, die das All durchdringt“.

Anmerkung: Fragment: Eine Anrede am Anfang des zweiten Halbverses unlesbar.

Vers 296
viśvato jananītyuktvā tato viśveśvarītyapi |
viśvādhāre ca saṅkīrtya viśvasaṃhāriṇītyapi ||296||

[Man spreche] „Mutter des Alls“, „Herrin des Alls“, „Trägerin des Alls“ und „Auflöserin des Alls“.

Vers 297
kulākulasamudbhūtaparamānandamityapi |
rasasāmarasyaṃ saṅkīrtya tataścāpi pratiṣṭhite ||297||

[Man spreche] „du, die in der Geschmackseinheit der aus Kula und Akula hervorgehenden höchsten Wonne gegründet ist“.

Anmerkung: Die deutsche Anrede setzt die einzeln angewiesenen Wortteile zusammen, ohne zusätzliche Lehre einzufügen.

Vers 298
sarvaduṣṭāniti procya yugalaṃ yugalaṃ tataḥ |
ekatriṃśatkriyāṇāṃ hi krameṇaiva vadet priye ||298||

Nach sarvaduṣṭān, „alle Bösartigen“, spreche man der Reihe nach jede der einunddreißig Handlungsformeln zweimal, Geliebte.

Anmerkung: Feindgerichteter historischer Ritualkontext.

Vers 299
[…] prathamaṃ procya cūrṇāpaya hasāpi ca |
tataḥ kaha karetyuktvā māra bhindhi tato vadet ||299||

Zuerst […], dann „lass zu Pulver werden“, „lache“, kaha, kara, „töte“ und „spalte“.

Anmerkung: Fragment: Erstes Befehlswort unlesbar. Kaha/kara sind unsicher überlieferte Formelwörter und erhalten keine erfundene deutsche Bedeutung.

Vers 300
chindhi procya dahamullikhya tataścālaya kīrtayet |
mukhe praveśaya kiri tataḥ kili kuru priye ||300||

[Man spreche] „zerschneide“, „verbrenne“, „setze in Bewegung“, „lass in den Mund eintreten“, kiri, kili und „tue“, Geliebte.

Anmerkung: Kiri und kili bleiben unübersetzte Formelwörter.

Vers 301
rurumutkīrtya kicītyuktvā kaṭa grasa ca ghātaya |
ityūnaviṃśamuccārya moṭayātu ca bhañjaya ||301||

[Man spreche] ruru, kici, kaṭa, „verschlinge“ und „erschlage“. Nachdem so die neunzehn [Formeln] ausgesprochen sind, [folgen] „zerquetsche“ und „zerbrich“.

Anmerkung: Die Zwischenzählung neunzehn bleibt Quellenangabe; beschädigte Befehle nicht zur rechnerischen Erfüllung ergänzt. Ruru/kici/kaṭa ohne erfundene Wortübersetzung.

Vers 302
ghūrṇāpaya stobhaya ca dharodgira vametyapi |
tato mili vicītyuktvā bhrama bhrāmaya coddharet ||302||

„Lass wirbeln“, „halte an“, „halte fest“, „speie aus“, „erbrich“; danach mili, vici, „wirble“ und „lass umherirren“.

Anmerkung: Mili und vici sind Formelwörter mit hier unsicherer lexikalischer Bedeutung.

Vers 303
uddharet sarvaśeṣe tu mūrcchāpayapadaṃ priye |
pāśaḥ kalā sarvamedhāśvatyaniḥśreyasaḥ kramāt ||303||

Ganz zuletzt entnehme man das Wort mūrcchāpaya, „lass ohnmächtig werden“, Geliebte. Danach [folgen die Chiffren] Pasha, Kala, Sarvamedha, Ashvati und Nihshreyasa der Reihe nach.

Anmerkung: Die verbundene Chiffrenreihe ist unsicher segmentiert; besonders Ashvati bleibt ohne sichere Einzeldeutung.

Vers 304
pañcāstrāṇi śikhāḥ pañca piśācinyapi tāvatī |
kesaraḥ kākinī nemiśchando viśvaśca kauṇapī ||304||

Fünf Astra-[Laute], fünf Shikha und ebenso viele Pishachini; [danach] Kesara, Kakini, Nemi, Chandas, Vishva und Kaunapi.

Anmerkung: Hier nennt die Quelle ausdrückliche Wiederholungszahlen; sie werden nicht mit den Namenslisten verwechselt.

Vers 305
mama sarvābhīṣṭasiddhiṃ dada dehi yugaṃ yugam |
dāpayadvitayaṃ procya niṣpādayayugaṃ vadet ||305||

[Man spreche] mama sarvābhīṣṭasiddhim, „die Erfüllung all meiner Wünsche“, und je zweimal „gib“, „gewähre“, „lass geben“ und „bringe zustande“.

Vers 306
tato'nupūrayayugaṃ taduddīpaya cetaya |
ānandayayugaṃ dhehi nidhehi ca yugaṃ yugam ||306||

Danach je zweimal: „erfülle“, „entfache“, „erwecke“, „erfreue“, „setze ein“ und „lege nieder“.

Anmerkung: Uddīpaya ist eine kontextgestützte Lesung des beschädigten udṛhīpaya; die übrigen Befehle lesbar.

Vers 307
vibhāvayayugaṃ procya yojayadvandvamullikhet |
tataḥ samuddhareddevi saṃhāriṇi vihāriṇi ||307||

Nach zweimal „vergegenwärtige“ schreibe man zweimal „verbinde“. Danach entnehme man, Göttin, saṃhāriṇi, „Auflösende“, und vihāriṇi, „Spielende/Wandelnde“.

Anmerkung: Das beschädigte dvandva-Wort bezeichnet das Wiederholungspaar, nicht den Gott Indra.

Vers 308
prahāriṇi samullikhya tato ditijamāriṇi |
daṇḍalajjāgo'ṃśuśuklāḥ kāmavegākule tataḥ ||308||

Man schreibe prahāriṇi, „Zuschlagende“, und ditijamāriṇi, „Töterin der Diti-Söhne“. [Es folgen die Chiffren] Danda, Lajja, Go, Amshu und Shukla, danach kāmavegākule: „du, die von der Wucht des Verlangens erfüllt ist“.

Anmerkung: Die Bija-Gruppierung ist vorsichtig; die erotische Anrede betrifft die erwachsene Hauptgöttin.

Vers 309
vibhā vadhūvirāṭ caiva pheravaṃ ca kumārikā |
suratāture collikhya pratiṣṭhāṃ ca ramāṃ vadet ||309||

[Verschlüsselte Laute:] Vibha, Vadhu, Virat, Pherava und Kumarika. Dann schreibe man suratāture, „von Liebesverlangen Ergriffene“, und spreche Pratishtha und Rama.

Anmerkung: Kumarika steht hier innerhalb der Chiffrenliste, nicht als Altersangabe der erotisch angerufenen Hauptgöttin. Pherava ist eine unsichere Chiffrenlesung.

Vers 310
[…] cāpi sūcīṃ vairājaṃ tadanantaram |
madanonmādini procya nadīkāmaratīrlikhet ||310||

[…] Suchi und danach Vairaja. Nach madanonmādini, „du, die durch Liebe in Rausch versetzt“, schreibe man Nadi, Kama und Rati.

Anmerkung: Fragment: Erste Chiffre unlesbar. Die übrigen Bijanamen nicht wörtlich zu Handlungen umgedeutet.

Vers 311
proṇameghau samuddhṛtya naranārīvimohini |
khaḍgāñjanaṃ samuddhṛtya pādukādhātuvāda ca ||311||

Nach den Chiffren Prona und Megha [spreche man] naranārīvimohini, „Bezauberin von Männern und Frauen“. Dann entnehme man „Schwert“, „Augensalbe“, „Sandalen“ und „Alchemie“.

Anmerkung: Prona ist unsicher gelesen; keine lautliche Auflösung. Die Begriffe leiten eine Siddhi-Liste ein.

Vers 312
guṭikāṃ procya yakṣiṇyādyaṣṭamityapi kīrtayet |
mahāsiddhimiti procya racayadvitayaṃ tataḥ ||312||

Nach „Gutika“ [nenne man] „Yakshini und die übrigen acht großen Siddhis“, danach zweimal racaya: „Bringe sie hervor!“

Anmerkung: Die Quelle selbst erwägt einen anderen Kasus bei mahāsiddhi. Die genannte Achtzahl wird nicht durch erfundene fehlende Siddhis ergänzt.

Vers 313
tato viracayadvandvaṃ pūrayānu prapūraya |
anukampayānu vitara caturṇāṃ ca yugaṃ yugam ||313||

Danach zweimal viracaya, „gestalte“, und von den folgenden vier jeweils ein Paar: „erfülle“, „erfülle ganz“, „erbarme dich“ und „spende“.

Vers 314
kṛpākaṭākṣaṃ mayi ca muñcadvandvaṃ diśadvayam |
vidiśa preraya tathā yugalaṃ yugalaṃ matam ||314||

[Man spreche] kṛpākaṭākṣaṃ mayi, „deinen Gnadenblick auf mich“, und je zweimal „sende“, „gewähre“, „lass zukommen“ und „richte darauf“.

Anmerkung: Die vier Befehle beziehen sich auf den erbetenen Gnadenblick.

Vers 315
poṣayadvayamullikhya tuṣyadvandvamataḥ param |
raktasamudravāsinyanuprajvalitapāvaka ||315||

Nach zweimal „nähre“ [schreibe man] zweimal „sei zufrieden“. Danach raktasamudravāsini, „Bewohnerin des Blutmeeres“, und „loderndes Feuer …“.

Anmerkung: Die neue Wohnort-Anrede setzt sich in 316–317 fort.

Vers 316
jvālajālajaṭālāṣṭamuṇḍāṣṭa tadanantaram |
triśūlāṅkitamuccārya śmaśānamiti […] ||316||

[Es folgt] „dicht von einem Netz von Flammen umgeben, mit acht Schädeln und acht Dreizacken gezeichnet“, dann śmaśāna, „Verbrennungsplatz“, […].

Anmerkung: Fragment: Verb am Versende beschädigt; die beschriebene Bildfolge ist lesbar.

Vers 317
kṛtavāse ṣoḍaśa ca dvādaśāṣṭadaletyapi |
tato'nu sarasi procya ruhabaddhamitīrayet ||317||

[Man spreche] kṛtavāse, „du, die dort ihre Wohnung genommen hat“, dann „sechzehn, zwölf und acht Blätter“, „Lotus“ und „gebunden“.

Anmerkung: Die Wortanweisung teilt sarasiruha über die Anweisungsgrenze; im Deutschen als Lotus zusammengefasst.

Vers 318
padmāsane brahmaviṣṇuśivādipadamīrayet |
trayastriṃśatkoṭiśabdād vibudhāṣṭa samuddharet ||318||

[Dann:] padmāsane, „du im Lotussitz“. Man nenne Brahma, Vishnu, Shiva und die weiteren, „dreiunddreißig Koti Götter“ und entnehme aṣṭa, „acht“.

Anmerkung: Aṣṭa verbindet sich im Folgevers mit vierzig zur Achtundvierzigerzahl.

Vers 319
catvāriṃśatkoṭidaityadānavā tadanantaram |
vijñātāgaṇitā procya prabhāve'mitaśabdataḥ ||319||

[Es folgen] „vierzig“, „Koti Daityas und Danavas“, dann „du von [ihnen] erkannter, unzählbarer und unermesslicher Macht“.

Anmerkung: Die vorangestellte Acht aus 318 ergibt achtundvierzig Koti. Die Verbindung vijñātāgaṇita ist rau; keine zusätzliche feste kosmologische Zahl erfunden.

Vers 320
dāridryabandhya proddhṛtya viyogakathanaṃ tataḥ |
trividhotpātakāla iti grahopasargamityapi ||320||

Man entnehme „Armut“, „Unfruchtbarkeit“, dann „Trennung“, „dreifaches Unheil“, „Kala“ und „Bedrängnis durch Planeten beziehungsweise ergreifende Mächte“.

Anmerkung: Bandhya ist die erkennbare Lesung und als Unfruchtbarkeit verstanden; Beginn einer längeren Gefahrenliste, nicht heutige Ursachenlehre.

Vers 321
rājacauraripu procya dāvāgnisamaramuddharet |
śastrāstrapātaṃ saṅkīrtya tataḥ kesariṃ saṃlikhet ||321||

Nach „Könige“, „Diebe“ und „Feinde“ entnehme man „Waldbrand“ und „Schlacht“, nenne das Niedergehen von Hand- und Wurfwaffen und schreibe danach „Löwe“.

Vers 322
śārdūlaśarabhetyuktvā mahiṣācca varāhakam |
pheravādrāsabhāccaiva mātaṅgācca vṛkādi ca ||322||

[Man nenne] Tiger, Sharabha, Büffel, Eber, Schakal, Esel, Elefant, Wolf und weitere [Tiere],

Anmerkung: Eine Variante hat Stier statt Wolf; Hauptlesung bewahrt.

Vers 323
tato vipinajantuḥ syād bhujaṅgamaṃ tataḥ param |
sāgarāvartadasyu syāt tataścaturaśītyapi ||323||

dann Waldtiere, Schlangen, Meeresstrudel und Räuber; danach [die Zahl] vierundachtzig,

Anmerkung: Die Zahl leitet die folgende Krankheitsgruppe ein, ohne hier vierundachtzig einzeln ausgeschriebene Krankheiten zu behaupten.

Vers 324
jvaraśothācca śūlādyasādhyarogaṃ prakīrtayet |
mahāmārīduḥsvapnagrahapīḍāmitīrayet ||324||

man nenne Fieber, Schwellung, Schmerz und weitere schwer heilbare Krankheiten, Epidemie, böse Träume und Bedrängnis durch Grahas.

Anmerkung: Gruppe śūlādi/asādhya ist beschädigt und wird in der Quelle selbst fragend korrigiert; die lesbaren Krankheitsnamen vollständig übersetzt, keine Heilzusage als medizinische Tatsache.

Vers 325
viṣaṃ saṅkīrtya pariṣābhicāraṃ tadanantaram |
viśvāsaghātaketyuktvā duṣṭavañcakamityapi ||325||

Man nenne Gift, Parisha-Abhichara [eine unsicher bezeichnete schädigende Ritualart], Vertrauensbruch und bösartige Betrüger,

Anmerkung: Pariṣā ist schon in der Quelle fraglich; keine konkrete Gift- oder Ritualtechnik daraus konstruiert.

Vers 326
sarvasvahārakaṃ procya māyāvi tadanantaram |
nyāsāpahārivṛṣalanaṣṭabhūpālamityapi ||326||

Menschen, die den ganzen Besitz rauben, Täuscher, Veruntreuer anvertrauten Gutes, Vrishalas und verderbte Herrscher,

Anmerkung: Vrishala ist eine historische abwertende Standesbezeichnung; nicht als Wertung heutiger Menschen übernommen. Nyasa bedeutet hier anvertrautes Gut, nicht Körpernyasa.

Vers 327
kalahāt kārakāddadyāt garadānapi sundari |
syāddordaṇḍāyuteneti udvāsayayugaṃ tataḥ ||327||

[Man nenne] Streitstifter und Giftgeber, Schöne. Danach [spreche man] „mit deinen zehntausend mächtigen Armen“ und zweimal udvāsaya: „Vertreibe [sie]!“

Anmerkung: Die lange Gefahrenliste mündet in Abwehrbefehle an die Gottheit; keine Aufforderung an heutige Leser zu Gewalthandlungen.

Vers 328
mahāṅkuśena […] vighaṭṭayapadadvayam |
bhayaṅkarācchaṅkharaveṇotphālayayugaṃ tataḥ ||328||

„Mit dem großen Elefantenhaken […] zerreiße, zerreiße! Mit dem furchterregenden Muschelhornklang sprenge auf, sprenge auf!“

Anmerkung: Fragment: Kurzes Wort nach mahāṅkuśena unlesbar; beide Wiederholungsbefehle lesbar.

Vers 329
krodhāveśena saṅkīrtya dhūnayānu vidhūnaya |
etayoryugalaṃ procya vajrādhikakaṭhora […] ||329||

Nach krodhāveśena, „in Zornergriffenheit“, [spreche man] je zweimal „schüttle“ und „schüttle völlig durch“, dann „härter als der Vajra …“ […].

Anmerkung: Fragment: Schluss beschädigt; die Schlag-Anrede setzt sich im Folgevers fort.

Vers 330
capeṭāghātena loṭhayadvitayaṃ punaḥ |
viloṭhayayugaṃ procya prahāreṇa ca muṣṭitaḥ ||330||

„Mit einem Schlag der Handfläche wirf nieder, wirf nieder! Wälze um, wälze um!“ Danach [spreche man] „mit einem Faustschlag …“.

Anmerkung: Die vorangehende Bestimmung „härter als der Vajra“ gehört zum Schlag der Handfläche. Der erste Halbvers ist verkürzt überliefert; keine fehlenden Silben ergänzt.

Vers 331
[…] dvayaṃ samābhāṣya karatālikayā tataḥ |
nuda […] ca khaḍgena bhañja yugaṃ tato vadet ||331||

Nachdem man das [beschädigte] Wort zweimal ausgesprochen hat, folgt: „Mit dem Händeklatschen treibe fort …; mit dem Schwert zerbrich, zerbrich!“

Anmerkung: Fragment: erstes Befehlswort und Wiederholungsangabe nach nuda beschädigt. Fortsetzung der Mantra-Anweisungen aus 330.

Vers 332
triśūlena kṛnta yugaṃ cakreṇa tadanantaram |
viśleṣaṇa dvayaṃ daṇḍenānu dviḥ śamayoccaret ||332||

„Mit dem Dreizack zerschneide, zerschneide!“ Darauf folgt mit dem Diskus zweimal „viśleṣaṇa“ (Trennung); danach spreche man: „Mit dem Stab befriede, befriede!“

Anmerkung: Die Quelle bietet viśleṣaṇa statt einer eindeutigen Befehlsform; nicht stillschweigend umgebildet.

Vers 333
yugaṃ praśamaya procya vajreṇa kici yugmakam |
kuntenānu yugaṃ pheru gadayā pothaya dvayam ||333||

Man spreche zweimal „Beschwichtige!“, dann „Mit dem Vajra: kici, kici!“ Darauf „Mit dem Speer: pheru, pheru!“ und „Mit der Keule zerschmettere, zerschmettere!“

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Stellung zwischen 332 und 334 eindeutig. kici und pheru sind hier Lautformeln ohne gesicherte wörtliche Bedeutung; Fußnote liest ciki für kici.

Vers 334
vipothaya dvayaṃ procya tomareṇa tataḥ param |
prāṇān parighātaya dvirbhindipālena dviḥ kici ||334||

Man sage zweimal „Zerschlage!“, danach „Mit dem Wurfspeer vernichte die Lebenskräfte!“ – zweimal –, und „Mit dem Bhindipala: kici, kici!“

Anmerkung: Bhindipala bezeichnet eine Wurfwaffe; die Formel gehört zur historischen Waffenanrufung.

Vers 335
[…] khaṇḍaya dvandvaṃ vikhaṇḍaya yugaṃ tataḥ |
tataḥ kaṭakaṭāyācca mānādrasanayā tathā ||335||

[…] „Zerstückele, zerstückele! Zerlege, zerlege!“ Dann: „Mit der klappernden Zunge …“

Anmerkung: Fragment: Waffenname am Anfang beschädigt. kaṭakaṭāyamāna wird in der Quelle als Bestandteile des zu bildenden Ausdrucks gegeben; Satz läuft in 336 weiter.

Vers 336
cavaya dviḥ samuccārya musalena tataḥ param |
[…] nāgapāśena veṣṭaya dvitayaṃ tataḥ ||336||

Man spreche zweimal „Zerkaue!“ Darauf folgt „Mit der Stampfkeule …“, dann „Mit der Schlangenfessel umwinde, umwinde!“

Anmerkung: Fragment: Befehlswort nach musalena unverständlich (OCR pipahir). Zweite Vershälfte steht im OCR erst nach 346; nach sichtbarer Nummer 336 zugeordnet.

Vers 337
uktvā paraśunā dviśca kṣipa prakṣipayugmakam |
prāsena lambha yugalaṃ pralambhaya yugaṃ tataḥ ||337||

Dann sage man „Mit der Axt schleudere, schleudere! Wirf fort, wirf fort!“ Darauf „Mit dem Prasa-Speer: lambha, lambha; pralambhaya, pralambhaya!“

Anmerkung: Erste Hälfte im OCR nach 346 versetzt. Die Befehlsformen lambha/pralambhaya sind lesbar, ihre genaue Bedeutung in dieser Waffenfolge bleibt unsicher; daher nicht frei ausgedeutet.

Vers 338
kuntena marmāṇi yugaṃ […] dvirvipāṭaya |
paṭṭiseneti saṃkīrtya tilaśo vyadhama dvayam ||338||

„Mit dem Speer die empfindlichen Lebensstellen …; reiße auf, reiße auf!“ Dann spreche man „Mit dem Pattisa zerschlage in sesamkorngroße Stücke!“ – zweimal.

Anmerkung: Fragment: Wort zwischen marmāṇi und vipaṭaya beschädigt; Anordnung der ersten Wiederholungsangabe unsicher. Pattisa: Hieb- oder Stangenwaffe.

Vers 339
ayoguḍena saṃkīrtya uḍḍāpaya yugaṃ tataḥ |
[…] sphoṭaya procya prasphoṭaya vadhoccaret ||339||

Man spreche „Mit der Eisenkugel schleudere empor, schleudere empor!“ […] Dann sage man „Sprenge! Zersprenge! Töte!“

Anmerkung: Fragment: Wort vor sphoṭaya beschädigt; vadha ist als Befehlswort der Formel wiedergegeben, ohne grammatische Normalisierung.

Vers 340
bandha mohaya […] vimohaya tato'pyanu |
mūrcchayānantaraṃ mūrcchāpaya śabdaṃ samuccaret ||340||

„Binde! Verwirre! […] Verblende!“ Danach spreche man die Worte „Lass ohnmächtig werden!“ und „Versetze in Bewusstlosigkeit!“

Anmerkung: Fragment: ein Wort nach mohaya nicht lesbar. mūrcchaya und mūrcchāpaya werden als zwei Formelteile bewahrt.

Vers 341
dvirdviraṣṭau samuccārya tato dvādaśa īrayet |
koṭibrahmāṇḍodarācca vartibhūtaśirastathā ||341||

Nachdem man die acht [Befehlsworte] je zweimal ausgesprochen hat, beginne man den Ausdruck: „Zwölf … zehn Millionen … im Innern der Welteneier befindliche Wesen … Häupter …“

Anmerkung: Die einzelnen Wortteile bilden mit 342 eine lange Anrede; koṭi entspricht zehn Millionen. Keine eigenständige Aussage über eine nachgeprüfte Kosmoszahl.

Vers 342
kirīṭakoṭimaṇito mayaśekhara ityapi |
nighṛṣṭacaraṇetyuktvā kamalād yugale tataḥ ||342||

Es folgen „mit edelsteinbesetzten Kronenspitzen als Kopfschmuck“ und „deren beide Lotosfüße davon berührt werden“. Zusammen lautet die Anrede sinngemäß: „Du, deren Lotosfüße die juwelengeschmückten Kronen der Wesen in zwölf mal zehn Millionen Welteneiern berühren!“

Anmerkung: Zusammenhängende Übersetzung des über 341–342 gebildeten Kompositums; wörtlich nighṛṣṭa: gerieben oder gestreift.

Vers 343
khecarād bhūcarād vāricarātpātālataścara |
rodasītaścarānantaśaktito nivahā tathā ||343||

Man füge die Bestandteile an: „im Luftraum wandelnd, auf der Erde wandelnd, im Wasser wandelnd, in der Unterwelt wandelnd, in Himmel und Erde wandelnd; Scharen unendlicher Shaktis …“

Anmerkung: Die Anrede wird in 344 abgeschlossen; die Quelle gibt ausdrücklich die Bestandteile der Formel an.

Vers 344
nandite ca samullikhya trilokīvandite tathā |
saputrācca kalatrācca parivāraṃ ca māṃ tathā ||344||

Darauf schreibe man „von ihnen erfreut! Von den drei Welten verehrt!“ Dann: „Mich mitsamt meinen Kindern, meiner Frau und meiner ganzen Familie …“

Anmerkung: Fortsetzung aus 343 und Übergang zur Schutzbitte in 345.

Vers 345
rakṣa pāhi samullikhya tataḥ pālaya pāvaya |
vardhayānandayāhlādaya sādhaya samuddharet ||345||

Man schreibe „Schütze! Behüte!“ und füge hinzu: „Erhalte! Reinige! Lass gedeihen! Erfreue! Beglücke! Führe zum Gelingen!“

Anmerkung: Die Bitten beziehen sich auf den Sprecher und seine Familie aus 344; Wiederholung gemäß 347.

Vers 346
prasādhayeti saṃkīrtya pūrayānu prapūraya |
bhūṣayeti samuddhṛtya […] ca harṣaya ||346||

Man spreche „Bringe zur Vollendung! Erfülle! Erfülle ganz!“ und füge hinzu „Schmücke! […] Erfreue!“

Anmerkung: Fragment: ein weiteres Befehlswort zwischen bhūṣaya und harṣaya beschädigt.

Vers 347
praharṣaya ca ullikhya modayānu pramodaya |
yugaṃ yugaṃ saptadaśa kriyāpadamudīrayet ||347||

Man schreibe „Versetze in große Freude! Lass froh werden! Lass innig froh werden!“ Die siebzehn Tätigkeitsworte soll man jeweils zweimal sprechen.

Anmerkung: Die Zahl siebzehn wird als Angabe der Quelle bewahrt; das beschädigte Wort aus 346 wird nicht zur Vervollständigung ergänzt.

Vers 348
[…] cakṣurmahāprāṇo nāgaḥ puruṣa eva ca |
mohastṛṣṇāśvāsa iti nirvedo vaiśvadevakaḥ ||348||

[…] Chakshus, Mahaprana, Naga, Purusha, Moha, Trishna, Ashvasa, Nirveda und Vaishvadevaka [sind die folgenden Bija-Bezeichnungen].

Anmerkung: Fragment: erster Name beschädigt. Chiffren werden als Namen bewahrt, ohne daraus nicht ausgeschriebene Silben zu erfinden.

Vers 349
kālasantoṣavairāgya […] ca pañcamaḥ |
[…] ||349||

Kala, Santosha und Vairagya […] als Fünftes […].

Anmerkung: Fragment: ein Großteil der Namensfolge unzuverlässig lesbar. Die Fußnote bietet vijayāmadhisomakau als Variante eines ebenfalls beschädigten Endes; keine sichere Gesamtlesung.

Vers 350
āśvinaśca samūhyaśca koṭilyaṃ niṣṭhurastathā |
vṛttiḥ pragāḍho vedhī ca durī darvī maṭhī rayā ||350||

Ashvina, Samuhya, Kotilya und Nishthura; Vritti, Pragādha, Vedhin, Duri, Darvi, Mathi und Raya.

Anmerkung: Mehrere Chiffrennamen sind zwar entzifferbar, aber nicht sicher identifiziert; keine Auflösung in Mantrasilben. koṭilya ist die vorliegende Lesung.

Vers 351
[…] caiṣāṃ yāvatitho yo yaḥ kamalalocane |
tāvadvāra ullekhya ityetasya viniścayaḥ ||351||

[…] Lotusäugige, jeder dieser [Bijas] ist so oft zu schreiben, wie es seiner jeweiligen [Zahl beziehungsweise Stellung] entspricht. Dies ist die Festlegung dafür.

Anmerkung: Fragment: erster Name beschädigt; auch yāvatitha im Druck als unsicher markiert. Bezug der Wiederholungszahlen bleibt in diesem Ausschnitt unvollständig.

Vers 352
mūrtibhede vibhinneti pañcāśallipitaḥ kramaḥ |
tataḥ saṅkulite varṇamaya ityapi […] ||352||

Man füge „in verschiedenen Erscheinungsgestalten unterschieden“ an; dann folgt die Reihe der fünfzig Schriftzeichen. Darauf: „von ihnen erfüllt; aus Lauten bestehend …“

Anmerkung: Fragment: letztes Wort beschädigt. Beginn eines über die Versgrenze gebildeten Anrufungsausdrucks.

Vers 353
tato'nu devatā procya svarūpiṇi samuddharet |
tataḥ ṣaṇmunibījāni pratilomānulomataḥ ||353||

Danach spreche man „Gottheiten“ und füge „deren Wesen du verkörperst“ hinzu. Es folgen die sechs Muni-Bijas in umgekehrter und in vorwärts laufender Reihenfolge.

Anmerkung: Abschluss der Anrede aus 352: die Göttin als Gestalt der aus Lauten bestehenden Gottheiten. Muni-Bijas werden hier nur bezeichnet.

Vers 354
praṇavastripuṭāsaṃvinmitra āṅgirasastathā |
rathantaraśca picchā ca manthāno bṛhadapyatha ||354||

[Die nächste Folge lautet:] Pranava, Triputa, Samvid, Mitra und Angirasa; Rathantara, Piccha, Manthana und Brihat.

Anmerkung: Liste verschlüsselter Bija-Namen; der Pranava bezeichnet Om, die übrigen werden hier nicht aufgelöst.

Vers 355
jyeṣṭhaśca kaumudī cāpi maṇḍalaṃ pūtanā tathā |
preto drohaḥ […] ca sudarśanamathāpi ca ||355||

Jyeshtha und Kaumudi; Mandala und Putana; Preta, Droha, […] und Sudarshana.

Anmerkung: Fragment: ein Bija-Name vor sudarśana beschädigt.

Vers 356
drāvaṇo dhanadā mīna tattvaṃ bhairavyanantaram |
brahmāpyanu viriñciśca khag dānavasṛṇī tataḥ ||356||

Dravana, Dhanada, Mina, Tattva, darauf Bhairavi; dann Brahma und Virinchi, Khag, Danava und Srini.

Anmerkung: Die Worttrennung khag/dānava/sṛṇī bleibt unsicher; lesbare Namensformen werden nicht zu vermeintlich gesicherten Silben ergänzt.

Vers 357
bhūtacaṇḍanirākāraparantapakakacchapāḥ |
anantatrikuṭāsiṃhayakṣapakṣisamādhayaḥ ||357||

Bhuta, Chanda, Nirakara, Parantapaka und Kacchapa; Ananta, Trikuta, Simha, Yaksha, Pakshin und Samadhi.

Anmerkung: Weitere Bija-Bezeichnungen der Folge.

Vers 358
ekamārabhya yāvat syādaṅkānāṃ pañcaviṃśatiḥ |
aṣṭatriṃśacca bījānāmuktānāṃ parameśvari ||358||

Beginnend bei eins bis zur Zahl fünfundzwanzig sollen die achtunddreißig genannten Bijas, höchste Herrin, [mit den folgenden Wiederholungszahlen versehen werden].

Anmerkung: Die Zahlen 25 und 38 werden gemäß Quelle bewahrt; der Satz läuft in 359 weiter. Keine rechnerische Harmonisierung der Angaben.

Vers 359
kramād vivardhitā jñeyā viṣamāṅkena niścitam |
prāsādapāśabhairavyo nṛsiṃhahṛdanehasaḥ ||359||

Sie sind der Reihe nach mit steigenden ungeraden Zahlen anzusetzen – so ist es festgelegt. [Die nächste Folge beginnt mit] Prasada, Pasha, Bhairavi, Nrisimha, Hrid und Anehas.

Anmerkung: OCR-Versnummer 356 an dieser Stelle nach der eindeutigen Folge 358–360 als 359 gelesen. Trennung der letzten drei Bija-Namen unsicher.

Vers 360
ādhāro mānavo viśvapūrṇakumbhakarambhayaḥ |
bhāsākūṭaṃ ca phetkārī pralayo ḍākinī tathā ||360||

Adhara, Manava, Vishva, Purnakumbha und Karambha; Bhasakuta, Phetkari, Pralaya und Dakini.

Anmerkung: Die Abgrenzung von viśva/pūrṇakumbha ist nicht völlig gesichert; Chiffren bleiben unaufgelöst.

Vers 361
[…] yoginī ca lajjākāmaramāstathā |
kālīsudhāṅkuśāḥ śaktiḥ prāsādo mānasaṃ tathā ||361||

[…] Yogini, Lajja, Kama und Rama; Kali, Sudha und Ankusha; Shakti, Prasada und Manasa.

Anmerkung: Fragment: erster Bija-Name beschädigt.

Vers 362
bhāruṇḍā cāpi kāpālaṃ vajraṃ meghāśca kandharaḥ |
punaḥ sudhā ca vidyutca megharāvau […] ||362||

Bharunda und Kapala; Vajra, Megha und Kandhara; nochmals Sudha und Vidyut, Megha und Rava […].

Anmerkung: Fragment: Schluss beschädigt. Megha erscheint in der Quelle zweimal; nicht stillschweigend gestrichen.

Vers 363
bījānyetāni tāvanti tairevāṅkairvarānane |
pañcasaptatimārabhya yāvadekaṃ bhavet punaḥ ||363||

Schöngesichtige, diese Bijas sind in entsprechender Anzahl mit denselben Zahlen [zu verbinden], beginnend bei fünfundsiebzig und wieder hinab bis eins.

Anmerkung: OCR-Ziffer 3623 als 363 gelesen. Es handelt sich um Wiederholungsanweisungen, nicht um einen hier vollständig ausgeschriebenen Mantra.

Vers 364
[…] viniyojyāni taireva […] |
[…] samārabhya yāvaddhi tryakṣaraṃ bhavet ||364||

[…] Sie sind mit eben diesen [Zahlen] einzusetzen […] beginnend bei […] bis es dreisilbig ist.

Anmerkung: Fragment: große Teile der Anweisung beschädigt; die Fußnote bietet eine ebenfalls unsichere Variante zum Ende. Kein Zahlenverfahren rekonstruiert.

Vers 365
tairevāṅkairviyojyaṃ hi viparītakrameṇa ca |
merugahvara uddhṛtya viniṣkrānta itīrayet ||365||

Mit denselben Zahlen ist auch in umgekehrter Reihenfolge zu verfahren [wörtlich: zu trennen]. Man füge „aus der Höhle des Meru“ an und spreche „hervorgetreten“.

Anmerkung: Bedeutung von viyojya innerhalb der beschädigten Zählanweisung unsicher; die folgende Anrede ist lesbar.

Vers 366
pañcasaptatibījeti tato varṇāvalītyapi |
tataḥ saṅkalite procya vyapataḥ kalitāpi ca ||366||

Dann füge man „fünfundsiebzig Bijas“ und „Lautreihe“ an. Darauf spreche man „zusammengefügt“ und den Bestandteil „vyapakalita“ (abgetrennt beziehungsweise ausgeschieden).

Anmerkung: Mantra-Wortbildung mit Zerlegung von vyapakalita; der genaue Anschluss an 365 ist nicht sicher. Keine glatte Gesamtanrede erfunden.

Vers 367
pañcāśallipibījācca vyapataḥ kalito'pi ca |
sṛṣṭisaṃhāramantrāśca kramato rūpadhāriṇi ||367||

Es folgen „fünfzig Schriftzeichen-Bijas“ und wiederum der Ausdruck „vyapakalita“; dann: „Du, die die Gestalt der Mantras in der Reihenfolge der Hervorbringung und der Rücknahme trägt!“

Anmerkung: Bezug von vyapakalita bleibt wie in 366 unsicher. Schöpfungs- und Auflösungsfolge werden beide bewahrt.

Vers 368
sarvamantrātmike procya sarvayantrātmike tathā |
sarvatantrātmike paścāt svecchākāriṇi ityapi ||368||

Man spreche: „Du, deren Wesen alle Mantras sind! Du, deren Wesen alle Yantras sind! Du, deren Wesen alle Tantras sind!“ Danach: „Du, die nach eigenem Willen handelt!“

Vers 369
svecchācāriṇi ityuktvā svecchāto rūpadhāriṇi |
brāhmaprājāpatya uktvā drauhiṇeti tataḥ param ||369||

Man sage: „Du, die sich nach eigenem Willen bewegt! Du, die nach eigenem Willen Gestalt annimmt!“ Dann folgen die Namen Brahma-, Prajapatya- und Drauhina- [als Anfang der Waffenreihe].

Anmerkung: Sanskrit gibt die Bausteine der Anrede an; die Waffennamen laufen bis 381 weiter.

Vers 370
hiraṇyagarbha uccārya nārāyaṇācca […] |
saudarśanācca traivikramāgneyajvāla ityapi ||370||

Man spreche Hiranyagarbha-, Narayana- […], dann Saudarshana-, Traivikrama-, Agneya- und Jvala-.

Anmerkung: Fragment: Name nach nārāyaṇa beschädigt; Sanskrit-Endungen sind Bestandteile der Wortbildungsanweisung. Keine Ergänzung eines erwartbaren Waffennamens.

Vers 371
prākampanendrānalato yāmyanairṛtavāruṇāḥ |
vāyavyakaubereśānapārameṣṭhya itīrayet ||371||

Man nenne Prakampana, Indra, Anala, Yamya, Nairrita und Varuna; Vayavya, Kaubera, Ishana und Parameshthya.

Anmerkung: Fortsetzung der Namen göttlicher Waffen beziehungsweise ihrer Mächte.

Vers 372
tataścānantakāleti bhautapārjanyavaidyutaḥ |
vārivāheya ityuktvā pārvateti samuddharet ||372||

Darauf Ananta, Kala, Bhauta, Parjanya und Vaidyuta; man spreche Varivaheya und füge Parvata hinzu.

Anmerkung: Waffennamen; Worttrennung ananta/kāla nicht völlig gesichert.

Vers 373
pāṣāṇanāgasauparṇakālakaṃ ca tataḥ param |
vaiśvadevatvāṣṭraśabdāt tāmasārttimiretyapi ||373||

Darauf Pashana, Naga, Sauparna und Kalaka; nach Vaishvadeva und Tvashtra folgen Tamasa und Artimira.

Anmerkung: Letzter Name in seiner Lesung unsicher; keine Normalisierung auf einen vermuteten Waffennamen.

Vers 374
prasvāpanācca mātaṅgājjambhakaṣīkadānava |
tato jṛmbhaṇagāndharvapaiśācodumbaretyapi ||374||

Dann Prasvapana und Matanga; Jambha, Kashika, Danava; darauf Jrimbhana, Gandharva, Paishacha und Udumbara.

Anmerkung: Trennung und Lesung der Folge jambhakaṣīkadānava unsicher. Die Namen werden nicht in erfundene Wirkungsbeschreibungen aufgelöst.

Vers 375
rākṣasācchauracāndrācca […] haimanaśābara |
bhāruṇḍabrahma ityuktvā tato brahmaśiro vadet ||375||

Dann Rakshasa, Shaura und Chandra; […] Haimana und Shabara. Man spreche Bharunda und Brahma, danach Brahmashiras.

Anmerkung: Fragment: ein Waffenname beschädigt; auch die überlieferten Varianten der Fußnote ergeben keine sichere Ergänzung.

Vers 376
guhyakāt kālakūṭācca vaitālāt sārabhakṣe ca |
vetālarājasa procya tato vināyaketyapi ||376||

Guhyaka, Kalakuta, Vaitala und Sarabhaksha; man nenne Vetalarajasa, dann Vinayaka.

Anmerkung: Einzelne Namen, besonders sārabhakṣa und vetālarājasa, nicht sicher identifiziert; Quelle als Namensfolge bewahrt.

Vers 377
skāndaprāmathagāṇotpātajvārān maurcchanetyapi |
kauṣmāṇḍabhrāmara procya […] ||377||

Skanda, Pramatha, Gana, Utpata, Jvara und Murchana; man spreche Kaushmanda und Bhramara […].

Anmerkung: Fragment: letzter Name beschädigt. Bei jvara bietet der Druck selbst eine fragende Korrektur; die Lesung bleibt unsicher.

Vers 378
tataḥ stambhanasaṃmohanabalātibalāpi ca |
tato naimilanasvāpnāccetanonmādamuddharet ||378||

Dann Stambhana, Sammohana, Bala und Atibala; darauf Naimilana, Svapna, Chetana und Unmada.

Anmerkung: Die Namen bezeichnen unter anderem Erstarrung, Verblendung, Kraft, große Kraft, Schlaf und Wahnsinn; hier stehen sie in der Waffenreihe, nicht als heutige Praxisanleitung.

Vers 379
sāpasmārān māraṇoccāṭanabhairava ityapi |
cāmuṇḍā ḍākinī procya yoginī nārasiṃha ca ||379||

Weiter Apasmara, Marana, Uccatana und Bhairava; man spreche Chamunda, Dakini, Yogini und Narasimha.

Anmerkung: OCR-Versnummer 376 als 379 gelesen. Die Namen umfassen Anfallsleiden, Tötung und Vertreibung als historische Ritualvorstellungen.

Vers 380
vārāhasaiṃhaśārdūlamāhiṣāt pheravantyapi |
tataḥ pāśupatādyūnatriṃśatkoṭi samuddharet ||380||

Varaha, Saimha, Shardula, Mahisha und Pherava; darauf Pashupata. Dann füge man „neunundzwanzig mal zehn Millionen“ an.

Anmerkung: Die Zahl ūnatriṃśat koṭi wird aus der lesbaren Wortfolge übernommen; Satzabschluss in 381.

Vers 381
mahāstrasandhānapadāt kāriṇyastratrayaṃ punaḥ |
pūrvoddhṛtāṃ bhogavidyāṃ vāramātraṃ tato vadet ||381||

Nach „die großen Waffen richtend“ folgt „du, die dies vollzieht“; darauf dreimal das Astra-Bija. Danach spreche man die zuvor angegebene Bhogavidya einmal.

Anmerkung: Abschluss der Anrede: die Göttin als Lenkerin der in 380 bezifferten großen Waffen. Verweis auf die zuvor dargelegte Bhogavidya; kein erneutes Ausschreiben in der Quelle.

Vers 382
tataḥ samuddhareddevi navavāraṃ śatākṣarīm |
hiraṇyakaśipūpāsyāṃ navavāraṃ tato'pyanu ||382||

Danach, Göttin, füge man neunmal den Hundertsilber an, sodann neunmal die von Hiranyakashipu verehrte [Vidya].

Anmerkung: Verweis auf zuvor gegebene Formeln.

Vers 383
brahmopāsyāṃ ca tasyānu navavāraṃ samuddharet |
vāsiṣṭhīṃ navavārāṃśca rāmopāsyāṃ ca tāvataḥ ||383||

Darauf füge man neunmal die von Brahma verehrte [Vidya] an; neunmal die Vasishta zugehörige und ebenso oft die von Rama verehrte.

Vers 384
navavārān viṣṇutattvaṃ navāmbāhṛdayāni ca |
vadenmahāṣoḍaśīṃ ca navavārāṃstataḥ param ||384||

Man spreche neunmal Vishnutattva und neunmal Ambahridaya; danach neunmal die Mahashodashi.

Anmerkung: Formelnamen werden als Namen bewahrt: „Vishnus Wirklichkeit“, „Herz der Mutter“, „große Sechzehnsilbige“.

Vers 385
tataḥ samuddhareddevi dvivāraṃ jayamaṅgalām |
rāvaṇopāsitāṃ ṣaṭtriṃśadarṇāṃ ca dvivārakām ||385||

Danach, Göttin, füge man zweimal Jayamangala an und zweimal die sechsunddreißigsilbige, von Ravana verehrte [Vidya].

Anmerkung: Versnummer im OCR zerstört, Folge zwischen 384 und 386 eindeutig.

Vers 386
dvivāraṃ tryakṣarīṃ dākṣīṃ ṣaḍvāraṃ bhāratīṃ tataḥ |
tāraṃ tato'nu sakalaṃ mantraśabdān svarūpiṇi ||386||

Zweimal [spreche man] die dreisilbige Daksha zugehörige [Vidya], danach sechsmal Bharati. Dann Tara und die Worte: „Du, die alle Mantras verkörpert!“

Anmerkung: Quelllesung dākṣī; genaue Zuordnung nicht über den Text hinaus ergänzt. Tara ist ein Bija-Deckname.

Vers 387
manovāg samuddhṛtya gocare guhyakāli ca |
triśākinyastriyoginyastrivadhvaśca trirastrakam ||387||

Man füge an: „Du im Bereich von Geist und Rede, Guhyakali!“ Dann je dreimal Shakini, Yogini, Vadhu und Astra.

Anmerkung: Die Quelle hat manovāg…gocare ohne sicher lesbare Verneinung; nicht stillschweigend in „jenseits von Geist und Rede“ verändert. Bija-Decknamen, keine ausgeschriebenen Silben.

Vers 388
hṛnmantrānte śiromantraḥ samāptaiṣāyutākṣarī |
nyūnātiriktavarṇānāṃ jñānārthaṃ parameśvari ||388||

Am Ende des Herz-Mantras steht der Kopf-Mantra. Damit ist diese zehntausendsilbige [Vidya] abgeschlossen. Um fehlende oder zusätzliche Silben zu erkennen, höchste Herrin, [folgt nun die Zählbestimmung].

Anmerkung: Erste Zeile schließt die Mantra-Konstruktion ab, zweite leitet die in der Quelle ausdrücklich betitelte Silbenzählung ein. hṛn statt beschädigtem OCR hun kontextuell gelesen; die eigentlichen Herz-/Kopf-Silben werden nicht ergänzt.

Kontrollzählung des zehntausendsilbigen Mantras

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 389
[…] nigadyamānaṃ taṃ nirṇayaṃ […] sādarā |
vasāśabdasya sākāre samāptimagamacchatam ||389||

Höre aufmerksam die nun dargelegte Bestimmung […]. Bei der Silbe sā im Wort vasā sind hundert [Silben] erreicht.

Anmerkung: Fragment: Teile der ersten Hälfte und Versnummer beschädigt; Nummer aus eindeutiger Folge. Beginn der quelleneigenen Kontrollzählung, keine redaktionelle Nachzählung.

Vers 390
rāvarṇe rākṣasasyāpi dve śate pūrṇatāṃ gate |
pretākṣasya kṣakāre'pi paryāptā triśatī priye ||390||

Bei rā in rākṣasa sind zweihundert erreicht. Bei kṣa in pretākṣa sind dreihundert voll, Geliebte.

Anmerkung: OCR potākṣa nach dem zuvor gebildeten Wort pretākṣa gelesen; genaue Zählung der Gesamtformel nicht rekonstruiert.

Vers 391
yamakṣare kṣayaṅkaryāḥ paripūrṇā catuḥśatī |
pracaṇḍogratare'rṇe ca pūrṇaṃ pañcaśataṃ tathā ||391||

Bei der Silbe ya in kṣayaṅkarī sind vierhundert erreicht; bei re in pracaṇḍogratara sind fünfhundert voll.

Anmerkung: Die Verbindung pracaṇḍogratara + re wird im OCR zusammengeschrieben; genaue Wortform der Kontrollmarke unsicher. Nummer als 391 statt OCR 361 gelesen.

Vers 392
phetkāryarṇe ṣaṭśatī ca paripūrṇā varānane |
hanayugmasya he varṇe prathame śatasaptakam ||392||

Bei der Phetkari-Silbe sind sechshundert erreicht, Schöngesichtige. Beim ersten ha des zweimaligen hana sind siebenhundert voll.

Anmerkung: Im zweiten Satz liest OCR he; als Nennung der in hana vorkommenden Silbe ha verstanden, Unsicherheit bleibt kenntlich.

Vers 393
tathā cāṣṭaśatī pūrṇā mahācaṇḍe'ntime'kṣare |
stambhayasya dvitīye ste śatānāṃ navakaṃ gatam ||393||

Achthundert sind bei der letzten Silbe von mahācaṇḍa erreicht; neunhundert bei sta im zweiten stambhaya.

Anmerkung: Versnummer beschädigt, eindeutige Folge. Die Kontrollmarke mahācaṇḍa ist hier nicht stillschweigend an eine andere Anredeform angeglichen.

Vers 394
hilidvandvasyādime hi sahasraṃ pūrṇatāmitam |
cchau tathocchiṣṭacāṇḍālyā gatā rudraśatī priye ||394||

Beim ersten hi des zweimaligen hili ist tausend erreicht. Bei ccho in ucchiṣṭacāṇḍālī sind elf Hundert erreicht, Geliebte.

Anmerkung: Zählmarke ccho steht so in der Quelle, passt aber nicht ohne Weiteres zum genannten Wort; nicht korrigiert. rudra als Zahlwort elf. Nummer OCR 364 korrigiert.

Vers 395
bhairavyā vai'kṣare sūryaśatī pūrṇatvamāgatā |
[…] kaṭarūpāyāḥ pūrṇā viśvaśatī tathā ||395||

Bei vai in bhairavī sind zwölf Hundert erreicht. Bei […] in kaṭarūpā sind dreizehn Hundert voll.

Anmerkung: Fragment: Silbenmarke der zweiten Hälfte beschädigt, Wort kaṭarūpā unvollständig oder unsicher. vai als Quelle bewahrt, obwohl das genannte Wort bhairavī die Silbe bhai erwarten ließe. sūrya = 12, viśva hier = 13.

Vers 396
mahāmāṃsasya se varṇe pūrṇendraśatikāpi ca |
caturviṃśatikūrcasyāṣṭame'rṇe tithiśatyapi ||396||

Bei sa in mahāmāṃsa sind vierzehn Hundert voll; beim achten Laut der vierundzwanzig Kurchas sind fünfzehn Hundert erreicht.

Anmerkung: indra hier Zahlchiffre 14, tithi 15. Die grammatischen Silbennennungen se/arṇe werden als Angabe des Grundlautes übersetzt.

Vers 397
ṣaṭtriṃśaḍḍākinīkasya ṣoḍaśe kṣitibhṛcchatam |
ṣaṣṭhe dvādaśamāyāyā girīndraśatikā bhavet ||397||

Beim sechzehnten [Laut] der sechsunddreißig Dakini-[Bijas] sind sechzehn Hundert erreicht; beim sechsten der zwölf Maya-[Bijas] siebzehn Hundert.

Anmerkung: Zahlchiffren kṣitibhṛt und girīndra nach der hier fortlaufenden Hunderterreihe verstanden, nicht als allgemein eindeutige Wörterbuchzahlen behauptet. OCR-Nummer 367 korrigiert.

Vers 398
hasadvayasya prathame sārṇe dvīpaśatī matā |
stambhaya prathame bhe'rṇe ūnaviṃśaśatī gatā ||398||

Beim sa im ersten hasa der doppelten Folge gelten achtzehn Hundert als erreicht; beim bha im ersten stambhaya sind neunzehn Hundert voll.

Anmerkung: dvīpaśatī steht hier in der auf 1800 führenden Reihe; ungewöhnliche Zahlchiffre nicht als unabhängig gesichert ausgegeben. Versnummer im OCR beschädigt.

Vers 399
niṣpādayeti ṣpāvarṇe prathame viṃśatiḥ śatam |
ekaviṃśaśatī jātā bīje vairājake priye ||399||

Bei ṣpā im ersten niṣpādaya sind zwanzig Hundert erreicht; beim Vairajaka-Bija einundzwanzig Hundert, Geliebte.

Vers 400
vidiśetyādime vi ca dvāviṃśatiśatī matā |
catvāriṃśat śakāre'rṇe'nalapakṣaśatī gatā ||400||

Beim ersten vi in vidiśa gelten zweiundzwanzig Hundert als erreicht. Bei śa in catvāriṃśat sind dreiundzwanzig Hundert erreicht.

Anmerkung: OCR hat bei der ersten Marke vau; Bezug auf vi ist durch das angeführte Wort ersichtlich, bleibt als Korrektur ausgewiesen. anala-pakṣa als Zahlchiffre 23.

Vers 401
varṇe caturaśītyāśca caturviṃśaśatī vyagāt |
vighaṭya dvitīye […] pañcaviṃśaśatī […] ||401||

Bei [einer nicht näher lesbar bezeichneten] Silbe von caturaśīti sind vierundzwanzig Hundert erreicht; beim zweiten vighaṭya beziehungsweise vighaṭṭaya […] fünfundzwanzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: Silbenmarken beziehungsweise Satzende beschädigt. Die Quelle wird nicht mit einer erfundenen genauen Position vervollständigt.

Vers 402
kṛntānte ntākṣare'pyādye ṣaḍviṃśatiśatī smṛtā |
vikhaṇḍaya dvitīye khe śatānāṃ saptaviṃśatiḥ ||402||

Bei nta am Ende des ersten kṛnta gelten sechsundzwanzig Hundert als erreicht; bei kha im zweiten vikhaṇḍaya siebenundzwanzig Hundert.

Vers 403
vyadhameti dvitīye me'ṣṭāviṃśatiśatī gatā |
caraṇasya ṇavarṇe tu ūnatriṃśacchatī vyagāt ||403||

Bei ma im zweiten vyadhama sind achtundzwanzig Hundert erreicht; bei ṇa in caraṇa neunundzwanzig Hundert.

Anmerkung: Erste Wortform OCR nyadhama, entsprechend der Waffenfolge 338 als vyadhama gelesen.

Vers 404
sādhayasya dvitīye dhe gatā triṃśacchatī tathā |
samāptā saptamāśvāse ekatriṃśacchatī priye ||404||

Bei dha im zweiten sādhaya sind dreißig Hundert erreicht; beim siebten Ashvasa einunddreißig Hundert, Geliebte.

Vers 405
bheryā pañcadaśārṇe tu dvātriṃśacchatikā gatā |
trayastriṃśacchatī pūrṇā caturthe […] sundari ||405||

Beim fünfzehnten Laut von Bheri sind zweiunddreißig Hundert erreicht; beim vierten […] dreiunddreißig Hundert, Schöne.

Anmerkung: Fragment: zweite Kontrollmarke im Druck bereits mit Fragezeichen; keine Ergänzung. Bherī als Quelllesung, nicht zu Bhairavī normalisiert.

Vers 406
catustriṃśacchatī cāpi koṭilyadaśame priye |
pragāḍhānte samāpteyaṃ pañcatriṃśacchatī tathā ||406||

Beim zehnten Kotilya sind vierunddreißig Hundert erreicht, Geliebte; am Ende von Pragādha fünfunddreißig Hundert.

Vers 407
madhyāstu saptame varṇe ṣaṭtriṃśaśatikāpi ca |
vibhinnetyasya vi varṇe saptatriṃśacchatī tathā ||407||

Beim siebten Laut von Madhya sind sechsunddreißig Hundert erreicht; bei vi in vibhinna siebenunddreißig Hundert.

Anmerkung: Madhyā beziehungsweise Madhya als unsichere Namenslesung bewahrt; kein aus anderen Listen erschlossener Ersatz.

Vers 408
bṛhadbījadvādaśe tu aṣṭatriṃśacchatī vyagāt |
pretasya saptame bīje navānalaśatī gatā ||408||

Beim zwölften Brihat-Bija sind achtunddreißig Hundert erreicht; beim siebten Preta-Bija neununddreißig Hundert.

Vers 409
sudarśanasya viṃśārṇe catvāriṃśacchatī tathā |
nīlapañcadaśe bīje bhuvedaśatikāpi ca ||409||

Beim zwanzigsten Laut von Sudarshana sind vierzig Hundert erreicht; beim fünfzehnten Nila-Bija einundvierzig Hundert.

Anmerkung: Die Kontrollliste nennt Nīla, während die Konstruktionsliste 356 Mīna liest; Fassungsproblem offen bewahrt.

Vers 410
pañcatriṃśatsu bhairavyāḥ karavedaśatī matā |
viriñcyante samāptā tu trivedaśatikā priye ||410||

Bei den fünfunddreißig [Lauten beziehungsweise Wiederholungen] der Bhairavi gelten zweiundvierzig Hundert als erreicht; am Ende von Virinchi dreiundvierzig Hundert, Geliebte.

Anmerkung: Fußnote bietet pañcaviṃśatsu („bei fünfundzwanzig“) statt pañcatriṃśatsu; Hauptlesung bewahrt, kein stilles Harmonisieren.

Vers 411
yugābdhiśatikā pūrṇā dānavānte tathaiva ca |
saptacatvāriṃśabhūte bāṇābdhiśatikā gatā ||411||

Am Ende von Danava sind vierundvierzig Hundert voll; beim siebenundvierzigsten Bhuta fünfundvierzig Hundert.

Anmerkung: Zahlchiffren yuga-abdhi = 44 und bāṇa-abdhi = 45 nach der Hunderterreihe; kein eigener Nachweis der Mantra-Gesamtlänge.

Vers 412
pañcatriṃśad […] ṣaḍabdhiśatikā vyagāt |
tithyarṇe kamaṭhasyāpi munivedaśatī tathā ||412||

Beim fünfunddreißigsten […] sind sechsundvierzig Hundert erreicht; beim fünfzehnten Laut von Kamatha siebenundvierzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: erste Bija-Bezeichnung im Haupttext beschädigt. Fußnote liest „beim siebenundzwanzigsten Nirakara“ mit abweichender Zahl; nicht stillschweigend eingesetzt. Kamatha ist hier die Schildkröten-Chiffre, entsprechend Kacchapa in 357.

Vers 413
dvipañcāśatsvanantasya gajārṇavaśatī matā |
viṃśatyarṇe mṛgendrasya grahavedaśatī gatā ||413||

Beim zweiundfünfzigsten Ananta gelten achtundvierzig Hundert als erreicht; beim zwanzigsten Laut von Mrigendra neunundvierzig Hundert.

Anmerkung: Mrigendra („Herr der Tiere“) entspricht der Löwen-Chiffre; Zählangaben sind Textaussagen.

Vers 414
yakṣārṇasyaikapañcāśadvarṇeṣviṣuśatī […] |
samādhisaptamārṇe tu bhūbāṇaśatikā tathā ||414||

Bei den einundfünfzig Lauten des Yaksha-[Bijas] sind […] Hundert erreicht; beim siebten Laut von Samadhi einundfünfzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: erste Zahlformel beschädigt; der Zusammenhang legt 5000 nahe, sie wird aber nicht als zuverlässig gelesene Angabe eingesetzt.

Vers 415
prāsādasya […] dvipañcāśacchatī gatā |
pāśasya śailabāṇārṇe'nalabāṇaśatī priye ||415||

Bei Prasada […] sind zweiundfünfzig Hundert erreicht; beim siebenundfünfzigsten Laut von Pasha dreiundfünfzig Hundert, Geliebte.

Anmerkung: Fragment: erste genaue Zählposition beschädigt (OCR karāgrau). śaila-bāṇa als 57 in der zweiten Positionsangabe gelesen.

Vers 416
trayodaśe nṛsiṃhasya vedabāṇaśatī vyagāt |
bāṇabāṇaśatī vedavedārṇe mānaso'pi ca ||416||

Beim dreizehnten [Laut] von Nrisimha sind vierundfünfzig Hundert erreicht; beim vierundvierzigsten Laut von Manasa fünfundfünfzig Hundert.

Anmerkung: Manasa ist die Lesung dieser Zählkontrolle; nicht an die frühere Liste angeglichen.

Vers 417
ādhāradvādaśārṇe tu ṣaṭpañcāśacchatī gatā |
mānavasyonapañcāśadarṇe'drīṣuśatī tathā ||417||

Beim zwölften Laut von Adhara sind sechsundfünfzig Hundert erreicht; beim neunundvierzigsten Laut von Manava siebenundfünfzig Hundert.

Vers 418
pūrṇonatriṃśadarṇe tu nāgabāṇaśatī priye |
karambhaḥ saptadaśake narabāṇaśatī tathā ||418||

Beim neunundzwanzigsten Laut von Purna sind achtundfünfzig Hundert erreicht, Geliebte; beim siebzehnten Karambha neunundfünfzig Hundert.

Anmerkung: Die letzte Zahlchiffre nara-bāṇa ist in der fortlaufenden Hunderterreihe als 59 verstanden; ihre Lesung beziehungsweise Deutung bleibt unsicher.

Vers 419
trayodaśe tu phetkāryāḥ ṣaṭsahasrī prapūritā |
trayodaśe tu ḍākinyāścandrartuśatikā gatā ||419||

Beim dreizehnten [Laut] der Phetkari sind sechstausend voll; beim dreizehnten der Dakini einundsechzig Hundert erreicht.

Anmerkung: OCR-Versnummer 416 aus eindeutiger Folge als 419 gelesen.

Vers 420
kūrcaikonatriṃśadarṇe karatarkaśatī vyagāt |
triṣaṣṭiśatikā pūrṇā kāmārṇe dvādaśākṣare ||420||

Beim neunundzwanzigsten Laut des Kurcha sind zweiundsechzig Hundert erreicht; beim zwölften Laut des Kama dreiundsechzig Hundert.

Anmerkung: Satzende im Druck bereits fraglich markiert; Sinn der Zählposition hinreichend lesbar.

Vers 421
sudhā trayodaśe varṇe catuḥṣaṣṭiśatī gatā |
navame mānase pūrṇā pañcaṣaṣṭiśatī priye ||421||

Beim dreizehnten Laut von Sudha sind vierundsechzig Hundert erreicht; beim neunten Manasa fünfundsechzig Hundert, Geliebte.

Vers 422
caturthyāṃ capalāyāṃ tu ṣaṭṣaṣṭiśatikā gatā |
[…] ūnaviṃśe śailartuśatikā tathā ||422||

Beim vierten Chapala sind sechsundsechzig Hundert erreicht; beim neunzehnten […] siebenundsechzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: zweite Bija-Bezeichnung beschädigt. Chapalā („die Blitzende“) als Quellbezeichnung bewahrt.

Vers 423
trayodaśākṣare vedyā nāgāṅgaśatikā vyagāt |
aṅkatarkaśatī pūrṇā koṭilyanavamākṣare ||423||

Beim dreizehnten Laut von Vedya sind achtundsechzig Hundert erreicht; beim neunten Laut von Kotilya neunundsechzig Hundert voll.

Anmerkung: Lesung vedya unsicher, möglicherweise abweichende Namensform der früheren Liste; keine Konjektur.

Vers 424
madhyaikādaśavarṇe tu pūrṇaṃ saptasahasrakam |
ekādaśe pañcamasya candrāśvaśatikāpyagāt ||424||

Beim elften Laut von Madhya sind siebentausend voll; beim elften von Panchama einundsiebzig Hundert erreicht.

Anmerkung: Nummer im OCR beschädigt; eindeutige Reihenfolge. Bija-Namen gemäß Zählkontrolle.

Vers 425
[…] tṛtīye pakṣāśvaśatikā pūrṇatāmitā |
mantrātmike makāre'rṇe trisaptatiśatī gatā ||425||

Beim dritten […] sind zweiundsiebzig Hundert erreicht; bei ma in mantrātmikā dreiundsiebzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: erste Kontrollmarke nicht zuverlässig lesbar.

Vers 426
pārjanyapākṣare pūrṇā vedāśvaśatikā priye |
śarabhāyā ravarṇe ca śaravājiśatī gatā ||426||

Bei pa in pārjanya sind vierundsiebzig Hundert voll, Geliebte; bei ra in śarabha fünfundsiebzig Hundert erreicht.

Anmerkung: Die Kontrollliste nennt Śarabha; nicht als Ersatz in eine beschädigte Stelle der Waffenliste eingefügt.

Vers 427
pheravānte ca ṣaṭsaptaśatikā pūrṇatāmitā |
phaṭtrayānte pakṣakarāṅgaturagāḥ prakīrtitāḥ ||427||

Am Ende von Pherava sind sechsundsiebzig Hundert voll; am Ende des dreimaligen phaṭ wird die Zahl 7622 angegeben.

Anmerkung: Zahlchiffre pakṣa-kara-aṅga-turaga von rechts her als 7622 gelesen. Die Zahl ist die überlieferte Kontrollangabe, nicht unabhängig nachgezählt.

Vers 428
tataśca bhogavidyāyāḥ saptāśītiśatadvayam |
navavāraṃ śatākṣaryuccāraṇāt parameśvari ||428||

Dann [kommen] die zweihundertsiebenundachtzig [Silben] der Bhogavidya hinzu. Durch neunmaliges Sprechen des Hundertsilbers, höchste Herrin, [ergeben sich die im Folgenden genannten Silben].

Anmerkung: Satz läuft in 429 weiter.

Vers 429
śatāni nava jāyante varṇānāṃ tasya vai manoḥ |
jāyante piṇḍitā varṇā grahāmbaravasudvipāḥ ||429||

Von diesem Mantra ergeben sich neunhundert Silben. Zusammengezählt entstehen 8809 Silben.

Anmerkung: Zahlchiffre graha-ambara-vasu-dvipa als 9-0-8-8 in umgekehrter Stellenfolge gelesen. OCR-Versnummer 426 aus Folge als 429 gelesen.

Vers 430
hiraṇyakaśipūpāsyā vedavedenduvarṇakā |
brāhmavāsiṣṭharāmāṇāmaṅkeṣuyugavarṇakāḥ ||430||

Die von Hiranyakashipu verehrte [Vidya ergibt] 144 Silben; die Brahma, Vasishta und Rama zugehörigen [zusammen] 459 Silben.

Anmerkung: Zahlchiffren veda-veda-indu = 144 und aṅka-iṣu-yuga = 459; beziehen sich auf die zuvor angeordneten Wiederholungen, nicht auf die Länge einer Einzelrezitation.

Vers 431
viṣṇutattvāmbāhṛdayamahāṣoḍaśikāsu ca |
candrartukarasaṃkhyākā mantravarṇā bhavanti hi ||431||

Bei Vishnutattva, Ambahridaya und Mahashodashika ergeben sich 261 Mantrasilben.

Anmerkung: Die Zahlwortfolge candra-ṛtu-kara ist im Druck mit Fragezeichen versehen; 261 ist ihre naheliegende Lesung, keine unabhängig gesicherte Summe.

Vers 432
piṇḍitāṅkāstu jāyante guṇāśvartugrahonmitāḥ |
raseśasaṃkhyakā devi jñātavyā jayamaṅgalā ||432||

Die zusammengefassten Zahlen ergeben 9673. Jayamangala, Göttin, ist mit der Zahl rasa-īśa anzusetzen.

Anmerkung: Erste Zahlchiffre guṇa-aśva-ṛtu-graha als 9673 gelesen. Zweite Zahlchiffre rasa-īśa nicht eindeutig aufgelöst; keine zur Endsumme passende Zahl erfunden.

Vers 433
dvisaptatyarṇakā cāpi rāvaṇopāsitā priye |
dākṣī ṣaḍarṇā ṣaṇṇavatibhāratī parikīrtitā ||433||

Die von Ravana verehrte [Vidya ergibt] zweiundsiebzig Silben, Geliebte; Dakshi sechs und Bharati sechsundneunzig.

Anmerkung: Summen der angeordneten Wiederholungen, nicht neue Aussagen über die Einzellängen.

Vers 434
sarvaśeṣe ca varṇānāṃ saptatriṃśadvyavasthitā |
militā daśasāhasravarṇāḥ sarve bhavanti hi ||434||

Ganz am Schluss stehen siebenunddreißig Silben. Zusammen ergeben alle zehntausend Silben.

Anmerkung: Die Fußnote bietet siebenundzwanzig statt siebenunddreißig. Hauptlesung und Endsumme sind Quellenangaben; Widersprüche werden nicht rechnerisch repariert.

Größe, Überlieferung und Rezitation der Kalpalata

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 435
ayaṃ te kathito devi mālāmantro'yutākṣaraḥ |
sarveṣāṃ mūlamantrāṇāṃ bījametadudīyate ||435||

Dieser zehntausendsilbige Mala-Mantra wurde dir nun mitgeteilt, Göttin. Er wird der Same aller Wurzelmantras genannt.

Anmerkung: Beginn des in der Quelle als Lobpreis der Größe dieses Mala-Mantras bezeichneten Abschnitts.

Vers 436
mantrasyāsya prabhāvaṃ kiṃ vyākhyāsyāmyahamīśvari |
saiva vaktuṃ na śaknoti yasyā mantro'yamīdṛśaḥ ||436||

Wie könnte ich die Macht dieses Mantras erklären, Herrin? Selbst sie, deren Mantra dies ist, vermag sie nicht auszusprechen.

Anmerkung: Textaussage über die Größe des Mantras, keine redaktionelle Wirkungszusage.

Vers 437
na bhāratīṃ na vāsiṣṭhīṃ na brāhmīṃ na ca rāghavīm |
hiraṇyakaśipuṃ nāpi nāmbāhṛdayameva ca ||437||

Wer weder Bharati noch die Vasishta zugehörige, weder Brahmi noch Raghavi kennt, weder die Hiranyakashipu-[Vidya] noch Ambahridaya …

Anmerkung: Beginn eines über 437–439 laufenden Satzes; nirgendwo als unvollständig übersetzter Einzelinhalt ersetzt.

Vers 438
maṅgalāṃ ca sahasrārṇāṃ rāvaṇopāsitāmapi |
na vetti yo bhogavidyāṃ na ca vetti śatākṣarīm ||438||

… weder Mangala noch den Tausendsilber noch die von Ravana verehrte [Vidya], wer Bhogavidya und den Hundertsilber nicht kennt …

Anmerkung: sahasrārṇā gemäß der im Druck angebotenen Korrektur zu beschädigtem sahasrāṇī; Fortsetzung des Satzes aus 437.

Vers 439
na ṣoḍaśīṃ saptadaśīṃ sa nārhatyayutākṣarīm |
mālāmantro hyayaṃ prokto guhyakālyā varānane ||439||

… und weder die Sechzehn- noch die Siebzehnsilbige kennt, ist zur Zehntausendsilbigen nicht befähigt. Denn dieser wird Guhyakalis Mala-Mantra genannt, Schöngesichtige.

Anmerkung: Abschluss der in 437 begonnenen Voraussetzungsliste.

Vers 440
etasya mahimānaṃ no vaktuṃ śaknomi vistarāt |
balena yaśca gṛhṇāti yo dadāti balena ca ||440||

Seine Größe vermag ich nicht ausführlich zu schildern. Wer ihn gewaltsam an sich bringt und wer ihn unter Zwang weitergibt …

Anmerkung: Der Satz wird in 441 abgeschlossen. balena kann „mit Gewalt“ oder „unter Zwang“ bedeuten; keine moderne Einweihungsregel hinzugefügt.

Vers 441
patataḥ kharpare kālyāstāvubhau puruṣādhamau |
ayutākṣaranāmānaṃ mantrarājaṃ purā hariḥ ||441||

… diese beiden niedrigsten Menschen fallen in Kalis Schädelschale. Einst [rezitierte] Hari den Mantrakönig namens „Zehntausendsilbiger“ …

Anmerkung: Erste Hälfte schließt 440 ab, zweite beginnt den Bericht in 442; historische Droh- und Verheißungssprache der Quelle.

Vers 442
kālanemivadhāt pūrvaṃ paṭhitvā samaraṃ gataḥ |
jaghāna tatprasādena taṃ […] daityāṃśca koṭiśaḥ ||442||

… bevor er Kalanemi tötete, und zog dann in den Kampf. Durch dessen Gnade erschlug er ihn […] und die Daityas zu vielen Millionen.

Anmerkung: Fragment: ein Wort nach tam beschädigt; zusammenhängender übriger Bericht übersetzt.

Vers 443
pratigṛhyopadeśaṃ sa mattaḥ kamalalocane |
lakṣavāraṃ jajāpāmuṃ tataḥ siddhiṃ parāṃ gataḥ ||443||

Nachdem er die Unterweisung von mir empfangen hatte, Lotusäugige, rezitierte er ihn hunderttausendmal. Darauf erlangte er höchste Vollendung.

Vers 444
mālāṃ narāsthighaṭitāṃ kṛtvā yo'ṣṭottaraṃ śatam |
japatyavaśyamāpnoti sa siddhiṃ nātra saṃśayaḥ ||444||

Wer eine Gebetskette aus Menschenknochen anfertigt und [den Mantra] hundertachtmal rezitiert, erlangt gewiss Siddhi; darüber besteht [dem Text zufolge] kein Zweifel.

Anmerkung: Rituelle Materialvorgabe und Wirkungsbehauptung der Quelle, keine heutige Beschaffungsempfehlung.

Vers 445
mālāmantrāyutārṇasya […] |
triṣṭupchanda iti khyātaṃ guhyakālī ca devatā ||445||

Für den zehntausendsilbigen Mala-Mantra [ist die Angabe des Rishis beschädigt]. Als Versmaß wird Trishtubh genannt; die Gottheit ist Guhyakali.

Anmerkung: Fragment: Rishi-Angabe im OCR unlesbar; nicht aus Parallelmantras ergänzt.

Vers 446
yoginī kīlakaṃ proktaṃ śākinī śaktirucyate |
ḍākinībījamuddiṣṭaṃ prayogaḥ sarvasiddhaye ||446||

Yogini wird als Kilaka, Shakini als Shakti bezeichnet; Dakini ist als Bija angegeben. Die Anwendung dient sämtlichen Siddhis.

Anmerkung: Kilaka: ritueller „Keil“ beziehungsweise Verschlussfaktor; Shakti: Kraftaspekt. Decknamen werden nicht ohne Quelle aufgelöst.

Vers 447
viśeṣataśca kaivalyalabdhaye parikīrtitaḥ |
ekavaktrāṃ samārabhya yāvat syācchatavaktrikā ||447||

Insbesondere wird [der Mantra] zur Erlangung von Kaivalya, der vollkommenen Befreiung, gelehrt. Beginnend mit der eingesichtigen [Göttin] bis hin zur hundertgesichtigen …

Anmerkung: Der Text betont hier auch die Befreiung, obwohl die Einleitung zwei Überlieferungen unterscheidet; keine inhaltliche Vereinheitlichung vorgenommen. Satz läuft in 448 weiter.

Vers 448
sarvā anena mantreṇa śakyante samupāsitum |
aṅkānāṃ yatra bāhulyaṃ bīje bhavati pārvati ||448||

… können alle mit diesem Mantra verehrt werden. Wo die Anzahl [der Wiederholungen] eines Bijas groß ist, Parvati, …

Anmerkung: OCR-Nummer 440 aus eindeutiger Folge als 448 gelesen.

Vers 449
ādāya kaṭhinīṃ tatra sāvadhānaḥ śanairvadet |
adhike siddhihāniḥ syānnyūne tu maraṇaṃ bhavet ||449||

… nehme man eine Kathini und spreche aufmerksam und langsam. Bei einem Zuviel ginge die Siddhi verloren, bei einem Zuwenig träte der Tod ein.

Anmerkung: Kathinī ist die lesbare Bezeichnung eines Hilfsmittels, hier nicht sicher bestimmbar. Drohende Folgen werden als Behauptung des historischen Textes übersetzt.

Vers 450
divājapādrātrijapo'muṣya devi mahāphalaḥ |
japānte balidānaṃ hi deyamāvaśyakaṃ priye ||450||

Die nächtliche Rezitation dieses [Mantras], Göttin, trägt größere Frucht als die am Tag. Am Ende der Rezitation ist, Geliebte, unbedingt eine Bali-Gabe darzubringen.

Anmerkung: Bali: rituelle Opfergabe; Art der Gabe wird in diesem Vers nicht festgelegt.

Vers 451
niśāmayeyurnānye hi japakāle'sya sarvathā |
kiṃ bahūktena deveśi yadyadicchati sādhakaḥ ||451||

Andere sollen während seiner Rezitation keinesfalls mithören. Was bedarf es vieler Worte, Herrin der Götter? Was immer der Übende wünscht …

Anmerkung: Der Satz wird in 452 abgeschlossen.

Vers 452
tatsarvamamunā kartuṃ śaknotyevāvahelayā |
tvaritena na japtavyamityetasya viniścayaḥ ||452||

… all dies kann er mit diesem [Mantra] mühelos vollbringen. Er soll nicht hastig rezitiert werden; dies ist die verbindliche Regel für ihn.

Anmerkung: Verheißung und Rezitationsvorschrift der Quelle.

Vers 453
dhīrasyaivādhikāro'tra ya uccārayate […] |
iti te kathitā devi viṣṇūpāsyāyutākṣarī ||453||

Nur der Besonnene, der [ihn …] ausspricht, ist hierzu befähigt. Damit wurde dir, Göttin, die von Vishnu verehrte Zehntausendsilbige mitgeteilt.

Anmerkung: Fragment: Schluss der ersten Hälfte beschädigt. Eindeutiger Abschluss der Vishnu-Überlieferung.

Bijamalamayi: die von Mahakala verehrte Bija-Girlande

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 454
adhunā madupāsyāṃ tvaṃ śṛṇu sāvahitā satī |
uktāyā vakṣyamāṇā hi koṭikoṭiguṇā matā ||454||

Höre nun aufmerksam die von mir verehrte [Vidya]. Die nun zu lehrende gilt als millionen- und abermillionenfach mächtiger als die zuvor mitgeteilte.

Anmerkung: Mahakala spricht. koṭi-koṭi wörtlich zehn Millionen mal zehn Millionen; hier als Steigerung der Quelle übersetzt, nicht als messbarer Wirkungsvergleich.

