Yogini Tantra

Aus Yogawiki

Yogini Tantra (Sanskrit: योगिनीतन्त्रम्, IAST: Yoginītantram) ist eine bedeutende Schrift des Shaktismus, in der Kali, Kamakhya und die lebendige Kraft der Shakti das Verständnis von Welt, Mensch und Befreiung prägen. Die Göttliche Mutter erscheint als Ursprung und Trägerin der Schöpfung, als Gegenwart an heiligen Orten und als Wirklichkeit, die in Verehrung, Erkenntnis und innerer Sammlung erfahren werden soll. So verbindet das Werk eine kraftvolle rituelle Bildwelt mit der immer wiederkehrenden Frage nach dem inneren Sinn der Sadhana.

Kali und Shiva: Das Yogini Tantra verbindet die Verehrung der Göttlichen Mutter mit Fragen nach Weltentstehung, Bewusstsein und Befreiung.

Zwischen detaillierten Ritualvorschriften, Mantras, Erzählungen und Pilgerbeschreibungen stehen Verse von großer spiritueller Dichte. Ein besonders klarer Abschnitt führt von Handlung zu Bhakti, von Hingabe zu Erkenntnis und von Erkenntnis zu Befreiung (I.13.43). Ein anderer vergleicht Erkenntnis mit einer Lampe, die einen dunklen Raum erhellt (I.6.59). Solche Aussagen eröffnen eine Brücke zur heutigen Yogapraxis, ohne die historische Eigenart des Textes zu verwischen.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die heilige Landschaft von Kāmarūpa mit dem Heiligtum der Kamakhya. Berge, Wasserläufe, Bäume, Gottheiten, Mantras und Pilgerhandlungen bilden hier eine zusammenhängende sakrale Welt. Der äußere Ort wird zum Raum der Begegnung mit dem Göttlichen; zugleich legt das Werk nahe, dass die entscheidende Wandlung in der Haltung des Verehrenden geschieht. Gerade darin liegt für heutige Aspiranten eine bleibende Anregung: äußere Form, innere Sammlung und Erkenntnis nicht gegeneinander auszuspielen.

Yogini Tantra: Einführung und deutsche Übersetzung · Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras

Was Yoga-Aspiranten aus dem Yogini Tantra lernen können

Das Yogini Tantra lädt dazu ein, die Göttliche Mutter als Quelle von Leben, Erkenntnis und innerer Freiheit zu betrachten. In I.6.5–6 wird der Übende angeleitet, sich selbst als höchstes Brahman oder den eigenen Körper und die ganze Welt als Gestalt seiner erwählten Gottheit zu vergegenwärtigen. Das ist eine anspruchsvolle Betrachtung: Sie fordert dazu auf, die gewohnte Trennung zwischen „heilig“ und „alltäglich“ zu untersuchen.

Ein zweiter Zugang liegt in der Beständigkeit. Wenn die äußeren Mittel fehlen, lässt der Text Wasser als Ersatz und schließlich den geistigen Vollzug zu (I.6.68–69). Daraus lässt sich für heutige Aspiranten ableiten: Eine schlichte, aufmerksame Praxis kann auch an Tagen ihren Platz finden, an denen eine aufwendige äußere Form nicht möglich ist.

Der Guru steht für empfangene Unterweisung und Übertragung. I.1.50–51 deutet den menschlichen Lehrer als Ort der Gegenwart Mahakalas beim Weitergeben des Mantras. Diese traditionelle Deutung erklärt die starke Guru-Verehrung des Werkes. Sie ersetzt im heutigen Umgang mit Lehrenden weder Unterscheidungskraft noch persönliche Verantwortung.

Auch die Pilgerreise besitzt eine innere Seite. II.1.9–11 stellt der Vorstellung, das Heilige müsse vor allem weit entfernt sein, die Bedeutung von innerer Vergegenwärtigung und örtlicher Überlieferung gegenüber. Für Meditation und Alltag kann daraus eine Frage entstehen: Mit welcher Aufmerksamkeit betrete ich den Ort, an dem ich gerade bin?

Name, Überlieferung und traditionelle Einordnung

Yoginītantra ist der Werktitel, Yoginītantram seine hier überlieferte Sanskritform. Eine Yogini kann eine weibliche spirituelle Gestalt, eine göttliche Kraft oder eine Trägerin tantrischer Praxis bezeichnen. Das Werk ist vom Yogini Hridaya zu unterscheiden: Trotz des verwandten Namens handelt es sich um verschiedene Schriften.

Die Lehre wird als Gespräch zwischen Parvati und Shiva, meist als Devi und Ishvara bezeichnet, dargestellt. In eingefügten Erzählungen sprechen unter anderem Kali, Brahma, Vishnu und Narada. Diese göttliche Rahmung gehört zum Selbstverständnis des Textes; ein historischer menschlicher Verfasser ist in der verwendeten Vorlage nicht genannt.

Die Schrift verbindet Kaula-Ritual, Göttinnenverehrung, Erzählung und ausführliche Beschreibung heiliger Stätten. Die Überlieferung von Kāmarūpa bildet einen wesentlichen Bezugspunkt. Die bereitgestellten Katalogmetadaten reichen nicht aus, um ein genaues Entstehungsjahr oder die Entstehungszeit sämtlicher Textschichten festzulegen. Deshalb wird hier keine scheinbar genaue Datierung ergänzt.

Aufbau des Yogini Tantra

Der vorhandene Bestand hat zwei Hauptteile. Der Pūrvakhaṇḍa, der erste Teil, umfasst 19 Paṭalas. Er verbindet Guru- und Mantralehre, besondere Rituale, Erzählungen über die Göttliche Mutter, Kāmakhyā und Kula-Praxis mit Aussagen über Erkenntnis und Befreiung. Der Uttarakhaṇḍa, der zweite Teil, enthält 15 Paṭalas und einen angehängten Auszug von vier Versen eines 16. Paṭalas. Hier nimmt die Beschreibung der heiligen Landschaft mit ihren Verehrungsorten besonders breiten Raum ein.

Die Kapitel tragen in der Vorlage überwiegend Ordnungszahlen. Die nachfolgende Übersicht dokumentiert den vorhandenen Umfang; die Zahl einer Texteinheit ist nicht immer die Zahl einer metrisch vollständigen Strophe.

Teil Paṭala Vorhandene rein numerisch bezeichnete Einheiten Letzte Originalnummer
I 1 62 62
I 2 78 78
I 3 66 66
I 4 76 76
I 5 75 75
I 6 74 74
I 7 64 64
I 8 73 73
I 9 76 76
I 10 63 64
I 11 69 70
I 12 77 77
I 13 63 63
I 14 82 82
I 15 68 68
I 16 58 59
I 17 55 55
I 18 57 57
I 19 84 83
II 1 60 60
II 2 70 70
II 3 79 79
II 4 140 140
II 5 364 364
II 6 199 199
II 7 254 254
II 8 134 132
II 9 285 281
II 10 109 109
II 11 360 362
II 12 147 147
II 13 173 173
II 14 108 108
II 15 33 33
II 16 (Auszug) 4 4

Hinzu kommen die alphanumerisch bezeichnete Strophe I.17.7ka und unnummerierte Textstücke; auch sie sind unten wiedergegeben.

Kamarupa und Kamakhya als heiliger Raum

Kāmarūpa erscheint als Landschaft göttlicher Gegenwart. Kamakhya ist im Yogini Tantra nicht nur eine unter vielen örtlichen Göttinnen: I.15.2 setzt sie ausdrücklich mit der ewigen Kali gleich, deren Wesen Brahman ist. In I.15.51–58 wird das Yoni-Mandala als Hervorgang aus der Strahlkraft der Göttin, als Ursprungsort und als heiliger Sitz in Kāmarūpa erklärt.

Yoni bedeutet hier Schoß und Ursprungsraum. Der Text verbindet den konkreten heiligen Ort mit Prakriti, der schöpferischen Natur. Seine Symbolik lässt sich deshalb nicht auf eine bloße Körperdarstellung reduzieren. Zugleich darf der körperliche und rituelle Sinn des Wortes nicht aus der Übersetzung entfernt werden.

Die Geschichte von Brahmas Hochmut zeigt einen weiteren Zusammenhang: Selbst der Schöpfer muss erkennen, dass seine Macht von der Göttin getragen wird. Der Zugang zum Heiligtum verlangt daher in der Erzählung auch eine Veränderung seiner inneren Haltung.

Yoginis und göttliche Shakti

Bereits die Eingangsschilderung zeigt die Göttin im Kreis von Yoginis und Bhairavas (I.1.22–24). Ihre Erscheinung ist machtvoll und erschütternd: Schädel, Leichenplatz und das Ende der Welt gehören zu dieser Bildsprache. Sie stellt die Mutter als Kraft dar, die auch Tod und Auflösung umfasst.

Daneben steht ihre Nähe: Brahma, Vishnu und Shiva wenden sich wie hilflose Kinder an sie; Kali antwortet als unvergängliche Wirklichkeit von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit (I.10.9–15). Ihre furchtgebietende und ihre mütterliche Seite gehören im Text zusammen. Shakti ist sowohl die Kraft, durch die Welt entsteht, als auch jene, durch deren Erkenntnis Bindung überwunden wird.

Die Göttliche Mutter trägt und schützt die Welt. Allgemeine Devī-Darstellung zum mütterlichen Aspekt der Shakti.

Guru und Diksha

Der erste Paṭala entfaltet die Größe des Guru. I.1.26 nennt ihn die Wurzel der Lehre und der Welt; I.1.48–53 führt diese Aussage auf den einen göttlichen Lehrer Mahakala zurück, der im menschlichen Lehrer gegenwärtig wird. Diksha ist damit nicht nur die Mitteilung eines Wortes, sondern Eintritt in einen Zusammenhang aus Mantra, Unterweisung und Praxis.

Das Werk enthält zugleich sehr weitgehende Gehorsamsforderungen und Regeln für die Familie des Guru. Diese werden als historische Aussagen übersetzt. Eine heutige Aneignung kann Dankbarkeit, sorgfältiges Lernen und Respekt vor der Übertragung aufnehmen, ohne persönliche Grenzen und kritische Prüfung aufzugeben.

II.6.172–177 erläutert die Einweihung als Vermittlung göttlicher Erkenntnis und als Aufhebung bindender Schuld. Die rituelle Form und die innere Veränderung werden dabei miteinander verbunden.

Mantra und Bija

Mantra und Bija sind im Yogini Tantra Träger göttlicher Gegenwart. Vidya bezeichnet je nach Stelle Erkenntnis, eine Göttin oder ihren Mantra. I.2.10 beschreibt den Empfang des Kali-Mantras als eine Verwandlung, in der soziale Standesunterschiede gegenüber dem Shiva-Sein zurücktreten. Andere Kapitel bewahren jedoch ausdrücklich soziale Hierarchien; beide Aussagen gehören zum vorliegenden Text.

Der zweite Paṭala erläutert Malas, Zählweisen, Vorsatz und Zeiten der Wiederholung. I.13.56–60 unterscheidet hörbares, leises und geistiges Japa. Die zunehmende Verinnerlichung geht mit dem Gedanken einher, dass die Gottheit durch beständigen Lobpreis erfreut wird.

Nicht jede im Werk erwähnte Mantrabezeichnung ist eine vollständig ausgeschriebene Formel. Manche Stellen nennen nur die Silbenzahl, andere verwenden Lautschlüssel oder Abkürzungen. Die Mantraübersicht trennt sichere Formeln von solchen unvollständigen Angaben.

Puja, Yantra und Mandala

Die Puja verbindet Anrufung, Darbringung, Nyasa, Dhyana und Japa. Ein Yantra ordnet die Beziehungen von Mantralauten, Richtungen und Gottheiten in einem Diagramm; ein Mandala kann den heiligen Kreis oder den räumlichen Bereich einer Verehrung bezeichnen. Der dritte Paṭala beschreibt beispielsweise ein Tara-Yantra mit Sechseck, Lotus und äußerer Umfassung.

Die genaue Form ist im historischen Ritual wichtig. Der Text fragt aber auch nach ihrem inneren Träger: In I.5.9 wird die höchste Göttin im Herzlotus meditiert und mit geistigen Gaben verehrt. Äußere Anordnung und innere Gegenwart stehen dadurch in Beziehung.

Ein Kali-Yantra als allgemeine Illustration tantrischer Diagramme. Es ist keine Rekonstruktion des Tara-Yantras in Paṭala I.3.

Heilige Orte und sakrale Geographie

Der zweite Teil verknüpft Berge, Flüsse, Wasserbecken, Bäume und Heiligtümer mit Gottheiten, Gebeten und besonderen Zeiten. Ein heiliger Ort ist in dieser Sicht eine Verbindung von Landschaft, Erinnerung und Verehrung. Shiva und Vishnu haben innerhalb dieser von der Göttin geprägten Landschaft ebenfalls ihren Platz.

II.1.8 erklärt, dass an jedem heiligen Sitz Mahadeva, der Vierarmige, Ganga und Parvati gegenwärtig sind. II.1.10–11 betont zugleich die unterschiedlichen örtlichen Regeln und Formen der Verehrung. Heilige Geographie bedeutet daher sowohl Zusammengehörigkeit als auch Achtung vor der Eigenart der Orte.

Die Bilva-Erzählung in I.5 führt diesen Gedanken bis zum Baum: Blätter werden mit Veden, Zweige mit Schriften und der Baum mit göttlicher Gegenwart verbunden. Für heutige Leser kann dies zu einem achtsamen Blick auf Natur und Lebensraum anregen. Eine solche heutige Anwendung ist von den konkreten historischen Ritualvorschriften zu unterscheiden.

II.9.6–9 setzt einen deutlichen Gegenakzent zu bloßem Pilgerstolz: Ortswechsel und äußere Askese genügen nicht, wenn das Herz unrein bleibt. II.14.12–14 warnt außerdem davor, Flüsse aufzustauen. Die religiöse Sicht auf Landschaft enthält hier eine konkrete Achtung vor dem fließenden Wasser.

Shakti, Bhakti und Befreiung

Ein Schlüsselvers lautet: „Durch Handeln erlangt man Hingabe; durch Hingabe erlangt man Erkenntnis; durch Erkenntnis Befreiung“ (I.13.43). Sadhana erhält darin eine Richtung: Sie soll den Menschen verwandeln und schließlich zur Einsicht führen.

Kali bezeichnet sich in I.10.14 als unvergängliches Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. I.10.53–55 spricht von einer Wirklichkeit ohne die Trennung in Träger und Getragenes und ohne ein Zweites. Diese Aussagen verbinden die Bhakti zur Göttlichen Mutter mit einer nichtdualen Sicht auf Bewusstsein und Welt.

Befreiung und außerordentliche Fähigkeiten sind dabei zu unterscheiden. Das Werk verheißt zahlreiche Siddhis, weltliche Erfolge und Schutzwirkungen. Seine Aussagen über Moksha reichen darüber hinaus: Sie betreffen das Ende der Unwissenheit und der bindenden Trennung.

II.8.126 nennt den Geist die Ursache sowohl der Bindung als auch der Befreiung. Die ausführlichen äußeren Vorschriften stehen somit neben einer klaren Frage nach der inneren Ausrichtung. II.12.12–13 fordert zudem, Shiva nicht von Gauri zu trennen: Bewusstseinsgrund und göttliche Kraft werden gemeinsam verehrt.

Äußeres Ritual und innere Praxis

Der sechste Paṭala enthält neben körperlichen Ritualen eine ausdrücklich innere Deutung. Der „große Trank“ wird mit dem Nektar aus der Verbindung mit Kundalini erklärt. Das Opfertier aus Verdienst und Verfehlung wird mit dem Schwert der Erkenntnis überwunden; Geist und Sinne werden im Selbst gesammelt; Maithuna wird als Vereinigung mit der höchsten Shakti gedeutet (I.6.70–74).

Diese Deutung steht im Sanskrittext selbst. Sie erlaubt jedoch nicht, sämtliche anderen Ritualpassagen nachträglich als ausschließlich symbolisch auszugeben. Das Yogini Tantra bewahrt mehrere Ebenen nebeneinander: konkrete historische Handlung, innere Vergegenwärtigung und Erkenntnis.

Begleitvideo: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev; heutige Meditationspraxis als Ergänzung zum Studium.

Yogini Tantra und andere Tantra Schriften

Die folgenden Vergleiche betreffen thematische Schwerpunkte. Gemeinsame Begriffe beweisen keine unmittelbare Abhängigkeit oder Gleichheit der Ritualsysteme.

  • Kalika Purana: Der Bezug auf die Göttin und auf Kāmarūpa macht diese Schrift zu einem besonders naheliegenden Vergleich. Das Yogini Tantra verbindet die heilige Landschaft darüber hinaus mit seiner eigenen Guru-, Mantra- und Kaula-Unterweisung.
  • Kularnava Tantra: Beide Werke behandeln Guru, Diksha, Kula-Praxis und Befreiung. Das Yogini Tantra nennt den Kularnava in I.6.18 selbst als Bezugspunkt einer Ritualvorschrift. Welche konkrete Fassung gemeint ist, ist damit noch nicht geklärt.
  • Rudrayamala Tantra: Guru, Bhava, Göttinnenverehrung und innere Praxis eröffnen Vergleichsmöglichkeiten. Der im Wiki behandelte Uttarakanda entfaltet besonders ausführlich die Chakras; das Yogini Tantra gibt der heiligen Landschaft Kāmarūpas größeren Raum. Seine allgemeinen Yamala-Verweise dürfen nicht automatisch mit genau diesem Uttarakanda gleichgesetzt werden.
  • Kulacudamani Tantra: Ein Vergleich bietet sich im Bereich der Kula- und Shakti-Verehrung an. Für das Yogini Tantra bleiben die Verbindung Kalis mit Kamakhya und der ausführliche zweite Teil über heilige Orte entscheidende Eigenheiten.
  • Tara Tantra: Tara wird im Yogini Tantra nicht nur genannt: I.2.18 erklärt ihre Einheit mit Kali, während I.3 besondere Tara-Rituale beschreibt. Gleiche Gottheitsnamen bedeuten dabei keine beliebige Austauschbarkeit der Mantras.
  • Niruttara Tantra: Die Kālī- und Kaula-Thematik ist ein sinnvoller Vergleichsbereich. Das Yogini Tantra verbindet diese Themen mit eigenen Erzählungen und mit dem Kāmarūpa-Schwerpunkt; eine direkte Ableitung wird hier nicht behauptet.
  • Yogini Hridaya: Dieses eigenständige Werk der Sri Vidya erschließt die Zusammengehörigkeit von Shri Chakra, Mantra und Puja. Das Yogini Tantra hat einen anderen Aufbau und einen ausgeprägten Kālī-/Kāmakhyā-Bezug. Die ähnlichen Titel dürfen nicht zur Verwechslung führen.
  • Nitya Shodashikarnava: Die Verehrung Tripurasundaris und der Nityas gehört zum engeren Sri-Vidya-Zusammenhang. Im Yogini Tantra begegnen zwar Tripura und weitere Göttinnen; sein Gesamtaufbau ist jedoch keine weitere Darstellung genau dieses Systems.
  • Tripura Rahasya: Der Vergleich ist besonders bei Erkenntnis, Bewusstsein und Befreiung fruchtbar. Das Yogini Tantra verbindet solche Einsichten eng mit Mantra, Ritual und heiligem Ort; eine Gleichsetzung beider Lehrwege würde ihre Eigenart verdecken.
  • Tantraloka: Abhinavaguptas Darstellung des kaschmirischen Shaivismus bietet einen systematischen Vergleich für Shakti, nichtduale Erkenntnis und Einweihung. Das Yogini Tantra ist keine Zusammenfassung des Trika-Systems. Seine eigene Gestalt entsteht aus Göttinnendialog, Kaula-Praxis und der sakralen Landschaft Kāmarūpas.

Mundamala Tantra ist ein weiterer thematischer Bezugspunkt für das Studium der Göttinnenverehrung. Die verbindende Frage all dieser Vergleiche lautet: Wie stehen göttliche Gestalt, heiliges Wort, konkrete Handlung und befreiende Erkenntnis jeweils zueinander?

Deutsche Übersetzung des Yogini Tantra

Die Nummern geben Paṭala und Originalvers innerhalb des jeweils bezeichneten Teils an. Varianten, ergänzte Satzglieder und unsichere Lesungen werden in eckigen Klammern erklärt. Aufeinanderfolgende Verse können einen Satz bilden. Die Übersetzung bewahrt diese Anschlüsse. Doppelte Nummern erhalten zur Unterscheidung den Zusatz „zweite Belegung“. Die Übersetzung umfasst den gesamten erhaltenen Bestand einschließlich des vierstrophigen Schlussfragments. Wo der bereitgestellte Wortlaut keine verlässliche Übersetzung zulässt, wird die Unsicherheit örtlich benannt; fehlende Lesarten werden nicht erfunden. Diese Ausgabe ist keine kritische Edition.

Historische Vorschriften zu Sexualritualen, Alkohol und anderen Substanzen, Tier- und Menschenopfern, Schadensritualen und Beeinflussung gehören zum initiatorischen Kontext der Schrift. Sie werden ebenso wie gesellschaftliche Abwertungen, Verheißungen über den Tod an heiligen Orten und übernatürliche Wirkungsbehauptungen als Aussagen des Textes dokumentiert und nicht als heutige Selbstpraxis empfohlen.

Werktitel: Das Yogini Tantra.


Erster Teil: Pūrvakhaṇḍa

Erster Paṭala

Eingangsverehrung: Om, Verehrung dem großen Bhairava!

1.1 Auf dem Gipfel des Kailasa befragte die Bergestochter Parvati ihren Geliebten Shankara, den höchsten Herrn, dessen Banner den Stier trägt.

1.2 Die erhabene Göttin sprach: Erhabener, Kenner aller heiligen Ordnungen, Herr allen Wissens! Du hast das Yogini Tantra angedeutet. Erkläre es mir, Lehrer der Welt.

1.3 Seine Größe wurde einst im Heiligtum von Shrishaila, in Varanasi, Kamarupa [Variante: Kamakhya], Nepal und auf dem Berg Mandara gepriesen.

1.4 Ishvara sprach: Höre, Göttin! Ich werde das vorzügliche Yogini Tantra erklären, das reinigende, höchst segensreiche, dessen eigentliche Frucht Befreiung ist.

1.5 Bewahre es sorgsam geheim, du, die mir lieb ist wie mein Leben. Handle so, liebevoll Sprechende, dass kein anderer es erlangt.

1.6 Dieses Tantra, Schöne, ist selbst für Götter und Asuras schwer zugänglich. Alle Gottheiten verlangen danach, dieses unübertreffliche Tantra zu hören.

1.7 Auch die Yakshas und die übrigen Wesen, höchste Herrin, erhielten es von mir nicht. Dir erkläre ich es aus Liebe; durch dich bin ich zutiefst gebunden.

1.8 [Die Beschreibung der Göttin beginnt:] Ihre Zahnreihen gleichen weißen Reihern im Glanz des Blitzes; sie leuchtet wie eine frische, dichte Regenwolke. [Die eingeschobene Alternativlesung lautet: „Ich verneige mich vor jener Weltenmutter, die wie eine dunkle Wolke strahlt.“]

1.9 Sie ist mit Reihen von Schädelgirlanden geschmückt, trägt das Haar offen und den Raum als Gewand. Ihre Zunge bewegt sich hervor, ihr Ruf ist furchterregend, ihre drei Augen sind gerötet.

1.10 Ihr Antlitz überstrahlt unzählige Monde; ihr leuchtender Kronenkreis erglänzt vom Aufscheinen der Neumondkraft. [Das Bild des ersten Halbverses ist sprachlich unsicher.]

1.11 Zwei Leichname sind ihr Ohrschmuck; vielfältige Edelsteine schmücken sie. An ihren Ohren glänzen Scharen von Sonnen- und Mondsteinen.

1.12 Tausend Hände von Toten bilden ihren Gürtel. Sie lächelt, während Blutströme aus beiden Mundwinkeln über ihr Antlitz fließen.

1.13 Ihre vier Arme zeigen Schwert, abgeschlagenes Haupt, Gnadengewährung und Furchtlosigkeit. Sie ist die höchste, ewige Göttin mit hervortretenden Zähnen; Blut schmückt ihre Gestalt.

1.14 Sie steht auf Shiva in Leichengestalt, über Mahakala; ihr linker Fuß ruht auf Shivas Herzen. [Die Angabe zum rechten Fuß und zum Zeichen der Welt ist in der Vorlage unklar.]

1.15 [Mahakala erscheint] wie zehn Millionen Sonnen und erhellt alle Welten. [Nur ein Halbvers ist unter dieser Nummer überliefert.]

1.16 Er erstrahlt mit flammenden Haarflechten, deren Glanz einem Bündel von Blitzen gleicht. [Halbvers.]

1.17 Der Gott gleicht einem Silberberg; sein Körper erscheint wie ein Berg aus Kristall. [Halbvers.]

1.18 Er trägt den Raum als Gewand, ist überaus furchtgebietend und von Mond und Sonne geschmückt. [Halbvers.]

1.19 Vielfältiger Schmuck ziert ihn, sein Körperhaar glänzt golden. Shambhu ruht im Yogaschlaf, sein Lotusantlitz lächelt.

1.20 [Die Göttin] ist fortwährend mit Mahakala in umgekehrter sexueller Vereinigung verbunden. Ihr mächtiger Glanz erhellt die Gesamtheit aller Welten.

1.21 Sie ist von furchtbar heulenden Schakalinnen umgeben und tritt beim Weltuntergang hervor. Ihr Gesicht stellt unzählige Herbstmonde in den Schatten.

1.22 Yoginis umgeben sie, mit gefüllten Schädeln in den Händen; ihre Gesichter sind gerötet, und sie sind berauscht. [Die Vorlage liest zunächst „mit Hunger gefüllt“; die Variante „mit Nektar gefüllt“ ergibt einen verständlichen Bezug auf die Schädelgefäße.]

1.23 Auch Bhairavas stehen um sie: von schrecklicher Gestalt, gewaltiger Stimme und glühender Macht; sie halten Leichenskelette und rufen unablässig „Sieg!“.

1.24 Sie tanzen und musizieren ohne Unterlass, mit dem Raum als Gewand. Die Göttin befindet sich mitten auf dem Leichenverbrennungsplatz und wird von Brahma und den anderen Göttern verehrt.

1.25 Höre nun, Herrin der Götter, den schwer zugänglichen König der Tantras. Aus Liebe erkläre ich ihn dir; er darf keinesfalls öffentlich verbreitet werden.

1.26 Durch große Liebe gebunden, bin ich dir in Hingabe ergeben, Geliebte. Diese Lehre hat ihre Wurzel im Guru; diese Welt hat ihre Wurzel im Guru.

1.27 Der Guru ist das höchste Brahman, der Guru ist Shiva selbst. Vor dem Menschen, der den Guru für sich gewonnen hat, verneigen sich die Götter.

1.28 Wer selbst das Waschwasser eines krankhaft nässenden Guru-Fußes als Nektar betrachtet und trinkt, gelangt nach dieser Lehre in die Stadt der Göttin.

1.29 Trinkt jemand mit Erlaubnis des Guru selbst ungeweihten Alkohol, sei dafür keine Sühne nötig; auch im Veda sei dies festgelegt. [Der Text beruft sich hier auf den Veda, ohne eine konkrete Stelle zu nennen.]

1.30 Selbst wenn der Guru etwas dem Tantra Widersprechendes ausspricht oder eine eigene Auffassung [vorträgt], gilt sein Wort wie das Wort des großen Rudra. [Der Satzanschluss mit „Veden“ ist in der Vorlage nicht eindeutig.]

1.31 Alles soll auf Weisung des Guru geschehen, bis die Wirklichkeit erkannt ist. Die Nichtdualität betrifft das göttliche Wesen; gegenüber dem Guru soll man nicht unterschiedslos auftreten.

1.32 [Der erste Halbvers über die Nichtdualität ist verderbt und nicht sicher übersetzbar.] Der Guru ist Zuflucht, der Guru ist Gott und, Geliebte, auch die Göttin. [„Göttin“ nach der ausdrücklich gebotenen Variante.]

1.33 Ob in der Himmelswelt, der Menschenwelt oder der Welt der Nagas: Wenig wissend oder reich an Wissen, ist der Guru stets die Zuflucht.

1.34 Den Söhnen und weiteren Kindern des Guru soll man wie dem Guru begegnen. Die Frau des Guru, große Herrin, ist ohne Zweifel der Guru selbst.

1.35 Wie die Speisereste des Guru sollen auch die seiner Kinder gegessen werden, Geliebte. Wer dabei Abscheu empfindet, geht nach dieser Lehre abwärts.

1.36 Die Speisereste des Guru sind selbst für Brahma und die anderen Götter schwer zu erlangen. Sie werden als höchst rein und über alles erhaben bezeichnet.

1.37 Wer zwanzig Jahre lang auch nur eine Handvoll Nahrung isst, von der zuvor der Guru, dessen Frau oder dessen Sohn gegessen hat, Geliebte, …

1.38 … wird langlebig, frei von Alter und Krankheit und schließlich Shiva. Wer fünfzig Jahre in der Nähe des Guru lebt, Vorzügliche, …

1.39 … die Lebensweise des Bhairava befolgt und seinen Füßen dient, genießt hier vortreffliche Freuden und wird am Ende ein Gefährte der Göttin. [Variante: ein Gefährte der Götter.]

1.40 Dieser Vira erfreut sich mit Scharen schöner, jugendlicher Rudra-Töchter, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen.

1.41 Wer morgens aufsteht und sich lang ausgestreckt vor dem Guru verneigt oder dessen Sohn und Tochter nach der Vorschrift grüßt, …

1.42 … erlangt Vollendung, Schöne; daran soll kein Zweifel bestehen. Jeden Morgen soll man sich in jene Richtung wenden, in der sich der Guru aufhält, …

1.43 … und sich in Hingabe vor dem Guru, seiner Frau, seinem Sohn und seiner Tochter verneigen. Ein solcher Mensch erlangt zweifellos Vollendung.

1.44 Der Aufenthaltsort des Guru ist Kailasa; sein Haus ist ein Haus aus wunscherfüllenden Edelsteinen. Seine Baumreihen sind Wunschbäume, seine Ranken gelten als wunscherfüllende Ranken.

1.45 Alle Wasserstellen dort werden der Ganga gleichgesetzt. Die Dienerinnen im Haus des Guru werden als Bhairavis bezeichnet. [Die Variante nennt die himmlische Ganga und erklärt alles dort für heilig.]

1.46 Der Verständige soll die Diener stets als Gestalten des Bhairava betrachten. Wer den Aufenthaltsort des Guru ehrfürchtig umschreitet, höchste Herrin, hat damit die Erde mit ihren sieben Kontinenten umschritten.

1.47 Die erhabene Göttin sprach: Wer ist dieser Guru, Mahadeva? Erkläre es mir, Erbarmungsvoller. Du hast den Guru sogar als höher denn dich selbst gepriesen.

1.48 Ishvara sprach: Jener ursprüngliche Herr, große Göttin, der Mahakala genannt wird, ist eben dieser Guru, Herrin der Götter: der höchste in allen Mantras.

1.49 In den Traditionen Shivas, Shaktis, Vishnus, Ganeshas, des Mondes, des großen Shiva und der Sonne ist er der Guru; daran besteht kein Zweifel.

1.50 Er selbst ist es, der das Mantra ausspricht, kein anderer, höchste Herrin. Bei der Übertragung des Mantras ist der menschliche [Lehrer], Bergestochter, …

1.51 … der Ort, an dem Mahakala gegenwärtig wird, Shankari. Darin besteht die Guru-Würde im Menschen, Göttin; darüber besteht kein Zweifel.

1.52 Welche Vorstellung vom Guru der Mantrageber im Lotus am Scheitel vergegenwärtigt, eben diese soll auch der Schüler im eigenen Scheitellotus vergegenwärtigen. [Die Lesung „Scheitel/Shiva“ ist nicht eindeutig.]

1.53 Deshalb, große Herrin, wird von nur einem Guru gesprochen. Der menschliche [Lehrer] ist der Ort seiner Gegenwart.

1.54 Seine Größe wird in allen heiligen Schriften gepriesen, Shankari. Ich werde dir nun eine besondere Aussage über diese Größe des Guru erklären.

1.55 Bei der Übertragung von Pashu-Mantras gilt eine Grenze von zehn Generationen; bei sämtlichen Mahavidyas werden fünfzig Generationen genannt. Bei der Übertragung des Brahma-Yoga [Variante: Brahmavidya] sind es zehn. [Welche Verpflichtung oder Reichweite diese „Grenze“ genau betrifft, sagt der Vers nicht ausdrücklich.]

1.56 Der Brahma-Yoga, große Göttin, ist im Bherunda-[Tantra] beschrieben. Das heilige Wasser von den Füßen des Guru gilt wie das Baden an sämtlichen Wallfahrtsorten.

1.57 Welche Frucht ein Mensch durch das Baden an allen heiligen Stätten erlangt, dieselbe erhält er durch einen Tropfen des Wassers von den Füßen des Guru.

1.58 Wer damit eine rituelle Besprengung vollzieht, gilt als an allen heiligen Stätten gebadet. Es macht rein von allen Verfehlungen. [Das Wort vor „rein“ ist in der Vorlage unsicher.]

1.59 Insbesondere, Mahamaya, gelangt er in eben diesem Augenblick zum Shiva-Sein. Wer den Staub von den Füßen des Guru auf seinem Kopf trägt, …

1.60 … ist von allen Verfehlungen frei und ohne Zweifel Shiva. Wer sich mit diesem Staub ein Stirnzeichen aufträgt, Göttin, …

1.61 … wird zum vierarmigen Herrn von Vaikuntha. Wer auch nur an einem einzigen Tag etwas von diesem Staub verzehrt, …

1.62 … erhält zweifellos die Frucht von zehn Millionen großen Opfern. Damit habe ich dir, Göttin, das Geheimnis des Guru erklärt. Man soll es sorgsam bewahren wie die eigene Kula-Abstammung.

Kolophon: Damit endet der erste Paṭala im Yogini Tantra, dem höchsten unter allen Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Zweiter Paṭala

2.1 Die erhabene Göttin sprach: Fülle höchster Glückseligkeit, Lehrer der belebten und unbelebten Welt! Ich habe deinen Lobpreis des Guru gehört, das Geheimste des Geheimen.

2.2 Nun möchte ich von Kali hören, die alle hinüberführt. Im Yamala wurde sie als große Vidya und als vollendete Vidya erklärt.

2.3 Im Tantra heißt sie Chamunda, die überaus große Erkenntnis des Brahman. Verkünde mir dieses Geheimnis aus Erbarmen, Mahadeva, Shiva.

2.4 Ishvara sprach: Diese Vidya, Kalika, gilt als die überaus große Erkenntnis des Brahman. Wer sie erlangt, erreicht selbst als geringster Mensch die Befreiung des Nirvana.

2.5 Brahma, Vishnu, Shiva und die anderen verehren sie. Ich erkläre dir das Geheimnis, Göttin: Alle Welten sind ihre Verehrer.

2.6 Durch Kalikas Gnade haben alle Anteil an Befreiung und den übrigen Gaben. Von ihr gibt es tausendfache Kali-[Gestalten] und millionenfach zu rezitierende [Mantras]. [Die Formulierung dieses zweiten Satzes ist unsicher.]

2.7 Durch glückliche Fügung widmet sich ein Mensch ganz der Sadhana Kalis. Dass Kali die Mutter der Welten ist, steht in allen heiligen Schriften fest.

2.8 Wer den Kali-Mantra wiederholt, ist ohne Zweifel ein Kind Kalis. Du verlässt [Variante für ein verderbtes Verb] selbst den höchsten Mann …

2.9 … und gibst zuweilen die Gleichheit [mit ihm] auf, du, deren Wesen die Welt ist. Wer aber die Kali-Vidya erlangt hat, den wirst du niemals verlassen. [Der Übergang der beiden Verse ist sprachlich unsicher.]

2.10 Das Shudra-Sein des Shudra und das Brahmanen-Sein des Brahmanen sind geschwunden: Allein durch den Empfang des Mantras sind alle Shiva gleich.

2.11 Wie [Menschen oder Gewässer] durch das Erreichen der Ganga in Varanasi [geheiligt werden], so sind allein durch den Empfang des Kali-Mantras alle Shiva gleich. [Der erste Halbvers ist entstellt; der Vergleich ist nur dem Sinn nach wiederzugeben.]

2.12 Gibt es eine Frau, die dir gleicht, oder einen Mann, der mir gleicht, so ist dessen Mutter gesegnet und sein Vater ein hervorragender Gott.

2.13 Seine Ahnen gelangen in den schwer erreichbaren Himmel, weil er durch glückliche Fügung bei Kali Zuflucht genommen hat. [Die Variante betont die Hingabe.]

2.14 Die Ahnen rechtschaffener Menschen hoffen: Wann wird in unserer Familie ein Sohn beim Kali-Mantra Zuflucht nehmen?

2.15 Dann erreichen [sie] die Stadt der Befreiung und finden dauernde Ruhe. Kali, Tara, Chhinna, der Guru und ebenso der König …

2.16 … sind in ihrer Einheit zu erkennen; wer sie als getrennt betrachtet, gelangt nach dem Text in die Hölle. Ein Schüler Taras soll [die gesonderte Verehrung] Kalis lassen, ein Schüler Kalis die Tarinis.

2.17 Die Verehrung Chhinnas und Mahishamardinis wird zuweilen gelehrt. Wenn eine [andere Göttin] verehrt wird, soll man sie nicht als etwas anderes verehren. [Der zweite Satz folgt dem durch Vers 18 erläuterten Zusammenhang.]

2.18 Auch wenn man eine andere Gestalt verehrt, Shive, soll man sie als Kali betrachten. Jene Kali, die höchste Vidya, ist eben Tara; daran besteht kein Zweifel.

2.19 Weil beide verschieden aufgefasst werden, entstehen verschiedene Mantras. Dies habe ich dir im Kalika-Kalpa und im Tara-Kalpa erklärt.

2.20 Die erhabene Göttin sprach: Herr der Götter, liebevoll Sprechender, erkläre die verschiedenen Verfahren, besonders das Geheimnis des innersten Wesens von Japa, Mahadeva.

2.21 Ishvara sprach: Die segensreiche Lautgirlande wird als Spenderin aller Mantras bezeichnet. Ihre glückbringende Stellvertretung ist eine Mala aus „großer Muschel“. [Mahashankha bezeichnet im tantrischen Sprachgebrauch hier menschliches Schädelknochenmaterial.]

2.22 Wer die „große Muschel“ in der Hand hält, dem ist Vollendung nicht fern. Fehlt sie, du von den Viras Verehrte, gewährt eine Bergkristallmala alle Vollendungen.

2.23 Ich erkläre dir, große Göttin, die Anzahl der Perlen einer Mala: Mit fünfundzwanzig [wird] Befreiung [erstrebt], mit siebenundzwanzig Gedeihen.

2.24 Mit dreißig wird Reichtum erlangt; fünfzig dienen der Mantravollendung. Mit hundertacht werden alle Vollendungen erreicht, große Herrin.

2.25 Das war die allgemeine Regel. Höre nun die besondere für Menschen mit bestimmten Wünschen: Eine Zahnmala soll zum Japa verwendet und von Menschen als glückbringend am Hals getragen werden. Wird sie aus Zähnen gefertigt, entspricht ihre Zahl der Zahl der Zähne, Geliebte.

2.26 Eine solche Mala gewährt alle Vollendungen; ein „Königszahn“ bildet ihren Meru, die Hauptperle. Auch in anderen Fällen, Herrin der Götter, soll dies als Meru bestimmt werden.

2.27 Höre nun die Anzahl, die im Satz des feierlichen Vorsatzes für Japa und Feueropfer genannt wird. Ich werde sie dir der Reihe nach erklären.

2.28 Hundert, tausend, zehntausend, hunderttausend und zehn Millionen: So soll man grundsätzlich überall zählen, große Herrin.

2.29 Wo eine besondere Regel besteht, soll man ihr folgen. Bei den mit hundert beginnenden Zählungen soll man jeweils acht zusätzlich rezitieren, Geliebte. [Die genaue Übertragung dieser Zusatzregel auf größere Summen bleibt im Wortlaut offen.]

2.30 Man lässt die beiden Anfangs- und Endglieder aus und zählt auf acht Fingergliedern. Nach dem Japa hält man die Mala auf den Kopf. [„Auf den Kopf“ folgt der Variante; die Hauptlesung nennt Shiva.]

2.31 Mit roten Blumen, einer Wassergabe und Trommelklang soll der Verständige der Göttin die Frucht seines Japa darbringen. [„Wasser“ nach der Variante.]

2.32 Das Geheimnis des Japa mit allen Haupt- und Nebenteilen wurde im Sarasvati Tantra erklärt. Lerne es daraus, Geliebte.

2.33 Höre, höchste Herrin, von der Fingermala in der Reihenfolge Shivas und Shaktis, zur Vollendung sämtlicher Tantras [Variante: Mantras].

2.34 Vom mittleren Glied des Ringfingers ausgehend zählt man über den kleinen Finger weiter bis zum Grundglied des Zeigefingers auf zehn Fingergliedern.

2.35 Das Grundglied des Mittelfingers soll als Meru dienen. Bei der Zählung von hundertacht lässt man das Anfangs- und Endpaar aus. [Die technische Zählanweisung ist ohne ergänzende Tradition nicht vollständig eindeutig.]

2.36 Damit ist die Shiva-Mala erklärt. Höre jetzt von der Shakti-Mala: Man beginnt am mittleren Glied des Ringfingers und fährt über den kleinen Finger fort …

2.37 … bis zum Grundglied des Zeigefingers, indem man auf zehn Gliedern rezitiert. Zwei Glieder des mittleren [Fingers; Variante: des Zeigefingers] …

2.38 … gelten als Meru, Herrin der Götter; diese beiden soll man niemals berühren. Beim Japa von hundertacht lässt man das Anfangs- und Endpaar der Glieder aus.

2.39 Das tägliche Japa soll man an der Hand zählen, ein Japa für besondere Wünsche grundsätzlich nicht. Fehlt jedoch eine Mala, darf auch das wunscherfüllende Japa an der Hand erfolgen, Geliebte.

2.40 Das im täglichen Verehrungsritual vollzogene Japa heißt tägliches Japa. Bad, Trankspende, Feueropfer, Bali-Gabe und Sättigung gehören zum täglichen Vollzug.

2.41 Mit allen Malas soll man vorwärts und rückwärts rezitieren; mit der Fingermala nur in vorwärts gerichteter Folge.

2.42 Einen männlichen Mantra rezitiert man mit der Shiva-Mala, Göttin; einen Shakti-Mantra mit der Shakti-Mala.

2.43 Abgesehen vom Mond-Mantra [gilt die vorangehende Zuordnung]. Savitri, die Mutter der Veden, soll man an der Hand mit der Shiva-Mala rezitieren. [Die Variante nennt ausdrücklich die Shakti-Mala; die Vorlage ist hier widersprüchlich.]

2.44 Den Mond-Mantra rezitiert man mit der Shakti-Fingermala. Für das Rezitieren der Savitri wird stets die Fingermala empfohlen.

2.45 Empfohlen sind Malas aus Bergkristall, Perlen, „Kausha“ [Materialbezeichnung unsicher] und Muschel. Für Vishnu dient eine Mala aus Tulasi, für Ganesha eine aus Elefantenzahn.

2.46 Für das Japa Tripuras werden Rudraksha und rotes Sandelholz empfohlen, für das Japa Dhumavatis Samen des Stechapfels vom Leichenverbrennungsplatz.

2.47 Für Bagalamukhi wird eine aus Fingerknochen, mit einer Sehne zusammengefügte Mala empfohlen. So ist es, große Herrin, so ist es.

2.48 Was ohne feierlichen Vorsatz und mit zu geringer oder zu großer Wiederholungszahl rezitiert wird, bringt nicht die volle Frucht. Deshalb soll man sich an die festgelegte Regel halten.

2.49 Man nimmt ein kupfernes, mit Wasser gefülltes Gefäß mit Durva-Gras, Sesam, Kusha-Gras und einer Frucht und vollzieht nach Vorschrift die rituelle Mundspülung.

2.50 Dann verehrt man den erbarmungsvollen Guru im Scheitellotus und wendet das Gesicht [in die vorgeschriebene Richtung]. [Die Richtungsangabe vor dem Bezug auf Indra ist bereits in der Vorlage mit einem Fragezeichen versehen und nicht sicher lesbar.]

2.51 Man nennt Monat, Monatshälfte, Mondtag und das jeweilige Götterfest sowie Anfangs- und Endzeit, Abstammungslinie und Namen derjenigen, für die das Ritual geschieht.

2.52 Man erklärt: „Ich werde die beiden Handlungen vollziehen“, und gießt das Wasser nach Nordosten. Mond- und Sonnenzählung [kommen in Betracht]; wo ein Mondtag vorgeschrieben ist, gilt die Mondzählung.

2.53 Die Mondzählung gilt grundsätzlich als vorrangig, in grausamen Handlungen als nachrangig; ferner [folgen Angaben] zu Schuldgeben und Schuldnehmen sowie zu kräftigenden oder zuträglichen Maßnahmen, Geliebte.

2.54 Bei Bad, Gabe und den kräftigenden oder zuträglichen Maßnahmen wird der Sternenmonat genannt; beim Jahresfest der Savana-Monat. [Die Vorlage wiederholt „Gabe“ und lässt die Zuordnung einzelner Tätigkeiten unsicher.]

2.55 So wird es in den verschiedenen Weltaltern gelehrt; im Kali-Zeitalter gilt überall die Sonnenzählung. Eine Einweihung ist im Sonnenmonat günstig, nicht im Mond- oder Sternenmonat.

2.56 Auch nicht im Savana-Monat, große Herrin, denn so wäre sie ohne Frucht. Die handlungsbezogene, vedische Einweihung wird dagegen auch im Mondmonat empfohlen.

2.57 In der hellen Monatshälfte ist alles Heilsame [zu vollziehen], in der anderen das Unheilsame. Vom Morgen bis zum Sonnenmittag …

2.58 … soll derjenige handeln, der die volle Frucht wünscht. Grausame Handlungen darf er auch in der übrigen Zeit vollziehen, höchste Herrin.

2.59 Nach Ablauf der ersten Nachtwache bis zur dritten wird die Zeit des nächtlichen Japa bestimmt. Höre nun von der Zeit der Puja.

2.60 Sind eineinhalb Nachtwachen vergangen und verbleiben [entsprechend] eineinhalb, gilt eine Nachtwache als Zeit der Puja, die stets die vier Lebensziele gewährt. [Die Variante liest zunächst „eine halbe“; die zeitliche Abgrenzung bleibt unsicher.]

2.61 Die zwei aneinandergrenzenden Ghatikas der mittleren Nachtwachen heißen die „große Nacht“. Was dann vollzogen wird, trägt unvergängliche Frucht.

2.62 Alles Japa, jedes Feueropfer und jede auf Befreiung gerichtete Praxis, die dann vollzogen werden, werden unvergänglich und bringen unbegrenzte Frucht.

2.63 In den Vishnu-, Sonnen-, Mahasaura- und Ahnenriten [erfolgt die Einweihung] nicht nachts, außer [unter den genannten Ausnahmen]. [Die Wendung mit „Mittag“ und „Mondfinsternis“ ist in der Vorlage syntaktisch widersprüchlich; eine eindeutige Zeitregel lässt sich daraus nicht gewinnen.]

2.64 Die Einweihung soll sorgfältig nach der jeweiligen Monatshälfte vollzogen werden: Wer Befreiung begehrt, in der dunklen; wer Hingabe begehrt, in der hellen.

2.65 Wer Wohlergehen erstrebt, soll sie [nicht später als beziehungsweise ab] dem fünften Tag der dunklen Hälfte vollziehen. Heilsames geschieht zu heilsamer Zeit, Unheilsames durch die Bedrängten. [Der genaue Grenztag ist wegen der Lesung unsicher.]

2.66 Bei einer Finsternis oder an einer großen heiligen Stätte besteht kein Fehler der Zeitwahl. Besonders in Varanasi kann man jederzeit alle [entsprechenden Rituale] vollziehen.

2.67 Dort ist stets das vollkommene Krita-Zeitalter, stets der nördliche Sonnenlauf. [Es besteht kein entsprechender] Unterschied zwischen Tag, Nacht, Dämmerung und tiefer Nacht.

2.68 [Dieser Vers ist sprachlich entstellt.] Er spricht von sichtbarer Erscheinung im Feuer, einem Wirbel der Gestalt und davon, dass in Kashi eine Verbindung der Dämmerungszeiten nicht auftritt. Ein verlässlicher zusammenhängender Sinn ist nicht gesichert.

2.69 Kashi [wird] in zwei oder drei Krosha [bemessen], in anderer Hinsicht als Fünf-Krosha-Gebiet. In Länge und Breite, Göttin, ist diese [Stadt] ewig und stets heilbringend. [Die Maßangaben sind nicht eindeutig miteinander verbunden.]

2.70 Dies ist die Stadt des Nirvana, Shive, erfüllt vom höchsten Licht. [Der anschließende Satz über das Einsetzen des Weltganzen und ein menschliches beziehungsweise bauliches Maß ist nicht sicher lesbar.]

2.71 Wer dort umhergeht, Göttin, kann Nirvana erlangen. In Varanasi soll man den Zweimalgeborenen Gaben darbringen, selbst unter Einsatz des ganzen Besitzes.

2.72 Der Aufenthalt der Zweimalgeborenen in Varanasi, die Freude am Brahma-Yoga und uneigennütziges [Handeln gegenüber] der Bindung durch Karma: All dies führt zum Nirvana. [Der letzte Ausdruck ist grammatisch unsicher.]

2.73 Wer an der Ganga oder an einer anderen befreienden Stätte durch Erkenntnis und Yoga [geheiligt] stirbt und nach Kashi gebracht wird, wird durch meine Unterweisung befreit. [Die Satzfügung lässt die genaue Beziehung zwischen Sterbeort und Überführung offen.]

2.74 Denn mein [entsprechender] Wohnsitz ist nicht anderswo, und ohne Kalika gibt es keine Befreiung. Jede dort vollzogene Handlung trägt unbegrenzte Frucht.

2.75 Alles wird dort unvergänglich, und man erlangt beständige Vollendung. Dort [entsteht] Verdienst durch Verbindung, und dort wird man befreit.

2.76 Dort erhalte ich [die Wesen] in eben ihrer Gestalt, Shive. Bei knapper Zeit, nach Mondtag und Zeitspanne, richtet sich der Vollzug nach seiner verfügbaren Zeit. [Der letzte Satz ist unsicher.]

2.77 Man soll zur richtigen Zeit beginnen und darf außerhalb dieser Zeit abschließen. Tritt währenddessen die Dämmerung ein, soll man die Gayatri zehnmal rezitieren.

2.78 Danach vollzieht man die zur Tageszeit gehörende Sandhya und beendet die Handlung. Damit habe ich dir, Bergestochter, erklärt, wonach du gefragt hast. Sprich aus, was darüber hinaus in deinem Herzen ist.

Kolophon: Damit endet der zweite Paṭala im Yogini Tantra, dem höchsten unter allen Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Dritter Paṭala

3.1 Die erhabene Göttin sprach: Erhabener, Herr der Pramathas, Gott der Götter, Lehrer der Welt! Wie lassen sich Kampf und ebenso Fieber und andere Leiden abwehren, …

3.2 … und zwar rasch, Herr? Erkläre es aus höchstem Erbarmen. Außer dir gibt es keinen Retter der Welten, höchster Herr. [Nach der Variante für die verderbte Hauptlesung.]

3.3 Ishvara sprach: Aus Liebe erkläre ich dir den großen Schutzpanzer, der Kampf und Fieber rasch abwehrt, Bergestochter. Ich spreche in schlichten Worten; höre zu.

3.4 „Om, Verehrung der erhabenen Vajrashrinkhala, der Diamantkette! Sie schlage, verschlinge und verzehre! Trinke Blut aus der Schädelschale, Rotäugige, Rotgewandete, Aschenäugige, deren Körper mit Asche bestrichen ist, die von einem Wall aus Vajra-Waffen umgeben ist! Sie binde die östliche, die südliche und die westliche Richtung; sie binde die Herren der Greifermächte und den [unklar bezeichneten] Herrn! Vor allen Geistern, Totengeistern, Gandharvas und den übrigen Wesen möge sie [mich] schützen. Sie schütze oben und unten; sie binde die Grube [Wortbedeutung unsicher]. Du von großer Wasserkraft, komme, komme, [es folgen verderbte Anrufungen mit Vajra, Feuer und großer Stärke]! Sie schütze mich vor allen Greifermächten und allen Übergriffen bösartiger Wesen, vor ihnen allen.“ [Der Prosa-Mantra enthält außerdem die unübersetzbaren Lautfolgen „hūṃ phaṭ hrīṃ hrīṃ śrīṃ phaṭ huṃ huṃ krūṃ phaṃ phaṃ“ und später „hrīṃ“. Mehrere Wörter der Anrufung sind unsicher; eine geglättete vollständige Rezitationsfassung wird nicht rekonstruiert.]

3.5 Dieser Schutzpanzer, Göttin, ist selbst für Götter und Asuras schwer erreichbar. Er soll bei Greifermächten, Fieber, Geisterbedrängnis und allen entsprechenden Handlungen angewandt werden.

3.6 Der aus meinem Mund hervorgegangene Schutzpanzer darf nicht beliebig weitergegeben werden. Bei solcher Weitergabe verliert man die Vollendung und wird zum Pashu, zum gebundenen Wesen der Yoginis.

3.7 Man soll ihn einem friedvollen, heldenhaften [Variante: standhaften] Yogi aus guter Familie geben, der rechtschaffen lebt und alle Feinde überwunden hat.

3.8 Die Göttin sprach: Ich habe den göttlichen Schutzpanzer gehört, der deinem Lotusmund entströmt. Nun möchte ich das höchste Mittel hören, das die Welt gefügig macht.

3.9 Ishvara sprach: Höre, Göttin! Ich werde das große, die Welt bezaubernde Mittel erklären. Narada fragte mich einst auf dem Gipfel des Kailasa danach.

3.10 Ich lehrte ihn den Schutzpanzer, der alles bezaubert. Mit eben diesem Schutzpanzer hat Narada, der Sohn Brahmas, …

3.11 … alle drei Welten verwirrt und entzweit, denn er liebte den Streit. Als Vishnu dieses ungewöhnliche Geschehen sah, sprach er zu Brahmas Sohn:

3.12 „Wie wurde alles verzaubert? Sage mir den Grund, Weiser!“ Alles wurde Vishnu bekannt; Vishnu erklärte es darauf der Tochter des Meeres [Lakshmi]:

3.13 Der verständige Narada, der am Wohl aller Welten Freude hat, befragte Mahadeva, den Lehrer der Welt, der auf dem Kailasa-Gipfel saß.

3.14 Narada sprach: Erkläre die große Mahavidya Kalikas, Herr! Was ist ihre Frucht, Gott, und wodurch bewirkt sie Bezauberung? [Nach den grammatisch passenden Varianten.]

3.15 Wie erlangt man Schutz im Kampf? Sage es mir, Shankara! Ishvara sprach: Es ist in den drei Zeiten verborgen und wird von Zeit zu Zeit offenbart.

3.16 Kali, die Göttin, die den Raum als Gewand trägt, bezaubert die Welt. Höre, vorzüglichster Weiser, diesen Schutz, der die drei Welten bezaubert.

3.17 Sein Seher ist Kalabhairava, sein Versmaß Anushtubh, seine Gottheit Shmashanakali; er wird für umfassende Bezauberung eingesetzt. „[Heilige Laute:] Sie schütze mich stets im Streit. Der Göttin Dakshinakalika, die in der Versammlung Sieg gewährt! Dunkelgliedrige, töte, töte den Feind! Bringe die drei Welten unter Gewalt! Schütze, schütze mich im Streit und im Königshaus!“ Die höchste Formel wird als zweiundzwanzigsilbig bezeichnet. [Die Vorlage mischt ausgeschriebene Keimsilben, Kürzel wie „hrā/ hrū/“ und Anrufungen; die Silbenzahl und der Formelumfang sind daraus nicht verlässlich herzustellen. Die Laute stehen vollständig im Sanskritartikel.]

3.18 Schütze mich stets vor Brahmarakshasas und Vetalas. Wo kein Schutzpanzer [ausdrücklich einen Schutz] vorsieht, dort möge Kalika mich schützen.

3.19 Überall schütze mich die Göttin, deren Wesen mein eigenes Wesen ist. Dieses höchste Mittel der Bezauberung wurde durch dein glückliches Geschick offenbart.

3.20 Wer es stets liest oder rezitiert, bringt die drei Welten unter seine Gewalt. Wer aber die Geliebte der Viras verehrt, ohne diesen Schutzpanzer zu kennen, …

3.21 … wird stets von schwerer Krankheit bedrängt, ohne Zweifel. Er wird kurzlebig und krank; dies ist dir gesagt, Narada.

3.22 Dieser Schutzpanzer soll besonders auf Birkenrinde getragen werden. Trägt man ihn zusammen mit dem Mantra, entsteht Erfüllung des Gewünschten.

3.23 Am achten Tag der hellen Monatshälfte soll der Mantrakundige ihn schreiben und in einem Goldblatt tragen. Seine Größe lässt sich nicht vollständig aussprechen, großer Weiser.

3.24 Der Yogi soll ihn am Haarschopf tragen, der nach einer bestimmten Frucht Strebende am rechten Arm. Dieser Wunschbaum, Göttin [Variante: Gott], wird dir aus Liebe offenbart.

3.25 Er soll sorgsam geheim gehalten und rezitiert werden, großer Weiser. [Halbvers.]

3.26 Vishnu sprach: So soll dieser Schutzpanzer stets von Mahalakshmi rezitiert werden. Gewiss kommt die bewegliche und unbewegliche dreifache Welt unter deine Gewalt.

3.27 Shiva hatte ihn zuvor dem nach einer Frucht verlangenden Narada mitgeteilt. Durch seine Rezitation hat auch Narada das Bewegliche und Unbewegliche bezaubert.

3.28 Die Göttin sprach: Höchster Herr [Variante], von der Welt Verehrter, Herr der Pramathas, Gnadengeber! Erkläre zum Nutzen der Menschen ausführlich das Verfahren, …

3.29 … durch das man rasch Königsherrschaft, einen Sohn, Erkenntnis, Reichtum, Ruhm und überhaupt alles erlangt.

3.30 Ishvara sprach: Höre, Göttin! Ich werde erklären, wonach du mich fragst. Es wurde im Phetkarini Tantra und im Nila Tantra ausführlich dargelegt.

3.31 Nun erkläre ich es dir ausführlich, Göttin mit dem reinen Lächeln. Selbst wenn die Sonne im Westen aufginge oder der Mond auf die Erde fiele, …

3.32 … selbst wenn der Ozean austrocknete, würde es niemals falsch. Dieser König der Verfahren, große Herrin, ist nach meinem Wort stets wirksam.

3.33 Wie Vishnus Diskus, mein Dreizack und der Donnerkeil des Götterkönigs ihr Ziel nicht verfehlen, so auch das von mir erklärte Verfahren.

3.34 So sicher wie Brahmas Lotussitz ist auch dieses Verfahren, Göttin; daran besteht kein Zweifel.

3.35 Wie der Wunschbaum die Wünsche erfüllt, Göttin, so wird auch dieses vortreffliche Verfahren gepriesen.

3.36 Für Königsherrschaft, Familie und Nachkommenschaft [schreibt man] auf Goldblatt, in Länge und Breite sechzehn Fingerbreiten messend.

3.37 Für Opfer, Reichtum und Ruhm dient Silber, Schöne, im selben Maß; für Vernichtung entsprechend Kupfer.

3.38 Oder auf Gold, höchste Herrin; für andere Zwecke auf Birkenrinde soll man den Mantra Tarinis schreiben, der alle Vollendungen gewährt.

3.39 Wer Königsherrschaft, Reichtum, einen Sohn, Ruhm oder Wachstum erstrebt, soll ihn sorgfältig mit einem Schreibstift aufzeichnen.

3.40 Dieser besteht aus einem acht Fingerbreiten langen Goldstäbchen von der Stärke des kleinen Fingers [Variante: sechs Fingerbreiten]. Für Erkenntnis schreibt man mit einer Kusha-Wurzel, für anderes mit Durva-Gras.

3.41 Nach ritueller Mundspülung und Verneigung vor den Sandalen des Guru wendet man sich nach Norden und verehrt Tarini.

3.42 Kumkuma, Gorochana, Jatamansi, Sandelholz, Kaschmir-Safran, Moschus, Lack und Sindura …

3.43 … werden zusammengebracht; damit zeichnet man zuerst ein sechseckiges Chakra. In seine Mitte schreibt man die höchste Tara-[Formel] mit viereinhalb Silben …

3.44 … oder mit fünfeinhalb Silben, ganz in sie versenkt, [mit der angegebenen Einfassung]. Man schreibt das zu bewirkende Ziel hinein; höre dieses Ziel, Geliebte Shambhus.

3.45 „Mache, mache diese bestimmte Aussage dieser bestimmten Person gefügig!“ Oder: „Bewirke, bewirke diese bestimmte Erkenntnis und Vollendung dieser bestimmten Person!“

3.46 Oder: „Lass, lass für diese bestimmte Frau einen glückverheißenden Sohn entstehen!“ Oder: „Gib, gib dieser bestimmten Person diesen bestimmten Reichtum!“, Geliebte.

3.47 Nachdem man das jeweilige Ziel sorgfältig aufgeschrieben hat, zeichnet man sechs lange Laute ohne die „geschlechtslosen“ [Vokale] in die sechs Ecken.

3.48 Dann zeichnet man einen Kreis und einen schönen achtblättrigen Lotus mit jeweils paarigen Staubfäden auf den acht Blättern.

3.49 Auf die acht Blätter schreibt man die folgenden acht Laute: Vagbhava, Bhuvaneshani, Kama, Hum, Pranava …

3.50 … und anschließend den Maya-Mantra und Svaha, im Osten beginnend. Man zeichnet ein Quadrat mit vier Toren; so wird das Yantra angelegt. [Die genannten Bezeichnungen ergeben ohne Auslegung keine unzweideutige Liste von acht Lauten.]

3.51 Für Erkenntnis und Vollendung, beziehungsweise zu anderen Zwecken bei günstigem „Amrita“-Aufgang, [gelten] Donnerstag, Freitag, Montag, Dienstag und Mittwoch. [Die Zuordnung der Tage zu den Zwecken ist im Wortlaut nicht eindeutig.]

3.52 Bei günstigem Stern soll man den Mantra gesammelt verehren, [das Yantra] in gelbes Tuch hüllen und mit Lack umgeben.

3.53 Der vortreffliche Sadhaka bindet es mit rotem Seidenstoff, setzt es auf einen goldenen Sitz und vollzieht die vorgeschriebene Zählung.

3.54 Es soll den Boden nicht berühren, nicht mit abgelegten Opfergaben in Kontakt kommen und weder eingerissen noch überschritten sein.

3.55 Sorgfältig fertigt man ein schönes Gefäß, in Länge und Breite sechzehn Fingerbreiten messend.

3.56 Wer Königsherrschaft begehrt, verwendet Gold; wer einen Sohn begehrt, Silber; wer Kampf [beziehungsweise Kampferfolg] begehrt, Kupfer; für anderes wird ein Tongefäß gefertigt.

3.57 Darin legt man Perlen, Korallen, Edelstein, Silber, Gold und Getreide; die Öffnung versieht man mit frischen Zweigen.

3.58 Der reine Verständige bedeckt es mit zwei roten Leinentüchern. Auf ein ringsum quadratisches Goldblatt von acht Fingerbreiten …

3.59 … schreibt er deinen Mantra, legt es sorgfältig in das Gefäß und verehrt die höchste, heilvolle Tara mit vierundsechzig Darbringungen.

3.60 [Dieser Halbvers nennt „königlich“, „Blume“, eine sechzehnfache Bedeckung und Kula; sein zusammenhängender Sinn ist nicht gesichert.]

3.61 Er nimmt die wie zuvor mit Staubfäden geschmückte Bali-Gabe und bringt sie kundig mit dem Bali-Mantra dar.

3.62 Nach dem Baden mit den fünf Nektarsubstanzen und den fünf Kuhprodukten verehrt er [die Gottheit]; der vortreffliche Sadhaka bringt tausendacht Feueropfer dar.

3.63 Auf das umhüllte [Yantra] legt er Blumen und ungebrochenen Reis. Wer Königsherrschaft begehrt, schenkt Land vom Umfang eines Dorfes.

3.64 Wer Kampferfolg begehrt, gibt Gold und Pferde als Opferlohn. Einen Shalagrama-Stein, geschmückt mit Goldlinien und dergleichen, …

3.65 … schenkt man zur Vollendung der Erkenntnis; zu anderen Zwecken eine Kuh und Gold. Der Standhafte speist Brahmanen und Kumarīs. [Der abschließende Ausdruck der Vorlage ist unsicher.]

3.66 Anschließend trägt der Mann das wirksam gemachte Yantra am rechten Arm, die Frau am linken, das Kind am Hals. So wurde dieses schöne Verfahren erklärt; es darf selbst in Lebensgefahr nicht weitergegeben werden. [Der letzte Satz setzt die naheliegende Lesung „geben“ für die entstellte Hauptlesung voraus.]

Kolophon: Damit endet der dritte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung [Variante des Ehrentitels: dem höchsten unter allen Tantras].

Tara wird im dritten Paṭala mit besonderen Mantra- und Yantra-Verfahren verbunden. Allgemeine Illustration.

Vierter Paṭala

4.1 Die Göttin sprach: Gott der Götter, von der Welt Verehrter, von Göttern und Asuras Gegrüßter! Nun möchte ich die heldenhafte Praxis der sechs Wirkhandlungen hören.

4.2 Sie ist segensreich für verdienstvolle Könige, die Herrschaft und dergleichen genießen, und für Frauen, die in Vollendung stehen und sich an allen Verfahren erfreuen. [Die Satzfügung ist stellenweise unsicher.]

4.3 Ishvara sprach: Befriedung, Gefügigmachen, Erstarrenlassen, Entzweiung, Vertreibung und Tötung: Dies werden die sechs Wirkhandlungen genannt, höchste Herrin.

4.4 Ich erkläre sie dir aus Liebe in Bezug auf Tarini, Kalika und Chhinna, du Weltgestaltige: das höchste Mittel zur [raschen] Vollendung.

4.5 Rati, Vani, Rama, Jyeshtha, Matangi, Kulakamini, Durga und Bhadrakali [sind] zu Beginn der Handlungen für deren Gelingen [zu verehren].

4.6 Der Vira soll sie entsprechend seinen Möglichkeiten mit sechzehn Darbringungen verehren: in einem leeren Haus, einem großen Wald oder einem Götterheiligtum.

4.7 Dort vollzieht er fünf der Handlungen; die Tötungshandlung jedoch auf einem Leichnam, ersatzweise auf dem Bestattungsplatz. Ich erkläre dir die Kleidung.

4.8 Als vorrangig gilt Nacktheit, danach ein Leopardenfell; fehlt es, rotes Leinen. Andere Kleidung soll nicht verwendet werden.

4.9 Für die erste und zweite [Handlung dienen] Gold beziehungsweise Silber, für Erstarrung Stein, für Entzweiung und Vertreibung Kupfer, für Tötung eine Schädelschale. [Die knappe Zuordnung der ersten beiden Materialien ist nicht völlig eindeutig.]

4.10 Für eine glückbringende Mala wird ein junger, dunkelhäutiger Mensch außerhalb des Brahmanenstandes genannt, der weder an Hunger noch an Krankheit gestorben ist.

4.11 Fehlt [solches Material], rezitiert man mit Bergkristall oder Indraksha-Perlen. [Als Sitz dienen] ein „weicher“ oder „zarter“ [Ritualträger; technische Bedeutungen ungesichert] oder ein Graspolster, Herrin der Götter, …

4.12 … ein Schädel, ein Yoni-[Sitz] oder ein Tigerfell. [Die Sitzfläche misst] ringsum eine, zwei oder vier Ellen.

4.13 Man sitzt fest und vergegenwärtigt die eigene Furchtlosigkeit. Entsteht Furcht, große Herrin, soll man den von Bhairava gesprochenen Mantra rezitieren.

4.14 [Die Formel wird in Lautschlüsseln angegeben:] zweimal „Gift“, dann „im Vajra-Netz“, zweimal „schlage“, danach „alle Wesen“ und zum Schluss der Kurcha-Mantra: dies ist der Bhairava-Mantra. [Die Schlüssel werden nicht zu einer vermeintlich sicheren Lautfolge ergänzt.]

4.15 Dann gibt der Sadhaka den Wesen eine Bali-Gabe nach heiliger Vorschrift; aus Ashvattha-Holz fertigt er den entsprechenden rituellen Pfahl.

4.16 Mit den auf Sonntag folgenden Tageszuordnungen vollzieht er die fünf Handlungen; die Tötung ausdrücklich am Samstag, du von den Viras Verehrte.

4.17 Alle diese Handlungen geschehen nachts, Reinlächelnde. Zuvor rezitiert der Kundige auf einem Leichnam zehntausendmal seinen eigenen Mantra …

4.18 … als starken Selbstschutz beim Erlangen der Ritualfrucht. Danach, am Tag der vorgesehenen Handlung, wenn eine Nachtwache verstrichen ist, …

4.19 … verehrt er die Kula-Vernichterin mit den fünf Substanzen, deren Namen mit M beginnen. Der Kaula trägt den Raum als Gewand und lässt sein Haar ganz offen.

4.20 Mit seiner Shakti verbunden rezitiert er die Vidya und vergegenwärtigt dich stets im Geist, große Herrin: hunderttausendmal, mit vorangehender Shakti-Verehrung.

4.21 Täglich speist er Brahmanen, an den entsprechenden Tagen die Kaulas und die übrigen. Fleisch, Alkohol und Fisch bringt er je hundertmal im Feuer dar.

4.22 Er schenkt dem Guru den Opferlohn, indem er ihn als Guru betrachtet, Shambhavi. Nach diesem Verfahren kann der hervorragende Vira …

4.23 … selbst die Götter auf diese Weise [unter seine Gewalt] bringen. Es bedarf keines Wartens, Geliebte; gewiss erhält er die Frucht.

4.24 Beim großen Ritual soll er einen schwarzen Ziegenbock als Opfer darbringen. Nach Abschluss der Verehrung verehrt er das Feuer mit dessen Fleisch.

4.25 Die Regeln sind überall entsprechend Divya, Vira und Pashu erklärt. In der richtigen Ordnung erlangt man die Frucht; bei Vertauschung wird man schuldig.

4.26 Damit wurde dir der Bereich der sechs Wirkhandlungen erklärt. Er ist vor bösartigen, verdorbenen und unvorbereiteten Menschen geheim zu halten.

4.27 Die Göttin sprach: Welche Arten von Alkohol und welche Art von Shakti sind geeignet? Erkläre ihre Zuordnung zu den sechs Handlungen, Meer des Erbarmens.

4.28 Ishvara sprach: Madhvi gilt als befriedend, Sphatiki als günstig zum Gefügigmachen, Dakini zum Erstarrenlassen, Paushtiki zur Entzweiung. [Die Hauptlesung des zweiten Glieds lautet „beim Vaishya“, vermutlich statt „beim Gefügigmachen“.]

4.29 Gaudi gilt für Vertreibung, Bhairavi für Tötung. Ihre Merkmale, Göttin, wurden im Kulamohana erklärt.

4.30 [Unter den Shakti-Typen] gilt Padmini als friedenspendend, Shankhini für Gefügigmachen, Nagavallabha für Erstarrung und Vertreibung.

4.31 Für Tötung wird Dakini empfohlen, die den Tod des Feindes bewirke. [Padmini ist] hellhäutig, langhaarig, stets nektargleich sprechend, …

4.32 … rotäugig und von gutem Wesen, günstig für die Praxis und förderlich für Mantravollendung. Auch Shankhini ist [von entsprechender Wirksamkeit].

4.33 Shankhini ist langgliedrig und erfreut die Welt. [Nagini ist] ebenmäßig, gehört dem Shudra-Stand an und ist weder klein noch übermäßig groß, …

4.34 … langhaarig, wohlgenährt [Variante: von mittlerer Fülle] und sanft sprechend. [Dakini ist] dunkel, mager, mit hervortretenden Zähnen und von Rausch erhitzt, …

4.35 … kurzhaarig, langnasig, stets hart sprechend, zornig, langgewachsen und zu lautem Geschrei geneigt, …

4.36 … ohne Scham und Lächeln, schläfrig und viel essend. Diese wird Dakini genannt und für das Todesritual empfohlen. [Dies sind die historischen, wertenden Typisierungen des Textes.]

4.37 Diese Shaktis können aus allen sozialen Gruppen stammen. Frauen mit Kindern und Liebeserfahrung gelten als geeignet. Sie werden aufgenommen und mit Kula-Substanzen in ehrfürchtiger Hingabe verehrt.

4.38 Die Göttin sprach: Mit welchen Mantras vollzieht der Mantrakundige die sechs Handlungen? [Erkläre] jeden Mantra, großer Herr, wenn ich deine Geliebte bin.

4.39 Ishvara sprach: Der einsilbige [[[Mantra]]] Kalikas, der aus drei Keimsilben bestehende Taras und der elfsilbige Vajravairocaniya-Mantra …

4.40 … sowie der als „Entzieher aller Strahlkraft“ bezeichnete Mantra. Wozu viele Worte? Höre, du mir lebensliebe Gefährtin.

4.41 Nur mit der Shakti verbunden soll man die Göttin gesammelt rezitieren. So erlangt man gewiss die Frucht, nicht anders, du von den Viras Verehrte.

4.42 Wenn ein Bösartiger die Frucht erhielte und ein [rechtmäßig] Fruchttragender ohne Frucht bliebe, wäre alles vergeblich, große Herrin.

4.43 Ich, der Schöpfer und ebenso der Erhalter bemühen uns um Schutz, Shive. Dennoch könnte Vollendung ausbleiben: Dies wäre erstaunlich, Bergestochter.

4.44 Nun erkläre ich dir besonders die Tötungshandlung. [Der Beginn des Mantras wird verschlüsselt beschrieben:] der letzte Laut, mit Feuer verbunden und vom linken Auge geschmückt.

4.45 [Die ausgeschriebene Formel verbindet „hrīṃ“, zwei als „hu/“ abgekürzte Laute und Svaha mit:] „Töte, töte den so und so Genannten!“ Anschließend werden zwei Kurcha-Laute und dieselbe Tötungsaufforderung genannt.

4.46 Der vierzehnsilbige, auf Svaha endende Mantra soll Feinde vernichten. Besonders an einem Dienstag, der auf den achten Mondtag fällt, nimmt man Khadira-Holzkohle …

4.47 … und zeichnet nachts auf eine Eisenplatte ein Bild des Feindes. An Kopf, Augen, Stirn, Herz, Händen, …

4.48 … Nabel, Geschlecht, Hüfte, Rücken und beiden Füßen schreibt man die Mantralaute in der erklärten Reihenfolge und vollzieht die rituelle Einsetzung.

4.49 Mit der Geste der Auflösung meditiert man über die sieggewährende Göttin: langgestaltig, schwarz, mit erhobenen Brüsten und Kopf [Lesung unsicher], …

4.50 … zwei Menschenköpfe in den Händen haltend und kauend, den Raum als Gewand tragend. Über diese feindvernichtende Göttin meditiert man zum Untergang des Feindes.

4.51 Nach dieser Vergegenwärtigung bringt man mit der linken Hand Ziegelmehl dar und spricht: „Om, Verehrung der Vernichterin der Feinde!“

4.52 Dann gießt man einen mit Kurkumapulver vermischten Strom aus und spricht die Formel: „Trinke, trinke das Blut des so und so Genannten! Verzehre, verzehre sein Fleisch! [Keimsilbe:] hrīṃ. Verehrung!“

4.53 Nach Verehrung zu Mittag und Mitternacht rezitiert man hundertachtmal. Nach elf Tagen entstehe Krankheit, so die Behauptung des Textes.

4.54 Nach einundzwanzig Tagen und einer weiteren Danda-Zeitspanne trete der Tod des Feindes ein. Nun erkläre ich eine andere Art der Feindvernichtung.

4.55 Man nimmt Kot von „Pungi“ [Tier- oder Stoffbezeichnung unsicher] und verehrt mit heißem Wasser. Japa, Puja und die weiteren Handlungen vollzieht man in umgekehrter Reihenfolge.

4.56 Mit „Verehrung dem großen Gott!“ sammelt man diesen Kot; mit „Verehrung Shiva!“ formt man [die Ritualgestalt].

4.57 Mit „Verehrung dem Herrn der gebundenen Wesen!“ setzt man die Lebenskräfte ein. Auf eine Eisenplatte zeichnet man mit Khadira-Holzkohle das Bild des Feindes und stellt Shiva darauf.

4.58 Dann meditiert man über den großen Rudra. Höre diese Vergegenwärtigung gesammelt: Rudra steht auf der Brust des Feindes und strahlt wie flammendes Feuer.

4.59 Mit der linken Hand hält er dessen Haar, mit der rechten zieht er die Lebenskraft heraus. Der Gott trägt Menschenhaut als Gewand und ist von großen Schlangen umgeben.

4.60 Mit „Träger des Pinaka-Bogens, komme hierher!“ und den folgenden Worten ruft man ihn an; mit „Verehrung dem Dreizackträger!“ vollzieht der Sadhaka das rituelle Bad.

4.61 Mit „Verehrung dem großen Herrn!“ verehrt man ihn durch Fußwasser und weitere Gaben. Die Gestalten mit Ishana beginnend verehrt man in umgekehrter Reihenfolge bis zur Feuerrichtung, nach dem Sonnenlauf. [Die Richtungsangaben sind im Wortlaut nicht spannungsfrei.]

4.62 Die Wurzelformel soll achtundzwanzigmal rezitiert werden. Mit der linken Hand entlässt man [die Gottheit] und spricht [einen abgekürzten Laut und] „Verzeihe!“. [Die davor stehende Shiva-Formel ist verderbt und wird nicht rekonstruiert.]

4.63 „Unbesiegbarer, Keshava, Vishnu, Hari, Wahrhaftiger, Janardana, Hamsa, Narayana, Svaha!“ Diesen Mantra rezitiert man einmal.

4.64 „[Abgekürzter Laut:] hu/. Verehrung dem erhabenen Vasudeva, Svaha!“ Auch die folgende Shiva-Anrufung wird einmal rezitiert. [Ihr Wortlaut ist wie in Vers 62 unsicher.]

4.65 So entstehe nach elf Tagen ohne Weiteres Wahnsinn beim Feind, Göttin; dies wird ausdrücklich als wahr behauptet, Dreiäugige.

4.66 Nun erkläre ich das vorzügliche Stillstellen feindlicher Kräfte. Aus dem Haus eines Töpfers bringt man Wasser in einem Topf [Variante: einen Pfahl] herbei.

4.67 [Die erste Zeile über ein einzeln beziehungsweise doppelt Gefertigtes ist nicht sicher verständlich.] Außerdem holt man alte Asche aus dem Brennofen.

4.68 Man legt sie in den Topf und breitet trockene Blätter der „Nalika“ [Pflanzenbezeichnung unsicher] darüber. Im Garten, Herrin der Götter, …

4.69 … gräbt man an einem Samstag im Nordosten eine Grube, zur Mittagszeit und in Einsamkeit.

4.70 Von dieser Grube aus [fasst man] das Gartengelände in den vier Richtungen [ins Auge und erklärt]: „Dieses ganze Land schütze ich vor Dieben.“

4.71 Mit freudigem Geist nimmt man so den Boden rituell in Besitz. Diesen ganzen Bereich …

4.72 … umschreitet man gegen den Uhrzeigersinn und kehrt zur Grube zurück. In diese einsame Grube steckt man einen eisernen Stab …

4.73 … und setzt darauf den Topf samt Schale. Dann füllt man die Grube mit Erde und kehrt heim.

4.74 Dadurch werde das Gehen der Diebe und ähnlicher Wesen gehemmt, Göttin. Dieses vorzügliche Verfahren sei auf Erden schwer zu erlangen.

4.75 Auch Pishachas, Bhutas, Vetalas, Kushmandas, Brahmarakshasas, Danavas und andere würden in ihrer Bewegung gehemmt. [Die Variante formuliert: „Ihr Kommen findet dort nicht statt.“]

4.76 Reichtum, Nachkommenschaft und Wohlergehen nähmen Tag und Nacht zu; ebenso wachse täglich der Dharma. Daran bestehe kein Zweifel.

Kolophon: Damit endet der vierte Paṭala im Yogini Tantra, dem höchsten unter allen Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Fünfter Paṭala

5.1 Die Göttin sprach: Erhabener, Kenner aller heiligen Ordnungen, Wohltäter der Welt! Ich möchte jene Praxis sämtlicher Mantras hören, die alle Hoffnungen erfüllt. Erkläre sie, großer Herr.

5.2 Ishvara sprach: Zuerst erkläre ich die höchst wunderbare Praxis auf dem Lager. Nachdem eineinhalb Nachtwachen verstrichen sind, soll der vortreffliche Sadhaka …

5.3 … unbekleidet die rituelle Mundspülung vollziehen, das Lager mit dem Wurzelmantra besprengen und sich darauf niederlassen.

5.4 Er verehrt Guru, Paraguru, Paraparaguru und Parameshthiguru, links [die Lehrerreihe und] Ganesha …

5.5 … rechts und oberhalb der Augenbrauen [den Leichenplatzbewohner mit] „Verehrung dem auf dem Leichenplatz Wohnenden!“. Dann verehrt er [den Sitz] mit Maya-[Bija] und „Verehrung dem Sitz!“. [Die räumliche Zuordnung von Vers 4–5 ist knapp und nicht völlig eindeutig.]

5.6 Auf die Unterlage des Lagers schreibt er Pranava, Vagbhava und Phat; danach vollzieht er sorgfältig die Mundspülung nach der Vorschrift seines Mantras.

5.7 [Die Schutzformel wird aus folgenden Elementen gebildet:] Pranava, „Manidhara“, „Vajrini“, dem Wort „groß“, „Pratisara, schütze, schütze mich“, [dem abgekürzten Laut] „hū/“, Phat und Svaha. [Die Vorlage gibt eine Anordnung von Bestandteilen, keine durchgehend ausgeschriebene, sicher abgrenzbare Formel.]

5.8 Mit dieser Formel bindet er den Haarschopf und vollzieht das Einsetzen der Laute an Gliedern und Händen sowie den Matrika-Nyasa.

5.9 Nach Reinigung der Elemente und den weiteren Vorbereitungen meditiert der Sadhaka im Herzlotus über die höchste Göttin und verehrt sie hingebungsvoll mit geistigen Darbringungen.

5.10 Auf der Lagerunterlage, über dem Mantra, [erfolgt die nächste Handlung; das Verb ist unsicher]. Dann [spricht er] Pranava und „Verehrung den Vatukas!“.

5.11 Mit dieser Formel verehrt er Vatuka im Geist durch Fußwasser und weitere Gaben. Anschließend [zieht er] mit der Feuerkeimsilbe einen Wasserstrom ringsum …

5.12 … und vergegenwärtigt einen Feuerwall. Nach ehrfürchtigem Vorsatz vollzieht er Japa und bringt es vorschriftsmäßig dar, höchste Herrin.

5.13 Nach erneuertem Vorsatz vollzieht er die ganze Reihenfolge: Feueropfer, Trankspende und anschließend rituelle Besprengung …

5.14 … sowie die Speisung eines Brahmanen. Wo dies nicht möglich ist, verdoppelt er das Japa. Er gibt Gold als Opferlohn und vollzieht den Ausgleich etwaiger Mängel.

5.15 Er spricht Vatuka an und entlässt ihn mit „Verzeihe!“. So ist die vorzügliche Praxis auf dem Lager erklärt.

5.16 Sie bewirkt rasch Mantravollendung und Vereinigung mit uns. Höre nun die Praxis am Dreiweg und am Vierweg. [Die Hauptlesung nennt zunächst „dreimal/viermal“; der folgende Vers klärt den Ortsbezug.]

5.17 Man geht zu einer Drei- oder Vierwegkreuzung, verneigt sich, verehrt den Guru und [spricht] den mit „Manidhara“ beginnenden Mantra.

5.18 Der furchtlose Sadhaka bindet den Knoten [mit der Formel bis] „Vajra“. „Alle Götter, Daityas und Bhairavas, die auf dem Leichenplatz wohnen, mögen Erbarmen haben und mir Vollendung gewähren!“

5.19 Mit dieser durch Pranava eingeleiteten Formel verneigt er sich hingebungsvoll. Dann wendet er sich nach Osten oder Norden …

5.20 … setzt sich, vollzieht die Mundspülung und lässt den Segensspruch aussprechen. Er säubert den Ort und schreibt dort die Preta-Keimsilbe.

5.21 Über die Keimsilbe breitet er den vorgeschriebenen Sitz. Darauf sitzend vergegenwärtigt er im Herzen seine erwählte Gottheit.

5.22 Er verehrt sie im Geist nach seinem Vermögen und bringt in den acht [Richtungen] Bali-Gaben für Kali und die übrigen dar, nachdem er sie vorschriftsmäßig verehrt hat.

5.23 Kali, Kapalini, Kulla, Kurukulla, Virodhini, Viprachitta, Nila und Valaka [werden genannt]. Für Verehrung und Bali werden ihre Namen mit Pranava eingeleitet, in den Dativ gesetzt und mit „Verehrung“ abgeschlossen. [Ein weiterer Ausdruck nach Valaka ist unsicher.]

5.24 Nach dem Vorsatz rezitiert er hundertachtmal und gleicht rituelle Mängel aus. Dann verlässt er den Ort und geht heim, die Göttin im Bewusstsein haltend.

5.25 So ist dir die Praxis erklärt, der alle Vollendungen dienen. Dieses höchste Wohl der Sadhakas darf nicht wahllos weitergegeben werden.

5.26 Nun erkläre ich die Praxis an der Wurzel des Bilvabaums. Der Bereich um die Bilvawurzel [erstreckt sich] sechzehn Ellen ringsum, große Herrin.

5.27 Erkenne das Blatt als Gestalt meiner Haarflechten, Schöne. Die drei Blättchen entsprechen Rig-, Yajur- und Samaveda.

5.28 Erkenne die Zweige als sämtliche heiligen Schriften, Fischäugige. Der Bilva gleicht dem Wunschbaum [und verkörpert] Brahma, Vishnu und Shiva. Mahalakshmi entstand auf dem Berg Shrishaila als Bilvabaum.

5.29 Die Göttin sprach: Wie wurde Vishnus Gemahlin zum Bilvabaum? Erzähle mir diese höchst erstaunliche Geschichte, Erbarmungsvoller.

5.30 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich erzähle das wunderbare Geschehen. Im Satya-Zeitalter verehrte [Sarasvati] das Rameshvara genannte Linga, …

5.31 … meine Lichtgestalt, nach der auch Brahma und die übrigen verlangen. Durch meine Gnade wurde Vani dort allen lieb.

5.32 Sarasvati wurde Vishnu stets außerordentlich lieb. Eine ebenso große Liebe zu Lakshmi entstand in Keshava nicht.

5.33 Darüber in Sorge, ging Lakshmi zum vorzüglichen Shrishaila. An meinem einsam gelegenen Linga vollzog sie überaus strenge Askese.

5.34 Als ihr meine Gnade dennoch nicht zuteilwurde, höchste Herrin, blieb sie als Baum vor dem Linga stehen.

5.35 Mit ihren eigenen Blättern, Blüten und Früchten verehrte sie mich unablässig. Nach zehn Millionen Jahren wurde ihr meine Gnade zuteil.

