Mahakala Samhita Anhang Medhasamrajyaprada-Sahasranama

Aus Yogawiki

Mahakala Samhita – Medhasamrajyaprada-Sahasranama: Sanskrit Text und deutsche Übersetzung: Der Hymnus führt von der Frage nach Vollendung zur mythischen Begegnung Kalis und Sundaris. Seine Namenfolge verehrt Kali durch Wörter mit dem Anfangslaut Ka. Die selbständige Zählung des Anhangs wird bewahrt. Er gehört nicht zur bereits übersetzten Tausendnamenfassung im Kamakala-Khanda.

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Die Ausgabe folgt dem vorhandenen lesbaren Text. Die Kapitelgliederung und die Kolophone machen den überlieferten Umfang sichtbar.

Anregung zum Studium: Ein Tausendnamenhymnus lädt dazu ein, die verehrte Göttin aus vielen Blickrichtungen anzusprechen. Der Medhasamrajyaprada-Sahasranama entfaltet seine eigene Namenfolge und Rahmenerzählung. Die andere Tausendnamenfassung im Kamakala-Khanda bleibt davon als eigenständiger Text unterschieden. Lies zunächst einige verständliche Namen mit ihrer Bedeutung und lass den Zusammenhang des Lobpreises auf dich wirken.

Verwandte Lektüre: Für das weitere Studium der Göttinnenverehrung bieten Devi Mahatmya und Mahanirvana Tantra ergänzende Lektüre. Die Namen und Gebete sind jeweils aus ihrem eigenen Textzusammenhang zu verstehen. Die Hinweise eröffnen einen Vergleich, keine Gleichsetzung der Überlieferungen.

Quelle und Gestalt des Textes

Grundlage ist der Anhang in „Mahakala Samhita.txt“; die byteidentische Kopie wird nicht nochmals bearbeitet. Dies ist eine gesonderte Fassung mit eigener Zählung. Einfache OCR-Fehler sind normalisiert, Unsicherheiten örtlich vermerkt.

Die Frage nach Vollendung

Die Göttin fragt nach dem Ursprung der Welt und zählt zahlreiche traditionelle Siddhis auf.

1

kailāsaśikhare ramye nānāratnavibhūṣite | nānāvṛkṣalatākīrṇe nānāpuṣpairalaṅkṛte ||1||

Auf dem lieblichen Gipfel des Kailasa, geschmückt mit vielerlei Edelsteinen, bedeckt mit verschiedenen Bäumen und Ranken und geziert von mannigfachen Blumen, …

2

caturmaṇḍalasaṃyukte śṛṅgāramaṇḍape sthite | samādhau saṃsthitaṃ śāntaṃ krīḍantaṃ yoginīpriyam ||2||

… in einem mit vier Mandalas ausgestatteten Liebespavillon, [sah sie] den Friedvollen, in Samadhi Verweilenden, spielend, den Geliebten der Yoginis.

Anmerkung: Die Satzverknüpfung ist unregelmäßig; keine fehlende Handlung ergänzt.

3

tatra maunadharaṃ dṛṣṭvā devī papraccha śaṅkaram | kiṃ tvayā japyate deva kiṃ tvayā smaryate sadā ||3||

Als die Göttin Shankara dort schweigend sah, fragte sie: „Gott, was rezitierst du? Woran denkst du unablässig?“

Anmerkung: Die Sprecherzeile देवी उवाच steht zwischen den Vershälften und folgt hier gesondert.

Sprecherzeile

devyuvāca |

Die Göttin sprach.

Anmerkung: In der Quelle innerhalb von Vers 3 vor der Frage.

4

sṛṣṭiḥ kutra vilīnāsti punaḥ kutra prajāyate | brahmāṇḍakāraṇaṃ yat tat kimādyaṃ kāraṇaṃ mahat ||4||

„Worin ist die Schöpfung aufgelöst, und woraus entsteht sie erneut? Was ist jener große erste Grund, der die Ursache des Brahmanda, des Welteneies, bildet?“

5

manorathamayī siddhistathā vāñchāmayī śiva | tṛtīyā kalpanāsiddhiḥ koṭisiddhīśvarātmakam ||5||

„Die Siddhi der inneren Wünsche und die Erfüllung des Begehrens, Shiva, als dritte die Siddhi der Vorstellung – [das, was] die Herrschaft über unzählige Siddhis umfasst …“

Anmerkung: Die Aufzählung führt zur Frage in12; die grammatische Form des letzten Gliedes ist unregelmäßig.

6

śaktipātāṣṭadaśakaṃ carācarapurīgatiḥ | mahendrajālamindrādijālānāṃ racanā tathā ||6||

„… die achtzehn Arten des Shaktipata (Herabkunft der Kraft), der Zugang zur Welt des Beweglichen und Unbeweglichen, große Zauberkunst und das Hervorbringen von Indras und anderen Trugbildern …“

Anmerkung: Die Lesung des letzten zusammengesetzten Begriffs bleibt etwas unsicher.

7

aṇimādyaṣṭakaṃ deva parakāyapraveśanam | navīnasṛṣṭikaraṇaṃ samudraśoṣaṇaṃ tathā ||7||

„… die acht Kräfte, beginnend mit Anima, Gott, das Eintreten in einen fremden Körper, das Hervorbringen einer neuen Schöpfung und das Austrocknen des Meeres …“

8

amāyāṃ candrasaṃdarśo divā candraprakāśanam | candrāṣṭakaṃ cāṣṭadikṣu tathā sūryāṣṭakaṃ śiva ||8||

„… den Mond am Neumondtag sichtbar zu machen, ihn am Tag leuchten zu lassen, acht Monde in den acht Richtungen erscheinen zu lassen und ebenso acht Sonnen, Shiva …“

4 [Quellzählung an Position 9]

jale jalamayatvaṃ ca vahnau vahnimayatvakam | brahmaviṣṇvādinirmāṇamindrāṇāṃ kāraṇaṃ kare ||4||

„… im Wasser zu Wasser, im Feuer zu Feuer zu werden, Brahma, Vishnu und andere hervorzubringen sowie die Ursache der Indras in der Hand [zu haben] …“

Anmerkung: Das letzte Satzglied ist ungewöhnlich; seine Lesung wird nicht zu einer Standard-Siddhi umgeschrieben.

10

pādukāguṭikāyakṣavetāla… tathā | rasāyanaṃ tathā guptistathaiva cākhilāñjanam ||10||

„… [Kräfte] von Sandalen, Zauberpillen, Yakshas und Vetalas …, dazu Rasayana (Lebenselixier), Verborgenheit und sämtliche magischen Augensalben …“

Anmerkung: Fragment: Ein Teil der ersten Aufzählung ist beschädigt.

11

mahāmadhumatī siddhistathā padmāvatī śiva | tathā bhogavatī siddhiryāvatyaḥ santi siddhayaḥ ||11||

„… die Siddhi Mahamadhumati, ebenso Padmavati, Shiva, und die Siddhi Bhogavati – überhaupt alle vorhandenen Siddhis …“

Anmerkung: Eigennamen der Kräfte, keine erfundenen Einzelfunktionen.

12

kena mantreṇa tapasā kalau pāpasamākule | āyuṣyaṃ puṇyarahite kathaṃ bhavati tadvada ||12||

„… durch welchen Mantra und welche Askese entstehen sie im von Übel erfüllten Kali-Zeitalter, dem es an Lebensdauer und Verdienst fehlt? Sage mir, wie dies geschieht!“

Anmerkung: आयुष्यं steht grammatisch unregelmäßig; der erkennbare Bezug ist wiedergegeben.

Sprecherzeile

śiva uvāca |

Shiva sprach.

Leere, Wille, Erkenntnis und Handlung

Shivas Antwort entfaltet eine Kosmogonie aus der Leere und den drei Kräften des Willens, Erkennens und Handelns.

13

vinā mantraṃ vinā stotraṃ vinaiva tapasā priye | vinā baliṃ vinā nyāsaṃ bhūtaśuddhiṃ vinā priye ||13||

„Ohne Mantra, ohne Hymnus, ohne Askese, Geliebte, ohne Bali, ohne Nyasa und ohne Bhutashuddhi …“

Anmerkung: Die Aussage wird15 abgeschlossen; der später doch gelehrte Hymnus hebt diese einleitende Zuspitzung nicht stillschweigend auf.

14

vinā dhyānaṃ vinā yantraṃ vinā pūjādinā priye | vinā kleśādibhirdevi dehaduḥkhādibhirvinā ||14||

„… ohne Meditation, ohne Yantra, ohne Puja und dergleichen, Geliebte, ohne Mühsal, Göttin, und ohne körperlichen Schmerz …“

15

siddhirāśu bhavedyena tadevaṃ kathyate muhuḥ | śūnye brahmāṇḍagole tu pañcāśacchūnyamadhyake ||15||

„… wodurch die Vollendung rasch entsteht, das wird nun dargelegt. In der leeren Sphäre des Welteneies, inmitten der fünfzig Leeren …“

Anmerkung: Der kosmogonische Bericht beginnt in der zweiten Hälfte. „Fünfzig“ hier und „fünf“ in16 werden nicht harmonisiert.

16

pañcaśūnye sthitā tārā sarvānte kālikā sthitā | anantakoṭibrahmāṇḍarājadaṇḍāgrake śivam ||16||

„In der fünffachen Leere steht Tara; jenseits von allem steht Kalika. Shiva an die Spitze des Herrscherstabes unendlich vieler Welteneier [setzend] …“

Anmerkung: Die Satzfügung setzt sich17 fort.

17

sthāpya śūnyālayaṃ kṛtvā kṛṣṇavarṇaṃ vidhāya ca | mahānirguṇarūpā ca vācātītā parā kalā ||17||

„… ihn dort aufstellend, eine Wohnung der Leere errichtend und ihm schwarze Farbe gebend – [so ist sie] die große, eigenschaftslose Gestalt, die höchste Kala jenseits der Sprache.“

Anmerkung: Die Partizipialkonstruktion ist unregelmäßig; die lesbaren Handlungen sind vollständig wiedergegeben.

18

kroḍāyāṃ saṃsthitā devī śūnyarūpā prakalpayet | sṛṣṭerārambhakāryārthaṃ dṛṣṭā cchāyā tayā yadā ||18||

„Man soll sich die Göttin, im Schoß verweilend, als von der Gestalt der Leere vorstellen. Als sie zum Beginn des Schöpfungswerks einen Schatten erblickte …“

Anmerkung: Der Bezug des Schoßes ist im Sanskrit nicht ausdrücklich genannt.

146 [Quellzählung an Position 19]

icchāśaktistu sā jātā tathā kālo vinirmitaḥ | pratibimbaṃ tatra dṛṣṭaṃ jātā jñānābhidhā tu sā ||146||

„… entstand daraus die Willenskraft, und ebenso wurde Kala hervorgebracht. Als dort ein Spiegelbild gesehen wurde, entstand diejenige Kraft, die Erkenntnis heißt.“

Anmerkung: Kala kann Zeit oder die entsprechende göttliche Gestalt bezeichnen.

20

idametatkiṃ viśiṣṭaṃ jātaṃ vijñānakaṃ mudā | tayā kriyā'bhidhā jātā tadīcchāto maheśvari ||20||

„‚Was ist dies, was zeichnet es aus?‘ – freudig entstand unterscheidendes Erkennen. Durch sie, aus ihrem Willen, entstand die Kraft namens Kriya, Handlung, du große Herrin.“

21

brahmāṇḍagole deveśi rājadaṇḍasthitaṃ ca yat | sā kriyā sthāpayāmāsa svasvasthānakrameṇa ca ||21||

„Was sich in der Sphäre des Welteneies am Herrscherstab befand, Herrin der Götter, das ordnete jene Handlungskraft jeweils an seinem eigenen Platz an.“

22

tatraiva svecchayā devi sāmarasyaparāyaṇā | tadīcchā kathyate devi yathāvadavadhāraya ||22||

„Dort wandte sie sich aus eigenem Willen dem Samarasya, dem Einssein, zu. Von diesem ihrem Wunsch wird nun erzählt, Göttin; höre aufmerksam zu!“

Shiva, Kali und die himmlischen Frauen

Die Erzählung verknüpft Maya, Schönheit, Liebesvereinigung und Kalis Entzug. Beschädigte Übergänge bleiben als solche erkennbar.

23

yugādisamaye devi śivaṃ paraguṇottamam | tadicchānirguṇaṃ śāntaṃ saccidānandavigraham ||23||

„Zu Beginn des Weltalters, Göttin, [sahen sie] Shiva, den an höchsten Eigenschaften Hervorragenden, durch ihren Willen eigenschaftslos, friedvoll, von der Gestalt des Seins, Bewusstseins und der Freude …“

Anmerkung: Das ergänzte Verb dient dem deutschen Satzanschluss; die Sanskritfügung bis 27 ist teilweise unregelmäßig. Eigenschaften und Eigenschaftslosigkeit bleiben beide genannt.

24

śāśvataṃ sundaraṃ śuddhaṃ sarvadevayutaṃ varam | ādināthaṃ guṇātītaṃ kālyā saṃyutamīśvaram ||24||

„… den Ewigen, Schönen, Reinen, mit allen Göttern Verbundenen, Erhabenen, den Urherrn jenseits der Gunas, den mit Kali vereinten Herrscher.“

25

pūjārthamāgataṃ devagandharvāpsarasāṃ gaṇam ||25||

„Eine Schar von Göttern, Gandharvas und Apsaras war zur Verehrung gekommen.“

Anmerkung: Nur eine Halbzeile steht unter dieser Quellnummer; keine fehlende zweite Hälfte ergänzt.

26

yakṣiṇīṃ kinnarīṃ kanyāsuveśyādyāṃ tilottamām | vīkṣya tanmāyayā prāha sundarī prāṇavallabhā ||26||

„Als [er] Yakshinis, Kinnaris, junge Frauen und schöne Kurtisanen, darunter Tilottama, sah, sprach [er] durch jene Maya: ‚Schöne, dem Leben Geliebte …‘“

Anmerkung: Fragment: Sprecherbezug und Satztrennung sind nicht zuverlässig; die lesbaren Gestalten und Anreden bleiben erhalten. कन्या nennt kein bestimmtes Alter.

27

trailokyasundarī prāṇasvāminī prāṇarañjinī | kimāgatamatratyādya mama bhāgyārṇavo mahān ||27||

„… Schöne der drei Welten, Herrin des Lebens, Erfreuerin des Lebens! Welch großer Ozean des Glücks ist heute hier zu mir gekommen!“

Anmerkung: Die Wortfügung um अत्रत्याद्य ist unsicher.

28

uktvā maunadharaṃ śambhuṃ pūjayantyapsarogaṇāḥ | saṃsārāttāritaṃ deva tvayā viśvaṃ janaśriya ||28||

Die Scharen der Apsaras verehrten Shambhu, der nach diesen Worten schwieg: „Gott, du hast die Welt aus Samsara errettet, zum Heil der Menschen …“

Anmerkung: Die Sprecherzeile अप्सरस ऊचुः steht zwischen den Vershälften.

Sprecherzeile

apsarasa ūcuḥ |

Die Apsaras sprachen.

Anmerkung: In der Quelle innerhalb von28 vor ihrer Anrede.

26 [Quellzählung an Position 29]

sṛṣṭerārambhakāryārthamudyukto'si mahāprabho | veśyākṛtyamidaṃ deva maṅgalārthapragāyanam ||26||

„… du hast dich zum Anfangswerk der Schöpfung erhoben, großer Herr. Die Aufgabe der Kurtisanen ist dieses Singen zum Heil, Gott.“

30

prayāṇotsavakāle tu samārambhe pragāyanam | guṇādyārambhakāle hi vartate śivaśaṅkara ||30||

„Bei Aufbruchsfeiern, beim Beginn eines Unternehmens und beim Anfang der Gunas und des Weiteren findet solches Singen statt, Shiva Shankara.“

Anmerkung: Die letzte Zeitbestimmung ist nicht vollständig eindeutig.

Unnummerierte Passage

indrāṇīkoṭayaḥ santi tasyāḥ prasavabindutaḥ | brahmāṇī vaiṣṇavī caiva māheśī koṭikoṭayaḥ |

„Aus ihrem hervorbringenden Bindu bestehen Millionen Indranis und Abermillionen Brahmanis, Vaishnavis und Maheshis.“

Anmerkung: Unnummerierte Einheit zwischen30 und der folgenden Quellnummer 32; keine31 ergänzt.

32

tava sāmarasānandadarśanārthaṃ samudbhavāḥ | sañjātāścāgrato deva cāsmākaṃ saukhyasāgara ||32||

„Sie sind entstanden, um deine Freude des Einsseins zu schauen, und stehen vor dir, Gott, du Ozean unseres Glücks.“

Anmerkung: Die folgende Einheit trägt in der Quelle31; die Reihenfolge des OCR bleibt bewahrt.

31 [Quellzählung an Position 33]

ratiṃ hitvā kāminīnāṃ nānyatsaukhyaṃ maheśvara | sā ratirdṛśyate'smābhirmahatsaukhyārthakārikā ||31||

„Außer der Liebesvereinigung gibt es für die Liebenden kein anderes Glück, großer Herr. Jene Vereinigung sehen wir als diejenige an, die großes Glück hervorbringt.“

Anmerkung: Quellnummer 31 nach 32; interne Kennung33 dient nur der Datenordnung.

34

evametattu cāsmābhiḥ kartavyaṃ bhartṛṇā saha | evaṃ śrutvā mahādevo dhyānāvasthitamānasaḥ ||34||

„So sollen auch wir dies mit unserem Gatten vollziehen.“ Als Mahadeva, dessen Geist in Meditation ruhte, dies hörte, …

35

dhyānaṃ hitvā māyayā tu provāca kālikāṃ prati | kāli kāli ruṇḍamāle priye bhairavavādini ||35||

… verließ er die Meditation und sprach unter dem Einfluss Mayas zu Kalika: „Kali, Kali, mit der Kopf-Girlande, Geliebte, furchtbar Rufende …“

36

śivarūpadhare krūre ghoradaṃṣṭre bhayānake | trailokyasundarakarī sundaryaḥ santi me'grataḥ ||36||

„… die du Shivas Gestalt trägst, Grausame, mit schrecklichen Fangzähnen, Furchteinflößende! Du Verschönerin der drei Welten, schöne Frauen stehen vor mir.“

Anmerkung: Die Lesung der Anrede त्रैलोक्यसुन्दरकरी ist geringfügig unsicher.

37

sundarīvīkṣaṇaṃ karma kuru kāli priye śive | dhyānaṃ muñca mahādevi tā gacchanti gṛhaṃ prati ||37||

„Sieh die schönen Frauen an, Kali, Geliebte, Heilvolle! Löse dich aus der Meditation, große Göttin; sie gehen nach Hause.“

38

tava rūpaṃ mahākāli mahākālapriyaṅkaram | etāsāṃ sundaraṃ rūpaṃ trailokyapriyakārakam ||38||

„Deine Gestalt, Mahakali, erfreut Mahakala; die schöne Gestalt dieser Frauen aber erfreut die drei Welten.“

36 [Quellzählung an Position 39]

evaṃ māyābhramāviṣṭo mahākālo vadacciti | iti kālavacaḥ śrutvā kālaṃ prāha ca kālikā ||36||

So sprach Mahakala, von Mayas Verwirrung ergriffen. Als Kalika diese Worte Kalas hörte, antwortete sie ihm.

Anmerkung: वदच्चिति ist unregelmäßig; der Redeeinsatz ist deutlich.

40

māyayācchādya cātmānaṃ nijastrīrūpadhāriṇī | itaḥ prabhṛti strīmātraṃ bhaviṣyati yuge yuge ||40||

Sich durch Maya verhüllend und ihre eigene Frauengestalt annehmend, [sprach sie]: „Von nun an wird das Weibliche in jedem Weltalter …“

Anmerkung: Fragment: Der Satzanschluss zur folgenden Pflanzenverwandlung ist beschädigt; keine vollständige Fluchformel rekonstruiert.

41

vallyādyauṣadhayo devi divā vallīsvarūpatām | rātrau strīrūpamāsādya ratikeliḥ parasparam ||41||

„… Ranken und andere Pflanzen …: tagsüber in der Gestalt von Ranken, nachts Frauengestalt annehmend, miteinander Liebesspiel …“

Anmerkung: Fragment: Die Handlung ist erkennbar, die grammatische Verknüpfung zu40 aber nicht zuverlässig.

42

ajñānaṃ caiva sarveṣāṃ bhaviṣyati yuge yuge | evaṃ śāpaṃ ca dattvā tu punaḥ provāca kālikā ||42||

„Unwissenheit wird alle in jedem Weltalter erfassen.“ Nachdem sie so den Fluch ausgesprochen hatte, sprach Kalika weiter.