Vers 455
yāvanti santi bījāni saṃhitoktāni sundari |
amuṣyāṃ santi tāvanti bhaumātantroditānyapi ||455||

Alle Bijas, die in der Samhita gelehrt werden, Schöne, sind in ihr enthalten, ebenso die im Bhauma-Tantra gelehrten.

Anmerkung: Lesung beziehungsweise Titel bhaumā-tantra nicht sicher identifiziert; keine bibliographische Zuschreibung ergänzt.

Vers 456
śāmbhavādyā ratnahalāntā ye kūṭāḥ prakīrtitāḥ |
upakūṭāstathā nārāyaṇādyāstraidaśāntakāḥ ||456||

Die Kutas, die mit Shambhava beginnen und mit Ratnahala enden, ebenso die Upakutas von Narayana bis Traidasha …

Anmerkung: Kuta und Upakuta: Gruppen verschlüsselter Mantralaute. Ratnahala ist die Quelllesung, nicht zu einem vermuteten anderen Namen geändert.

Vers 457
uccāvacāstathā cānye ye kūṭāḥ parikīrtitāḥ |
te sarve tatra tiṣṭhanti ratnānīva mahodadhau ||457||

… und alle anderen, verschiedenartigen Kutas, die gelehrt werden, sind sämtlich darin enthalten wie Edelsteine im großen Meer.

Anmerkung: Abschluss des Satzes aus 456.

Vers 458
ekaikasyaiva kūṭasya bījasyāpi varānane |
uccāraṇādyatphalaṃ syāt tadvaktuṃ naiva śakyate ||458||

Schon die Frucht, die aus dem Aussprechen jedes einzelnen Kuta oder Bija entsteht, Schöngesichtige, lässt sich nicht beschreiben.

Vers 459
kimutaiṣāṃ samastānāṃ vyāhārādyatphalaṃ bhavet |
ata evāhvayā caiṣā bījamālāmayīti hi ||459||

Wie viel weniger erst die Frucht, die aus dem Aussprechen aller zusammen entsteht! Daher trägt sie den Namen Bijamalamayi: „die aus einer Girlande von Bijas Bestehende“.

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 460
yathā kāmakalākālyā mantraśreṣṭhāyutākṣarī |
mṛtyuñjayaprāṇanāmnā prasiddhiṃ samupāgatā ||460||

Wie Kamakalakalis vorzüglichster zehntausendsilbiger Mantra unter dem Namen Mrityunjayaprana bekannt geworden ist …

Anmerkung: Werkinterner Bezug zur Kamakalakali-Überlieferung; Name etwa „Lebenshauch des Todesüberwinders“. Satz läuft in 461 weiter.

Vers 461
bījamālāmayī tadvad guhyakālyāḥ smṛtā bhuvi |
asyā mayā na mahimā […] śakyate priye ||461||

… so ist auf Erden Guhyakalis Bijamalamayi bekannt. Ihre Größe vermag ich nicht […] zu schildern, Geliebte.

Anmerkung: Fragment: ein Wort der zweiten Hälfte beschädigt; Hauptaussage klar lesbar.

Vers 462
saptadvīpavatī pṛthvīdānādyatphalamucyate |
etasyāstvekayāvṛttyā tatphalaṃ samavāpyate ||462||

Die Frucht, die dem Verschenken der Erde mit ihren sieben Kontinenten zugeschrieben wird, erlangt man durch eine einzige Wiederholung dieser [Vidya].

Anmerkung: Rituelle Verdienstverheißung der Quelle.

Vers 463
yathaitayā cirāyuṣṭvaṃ prāpnoti hi jijīviṣuḥ |
na tathā taiḥ koṭimantrairjapitairapi koṭiśaḥ ||463||

Wer zu leben wünscht, erlangt durch sie ein langes Leben in einem Maß, das selbst Millionen Mantras, millionenfach rezitiert, nicht verleihen.

Anmerkung: Vergleichende Verheißung, keine gesundheitliche Tatsachenbehauptung der Ausgabe.

Vers 464
brahmaṇo divase'tīte kalpānte samupasthite |
saptasvapi samudreṣu prayāteṣvekatāṃ bhuvi ||464||

Wenn Brahmas Tag vergangen ist und das Ende des Kalpa herankommt, wenn alle sieben Meere auf Erden zu einem einzigen geworden sind …

Anmerkung: Beginn der kosmischen Auflösungsschilderung über 464–467.

Vers 465
saptarṣilokaparyantaṃ jalena plāvite sati |
naṣṭacandrārkatārāsu jvalantīṣu haritsu ca ||465||

… wenn alles bis zur Welt der sieben Rishis vom Wasser überflutet ist, Mond, Sonne und Sterne erloschen sind und die Himmelsrichtungen brennen …

Vers 466
janalokaṃ prati gate maharlokanivāsini |
trayastriṃśatkoṭideve nidhanaṃ samupāgate ||466||

… wenn die Bewohner des Maharloka zum Janaloka gezogen und die dreiunddreißig mal zehn Millionen Götter untergegangen sind …

Anmerkung: Kosmologische Zahlenangabe der Quelle.

Vers 467
devīṃ dhyāyan japannetāṃ mārkaṇḍeyo mahātapāḥ |
tiṣṭhatyasyāḥ prasādena tattadbhūte tadātmavān ||467||

… dann bleibt der große Asket Markandeya bestehen: Er meditiert über die Göttin und rezitiert diese [Vidya]. Durch ihre Gnade verweilt er, mit dem jeweiligen Element eins geworden.

Anmerkung: Letzter Ausdruck tat-tad-bhūte tad-ātmavān ist lesbar, sein genauer kosmologischer Bezug bleibt knapp; keine zusätzliche Lehre ergänzt.

Vers 468
caturviṃśatikalpān sa tasthāveva munīśvaraḥ |
yogamāsthāya yogīndraḥ samīraṇa ivāmbare ||468||

Vierundzwanzig Kalpas lang blieb dieser Herr der Weisen bestehen. Im Yoga gegründet, verweilte der Herr der Yogis wie der Wind im Himmelsraum.

Vers 469
ārabhya rauravāt kalpādyāvat syācchvetasūkaraḥ |
tāvat sa śaśvāsa muniragre cāpi śvasiṣyati ||469||

Vom Raurava-Kalpa an bis zum Shvetasukara-Kalpa hat dieser Weise geatmet; und auch künftig wird er weiteratmen.

Anmerkung: Kalpa: kosmischer Weltzeitraum; Shvetasukara bedeutet „weißer Eber“.

Markandeya und die Weltzeitalter

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 470
etatprasaṅgena śṛṇu caturviṃśatikalpakān |
rauravaḥ prathamaḥ kalpaḥ prāṇakalpastataḥ param ||470||

Höre in diesem Zusammenhang die vierundzwanzig Kalpas. Der erste Kalpa heißt Raurava, danach kommt der Prana-Kalpa.

Anmerkung: Beginn der ausdrücklich angekündigten Kalpa-Liste.

Vers 471
sadyojātastatpuruṣo'ghora īśāna eva ca |
jñānasārasvatodānagāruḍāḥ kūrma eva ca ||471||

Sadyojata, Tatpurusha, Aghora und Ishana; Jnana, Sarasvata, Udana und Garuda, ferner Kurma.

Anmerkung: Jnana/Sarasvata als zwei Listennamen getrennt; zusammengesetzte OCR-Wortfolge bleibt in Sanskrit bewahrt.

Vers 472
nārasiṃho vāmanaścāgneyaḥ somaśca mānavaḥ |
vaikuṇṭhaśca tato lakṣmīstasyāpyanu rathantaraḥ ||472||

Narasimha, Vamana, Agneya, Soma und Manava; dann Vaikuntha, Lakshmi und danach Rathantara.

Anmerkung: Fußnote bietet Vamana statt Manava an einer Stelle; die Hauptfolge wird nicht geändert.

Vers 473
gaurī māheśvaraścāpi tripuraṃ yatra pātitam |
pitṛkalpastato jñeyo yamakalpastato'pyanu ||473||

Gauri und Maheshvara, in welchem Tripura niedergeworfen wurde; dann ist der Pitri-Kalpa zu nennen, danach der Yama-Kalpa.

Anmerkung: Fußnote bietet Padma-Kalpa als Variante eines Namens; Hauptlesung bewahrt.

Vers 474
sāmprataṃ śvetavārāhanāmā kalpaḥ prakīrtyate |
yatra bhūtvā śvetakola ujjahāra harirmahīm ||474||

Der gegenwärtige Kalpa wird Shvetavaraha genannt. In ihm nahm Hari die Gestalt eines weißen Ebers an und hob die Erde empor.

Anmerkung: „Gegenwärtig“ gehört zur kosmologischen Erzählperspektive des Textes. Die angekündigte Zahl 24 wird nicht durch Streichung von Listennamen passend gemacht.

Vers 475
ṣaḍanyānaparān sthitvā devīmeva pravekṣyati |
sāmarthyaṃ khalu yatkiñcidbhavatyā dṛśyate mama ||475||

Nachdem er noch sechs weitere [Kalpas] überdauert hat, wird er in die Göttin selbst eingehen. Welche Macht du auch immer an mir wahrnimmst …

Anmerkung: Erster Satz handelt weiter von Markandeya; im zweiten spricht Mahakala über seine eigene Macht.

Vers 476
tatsarvaṃ tatprasādena satyaṃ satyaṃ bravīmyaham |
māndhātṛpramukhānāṃ ca bhūpānāṃ yaḥ parākramaḥ ||476||

… sie stammt ganz aus ihrer Gnade. Wahrlich, wahrlich, das sage ich. Auch die Stärke der Könige, angefangen mit Mandhatri …

Vers 477
so'pyetasyāḥ prasādena tadapi jñāyatāṃ tvayā |
evamādīni cānyāni bahūnyasyāḥ phalāni hi ||477||

… beruht auf ihrer Gnade; auch dies sollst du wissen. Viele weitere Früchte dieser Art gehören zu ihr …

Anmerkung: Satz läuft in 478 weiter.

Voraussetzungen und Weitergabe der Bija-Girlande

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 478
na granthagauravabhayāt kathyante varavarṇini |
bījakūṭātirekeṇa kaṭhināsyā […] ||478||

… doch werden sie nicht aufgezählt, aus Sorge, das Buch allzu umfangreich zu machen, du Schöne. Wegen der großen Menge von Bijas und Kutas ist ihre [Erschließung] schwierig.

Anmerkung: Fragment: letztes Wort beschädigt; Bezug auf uddhāra in 479 gestützt, Ergänzung in eckigen Klammern.

Vers 479
samyagabhyastatārtīyaturyādhyāyena śakyate |
uddhāro'syāḥ priye kartuṃ nānyena manasāpi hi ||479||

Nur wer das dritte und vierte Kapitel gründlich eingeübt hat, kann sie erschließen, Geliebte; einem anderen ist es nicht einmal im Geist möglich.

Anmerkung: Kapitelbezug im Text nicht näher bibliographisch bestimmt; nicht mit den heutigen Dateinummern gleichgesetzt. OCR-Nummer beschädigt.

Vers 480
prāptapūrvāyutārṇo'syā upadeśe'dhikāravān |
tatasturīyanirvāṇaśāmbhavādiṣu ca kramāt ||480||

Wer die zuvor gelehrte Zehntausendsilbige empfangen hat, ist berechtigt, die Unterweisung in dieser zu erhalten; danach der Reihe nach in Turiya, Nirvana, Shambhava und den weiteren [Formen].

Anmerkung: Überlieferte Reihenfolge der Einweihung; Namen nicht zu einer erfundenen Stufenlehre ausgebaut.

Vers 481
tathā cānupadiṣṭo yaḥ pustake likhitāṃ tvimām |
īhamānaḥ śubhaṃ svasya na kadāpyavalokayet ||481||

Wer keine Unterweisung erhalten hat und sein eigenes Wohlergehen sucht, soll diese [Vidya], selbst wenn sie in einem Buch geschrieben steht, niemals ansehen.

Anmerkung: Historische Geheimhaltungsvorschrift der Quelle; keine Arbeitsanweisung an die Redaktion.

Vers 482
imāṃśca śāmbhavādīṃśca prārthayeta kadāpi na |
tuṣṭo guruśceddadāti gṛhṇīyāt saṃyatastadā ||482||

Man soll um diese und um Shambhava und die weiteren [Formen] niemals bitten. Wenn der zufriedene Guru sie gibt, soll man sie mit Selbstbeherrschung annehmen.

Vers 483
vidadhyādata evādau tathā tuṣṭo gururyathā |
bhavecchuśrūṣayā dānairājñākāritayāpi vā ||483||

Darum soll man zunächst so handeln, dass der Guru zufrieden wird: durch Dienst, durch Gaben oder dadurch, dass man seine Anordnungen befolgt.

Vers 484
yatino vāpi bhūpasya bhavedatrādhikāritā |
kadācidbhaktyatiśayāt prāptumarhati mānavaḥ ||484||

Ein Asket oder ein König kann hierzu befähigt sein. Gelegentlich vermag auch ein Mensch durch außerordentliche Hingabe sie zu empfangen.

Anmerkung: Die Fußnote lässt beim letzten Wort eine abweichende unsichere Lesung erkennen; Hauptlesung mānavaḥ bewahrt.

Vers 485
[…] bhāratīṃ japtvā brāhmīṃ pañcaśatīṃ tathā |
triśatīṃ vāpi vāsiṣṭhīṃ śataṃ daśa tataḥ param ||485||

Nachdem man Bharati […] rezitiert hat, ebenso Brahmi, die Fünfhundert-[silbige] und die Dreihundert-[silbige] beziehungsweise die Vasishta zugehörige [Form], dann den Hundertsilber, darauf den Zehn-[…] …

Anmerkung: Fragment: Beginn und genaue Gliederung der Formel-/Zahlenliste unklar. śataṃ daśa kann auch „zehn Hundert“ bedeuten; nicht als sichere Einzelreihe rekonstruiert.

Vers 486
trisahasraṃ samuccārya tathaikamayutaṃ tataḥ |
tato'muṃ pratigṛhṇīyādapramattena cetasā ||486||

… und nachdem man den Dreitausender und dann einen Zehntausender ausgesprochen hat, soll man diesen [Mantra] mit unablässig aufmerksamen Geist empfangen.

Anmerkung: Fortsetzung der stellenweise beschädigten Voraussetzungen aus 485; Zahlen können dort Formen oder Rezitationsumfänge bezeichnen.

Vers 487
akārayan vidhimamuṃ gururapyavasīdati |
prāpya tadvāraṃ bhūyāddhaviṣyāśī jitendriyaḥ ||487||

Auch der Guru kommt zu Fall, wenn er dieses Verfahren nicht vollziehen lässt. Nach dem Empfang soll man zu diesem Anlass Havishya-Speise essen und die Sinne beherrschen.

Anmerkung: Lesung tad-vāram unsicher; kein bestimmter Wochentag ergänzt. Havishya: für Opfer beziehungsweise rituelle Observanz geeignete einfache Speise.

Vers 488
gurave dakṣiṇāṃ dadyādyena tuṣṭaḥ sa vai bhavet |
naināṃ śaknoti kaṇṭhasthāṃ kartuṃ medhāvyapi priye ||488||

Man gebe dem Guru eine Dakshina, durch die er zufrieden wird. Selbst ein Gedächtnisstarker vermag diese [Vidya] nicht auswendig zu lernen, Geliebte.

Anmerkung: Dakshina: Gabe an den Lehrer.

Vers 489
ato likhāpayecchuddhāṃ kuṅkumālaktahiṅgulaiḥ |
aṣṭamyāṃ vā caturdaśyāmekavāraṃ śanairjapet ||489||

Darum lasse man sie fehlerfrei mit Kumkuma, rotem Lack und Zinnober aufschreiben. Am achten oder vierzehnten Mondtag soll man sie einmal langsam rezitieren.

Anmerkung: Material- und Kalenderangabe der historischen Ritualvorschrift.

Vers 490
ekāvṛttiḥ sadā kāryā na dvitīyā kadācana |
ālasyācceddvitīyāyāmayathākīrtanaṃ bhavet ||490||

Stets ist nur ein Durchgang auszuführen, niemals ein zweiter. Denn wenn bei einem zweiten durch Ermüdung ein fehlerhaftes Rezitieren einträte …

Anmerkung: OCR-Versnummer 460 aus Folge als 490 gelesen. ālasya: Trägheit, hier als Ermüdung verstanden.

Vers 491
ayathākīrtanāddevi sadyo naśyati sānvayaḥ |
[…] dattacittā bījamālāmayīṃ manum ||491||

… ginge man wegen dieser falschen Rezitation, Göttin, sogleich mitsamt seiner Familie zugrunde. [Höre nun] mit gesammeltem Geist den Bijamalamayi-Mantra.

Anmerkung: Fragment: Verb am Anfang der zweiten Hälfte beschädigt; Aufforderung in Klammern aus dem Satzanschluss erschlossen. Drohende Folge als historische Textaussage bewahrt.

Erschließung der Bijamalamayi

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 492
[…] trayaṃ jayaddvandvaṃ guhyakāli tataḥ param |
tataḥ siddhikarālyante praṇavatritayaṃ vadet ||492||

[Die beschädigte Anfangsformel] dreimal, dann „Sieg, Sieg! Guhyakali!“ Danach „Siddhikarali!“ und dreimal den Pranava [Om].

Anmerkung: Fragment: Anfangsname als madhatrayam beschädigt; nicht zu einem erwarteten Bija ergänzt. OCR-Nummer 462 als 492 gelesen. Beginn der Bijamalamayi-Konstruktion.

Vers 493
kāli kāpāli saṃlikhya vikarāli tataḥ param |
bhuvaneśī yoginī ruṭ kāminī śākinī tataḥ ||493||

Man schreibe „Kali! Kapali! Vikarali!“ Danach [die Bijas] Bhuvaneshi, Yogini, Rut, Kamini und Shakini.

Anmerkung: Anreden etwa „Dunkle! Schädelschalen-Trägerin! Furchterregende!“. ruṭ ist die lesbare, nicht sicher identifizierte Chiffre.

Vers 494
muṇḍamālini […] triśūlini samuddharet |
mahābalini collikhya lakṣmīkāmāṅkuśāṃstataḥ ||494||

„Du mit der Schädelgirlande! […] Dreizackträgerin!“ soll man anfügen, dann „Du von großer Kraft!“ Darauf Lakshmi, Kama und Ankusha.

Anmerkung: Fragment: ein Wort zwischen den ersten Anreden beschädigt; Versnummer aus Folge gelesen.

Vers 495
kālīpāśau tataḥ procya kātyāyani padaṃ likhet |
śavavāhini coddhṛtya sṛṣṭisthityanukāriṇi ||495||

Dann spreche man Kali und Pasha [als Bijas] und schreibe das Wort „Katyayani!“ Man füge „Du, die auf einem Leichnam fährt!“ und „Du, die Hervorbringung und Bestand vollzieht!“ an.

Anmerkung: Fußnote bietet abweichende Lesungen zu kālīpāśau; Hauptlesung bewahrt.

Vers [Nummer unlesbar; zwischen 495 und 496]
gāruḍaṃ ca mahākrodhaṃ prāsādaṃ kṣetrapālinam |
kalāṃ bhagavati procya cāmuṇḍe tadanantaram ||[…]||

Garuda, Mahakrodha, Prasada, Kshetrapalin und Kala [folgen als Bijas]; dann spreche man „Erhabene!“ und danach „Chamunda!“

Anmerkung: Nummer dieser vollständigen Strophe im OCR nicht lesbar. Sie steht zwischen 495 und einer weiteren, sichtbar als 496 bezeichneten Strophe. Interne Kennung 496a ist keine erfundene Quellnummer.

Vers 496
narakaṅkālapadato dhāriṇi proddharet tataḥ |
siddhacaṇḍahayagrīvadharmaviśvāṃśca bhautakam ||496||

An die Worte „menschliches Skelett“ füge man „Trägerin“ an: „Du, die ein Menschenskelett trägt!“ Danach Siddha, Chanda, Hayagriva, Dharma, Vishva und Bhautaka.

Anmerkung: Sichtbare Quellnummer 496 bewahrt; vorangehende zusätzliche Strophe gesondert ohne behauptete Nummer wiedergegeben.

Vers 497
jayāṃ ca navapañcānu cakravāsini kīrtayet |
mahāṭṭahāsinyuddhṛtya mayaṃ sāndhyamanehasam ||497||

[Dann] Jaya; darauf spreche man „Du, die im Neun-Fünf-Chakra wohnt!“ Man füge „Du, die gewaltig lacht!“ an und [die Bijas] Maya, Sandhya und Anehas.

Anmerkung: nava-pañca ist eine Zahlchiffre, möglicherweise 59; hier nicht als gesicherte Chakra-Anzahl aufgelöst. OCR-Nummer 467 als 497 gelesen.

Vers 498
dhanadāmapi gaurīṃ ca kulikādityapretakān |
meghaḥ śmaśānavāsinyanu mahāghora īrayet ||498||

Dhanada und Gauri; Kulika, Aditya, Pretaka und Megha; danach spreche man „Du, die auf der Leichenstätte wohnt!“ und Mahaghora.

Anmerkung: Die Bija-Namensreihe wird von einer lesbaren Anrede unterbrochen.

Vers 499
rāvo'mṛtaṃ nārasiṃhaṃ cāmuṇḍāmapi ca kṣamām |
śaktidalau śaṅkhakumbhau nadyarṇaṃ tadanantaram ||499||

Rava, Amrita, Narasimha, Chamunda und Kshama; Shakti und Dala, Shankha und Kumbha, danach das Nadi-Bija.

Anmerkung: Nicht ausgeschriebene Silben bleiben durch ihre Decknamen bezeichnet.

Vers 500
brahmaviṣṇupadādrudreśvarataśca sadāśiva |
pañcapretādhirūḍhe ca bhāruṇḍāṃ mānasaṃ tataḥ ||500||

Aus Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva bilde man die Anrede: „Du, die auf diesen fünf Leichnamen sitzt!“ Darauf Bharunda und Manasa.

Anmerkung: Die fünf göttlichen Gestalten werden in der Anrede als preta, regungslose Träger der Göttin, bezeichnet.

Vers 501
nākulaṃ dhṛtikūṣmāṇḍalāṅgalān somameva ca |
ratiṃ tvaṣṭāramuddhṛtya jagajjanani kīrtayet ||501||

Nakula, Dhriti, Kushmanda, Langala und Soma; man füge Rati und Tvashtar an und spreche: „Mutter der Welt!“

Vers 502
jagadāśraye saṃkīrtya jagatsaṃhāriṇītyapi |
tataśca kākinībījaṃ dānavaṃ tadanantaram ||502||

Man spreche „Zuflucht der Welt!“ und „Du, die die Welt zurücknimmt!“ Darauf folgen das Kakini-Bija und Danava.

Anmerkung: OCR-Nummer 592 als 502 gelesen.

Vers 503
tataḥ kāpālavajrau cānantaprāṇāvudumbaram |
brahmāsuraṃ taijasaṃ ca viriñciṃ tadanantaram ||503||

Dann Kapala und Vajra, Ananta und Prana, Udumbara; Brahmasura und Taijasa, danach Virinchi.

Anmerkung: Worttrennung brahmāsura kann auch Brahma und Asura bezeichnen; keine sichere Auflösung behauptet.

Vers 504
ḍākinī bhūta ullikhya vetāla preta ityapi |
caturṇāṃ kevalaṃ nāma na tu bījaṃ sureśvari ||504||

Man schreibe Dakini, Bhuta, Vetala und Preta. Von diesen vieren sind nur die Namen einzusetzen, nicht die Bijas, Herrin der Götter.

Anmerkung: Ausdrückliche Unterscheidung der Quelle zwischen Namen und verschlüsselten Bijas.

Vers 505
tathāgre vakṣyamāṇasyānupadaṃ […] ca |
bhairavīmadhyacāriṇyanucakrāveśa […] ||505||

Ebenso [verfahre man] beim gleich folgenden Wort […]. „Du, die inmitten der Bhairavis wandelt!“ Danach „Eintritt in das Chakra“ […].

Anmerkung: Fragment: mehrere Wörter und der Anschluss von cakrāveśa beschädigt; Druck markiert selbst Unsicherheit. Keine vermeintlich vollständige Mantra-Anrede rekonstruiert.

Vers 506
triśaṅkhāsita […] ḍāmaraśāntiviṣaśemuṣīḥ |
durge daityānmardini ca bhadre kṣemaṅkarītyapi ||506||

Tri-Shankha, Asita, […], Damara, Shanti, Visha und Shemushi; dann: „Durga! Bezwingerin der Daityas! Glückbringende! Du, die Wohlergehen schafft!“

Anmerkung: Fragment: erste Namensfolge beschädigt; auch Trishankha beziehungsweise dreimal Shankha bleibt mehrdeutig. Lesbare Anreden vollständig übersetzt.

Vers 507
[…] mālānīla […] triśaktikāḥ |
gaṇeśāpsarasau vaiśvadevaṃ paścāt prayājakam ||507||

[…] Mala, Nila […] die drei Shaktis. Ganesha und Apsaras, Vaishvadeva, danach Prayajaka.

Anmerkung: Fragment: große Teile der ersten Hälfte nicht zuverlässig lesbar; keine Namen aus erwartbaren Listen ergänzt.

Vers 508
kulākulācca samayacakrapravartanītyapi |
mahāmārīnivartinyanu yakṣāmarakacchapān ||508||

Dann: „Du, die das Samaya-Chakra von Kula und Akula in Bewegung setzt! Du, die große Seuchen abwendet!“ Darauf Yaksha, Amara und Kacchapa.

Anmerkung: Kula/Akula und Samaya sind technische Begriffe der tantrischen Überlieferung; die Anrede wird nicht als moderne Heilzusage verwendet.

Vers 509
tāpinyādhārarāthantaryagandharvāt samaṅgalān |
bṛhacca […] tattvaṃ raudraṃ drāvaṇameva ca ||509||

Tapini, Adhara, Rathantarya, Gandharva und Mangala; Brihat, […], Tattva, Raudra und Dravana.

Anmerkung: Fragment: ein Bija-Name beschädigt; Rathantarya unsichere Namensform. OCR-Nummer 506 aus Folge als 509 gelesen.

Vers 510
tataḥ sarvāgamāt tattvasvarūpiṇi samuddharet |
lelihānācca rasanākarālini tataḥ param ||510||

Darauf bilde man die Anrede „Du, die das Wesen aller Agamas verkörpert!“ Dann: „Du, die durch ihre leckende Zunge furchterregend ist!“

Anmerkung: Agamas: religiöse Lehr- und Ritualüberlieferungen.

Vers 511
jyeṣṭhaśuklatrikūṭāṃśca mitramanthānacchāndasān |
pūrakaṃ kumbhakaṃ caiva kesaraṃ nemimeva ca ||511||

Jyeshtha, Shukla und Trikuta; Mitra, Manthana und Chhandasa; Puraka und Kumbhaka, Kesara und Nemi.

Anmerkung: Puraka und Kumbhaka stehen hier als Bija-Bezeichnungen in einer Lautliste, nicht als selbständige Atemübungsanweisung.

Vers 512
ānandamuṇḍau ca tathā sudarśanamataḥ param |
caturvedā iti procya tato vedyānubhāva ca ||512||

Ananda und Munda, danach Sudarshana. Man spreche dann „vier Veden“ und „deren Macht erkennbar ist …“

Anmerkung: Beginn einer über 512–513 geteilten Anrede; Sanskrit benennt deren Wortbestandteile.

Vers 513
vimohitāstraiguṇitatrideve tadanantaram |
parolkādvīpapriyakavṛttā […] vedikāḥ ||513||

Darauf: „Du, deren Macht durch die vier Veden erkennbar ist und die die drei mit den Gunas verbundenen Götter verblendet!“ [Als Bijas folgen] Parolka, Dvipa, Priyaka, Vritta, […] und Vedika.

Anmerkung: Fragment: ein Name vor vedikā im Druck fraglich. Die zusammengesetzte Anrede 512–513 wird sinngemäß übersetzt; alternative Fußnotenlesung astrai… erlaubt keine sichere andere Konstruktion.

Vers 514
jambhaṃ bāli tuṅgamekhalāmandārān prayojayet |
raktārṇavadvīpapadāt prajvalatpāvaketyapi ||514||

Man setze Jambha, Bali, Tunga, Mekhala und Mandara ein. Danach die Worte „Insel im Blutmeer“ und „loderndes Feuer …“

Anmerkung: Lesbare Chiffrennamen; Bali wird nicht zu Bālā geändert. Anrede läuft in 515 weiter.

Vers 515
śikhāntaścāriṇi mahāduḥkhapāpaughahāriṇi |
śikhāmahāśabdamātre na tu bījaṃ varānane ||515||

„Du, die im Innern der lodernden Feuerflamme auf der Insel im Blutmeer wandelt! Du, die große Leiden und die Flut der Verfehlungen fortnimmt!“ Bei śikhā und mahā sind nur die Wörter gemeint, nicht die Bijas, Schöngesichtige.

Anmerkung: Schließt die Bestandteile aus 514 zusammen. Explizite Unterscheidung von normalen Wörtern und Bija-Decknamen bewahrt.

Vers 516
jagatīṃ ca tathā nandāṃ jaṭāṃ haimaṃ ca vaimalam |
kabandhakrakacāriṣṭaśmaśānaśavasaukalān ||516||

Jagati, Nanda, Jata, Haima und Vaimala; Kabandha, Krakacha, Arishta, Shmashana, Shava und Saukala.

Anmerkung: Erster Name im OCR nagatī, nach wiederholter Liste 552 als jagatī gelesen. Vaimala/Saukala bleiben unsichere Namensformen.

Vers 517
[…] kramāt pañcadaśoddharet |
tato bṛhallambamānodari śabdaṃ vinirdiśet ||517||

[…] Man füge die fünfzehn der Reihe nach an. Dann bezeichne man sie mit dem Ausdruck: „Du mit dem großen herabhängenden Bauch!“

Anmerkung: Fragment: die restlichen Namen am Anfang nicht zuverlässig lesbar; Zahl 15 der Quelle nicht künstlich aufgefüllt.

Vers 518
tato mahācaṇḍayogeśvari śabdādasandhimat |
apamṛtyuhari procya viśveśvari tataḥ param ||518||

Darauf „Mahachandayogeshvari!“, ohne Lautverschmelzung angeschlossen; man spreche „Du, die vor vorzeitigem Tod bewahrt!“ und danach „Herrin des Alls!“

Anmerkung: OCR-Nummer 515 aus Folge als 518 gelesen. Genaues Bezugswort von asandhimat nicht völlig gesichert; Sandhi-Hinweis bewahrt.

Vers 519
capalābhairavīnāgān kaṅkālaṃ ca kumārakam |
nirañjanaṃ maṇibale jñānāditritayaṃ tataḥ ||519||

Chapala, Bhairavi und Naga; Kankala und Kumaraka; Niranjana, Mani und Bala, danach die drei mit Jnana beginnenden [Bijas].

Anmerkung: Worttrennung maṇi/bala nicht völlig sicher; kumāraka ist hier ein Bija-Deckname. Keine wörtliche Mantra-Expansion ergänzt.

Vers 520
adhvaraṃ kīrtinityau ca navakoṭikulākula |
cakreśvari syāt sakalaguhyānantapadaṃ tataḥ ||520||

Adhvara, Kirti und Nitya; dann: „Herrin der neun mal zehn Millionen Kula- und Akula-Chakras!“ Darauf folgen die Worte „sämtliche verborgenen und unendlichen …“

Anmerkung: Letzte Wortgruppe läuft in 521 weiter.

Vers 521
tattvadhāriṇyanu brūyānmahāmārīpravartini |
smṛtiṃ vibhūtidvitayaṃ vṛṣaṃ tadanu nandinīm ||521||

„Du, die sämtliche verborgenen und unendlichen Tattvas trägt!“ Danach spreche man „Du, die große Seuchen in Bewegung setzt!“ [Es folgen] Smriti, zweimal Vibhuti, Vrisha und dann Nandini.

Anmerkung: Die Göttin wird hier als Auslöserin, in 508 als Abwenderin von Seuchen angerufen; nicht beschönigt oder vereinheitlicht.

Vers 522
tārakādi tataḥ pañca viśuddhiṃ puṣṭisuprabhe |
kaumudī vartmanī procya vadeccaturaśīti ca ||522||

Dann die fünf mit Taraka beginnenden [Bijas]; Vishuddhi, Pushti und Suprabha. Man spreche Kaumudi und Vartmani, dann „vierundachtzig“ …

Anmerkung: Die Zahl wird in 523 zum Bestandteil einer Anrede.

Vers 523
koṭibrahmāṇḍapadataḥ sṛṣṭikāriṇi kīrtayet |
prajvalajjvalatollikhya locane vajraṃ kīrtayet ||523||

… und füge „zehn Millionen Welteneier“ sowie „Hervorbringerin“ an: „Du, die vierundachtzig mal zehn Millionen Welteneier hervorbringt!“ Man schreibe „Du mit lodernd brennenden Augen!“ und füge „vajra …“ an.

Anmerkung: Letzter Bestandteil gehört zur Anrede in 524, nicht ohne Weiteres ein zusätzliches Bija.

Vers 524
nakhadaṃṣṭrāyudhe durnirīkṣyākāre tataḥ param |
sūkṣmādvayaṃ śreṣṭhaṣaṭkaṃ sṛṣṭiyugmaṃ tataḥ param ||524||

„Du mit Nägeln und Fangzähnen als diamantfesten Waffen! Du, deren Gestalt schwer zu erblicken ist!“ Danach zweimal Sukshma, sechsmal Shreshtha und zweimal Srishti.

Anmerkung: Vajra aus 523 mit den Waffenmerkmalen verbunden; Wiederholungsangaben der Quelle bewahrt.

Vers 525
tantratrayaṃ dvikāpālaṃ trivṛtpañcakamanvataḥ |
parāparāt sāmarasyarasamohini kīrtayet ||525||

Dreimal Tantra, zweimal Kapala, danach fünfmal Trivrit. Man spreche: „Du, die durch den Geschmack des Einsseins von Para und Apara bezaubert!“

Anmerkung: dvi-kāpāla nach der fragenden Korrektur des Drucks gelesen. Para/Apara: das Höhere und das Niedere beziehungsweise transzendente und immanente Aspekte; keine einzige Deutung erzwungen.

Vers 526
parameti samuddhṛtya tataḥ śivanivāsini |
vikarāla […] veśadhāriṇi saṃlikhet ||526||

Man füge „höchste“ und „in Shiva Wohnende“ an: „Du, die im höchsten Shiva wohnt!“ Dann schreibe man „Du, die eine furchterregende […] Erscheinung trägt!“

Anmerkung: Fragment: ein Bestandteil der letzten Anrede beschädigt.

Vers 527
ḍākinīpralayau procya phetkārīpūtane tataḥ |
hāraṃ ca śaṅkhinīṃ pheravaṃ kumārīṃ tataḥ param ||527||

Man spreche Dakini und Pralaya; dann Phetkari und Putana, Hara, Shankhini, Pherava und danach Kumari.

Anmerkung: Kumari ist hier ein Bija-Deckname innerhalb der Lautliste; Fußnote bietet Kaumari.

Vers 528
vihaṅgamaṃ tataḥ sūcīṃ vairājaṃ dhūmameva ca |
lalitākarṇike uktvā śṛṅkhalāṃ ca parantapam ||528||

Dann Vihangama, Suchi, Vairaja und Dhuma; man spreche Lalita und Karnika, dann Shrinkhala und Parantapa.

Anmerkung: Lesung śṛṅkhalā aus beschädigtem OCR unsicher; als solche gekennzeichnet, keine Bija-Silben ergänzt.

Vers 529
ājñābījamanusmṛtya nakṣatranaramuṇḍa […] |
tato mālālaṅkṛte ca caturdaśa itīrayet ||529||

Man vergegenwärtige das Ajna-Bija. Dann [folgt eine Anrede mit] „Sterne, Menschenköpfe …; mit einer Girlande geschmückt“. Darauf spreche man „vierzehn“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung zwischen Sternen und Köpfen beschädigt; keine vollständige ikonographische Aussage konstruiert. Fortsetzung in 530.

Vers 530
bhuvanoktvā sevite ca pādapadme tataḥ param |
saptaviṃśati saṃlikhya nayane tadanantaram ||530||

… und „Welten“, dann „verehrt“ und „Lotosfüße“: „Du, deren Lotosfüße von den vierzehn Welten verehrt werden!“ Man schreibe „siebenundzwanzig“ und „Augen“: „Du mit siebenundzwanzig Augen!“

Anmerkung: Die Quelle beschreibt den Aufbau der Anrede aus Wortbestandteilen.

Vers 531
mānavaṃ bījamālikhya kalaṅkaṃ kheṭameva ca |
nidrāṃ pratiṣṭhāṃ ca vibhāṃ keśaṃ mantrāvalīmapi ||531||

Man schreibe das Manava-Bija, dann Kalanka und Kheta; Nidra, Pratishtha, Vibha, Kesha und Mantravali.

Anmerkung: Liste von Bija-Decknamen.

Vers 532
daṇḍaṃ koṭiṃ tathā ghaṇṭāṃ siñjinī […] kṣudhāṃstataḥ |
santānaṃ korakaṃ procya bījaṃ ḍāmarakaṃ tataḥ ||532||

Danda, Koti und Ghanta; Sinjini, […] und Kshudha; man spreche Santana, Koraka und danach das Damaraka-Bija.

Anmerkung: Fragment: Namensfolge nach siñjinī beschädigt; keine Silbenauflösung.

Vers 533
digambarīti saṃkīrtya tato'pi sakaloddharet |
mantratantrādhi saṃkīrtya devate tadanantaram ||533||

Man spreche „Du, die den Raum als Gewand trägt!“ Dann füge man zusammen: „Herrschende Gottheit sämtlicher Mantras und Tantras!“

Anmerkung: Digambari: „mit den Himmelsrichtungen bekleidet“, also nackt; kosmische Anrede der Göttin.

Vers 534
guhyātiguhya sambhāṣya parāparapadaṃ tataḥ |
śaktitattvāvatāre ca pūrṇāṃ vetālameva ca ||534||

Man spreche: „Du, die das äußerst verborgene Shakti-Tattva von Para und Apara verkörpert!“ Danach Purna und Vetala.

Anmerkung: Para/Apara als technische Begriffe bewahrt; Tattva: Wirklichkeitsprinzip.

Vers 535
vidhiṃ ca piñjalāmuktvā tasyāpyanu citādhvajau |
anāhataṃ bhogasṛṣṭī tretāṃ tadanu kīrtayet ||535||

Man spreche Vidhi und Pinjala, darauf Chita und Dhvaja; dann Anahata, Bhoga und Srishti sowie Treta.

Anmerkung: Worttrennung citā/dhvaja nach dem erkennbaren Dual; Lesung einzelner Decknamen unsicher.

Vers 536
karālīmapi kṛtyāṃ ca tarjanīṃ ca kaṭakaṭām |
nārācaśūlau kuntaṃ ca sārighaṃ śaṅkumeva ca ||536||

Karali, Kritya, Tarjani und Katakata; Naracha und Shula, Kunta, Sarigha und Shanku.

Anmerkung: Sarigha ist eine unsichere Quelllesung; Waffenwörter stehen hier als Bija-Namen in der Liste.

Vers 537
tato mahābhogirājabhūṣiteti samuddharet |
bhujadaṇḍe manovāggocare tadanantaram ||537||

Dann füge man an: „Du, deren Arme mit großen Schlangenkönigen geschmückt sind!“ Danach „Du im Bereich von Geist und Rede!“

Anmerkung: Die Quelle hat erneut gocare, nicht zuverlässig agocare; nicht stillschweigend zu „unerreichbar für Geist und Rede“ geändert.

Vers 538
prapañcātīta uddhṛtya tato niṣkala īrayet |
tatasturīyākāre ca tatpaścāt tīkṣṇarecakau ||538||

Man füge zusammen: „Du, deren ungeteilte Turiya-Gestalt jenseits der Weltentfaltung liegt!“ Danach Tikshna und Rechaka.

Anmerkung: Turiya: „das Vierte“, eine Bezeichnung der über gewöhnliche Zustände hinausweisenden Wirklichkeit. OCR-Nummer 535 als 538 gelesen.

Vers 539
samādhiṃ ca saṭāmuktvā hākinīmapyatho vaṭīm |
bhallaṃ ca bhindipālaṃ ca rākāmeṣau tataḥ param ||539||

Man spreche Samadhi, Sata, Hakini und Vati; Bhalla und Bhindipala, danach Raka und Mesha.

Anmerkung: Lesbare Bija-Bezeichnungen ohne erfundene Mantrasilben.

Vers 540
auṣadhiṃ ca karambhaṃ ca tasyānu dārayugmakam |
ardhenduyugmaṃ […] pracaṇḍaṃ saṃhitāmapi ||540||

Aushadhi und Karambha, darauf zweimal Dara; zweimal Ardhendu, […], Prachanda und Samhita.

Anmerkung: Fragment: ein Deckname nach ardhenduyugma im Druck selbst fraglich.

Vers 541
kośapiṇḍau samuddhṛtya mahāśabdācca khecarī |
tataḥ siddhividhāyinyanu gaganagrāsinītyapi ||541||

Man füge Kosha und Pinda an, dann „Maha“ und „Khechari“: „Große, im Luftraum Wandelnde!“ Darauf: „Du, die Siddhi verleiht! Du, die den Himmel verschlingt!“

Anmerkung: Der Übergang von Decknamen zu Anreden folgt der Wortbildungsanweisung der Quelle.

Vers 542
tataḥ prabala uccārya jaṭābhārācca bhāsure |
tataḥ samuddharedvedopavedamaya ityapi ||542||

Dann spreche man „Du, die durch ihre gewaltige Fülle verfilzter Haare strahlt!“ Danach füge man „aus Veden und Upavedas bestehend …“ an.

Anmerkung: Der letzte Ausdruck wird in 543 abgeschlossen.

Vers 543
siṃhāsanādhirūḍhe ca kirājaṃ kaṅkaraṃ tathā |
sāvitrīmanu ca svāpaṃ kṣurapraṃ prāsameva ca ||543||

„Du, die auf einem Thron aus Veden und Upavedas sitzt!“ Dann Kiraja und Kankara, Savitri, danach Svapa, Kshurapra und Prasa.

Anmerkung: Kiraja/Kankara unsichere Namenslesungen. Upavedas: den Veden zugeordnete Wissensbereiche.

Vers 544
musaladvitayaṃ tṛṇaṃ mokṣayugmamataḥ param |
tomaraṃ […] pratāpadvitayaṃ tataḥ ||544||

Zweimal Musala, Trina, danach zweimal Moksha; Tomara, […] und zweimal Pratapa.

Anmerkung: Fragment: Wort nach tomara beschädigt.

Vers 545
tato'ruṇāyugaṃ procya gadāsandaṃśake vadet |
nālīkaṃ paraśumuddhṛtya mudgaraṃ tadanantaram ||545||

Danach zweimal Aruna; man spreche Gada und Sandamsha, füge Nalika und Parashu an, dann Mudgara.

Anmerkung: Die Namen sind hier Elemente der Bija-Liste, auch wenn sie Waffen oder Werkzeuge bezeichnen.

Vers 546
ghorāṭṭahāsapadataḥ santrāsita itīrayet |
tatastribhuvane procya navakoṭipadaṃ likhet ||546||

Aus den Wortteilen bilde man: „Du, die mit ihrem furchtbaren lauten Lachen die drei Welten erschreckt!“ Danach schreibe man „neun mal zehn Millionen“ …

Anmerkung: Fortsetzung der Zahl-Anrede in 547.

Vers 547
mālāmantramayetyuktvā tato'pi ca kalevare |
gatasandhyativikarālāture tato ghoṇakībījam ||547||

… und „aus Mala-Mantras bestehend“ sowie „Körper“: „Du, deren Körper aus neun mal zehn Millionen Mala-Mantras besteht!“ Danach die unverbundene Wortfolge „ativikarālāture“; anschließend das Ghonaki-Bija.

Anmerkung: Die zweite Anrede ist entzifferbar, aber nicht sicher deutbar; nicht frei übersetzt. gata-sandhi wird als Hinweis auf fehlende Lautverschmelzung verstanden.

Vers 548
bhramaraṃ gāmapi sandhyāvidye'pyojoyugaṃ kalpam |
muktāmahākramānapi tato'nu śikṣācatuṣkaṃ ca ||548||

Bhramara, Ga, Sandhya und Vidya; zweimal Ojas, Kalpa, Mukta und Mahakrama; danach viermal Shiksha.

Anmerkung: Längere Strophe der Quelle; Wortabgrenzungen der Decknamen stellenweise unsicher.

Vers 549
saṃskarapañcakamasyānu gadedaṃśuṃ manoyugaṃ tadanu |
kalpāntakālapadato vadet prakāśitatamoguṇe cāpi ||549||

Danach fünfmal Samskara; man spreche Amshu und anschließend zweimal Manas. Dann: „Du, die zur Zeit des Kalpa-Endes die Tamas-Eigenschaft offenbar werden lässt!“

Anmerkung: Quellform saṃskara statt des geläufigeren saṃskāra bewahrt; Anrede auf die kosmische Auflösung bezogen.

Vers 550
tadanu samuddhṛtya mahārudraśarīretyapi brūyāt |
saṅkrāmitanijavaibhavaśabdasya […] yathā rūpam ||550||

Danach sage man „in den Körper Mahārudras“ und „die ihre eigene Macht hineingehen lässt“, in der dafür passenden [grammatischen] Form …

Anmerkung: Fragment: Kasus- beziehungsweise Formangabe am Ende beschädigt; die Anrede wird in 551 weiterbehandelt.

Vers 551
sambuddhistena bhavedatho samunmūlitapraṇata |
tato nānābhave procya abhave cāpi visandhikam ||551||

Damit entsteht die Anrede. Danach füge man „die vielfältigen Daseinsformen der sich Verneigenden entwurzelnd“ an, dann „Du ohne Werden!“, ohne Lautverschmelzung.

Anmerkung: Zusammenhang der Kompositumteile über 550–551 sinngemäß übersetzt; sam-unmūlita-pranata…nānābhava bezieht sich wahrscheinlich auf das Aufheben wiederholten Werdens der Verehrer, nicht auf ihre körperliche Vernichtung.

Vers 552
nandāyāṃśujaṭā haimajagatīstadanantaram |
bhuśuṇḍīyugalaṃ paścāt pakṣaṃ mandārameva ca ||552||

Danach Nanda, Amshu, Jata, Haima und Jagati; anschließend zweimal Bhushundi, Paksha und Mandara.

Anmerkung: Die erste Sandhi-Verbindung ist beschädigungsverdächtig; Namen in der erkennbaren Folge bewahrt.

Vers 553
vaimalaṃ ca […] mekhalāṃ kuṇḍameva ca |
brahmāstraṃ vīrapuṭakau duṣkṛtaṃ padmameva ca ||553||

Vaimala, […], Mekhala und Kunda; Brahmastra, Vira und Putaka, Dushkrita und Padma.

Anmerkung: Fragment: zweiter Name beschädigt; vaimala als Quellname bewahrt.

Vers 554
prājāpatyāstrasaṃmohau tandrāṃ ca kuṭilāmapi |
tato likhedvīraghaṇṭākiṅkiṇīḍamaru […] ||554||

Prajapatyastra und Sammoha, Tandra und Kutila; dann schreibe man „Heldenglocke, kleine Schellen, Damaru …“

Anmerkung: Fragment: Ende der zusammengesetzten Klang-Anrede beschädigt, im Druck bereits fraglich. Nummer aus Folge gelesen.

Vers 555
ninādite sandhiyuktaṃ tato'parimitetyapi |
tataḥ kāyabaletyuktvā nidiśecca parākrame ||555||

Man schließe mit Lautverschmelzung „von diesen Klängen widerhallend“ an. Dann bilde man: „Du von unermesslicher Körperkraft und Tatmacht!“

Anmerkung: Schließt an die Instrumentenreihe in 554 an, ohne deren beschädigte Stelle zu ergänzen.

Vers 556
caṇḍāticaṇḍakāṇḍānu likhet khaṇḍitadānava |
uddhṛtya rākṣasapadaṃ ditijeti tataḥ param ||556||

Nach Chanda, Atichanda und Kanda schreibe man „zerschlagene Danavas“, dann „Rakshasas“ und „Ditijas“ …

Anmerkung: Die ersten Wörter sind wahrscheinlich Decknamen; die folgende Anrede läuft in 557 weiter.

Vers 557
tataḥ samūhe vigatamoha ityapi kīrtayet |
sāgaraṃ guptisantoṣau hāyipākau tataḥ param ||557||

… und „Scharen“: „Du, die die Scharen der Danavas, Rakshasas und Ditijas zerschlagen hat!“ Dann „Du frei von Verblendung!“ [Es folgen] Sagara, Gupti und Santosha, danach Hayi und Paka.

Anmerkung: Hayi/Paka sind unsichere Decknamen der lesbaren Wortfolge.

Vers 558
dhyānacañcū tatpurato likhet sādhakasattamaḥ |
vijayaṃ mandamālikhya kekarākṣīmataḥ param ||558||

Der vortreffliche Übende schreibe danach Dhyana und Chanchu, dann Vijaya und Manda, anschließend Kekarakshi.

Vers 559
āgneyāstraṃ tāmasāstraṃ śāmbhavaṃ kūṭameva ca |
nārāyaṇāstraṃ kālāstraṃ tataścāpi piśācinī ||559||

Agneyastra, Tamasastra und das Shambhava-Kuta; Narayanastra, Kalastra, danach Pishachini.

Anmerkung: OCR-Nummer 556 aus Folge als 559 gelesen. Astra- und Kuta-Namen sind verschlüsselte Formelelemente.

Vers 560
rambhābradhnanirākārakoṇapīstadanūddharet |
tataḥ pāśupataṃ kūṭaṃ traipuraṃ kūṭameva ca ||560||

Danach füge man Rambha, Bradhna, Nirakara und Konapi an; dann das Pashupata-Kuta und das Traipura-Kuta.

Anmerkung: Konapi ist die lesbare, nicht sicher identifizierte Namensform.

Vers 561
[…] maṇimālāṃ ca śāṅkarāstramataḥ param |
śuddhavidyāsampradāyasiddhaśuddha tataḥ param ||561||

[…], Manimala und danach Shankarastra. Darauf beginne man die Anrede: „durch die Überlieferung der Shuddhavidya verwirklicht, rein …“

Anmerkung: Fragment: erster Bija-Name beschädigt. śāṅkarāstra im OCR śāṅkurāstra, kontextuell gelesene Normalisierung ausdrücklich unsicher. Anrede endet in 562.

Vers 562
tataścaitanyapadataḥ svarūpe parikīrtayet |
prakṛtyaparaṃ saṃlikhya śivanirvāṇa ityapi ||562||

… und füge „Bewusstsein“ sowie „Wesensgestalt“ an: „Du, deren Wesen reines, durch die Shuddhavidya-Überlieferung verwirklichtes Bewusstsein ist!“ Dann schreibe man „Prakriti, Apara, Shiva, Nirvana …“

Anmerkung: Die nächste zusammengesetzte Anrede beginnt hier; genaue Trennung von prakṛtyapara bleibt unsicher.

Vers 563
tato'nu sākṣiṇītyuktvā trilokīrakṣiṇītyapi |
brahmarandhrapadaṃ procya viniviṣṭa tataḥ param ||563||

Darauf „Zeugin“: „Du, die Prakriti, Apara, Shiva und Nirvana bezeugt!“ Dann „Beschützerin der drei Welten!“ Man spreche „Brahmarandhra“ und „darin eingegangen …“

Anmerkung: Die Deutung der vorangehenden Aufzählung bleibt vorläufig; Brahmarandhra: Öffnung am Scheitel als innerer Meditationsort.

Vers 564
sadāśivaikarasatāsindhuśabdamudīrayet |
majjanonmajjanapadāt priye ityapi ca priye ||564||

Man bilde: „Du, die Freude daran hat, im Meer der vollkommenen Einheit mit Sadashiva, das im Brahmarandhra gegenwärtig ist, unterzutauchen und wieder aufzutauchen!“ – so, Geliebte.

Anmerkung: Die Anrede verbindet die über 563–564 verteilten Wortteile; kein zusätzliches Meditationsverfahren ergänzt.

Vers 565
sṛṣṭisthitīti pravadet saṃhārānākhyayā saha |
tato bhāsādi […] punarbahuvidhetyapi ||565||

Man spreche „Hervorbringung, Bestand, Rücknahme“ zusammen mit „Anakhya, das Unbenennbare“; danach „Bhasa“ und weitere [beschädigte Bestandteile]. Wiederum „mannigfaltig …“

Anmerkung: Fragment: Verbindung nach bhāsādi unzuverlässig lesbar. Die technisch bedeutsamen vier Vorgänge werden erhalten, keine fünfte gesicherte Stufe rekonstruiert.

Vers 566
bhedaprakāśini procya rūpaṃ rasamataḥ param |
gandhaṃ sparśaṃ ca śabdaṃ ca syādulkāṅgitrayaṃ tataḥ ||566||

Man schließe an: „Du, die die mannigfaltigen Unterschiede offenbart!“ Danach Rupa, Rasa, Gandha, Sparsha und Shabda; anschließend Ulka und die drei Angi-[Bijas].

Anmerkung: Rupa bis Shabda heißen Gestalt, Geschmack, Geruch, Berührung und Klang; hier als Decknamen aufgezählt. Gliederung ulkā/aṅgitraya unsicher; Versnummer beschädigt.

Vers 567
khalaṃ ca kukkuṭaṃ caiva vaiṣṇavāstramataḥ param |
sauparṇāstraṃ tato dadyāt kūṭaṃ māheśvarāhvayam ||567||

Khala und Kukkuta, danach Vaishnavastra; dann füge man Sauparnastra und das Maheshvara genannte Kuta ein.

Vers 568
kauberāstraṃ vāruṇāstraṃ priyaśrūjambukānapi |
kākaṃ ca puṣkalaṃ dattvā bhārgavaṃ kūṭamuddharet ||568||

Kauberastra und Varunastra, Priyashru und Jambuka; nachdem man Kaka und Pushkala eingesetzt hat, füge man das Bhargava-Kuta an.

Anmerkung: Priyaśrū ist eine unsichere Decknamenlesung.

Vers 569
tataḥ parāparaṃ kūṭaṃ nāgāstraṃ tadanantaram |
tatastatpuruṣaṃ kūṭaṃ kūṭaṃ śrīkaṇṭhameva ca ||569||

Dann das Parapara-Kuta, danach Nagastra; anschließend das Tatpurusha-Kuta und das Shrikantha-Kuta.

Vers 570
caṇḍīṃ pātālamuddhṛtya bhagamālini kīrtayet |
bhagapriye tataḥ procya tato brūyādbhagāture ||570||

Man füge Chandi und Patala an und spreche: „Bhagamalini, du mit der Girlande der Vulven! Du, der die Vulva lieb ist! Du von Verlangen nach der Vulva Ergriffene!“

Anmerkung: Bhaga kann auch Glück beziehungsweise Herrlichkeit bedeuten; im Zusammenhang mit Bhaga und Linga in 571 sowie Liebesvereinigung in 572 ist die sexuelle Bedeutung ausdrücklich bewahrt.

Vers 571
tato bhagāṅkite smṛtvā tasyānu bhagarūpiṇi |
bhagaliṅgadrāviṇi ca kālacakraṃ tataḥ param ||571||

Dann vergegenwärtige man: „Du, die mit dem Zeichen der Vulva versehen ist! Du in Gestalt der Vulva! Du, die Vulva und Linga zum Schmelzen bringt!“ Darauf Kalachakra.

Anmerkung: drāviṇī: „zum Fließen oder Schmelzen bringend“, hier sexuelle Ritualsprache; nicht in eine Atemübung umgedeutet.

Vers 572
nārasiṃhānu surataṃ tataśca rasalolupe |
vyomakeśi padāt piṅgakeśi brūyādvarānane ||572||

Nach Narasimha [bilde man] „Du, die nach dem Genuss der Liebesvereinigung verlangt!“ Dann spreche man „Du mit Haaren wie der Himmel! Du mit gelbbraunem Haar!“, Schöngesichtige.

Anmerkung: Anrede an die Göttin; keine zusätzliche sexuelle Szene ergänzt.

Vers 573
tato niyutavaktreta karānucaraṇe tataḥ |
trilokīśaraṇe procya purucūḍāmaṇī vadet ||573||

Dann: „Du mit zahllosen Gesichtern, Händen und Füßen! Zuflucht der drei Welten!“ Darauf spreche man Puru und Chudamani.

Anmerkung: Quellwort niyuta ist eine große Zahl mit schwankendem Zahlenwert; deshalb nicht als sichere Dezimalzahl ausgegeben. Anrede grammatisch beschädigungsverdächtig, Sinn hinreichend klar.

Vers 574
ādeśau chaṭā cāpi maṭhīmuktvā rayāṃ vadet |
tato'nu devi niḥśreṇīṃ tato netrādipañcakam ||574||

Adesha, Chhata und Mathi; danach spreche man Raya. Sodann, Göttin, Nishshreni und die fünf mit Netra beginnenden [Bijas].

Anmerkung: Anfang der Zeile beschädigungsverdächtig; Adesha als lesbarer Teil bewahrt, Zahl beziehungsweise weiterer Name davor unsicher.

Vers 575
[…] cāpi vighasaṃ kūṭaṃ vaihāyasaṃ tataḥ |
vāmadevaṃ tataḥ kūṭaṃ nārasiṃhaṃ tato'pi ca ||575||

[…] und Vighasa, dann das Vaihayasa-Kuta; darauf das Vamadeva-Kuta und Narasimha.

Anmerkung: Fragment: erster Name beschädigt, Versnummer unlesbar, Folge eindeutig.

Vers 576
sadyojātaṃ tataḥ kūṭaṃ vāyubījaṃ tataḥ param |
aiṣīkāstraṃ kampanāstraṃ paiśācāstramataḥ param ||576||

Danach das Sadyojata-Kuta, dann das Vayu-Bija; Aishikastra, Kampanastra und anschließend Paishachastra.

Vers 577
vāyavyāstraṃ tathendrāstraṃ kṣetraṃ sthāṇuṃ tataḥ param |
dīrghadaṃṣṭrāpadaṃ procya tataścūrṇita ityapi ||577||

Vayavyastra und Indrastra, dann Kshetra und Sthanu. Man spreche „lange Fangzähne“ und „zermahlen …“

Anmerkung: Beginn einer über 577–578 geteilten Anrede.

Vers 578
śatabrahmakapāle ca candrakhaṇḍāṅkitetyapi |
bhāle dehaprabhā procya jāle jitameghataḥ ||578||

„Du, die mit langen Fangzähnen hundert Brahma-Schädel zermahlen hat! Du, deren Stirn mit der Mondsichel gezeichnet ist! Du, deren Fülle von Körperglanz die Wolken übertrifft!“

Anmerkung: Erste Quellwortgruppe beschädigungsverdächtig als śata-brahma-kapāla gelesen; diese Lesung bleibt ausdrücklich unsicher. Keine exakte Bildbeschreibung über den lesbaren Zusammenhang hinaus.

Vers 579
trayastriṃśatkoṭipadānmahādivyāstra ityapi |
sandhānakāriṇi procya mahāśaṅkhasamākule ||579||

Man bilde: „Du, die dreiunddreißig mal zehn Millionen große göttliche Waffen richtet!“ Dann „Du, die von großen Muschelhörnern erfüllt ist!“

Anmerkung: Mahashankha kann in tantrischem Zusammenhang auch eine Schädelbezeichnung sein; hier bleibt die wörtliche Anrede mit dem mehrdeutigen Begriff erkennbar.

Vers 580
uddhṛtya kharparapadaṃ visrasta iti kīrtayet |
haste raktadvīpapadāt priye ityapi kīrtayet ||580||

Man füge „Schädelschale“, „herabhängend“ und „Hand“ zusammen: „Du mit der Schädelschale in der herabhängenden Hand!“ Dann „Du, der die Blutinsel lieb ist!“

Anmerkung: Genauer Bezug von visrasta innerhalb des Kompositums unsicher; keine alternative Ikonographie ergänzt. Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 581
madanonmādini procya mahonmādapadaṃ vadet |
tataśca vaṃśīvādini ca mahāprāṇamataḥ param ||581||

Man spreche „Du, die durch Liebesverlangen berauscht!“, dann „großer Rausch“ und „Flötenspielerin“: „Du, die die Flöte großer Ekstase spielt!“ Danach Mahaprana.

Anmerkung: Zweite Anrede aus den Wortteilen sinngemäß verbunden; mahonmāda nicht als medizinischer Befund verwendet.

Vers 582
samānaṃ ca tathodānaṃ vyānaṃ cāpānamanvataḥ |
sāraṃ dhānāṃ tathālakṣyamakṣaraṃ ca mahodayam ||582||

Samana, Udana, Vyana und Apana; Sara, Dhana, Alakshya, Akshara und Mahodaya.

Anmerkung: Dhana ist eine unsichere Quellnamensform; die Atemnamen stehen hier als Bijas, ohne Anweisung zum Atemanhalten.

Vers 583
mahāṅkuśamahānaṅgamahāmārīstataḥ param |
mahādrāvaṃ mahāmāyāmaghoraṃ kūṭameva ca ||583||

Danach Mahankusha, Mahananga und Mahamari; Mahadrava, Mahamaya und das Aghora-Kuta.

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, Folge eindeutig. Decknamen werden nicht als ausgeschriebene Bijas ausgegeben.

Vers 584
raudrakūṭaṃ candrakūṭaṃ kūṭamaiśānameva ca |
tataśca śaṅkaraṃ kūṭaṃ kūṭaṃ mṛtyuñjayāhvayam ||584||

Das Raudra-Kuta, das Chandra-Kuta und das Aishana-Kuta; danach das Shankara-Kuta und das Mrityunjaya genannte Kuta.

Vers 585
vyomakūṭaṃ samuccārya pārjanyāstramudīrayet |
yāmyāstramatha bhūtāstraṃ tvāṣṭrāstraṃ taimirāstrakam ||585||

Nachdem man das Vyoma-Kuta ausgesprochen hat, nenne man Parjanyastra; dann Yamyastra, Bhutastra, Tvashtrastra und Taimirastra.

Anmerkung: Astra-Namen als verschlüsselte Formelbestandteile bewahrt.

Vers 586
pāṣāṇāstraṃ pārvatāstraṃ khaḍgakheṭakaśabdayuk |
pravadet […] tataḥ khaṭvāṅgacakraṃ ca ||586||

Pashanastra und Parvatastra; verbunden mit den Wörtern „Schwert“ und „Schild“ spreche man […] und dann „Khatvanga“ sowie „Diskus“ …

Anmerkung: Fragment: ein Wort beschädigt; Beginn der Waffen-Anrede, die bis 589 weiterläuft. Khatvanga: mit Schädel besetzter Stab.

Vers 587
cāpaśūla iti procya tataḥ parighamudgaram |
tato bhuśuṇḍīparaśugadāśaktyapi kīrtayet ||587||

Man spreche „Bogen, Spieß“, dann „Eisenriegel, Hammer“; darauf „Bhushundi, Axt, Keule und Shakti-Speer“.

Anmerkung: Waffenwörter der zusammenhängenden Anrede, nicht automatisch einzelne Bija-Decknamen. Bhushundi als nicht eindeutig bestimmte Waffe benannt.

Vers 588
tomaraprāsato bhindipālaśabdaṃ tataḥ param |
kartrikuṇapaśabdaṃ ca […] kuntānu paṭṭiśā ||588||

Nach „Tomara“ und „Prasa“ folge das Wort „Bhindipala“, dann „Schneidemesser“ und „Leichnam“, […] darauf „Kunta“ und „Pattisha“ …

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor kunta beschädigt; auch kartṛ/kartrī unsicher. Namen verschiedener Wurf- und Stangenwaffen nicht durch scheinbar genaue moderne Entsprechungen ersetzt.

Vers 589
yāvadastraṃ ullikhya śastradhāriṇi kīrtayet |
nāgaṃ kūrmaṃ ca kṛkaraṃ devadattaṃ dhanañjayam ||589||

Nachdem man alle diese Geschosse beziehungsweise Waffen aufgezählt hat, spreche man „Waffenträgerin!“ Dann Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya.

Anmerkung: Die letzte Fünfergruppe bezeichnet sonst Neben-Lebenswinde; hier steht sie in der Bija-Folge.

Vers 590
tulānudāttasvaritodāttānapi ca niṣkalam |
mātaṅgāstraṃ jambhakāstraṃ dānavāstramataḥ param ||590||

Tula, Anudatta, Svarita und Udatta, ferner Nishkala; danach Matangastra, Jambhakastra und Danavastra.

Anmerkung: Anudatta, Svarita und Udatta heißen zugleich Akzentarten; hier Bija-Decknamen. Worttrennung am Anfang geringfügig unsicher.

Vers 591
audumbarāstraṃ cakrāstraṃ rodasīkūṭameva ca |
kūṭaṃ cintāmaṇeyākhyaṃ laiṅgakūṭamataḥ param ||591||

Audumbarastra, Chakrastra und das Rodasi-Kuta; das Chintamaneya genannte Kuta und danach das Lainga-Kuta.

Anmerkung: Chintamaneya-Name aus leicht beschädigter OCR-Form gelesen, nicht als überprüfte Mantra-Expansion ausgegeben.

Vers 592
tatasturīyākūṭaṃ ca […] |
kalkaṃ jvālāṃ tathā prauḍhaṃ krūraṃ matsarameva ca ||592||

Dann das Turiyaka-Kuta und […]; Kalka, Jvala, Praudha, Krura und Matsara.

Anmerkung: Fragment: zweiter Teil der ersten Hälfte beschädigt.

Vers 593
tataśca bhairavīkūṭaṃ saurāstraṃ tadanantaram |
ānandakūṭaṃ guhyāstraṃ kūṭaṃ mārtaṇḍameva ca ||593||

Dann das Bhairavi-Kuta, danach Saurastra; das Ananda-Kuta, Guhyastra und das Martanda-Kuta.

Anmerkung: OCR-Nummer 563 aus Folge als 593 gelesen.

Vers 594
gāndharvāstraṃ śuṣkanarakapāla iti vai tataḥ |
tato'nu mālābharaṇe vidyutkoṭisamaprabhe ||594||

Gandharvastra; dann bilde man „Du, die eine Girlande trockener Menschenschädel als Schmuck trägt! Du, deren Glanz zehn Millionen Blitzen gleicht!“

Anmerkung: Zusammenhängende Anrede aus den angegebenen Wortteilen.

Vers 595
uddharedūrdhvakeśīti vidyutkeśi tataḥ param |
śavamāṃsapadāt khaṇḍaṃ tataḥ kabalinītyapi ||595||

Man füge an „Du mit aufgerichtetem Haar! Du mit blitzendem Haar!“ Dann „Leichenfleisch“, „Stücke“ und „verzehrend“: „Du, die Stücke von Leichenfleisch verzehrt!“

Anmerkung: Furchterregende Gottesbildsprache des Grundtextes.

Vers 596
mahānādāṭṭāṭṭahāsinyapi brūyāt tataḥ param |
vamadagnimukhi procya pherukoṭyapi coddharet ||596||

Darauf spreche man „Du, die gewaltig dröhnend immer wieder auflacht! Du mit Feuer speiendem Mund!“ Man füge „zehn Millionen Schakale“ an …

Anmerkung: Versnummer beschädigt, eindeutige Folge; vat-/vam-Verbindung als vamad-agni kontextuell gelesen, lokal unsicher.

Vers 597
tataḥ parivṛte procya caccarī karatālikā |
tataśca trāsitapadādudyattribhuvane'pi ca ||597||

… und „von ihnen umgeben“. Dann: „Du, durch deren Charchari-Tanz und Händeklatschen die drei sich erhebenden Welten erschreckt werden!“

Anmerkung: Charchari bezeichnet eine Tanz-/Rhythmusform. Genauer Anschluss von udyat unsicher; nicht zu einer abweichenden Kosmologie ergänzt. OCR-Nummer 567 als 597 gelesen.

Vers 598
[…] nihitapādāghāta itīrayet |
parivartita ullikhya tato bhūvalayetyapi ||598||

[…] Man spreche „durch den aufgesetzten Fußstoß“ und füge „umgewendeter Erdkreis“ an …

Anmerkung: Fragment: Anfang beschädigt. Die Anrede läuft in 599 weiter; keine verlorene Bewegungsbeschreibung ergänzt.

Vers 599
tato dhāriṇi uddhṛtya bhugnīkṛtapadaṃ vadet |
tataḥ kamaṭhaśabdānu śeṣabhoge samuddharet ||599||

… dann „Trägerin“. Es folgt „niedergebogen“, „Schildkröte“ und „Sheshas Windungen“: „Du, deren Fußstoß den Erdkreis umwendet und seine Träger, die Schildkröte und Sheshas Schlangenwindungen, niederbeugt!“

Anmerkung: Sinngemäßer Anschluss der lesbaren Kompositumteile aus 598–599; beschädigter Anfang von 598 bleibt unergänzt.

Vers 600
puruṣaprakṛtī procya mahattattvamahaṅkṛtim |
tanmātramatha nāndīṃ ca bāliṃ pṛthumataḥ param ||600||

Man spreche Purusha und Prakriti, Mahattattva und Ahankriti; dann Tanmatra, Nandi, Bali und Prithu.

Anmerkung: Philosophische Prinzipien stehen hier zugleich als Bija-Bezeichnungen: Geist, Urnatur, großes Prinzip, Ichbildung und subtile Sinnesgrundlagen.

Vers 601
[…] ca tārakaṃ caiva tathāstraṃ jṛmbhaṇāhvayam |
haṃsakūṭaṃ kalākūṭamastraṃ prasvāpanaṃ tathā ||601||

[…] und Taraka, ferner das Jrimbhana genannte Astra; das Hamsa-Kuta, das Kala-Kuta und das Prasvapana-Astra.

Anmerkung: Fragment: erster Deckname beschädigt.

Vers 602
citrakūṭaṃ mantrakūṭaṃ rākṣasāstraṃ tataḥ param |
kūṭaṃ vāruṇasaṃjñaṃ ca ḍākinīsaṃjñameva ca ||602||

Das Chitra-Kuta, das Mantra-Kuta, danach Rakshasastra; ferner das Varuna genannte und das Dakini genannte Kuta.

Vers 603
haimanāstraṃ tataḥ kūṭaṃ vārāhaṃ parikīrtitam |
āruṇaṃ ca tataḥ kūṭaṃ bhāruṇḍāstraṃ tataḥ param ||603||

Haimanastra, dann das Varaha genannte Kuta; danach das Aruna-Kuta und Bharundastra.

Vers 604
[…] ca tārtīyakūṭaṃ tadanu […] |
astraṃ brahmaśiraścāpi patanaṃ saṃhatiṃ tathā ||604||

[…] und das Tartiya-Kuta, danach […]; ferner das Brahmashiras-Astra, Patana und Samhati.

Anmerkung: Fragment: zwei Decknamen der ersten Hälfte unlesbar. Tartiya als Quellname bewahrt, nicht mit einem bestimmten „dritten“ Kuta identifiziert.

Vers 605
bhavyagotre samuccārya ratnabījaṃ tato vadet |
vasāmedomāṃsaśabdādvadecchoṇitabhojini ||605||

Man spreche „Du aus erhabenem Geschlecht!“ und danach das Ratna-Bija. Aus „Fett, Mark beziehungsweise Fettgewebe, Fleisch“ und „Blut verzehrend“ bilde man die entsprechende Anrede.

Anmerkung: Vasā und medas sind sich überschneidende Körperstoffbezeichnungen; keine medizinisch exakte Unterscheidung behauptet.

Vers 606
kurukulle kṛṣṇatuṇḍi raktamuṇḍi tataḥ param |
caṇḍe śabari vinyasya pīvare rakṣike tataḥ ||606||

Darauf: „Kurukulla! Schwarzschnäblige! Rotköpfige! Wilde! Shabari! Üppige! Beschützerin!“

Anmerkung: Göttinnennamen beziehungsweise Anreden; die ausdrückliche Anweisung in 607 fordert hier die Wörter, nicht ihre Bija-Entsprechungen.

Vers 607
bhakṣike yamaghaṇṭe ca carcake tadanantaram |
nāmabhiḥ kevalaṃ varṇā na tu bījaṃ varānane ||607||

„Verzehrerin! Yamaghanta, Glocke des Todesgottes! Charchaka!“ – diese folgen. Schöngesichtige, nur die Laute der Namen sind zu sprechen, nicht die Bijas.

Anmerkung: Charchaka ist lesbar, aber nicht sicher wörtlich deutbar; keine erfundene Bedeutung beigefügt.

Die lange Schutzanrufung der Bija-Girlande

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 608
uktvā daityāsurapadaṃ yakṣarākṣasadānava |
kūṣmāṇḍapretapadataḥ proccaredbhūtaḍākinī ||608||

Man spreche die Namen Daitya, Asura, Yaksha, Rakshasa und Danava; nach Kushmanda und Preta folge Bhuta und Dakini …

Anmerkung: Beginn einer langen Schutzanrede gegen verschiedene Wesen und Gefahren; Satz läuft bis 617 weiter.

Vers 609
tato vināyakaskandaghoṇakakṣetrapāla ca |
piśācabrahmapadato rākṣaseti samuddharet ||609||

… dann Vinayaka, Skanda, Ghonaka und Kshetrapala; Pishacha und Brahmarakshasa …

Anmerkung: Bezeichnungen von Wesen beziehungsweise Mächten in der Schutzanrede; nicht als heutige Zuschreibungen an Menschen verwendet.

Vers 610
vetālaguhyakaṃ procya sarpanāgaṃ tataḥ param |
tataśca grahanakṣatrotpātacaurāgni kīrtayet ||610||

… man spreche Vetala und Guhyaka, dann Schlangen und Nagas; darauf Grahas, Gestirne, unheilvolle Erscheinungen, Diebe und Feuer …

Anmerkung: Graha kann hier ergreifende Geistmacht oder Planet bedeuten; Mehrdeutigkeit bewahrt.

Vers 611
tasyānu śvāpadapadādyuddhavajropalāśani |
varṣavidyunmeghaviṣopaviṣeti tataḥ param ||611||

… danach Raubtiere, Krieg, Donnerkeil, Steine, Blitzschlag, Regen, Blitze, Wolken, Gift und schwächere Gifte …

Anmerkung: Liste der abzuwendenden Gefahren; einzelne Glieder können zusammen Hagel oder Gewitter bezeichnen, keine exklusive Trennung behauptet.

Vers 612
punaḥ kapaṭakṛtyābhicāravidveṣaṇoddharet |
tato'pi vaśīkaraṇoccāṭanonmādataḥ param ||612||

… ferner Täuschung, Kritya-Zauber, feindselige Rituale und das Stiften von Feindschaft; dann Unterwerfungszauber, Vertreibung und Wahnsinn …

Anmerkung: Abzuwehrende rituelle Gefahren im historischen Weltbild der Quelle.

Vers 613
apasmārapadādbhūtapreta ityapi kīrtayet |
piśācāveśa ullikhya tato nadanadītyapi ||613||

… man füge Apasmara, Bhutas und Pretas an, dann Besessenheit durch Pishachas, Ströme und Flüsse …

Anmerkung: Apasmara bezeichnet Anfalls- beziehungsweise Bewusstseinsstörungen in der traditionellen Begrifflichkeit; keine heutige Diagnose daraus abgeleitet.

Vers 614
samudrāvartakāntārapadādghorāndhakāra ca |
mahāmārīti samprocya bālagraha itīrayet ||614||

… Meer, Strudel, Wildnis und furchtbare Dunkelheit; man spreche „große Seuchen“ und „Kinder ergreifende Grahas“ …

Anmerkung: Balagraha gehört zur überlieferten Vorstellung kindergefährdender Geistmächte.

Vers 615
tato hiṃsakasarvasvāpahāripadamīrayet |
māyāvidasyūnuktvā tato vañcaka ityapi ||615||

… dann Gewalttäter und Räuber des gesamten Besitzes; Zauberkundige, Räuber und Betrüger …

Anmerkung: Wortfolge māyāvid-dasyu im OCR leicht beschädigt, als zwei Bezeichnungen verstanden.

Vers 616
divācarapadādrātricara sandhyācaretyapi |
tataḥ […] procya daṃṣṭrividyuddharet priye ||616||

… bei Tag, bei Nacht und in der Dämmerung umherziehende Wesen; dann […] und Wesen mit Fangzähnen […], Geliebte …

Anmerkung: Fragment: Schluss der Gefahrenreihe beschädigt; keine vollständige Lautform behauptet.

Vers 617
ulkāraṇyadavaprāntarādinānāviṣetyapi |
mahopadravaśabdānu prabhañjani samuddharet ||617||

… Meteore, Waldbrände, Einöden und die verschiedenen Gifte und großen Bedrängnisse. Schließlich füge man „Zerschmetterin“ an: „Du, die all diese großen Bedrohungen zunichtemacht!“

Anmerkung: Abschluss der langen Anrede aus 608–617; Zusammenfassung des Bezugs zusätzlich zu allen lesbar übersetzten Listengliedern.