5.36 Durch eben diese Gnade erhielt sie ihren Platz auf Vishnus Brust; dort erfreut sie sich für immer, höchste Herrin.

5.37 Aus diesem Grund verehrte Haris Geliebte mich fortwährend in jener Gestalt. Sie ist meine unvergleichliche Verehrerin, Shive.

5.38 Deshalb verweile ich Tag und Nacht in diesem Baum. Er enthält stets alle heiligen Stätten und alle Gottheiten.

5.39 Deshalb heißt er Shrivriksha, heiliger Baum der Shri, höchste Herrin. Wer mich mit seinen Früchten, Blüten oder Blättern verehrt …

5.40 … oder mit der aus seinem Holz bereiteten Paste, ist mein Verehrer und mir lieb. Wer diese Holzpaste ehrfürchtig auf der Stirn trägt, …

5.41 … vor dem verneige dich freudig im Bewusstsein, dass er Shiva ist, Göttin. Deshalb sollst du diese Paste selbst niemals tragen. [Der Schluss richtet sich nach dem Dialogzusammenhang an die Göttin; er steht nicht als allgemeines Verbot für alle Verehrer da.]

5.42 Ebenso sollst du seine Blätter und Blüten nicht tragen. Wer an der Wurzel eines Bilvabaums stirbt, große Herrin, …

5.43 … wird wahrlich von Rudras Gestalt, selbst wenn ihn zehn Millionen Verfehlungen belasten. Deshalb ist diese Praxis allen wohltätig.

5.44 Man begibt sich zur Bilvawurzel, verehrt wie zuvor die vier Gurus und danach sorgfältig den Hüter des heiligen Feldes.

5.45 „Hüter des Feldes, Hochbeglückter, Herr des Leichenplatzes, du mit heiligem Gelübde! Gib Vollendung, Schöpfer der Welt, gewähre mir einen Platz! Verehrung sei dir!“

5.46 Mit dieser von Pranava eingeleiteten Formel verneigt man sich, verehrt den Ort und schreibt dort, Schöne, …

5.47 … Vagbhava, die Preta-Keimsilbe, erneut Vagbhava und anschließend den Wurzelmantra.

5.48 Nach der Verehrung Kalis und der übrigen wie zuvor fasst man den Vorsatz, rezitiert zehntausendachtmal und gleicht etwaige Mängel aus.

5.49 Dann verlässt man den Ort und geht heim, den Guru im Bewusstsein haltend. So wurde dir die Essenz der Essenz, das über alles Erhabene, erklärt.

5.50 Bewahre es stets geheim, besonders unter Unvorbereiteten. Höre nun die vorzügliche Schädelpraxis, Herrin der Götter, …

5.51 … durch deren Vollzug der Sadhaka die höchste Stätte der großen Göttin erreicht. [Verwendet werden] drei Schädel: von Mensch, Büffel und Katze …

5.52 … oder sorgfältig ausgewählt drei Menschenschädel. [Für die Fünfergruppe:] Schädel von Schakal, Schlange, Hund und Mensch [Variante: Stier], große Herrin, …

5.53 … und ein Menschenschädel in der Mitte: So werden die fünf Schädel erklärt. Oder man verwendet fünf Menschenschädel.

5.54 Ebenso werden hundert, tausend, zehntausend, hunderttausend, eine Million oder zehn Millionen Menschenschädel genannt, höchste Herrin.

5.55 Nachdem man die Schädel in die Erde eingegraben hat, errichtet man darüber einen eine Spanne hohen Altar [die Hauptlesung „Göttin“ dürfte hier für „Altar“ stehen], vier Ellen in Länge und Breite.

5.56 Bei tausend bis hunderttausend [Schädeln] beträgt das Maß sechzehn Ellen; darüber hinaus soll er hundert Ellen messen, große Göttin.

5.57 In seinen vier Richtungen verehrt der Lehrer Bhutanatha und die übrigen, mit der schon genannten Formel „Verehrung dem Herrn der Wesen!“.

5.58 Nach Verehrung mit Fußwasser und weiteren Gaben bringt er sorgfältig Bali dar; ebenso im Süden dem Herrn des Leichenplatzes …

5.59 … im Westen dem erhabenen Kalabhairava, im Norden dem Leichenplatz selbst. Nach der Verehrung bringt er jeweils Bali dar.

5.60 In der Mitte des Altars [setzt er] die Preta-Keimsilbe und danach Phat; mit dieser [Formel] verehrt er die Gruben durch Fußwasser und weitere Gaben. [Die Lesung „Gruben“ ist in diesem Zusammenhang unsicher.]

5.61 Im Südwesten schreibt der Sadhaka die Chandika-Keimsilbe, in der Vorlage als „hrīṃ“ angegeben. Dort verehrt er hingebungsvoll Bharati in ihrer eigenen [Variante: heilvollen] Gestalt.

5.62 Die Sprachgöttin [wird im Dativ genannt], mit Vagbhava am Anfang und „Verehrung“ am Ende. Mit dieser Formel verehrt man sie und bringt ihr Bali dar.

5.63 „Held, Herr der Leichen-Gottheiten, du in Schädelgestalt, Herr der Welt! Erbarme dich, Hochbeglückter; gewähre Vollendung zu meinem Sieg!“

5.64 Mit dieser [Anrufung] streut man dreimal eine Handvoll Blumen auf den Altar. Auf dem Leichnam [schreibt man] die Schlingen-[Silbe], mit Feuer und Mondsichel verbunden.

5.65 Darauf folgen Maya-Bija, Kurcha-Bija und Phat. Mit dieser [Formel] verehrt man die Gruben durch Fußwasser und weitere Gaben.

5.66 Der Lehrer [verehrt] im Südwesten mit „hrīṃ, Verehrung Chandika!“, im Nordwesten anschließend mit „hrīṃ, Verehrung Bhadrakali!“.

5.67 Im Nordosten, Shambhavi, [verehrt er] ebenfalls mit „hrīṃ, Verehrung Bhadrakali!“, im Südosten mit „hrīṃ, Verehrung Chandogra!“.

5.68 Nach Verehrung und Bali steht er auf, wendet sich nach vorn und [spricht]: „Alle Götter, Göttinnen und Bhairavas, die auf dem Leichenplatz wohnen, …“

5.69 „… mögen Erbarmen haben und mir Vollendung gewähren!“ Mit dieser von Pranava eingeleiteten Formel streut er dreimal eine Handvoll Blumen.

5.70 Dann berührt er den Ort und sagt: „Sei gefügig!“. Er breitet das Graspolster als Sitz aus und setzt sich, große Herrin.

5.71 Nach zehntausendacht Wiederholungen gleicht er etwaige Mängel aus, ordnet den Platz, verneigt sich und geht heim, über die Göttin meditierend.

5.72 Höre nun das Übrige zur vorbereitenden Mantrapraxis, Shambhavi: Auf den drei Schädeln soll niemals die rituelle Verpflockung vollzogen werden.

5.73 In einem leeren Haus, am Flussufer, auf einem Berg, an einer Vierwegkreuzung, an der Bilvawurzel, auf dem Leichenplatz oder an einem einsamen Ort mit einem einzelnen Linga …

5.74 … gräbt man die Schädel ein, um die gewünschten Ziele zu erlangen. Oder man gräbt nach Vorschrift einen einzelnen Menschenschädel ein.

5.75 Schon dadurch wird man Herr aller Vollendungen [Variante: erlangt alle Vollendungen]; wozu dann viele, du mit heiligem Gelübde? So wurde die Schädelpraxis erklärt, durch die man auf Erden Herr sämtlicher Vollendeter werde.

Kolophon: Damit endet der fünfte Paṭala im Yogini Tantra, dem höchsten unter allen Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Puja als gelebte Verehrung. Heutige Illustration, keine Darstellung der historischen Schädelrituale.

Sechster Paṭala

6.1 Die Göttin sprach: Erhabener, Kenner aller heiligen Ordnungen, in sämtlichen Agamas Bewanderter! Du bist der Guru aller Mantras, ein Ozean des Erbarmens.

6.2 Du begründest die heiligen Ordnungen und bist die Sonne im Herzlotus der Yogis. Du hast die göttliche und die heldenhafte Haltung als bedeutsam aufgezeigt. Erkläre sie mir genauer, Mondgekrönter.

6.3 Ishvara sprach: Zwei Arten von Yoga werden unterschieden: der göttliche und der heldenhafte. Durch diesen Yoga wird ein Mensch zum göttlichen beziehungsweise heldenhaften Kaula, große Herrin.

6.4 Wer die entsprechende Handlung ohne diesen Yoga vollzieht, ist kein Yogi. Der nach Befreiung Strebende soll [in Verbindung damit] verehren, Geliebte des Kula. [Nach der sinnklärenden Variante.]

6.5 Ich erkläre es dir; höre es und trage es wie einen Ohrschmuck. Man soll sich selbst als höchstes Brahman betrachten; wenn dies nicht [möglich ist], …

6.6 … soll man den eigenen Körper stets als Gestalt der erwählten Gottheit betrachten und ebenso das gesamte Weltall in ihrer Gestalt vergegenwärtigen. Dies ist der göttliche Yoga, Göttin; bewahre ihn aufmerksam.

6.7 Höre nun den heldenhaften Yoga, vor dem sich alle Götter verneigen. Zuerst vergegenwärtigt man drei Bindus, von den Kalas durchdrungen.

6.8 Aus ihnen stellt man sich eine weibliche Gestalt von etwa sechzehn Jahren vor, die mit dem Glanz von zehn Millionen aufgehenden Sonnen alle Richtungen erhellt. [Dies ist die Altersangabe einer göttlichen Visualisierung.]

6.9 Vom Scheitel bis zu den Brüsten entsteht sie aus dem oberen Bindu; [die weiteren Bindus bilden] den mittleren Körperbereich von Hals bis Hüfte. [Die Verteilung der drei Punkte ist in der Vorlage nicht klar ausgedrückt.]

6.10 Sie strahlt mit beiden Brüsten und drei Bauchfalten. Man vergegenwärtigt den Bereich vom Schoß bis zu den Füßen als Abschluss der Kama-[Gestalt].

6.11 Vielfältiger Schmuck ziert sie; Brahma, Shiva und Vishnu verehren sie. So soll man den eigenen Körper als Gestalt der Kamakala betrachten.

6.12 Höre stets diesen heldenhaften Yoga, höchste Herrin. Nun erkläre ich kurz die vorzügliche Lebensweise beider [Gruppen].

6.13 Alkohol, Fleisch, Fisch, Mudra [rituelle Speise] und sexuelle Vereinigung: Diese Praxis, Göttin, [ist] nicht die des Pashu, [sondern] der Divyas und Viras. [Die Wortstellung der Hauptlesung ist entstellt; wörtlich könnte sie das Gegenteil sagen. Der Zusammenhang der folgenden Verse stützt die hier markierte Deutung.]

6.14 Divya und Vira sollen diese göttliche Lebensweise befolgen. Wenn durch die Umstände Alkohol und die übrigen [Substanzen] nicht verfügbar sind, …

6.15 … soll man an dem betreffenden Tag [den Vollzug] in sich selbst ausführen. Doch soll dies nicht [als gewöhnliches] Trinken bezeichnet werden, Shive. [Der Ausdruck am Versende und sein Bezug sind unsicher.]

6.16 Ein Kaula bleibe keinen Augenblick ohne das große Trinken. Deshalb seien Alkohol und die übrigen Substanzen täglich zu verwenden. [Die spätere innere Deutung dieses Trinkens steht in 6.69–74.]

6.17 Ich erkläre die Vorschrift des Vollzugs; höre, Bergestochter. Nachdem man durch den Guru eingeweiht wurde, vollzieht man den Kaula-Nyasa.

6.18 Seine Regel steht im späteren Tantra beziehungsweise im Kularnava. Nach der von mir erklärten Reihenfolge vollzieht man die beiden Weihebesprengungen. [Die Beziehung der beiden Werkverweise ist nicht ganz eindeutig.]

6.19 Nachdem man vom Guru auch den Namen erhalten hat, wählt man entsprechend seiner Praxis den vorzüglichen Yoga: entweder den göttlichen oder den heldenhaften.

6.20 Sogleich erlangt man [göttliche] Liebe und wird von der Zeit befreit. Der wahrhaft Göttliche ist Vishnu, daran besteht kein Zweifel.

6.21 Wer am Ende Rudra wird, ist eben der Vira. In welchem Land ein göttlicher oder ein hervorragender heldenhafter Mensch weilt, …

6.22 … beziehungsweise seine Kula-Gemeinschaft, dort ist er selbst der Herr des Landes. Zehn Yojanas ringsum gelten als Feld der Vollendung.

6.23 Dort sind alle heiligen Stätten, dort ist Ganga, die vorzüglichste der Flüsse. [Der folgende, sprachlich gestörte Satz beginnt eine Aufzählung bedrohlicher Wesen:] Yoginis, Dakinis, Kriechtiere, …

6.24 … Brahmarakshasas, Vetalas, Kushmandas, Bhairavas, Schakalinnen, Guhyakas, Danavas, Seuchengestalten, Yakshas und Kinnaras …

6.25 … sowie Krankheiten, gefährliche Tiere, Hungersnöte und Schlangenscharen [werden im Zusammenhang mit dem Schutz des Gebiets genannt]. Dort herrschen gewiss Heil und das Gedeihen der Stadt.

6.26 Nahrungsfülle, Sicherheit und Gesundheit [entstehen]; so [ist] der Schatz des Dharma. Sämtliche heiligen Schriften leuchten dort fortwährend auf. [Einige Satzanschlüsse bleiben unsicher.]

6.27 Der vortreffliche Sadhaka ist Brahma, Vishnu, Shiva und den übrigen sehr lieb. Auch die Bäume leben [dort auf], ebenso Tiere und Vögel.

6.28 Wessen Geist auf den Kula-Dharma gerichtet ist und wer in seiner eigenen heiligen Ordnung feststeht, sei er ein Divya oder ein hervorragender Vira: Wo immer er stirbt, Göttin, …

6.29 … dort gebe ich ihm die höchste Erkenntnis unmittelbar ins Ohr. Diesem Kula-Dharma soll man unablässig dienen.

6.30 Alle Himmelsbewohner widmen sich dem Kula-Dharma, ebenso Weise, Menschen, Nagas, Siddhas, Gandharvas und Kinnaras, …

6.31 … Rishis, Vasus, Daityas und alle hervorragenden Angehörigen des Kula. Durch die Gnade des Kula-Dharma sind sie seine Führer.

6.32 Indra und die übrigen erlangen das Wandeln im freien Raum und langes Leben. Wie die Menschen bei mir Zuflucht nehmen, so haben sie Anteil an der entsprechenden Frucht.

6.33 Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas, Schüler im Brahmacharya, Hausväter, Waldeinsiedler und [weitere Angehörige der Lebensstände] können dem Kula folgen.

6.34 Höre nun von mir ihre Vorschrift, Führerin des Kula. Als alkoholische Gabe des Brahmanen wird Saft aus Rohzucker und frischem Ingwer genannt.

6.35 Für den Kshatriya gilt Kokoswasser in einem Bronzegefäß, für den Vaishya Honig [beziehungsweise Honiggetränk] im Bronzegefäß, Schöne.

6.36 Als Fleisch und Fisch werden für alle Salz und Ingwer angegeben. Was aus geröstetem Getreide und Ähnlichem gekaut wird, …

6.37 … heißt für alle Mudra, Bergestochter. [Für die rituelle Partnerschaft wird genannt:] eine Brahmanin für den Brahmanen, eine Kshatriya für den Kshatriya, …

6.38 … eine Vaishya für den Vaishya; so lautet die Regel der Vereinigung. Eine Vaishya [ist ferner für Angehörige] der drei Stände [genannt]. [Die Varianten unterscheiden sich in der Zuordnung.]

6.39 Auch eine Kshatriya wird für einen Brahmanen genannt, Schöne. Fehlen Angehörige der drei Stände, wird eine Shudra für Brahmanen und die übrigen vorgesehen.

6.40 Dies ist für Angehörige der Lebensstände unter Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas gelehrt. Höre jetzt von den Entsagten der drei Stände.

6.41 Die Vereinigung mit Kundalini im Bindu oberhalb des Sahasrara wird als höchste göttliche Vereinigung der Entsagten bezeichnet, Shive.

6.42 Höre die Vorschrift für denjenigen, der im Lebensstand des Avadhuta steht: Für ihn [gelten] alle kräftigenden und übrigen alkoholischen Getränke, Shambhavi.

6.43 Für ihn [gelten] Fisch und Fleisch von Wasser-, Land- und Lufttieren sowie die zuvor genannte Mudra. [Die abschließende Angabe betrifft ehrfürchtige Zuwendung zur Gottheit; der genaue Satzanschluss ist unsicher.]

6.44 Der Text erlaubt dem Avadhuta sexuelle Beziehungen außerhalb der eigenen Mutter und unterscheidet dabei zwischen Frauen mit und ohne vorausgegangenen Geschlechtsverkehr; mit Letzteren untersagt er den Vollzug. [Sachliche Wiedergabe der historischen Regel.]

6.45 Ein Verstoß gegen dieses Verbot führe zum Verlust der Vollendung. Anschließend nennt der Text eine historische Altersgrenze von mehr als zwölf bis sechzig Jahren. [Diese Angabe dokumentiert die Vorlage und ist keine heutige Zustimmung zu sexuellen Kontakten mit Minderjährigen.]

6.46 Der Vollzug wird weiter an das Vorhandensein der Menstruation gebunden. Die Lebensweise der Avadhutas wird auch für den Shudra genannt.

6.47 Höre die besondere sexuelle Regel für ihn: Brahmaninnen, Kshatriyas und Vaishyas ausgenommen, [gelten] Angehörige der übrigen Gruppen …

6.48 … wobei der Verständige die Handlung im Bewusstsein der Gottheit vollzieht. Der Shudra soll nach diesem Text Hausvater sein und keinem anderen Lebensstand angehören.

6.49 Die Lebensweise anderer sozialer Gruppen wird der des Shudra gleichgesetzt. [Die anschließende Regel nennt den Guru, die drei Stände und die mütterliche Großvaterlinie; ihr genauer Sinn ist entstellt.]

6.50 [So] wird die Vereinigung auch im Avadhuta-Lebensstand erklärt. Kali, Tara, Chhinnamasta, Sundari, Bhairavi, …

6.51 … Matangi und die Vidya Dhumavati: Die Lebensweise ihrer Sadhakas wird derjenigen der Avadhutas gleichgesetzt.

6.52 In allen Lebensständen, sozialen Gruppen, Yogawegen, an allen Orten und überall, Shive, besteht [hier] keine weitere Unterscheidung.

6.53 Glückseligkeit ist die Gestalt des Brahman, und sie ist im Körper gegenwärtig. So [heißt es weiter] soll ein Brahmane der Göttin Blut aus dem eigenen Körper geben. [Der Übergang zum Blutopfer ist abrupt.]

6.54 Bei der Darbringung des eigenen Blutes gibt es Kraftverlust und Beeinträchtigung. [Halbvers; er steht in Spannung zur vorangehenden Aussage.]

6.55 Die Ritualsubstanz wird von den Kala-Yogis als das dargebracht, was jene [Glückseligkeit] offenbar werden lässt. Reinigung und die übrigen [Regeln] dienen diesem Offenbarwerden. [Der letzte Ausdruck ist nicht sicher lesbar.]

6.56 Durch den ersten Yoga allein wird der Verehrer Kalis und der übrigen vollendet; durch den zweiten [erlangt er] Bhairava-Sein, durch den dritten Shiva-Sein.

6.57 Im vierten [wird er] Herr aller Vollendungen: wunderbar ist dies, Bergestochter. Durch den höchsten gelangt er zum Höchsten und wird mir gleich, ohne Zweifel.

6.58 Wer das Kula-Prinzip pflegt und es klar schaut, [erlangt die genannte Vollendung]. [Die restliche Zeile über Bhairavas, äußere Gestalten und Gleichsehen ist verderbt; sie wird nicht zu einer sicheren Lehre geglättet.]

6.59 Wie man ein von Dunkelheit erfülltes Haus durch eine Lampe sieht, so sieht man das von Maya Verhüllte durch die Lampe der Erkenntnis. [Die Variante betont jeweils das Vertreiben der Dunkelheit beziehungsweise Verhüllung.]

6.60 Die Unterscheidung zwischen Dingen als rein und unrein soll aufgehoben sein. Bei bestehendem Körper ist man lebend befreit; am Ende des Körpers erlangt man endgültiges Heil.

6.61 Nachdem der Vira den Kula-Trank getrunken hat, soll er in die Meditation über Brahman eintreten. Diese Meditation, große Herrin, führt zum Nirvana in Brahman.

6.62 Höre die Essenz der Essenz, das über alles Erhabene: Das eigene individuelle Leben, der Körper und die unendliche Gesamtheit der Welten …

6.63 … alles, was im Körper und in den großen Ozeanen und den übrigen [Bereichen] ist, soll nicht als [eigenständig bestehend] gedacht werden; man vergegenwärtigt, dass es so nicht besteht.

6.64 [Der Vers ist teilweise verderbt.] Er spricht von großer Strahlkraft und alles durchdringendem Bewusstsein sowie von der Betrachtung: „Ich selbst bin von netzartiger [oder wasserartiger] Gestalt, frei von tragendem Körper.“ Die genaue Bildsprache ist nicht gesichert.

6.65 Auch sich selbst soll man als davon ungetrennt betrachten, Herrin der Götter. Dies wird Meditation über Brahman genannt. Um darin größere Festigkeit zu erlangen, …

6.66 … verwenden Yogis die Ritualsubstanz, keinesfalls zu einem anderen Zweck. Wer auch nur einen Augenblick sein Selbst mit dem Gedanken „Ich bin Brahman“ betrachtet, …

6.67 … dem gewährt die Göttin eine Frucht, die [ohne diese Betrachtung] weder von mir noch von Brahma oder Vishnu erreicht werden kann. [Der Satz folgt der Variante; die Hauptlesung hat einen unklaren Bezug auf „sein Ende“.]

6.68 Deshalb, große Herrin, soll man die tägliche Praxis nicht ausfallen lassen. Fehlen die Ritualsubstanzen, kann man sie auch mit Wasser vollziehen.

6.69 Oder man vollzieht den Kula-Yoga täglich im Geist. Nun erkläre ich [das entsprechende] Verfahren; höre, Lotusgesichtige. [Die Bezeichnung des Verfahrens in der Vorlage ist unsicher.]

6.70 Der höchste Nektar, der durch die Vereinigung mit Kundalini aus dem Mond strömt: Diesen trinkt der Yogi, große Herrin, [als] Shiva selbst.

6.71 Dieser Kula-Yoga wird wahrlich das große Trinken genannt. Nachdem man mit dem Schwert der Erkenntnis das Opfertier aus Verdienst und Verfehlung getötet hat, Shambhavi, …

6.72 … führt man den Geist in das höchste Selbst: Das heißt „Fleisch essen“. Mit dem Geist zügelt man sämtliche Sinne und verbindet sie mit dem Selbst.

6.73 Ein solcher Yogi heißt „Fischesser“, frei von Bindung, dir lieb. Die Gesamtheit aller Welten führt man in das höchste Brahman zurück.

6.74 Die Vereinigung des Selbst mit der höchsten Shakti gilt als Maithuna, nicht [der Vollzug] im Samen. So habe ich dir, Göttin, die Essenz der Essenz, das über alles Erhabene, erklärt. Bewahre es geheim, bewahre es geheim: die Praxis meines ganzen Wesens.

Kolophon: Damit endet der sechste Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung [Variante des Ehrentitels: dem höchsten unter allen Tantras].

Siebter Paṭala

7.1 Die Göttin sprach: Verehrung sei dir, Mahadeva, der du über den Ozean des Werdens hinüberführst, Herr der ganzen Welt, deinen Verehrern liebevoll zugewandter Ishvara! [Ein Wort zu Beginn des zweiten Halbverses ist entstellt.]

7.2 Du Fülle höchster Glückseligkeit, Ursache der Ursachen! Ich habe die beiden Arten des Yoga gehört, die göttliche und die heldenhafte.

7.3 Nun möchte ich die heilvolle Traum-Vidya, die Tote belebende Vidya und Madhumati hören, einschließlich Frucht und Praxis. Erkläre sie, höchster Herr.

7.4 Ishvara sprach: Höre, Göttin! Ich erkläre, wonach du fragst. „Om, hrīm! Kali, die [das Eigene] herbeiführt, sprich im Traum; gib dem so und so Genannten das und das! Krīm, Svaha!“ [Die Anrede „svapurāvāhi“ ist nicht sicher deutbar.]

7.5 Zuerst setzt man Pranava, danach Maya-Bija; anschließend die beiden Anreden „Svapuravahi“ und „Kali“.

7.6 Danach „sprich im Traum“, dann „dem so und so Genannten das und das“, das Wort „gib“, Kali-Bija und schließlich die „Gemahlin des Feuers“, Svaha.

7.7 Dies ist die Traum-Vidya, in den drei Welten überaus schwer zu erlangen. Mahakala hat sie als höchst wunderbar wirkend verkündet.

7.8 Vier Jahre lang rezitiert man sie täglich hundertachtmal. Dann werde sie vollendet und sei im Traum stets gegenwärtig.

7.9 Sie zeige im Traum alles, was im Geist vorgestellt wird. Höre nun die Tote belebende Vidya, Bergestochter.

7.10 Man spricht die Nektar-Keimsilbe und „du, die Tote belebt“. [Halbvers.]

7.11 Danach [folgt ein unsicheres Wort; die Variante nennt die eigenen Mantras] und zweimal „richte den Toten auf“. [Halbvers.]

7.12 Am Ende steht die Gemahlin des großen Feuers, Svaha. Diese in den drei Welten bekannte Mahavidya gilt als Essenz der Essenz. [Ein zusätzlicher Ausdruck über Schlaf ist unklar.]

7.13 Allein durch täglich hundertacht Wiederholungen, Shambhavi, … [Halbvers.]

7.14 … werde diese Tote belebende Vidya vollendungsspendend. [Halbvers.]

7.15 Auch wenn jemand in das Haus des Todes gegangen oder bereits vom Rauch des Scheiterhaufens berührt sei: Berühre man den Leichnam, während man den Mantra rezitiert, …

7.16 … so werde er wahrlich langlebig, behauptet der Text. Nun erkläre ich die Vidya Madhumati, die alle erfreut.

7.17 Man spricht „erhabene Madhumati“, dann „die Bewegliches und Unbewegliches anzieht“, gefolgt von „ṭhaṃ ṭhaṃ svāhā“. Diese höchste, als achtzehnsilbig bezeichnete Mahavidya zieht die drei Welten an und ist selbst Göttern schwer zugänglich. [Die Variante nennt zusätzlich die Richtungen.]

7.18 Ein Jahr rezitiert man sie täglich hundertachtmal. Dann sei die große Vidya vollendet und offenbare sämtliche Erkenntnis.

7.19 Sie ziehe Sumeru, die Richtungen, den Ozean, Flüsse, Edelsteine, Städte, Frauen, Berge und Bäume herbei …

7.20 … ebenso unerreichbare Dinge aus der Unterwelt und anderen Bereichen sowie [Wissen über] Orte und die Geschehnisse von Königen und Feinden.

7.21 Durch hundert Wiederholungen nachts auf dem Lager erlange der Sadhaka Vollendung. [Halbvers.]

7.22 Die Göttin sprach: Gott der Götter, Wohnstatt der Welt, freundlich blickender Herr, sei gnädig! Nun möchte ich die große Vidya Pashyavati hören, die alle Vidyas erfreut. [In der Antwort heißt sie Padmavati.]

7.23 Ishvara sprach: Ich erkläre die heilvolle Vidya Padmavati, Schöne. Zuerst Pranava, dann Maya-Bija, …

7.24 … dann „Padmavati“ als Anrede, anschließend „die Kunde der drei Welten“ und zweimal „erzähle“.

7.25 Diese auf Svaha endende Mahavidya wird als wunscherfüllende Ranke bezeichnet. Zwei Jahre rezitiert man sie täglich hundertachtmal, Geliebte.

7.26 Dann sei die Mahavidya vollendet und sage dem Sadhaka alles. Nachts auf dem Lager rezitiert er den Mantra hundertachtmal.

7.27 So erkennt er täglich das Geschehen zum Wohl der Welt. Die heilvolle Vidya Padmavati erzählt ihm im Traum die Geschehnisse Brahmas, Vishnus und der drei Welten.

7.28 Die Göttin sprach: Ich habe die von Mahakala verkündete heilige Praxis gehört. Nun möchte ich das höchste Gefügigmachen hören: mit geringem Aufwand und rascher Vollendung, Mahadeva.

7.29 Ishvara sprach: Auf dein Bitten erkläre ich es, Herrin der Götter. Schon früher habe ich dir von dem gesprochen, was aus dem Wissen der Yogis hervorgeht.

7.30 Früher in Kürze, nun ausführlich. Es soll stets sorgfältig vor Unvorbereiteten verborgen werden.

7.31 An einem Dienstag bei Nacht, am Neumondtag, schreibt man den Namen des Feindes und legt ihn unter die linke Fußsohle.

7.32 Über diesem Fuß rezitiert der Verständige Vagbhava hundertachtmal. Dann werde der Streitgegner gefügig.

7.33 Der Feind werde in Streit und Rechtsangelegenheit ganz stumm, so wie eine Schlange beim Anblick Garudas erstarrt.

7.34 Sobald der Gegner [den Sadhaka] dort sieht, erstarre er, ohne Zweifel. Nun erkläre ich ein weiteres vortreffliches Gefügigmachen, …

7.35 … durch dessen Wirkung die Welt unter Gewalt gebracht werde. Zuerst setzt man Pranava, dann „Sundari“, „Bhairavi“ …

7.36 … und „Yogini“, danach „die Könige, Untertanen und große Krieger gefügig macht“, gefolgt von „aṃ iṃ ṛṃ“.

7.37 Der Mantra wird als sechsundzwanzigsilbig und als Wunschbaum bezeichnet. Mit dieser Formel [bespricht man] Öl oder Sandelpaste, …

7.38 … hundertachtmal, und trägt das Öl auf das Gesicht oder mit der Sandelpaste ein Stirnzeichen auf, Bergestochter.

7.39 Wenn der Sadhaka nach dieser weltbezwingenden Handlung jemanden anblickt, werde dieser gefügig, ohne Zweifel.

7.40 Auf diese Weise könne selbst Indra bezaubert werden, um wie viel mehr Menschen, Weltherrscher und Könige.

7.41 Nun wird ein weiteres vorzügliches Gefügigmachen erklärt, große Göttin: ein höchst erstaunliches Bezaubern aller Welten.

7.42 Zuerst erkläre ich den in allen Tantras verborgenen Mantra. Nach Pranava spricht man „Rajamukhi“, …

7.43 … nochmals „Rajamukhi“, zweimal Maya-Bija, dann Kama-Bija und zweimal „Devi“, …

7.44 … anschließend „Mahadevi“ und „Devadhidevi“. Diese vier Göttinnenbezeichnungen stehen als Anreden.

7.45 „Mache, mache die Zuwendung aller Menschen mir gefügig!“ Diese auf Svaha endende große Formel gewähre umfassendes Gefügigmachen.

7.46 Morgens, noch auf dem Lager, streicht der Kundige mit diesem Mantra dreimal mit der rechten Hand über sein Gesicht.

7.47 Dies vollzieht er täglich, Geliebte, um die Welt gefügig zu machen. Die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt komme dadurch unter seine Gewalt.

7.48 Die Göttin sprach: Durch deine Gnade habe ich diese alte Unterweisung gehört, Mahadeva. Auch die erklärte Traum-Vidya habe ich verstanden.

7.49 Nun möchte ich hören, welche besondere Form es noch gibt. Erkläre sie, Mahadeva, wenn du mir Gnade erweist.

7.50 Ishvara sprach: Höre, Verständige! Ich erkläre die höchste Traum-Vidya. Zuerst Pranava, danach die „Braut“-Keimsilbe, …

7.51 … dann Maya-Bija und Svaha: Dies ist der Mantra, Bergestochter. Tagsüber isst man Opferspeise und rezitiert nachts tausendmal.

7.52 Dann sieht man auf einem reinen Lager im Traum alles, was man im Geist bedacht hat, höchste Herrin.

7.53 Nun erkläre ich eine weitere vorzügliche Traumerhellung, durch deren Kenntnis man alles sicher wissen könne.

7.54 Zuerst Pranava, dann „hi li hūṃ“, „dem Dreizackträger“ und Svaha: So wird dir dieser große Mantra erklärt, Lotusäugige. Das Verfahren ist wie zuvor; höre das Gebet nach dem Japa.

7.55 „Om, Verehrung dem Dreiäugigen der Welt, dem gelbbraunen Großbeseelten, der die schöne Gestalt Vamadevas besitzt! Verehrung dem Herrn der Träume!

7.56 Erkläre mir im Traum die Wirklichkeit, alles zu Tuende, Heilsames und Unheilsames!“ Wer mit dieser Formel bittet, erkenne alles seinem Wesen nach.

7.57 Damit sind dir die unübertreffliche Traumerhellung, das höchste schöne Geheimnis und das vorzügliche Gefügigmachen erklärt.

7.58 All dies, große Göttin, gewährt sämtliche Erkenntnis und wird von vollendeten Shankaras fortwährend gepflegt.

7.59 Durch Madhumatis Gnade [werde] alles Gesagte in sämtlichen Ursprungsbereichen [erlangt]. Deshalb soll man bei dir Zuflucht nehmen, höchste Herrin. [Der Satz ist sprachlich unsicher.]

7.60 Die für Traum-Vidya und die übrigen angegebenen Wiederholungen und Jahreszahlen gelten für Vollendung Suchende. Beim Rezitieren deiner [Vidya wird] die Vollendung der Frucht [anders] erklärt. [Die Variante „ohne dich“ verändert den Sinn; der genaue Gegensatz bleibt unsicher.]

7.61 Durch die Macht der vollendeten Vidya werden Götter und Asuras vollkommen erfolgreich. [Halbvers.]

7.62 So habe ich dir das höchst wunderbare Geheimnis richtig erklärt. Es ist vor bösartigen, verdorbenen und unvorbereiteten Menschen verborgen zu halten.

7.63 Wer anders handelt, werde von Dakinis verschlungen. Deshalb ist es mit aller Sorgfalt geheim zu halten.

7.64 Man soll es einem friedvollen, selbstbeherrschten Yogi aus guter Familie geben, einem hingebungsvollen, schuldlosen, großgesinnten Sadhaka.

Kolophon: Damit endet der siebte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Achter Paṭala

8.1 Die Göttin sprach: Ich habe die ganze Praxis gehört, die deinem Lotusmund entströmt und von Göttern, Danavas, Gandharvas, Siddhas und Charanas gepflegt wird.

8.2 [Sie ist] eine Fülle höchster Glückseligkeit, gewährt Freude und weitere Herrlichkeit, ist höchstes Ufer, heilig, reinigend und überaus groß.

8.3 Erzähle nun, Mahadeva, vom Ursprung der Yoginis, schwer zugänglich selbst in den drei Welten und von reiner Freude erfüllt.

8.4 Ishvara sprach: Was früher zwischen uns geschah, hast du ganz vergessen, Shive: das höchste, tief verborgene Geschehen, das Götter und Asuras erschreckt.

8.5 Höre, ich erzähle es kurz, Schöne, Geliebte Shivas: das Alte, besonders zu Bewahrende, die Essenz der Essenz.

8.6 Du sollst es bewahren wie den eigenen Schoß vor einem fremden Mann. Am Ende der Lebenszeit eines Weltenei-[Zyklus], als alle Wesen verschwunden waren, …

8.7 … und nur die fünf Elemente von der Erde an bestanden, gab es in den drei Welten nichts außer dir und mir.

8.8 Da fragte ich dich scherzend: „Ist meine Fähigkeit größer oder deine, höchste Herrin?

8.9 Jetzt gibt es im ganzen Weltenei keinen Ort mehr zum Verweilen. Wo soll ich bleiben?

8.10 Alles, was ich geschaffen habe, ist vergangen. Ich bin vom Wirken im Kreislauf des Werdens getrennt.

8.11 Bestimme jetzt du einen Ort, an dem ich bleiben kann!“ Als die Göttin dies hörte, wurden ihre Augen vor Zorn rot …

8.12 … und sie sprach hart zu mir, furchtbar [über mein Verhalten]: „Was immer du getan hast, Gott, geschah stets in Abhängigkeit von mir.

8.13 Ohne mich bist du gewiss ein Leichnam, Mahadeva. Durch die Verbindung mit mir ist all dies entfaltet. [Die Sprecheranrede im zweiten Halbvers ist uneinheitlich.]

8.14 Du bist wie ein Kind [von mir] gestaltet; welche eigene Fähigkeit besitzt du? Im Zustand der Ursache bin ich stets die schöpferische Trägerin.

8.15 [Die erste Zeile ist entstellt und bietet widersprüchliche Varianten über Handlung, Meditation und das Höchste.] Trete ich in den Zustand der Wirkung, bin ich stets von der Gestalt der Prakriti.

8.16 Dann erscheinen Brahma und alle übrigen. Diese Welt mit Göttern, Beweglichem und Unbeweglichem besteht aus meiner Maya.

8.17 Projektion und Verhüllung [sind ihre Kräfte; die Satzfassung ist verderbt], höchster Herr.“ Als ich diese harten, dem Donnerkeil gleichen Worte hörte, …

8.18 … antwortete ich der Göttin nichts und blieb reglos, von innerem Schmerz bedrängt.

8.19 Dann fasste ich im Herzen einen Plan, dich zu bezwingen, und ging zum westlichen Bereich des Welteneis.

8.20 Dort, in einem einsamen, furchtbaren Gebiet, [schuf ich] aus der Asche meines Körpers einen Dämon, wie man ihn zuvor weder gesehen noch von ihm gehört hatte, …

8.21 … einen erstaunlichen, höchst furchtbaren Dämonenfürsten namens Ghora, zehn Millionen Yojanas ausgedehnt und zweiunddreißig Hunderttausend breit, …

8.22 … mit zehn Millionen Händen und Augen, wild und strahlend, mit fünf Millionen Gesichtern und von Flammenreihen umgeben.

8.23 Ich gab ihm die großen Vollendungen wie Anima und machte diesen Schrecklichen in jeder Hinsicht mir gleich.

8.24 Freudigen Geistes kam ich zu dir zurück. Der Dämonenfürst blieb, im Wasserozean ein Lager bereitend.

8.25 Die Berge Suvela und Vela machte er zu zwei Bällen. Da erkanntest du meinen Gedanken und sprachst zu mir:

8.26 „Nun ist das Weltenei ohne Lebewesen, Herr der Geschöpfe. Erlaube mir, Mahadeva, alles zu betrachten!“

8.27 Innerlich lachend und deine Neugier steigernd, sagte ich: „Komme nach Westen!“ [Die folgende Aussage spricht jedoch von einem Verbot; der Wortlaut ist widersprüchlich.]

8.28 „Sieh überall anderswo nach, Herrin der Götter, und dann [komme] rasch zu mir.“ Es sei die Natur der Frauen, dass sie gerade dem Verborgenen [oder Verbotenen] …

8.29 … große Aufmerksamkeit zuwendeten und es sehen und erkennen wollten. Weil ich dies annahm, sprach ich jene Verbotsworte, Shive.

8.30 Da du anderswo keinen Anlass hattest, gingst du nicht dorthin [beziehungsweise bliebst zunächst bei mir]. [Die Hauptlesung und die Variante lassen den Bewegungsablauf unklar.]

8.31 In dem großen Waldheiligtum, wo Kedareshvara [gegenwärtig ist], begab sich die große, die Welt bezaubernde Göttin [zum Dämon].

8.32 Sie traf den Dämonenkönig mit tausend Liebespfeilen. Er stand auf, von ihnen überwältigt, breitete alle Arme aus und sprach schmeichelnd:

8.33 Ghora sprach: „Komm in meinen Schoß, werde freudig Herrin über alles! Rette mich aus dem Ozean des Verlangens, indem du dich mir schenkst.

8.34 Ohne dich kann ich nicht einmal kurze Zeit leben. Umarme mich als deinen Gatten und bewahre mein Leben, Schöne!“

8.35 So sprach er immer wieder schmeichelnd zu dir. Du antwortetest mit einem Seitenblick und reinem Lächeln.

8.36 Die Göttin sprach: „Du bist der Herr aller Dämonen, der alles genießen kann; du bist stark unter den Götterscharen, voller Kraft und alles vernichtend. Dich wähle ich, wenn du Folgendes erfüllst.

8.37 Höre meine Geschichte! [Der erste Satz über einen festen Aufenthaltsort ist unklar.] Ich habe früher ein Gelübde abgelegt. Erfülle es, wenn du mich gewinnen willst.

8.38 Meine Entscheidung lautet, Dämonenkönig: Wer mich im Kampf besiegt, wird mein Gatte, kein anderer. Darum nimm zuerst den Kampf auf!“

8.39 Ishvara sprach: Als du so sprachst, bedrohte er dich zornig und laut, grollend wie der Ozean beim Weltuntergang.

8.40 Ghora erhob sich, selbst Kalarudra übertreffend. Der Dämon stürmte heran, als wollte er die ganze Welt verschlingen.

8.41 Dennoch konnte er dich keinesfalls ergreifen. Mit großer Geschwindigkeit [Variante] eilte der Dämonenherrscher weiter …

8.42 … und zermahlte mit der Berührung seiner Hände Berge. Durch seine Fußtritte wurden sie umgestürzt und im Wasserozean versenkt.

8.43 Der Sturm seiner raschen Bewegung warf die Wassermassen auf. Furchtbare Wellen schlugen nach oben und unten bis zum Rand der Weltschale.

8.44 Er durchmaß das Weltenei und stürmte ohne Unterlass, um Mahamaya zu packen; doch konnte er sie nicht ergreifen.

8.45 Immer nur vor sich sah er dich. Die Kämpfe, die er führte, lassen sich nicht vollständig schildern.

8.46 Alles, was er nach dir schleuderte, wurde durch deine Strahlkraft zu Asche, große Herrin. Dennoch blieb er vom Zorn überwältigt, …

8.47 … Ghora, der Dämon von furchtbarer Kraft. Höre, Herrin der Götter, das Wunder dieses mächtig aufleuchtenden Kampfes!

8.48 Selbst aus der wassergefüllten Weltschale erhob sich heftiger Staub [Lesung unsicher]. [Halbvers.]

8.49 Während dieses göttlichen Kampfes nahm ich aus Furcht durch Yoga einen noch feineren als feinen Körper an …

8.50 … und blieb bei dir Zuflucht nehmend. Als der Dämonenkönig dich auf keine Weise erreichen und treffen konnte, …

8.51 … ersann er verschiedene Verfahren, dich zu töten: „Ich vergrößere meinen Körper und zerreibe sie mit dem Arm …

8.52 … an der Weltschale; so töte ich dich, Bösartige!“ Mit diesem Gedanken vergrößerte er seinen Leib.

8.53 Das Weltenei wurde von ihm erfüllt, und Ghora freute sich. Er sprach zu dir: „Du bist verloren; wohin willst du noch gehen?“

8.54 Du sahst den Dämon, der das ganze Weltenei ausfüllte, und sprachst: „Halt, halt, du mit verdorbenem Verstand!

8.55 Warum bist du so aufgeregt? Ich vernichte dich mit Leichtigkeit, jetzt sogleich, Bösartiger! Du kennst mich nicht.

8.56 Aus mir entsteht die Schöpfung, und in mich löst sie sich auf. Durch mich wird alles erhalten; die Welt besteht aus meiner Maya.

8.57 Nichts anderes besteht außerhalb meiner. Ich bin das ewige Brahman. Höre, Verblendeter, mein großes, höchstes Heil.

8.58 Ob mit feindlicher oder rechtschaffener Haltung, Dämon: Wie die Wesen sich mir zuwenden, so erfülle ich ihr Verlangen.

8.59 Am Ende gebe ich die höchste, unübertreffliche Frucht. Du hast dich lange mit mir beschäftigt, Dämon, ohne Zweifel.

8.60 Weil dein Geist einzig darauf gerichtet war, mich zu erlangen, bist du Shiva, ohne Zweifel; daher kam deine ganze umherirrende Anstrengung.

8.61 Nun schaue meine Gestalt, die Glückseligkeit des Brahman, die höchste Stätte. Wer sie schaut, tritt nicht erneut in das Werden ein.

8.62 Jene höchste Gestalt, über die [man] meditiert und gegenüber der [selbst] Shiva geringer ist: Höre, diese höchste Wohnstatt heißt Kalis Gestalt. [Der Satz ist grammatisch unsicher.]

8.63 Nirgends gibt es eine höhere Gestalt Brahmans.“ So [sprachst du], Bhavani, die vom Werden befreit. [Die Sprecherform der Vorlage wechselt hier unstet.]

8.64 Du vergegenwärtigtest jene höchste Gestalt und sprachst: „Ich bin Kali.“ Da wurdest du zu Kalika, höchste Herrin.

8.65 Schwarz und höchst furchtgebietend, über Mahakala stehend, mit Schädelgirlanden geschmückt, offenem Haar und lächelndem Gesicht, …

8.66 … mit beweglicher Zunge und drei roten, schrecklichen Augen; die Neumondkraft leuchtete auf, und die Krone ließ deine Gestalt erstrahlen.

8.67 Aus deinem Strahlkreis entstanden unzählige Schakalinnen, die mit mächtigem Heulen und furchtbarer Kraft in alle vier Richtungen liefen.

8.68 Aus den Strahlen gingen Millionen und Abermillionen Yoginis hervor, überall von schrecklicher Gestalt und zum großen Kampf begierig.

8.69 In jeder einzelnen Haarpore leuchten unzählige Welteneier, Göttin, jedes wiederum von Sonnen erfüllt.

8.70 Als der Dämonenfürst Kalika so sah, verlor er das Bewusstsein; beim Anblick von Mahakalis erhabenem Gesicht wurde er [zur Einsicht gebracht].

8.71 In diesem Augenblick erlangte der Dämonenfürst Erkenntnis des Brahman. Darauf [nahm Kali] den nun ganz reinen, der Erkenntnis hingegebenen Dämonenherrscher …

8.72 … mit ihrer beweglichen Zunge [auf] und zerkaut ihn samt dem Weltenei im Kampf. [Tempus, Sprecherbezug und ein Wort am Versende sind verderbt; die Vorlage wird nicht zu einer lückenlos sicheren Erzählung ergänzt.]

8.73 Kali [vollzog dies] mit beweglicher [Zunge], am mächtigen Klang erfreut, wie eine alles überspannende Fahne der vielfältigen großen Instrumente [oder Diagramme]. [Der Abschlussvers ist sprachlich stark gestört.]

Kolophon: Damit endet der achte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Neunter Paṭala

9.1 Ishvara sprach: Beim Anblick dieses großen Wunders wurde mein Geist von Furcht überwältigt. Plötzlich trat ich in jenes wunderbare Innere ein.

9.2 Ich ging auf dem Weg der Sushumna, Göttin. Was ich dort sah und hörte, lässt sich nicht vollständig erzählen.

9.3 Alles war voller Wunder, wie nie zuvor gesehen oder gehört: unzählige Welteneier von riesiger Ausdehnung …

9.4 … bewegten sich fortwährend. Wer könnte sie zählen? In ihnen [erschienen] Brahma, Vishnu, Shiva und andere in vielfältigen Gestalten, mit unzähligen Gesichtern und Armen, …

9.5 … ausgestattet mit großer göttlicher Macht, jedes Weltenei bewohnend. Beim Anblick all dieser Wunder, Göttin, [wurde der Geist überwältigt; der Satzanschluss ist unsicher].

9.6 Alles war mir entfallen. „Wer bin ich? Wohin bin ich gekommen?“ So war ich ganz in Fragen versunken; niemand fragte mich irgendwo [nach mir].

9.7 So vergaß ich mich in den verschiedensten Welten und irrte an verschiedenen Orten umher, ohne mich erinnern zu können.

9.8 Nach zehn Millionen Jahren erreichte ich deinen Herzlotus. Dort sah ich alles in wunderbarer Schönheit.

9.9 All dies, höchste Herrin, lässt sich nicht aussprechen: die Schriften, aus denen Dharma und Lebensgelingen erwachsen, die Ursache von Glück und Befreiung, …

9.10 … die Veden als Zugang zum höchsten Selbst, das individuelle Leben, die philosophischen Sichtweisen als Sinne, die Puranas als Körper und die Erinnerungsüberlieferungen als Glieder. [Die knappen Zuordnungen sind in der Vorlage nicht überall grammatisch eindeutig.]

9.11 Sämtliche Schriften [erscheinen] dort als Haare und weitere [Körperteile]. Wie zwischen Jiva und Selbst [ein Unterschied erscheint], so auch zwischen den verschiedenen Agamas.

9.12 An Spitze, Mitte und Ende der Blätter des Herzlotus sah ich eine heilvolle Folge von Lauten, erfüllt von intensiver Strahlkraft.

9.13 Lautlehre, Rituallehre, Grammatik, Worterklärung, Versmaßkunde und sämtliche weiteren, auch kleineren Wissensgebiete [waren dort gegenwärtig].

9.14 [Der erste Halbvers über vollständige Kraft und Licht ist unsicher.] Dann sah ich, Göttin, im Inneren der Lotusmitte großen Glanz, …

9.15 … leuchtend wie unzählige Sonnen und Monde und von der Strahlkraft unzähliger großer Feuer erfüllt.

9.16 In seiner Mitte sah ich eine mächtig leuchtende Ansammlung von Lauten, hell wie zehn Millionen Sonnen und kühl wie zehn Millionen Monde, …

9.17 … strahlend wie zehn Millionen Feuer, wahrhaft von höchstem Brahman erfüllt. [Halbvers.]

9.18 Sie besteht aus aller Erkenntnis und allem Wunder, aus allen Opfern und allen heiligen Stätten, …

9.19 … aus allem Verdienst und aller heiligen Ordnung, aus Brahman-Erkenntnis und Brahman-Glückseligkeit.

9.20 Sie ist Maßstab sämtlicher Schriften, der Veden und der übrigen, Maßstab aller Wesen, Brahmans Strahlkraft und höchstes Wohl.

9.21 Sie steht jenseits aller Maya und durchtrennt alle Maya, ist von aller Glückseligkeit und stets von Brahman-Erkenntnis erfüllt. [Variante: Brahman-Glückseligkeit.]

9.22 Sie besteht aus vollkommener Glückseligkeit und höchstem Nirvana in Brahman; zugleich umfasst sie alle Maya und sämtliche Vidyas, …

9.23 … alle Askese und Vollendungen, alle Befreiungen und alle Veden, …

9.24 … alle Welten und Genüsse, alle heiligen Schriften und alle Yogawege.

9.25 Als ich dort diesen Agama erblickte, verging die Nacht im Ozean meiner Erkenntnisblindheit; ich sah es wie das Leuchten des Sonnenaufgangs.

9.26 Durch Mahakalis Gnade lernte ich all dies. Ich sah und erfasste es in eben diesem Augenblick, ohne Zweifel.

9.27 Dann ging ich zu den Staubfäden [des Herzlotus] und sah dort … [Halbvers.]

9.28 … eine Ansammlung von Lauten, hell wie Sonnenlicht: Nyaya, Mimamsa, Samkhya, Patanjalas [Yogalehre] …

9.29 … und Vaisheshika. All dies erkannte ich augenblicklich. Dann sah ich am Rand der Lotusmitte eine Lautreihe, …

9.30 … strahlend wie hundert Sonnen und alle erfreuend. Dort erlernte ich Ayurveda und die Heilwissenschaft.

9.31 Dazwischen sah ich eine segensreiche Lautreihe, leuchtend wie tausend Sonnen, von [in der Vorlage unklarer] Farbe.

9.32 Smriti, Itihasa und die Puranas lernte ich dort augenblicklich, Herrin der Götter; daran besteht kein Zweifel.

9.33 Dennoch wurde meine verkörperte Verwirrung nicht ganz rein. Darauf sah ich, strahlend wie zehn Millionen Sonnen, …

9.34 … die von Brahmans Licht umgebene Brahman-Erkenntnis, bekannt als Vedanta, eine mächtig leuchtende Ansammlung von Lauten.

9.35 Auch diese lernte ich augenblicklich [der restliche Satzanschluss ist unsicher]. Dann sah ich eine weitere leuchtende Ansammlung von Lauten, …

9.36 … wie zehn Millionen Sonnen und kühl wie zehn Millionen Monde, erfüllt von aller Erkenntnis und allen heiligen Stätten, …

9.37 … von allen Opfern und aller heiligen Ordnung, Maßstab aller Wesen und Schriften, höchste Herrin.

9.38 Die vier Veden, Sama, Atharva, Rig und Yajur, lernte ich alle augenblicklich, ohne Zweifel.

9.39 Dennoch entstand keine Erfüllung in mir, auch jetzt nicht, obwohl ich von allem Wissen, allen Prinzipien und allen Vollendungen erfüllt war.

9.40 Da verneigte ich mich vor dir, der ewigen Kali von Brahmans Gestalt, die mit Schakalinnen und Yoginis tanzte. Darauf erhob ich mich und gelangte zum zweiblättrigen [Lotus] …

9.41 … zum Ajna Chakra zwischen Mahakalis Augenbrauen, große Herrin. Da erinnerte ich mich wieder an Brahma und Vishnu.

9.42 Während Kali tanzte, fielen zwei Schweißtropfen von ihrem Kinn. Aus diesen beiden entstanden, den Eigenschaften entsprechend, …

9.43 … Brahma und Vishnu. Beim Anblick [Kalis] zitterten ihre Körper vor Furcht, und sie eilten zu ihren beiden Nasenöffnungen.

9.44 Brahma ging in Pingala, Vishnu in Ida ein. Dort angelangt, wurden die beiden Heilvollen …

9.45 … durch die vielen Wunder tief verwirrt. Sie sprachen fortwährend [verwirrte Worte] und wussten nicht, was geschehen würde.

9.46 So gingen die beiden Herren, immer wieder sprechend, hierhin und dorthin, von großem Leid bedrängt.

9.47 Als ich dies erkannte, ging ich zuerst zu Vishnus Wohnstatt. Ich gab ihm Erkenntnis und den höchsten heilbringenden Mantra.

9.48 Augenblicklich wurde er mir gleich, allein an meiner linken Seite. Durch mein Wort übermittelte ich ihm alle Schriften, den Agama ausgenommen.

9.49 Der große Vishnu, auf Garuda sitzend, wurde freudig und gestärkt. Ihn mitnehmend, ging ich [zu Brahma] im Weltenei.

9.50 Dort gab ich ihm den höchst wunderbaren Mantra. Augenblicklich wurde der Urvater zu einem großen Wissenden.

9.51 Er wurde mir gleich, allein an meiner rechten Seite, jener Brahma, auf meine Weisung, höchste Herrin.

9.52 Vishnu gab ihm alle Schriften [Variante: die vedischen Schriften]. Darauf war Brahma von Schmerz befreit, freudig und gestärkt.

9.53 Deshalb bist du stets mein ursprünglicher Guru. Nachdem wir diese Erkenntnis angenommen hatten, ging ich mit den beiden, große Herrin, …

9.54 … zur höchsten Kali. Mit Schakalinnen und Yoginis war sie ganz dem großen Tanz hingegeben.

9.55 Hundertmal zehn Millionen göttliche Jahre tanzte die höchste Göttin, voller Freude an vielerlei Instrumenten, mit vielfältigem Schmuck und Gesang.

9.56 Mit wunderbaren, Mond, Sonne und Feuer gleichenden Blüten, aufsteigenden und herabfallenden Blumen und göttlichen Düften war sie freudig umgeben.

9.57 [Die Begleiter] tanzten stets verborgen, dem gewöhnlichen Blick unzugänglich. Sie war von Hunderten weltenei-großer Fahnen geschmückt, …

9.58 … vielfältig und zahlreich [der weitere Ausdruck ist unsicher]. Darauf begannen wir Kali in ihrer furchtgebietenden Gestalt zu preisen, …

9.59 … unter Tränen, mit stockender Stimme, geneigten Häuptern und gefalteten Händen. Zuerst pries Brahma sie hingebungsvoll mit sämtlichen Schriften.

9.60 Nach zehn Millionen Jahren sprach die Höchste zu ihm: „Du Schöpfer, [so ist] deine Eigenschaft; du hast den Sinn aller Schriften [zunächst] vergessen.

9.61 Du verstehst das Erforschen der Zusammenhänge. Sei stets der Schöpfer!“ So angewiesen, hatte Brahma seine Aufgabe gefunden.

9.62 Dann pries der große Vishnu sie mit allen Veden, Shambhavi. Nach hundert Millionen [Halbjahren; Variante: Jahren] sprach die Göttin zu ihm:

9.63 „Du kennst die Veden, großer Vishnu, bist mein Verehrer und Wohnstatt guter Eigenschaften. Du kennst den Dharma; sei Erhalter und Beschützer der Schöpfung!“

9.6 (zweite Belegung) Er nahm die Weisung ehrfürchtig an und fand seine Erfüllung als Wohltäter der Welt. Dann [pries] ich die höchste, ewige Kali, das ewige Brahman, … [Zweite Belegung der Nummer 6, an der Stelle einer zu erwartenden 64.]

9.65 … die höchste Herrin mit tiefster Hingabe durch den Agama. Nach zweihundert Millionen Jahren sprach sie zu mir.

9.66 Kali sprach: „Du kennst den Agama, bist von großer Einsicht und frei von Maya, Sadashiva. Mit Eigenschaften ausgestattet und als großer Yogi sei der Auflöser der Schöpfung!“

9.67 Ich nahm diese Weisung ehrfürchtig an und pries sie erneut fünfzig Millionen göttliche Jahre. Darauf sprach sie zu mir:

9.68 „Durch den Agama hast du mich gepriesen; ich bin dir wohlgesinnt, Sadashiva. Was erbittest du, Mahadeva? Ich werde es dir geben.“

9.69 Ishvara sprach: „Mutter, ich möchte stets bei deinen Lotusfüßen verweilen.“ [Halbvers.]

9.70 Kali sprach: „Wer mit mir einen Kampf führen wird, der nur einen winzigen Bruchteil des Kampfes mit dem Dämon Ghora ausmacht, …

9.71 … wird aus deinem Samen im Schoß einer Büffelin geboren und Mahishasura heißen. [Die Variante sagt: „Du wirst … geboren werden.“]

9.72 Er wird dämonische Haltung annehmen und den großen Kampf führen. Wenn ich ihn als Bhadrakali vernichtet habe, …

9.73 … werde ich die große Zehe meines linken Lotusfußes auf dein Herz setzen. Jetzt aber, Mahadeva, bleibe stets unter meinen Füßen …

9.74 … in Leichengestalt und werde mein Sitz!“ So von der Göttin angewiesen, fielen wir ihr zu Füßen.

9.75 Hunderttausend Jahre vergingen in unserer ausgestreckten Verneigung. Dort verschwand Kali, deren Wesen Bewusstsein und ungeteiltes Brahman ist.

9.76 Damit habe ich dir ausführlich den Ursprung der Yoginis erklärt. Sorgfältig soll dieses höchste Mittel der Praxis geheim gehalten werden.

Kolophon: Damit endet der neunte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Zehnter Paṭala

10.1 Ishvara sprach: Nachdem wir wieder aufgestanden waren und dich, Göttin, nicht sahen, sprachen wir erneut, von großem Leid bedrängt und in ein Meer des Kummers versunken:

10.2 „Ach, Mutter! Dein Lotusantlitz überstrahlt zehn Millionen Monde und Sonnen. Wie [herrlich] ist die Röte deiner Füße, die einen Ozean des Erbarmens bergen!

10.3 Deine höchste, weit ausgedehnte Gestalt bezaubert selbst Mahamaya. Wie [herrlich] ist das höchst heilbringende Licht der Monde deiner Nägel!

10.4 Dein Antlitz lässt unzählige Monde verblassen. Was ist geschehen, was wird sein, Mutter? Wohin ist dieses Wunder gegangen?

10.5 Ach, Mutter! Diese deine unvergängliche Gestalt ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Als unsere Mutter können wir dich nun nicht mehr sehen.

10.6 Wie Kinder ohne Vater und Mutter umherirren, so stehen wir alle weinend, immer wieder weinend und rufend da.“

10.7 Mit solchen und vielen anderen Klagen, höchste Herrin, verbrachten wir fünfhunderttausend Jahre, Lotusäugige.

10.8 Nach dem Weinen standen wir wieder auf und riefen laut: „Mutter, wohin bist du gegangen? Was wird aus uns?

10.9 Warum hast du uns hervorgebracht und dann in den schwer überquerbaren Ozean geworfen? Hast du kein Erbarmen, Mutter? Wir sind deine hilflosen Kinder.

10.10 Wenn du uns nicht beschützt, wer wird uns beschützen? Außer dir haben wir keine Mutter und keinen Vater.

10.11 Ohne deinen Anblick werden wir sterben, das ist gewiss. Wie kann ein Kind ohne Mutter und Vater leben? Bedenke es selbst, Mutter!“

10.12 Da entstand ihr Erbarmen mit uns, deren Herzen verzagt waren. Die Yogini sprach Worte, die höchsten Nektar herabregnen ließen. [Der erste Satz folgt dem Sinn der gebotenen Varianten.]

10.13 Kali sprach: „Seid nicht von Furcht bedrängt, Brahma, Vishnu und Maheshvara! Ich bin stets gegenwärtig.“ [Die Variante betont: „Ich bin unvergänglich.“]

10.14 „Ich bin von der Natur des Seins, des Bewusstseins und der Glückseligkeit. Ich bin Brahman selbst, aufleuchtender Glanz. Niemals vergehe ich. Bleibt frei von Zweifel!

10.15 Meditiert über jene makellose, höchste Gestalt, die ihr von mir geschaut habt, und wiederholt meinen Mantra.

10.16 Eben dies wird euch großes, strahlendes Heil bringen. Nun tritt in Brahmas Körper ein, Vishnu, und sei fest.

10.17 Auch du, Mahesha, Herr der Götter, tritt in Brahmas Körper ein, bis er diese aus Erkenntnis und Handlung bestehende Schöpfung hervorbringt.“

10.18 Ishvara sprach: So sprach Mahakali und gab uns die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns, die alle Aufgaben vollbringen.

10.19 Die Willenskraft gab sie Vishnu, die Handlungskraft Brahma, mir die Erkenntniskraft: sie, deren Wesen sämtliche Kräfte sind.

10.20 Kali sprach: „Hört, höchste Herren! Ich trete in euch ein, in Shankara jedoch in meiner vollen Gestalt.

10.21 Dieser erhabene Shiva, der höchste Herr, ist der göttliche Guru. Er ist der Sprecher der heiligen Schriften, kein anderer, weder Brahma noch Hari.

10.22 Ich bin die Hörende für euch alle; daran besteht kein Zweifel. Ich werde Brahma, Vishnu und auch Maheshvara verblenden.“

10.23 Ishvara sprach: So sprach Mahakali und trat in uns ein. Madhava trat damals in Brahmas Körper ein.

10.24 Sie verblendete Brahma, dessen Gestalt Brahman ist. Brahma erkannte sich darauf [als aus sich selbst bestehend] und opferte selbst dem Unvergänglichen. [Die Deutung des letzten Verbs ist unsicher.]

10.25 Damals erlangte er den Namen Svayambhu, der Selbstentstandene. „Was soll ich tun, wohin soll ich gehen?“, so war er voller Gedanken.

10.26 Nachdem der Schöpfer ein Jahr so verweilt hatte, erschuf er zuerst das alles durchdringende, überaus große Wasser.

10.27 Dieses Wasser, mit den Eigenschaften [beziehungsweise ihrem Ichbezug] verbunden, war der gewaltige Ursachen-Ozean. Darin ließ er einen goldgestaltigen Samenvorrat entstehen. [„Samen“ nach der Variante.]

10.28 Jede Blase dieses Samens, die dort in Scharen entstand, wird ein Brahmanda, ein Weltenei, genannt und treibt im Ursachen-Ozean.

10.29 Zum Schutz dieser Welteneier halte ich sie stets voneinander getrennt, indem ich selbst die Gestalt Rudras annehme, Göttin.

10.30 Mit dem Dreizack in der Hand stehe ich fortwährend bei jedem Weltenei in je einer Rudra-Gestalt, große Göttin.

10.31 Im Ursachen-Ozean verweilend sorge ich stets dafür, dass die Welteneier nicht miteinander zusammenstoßen.

10.32 So wohnen wir alle, Brahma, Vishnu und Maheshvara, in jedem einzelnen Weltenei; daran besteht kein Zweifel.

10.33 Brahma, der Schöpfer der Welt, trat darauf in jedes Weltenei in je einer Gestalt ein und erschuf die vier übrigen Elemente …

10.34 … Erde, Feuer, Luft und Raum. Mit diesen fünf Elementen brachte er die gesamte Schöpfung hervor.

10.35 Dann entstand der erhabene Vishnu auf Brahmas Wunsch aus dessen Körper und erhielt diese [Schöpfung] fortwährend.

10.36 Auf Brahmas Weisung, Göttin, [erhielt er] die Schöpfung in jedem Weltenei gesondert, indem er die starkarmige Gestalt Vishnus annahm. [Die nächste vorhandene Nummer ist 38; eine 37 ist nicht nummeriert überliefert.]

10.38 Ich aber, höchste Herrin, vollziehe in jedem Weltenei immer wieder die Auflösung, in Brahmas Körper gegenwärtig.

10.39 Brahma erinnert sich dabei an nichts [von diesem Zusammenhang]. Er meint als Träger der Welt: „Dieses ganze Werk ist allein meines.“

10.40 Alle Elemente vom Wasser an, die Ausdehnung der Welteneier, die Götter und alles übrige, die Richtungen und Zwischenrichtungen, Bewegliches und Unbewegliches, …

10.41 … Wirkung und Ursache und auch Vishnus Entstehung: All dies hält Brahma durch Maya für sein eigenes Werk.

10.42 Doch all dies besitzt keine unabhängige Wirklichkeit; es ist allein die Maya der Mutter. Diejenigen, die sie verehren, überqueren eben diese Maya.

10.43 [Dieser Vers ist widersprüchlich überliefert.] Er schreibt der höchsten Maya einmal die Gabe bloßer Befreiung, einmal eine „Verbindung mit der Erde“ zu; beide Sätze beginnen in der Hauptlesung mit „wenn sie zürnt“. Eine sichere Unterscheidung ihrer Gaben lässt sich daraus nicht übersetzen.

10.44 Wem meine Mutter Kalika, die große Göttin, wohlgesinnt ist, zu dessen Füßen stehen Genuss und Befreiung bereit. [Die Variante betont die ihm zugewandte Befreiung.]

10.45 Die Göttin sprach: Durch deine Gnade habe ich all dies gehört, großer Herr: das bisher ungehörte Geschehen, das selbst Brahma und den übrigen unzugänglich ist.

10.46 Jetzt möchte ich von dem hören, was du den Ursachen-Ozean genannt hast. [Halbvers.]

10.47 Worauf ruht er, Mahadeva, und worauf wiederum sein Träger? Erkläre seine Grenze, Herr der Götter, wenn du mir Liebe entgegenbringst.

10.48 Ishvara sprach: Höre, Göttin! Ich erkläre das heilbringende Geheimnis hinter den Geheimnissen, das besonders zu bewahren und selbst Brahma und Vishnu unzugänglich ist.

10.49 Der große Ozean, Göttin, ist Mahakala, der große Herr. [Halbvers.]

10.50 Zum göttlichen Spiel stellte sie sich ihren Gemahl als Gestalt der Leere vor. [Halbvers.]

10.51 Eben diese Kali ist die Mutter der Welt, Mahakala ebenbürtig. Sie nahm die Gestalt einer Hälfte der Strahlkraft an und trug Mahakala.

10.52 Von der Gestalt der Leere, dunkel, berauscht und von aufwärtsgerichteter Strahlkraft [erscheint sie]. Nach der Grenze hast du gefragt, Göttin: Diese ist Brahman allein.

10.53 Es ist Strahlkraft, Brahmans Strahlkraft, die Gestalt des Leuchtens. Dieses Leuchten, große Göttin, ist frei von der Unterscheidung zwischen Durchdrungenem und Durchdringendem.

10.54 Es ist weder Getragenes noch Träger, ohne ein Zweites und ohne Zwischenraum. Diese ganze Vielfalt dagegen, Göttin, ist aus Maya gebildet.

10.55 Die gesamte Vielfalt besitzt keine unabhängige Wirklichkeit; wirklich ist Brahman allein. Dies habe ich dir als Essenz der Essenz, als das über alles Erhabene, erklärt.

10.56 Es ist das Geheimnis hinter den Geheimnissen, höchste Herrin: diese höchste Erkenntnis, die alle Maya durchtrennt.

10.57 [Sie erscheint] als eine große Sonne [der Erkenntnis; der Satzbeginn ist unsicher]. Nach unzähligen großen Gaben und unzähligen großen asketischen Übungen, …

10.58 … nach unzähligen Erkenntnisbemühungen, großen Gelübden und Bädern an großen heiligen Stätten, höchste Herrin, …

10.59 … wenn ein Mensch nach vielen Leben dies einmal hört, wird er befreit und kehrt nicht in den Kreislauf des Werdens zurück.

10.60 Damit ist es dir erklärt. Bewahre es wie deinen eigenen Schoß; sorge sorgfältig dafür, dass kein anderer es [unbefugt] erlangt.

10.61 Es ist geheim zu halten, geheim zu halten, sorgfältig geheim zu halten: mein höchster, ganzer Schatz.

10.62 Man soll es einem friedvollen, standhaften, erkenntnisreichen Yogi des Kula geben, Herrin der Götter. Andernfalls gelangt man nach dem Text in die Hölle.

10.63 Ich habe dir die wesentliche Erkenntnis des Brahman erklärt, Göttin mit den beweglichen Vogelaugen. Was möchtest du darüber hinaus hören?

10.64 Nichts Höheres als dies ist in meinem Bewusstsein. Bewahre es stets verborgen, besonders vor unvorbereiteten und gemeinen Menschen.

Kolophon: Damit endet der zehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Elfter Paṭala

11.1 Die Göttin sprach: Du von Göttern, Danavas, Gandharvas und den Götterherrschern Verehrter, von Ganesha, Nandi, Chandresha, Govinda und Brahma Gegrüßter, …

11.2 … dessen Füße die großen Yogis verehren, Lehrer aller Welten, Hara! Jene höchste Vidya Kali, die Unreinheit vernichtet, …

11.3 … ihre Mantras, Praxis, Verehrung, vorbereitenden Übungen, Gesten, Bali-Gaben, Feueropfer, innere Haltung und Orte, …

11.4 … ihre Meditationen, Lobgesänge und Schutztexte habe ich bereits gehört. Nun möchte ich die Unterschiede der Orte hören, großer Herr.

11.5 Wo erlangt man Befreiung, wo höchste Vollendung, und zwar rasch? Erkläre es aus Erbarmen, Mahadeva, Shankara!

11.6 Wo findet ein Mensch Zuflucht, um schnell die Frucht seiner Handlung zu erlangen, ohne übermäßige Anstrengung, höchster Herr?

11.7 Ishvara sprach: Höre, Göttin! Ich erkläre einen schwer zugänglichen Ort, der rasche Vollendung und die Frucht großer Befreiung gewährt.

11.8 Für Kalika wird kein anderer Ort mehr gepriesen als der Leichenverbrennungsplatz. Was dort getan wird, erlangt unbegrenzte Frucht.

11.9 Wird dort auch nur eine vorbereitende Mantrapraxis mit entsprechender innerer Haltung und mit der Shakti vollzogen, höchste Herrin, … [Ein eingeschobener Ausdruck ist entstellt.]

11.10 … entsteht gewiss Mantravollendung; daran ist nichts erstaunlich. Die Verehrung gewährt überall, im Wasser wie auf dem Land, unbegrenzte Frucht, …

11.11 … wenn sie mit göttlicher oder heldenhafter Haltung erfolgt. Ob ein Shakti-, Vishnu-, Shiva- oder anderer [Mantra]: …

11.12 Wer in Varanasi nur einen Monat lang vom Morgen bis zum Mittag rezitiert, Schöne, …

11.13 … erlangt gewiss Mantravollendung, du Geberin guter Vollendung. Auch Nirvana werde ihm sicher zuteil, Herrin der Götter.

11.14 Der große Leichenplatz, der Wald der Freude, Avimukta, das niemals Verlassene, und Gaurimukha, das Antlitz Gauris, …

11.15 … [bezeichnen] die große heilige Stätte Varanasi, Kalis höchste Gestalt. Wie könnte ich die Frucht dessen beschreiben, was dort vollzogen wird?

11.16 Die große Verehrung in Kamarupa gewährt alle Vollendungen. [Zur Gebietsbeschreibung nennt der Text] Nepals Kanchanadri und den Zusammenfluss des Brahmaputra, …

11.17 … die Karatoya bis zur Göttin Dikkaravasini; im Norden den Kunjagiri und im Westen die Karatoya, …

11.18 … im Osten den vorzüglichen heiligen Fluss Dikshu, Bergestochter, im Süden bis zum Zusammenfluss von Brahmaputra und Laksha.

11.19 Dieses Gebiet ist in allen Schriften als Kamarupa bekannt. Wessen Herz danach verlangt, die drei Schulden abzutragen, …

11.20 … soll in höchster Hingabe zur Gegenwart von Kamakhyas Yoni gehen. Wer sich auf Pilgerreise dorthin begibt, …

11.21 … erlangt mit jedem Schritt die Frucht eines Pferdeopfers. Dreißig Yojanas breit und hundert Yojanas lang …

11.22 … erkenne das vortreffliche, dreieckige Kamarupa. Im Nordosten [liegt] Kedara, im Nordwesten Gajashasana, …

11.23 … im Süden der Zusammenfluss von Laksha und Brahmaretas [Brahmaputra]. Erkenne dieses von Göttern und Asuras verehrte Dreieck.

11.24 Die Menschen, die dort leben, sind Götter, ohne Zweifel. Alles dortige Wasser ist heiliges Pilgerwasser.

11.25 Upavithi, Vithi, Upapitha, Pitha, Siddhapitha, Mahapitha und im Inneren Brahmapitha, …

11.26 … Vishnupitha und Rudrapitha: Diese sind ringsum in den vier Richtungen als die neun Yonis bekannt.

11.27 Die große Verehrung trägt dort von Stufe zu Stufe größere Frucht, jeweils doppelt so große, Heilvolle.

11.28 Bei Verehrung und Wiederholung aller Vidyas und Mantras wird die Frucht jeweils verdoppelt, Shambhavi.

11.29 Diese neun Yonis heißen Kamakhyas Yoni-Mandala. [Die anschließenden Grenzen werden mit Yoni, Erde, Vidya und Gandhamadana angegeben; ihre genaue Abgrenzung ist unklar.]

11.30 Dieses Gebiet von fünf Krosha ist für alle schwer zugänglich und höchst wunderbar; Brahma, Vishnu und die Götterherrscher dienen ihm.

11.31 Selbst Götter wünschen, dort zu sterben; um wie viel mehr Menschen. In diesem fünf Krosha messenden Yoni-Sitz, große Herrin, …

11.32 … erlangen die Hingelangten Shiva-Gestalt, und die dort Gestorbenen werden nicht wiedergeboren. [Die abschließende Wendung über Sonne und Leiden ist verderbt.]

11.33 Die schuldlosen, vorzüglichen Menschen, die am Yoni-Sitz leben, werden alle zu Shankaras: dreiäugig und mit dem Mond auf dem Haupt.

11.34 Wenn der Sadhaka dort die Verehrung und Wiederholung irgendeiner Vidya oder eines Mantras vollzieht, …

11.35 … wird er zum Träger der acht Vollendungen, die mit Anima beginnen. In der Mitte erstrahlt der Berg Nilachala, …

11.36 … von Brahmas, Vishnus und Shivas Gestalt, erfüllt von sämtlichen Shaktis. In seiner Mitte liegt die höchste Manobhava-Höhle.

11.37 In ihr ist Kamakhya, die wunscherfüllende Ranke, von der Gestalt roten Wassers und von zehn Millionen Lingas umgeben.

11.38 Von ihrer Strahlkraft ist die Manobhava-Höhle stets erhellt. Durch ihre bloße Berührung werde Eisen zu Gold.

11.39 [Der Bereich misst] ringsum vier Ellen, Bergestochter. Durch ihre bloße Berührung gelange der Mensch zum Shiva-Sein.

11.40 In eben diesem Augenblick werde er schuldlos, Göttin. Jede dortige Handlung trage unbegrenzte Frucht.

11.41 In der Mitte liegt, ringsum zwölf Fingerbreiten messend, ein Becken, dessen aufquellendes Wasser bis aus der Unterwelt [heraufkommt].

11.42 Dieses Wasser hat Brahma, Vishnu und Shiva zum Wesen. Es ist göttlich und wird Ursachen-Ozean genannt.

11.43 Wozu viele Worte? Dieses Wasser ist der höchste Nektar. Dies ist in verhüllter Rede erklärt; verstehe es, Mutter, Schöne.

11.44 Bewegliche und unbewegliche Wesen verlangen stets nach diesem Wasser. Allein durch Berührung des Wassers oder des Beckens …

11.45 … werde ein Mensch im selben Augenblick göttlich, frei von Verdienst und Verfehlung und gewiss während des Lebens befreit.

11.46 Die Frucht dessen, der an diesem Becken mit seinem Wasser verehrt, könnte ich selbst mit Tausenden Millionen Zungen und Hunderten Millionen Mündern …

11.47 … nicht beschreiben, Bergestochter. Wer die Hand in das Wasser des Beckens legt, …

11.48 … wird durch hundertacht Mantrawiederholungen auf Erden ein Herr großer Vollendung. Im selben Augenblick erlange er Mantravollendung.

11.49 Ob Anhänger Shivas, Vishnus, Shaktis oder ein anderer: Wer dort den Mantra rezitiert, gelange augenblicklich zur Vollendung …

11.50 … selbst durch hundertacht Wiederholungen. Wer den Ahnen Wasser darbringt, das mit Kusha-Spitzen aufgenommen wurde, hat damit [die Frucht von] fünfhunderttausend Shraddhas in Gaya erlangt. So habe ich dir Kamakhyas Yoni-Mandala erklärt. [Die nächste vorhandene Nummer ist 52.]

11.52 In Kürze, große Herrin, werde ich es besonders erläutern. Wie aber ließe sich seine ganze Größe aussprechen, Ruhmreiche?

11.53 Dort wohnt Kali mit zehn Millionen Yoginis, ebenso Tarini, Chhinnamasta und Bhairavi, jeweils in siebenfacher Entfaltung, …

11.54 … Dhuma, Bhuvaneshani, Matangi, Kamalalaya, Bhagaklinna, Bhagadhara und Bhagandari, …

11.55 … Durga, Jayadurga, Mahishamardini und alle als untergeordnete Vidyas bezeichneten [Göttinnen].

11.56 Mit ihnen und mit Brahma, Vishnu und Mahesha wohnt Mahakali stets dort. [Ein weiterer] Sitz ist auf Brahmas Mund bezogen und hat Ugratara zur Gottheit.

11.57 Dieser Sitz wird in verschiedenen Formen beschrieben, verborgen und offenbar. Der verborgene ist heiliger als der offenbare und selbst für vortreffliche Sadhakas schwer zu erreichen.

11.58 Er ist [nur] denen zugänglich, die in beiden Kulas bewandert sind. In der Feuerrichtung der Manobhava-Höhle [erhebt sich] der hohe Gipfel der Göttin.

11.59 Dieser schwer erreichbare heilige Sitz heißt Mahogra. Seine Gottheit ist Siddhikali von Brahmans Gestalt, die Herrin der Welten.

11.60 Dort wohnt Kali, die den Dämon Ghora vernichtet. Wer auf diesem Sitz Platz nimmt und den Mantra zehnmal rezitiert, …

11.61 … dessen Mantra werde rein, und er werde in diesem Körper Shiva. Was ich dir als augenblickliche [Erkenntnis] im Herzen erklärt habe, Schönäugige, …

11.62 … [trägt hier] um ein Viertel verminderte Frucht, bei Shiva-Japa und -Verehrung die volle. In Jalandhara gelte die Hälfte, in Uddiyana wiederum deren Hälfte. [Der Vergleichsmaßstab ist im Text knapp.]

11.63 In Nepal nahe Nilakantha entsteht Tantravollendung nach [den vorgesehenen] Mond- und Wochentagen, ohne Zweifel.

11.64 Durch Japa, Herrin der Götter, habe ich es dir freudig erklärt. Im Ekamra-Wald entsteht große Vollendung nach dreizehn Tagen.

11.65 An der Ganga entsteht Vollendung gewiss durch eine Million Wiederholungen; in Radha bei Vikataksha rasch, Bergestochter, …

11.66 … durch dreihunderttausend. In Pushkara durch hunderttausend, im [besonderen] Ritual durch zwei Millionen. [„Prayoge“ könnte eine abweichende Ortslesung verbergen; sie wird nicht stillschweigend zu Prayaga geändert.]

11.67 Am Dronagiri durch zehn Millionen, bei Jvala durch zweihunderttausend, im Gebiet Viraja durch eine Million zweihunderttausend, Shive.

11.68 Im Himalaya durch dreihunderttausend, in Kedara durch fünfhunderttausend, auf Kailasa durch eine Million, in Jayanti durch fünfhunderttausend.

11.69 In Ujjayini durch zehn Tage, auf dem Mandara-Berg durch einen Monat: So entstehe durch Japa und Verehrung gewiss Mantravollendung.

11.70 Damit habe ich dir erklärt, wonach du gefragt hast, Bergestochter. Bewahre es stets geheim wie einen Liebhaber der Mutter. [Das befremdliche Geheimhaltungsbild steht so in der Vorlage.]

Kolophon: Damit endet der elfte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Zwölfter Paṭala

12.1 Die Göttin sprach: Herr, höchste Glückseligkeit, Geber der Furchtlosigkeit für Yogis! Du hast mir die Größe von Kamakhyas Yoni erklärt, Shiva.

12.2 Wahrlich, es ist ohne Zweifel alles wunderbar. Ich habe es dem Wesen nach verstanden. Warum bringt es im Kali-Zeitalter keine gute Vollendung?

12.3 Wir sehen weder Shiva-Erkenntnis [Variante möglicherweise: Gefügigmachen] noch Mantravollendung. Was ist der Grund? Sage es, Erbarmungsvoller.

12.4 Ishvara sprach: Narakasura, der Dämonenfürst, entstand aus Vishnus Samen und wurde im Schoß der Erde geboren.

12.5 Auf das Wort der Erde gab Vishnu ihm Kamarupa als fruchtbare Königsherrschaft. Dieser im Kampf unbezwingliche Dämon …

12.6 … besiegte die von Kiratas gebildete [Macht] und wurde König von Kama. Der Erhabene gab ihm freudig als Wohnsitz …

12.7 … das bekannte Pragjyotishapura im Yoni-Mandala Kamakhyas. Nachdem er [das Gebiet] erobert und ihn zum König geweiht hatte, gab Vishnu ihm auch Macht.

12.8 Hari zeigte ihm darauf die Manobhava-Höhle und ließ Naraka das rituelle Bad vollziehen.

12.9 Vishnu sprach: „Kamakhyas Größe stimmt ganz mit dem Sinn der Veden überein. Durch ihre Gnade erlangte Brahma sein Brahma-Sein, ich mein Vishnu-Sein, …

12.10 … und Shiva sein Shiva-Sein. Deshalb verehre diesen Schoß sorgfältig mit deinem ganzen Wesen.

12.11 Solange die Mutter dir ihr freundliches Gesicht zuwendet, ist dein Wohlergehen beständig. Wendet sie sich von dir ab, ist dir kein Heil beschieden, mein Sohn.

12.12 Dann werde auch ich dich verlassen, obwohl ich dich als meinen Sohn kenne. Bedenke dies und verehre sie; was soll ich noch besonders sagen?“

12.13 Ishvara sprach: So sprach Vishnu und ging nach Vaikuntha, seiner Wohnstatt. Naraka befolgte alles, was Vishnu gesagt hatte.

12.14 Höre nun das furchtbare Geschehen, Göttin. Vasishtha, Brahmas geistgeborener Sohn, ein großer Asket, …

12.15 … verehrte damals Tara auf Nilachala. Eines Tages kam der Weise, um die höchste Göttin zu verehren …

12.16 … beziehungsweise Tara im Kamakhya-Mandala [zu verehren]. Dort hielt Naraka den Sohn Brahmas zurück.

12.17 Naraka sprach: „Warte jetzt, Brahmane! Betritt das Innere des Mandalas nicht. Die Göttin wird gerade verehrt; nach der Puja darfst du hineingehen.“

12.18 Als der Weise Narakas Worte hörte, wurde er vor Zorn wie zwölf Sonnen. Mit kupferroten Augen sprach Vasishtha zu Naraka:

12.19 Vasishtha sprach: „Du Sündhafter, was hast du gesagt? Bin ich unwürdig, du mit schlechtem Verstand? Soll ich zur Zeit der Kamakhya-Verehrung keinen Zutritt erhalten, …

12.20 … um in das Innere der Yoni zu gelangen, obwohl ich Brahmas Sohn bin? Sieh jetzt meine große, dich vernichtende Kraft!“

12.21 Ishvara sprach: So sprach Vasishtha, nahm Wasser aus seinem Gefäß in die Hand und belegte die große Göttin mit einem schrecklichen Fluch.

12.22 Vasishtha sprach: „Mutter Kamakhya, ich stamme von Brahma. Heute verlasse ich dich, und du sprichst kein Wort!

12.23 Wahrlich, die Schuld der Tötung eines Brahmanen wird heute auf dir liegen. Auch durch Japa und Verehrung an diesem großen heiligen Sitz soll aufgrund meines Wortes keine Vollendung mehr entstehen!“

12.24 Ishvara sprach: Nachdem er diesen furchtbaren Fluch ausgesprochen und das Wasser ausgegossen hatte, verließ er Nilachala und ging zum Khandava-Berg.

12.25 Darauf wurde die höchste Vidya Kamakhya, von der Welt verehrt, die Göttin aus großem Licht, deren Gestalt alles erhellt, …

12.26 … [als] Tara Tag und Nacht von ihrer eigenen Strahlkraft verbrannt. Im selben Augenblick ganz versengt, ging sie zum Heiligtum auf Kailasa.

12.27 Durch ihre Abwesenheit wurde die Manobhava-Höhle von tiefen Schichten der Dunkelheit umhüllt.

12.28 In allen Welten erhob sich Klage, der Dämonenfürst verlor das Bewusstsein. Als ich die höchste Maya mit betrübtem Gesicht sah, …

12.29 … fragte ich Kamakhya ehrfürchtig: „Warum bist du gekommen, Shive, und hast das Yoni-Mandala verlassen?

12.30 Warum bist du betrübt? Nenne den Grund, Kamakhya. Du bist die höchste Verehrungswürdige; nimm selbst in meinem Herzen Platz.

12.31 Ich werde allem abhelfen. Warum ist dein Gesicht traurig?“ [Halbvers.]

12.32 Kamakhya sprach: „Vasishtha, Brahmas Sohn, kam als Weiser, um Tara zu verehren, an das Tor meines Yoni-Mandalas.

12.33 Am Morgen kam der Brahmane, um mich zu verehren. Der König war Türhüter, solange meine Puja dauerte.

12.34 In dieser Zeit durfte niemand mein Yoni-Mandala betreten; so hatte es der Asura Naraka als tägliche Regel festgelegt.

12.35 Deshalb hielt Naraka Brahmas Sohn zurück. Darauf sprach der Weise einen höchst furchtbaren Fluch aus.

12.36 Höre den Fluch, Mahadeva; schon beim Erzählen muss ich weinen. [Halbvers.]

12.37 Meine höchste Stätte, nach der Brahma, Vishnu und die übrigen Götter verlangen, ist zerstört. Welche Abhilfe gibt es? Sage es mir!