43

viparītaratiṃ kṛtvā cintayanti bhajanti ye | teṣāṃ varaṃ pradāsyāmi nityaṃ tatra vasāmyaham ||43||

„Wer in umgekehrter Liebesstellung die Vereinigung vollzieht, meiner gedenkt und mich verehrt, dem werde ich Segen schenken; dort wohne ich immer.“

Anmerkung: Historische sexualrituelle Aussage; keine Altersangabe.

Die Suche nach Kali und das Shri-Chakra

Shivas Sehnsucht führt zur Yantra-Verehrung; Sundari erbittet Kalis Kraft.

44

ityuktvā kālikā vidyā tatraivāntaradhīyata | triśatatrikharvaṣaḍvṛndanavatyarbudakoṭayaḥ ||44||

Nachdem die Vidya Kalika so gesprochen hatte, verschwand sie an eben jener Stelle. [Es vergingen] dreihundert, drei Kharva, sechs Vrinda, neunzig Arbuda und Koti …

Anmerkung: Fragment: Die große Zeitangabe ist beschädigt; weder Maßeinheit noch Gesamtsumme sicher rekonstruierbar.

45

darśanārthaṃ tapastepe sā vai kutra gatā priyā | mama prāṇapriyā devī hā hā prāṇapriye mama ||45||

Um sie zu schauen, übte er Askese: „Wohin ist meine Geliebte gegangen? Meine lebensgeliebte Göttin! Ach, ach, meine Lebensgeliebte!“

46

kiṃ karomi kva gacchāmi ityevaṃ bhramasaṃkulaḥ | mahākālyāḥ kṛpā jātā mama cintāparaḥ śivaḥ ||46||

„Was soll ich tun? Wohin soll ich gehen?“ So war er von Verwirrung erfüllt. Mahakali empfand Erbarmen: „Shiva ist ganz im Gedanken an mich versunken.“

47

yantraprastārabuddhistu kālyā dattātisatvaram | yantrayāgaṃ tadārabhya pūrvaṃ cidghanagocarā ||47||

Kali verlieh ihm sehr rasch das Verständnis für die Entfaltung des Yantra. Von da an begann [er] die Yantra-Verehrung; zuvor war [sie] nur im Bereich verdichteten Bewusstseins erfahrbar.

Anmerkung: Die Zuordnung der letzten femininen Form ist unsicher; Ergänzungen stehen in Klammern.

48

śrīcakraṃ yantraprastāraracanābhyāsatatparaḥ | itastato bhramyamāṇastrailokyaṃ cakramadhyakam ||48||

Er widmete sich der Übung, das Shri-Chakra als Entfaltung des Yantra zu gestalten. Hierhin und dorthin wandernd [sah er] die drei Welten im Inneren des Chakra.

Anmerkung: Die Satzverbindung ist unvollständig; das deutsche Verb ist nur eine Lesehilfe.

46 [Quellzählung an Position 49]

cakrapāradarśanārthaṃ koṭyarbudayugaṃ gatam | bhaktaprāṇapriyā devī mahāśrīcakranāyikā ||46||

Um das jenseitige Ufer des Chakra zu schauen, vergingen Koti und Arbuda von Weltaltern. Die Göttin, den Verehrern so lieb wie das Leben, die große Herrin des Shri-Chakra, …

Anmerkung: Die Zeitangabe bleibt als traditionelle Großzahlbezeichnung stehen.

50

tatra bindau paraṃ rūpaṃ sundaraṃ sumanoharam | rūpaṃ jātaṃ maheśāni jāgrattripurasundarī ||50||

… nahm dort im Bindu eine höchste, schöne, überaus bezaubernde Gestalt an: die erwachte Tripurasundari, du große Herrin.

Anmerkung: Die Fügung um जाग्रत् ist unsicher; Tripurasundari ist deutlich lesbar.

591 [Quellzählung an Position 51]

rūpaṃ dṛṣṭvā mahādevī rājarājeśvaro'bhavat | tasyāḥ kaṭākṣamātreṇa tasyā rūpadharaḥ śivaḥ ||591||

Als [er] die Gestalt sah, große Göttin, wurde [er] Rajarajeshvara. Allein durch ihren Seitenblick nahm Shiva ihre Gestalt an.

Anmerkung: महादेवी kann beschädigte Anrede sein; die maskulinen Formen des übrigen Satzes bleiben maßgeblich, ohne den Sanskrit stillschweigend zu ändern.

52

vinā śṛṅgārasaṃyuktā tadā jātā maheśvarī | vinā kālyaṃśato devi jagatsthāvarajaṅgamam ||52||

„Ohne …“ – die große Herrin wurde damals mit Liebesreiz verbunden. Ohne den Anteil Kalis, Göttin, [kann] die bewegliche und unbewegliche Welt …

Anmerkung: Fragment: Der Anfang ist syntaktisch widersprüchlich; der folgende Gedanke reicht in53.

53

nāhaṅkāro na śaktitvaṃ kvāpi nāsti maheśvarī | tadā prārthitā kālī tuṣṭā provāca kālikā ||53||

… weder Ich-Bewusstsein noch Kraft besitzen, nirgends, große Herrin. Darauf wurde Kali angefleht; erfreut sprach Kalika.

Anmerkung: Das erste Wort ist aus नश्णङ्कारो unsicher als नाहङ्कारो erschlossen; der Negationsbau ist unregelmäßig.

54

sarvāsāṃ netrakeśeṣu mamāṃśo'tra bhaviṣyati | pūrvāvasthāsu deveśi mamāṃśastiṣṭhati priye ||54||

„In den Augen und Haaren aller [Frauen] wird mein Anteil sein. In ihren früheren Lebensphasen verweilt mein Anteil, Herrin der Götter, Geliebte.“

Anmerkung: पूर्वावस्थासु ist unsicher gelesen;55 benennt die Jugendphase.

55

sāvasthā taruṇākhyā tu tadante naiva tiṣṭhati | madbhaktānāṃ maheśāni sadā tiṣṭhati niścitam ||55||

„Jene Phase heißt Jugend; nach ihrem Ende bleibt [mein Anteil] nicht. Bei meinen Verehrern jedoch bleibt er gewiss immer, du große Herrin.“

56

śaktistu kuṇṭhitā jātā tathā rūpaṃ na sundaram | cintāviṣṭā tu malinā jātā tatra tu sundarī ||56||

Ihre Kraft wurde gehemmt, ihre Gestalt war nicht mehr schön. Von Sorge ergriffen, wurde Sundari dort glanzlos.

Anmerkung: Der Text macht den Übergang zu Sundari ohne nähere Erklärung.

57

kṣaṇaṃ sthitvā dhyānaparā kālīcintanatatparā | tadā kālī prasannā'bhūtkṣaṇārdhena maheśvarī ||57||

Einen Augenblick verweilte sie in Meditation, ganz dem Gedenken an Kali hingegeben. Da war die große Herrin Kali in einem halben Augenblick besänftigt.

58

varaṃ brūhi varaṃ brūhi varaṃ brūhīti sādaram | mama siddhivaraṃ dehi varo'yaṃ prārthyate mayā ||58||

„Nenne einen Wunsch, nenne einen Wunsch, nenne einen Wunsch!“, sagte sie freundlich. [Sundari antwortete:] „Schenke mir den Segen der Vollendung; diesen Segen erbitte ich.“

Anmerkung: Sundaris Sprecherzeile steht in der Quelle zwischen den Hälften.

Sprecherzeile

sundaryuvāca |

Sundari sprach.

Anmerkung: Innerhalb von58 vor ihrer Bitte.

Die Gabe des Tausendnamenhymnus

Kali lehrt ihre Namen und nennt ihre rituelle Verwendung. Sexualrituelle Aussagen gehören zum historischen Text.

56 [Quellzählung an Position 59]

tādṛgupāyaṃ kathaya yena śaktirbhaviṣyati | mama nāmasahasraṃ ca mayā pūrvavinirmitam ||56||

„Nenne mir das Mittel, durch das [mir] Kraft erwächst.“ [Kali antwortete:] „Meine tausend Namen habe ich einst selbst geschaffen …“

Anmerkung: Kalis Sprecherzeile steht zwischen den Hälften; kein neuer Vers daraus gebildet.

Sprecherzeile

kālyuvāca |

Kali sprach.

Anmerkung: Innerhalb von59 vor der Antwort.

60

matsvarūpaṃ kakārākhyaṃ medhāsāmrājyanāmakam | varadānābhidhaṃ nāma kṣaṇārdhādvaradāyakam ||60||

„… sie sind meine eigene Gestalt, unter dem Laut Ka bekannt, mit dem Namen Medha-Samrajya, ‚Herrschaft der Einsicht‘. Die Namen heißen segenspendend; in einem halben Augenblick gewähren sie Segen.“

Anmerkung: Traditionelle Verheißung des Hymnus.

61

tatpaṭhasva mahāmāye tava śaktirbhaviṣyati | tataḥ prabhṛti śrīvidyā tannāmapāṭhatatparā ||61||

„Rezitiere sie, Mahamaya; dann wird dir Kraft zuteil.“ Von da an widmete sich Shrividya der Rezitation dieser Namen.

62

tadeva nāmasahasraṃ sundarīśaktidāyakam | kathyate parayā bhaktyā sādhaye sumaheśvari ||62||

Eben diese tausend Namen, die Sundari Kraft verleihen, werden nun ausgesprochen. Verwirkliche [ihre Lehre] mit höchster Hingabe, du erhabene große Herrin.

Anmerkung: साधये ist unregelmäßig; als Aufforderung verstanden.

62 [Quellzählung an Position 63]

matsyamāṃsaistathā śukrairbahuraktairapi priye | tarpayetpūjayetkālīṃ viparītaratiṃ caret ||62||

Mit Fisch, Fleisch, Samenflüssigkeit und reichlich Blut soll er Kali sättigen und verehren, Geliebte, und die Vereinigung in umgekehrter Liebesstellung vollziehen.

Anmerkung: Historische sexualrituelle Vorschrift; Quellnummer 62 wiederholt.

64

viparītaratau devi kālī tiṣṭhati nityaśaḥ | mādhvīkapuṣpaśukrānnamaithunādyā virāgiṇī ||64||

In der umgekehrten Liebesstellung, Göttin, verweilt Kali immer. Honigwein, Blüten, Samen, Speise und Vereinigung …; [sie ist] die Leidenschaftslose.

Anmerkung: Fragment: Der Anschluss der zweiten Hälfte ist beschädigt; keine sichere Beziehung der aufgezählten Gaben zur letzten Benennung ergänzt.

65

vaiṣṇavī vyāpikā vidyā śmaśānavāsinī parā | vīrasādhanasantuṣṭā vīrāsphālananādinī ||65||

Sie ist Vaishnavi, die alles durchdringende Vidya, die Höchste, die auf dem Verbrennungsplatz wohnt; erfreut durch die Praxis der Viras, ertönend vom kraftvollen Schlag der Helden.

Anmerkung: आस्फालन kann Schlagen, Anschlagen oder kraftvolle Bewegung bezeichnen; kein bestimmtes Instrument ergänzt.

66

śivābaliprahṛṣṭātmā śivārūpādyacaṇḍikā | kāmastotrapriyātyugramānasā kāmarūpiṇī ||66||

Ihr Wesen freut sich über Shiva-Bali; sie ist die ursprüngliche Chandika in Shivas Gestalt. Sie liebt den Hymnus des Kama, ist überaus furchtbar gesinnt und nimmt jede gewünschte Gestalt an.

Anmerkung: शिवारूपाद्य ist nicht völlig sicher getrennt.

67

brahmānandaparā śambhumaithunānandatoṣitā | yogīndrahṛdayāgārā divā niśi viparyayā ||67||

Sie ist ganz der Freude Brahmans hingegeben und erfreut durch die Wonne der Vereinigung mit Shambhu. Sie wohnt im Herzen der großen Yogis und kehrt Tag und Nacht um.

Anmerkung: Die letzte Benennung ist wörtlich genommen; ihre genaue rituelle Bedeutung bleibt offen.

68

kṣaṇaṃ tuṣṭā ca pratyakṣā dantamālājapapriyā | śayyāyāṃ cumbana… veśyāsaṅgaparāyaṇaḥ ||68||

Augenblicklich besänftigt, ist sie unmittelbar gegenwärtig und liebt Japa mit einer Zahn-Mala. Auf dem Lager, küssend …, der Gemeinschaft mit einer Kurtisane hingegeben, [soll der Praktizierende …]

Anmerkung: Fragment: Das Wort nach चुम्बन ist beschädigt; die anschließende Handlungsanweisung reicht in69.

66 [Quellzählung an Position 69]

khaḍgahasto muktakeśo digambaravibhūṣitaḥ | paṭhennāmasahasrākhyaṃ medhāsāmrājyanāmakam ||66||

… mit dem Schwert in der Hand, mit gelöstem Haar und in die Himmelsrichtungen gekleidet den Tausendnamenhymnus rezitieren, der Medha-Samrajya heißt.

Anmerkung: „In die Himmelsrichtungen gekleidet“ bezeichnet Nacktheit im historischen Ritual.

70

yathā divyāmṛtairdevāḥ prasannāḥ kṣaṇamātrataḥ | tathā'nena mahākālī prasannā pāṭhamātrataḥ ||70||

Wie die Götter durch himmlischen Nektar augenblicklich erfreut werden, so wird Mahakali hierdurch allein durch die Rezitation erfreut.

Anmerkung: Die OCR hat महाकालो bei femininer Verbform; Mahakali ist kontextuell erschlossen.

Rishi, Versmaß und Anwendung

Die Versangaben und der anschließende Viniyoga nennen Mahakala, Ushnih und Dakshinakali.

71

kathyate nāmasahasraṃ sāvadhānamanāḥ śṛṇu | sarvasāmrājyamedhākhyanāmasahasrakasya ca ||71||

Nun werden die tausend Namen gesprochen; höre mit gesammeltem Geist! Für diesen Tausendnamenhymnus namens Sarva-Samrajya-Medha …

Anmerkung: Die Namensfolge wechselt im Text; nicht mit 60 stillschweigend vereinheitlicht.

72

mahākāla ṛṣiḥ prokta uṣṇikchandaḥ prakīrtitam | devatā dakṣiṇākālī māyābījaṃ prakīrtitam ||72||

… wird Mahakala als Rishi genannt, Ushnih als Versmaß und Dakshinakali als Gottheit; Maya ist als Bija angegeben.

73

hūṃ śaktiḥ kālikābījaṃ kīlakaṃ parikīrtitam | kālīvaradānādisveṣṭārthe viniyogatā ||73||

Hum ist die Shakti; Kalis Bija wird als Kilaka bezeichnet. Die Anwendung gilt dem selbst gewünschten Ziel, angefangen mit dem Empfang von Kalis Segen.

Anmerkung: हूं durch die unmittelbar folgende Prosaparallele bestätigt; Bijas erhalten keine erfundene Wortbedeutung.

74

kīlakena ṣaḍaṅgāni ṣaḍdīrgheṇa ca kārayet | dhyānaṃ ca pūrvavatkṛtvā sādhayediṣṭasādhanam ||74||

Mit dem Kilaka soll er die sechs Körperglieder unter Verwendung der sechs langen Vokalformen einsetzen. Nachdem er die Meditation wie zuvor vollzogen hat, soll er die Praxis für sein gewünschtes Ziel ausführen.

Anmerkung: Keine im Text fehlende sechsgliedrige Vollformel ergänzt.

Unnummerierte Passage

asya śrīsarvasāmrājyamedhākālīsvarūpakakārātmakasahasranāmastotrasya mahākālaṛṣiruṣṇikchandaḥ śrīdakṣiṇakālī devatā hrīṃ bījaṃ hūṃ śaktiḥ krīṃ kīlakaṃ kālīvaradānādisveṣṭārthe jape viniyogaḥ |

Für diesen ehrwürdigen Tausendnamenhymnus, der Sarva-Samrajya-Medha heißt, Kalis eigene Gestalt ist und aus dem Laut Ka besteht, ist Mahakala der Rishi, Ushnih das Versmaß und Shri-Dakshinakali die Gottheit. Hrim ist das Bija, Hum die Shakti und Krim das Kilaka. Die Anwendung beim Japa gilt den selbst gewünschten Zielen, beginnend mit dem Empfang von Kalis Segen.

Anmerkung: Unnummerierter Viniyoga nach 74. Die klar lesbare Prosafassung bestätigt die Angaben der vorangehenden Verse.

Die Namen mit dem Laut Ka

Jeder hinreichend lesbare Name wird wiedergegeben. Mehrdeutige Wörter und beschädigte Benennungen werden nicht durch passende Namen ersetzt.

75

krīṃ kālī karālī ca kalyāṇī kamalā kalā | kalāvatī kalāḍhyā ca kalāpūjyā kalātmikā ||75||

Krim. Kali; Karali, die Furchtbare; Kalyani, die Heilvolle; Kamala, die Lotusgleiche; Kala, die Kraftgestalt; Kalavati, die mit Kalas Begabte; Kaladhya, die an Kalas Reiche; Kalapujya, die durch Kalas Verehrte; Kalatmika, deren Wesen Kala ist.

Anmerkung: Die Namensreihe beginnt. कलā kann Kraftaspekt, Anteil oder Kunst bedeuten; die Mehrdeutigkeit bleibt bewahrt. Ein beschädigtes zusätzliches Lautfragment vor कराली ist ausgelassen.

76

kalādṛṣṭā kalāpuṣṭā kalāmastā kalādharā | kalākoṭi kalābhāsā kalākoṭibhiḥ prapūjitā ||76||

Kaladrishta, durch Kalas Geschaut; Kalapushta, durch Kalas Genährt; Kalamasta [Lesung und Bedeutung unsicher]; Kaladhara, Trägerin der Kalas; Kalakoti, die Millionen Kalas; Kalabhasa, Leuchten der Kalas; die von Millionen Kalas Verehrte.

Anmerkung: Fragment: कलामस्ता bleibt ungeklärt; der Schluss ist als कलाकोटिभिः प्रपूजिता gelesen, während die OCR कलाकोरिगप्रपुजिता bietet.

77

kalākarmakalādhārā kalāpārā kalāgamī | kalādhārā kamalinī kakārā karuṇā kaviḥ ||77||

Sie ist die Grundlage der Kalas und ihres Wirkens, das jenseitige Ufer der Kalas, die zu den Kalas Gehende; Trägerin der Kalas, Lotusreiche, der Laut Ka, Mitgefühl und Seherdichterin.

Anmerkung: Die Trennung von कलाकर्मकलाधारा und die Endung कलागमी sind unsicher. Der maskuline Titel कविः wird in der Göttinnenanrede sinngemäß wiedergegeben.

78

kakāravarṇasarvāṅgā kalākoṭivibhūṣitā | kakārakoṭiguṇitā kalākoṭivibhūṣaṇā ||78||

Alle ihre Glieder sind der Laut Ka. Sie ist mit Millionen Kalas geschmückt, durch Millionen Ka-Laute vervielfacht; Millionen Kalas sind ihr Schmuck.

76 [Quellzählung an Position 79]

kakāravarṇahṛdayā kakāramanumaṇḍitā | kakāravarṇanilayā kākaśabdaparāyaṇā ||76||

Ihr Herz ist der Laut Ka; sie ist mit dem Ka-Mantra geschmückt, wohnt im Laut Ka und ist dem Ruf der Krähe hingegeben.

Anmerkung: काकशब्द bedeutet hier erkennbar Krähenruf; nicht zum Ka-Laut korrigiert.

80

kakāravarṇamukuṭā kakāravarṇabhūṣaṇā | kakāravarṇarūpā ca kakaśabdaparāyaṇā ||80||

Ihr Diadem ist der Laut Ka, ihr Schmuck ist der Laut Ka, ihre Gestalt ist der Laut Ka; sie ist dem Kak-Laut hingegeben.

Anmerkung: ककशब्द ist so lesbar, weicht aber von काकशब्द in79 ab; keine Harmonisierung.

Lotus, Berg und Frucht

Die Namen verbinden Lotusbilder mit wiederkehrenden, teils ungeklärten Eigen- und Decknamen.

81

kakavīrāsphālaratā kamalākarapūjitā | kamalākaranāthā ca kamalākararūpadhṛk ||81||

Sie erfreut sich am kraftvollen Schlagen des Kak-Vira [Bezeichnung unsicher]; sie wird von Kamalakara verehrt, ist Herrin des Kamalakara und trägt seine Gestalt.

Anmerkung: Fragment: ककवीर ist nicht zuverlässig deutbar. Kamalakara bedeutet wörtlich „Lotusteich“, kann in dieser Namenreihe aber auch Eigenname sein; die Mehrdeutigkeit bleibt bestehen.

82

kamalākarasiddhisthā kamalākarapāradā | kamalākaramadhyasthā kamalākaratoṣitā ||82||

Sie wohnt in Kamalakaras Vollendung, führt an sein jenseitiges Ufer, weilt in seiner Mitte und wird durch ihn erfreut.