Vers 618
uddhṛtya sarvamantreti tantrayantra tataḥ param |
kuprayogapadaṃ procya pramardini samuddharet ||618||

Man füge zusammen: „Du, die jeden schädlichen Einsatz von Mantras, Tantras und Yantras zermalmt!“

Anmerkung: Schutzanrede gegen missbräuchliche beziehungsweise feindselige Ritualanwendung.

Vers 619
sarvabandhapadādduḥkhapramocini tataḥ param |
sarvāhiteti saṃlikhya nikṛntanyanu saṃvadet ||619||

Danach „Du, die von allen Fesseln und Leiden befreit!“ Man schreibe „alles Schädliche“ und füge „abschneidend“ hinzu: „Du, die alles Unheil abschneidet!“

Vers 620
ṣaḍāmnāyācca samayaprakāśini padaṃ priye |
tataḥ paramaśabdācca […] ityapi ||620||

Aus den Bestandteilen bilde man „Du, die den Samaya der sechs Amnayas offenbart!“, Geliebte. Danach folgen „höchste“ und […] …

Anmerkung: Fragment: zweiter Bestandteil der folgenden Anrede beschädigt. Samaya: hier überlieferte Lehre beziehungsweise rituelle Bindung; Amnaya: Überlieferungsstrom.

Vers 621
nivāsini prajvalatpāvakajvālāpadaṃ vadet |
jālātibhīṣaṇapadāt śmaśānapadakīrtanam ||621||

… „darin Wohnende“. Man sage dann „loderndes Feuer“, „Flammennetz“, „äußerst furchtbar“ und „Leichenstätte“ …

Anmerkung: Erstes Wort schließt die beschädigte Anrede aus 620 ab; die nächste läuft in 622 weiter.

Vers 622
vihāriṇi samuddhṛtya visandhi tadanantaram |
vadedacintyāmiteti gaṇeyeti tataḥ param ||622||

… und füge „dort Wandelnde“ an: „Du, die auf der durch lodernde Flammennetze überaus furchtbaren Leichenstätte wandelt!“ Danach ohne Lautverschmelzung „undenkbar, unermesslich“ und „gaṇeya“ …

Anmerkung: Letztes Wort unklar beziehungsweise beschädigt; nicht stillschweigend zu agaṇeya („unzählbar“) korrigiert. Fortsetzung in 623.

Vers 623
prabhāvabalamuccārya parākramaguṇetyapi |
vaśīkṛtapadātkoṭibrahmāṇḍaparikīrtanam ||623||

… dann „Macht, Kraft, Tatvermögen und Eigenschaften“: „Du von undenkbarer, unermesslicher Macht, Kraft und Tatkraft […]!“ Danach „unterworfen“ und „zehn Millionen Welteneier“ …

Anmerkung: Fragment: der unklare Bestandteil gaṇeya aus 622 bleibt in der zusammengezogenen Anrede offen; die nächste wird in 624 abgeschlossen.

Vers 624
vartibhūtapadātsaṅghe virāḍrūpiṇi coddharet |
[…] samuddhṛtya maheśvaripadaṃ tataḥ ||624||

… sowie „die darin befindlichen Scharen von Wesen“: „Du, die die Scharen der Wesen in zehn Millionen Welteneiern unterworfen hat! Du von allumfassender Gestalt!“ […] Danach „Große Herrin!“

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor maheśvari beschädigt.

Vers 625
punaḥ sarvajanetyuktvā manorañjani kīrtayet |
ullikhya sarvapāpeti tataścaiva praṇāśini ||625||

Wiederum bilde man: „Du, die den Geist aller Menschen erfreut!“ Dann „Du, die sämtliche Verfehlungen vernichtet!“

Vers 626
visandhyādhyātmikā procya tataścāpyādhidaivikā |
ādhibhautikādivividhahṛdayādhi samuddharet ||626||

Ohne Lautverschmelzung spreche man „adhyatmika, adhidaivika, adhibhautika“ und „die mannigfaltigen Leiden des Herzens …“

Anmerkung: Die drei Begriffe bezeichnen Leiden aus dem eigenen Leib/Geist, aus übergeordneten Mächten und aus der belebten oder unbelebten Außenwelt; Fortsetzung in 627.

Vers 627
tato nirdalini procya niyuteti tataḥ param |
pracaṇḍadorbalinyuktvā kaivalyaṃ tadanantaram ||627||

… dann „zerschmetternd“: „Du, die diese vielfältigen Leiden zunichtemacht!“ Danach „Du mit unzähligen gewaltig starken Armen!“ Dann das Wort „Kaivalya“ …

Anmerkung: Niyuta wiederum nicht als sicherer Dezimalwert aufgelöst; Kaivalya: vollkommene Befreiung.

Vers 628
tato nirvāṇanalini gauri saṅkīrtayedapi |
arūpe ca virūpe ca viśvarūpe tataḥ param ||628||

Darauf spreche man „Lotos von Nirvana [und Kaivalya]! Gauri! Gestaltlose! Andersgestaltige! Allgestaltige!“

Anmerkung: Lesung nirvāṇa-nalini bleibt ungewöhnlich, wird nicht in einen erwarteten Befreiungsbegriff geändert. OCR-Nummer 625 als 628 gelesen.

Vers 629
nādamaśvatthadurdharṣau sarvaṃ tadanu kīrtayet |
siddhividye mahāvidye vilikhya tadanantaram ||629||

Man nenne Nada, Ashvattha und Durdharsha, danach Sarva. Anschließend schreibe man „Siddhividya! Mahavidya!“

Anmerkung: Decknamen in der ersten Hälfte beschädigungsverdächtig; Sarva im Druck alternativ fraglich. OCR-Nummer 626 als 629 gelesen. Vidya hier göttliche Mantra-Weisheit.

Vers 630
paścādiroṣāyūṃṣi viṣvagicche tataḥ param |
aṣṭāvasandhīn pravadedajite'lakṣiti tathā ||630||

Danach [die Decknamen] Irosha, Ayus, Vishvak und Iccha. Acht [folgende Anreden] soll man ohne Lautverschmelzung sprechen: „Unbesiegte! Unwahrnehmbare! …“

Anmerkung: Abgrenzung der ersten Namensfolge unsicher; Beginn der ausdrücklich achtgliedrigen Anrufung, Fortsetzung in 631.

Vers 631
amite ca […] tato'pyanvaparājite |
tato'pratihate procyāgocare'vyakta ityapi ||631||

„Unermessliche! […] Nichtüberwundene! Unaufhaltsame! Nichtfassbare! Unoffenbare!“

Anmerkung: Fragment: eine Anrede beschädigt; die in 630 geforderte Achtzahl wird nicht mit einem erfundenen Namen aufgefüllt. Nummer im OCR zerstört.

Vers 632
tato'psaro'ñjane uktvā plutamārṇavamucyate |
[…] bhadre subhadre ca kirātyapi ||632||

Dann spreche man Apsaras und Anjana; Arnava wird langgezogen gesprochen. […] „Glückbringende! Sehr Glückbringende! Kirati!“

Anmerkung: Fragment: Form vor bhadre nicht zuverlässig lesbar. pluta bezeichnet überlange Lautdauer; tatsächliche Bija-Silbe von Arnava wird nicht ergänzt.

Vers 633
uktvā mātaṅgi cāṇḍāli […] |
[…] drāviṇi procya draviṇi bhrāmarītyapi ||633||

Man spreche „Matangi! Chandali!“ […] Dann „Dravini! Dravini! Bhramari!“

Anmerkung: Fragment: mittlere Wörter beschädigt; die zwei verschieden geschriebenen Anreden drāviṇi/draviṇi bleiben in IAST unterscheidbar, ihre genaue Bedeutung hier ungesichert.

Vers 634
bhramarītyapi sambodhya lolyaduḥkhakṣayāṇi ca |
asthiroṣau samuccārya ulkāpuñjini coddharet ||634||

Man rufe auch „Bhramari!“ an; dann Lolya, Duhkha und Kshaya, Asthi und Rosha. Man füge „Du mit einer Fülle von Feuerfunken!“ an.

Anmerkung: Worttrennung asthi/roṣa unsicher; bhramarī gegenüber bhrāmarī in 633 nicht vereinheitlicht. OCR-Nummer 624 als 634 gelesen.

Vers 635
vetaṇḍabhaṇḍini padādbhavetpralayatāṇḍava |
tato'nu maṇḍini brūyātkuṇapaṃ kaurajaṃ tataḥ ||635||

Nach „Vetandabhandini!“ spreche man „Du, die mit dem Tandava-Tanz der Weltauflösung geschmückt ist!“ Danach Kunapa und Kauraja.

Anmerkung: Erste Anrede ist entzifferbar, aber nicht sicher deutbar; Kauraja ebenfalls unsicherer Deckname. Tandava: kraftvoller göttlicher Tanz.

Vers 636
kartarīṃ ca śataghnīṃ ca proccāryānaṅgamālini |
visandhyanaṅgavegākule'naṅgapriye'pi ca ||636||

Man spreche Kartari und Shataghni, dann „Anangamalini, du mit der Girlande des Liebesgottes!“ Ohne Lautverschmelzung: „Du, die vom Ansturm des Liebesgottes bewegt ist! Du, der Ananga lieb ist!“

Anmerkung: Ananga, „der Körperlose“, ist eine Bezeichnung des Liebesgottes; die erotische Anrede wird als solche bewahrt.

Vers 637
reto medo majjanamādharmānapi tataḥ param |
indropendrānu janani mṛtyuñjayagṛhiṇyapi ||637||

Danach Retas, Medas, Majjana und Madharma; dann „Mutter von Indra und Upendra! Gattin des Todesüberwinders!“

Anmerkung: Gliederung majjana/mādharma nicht sicher; als lesbare Decknamen bewahrt. Retas/Medas können Samen beziehungsweise Fett bezeichnen, stehen hier aber in der Bija-Liste.

Vers 638
mohamātsaryasaṃveśālasyānyapi tataḥ param |
sāvitri gāyatri tataḥ mahitryapi savitryapi ||638||

Danach Moha, Matsarya, Samvesha und Alasya; dann „Savitri! Gayatri! Mahitri! Savitri!“

Anmerkung: Die erste und letzte Anrede sind im Sanskrit Sāvitrī und Savitrī verschieden; Mahitrī ist eine unsichere, nicht still korrigierte Lesung.

Vers 639
viṣādaṃ ca pramādaṃ ca paramaṃ sahajaṃ tathā |
vyānandaṃ ca tato brūyātsarasvati varānane ||639||

Vishada, Pramada, Parama, Sahaja und Vyananda; danach spreche man „Sarasvati!“, Schöngesichtige.

Anmerkung: Vyananda als Quelllesung bewahrt; die ersten Begriffe sind Decknamen, nicht Anweisungen zu Verzweiflung oder Nachlässigkeit.

Vers 640
medhe lakṣmi pravinyasya prade cāpi vibhūtitaḥ |
dhārāpravāhāvuddhṛtya tataḥ kāmaprade vadet ||640||

Man setze „Medha! Lakshmi!“ ein und bilde „Du, die einen ununterbrochenen Strom von Fülle spendet!“ Danach spreche man „Wunscherfüllerin!“

Anmerkung: Erste Anrede OCR meghe, nach Medha/Lakshmi-Zusammenhang als medhe gelesen, Unsicherheit ausdrücklich bewahrt. Keine gesicherte Silbenfolge behauptet.

Vers 641
kāmāṅkuśe kāmadugdhe tataḥ kāmaprade'pi ca |
vivekadrohamaunāni śokaṃ tadanu kīrtayet ||641||

„Lenkerin des Begehrens! Du, die Wünsche wie Milch spendet! Wunscherfüllerin!“ Danach nenne man Viveka, Droha, Mauna und Shoka.

Anmerkung: Kāmāṅkuśā wörtlich „Elefantenhaken des Begehrens“; kāmadugdhā ist die Quellform. Decknamen werden nicht als ethische Handlungsanweisungen missverstanden.

Vers 642
[…] samanuddhṛtya kumāri yuvatītyayet |
vṛddhe ṣaḍjarṣabhau bherīṃ gāndhāraṃ tadanantaram ||642||

Nachdem man […] angefügt hat, spreche man „Jungfrau! Junge Frau! Alte Frau!“ Dann Shadja, Rishabha, Bheri und Gandhara.

Anmerkung: Fragment: erstes Wort beschädigt. Die drei Altersanreden beschreiben Erscheinungsformen der Göttin; dieser Vers schildert keine sexuelle Handlung. Musikalische Namen stehen danach als Bijas.

Vers 643
kātyāyani samuddhṛtya visandhīśvari kīrtayet |
sandhye mahārātripadādanubrūyānmahāniśi ||643||

Man füge „Katyayani!“ an und spreche ohne Lautverschmelzung „Ishvari!“ Dann „Sandhya! Große Nacht! Große Finsternis!“

Anmerkung: Sandhya: Dämmerung beziehungsweise Übergangszeit als göttliche Anrede.

Vers 644
hotṛmaitrāvaruṇakāvacchāvākamataḥ param |
grāvastutamathādhvaryukaraṅkiṇi tataḥ param ||644||

Hotri und Maitravarunaka, danach Acchavaka; Gravastut und Adhvaryu. Dann „Karankini!“

Anmerkung: Vedische Priestertitel stehen hier als Bija-Namen; Acchavaka im Druck fraglich. Karankini ist eine Schädel-/Skelett-bezogene Anrede, deren genaue Form ungesichert bleibt.

Vers 645
karaṅkadhāriṇi procya […] coccaret |
yājaprayājāvullikhyānuyājaṃ ca viyājakam ||645||

Man spreche „Du, die einen Karanka trägt!“ und […]. Man schreibe Yaja und Prayaja, dann Anuyaja und Viyajaka.

Anmerkung: Fragment: ein Wort nach der ersten Anrede beschädigt. Karanka kann Schädel oder Skelett bezeichnen; Decknamen aus dem Opferritual nicht zu konkreten Feueropferanweisungen erweitert.

Vers 646
[…] kukkuṭi procya nārasiṃhi tataḥ param |
śāntiṃ svastyanu ca brūyātpadaṃ vai puṣṭivardhani ||646||

[…] Man spreche „Kukkuti! Narasimhi!“ Danach bilde man „Du, die Frieden, Wohlergehen und Gedeihen mehrt!“

Anmerkung: Fragment: erste Anrede beschädigt. Kukkuti/Narasimhi: hennen- beziehungsweise löwenbezogene Göttinnennamen.

Vers 647
jīvasattve tathādhānaṃ glānīrṣye śramameva ca |
tato'nu gaṅge yamune sarasvati tataḥ param ||647||

Jiva und Sattva, Adhana, Glani und Irshya sowie Shrama; danach „Ganga! Yamuna! Sarasvati!“

Anmerkung: Decknamen werden von Flussgöttinnen-Anreden gefolgt.

Vers 648
godāvarīpadānnarmade kāveri prakīrtayet |
kauśikītyanu sambodhya darśanaṃ ca visargayuk ||648||

Man spreche „Godavari! Narmada! Kaveri!“, dann rufe man „Kaushiki!“ an. Darauf Darshana mit Visarga.

Anmerkung: Fußnote bietet Dharmada statt Narmada; Hauptlesung bewahrt. Visarga bezeichnet den auslautenden Hauchlaut ḥ.

Vers 649
tasyānuddhṛtya vāgaṅghrī bhāvanākṣāntināsikāḥ |
[…] nirbhayanītimṛga […] yajureva ca ||649||

Danach Vak und Anghri; Bhavana, Kshanti und Nasika; […], Nirbhaya, Niti, Mriga, […] und Yajus.

Anmerkung: Fragment: zwei Bestandteile der zweiten Hälfte beschädigt. Keine aus der folgenden Vedenreihe vermutete Rik-Silbe ergänzt.

Vers 650
tato'nu sāmātharvāṇau santānapadataḥ prade |
punaḥ santānamālānu dhāriṇīti samuddharet ||650||

Danach Saman und Atharvan; aus „Nachkommenschaft“ und „Gebende“ bilde man „Spenderin von Nachkommenschaft!“ Dann „Du, die eine Girlande von Nachkommenschaft trägt!“

Anmerkung: Santana kann auch Fortdauer oder ununterbrochene Folge bedeuten; die Fruchtbarkeitsanrede ist eine naheliegende, keine einzig mögliche Deutung.

Vers 651
racanāṃ suptimullikhya sparśavāṇī samuddharet |
klamaṃ niṣādamādānamavajñāṃ bhayameva ca ||651||

Man schreibe Rachana und Supti, füge Sparsha und Vani an; Klama, Nishada, Adana, Avajna und Bhaya.

Anmerkung: Bija-Namensliste, auch wo die Wörter allgemein verständliche Zustände oder Handlungen bezeichnen.

Vers 652
kaulācāravratinyuktvā kaulācārācca kuṭṭini |
tasyānu kuladharmoktvā rakṣike parikīrtayet ||652||

Man spreche „Du, die dem Kaula-Weg verpflichtet ist! Kuttini des Kaula-Weges!“ Dann „Beschützerin des Kula-Dharma!“

Anmerkung: Kuṭṭinī kann „Kupplerin“ bedeuten; der genaue technische Sinn dieser Anrede bleibt offen, wird aber nicht beschönigend ersetzt. Kula-Dharma: Lehre und Ordnung der Kula-Tradition.

Vers 652 (zweite so bezeichnete Strophe; zwischen 652 und 654)
śraddhāṃ dayāmārjavaṃ ca tuṣṭivairāgyaniṣṭhurān |
visṛṣṭiṃ gamanaṃ cintāṃ tato viśvambhare vadet ||652||

Shraddha, Daya, Arjava, Tushti, Vairagya und Nishthura; Visrishti, Gamana und Chinta. Danach spreche man „Du, die das All trägt!“

Anmerkung: Die OCR-Quelle zeigt nochmals 652. Diese sichtbare Nummer wird bewahrt; interne Kennung 653 dient nur der eindeutigen Ablage. Ob Druck- oder OCR-Fehler, bleibt offen.

Vers 654
sandhiyuktaṃ ca tasyānvacale parikīrtayet |
uktvā pracaṇḍadayite mahite paśupatyanu ||654||

Danach spreche man mit Lautverschmelzung „Unbewegliche!“ Dann „Geliebte des Furchtbaren! Verehrte des Pashupati!“

Anmerkung: Letzte Verbindung mahite paśupati… grammatisch knapp und unsicher; keine zusätzliche Anrede aus späteren Namen gebildet.

Vers 655
śacīśabaryoḥ sambuddhiḥ sandhyāyā api ca priye |
stavaṃ lobhamupasthaṃ ca rasanāṃ mānameva ca ||655||

Es folgen die Anredeformen von Shachi und Shabari, ebenso von Sandhya, Geliebte. [Dann die Bijas] Stava, Lobha, Upastha, Rasana und Mana.

Anmerkung: Upastha bezeichnet gewöhnlich das Geschlechtsorgan, Rasana die Zunge; hier stehen beide als Decknamen in der Lautfolge.

Vers 656
tṛṣṇāmadormināśāṃśca garvakrūrau tataḥ param |
[…] vilikhejjagatkāraṇakāriṇi ||656||

Trishna, Mada, Urmi und Nasha; danach Garva und Krura. […] Man schreibe „Du, die die Ursache der Welt hervorbringt!“

Anmerkung: Fragment: Wort vor der Anrede beschädigt; Namensabgrenzung in erster Hälfte leicht unsicher.

Vers 657
brahmendropendrabhagini tato'pyanu samuddharet |
suṣuptiśaṅkādhīrāśca vyaparādhaṃ parikramam ||657||

Danach füge man „Schwester von Brahma, Indra und Upendra!“ an. [Es folgen] Sushupti, Shanka, Dhira, Vyaparadha und Parikrama.

Anmerkung: Die letzte Namensreihe ist lesbar, aber besonders vyaparādha als Form unsicher; nicht zu einem erwarteten Begriff normalisiert.

Vers 658
asūyāyogavikṛpāghūrṇāvyālambabudbudān |
mahāraudri tato rudrāvatāre parikīrtayet ||658||

Asuya, Yoga, Vikripa, Ghurna, Vyalamba und Budbuda; danach spreche man „Große Raudri! Verkörperung Rudras!“

Anmerkung: Vikripa/Vyalamba sind unsichere Decknamenlesungen.

Vers 659
rudrāviṇi […] draviṇi drāviṇītyapi |
dainyakṣameti rogāṃśca kauṭilyasthairyamadhyamān ||659||

„Rudravini! […] Dravini! Dravini!“ Dann Dainya, Kshama und Roga, Kautilya, Sthairya und Madhyama.

Anmerkung: Fragment: Verb beziehungsweise Wort nach rudrāviṇi beschädigt. draviṇi/drāviṇi in IAST unterschieden; Anreden nicht frei gedeutet.

Vers 660
āśvāsamatha nirvedaṃ sammānaṃ pañcamaṃ tathā |
dhaivataṃ praśrayaṃ hāsyaṃ saṅkalpini tato'pyanu ||660||

Dann Ashvasa, Nirveda, Sammana und Panchama; Dhaivata, Prashraya und Hasya. Darauf „Du, die Vorstellungen hervorbringt!“

Anmerkung: Letzte Anrede saṅkalpinī; Panchama/Dhaivata zugleich Tonbezeichnungen, hier Bija-Namen.

Vers 661
vikalpini samuddhṛtya prapañcācca prakalpini |
kaṣāyamatisambhogaṃ […] dhāraṇāḥ ||661||

Man füge „Du, die Unterscheidungen hervorbringt! Du, die die Weltentfaltung gestaltet!“ an. [Dann] Kashaya, Mati, Sambhoga, […] und Dharana.

Anmerkung: Fragment: mittlere Namensgruppe der zweiten Hälfte beschädigt; mati/sambhoga könnten auch zusammengesetzt sein. Keine sichere Auflösung erzwungen.

Vers 662
vṛttyā […] jugupsā kakṣayā saha |
stobhahiṅkārahūvāpi bījāni tadanantaram ||662||

Vritti, […], Jugupsa zusammen mit Kaksha; danach die Bijas Stobha, Hinkara und Hu.

Anmerkung: Fragment: Namensfolge der ersten Hälfte beschädigt. Letzte Silben-/Decknamenform hū bleibt ohne erfundene wörtliche Bedeutung.

Die Göttin als Same und als Wirklichkeit jenseits der Gestalten

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 663
abīje tadanuddhṛtya nānābīje samuccaret |
jagadbīje tato bījārṇave parilikhet priye ||663||

Danach rufe man an: „Du ohne Bija! Du mit vielerlei Bijas! Same der Welt! Ozean der Bijas!“, Geliebte.

Anmerkung: Göttin zugleich jenseits und innerhalb der Mantralaut-Vielfalt; bījārṇava nach leicht beschädigtem OCR gelesen.

Vers 664
sarvabījamayītyuktvā tataḥ pañcadaśoddharet |
śīrṣakaṃ śalyaśaṅkū ca niṣadhaṃ hetimeva ca ||664||

Man spreche „Du, die aus allen Bijas besteht!“ Danach füge man fünfzehn [Bijas] an: Shirshaka, Shalya und Shanku, Nishadha und Heti …

Anmerkung: Liste setzt sich in 665 fort; Quellform Nishadha unsicher, nicht zu einem erwarteten Namen geändert.

Vers 665
potṛsaṃvedisaṃkuṇḍamakhānapi vṛttiṃ tataḥ |
dikkolatamaīrṣyādhūrbījāni tadanantaram ||665||

… Potri, Samvedi, Sankunda und Makha, dann Vritti; danach die Bijas Dik, Kola, Tamas, Irshya und Dhur.

Anmerkung: Worttrennungen samvedi/saṅkuṇḍa und letzte Gruppe nicht völlig gesichert; die angekündigte Fünfzehnzahl nicht durch erfundene Glieder ergänzt.

Vers 666
amūrte ca vimūrte ca nānāmūrte tataḥ param |
mūrtyatīte ca sakalapadānmūrtidhare'pi ca ||666||

Danach: „Gestaltlose! Von Gestalt Freie! Vielgestaltige! Jenseits aller Gestalt! Du, die sämtliche Gestalten trägt!“

Anmerkung: Erste Anrede aus OCR asūta kontextuell als amūrte gelesen; diese Normalisierung ausdrücklich kenntlich. Weitere Anreden sind hinreichend lesbar.

Vers 667
śrāntipraveśaromāñcadiṣṭahuṅkāradurmarāḥ |
kīlāsthibhedavaitastikakaṭakaṭarajjukāḥ ||667||

Shranti, Pravesha, Romancha, Dishta, Hunkara und Durmara; Kila, Asthi, Bheda, Vaitastika, Katakata und Rajjuka.

Anmerkung: Decknamen, deren Trennung teilweise unsicher bleibt; besonders durmara und vaitastika nicht weiter identifiziert.

Vers 668
dakṣiṇāgniṃ gārhapatyāhavanīyamathāpi vā |
tretācarmāraṇīsāmidhenīścarumudūkhalam ||668||

Dakshinagni, Garhapatya und Ahavaniya; Treta, Charma, Arani, Samidheni, Charu und Udukhala.

Anmerkung: Namen von Opferfeuern und Opfergeräten beziehungsweise -elementen stehen hier als Bija-Decknamen.

Vers 669
juhūṃ dhruvāṃ sruvāmuktvā […] avabhṛthaṃ vadet |
mahāmāye tato māyātīte māyini coddharet ||669||

Man spreche Juhu, Dhruva und Sruva, […] danach Avabhritha. Dann füge man an: „Große Maya! Du jenseits der Maya! Herrin der Maya!“

Anmerkung: Fragment: Wort vor avabhṛtha beschädigt. Erste Namen von Opferlöffeln aus leicht beschädigtem OCR gelesen, Unsicherheit bewahrt; Avabhritha bezeichnet das abschließende Opferbad.

Vers 670
māyāmohini saṅkīrtya vātsalyaṃ kapaṭaṃ vadet |
capalāśāvitarkāśca tata unmāthapañcakam ||670||

Man spreche „Du, die durch Maya bezaubert!“ Dann Vatsalya, Kapata, Chapala, Asha und Vitarka; danach fünfmal Unmatha.

Anmerkung: Chapala/Asha als getrennte Namen gelesen, Abgrenzung unsicher. Maya als Macht des Erscheinens und Verblendens, ohne zusätzliche Lehrbehauptung.

Vers 671
aiṣṭyatrayaṃ ca bhīmābhaṃ nārāśaṃsīṃ tathaiva ca |
saṃharṣamanutāpaṃ ca saptardhaṃ tadanantaram ||671||

Dreimal Aishtya, Bhimabha und Narashamsi; Samharsha, Anutapa und danach Saptardha.

Anmerkung: Letzte Decknamenform saptardha unsicher; Fußnote bietet abweichende ebenfalls unklare Form. Nicht als sichere Wiederholungszahl gedeutet.

Vers 671 (zweite so bezeichnete Strophe)
yogeśvari padādyogaikagamye parikīrtayet |
yogātīte tataścaṇḍāticaṇḍapadato mahā ||671||

Nach „Herrin des Yoga!“ spreche man „Du, die allein durch Yoga erreichbar ist! Du jenseits des Yoga!“ Dann beginne man „Chanda, Atichanda, Maha …“

Anmerkung: Die Quelle zeigt nochmals Nummer 671. Zweite eigenständige Strophe bewahrt, keine erste Zeile gestrichen; Fortsetzung in 672.

Vers 672
caṇḍayogeśvari procya caṇḍike'pi ca kīrtayet |
samīhādvitayaṃ jāḍyadvitayaṃ bodhapañcakam ||672||

… „Chandayogeshvari!“ und „Chandika!“ [Es folgen] zweimal Samiha, zweimal Jadya und fünfmal Bodha.

Anmerkung: Anrede aus 671b–672 sinngemäß: „Wilde, überaus Wilde, große wilde Herrin des Yoga!“ Die genaue Verbindung der Bestandteile wird nicht zu einer zusätzlichen Formel vereinheitlicht.

Vers 673
tāvacchūrīkaṃ maryādādvitayaṃ camasadvayam |
kṛpādvayaṃ khedayugaṃ pratiprasthātṛpañcakam ||673||

Ebenso oft [also fünfmal] Shurika; zweimal Maryada, zweimal Chamasa, zweimal Kripa, zweimal Kheda und fünfmal Pratiprasthatri.

Anmerkung: Shurika als lesbare Decknamenform; nicht zu einem anderen Wort geändert.

Vers 674
kāleśvari tataḥ procya kālavañcani kīrtayet |
kālātīte […] tataḥ kālātikāla ca ||674||

Dann spreche man „Herrin der Zeit! Du, die die Zeit täuscht! Du jenseits der Zeit!“ […] Danach „Kala, Atikala …“

Anmerkung: Fragment: Wort nach kālātīte beschädigt. Letzte Bestandteile leiten eine weitere Anrede ein.

Vers 675
mahākālīśvarītyuktvā […] tataḥ |
gāmbhīryadrohasiṃhāṃśca vairasyālambhasaṃmadān ||675||

Man spreche „Mahakalishvari!“ […]. Danach Gambhirya, Droha, Simha, Vairasya, Alambha und Sammada.

Anmerkung: Fragment: Anredebestandteile nach mahākālīśvarī nicht zuverlässig verständlich. Keine vollständige Verbindung mit 674 erfunden.

Vers 676
subrahmaṇyacatuṣkaṃ ca saṃyājādīṃśca tāvataḥ |
brahmāṇḍeśvari saṅkīrtya brahmāṇḍācca kalevare ||676||

Viermal Subrahmanya und ebenso oft die mit Samyaja beginnenden [Bijas]. Man spreche „Herrin des Welteneies! Du, deren Leib das Weltenei ist!“

Anmerkung: Versnummer beschädigt, Folge eindeutig. Nicht angeführte Mitglieder der Samyaja-Gruppe werden nicht ergänzt.

Vers 677
koṭibrahmāṇḍapadataḥ sṛṣṭikāriṇi kīrtayet |
āvegaṃ ca prakāśaṃ ca sthānīsaṃsthācatuṣṭayam ||677||

Man bilde: „Du, die zehn Millionen Welteneier hervorbringt!“ [Dann] Avega und Prakasha; viermal Sthani und Samstha.

Anmerkung: Genauer Geltungsbereich von catuṣṭaya bei den beiden letzten Namen unsicher; keine rezitierbare Gesamtformel daraus konstruiert.

Vers 678
brahmājyasomānautsukyaṃ dambhogre vyādhikāṃstataḥ |
mṛtikṣatāparādhāṃśca jugupsāṃ ca sahāyinīm ||678||

Brahma, Ajya, Soma und Autsukya; Dambha, Ugra und Vyadhika; Mriti, Kshata und Aparadha, Jugupsa und Sahayini.

Anmerkung: Decknamenfolge, einzelne Trennungen und Vyadhika-Form unsicher; keine Bedeutungen verlorener Silben erfunden.

Vers 679
sarveśvarye'nusarveśvaraikagamye tataḥ param |
sarveśvaryāhāyinī ca sarvasarveśvarītyapi ||679||

„Herrin aller! Du, die allein dem Herrn aller zugänglich ist!“ Danach „sarveśvaryāhāyinī“ und „Herrin aller Herren!“

Anmerkung: Die mittlere Anrede ist entzifferbar, aber nicht zuverlässig deutbar; daher als unsichere Sanskritform beibehalten. Erste Anrede aus beschädigtem Beginn kontextuell gelesen.

Vers 680
api śvāsasvadhākārau vaṣaṭkāramanantaram |
avāryamarcārajasī śivādhruvapramodakān ||680||

Dann Shvasa und der Svadha-Ruf, anschließend der Vashat-Ruf; Avarya, Archa, Rajas, Shiva, Dhruva und Pramodaka.

Anmerkung: Der Druck fragt bei śvāsa nach svāhā als Alternative. Hauptlesung bewahrt; keine sichere Svaha-Formel daraus gemacht.

Vers 681
tataśca navabījāni […] kuṇīmukham |
khavedakarasaṅkhyānāṃ devīnāṃ manumanvataḥ ||681||

Danach neun Bijas […] Kunimukha. Anschließend [die] Mantras der zweihundertvierzig Göttinnen.

Anmerkung: Fragment: Bestandteil vor kuṇīmukha beschädigt; genaue Verbindung unklar. Zahlchiffre kha-veda-kara als 0-4-2, also 240, gelesen; konkrete Göttinnenliste hier nicht ausgeschrieben.

Vers 682
iṣṭiṃ sānuṃ mahānaṅgaṃ vratamakṣāṃ ca māriṣam |
ajaṃ dakṣiṇamālikhya vaidyutāstramudīrayet ||682||

Ishti, Sanu, Mahananga, Vrata, Aksha und Marisha; man schreibe Aja und Dakshina und spreche Vaidyutastra.

Anmerkung: Aksha/Marisha bleiben unsichere Decknamenlesungen.

Vers 683
dhūmakālīti sambodhya tārakūṭaṃ samuccaret |
uttaraṃ paścimaṃ jyotirgūḍhākhaṇḍatalāni ca ||683||

Man rufe „Dhumakali!“ an und spreche das Tara-Kuta; [dann] Uttara, Pashchima, Jyotis, Gudha, Akhanda und Tala.

Anmerkung: Dhumakali: „rauchgestaltige Kali“ als Name; folgende Wortabgrenzungen teilweise unsicher.

Vers 684
samuddharedarthabhaumāvastrahādeśirāṃsi ca |
pūrvanāradahrasvāṃśca puṇyakhātokṣanāndikān ||684||

Man füge Artha und Bhauma an; Astra, Hada und Shiras; Purva, Narada, Hrasva, Punya, Khata, Uksha und Nandika.

Anmerkung: Mehrere Decknamen und Wortgrenzen, besonders hada/khāta/ukṣa, nicht sicher identifiziert; keine stillschweigende Auflösung als Herz- oder andere bekannte Formel.

Vers 685
kūṭaṃ ca vaiṣṇavaṃ dattvā śābarāstramudīrayet |
sambodhya jayakālīti jaya jīva dvayaṃ dvayam ||685||

Nach dem Vaishnava-Kuta spreche man Shabarastra. Man rufe „Jayakali!“ an und sage je zweimal „jaya“ und „jīva“: „Siege, siege! Lebe, lebe!“

Anmerkung: Hier sind die Befehlsworte selbst lesbar; nicht mit Bija-Decknamen gleichgesetzt.

Vers 686
gāyatrīṃ dhāraṇāṃ cāraṃ devasātvatavartakān |
kaṇikāṃ lūmayugalaṃ phaṭtrayānte śiro vadet ||686||

Gayatri, Dharana, Chara, Deva, Satvata und Vartaka; Kanika, zweimal Luma; am Ende von dreimal phaṭ spreche man die Kopf-Formel.

Anmerkung: Luma ist eine ungesicherte lesbare Namensform. Śiras wird nur als ritueller Formelname angegeben, fehlende Silben nicht ergänzt.

Vers 687
ādau traivikramaṃ kūṭaṃ merukūṭamanantaram |
tato'straṃ kālakūṭākhyaṃ […] sukṛtaṃ śiphām ||687||

Zuerst das Traivikrama-Kuta, danach das Meru-Kuta; dann das Kalakuta genannte Astra, […], Sukrita und Shifa.

Anmerkung: Fragment: ein Deckname beschädigt. Fußnote bietet śipham für śiphām; unsichere Hauptform bewahrt.

Vers 688
sambodhanaṃ cograkālyāḥ setusantānatoraṇān |
dadyāttato hṛcchirasī maitracarcāvibudbudān ||688||

Es folgt die Anrede „Ugrakali!“ Man setze Setu, Santana und Torana ein, dann Herz- und Kopf-Formel; Maitra, Charcha und Vibudbuda.

Anmerkung: Gliederung der letzten Namensgruppe unsicher. Ugrakali: „furchtbare Kali“ als Name.

Vers 689
yogaprāgbhavakīlālatuṇḍarodaṇḍasaṅgrahān |
jvālākālītyupasmṛtya paramāvṛttasākalān ||689||

Yoga, Pragbhava, Kilala, Tundara, Danda und Sangraha; man vergegenwärtige „Jvalakali!“ Dann Parama, Avritta und Sakala.

Anmerkung: Tundara und die Trennung der ersten Gruppe unsicher; Jvalakali als „Flammen-Kali“ angerufen.

Vers 690
astraśīrṣe parākūṭaṃ citkūṭaṃ jyeṣṭhakūṭakam |
sambuddhirdhanapūrvāyāḥ kālyāḥ pāvakavallabhām ||690||

Astra- und Kopf-Formel; das Para-Kuta, Chit-Kuta und Jyeshtha-Kuta. Es folgt die Anrede der Kali mit dem Vorsatz Dhana, dann Pavakavallabha.

Anmerkung: Dhanakali-Anrede aus der Wortbildungsanweisung, Pavakavallabha als Deckname („Geliebte des Feuers“) ohne stillschweigende Silbenexpansion. OCR-Nummer 660 als 690 gelesen.

Vers 691
kubjasaṃjñe ca sānnidhyaṃ purāṇaṃ mukhyameva ca |
aupahvaraṃ ghoranādakāliśabdaṃ tato vadet ||691||

Kubja, Sannidhya, Purana und Mukhya; Aupahvara, danach spreche man „Ghoranadakali!“

Anmerkung: Fußnote bietet Aupaskara statt Aupahvara. Ghoranadakali: Kali des furchtbaren Dröhnens.

Vers 692
mūrvalāṃ kuśikaṃ […] astraṃ vetālanāmakam |
[…] naigamāṇḍe caramonmāthakāpilān ||692||

Murvala, Kushika, […], das Vetala genannte Astra; […], Naigama und Anda, Charama, Unmatha und Kapila.

Anmerkung: Fragment: zwei Gruppen beschädigt; auch Murvala und Naigama/Anda bleiben unsichere Decknamenlesungen.

Vers 693
vyayaṃ reto'rciṣī kīlaṃ hāriṇīṃ rañjinīṃ laghum |
bhogasvāyambhuvaprāṇakūṭāṃśca tadanantaram ||693||

Vyaya, Retas, Archis, Kila, Harini, Ranjini und Laghu; danach das Bhoga-, Svayambhuva- und Prana-Kuta.

Vers 694
tataḥ kalpāntakālyāśca sambodhanapadaṃ priye |
utpātāstraṃ paṭṭayuktī lāṅgalaṃ sārasaṃ tataḥ ||694||

Danach die Anrede „Kalpantakali!“, Geliebte; Utpatastra, Patta und Yukti, Langala und Sarasa.

Anmerkung: Kalpantakali: Kali am Ende eines Weltzeitalters. Patta/Yukti unsichere Namensgliederung. OCR-Nummer 664 als 694 gelesen.

Vers 695
trikūṭaṃ gahvaraṃ kūṭaṃ […] astraśirāṃsi ca |
tristhānottaṃsakalyāṇasaṅghātātītajaṅgamān ||695||

Trikuta und das Gahvara-Kuta; […], Astra- und Kopf-Formel; Tristhana, Uttamsa, Kalyana, Sanghata, Atita und Jangama.

Anmerkung: Fragment: ein Deckname vor Astra/Shiras beschädigt. OCR-Nummer 665 als 695 gelesen.

Vers 696
vetālakālītyuddhṛtya mauñjīvetaṇḍasākṣiṇaḥ |
yāmyakūṭaṃ śārabhāstraṃ veṇusādhakakaulikān ||696||

Man füge „Vetalakali!“ an; Maunji, Vetanda und Sakshin; das Yamya-Kuta, Sharabhastra, Venu, Sadhaka und Kaulika.

Anmerkung: Vetalakali verbindet Kali mit den Vetala-Geistwesen. OCR-Nummer 666 als 696 gelesen.

Vers 697
astratrayaṃ […] ca śira ekaṃ tataḥ param |
garbhasūtraṣaḍaṅgāyasūcyārṣakṣobhaṇeśvarān ||697||

Dreimal Astra, […] und danach einmal die Kopf-Formel. Garbha, Sutra, Shadanga, Aya, Suchi, Arsha, Kshobhana und Ishvara.

Anmerkung: Fragment: Wort nach astratraya beschädigt; Trennung aya/sūci und ārṣa unsicher.

Vers 698
brāhmaṃ kūṭaṃ padmakūṭaṃ kūṭaṃ rāthantaraṃ tataḥ |
kaddhālakālīṃ sambodhya mahāṅkuśamahāviṣe ||698||

Das Brahma-Kuta, das Padma-Kuta und danach das Rathantara-Kuta; man rufe „Kaddhalakali!“ an, dann Mahankusha und Mahavisha.

Anmerkung: Göttinnenname Kaddhalakali in der Quelllesung unsicher; nicht zu einem bekannteren Namen umgebildet.

Vers 699
vāgurāsindhuvistāravatsātantaraṇottamān |
śeṣe śiro bhānabale prāgvaṃśasamrāvaṣi ||699||

Vagura, Sindhu, Vistara, Vatsa, Atantarana und Uttama; am Schluss die Kopf-Formel; Bhana und Bala, Pragvamsha und Samravashi.

Anmerkung: Mehrere Namen der Folge beschädigungsverdächtig, besonders atantaraṇa/samrāvaṣi; Fußnote bietet Bhara für Bhana. Keine gesicherte Lautfolge behauptet. OCR-Nummer 669 als 699 gelesen.

Vers 700
tāṭaṅkadvīpasurasānastraṃ rājasameva ca |
śikhā yugandharā vidyā nagnakāli tataḥ param ||700||

Tatanka, Dvipa und Surasa; das Rajasa-Astra, Shikha, Yugandhara und Vidya; danach „Nagnakali!“

Anmerkung: Nagnakali: „nackte Kali“. Shikha/Yugandhara/Vidya können auch zusammen eine Formelgruppe bezeichnen; die Abgrenzung bleibt offen.

Vers 701
naigameḍābṛhatkūṭānyataḥ paramīreyet |
tato yugandharāvidye dadyādastraśīrṣamanū api ||701||

Danach spreche man die Kutas Naigama, Ida und Brihat; sodann Yugandhara und Vidya. Man füge auch Astra- und Kopf-Mantra ein.

Anmerkung: Quelllesung yugandharāvidye im Druck fraglich; Fußnote hat stattdessen „danach, Schöngesichtige“. Hauptlesung nicht stillschweigend ersetzt.

Vers 702
raṅkayonī dhenunīle bhṛṅgāraṃ bhrāmarīmapi |
tato brahmāṇḍaṃ bhūraṅgo mahāmārīprabhañjane ||702||

Ranka und Yoni, Dhenu und Nila, Bhringara und Bhramari; dann Brahmanda und Bhuranga. „Du, die große Seuchen zerschmettert!“

Anmerkung: Bhuranga ist im Druck fraglich und bleibt als unsicherer Deckname bewahrt.

Vers 703
kalaśauṇḍilabhāvāṃśca vāmanonmādaśaiśukān |
ghoraghoratarātkāli navabrahmāṇḍaparivartini ||703||

Kalasha, Undila und Bhava; Vamana, Unmada und Shaishuka. „Furchtbare, noch furchtbarere Kali! Du, die die neun Welteneier umwendet!“

Anmerkung: Fußnote bietet Vāsanā statt Vāmana. Anfangsgruppe und navabrahmāṇḍa leicht beschädigungsverdächtig; keine fehlenden Wörter ergänzt.

Vers 704
sauparṇānantakūṭe ca skāndārkṣāstre tataḥ param |
utkocinīṃ vardhamānaṃ mahāmohamanantaram ||704||

Das Sauparna- und das Ananta-Kuta; danach Skandastra und Arkshastra; Utkochini, Vardhamana und anschließend Mahamoha.

Vers 705
madhyakharvagrahānante śiromanumataḥ param |
pracaṇḍāṃ siddhakūṭaṃ ca tato durjayakāli ca ||705||

Madhya, Kharva und Graha, an deren Ende der Kopf-Mantra folgt; Prachanda und das Siddha-Kuta, danach „Durjayakali!“

Anmerkung: Durjayakali: „schwer zu besiegende Kali“; Worttrennung am Anfang unsicher.

Vers 706
kākīmukhadvīpajambhakaruṇollolakāpaṭān |
tato vaināyakaṃ cāstraṃ kālarātri tataḥ param ||706||

Kakimukha, Dvipa, Jambha, Karuna, Ullola und Kapata; dann das Vainayaka-Astra, anschließend „Kalaratri!“

Anmerkung: Kalaratri: „Nacht der Zeit/des Todes“ als Göttinnenname. Erster Deckname leicht beschädigungsverdächtig.

Vers 707
hṛnmantrabhrūṇapunnāgavyomasarvārthaśiñjinīḥ |
manthānakāli coddhṛtya puṭakaṃ vahnivallabhām ||707||

Herz-Mantra, Bhruna, Punnaga, Vyoma, Sarvartha und Shinjini; man füge „Manthanakali!“ an, dann Putaka und Vahnivallabha.

Anmerkung: Bhruna als Deckname, Fußnote bietet Trina; Vahnivallabha ist ein Formel-Deckname, hier nicht stillschweigend ausgeschrieben.

Vers 708
nirmokaṃ ca mahārātriṃ kālarātrimataḥ param |
kailāsakūṭaṃ coddhṛtya kāli saṃhāraśabdataḥ ||708||

Nirmoka und Maharatri, danach Kalaratri; man füge das Kailasa-Kuta an und aus Samhara und Kali die Anrede „Samharakali!“

Anmerkung: Samharakali: Kali der Rücknahme beziehungsweise Auflösung. Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 709
jvalaprajvalayoryugmaṃ bhīṣaṇākārameva ca |
gopaya dvitayaṃ procya māṃ tato rakṣa kīrtayet ||709||

Je zweimal „Brenne!“ und „Entflamme!“ Dann „Du von furchtbarer Gestalt! Behüte, behüte mich! Schütze mich!“

Anmerkung: Wiederholungsvorgabe der Quelle; Fußnote bietet abweichende Verbindung der ersten Befehlsworte.

Vers 710
yugāntamantakaṃ coktvā vegaṃ saindhavameva ca |
astraṃ svāhāṃ vedhasaṃ ca sandhānīṃ siṅgameva ca ||710||

Man spreche Yuganta, Antaka, Vega und Saindhava; Astra, Svaha, Vedhas, Sandhani und Singa.

Anmerkung: Singa ist die lesbare, nicht sicher identifizierte Decknamenform; Svaha wird genannt, nicht mit einer erfundenen wörtlichen Übersetzung versehen.

Vers 711
guhyakākhyaṃ tataḥ kūṭamājñākāli tataḥ param |
[…] procya kīrtayennābhasolukau ||711||

Danach das Guhyaka genannte Kuta, anschließend „Ajnakali!“ […] Man nenne Nabhasa und Uluka.

Anmerkung: Fragment: mittlere Decknamen beschädigt. Ajnakali: Kali des Befehls beziehungsweise der Autorität.

Vers 712
pramathāstraṃ ca tripurāṃ raudrakāli tataḥ param |
arcāmukulamālikhya raudraṃ ghoṣamataḥ param ||712||

Pramathastra und Tripura, danach „Raudrakali!“ Man schreibe Archa und Mukula, anschließend Raudra und Ghosha.

Anmerkung: Raudrakali: die furchtbare beziehungsweise Rudra zugehörige Kali.

Vers 713
astratrayaṃ samuccārya vadeddhṛcchirasī tataḥ |
mātṛbījaṃ tarjanaṃ ca […] kuhakameva ca ||713||

Nachdem man dreimal Astra ausgesprochen hat, sage man Herz- und Kopf-Formel; das Matri-Bija, Tarjana, […] und Kuhaka.

Anmerkung: Fragment: ein Bija-Name beschädigt.

Vers 714
tataśca […] kūṭaṃ tigmakālyuccaret tataḥ |
vaikārikaṃ majjanaṃ ca gaṇāstraṃ tadanantaram ||714||

Danach das […]-Kuta; dann spreche man „Tigmakali!“ Vaikarika und Majjana, anschließend Ganastra.

Anmerkung: Fragment: Kuta-Name beschädigt. Tigmakali: scharfe, glühende Kali.

Vers 715
mahendramadriṃ hṛnmantraṃ yāmyaṃ nāyakameva ca |
jvarāstraṃ samanuddhṛtya tataḥ kṛtāntakāli ca ||715||

Mahendra, Adri, Herz-Mantra, Yamya und Nayaka; man füge Jvarastra an und danach „Kritantakali!“

Anmerkung: Kritanta bezeichnet den Tod beziehungsweise den Vollender; erster Deckname nach Mahendra könnte laut Fußnote Matri sein.

Vers 716
karaniṣpiṣṭapadato bhavettribhuvaneti ca |
turuyugmaṃ hasadvandvamātmānaṃ jīvanīmapi ||716||

Man bilde: „Du, die die drei Welten mit der Hand zerdrückt hat!“ Dann zweimal turu, zweimal hasa, Atman und Jivani.

Anmerkung: Die Kompositumverbindung ist im Druck fraglich; verständlicher Bildgehalt kenntlich übersetzt. turu ohne gesicherte wörtliche Bedeutung, hasa kann „lache“ bedeuten.

Vers 717
prapañcakūṭamaindraṃ ca phaṭtrayānte śiro'pi ca |
ājñākūṭaṃ yogakūṭaṃ piṅgalākūṭameva ca ||717||

Das Prapancha-Kuta und das Aindra-[Kuta]; nach dreimal phaṭ auch die Kopf-Formel. Dann das Ajna-Kuta, Yoga-Kuta und Pingala-Kuta.

Vers 718
mahārātripadātkāli sarvavidyāprakāśini |
[…] vilāsaṃ ca hārdamantramataḥ param ||718||

Aus Maharatri und Kali bilde man „Maharatrikali! Offenbarerin aller Vidyas!“ […], Vilasa und danach der Herz-Mantra.

Anmerkung: Fragment: ein Deckname vor vilāsa beschädigt.

Vers 719
[…] ghāṭīṃ vāḍavaṃ ca śikhādvayameva ca |
saṅgrāmakālītyuccārya jayade tadanuddharet ||719||

[…], Ghati und Vadava, zweimal die Shikha-[Formel]. Man spreche „Sangramakali!“ und füge „Siegspenderin!“ an.

Anmerkung: Fragment: erster Name beschädigt; shikhādvaya aus leicht beschädigter Wortfolge gelesen. Sangramakali: Kali der Schlacht.

Vers 720
jayamuktvā dehi yugaṃ nādakūṭaṃ tato vadet |
bhaurabhāraparāṃścaiva hārdayugmācchiro'pi ca ||720||

Man spreche „Sieg“ und zweimal „Gib!“: „Gib mir Sieg, gib!“ Danach das Nada-Kuta; Bhaura, Bhara und Para; nach zweimaliger Herz-Formel auch die Kopf-Formel.

Anmerkung: „Mir“ erläutert den Gebetsbezug, steht in dieser Zeile nicht ausdrücklich. Bhaura/Bhara/Para als unsichere Decknamengliederung bewahrt; Fußnote hat abweichende Form.

Vers 721
hanamugraṃ saṃyamaṃ ca […] kūṭameva ca |
bhīmakāli bhayaṃ procya me padānnāśayadvayam ||721||

Hana, Ugra und Samyama sowie das […]-Kuta. „Bhimakali!“ Dann „meine Furcht“ und zweimal „Vernichte!“

Anmerkung: Fragment: Kuta-Name beschädigt, Hana im Druck alternativ fraglich. Voll lesbare Bitte: „Furchtbare Kali, vernichte meine Angst, vernichte sie!“

Vers 722
vetrasandhānahārdāṃśca sphuraprasphurayoryugam |
[…] yugaṃ śavakāli tato vadet ||722||

Vetra, Sandhana und Herz-Formel; je zweimal „Erstrahle!“ und „Strahle hervor!“ […] zweimal; dann sage man „Shavakali!“

Anmerkung: Fragment: Wort beziehungsweise Lautformel vor yugam beschädigt. Shavakali: Kali des Leichnams.

Vers 722 (zweite so bezeichnete Strophe)
kūṣmāṇḍāstraṃ nādakūṭaṃ sthāvaraṃ vahnivallabhām |
kuṭhāravedhinyāṣāḍhān ghaṭītaścaṇḍakāli ca ||722||

Kushmandastra, Nada-Kuta, Sthavara und Vahnivallabha; Kuthara, Vedhini und Ashadha, danach Ghati und „Chandakali!“

Anmerkung: Sichtbare Quellnummer erneut 722; interne Kennung 723 dient nur der Ablage. Worttrennung kuthāra/vedhinī unsicher. Chandakali: wilde Kali.

Vers 724
suṣumṇākūṭataḥ kartrīṃ svāhāntāṃ samudīrayet |
tataḥ śāraṅgakhaṭvāṅgau tāṇḍavaṃ kūṭameva ca ||724||

Nach dem Sushumna-Kuta spreche man Kartri mit Svaha am Ende; danach Sharanga und Khatvanga sowie das Tandava-Kuta.

Vers 724 (zweite so bezeichnete Strophe)
[…] rudhirakālīti phaḍante cāgnivallabhā |
padmakūṭaṃ mūrcchanāstraṃ ghorakāli tataḥ param ||724||

[…] „Rudhirakali!“ Nach phaṭ folgt Agnivallabha. Padma-Kuta, Murchhanastra und danach „Ghorakali!“

Anmerkung: Fragment: erstes Wort beschädigt. Sichtbare Quellnummer erneut 724; interne Kennung 725 keine erfundene Quellnummer. Rudhirakali: Blut-Kali; Ghorakali: furchtbare Kali.

Vers 726
namo'stu te samuddhṛtya svāhāntaṃ samudīrayet |
[…] tataḥ procya kālike cābhayaṅkarāt ||726||

Man füge „Ehrerbietung sei dir!“ an und schließe mit Svaha. […] Dann spreche man „Kalika, die Furchtlosigkeit schenkt!“

Anmerkung: Fragment: Deckname beziehungsweise Wort nach erster Hälfte beschädigt; letzte Anrede durch Wortbildungsanweisung abhayaṅkara + kālikā gebildet.

Vers 727
koṭikalpāntapadato jvālāsamapadaṃ tataḥ |
śarīre bhaumakūṭaṃ ca namaḥ phaḍvahnivallabhām ||727||

Man bilde: „Du, deren Leib den Flammen am Ende von zehn Millionen Kalpas gleicht!“ Dann das Bhauma-Kuta; namaḥ, phaṭ und Vahnivallabha.

Anmerkung: Namaḥ: Ehrerbietung; phaṭ als ritueller Laut ohne erfundene wörtliche Bedeutung.

Vers 728
pratyañcaṃ bhrāmakāstraṃ ca dharākūṭamataḥ param |
santrāsakāli proddhṛtya bhayaṃ me śamayoddharet ||728||

Pratyanch und Bhramakastra, danach das Dhara-Kuta; man füge an: „Santrasakali, stille meine Furcht!“

Anmerkung: Santrasakali: Kali des Schreckens. Erster Deckname unsicher, Bitte selbst lesbar.

Vers 729
svāhā tadante koraṅgī pretakāli tato vadet |
saṃhārakūṭaṃ […] saṃ sāṃ svastikameva ca ||729||

Am Ende Svaha; Korangi, dann „Pretakali!“ Das Samhara-Kuta, […], saṃ, sāṃ und Svastika.

Anmerkung: Fragment: eine Lautgruppe beschädigt. Pretakali: Kali der Totengeister; die lesbaren Bijas saṃ/sāṃ erhalten keine erfundene Übersetzung.

Vers 730
karālakāliṃ sambodhya phaṭtrayaṃ hārdameva ca |
saṃjñāṃ rogaṃ vīrakūṭaṃ vikarālācca kāli ca ||730||

Man rufe „Karalakali!“ an, dann dreimal phaṭ und die Herz-Formel; Samjna, Roga, Vira-Kuta, danach „Vikaralakali!“

Anmerkung: Karala/Vikarala bezeichnen furchterregende Gestalten; keine Vollformel ergänzt.

Vers 731
caṇḍacaṇḍe tribhuvanamāveśaya tato vadet |
svāhā kāpilakūṭaṃ ca kāli pralayaśabdataḥ ||731||

Dann sage man: „Chandachanda, erfülle die drei Welten mit deiner Macht!“ Svaha; das Kapila-Kuta und die Anrede „Pralayakali!“

Anmerkung: Fußnote bietet Chandamunda statt Chandachanda. Āveśaya: „dringe ein, ergreife, erfülle“; Pralayakali: Kali der Weltauflösung.

Vers 732
sūryāvartaṃ tathā rāhuṃ gālanāstraṃ tataḥ param |
svāhā hṛdayamastraṃ ca koluñcaṃ khoṭameva ca ||732||

Suryavarta und Rahu, danach Galanastra; Svaha, Herz- und Astra-Formel, Koluncha und Khota.

Anmerkung: Letzte Decknamen und Galanastra nicht sicher identifiziert; keine lautliche Ergänzung.

Vers 733
candrāvartaṃ ca bālāṃ ca jīvakūṭamatho vadet |
vibhūtikāli saṅkīrtya śriyaṃ me dehi dāpaya ||733||

Man spreche Chandravarta, Bala und das Jiva-Kuta; dann „Vibhutikali! Gib mir Glück und Fülle, lass sie mir zuteilwerden!“

Anmerkung: Bala ist hier Bija-Deckname; Vibhutikali: Kali der Macht beziehungsweise Fülle. śrī bezeichnet Glück, Schönheit und Wohlstand.

Vers 734
ante svāhā vaiṭapaṃ ca māraṇḍaṃ tadanantaram |
aparāntaṃ tridevaṃ ca bhogakāli tato'pyanu ||734||

Am Ende Svaha; Vaitapa, danach Maranda, Aparanta und Trideva, anschließend „Bhogakali!“

Anmerkung: Bhogakali: Kali des Genusses beziehungsweise weltlicher Erfüllung. Vaitapa/Maranda unsichere Namensformen.

Vers 735
prājāpatyaṃ tataḥ kūṭaṃ hṛdayaṃ dahanābalām |
tārāvartatrayaṃ dattvā pratānadvitayaṃ tataḥ ||735||

Dann das Prajapatya-Kuta, die Herz-Formel und Dahanabala. Man setze dreimal Taravarta und danach zweimal Pratana ein.

Anmerkung: Dahanabala als Feuer-bezogener Deckname bewahrt; keine nicht geschriebene Svaha-Silbe eingesetzt.

Vers 736
mākarāstraṃ ca vāsiṣṭhaṃ kūṭaṃ tadanu kīrtayet |
kālakālīti sambodhya mṛtyupāśaṃ tato vadet ||736||

Man spreche Makarastra und das Vasishtha-Kuta; rufe „Kalakali!“ an und sage „die Schlinge des Todes …“

Anmerkung: Die Bitte wird in 737 abgeschlossen.

Vers 737
chindhi dviḥ paravidyāṃ cākṛṣya tadanūccaret |
darśayānalakāntāṃ ca […] kolaśilaṃ tataḥ ||737||

„Durchschneide, durchschneide [die Schlinge des Todes]!“ Dann: „Ziehe die fremde Vidya herbei und zeige sie!“ Analakanta, […], danach Kolashila.

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor kolaśila beschädigt, dieser Deckname unsicher. Fremde Vidya kann gegnerische oder andere Mantramacht bedeuten; keine feste praktische Anwendung ergänzt. Versnummer beschädigt.

Vers 738
nāgāntakograkūṭau ca svapnāstraṃ tadanantaram |
tata uktvā […] punarvarṇamayākṣarāt ||738||

Das Nagantaka- und das Ugra-Kuta, danach Svapnastra. Dann […] und erneut die Wortbestandteile „aus Lauten bestehend …“

Anmerkung: Fragment: Name beziehungsweise Anrede in zweiter Hälfte beschädigt; Fortsetzung in 739. Versnummer beschädigt.

Vers 739
kalevare samuccārya prakarīvahnivallabhe |
vimardaṃ vidhṛtiṃ caiva madhuparkaṃ tridevatam ||739||

… man spreche „Leib“: „Du, deren Leib aus Lauten besteht!“ Dann Prakari und Vahnivallabha; Vimarda, Vidhriti, Madhuparka und Tridevata.

Anmerkung: Prakari unsicherer Deckname; keine verlorene Anrede aus 738 ergänzt.

Vers 740
guhyākūṭaṃ ca vikaṭakāliśabdaṃ tataḥ param |
dehodare ca vikaṭātpheravāstramataḥ param ||740||

Das Guhya-Kuta, danach die Anrede „Vikatakali!“ Dann „Du mit ungeheuerlichem Leib und Bauch!“ Anschließend Pheravastra.

Anmerkung: Vikata: gewaltig, ungewöhnlich oder schrecklich gestaltet; genaue Verbindung dehodara unsicher.

Vers 741
astrapañcakaśeṣe tu kīrtayedvahnikāminīm |
aupadeyaṃ vinādaṃ ca dhaumāvatyaṃ ca kaṭakam ||741||

Nach fünf Astra-[Formeln] spreche man Vahnikamini. Aupadeya, Vinada, Dhaumavatya und Kataka.

Anmerkung: Decknamen, besonders Dhaumavatya, in unsicherer Quellform bewahrt.

Vers 742
vidyākāli samuccārya vidyāṃ dehi tataḥ param |
dāpayānte tataḥ śīrṣaṃ bindukaṃ dākṣikaṃ tathā ||742||

Man spreche „Vidyakali, gib mir Vidya, lass sie mir zuteilwerden!“ Am Ende von „dāpaya“ folgt die Kopf-Formel; danach Binduka und Dakshika.

Anmerkung: Vidya umfasst Wissen und göttliche Mantramacht; nicht auf bloße schulische Kenntnisse eingeengt.

Vers 743
kūṭaṃ svāpnāvartayaṃ ca tato'straṃ māraṇābhidham |
punaścāṅgirasaṃ kūṭaṃ kāli kāmakalāpadāt ||743||

Das Svapnavartaya-Kuta, danach das Marana genannte Astra; dann das Angirasa-Kuta und aus Kamakala und Kali die Anrede „Kamakalakali!“

Anmerkung: Svapnavartaya unsichere Namensform. Die Kamakalakali-Anrede ist hier Bestandteil der Guhyakali-Bija-Girlande; keine Vermischung der Werkteile.

Vers 744
saumataṃ ca virūpaṃ ca śeṣe hṛcchirasī vadet |
trayīmayaṃ śekharaṃ ca kūṭaṃ pauṣkarameva ca ||744||

Saumata und Virupa; am Schluss spreche man Herz- und Kopf-Formel. Trayimaya und Shekhara, ferner das Paushkara-Kuta.

Vers 745
śaktikālyanu mauliñjaṃ […] manumataḥ param |
aparāntaṃ ca […] traidaśāstramataḥ param ||745||

Nach „Shaktikali!“ Maulinja und der […]-Mantra; Aparanta und […], danach Traidashastra.

Anmerkung: Fragment: zwei Namen beziehungsweise Formelzuordnungen beschädigt; Maulinja als unsichere Decknamenlesung bewahrt.

Vers 746
tato dakṣiṇakālīti kūṭaṃ hairaṇyagarbhakam |
svāhāntaṃ tadanūdya cāmaravyajane śubhe ||746||

Dann „Dakshinakali!“ und das Hairanyagarbha-Kuta mit Svaha am Ende. Darauf „Du mit Yakschweifwedel und Fächer, Glückverheißende!“

Anmerkung: Letzte Worte können auch als Decknamen gelesen werden; hier als lesbare Anrede wiedergegeben, Zuordnung offen.

Vers 747
unmādāstraṃ mahatkūṭaṃ māyākāli tataḥ param |
namo'nte vijayāmuktvā bhadrakāli tato vadet ||747||

Unmadastra, Mahat-Kuta und danach „Mayakali!“ Am Ende namaḥ; nach Vijaya spreche man „Bhadrakali!“

Anmerkung: Mayakali: Kali der Maya; Bhadrakali: glückverheißende Kali.

Vers 748
ṛkkūṭaṃ sattvakūṭaṃ ca stambhanāstraṃ tato'pi ca |
astrahārdaśirāṃsyante bījaṃ śrīkaṇṭhameva ca ||748||

Das Rik-Kuta und Sattva-Kuta, danach Stambhanastra; am Ende Astra-, Herz- und Kopf-Formel sowie das Shrikantha-Bija.

Anmerkung: Stambhana bezeichnet rituelle Stillstellung oder Lähmung; hier als Astra-Name bewahrt.

Vers 749
sambhūtiṃ ca tridaivaṃ ca paiśācaṃ kūṭameva ca |
mahākālīti sambodhya vicitraṃ bījamīrayet ||749||

Sambhuti, Tridaiva und das Paishacha-Kuta. Man rufe „Mahakali!“ an und spreche das Vichitra-Bija.

Vers 750
hārdadvayaṃ śiraścaikaṃ tataḥ saṃhāriṇaṃ likhet |
viratiṃ […] ca kāli cāpi śmaśānataḥ ||750||

Zweimal die Herz-Formel und einmal die Kopf-Formel. Dann schreibe man Samharin, Virati und […]; aus Shmashana und Kali bilde man „Shmashanakali!“

Anmerkung: Fragment: ein Deckname beschädigt; Versnummer im OCR zerstört. Shmashanakali: Kali der Leichenstätte.

Vers 751
[…] mānavaṃ kūṭaṃ kīrtayedanyavismṛtī |
astrahārdau ca saṃlikhya śilpaṃ siddhiphalaṃ tataḥ ||751||

[…] Das Manava-Kuta; man nenne Anya und Vismriti. Man schreibe Astra- und Herz-Formel, dann Shilpa und Siddhiphala.

Anmerkung: Fragment: Anfangswort beschädigt; Trennung anya/vismṛti unsicher.

Vers 752
mohanāstraṃ tato dattvā nābhasaṃ kūṭamuddharet |
pāṇigītiṃ tathollopyaṃ kulakālīti kīrtayet ||752||

Nachdem man Mohanastra eingesetzt hat, füge man das Nabhasa-Kuta an; Panigiti und Ullopya. Man spreche „Kulakali!“

Anmerkung: Panigiti/Ullopya unsichere Decknamen; Kulakali: Kali der Kula-Tradition.

Vers 753
digambaraṃ ca sampūrṇaṃ hārdāstre śīrṣameva ca |
pauruṣākhyānmahākūṭānnādakālīti kīrtayet ||753||

Digambara und Sampurna; Herz-, Astra- und Kopf-Formel. Nach dem großen Kuta namens Paurusha spreche man „Nadakali!“

Anmerkung: Nadakali: Kali des Klanges.

Vers 754
saṃnyāsaṃ maunamuddhṛtya viṭaṅkānte'gnivallabhām |
samakṣaṃ kulamudrāṃ ca nirvāṇaṃ kūṭameva ca ||754||

Man füge Sannyasa und Mauna an; am Ende von Vitanka Agnivallabha. Samaksha, Kulamudra und das Nirvana-Kuta.

Anmerkung: Sannyasa/Mauna stehen hier als Formel-Decknamen; keine selbständige Entsagungs- oder Schweigevorschrift.

Vers 755
balāstraṃ ca tamaḥkūṭaṃ muṇḍakāli tataḥ param |
bhasmaguhyakapāṭau ca tadante hārdamīreyet ||755||

Balastra und das Tamas-Kuta; danach „Mundakali!“ Bhasma und Guhyakapata; an deren Ende die Herz-Formel.

Anmerkung: Trennung bhasma/guhyakapāṭa unsicher; Mundakali: Kali der Köpfe beziehungsweise Schädel.

Vers 756
saṅkalpaṃ ca vikalpaṃ ca kūṭamādityanāmakam |
siddhikāli samuccārya vanaspatyantagaṃ śiraḥ ||756||

Sankalpa, Vikalpa und das Aditya genannte Kuta. Man spreche „Siddhikali!“ und nach Vanaspati die Kopf-Formel.

Anmerkung: Siddhikali: Kali der Vollendung.

Vers 757
aṅkuraṃ ca vidhānaṃ ca vāsavaṃ kūṭameva ca |
udārakāli collikhya tato'stradvitayācchiraḥ ||757||

Ankura und Vidhana, dazu das Vasava-Kuta. Man schreibe „Udarakali!“ und lasse nach zweimal Astra die Kopf-Formel folgen.

Anmerkung: Udarakali: großmütige beziehungsweise erhabene Kali.

Vers 758
maulaṃ rasapuṭaṃ randhraṃ tataścāpi balāstrakam |
śaktikūṭaṃ saṃvidhānaṃ śiro'strahṛdayānyataḥ ||758||

Maula, Rasaputa und Randhra, danach Balastra; das Shakti-Kuta, Samvidhana, anschließend Kopf-, Astra- und Herz-Formel.

Anmerkung: Fußnote nennt fraglich Calastra statt Balastra; Hauptlesung bewahrt.

Vers 759
yogatandrāṃ ca kalahaṃ vikarālīmataḥ param |
śaktikūṭaṃ rajaḥkūṭaṃ kāli conmattaśabdataḥ ||759||

Yogatandra, Kalaha und danach Vikarali; Shakti-Kuta und Rajas-Kuta; aus Unmatta und Kali bilde man „Unmattakali!“

Anmerkung: Unmattakali: ekstatische beziehungsweise rasende Kali; Yogatandra möglicherweise Yoga und Tandra als zwei Decknamen, Abgrenzung unsicher.

Vers 760
tataśca […] bījānte śiro hṛdayamīreyet |
vikośaṃ vikramaṃ tantuṃ mahānirvāṇakūṭakam ||760||

Danach, am Ende des […]-Bijas, spreche man Kopf- und Herz-Formel. Vikosha, Vikrama, Tantu und das Mahanirvana-Kuta.

Anmerkung: Fragment: erster Bija-Name beschädigt. Fußnote bietet Vikasha statt Vikosha; Hauptlesung nicht geändert.

Vers 761
acetanāstraṃ ca tataḥ kāli santāpaśabdataḥ |
saṃsṛṣṭiṃ saṅkramaṃ procya phaḍante hṛdayaṃ śiraḥ ||761||

Danach Achetanastra und aus Santapa und Kali die Anrede „Santapakali!“ Man spreche Samsrishti und Sankrama; nach phaṭ Herz- und Kopf-Formel.

Anmerkung: Santapakali: Kali der Glut beziehungsweise Bedrängnis; historische Mantrabenennung, keine Krankheitsbehandlung.

Vers 762
viśikhāṃ cakratumbīṃ ca bhāsākūṭaṃ tataḥ param |
kālyāḥ kapālapūrvāyāḥ sambuddhistadanantaram ||762||

Vishikha und Chakratumbi, danach das Bhasa-Kuta; anschließend die Anrede der Kali mit dem Vorsatz Kapala: „Kapalakali!“

Anmerkung: Versnummer beschädigt, Folge eindeutig. Kapalakali: Schädel-Kali.

Vers 763
tato'mṛtaṃ mayi procya nidhehyanalavallabhām |
vihāraṃ cūlikāṃ sṛṣṭikūṭaṃ procya kramātpriye ||763||

Dann spreche man „Setze Amrita in mich!“ und Analavallabha. Es folgen der Reihe nach Vihara, Chulika und das Srishti-Kuta, Geliebte.

Anmerkung: Amrita: Unsterblichkeitsnektar; Analavallabha ist ein Feuer-bezogener Formel-Deckname, kein zusätzlich erfundenes Wort.

Vers 764
ānandakāli coddhṛtya hārdamastraṃ tato vadet |
kuśaṃ visṛṣṭiṃ vinyasya sthitikūṭamataḥ param ||764||

Man füge „Anandakali!“ an und spreche Herz- und Astra-Formel. Man setze Kusha und Visrishti ein, danach das Sthiti-Kuta.

Anmerkung: Anandakali: Kali der Glückseligkeit.

Vers 765
nirvāṇakālītyālikhyānākhyākūṭaṃ śiro'nvitam |
pārīndraṃ jaimanaṃ vadhvā kūṭaṃ sāma yajustathā ||765||

Man schreibe „Nirvanakali!“ und das Anakhya-Kuta zusammen mit der Kopf-Formel. Parindra, Jaimana, das Vadhu-Kuta sowie Saman und Yajus.

Anmerkung: Letzte Gliederung vadhvā kūṭam unsicher; Hauptfolge lesbar bewahrt. Nirvanakali: Kali der Befreiung; Anakhya: das Unbenennbare.

Vers 766
kāli bhairavaśabdācca triphaḍante'gnivallabhām |
pañcapañcāśataṃ kālīṃ caivamuddhṛtya pārvati ||766||

Aus Bhairava und Kali bilde man „Bhairavakali!“ Nach dreimal phaṭ Agnivallabha. Nachdem man so die fünfundfünfzig Kalis erschlossen hat, Parvati, …

Anmerkung: Die Zahl 55 ist die Angabe der Quelle; keine beschädigten Namen zur Vervollständigung der Liste ergänzt. Satz läuft in 767 weiter.

Weitere Göttinnenformeln, Nadis, Flüsse und Hymnusnamen

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 767
kapālaḍāmarīyāṃstu mahāmantrān samuddharet |
kalāvatīṃ ca mañjīraṃ kūṭamātharvaṇaṃ tataḥ ||767||

… soll man die großen Mantras des Kapala-Damara erschließen. [Es folgen] Kalavati, Manjira und danach das Atharvana-Kuta.

Anmerkung: Kapala-Damara ist hier eine Überlieferungsbezeichnung; keine bibliographisch gesicherte Identifizierung eines externen Werkes behauptet.

Vers 768
nimīlanāstraṃ ca tataḥ […] |
tato'pyāṅgirasaṃ kūṭaṃ phaḍante mastakaṃ tataḥ ||768||

Danach Nimilanastra […]; dann das Angirasa-Kuta und nach phaṭ die Kopf-Formel.

Anmerkung: Fragment: offenbar folgende Göttinnenanrede nicht zuverlässig lesbar; nicht zu einer erwartbaren Durga-Anrede rekonstruiert.

Vers 769
vikhalaṃ ketakottānaṃ sargānāḍīmanantaram |
jyotiṣṭomāhvayaṃ kūṭaṃ rājamātaṅgi ca priye ||769||

Vikhala, Ketaka und Uttana; danach die Sarga-Nadi. Das Jyotishtoma genannte Kuta und „Rajamatangi!“, Geliebte.

Anmerkung: Vikhala und Sarga sind unsichere Quellnamensformen; Nadi-Bezeichnungen werden als solche kenntlich. Nummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 770
sakalaṃ me vaśaṃ procya kurvante vahnivallabhām |
yauktikaṃ vyuttaraṃ procya pratyayātaṅkacūlikān ||770||

Man spreche „Bringe alles unter meine Macht!“ Am Ende von kuru folgt Vahnivallabha. Man nenne Yauktika, Vyuttara, Pratyaya, Atanka und Chulika.

Anmerkung: Historische Unterwerfungsbitte; Fußnote bietet eine abweichende letzte Namensfolge, Hauptlesung bewahrt.

Vers 771
nāḍīṃ ca hastijihvākhyāṃ prabhākūṭaṃ tataḥ param |
ucchiṣṭamātaṅgi tato vadetsarvajñatāṃ tataḥ ||771||

Die Hastijihva genannte Nadi, danach das Prabha-Kuta. Dann sage man „Ucchishtamatangi!“ und „Allwissenheit …“

Anmerkung: Die Bitte wird in 772 abgeschlossen.

Vers 772
punarme janaya procya phaṭsvāhā kīrtayet tataḥ |
hitāṃ nāḍīmanusmṛtya rohitaṃ varṇameva ca ||772||

… „Erzeuge sie in mir!“ Dann spreche man phaṭ svāhā. Man vergegenwärtige die Hita-Nadi und die rote Farbe beziehungsweise den Rohita-Laut.

Anmerkung: Varṇa kann Farbe oder Laut sein; dieser Abschnitt verbindet Nadi-, Fluss-, Farb- und Formel-Namen, genaue Lautauflösung nicht gesichert.

Vers 773
māhitrasūktaṃ ca tato virajāṃ ca taraṅgiṇīm |
kūṭaṃ jyotirmayaṃ caiva lakṣmyāḥ sambodhanaṃ tataḥ ||773||

Dann das Mahitra-Sukta, den Fluss Viraja, das Jyotirmaya-Kuta und die Anrede „Lakshmi!“

Anmerkung: Sukta: Hymnus beziehungsweise so benannter Formelbestandteil; Mahitra in unsicherer Quellform bewahrt.

Vers 774
nidhiṃ mayīti saṃlikhya niveśaya śiro'pi ca |
kūṭamagniṣṭomasaṃjñaṃ nāḍīmapi ca śaṅkhinīm ||774||

Man schreibe „Lass den Schatz in mich eingehen!“ und die Kopf-Formel; das Agnishtoma genannte Kuta und die Shankhini-Nadi.

Anmerkung: Nidhi: Schatz oder göttliche Fülle.