12.38 [Er sprach:] ‚Heute verlasse ich dich, und du sprichst kein Wort. Wahrlich, die Schuld der Tötung eines Brahmanen wird auf dir liegen.

12.39 An diesem großen heiligen Sitz soll aufgrund meines Wortes auch durch Japa und Verehrung keine Vollendung mehr entstehen.‘

12.40 Wegen dieses Fluches des Weisen bin ich zu dir gekommen. Welches Mittel soll ich anwenden? Sage es mir, Erbarmungsvoller!“ [Diese Nummer endet in der Vorlage mit nur einem Strich und ist vorhanden; sie fehlt nicht.]

12.41 Ishvara sprach: Nachdem sie dies unter Tränen gesagt hatte, tröstete ich sie wiederholt, ging zum Yoni-Sitz und rezitierte den Kalika-Mantra …

12.42 … zur Aufhebung des Fluches. Die Göttin wurde davon befreit, und ich setzte Kamakhya wie zuvor im Yoni-Mandala ein.

12.43 Darauf empfand die höchste Maya große Freude. Doch im Kali-Zeitalter, große Herrin, wird der Brahmanenfluch gewiss dreihundert Jahre wirken.

12.44 Die Göttin sprach: Dass Vasishtha Kamakhya wegen Naraka verfluchte, hast du mir ganz erklärt.

12.45 Nun möchte ich von der Aufhebung des Fluches hören. Woran erkennt man ihn? Nenne seine Merkmale, damit die Guten nach dem Hören stets Erbarmen empfinden.

12.46 Ishvara sprach: Wenn die Herrschaft eines schlechtgesinnten Stadtkönigs untergeht, beginnt von jenem Tag an der Brahmanenfluch.

12.47 Dann wird in Kamarupa großes Fehlverhalten entstehen: Bedrängnis der Bevölkerung, Krankheit und viele Übel.

12.48 Stets wird Kampf herrschen, Mahamaya, stets schlechte Lebensführung. Götter, Danavas und Gandharvas sind fortwährend von Bedrängnis betroffen.

12.49 In einem durch [verschlüsselte und unsicher gelesene Zahlwörter] bezeichneten Shaka-Jahr wird Tag und Nacht ein gewaltiger Krieg zwischen Saumaras, Kuvachas und Yavanas …

12.50 … auf dem Boden des Kama-[Landes] stattfinden, erfüllt von vielen Heeren. Nachdem [die Yavanas] die Saumaras im Kampf besiegt haben, …

12.51 … herrscht ein König, dessen Name mit M beginnt, ein Jahr lang. Mit seiner Hilfe erhält der Kuvacha Anteil am eigenen Reich.

12.52 Am Jahresende besiegt der Saumara den Yavana und wird Herrscher. In einem weiteren, durch verschlüsselte Zahlwörter angegebenen Shaka-Jahr …

12.53 … wird es in Kamarupa zu einer Verbindung beziehungsweise zu Kämpfen [bei einem unsicher bezeichneten Ort] kommen. Zwölf Jahre lang …

12.54 … wird der Yavana, mit dem Kuvacha verbunden, in Kamarupa herrschen. [Es folgt eine verschlüsselte Namensangabe „mit dem fünften Laut der sechsten Gruppe beginnend“ und eine unklare Aussage über den Körper.]

12.55 Kamarupa wird von Saumaras und Kuvachas regiert werden. Yavana, Kuvacha, Saumara und Plava …

12.56 … sind während des Fluches seine Herrscher, Göttin, kein anderer. Ich werde dir noch weitere Merkmale erklären.

12.57 [Sie werden] sichtbar eintreten, höchste Herrin. Am Ort von Vasishthas Askese erlischt das Feuer, Geliebte.

12.58 Auf dem Shala genannten Berg werden Bäume wachsen. [Es folgen schwer verständliche Orts- und Ereignisangaben über Svargahara, einen Steinsturz und die Nähe von Vepura.]

12.59 Wenn Kamakhyas Heiligtum zerfällt, [entsteht] bei Urvashi ein Zusammenfluss; der Brahmaputra wird dort zu einem schmalen Strom. [Die genaue Verbindung der Ortsangaben ist unsicher.]

12.60 Nach sechzehn [Jahren beziehungsweise in einem verschlüsselt bezeichneten] Shaka-Jahr wird zwischen Saumara und Kama [ein Ereignis eintreten; die betreffende Wortfolge ist verderbt].

12.61 Nach sechs Monaten der dortigen Verehrung werden die kriegskundigen Könige aus den [genannten] nördlichen Bereichen heranziehen. [Die Ortsnamen sind nicht sicher lesbar.]

12.62 Mit Kuvachas, Yavanas und [einer dritten Gruppe] und großen Heeren wird ein gewaltiger Krieg stattfinden, erfüllt von drei Mleccha-[Gruppen].

12.63 Der Lohitya wird mit Pferdeköpfen, Menschenköpfen und besonders Elefantenköpfen sowie mit Blut gefüllt sein.

12.64 Dann wird die höchste Maya Kamakhya, von Yogini-Scharen verehrt, dunkel [Variante möglicherweise: goldfarben], eine Opfergabe in der Hand und mit lächelndem Gesicht, …

12.65 … mit beweglicher Zunge, Schädelgirlande und dem Raum als Gewand auf der Bergspitze stehen und Blut trinken.

12.66 Darauf wird der Kuvacha, den Yavana verlassend und vom Saumara [bedrängt], einen großen Kampf bis zum Fluss Karatoya führen.

12.67 Nach zehn Tagen dort kehrt er heim. Dann wird ein Brahmane König werden und die Bewohner Kamarupas …

12.68 … zu Japa, Puja und den übrigen heiligen Handlungen anhalten. Nachdem er drei Jahre regiert hat, wird der Brahmanenkönig zum Stabträger [Entsagten] …

12.69 … nahe dem Yoni-Mandala. Danach [folgt eine verderbte Angabe über einen zwölfblättrigen Lotus, Nabel und einen früheren König].

12.70 Ein aus Nordosten Kommender wird das Kama-[Land] unter einem Herrschaftsschirm vereinen und das ganze Reich nach dem Dharma regieren.

12.71 Seine Gemahlin wird dunkelhäutig sein und stets Parvati verehren. Die tugendhafte Frau wird einen königlichen Sohn gebären. [Das Verb ist verderbt.]

12.72 Vom Tag seiner Geburt bis zum zwölften Tag wird am Sparshachala ein Stein der Verwandlung erscheinen.

12.73 Durch ihn werden alle Bewohner Kamarupas wohlhabend. Dann geschieht die Befreiung von Vasishthas Fluch.

12.74 Darauf werden im Kali-Zeitalter große Strahlkräfte in Kamakhyas Yoni-Mandala und in ihrer Gegenwart offenbar.

12.75 Dann wird im Yoni-Mandala wieder Mantravollendung entstehen, und Kamakhya wird die zuvor beschriebenen Früchte gewähren.

12.76 Dreihundert Jahre war sie durch den Brahmanenfluch wie gelähmt, beschämt, obwohl selbst Götter ihre Lotusfüße verehren.

12.77 Danach wird alles wieder wie zuvor. So habe ich kurz die Rettung Kamarupas erklärt. Was möchtest du nun hören, Göttin, Girija?

Kolophon: Damit endet der zwölfte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Dreizehnter Paṭala

13.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, höchster Herr, Allwissender, von allen Verehrter! Wohin gehst du immer wieder, Herr? Sage es aus Erbarmen, Shankara.

13.2 Ishvara sprach: Im Land Konchana, nahe der Yoni-Vertiefung, [lebt] eine tugendhafte Frau namens Revati, die als Herrin bekannt ist. [Die Variante bezeichnet sie als von den Menschen vergessen.]

13.3 Sie gilt als schöne Yogini, geboren unter den Mlecchas [historische Fremdgruppenbezeichnung]. Ihre Brüste sind fest, ihr Schoß ist voll.

13.4 Beim Bettelwandern gehe ich Tag und Nacht zu ihr, höchste Herrin; die Vereinigung mit ihr erfreut mich sehr.

13.5 Die Göttin sprach: Wo lebte sie, welche Askese übte sie, und wie gelangte sie auf die Erde? Die Vereinigung mit dir ist nicht die Frucht geringer Askese.

13.6 Zugleich sehe ich deine große Gnade ihr gegenüber. Was ist nun mit ihr geschehen? Erkläre es aus höchstem Erbarmen.

13.7 Ishvara sprach: Junge Tochter des Bergkönigs, mir lebensliebe Gefährtin, höre! Ich erzähle dir etwas vom Leben dieser tugendhaften Frau, Reinlächelnde.

13.8 Im Ekamra-Wald vollzog ich mit ihr freudiges Liebesspiel. Diese tugendhafte Yogini gilt als Göttin, hervorgegangen aus den Vedangas.

13.9 Sie fand in meiner Handlung noch keine völlige Erfüllung, Bergestochter. Um mich zu erlangen, übte sie heftige Askese in meinem wunscherfüllenden heiligen Gebiet.

13.10 Im Dickicht von Ekamra, auf dem von heiligen Stätten erfüllten Berg, kam ein Brahmane zu ihr und bat um eine Gabe.

13.11 Sie gab ihm nicht einmal Antwort, geschweige denn eine Gabe. Darauf verfluchte der Brahmane sie: „Werde eine Mleccha, Hochmütige!“

13.12 So sprach der Brahmane und ging fort. Die Yogini wurde zu einer Mleccha. [Halbvers.]

13.13 [Der Text setzt mit einer unvollständigen Mahnung ein:] Wenn jemand einem Bittenden trotz vorhandener Möglichkeit das Erbetene nicht gibt … Durch ihre Askese aber war ich ihr stets verbunden, als hätte sie mich erworben.

13.14 Deshalb wurde meine Geliebte stets meiner Vereinigung teilhaftig. Ihr Sohn Vinusimha wurde als mein leiblicher Sohn geboren.

13.15 Er allein besiegte die [Herrscher der] Kamas, Saumaras und der fünf Gauda-[Gebiete], überwand alle Könige und war ruhmreich und verständig.

13.16 Auch er hatte viele Söhne, die die Erde beschützten: Kuvacha-Könige, alle dem Dharma ergeben und kühn im Kampf.

13.17 Vinusimha nahm Yoga auf, um Askese zu üben, und verweilt in nicht sichtbarer Gestalt [an einem unklar bezeichneten Ort] bis zum Ende des Weltzeitalters.

13.18 Mit der Zeit ging jene Göttin Madhavi in meinen Körper ein [die genaue Wendung ist unsicher]. Wie die Gemahlin Nandins gilt auch diese als Yogini.

13.19 Wie Bhringariti mein Sohn ist, so ist Vinu mein Sohn. Auch Vinusimha wird am Ende des Weltzeitalters höchste Vollendung erlangen.

13.20 Die Könige seines Geschlechts werden als große Seelen auf Kailasa wohnen, reich ausgestattete Herren der Gefährten. [Variante: Herren des Reichtums.]

13.21 Mit Scharen schöner, jugendlicher Göttertöchter erfreuen sie sich stets und spielen wie Bhairavas.

13.22 Wann immer Kamakhya erneut von einem Brahmanenfluch getroffen wird, steigt er herab und schützt sein Kama-[Land].

13.23 Ebenso werden alle seine Nachkommen Beschützer des Kama-[Landes], höchste Herrin, bis zum Weltende beziehungsweise bis der Fluch gelöst ist.

13.24 Bis dahin spielt sie in seiner Kraft. Ein Kalpa [entspricht in dieser Aussage] im Kali-Zeitalter dreihundert Jahren. [Die zeitliche Gleichsetzung ist eigentümlich und wird nicht geglättet.]

13.25 Diese Jahre erleidet Kamakhya den Fluch, höchste Herrin; danach wird alles [wiederhergestellt]. [Das Verb wird nach der Variante verstanden.]

13.26 So habe ich dir die Aufhebung des Brahmanenfluches über Kamakhya vollständig erklärt, große Herrin.

13.27 Solange ein Brahmanenfluch auf jemandem liegt, ist die Befreiung davon fern. Selbst für den Biss Takshakas gibt es noch augenblickliche Abhilfe, …

13.28 … für einen vom Brahmanenfluch Ergriffenen jedoch erst am Ende des Kalpa. Ohne sie gibt es keinen Ausweg aus der Hölle.

13.29 So werden alle Angehörigen seiner Linie Tag und Nacht von verschiedensten Unglücken bedrängt, bis zur siebten Generation.

13.30 Deshalb soll man einen Brahmanen niemals verachten, Göttin. Der Brahmane besteht aus allen Göttern, aus Brahma, Vishnu und Shiva.

13.31 Der Zweimalgeborene ist aus Brahmans Strahlkraft hervorgegangen und [von entsprechender Natur]. Wo Brahmanen essen, dort isst Hari selbst.

13.32 Dort essen auch Brahma und Rudra, die Himmelswanderer, Rishis und Weisen, die Ahnen und alle Gottheiten; daran besteht kein Zweifel.

13.33 Der Brahmane besteht aus allen Gottheiten; deshalb soll man ihn nicht geringschätzen. Brahmane, Kumari, Shakti, Feuer, Shruti und Kuh …

13.34 … werden von den Göttern stets zur Verehrung auf dem Boden des Handelns gewünscht. Ist eine Kumari verehrt, [gilt dies wie] eine weitere Verehrung. [Die genaue Aussage des zweiten Halbverses ist unklar.]

13.35 Die Frucht der Kumari-Verehrung kann ich nicht aussprechen. Die Kumarīs und die Shaktis sind dieses ganze Bewegliche und Unbewegliche.

13.36 Wird auch nur eine junge Frau verehrt und als das eigene Selbst geschaut, so sind ohne Zweifel alle höchsten Göttinnen verehrt.

13.37 Was im Feuer geopfert oder einem Zweimalgeborenen gegeben wird, trägt zunächst einfache Frucht; durch Vertrauen wird sie millionenfach, ohne Zweifel.

13.38 Ohne Vertrauen wird [nur] hundertfache Frucht sicher genannt. Eine Futtergabe für Kühe ist in der Welt reinigend und tilgt alle Verfehlungen.

13.39 Was einer Kumari oder einer Shakti gegeben wird, höchste Herrin, vergeht selbst in unzähligen Weltzeitaltern nicht. [Nach dem in der Variante vervollständigten Satz.]

13.40 Die Götter sind Ursprung des Dharma; Opfer und Ähnliches gelten als Dharma. In der jenseitigen Welt ist Dharma ein großer Freund, daran besteht kein Zweifel.

13.41 Nachdem jemand viele Leben lang vedische Handlungen vollzogen hat, wendet er sich kraft dieses Dharma der heiligen Ordnung der Agamas zu.

13.42 Dort erlangt er die Befreiung, welche die Bindung an Karma vernichtet. Nach vielen Leben gelangt er zur Erkenntnis und wird befreit.

13.43 Durch Handeln erlangt man Hingabe, durch Hingabe Erkenntnis, durch Erkenntnis Befreiung, große Göttin. Wahrlich, wahrlich sage ich dies.

13.44 Wenn die höchste Erkenntnis an die Stelle des Nichtwissens tritt, wird der Yogi befreit: So spricht der erhabene Shiva. [Die Übersetzung folgt der Variante „höchste Erkenntnis“; die Hauptlesung ist weniger klar.]

13.45 Nicht durch den bloßen Beginn einer Handlung erlangt der Mensch Freiheit vom Handeln. Deshalb, Mahamaya, soll er stets die [gebotene] Handlung vollziehen. [In dieser Form steht der erste Satz in der Vorlage.]

13.46 Ob vedische oder tantrische Praxis: Wird sie durch glückliches Geschick zugänglich, soll der Verständige die Zeit nicht mit Würfelspiel und Ähnlichem vergeuden.

13.47 Er soll sie mit Götterverehrung, Japa, Opfer und Lobpreis verbringen. Diese Tätigkeit ist zweifach: äußerlich und innerlich.

13.48 Der äußere Vollzug ist an Regeln gebunden, der geistige nicht in gleicher Weise. Ob unrein oder rein, an welchem Ort auch immer, …

13.49 … im Gehen, Stehen oder Liegen [wörtlich auch: Schlafen] soll man die geistige heilige Handlung vollziehen, Schöne. Im geistigen Vollzug besteht [insoweit] kein Fehler.

13.50 Unter allen Handlungen ist das Wissen um Japa das höchste, große Herrin. Das Japa-Opfer ist meine eigene Gestalt, daran besteht kein Zweifel.

13.51 Wer stets beim Japa-Opfer verweilt, äußerlich oder innerlich, ist ohne Zweifel schon während des Lebens befreit, höchste Herrin.

13.52 Alle vedischen und tantrischen heiligen Handlungen erreichen nicht ein Sechzehntel des Japa-Opfers, höchste Herrin.

13.53 Greifermächte, Bhutas, Pishachas, Yakshas, Rakshasas, Tiere wie Tiger und andere zornige Wesen, …

13.54 … Dakinis, Guhyakas, Gandharvas, Kriechtiere, Danavas und bösartige Bhairavas, die auf dem Leichenplatz wohnen, …

13.55 … wagen den Japaübenden nicht anzublicken, von Furcht überwältigt. Verfehlungen berühren diesen Sadhaka niemals, Geliebte.

13.56 Diese Frucht wird dem hörbaren Japa zugeschrieben. Leises Japa gilt als hundertfach, geistiges als tausendfach [wirksam].

13.57 Wird der Mantra mit der Stimme ausgesprochen, heißt dies hörbares Japa. Ist er nur ganz leise vernehmbar, heißt es leises Japa.

13.58 Was dem eigenen Ohr nicht hörbar ist, wird geistiges Japa genannt. Das hörbare Japa ist äußerlich, das geistige innerlich.

13.59 Das leise Japa ist eine Mischform; so werden drei Arten unterschieden. Durch beständigen Lobpreis im Japa wird die Gottheit erfreut …

13.60 … und gewährt in ihrer Gnade große Wunscherfüllung und ewige Befreiung. Sadhana, Japa und Meditation, Schöne, …

13.61 … werden von niemandem irgendwo durch nur geringe Askese erlangt. Wenn sie durch das in vielen Leben erworbene glückliche Geschick …

13.62 … erreichbar werden, kann man schon in einem Leben Anteil an Befreiung haben. Was Erkenntnis des Brahman genannt wird, wird als Samadhi bezeichnet.

13.63 So habe ich dir dies Schöne in Kürze erklärt, höchste Herrin. Was möchtest du nun noch hören, große Göttin?

Kolophon: Damit endet der dreizehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara.

Vierzehnter Paṭala

14.1 Die Göttin sprach: Gott, höchste Glückseligkeit, großer Herr des Yoga! Erkläre mir aus Erbarmen, was ich zu hören wünsche, Guru.

14.2 Ich habe vom Leben des Brahmanen aus deinem Samen gehört, Ewiger. Plava, Yavana und Saumara, großer Herr, …

14.3 … jene Mlecchas, die Kamarupa beherrschen: Wie sind sie entstanden? Sage es mir, Mahadeva, Erbarmungsvoller.

14.4 Ishvara sprach: Die Söhne Shalvas, die Bahlikas, starben im Kaurava-Krieg. Kein anderer Träger ihres Geschlechts blieb, Dreiäugige.

14.5 Damals lebte die Bahlika-Frau Kirti: tugendhaft, heilvoll, jung, schön, lieblich, der Askese ergeben und verständig.

14.6 Mit dem Wunsch nach einem Sohn ging sie nach Kashi und übte Tag und Nacht Askese, vor Vishveshvara stehend, an meinem Tor in der Halle der Befreiung.

14.5 (zweite Belegung) Damals wurde Bali-Sohn Bana, der mächtige Mahakala und Hüter dieses Tores, beim Anblick der Frau erregt. [Zweite Belegung der Nummer 5 an der Stelle einer zu erwartenden 7.]

14.8 Dieser Bhairava, von Verlangen verwirrt, nahm meine Amtsgewalt in Anspruch; er trug eine Schädelgirlande und die Gestalt eines durch Alkohol Berauschten.

14.9 Als Asket verkleidet wurde er ohne Scheu Kirtis Liebhaber. [Es folgt die schwierige Beschreibung einer blütenroten Erscheinung.]

14.10 Darauf wurde Kirtis Sohn Mahankusha aus Mahakalas Samen geboren, große Göttin, [als] machtvoller Bhairava.

14.11 Ich sah die elterliche Zuneigung zu diesem Sohn Bhairavas, die beständige Liebe zu Kirti und [die Stärke] des mächtigarmigen Mahankusha …

14.12 … sowie Kirtis Wunsch nach einer Königsherrschaft für ihn. Ich gab Mahankusha das Shalva-Reich bis an Kamarupa. [Die Orts- und Satzbezüge weichen in der Variante ab.]

14.13 Der Kula-Lebensweise ergeben, verehrte [Bhairava] Kirtis Schoß dort ebenso wie in Kashi.

14.14 Dort wird Tag und Nacht große Verehrung stattfinden. [Die anschließende Frage über Mahankushas Herkunft und einen Angriff auf Kashi ist entstellt.]

14.15 Darauf ging der Plava Genannte zum Juwelenpavillon. So habe ich dir die auf Plava bezogene Geschichte erzählt.

14.16 Höre nun etwas von der Geschichte der Yavanas. Im Treta-Zeitalter gab es einen König, vielen heiligen Pflichten ergeben, …

14.17 … einen mächtigen Herrscher und großen Krieger aus dem Sonnengeschlecht. Nachdem er die Feinde seines Vaters besiegt hatte, [beherrschte er] die Erde mit sieben Kontinenten.

14.18 Er genoss große Freuden und [widmete sich] ausgedehnt Yoga und Meditation. Nach langer Zeit aber wurde er von seinem eigenen Stolz verblendet.

14.19 „Auf der Erde gibt es keinen größeren König als mich, der ich die Feinde meines Vaters niedergeworfen und sein Ahnenritual vollzogen habe.“

14.20 So entstand sein Ichdünkel, der alles vernichtet. Daraus erwuchs dem Starkarmigen schuldhaftes Verhalten.

14.21 Ein schuldhaft handelnder König soll nicht König bleiben. Hochmut, ständige Kriegsführung und fehlende Beständigkeit …

14.22 … gehören gewiss zu den großen Verfehlungen samt ihren Begleiterscheinungen. Durch diese Haltung verließ ihn das Glück der Königsherrschaft.

14.23 Die mächtigen Haihaya- und Talajangha-Könige traten hervor, berieten sich und überschritten das Meer.

14.24 Unter dem Vorwand, Tribut zu entrichten, kamen sie nach Nordkosala. Bahu wurde zunächst von ihnen besiegt und zog nach einem Monat fort.

14.25 Der seines Reiches beraubte König Bahu ging mit seiner Frau in den Wald. Dort starb er; alles verlor seinen Glanz.

14.26 [Die Erzählung überspringt hier einen Übergang zum Feldzug Sagaras.] Die besiegten Haihaya- und Talajangha-Herrscher begaben sich schließlich zu Vasishthas Einsiedelei.

14.27 Die beiden Könige, um ihr Leben fürchtend, nahmen bei Vasishtha Zuflucht und riefen: „Schütze uns, schütze uns!“

14.28 Vasishtha gewährte diesen Yavanas Furchtlosigkeit. Inzwischen kam König Sagara, mit dem Schwert [Variante: vom Zorn] ergriffen, …

14.29 … zu Vasishtha, um die Könige zu töten. Als Vasishtha, Brahmas Sohn, ihn so sah, …

14.30 … sprach er zu Sagara, Bahus dharmakundigem Sohn: „Töte sie nicht, Sohn Bahus! Ich habe ihnen Schutz zugesagt.“

14.31 Der König erschrak beim Hören: „Das Wort Brahmas [beziehungsweise des Brahmanen] darf nicht vergeblich sein, doch auch mein eigenes früheres Gelübde [besteht].

14.32 Was soll ich nun tun? Ich bin in einen Widerstreit geraten.“ Nachdem er dies bedacht hatte, erklärte er alles Vasishtha.

14.33 „Früher habe ich geschworen, diese Menschen zu töten. Aufgrund dieses Wortes bin ich gekommen; was soll ich jetzt tun?

14.34 Dein Wort zu brechen, Weiser, habe ich nicht beabsichtigt. Wenn du keinen Ausweg findest, wäre der Tod für mich besser.“

14.35 Als Vasishtha dies hörte, antwortete er sogleich. [Halbvers.]

14.36 Vasishtha sprach: „Verzweifle nicht, Freund! Höre, was zu tun ist.“ Er ließ allen Feinden die Köpfe scheren und sie von der vedischen Lebensordnung ausschließen und weit fortschicken.

14.37 Westlich des Himalaya [sollten sie] als Yavana-Könige [leben]. „So bleibt mein Wort bestehen und ebenso dein Gelübde.

14.38 Das Abschneiden des Kopfes und das Abscheren des Haares werden als gleichwertig erklärt; so sei es auch im Veda festgesetzt.“ [Die Quelle nennt hierfür keinen konkreten Vedabeleg.]

14.39 Ishvara sprach: Sagara hörte dies und handelte danach. Alle diese Kshatriyas, Haihayas und Talajanghas, …

14.40 … blieben entehrt, ihres Standes beraubt und mit geschorenen Köpfen. Sie nahmen beim Weisen Sushena Zuflucht und folgten seiner Lebensweise.

14.41 Auf Sushenas Unterweisung übten sie Askese und widmeten sich der [vom Text so bezeichneten] Mleccha-Lebensweise.

14.42 Sie waren tamasisch, große Göttin, und nahmen eine tamasische Haltung an. Bei Mantras werden zwei Wege genannt: Verbindung und Trennung.

14.43 Sattvische und rajasische Verbindung gewähren Frucht, Göttin. Die [Verbindung] durch äußere und innere Trennung [wird hier bewertet; die Satzfügung ist nicht eindeutig].

14.44 Im Tamasischen gibt es äußere Trennung, die die Frucht der Vollendung gibt. [Die weitere Aussage über Jenseits, äußere Ordnung und Herrschaft ist sprachlich ungesichert.]

14.45 Durch eben ihre Haltung entstand meine Gnade. Ich gab ihnen einen Segen; höre diesen erbetenen Segen:

14.46 „Genießt jetzt dieses Reich und bleibt als Yavanas. Wenn im Kali-Zeitalter das durch Mond, Acht und Neun bezeichnete Shaka-Jahr verstrichen ist, …

14.47 … werdet ihr gewiss Herrscher heiliger Länder sein.“ Ebenso [werden sie] Herrscher Kamarupas, höchste Herrin.

14.48 Durch meine Gnade regieren Yavanas im Kali-Zeitalter Kamarupa und andere heilige Länder, mit vielen Königen verbunden.

14.49 So habe ich dir diese stets reinigende Geschichte erzählt. Höre jetzt die Geschichte der Saumaras im Zusammenhang mit dem Kampf.

14.50 Einst kam der Götterkönig, [von Feinden bedrängt, nach einer Variante], zusammen mit Kaushangi in den Khandava-Wald und verließ sein himmlisches Reich.

14.51 Nachdem er lange Zeit mit Spiel verbracht hatte, entstand in ihm großes Verlangen nach Tanz, Gesang und Instrumentalmusik.

14.52 Er ließ Rambha, Tilottama, Kanchi und die reizende Kurangakshi kommen und befahl ihnen, mit Rambha zu tanzen.

14.53 Die ausgewählten Himmelsfrauen tanzten freudig. Mit vielfältigen Darbietungen erfreute [die Bezaubernde] Indra.

14.54 Auch Kaushangi war bezaubert und mit dem Götterkönig verbunden. Durch Tanz und Gesang wurde ihr Verlangen entfacht. [Die Variante spricht abweichend von einer Störung des Verlangens.]

14.55 Inzwischen vereinigte sich Indra, der Vernichter Balas, mit einer reizenden Himmelsfrau. [Die Beziehungen der beteiligten Frauen bleiben im Wortlaut unübersichtlich.]

14.56 Als [Kaushangi beziehungsweise die andere Frau] Indra so sah, richtete sie ihren Geist darauf. [Halbvers; der Bezug ist unsicher.]

14.57 Vom Feuer des Verlangens verwirrt, machte sie einen Fehler in Tanz und Gesang. Dadurch wurde die Beständigkeit der Vereinigung jener beiden [gestört; die Lesung ist unsicher].

14.58 Kaushangi erkannte ihre Absicht, wurde von Zorn überwältigt und sprach harte Worte; höre sie, Göttin.

14.59 „Du bösartige Himmelsfrau, dein Geist ist von Begierde verwirrt [Variante: du begehrst den mit mir vereinten Gott]. Dadurch hast du unser Bewusstsein während der Vereinigung abgelenkt.

14.60 Geh auf die Erde, Himmelsfrau, und erhalte einen König zum Gatten!“ So entströmte dieser harte Fluch Kaushangis Mund.

14.61 Als die Frau ihn hörte, verlor sie das Bewusstsein, fiel Kaushangi zu Füßen und klagte vielfach, immer wieder ihre Füße umklammernd.

14.62 Da sprach Kaushangi: „Nachdem du den Fluch zweiunddreißig Jahre auf der Erde erfahren hast, Reizende, wirst du wieder in den Himmel gelangen.“

14.63 Sie gab ihren Körper in der Mandakini auf, nahm menschliche Gestalt als die schöne, bezaubernde Kankati an und erhielt einen Nachkommen Dhritarashtras zum Gatten.

14.64 Als der Kaurava auf Kurukshetra fiel, starben hundert Frauen. Kankati jedoch eilte aus Furcht zum Berg Chandrachuda.

14.65 Auf seinem hohen Gipfel stand sie tief betrübt. Am zweiten Tag ihrer Monatszeit [erlebte] die einstige Himmelsfrau …

14.66 … heftiges, sie überwältigendes Verlangen. Indra, auf seinem Wagen fahrend [nach der Variante], sah die Schöne.

14.67 [Er kam] von Kushadvipa und erinnerte sich beim Anblick ihres Schmucks an die frühere Ursache. Er erinnerte die vom Verlangen verwirrte Geliebte an alles.

14.68 Nach der Vereinigung ging er fort. Auf dem Berg Gandhamadana gebar Kankati einen Sohn namens Arindama.

14.69 Weil Indra sich am zweiten Tag ihrer Monatszeit mit ihr verbunden hatte, wurde Arindama nach der Erzählung der Mleccha-Lebensweise ergeben.

14.70 Er lebte als Jäger, furchtbar und stets Tiere verletzend, aß jedes Fleisch und wurde einem Kirata gleichgesetzt.

14.71 Der Text schildert ihn als ohne Verdienst, voller Verfehlungen, an Alkohol, Fleisch und sexuellen Genüssen erfreut und schlechtem Verhalten ergeben.

14.72 Als Kankati ihren Sohn so sah, wurde sie tief betrübt und übte strenge Askese [die folgende Viererangabe ist unklar]. Darauf trat der Götterkönig vor sie und sprach:

14.73 Indra sprach: „Warum hast du diese furchtbare Askese geübt, Kankati? Sage es mir. Ich bin durch deine Askese sehr erfreut und gebe dir, was du wünschst.“

14.74 Kankati sprach: „Dein Sohn ist so geworden, stets schuldhaftem Verhalten ergeben. Ich kann es nicht ansehen, Herr der Götter. Tu, was du für richtig hältst.

14.75 Gott über den Göttern, dieser ist ohne Zweifel dein Sohn; dennoch ist er ein äußerst niedriger Mensch.

14.76 Du bist sein Vater, Herr der Götter, und er ist dein Sohn. Handle nach deinem Willen; mich aber nimm rasch mit, Herr!

14.77 Setze mich an deiner Seite als Dienerin ein. Das ist mein Wunsch, kein anderer.“

14.78 Indra sprach: „Höre, Geliebte! Deine Fluchzeit ist vorbei. Jetzt werde ich dich rasch mitnehmen; sei getrost.

14.79 Durch die Schuld des Sohnes entsteht der Untergang der Linie. Nachdem die hundertachtundzwanzigste Generation vergangen ist, …

14.80 … werden meine Nachkommen als hervorragende Könige in Saumara wohnen: ruhmreich, dem Dharma und guter Lebensführung ergeben, …

14.81 … mit Sinn für Gerechtigkeit und großer Tatkraft, Göttern und Brahmanen zugewandt und Kenner des Brahman-Prinzips.

14.82 Sie werden alle, Vishnu lieb, nach Vaikuntha gelangen und dort bis zur Auflösung der Wesen eingehen.“

Ishvara sprach: Danach nahm Indra sie mit und ging zu seiner eigenen Wohnstatt. Zur entsprechenden Zeit wurde der Saumara Herrscher Kamarupas. Im Osten der Saumara, im Westen der Kuvacha, im Süden der Yavana und im Norden der Plava: So sind sie alle Beschützer des Kama-Landes. Damit wurde dir die Geschichte des Saumara erzählt. Was möchtest du hören, das du noch nicht gehört hast? [Unnummerierter Schlussabschnitt.]

Kolophon: Damit endet der vierzehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Fünfzehnter Paṭala

15.1 Die Göttin sprach: Vertraulich frage ich dich: Wer ist Kamakhya? Sage es mir. [Halbvers.]

15.2 Ishvara sprach: Jene Kali, die höchste Vidya, die Ewige von der Gestalt des Brahman, ist eben Kamakhya, Herrin der Götter, die alle Vollendungen gewährt.

15.3 Die Göttin sprach: Wie wurde Kali, deren Wesen Brahman ist, zu Kamakhya, großer Herr? Erkläre mir alles aus Erbarmen, Mondgekrönter.

15.4 Ishvara sprach: Als der selbstentstandene Schöpfer die Schöpfung hervorgebracht hatte, wurde der Urvater vom Fehler des Hochmuts erfüllt.

15.5 Hochmut ist für alles zerstörerisch, Herrin. Von diesem Hochmut ergriffen stand Brahma da, der Träger der Welt.

15.6 Er vergaß das ganze Geschehen, von dem Kalika früher gesprochen hatte, und war fortan nur von seinem Ichdünkel erfüllt.

15.7 Die Welt ist der Aufenthaltsort aller Wünsche [Variante: aus Wünschen gebildet] – wer hätte darin was [aus eigener Macht] geschaffen? Dennoch war Brahma durch Maya von Hochmut erfreut.

15.8 Als die höchste Göttin Brahma so sah, schuf sie aus seinem Körper, aus eben seinem Hochmut, …

15.9 … einen höchst unbezwinglichen Daitya namens Keshi. Aus Brahmas Körper hervorgegangen, war dieser Dämon überaus schrecklich.

15.10 Er eilte herbei, um Brahma zu verschlingen. Darauf floh der Urvater zusammen mit Vishnu.

15.11 Der große Daitya Keshi errichtete darauf in Bharata eine Stadt, die als Keshipura bekannt wurde. Dort verweilend …

15.12 … verschlang er alles Bewegliche und Unbewegliche in Erde, Zwischenraum und Himmel. Stets [rief er] im Weltall: „Töte Brahma!“ [Nach der Variante für die unklare Hauptlesung.]

15.13 Darauf pries Brahma, der Schöpfer der Welt, zusammen mit Vishnu und frei von Hochmut Kali, die Mutter der Welten, die Hindernisse vernichtet.

15.14 Brahma und Vishnu sprachen: Verehrung der höchst heilvollen Herrin, deren Wesen Pranava ist, die Gestalt ihrer eigenen Keimsilbe und der Kama-Keimsilbe!

15.15 [Wir verehren] die Ewige, geschmückt mit Schädelgirlanden und hervorgestreckter Zunge, deren Gestalt Maya-Bija und Kurcha-Bija ist.

15.16 Ich verehre Kali, die Trägerin der Welten, mit Lotusaugen, furchtbarem Ruf, als Gefährtin Shivas, mit offenem Haar und dem Raum als Gewand.

15.16 (zweite Belegung) Ich verneige mich vor Mutter Kalika, die große Hindernisse vernichtet. Stets grüße ich diese dem Herzen nahe Mutter, die Herrin der Welten. [Zweite Belegung der Nummer 16; die nächste Nummer ist 18.]

15.18 Ishvara sprach: So von Brahma und Vishnu gepriesen, ließ die Göttin plötzlich eine Stimme aus dem Himmel hören: „Was wünschst du, Urvater? Was wünschst du, starkarmiger Vishnu? Sage es!“

15.19 Brahma und Vishnu sprachen: Ein gewaltiger Asura namens Keshi ist entstanden. Er hat uns unsere ganze Welt entrissen.

15.20 Vernichte diesen Asura und setze uns wieder ein wie zuvor. Gewähre uns den Dienst an deinen Lotusfüßen; dies ist unsere Bitte an deine Größe.

15.21 Kali sprach: Höre meine Worte, Brahma! Dein Hochmut ist geschwunden. Nun hast du erkannt, dass es Höhere als dich gibt. [Die letzte Wendung ist grammatisch unsicher.]

15.22 Die ganze Welt besteht aus Maya; was gehört da dir oder einem anderen, Lotusgeborener? Als ich sah, wie dich Hochmut ergriff, gab ich dir ein schwer zu überwindendes Hindernis.

15.23 Aus deinem Hochmut habe ich dir, Weltschöpfer, die Gestalt des Daitya Keshi geschaffen. Ich vernichte ihn; sei fest! Fürchte dich nicht, Vishnu, sei standhaft, Hochverständiger!

15.24 Ishvara sprach: Nachdem sie Brahma und Vishnu beruhigt hatte, sie, deren Wesen über ihnen steht, verbrannte sie den hervorragenden Danava allein durch den Hum-Laut zu Asche.

15.25 Kali [verbrannte] den großen Asura Keshi und sprach darauf zu Brahma. [Halbvers.]

15.26 Kali sprach: Aus deinem Hochmut ist große Schuld entstanden, Brahma. Um diese Schuld zu beseitigen, wird ein vorzüglicher Berg geschaffen.

15.27 Aus der Asche des Daitya Keshi [entsteht ein Berg], mit reichlich Kuhfutter bedeckt. Indem die Kuh das aus der Asche Gewachsene frisst, wird sie deine Schuld beständig vermindern.

15.28 Ishvara sprach: Brahma sammelte die Asche von Keshis Körper und machte sie durch Besprengen mit Wasser aus seinem Gefäß zu einem Berg.

15.29 Er war weder zu hoch noch zu niedrig und mit viel Kuhfutter bedeckt. Die Kuh erlangte durch das Futter aus der Asche gewiss Sättigung und Gedeihen.

15.30 Deshalb gab Brahma dem Berg den Namen Govardhana, „der die Kühe gedeihen lässt“. Je mehr die Kuh von diesem vorzüglichen Berg fraß, …

15.31 … desto mehr nahm Brahmas Schuld ab, Shive. So lange vollzieht sich die Entsühnung des Schöpfers, wie der Berg Govardhana besteht.

15.32 An dessen Ende wird seine Schuld ganz aufgehoben, höchste Herrin. Wenn auf solche Weise eine Verfehlung aus dem Anspruch auf Vorrang entsteht, …

15.33 … ist ihre Frucht Bedrängnis für ihn und für alle, Dreiäugige. Dann priesen Brahma, der Weltschöpfer, und Vishnu, der Herr der Welten, …

15.34 … erneut in derselben Weise die höchste Herrin. Kali, die Mutter der Welt, sprach zu ihnen: „Was wünscht ihr? Ich gebe euch alles, meine Kinder. Warum seid ihr verzagt?“

15.35 Brahma und Vishnu sprachen: Zu unserem und der Welten Heil [begehren wir] das, was deinen Füßen entströmt, vollkommen rein ist und große Befreiung gewährt.

15.36 Doch, Mutter, es ist unsichtbar, verborgen und ohne Gestalt. Wie sollen wir dieses in jeder Hinsicht Heilbringende verehren?

15.37 Bestimme einen Ort auf der Erde, an dem wir deine Lotusfüße mit Japa verehren können. Stets werden wir sie verehren, den Grund großen Heils, …

15.38 … damit wir und alle anderen die Frucht großer Befreiung erlangen. Was könnten uns dann unheilvolle Dämonen und andere [Wesen] noch antun?

15.39 Durch die Verehrung deiner Füße werden wir gewiss den schwer überquerbaren [Ozean] durchschreiten. [Halbvers.]

15.40 Kali sprach: Höre, mein Kind, großer Vishnu, dieses erhabene Wort. Durch die [hier mit Wasser verbundene] Hum-Keimsilbe wurde der Dämon zu Asche gemacht. [Die Lesung mit „Wasser“ ist unsicher.]

15.41 Erkenne diese große, Keshi [betreffende] Keimsilbe als Gestalt des Klang-Brahman, erfüllt von mächtiger Strahlkraft: als höchste Stätte.

15.42 In Keshipura ist diese Keimsilbe durch die Vernichtung Keshis gegründet; bis in die Unterwelt, eine Krosha weit, ist sie von Strahlkraft umgeben.

15.43 Deshalb ist dieser Ort, der von großer Strahlkraft erfüllt ist, zu verehren. Nimm dort deinen Platz ein und verehre mich nach deinem Herzenswunsch.

15.44 In äußerster Verborgenheit wird die gewünschte Frucht erlangt, [vor] Göttern, Danavas, Gandharvas und anderen, Hochverständiger.

15.45 Verehre mich so, dass niemand davon weiß. Ich werde dich stets vor allen Gefahren beschützen.

15.46 Diesen Ort habe ich dir als Stätte des göttlichen Spiels erklärt, Vishnu. Auch die ursprüngliche Willenskraft habe ich dir bereits gegeben.

15.47 Als Mahalakshmi, in Brahman gegründet, dient sie dir. Dieselbe wird in dieser Stadt als Vrinda erscheinen.

15.48 Weil sie Keshipura ganz durchdringt, wird es Vrindavana heißen. Dort wird gewiss dein Spiel mit ihr stattfinden.

15.49 Lakshmi wird als Baum von Vrindavana beständig dort stehen. Sie wird den Daityas hindernd entgegentreten, als Vernichterin aller Daityas.

15.50 Brahma, mein Kind, höre mein heilbringendes Wort! An dem Ort, an dem ihr beide mich zur Vernichtung des Daitya Keshi verehrt habt, …

15.51 … sieh: Dort ist mein Yoni-Mandala entstanden. Erkenne es als aus meiner Strahlkraft hervorgegangen.

15.52 Die Yoni ist der Ursprungsort aller Wesen, daran besteht kein Zweifel. Erkenne meinen Schoß als Prakriti, als schöpferische Natur, Gott.

15.53 Verehre den Schoß, Herr der Götter, und vollziehe die Schöpfung auf rechte Weise. Dann wird für dich nirgends Furcht entstehen, Urvater.

15.54 An diesem heiligen Sitz bin ich gegenwärtig, ohne Zweifel. Erkenne dort meine überaus schöne Gestalt als die den Ort bewohnende Macht.

15.55 Verehre diese Gestalt täglich als Kamakhya im Yoni-Mandala. Wer das Yoni-Mandala aufsucht und Kamakhya verehrt, …

15.56 … wird Herr aller Vollendungen und erfreut sich hier und jenseits. Nirgends entsteht ihm Furcht vor irgendjemandem.

15.57 Zu deinem und anderer Wesen Wohl wurde das Yoni-Mandala gegründet: auf der Erde, im Land Bharata, in der großen heiligen Stätte Kamarupa.

15.58 Von neun Yonis erfüllt, gewährt sie große Befreiung. Im schönen Kamarupa von der Gestalt der neun Yonis, Brahma, …

15.59 … leuchtet das Yoni-Mandala durch Kamakhyas Strahlkraft. Doch jetzt sehe ich deine Schuld [Variante: „sehe ich sie nicht“]. [Die abweichende Lesung bleibt als Widerspruch kenntlich.]

15.60 Aus deinem Hochmut ist dreifache Schuld entstanden: körperliche, sprachliche und geistige.

15.61 Wegen dieser Schuld siehst du meinen Yoni-Sitz nicht. [Dein Geist] ist Tag und Nacht an Gedankenströme jener Schuld gebunden.

15.62 Die sprachliche Schuld [wird] durch Govardhana [bearbeitet; das Verb lautet wörtlich „offenbar“]. Höre nun, wie diese drei zur Ruhe gebracht werden.

15.63 Lass einen Stern aus der Sternenwelt dort niederfallen, gelange zur Vorzüglichkeit, Gott, schaue den heiligen Sitz und übe Askese.

15.64 Übe strenge Askese, bis jene dämonische Strahlkraft mit der Strahlkraft der Yoni vereinigt ist. Dann werden die beiden [übrigen] Verfehlungen …

15.65 … zweifellos zur Ruhe kommen. Nimm dort rasch Wohnung. Kraft der dortigen Askese wird jenes [Heiligtum] von niemandem gesehen. [Der Bezug des letzten Satzes bleibt unsicher.]

15.66 So kann selbst einem Höhergestellten aus einer Verfehlung ein solches Geschick entstehen. Durch die Einsetzung des Sterns wird jener Ort in den verschiedenen Gemeinschaften und in allen Welten beständig gepriesen, mein Kind. [Einzelne Satzbezüge sind unsicher.]

15.67 Ishvara sprach: So sprach die höchste, im Himmelsraum gegenwärtige Göttin und schwieg. Brahma und Keshava verneigten sich vor der höchst heilvollen Kali …

15.68 … und vollzogen, im Geist von Staunen erfüllt, ihre Herrschaft. Damit habe ich das alte, besonders zu bewahrende geheime Geschehen erzählt, nach dem du gefragt hast, Bergestochter, Führerin des Kula.

Kolophon: Damit endet der fünfzehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Sechzehnter Paṭala

Die Göttin sprach: Ich habe die alte Begebenheit gehört, die allen verborgen ist. Jetzt möchte ich hören, wie die Gestalt Kalis entsteht. [Unnummerierter Eingangsvers; die Zählung setzt anschließend mit 2 ein.]

16.2 Ishvara sprach: Höre, Göttin, das höchste Geheimnis, das selbst Brahma und den anderen verborgen ist: die innerste Essenz, die Hingabe und Befreiung schenkt.

16.3 Einst stritten Brahma und Vishnu miteinander im Wassermeer. Jeder sagte: „Ich bin der Herr! Ich bin der Herr!“

16.4 Um sie zu beruhigen, große Herrin, erschien im Wassermeer mein unermessliches, großes Linga, das höchste und läuternde.

16.5 Göttlich, aus Erkenntnis und Nichterkenntnis bestehend, kaum anzuschauen und furchterregend war es. In seiner Mitte bewegte ich mich als Rudra, auf dem Stier reitend.

16.6 Als die beiden dieses Wunder sahen, zitterten ihre Körper vor Furcht. Sie priesen mich mit mannigfachen Hymnen und sprachen erneut zu mir.

16.7 Brahma und Vishnu sprachen: Sage, wer bist du, Schreckensgestalt, der du aus dem Wassermeer aufgestiegen bist?

16.8 Die Rudragestalt sprach: Als ich euch im Wassermeer miteinander streiten sah, erschien ich, um eure Herrschaft zu prüfen.

16.9 Als Brahma und Keshava dies hörten, verstummten sie. Madhava erkannte [mich] in verborgener Meditation und wurde zufrieden.

16.10 Brahma jedoch war beunruhigt. Obwohl er meditierte, erfasste er mich [nur begrenzt; die Lesung „manmānam“ ist unklar]. Der Lotusgeborene erkannte mich lediglich als Rudragestalt.

16.11 Von Zweifeln erfüllt, sprach der Schöpfer damals zu Vishnu.

16.12 Brahma sprach: O Vishnu, dieser wird wohl jener Rudra sein, der aus meinem Schädel entstand.

16.13 Ishvara sprach: So sprach der Schöpfer, machte mich lächerlich und schmähte mich vielfach, Göttin. Daraus entstand ein überaus schreckliches Hindernis.

16.14 Wegen jener Schmähung ließ ich für Brahma dieses Hindernis entstehen. Es nahm die Gestalt eines Asura an, [glänzend wie] die Sonne zur Mittagszeit. [Der Satz ist in der Vorlage sprachlich gestört; der Bezug der Sonnenbezeichnung bleibt unsicher.]

16.15 Aus dem Leib entstand jener Dämon namens Tripura, o Shiva. Er nahm Indra und allen anderen alles weg, große Herrin.

16.16 Dann raubte jener Daitya auch Vishnu gewaltsam alles, Herrin der Götter, ausgenommen Garuda und Lakshmi.

16.17 Derselbe Daitya raubte Brahma seinen Lotussitz. Darauf flohen die Götter, Brahma und Vishnu voran. Als sie den Himalaya erreicht hatten, sprach Vishnu zum Schöpfer.

16.18 Vishnu sprach: Schöpfer, du hast zuvor im Wassermeer Shiva geschmäht. Wegen eben dieses Vergehens werden wir alle bedrängt.

16.19 Deshalb will ich hier auf dem Berg erneut den höchsten Herrn preisen. Dann wird sich wieder Heil einstellen; dies erscheint meinem Herzen richtig.

16.20 Ishvara sprach: Die Götter, Brahma und Vishnu voran, nahmen im Himalaya Zuflucht und übten Askese. Da wurde ihnen meine Gnade zuteil.

16.21 Ich machte die Erde zum Wagen, Mond und Sonne zu seinen Rädern, Brahma zum Wagenlenker und die Veden zu seinen Zügeln.

16.22 Die Götter machte ich zu Teilen des Wagens und [zu] Pferden [die folgende Wiederholung „Wagen“ ist unklar], den Sumeru zum Bogen und Vasuki zur Sehne.

16.23 Die ganze Welt, alles Bewegliche und Unbewegliche, setzte ich auf den Wagen. Vishnu machte ich zum Pfeil und verbrannte Tripura zu Asche, mitsamt Beweglichem und Unbeweglichem, Göttern, Daityas und den übrigen Wesen.

16.24 Danach vollzog ich dort eine neue Schöpfung, große Herrin. An dem Ort, an dem diese bewegliche und unbewegliche Welt zu Asche geworden war,

16.25 erkenne den großen Leichenplatz, die Ursache der Auflösung aller Wesen. Dort sammelte sich die Strahlkraft aller gestorbenen Götter.

16.26 Auch die Strahlkraft der Welten nahm eine Ausdehnung von fünf Krosha an. Durch Maya wurde ein Leib Tripuras geschaffen; auf dessen Brust [setzt der folgende Vers ein].

16.27 Dort pries ich unter dem Anschein des Todes die höchste Herrin. In jener Strahlkraft [war] die höchste, als Bewusstsein wesende [Kraft] Mahakalis. [Die syntaktische Verbindung beider Halbverse ist unsicher.]

16.28 Darauf trat in jener Strahlkraft Kali, die höchste Kala, hervor. Das Ausgehen der Strahlkraft als große Leuchte wird Kali genannt. [Die Wendung „mahādīpaprayāṇa“ ist nicht eindeutig.]

16.29 In der Strahlkraft Mahakalis war nur ihr Gesicht sichtbar. Deshalb besingen die Weisen [den Ort] unter dem Namen Girimukha, „Berggesicht“.

16.30 Wenn man dies schaut, höchste Herrin, entsteht Glückseligkeit. Deshalb nennen die Kenner der Veden [den Ort] Anandakanana, „Wald der Glückseligkeit“.

16.31 Jene gesamte Strahlkraft wurde ganz zu Kali. Wie ein Wassertropfen, der in den Ozean gelangt, zum Ozean wird,

16.32 so wurde die Strahlkraft der Sonne und der anderen [Lichter] zur Strahlkraft Kalis. Wie verschiedenes Wasser, Göttin, wenn es in die Ganga fließt,

16.33 vollständig zur Ganga wird, so wurde alle Strahlkraft vollständig zu Kali, Herrin der Götter. Kein Unterschied bleibt, große Herrin.

16.34 Erkenne dies alles als Unsterblichkeitsnektar, Göttin, Schöne unter den Göttern. Tag und Nacht trage ich sie auf meinem Haupt. [Die Vorlage bietet als Variante eine sprachlich abweichende Wendung mit „tāmasīm“.]

16.35 Daher kommt gewiss mein Wesen als Shankara, als Heilbringer. Stets trage ich jene Kali, deren Ausdehnung fünf Krosha beträgt, auf meinem Haupt.

16.36 Tag und Nacht verehre ich sie, erfüllt von höchster Glückseligkeit. Daher bin ich immer Vishveshvara, der Herr des Alls; daran besteht kein Zweifel.

16.37 Wer der Herr Brahmas, Vishnus und der anderen ist, Herrin der Götter, der allein ist Vishveshvara, kein anderer, höchste Herrin.

16.38 Ganz von Glückseligkeit erfüllt, verehre ich stets das Höchste. Da offenbarte sich ihre Gnade als körperlose Stimme.

16.39 Die Göttin sprach [Variante: Kali sprach]: O Gott, höchste Glückseligkeit, du hast mir Freude bereitet. Deshalb schenke du stets denen Glückseligkeit, die in Kashi sterben.

16.40 Ishvara sprach: Als ich ihre Worte gehört hatte, versank ich im Ozean des Unsterblichkeitsnektars. Dem Sterbenden gebe ich das höchste Brahman ins Ohr [als befreiende Unterweisung].

16.41 Diejenigen, die immer in Varanasi verweilen und sich der Meditation widmen, Göttin, und diejenigen, die in Varanasi sterben, im Wasser, auf dem Land oder im Luftraum,

16.42 ihnen gebe ich das höchste Brahman ins Ohr.

16.43 Sie lassen alles Karma, gutes wie schlechtes, zurück und erlangen durch meine Unterweisung augenblicklich das Erlöschen im Brahman.

16.44 Alles gute oder schlechte Handeln wird durch Mahakalis Gnade und durch den Yoga der Erkenntnis zu Asche. [Eine Variante verdeutlicht: „Dies alles wird zu Asche“.]

16.45 Was immer mit Kashi verbunden wird, wird sogleich selbst Kashi. Allein durch die Berührung Kashis werden sie für immer von vollkommener Glückseligkeit erfüllt.

16.46 Kashi verbrennt durch die Berührung seiner Strahlkraft das Karma augenblicklich [der Ausdruck „śūlīkarma“ ist unklar], so wie Feuer in kurzer Zeit einen Haufen Baumwolle verbrennt, o Shiva.

16.47 So verbrennt es den Haufen menschlichen Karmas schon durch eine einzige Geburt in Kashi. Wie könnte ich dir die Fülle heiligen Verdienstes dieses Ortes beschreiben?

16.48 Gäbe es eine Frau, die dir gleicht, und einen Mann, der mir gleicht, dann könnten sie, Göttin, vielleicht ein wenig von der Frucht Kashis beschreiben.

16.49 Aus Eiern Geborene, aus Feuchtigkeit Entstandene, aus dem Boden Hervorwachsende und aus dem Mutterleib Geborene: Sie alle gelangen zur Befreiung, wenn sie durch glückliche Fügung in Kashi sterben.

16.50 Dieses segensreiche Varanasi besteht aus großer Strahlkraft, Göttin. Je nach Weltzeitalter erscheint es den Menschen in vierfacher Gestalt.

16.51 Im Krita-Zeitalter besteht Kashi aus Edelsteinen, im Treta gilt es als golden; im Dvapara hat es die Gestalt von Stein, im Kali besteht es aus Erde und bleibt segensreich.

16.52 In den drei Welten gibt es keinen höheren heiligen Bezirk als diesen. Wahrlich, wahrlich, große Göttin, ich sage es dir unter Eid.

16.53 Wer auf dem Weg des Samsara Befreiung begehrt, Göttin, soll gesammelt in Kashi verweilen, vom Verlangen nach Pashaneshvara bewegt. [Die Lesung und der genaue Bezug dieses Namens sind unsicher.]

16.54 Er ist der Gelehrte, der Wissende, der Läuterer seines Geschlechts: Der Verständige soll Kashi selbst beim Ende seines Lebens nicht verlassen.

16.55 Wer Kashi erreicht und es vergeblich wieder aufgibt, wird [hier] als äußerst töricht und als Verderber seines Geschlechts bezeichnet. [Die überlieferte Satzfügung ist unregelmäßig.]

16.56 Wenn ein Mensch durch verdienstvolle Handlungen vieler Geburten Kashi erreicht, soll er Kashi niemals verlassen, selbst beim Ende seines Lebens nicht.

16.57 Wer den Ozean des Samsara ohne Mühe überschreiten will, soll sich mit aller Anstrengung in meine Stadt Varanasi begeben.

16.58 Annapurna schenke Nahrung, Sarasvati schenke Erkenntnis; ich aber schenke am Ende des Lebens Befreiung, indem ich immer in Kashi verweile.

16.59 So habe ich dir, Göttin, erzählt, wonach du mich gefragt hast, Tochter des Berges: von der höchsten, läuternden Befreiung. Was möchtest du darüber hinaus hören?

Kolophon: Damit endet der sechzehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Siebzehnter Paṭala

17.1 Die Göttin sprach: Du bist der Guru aller Welten, uranfänglicher höchster Herr, Gebieter der über der Welt stehenden Kala. Erzähle von der Vernichtung Kolas.

17.2 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich will von der Vernichtung des Dämons Kola erzählen. Diese wunderbare Begebenheit gehört zur Geschichte Mahakalis.

17.3 Durch Brahmas Fluch entstand an Vishnu, dessen Strahlkraft unvergleichlich ist, eine Sündenschuld. Von ihr bedrängt, übte der Allwissende Askese.

17.4 Er begab sich in die Nähe des Himalaya, um diese Schuld zu tilgen, und wiederholte beständig die achtsilbige Mahavidya Mahakalis.

17.5 Nach zehntausend Jahren wurde die große Herrin zufriedengestellt. Allein durch ihre Zufriedenheit [trat] aus Vishnus Herzenslotus

17.6 plötzlich jene [Schuld] als ein Asura namens Kola hervor. Dieser mächtige, bösartige Daitya nahm alles an sich.

17.7 Der große Asura besiegte Indra und sämtliche Götter und raubte Vishnus Wohnstatt sowie Brahmas Lotussitz.

17.7ka Darauf begaben sich Vishnu und die anderen Götter zur ewigen Kali. Betrübt priesen sie sie im Yoga der Hingabe: „Beschütze uns, beschütze uns!“

17.8 Kali sprach: Höre jetzt, mein Kind Vishnu! Ich vernichte Kola samt seinen Angehörigen. Ich werde seine Stadt aufsuchen und dabei die Gestalt eines Mädchens annehmen.

17.9 Ishvara sprach: Als Brahma, Vishnu und die übrigen Götter Kalis Worte hörten, versanken sie im Ozean der Freude und tanzten wie Pfauen beim Erscheinen einer Wolke.

17.10 Darauf nahm Kali mit dem furchtbaren Antlitz die Gestalt eines brahmanischen Mädchens an. Sie ging nach Kolapura zu Kola und bat den Dämonenfürsten um Essen.

17.11 Kali sprach: Ich habe weder Mutter noch Vater und bin ohne Beistand. Ich bin hungrig, großer König; gib mir zu essen.

17.12 Ishvara sprach: Da nahm Kola, von Maya getäuscht, sie voller Mitleid an der Hand und führte sie selbst in die inneren Gemächer.

17.13 Er sagte: Ich werde dir die Speise geben, die du dir wünschst. Setze dich hierher, Mädchen, auf diesen mit Edelsteinen geschmückten Sitz.

17.14 Nach diesen Worten gab er ihr vielerlei Speisen in großer Menge. Sie aß alles auf, Göttin, und sagte wieder: „Gib mir mehr!“

17.15 Er gab ihr noch viel mehr, und auch dies aß sie auf. Als sie sagte: „Ich bin nicht satt“, erwiderte der Asura Kola:

17.16 „Iss, Mädchen, bis du satt bist!“ Als Kali in Mädchengestalt diese Worte hörte,

17.17 verschlang sie in einem Augenblick den Schatz, die Pferde, Elefanten, Wagen, das Heer samt den Angehörigen und den überaus mächtigen Asura Kola.

17.18 Wie Kalarudra zur entsprechenden Zeit die drei Zeitalter augenblicklich dahinrafft, so leerte Kali Kolapura in einem Augenblick, o Shiva.

17.19 Da ihre Feinde vernichtet waren, ließen die Götter, Brahma und Vishnu voran, unablässig Blumen regnen und tanzten voller Freude.

17.20 Götter, Gandharvas und Kinnaras sangen überaus liebliche Lieder. Vidyadharis, Götterfrauen und Kinnaris waren ringsum [versammelt; die überlieferte Form „avidyādharī“ ist unsicher].

17.21 Sie verehrten das Mädchen mit Blumen aus dem Nandana-Garten. In allen Welten wurde sie von Haus zu Haus verehrt. [Die Lesung „asarvalokaiḥ“ ist offenbar gestört.]

17.22 Darauf verschwand die Göttin in Mädchengestalt, deren Wesen Brahman ist. So habe ich dir heute die Vernichtung Kolas erzählt.

17.23 Ein brahmanischer Fluch ist unwiderstehlich; deshalb soll man ihn nicht [herausfordern; die Lesung ist unsicher]. Wisse stets, Geliebte: Die Rede der Brahmanen ist ein Donnerkeil. [Die Variante fordert die beständige Verehrung des Brahmanen.]

17.24 Deshalb soll ein Brahmane, ob ungelehrt oder gelehrt, stets [geehrt werden]. Werden die Brahmanen zufriedengestellt, Göttin, sind auch wir Götter stets zufrieden.

17.25 Ist ein Brahmane unzufrieden, Göttin, sind auch wir unzufrieden. Selbst wenn ein Brahmane hundert unerlaubte Taten begeht,

17.26 soll ihn derjenige, der sein eigenes Wohl wünscht, dennoch nicht verstoßen. Niemals soll man ihn beleidigen, Beste der Göttinnen. [Hier wird die historische Standeslehre des Textes wiedergegeben.]

17.27 Der Brahmane hat alle Götter zum Wesen und gleicht der Strahlkraft der Befreiung. Jene Kali aber ist ungeboren und trägt die Gestalt eines Mädchens.

17.28 Seitdem, Herrin der Götter, wird die Kumari von den Göttern verehrt. Brahma, Vishnu, Mahesha und die übrigen verehren sie immer.

17.29 Auch alle anderen im Bereich des Welteneis sollen sie verehren. Ich vermag die Frucht der Kumari-Verehrung nicht zu beschreiben, Schöne,

17.30 nicht mit Tausenden von Millionen Zungen und Hunderten von Millionen Aussprüchen. Deshalb soll man ein Mädchen verehren, aus welchem Geburtsstand auch immer es stammt.

17.31 Bei der Kumari-Verehrung darf man keine Unterschiede nach der Herkunft machen, o Shiva. Wer solche Unterschiede macht, große Herrin, kehrt aus der Hölle nicht zurück.

17.32 Ein Mantrapraktizierender, der [deswegen] Zweifel hegt, wird gewiss schuldig. Deshalb soll man sie mit großer Hingabe verehren und in ihr die Göttin erkennen.

17.33 Die Kumari ist die Verkörperung aller Vidyas; daran besteht kein Zweifel. Wird auch nur ein Mädchen verehrt, so ist damit alles verehrt. [Variante: die Götter sind verehrt.]

17.34 Werden viele verehrt, so ist dies die Verehrung der drei Welten. Wenn der Sadhaka durch glückliche Fügung ein Mädchen aus einer Kurtisanenfamilie findet, Göttin, Geliebte, soll er sogar unter Einsatz seines ganzen Besitzes

17.35 sie sorgfältig und freudig mit Gold, Silber und anderem verehren. Dann entsteht für ihn große Vollendung; daran besteht kein Zweifel.

17.36 Ihm wird große Vollendung zuteil; er ist selbst der erhabene Sadashiva. Ich werde dir sein Kennzeichen nennen, höre, Lieblichredende. [Variante: „Er wird ganz Sadashiva und löst sich in meinem Leib auf“; eine weitere Variante nennt ausdrücklich den Kumari-Verehrer.]

17.37 Sein Körper wird golden, große Herrin. Mit allen Vollkommenheiten ausgestattet, bewegt er sich spielerisch wie Bhairava.

17.38 Sein Zugang zu Himmel, Menschenwelt und Unterwelt steht fest. Was immer er im Geist trägt, tritt plötzlich ein.

17.39 Indem er eine Vervielfältigung seines Körpers erlangt, wird er überall gegenwärtig. Sein Befehl ist überall ungehindert, wie der Indras, o Shiva.

17.40 Frauen der Götter, Danavas, Gandharvas, Nagas und Kinnaras, Vidyadharis und Königinnen dienen ihm Tag und Nacht.

17.41 Am Ende erlangt er das höchste, vorzüglichste Nirvana. Schon während der Kumari-Verehrung gelangt der Sadhaka zum Shivasein.

17.42 Wo eine Kumari verehrt wird, dort liegt ein die Erde läuternder Ort. Der Umkreis von fünf Krosha wird überaus heilig.

17.43 Dort soll man die Kumari-Verehrung ausführen, höchste Herrin. Auf dem Boden Bharatas leuchtet unmittelbar ein großes Licht auf. [Variante: „Ihr Licht erstrahlt“.]

17.44 Ein König namens Vishvambhara, aus dem Chaitra-Geschlecht, verehrte eine Kumari aus einer Kurtisanenfamilie.

17.45 Sie hieß Kanchi, war von dunkler Hautfarbe und besaß alle [günstigen] Kennzeichen. Während der Verehrung, große Göttin, begann Kanchi strahlend zu leuchten.

17.46 Von der Fülle dieses Lichtes umhüllt, erlangte der König Befreiung. Kanchi erfüllte den Ort ganz mit lichtvollem Glanz und nimmt dort, ewig geworden, beständig Verehrung entgegen. [Eine Variante liest „im Traum“ anstelle von „an jenem Ort“.]

17.47 So entstand die Stadt namens Kanchi; dieser Ort bringt große Frucht. Man soll sie als befreiungsschenkende, segensreiche Stadt von fünf Krosha Ausdehnung erkennen.

17.48 Was dort an häuslichen Tätigkeiten und anderen Verrichtungen geschieht, das alles ist ihre Verehrung. Wunderbar ist dies, Tochter des Bergkönigs!

17.49 So ist Kanchipuri, Göttin, heilig wie das segensreiche Varanasi. In gleicher Weise wurde ein Mädchen vom hochherzigen Kampilla verehrt.

17.50 Einst ließ er sie in der Stadt Kampilleya hervortreten, Schönangesichtige. Noch heute wird sie von den Menschen gesehen, dort in steinerner Gestalt weilend.

17.51 [Diese Stadt ist] eine überaus heilige Wohnstätte, erfüllt von allen Pilgerstätten und allen Opfern, Göttin, und von großen Sehern umgeben.

17.52 Diejenigen, die in dieser von allen Wundern erfüllten Stadt Kampilla wohnen, große Göttin,

17.53 genießen hier vortreffliche, mich erfreuende Verbindungen [„yoga“ kann hier auch günstige Lebensumstände bezeichnen], versehen mit allem Glück. Am Ende gelangen sie durch die Gnade der Göttin,

17.54 nachdem sie Brahmas Welt überschritten haben, zur Wohnstätte der Göttin. Wenn ein besonderer Wunsch besteht, gelangen sie zum höchsten Vaikuntha

17.55 oder in meine Welt, große Herrin, zu meinem Edelsteinpalast. So habe ich dir heute ein wenig vom Wirken der Kumari erzählt, o Shiva, große Maya. Was soll ich dir noch erzählen?

Kolophon: Damit endet der siebzehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Achtzehnter Paṭala

18.1 Die Göttin sprach: Ich habe zuvor die von den Göttern begehrte Geschichte der Kumari gehört. Jetzt möchte ich die erhabene Geschichte Kaholas hören.

18.2 Verkünde sie mir aus höchstem Erbarmen, großer Gott: Sie dient dem Wohl aller Welten und erfüllt das Herzensanliegen der Yogis.

18.3 Ishvara sprach: Er hatte das Wesen der Veden, des Vedanta, der Vedangas und aller Lehrschriften erfasst, alle Opfer vollzogen und war durch alle Pilgerstätten geläutert, frei von allen [weltlichen] Anliegen. [Eine ausführlichere Lesart nennt ihn Herrn aller Yogis, frei von aller Schuld und vollendet in allen Vidyas und Mantras; sie nennt hier bereits Kahola und seine Wanderung.]

18.4 Dieser Herr der Seher, vollendet in sämtlichen Vidyas und Mantras, der Beste und Vorzüglichste unter den Rishis, wanderte über die Erde.

18.5 Er geriet in große Sorge, sein Geist war äußerst unruhig. Zuvor hatte er wie tausend Sonnen gestrahlt, o Shiva.

18.6 Nun wurde er unablässig von großer Sorge gequält. [Variante: Sein Körper magerte ab.] Da hörte der große Seher eine Stimme aus dem Himmel.

18.7 „Kahola, wende dich zuerst an Shankara, den Gott, der Heil schenkt. Er ist der Guru aller Wesen und wird alles für dich tun.“ [Die Richtungsangabe des ersten Halbverses ist in den Lesarten unsicher.]

18.8 Als Kahola diese Stimme aus dem Himmel hörte, wurde er von höchster Freude erfüllt. Er ging [zu mir] und erzählte das ganze Geschehen.

18.9 Darauf gab ich ihm die Kali-Vidya, die höchste Kraft, die einsilbige, heilvolle, aus Bewusstsein bestehende, die alle Erkenntnis hervorruft. [„Einsilbig“ folgt dem Zahlwort „Mond“; die Variante im Erkenntnis-Ausdruck ist unsicher.]

18.10 Auch die höchste, aus den erhabenen Agamas hervorgegangene Lebens- und Ritualordnung gab ich ihm. Ich sprach zu ihm: „Kahola, mein Sohn, höre dies!

18.11 Gehe mit dieser rituellen Disziplin nach Kashi; vergegenwärtige dir die raumbekleidete [Kali] und verehre sie, die alle Unwissenheit vernichtet. [Die Variante liest ausdrücklich „Kali“ statt „Kashi“.]

18.12 Dann werden deine Zweifel schwinden.“ So wurde Kahola, der vedengelehrte Rishi, von mir angewiesen, Herrin der Welt.

18.13 Er ging nach Kashi und verehrte Kali freudig mit der fünffachen Ritualordnung. Tag für Tag wichen seine Zweifel und Hindernisse.

18.14 Darauf wurde jenem weisen Rishi Kahola, der Verkörperung der Veden, die segensreiche Gnade Mahakalis zuteil. [Der eingeklammerte Zusatz der Vorlage wiederholt seine Beauftragung und Verehrung in Kashi; der Hinweis „in Buch kha zusätzlich“ stammt von der Edition.]

18.15 Durch diese Gnade, Göttin, erkannte der hervorragende Rishi Kahola das eigene Selbst als Gestalt Kalikas, als höchstes, ewiges Brahman …

18.16 … frei von Maya, als höchste nichtduale Wirklichkeit, Shive. So wurde der vorzügliche Rishi von aller Maya befreit.

18.17 Er schaute die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt als von Brahman erfüllt und erkannte den eigenen Körper und dergleichen nicht mehr als etwas [davon Getrenntes].

18.18 Durch eben diese Erkenntnis des Brahman wurden Körperbindung, Karma und dergleichen dieses großen Rishi zu Asche, höchste Herrin.

18.19 Durch Mahakalis Gnade wurde der Rishi Kahola zu Brahman. Er erstrahlte, an allen grenzüberschreitenden Verhaltensweisen Gefallen findend. [„atyācāra“ bezeichnet hier ein Überschreiten gewöhnlicher Verhaltensnormen.]

18.20 So wurde der Rishi Kahola von Mahakali ergriffen [wörtlich auch: „getroffen“; die Lesung ist unsicher]. Sie ließ diesen Rishi in ihrem eigenen ursächlichen Leib aufgehen.

18.21 Mit welcher inneren Haltung ein Sadhaka Kali verehrt, deren entsprechende Frucht erlangt er durch Mahakalis Gnade ohne lange Verzögerung.

18.22 Die Göttin sprach: Ich habe die alte, wunderbare Geschichte Kaholas gehört, die Götter, Asuras, große Weise und die in der Versenkung gefestigten Rishis [erstaunen lässt].

18.23 Jetzt möchte ich von Ganga hören, die die drei Welten läutert. Welche Vidya erlangte sie, um dazu zu werden? Sage es mir, Herr.

18.24 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich will dir erzählen, wonach du mich fragst. Durch das Hören werden alle Sünden vernichtet; gewiss ist es so.

18.25 Zuerst will ich den Mantra mit dem Namen „Läuterung der drei Welten“ verkünden, der großen Göttin Mahakali zugehörig und von Mahadeva ausgesprochen.

18.26 Man entnehme ihr eigenes Bija, darauf zwei Anredewörter und dann erneut ihr eigenes Bija. Dies ist die höchste Vidya, die Ruhm verleiht. [Die Formel ist verschlüsselt beschrieben und wird hier nicht rekonstruiert.]

18.27 Durch die Verehrung dieser Vidya wurde Ganga zur Läuterin der drei Welten. In meinem Haargeflecht weilend, wiederholt sie diese Vidya Tag und Nacht.

18.28 Dadurch ist Ganga läuternd und schenkt allen verkörperten Wesen Befreiung. Durch das Wesen [Variante: die Wirkkraft] des vollendeten Mantras ist sie von Kalis Strahlkraft ganz erfüllt.

18.29 So wurde sie läuternd und schenkt immer Befreiung, o Shiva. Deshalb wird diese Vidya an allen Pilgerstätten von allen verehrt.

18.30 Wie könnte ich die Größe Gangas beschreiben, Herrin der Götter? Schon durch das Gedenken ihres Namens erhalten selbst Schuldige Anteil an der Befreiung.

18.31 Wer „Ganga, Ganga!“ spricht, mag er auch der Schuldigste unter den Schuldigen sein, lässt seine Verfehlungen hinter sich und gelangt in Vishnus Stadt.

18.32 Welche Sünden ich dir auch genannt habe, große Herrin, ob keine Sühne für sie vorgesehen ist oder ob sie durch Sühne getilgt werden können,

18.33 sie alle vergehen durch die Besprengung mit Gangawasser. Welche Stadt die segensreiche Ganga auch immer durchströmt, Göttin,

18.34 sie wird durch die Größe des Mantras ganz zu Ganga, o Shiva. Das Land, in dem Ganga weilt [Variante: fließt], hat Anteil an heiligem Verdienst.

18.35 Ein Bereich von zwei Yojana wird als heiliger, reiner Bezirk bezeichnet. Was man dort tut, geschieht [gleichsam] in der Ganga; daran besteht kein Zweifel. [Ein als Zusatz der Handschrift „kha“ gekennzeichneter Einschub zählt schwere Verfehlungen auf.]

18.36 Was in der Ganga getan wird, Göttin, bringt unvergängliche Frucht, ob vollständig oder unvollständig ausgeführt, Geliebte Shambhus. [Diese Deutung folgt der Variante „sāṅga“; die Hauptlesung „saṅgama“ bedeutet Zusammenfluss oder Zusammenkunft.]

18.37 Alle Lebewesen, die dort wohnen, sind aus der Götterwelt hervorgegangen. Nachdem sie verschiedene Freuden genossen und immer Gutes getan haben,

18.38 gelangen sie ohne Mühe zu der überaus schwer erreichbaren Stätte. [Dies gilt dort,] wo Ganga fließt, du von Göttern und Sehern Gepriesene.

18.39 Wer aufgrund seines heiligen Verdienstes in der Ganga sein Leben lässt, erlangt durch Erkenntnis Befreiung, [anderenfalls] durch ihre Kraft Vaikuntha. [Die Variante „tadabhāvataḥ“ verdeutlicht: bei Fehlen jener Erkenntnis.]

18.40 [Die Aussage über] die Himmelswelten und die durch Ganga überwundene Sünde [ist sprachlich gestört], große Herrin. Wer sich zur Ganga aufmacht und unterwegs sein Leben verliert,

18.41 gelangt, selbst wenn er schuldig ist, in Vishnus überaus herrliche Welt. Wer an ihrem Ufer sein Leben lässt, auf rechtmäßige oder unrechtmäßige Weise,

18.42 auch der gelangt in den mit allen Gütern ausgestatteten Himmel. So viele Knochen eines Verstorbenen in die Ganga gegeben werden,

18.43 so viele tausend Jahre wird er in der Himmelswelt geehrt. Wer irgendwo im Kontakt mit Gangawasser stirbt,

18.44 wird von allen Sünden befreit und in Vishnus Welt geehrt. Am Gangaufer soll man innerhalb von vier Handlängen gesammelt eine Totenspeisekugel darbringen.

18.45 Nachdem der Mensch seinen Ahnen Erlösung verschafft hat, wohnt er in Vishnus Welt.

18.46 Wer als Verdienstvoller in der Ganga eine Wasserspende vollzieht, Göttin, bewirkt wahrlich große, hundert Jahre währende Sättigung der Ahnen.

18.47 Dasselbe wird von den Rishis und Gottheiten gesagt. Ob bei Tag, bei Nacht, in der Dämmerung oder um Mitternacht:

18.48 Bad, Gabe, Askese, Feueropfer, Wasserspende und Verehrung soll man in der Ganga vollziehen, o Shiva, ohne zwischen [günstigen und ungünstigen] Zeiten zu unterscheiden.

18.49 Wer wegen solcher Zeitunterscheidungen die Handlung unterlässt, o Shiva, wird darauf als unbewegliches Wesen im Wald geboren.

18.50 Die Flammen des Waldbrandes verbrennen ihn vielfach, sodass er stirbt. Danach, höchste Herrin, [wird er] ein stets leidender Chandala

18.51 für sieben Geburten; danach wird er für drei Geburten Wäscher, große Herrin, anschließend in Shudra-Mutterschößen

18.52 für zehn Geburten [geboren]. Dann erlangt er den Vaishya-Stand. Nach vier Geburten [darin folgt] für drei Geburten der Kshatriya-Stand.

18.53 Nachdem er dann den Brahmanenstand erlangt hat, erhält der Mensch einen verdienstvollen Weiterweg. Wer aber in der Ganga irgendetwas stiehlt, höchste Herrin,

18.54 für diesen von der Finsternis der Verblendung Überwältigten gibt es bis zur Auflösung der Elemente keinen Ausweg aus der Raurava-Hölle, Göttin. So wurde es dir gesagt, Herrin der Götter.

18.55 Wer am Ufer der Ganga [Variante: am Ufer und in der Ganga] Gaben annimmt, wird für zehn Geburten als „Hundekocher“ geboren, Geliebte. [Historische abwertende Bezeichnung eines ausgegrenzten Standes.]

18.56 Darauf wandert er wegen seiner Armut sieben Geburten lang über die Erde, große Göttin. Erst danach erlangt er Erlösung [von dieser Folge].

18.57 So habe ich dir die höchste Größe ihres Mantras erzählt, große Herrin: des Mantras Kalikas, der die Ursache für die Größe Gangas ist.

Kolophon: Damit endet der achtzehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Neunzehnter Paṭala

19.1 Die Göttin sprach: O Gott, höchste Glückseligkeit, Ozean des Erbarmens! Für diejenigen, die in das grenzenlose, furchtbare Meer des Samsara gefallen sind,

19.2 wer außer dir wäre im Weltenei ein Retter? Denn du giltst als Guru aller Wesen, auch Brahmas und der anderen.

19.3 Darum frage ich dich, Herr; antworte aus höchstem Erbarmen. Ich habe alles gehört, was deinem Lotusmund entströmte, Herr der Welt.

19.4 Jetzt möchte ich hören, worauf sich mein Geist richtet: Auf welche Vidya stützte sich Karalabhairava selbst,

19.5 um zu Krodhavaktra-Bhairava, dem „Zorngesichtigen“, zu werden, der allen Wesen Furcht einflößt? Vor ihm fliehen Götter, Asuras und die anderen voller Angst

19.6 und schützen hier und dort ihren jeweiligen Reichtum und ihr Dasein. Diese Vidya möchte ich hören. Verkünde sie, raumbekleideter Herr.

19.7 Ishvara sprach: Diese Mahavidya ist überaus geheim, geheimer als das Geheimste. Sie ist Brahmas, Vishnus, Shivas und der anderen ganzer Besitz, solange ihr Leben währt.

19.8 Man kann diese Vidya nicht [offen] aussprechen, höchste Herrin. Nur ihr Name wird genannt; wisse dies, Kulabhairavi.

19.9 Dort, höchste Herrin, [ist sie] Sundari, die Segenspenderin, Vidyarajni, Ghorakali und Aniruddhasarasvati.

19.10 Jener Bhairava empfing diese Mahavidya von Adinatha, aus dem Mund des Gurus [der hier mit Mahakala-Bhairava verbunden wird; die Satzfügung ist gestört].

19.11 Schon durch ihren Empfang, große Göttin, hielt Karalabhairava sich für geläutert und allen anderen überlegen.

19.12 Von allem Samsara befreit und von Brahma und den anderen Göttern verehrt, übte er zunächst auf dem Udaya-Berg überaus schwere Askese,

19.13 auf einem halben Fuß stehend, Göttin, für zweimal hunderttausend Jahre.

19.13 (zweite Belegung) Auf dem Himalaya [übte er] hunderttausend Jahre, ebenso auf dem Mandara; hunderttausend in Kanakashrama und zweihunderttausend in Uddiyana.

19.14 Fünfundzwanzigmal hunderttausend [Jahre] in Jalandhara, o Shiva, ebenso fünfundzwanzigmal hunderttausend auf dem Punya-Berg.

19.15 Fünfundzwanzigmal hunderttausend [Jahre übte er] im Yoni-Mandala Kamakhyas. So vollzog er zehn Millionen Jahre lang überaus schwere Askese. [Die genannte Gesamtsumme stimmt nicht ohne Weiteres mit den zuvor genannten Einzelzeiten überein.]

19.16 Unter großer Mühsal vollzog Karalabhairava dies, Göttin. Dennoch wurde Kali ihm niemals gnädig.

19.17 Darauf ging jener Bhairava zu seinem Guru und berichtete ihm vom Verlauf seiner Askese, o Shiva.

19.18 Als der erhabene Adinatha, Mahakala, der große Herr, mein Herr, dies hörte, höchste Herrin, versank er in Nachdenken:

19.19 „Ohne die höchste Ritualordnung [gibt es keine Vollendung; so die Variante]. Wie soll ich dir diese höchste Ritualordnung ausführlich erklären?

19.20 Sie ist mit Kalis Herzen verbunden, das Geheimnis selbst der verborgensten Geheimnisse und Brahma und den anderen unzugänglich.

19.21 Sie schenkt unmittelbar höchste Befreiung und den Segen aller Vollkommenheiten. Sie ist der Keim von Kalis unmittelbarer Erscheinung und mein ganzer Besitz.

19.22 [Der folgende Satz ist unsicher:] Alles ist nur von Shiva verkündet; er wird mir gleich. Jener große Yogi mit friedvollem Wesen hat sie sorgfältig verborgen.

19.23 Um dieser Ritualordnung willen wurde der eigene Stand Kalarudra übergeben. [Die anschließende Aussage über Shambhu, den eigenen Stand und Unbekümmertheit ist sprachlich nicht zuverlässig auflösbar.]

19.24 In tiefster Geheimhaltung soll man diese Ritualordnung vollziehen. Der Hochweise [besitzt] die verborgene Erkenntnis ihres wahren Wesens.

19.25 Sadashiva, der Freund des Alls, wurde zum Gebieter aller. Er erlangte Freiheit von Alter und Tod, höchst friedvoll, der höchste Herr.

19.26 Als ich sah, dass er immer dieser Ordnung zugetan und friedvoll war, übertrug ich ihm meinen eigenen Stand, die Würde des Gurus.

19.27 Ich selbst wohne stets freudig in seinem Leib. In allen [Wesen] wohne ich im höchsten, tausendblättrigen Lotus.

19.28 Ich verweile immer im vollen Shivasein. Shiva ist Shiva; ich bin Shiva. Nirgends besteht jemals ein Unterschied.

19.29 So ist Shiva der Guru Brahmas, Vishnus, Shivas und der anderen. Er ist der friedvolle große Yogi, der für diese Ritualordnung befähigt ist.

19.30 Kein anderer ist irgendwo von sich aus für sie befähigt. Ein Sadhaka wird allein durch Shivas Gnade dazu befähigt.

19.31 Auch die Göttin, die Tochter des Berges, ist dazu befähigt, sonst niemand. Dieser Karalabhairava aber vollbringt stets furchtbare Taten.

19.32 Wie könnte er jene höchste Ritualordnung geheim halten? Wie Kali für mich verehrungswürdig ist, so ist es auch diese Ordnung.

19.33 Die verehrungswürdige Vidyarajni kann ich wohl vermitteln; doch nicht diese höchste, zu Kalis Herzen gehörende Ritualordnung.“

19.34 So dachte mein Herr nach und befahl Karalabhairava: „Geh, mein Sohn, zum Dreiäugigen!

19.35 Die Göttin, die auf Shiva ruht, ist voller Erbarmen.“ Darauf begab sich Bhairava selbst zur Mutter Kalika.

19.36 Er ließ alle Askese zurück und dachte in seinem Innersten: „Was ich an Japa und Askese vollzogen habe, mag vergeblich sein, mag vergeblich sein!

19.37 Durch mein Geschick könnte selbst die Anweisung meines Gurus ohne Frucht bleiben. Deshalb will ich den Körper aufgeben; ich werde nicht mehr sprechen.“

19.38 Nachdem er diesen Entschluss gefasst hatte und sich anschickte, den Körper aufzugeben, ertönte eine Stimme aus dem Himmel.

19.39 Der hochherzige Karalabhairava hörte sie. Ich teile dir ihre Weisung mit, Herrin; höre und bewahre sie. [Der letzte Ausdruck ist in der Hauptlesung verderbt; die Variante bietet „avadhāraya“, „halte fest“.]

19.40 „Soll die Anweisung deines Gurus für dich vergeblich sein, bester Bhairava? [Die Vorlage formuliert wörtlich „mag vergeblich sein“; als Frage ergibt sich der Anschluss an die folgenden Worte.]

19.41 Du hast stets ohne die Ritualordnung Askese geübt, nach deinem eigenen Verständnis. Wie sollte ich dir große Vollendung oder meine Erscheinung schenken?

19.42 Gehe wieder zu Mahakala-Bhairava, dem Vernichter des Werdens, zu Adinatha, deinem Guru, und berichte ihm dieses Geschehen.

19.43 Dann wird er dir gewiss die große Ritualordnung vermitteln.

19.44 Durch diese Ordnung widme dich meiner Verehrung, Gott, du treu Gelobender. Bald werde ich dir alles geben, was du im Sinn trägst.

19.45 Wer die großen Mantras Kalis und Taras, die segensreiche Vidya, ohne Kulachara wiederholt, wird zum Bewohner der Hölle.

19.46 Wie könnte er Vollendung erlangen? Befreiung liegt noch weiter fern.“ Als jener beste Bhairava Mahakalis Anweisung gehört hatte,

19.47 ging er wieder zum erhabenen Herrn Adinatha, dem großen Gebieter Mahakala, dem großen Gott, dessen Gestalt die Leere ist, dem Guru der Welt.

19.48 Er berichtete ihm jedes gesprochene Wort. „Jetzt ist Karalabhairava die Gnade der Mutter Mahakali zuteil geworden“,

19.49 dachte [der Guru]. Er wurde vom Guru in Gestalt der Leere getadelt [die Variante liest dagegen „erfreut“]. Darauf sprach Karalabhairava unter Beachtung der vorgeschriebenen Regeln [der Sprecherbezug ist unsicher].

19.50 [Es ging um] den höchsten, verborgenen Kulachara, wie er im Kali-Tantra gelehrt wird. Mahakala, der Herr der Welt, vollzog an ihm die Weihe.

19.51 Nach dem Verfahren der Shakta-Weihe und der vollständigen Weihe gab er Karala den weithin bekannten Namen Krodhavaktra.