Anmerkung: Kamalakara wie81; keine bestimmte mythische Person ergänzt.

83

kathaṅkāraparālāpā kathaṅkāraparāyaṇā | kathaṅkārapadāntasthā kathaṅkārapadārthabhūḥ ||83||

Ihr höchstes Reden ist das „Wie?“, dem „Wie?“ ist sie hingegeben; sie steht am Ende des Ausdrucks „Wie?“ und ist der Grund seiner Bedeutung.

Anmerkung: कथङ्कार ist hier als substantivierte Frageweise verstanden; eine spezielle Lehrbedeutung wird nicht unterstellt.

824 [Quellzählung an Position 84]

kamalākṣī kamalajā kamalākṣaprapūjitā | kamalākṣavarodyuktā kakārā karburākṣarā ||824||

Sie ist lotusäugig, aus dem Lotus geboren, von dem Lotusäugigen verehrt; bereit, dem Lotusäugigen Segen zu schenken; der Laut Ka und die vielfarbig Leuchtende im Laut.

Anmerkung: Die Lesungen कमलजा und कर्बुराक्षरा sind unsicher; die OCR bietet कमला beziehungsweise कबुंराक्षरा.

85

karatārā karacchinnā karaśyāmā karārṇavā | karapūjyā kararatā karadā karapūjitā ||85||

Sie ist Kara-Tara, Kara-Chhinna, Kara-Shyama und Kara-Arnava; durch Kara verehrungswürdig, an Kara erfreut, Kara gebend und durch Kara verehrt.

Anmerkung: कर ist mehrdeutig: Hand, Strahl, Gabe oder Eigenbenennung. Die ersten vier Verbindungen sind nicht zuverlässig auflösbar; Tara, Chhinna und Shyama bleiben als Namenbestandteile erhalten.

86

karatoyā karāmarṣā karmanāśā karapriyā | karaprāṇā karakajā karakākarakāntarā ||86||

Sie ist Karatoya; Kara-Amarsha; Vernichterin des Karma; Freundin des Kara; deren Leben Kara ist; die aus Karaka Geborene; die zwischen Karaka und Karaka [steht].

Anmerkung: Fragment: Mehrere Kara-Namen und die letzte Zusammensetzung sind unsicher. कर्मनाशा aus कमंनाणा erschlossen; keine geschlossene Deutung der ganzen Reihe behauptet.

87

karakācalarūpā ca karakācalaśobhinī | karakācalaputrī ca karakācalatoṣitā ||87||

Sie hat die Gestalt des Karakachala, erstrahlt auf dem Karakachala, ist seine Tochter und wird durch ihn erfreut.

Anmerkung: Karakachala bezeichnet in dieser Namengruppe einen Berg; seine Identität wird nicht aus Vermutungen ergänzt.

88

karakācalagehasthā karakācalarakṣiṇī | karakācalasammānyā karakācalakāriṇī ||88||

Sie wohnt im Haus des Karakachala, beschützt ihn, wird von ihm geehrt und bringt ihn hervor.

86 [Quellzählung an Position 89]

karakācalavarṣāḍhyā karakācalarañjitā | karakācalakāntārā karakācalamālinī ||86||

Sie ist reich an den Regenfällen des Karakachala, von ihm erfreut, seine Wildnis und die mit ihm Bekränzte.

Anmerkung: वर्ष kann auch Landstrich oder Jahr bedeuten; die Regen-Deutung bleibt vorläufig.

90

karakācalabhojyā ca karakācalarūpiṇī | karāmalakasaṃsthā ca karāmalakasiddhidā ||90||

Sie ist die Speise des Karakachala und von seiner Gestalt; sie ruht im Kara-Amalaka und schenkt dessen Vollendung.

Anmerkung: Kara-Amalaka bedeutet wörtlich „Amalaka-Frucht in der Hand“; die wiederholte Namensreihe wird nicht ohne Quellenbeleg zu einer eigenen philosophischen Lehre ausgebaut.

91

karāmalakasampūjyā karāmalakatāriṇī | karāmalakakālī ca karāmalakarocinī ||91||

Sie wird durch Kara-Amalaka verehrt, führt darüber hinaus, ist dessen Kali und dessen Leuchten.

92

karāmalakamātā ca karāmalakasevinī | karāmalakavaddhyeyā karāmalakadāyinī ||92||

Sie ist Mutter des Kara-Amalaka und dient ihm; man soll sie wie eine Amalaka-Frucht in der Hand meditieren; sie schenkt Kara-Amalaka.

Anmerkung: Der dritte Name verwendet den Vergleich ausdrücklich; die übrigen bleiben als wiederkehrende Benennungen erkennbar.

Lotus, Baum und Schwert

Pflanzengestalten und Schwertsymbolik stehen unmittelbar nebeneinander.

93

kañjanetrā kañjagatiḥ kañjasthā kañjadhāriṇī | kañjamālāpriyakarī kañjarūpā ca kañjanā ||93||

Sie hat Lotusaugen, den Gang eines Lotus, ruht im Lotus und trägt den Lotus. Sie erfreut durch Lotusgirlanden, hat Lotusgestalt und heißt Kanjana.

Anmerkung: कञ्जना bleibt als nicht sicher deutbarer Name erhalten.

94

kañjajātiḥ kañjagatiḥ kañjahomaparāyaṇā | kañjamaṇḍalamadhyasthā kañjābharaṇabhūṣitā ||94||

Sie ist lotusgeboren, hat den Lotus als Weg und ist dem Homa mit Lotusblüten hingegeben. Sie weilt in der Mitte des Lotusmandala und trägt Lotusschmuck.

Anmerkung: कञ्जगतिः wiederholt den Namen aus 93; die Wiederholung bleibt erhalten.

95

kañjasammānaniratā kañjotpattiparāyaṇā | kañjarāśisamākārā kañjāraṇyanivāsinī ||95||

Sie widmet sich der Ehrung des Lotus und seiner Entstehung, gleicht einer Menge von Lotusblüten und wohnt im Lotuswald.

96

karañjavṛkṣamadhyasthā karañjavṛkṣavāsinī | karañjaphalabhūṣāḍhyā karañjāraṇyavāsinī ||96||

Sie weilt inmitten der Karanja-Bäume und wohnt in ihnen; sie ist reich mit Karanja-Früchten geschmückt und bewohnt den Karanja-Wald.

Anmerkung: Karanja ist eine Pflanzenbezeichnung; keine unsichere botanische Artbestimmung ergänzt.

97

karañjamālābharaṇā karavālaparāyaṇā | karavālaprahṛṣṭātmā karavālapriyāgatiḥ ||97||

Sie trägt Karanja-Girlanden als Schmuck, ist dem Schwert hingegeben, im Innersten vom Schwert erfreut und geht den dem Schwert lieben Weg.

Anmerkung: Der letzte Name ist in seiner genauen Bedeutung unsicher.

98

karavālapriyā kanyā karavālavihāriṇī | karavālamayīkarmā karavālapriyaṅkarī ||98||

Sie liebt das Schwert, ist die Jungfrau, spielt mit dem Schwert, handelt ganz durch das Schwert und erfreut das Schwert.

Anmerkung: कन्या ist hier ein Göttinnenname ohne sexuelle Handlung.

Rümpfe und Schädel

Die drastischen Namen gehören zur historischen Ikonographie Kalis. Ihre vollständige lesbare Bedeutung wird bewahrt.

99

kabandhamālābharaṇā kabandharāśimadhyagā | kabandhakūṭasaṃsthānā kabandhānantabhūṣaṇā ||99||

Sie trägt eine Girlande kopfloser Körper, weilt inmitten ihrer Menge, steht auf einem Haufen solcher Rümpfe und ist mit unendlich vielen von ihnen geschmückt.

Anmerkung: Kabandha bezeichnet einen kopflosen Rumpf; drastische historische Bildsprache wird nicht beschönigt.

100

kabandhanādasantuṣṭā kabandhāsanadhāriṇī | kabandhagṛhamadhyasthā kabandhavanavāsinī ||100||

Sie ist vom Klang der kopflosen Körper erfreut, hat sie als Sitz, weilt im Haus der Rümpfe und wohnt in ihrem Wald.

101

kabandhakāñcīkaraṇī kabandharāśibhūṣaṇā | kabandhamālājayadā kabandhadehavāsinī ||101||

Sie macht kopflose Körper zu ihrem Gürtel, schmückt sich mit ihrer Menge, schenkt durch ihre Rumpfgirlande Sieg und wohnt im Körper eines kopflosen Rumpfes.

Anmerkung: काञ्ची ist aus beschädigtem काखी erschlossen; der Gürtelbezug bleibt als unsichere Lesung erkennbar.

102

kabandhāsanamānyā ca kapālamālyadhāriṇī | kapālamālāmadhyasthā kapālavratatoṣitā ||102||

Sie wird auf einem Sitz aus kopflosen Körpern verehrt, trägt eine Schädelgirlande, weilt inmitten dieser Girlande und ist durch das Schädelgelübde erfreut.

103

kapāladīpasantuṣṭā kapāladīparūpiṇī | kapāladīpavaradā kapālakajjalasthitā ||103||

Sie ist von der Schädellampe erfreut, hat die Gestalt dieser Lampe, schenkt durch sie Segen und ruht im Ruß des Schädels.

104

kapālamālājayadā kapālajapatoṣiṇī | kapālasiddhisaṃhṛṣṭā kapālabhojanodyatā ||104||

Sie schenkt durch die Schädelgirlande Sieg, wird durch Japa mit Schädeln erfreut, freut sich über die Schädel-Siddhi und ist zum Essen aus dem Schädel bereit.

Anmerkung: Die genaue Form des कपालजप wird hier nicht erklärt.

Dichterkraft und schwarzer Schmuck

Die Göttin ist Nektar der Dichtkunst und zugleich Trägerin von Schädeln und schwarzer Augenschminke.

105

kapālavratasaṃsthānā kapālakamalālayā | kavitvāmṛtasārā ca kavitvāmṛtasāgarā ||105||

Sie ruht im Schädelgelübde und wohnt im Schädellotus. Sie ist der Nektarkern der Dichtkunst und der Ozean ihres Nektars.

106

kavitvasiddhisaṃhṛṣṭā kavitvādānakāriṇī | kavipūjyā kavigatiḥ kavirūpā kavipriyā ||106||

Sie freut sich über vollendete Dichtkunst und schenkt dichterische Begabung. Sie wird von Dichtern verehrt, ist ihr Weg, hat Dichtergestalt und liebt die Dichter.

107

kavibrahmānandarūpā kavitvavratatoṣitā | kavimānasasaṃsthānā kavivāñchāprapūriṇī ||107||

Sie ist die Brahman-Freude des Dichters, wird durch das Gelübde der Dichtkunst erfreut, wohnt im Geist des Dichters und erfüllt seine Sehnsucht.

108

kavikaṇṭhasthitā kaṃ hrīṃ kaṃkaṃkaṃ kavipūrtidā | kajjalā kajjalādānamānasā kajjalapriyā ||108||

Sie weilt in der Kehle des Dichters; kam, hrim, kam kam kam; sie schenkt dem Dichter Erfüllung. Sie ist Kajjala, der schwarze Augenschminkstoff, auf dessen Darbringung gerichtet und ihm zugetan.

Anmerkung: Fragment: Die Bija-Reihe ist beschädigt; insbesondere कं ह्रीं ist nur vorsichtig gelesen. Keine sichere Vollformel behauptet.

109

kapālakajjalasamā kajjaleśaprapūjitā | kajjalārṇavamadhyasthā kajjalānandarūpiṇī ||109||

Sie gleicht dem Ruß des Schädels, wird von Kajjalesha verehrt, weilt inmitten eines Ozeans schwarzer Augenschminke und ist die Freude des Kajjala.

Anmerkung: Kajjalesha bleibt als Eigenbenennung stehen; keine Gottheitsidentifikation erfunden.

110

kajjalāpriyasantuṣṭā kajjalapriyatoṣiṇī | kapālamālābharaṇā kapālakarabhūṣaṇā ||110||

Sie freut sich über den Kajjala-Liebenden und erfreut ihn; sie trägt eine Schädelgirlande als Schmuck, und ihre Hand ist mit einem Schädel geziert.

Anmerkung: Die Form कज्जलाप्रिय lässt auch andere Trennung zu; die erste Deutung ist vorläufig.

111

kapālakarabhūṣāḍhyā kapālacakramaṇḍitā | kapālakoṭinilayā kapāladurgakāriṇī ||111||

Sie ist reich mit dem Schädel in der Hand geschmückt, trägt den Schädelkreis, wohnt in Millionen Schädeln und errichtet eine Festung aus Schädeln.

112

kapālagirisaṃsthānā kapālacakravāsinī | kapālapātrasantuṣṭā kapālārghyaparāyaṇā ||112||

Sie steht auf einem Schädelberg, wohnt im Schädelkreis, freut sich über die Schädelschale und ist der Arghya-Gabe im Schädel hingegeben.

113

kapālārghyapriyaprāṇā kapālārghyavarapradā | kapālacakrarūpā ca kapālarūpamātragā ||113||

Die Arghya-Gabe im Schädel ist ihr so lieb wie das Leben; durch sie schenkt sie Segen. Sie hat die Gestalt des Schädelkreises und bewegt sich einzig in Schädelgestalten.

Anmerkung: Die letzte Benennung ist etwas unsicher gelesen.

Bananen, Kadamba und Moschus

Die Namenfolge verbindet Pflanzen, Duftstoffe und Verehrungsgaben mit der Gegenwart der Göttin.

114

kadalī kadalīrūpā kadalīvanavāsinī | kadalīpuṣpasamprītā kadalīphalamānasā ||114||

Sie ist die Bananenstaude, hat deren Gestalt und wohnt im Bananenhain. Sie freut sich über ihre Blüten und richtet ihren Sinn auf ihre Früchte.

Anmerkung: कदलीफलमानसा aus beschädigter OCR gelesen.

115

kadalīhomasantuṣṭā kadalīdarśanodyatā | kadalīvanamadhyasthā kadalīvanasundarī ||115||

Sie freut sich über Homa mit der Bananenstaude, ist bereit, sich in ihr schauen zu lassen, weilt inmitten des Bananenhains und ist dessen Schönheit.

Anmerkung: Die genaue Richtung des Darshana-Bezugs ist offen: Schauen der Staude oder Erscheinung bei ihr.

116

kadambapuṣpanilayā kadambavanamadhyagā | kadambakusumāmodā kadambavanatoṣiṇī ||116||

Sie wohnt in der Kadamba-Blüte, geht mitten durch den Kadamba-Wald, ist der Duft seiner Blüten und erfreut den Kadamba-Wald.

117

kadambapuṣpasampūjyā kadambapuṣpahomadā | kadambapuṣpamadhyasthā kadambaphalabhojinī ||117||

Sie wird mit Kadamba-Blüten verehrt, schenkt das Homa mit diesen Blüten, weilt in ihrer Mitte und isst Kadamba-Früchte.

118

kadambakānanāntaḥsthā kadambācalavāsinī | kacchapā kacchapārādhyā kacchapāsanasaṃsthitā ||118||

Sie steht im Inneren des Kadamba-Waldes und wohnt auf dem Kadamba-Berg. Sie ist die Schildkröte, wird von der Schildkröte verehrt und ruht auf einem Schildkrötensitz.

116 [Quellzählung an Position 119]

karṇapūrā karṇanāsā karṇāḍhyā kālabhairavī | kalaprītā kalahadā kalahā kalahāturā ||116||

Sie ist Ohrschmuck; Karna-Nasa [Lesung unsicher]; reich an Ohrschmuck; Kalabhairavi. Sie liebt den lieblichen Klang, bringt Streit, ist Streit und vom Streit ergriffen.

Anmerkung: Fragment: कर्णनासा ist nicht sicher deutbar. Klang und Streit stehen beide in der Namensreihe.

120

karṇayakṣī karṇavārtākathinī karṇasundarī | karṇapiśācinī karṇamañjarī kavikakṣadā ||120||

Sie ist die Ohr-Yakshi, die Nachrichten ins Ohr Sprechende, die Schöne des Ohrs, die Ohr-Pishachini, die Blütenrispe am Ohr und die Geberin des Dichterraums.

Anmerkung: कविकक्षदा wird vorläufig wörtlich verstanden; eine bestimmte Fähigkeit ist nicht belegt.

121

kavikakṣāvirūpāḍhyā kavikakṣasvarūpiṇī | kastūrīmṛgasaṃsthānā kastūrīmṛgarūpiṇī ||121||

Sie ist reich an … Gestalten des Dichterraums und hat dessen eigenes Wesen. Sie ruht im Moschustier und trägt dessen Gestalt.

Anmerkung: Fragment: कविकक्षाविरूपाढ्या ist nicht zuverlässig zu trennen; die Moschus-Namengruppe ist lesbar.

122

kastūrīmṛgasantoṣā kastūrīmṛgamadhyagā | kastūrīrasanīlāṅgī kastūrīgandhatoṣitā ||122||

Sie ist die Freude des Moschustiers, weilt in seiner Mitte, hat durch Moschussaft dunkel gefärbte Glieder und freut sich am Moschusduft.

123

kastūrīpūjakatrāṇā kastūrīpūjakaśriyā | kastūrīpremasantuṣṭā kastūrīprāṇadhāriṇī ||123||

Sie schützt die mit Moschus Verehrenden und ist deren Gedeihen. Sie freut sich über die Liebe zum Moschus und trägt dessen Lebenskraft.

124

kastūrīpūjakānandā kastūrīgandharūpiṇī | kastūrīmālikārūpā kastūrībhojanapriyā ||124||

Sie ist die Freude der mit Moschus Verehrenden, hat die Gestalt des Moschusdufts und einer Moschusgirlande und liebt Moschus als Speise.

125

kastūrītilakānandā kastūrītilakapriyā | kastūrīhomasantuṣṭā kastūrītarpaṇodyatā ||125||

Sie freut sich am Stirnzeichen aus Moschus und liebt dieses Zeichen. Sie freut sich über Moschus-Homa und ist zum Tarpana mit Moschus bereit.

126

kastūrīmārjanodyuktā kastūrīcakrapūjitā | kastūrīpuṣpasampūjyā kastūrīcarvaṇodyatā ||126||

Sie ist zur Reinigung mit Moschus bereit, wird im Moschuskreis verehrt, ist mit Moschusblüten zu verehren und zum Kauen von Moschus bereit.

Anmerkung: Die ungewöhnlichen Stoffverbindungen werden wörtlich bewahrt.

127

kastūrīgarbhamadhyasthā kastūrīvastradhāriṇī | kastūrīkāmodaratā kastūrīvanavāsinī ||127||

Sie weilt im Inneren des Moschusschoßes und trägt Moschusgewänder; sie ist dem Moschus-Kama … zugewandt und wohnt im Moschuswald.

Anmerkung: Fragment: कस्तूरीकामोदरता ist nicht zuverlässig zu trennen.

128

kastūrīpānasaṃrakṣā kastūrīpremadhāriṇī | kastūrīśaktinilayā kastūrīśaktikuṇḍagā ||128||

Sie schützt das Trinken von Moschus, trägt die Liebe zum Moschus, wohnt in der Moschus-Shakti und geht in deren Kunda (Becken oder Grube).

Anmerkung: Der genaue rituelle Sinn der Stoffnamen wird hier nicht erläutert.

1286 [Quellzählung an Position 129]

kastūrīkuṇḍasaṃsnātā kastūrīkuṇḍamajjanā | kastūrījīvasantuṣṭā kastūrījīvadhāriṇī ||1286||

Sie hat im Moschusbecken gebadet und taucht darin ein. Sie freut sich über das Leben des Moschus und trägt es.

130

kastūrīparamāmodā kastūrījīvanakṣamā | kastūrījātibhāvasthā kastūrīgandhacumbanā ||130||

Sie ist die höchste Duftfreude des Moschus, vermag Moschusleben zu erhalten, ruht im Wesen seiner Art und küsst seinen Duft.

Anmerkung: Die stofflichen Metaphern bleiben als solche stehen.

131

kastūrīgandhasaṃśobhāvirājitakapālabhūḥ | kastūrīmadanāntaḥsthā kastūrīmadaharṣadā ||131||

Ihre Stirn erstrahlt im Glanz des Moschusdufts. Sie wohnt im Inneren der Moschus-Liebeskraft und schenkt die Freude seines Rausches.

132

kastūrīkavitāḍhyā ca kastūrīgṛhamadhyagā | kastūrīsparśakaprāṇā kastūrīvindukāntakā ||132||

Sie ist reich an Moschusdichtung, geht mitten durch das Moschushaus, lebt in dessen Berührung und … im Moschus-Bindu.

Anmerkung: Fragment: Die letzte Benennung ist beschädigt; auch स्पर्शकप्राणा bleibt vorsichtig gelesen.