Vers 775
sarvasvaṃ ca visāraṃ ca mahālakṣmi tataḥ param |
prasīda dvitayācchīrṣaṃ vighaṭīṃ varuṇānadīm ||775||

Sarvasva und Visara, danach „Mahalakshmi!“ Nach zweimal „Sei gnädig!“ die Kopf-Formel; Vighati und den Fluss Varuna.

Anmerkung: Vighati als Deckname, nicht als sicherer Fluss- oder Kanalname ausgegeben.

Vers 776
haṃsasūktamulūkāstraṃ nāḍīmapi ca ghargharām |
pārāvatīmapi nadīmatyagniṣṭomakūṭakam ||776||

Das Hamsa-Sukta, Ulukastra, die Gharghara-Nadi, den Fluss Paravati und das Atyagnishtoma-Kuta.

Anmerkung: Die Quelle unterscheidet hier Nadi und Fluss ausdrücklich; nicht alle Namen werden zu Körperkanälen umgedeutet.

Vers 777
viśvalakṣmīti sambodhya tvarayugmaṃ tataḥ param |
rājyaṃ me dehi coddhṛtya tadante kiṃ vilambase ||777||

Man rufe „Vishvalakshmi!“ an, dann zweimal „Eile!“ Es folgt „Gib mir Herrschaft!“ und am Ende „Warum zögerst du?“

Anmerkung: Vishvalakshmi: Lakshmi des Alls; Herrschaftsbitte des historischen Textes.

Vers 778
svāhā ca sarvaśeṣe syānmāyā hāraṃ tataḥ param |
śuklavarṇaṃ ca sambuddhirannapūrṇāpadasya hi ||778||

Ganz am Schluss steht Svaha. Danach Maya, Hara, die weiße Farbe beziehungsweise Shukla-Varna und die Anrede „Annapurna!“

Anmerkung: Hara ist hier ein Deckname; Annapurna: Göttin der Fülle an Nahrung.

Vers 779
[…] gṛhamuccārya pūrayānte śiro'pi ca |
nāḍīṃ visargāmuccārya cākrikaṃ muralāpagām ||779||

Man spreche „Fülle […] das Haus!“ Am Ende die Kopf-Formel. Man nenne die Visarga-Nadi, Chakrika und den Fluss Murala.

Anmerkung: Fragment: nähere Bestimmung vor gṛham beschädigt; kein vermutetes Nahrungsmittel ergänzt.

Vers 780
vājapeyaṃ tataḥ kūṭaṃ vāgvādini tato'pi ca |
mādhvīkasūktaṃ ca nabho rakṣakaṃ bījameva ca ||780||

Danach das Vajapeya-Kuta, dann „Vagvadini!“ Das Madhvika-Sukta und die Bijas Nabhas und Rakshaka.

Anmerkung: Vagvadini: Göttin der Rede. Nabho/Rakshaka möglicherweise zusammengesetzter Bija-Name, Abgrenzung unsicher.

Vers 781
campāvatīṃ ca hradinīṃ sūryakrāntākhyakūṭakam |
dhamanīṃ dhamanīṃ paścādvanadurge tataḥ param ||781||

Den Fluss Champavati und das Suryakranta genannte Kuta; dann die Dhamani-Nadi und die Anrede „Vanadurga!“

Anmerkung: Doppelte Form dhamanīṃ dhamanīṃ kann „den Dhamani genannten Kanal“ ausdrücken; nicht als zwei gesicherte verschiedene Namen gelesen. Versnummer beschädigt.

Vers 782
tadante hṛdayaṃ cāstraṃ santāraṃ vipriyaṃ tataḥ |
caṇḍāṃ nāḍīṃ raudrasūktaṃ tato jyotīrasāpagām ||782||

Am Ende Herz- und Astra-Formel; Santara und Vipriya, die Chanda-Nadi, das Raudra-Sukta und danach den Fluss Jyotirasa.

Anmerkung: Letzter Flussname unsicher; nicht mit einem heutigen Fluss identifiziert.

Vers 783
kātyāyanyāśca sambuddhimantardhānāstrameva ca |
sarpāmayaṃ tataḥ kūṭaṃ nīlavarṇaṃ tataḥ param ||783||

Die Anrede „Katyayani!“, das Antardhana-Astra, danach das Sarpamaya-Kuta und die blaue Farbe beziehungsweise Nila-Varna.

Anmerkung: Antardhana bezeichnet Verschwinden oder Unsichtbarkeit, hier Astra-Name; keine praktische Unsichtbarkeitsbehauptung.

Vers 784
sarvaśeṣe bhavetsvāhā mañjarībījameva ca |
tato'nu kampinīṃ nāḍīṃ dṛṣadvatyāpagāṃ tataḥ ||784||

Ganz am Schluss steht Svaha. Dann das Manjari-Bija, die Kampini-Nadi und der Fluss Drishadvati.

Anmerkung: Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 785
sarvatobhadrakūṭaṃ ca bhāruṇḍāsūktamapyataḥ |
kalmāṣavarṇamapi ca […] ||785||

Das Sarvatobhadra-Kuta, danach das Bharunda-Sukta und die gesprenkelte Farbe beziehungsweise Kalmasha-Varna […].

Anmerkung: Fragment: abschließender Name oder Formelausdruck beschädigt.

Vers 786
astrahṛcchirāṃ dadyādekaikaṃ tadanu priye |
śuddhanidrāṃ samālikhya vijayāghora ityapi ||786||

Je einmal Astra-, Herz- und Kopf-Formel füge man danach ein, Geliebte. Man schreibe Shuddhanidra und dann Vijaya und Aghora …

Anmerkung: Letzte Namen werden in 787 als Kutas weiterbestimmt; Shuddhanidra ist lesbar, genaue Einordnung unsicher.

Vers 787
kūṭe tato'rdhasāvitrīṃ śeṣe svāhāṃ niyojayet |
sambhāvanāṃ śoṇanadīṃ tathā dhavalavarṇakam ||787||

… als Kutas; danach die halbe Savitri und am Schluss Svaha. [Es folgen] Sambhavana, der Fluss Shona und die weiße Farbe beziehungsweise Dhavala-Varna.

Anmerkung: Ardha-Savitri nur bezeichnet, nicht aus einer externen Savitri-Fassung vervollständigt.

Vers 788
padmāvatyāśca sambuddhiṃ sūktamauśanasaṃ tataḥ |
tato vegavatīṃ nāḍīṃ namo'nte kaṅkakūṭakam ||788||

Die Anrede „Padmavati!“, danach das Aushanasa-Sukta und die Vegavati-Nadi; nach namaḥ das Kanka-Kuta.

Anmerkung: Kanka-Kuta ist im Druck fraglich, daher keine gesicherte Lautauflösung.

Vers 789
jayadurge samuccārya nimnānāḍīmatherayet |
hṛcchīrṣe tadanuddhṛtya durge […] tataḥ param ||789||

Man spreche „Jayadurga!“ und nenne die Nimna-Nadi. Man füge Herz- und Kopf-Formel an; danach „Durga! […]“

Anmerkung: Fragment: Anrede zwischen durge und rakṣiṇī in 790 beschädigt.

Vers 790
rakṣiṇyante śiro dattvā vaikakṣaṃ tadanantaram |
kūṭaṃ ca puṇḍarīkākhyaṃ nāḍīṃ madhumatīṃ tataḥ ||790||

Am Ende von „Beschützerin“ setze man die Kopf-Formel. Danach Vaikaksha, das Pundarika genannte Kuta und die Madhumati-Nadi.

Anmerkung: Erstes Wort schließt die beschädigte Anrede aus 789 ab; Nummer im OCR zerstört, Folge eindeutig.

Vers 791
sambuddhirjayalakṣmyāśca saṅgrāme jayamīreyet |
me dehi dāpayetyuktvā tato ghargharanimnagām ||791||

Es folgt die Anrede „Jayalakshmi!“ Man spreche „Gib mir Sieg in der Schlacht, lass ihn mir zuteilwerden!“ Danach den Fluss Gharghara.

Vers 792
medhāsūktaṃ pāṇḍuvarṇaṃ phaṇunamovahnivallabhām |
bījaṃ sañjīvanīṃ dattvā sāvitrīkūṭamanvataḥ ||792||

Das Medha-Sukta, die blasse Farbe beziehungsweise Pandu-Varna; phaṇu, namaḥ und Vahnivallabha. Man setze das Sanjivani-Bija und danach das Savitri-Kuta ein.

Anmerkung: Quellform phaṇu beschädigungsverdächtig, nicht stillschweigend zu phaṭ geändert. Medha-Sukta aus OCR meghā gelesen, ausdrücklich unsicher.

Vers 793
satīṃ nāḍīṃ tadante ca dhanalakṣmi padaṃ tataḥ |
dhanamuktvā tato varṣa varṣāpaya yugaṃ yugam ||793||

Die Sati-Nadi, danach „Dhanalakshmi!“ Man spreche „Reichtum“ und je zweimal „Lass regnen!“ und „Bewirke seinen Regen!“

Anmerkung: OCR-Nummer 763 aus Folge als 793 gelesen. Göttinnenanrede als Bitte um Vermögen, nicht symbolisch umgedeutet.

Vers 794
namastataḥ samādhānaṃ nāḍīmapi sarasvatīm |
sindhusravantīmullikhya sūktamātharvaṇaṃ tataḥ ||794||

Dann namaḥ, Samadhana und die Sarasvati-Nadi; man schreibe den Fluss Sindhu und danach das Atharvana-Sukta.

Anmerkung: Nadi Sarasvati und Fluss Sindhu ausdrücklich unterschieden. OCR-Nummer 764 als 794 gelesen.

Vers 795
pūrṇeśvari tato dattvā dhūmavarṇaṃ tathoccaret |
manorathaṃ pūraya ca śeṣe svāhāṃ likhetpriye ||795||

Dann „Purneshvari!“ und die Rauchfarbe beziehungsweise Dhuma-Varna. „Erfülle meinen Herzenswunsch!“ Am Schluss schreibe man Svaha, Geliebte.

Anmerkung: Göttinnenname im OCR pūrṇaśvari, als Pūrṇeśvarī gelesen, lokale Unsicherheit. OCR-Nummer 765 als 795 gelesen.

Vers 796
tato visvaritaṃ bījaṃ ṣoḍaśīkūṭameva ca |
tasyānu dhamanīṃ nāḍīṃ tataśca bagale padam ||796||

Danach das Visvarita-Bija und das Shodashi-Kuta; dann die Dhamani-Nadi und die Anrede „Bagala!“

Anmerkung: Visvarita als Quellname, keine sichere Akzentanweisung ergänzt. OCR-Nummer 766 als 796 gelesen.

Vers 797
aindravāruṇasūktaṃ ca gomatīsaritaṃ tataḥ |
pītavarṇaṃ hṛdastre ca bījaṃ vedhānameva ca ||797||

Das Aindravaruna-Sukta, danach den Fluss Gomati; die gelbe Farbe beziehungsweise Pita-Varna, Herz- und Astra-Formel und das Vedhana-Bija.

Anmerkung: Vedhana ist eine unsichere Decknamenlesung.

Vers 798
apasmārāstramullikhya kūṭaṃ sautrāmaṇīyakam |
cāmuṇḍeśvari raktācca sambodhanatayā vadet ||798||

Man schreibe Apasmarastra und das Sautramaniya-Kuta und bilde mit Rakta die Anrede „Raktachamundeshvari!“

Anmerkung: Die Anrede bezeichnet die rote Chamundeshvari; kein zusätzliches Dhyana ergänzt.

Vers 799
kṣiptānāḍīṃ śoṇavarṇaṃ pauruṣaṃ sūktameva ca |
gaṇḍakīṃ nimnagāṃ śīrṣaṃ bījaṃ vidyābalaṃ tataḥ ||799||

Die Kshipta-Nadi, die rote Farbe beziehungsweise Shona-Varna, das Paurusha-Sukta; den Fluss Gandaki, die Kopf-Formel und danach das Vidyabala-Bija.

Anmerkung: OCR-Nummer 766 aus Folge als 799 gelesen; die Quelle wiederholt hier keine bereits übersetzte Strophe.

Vers 800
indrāṃ vikriyaṃ cāpi vakṣusrotasvatīṃ tataḥ |
sambodhanaṃ sarasvatyāḥ sūktaṃ vaināyakaṃ tataḥ ||800||

Indra und Vikriya, danach den Fluss Vakshu; die Anrede „Sarasvati!“ und das Vainayaka-Sukta.

Anmerkung: Indra als Quellname weiblicher Form Indrā bewahrt; keine nicht belegte Göttinnenidentifikation hinzugefügt.

Vers 801
tataśca bhāsurāṃ nāḍīṃ haridvarṇaṃ tataḥ param |
āśvamedhikakūṭaṃ ca śiro'strahṛdayānyataḥ ||801||

Danach die Bhasura-Nadi und die grünlich-gelbe Farbe beziehungsweise Harid-Varna; das Ashvamedhika-Kuta, dann Kopf-, Astra- und Herz-Formel.

Anmerkung: Farbbereich harit nicht auf einen modernen exakten Farbton eingeengt.

Vers 802
[…] varṇaṃ ca tamasāṃ nimnagāmapi |
mahānadīnadīmuktvā mahāmantreśvarīrayet ||802||

[…] Farbe beziehungsweise Laut; den Fluss Tamasa. Man nenne die Mahanadi und spreche „Mahamantreshvari!“

Anmerkung: Fragment: erste Decknamen-/Farbgruppe beschädigt. Mahamantreshvari: große Herrin der Mantras.

Vers 803
nāḍīmalambuṣāmuktvā kūṭaṃ vai kauṇḍapāmayam |
svāhā vivṛttaṃ hṛdayaṃ tataḥ śūlini coddharet ||803||

Man nenne die Alambusha-Nadi und das Kaundapamaya-Kuta; Svaha, Vivritta, die Herz-Formel und dann „Shulini!“

Anmerkung: Kaundapamaya in unsicherer Quellform bewahrt; Shulini: Speer- oder Dreizackträgerin.

Vers 804
rājasūyaṃ tataḥ kūṭaṃ nadīṃ mandākinīmapi |
nāḍīṃ viśvodarāmuktvā tadante vahnikāminīm ||804||

Danach das Rajasuya-Kuta und den Fluss Mandakini; man nenne die Vishvodara-Nadi und am Ende Vahnikamini.

Vers 805
pāṣāṇaṃ tvāṣṭrasūktaṃ ca śukavarṇamanantaram |
bhuvaneśvari saṅkīrtya nāḍīṃ saṅkocinīṃ vadet ||805||

Pashana, das Tvashtra-Sukta und danach die papageiengrüne Farbe beziehungsweise Shuka-Varna. Man spreche „Bhuvaneshvari!“ und nenne die Sankochini-Nadi.

Anmerkung: Quellform śauka-varṇa leicht unsicher; Bhuvaneshvari: Herrin der Welten.

Vers 806
ādityāmayakūṭaṃ ca svāhā vipṛthumeva ca |
tataḥ sviṣṭakṛtaṃ […] śatadrutaṭinīmapi ||806||

Das Adityamaya-Kuta, Svaha und Viprithu; dann Svishtakrit, […] und den Fluss Shatadru.

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor śatadru beschädigt; Viprithu unsicherer Deckname. Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 807
yantrapramathinīmuktvā sūktaṃ vāyavyameva ca |
nāḍīmāveśanīmuktvā karburaṃ varṇamīrayet ||807||

Man spreche „Yantrapramathini!“, dann das Vayavya-Sukta; man nenne die Aveshani-Nadi und die gesprenkelte Farbe beziehungsweise Karbura-Varna.

Anmerkung: Yantrapramathini: die Yantras erschütternde oder zerbrechende Göttin.

Vers 808
trailokyavijaye procya vijayaṃ pravadettataḥ |
[…] jayayugaṃ phaṭśirastadanantaram ||808||

Man spreche „Trailokyavijaya!“ und Vijaya; […] zweimal „Siege!“, danach phaṭ und die Kopf-Formel.

Anmerkung: Fragment: Gruppe vor jaya beschädigt. Trailokyavijaya: Siegerin über die drei Welten.

Vers 809
phalgusrotasvatīṃ procya tadante guhyakhecarīm |
gavāmayaṃ tataḥ kūṭaṃ lauhityataṭinīmapi ||809||

Man nenne den Fluss Phalgu und danach Guhyakhechari; das Gavamaya-Kuta und den Fluss Lauhitya.

Anmerkung: Guhyakhechari: die verborgene, im Luftraum wandelnde Göttin; Decknamen nicht zu einer ausgeschriebenen Gesamtformel ergänzt.

Vers 810
guhyā mahābhairavīti tataḥ paramudīrayet |
pūrṇāṃ nāḍīṃ śvetavarṇaṃ sūktaṃ paryāyanāmakam ||810||

Dann spreche man „Guhya-Mahabhairavi!“ Die Purna-Nadi, die weiße Farbe beziehungsweise Shveta-Varna und das Paryaya genannte Sukta.

Anmerkung: Guhya-Mahabhairavi: verborgene große Bhairavi.

Vers 811
tataḥ santalabījaṃ ca phaṭtrayaṃ hṛcchiro'pi ca |
snigdhāṃ nāḍīṃ ca saṅgūḍhaṃ sūktaṃ hairaṇyakeśakam ||811||

Danach das Santala-Bija, dreimal phaṭ, Herz- und Kopf-Formel; die Snigdha-Nadi, Sangudha und das Hairanyakeshaka-Sukta.

Anmerkung: Der Druck erwägt Sambala statt Santala; Fußnote hat abweichende Endung des Sukta-Namens. Unsichere Hauptlesung bewahrt.

Vers 812
lakṣmi brūyādrājyasiddhipadapūrvaṃ varānane |
phenilāṃ taṭinīmuktvā pāṇḍuraṃ varṇamīrayet ||812||

Man spreche Lakshmi mit dem Vorsatz Rajyasiddhi: „Rajyasiddhilakshmi!“, Schöngesichtige. Man nenne den Fluss Phenila und die weißliche Farbe beziehungsweise Pandura-Varna.

Anmerkung: Name: Lakshmi der Vollendung königlicher Herrschaft.

Vers 813
rājyaśriyaṃ mayi procya nidhehyante śiro vadet |
lepabījaṃ vijṛmbhaṃ ca varṇau kapilapāṭalau ||813||

Man spreche „Lege den Glanz der Herrschaft in mich!“ und am Ende die Kopf-Formel. Das Lepa-Bija und Vijrimbha, dann die Farben Kapila und Patala: gelbbraun und blassrot.

Anmerkung: Varna kann zugleich Lautbezeichnung sein; Farbnamen nicht als vollständig ausgeschriebene Bijas ausgegeben.

Vers 814
nāḍyau tejasvinīdṛpte rājarājeśvarīti ca |
narmadācandrabhāgākhyahradinyau tadanantaram ||814||

Die Nadis Tejasvini und Dripta; „Rajarajeshvari!“ Danach die Flüsse Narmada und Chandrabhaga.

Anmerkung: Rajarajeshvari: Herrin des Königs der Könige. Dripta unsichere Nadi-Namenslesung.

Vers 815
śivasaṅkalpavibhrājasūkte tadanu kīrtayet |
tataḥ kūṭo gajākrāntaḥ kandarpabalaśātanau ||815||

Man nenne danach die Suktas Shivasankalpa und Vibhraja; dann das Gajakranta-Kuta, Kandarpa und Balashatana.

Anmerkung: Letzter Name bedeutet wörtlich „Kraftschwächung“, steht hier aber als Bija-Deckname; keine Ritualanweisung ergänzt.

Vers 816
[…] hṛdayaṃ cāpi […] tataḥ param |
bījaṃ saṃhāriṇīmuktvā kūṭaṃ gosavamīrayet ||816||

[…], die Herz-Formel und danach […]. Man spreche das Samharini-Bija und nenne das Gosava-Kuta.

Anmerkung: Fragment: zwei Gruppen der ersten Hälfte beschädigt. Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 817
suvarṇarekhātaṭinīmaśvārūḍhe tataḥ param |
sūktaṃ gṛtsamadīyaṃ nāḍīmapi ca karṣiṇīm ||817||

Den Fluss Suvarnarekha, danach „Ashvarudha!“ Das Gritsamada zugehörige Sukta und die Karshini-Nadi.

Anmerkung: Sukta-Name nach der ausdrücklich fragenden Korrektur im Druck gelesen; keine scheinbar sichere Identifikation eines bestimmten Hymnus. Ashvarudha: auf einem Pferd reitende Göttin.

Vers 818
tato dhūsaravarṇānte hṛcchīrṣe parikīrtayet |
śubhaṃyunāmakaṃ bījaṃ bījaṃ sampratyayaṃ tathā ||818||

Nach der grauen Farbe beziehungsweise Dhusara-Varna spreche man Herz- und Kopf-Formel; dann das Shubhamyu genannte Bija und das Sampratyaya-Bija.

Anmerkung: Shubhamyu ist eine unsichere Decknamenform; nicht zu einem anderen Namen normalisiert.

Vers 819
nāciketasasūktaṃ ca nāḍīmapi vilambinīm |
vajraprastāriṇi procya nadīmairāvatīmapi ||819||

Das Nachiketasa-Sukta und die Vilambini-Nadi; man spreche „Vajraprastarini!“ und nenne den Fluss Airavati.

Anmerkung: Göttinnenname: etwa „die Vajras ausbreitet“; kein bestimmter externer Hymnus ohne Beleg hinzugefügt.

Vers 820
[…] śyāmavarṇaṃ śiro hṛdayameva ca |
nāḍīṃ prabuddhāṃ saṃvyānaṃ nityaklinne tataḥ param ||820||

[…], die dunkle Farbe beziehungsweise Shyama-Varna, Kopf- und Herz-Formel; die Prabuddha-Nadi, Samvyana und danach „Nityaklinna!“

Anmerkung: Fragment: erster Bestandteil beschädigt. Nityaklinna: „die stets Benetzte“ als überlieferter Göttinnenname.

Vers 821
prasannā bhava saṅkīrtya kūṭaṃ caiva mahāvratam |
namaḥ svāhā samuccārya sūktaṃ vai nīlalohitam ||821||

Man spreche „Sei wohlgesinnt!“ und das Mahavrata-Kuta, danach namaḥ svāhā und das Nilalohita-Sukta.

Vers 822
lohitaṃ varṇamanu ca kūṭaṃ godohamanvataḥ |
sambodhanamaghorāyā ghoraghoratarākṣarāt ||822||

Dann die rote Farbe beziehungsweise Lohita-Varna und das Godoha-Kuta; die Anrede „Aghora!“ und die Bestandteile „furchtbar, noch furchtbarer …“

Anmerkung: Satz beziehungsweise Gebetsanrede wird in 823 abgeschlossen.

Vers 823
rūpe pāhi yugaṃ procya trilokīṃ tadanantaram |
vadecca kṣepaṇīṃ nāḍīṃ svāhā ca tadanantaram ||823||

… „von solcher Gestalt“. Dann zweimal „Schütze!“ und „die drei Welten“: „Du von furchtbarer, noch furchtbarerer Gestalt, schütze die drei Welten!“ Man nenne die Kshepani-Nadi, danach Svaha.

Anmerkung: Die Anrede Aghora aus 822 bedeutet zugleich „Nichtfurchtbare“; diese Spannung wird nicht durch Änderung des Namens beseitigt.

Vers 824
tataḥ sambalabījaṃ ca nāḍīmatha yaśasvinīm |
śucivarṇaṃ samuddhṛtya jayabhairavi kīrtayet ||824||

Danach das Sambala-Bija und die Yashasvini-Nadi. Man füge Shuchi-Varna, die reine beziehungsweise leuchtende Farbe, an und spreche „Jayabhairavi!“

Anmerkung: Jayabhairavi kann auch als „Sieg dir, Bhairavi!“ segmentiert werden; Benennung bleibt offen.

Vers 825
jayaprade samullikhya jayayugvijayadvayam |
devikātaṭinīṃ brahmayajñakūṭaṃ tataḥ param ||825||

Man schreibe „Siegspenderin!“, zweimal jaya und zweimal vijaya; den Fluss Devika und danach das Brahmayajna-Kuta.

Anmerkung: Jaya/vijaya hier als wiederholte Sieg-Wörter beziehungsweise Formelglieder, nicht als neue Göttinnenzahlen gedeutet.

Vers 826
astraśīrṣe ca hṛdayamataḥ paramudīrayet |
parṇāśāṃ taṭinīmuktvā bījaṃ dhammillanāmakam ||826||

Danach spreche man Astra-, Kopf- und Herz-Formel; man nenne den Fluss Parnasha und das Dhammilla genannte Bija.

Anmerkung: Dhammilla: Deckname, wörtlich Haarknoten; tatsächliche Silbe nicht ergänzt.

Vers 827
tato jayamahāśabdāccaṇḍayogeśvarīrayet |
tato rasavahāṃ nāḍīṃ tuṅgabhadrātaraṅgiṇīm ||827||

Aus Jaya, Maha und Chandayogeshvari bilde man „Jaya-Mahachandayogeshvari!“ Danach die Rasavaha-Nadi und den Fluss Tungabhadra.

Anmerkung: Die Anrede kann auch „Sieg dir, große Chandayogeshvari!“ lauten; Quelle gibt die Wortbestandteile vor.

Vers 828
bārhaspatyaṃ tataḥ sūktaṃ dhūsaraṃ varṇameva ca |
kūṭaṃ bahusuvarṇaṃ ca śīrṣaṃ hṛccāstrameva ca ||828||

Danach das Barhaspatya-Sukta, die graue Farbe beziehungsweise Dhusara-Varna; das Bahusuvarna-Kuta, Kopf-, Herz- und Astra-Formel.

Vers 829
kapiśaṃ varṇamālikhya kūṭaṃ viśvajitaṃ tathā |
caṇḍayogeśvari tataḥ punarnāḍīṃ prakāśinīm ||829||

Man schreibe die braune Farbe beziehungsweise Kapisha-Varna und das Vishvajit-Kuta; dann „Chandayogeshvari!“ und die Prakashini-Nadi.

Vers 830
anantākhyaṃ tataḥ sūktaṃ sitrāṃ srotasvatīṃ tataḥ |
śuddhavatyaṃ tataḥ sūktaṃ svāhāntaṃ parikīrtayet ||830||

Danach das Ananta genannte Sukta und den Fluss Sitra. Man spreche dann das Shuddhavatya-Sukta mit Svaha am Ende.

Anmerkung: Sitra und Shuddhavatya sind unsichere Quellnamen; nicht zu ähnlich klingenden bekannten Namen geändert. OCR-Nummer 630 als 830 gelesen.

Vers 831
svāhākāraṃ kūṭamuktvā bījaṃ saṃvartakaṃ tathā |
[…] iti saṃlikhya hṛnmantraṃ śeṣato vadet ||831||

Man spreche das Svahakara-Kuta und das Samvartaka-Bija; man schreibe […] und sage am Schluss den Herz-Mantra.

Anmerkung: Fragment: Anrede oder Formelwort in zweiter Hälfte beschädigt.

Vers 832
kāverīṃ taṭinīmuktvā vivartakamataḥ param |
ālasyākhyāṃ tato nāḍīṃ tripuṭe tadanantaram ||832||

Man nenne den Fluss Kaveri, danach Vivartaka; die Alasya genannte Nadi und anschließend „Triputa!“

Anmerkung: Alasya ist die Quelllesung, auch wenn der Name ungewöhnlich ist; keine vermeintlich passendere Nadi ergänzt. Versnummer beschädigt.

Vers 833
sarvaṃ sādhaya śīrṣaṃ tu vivatsaṃ bījamanvataḥ |
[…] tanūnapātaṃ ca nāḍīṃ klinnāhvayāmapi ||833||

„Bringe alles zum Gelingen!“ Dann die Kopf-Formel und das Vivatsa-Bija. […], Tanunapat und die Klinna genannte Nadi.

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor tanūnapāt beschädigt; Vivatsa als unsichere Decknamenform bewahrt.

Vers 834
mahācaṇḍapadādyogeśvari saṅkīrtayettataḥ |
aindragopaṃ tato […] ||834||

Aus Mahachanda und Yogeshvari bilde man „Mahachandayogeshvari!“ Danach Aindragopa […].

Anmerkung: Fragment: fast die gesamte zweite Vershälfte nach aindragopa beschädigt; keine erwartbare Farb- oder Flussangabe ergänzt. OCR-Nummer 8234 als 834 gelesen.

Vers 835
astraṃ ca hṛdayaṃ cānte niyuktiṃ tadanantaram |
aśvapratigrahaṃ kūṭaṃ vitandrābījameva ca ||835||

Am Ende Astra- und Herz-Formel; danach Niyukti, das Ashvapratigraha-Kuta und das Vitandra-Bija.

Anmerkung: OCR-Nummer 8395 als 835 gelesen.

Vers 836
caṇḍakāpāleśvari ca padametattato vadet |
[…] nāḍīṃ kuhūnāḍīṃ hārītaṃ varṇameva ca ||836||

Dann sage man „Chandakapaleshvari!“ Die […]-Nadi, die Kuhu-Nadi und Harita-Varna, die grünliche Farbe.

Anmerkung: Fragment: erster Nadi-Name beschädigt. OCR-Nummer 826 aus Folge als 836 gelesen.

Vers 837
asyavāmīyasūktaṃ ca nadīṃ godāvarīmapi |
phaṭtrayaṃ ca namodvandvaṃ śīrṣamekamataḥ param ||837||

Das Asyavamiya-Sukta und den Fluss Godavari; dreimal phaṭ, zweimal namaḥ und danach einmal die Kopf-Formel.

Anmerkung: Sukta-Name bezeichnet den Anfang asya vāmasya; hier keine externe vollständige Hymnusfassung eingesetzt.

Vers 838
sambhāvaṃ hṛdayaṃ procya svarṇakūṭeśvarīti ca |
nāḍīṃ praśāntāṃ tadanu nadīṃ bhīmarathīmapi ||838||

Man spreche Sambhava und die Herz-Formel, dann „Svarnakuteshvari!“ Danach die Prashanta-Nadi und den Fluss Bhimarathi.

Anmerkung: Göttinnenname in seiner Quellform bewahrt, nicht mit einem anderen Namen verschmolzen.

Vers 839
haviṣyantaṃ tataḥ sūktaṃ varṇaṃ hariṇameva ca |
nadyāvartaṃ punaḥ kūṭaṃ śeṣe svāhāṃ samuddharet ||839||

Danach das Havishyanta-Sukta und Harina-Varna, die rehfarbene Tönung. Wiederum das Nadyavarta-Kuta; am Schluss füge man Svaha an.

Anmerkung: Sukta-Name beschädigungsverdächtig; keine genaue Hymnenfundstelle erfunden.

Vers 840
kūṭaṃ rathakrāntasaṃjñamanuvṛttimataḥ param |
vārtāli padato brūyāddhūtapāpābhidhāṃ nadīm ||840||

Das Rathakranta genannte Kuta, danach Anuvritti; die Anrede „Vartali!“ und den Dhutapapa genannten Fluss.

Anmerkung: Fußnote bietet Vartani für Vartali; Hauptlesung bewahrt.

Vers 841
tandrāvatīmatho nāḍīṃ rājasaṃ varṇameva ca |
ante phaṭkādravaṃ varṇaṃ kūṭaṃ balabhidaṃ tataḥ ||841||

Dann die Tandravati-Nadi und Rajasa-Varna; am Ende phaṭ. Danach Kadrava-Varna und das Balabhid-Kuta.

Anmerkung: Rajasa/Kadrava sind hier nicht zuverlässig als genaue Farbtöne oder Laute auflösbar; Bezeichnungen bewahrt.

Vers 842
saṃyogabījamālikhya caṇḍavārtāli […] |
tato viśrāntināḍyante svāhāśabdaṃ vinirdiśet ||842||

Man schreibe das Samyoga-Bija und „Chandavartali!“ […]. Danach, am Ende der Vishranti-Nadi, setze man das Wort Svaha.

Anmerkung: Fragment: ein Wort nach der Anrede beschädigt; Anweisung zu Nadi-Name und Formelwörtern, nicht zum Ausführen eines Körperverfahrens.

Vers 843
guptācārāhvayaṃ bījaṃ jayavārtāli cetyapi |
sūktaṃ ca natamahākhyaṃ nāḍīṃ ca jvālinīṃ tataḥ ||843||

Das Guptachara genannte Bija und „Jayavartali!“; das Natamaha genannte Sukta und danach die Jvalini-Nadi.

Anmerkung: Erste Vershälfte steht vor einem OCR-Seitenumbruch, zweite danach; als ein nummerierter Vers zusammengeführt. Sukta-Name unsicher.

Vers 844
sarvajñatāṃ dehi coktvā dāpayānte'gnivallabhām |
taittiraṃ varṇamālikhya viyogaṃ bījameva ca ||844||

Man spreche „Gib Allwissenheit, lass sie zuteilwerden!“ Am Ende folgt Agnivallabha. Man schreibe Taittira-Varna und das Viyoga-Bija.

Anmerkung: Taittira als Bezeichnung bewahrt, keine exakte Farbe oder Lautform ergänzt; Versnummer beschädigt.

Vers 845
iṣusaṃjñaṃ tataḥ kūṭaṃ jvalayugmamataḥ param |
caitanyabhairavi procya ruciṃ nāḍīṃ śiro'pi ca ||845||

Danach das Ishu genannte Kuta, zweimal „Brenne!“; man spreche „Chaitanyabhairavi!“, die Ruchi-Nadi und die Kopf-Formel.

Anmerkung: Chaitanyabhairavi: Bhairavi als Bewusstsein.

Vers 846
uktvā viṣṇukrāntakūṭaṃ hṛtkālādbhairavītyapi |
punaḥ kāleśvarapadādgṛhiṇīti samuddharet ||846||

Man spreche das Vishnukranta-Kuta, die Herz-Formel und aus Kala und Bhairavi „Kalabhairavi!“ Dann bilde man „Gattin des Herrn der Zeit!“

Vers 847
kālaṃ me nāśayetyuktvā sarvaśeṣe'nalābalām |
pāṭalaṃ bījamālikhya kūṭamagnicitaṃ tataḥ ||847||

Man spreche „Vernichte meinen Tod!“ und ganz am Schluss Analabala. Man schreibe das Patala-Bija, danach das Agnichit-Kuta.

Anmerkung: Kāla kann Zeit oder Tod bedeuten; in dieser Bitte ist Tod die naheliegende Lesung. Keine tatsächliche Unsterblichkeitszusage der Redaktion.

Vers 848
tasyānu vāraṇāṃ nāḍīmugracaṇḍe tataḥ param |
sūktaṃ ca pāvamānākhyaṃ nadīṃ bhogavatīmapi ||848||

Danach die Varana-Nadi und „Ugrachanda!“; das Pavamana genannte Sukta und den Fluss Bhogavati.

Vers 849
gauravarṇaṃ tato brūyādastrasvāntaśirāṃsi ca |
vikaṭaṃ bhairavaṃ kūṭaṃ śmaśānapadatastataḥ ||849||

Dann spreche man Gaura-Varna, die helle Farbe, sowie Astra-, Herz- und Kopf-Formel; Vikata und das Bhairava-Kuta, danach das Wort „Leichenstätte …“

Anmerkung: Svānta als Herz-Bezeichnung; genaue Trennung vikata/bhairava-kūṭa unsicher.

Vers 850
ugracaṇḍe sasandhyuktvā mahāghorāttato vadet |
ākāradhāriṇi saṅkīrtya dhūmrāṃ nāḍīṃ samuddharet ||850||

… und mit Lautverschmelzung „Ugrachanda“: „Ugrachanda der Leichenstätte!“ Dann „Du, die eine überaus furchtbare Gestalt trägt!“ Man füge die Dhumra-Nadi an.

Anmerkung: Zusammengesetzte Göttinnenanrede aus 849–850, keine gesicherte separate Gottheitenzahl daraus abgeleitet.

Vers 851
phaṭsvāhā paścime coktvā pippalaṃ bījamanvataḥ |
adhunā bhaivikāṃ nāḍīṃ rudracaṇḍe tataḥ param ||851||

Am Schluss spreche man phaṭ svāhā; danach das Pippala-Bija. Nun die Bhaivika-Nadi, anschließend „Rudrachanda!“

Anmerkung: Nadi-Name bhaivikā beziehungsweise adhunabhaivikā nicht sicher abgrenzbar; keine bekannte andere Nadi eingesetzt.

Vers 852
nadīṃ śītāṃ kṛṣṇavarṇaṃ hṛdayaṃ śira eva ca |
samitkūṭaṃ samuddhṛtya pracaṇḍe iti vai tataḥ ||852||

Den Fluss Shita, die schwarze Farbe beziehungsweise Krishna-Varna, Herz- und Kopf-Formel; man füge das Samit-Kuta an, danach „Prachanda!“

Anmerkung: Der Druck bietet in Klammern Shipra statt Shita, eine Fußnote liest Nadi statt Fluss. Hauptlesung und Alternativen getrennt bewahrt.

Vers 853
nārāśaṃsīṃ tataḥ sūktaṃ śabalaṃ varṇameva ca |
nāḍīmapi ca nirvāṇāṃ nirvindhyātaṭinīmapi ||853||

Danach das Narashamsi-Sukta, die bunte Farbe beziehungsweise Shabala-Varna, die Nirvana-Nadi und den Fluss Nirvindhya.

Vers 854
[…] śīrṣamante ca bījaṃ vinimayaṃ tataḥ |
[…] tataḥ kūṭaṃ phaḍante nama īrayet ||854||

[…] und am Ende die Kopf-Formel; danach das Vinimaya-Bija, das […]-Kuta. Nach phaṭ spreche man namaḥ.

Anmerkung: Fragment: Anfang und Kuta-Name beschädigt; lesbare Nachbarformeln vollständig übersetzt.

Vers 855
raktavarṇaṃ vaiśvadevasūktaṃ tadanu kīrtayet |
namaḥ phaḍante coddhṛtya kālavarṇaṃ samuccaret ||855||

Danach nenne man die rote Farbe beziehungsweise Rakta-Varna und das Vaishvadeva-Sukta; namaḥ, phaṭ am Ende, dann Kala-Varna, die schwarze Farbe.

Anmerkung: Fußnote bietet statt eines Teils die Anrede Chandanayika; nicht in den Haupttext eingefügt.

Vers 856
caṇḍe dhunī mālinī ca phaḍante nama īrayet |
vipakṣaśyenakūṭaṃ ca nāḍīmapi marīcikām ||856||

„Chanda!“, der Fluss Malini; nach phaṭ spreche man namaḥ. Vipaksha und das Shyena-Kuta, danach die Marichika-Nadi.

Anmerkung: Wortgrenze vipakṣa/śyena-kūṭa nicht völlig gesichert; OCR-Nummer teilweise lateinisch, als 856 gelesen.

Vers 857
punaścaṇḍavati procya prasannā bhava cerayet |
[…] samābhāṣya śeṣe svāhāṃ vinirdiśet ||857||

Wiederum spreche man „Chandavati, sei wohlgesinnt!“ […] und setze am Schluss Svaha.

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe vor Schlussformel beschädigt.

Vers 858
dvādaśāhaṃ kūṭamādau citravarṇamataḥ param |
sambuddhimaticaṇḍāyāḥ lakṣmīsūktamanantaram ||858||

Zuerst das Dvadashaha-Kuta, danach die vielfarbige Tönung beziehungsweise Chitra-Varna; die Anrede „Atichanda!“ und anschließend das Lakshmi-Sukta.

Anmerkung: Nummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 859
ghorarūpamupetyuktvā śamayānte śiro'pi ca |
virāgaṃ haritaṃ varṇaṃ caṇḍike tadanantaram ||859||

Man spreche „Nimm die furchtbare Gestalt an und bringe zur Ruhe!“ Am Ende von śamaya folgt die Kopf-Formel. Viraga, die grüne Farbe beziehungsweise Harita-Varna und dann „Chandika!“

Anmerkung: Objekt von śamaya nicht genannt; kein bestimmter Feind oder Krankheitszustand ergänzt.

Vers 860
kṛpāmuktvā kurudvandvaṃ namaḥ svāhā ca paścime |
gaganiḥśreṇikāṃ nāḍīṃ jvālākātyāyanītyapi ||860||

Man spreche „Erweise Gnade, erweise sie!“ und am Schluss namaḥ svāhā. Dann die Gaganishshrenika-Nadi und „Jvalakatyayani!“

Anmerkung: Nadi-Name im OCR goga-niḥśreṇikā, Lesung unsicher; nicht durch geläufigen Kanalnamen ersetzt. Jvalakatyayani: flammende Katyayani.

Vers 861
upāṃśukūṭaṃ tadanu varṇaṃ vāruṇamanvataḥ |
somāraudraṃ tataḥ sūktaṃ phaḍante śira īrayet ||861||

Danach das Upamshu-Kuta und Varuna-Varna; dann das Somaraudra-Sukta und nach phaṭ die Kopf-Formel.

Anmerkung: Varuna-Varna nur benannt, kein unbelegter Farbwert eingesetzt.

Vers 862
visañjñāṃ vajrakūṭaṃ ca nāḍīmapi kapardinīm |
unmattamahiṣetyuktvā mardinītyapi kīrtayet ||862||

Visamjna und das Vajra-Kuta; die Kapardini-Nadi. Man bilde „Du, die den rasenden Büffel zerdrückt!“

Anmerkung: OCR kapahinī, als kapardinī kontextuell gelesen und ausdrücklich unsicher; mardinī aus beschädigtem mahini nach der lesbaren Büffel-Anrede, keine sichere diplomatische Lesung behauptet.

Vers 863
tato vipāśāṃ taṭinīṃ saṅkaraṃ varṇamanvataḥ |
astraṃ śiraścaṇḍinaṃ ca namo muṇḍamataḥ param ||863||

Danach den Fluss Vipasha und Sankara-Varna, die gemischte Tönung; Astra- und Kopf-Formel, Chandin, namaḥ und Munda.

Anmerkung: Chandin/Munda als lesbare Decknamen, genaue Namensformen unsicher.

Vers 864
madhumatyanu saṅkīrtya bhogasiddhimitīrayet |
prayaccha vahnijāyāṃ ca gaṅgāṃ saritameva ca ||864||

Danach spreche man „Madhumati, gewähre die Vollendung des Genusses!“ Dann Vahnijaya und den Fluss Ganga.

Anmerkung: Vahnijaya: „Gattin des Feuers“ als Deckname einer Abschlussformel; nicht stillschweigend mit zusätzlichem Sanskrit erweitert.

Vers 865
saubhāgyakāriṇaṃ kūṭaṃ tripurāpadato vadet |
vāgīśvari tataḥ śabdaṃ turīyāṃ nāḍikāmapi ||865||

Das Saubhagyakarin-Kuta; aus Tripura und Vagishvari bilde man „Tripuravagishvari!“ Dann die Turiya-Nadi.

Anmerkung: Tripuravagishvari: Herrin der Rede mit dem Namen Tripura; keine weitere Gottheitenidentifikation erzwungen.

Vers 866
svāhānte tadanu brūyātsaṃvipratyayabījakam |
caṇḍavāruṇi saṅkīrtya sarvamāveśayetyapi ||866||

Nach Svaha spreche man das Samvipratyaya-Bija. Man rufe „Chandavaruni!“ an und sage „Ergreife alles mit deiner Macht!“

Anmerkung: Samvipratyaya ist die Quellform; nicht an ähnliche vorherige Bija-Namen angeglichen.

Vers 867
mūlānāḍīṃ tato varṇaṃ piṅgalaṃ samudāharet |
namaḥ svāhā tadante ca vipratyayamataḥ param ||867||

Die Mula-Nadi; dann nenne man die gelbbraune Farbe beziehungsweise Pingala-Varna. Am Ende namaḥ svāhā; danach Vipratyaya.

Vers 868
dīkṣāsomaṃ tataḥ kūṭamaghorā saumya ityapi |
maitrāvaruṇasūktaṃ ca phaḍante vahnikāminīm ||868||

Danach das Dikshasoma-Kuta; Aghora und Saumya; das Maitravaruna-Sukta und nach phaṭ Vahnikamini.

Anmerkung: Diksha/Soma möglicherweise zwei Glieder statt eines Kuta-Namens; die Quellfolge bleibt nachvollziehbar.

Vers 869
uktvoccaśikharaṃ bījaṃ hāridraṃ varṇameva ca |
paurṇamāsaṃ tataḥ kūṭaṃ dhanadāghora ityapi ||869||

Man spreche das Uccashikhara-Bija und Haridra-Varna, die kurkumagelbe Farbe; danach das Paurnamasa-Kuta und „Dhanada, Ghora“.

Anmerkung: Die letzten Worte könnten eine zusammengesetzte Göttinnenanrede bilden; keine sichere Trennung behauptet. OCR-Nummer 566 aus Folge als 869 gelesen.

Vers 870
dhanaṃ prayaccha cetyuktvā nāḍīmapi ca tāpinīm |
phaṭsvāntaṃ tadanu brūyānnadīṃ kokanadāhvayām ||870||

Man spreche „Gewähre Reichtum!“, dann die Tapini-Nadi; phaṭ und die Herz-Formel. Danach nenne man den Fluss Kokanada.

Vers 871
kālarātrīti saṅkīrtya kālaṃ me nāśayetyapi |
tataśca hṛdayaṃ śīrṣaṃ vipāśaṃ bījamanvataḥ ||871||

Man spreche „Kalaratri, vernichte meinen Tod!“ Danach Herz- und Kopf-Formel, anschließend das Vipasha-Bija.

Anmerkung: Kāla als Tod verstanden; Verheißungs- und Gebetssprache, keine medizinische Aussage.

Vers 872
māyūraṃ ca tato varṇaṃ kūṭamaśvapratigraham |
kirāteśvari coddhṛtya jagadvaśamitīrayet ||872||

Danach Mayura-Varna, die Pfauenfarbe, und das Ashvapratigraha-Kuta. Man füge „Kirateshvari!“ an und beginne „Bringe die Welt unter [meine] Macht …“

Anmerkung: Fortsetzung des Befehls in 873; Kirateshvari als Göttinnenname, etwa Herrin der Kiratas.

Vers 873
ānayānte […] pālitātaṭinīmapi |
kūṭaṃ bahirathaṃ paścāddigambari tataḥ param ||873||

Am Ende von „Führe herbei!“ folgt […] und der Fluss Palita; danach das Bahiratha-Kuta und „Digambari!“

Anmerkung: Fragment: Formelgruppe nach ānaya beschädigt. Anfang ā statt mā nach der im Druck fragenden Korrektur gelesen; Digambari: mit dem Raum bekleidete Göttin.

Vers 874
svāntamastraṃ tadante ca tataḥ sammohabījakam |
saubharaṃ ca tataḥ kūṭaṃ kālasaṅkarṣiṇītyapi ||874||

Am Ende Herz- und Astra-Formel; danach das Sammoha-Bija und das Saubhara-Kuta, dann „Kalasamkarshini!“

Anmerkung: Kalasamkarshini: die Zeit an sich ziehende beziehungsweise zusammenziehende Göttin.

Vers 875
candrāvṛttiṃ tato nāḍīṃ kālaṃ vañcaya cetyapi |
timirātaṭinīmuktvā svāhā śeṣe prayojayet ||875||

Danach die Chandravritti-Nadi und „Überliste die Zeit, den Tod!“ Man nenne den Fluss Timira und setze am Schluss Svaha ein.

Anmerkung: Die doppelte deutsche Bedeutung erläutert kāla, ohne zwei Sanskritwörter vorzutäuschen.

Vers 876
vinamraṃ samanuddhṛtya nāḍīmapyatha lambikām |
jayakaṅkeśvari procya kausumbhaṃ varṇamityapi ||876||

Man füge Vinamra und die Lambika-Nadi an; spreche „Jayakankeshvari!“ und nenne Kausumbha-Varna, die Saflorfarbe.

Anmerkung: Fußnote hat einen abweichenden Göttinnennamen; Hauptlesung Kankeshvari unsicher. OCR-Nummer 576 als 876 gelesen.

Vers 877
gomedhakūṭaṃ surabhīnāḍīmapi tataḥ param |
sarasvatīṃ ca taṭinīṃ sūktamāryamṇameva ca ||877||

Das Gomedha-Kuta, danach die Surabhi-Nadi; den Fluss Sarasvati und das Aryamna-Sukta.

Anmerkung: Fußnote erwägt Rishabhi statt Surabhi; Hauptlesung bewahrt.

Vers 878
hṛdastraśīrṣāṇyante saṃśrāntimatha […] |
kūṭaṃ tataśca cayanaṃ siddhalakṣmi tataḥ param ||878||

Am Ende Herz-, Astra- und Kopf-Formel. Samshranti und […]; dann das Chayana-Kuta und „Siddhalakshmi!“

Anmerkung: Fragment: ein Deckname nach saṃśrānti beschädigt; Siddhalakshmi: Lakshmi der Vollendung.

Vers 879
agnīṣomīyasūktaṃ ca nāḍīṃ nandāmathoccaret |
yamunātaṭinīmuktvā varṇamulbaṇameva ca ||879||

Man spreche das Agnishomiya-Sukta und die Nanda-Nadi; nenne den Fluss Yamuna und Ulbana-Varna, die kräftige beziehungsweise intensive Farbe.

Anmerkung: Ulbana nicht auf einen bestimmten modernen Farbton eingeengt.

Vers 880
ante namaḥ padaṃ procya nāḍīṃ tadanu kṛntinīm |
vainateyaṃ tataḥ kūṭaṃ tataśca bhramarāmbike ||880||

Am Ende das Wort namaḥ; dann die Krintini-Nadi, das Vainateya-Kuta und „Bhramarambika!“

Anmerkung: Bhramarambika: Muttergöttin mit Bienenbezug; keine externe Ortsidentifikation hinzugefügt.

Vers 881
[…] jvalayugaṃ sampattiṃ ca dadadvayam |
svāhā viṣkambhabījaṃ ca namaḥ padamataḥ param ||881||

[…], zweimal „Brenne!“; dann „Gib Fülle, gib!“ Svaha, das Vishkambha-Bija und danach das Wort namaḥ.

Anmerkung: Fragment: erster Bestandteil beschädigt. Fußnote bietet Vikshata statt Vishkambha; Hauptlesung bewahrt. Versnummer beschädigt.

Vers 882
mahāmohini sandhyādyairmohaya dvitayaṃ vadet |
jagadvaśaṃ kuru tato namo'pyante samīreyet ||882||

Man spreche „Mahamohini!“ mit der angegebenen Lautverbindung, dann zweimal „Bezaubere!“ und „Bringe die Welt unter [meine] Macht!“ Am Ende namaḥ.

Anmerkung: Sandhi-Anweisung am Anfang nicht völlig eindeutig; lesbare Unterwerfungsbitte vollständig übersetzt, keine heutige Empfehlung.

Vers 883
pūṣāṃ nāḍīṃ nadīṃ tāpīṃ kūṭaṃ vai viṣṇuvikramam |
sambuddhiṃ śabareśvaryāḥ kukṛtyaṃ nāśayetyapi ||883||

Die Pusha-Nadi, den Fluss Tapi und das Vishnuvikrama-Kuta; die Anrede „Shabareshvari!“ und „Vernichte die schädliche Handlung beziehungsweise den bösen Zauber!“

Anmerkung: Kukritya kann schädliches Tun oder einen feindlichen Ritualakt bezeichnen.

Vers 884
śarīraṃ ca tato brūyādgopaya dvitayaṃ priye |
svāhā saṅkṣatabījaṃ ca citrāṃ nāḍīmataḥ param ||884||

Dann spreche man „Behüte den Körper, behüte ihn!“, Geliebte. Svaha, das Sankshata-Bija und danach die Chitra-Nadi.

Anmerkung: Sankshata als unsichere Decknamenform bewahrt.

Vers 885
mahārṇaveśvari procya ratnaṃ paścāddadadvayam |
tato'straśirasī uktvā nāḍīmuktvā payasvinīm ||885||

Man spreche „Maharnaveshvari, gib Edelsteine, gib!“ Dann Astra- und Kopf-Formel und die Payasvini-Nadi.

Anmerkung: Maharnaveshvari: Herrin des großen Meeres. Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 886
tāmraparṇīṃ sravantīṃ ca gāndhārīnāḍikāmatha |
caṇḍeśvaryāśca sambuddhiṃ sūktaṃ gāruḍameva ca ||886||

Den Fluss Tamraparni, dann die Gandhari-Nadi; die Anrede „Chandeshvari!“ und das Garuda-Sukta.

Vers 887
phaṭtrayaṃ vahnijāyā ca tato viśrāntibījakam |
kūṭamabhyudayākhyaṃ ca śrīsūktaṃ tadanantaram ||887||

Dreimal phaṭ und Vahnijaya; danach das Vishranti-Bija, das Abhyudaya genannte Kuta und anschließend das Shri-Sukta.

Vers 888
bābhravyāścaiva sambuddhiṃ namaḥ svāhā tataḥ param |
avyaktānāmikāṃ nāḍīṃ vitastāsaritaṃ tathā ||888||

Die Anrede „Babhravi!“, danach namaḥ svāhā; die Avyakta genannte Nadi und den Fluss Vitasta.

Anmerkung: Babhravi ist die überlieferte Namensform; nicht mit einer ähnlichen Göttin gleichgesetzt.

Vers 889
sambuddhiṃ vajrapūrvāyāḥ kubjikāyāstataḥ param |
śeṣārṇānpañcavargāṇāṃ śuddhānsargenduvarjitān ||889||

Dann bilde man die Anrede der Kubjika mit dem Vorsatz Vajra: „Vajrakubjika!“ Es folgen die jeweils letzten Laute der fünf Konsonantengruppen, rein, ohne Visarga und ohne Bindu.

Anmerkung: Die Quelle gibt eine Lautbildungsanweisung; die abgeleitete Fünferfolge wird nicht zusätzlich als sicher ausgeschriebener Originaltext eingesetzt. OCR-Nummer stark beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 890
aghorāmukhi coddhṛtya kiṇiyugmaṃ tataḥ param |
vicce śabdaṃ tato procya namaḥ svāhā tataḥ param ||890||

Man füge „Aghoramukhi!“ an, danach zweimal kiṇi, dann das Wort vicce; anschließend namaḥ svāhā.

Anmerkung: Fußnote bietet kili statt kiṇi. Beide Lautformeln ohne erfundene deutsche Wortbedeutung; Aghoramukhi etwa „mit nichtfurchtbarem Gesicht“.

Vers 891
anyāsu pañcadaśasu kubjikāsu varānane |
tattatpūrvopapadataḥ sambodhanatayā vadet ||891||

Bei den anderen fünfzehn Kubjikas, Schöngesichtige, soll man die Anrede jeweils mit dem entsprechenden vorangestellten Beiwort bilden.

Anmerkung: OCR-Nummer 861 als 891 gelesen.

Vers 892
viṃśatyarṇāstu śeṣīyāṃstāneva samudāharet |
sarvasvadakṣiṇaṃ kūṭaṃ nāḍīmāpyāyanīṃ tathā ||892||

Die verbleibenden zwanzig Silben soll man jeweils unverändert sprechen. [Es folgen] das Sarvasvadakshina-Kuta und die Apyayani-Nadi.

Anmerkung: Gemeinsame Schlussfolge ausdrücklich nur durch Rückverweis gegeben; nicht fünfzehnmal redaktionell vervollständigt.

Vers 893
devīṃ samayapūrvāṃ ca kauśikātaṭinīṃ tataḥ |
[…] mokṣapūrvāṃ nāḍīmapyuttarāṃ tataḥ ||893||

Die Devi mit dem Vorsatz Samaya, dann den Fluss Kaushika; […] mit dem Vorsatz Moksha, danach die Uttara-Nadi.

Anmerkung: Fragment: Grundname der zweiten Göttinnenanrede beschädigt. Die vorherige Kubjika-Regel wird nicht zur Erfindung eines hier unlesbaren Eigennamens benutzt.

Vers 894
kṛṣṇaveṇīṃ ca taṭinīṃ bhogapūrvāṃ tatheśvarīm |
mānastokākhyasūktaṃ ca nadīṃ malataprahāriṇīm ||894||

Den Fluss Krishnaveni und Ishvari mit dem Vorsatz Bhoga: „Bhogeshvari!“ Dann das Manastoka genannte Sukta und den Fluss Malatapraharini.

Anmerkung: Letzter Flussname unsicher; Fußnote bietet Endung pravāhiṇī. Kein moderner Flussname eingesetzt.

Vers 895
[…] tatheśānīṃ kūṭaṃ ca naramedhakam |
kiraṇāṃ taṭinīṃ cāpi siddhipūrvāmatheśvarīm ||895||

[…] Ishani und das Naramedha-Kuta; den Fluss Kirana, danach Ishvari mit dem Vorsatz Siddhi: „Siddhishvari!“

Anmerkung: Fragment: Vorsatz vor Ishani beschädigt. Naramedha heißt Menschenopfer, wird hier als Kuta-Name genannt, nicht als auszuschreibende Opferanweisung. OCR-Nummer 865 als 895 gelesen.

Vers 896
kāmadaṃ kūṭamālikhya śrīsūktaṃ tadanantaram |
āveśapūrvikāṃ devīṃ sammohāmatha nāḍikām ||896||

Man schreibe das Kamada-Kuta, danach das Shri-Sukta; Devi mit dem Vorsatz Avesha: „Aveshadevi!“, dann die Sammoha-Nadi.

Vers 897
kṛtamālāṃ nadīṃ cāpi cintāmaṇyuttarāṃ śivām |
kūṭaṃ ca paurṇakāmākhyaṃ nāḍīmapi ca koṭarām ||897||

Den Fluss Kritamala und Shiva mit Chintamani als nachgestelltem Namen: „Shivachintamani!“ Das Paurnakama genannte Kuta und die Kotara-Nadi.

Anmerkung: Quelle sagt uttarā, nachgestellt; nicht stillschweigend als Vorsatz behandelt. Paurnakama als unsichere Quellform bewahrt.

Vers 898
parāpūrvāṃ tathā devīmacalānāḍikāṃ tataḥ |
payoṣṇīsaritaṃ cāpi haṃsapūrvāṃ maheśvarīm ||898||

Devi mit dem Vorsatz Para: „Paradevi!“ Danach die Achala-Nadi, den Fluss Payoshni und Maheshvari mit dem Vorsatz Hamsa: „Hamsamaheshvari!“

Anmerkung: Payoshni im Haupt-OCR beschädigt, durch lesbare Fußnotenwiederholung payoṣṇī geklärt; Übernahme ausdrücklich ausgewiesen.

Vers 899
somasravākhyāṃ taṭinīṃ kāverīṃ […] ca |
ratnapūrvāmatheśānīṃ nāḍīṃ svapnavahāṃ tataḥ ||899||

Den Fluss Somasrava, Kaveri und […]; dann Ishani mit dem Vorsatz Ratna: „Ratneshani!“ Danach die Svapnavaha-Nadi.

Anmerkung: Fragment: Gruppe nach kāverī beschädigt; Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 900
saritaṃ karatoyāṃ ca kulapūrvāṃ ca devikām |
bāhudāṃ taṭinīmuktvā nāḍīmapi ca ghaṇṭikām ||900||

Den Fluss Karatoya und Devika mit dem Vorsatz Kula: „Kuladevika!“ Man nenne den Fluss Bahuda und die Ghantika-Nadi.

Anmerkung: OCR-Nummer 600 aus Folge als 900 gelesen.

Vers 901
jñānapūrvāṃ śivāṃ cāpi […] sūktameva ca |
gajacchāyaṃ tathā kūṭaṃ nīlapūrvāṃ maheśvarīm ||901||

Shiva mit dem Vorsatz Jnana: „Jnanashiva!“ Dann das […]-Sukta, das Gajacchaya-Kuta und Maheshvari mit dem Vorsatz Nila: „Nilamaheshvari!“

Anmerkung: Fragment: Sukta-Name beschädigt. OCR-Nummer 601 als 901 gelesen.

Vers 902
śarāvatīṃ ca taṭinīṃ lambinīṃ nāḍikāmapi |
devīṃ kalāpūrvikāṃ ca kūṭaṃ vai nāgayajñakam ||902||

Den Fluss Sharavati und die Lambini-Nadi; Devi mit dem Vorsatz Kala: „Kaladevi!“ und das Nagayajna-Kuta.

Anmerkung: Fußnote bietet Tapini statt Lambini; Hauptlesung bewahrt.

Vers 903
agnijvālāṃ tathā nāḍīṃ kauśikīṃ taṭinīmapi |
nirvāṇapūrvikāṃ devīmetāḥ ṣoḍaśa kubjikāḥ ||903||

Die Agnijvala-Nadi, den Fluss Kaushiki und Devi mit dem Vorsatz Nirvana: „Nirvanadevi!“ Dies sind die sechzehn Kubjikas.

Anmerkung: Angegebene Gesamtzahl der Quelle; beschädigte Namen in der Liste bleiben Lücken. OCR-Nummer 603 als 903 gelesen.

Vers 904
visambhrāntiṃ samālikhya mekalānāmikāṃ nadīm |
sambodhanaṃ ca kukkuṭyāḥ rājānaṃ tadanuddharet ||904||

Man schreibe Visambhranti, den Mekala genannten Fluss und die Anrede „Kukkuti!“ Dann füge man „den König …“ an.

Anmerkung: Mekala/Mekhala im Druck alternative unsichere Lesung; Fußnote bietet Chakra statt Kukkuti. Hauptlesung bewahrt, Fortsetzung in 905. OCR-Nummer 604 als 904 gelesen.

Vers 905
mohaya dvitayaṃ procya vaśīkuruyugaṃ vadet |
śeṣe namaḥ śiraścāpi taṭinīmūrmilāṃ tataḥ ||905||

… „Bezaubere, bezaubere! Unterwirf, unterwirf!“ Am Schluss namaḥ und die Kopf-Formel, danach den Fluss Urmila.

Anmerkung: Rituelle Beeinflussungsbitte an die Göttin; als historische Textaussage bewahrt.

Vers 906
nāḍīṃ vikalpāmullikhya dhanade ca prakīrtayet |
dhanaṃ me dehi sambhāṣya dāpayānte śiro vadet ||906||

Man schreibe die Vikalpa-Nadi und spreche „Dhanada, gib mir Reichtum, lass ihn mir zuteilwerden!“ Am Ende von dāpaya die Kopf-Formel.

Anmerkung: Dhanada: Spenderin von Reichtum.

Vers 907
kūṭaṃ brahmasavākhyaṃ ca tata utpalinīṃ nadīm |
koraṅgītyapi sambodhya vivarṇāṃ nāḍikāṃ likhet ||907||

Das Brahmasava genannte Kuta, danach den Fluss Utpalini; man rufe „Korangi!“ an und schreibe die Vivarna-Nadi.

Anmerkung: Korangi in unsicherer Namensform bewahrt. OCR-Nummer 607 als 907 gelesen.

Vers 908
phaḍuttamāṅgaṃ sarayūmāpagāṃ tadanantaram |
sambuddhimapi […] kūṭaṃ trailokyamohanam ||908||

Phaṭ und die Kopf-Formel; danach den Fluss Sarayu, die Anrede […] und das Trailokyamohana-Kuta.

Anmerkung: Fragment: Göttinnenname beschädigt. Uttamanga bezeichnet das Haupt; OCR-Nummer 608 als 908 gelesen.

Vers 909
svāntamastraṃ śiraścāpi dhīrānāḍīmathoddharet |
uddhṛtya raktadantīti […] kamalānane ||909||

Herz-, Astra- und Kopf-Formel; man füge die Dhira-Nadi und die Anrede „Raktadanti!“ an […], Lotusgesichtige.

Anmerkung: Fragment: Wort nach raktadanti beschädigt. Raktadanti: Rotzähnige.

Vers 910
bhayaṃ mocaya śīrṣaṃ ca hṛdastrāccarcike vadet |
uktvā śatrubhayaṃ śabdamunmūlaya ca sandhimat ||910||

„Befreie von Furcht!“ Dann die Kopf-, Herz- und Astra-Formel. Man spreche „Charchika!“ und mit Lautverbindung „Entwurzele die Furcht vor Feinden!“

Anmerkung: OCR-Nummer 110 aus Folge als 910 gelesen.

Vers 911
namaḥ svāhā tato'nūdya nāḍīmapyatha gālinīm |
saṅkaṭādevi vinyasya saṅkaṭaṃ dviśca nāśaya ||911||

Danach namaḥ svāhā; die Galini-Nadi. Man setze „Sankatadevi!“ ein und spreche „Vernichte die Bedrängnis!“ – zweimal.

Anmerkung: Versnummer beschädigt, Folge eindeutig; Sankatadevi ist hier die Göttin im Zusammenhang von Not und ihrer Abwendung.

Vers 912
vadetphaṭca tathā svāhā rañjanīṃ nāḍikāṃ tataḥ |
śaṅkhacūḍaṃ tataḥ kūṭaṃ devīsūktamanantaram ||912||

Man spreche phaṭ und svāhā; danach die Ranjani-Nadi, das Shankhachuda-Kuta und anschließend das Devi-Sukta.

Vers 913
caṇḍaghaṇṭe iti procya pāpaṃ me śamayetyapi |
siddhimupanayetyuktvā phaṭpūrvaṃ ca śirastathā ||913||

Man spreche „Chandaghanta, stille meine Verfehlung! Führe mir Siddhi zu!“ Danach die Kopf-Formel mit vorangestelltem phaṭ.

Anmerkung: OCR-Nummer 613 als 913 gelesen. Pāpa: Unheil oder Verfehlung, kein medizinischer Zustand.

Vers 914
revatīdrāvaṇīmandāstisro nāḍīḥ samuddharet |
tataḥ sambodhya cāmuṇḍāṃ naramuṇḍa itīrayet ||914||

Man füge die drei Nadis Revati, Dravani und Manda an; dann rufe man „Chamunda!“ an und spreche „Menschenköpfe …“

Anmerkung: Fortsetzung der Anrede in 915. OCR-Nummer 614 als 914 gelesen.

Vers 915
kaṅkālamālādhāriṇyanu brūyādbhīṣaṇānane |
āpagāṃ ca tato dadyānnāmnā cairāvatīṃ priye ||915||

… „und Skelette als Girlande tragend“: „Du, die eine Girlande aus Menschenköpfen und Skeletten trägt! Furchtbares Antlitz!“ Dann füge man den Fluss namens Airavati ein, Geliebte.

Anmerkung: Die Anrede verbindet die Wortteile aus 914–915.

Vers 916
phaḍyugmaṃ ca namaḥ svāhā tadante samudīrayet |
cetanānāmikāṃ nāḍīṃ bandhurāmapi nimnagām ||916||

Am Ende spreche man zweimal phaṭ und namaḥ svāhā; die Chetana genannte Nadi und den Fluss Bandhura.

Vers 917
aṣṭākapālakūṭaṃ ca karālini mahāpadāt |
punarnīlapatāke ca phaḍyugmaṃ śira eva ca ||917||

Das Ashtakapala-Kuta; aus Maha und Karalini „Mahakaralini!“ Dann „Du mit der blauen Fahne!“, zweimal phaṭ und die Kopf-Formel.

Anmerkung: OCR-Nummer 617 als 917 gelesen.

Vers 918
sarpasatraṃ kūṭamādau nāḍīṃ ca bhrāmaṇīmapi |
pravāhinīmatha nadīṃ harasiddhe tataḥ param ||918||

Zuerst das Sarpasatra-Kuta und die Bhramani-Nadi; danach den Fluss Pravahini und „Harasiddha!“

Anmerkung: Fußnote bietet Bhramani mit kurzem a statt langem ā; Hauptlesung bewahrt. OCR-Nummer 618 als 918 gelesen.

Vers 919
duḥkhamuktvā […] siddhimuktvā dadadvayam |
[…] hṛdayaṃ caikameva hi ||919||

Man spreche „Leiden […]“ und „Siddhi – gib, gib!“ […] sowie einmal die Herz-Formel.

Anmerkung: Fragment: Verb zur Leidensbitte und Anfang der zweiten Hälfte beschädigt; nicht aus erwartbaren Schutzformeln ergänzt.

Vers 920
ādau sabhaṅgāṃ taṭinīṃ muditāmatha nāḍikām |
anaṅgamālādevyāśca sambodhanamataḥ param ||920||

Zuerst den Fluss Sabhanga, dann die Mudita-Nadi; danach die Anrede „Anangamaladevi!“

Anmerkung: Flussname Sabhanga unsicher; Anangamala: Girlande des Liebesgottes als Göttinnenname.

Vers 921
dīrghasatramataḥ kūṭaṃ phaḍante dahanāṅganām |
carmaṇvatīṃ nadīmuktvā raṇḍāṃ nāḍīmataḥ param ||921||

Danach das Dirghasatra-Kuta; nach phaṭ Dahanangana. Man nenne den Fluss Charmanvati, anschließend die Randa-Nadi.

Anmerkung: Dahanangana: Feuer-bezogener Abschlussdeckname; Nadi-Name Randa nicht durch eine geläufigere Form ersetzt.

Vers 922
phetkārīti samullikhya kūṭaṃ ratnahalaṃ tataḥ |
tataśca svāntamūrdhānau krameṇa viniyojayet ||922||

Man schreibe „Phetkari!“ und danach das Ratnahala-Kuta; dann setze man der Reihe nach Herz- und Kopf-Formel ein.

Anmerkung: Fußnote erwägt Svaha und Kopf-Formel statt svānta/mūrdhan; Hauptlesung bewahrt.

Vers 923
purato'vabhṛthaṃ kūṭaṃ nāḍīṃ ca kapilāṃ tataḥ |
sambuddhiṃ bhogavatyāśca bhogaṃ prayaccha cetyapi ||923||

Zuerst das Avabhritha-Kuta, danach die Kapila-Nadi; die Anrede „Bhogavati, gewähre Genuss!“

Vers 924
nāḍyāśca viśvadūtāyāḥ ante svāhāṃ samuddharet |
nāḍīṃ sauvīrikānāmnīṃ tataśca lavaṇeśvari ||924||

Am Ende der Vishvaduta-Nadi füge man Svaha an; dann die Sauvirika genannte Nadi und „Lavaneshvari!“

Anmerkung: Erster Nadi-Name im OCR leicht beschädigt, Lesung Vishvaduta unsicher. OCR-Nummer 624 als 924 gelesen.

Vers 925
phaṭsvāhānte tato dadyānnadīṃ vetravatīṃ priye |
sumukhīmapi nāḍīṃ ca mṛtyuhāriṇyataḥ param ||925||

Nach phaṭ svāhā füge man den Fluss Vetravati ein, Geliebte; die Sumukhi-Nadi und danach „Mrityuharini!“

Anmerkung: Mrityuharini: den Tod abwendende Göttin. OCR-Nummer 625 als 925 gelesen.

Vers 926
mṛtyuṃ tato […] tasyānte śira eva ca |
candrānāḍyanu ca svāntaṃ nākulīti padaṃ tathā ||926||

Dann „den Tod […]“; am Ende die Kopf-Formel. Nach der Chandra-Nadi die Herz-Formel und die Anrede „Nakuli!“

Anmerkung: Fragment: Befehlswort zur Todesbitte beschädigt; nicht aus dem Göttinnennamen ergänzt.

Vers 927
sarvamuccāṭaya svāhā tata evaṃ vadetpriye |
hemābhidhāṃ tato nāḍīṃ vajravārāhi cetyapi ||927||

Dann spreche man „Vertreibe alles! Svaha!“, Geliebte. Danach die Hema genannte Nadi und „Vajravarahi!“

Anmerkung: OCR-Nummer teilweise zerstört, Folge eindeutig.

Vers 928
sampadaṃ tu padaṃ procya dehi yugmamataḥ param |
astrasvāntaśirāṃsyante pravadedvaravarṇini ||928||

Man spreche „Gib Wohlstand, gib!“ und am Ende Astra-, Herz- und Kopf-Formel, Schöne.

Anmerkung: OCR-Nummer 6285 aus Folge als 928 gelesen.

Vers 929
ādāvastratrayaṃ procya hṛdayaṃ ca śirastataḥ |
sambuddhiṃ bhūtabhairavyāstataḥ paramudīrayet ||929||

Zuerst dreimal Astra, danach Herz- und Kopf-Formel; anschließend die Anrede „Bhutabhairavi!“

Anmerkung: Bhutabhairavi: Bhairavi im Bezug zu den Bhutas, Wesen beziehungsweise Geistmächten.

Vers 930
bhairavaṃ tadanu procya cālaya dvitayaṃ vadet |
caṭapracaṭayugmaṃ ca kahayugmamataḥ param ||930||

Danach Bhairava; man sage zweimal „Bewege!“ Dann je zweimal caṭa und pracaṭa, anschließend zweimal kaha.

Anmerkung: Lautformeln ohne gesicherte wörtliche Bedeutung bewahrt; OCR-Nummer teilweise lateinisch, als 930 gelesen.

Vers 931
tataḥ pralayaśabdānu mukhānalamitīrayet |
vamayugmaṃ samuddhṛtya dviṣantamiti kīrtayet ||931||

Dann bilde man „Speie das Feuer aus deinem Mund zur Weltauflösung!“ mit zweimal „Speie!“ Darauf „den Feind …“

Anmerkung: Letzte Wendung wird in 932 fortgesetzt; OCR-Nummer 631 als 931 gelesen.

Vers 932
[…] samullikhya sampadā gṛhamityapi |
pūrayadvitayādante śiro hṛtphaṭtrayaṃ tathā ||932||

[…] Man schreibe „Fülle das Haus mit Wohlstand, fülle es!“ Am Ende Kopf- und Herz-Formel und dreimal phaṭ.

Anmerkung: Fragment: Verb zum Feindbezug aus 931 beschädigt; nicht ergänzt. Die folgende Wohlstandsbitte ist lesbar.

Vers 933
maitrīnāmnīṃ tu dhamanīmuktvā nama itīrayet |
sasandhi caṇḍakhecaryāḥ sambodhanapadaṃ priye ||933||

Man nenne die Maitri genannte Nadi und spreche namaḥ; danach mit Lautverschmelzung die Anrede „Chandakhechari!“, Geliebte.

Anmerkung: Dhamani bezeichnet hier einen Kanal. OCR-Nummer 633 als 933 gelesen.

Vers 934
grahatārāpadasyānte vimardini samālikhet |
vikaṭordhvapadasyānte caraṇe iti […] ||934||

Aus Graha, Tara und Vimardini bilde man „Du, die Planeten beziehungsweise ergreifende Mächte und Sterne zerreibt!“ Dann „Du mit gewaltig emporgehobenen Füßen!“ […].

Anmerkung: Fragment: letztes Anweisungswort beschädigt. Ikonographische Anrede aus den lesbaren Bestandteilen vikata/ūrdhva/caraṇa gebildet.

Vers 935
astravahnyaṅgane uktvā śeṣe nama itīrayet |
nāḍīṃ viśālāmuddhṛtya bhagavatyardhamastaki ||935||

Man spreche Astra und Vahnyangana und am Schluss namaḥ. Man füge die Vishala-Nadi an und die Anrede „Erhabene Ardhamastaki!“

Anmerkung: Ardhamastaki etwa „Halbköpfige“, aber die Identifikation bleibt unsicher; keine alternative Gottheitsgestalt ergänzt. Versnummer beschädigt.

Vers 936
pañcavargīyaśeṣārṇānviparītatayā vadet |
tataśchippini vicce ca śuddhini drāviṇi smaret ||936||

Man spreche die letzten Laute der fünf Konsonantengruppen in umgekehrter Reihenfolge. Dann vergegenwärtige man „Chhippini“, vicce, „Shuddhini“ und „Dravini“.

Anmerkung: Fußnote liest Shippini statt Chhippini; Namen und Lautformel nicht mit erfundenen Bedeutungen versehen.

Vers 937
hiliyugmaṃ kiliyugaṃ hṛdayāstraśirāṃsi ca |
[…] kūṭamālikhya vyālabījamataḥ param ||937||

Zweimal hili, zweimal kili; Herz-, Astra- und Kopf-Formel. Man schreibe das […]-Kuta und danach das Vyala-Bija.

Anmerkung: Fragment: Kuta-Name beschädigt. hili/kili als Lautformeln bewahrt.

Vers 938
nāḍīṃ ca dhoraṇīnāmnīṃ kāmākhye tadanantaram |
kāmānpūraya tasyānte phaṭsvāhā samudīrayet ||938||

Die Dhorani genannte Nadi und danach „Kamakhya, erfülle die Wünsche!“ Am Ende spreche man phaṭ svāhā.

Anmerkung: Nadi-Name Dhorani in unsicherer Quellform bewahrt.

Vers 939
mukharaṃ bījamālikhya nāḍīmapi ca lohinīm |
dhūmāvatīti tadanu dhūmavarṇe tataḥ param ||939||

Man schreibe das Mukhara-Bija und die Lohini-Nadi; danach „Dhumavati! Rauchfarbene!“

Anmerkung: Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 940
dhūmāṅgarāge tasyānte dhūmalocana ityapi |
vācamullikhya tadanu stambhayadvitayaṃ smaret ||940||

Dann „Du mit rauchfarbener Körperschminke! Dhumalochana!“ Danach schreibe man „Rede“ und vergegenwärtige zweimal „Bringe zum Stillstand!“

Anmerkung: Dhumalochana kann als Name oder rauchäugige Anrede gelesen werden; der grammatische Anschluss an vācam ist unsicher. Keine bestimmte Zielperson der Stillstellungsbitte ergänzt.