19.52 Nachdem er ihn die göttliche Haltung und danach die Heldenhaltung gelehrt hatte, [reichte er ihm] Wein, Fisch, Mudra [rituelle Speise] und ein mit Karana [ritueller berauschender Flüssigkeit] gefülltes Gefäß.

19.53 Mahakala, der Guru in Gestalt der Leere, gab es ihm selbst. Da erstrahlte diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt.

19.54 Krodhavaktra verneigte sich vor Mahakalis Lotusfüßen und gedachte der Sandalen des erhabenen Gurus. [Die Nennung Mahakalas beziehungsweise Mahakalis ist in den Lesarten unterschiedlich gefügt.]

19.55 Auf Weisung des Gurus nahm er mit entsprechender innerer Haltung das höchste Karana zu sich. Frei von Schuld, mit festem Geist und erfüllt von höchster Glückseligkeit,

19.56 versank der Herr des Zorns im Ozean der Freude, Göttin. Bei der Shakti [Variante: zu ihren Füßen; die Hauptlesung lautet „im Zorn der Shakti“] verneigte er sich erneut vor den Füßen des Gurus

19.57 und pries ihn mit höchster Hingabe, während er im Ozean des Samsara stand.

19.58 Krodhavaktra-Bhairava sprach: Ich verneige mich, Herrin, vor dem Guru, dem göttlichen Wunschbaum, der großen Verkörperung von Bewusstsein und Glückseligkeit, ewig Erkenntnis und Freude, dem höchsten Brahman über allem Höchsten, dessen Wesen Shiva ist.

19.59 [Ich verehre] die Wohnstätte der Welt, ihre ursprüngliche Wurzel, den unerkannten Einen, der höchstes Selbst genannt wird, lichtvoll, von ungeteiltem Wesen, frei von Tätigkeit, das höchste Makellose.

19.60 Frei von der Vielheit, ganz und vollkommen, ohne Anfang und Ende, jenseits der Urnatur, Gestalt des Gestaltlosen, offenkundige Wahrheit, Verkörperung des Erbarmens, dessen Gestalt die Leere ist.

19.61 Immer verneige ich mich vor dem Guru, dem Keim der Vernichtung des anfanglosen Samsara, dem höchsten, reinen, unzugänglichen, dem Herzen Shivas [oder: Shivas, der Göttin], dem bloßen Namensmantra, dessen Wesen Leuchten ist. [Die Verknüpfung der letzten Bezeichnungen ist in den Lesarten unsicher.]

19.62 Kleiner als das Kleinste, größer als das Größte: Wer dich so sieht, erhabener Urgott, dessen aus Erkenntnis entstandenes Auge sieht wahr. Er ist wahrlich in dich eingegangen, Herr.

19.63 Ich verehre den ursprünglichen, uralten Purusha, der über den gehaltlosen [Variante: grenzenlosen] Ozean des Samsara hinüberführt. Eben ihn als Kali, als Keim der höchsten Wirklichkeit, verehre ich; vor seinen Lotusfüßen verneige ich mich.

19.64 Welcher Sadhaka dich mit dieser Hymne morgens, mittags und abends hingebungsvoll preist, dem schenke Befreiung!

19.65 Mahakala-Bhairava sprach: Durch diese deine Hymne bin ich immer erfreut, mein Sohn. Gehe schnell zum Yoni-Pitha und suche den Gipfel der Göttin auf.

19.66 Verehre Kali, der Haltung des Kulachara und einer Kurtisane zugewandt. Bald wird dir die ersehnte Vollendung zuteil; daran besteht kein Zweifel.

19.67 „Wann sehe ich den heldenhaften Sadhaka inmitten von Kurtisanen?“ So spricht Kali. Deshalb sei einer Kurtisane zugewandt.

19.68 Bei der vorgeschriebenen Mantrapraxis besteht niemals ein Fehler. Gib daher Verwirrung auf und nimm Zuflucht zur Kula-Ordnung.

19.69 Man soll darin nicht irrewerden, denn daraus entsteht der Verlust der Vollendung. Wird der Geist ganz rein, entsteht die höchste Vollendung. [Der Ausdruck „aparārdhagā“ ist mehrdeutig.]

19.70 Ishvara sprach: Darauf verehrte er Mahakali und den Guru freudig auf mannigfache Weise, erreichte das Yoni-Pitha und begab sich auf den Gipfel der Göttin.

19.71 Urvashi, Menaka, Rambha, Panchachuda und Tilottama: Diesen fünf als Kurtisanen bezeichneten [himmlischen Frauen] zugetan, widmete er sich ganz dem Kulachara.

19.72 Der Herr des Zorns wiederholte die durch die innere Haltung reine Mahavidya, die Vidyarajni Ghorakali, Aniruddhasarasvati.

19.73 Schon nach hundertacht [Wiederholungen] erschien ihm Kali mit dem furchtbaren Antlitz unmittelbar, die ewige Lichtgestalt.

19.74 Ihre Strahlkraft umhüllte das gesamte Weltenei. Als Bhairava dieses übergroße Licht sah, wurde er von Furcht überwältigt.

19.75 Hilflos und bewusstlos fiel er vom Berg zur Erde. Da tröstete ihn Kali, die Mutter der Welt, die Fülle des Ozeans des Erbarmens, und sprach mit nektargleicher Stimme zu Krodha.

19.76 [Die Vorlage setzt hier „Kali sprach“, obwohl der Vers erzählend fortfährt.] Darauf erhob sich Bhairava mit gesträubten Körperhaaren und pries die Göttin auf vielfältige Weise mit höchster Hingabe. Immer wieder verneigte er sich und sprach zu Kali.

19.77 Krodhavaktra sprach: Höchstes Brahman, höchste Wohnstatt, ewiges höchstes Selbst! Du, deren Wesen Geist ist, gewähre mir immer, was mein Herz begehrt.

19.78 Kali sprach: Bester Bhairava, sei für immer der Bezwinger Brahmas, Vishnus und der anderen, [auch] der außerhalb des Welteneis Wohnenden.

19.79 Wer immer mich nach dem Kulachara verehrt, mein Sohn, wird zu meinem Kind. Wahrlich, wahrlich, daran besteht kein Zweifel.

19.80 Empfange das Antlitz, das ich dir gebe; mögest du dem Weltenei Furcht einflößen! Dein Antlitz sei die Gestalt der Zeit, das höchste, alles bezwingende.

19.81 Ishvara sprach: Nachdem Shiva [die Göttin] Bhairava das Antlitz gegeben hatte, ging sie augenblicklich in Ruhe ein. Auch Mahakala-Bhairava wurde zum Träger des Donnerkeils.

19.82 In Krodhavaktra entstand die Gestalt Karalabhairavas. Durch Mahakalis Gnade trägt der Donnerkeilträger den Namen Ishvara.

19.83 Dies habe ich im ersten Teil des erhabenen Yogini Tantra verkündet. Es ist stets geheim zu halten, Segensreiche, so wie die Yoni vor einem fremden Mann.

Kolophon: Damit endet der neunzehnte Paṭala im Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, im Gespräch zwischen Göttin und Ishvara, in der als vierundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung.

Damit ist der erste Teil des erhabenen Yogini Tantra abgeschlossen.

Zweiter Teil: Uttarakhaṇḍa

Erster Paṭala

Eingangsverehrung: Om, Verehrung der Kamakhya!

1.1 Möge sie, deren Wesen Ursprung, Grundlage und differenzierte Erscheinung der drei Welten ist, die aus ihrem eigenen Sein hervortritt, die hier durch Vidya auch als offenbarte Maya erscheint, das höchste Licht, die Welten immer beschützen. [Die zusammengesetzte Anfangsbezeichnung ist syntaktisch unsicher.]

1.2 Die Göttin sprach: Ich habe von den heiligen Sitzen wie Uddiyana gehört, mir lebenslieber Gefährte. Nun möchte ich die Bestimmung Kamarupas hören.

1.3 Du hast mir, Herr, vom Kamakhya genannten heiligen Sitz gesprochen, der furchtbare Verfehlungen vernichtet und im Kali-Zeitalter offenbar wird.

1.4 Was ist dieses höchste Heilmittel gegen die mannigfachen Bisse der Schlange des Kali-[Zeitalters; Variante: der Zeit]? Erkläre es mir, allmächtiger Gott.

1.5 Der Erhabene sprach: Uddiyana erschien im Krita-Zeitalter, Herrin der Götter; Purnashaila entstand zu Beginn des Treta-Zeitalters.

1.6 Jalashaila [erschien] im Dvapara-Zeitalter und Kamakhya im Kali-Zeitalter, um dessen furchtbare Verfehlungen zu vernichten, große Herrin.

1.7 In jedem Land [„varṣa“ kann auch Jahr bedeuten] bestehen deine Pithas und Nebenpithas, von Zeitalter zu Zeitalter, jeweils drei große heilige Bezirke und jeweils drei heilige Wälder.

1.8 An jedem heiligen Sitz ist Mahadeva, an jedem der Vierarmige [Vishnu], an jedem ist Ganga gegenwärtig und an jedem Parvati.

1.9 Jeder heilige Sitz, jedes Feld und jeder heilige Wald [gehört in diesen Zusammenhang]. Im Kali-Zeitalter entsteht die Vorstellung von einer Pilgerstätte [besonders dann], wenn sie weit vom eigenen Haus entfernt ist.

1.10 Doch die heiligen Stätten sind im Heiligtum vollendeter innerer Vergegenwärtigung [gegenwärtig]. An jedem heiligen Sitz bestehen eine eigene heilige Ordnung und eine eigene Lebensweise. [Die Variante formuliert den ersten Satz als die Erfüllung, die durch Vergegenwärtigung erstrebt wird.]

1.11 Die örtliche Kula-Lebensweise soll nicht mit Begründungen beseitigt werden. Verschieden sind die Verehrung und die Mantras; [als weiterer Ort wird] der Tara-Sitz auf Erden genannt.

1.12 Im Süden [liegt] Bhadrapitha, [im Verhältnis] zum mittleren Land, Parvati; im Westen Jalandhara und im Osten Purnapitha. [Die geographische Satzfügung ist nicht eindeutig.]

1.13 Im nordöstlichen und östlichen Bereich erkenne Kamarupa; Jalandhara im Nordwesten und Kolapura im Norden.

1.14 Im Nordosten Vihara, etwas nördlich Mahendra, im Osten auch Shrihatta. Höre nun von den Nebenpithas.

1.15 O Herrin der Götter, die Breite Odrapithas beträgt bei einer Bootsfahrt achtundsechzig Yojana; seine Länge ist um ein Vielfaches größer. [Eine genaue Verhältniszahl steht nicht da.]

1.16 Das Pitha ist wagenförmig, viereckig, mit einem Sitz versehen, besitzt vier Tore und ist durch das Zeichen des Windes gekennzeichnet.

1.17 Das Sindhubhadraka-Pitha umfasst zwanzig Millionen Pilgerstätten. Dort ist das Someshvara-Linga und ebenso das höchste Adipitha.

1.18 Dort befinden sich Kamadhenu und Hara als Chakreshvara; [ferner] der heilige Bezirk Viraja und danach Ekamra.

1.19 [Es folgen] der große heilige Bezirk Bhaskaras, wo Matanga-Shankara [Variante: Bhaskara] ist, das überaus heilige Kushasthali und der Dandaka-Wald.

1.20 Ebenso der Sumanta-Wald; im Osten der Shiva-Opferpfosten, im Westen der Dhenuka-Wald und im Norden Gayashiras.

1.21 Im Süden [liegt] Chandrabhaga. Odrapitha, Schönangesichtige, ist dreißig Yojana breit und hundert Yojana lang. [Diese Maße weichen von Vers 15 ab.]

1.22 Dort ist die Göttin Kameshvari, deren Gestalt die Yoni-Mudra ist. [Es gibt] das Pitha namens Bhugola, wo Golakeshvara weilt,

1.23 und das große Dharmapitha, wo Hara als Kameshvara ist; ferner den großen heiligen Bezirk Avimukta und Hamsaprapatana,

1.24 dort auch Brahmas Opferpfosten, wo der weiße Banyanbaum steht, und Kurukshetra, wo der Fluss Mayasvana fließt,

1.25 den heiligen Ayodhya-Wald, den höchsten Dharma-Wald und den großen Wald namens Kacha; dort ist Patala-Shankara.

1.26 Im Osten [fließt] die Gandaki, im Westen [steht] Vishnus Opferpfosten, im Süden das Vrishabha-Linga und im Norden der Bananenwald.

1.27 Das dazwischenliegende Pitha ist bogenförmig, Liebreizende. Man soll [dort] einen roten Lotus, einem Gesicht gleich, vergegenwärtigen.

1.28 [Genannt werden] eine Länge von elfhundert und neun Yojana und eine Breite von achtundachtzig: das vortreffliche dreieckige Pitha. [Die Verbindung der Zahlen ist unsicher.]

1.29 Dort befinden sich Pravara-Pitha und Ashoka-Pitha, der große heilige Bezirk Sitas sowie Agastyas Einsiedelei

1.30 und Haras höchster heiliger Bezirk. Dies sind die drei heiligen Bezirke, Geliebte. [Es folgen] Madhavas Waldbezirk und Haras Wald

1.31 sowie Bhargas Wald: Dies sind die drei Wälder. Im Norden [reicht der Bereich] bis zum Brahma-Bezirk, im Süden bis zum Meer,

1.32 im Osten bis zum Udayakuta und im Westen bis zum Shriparvata, Geliebte. Das dazwischenliegende Pitha trägt den Namen Punya.

1.33 Von einem Fuß zum anderen beträgt der Abstand zwei mittlere Handlängen. [Eine] Wanderung an Shivaratri [wird mit] einem Sonnenmonat [verbunden]. [Die Maß- und Zeitangaben dieses Verses lassen sich nicht zuverlässig zu einer Aussage verbinden.]

1.34 Erkenne Kamarupa als sechsseitig und mit einem Mango[bereich] im Inneren. Erkenne es als heilig und [jenem] gleichwertig, mit neun Anordnungen und drei Kreisen. [Die Lesung „ṣaṭkoṇāmrapragarbhakam“ ist unsicher.]

1.35 Mit zehn Bergen versehen, wird es die Mitte des Opferplatzes genannt: das mittlere Pitha, das große Pitha, wo Kameshvara weilt.

1.36 In diesem Pitha, Herrin der Götter, liegt der Fluss Champavati, [ferner] der große heilige Bezirk Kanyashrama, wo Rudras beide Fußspuren sind,

1.37 der höchste heilige Bezirk Ekamraka, wo Shankara mit dem Schlangenzeichen [Variante: namens Naga] weilt, und der Manasa-Bezirk, wo Hara als Vishveshvara ist,

1.38 der Nataka-Wald und der Champaka-Wald sowie im Süden Picchila, [die Stätte] Gautamas, die große Frucht gewährt.

1.39 Im Osten [reicht er] bis zum Svarna-Fluss, im Westen bis zur Karatoya, im Süden bis zum Manda-Berg und im Norden bis zum Vihaga-Berg.

1.40 In der Breite [werden] ein halber Monat und fünf Yojana [genannt], ferner dreißigtausend, drei Ströme, fünf Ursprünge und zehn. [Der Vers überliefert keine sicher verständliche Zuordnung dieser Maße und Zahlen.]

1.41 Achtseitig ist Mausara, wo Dikkaravasini weilt. Dort wohnt jene Göttin; durch Erkenntnis und Meditation [auch] Bhava. [Der Satzanschluss bleibt unsicher.]

1.42 Auch sie erlangen nur durch die Gnade der Göttin Bestand. Nun wird das ursprüngliche menschliche Pitha Saumara genannt. [Die Variante verändert die Einleitung dieses Satzes.]

1.43 Dort wohnt Dikkaravasini, unerkennbar und doch unmittelbar gegenwärtig. Nordwestlich von Dikkara liegt das schwer zugängliche Nilapitha,

1.44 wo die Göttin Kameshvari als Yoni-Mudra weilt; [ferner] der große heilige Bezirk Parijata, wo Shankara als Aditya ist,

1.45 der heilige Stadtbezirk Kausheya und Amarakantaka, der Ashvina-Wald und Gautamas heiliger Wald

1.46 sowie Shivinathas Wald. Höre die Grenzen des Pithas, Geliebte: Im Osten [liegt] der Saurashila-Wald, im Westen der segensreiche Svarna-Fluss,

1.47 im Süden Brahmas Opferpfosten, im Norden der Manasa-See. Das dazwischenliegende Pitha schenkt Lebensgenuss und Befreiung.

1.48 Das große Pitha namens Saumara ist sechsseitig, dreifach segensreich [Variante: mit drei Kreisen], tausend Yojana im Durchmesser; [es folgt die unklare Wendung] „hayatāmra und das fünfte“.

1.49 In der Breite ohne [diesen] Durchmesser wird Kolapitha genannt; [danach] das große Pitha Saumara und das Shivatattva-Pitha. [Die Verknüpfung der Bezeichnungen ist unklar.]

1.50 [Es gibt] das Vakrashaiveshvara-Linga, wo der Kamala-Stein liegt; zuerst den Kedara-Bezirk, wo Kedara-Shankara ist,

1.51 den Pindakara-Bezirk, wo Aruna weilt, den Durga-Wald, den Soma-Wald und den Bhadra-Wald.

1.52 Achtzig Yojana [umfasst] der Bezirk und sechsunddreißig Yojana [in der anderen Ausdehnung]: der große heilige Bezirk Chauhara, den man erreicht, ohne noch zu trauern.

1.53 [Es folgen] Brahma-Bezirk, Kala-Bezirk und Raghu-Bezirk, Nandana, Parijata und der höchste Shiva-Wald.

1.54 Danach wird der Desha-Wald genannt. [Höre] die Grenze der sieben Pithas, Geliebte: Im Osten gilt der überaus heilige Fluss namens Hirika [als Grenze],

1.55 im Westen das Nathaka-Linga, im Norden der Kili-Berg, im Süden der Natha-Baum; so wird das Pitha beschrieben.

1.56 Mit einem Ochsenwagen [benötigt man] drei Monate und drei Tage, in der Breite einen Monat weniger. Tripitha ist sein Name.

1.57 Varahi ist das erste Pitha, Kolapitha das zweite; Kumara ist der erste heilige Bezirk, Nandanadvaya der zweite,

1.58 Shashvati der dritte. Matanga ist der erste Wald, Siddha-Wald der zweite, Vipula-Wald der dritte.

1.59 Millionen und Abermillionen Lingas sind von Millionen und Abermillionen Scharen umgeben. Im Osten ist Panchatirtha, im Westen der Fluss Dhanada,

1.60 im Süden der [Fluss] namens Patra, im Norden der Kuruka-Wald. Das dazwischenliegende Pitha, Göttin, trägt den Namen Shripitha.

Kolophon: Damit endet der erste Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem höchsten unter allen Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im ersten Abschnitt über das Pitha Kamarupa.

Zweiter Paṭala

2.1 Der Erhabene sprach: Nachdem man zu Hause die täglichen Pflichten erfüllt und auch die Nandimukha-Ahnen vorschriftsmäßig mit Hingabe verehrt hat, soll man die Pilgerreise beginnen.

2.2 Wenn Venus nördlich steht und ein günstiger Planet wohlgesinnt ist, soll man die Erlaubnis des Gurus und der Eltern, besonders aber der Brahmanen einholen.

2.3 Nachdem man sieben Zweimalgeborene gespeist hat, soll man aufbrechen. Bei Löwe, Schütze und Widder soll man das östliche Pitha nicht aufsuchen.

2.4 Bei [Waage, Wassermann und Zwillinge; nach der verständlicheren Variante] soll der Verständige nicht westwärts ziehen; bei Stier, Jungfrau und Steinbock nicht zum südlichen Heiligtum.

2.5 Bei Krebs, Skorpion und Fische soll der Einsichtige nicht nordwärts ziehen.

2.6 Bei Schütze, Stier und Jungfrau soll er nicht nach Südosten ziehen; bei Steinbock, Krebs und Fische den Südwesten meiden.

2.7 Bei Wassermann, Widder und Schütze soll er den Nordwesten meiden; bei Löwe, Fische und Krebs nicht an [eine Reise nach] Nordosten denken.

2.8 Dies ist die grobe Übersicht. Höre [nun die Regel] der Yogini, Shankari: Am Samstag soll man nicht ins östliche Land ziehen, meine Geliebte.

2.9 Am Sonntag [nicht] nach Westen, am Mittwoch [nicht] nach Süden, am Dienstag und auch am Mittwoch [nicht] nach Norden. [Die ausdrückliche Verneinung wird aus dem vorigen Vers übernommen; die letzte Verbform lautet für sich genommen „aufsuchen“.]

2.10 Am Donnerstag [meide man] den Südwesten, am Freitag den Nordwesten, am Samstag den Nordosten und am Montag besonders den Südosten.

2.11 Am ersten und neunten Mondtag soll der Reisende nicht nach Osten aufbrechen, große Herrin, weil ihm die Yogini dort gegenübersteht.

2.12 Am vierzehnten und sechsten [Mondtag] soll er den Westen meiden, am dreizehnten und fünften nicht südwärts ziehen.

2.13 Am zweiten und zehnten soll er die Richtung der Rakshasas [Südwesten] meiden, an Vollmond und am siebten unbedingt den Nordwesten.

2.14 An Neumond und am achten soll er nicht nach Nordosten ziehen. Am ersten Mondtag sind [die astrologischen Yogas] Vishkumbha, Priti und Ayushman zu meiden.

2.15 Am zweiten [sind] Saubhagya, Shobhana und Atiganda [zu meiden]; am dritten, wisse dies, Sukarman und Dhriti.

2.16 Am vierten soll man Ganda, Vriddhi, Dhruva und Vyaghata meiden, Göttin; am fünften ebenso Harshana.

2.17 Am sechsten, Shankari, [meide man] Vajra, Siddhi und Vyatipata; am siebten Variyan und Parigha.

2.18 Am achten Mondtag soll man Shiva, Siddhi und Sadhya meiden, am neunten Shubha und Shukra, am zehnten Brahma. [Die Vorlage nennt „Siddhi“ hier erneut.]

2.19 Am elften soll man Indra und am zwölften Vaidhriti meiden. Am dreizehnten [meide man] die drei Uttara-[Mondhäuser], am vierzehnten Vishakha.

2.20 An Vollmond soll man Magha, Ardra und Bharani meiden, am ersten Mondtag Krittika und am zweiten Jyeshtha.

2.21 Niemals [soll man unter solchen] Mondhäusern zur Reise aufbrechen. Bei der Reise soll auch die Beurteilung des Karana keinen ungünstigen Befund ergeben. [Die Syntax ist unregelmäßig.]

2.22 Den Geburtsmonat, Geburtstag und das Geburtsmondhaus sowie den achten und neunten [Mondtag] soll man bei allen Gelegenheiten meiden.

2.23 Bei einer Reise in einer Notlage [ist] die Morgendämmerung für den Westen [geeignet], die Zeit des Kuhstaubs [Abenddämmerung] für den Osten, wisse dies,

2.24 der Mittag für den Süden, der Nachmittag für den Norden, die Nacht für den Nordosten und die beiden Dämmerungen für den Südwesten,

2.25 der Mittag für den Südosten und der frühe Morgen für den Nordwesten. Unter Varuna und den anderen Yogas soll man zur jeweiligen Zeit handeln.

2.26 Ausgenommen sind der Geburtstag sowie der achte und neunte Mondtag. Für eine Reise nach Osten soll man mit dem Gesicht nach Norden aufbrechen,

2.27 für den Westen nach Osten gewandt, für den Süden nach Westen, für den Norden nach Süden, damit sie gut gelingt. Blumen, rote Farbe, Muschelhorn, Trommel, Instrumentalmusik und ein König,

2.28 hundert Kühe, ein Wagen oder Fahrzeug auf der rechten Seite gelten als glückverheißend. Gekochte Speise, ein Fleischstück, Reis im Gefäß und ein Guru,

2.29 ein Fischstück und andere Speisen sind rechts glückverheißend. Ein Mädchen, ein Paar, eine Kurtisane, volle Krüge sowie Frauen,

2.30 umherziehende Tiere und Vögel bringen links Glück. Quark und Früchte voraus kündigen eine glückliche Reise an.

2.31 Wenn Kraniche und Pfauen paarweise [in derselben Richtung wie] der Reisende ziehen, soll man Erfolg erwarten, andernfalls Hindernisse.

2.32 Wenn Geier, Falken und Milane seitwärts vorbeiziehen, soll der Reisende nicht aufbrechen; [ebenso] wenn eine Krähe im Wald [sitzt; die genaue Vorzeichenregel bleibt unvollständig].

2.33 Wenn man [etwas] Herabgefallenes, harte Rede, den Ruf einer Hauseidechse, Weinen oder Streit hört, soll man niemals aufbrechen. [„cyutaṃ“ ist im Zusammenhang unklar.]

2.34 Wenn Jupiter [bei] der Sonne steht, Jupiter im Löwen oder Venus untergegangen ist, soll man keine Gottheit aufsuchen, keine Reise und keine Bildweihe durchführen. [Die erste astrologische Bedingung ist verkürzt überliefert.]

2.35 [Ebenso soll man] kein Gelübde beginnen, keine Hochzeit feiern, kein Haus oder Heiligtum [errichten], keinen Stufenbrunnen, Brunnen oder Teich und kein Yantra beginnen,

2.36 keinen Opferbaum pflanzen, keinen Garten anlegen, kein Göttergelübde, keine Stierfreilassung und kein Opfer beginnen.

2.37 Ohrdurchstechen und Initiation [Variante: Haarzeremonie] sowie das Heimführen einer Frau soll man unterlassen. Auch den erstmaligen Besuch einer Gottheit soll man niemals [dann] durchführen.

2.38 Bei zuvor begonnenen Gelübden, einer Reise nach Ablauf eines Jahres, dem Vyala-Gelübde und regelmäßigen [Besuchen] gilt keine solche Zeitbeschränkung; ebenso beim Rohini-Gelübde.

2.39 Auch beim Shivaratri-Gelübde, bei der Kopfrasur in Prayaga, bei einem Landesbrand und [bestimmten] Planetenkonstellationen darf man die Handlung beginnen. [„grahāṇāṃ viśubham“ ist nicht sicher verständlich.]

2.40 In Ujjayini [ist] die günstige Stellung der Sonne [maßgeblich], im mittleren Land die des Mondes, in Nepal die des Mars, in Avanti die des Merkur. [Eine eingeschobene Lesart verbindet den dritten Ort mit dem Geburtsort; ihr Wortlaut ist gestört.]

2.41 In Gauda und Andhra [ist] die günstige Stellung Jupiters [maßgeblich], in Kamarupa die der Venus, in Mathura die des Merkur, in Anga und Vanga die Rahus.

2.42 Bogen und Pfeil [gelten als Maße] in Odrapitha; in Jalandhara vier Handlängen, [darauf folgen die unklaren Maßangaben] „ūrmika“ und „hastapūrṇaka“.

2.43 In Kamarupa zehn Handlängen, in Saumara eine „Tara-Handlänge“, in Kolvapitha vier Handlängen, in Chauhara das Doppelte.

2.44 In Mahendra sechzehn Handlängen [„kalā“ als Zahlwort], in Shrihatta drei; in den Nebenpithas und in Patala erkenne eine Handlänge [als Maß].

2.45 Im Ratnapitha sechs Handlängen, ebenso nördlich der Lauhitya, in Baladevas Einsiedelei und in den Kanyashramas.

2.46 Man soll nicht in die Richtung aufbrechen, der die Yogini zugewandt ist; Bad und Meditation soll man [unter dieser Bedingung] unterlassen. Bei Nutzung eines Fahrzeugs, eines Schirms und von Schuhen ist [nur] die halbe Frucht zu erwarten. [Die Vorlage liest „artha“ statt des naheliegenden „ardha“.]

2.47 Sexueller Verkehr [Variante: körperliche Anstrengung] und Fleischessen vernichten die Frucht der Pilgerreise. Erreicht man eine Pilgerstätte beiläufig, erlangt man [dennoch] ihre Frucht.

2.48 Mit Wissen erlangt man sie, ohne Wissen ist es fruchtlos. In der Pilgerstätte soll man Mundspülung und Fußwaschung unterlassen.

2.49 Ausscheidung, Mundspülung, das Lob einer anderen Pilgerstätte und die Vorliebe für eine andere Pilgerstätte gelten dort immer als Verunreinigung.

2.50 Man soll in der Pilgerstätte keinen Unrat absetzen und dort nirgends Haare abschneiden. Man soll nicht am Ufer der Pilgerstätte wohnen, besonders nicht am südlichen.

2.51 Auf ihrer Südseite soll man niemals baden. Im nördlichen Bereich der Pilgerstätte [befinden sich] achtzigtausend Millionen

2.52 heilige Pilgerstätten und Heiligtümer. [Es folgt die räumlich nicht eindeutig angeschlossene Angabe:] südlich eines heiligen Beckens und links von Flüssen, Geliebte. In Pilgerstätten soll man einen Brahmanen niemals prüfen.

2.53 Welcher Gottheit eine Pilgerstätte auch zugehört, die dort ansässigen Zweimalgeborenen sind stets zu grüßen und zu verehren. Durch ihr Wort wird Reinheit gewährt.

2.54 Für das Ahnenopfer besteht keine Zeitbeschränkung; bei der Totenspeisekugel soll man Honig weglassen.

2.55 Nach Ankunft an einer Pilgerstätte soll der Verständige nicht weit entfernt, sondern am Ufer wohnen. Bei einer Finsternis, an einer Pilgerstätte, am Tag der Ahnen,

2.56 beim Beginn und Abschluss eines Opfers und besonders bei einem Erdbeben [ist eine Gabe] an einen Brahmanen geeignet, [doch folgt die schwer vereinbare Aussage] „nicht für ein Ahnenopfer geeignet“.

2.57 Was [nicht] als große Gabe gegeben wird, heißt fruchtlos. [Die Verneinung variiert.] Weder Herbeirufung noch Arghya-Spende noch Feuerhandlung

2.58 noch Reinigung durch Besprengen, noch die Erklärung der Unvergänglichkeit, noch die Gabe von Gewand und Schnur soll man beim Ahnenopfer an einer Pilgerstätte durchführen. [Die Verbindung von „eva“ mit der Verbotsreihe ist unsicher.]

2.59 Dann soll man zur Zeit der Speisekugeln siebzehn Kugeln darbringen. Nach Abschluss des Ahnenopfers soll man jene Kugel keinesfalls [erst noch] geben.

2.60 In jedem Becken soll man untertauchen und an jeder Pilgerstätte baden: am Tag zehn, acht, fünf, sieben oder drei [Male; eine genauere Zuordnung fehlt].

2.61 Nachdem man so die rituelle Begießung vollzogen hat, soll man an der Pilgerstätte verehren. An Lauhitya und Shona, in Gaya und Viraja,

2.62 in Kanyashrama, bei Agastya und Paripatra, in Mukuranga und Ekamra soll man das Mandala unterlassen. [Möglicherweise ist hier eine Rasurform gemeint; der Zusammenhang ist nicht eindeutig.]

2.63 Der Haufen der Sünden flieht in die Haarspitzen und setzt sich dort fest. Deshalb soll man den Scheitelhaarbusch aussparen und [Haar] am Ohransatz belassen [Variante: den Ohransatz rasieren].

2.64 Am Ende eines Ghata [hier unklar], am Monatsende, nach sechs Monaten und nach einem Jahr oder nach jeweils acht Jahren soll man die Rasur erneut ausführen.

2.65 Dann soll der Verständige einen Brahmanen aus Kusha-Gras bilden, ihn in die Pilgerstätte setzen und, nach Norden gewandt, die Verwandten [stellvertretend] baden.

2.66 Mit dem durch „kuśo nidviti“ bezeichneten Mantra soll man dreimal mittels Kusha-Gras baden. [Der Mantraanfang ist gestört und wird nicht ergänzt.] Dadurch erlangt man zweifellos ein Viertel der Frucht dieser Pilgerstätte.

2.67 Nimmt man [jemanden] auf den Schoß und taucht unter Nennung seines Namens unter, wird dem Brahmanen die Hälfte der Pilgerstättenfrucht zugesprochen. [Anrede und Beteiligte sind sprachlich nicht eindeutig.]

2.68 Eher [dürfte man] die Mutter verkaufen, eher den Vater verkaufen, als ein „āptagotra“ [Person des nahestehenden Geschlechts; Ausdruck unsicher] zu baden oder an einer Pilgerstätte Gaben anzunehmen.

2.69 An Stätten der Vollendung und Pilgerstätten soll man anderen keinen [bezahlten] Segen erteilen und dort nichts annehmen, besonders keinen Sesam und keine Kuh. [Der Gegensatz „hier oder anderswo“ ist unklar.]

2.70 Man soll nichts von einem Shudra annehmen [Variante: weil er vom Opfer ausgeschlossen ist] und nicht zum Empfänger bei dessen Opfer werden. Wer bei einem Opfer der Empfänger ist, wird von der Schuld [des Opfernden] befleckt. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt das Opfer eines anderen meiden. [Historische, standesgebundene Vorschrift des Textes.]

Kolophon: Damit endet der zweite Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa. [Zusatz der Vorlage: im oberen Teil.]

Dritter Paṭala

3.1 Der Erhabene sprach: Kamarupa ist das höchste große Pitha, geheimstes der Geheimnisse. Dort weilt Shankara stets gemeinsam mit Parvati.

3.2 Wird der Gott in diesem Pitha verehrt, so wird er bald gnädig. Dieses Pitha will ich beschreiben; höre jetzt, Geliebte.

3.3 [Es umfasst] hundert Flüsse, [die Wendung zur] Reisezeit [ist unklar], umgeben von Millionen Lingas. Am Ende des Vayukuta, im Maß einer Bogen-Handlänge,

3.4 steht der Mond in Windgestalt; von dort geht der Wind aus. Wer diesen Wind verehrt, gelangt in die Welt des Windes.

3.5 Östlich des Vayu-Berges liegt der Berg namens Chandrakuta. In der Mitte liegt Godanta, im Süden Rishyakranta. [Die folgenden Verse nennen den Ort Ashvakranta.]

3.6 Auf Chandrakuta [weilt] Madhava, auf Godanta der Haarflechtenträger, Shanmukha und Jayanta, auf Ashvakranta Janardana.

3.7 Man soll sie mit ihrem jeweiligen Bija-Mantra, mit Honig und Milchreis verehren. Wer auf Vayukuta wohnt, wird Herr über Reichtümer.

3.8 Wer auf Chandrashaila wohnt, wird schwindsüchtig, gewiss; auf Godanta wird er schuldig, Ashvakranta aber schenkt Befreiung.

3.9 Östlich von Chandrashaila, ein wenig nach Südosten hin, mitten in der Lauhitya, Herrin der Götter, dreißig Bogenlängen [entfernt],

3.10 liegt der bekannte Indrashaila. Dort zu wohnen bringt große Frucht. Inmitten [des Bereiches] Indrashailas, etwas südlich, nördlich von Chandrashaila, soll der Verständige sechsmal eine Bogenlänge freilassen.

3.11 [Es folgen die Maße] drei Bogenlängen in der Breite, hundert Bogenlängen und fünfundzwanzig in der Länge: der See namens Chandrakunda. [Die Maßangaben sind nicht eindeutig zu verbinden.]

3.12 Wer dort badet und trinkt, erlangt Kaivalya. Chandratirtha ist eine große Pilgerstätte, der Pilgerstätte Pindaraka gleich.

3.13 Wer mit diesem Mantra badet, beseitigt die Schuld eines Brahmanenmordes: „Du, aus dem Geschlecht des Herrn der Weisen hervorgegangen, der du Madhava erfreust,

3.14 Freude beim Hören der Weisen [Wortlaut unsicher], nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“ [Anschließend beginnt eine verschlüsselte Mantradarstellung:] Bhrigu, gewöhnlich mit allen Paaren und der ersten Reihe versehen,

3.15 darüber Bhrigu mit Stab, das Ende von „ja“, mit Shakti und „sura“ versehen, verbunden mit Nada und Bindu, erneut das Ende von „ja“, von gutem Wesen. [Diese technische Buchstabencodierung wird nicht zu einer Formel ergänzt.]

3.16 Mit dem achtsilbigen Kakkola-Mantra soll man Arghya darbringen. Bei Widder oder Fische, in einer Vollmondnacht, soll man den Kama-Mantra wiederholen;

3.17 wer [dann] badet, erlangt Brahmasein und gerät nicht auf einen schlechten Weg. Das Bad am Tag soll man zur Vernichtung schwerer Sünden vollziehen.

3.18 Wer mit dem genannten Mantra im Mondwasser badet, [ist] ununterbrochen vom Mantra benetzt, solange die Erde besteht,

3.19 und gelangt in das Mondhaus, zum höchsten Zustand. [Der Satzanschluss und „bhīra/dhīra“ sind unsicher.] Vier Bogenlängen südlich davon

3.20 liegt die Pilgerstätte Manasa, die alle Sünden vernichtet. In der hellen Monatshälfte des Karttika soll man dort baden.

3.21 Mit dem Mantra gelangt man in Vishnus Welt, höchste Herrin. Deshalb erfreut diese Pilgerstätte zweifellos Vishnu.

3.22 „Zur Erlangung von Yoga und Erkenntnis [schenke] Zufriedenheit; empfange die Arghya-Gabe, Herr der Flüsse!“ Achtundzwanzig Bogenlängen südlich davon

3.23 liegt der See namens Ayuta. Wer dort badet, gelangt zur Ayuta-Stätte. Wer dort während der vier Monate der Regenzeit badet,

3.24 gelangt in Brahmas Wohnstatt, sofern [er] mittags [badet], Shankari. Der Sadhaka soll mit Mantra und Arghya-Spende baden.

3.25 „Amrita genannt, große Fülle, Vollendung, von den Göttern verehrt, Wohnstätte des Unsterblichkeitsnektars, [befreie] alle Lebewesen von Schuld.“ [Der gebetsartige Vers ist grammatisch gestört; die Bitte ist sinngemäß ergänzt.]

3.26 Zehn Bogenlängen südlich davon liegt der See Rinamochana, „Befreiung von Schulden“. Wer dort badet, wird von den drei Schulden frei und gerät nicht [wieder] in die Bindung des Werdens.

3.27 Wer dort am Lalita-Saptami im Bhadra badet, gelangt zum Himmel. Wer im Monat Magha am vierzehnten Mondtag badet, findet Befreiung.

3.28 Alle verschuldeten Menschen, durch dreifaches Handeln gebunden, werden am Rinamochana-See von den drei Schulden befreit. Südlich von Ashvakranta, etwas nach Südosten,

3.29 zwölf Bogenlängen [entfernt], liegt der See namens Ashvakranta. Aus der Naga-Welt erhob sich Janardana in Kalki-Gestalt.

3.30 Er badete dort im Viraja[-Wasser] und schuf Ashvatirtha. Nördlich des Weges soll man dort verweilen [Variante: Arghya darbringen].

3.31 Mit Duftwasser und Milch soll man sorgfältig [verehren], mit diesem Mantra: „Du Heilige, von Brahma aufgesucht, Varanasi um einen Teil übertreffend,

3.32 empfange die Arghya-Gabe, mit [deiner] Gemahlin!“ [Darauf folgt die unsicher angeschlossene Aussage:] „Dort gebe ich Verbindung.“

3.33 „Durch den Schritt des Pferdes entstanden, die Sünden vertreibend, alleinige Ursache von Zehntausenden: Dir, Ashvakranta, sei Verehrung!“

3.34 Wer mit diesem Mantra badet, erlangt die Frucht eines Opfers, das Verdienst des Pferdeopfers und anderer Opfer, allein durch das Mausala-Bad. [Die Bezeichnung „mausala“ wird hier nicht erklärt.]

3.35 Schon durch vorschriftsmäßiges Baden erlangt man die Frucht des Rajasuya-Opfers. Eine Gabe wird unvergänglich, ebenso die Wasserspende an die Ahnen.

3.36 Wenn die Sonne in Vishakha steht und Vollmond in Krittika ist, heißt diese Konstellation Padmaka; sie ist in Ashvakranta sehr selten.

3.37 Wer hier in der göttlichen, segensreichen Pilgerstätte des Urvaters badet, [erlangt] Welten von großer Herrlichkeit. [Die einleitende Angabe „aus dem Luftraum“ ist in einer Variante durch „in Ashvakranta“ ersetzt.]

3.38 Bei ihnen besteht kein Verlangen nach [anderem] Verdienst, sei es gewöhnlich oder in einer Notlage erworben, große Herrin. Wahrlich, so wird es verkündet. [Der Satz ist unregelmäßig.]

3.39 Es ist die höchste Pilgerstätte unter den Pilgerstätten der drei Welten. Besonders der Karttika-Vollmond ist höchst heilig und nimmt die Sünden hinweg.

3.40 Was Zweimalgeborene durch Mantras, Gaben und Askese, auch durch wohlbedachte segensreiche [Handlungen] erreichen, [wird dort] allein durch Baden [erlangt].

3.41 Schon durch ihren Anblick werden Menschen mit schweren Verfehlungen frei, Geliebte; auch Verbindungen mit geringeren Sünden verschwinden von selbst im Streben nach Befreiung. [Der zweite Halbvers ist syntaktisch unsicher.]

3.42 Wer dort fastet, erlangt schnell und mit geringer Mühe die Frucht des Pundarika-Opfers, Shankari.

3.43 Wer im Magha dort badet und einem guten Zweimalgeborenen nach Vermögen und mit Hingabe Sesam gibt, wohnt in der Welt des Herrn. [Variante: freudig in Vishnus Welt.]

3.44 Wer dort fastet, badet, Gaben spendet und sich von Kuhprodukten ernährt, gelangt nach dem Tod zum Himmel.

3.45 Auch diejenigen, die in ihrer Nähe wohnen, [Menschen beziehungsweise Angehörige bestimmter Stände; die Lesarten schwanken], gelangen durch ihre Kraft zweifellos zum Himmel.

3.46 Wer einem rechtschaffenen, in Brahman friedvoll ruhenden Zweimalgeborenen Vermögen gibt, steigt nach dem Tod vierarmig und auf einem Lotus sitzend zum Himmel auf.

3.47 Sie erlangen Einheit mit Brahma und keine Wiedergeburt. Die vortrefflichen Menschen, die dort das Fasten bis zum Tod vollziehen,

3.48 gelangen furchtlos auf einem Schwanenfahrzeug zum Himmel. Ihre Ahnen tanzen, und ihre Großväter sind zufrieden.

3.49 Durch Wasserspenden erlangen [die Ahnen] Sättigung, durch Gaben für den Vater den Himmel. Selbst Schuldige werden dort durch Berührung von der Bindung des Werdens frei.

3.50 Durch das Untertauchen [Variante: durch Gaben dort] wird man für immer Brahmas Begleiter. Wer Ashvakranta erreicht, [soll] ohne Nachlässigkeit baden,

3.51 ob er gegessen hat oder nicht, bei Tag oder bei Nacht. Diese Pilgerstätte gilt als höchste Wohnstätte aller Pilgerstätten.

3.52 Sie vernichtet die Sünden der Lebewesen und erzeugt Verdienst. Diejenigen, die ihr Inneres gesammelt haben, dort baden und Janardana

3.53 nach ihrem Vermögen verehren, gelangen zum Himmel. Brahma, Vishnu und Rudra sind dort alle drei immer gegenwärtig.

3.54 Auf Erden gibt es nichts Heiligeres als Ashvatirtha, große Herrin. Sein staubfreies, makelloses Wasser ist in den drei Welten berühmt.

3.55 Glückliche sehen diese Pilgerstätte, die eine Stätte der Brahma-Welt ist. Wer über hundert Jahre hinaus das Agnihotra pflegt,

3.56 [erlangt eine Frucht, die] einem Aufenthalt dort im Karttika [gleichkommt; der Wortlaut ist stark gestört]. Man erhält Anteil an Befreiung, entsprechend der Frucht aller Opfer und aller Pilgerstätten.

3.57 Wer sich in Ashvakranta verneigt und die Dämmerungsandacht vollzieht [Variante: an allen drei Tagesübergängen], hat damit sämtliche Veden vollendet.

3.58 Durch die Hand der eigenen Frau [der anschließende Ausdruck „dantena“ ist unklar], durch einen Menschen aus Ashvakranta, in einem Krug, einer Schale oder einem Tongefäß, Shankari,

3.59 soll der Verständige dieses heilige Wasser herbeibringen und zur Dämmerungsandacht gesammelt verwenden, nachdem er Pranayama geübt hat.

3.60 Höre, Schönangesichtige, welches Verdienst durch diese [Andacht] entsteht: Damit hat man die Dämmerungsandacht zwölf Jahre lang würdig vollzogen.

3.61 Beim Baden erlangt man die Frucht eines Pferdeopfers, beim Trinken die zehnfache, beim Fasten eine unendliche, überaus große Frucht.

3.62 Das Verdienst dessen, der an einer anderen Pilgerstätte vorschriftsmäßig zehn Millionen Kühe schenkt, erlangt, wer einen einzigen Tag an dieser Pilgerstätte verweilt.

3.63 Wer Gold im Maß eines halben Pada gibt, erlangt dort die volle Frucht einer Goldgabe. [Die Maßbezeichnung und der abschließende Satz sind unsicher.]

3.64 Der Strom, der Chandrashaila berührt, wird Jahnavi genannt. [Beim Baden in] dem Strom, der Ashvatirtha berührt, [erlangt man nach der Variante den Himmel; die Hauptlesung bleibt unvollständig].

3.65 Der Strom, der Indrashaila berührt, ist als Sarasvati zu erkennen. In Ashvakranta wird der Zusammenfluss während der Regenzeit sichtbar. [Ein Zusatz der Handschrift „kha“ verheißt dem Wissenden, der dort badet, unendliche Frucht.]

3.66 Erkenne dies als Prayaga, besonders im Karttika. Wer dort die Kopfrasur vollzieht, erlangt die Frucht der Rasur in Prayaga.

3.67 Noch heute sieht man, Göttin, im Gayakunda die beiden Ströme. Wer in dieser Welt arm ist oder sein Königreich verloren hat,

3.68 soll ins Wasser von Ashvakranta gehen und täglich den Vishnu-Mantra wiederholen, Verehrung und Gaben an die Götter sowie Wasserspenden an die Ahnen vollziehen.

3.69 Nachdem er Totenspeisekugeln dargebracht hat, wird er bald frei von Geburt und ein Alleinherrscher. Wahr ist dies, zweifellos. [Beide Verheißungen stehen ohne nähere zeitliche Unterscheidung nebeneinander.]

3.70 Wer im Karttika die Pilgerreise vollzieht, erhält in diesem Leben Glück, Geld, Getreide und verschiedene vortreffliche Frauen.

3.71 Wer diese Pilgerordnung ausführt, ausführen lässt oder von ihr hört, wird von allen Sünden befreit.

3.72 [Die Hauptlesung beginnt „Agastyas Ankunft“; die Variante spricht von einem Menschen, der unerlaubten Geschlechtsverkehr begangen hat.] Wer die Pilgerreise vollzieht, [erlangt eine Reinigung entsprechend] der Brahma-Handlung vieler hundert Jahre.

3.73 Er soll auch die Pilgerreise im Chaitra vollziehen; so erlangt er Läuterung. Was bedarf es vieler Worte? Es heißt: Nichts gibt es,

3.74 das er als Erlangbares nicht erlangt, oder [an Schuld, die nicht getilgt wird; die Satzfügung ist gestört]. [Diese Reise] entspricht der Frucht aller Opfer und schenkt die Frucht aller Pilgerstätten.

3.75 Wer nach Ashvatirtha geht und dort einmal vorschriftsmäßig badet, hat damit alle Götter zufriedengestellt.

3.76 [Er wird] mit Söhnen und Enkeln verbunden und mit Gütern erfüllt sein. [Eine Variante nennt Töchter.] [Die folgende Wendung über „śikhariṇī“, Geber und junge Frauen ist nicht zuverlässig übersetzbar.]

3.77 Er erfreut sich daran, ganz und gar erfüllt. Acht Weltzeitalter Aufenthalt in Kashi und ein Tag in Purushottama [werden im Folgenden verglichen].

3.78 Das Zehnmillionenfache davon [erlangt man] beim Anblick des Antlitzes der Viraja. Eine entsprechende Fülle soll man in Ashvatirtha in jedem Augenblick erkennen.

3.79 Durch seinen Anblick [erlangt man die Frucht] des Rajasuya; das Bad in seinem Wasser bringt das Zehnfache eines Vajapeya. Schon ein Mundvoll entspricht einem Pferdeopfer. Sein Wasser [Lesung „bhavāmbhaḥ“ unsicher] übertrifft alle Opfer noch weit.

Kolophon: Damit endet der dritte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa. [Zusatz der Vorlage: im oberen Teil.]

Vierter Paṭala

4.1 Die Göttin sprach: Wenn du mir gnädig bist, Herr, sage mir: An welchen Orten weilst du unter den Namen Sureshana und den anderen?

4.2 Bei welchen Feueropfern sehen dich die Zweimalgeborenen stets? Welcher Ort auf Erden wird durch welchen Namen ausgezeichnet?

4.3 Der Erhabene sprach: In Pushkara bin ich Sureshana, in Gaya Sukshemada, in Kanyakubja Vedagarbha, in Bhrigukaccha Pitamaha,

4.4 an der Kauveri der Schöpfer, in Nandipuri Brihaspati, in Prabhasa der Lotusgeborene, am Himmelsfluss Surapriya,

4.5 in Dvaravati Vagdeva, in Nataka Natakeshvara, auf Nilachala Kamesha, auf Hastiparvata Pingala,

4.6 in Kushavarta Vijaya, auf Pushkarachala Jayanta, auf Bhasmachala Bhayananda, auf Chandrakuta Madhava,

4.7 im inneren Haus Padmahasta, in Mangala Tryambaka, in Bhadrapitha Divyesha, auf Ashvakranta Janardana,

4.8 in Ahicchatra Tulyananda, auf Shrishaila Jagatpriya, in Kushahasta Padmapani, auf Manashaila Munishvara,

4.9 in Shrikantha Shrinivasa, in Kampilya Siddhidayaka, in Kanyashrama bin ich Rudra, auf Mainaka Vishvanadaka,

4.10 in Ekamra Nagesha, in Viraja Maheshvara, am Ort namens Mulika Vishnu, auf Mahendra Bhargava,

4.11 an der Kaushiki Bodhi, in Ayodhya Bhargava, auf Manikuta Hayagriva, auf Binduparvata Varaha,

4.12 auf Godanta Jatadhara, auf Gomanta Jangaleshvara, am Brahmaputra Parameshthin, auf Vishvashaila Gahvara,

4.13 auf Citrashaila Citresha, an der Devika Caturbhuja, in Vrindavana Padmapani, in Naimisha Kushahasta,

4.14 auf Mandara Mahabodhi, auf Hanuparvata Gopindra, an der Bhagirathi Padmagarbha, in Kampilla Kanakapriya,

4.15 in Karana Kamira, in Kapota Havyavahana, auf Arbuda Vasishtha, am weißen Fluss Manobhava,

4.16 an der Dhavala Pinakin, an der Picchila Trivikrama, bei Agastya Yajnagarbha, in Urvashi Madhusudana,

4.17 in Rukminisha Hari, in Paitrika Ruci, auf Gomanta Vayana, in Kashi unter dem Namen Vishveshvara,

4.18 in Prayaga Prajapati, in Vidarbha Dvijapriya, in Madrapitha Gangadhara, in Matanga Tryambaka,

4.19 auf Nandashaila Tripurari, auf Pandushaila Trilocana, im Gangasee Trilokesha, in Bhittipuri Divakara,

4.20 in Vamata Mingilanatha, auf Dashashringa Kalanidhi, im Dasha-Wald Mahalinga, in Ashoka Vinashaka,

4.21 in Culluka Harisena, in Parnata Anantaka, am Banyanbaum Markandeya, in Ikshudvara Divakara,

4.22 in Gokarna Vikarna genannt, auf Mandara Madhusudana. Hundertacht Orte habe ich dir genannt. [Die tatsächlich vorausgehende Aufzählung erreicht diese Zahl nicht.]

4.23 Dort bin ich stets gegenwärtig und ebenso du, Gelübdetreue. Wer auch nur einen dieser Orte voller Hingabe sieht,

4.24 badet und Reinheit erlangt, erfreut sich ewige Jahre. Was er im Geist, mit Worten oder mit dem Körper an Unrecht begangen hat,

4.25 dies alles kommt zur Ruhe; daran ist nicht zu zweifeln. Wer all diese Orte aufsucht und mich sieht, wird zum Wanderer auf dem Befreiungsweg, weil ich dort gegenwärtig bin.

4.26 Durch Blumengaben, Räucherwerk, die Sättigung der Brahmanen und gefestigte Meditation wird [dieses Ziel] bald erreicht, höchste Herrin.

4.27 Nördlich von Ashvakranta, westlich von Rinamochana, liegt im Maß von zweiundzwanzig Bogenlängen ein äußerst schwer zugänglicher heiliger Bezirk.

4.28 Er heißt Dvipanchaka und wird von allen Göttern verehrt. Wer dort Rudra verehrt, erlangt die Frucht des lichthaften Raumes [„jyotirvyoma“].

4.29 Wer dort sechs Monate mit geregelter Nahrung, in Brahmacharya und Sammlung verweilt, Herrin der Götter, erlangt den höchsten Zustand.

4.30 Im Krita-Zeitalter [gilt] Pushkara [als vorrangig], im Treta Naimisha, im Dvapara Kurukshetra und im Kali Ashvatirtha.

4.31 Deshalb soll man an seinem nördlichen Ufer das im Herzen Ersehnte verwirklichen. Im Dvapara schenkt Kurukshetra die Frucht aller Verdienste. [Variante: Dort bringt eine Gabe unvergängliche Frucht.]

4.32 Eine Gabe in Panchaka ist schwer [zu vollbringen]; dort ist alles schwer [die Variante verheißt alle Vollkommenheiten]. Anderswo begangene Schuld wird an einer Pilgerstätte leichter.

4.33 An dieser Pilgerstätte begangene Schuld wird anderswo [nicht] beseitigt. [Die Negation folgt der ausdrücklichen Variante.] Zwölf Tage, zehn Tage, einen halben Monat oder einen Monat [die Zeitangabe bleibt ohne sicheren Anschluss].

4.34 Auf Merus Rücken saß die ruhmreiche Göttin auf der Hälfte von Rudras Sitz. Sie verneigte sich vor Mahadeva und fragte ihn.

4.35 Die Göttin sprach: Wie vergeht die Schuld, die in Tausenden früherer Geburten angesammelt wurde? Erkläre mir dies, Shankara.

4.36 Der Erhabene sprach: Höre, Göttin, ich verkünde das höchste Geheimnis der Geheimnisse: Ashvakranta, berühmt unter allen Pilgerstätten, ist das Höchste.

4.37 Der nördlich davon gelegene Bezirk, den ich Vimuktaka genannt habe, ist selbst die höchste Erkenntnis, selbst die höchste Askese,

4.38 selbst das höchste Brahman, selbst der höchste Zustand. Wie Narayana, der höchste Purusha, der Beste unter den Göttern ist,

4.39 wie Girisha unter den Herren, so ist dies der beste unter den Orten. Gabe, Japa, Feueropfer, geübte Askese und was man sonst tut,

4.40 Meditation, Studium und Erkenntnis werden dort unvergänglich. In Ashvakranta ist der höchste Yoga, in Ashvakranta das höchste Ziel,

4.41 in Ashvakranta die höchste Befreiung. Keine Pilgerstätte gleicht ihm. Ein Haufen von Schuld, selbst so groß wie Meru und Mandara,

4.42 wird vollständig vernichtet, wenn man Ashvakranta erreicht. Durch die heiligen Staubkörner Ashvakrantas, die der Wind trägt,

4.43 gelangen selbst Übeltäter zum höchsten Ziel. Nicht in Kurukshetra, Gayadvara oder Pushkara [erlangt man] jenes Ziel,

4.44 das den Bewohnern Ashvakrantas bestimmt ist. Nicht durch Gaben, nicht durch Askese, nicht durch Opfer und auch nicht durch gelehrtes Wissen

4.45 wird das überragende Ziel erreicht, das in Ashvatirtha zu erlangen ist. Schon durch Berührung entsteht Befreiung; [die anschließende Aussage über gute beziehungsweise schlechte Annahme ist unsicher].

4.46 Dieser Ort ist größer noch als [die Stätten] Agastyas, Agnis und der anderen. Selbst wenn ein Brahmanenmörder irgendwann Ashvakranta erreicht,

4.47 vergeht durch die Größe des Ashva-Bezirks seine Schuld. Für ihn wird niemals eine Rückkehr [in die Wiedergeburt] gesehen.

4.48 Ob nördlich oder südlich, man soll [den Ort] als heiliges Tor betrachten. Jede Zeit ist in Ashvakranta günstig, Schönangesichtige.

4.49 Welche Frucht ein Mensch durch eine große Gabe gewinnt, die erlangt er in Ashvatirtha unvergänglich schon durch die Gabe einer kleinen Münze.

4.50 Wer hier einen Tag fastet, meine Geliebte, ganz mir zugewandt, erlangt die Frucht von tausend Jahren.

4.51 Wer an einer anderen Pilgerstätte vorschriftsmäßig zehn Millionen Kühe schenkt und wer hier einen Tag verweilt: Beider Frucht ist gleich.

4.52 Die Frucht eines rechten Bades in Prayaga im Monat Magha erhält man in Ashvatirtha in jedem Augenblick zehnmillionenfach.

4.53 Tausende und Hunderte von Millionen Schöpfungen [umfassendes Verdienst; der Satz ist unvollständig] durch den Besuch am Mittag und am Nachmittag, Shankari.

4.54 Ein Haufen von Sünde, selbst so groß wie Meru und Mandara, wird vollständig vernichtet, wenn man Ashvakranta erreicht.

4.55 Würmer, fliegende Insekten, Mücken und [auf] Bäumen [lebende Wesen; Variante: Bäume], Lebewesen im Wasser und auf dem Land, Frösche und Fische: Sie gelangen zu Shiva, wenn sie in Ashvatirtha ihren Körper verlassen.

4.56 Wer immer in Panchaka wohnt, gelangt zum höchsten Ziel, [das] über Brahmas Welt und allen anderen Welten [liegt].

4.57 Wer jene Stätte erreichen will, soll hier unter Entbehrungen verweilen. Wie Madhusudana der Ursprung aller Götter ist,

4.58 so wird Panchaka der Ursprung aller heiligen Bezirke genannt. In vorwärts und rückwärts führender Ordnung, einzeln und zusammen,

4.59 soll man in Panchaka und Ashvatirtha baden, Schönangesichtige. Ebenso im nördlichen Wald; dort erlangt man dieselbe Frucht.

4.60 Welche Frucht [durch vorschriftsmäßige Verehrung] an allen verborgenen Pilgerstätten entsteht, die erlangt der Mensch schon durch den Anblick Panchakas.

4.61 Hunderttausend Millionen Pilgerstätten auf Erden sind in Ashvatirtha nahe dem Tor der Befreiung gegenwärtig.

4.62 Solange die Berge und die Meere bestehen, so lange wird der in Panchaka Verstorbene in Brahmas Welt geehrt.

4.63 Wer einmal dort badet, verbrennt alle Schuld aus Tausenden früherer Geburten und aus dem ganzen Leben von Geburt bis Tod, Shankari.

4.64 Wer drei Jahre lang dort in rechter Yoga-Übung verweilt, findet in einer einzigen Geburt durch Yoga Befreiung und Erlösung.

4.65 Der gesamte Bereich bis Rinamochana gilt als Panchaka, Herrin der Götter: Brahmas Wohnstatt, überall gepriesen, Segensreiche. [Variante: Sie schenkt den Lebewesen Befreiung.]

4.66 Bad, Japa, Feueropfer, Ahnenopfer, Gabe und anderes: Jede einzelne dieser Handlungen läutert dort die Familie bis zum siebten Glied, große Herrin.

4.67 Gegenüber Ashvatirtha, etwas westlich, acht Bogenlängen [entfernt], befindet sich das sogenannte Siddhakunda.

4.68 Wer dort badet und Wasser trinkt, wird von allen Sünden frei. Nach drei Nächten Fasten oder nach einer Nacht Aufenthalt wird den Zweimalgeborenen der Besuch dieser Pilgerstätten vorgeschrieben.

4.69 Wessen Atem der Mond verbindet [Variante: genießt; die Yogaaussage ist unklar], wessen Hände und Füße beherrscht sind, wer Schuld tilgt und Brahmacharya wahrt, der erlangt die Frucht der Pilgerstätten.

4.70 „Siddhakunda, von großer Fülle, von den Gottheiten wohl geheiligt, reinige mich von allen Sünden, beste Pilgerstätte; Verehrung sei dir!“

4.71 Wer mit diesem Mantra am dreizehnten Tag der dunklen Monatshälfte des Vaishakha badet, läutert schon dadurch seine Familie auf beiden Seiten.

4.72 Westlich dieser Pilgerstätte, etwas in Richtung der Wüste [Variante: nach Nordwesten], vierundsechzig Bogenlängen [entfernt], liegt die Pilgerstätte Brahmasaras.

4.73 Wer dort badet und die Ahnen hingebungsvoll und vorschriftsmäßig mit Wasser sättigt, rettet zweifellos auch Ahnen, die Unrecht getan haben.

4.74 Durch rechtes Baden gelangt der Zweimalgeborene zur Läuterung. [Gebet:] „Von Brahma selbst geschaffen, um Ishvara Freude zu bereiten,

4.75 von Brahma selbst als Bad aufgesucht: Deshalb vernichte meine Schuld!“ Nachdem man mit diesem Mantra vorschriftsmäßig gebadet hat,

4.76 besonders am vierzehnten Tag der hellen Hälfte des Monats Magha, und vorschriftsmäßig Gaben gespendet hat, wird man in Brahmas Welt geehrt.

4.77 Achtzig Bogenlängen nördlich des Indrakuta erkenne den Rama-Bezirk und sein Becken, Geliebte des Kula.

4.78 Es hat das Maß des Bindukunda. Wer dort badet und auch die Ahnen verehrt, wird von allen Sünden frei und in Vishnus Welt geehrt. Ramatirtha ist die höchste Pilgerstätte, Schönangesichtige.

4.79 Wer die Brahmanen verehrt, wird in Brahmas Welt geehrt. [Gebet:] „An deinem Ufer, Hochbegnadetes, hat der hochherzige Shri Rama

4.80 alle Ahnen mit Wasser gesättigt. Beste Pilgerstätte, Verehrung sei dir!“ Mit diesem Mantra [soll man] in der dunklen Hälfte des Vaishakha [verehren].

4.81 Wer dort Mahadeva verehrt, erlangt die Frucht von tausend Kühen. Neun Bogenlängen östlich davon liegt Sitatirtha, Schönangesichtige.

4.82 Wenn die Zweimalgeborenen dort baden, gelangen sie mit ihrem Körper zum Himmel.

4.83 [Eine Angabe zu „krauñca“ ist unklar.] Das große Ahnenopfer gilt [dort] als unvergänglich. [Gebet:] „Du höchste Pilgerstätte, von Sita und Ramabhadra geschaffen,

4.84 deshalb reinige mich von Sünde und schenke Befreiung, du von Göttern Verehrte!“ Wer schweigend am dreizehnten Mondtag dort badet, [erlangt] große Frucht.

4.85 Nachdem man mit diesem Mantra gebadet hat, soll man mit einem Edelstein Arghya darbringen. Man wird von allen Sünden frei und wohnt nach dem Tod in Brahmas Welt.

4.86 Zehn Bogenlängen südlich von Sita[tirtha liegt eine weitere Stätte]. Schon durch die Begießung dort wird man immer siegreich.

4.87 Die höchste Pilgerstätte erstrahlt unter dem Namen Vijaya. Dort ist Maheshas weithin bekanntes Linga namens Vijaya.

4.88 Wer dort sechs Monate mit geregelter Nahrung, in Brahmacharya und Sammlung verweilt, Herrin der Götter, wird von allen Sünden frei.

4.89 Die höchste Pilgerstätte ist unter dem Namen Yogatirtha bekannt; sie nimmt alle Sünden hinweg und ist die Wohnstätte Shambhus, des höchsten Herrn.

4.90 Wer das berühmte Linga des Gottes namens Yogisha sieht, erlangt seine ersehnten Wünsche und wird Rudra lieb.

4.91 Zweiundzwanzig Bogenlängen [entfernt] erkenne Muktitirtha. Nachdem man mit dem folgenden Mantra gebadet hat, soll man Arghya darbringen:

4.92 „Von gesammelten Menschen, die Befreiung ersehnen, wirst du unablässig verehrt und gepriesen. Yogakunda, Hochbegnadetes, von den Unsterblichen verehrt, reinige mich!“

4.93 Dort, sehr weit von der Welt [entfernt; Bezug unsicher], liegt ein vortreffliches rundes Becken. Auch dort soll man vorschriftsmäßig baden, Ahnen und Gottheiten sättigen

4.94 und den Brahmanen verschiedene Gaben geben. Mit dem Kaula-Bija soll man baden und mit dem Tattva Arghya darbringen. [Die technische Formel wird nicht ausgeschrieben.]

4.95 Danach soll man Kauleshvara schauen; so wird man von der Bindung des Werdens frei. Das Becken misst fünfzehn Handlängen und wird von Göttern und Gandharvas aufgesucht.

4.96 [Wer] am dritten Tag der hellen Monatshälfte in diesem Becken [badet], erlangt ein Dorf, Getreide und Geld. Zwölf Bogenlängen südlich von Indrashaila

4.97 liegt die bekannte höchste Pilgerstätte Suryatirtha. Dort weilt der Erhabene mit unsichtbarer Gestalt, dessen Wagen sieben Pferde ziehen,

4.98 zum Wohl der Welt, alldurchdringend, selbst mit einem Yogaleib. Als Hara hier seinen beständigen Wohnsitz nahm,

4.99 kamen alle Gottheiten dorthin, um ihm zu dienen. Man soll mit dem Sonnen-Bija baden und mit Tara [hier der Pranava] Arghya darbringen.

4.100 Dann soll der Sadhaka, dessen Geist nach Vollendung strebt, zum Rama-Bezirk gehen. Dort befinden sich zwei Durga-Brunnen und Brahmas Opferpfosten.

4.101 Wer am vierzehnten Mondtag des Magha das Wasser des Durga-Brunnens trinkt und zehntausend Mantras hingebungsvoll wiederholt, wird schwanger [so „garbhadharā“; eine Variante sagt stattdessen „wird ganz Rama“].

4.102 Wer den Opferpfosten rechts herum umschreitet und ein Ahnenopfer vollzieht, rettet damit seine Ahnen und wird in Brahmas Welt geehrt.

4.103 Man soll eine kleine Münze, Gold und Silber in den Brunnen geben. Damit soll man [eine Schuld] aus einem früheren Leben begleichen, [entsprechend] dem Vermögen eines Freundes. [Der genaue Zusammenhang ist unsicher.]

4.104 Darauf soll man nach Süden gewandt zum Indrashaila gehen und Manishvara schauen; so wird man aus der Hölle befreit.

4.105 Selbst wer an Tötung und Gefangensetzung beteiligt oder mit geringeren Sünden verbunden ist, [wird], wenn er Maninatha auf Indrakuta sieht, durch den Wind [der Zusammenhang bleibt verkürzt]

4.106 augenblicklich befreit, Göttin; daran ist nicht zu zweifeln. Fünf Bogenlängen hinter Lomatirtha

4.107 entstand Nagatirtha, das auf Erden bekannt wurde. Im Nagakunda [ist] Vaikuntha; nach dem Bad soll man die Nagas verehren [Variante: anrufen].

4.108 Heilig unter allen Pilgerstätten, vernichtet es Schlangengift. Die Menschen, die am fünften Tag des Shravana dort hingebungsvoll baden,

4.109 deren Familien werden niemals von Schlangen bedrängt. Die Menschen auf Erden, die dort ein Ahnenopfer vollziehen,

4.110 denen wird der zufriedengestellte Brahma zweifellos die höchste Stätte schenken. Vierundsechzig [Bogenlängen] nördlich von Chandra liegt ein Berg.

4.111 Dort im Wasser befindet sich Gayakunda, am Ufer der so genannte heilige Bezirk. Im Osten, zweiundzwanzig Bogenlängen [entfernt], liegt Gayashirsha.

4.112 Bis zur Lauhitya [reicht der Bereich]; im Norden liegt Brahmayoni. Gayatirtha ist höchst geheim und den Ahnen überaus lieb.

4.113 Wer Totenspeisekugeln darbringt, wird nicht wieder geboren. [Dieser erste Satz steht in der Quelle vor der nummerierten Strophe ohne eigene Nummer.] Bei Agastya, in diesem Gaya und auf dem segensreichen Nilachala soll man bei jeder gesonderten Pilgerreise Speisekugeln darbringen, in Gaya aber einmal, Geliebte.

4.114 Seine Ahnen trauern [über eine ungenügende Handlung]; Fluch und Verwirrung [folgen; der Wortlaut ist unsicher]. Die Ahnen singen ein Lied, das die großen Seher verkünden:

4.115 „Wer immer nach Gaya geht, wird uns retten. Viele Söhne soll man sich wünschen, von gutem Charakter und mit Tugenden ausgestattet;

4.116 wenn unter ihnen auch nur einer nach Gaya geht [sind wir gerettet].“ Deshalb soll man sich mit aller Kraft bemühen, besonders als Brahmane.

4.117 Wer gesammelt nach Gaya geht und vorschriftsmäßig Speisekugeln darbringt: Glücklich sind wahrlich diese Menschen, die in Gaya Speisekugeln geben.

4.118 Sie erlangen die Rettung von sieben Familiengliedern auf beiden Seiten. Eine weitere Speisekugel [Variante: für einen anderen unter Nennung seines Namens] soll man mit Milchreis darbringen.

4.119 Die von den Rishis erkannte Pflicht soll man mit Ölkuchen und Ghee ausführen. Hingebungsvolle Menschen sollen stets mit Sesam-Ölkuchen spenden.

4.120 Das Ahnenopfer soll dort ohne Arghya und Herbeirufung geschehen. Mäuse, Geier und Krähen bewegen sich [dort; die verneinte Wendung ist nicht sicher zu verstehen].

4.121 Dieses wird als Ahnenopfer an der Pilgerstätte bezeichnet und schenkt den Ahnen höchste Zufriedenheit. Man soll es sorgfältig ausführen; das Essen ist die Ursache [ihrer Sättigung].

4.122 Durch Speisung werden die Ahnen zufrieden; zufriedengestellt gewähren sie Wünsche: Lebensdauer, Söhne, Geld, Getreide und andere Wünsche.

4.123 Wird Rudra hingebungsvoll verehrt, sind die Vorväter der Menschen erfreut. Das Gaya-Ahnenopfer [soll] immer, zur gewöhnlichen Zeit oder außerhalb dieser Zeit, von den Menschen [vollzogen werden].

4.124 Hat man den Ort erreicht, soll man die Wasserspende an die Ahnen vollziehen und ebenso die Speisekugelgabe, die den Ahnen überaus lieb ist. [Die Variante formuliert, dass der Ort nicht immer erreicht werden kann.]

4.125 Die Ahnen sind erwartungsvoll am Himmel erschienen. Mit höchster Hingabe soll man ihre Hoffnung erfüllen.

4.126 Man soll keine Verzögerung und kein Hindernis verursachen. Dann wird ihre Nachkommenschaft zu allen Zeiten ununterbrochen bestehen.

4.127 Die Ahnen schenken Söhne und wünschen das auf Wachstum gerichtete Ahnenopfer. Durch dessen vorschriftsmäßige Darbringung werden sie alle zufriedengestellt.

4.128 Deshalb wurde das Ahnenopfer einst vom Selbstgeborenen selbst gelehrt. Die den Ahnen ergebenen Zweimalgeborenen sollen die jeweilige Handlung unverzüglich ausführen.

4.129 An einer Pilgerstätte, in einem heiligen Bezirk oder zu Hause, beim Sonnenübergang, bei einer Finsternis, zur Tagundnachtgleiche oder bei Bedrängnis des Geburtsmondhauses:

4.130 Dies sind die Zeiten des Ahnenopfers, sagte einst der Selbstgeborene. Wenn ein neues Ahnenopfer vollzogen wird, entsteht körperliche Bedrängnis [so die Hauptlesung; eine Verneinung fehlt, obwohl der folgende Vers Schutz verheißt].

4.131 Alles hier oder anderswo begangene Unrecht lässt [der Handelnde] zurück. Keine Bedrängnis durch Yama, Planeten, Diebe, Könige und dergleichen entsteht.

4.132 Alles Unrecht wird vernichtet; im Jenseits erlangt man zweifellos einen guten Weg, entsprechend Prajapatis Segen.

4.133 Kameshvara, der Allwissende, Ashvakranta im Karttika [die Orts- und Namensfolge ist unsicher]: Beim Gaya-Ahnenopfer stehen die Mütter an erster Stelle, anderswo die Väter.

4.134 Der Verständige soll sechzehn Speisekugeln geben und [dies] in der dunklen Monatshälfte [„bahula“, Lesung unsicher] ausführen lassen. Er soll Milchströme ausgießen und den Soma-Berg besteigen.

4.135 „Die Götter Brahma, Vishnu und Maheshvara seien meine Zeugen!“ Nachdem er Mahagaya erreicht hat, soll der Verständige das Ahnenopfer vollziehen.

4.136 Darauf soll der Mensch beim Klang von Trommeln und anderen Instrumenten eine Sänfte besteigen. Zu Hause angekommen, soll er die Hausgöttin vorschriftsmäßig verehren,

4.137 danach Brahmanen speisen und die Unvergänglichkeit [der Gabe] erklären. Er soll mit den Brahmanen [gemeinsam speisen] und die Opfergabe an die Priester entrichten.

4.138 Durch die Speisekugelgabe hier, bei Agastya, in Viraja, in Dashashvamedhika sowie an Vishnus Fußspuren [wird die Pflicht erfüllt].

4.139 Wer an einem [dieser Orte] Speisekugeln gegeben hat, soll ein erneutes Ahnenopfer unterlassen. Durch das erneute Herbeiziehen [der Ahnen] fällt ein Fluch auf sein Haupt.

4.140 Drei Tage lang soll man besonders in Gaya Speisekugeln darbringen, danach einen Tag in Matrigaya; bei Agastya und in Viraja soll man sie drei Tage lang darbringen.

Kolophon: Damit endet der vierte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa. [Variante: im Abschnitt über das Pitha Kamarupa.]

Fünfter Paṭala

5.1 Der Erhabene sprach: Am klaren Morgen soll der Sadhaka, dessen Geist nach Vollendung strebt, nordöstlich des Soma-Berges, nur eine Sichtweite entfernt, Geliebte,

5.2 zum Mana-Berg gehen und danach zum Varanasi-See. Nordöstlich von Manishvara, ein wenig nach Osten,

5.3 sieben Bogenlängen entfernt, liegt das Varanasi-Becken, zweiundzwanzig Bogenlängen lang und mit allen Göttern verbunden.

5.4 Dort [sind] die Göttin Tripathaga [Ganga], Gomati, Sarasvati, Karatoya, der göttliche Fluss, Lohitya und Gharghara,

5.5 Sarayu, Dhutapapa, Narmada, der große Fluss, Drishadvati, Devika und Carmanvati,

5.6 die heilige Krishnaveni, Shona, der große Strom Shyena, Kaveri und Yamuna sowie weitere, die nicht einzeln genannt sind.

5.7 Um mich zu erfreuen, kommen sie zum Varanasi-Becken. Der Ozean, Gahvara, das Milchmeer und das Wasser[meer],

5.8 das Ghee-Meer, das Weinmeer und das Quarkmeer, Seen, Flüsse und mannigfache Pilgerstätten

5.9 kommen zweifellos am vierzehnten Tag des Madhu-Monats und am dritten Tag des Vaishakha zusammen, Schlankhüftige.

5.10 Wer dort badet, gelangt zum Himmel bis zur Auflösung der Elemente. [Gebet:] „Maya der Welt, Keim der Welt, Vernichterin der Schuld der Welt,

5.11 schenke mir Unsterblichkeitsnektar, Becken Varanasi; Verehrung sei dir!“ Mit diesem Mantra [bade man] und bringe mit einem anderen Arghya dar.

5.12 Fünf Bogenlängen südlich davon liegt das Becken namens Manikarnika, zweiundzwanzig Bogenlängen messend.

5.13 Eine Pilgerstätte wie Manikarna gab es nicht und wird es nicht geben. Wahrlich, wahrlich, nochmals wahrlich: Dies ist ganz gewiss wahr.

5.14 Im Weltenei gibt es keine Pilgerstätte wie Manikarna. An den Anfängen der Weltzeitalter, bei Sonnenübergängen und Finsternissen, große Herrin,

5.15 soll man mittags das schwere Sünden vernichtende Bad vollziehen. [Gebet:] „Manikarna, Beste der Göttlichen, Manishvari, die Edelsteine liebt,

5.16 nimm meine Schuld hinweg, Fellbekleideter, Manikarna; Verehrung sei dir!“ [Die Anreden wechseln das Geschlecht; die Variante nennt Haras Wohnstätte.] Nach dem Bad mit diesem Mantra soll man sich verneigen und verehren [Variante: entlassen].

5.17 Nordöstlich des Mani-Berges fließt die Mangala: „Wasser um Wasser führend, reinige mich von der Flut der Sünden!“

5.18 Nach dem Bad mit dem Mantra soll man sich verneigen und [die Gottheit] gnädig stimmen, Herrin der Götter. Dann soll man zu Manishvara gehen und unter Rezitation des Kama[-Mantras] waschen [Variante: unter Mantrarezitation bitten].

5.19 Mit dem ersten [Mantra] soll man baden, rein und mit beherrschtem Geist, mit dem zweiten berühren, mit dem dritten verehren. [Die erste Zeile fehlt laut Editionsvermerk in vielen Zeugen.] In einer Ausdehnung von zwei Kala-Handlängen [Maß unklar] wird dies Siddhakshetra genannt.

5.20 Hamsa, auf den Arghya-Sitz erhoben, mit Strahl und Bindu verbunden: Diesen Mantra des Gottes der Götter hat der Rishi Garga verkündet.

5.21 Das Versmaß ist Anushtubh, die Gottheit Bhava [Variante: Rudra]. Man soll ihn zur Erfüllung des erwünschten Ziels verwenden.

5.22 [Man meditiere über] den makellosen Gott der Götter mit leuchtendem Kronenschmuck, in Tigerfell gekleidet, mit vier [Armen], Dreizack, [Geste der] Furchtlosigkeit, Segensgeste und Donnerkeil, rot, dreiäugig, erhaben, auf einem Tier [oder einer Antilope] befindlich. [Die Aufzählung ist in Hauptlesung und Variante unterschiedlich vollständig.]

5.23 In der Mitte verehre man den Fellbekleideten, davor den furchtbaren Gott und Hara; [danach] Bhava, Shakra [Variante: Bhaveshana und Shakra], dahinter Vamana und den Kala Genannten. [Die Namens- und Richtungsfolge ist gestört.]

5.24 Auf den Lotusblättern verehre man die göttlichen Shaktis, Varanasi und Kirti vor ihnen; außerhalb Shrikantha und die übrigen, danach die Planeten und davor die Richtungshüter.

5.25 Links soll Ananta verehrt werden, [ferner] Pinakin, rechts Kamala und ringsum [weitere Gottheiten], vorn die Siddhesha Genannten [Variante: Siddhis und Sadhyas], jeweils mit den in ihren eigenen Ritualtexten gelehrten Mantras.

5.26 Maninatha, das ursprüngliche Linga, der unvergängliche Brahma-Stein und im Nordosten Mangala, Göttin: Der dazwischenliegende Bereich, Geliebte,

5.27 umfasst drei Krosha und heißt Manipitha, du von Göttern Verehrte. Im südlichen Antlitz [liegt] Kameshi, im Westen Hayagriva.

5.28 Im Norden [ist] das Kamala-Linga, aus Uttara entstanden, im östlichen Antlitz Viraja und im Norden das aus Kaushala Entstandene.

5.29 Anderswo [liegen] zwanzig Millionen, alle aus Vama hervorgegangen. Aus Ramana entstanden [sind] fünfhundert und hundert Becken. [Die gezählten Gegenstände und die Zahlenverbindung sind teilweise unklar.]

5.30 Im Kali-Zeitalter [gibt es] fünfzehn Millionen und dreißig Lingas, hunderttausend unter der Erde und hundertfünfzigtausend im Wasser, Geliebte,

5.31 zweihunderttausend auf Bergen, fünfhunderttausend in Höhlen, siebenhunderttausend auf dem Erdboden und hunderttausend an Baumwurzeln.

5.32 Fünfzigtausend Lingas befinden sich in Becken, wisse dies. In der Übergangszeit und deren Teilabschnitt [ist] das Becken durch Lauhitya läuternd.

5.33 Im „neuen Mond-Shaka“ [unklare Zeitbezeichnung], Herrin der Götter, wird all dies bekannt. Im dritten Teil des Übergangsabschnittes, wenn ein Shudra König wird,

5.34 dann tritt die Göttin Kameshvari im mittleren Teil hervor. Am Ende nicht; Shakeshvari tritt im mittleren Teil hervor. [Die Zeitfolge und die Negation sind nicht eindeutig überliefert.]

5.35 Im letzten Teil [tritt] Shakadevi [hervor], dann ist Urvashi deutlich [Variante: nicht deutlich]. Im „Erd-Shaka“ wird Madhava offenbar, im „Nektarteil“ Viraja, Geliebte. [Die Zeitbezeichnungen bleiben unsicher.]

5.36 [Durch] Verehrung und Verneigung [erlangt man] die Frucht des Rajasuya, Geliebte. Nordwestlich des Mana-Berges liegt der Berg Varaha.

5.37 Dort nimmt Gott Narayana immer Wohnung. Südöstlich davon liegt der Naranarayana-See.

5.38 Wer dort trinkt und badet, wird in Vishnus Welt geehrt. An seinem westlichen Ufer liegt das höchste Someshvara-Linga.

5.39 Die Pilgerstätte namens Prabhasa schenkt den Verstorbenen als Frucht Befreiung. Der Besuch und die Darbringung von Speisekugeln überwinden Schuld und erfüllen den Menschen Wünsche.

5.40 Dort liegt acht Bogenlängen nordwestlich Vainayaka-Tirtha; die vortreffliche Pilgerstätte Prabhasa ist hundert Bogenlängen lang.

5.41 Zwölf Bogenlängen nordwestlich davon, Herrin der Götter, liegt die heilige Pilgerstätte Bindusaras, die durch ein Bad Sünden vernichtet.

5.42 Bis zum Ende der Berge Mani und Soma [sind es] fünftausend Bogenlängen. In Erdlingas [werden] zehn Millionen [gezählt]; dort ist Sarasvati. [Die zweite Zeile ist gestört.]

5.43 [Die Wendung] „Bogen-Kokilaka-Shambhu“ [ist unklar]; hunderttausend Kalis werden genannt. Östlich des Nataka-Berges liegt der Berg Matanga.

5.44 Bis zum Haya-Berg im Südosten gilt [das Gebiet] als Shivas inneres Haus. Wer in diesem inneren Haus stirbt, gelangt zum ewigen Brahman.

5.45 Dort getanenes Gutes ist unvergänglich; was dort getan wird, bleibt unvergänglich. Wer auf dem Mani-Berg verweilt und dort stirbt, wird nicht wieder geboren.

5.46 Eine Gabe dort kommt gewiss einer Gabe in Kurukshetra gleich. Zwischen Ashvatirtha und Indra[-Berg] wird Brahmas Grenze angegeben.

5.47 Wenn man am Mund Varahas das Wasser sieht, [heißt es] Matsyodari. Wenn im Ashadha bei Regen Vishnus „Fischbauch“ entsteht,

5.48 soll man dort mit aller Sorgfalt baden, meine Geliebte. Durch das Bad vergeht gewiss die Schuld von hundert Geburten.

5.49 Im Bhadra oder Shravana erhält man davon jeweils die Hälfte [„ardhārdha“ kann auch ein Viertel meinen]. Wenn [dies] im Karttika auch nur ein wenig sichtbar wird, ist die Frucht zehnfach höher.

5.50 Östlich des Hasti-Berges, etwas nach Nordosten, soll man Bhasmachala fest [ins Auge fassen] und unter Rezitation des Kama[-Mantras] schauen.

5.51 Am hinteren Teil von Kilaka [Variante: Kalika] soll man [eine Schnur auslegen; so die Variante]. Zwölf Bogenlängen nördlich dieses Bezirks

5.52 liegt die sogenannte Urvashi, die alle Schuld vernichtet. Am zwölften Tag der hellen Hälfte des Monats Magha soll man gesammelt

5.53 baden und erlangt das Verdienst eines Pferdeopfers, ebenso an Sonnenübergängen. Am Tagesende und bei einer Finsternis soll man niemals baden.

5.54 [Sonst droht] der Verlust des ältesten Sohnes und des Vermögens, höchste Herrin. [Es folgt eine Mantracodierung:] Tara, Shravana, Shunya, Varaha und Shikhin,

5.55 mit gleichem Laut, die Gemahlin des Feuers und Ananta werden genannt. [Die Formel bleibt codiert.] „Alle Pilgerstätten auf Erden samt Meeren und Seen

5.56 sind in Urvashi enthalten. Nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“ Mit diesem Mantra soll man vorschriftsmäßig nach Norden gewandt baden.

5.57 Mit dem Varuna-Mantra soll man Arghya für das Wohlergehen darbringen. Durch Untertauchen nach Osten wird Mahalakshmi beständig [Variante unsicher: wird gelöst].

5.58 Untertauchen in Kuberas Richtung [Norden] bringt Wachstum von Geld, Getreide und Nachkommenschaft. Zwölf Bogenlängen östlich davon

5.59 liegt die als Suryatirtha bekannte, selbst den Göttern schwer zugängliche Stätte. Rishis, Siddhas, Gandharvas, Pilgerstätten und Seen [sind dort gegenwärtig].

5.60 Unvergleichlich ist die Größe dieses Suryakunda, Shankari. [Mantracodierung:] Bhrigus Ende, der Luftraum, Göttin, Bhrigu und das Ende des Himmels [bilden] den Mantra.

5.61 Man verwende ihn beim Bad, bei Verehrung, Arghya und Lobpreis. Im Chaitra und Magha, am siebten Mondtag und am Sonntag,

5.62 erlangt man durch das Bad den Himmel und findet die Sonnenwelt. [Gebet:] „Rotstrahlender, aus [deinem] Geschlecht hervorgegangen [Lesung unsicher], Vernichter schwerer Sünden,

5.63 Hochbegnadeter, dessen Wesen Hari ist, nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“ Fünf Bogenlängen östlich davon liegt der See namens Kama.

5.64 Wer dort am dreizehnten Mondtag badet, erlangt alle Wünsche. Wer mit einer Amalaki-Frucht im Mund badet,

5.65 erhält, wenn er keinen Sohn hat, einen Sohn, einen König und Herrn der Erde. [Variante: Der König wird Herr der Erde.] Durch ein Bad am dreizehnten Tag der hellen Hälfte des Chaitra erlangt man ein Königreich.

5.66 Mit dem folgenden Mantra soll man Arghya, [verbunden] mit Kama, darbringen: „Kamakunda, Hochbegnadetes, von den Göttinnen selbst geheiligt,

5.67 gewähre alle Wünsche und rette mich von jeder Schuld!“ Wer in Suryatirtha Arghya darbringt, Schönleibige,

5.68 hundertachtmal, tausendmal, zehntausendmal, zwölfmal oder achtmal, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.

5.69 Wer im Magha oder Phalguna am siebten Tag bei Sonnenaufgang badet und Arghya mit Svaha darbringt, wird auch als Aussätziger von Schuld befreit.