133

kastūryāmodarakṣikā kastūrīkrīḍanodyatā | kastūrīdānaniratā kastūrīvaradāyinī ||133||

Sie behütet die Duftfreude des Moschus, ist zum Moschusspiel bereit, widmet sich seiner Darbringung und schenkt seinen Segen.

Anmerkung: Die erste Zusammensetzung ist aus beschädigtem कस्टूय्यभोदरक्षिका erschlossen.

134

kastūrīsthāpanāśaktā kastūrīsthānarañjinī | kastūrīkuśalapraśnā kastūrīstutivanditā ||134||

Sie ist fähig, Moschus aufzustellen, erfreut dessen Ort, fragt nach seinem Wohlergehen und wird durch Moschus-Lobpreis verehrt.

Anmerkung: स्थापनाशक्ता ist unsicher: Das OCR könnte auch eine anhaftende oder verbundene Haltung bezeichnen.

135

kastūrīvandakārādhyā kastūrasthānavāsinī | kaharūpā kahāḍhyā ca kahānandā kahātmabhūḥ ||135||

Sie wird von den Moschus-Preisenden verehrt und wohnt am Moschusort. Sie hat die Gestalt von Kaha, ist reich an Kaha, dessen Freude und aus dessen Wesen geboren.

Anmerkung: Kaha bleibt ein hier nicht erklärter Laut- oder Deckname; kein Bija daraus ergänzt.

1265 [Quellzählung an Position 136]

kahapūjyā kahākhyā ca kahaheyā kahātmikā | kaṭumālā kaṇṭhabhūṣā kahamantrajapodyatā ||1265||

Sie wird durch Kaha verehrt, heißt Kaha, ist durch Kaha zu verlassen und hat Kaha als Wesen. Sie ist Katumala, Halszier, und dem Japa des Kaha-Mantra zugewandt.

Anmerkung: कहहेया wird wörtlich wiedergegeben, obwohl der Sinn ungewöhnlich ist. कटुमाला bedeutet wörtlich eine scharfe oder bittere Girlande; möglicherweise beschädigter Name, keine Änderung behauptet.

Kaha und Karma

Ungeklärte Lautnamen gehen in eine Reihe über Handeln, Schicksal und Ritual über.

137

kahanāmasmṛtiparā kahanāmaparāyaṇā | kahaparāyaṇaratā kahadevī kaheśvarī ||137||

Sie ist ganz dem Erinnern des Namens Kaha hingegeben, auf den Namen Kaha ausgerichtet und erfreut sich an der Hingabe an Kaha; sie ist die Kaha-Göttin und Kaha-Herrin.

Anmerkung: Der letzte Name ist aus beschädigter OCR केरी unsicher erschlossen; Kaha bleibt ein ungeklärter Laut- oder Deckname.

138

kahahetuḥ kahānandā kahanādaparāyaṇā | kahamātā kahāntasthā kahamantrā kaheśvarī ||138||

Sie ist Ursache von Kaha, Freude von Kaha, auf seinen Klang ausgerichtet; Mutter von Kaha, in seinem Inneren stehend, sein Mantra und seine Herrin.

136 [Quellzählung an Position 139]

kahageyā kahārādhyā kahadhyānaparāyaṇā | kahatantrā kahakahā kahacaryāparāyaṇā ||136||

Sie wird als Kaha besungen und verehrt, ist der Meditation über Kaha hingegeben; sie ist dessen Tantra, Kaha-Kaha und der Kaha-Praxis zugewandt.

Anmerkung: Der erste Name ist aus कट्गेया unsicher als कहगेया gelesen; कहकहा bleibt ohne sichere Einzeldeutung.

140

kahācārā kahagatiḥ kahatāṇḍavakāriṇī | kahāraṇyā kahagatiḥ kahaśaktiparāyaṇā ||140||

Sie ist Kaha-Handlungsweise, Kaha-Weg und Vollzieherin seines Tandava-Tanzes; sie ist Kaha-Wildnis, Kaha-Weg und seiner Shakti hingegeben.

Anmerkung: कहगतिः erscheint zweimal; keine vermeintliche Dublette gestrichen.

141

kaharājyanatā karmasākṣiṇī karmasundarī | karmavidyā karmagatiḥ karmatantraparāyaṇā ||141||

Sie ist im Kaha-Reich verehrt, Zeugin des Handelns und Schönheit des Handelns; Wissen um das Handeln, sein Weg und dem Tantra des Handelns hingegeben.

142

karmamātrā karmagātrā karmadharmaparāyaṇā | karmarekhānāśakarī karmarekhāvinodinī ||142||

Sie ist Maß des Handelns, hat Handeln als Körper und ist dessen Dharma zugewandt. Sie vernichtet die Schicksalslinie des Karma und spielt mit ihr.

Anmerkung: कर्मधर्म ist aus कमंघम्मं vorsichtig gelesen.

143

karmarekhāmohakarī karmakīrtiparāyaṇā | karmavidyā karmasārā karmādhārā ca karmabhūḥ ||143||

Sie verwirrt die Schicksalslinie des Karma, ist dem Ruhm des Handelns hingegeben; sie ist dessen Wissen, Kern, Grundlage und Ursprung.

144

karmakārī karmahārī karmakautukasundarī | karmakālī karmatārā karmacchinnā ca karmadā ||144||

Sie bewirkt Handeln und nimmt es hinweg, ist schön im Spiel des Handelns; sie ist Karma-Kali, Karma-Tara, Karma-Chhinna und die Geberin des Karma.

Anmerkung: Die Göttinnennamen in den Zusammensetzungen bleiben als solche stehen.

145

karmacāṇḍālinī karmavedamātā ca karmabhūḥ | karmakāṇḍaratānantā karmakāṇḍānumānitā ||145||

Sie ist die Chandalini des Handelns, Mutter des Veda vom Handeln und sein Ursprung. Sie ist die Unendliche, dem Ritualteil hingegeben und durch diesen erschlossen.

Anmerkung: Die historische Standesbezeichnung Chandalini bleibt erhalten. Die letzte Benennung ist in ihrer genauen Bedeutung unsicher.

146

karmakāṇḍaparīṇāhā kamaṭhī kamaṭhākṛtiḥ | kamaṭhārādhyahṛdayā kamaṭhakaṇṭhasundarī ||146||

Sie ist die Weite des Ritualteils, die Schildkröte, von Schildkrötengestalt; ihr Herz wird von der Schildkröte verehrt, und sie ist schön am Hals der Schildkröte.

Anmerkung: Der letzte bildhafte Name bleibt wörtlich; keine bestimmte Mythenerklärung ergänzt.

147

kamaṭhāsanasaṃsevyā kamaṭhī karmatatparā | karuṇākarakāntā ca karuṇākaravanditā ||147||

Sie wird auf dem Schildkrötensitz verehrt, ist die Schildkröte und ganz dem Handeln hingegeben. Sie ist die Geliebte des Mitgefühlsreichen und wird von ihm gepriesen.

148

kaṭhorā karamālā ca kaṭhorakucadhāriṇī | kapardinī kapaṭinī kaṭhinī kaṅkubhūṣaṇā ||148||

Sie ist die Harte, die Hand-Mala, die feste Brüste Tragende; die Verfilzthaarige, die Täuschende, die Feste und mit Kanku Geschmückte.

Anmerkung: कङ्कु ist nicht eindeutig lesbar oder deutbar; kein bestimmtes Schmuckmaterial ergänzt.

246 [Quellzählung an Position 149]

karabhorūḥ kaṭhinadā karabhā karabhālayā | kalabhāṣāmayī kalpā kalpanā kalpadāyinī ||246||

Ihre Schenkel gleichen dem Rüssel eines jungen Elefanten; sie gibt Härte, ist Karabha und dessen Wohnstatt. Sie besteht aus lieblicher Sprache, ist Ordnung, Vorstellung und Spenderin des Kalpa.

Anmerkung: करभ ist mehrdeutig und kann auch ein junges Kamel oder einen Teil der Hand bezeichnen; das Schenkelbild bleibt eine unsichere poetische Deutung. Kalpa kann Weltalter, Ordnung oder Vorstellung meinen.

150

kamalasthā kalāmālā kamalāsyā kvaṇatprabhā | kakudminī kaṣṭavatī karaṇīyakathārcitā ||150||

Sie ruht im Lotus, ist eine Girlande von Kalas, hat ein Lotusgesicht und tönenden Glanz. Sie trägt einen Gipfel oder Höcker, ist von Mühsal erfüllt und wird durch Erzählungen des zu Tuenden verehrt.

Anmerkung: Die letzten drei Namen sind beschädigt und nur vorsichtig gelesen; insbesondere करणीयकथार्चिता ist unsicher.

151

kacārcitā kacatanuḥ kacasundaradhāriṇī | kaṭhorakucasaṃlagnā kaṭisūtravirājitā ||151||

Sie wird durch Haar verehrt, hat Haar als Gestalt und trägt schönes Haar; sie ist mit festen Brüsten verbunden und erstrahlt mit einem Hüftgürtel.

Anmerkung: Die ersten Namen können Kacha auch als Eigenname verwenden; keine endgültige Zuordnung behauptet.

152

… kathākandagatiḥ kaliḥ | kalighnā kalidūtī ca kavināyakapūjitā ||152||

… sie geht zum Wurzelgrund der Erzählung und ist Kali [mit kurzem i]; sie vernichtet Kali, ist dessen Botin und wird vom Anführer der Dichter verehrt.

Anmerkung: Fragment: Die erste Namensverbindung ist nicht zuverlässig lesbar. कविनायक könnte anders getrennt sein; Kali/Kali-Vernichtung werden nicht harmonisiert.

153

kanakakṣāniyantrī ca kaścitkavivarārcitā | karaṇī ca kartṛkābhūṣā kariṇī karṇa… ||153||

Sie lenkt …; sie wird von einem hervorragenden Dichter verehrt, ist die Wirkende, trägt die Schneideklinge als Schmuck, ist die Elefantin und Karna-… .

Anmerkung: Fragment: Erster und letzter Name sind beschädigt. कर्तृकाभूषा als Schneideklingen-Schmuck nur vorsichtig gelesen.

154

karaṇeśī karaṇapā kalavācā kalānidhiḥ | kalanā kalanādhārā kalanākārikā karā ||154||

Sie ist Herrin der Sinne oder Werkzeuge, deren Hüterin, von lieblicher Rede und Schatz der Kalas. Sie ist Erfassung, Grundlage des Erfassens, dessen Vollzieherin und die Wirkende.

Anmerkung: करण und कलना sind mehrdeutig; keine einzelne Lehrbedeutung erzwungen.

Tierkreis, Gabe und dichterische Rede

Die Namen verbinden Sternbilder und historische soziale Rituale mit Sprache und Erkenntnis.

155

kalageyā karkarāśiḥ karkarāśiprapūjitā | kanyārāśiḥ kanyakā ca kanyakāpriyabhāṣiṇī ||155||

Sie ist lieblich zu besingen, das Tierkreiszeichen Krebs und von diesem verehrt; sie ist das Tierkreiszeichen Jungfrau, die Jungfrau selbst und die zu Jungfrauen freundlich Sprechende.

156

kanyakādānasantuṣṭā kanyakādānatoṣiṇī | kanyādānakarānandā kanyādānagraheṣṭadā ||156||

Sie freut sich über die Gabe einer Tochter in die Ehe und erfreut bei dieser Gabe; sie beglückt den sie Vollziehenden und schenkt beim Empfang dieser Gabe das Gewünschte.

Anmerkung: Historische Heiratsgabe, ohne hier genanntes Alter; keine heutige Empfehlung.

157

karṣaṇā kakṣadahanā kāmitā kamalāsanā | karamālānandakartrī karamālāprapoṣitā ||157||

Sie zieht an, verbrennt das Dickicht, ist die Begehrte und sitzt auf dem Lotus. Sie bewirkt die Freude an der Hand-Mala und wird durch diese genährt.

Anmerkung: Karamala bezeichnet wörtlich eine Hand-Girlande beziehungsweise das Zählen an der Hand; die genaue Verwendung bleibt hier offen.

158

karamālāśayānandā karamālāsamāgamā | karamālāsiddhidātrī karamālākarapriyā ||158||

Sie ist die Freude am Lager der Hand-Mala, mit ihr verbunden, die Spenderin ihrer Siddhi und die Freundin der sie ausführenden Hand.

Anmerkung: Die Zusammensetzungen sind wörtlich wiedergegeben; insbesondere शय kann auch Ruhe oder Lage bedeuten.

156 [Quellzählung an Position 159]

karapriyā kararatā karadānaparāyaṇā | kalānandā kaligatiḥ kalipūjyā kariprasūḥ ||156||

Sie liebt Kara, erfreut sich an Kara und ist dessen Geben hingegeben; sie ist Freude der Kala, Weg des Kali, vom Kali verehrt und Mutter der Elefanten.

Anmerkung: Kara bleibt wie85 mehrdeutig; die Quelle wechselt कलā und कलि.

160

kalanādanidānasthā kalanādavarapradā | kalanādasamājasthā kaholā ca kaholadā ||160||

Sie ruht im Ursprung lieblichen Klangs, gewährt dessen Segen und weilt in seiner Versammlung; sie ist Kahola und die Geberin des Kahola.

Anmerkung: कलनाद ist als lieblicher Klang gelesen; Kahola erscheint161 ausdrücklich als Rishi.

161

kaholagehamadhyasthā kaholavaradāyinī | kaholakavitādhārā kaholaṛṣimānitā ||161||

Sie weilt im Haus Kaholas, schenkt ihm Segen, ist die Grundlage seiner Dichtung und wird vom Rishi Kahola geehrt.

162

kaholamānasārādhyā kaholavākyakāriṇī | kartṛrūpā kartṛmayī kartṛmātā ca kartarī ||162||

Sie wird in Kaholas Geist verehrt und bringt seine Rede hervor. Sie hat die Gestalt des Handelnden, besteht aus dem Handelnden, ist dessen Mutter und selbst die Handelnde.

Anmerkung: Die kर्तृ-Reihe ist aus beschädigten Formen कतु/कत्र gelesen; die Deutung bleibt vorläufig.

163

kanīyā kanakārādhyā kanīnakamayī tathā | kanīyānandanilayā kanakānandatoṣitā ||163||

Sie ist die Kleinere, wird mit Gold verehrt und besteht aus Kaninaka [Bezeichnung unsicher]. Sie wohnt in der Freude der Kleinen und ist von der Freude des Goldes erfreut.

Anmerkung: Fragment: Die Kaniya/Kaninaka-Namen sind nicht zuverlässig erklärbar; keine Altersgestalt aus ihnen konstruiert.

164

kanīyakakarākāṣṭhā kathārṇavakarī karī | karigamyā karigatiḥ karidhvajaparāyaṇā ||164||

Sie ist Kaniyaka-Kara-Kashtha [beschädigter Name], die einen Ozean von Erzählungen Hervorbringende und die Elefantin; von Elefanten erreichbar, mit Elefantengang, dem Elefantenbanner hingegeben.

Anmerkung: Fragment: Der erste Name ist nicht sicher lesbar oder deutbar.

165

karināthapriyākaṇṭhā kathānakapratoṣitā | kamanīyā kamanakā kamanīyavibhūṣaṇā ||165||

Sie ist dem Elefantenherrn lieb bis an den Hals [Verbindung unsicher], erfreut durch Erzählungen, begehrenswert, Kamanaka und mit lieblichem Schmuck geziert.

Anmerkung: Fragment: Die erste Zusammensetzung und कमनका bleiben ungeklärt.

166

kamanīyasamājasthā kamanīyavratapriyā | kamanīyaguṇārādhyā kapilā kapileśvarī ||166||

Sie weilt in einer lieblichen Versammlung, liebt ein liebliches Gelübde und wird durch liebliche Eigenschaften verehrt; sie ist Kapila, die Goldbraune, und Kapilas Herrin.

Anmerkung: Kapila kann zugleich Eigenname sein;167 hält die Verehrerbeziehung fest.

1657 [Quellzählung an Position 167]

kapilārādhyahṛdayā kapilāpriyavādinī | kaṭucakramantravarṇā kaṭucakraprasūnakā ||1657||

Ihr Herz wird von Kapila verehrt; sie spricht Kapila freundlich an. Sie ist der Mantralaut des Katu-Chakra und dessen Blüte.

Anmerkung: Katu-Chakra ist unsicher gelesen; keine bestimmte Yantra-Anordnung ergänzt.

168

kaeīlahrīṃ svarūpā ca kaeīlahrīṃ varapradā | kaeīlahrīṃ siddhidātrī kaeīlahrīṃ svarūpiṇī ||168||

Sie hat die Gestalt von „ka e ī la hrīṃ“, schenkt durch diese Lautfolge Segen und Siddhi und trägt deren eigene Gestalt.

Anmerkung: Die Formel erscheint viermal mit unterschiedlichen OCR-Beschädigungen; die gemeinsame Lesung ist vorsichtig erschlossen, keine gesicherte diplomatische Zeichenfolge. Für die Bijas wird keine Wortbedeutung erfunden.

1656 [Quellzählung an Position 169]

kaeīlahrīṃ mantravarṇā kaeīlahrīṃ prasūkalā | … kapāṭasthā kapāṭodghāṭanakṣamā ||1656||

Sie ist der Mantralaut „ka e ī la hrīṃ“, dessen hervorbringende Kala; … sie steht am Tor und vermag es zu öffnen.

Anmerkung: Fragment: Bija-Lesung wie168 unsicher, ein weiterer Name vor कपाटस्था beschädigt. प्रसूकला bleibt vorsichtig verstanden.

Skelett, Zeit und Duft

Furchtbare und liebliche Benennungen stehen nebeneinander.

170

kaṅkālī ca kapālī ca kaṅkālapriyabhāṣiṇī | kaṅkālabhairavārādhyā kaṅkālamānasasthitā ||170||

Sie ist die Skeletttragende und die Schädeltragende, spricht freundlich zu Kankala, wird von Kankalabhairava verehrt und wohnt in Kankalas Geist.

Anmerkung: Kankala ist zugleich „Skelett“ und in diesen Verbindungen eine Eigenbenennung.

171

kaṅkālamohaniratā kaṅkālamohadāyinī | kaluṣaghnī kaluṣahā kaluṣārtivināśinī ||171||

Sie widmet sich Kankalas Bezauberung und schenkt sie. Sie vernichtet Befleckung, nimmt sie fort und zerstört die durch sie verursachte Not.

172

kalipuṣpā kalādānā kaśipuḥ kaśyapārcitā | kaśyapā kaśyapārādhyā kalipūrṇakalevarā ||172||

Sie ist Kali-Blüte, Kala-Gabe und Kashipu; von Kashyapa verehrt, Kashyapa selbst und von ihm angebetet; ihr Körper ist ganz von Kali erfüllt.

Anmerkung: Kashipu bleibt eine nicht sicher deutbare Benennung. Die Quelle liest कलि, nicht überall कालि.

173

kaleśvarakarī kāñcī kavargā ca karālakā | karālabhairavārādhyā karālabhairaveśvarī ||173||

Sie bringt den Herrn der Kala hervor, ist Kanchi, die Ka-Lautgruppe und die Furchtbare; von Karalabhairava verehrt und dessen Herrin.

Anmerkung: Kanchi kann Gürtel oder Ortsname sein; keine eindeutige Zuordnung behauptet.

174

karālā kalanādhārā kapardīśavarapradā | kapardīśapremalatā kapardimālikāyutā ||174||

Sie ist die Furchtbare, Grundlage des Erfassens, schenkt Kapardisha Segen, ist dessen Liebesranke und trägt eine Kapardi-Girlande.

Anmerkung: Kapardisha bezeichnet den Herrn mit verfilztem Haar; der Stoffbezug der letzten Girlande ist unklar.

1715 [Quellzählung an Position 175]

kapardijapamālāḍhyā karavīraprasūnadā | karavīrapriyaprāṇā karavīraprapūjitā ||1715||

Sie ist reich an der Kapardi-Japa-Mala, schenkt Karavira-Blüten, liebt Karavira wie das eigene Leben und wird damit verehrt.

Anmerkung: Karavira bleibt als Pflanzenname bewahrt; keine praktische Verwendungsempfehlung.

176

karṇikārasamākārā karṇikāraprapūjitā | karīṣāgnisthitā karṣā karṣamātrasuvarṇadā ||176||

Sie gleicht dem Karnikara und wird mit ihm verehrt; sie steht im Feuer aus getrocknetem Dung, ist Karsha und schenkt Gold im Gewicht eines Karsha.

Anmerkung: Karsha ist hier ein Gewichtsmaß; eine moderne Gewichtsmenge wird nicht erfunden.

177

kalaśā kalaśārādhyā kaṣāyā karigānadā | kapilā kalakaṇṭhī ca kalikalpalatā matā ||177||

Sie ist der Kalasha, wird durch das Gefäß verehrt, ist die Rötlichbraune und schenkt Elefantengesang; sie ist die Goldbraune, von lieblicher Stimme und gilt als Wunsch erfüllende Ranke im Kali-Zeitalter.