Vers 941
sasandhihṛdayadvandvāddvirastraṃ śira ekakam |
namaḥ samplutatārānte'stakūṭaṃ samudāharet ||941||

Nach zweimaliger Herz-Formel mit Lautverbindung zweimal Astra und einmal die Kopf-Formel. Namaḥ; nach dem überlang gesprochenen Tara nenne man das Asta-Kuta.

Anmerkung: Zweite Hälfte und Kuta-Name unsicher; die Fußnote bietet eine abweichende ebenfalls fragliche Lesung. Keine sichere Rezitationsdauer über pluta hinaus rekonstruiert.

Vers 942
hāṭakeśvari tasyānte tasyāpyanu ca hāṭakam |
prayaccha vahnijāyāṃ ca tasyānte samudīrayet ||942||

Danach „Hatakeshvari, gewähre Gold!“ Am Ende spreche man Vahnijaya.

Anmerkung: Hatakeshvari: Herrin des Goldes; konkrete Wohlstandsbitte bewahrt.

Shivaduti: Widmungen an die Ritualglieder

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 943
[…] tarpaṇaṃ vātyāṃ nāḍīmapi ca pūtanām |
mandārakūṭaṃ tadanu tato hṛdayaśabdataḥ ||943||

[…], Tarpana, Vatya und die Putana-Nadi; danach das Mandara-Kuta. Dann beginne man mit dem Wort „Herz …“

Anmerkung: Fragment: erstes Wort beschädigt; Übergang zur Shivaduti-Form in 944. OCR-Nummer 643 als 943 gelesen.

Vers 944
śivadūtipadaṃ procya duṣṭaprāṇaṃ prakīrtayet |
draviṇi drāviṇi tato māṃsaśoṇitabhojini ||944||

… und „Shivaduti“: „Herz-Shivaduti!“ Man bilde „Du, die die Lebenskräfte der Bösen zum Zerfließen bringt!“ Darauf „Dravini! Du, die Fleisch und Blut verzehrt!“

Anmerkung: Die Folge draviṇi/drāviṇi ist verschieden geschrieben und nicht vollkommen eindeutig zu verbinden; lesbare Anrede sinngemäß, Unsicherheit bewahrt. OCR-Nummer 644 als 944 gelesen.

Vers 945
raktakṛṣṇamukhītyuktvā mā māṃ paśyantu śatravaḥ |
śrīpādukāṃ pūjayāmi hṛdayāya namastataḥ ||945||

Man spreche „Du mit rotem und schwarzem Antlitz! Mögen die Feinde mich nicht sehen! Ich verehre die ehrwürdigen Padukas. Dem Herzen Ehrerbietung!“

Anmerkung: Padukas: ehrwürdige Füße beziehungsweise Fußsandalen als Verehrungszeichen. Lesbare Formel vollständig übersetzt; beschädigte OCR-Ziffer als 945 gelesen.

Vers 946
[…] kuhikāṃ bhedaṃ kūṭaṃ cācalanāmakam |
tato nāḍīṃ vicitrāṃ ca śivadūti śiraḥpadāt ||946||

[…], Kuhika, Bheda und das Achala genannte Kuta; dann die Vichitra-Nadi und aus „Kopf“ und „Shivaduti“ die Anrede „Kopf-Shivaduti!“

Anmerkung: Fragment: erster Name beschädigt; Kuhika als unsichere Decknamenform bewahrt.

Vers 947
tato bhagavati procya duṣṭacāṇḍāli kīrtayet |
tato rudhiramāṃsānu bhakṣiṇi pravibhāvayet ||947||

Dann spreche man „Erhabene! Wilde Chandali!“ Man vergegenwärtige „Du, die Blut und Fleisch verzehrt!“

Anmerkung: Duṣṭa wörtlich böse, schlimm oder wild; stigmatisierende Anrede des historischen Textes nicht als heutige Bewertung einer Bevölkerungsgruppe verstanden. OCR-Nummer 647 als 947 gelesen.

Vers 948
kapālakhaṭvāṅgapadāddhāriṇyapi tataḥ param |
yo māṃ dveṣṭi tamityuktvā grasa māraya bhakṣaya ||948||

Darauf „Du, die Schädelschale und Khatvanga trägt!“ Man spreche „Wer mich hasst, den verschlinge, töte, verzehre!“

Anmerkung: Historische Feindvernichtungsbitte; Fortsetzung der Befehlsreihe in 949. OCR-Nummer 648 als 948 gelesen.

Vers 949
hana paca chedaya dahāmīṣāṃ tu yugalaṃ vadet |
śrīpādukāṃ pūjayāmi śirase procya vai śiraḥ ||949||

„Schlage! Koche! Zerschneide! Verbrenne!“ Jedes dieser [Befehlsworte] soll zweimal gesprochen werden. „Ich verehre die ehrwürdigen Padukas. Dem Haupt …“ – danach die Kopf-Formel.

Anmerkung: Der Sanskrittext nennt die Kopf-Formel nur als Formeltyp; ihre fehlenden Silben nicht ergänzt. Wiederholungsbezug kann die in 948 begonnene Reihe einschließen.

Vers 950
upalaṃ yātanāṃ bhānaṃ kūṭo cakrāstanāmakaḥ |
śivadūti śikhāśabdānmahāpiṅgala ityapi ||950||

Upala, Yatana und Bhana; das Chakrasta genannte Kuta. Aus Shikha und Shivaduti bilde man „Shikha-Shivaduti!“, dann „groß und gelbbraun …“

Anmerkung: Shikha: Scheitel-Haarschopf beziehungsweise entsprechender Ritualaspekt; Name Chakrasta unsicher. OCR-Nummer 650 als 950 gelesen.

Vers 951
jaṭābhārācca vikaṭarasanāpadamīreyet |
karāle sarvasiddhiṃ ca dehi dāpaya yugmakam ||951||

… „mit einer Fülle verfilzter Haare“. Dann „Du, die durch ihre gewaltige Zunge furchtbar ist! Gib alle Siddhis, lass sie zuteilwerden!“ – die beiden Befehle jeweils zweimal.

Anmerkung: Anrede aus 950–951: große Fülle gelbbrauner Haarflechten. OCR-Nummer 651 als 951 gelesen.

Vers 952
ratnavṛṣṭiṃ varṣavarṣa tataḥ paramudīrayet |
śrīpādukāṃ pūjayāmi śikhāyai vaṣaḍityapi ||952||

Danach spreche man „Lass einen Regen von Edelsteinen regnen, regnen! Ich verehre die ehrwürdigen Padukas. Der Shikha: vaṣaṭ!“

Anmerkung: Vaṣaṭ ist ein ritueller Darbringungsruf ohne erfundene wörtliche Übersetzung.

Vers 953
āryāṃ garhāṃ prayatnaṃ ca ḍākinīkūṭamanvataḥ |
manthānakūṭaṃ tadanu kavacācchivadūtyapi ||953||

Arya, Garha und Prayatna; danach das Dakini-Kuta und das Manthana-Kuta. Aus Kavacha und Shivaduti bilde man „Kavacha-Shivaduti!“

Anmerkung: Kavacha: rituelle Rüstung beziehungsweise Schutzform.

Vers 954
mahāśmaśānavāsinyanu ghorāṭṭāṭṭahāsini |
tato vikaṭatuṅgānu kokāmukhi samīreyet ||954||

„Du, die auf der großen Leichenstätte wohnt! Du, die furchtbar und wiederholt laut auflacht!“ Dann „Du mit ungeheuerlichem, emporragendem Koka-Gesicht!“

Anmerkung: Koka kann ein Tier, unter anderem einen Wolf, bezeichnen; keine sichere zoologische Bestimmung erzwungen. OCR-Nummer 654 als 954 gelesen.

Vers 955
mahāpātālatulitodare bhūta itīrayet |
vetālasahacāriṇyanūdya śrīpādukāṃ tataḥ ||955||

„Du mit einem Bauch, der der großen Unterwelt gleicht! Du, die mit Bhutas und Vetalas zusammen umherzieht!“ Dann „die ehrwürdigen Padukas …“

Anmerkung: Anrede aus lesbaren Bestandteilen verbunden; Schlussformel folgt in 956. Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 956
pūjayāmīti kavacāya humityapi nidiśet |
riṣṭaṃ kāṣṭhāṃ ca koṣṭhaṃ ca kiñjalkaṃ kūṭameva ca ||956||

… „verehre ich. Der Rüstung: hum!“ Dann Rishta, Kashtha, Koshtha und das Kinjalka-Kuta.

Anmerkung: Quelle hat hum, nicht sicher hūṃ; keine stillschweigende Bija-Normalisierung. OCR-Nummer 656 als 956 gelesen.

Vers 957
nīlakūṭaṃ ca netrānu śivadūti tataḥ param |
lelihānopapadato rasanāśabdamīreyet ||957||

Das Nila-Kuta; aus Netra und Shivaduti bilde man „Augen-Shivaduti!“ Danach die Worte „leckende Zunge …“

Anmerkung: Anrede wird in 958 fortgeführt. OCR-Nummer 657 als 957 gelesen.

Vers 958
bhayānake ca visrastacikureti ca […] |
bhārabhāsuramullikhya cāmuṇḍābhairavītyapi ||958||

… „du, die durch die leckende Zunge furchtbar ist!“ Und „Du, die mit ihrer Fülle lose herabhängender Haare strahlt!“ […] „Chamundabhairavi!“

Anmerkung: Fragment: ein Anweisungswort zwischen den Kompositumteilen beschädigt; die Anreden selbst zusammenhängend verständlich. OCR-Nummer 655 aus Folge als 958 gelesen.

Vers 959
ḍākinīgaṇaśabdācca tataḥ parivṛte vadet |
āgacchadvitayaṃ procya sānnidhyaṃ kalpayadvayam ||959||

Man bilde: „Du, die von Scharen von Dakinis umgeben ist!“ Dann „Komm, komm! Stelle deine Gegenwart her, stelle sie her!“

Anmerkung: Anschluss an die Augen-Shivaduti-Anrede aus 957–958; Versnummer beschädigt.

Vers 960
trailokyaḍāmare procya piśācini mahāpadāt |
śrīpādukāṃ pūjayāmi tato netratrayāya ca ||960||

Man spreche „Du, die die drei Welten erschüttert! Große Pishachini! Ich verehre die ehrwürdigen Padukas. Den drei Augen …“

Anmerkung: Rituelle Augenwidmung, Fortsetzung in 961.

Vers 961
ante vauṣaṭtato […] vandāṃ catuṣpatham |
mālākūṭaṃ caṇḍakūṭaṃ śivadūtyastraśabdataḥ ||961||

… am Ende vauṣaṭ. Danach […], Vanda und Chatushpatha; Mala-Kuta und Chanda-Kuta. Aus Astra und Shivaduti bilde man „Astra-Shivaduti!“

Anmerkung: Fragment: erster Bija-Name beschädigt; Vanda unsichere Lesung. Vauṣaṭ als ritueller Laut, ohne erfundene Wortbedeutung. Versnummer beschädigt.

Vers 962
tataḥ parāparapadaṃ tato guhyātiguhyataḥ |
rakṣike samayāduktvā trīṇyastrāṇi samādiśet ||962||

Dann bilde man „Beschützerin des äußerst verborgenen Samaya von Para und Apara!“ Darauf sind drei Astra-[Formeln] einzusetzen.

Anmerkung: Samaya bezeichnet hier die überlieferte Bindung beziehungsweise Lehre; genaue Wortreihenfolge der Anrede bleibt durch Sanskrit nachvollziehbar.

Vers 963
mama sarvopadravāṃśca mantratantrānusambhavān |
pareṇa saṃlikhya kṛtānkāritāṃstadanantaram ||963||

„Alle meine Bedrängnisse, die aus Mantras und Tantras entstanden sind, die ein anderer verursacht oder verursachen lassen hat …“

Anmerkung: Beginn einer über 963–964 laufenden Abwehrbitte. OCR-Nummer 663 als 963 gelesen.

Vers 964
ye vā kariṣyantyuddhṛtya tānsarvāniti kīrtayet |
hanayugmaṃ […] mardayadvitayaṃ tathā ||964||

… „oder noch verursachen werden – all diese vernichte, vernichte! […]. Zermalme, zermalme!“

Anmerkung: Fragment: ein Befehlswort beziehungsweise eine Anweisung nach hana beschädigt; Bezug auf Bedrängnisse und/oder ihre Urheber im Sanskrit nicht restlos eindeutig. OCR-Nummer 664 als 964 gelesen.

Vers 965
daṃṣṭrākarālīti caṇḍanikaṭhe tadanantaram |
śrīpādukāṃ pūjayāmi tato'strāya phaḍityapi ||965||

„Du mit furchtbaren Fangzähnen! Chandanikatha! Ich verehre die ehrwürdigen Padukas. Der Waffe: phaṭ!“

Anmerkung: Chandanikatha ist eine unsichere Anrede, nicht zuverlässig wörtlich deutbar. OCR-Nummer 665 als 965 gelesen.

Vers 966
hetuṃ medhāṃ ca varaṭaṃ kūṭe māyākulābhidhe |
śivadūtīti saṃlikhya vyāpakopapadātpriye ||966||

Hetu, Medha und Varata; die Kutas Maya und Kula. Man schreibe Shivaduti mit dem Vorsatz Vyapaka: „Vyapaka-Shivaduti!“, Geliebte.

Anmerkung: Vyapaka: allgegenwärtig beziehungsweise alles durchdringend. OCR-Nummer 666 als 966 gelesen.

Vers 967
hūṃ huṅkārapadādghoranādavitrāsitetyapi |
jagatpriye kṛṣṭibījaṃ vāraṇaṃ vivaraṃ tathā ||967||

„Hūṃ! Du, die die Welt durch das furchtbare Dröhnen des Hum-Rufes erschreckt und der die Welt lieb ist!“ Dann das Krishti-Bija, Varana und Vivara.

Anmerkung: Genauer Anschluss jagat-priye an die vorausgehende Schreckensanrede nicht völlig gesichert; Krishti in unsicherer Decknamenform. Versnummer beschädigt.

Vers 968
prasāritāyutabhuje mahāvegapradhāvite |
tato'nu padavinyāsanatrāsiteti samuddharet ||968||

„Du mit zehntausend ausgestreckten Armen! Du, die mit gewaltiger Geschwindigkeit dahinstürmt!“ Dann bilde man „durch das Aufsetzen der Füße erschreckt …“

Anmerkung: Letzter Bestandteil wird in 969 abgeschlossen.

Vers 969
[…] sakalapātāle galadrudhiraśabdataḥ |
muṇḍamālādhāriṇi ca mahāghorācca rūpiṇi ||969||

[…] „alle Unterwelten“: „Du, deren Schritte sämtliche Unterwelten erschrecken! Du, die eine Girlande bluttriefender Köpfe trägt! Du von äußerst furchtbarer Gestalt!“

Anmerkung: Fragment: erstes Verbindungswort beschädigt; die lesbaren Anreden zusammenhängend übersetzt.

Vers 970
jvālāmālipadātpiṅgajaṭājūṭe tataḥ param |
visandhyacintyamahimabalaprabhāva ityapi ||970||

Dann „Du, deren gelbbrauner Haarknoten von Flammen umkränzt ist!“ Ohne Lautverschmelzung schließe man „undenkbare Größe, Kraft und Macht …“ an.

Anmerkung: Die folgende Anrede wird in 971 abgeschlossen; nicht zu einer zusätzlichen Zahlenbehauptung erweitert.

Vers 971
daityadānavaśabdācca nikṛntani samuddharet |
śrīpādukāṃ pūjayāmi hṛdayāstraśirāṃsi ca ||971||

… und „Daityas und Danavas“ sowie „zerschneidend“: „Du, die mit undenkbarer Größe, Kraft und Macht Daityas und Danavas zerschneidet!“ „Ich verehre die ehrwürdigen Padukas.“ Dann Herz-, Astra- und Kopf-Formel.

Anmerkung: Anfang der ersten Wortgruppe im OCR beschädigungsverdächtig, Sinn der Paarung Daitya/Danava hinreichend klar; OCR-Nummer 671 als 971 gelesen.

Vers 972
nairṛtyakūṭaṃ śapathamahāśaṅkhārgalānvadet |
guhyātiguhyametaddhi bālāpañcākṣaraṃ manum ||972||

Man spreche das Nairritya-Kuta, Shapatha, Mahashankha und Argala. Dies ist der äußerst geheime fünfsilbige Bala-Mantra.

Anmerkung: Bala-Mantra nur bezeichnet, keine nicht überlieferten Silben ergänzt. Nairritya im OCR naityaka, Lesung unsicher. OCR-Nummer 672 als 972 gelesen.

Vers 973
kṣveḍelikakuḍmalāṃśca bagale vaśyaśabdataḥ |
nāḍīṃ ca māṇḍavīṃ paścājjagattrayamitīrayet ||973||

Kshveda, Elika und Kudmala; aus Vashya und Bagala die Anrede „Vashyabagala!“ Danach die Mandavi-Nadi und „die drei Welten …“

Anmerkung: Decknamenabgrenzung am Anfang unsicher; Fußnote bietet Manavi statt Mandavi. OCR-Nummer 673 als 973 gelesen.

Vers 974
vaśīkuru śiraścāpi pataṅgaṃ mehanīmapi |
trikaṇṭakīti sambodhya dhāriṇīṃ nāḍikāṃ vadet ||974||

… „Bringe sie unter [meine] Macht!“ Dann die Kopf-Formel, Patanga und Mehani. Man rufe „Trikantaki!“ an und nenne die Dharini-Nadi.

Anmerkung: Fortsetzung der historischen Unterwerfungsbitte; OCR-Nummer 674 als 974 gelesen.

Vers 975
mohaya dvitayaṃ procya yugmaṃ yugmaṃ jaya jvala |
hṛdastraśīrṣāṇyante ca stanakālaṃ karāṭikām ||975||

Man spreche zweimal „Bezaubere!“, dann je zweimal „Siege!“ und „Brenne!“ Am Ende Herz-, Astra- und Kopf-Formel; danach Stanakala und Karatika.

Anmerkung: Letzte Decknamen unsicher. OCR-Nummer 675 als 975 gelesen.

Vers 976
hayagrīveśvarītyuktvā mayi vidyāṃ nidhehi ca |
ante svāhā vedhyadāhau kubjikāṃ tadanantaram ||976||

Man spreche „Hayagriveshvari, lege Vidya in mich!“ Am Ende Svaha; Vedhya und Daha, danach Kubjika.

Anmerkung: Wortgrenze vedhya/dāha unsicher; Vidya bezeichnet Wissen beziehungsweise Mantra-Weisheit.

Vers 977
khecarīnāmakaṃ kūṭaṃ tataḥ paramudīrayet |
bhīmādevīti sambodhya mahābhīme tataḥ param ||977||

Danach spreche man das Khechari genannte Kuta. Man rufe „Bhimadevi!“ an und füge „Sehr Furchtbare!“ hinzu …

Anmerkung: Fortsetzung in 978.

Vers 978
vikarālatarākāradhāriṇīti samuddharet |
bhayaṃ me mocayayugaṃ śatruṃ ca jahiyugmakam ||978||

„Du, die eine überaus schreckliche Gestalt trägt! Befreie mich von Furcht, befreie mich! Erschlage den Feind, erschlage ihn!“

Anmerkung: Beide Bitten je zweimal gemäß Quelle. OCR-Nummer 675 aus Folge als 978 gelesen.

Vers 979
ante phaḍvahniramaṇīṃ bhājanaṃ śleṣameva ca |
nāḍīṃ sukalpāmatha ca śaktisauparṇiketyapi ||979||

Am Ende phaṭ und Vahniramani; Bhajana und Shlesha, dann die Sukalpa-Nadi und „Shaktisauparnika!“

Anmerkung: Göttinnenname Shaktisauparnika in unsicherer Quellform, nicht zu einer anderen bekannten Anrede umgebildet.

Vers 980
śaktiṃ pradarśaya tato namaḥ svāhā samuddharet |
īśaṃ vaśaṃ ca santātaṃ sapiṇḍaṃ ca prahāriṇam ||980||

„Zeige deine Kraft!“ Dann füge man namaḥ svāhā an. Isha, Vasha, Santata, Sapinda und Praharin.

Anmerkung: Decknamenliste am Ende, Santata unsichere Form; OCR-Nummer 680 als 980 gelesen.

Vers 981
[…] tadanu yūpaṃ tvaṣṭārameva ca |
uḍḍīśaṃ ca vikāraṃ ca śaktividyāmataḥ param ||981||

[…], danach Yupa und Tvashtar; Uddisha und Vikara, anschließend Shaktividya.

Anmerkung: Fragment: erster Bestandteil beschädigt. Fußnote bietet Tikara statt Vikara; Hauptlesung bewahrt.

Vers 982
kaṇṭhīravaṃ tato dattvā kalpāṃ nāḍīmathoccaret |
tataḥ kāmakalāmuktvā svāhā pāścātyamuddharet ||982||

Nachdem man Kanthirava eingesetzt hat, nenne man die Kalpa-Nadi. Danach Kamakala und am Schluss Svaha.

Anmerkung: Kanthirava aus leicht beschädigtem OCR gelesen; Deckname nicht mit erfundener Silbe aufgelöst. OCR-Nummer 682 als 982 gelesen.

Vers 983
imaṃ tripurasundaryāḥ […] manum |
sakṛduccārayansaptadvīpadānaphalaṃ labhet ||983||

Wer diesen […]-Mantra Tripurasundaris einmal ausspricht, erlangt die Frucht des Verschenkens der sieben Kontinente.

Anmerkung: Fragment: nähere Mantrabezeichnung beschädigt; Wirkungsverheißung der Quelle. OCR-Nummer 683 als 983 gelesen.

Vers 984
nirveśameṣaṇāṃ vāriṃ vyūhakūṭamataḥ param |
saṅgrāmajayalakṣmīti tadanu pravibhāvayet ||984||

Nirvesha, Eshana und Vari, danach das Vyuha-Kuta. Dann vergegenwärtige man „Sangramajayalakshmi!“

Anmerkung: Göttinnenname: Lakshmi des Sieges in der Schlacht. OCR-Nummer 684 als 984 gelesen.

Vers 985
jayamuktvā dehiyugaṃ tubhyaṃ ca hṛdayaṃ śiraḥ |
vyāsaṃ namo'nu vijayapradāyai tadanantaram ||985||

Man spreche „Sieg“ und zweimal „Gib!“ Dann „dir“, Herz- und Kopf-Formel; Vyasa, namaḥ und „der Siegspenderin“.

Anmerkung: Wortbezüge nicht in eine frei vervollständigte Gesamtformel geglättet. Fußnote bietet hṛdaya statt eines früheren Wortes, Hauptlesung bewahrt.

Vers 986
kiṃ vilambasa ullikhya jayaṃ me samupasthitam |
sādhayitvainamupanaya svāhā tadanu […] ||986||

Man schreibe „Warum zögerst du? Lass den mir bevorstehenden Sieg gelingen und führe ihn herbei! Svaha!“ Danach […].

Anmerkung: Fragment: letztes Anweisungswort beschädigt; lesbare Bitte vollständig wiedergegeben. Versnummer beschädigt.

Vers 987
prakṣepaṃ ca vitānaṃ ca siddhāntaṃ karaṇaṃ tathā |
trijaṭākhyaṃ tataḥ kūṭaṃ kṣemaṅkari tato vadet ||987||

Prakshepa, Vitana, Siddhanta und Karana; danach das Trijata genannte Kuta. Dann spreche man „Kshemankari!“

Anmerkung: Fußnote bietet Tripura statt Trijata. Kshemankari: Wohlergehen schaffende Göttin.

Vers 988
kṣemaṃ tataḥ kuruyugaṃ tato madhumatīrayet |
siddhiṃ darśayayugmaṃ ca phaṭtrayaṃ vahnivallabhām ||988||

Dann „Schaffe Wohlergehen, schaffe es!“ Darauf „Madhumati, zeige Siddhi, zeige sie!“ Dreimal phaṭ und Vahnivallabha.

Anmerkung: OCR-Nummer 688 als 988 gelesen.

Vers 989
[…] balamīṣāṃ ca tato mūkāmbike'pi ca |
maṇikūṭamathollikhya mūkaṃ vādaya vādaya ||989||

[…], Bala und Isha; danach „Mukambika!“ Man schreibe das Mani-Kuta und „Lass den Stummen sprechen, lass ihn sprechen!“

Anmerkung: Fragment: erster Deckname beschädigt; Bala/Isha-Abgrenzung unsicher. Die Bitte ist Textaussage, keine medizinische Behandlungszusage.

Vers 990
paravidyāṃ dvidhākṛtya truṭacchindhiyugaṃ yugam |
astrayugmaṃ śiraścaikaṃ hṛdayaṃ tāvadeva ca ||990||

„Spalte die fremde Vidya entzwei! Brich sie, brich sie! Durchschneide sie, durchschneide sie!“ Dann zweimal Astra, einmal die Kopf- und ebenso einmal die Herz-Formel.

Anmerkung: Befehlsform truṭ ist die Quellform; die gemeinte fremde beziehungsweise gegnerische Mantramacht wird nicht näher ergänzt. OCR-Nummer 60 aus Folge als 990 gelesen.

Vers 991
apavaryopasargau ca karakākarake api |
ugratāre samuddhṛtyāstrayugmaṃ vahnivallabhām ||991||

Apavarya und Upasarga, Karaka und Akaraka; man füge „Ugratara!“ an, dann zweimal Astra und Vahnivallabha.

Anmerkung: Erste Decknamenformen unsicher; Fußnote bietet eine anders gegliederte Formel statt Ugratara, nicht mit Hauptlesung verschmolzen.

Vers 992
avāraṃ bṛhatīṃ pāraṃ tato nīlasarasvati |
svāhā nikāramākrośaṃ vistāraṃ praśnameva ca ||992||

Avara, Brihati und Para, danach „Nilasarasvati!“ Svaha; Nikara, Akrosha, Vistara und Prashna.

Anmerkung: Nilasarasvati: blaue beziehungsweise dunkle Sarasvati; Decknamen am Beginn nicht sicher identifiziert.

Vers 993
uccakhaṇḍaṃ tathā kūṭaṃ tata ekajaṭe'pi ca |
pravāhaṃ pramitiṃ chandaḥ prakāraṃ jaimanaṃ śiraḥ ||993||

Das Uccakhanda-Kuta, danach „Ekajata!“ Pravaha, Pramiti, Chhandas, Prakara, Jaimana und die Kopf-Formel.

Anmerkung: Ekajata: Göttin mit einem Haarknoten. Jaimana unsicherer Deckname; Versnummer beschädigt.

Vers 994
tataśca pāṭhaṃ kṛtiṃ ca vṛddhimutkramameva ca |
vajravairocanīye ca ratnakūṭamataḥ param ||994||

Dann Patha, Kriti, Vriddhi und Utkrama; „Vajravairochani!“ und danach das Ratna-Kuta.

Anmerkung: Göttinnenname aus der klar erkennbaren Lautfolge; keine zusätzliche ikonographische Identifizierung.

Vers 995
hṛdante śira uddiśya bījānāṃ śrutimeva ca |
[…] piṅgale tadanantaram ||995||

Nach der Herz-Formel setze man die Kopf-Formel und Shruti unter den Bijas. […] Danach „Pingala!“

Anmerkung: Fragment: größere Gruppe der zweiten Hälfte beschädigt. Versnummer beschädigt; Umfang nicht mit einer erfundenen Formelfolge geschlossen.

Vers 996
jaganmohya mohaya […] |
jaṭājūṭe piṅgalataḥ prasīda śira eva ca ||996||

„Bezaubere die Welt […]!“ Dann „Du mit gelbbraunem Haarknoten, sei gnädig!“ und die Kopf-Formel.

Anmerkung: Fragment: erste Hälfte stark verkürzt oder beschädigt; jaganmohya nicht zu einer sicheren anderen Flexionsform umgebildet. OCR-Nummer 666 als 996 gelesen.

Vers 997
sampradāyamṛtadhvaṃ ca goṣṭhaṃ vehaṇḍameva ca |
brahmāṇīti ca sambuddhiṃ setukūṭaṃ tataḥ param ||997||

Sampradaya, Mritadhva, Goshtha und Vehanda; die Anrede „Brahmani!“ und danach das Setu-Kuta.

Anmerkung: Mritadhva/Vehanda unsichere Decknamenformen; keine vermeintlich gesicherten Bijas ergänzt.

Vers 998
prakāśayadvayātpūrvaṃ nigamaṃ parikīrtayet |
trilokīmiti saṅkīrtya sṛjayugvisṛjadvayam ||998||

Vor zweimal „Offenbare!“ spreche man „Nigama“: „Offenbare die heilige Überlieferung!“ Dann „die drei Welten“ und je zweimal „Erschaffe!“ und „Lass hervorgehen!“

Anmerkung: Nigama: überlieferte heilige Lehre; Befehlsworte als kosmische Anrufung bewahrt.

Vers 999
astradvayaṃ śiro dattvā nistāraṃ śāpameva ca |
prītiṃ samayakūṭaṃ ca tato […] ca ||999||

Man setze zweimal Astra und die Kopf-Formel ein; Nistara, Shapa, Priti, das Samaya-Kuta und danach […].

Anmerkung: Fragment: letzter Name beziehungsweise Anrede beschädigt; Versnummer zerstört, Folge eindeutig.

Vers 1000
candrakhaṇḍāṅkitapadādbhāle ityapi kīrtayet |
bhujaṅgabhogaśabdācca bhūṣitācca kalevare ||1000||

Man bilde: „Du, deren Stirn mit der Mondsichel gezeichnet ist! Du, deren Leib mit Schlangenwindungen geschmückt ist!“

Anmerkung: Die Gottheitenanrede unmittelbar zuvor ist beschädigt; diese lesbaren Merkmale werden nicht zur sicheren Identifikation einer fehlenden Göttin benutzt.

Vers 1001
jayayugmaṃ jīvayugaṃ prasīdadvitayaṃ tathā |
tadante śira ullikhya pṛśniṃ mārjanameva ca ||1001||

Zweimal „Siege!“, zweimal „Lebe!“ und zweimal „Sei gnädig!“ Am Ende schreibe man die Kopf-Formel, dann Prishni und Marjana.

Vers 1002
kṣudraṃ tṛptiṃ tataśchippi hemakūṭamanantaram |
mahāśaktipadasyānte dhāriṇi pratikīrtayet ||1002||

Kshudra, Tripti, dann Chhippi, anschließend das Hema-Kuta. Aus Mahashakti und Dharini bilde man „Trägerin der großen Shakti!“

Anmerkung: Shakti kann hier die Kraft oder die Speerwaffe bezeichnen; im folgenden Kaumari-Zusammenhang bleibt die Waffenbedeutung mitlesbar. Chhippi unsicherer Deckname.

Vers 1003
bhagavatyanu kaumāri mayūradhvaja īrayet |
tāmracūḍapadātpicchāvataṃsita itīrayet ||1003||

„Erhabene Kaumari!“ Danach „mit dem Pfau als Banner“ und „mit den Federn des Hahnes geschmückt“.

Anmerkung: Kaumari ist die Kumara zugehörige Göttin, keine Altersangabe einer menschlichen Ritualpartnerin. Die Anrede wird in den folgenden Befehlen fortgesetzt.

Vers 1004
jayayugmaṃ dvivijayaṃ tadante śira īrayet |
śrīvatsamārādhanakaṃ kūṭaṃ caivāparājitam ||1004||

Zweimal jaya und zweimal vijaya; am Ende spreche man die Kopf-Formel. Shrivatsa, Aradhana und das Aparajita-Kuta.

Anmerkung: Aradhana beziehungsweise Aradhanaka als Deckname, nicht still zu einer zusätzlichen Verehrungshandlung erweitert.

Vers 1005
vaiṣṇavītyapi saṅkīrtya suparṇavāhinītyapi |
kaivalyamiti saṃlikhya prayaccha śira eva ca ||1005||

Man spreche „Vaishnavi, die auf Suparna reitet! Gewähre Kaivalya!“ Danach die Kopf-Formel.

Anmerkung: Suparna: Garuda, Vishnus Vogelträger. Kaivalya: vollkommene Befreiung.

Vers 1006
yācñāmapi ca saṃvittimapāyaṃ tadanantaram |
prāsādakūṭaṃ tadanu vārāhi tadanantaram ||1006||

Yachna, Samvitti und danach Apaya; anschließend das Prasada-Kuta und „Varahi!“

Anmerkung: Varahi: ebergestaltige Göttin.

Vers 1007
daṃṣṭrāsamabhyuddhṛteti tato dharaṇimaṇḍale |
cakraśabdādvinikṛttaditijadānava ityapi ||1007||

„Du, die mit dem Hauer den Erdkreis emporgehoben hat! Du, die mit dem Diskus die Ditijas und Danavas zerschnitten hat!“

Anmerkung: Ikonographische Anreden, nicht als historische Ereignisse behauptet.

Vers 1008
pīvarorupadādbāhudaṇḍakṣobhitasāgare |
jvalaprajvalayoryugmaṃ sandarśitapadādanu ||1008||

„Du, deren mächtige Schenkel und Arme das Meer aufwühlen!“ Je zweimal „Brenne!“ und „Entflamme!“ Danach „offenbar geworden …“

Anmerkung: Verbindung pīvoru/bāhudaṇḍa kann auch nur die massigen Arme bezeichnen; Lesung nicht als sichere Anatomie ausgegeben. Fortsetzung in 1009.

Vers 1009
viśvarūpāvatāre ca […] śīrṣameva ca |
avasthāṃ vacanaṃ cāpi dhātukūṭamataḥ param ||1009||

„Du, in der die allgestaltige Erscheinung sichtbar geworden ist!“ […] und die Kopf-Formel. Avastha, Vachana und danach das Dhatu-Kuta.

Anmerkung: Fragment: Wort vor der Kopf-Formel beschädigt. OCR-Nummer 1006 als 1009 gelesen.

Vers 1010
nārasiṃhīti sambodhya kharato nakhareti ca |
vipāṭitamahādaityavigrahe tadanantaram ||1010||

Man rufe „Narasimhi!“ an und bilde „Du, die mit scharfen Krallen den Leib des großen Daitya aufgerissen hat!“

Anmerkung: Narasimhi: löwengestaltige, Narasimha entsprechende Göttin; Name des Daitya hier nicht ergänzt.

Vers 1011
saṭāvinirdhūtapadātsaptaloke tataḥ param |
nīrājanaṃ ca prādeśaṃ phaṭtrayaṃ śira eva ca ||1011||

Dann „Du, deren Mähne die sieben Welten erschüttert!“ Nirajana und Pradesha, dreimal phaṭ und die Kopf-Formel.

Vers 1012
bhāṣāṃ nisargaṃ cayanaṃ kūṭaṃ svastikameva ca |
viṣṇumāye tato māyāṃ nāśayadvitayaṃ tataḥ ||1012||

Bhasha, Nisarga, Chayana und das Svastika-Kuta. Dann „Vishnumaya, vernichte die Maya, vernichte sie!“

Anmerkung: Die Göttin wird als Vishnus Maya angerufen, um Maya zu beseitigen; diese Spannung nicht aufgelöst.

Vers 1013
jñānaṃ prakaṭayetyuktvā tadante śira īrayet |
ārañjiṃ vaśikaṃ gañjāṃ tadanvindrāṇi […] ||1013||

Man spreche „Offenbare Erkenntnis!“ und am Ende die Kopf-Formel. Aranji, Vashika, Ganja; danach „Indrani!“ […].

Anmerkung: Fragment: abschließendes Anweisungswort beschädigt; die drei Decknamen in unsicherer Quellform bewahrt.

Vers 1014
uktvā punarvṛddhikūṭaṃ rājyaṃ me dehi cetyapi |
śīrṣaṃ durgayugaṃ duṣṭaṃ pratīcchāṃ svātimeva ca ||1014||

Dann das Vriddhi-Kuta und „Gib mir Herrschaft!“ Die Kopf-Formel, zweimal Durga, Dushta, Praticcha und Svati.

Anmerkung: Praticcha unsicherer Deckname; Durga hier zweimal im Bija-Teil genannt, nicht automatisch zwei zusätzliche Göttinnen.

Vers 1015
[…] ca paramahaṃseśvari tato vadet |
tato yogavatītyuktvā punardharmapravartini ||1015||

[…] Dann sage man „Paramahamseshvari! Yogavati! Du, die den Dharma in Bewegung setzt!“

Anmerkung: Fragment: erster Deckname beschädigt. Paramahamseshvari: Herrin der Paramahamsas; Yogavati: mit Yoga verbundene Göttin.

Vers 1016
vairāgyeṇeti saṃlikhya muktiṃ sādhaya cetyapi |
ante śiraḥ […] vāsitābījamanvataḥ ||1016||

Man schreibe „Führe durch Vairagya zur Befreiung!“ Am Ende die Kopf-Formel, […] und danach das Vasita-Bija.

Anmerkung: Fragment: ein Anweisungswort nach śiras beschädigt. Vairagya: Loslösung beziehungsweise Leidenschaftslosigkeit.

Vers 1017
sambuddhiṃ ca tato dadyānmokṣalakṣmyā varānane |
jñānecchākṛtisaṃjñāni kūṭāni tadanantaram ||1017||

Dann setze man die Anrede „Mokshalakshmi!“ ein, Schöngesichtige; anschließend die Kutas namens Jnana, Iccha und Kriti.

Anmerkung: Mokshalakshmi: Lakshmi der Befreiung. Die Kuta-Namen bezeichnen Erkenntnis, Wollen und Tun, bleiben aber zugleich Lautchiffren.

Vers 1018
ajñānaṃ śamayetyuktvā jñānaṃ prakaṭayetyapi |
[…] mayi collikhya nidhehyanalavallabhām ||1018||

Man spreche „Stille das Nichtwissen! Offenbare Erkenntnis!“ Dann „Lege […] in mich!“ und Analavallabha.

Anmerkung: Fragment: Objekt der letzten Bitte beschädigt, nicht durch vermutetes Wissen oder Befreiung ersetzt. Lesbare Erkenntnisbitten vollständig übersetzt.

Vers 1019
vāruṇīṃ pratimānaṃ ca bṛhatīṃ lambikāmapi |
tataḥ śrautapadaṃ kūṭaṃ śātakarṇi tataḥ param ||1019||

Varuni, Pratimana, Brihati und Lambika; danach das Shrautapada-Kuta, anschließend Shatakarni.

Anmerkung: Shatakarni als Quellname ungesichert; OCR-Nummer 1016 aus Folge als 1019 gelesen.

Vers 1020
bhrāmaki kṣāmakītyuktvā tataḥ kāntāravāsini |
guhyābījaṃ drāvabījaṃ phaṭtrayaṃ tadanantaram ||1020||

Man spreche „Bhramaki! Kshamaki! Bewohnerin der Wildnis!“ Das Guhya-Bija, Drava-Bija und danach dreimal phaṭ.

Anmerkung: Erste beiden Anreden unsicherer Wortbedeutung; nicht durch bekannte Göttinnennamen ersetzt.

Vers 1021
hṛdayaṃ ca […] jaṅkāradvitayaṃ tataḥ |
vighnaṃ hārdamanuṃ śīrṣaṃ tadante jātavedasi ||1021||

Die Herz-Formel und […], danach zweimal Jankara; Vighna, der Herz-Mantra, die Kopf-Formel und anschließend „Jatavedasi!“

Anmerkung: Fragment: Wort nach erster Herz-Formel beschädigt; Jankara nicht in eine vermutete andere Silbe geändert.

Vers 1022
jātavedomukhi procya jvālāmālini kīrtayet |
tataśca sandhirahitamāgneyāstramīreyet ||1022||

Man spreche „Du mit Jatavedas, dem Feuer, als Mund! Du mit der Flammengirlande!“ Danach ohne Lautverschmelzung das Agneya-Astra.

Vers 1023
vamayugmaṃ dhamayugaṃ sphuraprasphurayugmakam |
astraṃ svāhānu tapanaṃ citimutsargameva ca ||1023||

Je zweimal „Speie!“, „Blase!“, „Erstrahle!“ und „Strahle hervor!“ Dann Astra und Svaha, danach Tapana, Chiti und Utsarga.

Anmerkung: Befehle an die Gottheit; die folgenden Worte als Decknamen bewahrt.

Vers 1024
uccārya ca mahānīle śatrusainyamitīrayet |
stambhayadvitayaṃ procya mārayadvitayaṃ tataḥ ||1024||

Man spreche „Mahanila!“ und „die feindliche Armee“; dann zweimal „Lähme!“ und zweimal „Töte!“

Anmerkung: Historische kriegerische Ritualbitte, nicht beschönigt.

Vers 1025
śirohṛdastrāṇi tataḥ santāpaṃ vardhanīmapi |
kūṭaṃ śrautrakrame paścāttataścaivāparājite ||1025||

Danach Kopf-, Herz- und Astra-Formel; Santapa und Vardhani, dann das Shrautrakrama-Kuta und „Aparajita!“

Anmerkung: Kuta-Name in seiner Quellform unsicher; Aparajita: Unbesiegte.

Vers 1026
rājyasiddhijayāllakṣmīmantaṃ dvipadaṃ punaḥ |
dehi dāpaya ca svāhā cañcalatritayaṃ punaḥ ||1026||

Man verbinde Rajyasiddhi, Jaya und Lakshmi in der angegebenen Wortform: „Gib die Vollendung der Herrschaft, Sieg und Glück; lass sie zuteilwerden! Svaha!“ Danach dreimal Chanchala.

Anmerkung: Grammatische Formanweisung am Anfang beschädigungsverdächtig; Inhalte der Bitte lesbar, genaue Sanskrit-Kompositumbildung nicht frei rekonstruiert.

Vers 1027
kūṭaṃ śrautajaṭākhyaṃ ca guhyeśvari tataḥ param |
guhyavidyāsamayataḥ prakāśini samīreyet ||1027||

Das Shrautajata genannte Kuta, danach „Guhyeshvari! Du, die den Samaya der geheimen Vidya offenbart!“

Anmerkung: Samaya: hier Lehre und überlieferte rituelle Bindung.

Vers 1028
prapañcātītaśabdācca svarūpe tadanantaram |
māmuktvā rakṣayugalaṃ mahāvighnapadātpunaḥ ||1028||

Dann „Du, deren Wesen jenseits der Weltentfaltung liegt!“ Man spreche „Schütze mich, schütze mich!“ und beginne „vor großen Hindernissen …“

Anmerkung: Fortsetzung in 1029.

Vers 1029
pañcamībhyasataḥ sarvopadravaṃ śira eva ca |
grahagrāhau tathā jyotsnāṃ śrautavālleyakūṭakam ||1029||

… „und vor allen Bedrängnissen“, mit der angegebenen Ablativ-Endung. Dann die Kopf-Formel; Graha, Graha [mit langem ā], Jyotsna und das Shrautavalleya-Kuta.

Anmerkung: Grammatische Anweisung pañcamī-bhyas zur Bildung des Ablativs bewahrt; letzter Kuta-Name im Druck selbst fraglich. Graha/Grāha in IAST unterscheidbar.

Vers 1030
hṛddvayāstraśirāṃsyuktvā visandhyapyabhaye tataḥ |
tato bhavabhayaṃ procya mocayānte ca nivṛtim ||1030||

Zweimal die Herz-Formel, dann Astra und Kopf-Formel. Ohne Lautverschmelzung „Abhaya! Befreie von der Furcht vor dem Daseinskreislauf!“ Danach „Nivritti …“

Anmerkung: Abhaya: Furchtlose beziehungsweise Furchtlosigkeit schenkende Göttin. Bitte läuft in 1031 weiter.

Vers 1031
dehyastrayugmahṛcchīrṣāṇyataḥ paramudīrayet |
[…] vāṭīmathālokaṃ kalpakūṭaṃ tataḥ param ||1031||

… „Gewähre die Rückkehr aus der Verstrickung!“ Danach zweimal Astra, Herz- und Kopf-Formel. […], Vati und Aloka, dann das Kalpa-Kuta.

Anmerkung: Fragment: erster Deckname der zweiten Hälfte beschädigt. Nivritti als Abwendung beziehungsweise Rücknahme erläutert, nicht auf eine einzige philosophische Schule festgelegt.

Vers 1032
kūṭaṃ śrautaghanaṃ cāpi dharmakūṭamanantaram |
sambuddhirekavīrāyāstataḥ paramudīrayet ||1032||

Das Shrautaghana-Kuta, danach das Dharma-Kuta; anschließend spreche man die Anrede „Ekavira!“

Anmerkung: Ekavira: die einzige Heldin beziehungsweise einzigartige heldenhafte Göttin.

Vers 1033
mahābalaparā procya krame bhagavatīti ca |
jagadāveśini tatastrilokīṃ tadanu priye ||1033||

„Erhabene, du von großer Kraft und Tatmacht! Du, die die Welt mit ihrer Macht erfüllt!“ Danach „die drei Welten …“, Geliebte.

Anmerkung: Die über zwei Zeilen verteilten Bestandteile mahābala/parā/krame bilden die Anrede mahābalaparākrame. Die Wortbildungsanweisung bleibt im Sanskrit bewahrt.

Vers 1034
vaśīkuru śiraḥ procya tāpaṃ varṇaṃ paśuṃ vadet |
tataḥ śrautadhvajaṃ kūṭaṃ mahāvidye tataḥ param ||1034||

… „Bringe sie unter [meine] Macht!“ Dann die Kopf-Formel; Tapa, Varna und Pashu. Danach das Shrautadhvaja-Kuta und „Mahavidya!“

Anmerkung: Varna steht hier in einer Decknamenliste und wird nicht als gesicherte Farbangabe gelesen.

Vers 1035
sarvamuktvā mohaya coccāṭaya yugaṃ yugam |
yugaṃ yugaṃ kiri kili […] kahadvayam ||1035||

Man spreche „alle“ und je zweimal „Bezaubere!“ und „Vertreibe!“ Danach je zweimal kiri und kili, […], zweimal kaha.

Anmerkung: Fragment: weitere Lautformel vor kaha beschädigt; Lautgruppen ohne erfundene Bedeutungen.

Vers 1036
astradvayānte śīrṣaṃ ca cañcalāpoṣanistalān |
kūṭaṃ śrautrajaṃ smṛtvā tato vairāgyakūṭakam ||1036||

Nach zweimal Astra die Kopf-Formel; Chanchala, Posha und Nistala. Man vergegenwärtige das Shrautraja-Kuta, danach das Vairagya-Kuta.

Anmerkung: Kuta-Namensform und Gliederung der ersten Decknamenfolge unsicher.

Vers 1037
sambuddhiṃ bhagavatyāśca tāmasyāśca tataḥ param |
tamaḥsvarūpe ullikhya mamājñānaṃ tataḥ param ||1037||

Danach die Anrede „Erhabene Tamasi, du in Gestalt der Dunkelheit!“ Man schreibe „mein Nichtwissen …“

Anmerkung: Fortsetzung der Beseitigungsbitte in 1038.

Vers 1038
nāśayonmūlaya hana truṭadhvaṃsaya mūrcchaya |
ṣaṇṇāṃ yugaṃ yugaṃ lekhyaṃ tataścaiśvaryakūṭakam ||1038||

… „Vernichte! Entwurzele! Zerschlage! Zerbrich! Zerstöre! Setze außer Kraft!“ Jedes der sechs [Befehlsworte] ist zweimal zu schreiben; danach das Aishvarya-Kuta.

Anmerkung: Mūrcchaya wörtlich „lass ohnmächtig werden“, hier auf Nichtwissen bezogen. Befehlsreihe nicht verkürzt.

Vers 1039
hṛdayaṃ cottamāṅgaṃ ca tato'nu samudīrayet |
bhagaṃ guhyaṃ śekharaṃ ca tataśca kulakuṭṭani ||1039||

Danach spreche man Herz- und Kopf-Formel; Bhaga, Guhya und Shekhara, dann „Kulakuttani!“

Anmerkung: Kulakuttani ist eine mehrdeutige beziehungsweise unsichere Anrede mit Kula-Bezug; nicht beschönigend zu einer anderen Göttin geändert.

Vers 1040
tato […] kūṭaṃ kulacakrapravartini |
guhyavidyāpadāddadyātprakāśini tataḥ param ||1040||

Danach das […]-Kuta; „Du, die das Kula-Chakra in Bewegung setzt! Du, die die geheime Vidya offenbart!“

Anmerkung: Fragment: Kuta-Name beschädigt.

Vers 1041
dhātuṃ mūrtimaghaṃ coktvā phaṭsvāhā nama eva ca |
rekhākūṭaṃ nāgameyaṃ kuleśvari tataḥ param ||1041||

Man spreche Dhatu, Murti und Agha, dann phaṭ svāhā namaḥ; das Rekha-Kuta, Nagameya und danach „Kuleshvari!“

Anmerkung: Nagameya unsichere Decknamenlesung. Kuleshvari: Herrin der Kula-Tradition.

Vers 1042
guhyātiguhyasamayakulacakrapravartini |
ityudīrya tato dadyānnāmnā kūṭaṃ mahodayam ||1042||

Man spreche „Du, die das Kula-Chakra des äußerst verborgenen Samaya in Bewegung setzt!“ Danach setze man das Mahodaya genannte Kuta ein.

Vers 1043
viśvapālike uddhṛtya viśvaṃ pālaya pālaya |
ullikhya tvāmahamiti namāmyanalavallabhām ||1043||

Man füge an: „Beschützerin des Alls, behüte das All, behüte es! Vor dir verneige ich mich!“ Danach Analavallabha.

Anmerkung: Zusammenhängende, lesbare Gebetsformel.

Vers 1044
ṛtamaṃśaṃ tathā drāvaṃ nivṛttyākhyaṃ ca kūṭakam |
[…] viśvarūpāyāstadanantaramīreyet ||1044||

Rita, Amsha und Drava sowie das Nivritti genannte Kuta; danach [spreche man die Anrede] „Vishvarupa!“

Anmerkung: Fragment: Anweisungswort vor viśvarūpā beschädigt, Name und Bezug hinreichend erkennbar. Vishvarupa: Allgestaltige.

Vers 1045
tataścaturdaśapadādbhuvanaṃ parikīrtayet |
sasandhi cātmanyullikhya sandarśaya śiro'pi ca ||1045||

Man bilde mit Lautverschmelzung die Bitte „Zeige die vierzehn Welten in dir selbst!“ Danach die Kopf-Formel.

Vers 1046
nindākhaṇḍamūrṇaṃ dattvā kāṃśareyaṃ ca kūṭakam |
raktamukhyanu vai nīlalohiteśvari kīrtayet ||1046||

Ninda, Khanda und Urna sowie das Kamshareya-Kuta. Danach „Raktamukhi! Nilalohiteshvari!“

Anmerkung: Kuta-Name stark unsicher, als lesbare Quellform bewahrt. Raktamukhi: Rotgesichtige; Nilalohiteshvari: blaurote Herrin.

Vers 1047
kalpāntanartaki procya nṛtyagāya dvayaṃ dvayam |
hasadvayaṃ caccarītastālike parikīrtayet ||1047||

Man spreche „Tänzerin am Ende des Kalpa, tanze, tanze! Singe, singe! Lache, lache!“ Dann „Du, die beim Charchari-Tanz den Takt klatscht!“

Anmerkung: Zusammenhängende Tanz- und Klang-Anrede; keine moderne Körperübungsfolge ergänzt.

Vers 1048
māṃ rakṣarakṣa ca tato brūyātsaṃvartakāriṇi |
sarvaśeṣe vadetsvāhā […] arghaṃ karṇaṃ rayim ||1048||

Dann „Du, die die Weltauflösung bewirkt, schütze mich, schütze mich!“ Ganz am Schluss Svaha. […], Argha, Karna und Rayi.

Anmerkung: Fragment: erster Deckname nach Svaha beschädigt. OCR-Nummer 1045 als 1048 gelesen.

Vers 1049
śuddhakūṭaṃ jayantyāśca sambuddhiṃ tadanu kṣipet |
dviṣantaṃ jahi cābhāṣya jayantaṃ pāhi cetyapi ||1049||

Man setze das Shuddha-Kuta und die Anrede „Jayanti!“ ein. Dann „Erschlage den Feind und schütze den Siegenden!“

Anmerkung: Jayanta kann auch ein Eigenname sein; Bezug nicht sicher, keine bestimmte historische Person hinzugefügt.

Vers 1050
rājyaṃ bhagaṃ śriyaṃ dehi tadante'nalavallabhām |
ahaṅkārāhvayaṃ kūṭamādau devi vibhāvayet ||1050||

„Gib Herrschaft, Glück und Fülle!“ Am Ende Analavallabha. Zunächst, Göttin, vergegenwärtige man [für die nächste Folge] das Ahankara genannte Kuta.

Anmerkung: Bhaga hier im Zusammenhang von Herrschaft und Shri als Glück/Fülle verstanden, nicht automatisch anatomisch.

Vers 1051
sasandhihṛdayadvandvamekānaṃśe tathaiva ca |
sṛṣṭisthitipralayataḥ kāriṇītyapi kīrtayet ||1051||

Zweimal die Herz-Formel mit Lautverschmelzung, dann „Ekanamsha! Du, die Hervorbringung, Bestand und Auflösung bewirkt!“

Vers 1052
sadāśivārdhatanuto dhāriṇyapi tataḥ param |
sarvakṛtyeti cābhāṣya pramardinyapi […] ||1052||

Dann „Du, die die Hälfte von Sadashivas Leib trägt!“ Man bilde „Du, die sämtliche Kritya-Zauber zermalmt!“ […].

Anmerkung: Fragment: abschließendes Anweisungswort beschädigt. Quellform hāriṇī/dhāriṇī am Beginn nicht völlig gesichert; sinngemäße Hälfte-Leib-Anrede kenntlich.

Vers 1053
hṛdagnivallabhe coktvā sandhyāsūktaṃ ca varṣma ca |
avidyākūṭamuddhṛtya brahmavādini kīrtayet ||1053||

Man spreche Herz-Formel und Agnivallabha; Sandhya-Sukta und Varshman. Man füge das Avidya-Kuta an und rufe „Brahmavadini!“

Anmerkung: Brahmavadini: die Brahman verkündet beziehungsweise von Brahman spricht.

Vers 1054
brahmajñānamiti procya prakāśaya tataḥ param |
visandhyajñānamiti ca śamayānalavallabhām ||1054||

Man spreche „Offenbare Brahman-Erkenntnis!“ Dann ohne Lautverschmelzung „Stille das Nichtwissen!“ und Analavallabha.

Anmerkung: Klare Erkenntnisbitte; Anweisung zum Sandhi bewahrt.

Vers 1055
goṣṭhīṃ lalāṭaṃ niṣṭhāṃ ca mohakūṭamanantaram |
maryuṃ janyāṃ puṭaṃ cāpi tataḥ kāmāṅkuśe iti ||1055||

Goshthi, Lalata und Nishtha, danach das Moha-Kuta; Maryu, Janya und Puta, dann „Kamankusha!“

Anmerkung: Maryu/Janya unsichere Decknamenformen. Kamankusha: Lenkerin beziehungsweise „Elefantenhaken“ des Begehrens.

Vers 1056
prapañcātītapadataḥ saṃvidālambinītyapi |
uktvā tato bhavabhayaṃ […] namaḥ śiraḥ ||1056||

„Du, die im Bewusstsein jenseits der Weltentfaltung gründet!“ Dann „die Furcht vor dem Daseinskreislauf […]“; namaḥ und die Kopf-Formel.

Anmerkung: Fragment: Verb zur Furchtbitte beschädigt, nicht ergänzt.

Vers 1057
tāmisrādīni deveśi trīṇi kūṭāni nirdiśet |
tataḥ sambodhanaṃ dadyādāveśinyāḥ varānane ||1057||

Man setze die drei mit Tamisra beginnenden Kutas ein, Herrin der Götter. Dann die Anrede „Aveshini!“, Schöngesichtige.

Anmerkung: Nicht einzeln genannte Kutas nicht erfunden; Aveshini: eindringende beziehungsweise ergreifende Göttin.

Vers 1058
mṛgāṅkamīriṇīṃ mandāmulūkaṃ rājameva ca |
sarvamāviṣṭamiti ca sādhayadvitayaṃ tataḥ ||1058||

Mriganka, Irini, Manda, Uluka und Raja. Dann „Bewirke, dass alles von deiner Macht ergriffen ist!“ – zweimal.

Anmerkung: Irini/Manda unsichere Decknamenformen; Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 1059
phaṭtrayaṃ śīrṣamekaṃ ca hṛdayaṃ tāvadeva ca |
ilāmaṃho guruṃ ketuṃ yotikūṭamataḥ param ||1059||

Dreimal phaṭ, einmal Kopf- und ebenso einmal Herz-Formel. Ila, Amhas, Guru und Ketu, danach das Yoti-Kuta.

Anmerkung: Yoti ist eine unsichere Quelllesung, nicht zu Jyoti normalisiert. OCR-Nummer 1056 als 1059 gelesen.

Vers 1060
māyūri ca padaṃ paścāccitrāṃ tadanantaram |
sarvasiddhiṃ prayaccheti vighnaṃ niyaccha cetyapi ||1060||

Danach die Anrede „Mayuri!“, anschließend Chitra; „Gewähre alle Siddhis! Halte das Hindernis zurück!“

Anmerkung: Mayuri: pfauengestaltige oder pfauenbezogene Göttin. Chitra möglicherweise weitere Anrede oder Deckname, nicht festgelegt.

Vers 1061
sarvaṃ sthūlākāramiti darśayānalavallabhām |
veśamudbhidamandhaṃ ca vipākaṃ kūṭamanvataḥ ||1061||

„Zeige alles in grober, sichtbarer Gestalt!“ Danach Analavallabha; Vesha, Udbhid, Andha und das Vipaka-Kuta.

Anmerkung: Andha ist im Druck fraglich. Sthulakara als sichtbare materielle Form, nicht als Wahrnehmungsdiagnose verstanden.

Vers 1062
trikālavedinīti procya tataḥ sarvajñatāṃ punaḥ |
[…] sādhayayugaṃ tatastribhuvaneti ca ||1062||

Man spreche „Kennerin der drei Zeiten!“ Dann „Allwissenheit […] – bewirke sie, bewirke sie!“ Darauf „in den drei Welten …“

Anmerkung: Fragment: Wort vor sādhaya beschädigt; Fortsetzung der Auskunftsbitte in 1063.

Vers 1063
vṛttāntamāvedaya ca tataḥ karṇapiśācini |
punaḥ karṇamupetyeti sakalaṃ tadanuddharet ||1063||

… „Teile die Geschehnisse mit!“ Dann „Karnapishachini, tritt an mein Ohr und berichte alles …“

Anmerkung: Schließt die Bitte um Auskunft über die drei Welten aus 1062 an; Fortsetzung in 1064.

Vers 1064
carācaraṃ ca kathaya tato mūrdhānamīreyet |
kharaṃ vīthīṃ kaṇāṃ kūṭaṃ tataścopādhināmakam ||1064||

… „Bewegliche und Unbewegliche!“ Danach spreche man die Kopf-Formel; Khara, Vithi, Kana und das Upadhi genannte Kuta.

Anmerkung: Kana unsichere Decknamenform; keine reale Informationsgewinnung durch Geistwesen als Tatsache behauptet.

Vers 1065
mahāmārīti sambodhya mahāmarakakāriṇi |
kaṅkālini tato dattvā punaḥ kaṅkāladhāriṇi ||1065||

Man rufe „Mahamari!“ an: „Du, die große tödliche Seuchen bewirkt! Kankalini! Trägerin von Skeletten!“

Anmerkung: Die todbringende Seite der Anrede bleibt neben den früheren Schutzanrufungen sichtbar; keine Beschönigung.

Vers 1066
khaṭvāṅgabhrāmiṇi procya khaṭvāṅgaṃ bhrāmaya dvayam |
visandhyapyapamṛtyuṃ ca […] vadet ||1066||

Man spreche „Du, die den Khatvanga schwingt! Schwinge den Khatvanga, schwinge ihn!“ Ohne Lautverschmelzung „vorzeitiger Tod […]“.

Anmerkung: Fragment: Befehlswort zur Todesbitte beschädigt. Fußnote bietet Khatvanga-Trägerin statt Schwingende; Hauptlesung bewahrt.

Vers 1067
brahmaviṣṇuśivetyuktvā vāhinītīrayettataḥ |
astratrayaṃ […] ca śīrṣamekamataḥ param ||1067||

Man bilde „Du, die Brahma, Vishnu und Shiva als Träger hat!“ Dreimal Astra, […] und danach einmal die Kopf-Formel.

Anmerkung: Fragment: Gruppe zwischen Astra und Kopf-Formel beschädigt; kein fehlender Herzlaut ergänzt.

Vers 1068
[…] ca savanaṃ dattvā tata indrākṣi kīrtayet |
svārājyaṃ dadayugmaṃ ca dāpayadvitayaṃ tataḥ ||1068||

Man setze […] und Savana ein, dann „Indrakshi!“ Es folgt „Gib unabhängige Herrschaft, gib sie! Lass sie zuteilwerden, lass sie zuteilwerden!“

Anmerkung: Fragment: erster Deckname beschädigt. Svarajya kann auch Selbstherrschaft bedeuten, wird im Ritualkontext nicht still zur modernen Selbstführung umgedeutet.

Vers 1069
hariharaśabdānmahite trilokalalite tathā |
tatastāriṇi saṅkīrtya tāraya pratikīrtayet ||1069||

„Du, die von Hari und Hara verehrt wird! Du, die in den drei Welten spielt!“ Dann „Retterin, führe hinüber!“

Anmerkung: Trilokalalitā kann auch die Anmutige beziehungsweise Geliebte der drei Welten bedeuten; Übersetzung als Spielende ist sinngemäß, nicht einzig mögliche Lesung.

Vers 1070
śatrūnmārayayugmaṃ ca vidye cāpi pracaṇḍataḥ |
astradvayaṃ śiraḥsvāntaṃ vastu devaṃ tathā vadet ||1070||

Zweimal „Töte die Feinde!“ und „Prachandavidya!“ Danach zweimal Astra, Kopf- und Herz-Formel; Vastu und Deva.

Anmerkung: Verehrungsname Prachandavidya: überaus wilde Vidya; historische Feindvernichtungsbitte.

Vers 1071
kūṭaṃ manaḥsañjñakaṃ ca diṣṭaṃ ghoṇaki coddharet |
tato bhūtapiśāceti pretayakṣānu rākṣasa ||1071||

Das Manas genannte Kuta und Dishta; man füge „Ghonaki!“ an. Dann „Bhutas, Pishachas, Pretas, Yakshas und Rakshasas …“

Anmerkung: Liste der abzuwehrenden Wesen, Fortsetzung in 1072.

Vers 1072
kūṣmāṇḍayoginītyuktvā ḍākinībhayameva ca |
tataśca nāśayayugaṃ śmaśānaṃ cānayadvayam ||1072||

… „Kushmandas, Yoginis und Dakinis – vernichte die Furcht vor ihnen, vernichte sie!“ Dann „Führe zur Leichenstätte, führe [dorthin]!“

Anmerkung: Objekt des Herbeiführens nicht genannt; kein Ziel hinzugefügt.

Vers 1073
tataśca praviśetyuktvā gahvaraṃ haṭṭayugmakam |
hṛdayāstraśirāṃsyante yatnaṃ jālaṃ visargakam ||1073||

Danach „Tritt ein!“; Gahvara, zweimal Hatta. Am Ende Herz-, Astra- und Kopf-Formel; Yatna, Jala und Visargaka.

Anmerkung: Ob gahvara noch Objekt des Eintritts („in die Höhle“) oder bereits Deckname ist, bleibt offen; keine sichere Wortgrenze erzwungen.

Vers 1074
tato maṅgalacaṇḍīti sambodhanapadaṃ priye |
maṅgalairgṛhamityuktvā pūrayadvitayaṃ tataḥ ||1074||

Dann die Anrede „Mangalachandi!“, Geliebte. Man sage „Fülle das Haus mit Glückverheißendem, fülle es!“

Vers 1075
tato vadecca maṅgalyāvatāre'straṃ śirastathā |
kirṇaṃ vitānaṃ śaraṇaṃ kūṭaṃ […] tataḥ ||1075||

Dann „Verkörperung des Segens!“, Astra- und Kopf-Formel; Kirna, Vitana, Sharana und das […]-Kuta.

Anmerkung: Fragment: letzter Kuta-Name beschädigt; Kirna als unsichere Decknamenform bewahrt.

Vers 1076
caṇḍograkāpālini ca tataḥ paramudīrayet |
khaḍgāñjaneti coddhṛtya pādukāsiddhimeva ca ||1076||

Danach spreche man „Chandograkapalini!“ Man füge „Schwert-, Augensalben- und Sandalen-Siddhi …“ an.

Anmerkung: Göttinnenname: wilde, furchtbare Schädelträgerin. Siddhi-Arten ausdrücklich als solche bewahrt, nicht in moderne Übungen übersetzt; Fortsetzung in 1077.

Vers 1077
me'nu dehi dvayaṃ procya hyavyāhatagatiṃ tataḥ |
proccaretsandhirahitaṃ prayacchadvitayaṃ tataḥ ||1077||

… „Gib sie mir, gib sie mir!“ Dann „Gewähre ungehinderte Bewegung, gewähre sie!“, ohne Lautverschmelzung gesprochen.

Anmerkung: Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 1078
citāṅgārapadādbhasmadhāriṇīti samuccaret |
[…] hṛdayāstre tataḥ param ||1078||

Man bilde „Du, die Kohlen und Asche des Scheiterhaufens trägt!“ […] Danach Herz- und Astra-Formel.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Hälfte beschädigt.

Vers 1079
pradāya guṇakiñjalkau cittakūṭamanantaram |
sampatprade bhairavīti tataḥ paramudīrayet ||1079||

Man setze Guna und Kinjalka ein, danach das Chitta-Kuta. Dann spreche man „Bhairavi, Spenderin von Wohlstand!“

Vers 1080
sampadaṃ dadayugmaṃ ca vṛṣṭiṃ cāpi hiraṇyataḥ |
saṅkīrtya varṣayugalaṃ varṣāpayayugaṃ vadet ||1080||

„Gib Wohlstand, gib!“ Dann „Lass einen Goldregen regnen, regnen! Bewirke seinen Regen, bewirke ihn!“

Anmerkung: Beide Formen varṣa/varṣāpaya mit ihren Wiederholungen bewahrt.

Vers 1081
dhanadhānyānu ratnāni dehidehi tato'pi ca |
dāpayadvitayaṃ procya dhūrbījaṃ samudīrayet ||1081||

„Gib Vermögen, Getreide und Edelsteine, gib sie! Lass sie zuteilwerden, lass sie zuteilwerden!“ Dann spreche man das Dhur-Bija.

Vers 1082
astradvayaṃ śiraḥ procya hṛdayaṃ tadanuddharet |
mūlaṃ tithiṃ durghaṭaṃ ca sasandhi hṛdayadvayam ||1082||

Man spreche zweimal Astra, dann die Kopf- und Herz-Formel; Mula, Tithi und Durghata, danach zweimal die Herz-Formel mit Lautverschmelzung.

Vers 1083
tataśca pherucāmuṇḍe mālākaṅkālaśabdataḥ |
śuṣkāntradhāriṇi tataścarma śārdūlaśabdataḥ ||1083||

Dann „Pheruchamunda, du mit einer Girlande aus Skeletten und getrockneten Eingeweiden!“ Danach „Tigerfell …“

Anmerkung: Pheru: Schakal; genaue Verbindung mālā/kaṅkāla/śuṣkāntra bleibt im Sanskrit sichtbar. Anrede läuft in 1084 weiter.

Vers 1084
vāsinyanantaraṃ brūyānnaramuṇḍācca kuṇḍale |
śuṣkodari tathā śuṣkānane tadanu […] ||1084||

… „als Gewand tragend“. Dann „Du mit Menschenköpfen als Ohrschmuck! Du mit ausgemergeltem Bauch und ausgemergeltem Gesicht!“ […].

Anmerkung: Fragment: letztes Anweisungswort beschädigt; die Körperanreden sind lesbar.

Vers 1084 (zweite so bezeichnete Strophe)
hāhāvarṇātsandhihīnamanaletyapi kīrtayet |
khaṭvāṅgadhāriṇi tato […] ||1084||

Man spreche hā hā, dann ohne Lautverschmelzung „Anala!“ und „Khatvanga-Trägerin!“ […].

Anmerkung: Fragment: Ende der zweiten Hälfte beschädigt; Anala als Feuername beziehungsweise Anrede nicht sicher abgrenzbar. Sichtbare Quellnummer nochmals 1084, intern 1085 abgelegt.

Vers 1086
gaṇabījaṃ tato dattvā trirastraṃ […] śiraḥ |
pravahaṃ chadma ca rayaṃ cāmuṇḍe ca śmaśānataḥ ||1086||

Man setze das Gana-Bija ein; dreimal Astra, […] und die Kopf-Formel. Pravaha, Chhadman und Raya; aus Shmashana und Chamunda „Shmashanachamunda!“

Anmerkung: Fragment: Wort vor śiras beschädigt; Versnummer beschädigt, Folge eindeutig.

Vers 1087
[…] tataḥ kūṭaṃ punarmātaṅgabhogau ca |
[…] śailapadataḥ kaṭisūtriṇi ||1087||

Danach das […]-Kuta, wiederum Matanga und Bhoga. […] Aus „Berg“ und „Hüftgürtel tragend“ bilde man eine entsprechende Anrede.

Anmerkung: Fragment: zwei größere Gruppen beschädigt; keine genaue Gestalt des aus Bergen bestehenden Gürtels ergänzt.

Vers 1088
prajvaladdhoraśabdācca citānalanivāsini |
vamanmukhānalaṃ procya bhasmīkṛtapadaṃ vadet ||1088||

„Du, die im furchtbar lodernden Feuer des Scheiterhaufens wohnt!“ Dann „durch das aus dem Mund gespeite Feuer zu Asche gemacht …“

Anmerkung: Objekt der zweiten Anrede ist am Anfang von 1089 beschädigt. OCR-Nummer 1085 aus Folge als 1088 gelesen.

Vers 1089
[…] huṃ huṃ kāranādatrāsita ityapi |
punastribhuvanetyuktvā phaṭtrayāddhṛdayaṃ śiraḥ ||1089||

[…] „Du, deren huṃ-huṃ-Ruf die drei Welten erschreckt!“ Nach dreimal phaṭ Herz- und Kopf-Formel.

Anmerkung: Fragment: Anfangswort, das die Verbrennungsanrede aus 1088 abschließt, beschädigt. OCR-Nummer 1006 aus Folge als 1089 gelesen.

Vers 1090
saṅgatiṃ hṛdayaṃ procya kaṅkālini vinirdiśet |
kaṅkālācca karaṅkācca kiṅkiṇīśabdamīreyet ||1090||

Man spreche Sangati und die Herz-Formel, dann „Kankalini!“ Man füge die Worte „Skelette, Schädel und kleine Schellen …“ an.

Anmerkung: Anrede setzt sich in 1091 fort.

Vers 1091
nādabhūṣitaśabdācca vigrahe parikīrtayet |
mahārṇavācchāyini ca mahoragairbhūṣite ||1091||

… „deren Klang deinen Leib schmückt“. Dann „Du, die im großen Meer ruht! Du, die mit großen Schlangen geschmückt ist!“

Anmerkung: Mahoraga-Verbindung im OCR ohne sicher lesbare Endung; deutsche Instrumentalbeziehung aus bhūṣita erschlossen und als Normalisierung kenntlich.

Vers 1092
punaḥ prāpañcabījaṃ hi tato brahmāṇḍacarvaṇā |
jātaśabdātkaṭakaṭā mahānādastataḥ param ||1092||

Wiederum das Prapancha-Bija; danach „das beim Zerkauen der Welteneier entstehende laute Katakata-Geräusch …“

Anmerkung: Lautmalerische Gestaltanrede, Fortsetzung in 1093; Nummer beschädigt.

Vers 1093
pūritāmbaramullikhya bhīmākārācca dhāriṇi |
mahāprahāriṇi tataścāriṇyapi śmaśānataḥ ||1093||

… „das den Himmelsraum erfüllt“. Dann „Du, die eine furchtbare Gestalt trägt! Du, die gewaltige Schläge führt! Du, die auf der Leichenstätte wandelt!“

Anmerkung: Verbindung der Anrede aus 1092–1093, OCR-Nummer 1063 als 1093 gelesen.

Vers 1094
turu marda jvala tathā dvitayaṃ dvitayaṃ dvayam |
phaṭtrayaṃ […] svāhā caikamataḥ param ||1094||

Je zweimal turu, „Zermalme!“ und „Brenne!“ Dreimal phaṭ, […] und danach einmal Svaha.

Anmerkung: Fragment: Formelgruppe vor Svaha beschädigt. turu ohne erfundene Bedeutung; OCR-Nummer 1064 als 1094 gelesen.

Vers 1095
sāmāṃ vādaṃ maulikaṃ ca mahāmāyūryataḥ param |
mahācāṇḍālini tataḥ sarvakṛtyāpramardini ||1095||

Sama, Vada und Maulika; danach „Mahamayuri! Große Chandalini! Du, die sämtliche Kritya-Zauber zermalmt!“

Anmerkung: Mahamayuri: große pfauenbezogene Göttin; kṛtyā als schädlicher Ritualakt beziehungsweise dessen personifizierte Macht.

Vers 1096
ye māṃ dviṣanti pratyakṣaṃ parokṣaṃ tadanuddharet |
tānsarvān […] mardaya dvirvipātaya ||1096||

„Alle, die mich offen oder verborgen hassen – sie alle […] zermalme! Lass sie fallen, lass sie fallen!“

Anmerkung: Fragment: ein Befehlswort nach tān sarvān beschädigt; OCR-Nummer 1066 als 1096 gelesen.

Vers 1097
śoṣayotsādaya hana pāṭayeṣāṃ yugaṃ yugam |
praṇatāniti saṅkīrtya pālaya dvitayaṃ vadet ||1097||

„Dörre aus! Rotte aus! Schlage! Reiße auf!“ – jedes Wort zweimal. Dann „Die sich vor dir Verneigenden behüte, behüte!“

Anmerkung: Historische Feindvernichtungs- und Schutzbitte nebeneinander; OCR-Nummer 1067 als 1097 gelesen.

Vers 1098
pāhiyugmaṃ hṛcchirasī astratritayamanvataḥ |
ramaṇīṃ kūṭabījaṃ ca namo rudrapiśācini ||1098||

Zweimal „Behüte!“; Herz- und Kopf-Formel, danach dreimal Astra. Ramani und das Kuta-Bija; „Ehrerbietung, Rudrapishachini!“

Anmerkung: Fußnote erwägt Kuha-Bija statt Kuta-Bija. OCR-Nummer 1065 als 1098 gelesen.

Vers 1099
pretabhūṣaṇamullikhya pretālaṅkāramaṇḍite |
jambhayugmaṃ […] brahmāṇi tadanantaram ||1099||

Man schreibe „Du, die mit Totengeistern als Schmuck und Zierde versehen ist!“ Zweimal jambha, […], danach „Brahmani!“

Anmerkung: Fragment: Gruppe nach jambha beschädigt; Fußnote jṛmbha als Variante, Hauptlesung bewahrt. OCR-Nummer 1096 als 1099 gelesen.

Vers 1100
[…] punaścoktvā vārāhyapi ca kīrtayet |
vaināyaki ca cāmuṇḍe mahāvidye hyataḥ param ||1100||

Nachdem man wiederum […] gesprochen hat, nenne man „Varahi! Vainayaki! Chamunda! Mahavidya!“

Anmerkung: Fragment: erste Anrede beschädigt; lesbare Göttinnennamen vollständig bewahrt.

Vers 1101
jagadgrāsini coddhṛtya jagatsaṃhāriṇītyapi |
pīvarī śabarītyuktvā nāyikā nāyiketyapi ||1101||

Man füge „Verschlingerin der Welt! Auflöserin der Welt!“ an. Dann „Pivari! Shabari! Nayika! Nayika!“

Anmerkung: Quellformen Pivari/Shabari/Nayika im Nominativ beziehungsweise unsicherer Anredeform bewahrt; Wiederholung Nayika nicht gestrichen.

Vers 1102
haṃ cakṣa hūṃ bhakṣa tathā phaṭtrayaṃ vahnivallabhām |
paṇavārādūṣaraṃ ca phaṭtrayaṃ hṛdayadvayam ||1102||

Haṃ, cakṣa, hūṃ, bhakṣa; dreimal phaṭ und Vahnivallabha. Panava, Ara und Ushara; dreimal phaṭ und zweimal die Herz-Formel.