5.70 Eine Frau, die noch nicht menstruiert, wird nach zwanzig Tagen dortiger Verehrung und Arghya-Spenden ihre Menstruation erhalten, höchste Herrin. [Historische Wirkungsbehauptung des Textes.]

5.71 Wer Aditya Arghya in einem irdenen Gefäß darbringt, Shankari, wird nach dem Tod für sieben Geburten in Armut geboren.

5.72 Eine Frau, deren Kinder gestorben sind, soll tagsüber Bhaskara mit Oleander, Arka und Amalaki-Früchten verehren.

5.73 Nachdem sie hundert Oleanderblüten dargebracht hat, wird sie einen Sohn erhalten. Fehlen Oleanderblüten, soll sie auch Blätter darbringen.

5.74 Rote Rudrajata und roter Oleander, überhaupt rote [Blüten], Göttin, sind bei Bhaskaras Verehrung empfohlen.

5.75 Unter allen Blumen ist Oleander am besten. Eine Oleanderblüte [entspricht] tausend roten Lotusblüten.

5.76 Mit jeder Blüte entsteht die volle Frucht eines Pferdeopfers. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt mit Oleander verehren.

5.77 Fehlt Oleander, soll man gesammelt dreimal seiner gedenken und „Karavira“ aussprechen; selbst zehn Millionen Mantrawiederholungen [bewirken] nicht ebenso

5.78 die Freude [Bhaskaras], die Oleander hervorruft. Wer innerhalb eines Jahres auch nur einmal das Saptami-Gelübde

5.79 in Suryatirtha vollzieht, läutert seine Familie bis zum siebten Glied. Erkenne den Nachmittag als vorzügliche Zeit, höchste Herrin.

5.80 Bei zu wenig oder zu viel [Abweichung von der Ordnung] entsteht keine Vollendung auf Erden. Zweimal Gekochtes, Ghee und Kalapaka soll man meiden,

5.81 Kasheru, Ingwer, Salz, Zusammenziehendes, Saures, Bitteres und Verunreinigtes nicht essen.

5.82 Man soll aus einem Steingefäß essen, niemals aus Silber oder Kupfer [die Verneinung ist sinngemäß ergänzt]. Zehn Bogenlängen rechts von Madana

5.83 liegt die Pilgerstätte Gangasaras; ein Bad dort bringt große Frucht. Nach dem Bad am Gangaufer soll man die Ahnen und Götter mit Wasser sättigen.

5.84 Bei Sonnenübergang und Finsternis gelangt man [dadurch] in Brahmas Welt. [Gebet:] „Aus dem Staub von Vishnus Fuß entstanden, Ganga, die du auf drei Wegen gehst,

5.85 Dharma-Spenderin, Beste [der Flüsse; „harit“ ist unsicher], rette mich von allen Sünden!“ Bei Waage und Steinbock und am achten Tag der hellen Monatshälfte, Strahlende,

5.86 wird der Mensch schon durch ein Bad in Vishnus Welt geehrt. Acht Bogenlängen südlich davon

5.87 liegt Agastya, die höchste Pilgerstätte, die Verstorbenen Genuss und Befreiung schenkt. Wer [von ihr] hört und dort untertaucht, erlangt Allwissenheit.

5.88 Mahadeva selbst und Vishnu sind dort gegenwärtig. Das vortreffliche Agastya-Becken dient Kamakhyas Spiel.

5.89 Es nimmt alle Sünden hinweg, ist rein, mit Vishnu, Brahma und den anderen verbunden, von Göttern, Danavas und Vidyadharas verehrt und gewährt alle Wünsche.

5.90 Mit mannigfachen Edelsteinen bedeckt, besitzt es eine überaus schöne Treppe. Das Becken wurde durch einen Spieß [„śalya“, Bezug unsicher] zur Freude der großen Göttin geschaffen.

5.91 Im Magha und Karttika, am zehnten Tag der hellen Monatshälfte, Schönangesichtige, erlangt man allein durch das Bad die Frucht Pushkaras.

5.92 Die Schuld von hundert Geburten vergeht augenblicklich; zur Tagundnachtgleiche und am Tagesende [vergeht] die Schuld von tausend Geburten.

5.93 Im Pausha und bei Krebs, am achten Tag der dunklen Monatshälfte, große Herrin, soll man das Bad meiden, weil sonst der Verlust der Ehefrau eintritt.

5.94 Wie Varanasi heilig ist, so ist [diese Stätte] zweifellos heilig. Sie ist die höchste geheime Pilgerstätte, Göttin; daran ist nicht zu zweifeln.

5.95 Dies ist der geheimste Bezirk, das höchste, tiefste Geheimnis. Wer dorthin gelangt, wird sogleich von allen Sünden befreit.

5.96 Dort sind Mahadeva, die Göttin Sarasvati, sämtliche Flüsse wie Ganga und alle sieben Meere,

5.97 Ströme wie Shona, Pilgerstätten und Seen. [Die abschließende Wendung über die linke Seite und das Becken des höchsten Herrn ist gestört.]

5.98 Ich kann [seine Größe] nicht ausführlich beschreiben, Lotusäugige. [Gebet:] „Wie du die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen mühelos erleuchtest,

5.99 so rette mich immer, beste Pilgerstätte; Verehrung sei dir!“ Im Südosten dieses Bezirks, ein wenig nach Westen,

5.100 einundzwanzig Bogenlängen [entfernt], liegt die Pilgerstätte Vasava. Nachdem man in dieser höchsten Pilgerstätte gebadet und Vasava verehrt hat,

5.101 gelangt man durch Shakras Bija in die Wohnstätte der erwählten [Gottheit], Herrin der Götter. Mit dem folgenden Mantra soll man Arghya an die Erde [Variante: an Indra] darbringen.

5.102 „Große Pilgerstätte Vasava, die alle Sünden vernichtet: Nachdem ich in deinem Wasser untergetaucht bin, gewähre die genannte Frucht!“

5.103 Westlich davon, Göttin, nicht weit entfernt, sieben Bogenlängen [weiter], liegt Rambhatirtha, große Herrin.

5.104 Wer in Rambhatirtha badet, wird schön geboren. Eine ihrem Mann treue Frau, die bewusst gemeinsam mit ihrem Mann gestorben ist,

5.105 erlangt Rambhas Welt und danach Haris Wohnstatt; daran besteht kein Zweifel. [Die folgende Zeitangabe lautet verkürzt:] am Ende und am Donnerstag. [Die Aussage über das Mitsterben dokumentiert eine historische Vorstellung.]

5.106 „Aus Brahmas Wirken entstanden, segensreiche Spenderin aller Wünsche, Wunschbaum, Verehrung sei dir! Rette mich aus dem Ozean des Werdens!“

5.107 Nach dem Bad mit diesem [Mantra] soll man Rambha Arghya darbringen. Dreißig Bogenlängen westlich des Bezirks

5.108 liegt das Rukmini-Becken. Wer dort badet, gelangt in Brahmas Stadt. Wer dort sein Gesicht wäscht, ob Frau oder Mann,

5.109 wird im nächsten Dasein zweifellos schön geboren. Das Bad [erfolgt] mit dem Kandarpa-Bija. Höre den Mantra zur Waschung:

5.110 „Brahma, Vishnu und Maheshana haben ihr Gesicht in dir gewaschen. [Man] erlangt die Schönheit der Ashvins; schenke mir durch die Wahrheit diese Schönheit!“

5.111 Nordwestlich dieses Bezirks, im Maß von acht [„astra“ ist zusätzlich überliefert und unklar] Bogenlängen, liegt die höchste Pilgerstätte der Ahnen. Durch Baden gelangt man zum höchsten Ziel.

5.112 „Pitritirtha, Hochbegnadete, von den acht Göttern selbst geehrt, Ursprung der Sättigung, reinige mich vom Schrecklichen!“

5.113 Wer hier mit diesem Mantra badet, erlangt die Frucht des Ahnenopfers. Zur rechten Seite Agastyas soll man gehen, baden und Wasserspenden vollziehen.

5.114 Vier Bogenlängen [entfernt liegt] der fensterförmige See. Wer am siebten Mondtag dorthin geht, wird gegenüber den Ahnen schuldenfrei.

5.115 „Gaya-Pilgerstätte, große Pilgerstätte, für die Ahnen gibt es nichts deinesgleichen. Du läuterst unter allen Pilgerstätten; reinige mich von Schuld!“

5.116 Nach dem Bad mit diesem [Mantra] soll man heraussteigen, zwei gewaschene Gewänder anlegen, das Tilaka-Zeichen auftragen und den Bezirk rechts herum umschreiten.

5.117 Nachdem man [dies] im Dashashva-Bezirk getan hat, soll man gesammelt Speisekugeln geben. Dort soll der Verständige die Ahnen in einer Sechzehnerordnung verehren, Göttin,

5.118 mit Milch und Honig sowie [einer Handlung namens] „pādāpanayana“ [unklar]. Von Süden an [befinden sich] der Reihe nach jeweils vier Handlängen [messende Altäre].

5.119 Dort sind sechzehn Altäre; jeden soll man verehren. Wer im Gaya-Brunnen badet und Gott Umapati schaut,

5.120 rettet sogleich sich selbst, zehn frühere und zehn spätere [Generationen]. Vishnu, Brahma, Rudra, Agastya und Shatakratu,

5.121 Ganesha, Krauncha, Kumara, Prajapati, Cyavana, Kashyapa und Pulastya [werden] der Reihe nach [genannt].

5.122 [Der Satz über Ashvakranta, Agastya und den Nektartag ist gestört; die Variante nennt ihre Gegenwart an diesen Orten.] Hier [gibt man] für die Mutter eine gesonderte Speisekugel, anderswo gemeinsam mit ihrem Mann.

5.123 Für wen man in Dashashvamedha unter Nennung seines Namens eine Speisekugel darbringt, der gelangt als Bewohner des Himmels [weiter] zum Himmel; die bereits im Himmel Weilenden erlangen Befreiung. [Die beiden Himmelsbezeichnungen sind im Text nicht klar unterschieden.]

5.124 „Die Ahnen unseres Geschlechts, denen Speisekugeln und Wasserriten fehlen, diejenigen, bei denen keine Haarzeremonie vollzogen wurde, und die aus dem Mutterleib [vorzeitig] hervorgingen,

5.125 die ohne Ehefrau blieben [Variante: deren Frauen verkauft wurden], die vom Feuer Verbrannten und die anderen: Mögen sie durch die auf die Erde gelegte Gabe satt werden und gesättigt zum höchsten Ziel gelangen!

5.126 Vater, mütterlicher Großvater und Urgroßvater, Mutter, väterliche Großmutter und Urgroßmutter,

5.127 ebenso mütterlicher Großvater und Urgroßvater [die Wiederholung steht so im Text]; die von Löwen, Tigern oder Schlangen angegriffenen und getöteten,

5.128 von Tieren mit Hauern oder Hörnern [Getöteten]: Ihnen gebe ich diese Speisekugel. Die vom Feuer Verbrannten und die nicht vom Feuer Verbrannten,

5.129 die von Blitz oder Räubern Getöteten: Ihnen gebe ich diese Speisekugel. Die in Tiergeburten Eingegangenen, als Vögel, Würmer oder Kriechtiere,

5.130 oder die in Baumgeburten Befindlichen: Ihnen gebe ich diese Speisekugel. Die in unzähligen Geburten Befindlichen, die unter Yamas Herrschaft geführt wurden,

5.131 zu ihrer Rettung gebe ich diese Speisekugel. Die durch ihr eigenes Karma in Tausenden anderer Geburten umherwandern,

5.132 die in Menschengestalt eingegangen sind [Variante: die hundert Qualen erleiden mussten], ihnen gebe ich diese Speisekugel. Die übrigen Bewohner von Qualstätten und der Geisterwelt,

5.133 zu ihrer Rettung gebe ich diese Speisekugel. Die Verwandten und Nichtverwandten, die in einer anderen Geburt meine Verwandten waren,

5.134 mögen durch diese Speisekugelgabe für immer Sättigung erlangen. Alle im väterlichen und mütterlichen Geschlecht Geborenen,

5.135 die verstorbenen Angehörigen von Gurus, Schwiegereltern und Freunden und alle anderen Verwandten; die im Geschlecht keine Speisekugeln erhalten, ohne Söhne und Ehepartner,

5.136 für die keine Riten stattfanden, Blindgeborene, Lahme, Entstellte und im Mutterleib [Verstorbene], die meinem Geschlecht angehörten: Möge ihnen die von mir gegebene Speisekugel unvergänglich zugutekommen!

5.137 Die Verwandten aus dem Geschlecht des Vaters, der Mutter und aus dem Haus [Wortlaut unsicher], die in beiden Familien als meine Diener lebten, Verstorbene und [andere] Bedienstete [„amṛtasevakāḥ“ ist unklar],

5.138 Freunde, Freundinnen, Gefährten anderer, Bäume, Gute und Böse, Wohltäter und diejenigen, die in einer anderen Geburt meine Diener waren: Ihnen gebe ich diese Speisekugel.“ [Die Variante zu Vers 137 schließt ausdrücklich auch Übeltäter und Menschen ein, die Schaden zugefügt haben.]

5.139 Nordwestlich von Suryakunda, einen Bogenstab entfernt, weilt Gott Gadadhara. Dort soll man sich verneigen und [die Gabe] darbringen.

5.140 „Götter, Brahmanen und Vasus, seid meine Zeugen: Nachdem ich Gaya erreicht habe, habe ich die Erlösung meiner Ahnen vollzogen.

5.141 Gott Gadadhara, ich bin wegen der Ahnenpflicht nach Gaya gekommen. Du selbst, Erhabener, bist mein Zeuge: Ich bin frei von den drei Schulden.“

5.142 Bei der Speisekugelgabe an die Ahnen soll man sechzehn Kugeln geben. Man soll sie rund formen und einen Milchstrom ausgießen.

5.143 Links von Gadadhara, nicht weit entfernt, Shankari, liegt Matrigaya, Göttin, eine gute Pilgerstätte im Süden.

5.144 Wer sich sorgfältig vor Gott Gadadhara, dem befreiungsschenkenden höchsten Purusha, verneigt, wird nicht wieder geboren.

5.145 Wer schweigend den hochherzigen Maunaditya, besonders Kanakarka, schaut, wird als brahmanischer Seher zum Gefährten der Ahnen.

5.146 Wer Brahma verehrt, gelangt in Brahmas Welt. Der golden schimmernde Stein am südlichen Ufer Urvashis

5.147 ist als Gayatri zu erkennen. Man soll sie mit Düften und Sandelholz verehren. Wer früh aufsteht und gesammelt zu Gayatri geht,

5.148 um sorgfältig die Dämmerungsandacht zu vollziehen, erlangt die Frucht aller Veden. Wer mittags Savitri schaut, erlangt die Frucht eines Opfers.

5.149 In Dashashvamedha [weilt] der Reichtum spendende Gott der Götter Janardana. Durch Speisekugelgaben entsteht dort ewige Sättigung.

5.150 In Gaya [weilt] Janardana in Gestalt der Ahnen. Wer den Lotusäugigen schaut, wird von den drei Schulden befreit.

5.151 Wer den göttlichen Urvater schaut, wird von allen Sünden befreit. Bei Steinbock und bei Mond- oder Sonnenfinsternis

5.152 ist die Darbringung von Speisekugeln bei Agastya in den drei Welten schwer zu erlangen. Ob der eigene Sohn oder jemand anderes im Gaya-Brunnen, in Ashvamedhika,

5.153 unter dem Namen eines Menschen eine Speisekugel darbringt, er führt diesen zum ewigen Brahman. Diese Stätte wurde von Brahma eingerichtet, die Brahmanen wurden von Brahma eingesetzt.

5.154 Durch ihre Verehrung sind alle Gottheiten und Ahnen verehrt. Man soll die Gaya-Brahmanen nach der Ordnung der Götter- und Ahnenopfer sättigen.

5.155 In Gaya ist Geben vorgeschrieben, kein Unterlassen [der Gabe]. Wer eine große Gabe spendet oder einen Stier freilässt

5.156 in der befreiungsschenkenden Pilgerstätte Dashashvamedhika, [wird befreit; Satz verkürzt]. Vierundsechzig Bogenlängen misst der als Agastya bezeichnete Bezirk.

5.157 Fünfundfünfzig Pilgerstätten werden genannt, Schlankhüftige: Urvashi, Surya, Kama, Putra, Vasava,

5.158 Agastya, Ashvamedha, Tirthasara und Gayavila. [Die Namensreihe ist kürzer als angekündigt.] Diejenigen, die durch Aufhängen oder eine Schlinge um den Hals gestorben sind,

5.159 und eine ihrem Mann gegenüber untreue Frau [Variante: im Geist verwirrte Frau] erhalten keine [gewöhnlichen] Totenriten: weder Bestattung noch Verbrennung noch Trauerunreinheit sind für sie vorgesehen. [Historische Ausschlussregel des Textes.]

5.160 Bei Agastya und in Gaya soll man für sie drei Nächte lang Riten vollziehen; beginnend mit Neumond soll man sie drei Nächte lang ausführen.

5.161 Wer unverständig ihre Riten anderswo vollzieht, dessen Riten sind fruchtlos; er soll das Chandrayana-Gelübde durchführen.

5.162 Dadurch erlangt er Reinheit, andernfalls bleibt er schuldig. An einer anderen Pilgerstätte [Variante: in Ashvatirtha] begangene Schuld vergeht in Gaya.

5.163 In Gaya begangene Schuld vergeht im Rama-Bezirk; im Rama-Bezirk begangene Schuld vergeht auf Manikuta.

5.164 Auf Manikuta begangene Schuld vergeht auf Nilashaila; auf Nilashaila begangene Schuld vergeht im inneren Haus.

5.165 Im inneren Haus begangene Schuld vergeht in Somatirtha; in Somatirtha begangene Schuld wird in Mangala beseitigt; in Mangala begangene Schuld vergeht bei Agastya.

5.166 Bei Agastya begangene Schuld vergeht auf Mandara; auf Mandara begangene Schuld vergeht in Vajralepa. [Variante: Sie wird diamantfest anhaftend.]

5.167 Die Schuld von Vajralepa vergeht in Ashvakranta; in Ashvakranta begangene Schuld wird in Urvashi beseitigt.

5.168 Den Tag soll man mit dem Hören der heiligen Ortsverherrlichung und der Samhita verbringen, große Herrin; nachts soll man Vishnu betrachten.

5.169 Man soll dort bleiben und nachts [die Wendung „mokṣyaṃ na vartayet“ ist unklar]. Am folgenden Morgen soll man bei Agastya baden.

5.170 Der Strom, der Bhasmachala berührt, ist als Sarasvati zu erkennen. Dort [durch Darbringung mit] Svaha erlangt man die Frucht des Agnishtoma-Opfers, große Herrin.

5.171 „Du auf Vishnus Brust Weilende, Segensreiche, die du Blütennektar liebst, nimm meine in Geburt um Geburt angesammelte Schuld hinweg, höchste Herrin!“

5.172 Mit diesem Mantra soll man baden, besonders im Karttika. Östlich des Gottes liegt ein schöner Stufenbrunnen.

5.173 Wer sein klares Wasser trinkt, wird nicht wieder geboren. Acht Bogenlängen südöstlich des Bhasma-Berges

5.174 liegt die höchste Pilgerstätte namens Pishacamochana, Segensreiche. In Pishacamochana wurde der Dreizackträger verehrt [ein Subjekt fehlt].

5.175 Dies ist das vortreffliche Linga des Gottes Kapardishvara. Nordwestlich des Bhasmakuta, im Maß von „Madana-Bogenlängen“ [Zahl unklar],

5.176 liegt Kapalamochana, die höchste unter den Pilgerstätten. Sie soll sorgfältig verehrt und mit mannigfachen Hymnen gepriesen werden.

5.177 Bei meinem Bad dort fiel der Schädel ab, Schöne. Wer dort badet, Schönhüftige, beseitigt die Schuld eines Brahmanenmordes.

5.178 Kapaleshvara, der Herr, weilt in dieser Pilgerstätte. Fünf Bogenlängen nördlich davon liegt die Kapila Genannte, o Shiva.

5.179 Wer dort badet, Schönhüftige, wird von der Bindung des Werdens frei. Wer in dieser Kapilahrada-Pilgerstätte mit beherrschtem Geist badet

5.180 und Shiva mit dem Stierbanner schaut, erlangt die Frucht aller Opfer. Nach Osten gewandt soll man den Bhasmakuta besteigen.

5.181 Verehrung mit dem folgenden Mantra ist empfohlen: „Vrishachala [die Vorlage liest unsicher „vṛyācala“], Verehrung sei dir, Himmelsstätte des Dharma [Zusammensetzung unsicher]! Ich besteige den Gipfel Bhasmakuta; Verehrung sei dir!“

5.182 Wer dagegen nach Westen gewandt den Berg besteigt, dessen Verdienst aus zehn Geburten vergeht augenblicklich.

5.183 Wer nach Norden oder nach Nordosten gewandt [hinaufsteigt], dessen Vermögen, Sohn und Ehefrau gehen sogleich verloren.

5.184 Nun werde ich ein weiteres segensreiches Geheimnis, geheimer als das Geheimste, verkünden: Höre die Größe des Stierbannerträgers, Göttin, Schönangesichtige.

5.185 Wenn Neumond auf einen Montag fällt, soll man zum Bhasmachala gehen und den Gott sorgfältig verehren.

5.186 So rettet man einundzwanzig Generationen und gelangt zum höchsten Zustand. Man soll das Linga mit Duftstoffen und anderem baden, mit überaus schönen Lotusblüten [verehren],

5.187 mit den fünf Nektaren und Wasser [baden] und mit Sandelholz bestreichen. Den Hochherzigen soll man so am Monatsende und an jedem Festtag [verehren].

5.188 Man soll ihn mit Bilva-Blättern verehren und mit Edelsteinwasser baden, mit dem Prasada-Mantra und Rudra-Blüten verehren,

5.189 besonders mit Bandhuka, Jayanta und Malura. Man meditiere über den gnädigen Gott der Götter, Pinakin, mit drei leuchtenden, beweglichen Augen, unmittelbar alle Sünden hinwegnehmend, Rudra mit vier [Armen; Variante: mit Asche geschmücktem Leib].

5.190 Er trägt ein Tigerfell als Gewand; sein Körper ist hell wie der Mond, [daneben erscheint] ein blauer Leib und ein Antlitz am Körper der Göttin [Wortlaut unsicher]. In freudiger Erregung berührt er ihre Hand mit seiner Hand.

5.191 Auf den Blättern verehre man diese Gottheiten des höchsten Herrn: Dhama, Dharma, Sukshma, Vishnu, Narayana, Hara,

5.192 Vijaya, Viraja und Vishva, von der Mitte an. Ebenso verehre man die Shaktis, Rama und die übrigen, mit den genannten Kennzeichen.

5.193 Außen soll man hingebungsvoll Shrikantha und die übrigen verehren, weiter außen die Pitha-Herren und davor [erneut] die Pitha-Herren. [Die Wiederholung steht in der Vorlage.]

5.194 Mit dem Tryambaka-Mantra soll man [sie] verehren, ausgenommen Kamala. Nandisha, Mukuta und die Richtungshüter soll man der Reihe nach verehren.

5.195 Nachdem der hingebungsvolle Mensch den Herrn der Götter so verehrt und sich vor dem höchsten Herrn verneigt hat, soll er diese Hymne sprechen:

5.196 „Om. Verehrung dem Allfarbigen, dem Goldenen, dem mit goldenen Ohren; Verehrung dem mit goldenem Haarschmuck, dem Herrn des Goldes!

5.197 Aus Ishanas Donnerkeil Entstandener, Harikesha, Verehrung sei dir! Verehrung dem, dessen Farbe der jungen Sonne gleicht, der flammende Gestalt trägt!

5.198 Verehrung dem Unreinen und dem Reinen, dem Glückvollen und Unvergänglichen; Verehrung dem, dessen Haar vom Leib des Werdens gelöst ist [Lesung unsicher], dem mit offenem Haar!

5.199 Verehrung dem, den die sechs Handlungen erfreuen, der den drei Handlungen zugewandt ist, der die verschiedenen Pflichten gemäß Stand und Lebensstufe vorschriftsmäßig in Gang setzt!

5.200 Verehrung dem [„śośīyaśośa“, unklar; Variante: Läuternden und Geläutertwerdenden], dem [„karakaṇa“, unklar; Variante: Ursache der Werkzeuge], dem mit weißgelben Augen, dem mit dunklem Antlitz und Blick!

5.201 [Dem Wesen von] Dharma, Handlung, Lebensziel und Befreiung, dem Vernichter aller Sünden, dem Dreizack in der Hand Haltenden, Umas Geliebtem sei Verehrung!

5.202 Aus Ishanas Antlitz Entstandener, Harikesha, Verehrung sei dir! Sei gnädig, Parvatis Geliebter; Verehrung sei Umananda!“

5.203 Danach soll man mit gefalteten Händen seine Erlaubnis empfangen, sich verneigen und verehren und diesen Mantra sprechen:

5.204 „Umananda, Verehrung sei dir, der du Parvatis Freude vermehrst! Möge meine Vollendung ohne Hindernis bewahrt sein, denn heute habe ich die Verehrung vollzogen.

5.205 Herr der Welt, durch deine Gnade und auf deine Weisung verehre ich heute den erhabenen Kameshvara Shiva, Herr der Götter, Maheshvara.“

5.206 Östlich davon soll man Vishvaksena Janardana verehren. Westlich des Gottes liegt der heilige Bezirk namens Matanga,

5.207 zweiundzwanzig Bogenlängen messend. Wer dort wohnt, trauert nicht. Dort begangene Schuld kommt einem Brahmanenmord gleich.

5.208 Was immer man dort an Gutem tut, bringt die Frucht des Agnishtoma-Opfers. Der hingebungsvolle Mensch soll dort Matanga mit Gangawasser und anderem verehren.

5.209 Mit dem Maya-Bija, Herrin der Götter, und innerlich ganz gesammelt. Dort stehend soll er nach Süden gewandt das Heiligtum schauen.

5.210 So rettet er sein ganzes Geschlecht und wird in Brahmas Welt geehrt. „Verehrung dem Mandara-Berg, dem Schöpfer in Vishnus Gestalt!

5.211 Nach deinem Anblick [möge ich] im Himmel weilen; möge die Schuld des Werdens vergehen!“ Danach soll man Sandhyachala anschauen und diesen Mantra sprechen:

5.212 „Die in Tausenden von Millionen Weltzeitaltern angesammelte Schuld tilgst du, Elefantengesichtiger; sei mein Zeuge, Matangaja!“ Danach soll man der Sonne Arghya mit Sesam, Wasser und Kusha-Gras darbringen.

5.213 Man soll sich erheben, verneigen und Wasser zur Mundspülung geben. Bei einem Aditya-Gelübde, besonders bei der Arghya-Spende,

5.214 soll man sich setzen und dann darbringen; sonst soll man im Stehen geben. Nach der Arghya-Spende soll der Verständige das Gefäß mit der Öffnung nach unten stellen.

5.215 Dort soll man sich vor Chandeshvara und Surya verneigen und sie entlassen. Südwestlich von Dashashvamedha, nach Süden hin, meine Schöne,

5.216 einen Pfeilschuss entfernt, liegt der Kali-Berg. Schon durch sein Besteigen vergeht das Verdienst.

5.217 Leiden haftet dem Körper an; Kali [der Geist des schlechten Zeitalters] berührt ihn gewiss. Den Strom, den Kali berührt, [nennt der Text] „meine Trägerin“ [Bezug unsicher].

5.218 Diese ganz vom Makel Kalis erfüllte Pilgerstätte soll man meiden. Sechzehn Bogenlängen nordöstlich von Mandara

5.219 liegt Chakratirtha, die große Pilgerstätte, die alle Sünden vernichtet, auch die durch ungünstige Planeten und Verfehlungen entstandene vielfache Schuld.

5.220 [Die Schuld] aus dem Anblick des Halbmonds bei Löwe am vierten Tag der dunklen oder hellen Monatshälfte vergeht vollständig durch das Bad.

5.221 Wer dort Knochen niederlegt, meine Geliebte, [dessen Knochen] werden binnen sieben Nächten mit einem Radzeichen versehen, Göttin; daran ist nicht zu zweifeln.

5.222 [Wer] Erde aus Chakratirtha und Sandelholz trägt [Wortlaut unsicher], erlangt jene Frucht, wird strahlend und gelangt nach dem Tod in Haris Stadt.

5.223 „In Dvaraka entstanden, [Retter] der Zweimalgeborenen aus dem Ozean des Werdens, König der Pilgerstätten, Verehrung sei dir! Rette mich aus der Bindung des Werdens!“

5.224 Nach dem Bad mit diesem Mantra soll man Savitri Arghya darbringen. Wer in Chakratirtha badet und den Schöpfer verehrt,

5.225 rettet zehn frühere und zehn spätere [Generationen] sowie sich selbst. An Chakratirtha grenzt der Berg namens Nandana,

5.226 zweiundsechzig Bogenlängen westlich, Schöne. [Dort weilt] Janardana, der Herr der Götter, im Kali-Zeitalter in Buddha-Gestalt.

5.227 Wer ihn schaut, wird von überaus furchtbaren, schweren Sünden frei. Karkasha und Paundravardha [sowie] der Stein, aus dem das Rad hervortrat,

5.228 westlich von Mandara und des segensreichen Berges, Strahlende, werden als Zeichen und Gestalt Janardanas bezeichnet. [Die Namensfolge ist syntaktisch unklar.]

5.229 Nördlich dieses Berges, nordöstlich von Viraja, südlich des Gaja-Berges und westlich des Shaubhra-Lingas

5.230 liegt der als Agastya bezeichnete Bezirk Gaya. So wird der hundert [Einheiten] messende Bezirk [beschrieben; „asambhavādika“ ist unklar].

5.231 Diese Richtung [Variante: diesen Bezirk] soll man erkennen; das andere heißt Lohita. Durch Speisekugelgaben dort erlangen die Ahnen das höchste Ziel.

5.232 Man soll mit Svadha [Variante: Svaha] eine Speisekugel in Janardanas Hand legen: „Diese Speisekugel habe ich in deine Hand gegeben, Janardana.

5.233 Wenn ich in die andere Welt gegangen bin, wirst du sie mir geben.“ Acht Bogenlängen östlich von Kalishesha [Lesart unsicher]

5.234 liegt der Stein in Geistgestalt zur Rettung der Ahnen. Wer dort Speisekugeln gibt, wird niemals als Preta geboren.

5.235 Zwei Bogenlängen südöstlich von Chakratirtha [steht] das Laula-Linga, eine höchste Pilgerstätte. Man soll es mit Sesam und Milch sättigen.

5.236 Danach soll man Janardana schauen; so wird man von den drei Schulden frei. Am Übergang von Dvapara zu Kali [wurde], eine halbe Bogenlänge [entfernt],

5.237 von Shukra das unter dem Namen Shukresha bekannte Linga aufgestellt. Wer würde beim Anblick des Gottes Shukreshvara nicht von der Bindung frei?

5.238 Wer danach Goleshvara sieht, wird von der Schuld eines Brahmanenmordes frei. Angaresha, Siddhesha, Gayaditya, Gaja

5.239 und Markandeyeshvara soll man schauen; so wird man gegenüber den Ahnen schuldenfrei. Wer Gaya-Goleshvara schaut und Janardana badet,

5.240 rettet mit den Ahnen einundzwanzig Generationen. Sollte dies zur Läuterung der Menschen nicht genügen? Einundzwanzig Generationen gelangen dadurch in Brahmas Welt.

5.241 Alle Pilgerstätten auf Erden samt Meeren und Seen kommen Tag für Tag einmal nach Chakratirtha.

5.242 Auf Erden ist Gaya heilig, in Gaya der Brunnen. Achtmal vortrefflicher als der Brunnen ist Matrigaya, Göttin, Segensreiche.

5.243 Ein Sohn, der nach Matrigaya geht, wird augenblicklich schuldenfrei. Durch Speisekugelgaben in Gaya wird er gegenüber den Ahnen schuldenfrei.

5.244 In Gaya findet die Speisekugelgabe ihre Vollendung, ebenso die Pilgerstätte; Kamarupa reicht bis Panchaka, der Fluss bis Picchila, Segensreiche.

5.245 Der Mensch soll seine eigene Speisekugel in Janardanas Hand geben, ebenso in Viraja, Ashva, Karnivama und Somaka. [Die Ortsnamen sind teilweise unsicher.]

5.246 Durch eine Speisekugelgabe für sich selbst zu Lebzeiten wird der Mensch kurzlebig. Wer jedoch im großen Agastya-Bezirk seine eigene Speisekugel gibt,

5.247 dessen Lebenszeit wächst um ein Jahr und zwei Monate. Wer eigenhändig die zum Totenritual gehörige Stierfreilassung vollzieht,

5.248 dem gilt sie nach dem Übergang in die andere Welt als unvergänglich, Göttin. Solange die Eltern leben, soll ein Sohn für sie kein Totenritual vollziehen.

5.249 Ob viele Söhne vorhanden sind, ein einziger Sohn, ein der Yogaübung hingegebener Sohn, ein von Schwindsucht [betroffener Sohn; „kṛṣṇagata“ ist unklar] oder drei Söhne, große Herrin,

5.250 soll man nach dem vierzigsten [Lebensjahr] die eigene [vorsorgliche] Totenhandlung ausführen. Gaben und Stierfreilassung soll man vollziehen, aber nicht die zehntägigen Riten.

5.251 Zu Lebzeiten beider Ehepartner soll man zwei Stierfreilassungen ausführen. Im selben Mandala und Becken vollziehe man sie jeweils gesondert.

5.252 Nach dem Tod ausgeführt, bringt [die Handlung] einfache Frucht, zu Lebzeiten achtfache. Wird sie von jemandem aus einem anderen Geschlecht ausgeführt, ist ihre Frucht geringer.

5.253 Wer zum Aufbruch nach Gaya bereit ist, soll vorschriftsmäßig das Ahnenopfer vollziehen, mit den Angehörigen sprechen und das Dorf rechts herum umschreiten.

5.254 Dann soll er in ein anderes Dorf gehen, die Reste des Ahnenopfers essen, [es] rechts herum umschreiten und weiterziehen, ohne Gaben anzunehmen.

5.255 Schon einen Ellenabstand vom Haus entfernt wird der Weg nach Agastya mit jedem Schritt zur Himmelsleiter für die Ahnen.

5.256 Bei Tag wie bei Nacht darf man in Agastya das Ahnenopfer vollziehen. Ein in Ashvatirtha, auf Nilakuta oder in Panchaka vollzogenes Ahnenopfer,

5.257 [ebenso] in Ramashrama oder Shobhakuta, führt die Ahnen zum Himmel. Wer in Agastya den Kopf schert, Gott Janardana schaut

5.258 und den Mandara-Berg besteigt, läutert seine Familie bis zum siebten Glied. Das jährliche Gaya-Ahnenopfer, das Festtagsopfer an jedem Festtag und das Opfer zu beiden Tagundnachtgleichen: Wenn [dies] ohne Fleisch vollzogen wird,

5.259 gehen seine zur Speisekugelgemeinschaft gehörenden Ahnen stets enttäuscht fort. Beim Ama-Ahnenopfer soll man ohne Bedenken rohes Fleisch darbringen.

5.260 Dann bleiben die Ahnen nicht mit gesenktem Haupt stehen, meine Geliebte. Wer ein mit Fleisch vollzogenes Ahnenopfer [veranstaltet], selbst aber fleischlos isst,

5.261 gelangt mit seinen Ahnen gewiss in die Tamisra-Hölle. [Es folgt die unklare Anweisung, etwas] aus einem langen Faden herzustellen und dort zu nehmen, Shankari.

5.262 Ohne [Verletzung] der Ahnenopferordnung soll man ein solches Gelübde ausführen, meine Geliebte. Wer ein fleischloses [Gelübde] angenommen hat, soll ein fleischloses Ahnenopfer vollziehen.

5.263 Der [entsprechend] Gebundene [„moktā“ unsicher] isst fleischlos, niemals Fleisch. Beim Ahnenopfer soll der Verständige [die Brahmanen] unmittelbar einladen und die Handlung vollziehen.

5.264 Wer beim Ahnenopfer, Opfer oder Götterritus einen von einem Shudra getadelten Brahmanen speist, isst [gleichsam] Kot, Shankari. [Die genaue Zuordnung der Kritik ist unsicher.]

5.265 Büffel-, Großziegen-, Antilopen-, Yak-, Waran-, Schildkröten-, Shalva-, Hasen- und Schweinefleisch,

5.266 ebenso Wildschwein- und Widderfleisch sind beim Ahnenopfer darzubringen. Außerhalb des Kali-Zeitalters [auch] Rind- und Hundefleisch, [so die Vorschrift für] den Kundigen.

5.267 Von einem körperlich beeinträchtigten Ziegenbock stammendes [Fleisch] soll man meiden; [eine weitere Bedingung ist unklar]. Wer die Ahnen mit dem Fleisch eines schwarzen Ziegenbocks sättigt,

5.268 von dem gehen die Ahnen enttäuscht fort und sprechen einen furchtbaren Fluch aus. Wer die Ahnen mit Fleisch eines körperlich beeinträchtigten Ziegenbocks sättigt,

5.269 [verursacht] nach dem Text große Gefahr; deshalb soll man es meiden. Büffelfleisch [sättigt] zwölf Jahre; [zusätzlich steht] „ewige Sättigung“.

5.270 Ziegenfleisch [sättigt] ein Jahr, [Fleisch von Berg-]Ziegen sechs Jahre, Parvati; Yakfleisch hundert Jahre und Waran tausend, Geliebte.

5.271 Wildschwein sechs Monate, Schildkröte einen Monat [Variante: drei], Shalu-Fleisch sechs Monate und Hase neun.

5.272 Kleines Wildschwein [sättigt] zweiundzwanzig Monate, Yak hundert Jahre [Variante: sechs]. Grobes Fleisch soll man meiden.

5.273 Was von vier oder sechs Männern [getragen werden muss; das Verb ist gestört], wird von den früheren Weisen als übermäßig groß bezeichnet.

5.274 Büffel-, Rind-, Wildschwein-, Hirsch- und Großziegenfleisch aber wird auch dann empfohlen, wenn [das Tier] groß ist, meine Geliebte.

5.275 Nashorn und fünfkrallige [Tiere] sind essbar; „mit Schwert versehenes“ [oder eine Tierart mit „khaḍga“ im Namen] ist unessbar. Vierkrallige und im Wasser geborene [Tiere] soll man meiden, Geliebte. [Die zoologische Zuordnung ist unsicher.]

5.276 Godhika, Gold-Nashorn [oder entsprechend benannte Arten], schwarzen Yak und eine Schildkröte mit Radzeichnung soll der Kundige meiden.

5.277 Simhashunda, Rohita, Rajiva, Citraka, Mahashalka, Praushthika und Bergfische,

5.278 große Rohita-Fische, große Praushthika, großschuppige und gefleckte [Fische] soll man beim Ahnenopfer sorgfältig verwenden. [Die traditionellen Artnamen werden nicht unsicher mit modernen Arten gleichgesetzt.]

5.279 Schuppenlose und schlangenförmige Fische soll man meiden. Unter den schuppenlosen dürfen jedoch die beiden Kacaka-Arten gegeben werden.

5.280 Fische von gespensterartiger oder missgebildeter Gestalt, mit Schlangenmaul, dickleibige sowie Rajana soll man meiden.

5.281 Jivamsha, Sheluka, Padmaka, Safran, Svarnaka und Granthivarna soll man beim Ahnenopfer sorgfältig meiden.

5.282 Dhumra, Panchakadala, mit Insekten verunreinigten Zucker sowie Büffel-Ghee und Büffelmilch soll man beim Ahnenopfer meiden. [Die Fettbezeichnungen werden teilweise wiederholt.]

5.283 Kokosnuss, Palmyrafrucht, Dattel, Pinasa, Buttermilch und Milch ohne Ghee soll man sorgfältig meiden.

5.284 Eine Lampe mit hohlem Docht und sichtbares Öl [Bezug unsicher] soll man meiden, ebenso Saflor, Nalika-Gemüse und Malati-Blüten.

5.285 Beim Wachstums-Ahnenopfer soll man Lotus und Oleander meiden. Man soll kein Gangeya und keine roten Wasserlotusblüten geben. [Die erste Pflanzenbezeichnung ist unsicher.]

5.286 Ein Ahnenopfer ohne Gewand, ohne heilige Schnur, ohne Sesam und ohne Kuhprodukte ist fruchtlos, Herrin der Götter.

5.287 Fehlt ein Gewand, soll man eine Kusha-Girlande darbringen; fehlt die heilige Schnur, soll man zwei Fäden niederlegen.

5.288 Beim Ahnenopfer für Shudras und Frauen soll man die heilige Schnur weglassen. [Der nächste Satz betrifft] ein Ahnenopfer ohne Betel und Blattpulver [Variante: ohne Kalk], Shankari.

5.289 Fehlt [dies], soll man Jivaka und mit Honig vermischten Milchreis geben. Gesammelt soll man Speise in Gefäßen derselben Art darbringen.

5.290 Zuerst soll man die Göttergabe geben, dann in den Ahnengefäßen darbringen. Ahnenreste soll man niemals wieder als Götterspeise geben. [Die Verneinung ist in der Variante ausdrücklich erhalten.]

5.291 Beim Ama-Ahnenopfer eines Menschen ohne Opferfeuer soll man die Speise niemals waschen. Beim Wachstumsritus, Sonnenübergang und bei Finsternissen soll man sie waschen.

5.292 Dem Brahmanen soll man Speise im Maß von acht Handvoll darbringen.

5.293 Beim Ahnenopfer soll man nicht mehr und nicht weniger geben. Wer das Ahnenopfer auf einem schönen Lotusblatt vollzieht,

5.294 bewirkt gewiss Sättigung für mehr als hundert Jahre. Auf einem Ashvattha-Blatt, Göttin, und in einem Brahma-Gefäß, Shankari,

5.295 entsteht Sättigung für sechs Monate, auf einem Banyanblatt für unbegrenzte Zeit, in einem Kupfergefäß für einen Monat, in einem Goldgefäß für ein Jahr, in Silber für das Zehnfache, in einem Nashorn[horn]gefäß für hundert darüber hinaus.

5.296 Beim Ahnenopfer am Todestag [nehme man] Gefäße derselben Art; bei Festtags- und Wachstumsopfern soll man verschiedene Arten verwenden.

5.297 Man soll Reis verwenden, der bis zu einem Jahr [alt] ist. Über ein Jahr alten Reis soll man beim Preta-Ahnenopfer meiden.

5.298 In der Regenzeit gewachsenes Getreide, Sesam, Gerste [Variante zusätzlich: Kichererbse] und zweimal Gegartes soll man bei Opfern und Ahnenopfern meiden.

5.299 Shashti-, Raja-, Brihad-, Vallabha-, Soma-, Shishna-Getreide, Vanga und roter Shali-Reis,

5.300 Ketaki, Kalavinka, Narayana-, Madhava-, Pradipa-, Vishnu- und Vallabha-Getreide,

5.301 Bhogya-, Ashoka-, Nagaksha- und Panchaka-Getreide eignen sich für das Ahnenopfer und sollen bei den vedischen [Riten] verwendet werden.

5.302 Auch Weizen, Gerste, Kuchen, große Herrin, Nivara-Wildreis und das vorzügliche Deva-Getreide [verwende man] beim Ahnenopfer.

5.303 Im Frühling gepflanztes Getreide soll man sorgfältig meiden; schon durch dessen Verzehr geht Schuld auf die Menschen über.

5.304 Wer Shravana-Speise isst, wird arm geboren. Wer Soma-Getreide isst, soll das Chandrayana-Gelübde vollziehen. [Dies steht in Spannung zur vorherigen Liste geeigneter Getreidearten.]

5.305 Durch den Verzehr von Vriddha-Getreide entsteht Wohlstand; durch Raja- und Shishna-Getreide erhält man Anteil an Vishnus Welt.

5.306 Wer gekochten roten Shali-Reis isst, erlangt siegreiches Glück. Narayana- und Madhava-[Getreide verleihen] Genuss, meine Schöne.

5.307 Wer Yavasa-Getreide isst, erlangt Ruhm. Wer einen bereits eingeladenen Brahmanen vom Ahnenopfer ausschließt,

5.308 gelangt bis zur Auflösung der Elemente in eine furchtbare Hölle. Wenn der eingeladene Brahmane zuvor zu Hause isst,

5.309 gelangt er in die Kalasutra-Hölle und tritt in eine Schweinegeburt ein. Ein eingeladener Gelübdehaltender oder Brahmacharin

5.310 soll das Ahnenopfer nicht übergehen. Beim Honigessen besteht [dann] kein Fehler. Frisches Ghee, frisches Getreide, Fleisch und Öl:

5.311 Wenn ein Gelübdehaltender diese beim Ahnenopfer isst, entsteht kein Fehler, Göttin. Beim Gaya-Ahnenopfer, während der Ahnenmonatshälfte und beim Mitsterben, Geliebte,

5.312 bei einer Finsternis und beim Ahnenopfer an einer Pilgerstätte soll man nicht an der Speisekugel riechen. Eine Brahmanenfrau soll ihrem Mann außer an einer Befreiungspilgerstätte nicht [in den Tod] folgen.

5.313 Sie soll ihm nicht auf einem gesonderten Scheiterhaufen folgen; [die Wendung über Befreiungswege ist unklar]. Die Totenriten sollen in zehn Tagen vollzogen werden; anderswo besteht ein Verbot.

5.314 Bei einem durch Erhängen Verstorbenen, einer im Wasser befindlichen Leiche, einer länger liegenden Leiche oder der Leiche eines an Schwindsucht oder Aussatz Erkrankten

5.315 soll ein Brahmane [grammatisch männlich; im Kontext möglicherweise die Brahmanenfrau] nicht [in den Tod] folgen, außer an einer Befreiungspilgerstätte, Geliebte. Eine Frau mit vielen Söhnen, eine Schwangere und eine Menstruierende,

5.316 eine Ausgestoßene, eine als untreu bezeichnete oder eine „nicht keusche“ Frau [soll dies] niemals [tun]. Zum Zweck des Nachfolgens soll man den Leichnam einen Tag aufbewahren.

5.317 Am folgenden Tag kann [die Frau nach der historischen Vorschrift] nachfolgen, ohne dass darin ein ritueller Fehler entsteht. Stirbt der Mann in der Fremde, soll [sie] einen vorhandenen Gegenstand des Mannes

5.318 an die Brust nehmen und ihm nachfolgen; [dies gilt] für Kshatriyas und die folgenden Stände. Auch eine in Hingabe gehüllte [Variante: hingebungsvoll verbundene] treue Shudra-Frau

5.319 soll [nach dieser Vorschrift] das Mitsterben vollziehen; dieselbe Ordnung gilt für eine Vaishya-Frau. Stirbt der Mann am dritten Mondtag, kann sie am vierten nachfolgen.

5.320 Der Verständige soll ihre jährliche Totenfeier am Mondtag des Mannes vollziehen. Bei gemeinsamem Tod, Göttin, soll man eine gemeinsame Speisekugel darbringen.

5.321 Das Ahnenopfer soll gleichzeitig geschehen, ohne zeitliches Vorher und Nachher [Variante: kein gesondertes Ahnenopfer]. Die Speisekugel für das Ehepaar soll man rund formen.

5.322 Man soll sie mit einem Gewand bedecken und Honig und Milch darüber gießen. [Danach folgt die widersprüchliche Vorschrift:] Milch nicht mit der Speisekugel, niemals getrocknete Mango.

5.323 Kein Ghee und Büffel-Ghee, [ferner] Amalaki, Lakuca, Granatapfel, Zitronatzitrone und Gurkenfrucht,

5.324 Jambu-Frucht, Lotussamen, Banane und Ramaka soll man meiden. Kasheru, Yugana und Milch einer braunen Kuh,

5.325 ebenso reife Jambu-Frucht soll man beim Ahnenopfer sorgfältig geben. [Es folgt eine sprachlich unklare Reihe:] Unreifes, von Würmern Befallenes, Rettich und Karamardaka,

5.326 Bilva, Tinduka, Madhuka, Madhuri, Jambu-Frucht, Lotussamen und Jivanti soll man darbringen. [Die Speiselisten 323–326 überliefern teilweise widersprüchliche Anweisungen.]

5.327 Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas sollen das Ahnenopfer wie gelehrt vollziehen. Unter Beachtung der Familienordnung soll die Gabe mit Mantras erfolgen.

5.328 Die drei höheren Stände und Shudras sollen nach Weisung der Brahmanen geben; [für Shudras] vorschriftsmäßig ohne Mantras und ohne Kochen am Opferfeuer.

5.329 An Pilgerstätten wie Pushkara, in heiligen Heiligtümern, auf den Gipfeln großer Berge, in heiligem Land, Shankari,

5.330 an Flüssen mit heiligem Wasser, an Strömen, an Zusammenflüssen [die Vorlage liest „saṅgrāma“, Schlacht] und an den sieben Meeren,

5.331 in Götterheiligtümern, in Kuhställen, an der Wurzel eines Amalaki-Baumes, an den Wurzeln göttlicher Bäume und inmitten von Tulasi [soll man das Ahnenopfer vollziehen].

5.332 In Dasharna, Kumarya, Magadha und Kusha, am nördlichen Ufer der Viraja, am südlichen der Lauhitya,

5.333 südlich der Narmada, südlich von Agastya und östlich der Karatoya soll nach der Aussage des Textes kein Ahnenopfer gegeben werden.

5.334 Man sagt, das Ahnenopfer solle Monat für Monat beim Schwinden [des Mondes] gegeben werden. Auch an Vollmond soll es im „akṣa“-Bereich [unklar] vollzogen werden.

5.335 Das tägliche Ahnenopfer wird stets mit den Menschen [verbunden] besungen, das anlassbezogene mit den Göttern, ebenso das tägliche und anlassbezogene [die Wiederholung bleibt unklar].

5.336 Wunschorientierte Ahnenopfer sollen die Zweimalgeborenen alljährlich vollziehen; das Wachstums-Ahnenopfer bei Handlungen und [deren] Unterlassung [Lesung unklar].

5.337 Dabei erkenne das Bad und den Vorrang der Mütter, Shankari. Wenn die Sonne in der Jungfrau steht, soll man fünfzehn Tage lang

5.338 nach der Festtagsordnung das Ahnenopfer vollziehen. Wer dabei Sesam mit Rohzucker gibt

5.339 oder mit Honig vermischte [Speise], [dessen Gabe ist] durch den Mantra unvergänglich. Wer die Ahnen unter Krittika verehrt, erlangt Befreiung.

5.340 Wer Nachkommen wünscht, [verehre] unter Rohini; unter dem Mond-[Mondhaus, Mrigashiras] erlangt man Strahlkraft, unter Magha Nachkommen und Gedeihen, unter Phalguni Glück.

5.341 Auch unter anderen Mondhäusern soll man [das Opfer] nach dem jeweiligen Wunsch vollziehen. Wer Ahnen hat, die in einer Schlacht durch Waffen starben,

5.342 soll es für ihre Sättigung am vierzehnten Mondtag ausführen. Wenn fünfzehn Ahnenopfer zur Erfüllung eines Wunsches vollzogen werden,

5.343 wird mit dem vierzehnten [zusammen] eine Sechzehnerfolge gewünscht. [Die Zählweise ist nicht erläutert.] Beginnt man mit dem zehnten oder fünften Mondtag,

5.344 soll man den vierzehnten auslassen und an diesem Mondtag die Götterriten vollziehen. Monat für Monat soll man an Neumond das Ahnenopfer ausführen.

5.345 Man erlangt alle Wünsche und nach dem Tod den Himmel. Beim täglichen Ahnenopfer, bei Wasserspenden, Götterverehrung und täglicher Puja,

5.346 auch bei der Speisung von Brahmanen, gibt es keine [gesonderte] Dakshina. Wer in der Ahnenmonatshälfte kein Ahnenopfer vollziehen kann, soll Brahmanen speisen, Geliebte.

5.347 Er soll dort den Göttern Wasser geben und entsprechend darbringen. Leben die Eltern noch, Göttin, soll man bei Opfern und am Tag des Ahnenopfers

5.348 sie mit Speisen, Gerichten und mannigfachen Früchten speisen. Werden sie nicht gespeist, ist das Opfer verdorben und ebenso das Ahnenopfer.

5.349 Beim Wachstums- und Festtagsahnenopfer sowie bei der Speisung vieler Brahmanen soll man das tägliche Ahnenopfer auslassen, große Herrin.

5.350 Wer den schwer erreichbaren Zustand [entsprechend] dem Rajasuya und Pferdeopfer wünscht, soll nach Gaya und zur Ganga gehen und vorschriftsmäßig das Ahnenopfer vollziehen,

5.351 auch nur mit Wasser, Gemüse, Wurzeln und Gerstenmehl. Bis zu Vishnus Erwachen ist die Ahnenstadt leer [weil die Ahnen zu ihren Nachkommen kommen].

5.352 Ist das Erwachen vorüber, kehren die Ahnen mit den Göttern seufzend zurück und sprechen einen schwer zu ertragenden Fluch aus [wenn die Gaben ausbleiben].

5.353 Wer einen lebenden Vater hat, soll das Gaya-Ahnenopfer, das Gaya-Bad und die Sesam-Wasserspende aus einem Nashorn[horn]gefäß meiden, Herrin der Götter.

5.354 An einem Montag mit Neumond soll er Schweigen und Bad meiden. Wessen Mutter gestorben ist, Göttin, der soll nach Matrigaya gehen.

5.355 Wenn der Vater [verstorben ist; so die Variante] oder der väterliche Onkel stirbt [ist die Lage zu prüfen]. Solange Mutter und Vater leben, soll man niemals nach Gaya gehen. [Eine Variante fordert eine Prüfung nach dem Tod der Eltern.]

5.356 Man soll zuerst die Speisekugel für den Vater geben, dann die für den Großvater und die für den Urgroßvater; so ist es in den Schriften festgelegt.

5.357 Für Verstorbene soll man Speisekugeln geben und Brahmanen speisen. [Hier] gibt es keine Aufnahme in die Ahnen-Speisekugelgemeinschaft, und ein Festtagsopfer ist nicht vorgesehen.

5.358 [Man wähle] einen abgeschiedenen, segensreich gekennzeichneten, reinen Ort, nach Süden [geneigt; „dakṣiṇāpūraṇa“ ist unsicher], und bestreiche ihn mit Kuhdung.

5.359 Auf dem gereinigten Erdbereich soll man die Speisekugeln für die Ahnen niederlegen. [Eine Variante verneint dies.] Bei einem zu beschwichtigenden Planeten [oder Geist] soll man ein sündiges Haus meiden, Göttin.

5.360 Kommt ein Bettelmönch oder Brahmacharin zum Essen, nachdem die Teilnehmer des Ahnenopfers bereits sitzen, soll man ihn verehren, auch wenn er [selbst] Wünsche hegt.

5.361 Ritus, Ort und Zeit, Stoffe und geeignete Brahmanen: Diese fünf [Faktoren nennt der Vers; die anschließende Aussage „die Ahnen töten“ und der Schluss sind gestört].

5.362 Oder man soll einen in den Veden gründlich bewanderten Brahmanen speisen; wer diese Handlung erneut zur Zufriedenheit der Götter vollzieht,

5.363 [für den] soll dieses Ahnenopfer nicht wunschorientiert sein; man soll es auch nach der Tantra-Ordnung abschließen. Beim Beginn des Vaishvadeva soll man jenes Ahnenopfer auslassen.

5.364 Bei der Einrichtung eines Heiligtums, auf Reisen und bei häuslichen Handlungen [ist dies zu beachten]. In der dunklen Monatshälfte besteht es nicht [Bezug unklar]; dort soll man das Bad auslassen.

Kolophon: Damit endet der fünfte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Sechster Paṭala

6.1 Der Erhabene sprach: Höre, Göttin Parvati, was am zweiten, folgenden Tag zu tun ist. Wer in Chakratirtha badet, wird von aller Schuld befreit.

6.2 Man gehe südlich der Lauhitya; im Nordwesten liegt der Kola-Berg. Westlich davon [weilt] der überaus mächtige Pandunabha.

6.3 Zwölf Bogenlängen nordwestlich davon liegt der See namens Brahmakunda, der alle Sünden vernichtet.

6.4 Was bedarf es Japas, was der Askese, was der Gaben, was der Feueropfer? Wer in Brahmakunda badet, findet augenblicklich Vollendung.

6.5 Einst wohnte Brahma dort auf Ishvaras Erlaubnis. Götter und Danavas eilen zu dieser Pilgerstätte, um zu baden,

6.6 ebenso Rishis, Siddhas, Gandharvas, Pilgerstätten und Seen. So [groß ist] der Ruhmeskreis dieses Brahmakunda, Schöne.

6.7 Man soll unverzüglich vorschriftsmäßig baden und nach der Ordnung Gaben geben: Edelsteine, Gold und Kostbarkeiten nach dem eigenen Vermögen.

6.8 Wer trotz vorhandener Möglichkeit aus Verblendung nicht badet, wird als niedrigster Mensch in einer furchtbaren Hölle gesotten, solange vierzehn Indras [herrschen].

6.9 Fünf Bogenlängen südlich davon liegt die Pilgerstätte Lauhitya. Durch das Bad vergeht die Schuld.

6.10 Durch das Bad beim König der Pilgerstätten vergeht jede Verfehlung. Der heilige See des Pilgerstättenkönigs gewährt die Frucht sämtlicher Pilgerstätten.

6.11 Alle bestehenden Pilgerstätten, Flüsse und Seen gehen gewiss in den König der Pilgerstätten ein.

6.12 Er ist König aller Pilgerstätten, wie das Meer Herr der Flüsse ist. Deshalb ist er unter allen Pilgerstätten der Beste und gewährt alle Wünsche.

6.13 Wie beim Aufgang der Sonne das Licht die Finsternis vernichtet, Geliebte, so vernichtet das Bad beim Pilgerstättenkönig jede Schuld.

6.14 Eine Pilgerstätte wie der Pilgerstättenkönig gab es nicht und wird es nicht geben. Dort hat Herr Narayana immer seinen Sitz.

6.15 Wer könnte die Vorzüge des Pilgerstättenkönigs beschreiben, meine Geliebte? Dort sind dreimal neunzig Millionen Pilgerstätten. [Die Variante enthält eine andere, unklar gefügte Zahl.]

6.16 Deshalb wird dort das Verdienst von Bad, Gabe, Feueropfer, Japa, Götterverehrung und jeder anderen guten Handlung unvergänglich, Geliebte.

6.17 „Verehrung dir, Brahmaputra! Verehrung dir, Sohn Shantanus! Nimm die Schuld dreier Geburten immer hinweg, Lauhitya!“

6.18 Nach dem Bad mit diesem Mantra soll man Arghya darbringen und mit höchster Hingabe mit dem folgenden Mantra verehren, Strahlende.

6.19 [Die höchste Pilgerstätte wird durch eine codierte Formel bezeichnet:] Hamsa mit dem linken Auge, Shasana, Herz, die Geliebte des Feuers, der See von beständigem Wesen. [Die Satz- und Buchstabenfolge ist unsicher; keine Formel wird rekonstruiert.]

6.20 Südlich davon, nicht weit entfernt, [in einem unklar bezeichneten Abstand] liegt das bekannte Vishnukunda.

6.21 Wer in Vishnukunda badet, soll Pandu-Shaunaka schauen, groß, in Gestalt eines schönen Steins, vorn mit Anmut versehen. [Die Namensverbindung ist unsicher.]

6.22 Der Mensch erlangt die Frucht von fünf Pferdeopfern. [Gebet:] „Du im Lebensatem aller Wesen Weilender, Ursprung, Herr der Flüsse,

6.23 Vishnukunda, Verehrung sei dir! Rette mich von aller Schuld!“ Wer mit diesem [Mantra] am elften Mondtag des Phalguna badet, Schönhüftige,

6.24 wird von allen Sünden und allem Leiden frei, den Göttern gleich, herrlich und stolz auf Schönheit und Jugend.

6.25 Auf einem reinen, sonnenfarbenen [Fahrzeug], von göttlichen Gandharvas bedient, gelangt er in Vishnus Welt, nachdem er einundzwanzig Generationen gerettet hat.

6.26 In dessen südlichem Bereich, etwas nach Südwesten, elf Bogenlängen [entfernt], liegt das bekannte Shivakunda.

6.27 Schon durch die Begießung dort gelangt man in Rudras Welt. Wer Monat für Monat am vierzehnten Mondtag im Shivakunda,

6.28 bei Tagesanbruch badet, meine Geliebte, wird auf Erden nicht als Preta geboren. [Gebet:] „Höchste Pilgerstätte unter den Pilgerstätten, aus Vishnus Bad entstanden,

6.29 Herr der Flüsse, Verehrung sei dir! Rette mich, du Shiva Lieber!“ Nach dem Bad mit diesem Mantra soll man mit Hamsa Arghya darbringen.

6.30 Dann gehe man zum Pandu-Berg, bade [die Gottheit] mit Duftwasser und verehre sie mit weißen Lotusblüten und segensreichen weißen Oleanderblüten.

6.31 Man spreche das Wort „an Vishnu“, dann „an Pandunatha“, [verbinde es] mit „java“ [Variante: Verehrung] und danach mit der Verneigung. [Die Anweisung zur Mantragewinnung ist gestört.]

6.32 Der vierzehnlautige [Mantra] endet mit Shikha [technische Bezeichnung]. Sein Rishi ist Narada, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Hari.

6.33 Er wird für alle Ziele, besonders für Wünsche, verwendet. [Man meditiere über] den weißen, zweiarmigen Vishnu, dessen Hände mit Rad und Muschelhorn strahlen,

6.34 den Segensspender, von Göttern und Gandharvas bedient, der stets Wünsche erfüllt. Nach dieser Meditation soll der Verständige der Reihe nach, von den östlichen Blättern an, verehren:

6.35 Lakshmi, Sarasvati, Ganga, Yamuna, Narmada, Shiva, Bala, Kamala und dann Sankarshana und die übrigen.

6.36 Man verehre die Richtungshüter, Planeten und Vishvaksena. Nach vorschriftsmäßigem Bad in der Lauhitya soll man Pandunatha verehren.

6.37 Von allen Sünden frei, wird man in Vishnus Welt geehrt, länger als ein Manvantara, frei von Alter und Tod.

6.38 Wenn das Verdienst erschöpft ist, kehrt man hierher zurück und wird in einer mit allen Tugenden ausgestatteten Familie geboren, niemals als Preta. Als Rechtschaffener gelangt man [wieder] zu Vishnu.

6.39 Nach der Mantrawiederholung soll man so verehren, mit dem Mantra der erwählten Gottheit. „Pandunatha, Verehrung sei dir! Verehrung dir, der du Befreiung bewirkst!

6.40 Rette mich, Herr aller Welten, Vishnu-Gestalt, Verehrung sei dir! Einer reinen Wolke gleich, höchster Purusha, Verehrung sei dir!

6.41 Verehrung dir, Lotusäugiger, Pandunatha! Du dem goldenen Keim Gleichender, Verehrung sei dir, Garuda-Bannerträger!

6.42 Brahma-Gestalt, Verehrung sei dir! Narayana, Verehrung sei dir! Augenschminke Gleichender, deinen Verehrern liebevoll Zugewandter, Verehrung sei dir!

6.43 Pandunatha, Verehrung sei dir! Rette, rette! Verehrung sei dir, Wohnstätte der Götter, den Göttern Lieber!

6.44 Narayana, Verehrung sei dir! Rette mich, der ich Zuflucht genommen habe! Bester der Götter, Lotusgeborener, Verehrung sei dir!

6.45 Viergesichtiger, Wohnstätte der Welt, Pandu-Gestalt, Verehrung sei dir! Einer blauen Wolke Gleichender, von den Göttern Verehrter, Verehrung sei dir!

6.46 Rette mich, Vishnu, Herr der Welt, Pandu-Gestalt! Verehrung sei dir! Narasimha von großer Kraft, rette mich, Leuchtäugiger!

6.47 Vishnu-Gestalt, Verehrung sei dir! Pandunatha, Verehrung sei dir!“ Fünf Bogenlängen südwestlich des Gottes

6.48 liegt der mit einem Ashvattha-Baum gekennzeichnete Bezirk: Erkenne ihn als Dharmakshetra. Dort soll man die Samhita und die Lied-Lehrschrift [möglicherweise Gita] rezitieren.

6.49 Die Frucht einer Mantrarezitation über vier Weltzeitalter erlangt man dort zweifellos; bei einem Durchgang [wird] tausendfach [gezählt].

6.50 Schon durch das Betreten des Bezirks, Göttin, erlangt man die Frucht Kurukshetras. Östlich des Gottes, ebenso viele Bogenlängen entfernt,

6.51 liegt ein schöner Stein von klarer Gestalt, der als Lakshmi bezeichnet wird. Mit dem Shri-Bija soll man sie verehren und mit Malati-Blüten opfern.

6.52 Wer dann in Vishnukunda badet und vorschriftsmäßig Lakshmis [[[Mantra]]] wiederholt, an Vollmond mit der Sonne in Waage, dem wird Lakshmi gnädig.

6.53 Acht Bogenlängen südlich davon, nicht weit entfernt, Shankari, erkenne den Kola-Bezirk.

6.54 An der Wurzel eines Ashvattha soll man den Gott Lola in Gestalt eines schönen schwarzen Steines schauen und hingebungsvoll verehren; so gelangt man in Vishnus Welt.

6.55 Nördlich von Brahmakuta liegt der See namens Shrikunda, zwei Bogenlängen [entfernt]. Wer dort badet, erlangt Glück und Wohlstand.

6.56 Am zehnten oder elften Tag der hellen Hälfte des Chaitra, o Shiva, gelangt man durch ein Bad mit Mantra in Shritirtha zum unübertrefflichen Ziel.

6.57 „Heil sei! Bester Erhabener, Spender von Gesundheit und Sieg, gib mir Glück, gib mir Ruhm, nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“

6.58 Zweiundzwanzig Bogenlängen östlich davon liegt die Pilgerstätte Kanakhala, die schwere Sünden vernichtet.

6.59 Besonders am dritten Tag der hellen Hälfte des Vaishakha wird man durch ein Bad mit dem Dakshinamurti-Mantra im Himmel geehrt.

6.60 „Bester der Flüsse, Hochbegnadeter, von Göttern und Gandharvas aufgesucht, nimm die Schuld von zehn Geburten hinweg, Pilgerstätte; Verehrung sei dir!“

6.61 Vier Bogenlängen südlich davon soll man auf dem schönen Berg Champakesha verehren.

6.62 Nachdem man Kanakhala berührt hat, mit reiner innerer Haltung, wird man von allen Sünden frei und gelangt in Brahmas Welt.

6.63 Sieben Bogenlängen östlich davon, segensreiche Göttin, liegt die in den drei Welten berühmte Pilgerstätte des höchsten Brahma:

6.64 Pushkara, das alle Sünden vernichtet und den Verstorbenen Brahmas Welt schenkt. Wer Pushkara auch nur im Geist erinnert, große Herrin,

6.65 wird von allen Verfehlungen frei und erfreut sich gemeinsam mit Shakra. Dort dienen Götter mit Gandharvas, Yakshas, Schlangenwesen und Rakshasas

6.66 sowie Siddha-Scharen dem lotusgeborenen Brahma. Wer dort badet, wird frei; wer den höchsten Brahma,

6.67 den Segensspender, verehrt, schaut Brahma. Dann nähert er sich dem makellosen, viel angerufenen Herrn der Götter.

6.68 Der Mensch wird schön und genießt alle Wünsche. [Gebet:] „Lotusgesichtiger, Hochbegnadeter, Verehrung sei dir, dreifaches Pushkara!

6.69 [Die Vorlage bietet die unsichere Lautfolge „hu/ hū/ hauṃ“.] Herr der Flüsse, nimm meine Schuld hinweg, Pushkara!“ Damit soll man baden und Arghya darbringen.

6.70 Südwestlich von Pushkara, ein wenig links, meine Geliebte, achtundzwanzig Bogenlängen [entfernt], liegt die Pilgerstätte Badarikashrama.

6.71 Man gehe dorthin und verehre den makellosen Gott Narayana. Wer an Haris Tag badet und verehrt, erlangt die Frucht von tausend Kühen.

6.72 Wer in Narayanas Einsiedelei das Rohini-Gelübde vollzieht, erlangt durch dieses eine die Frucht von einer Milliarde Gelübden.

6.73 Dort steht Maheshas Linga, bekannt als Vibhandaka. Wer es mit dem Prasada[-Mantra] verehrt, erlangt Rudrasein.

6.74 Die höchste Pilgerstätte Panchagodavara wird von Brahma und den anderen aufgesucht. Dort soll man Rudra, den gnädigen höchsten Herrn, verehren.

6.75 [Ein Verehrer] verehrte Hara, dem fünfsilbigen [Mantra] zugewandt. Wer ihn verehrt und sich verneigt, erlangt die Frucht von hundert Kühen.

6.76 Östlich von Pushkara liegt der See namens Kumara. Wer in Kumaratirtha badet, erlangt den Rang eines Ganapati [Herrn der Scharen].

6.77 Südöstlich von Kumaratirtha liegt, fünfzig Bogenlängen lang, Naramaranyaka, Göttin, von allen Götterscharen umgeben.

6.78 [Der erste Halbvers nennt] das Wohnen in Kumareshas Stadt und die Hingabe an Vishnus Freude und Wohl. [Gebet:] „Om, Om, Im, Hum; die Welt Durchdringender, nimm meine Schuld hinweg, Kumara!“

6.79 Nach dem Untertauchen mit diesem [Mantra] soll man dem Götterherrn Arghya darbringen. Dort wird Mahadeva Sthanu genannt.

6.80 Wer ihn sieht, wird augenblicklich von allen Sünden frei. Vierundsechzig Bogenlängen nördlich von Champakesha liegt der Champaka-Wald, von Siddhas und Brahmarshis verehrt.

6.81 Er ist eine heilige Wohnstätte Vishnus; dort weilt Purushottama. Nördlich von Brahmakuta, zwischen fünf Steinen,

6.82 liegt der große Durga-Brunnen mit Zugängen auf allen Seiten. Wer mit dem zehnsilbigen Mantra badet, erlangt seine Wünsche.

6.83 Wer am achten Mondtag im Durga-Brunnen badet, den Kama-Mantra drei- oder fünfmal wiederholt und mit dunklen Vijaya-Blüten

6.84 den höchsten Gott verehrt, wird fähig, Gehörtes im Gedächtnis zu bewahren.

6.85 Auch eine Frau, die nach einem Kind keine weiteren Kinder bekommt, oder deren Kinder gestorben sind, erlangt diesen [ersehnten] Zustand, besonders im Herbst.

6.86 Wer dort die Göttin Kameshvari mit Bandhuka-Blüten und Bilva-Blättern verehrt, Herrin der Götter, erlangt beständige Vollendung.

6.87 Er verwirklicht seine erwünschten Ziele und findet dort Vollendung. [Nun werden Berge genannt:] Kaula, Vishnushaila, Shankara, Parameshvara,

6.88 Isha, Parijata, Kumara, Ganeshvara und Nilashveta liegen im nördlichen Gebiet.

6.89 In der Mitte [liegen] Vishnu, Sthanu, Dharmabala, Kamala, Shikha, Kapota und Marutachala.

6.90 Im Südosten [liegen] Hastikarna und Vikarnaka, Göttin; im Süden Amachala, Maruvaka, Prajeshvara, Dyumant und Kanaka, im Nordwesten Nilalohita. [Ein Zusatz nennt zuvor östliche Berge wie Panakupa.]

6.91 Manashaila, Kama, Vahni, Indra, Shatakratu, Lohita und Kamala [werden genannt]; im Südwesten Nirriti,

6.92 Gandharva, Lakshana, Pishacha und Vihagachala; im Westen Brahmayupa, Hayamedha und Girishvara,

6.93 im Norden Uttara und Uttarapanduka; im Nordwesten Aditya, Vayu und Bhallataka,

6.94 Dhanada, Mahidhra, Janaka und Nala; im Nordosten Mandala, Ashvakranta mit Chandraka,

6.95 Yamacitravaha und Graha, der Reihe nach. Darauf soll man mittags zum Nilashaila gehen, höchste Herrin,

6.96 am achten, dreizehnten oder vierzehnten Mondtag, zur Tagundnachtgleiche, Sonnenwende oder beim Sonnenübergang.

6.97 Wer zum Osttor geht, erlangt großen Reichtum; wer Befreiung wünscht, [gehe] zum Nordtor, wer Herrschaft wünscht, zum Westtor.

6.98 Wer Nilakuta auf dem südlichen Weg besteigt, verliert als König sein Reich; den anderen entsteht Verlust.

6.99 Wer im Nordosten hinaufgeht, erlangt großes Glück; Nordwesten, Südosten und Südwesten bringen große Gefahr.

6.100 Man vergegenwärtige sich [den Gott] blau, zehnarmig, friedvoll, mit Edelsteinohrringen geschmückt, mit einer Schlangengirlande als Obergewand, auf einem Stier sitzend.

6.101 Man verehre ihn mit dem Feuer-Bija und verneige sich vorschriftsmäßig. Wer mit dem Mantra den Berg besteigt, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.

6.102 Durch das östliche Tor des Hauses soll man den blauen Berg besteigen. „Nila, Starkarmiger, Spender von Dharma, Lebensgenuss, Wohlstand und Befreiung,

6.103 ich besteige deinen Gipfel. Nimm meine Schuld hinweg, sei mir gnädig!“ Östlich beim Durga-Brunnen [steht] Gott Amnatakeshvara,

6.104 drei Bogenlängen entfernt, Göttin. Man soll ihn mit Keshava und den übrigen [Namen oder Gottheiten] verehren. Acht Bogenlängen südlich dieses Gottes, Geliebte,

6.105 soll man den elefantengestaltigen, schwarzen Gananayaka verehren. Eine Bogenlänge östlich davon steht Trivikrama.

6.106 Wer sich hingebungsvoll vor ihm verneigt, erlangt alle Wünsche. Bis zu fünf Teilen [oder fünf Bogenlängen; Maßangabe unklar] davon

6.107 liegt der vierzig Handlängen messende See namens Saubhagya. Er ist Kamakhyas Spielteich, Herrin der Götter.

6.108 Einst wurde [er] von Shakra mit den Göttern und Prajapati aufgesucht. An seinem westlichen Ufer soll man baden, dort ein Mandala

6.109 vorschriftsmäßig errichten und fasten. Am fünften folgenden Tag soll man vorschriftsmäßig im Wasser baden.

6.110 Wer zum Spielteich geht und Kameshi verehrt, rettet seine Ahnen schnell und erfreut sich in der Welt der Göttin.

6.111 „Saubhagya, Strudel der Flüsse, Makellose, dem Herzen Liebe! Namah, Om, Vashat, Svaha: Nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“

6.112 Nach dem Untertauchen mit dem Mantra soll man mit Kama Arghya darbringen. Nordöstlich dieses Beckens liegt der See namens Lohitya.

6.113 Wer mit Dhruva [dem Pranava] badet, Herrin der Götter, wird von der Bindung des Werdens frei. Im Südosten liegt das Becken Yamala, [eine] Kala-Handlänge [messend].

6.114 Wer dort und an seiner Seite badet, wird auf Erden schön geboren. Fünf Handlängen südwestlich von Saubhagya, höchste Herrin,

6.115 erkenne Gangasaras mit Wasser aus allen Pilgerstätten. Das im Innern von Kola gelegene Becken wird Saubhagya genannt.

6.116 Dreißig Millionen und eine halbe Zehnmillion [Pilgerstätten] im Himmel, auf Erden und im Luftraum: Sie alle sind in Saubhagya, wenn die Sonne schwach geworden ist.

6.117 Deshalb soll man baden, wenn die Sonne im Steinbock steht. Wer beim Waage-Übergang zur Tagundnachtgleiche badet,

6.118 erlangt, wenn er keine Frau hat, eine Frau und erfreut sich in der Welt der Göttin. Fünf Handlängen südwestlich von Saubhagya liegt Gangasaras, höchste Herrin; wer dort badet, gelangt in Vishnus Stadt.

6.119 Der teils sichtbare, teils unsichtbare Stein in Gestalt einer Eidechse ist als Ananta zu erkennen; über ihm liegt das Becken, Geliebte.

6.120 Ananta [liegt] an der Westseite; der schwarze Stein im Osten ist als Varaha zu erkennen. Das Wasser stammt aus allen Pilgerstätten. Der Unverheiratete erhält eine Frau, der Sohnlose einen Sohn.

6.121 Bei Waage oder Jungfrau, besonders am achten Tag der hellen Monatshälfte [Vorlage: „śukrāṣṭamī“], soll man baden und die Göttin schauen; so erlangt man die Frucht des Agnishtoma.

6.122 Man soll Ahnen und Götter sowie die weiteren [gewünschten Empfänger] mit Wasser sättigen. Nicht an allen Pilgerstätten, Herrin der Götter, darf man wunschorientierte Wasserspenden vollziehen.

6.123 In diesem Becken, in Ashvakranta, Agastya und Prayaga, im Varanasi-See, in Bhargava und Merupushkara,

6.124 im Gangasee, Brahmasaras und Durga-Brunnen soll man [diese Handlung] vergegenwärtigen. Die von den großen Sehern genannte Frucht einer Umwanderung der Erde

6.125 erlangt man schon durch die Rechtsumwandlung dieses Beckens. Südöstlich des Beckens, in einer Tula-Entfernung [Maß unklar],

6.126 steht Shiva namens Kambala. Wer ihn sieht, wird von der Bindung des Werdens frei. Mit Smara [Kama-Bija], entsprechender innerer Haltung und abschließender Verneigung soll man ihn verehren.

6.127 „Verehrung, Verehrung dir, Herr der Götter, mit Mantras geschmückt! Geliebter Lakshmis, Ananta, höchster Purusha, Verehrung sei dir!

6.128 Du, dessen Lotusfüße Götter, Danavas und Gandharvas verehren, Segensreicher! Verehrung dem segenspendenden Linga, Verehrung, Verehrung Kamala!“

6.129 Man soll sich vor der schwarzen Vishnu-Gestalt verneigen, meine Geliebte, sie preisen und rechts herum umschreiten; danach gehe man zum Haus der Göttin.

6.130 Dort angekommen soll man Shavasana [den zugehörigen Mantra] rezitieren und mit Tara [Pranava] schauen, Shankari. Man soll [die Gottheit] mit den fünf Nektaren und überaus reinem Wasser baden.

6.131 Mit dem Wurzelmantra soll man jenen Gott und mit jenem Gefäß [die Stätte] reinigen. Rechts soll man den Kama-Mantra mit Kusha [Lesung unsicher] schreiben, meine Geliebte.

6.132 Links soll man Kama schreiben und dort die Puja vollziehen. Am Körper der Göttin, auf einem Bild, einem nährenden Edelstein [Zusammensetzung unsicher], an einem Schwert, Shankari,

6.133 auf einem Leichenplatz, an einem großen Linga, einem Bildnis, im Wasser, an Yantra, Tantra und Shalagrama soll man auf das Mandala verzichten.

6.134 [Wer] beim großen Feueropfer ein Mandala [verwendet], erlangt schwere Schuld. [Die Gottheit] nimmt diese Verehrung nicht an und geht [nach Verlassen der Stätte] in Vishnus Stadt. [Die genaue Ritualbedingung ist unklar.]

6.135 Nicht im Innern der Yoni [soll man dies tun]; östlich des Leichenplatzes liegt das große Mandala der Göttin. Dort soll man verehren.

6.116 (zweite Belegung) Siebenundachtzig Bogenlängen [entfernt liegt] der mit Rakshasa-Blut [gefärbte] Stein, acht Handlängen [messend], mit Erhebungen versehen, verbunden mit fünfzigtausend Lingas. [Originalnummer 116 nach 135; keine stillschweigende Umnummerierung.]

6.137 Der Bezirk misst vier Handlängen; westlich liegt das Yoni-Mandala, [dessen Länge unklar als „bahumātra“ angegeben wird], zwölf Fingerbreiten breit.

6.138 Dort steht Wasser in der Mitte der Yoni bis zur Unterwelt hinab: Urvashi, Yamuna, die Strömung, Kaveri und Sarasvati,

6.139 im Brahmakunda entsprungen, auf Manikuta rein. [Der folgende Satz verheißt einen nicht genannten Zielort] demjenigen, der Vishnu im Herzen verehrt, zweifellos.

6.140 Nachdem es das Mandala der Göttin überflutet hat, [erscheint] Brahmasaras, Geliebte. Nach sechzig Jahren und drei Monaten wird die Kraft trocken [Zeitangabe und Sachbezug sind unsicher].

6.141 Bis zu zwei Monate und drei Tage [bleibt dies ohne Hindernis; so die Variante]; bei sechs Monaten bringt es Gefahr. Wenn der Kanalstrom trocken wird, soll man Kot und Urin außerhalb absetzen. [Die Verbindung mit dem Wasserorakel bleibt unklar.]

6.142 Wird der Strom Jahr für Jahr trocken, Shankari, entsteht draußen eine Hungersnot; daran besteht kein Zweifel.

6.143 Ist das Innere trocken, [droht] die Vernichtung des Reiches [so die Variante]. Höre die Folge völliger Trockenheit: Der König verliert sein Reich, ein fremdes Reich dringt ein.

6.144 Bei einer solchen Störung soll man einen Beschwichtigungsritus vollziehen. Zweihunderttausend Opfergaben aus mit Ghee versehenem Oleander soll man ins Feuer geben,

6.145 oder rote Lotusblüten, Milchreis, Bilva-Früchte oder Waranfleisch, mit den drei süßen Stoffen bestrichen, Herrin der Götter, [so die Vorschrift für] den Verständigen.

6.146 Zucker, Honig und Fleisch werden [in der Hauptlesung] „drei Süße“ genannt. [Die erklärende Variante nennt statt Fleisch Ghee.] Man soll mit eingekochter, mit Ghee vermischter Milch opfern.

6.147 Westlich von Ananta fließt der Fluss namens Asi.

6.148 Der Strom westlich davon heißt Varuna.

6.149 Wer ihr klares Wasser trinkt, wird niemals wieder geboren. Siddheshvara, Kotilinga, Hemaka und Muktimandala

6.150 [bilden mit] dem Strom den Shami-Bezirk [Variante: Varanasi], bekannt als inneres Haus der Göttin. Man soll die Göttin im Linga, in einem Buch und in Bildnissen verehren,

6.151 auf einer geebneten Opferfläche, in Sandalen, Bildern, Schwert, Feuer und Wasser, in Lauhitya, Ganga, im Meer und am Zusammenfluss von Pilgergewässern,

6.152 an jedem Pitha, an einer Bilva-Wurzel und am Bilva-[Stamm; Wortlaut „mukha“], Shankari. Wo der Kama-Stein liegt, ist das Pitha Manipuraka.

6.153 Das innere Haus, das große Pitha, wird Manipitha genannt. Auf einem Stein, auf dem Berggipfel und in einer Berghöhle

6.154 soll man die Göttin stets mit Hingabe und Vertrauen verehren. Wie die Puja in Varanasi volle Frucht schenkt,

6.155 so gilt die in Purushottamas Nähe als doppelt wirksam. In allen heiligen Bezirken und Pilgerstätten [wird die Puja mit] derjenigen am Kama-Stein [verglichen; Variante: gleiche Frucht wie am Kala-Berg].

6.156 In Saumara heißt sie achtfach, in Chauhara ebenso. In Aryavarta, Madhyadesha und Brahmavarta [Variante: Shrihatta]

6.157 und im Shri-See schenkt sie Frucht wie in Manipura, große Herrin. [Ein Zusatz nennt vierfache Frucht bei Agastya und Ashvamedhika.] Bei Jalpishvara gilt sie als viermal größer; wo die Yoni erstrahlt, als zehnfach.

6.158 In Ekamra gilt sie wiederum als vierfach, höchste Herrin; auf Manikuta als hundertfach darüber, Segensreiche. [Die ausführliche Variante ordnet die Multiplikatoren teilweise anders zu.]

6.159 Auf Manishaila als nochmals zehnfach, große Herrin; in Ashvatirtha, im Wasser und auf dem Land, als wiederum zehnfach.

6.160 Ebenso überall in Kamarupa, im Wasser und auf dem Land. Wie Vishnu der Beste von allen und Lakshmi die Beste von allen ist,

6.161 so wird die Verehrung der Göttin in Kamarupa gepriesen, meine Geliebte. Kamarupa ist der Bezirk der Göttin; kein anderer gleicht ihm.

6.162 Anderswo ist die Göttin selten, in Kamarupa von Haus zu Haus gegenwärtig.

6.163 Wer auch nur einmal Mahamaya in Kamakhya verehrt hat, erlangt hier seine Wünsche und im Jenseits Shivas Gestalt.

6.164 Keine andere vollzogene Handlung kommt dem gleich. Hier erlangt er das Gewünschte und ein langes Leben.

6.165 Zur Badezeit, um Mitternacht und am Ende der großen Puja soll der nach Vollendung Strebende Mahamaya weder berühren noch sich ihr nähern.

6.166 An Mahashtami, nachts, am Tagesende, zu Beginn eines Weltzeitalters und im Monat Karttika soll man sie nicht mit Kumaras [jungen Männern; Bezug unsicher] anschauen.

6.167 [Der erste Satz über König, Shudra und den Anblick der Göttin ist stark gestört.] Er wird schön, Göttin, und erlangt gewiss ein gutes Ziel. Eine verwitwete Brahmanenfrau soll [die Göttin] stets nach dem Bad schauen.

6.168 Zur Badezeit, mittags und beim Entfernen der gebrauchten Opfergaben soll eine Frau, besonders eine junge Frau, die Göttin niemals berühren. [Variante: nicht anschauen.]

6.169 Am achten, neunten und dreizehnten Mondtag des Pausha sowie während der ersten drei Tage des Krebs-[Sonnenmonats] soll man Parvatis Haus nicht betreten.

6.170 Bei Berührung spricht sie einen Fluch aus, bei ihrem Anblick wird die Lebenszeit verkürzt. [Die Verehrung soll] durch einen Eingeweihten mit entsprechender Haltung geschehen, nicht durch einen Uneingeweihten.

6.171 Mit rotem Gewand und rotem Sandelholz geschmückt, soll man mit Nagaja[-Stoffen, unklare Bezeichnung] ein Tilaka auftragen und auf einem Antilopenfell sitzen [um die Einweihung zu empfangen].

6.172 Höchste Erkenntnis wird gegeben, die Bindung durch die Fesseln schwindet: Deshalb nennen die Kenner der Wahrheit sie Diksha, Herrin der Götter.

6.173 Was an Schuld durch Geist, Handlung und Rede angesammelt wurde, [tilgt sie; die Variante ausdrücklich vollständig], und sie schenkt höchste Erkenntnis.

6.174 Darum wird sie von den Schriftkundigen in dieser Welt Diksha genannt. Die erste schenkt die Frucht der Einsicht, die zweite bewirkt Auflösung,

6.175 die dritte schenkt Befreiung; deshalb wird sie Diksha genannt. Nach der Ordnung der Einweihungsvollendung [gibt es] eine mit Grundlage und eine ohne Grundlage.

6.176 Diejenige, die zur täglichen, anlassbezogenen und wunschorientierten Praxis berechtigt, ist als Einweihung mit Grundlage zu erkennen; die ohne Grundlage schenkt Befreiung.

6.177 Sie gilt als makellos, sagen die Kenner der Wahrheit. Fruchtbar ist eine Einweihung, der Becken und Mandala vorausgehen; eine bloß gedanklich vollzogene gilt als kraftlos. [Die Variante betont die Weitergabe an geeignete Empfänger.]