Anmerkung: करिगानदा ist ungewöhnlich, aber so lesbar; keine stillschweigende Korrektur.

178

kalpalatā kalpamātā kalpakārī ca kalpabhūḥ | karpūrāmodarucirā karpūrāmodadhāriṇī ||178||

Sie ist die Wunsch erfüllende Ranke, Mutter des Kalpa, dessen Schöpferin und Ursprung. Sie ist lieblich durch Kampferduft und trägt dessen Wohlgeruch.

Anmerkung: Kalpa bleibt mit seinen Bedeutungen Weltalter, Ordnung und Vorstellung mehrdeutig.

176 [Quellzählung an Position 179]

karpūramālābharaṇā karpūravāsapūrtidā | karpūramālājayadā karpūrārṇavamadhyagā ||176||

Sie trägt eine Kampfergirlande als Schmuck, schenkt die Fülle des Kampferdufts, gewährt Sieg durch die Kampfergirlande und weilt inmitten eines Kampferozeans.

180

karpūratarpaṇaratā kaṭakāmbaradhāriṇī | kapaṭeśvarasampūjyā kapaṭeśvararūpiṇī ||180||

Sie erfreut sich am Tarpana mit Kampfer, trägt Armbänder und Gewänder, wird von Kapateshvara verehrt und hat dessen Gestalt.

Anmerkung: Kapateshvara ist wörtlich „Herr der Täuschung“; seine Identität bleibt offen.

181

kaṭuḥ kavidhvajārādhyā kalāpapuṣpadhāriṇī | kalāpapuṣparucirā kalāpapuṣpapūjitā ||181||

Sie ist die Scharfe, von Kavidhvaja verehrt, Trägerin von Kalapa-Blüten; schön durch diese Blüten und mit ihnen verehrt.

Anmerkung: Kavidhvaja, wörtlich „Dichterbanner“, und Kalapa bleiben ungeklärte Benennungen; keine Pflanzenart ergänzt.

182

krakacā krakacārādhyā kathambhramā karālatā | kathaṅkāravinirmuktā kālī kālakriyā kratuḥ ||182||

Sie ist die Säge und wird durch sie verehrt; Katham-Bhrama [unsicher], Furchtbarkeit, vom „Wie?“ befreit, Kali, das Wirken der Zeit und das Opfer.

Anmerkung: Fragment: कथम्भ्रमा ist bereits in der Quelle mit Fragezeichen versehen.

Liebe, Zeit und Kamarupa

Die Namensreihe enthält ausdrücklich sexualrituelle Bilder und führt zu regionalen Verehrungsweisen.

183

kāminī kāminīpūjyā kāminīpuṣpadhāriṇī | kāminīpuṣpanilayā kāminīpuṣpapūrṇimā ||183||

Sie ist die Liebende, von Liebenden verehrt, Trägerin der Kamini-Blüte, deren Wohnstatt und deren Vollmondfülle.

Anmerkung: Kamini-Pushpa kann in diesem Ritualzusammenhang eine Gabe aus dem weiblichen Körper bezeichnen; „Blüte“ bleibt als Quellwort erhalten, ohne eine bestimmte Substanz stillschweigend einzusetzen.

184

kāminīpuṣpapūjārdrā kāminīpuṣpabhūṣaṇā | kāminīpuṣpatilakā kāminīkuṇḍacumbanā ||184||

Sie ist durch die Verehrung mit der Kamini-Blüte befeuchtet, mit ihr geschmückt und trägt sie als Stirnzeichen; sie küsst das Kunda der Liebenden.

Anmerkung: Kunda kann Becken, Grube oder ein ritualsprachlich bezeichneter Körperort sein; der sexuelle Zusammenhang ist erkennbar, die genaue Bedeutung bleibt offen.

185

kāminīyogasantuṣṭā kāminīyogabhogadā | kāminīkuṇḍasambhugnā kāminīkuṇḍamadhyagā ||185||

Sie freut sich über die Vereinigung mit der Liebenden, schenkt deren Genuss, ist in ihrem Kunda gebeugt und geht in dessen Mitte.

Anmerkung: Die Lesung सम्भुग्ना und der genaue Kunda-Bezug sind unsicher; keine bestimmte Körperhaltung ergänzt.

186

kāminīmānasārādhyā kāminīmānatoṣitā | kāminīmānasañcārā kālikā kālakālikā ||186||

Sie wird im Geist der Liebenden verehrt, ist durch deren Ehrerbietung erfreut und bewegt sich in ihrem Sinn; sie ist Kalika, die Kalika der Zeit.

Anmerkung: मान kann auch Stolz oder gekränkte Liebeshaltung meinen; die Mehrdeutigkeit bleibt bestehen.

187

kāmā ca kāmadevī ca kāmeśī kāmasambhavā | kāmabhāvā kāmaratā kāmārtā kāmamañjarī ||187||

Sie ist Verlangen, Liebesgöttin, Herrin des Verlangens und daraus geboren; ihr Wesen ist Verlangen, sie erfreut sich daran, wird davon bedrängt und ist seine Blütenrispe.

188

kāmamañjīraraṇitā kāmadevapriyāntarā | kāmakālī kāmakalā kālikā kamalārcitā ||188||

Sie erklingt im Fußglöckchen der Liebe und ist Kamadeva im Innersten lieb; sie ist Kama-Kali, Kama-Kala, Kalika und die von Kamala Verehrte.

186 [Quellzählung an Position 189]

kādikā kamalā kālī kālānalasamaprabhā | kalpāntadahanā kāntā kāntārapriyavāsinī ||186||

Sie ist Kadika, Kamala, Kali, mit dem Feuer der Zeit gleich leuchtend; sie verbrennt am Ende des Weltalters, ist die Geliebte und wohnt gern in der Wildnis.

Anmerkung: Kadika bleibt als Name stehen; keine verschlüsselte Formel ergänzt.

160 [Quellzählung an Position 190]

kālapūjyā kālaratā kālamātā ca kālinī | kālavīrā kāladhīrā kālasiddhā ca kāladā ||160||

Sie wird von Kala verehrt, erfreut sich an Kala, ist dessen Mutter und Kalini; sie ist die Heldin der Zeit, die darin Standhafte, darin Vollendete und die Geberin der Zeit.

Anmerkung: Kala kann Zeit oder Mahakala bezeichnen; die Namen erlauben beide Bezüge.

161 [Quellzählung an Position 191]

kālāñjanasamākārā kālañjaranivāsinī | kālaṛddhiḥ kālavṛddhiḥ kārāgṛhavimocinī ||161||

Sie gleicht schwarzer Augenschminke und wohnt in Kalanjara; sie ist das Gedeihen und Wachsen der Zeit und die Befreierin aus dem Gefängnis.

162 [Quellzählung an Position 192]

kādividyā kādimātā kādisthā kādisundarī | kāśī kāñcī ca kāñcīśā kāśīśavaradāyinī ||162||

Sie ist die Kadi-Vidya, deren Mutter, darin stehend und ihre Schönheit; sie ist Kashi, Kanchi und die Herrin Kanchis und schenkt dem Herrn Kashis Segen.

Anmerkung: Kadi bezeichnet eine mit Ka beginnende Mantraordnung; keine hier nicht ausgeschriebene Vollformel ergänzt.

1463 [Quellzählung an Position 193]

kroṃbījā caiva krāṃbījā hṛdayāya namaḥ smṛtā | kāmyā kāmyagatiḥ kāmyasiddhidātrī ca kāmabhūḥ ||1463||

Sie hat krom als Bija und ebenso kram als Bija; sie wird als „hridayaya namah – Verehrung dem Herzen“ bezeichnet. Sie ist die Begehrte, Weg zum Begehrten, Spenderin der gewünschten Siddhi und Ursprung des Verlangens.

Anmerkung: Die beiden Bijas sind im OCR leicht beschädigt; ihre Vokale werden nicht aus Standardmantras ersetzt.

164 [Quellzählung an Position 194]

kāmākhyā kāmarūpā ca kāmacāpavimocinī | kāmadevakalārāmā kāmadevakalālayā ||164||

Sie heißt Kamakhya, hat die Gestalt des Verlangens, lässt den Bogen Kamas los, erfreut sich an Kamadevas Kala und ist deren Wohnstatt.

165 [Quellzählung an Position 195]

kāmarātriḥ kāmadātrī kāntārācalavāsinī | kāmarūpā kālagatiḥ kāmayogaparāyaṇā ||165||

Sie ist die Nacht der Liebe, Spenderin des Begehrten und Bewohnerin des Wildnisgebirges; sie hat die Gestalt des Verlangens, ist der Gang der Zeit und der Vereinigung im Verlangen hingegeben.

166 [Quellzählung an Position 196]

kāmasammardanaratā kāmagehavikāśinī | kālabhairavabhāryā ca kālabhairavakāminī ||166||

Sie erfreut sich am Reiben in der Liebe, lässt das Haus der Liebe aufblühen und ist Kalabhairavas Gattin und Geliebte.

Anmerkung: सम्मर्दन ist vorsichtig aus सम्मदन gelesen; die konkrete Lesung bleibt unsicher.

167 [Quellzählung an Position 197]

kālabhairavayogasthā kālabhairavabhogadā | kāmadhenuḥ kāmadogdhrī kāmamātā ca kāntidā ||167||

Sie ruht in der Vereinigung mit Kalabhairava und schenkt deren Genuss. Sie ist die Wunschkuh, Melkerin des Begehrten, Mutter des Verlangens und Spenderin von Glanz.

168 [Quellzählung an Position 198]

kāmukā kāmukārādhyā kāmukānandavardhinī | kārtavīryā kārtikeyā kārtikeyaprapūjitā ||168||

Sie ist die Liebende, von Liebenden verehrt und Mehrerin ihrer Freude; sie ist Kartavirya, Kartikeya und die von Kartikeya Verehrte.

Anmerkung: Die Namensendungen sind leicht beschädigt; die Quelle stellt die Benennungen nebeneinander.

1466 [Quellzählung an Position 199]

kāryā kāraṇadā kāryakāriṇī kāraṇāntarā | kāntigamyā kāntimayī kātyā kātyāyanī ca kā ||1466||

Sie ist Wirkung, Spenderin von Ursache, Vollzieherin des Werks und in der Ursache enthalten; durch Glanz erreichbar, aus Glanz bestehend, Katya, Katyayani und Ka.

Anmerkung: Der letzte Lautname ist in der Quelle mit Fragezeichen versehen; keine Bija-Bedeutung erfunden.

200

kāmasārā ca kāśmīrā kāśmīrācāratatparā | kāmarūpācāraratā kāmarūpapriyaṃvadā ||200||

Sie ist der Kern des Verlangens und Kashmir selbst, der Kashmir-Praxis ganz hingegeben; sie erfreut sich an der Praxis Kamarupas und spricht Kamarupa freundlich zu.

Anmerkung: Die regionalen Ritualbezüge werden als Textaussagen wiedergegeben.

201

kāmarūpācārasiddhiḥ kāmarūpamanomayī | kārtikī kārtikārādhyā kāñcanāraprasūnabhūḥ ||201||

Sie ist die Vollendung der Praxis Kamarupas und besteht aus dessen Geist; sie ist Kartiki, von Kartika verehrt und Ursprung der Kanchanara-Blüte.

202

kāñcanāraprasūnābhā kāñcanāraprapūjitā | kāṃsyarūpā kāṃsyabhūmiḥ kāṃsyapātraprabhojinī ||202||

Sie leuchtet wie die Kanchanara-Blüte und wird mit ihr verehrt. Sie hat die Gestalt von Bronze, ist deren Grund und isst aus einem Bronzegefäß.

203

kāṃsyadhvanimayī kāmasundarī kāmacumbanā | kāśapuṣpapratīkāśā kāmadrumasamāgamā ||203||

Sie besteht aus dem Klang der Bronze, ist die Schönheit der Liebe und der Liebeskuss; sie gleicht den Blüten des Kasha-Grases und ist mit dem Wunschbaum vereint.

204

kāmapuṣpā kāmabhūmiḥ kāmapūjyā ca kāmadā | kāmadehā kāmagehā kāmabījaparāyaṇā ||204||

Sie ist die Blüte des Verlangens, sein Boden, durch es verehrungswürdig und Spenderin des Begehrten; ihr Körper und ihr Haus sind Verlangen, und sie ist dem Kama-Bija hingegeben.

205

kāmadhvajasamārūḍhā kāmadhvajasamāsthitā | kāśyapī kāśyapārādhyā kāśyapānandadāyinī ||205||

Sie hat das Liebesbanner bestiegen und steht darauf. Sie ist Kashyapi, wird von Kashyapa verehrt und schenkt ihm Freude.

206

kālindījalasaṅkāśā kālindījalapūjitā | kādevapūjāniratā kādevaparamārthadā ||206||

Sie gleicht dem Wasser der Kalindi und wird damit verehrt. Sie widmet sich der Verehrung des Ka-Deva und schenkt dessen höchstes Ziel.

Anmerkung: Ka-Deva ist eine ungeklärte Benennung; nicht stillschweigend zu Kamadeva erweitert.

207

kārmaṇā kārmaṇākārā kāmakārmaṇakāriṇī | kārmaṇatroṭanakarī kākinī kāraṇāhvayā ||207||

Sie ist magische Einwirkung, hat deren Gestalt, bewirkt Liebeszauber und bricht solchen Zauber. Sie ist Kakini und heißt Ursache.

Anmerkung: कार्मण bezeichnet hier magische Handlung beziehungsweise Verzauberung; Wirken und Aufheben bleiben beide genannt.

208

kāvyāmṛtā ca kāliṅgā kāliṅgamadanodyatā | kālāguruvibhūṣāḍhyā kālāguruvibhūtidā ||208||

Sie ist der Nektar der Dichtung, Kalinga und zur Bezauberung Kalingas bereit; sie ist reich mit schwarzem Aguru geschmückt und schenkt dessen Fülle.

Anmerkung: कालिङ्गा ist aus कालिद्धा unsicher gelesen; die Identität Kalingas bleibt offen.

206 [Quellzählung an Position 209]

kālāgurusugandhā ca kālāgurupratarpaṇā | kāverīnīrasamprītā kāverītīravāsinī ||206||

Sie duftet nach schwarzem Aguru und ist dessen Sättigungsgabe; sie freut sich am Wasser der Kaveri und wohnt an deren Ufer.

210

kālacakrabhramākārā kālacakranivāsinī | kānanā kānanādhārā kāruḥ kāruṇikāmayī ||210||

Sie hat die Gestalt der Drehung des Zeitrades und wohnt in ihm. Sie ist Wald, Grundlage des Waldes, die Schaffende und ganz aus Mitgefühl bestehend.

Anmerkung: कारुः kann Handwerker oder Sänger bedeuten; hier allgemein als Schaffende wiedergegeben.

211

kāmpilyavāsinī kāṣṭhā kāmapatnī ca kāmabhūḥ | kādambarīpānaratā tathā kādambarīkalā ||211||

Sie wohnt in Kampilya, ist die äußerste Grenze, Kamas Gattin und Ursprung des Verlangens. Sie erfreut sich am Trinken von Kadambari-Wein und ist dessen Kala.

212

kāmavandyā ca kāmeśī kāmarājaprapūjitā | kāmarājeśvarī vidyā kāmakautukasundarī ||212||

Sie wird von Kama gepriesen, ist Herrin des Verlangens und von Kamaraja verehrt; sie ist die Vidya Kamarajeshvari, schön im Spiel der Liebe.

Anmerkung: कामवन्द्या ist aus कामबन्या erschlossen.

213

kāmbojajā kāñcinadā kāṃsyakāñcanakāriṇī | kāñcanādrisamākārā kāñcanādripradā nadā ||213||

Sie ist in Kamboja geboren, Kanchi-Nada [unsicher], Hervorbringerin von Bronze und Gold; sie gleicht einem Goldberg, schenkt einen Goldberg und ist der Fluss.

Anmerkung: Fragment: Der zweite Name ist beschädigt; काञ्चनाद्रि aus काचनाद्रि gelesen.

214

kāmakīrtiḥ kāmakeśī kārikā kāntarāśrayā | kāmabhedī ca kāmārtināśinī kāmabhūmikā ||214||

Sie ist Ruhm des Verlangens, Kama-Keshi, die Wirkende, bei der Geliebte Zuflucht finden; sie durchbricht Verlangen, vernichtet Liebesnot und ist der Boden der Liebe.

Anmerkung: कान्तराश्रया ist unsicher getrennt; Kama-Keshi bleibt Eigenbenennung.

215

kālānalāśinī kāvyavanitā kāmarūpiṇī | kāyasthā kāmasandīptiḥ kāvyadā kālasundarī ||215||

Sie verzehrt das Feuer der Zeit, ist die Frau der Dichtung und von Wunschgestalt; sie wohnt im Körper, ist das Aufleuchten der Liebe, schenkt Dichtung und ist die Schöne der Zeit.

216

kāmeśī kāraṇavarā kāmeśapūjanodyatā | kāñcīnūpurabhūṣāḍhyā kuṅkumābharaṇānvitā ||216||

Sie ist die Herrin der Liebe, höchste Ursache und zur Verehrung Kameshas bereit; sie ist reich mit Gürtel und Fußglöckchen geschmückt und trägt Safranschmuck.

Anmerkung: कुङ्कुम wird als roter Safran- oder Kumkuma-Schmuck wiedergegeben, ohne eine bestimmte Stoffmischung festzulegen.

Pflanzen, Kula und Kumari

Die Namen verbinden Kula-Ritualbegriffe mit Pflanzen, Tieren und Kumari-Verehrung. Mehrdeutige Stoffnamen bleiben offen.

217

kālacakrā kālagatiḥ kālacakrā manobhavā | kundamadhyā kundapuṣpā kundapuṣpapriyā kujā ||217||

Sie ist das Zeitrad, der Gang der Zeit, das Zeitrad, die Geistgeborene; sie weilt inmitten des Kunda-Jasmins, ist seine Blüte, liebt diese Blüte und ist erdgeboren.

Anmerkung: कालचक्रा steht zweimal und bleibt wiederholt. Hier ist कुन्द die Pflanze, nicht कुण्ड das Becken.

218

kujamātā kujārādhyā kuṭhāravaradhāriṇī | kuñjarasthā kuśaratā kuśeśayavilocanā ||218||

Sie ist Mutter des Kuja, von ihm verehrt, Trägerin einer erhabenen Axt; sie sitzt auf dem Elefanten, erfreut sich an Kusha-Gras und hat Lotusaugen.

Anmerkung: Kuja kann den Planeten Mars bezeichnen; die Quelle erläutert ihn hier nicht.

216 [Quellzählung an Position 219]

kamaṭhī kurarī kudrā kuraṅgī kuṭajāśrayā | kumbhīnasavibhūṣā ca kumbhīnasavadhodyatā ||216||

Sie ist die Schildkröte, der Kurari-Vogel, Kudra [unsicher], die Antilope und hat im Kutaja-Baum Zuflucht. Sie trägt Kumbhinasa als Schmuck und ist bereit, Kumbhinasa zu töten.

Anmerkung: Fragment: कुद्रा ist ungeklärt; Kumbhinasa kann eine Schlange oder Eigenname sein, daher nicht festgelegt.

220

kumbhakarṇamanollāsā kulacūḍāmaṇiḥ kulā | kulālagṛhakanyā ca kulacūḍāmaṇipriyā ||220||

Sie ist Kumbhakarnas Herzensfreude, Kronjuwel des Kula und Kula selbst; Tochter aus dem Töpferhaus und Freundin des Kula-Kronjuwels.

221

kulapūjyā kulārādhyā kulapūjāparāyaṇā | kulabhūṣā tathā kukṣiḥ kurarīgaṇasevitā ||221||

Sie ist im Kula zu verehren, im Kula anzubeten und der Kula-Puja hingegeben. Sie ist Schmuck des Kula und sein Schoß und wird von Scharen von Kurari-Vögeln bedient.

222

kulapuṣpā kularatā kulapuṣpaparāyaṇā | kulavastrā kulārādhyā kulakuṇḍasamaprabhā ||222||

Sie ist die Kula-Blüte, erfreut sich am Kula und ist der Kula-Blüte hingegeben; sie trägt Kula-Gewand, wird im Kula verehrt und leuchtet wie das Kula-Kunda.

Anmerkung: Kula-Blüte und Kula-Kunda sind Ritualbegriffe; keine bestimmte Substanz oder Körperstelle ohne eindeutigen Wortlaut eingesetzt.

223

kulakuṇḍasamullāsā kuṇḍapuṣpaparāyaṇā | kuṇḍapuṣpā prasannāsyā kuṇḍagolodbhavātmikā ||223||

Sie leuchtet im Kula-Kunda auf, ist der Kunda-Blüte hingegeben, ist diese Blüte selbst und hat ein heiteres Gesicht; ihr Wesen ist das aus Kunda und Gola Entstandene.