Anmerkung: Bhakṣa heißt „verzehre“, cakṣa ist nicht sicher deutbar; Lautfolge nicht zu einer vermuteten Standardform geändert. Letzte Decknamenabgrenzung unsicher.

Vers 1103
tataśca kālaśabari kālaṃ vañcaya vañcaya |
[…] mahākālādgṛhiṇyapi ||1103||

Dann „Kalashabari, überliste die Zeit, überliste sie!“ […] Und „Gattin Mahakalas!“

Anmerkung: Fragment: mittlere Formelgruppe beschädigt; kāla zugleich Zeit/Tod.

Vers 1104
[…] candrakhaṇḍāvataṃsite tadanantaram |
visandhyaṭṭāṭṭahāsinyanu brūyānmarmarīṇyapi ||1104||

[…] Danach „Du, die mit der Mondsichel geschmückt ist!“ Ohne Lautverschmelzung „Du, die laut und wiederholt auflacht!“ Dann „Marmarini!“

Anmerkung: Fragment: erste Anrede beschädigt; Marmarini: rauschende oder knisternde Göttin, genaue Wortbedeutung hier unsicher.

Vers 1105
carpaṭinyapyanu tato brūyādvai tundilodari |
ḍāmari kṣāmari procya tato vai kulasundari ||1105||

Danach spreche man „Charpatini! Du mit rundem Bauch! Damari! Kshamari! Kulasundari!“

Anmerkung: Charpatini/Damari/Kshamari sind mehrdeutige Anreden, nicht frei etymologisiert. Kulasundari: Schöne der Kula-Tradition.

Vers 1106
haṃ haṃ haṃ khili cābhāṣya tadevārṇatrayaṃ bhini |
svāhā rīti bhadrike ca tato lāṅgūlinītyapi ||1106||

Man spreche haṃ haṃ haṃ khili; dieselben drei Silben und bhini. Svaha; Riti, „Bhadrika!“ und danach „Langulini!“

Anmerkung: Lautfolge beschädigungsverdächtig; Fußnote bietet stambhini statt bhini. Nicht zu einer scheinbar vollständigen Rezitationsformel ergänzt. Langulini: geschwänzte Göttin, genaue Gestalt unbestimmt.

Vers 1107
mahāmārjāriṇi procya caṭapracaṭayoryugmam |
[…] dhamadvandvaṃ vamayugmaṃ mukhānalāt ||1107||

Man spreche „Große Katzengöttin!“ Je zweimal caṭa und pracaṭa; […], zweimal „Blase!“ und „Speie das Feuer aus dem Mund!“ – ebenfalls zweimal.

Anmerkung: Fragment: ein Wort vor dhama beschädigt. Lautformeln ohne erfundene Übersetzung.

Vers 1108
mahākāntāragahanādvāsinyapi samuddharet |
nāśayānu vadetpāpaṃ duḥsvapnaṃ ca harānu vai ||1108||

Man bilde „Bewohnerin der tiefen großen Wildnis!“ Dann „Vernichte das Unheil und nimm den bösen Traum fort!“

Anmerkung: Pāpa kann Unheil oder Verfehlung bedeuten; Bitte in ihrem ursprünglichen Zusammenhang bewahrt.

Vers 1109
lohinyanu tathāstraṃ ca […] trivārakam |
hṛcchīrṣe tadanuddhṛtya tejanaṃ bījamālikhet ||1109||

Danach „Lohini!“, Astra und […] dreimal. Man füge Herz- und Kopf-Formel an und schreibe das Tejana-Bija.

Anmerkung: Fragment: zu wiederholende Formel nach Astra beschädigt; nicht ergänzt. OCR-Nummer 1106 als 1109 gelesen.

Vers 1110
pretamātaṅgi tadanu pretāsanapadaṃ tataḥ |
yogapaṭṭinyapi punaḥ kuṇapādbhojinītyapi ||1110||

Danach „Pretamatangi! Du mit einem Totensitz und Yogagurt! Leichenverzehrerin!“

Anmerkung: Kompositumverbindung pretāsana/yogapaṭṭinī leicht unsicher; Yogagurt als rituell-asketisches Ausstattungsmerkmal, keine moderne Übungsanweisung.

Vers 1111
pretavetālamadhyāccāriṇi pratikīrtayet |
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyacca sarvamāvedayeti ca ||1111||

Man spreche „Du, die inmitten von Pretas und Vetalas wandelt! Berichte alles Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige!“

Anmerkung: Bhuta/Bhavya/Bhavishyat als Zeitreihe sinngemäß übersetzt; keine behauptete reale Vorhersagefähigkeit.

Vers 1112
astradvayaṃ śiraḥsvāntaṃ phullavāsau tataḥ param |
sambuddhiṃ kurukullāyāstadanu pravadetpriye ||1112||

Zweimal Astra, Kopf- und Herz-Formel; Phulla und Vasa. Danach spreche man die Anrede „Kurukulla!“, Geliebte.

Anmerkung: Phulla/Vasa als unsichere Decknamengliederung bewahrt.

Vers 1113
dvirdvirbandha chindhi tato vadeccikiyugaṃ tataḥ |
trijaṭe sarvamuccāryamapi sphuratu ityapi ||1113||

Je zweimal „Binde!“ und „Durchschneide!“ Dann zweimal ciki. „Trijata, möge alles offenbar werden!“

Anmerkung: Die letzten Wortverbindungen sind beschädigungsverdächtig; sinngemäßer lesbarer Gebetskern übersetzt. Die Variantenfußnote überliefert zusätzliche andere Anreden, separat im folgenden unnummerierten Variantenabschnitt.

Unnummerierter Text
kāpālini ca kāpālaveśadhāriṇi kīrtayet |
kaṅkālini ca kaṅkālamālādhāriṇyapīrayet ||

Man spreche „Kapalini! Du, die eine Erscheinung mit Schädelschmuck trägt! Kankalini! Du, die eine Girlande von Skeletten trägt!“

Anmerkung: Zusätzlicher Grundtext in der Variantenfußnote nach 1113: Zeuge gh ersetzt damit drei vorhergehende Zeilen; ng/ch folgen dieser Fassung. Nicht als Teil der Hauptfassung eingeschoben. Genaue Reichweite der ersetzten drei Zeilen im OCR nicht sicher.

Unnummerierter Text
[…] māle ca tāle ca parikīrtayet |

[…] Man spreche „Mala!“ und „Tala!“

Anmerkung: Fragment: zusätzlicher Halbvers der in der Fußnote als ng/ch bezeichneten Zeugen; erster Name nicht zuverlässig lesbar. Keine Quellversnummer vergeben.

Vers 1114
[…] hṛddvayaṃ śīrṣaṃ ghaṇṭikābījamapyanu |
ghanāghanākāradhāriṇyanu śyāmāmbare vadet ||1114||

[…], zweimal die Herz-Formel, die Kopf-Formel und danach das Ghantika-Bija. Man spreche „Du, die die Gestalt einer dichten Wolke trägt! Du mit dunklem Gewand!“

Anmerkung: Fragment: erste Formelgruppe beschädigt.

Vers 1115
tarucchadanapihitajaghane tadanantaram |
guñjāhāriṇyapi tato mayūrānu ca piccha ca ||1115||

Danach „Du, deren Hüften mit Baumblättern bedeckt sind! Du mit einer Kette aus Gunja-Samen!“ Dann „Pfauenfedern …“

Anmerkung: Erstes Kompositum aus leicht beschädigter OCR-Folge gelesen, lokale Unsicherheit; Fortsetzung in 1116. Keine Altersangabe in dieser Gestaltbeschreibung.

Vers 1116
citracūḍe iti procya digambari tato vadet |
tubhyaṃ namastataḥ śīrṣaṃ tuṇḍābījaṃ tataḥ param ||1116||

… „als buntem Haarschmuck“. Dann „Digambari! Dir Ehrerbietung!“ Die Kopf-Formel und danach das Tunda-Bija.

Anmerkung: Blättergewand und Digambari-Anrede bleiben beide stehen; keine stillschweigende Angleichung.

Vers 1117
kāliṅgīti ca sambodhya mahotpātapravartike |
tato bhujagarūpācca dhāriṇi pratikīrtayet ||1117||

Man rufe „Kalingi!“ an: „Du, die große unheilvolle Erscheinungen hervorruft! Du, die Schlangengestalt trägt!“

Anmerkung: Kalingi als Quellname ohne externe Orts- oder Traditionszuweisung.

Vers 1118
hṛcchiro'nto mahāmantro mayā te parikīrtitaḥ |
dviśatādhikonacatvāriṃśanmantrāmunā gatāḥ ||1118||

Damit wurde dir von mir der große Mantra mit Herz- und Kopf-Formel am Ende gelehrt. Mit diesem sind zweihundertneununddreißig Mantras durchlaufen.

Anmerkung: Zahl der Quelle: zweihundert plus neununddreißig. Beschädigte Glieder der vorausgehenden Sammlung nicht zur Erreichung dieser Zahl ergänzt.

Mrityunjaya-Guhyakali: die Todesüberwinderin

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 1119
catvāriṃśattamāṃ devīmatha […] niśāmaya |
na prāpa mṛtyuṃ yenāsau mṛkaṇḍatanayo muniḥ ||1119||

Höre nun von der vierzigsten Göttin [dieser nach zweihundert weitergezählten Reihe …], durch deren [Mantra] der Weise, Mrikandus Sohn, den Tod nicht erlitt.

Anmerkung: Fragment: kurzes Wort nach atha beschädigt. catvāriṃśattamā wörtlich „vierzigste“; der Bezug als insgesamt 240. folgt aus der ausdrücklichen Summe 239 in 1118, nicht als andere Quellzahl eingesetzt.

Vers 1120
jaigīṣavyo lomaśaśca nārado balireva ca |
hanūmānkapilo vyāso jamadagnisuto'pi ca ||1120||

[Ebenso] Jaigishavya, Lomasha, Narada, Bali, Hanuman, Kapila, Vyasa und Jamadagnis Sohn.

Anmerkung: Namensreihe setzt die mythologischen Beispiele des vorangehenden Verses fort; keine historische Lebensdauer behauptet.

Vers 1121
mṛtyuṃ jayati yenāsau nāmnā mṛtyuñjayo manuḥ |
mṛtyuñjayā guhyakālī tasmādeṣā […] ||1121||

Weil man durch ihn den Tod überwindet, heißt der Mantra Mrityunjaya, „Todesüberwinder“. Darum ist diese Guhyakali Mrityunjaya, „Todesüberwinderin“ […].

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt; die Namensdeutung ist klar lesbar.

Vers 1122
etenaiva tu mantreṇa yeyamuktāyutākṣarī |
vīryādhikyavatī jñeyā madupāsyā varānane ||1122||

Gerade durch diesen Mantra besitzt die gelehrte, von mir verehrte Zehntausendsilbige ihre besondere Kraft, Schöngesichtige; so soll man sie verstehen.

Anmerkung: Traditionelle Rang- und Wirkungsbehauptung des Textes.

Vers 1123
yo vede tryambakamiti mṛtyuñjayamanuḥ sthitaḥ |
tanmanvadhiṣṭhāturiyamuktā śaktiḥ śivasya hi ||1123||

Im Veda steht der Mrityunjaya-Mantra, der mit „tryambakam“ beginnt. Sie wird als Shakti Shivas bezeichnet, der über jenen Mantra waltet.

Anmerkung: Nur das tatsächlich zitierte Anfangswort übernommen; kein ganzer vedischer Mantra aus externen Quellen ergänzt.

Vers 1124
etanmantramavidvāṃso hanyante mṛtyunā priye |
jñātvainaṃ mṛtyumatyeti nānyaḥ panthā vimukteḥ ||1124||

Wer diesen Mantra nicht kennt, wird vom Tod getroffen, Geliebte. Wer ihn erkennt, überschreitet den Tod; einen anderen Weg zur Befreiung [gibt es dem Text zufolge] nicht.

Anmerkung: Ausschließender Wahrheitsanspruch der Quelle, keine medizinische oder allgemeingültige Tatsachenbehauptung der Redaktion. Schluss in der Variantenfußnote abweichend überliefert.

Vers 1125
jijīviṣā cedbhavati mṛtyuṃ tartumathāpi vā |
tadāgraho'tra kartavyaḥ satyaṃ satyaṃ varānane ||1125||

Wenn der Wunsch besteht, zu leben oder den Tod zu überschreiten, soll man sich mit Entschlossenheit diesem [Mantra] zuwenden. Wahrlich, wahrlich, Schöngesichtige!

Vers 1126
kimanyairmantravistāraiḥ śarīraṃ parirakṣitum |
vedamṛtyuñjayānmantrādayaṃ mantro viśiṣyate ||1126||

Wozu die vielen anderen Mantras, um den Körper zu bewahren? Dieser Mantra überragt [nach Aussage des Textes] den vedischen Mrityunjaya-Mantra.

Anmerkung: Rangvergleich der Überlieferung, nicht als nachgewiesene Schutzwirkung ausgegeben.

Vers 1127
yato mantrasyāsya devī guhyakālī prakīrtitā |
mahimā […] nāsya śakyo varṣāyutairapi ||1127||

Denn als Gottheit dieses Mantras wird Guhyakali gelehrt. Seine Größe lässt sich selbst in zehntausend Jahren nicht […] schildern.

Anmerkung: Fragment: ein Wort in der zweiten Hälfte beschädigt; Hauptaussage lesbar.

Vers 1128
sāmānyato varārohe mayā te parikīrtitaḥ |
aśaknuvānaḥ paṭhituṃ sampūrṇāmayutākṣarīm ||1128||

In allgemeinen Zügen habe ich ihn dir erläutert, du Schöne. Wer nicht imstande ist, die vollständige Zehntausendsilbige zu rezitieren …

Anmerkung: Fortsetzung in 1129.

Vers 1129
imaṃ mantraṃ japandevi sampūrṇāyāḥ phalaṃ labhet |
aṣṭādaśākṣaro mantraḥ sadyo mṛtyuvināśanaḥ ||1129||

… erlangt durch die Rezitation dieses Mantras, Göttin, die Frucht der vollständigen [Vidya]. Der achtzehnsilbige Mantra vernichtet [dem Text zufolge] sogleich den Tod.

Anmerkung: Der Text nennt eine kürzere Ersatzrezitation; ihre Kraftbehauptung wird nicht als Empfehlung bei Lebensgefahr verwendet.

Vers 1130
asyoddhāramidānīṃ tvaṃ sāvadhānā niśāmaya |
turīyākhyaṃ hi yadbījaṃ tadādau pratikīrtayet ||1130||

Höre jetzt aufmerksam, wie er erschlossen wird. Zuerst soll man das Bija namens Turiya aussprechen.

Anmerkung: Beginn der verschlüsselten Achtzehnsilbigen; Decknamen nicht stillschweigend ausgeschrieben.

Vers 1131
ṣaṭcakrabījaṃ tadanu bījaṃ sarvāgamaṃ tataḥ |
āmnāyātītabījaṃ hi tataḥ paramudīrayet ||1131||

Danach das Shatchakra-Bija, dann das Sarvagama-Bija; anschließend spreche man das Amnayatita-Bija.

Anmerkung: Decknamen: sechs Chakras, sämtliche Agamas, jenseits der Amnayas; ihre Bedeutung erklärt nicht automatisch die fehlende Lautgestalt.

Vers 1132
tata aikātmyakūṭaṃ ca vijñānamayakūṭakam |
ānandamayakūṭaṃ ca kūṭatrayamudīrayet ||1132||

Dann spreche man die drei Kutas Aikatmya, Vijnanamaya und Anandamaya.

Anmerkung: Namen: Einheit des Selbst, aus Erkenntnis bestehend, aus Glückseligkeit bestehend; hier als Lautgruppen bezeichnet.

Vers 1133
tataśca bījaṃ vilikhecchaktisarvasvanāmakam |
bījaṃ parāparaṃ tasmāttasmāccicchaktibījakam ||1133||

Danach schreibe man das Shaktisarvasva genannte Bija; dann das Parapara-Bija und das Chitshakti-Bija.

Anmerkung: Namen: ganzer Reichtum der Shakti, Para und Apara, Bewusstseinskraft; keine Laute erfunden.

Vers 1134
ante śāmbhavabījaṃ ca tato mṛtyuñjaye padam |
astraṃ tataḥ śiraḥ śeṣe mantro hyaṣṭādaśākṣaraḥ ||1134||

Am Ende das Shambhava-Bija, dann die Anrede „Mrityunjaya!“ Anschließend Astra und zuletzt die Kopf-Formel. Damit ist der achtzehnsilbige Mantra [bezeichnet].

Anmerkung: Die achtzehn Silben sind als Quellenangabe bewahrt; die tatsächliche Lautfolge bleibt verschlüsselt, keine rezitierbare Vollformel vorgetäuscht.

Vers 1135
nānayā sadṛśī vidyā trailokye sambhaviṣyati |
bahunoktena kiṃ devi mantramenamavāpya hi ||1135||

Keine dieser ebenbürtige Vidya wird in den drei Welten entstehen. Was bedarf es vieler Worte, Göttin? Indem [Shiva] diesen Mantra empfing …

Anmerkung: Satz wird in 1136 abgeschlossen.

Vers 1136
śivo mṛtyuñjayatvaṃ hi prāptavānsṛṣṭyanehasi |
vedamṛtyuñjayo mantro nānena sadṛśo bhavet ||1136||

… erlangte er zur Zeit der Weltschöpfung das Wesen des Todesüberwinders. Der vedische Mrityunjaya-Mantra ist diesem [nach Aussage der Quelle] nicht gleich.

Anmerkung: Sṛṣṭyanehas als Schöpfungszeit verstanden; keine historische Datierung.

Vers 1137
imaṃ […] japantaṃ hi vīkṣya kvacana sādhakam |
kālamṛtyū palāyete yamaścāpi varānane ||1137||

Wenn sie irgendwo einen Übenden sehen, der diesen [Mantra …] rezitiert, fliehen Kala und Mrityu sowie Yama, Schöngesichtige.

Anmerkung: Fragment: Wort nach imam beschädigt. Kala, Mrityu und Yama sind hier personifizierte Todesmächte, keine realen Beobachtungsberichte.

Vers 1138
sarvānmantrānparityajya mantramenaṃ samāśrayeḥ |
jijīviṣasi cetkalpaparārdhaṃ varavarṇini ||1138||

Lass alle anderen Mantras und nimm zu diesem Zuflucht, wenn du eine Parardha von Kalpas lang leben möchtest, Schöne.

Anmerkung: Parardha bezeichnet eine außerordentlich große Zahl; keine ungesichert genaue Dezimalzahl ergänzt. OCR-Nummer 1135 als 1138 gelesen.

Vers 1139
mṛtyuñjaya ṛṣiścāsya bṛhatīcchanda ucyate |
mṛtyuñjayā guhyakālī devatā parikīrtitā ||1139||

Sein Rishi ist Mrityunjaya, sein Metrum wird Brihati genannt. Als Gottheit wird Mrityunjaya-Guhyakali gelehrt.

Anmerkung: OCR-Nummer 1136 als 1139 gelesen.

Vers 1140
bījaṃ tattvārṇavaṃ bījaṃ proktametasya pārvati |
kūṭaṃ hyapunarāvṛttiḥ śaktirasyāḥ prakīrtitā ||1140||

Als sein Bija wird Tattvarnava genannt, Parvati. Das Apunaravritti-Kuta wird als ihre Shakti gelehrt.

Anmerkung: Tattvarnava: Ozean der Wirklichkeitsprinzipien; Apunaravritti: Nichtwiederkehr. Rituelle Decknamen, keine sichere Silbenauflösung.

Vers 1141
mantrasyaitasya caitanyakūṭaṃ vai kīlakaṃ bhavet |
dhyānādikaṃ tu paścātte kathayiṣyāmi pārvati ||1141||

Das Chaitanya-Kuta ist das Kilaka dieses Mantras. Seine Meditation und das Weitere werde ich dir später erläutern, Parvati.

Anmerkung: Chaitanya: Bewusstsein; Kilaka: ritueller Verschlussfaktor.

Gestaltlose Wirklichkeit und Abschluss der Bija-Girlande

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 1142
śeṣaṃ tvamayutākṣaryāḥ nibodhātaḥ paraṃ śubham |
advaitakūṭamullikhya tataḥ sakalamantra ca ||1142||

Vernimm nun den weiteren heiligen Rest der Zehntausendsilbigen. Man schreibe das Advaita-Kuta, dann „alle Mantras …“

Anmerkung: Rückkehr von der eingeschobenen Achtzehnsilbigen zur Bijamalamayi; Satz läuft in 1143 weiter.

Vers 1143
punarmayaśarīreti kalpiteti tataḥ param |
ṣaḍāmnāyādhidevateti pratipannaṃ tataḥ param ||1143||

… „als Leib habend“: „Du, deren Leib aus sämtlichen Mantras besteht!“ Dann „als herrschende Gottheit der sechs Amnayas vorgestellt“ und „angenommen …“

Anmerkung: Die langen Anreden werden aus der Wortbildungsanweisung zusammengesetzt; weiterer Anschluss in 1144.

Vers 1144
tato nikhilatattveti sañcāritaṃ tato'pyanu |
samastabhūtasaṅghe ca tadanantaramīreyet ||1144||

Darauf „sämtliche Tattvas“ und „in Bewegung gesetzt“, dann „alle Scharen von Wesen“: „Du, die sämtliche Wirklichkeitsprinzipien angenommen und alle Scharen von Wesen in Bewegung gesetzt hat!“

Anmerkung: Fußnote bietet santārita („hinübergeführt“) statt sañcārita; Hauptlesung bewahrt.

Vers 1145
jayayugmaṃ tataḥ procya prajvaladvitayaṃ vadet |
tato'nayaṃ samuddhṛtya kāpālavratadhāriṇi ||1145||

Dann zweimal „Siege!“ und zweimal „Entflamme!“ Danach Anaya und „Du, die das Kapala-Gelübde hält!“

Anmerkung: Anaya als lesbares, aber nicht sicher zugeordnetes Formelwort; Kapala-Gelübde als historische Schädel-bezogene Observanz, keine moderne Praxisanweisung.

Vers 1146
yulkabījācca vilikhetsamayakramacāriṇi |
tato virādhabījācca kaulasiddhāntakāriṇi ||1146||

Nach dem Yulka-Bija schreibe man „Du, die nach der Samaya-Folge handelt!“ Nach dem Viradha-Bija „Du, die den Kaula-Siddhanta verwirklicht!“

Anmerkung: Druck erwägt Yukta statt Yulka; Viradha und Kaula/Kaula-Siddhanta in leicht beschädigter Quellform. Keine Bija-Silben ergänzt.

Vers 1147
bandhakūṭaṃ samuccārya bandhaṃ saṃsārato vadet |
mocayadvitayaṃ procya chedayadvitayaṃ tathā ||1147||

Man spreche das Bandha-Kuta, dann „Befreie von der Fessel des Samsara, befreie! Durchtrenne sie, durchtrenne sie!“

Anmerkung: Samsara: Kreislauf gebundenen Daseins; Wiederholungen vollständig erhalten.

Vers 1148
visandhyavidyākleśācca vipākapadamīrayet |
prapañcāśayamithyādhyāsāhaṅkārācca vāsanā ||1148||

Ohne Lautverschmelzung spreche man „Nichtwissen, leidbringende Triebe, deren Ausreifung, Weltentfaltung, latente Anlagen, falsche Überlagerung, Ichbildung und Vasanas …“

Anmerkung: Beginn der in 1149 abgeschlossenen Befreiungsanrede; Ashaya/Vasana als verwandte, aber getrennte Quellbegriffe bewahrt.

Vers 1149
pāśacchedini coddhṛtya vāsanākūṭamuddharet |
paramārthasvarūpiṇyanu traiguṇya itīreyet ||1149||

… und „Durchtrennerin ihrer Fesseln“: „Du, die die Fesseln all dessen durchschneidet!“ Man füge das Vasana-Kuta an. Dann „Du, deren Wesen die höchste Wirklichkeit ist!“ und Traigunya.

Anmerkung: Der Druck fragt bei Traigunya nach Nistraigunya; beides betrifft die drei Gunas, doch Hauptlesung nicht stillschweigend in „jenseits der Gunas“ geändert.

Vers 1150
sthālīṃ ca kuñcikāmuktvā ṣāḍūrmyaṃ ca kūṭakam |
śuddhavidyāvalambinyanu ca māyāvimocani ||1150||

Man spreche Sthali und Kunchika und das Shadurmya-Kuta; dann „Du, die in reiner Vidya gründet! Du, die von Maya befreit!“

Anmerkung: Shadurmya: die sechs Wogen beziehungsweise Bedrängnisse als Kuta-Name; konkrete Sechserliste hier nicht ergänzt.

Vers 1151
uktvā paramaśabdaṃ ca […] ityapi |
tato nilayini procya vikārātīta ireyet ||1151||

Man spreche „höchste“ und […], danach „darin Wohnende“. Dann „Du jenseits aller Veränderung!“

Anmerkung: Fragment: Bezeichnung des Aufenthaltsortes beziehungsweise der Wirklichkeit beschädigt; nicht etwa als Brahman oder Shiva ergänzt.

Vers 1152
grāvāṇaṃ valkalaṃ cāpi bījadvayamataḥ param |
yogabhūmiṃ tathā kūṭaṃ naimittamapi kūṭakam ||1152||

Danach die beiden Bijas Gravan und Valkala; das Yogabhumi-Kuta und das Naimitta-Kuta.

Anmerkung: Naimitta ist die vorliegende Form, nicht mit einer anderen philosophischen Kategorie harmonisiert.

Vers 1153
sarvaṃ visandhi vijñeyamāsamāpterataḥ param |
śrutyagocaramuddhṛtya tato'pyavitathe vadet ||1153||

Von hier bis zum Abschluss ist alles ohne Lautverschmelzung zu verstehen. Man füge „Du jenseits der Reichweite der Shruti!“ an, dann „Untrügliche!“

Anmerkung: Shruti kann gehörte Offenbarung oder Hören bezeichnen; die Anrede wird nicht auf eine einzige Lesart verengt.

Vers 1154
satyavijñānānandabrahmākāriṇi samuddharet |
purāṇa iti cābhāṣya brahmapucchapratiṣṭhite ||1154||

Man füge an: „Du, deren Gestalt Brahman als Wahrheit, Erkenntnis und Glückseligkeit ist! Uralte! Du, die in Brahman als tragendem Grund gegründet ist!“

Anmerkung: Brahma-puccha wörtlich „Brahman als Schwanz/Endstück“; die Übersetzung als tragender Grund erläutert das Bild, statt es still zu tilgen.

Vers 1155
nirvikāre ca carame nirindhana itīreyet |
pathyaṃ ca bālaraṇḍāṃ ca tato bījadvayaṃ likhet ||1155||

Man spreche „Unveränderliche! Letzte Wirklichkeit! Du ohne Brennstoff!“ Dann schreibe man die beiden Bijas Pathya und Balaranda.

Anmerkung: Balaranda ist hier ein Deckname ohne sexuelle Darstellung; seine Lautgestalt wird nicht ergänzt. Nirindhana wörtlich ohne Brennstoff, sinngemäß aus sich selbst bestehend, ohne dies als gesicherte einzige Auslegung festzuschreiben.

Vers 1156
asthūle'pyanaṇo'hrasve'dīrghe caivāpyalohite |
asnehe ca tathocchāye tata evaṃ vadetpriye ||1156||

So sage man, Geliebte: „Weder Grobe noch Winzige, weder Kurze noch Lange, weder Rote noch Feuchte; Ucchaya!“

Anmerkung: Letzte Quellform ucchāya unsicher, möglicherweise beschädigte Verneinung des Schattens; nicht stillschweigend rekonstruiert. Die übrigen Verneinungen sind lesbar.

Vers 1157
atamovāyvanākāśe tato'saṅge'rase'pi ca |
agandha iti cābhāṣya acakṣuḥśrotra ireyet ||1157||

„Weder Dunkelheit noch Wind noch Raum! Ungebundene! Ohne Geschmack! Ohne Geruch! Ohne Augen und Ohren!“

Anmerkung: Die erste Verneinungsgruppe ist grammatisch verdichtet; Sinn der apophatischen Anrufung bewahrt.

Vers 1158
pāṇipāde tathāvākcāpyamanaska ireyet |
ataijasi samullikhya tathaivāpyanindriye ||1158||

„Pani-pada! Ohne Sprache! Ohne Geist!“ Man schreibe „Nicht aus Feuerglanz bestehend! Ohne Sinnesvermögen!“

Anmerkung: Pāṇipāde ist ohne sichere Verneinung überliefert; nicht still zu „ohne Hände und Füße“ geändert. Die Folge legt diese Bedeutung nahe, bietet aber keine sichere Lesung.

Vers 1159
aprāṇe cāmukhe'mātre hyaliṅge cāpyanantare |
abāhye'pyanaduṣṭe cānupādāna ireyet ||1159||

„Ohne Lebenshauch! Ohne Mund! Ohne Maß! Ohne Kennzeichen! Ohne Inneres! Ohne Äußeres! Anadushta! Ohne stoffliche Ursache!“

Anmerkung: Anaduṣṭa ist eine unklare oder beschädigte Form; keine sichere philosophische Bedeutung ergänzt. Die übrigen negierenden Anreden sind lesbar.

Vers 1160
tato'nu prakṛte procyānudbhave tadanantaram |
amṛtyo cānagho'pyuktvā tathaivāmahīyasi ||1160||

Dann „Prakriti! Ohne Entstehung! Ohne Tod! Anagha! Nicht größer!“

Anmerkung: Der Druck erwägt analaghu („nicht klein“) statt anagha; auch prakṛte kann eine verlorene Verneinung aufweisen. Hauptformen und Unsicherheiten bleiben erhalten, keine durchgängige Negationsreihe erfunden.

Vers 1161
aśarīre tathābandhe'puṇyapāpe tataḥ param |
tataḥ samuddhareddevi praṇidhānapuraḥsaram ||1161||

Danach „Ohne Körper! Ohne Bindung! Jenseits von Verdienst und Verfehlung!“ Dann soll man, Göttin, mit gesammelter Hingabe die folgenden [Formelteile] anfügen.

Anmerkung: Pranidhana: Sammlung, Ausrichtung oder hingebungsvolle Versenkung; nicht auf eine einzige Übungsform eingeengt.

Vers 1162
manojavāmodakayormadhye kūṭaṃ nirañjanam |
yogavidye tattvavidye mokṣavidye tataḥ param ||1162||

Zwischen Manojava und Modaka steht das Niranjana-Kuta. Danach „Yoga-Vidya! Tattva-Vidya! Moksha-Vidya!“

Anmerkung: Anreden: Weisheit des Yoga, der Wirklichkeitsprinzipien und der Befreiung. Manojava/Modaka bleiben Bija-Decknamen.

Vers 1163
jyotīrūpe samuddhṛtya praśāsitapadaṃ vadet |
tataḥ sūryācandra iti prapūritaṃ tato'pyanu ||1163||

Man füge „Du in Gestalt des Lichtes!“ an. Dann bilde man „Du, die Sonne und Mond lenkt!“ und beginne „erfüllend …“

Anmerkung: Weitere kosmische Anrede setzt sich in 1164 fort.

Vers 1164
dyāvāpṛthivyanu vadedrodasīpadamapyuta |
pātāle śabdato brūyācchabdaṃ devi hiraṇmaye ||1164||

… „Himmel und Erde, beide Welträume und die Unterwelt“: „Du, die sie ganz erfüllt!“ Dann spreche man „Goldene!“, Göttin.

Anmerkung: Die überlappenden Begriffe dyāvāpṛthivī und rodasī nicht als versehentliche Dublette gestrichen.

Vers 1165
viraje niṣkale kartri īśe sākṣiṇi collikhet |
ātmakrīḍe tathā cātmarate satye tataḥ param ||1165||

Man schreibe „Makellose! Ungeteilte! Handelnde! Herrin! Zeugin! Du, die im Selbst spielt und am Selbst Freude hat! Wahre!“

Anmerkung: Karti/Kartri im OCR leicht beschädigt, als kartṛ-Anrede gelesen; Selbst-Spiel und Selbst-Freude werden nicht äußerlich erotisiert.

Vers 1166
anante mahite ityuktvā […] tataḥ param |
tataśca śāśvate procya parāpara ireyet ||1166||

Man spreche „Unendliche! Verehrte!“ […] Danach „Ewige! Para und Apara umfassende Wirklichkeit!“

Anmerkung: Fragment: mittlere Anrede beschädigt. Parāpara wörtlich das Höhere und Niedere beziehungsweise beides, nicht als zusätzliche metaphysische Lehre ausgeweitet.

Vers 1167
suṣuptyavasthitetyuktvā turīyābhidha ireyet |
jātavedasi saṃlikhya mānastoka ireyet ||1167||

„Du, die im Tiefschlaf gegenwärtig ist! Du, die Turiya genannt wird!“ Man schreibe „Jatavedasi!“ und Manastoka.

Anmerkung: Turiya: das Vierte. Manastoka ist eine lesbare, möglicherweise auf den Hymnusanfang mā nas toke bezogene Bezeichnung; keine fehlenden Hymnusverse ergänzt.

Vers 1168
śuklabrahmāmṛtamayi padataḥ paramāmṛtānandapāyini cinmātrāvayave tadanantaram ||1168||

„Du, die aus reinem Brahman und Amrita besteht! Du, die den höchsten Nektar der Glückseligkeit trinkt! Du, deren Glieder reines Bewusstsein sind!“

Anmerkung: Längere über Zeilen getrennte Anrede zusammengeführt; keine zusätzlichen Silben ergänzt.

Vers 1169
pṛthivīrūpamullikhya arūpe tadanantaram |
tejorūpe vāyurūpe ākāśādrūpa ityapi ||1169||

Man schreibe „Du in Gestalt der Erde! Gestaltlose! Du in Gestalt des Feuers! Du in Gestalt des Windes! Du in Gestalt des Raumes!“

Anmerkung: Quelle hat arūpe; eine erwartbare Wasserform wird nicht stillschweigend ergänzt. OCR-Nummer 1166 als 1169 gelesen.

Vers 1170
tato liṅgaśarīrācca rūpe ityapi kīrtayet |
jarāyujāṇḍajodbhijjarūpe svedajaśabdataḥ ||1170||

Dann „Du in Gestalt des subtilen Leibes! Du in Gestalt der aus dem Mutterleib, aus Eiern, aus der Erde und aus Feuchtigkeit entstehenden Wesen!“

Anmerkung: Traditionelle vierfache Einteilung der Lebewesen; die sogenannte Schweißgeburt wird als historische Naturvorstellung übersetzt, nicht als heutige Biologie.

Vers 1171
saṃsārarūpe saguṇanirguṇātmike ityapi |
caṇḍi caṇḍapratīke ca janite maraṇetyapi ||1171||

„Du in Gestalt des Samsara! Du, deren Wesen sowohl mit Eigenschaften als auch ohne Eigenschaften ist! Chandi! Du von wilder Erscheinung! Janita! Marana!“

Anmerkung: Letzte zwei Quellformen sind nicht sicher als „Geburt und Tod“ beziehungsweise als Anreden zu bestimmen; deshalb benannt, nicht in eine glatte Lehrbehauptung umgeschrieben.

Vers 1172
bhayadāriṇito bhaktajanatāriṇi kīrtayet |
śabdādviśvajanādūrdhvaṃ mohini pratikīrtayet ||1172||

Man spreche „Du, die Furcht zerreißt! Du, die ihre Verehrer hinüberführt!“ Dann „Du, die alle Wesen der Welt bezaubert!“

Vers 1173
tataḥ sakalaśabdāccānu manorathadohini |
tanmātrakūṭataḥ pretavāhinīti samuddharet ||1173||

Danach „Du, die alle Herzenswünsche wie Milch spendet!“ Nach dem Tanmatra-Kuta füge man „Du, die auf einem Leichnam fährt!“ an.

Anmerkung: Wunscherfüllungs- und Leichenbild stehen unverändert nebeneinander.

Vers 1174
vaṣaḍojasvibījānu vauṣaḍvāpyanukīrtayet |
śaphānu śrauṣaḍiti ca tatastribhuvanetyapi ||1174||

Nach Vaṣaṭ und dem Ojasvi-Bija spreche man auch Vauṣaṭ; nach Shapha „śrauṣaṭ“, dann „die drei Welten …“

Anmerkung: Ritualrufe in der lesbaren Quellform bewahrt; śrauṣaṭ nicht zu einer bekannteren Form normalisiert. Fortsetzung in 1175.

Vers 1175
sṛṣṭipralayasaṃhāramahānāṭyādyanu priye |
sūtradhāriṇi saṅkīrtya tato nikhilaguhyataḥ ||1175||

… „Du, die die Fäden des großen Schauspiels von Schöpfung, Auflösung und Rücknahme der drei Welten führt!“, Geliebte. Danach „die gesamte geheime …“

Anmerkung: Sūtradhāriṇī zugleich Leiterin eines Schauspiels und Fädenführerin; kosmisches Theaterbild erhalten. Fortsetzung in 1176.

Vers 1176
kālikāsampradāyācca pālini pratikīrtayet |
tato bhujagarājācca bhogamālini saṃlikhet ||1176||

… „Kali-Überlieferung beschützend“: „Beschützerin der gesamten geheimen Kali-Tradition!“ Dann schreibe man „Du mit einer Girlande aus Windungen der Schlangenkönige!“

Vers 1177
he navapañcānu cakrānu tato nilayinīreyet |
idhmabījaṃ pramāṇākhyakūṭaṃ ca tadanuddharet ||1177||

„O du, die im Neun-Fünf-Chakra wohnt!“ Danach füge man das Idhma-Bija und das Pramana genannte Kuta an.

Anmerkung: Zahlchiffre nava-pañca nicht ohne sichere Erklärung in eine bestimmte Chakra-Zahl umgerechnet; entspricht der früheren Anrede 497.

Vers 1178
sarvabhāvāvabodhinyanu rakaṃ pravibhāvayet |
uktvā sakalaśabdācca niṣkalāśrayiṇīreyet ||1178||

„Du, die alle Seinszustände erkennt!“ Danach vergegenwärtige man Raka. Dann bilde man „Du, die im gegliederten wie im ungeteilten Sein gründet!“

Anmerkung: Raka ist eine unsichere Decknamenform; sakala/niṣkala als gegliedert/ungeteilt, mit beziehungsweise ohne Teile.

Vers 1179
tato vilikhya […] sṛṣṭisthitipadaṃ vadet |
punarvadecca saṃhārānākhyābhāsāpade priye ||1179||

Dann schreibe man […] und die Worte „Hervorbringung, Bestand“, sodann „Rücknahme, Anakhya und Bhasa“, Geliebte.

Anmerkung: Fragment: Wort nach vilikhya beschädigt. Die fünf Begriffe werden bewahrt; Anakhya: das Unbenennbare, Bhasa: Leuchten beziehungsweise Erscheinung. Anschluss in 1180–1181.

Vers 1180
caṇḍayogeśvarītyādyabhidhāneti tataḥ param |
tato bhedasahasreti yathārthapadamīreyet ||1180||

Danach „mit Namen wie Chandayogeshvari“; dann „tausend Unterschiede“ und „wirklichkeitsgemäß“ …

Anmerkung: Wortbildungsanweisung der in 1181 abgeschlossenen Anrede, nicht als unvollständige Inhaltszusammenfassung ersetzt.

Vers 1181
pravartayitri sambhāṣya kaulabījamataḥ param |
ṣaḍāmnāyapadātsārabhūte ityapi saṃlikhet ||1181||

… „in Bewegung setzend“: „Du, die diese unter Namen wie Chandayogeshvari auftretenden tausend Formen wirklichkeitsgemäß entfaltet!“ Danach das Kaula-Bija. Man schreibe „Du, die das Wesen der sechs Amnayas ist!“

Anmerkung: Sinngemäßer Zusammenschluss der über 1179–1181 verteilten Anrede; fünf Vorgänge bleiben im vorangehenden Vers einzeln übersetzt.

Vers 1182
vidyātattvaṃ ca tattvārṇavabījaṃ tadanantaram |
ṣaḍāmnāyātīta iti kūṭamaindriyakaṃ tataḥ ||1182||

Vidyatattva und danach das Tattvarnava-Bija; „Du jenseits der sechs Amnayas!“ Anschließend das Aindriyaka-Kuta.

Anmerkung: Vidyatattva kann Bija-Name oder zwei Glieder bezeichnen; keine sichere Trennung erzwungen.

Vers 1183
tato'pyakṣarakūṭaṃ ca prajñākūṭaṃ tataḥ param |
kūṭaṃ prakṛtisañjñaṃ ca trikālābādhite tataḥ ||1183||

Dann das Akshara-Kuta, danach Prajna-Kuta und das Prakriti genannte Kuta. „Du, die in keiner der drei Zeiten aufgehoben wird!“

Anmerkung: Akshara: unvergänglich beziehungsweise Laut; Prajna: Einsicht; Prakriti: Urnatur. Hier Namen verschlüsselter Lautgruppen.

Vers 1184
kūṭaṃ tataḥ prātyayikaṃ sattākūṭamataḥ param |
kūṭaṃ ca pāramārthākhyaṃ kūṭaṃ jīvātmanāmakam ||1184||

Danach das Pratyayika-Kuta und Satta-Kuta; das Paramartha genannte Kuta und das Jivatman genannte Kuta.

Anmerkung: Benennungen des Erkennens, Seins, höchsten Sinnes und individuellen Selbstes; keine zusätzliche philosophische Systemrekonstruktion.

Vers 1185
prameyātīta iti ca kūṭaṃ ca paramātmakam |
pratibimbamathābhāsaṃ kūṭadvayamataḥ param ||1185||

„Du jenseits dessen, was zum Erkenntnisgegenstand gemacht werden kann!“ Dann das Paramatman-Kuta und die beiden Kutas Pratibimba und Abhasa.

Anmerkung: Pratibimba: Spiegelbild; Abhasa: Erscheinung. Die Quelle nennt Kutas, nicht eine vollständige Theorie der Abbildlichkeit.

Vers 1186
nirvāsana iti procya sūkṣmaṃ nityaṃ ca sākṣiṇam |
kūṭānimāṃstrīnuddhṛtya nirvikalpa ireyet ||1186||

Man spreche „Du frei von Vasanas!“ Danach die drei Kutas Sukshma, Nitya und Sakshin; dann „Du jenseits begrifflicher Unterscheidung!“

Anmerkung: Vasana: latente Prägung oder Neigung; Nirvikalpa: ohne unterscheidende Vorstellungen.

Vers 1187
sadasatkūṭamullikhya kūṭaṃ copaśamāhvayam |
smṛtikūṭaṃ samābhāṣya sattāmātre vadettataḥ ||1187||

Man schreibe das Sadasat-Kuta und das Upashama genannte Kuta, spreche das Smriti-Kuta und sage danach „Reines Sein!“

Anmerkung: Sadasat: Sein und Nichtsein; Upashama: Stillwerden; Smriti: Erinnerung. Als Kuta-Namen, nicht als ausgeschriebene Silben.

Vers 1188
caitanyakūṭamasyānu prabodhaṃ kūṭamanvataḥ |
tasyānu santatābhyāsaśabdānandamaye vadet ||1188||

Danach das Chaitanya-Kuta und das Prabodha-Kuta. Anschließend bilde man „Du, die aus der Freude beständigen Übens besteht!“

Anmerkung: Chaitanya: Bewusstsein; Prabodha: Erwachen. Die Anrede verbindet die Wortteile santata-abhyāsa-ānandamayī.

Vers 1189
tadanvāśayakūṭaṃ ca kūṭaṃ cidghananāmakam |
cidākāriṇi saṃlikhya kūṭamekākhyamuddharet ||1189||

Danach das Ashaya-Kuta und das Chidghana genannte Kuta. Man schreibe „Du in Gestalt des Bewusstseins!“ und füge das Eka genannte Kuta an.

Anmerkung: Chidghana: reine Fülle beziehungsweise verdichtete Einheit von Bewusstsein; Eka: eines.

Vers 1190
sāmarasyapadasyānte layinīti samuddharet |
layaṃ cāpunarāvṛttiṃ kūṭadvayamidaṃ vadet ||1190||

Aus Samarasya und Layini bilde man „Du, die in das vollkommene Einssein eingeht!“ Dann spreche man die beiden Kutas Laya und Apunaravritti.

Anmerkung: Samarasya: Gleichgeschmack, ungeteiltes Einssein; Laya: Aufgehen; Apunaravritti: Nichtwiederkehr.

Vers 1191
akārokāraśabdācca makārādrūpa ityapi |
pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca nirvibhaktitayā vadet ||1191||

Man bilde „Du in Gestalt von a, u und m!“ Dann spreche man Pravritta und Nivritta ohne Kasusendung.

Anmerkung: OCR-Schlussformen pravṛtta/nivṛtta leicht unsicher; Angabe nirvibhakti ausdrücklich bewahrt. OCR-Nummer 1161 als 1191 gelesen.

Vers 1192
tasyāpyanu […] rūpadvipathacāriṇi |
caturarṇaṃ mahāvākyaṃ vedāntapratipāditam ||1192||

Danach „Du, die auf den beiden Wegen […] wandelt“. Es folgt das viersilbige Mahavakya, das im Vedanta gelehrt wird.

Anmerkung: Fragment: nähere Bestimmung der beiden Wege beschädigt. Das Mahavakya wird nicht ausgeschrieben und daher nicht aus Vermutungen durch eine bestimmte Formel ersetzt.

Vers 1193
kūṭaṃ brahmamayaṃ paścādastratritayamanvataḥ |
sasandhi […] praṇavaṃ tadanantaram ||1193||

Danach das Brahmamaya-Kuta, anschließend dreimal Astra. Mit Lautverschmelzung […] und danach den Pranava [Om].

Anmerkung: Fragment: Formelgruppe vor Pranava beschädigt.

Vers 1194
sāyujyabījaṃ tadanu sarvaśeṣe śiro vadet |
iyaṃ samāptā deveśi manūnāmayutākṣarī ||1194||

Danach das Sayujya-Bija und ganz am Schluss die Kopf-Formel. Damit ist diese zehntausendsilbige [Vidya] unter den Mantras abgeschlossen, Herrin der Götter.

Anmerkung: Sayujya: Vereinigung; die Silbenzahl als Quellenangabe, keine rekonstruierte vollständige Rezitationsfassung.

Ritualfaktoren der Bijamalamayi

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 1195
bījamālāmayīnāmnī mantrāṇāmuttamottamā |
mahākālopāsiteyaṃ vijñeyā sādhakottamaiḥ ||1195||

Sie trägt den Namen Bijamalamayi und gilt als die höchste unter den höchsten Mantras. Die vortrefflichen Übenden sollen sie als die von Mahakala verehrte erkennen.

Anmerkung: OCR-Nummer 1165 als 1195 gelesen; Abschluss der Konstruktionsfolge, danach rituelle Faktoren.

Vers 1196
viṣṇūpāsyāyutākṣaryāḥ koṭikoṭiguṇādhikā |
tripuraghna ṛṣiścāsyā bṛhatīcchanda ucyate ||1196||

Sie gilt als millionen- und abermillionenfach größer als die von Vishnu verehrte Zehntausendsilbige. Ihr Rishi ist Tripuraghna, ihr Metrum wird Brihati genannt.

Anmerkung: Rangbehauptung der Quelle; Tripuraghna: Vernichter der drei Städte. OCR-Nummer 1166 als 1196 gelesen.

Vers 1197
ekavaktrādicārabhya śatavaktrāvasānikā |
śrīguhyakālī devyasyā bījaṃ bhāsākhyakūṭakam ||1197||

Ihre Göttin ist Shri Guhyakali, von der ein- bis zur hundertgesichtigen Gestalt. Ihr Bija ist das Bhasa genannte Kuta.

Vers 1198
phetkārī śaktirākhyātā pralayaḥ kīlakaṃ matam |
ḍākinī kathyate tattvaṃ puruṣārthacatuṣṭayam ||1198||

Phetkari wird als Shakti bezeichnet, Pralaya als Kilaka; Dakini wird Tattva genannt. Die vier Lebensziele …

Anmerkung: Letzte Wortgruppe wird in 1199 abgeschlossen. OCR-Nummer 1168 als 1198 gelesen.

Kontrollzählung der Bija-Girlande

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 1199
viniyogaḥ sādhayituṃ mantrasyāsya prakīrtitaḥ |
nyūnādhikārṇadoṣāṇāṃ parihārāya kīrtyate ||1199||

… zu verwirklichen: Dies wird als Anwendung dieses Mantras gelehrt. Um Fehler durch fehlende oder überzählige Silben auszuschließen, wird nun [die Zählung] angegeben.

Anmerkung: Übergang von der rituellen Zuordnung zur Kontrollzählung. Die vier Purusharthas werden hier nur zusammenfassend benannt, nicht zusätzlich als Originalvers ausgeschrieben.

Vers 1200
yasminyasmiñśataṃ pūrṇaṃ varṇe devi yathākramāt |
pañcavaktrasya travarṇe śataṃ sampūrṇatāṃ gatam ||1200||

[Es wird genannt,] bei welchem Laut jeweils ein Hundert voll wird, Göttin, der Reihe nach. Bei tra in pañcavaktra sind hundert erreicht.

Anmerkung: Kontrollwort pañcavaktra steht so in der Quelle, auch wenn eine vorangehende Formulierung abweicht; keine Harmonisierung oder eigenständige Nachzählung.

Vers 1201
ḍākinībhūtaśabdasya […] pūrṇaṃ śatadvayam |
karālinyāḥ kavarṇe'pi triśatī pūrṇatāmiyāt ||1201||

Bei […] im Wort ḍākinībhūta sind zweihundert erreicht; bei ka in karālinī dreihundert.

Anmerkung: Fragment: erste Silbenmarke beschädigt; nicht aus einer passenden Zahlposition ergänzt.

Vers 1202
lambamānodarītyasya vivarṇe ca catuḥśatī |
tathā jvalanavarṇasya madhye pañcaśatī smṛtā ||1202||

Bei vi im Ausdruck lambamānodarī sind vierhundert erreicht; in der Mitte der Jvalana-Lautfolge gelten fünfhundert als erreicht.

Anmerkung: Die genannte Silbe vi passt nicht ohne Weiteres zum genannten Kontrollwort; Quellangabe bewahrt, nicht etwa zu di geändert. „Mitte“ nicht als genauer rekonstruiert als die Quelle erlaubt.

Vers 1203
bhuvarṇe bhuvanasyāpi sampūrṇā ṣaṭśatī priye |
vāgure varṇa ityasya varṇe saptaśatī matā ||1203||

Bei bhu in bhuvana sind sechshundert voll, Geliebte. Bei der [nicht eindeutig bezeichneten] Silbe im Ausdruck vāgura… gelten siebenhundert als erreicht.

Anmerkung: Fragment: zweite Kontrollmarke unklar; Fußnote bietet vāggocara statt Hauptlesung, nicht stillschweigend eingesetzt.

Vers 1204
nālīkabīje'ṣṭaśatī paripūrṇā varānane |
nānābharasya bhevarṇe navaśatyapi pūritā ||1204||

Beim Nalika-Bija sind achthundert voll, Schöngesichtige; bei bha in nānābhara neunhundert.

Anmerkung: Kontrollwort nānābhara unsicher, möglicherweise nānābhava; Hauptform bewahrt.

Vers 1205
sahasraṃ […] bīje paripūrṇaṃ varānane |
ṣaṭkūṭākhye mahābīje pūrṇā rudraśatī tathā ||1205||

Beim […]-Bija sind tausend voll, Schöngesichtige. Beim großen Bija namens Shatkuta sind elf Hundert erreicht.

Anmerkung: Fragment: erster Bija-Name beschädigt; rudra-Zahlchiffre elf. Keine fehlende Kuta-Bezeichnung zur Zählung erfunden.

Vers 1206
tathā ca dvādaśaśatī bhāskare pariniṣṭhitā |
mahāprāṇāhvaye varṇe trayodaśaśatī tathā ||1206||

Bei Bhaskara sind zwölf Hundert voll; bei dem Mahaprana genannten Laut dreizehn Hundert.

Anmerkung: Kontrollnamen als Quellenangaben, nicht als nachgeprüfte tatsächliche Silbenpositionen.

Vers 1207
svarite śakraśatikā mantrasyāsya samāpitā |
nuvarṇe nṛtuśabdasya pūrṇā tithiśatī priye ||1207||

Bei Svarita sind vierzehn Hundert dieses Mantras erreicht; bei nu im Wort nṛtu fünfzehn Hundert, Geliebte.

Anmerkung: Zahlchiffren Shakra=14 und Tithi=15 in der fortlaufenden Reihe; Kontrollwort nṛtu und Silbe nu beschädigungsverdächtig, nicht harmonisiert.

Vers 1208
sampūrṇā ṣoḍaśaśatī bhakṣike ke'kṣare tathā |
kṛtyābhicārarevarṇe sāmidhenīśatī gatā ||1208||

Bei ke in bhakṣike sind sechzehn Hundert voll; bei re in kṛtyābhicāra siebzehn Hundert erreicht.

Anmerkung: Fußnote nennt statt der ersten Marke di in vaṃśīvādini; eine weitere Fußnote bestätigt saptadaśa=17 zur Chiffre sāmidhenī. OCR-Nummer 1205 als 1208 gelesen.

Vers 1209
prāntarāderdivarṇe ca aṣṭādaśaśatī vyagāt |
prākṣare ca prabhāvasya hyūnaviṃśaśatī gatā ||1209||

Bei di im Ausdruck prāntarādi sind achtzehn Hundert erreicht; bei pra in prabhāva neunzehn Hundert.

Anmerkung: Prantaradi-Lesung durch Fußnote gestützt; Haupt-OCR prātarādi. Keine ganze Mantra-Zählung rekonstruiert.

Vers 1210
gauryā rivarṇe sampūrṇaṃ dve […] varānane |
ulkāntime'rṇe sampūrṇāpyekaviṃśaśatī tathā ||1210||

Bei ri in gaurī sind zwei [Tausend] voll, Schöngesichtige; bei der letzten Silbe von ulkā einundzwanzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: Größenwort nach „zwei“ beschädigt; „Tausend“ in Klammern aus der fortlaufenden 1900–2100-Zählung erschlossen. Vokallänge der Kontrollmarke unsicher.

Vers 1211
kāmaprade de'kṣare ca dvāviṃśaśatī gatā |
sarasvatyādime varṇe trayoviṃśaśatī vyagāt ||1211||

Bei de in kāmaprade sind zweiundzwanzig Hundert erreicht; beim ersten Laut von sarasvatī dreiundzwanzig Hundert.

Vers 1212
caturviṃśaśatī pūrṇā bīje niṣṭhuranāmani |
tathā ca praśraye bīje pañcaviṃśaśatī gatā ||1212||

Beim Nishthura genannten Bija sind vierundzwanzig Hundert voll; beim Prashraya-Bija fünfundzwanzig Hundert erreicht.

Vers 1213
dakṣiṇāgnau mahābīje ṣaḍviṃśatiśatī tathā |
saptaviṃśaśatī tadvatsphe samāptimagātpriye ||1213||

Beim großen Dakshinagni-Bija sind sechsundzwanzig Hundert erreicht; bei sphe siebenundzwanzig Hundert, Geliebte.

Anmerkung: Zweite Lautmarke sphe unklar, nicht in ein vermutetes bekanntes Bija geändert.

Vers 1214
gamye […] sampūrṇāṣṭāviṃśaśatī tathā |
ugrakālyādime varṇe ūnatriṃśacchatī smṛtā ||1214||

Bei gamye […] sind achtundzwanzig Hundert voll; beim ersten Laut von ugrakālī gelten neunundzwanzig Hundert als erreicht.

Anmerkung: Fragment: nähere Silbenposition der ersten Hälfte beschädigt.

Vers 1215
vetālakāli śeṣārṇe sahasratritayaṃ gatam |
ekatriṃśacchatī pūrṇā skāndāstre varavarṇini ||1215||

Beim letzten Laut von vetālakāli sind dreitausend erreicht; beim Skanda-Astra einunddreißig Hundert, Schöne.

Vers 1216
dvātriṃśacchatikā raudrakālīmantrāntare gatā |
paripūrṇā dvitīye'rṇe trayastriṃśacchatī priye ||1216||

Im beziehungsweise am Ende des Raudrakali-Mantras sind zweiunddreißig Hundert erreicht; beim zweiten Laut [des folgenden Abschnitts] dreiunddreißig Hundert, Geliebte.

Anmerkung: Wort mantrāntare und Bezug der zweiten Lautposition unklar; Fußnote ergänzt hṛdayadvitayasya („der zweimaligen Herz-Formel“), als Variante hier ausgewiesen, nicht in den Haupttext eingesetzt.

Vers 1217
jvālāpadasya lāvarṇe catustriṃśacchatī gatā |
dehīti de'kṣare pañcatriṃśacchatamagāttathā ||1217||

Bei lā im Wort jvālā sind vierunddreißig Hundert erreicht; bei de in dehi fünfunddreißig Hundert.

Vers 1218
vidyākālīti kāvarṇe ṣaṭtriṃśacchatikā gatā |
śmaśānakālyā mantrānte saptatriṃśacchatī gatā ||1218||

Bei kā in vidyākālī sind sechsunddreißig Hundert erreicht; am Ende des Shmashanakali-Mantras siebenunddreißig Hundert.

Vers 1219
saṅkramākhye mahābīje aṣṭatriṃśacchatī gatā |
nāḍyāṃ tu hastijihvāyāṃ grahavahniśatī gatā ||1219||

Beim großen Bija namens Sankrama sind achtunddreißig Hundert erreicht; bei der Hastijihva-Nadi neununddreißig Hundert.

Anmerkung: Graha-vahni als Zahlchiffre 39; kein körperlicher Kanal wird tatsächlich gezählt, sondern sein Formelbestandteil.

Vers 1220
vāgvādini dvitīye'rṇe catvāriṃśacchatī smṛtā |
dehīti hi ca bhūvedaśatī pūrṇatvamāgatā ||1220||

Beim zweiten Laut von vāgvādini gelten vierzig Hundert als erreicht; bei hi in dehi einundvierzig Hundert.

Anmerkung: Kontrollvokal hi im OCR als hau beschädigungsverdächtig; Bezug auf dehi eindeutig, Normalisierung kenntlich.

Vers 1221
abhavattamasānadyāṃ netravedaśatī priye |
rājyaśriyaṃ rākṣare ca tricatvāriṃśadeva ca ||1221||

Beim Fluss Tamasa sind zweiundvierzig Hundert erreicht, Geliebte; bei rā in rājyaśriyam dreiundvierzig Hundert.

Vers 1222
catuścatvāriṃśadagātpāhipāhi tṛtīyake |
pañcacatvāriṃśadagāccaṇḍayoge ca yo'kṣare ||1222||

Beim dritten Laut von pāhi pāhi sind vierundvierzig Hundert erreicht; bei yo in caṇḍayoga fünfundvierzig Hundert.

Anmerkung: Quelle gibt in diesem Vers die Hunderter-Einheit verkürzt an; aus der fortlaufenden Zählung ergänzt, keine neue Zahl erfunden.

Vers 1223
caitanyabhairavītyasya vai ṣaḍvedaśatī gatā |
kālavarṇe saptacatvāriṃśacca samagāttathā ||1223||

Bei vai in caitanyabhairavī sind sechsundvierzig Hundert erreicht; bei Kala-Varna siebenundvierzig Hundert.

Anmerkung: Silbenmarke vai passt nicht eindeutig zu bhai im genannten Wort; Quellform nicht harmonisiert.

Vers 1224
prayaccheti chakāre'ṣṭacatvāriṃśadīritam |
digambari namo me'rṇe'pyūnapañcāśaducyate ||1224||

Bei cha in prayaccha werden achtundvierzig Hundert angegeben; bei me in digambari namo neunundvierzig Hundert.

Anmerkung: Die zweite Kontrollmarke me passt nicht eindeutig zur zitierten Wortgruppe; nicht stillschweigend zu mo geändert.

Vers 1225
śabareśvarīti revarṇe pūrṇaṃ pañcasahasrakam |
ekapañcāśacchatī ca aghorāprathamākṣare ||1225||

Bei re in śabareśvarī sind fünftausend voll; beim ersten Laut von aghorā einundfünfzig Hundert.

Vers 1226
siddhikubjika ityasyāḥ kivarṇe dvīṣuśatyapi |
tripañcāśacchatī pūrṇā kiṇi ṇyarṇe varānane ||1226||

Bei ki in siddhikubjika sind zweiundfünfzig Hundert erreicht; bei ṇi in kiṇi dreiundfünfzig Hundert, Schöngesichtige.

Anmerkung: Kontrollwort siddhikubjika weicht von der früheren Namensanweisung ab; Lautmarke ki im OCR als kau beschädigungsverdächtig, Unsicherheit ausdrücklich bewahrt.

Vers 1227
pūrṇā punaraghorāyā ādyarṇe'bdhīṣuśatyapi |
pañcapañcāśacchatī ca kukkuṭyāḥ prathamākṣare ||1227||

Wiederum beim ersten Laut von aghorā sind vierundfünfzig Hundert voll; beim ersten Laut von kukkuṭī fünfundfünfzig Hundert.

Vers 1228
śeṣe saṅkaṭamityasya pūrṇā […] iṣuśatī tathā |
svāhādvayasyādime'rṇe saptapañcāśadīritā ||1228||

Am Ende von saṅkaṭam sind […] Hundert erreicht; beim ersten Laut des zweimaligen svāhā werden siebenundfünfzig Hundert angegeben.

Anmerkung: Fragment: erste Zahlchiffre beschädigt; 5600 liegt in der Reihe nahe, wird aber nicht als sicher gelesene Zahl eingesetzt.

Vers 1229
phaṭtrayāntanamone'rṇe'ṣṭapañcāśacchatī tathā |
ekonaṣaṣṭiśatikā bhagavatyatya [nta?]varṇake ||1229||

Bei ne des auf das dreifache phaṭ folgenden namo sind achtundfünfzig Hundert erreicht; beim […] Laut von bhagavatī neunundfünfzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: erste Lautmarke ne stimmt nicht ohne Weiteres mit namo überein; die Quelle selbst versieht die zweite Positionsangabe mit einem Fragezeichen.

Vers 1230
hāṭakeśvari mantrānte ṣaṭsahasraṃ prapūritam |
dveṣyasya prathame varṇe ekaṣaṣṭiśataṃ gatam ||1230||

Am Ende des Hāṭakeśvarī-Mantras sind sechstausend voll; beim ersten Laut von dveṣya sind einundsechzig Hundert erreicht.

Vers 1231
varṣa varṣeti śeṣārṇe dviṣaṣṭiśatikā tathā |
bhayānake ca bhe varṇe triṣaṣṭiśatikāpi ca ||1231||

Beim letzten Laut von varṣa varṣa sind zweiundsechzig Hundert erreicht, und bei bhe in bhayānake dreiundsechzig Hundert.

Anmerkung: Lautmarke bhe und Kontrollwort bhayānake widersprechen einander; nicht stillschweigend korrigiert.

Vers 1232
catuḥṣaṣṭiśatī pūrṇā rakṣike savaśeṣake |
kṛṣṭibīje pañcaṣaṣṭiśatī cāpi varānane ||1232||

Am Ende von rakṣike sind vierundsechzig Hundert voll; beim Kṛṣṭi-Bija fünfundsechzig Hundert, Schöngesichtige.

Anmerkung: Die erste Positionsangabe ist beschädigt; die Variantenfußnote liest sarvavarṇake, „beim vollständigen Wort/Lautbestand“.

Vers 1233
ṣaṭṣaṣṭiśatikā pūrṇā kṣveḍabīje varānane |
phaṭsvāhetyatra phe varṇe saptaṣaṣṭiśatī gatā ||1233||

Beim Kṣveḍa-Bija sind sechsundsechzig Hundert voll, Schöngesichtige; beim Laut pha in phaṭ svāhā sind siebenundsechzig Hundert erreicht.

Anmerkung: Die flektierte Lautbezeichnung phe wird als Bezug auf pha wiedergegeben.

Vers 1234
kṣemaṅkaryāstṛtīye'rṇe cāṣṭaṣaṣṭiśatī gatā |
aṅkartuśatikā pūrṇā svāhā prathamavarṇake ||1234||

Beim dritten Laut von Kṣemaṅkarī sind achtundsechzig Hundert erreicht; beim ersten Laut von svāhā neunundsechzig Hundert.

Anmerkung: Zahlchiffre aṅka–ṛtu, „neun–sechs“, in der üblichen umgekehrten Stellenfolge gelesen.

Vers 1235
bhāne [le?] bhārṇe tathā saptasahasraṃ paripūritam |
prāsādakūṭe niragādekasaptatiśatyapi ||1235||

Beim Laut bhā in bhāne [oder bhāle?] sind siebentausend voll; beim Prāsāda-Kuta einundsiebzig Hundert.

Anmerkung: Kontrollwort schon in der Quelle fraglich; keine gesicherte Lesung eingesetzt.

Vers 1236
saptaloke'pi śeṣārṇe dvisaptatiśatī gatā |
[…] prakaṭayasyāpi trisaptatiśatī vyagāt ||1236||

Beim letzten Laut von saptaloke sind zweiundsiebzig Hundert erreicht; bei […] von prakaṭaya dreiundsiebzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: zweite Lautmarke unlesbar.

Vers 1237
sainyamityasya śeṣārṇe catuḥsaptatiśatyapi |
phaṭsvāhāsvākṣare pañcasaptatiḥ paripūritā ||1237||

Beim letzten Laut von sainyam sind vierundsiebzig Hundert erreicht; beim Laut svā in phaṭ svāhā fünfundsiebzig Hundert.

Vers 1238
phaṭdvayasyādime varṇe ṣaṭsaptatiśatī gatā |
kuleśvaryāstṛtīye'rṇe saptasaptatiśatyapi ||1238||

Beim ersten Laut des zweimaligen phaṭ sind sechsundsiebzig Hundert erreicht; beim dritten Laut von Kuleśvarī siebenundsiebzig Hundert.

Vers 1239
carcarītālike pūrṇe'ṣṭasaptatiśatī gatā |
ajñānamityasyādau ca navādriśatikā vyagāt ||1239||

Mit dem vollständigen carcarītālike sind achtundsiebzig Hundert erreicht; am Anfang von ajñānam neunundsiebzig Hundert.

Anmerkung: Die Lautgestalt des ersten Kontrollworts bleibt unsicher; die Zahlchiffre nava–adri ergibt neunundsiebzig.

Unnummerierter Text
[…] varṣeti pañca saptatiḥ paripūritā |

[…] bei varṣa sind fünfundsiebzig [Hundert] voll.

Anmerkung: Fragment: zusätzlicher Fußnotentext des Zeugen gha vor Vers 1240. Seine beiden vorhergehenden Halbverse wiederholen die Kontrollmarken aus 1228–1229 und werden nicht nochmals übersetzt. Anschluss dieses zusätzlichen Halbverses unklar; nicht in den Haupttext eingefügt.

Vers 1240
śūlākārasya śe varṇe'ṣṭasāhasraṃ prapūritam |
bhrāmayadvitayasyānte ekāśītiśataṃ tathā ||1240||

Beim Laut śa von śūlākāra sind achttausend voll; am Ende des zweimaligen bhrāmaya einundachtzig Hundert.

Anmerkung: Haupttext śūlākāra; Fußnote bietet fragend sthūlākāra. Die Lautmarke ist nicht an eine vermutete Lesung angeglichen.

Vers 1241
rākṣasasya kṣavarṇe ca dvyaśītiśatamīritam |
gatimityasya ge varṇe tryaśītiśatamapyuta ||1241||

Beim Laut kṣa von rākṣasa werden zweiundachtzig Hundert angegeben; beim Laut ga von gatim dreiundachtzig Hundert.

Vers 1242
gatā caturaśītiśca kaṅkālasya lavarṇake |
vamanmukhākhākṣare ca pañcāśītiśataṃ tathā ||1242||

Beim Laut la von kaṅkāla sind vierundachtzig Hundert erreicht; beim Laut kha von vamanmukha fünfundachtzig Hundert.

Vers 1243
prahāriṇyāśca hāvarṇe ṣaḍaśītiśataṃ tathā |
pāṭayadvitayādye ca saptāśītiśataṃ gatam ||1243||

Beim Laut hā von prahāriṇī sind sechsundachtzig Hundert erreicht; am Anfang des zweimaligen pāṭaya siebenundachtzig Hundert.

Vers 1244
nāyikāyāśca kāvarṇe aṣṭāśītiśatānyapi |
ekonanavatiśataṃ bhini svāheti ne'kṣare ||1244||

Beim Laut ka von nāyikā sind achtundachtzig Hundert erreicht; beim Laut ne in bhini svāhā neunundachtzig Hundert.

Anmerkung: Das zweite Kontrollwort und die Lautmarke passen nicht sicher zusammen; die sichtbare Abweichung bleibt erhalten.

Vers 1245
bhojini nyakṣare cāpi sahasranavakaṃ vyagāt |
ghanākāreti […] bhūmigrahaśatī gatā ||1245||

Beim Laut ni von bhojini sind neuntausend erreicht; bei […] in ghanākāra einundneunzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: zweite Lautmarke beschädigt; Zahlchiffre bhūmi–graha als eins–neun gelesen.

Vers 1246
ṣaḍāmnāyatṛtīye'rṇe śatadvinavatirvyagāt |
[…] vāsanāyāḥ śatatrinavatistathā ||1246||

Beim dritten Laut von ṣaḍāmnāya sind zweiundneunzig Hundert erreicht; bei […] von vāsanā dreiundneunzig Hundert.

Anmerkung: Fragment: zweite Positionsangabe unlesbar.

Vers 1247
nirindhane ca ne varṇe caturnavatiśatyapi |
anudbhave ve'kṣare ca śatapañcanavatyapi ||1247||

Beim Laut ne von nirindhane sind vierundneunzig Hundert erreicht; beim Laut ve von anudbhave fünfundneunzig Hundert.

Vers 1248
bṛṃhite madhyame varṇe ṣaṇnavatyapi bhāmini |
saṃsārarūpe pe varṇe śatasaptagrahā gatā ||1248||

Beim mittleren Laut von bṛṃhite sind sechsundneunzig Hundert erreicht, Strahlende; beim Laut pe von saṃsārarūpe siebenundneunzig Hundert.

Anmerkung: Erstes Kontrollwort im OCR bṛ hite; Anusvara als naheliegende, jedoch nicht völlig sichere Lesung kenntlich gemacht. Letzte Zahlchiffre sapta–graha.

Vers 1249
pālinyante'ṣṭanavatiśatyapi pramade vyagāt |
trikālābādhite […] ekonamayutaṃ tathā ||1249||

Am Ende von pālini sind achtundneunzig Hundert erreicht, Liebliche; bei […] von trikālābādhite ein Hundert weniger als zehntausend.

Anmerkung: Fragment: letzte Lautmarke unlesbar. OCR-Versnummer 1246 gemäß fortlaufender Folge als 1249 gelesen. Die Kurzform ekonam ayutam bezeichnet im Zusammenhang der Hundertermarken 9900.

Vers 1250
sāyujyabījācchīrṣānte pūrṇeyamayutākṣarī |
ityayaṃ kathito devi varṇānāṃ niyamastava ||1250||

Nach dem Sāyujya-Bija, am Ende des Kopfgliedes, ist diese zehntausendsilbige Formel vollständig. Damit ist dir, Göttin, diese Ordnung der Laute dargelegt.

Anmerkung: Śīrṣa, „Kopf“, bezeichnet hier ein Formelglied; Sāyujya heißt Vereinigung, ohne dass damit die Bija-Silbe wörtlich übersetzt wäre.

Lobpreis, Wirkungsverheißungen und überlieferte Verehrer

Der Abschnitt wird in seiner überlieferten Reihenfolge wiedergegeben; Lautanweisungen, theologische Aussagen und Wirkungsverheißungen gehören zur historischen Lehrrede.

Vers 1251
yena vyatyāsabhāvaṃ hi na gacchenmantrarāḍayam |
parārdhādadhikā saṃkhyā yadi syādvaravarṇini ||1251||

Dadurch soll dieser König der Mantras keine Vertauschung erleiden. Selbst wenn die Zahl größer als ein Parārdha wäre, du von schöner Gestalt …

Anmerkung: Erste Hälfte schließt die Zählkontrolle ab; zweite Hälfte beginnt den bis 1252 reichenden Lobpreis. Parārdha bezeichnet eine außerordentlich große Zahl; die im Satz vorausgesetzte Bezugsgröße bleibt unausgesprochen.

Vers 1252
ahaṃ ca koṭivaktraḥ syāṃ kalpakoṭiṃ likhāmi ca |
mahimānaṃ tathāpyasya vaktuṃ śaknomi neśvari ||1252||

… und ich zehn Millionen Münder hätte und zehn Millionen Weltalter lang schriebe, könnte ich dennoch seine Größe nicht aussprechen, Herrin.

Vers 1253
pade pade nṛṇāṃ mṛtyuḥ pramādāśca pade pade |
dine dine tathā rogāḥ pāpāni ca dine dine ||1253||

Auf Schritt und Tritt begegnet den Menschen der Tod, auf Schritt und Tritt die Unachtsamkeit; Tag für Tag kommen Krankheiten und Tag für Tag Verfehlungen.

Vers 1254
sarvamicchati cettartuṃ dustaraṃ devatairapi |
tadasyāḥ saṃgrahaḥ kāryaḥ sarvakalyāṇahetave ||1254||

Wer all dies überwinden will, das selbst für Gottheiten schwer zu überwinden ist, soll diese [Formel] aufnehmen, damit alles Heil daraus hervorgehe.

Anmerkung: OCR chettatu als cet tartum gemäß Satzanschluss gelesen; die geringe Unsicherheit der Verblesung bleibt vermerkt.

Vers 1255
mantrā gopyatarāḥ santi guhyakālyāḥ sahasraśaḥ |
bījamālāmayītulyo na bhūto na bhaviṣyati ||1255||

Es gibt Tausende höchst geheimer Mantras der Guhyakali. Doch keiner kam je der Bijamalamayi gleich, und keiner wird ihr gleichkommen.

Anmerkung: Traditioneller Vorranganspruch dieses Textes.

Vers 1256
vidyamāne manāvasmin sarvāśāparipūrake |
janā mṛtyuvipattibhyāṃ grasyante kautukaṃ mahat ||1256||

Obwohl dieser Mantra vorhanden ist, der alle Hoffnungen erfüllt, werden Menschen von Tod und Unglück verschlungen: welch großes Wunder!

Vers 1257
likhitvā sthāpanāllakṣmīḥ pāṭhānmṛtyuvināśanam |
abhyāsāt siddhayaḥ sarvāḥ vāraṇānmokṣamāpnuyāt ||1257||

Durch sein Niederschreiben und Aufstellen entsteht Glück und Wohlstand; durch Rezitation wird der Tod vernichtet, durch beständige Übung werden alle Siddhis erlangt. Durch vāraṇa […] soll man Befreiung erlangen.

Anmerkung: Fragment: vāraṇa, wörtlich „Abwehr/Verhinderung“, ist hier nicht zuverlässig verständlich; nicht stillschweigend zu dhāraṇa, „Tragen/Festhalten“, verbessert. Die Wirkungen sind Verheißungen des Grundtextes.

Vers 1258
tapasyantu tapasyā vā bhṛgupātaṃ patantu vā |
sarvatīrthāni kurvantu abhyasantu tathāgamān ||1258||

Mögen sie Askese üben oder sich von einer Felswand stürzen, mögen sie alle Pilgerstätten aufsuchen und die Agamas studieren …

Anmerkung: Der Text nennt hier in einer polemischen Aufzählung auch eine historische Form religiöser Selbsttötung. Der Satz läuft bis 1260 weiter.

Vers 1259
yajantu vāśvamedhādyairvādaiśca vivadantvapi |
yuñjantu yogamārgaiśca kurvantvanaśanādikam ||1259||

… mögen sie Pferdeopfer und andere Opfer vollziehen, gelehrte Streitgespräche führen, sich auf den Wegen des Yoga üben und Fasten oder Ähnliches praktizieren …

Vers 1260
paṭhantu caturo vedān pūjayantvakhilān surān |
imaṃ mantraṃ vinā devi janmamṛtyū taranti na ||1260||

… mögen sie die vier Veden rezitieren und sämtliche Gottheiten verehren: Ohne diesen Mantra, Göttin, überwinden sie Geburt und Tod nicht.

Anmerkung: Exklusiver Heilsanspruch des sprechenden Mahakala; keine allgemeine Bewertung anderer religiöser Wege durch die Redaktion.

Vers 1261
ātreyā […] kautsā māṇḍūkāyanaśākarāḥ |
bhāradvājāśca śāṇḍilyā vātsyā mauñjāyanāstathā ||1261||

Die Ātreyas, […], Kautsas, Māṇḍūkāyanas und Śākaras, die Bhāradvājas, Śāṇḍilyas, Vātsyas und Mauñjāyanas …

Anmerkung: Fragment: ein Name nach Ātreya unlesbar; weitere Namen in der sichtbaren, teilweise unsicheren Lautgestalt bewahrt. Die Liste wird bis 1270 syntaktisch fortgeführt.