6.178 Ein Sohnloser, einer mit verstorbenem Sohn, ein Kunda [traditionelle Herkunftsbezeichnung], ein Kleinwüchsiger, einer mit missgebildeten Nägeln, dunklen Zähnen, überzähligen Gliedern oder von seiner Frau Beherrschter:

6.179 Auch wenn er Lehrer ist, soll er [nach dieser historischen Ausschlussliste] gemieden werden, Herrin der Götter. Ein wohlgestalteter, aus angesehener Familie stammender, mit Erkenntnis, gutem Verhalten und Tugenden ausgestatteter Kenner der Einweihungsregeln soll die Diksha geben.

6.180 Man soll den Mantra nicht vom Vater oder mütterlichen Großvater empfangen. Ein im Traum erlangter oder von einer Frau gegebener [Mantra] wird erst durch eine Weihehandlung gereinigt.

6.181 Bei einem im Traum erlangten [Mantra] soll man den Lebensatem des Gurus in einen Krug einsetzen, [den Mantra] mit Safran auf ein Banyanblatt schreiben und ihn so empfangen. Dann wird er rein, andernfalls bleibt er fruchtlos.

6.182 Zur Sonnenwende, Tagundnachtgleiche, bei Mond- und Sonnenfinsternis, am Tag des Sonnenübergangs und zu den Weltzeitalter-Anfangstagen, Herrin der Götter,

6.183 an Manvantara-Mondtagen, am vierzehnten und achten Mondtag, am Tag der großen Puja oder an Tagen der Läuterung des Schülers

6.184 soll man [die Einweihung] gesammelt, hingebungsvoll und vertrauensvoll empfangen. Der Mensch, der der Göttinnenverehrung voller Hingabe zugewandt ist,

6.185 und sich dem Sinn aller Lehrschriften widmet, soll eingeweiht werden, kein anderer. Eine Einweihung im Chaitra bringt Leid, im Vaishakha alle Vollkommenheiten,

6.186 im Jyeshtha Tod, im Ashadha viele Kälber [so „bahuvatsakā“], im Shravana großen Verlust, im Bhadra Leid,

6.187 im Ashvina alle Vollkommenheiten, im Karttika Wachstum der Erkenntnis, im Margashirsha Heil, im Pausha Vernichtung der Erkenntnis,

6.188 im Magha Wachstum der Einsicht, im Phalguna gutes Gedeihen aller Feldfrüchte. Bei einer Finsternis oder an einer großen Pilgerstätte gibt es keine bestimmte Zeitbeschränkung.

6.189 In Gaya, im Bhaskara-Bezirk, in Viraja, auf dem Chandra-Berg, in Konkana, Matanga und in den Kanyashramas

6.190 soll man jedoch keine Einweihung empfangen, Parvati. Eingeweihte Schüler sollen die höchste Weisung des Gurus ausführen.

6.191 Wer die Gottheit im Herzen trägt, soll der Verehrung des Gurus ergeben sein, Purashcharana vollziehen, innerlich rein und Herr seiner Sinne sein.

6.192 Mantras, Yantras, Puranas und die Worte [der Lehre] in Gaya und anderswo [soll er] stets vom Guru erklärt [empfangen], auch wenn er meint, sie bereits erlangt zu haben. [Die Satzfügung ist unsicher.]

6.193 Ein Schüler darf Frauen keine Gewalt antun, große Herrin. [Es folgt eine unvollständige Aufzählung:] Gerste, Chakravaka-Vogel, Kranich und Taube.

6.194 Der Nilashila-Berg und die übrigen Berge sollen ihm stets lieb sein. So soll der Eingeweihte den Tag gestalten.

6.195 Nachts soll der Verständige essen, sich sorgfältig versenken und verehren. Am vorherigen Tag soll er Opferkost oder fleischlose Speise

6.196 essen und am folgenden Tag Opferkost [Variante: Betel] verwenden. Er soll Charu kochen und die Hälfte der Gottheit darbringen.

6.197 Davon soll er die Hälfte dem Guru geben und den Rest selbst [essen], gemeinsam mit dem Guru. Diese Ordnung gilt bei allen Einweihungen. [Die Hauptlesung sagt beim eigenen Anteil „das Ganze“, was im Kontext unklar bleibt.]

6.198 Wenn ein Guru nach der Mantragabe fastet, wird er gewiss zum Wurm in der Hölle der Verblendungsfinsternis.

6.199 Wenn der Mantrapraktizierende nach vollzogener Einweihung fastet, ist seine Gottheit stets erzürnt, spricht einen Fluch aus und kehrt in ihre Stadt zurück.

Kolophon: Damit endet der sechste Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Siebter Paṭala

7.1 Der Erhabene sprach: An einem schönen, einsamen, verborgenen Ort, in einem segensreichen Mandala, von Blumenwällen umgeben und von Düften und Blüten durchzogen,

7.2 wo kein Dritter anwesend ist und der Blick eines Pashu [Uneingeweihten] ausgeschlossen bleibt, soll der Mantrapraktizierende auf einer Tafel oder Ähnlichem den Mantra herauslösen.

7.3 Ohne diese Mantragewinnung gilt seine Frucht als sehr gering. Man soll den Mantra in einem Yantra herauslösen, [das] gefüllt oder vollständig [angeordnet ist; Lesung unsicher].

7.4 Man soll den Mantra nicht auf den Erdboden schreiben, sondern in ein Buch [eine Variante verneint auch dies]. Ein Buch soll man nicht auf die Erde legen; sonst nimmt es eine Dakini hinweg.

7.5 Liegen bei einem Erdbeben oder einer Finsternis Schriftzeichen oder ein Buch auf dem Boden, entsteht Geburt um Geburt Torheit,

7.6 Herrin der Götter; deshalb soll man dies meiden. Man soll Buchstaben nicht auf Bambus [oder: mit Bambus] schreiben, denn daraus folgt sicher Verlust.

7.7 Mit einem kupfernen Schreibstift entsteht Wohlstand, kein Verlust. Mit einem goldenen Stift wird großes Glück geschenkt.

7.8 Ein Stift aus großem Schilfrohr lässt die Einsicht wachsen; ein feuerartiger [Stift, Material unklar] bringt Söhne, Enkel und Vermögen, Göttin.

7.9 Mit Silber [entsteht] großes Glück, mit Bronze Tod. [Ein Stift] von acht oder zehn Fingerbreiten

7.10 oder vier Fingerbreiten, mit dem man ein Buch schreibt, Segensreiche, [verkürzt] die Lebenszeit entsprechend der Buchstabenzahl [die genaue Vorschrift ist gestört].

7.11 Ich nenne kurz das Maß des Buches, höre, Göttin. Schon in einem Monat kann man die Frucht erkennen; bei falschem Maß wird das Glück zerstört.

7.12 Eine Handlänge, eine Faustlänge, zwölf Fingerbreiten, zehn oder acht: Kleiner soll man es nicht anfertigen.

7.13 Zwei Durchbohrungen [setze man] bei Faust- und Handmaß, beim Armlängenmaß [ebenfalls; Satz unklar], in gleichen Abständen, große Herrin, zur Befestigung [des Buches].

7.14 Unter Aussparung von acht Fingerbreiten soll man in der Mitte bohren; bei einer Spanne und ähnlichen Maßen [ist] die Durchbohrung zwei Fingerbreiten [entfernt] vorzunehmen.

7.15 Wer ganz am Anfang und Ende des Buches Löcher anbringt, dem drohen bald Verlust der Ehefrau oder Schwund des Vermögens.

7.16 Aus Birkenrinde, Tejapatra, Palmblättern oder Agarublättern soll man ein Buch anfertigen, Herrin der Götter, Geliebte.

7.17 Wenn möglich, auch aus Gold- oder Kupferplatten, Shankari. Auf der Rinde anderer Bäume, Göttin, oder auf Ketaki-Blättern,

7.18 auf Ton-, Kupfer- oder Silberplatten, auf Banyanblättern oder auf zahlreichen anderen Blättern: Wer darauf schreibt und studiert,

7.19 gerät auf einen schlechten Weg und verliert sicher Vermögen. [Die Liste widerspricht teilweise Vers 17.] Ein ausgebranntes Loch verursacht Bedrängnis, ein rundes bringt Glück. [Eine eingeschobene Variante enthält weitere Warnungen vor fehlerhaftem Schreiben.]

7.20 Ein viereckiges [Loch] bringt Umsturz, ein dreieckiges Tod. Im wahren Schriftzeichen weilt Shambhu, der dreiäugige Dreizackträger.

7.21 Im Dvapara [weilt darin] Prajapati, im Treta die Sonne, im Krita Pinakin und im Kali Hari in den geschriebenen Buchstaben.

7.22 Am Anfang und am Ende soll man das Geschriebene und Hari mit Duftstoffen, Blüten und schönen Gewändern verehren.

7.23 So viele Buchstaben sich auf jedem Blatt befinden, Shankari, so viele tausend Weltzeitalter wohnt man lange in der Himmelswelt.

7.24 Für das Abschreiben eines Buches soll man keinen Lohn annehmen. [Sonst] wohnt man entsprechend der Buchstabenzahl in der Hölle.

7.25 [Eine Mantracodierung:] Der Konsonant, auf die Erde gesetzt, mit linkem Auge und Mond verbunden, ist als großes Bija zu erkennen. Durch seine Wiederholung erlangt man Befreiung.

7.26 Beim Pranava werde ich den Pranava nennen; nach Vashat die beiden Tha [Code für Svaha], am Ende des Vokals [eine weitere Anweisung] und die herzartige Verneigung. [Die technische Lautzuordnung ist nicht vollständig verständlich.]

7.27 Für den Haushälter [steht] in jedem Mantra der Pranava am Anfang; [die Anfangs- und Endbuchstaben dienen] dem Wachstum der Selbsterkenntnis. [Der zweite Halbvers ist unklar gefügt.]

7.28 Bei der Unterscheidung von Mantra und Vidya gibt es zwei Arten, Geliebte: Mantras gehören zu männlichen Gottheiten, Vidyas zu weiblichen.

7.29 Männliche Mantras enden auf Hum und Phat, weibliche auf die beiden Tha [Svaha], neutrale auf Namah: So gelten die Mantras als dreifach. Eine Vidya ohne diese [Endungen] wird mit „Maha“ bezeichnet. Der Rishi ist Parameshthin, das Versmaß Gayatri.

7.30 Die Gottheit heißt Tripura; man verwende [die Formel] für alle Ziele. Zuerst soll man die Göttin vorschriftsmäßig mit Wasser einsetzen, Geliebte.

7.31 Man wasche ihr Gesicht und vollziehe dann das Bad. Nach zwei Tagen, Göttin, [eine weitere Folge ist unklar], nach acht Tagen

7.32 soll man mit Öl einreiben und mit einem zusammenziehenden Mittel gründlich trocknen. Am Ende der Monatshälfte und des Monats soll man das große Bad vollziehen.

7.33 Mit dem Wurzel-Bija, Herrin der Götter, oder mit dem Stoff-Mantra, Geliebte, mit einem vedischen Mantra oder mit Maya [Maya-Bija] soll man es ausführen.

7.34 Danach soll man aus Krügen baden und unmittelbar anschließend Arghya geben. Wer nach diesem Arghya-Bad nochmals ein Bad vollzieht,

7.35 fällt aus der Welt der Göttin und verliert Vermögen. Zuerst [erfolgt] das Bad mit Wasser, danach mit Milch,

7.36 mit Quark, Ghee, zwei Klumpen [Stoff unklar], Zucker, Rohzucker und Honig, mit Sesammilch, Sesamquark und Honigmilch.

7.37 [Danach folgen] warmes Wasser, Frucht[-Wasser], Kusha-Wasser, Duftwasser, Edelsteinwasser und Blütenwasser,

7.38 Bilva-Wasser, sieben Blätter, Wasser mit roten Blüten, Gold- und Muschelhornwasser, danach [Wasser] aus einem Kupfergefäß,

7.39 Krugwasser und Kusha; man vollziehe das Arghya-Bad. Wer die Göttin mit den fünf Kuhprodukten sowie mit Milch und Kusha-Wasser

7.40 unter verschiedenen Mantras badet, vollzieht das sogenannte Brahma-Bad. Mit den fünf Produkten einer braunen Kuh und mit Milch

7.41 gilt das Bad als hundertfach [wirksam], ebenso mit Zuckerrohrsaft. Wer vertrauensvoll und hingebungsvoll mit Milch

7.42 Kamakhya vorschriftsmäßig badet, Göttin, wird in Indras Welt geehrt. Durch vorschriftsmäßige Ghee-Einreibung des göttlichen Leibes, Geliebte,

7.43 rettet man zehn frühere und zehn spätere [Generationen] und besonders sich selbst aus dem Ozean des Werdens und wird in Durgas Welt geehrt.

7.44 Wer vorschriftsmäßig mit Quark, Durva-Gras und ungebrochenem Reis badet, wird auf einem silbernen Himmelsfahrzeug in Shivas Welt geehrt.

7.45 Wer Kamakhya mit frischem Zuckerrohrsaft badet, erfreut sich auf einem Garuda-Fahrzeug gemeinsam mit Vishnu.

7.46 Wer Durga mit Duft- und Sandelholzwasser badet, wird rein wie ein Mondstrahl und herrlich in der Mondwelt geehrt.

7.47 Wer sie mit duftendem Blütenwasser badet, gelangt in die Naga-Welt und spielt dort mit den Schlangenwesen.

7.48 Wer Kameshi vertrauensvoll mit Goldwasser badet, erfreut sich auf einem goldenen Fahrzeug gemeinsam mit den Vasus.

7.49 Drona-Blätter, Bilva-Blätter, Oleander und blaue Lotusblüten soll man beim Bad verwenden; sie erfreuen die Göttin.

7.50 Wer eines dieser Bäder vertrauensvoll und hingebungsvoll für die Erhabene ausführt, wird in Vishnus Welt geehrt.

7.51 Wer die Göttin mit Kampferwasser badet, gelangt zur höchsten Stätte, wo Kameshvari weilt.

7.52 Wer im Gedenken an die Ahnen die Göttin vorschriftsmäßig und hingebungsvoll mit Milch oder Honig badet, dessen Verdienst höre:

7.53 Seine Ahnen werden für zweihundert Jahre gesättigt. Von jedem der fünf Nektare und von den Früchten [nehme man] jeweils hundert [Einheiten].

7.54 Hundert Wasserkrüge soll man beim großen Bad verwenden, dazu drei Pala Öl.

7.55 Dies nennen die Weisen das größte große Bad. Das mittlere Bad wird mit der Hälfte davon ausgeführt,

7.56 das kleinste mit der Hälfte des mittleren; weniger soll man nicht verwenden. Wer irgendwann ein solches Bad ausführen lässt,

7.57 dessen Schuld aus sieben Geburten schwindet augenblicklich. Lebensdauer, Kraft, Ruhm, Glanz, Glück und Gedeihen

7.58 erlangt man zweifellos durch das Bad Kamakhyas. Wer voller Hingabe ein solches großes Bad vollzieht,

7.59 erlangt körperliche Gesundheit, langes Leben und höchstes Glück. [Beim kleineren Bad nehme man] von jedem Stoff zehn Tola

7.60 oder vier Tola. Die Öffnung [des Kruges misst] acht Fingerbreiten, sein Bauch einundzwanzig Fingerbreiten,

7.61 seine Höhe eine Arali [Maß unklar]; dies heißt Mani-Krug. Was im Sonnenstrahl durch eine Fensteröffnung [als kleinster Teil sichtbar ist], heißt Lekhika.

7.62 Acht Lekhika ergeben ein Staubkorn, acht Staubkörner ein Senfkorn; vier Senfkörner werden Raktika genannt.

7.63 Zwanzig Raktika heißen Pada; vier Pada ergeben eine Tola, vier Tola eine Prasriti.

7.64 Zwei Prasriti ergeben eine Karsha, zwei Karsha eine Pala; eine halbe Pala heißt Mukti, zwei Mukti gelten als Gudaka. [Diese Maßfolge wird unverändert wiedergegeben.]

7.65 Nach dem Bad soll der Verständige den Körper abtrocknen und mit duftendem Sandelholz ein Tilaka auftragen.

7.66 Er soll Hüftschnur, Gewand und heilige Schnur darbringen. [Man meditiere über die Göttin] mit glänzendem, schönem Haar wie Pfauenfedern,

7.67 groß, mit Lippen wie roten Bimba-Früchten, roten Augen und staunendem [Ausdruck], mit rötlichem Antlitz, rot wie [gefärbte] Augenschminke.

7.68 [Eine eingeschobene Strophe nennt das höchste östliche Antlitz Tripureshi, Wohnstätte der drei Welten, von Narakesha genossen.] Wer Glück wünscht, soll sie in Erde vergegenwärtigen, große Herrin. Das schwarze, furchtbare Antlitz im Süden,

7.69 als Kamakhya bekannt, mit göttlichen Fangzähnen, schenkt alle Vollkommenheiten und verwirklicht alle Ziele.

7.70 Rechts vom Gott soll man [sie] mit gelbem Antlitz betrachten. Das dunkle, segensreiche Gesicht in Kuberas Richtung [Norden]

7.71 ist als „shatavitanga“ [unklare Benennung] zu erkennen, wunderbar, Herrin der Welt. Das unoffenbare, schöne, göttliche, höchste Kunjika-Antlitz,

7.72 von Narakesha genossen [Variante unklar], ist von denen zu meditieren, die Sieg wünschen. Rein wie Bergkristall, mit allen Edelsteinen versehen,

7.73 ganz Erkenntnis, ist das Antlitz Kalavagishvaris zu erkennen. Sein Honigvorrat wird vom Bhringa [Biene; zugleich Gottesname], stets leidenschaftlich [Variante: mit dem Stierzeichen], getrunken.

7.74 Wer umfassende Befähigung wünscht, soll das Ishana-Antlitz der Göttin betrachten. Das nach oben gerichtete Antlitz mit dem Glanz von tausend Millionen Sonnen, Geliebte,

7.75 ist als höchstes, großes [Antlitz] Kameshvaris zu erkennen, das Antlitz höchsten Lichtes, Segensreiche, von Narakesha geküsst.

7.76 Allein dieses soll man zur Vernichtung der Schuld [Variante: Fessel] des Werdens vergegenwärtigen. Die Gottheit ist Tripura, [zu] Kamakhya [gehörig], Mutter der Scharen. Diese Göttinnen stehen mit ihren Shaktis im Mandala.

7.77 Kamakhya trägt ein Löwenfell als Obergewand, hat einen weiten Leib und ein Tigerfell als Kleidung; segensreich schenkt sie alle Vollkommenheiten.

7.78 Aus höchster Glückseligkeit entstanden, laut lachend, voller Festesfreude, überaus erfreuend, mit freudigen Augen, erscheint sie mit achtzehn Augen.

7.79 Zwei mit schönen Rubinen gefüllte Ohrringe schmücken sie. Sie ist furchterregend, große Herrin, wild und gewährt alle Ziele.

7.80 Ihre Krone strahlt mit unzähligen hellen Lichtstrahlen und Lotusglanz; sie trägt Halsschmuck, der mit verschiedensten Edelsteinen besetzt ist.

7.81 Ihre zwölf Arme sind geschmeidig und weich wie Lotusfasern, göttlich mit Knochen und Edelsteinen geschmückt, [mit weiteren Lotusbezeichnungen; die Fügung ist unklar].

7.82 An den Ohren [trägt sie] mit Leichen, Donnerkeil, Schnur und Rad [verbundenen Schmuck; Wortlaut gestört]. Mit je sechs linken und rechten Armen hält sie

7.83 Bogen, Kopf, Khatvanga-Stab, Lotusfaser, Lotusstängel und Lotus, Schädelgefäß, Buch und Glocke; sie trägt eine Kopf-Girlande als heilige Schnur. [Die Liste benennt nicht eindeutig zwölf Gegenstände.]

7.84 Mit Fußreifen versehen [„tulākoṭi“], auf Lotusfüßen ruhend, liegt sie auf einem Löwenthron und hat einen Leichensitz als Unterlage.

7.85 Von Shiva, dem höchsten Herrn, von Narakesha umschlungen, mit Edelsteinglanz ausgestattet, ist sie Kamakhya, die höchste Herrin.

7.86 Nach dieser Meditation soll man die höchste Herrin als Matrika einsetzen, Göttin; [ferner] den eigenen Namen, Planeten und Mondhäuser, nach dem Shrikantha-Nyasa.

7.87 Kala-Nyasa, Pitha-Nyasa und Mantra-Nyasa soll man vollziehen. Man setze [die Göttin] zehnfach im Yantra ein und weihe es vorschriftsmäßig.

7.88 Man streue ungebrochenen Reis darauf und vollziehe die Verehrung des Sitzes. Von Osten an der Reihe nach [verehre man] Ganesha, Ganadhipa,

7.89 Gananatha, Ganakrida und Gadin [die anschließende Mantracodierung ist gestört], mit verlängertem Mantra und Tara. [Ein Zusatz setzt Shri und danach Gopada voran.] Südlich des Spielsees [verehre man mit] Mandara, linkem Auge,

7.90 Strahl und Bindu [verbundenem Bija] den Lohajangha im Westen [Richtungsbezug unsicher]. Mit dem Narasimha-Bija soll man den Bezirksherrn verehren.

7.91 Im Norden Bhutanatha, mit Mandara verbunden, Gauris Sohn Vatuka und den Samaya-Sohn,

7.92 Jnana-Sohn und Samaya-Sohn, von Osten an der Reihe nach. Mit dem Mantra Hamsa meditiere man und verehre mit Blut.

7.93 [Es folgen] der Torhüter der Friedvollen, die höchste Bindu-Kala, danach Nivritti-Kala und Pratishtha-Kala.

7.94 Mit dem Maya-Bija [verehre man] von Osten an dort Hetuka und die übrigen:

7.95 Hetuka, Tripuraghna, Agnivetala und in der linken Reihenfolge Kala und Karalaka,

7.96 Ekapada und Bhima; der Mantra der vier [ist] Gagana. Asitanga und die übrigen [Bhairavas] sind mit Brahmi und den übrigen [Shaktis] sowie den Siddhis verbunden.

7.97 Die zehn Charchikas soll man verehren, in den sechs Ecken Bhaga und die übrigen; an der Spitze des Sechsecks Madana, mit Rati und Putri zu beiden Seiten.

7.98 Davor die fünf Pfeile, die Planeten und die Richtungshüter. Nachdem man den Sitz verehrt hat, [vergegenwärtige man] Schicht über Schicht.

7.99 Nach der Meditation soll man die Göttin einsetzen und diesen Mantra sprechen: „Komm, komm, höchste Herrin! Sei hier in diesem Mandala gegenwärtig,

7.100 Mutter der Welten, die du über den Ozean des Samsara hinüberführst! Du im großen Lotuswald Weilende, Verkörperung ursächlicher Glückseligkeit,

7.101 deren Wesen Klang-Brahman ist, Reine, Kameshvari, sei mir gnädig!“ Mit diesem Mantra soll man Kamakshi anrufen, Shankari.

7.102 „Verehrung Bhava, Sharva [Vorlage: Sarva], Rudra und dem Segensspender, dem Herrn der gebundenen Wesen, dessen Wesen stets alle Glückseligkeit ist!

7.103 Dem mit drei Haarflechten und drei Köpfen, dem stets den Dreizack Tragenden, dem Dreiäugigen, den drei Zeiten, dem [Tripura bezwingenden; Lesung unsicher] sei Verehrung!

7.104 Verehrung Chanda, Munda, dem Träger des Herrschaftsstabes der Welt, dem Roten, Rauchfarbenen und Blauhalsigen!

7.105 Verehrung dem in Tripura-Gestalt, Verehrung, Verehrung dem Vielgestaltigen! Der Sonne, dem Herrn der Sonne, dem Herrn der Vollendung sei Verehrung!“

7.106 Nördlich des Waldes, nicht weit entfernt, liegt der ganz weiße [und] schwarze Stein in Eidechsengestalt. [Die Farbangaben stehen unverbunden nebeneinander.]

7.107 Westlich davon ist Shiva; erkenne [die Anordnung] jeweils weiter östlich. Im Bauch, nach Norden, wird Gayatirtha genannt.

7.108 Im Maß von vier Gruppen [unklar] liegt am Kopf Gayashiras; seitlich vom Kopf Ramagaya, rechts Ramapinda.

7.109 Am Schwanz liegt Manasatirtha, im Süden der große Fluss. Dort soll man nach der vorgeschriebenen Ordnung baden.

7.110 Einen Pfeilschuss nördlich davon, Geliebte, liegt die Pilgerstätte Pretashila. Ein Ahnenopfer dort führt die Ahnen zum Himmel.

7.111 Ein Ahnenopfer am großen Fluss bringt unvergängliche Frucht. Wer es am unvergänglichen Banyanbaum vollzieht, führt die Ahnen in Brahmas Welt.

7.112 Wer in Gayatirtha badet, wird von allen Sünden frei. In Atmayoni und Gaya, große Herrin, soll der Mensch ohne Sesam

7.113 die Speisekugelgabe und die übrigen [Riten] vollziehen. Achtzehn Bogenlängen westlich von Vasudeva

7.114 liegt das längliche, fünfeckige, von Weisen geheiligte nördliche [Manasa-Becken]. Wer dort das Ahnenopfer vollzieht, wird nicht wieder geboren.

7.115 Südlich von Kotilinga liegt das viereckige, segensreiche südliche Manasa, das alle Sünden vernichtet.

7.116 Wer im südlichen Manasa das Ahnenopfer vollzieht, führt die Ahnen in Brahmas Welt; ebenso durch ein Ahnenopfer am großen Fluss.

7.117 Auch der Opfernde am Rama-See führt die Ahnen in Brahmas Welt, Göttin. Durch Speisekugelgaben an Gayashiras, am Schwanz und im Norden

7.118 über drei Tage rettet man sein Geschlecht. Aus Furcht vor der Hölle sehnen sich die Ahnen nach Söhnen:

7.119 „Wenn einer von euch nach Gaya geht, wird er uns retten.“ Sieben Bogenlängen westlich von Kamanatha weilt

7.120 die Göttin Dirgheshvari, die alle erwünschten Früchte schenkt. Wer sie sieht, erfreut sich sechzigtausend Jahre wie ein Gott auf Erden.

7.121 Mit dem Maya-Bija soll man sie am achten Mondtag verehren, Herrin der Götter. Man erlangt alle Vidyas und wird Erster unter den Scharen [Variante: Bewohnern].

7.122 Dann soll man zum Wunschbaum namens Tintidi [Tamarinde] gehen, ihn dreimal rechts herum umschreiten und mit diesem Mantra verehren:

7.123 „Om. Verehrung dem in offenbarter Gestalt, von allen Göttern Gepriesenen, dessen Gestalt Shivas Wohnstätte ist, der die Form des Tintidi-Baumes trägt!“

7.124 [Die rechte Hand] ist bei allen Mantras für Wünsche und Befreiung empfohlen. Wenn die Mala mit der linken Hand berührt oder genommen wurde,

7.125 auf die Erde fiel, von anderen berührt wurde, riss oder ein Jahr vergangen ist, soll man die Gebetskette neu weihen, Göttin, und sie in ein Kupfergefäß legen.

7.126 Zuerst besprenge man sie mit der Gayatri, danach mit den fünf Kuhprodukten, dann mit dem Mantra: „Hum, Verehrung der Vollendung!“

7.127 Danach [verwende man] Duftwasser, verschiedene Duftstoffe und Blumen. Man stelle sie mit drei Krügen auf und verehre sie mit roten Blüten. [Ein Zusatz fordert eine Gerstenalkali-Gabe und das Einsetzen des göttlichen Lebensatems.] Dann soll man die Mala herbeibringen, berühren und im freien Raum halten.

7.128 Nachts soll man sie herbeibringen und auf den Pitha legen, Duftstoffe, Sandelholz, Durva und ungebrochenen Reis darbringen.

7.129 Man lege sie in jener Nacht erneut auf den Sitz der Gottheit. Hundert, tausend, zehntausend, hunderttausend,

7.130 ein Lakh [erneut hunderttausend] und zehn Millionen [sind] Maße für Japa und Feueropfer. Bei jedem Maß [folgt die unklare Angabe] acht Handlängen; an allen Festtagen soll man rezitieren.

7.131 Oder man verbinde die acht Bijas mit drei [weiteren Elementen]. „Mala, Mala, große Mala, die du überall Gestalt annimmst,

7.132 in dir sind die vier Lebensziele niedergelegt. Deshalb, Mala, schenke Vollendung!“ [Es folgt eine Codierung:] Pushkari, das Sakhi-Bija, das Feine mit dem Feinen,

7.133 verbunden mit Akasha-Shakti, „für die Vollendung“ und dem „Herz“ Genannten: So wird der fünfsilbige Mala-Mantra beschrieben. [Die Formel wird nicht rekonstruiert.]

7.134 Man verwende ihn beim Nehmen, Niederlegen und Verehren. Zu Beginn des Japa setze man Shiva ein; am Ende rezitiere man den Lobpreis.

7.135 Danach soll man eine Bali-Gabe nach eigenem Vermögen darbringen und mit dem Wurzelmantra in vorwärts und rückwärts gehender Ordnung verehren.

7.136 Mit dem Mantra „Mutter, Ambika“ und dem puranischen [Lobpreis]: „Sieg dir, Kameshi, Chamunda! Sieg dir, die du die Bedrängnis der Wesen hinwegnimmst!

7.137 Sieg dir, allgegenwärtige Göttin! Kameshvari, Verehrung sei dir! Du Gestalt des Weltalls, Heilvolle, Reine, mit außergewöhnlichen Augen, Dreiäugige!

7.138 Furchtbare Gestalt, Shiva, Vidya, Kameshvari, Verehrung sei dir! Du bei der Mala-Rezitation [Gegenwärtige], Siegreiche, [die Anreden „jamme“ und „bhūtākṣi“ sind unsicher], Hungrige, Unvergängliche, große Maya, große Herrin, Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.139 Du mit furchtgebietenden Augen, du Furcht Erregende, Göttin, die alle Wesen zur Auflösung führt, Schreckliche und überaus Schreckliche: Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.140 Kali, Furchtgebietende, Mächtige, Kameshvari, Geliebte Haras, Göttin, die alle Waffen trägt [Variante: alle Feinde wegnimmt]: Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.141 Leuchte Kamarupas, Bewohnerin des Nilakuta, Zerschmetterin Nishumbhas und Shumbhas: Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.142 Kamakhya, die du in Kamarupa weilst, Kameshvari, Geliebte Haras! Gewähre mir stets die ersehnten Gaben. Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.143 Herrin der drei Welten, deren Mund vom Trinken des Blutweins erfüllt ist, Göttin, Bezwingerin des Mahishasura, Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.144 Durch Ziegen[opfer] Erfreute, überaus Furchtbare, Kamakhya, Freudenspenderin: Sieg dir, gnädige Wunscherfüllerin, Kameshvari, Verehrung sei dir!“

7.145 Ein König, der sein Reich verloren hat, [soll] am neunten, achten und vierzehnten Mondtag beherrscht, rein und fastend [diese Verehrung ausführen].

7.146 Binnen eines Jahres erlangt er sein Reich erneut, frei von Widerständen.

7.147 Wer voller Hingabe von deinem Hervortreten hört, Göttin, wird von allen Verfehlungen frei und gelangt zum höchsten Nirvana.

7.148 „Göttin Kameshvari, Strahlkraft der Götter und Asuras, im offenbarten Lotus Geordnete, Verehrung! Du strebst nach der Aufspaltung des Brahma-Ortes der Götterfeinde [Variante: ihrer Hindernisse; Lesung unsicher], du Wesen der drei Veden, Göttin, vor dir verneige ich mich!

7.149 Weiß und schwarz, von roter und gelblicher Gestalt, deren Formen dargestellt werden, in der Hand und im Schädelgefäß verschieden gestaltet: Vor ihr, [der Herrin] des Guten und Unguten, verneige ich mich.

7.150 Du in Kamarupa Hervorgetretene, Schmuck des heiligen Kama-Sitzes, Trägerin des Weltalls, Mahamaya: Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.151 Von unoffenbarer Gestalt, Ruhende, Ununterbrochene, die du jede gewünschte Gestalt annimmst, durch die Zeit Zugängliche, Höchste, Friedvolle, Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.152 Vor jener höchsten heldenhaften Göttin verneige ich mich, die im Inneren der Sushumna als Lichtgestalt meditiert wird. Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.153 Du mit dem von Hauern furchtgebietenden Gesicht, von einer Schädelgirlande geschmückt, überall und alles durchdringend, Göttin: Kameshvari, Verehrung sei dir!

7.154 Zur Badezeit, frühmorgens, beim Essen und Zähneputzen sowie ohne Gewand [soll man die Gottheit] weder anschauen noch berühren. [Die Konstruktion des Verbots ist verkürzt.]

7.155 Am dreizehnten Tag des Madhu und am vierzehnten [Tag] bei Stier soll eine Frau die Göttin niemals berühren; an diesem Tag soll man den Anblick meiden.

7.156 Der Anblick bringt Gefahr; ein Fluch fällt auf das Haupt. Ebenso soll ein junger Mann am achten Tag der hellen Hälfte des Jyeshtha nicht hinschauen.

7.157 [Auch] schöne Mädchen und ein Sadhaka [sind genannt; die Bedingung ist unklar]. Nachts soll man eine Frau nicht berühren und niemals die Bali-Gabe berühren lassen.

7.158 Niemals soll man sich der großen Göttin im Linga [unter diesen Bedingungen] nähern. Für Brahmanen [sind] Milchgaben, Shali-Reis oder Milchreis [vorgesehen],

7.159 mit Ghee durchtränkte kaubare Früchte, Blüten mit Ghee, Milch, Milchreis oder gekochte Speise.

7.160 Shali-Reis, mit Honig versehene Krishara und Zuckerkuchen [sind darzubringen]. Für Könige gelten Tiere als geeignet, für Vaishyas Reis,

7.161 für Shudras Honig; oder für alle Tiere. Darzubringen [nennt der Text] Shonatunda [Tierart unklar], einen Menschen oder Büffel,

7.162 Wildschwein, Ziege, Yak, Varuna [Tierart unklar], Widder, Wildschwein und Waran.

7.163 Ein Ziegenbock gilt als vorzüglicher als zehn Yaks, eine Schildkröte als vorzüglicher als zehn Ziegenböcke,

7.164 ein Hase als vorzüglicher als hundert Schildkröten, ein Wildschwein als vorzüglicher als tausend Hasen,

7.165 ein Büffel als besser als zweitausend Wildschweine, ein Nashorn als vorzüglicher als zweitausend Büffel.

7.166 Gegenüber tausend Nashörnern [bringt] ein Mensch unvergleichliche Frucht; gegenüber zweitausend Menschen wird Shonatunda gepriesen.

7.167 Gegenüber zweihundert Shonatunda wird Shvetagriva [„Weißhals“, Tierart unklar] gepriesen; gegenüber hundert Shvetagriva gilt ein Waran als besser.

7.168 [Hundert] Waranen [entspricht] ein menschlicher Knabe, Göttin. [Der Text zählt hier ausdrücklich auch Menschen und Minderjährige zu Opfergaben.] Bei Tieren soll eine Bali-Gabe erst nach sechs Monaten [Lebensalter] erfolgen.

7.169 Ein schwarzer oder weißer Ziegenbock [sei] über zwei Jahre alt. [Danach beginnt eine nicht vollständig verständliche Ausschlussliste:] Guggulu-gereinigt, Shona genannt, Schakal,

7.170 Moschustier [Variante zusätzlich: Hund], Bergziege, Maus, Karala und kleine Katze,

7.171 Kokila, Kalavinka, Königsschwan, Maina, Papagei, Geier, Kakola, Pfau, Citraka,

7.172 Pferd, Venuprishtha [Tierart unklar], schwarze Taube, große Taube und Bachstelze,

7.173 Reiher und Kranich soll man sorgfältig meiden. Bei gemeinsamer Bali-Gabe soll man das weibliche [Tier] nicht gesondert berücksichtigen [Wortlaut unsicher].

7.174 Wird ein Paar dargebracht, entsteht kein ritueller Fehler, Geliebte. Auf dem Leichenplatz, in der Nähe der Gottheit, [nennt der Text] die Gabe eines Büffels.

7.175 [Der Opfernde] gelangt in Brahmas Welt und erfreut sich auf Erden wie Shiva. Wer im inneren Haus stirbt, gelangt zum ewigen Brahman.

7.176 Noch heute ist Brahman dort sichtbar, südlich, Geliebte. [Der Satz über das Fallen und Sadashiva, den Erkenntnisspender, ist unklar.]

7.177 An ihrem rechten Ohr fällt der Mensch zur Erde. Selbst wenn er mit schweren oder geringeren Sünden behaftet ist,

7.178 gelangt er bei einer Bali-Gabe auf dem Leichenplatz befreit in Shivas Wohnstatt. Ob wunschlos oder mit Wünschen, [wer] dort sein Leben lässt,

7.179 wird, auch wenn er sein Land verlassen hat, selbst Herr der Scharen [Satzfügung unsicher]. Ein König [soll eine Gabe] aus einem fremden Land erwerben und darbringen.

7.180 Einen Schwerverbrecher, Dieb, Toren, Einzelhelden [„ekavīraka“, Bezug unsicher], einen von einer Frau Beherrschten oder Brahmanenfeind soll man sorgfältig ausschließen.

7.181 Edelsteine, Perlen, Gold und Kupfergefäße, die der Gottheit gegeben wurden, gelten zwölf Tage lang nicht als gebrauchte Opferreste.

7.182 Bänder und Tücher [gelten] sechs Monate [als frisch]; Speisegaben werden schon nach dem Darbringen [zu Opferresten], Modaka und Krishara nach einer halben Nachtwache, große Herrin.

7.183 Seidengewand [nach] drei Monaten, die heilige Schnur nach einem Tag; gekochter Reis und Milchreis, solange sie warm sind.

7.184 Kopf und Blut [nach] einer halben Nacht, Parvati; Quark und Milch nach einem Muhurta, Ghee nach einer Nachtwache, Shankari.

7.185 Oleander und Bilva-Blätter [nach] einem Tag und einer Nacht; Hibiskus- und Bandhuka-Girlanden nach anderthalb Monaten.

7.186 Girlanden aus Oleander, Lotus und Bilva nach einem halben Monat, große Herrin; Betel unmittelbar nach der Gabe. [Die Fristen weichen teilweise vom vorigen Vers ab.]

7.187 Datteln, Jackfrucht, Trauben, Zitronatzitrone, Shavaka [Fruchtart unklar], Banane, Orange und Jambu-Früchte,

7.188 Lotuswurzel und Madhuka soll man sorgfältig darbringen, ebenso Bilva, Granatapfel, Jayanti und Gurke.

7.189 Trapura und Aubergine erfreuen die Göttin. Granatapfel und Bilva-Frucht gelten nicht als verbrauchte Opferreste, Geliebte.

7.190 Saugandhika und Kadala soll man sorgfältig verwenden. Banane, Zitronatzitrone und gekochte Milch soll man darbringen.

7.191 Im Ofen Gegartes, Kasheru und junge Jambu[-Früchte] sind ihr lieb, ebenso frischer Ingwer, Salz, Jivaka und langer Pfeffer.

7.192 Muskatkapsel und Tinduka sind der Göttin besonders lieb. Ramarambha-Früchte, Blüten, Vadana und Rauchgetrocknetes

7.193 soll man nicht für die große Göttin verwenden, ebenso Samen des blauen Lotus. Shravana-Getreide und zweimal Gegartes soll der Mensch meiden.

7.194 Goldfarbene Kokosnuss und Vamaka-Kokosnuss soll man der großen Göttin darbringen, besonders ihr Wasser.

7.195 Kokosnuss und Bhandira soll man [dagegen] bei Götter- und Ahnenopfern meiden. Reife Bakula-Frucht und Lotusfrucht

7.196 soll man für die große Göttin verwenden; so erlangt man die Frucht des Chandrayana. Höre, Göttin, ich werde kurz die Blumenlehre verkünden.

7.197 Mit jahreszeitlichen Blüten, Mallika und Jati, weißen und roten Blüten sowie hellen [Blüten] des blauen Lotus,

7.198 mit Kimshuka, Tagara, Hibiskus, Kanaka und Champaka, Kimshuka und Tagara [wiederholt], Bakula und Mandara,

7.199 mit Moschus und anderem versehenen Bandhuka- und Agastya-Blüten, Madana, Sindhuvara und zarten Durva-Sprossen [soll man verehren].

7.200 [Ein Zusatz nennt Tulasi-Blätter und zarte Bilva-Blätter.] Wer Tausende Oleander- und Mahya-[Blüten; Variante: Kunda] darbringt, erlangt die gewünschten Ziele und wird in der Welt der Göttin geehrt.

7.201 Eine Oleanderblüte [entspricht] zweitausend Lotusblüten. Man soll Waldblüten niemals darbringen, ohne sie [ihren Hütern] freigeben zu lassen.

7.202 Selbst die Götter vermögen sie nicht einfach an sich zu ziehen, denn zehn Yakshas beschützen jede einzelne Blume,

7.203 ebenso fünf Yaksha-Frauen, ringsum versammelt. Deshalb soll man die Blumen [ordnungsgemäß] holen und den Göttern sowie den Ahnen geben.

7.204 Wer dort über Kamakhya ein Blumenhaus errichtet, Shankari, erlangt hier seine Wünsche und wird in Durgas Welt geehrt.

7.205 Wer mit Oleander und Jati verehrt, Shankari, erlangt die Frucht des Agnishtoma und wird in der Sonnenwelt geehrt.

7.206 Wer Chandika hingebungsvoll mit einer Lotusgirlande verehrt, erlangt die Frucht des Jyotishtoma und wird in der Sonnenwelt geehrt.

7.207 Mit artgleichen Baka-Blüten und Rudrajata [so die Variante] erlangt man gewiss die Frucht des Vajapeya-Opfers.

7.208 Die beste aller Blumen ist der blaue Lotus. Wer eine Girlande aus tausend blauen Lotusblüten

7.209 Durga vorschriftsmäßig darbringt, Göttin, dessen Verdienst höre: Tausende und Hunderte von Millionen Jahren

7.210 wird er als Gefährte der Göttin in Rudras Welt geehrt. [Geeignet ist Reis] aus Vakra- und Sukshma-Getreide,

7.211 aus Raja- und Rakta-Getreide. Ungebrochene Reiskörner werden empfohlen, in der Zahl sieben, acht oder neun.

7.212 Mit Durva-Sprossen soll man sie der Erhabenen am achten oder neunten Mondtag darbringen; so erlangt man die Frucht eines Pferdeopfers.

7.213 Wer duftende Salbe darbringt, erlangt die Frucht des Jyotishtoma; wer mit Safran bestreicht und Arghya [gibt], erlangt die Frucht von tausend Kühen.

7.214 Wer Durga mit Sandelholz, Agaru und Kampfer bestreicht und mit weißen Blüten samt Safran verehrt, erlangt die Frucht des Vahnishtoma [so die Vorlage].

7.215 Neem-Blätter, Madhya, Tamala- und Amalaki-Blätter, Kahlara, Tulasi, Lotus und vortreffliche Blüten:

7.216 Diese gelten nicht als abgestanden, ebenso andere knospenartige [Gaben]. Auch zerrissene oder beschädigte Jati-Blüten werden nicht unrein, Shankari.

7.217 Lotus, Durva-Sprossen und Tulasi-Blätter werden nicht schnell alt; ebenso eine Blume zusammen mit Tulasi, Shankari.

7.218 Man soll nicht mit Jhinti-Blüten oder gelbem Tagara verehren, auch nicht mit weißem oder schwarzem Vijaya. [Diese Regel steht neben anderslautenden Empfehlungen in II.6.83.]

7.219 Zur Vollendung des Purashcharana soll man den Mantra dreihunderttausendmal wiederholen sowie Nyasa, Wasserspenden und achtzig Feueropfer [„paṅktyaṣṭaka“, Zahlenzuordnung nicht sicher] vollziehen.

7.220 Wer seine Sinne beherrscht, große Herrin, erlangt die Frucht des Agnishtoma. Wer die höchste Herrin am neunten und achten Tag der hellen Monatshälfte

7.221 sowie am vierzehnten dreimal täglich verehrt, meine Geliebte, gelangt zur höchsten Stätte, wo die Göttin weilt.

7.222 Nachdem er lange Zeit dort gespielt hat, wird er König auf Erden. Durch Bad, Fasten, Disziplin, Puja, Nachtwache und Reinigung

7.223 verehrt er Kameshi zu allen Zeiten. Er besteigt ein vortreffliches Himmelsfahrzeug, geschmückt mit Fahnen und Girlanden,

7.224 gelangt in Brahmas Welt und erfreut sich ewige Jahre. Deshalb soll man mit vielfältiger Hingabe und nach dem Umfang seines Vermögens

7.225 Durga stets verehren, wenn man große Verdienstfrucht wünscht. Zur Sonnenwende, Tagundnachtgleiche und an den Shadashiti-Übergängen, Geliebte,

7.226 [entsteht] durch viermonatige vorschriftsmäßige Chandika-Verehrung ein Verdienst; dieselbe Frucht erlangt man am neunten Tag des Karttika, Göttin.

7.227 Wer im Ashvina am neunten Tag der hellen Monatshälfte die Göttin, die große Herrin, verehrt, dessen Verdienst höre:

7.228 Er erlangt die Frucht von tausend Pferdeopfern und hundert Vajapeya-Opfern; daran ist nicht zu zweifeln.

7.229 Einundzwanzig Bogenlängen nördlich von Hanumat liegt die äußerst schwer erreichbare Stätte Muktimandapika.

7.230 Wer dort die gegenwärtige [Göttin beziehungsweise ihre Formel] rezitiert, erlangt das höchste Ziel. Dann soll man die Hände zur Anjali-Mudra falten und die Göttin gnädig stimmen:

7.231 „Verehrung dir, Herrin aller Götter, die du deinen Verehrern die Furcht nimmst! Rette mich, der ich im Ozean des Samsara versunken bin, höchste Herrin!“

7.232 Nachdem man die Göttin so gnädig gestimmt und sich mit ausgestrecktem Körper verneigt hat, soll man den Guru hingebungsvoll mit Blüten, Düften und Salben verehren.

7.233 Man soll dort eine Kumari speisen, nachts eine Wache halten und die Größe der großen Göttin erzählen und besingen lassen.

7.234 Der Verständige soll die Nacht verbringen, indem er die höchste Göttin meditiert und preist. Monat für Monat, besonders am achten und vierzehnten Mondtag,

7.235 soll man die Göttin zur Zeit des Kuhstaubs [Abenddämmerung] zum Haus Kameshvaras bringen, auf einem Wagen oder in einer Sänfte. Wer sie dort sieht,

7.236 wird von allen Sünden frei und in der Welt der Göttin geehrt. Wer Shankari nach Muktimandapika bringt und verehrt,

7.237 erlangt zweifellos das Verdienst von zehn Pferdeopfern. Man soll die Prozession nicht am Tag und nicht mitten in der Nacht durchführen.

7.238 Am siebten Tag der Herbstfeier soll man sie abends in den Süden der Stadt bringen, große Herrin; so erlangt man die Frucht aller Opfer.

7.239 Wer die Göttin am achten Tag verehrt und am neunten im fließenden Wasser badet, begeht dabei auch tagsüber keinen rituellen Fehler.

7.240 Wer danach die Göttin auf dem Wagen berührt, kennt auf Erden keine Trauer. Wer sie auf den Schultern trägt, [erlangt die Frucht] eines Pferdeopfers mit jedem Schritt.

7.241 Deshalb soll man sorgfältig eine große Sänfte anfertigen lassen. Währenddessen soll man wegen des Bades der Göttin [zum] Berg [gehen]

7.242 und Gott Kameshvara schauen, der auf dem Erdpitha steht. Nördlich davon, zwölf Handlängen entfernt, liegt Kamasaras.

7.243 Wer dort Kamasana [Variante: den Kamasava-Mantra] rezitiert und badet, erlangt seine Wünsche. Wer im Kamakunda badet und Kameshvara schaut,

7.244 kehrt nicht wieder [in die Geburt] zurück und wird in Rudras Welt geehrt. [Man verehre ihn] vierarmig, mit Dreizack und Khatvanga sowie Segens- und Schutzgeste,

7.245 auf einem Lotus sitzend, den Gott, der alle Sünden vernichtet. Mit dem Dakshinamurti-Yantra soll man [die Anordnung] vollenden und ihn gnädig stimmen.

7.246 „Om. Verehrung Shiva, dem [„tanniśāmaya“, unklare Anrede]! Verehrung Shiva, dem von Shiva Verehrten! Dir, dem ganz Erbarmungsvollen, sei Verehrung im Haus der Maya, dem ohne Wohnstätte [letzte Wendung unsicher]!

7.247 Verehrung dem Austrocknenden, dem großen Andhaka [Lesung unsicher], der Zuflucht, der Schar! Verehrung dir, dem die furchtbaren Scharen folgen, dem ursprünglichen Schöpfer der mannigfachen Welten!“

7.248 Nach dem Bad mit Ghee und Honig soll man mit Duftstoffen und Lampen verehren, mit Kanaka[-Blüten], Bilva-Blättern und roten Rudrajata-Blüten,

7.249 mit Siegesrufen, Hymnen und mannigfachen Speisegaben. Wer im Chaitra am dreizehnten Tag der hellen Hälfte Kameshvara,

7.250 den besten der Götter, sieht, gelangt zum höchsten Zustand. Am achten Tag, nachts, soll man ihn zum Haus Kameshvaris bringen.

7.251 Dort soll man den Gott besonders gemeinsam mit der Göttin verehren. Dadurch erlangt man zweifellos die Frucht des Agnishtoma.

7.252 Schon durch den Anblick erlangt man Frucht. Wer danach Kameshvari schaut, erhält dort zweifellos alles, worum er bittet.

7.253 Südlich von Kambala, wo die Göttin vereint ist [Variante: mit dem Gott], acht Bogenlängen [entfernt], Segensreiche, soll man die höchste Kotishvari verehren.

7.254 Wer einen Sohn wünscht, soll die Göttin anschauen, aber niemals berühren. Von allen Sünden frei, wird er in Rudras Welt geehrt.

Kolophon: Damit endet der siebte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Achter Paṭala

8.1 Der Erhabene sprach: An diesem Tag soll man zur Himmelsströmenden gehen, Göttin, die als „Auge der Welt“ bekannt ist, segensreich und alle Sünden hinwegnehmend.

8.2 Zwei Pfeilschüsse südlich der Göttin sieht man drei Ströme. Der mittlere ist Sarasvati,

8.3 der südliche Varuna, der nördliche Yamuna. Wer in Yamunas Wasser badet, wird von furchtbarer Schuld befreit.

8.4 Wer in Sarasvati badet, wird in Vishnus Welt geehrt; wer in Varuna badet, erlangt unübertreffliche Befreiung.

8.5 Wo die drei Ströme zusammenfließen, ist Ananta zu sehen. Sie ist die Göttin Akashaganga, die schwere Sünden vernichtet.

8.6 „Verehrung dir, tausendäugige Göttin, Vernichterin der Bindung des Werdens, auf Nilashaila Weilende, Segensreiche! Nimm meine Schuld hinweg, Jahnavi!“

8.7 Nach dem Bad mit diesem [Mantra] soll man mit dem Klang-Bija verehren. Nördlich von ihr, nicht weit entfernt,

8.8 [steht] Vasudeva, von weißer Gestalt und schönem Aussehen. Mit Smara [Kama-Bija] soll man das Linga mit Duftstoffen und Milchreis verehren.

8.9 Wer ihn am zwölften Tag des Karttika schaut, findet Befreiung. Durch Nachtwache dort wird man von allen Sünden frei.

8.10 Vier Bogenlängen südlich der Ganga spielt der Erhabene auf dem großen Leichenplatz mit Frauenscharen.

8.11 Götter mit Gandharvas, Rishis mit Charanas kommen stets ehrfürchtig dorthin, um den Gott gnädig zu stimmen.

8.12 Wer dort mit innerlich reinen [Gaben] Mahadeva, den Herrn der Scharen, verehrt, erlangt den selbst den Göttern schwer erreichbaren Rang eines Ganapati.

8.13 Noch heute sieht man dort täglich ein großes Wunder: Niedergelegte menschliche Knochen werden zu Asche, [danach steht unvermittelt] Prajapati.

8.14 Wer dorthin geht und Mahadeva verehrt, erlangt nach dem Zerfall des Körpers zweifellos die göttliche Welt.

8.15 Besonders am vierzehnten Tag der hellen Hälfte des Karttika soll man dort den Herrn der Götter, den allen lieben Urvater, verehren.

8.16 Durch diese Zuneigung [wird man] Rudras Gefährte. Dort erscheint [der Gott] dreigeteilt; der nördliche Teil heißt Hara,

8.17 der westliche Heruka, unvergänglich in Vishnus Gestalt; der südliche Teil ist Bhairava und wird Tripura genannt.

8.18 Mit dem Prasada-Mantra soll man den höchsten Herrn verehren; so erlangt man die vortreffliche Frucht des Pferdeopfers.

8.19 Mit dem Kula-Anfang und Trikunda [technische Bezeichnungen] soll der hingebungsvolle Mensch verehren. Aus dem Mandala erlangt er zweifellos die Mahavidya.

8.20 [Wer] Heruka in Vasudevas Gestalt mit dem zwölfsilbigen [Mantra verehrt], gelangt [zum Rang] des Herrn aller Welten und wird in vorzüglicher Herkunft geboren.

8.21 Mit Blut, Fleisch und Wein soll [nach dem historischen Ritual] die höchste Herrin verehrt werden. Nachts [nennt der Text] die Darbringung von Schildkrötenfleisch.

8.22 Yak und Madgura-Fisch soll man sorgfältig meiden. Wenn man Tamarinde gegessen hat und unachtsam [Nilashiva oder den Leichenplatz aufsucht; Variante: Ölkuchen isst],

8.23 entsteht große Gefahr; bei Berührung wird ein Fluch ausgesprochen. Sieben Nächte lang soll man [die Gottheit] nicht berühren; [die folgende Gemüsebezeichnung ist unklar], Geliebte.

8.24 Nach drei Chandrayana-Gelübden entsteht Reinheit. Wer unachtsam Rajiva, Rajani oder Camara-Gemüse gegessen hat, Göttin, soll dasselbe Gelübde ausführen.

8.25 Mit Karkandhu und Zucker versehenes [Essen], Danda-Gemüse und Berg-Kushmanda soll man weitgehend meiden.

8.26 Am achten, neunten und besonders dreizehnten Mondtag [verwende man eine Mala] mit einundzwanzig Fäden, dreifach genommen,

8.27 und dreifach vereinigt; [die weitere Angabe] dreißig [ist unklar]. Seidenfaden aus dem Kokon [ist vorgesehen]; fehlt er, nehme man roten [Faden].

8.28 Man soll die Mala keinem anderen zeigen [Verneinung aus dem Zusammenhang ergänzt] und sie nicht mit der linken Hand berühren. Für Waldeinsiedler, Entsagende und Brahmacharins, Geliebte,

8.29 bei der Rezitation des Vishnu-Mantras oder eines [anderen] Mantras, [gilt dagegen:] Man halte sie in der linken Hand, mit einem Abstand von sieben Perlen,

8.30 und rezitiere mit der rechten Hand bei jeder Perle, Schönangesichtige. [Am Hauszugang spreche man:] „Verehrung dem segenspendenden Tintidi!“

8.31 Man wird von tausend [Arten] Schuld frei wie eine Schlange von ihrer alten Haut. Hinter Kameshvara bis zum Standort Siddheshvaras

8.32 wird der dazwischenliegende Bereich Chayarudra genannt. Bad, Körperaufgabe und Schatten werden dort vorgeschrieben. [Variante: Wie der Schatten den Körper niemals verlässt.]

8.33 Wer in diesem Bezirk die Stierfreilassung vollzieht, Schönangesichtige, erlangt zweifellos das Verdienst von hundert Agnishtoma-Opfern.

8.34 Wer im Magha in Chayarudra Speisekugeln ohne Sesam darbringt, große Herrin, wird gegenüber den Müttern schuldenfrei.

8.35 Dann gehe man zum Vindhya-Berg. Der schwarze und rote Stein heißt Vindhyeshi; man verehre sie mit Lotus und anderem.

8.36 Mit Kameshvaris Mantra ist sie zu verehren, höchste Herrin. Die Frucht einer Gabe von zehntausend Kühen, Geliebte,

8.37 erlangt man wahrlich durch Vindhyeshis Anblick. Nordöstlich davon, mehr als hundert Pfeilschüsse entfernt,

8.38 am Zeichen der Akashaganga [liegt] ein Stein, ein göttlicher Teich. Südlich davor, ein wenig erhöht,

8.39 weilt die liebliche Lalita, die die Schuld eines Brahmanenmordes hinwegnimmt. [Dort steht] ein Ashvattha in Nandis Gestalt, an seiner Wurzel ein schildkrötenförmiger Stein.

8.40 Wegen seiner Schuld kann ein Mensch den Gott [mitunter] nicht sehen. Das Linga liegt in einer vier Handlängen messenden Yoni; das Becken ist einer wegleuchtenden Lampe gleich und vernichtet alle Sünden.

8.41 Wer dort Gott Vyaseshvara schaut, beseitigt Schuld. Wer in Vyasatirtha badet und Lalita verehrt,

8.42 erlangt die große Frucht von tausend Pferdeopfern. Zwanzig Bogenlängen östlich [liegt ein Ort], mit Vanadasa [Pflanzenname unsicher] gekennzeichnet.

8.43 [Der Baum trägt] lotusblattförmige Blätter und ist durch Harz gekennzeichnet. An seiner Wurzel weilt die Göttin in Gestalt eines hohen Elefanten.

8.44 Schon durch ihre Verehrung wird man von Planetenschäden nicht berührt. Eine unfruchtbare Frau wird [laut Text] schwanger, wenn sie den dortigen Baum berührt.

8.45 Ein Mensch mit abgetrennter Hand erhält Gold [Variante: einen Edelstein]; einer mit unversehrten Händen [erhält nach einer Variante einen Elefanten]. Östlich des Granatapfelbaums, nicht weit entfernt,

8.46 liegt eine neun Handlängen messende Öffnung. Diesen Gott Bhuvaneshvara soll man mit dem Kama-Bija verehren; so wird man siegreich.

8.47 Nordwestlich davon, in Agastyas segensreicher Einsiedelei, soll man Gott Gadadhara mit Blüten und anderem verehren.

8.48 Der hellweiße Stein unweit des Gottes ist das große Linga Jalpisha. Man soll es unter entsprechender Rezitation verehren.

8.49 Wer vorschriftsmäßig in Saubhagya badet und Jalpisha verehrt, erlangt die Frucht des Agnishtoma, meine Geliebte.

8.50 Westlich davon, durch den Herrn der Unterwelt gekennzeichnet, weilt Sadashiva in einem einundzwanzig [Einheiten messenden] Erdbereich.

8.51 Wer sich hingebungsvoll vor ihm verneigt, wird niemals wieder geboren. In dem heiligen Erdbereich dieses Gottes, [eine] Kala-Handlänge [entfernt],

8.52 auf dem schönen Govinda-Berg, ist ein weißer Stein. Erkenne ihn als Govinda und verehre ihn an Haris Tag.

8.53 Neun Bogenlängen östlich davon liegt ein blutroter Stein, genannt Sharasheni, der schwere Sünden vernichtet.

8.54 Auf dem hohen Shiva-Berg [weilt] die höchste Shiva namens Prakara. Wer sie sorgfältig verehrt, erlangt großes Glück.

8.54 (zweite Belegung) Neun Pfeilschüsse nördlich des Vindhya-Berges weilt Mahalakshmi. Man soll sie mit weißen Blüten verehren.

8.55 Auf Shriparvata, große Herrin, soll man im Shrikunda baden; ebenso an Vollmond im Ashvina im Becken namens Dhruva.

8.56 Nach dem Bad soll man [die Göttin] schauen und hingebungsvoll verehren; so wird man Herr der Länder. Man gehe zu Gautamas Einsiedelei und verehre den Stierbannerträger.

8.57 Dann gelangt der Mensch nicht in die Hölle, und seine Schuld vergeht. Vom Westen nach Norden bis zum südlichen Manasa

8.58 liegt der dazwischenliegende Bezirk, nicht weit entfernt, Shankari. Wer dorthin geht und verehrt, gelangt in Brahmas Welt.

8.59 Dort am Seeufer liegt das vortreffliche Hamsatirtha. Wer die zwölf Adityas verehrt, erlangt höchste Strahlkraft.

8.60 Wer Revanta verehrt, erlangt das höchste Ziel; durch Indras Verehrung große Herrschaft, durch Gauris [Verehrung] Glück.

8.61 Wer Purushottama verehrt, erlangt alle Wünsche; wer Narayana verehrt, wird Herr der Menschen.

8.62 Wer Narasimha schaut und sich verneigt, siegt in der Schlacht; wer Varaha verehrt, erlangt Herrschaft über die Erde.

8.63 Wer Somanatha verehrt, wird in Rudras Welt geehrt. Der Strom von Pandukuta ist der Fluss Narmada.

8.64 Wer am vierzehnten Mondtag darin badet, erlangt [die Frucht] eines Pferdeopfers. Der zwischen Shiva und Vishnu aus der Yoni entspringende [Strom]

8.65 ist als Mahanadi zu erkennen, der alle Sünden vernichtet. Der Strom zwischen Hüften und Brüsten, höchste Herrin,

8.66 heißt Mangala und bewirkt alles Heil. Der Strom am Ende von Bilva- und Shriparvata ist Sarasvati.

8.67 Wer ihr klares Wasser trinkt, wird der Erste unter den Dichtern. Der Strom Matangas ist zweifellos Narmada.

8.68 Der Strom des Kamakunda heißt Kamaganga; der Strom Kamakhyas wird Ganga genannt.

8.69 Der Strom des Nandikunda ist als Madhusrava zu erkennen; der Strom Kamadhenus als Sudharmini.

8.70 Der Strom des Padma-Berges gilt als Ganga Urvashi; der des Nilakunda heißt Subhadra.

8.71 Der Strom des Vyasakunda gilt als Chandrabhaga; der des Shakra-Berges heißt Urvashi.

8.72 Der Strom des Somakunda ist der Fluss Vaitarani; der des Yama-Berges gilt als Godavari.

8.73 Wer im Strom Bhandishas badet, davon trinkt und sich verneigt, erlangt die vortreffliche Frucht von hundert Agnishtoma-Opfern.

8.74 Dann gehe man zum Dharma-Wald und bade im Rama-See, Geliebte. Danach schaue man Kotilinga; so erlangt man einen unsterblichen Leib.

8.75 Wer Kotilinga dreißig Bogenlängen nördlich von Kama schaut, Geliebte, erlangt die Frucht des Vajapeya.

8.76 „Dem Lebensstab, dem Ewigen, dem Roten sei Verehrung! Verehrung dem Tausendköpfigen; Kotilinga, Verehrung sei dir!

8.77 Verehrung dem ewigen Herrn der Berge, dem Freund der Bergbäume; Verehrung dem Herrn der Opfer! Kotilinga, Verehrung sei dir!“

8.78 Mit diesem [[[Mantra]]] und Hibiskusblüten soll man verehren, Milchreis und Bali geben, preisen, rezitieren und entlassen.

8.79 Der seitlich anliegende Stein rechts davon [ist] der große Gott Vetala; links [ist] Vishnu-Dvikarnaka [Namensfügung unsicher].

8.80 Man nehme eine Handvoll Blüten und spreche mit ungeteiltem Geist den Mantra: „Dem [Spender von] Dharma, Lebensgenuss, Wohlstand und Befreiung, dem Furchtbaren und dem Verkünder,

8.81 Samkhya und dem Ersten des Samkhya, Vetala, Verehrung, Verehrung! Dem mit einem schwarzen Antilopenfell als Obergewand und gelbem Gewand: Du allein bist Brahma, Herr des Alls; Brahma-Gestalt, Verehrung sei dir!“

8.82 Davor [liegt] Brahmayoni; beim Herausgehen [spreche man] den schwer zu bezwingenden Mantra. Wer in Brahmayoni eintritt, tritt nicht wieder in einen Mutterleib ein.

8.83 Er gelangt nicht in eine Tiergeburt, sondern in Brahmas Stätte. [Gebet:] „An dem Shiva lieben Ort, der den Befreiungsweg versperrt [Verneinung oder Wortbildung möglicherweise gestört],

8.84 sei gnädig, Herr der Götter! Rette mich aus der Bedrängnis des Mutterleibs!“ Nach dem Austritt aus Brahmayoni soll man Ganesha am Tor verehren,

8.85 den Großleibigen, aus Stein gehauen, als Sadhaka mit diesem Mantra: „Verehrung dir, vortrefflicher Lambodara, der du den Göttern das Ersehnte schenkst!

8.86 Allgenannter, Gebieter, Herr, rette mich aus der Enge des Mutterleibs [nach der Variante]!“ Danach gehe man zum Befreiungsweg, Shakra zugewandt.

8.87 Links und rechts [liegen] die beiden Zeitalter, [mit] Satya entstanden; oben Krita, seitlich Treta und Dvapara.

8.88 Im Bali-Antlitz steht das verborgene Linga namens Bhuvaneshvara. Wer sich hingebungsvoll davor verneigt, erlangt den herrscherlichen Zustand.

8.89 Wer sich vor den vier Zeitaltern verneigt und Gott Kapardin berührt, wird nicht wieder im Mutterleib geboren und nicht von den Mängeln der Zeitalter befleckt.

8.90 „Du bist der Herr der Zeitalter, trägst die Gestalt der Entstehung der Welt. Vor der in jenem Zeitalter begangenen Schuld rette mich, höchster Herr!

8.91 Du mit Hervorbringung und Erhaltung Erfüllter, Treta-Zeitalter, Herr der Menschen: Die in jenem Zeitalter auf Erden begangene Schuld sollst du beseitigen!

8.92 Verwirklichung der Wahrheit, Satya genannt, dessen Wesen Nara-Narayana ist, Ursprung von Krita und den anderen, wahrer Dharma, Verehrung sei dir!

8.93 Du, dessen Gebot bei Sieg und anderem [gilt], Rad der Zeitalter, mächtiger Herr: Stets verneige ich mich hingebungsvoll. Nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“

8.94 Mit dem fünfsilbigen Mantra soll man Kapardin verehren; so erlangt der Mensch die Frucht des Rajasuya und des Pferdeopfers.

8.95 Danach soll man Kamadhenu schauen und erlangt alle Wünsche. Nach Verehrung und Verneigung soll man Brahmanen speisen.

8.96 „Verehrung dir, Tochter Surabhis, die du nach Wunsch gehst und wirkst! Jene Göttin in Kuhgestalt nehme meine Schuld hinweg!“

8.97 Die Frucht einer Gabe nach dem Gewicht eines Menschen in Kurukshetra [Variante zusätzlich: Pushkara], wenn Rahu die Sonne verschlingt,

8.98 erlangt man durch Kamadhenus Anblick. Man soll dem Guru Dakshina geben und Savitri Arghya darbringen.

8.99 Nach dem Beschwichtigungsritus soll man mit ungeteiltem Geist meditieren, Göttin. Dann erhebe man sich, schaue die Sonne und rezitiere die beiden Mantras, Geliebte:

8.100 „Verehrung Kali, Girija, Kameshvari! Verehrung der Göttin, der aus dem Berg Geborenen!

8.101 Verehrung Gauri, der Vernichterin des Unrechts! [Die Wendung über Spiel, Kraft und Wahrheit ist unklar.] Verehrung, Verehrung den an Pilgerstätten Standhaften, Vyasa und den anderen, den Elefanten, Beschützern und Kshatriyas!

8.102 Paundravighna, Verehrung sei dir! Kamabhairava, Verehrung sei dir! Dakshinamurti, Verehrung sei dir! Dandapani, Verehrung sei dir!“

8.103 Nach dem Aufsuchen einer Pilgerstätte fasten, Vertrauen in die Mantrawiederholung und die Zuversicht „Es wird gelingen“: Dies sind Kennzeichen der Vollendung.

8.104 Die erhabene Göttin sprach: Wird ein Mensch, der in diesem Bezirk immer wieder sündige Taten, furchtbare Vergehen wie Alkoholtrinken, begeht, Befreiung erlangen?

8.105 Ishvara sprach: Wer im heiligen Bezirk weilt und immer Verfehlungen zugeneigt ist, tritt in einen Mutterleib ein und bleibt [Variante: wandert] zehntausend Jahre.

8.106 Dann entsteht dort [in weiteren Daseinsstätten] Erkenntnis. Auch er wird Befreiung erlangen; dies ist geheim, meine Geliebte.

8.107 Anderswo ist Lauhitya leicht zugänglich, an fünf Orten jedoch schwer: an Agastyas Pilgerstätte, im Manikarna-See,

8.108 in Apunarbhava und Chandrakunda; so werden fünf Orte genannt. [Die Abgrenzung der fünf ist nicht eindeutig.] Mit ungebrochenem Reis besonders, hunderttausend Wege [der Satz bleibt unklar].

8.108 (zweite Belegung) Bei den außerhalb des Bezirks befindlichen leeren [Stätten] besteht kein besonderer Unterschied [Bezug unsicher]. Kala, Ranabhadra, Saurabha und Mahabala,

8.109 Vetala und Vikanta: Diese Ganas stehen im Osten. Ekajangha, Anala mit schlammverschmiertem Leib,

8.110 Ghantakarna und Tadurdhva [Name unsicher] befinden sich an der Südseite; Balanasha und Bhishana im Westen,

8.111 als fünfter Lohitaksha und ebenso Nandana; Keshava und Chakrapani sind die nördlichen Ganas in Dhanadas Richtung.

8.112 Madhura, Madhuka, Jayanta und Madhupriya beschützen unterschiedslos [alle]; drei [so die Vorlage trotz vier Namen] weilen bei Kameshvari.

8.113 Ganesha, Kaladanda, Vikarna und Kapidhvaja schützen sämtliche Tore; Hara selbst schützt den Mandapa.

8.114 Kandarpa, Makaranda, Prabala, Gadadhara, Soma und Vipula sind die in Ashvatirtha weilenden Ganas. Hunderttausend Yakshinis schützen das Tor der Befreiung.

8.115 Zehntausend schützen das innere Haus; acht mit zehn [achtzehn beziehungsweise achtzig; Zahlenverbindung unklar] schützen Kubjatirtha.

8.116 Beim Errichten eines Heiligtums an einer Pilgerstätte, besonders beim Beginn religiöser Werke, Gelübde und Opfer, entstehen Hindernisse.

8.117 Man soll [ihre Hüter] zuerst mit Bali-Gaben wie Modaka verehren. Andernfalls entsteht ein Hindernis; wisse dies, meine Geliebte.

8.119 Nun gibt es weitere Hindernisse, die im Körper wohnen, geistige, die Erkenntnis vernichten. Höre sie von mir, Geliebte. [Die Originalzählung überspringt 118.]

8.119 (zweite Belegung) Einige halten zurück, Göttin, andere treiben an; [sie wirken] in der Nähe oder Ferne, zu Tausenden und Hunderttausenden.

8.120 Das Erinnern an Schuld, Trägheit, Verunreinigung, Trauer, Verblendung, Alter, Krankheit sowie Verlust von Jugend und Vermögen,

8.121 Streit mit der Ehefrau, Hungersnot, häusliche Bedrängnis, das Sich-Verlieren in vielerlei Gelübden und der Gedanke „Ich bin rechtschaffen“,

8.122 Trauer wegen des Dharma [und weitere unklar gefügte Begriffe]; [ferner das bloß stoffliche Betrachten von] Baumblättern, Tulasi, Amalaki und Baumfrüchten,

8.123 des Shalagrama als Steinbrocken, des Bildnisses als Holz, des Brahmanen als bloßen Menschen und des selbstentstandenen runden Shiva[-Lingas als Gegenstand],

8.124 des Muschelhorns als bloßer Schneckenart, des Nashorn[horn]s als tierischem Erzeugnis; den Guru nur als Menschen und Pilgerwasser nur als Wasser zu sehen,

8.125 in der Ganga nur die Form eines Flusses, im heiligen Bezirk nur ein Stück Erde [zu sehen]: Diese Hindernisse treten immer wieder auf.

8.126 Der Geist allein soll stets hinübergelangen; der Geist allein ist hier die Ursache. Der Geist allein ist für die Menschen die Ursache von Bindung und Befreiung.

8.127 Darin verwurzelt entsteht [das Hindernis]; darin liegt die hauptsächliche Ursache des Leidens. Der im Innern verdorbene Geist wird durch das Pilgerbad zurückgedrängt. [Die erste Satzhälfte ist unklar gefügt.]

8.128 Wer [dies] liest oder hört, erlangt Hingabe und Befreiung. Wer einen Sohn wünscht, erhält einen Sohn; wer Ruhm wünscht, erhält Ruhm.

8.129 Wer Wissen wünscht, erlangt Wissen; wer Sieg wünscht, erlangt Sieg. Man erlangt Reinigung von Vergehen wie Brahmanenmord.

8.130 Auch eine unfruchtbare Frau erhält einen Sohn, ein Mädchen einen guten Mann. Wer Befreiung wünscht, erlangt Befreiung; wer Genuss wünscht, Genuss; wer Dichtkunst wünscht, dichterische Kraft; der Gehaltlose erhält Gehalt.

8.131 Wer Erkenntnis wünscht, erlangt die alles Samsara vernichtende Erkenntnis. Dieses glückbringende, heilvolle Tantra trägt den Namen Yogini.

8.132 Wer auch nur einen Vers liest, stirbt nicht vorzeitig. Schon durch das Lesen eines halben Verses werden schädliche Planeteneinflüsse vernichtet.

Kolophon: Damit endet der achte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Ganga-Darstellung als Begleitbild zur Lehre von heiligen Flüssen.

Neunter Paṭala

9.1 Der Erhabene sprach: Höre, Göttin, ich beschreibe den reinen, auf Erden schwer zugänglichen [Bezirk], segensreich wie Haris Bezirk, mit hundertacht Lingas im Kreis.

9.2 Der Bezirk Vishnupushkara besitzt hundertacht Pilgerstätten und ist erfüllt von fröhlichen, wohlgenährten Menschen, Männern und Frauen,

9.3 von zahlreichen Gelehrten, von Geld, Getreide und anderen Gütern; vor seinen Häusern [liegen] schöne, geschmückte Plätze.

9.4 Er ist mit verschiedensten Edelsteinen angefüllt, mit Kostbarkeiten geschmückt, von mannigfachen Torbögen durchzogen und mit Straßen versehen.

9.5 Weiße Paläste, Königsschwänen gleich, schmücken ihn. [Der Text wechselt unvermittelt zum Reinheitsvergleich:] Auch beständig mit Wasser gewaschen [bleibt etwas] unrein wie ein Weingefäß.

9.6 Mag jemand lange in einer Höhle oder auf einem Berggipfel wohnen, in drei Bereichen, nah oder fern [Variante: mag er den Dreistab oder eine Aschebedeckung tragen],

9.7 mag er Puranas, Veden, Lehrsysteme und deren Wahrheit rezitieren: Ist sein Herz unrein, steht all dies im Widerspruch [zur Verwirklichung]. [6 und 7 bilden laut Editionsvermerk eine einzige Strophe, sind in der Vorlage aber getrennt gezählt.]

9.8 Weder Pilgerstätten noch Gaben, Gelübde oder Lebensstände [helfen] dem, dessen Absicht und Neigung verdorben und dessen Sinne zerrüttet und unbeherrscht sind.

9.9 Wo immer ein Mensch wohnt, nachdem er seine Sinne gemeistert hat, dort sind für ihn Kurukshetra, Prayaga, Pushkara und Gaya.

9.10 Man soll die Ordnung des Trinkens und die Ordnung des Landes nicht übertreten. Welche Verhaltensweise an einem Pitha gilt, die ist dort die vorgeschriebene Ordnung.

9.11 In Odra, im Purushottama-Bezirk, an diesem Pitha, Schönfarbige, soll man Speise nicht als unrein tadeln; [die anschließende Brahmanenvorschrift ist unklar].

9.12 Berührt oder unberührt, Verfehlungen hinsichtlich Herkunft [oder Sexualität] und Trinken werden dort nicht angerechnet. Abweichungen bei der Eheschließung und die Heirat vor einem älteren Bruder verunreinigen dort nicht.

9.13 [Auch] gemeinsames Liegen und Zusammenleben mit Frauen [werden genannt]. In Jalandhara, an der Stein-Pilgerstätte, soll man Fisch und Fleisch nicht tadeln.

9.14 Reinigung der Sandalen [Variante: Sandalengabe], Weißes und Buttermilch sind missbilligt. Die vollständige Dämmerungsandacht [erfolgt] nach der eigenen Ordnung; eine Zeitregel besteht nicht. [Die Aufzählung ist unsicher gefügt.]

9.15 Im Siddha-Bezirk, dem Yogini-Pitha, gilt die Ordnung der Kiratas. In Kamarupa gibt es keine Entsagung als Sannyasa und kein langes Gelübde, Geliebte.

9.16 Man soll Fleisch nicht aufgeben, Göttin; auch die Auffassung des Brahmacharya [gilt dort] nicht. [Die folgende Aussage über Kontaktschuld und Frauenordnung ist sprachlich gestört.]

9.17 Bei Frauen [gilt] keine Beobachtung der Venus [oder: des Samens; Bedeutung unklar]. Man soll stets Betel nehmen. Schwan, Taube, Schildkröte und Wildschwein gelten als essbar.

9.18 Wer dies in Kamarupa aufgibt, kann einen schlechten Weiterweg erfahren. In Saumara [gilt] eine niedrige [so die Wertung des Textes] Lebensordnung: Man isst alles und verkauft alles.

9.19 Dort ist die Frau stets zufrieden, der König sehr verdienstvoll. In Kolvapitha soll man die Standesordnung entsprechend der eigenen Herkunft befolgen.

9.20 Durch die Prüfung von Dharma und Adharma bestimmt man das eigene Wesen. In Mahendra [sei man] Yogi, Brahman-Kenner und verständig.

9.21 In Shrihatta [gibt es] reichliches Trinken und keine [besondere] Behandlung der Speise. Damit ist alles erklärt, wonach du jetzt gefragt hast.

9.22 Man soll dies keinem Nichtschüler geben, keinem Schmähler der Götter und Brahmanen, keinem Verleumder und keinem, der ohne Hingabe an die Veden ist.

9.23 Man soll es einem Hingebungsvollen geben, der seiner eigenen Pflicht ergeben ist. [Die Ortsbeschreibung setzt wieder ein:] Mit verschiedensten schönen weißen Palästen geschmückt,

9.24 von Waffenscharen geschützt, mit Gräben versehen, mit weißen, roten, gelben, schwarzen und andersfarbigen,

9.25 rauchfarbenen, im Wind [bewegten] Fahnen geschmückt, mit ständigem Fest, voller Freude und dem Klang verschiedener Instrumente,

9.26 mit Vina, Flöte, Mridanga und Kshepani [Instrument oder Schmuckform unklar], mit göttlichen Heiligtümern, Mauern und Gärten,

9.27 ringsum durch kunstvoll gestaltete Verehrung geschmückt. Dort sieht man fröhliche, schlanktaillierte Frauen,

9.28 mit Girlanden um den Hals [Vorlage: „Torgirlanden“], Augen weit wie Lotusblätter, vollen, hohen Brüsten und Gesichtern wie der Vollmond,

9.29 gefestigtem Wesen, schönen Wangen, klingenden Gürteln und Fußreifen, schönen Hüften und bis zu den Ohren reichenden Augen.

9.30 [Der Bezirk besitzt] zahlreiche Gewässer mit Hunderten von Lotospflanzen, liebliche Seen mit ausgebreitetem Wasser,

9.31 mit Kumuda, weißem und schönem blauem Lotus, mit Kadamba-Vögeln, Chakravakas und Wasserhühnern,

9.32 Scharen von Karandava-Enten, Schwänen und anderen Wassertieren, mit mannigfachen Bäumen und vielfältigen Rufen erfüllt.

9.33 Mit all diesen Gewässern geschmückt, [ist der Ort die Stätte, an der] Janardana selbst als Gott Hayagriva weilt.

9.34 Von allen Pilgerstätten auf Erden, Flüssen und Seen, Lotosteichen, Wasserbecken, Stufenbrunnen und Meeren

9.35 holte Rudra einst die Wasser einzeln zusammen, gemeinsam mit Somas Scharen, zum Wohl aller Welten.

9.36 [In der Vorlage eingeklammert:] Er schuf in diesem Bezirk, Schönangesichtige, gemeinsam mit den Wünschenden die Pilgerstätte namens Apunarbhava; deshalb heißt sie „Keine Wiedergeburt“.

9.36 (zweite Belegung) Wer in diesem weiten Bezirk im Monat Magha die Pilgerreise vollzieht, meine Geliebte, mit gemeisterten Sinnen,

9.37 soll vorschriftsmäßig im See baden und danach vertrauensvoll Götter, Seher, Menschen und Ahnen mit Wasser sättigen,

9.38 mit Sesamwasser, vorschriftsmäßig unter Nennung von Namen und Geschlecht. Wer so dort badet, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.

9.39 Bei einer Finsternis, Tagundnachtgleiche, einem Sonnenübergang, einer Sonnenwende, am Weltzeitalter-Anfang, an Shadashiti und an anderen günstigen Mondtagen

9.40 erhalten diejenigen, die dort den Brahmanen Geld und andere Gaben schenken, hundertfache Frucht gegenüber anderen Pilgerstätten.

9.41 Wer dort am Seeufer den Ahnen Speisekugeln gibt, bewirkt zweifellos ihre unvergängliche Sättigung.

9.42 Das Becken misst acht Bogenlängen. Zwischen Varaha und Kama liegt diese alle Wünsche erfüllende Pilgerstätte.

9.43 Weil keine Wiedergeburt [folgt], heißt der See Apunarbhava. Wer dort badet, gelangt in die Wohnstätte der Sonne.

9.44 „Weil ein Wesen nach dem Untertauchen in dir nicht wieder geboren wird, bade ich in dir, große Pilgerstätte. Nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“ Mit diesem [Mantra] soll man baden und den dreiäugigen Gott schauen.

9.45 Gokarna, Vikarna und Yogisha, den Spender aller Wünsche: Gokarna in Stiergestalt, Vikarna in Menschengestalt,

9.46 darunter [den Herrn] der Yogas, höchste Yogaerkenntnis. Am nördlichen Seeufer, auf dem Berg Bhadrakasha,

9.47 [liegt] der Stein Paundravitta, in dessen Mitte Rotes hervortritt, Geliebte. Bis fünf Bogenlängen [erstreckt sich] der Bezirk Varavithi.

9.48 An jenem Shiva-Stein soll man die drei Gottheiten in ihren jeweiligen Bereichen vorschriftsmäßig und hingebungsvoll mit Düften und verschiedenen Blüten verehren.

9.49 Wer am vierzehnten Mondtag bei Zwillinge [dort verehrt], erlangt nach dem Tod Befreiung. [Gebet:] „Dem Dreizack und Schutzgeste Tragenden, dem Träger schwerer Haarflechten,

9.50 dem Gott mit dem Stierbanner, Gokarna, Verehrung, Verehrung! Dem Gott in Gestalt der Zeitalter, dem Mond in der Hand Haltenden, Vishnu,

9.51 dem Keule und Sharnga-Bogen Tragenden, Vikarna, Verehrung, Verehrung! Dem großen Herrn auf dem Stier, dem Wissenden in Gestalt der Erkenntnis,

9.52 dem Kenner des Dharma, [dessen] eigenes Wesen [dies ist], Yogindra, Verehrung sei dir!“ Neun Bogenlängen östlich von Apunarbhava

9.53 [liegt], sieben Bogenlängen [messend], das Varanasi-Becken. Wer dort badet, große Herrin, erlangt nach dem Tod Befreiung.

9.54 Am Kama-Trayodashi des Chaitra [bade man] sorgfältig mit diesem Mantra. Von allen Sünden frei, gelangt man in Brahmas Stätte.

9.55 Die Frucht von Bädern an allen Pilgerstätten über hundert Jahre erlangt man durch ein einziges Bad im Varanasi-Becken.

9.56 Fünf Bogenlängen östlich davon, Shankari, liegt der Markandeya-See. Wer dort badet, gelangt zu Shiva.

9.57 Am nördlichen Seeufer [steht das] Markandeshvara Genannte. Wer im Maheshvara-Becken badet und [ihn] schaut,

9.58 den dort von Aditya verehrten dreiäugigen Gott der Götter, wird von allen Sünden frei, besteigt ein vortreffliches Himmelsfahrzeug

9.49 (zweite Belegung) und gelangt, von Gandharvas besungen, in Shivas Welt. Dort verweilt er freudig ein Kalpa lang, Schönangesichtige. [Originalnummer 49 nach 58.]

9.60 „Der hochweise Markandeya, Beste der Seher, übte [hier] Askese. Du See namens Markandeya, nimm immer meine Schuld hinweg!“

9.61 Nach dem Untertauchen mit diesem [Mantra] soll man den Kopf scheren, sorgfältig das Ahnenopfer vollziehen und fasten.

9.62 Am klaren Morgen danach soll man seine täglichen Pflichten erfüllen. Nicht weit von Gott Gokarna [Variante: Vikarna], große Herrin,

9.63 liegt das Becken Brahmasaras, einundzwanzig [Einheiten] messend. Wer dort das Erschöpfung nehmende Bad vollzieht, wird nicht wieder geboren.

9.64 „Einst von Brahma zur Befreiung von allen Sünden geschaffenes Brahmakunda, Hochbegnadetes, rette mich aus dem Ozean des Werdens!“

9.65 Nach dem Bad mit diesem Mantra [gehe man] westlich des Sees zu dem schwarzen, berggestaltigen [Gott] namens Varaha.

9.66 Wer sich hingebungsvoll vor ihm verneigt, erfreut sich in Vishnus Welt. „Du mit hohem Leib und gesträubten gelblichen Borsten, der du mit den Spitzen deiner Hauer die Erde trägst, von schöner blauer Berggestalt, Befreiungsschenkender, Verehrung, Verehrung sei dir!“

9.67 Drei Pfeilschüsse nordöstlich von Gokarna soll man zum schönen Madana-Berg gehen und Shankara schauen,

9.68 Mahadeva namens Kedara, von allen Göttern verehrt. Nachdem man dieses unvergängliche Linga vertrauensvoll und gesammelt gesehen hat,

9.69 soll man ihn hingebungsvoll mit Düften und schönen Blüten, Räucherwerk, Lampen, Speisegaben, Verneigungen und Hymnen,

9.70 mit ausgestreckten Niederwerfungen, Tanz und Gesang vorschriftsmäßig verehren. So gelangt der Mensch in Shivas Welt.

9.71 „Madana, Bester der Meere [so die Vorlage], Spender von Freude und Glück, ich besteige deinen Gipfel. Nimm meine Schuld hinweg; Verehrung sei dir!“

9.72 Nach Osten gewandt soll man hinaufgehen und rechts herum umschreiten. Augenblicklich [seine Angehörigen] rettend, gelangt man in Shivas Welt.

9.73 [Man meditiere über] Shiva, weiß, auf einem weißen Stier, im Lotussitz, mit einer weißen Schlange als heiliger Schnur, Segens- und Schutzgeste, mit Mond, Sonne und Feuer als Augen, Haarflechtenkrone und Mondsichel, mit weißer Asche bestrichen.

9.74 Als Ardhanarishvara, fünfgesichtig und dreiäugig, [mit] Tatpurusha, Aghora und Ishana zu seiner Linken [die Richtungszuordnung ist hier unklar].

9.75 Das untere westliche [Antlitz], Damaru, Schwert und anderes tragend; das nördliche Vamadeva [besitzt] die Farbe von Schwert und Kuhmilch,

9.76 trägt Muschelhorn und Rad, ist wie glühendes Gold gefärbt; der östliche Gott Tatpurusha ist erhaben und trägt Keule und Lotus.