Anmerkung: Kunda/Gola sind hier technische Ritualbenennungen; ihre genaue stoffliche Bedeutung wird in dieser Namensfolge nicht erklärt.

224

kuṇḍagolodbhavādhārā kuṇḍagolamayī kuhūḥ | kuṇḍagolapriyaprāṇā kuṇḍagolaprapūjitā ||224||

Sie ist Grundlage des aus Kunda und Gola Entstandenen, besteht aus Kunda und Gola und ist Kuhu, der Neumond. Kunda und Gola sind ihr so lieb wie das Leben; durch sie wird sie verehrt.

225

kuṇḍagolamanollāsā kuṇḍagolabalapradā | kuṇḍadevaratā kruddhā kulasiddhikarā parā ||225||

Sie ist die Herzensfreude von Kunda und Gola und schenkt ihre Kraft. Sie erfreut sich am Kunda-Gott, ist die Zornige, die höchste Vollbringerin der Kula-Siddhi.

226

kulakuṇḍasamākārā kulakuṇḍasamānabhūḥ | kuṇḍasiddhiḥ kuṇḍaṛddhiḥ kumārīpūjanodyatā ||226||

Sie gleicht dem Kula-Kunda und hat gleichen Grund; sie ist dessen Vollendung und Gedeihen und zur Kumari-Verehrung bereit.

Anmerkung: Der zweite Name ist leicht beschädigt und bleibt vorsichtig wörtlich wiedergegeben.

227

kumārīpūjakaprāṇā kumārīpūjakālayā | kumārī kāmasantuṣṭā kumārīpūjakotsukā ||227||

Sie ist die Lebenskraft der Kumari-Verehrer und deren Wohnstatt; sie ist Kumari, durch Kama oder Wunscherfüllung erfreut, und den Kumari-Verehrern zugewandt.

Anmerkung: Kumari ist eine Göttinnen- und Ritualbenennung. कामसन्तुष्टा ist mehrdeutig; dieser Vers beschreibt keine konkrete sexuelle Handlung.

228

kumārīvratasantuṣṭā kumārīrūpadhāriṇī | kumārībhojanaprītā kumārī ca kumāradā ||228||

Sie freut sich über das Kumari-Gelübde, trägt Kumari-Gestalt, ist durch die Speisung der Kumaris erfreut; sie ist Kumari und schenkt einen Sohn.

Anmerkung: Der Speisungsbezug ist deutlich; keine erotische Handlung beschrieben.

229

kumāramātā kuladā kulayoniḥ kuleśvarī | kulaliṅgā kulānandā kularamyā kutarkadhṛk ||229||

Sie ist Mutter des Kumara, Spenderin des Kula, dessen Ursprung und Herrin; sie ist Kula-Linga, Freude des Kula, im Kula lieblich und Trägerin falscher Schlussfolgerung.

Anmerkung: Der letzte Name कुतर्कधृक् bleibt in seinem ungewöhnlichen Sinn bewahrt.

230

kuntī ca kulakāntā ca kulamārgaparāyaṇā | kullā ca kurukullā ca kullukā kulakāmadā ||230||

Sie ist Kunti, Geliebte des Kula und dem Kula-Weg hingegeben; Kulla, Kurukulla, Kulluka und die Spenderin der Wünsche des Kula.

231

kuliśāṅgī kuñjikā ca kubjikānandavardhinī | kulīnā kuñjaragatiḥ kuñjareśvaragāminī ||231||

Ihre Glieder sind wie ein Vajra; sie ist der Schlüssel und Mehrerin von Kubjikas Freude. Sie gehört zum Kula, hat Elefantengang und geht zum Elefantenherrn.

Anmerkung: कुञ्जिका kann auch Eigenname sein; die wörtliche Bedeutung Schlüssel ist hier nur Lesehilfe.

232

kulapālī kulavatī tathaiva kuladīpikā | kulayogeśvarī kuṇḍā kuṅkumāruṇavigrahā ||232||

Sie ist Hüterin des Kula, dem Kula zugehörig und dessen Leuchte; Herrin des Kula-Yoga, Kunda und von einer durch Kumkuma geröteten Gestalt.

233

kuṅkumānandasantoṣā kuṅkumārṇavavāsinī | kusumā kusumaprītā kulabhūḥ kulasundarī ||233||

Sie freut sich an der Freude des Kumkuma, wohnt in dessen Ozean, ist Blüte und von Blüten erfreut, Ursprung des Kula und dessen Schönheit.

Anmerkung: कुसुमा aus beschädigtem कुमा erschlossen; der Blütenbezug folgt unmittelbar.

234

kumudvatī kumudinī kuśalā kulaṭālayā | kulaṭālayamadhyasthā kulaṭāsaṅgatoṣitā ||234||

Sie ist reich an Nachtlotussen, der Nachtlotus selbst, die Geschickte und hat ihre Wohnstatt bei der Kulata. Sie weilt in deren Haus und freut sich an ihrer Gesellschaft.

Anmerkung: Kulata ist eine historische abwertende Bezeichnung für eine als unkeusch geltende Frau; hier steht sie als positiv besetzte Ritualbenennung.

2315 [Quellzählung an Position 235]

kulaṭābhavanodyuktā kulāvartā kulārṇavā | kulārṇavācāraratā kuṇḍalī kuṇḍalākṛtiḥ ||2315||

Sie ist dem Haus der Kulata zugewandt, Wirbel des Kula und dessen Ozean; sie erfreut sich an der Praxis des Kularnava, ist die Gerollte und hat Ringgestalt.

Anmerkung: Kularnava kann hier „Ozean des Kula“ oder eine Lehrbezeichnung sein; keine sichere konkrete Schriftzuschreibung ergänzt.

236

kumatī ca kulaśreṣṭhā kulacakraparāyaṇā | kūṭasthā kūṭadṛṣṭiśca kuntalā kuntalākṛtiḥ ||236||

Sie ist fehlgeleiteter Sinn und zugleich die Beste des Kula, dem Kula-Chakra hingegeben; sie steht im Kuta, hat Kuta-Blick, ist Locke und von Lockengestalt.

Anmerkung: Kuta kann Gipfel, Unveränderliches oder Mantragruppe bedeuten; die Quelle legt den Sinn hier nicht fest.

237

kuśalākṛtirūpā ca kūrcabījadharā ca kūḥ | kukkukkuśabdaratā kukkukkuparāyaṇā ||237||

Sie hat eine heilvolle Gestalt, trägt das Kurcha-Bija und ist Ku. Sie erfreut sich am Laut „kuk kuk ku“ und ist ihm hingegeben.

Anmerkung: Fragment: Die wiederholten Ku/Kuk-Lautfolgen sind im OCR beschädigt; die Wiedergabe ist keine verlässlich vollständige Rezitationsformel.

238

kukkukkuśabdanilayā kukkurālayavāsinī | kukkurāsaṅgasaṃyuktā kukkurānantavigrahā ||238||

Sie wohnt im „kuk kuk ku“-Laut, im Haus der Hunde, ist mit ihrer Gemeinschaft verbunden und hat unendlich viele Hundegestalten.

Anmerkung: Die Lautreihe ist wie237 unsicher; die Hundebezeichnungen sind klar lesbar.

2385 [Quellzählung an Position 239]

kūrcārambhā kūrcabījā kūrcajāpaparāyaṇā | kucasparśanasantuṣṭā kucāliṅganaharṣadā ||2385||

Sie beginnt mit Kurcha, hat Kurcha als Bija, ist seinem Japa hingegeben, wird durch Berührung der Brüste erfreut und schenkt die Freude ihrer Umarmung.

Anmerkung: Anreden der Göttin ohne Altersangabe; Kurcha wird nicht ungefragt in eine ergänzte Lautform verwandelt.

240

kugatighnī kuberārcyā kucabhūḥ kulanāyikā | kugāyanā kucadharā kumātā kundadantinī ||240||

Sie vernichtet einen schlechten Daseinsweg, wird von Kubera verehrt, ist Ursprung der Brüste und Herrin des Kula; sie ist schlechte Sängerin, Brüsteträgerin, schlechte Mutter und hat Zähne wie Kunda-Jasmin.

Anmerkung: Die ungewöhnlichen ku-Benennungen sind wörtlich bewahrt; keine stillschweigende Umdeutung in ausschließlich positive Namen.

Die letzten Namen und Lautfolgen

Die Namenfolge schließt mit regionalen Bezügen, Zorngestalten und teils beschädigten Bijas.

241

kugeyā kuharābhāsā kugeyā … | kīrtiḥ kirātinī klinnā kinnarā kinnarī kriyā ||241||

Sie ist schwer oder schlecht zu besingen, leuchtet in der Höhle, ist schwer oder schlecht zu besingen …; sie ist Ruhm, die Kirata-Frau, die Feuchte, Kinnara, Kinnari und Handlung.

Anmerkung: Fragment: Ein Name vor कीर्तिः ist beschädigt; कुगेया erscheint zweimal und bleibt wiederholt.

242

krīṅkārā krīñjapāsaktā krīṃ strīṃ mantrarūpiṇī | kirmīritadṛśāpāṅgī kiśorī ca kirīṭinī ||242||

Sie ist der Laut krim, seinem Japa zugewandt, von der Gestalt des Mantra „krim strim“; mit bunt schimmerndem Seitenblick, die Jugendliche und die Gekrönte.

Anmerkung: Die Form किर्मीरितदृशापाङ्गी ist unsicher gelesen. Kishori ist hier eine Jugendbenennung der Göttin; der Vers beschreibt keine sexuelle Handlung.

243

kīṭabhāṣā kīṭayoniḥ kīṭamātā ca kīṭadā | kiṃśukā kīrabhāṣā ca kriyāsārā kriyāvatī ||243||

Sie ist die Sprache der Insekten, ihr Ursprung, ihre Mutter und ihre Geberin; sie ist der Kimshuka-Baum, die Sprache des Papageis, der Kern der Handlung und die Tätige.

244

kīṃkīṃśabdaparā klīṃklīṃklūṃklaiṃklauṃ mantrarūpiṇī | kīṃkīṃkūṃkaṃ svarūpā ca kaḥ kaḥ mantrasvarūpiṇī ||244||

Sie ist ganz dem Laut „kim kim“ hingegeben und hat die Gestalt der Mantrafolge „klim klim klum klaim klaum“. Sie hat die Gestalt von „kim kim kum kam“ und das Wesen des Mantra „kah kah“.

Anmerkung: Fragment: Sämtliche Lautfolgen dieses Verses sind im OCR unterschiedlich beschädigt. Die hier vorsichtig gelesenen Folgen sind keine verlässlich vollständigen Rezitationsformeln; fehlende Standardglieder werden nicht ergänzt.

245

ketakībhūṣaṇānandā ketakībharaṇānvitā | kekadā keśinī keśī keśisūdanatatparā ||245||

Sie freut sich an Ketaki-Schmuck und ist mit Ketaki geschmückt. Sie schenkt den Pfauenruf, ist die Haarreiche, Keshi und auf den Töter Keshis ausgerichtet.

Anmerkung: केकदा ist in der Quelle selbst fraglich; die Bedeutung Pfauenruf ist nur eine vorsichtige Lesung.

246

keśarūpā keśamuktā kaikeyī kauśikī tathā | kairavā kairavāhlādā keśarā keturūpiṇī ||246||

Sie hat Haargestalt, trägt gelöstes Haar, ist Kaikeyi und Kaushiki; sie ist der weiße Nachtlotus und dessen Freude, Keshara und von der Gestalt des Ketu.

Anmerkung: Keshara kann Staubfaden, Mähne oder eine Eigenbenennung sein; Ketu kann Banner oder Himmelskörper bedeuten.

247

keśavārādhyahṛdayā keśavāsaktamānasā | klaibyavināśinī klaiṃ klaiṃ bījajapatoṣitā ||247||

Ihr Herz wird von Keshava verehrt, ihr Geist ist Keshava zugewandt. Sie vernichtet Kraftlosigkeit und wird durch Japa des Bija „klaim klaim“ erfreut.

Anmerkung: क्लैब्य und die Lautfolge sind aus beschädigter OCR vorsichtig gelesen, keine sichere Lautfassung behauptet.

248

kauśalyā kośalākṣī ca kośā ca kamalā tathā | kolāpuranivāsā ca kolāsuravināśinī ||248||

Sie ist Kaushalya, Koshalakshi, Hülle und Kamala; sie wohnt in Kolapura und vernichtet den Dämon Kola.

Anmerkung: Koshalakshi bleibt ein Eigenname, dessen genaue Lesung offen ist.

2446 [Quellzählung an Position 249]

koṭirūpā koṭiratā krodhinī krodharūpiṇī | kekā ca kokilā koṭiḥ koṭimantraparāyaṇā ||2446||

Sie hat Millionen Gestalten, erfreut sich an Millionen, ist die Zornige und Zorngestalt; sie ist der Pfauenruf, der Kuckuck, die Million und Millionen Mantras hingegeben.

250

koṭyanantamantrayutā kaṃrūpā keralāśrayā | keralācāranipuṇā keralendragṛhasthitā ||250||

Sie ist mit unendlich vielen Millionen Mantras verbunden, hat die Gestalt von kam und ihren Sitz in Kerala; sie ist kundig in der Kerala-Praxis und weilt im Haus des Herrn Keralas.

251

kedārāśramasaṃsthā ca kedāreśvarapūjitā | krodharūpā krodhapadā krodhamātā ca kauśikī ||251||

Sie steht im Kedara-Ashrama, wird von Kedareshvara verehrt, ist Zorngestalt, Ort des Zorns, Mutter des Zorns und Kaushiki.

252

kodaṇḍadhāriṇī krauñcā kauśilyā kaulamārgagā | kaulinī kaulikārādhyā kaulikāgāravāsinī ||252||

Sie trägt den Bogen, ist der Krauncha-Vogel, Kaushilya und geht den Kaula-Weg; sie ist Kaulini, wird von Kaulas verehrt und wohnt in ihrem Haus.

Anmerkung: क्रौञ्चा ist aus क्रौखा vorsichtig gelesen; कौशिल्या bleibt als abweichende Namensform stehen.

253

kautukī kaumudī kaulā kumārī kauravārcitā | kauṇḍinyā kauśikī krodhā jvālābhāsurarūpiṇī ||253||

Sie ist die Spielfreudige, das Mondlicht, Kaula, Kumari, von den Kauravas verehrt; Kaundinya, Kaushiki, Zorn und von einer flammend leuchtenden Gestalt.

254

koṭikālānalajvālā koṭimārtaṇḍavigrahā | kṛttikā kṛṣṇavarṇā ca kṛṣṇakṛtyā kriyāturā ||254||

Sie ist die Flamme von Millionen Weltzeitfeuern, von der Gestalt von Millionen Sonnen; sie ist Krittika, schwarz gefärbt, von dunklem Wirken und nach Handlung verlangend.

255

kṛśāṅgī kṛtakṛtyā ca kraḥ phaṭ svāhā svarūpiṇī | krauṃ krauṃ huṃ phaṭ mantravarṇā krāṃ… phaṭ svarūpiṇī ||255||

Sie ist schlankgliedrig, hat alles zu Tuende vollbracht und ist von der Gestalt „krah phat svaha“. Ihre Mantralaute sind „kraum kraum hum phat“; sie hat die Gestalt „kram … phat“.

Anmerkung: Fragment: Die letzte Bija-Reihe ist beschädigt; auch die Vokalzeichen der vorangehenden Reihe sind nicht vollständig sicher.

256

krīṃ krīṃ hrīṃ … huṃ huṃ phaṭ svāhā mantrarūpiṇī | iti śrīsarvasāmrājyamedhānāmasahasrakam ||256||

Sie hat die Mantragestalt „krim krim hrim … hum hum phat svaha“. So [endet die Namenfolge] des ehrwürdigen Sarva-Samrajya-Medha-Tausendnamenhymnus …

Anmerkung: Fragment: Die Lautfolge ist beschädigt; keine fehlenden Silben ergänzt. Der Satz zur Benennung reicht in257.

Geheimhaltung und verheißene Früchte

Die Quelle nennt Rezitationszeiten und weitreichende Wirkungsversprechen. Sie werden als historische Aussagen bewahrt.

257

sundarīśaktidānākhyaṃ svarūpābhidhameva ca | kathitaṃ dakṣiṇākālyāḥ sundaryai prītiyogataḥ ||257||

… der „Kraftgabe an Sundari“ und „Eigene Gestalt“ heißt. Er wurde als [Hymnus] Dakshinakalis aus Liebe zu Sundari mitgeteilt.

258

varadānaprasaṅgena rahasyamapi darśitam | gopanīyaṃ sadā bhaktyā paṭhanīyaṃ parasparam ||258||

Im Zusammenhang der Segensgabe wurde auch das Geheimnis offenbart. Es ist stets geheim zu halten und hingebungsvoll untereinander zu rezitieren.

2586 [Quellzählung an Position 259]

prātarmadhyāhnakāle ca madhyārdharātrayorapi | yajñakāle japānte ca paṭhanīyaṃ viśeṣataḥ ||2586||

Morgens, mittags sowie in der Mitte und Hälfte der Nacht soll man ihn rezitieren, besonders zur Opferzeit und am Ende des Japa.

Anmerkung: मध्यार्धरात्रयोः ist eine ungewöhnliche, nicht völlig sichere Zeitangabe; keine eindeutige Uhrzeit daraus abgeleitet.

260

yaḥ paṭhetsādhako dhīraḥ kālīrūpo hi varṣataḥ | paṭhedvā pāṭhayedvāpi śṛṇoti śrāvayedapi ||260||

Der standhafte Sadhaka, der ihn rezitiert, soll nach einem Jahr Kalis Gestalt erlangen. Wer ihn liest, lesen lässt, hört oder anderen zu Gehör bringt …

Anmerkung: Beginn der traditionellen Fruchtverheißungen.

261

vācakaṃ toṣayedvāpi sa bhavetkālikātanuḥ | sahelaṃ vā salīlaṃ vā yaścainaṃ mānavaḥ paṭhet ||261||

… oder den Vortragenden erfreut, soll Kalis Leibgestalt werden. Der Mensch, der ihn beiläufig oder spielerisch rezitiert, …

262

sarvaduḥkhavinirmuktastrailokyavijayī kaviḥ | mṛtavandhyā kākavandhyā kanyāvandhyā ca vandhyakā ||262||

… werde von allem Leid befreit, Sieger über die drei Welten und Dichter. Eine Frau, deren Kinder sterben, die nach einem Kind kein weiteres bekommt, die nur Töchter gebiert oder unfruchtbar ist …

Anmerkung: Historische Kategorien und Wertungen des Textes; keine medizinische Diagnose oder heutige Bewertung.

263

puṣpavandhyā śūlavandhyā śṛṇuyātstotramuttamam | sarvasiddhipradātāraṃ satkaviṃ cirajīvitam ||263||

… eine Frau mit Pushpa-Vandhya oder Shula-Vandhya soll diesen vortrefflichen, alle Siddhis schenkenden Hymnus hören. [Man erlange] gute Dichtkunst und langes Leben …

Anmerkung: Die beiden historischen Unfruchtbarkeitsbezeichnungen bleiben ohne unsichere medizinische Gleichsetzung. Der Satzanschluss der letzten Wörter ist grammatisch beschädigt.

264

pāṇḍityaṃ kīrtisaṃyuktaṃ labhate nātra saṃśayaḥ | yaṃ yaṃ kāmamupaskṛtya kālīṃ dhyātvā japetstavam ||264||

… und mit Ruhm verbundene Gelehrsamkeit; daran bestehe kein Zweifel. Welchen Wunsch jemand vorbereitet, über Kali meditiert und den Hymnus rezitiert …

Anmerkung: Die Sicherheit ist eine Behauptung des historischen Textes.

Gaben und die Schau Kalis

Der Text beschreibt materielle und sexualrituelle Opfergaben, anschließend zahlreiche Siddhi-Verheißungen.

265

taṃ taṃ kāmaṃ kare kṛtvā mantrī bhavati nānyathā | yonipuṣpairliṅgapuṣpaiḥ kuṇḍagolairnavairapi ||265||

… den jeweiligen Wunsch halte der Mantrapraktizierende in seiner Hand; anders sei es nicht. Mit Yoni-Blüten, Linga-Blüten und auch frischen Kunda- und Gola-Gaben …

Anmerkung: Die letzte Form ist in der Quelle fraglich. Die sexualrituellen Stoffnamen bleiben erkennbar, ohne ungesicherte Einzelsubstanzen einzusetzen.

266

saṃyogāmṛtapuṣpaiśca vasvadevīprasūnakaiḥ | kālipuṣpaiḥ pīṭhatoyairyonikṣālanatoyakaiḥ ||266||

… mit Blüten des Nektars der Vereinigung, Vasvadevi-Blüten, Kali-Blüten, Wasser des Pitha und Wasser vom Waschen der Yoni …

Anmerkung: वस्वदेवी ist unsicher; der Begriff wird nicht durch einen geratenen Namen ersetzt.