Vers 1262
pārāśaryāyaṇāḥ kāpyāstathā cauddālakāyanāḥ |
jaigīṣavyā āruṇeyā vāmakakṣāyaṇāstathā ||1262||

… die Pārāśaryāyaṇas, Kāpyas und Auddālakāyanas, Jaigīṣavyas, Āruṇeyas und Vāmakakṣāyaṇas …

Anmerkung: Auddālakāyana aus beschädigtem OCR gelesen; nicht vollständig gesicherte Namensform.

Vers 1263
jātukarṇā devalāśca tathā mādhyandināyanāḥ |
kātyāyanā gārtsamadā māṇṭheyā saubharāstathā ||1263||

… Jātukarṇas und Devalas, Mādhyandināyanas, Kātyāyanas, Gārtsamadas, Māṇṭheyas und Saubharas …

Anmerkung: Māṇṭheya ist als unsichere Namenslesung bewahrt.

Vers 1264
vaijavāpāśca kaśoryā gālavā bāśravāstathā |
rāthītarā bhānukeyā vādhyogā aupaveśikāḥ ||1264||

… Vaijavāpas und Kaśoryas, Gālavas und Bāśravas, Rāthītaras, Bhānukeyas, Vādhyogas und Aupaveśikas …

Anmerkung: Mehrere Eigennamen sind im OCR unsicher. Keine Gleichsetzung mit bekannteren Namen erzwungen.

Vers 1265
sāñjīveyāśca kautsāśca naidhraveyāśca hāritāḥ |
lāṭyāyanā ārtabhāgāḥ kāholaudaśvitā api ||1265||

… Sāñjīveyas und Kautsas, Naidhraveyas und Hāritas, Lāṭyāyanas, Ārtabhāgas, Kāholas und Audaśvitas …

Anmerkung: Letzte Namensgruppe als zwei Namen gelesen; Trennung nicht völlig gesichert.

Unnummerierter Text
kauśītakeyā māṇḍavyā jābālāṅgirasāḥ kacāḥ |
pautimāsyāḥ gaupavanāḥ vāsiṣṭhāḥ kauśikāstathā || kauṇḍinyā gautamā āgniveśyā gārgyāyaṇāstathā |

Die Kauśītakeyas, Māṇḍavyas, Jābālas, Āṅgirasas und Kacas, Pautimāsyas, Gaupavanas, Vāsiṣṭhas und Kauśikas, Kauṇḍinyas, Gautamas, Āgniveśyas und Gārgyāyaṇas.

Anmerkung: Zusätzliche unnummerierte Namensliste aus der Fußnote, dort Zeuge ṅa. Separat bewahrt; nicht mit der Hauptfassung verschmolzen. Einzelne lange Vokale der Eigennamen bleiben wegen der OCR unsicher.

Vers 1266
āpastambāśca hārītāstathā śātātapānvayāḥ |
paiṭhīnasīyā madhukāḥ […] pauṣpiñjinastathā ||1266||

… die Āpastambas und Hārītas, die Nachkommen Śātātapas, Paiṭhīnasīyas, Madhukas, […] und Pauṣpiñjins …

Anmerkung: Fragment: Textrest zwischen Madhuka und Pauṣpiñjin beschädigt; nicht sicher, ob ein weiterer Name oder nur ein Bindewort fehlt.

Vers 1267
nārāyaṇīyāḥ kāṇvāśca kauśalyā āśvalāyanāḥ |
paippalādāśca kābandhāḥ śārabhaṅgāḥ karandhamāḥ ||1267||

… Nārāyaṇīyas und Kāṇvas, Kauśalyas und Āśvalāyanas, Paippalādas und Kābandhas, Śārabhaṅgas und Karandhamas …

Vers 1268
sauryāyaṇāśca gargāśca sevyāḥ rāthantarāstathā |
evamādyā asaṃkhyātā ṛṣayo brahmavādinaḥ ||1268||

… Sauryāyaṇas, Gargas, Sevyas und Rāthantaras: diese und unzählige andere Rishis, die vom Brahman sprechen …

Anmerkung: Namenslesung Sevya unsicher.

Vers 1269
gotrapravartakā vedavyākhyātāro'tiretasaḥ |
ṛṣivaṃśādyabhūtāśca śāntā dāntā jitendriyāḥ ||1269||

… Begründer der Abstammungslinien, Ausleger des Veda, von überragender Zeugungskraft, Stammväter von Rishi-Geschlechtern, friedvoll, selbstbeherrscht und Meister ihrer Sinne …

Anmerkung: OCR-Ziffer 1266 gemäß Folge als 1269 gelesen; atiretas wörtlich wiedergegeben, hier Ausdruck schöpferischer bzw. genealogischer Kraft.

Vers 1270
upāsāṃcakrire sarve vedadhāraṇatatparāḥ |
mantrarājena caitena guhyakālīṃ varānane ||1270||

… sie alle, die sich dem Bewahren des Veda widmeten, verehrten mit diesem König der Mantras Guhyakali, Schöngesichtige.

Vers 1271
vedādabhyadhikaṃ jñātvā bījamālāmayaṃ manum |
atastamapahāyāpi cakrurasmin pariśramam ||1271||

Weil sie erkannten, dass der Bijamalamayi-Mantra den Veda übertrifft, ließen sie selbst diesen hinter sich und widmeten ihre Anstrengung jener Formel.

Anmerkung: Behauptung innerhalb des Mantra-Lobpreises.

Vers 1272
svasvābhīṣṭaṃ ca saṃprāpuḥ siddhimetatprasādataḥ |
kecidvedāmbudheḥ pāraṃ kecidyogāmbudheryayuḥ ||1272||

Durch seine Gunst erlangte jeder die ersehnte Vollendung. Einige gelangten ans andere Ufer des Veda-Meeres, andere ans andere Ufer des Yoga-Meeres.

Vers 1273
ke'pyāpuścirajīvitvaṃ vāksiddhimapare'pi ca |
kecicchekuḥ svānubhāvājjagadviparivartitum ||1273||

Einige erlangten ein langes Leben, andere die Vollmacht des Wortes. Manche vermochten durch ihre eigene Wirkkraft die Welt umzugestalten.

Anmerkung: Vāksiddhi bezeichnet die dem vollendeten Wort zugeschriebene Wirksamkeit.

Vers 1274
kecidindraṃ pātayituṃ kruddhāstadurṇeyā [raṇā?]dibhiḥ |
kecitkaivalyamāpuśca keciddevyāṃ layaṃ tathā ||1274||

Einige vermochten, erzürnt, Indra zu stürzen […] Andere erlangten Kaivalya, die Befreiung, und wieder andere gingen in der Göttin auf.

Anmerkung: Fragment: die Mittelangabe in der ersten Vershälfte ist schon in der Quelle fraglich und wird nicht rekonstruiert.

Vers 1275
evaṃ rājarṣayaḥ sarve nānāmanvantarodbhavāḥ |
somasūryānvayodbhūtāḥ mahābalaparākramāḥ ||1275||

Ebenso alle königlichen Rishis, die in verschiedenen Manvantaras geboren wurden, aus den Mond- und Sonnendynastien stammten und große Kraft und Tapferkeit besaßen …

Anmerkung: Manvantara: ein von einem Manu geprägter Weltzeitabschnitt; die Aufzählung wird fortgesetzt.

Vers 1276
purūravāśca nahuṣaḥ ikṣvākunimireva ca |
marutto rantidevaśca suhotraḥ pauravaḥ śiviḥ ||1276||

… Purūravas und Nahuṣa, Ikṣvāku und Nimi, Marutta und Rantideva, Suhotra, Paurava und Śivi …

Anmerkung: Nahuṣa im OCR mit auffälliger Endung; als Personenname wiedergegeben.

Vers 1277
śaśabinduśca bharato dilīpo raghureva ca |
haihayaḥ kārtavīryaśca divodāsaḥ pratardanaḥ ||1277||

… Śaśabindu und Bharata, Dilīpa und Raghu, Haihaya und Kārtavīrya, Divodāsa und Pratardana …

Vers 1278
ajamīḍhaśca duṣyanto rāmo dāśarathistathā |
māndhātā purukutsaśca dilīpaśca gayastathā ||1278||

… Ajamīḍha und Duṣyanta, Rāma, der Sohn Daśarathas, Māndhātṛ und Purukutsa, Dilīpa und Gaya …

Anmerkung: Die Wiederholung Dilīpas wird wie in der Quelle bewahrt.

Vers 1279
ambarīṣo yayātiśca rantidevo bhagīrathaḥ |
[…] hariścandraḥ āyūrajiravindhamaḥ ||1279||

… Ambarīṣa und Yayāti, Rantideva und Bhagīratha, […], Hariścandra, Āyu, Raji und Vindhama …

Anmerkung: Fragment: Name vor Hariścandra unlesbar; die abschließende Namensgruppe ist unsicher getrennt. Rantideva wird in der Quelle wiederholt.

Vers 1280
khaṭvāṅgo mucukundaśca nīlo harihayo hariḥ |
parantapo vīrabāhuḥ śatruñjayavidūrathau ||1280||

… Khaṭvāṅga und Mucukunda, Nīla, Harihaya und Hari, Parantapa, Vīrabāhu, Śatruñjaya und Vidūratha.

Vers 1281
ete cānye ca bhūpālāḥ saptadvīpeśvarāḥ priye |
etanmantraprasādena kāṃskānnāpurmanorathān ||1281||

Diese und andere Könige, Herren der sieben Kontinente, Geliebte: Welche Wünsche hätten sie durch die Gunst dieses Mantras nicht erfüllt bekommen?

Vers 1282
na cakruḥ kiṃ kimaiśvaryaṃ kāṃskān bhogānna lebhire |
na daduḥ kāni dānāni jitavanto na kān ripūn ||1282||

Welche Herrschaft übten sie nicht aus, welche Genüsse erlangten sie nicht? Welche Gaben schenkten sie nicht, welche Feinde besiegten sie nicht?

Vers 1283
na durlabhamabhūtteṣāṃ vipine vasatāmapi |
samrāṭtvaṃ sārvabhaumatvaṃ cirañjīvitvameva ca ||1283||

Selbst während sie im Wald lebten, waren ihnen Kaiserwürde, Weltherrschaft und langes Leben nicht schwer zu erlangen.

Anmerkung: OCR-Versnummer 123 gemäß Folge als 1283 gelesen.

Vers 1284
saptadvīpeśvaratvaṃ ca bhogādiṣu samarthatām |
samare jayatāṃ cāpi tyāgitvaṃ bāhuśālitām ||1284||

Herrschaft über die sieben Kontinente, die Fähigkeit zum Genuss und zu anderem, Sieg im Kampf, Freigebigkeit und Armkraft …

Anmerkung: Satzabschluss folgt in 1285.

Vers 1285
lebhire'sya prasādena mantrarājasya pārvati |
evaṃ vijñāya yaḥ kuryādbhaktibhāvaṃ kalāvapi ||1285||

… erlangten sie durch die Gunst dieses Königs der Mantras, Parvati. Wer dies erkennt und selbst im Kali-Zeitalter eine Haltung der Hingabe entwickelt …

Anmerkung: Kalāv api ist hier „selbst im Kali-Zeitalter“, nicht ohne Weiteres „an Kali“; der Gegenstand der Hingabe ergibt sich aus dem Mantra-/Göttinnenkontext.

Vers 1286
ṛṣīṇāmiva bhūpānāmivāsyāpi hi siddhyati |
rājyalipsurlabhedrājyaṃ vidyāṃ vidyārthyapi priye ||1286||

… dem gelingt es ebenso wie den Rishis und Königen. Wer Herrschaft ersehnt, erlangt Herrschaft; wer nach Wissen strebt, erlangt Wissen, Geliebte.

Vers 1287
kāminyarthī kāminīṃ ca dhanārthī prāpnuyāddhanam |
āyurarthyāyurāpnoti mokṣārthī mokṣamāpnuyāt ||1287||

Wer eine Geliebte ersehnt, erlangt eine Geliebte; wer Reichtum sucht, erlangt Reichtum. Wer langes Leben sucht, erlangt Lebensdauer; wer Befreiung sucht, erlangt Befreiung.

Vers 1288
aṇimādyaṣṭasiddhyarthī siddhyaṣṭakamavāpnuyāt |
kiṃ bahūktena deveśi yadyadicchati sādhakaḥ ||1288||

Wer die acht Siddhis, beginnend mit Aṇimā, erstrebt, erlangt diese acht Vollkommenheiten. Wozu viele Worte, Herrin der Götter? Was immer ein Sadhaka begehrt …

Anmerkung: Aṇimā: die übernatürliche Fähigkeit, winzig klein zu werden. Fortsetzung im nächsten Vers.

Vers 1289
tatkṣaṇaṃ tattadāpnoti mantrasyāsya prabhāvataḥ |
evaṃ viditvā sakalaṃ prabhāvaṃ […] ||1289||

… das erlangt er augenblicklich durch die Macht dieses Mantras. Erkenne so seine ganze Wirkkraft […]

Anmerkung: Fragment: letzte Anrede bzw. Endgruppe unlesbar.

Vers 1290
vihāyānyān manūn sarvān kurvamuṣmin mahāgraham |
anenaivāhamalabhaṃ mahākālatvamīśvari ||1290||

Lass alle anderen Mantras hinter dir und richte deine feste Entschlossenheit auf diesen. Durch ihn allein erlangte ich das Mahakala-Sein, Herrin.

Anmerkung: Exklusiver Anspruch in Mahakalas Rede; keine redaktionelle Aufforderung, andere Wege aufzugeben.

Vers 1291
tvaṃ yāsyasi parāṃ siddhiṃ yadyenāṃ dhārayiṣyasi |
na vistarabhayādvacmi mahimānamamuṣya hi ||1291||

Auch du wirst höchste Vollendung erreichen, wenn du diese [Formel] festhältst. Aus Sorge, zu ausführlich zu werden, spreche ich nicht weiter von ihrer Größe.

Anmerkung: Dhārayiṣyasi kann bewahrendes Tragen oder geistiges Festhalten bezeichnen; keine bestimmte technische Praxis ergänzt.

Vers 1292
saṃkṣepeṇoditaḥ sarvo vyāsāttvamavadhāraya |
bhāgyenāsyopadeśaḥ syādbhāgyenainaṃ paṭhatyapi ||1292||

Alles ist hier kurz ausgesprochen; erfasse du es in seinem ganzen Umfang. Durch glückliche Fügung erhält man seine Unterweisung, und durch glückliche Fügung rezitiert man ihn.

Vers 1293
api taddhārayedenaṃ bhāgyaṃ devyā anugrahaḥ |
ataḥ paraṃ nibodha tvaṃ mahāguhyāsu gopitān ||1293||

Dass man ihn auch bewahrt, ist glückliche Fügung und Gnade der Göttin. Vernimm nun die unter den großen Geheimnissen verborgenen …

Anmerkung: Erste Satzfügung holprig, Kernaussage hinreichend lesbar. OCR-Ziffer 1263 gemäß Folge als 1293 gelesen; Fortsetzung in 1294.

Vers 1294
mantrān ṣaṭ tu pūrveṇa śāmbhavādīn varānane |
turīyāmapi nirvāṇaṃ mahānirvāṇamityapi ||1294||

… sechs Mantras, beginnend mit Śāmbhava, Schöngesichtige; auch Turīyā, Nirvāṇa und Mahānirvāṇa werden genannt.

Anmerkung: Die Verknüpfung pūrveṇa ist nicht sicher verständlich. Hier werden nicht sämtliche sechs Namen eindeutig aufgezählt; die fehlenden Namen werden nicht vorweg ergänzt.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāmekākṣarādārabhyāyutākṣaraparyanta […] mantroddhāro nāma tṛtīyaḥ paṭalaḥ |

Damit endet in der Mahakala-Samhita das dritte Kapitel, genannt „Erschließung der Mantras, vom einsilbigen bis zum zehntausendsilbigen […]“.

Anmerkung: Fragment: beschädigte Umfangs- bzw. Zahlenangabe vor mantroddhāra nicht rekonstruiert. Kolophon vorhanden; Kapitel bis hier durchgesehen und im lesbaren Umfang übersetzt.

Guhyakali-Khanda, Kapitel 4

Die sechs Mantras Śāmbhava, Turīyā und Nirvāṇa sowie ihre Mahā-Formen werden als Stufen eines auf Befreiung ausgerichteten Weges eingeführt. Der Text beschreibt ihre Voraussetzungen, grenzt sie vom Streben nach weltlichen Siddhis ab und erläutert Sāmarasya, das Einswerden.

Sprecherzeile
mahākāla uvāca |

Mahakala sprach:

Sechs Mantras und das Einswerden

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 1
adhunā […] deveśi śāmbhavādīn manūttamān |
yadekavāra […] patedbhavasāgare ||1||

Nun […] Herrin der Götter, die höchsten Mantras, beginnend mit Śāmbhava. Wer einmal […] im Meer des Werdens […]

Anmerkung: Fragment: Verb und entscheidende Verbindung bzw. Verneinung der zweiten Hälfte fehlen im OCR. Die Fußnote vākṣyāmi, „ich werde darlegen“, klärt nur das erste Verb; kein vollständiges Heilsversprechen rekonstruiert.

Vers 2
anye bhāgyodayairlabhyā mantrā ye pūrvamīritāḥ |
ete surāṇāmaprāpyā devyanugrahamantarā ||2||

Die anderen Mantras, die zuvor genannt wurden, sind durch glückliche Fügung zugänglich. Diese aber bleiben ohne die Gnade der Göttin selbst den Göttern unerreichbar.

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt, nach der sichtbaren Folge 1 und 3 als 2 gelesen.

Vers 3
atha kṛtāvadhānā tvaṃ śṛṇvetān ṣaṇmanūttamān |
śāmbhavaśca turīyā ca nirvāṇamiti kathyate ||3||

Höre nun aufmerksam diese sechs höchsten Mantras. Genannt werden Śāmbhava, Turīyā und Nirvāṇa.

Vers 4
eta eva punaścānye mahopapadatastrayaḥ |
pulliṅgaḥ śāmbhavo jñeyasturīyā strīsvarūpiṇī ||4||

Dazu kommen dieselben drei mit dem vorangestellten Wort mahā, „groß“. Śāmbhava ist als männlich zu verstehen; Turīyā besitzt weibliche Gestalt.

Anmerkung: Versnummer aus dem beschädigten OCR nach der fortlaufenden Folge gelesen.

Vers 5
tayoḥ saṃyogataḥ sāmarasyānnirvāṇamucyate |
śāmbhavaśca turīyāyāṃ turīyā śāmbhave tathā ||5||

Aus ihrer Verbindung, aus Sāmarasya, dem Einssein, entsteht das, was Nirvāṇa genannt wird. Śāmbhava in Turīyā und ebenso Turīyā in Śāmbhava …

Anmerkung: Satz setzt sich im nächsten Vers fort; hier metaphysische Verbindung zweier Mantraprinzipien.

Vers 6
saṃyujya prāpnuyādaikyaṃ tadā nirvāṇamucyate |
sāmarasyapadaṃ nāma ekībhāvena bhāvanā ||6||

… verbinden sich und gelangen zur Einheit: Dann wird dies Nirvāṇa genannt. Der Ausdruck Sāmarasya bedeutet Vergegenwärtigung im Einssein.

Anmerkung: Bhāvanā: innere Vergegenwärtigung bzw. betrachtende Ausrichtung; nicht bloß eine gedankliche Definition.

Vers 7
tadagre saṃpravakṣyāmi vivicya varavarṇini |
ekākṣarādimārabhya tathā caivāyutākṣaram ||7||

Dies werde ich später unterscheidend erläutern, du von schöner Gestalt. Die vom einsilbigen bis zum zehntausendsilbigen reichenden [Mantras] …

Vers 8
uddhṛtā ye mayā bījopabījaiḥ kūṭairyutākṣaraiḥ |
bhogapradāḥ siddhidāśca jñeyāstattatphalapradāḥ ||8||

… die ich mit Bijas, Neben-Bijas, Kutas und den zugehörigen Lauten erschlossen habe, sind als Geber von Genuss und Siddhis zu verstehen; jeder gewährt seine jeweilige Frucht.

Anmerkung: Kuta bezeichnet hier eine verschlüsselte Lautgruppe; OCR der letzten Wortgruppe der ersten Hälfte unsicher, Sinn der Aufzählung lesbar.

Vers 9
mahāmantrāḥ ṣaḍete hi kevalaṃ mokṣasādhinaḥ |
naitattulyā bhaviṣyanti yadyapyanye'mṛtapradāḥ ||9||

Diese sechs großen Mantras bewirken ausschließlich Befreiung. Andere werden ihnen nicht gleichkommen, selbst wenn sie Unsterblichkeit gewähren.

Anmerkung: OCR 6 gemäß Folge als 9 gelesen; traditionelle Rangordnung, keine redaktionelle Tatsachenbehauptung.

Befreiung als Ziel und Voraussetzungen der Unterweisung

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 10
mantreṣūkteṣu yogo gṛhiṇāmeva kevalam |
vānaprasthayatīnāṃ hi bhavedeṣvadhikāritā ||10||

Die Anwendung der zuvor genannten Mantras kommt allein den Hausvätern zu. Zu diesen hier hingegen sind Waldasketen und Entsagende berechtigt.

Anmerkung: Erste Wortgruppe im OCR beschädigt, aus ihrem lesbaren Zusammenhang wiedergegeben. Gṛhin bezeichnet den im Haushalt lebenden Menschen im traditionellen Lebensstufenmodell.

Vers 11
devīmādyāśramo [mā?] naiva kāṅkṣato [nto?] hyaihikaṃ phalam |
eṣāmato'mīṣvādhikyādadhikāraṃ pracakṣate ||11||

[…] sie begehren keine Frucht in dieser Welt. Deshalb spricht man ihnen bei diesen [Mantras] ein vorrangiges Anrecht zu.

Anmerkung: Fragment: Beginn und Subjekt sind bereits in der Quelle fraglich. Keine bestimmte zusätzliche Lebensstufe aus der beschädigten Wendung erschlossen.

Vers 12
dvitīyāśramikastasmānnāpnoti hyaihikārthyasau |
svadharmasthāyināṃ devyāṃ mahābhaktyatiśāyinām ||12||

Der Angehörige der zweiten Lebensstufe erhält es daher nicht, denn er sucht weltliche Ziele. Doch bei denen, die ihrer eigenen Pflicht treu bleiben und sich durch große Hingabe an die Göttin auszeichnen …

Anmerkung: Zweite Lebensstufe: Haushälterstand. Die Ausnahme folgt im nächsten Vers.

Vers 13
kadācinmokṣamicchatāṃ gṛhiṇāmapi vā bhavet |
na siṣādhayiṣetsiddhimetairmantrairvarānane ||13||

… kann es gelegentlich auch Haushältern zukommen, sofern sie Befreiung wünschen. Mit diesen Mantras soll man keine [weltliche] Siddhi zu erzwingen suchen, Schöngesichtige.

Anmerkung: Versnummer im OCR beschädigt; nach Folge gelesen. Das eingeschobene „weltlich“ verdeutlicht den hier ausdrücklich gesetzten Gegensatz zur Befreiung.

Vers 14
kurvan bhakṣyatvamāpnoti tasyā devyā na saṃśayaḥ |
niḥśreyasaṃ yadā vāñchettadaiteṣvāgrahaṃ caret ||14||

Wer es dennoch tut, wird zur Speise jener Göttin, daran besteht kein Zweifel. Wenn man das höchste Heil begehrt, soll man sich entschlossen diesen [Mantras] widmen.

Anmerkung: Die drastische Sanktion gehört zum historischen Text und ist nicht in eine psychologische Metapher umgedeutet.

Vers 15
anye siddhiphalā mantrāścaite muktiphalāḥ smṛtāḥ |
rūpametajjighṛkṣūṇāṃ purato vyāharāmi te ||15||

Andere Mantras tragen Siddhis als Frucht; diese gelten als solche, deren Frucht Befreiung ist. Zuerst beschreibe ich dir die Beschaffenheit derjenigen, die sie aufzunehmen wünschen.

Die ersten Stufen des asketischen Weges

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 16
paścātphalānyapyeteṣāṃ kathayiṣyāmi te priye |
tṛtīyamāyuṣo bhāgaṃ saṃprāptaḥ satyavāṅmuniḥ ||16||

Danach werde ich dir auch ihre Früchte darlegen, Geliebte. Ein Muni, der den dritten Abschnitt seines Lebens erreicht hat und wahrhaftig spricht …

Anmerkung: Die Beschreibung des geeigneten Śāmbhava-Praktizierenden reicht bis 23.

Vers 17
adāro vā sadāro vā […] niṣparigrahaḥ |
parityaktaṣaḍrayiśca kāmakrodhavivarjitaḥ ||17||

… ob ohne Ehefrau oder mit Ehefrau, […] ohne Besitz, der die sechs […] aufgegeben hat und frei von Begierde und Zorn ist …

Anmerkung: Fragment: Verbindung vor niṣparigraha und Bezeichnung der Sechsergruppe beschädigt. Nicht stillschweigend eine bekannte Liste von sechs Feinden eingesetzt.

Vers 18
samaḥ sarveṣu bhūteṣu bhogatyāgī priyaṃvadaḥ |
pūtāśī mitavāgvīraḥ samo mānāpamānayoḥ ||18||

… allen Wesen gleich gesinnt, den Genüssen entsagend, freundlich sprechend, reine Nahrung essend, maßvoll in seinen Worten, standhaft und gleichmütig gegenüber Ehre und Kränkung …

Anmerkung: Pūtāśin, „reine Nahrung essend“, als unsichere Lesung des OCR pūtāśī; Variantenfußnote yutāśī klärt sie nicht zuverlässig.

Vers 19
rudrākṣamālābharaṇaḥ parityaktavṛthākathaḥ |
ekāsane sthito dhyānī bhasmoddhūlitavigrahaḥ ||19||

… mit einer Rudraksha-Kette geschmückt, unnützem Gerede entsagend, an einem Sitz verweilend und meditierend, den Körper mit Asche bestäubt …

Vers 20
[…] digambaro vyāghramṛgakṛttidharo'pi ca |
nityaṃ trisavanasnāyī kandamūlaphalāśanaḥ ||20||

… […] unbekleidet oder mit einem Tiger- bzw. Wildtierfell bekleidet, täglich zu den drei Tageszeiten badend und sich von Knollen, Wurzeln und Früchten ernährend …

Anmerkung: Fragment: Beginn vor digambara unlesbar. Die drei savana-Zeiten sind Morgen, Mittag und Abend.

Vers 21
dīkṣāṃ pāśupatīṃ prāptastyaktasaṃsāravāsanaḥ |
yogābhyāsarato vāyudhāraṇāpariniṣṭhitaḥ ||21||

… mit Pashupata-Einweihung, den Neigungen zum weltlichen Dasein entsagend, der Yogaübung ergeben und im Halten des Atems gefestigt …

Vers 22
pañcākṣarījaparataḥ śivasya parameśituḥ |
sadaiva bhūmiśayanaḥ kuśāsanaśayo'pi ca ||22||

… der Rezitation des fünfsilbigen Mantras Shivas, des höchsten Herrn, ergeben, stets auf der Erde oder auf einer Unterlage aus Kusha-Gras ruhend …

Anmerkung: Der fünfsilbige Mantra wird hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.

Vers 23
etādṛśaḥ śāmbhavasya yogyo mantrasya pārvati |
etasya pratyahajapāddhāraṇāccintanādapi ||23||

… ein solcher ist für den Śāmbhava-Mantra geeignet, Parvati. Durch seine tägliche Rezitation, sein Festhalten und seine Betrachtung …

Vers 24
naśyanti puṇyapāpāni janmahetuphalāni ca |
imāmādyāṃ hi niḥśreṇīmārūḍho varavarṇini ||24||

… schwinden Verdienst und Verfehlung, die Ursachen der Geburt und ihre Früchte. Wer diese erste Stufe erklommen hat, du von schöner Gestalt …

Anmerkung: Das Schwinden auch des Verdienstes wird ausdrücklich mitübersetzt; gemeint ist die Befreiung von der Bindung an karmische Folgen.

Vers 25
atra saṃsiddharūpaścedīhetānyāṃ hi tatparām |
mahāśāmbhavaḥ prokto mantrarājottamottamaḥ ||25||

… und hier zur Vollendung gelangt ist, soll die nächste, höhere anstreben. Mahāśāmbhava heißt der überaus höchste König der Mantras.

Vers 26
tasyāpi pūrvairaṅgaiḥ sa ukto yaḥ śāmbhave priye |
kintu maunī tyaktadāraḥ śānto dāntaḥ kurūpadhṛk ||26||

Auch für ihn gelten die zuvor beim Śāmbhava genannten Merkmale, Geliebte; doch soll [der Übende] schweigsam sein, seine Ehefrau verlassen haben, friedvoll und selbstbeherrscht sein und eine unansehnliche Erscheinung tragen.

Anmerkung: Kurūpadhṛk wörtlich bewahrt; keine gefällige Umdeutung des asketischen Ideals.

Vers 27
muṇḍī jaṭī ca bhikṣāśī tathā caiva digambaraḥ |
tadā mahāśāmbhavākhyāṃ dvitīyāmadhirohati ||27||

Mit geschorenem Kopf oder verfilztem Haar, von Almosen lebend und unbekleidet, steigt er dann auf die zweite Stufe, die Mahāśāmbhava heißt.

Anmerkung: Quelle verbindet muṇḍin und jaṭin mit ca; als alternative asketische Erscheinungsformen verständlich gemacht.

Vers 28
atrāpi siddhaḥ kramaśaḥ pañca vā daśa vā samāḥ |
yogabhūmiṃ tṛtīyāṃ tu turīyāmabhivāñchati ||28||

Auch hier nach und nach, in fünf oder zehn Jahren, vollendet, erstrebt er die dritte Yoga-Stufe, Turīyā.

Vers 29
tatrāpyuktaguṇāḥ […] tyajantaḥ paurvikān guṇān |
bāhyasaṃvittihīna unmattajaḍavadbhraman ||29||

Auch dort [gelten] die genannten Eigenschaften […], während frühere Merkmale aufgegeben werden. Ohne Wahrnehmung des Äußeren, umhergehend wie ein Verrückter oder ein Empfindungsloser …

Anmerkung: Fragment: Verhältnis der beibehaltenen und aufgegebenen Eigenschaften wegen der beschädigten Satzverbindung nicht sicher; nicht harmonisiert.

Vers 30
samadṛṣṭistūbhayoramedhyaghanasārayoḥ |
samanindāstutijñānī samaloṣṭāśmakāñcanaḥ ||30||

… blickt er gleichermaßen auf Unrat und Kampfer, nimmt Tadel und Lob gleich auf und betrachtet Erdklumpen, Stein und Gold als gleich.

Anmerkung: Ghanasāra: Kampfer; die konkrete Gegenüberstellung bleibt erhalten.

Vers 31
etāṃ tṛtīyāṃ niḥśreṇīṃ turīyānāmadhāriṇīm |
ārūḍho devadeveśi brahmabhūyāya kalpate ||31||

Wer diese dritte Stufe, die den Namen Turīyā trägt, erklommen hat, Herrin des Gottes der Götter, wird fähig zum Sein als Brahman.

Vers 32
atrāpi siddhaḥ kramaśastāvataḥ parivatsarān |
caturthīṃ prasamīheta tāmeva hi mahāpadāt ||32||

Ist er auch hier im Laufe ebenso vieler Jahre vollendet, soll er die vierte erstreben: dieselbe [Turīyā], jedoch mit dem Wort mahā davor.

Anmerkung: Gemeint ist Mahāturīyā; der Name wird aus der ausdrücklichen Wortbildungsanweisung verständlich erläutert.

Mahāturīyā und der Paramahamsa

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 33
tatra tyāgo yajñasūtraśikhāvaidikakarmaṇām |
na puṇyapāpe nādharmo yogābhyāsavidhirna ca ||33||

Dort werden Opferschnur, Haarschopf und vedische Ritualhandlungen aufgegeben. Es gibt [für ihn] weder Verdienst noch Verfehlung, kein Unrecht und keine Vorschrift der Yogaübung.

Anmerkung: Nādharmo steht so im lesbaren Text; kein zusätzliches dharma eingefügt. Die Aussage beschreibt die postulierte Stufe des Entsagenden.

Vers 34
nācchādanaṃ samīheta na snānādi samācaret |
sa […] paramahaṃsākhyo yatiśreṣṭhatayā sthitaḥ ||34||

Er soll keine Bekleidung verlangen und weder Bad noch ähnliche Verrichtungen ausführen. Er […] heißt Paramahamsa und steht als Höchster unter den Entsagenden da.

Anmerkung: Fragment: kleine Verbindung nach sa beschädigt; Paramahamsa wörtlich „höchster Schwan“, Titel des vollendeten Entsagenden.

Vers 35
yasyoṣṇaṃ ca na śītaṃ ca na sukhaṃ duḥkhameva ca |
svāṃ tanuṃ kuṇapaprāyāṃ patayāluṃ samīkṣate ||35||

Für ihn gibt es weder Hitze noch Kälte, weder Freude noch Leid. Seinen eigenen Körper betrachtet er als einem Leichnam ähnlich und dem Verfall preisgegeben.

Anmerkung: Anfang elliptisch; Gegensatzpaar gemäß verständlichem Satzsinn wiedergegeben.

Vers 36
titīkṣājñānavairāgyaśamādiguṇasaṃyutaḥ |
anāśī nivṛttidhvastaprāgjanmāṅkuśaśca […] ||36||

Er besitzt Geduld im Ertragen, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit, Ruhe und ähnliche Eigenschaften. Er isst nicht; durch Abkehr ist der Stachel früherer Geburt zerstört […]

Anmerkung: Fragment: Schlusswort beschädigt. Anāśin ist hier in seiner sichtbaren Bedeutung „nicht essend“ übersetzt; keine redaktionelle Fastenanleitung. Zusammensetzung mit aṅkuśa, „Stachel/Lenkhaken“, bleibt lesungsunsicher.

Vers 37
evaṃrūpeṇa varteta vatsarān daśa pañca ca |
mahāturīyāmantrajño jīvanmukta iva sthitaḥ ||37||

In dieser Weise soll der Kenner des Mahāturīyā-Mantras fünfzehn Jahre leben, gleichsam schon zu Lebzeiten befreit.

Anmerkung: Zahl „zehn und fünf“ als fünfzehn wiedergegeben; nicht zu „fünf oder zehn“ aus Vers 28 angeglichen.

Nirvāṇa und das Aufgehen in Brahman

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 38
pañcamīmatha niḥśreṇīṃ nirvāṇākhyāṃ prapadyate |
tasya rūpamanākhyeyaṃ tasthuṣaḥ stambhakumbhavat ||38||

Dann erreicht er die fünfte Stufe, die Nirvāṇa heißt. Unbeschreiblich ist seine Erscheinung, wenn er wie ein Pfosten oder ein Gefäß reglos verharrt.

Anmerkung: OCR-Ziffer 35 gemäß Folge als 38 gelesen.

Vers 39
citreṣvākāritā yadvattiṣṭhanti yatimuṇḍinaḥ |
tadvattiṣṭhati niḥspando mṛtavacchvāsavarjitaḥ ||39||

Wie die kahlköpfigen Entsagenden, die auf Bildern dargestellt sind, verharrt auch er unbeweglich, ohne Atem, einem Toten gleich.

Anmerkung: Beschreibung eines idealisierten Zustands in der Lehrrede; der Text bietet hier keine Atemtechnik.

Vers 40
peśaskārī kīṭa iva dhyāyaṃstanniṣkalaṃ mahaḥ |
brahmatvaṃ prāpnuyātkālātsadā tadbhāvabhāvitaḥ ||40||

Wie ein Insekt in Bezug auf die Wespe meditiert er über jenes ungeteilte Licht. Stets von dessen Sein erfüllt, erlangt er mit der Zeit das Sein als Brahman.

Anmerkung: Anspielung auf das traditionelle Insekt-Wespen-Gleichnis der Verwandlung durch unablässige Ausrichtung; die genaue Kasusverbindung im OCR ist unsicher.

Vers 41
brāhmaṇe pauṣkase [paukkase?] cāpi kiṃjātijñānavarjitaḥ |
[…] hi nirvāṇamantrajāpena siddhyati ||41||

Gegenüber einem Brahmanen wie einem Pauṣkasa [Paukkasa?] ist er frei von der Vorstellung, welcher Geburtsgruppe jemand angehört. […] durch Rezitation des Nirvāṇa-Mantras gelangt er zur Vollendung.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Hälfte fehlt. Name der gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppe schon im Quellentext fraglich; keine moderne Gruppenidentität unterstellt.

Vers 42
līnaḥ parabrahmaṇi syānmāyopādhivivarjitaḥ |
mantreṇaitena satyaṃ hi syādasya kṛtakṛtyatā ||42||

Er geht im höchsten Brahman auf, frei von den durch Maya bedingten Begrenzungen. Durch diesen Mantra hat er wahrlich vollbracht, was zu vollbringen war.

Vers 43
etenaiva hi nirvāho bhavetsaṃsāravartmani |
naiva syātpunarāvṛttiryadi kālaviparyayāt ||43||

Durch ihn kommt der Weg durch Samsara zu seinem Abschluss. Es gäbe keine Rückkehr – wenn nicht durch den Umschlag der Zeit […]

Anmerkung: Fragment: der Bedingungssatz endet elliptisch. Der folgende Text erörtert ausdrücklich eine mögliche Rückkehr; diese Spannung wird nicht beseitigt.

Der Baum der Geburten und seine verbleibende Wurzel

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 44
līno'pi brahmaṇi kathaṃ punarāyāti saṃsṛtau |
etasmin saṃśaye devi siddhāntaṃ tvaṃ niśāmaya ||44||

Wie kann jemand, obwohl er in Brahman aufgegangen ist, wieder in den Kreislauf des Daseins zurückkehren? Höre zu diesem Zweifel, Göttin, die begründete Lehre.

Vers 45
skandhaśākhāpuṣpadalamūlakandāḥ phalāni ca |
śiphāprarohaviṭapāṅkurakoṭarakānyapi ||45||

Stamm, Äste, Blüten, Blätter, Wurzeln, Knollen und Früchte, Wurzelfasern, Schösslinge, Zweige, Keime und Höhlungen …

Anmerkung: Die Baumaufzählung wird im nächsten Vers auf den Kreislauf der Geburten bezogen.

Vers 46
asaṃkhyātānyasya janmatarordevi pracakṣate |
pratyekaṃ vivarītuṃ hi naiva śakyamiyattayā ||46||

… unzählig nennt man sie an diesem Baum der Geburt, Göttin. Jedes einzeln nach seinem Umfang zu beschreiben ist unmöglich.

Vers 47
ārabhante punaścānyānyanyānyetānyanukṣaṇam |
ekadvitricaturnāśe kimasya parihīyate ||47||

In jedem Augenblick treiben sie wieder anderes und immer anderes hervor. Was verliert dieser [Baum] schon, wenn eines, zwei, drei oder vier [seiner Teile] vernichtet werden?

Vers 48
kintu nirvāṇābhidho'yaṃ sarvaṃ dahati pādapam |
[…] hi mūle mūlaṃ ca tiṣṭhati ||48||

Dieser jedoch, der Nirvāṇa heißt, verbrennt den ganzen Baum. […] In der Wurzel bleibt dennoch eine Wurzel bestehen.

Anmerkung: Fragment: Beginn der zweiten Hälfte beschädigt; keine bestimmte Restmenge der Wurzel ergänzt.

Vers 49
kadācittena jāyante punaḥ śākhādipallavāḥ |
etadarthaṃ samudyogaṃ mahānirvāṇake caret ||49||

Daraus entstehen irgendwann erneut Äste, Schösslinge und anderes. Deshalb soll man sich um Mahānirvāṇa bemühen.

Anmerkung: OCR-Ziffer 46 gemäß Folge als 49 gelesen.

Vers 50
yena dagdhaṃ hi bhavati tadapi pramadottame |
dvisaptatisahasrāṇāṃ saṃvartānāmanantaram ||50||

Durch dieses wird auch jener [Wurzelrest] verbrannt, Vorzüglichste der Frauen. Nach zweiundsiebzigtausend Weltauflösungen …

Anmerkung: Die ungeheure Zeitspanne ist eine kosmologische Aussage des Textes.

Vers 51
līno'pi brahmaṇi janaḥ punareti bhavārṇave |
ityeṣa niścayo vede purāṇe ca vyavasthitaḥ ||51||

… kehrt ein Mensch, selbst wenn er in Brahman aufgegangen ist, ins Meer des Werdens zurück. So steht diese Gewissheit im Veda und im Purana fest.

Anmerkung: Der Verweis auf Veda und Purana ist eine Quellenbehauptung der Lehrrede; hier wird keine konkrete externe Belegstelle genannt.

Vers 52
brahmaṇo vidyamānasya prācīnā ye hi jajñire |
brahmāṇaste'pi kālena punarāvartino dhruvam ||52||

Die Brahmas, die vor dem gegenwärtig bestehenden Brahma geboren wurden, kehren gewiss auch im Laufe der Zeit wieder zurück.

Anmerkung: Brahmā bezeichnet hier den Schöpfergott bzw. dessen wechselnde Träger, nicht das unpersönliche Brahman.

Die Wiedergeburten eines früheren Brahma

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 53
etasmāddaśamo yastu brahmātīto varānane |
ākhyāyikāṃ tasya śṛṇu kathyamānāṃ samāhitā ||53||

Höre gesammelt die Erzählung von jenem vergangenen Brahma, der von diesem aus zurückgerechnet der zehnte war, Schöngesichtige.

Anmerkung: Die genaue inklusive bzw. exklusive Zählweise wird nicht ausgeführt.

Vers 54
carācaraṃ jagatsṛṣṭvā sthitvā tāvadanehasam |
paramātmani līno'sau nabhasīva samīraṇaḥ ||54||

Nachdem er die bewegliche und unbewegliche Welt erschaffen und die entsprechende Zeit bestanden hatte, ging er im höchsten Selbst auf, wie der Wind im Raum.

Vers 55
punarbhaveyaṃ brahmāhaṃ sṛjeyaṃ trijagatyapi |
ājñāpayeyaṃ tridaśānityevaṃ vāsanā sthitā ||55||

„Möge ich wieder Brahma werden, die drei Welten erschaffen und den Göttern Befehle erteilen!“ Eine solche Neigung blieb bestehen.

Anmerkung: Vāsanā bezeichnet hier die fortwirkende innere Neigung.

Vers 56
tenāsya janmamūlaṃ hi mūle kiñcidavasthitam |
tattadvāsanāyogādgateṣu […] ||56||

Darum blieb in seinem Innersten noch etwas von der Wurzel der Geburt zurück. Infolge jener Neigungen, nachdem […] vergangen waren …

Anmerkung: Fragment: Zeitangabe unlesbar; OCR-Versziffer stark beschädigt, aus der fortlaufenden Folge als 56 gelesen.

Vers 57
jāta eva sṛṣṭikāle […] mahātapāḥ |
sa ca sthitvā kiyatkāle dānavaḥ samajāyata ||57||

… wurde er zur Zeit der Schöpfung als […] großer Asket geboren. Nachdem er so eine Weile bestanden hatte, wurde er als Danava wiedergeboren.

Anmerkung: Fragment: erste Geburtsgestalt unlesbar; Versnummer nach Folge. Danava: eine Klasse göttlicher Gegenspieler.

Vers 58
hataḥ śakreṇa nāgo'bhūttakṣakānvayabhūṣaṇaḥ |
annobījena [?] sa punaḥ rākṣasaḥ saṃbabhūva hi ||58||

Von Shakra getötet, wurde er zu einem Naga, einer Zierde des Geschlechts Takshakas. […] Danach wurde er wiederum ein Rakshasa.

Anmerkung: Fragment: Mittel-/Ursachenangabe der zweiten Hälfte schon in der Quelle fraglich. OCR-Ziffer 55 nach Folge als 58 gelesen. Shakra ist Indra; Naga eine Schlangenwesen-, Rakshasa eine Dämonenklasse.

Vers 59
agastyaśāpanirdagdhaḥ sa punaryakṣarāḍabhūt |
mṛtastatrāpi sa mayūro babhūvātīva susvaraḥ ||59||

Durch Agastyas Fluch verbrannt, wurde er darauf König der Yakshas. Als er auch dort starb, wurde er ein Pfau mit überaus wohlklingender Stimme.

Anmerkung: Die ungewöhnliche Zuschreibung einer schönen Stimme an den Pfau bleibt wie überliefert erhalten.

Vers 60
tato […] mahābalaparākramaḥ |
jātaḥ pratiṣṭhānapure cakravartī mahīpatiḥ ||60||

Dann […] wurde er in der Stadt Pratishthana als universaler Herrscher geboren, ein König von großer Kraft und Tapferkeit.

Anmerkung: Fragment: Name bzw. nähere Bezeichnung am Versanfang unlesbar.

Vers 61
jambūdvīpe samaste'pi bhraman sa svena karmaṇā |
krameṇa nānāviṣaye samajāyata bhūpatiḥ ||61||

Durch sein eigenes Karma im ganzen Jambudvipa umherwandernd, wurde er nacheinander in verschiedenen Ländern als König geboren.

Anmerkung: Jambudvipa ist der zentrale Kontinent der hier vorausgesetzten traditionellen Weltbeschreibung.

Die lange Folge menschlicher und tierischer Geburten

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 62
bhūpaḥ pañcaśataṃ vārān vipraḥ pañcaśataṃ tathā |
vaiśyaścatuḥśataṃ jātaḥ śūdrastriśatam eva ca ||62||

Fünfhundertmal wurde er König, ebenso fünfhundertmal Brahmane, vierhundertmal Vaishya und dreihundertmal Shudra.

Anmerkung: Historische Geburts- und Standeskategorien der Erzählung; keine Bewertung heutiger Menschen.

Vers 63
niṣādo dvādaśaśataṃ cāṇḍālo'ṣṭaśataṃ tathā |
dhīvaro dviśataṃ cāpi yavano'pi hi ṣaṭśatam ||63||

Zwölfhundertmal wurde er Nishada, achthundertmal Chandala, zweihundertmal Fischer und sechshundertmal Yavana.

Anmerkung: Die traditionellen Gruppenbezeichnungen bleiben stehen; Yavana bezeichnet in unterschiedlichen Textzeiten verschiedene fremde Bevölkerungen und wird hier nicht auf eine heutige Gruppe festgelegt.

Vers 64
tathābhīro navaśataṃ pādukṛttāvadeva ca |
vyādhaḥ sahasraṃ hariṇaścaturdaśaśataṃ tathā ||64||

Neunhundertmal wurde er Abhira und ebenso oft Schuhmacher, tausendmal Jäger und vierzehnhundertmal Hirsch.

Anmerkung: Pādukṛt, Schuhmacher, aus geringfügig beschädigtem OCR gelesen; Abhira ist eine traditionelle Gruppenbezeichnung.

Vers 65
ekādaśaśataṃ potrī trayodaśaśataṃ kapiḥ |
śvā cāpyekaśataṃ jātaḥ kharaḥ pañcaśataṃ tathā ||65||

Elfhundertmal wurde er ein Eber, dreizehnhundertmal ein Affe, hundertmal ein Hund und fünfhundertmal ein Esel.

Vers 66
mattadvipaśca dviśataṃ triśataṃ ca […] |
vājī pañcaśataṃ vārān balīvardaḥ śatatrayam ||66||

Zweihundertmal wurde er ein brünstiger Elefant, dreihundertmal […], fünfhundertmal ein Pferd und dreihundertmal ein Zugochse.

Anmerkung: Fragment: zweite Tierbezeichnung unlesbar.

Vers 67
vastaḥ saptaśataṃ jāta uraṇastāvadeva ca |
dviśataṃ mattagomāyurbhallūkaḥ śatameva ca ||67||

Siebenhundertmal wurde er ein Ziegenbock und ebenso oft ein Widder, zweihundertmal ein wilder Schakal und hundertmal ein Bär.

Anmerkung: Vasta hier als Ziegenbock gelesen; matta wörtlich „berauscht/erregt“, beim Schakal als „wild“ wiedergegeben.

Vers 68
tataḥ saptaśataṃ siṃho dviśataṃ vṛka eva ca |
punaḥ śataṃ sairibhaśca khaṅgaḥ sārdhaśatadvayam ||68||

Dann wurde er siebenhundertmal ein Löwe und zweihundertmal ein Wolf, ferner hundertmal ein Büffel und zweihundertfünfzigmal ein Nashorn.

Anmerkung: Sārdhaśatadvaya als zweihundert und ein halbes Hundert gelesen.

Vers 69
godhā ca śallakaścāpi vārān jātaḥ śataṃ śatam |
mārjāraścāpyekaśataṃ babhrurdviśatam eva ca ||69||

Je hundertmal wurde er ein Waran und ein Stachelschwein, hundertmal eine Katze und zweihundertmal ein Babhru.

Anmerkung: Babhru ist hier eine nicht sicher identifizierbare Tierbezeichnung; nicht willkürlich einem bestimmten Säugetier gleichgesetzt. OCR-Ziffer 63 nach Folge als 69 gelesen.

Vers 70
grāhaḥ sa viṃśativārānaśītiṃ mīna eva ca |
kūrmaḥ ṣaṣṭiśataṃ bheko vanyastriśatamunduraḥ ||70||

Zwanzigmal wurde er ein Krokodil, achtzigmal ein Fisch; [als] Schildkröte […] sechzig […] hundert […] Frosch; dreihundertmal eine wilde Ratte.

Anmerkung: Fragment: Verteilung von ṣaṣṭi und śata auf Schildkröte und Frosch syntaktisch unsicher; nicht als gesicherte Geburtenzahlen ausgegeben. Vanya, „wild“, könnte auch zur vorhergehenden Tierbezeichnung gehören.

Vers 71
kukkuṭaḥ saptatiṃ vārāṃstathā pārāvataḥ śatam |
ulūko daśavārāṃśca mayūro navatiṃ tathā ||71||

Siebzigmal wurde er ein Hahn, hundertmal eine Taube, zehnmal eine Eule und neunzigmal ein Pfau.

Vers 72
kākaḥ sa viṃśativārān kokilastriśataṃ tathā |
catvāriṃśacchataṃ haṃsaḥ kaṅkaḥ pañcaśataṃ punaḥ ||72||

Zwanzigmal wurde er eine Krähe, dreihundertmal ein Kokila, vierzig Hundert Mal ein Hamsa und fünfhundertmal ein Kanka.

Anmerkung: Kokila: Koel bzw. Kuckucksvogel; Hamsa: Gans-/Schwanvogel; Kanka: Reiher-/Kranichvogel. Die auffällige Zahl catvāriṃśacchata wird nicht passend gemacht.

Vers 73
śyenaḥ kīro bakaścāṣo gṛdhraśca krodruṇaḥ [?] kṛmiḥ |
pratyekaṃ sa śataṃ vaṃśaḥ stambo vṛkṣaḥ śataṃ latāḥ ||73||

Je hundertmal wurde er Greifvogel, Papagei, Reiher, Blauracke, Geier, Krodruṇa [?] und Wurm; ferner Bambus, ein Pflanzenbüschel, hundertmal ein Baum und [als] Schlingpflanzen […].

Anmerkung: Fragment: Tiername schon in der Quelle fraglich; genaue Zuordnung der Zahlen im Pflanzenteil unsicher. Variantenfußnote gha bietet stattdessen „Schlange, fünfhundertmal“; ṅa liest „hundertmal Baum, hundertmal Schlingpflanze“. Diese abweichenden Lesungen werden nicht in die Hauptfassung verschmolzen.

Vers 74
punaḥ sa puṇyayogena manuṣyaḥ samajāyata |
śaivācāryaḥ pañca vārān śataṃ devalako'pi ca ||74||

Dann wurde er infolge seines Verdienstes wieder als Mensch geboren: fünfmal als Shaiva-Lehrer und hundertmal als Tempelpriester.

Anmerkung: Devalaka bezeichnet einen berufsmäßigen Kult-/Tempelpriester, teils mit abwertender Färbung; diese wird nicht zur heutigen Wertung gemacht.

Vers 75
sthapatirdaśajanmāpi tantuvāyo janitrayam |
mālākāro'ṣṭavāraṃ ca vyādho viṃśatimeva ca ||75||

Zehn Geburten verbrachte er als Baumeister, drei als Weber, acht als Kranzmacher und zwanzig als Jäger.

Vers 76
śataṃ vārāṃstathā bandī vardhakirdviśataṃ tathā |
muṇḍī pañcāśaccaiva śataṃ kāntārataskaraḥ ||76||

Hundertmal wurde er Hofsänger, zweihundertmal Zimmermann, fünfzigmal ein Kahlgeschorener und hundertmal ein Räuber im Wald.

Anmerkung: Muṇḍin, „Kahlgeschorener“, wohl eine asketische Lebensform; keine bestimmte Religionsgemeinschaft ergänzt.

Vers 77
pañcavārāṃścitrakāro navavārānnaṭo'pi ca |
janmadvayaṃ carmakāro dvivāraṃ śauṇḍiko'pi ca ||77||

Fünfmal wurde er Maler, neunmal Schauspieler, zwei Geburten lang Lederarbeiter und zweimal Schankwirt.

Vers 78
sūcījīvī trivāraṃ ca pañcāpi dvijakiṅkaraḥ |
vyāpādyamānaṃ vyāghreṇa gopayitvā sa vāḍavam ||78||

Dreimal lebte er von Nadelarbeit, fünfmal war er Diener eines Zweimalgeborenen. Als er einen Brahmanen vor einem Tiger schützte, der ihn töten wollte …

Anmerkung: Sūcījīvin: von Nadelarbeit lebend, etwa Schneider; Dvija: traditionell „Zweimalgeborener“.

Vers 79
hatastenaiva tatpuṇyājjāto'sau munipuṅgavaḥ |
śāṇḍilyagotre vikhyāto devalānvayabhūṣaṇaḥ ||79||

… wurde er selbst von diesem getötet. Durch das Verdienst dieser Tat wurde er als hervorragender Muni wiedergeboren, berühmt im Shandilya-Gotra, eine Zierde der Devala-Linie.

Vers 80
ākhyayā cañcuririti paśya yo'yaṃ varānane |
ketumālagireḥ kūṭe tiṣṭhan bhūmiruhasthale ||80||

Chañchuri lautet sein Name. Sieh, Schöngesichtige, dort steht er auf dem Gipfel des Ketumala-Berges, an einem baumbestandenen Ort …

Anmerkung: Namensform Cañcuri nach dem vorhandenen Text bewahrt; keine Identifikation mit einem bekannteren Rishi erzwungen.

Vers 81
bṛhadrathantarādīni sāmāni khalu gāyati |
idaṃ sarvaṃ mayā dhyānājjñātaṃ devyāḥ prasādataḥ ||81||

… und singt die Saman-Gesänge Bṛhat, Rathantara und andere. All dies habe ich durch Meditation erkannt, durch die Gnade der Göttin.

Anmerkung: Saman: vedischer Gesang; die Erkenntnisbehauptung bleibt Mahakalas Aussage innerhalb der Erzählung.

Vers 82
eṣa eva svakarmānusāreṇa pṛthivītale |
punaḥ punarjāyamāno hyavasāne parārdhayoḥ ||82||

Dieser wird gemäß seinem eigenen Karma immer wieder auf der Erde geboren. Am Ende zweier Parārdhas …

Anmerkung: Die kosmische Zeitangabe wird ohne Umrechnung übernommen; Fortsetzung im nächsten Vers.

Vers 83
dvātriṃśatkoṭijanmānte punarbrahmā bhaviṣyati |
puṇyāni puṇyāni bhuvi janayanti bahūni hi ||83||

… nach dreihundertzwanzig Millionen Geburten wird er wieder Brahma sein. Verdienste bringen auf Erden viele weitere Verdienste hervor …

Anmerkung: Zahl dvātriṃśat koṭi: zweiunddreißig mal zehn Millionen.

Vers 84
pāpāni pāpāni tathā nṛṇāṃ saṃsāravartmani |
puṇyaṃ hi haimaṃ nigaḍaṃ pāpaṃ cāyasamucyate ||84||

… und Verfehlungen weitere Verfehlungen auf dem Weg der Menschen durch Samsara. Verdienst nennt man eine goldene Fessel, Verfehlung eine eiserne.

Vers 85
haimair hi svargabhogaḥ syādāyasairnirayo bhavet |
ubhayaṃ janmamaraṇanidānaṃ parikīrtyate ||85||

Die goldenen [Fesseln] führen zum Genuss des Himmels, die eisernen zur Hölle. Beides wird als Ursache von Geburt und Tod bezeichnet.

Vers 86
tatrābhimāninaṃ saukhyaṃ duḥkhaṃ […] tvidam |
[…] balavattadekaṃ bādhate param ||86||

Für den, der sich damit identifiziert, [entsteht] Glück oder Leid […] Das jeweils Stärkere verdrängt das andere.

Anmerkung: Fragment: Teile beider Vershälften beschädigt; kein genauer karmischer Mechanismus über das Lesbare hinaus ergänzt.

Vers 87
pāpaṃ nihatya puṇyaṃ syātpuṇyaṃ hatvā […] |
brāhmaṇārthaṃ parityajya prāṇānatisudustyajān ||87||

Verdienst setzt sich durch, indem es Verfehlung überwindet; nach Überwindung des Verdienstes […] Weil er um eines Brahmanen willen sein Leben hingab, das so schwer aufzugeben ist …

Anmerkung: Fragment: Ende der ersten Hälfte beschädigt. Zweite Hälfte nimmt die Erzählung wieder auf.

Vers 88
eṣa evāyutaṃ vārān bhavitā vipra eva hi |
vatsātrigotraśāṇḍilyabhṛgukaśyapatimriṇām ||88||

… wird eben dieser zehntausendmal Brahmane werden: in den Linien Vatsa, Atri, Shandilya, Bhrigu, Kashyapa und Timri […]

Anmerkung: Letzter Name aus beschädigtem OCR, nicht sicher identifizierbar. OCR-Ziffer 85 nach Folge als 88 gelesen; die Liste wird fortgesetzt.

Vers 89
māṇḍūkyakutsabharadvājakauśikāṅgirasāmapi [?] |
maudgalyagautamotathyadakṣāraṇaja[ba?]rūthinām ||89||

… ebenso in den Linien Mandukya, Kutsa, Bharadvaja, Kaushika und Angiras; Maudgalya, Gautama, Utathya, Daksha, Arana und Jaruthin [oder Baruthin?] …

Anmerkung: Die Eigennamen und ihre Trennung sind teilweise unsicher; die Quelle selbst setzt Fragezeichen. Sanskrit nicht als gesicherte Namensrekonstruktion zu verstehen.

Vers 90
gotre sambhūya sambhūya punaḥ prāpsyati devatām |
aṣṭādaśaśataṃ śakraḥ […] śatatrayam ||90||

… wird er immer wieder in diesen Gotras geboren und danach erneut Göttlichkeit erlangen: achtzehnhundertmal als Shakra, dreihundertmal als […]

Anmerkung: Fragment: zweite Gottheit unlesbar; OCR-Ziffer 60 nach Folge als 90 gelesen.

Vers 91
tathā pañcaśataṃ pāśī raviścandraḥ śataṃ śatam |
yamaḥ sahasramagniśca vārān pañcaśataṃ tathā ||91||

Fünfhundertmal als der Schlingenträger, je hundertmal als Sonne und Mond, tausendmal als Yama und fünfhundertmal als Agni.

Anmerkung: Schlingenträger, Pāśin: hier Varuna. OCR-Ziffer 61 nach Folge als 91 gelesen.

Vers 92
catuḥśataṃ nairṛtaṃ ca vāyuḥ saptaśataṃ punaḥ |
kālo mṛtyuvidhātā ca catustridviśataṃ kramāt ||92||

Vierhundertmal als Nairrita und siebenhundertmal als Vayu; als Kala, Mrityu und Vidhatr der Reihe nach vierhundert-, dreihundert- und zweihundertmal.

Anmerkung: Nairrita: Gottheit der südwestlichen Richtung; Kala: Zeit/Tod; Mrityu: Tod; Vidhatr: Ordner/Schicksalsgeber. Letzte Namensfolge als drei Glieder gemäß ausdrücklicher Dreier-Zahlfolge gelesen.

Vers 93
bhūtvā bhūtvāvaśeṣe jagatsraṣṭā bhaviṣyati |
ityasya vipravaryasya vṛndaśaḥ kharavaṃśa [khaṇḍaśaḥ?] tathā ||93||

Nachdem er all dies immer wieder geworden ist, wird er am Ende Schöpfer der Welt sein. So [wurden] die Geburten dieses vorzüglichen Brahmanen in Gruppen und […]

Anmerkung: Fragment: letztes Adverb bereits in der Quelle fraglich. Versnummer aus fortlaufender Folge gelesen; Satzabschluss in 94.

Vers 94
bhūtāni ca bhaviṣyāṇi janmāni kathitāni te |
gahanā saṃsṛtigatirvāsanāmūlasambhavā ||94||

… vergangene wie zukünftige Geburten dir erzählt. Unergründlich ist der Gang durch Samsara, der aus der Wurzel der inneren Neigungen entsteht.

Vers 95
kiñcicchiṣṭasya mūlasya punarmūlāni lakṣaśaḥ |
jāyante tena vṛkṣāśca prarohantyeva koṭiśaḥ ||95||

Aus einem kleinen Rest der Wurzel entstehen erneut Hunderttausende von Wurzeln; daraus sprießen Bäume zu Millionen.

Anmerkung: OCR-Ziffer 65 nach Folge als 95 gelesen.

Vers 96
teṣāṃ phalaiśca bījaiśca parārdhādadhikā drumāḥ |
janmadrumūlenaikena kiyantyasya na jajñire ||96||

Aus deren Früchten und Samen entstehen mehr Bäume als ein Parārdha. Wie viele [Geburten] sind ihm nicht schon aus dieser einen Wurzel des Geburtenbaumes erwachsen!

Anmerkung: Parārdha als traditionelle Großzahl belassen.

Vers 97
kiyanti te bhaviṣyanti janmādīni varānane |
mūle dagdhe na mūlāni prarohanti kadācana ||97||

Wie viele weitere Geburten und dergleichen werden noch folgen, Schöngesichtige! Ist aber die Wurzel verbrannt, treiben niemals neue Wurzeln aus.

Unnummerierter Text
yateta tasya dāhāya prayatenāntarātmanā |

Mit gesammelt ausgerichtetem Inneren soll man sich bemühen, diese [Wurzel] zu verbrennen.

Anmerkung: Zusätzlicher Halbvers aus der Variantenfußnote des Zeugen ṅa im Umfeld von 96–97; genaue Einfügestelle nicht völlig sicher. Separat von der Hauptfassung wiedergegeben.

Vers 98
sahasrameva brahmāṇo na nyūnā nādhikāstathā |
punaḥ punarhi jāyante […] ta eva hi ||98||

Genau tausend Brahmas gibt es, nicht weniger und nicht mehr. Immer wieder werden eben diese geboren […]

Anmerkung: Fragment: Wortgruppe der zweiten Hälfte unlesbar; sichtbare kosmologische Behauptung ohne Ergänzung wiedergegeben.

Vers 99
etanmantropadeśādāvevamāha puradviṣaḥ |
nirviṇṇo'pi hi nirvāṇādato naiva prasiddhyati ||99||

So sprach der Städtebezwinger zu Beginn der Unterweisung in diesem Mantra. Deshalb erreicht selbst der Weltüberdrüssige durch Nirvāṇa noch nicht die [endgültige] Vollendung.

Anmerkung: Puradviṣ bezeichnet Shiva. Die Abwertung des zuvor gepriesenen Nirvāṇa dient im Kontext dem Vorrang von Mahānirvāṇa; nicht redaktionell harmonisiert.

Mahānirvāṇa und das endgültige Nichtwiederkehren

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 100
tasmātpunaranāvṛttyai mahānirvāṇamīhate |
etasmānmantrarājāddhi brahmaṇyeva vilīyate ||100||

Daher strebt man Mahānirvāṇa an, um nicht wiederzukehren. Durch diesen König der Mantras geht man ganz in Brahman auf.

Vers 101
na pṛthagrūpatā tasya brahmaṇaḥ paramātmanaḥ |
yathāgnerna pṛthagbhinnā dāhikā śaktirucyate ||101||

Er besitzt keine vom Brahman, dem höchsten Selbst, getrennte Gestalt – so wie die brennende Kraft des Feuers nicht als etwas vom Feuer Getrenntes bezeichnet wird.

Vers 102
yathākāśamivākāśe yathā caivānile'nilaḥ |
vilīno brahmaṇi sa hi […] bhavati dhruvam ||102||

Wie Raum in Raum, wie Wind in Wind, so geht er in Brahman auf und wird gewiss […]

Anmerkung: Fragment: Prädikatsbezeichnung vor bhavati beschädigt; keine vermutete Gleichheitsformel eingesetzt.

Vers 103
līyate hi viśeṣeṇa vilīnastena cocyate |
mahānirvāṇataḥ sa syānnānyena hi kadācana ||103||

Weil er auf besondere, vollständige Weise aufgeht, wird er vilīna, „ganz aufgegangen“, genannt. Dies geschieht durch Mahānirvāṇa, niemals durch etwas anderes.

Anmerkung: Der Text deutet hier ausdrücklich das Präfix vi-; exklusiver Lehranspruch.

Vers 104
nirvāṇādadhikaṃ yasmānmahānirvāṇamityataḥ |
etasmādadhiko nānyo mantrastrijagatītale ||104||

Weil es Nirvāṇa übertrifft, heißt es Mahānirvāṇa. In den drei Welten gibt es keinen anderen Mantra, der diesen übertrifft.

Vers 105
yena brahmāṇamabhyeti kimutānyān surāsurān |
vināśadharmiṇo bhogānīhamānaḥ punaḥ punaḥ ||105||

Durch ihn erreicht man Brahman – wie viel mehr dann andere Götter und Asuras! Wer hingegen immer wieder Genüsse begehrt, deren Wesen Vergänglichkeit ist …

Anmerkung: Die Form brahmāṇam ist grammatisch auffällig und könnte auch Brahma bezeichnen; „Brahman“ folgt dem unmittelbaren Befreiungskontext, ohne die Lesungsunsicherheit zu verdecken.

Vers 106
patatyavirataṃ ghore janaḥ saṃsārasāgare |
kathaṃ neheta sāyujyaṃ jānan saṃsārayātanām ||106||

… stürzt unaufhörlich in das schreckliche Meer des Samsara. Wie könnte jemand, der die Qual des Daseinskreislaufs kennt, nicht nach Vereinigung streben?

Anmerkung: Sāyujya: Vereinigung mit dem Göttlichen.

Vers 107
aho bhogasya māhātmyaṃ yena trijagatītale |
apanīya hi kaivalyādātmano hi vaśe kṛtam ||107||

O welch große Macht des Genusses! In den drei Welten zieht er [die Wesen] von der Befreiung weg und bringt sie unter seine Herrschaft.

Anmerkung: Das Objekt ist im Sanskrit unausgesprochen und im Deutschen in Klammern kenntlich ergänzt.

Vers 108
kiṃ […] kiṃ ca bhogaiḥ kiṃ vā strīkāñcanehayā |
patato narake ghore yonāvapi muhurmuhuḥ ||108||

Was nützt […], was nützen Genüsse, was das Verlangen nach Frauen und Gold, wenn man immer wieder in eine schreckliche Hölle oder einen Mutterschoß fällt?

Anmerkung: Fragment: erstes Vergleichsglied unlesbar. Die männlich-asketische Perspektive wird nicht zu einer geschlechtsneutralen Quellaussage umgeschrieben.

Vers 109
patayāluṃ nirīkṣya svāṃ pakvavyuṣṭinibhāṃ tanum |
mriyamāṇāni bhūtāni mṛtān pitṛpitāmahān ||109||

Obwohl sie ihren eigenen hinfälligen Körper betrachten, der […] gleicht, die sterbenden Wesen und die verstorbenen Väter und Großväter sehen …

Anmerkung: Fragment: Vergleich pakvavyuṣṭi nicht zuverlässig verständlich; keine anschauliche Metapher erfunden. OCR-Ziffer 106 nach Folge als 109 gelesen.

Vers 110
siddhiṃ bhogaṃ spṛhāṃ cāpi vāñchanti khalu sādhakāḥ |
aho sāmarthyametasya mohamasyādya dṛśyatām ||110||

… verlangen die Sadhakas doch nach Siddhi, Genuss und der Erfüllung ihres Begehrens. O welche Macht dies besitzt! Sieh heute seine Verblendungskraft.

Anmerkung: Die etwas repetitive Aufzählung wird beibehalten.

Vers 111
tiṣṭhatyetādṛśe mantre mahānirvāṇanāmani |
pacyante narake ghore svakarmadahane narāḥ ||111||

Obwohl ein solcher Mantra namens Mahānirvāṇa vorhanden ist, werden Menschen in schrecklicher Hölle im Feuer ihres eigenen Karmas gekocht.

Anmerkung: Drastisches Höllenbild des Grundtextes; nicht abgeschwächt.

Vers 112
kiṃ […] deveśi samāsādavadhāryatām |
amṛtaṃ tvamṛtaprāyaṃ bhogāścāmedhyasannibhāḥ ||112||

Wozu […] Herrin der Götter? Begreife es zusammengefasst: Unsterblichkeit ist wie Nektar; Genüsse gleichen Unrat.

Anmerkung: Fragment: erste Wendung beschädigt. Amṛta bezeichnet sowohl Unsterblichkeit als auch Nektar; das Wortspiel wird im Deutschen auf zwei Wörter verteilt.

Vers 113
devāśayāśca devāśca sudhāyāmeva saspṛhāḥ |
grāmyakolāśayā grāmyakolāścāmedhyasaspṛhāḥ ||113||

Die Götter und Menschen von göttlicher Gesinnung verlangen nach Nektar; Hausschweine und Menschen mit der Gesinnung von Hausschweinen verlangen nach Unrat.

Anmerkung: Polemischer Vergleich des asketischen Textes; keine redaktionelle Beschimpfung anders lebender Menschen.

Die Früchte der sechs Mantras

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 114
ataḥ paraṃ krameṇaiṣāṃ phalaṃ samavadhāraya |
tato'mīṣāṃ samuddhāraṃ kathayiṣyāmi te kramāt ||114||

Vernimm nun der Reihe nach ihre Früchte. Danach werde ich dir ebenso der Reihe nach die Erschließung dieser [Mantras] darlegen.

Vers 115
śāmbhavasya tu mantrasya tatrādau phalamucyate |
[…] janmāṅkurāṇi syurbhasmasādamunā priye ||115||

Zuerst wird die Frucht des Śāmbhava-Mantras genannt: Durch ihn werden die Keime […] Geburten zu Asche, Geliebte.

Anmerkung: Fragment: näher bestimmendes Wort vor janmāṅkurāṇi beschädigt. Die Fußnote bietet eine eigenständige abweichende Vershälfte, separat nachfolgend.

Unnummerierter Text
śāmbhavasya tu mantrasya tatrādau phalamucyate |
mahānirvāṇamantrasya bījaṃ tadiha kathyate ||

Zuerst wird die Frucht des Śāmbhava-Mantras genannt: Er wird hier als Same des Mahānirvāṇa-Mantras bezeichnet.

Anmerkung: Abweichende Strophe der Fußnotenzeugen gha und cha. Die erste Hälfte wiederholt die Hauptfassung; die ganze Variante wird wegen ihrer anderen Aussage ausdrücklich als Parallelfassung gezeigt, nicht als weiterer eigenständiger nummerierter Vers gezählt.

Vers 116
ādyāyāṃ khalu niḥśreṇyāmārūḍhaḥ sthirapādyadi |
tadā dvitīyāmāroḍhuṃ śaknotyāśu na cānyathā ||116||

Nur wenn man die erste Stufe erklommen hat und dort festen Stand besitzt, kann man rasch die zweite ersteigen; anders ist es nicht möglich.

Vers 117
yathā tridaṇḍasaṃnyāso jñānakarmasamuccayaḥ |
tathā śāmbhavamantro'yaṃ jñānakarmaphalātmakaḥ ||117||

Wie die Entsagung mit dem dreifachen Stab Erkenntnis und Handlung verbindet, so besitzt dieser Śāmbhava-Mantra die Frucht von Erkenntnis und Handlung als sein Wesen.

Anmerkung: Tridaṇḍa: dreifacher Asketenstab; historische Form des Sannyasa.

Vers 118
mahāśāmbhavamantreṇa kaṣāyaḥ paripacyate |
hṛdayagranthayastasya jāyante pratyahaṃ ślathāḥ ||118||

Durch den Mahāśāmbhava-Mantra reift die innere Verunreinigung aus. Die Knoten seines Herzens lockern sich Tag für Tag.

Anmerkung: Paripacyate aus der ausdrücklich angegebenen Variante gha übernommen; Haupttext paripaṭhyate, „wird rezitiert“, ist hier auffällig. Kaṣāya bezeichnet die das Bewusstsein färbenden Rückstände bzw. Leidenschaften.

Vers 119
chinnāḥ syuḥ saṃśayāścāpi kṣayaṃ karmāṇi yānti ca |
ānandamamalaṃ rūpamāvirbhavati […] ||119||

Zweifel werden zerschnitten, und die karmischen Bindungen vergehen. Ein reines Wesen der Glückseligkeit tritt hervor […]

Anmerkung: Fragment: Schlussgruppe unlesbar; Kernaussage bleibt lesbar.

Vers 120
sa variṣṭho brahmavidāmātmārāmaḥ prajāyate |
ataḥ parasyāpi phalaṃ nibodha kamalānane ||120||

Er wird zum Höchsten unter den Brahman-Kennern, einer, der im Selbst seine Freude findet. Vernimm nun auch die Frucht der nächsten [Stufe], Lotusgesichtige.

Vers 121
ādhāradeśavarṇehājātyāśramasaṃvidaḥ |
bhavanti na kadāpyasya tatraiva nyastacetasaḥ ||121||

Wer sein Bewusstsein allein dort niedergelegt hat, kennt keine Vorstellungen mehr von Grundlage, Ort, Stand, Begehren, Geburtsgruppe und Lebensstufe.

Anmerkung: Auflösung des Kompositums ādhāra–deśa–varṇa–īhā–jāti–āśrama unsicher; die sichtbaren Glieder sind übersetzt, ohne zusätzliche Systematik zu erfinden.

Vers 122
antaḥ praveṣṭumicchornu yathā javanikaikikā |
antarāyo bhavettadvadbrahmaṇyasya vivakṣitaḥ ||122||

Wie ein einziger Vorhang demjenigen noch im Weg steht, der ins Innere eintreten möchte, so ist hier sein [letztes] Hindernis gegenüber Brahman gemeint.

Vers 123
nirvāṇasya phalaṃ proktaṃ pūrvameva mayā tava |
phalaṃ hyapunarāvṛttirmahānirvāṇakasya ca ||123||

Die Frucht von Nirvāṇa habe ich dir bereits früher genannt. Die Frucht von Mahānirvāṇa ist das Nichtwiederkehren.

Vers 124
mahāśāmbhavamantro hi sadāśiva udīryate |
mahāturīyārūpā hi jagadambā […] ||124||

Der Mahāśāmbhava-Mantra wird als Sadashiva bezeichnet. Die Weltenmutter besitzt die Gestalt Mahāturīyās […]

Anmerkung: Fragment: Schlussgruppe beschädigt.

Vers 125
tayoraikyaṃ sāmarasyaṃ bhāvanāyā manostathā |
tenaiva nānyena punaḥ kadācidapi pārvati ||125||

Ihre Einheit ist Sāmarasya – [Einheit] der Vergegenwärtigung und ebenso des Mantras. Durch diese allein und niemals durch anderes, Parvati …

Anmerkung: Grammatische Verbindung bhāvanāyā manoḥ unsicher, als erkennbare Beziehung von Vergegenwärtigung und Mantra wiedergegeben; Fortsetzung in 126.

Vers 126
bhavedapunarāvṛttistrisatyena bravīmyaham |
ato vacmi gṛhasthānāṃ nādhikāro'tra […] ||126||

… entsteht das Nichtwiederkehren. Dreifach wahrhaftig spreche ich dies aus. Deshalb sage ich: Haushälter haben hierzu kein Anrecht […]

Anmerkung: Fragment: Schlussanrede unlesbar. Die zuvor in 12–13 genannte Ausnahme wird nicht durch redaktionelle Harmonisierung aufgehoben.

Vers 127
te bhogalampaṭāḥ sarve tathā siddhyabhikāṅkṣiṇaḥ |
bhogasiddhī na cehete yativaikhānasau punaḥ ||127||

Sie alle hängen begierig an Genüssen und verlangen nach Siddhis. Der Entsagende und der Waldasket hingegen begehren weder Genuss noch Siddhi.