9.77 Das südliche Aghora [ist] wie reiner Zinnober, [trägt] den Dreizack, mit gelblichen, furchtbaren Fangzähnen, einer blauen Wolke und Augenschminke gleich. [Die aufeinanderfolgenden Farben werden nicht eindeutig verschiedenen Gestalten zugeordnet.]

9.78 So soll man Shiva namens Kedara meditieren, nach der im Shiva-Tantra gelehrten Ordnung eine Handvoll Blüten nehmen und mit dem jeweiligen Mantra verehren.

9.79 „Verehrung dem mit der Mondsichel im Haar, dem Khatvanga-Träger, dem Dreizack in der Hand Haltenden; Kedara, Verehrung, Verehrung!

9.80 Vor dem Gott, dem Herrn aller Welten, dem unvergänglichen Grund der Befreiung, dem ungeteilten, höchsten, uralten Gott verneige ich mich.

9.81 Verehrung dir, dem Beschützer aller, dem unvergänglichen Shambhu!

9.82 Jenseits von Klang und Eigenschaften verehre ich den unvergänglichen Shambhu.“ Nachdem man ihn so gnädig gestimmt hat, gehe man westlich von Kedara

9.83 zum vortrefflichen Brahma-Baum und beachte meine Öffnung [Lesung unsicher]. Wer sich vor Kedara und danach vor dem Wunschbaum verneigt,

9.84 dessen Schuld aus zehn Geburten vergeht augenblicklich. „Verehrung dem von unoffenbarem Wesen, dem auf dem großen Malaya Wohnenden,

9.85 dem über Mahendra Stehenden, Nyagrodha [Banyanbaum], Verehrung, Verehrung!“ Drei Pfeilschüsse nördlich von Kedara

9.86 verehre man im Stadtbezirk Paushpaka den lotusäugigen Hara. „Im Ozean des Samsara versunken, von Schuld ergriffen, ohne Einsicht,

9.87 rette mich, Vernichter von Bhagas Augen, Feind Tripuras! Verehrung sei dir! Tripurari, Verehrung sei dir! Kamalesha, Verehrung sei dir!“

9.88 Einen Pfeilschuss südlich des Wunschbaums, Geliebte, liegt der Berg Chatraka, der Paripatraka-Berg.

9.89 Schon durch sein Besteigen wird man nicht wieder auf Erden geboren. Unter achtundsechzig [Bergen] ragt in der Mitte ein Berg empor,

9.90 genannt Mandara. Gesammelt soll man dorthin gehen. Im östlichen Teil des Berges weilt Hari, der Feind Madhus.

9.91 Durch seinen Anblick rettet man hundert Familien. Wer Kedara-Wasser trinkt, Kamadhenu berührt

9.92 und Keshava hingebungsvoll verehrt, wird niemals wieder geboren. Der Mandaraka-Berg ist ein unübertrefflich heiliger Bezirk, Geliebte.

9.93 Wer Hara als Kakudeshvara schaut, gelangt zum höchsten Ziel. Dort weilt Brahmeshvara inmitten des Feueropfers.

9.94 Wer sich vor Brahmeshvara verneigt, erlangt Brahman-Erkenntnis. Wer Bhavabhuteshvara schaut und rechts herum umschreitet,

9.95 wird von allen Sündenscharen frei und in Shivas Welt geehrt. Wer Shiva auf dem heiligen Mandara-Berg verehrt,

9.96 dessen angesammelte Schuld vergeht schon durch den Anblick. Die Frucht eines Bades am Zusammenfluss in Prayaga

9.97 erlangt er dort in vortrefflicher, tausendfacher Fülle. Vor Gott Dharmeshvara befindet sich ein Brunnen.

9.98 Durch Baden und Speisekugelgaben dort, Herrin der Götter, erlangt man die volle Frucht von tausend Kühen, Schönangesichtige.

9.99 Zwanzig Bogenlängen nördlich von Paripatra, Geliebte, soll man in Kapilas schöner Einsiedelei Kapileshvara schauen. Wer ihn hingebungsvoll verehrt, wird in Vishnus Welt geehrt.

9.100 Wer den auf Paripatra weilenden Gott sieht, der alle Schuld und Furcht vernichtet, hat im Ozean des Samsara keine Angst.

9.101 Östlich davon liegt die Pilgerstätte Pishacamochana; elf Bogenlängen entfernt weilt dort Kalabhairava,

9.102 schwarz und hell, in Stiergestalt, im Osten, Geliebte. In Pishacamochana wurde der Dreizackträger verehrt [Subjekt fehlt].

9.103 Dieses vortreffliche Linga des Gottes Kapardishvara soll sorgfältig verehrt und mit verschiedenen Hymnen gepriesen werden.

9.104 Südlich von Gott Vyaghreshvara, Schönfarbige, liegt ein selbstentstandenes Linga, selbst den Göttern schwer zugänglich.

9.105 Dieses nach Osten gerichtete Linga wird als höchste Stätte bezeichnet. Wer Krittivaseshvara erreicht, wird frei vom Fieber des Samsara.

9.106 Frei von der Furcht des Samsara und von allen Sünden, gelangen sie leicht zur Befreiung, entsprechend ihrer Befähigung.

9.107 Zehn Bogenlängen nordöstlich von Vyaghreshvara befindet sich Krittivaseshvara, eingesetzt als Linga und Yoni.

9.108 Gott Krittivaseshvara soll immer wieder geschaut werden, wenn man hinüberführende Erkenntnis und den ewigen, unsterblichen Zustand wünscht.

9.109 All dies soll man tun, wenn man sein eigenes Glück wünscht. Drei Pfeilschüsse nordöstlich des Madana-Berges

9.110 [steht] der berühmte Baneshvara, der die sieben Unterwelten durchdringt, [das] Vatsahata[-Linga], das vortrefflichste aller Lingas.

9.111 Wer sich hingebungsvoll davor verneigt, wird binnen eines Jahres [zum wahren] Menschen [so der unsichere Wortlaut]. Nordwestlich dieses Gottes liegt ein verschiedenfarbiger Stein,

9.112 das große Linga namens Garuda. Man soll es verehren. Durch den Anblick dieser Gottheit erlangt man die Frucht von hundert Kühen.

9.113 „Verehrung dir, großer Vogelkönig, der du Vasudevas Wohl ergeben bist! Erteile mir, Herr der Vögel, die Erlaubnis, ihn zu schauen!“

9.114 Man verneige sich und rezitiere den Mantra. Westlich [liegt] das große Vishnu-Heiligtum; dort [findet man] segensreiches Shiva-Wasser.

9.115 Nach Bad und Kopfrasur soll man die Nacht in Vishnu-Meditation verbringen. Am folgenden Morgen, Herrin der Götter, [gehe man] nördlich von Manikuta

9.116 zum heiligen Fluss Vallabha, der alle Sünden löst. Dort soll man am vierzehnten Tag des Magha oder Phalguna baden.

9.117 Das Bad in Vallabha vernichtet schwere Sünden, Herrin der Götter. Wer darin badet und Nilakantha schaut,

9.118 den berührt selbst die Schuld von sieben Geburten nicht. Wer an dieser Pilgerstätte badet und ehrfürchtig Madhava schaut,

9.119 tritt nicht wieder in den Samsara ein, wo immer er auch wohnt. Für die im Samsara Gefallenen wird Ganga zur Retterin.

9.120 Nach dem Anblick der Varaha-Höhle soll man zum großen Fluss gehen. Aus Ashoka und Amala entstanden, aus Koladanda hervorgegangen,

9.121 [sind] Nandini, Pankaja und der höchste Fluss Madhumati. Sie kommen auf Manikuta zusammen; dort ist ihre Frucht besonders groß.

9.122 „Verehrung dir, heiliges Wasser! Verehrung dir, die du zum Meer gehst! Verehrung dir, von Sünde Reine! Verehrung dir, schönleibige Göttin!“

9.123 Nach dem Bad im Wasser Apunarbhavas soll man zu Ishvara Gokarna eintreten. Dort ist das Himmelstor; man spreche diesen Mantra:

9.124 „Von Brahma, Vishnu, Rudra und allen Göttern bestimmt [ist] das hochheilige, schwer zugängliche Himmelstor.“ Man soll hinaufsteigen.

9.125 „Manikuta, bester der Berge, gelbfarbig, dreiäugig! Dem mit zehn Kennzeichen versehenen, vierfüßigen, schönen Dharma, der am Himmelstor wohnt, gebe ich Arghya.“

9.126 Man gehe fünf Handlängen [weiter; Variante: zwei], verneige sich aufmerksam, [bade] im Varanasi-See und im Markandeya-See.

9.127 Nach dem Bad soll man Kamahara [Variante: Kameshvara] schauen und sich vor dem Wunschbaum verneigen. Danach bade man in Durlabha und gehe zu Haris Haus.

9.128 Wer an der Pilgerstätte vorschriftsmäßig mit beherrschten Sinnen verehrt, rettet einundzwanzig Generationen und gelangt in Vishnus Welt.

9.129 Östlich von Manikuta, nicht weit entfernt, große Herrin, liegt Vishnupushkara mit Wasser aus allen Pilgerstätten.

9.130 Wer dort badet, Schönhüftige, erlangt großes Glück. „Du hast Lotusgestalt angenommen und stehst auf Erden

9.131 zum Wohl der Menschenwelt. Nimm meine Schuld hinweg, Pushkara!“ Nach dem Bad mit diesem Mantra soll man dort den Varuna[-Mantra] rezitieren,

9.132 vorschriftsmäßig Arghya geben und den Gipfel besteigen. Auf dem Manikuta-Berg trägt Vishnu Hayagrivas Gestalt.

9.133 [Der Vers nennt] hundert Armlängen und achttausend Berge [Maßverbindung unklar]. Mit dem Mantra soll man hinaufsteigen, Göttin, und mit gelben Blüten verehren.

9.134 Dann soll man Vishnus Gestalt und den Torhüter gnädig stimmen: „Starkarmiger mit dem Stab in der Hand, Vernichter des Kala-Dämons,

9.135 Torhüter, Verehrung sei dir! Gewähre mir stets [Zugang durch] das Tor!“ [Man meditiere über den Berg] gelb, zweiarmig, friedvoll, mit Edelsteinohrringen geschmückt,

9.136 Rad und Pfeil tragend, weiß, von Verneigung [oder Wolken; „namasta“ unklar] umgeben, mit allen [günstigen] Kennzeichen: den dreiäugigen Mani-Berg.

9.137 Nach dieser Meditation und dem Mantra an seinem Sitz soll man den Gipfel besteigen: „Manikuta, bester der Berge, gelbfarbig, dreiäugig,

9.138 nachdem ich dich bestiegen habe, werde ich auch die Wohnstätte schauen!“ Nach Osten oder Norden gewandt

9.139 soll man den Mani-Berg besteigen und andere Richtungen meiden. Dann gehe man zum Vindhya-Berg und umschreite ihn dreimal rechts herum.

9.140 Man trete beherrscht ein, mit gewaschenem Gewand und gemeisterten Sinnen, und bade den Gott mit dem Wurzelmantra und segensreichem Duftwasser,

9.141 mit kampferduftenden, wohltuenden, wohlriechenden Blüten und anderem, mit Sandelholz, Agaru, Lotus und den jeweils erwünschten [Stoffen].

9.142 Man führe die Verrichtungen aus, zeichne das Becken und bade mit dessen Wasser, mit reinem klarem Wasser und lauwarmem Wasser,

9.143 mit warmem Wasser und der Reihe nach mit den fünf Nektaren, den drei Weißen, drei Düften und drei Wassern, meine Geliebte.

9.144 Zur Freude dieses Gottes soll man das Bad vollziehen, Göttin. Als drei Weiße werden Sandelholz, Lotus und Ushira bezeichnet.

9.142 (zweite Belegung) Nitya, Malaya-Sandelholz und Martya [die erste und dritte Stoffbezeichnung sind unsicher] bilden den schönen Dreiduft; Pilgerwasser, Duftwasser und Kampferwasser

9.143 (zweite Belegung) die drei Wasser, große Herrin. Dazwischen soll man jeweils damit baden. Nach dem Bad in der beschriebenen Weise soll man nochmals das Bad vollziehen.

9.144 (zweite Belegung) Dann vollziehe der Ordnungskundige das halbe Bad, höchste Herrin, mit tausendacht goldgearbeiteten Krügen,

9.145 mit Reiskörnern und Kampfer und anderem vermischt. Wer dazu nicht imstande ist, nehme hundert oder zehn [Krüge], Schöne der Götter.

9.146 Man verwende kupferne oder silberne Krüge, soweit möglich; wer dies nicht vermag, soll das Bad mit irdenen Krügen vollziehen.

9.147 Vor dem Bad, große Herrin, soll man von der genannten Pilgerstätte Wasser holen und vorschriftsmäßig in einen Krug füllen.

9.148 Dann gebe man Duftstoff und Blüten hinein, rezitiere erneut den Mantra, verwandle [das Wasser rituell] in Nektar und zeige die entsprechende Mudra.

9.149 Man setze die sechs Glieder ein, verhülle und verehre. Dann veranstalte man ein großes Fest und [stelle die Vorrichtung] rechts der Gottheit zum Bad [auf].

9.150 Man bade [die Gottheit] und sprenge das verbleibende Badewasser auf den eigenen Körper, im Bewusstsein seiner Göttlichkeit. Die Einreibung soll täglich oder jeden zweiten Tag erfolgen,

9.151 oder nach drei Tagen, besonders zu allen [geeigneten] Zeiten, mit wohlriechendem Sesamöl, meine Geliebte,

9.152 mit einer Pala, einer halben oder einem Viertel, sorgfältig; oder mit Fettstoffen, Kurkuma und Reibemitteln aus Reis.

9.153 Man stelle den Herrn der Götter auf Bilva-Blätter, Shankari, und reibe den Körper mit Blättern oder Apamarga-Wurzeln ab.

9.154 Aus Schilfblütenbüscheln soll man einen Pinsel herstellen, große Herrin, aus Kusha, Yakhaar oder besonders Kuhschweifhaar.

9.155 Wer einen Ushira-Pinsel gibt, wird von allen Sünden frei; durch die Gabe eines Kuhhaar-Pinsels beseitigt man alle Schuld.

9.156 Wer einen Yakhaar-Pinsel gibt, erlangt unübertreffliches Glück. Niemals [verwende man] Wildschweinborsten oder Bambus;

9.157 auch Wildrind- und Pferdehaar soll man meiden. Ein Linga, ein Bildnis oder einen Shalagrama

9.158 soll man nicht täglich bürsten, sondern nach fünf oder sieben Tagen, am Monatsende oder am Ende der Monatshälfte, meine Schöne.

9.159 Zur Sonnenwende, Tagundnachtgleiche, am Dienstag, Tagesende, zwölften Mondtag und bei einer Finsternis soll man kein Ölbad vollziehen.

9.160 Man soll nicht [überall] bürsten, Göttin: nicht am edlen Glied, am Gesicht, an der Nasenspitze, den Geschlechtsteilen, dem Linga und seinen Erhebungen.

9.161 Man trockne mit einem Baumwolltuch und [verwende] Sandelholz, Göttin. Rote Tücher bringen [dem Verehrer] Aussatz oder Bleichsucht,

9.162 grobe Tücher Unruhe, indigogefärbte Schwindsucht. Danach lege man ein Gewand und [nach der Variante] zwei goldene Schnüre an.

9.163 Man gebe einen Hüftgürtel mit vielfältigem Edelsteinschmuck. Wer, nachdem er das Gewand so angelegt hat, ein Bad vollzieht,

9.164 zur Zeit der Verehrung, des Essens oder besonders des Bades [Satz gestört], erleidet Vernichtung und Vermögensverlust.

9.165 Mit Malaya-Sandelduft, Gopichandana, einem aus Bilvaholz gewonnenen Stoff oder Tulasi-Holz,

9.166 mit Padmaka, Tamala oder Rochana, mit einem dieser Stoffe, soll man das vortreffliche Tilaka auftragen.

9.167 Mit Chatussama, Atisama und Dvisama [Duftmischungen], Herrin der Götter, soll man den Körper bestreichen und dann [nach einer unklaren Anweisung] entlassen.

9.168 In der Kälte und nachts [soll man] nach erneutem Bad mit Düften salben, besonders an der Stirn, niemals am edlen Glied.

9.169 Chatussama, Trisama und Dvisama, Herrin der Götter, soll man nicht auf Füße, Rücken und Augen auftragen.

9.170 Bei Berührung der vier [Stellen; Lesung unklar] wird Lakshmi geschädigt, am Gesicht das Glück; an der Hand entsteht Armut, am Fuß Vermögensverlust.

9.171 An den Erhebungen des Lingas soll man keinen Sandel auftragen, Geliebte. Auf Lotus-, Bilva- oder Oleanderblätter

9.172 soll man Sandel geben und, wenn möglich, [so] auf das Linga. Die Augen soll man nicht mit Kajal bestreichen, Göttin.

9.173 [Dennoch folgt eine Herstellungsangabe:] Malati-Blätter mit Sesamöl in Eisen erhitzen und [Ruß] niederschlagen lassen: Dies wird Kajal genannt.

9.174 Wer mit Lichterschwenken verehrt, Schönfarbige, erlangt Unsterblichkeitsnektar in dieser Welt und im Jenseits.

9.175 Wer dagegen kein Reinigungswasser verwendet, du von Göttern Verehrte, wird töricht, krank oder geht schnell zugrunde.

9.176 Am Linga oder Bildnis, meine Geliebte, soll man zuerst das Yantra mit Wasser reinigen und rechts herum umschreiten.

9.177 Man berühre das Bildnis, Segensreiche, und mich in Linga-Gestalt. Die Weisen sprechen: „Om, Verehrung Narayana!“

9.178 Was bedarf es vieler Bemühungen, die den Geist verwirren? Der Mantra „Om, Verehrung Narayana!“ verwirklicht alle Ziele.

9.179 Mit eben diesem Mantra, mit dem Purusha-Sukta, dem zwölfsilbigen Bija[-Mantra] oder dem Krishna-Bija soll man verehren,

9.180 mit den einzelnen Teilen und der Gesamtheit, vorwärts und rückwärts. Dabei soll man die Kreise von Sonne, Mond und Feuer betrachten.

9.181 Dann betrachte man im Herzen Om als Lichtgestalt, auf dem Fruchtboden [des Herzenslotus] sitzend, von lichthaftem Wesen.

9.182 Danach wird der achtsilbige Mantra der Reihe nach gesprochen. Nach Keshava und den übrigen [Nyasas] setze man den zwölfsilbigen ein.

9.183 Man meditiere über den vierarmigen, hocherhabenen [Gott], strahlend wie zehn Millionen Sonnen, und über den ewigen Yoga in Lichtgestalt.

9.184 Dann rufe man mit schrittweise gereinigtem Geist den Mantra [beziehungsweise die Gottheit] herbei: „In Fischgestalt, als Varaha oder als Narasimha,

9.185 möge mein Gott Narayana, der Segensspender, vor mir erscheinen! Auf Sumerus Fußsitz ist ein Lotussitz bereitet.

9.186 Zum Wohl aller Wesen weile hier, Madhusudana! Verehrung dem Herrn der Herren der drei Welten, Verehrung dem Gott der Götter! Diese Arghya-Gabe gilt Hrishikesha; Verehrung Vishnu!“ Damit [ist] die Arghya-Spende [bezeichnet].

9.187 „Wasser für deine Füße, Gott, ewiger Padmanabha! Vishnu, Lotusblätteräugiger, empfange es, Madhusudana!“ Damit [ist] das Fußwaschwasser [bezeichnet].

9.188 „Großer Gott, die Honigmischung wurde von Brahma und den anderen für dich bereitet. Von mir hingebungsvoll dargebracht, empfange sie, höchster Purusha!“ Damit [ist] Madhuparka [bezeichnet].

9.189 „Dieses Wasser der Mandakini sei dein Trank und nehme Unheil hinweg. Empfange das von mir hingebungsvoll dargebrachte Wasser zur Mundspülung!“ Damit [ist] Achamaniya [bezeichnet].

9.190 „Du bist Wasser und Erde, du bist Licht und Feuer. Allein zum Verständnis der Welt bade ich dich mit Wasser.“ Damit [ist] das Bad [bezeichnet].

9.191 „Diese beiden Gewänder, mit [feinem] Stoff versehen, mit Opferfarbe geschmückt und goldfarben strahlend, sind für dich, Keshava.“ Damit [ist] die Gewandgabe [bezeichnet].

9.192 „Ich salbe deinen Leib; die Tätigkeit selbst ist die deine, Keshava. Nimm die von mir dargebrachten Düfte an und lass dich salben!“ Damit [ist] die Salbung [bezeichnet].

9.193 „Durch Mantras des Rigveda und der anderen [Veden] vom Lotusgeborenen gereinigt, mit dem Savitri-Knoten versehen, [empfange] die unbeschädigte heilige Schnur!“ Damit [ist] die Opferschnur [bezeichnet].

9.194 „Du bist Sonne, Mond und Blitz, ebenso Feuer. Du selbst bist [der Herr] der Lichter, Gott; nimm diese Lampe an!“ Damit [ist] die Lampe [bezeichnet].

9.195 „Die fünffache Nahrung, mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen, habe ich hingebungsvoll als deine Speisegabe dargebracht, Keshava.“ Damit [ist] die Speisegabe [bezeichnet].

9.196 Auf dem östlichen Blatt setze man den Gott ein, im Süden Sankarshana, im Westen Pradyumna und im Nordosten Trivikrama.

9.197 Vor Vasudeva setze man Garuda ein und rechts des Gottes die große Keule.

9.198 Links des Gottes setze man den Bogen mit den Veden [Lesung unsicher] ein, rechts die Erdgöttin und dort das Wesen der Rede.

9.199 Shri soll rechts eingesetzt werden, Pushti im Norden, vorn die Waldgirlande, danach Shrivatsa und Kaustubha.

9.200 Man setze Herz und die übrigen [Mantraglieder] sowie die vier Richtungen ein; dann [nicht] an den Ecken des Gottes der Götter. [Die Variante bejaht dies.]

9.201 Man verehre den Sitzherrn und außen seine Shaktis, die Planeten und Richtungshüter und bringe drei Blumengaben dar.

9.202 Wer so den Herrn der Götter, Janardana im Mandala [Lesung unsicher], verehrt, erlangt zweifellos seine ersehnten Wünsche.

9.203 Wer Hayagriva, den unvergänglichen Vishnu, im Mandapa auf diese Weise verehrt sieht, [erleidet] kein Hindernis.

9.204 Wer Keshava auch nur einmal nach dieser Ordnung verehrt hat, überschreitet den Kreislauf von Geburt und Tod und erlangt Vishnus Stätte.

9.205 Wer Hayagriva stets hingebungsvoll und aufmerksam an beiden täglichen Dämmerungen erinnert, für den ist Shvetadvipa bestimmt.

9.206 Der Eigenname aller Tattvas, am Anfang mit Om verbunden und am Ende durch die Verneigung erhellt, wird Mantra genannt.

9.207 Auf diese Weise soll man Hayagriva im Mandapa verehren, Herrin der Götter, und Duftstoffe und Blüten darbringen.

9.208 So vollziehe man alles in der angegebenen Reihenfolge. Danach forme man die Mudras nach der gelehrten Ordnung.

9.209 Der Mantrakundige vollziehe Japa mit dem Wurzel-Yantra [so die Vorlage]: achtundzwanzig, acht oder hundertacht [Wiederholungen].

9.210 Bei Wunscherfüllungsriten soll man mehr ausführen, hunderttausend, zehn Millionen oder darüber, Geliebte. Lotus, Muschelhorn, Shrivatsa, Keule und Garuda,

9.211 Mond, Muschelhorn [erneut genannt] und Sharnga: Diese heißen die acht Mudras. Wer die vorgeschriebenen Verehrungsmantras Haris nicht kennt,

9.212 soll den höchsten Herrn mit dem Hiranyagarbha-Mantra verehren, mit dem folgenden Mantra:

9.213 „Om. Verehrung dem Unendlichen, dessen Bewusstsein rein ist! Verehrung der eigenen Wesensgestalt, dem Tausendarmigen, dem vortrefflichen Tausendstrahligen, dem Schöpfer! Verehrung, Verehrung dir in Pferdegesichtsgestalt!

9.214 Dem mit weitem Leib, reinem Wirken, der die Not der ganzen Welt hinwegnimmt, dem Heilbringenden; dem mit scharfer Strahlkraft von Sonne und Feuer: Verehrung, Verehrung dir in Pferdegesichtsgestalt!

9.215 Anfangloser, Gebieter der Götter, höchster Herr, Alldurchdringender, Herr der Wesen, Maheshvara, Herr der Winde, Herr von allem, Herr der Welt, Ramas Gemahl, Herr der Welten: Stets Verehrung!

9.216 Herr der Wasser, Narayana, Heilbringer der Welt, Herr der Erde, Herr des Alls, Auge der Welt, dessen Weltgestalt durch Mond und Sonne ausgedehnt ist: Verehrung, Verehrung dir in Pferdegesichtsgestalt!

9.217 Dem Weißen, dem Spender des Pushkara-Sees, dem Vierarmigen, verbunden mit dem Auge des Wissens und Helfern [Zusammensetzung unsicher], dem, der seine Wohnstatt an der Lauhitya errichtet hat: Verehrung, Verehrung dem Pferdegesichtigen!

9.218 Dem Hellen, dessen Tempel auf dem strahlenden Edelsteinberg liegt, dem Befreiungsspender für [„pītākṣarākṣasajana“, unklare Gruppe], der den Verehrern allen ersehnten Reichtum schenkt: Möge er auch die Ahnenschar retten! Hari, Verehrung sei dir!

9.219 Dem Reinen, Freien, mit Edelsteinen Geschmückten, dem Langarmigen auf dem Lotussitz, dem Vernichter von Schuld und Städten [Lesung fraglich]: Verehrung, Verehrung dir in Hayagriva-Gestalt!

9.220 Sieg dem pferdegesichtigen Murari! Seine Hände tragen Segensgabe, Schlinge, Buch und weißen Lotus [Zuordnung unsicher]; er schenkt Befreiung. Seine segensreiche Gestalt gleicht dem Mond, und er gewährt den sich verneigenden Göttern und Menschen Genuss.

9.221 Idasura [Anrede unsicher], Hayagriva, Murari, Madhusudana, der du auf Manikuta wohnst, Lotusäugiger, Verehrung sei dir!“

9.222 Die Schuld von zehn Millionen Geburten und Hunderten von Millionen Kalpas vergeht augenblicklich allein durch Hayagrivas Anblick.

9.223 Mit reinem Innern soll man die Hymne siebenmal [Variante: sieben Nächte lang] rezitieren, drei Rechtsumwandlungen vollziehen und sich vor der Lotusgestalt verneigen.

9.224 Man gehe von Süden nach Norden [um] den Gott, große Herrin, falte hingebungsvoll die Hände, umkreise ihn und verneige sich.

9.225 Bei jedem [Umlauf] soll man sich verneigen, Göttin, und lang ausgestreckt niederwerfen. Wer nach dem Umkreisen keine Verneigung vollzieht, begeht einen Fehler.

9.226 Wer sich verneigt, ohne die Hände zu falten, wird zweifellos in der Hölle der Verblendungsfinsternis gesotten.

9.227 Wer sich über einem Gefäß [Lesung „pātrāntare“ unklar] verneigt und mit dem Kopf nicht die Erde berührt, wird von den Gottheiten verflucht; [die Verneigung] gilt als fruchtlos.

9.228 Bei der Verneigung vor dem Gott der Götter [haften Staubteilchen] am Körper, meine Geliebte, große Herrin. Höre das daraus entstehende Verdienst:

9.229 So viele Staubteilchen [anhaften] und so lange sie bleiben, so viele tausend Jahre wird man in Brahmas Welt geehrt. [Die Vorlage liest „varṇa“ statt des erwartbaren „varṣa“.]

9.230 Die Göttin sprach: Sage mir, Herr der Götter, mein Geliebter, Herr der Welt: Wer hat einst diesen Vishnu auf Manikuta aufgestellt?

9.231 Der Erhabene sprach: Höre, hochbegnadete Göttin, die den Veden gleiche Überlieferung. Ich erzähle die alte Geschichte und die Entstehung des Bildnisses.

9.232 Als ein großes Opfer in einem von Göttern erbauten Heiligtum begann, war der König Tag und Nacht wegen des Bildnisses von Sorge erfüllt:

9.233 „Durch welches Mittel kann ich den Herrn der Götter, den Förderer aller Welten, den Urheber von Schöpfung, Erhaltung und Ende, den höchsten Purusha, schauen?“

9.234 Von Sorge und Schmerz erfüllt, schlief der König weder tags noch nachts. Er genoss keine Freuden, badete und schmückte sich nicht.

9.235 „Welcher vortreffliche Berggipfel oder Baum auf Erden eignet sich, mit allen Kennzeichen versehen, für ein Vishnu-Bildnis?

9.236 Mit diesen Maßen [wäre] die erwünschte Götterverehrung [auszuführen]. Woraus soll ich es herstellen? Mein Herr möge es mir gebieten!“

9.237 Der mächtige Indradyumna breitete Kusha-Gras aus, legte sich darauf und schlief mit beherrschten Sinnen, ganz in Haris Meditation vertieft.

9.238 Dem schlafenden König offenbarte Vasudeva, der Guru der Welt, der Radträger, seine verborgene Gestalt.

9.239 Er sah Vishnu, den Gott der Götter und Guru der Welt; der Radträger zeigte sich dem Schlafenden. [Die Aussage wiederholt den vorigen Vers.]

9.240 Der König sah den Gott der Götter, den Guru der Welt, mit Muschelhorn und Rad, Keule und Lotus in mächtigen Händen, strahlend wie die Sonne am Ende eines Zeitalters, einem blauen Vaidurya-Edelstein gleich,

9.241 auf goldenem Sitz, segensreich und achtarmig. [Der Gott sprach:] „Durch dieses Opfer, diese Gabe, dein Verständnis und deine ausgezeichnete Hingabe

9.242 bin ich mit dir zufrieden, König. Warum trauerst du? Wie du hier das ewige, von der Welt zu verehrende Bildnis

9.243 aufstellen wirst, König, Standhafter, das Mittel dazu sage ich dir: Am Meeresufer, von verschiedenen Bäumen geschmückt,

9.244 steht ein Baum, den die Wogen schlagen, ohne ihn zu [zerstören; Lesung unklar]. Nimm eine Axt in die Hand und gehe zu den Wellen.

9.245 Wenn du allein gehst, König, wirst du den Baum gewiss sehen. Bedenke diese Worte und fälle ihn ohne Zweifel.

9.246 Der Baum liegt westwärts und bietet morgens einen wunderbaren Anblick. Schlage ihn mit der Axt ab, König, und bringe ihn her.

9.247 Fertige daraus jenes göttliche Bildnis und gib die verwirrende Sorge auf!“ Nach diesen Worten entzog sich der starkarmige Hari dem Blick.

9.248 Der König dachte über seinen Traum nach und staunte sehr. Er blickte in jene Richtung, sein Geist ganz darauf gerichtet,

9.249 und sprach den genannten Vishnu-Mantra, ganz mit ihm eins. Als die Nacht zum Morgen wurde, blieb sein Geist ungeteilt.

9.250 Er badete vorschriftsmäßig im schönen Meer und sah den großen, strahlenden Baum,

9.251 der Verblendung beendet, schwer zu besteigen, heilig, fruchtbringend, hoch und gewaltig, am Wasser ruhend,

9.252 mit dem Glanz eines vortrefflichen blauen Edelsteins, ohne Namen und Artzuordnung. Als der König Vishnus Baum sah, war er voller Freude.

9.253 Er schlug ihn mit einer geschärften Axt ab. Der König der Bäume fiel in sieben Teilen auf die Erde.

9.254 Den Wurzelteil gestaltete der Herr im Odra-Land; den darüberliegenden Stammteil in Kashmir in Rumpfgestalt.

9.255 Erkenne ihn als Aditya, einst von Rama aufgestellt. Den darüberliegenden Teil stellte Shukra als Shonaditya auf, Geliebte.

9.256 Danach wurde [ein Teil] vom Guru in Steingestalt aufgestellt, große Herrin; zwei Teile in Kamarupa, ein Teil auf dem Malaya-Berg.

9.257 Eine Hälfte wurde von Varuna auf Manikuta aufgestellt. Im Osten [weilt] Nandi, im Nordosten Madhava namens Matsyaksha,

9.258 aus Stein und Holz, von Kubera aufgestellt; [ferner] der achtzehnarmige Mahavaraha.

9.259 Auf Manikuta weilt der Haya Genannte unter dem Namen Madhava. Die Entstehung ist erzählt, Göttin; höre nun die Speisedarbringung, Parvati.

9.260 Ingudi-Früchte, Bilva, Jujube, Amalaki, Datteln, Jackfrucht und Palmfrüchte,

9.261 Granatapfel und Banane soll man sorgfältig verwenden, ebenso Lakuca, Madhuka und Arekanüsse.

9.262 Süße Zitronatzitrone und Karkandhu soll man darbringen, Rettichgrün und Karottengrün [Variante: Rajaka],

9.263 Blattwerk von Pflanzen mit großen Früchten, junge Triebe, Vastuka-Gemüse und Spinat, meine Geliebte.

9.264 Vilaya [Pflanzenname unsicher] und Tamarindenfrucht sind lieb, ebenso Berg- und Wald-Kushmanda.

9.265 Kadala, Bijapura, Romaka, Pautraka, Jackfrucht außerhalb der Saison und anderes soll man [dagegen] meiden. [Einzelne Früchte waren zuvor empfohlen.]

9.266 Ich werde dir die Verwendung der Getreide nennen, Shankari. Sammle deinen Geist und höre die Speiseordnung, Shankari:

9.267 Soma-, Brihad-, roter Shali-, Raja-, Shashtika- und Devavallabhaka-Reis [sind geeignet].

9.268 Kichererbsen und Kodrava soll man meiden, meine Schöne; ebenso Lauge, schwarze Milch [Bezeichnung unklar] und erdgewonnene Farbe,

9.269 Salz aus dem Osten und Norden. Nun nenne ich von den wilden und häuslichen Tieren

9.270 die jeweils geeigneten [Erzeugnisse]: Kuhmilch und Ghee, Göttin, Hirsch-, Fisch-, Ziegen-, Sharabha- und Hasenfleisch.

9.271 Mit diesen soll man eine Vishnu erfreuende Speisegabe darbringen. Büffelfleisch, Büffelmilch, -quark und -ghee soll man meiden.

9.272 Ich nenne die geeigneten Vögel, meine Geliebte: Harita, Pfau, Naraka und Wachtel,

9.273 Kapila, Casha, Krähe, Hahn, Kita [Lesung unsicher], Wildhahn, Sharari und Taube,

9.274 Bilvaka, Kulika, Rottschwanz, Tittibha und der schwarze Fischfresser gelten als ausgezeichnet unter den Vögeln. [Traditionelle Artnamen sind nicht sämtlich sicher bestimmbar.]

9.275 Nicht essbares Fleisch, auch von fünfkralligen [Tieren, ist zu meiden]. [Unter den Fischen sind] gefleckte Fische, Rohita, Madgura, Kabika,

9.276 Mahashula, Rajiva und Simhartuka zu geben. Diese Fische darf man darbringen, Vibhali soll man meiden.

9.277 Schwimmfüßige [Tiere], Mangusten, Varattaka, Göttin, Saflorgrün, Ölkuchen, rotfüßige [Tiere] und Keshara,

9.278 Shobhanjana, roten Shelu, Kemuka, Ninduka, Putika und Kanaka soll der vorzügliche Sadhaka meiden.

9.279 Der der Meditation ergebene Yogi soll den Mantra wie vorgeschrieben verwirklichen. Bei der Meditation und Sadhana der Gottheit soll er alles Unessbare meiden.

9.280 Von Opferkost lebend, rein, kundig in Mantra und Tantra, soll er Tag und Nacht die Vidya wiederholen, sein Innerstes ganz auf sie gerichtet.

9.281 So wird er zu Kalikas Sohn und überall furchtlos. Dieses höchste Geheimnis, Göttin, ist aus Liebe zu dir offenbart.

Kolophon: Damit endet der neunte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Zehnter Paṭala

10.1 Der Erhabene sprach: Wenn durch die Verbindung von Tierkreiszeichen und Mondhaus Mahajyeshthi eintritt, sollen die Menschen sich sorgfältig nach Purushottama begeben.

10.2 An allen Pilgerstätten der Erde, an Haris Heiligtümern, Meeren, Bergen, Flüssen und Seen

10.3 [entsteht] durch Baden und Geben bei einer Sonnenfinsternis eine Frucht. Diese ganze Frucht [erlangt] der Mensch durch den Anblick an Mahajyeshthi. [Das Schlussverb lautet in der Vorlage „sprechen“.]

10.4 Deshalb sollen alle, die sämtliche Wünsche erfüllt sehen möchten, an Mahajyeshthi mit aller Anstrengung nach Purushottama gehen, große Herrin.

10.5 Wer Krishna auf dem Wagen und dort Lakshmi und Sarasvati schaut, rettet sein Geschlecht und gelangt in Vishnus Welt.

10.6 Dort genießt er vortreffliche Freuden bis zur Auflösung der Elemente. Wenn sein Verdienst erschöpft ist, kehrt er zurück und wird ein der vier Veden kundiger Zweimalgeborener.

10.7 Seiner Pflicht ergeben, innerlich ruhig, Vishnu hingegeben und Herr seiner Sinne, erreicht er die Vishnu-Welt und erlangt dort [seinen bleibenden] Ort.

10.8 An jedem zwölften Mondtag soll man [Krishna] zum Kedara-Haus bringen und an der Wurzel des Wunschbaums mit Harichandana verehren.

10.9 Man soll Milchreis, Zucker und mit Ghee versehene Kuchen darbringen. Wer die Prozession vorschriftsmäßig vollzieht, Krishna schaut und sich verneigt,

10.10 gelangt in Vishnus Welt, solange vierzehn Indras [herrschen].

10.11 So lange, wie ein Mensch im Jyeshtha vorschriftsmäßig die Pilger- beziehungsweise Festreise vollzieht, so lange genießt er zweifellos Freude in Vishnus Welt.

10.12 An Vollmond im Phalguna [führe man] die Prozession nach Mandaraka. Wer [die Gottheit] dort sieht, wird in Vishnus Welt geehrt.

10.13 Während der Prozession auf dem Wagen oder in der Sänfte soll man den Gott nicht berühren, große Herrin, auch nicht auf der Danga-Fläche [Bezeichnung unklar].

10.14 Wer mit beherrschten Sinnen eine Festreise für Krishna [unsichere Lesung] oder für mich vollzieht, erhält als Sohnloser Söhne, als Armer Geld.

10.15 Ein Kranker wird von Krankheit frei, ein Mädchen erhält einen guten Mann. Lebensdauer, Ruhm, Ehre, Einsicht, Geld, Wissen, Standhaftigkeit und Vieh,

10.16 ein gutes Ziel, Jugend und Schönheit erlangt der Mensch. Welche Freuden ein Mann oder eine Frau sich wünscht,

10.17 die erhält er oder sie zweifellos durch den Anblick Purushottamas. Wie A unter allen Lauten, Gayatri unter den Versmaßen,

10.18 so ist Purushottama unter allen Pilgerstätten ausgezeichnet. Wie das Haupt unter allen Körpergliedern, große Herrin,

10.19 so ist Purushottama unter allen Pilgerstätten der Beste. Wie Varuna unter den Wasserwesen, Yama unter den Zügelnden,

10.20 so ist Purushottama unter allen Pilgerstätten der Beste. Wie das Milchmeer unter den Meeren, den Herren der Flüsse,

10.21 so ist Purushottama unter allen Pilgerstätten der Beste. Auf Erden sehe ich keinen Ort, der ihm gleicht, Herrin der Götter.

10.22 Was bedarf es vieler, immer wieder gesprochener Worte? Wahrlich, wahrlich, nochmals wahrlich: Dieser Bezirk ist von höchster Größe.

10.23 Man gelangt zur höchsten Stätte, wo Hari, der Herr des Yoga, weilt. Nachdem man dort vielfältige Freuden mit Götterfrauen genossen hat,

10.24 kehrt man am Ende eines Kalpas in die Menschenwelt zurück und wird in einer Yogi-[Familie] geboren, Göttin, als erkenntniskundiger Haushälter.

10.25 Man erlangt den Vishnu-Yoga und wird in einem vortrefflichen Geschlecht geboren. Nach Süden gewandt soll man das südliche Meer schauen

10.26 und sich vor Mandara verneigen; so wird man in Brahmas Welt geehrt.

10.27 „Gekrönter, Wohnstätte der Welt, vortrefflicher Brahmaputra-Strom! Von Manikuta aus geschaut, schenke alle Früchte!“ [Die Variante lautet sinngemäß: „Ich stehe auf Manikuta; schenke mir die genannte Frucht“.]

10.28 „Mandara, Tiger unter den Bergen, Vishnu-Gestalt! Schon durch deinen Anblick [kommt Heil], Bergkönig, Vishnu-Gestalt, Verehrung sei dir!“

10.29 Wer sich vor Madhava verneigt und [ihn] auf Manikuta auch nur einmal erinnert, erkennt Brahmavidya und tritt nicht wieder in den Mutterleib ein.

10.30 Wer nahe Hari rechts an der Narasimha-Stätte ein Jahr oder auch nur einen Monat fastend verweilt,

10.31 hat damit geopfert, Gutes getan und große Askese geübt. Nördlich von Mandara [liegt] der blutrote [Stein; Vorlage „yāmilā“ unklar],

10.32 durch Akashaganga gekennzeichnet; er gilt als Kalaratri. Sie ist mit dem Kavacha zu verehren und schenkt Dharma, Wohlstand und Lebensgenuss.

10.33 Im sechsfachen [Lotusraum; Wortlaut gestört] verehre man Jaya, Vijaya, Bhadrakali und Kapalini,

10.34 Mahamaya und Tara in den sechs Hüllen. In der Mitte verehre man Bhavani, Kali und Kalaratri.

10.35 Auf den östlichen Blättern Brahma und die übrigen sowie die Bhairavas mit Alinga [Namenslesung unsicher] beginnend. Man vollziehe Meditation; höre das Bild, meine Geliebte:

10.36 „Ich verehre Kalaratri: im Pratyalidha-Stand auf dem Berg, einem schwarzen Berg gleich, mit dem Glanz einer Wolkenreihe; sie trägt Schwert, Messer, Schädelgefäß, Bogen und Schutzpanzer. Ihr Antlitz gleicht dem Mond, ihre Augen leuchten; [genannt wird auch] die Ähnlichkeit mit einem weißen Lotus. Eine Kopf-Girlande schmückt sie. Mit schrecklichem, lautem Lachen vernichtet sie hundert Arten von Unheil.“

10.37 Nach dem Nyasa der sechs Glieder soll man sie mit jeder Strophe verehren: „Weltgestalt, Segensreiche, Reine, Vieläugige, Dreiäugige,

10.38 Furchtbare Gestalt, Shiva, Vidya, Kalaratri, Verehrung sei dir! Große Nacht, von wunderbarem Leib, die du den Hirtentanz liebst, Segensreiche,

10.39 Schlinge und Stab in den Händen Haltende, Kalaratri, Verehrung sei dir! Chamunda, mit Kopf-Girlande am Antlitz, scharfzähnige, große Kraft,

10.40 auf dem Leichenplatz Weilende, Göttin Kalaratri, Verehrung sei dir! Kali, Furchtbare, Mächtige, von allen Göttern Verehrte,

10.41 alle Sünden hinwegnehmende Göttin Kalaratri, Verehrung sei dir!“ Nach dieser Verehrung soll man gesammelt ein Gelübde vollziehen.

10.42 Man beginne im Magha, Karttika, Jyeshtha oder Ashadha, [für] ein Jahr oder länger, eine Monatshälfte oder länger.

10.43 Drei Monate soll man das Gelübde vollziehen, nicht weniger oder mehr. [Diese Dauer steht neben den vorigen Angaben.] Man esse Fisch und Fleisch, aber nicht nachts.

10.44 Man esse außerhalb der gewöhnlichen Zeit angebautes [Getreide; Lesung unsicher] und lebe von einer Mahlzeit. Jedes Körperglied der Göttin verehre man mit duftenden Blüten und Düften,

10.45 vorschriftsmäßig mit den fünf Darbringungen. Am Ende des Gelübdes, an Neumond, veranstalte man eine große Speisung mit Tiergaben, Milchreis und Modaka, Herrin der Götter.

10.46 Man stelle einen Krug auf eine geebnete Opferfläche, umwickle ihn mit dreifachem blauem oder rotem Faden und schmücke ihn mit fünf Zweigen.

10.47 Nachts, zur Dämmerung, verehre man die höchste Herrin, gebe doppelte Speisegaben und dreifache Bali-Gaben.

10.48 Danach koche man Charu und bringe der Göttin Arghya [Variante: die gekochte Speise] dar. Man selbst nehme Arghya [möglicherweise ist ein Speiseanteil gemeint] und verbringe mit Tanz, Gesang und großem Fest

10.49 die Nacht, große Herrin, auch mit dem Hören von Gesängen. Tamarinde, Nalika-Gemüse, Erbsen, Nikucha,

10.50 Banane, Kokosnuss und Kushmanda soll man während des Gelübdes meiden. Kankara-Blüten, Jhinti, Kunda, Mandara,

10.51 Drona, Shirisha und Muni-Blüten soll man meiden. Nach der Verehrung soll man den Verehrungsort nicht [erneut] anschauen, große Herrin.

10.52 Blüten und Gegenstände soll man nicht an sich nehmen oder berühren, meine Gelübdetreue. Danach soll man sie einem Brahmanen geben, niemals einem Shudra.

10.53 Wer dies hingebungsvoll herbeibringt [Variante: hört] oder zu Hause aufbewahrt, dort entsteht keine große, furchtbare Gefahr durch Schlangen, Diebe und dergleichen.

10.54 Wer so hingebungsvoll mit Tiergaben, Modaka und anderem verehrt, gelangt, verständig und mit Söhnen und Enkeln, zu Wohlstand.

10.55 Ein König, der sein Reich verloren hat und am achten Mondtag beherrscht und rein [so verehrt], erlangt binnen eines Jahres sein Reich ohne Widerstände zurück.

10.56 Westlich von Varaha auf dem Bhadrakama-Berg soll man das Kameshvara-Linga, den Stierbannerträger, verehren,

10.57 mit Schädelgefäß, Wohlgeruch und reichlichen Gaben. Der weiße Stein östlich von Hayagriva

10.58 ist die Göttin Mahalakshmi, die Genuss und Befreiung schenkt. Die Frucht von Bad und Gaben an allen Pilgerstätten

10.59 erlangt der Mensch, der Lakshmi schaut und sich verneigt. Mit Tulasi [Lesung fraglich], Mandara, Kahlara, Tamala,

10.60 Kusha und Kasha soll man Mahalakshmi nicht verehren. Die Yoni links von ihr ist als Sarasvati zu erkennen.

10.61 Durch ihre Verehrung läutert die Göttin das Geschlecht auf beiden Seiten. Die für Waldleben und Waldeinsiedlerstand genannte Frucht

10.62 erlangt der Mensch durch Sarasvati-Verehrung. Östlich von ihr liegt in einer Höhlung ein Stein in Gestalt des fünffachen Shesha.

10.63 Man soll ihn einsetzen und vorschriftsmäßig verehren. Nach dem Fasten am zwölften Tag der hellen Monatshälfte, meine Schöne,

10.64 rezitiere der Kundige geistig hunderttausendfach, mit beherrschten Sinnen. So wird der Sadhaka von geringeren und schweren Verfehlungen frei, Göttin, zweifellos.

10.65 Nach der Rechtsumwandlung soll man Narasimha mit Duftstoffen, Blüten und Räucherwerk verehren und das Haupt vor dem Herrn neigen.

10.66 Mit Kampfer und Sandel bestrichene Jati-Blüten soll man auf Haras Haupt legen; dort entsteht Vollendung.

10.67 Der aus jenem See hervortretende Strom, höchste Herrin, heißt Urdhvabhadra [Variante: Turangabhadra]. Wer darin badet, gelangt zum Himmel.

10.68 Der nach Norden fließende Strom Mandaras heißt Kaveri; durch das Bad vergeht die Schuld.

10.69 Subhadras Strom gilt als Tamraparni. Wer am vierzehnten Mondtag darin badet, dessen Schuld vergeht.

10.70 Hayamedhas Strom kennen die Weisen als Kaushiki. Wer vorschriftsmäßig darin badet, wird von allen Sünden befreit.

10.71 Gokarnas Strom gilt als Shipra. Schon durch ein Bad in Shipra wird selbst ein Armer reich.

10.72 Varahas Strom gilt als Karatoya. Wer Karatoya berührt, wird in Vishnus Welt geehrt.

10.73 Manikutas Strom ist Sarasvati. Wer ihr klares Wasser trinkt, wird nicht wieder geboren.

10.74 Wer im Sarasvati-Wasser badet und Purushottama schaut, erlangt die Frucht von tausend Pferdeopfern, Strahlende.

10.75 Die für vorschriftsmäßige Entsagung und verschiedenste strenge Askese genannte Frucht erlangt der Mensch, der Krishna schaut und sich verneigt.

10.76 Was bedarf es vieler Worte über seine Größe, Schöne? Wer Krishna schaut und sich verneigt, erlangt die schwer erreichbare Befreiung.

10.77 Frei von Sünden aus Millionen von Zeitabschnitten [„kalā“, Lesung unsicher], reinen Innern, mit höchstem Glück und allen Tugenden erfreut,

10.78 auf einem mit allen Genüssen ausgestatteten Himmelsfahrzeug, von Göttern verehrt, rettet er einundzwanzig Generationen und gelangt am Ende in Vishnus Stadt.

10.79 Dort genießt er hundert Kalpas lang liebliche Freuden mit Gandharvas und Apsaras, vierarmig wie Vishnu.

10.80 Von dort zurückgekehrt, wird er in einer vortrefflichen Brahmanenfamilie geboren, allwissend, wahrhaftig und frei von Neid.

10.81 Seiner Pflicht ergeben, friedvoll und auf das Wohl seiner Diener bedacht, erlangt er Vishnu-Erkenntnis und danach Befreiung.

10.82 Wer in Kurukshetra sieben Jahre lang ohne Nahrung auf einem Fuß steht, seine Sinne und seinen Zorn beherrscht,

10.83 [erlangt weniger als] derjenige, der fastet und Purushottama einmal am zwölften Tag der hellen Hälfte des Jyeshtha schaut: Dieser erlangt eine noch größere Frucht.

10.84 Deshalb soll man [ihn] im Jyeshtha schauen, große und höchste Herrin. Wer Vishnus Welt erreicht, fällt niemals wieder daraus.

10.85 Nach dem Besuch der acht Pilgerstätten soll man Purushottama schauen. Wer auch aus großer Ferne hingebungsvoll Purushottama preist,

10.86 Tag für Tag mit reinem Innern, gelangt ebenfalls in Vishnus Stadt. Wer vertrauensvoll und gesammelt Krishnas Festreise vollzieht,

10.87 gelangt von allen Sünden frei in Vishnus Welt. Wer Haris Fahne auf dem Heiligtum schon von weitem sieht

10.88 und sich hingebungsvoll verneigt, wird augenblicklich von Schuld befreit. Wer die vier Regenmonate in Vishnupushkara verweilt,

10.89 erlangt die volle Frucht der dritten Festreise und noch mehr. Die Weisen, die jederzeit dort wohnen,

10.90 ihre Sinne und ihren Zorn beherrschend, erlangen die Frucht der Askese. Was ein Mensch durch zehntausend Jahre Askese an anderen Pilgerstätten

10.91 erlangt, das erlangt er in einem Monat in Purushottama. Die Frucht von Askese, Brahmacharya und Aufgabe der Anhaftung

10.92 erhalten die Weisen dort beständig. Das Verdienst von Bad und Gaben an allen Pilgerstätten,

10.93 von rechter [Bildgestaltung; Variante vermutet Gabe], Gelübde und Disziplin erhält man dort täglich, beherrscht und rein.

10.94 Die Frucht verschiedenster Opfer erhält man dort; zweifellos erlangt man Befreiung.

Unnummerierter Zusatz nach 10.94: Menschen, die im Gebiet Vishnupushkara ihren Körper ablegen und den Wunschbaum erreicht haben, sind zweifellos mit dem Göttlichen verbunden. Wer vor dem Banyan-Baum seinen Körper ablegt, erlangt zweifellos die schwer erreichbare höchste Befreiung. [Eine zusätzliche Orts- oder Grenzangabe, „avallabha“, ist verderbt; die Vorlage bezeichnet die Strophen als zusätzlichen Text.]

10.95 Selbst wer ungewollt dort sein Leben lässt, wird von Leiden frei und gelangt zur schwer erreichbaren Befreiung.

10.96 Würmer, Insekten, fliegende Tiere und andere in Tiergeburten befindliche Wesen gelangen ebenfalls zum höchsten Ziel, wenn sie dort ihren Körper verlassen.

10.97 Derjenige, der in Purana und Vedanta als höchstes Selbst bezeichnet wird, weilt als Purushottama zum Wohl Kamarupas.

10.98 Auf dem Weg, auf dem Leichenplatz, im Haus oder Mandapa, im Wald oder irgendwo auf der Erde [dieses Bezirks]: Ob gewollt oder ungewollt, wer dort den Körper verlässt, erlangt Befreiung.

10.99 Die Krishna Ergebenen, die sich seiner erinnern, nachts und nach dem Erwachen, gehen beim Zerfall des Körpers in Krishna ein wie die mit Mantras dargebrachte Opferspeise ins Feuer.

10.100 Danach meditiere man über Ganapati und verehre ihn mit Laddu, rotem Oleander und Bandhuka. Man umschreite ihn rechts herum und stimme ihn mit dem Mantra gnädig:

10.101 „Dem Hängebäuchigen, Reinen, Elefantengesichtigen, Erhabenen, mit Modaka und Elefantenhaken Geschmückten, der die beiden berühmten Eigenschaften trägt [Bezug unklar], diesem Purusha, dem Herrn der Scharen, sei Verehrung!“

10.102 Am Anfang und Ende der Pilgerreise soll man auch Ganesha verehren. Dann gehe man nach Manikuta und erlangt die erwünschte Stätte.

10.103 Deshalb soll man jenen Gott Purushottama hingebungsvoll gnädig stimmen: „Verehrung dir, Herr aller Welten, der du deinen Verehrern Furchtlosigkeit schenkst!

10.104 Rette mich, der ich im Ozean des Samsara versunken bin, höchster Purusha! Die Verehrungen, die ich auf Manikuta vollzogen habe, Herr der Welt,

10.105 mögen durch deine Gnade vollständig werden, Govinda!“ Nachdem man den Gott so gnädig gestimmt und sich lang ausgestreckt verneigt hat,

10.106 soll man den Guru hingebungsvoll mit Gold, Gewändern und Salben verehren, der Sonne Arghya geben und Brahmanen speisen.

10.107 Wer dies gesammelt liest, hört oder vorlesen lässt, gelangt, von Schuld gereinigt, in Vishnus ewige Welt.

10.108 Heilvoll, sündenvernichtend, Genuss und Befreiung schenkend, segensreich, geheim, schwer zugänglich und heilig ist dies. Es darf nicht beliebigen Menschen gegeben werden, keinem Leugner, Toren, Undankbaren oder Hochmütigen.

10.109 Dieses vorzüglichste Pitha Purushottamas, Ursache der Vernichtung aller Schuld, Kamakhya genannt, Freude und Befreiung schenkend und alle Wünsche erfüllend, habe ich beschrieben.

Kolophon: Damit endet der zehnte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Elfter Paṭala

11.1 Der Erhabene sprach: Im Land Bharata, südlich des südlichen Meeres [so die geographisch auffällige Lesung], liegt das als Kamarupa bekannte, Himmel und Befreiung schenkende [Land].

11.2 Nördlich der Lohita und im Osten bis Vishveshvara [reicht] dieses Land tugendhafter Menschen, mit allen Vorzügen geschmückt.

11.3 Die dort geborenen Brahmanen, die ihre Sinne beherrschen und Askese sowie Selbststudium pflegen, sind stets zu grüßen und zu verehren.

11.4 Beim Ahnenopfer, bei Hochzeiten, Opfern, Festen und allen Handlungen sind die dort geborenen Zweimalgeborenen empfohlen.

11.5 Dort sind Brahmanen den sechs Pflichten ergeben, vedengelehrt, Kenner der Itihasas und des Sinns der Puranas,

11.6 kundig im Sinn aller Lehrschriften, Opfernde, frei von Neid, von [Anhaftung an] Söhne, Frauen und Vermögen gelöst, freigebig und wahrhaftig.

11.7 Auch die drei übrigen Stände, Kshatriyas und die anderen, wohnen dort wohlbeherrscht, ihrer Pflicht ergeben, friedvoll und rechtschaffen.

11.8 Im Venus-, Merkur- und Mars-Teil [Zeit- oder Gebietsbezeichnungen unklar] [erscheinen] alle Gestalten: Agastya, Shaunaka, Bharadvaja, Kapinjala,

11.9 Atreya, Vatsa, Savarni, Dhrita, Kaushika, Jamadagnya, Vasishtha, Atreya [erneut] und Parashara,

11.10 Kamandalu, Garga, Shaunaka, Shaunika, Shandilya, Aparamsa, Cyavana und Angiras.

11.11 Brahmanen dieser Geschlechter wurden einst in Kamarupa angesiedelt. Deshalb sind sie zu verehren und zu grüßen. Höre, welche zu meiden sind, Shankari.

11.12 Die im von Lauhitya gereinigten Land südlich und östlich des Pithas wohnen, sind zu meiden, [bis auf beziehungsweise bis] Sauvarcala [die Grenzangabe ist verderbt], Geliebte.

11.13 Die Brahmanen im Sonnen-Teil des Kali-Zeitalters in Kamarupa werde ich nennen, große Herrin; höre mit gesammeltem Geist.

11.14 Bharadvaja, Raghu, Shaunaka, Keshava, Kapinjala, Agastya, Madhava und Dharadhara [werden genannt].

11.15 Auch er [Bezug unklar] erreichte Varanasi, badete und rettete seine Geschlechter. Aus der Atreya-[Linie entstanden] Dharma, Bhanu und Dhananjaya,

11.16 [ferner] Sambhava aus Damayanti, hochherzig und sinnenbeherrscht; Vatsa, Narasimha, Damodara und Mahidhara.

11.17 Shubhanta, dort Patita, Chapala und Satyadharmavan [Namensabgrenzung unsicher]; aus Savarni Shankara, Bhanu, Madhu und Madhusudana,

11.18 Shauri, Dhananjaya, Vishnu, Kamadeva, Hari, Bhaskara, Bhudhara und Rama: alle gesittet und von großer Kraft.

11.19 Aus Kaushika und Ghrita [sind] Vishnu und der rechtschaffene Madhava; aus Jamadagnya Manu, Brahma, Soma, Bhanu und Purandara [Variante: Sundara].

11.20 Alle sind gesittet, heilig, gutem Verhalten ergeben und sinnenbeherrscht. Aus Bharadvaja [entsteht] Rama, ein im inneren Haus genannter Zweimalgeborener,

11.21 der schuldig wird, Göttin; deshalb soll man ihn meiden. [Es folgen] Vasishtha, Damana, Krama und Trivikrama.

11.22 Aus Parashara und Atreya [stammen] Bhanu und Pitambara, zwei dem Dharma ergebene Brüder; aus Prajapati und Kamandalu

11.23 Ugra und Dhanesha, beide dem Einsiedlerleben ergeben. Aus Ganga [oder Garga; Hauptlesung Ganga] entstand Nilambara; so wird er genannt, große Herrin.

11.24 Aus Shaunaka Balabhadra, aus Madana Gadadhara, aus Kaushika Vasudeva und dessen Sohn Mahidhara.

11.25 Narayana, Dhruva, Acyuta und Vishnu sind aus Vasishtha hervorgegangen, im Ashrama weilend und aufgestiegen.

11.26 Aus Shandilya entstanden Manmatha, Soma, Krishna und Divakara; aus Cyavana Rama und Dhananjaya,

11.27 Lakshmipati, Shripati, Bhava und Shubhashaya. [Die weitere Abstammungsangabe ist gestört:] Brahma, Narasimha und Mahidhara,

11.28 Baladeva, Bhanu, Purandara und Dharadhara sind aus Pannaga hervorgegangen und tragen die Last der Erde.

11.29 Bhudhara aus Cyavana wird als gefallen bezeichnet. Lakshana aus Angiras ist rechtschaffen und von wahrhaftiger Kraft.

11.30 Auch der zum mittleren Shandilya-Geschlecht Gehörige ist besonders verehrungswürdig, Geliebte. Bhima, Damodara, Vatsa und Vedagarbha [Vorlage: Vedagargha], meine Geliebte,

11.31 [gehören] im Venus-Teil jeweils zu zweien zu jedem Geschlecht. Je einer ist vortrefflich; Tausende wurden als Vratyas [außerhalb der Initiationsordnung Stehende] geboren.

11.32 Diese Vratyas [sind] wiederum im vortrefflichen Tantra genannt, meine Schöne. Im Mahi-Bezirk weilt Surya, von Samba herabgerufen.

11.33 Er heißt Sambaditya und ist in den drei Welten berühmt. Ein Krosha ringsum schenkt [der Bezirk] Genuss und Befreiung.

11.34 Dort weilt der tausendstrahlige Sonnengott selbst. Monat für Monat am fünften [Variante: siebten] Tag der hellen Hälfte soll man mit beherrschten Sinnen

11.35 fasten, Herrin der Götter, bei Sonne im Steinbock baden, vorschriftsmäßig in der Lauhitya baden und gesammelt verehren.

11.36 Schweigend soll man Götter, Rishis, Menschen und Ahnen sättigen, aus dem Wasser steigen und zwei gewaschene, völlig reine Gewänder anlegen.

11.37 Nach der Mundspülung setze man sich gesammelt am unteren Ufer der Lauhitya bei Sonnenaufgang nach Osten gewandt nieder.

11.38 Der Einsichtige zeichne mit rotem Sandelwasser einen achtblättrigen, runden Lotus mit Staubfäden und erhöhtem Fruchtboden.

11.39 Sesam, Reis, Wasser, roten Sandel, rote Blüten und Darbha lege man in ein Kupfergefäß.

11.40 Fehlt Kupfer, gebe man das Sesamwasser in einen Arka-Blattbecher, bedecke ihn, große Herrin, und stelle ein Gefäß in das andere.

11.41 Man vollziehe Hand- und Körper-Nyasa mit Herz und den übrigen Gliedern und meditiere vertrauensvoll über sich selbst als Bhaskara.

11.42 In der Mitte, auf dem südöstlichen, südwestlichen und nordwestlichen Blatt [und in weiteren unklar angegebenen Bereichen verehre man]; den Wurzel[-Mantra] verehre man in der Mitte.

11.43 Man verehre Fülle, Reinheit, Essenz und Geistesfreude [mögliche Sitzkräfte]. Nach der Lotusverehrung [rufe man] Bhaskara aus dem Himmel

11.44 auf den Fruchtboden, zeige die Mudras und vollziehe alle Verehrungshandlungen. Gesammelt meditiere man über ihn:

11.45 auf einem roten Lotus, mit roter Strahlkraft, gelbbraunen Augen, großem Leib, Lotus in den Händen und rotem Gewand,

11.46 mit allen [günstigen] Kennzeichen und allem Schmuck, von kraftspendender, friedvoller Gestalt, mit einem Strahlenkreis geschmückt.

11.47 Man schaue die aufgehende Sonne, dichtem Zinnober gleich, nehme das Gefäß und knie auf der Erde.

11.48 Man halte das Gefäß auf dem Haupt und bringe der Sonne schweigend und mit gesammeltem Geist mit dem dreisilbigen Mantra Arghya dar.

11.49 Auch ein Uneingeweihter soll sie hingebungsvoll verehren, bevor er Vishnu oder Shankara, den großen Herrn, schaut.

11.50 Deshalb soll man sich täglich bemühen, rein nach dem Bad Aditya Arghya zu geben; so erlangt man die ersehnte Frucht.

11.51 Man trete ein, verehre Bhanu und umschreite ihn dreimal rechts herum. Der Verständige soll ihn mit tantrischen und vedischen Mantras

11.52 in höchster Hingabe verehren, höchste Herrin. Nach dem Bad im Kapota-Becken soll man Udayachala besteigen.

11.53 Wer dort Arka verehrt, Herrin der Götter, erlangt die gewünschte Frucht. Wer an einem Sonntag bei Sonne im Widder vorschriftsmäßig in Karana badet,

11.54 erlangt die Frucht von zehn Pferdeopfern. Er rettet sieben frühere und sieben spätere Geschlechter, Parvati,

11.55 und gelangt, von Gandharvas besungen, auf einem sonnenfarbenen, leuchtenden, nach Wunsch fahrenden Himmelswagen in die Sonnenwelt.

11.56 Wer in der hellen Hälfte des Chaitra die Madanabhanjika-Festreise vollzieht, erlangt sämtliche zuvor genannten Früchte.

11.57 Beim Niederlegen und Erwecken [der Gottheit], bei Sonnenübergängen und Sonnenwenden, am Sonnen-Wochentag und Mondtag, zu allen [geeigneten] Zeiten, große Herrin,

11.58 gelangen diejenigen, die dort vertrauensvoll und mit beherrschten Sinnen die Festreise vollziehen, auf sonnenfarbenem Fahrzeug in die Sonnenwelt.

11.59 Rechts dieses Gottes weilt Mahadeva, als Rameshvara bekannt, der alle gewünschten Früchte schenkt.

11.60 Wer nach dem Bad im Karana-Wasser diesen Ursprung des Begehrens schaut, ob Mann oder Frau, erlangt alle gewünschten Früchte.

11.61 Neun Bogenlängen östlich davon [liegt] das hundert Handlängen messende Becken, aus Sonnenstrahlen entstanden. [Eine zusätzliche Entfernungsangabe ist verderbt.]

11.62 Dort ist ein See mit Wasser aus allen Pilgerstätten. Wer darin badet und mit Kusha Wasser auf sein Haupt sprengt,

11.63 gelangt von allen Sünden frei zum Himmel. Sieben Bogenlängen östlich des Dharma-Waldes

11.64 liegt der See Kapota; wer darin badet, gelangt zum unsterblichen Zustand. „Aus Sonnenstrahlen Entstandener, Kapota Genannter, Herr der Flüsse,

11.65 nimm heute meine Schuld aus zehn Geburten hinweg; Verehrung sei dir!“ Nach dem Bad mit diesem Mantra gebe man mit Tara Arghya, Shankari.

11.66 Die Schuld aus zehn Geburten vergeht augenblicklich. Zehn Bogenlängen westlich davon

11.67 liegt der See Karana; wer darin badet, gelangt zum Himmel. [Unnummeriertes Gebet:] „Ich verneige mich, Herr der Wesen, von Brahma Verehrter, Gebieter! Hum, Gam, Gum, auf den Rauchwegen, Verehrung dir, Karana-Nektar!“ Wer mit diesem Mantra badet, gelangt in Brahmas Stätte. Im Phalguna oder Magha soll man am siebten Tag baden,

11.68 besonders in der hellen Monatshälfte; so wird man in der Sonnenwelt geehrt. Elf Bogenlängen westlich von Kapota

11.69 liegt der See Vasishtha. Wer darin am fünften Tag des Karttika mit dem Varuna-Mantra badet, erlangt Varunas Welt.

11.70 Im Margashirsha soll man am achten Mondtag baden und Janardana verehren; nach einer halben Nacht Fasten [Variante: einem Tag und einer Nacht] verehre man ihn voller Hingabe.

11.71 Am elften Mondtag, Herrin der Götter, wird man [dadurch] in Vishnus Welt geehrt. Man soll Ahnenopfer und Kopfrasur vollziehen und vorschriftsmäßig Gaben geben.

11.72 Wer den dortigen Berg besteigt, wird nicht wieder auf Erden geboren. Nordwestlich [liegt] Nakshatrakuta, im Westen Shivas Opferpfosten,

11.73 im Süden der Narmada-Berg, im Norden Harakupaka, im Osten der Naga-Berg. In der Mitte, Geliebte,

11.74 liegt der große Mahi-Bezirk, vortrefflicher als Kurukshetra. Bad, Gabe, Askese und Feueropfer werden dort sämtlich unvergänglich.

11.75 Östlich von Bhasmachala bis tausend Bogenlängen [erstreckt sich] der segensreiche Bezirk Chandana, Varanasi gleich.

11.76 Dort liegt das Varanasi-Becken, fünf Bogenlängen messend. Wer darin vorschriftsmäßig badet, erlangt Kaivalya.

11.77 Drei Bogenlängen östlich liegt das Vayu-Becken. Wer darin am neunten Mondtag badet, wird in der oberen Welt geehrt.

11.78 Wer in diesem Bezirk stirbt, wird niemals wieder geboren. Nach der Pashupata-Erkenntnis erlangt er Befreiung. [Die Hauptlesung verschmilzt „maraṇena bhūyo“; die Verneinung ist aus dem Zusammenhang gelesen.]

11.79 Eine Sichtweite nordwestlich des Pithas liegt der stierförmige Berg Soma, der Vrishabhachala.

11.80 Südlich dieses Beckens liegt der See Nandikunda. Wer darin bei Mond- oder Sonnenfinsternis badet, erlangt Kaivalya.

11.81 Dort steht das Shiva-Linga Nandishvara. Durch seine Verehrung, Göttin, wird man von allen Sünden befreit.

11.82 In dieser Welt ist man gesund und erlangt höchstes Glück; am Ende erreicht man Brahmas Haus und dann Befreiung.

11.83 Nach dem Bad in Nandikunda soll man die Nacht [unter Beachtung des Nakta-Gelübdes] verbringen. Am folgenden Tag gehe man zum Bhasmachala.

11.84 Eine Sichtweite nordwestlich des Vrishachala liegt das Linga namens Ratna. Man soll es mit beherrschten Sinnen verehren.

11.85 Von aller Schuld innerlich gereinigt, wird man in Shivas Welt geehrt. Nordöstlich des Berges liegt der See Kannaka [Variante: Kanvaka],

11.86 acht Bogenlängen [entfernt]. Wer darin badet, wird in der [göttlichen] Welt geehrt. Nordöstlich davon liegen die beiden Höhlen Shivas und Vishnus.

11.87 Wer dort badet, Mann oder Frau, wird von der Bindung des Werdens frei. Dort liegt auch das Gangakunda, sechzehn Bogenlängen messend.

11.88 Durch Baden und Trinken beseitigt man die Schuld eines Brahmanenmordes. Dort soll man beherrscht, von Opferkost lebend, den Tag verbringen.

11.89 Am folgenden Tag gehe man zum Nakshatra-Berg.

11.90 Südlich des Rasakuta, nicht weit entfernt,

11.91 mitten im Mahi-Bezirk liegt der nach Norden fließende Fluss Pushpanadi, der alle Sünden löst.

11.92 Wer dort an Mahamaghi badet, gelangt zur Göttlichkeit. Wer den ganzen Monat Magha badet, gelangt in Vishnus Stadt.

11.93 Durch ein Bad am neunten Tag der hellen Hälfte des Chaitra vergeht Schuld. Sie ist die Ganga des Dvapara-Zeitalters, aus Vishnukuta entsprungen.

11.94 Wer darin badet, große Herrin, wird nicht wieder im Mutterleib geboren. An dieser Pilgerstätte soll man, im Mahi-Bezirk angekommen, die Kopfrasur vollziehen.

11.95 Wer dort den Naga verehrt, erhält doppelte Frucht. Bad, Japa und Feueropfer werden dort sämtlich unvergänglich.

11.96 Wer am Sonntag und siebten Mondtag gesammelt badet, bleibt in diesem Leben gesund und gelangt am Ende in Shivas Stadt.

11.97 Der Strom im westlichen Teil des Bezirks, nach Norden gerichtet, heißt Maladhara. Wer darin badet, wird schuldig.

11.98 Deshalb soll man sein Wasser nicht berühren und nicht an seinem Ufer wohnen. Hat man unachtsam darin gebadet, soll man ein Bad in Pushpa vollziehen.

11.99 Oder man berühre danach eine heilige Pilgerstätte beziehungsweise die Sonne. Dies ist das heiligende Gebiet des erhabenen Bhargava.

11.100 Wer es kennt, gelangt zu Shankaras Wohnstatt. Östlich dieses Gebietes fließt der heilige Fluss Chandrika.

11.101 Er liegt eine Yama-Wegstrecke entfernt, große Herrin; wer darin badet, gelangt zum Himmel. Nordöstlich davon befindet sich das Linga Krittivasas.

11.102 Wer es sorgfältig verehrt, erfreut sich im Himmel wie Shiva. Wer in der Chandrika badet und Krittivasas verehrt,

11.103 wird am vierten Tag der hellen Hälfte des Monats Bhadra makellos. Eine Krosha weiter östlich, große Herrin,

11.104 fließt die heilige Phenala, die am Ganga-Berg entspringt. Man bade in der Phenila besonders im Monat Phalguna. [Die Vorlage wechselt zwischen Phenala und Phenila; Varianten: Kalila und eine unklare Zeitangabe.]

11.105 Auch am dreizehnten Tag der dunklen Hälfte des Ashadha, zur günstigen Sonnenbahn, soll man baden. Dort liegt der heilige, Sünden vernichtende Fluss bei Sukritarghya. [Orts- und Zeitangaben sind unsicher überliefert.]

11.106 Die Madana genannte Flussgöttin entspringt aus dem Feuer Kamas, Shankari. Wer im Chaitra vorschriftsgemäß darin badet, erlangt die Frucht eines Ganga-Bades.

11.107 Man besteige immer wieder den Berg, bade im Wasser der Madana und verehre am vierten Tag der hellen Hälfte des Magha Maheshvara.

11.108 So erlangt man alle begehrten Güter und gelangt in Shivas Welt. Südlich davon fließt die Trisrota.

11.109 Dort stehen zwei Shiva-Lingas, die stets Bhairavas Gestalt tragen: Kshiroda und Mahesha befinden sich in einer Höhle.

11.110 Man verehre sie voller Vertrauen mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Speisegaben und kostbaren Darbringungen. [Die einleitende Angabe über Dhruva beziehungsweise die seitliche Lage ist unklar.]

11.111 Im Höhlenwald wohnen mächtige Affen. Man nähere sich dem dort verehrten Shankara und suche seine Gnade.

11.112 Der Anblick der Affen schenkt auf Erden Furchtlosigkeit, reichen Kinder- und Enkelsegen, Geld, Getreide und vortreffliche Frauen.

11.113 Binnen sechs Monaten erlangt man die ersehnten Güter; daran besteht kein Zweifel. Östlich von Kamakhya fließt der Strom Kshiroda.

11.114 Wer vorschriftsgemäß darin badet, wird von allen Sünden frei. Östlich der Kshiroda liegt der Berg Amarakanthaka. [Variante: Sharakanthaka.]

11.115 Dort befindet sich das Linga Shoneshvara aus einem großen, schönen Stein. Wer es sorgfältig verehrt, erfährt keinen Kummer.

11.116 Südlich davon steht das Linga Ghateshvara, große Herrin. Man schaue dieses überaus gewaltige Linga mit Vertrauen und gesammeltem Geist,

11.117 bade es voller Hingabe und verehre es mit wohlriechenden Stoffen und schönen Blumen. Wer dies am vierzehnten oder achten Tag der hellen Monatshälfte tut,

11.118 erhebt fünf Generationen seiner Familie und gelangt in Shivas Welt. Im Osten, nach Südosten hin, liegt der Berg Gandhamadana.

11.119 An seinen westlichen und östlichen Ecken liegen zwei Wasserbecken. Wer darin badet, erlangt die Frucht des Pferdeopfers. [Die Richtungsangabe ist sprachlich beschädigt.]

11.120 Östlich des Berges liegt im Lauhitya, über acht Bogenlängen ausgedehnt, die Pilgerstätte Bilvasaras. Ein Bad dort vernichtet Sünde. [Variante: Bilveshara.]

11.121 Nördlich des Sees befinden sich die beiden Fußspuren Bhringishas. Wer Bhringa dort verehrt, erlangt den Rang eines Herrn der Ganas.

11.122 Durch Darbringung von Ahnenklößen wird man dort seiner Schuld gegenüber den Ahnen ledig. Südlich dieses Berges liegt der Berg Nivedha.

11.123 Nordöstlich davon befinden sich zwei Becken Manmathas. Mann oder Frau gelangt durch ein Bad darin in Brahmas Welt.

11.124 Nicht weit von diesem Berg liegt der Berg Nishadha. Nördlich davon, im Lauhitya, erstreckt sich über sieben Bogenlängen

11.125 die sehr schwer zugängliche Pilgerstätte Pishachamochana, „Befreiung von Gespenstern“. Wer dort unter Verwendung des Tara-Lautes badet, wird nicht zum ruhelosen Totengeist.

11.126 Durch Besteigen des Berges, Göttin, „erlangt man Brahmanenmord“. [So die bereits mit Fragezeichen versehene Lesart; vermutlich fehlt eine Aussage über die Befreiung von dieser Sünde.] Am südlichen Ufer des Lauhitya-Gewässers, höchste Herrin,

11.127 fließt ständig nach Süden der vortreffliche Fluss Chandika. Ein Bad darin vernichtet die großen Sünden, schöne Göttin.

11.128 Wenn eine Frau am siebten Tag der hellen Hälfte des Magha oder am Vollmondtag des Phalguna darin badet und Milch trinkt, werden ihre Kinder nicht sterben, verheißt der Text.

11.129 Das vorschriftsgemäße Bad schenkt die Frucht eines Rajasuya-Opfers; schon das Mausala-Bad gewährt diese Frucht. [Variante: die Frucht eines Pferdeopfers; „Mausala“ bleibt unklar.] Nordöstlich davon, auf dem heiligen Erdboden, große Herrin,

11.130 liegt das Pankaja genannte Gebiet; wisse, dass es eine Krosha misst. Dort verehre man Shankara als Bhringisha, ganz der Hingabe zugewandt.

11.131 Man bade in der Chandika, umschreite das Gebiet und verehre Shankara voller Bhakti. So wird man in Brahmas Welt geehrt.

11.132 Wer ihn den ganzen Monat Vaishakha verehrt, gelangt in Vishnus Welt und erlangt danach Befreiung.

11.133 Man meditiere über ihn als vierarmig und weiß, auf einem Lotus sitzend, mit strahlender Krone, schönen Ohrringen und einer Schlangenkette geschmückt,

11.134 mit Dreizack und kleiner Trommel, Gnade und Furchtlosigkeit verleihend, mit allen glückverheißenden Merkmalen versehen und von einer Krone aus verfilzten Haaren geziert.

11.135 So vergegenwärtige man ihn und verehre ihn mit dem Aghora-Mantra nach dem Shiva-Tantra. Man nehme eine Handvoll Blumen und bringe sie jeweils mit dem zugehörigen Mantra dar.

11.136 Man gebe rote Rudrajata-Blüten und verehre ihn mit Dhattura. „Verehrung dir, erhabener Gott, Beschützer der Welten, Herr des Alls!

11.137 Ich verneige mich vor Bhringisha, dem Herrn des Universums, dem ungeborenen Gott, dem unvergänglichen Träger und Ordner aller Welten.“

11.138 Man gehe nördlich des Lohita und besteige den Berg Darpata. Dort verehre man Kubera in weißer, Brahma entsprechender Gestalt. [Bergname als Variante: Karkata.]

11.139 Nordöstlich davon liegen zwei Becken Kuberas. Wer in diesem Wasserbecken badet, wird in Vishnus Welt geehrt.

11.140 Südöstlich liegt der herrliche Berg Rohina in Gestalt des Rohana. Eisen und andere Stoffe, die ihn berühren, werden sogleich zu Gold. [Variante: erhalten Goldglanz.]

11.141 Im Kali-Zeitalter befindet er sich am Ende des zwölften Bodenabschnitts. Kubera bringe man eine Opfergabe dar, der die Beilagen nicht fehlen dürfen. [Die erste Ortsangabe bleibt unklar.]

11.142 Im Kali-Zeitalter tritt er im Sonnenanteil hervor, Shankari. Aus Maheshas Mund entspringt der Fluss Kurpata. [„Sonnenanteil“ ist nicht sicher zu deuten.]

11.143 Wer dort am vierzehnten Mondtag badet, gelangt in Varunas Welt. Er befindet sich auf der Erde in Gestalt eines Rohita-Fisches.

11.144 „Zum Wohl der Sterblichen bist du hier: Kurpata, nimm meine Sünde fort!“ Mit diesem Mantra bade man und verehre anschließend den Herrn des Reichtums.

11.145 Wer ihn vorschriftsgemäß und voller Hingabe verehrt, wird in Somas Welt geehrt. Nach dem vorgeschriebenen Bad im Lauhitya besteige man den Feuerberg.

11.146 Man verehre dort Agni am Vahnikuta im Feuerkreis. So erlangt man Vishnus Welt und erfreut sich mit Vishnu.

11.147 Östlich des Vahnikuta liegt der Berg Kamala. Dort befinden sich das Varuna-Linga und das Varuna genannte Becken.

11.148 Wer dort badet und Varuna verehrt, wird reich. Nicht weit östlich davon liegt der Berg Kalinga.

11.149 Man verehre voller Vertrauen das Linga Yameshvara. Am Neumond des Magha verliert Yamas Welt ihre Macht über den Verehrer. [Variante: Der Todesherr erblickt ihn nicht.]

11.150 Nordöstlich davon befindet sich Pandu, schwarz und aus Stein. Wer ihn voller Hingabe schaut und berührt, wird nirgends erneut geboren.

11.151 Westnordwestlich davon liegt in elf Bogenlängen Ausdehnung die große Pilgerstätte Gangatirtha. Ein Bad dort vernichtet Sünde.

11.152 Neun Bogenlängen östlich davon befinden sich zwei Becken der Sumadra. Man bade dort mit dem Kama-Bija und berühre danach den Pandu-Stein.

11.153 Wer Natakesha verehrt, wird in Indras Welt geehrt. „Dem, dessen Hände ein Buch und die Geste der Furchtlosigkeit zeigen und der eine Gebetskette trägt,

11.154 dem auf Parkata Weilenden sei Verehrung; Verehrung dem Herrn Pandunatha!“ Danach suche man die Gnade des Gottes, der für die Menschen sichtbar ist. [Die Variante nennt stattdessen die nördliche Richtung.]

11.155 Auf dem Berg steht er fest in tempelartiger Gestalt. Man verehre den Berg in den Gestalten, die jeweils einem der sieben Rishis entsprechen.

11.156 Man bade im Ganga-Becken und verehre beziehungsweise besteige den Rishi-Berg. Auf den sieben Bergen verehre man die sieben Rishis der Reihe nach, von der Mitte zum Osten hin.

11.157 Man verneige sich vor dem Herrn des Berges und verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen. In der Familie des Verehrers herrscht keine Furcht; er wird als tugendhafter Mensch auf Erden geboren.

11.158 Von Gandharvas besungen gelangt er in Shivas Welt. Nördlich davon steht ein mächtiger Bilva-Baum als Wunschbaum.

11.159 Man gehe zu ihm und verehre ihn mit dem Wurzelmantra; so erfreut man sich auf der Höhe des Himmels. Bei der Verehrung von Bäumen, Göttin, gilt hinsichtlich ihrer Blätter:

11.160 Man soll den betreffenden Baum nicht mit seinen eigenen Blättern verehren; so wird die Vorschrift allgemein überliefert. Nordwestlich davon liegt der Berg, der Kubera vorangestellt ist.

11.161 In seiner großen Höhle verehre man Natakesha. Südlich dieses Gottes befinden sich drei Sitze Indras.

11.162 Wer im östlichen Becken badet, wird augenblicklich frei von Krankheit; wer im mittleren badet, wird aus einem Armen zu einem Reichen, so die Verheißung.

11.163 Wer im vorderen Becken Dhatrika badet, wird von ungünstigen Planeteneinflüssen nicht berührt. [Der Beckenname ist bereits in der Vorlage fraglich.] Wo immer er sich befindet, Göttin: Nachdem ein Mensch im Wasser des Sees gebadet hat,

11.164 verehre er anschließend den Gott Virupaksha, die segensreiche Göttin Siddheshvari, den Gana Chanda, Kartikeya, Ganesha und den Stier,

11.165 den Wunschbaum und Savitri; so gelangt er in Shivas Welt. Nördlich davon, im mittleren Bereich nahe dem inneren Heiligtum,

11.166 auf dem lieblichen Berg Bhushanda, nördlich von Vasudeva, befindet sich die zwei Ellen messende Yoni Siddheshvaris.

11.167 Man verehre sie mit einem Yakschweifwedel und dem Tara-Mantra, Shankari. Am achten Mondtag verehre man sie und faste.

11.168 Durch Opfer eines Tieres, Milchreis, Gemüse und weiterer Gaben erhält man Kinder und Wohlstand. Östlich davon, auf dem Bilvakuta, verehre man Virupaksha.

11.169 Westlich von Siddheshvari liegt der Berg Sumadaha: ein hoher, elefantengestaltiger Berg, dunkel ruhend. [Die letzten Merkmale sind sprachlich unsicher.]

11.170 Wer dort den Gott Ganapati verehrt, dessen Familie trifft kein Hindernis. Chandra und Kartikeya befinden sich im Osten in zwei Höhlen.

11.171 Weiter ist dort, in einem als Angaja bezeichneten Stein, eine schlammartige Gestalt mit dem Zeichen der Himmelsganga, rötlich und golden. [Diese topographische Beschreibung ist stark beschädigt; „Raktaraksha“ kann auch ein Eigenname sein.]

11.172 Auf dem Shrikuta weilt die Göttin Siddheshi, die alle Wünsche erfüllt. Wasser reicht in das Dreieck hinein; darum liegt eine sechseckige Einfassung.

11.173 Das Gebiet misst fünf Ellen; sein Wunschbaum ist ein Champaka. Am Seeufer steht eine weiße, stiergestaltige Erscheinung, die aus dem Stier hervorgegangen ist.

11.174 Sie liegt südlich des Bhava-Beckens, Savitri dagegen nördlich. Wer diese Pilgerstätten vorschriftsgemäß mit beherrschten Sinnen aufsucht,

11.175 erhebt sieben Generationen seiner Familie und gelangt in die Welt der Göttin. Östlich von Nataka schaue man den Berg Nilachala.

11.176 Dieses Gebiet heißt Kambana und gewährt die Frucht des Hari-Gebietes und weiterer heiliger Stätten. Bei der Vollendung von Mantras erlangt man dort die ersehnte Frucht.

11.177 Durch Besteigen des Berges wird man vom Zustand eines Steines befreit. [Lesart unsicher.] Im Süden vollzieht man das Tötungsritual; die anschließende Beschreibung des südlichen Bereichs ist beschädigt.

11.178 Im Osten vollzieht man Anziehung, im Westen Vertreibung. Subhadra befindet sich in südöstlicher Richtung, in Sichtweite. [Die genaue Ortsverbindung ist unklar.]

11.179 Am nördlich von Kama gelegenen Berg, auf dem heiligen Erdboden, befindet sich die Yoni Dirgheshvaris in Gestalt eines roten Steines.

11.180 Man verehre sie mit höchster Bhakti, mit verschiedenen Duftstoffen und Blumen, mit dem Maya-Bija und dem Kama-Bija, am achten Mondtag und mit beherrschten Sinnen.

11.181 Am vierzehnten Tag des Magha erlangt man zahlreiche erwünschte Güter. Die Göttin Uma ist vierarmig und hat volle, hohe Brüste.