267

kastūrīkuṅkumairdevīṃ nakhakālāgurukramāt | aṣṭagandhairdhūpadīpairyavayā yavasaṃyutaiḥ ||267||

… mit Moschus und Kumkuma, sodann Nakha und schwarzem Aguru, mit den acht Duftstoffen, Räucherwerk und Lampen sowie … mit Gerste verbundenen [Gaben] soll man die Göttin …

Anmerkung: Fragment: Die Schlussfügung यवया यवसंयुतैः ist beschädigt. Nakha bleibt eine Stoffbezeichnung ohne unsichere Artbestimmung.

268

raktacandanasindūrairmatsyamāṃsādibhūṣaṇaiḥ | madhubhiḥ pāyasaiḥ kṣīraiḥ śodhitaiḥ śoṇitairapi ||268||

… mit rotem Sandel und Sindura, Fisch, Fleisch und weiteren Ausschmückungen, mit Honig, Milchreis, Milch sowie gereinigtem Blut …

Anmerkung: „Gereinigt“ ist rituell zu verstehen; keine hygienische Aussage.

2686 [Quellzählung an Position 269]

mahopacārai raktaiśca naivedyaiḥ surasānvitaiḥ | pūjayitvā mahākālīṃ mahākālena lālitām ||2686||

… mit großen Verehrungsgaben, roten oder blutigen [Gaben] und schmackhaften Opferspeisen verehren – Mahakali, die von Mahakala liebkost wird.

Anmerkung: रक्तैः bleibt mehrdeutig; keine ausschließlich blutfreie Deutung eingesetzt.

270

vidyārājñīṃ kullukāṃ japtvā stotraṃ japecchive | kālībhaktastvekacittaḥ sindūratilakānvitaḥ ||270||

Nachdem er die Königin der Vidyas und die Kulluka rezitiert hat, soll er den Hymnus sprechen, du Heilvolle. Der Kali-Verehrer soll gesammelt sein und ein Stirnzeichen aus Sindura tragen …

Anmerkung: Die genaue Trennung von Vidyarajni und Kulluka ist nicht ganz sicher.

271

tāmbūlapūritamukho muktakeśo digambaraḥ | śavayonisthito vīraḥ śmaśānasuratānvitaḥ ||271||

… den Mund voller Betel, mit gelöstem Haar und unbekleidet; als Vira in der Shava-Yoni stehend, der Liebesvereinigung auf dem Verbrennungsplatz verbunden.

Anmerkung: Shava-Yoni bedeutet wörtlich Leichen-Yoni beziehungsweise Leichen-Ursprungsort. Die genaue Ritualanordnung ist nicht erklärt; keine zusätzliche Handlung ergänzt.

272

śūnyālaye bindupīṭhe puṣpākīrṇe śivānane | śayānotthaprabhuñjānaḥ kālīdarśanamāpnuyāt ||272||

In einer leeren Wohnstatt, am blütenbestreuten Bindu-Pitha, du Heilgesichtige, soll er im Liegen, Aufstehen und Essen die Schau Kalis erlangen.

273

tatra yadyatkṛtaṃ karma tadanantaphalaṃ bhavet | aiśvarye kamalā sākṣātsiddhau śrīkālikāmbikā ||273||

Welche Handlung dort auch vollzogen wird, sie soll unendliche Frucht tragen. An Herrlichkeit werde [der Verehrer] Kamala selbst, an Vollendung Shri-Kalikambika …

274

kavitve tāriṇītulyaḥ saundarye sundarīsamaḥ | sindhordhārāsamaḥ kāvye śrutau śrutidharastathā ||274||

… in der Dichtkunst Tarini gleich, an Schönheit Sundari gleich; in der Dichtung wie ein Meeresstrom und beim Hören einer, der das Gehörte bewahrt.

Anmerkung: काव्ये ist aus काय्य erschlossen; die doppelte Dichtkunstverheißung bleibt erhalten.

275

vajrāstra iva durdharṣastrailokyavijayāstrabhṛt | śatruhantā kāvyakartā bhavecchivasamaḥ kalau ||275||

Unbezwingbar wie die Vajra-Waffe, Träger der Waffe zum Sieg über die drei Welten, Feindetöter und Dichter soll er im Kali-Zeitalter Shiva gleichen.

276

digvidikcandrakartā ca divā rātriviparyayī | mahādevasamo yogī trailokyastambhakaḥ kṣaṇāt ||276||

Er soll Monde in Haupt- und Zwischenrichtungen erschaffen, Tag und Nacht verkehren und als Yogi Mahadeva gleichen, die drei Welten augenblicklich erstarrend machend.

Anmerkung: Traditionelle übernatürliche Wirkungszusage.

277

gānena tumburuḥ sākṣāddāne karṇasamo bhavet | gajāśvarathapattīnāmastrāṇāmadhipaḥ kṛtī ||277||

Im Gesang soll er Tumburu selbst gleichen, im Geben Karna. Erfolgreich werde er Herr über Elefanten, Pferde, Wagen, Fußtruppen und Waffen.

278

āyuṣyeṣu bhuśuṇḍī ca jarāpalitanāśakaḥ | varṣaṣoḍaśavānbhūyātsarvakāle maheśvarī ||278||

An Lebensdauer soll er Bhushundi gleichen, Alter und graues Haar vernichten und zu jeder Zeit wie ein Sechzehnjähriger sein, du große Herrin.

Anmerkung: Traditionelle Verjüngungsverheißung; Bhushundi ist aus मुशुण्डी vorsichtig gelesen.

276 [Quellzählung an Position 279]

brahmāṇḍagole deveśi na tasya durlabhaṃ kvacit | sarvaṃ hastagataṃ bhūyānnātra kāryā vicāraṇā ||276||

In der ganzen Sphäre des Welteneies soll ihm nirgends etwas schwer erreichbar sein, Herrin der Götter. Alles werde ihm verfügbar; daran solle kein Zweifel bestehen.

Anmerkung: So lautet die Verheißung des Textes, keine heutige Tatsachenbehauptung.

Weitere historische Anwendungen

Die Anwendungen verbinden Partnerverehrung, Japa, Opfer und ausgewählte Orte und Zeiten. Lesbare Vorschriften werden nicht durch eine Zusammenfassung ersetzt.

280

kulapuṣpayutaṃ dṛṣṭvā tatra kālīṃ vicintya ca | vidyārājñīṃ tu sampūjya paṭhennāmasahasrakam ||280||

Wenn er [etwas] mit der Kula-Blüte Verbundenes sieht, soll er dort Kali betrachten, die Königin der Vidyas verehren und die tausend Namen rezitieren.

Anmerkung: Das Bezugswort des ersten Adjektivs fehlt; keine bestimmte Person oder Gabe ergänzt.

281

manorathamayī siddhistasya haste sadā bhavet | paradārānsamāliṅgya sampūjya parameśvarīm ||281||

Die Vollendung seiner inneren Wünsche soll ihm stets verfügbar sein. Nachdem er die Frau eines anderen umarmt und die höchste Herrin verehrt hat, …

Anmerkung: Beginn einer weiteren historischen Ritualanweisung; keine moderne Praxisanregung.

282

hastāhastikayā yogaṃ kṛtvā japtvā stavaṃ paṭhet | yoniṃ vīkṣya japetstotraṃ kuberādadhiko bhavet ||282||

… soll er eine Hand-in-Hand-Verbindung vollziehen, Japa ausführen und den Hymnus lesen. Indem er die Yoni betrachtet und den Hymnus rezitiert, soll er Kubera übertreffen.

Anmerkung: Die genaue Handlung हस्ताहस्तिका wird nicht erläutert; keine konkrete Technik hinzugefügt.

283

kuṇḍagolodbhavaṃ gṛhya varṇāktaṃ homayenniśi | pitṛbhūmau maheśāni vidhirekhāṃ pramārjayet ||283||

Er soll das aus Kunda und Gola Entstandene nehmen und nachts, mit Varna versehen, auf dem Verbrennungsplatz im Homa darbringen, große Herrin; damit soll er die Schicksalslinie auslöschen.

Anmerkung: वर्णाक्तं ist unsicher: mit Farbe oder Lauten versehen. Die Stoffidentität von Kunda/Gola wird nicht geraten.

284

taruṇīṃ sundarīṃ ramyāṃ … samanvitām | samānīya prayatnena saṃśodhya nyāsayogataḥ ||284||

Er soll sorgfältig eine junge erwachsene, schöne, liebliche Frau herbeibringen, die mit … ausgestattet ist, und sie durch Nyasa rituell reinigen …

Anmerkung: Fragment: Ein körperliches Attribut ist beschädigt. तरुणी bezeichnet hier eine junge Frau; kein bestimmtes Alter genannt.

285

prasūnamañcaṃ saṃsthāpya pṛthivīṃ vaśitāṃ nayet | mūlacakraṃ tu sambhāvya devyāścāvaraṇasaṃyutam ||285||

… und ein Blütenlager errichten; [so] soll er die Erde unter seine Gewalt bringen. Er soll das Mula-Chakra mitsamt den Umhüllungen der Göttin vergegenwärtigen …

Anmerkung: Der erste Schluss ist aus कशितारेत् unsicher als Unterwerfung gelesen; आवरण aus चरण vorsichtig erschlossen.

286

sampūjya parameśāni saṅkalpya tu maheśvari | japtvā stutvā maheśānīṃ praṇavaṃ saṃsmarecchive ||286||

… es verehren und den Entschluss fassen, höchste Herrin; nachdem er Japa vollzogen und die große Göttin gepriesen hat, soll er sich des Pranava erinnern, du Heilvolle.

287

aṣṭottaraśatairyoniṃ pramanthyācumbya yatnataḥ | saṃyogī bhūya japtavyaṃ sarvavidyādhipo bhavet ||287||

Hundertachtmal soll er die Yoni bewegen und sorgfältig küssen; sodann soll er in Vereinigung Japa vollziehen. [So] soll er Herr über alle Vidyas werden.

Anmerkung: Historische sexualrituelle Vorschrift im Zusammenhang der erwachsenen Partnerin aus 284; keine heutige Handlungsanregung.

2808 [Quellzählung an Position 288]

śūnyāgāre śivāraṇye śivadevālaye tathā | śūnyadeśe taḍāge ca gaṅgāgarbhe catuṣpathe ||2808||

In einem leeren Haus, in Shivas Wald und in einem Shiva-Tempel, an einem menschenleeren Ort, an einem Teich, mitten in der Ganga oder an einer Wegkreuzung …

Anmerkung: Die Ortsliste reicht bis 290.

2846 [Quellzählung an Position 289]

śmaśāne parvataprānte ekaliṅge śivāmukhe | muṇḍayonau ṛtau snātvā gehe veśyāgṛhe tathā ||2846||

… auf dem Verbrennungsplatz, am Rand eines Berges, an einem einzelnen Linga, am Shiva-Mukha, an der Munda-Yoni, nach einem Bad zur rechten Zeit, im eigenen Haus oder im Haus einer Kurtisane …

Anmerkung: Shiva-Mukha und Munda-Yoni bleiben unklare Orts- oder Ritualbezeichnungen; ऋतु kann auch die Menstruationszeit meinen, der Bezug ist nicht gesichert.

250 [Quellzählung an Position 290]

kuṭṭinīgṛhamadhye ca kadalīmaṇḍape tathā | paṭhetsahasranāmākhyaṃ stotraṃ sarvārthasiddhaye ||250||

… im Haus einer Kupplerin oder in einem Bananenpavillon soll er den Tausendnamenhymnus zur Erreichung aller Ziele rezitieren.

251 [Quellzählung an Position 291]

araṇye śūnyagarte ca raṇe śatrusamāgame | prajapecca tato nāma kālyāścaiva sahasrakam ||251||

Im Wald, in einer leeren Grube, im Kampf und bei der Begegnung mit Feinden soll er die tausend Namen Kalis rezitieren.

262 [Quellzählung an Position 292]

bālānandaparo bhūtvā paṭhitvā kālikāstavam | kālīṃ vicintya prajapetpaṭhennāmasahasrakam ||262||

Ganz auf die Freude Balas ausgerichtet, soll er Kalikas Hymnus lesen, Kali betrachten, Japa vollziehen und die tausend Namen rezitieren.

Anmerkung: Bala bleibt hier als mögliche Göttinnenbenennung stehen; die Lesung beziehungsweise Beziehung ist nicht sicher und bezeichnet keine ausdrücklich beschriebene sexuelle Handlung.

262 [Quellzählung an Position 293]

sarvasiddhīśvaro bhūyādvāñchāsiddhīśvaro bhavet | muṇḍacūḍakayoryonau tvaci vā komale śive ||262||

Er soll Herr über sämtliche Siddhis und die Vollendung seiner Wünsche werden. Auf oder in der Yoni von Munda und Chudaka, oder auf weicher Haut, du Heilvolle, …

Anmerkung: Fragment: Die Sitz- oder Stoffbezeichnungen मुण्डचूडकयोर्योनौ sind beschädigt; keine bestimmte Person oder Körperanordnung ergänzt.

2964 [Quellzählung an Position 294]

viṣṭare śavavastre vā puṣpavastrāsane'pi vā | muktakeśo diśāvāsā maithunī śayane sthitaḥ ||2964||

… auf einem Sitz, einem Leichentuch oder einem Sitz aus Blütenstoff soll er mit gelöstem Haar, unbekleidet, in sexueller Vereinigung auf dem Lager verweilen …

Anmerkung: Die besondere Sitzbestimmung aus 293 bleibt unsicher; diese Zeile nennt keine Altersangabe.

2465 [Quellzählung an Position 295]

japtvā kālīṃ paṭhetstotraṃ khecarīsiddhibhāgbhavet | cikuraṃ yogamāsādya śukrotsāraṇameva ca ||2465||

… Kalis Mantra rezitieren und den Hymnus lesen; so soll er an der Khechari-Siddhi teilhaben. Nachdem er … die Vereinigung und das Ausströmen des Samens erreicht hat …

Anmerkung: Fragment: चिकुरं योगम् ist nicht sicher zu verbinden; die Samenentleerung ist ausdrücklich genannt.

266 [Quellzählung an Position 296]

japtvā śrīdakṣiṇāṃ kālīṃ śaktipātaśataṃ bhavet | latāṃ spṛśanjapitvā ca ramitvā tvarcayannapi ||266||

… und Shri-Dakshinakali rezitiert hat, soll hundertfacher Shaktipata entstehen. Die Lata (rituelle Partnerin) berührend, rezitierend, sich mit ihr vereinigend und sie verehrend …

2467 [Quellzählung an Position 297]

ālokayandiśāvāsāḥ paravarṇāktaṃ viśeṣataḥ | stutvā śrīdakṣiṇāṃ kālīṃ yoniṃ svakaragāṃ caret ||2467||

… unbekleidet betrachtend, besonders mit Para-Varna versehen …, soll er Shri-Dakshinakali preisen und die Yoni mit der eigenen Hand behandeln.

Anmerkung: Fragment: परवर्णाक्तं und sein Bezug sind unklar; keine zusätzliche rituelle Substanz oder Technik ergänzt.

2568 [Quellzählung an Position 298]

paṭhennāmasahasraṃ yaḥ sa śivādadhiko bhavet | latāntareṣu japtavyaṃ stutvā kālīṃ nirākulaḥ ||2568||

Wer die tausend Namen rezitiert, soll Shiva übertreffen. Zwischen den Latas soll er, nachdem er Kali gepriesen hat, ungestört Japa vollziehen.

Anmerkung: Lata ist im Zusammenhang die Ritualpartnerin, wörtlich Ranke; der Plural wird bewahrt.

266 [Quellzählung an Position 299]

daśāvadhāno bhavati māsamātreṇa sādhakaḥ | kālarātryāṃ mahārātryāṃ vīrarātryāmapi priye ||266||

Der Sadhaka soll in nur einem Monat zu zehnfacher gleichzeitiger Aufmerksamkeit fähig werden. In Kalaratri, Maharatri und Viraratri, Geliebte, …

Anmerkung: Avadhana ist die gleichzeitige geistige Bewältigung mehrerer Aufgaben; die Zahl zehn ist eine Textverheißung.

300

mahārātryāṃ caturdaśyāmaṣṭamyāṃ saṃkrame'pi vā | kuhūpūrṇenduśukreṣu bhaumāmāyāṃ niśāmukhe ||300||

… in der großen Nacht, am vierzehnten oder achten Mondtag, bei einem Sonnenübergang, an Neumond, Vollmond oder Freitag, bei einem auf Dienstag fallenden Neumond zu Beginn der Nacht …

Anmerkung: Die genaue Trennung der Kalenderkombinationen ist teilweise unsicher.

301

navamyāṃ maṅgaladine tathā kulatithau śive | kulakṣetre prayatnena paṭhennāmasahasrakam ||301||

… am neunten Mondtag, am Dienstag oder an einem Kula-Mondtag, du Heilvolle, soll er an einem Kula-Ort sorgfältig die tausend Namen rezitieren.

Linga-Ort und weitere Ritualfolgen

Die Quelle setzt ihre detaillierten Anwendungen und Machtverheißungen fort.

302

sudarśano bhavedāśu kinnarīsiddhibhāgbhavet | paścimābhimukhaṃ liṅgaṃ vṛṣaśūnyaṃ purātanam ||302||

Er soll rasch schön anzusehen sein und die Kinnari-Siddhi erlangen. [Bei] einem alten, nach Westen gerichteten Linga ohne Stier …

Anmerkung: Die Endung von Kinnari ist beschädigt; keine bestimmte Gestalt oder Handlung daraus rekonstruiert.

303

tatra sthitvā japetstotraṃ sarvakāmāptaye śive | bhaumavāre niśīthe vā amāvāsyādine śubhe ||303||

… soll er verweilen und den Hymnus rezitieren, um alle Wünsche zu erfüllen, du Heilvolle, am Dienstag um Mitternacht oder an einem günstigen Neumondtag.

304

māṣabhaktabaliṃ chāgaṃ kṛsarānnaṃ ca pāyasam | dagdhamīnaṃ śoṇitaṃ dadhi dugdhaṃ guḍārdrakam ||304||

Eine Bali-Gabe aus Bohnen und Reis, einen Ziegenbock, eine Reis-Hülsenfrucht-Speise und Milchreis, gebratenen Fisch, Blut, Sauermilch, Milch, Zucker und frischen Ingwer …

305

baliṃ dattvā japettatra tvaṣṭottarasahasrakam | devagandharvasiddhaughaiḥ sevitāṃ surasundarīm ||305||

… soll er als Bali geben und dort tausendachtmal rezitieren. Eine himmlische Schöne, bedient von Scharen von Göttern, Gandharvas und Siddhas, …

Anmerkung: Die Verheißung wird306 abgeschlossen.

306

labheddeveśi māsena tasya cāsanasaṃhatiḥ | hastatrayaṃ bhavedūrdhvaṃ nātra kāryā vicāraṇā ||306||

… soll er in einem Monat erlangen, Herrin der Götter; sein Sitz soll drei Hasta hoch [emporgehoben] sein. Daran solle kein Zweifel bestehen.

Anmerkung: आसनसंहतिः ist nicht ganz sicher; das Bild einer Erhebung des Sitzes ist erkennbar.

307

helayā līlayā bhaktyā kālīṃ stauti narastu yaḥ | brahmādīnstambhayeddevi maheśīṃ mohayetkṣaṇāt ||307||

Wer Kali beiläufig, spielerisch oder hingebungsvoll preist, soll Brahma und die anderen erstarren lassen und die große Göttin augenblicklich bezaubern können.

Anmerkung: Historische Machtverheißung.

308

ākarṣayenmahāvidyāṃ daśa pūrvaniśi triyāmataḥ | kurvīta viṣṇunirmāṇaṃ yamādīnāṃ tu māraṇam ||308||

Er soll die Mahavidya anziehen – zehn … zur früheren Nacht beziehungsweise nach drei Nachtwachen – und Vishnu hervorbringen sowie Yama und die anderen töten können.

Anmerkung: Fragment: Die Zeit- oder Mengenangabe nach महाविद्याम् ist beschädigt; keine sichere Frist rekonstruiert.

3086 [Quellzählung an Position 309]

dhruvamuccāṭayennūnaṃ sṛṣṭinūtanatāṃ naraḥ | meṣamāhiṣamārjārakharacchāganarādikaiḥ ||3086||

Er soll gewiss Dhruva vertreiben und eine neue Schöpfung [bewirken]. Mit Schaf, Büffel, Katze, Esel, Ziege, Mensch und Weiterem …

Anmerkung: Die Opferaufzählung wird in310–312 fortgesetzt; नर ausdrücklich Mensch, nicht beschönigend als Tiername ersetzt.