Anmerkung: Pauschalisierende Wertung innerhalb der asketischen Lehrrede.

Vers 128
teṣāmato'dhikāro'sti mantreṣveteṣu […] |
bhogalipsurgṛhasthaścedimāmicchati sādhakaḥ ||128||

Deshalb besitzen jene ein Anrecht auf diese Mantras […] Wenn aber ein Haushälter als Sadhaka nach Genuss verlangt und diese [Lehre] begehrt …

Anmerkung: Fragment: Schlussgruppe der ersten Hälfte unlesbar. Haupttext bhogalipsu, „nach Genuss verlangend“; Fußnote ka bietet die fragliche Lesung mokṣalipsu, „nach Befreiung verlangend“. Beide nicht stillschweigend angeglichen; Folgesatz weiterzulesen. OCR-Ziffer 120 gemäß Folge als 128 gelesen.

Weitergabe, Entsagung und die Ausnahme für Haushälter

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 129
sadyaḥ patati śailāgrādvātabhugna iva drumaḥ |
yadyenaṃ yataye dadyādgṛhiṇe sa [na?] kadācana ||129||

… fällt er sogleich vom Gipfel, wie ein vom Wind gebrochener Baum. Wenn man diesen [Mantra] einem Entsagenden weitergibt – einem Haushälter [nicht?] jemals […]

Anmerkung: Fragment: Verneinung und Satzverbindung der zweiten Hälfte sind schon in der Quelle fraglich; keine eindeutige Übertragungsregel daraus konstruiert. OCR-Ziffer 126 gemäß Folge als 129 gelesen.

Vers 130
na gṛhastho gṛhasthāya sampradadyājjijīviṣuḥ |
pradātā saṅgrahītā ca kāmāllobhāddhaṭhādbalāt ||130||

Ein Haushälter, der weiterleben will, soll ihn keinem Haushälter weitergeben. Wer ihn aus Verlangen, Gier, Eigensinn oder Zwang gibt, und wer ihn so empfängt …

Vers 131
dattvā gṛhītvā patato narake janmajanmani |
putrāya bhaktiyuktāya kadāciddīyate na vā ||131||

… beide fallen nach diesem Geben und Empfangen Geburt um Geburt in die Hölle. Selbst einem hingebungsvollen Sohn wird er vielleicht gegeben, vielleicht auch nicht.

Anmerkung: Die Geheimhaltungs- und Sanktionsregeln werden als Textinhalt übersetzt, nicht als redaktionelle Zugangsregel.

Vers 132
kimutānyatra dātavyamityevaṃ brahmaśāsanam |
sanakaśca sanandaśca sanātanaḥ […] ||132||

Wie sollte er dann anderen weitergegeben werden? So lautet die Anordnung Brahmas. Sanaka, Sananda, Sanatana und […]

Anmerkung: Fragment: letzter Name unlesbar; die Liste folgt über mehrere Verse.

Vers 133
dattātreyaśca kapilo durvāsā nāradastathā |
jaigīṣavyaśca kaṇvaśca camasaḥ pippalāyanaḥ ||133||

… Dattatreya, Kapila, Durvasas und Narada, Jaigishavya und Kanva, Chamasa und Pippalayana …

Vers 134
mārkaṇḍeyo jāmadagnyaḥ śvetāśvatara eva ca |
[…] śaralomā ca śarabhaṅgaśca śārakaraḥ ||134||

… Markandeya, Jamadagnya und Shvetashvatara, […], Sharaloman, Sharabhanga und Sharakara …

Anmerkung: Fragment: erster Name der zweiten Hälfte fehlt. Śārakara bleibt als unsicherer Eigenname erhalten; nicht mit einem bekannteren Namen ersetzt.

Vers 135
antarīkṣaścopamanyuḥ karabhājana eva ca |
rājaśravā nāciketo'pyatharvā cāśvalāyanaḥ ||135||

… Antariksha und Upamanyu, Karabhajana, Rajashravas, Nachiketa, Atharvan und Ashvalayana …

Anmerkung: Rājaśravas entspricht dem sichtbaren OCR; nicht stillschweigend zu Vājaśravas geändert.

Vers 136
paiṭhīnasirvītahavyo raibhyaḥ kātyāyano'pi ca |
ete bhikṣusadharmāṇastyaktastrībhavavāsanāḥ ||136||

… Paithinasi, Vitahavya, Raibhya und Katyayana: Sie alle lebten nach der Ordnung der Bettelasketen und hatten das Verlangen nach Frauen und weltlichem Dasein aufgegeben.

Vers 137
parasparasya guravaḥ ṣaṇmantropāsakā matāḥ |
rājyasthā api bhūpālāḥ śrūyante yativṛttayaḥ ||137||

Sie gelten als Lehrer voneinander und als Verehrer der sechs Mantras. Man hört aber auch von Königen, die trotz ihrer Herrschaft die Lebenshaltung von Entsagenden besaßen.

Anmerkung: Die ungewöhnliche Formulierung „Lehrer voneinander“ bleibt erhalten; keine lineare Guru-Abfolge erfunden.

Vers 138
eṣāmupāsakā bhūtvā teruḥ saṃsārasāgaram |
surāṣṭrāśāstrayastriṃśatṣaṭṣaṣṭiśca trigartajāḥ ||138||

Als Verehrer dieser [Mantras] überquerten sie das Meer des Samsara: dreiunddreißig Herrscher von Surashtra und sechsundsechzig aus Trigarta …

Anmerkung: Zusammensetzung surāṣṭrāśāḥ im OCR nicht ganz sicher, Kontext nennt Könige.

Vers 139
haihayāḥ pañcapañcāśajjanakāḥ saptasaptatiḥ |
rājyaṃ kṛtvā mahīṃ bhuktvā nirvāṇāllebhire'mṛtam ||139||

… fünfundfünfzig Haihayas und siebenundsiebzig Janakas. Nachdem sie geherrscht und die Erde genossen hatten, erlangten sie durch Nirvāṇa Unsterblichkeit.

Vers 140
ato hyanavaliptasya strīhemabhavanādiṣu |
mumukṣorgṛhiṇo'pyeṣu bhavedevādhikāritā ||140||

Daher kann auch ein Haushälter, der Befreiung sucht und an Frau, Gold, Haus und Ähnlichem nicht haftet, zu diesen [Mantras] berechtigt sein.

Anmerkung: Explizite Ausnahme von der zuvor pauschalen Abgrenzung; nicht ausgelassen.

Vers 141
na tu bhogaprasaktasya gṛhiṇo viṣayaiṣiṇaḥ |
kurvataścaihikaṃ karma kāṅkṣato'mṛtamuttamam ||141||

Nicht aber ein Haushälter, der an Genuss hängt und Sinnesgegenstände sucht. Für einen, der weltliche Verrichtungen ausführt und [doch] höchste Unsterblichkeit ersehnt …

Anmerkung: Satzbezug der zweiten Hälfte nicht eindeutig; Anschluss an 142 wird ohne ergänzte Verbote erhalten.

Vers 142
gṛhṇīyānnaiva dadyāttu mantrānetān varānane |
grahītordhvagatiṃ gaccheddātā cādhogatiṃ tathā ||142||

… gilt: Er soll diese Mantras empfangen, sie jedoch nicht weitergeben, Schöngesichtige. Der Empfänger gelangt aufwärts, der Geber hingegen abwärts.

Anmerkung: So lautet die sichtbare Aussage. Nicht an Vers 131 angeglichen, der Geber und Empfänger gemeinsam verurteilt; abweichende Voraussetzungen oder ein Textproblem bleiben möglich.

Vers 143
etajjñātvā samāsena dānagrahaṇayoḥ phalam |
yasmai yathā rocate hi sa tadeva kariṣyati ||143||

Wer so in Kürze die Frucht des Gebens und Empfangens erkannt hat, wird tun, was ihm jeweils angemessen erscheint.

Warum die Lautanweisungen verschlüsselt sind

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 144
mantroddhārasya samayamathānyacchṛṇu kañcana |
bījānāṃ nāmabhistattadbījādau samupasthite ||144||

Höre nun noch eine weitere Regel der Mantraerschließung. Wenn die jeweiligen Bijas und anderen [Glieder] durch die Namen der Bijas unmittelbar vorlägen …

Anmerkung: Satz wird in der folgenden Strophe fortgesetzt.

Vers 144 (zweite Quellzählung)
sarvasādhāraṇāḥ sarvagamyāśca sulabhā api |
bhaviṣyantīti gūḍhārthastadarthamupakalpitaḥ ||144||

… wären sie allgemein verfügbar, allen zugänglich und leicht zu erlangen. Deshalb wurde für sie eine verborgene Bedeutung eingerichtet.

Anmerkung: Die Quellnummer 144 erscheint ein zweites Mal; interne Kennung 145 nur zur Datenverwaltung, nicht als erfundene Originalnummer.

Vers 146
tattacchabdādibhistattatparyāyānyapadādi |
pratyupasthāpiteṣveva tattadunneyamīśvari ||146||

Wenn durch die jeweiligen Wörter, ihre Synonyme oder andere Ausdrücke [etwas] vertreten wird, muss daraus jeweils das Gemeinte erschlossen werden, Herrin.

Anmerkung: Erste Hälfte grammatisch beschädigt, aber die Anweisung zur indirekten Bezeichnung ist verständlich; keine vollständige Chiffrenauflösung ergänzt.

Vers 147
upadeśenaiva gurorbhaveyuḥ prakaṭāḥ hi te |
tripuraghnenetadarthaṃ nibandho'yaṃ puroditaḥ ||147||

Nur durch die Unterweisung des Guru werden sie offenbar. Zu diesem Zweck hat der Zerstörer Tripuras einst diese Anordnung ausgesprochen.

Anmerkung: Tripuraghna: Shiva als Zerstörer der drei Städte.

Śāmbhava: Erschließung und Verehrung

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 148
atha śāmbhavamantrasya samuddhāraṃ niśāmaya |
idaṃ prāthamikaṃ dvāraṃ brahmaṇi pratitiṣṭhatām ||148||

Vernimm nun die Erschließung des Śāmbhava-Mantras. Dies ist das erste Tor für diejenigen, die in Brahman festen Stand gewinnen.

Vers 149
traivarṇikaśca prakṛtirninādo yogavatyapi |
rūpādiśūnyanirvācyaśikhare tadanantaram ||149||

[Setze] Traivarṇika, Prakṛti, Nināda und Yogavatī; danach Rūpādiśūnya, Nirvācya und Śikhara.

Anmerkung: Verschlüsselte Lautnamen; Worttrennung der zweiten Hälfte unsicher, insbesondere nirvācya/anirvācya. Keine vermuteten Silben eingesetzt.

Vers 150
avabodhakaśaktyuccairetannāmāṅkurādimaḥ |
navākṣaraḥ śāmbhavo'yaṃ janmatūladavānalaḥ ||150||

[Es folgen] Avabodhaka, Śakti und Uccaiḥ […] am Anfang der Namenskeim […]. Dieser neunsilbige Śāmbhava ist ein Waldbrand für die Baumwolle der Geburten.

Anmerkung: Fragment: erste Vershälfte hinsichtlich Verbindung und Anweisung nicht zuverlässig vollständig verständlich. Die neun Silben werden nicht aus den Decknamen erraten.

Vers 151
yathā grīṣmartugharmeṇa himānī pravilīyate |
evamasyopadeśena līyante janmakoṭayaḥ ||151||

Wie eine Schneemasse durch die Hitze des Sommers schmilzt, so lösen sich durch die Unterweisung in diesem [Mantra] Millionen von Geburten auf.

Vers 152
praviśanti samudreṣu yathā nadanadīgaṇāḥ |
svaṃ rūpaṃ pratimucyaiva yānti tanmayarūpatām ||152||

Wie die Scharen der Ströme und Flüsse in die Meere eingehen, ihre eigene Gestalt ablegen und deren Wesen annehmen …

Vers 153
evaṃ nāmākārajātideśakālavivarjitaḥ |
etanmantropāsakastu yāti brahmamayātmatām ||153||

… so gelangt der Verehrer dieses Mantras, frei von Name, Gestalt, Geburtsgruppe, Ort und Zeit, zu einem Selbstsein, das ganz Brahman ist.

Vers 154
etadālambanaṃ śreṣṭhametadālambanaṃ param |
etadālambanaṃ jñātvā yo yadicchati tasya tat ||154||

Dies ist die beste Stütze, dies die höchste Stütze. Wer diese Stütze erkennt, dem wird zuteil, was er ersehnt.

Anmerkung: Ālambana: meditative Stütze bzw. Bezugspunkt; die offene Wunschformel wird nicht auf ein engeres Ziel umgeschrieben.

Vers 155
bhidyate hṛdayagranthiśchidyante sarvasaṃśayāḥ |
kṣīyante cāsya karmāṇi mantre'muṣminnupāsite ||155||

Der Knoten des Herzens wird gelöst, alle Zweifel werden zerschnitten, und seine karmischen Bindungen schwinden, wenn dieser Mantra verehrt wird.

Anmerkung: Die Herausgeberfußnote verweist auf Muṇḍaka-Upaniṣad 2.2.8. Hier wird die tatsächlich vorhandene, auf Mantraverehrung bezogene Fassung übersetzt; kein fremder Versschluss eingesetzt.

Vers 156
imāṃ tu japato vidyāṃ muñcato bhavavāsanām |
kimanyairvedavedāntopaniṣadgranthakoṭibhiḥ ||156||

Wer diese Vidya rezitiert und die Neigung zum Werden loslässt – wozu braucht er noch Millionen anderer Schriften über Veda, Vedanta und Upanishaden?

Anmerkung: Rhetorischer Vorranganspruch des Mantra-Lobpreises.

Vers 157
mahimānaṃ śambhurasya vetti nānyaḥ suro'pi cet |
jñāsyanti kiṃ punarlokā bhogaihikaphalepsavaḥ ||157||

Shambhu kennt seine Größe, kein anderer Gott. Wie sollten sie dann Menschen kennen, die Genuss und weltliche Früchte begehren?

Vers 158
upāsanā tu bhinnāsya sāgre prakaṭayiṣyate |
mahārudra ṛṣistvasya bṛhatīcchanda ucyate ||158||

Seine Verehrungsweise ist jedoch eine besondere; sie wird später offenbar gemacht. Sein Rishi ist Maharudra, sein Metrum heißt Brihati.

Vers 159
śāmbhavī guhyakālī ca devatā parikīrtitā |
praṇavo bījamuddiṣṭaṃ śākinī śaktireva ca ||159||

Als Gottheit wird Śāmbhavī Guhyakali genannt. Der Pranava ist als Bija angegeben, Shakini als Shakti.

Anmerkung: Pranava bezeichnet die heilige Silbe Om; die Quelle nennt hier ihren Namen.

Mahāśāmbhava: Formel und innere Ausrichtung

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 160
trapā kīlakamuddiṣṭaṃ viniyogastu muktaye |
idānīmavadhehi tvaṃ mahāśāmbhavamuttamam ||160||

Trapā ist als Kilaka angegeben; die Anwendung dient der Befreiung. Vernimm nun aufmerksam den höchsten Mahāśāmbhava.

Anmerkung: Trapā ist hier ein ritueller Deckname, wörtlich „Scheu“; keine Bija-Gestalt daraus ergänzt.

Vers 161
yamekavāramuccārya bhavābdhau na patejjanaḥ |
garbhajanmamṛtitrātā girāmudbhava eva ca ||161||

Wer ihn ein einziges Mal ausspricht, fällt nicht in das Meer des Werdens. [Für die Formel:] Garbhajanmamṛtitrātṛ, „Retter aus Mutterleib, Geburt und Tod“, und Girāmudbhava, „Ursprung der Worte“.

Anmerkung: Der zweite Halbvers beginnt offenbar die Folge verschlüsselter Lautbezeichnungen; nicht als ausgeschriebene Formel ausgegeben.

Vers 162
tridaśānāṃ mandiraṃ ca martyapañcamukho'pi ca |
vanitā raktapā siddhā dīptāviśvāntaśuddhake ||162||

[Es folgen] Tridaśānāṃ Mandira, „Wohnstatt der Götter“, und Martyapañcamukha; Vanitā, Raktapā, Siddhā, Dīptā, Viśvānta und Śuddhaka.

Anmerkung: Lautchiffren und ihre Trennung, besonders am Versende, nicht völlig sicher. Verständliche Wörter werden als Decknamen bewahrt, keine Mantra-Silben erschlossen.

Vers 163
haimavīryādhānaśṛṅgāntadvīpaśikhare tataḥ |
sarvoccādyoccamasyānu kalpātpañcāṅkurī tataḥ ||163||

Danach [die Decknamen] Haima, Vīryādhāna, Śṛṅgānta, Dvīpa und Śikhara; darauf Sarvocca, Ādyocca […] nach Kalpa dann Pañcāṅkurī.

Anmerkung: Fragment: Wortgrenzen und Verknüpfungen der Chiffren nicht durchgängig gesichert; keine Silbenfolge rekonstruiert.

Vers 164
iyaṃ pañca [sapta?]daśī khyātā mahāśāmbhavanāmikā |
śiva eva bhavetsākṣādetasya pratyahaṃ japāt ||164||

Diese fünfzehn- [oder siebzehn-?]silbige [Formel] ist unter dem Namen Mahāśāmbhava bekannt. Durch ihre tägliche Rezitation wird man unmittelbar Shiva selbst.

Anmerkung: Silbenzahl bereits in der Quelle fraglich; nicht durch Zählung vermuteter Bijas entschieden.

Vers 165
mukta eva sa vai kintu tattvākṛtidharaḥ paraḥ |
ṛṣirmahāśambhurasya chando'tijagatī tathā ||165||

Er ist wahrlich befreit, der Höchste, der jedoch noch eine Gestalt aus Tattvas trägt. Sein Rishi ist Mahashambhu, sein Metrum Atijagati.

Anmerkung: Erste Hälfte in der vorliegenden Wortgestalt leicht unsicher; tattvākṛti als aus den Wirklichkeitsprinzipien bestehende Erscheinungsform verstanden.

Vers 166
guhyakālī mahāśāmbhavī tathā devatā matā |
vyayabījaṃ bhavedbījaṃ nāndikaṃ śaktirucyate ||166||

Guhyakali Mahāśāmbhavī gilt als Gottheit. Das Vyaya-Bija ist das Bija; Nāndika wird als Shakti bezeichnet.

Anmerkung: Decknamen vyaya und nāndika bleiben unaufgelöst.

Vers 167
kṛtyā tathā kīlakaṃ ca tattvaṃ brahma prakīrtyate |
prayogo'sya bhavejjīvanmuktaye parameśvari ||167||

Kṛtyā ist das Kilaka; als Tattva wird Brahman genannt. Seine Anwendung dient der Befreiung zu Lebzeiten, höchste Herrin.

Vers 168
imaṃ japaṃ na kurvīta karmaṇāṃ phalakāṅkṣayā |
kriyāmekāṃ vidadhyātsa phalavāsanayojjhitām ||168||

Diese Rezitation soll man nicht aus Verlangen nach den Früchten von Handlungen vollziehen. Man soll nur die eine Verrichtung ausführen, frei vom Begehren nach ihrer Frucht …

Anmerkung: Der nächste Vers erläutert die hier gemeinte Verrichtung.

Vers 169
bhasmoddhūlanarudrākṣadhāraṇarūpiṇīṃ priye |
nālāpamācaretkaiścinna bāhye dṛṣṭimīrayet ||169||

… nämlich das Bestäuben mit Asche und das Tragen von Rudraksha, Geliebte. Man soll mit niemandem Gespräche führen und den Blick nicht nach außen richten.

Anmerkung: Historische asketische Regel; keine allgemeine heutige Alltagsempfehlung.

Vers 170
antarniṣṭhaḥ sadā bhūyādbrahmārpitamanaḥkriyaḥ |
āhārārthaṃ karma kuryādanindyaṃ kuryādāhāraṃ prāṇasandhāraṇārtham |
prāṇā dhāryāstattvajijñāsanārthaṃ tattvaṃ jijñāsyaṃ yena bhūyānna bhūyaḥ ||170||

Stets soll man im Inneren ruhen, Geist und Handeln Brahman dargebracht. Um Nahrung zu erwerben, soll man untadelige Arbeit tun; Nahrung soll man zur Erhaltung des Lebens aufnehmen. Das Leben soll erhalten werden, um die Wirklichkeit zu erforschen; die Wirklichkeit soll erforscht werden, damit man nicht erneut ins Werden eintritt.

Anmerkung: Längere nummerierte Einheit vollständig übernommen; keine künstliche Aufteilung in weitere Versnummern.

Vers 171
evaṃ kurvan sa siddhaḥ syānmahāśāmbhavike pade |
jātedṛgvidharūpasya narasya kṛtakṛtyatā ||171||

Wer so handelt, wird auf der Mahāśāmbhava-Stufe vollendet. Ein Mensch, der diese Beschaffenheit erreicht hat, hat vollbracht, was zu vollbringen war.

Turīyā: die neunsilbige Befreiungsvidya

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 172
atha […] turīyāyāḥ samuddhāraṃ varānane ||172||

Nun […] die Erschließung der Turīyā, Schöngesichtige.

Anmerkung: Fragment: Verb im OCR unlesbar; nummerierter Halbvers, kein zweiter Halbvers ergänzt.

Vers 173
mahāśāmbhavato'pyenāṃ tvaṃ manyasva mahīyasīm |
yato nirvāṇabījatvenoditā tripurāriṇā ||173||

Betrachte sie als noch größer als Mahāśāmbhava, denn der Feind Tripuras hat sie als Samen des Nirvāṇa bezeichnet.

Anmerkung: Tripurāri: Shiva.

Vers 174
pañcāviṃśatyabdhi [?]mādau tato'nṛjumanantaram |
nigamākrāntamasyānu […] tataḥ ||174||

Am Anfang [der Deckname] Pañcāviṃśatyabdhi [?], unmittelbar danach Anṛju; darauf Nigamākrānta, danach […]

Anmerkung: Fragment: erste Chiffre schon in der Quelle fraglich, letzter Teil unlesbar. Keine passenden Bijas ergänzt.

Vers 175
advaividhyamataḥ śṛṅgaṃ śṛṅgamanyātmakaṃ tataḥ |
tato daihikayantrāntā hitāṃ kuruyugaṃ priye ||175||

Dann Advaividhya, Śṛṅga und ein weiteres Śṛṅga anderer Beschaffenheit; danach Daihikayantrāntā und […] das Paar kuru, Geliebte.

Anmerkung: Fragment: Schlussanweisung unsicher. Variante ṅa liest hitāṅkurayugam, „Paar der Hita-Keime“, statt hitāṃ kuruyugam; beide nicht zu einer gesicherten Formel verschmolzen.

Vers 176
caturthyaṅkuramasyānu sarvaśeṣe prayojayet |
mahāvidyā turīyeyaṃ muktidātrī navākṣarī ||176||

Danach soll man ganz am Ende den Caturthī-Keim einsetzen. Diese neunsilbige Mahavidya Turīyā gewährt Befreiung.

Anmerkung: Caturthī kann hier auf eine Dativendung oder einen Lautdecknamen verweisen; nicht stillschweigend als namaḥ oder eine bestimmte Silbe ausgeschrieben.

Turīyā und die Sprache der Upanishaden

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 177
jāgratsvapnasuṣuptyādiprapañcaṃ yatprakāśate |
tebhyo vilakṣaṇā jñeyā cinmātraikaprakāśinī ||177||

Von der erscheinenden Welt des Wachens, Träumens und Tiefschlafs ist sie als verschieden zu erkennen: Sie lässt einzig reines Bewusstsein aufleuchten.

Anmerkung: Erste Hälfte sprachlich etwas uneben; keine fremde Upanishadenfassung eingesetzt.

Vers 178
[…] paraṃ brahma sarvātmā viśvasyāyatanaṃ mahat |
sūkṣmātsūkṣmataraṃ nityaṃ tatturīyāpadābhidham ||178||

[…] das höchste Brahman, das Selbst aller, die große Wohnstatt des Alls, feiner als das Feinste, ewig: Das wird mit dem Wort Turīyā bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: erstes Wort unlesbar. Herausgeber vergleicht Kaivalya-Upaniṣad 1.16, weist aber auf deren anderen Schluss hin; hier bleibt der Turīyā-Schluss des vorhandenen Grundtextes.

Vers 179
asyāmevākhilaṃ viśvamasyāmevākhilaṃ mahaḥ |
asyā eva prapañco'yamiti jñātvā pramucyate ||179||

In ihr allein ist das ganze All, in ihr allein alles Licht. „Diese Weltentfaltung stammt allein aus ihr“ – wer dies erkennt, wird befreit.

Anmerkung: OCR-Ziffer 176 gemäß Folge als 179 gelesen.

Vers 180
etasyā jāyate prāṇo manaḥ sarvendriyāṇi ca |
khaṃ vāyurjyotirāpaśca pṛthivī viśvadhāriṇī ||180||

Aus ihr entstehen der Lebensatem, der Geist und sämtliche Sinne, Raum, Wind, Licht, Wasser und die Erde, die das All trägt.

Vers 181
triṣu dhāmasu yadbhogyaṃ bhoktā bhogaśca yadbhavet |
tebhyo bhinnatamaḥ sākṣī cinmātro'haṃ sadāśivaḥ ||181||

Was in den drei Zuständen Gegenstand des Erlebens, Erlebender und Erleben ist: Von all dem ganz verschieden bin ich als Zeuge, reines Bewusstsein, Sadashiva.

Anmerkung: Trīṇi dhāmāni im Zusammenhang von 177 als die drei Bewusstseinszustände verstanden. Anfang im OCR beschädigt, die geringe Unsicherheit dieser Lesung bleibt vermerkt.

Vers 182
eṣa vai panthā amṛtasya loke nānyā kācidvidyate mokṣadātrī |
aprāpyaināṃ jñānino buddhidoṣādanyeṣvasāreṣvāgrahaṃ sañcaranti ||182||

Dies ist wahrlich der Weg zur Unsterblichkeit in der Welt; keine andere [Vidya] gewährt Befreiung. Ohne sie erlangt zu haben, versteifen sich selbst Wissende wegen eines Mangels ihrer Einsicht auf andere, wesenlose Dinge.

Anmerkung: Exklusiver Heilsanspruch der Lehrrede.

Vers 183
imāṃ vācā manasā karmaṇā ye antarviṣṭā muktimārge jayanti |
sūryadvāreṇa te virajāḥ prayānti yatrāmṛtaḥ sa puruṣo hyavyayātmā ||183||

Diejenigen, die mit Wort, Geist und Tat in sie eingegangen sind und auf dem Befreiungsweg siegen, ziehen frei von Befleckung durch das Sonnentor dorthin, wo jener unsterbliche Purusha ist, dessen Selbst unvergänglich ist.

Anmerkung: Hauptlesung antarviṣṭā, „ins Innere eingegangen“; Varianten kha/ṅa antarniṣṭhāḥ, „im Inneren gegründet“. Kein Wechsel zur Variante notwendig.

Vers 184
etāṃ jānītha sadasadvareṇyaṃ paraṃ vijñānādyadvariṣṭhaṃ janānām |
yadarcimadyadaṇubhyo'ṇu ca yasmin lokā nihitā lokinaśca ||184||

Erkennt sie: das Verehrungswürdige jenseits [bzw. als Grund] von Sein und Nichtsein, das über unterscheidendes Wissen hinaus Höchste für die Menschen, leuchtend, feiner als das Feinste, in dem die Welten und ihre Bewohner ruhen.

Anmerkung: Verbindung sad-asad-vareṇya und Kasus der zweiten Gruppe im OCR unsicher; die Deutung als „jenseits“ bleibt ausdrücklich qualifiziert. Lesbarer Umfang vollständig übersetzt.

Vers 185
turīyā dhanuḥ śaro hyātmā brahma tallakṣyamucyate |
apramattena boddhavyaṃ śaravattanmayo bhavet ||185||

Turīyā ist der Bogen, das Selbst der Pfeil; Brahman wird das Ziel genannt. Wach und unachtsamkeitsfrei soll man es erkennen und wie ein Pfeil ganz mit ihm eins werden.

Anmerkung: Haupttext boddhavyam, „zu erkennen“, wird bewahrt; nicht an die vom Herausgeber verglichene Muṇḍaka-Upaniṣad 2.2.4 mit ihrer üblichen Schussmetapher angeglichen.

Vers 186
yayā sarvān janmapāśāṃśchinatti yayā brahmaṇyeva līyate satyam |
tāmevaikāṃ jānatha turīyāmanyā vāco muñcathāmṛtasyaiṣa setuḥ ||186||

Durch sie zerschneidet man alle Fesseln der Geburt; durch sie geht man wahrhaftig in Brahman auf. Erkennt allein diese Turīyā und lasst andere Reden los: Dies ist die Brücke zur Unsterblichkeit.

Anmerkung: Zeilenumbruch im OCR nach turīyā- verdeckt den Anschluss anyā vācaḥ; die aus dem Satz klar erkennbare Wortgrenze wiederhergestellt. Kein zusätzlicher Inhalt übernommen.

Vers 187
aśabdamasparśamarūpamavyayaṃ tathārasaṃ nityamagandhavacca yat |
anādya[na?]ntaṃ mahataḥ paraṃ dhruvaṃ vicārya […] mṛtyumukhātpramucyate ||187||

Was ohne Laut, Berührung und Gestalt, unvergänglich, ohne Geschmack, ewig und ohne Geruch ist, ohne Anfang [und Ende?], jenseits des Großen und beständig: Wer es betrachtet […], wird aus dem Rachen des Todes befreit.

Anmerkung: Fragment: ananta-Verbindung schon in der Quelle fraglich, ein kleines Wort nach vicārya beschädigt. Herausgeber verweist auf Kaṭha-Upaniṣad 1.3.15; deren vollständiger Wortlaut wird nicht ersatzweise eingesetzt.

Vers 188
avidyāyāmantare vartamānāḥ svayaṃ[…] paṇḍitaṃ manyamānāḥ |
dandahyamānāḥ pariyanti mūḍhā andheneva nīyamānā yathāndhāḥ ||188||

Mitten in Unwissenheit lebend, selbst […] und sich für gelehrt haltend, irren die Verblendeten umher, von Leiden verbrannt, wie Blinde, die von einem Blinden geführt werden.

Anmerkung: Fragment: Wort nach svayam beschädigt; das aus einer Parallelüberlieferung bekannte dhīrāḥ nicht ohne belegte Lesung eingesetzt. Dandahyamānāḥ nach vorhandenem Text; Fußnote ka hat die andere Lesung jaṅghanyamānāḥ.

Vers 189
yastu vijñānavān bhavati yuktena manasā sadā |
tasyendriyāṇi vaśyāni sadaśvā iva sāratheḥ ||189||

Wer aber Erkenntnis besitzt und dessen Geist stets gesammelt ist, dessen Sinne sind beherrschbar wie gute Pferde für ihren Wagenlenker.

Vers 190
yastvavijñānavān bhavatyamanaskaḥ sadāśuciḥ |
na sa tatpadamāpnoti saṃsāraṃ cādhigacchati ||190||

Wer dagegen keine Erkenntnis besitzt, ungesammelt und stets unrein ist, erreicht jene Stätte nicht, sondern gerät in den Daseinskreislauf.

Anmerkung: OCR-Ziffer 160 gemäß Folge als 190 gelesen; zusätzliche abweichende Strophe aus der Fußnote folgt separat.

Unnummerierter Text
yastu vijñānavān bhavati samanaskaḥ sadā śuciḥ |
sa tu tatpadamāpnoti yasmādbhūyo'bhijāyate ||

Wer jedoch Erkenntnis besitzt, gesammelt und stets rein ist, erreicht jene Stätte, aus der er erneut geboren wird.

Anmerkung: Zusatz der Fußnotenzeugen kha/gha. Im vorhandenen Wortlaut fehlt die bei einer Befreiungsaussage zu erwartende Verneinung vor abhijāyate. Daher die widersprüchliche Aussage wortgetreu wiedergegeben und nicht stillschweigend mit einer bekannten Parallelstelle repariert.

Vers 191
kiṃ te dāraiḥ kiṃ dhanaiḥ kiṃ ca bhogairbhūyobhūyaḥ patatāṃ janmasindhau |
turīyāṃ vai japathājasramevaṃ svasti vaḥ pārāya tamasaḥ parastāt ||191||

Was nützen euch Ehepartner, Reichtümer und Genüsse, wenn ihr immer wieder ins Meer der Geburten fallt? Rezitiert vielmehr unablässig Turīyā. Heil euch beim Übergang an das andere Ufer, jenseits der Finsternis!

Anmerkung: OCR-Ziffer 161 gemäß Folge als 191 gelesen; asketische Aufforderung der historischen Lehrrede.

Vers 192
nāvirato duścaritānnāśānto nāsamāhitaḥ |
nāśāntamānaso vāpi sa prajñānenainamāpnuyāt ||192||

Wer von schlechtem Handeln nicht abgelassen hat, nicht friedvoll, nicht gesammelt und im Geist nicht zur Ruhe gekommen ist, kann ihn auch durch Erkenntnis nicht erreichen.

Ritualfaktoren der Turīyā

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 193
athāsyā ṛṣidevatye chandobīje niśāmaya |
kīlakaṃ ca varārohe ṛṣiḥ parasadāśivaḥ ||193||

Vernimm nun ihren Rishi, ihre Gottheit, ihr Metrum, ihr Bija und ihr Kilaka, Schöngestaltete. Der Rishi ist Parasadashiva.

Vers 194
turīyā […] ca devatā parikīrtitā |
chandaḥ pratiṣṭhā samproktaṃ praṇavaṃ bījamucyate ||194||

Turīyā […] wird als Gottheit genannt. Das Metrum heißt Pratishtha, als Bija wird der Pranava bezeichnet.

Anmerkung: Fragment: weiterer Göttinnenname im OCR unlesbar; nicht automatisch Guhyakali eingesetzt.

Vers 195
māyā ca kīlakaṃ jñeyaṃ yogo bhedāpanuttaye |
iti te kathito devi turīyāmantra uttamaḥ ||195||

Maya ist als Kilaka zu verstehen; die Anwendung dient dem Aufheben der Getrenntheit. Damit habe ich dir, Göttin, den höchsten Turīyā-Mantra dargelegt.

Anmerkung: Bheda: Unterscheidung bzw. Trennung; hier im Kontext des Einswerdens.

Vers 196
ākhyātā śrutirapyasyā mahimapratipādikā |
yatrāsyā mahimānaṃ hi […] kathayati svayam ||196||

Auch die Shruti, die ihre Größe darlegt, wurde vorgetragen; in ihr spricht […] selbst von ihrer Größe.

Anmerkung: Fragment: Subjekt im Haupttext beschädigt. Fußnote ka bietet „die Veden selbst verkünden“, vedāḥ kathayanti svayam; abweichende grammatische Fassung nicht verschmolzen. Die vorangehenden Upanishadenparallelen werden vom Text als Shruti eingeführt.

Mahāturīyā: Erschließung und Stellung

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 197
tantrādayastu tatrānye kathayiṣyanti kiṃ priye |
enāmevātaḥ paraṃ hi […] niśāmaya ||197||

Was könnten da andere Tantras und weitere [Schriften] noch sagen, Geliebte? Vernimm nun dieselbe als […]

Anmerkung: Fragment: Bezeichnung vor niśāmaya unlesbar. Überschrift nennt Mahāturīyā; der fehlende Wortlaut wird nicht als sicherer Sanskrittext ergänzt. OCR-Ziffer 167 gemäß Folge als 197 gelesen.

Vers 198
iyameva parākāṣṭhā sarvamantrānupāsatām |
yayā na śocate martyo janmamṛtyū bhavārṇave ||198||

Sie allein ist der höchste Gipfel für die Verehrer aller Mantras. Durch sie beklagt der Sterbliche Geburt und Tod im Meer des Werdens nicht mehr.

Anmerkung: OCR-Ziffer 168 gemäß Folge als 198 gelesen.

Vers 199
deśakālajanurjātimamatehāvivarjitaḥ |
parabrahmamayākāro brahmasāyujyamāpnuyāt ||199||

Frei von Ort, Zeit, Geburt, Geburtsgruppe, Mein-Gefühl und Verlangen nimmt er ganz die Gestalt des höchsten Brahman an und erlangt Vereinigung mit Brahman.

Vers 200
asyāḥ […] yatnataḥ parameśvari |
dhvanikālo'nu nikhilāmnāyaṃ nigaḍameva ca ||200||

[…] dieser [Vidya] aufmerksam, höchste Herrin. [Die Lautanweisung nennt] Dhvani und Kāla, danach Nikhilāmnāya und Nigaḍa.

Anmerkung: Fragment: Einleitungsverb unlesbar; Worttrennung dhvani/kāla gegenüber einem zusammengesetzten Decknamen nicht völlig gesichert. Keine Bijas ergänzt.

Vers 201
sṛṣṭisthitītaratkṣmājaṃ ratnasrajamathāpi ca |
chāyāsaṃjñaṃ muhuranāgamanākhyaṃ […] ||201||

[Es folgen] Sṛṣṭi, Sthiti, Itarat, Kṣmāja und Ratnasraj; die Chiffre Chāyā, wiederholt, und die sogenannte Anāgamana […]

Anmerkung: Fragment: Ende unlesbar; Trennung der verschlüsselten Lautnamen teilweise unsicher. Anāgamana heißt wörtlich „Nichtwiederkommen“, hier aber ein nicht aufgelöster Deckname.

Vers 202
advitīyātmatāśuddhaṃ viśeṣendriyajoccakam |
darpādhikyākhyaśikharaṃ bṛṃhaṇapracuroccaret ||202||

Man spreche [die Chiffren] Advitīyātmatāśuddha, Viśeṣendriyajoccaka, das als Darpādhikya bezeichnete Śikhara und Bṛṃhaṇapracura.

Anmerkung: Wortgrenzen und genaue Lautanweisung sind unsicher. Die lesbaren Decknamengruppen werden bewahrt, nicht in eine vermeintlich sichere Mantraformel umgewandelt.

Vers 203
dvitīyayugayugmaṃ ca varṣapāpāṅkure param |
jñānasāmarthyayugalaṃ tataḥ paramudīrayet ||203||

Dann spreche man das Paar Dvitīyayuga, darauf die Keime Varṣa und Pāpa; anschließend das Paar Jñāna und Sāmarthya.

Anmerkung: Chiffrenfolge, deren Wortteilung nicht völlig sicher ist. Varianten kha/ṅa lesen pāpāṅkuram ataḥ param, „danach den Pāpa-Keim“, statt der Haupttextgruppe varṣapāpāṅkure param; keine stillschweigende Angleichung.

Vers 204
mahāturīyānāmnīyaṃ mahāsaptadaśī matā |
yathā sudhoddhṛtā devairnirmathya kṣīrasāgaram ||204||

Diese als Mahāturīyā bezeichnete [Formel] gilt als großer Siebzehnsilber. Wie die Götter den Milchozean quirlen ließen und den Nektar herausholten …

Vers 205
tathāgamārṇavaṃ nirmathya mahāturyā mayoddhṛtā |
mayoddhṛtā yadyapīyaṃ mayaivaiṣā prakīrtitā ||205||

… so habe ich den Ozean der Agamas gequirlt und Mahāturīyā hervorgeholt. Obwohl ich sie hervorgeholt und selbst verkündet habe …

Anmerkung: Āgamārṇava aus leicht beschädigtem OCR mit Hilfe des unmittelbar gegebenen Ozeanvergleichs gelesen; keine zusätzliche Quellpassage eingesetzt.

Vers 206
mahimānaṃ tathāpyasyāḥ vaktuṃ śaknomi neśvari |
vedāntopaniṣatsāṃkhyayogeṣvasyā varānane ||206||

… kann ich dennoch ihre Größe nicht aussprechen, Herrin. In Vedanta, Upanishaden, Samkhya und Yoga, Schöngesichtige …

Vers 207
prabhāvo varṇitaḥ kṛtsno brahmavidyāprakāśiṣu |
ajñānānnoditaṃ sarvaistantrayāmalaḍāmaraiḥ ||207||

… die das Wissen von Brahman erhellen, wird ihre ganze Wirkkraft beschrieben. Von den Tantras, Yamalas und Damaras wurde dies aus Unkenntnis nicht ausgesprochen.

Anmerkung: Polemische Einordnung anderer tantrischer Textgruppen durch den Grundtext; keine pauschale historische Feststellung der Redaktion.

Shruti-Zitate und ihre tantrische Deutung

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 208
mayā vyāhriyamāṇaṃ taṃ tattaduktaṃ niśāmaya |
andhaṃ tamaḥ praviśanti ye avidyāmupāsate ||208||

Höre, wie ich wiedergebe, was dort jeweils gesagt wird: In blinde Finsternis gehen diejenigen ein, die Avidya verehren.

Anmerkung: Avidyā heißt Unwissenheit; der Text deutet das Wort in 209–210 ausdrücklich auf andere Mantras. Herausgeber verweist für die zitierte Passage auf die Isha-Upanishad.

Vers 209
tato bhūya iva te tamo yatra vidyāyāṃ ratāḥ |
andhaṃ tamo janmamṛtyumetanmantretaro manuḥ ||209||

In gleichsam noch größere Finsternis [gehen] jene, wo sie sich an Vidya erfreuen. „Blinde Finsternis“ bedeutet Geburt und Tod; ein anderer Mantra als dieser …

Anmerkung: Die grammatisch auffällige Lesung yatra vidyāyāṃ ratāḥ steht so im Haupttext; nicht durch die in der Fußnote genannte Upanishadenfassung ersetzt. Der folgende Halbvers setzt die besondere Deutung fort.

Vers 210
avidyeti samākhyātā gūḍhametattavoditam |
asūryā nāma te lokā andhena tamasāvṛtāḥ ||210||

… wird Avidya genannt. Diese verborgene Bedeutung wurde dir erklärt. „Sonnenlos“ heißen jene Welten, von blinder Finsternis umhüllt …

Anmerkung: Die Deutung von Avidya auf fremde Mantras stammt ausdrücklich aus dieser Lehrrede. Lesung asūryā nach dem vorhandenen OCR amūryā im klaren Wortzusammenhang, geringe Zeichenunsicherheit vermerkt.

Vers 211
tāṃste pretyābhigacchanti ye'vidvāṃsa imāṃ janāḥ |
mahāturīyāṃ cejjānīyādiyametā dṛśīti vā ||211||

… in diese gehen nach dem Tod jene Menschen ein, die sie nicht kennen. Wenn man aber Mahāturīyā als das erkennt, was sie ist …

Anmerkung: Herausgeberfußnote nennt ausdrücklich den abweichenden Wortlaut der Isha-Upanishad 3. Hier bleibt die auf die Göttin bezogene Hauptfassung erhalten.

Vers 212
kimicchan kasya kāmāya śarīramanusañcaret |
neyaṃ śuklā na ca raktā na pītā na piṅgalā haritā lohitā vā |
panthāścaiṣo brahmaṇehānucintā tayaiveti brahmavitpuṇyakṛcca ||212||

… was sollte man dann noch wünschen, um wessen Begehren willen dem Körper folgen? Sie ist weder weiß noch rot, weder gelb noch gelbbraun, weder grün noch blutrot. Die betrachtende Ausrichtung ist hier der Weg zu Brahman; durch sie geht der Brahman-Kenner, der Verdienstvolle, dorthin.

Anmerkung: Längere nummerierte Einheit. Verbindung brahmaṇehānucintā nicht völlig sicher; Sanskrit unverändert in der erkennbaren Wortgestalt bewahrt. Variante zu anusañcaret: sañjvaret, „sich quälen/erhitzen“; nicht vermischt.

Vers 213
mahāturīyā yeyamuktā mayā te nājñaḥ […] mahābhāga etām |
prāptuṃ śaknotyeṣa ādeśa īśenoktaḥ pūrvaṃ tripuraghnena devi ||213||

Diese Mahāturīyā, die ich dir verkündet habe, kann kein Unwissender […] erlangen; ein vom Glück Begünstigter vermag sie zu erreichen. Diese Anordnung hat einst der Herr, der Zerstörer Tripuras, ausgesprochen, Göttin.

Anmerkung: Fragment: Verbindung der zweiten Verszeile beschädigt; Varianten kha/ṅa bieten pāponā, offenbar eine auf Sündhaftigkeit bezogene Lesung. Kein zusätzliches eindeutiges Verbot daraus konstruiert.

Vers 214
manasaivānudraṣṭavyaṃ neha nānāsti kiñcana |
mṛtyoḥ sa mṛtyumāpnoti ya iha nāneva paśyati ||214||

Allein mit dem Geist ist es zu erschauen. Hier gibt es keinerlei Vielheit. Von Tod zu Tod gelangt, wer hier gleichsam Vielheit sieht.

Vers 215
tāmeva dhīro vijñāya prajñāṃ kurvīta brāhmaṇaḥ |
nānudhyāyādbrahma śabdān vāco viglāpanaṃ hi tat ||215||

Nachdem er sie erkannt hat, soll der besonnene Brahmane seine Einsicht festigen. Er soll nicht über […] Worte grübeln; das wäre bloß Ermüdung der Rede.

Anmerkung: Fragment: Haupttext brahma śabdān ergibt hier keine sichere Verbindung; Fußnoten kha/ṅa bahūñ chabdān, „viele Worte“, als plausible Parallelfassung kenntlich, aber nicht stillschweigend eingesetzt.

Vers 216
evaṃ mahāturīyāyā mahimāno'mitāḥ priye |
śakyante kena vā vaktuṃ tasyāḥ sarve yathārthataḥ ||216||

So sind Mahāturīyās Herrlichkeiten unermesslich, Geliebte. Wer könnte sie alle so aussprechen, wie sie wirklich sind?

Vers 217
ākarṇayata ṛṣyādīn manorasya mayoditān |
anādīśvaranāmāsya ṛṣirukto varānane ||217||

Höre nun die von mir genannten Faktoren dieses Mantras, beginnend mit dem Rishi. Sein Rishi wird Anadi-Ishvara genannt, Schöngesichtige.

Anmerkung: Anādi-Iśvara: „anfangloser Herr“; die Anredeform ākarṇayata im Quellentext auffällig, ohne Sinnverlust als Aufforderung übersetzt.

Vers 218
chandaḥ pratiṣṭhā kathitā suvarṇaprathamā punaḥ |
mahāturīyopapadādguhyakālī ca devatā ||218||

Das Metrum wird Pratishtha genannt; ferner Suvarṇaprathamā […]. Die Gottheit ist Guhyakali mit dem vorangestellten Namen Mahāturīyā.

Anmerkung: Fragment: Funktion der Wendung suvarṇaprathamā nicht sicher; weder als zweites Metrum noch als zusätzliche Ritualkategorie ausgegeben.

Vers 219
ānandakūṭaṃ yatproktaṃ bījamasya tadeva hi |
kūṭaṃ mārtyuñjayaṃ cāpi kīlakaṃ paripaṭhyate ||219||

Das sogenannte Ananda-Kuta ist ihr Bija. Das Mārtyuñjaya-Kuta wird als Kilaka angegeben.

Anmerkung: Lautgestalt mārtyuñjaya gemäß sichtbarem Text; Beziehung zum Todesüberwinder-Namen Mṛtyuñjaya naheliegend, aber keine Silben daraus ergänzt.

Nirvāṇa: das Bild vom rauchlosen Feuer

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 220
ajanmamṛtyave cāsyāḥ prayogaḥ parikīrtitaḥ |
nirvāṇamadhunā vacmi tatra ceto niveśaya ||220||

Ihre Anwendung dient dem Freisein von Geburt und Tod. Nun werde ich Nirvāṇa darlegen; richte deinen Geist darauf.

Vers 221
yatra pratiṣṭhito naināṃ turīyāmabhivāñchati |
kāṣṭhāni dahato […] niḥsarate yathā ||221||

Wer darin fest gegründet ist, verlangt nicht mehr nach dieser Turīyā. Wie beim Verbrennen von Holz […] hervortritt …

Anmerkung: Fragment: Subjekt der zweiten Hälfte beschädigt; der nachfolgende Vers identifiziert das Bild als Rauch, doch kein fehlendes Sanskritwort erfunden.

Vers 222
kāṣṭhe'tīte sa hi yathā na bhavedevameva hi |
karmāṇi kāṣṭhānyuktāni dhūmo janmamṛtī tathā ||222||

… und bei aufgebrauchtem Holz nicht mehr vorhanden ist, so verhält es sich auch hier. Die Handlungen werden als Holz bezeichnet, Geburt und Tod als Rauch.

Vers 223
nirdhūmo'gnistadvirahādato nirvāṇamuttamam |
catvāro'pi hi yatraite […] parasparam ||223||

Feuer ohne Rauch, weil jener fehlt: Deshalb ist Nirvāṇa das Höchste. Dort sind alle vier […] miteinander […]

Anmerkung: Fragment: Verb und nähere Verbindung im zweiten Halbvers unlesbar; keine spekulative Lehre über die vier Glieder ergänzt.

Vers 224
bimbato na yathā bhinnaḥ pratibimbaḥ kadācana |
na jīvātmā tathā bhinnaḥ kadāpi paramātmanaḥ ||224||

Wie das Spiegelbild niemals von seinem Urbild getrennt ist, so ist auch das individuelle Selbst niemals vom höchsten Selbst getrennt.

Vers 225
amuṣya vakṣyamāṇasya nirvāṇasya japānnaraḥ |
na tathā brahmaṇo bhinnaḥ kadācidapi jāyate ||225||

Durch Rezitation des nun darzulegenden Nirvāṇa-[Mantras] wird der Mensch ebenso niemals mehr zu etwas von Brahman Getrenntem.

Die neunzehnsilbige Nirvāṇa-Formel

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 226
nirvāṇametādṛśaṃ tvaṃ nibodha jagadīśvari |
śarīrordhvonnamanakṛtpañcaviṃśādri [bdhi?]meva ca ||226||

Vernimm dieses Nirvāṇa, Herrin der Welt. [Setze die Chiffren] Śarīrordhvonnamanakṛt, „den Körper nach oben hebend“, und Pañcaviṃśādri [oder -abdhi?].

Anmerkung: Zweite Chiffre schon in der Quelle fraglich; keine Lautauflösung vorgenommen.

Vers 227
guṇasāmyaṃ tato […] siddhikāminī |
mṛtyullaṅghanakṛccāpi vāyurodhanakāriṇī ||227||

Dann Guṇasāmya, […], Siddhikāminī, Mṛtyullaṅghanakṛt und Vāyurodhanakāriṇī.

Anmerkung: Fragment: eine Chiffre unlesbar. Sichtbare Decknamen bedeuten unter anderem „Gleichgewicht der Gunas“, „den Tod überschreitend“ und „das Anhalten des Atems bewirkend“; ihre zugehörigen Silben werden nicht erraten.

Vers 228
turyādiguṇaśṛṅge dve uddhārye tadanantaram |
abhedākathyasaṃjñe dve syātāṃ vai śikhare tataḥ ||228||

Danach sind die beiden [Chiffrengruppen] Turyādiguṇa und Śṛṅga zu erschließen; darauf folgen die beiden Śikhara-Glieder namens Abheda und Akathya.

Anmerkung: Wortteilung der ersten Hälfte unsicher; keine gesicherte Anzahl einzelner Silben aus diesen Decknamen abgeleitet.

Vers 229
bhinnābhinnajñānanāmnī te eva tadanantaram |
ṣaṇmantraṃ śāmbhavakṣmājaṃ tato yātritamaṃ kuru [?] ||229||

Unmittelbar danach [folgen] dieselben beiden unter den Namen Bhinnajñāna und Abhinnajñāna; [dann] Ṣaṇmantra und Śāmbhavakṣmāja; darauf […]

Anmerkung: Fragment: Schlussanweisung schon in der Quelle fraglich; Variante ṅa yātitamaṅkuram klärt sie nicht zuverlässig. Auch erste Namensteilung bleibt unsicher.

Vers 230
caturthakamājamasyānu nirvāṇaśikharaṃ punaḥ |
ya evādau sa evānte tato bhavati pārvati ||230||

Danach [das Glied] Caturthakamāja, wiederum das Nirvāṇa-Śikhara. Was am Anfang steht, steht dann auch am Ende, Parvati.

Anmerkung: Erste Chiffre im OCR beschädigungsverdächtig, ohne Rekonstruktion als Deckname belassen.

Vers 231
ityūnaviṃśatyarṇo'yaṃ nirvāṇākhyo mahāmanuḥ |
mahimānaṃ phalaṃ cāsya kathayiṣyāmi te kiyat ||231||

So lautet der neunzehnsilbige große Mantra namens Nirvāṇa. Ein wenig von seiner Größe und seiner Frucht werde ich dir darlegen.

Vers 232
mahimānaṃ śivo vetti phalaṃ brahmaṇi līnatā |
etasmādaparaṃ kiṃ vā phalaṃ tatraiva vidmahe ||232||

Shiva kennt seine Größe; seine Frucht ist das Aufgehen in Brahman. Welche andere Frucht darüber hinaus sollten wir dort noch kennen?

Jenseits von Gegensätzen: Lobpreis und Ritualfaktoren

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 233
na puṇyapāpe na ca janmamṛtyū na śokamohau na sukhaṃ na duḥkham |
na śītamuṣṇaṃ na ca kṣutpipāse na karma dehendriyajātayaśca ||233||

Dort gibt es weder Verdienst noch Verfehlung, weder Geburt noch Tod, weder Trauer noch Verblendung, weder Freude noch Leid; weder Kälte noch Hitze, weder Hunger noch Durst, weder Handlung noch Körper, Sinne oder Geburtsgruppen.

Vers 234
na hānivṛddhī na divā na rātrirna sanna cāsanna jarā na pātaḥ |
na bhūmirāpo na ca tejavāyū na khaṃ na kālo na ca deśa āste ||234||

Dort gibt es weder Abnahme noch Wachstum, weder Tag noch Nacht, weder Sein noch Nichtsein, weder Alter noch Fall; weder Erde noch Wasser, weder Feuer noch Wind, weder Raum noch Zeit noch Ort.

Vers 235
na tatra sūryo bhāti na candratārakaṃ nemā vidyuto bhānti kuto'yamagniḥ |
tameva bhāntamanubhāti sarvaṃ tasya bhāsā […] vibhāti ||235||

Dort leuchtet nicht die Sonne, nicht Mond und Sterne; dort leuchten diese Blitze nicht – wie sollte es dieses Feuer tun? Alles leuchtet nur jenem Leuchtenden nach; durch sein Licht erstrahlt […]

Anmerkung: Fragment: Objekt im letzten Viertel beschädigt. Die Fußnote nennt Kaṭha-Upaniṣad 2.2.15; ihr bekannter Wortlaut wird nicht als erhaltene Quelllesung ausgegeben.

Vers 236
agniryathaiko bhuvanaṃ praviṣṭo rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo babhūva |
ekastathā sarvabhūtāntarātmā rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo bahiśca ||236||

Wie das eine Feuer, in die Welt eingegangen, jeder Gestalt entsprechend Gestalt annimmt, so nimmt das eine innere Selbst aller Wesen jeder Gestalt entsprechend Gestalt an und ist zugleich außerhalb von ihnen.

Vers 237
vāyuryathaiko bhuvanaṃ praviṣṭo rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo babhūva |
ekastathā sarvabhūtāntarātmā rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo bahiśca ||237||

Wie der eine Wind, in die Welt eingegangen, jeder Gestalt entsprechend Gestalt annimmt, so nimmt das eine innere Selbst aller Wesen jeder Gestalt entsprechend Gestalt an und ist zugleich außerhalb von ihnen.

Anmerkung: Die Wiederholung des vorhergehenden Vergleichs mit anderem Element wird vollständig übersetzt.

Vers 238
sūryo yathā sarvalokasya cakṣurna lipyate cākṣuṣairbāhyadoṣaiḥ |
eko vaśī sarvabhūtāntarātmā ekaṃ rūpaṃ bahudhā yaḥ karoti ||238||

Wie die Sonne, das Auge der ganzen Welt, durch äußere Mängel des Sehens nicht befleckt wird – der eine, selbstmächtige innere Atman aller Wesen macht die eine Gestalt zu vielen.

Anmerkung: Der Vergleichssatz ist in dieser Fassung nicht regulär abgeschlossen; die anschließende Aussage bleibt wie überliefert stehen. Keine fehlende Upanishadenzeile ergänzt.

Vers 239
tamātmasthaṃ ye'nupaśyanti dhīrāsteṣāṃ sukhaṃ śāśvataṃ netareṣām |
nityo nityānāṃ cetanaścetanānāmeko bahūnāṃ yo vidadhāti kāmān |
tamātmasthaṃ ye'nupaśyanti dhīrāsteṣāṃ śāntiḥ śāśvatī netareṣām ||239||

Den Besonnenen, die ihn im eigenen Selbst erschauen, gehört beständiges Glück, nicht den anderen. Er ist der Ewige unter den Ewigen, das Bewusstsein unter den Bewussten, der Eine, der die Wünsche vieler erfüllt. Den Besonnenen, die ihn im eigenen Selbst erschauen, gehört beständiger Frieden, nicht den anderen.

Anmerkung: Längere nummerierte Einheit mit Anschluss an 238. OCR-Ziffer 236 gemäß Folge als 239 gelesen; keine eigene Nummer für den mittleren Teil erfunden.

Vers 240
tadetaditi manyante'nirdeśyaṃ paramaṃ sukham |
kathaṃ nu tadvijānīyāṃ kimu bhāti vibhāti vā ||240||

„Das ist es“, so verstehen sie jene unbeschreibliche höchste Glückseligkeit. Wie könnte ich sie erkennen? Leuchtet sie, oder strahlt sie [durch anderes]?

Anmerkung: Letzte Unterscheidung im Original knapp und offen; Klammer kennzeichnet die deutsche Erläuterung, keine zusätzliche Sanskritlesung.

Vers 241
saṃsārarūpaṃ yadghoraṃ janmamṛtyujarābhidham |
mahadbhayaṃ vajramudyataṃ ya etadviduramṛtā bhavanti ||241||

Jenes Schreckliche in Gestalt des Samsara, das Geburt, Tod und Alter heißt, ist ein großer Schrecken, ein erhobener Donnerkeil. Wer dies erkennt, wird unsterblich.

Anmerkung: Die erste Hälfte weicht von der in der Herausgeberfußnote genannten Kaṭha-Parallele ab; vorhandene Samhita-Fassung bewahrt.

Vers 242
yadā pañcāvatiṣṭhante jñānāni manasā saha |
buddhiśca na viceṣṭati tāmāhuḥ paramāṃ gatim ||242||

Wenn die fünf Erkenntnissinne zusammen mit dem Geist zur Ruhe kommen und auch der unterscheidende Verstand sich nicht mehr bewegt, nennt man dies den höchsten Zustand.

Vers 243
tāṃ mokṣamiti manyante sthirāmindriyadhāraṇām |
naiva vācā na manasā prāptuṃ śakyo na cakṣuṣā ||243||

Dieses beständige Halten der Sinne versteht man als Befreiung. Durch Rede, Geist oder Auge lässt er sich nicht erreichen.

Anmerkung: Die Quelle sagt mokṣa; die Fußnote weist ausdrücklich darauf hin, dass die verglichene Kaṭha-Upanishad an dieser Stelle yoga hat. Das männliche „er“ des zweiten Halbverses folgt dem Sanskrit und bezieht sich auf die höchste Wirklichkeit.

Vers 244
niṣkaivalyaṃ paraṃ brahma nirvāṇenaiva labhyate |
dagdhvā sarvāṇi kāṣṭhāni vidhūmo'ṅgārasañcayaḥ ||244||

Das höchste Brahman, reines Alleinsein, wird nur durch Nirvāṇa erlangt. Wenn alles Holz verbrannt ist, [bleibt] eine rauchlose Glutmasse …

Anmerkung: Niṣkaivalya ist eine auffällige Quellbildung, hier als betontes Kaivalya verstanden; nicht als sichere systematische Definition ausgegeben.

Vers 245
jvālāmālī jvalannagniryathā nirvāṇa ucyate |
janmamṛtyū tathā dagdhvā niṣkarmā jñānasaṃyutaḥ ||245||

… und das flammenumkränzte, brennende Feuer wird so Nirvāṇa genannt. Ebenso hat [der Rezitierende] Geburt und Tod verbrannt, ist frei von Karma und mit Erkenntnis erfüllt …

Anmerkung: Ungewöhnliche Deutung des weiterhin brennenden Feuers als Nirvāṇa wortgetreu bewahrt; nicht in „vollständig erloschen“ geändert.

Vers 246
brahmarūpī nirākārastathā nirvāṇajāpakṛt |
ṛṣyādimadhunā vacmi nirvāṇasyāvadhehi tat ||246||

… Brahman ist sein Wesen, ohne begrenzte Gestalt: So ist der Rezitierende des Nirvāṇa-[Mantras]. Nun nenne ich dessen Rishi und weitere Faktoren; höre aufmerksam zu.

Vers 247
paramātmā ṛṣiḥ prokto bṛhatīcchanda ucyate |
nirvāṇaguhyakālyākhyā devatā pariniṣṭhitā ||247||

Paramatman wird als Rishi genannt, Brihati als Metrum. Als Gottheit ist Nirvāṇa-Guhyakali festgelegt.

Vers 248
bījaṃ brahmamayaṃ kūṭaṃ sāyujyaṃ kīlakaṃ matam |
viniyogo'sya brahmaṇi layate parikīrtitaḥ ||248||

Das Brahmamaya-Kuta ist das Bija, Sāyujya gilt als Kilaka. Seine Anwendung wird als Aufgehen in Brahman bezeichnet.

Anmerkung: Brahmamaya: „ganz Brahman“; Sāyujya: Vereinigung. Beides hier als Faktoren-/Chiffrennamen, keine Silben ergänzt.

Mahānirvāṇa und das Ende der Wiederkehr

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 249
mahānirvāṇanāmānaṃ mantrarājaṃ śṛṇuṣva tam |
yena brahmāṇamatyeti janmanāṃ koṭiśastadā ||249||

Höre nun jenen König der Mantras namens Mahānirvāṇa, durch den man Brahma überschreitet und Millionen von Geburten […]

Anmerkung: Fragment: Anschluss des Geburten-Genitivs nicht vollständig verständlich. Haupttext atyeti, „überschreitet“; Variante kha abhyeti, „erreicht“. Die Bedeutungsdifferenz bleibt ausgewiesen.

Vers 250
kadācidvāsanāyogānnirvāṇājjanmabhāgbhavet |
naivāmunā varārohe kadācidapi tadbhavet ||250||

Nach Nirvāṇa kann man infolge verbleibender Neigungen gelegentlich wieder einer Geburt teilhaftig werden. Durch diesen [Mahānirvāṇa-Mantra] aber geschieht das niemals, Schöngestaltete.

Die dreiunddreißigsilbige Mahānirvāṇa-Formel

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 251
vedopaḍhaukanakaraḥ śabdakālastataḥ param |
gi [gī?]rutpattistathā viśvāgamaśca tadanantaram ||251||

[Setze] Vedopaḍhaukanakara, danach Śabdakāla, Girutpatti [oder Gīrutpatti?] und anschließend Viśvāgama.

Anmerkung: Verschlüsselte Lautbezeichnungen; die erste Verbindung und der Vokal in gir/gīr sind unsicher, letzterer bereits in der Quelle markiert.

Vers 252
gīrvāṇagehaṃ nigaḍaṃ narakeśaravānataḥ |
sṛṣṭisthitītaratkṣmājaṃ siddhā strī raktapāyinī ||252||

Danach Gīrvāṇageha, Nigaḍa und Narakeśaravat; Sṛṣṭi, Sthiti, Itaratkṣmāja, Siddhā, Strī und Raktapāyinī.

Anmerkung: Lautchiffren; Wortteilung um itarat/kṣmāja nicht völlig sicher. Keine Namensreihe in sichere Bijas umgewandelt.

Vers 253
ratnasragasyānu bhaveddīptoccaṃ tadanantaram |
pratimaṇḍalaṃ ca tadanu […] sṛṣṭisthitītarat ||253||

Darauf soll Ratnasraj folgen, danach Dīptocca; anschließend Pratimaṇḍala, […] sowie Sṛṣṭi, Sthiti und Itarat.

Anmerkung: Fragment: ein Chiffrenrest vor sṛṣṭi unlesbar; Wortteilung bleibt vorläufig.

Vers 254
saṃjñoccaṃ svarṇagarbhoccaṃ […] vā'punarāgatiḥ |
dvīpāntākhyaṃ tataḥ śuddhaṃ śṛṅgamekatvasādhakam ||254||

Saṃjñocca, Svarṇagarbhocca, […] oder Apunarāgati; danach das sogenannte Dvīpānta, Śuddha und Śṛṅga, das Einheit bewirkt.

Anmerkung: Fragment: Teil vor vā beschädigt, Verknüpfung der Decknamen daher offen. Apunarāgati heißt wörtlich „Nichtwiederkehr“.

Vers 255
śikharāṇāmādibhūtaṃ viśeṣajñānatoccakam |
vadhūḥ siddhā śoṇitapā harṣādhikyoccameva ca ||255||

[Es folgen] das erste der Śikhara-Glieder, Viśeṣajñānatoccaka, Vadhū, Siddhā, Śoṇitapā und Harṣādhikyocca.

Anmerkung: Die Chiffren werden nur bezeichnet; insbesondere die zusammengesetzte Wissens-Chiffre bleibt lesungsunsicher.

Vers 256
yuṃ [puṃ?] mṛgendro […] surāgāraṃ tato'pi ca |
dvitīyayugabhūmījaṃ vāṇījanmāpyataḥ param ||256||

Yuṃ [oder Puṃ?], Mṛgendra, […], danach Surāgāra; anschließend Dvitīyayugabhūmīja und Vāṇījanman.

Anmerkung: Fragment: erstes Glied schon in der Quelle fraglich, weiteres Glied unlesbar. Keine Entscheidung zwischen yuṃ und puṃ erfunden.

Vers 257
tato'bhicārakṣmājaṃ ca tathā caivāgama [mā?]syakam |
pāpaṃ ca jñānasāmarthyamaṅkuradvitayaṃ tataḥ ||257||

Dann Abhicārakṣmāja und Āgamasyaka [oder Āmāsyaka?], Pāpa sowie Jñāna und Sāmarthya als zwei Keime.

Anmerkung: Mittlerer Deckname in der Quelle unsicher. Zusätzlicher Halbvers eines Parallelzeugen folgt separat.

Unnummerierter Text
mahānirvāṇaśikharaṃ sarvaśeṣāṅkuraṃ tataḥ |

Dann das Mahānirvāṇa-Śikhara und der Keim, der ganz am Ende steht.

Anmerkung: Zusätzlicher Halbvers der Fußnotenzeugen kha, ṅa und cha vor Vers 258; nicht stillschweigend in die Hauptformel eingefügt.

Vers 258
trayastriṃśadvarṇa eṣa mahānirvāṇanāmakaḥ |
kimasya mama cākathyaṃ mahitvaṃ ca phalaṃ priye ||258||

Dieser trägt den Namen Mahānirvāṇa und hat dreiunddreißig Laute. Was könnte ich über seine unaussprechliche Größe und seine Frucht sagen, Geliebte?

Anmerkung: Fragesatz im OCR grammatisch holprig, aber erkennbarer rhetorischer Sinn.

Vers 259
saiva jānāti deveśi phaladātrī hi yā bhavet |
kadācitkālayogena nirvāṇātpunarāgatiḥ ||259||

Sie allein kennt dies, Herrin der Götter, sie, die die Frucht gewährt. Nach Nirvāṇa kann durch den Lauf der Zeit irgendwann eine Wiederkehr eintreten.

Vers 260
naitatpunarāvṛttiḥ koṭikoṭividherapi |
ākhyāyikā caitadarthaṃ puraiva kathitā mayā ||260||

Hier aber gibt es keine Wiederkehr, selbst bei Millionen und Abermillionen [Zeiten] des Schöpfers. Zu diesem Zweck habe ich dir bereits zuvor die Erzählung berichtet.

Anmerkung: Vidhi kann den Schöpfer Brahma bezeichnen; die genaue Zeiteinheit steht nicht ausdrücklich da. Daher keine präzise kosmologische Umrechnung.

Überlieferte Verehrer und abschließender Lobpreis

Die Lehrrede beschreibt Voraussetzungen und Ziele ihres Befreiungsweges; die folgende Darstellung gibt ihre historischen Aussagen und Erzählungen wieder.

Vers 261
iyaṃ hi paramā kāṣṭhā guhyakālīmanoḥ priye |
asyāḥ śākalaśākhāyāṃ prapañcaḥ sumahānsmṛtaḥ ||261||

Dies ist der höchste Gipfel der Guhyakali-Mantralehre, Geliebte. In der Shakala-Shakha gilt ihre ausführliche Darlegung als sehr umfangreich.

Anmerkung: Bezug auf die Śākala-Überlieferung als Selbstaussage des Textes bewahrt; kein unabhängiger Nachweis behauptet.

Vers 262
śākalā āśmarathyāśca tathā caivauḍulomayaḥ |
vāmadevyā(vā)vaijavāpā bādarāyaṇinastathā ||262||

Die Shakalas und Ashmarathyas, ebenso die Audulomis, Vamadevyas [oder Vamadevās?], Vaijavapas und Badarayanins …

Anmerkung: Variantenangabe bei Vamadevya bereits im Quellentext; Namensformen nicht vereinheitlicht.

Vers 263
sarve vedāntopaniṣajjñānaniṣṭhā yativratāḥ |
mahānirvāṇamantrasyopāsakāḥ parikīrtitāḥ ||263||

… sie alle, in der Erkenntnis von Vedanta und Upanishaden gefestigt und den Gelübden der Entsagenden verpflichtet, werden als Verehrer des Mahānirvāṇa-Mantras genannt.

Vers 264
pūrvameva phalaṃ cāsya kathitaṃ tava pārvati |
āgraho'smin prakartavyaḥ phalaśrutyāṃ hi tena kim ||264||

Seine Frucht habe ich dir bereits genannt, Parvati. Auf ihn soll man sich entschlossen ausrichten; wozu braucht es dann noch das Hören weiterer Wirkungsverheißungen?

Vers 265
ekībhāvo yena hi brahmaṇi syātpunaḥ punaryena pāto bhave na |
mahānirvāṇo'yaṃ mantrarājādhirājo māturyoniṃ janmamṛtyū taranti ||265||

Durch ihn entsteht Einssein in Brahman; durch ihn fällt man nicht immer wieder ins Werden zurück. Dieser Mahānirvāṇa ist der König über die Könige der Mantras: [Durch ihn] überwindet man Mutterschoß, Geburt und Tod.

Anmerkung: Wechsel des grammatischen Subjekts im letzten Viertel für verständliches Deutsch aufgelöst; keine zusätzliche Aussage eingeführt.

Vers 266
kiṃ vā vedaiḥ koṭibhiścāgamānāṃ kiṃ vedāntaiḥ kiṃ tathā sāṃkhyayogaiḥ |
yasyāmuṣmin mānasaṃ sādhyalagnaṃ taṃ vai śreṣṭhaṃ sarvadeveṣu manye ||266||

Wozu Veden und Millionen von Agamas, wozu Vedanta, Samkhya und Yoga? Wessen Geist an diesem Ziel haftet, den halte ich für den Höchsten unter allen Göttern.

Anmerkung: Wortgestalt sādhy alagna im OCR leicht unsicher; als Ausrichtung auf das zu verwirklichende Ziel übersetzt. Vorrangbehauptung des sprechenden Mahakala.

Vers 267
kulaṃ pavitraṃ jananī kṛtārthā viśvambharā puṇyavatī ca tena |
apārasaṃsārasamudramadhye līnaṃ ceto yasya mantre hyamuṣmin ||267||

Sein Geschlecht ist geheiligt, seine Mutter hat ihr Ziel erreicht, und die Erde wird durch ihn gesegnet: derjenige, dessen Bewusstsein mitten im uferlosen Meer des Samsara in diesem Mantra aufgegangen ist.

Vers 268
dārairna siddhirna dhanairvimuktirna putragehairna mṛtyunāśaḥ |
na kāmabhogairbhavabhītināśo […] viditvā kuru yatnamatra ||268||

Durch Ehepartner kommt keine Vollendung, durch Reichtümer keine Befreiung, durch Kinder und Häuser keine Vernichtung des Todes. Durch Wunscherfüllung und Genuss schwindet die Furcht vor dem Werden nicht. Erkenne […] und bemühe dich hierum.

Anmerkung: Fragment: kurzes Glied vor viditvā beschädigt. Der dritte pāda bzw. die zweite Verneinung in na putragehair na mṛtyunāśaḥ ist sprachlich auffällig; erkennbaren negierenden Gesamtvergleich bewahrt.

Vers 269
ityeṣa kathito devi mahānirvāṇamantrarāṭ |
apunarbhavamicchatāmeṣa evāvalambanam ||269||

Damit ist dir, Göttin, der Mantrakönig Mahānirvāṇa dargelegt. Für diejenigen, die keine erneute Geburt wünschen, ist er die Stütze.

Vers 270
ekākṣarādimārabhya yāvatsyādayutākṣaram |
bhogādīnicchatāṃ te syurmokṣādīn ṣaḍime smṛtāḥ ||270||

Die vom Einsilber bis zum Zehntausendsilber reichenden [Mantras] gelten denen, die Genuss und Ähnliches wünschen; diese sechs hingegen gelten für Befreiung und das damit Verbundene.

Anmerkung: Die grammatisch unebene Endgruppe mokṣādīn wird nach dem klaren Gegensatz wiedergegeben.

Vers 271
vāgvisargeṇa bahunā kimāyāsaphalena ca |
śrotṛdvegakareṇāpi granthagauravakāriṇā ||271||

Wozu viele Worte, die nur Mühe verursachen, die Zuhörenden ermüden und den Umfang der Schrift vergrößern?

Vers 272
samāsādavadhehi tvaṃ matto mantraphalaṃ priye |
mahānirvāṇanāmānaṃ mantraṃ japati yo'nvaham ||272||

Vernimm von mir zusammengefasst die Frucht des Mantras, Geliebte. Wer täglich den Mantra namens Mahānirvāṇa rezitiert …

Anmerkung: Die Herausgeberfußnote sagt, der erste Halbvers sei nur im Zeugen ṅa vorhanden. Diese im Haupttext abgedruckte Erweiterung bleibt mit Herkunftshinweis erhalten.

Vers 273
na tasya punarāvṛttiḥ parā[…] brahmaṇo'pi hi |
ityeṣa mantrasargaste kathitaḥ sakalo mayā ||273||

… für den gibt es keine Wiederkehr, selbst […] Brahmas […]. Damit habe ich dir diese gesamte Entfaltung der Mantras dargelegt.

Anmerkung: Fragment: kosmische Zeit-/Brahma-Beziehung der ersten Hälfte beschädigt; keine bestimmte Lebensdauer oder Zahlenangabe ergänzt.

Unnummerierter Text
mantrāṇāṃ yantrabhedāṃstu sāmprataṃ kathayāmi te |

Nun werde ich dir die verschiedenen Yantras der Mantras darlegen.

Anmerkung: Unnummerierter Übergangshalbvers vor dem Kolophon; keine Versnummer erfunden.

Kolophon
iti mahākālasaṃhitāyāṃ ṣaṇmantroddhāro nāma caturthaḥ paṭalaḥ |

Damit endet in der Mahakala-Samhita das vierte Kapitel, genannt „Erschließung der sechs Mantras“.

Bilder und Videos zur Vertiefung

Feuerzeremonie bei Yoga Vidya: eine heutige Darstellung gemeinsamer Verehrung.
Shiva und Shakti: eine Darstellung zur Betrachtung des Göttlichen.

Die folgenden Einführungsvorträge erläutern allgemeine Begriffe; sie sind keine Kommentare zu den einzelnen Versen.

Kali – die Schwarze Göttin

Tantra – Wort und Bedeutung

Weiterführende Seminare

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Vedamurti Dr Olaf Schönert

Mantras und Musik

06.11.2026 - 08.11.2026 Asana Intensiv - Musikalisch-Meditativ

Yoga und Musik ergänzen sich ideal. Jede Asana wird von Musik, Mantra Gesang und anderen Klängen auf deiner Reise nach innen begleitet! Die Yoga Stell…
Gopi Jana Kretschmer da Conceição
06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar

Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova

Bilder und Videos · Quellen und Literatur · Verwandte Themen

Abschluss

Ein tragender Gedanke steht in Guhyakali 4.170: Das Leben ermöglicht die Erforschung der Wirklichkeit. Als heutige Anregung lässt sich daraus eine einfache Ausrichtung gewinnen: Sorge für die Voraussetzungen deiner Praxis und schenke dem aufrichtigen Fragen täglich Raum. In Meditation und Hingabe darf das Verstehen allmählich reifen.

Siehe auch

Die folgenden Tantra- und Yogaschriften eröffnen weitere Zugänge zum Studium. Ihre Lehren und Ritualordnungen sind jeweils in ihrem eigenen Zusammenhang zu lesen.

Wegweiser durch die Ausgabe