310

khaḍgiśūkarakāpotaiṣṭiṭṭibhaiḥ śaśakaiḥ palaiḥ | śoṇitaiḥ sāsthimāṃsaiśca kāraṇḍadugdhapāyasaiḥ ||310||

… mit Nashorn, Schwein, Taube, Tittibha-Vogel, Hase und Fleischstücken, mit Blut und Fleisch samt Knochen sowie Karanda, Milch und Milchreis …

Anmerkung: Karanda ist hier nicht zuverlässig bestimmbar; keine Pflanzen- oder Tierart geraten.

311

kādambarīsindhumaiḥ surāriṣṭaiśca sāsavaiḥ | yonikṣālitatoyaiśca yoniliṅgāmṛtairapi ||311||

… mit Kadambari, Sindhuma, Sura, Arishta und Asava, mit Wasser vom Waschen der Yoni und mit dem Nektar von Yoni und Linga …

Anmerkung: Sindhuma ist eine unsichere Getränkebezeichnung. „Nektar“ ist die sexualrituelle Benennung des Textes.

312

svajātakusumaiḥ pūjya japānte tarpayecchivām | sarvasāmrājyanāmnā tu stutvā natvā svaśaktitaḥ ||312||

… und mit selbst hervorgebrachten Blüten soll er die Heilvolle verehren und am Ende des Japa sättigen. Nachdem er sie entsprechend seinen Kräften mit dem Sarva-Samrajya[-Hymnus] gepriesen und sich verneigt hat, …

Anmerkung: स्वजातकुसुम bleibt als Ritualbezeichnung erkennbar; keine ungesicherte Stoffauflösung ergänzt.

313

śaktyā … paṭhetstotraṃ kālīrūpo dinatrayāt | dakṣiṇākālikā tasya gehe tiṣṭhati nānyathā ||313||

… soll er mit der Shakti … den Hymnus lesen. Nach drei Tagen soll er Kalis Gestalt besitzen; Dakshinakali wohne dann gewiss in seinem Haus.

Anmerkung: Fragment: Das Wort nach शक्त्या ist beschädigt.

314

veśyālatāgṛhe gatvā tasyāścumbanatatparaḥ | tasyā yonau mukhaṃ dattvā tadrasaṃ vilihañjapet ||314||

Er soll ins Haus einer Kurtisane als Ritualpartnerin gehen, sich ihrem Küssen widmen, den Mund an ihre Yoni legen und beim Lecken ihrer Flüssigkeit Japa vollziehen.

Anmerkung: Historische sexualrituelle Vorschrift für eine Kurtisane; keine Altersangabe und keine moderne Anleitung.

315

tadante nāmasahasraṃ paṭhedbhaktiparāyaṇaḥ | kālikādarśanaṃ tasya bhavedeva triyāmataḥ ||315||

Danach soll er die tausend Namen voller Hingabe lesen. Nach drei Nachtwachen soll ihm die Schau Kalikas zuteilwerden.

316

nṛtyapātragṛhe gatvā makārapañcakānvitaḥ | prasūnamañcaṃ saṃsthāpya śaktinyāsaparāyaṇaḥ ||316||

Er soll ins Haus einer Tänzerin gehen, mit den fünf Makaras ausgestattet, ein Blütenlager herrichten und sich dem Nyasa der Shakti widmen …

Anmerkung: नृत्यपात्र ist als auftretende Tänzerin verstanden; die genaue soziale Bezeichnung bleibt offen.

317

pātrāṇāṃ sādhanaṃ kṛtvā digvastrāntāṃ samācaret | sambhāvya cakraṃ tanmūle tatra sāvaraṇānjapet ||317||

… die Gefäße zubereiten und [sie] unbekleidet … [herrichten]. Er soll an ihrem Grund das Chakra vergegenwärtigen und dort [die Mantras] mitsamt den Umhüllungen rezitieren.

Anmerkung: Fragment: दिग्वस्त्रान्तां ist beschädigt; keine genaue Handlung rekonstruiert.

318

śataṃ bhāle śataṃ keśe śataṃ sindūramaṇḍale | śatatrayaṃ kucadvandve śataṃ nābhau maheśvari ||318||

Hundertmal an der Stirn, hundertmal am Haar, hundertmal im Sindura-Kreis, dreihundertmal an den beiden Brüsten und hundertmal am Nabel, du große Herrin, …

Anmerkung: Die örtliche Japa-Verteilung setzt319 fort.

316 [Quellzählung an Position 319]

śataṃ yonau maheśāni saṃyoge ca śatatrayam | japettatra maheśāni tadante prapaṭhetstavam ||316||

… hundertmal an der Yoni und dreihundertmal während der Vereinigung soll er dort Japa vollziehen, große Herrin; danach soll er den Hymnus lesen.

320

śatāvadhāno bhavati māsamātreṇa sādhakaḥ | mātaṅginīṃ samānīya kiṃ vā kāpālinīṃ śive ||320||

Der Sadhaka soll in nur einem Monat zu hundertfacher gleichzeitiger Aufmerksamkeit fähig werden. Er soll eine Matangini oder eine Kapalini herbeibringen, du Heilvolle …

Anmerkung: Die Bezeichnungen benennen historische Ritualpartnerinnen; keine Altersangabe.

321

dantamālā jape kāryā gale dhāryā nṛmuṇḍajā | netrapadmaṃ yonicakraṃ śakticakraṃ svavaktrake ||321||

Eine Mala aus Zähnen soll für Japa verwendet und eine aus Menschenköpfen um den Hals getragen werden. Augenlotus, Yoni-Chakra und Shakti-Chakra am eigenen Mund …

Anmerkung: Fragment: Die Verknüpfung der drei Bild- oder Ritualelemente ist unklar und wird nicht zu einer ausführbaren Anordnung rekonstruiert.

322

kṛtvā japenmaheśāni muṇḍayantraṃ prapūjayet | muṇḍāsanasthito vīro makārapañcakānvitaḥ ||322||

… herstellend soll er Japa vollziehen, große Herrin, und das Munda-Yantra verehren. Der Vira soll auf einem Sitz aus Köpfen verweilen, mit den fünf Makaras ausgestattet …

323

anyāmāliṅgya prajapedanyāṃ sañcumbya vai paṭhet | anyāṃ sampūjayettatra tvanyāṃ sammardayañjapet ||323||

… eine [Partnerin] umarmend Japa vollziehen, eine andere küssend lesen, eine weitere verehren und eine andere streichelnd oder reibend rezitieren.

Anmerkung: सम्मर्दन ist körperliches Reiben oder Drücken; keine genauere Technik hinzugefügt.

324

anyayonau śivaṃ dattvā punaḥ pūrvavadācaret | avadhānasahasreṣu śaktipātaśateṣu ca ||324||

Nachdem er Shiva [als phallisches Ritualglied] in die Yoni einer weiteren eingeführt hat, soll er erneut wie zuvor verfahren. In tausendfachen Avadhanas und hundertfachen Shaktipatas …

Anmerkung: Die Verheißung endet325; die bildliche Benennung Shiva bleibt erläutert erhalten.

325

rājā bhavati deveśi māsapañcakayogataḥ | yavanīśaktimānīya … śaktiparāyaṇam ||325||

… werde er nach fünf Monaten zum König, Herrin der Götter. Nachdem er eine Yavani als Shakti herbeigebracht hat, … der Shakti hingegeben …

Anmerkung: Fragment: Die zweite Hälfte ist beschädigt. Yavani ist eine historische Fremdgruppenbezeichnung; eine konkrete Ethnie oder Religion wird nicht ungesichert festgelegt.

326

kulācāramatenaiva tasyā yoniṃ vikāsayet | tatra jihvāṃ pradattvā tu japennāmasahasrakam ||326||

Nach der Kula-Lehre soll er ihre Yoni öffnen, die Zunge dorthin legen und die tausend Namen rezitieren.

Anmerkung: Historische sexualrituelle Vorschrift im Zusammenhang der Partnerin aus 325.

327

japakāle tatra dīpaṃ jvālya yatnena vai japet | mahākavivaro bhūyānnātra kāryā vicāraṇā ||327||

Während des Japa soll er dort eine Lampe entzünden und sorgfältig rezitieren. Er soll ein hervorragender großer Dichter werden; daran solle kein Zweifel bestehen.

328

kāmārtaḥ śaktimānīya yonau tu mūlacakrakam | vilikhya parameśāni tatra mantraṃ likhecchive ||328||

Von Verlangen bewegt, soll er eine Shakti herbeibringen, auf ihrer Yoni das Mula-Chakra zeichnen und dort den Mantra schreiben, höchste Herrin, du Heilvolle.

Anmerkung: Keine Altersangabe; historische Ritualanweisung.

322 [Quellzählung an Position 329]

vinā nyāsaṃ vinā pāṭhairvinā dhyānādibhiḥ priye | caturvedādhipo bhūtvā trikālajñastrivarṣataḥ ||322||

Ohne Nyasa, ohne Lesungen und ohne Meditation und dergleichen, Geliebte, soll er nach drei Jahren Herr über die vier Veden und Kenner der drei Zeiten werden …

Anmerkung: Der Anschluss an die folgende Rezitationsverheißung ist widersprüchlich; keine stillschweigende Harmonisierung.

Kumari-Gaben und weitere Formeln

Die Kumari-Passage beschreibt Verehrung, Gaben und gemeinsame Rezitation ohne sexuelle Handlung. Danach folgen andere Anwendungen und teils beschädigte Formeln.

330

paṭhennāmasahasraṃ yaḥ kālīdarśanabhāgbhavet | bhaktyā pūjya kumārīṃ ca veśyākulasamudbhavām ||330||

Wer die tausend Namen rezitiert, soll an der Schau Kalis teilhaben. Eine Kumari aus einer Kurtisanenfamilie soll er hingebungsvoll verehren …

Anmerkung: Hier beginnt eine gesonderte Kumari-Puja-Passage mit Gaben und Rezitation; keine sexuelle Handlung beschrieben.

331

yadyaddattaṃ kumāryai tu tadanantaphalaṃ bhavet | kumārīpūjanaphalaṃ mayā vaktuṃ na śakyate ||331||

… was immer der Kumari gegeben wird, es soll unendliche Frucht tragen. Die Frucht der Kumari-Verehrung vermag ich nicht auszusprechen.

332

vāmabhāge ca saṃsthāpya japennāmasahasrakam | sarvasiddhīśvaro bhūyānnātra kāryā vicāraṇā ||332||

Er soll sie zu seiner Linken Platz nehmen lassen und die tausend Namen rezitieren. Er soll Herr sämtlicher Siddhis werden; daran solle kein Zweifel bestehen.

Anmerkung: Nichtsexuelle Kumari-Verehrung; die linke Sitzposition wird nicht erotisch ergänzt.

2333 [Quellzählung an Position 333]

śmaśānastho bhavetsvastho galitaṃ cikuraṃ caret | digambaraḥ sahasraṃ ca sūryapuṣpaṃ samānayet ||2333||

Er soll auf dem Verbrennungsplatz gesammelt verweilen und sein Haar lösen. Unbekleidet soll er tausend Surya-Blüten herbeibringen.

Anmerkung: सूर्यपुष्पं ist aus सू्ेुष्पं unsicher erschlossen; keine bestimmte Pflanzenart ergänzt.

334

oṃ hrīṃ padmāvati padaṃ tatastrailokyanāma ca | vārtāṃ ca kathaya dvandvaṃ svāhānto mantra īritaḥ ||334||

Man spricht „om hrim padmavati“, danach „trailokya“, dann „vartam“ und zweimal „kathaya“; der Mantra endet mit svaha. Der lesbare Anrufungssinn lautet: „Padmavati, berichte, berichte die Kunde aus den drei Welten!“

Anmerkung: Der Bija ist leicht beschädigt; die Formel wird als im Vers beschriebene Folge wiedergegeben, nicht ohne Hinweis als unabhängige Vollfassung ausgegeben.

335

trivarṣaṃ paṭhato devi labhedbhogavatīṃ kalām | mahākālena daṣṭo'pi citāmadhyagato'pi vā ||335||

Wer drei Jahre rezitiert, Göttin, soll die Kala Bhogavati erlangen. Selbst wenn jemand von Mahakala gebissen oder schon mitten auf dem Scheiterhaufen ist, …

336

tasyā darśanamātreṇa cirañjīvī naro bhavet | mṛtasañjīvanītyuktvā mṛtamutthāpaya dvayam ||336||

… soll er allein durch ihre Schau lange leben. Nachdem man „mritasanjivani“ ausgesprochen hat, folgt zweimal „mritam utthapaya – richte den Toten auf“.

Anmerkung: Mritasanjivani bedeutet „die Tote wieder zum Leben Erweckende“; dies ist eine rituelle Anrufung und Wirkungsbehauptung.

337

svāhānto manurākhyāto mṛtasañjīvanātmakaḥ | caturvarṣaṃ paṭhedyastu svapnasiddhastato bhavet ||337||

Der Mantra endet mit svaha und wird als von der Kraft der Totenerweckung bezeichnet. Wer vier Jahre rezitiert, soll sodann Traum-Siddhi erlangen.

Anmerkung: Der Übergang von Totenerweckung zu Traum-Siddhi bleibt wie in der Quelle stehen.

338

oṃ hrīṃ svapnavārāhi kali svapnaṃ kathayoccaret | amukasyāmukaṃ dehi klīṃ svāhānto manurmataḥ ||338||

Man spricht „om hrim svapnavarahi kali svapnam kathaya“, dann „amukasyamukam dehi“, gefolgt von klim und svaha. Lesbarer Sinn: „Traum-Varahi …, erzähle den Traum; gib dem oder der Genannten das Genannte!“

Anmerkung: Fragment: Insbesondere कलि und einzelne Bija-Zeichen sind unsicher. Amuka sind ausdrücklich Platzhalter für einzusetzende Namen oder Anliegen, keine verlorenen Silben.

3346 [Quellzählung an Position 339]

svapnasiddhā caturvarṣāttasya svapne sadā sthitā | caturvarṣasya pāṭhena caturvedādhipo bhavet ||3346||

Nach vier Jahren ist die Traum-Siddhi vollendet; sie verweilt stets in seinem Traum. Durch vierjährige Rezitation soll er Herr der vier Veden werden.

Anmerkung: Das feminine स्वप्नसिद्धा kann auch die Traumgöttin bezeichnen; keine eindeutige grammatische Auflösung behauptet.

Vergegenwärtigung und Abschluss

Die Schlussverse sprechen von Kali im eigenen Inneren, regelmäßiger Rezitation und der Verehrung des geschriebenen Textes.

240 [Quellzählung an Position 340]

svasminkālīṃ tu sambhāvya pūjayejjagadambikām | trailokyavijayī bhūyānnātra kāryā vicāraṇā ||240||

Er soll Kali in sich selbst vergegenwärtigen und die Mutter der Welt verehren. Er soll über die drei Welten siegen; daran solle kein Zweifel bestehen.

341

gopanīyaṃ gopanīyaṃ gopanīyaṃ prayatnataḥ | rahasyātirahasyaṃ rahasyātirahasyakam ||341||

Geheim zu halten, geheim zu halten, sorgfältig geheim zu halten! Ein Geheimnis über alle Geheimnisse, ein Geheimnis über alle Geheimnisse!

Anmerkung: Die emphatische Wiederholung ist vollständig bewahrt.

342

ślokārdhaṃ pādamātraṃ vā pādārdhaṃ ca tadardhakam | nāmārdhaṃ yaḥ paṭheddevi na vandhyadivasaṃ nyaset ||342||

Wer eine halbe Strophe, nur einen Versfuß, einen halben Versfuß oder dessen Hälfte, selbst einen halben Namen rezitiert, Göttin, lasse keinen Tag unfruchtbar verstreichen.

Anmerkung: Die Schlussform ist etwas unsicher; der Aufruf zu regelmäßiger Rezitation ist erkennbar.

243 [Quellzählung an Position 343]

pustakaṃ pūjayedbhaktyā tvaritaṃ phalasiddhaye | na ca mārībhayaṃ tatra na cāgnirvāyusambhavam ||243||

Er soll das Buch hingebungsvoll verehren, um rasch die Frucht zu erlangen. Dort soll keine Furcht vor Seuche und keine durch Feuer oder Wind entstandene [Gefahr] sein.

Anmerkung: Traditionelle Schutzverheißung.

344

na bhūtādibhayaṃ tatra sarvatra sukhamedhate | kuṅkumālaktakenaiva rocanāguruyogataḥ ||344||

Dort soll keine Furcht vor Geistern und dergleichen sein; überall wachse das Glück. Mit Kumkuma und rotem Lack, verbunden mit Rochana und Aguru, …

Anmerkung: Die Schreibanweisung wird345 abgeschlossen.

345

bhūrjapatre likhetpustaṃ sarvakāmārthasiddhaye | iti gaditamaśeṣaṃ kālikāvarṇarūpaṃ paṭhati yadi ca bhaktyā sarvasiddhīśvaraḥ syāt | abhinavasukhakāmaḥ sarvavidyābhirāmo bhavati sakalasiddhiḥ sarvavīrāsamṛddhiḥ ||345||

… soll man das Buch auf Birkenrinde schreiben, um alle Wünsche und Ziele zu erreichen. So ist Kalis Gestalt in Lauten vollständig ausgesprochen. Wer dies hingebungsvoll liest, soll Herr über sämtliche Siddhis werden. Nach immer neuer Freude verlangend, erfreut an allen Vidyas, soll er sämtliche Vollendungen und den Reichtum aller Viras erlangen.

Anmerkung: Die Quelle vereint eine Halbzeile mit einer längeren Schlussstrophe unter345. Letzte Zusammensetzungen leicht beschädigt; keine zusätzliche Nummerierung erfunden.

346

paṭhennāmasahasraṃ tu trailokyaṃ mārayeddhruvam | sadbhaktāya pradātavyā vidyārājñi śubhe dine ||346||

Er soll die tausend Namen rezitieren und könne damit gewiss die drei Welten vernichten. Die Königin der Vidyas soll einem aufrichtigen Verehrer an einem günstigen Tag weitergegeben werden.

Anmerkung: Die drastische Machtverheißung wird als historische Textaussage bewahrt; विद्याराज्ञि ist grammatisch beschädigt.

Unnummerierte Passage

iti saṃkṣepataḥ proktaṃ kimanyacchrotumicchasi |

So habe ich es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?

Anmerkung: Unnummerierter Schlussvers nach 346.

Kolophon

iti śrīmadādināthamahākālaviracitāyāṃ mahākālasaṃhitāyāṃ kālakālīsaṃvāde sundarīśaktidānākhyaṃ kālīsvarūpasahasranāmastotraṃ medhāsāmrājyapradaṃ sampūrṇam |

So endet in der Mahakala-Samhita, die dem ehrwürdigen Adinatha Mahakala zugeschrieben wird, im Gespräch zwischen Kala und Kali der Tausendnamenhymnus von Kalis eigener Gestalt, „Kraftgabe an Sundari“ genannt, der Herrschaft der Einsicht verleiht.

Anmerkung: Kolophon. Die Autorschaftsangabe ist eine Zuschreibung des Textes, keine unabhängig gesicherte historische Verfasserschaft.

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Betrachtung zum gelesenen Abschnitt

Ein Name kann zum Anlass werden, innezuhalten und das Herz neu auszurichten. Die Vielzahl der Anreden eröffnet Raum für Staunen, Dankbarkeit und Hingabe. Als heutige Leseübung kannst du eine verständliche Anrede auswählen, ihre Übersetzung betrachten und danach einen Moment in Stille verweilen. Klang und Bedeutung dürfen sich dabei gegenseitig vertiefen.

Siehe auch

Die folgenden Tantra- und Yogaschriften eröffnen weitere Zugänge zum Studium. Ihre Lehren und Ritualordnungen sind jeweils in ihrem eigenen Zusammenhang zu lesen.

Kularnava Tantra

Vijnana Bhairava Tantra

Mahanirvana Tantra

Netra Tantra

Rudrayamala Tantra

Tantraloka

Shiva Sutra

Spanda Karika

Sharada Tilaka

Shiva Samhita

Devi Mahatmya – ergänzende Lektüre zur Göttinnenverehrung

Kali, Shakti, Bhakti Yoga, Jnana Yoga, Mantra, Japa, Meditation und Sadhana

Wegweiser durch die Ausgabe

Einstieg: Einführung und Quellen · 108 Verse und Mantras

IAST und Deutsch: Kamakala 1–15 · Guhyakali 1–4 · Guhyakali 5–8 · Guhyakali 9 · Guhyakali 13–14 · Medhasamrajyaprada-Sahasranama · Bijoddhara · Zusätzliche Grundtextzitate

Devanagari: Übersicht · Kamakala 1–15 · Guhyakali 1–4 · Guhyakali 5–8 · Guhyakali 9 · Guhyakali 13–14 · Medhasamrajyaprada-Sahasranama · Bijoddhara · Zusätzliche Grundtextzitate

Kapitelgruppe 5–9: Leseübersicht · Schriftübersicht

Kategorie Schriften