11.182 Sie leuchtet wie eine Masse von Zinnober und trägt Messer und Schädelschale; ihre rechten und linken Hände schenken Furchtlosigkeit und Gnade. Ihr Haupt ist von verfilzten Haaren geschmückt; sie steht auf einem roten Leichnam.

11.183 Sie soll mit dem Mantra Kamakhyas verehrt werden, höchste Herrin. Wer als Vira so handelt, wird nicht erneut aus einem Mutterschoß geboren.

11.184 Zwanzig Bogenlängen östlich davon befindet sich ein heiliger Leichnam beziehungsweise ein so benannter Ort; dort sind auch fünf Durgas. Ein Bad vernichtet Sünde. [Der Ortswortlaut ist unsicher.]

11.185 Auf dem Uma-Berg verehre man Uma, deren Wesen die Yoni-Mudra ist. Man verehre sie mit dem Shri-Bija; dann entsteht niemals Unglück.

11.186 Dort befindet sich in einer Höhle ein Linga Maheshvaras. Wer es am vierzehnten Mondtag verehrt, wird in Shivas Welt geehrt.

11.187 Östlich davon liegt der Berg Kurma, der im Lauhitya die Gestalt einer Schildkröte besitzt. [Eine zusätzliche Ortsangabe ist unleserlich beziehungsweise verderbt.]

11.188 Man verehre ihn vertrauensvoll mit dem Kurma-Mantra. Unterhalb davon liegt im Lauhitya, zweiundzwanzig Bogenlängen ausgedehnt,

11.189 die große Pilgerstätte Prabhaga; ein Bad vernichtet Sünde. Wer dort auch nur einmal badet, wird in Brahmas Welt geehrt.

11.190 Wer an diesem schönen Gewässer Ahnenklöße darbringen lässt, erhebt einundzwanzig Generationen seiner Familie und wird in Vishnus Welt geehrt.

11.191 Zwei Pfeilschussweiten östlich davon befindet sich auf dem lieblichen Berg Madgura das Linga Madgura. [Die verbindende Ortsangabe ist beschädigt.]

11.192 Man verehre das Linga vorschriftsgemäß; es schenkt die Frucht des Rajasuya-Opfers. Nordöstlich des Gottes, in einer Höhle des Bilva-Waldes,

11.193 verehre man Ishvara als Shvetaksha und lasse dabei den heiligen Laut erklingen. Vom östlichen Teil dieses Berges entspringt ein vortrefflicher Fluss.

11.194 Dieser Fluss heißt Mangala und geht aus dem Mund der Wunschkuh hervor. Er fließt eine Yama-Wegstrecke westwärts und wendet sich dann wieder in die Gegenrichtung.

11.195 Er erreicht Kuberas Wohnstätte und verlässt dabei die Bergtochter. Dieses Gebiet ist in der Welt schwer zugänglich; wer es erreicht, kennt keinen Kummer. [Der mythologische Bezug der ersten Zeile ist unklar.]

11.196 Durch Darbringung von Ahnenklößen wird man dort seiner Schuld gegenüber den Ahnen ledig. Nach drei Yama-Wegstrecken gelangt die weiße Ganga als Wasserstrom zum Berg. [Der zweite Halbvers ist unsicher.]

11.197 Die beiden Schwestern wurden einst vom großen Rishi Chyavana erreicht. Ein Verständiger möge auch nur einen Augenblick in diesem heiligen Gebiet verweilen.

11.198 Er erlangt die erhabene Frucht des Rajasuya-Opfers. Dort vergnügt sich Hara stets mit der Tochter des Berges im Wasser,

11.199 Göttin, an einem von goldenen Lotusblumen geschmückten Ort. Ein Bad am großen Magha-Vollmond schenkt dort dieselbe Frucht wie die Ganga.

11.200 Wer westlich oder östlich dort untertaucht, dessen sämtliche Sünden schwinden; eine weitere Sühne ist nicht erforderlich.

11.201 Wo Mangala, Gandha und die Sünden tilgende Picchila fließen, liegt ein durch Askese gesegneter heiliger Ort; weitere Sühne ist dort nicht erforderlich.

11.202 „Verehrung dir, glückverheißende Mangala, Vernichterin aller Sünden! Du bist verehrungswürdig und rein, Rudra-Göttin; nimm die Sünde fort! Verehrung dir!“

11.203 Mit diesem Mantra bade man und verehre anschließend die Gottheit. [Die folgende Aufzählung „Satra, Mantramata, Shanta, Vijaya, Ambara“ ist nicht sicher als Namenreihe oder Ritualangabe zu bestimmen.]

11.204 Auch Tejasya und Samanga werden mit Verehrungs- und Arghya-Gaben angerufen. [Fortsetzung der unsicheren Aufzählung.] Wer dort im Wasser, in der Luft oder auf dem Boden stirbt,

11.205 erlangt die Erkenntnis des Brahman und geht in das ewige Brahman ein. Von allen Sünden frei gelangt er in Brahmas Wohnstätte.

11.206 Wer während des ganzen Monats Magha badet, dessen tausendfache Schuld des Brahmanenmordes und dessen verschiedenartige weitere Sünden

11.207 schwinden sogleich, Göttin, wenn die Sonne im Steinbock steht. Wer verständig am dreizehnten Mondtag badet, während die Sonne in den Fischen oder im Widder steht,

11.208 erhebt sieben Generationen seiner Familie und wird in Brahmas Welt geehrt. Wer am Phalguna-Vollmond vorschriftsgemäß badet und den Gott mit dem Stierbanner schaut,

11.209 erlangt den Rang eines Gandharva und wird in Shivas Welt geehrt. Westnordwestlich davon, zwei Pfeilschussweiten entfernt,

11.210 liegt das Kapila-Becken. Man bade darin und verehre den Gott. Wenn Neumond und Montag zusammenfallen,

11.211 gehe man zu Kapileshvara und bade vorschriftsgemäß. So erhebt man einundzwanzig Generationen seiner Familie und gelangt zum höchsten Zustand.

11.212 Östlich der Mangala, auf dem heiligen Erdboden, Shankari, schaut man den Gott Keshava und gelangt dadurch in Vishnus Stadt.

11.213 Wer am Neumond fastet und Keshava schaut, wird zum Herrn der weißen Insel und wird in Vishnus Welt geehrt.

11.214 Der Wasserlauf östlich davon, in nordöstlicher Richtung, höchste Herrin, ist als Raktadhara, „Blutstrom“, bekannt; ein Bad darin soll man meiden.

11.215 Östlich davon fließt die Tapika, große Herrin. Ein vorschriftsgemäßes Bad schenkt großen Ruhm. [Variante: einen hohen jenseitigen Zustand.]

11.216 Nordöstlich des Gottes fließt der vortreffliche Fluss Dugdhadhara. Wer darin während einer Sonnen- oder Mondfinsternis vorschriftsgemäß badet,

11.217 erlangt die Frucht der Schenkung von hundert Kühen und wird in Indras Welt geehrt. Östlich davon liegt der vortreffliche Fluss Vetravati.

11.218 Wer darin badet, erlangt die Frucht eines Ganga-Bades. Nordöstlich davon fließt ein Fluss nach Norden.

11.219 Dort liegt das Amrita-Becken, geehrt unter dem Namen Tripura. Wer am zwölften Tag der hellen Monatshälfte in der Tripura badet

11.220 und das Vishnu-Linga verehrt, gerät nicht mehr in die Enge eines Mutterschoßes. Mit strahlendem Leib gelangt er in Vishnus Wohnstatt.

11.221 Man verehre mit höchster Hingabe, mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, vortrefflichen Geschenken und vielerlei Speisegaben.

11.222 Eine Krosha östlich davon fließt die Dipavati. Sie heißt auch Mandara und zerschneidet wie eine Lampe die Dunkelheit.

11.223 Darum heißt dieser segensreiche Fluss unter Göttern und Menschen Dipavati, „die Leuchtende“. Ein vorschriftsgemäßes Bad schenkt die Frucht aller Opfer.

11.224 Aus dem Padmamanasa entspringt der schwer zugängliche Fluss Durvara, große Herrin. Wer darin badet, gelangt zum Himmel.

11.225 Wer zur Tagundnachtgleiche oder besonders am Karttika-Vollmond im Durvara badet,

11.226 wird von allen Sünden frei und gelangt zu Brahmas Stätte. Aus dem Panchamanasa entspringt der vortreffliche Fluss Shivajala.

11.227 Mann oder Frau, die dort baden, treten nicht erneut in das Werden ein. Südlich befindet sich das große Linga Someshvara, große Herrin.

11.228 Wer es verehrt, erfreut sich auf der Höhe des Himmels. Ganz in seiner Nähe fließt der vortreffliche Fluss Padma.

11.229 Er entspringt aus dem Padmamanasa und ist als nordwärts fließender Strom bekannt.

11.230 Wer darin vorschriftsgemäß badet, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers. Im Kali-Zeitalter ist im Bilva-Gebiet die Panchanadi bekannt, meine Geliebte.

11.231 Somavati, Yajnadhara, Kanakabha, Nadivati und Padmavati bilden die fünf Ströme, die als Panchanadi überliefert sind. [Der vierte Name ist unsicher; die Vorlage springt anschließend von 231 auf 234.]

11.234 Wer darin vorschriftsgemäß badet, besonders im Monat Chaitra am achten oder vierzehnten Mondtag, wird in Shivas Welt geehrt.

11.235 Östlich davon fließt der vortreffliche, segensreiche Fluss Champavati. Er kommt aus der Kadamba-Höhlung und fließt eine Yama-Wegstrecke.

11.236 Wer darin vorschriftsgemäß badet, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers. Er entspringt dem Kadambamanasa und schenkt Früchte wie die Ganga.

11.237 „Du auf wunderbaren Wegen Wandelnde, große Herrin, nimm meine Sünde fort; Verehrung dir!“ Wer im Wasser der Champavati badet und insbesondere Shambhu schaut,

11.238 und wer Gauri, die Herrin der Götter, schaut, wird nicht erneut aus einem Mutterschoß geboren. Der erhabene Shambhu befindet sich dort in Gestalt eines Lingas.

11.239 Vishnu trägt dort eine steinerne Gestalt, Brahma die Gestalt eines Lingas. Sie befinden sich nicht weit entfernt am westlichen Ufer.

11.240 Eine Krosha östlich davon fließt der Divyaputra genannte Strom. Ein Bad am Neumond schenkt dort die Frucht aller Pilgerstätten.

11.241 Wer den ganzen Monat Karttika hindurch dort badet, höchste Herrin, erlangt die erhabene Frucht von tausend Pferdeopfern.

11.242 Der vortreffliche Fluss Divyapura vernichtet jede Schuld. Menschen, die darin mit dem Mantra baden, werden hinübergeführt und gelangen zum Himmel. [Die Vorlage wechselt zwischen Divyaputra und Divyapura.]

11.243 Nachdem man damit gebadet hat, bringe man am Ufer Arghya dar. Wer im Wasser des Divyapura badet und den dreiäugigen Gott schaut,

11.244 erhebt die ganze Welt und wird im Himmel geehrt. Wer hingegen die Champavati übergeht und anderswo badet,

11.245 [Hier ist der Satzanschluss beschädigt.] Am nördlichen wie am südlichen Ufer wird Frucht gewährt. Südlich des Madhukuta bade man einmal schweigend.

11.246 Man bade vorschriftsgemäß im Manasa und verehre den Gott mit dem geflochtenen Haar. So erlangt man die ersehnte Frucht des Rajasuya-Opfers.

11.247 Schon sein Anblick reinigt den Menschen und seine Familie bis zur siebten Generation. Wer jene Göttin auch nur einmal schaut, sie voller Hingabe verehrt und sich vor ihr verneigt,

11.248 erhebt sich selbst und gelangt nicht in Yamas Welt. Dort weilen auch andere makellose Mütter der Welt.

11.249 Alle diese Göttinnen nehmen Sünden fort, gewähren Gaben und lieben ihre Verehrer. Dort liegt auch die erhabene, alle Sünden tilgende Pilgerstätte Vaitarani.

11.250 Ein vortrefflicher Mensch wird durch ein Bad dort von allen Sünden frei. Nicht weit östlich der Göttin liegt das Vaitarani-Becken.

11.251 Es ist zwanzig Bogenlängen lang und in der Mitte acht Bogenlängen breit. Dort weilt Hari selbst in Ebergestalt.

11.252 Wer ihn schaut und sich voller Hingabe vor ihm verneigt, gelangt in Vishnus Stadt. Kapila befindet sich im Kuhhaus, die Soma-Pilgerstätte am Lobha genannten Ort.

11.253 An den Pilgerstätten Mrityunjaya, Siddhatirtha, Vasuka und Siddhakeshvara sowie im makellosen Gebiet soll ein Verständiger mit beherrschten Sinnen

11.254 vorschriftsgemäß die Pilgerhandlungen vollziehen, baden und sich vor dem Gott verneigen. Wer selbst dort badet, gelangt in die Welt der Unsterblichen.

11.255 Wer nach Viraja geht und Ahnenklöße darbringt, schenkt den Ahnen unvergängliche Sättigung; daran besteht kein Zweifel.

11.256 Menschen, die in Agastya oder Viraja ihren Körper ablegen, erlangen wahrhaft Moksha, große Herrin.

11.257 Man verehre die höchste Herrin mit dem Tara-Mantra nach tantrischer Vorschrift, mit Tieropfer, Milchreis, Duftstoffen und reich ausgestatteten Darbringungen.

11.258 Östlich davon liegt ein schirmförmiger Berg. Die im Linga enthaltene Yoni heißt Mangala-Chandrika.

11.259 Wer sie vorschriftsgemäß voller Hingabe verehrt, wird von der Bindung des Werdens frei. [Variante: von der Bindung des Karma.] Das Vagbhava-Bija, das mittlere Bija und das Shri-Bija sollen vorangestellt werden.

11.260 Oder man verwende ein anderes, als „dvishṭaka“ bezeichnetes Bija; der Mantra wird als dreisilbig bezeichnet. [Die Bija-Angabe ist unklar und wird nicht rekonstruiert.] Sein Rishi ist Narada, sein Versmaß Gayatri.

11.261 Die Gottheit ist Shambhu; seine Anwendung liegt in der spirituellen Übung. Man setze ihn für Dharma, Wohlstand, erfülltes Begehren und Befreiung ein, du Gelübdetreue.

11.262 Man bilde einen Lotus mit einem Dreieck im Innern und ein dreifach umgrenztes Erdhaus. Darin stelle man einen Krug auf und vollziehe die Verehrung der Glieder. [Die Beschreibung der Einfassung ist unsicher.]

11.263 Er soll sechzehn Fingerbreiten messen, schön sein und zwei Maße aufweisen. Mit dem Vortrag des Chamaka vollziehe man die Verabschiedung, mit dem Pranava beginnend. [Maßangabe und Ritualanschluss sind beschädigt.]

11.264 Man bringe ein Vogelopfer dar, jedoch keine zerbrochenen Gegenstände. Banane, Shami-Blätter, Dhatri und Tulasi

11.265 soll man nicht geben, auch keine Gurke und keine außerhalb ihrer Jahreszeit gereifte Jackfrucht. Ebenso darf man niemals den Varali-Fisch darbringen. [Die Variante verändert die Aussage zur Gurke.]

11.266 Eine besonders umfangreiche Verehrung mit reichen Gaben vollziehe man am Dienstag; auch am achten, vierzehnten und dreizehnten Mondtag verehre man die Göttin.

11.267 Man verehre die Göttin nicht nachts und tauche sie niemals ins Wasser. [Die folgende Vorschrift über Tamarinde, Berührung und „fünf Köpfe“ ist verderbt und lässt sich nicht zuverlässig übersetzen.]

11.268 Nach dem Genuss von Knoblauch oder Grinjana soll man einen Monat lang keine Verehrung vollziehen. Man verehre die Göttin nicht mit verbotenen Speisen und gebe nichts mit Indigo Gefärbtes.

11.269 Der großen Göttin bringe man kein Yak, keinen Waran, kein als „Dharma“ bezeichnetes Tier, keinen Eber und keinen Menschen dar; dagegen nennt der Text Gans und Ziegenbock als Opfergaben.

11.270 Weiter nennt er Hase, das unklar bezeichnete Svastika-Tier, Nashorn und Büffel, ferner Hibiskusblüten, Safran und zarte Bilva-Blätter.

11.271 Auch Maghya, Hayari, Jaya und die als „Raktavadrajata“ überlieferte Pflanze werden genannt; man gebe Wasserblumen und jahreszeitlich gewachsene Blüten. [Mehrere Pflanzennamen sind unsicher.]

11.272 Ferner sind Dantapushpa, rote Blüten und Vishnukranta genannt. Die Göttin verehre man als zweiarmig und gelb, mit goldenen Armreifen,

11.273 mit Händen, die Gnade und Furchtlosigkeit schenken, in höchster Stellung ruhend. Man sitze auf einem ausgebreiteten Sitz oder einer Felldecke, die mit Menstruationsblut verbunden ist. [Die Beschreibung des Sitzes ist mehrdeutig.]

11.274 Dort wiederhole man den Mantra; die vorbereitende Vollendung umfasst dreihunderttausend Wiederholungen. Auf einem schwarzen Antilopenfell erlangt man Erkenntnis, auf einem Tigerfell Wohlstand und Befreiung.

11.275 Ein Stoffsitz befreit von Krankheit; ein Wollsitz führt nach dieser Lesart zum Verlust von Besitz. Ein Ledersitz macht arm, ein Steinsitz bringt Krankheitsgefahr. [Die Aussage zum Wollsitz ist textlich auffällig.]

11.276 Der Erdboden schenkt reichen Besitz; ein Holzsitz bringt Unglück, ein Grassitz Verlust des Ansehens und ein Blättersitz Verlust des Vermögens.

11.277 Ein Yantra-Sitz mindert die Kraft der Askese; so wisse es, meine Geliebte. [Auch diese Lesart ist auffällig.] Im westlichen Bereich verehre man Varahi.

11.278 Mit dem Sonnen-Bija und Duftstoffen verehre man sie besonders am achten Mondtag. Dadurch wird die erhabene Frucht des Pferdeopfers erlangt.

11.279 In Karpata verehre man Shankaras Linga namens Yamesha. Mit dem Dhruva-Laut, fünf Blättern, Duftstoffen und weiteren Gaben verehre man es.

11.280 Westlich im Lauhitya liegt die Pilgerstätte Rambha, eine Bogenlänge messend. Ein Bad dort lässt Furcht schwinden.

11.281 An ihrem Berg, unterhalb Madhavas, große Herrin, liegen zwei Seen von vierundsechzig Bogenlängen Ausdehnung.

11.282 Ein Bad darin reinigt sogleich einundzwanzig Generationen. Östlich davon befinden sich auf dem Berg Kanjana Vishnus beide Fußspuren. [Variante: Kajjala.]

11.283 Im Kali-Zeitalter sind sie am Sannyasaka verborgen; man besteige ihn und verehre sie. Den dortigen Berg Chanchala hingegen besteige man niemals.

11.284 Sonst schwindet augenblicklich das in sieben Geburten gesammelte Verdienst. Westlich, am Ende des Kajjala, beim Zusammenfluss der Kapila

11.285 mit dem Lauhitya, schenkt ein vorschriftsgemäßes Bad die Frucht eines Pferdeopfers. Von Mridmurti bis zum Zusammenfluss der Kapila, Shankari,

11.286 ist dein Fluss Pishangini der Ganga gleich, schönangesichtige Göttin. Drei Yama-Wegstrecken südlich liegt er im Bereich des Berges Raivata. [Die Ortsbezeichnung in 285 ist unsicher.]

11.287 Von der Mitte der Pishangini aus werden beide Ufer beschrieben. Höre nun die Gottheiten der Pilgerstätte der neun Pithas.

11.288 Wegen Vasishthas Fluch haben sie sich dort an einem Ort gesammelt: die Pilgerstätten an einem Ort und die Gottheiten an einem Ort.

11.289 Man bade vorschriftsgemäß, Göttin; besonders ausgezeichnet ist die Pilgerfahrt im Chaitra. Wer voller höchster Hingabe verehrt, erlangt die Frucht jedes einzelnen Pithas.

11.290 Eine Yama-Wegstrecke südöstlich dieses Pithas liegt das große heilige Gebiet Kurukshetra mit dem Brahmasaras genannten See.

11.291 Man bade dort vorschriftsgemäß und schaue den göttlichen Stammvater. So erlangt man gewiss das Verdienst von zehn Pferdeopfern.

11.292 Südöstlich davon fließt im östlichen Bereich die Sarasvati nach Osten. Ein vorschriftsgemäßes Bad darin tilgt die Schuld des Brahmanenmordes.

11.293 Sie ist wie eine Udumbara entstanden und erstreckt sich über Yojanas. Zuerst wird Udakapsara, als zweite Pashchimapsara genannt. [Diese Herkunfts- und Ortsbeschreibung ist beschädigt.]

11.294 Vila und Kavila entstanden; daher heißt sie Kavila. [Die Namenserklärung bleibt unklar.] Wer in der Kavila badet, während die Sonne im Steinbock steht,

11.295 erlangt alle erwünschten Güter und gelangt in Shivas Welt. Brahma schuf sie einst zur Befreiung von allen Sünden.

11.296 „Reine Kavila, nachdem ich in dir gebadet habe, rette mich aus dem Ozean des Werdens!“ Mit diesen Worten bade man und bringe Arghya für göttliche Fülle dar.

11.297 Es besteht aus Kusha-Gras, Sandelholz, Durva-Gras, Sesam und ungebrochenem Reis sowie Milch und Wasser; dies wird Arghya genannt. [Das verbindende Verb der zweiten Zeile ist unsicher.]

11.298 Kanjana, aus dem Leeren hervorgegangen, Vagura, Vijaya, Mahasena und die Gattin des Feuers: So wird der sechssilbige Arghya-Mantra verschlüsselt angegeben. [Eine sichere Lautfolge ergibt sich daraus nicht.]

11.299 Wer am achten Tag der hellen Hälfte des Chaitra darin badet, gelangt zum Himmel; wer am Vollmond badet, große Herrin, gelangt in Shivas Wohnstatt.

11.300 Wer den ganzen Monat Karttika darin untertaucht, Shankari, ist in dieser Welt frei von Krankheit und erlangt höchstes Glück.

11.301 Am Ende gelangt er in Brahmas Haus und danach zur Befreiung. Wenn die Ströme am heiligen Kushavarta bei Kubjikas Mündung zusammentreffen,

11.302 wird die sonst fruchtlose und schwer zugängliche Stätte in Kushavarta fruchtbar. Manasa, Kubji-Strom und die ostwärts fließende Sarasvati

11.303 vereinigen sich dort zu drei Strömen; deshalb heißt der Ort Kushavarta. Puja, Mantra-Wiederholung und Feueropfer, die Menschen dort vollziehen,

11.304 bringen sämtlich unendliche Frucht, wenn ihr Geist der Befreiung im Brahman hingegeben ist. Ein dort dargebrachtes Ahnenopfer wird unvergänglich.

11.305 Dieses überaus große Gebiet misst tausend Bogenlängen. Weiter oberhalb, eine halbe Yama-Wegstrecke entfernt, liegt ein einzelner Zusammenfluss.

11.306 Der südwärts fließende Strom ist der große Fluss Kubji. Selbst ein schöner, gesunder Mensch wird nach dem Bad darin krank, so lautet hier die Aussage.

11.307 Der nördliche Strom ist unter dem Namen Manasa bekannt; der östliche Strom wird Sarasvati genannt.

11.308 Wo die drei an einem Ort zusammenfließen, wird der Ort Prayaga genannt. Im nördlichen, nordöstlichen Bereich des Gebietes, über eine Bogenlänge,

11.309 liegt die große Pilgerstätte Kubji. Ein Bad führt zum Himmel; wer den zu Kubji gelangten Sohn schaut, wird seiner Ahnenschuld ledig. [Die zweite Aussage ist textlich unsicher.]

11.310 Ob Frau oder Mann: Wer dorthin geht und das Wasser berührt, wird durch Kubjikas Gnade von der Schuld des Brahmanenmordes frei.

11.311 Wo Kali in viereckiger Gestalt gegenwärtig ist, bringen die Menschen Ahnenklöße dar. Alle gelangen in einem von Gänsen getragenen Himmelswagen zum Himmel.

11.312 Vom Ufer über hundert Bogenlängen bis zum Rama-See erstreckt sich das Gebiet Bhadrakalis. Man gehe dorthin und verehre Kalika

11.313 mit Tieropfer, Milchreis, Duftstoffen, Fleisch und weiteren Gaben. Am Übergang vom Dvapara- zum Kali-Zeitalter ist Sarasvati die verborgene Kali.

11.314 Darum verehre man die Göttin dort im Wasser und im heiligen Gebiet. Wer das Gebiet betritt, Göttin, erlangt großen Wohlstand.

11.315 Wer in der Kubjika badet und danach Kalis Gebiet aufsucht, dessen während des ganzen Lebens begangene Sünde schwindet augenblicklich.

11.316 Wer dort ein Trankopfer darbringt, erhält unendliche Frucht. Seine Ahnen tanzen; die Großväter sind zufrieden.

11.317 Durch das Trankopfer erhalten sie Sättigung, durch die Ahnenklöße den Himmel. Im östlichen Bereich steht das große Linga Adishvara.

11.318 Mit ihm verbunden liegt Aditirtha, das schon durch seinen Anblick Befreiung schenkt. Wer dort das Manasa-Wasser berührt, wird von der Bindung des Werdens frei.

11.319 Durch Untertauchen erlangt man Brahmas Stätte. Wer seinen Geist geläutert hat, dort badet und Janardana

11.320 nach seinen Kräften verehrt, gelangt zum Himmel. Wie Gold unter den Schätzen und die Opfergabe unter den reinigenden Dingen,

11.321 so ist Kubjitirtha unter allen Pilgerstätten die vorzüglichste. Wie das Pferdeopfer unter den Opfern als das höchste gilt,

11.322 so ist die Mündung der Kubji unter allen Pilgerstätten vortrefflich. Wie Narada unter den göttlichen Rishis der höchste ist, du Gelübdetreue,

11.323 so ist die Mündung der Kubji unter allen Pilgerstätten vortrefflich. Nördlich von Kalis Gebiet weilt Janardana, der Gott der Götter,

11.324 in Linga-Gestalt; im Kali-Zeitalter ist er verborgen und unsichtbar. Am Ufer trinke man voller Hingabe Milch unter Verwendung des Nara-Mantras. [Variante: Sama-Mantra.]

11.325 Augenblicklich wird man von der in zehn Geburten begangenen Sünde frei. Eine Krosha westlich von Kushavarta

11.326 nähere man sich dem Kala genannten göttlichen Linga und verehre es am vierzehnten, achten oder elften Mondtag sowie an den Festtagen.

11.327 Wer danach in der Kavila badet und den Gott mit dem geflochtenen Haar schaut oder ihm dort dient, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.

11.328 Bis zum Linga im Kurukshetra reicht das Gebiet; nördlich liegt der Fluss Kavila, südlich der Wunschbaum. Der mittlere Bereich misst eine Krosha.

11.329 Dieses schwer zugängliche Gebiet heißt Dashashvamedhaka. Eine dort gegebene Spende bringt größere Frucht als in Kurukshetra.

11.330 Wer dort jedoch eine Gabe annimmt, gelangt in eine nicht endende Hölle. Wer in Prayaga oder Kubjitirtha untertaucht, wird nicht wiedergeboren.

11.331 In Ashvakranta und an der Picchila bringt das Scheren des Haupthaares höchste Frucht.

11.332 So viele Haare von ihm im Wasser oder auf dem Land liegen, so viele Hunderte von Weltaltern erstrahlt er in Brahmas Welt.

11.333 Vom Berg Anargha entspringt der Vaguda genannte Fluss. Wer darin am vierzehnten Tag der hellen Hälfte des Bhadra badet, gelangt zum Himmel.

11.334 Der vom Berg Pinja kommende Strom heißt Toyada. Wer am großen Magha-Vollmond darin badet, reinigt seine Familie bis zur siebten Generation.

11.335 Südlich befindet sich das Linga Dvarakeshvara, höchste Herrin; dort sind Brahmi, Varahi und Lakshmi in der Mitte gegenwärtig. [Die genaue Anordnung ist unsicher.]

11.336 Wer am Sarasvati-Tirtha badet und am dreizehnten Mondtag den Gott der Götter, Umas Gemahl, verehrt, wird von der Bindung des Werdens frei.

11.337 Nordwestlich fließt der heilige Goldfluss, Shankari. Wer ihn am dritten Tag des Monats Bhadra aufsucht, erfährt keinen Kummer.

11.338 Ein Bad im Wasser der Vajavari befreit von schrecklicher Schuld. Ein Bad im Vishnu-Strom schenkt Freude auf der Höhe des Himmels.

11.339 Ein Bad im Guru-Strom gewährt die Frucht eines Pferdeopfers; ein Bad im Kali-Strom erfüllt alle Wünsche.

11.340 Fünf Bogenlängen westlich des Trina-Berges liegt das Gebiet Shringataka. [Die anschließende Verbotsformel ist bereits in der Vorlage fraglich und nicht zuverlässig deutbar.]

11.341 Man bade im Wasser der Mangala, große Herrin, besteige Shringataka und verehre den Gott mit dem geflochtenen Haar.

11.342 Mit strahlendem Leib und geläutertem Selbst erlangt man hier unvergleichliche Freuden; am Ende gelangt man in Bhargas Haus und danach zur Befreiung.

11.343 Westlich davon fließt der Kalanara genannte Fluss, mit dem weißen Zeichen bekannt und von allen Sünden befreiend.

11.344 Im Monat Magha, am zwölften oder neunten Tag der hellen Hälfte, große Herrin, verehre man Parvatis Gemahl.

11.345 So gelangt man mit strahlendem Leib in Vishnus Wohnstatt. „Verehrung dir, allseits Segensreiche, Spenderin von Himmel und Befreiung! Du entspringst dem Vishnukuta; nimm meine Sünde fort! Verehrung dir!“

11.346 Mit diesem Mantra bade man und vollziehe die Verehrung. [Es folgt eine verschlüsselte Lautangabe:] Das mit „va“ endende, mit zehn Lauten verbundene Zeichen, geschmückt mit Strahl und Bindu,

11.347 verbinde man mit dem Leeren und dem Mond sowie mit Herz und Haarschopf. Wer dies bei Verehrung und Arghya-Darbringung mit beherrschten Sinnen wiederholt … [Der Satz bleibt unvollständig; die Mantra-Laute werden nicht rekonstruiert.]

11.348 Patanti, Suparna, Magadhi, die vortreffliche Yamuna, Kallola, Shikhandi, Shatarudra und Ghritarchika:

11.349 Wo diese acht Ströme sind, fließt der heilige, vortreffliche Fluss. Wer dort am vierzehnten Mondtag viermal badet, wird von ungünstigen Planeteneinflüssen nicht berührt.

11.350 Ein Bad am Zusammenfluss der Ghritachi schenkt die Frucht eines Bades in Prayaga; ein Bad am Zusammenfluss der Kallola tilgt die Schuld des Brahmanenmordes.

11.351 Die Flussgöttin fließt sechzig Yama-Wegstrecken und entspringt dem Vishnukuta. Sie kam aus Varahas Mund hervor und badete Indra.

11.352 Wer dort seinen Körper ablegt, wird nicht erneut aus einem Mutterschoß geboren. Ein am Ufer vollzogenes Ahnenopfer bringt dieselbe Frucht wie in Kurukshetra.

11.353 Bad, Gabe, Askese und Feueropfer werden dort sämtlich unvergänglich. Gesegnet sind die Menschen, die nördlich davon wohnen, Geliebte.

11.354 Wer westlich wohnt, erlangt einen schwer erreichbaren Zustand. [Eine ausdrücklich fragliche Variante besagt das Gegenteil: einen schlechten Zustand.] Eine Krosha östlich davon und eine Krosha westlich der Mangala

11.355 liegt der große Fluss Kalusha, große Herrin. Wer darin badet, wird augenblicklich sündig.

11.356 Er entspringt dem Soma-Becken und fließt vierzehn Yojanas. Die Sarasvati entspringt bei Gautamas Einsiedelei am Berg.

11.357 Ihre Ausdehnung wird mit dreiundsechzig Bogenlängen angegeben; der weitere Zusatz ist beschädigt. Östlich liegt der Sonnenstein.

11.358 Gautama verfluchte sie einst für drei Geburten beziehungsweise bis zum Meer. [Die Zeit- und Grenzangabe ist unsicher.] Solange die Göttin die Verehrung trägt, soll man das Wasser nicht berühren. [Auch diese Bedingung ist unklar überliefert.]

11.359 Der Sarasvati-Strom hingegen ist heilig: Wer darin badet, Shankari, erlangt die Frucht der Schenkung von tausend Kühen und wird im Himmel geehrt. Oberhalb von Gautamas Gebiet fließt der vortreffliche Strom mit heiligem Wasser.

11.360 Die Kalusha erstreckt sich über drei Yama-Wegstrecken, bei einer Fahrt im Boot, du Schöne. Man wohne nicht an ihrem Ufer und berühre niemals ihr Wasser.

11.361 Bis zu zehn Ellen wird dieses Wasser gerechnet. [Die räumliche Bestimmung ist unklar.] Wer mit daraus geschöpftem Wasser badet,

11.362 soll sich durch das Paraka-Sühnefasten reinigen und nach dem Bad das Chandrayana-Gelübde vollziehen. Oder er bade in der Mangala und halte das Ekadashi-Gelübde; gesammelt bade er im Wasser der weißen Ganga oder an der Agastya-Stätte.

Kolophon: Damit endet der elfte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Zwölfter Paṭala

12.1 Der erhabene Herr sprach: Höre, Göttin! Ich werde dir wahrheitsgemäß und zusammenfassend das heilige, alle Sünden tilgende und schwer zugängliche Pitha beschreiben.

12.2 Es ist mit zwölf Lingas verbunden und schenkt dieselbe Frucht wie Varanasi. Es heißt Bhadrapitha und umfasst hundert Pilgerstätten.

12.3 Dort leben Familien von Gelehrten; Geld, Getreide und andere Güter sind reichlich vorhanden. Häuser und Torbauten sowie große Plätze schmücken es.

12.4 Dort befindet sich das Linga Divyeshvara, das die großen Sünden vernichtet. Der Mantra wird als Prasada inmitten von Jaya bezeichnet. [Verschlüsselte Mantra-Angabe; keine Lautfolge ergänzt.]

12.5 Sein Rishi ist Narada, sein Versmaß Anushtubh und seine Gottheit Hara. Seine Anwendung gilt Dharma und der Erfüllung von Wünschen, du Gelübdetreue.

12.6 Man errichte ein Mandala mit neun Gliedern und zeichne das neunfache Schema. Zuerst setze man ein Svastika-Zeichen mit acht Blättern.

12.7 Danach füge man drei Linien und anschließend die Kala-Blätter hinzu. Man zeichne das Erdhaus in Rot, den vorgeschriebenen Linien entsprechend. [Die Variante nennt statt „rot“ die Wurzel.]

12.8 Danach erkenne man die sechzehnteilige Form und bereite das Svastika-Zeichen. Im Osten setze man Kama-Bija, Shri-Bija, Prasada und Pranava.

12.9 Auf den Blättern vom Osten an setze man das mit „sa“ endende, mit Bindu versehene Zeichen und das Indra-Zeichen; auf den äußeren Blättern Smara, mit Strahl und Bindu verbunden. [Ein Teil der Lautbeschreibung ist unklar.]

12.10 In jede Ecke setze man Narasimha. Man zeichne mit Kurkuma oder kühlenden Stoffen, rotem Ocker, Safran oder Rochana.

12.11 Das große Yantra kann auch mit Sandelholz gezeichnet werden, mit Nagaja und Blüten, niemals jedoch mit Kusha-Gras. [„Nagaja“ ist hier nicht sicher bestimmbar.]

12.12 Nachdem man es gezeichnet hat, verehre man dort Shambhu zusammen mit Uma. Ein Verständiger soll Shambhu niemals von Gauri trennen.

12.13 Eine Verehrung, die beide trennt, wird fruchtlos. Das Arghya-Gefäß fertige man aus Gold oder aus dem als Bilvamitra bezeichneten Material,

12.14 oder aus Kupfer; es soll zwölf Fingerbreiten messen. [Die folgende Angabe zu einer Fingerbreite und zur Gefäßform ist verderbt.]

12.15 Muschelhorn, Silber- und Steingefäße soll man meiden. Empfohlen wird ein Gefäß aus Bhadradaru-Holz oder Mango-Holz. [Der letzte Zusatz ist unsicher.]

12.16 Nun beschreibe ich die alle Sünden vernichtende Meditation: Er ist vierarmig und dreiäugig; rechts trägt er den Dreizack,

12.17 links die kleine Trommel; außerdem zeigt er Furchtlosigkeit und Gnade, Geliebte. Er ist weiß, trägt weiße Gewänder und eine Krone aus verfilzten Haaren.

12.18 Drei Schlangenketten schmücken ihn, dazu die Juwelen der Schlangenhäupter. Er besitzt alle glückverheißenden Merkmale und strahlt in Schönheit.

12.19 Dieser Gott nimmt alle Sünden fort; Brahma und die anderen preisen ihn. Götter, Danavas und Gandharvas verehren den bezaubernden Herrn.

12.20 In seiner Nähe verehre man Virupaksha, Hara, Vishnu und Mahesha. Auf den Blättern verehre man Asitanga und die übrigen, außerhalb davon Shrikantha und die weiteren Gottheiten.

12.21 Außen verehre man die sechzehn Kalas zusammen mit den Shaktis Brahmi und den anderen; ferner die acht Schätze, darunter Shankha und Padma, und vor ihnen Brahma.

12.22 Kandarpa, Hara, Bhima, Nandisha, den Stier sowie Rama und die weiteren Gottheiten verehre man ringsum; ebenso die Planeten und die Hüter der Himmelsrichtungen.

12.23 Danach verehre man mit den Dienstgaben und den jeweiligen Strophen. Man bringe Speisen, Trinkwasser und die Shri-Frucht dar,

12.24 Datteln, Palmfrüchte, Granatäpfel, Jackfrüchte, Modaka-Süßigkeiten, Milchreis und im Winter gereiftes Getreide.

12.25 Sesam, Masha-Bohnen, Mungbohnen und Kichererbsen soll man meiden; ebenso die als Asvara und Narara überlieferten Gewächse sowie runden Flaschenkürbis. [Die Varianten nennen Linsen, Wildreis und Mangoknospen; die Liste ist beschädigt.]

12.26 Ferner werden weiße Aubergine, Potika, Kalambika, Shimbi, Karki, Mana, Kavira und Madhuka genannt,

12.27 auch weißer Senf, Kalashaka und Somashaka sind zu meiden. Chandra-Gemüse, Chandrabimba, Agravaktra und Prarohaka werden ebenfalls aufgeführt.

12.28 Wisse, dass dies die Gemüsearten sind. Höre nun die Fleischarten, Geliebte: Vardhrinasa, Antilope, Hase und Salaka,

12.29 ferner Waranfleisch gelten als geeignet und werden zum Verzehr dargebracht. Eber, Schildkröte und schwarzer Ziegenbock,

12.30 Elefant, Kala, Kalajava, Büffel und Nashorn dagegen sind sorgfältig zu meiden. [Einige Tierbezeichnungen sind nicht sicher identifizierbar.]

12.31 Sulonka, Rebhuhn, Shama, Chaunika, Sarari, Taube und weiße Haustaube,

12.32 der Vogel Vardhrinasa, Vandaki, Hausgans, Tittibha, Raktapuchchha, Harita und Waldhuhn,

12.33 ferner der gefleckte Reiher, Navya, Wachtel und der rotschnäblige Vogel:

12.34 Diese Fleischarten gelten als geeignet. Höre nun, welche zu meiden sind.

12.35 Die große Taubenart, Chakora, Reiher, Pfau, Datyuha und Haushuhn,

12.36 Kalavinka, Sharika, Koyashti und pickende Vögel; ferner meide man den Vaidalika-Fisch, Rajiva und Madgura.

12.37 Praushtika, Hairuka und Chandra dagegen verwende man sorgfältig; ferner Kuvankuta, Schwimmfußvögel und den gefleckten Reiher, Geliebte. [Die Listen enthalten widersprüchliche Zuordnungen, die hier nicht harmonisiert werden.]

12.38 Die Fische Takra, Shona, Harita und Chitraka soll man Shambhu sorgfältig als Speise darbringen. Höre weiter, Geliebte.

12.39 Maricha, Raktaka, Palanga und Manaka sind zu meiden; Shastaka, Vikira, Varvashaka und Vritraka,

12.40 Punarnava, Rajiva, Lakala, Jackfrucht, Vritrika, Puchumarda und Hinamochika

12.41 sind die empfohlenen Gemüse, die man darbringen soll, Shankari. Welche Blüten gegeben und welche gemieden werden sollen,

12.42 höre nun zusammenfassend, du Freude meines Herzens. Wasserblumen und Oleanderblüten dürfen gegeben werden.

12.43 Man bringe Tamala- und Amalaki-Blätter, beide Tulasi-Arten, Dronapushpa, Nala, Hibiskus und Simhasya dar,

12.44 die beiden Rudrajata-Arten und beide Malati-Arten, Mallika, Champaka, Ashoka, Punnaga und Nagakeshara.

12.45 Sandhyavaktra, Kapushpa und Munipushpa bringe man dar. Ketaki, Bandhujiva, Shirisha und Bakula,

12.46 weiße Kanchanaka, weiße Sinti, Mango, Maghya, weißer Ashoka und Karnikara dagegen sind zu meiden.

12.47 Man bringe eine Girlande aus tausend mit Sandelholz bestrichenen Blüten dar. Eine Shiva-Girlande wird mit eintausendacht Blüten dargebracht.

12.48 Girlanden mit seitlichen Knoten, die als Knoten an meinem Herzen gelten, soll man bei allen Gottheiten meiden; ebenso dreifarbige Girlanden.

12.49 Man gebe keine ganz rote, ganz weiße, ganz schwarze oder ganz gelbe Girlande, du Gelübdetreue.

12.50 Am weißen Ende stehen Rot und Gelb, bei Rot und Gelb Schwarz. Rot mit Schwarz soll man nicht geben, ebenso kein Gelb in Weiß. [Die Farbanordnung ist widersprüchlich beziehungsweise unklar überliefert.]

12.51 Eine Halsgirlande misst eine Armlänge; auch die doppelte Länge wird genannt. Die Shiva-Girlande misst eine Armlänge; eine weitere Angabe lautet „viergliedrig“ und bleibt unklar.

12.52 Eine Halsgirlande von zehn Fingerbreiten bringe man dar, große Herrin. Wasserblumen soll man entsprechend ihrer Eignung von der Girlande ausschließen. [Die genaue Einschränkung ist unsicher.]

12.53 Bei einer Girlande aus Bilva-Blättern gibt es keine festgelegte Blätterzahl. Man messe sie nach Ellen; vier Ellen gelten als vortrefflich.

12.54 Ferner nennt der Text hundertacht Ellen, acht Ellen, fünfundzwanzig, als geringstes Maß zehn und außerdem sechzehn Ellen. [Die Rangfolge dieser Maße ist beschädigt.]

12.55 Oder man fertige sie in Armlänge, keinesfalls kürzer. Bei anderen Blättern verursacht die Zahl keinen Fehler.

12.56 Man fertige sie bis zur Armlänge und mische die Blätter nicht. Eine für Shankara aus fünf Blattarten gefertigte Girlande ist jedoch nicht fehlerhaft.

12.57 Eine Girlande aus Wasserblumen wird ebenfalls als Shankara-Girlande bezeichnet. Tulasi, Bilva, Kahlara, Dhatri-Blätter und Tamala:

12.58 Aus diesen fünf Arten von Blüten beziehungsweise Blättern fertige man gesammelt eine Girlande und bringe sie Shiva in der Nacht des vierzehnten Mondtages dar.

12.59 So erlangt man die volle Frucht des vierzehnten Tages, Geliebte. Man verwende niemals Holz, Bambus oder Haare. [Der Satz nennt den Verwendungszweck nicht ausdrücklich.]

12.60 Am vierzehnten oder achten Mondtag bringe man eine Bilva-Girlande dar. Eine hundert Ellen lange Gabe schenkt königlichen Wohlstand.

12.61 Eine zehn Ellen lange Gabe schenkt beweglichen Wohlstand. [Die Lesart ist auffällig; möglicherweise ist beständiger Wohlstand gemeint.] Man bringe Shiva eine hundert Ellen lange Tulasi-Girlande dar.

12.62 Dann schwindet augenblicklich die in zehn Geburten begangene Sünde. Gesammelt bringe man eine Girlande aus rotem Oleander dar.

12.63 Eine ellenlange Lotusgirlande erfüllt alle Wünsche und schenkt die erhabene Frucht des Rajasuya-Opfers.

12.64 Eine ganz weiße Malati-Girlande darf man gesammelt darbringen. Bei einer Girlande aus Jati und Yuthi gilt völlige Weiße dagegen als Fehler.

12.65 Man bringe Shiva eine aus Bilva gewonnene duftende Paste dar, ferner Sandelholz vom Malaya-Berg oder eine mit Bhrigu verbundene Mischung. [Die letzte Stoffangabe ist unklar.]

12.66 Sorgfältig bringe man die vorzügliche Salbe oder eine Mischung zu vier gleichen Teilen dar; auch eine Mischung zu zwei gleichen Teilen, niemals jedoch nur einen Einzelstoff.

12.67 Malaya-Sandelholz, Somaka, Agaru und Moschus heißen die Mischung zu vier gleichen Teilen. Für die zweiteilige Mischung wird schwarzes Agaru genannt. [Der zweite Bestandteil fehlt hier.]

12.68 Sandelholz, Ushira und Agaru gelten als Mischung zu drei gleichen Teilen. Agaru gebe man nicht allein, sondern zusammen mit Guggulu.

12.69 Oder man gebe Siddhaka, mit Sarja-Harz verbunden. Auch Nishava, Krishtaka, Kushita und Gandhamuramada werden genannt. [Diese Stoffnamen sind unsicher überliefert.]

12.70 Die Einreibung mit Pulver vollziehe man täglich oder nach sieben Tagen. Die Salbung erfolge mit Sesamöl, Fett oder Ghee.

12.71 Ghee, Sauermilch und Milch vom Büffel meide man. Mit Pulver aus Shali-Reis und mit Gerstenmehl, Shankari,

12.72 vollziehe man danach die Einreibung und bade Shiva mit Honig. Das erste Bad erfolgt mit Wasser, danach mit Milch.

12.73 Dann folgt das Bad mit den fünf Nektaren oder frischem Zuckerrohrsaft. Man bade mit einer Lösung von Rohzucker und lasse einen Milchstrom fließen.

12.74 Danach vollziehe man das Krugbad mit eintausendacht Krügen. Die mittlere Form umfasst hundert, die geringste fünfundzwanzig.

12.75 Von jedem Stoff verwende man tausend Pala, um Shiva zu baden; die mittlere Menge beträgt hundert, Göttin, die geringste fünfundzwanzig.

12.76 Man bade ihn mit warmem Wasser entsprechend der Wasservorschrift. Danach folgen das Arghya-Bad und erneut das Wasser aus dem Varuna-Krug.

12.77 Bei Kälte gebe man warmes Wasser; am Jahresende meide man es. Man bade ihn mit dem Astra-Mantra, Göttin; dies ist die Vorschrift des großen Bades.

12.78 [Die Anweisung für den Ablauf nach einem Monat, mit Erwähnung von Kuhurin beziehungsweise einer abweichenden Lesart, ist verderbt.] Wenn die Zeit des Schlafens gekommen ist, verwende man kein heißes Wasser, Geliebte.

12.79 Man bürste nicht nachts. Am Ende oder in der Mitte einer Monatshälfte beziehungsweise am Monatsende bürste man, große Herrin, meine Schöne. [Die zeitliche Abgrenzung bleibt unsicher.]

12.80 Man verwende dafür keine Yakschweife, Kuh- oder Pferdehaare, niemals auch Schweineborsten.

12.81 Niemals verwende man Holz, Bambus oder Menschenhaar. Morgens bade man das Linga und danach zur Mittagszeit.

12.82 Nachts bade man es mit Wasser und anschließend mit Milchströmen. Zur Mittagszeit, im letzten Tagesabschnitt und nach Abschluss der großen Verehrung

12.83 soll man Mahadeva in Lingas oder Bildgestalten nicht baden. [Die Zeitangaben widersprechen teilweise 81.] Mit sieben Bilva-Blättern oder fünf Blättern reinige man ihn.

12.84 Man bade ihn niemals mit trockenem Kusha-Gras oder Silberwasser. Mit Kokoswasser und Honig darf man den Gott baden.

12.85 Mit fester Hand bade man den Herrn der Götter bei Tag und Nacht. Aus den Fasern eines Lotusblattes oder aus Baumwollstoff

12.86 fertige man einen vier Fingerbreiten langen Docht, Geliebte. Man entzünde die Lampe mit Sesamöl oder Ghee und stelle ringsum fünf Lampen auf.

12.87 Man verehre niemals mit nur einer oder mit drei Lampen. Zur Zeit des Bades und der Speisung, am vierzehnten und achten Mondtag,

12.88 betrachte man ihn um Mitternacht; nach der Verehrung berühre man ihn keinesfalls. Man warte so lange, wie das Melken einer Kuh dauert; der abschließende Zeit- oder Maßzusatz ist beschädigt.

12.89 Wenn am Tagesende Neumond auf einen Montag fällt, und am dreizehnten Tag des Pausha, soll man Divyesha keinesfalls berühren.

12.90 Im ersten Zeitabschnitt verehre man Divyesha, im zweiten Chandrabhairava, im dritten den Feind Kamas, im vierten Vikambana,

12.91 im fünften Gopeshvara. Diese Namen verehre man einzeln oder gemeinsam, jeweils mit abschließendem „Verehrung“.

12.92 Die Verehrung wird mit jedem einzelnen eigenen Namen beschrieben. Wenn der Vollmond des Magha im Mondhaus Magha steht,

12.93 gehe man besonders zum Linga Pashupati, mit Körper, Rede und Geist ganz ihm zugewandt, ohne den Geist auf anderes zu richten,

12.94 frei von allen Gegensatzpaaren, frei von leidenschaftlicher Anhaftung und dem großen Fest beziehungsweise dem großen Gelübde hingegeben. Dort steht der schöne Banyan-Wunschbaum, in dem Janardana selbst gegenwärtig ist.

12.95 Man umschreite ihn siebenmal mit gesammeltem Geist. Sein Anblick befreit von der Sünde, die in sieben Geburten entstanden ist.

12.96 Man erlangt großes Verdienst und den ersehnten Weg, Shankari. Wer am dritten Tag des Vaishakha den Divya genannten Gott schaut,

12.97 wird von allen Sünden frei und gelangt in Shivas Welt. Wer am vierzehnten Tag des Karttika den Gott mit dem Bogen Pinaka schaut,

12.98 erhebt einundzwanzig Generationen seiner Familie und wird in Brahmas Welt geehrt. Welche Frucht durch sämtliche Gaben, Gelübde und Selbstverpflichtungen entsteht,

12.99 diese Frucht erlangt der Mensch, der das Linga auch nur einmal schaut. Wer es schaut, die Hände faltet und sich lang ausgestreckt niederwirft,

12.100 erlangt die Frucht von tausend Pferdeopfern, Shankari. Wer das Linga schaut und sich verneigt, erlangt die schwer erreichbare Befreiung.

12.101 Von Sünden befreit, mit geläutertem Selbst, erfreut er sich hundert mal zehn Millionen Weltalter, erfüllt von höchster Herrlichkeit und allen beglückenden Eigenschaften.

12.102 Auf einem strahlenden Himmelswagen, der alle Wünsche erfüllt, erhebt er einundzwanzig Generationen seiner Familie und gelangt in Shivas Stadt.

12.103 Dort genießt er hundert Weltalter lang bezaubernde Freuden mit Gandharvas und Apsaras und wird selbst vierarmig wie Shiva.

12.104 Von dort herabkommend wird er hier in einer vortrefflichen Brahmanenfamilie geboren, allwissend, wahrhaftig und frei von Neid.

12.105 Seiner eigenen heiligen Aufgabe ergeben, friedvoll, selbstbeherrscht und am Wohl der Wesen erfreut, übt er die Erkenntnis Shivas ein und erlangt dann Befreiung.

12.106 Wer die Pilgerhandlung in Ashvatirtha vollzieht und Divyesha verehrt, Shiva-Göttin, dessen Wünsche erfüllen sich; daran ist nicht zu zweifeln.

12.107 Fußspur beziehungsweise Stellung, Dreizack, Schwert, Rochana und Edelstein, Quecksilber, Lebenselixier, Sandalen und Augensalbe,

12.108 schwarzes Antilopenfell, Tadhaka, rotes Arsenerz, Wassergefäß, Gebetskette, Stab und Ajivana werden genannt, große Herrin. [Mehrere Gegenstände sind nicht sicher lesbar.]

12.109 Man ergreife die vollendete Vidya mit ihren Gliedern; die anschließende Monats- oder Gottesbezeichnung ist beschädigt. Wenn der dreispitzige Gegenstand von Wogen lodernder Feuerfunken bewegt wird,

12.110 verbrennt er, einmal verehrt, die in Millionen Geburten entstandene Schuld. In Gift gelegt vernichtet er das Gift; am Körper befindlich vernichtet er Aussatz, so die historische Verheißung.

12.111 Selbst nach der Tötung eines Ungeborenen und ähnlichen Vergehen kennt man bei Divya keinen Kummer. Bei von mächtigen Besessenheitswesen Ergriffenen stelle man sich ihn flammend vor.

12.112 Dann weichen die schrecklichen Besessenheitswesen rasch; die einleitende Verbform ist unklar. Kinder werden an Gliedern und Haaren beständig geschützt.

12.113 Er vernichtet gewiss auch die als „Gandamedakamrita“ überlieferte Krankheit oder Gefahr. [Die Lesart ist bereits in der Vorlage fraglich.] So groß ist dort die Macht des Gottes der Götter, Shankari.

12.114 Zur Überwindung von Krankheit vollziehe man ein Feueropfer mit Ghee und Milch. Einen Monat lang zu den drei Tagesübergängen ausgeführt, soll es alle Krankheiten vernichten.

12.115 Man umschreite Shiva, überschreite jedoch nicht die Abflusslinie. Wer sie überschreitet, zieht die Schuld des Brahmanenmordes auf sich.

12.116 Man gehe nach Süden, berühre das Badewasser und kehre dann dort um; bis zu jener Grenze halte man sich auf. [Die genaue Wegführung ist sprachlich unsicher.]

12.117 Man komme wieder zurück und verneige sich dort. Ein Verständiger vollziehe die Verneigung, nachdem er vor ihm die Umschreitung ausgeführt hat.

12.118 [Die anschließende Abgrenzung gegenüber der Umschreitung anderer Gottheiten ist beschädigt.] Die abgelegten Opfergaben und Speisen eines Jyotirlingas, höchste Herrin,

12.119 dürfen gegessen werden, nachdem man sie Hara als Herrn des Tantra dargebracht hat. Bei anderen aufgestellten Shambhu-Lingas, schönangesichtige Göttin,

12.120 werfe man Speisegaben und abgelegte Opfergaben in Brunnen. Selbst durch eine Bilva-Frucht droht Verderben; darum meide man dies. [Der Bezug der letzten Warnung ist unsicher.]

12.121 Vishveshvara, Nilakantha, der Kama genannte Berg, Someshvara, Kedara, Manisha und Kameshvara,

12.122 ferner Pashupata, Nitya, Vyomesha, Nageshvara, Divyesha, Jalpisha, Nandisha und Kakudeshvara,

12.123 das Linga Krittivaseshvara und das Linga Kaurakeshvara, das große Linga Chyavana, Kotisha und Siddhinayaka,

12.124 Champakesha, Virupaksha, Vyadhesha und Vrishadhvaja sowie die silbernen und zinnernen Formen: Sie alle werden als Jyotirlingas bezeichnet. [Die letzten Namen beziehungsweise Materialangaben sind unsicher.]

12.125 Monat für Monat veranstalte man am vierzehnten und achten Mondtag eine Prozession. Man bringe die Gottheit zum Saugava-Tirtha und bade sie mit dem dort bezeichneten Wasser. [Ortsname und Wasserbezeichnung sind beschädigt.]

12.126 Dort verehre man den Gott als Bildgestalt oder Linga. Wer ihn dort schaut, Mann oder Frau, erlangt alle Wünsche. [Die Vorlage liest wörtlich „ein Mann eine Frau“; der Zusammenhang legt die genannte Bedeutung nahe.]

12.127 Am dreizehnten Tag des Phalguna errichte man nahe dem Banyan-Baum eine Schaukel und verehre den Gott vorschriftsgemäß. Wer ihn dort schaut,

12.128 erlangt gewiss die Frucht von tausend Pferdeopfern. Zur Frühlings-Tagundnachtgleiche veranstalte man eine Prozession zum Nilachala.

12.129 Wer dort den friedvollen Shiva schaut, tilgt die Schuld des Brahmanenmordes. Man veranstalte die Prozession am Tage; die weitere Bedingung über Besitz und Sonnenlauf ist unklar.

12.130 Eine Prozession nachts, beim Eintritt der Dämmerung, gewährt unendliche Frucht. Am siebten Tag des Magha führe man die Gottheit nach Süden.

12.131 Mann oder Frau, die sie dort schauen, werden von allen Sünden frei. Während der vier Regenmonate, am vierzehnten Mondtag gegen Tagesende,

12.132 wenn die Sonne schwach geworden ist, führe man sie zum Chakra-Heiligtum und zeige den göttlichen Wagen. Wer sie dort schaut, erhält Anteil an Befreiung.

12.133 Man schaue sie danach in einem Boot am Lauhitya, große Herrin. Welche Frucht die Gabe von hundert braunen Kühen in Pushkara schenkt,

12.134 diese Frucht schenkt der Anblick Shivas im Boot während der Regenzeit. Welche Frucht die Verheiratung von hundert Mädchen schenkt, wenn die Sonne im Steinbock steht,

12.135 diese Frucht schenkt der Anblick Shivas in der Sänfte, Shankari. Welche Frucht dem vorschriftsgemäßen Bali-Opfer zugeschrieben wird,

12.136 diese Frucht schenkt der Anblick Shivas auf dem Nilakuta. Welche Frucht die Gabe von hundert goldenen Nishka-Münzen gewährt,

12.137 diese Frucht erlangt man, wenn man Shambhu am Nagara-Ufer schaut und sich verneigt. Am fünften und zehnten Mondtag, am Neumond und bei Finsternissen,

12.138 bei brennender Erde und Erdbeben unterlasse man eine Shiva-Prozession. Die anschließende Warnung kündigt Vernichtung von Sitz beziehungsweise Besitz und Getreide an; ihr genauer Wortlaut ist beschädigt.

12.139 Am Ende der Verehrung, während der Prozession sowie bei täglichen und anlassgebundenen Riten verehre man mit jeder einzelnen Blume und dem nun folgenden Mantra:

12.140 „Verehrung Bhava, Rudra, Sharva und dem Gabenspender! Verehrung dem Herrn aller gebundenen Wesen; dir, Divyesha, sei Verehrung!

12.141 Dem die drei Alter Durchdringenden, dem Dreiköpfigen, dem Träger des herrlichen Dreizacks, Tryambaka, dem Dreiäugigen, dem Mächtigen: wieder und wieder Verehrung!

12.142 Verehrung dem Gewaltigen, dem Kahlköpfigen, dem Träger des goldenen Stabes, dem Stabträger, dem mit spitzen Ohren und dem Wunschjuwel!

12.143 Verehrung dem verehrungswürdigen Chandikesha, dem Weißen, dem Stier, dem Roten, dem Rauchfarbenen und dem Lotusgleichen: wieder und wieder Verehrung!

12.144 Verehrung dem, dessen Wesen das Wirken ist, der auf Leichenstätten weilt; Verehrung dem Gepriesenen, dem Verborgenen, dem Herrn der Hirten: wieder und wieder Verehrung!

12.145 Dem Allumfassenden, dem alles Verzehrenden, dem Inneren aller Wesen; dem Ältesten, dem Proshtha und Gopesha: wieder und wieder Verehrung! [„Proshtha“ ist hier als Beiname nicht sicher deutbar.]

12.146 Verehrung dem Erwachten, dem Gewaltigen, dem, der das Teilen liebt, dem fünfgliedrigen Vogel, Divyesha: wieder und wieder Verehrung! [Das Vogelbild ist textlich unsicher.]

12.147 Verehrung dem Herrn des Opfers, dem Vollbrachten und dem Ursprünglichen, dem Träger des Opfers, dem Stab, Divyesha: wieder und wieder Verehrung!“

Kolophon: Damit endet der zwölfte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Dreizehnter Paṭala

13.1 Der erhabene Herr sprach: Nun will ich weiter sprechen. Höre die Frucht von Ashvatirtha: die Frucht des Bades, der Gaben und des Anblicks der Gottheiten.

13.2 Man gehe zum See der Champavati am Zusammenfluss mit dem Divyapura. Rein und nach Norden gewandt verneige man sich vor der Pilgerstätte, schon aus der Ferne.

13.3 Mit gefalteten Händen tauche man unter und spreche diesen Mantra: „Versunken im Ozean des Daseins, von Sünde ergriffen und ohne Einsicht,

13.4 bitte ich dich: Rette mich, Zerstörer von Bhagas Augen, Feind der drei Städte! Verehrung dir! Verehrung dem friedvollen Shiva, der alle Sünden fortnimmt!

13.5 Ich vollziehe das Bad, Herr der Götter; meine Sünde möge schwinden!“ Im Wasser bis zum Nabel stehend, bringe der Verständige vorschriftsgemäß den Göttern und Ahnen

13.6 sowie den Rishis ein Trankopfer mit Sesam und Kusha-Gras dar. Danach erhebe er die Arme, trete heraus und bringe Arghya dar.

13.7 Mit dem Hamsa-Mantra und Oleander vollziehe man die Verehrung. Dann gehe man zum Manasa südlich des Kubera-Berges.

13.8 Kandarpa, Kubera und Nandin sind dort als drei Steine gegenwärtig. Dort liegt ein Becken mit klarem Wasser, als Shivas Höhlung bekannt.

13.9 Durch ein Bad dort besteht keinerlei Furcht vor Alter und Tod. „Herr des Shiva-Manasa, was ich an Unrecht getan habe,

13.10 [das tilge], während ich im reinen Wasser des vortrefflichen Manasa-Beckens bade!“ [Das Verb ist im überlieferten Gebet nicht ausgedrückt.] So bade man vorschriftsgemäß und sättige seine Ahnen mit Trankopfern.

13.11 Danach gehe man zum König der Pilgerstätten, bade und sättige die Ahnen. „Du bist das Wasser, Herr der Flüsse, vortrefflichste Ursache der Welt.

13.12 König der Pilgerstätten, Verehrung dir! Rette mich aus dem Ozean des Werdens!“ Mit diesem Mantra bade man und bringe die Gabe dar.

13.13 Östlich des Govinda-Berges, im südlichen Bereich, große Herrin, liegt das Varanasi-Becken, acht Bogenlängen messend.

13.14 Wer dorthin geht und daraus trinkt, reinigt seine Familie bis zur siebten Generation. „Aus den Meeren wurde das Wasser geschöpft und in dir vereinigt.

13.15 Vortrefflicher See Varanasi, nimm meine Sünde fort! Verehrung dir!“ Mit dem Mantra bade man vorschriftsgemäß und bringe Arghya für göttliche Fülle dar.

13.16 Wer im Varanasi-See badet und Divyesha verehrt beziehungsweise schaut, wird von allen Sünden geläutert und gelangt in die Wohnstatt der Götter.

13.17 Danach gehe man zum Kama-See, bade und wiederhole den Kama-Mantra. Sorgfältig sättige man die Gottheiten des Pithas und alle Verwandten mit Trankopfern.

13.18 „Hochgesegnetes Kama-Becken, von den Göttern selbst geehrt! Gewähre unvergleichliche Wunscherfüllung und beschütze mich allseits vor Sünde!“

13.19 Mit diesem Mantra bade man und bringe Arghya dar. Nicht weit nordwestlich des Brahma-Berges

13.20 liegt ein fünfzehn Ellen messendes Becken, das alle Sünden vernichtet. Wer darin mit dem Mantra badet und den Gott Maheshvara schaut,

13.21 erlangt die Frucht von zehn Pferdeopfern. „Hier übte Markandeya, der hochverständige, vortreffliche Weise, Askese.

13.22 Du bist als Markandeya-See bekannt; nimm heute meine Schuld fort!“ Danach gehe man zum Wunschbaum und umschreite ihn einmal.

13.23 Man verehre ihn mit höchster Hingabe und spreche diesen Mantra: „Verehrung dem, dessen Wesen offenbar ist und der während der großen Weltauflösung fortbesteht,

13.24 dem über Mahendra Erhabenen, dem Banyan-Baum: wieder und wieder Verehrung! Du verheißt stets Unsterblichkeit, segensreicher Banyan, Wohnstatt Haris! [Die Vorlage kennzeichnet diese Gebetszeilen als zusätzlichen Text.]

13.25 Banyan-Baum, nimm meine Sünde fort! Wunschbaum, Verehrung dir!“ Man schaue den Gott Divyesha; Befreiung ist gewiss.

13.26 Man besteige den Mayura-Berg mit dem Gesicht nach Osten. Ein Aufstieg von Süden bringt große Furcht.

13.27 Wer nach Westen gewandt aufsteigt, wird sündig und krank; im Norden wird man reich, meine Schöne.

13.28 Man betrete das Gotteshaus, umschreite es dreimal und verehre den Gott Hara als Divyeshvara mit dem Wurzelmantra.

13.29 Danach bringe man achtgliedriges Arghya dar, verneige sich und bitte um Gnade: „Dreiäugiger, Verehrung dir! Mit Schlangen Geschmückter, Verehrung dir!

13.30 Rette mich, Virupaksha! Mahadeva, Verehrung dir!“ Am Markandeya-See und am Varanasi-See, Göttin,

13.31 lasse man vormittags das Haupthaar scheren; am folgenden Tag ist das Ahnenopfer vorgesehen. Wer in den Schatten jenes Wunschbaumes tritt, Parvati,

13.32 legt die Schuld des Brahmanenmordes ab; wie viel mehr andere Sünden! Man schaue die aus Krishnas Leib hervorgegangene erhabene Gestalt, dem Brahma-Wasser gleich,

13.33 Vishnu in Banyan-Gestalt, und verneige sich gesammelt. Man rezitiere das Shatarudriya oder einen anderen vedischen Text.

13.34 Yama, Matanga, Mayura, Govinda, Brahma, Paripatra und Subhadraka,

13.35 Soma, Vijaya, Naga, Nandana, Aditya, Kaseru, Manas und Manasa:

13.36 Diese Berge liegen der Reihe nach im mittleren südlichen Bereich. Weiter vorn im Osten liegen Nila und Kumuda,

13.37 Kartikeya, Bala, Balabhadra, Gaya, Vihaga, Shubhada und Makara. [Die Varianten nennen außerdem Gomedha, Gavaksha, Rama und Lakshmana.]

13.38 Kaseru, Madhuka, Kubera, Hari, Kuru, Dharmarupa, Kahala und Lona,

13.39 Kalinga und Karala sind die nördlichen Berge. Kamala, Kamadhenu, Hara und Makarandaka,

13.40 Rama, Lakshmana, Gomedha und Gavaksha werden am Lauhitya-Ufer, im Westen und den anschließenden Richtungen, genannt.

13.41 Im Norden liegt Syandana, im Westen Pishachaka, im Südosten Jalashaila und im Nordosten Rakshasachala.

13.42 Zusammengenommen werden fünftausend und dreihundert Bogenlängen genannt; hinzu kommen die nicht sicher zuzuordnenden Wörter „mit einer Hälfte“ und „tausend“ für das Varanasi-Gebiet. [Die Variante liest zwanzig statt dreihundert.] Höre nun vom inneren Heiligtum, Geliebte.

13.43 Vikumbhaksha wird im Norden genannt, Herrin der Götter. Malabhadra soll man nicht besteigen; dadurch würde man eine große Sünde auf sich laden.

13.44 Vom Nila-Berg bis Pishacha werden fünfhundert Bogenlängen gerechnet. Dies ist das innere Heiligtum, Göttin, das als Verkörperung aller Pilgerstätten gilt.

13.45 Was immer dort getan wird, heißt unvergänglich. Dort begangenes Unrecht, große Herrin, gleicht während eines Weltalters dem Brahmanenmord.

13.46 Wer zwischen dem Banyan-Baum und Mandara den Körper ablegt, erlangt zweifellos die schwer erreichbare höchste Befreiung.

13.47 Selbst wer dort ohne entsprechende Absicht sein Leben verliert, wird vom Leid frei und erlangt Befreiung.

13.48 Auch Würmer, Insekten, fliegende Kleintiere und andere Wesen in tierischer Geburt gelangen zum höchsten Ziel, wenn sie dort ihren Körper ablegen.

13.49 Die Stätte haftet nicht an der irdischen Welt, sondern liegt im Zwischenraum, bei Yamas Bereich. Unbefreite sehen sie nicht; Befreite schauen sie im Geist. [Die Ortsverknüpfung ist unsicher.]

13.50 Wer sie für vergänglich hält, zieht Schuld auf sich. [Die folgende, beschädigte Aussage beklagt, dass Menschen die von der Furcht des Daseins befreiende Stätte nicht aufsuchen.]

13.51 In diesem schrecklichen Kali-Zeitalter werden die Menschen stets der Sünde folgen, Göttin, und den Halt am Dharma verlieren.

13.52 Außer der Stadt Siddheshvari sehe ich im Kali-Zeitalter für die Wesen keine Sühne, die alle Sünden zur Ruhe bringt.

13.53 Welche Sünde in tausend früheren Geburten angesammelt wurde: Wer Bhadrapitha betritt, dessen gesamte Schuld geht zugrunde.

13.54 Sie wird vom Feuer Bhadrapithas verbrannt wie eine dem Feuer übergebene Festung. In tausend weiteren Geburten erlangt man einen verdienstvollen Weg. [Das Bild und der letzte Ausdruck sind unsicher.]

13.55 Besitz, der in Bhadrapitha, an einem anderen Pitha oder einer Pilgerstätte versunken ist, sowie früherer Besitz und das von einem Dieb Geraubte,

13.56 [werden in einem verderbten Satz mit unrechtmäßig erlangter Milch und mit dem Versinken an einer großen Pilgerstätte verbunden; eine zuverlässige Gesamtaussage lässt sich nicht herstellen]. Die Familie wird auf die jenseitige Welt bezogen.

13.57 Große Sünder und andere Menschen, die Unrecht getan haben, gelangen zum höchsten Ziel, wenn sie das innere Heiligtum erreichen.

13.58 Auf dem Yama-Berg befinden sich Dharmaraja und der Yama-Brunnen. Wer dort badet, gelangt in Brahmas Welt und sieht Yamas Wohnstatt nicht.

13.59 Man verehre Matangeshi, Matanga und Matangesha; auf dem Mayura-Berg Divyesha, Ganesha und den Gott mit dem Stierbanner.

13.60 Man verehre Narayana und Govinda, auf dem Brahma-Berg Trivikrama. Auf Paripatra weilt Durga; man verehre sie mit ihrem Mantra.

13.61 Auf Subhadra verehre man Kamapala, auf Soma Shiva als Someshvara, auf Vijaya den Jayanta Genannten; Naga trägt mein Kennzeichen.

13.62 Auf Nakula weilt Indra, auf dem Aditya-Berg der Herr beziehungsweise Rudranayaka. Auf dem Kaseru-Berg ist Yogisha, auf Manasa die segensreiche Manasa.

13.63 Auf Nila befindet sich Kameshvaris Yoni, auf Kumuda Purushottama. Auf dem großen Berg Kartika weilt der überaus gewaltige Herr.

13.64 Auf dem Vana-Berg ist Virupaksha, auf Nandabhadra Indra; auf dem Gaya-Berg befinden sich Gayashiras und Vishnus beide Fußspuren.

13.65 Auf Vihaga weilt Kamakhya als höchste Katyayani. Auf dem Krishna-Berg ist Krishna, auf dem Vana-Berg Vana.

13.66 Auf Varaha verehre man Varaha, auf dem Dharma-Berg Heruka, auf Subhadra den Blaugewandeten und auf Mandara Janardana.

13.67 Auf dem Kaseru- beziehungsweise Matanga-Berg weilt Bhuvaneshi. Auf dem Kubera-Berg, Lotusäugige, liegen zwei Höhlungen Shivas und Vishnus.

13.68 Auf dem Hari-Berg ist Shridhara, auf dem Kuru-Berg der Gott mit dem verfilzten Haar. Auf dem Dharma-Berg, am großen Opferpfosten, weilt die Göttin Kameshvari.

13.69 Auf Kailasa und im Dharma-Wald, große Göttin, [ist die genannte Gottheit gegenwärtig; die Variante nennt Mahabodhi auf Rudrachala]. Auf Lola ist Jambhakesha, im Linga Pashupatishvara.

13.70 Auf dem Karala-Berg weilt Bhuvaneshi, Herrin der Götter; auf Kamala das Kamala-Linga, auf Kamadhenu Keshava.

13.71 Auf Harakuta weilt Brahma, auf Makaranda Madhava. Auf dem Kama-Berg, in Anasuyas Einsiedelei, weilt Sita, Geliebte.

13.72 Auf dem großen Berg Nakula ist im Dharma-Anteil der Stammvater; auf Gomedha der Urgroßvater, auf Gavaksha der unvergängliche Vishnu.

13.73 Welche Frucht dreihundert Jahre rechter Yoga-Übung schenken, diese erlangt man südlich des Kama-Beckens.

13.74 Am vierzehnten Tag des Karttika verehre man Divyeshvara, Umas Gemahl, mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Speisegaben und Sandelholz.

13.75 Wer dort mit Gesang, Instrumentalklang und dem Hören des Dharma Nachtwache hält, gelangt zum höchsten Ziel.

13.76 Nördlich des Gottes liegt ein schöner Teich. Wer sein klares Wasser trinkt, wird nicht wiedergeboren.

13.77 Dandapani schützt dieses Wasser beständig. Auch ein Bereich von zehn Millionen Bogenlängen wird von den Führern der Ganas bewacht.

13.78 Nordwestlich des Somakuta steht in einer Höhle der Gott Krittivaseshvara; man soll ihn immer wieder schauen.

13.79 So erlangt man die hinüberführende Erkenntnis und den als ewig anerkannten Zustand. Wer den ewigen Zustand wünscht, soll dies beständig tun. Gesegnet sind sie, erfüllt ist ihr Lebensziel und erlangt die Frucht ihrer Geburt,

13.80 die das höchste Linga Divyesha in Bhadrapitha schauen. Sechzigtausend mal zehn Millionen und sechzig hundert mal zehn Millionen

13.81 schauen es in jeder Monatshälfte, am vierzehnten Tag und am Neumond. [Variante: am achten Tag; die großen Zahlen haben keinen sicher erkennbaren Bezug.] Westlich beziehungsweise südlich des Nila-Berges, du Gelübdetreue,

13.82 liegt das zweiundzwanzig Bogenlängen messende Gebiet Badarikashrama. Wer dort einen Augenblick verweilt, erlangt die Frucht aller Opfer.

13.83 Westlich davon liegt das Gebiet Dashashva. Ein Aufenthalt dort schenkt die Frucht von zehn Pferdeopfern.

13.84 Im nördlichen Bereich steht weiter nördlich die Sonne. Darum wird die Stätte unter Göttern und Menschen als Setuvarka besungen. [Der Name ist unsicher.]

13.85 Dort entstand ein Becken aus sämtlicher Strahlkraft. Es heißt Suryatirtha und vernichtet alle Befleckung.

13.86 Danach gehe man zum Gotteshaus und umschreite es dreimal. Man preise Nilakantha mit diesem Hymnus:

13.87 „Verehrung dem Salila genannten Linga, dem Ende der Weltalter, dem Träger des Linga, dem mit der Schädelgirlande, Divyesha: wieder und wieder Verehrung!

13.88 Verehrung dem Herrn der Gottheiten, Tryambaka und Hara, dem Bewohner der Mayura-Höhle, Divyesha: wieder und wieder Verehrung!

13.89 Verehrung dem Bewohner Kamarupas, dem Geliebten Umas, dessen Augen Mond und Sonne sind, Divyesha: wieder und wieder Verehrung!

13.90 Verehrung Rudra und Vasu, Verehrung dem im Ozean Ruhenden! Verehrung dem Gnadenspender, dem Erhalter: wieder und wieder Verehrung!

13.91 Verehrung dir mit dem Kristalllager und dem muschelbergweißen Leib! Verehrung den Armen, in denen Schädelstab, Dreizack und Trommel erstrahlen!

13.92 Dem, der in den Ganga-Wellen und Berghöhlen seine Wohnstatt nimmt, Gopeshvara, dem Gabenspender: wieder und wieder Verehrung!“

13.93 Am folgenden Tag gehe der Übende morgens zum Danda-See und bade vorschriftsgemäß mit diesem Mantra:

13.94 „Ich tauche in diesem Wasser des Dandatirtha unter …“ [Der Satz bricht nach einer Wendung über die aus der Geburt entstandene Schuld ab.] Schon durch ein Bad gelangt der Mensch in eine schreckliche Hölle. [So die widersprüchliche Lesart; vermutlich ist eine Verneinung oder eine andere Verbindung ausgefallen.]

13.95 Acht Bogenlängen nordwestlich des Hari-Berges liegt ein steinumgebenes Becken von fünfzehn Ellen Länge.

13.96 Östlich des Govinda-Berges liegt wiederum ein Govinda genannter Berg; unterhalb, auf gleicher Linie, befindet sich das Varanasi-Becken. [Die Wiederholung des Bergnamens ist auffällig.]

13.97 Wer in diesem Becken badet und den Gott mit dem verfilzten Haar schaut, wird selbst von schrecklichen, in sieben Geburten erworbenen Sünden frei.

13.98 Beide messen sechzehn Bogenlängen; acht Bogenlängen östlich davon liegt der Vasudeva-See. Ein Bad schenkt die Frucht eines Opfers. [Der Bezug des ersten Maßes bleibt unsicher.]

13.99 Östlich des Govinda-Berges verehre man den Gott Narayana. Danach gehe man zum Brahma-Berg und ehre dort die Brahmanen.

13.100 Südlich liegt der Amogha genannte See, neun Bogenlängen entfernt. Wer darin am neunten Mondtag badet, wird in Brahmas Welt geehrt.

13.101 Die höchste aller Pilgerstätten heißt Brahmatirtha. Ihre Ausdehnung wird mit acht beziehungsweise fünf Bogenlängen angegeben.

13.102 [Die Vorlage schiebt hier ohne Nummer zwei Strophen ein:] „Kashyapas große Pilgerstätte heißt Aditirtha. Wer im Adi-Becken badet und Divyesha verehrt, besonders am achten Mondtag, gelangt zum höchsten Ziel. Ahnenopfer, Gabe, Askese, Feueropfer und Darbringung von Ahnenklößen …“ Meditation, Askese und Selbstverpflichtung werden dort sämtlich unvergänglich. Östlich liegt der Bhaskara-See, zehn Bogenlängen entfernt.

13.103 Am Vollmond und am Neumond vollziehe man vorschriftsgemäß ein Ahnenopfer. In der Mitte befindet sich ein Stein in Indras Gestalt.

13.104 Auf ihm lasse man Ahnenklöße darbringen, besonders im Vaishakha. Danach folgt die vortreffliche Sarasvata-Pilgerstätte, sechzig Bogenlängen messend.

13.105 Wer dort badet, Göttin, erlebt keine Wiedergeburt. Der Amrita genannte See erstreckt sich über zweiundzwanzig Bogenlängen.

13.106 Ein Bad am großen Magha-Vollmond schenkt Vereinigung mit Vishnu. Danach folgt Kraunchatirtha mit acht Bogenlängen Ausdehnung.

13.107 Ein Bad im Frühlingsmonat Madhu, gegen Tagesende, schenkt Shivas Zustand. Danach folgt das strahlende Nandi-Becken, acht Bogenlängen ausgedehnt.

13.108 Wer darin badet, wird Nandi gleich und erlangt sogleich Rudras Wesen. Weiter oberhalb liegt der Rasaka beziehungsweise Vasaka genannte See, siebzehn Bogenlängen messend.

13.109 Wer darin badet und daraus trinkt, gelangt nicht in die Hölle. Ein Bad am dreizehnten Mondtag führt in Shivas Welt.

13.110 Danach gehe man zur Yamuna genannten, alle Sünden vernichtenden Stätte. Keine Pilgerstätte ist der Yamuna gleich; daran besteht kein Zweifel.

13.111 Östlich davon liegt das Hari genannte Becken; seine Entfernungs- und Winkelmaße sind beschädigt. Ein Bad schenkt die Frucht eines Opfers.

13.112 Der schöne Prayaga-See misst zwanzig Bogenlängen. Ein Bad am großen achten Mondtag schenkt die Frucht aller Pilgerstätten. [Variante: am großen Magha-Vollmond.]

13.113 Ein Bad an der Pilgerstätte Kanakhala führt zu Shivas Zustand. Sieben Bogenlängen östlich, südlich des Pushkara-Berges,

13.114 werden Shiva, Vishnu, Brahma und Ganesha im Zusammenhang mit dem Eintritt der Sonne genannt. Nordöstlich des Vishnu-Beckens und südwestlich des Banyan-Baumes liegt der Durga-Brunnen, sechzehn Ellen messend. [Der erste Satz ist unvollständig.]

13.115 Eine Frau, die Wasser aus diesem Brunnen trinkt, wird schwanger, verheißt der Text. Östlich, auf dem Naga-Berg, an der heiligen Purushottama-Stätte,

13.116 schaue man Janardana; südlich liegt Gayashiras. Das Gaya-Becken misst acht Bogenlängen, Göttin.

13.117 Man bade, sättige die Götter mit Trankopfern und ehre die Ahnen und Rishis. Frei von allen Sünden wird man auch von den drei Schulden frei.

13.118 Nordöstlich von Pishacha liegt der Ganga genannte See. Wer darin badet und das Linga verehrt, gerät nicht in die Furcht vor dem Sohn der Sonne, Yama.

13.119 Der östliche Nilachala-Berg heißt auch Madana. Wisse, dass südlich davon das Manasa-Becken liegt.

13.120 Zwölf Bogenlängen nordöstlich des Dharma-Berges schaue man Siddheshvaris Yoni in Gestalt eines roten Steines.

13.121 Man verehre sie am achten Mondtag und faste. Nicht weit, im weiter südlichen Bereich,

13.122 befindet sich eine schöne, papageienförmige menschliche Yoni. [Die Gestaltbeschreibung ist ungewöhnlich und möglicherweise beschädigt.] Wer im Kama-Becken badet, erlangt stets seine Wünsche.

13.123 Ein Bad in diesem Becken befreit von allen Sünden. Das Becken misst acht Ellen und liegt zwischen drei Steinen.

13.124 Morgens ist sein Wasser rötlichbraun, mittags milchgleich; daneben nennt die Vorlage für mittags salziges Wasser, nachmittags schwarzes.

13.125 Nachts ist das gesamte Wasser milchgleich; so wird dieses Wunder beschrieben. Der Abfluss des Kama-Beckens heißt Jatodaka.

13.126 Wenn eine Frau, deren Kinder gestorben sind, darin badet, soll ihr Sohn nicht mehr sterben. Südlich des Shiva-Beckens fließt der Himmelsfluss.

13.127 Wer sein klares Wasser trinkt, wird von der Bindung des Werdens frei. Der Strom, der inmitten des Vahnikuta aus dem Berg hervortritt,

13.128 ist als Narmada-Strom zu erkennen, der große Sünden vernichtet. Der westlich von Makaranda entspringende, über den heiligen Erdboden fließende Strom

13.129 ist Sarasvati; wer daraus trinkt, kann das Gehörte behalten. Der Strom des Vakrakuta heißt Gomati.

13.130 Wer darin badet und zur Brahma-Yoni geht, wird von Schuld frei. Nördlich davon liegen sieben Ströme, einundzwanzig Bogenlängen entfernt.

13.131 Am Ende von Varunas Höhlung liegen zwei Feuerbecken. [Variante: drei.] Wer im Varuna-Becken badet, erlangt Varunas Welt.

13.132 Östlich des Banyan-Baumes befindet sich Trivikrama, Göttin. Das Linga misst sieben Ellen und in der Länge zwei Ellen. [Die Maßrelation ist widersprüchlich überliefert.]

13.133 Seine Vorderseite ist leicht rötlich und im Osten erhöht, Geliebte. Nordöstlich davon, auf dem Vahnikuta, verehre man Shiva als Feuer.

13.134 Mit dem Feuer-Bija und verschiedenen Bandhuka-Blüten verehre man ihn. Man bade im Lauhitya-Wasser und besteige den Feuerberg.

13.135 Wer voller Hingabe Opfergaben darbringt, erfreut sich in Vishnus Tempel. Nordwestlich des Vahnikuta liegt ein schlangenförmiger Berg.

13.136 Dort weilt Sadashiva in Gestalt Chandabhairavas. Vor Bhairava liegt das Manasa genannte Becken.

13.137 Wer darin badet, kennt keinen Kummer; ein Sünder legt seine Sünde ab. An seinem Ufer liegt der vortreffliche, weite Berg Nanda.

13.138 Dort erfreut sich Ishana mit allen Götterscharen. Man verehre den Gott mit dem Stierbanner durch den einsilbigen Hamsa-Laut.

13.139 Ein von Gift Geschädigter soll giftfrei werden; ein beißendes Wesen lasse seinen Biss los. [Die zweite Verheißung ist unsicher.] Sieben Bogenlängen nordwestlich von Mayura

13.140 wisse man Ganesha gegenwärtig; man verehre ihn mit Laddu-Süßigkeiten und weiteren Gaben. Dann gehe man zum Himmelstor, nordöstlich von Kama.

13.141 Es misst acht Bogenlängen und liegt nördlich von Kumuda. Wer dort eine Nacht fastet, erlangt die Frucht der Schenkung von tausend Kühen.

13.142 Danach gehe man beherrscht nach Nandana. Nandana liegt nahe Mayura, drei Bogenlängen entfernt.

13.143 Wer Kotitirtha berührt, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers. Nördlich liegen Brahmasaras sowie ein als Gestalt der Kuh bezeichneter schöner See.

13.144 Wer Ashvagotirtha erreicht, wird schön geboren. Danach gehe man, große Herrin, zu Varahas zwei Becken. [Variante: drei.]

13.145 Dort weilte einst Vishnu in Ebergestalt. Man gehe am vierzehnten Mondtag dorthin, an die im Lauhitya gelegene Stätte.

13.146 Inmitten des Indrakuta liegt das berühmte Chandratirtha; auch Ekahamseshvaratirtha wird in der Mitte genannt.

13.147 Ein Bad dort schenkt die Frucht des Rajasuya-Opfers. Ein Bad in Ekahamseshvara gewährt die Frucht der Schenkung von tausend Kühen.

13.148 Südlich von Chakratirtha liegt, nach einer weiteren unsicheren Richtungsangabe, die Pilgerstätte Ramahrada, achtundsechzig Bogenlängen messend.

13.149 Sie wurde vom großen Rama, Jamadagnis Sohn, herbeigebracht. Dort wird man erfüllt, Göttin, und erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.

13.150 Durch seine gewaltige Kraft wurden fünf Seen in dem Gebiet angelegt. Man bade in diesen fünf Seen und sättige Ahnen und Götter mit Trankopfern.

13.151 So erlangt man die ersehnten Güter und den Himmel. Der Strom zwischen Ravi und Kandarpa ist Sarasvati.

13.152 Südlich fließt Yamuna, dazu die Ganga in Richtung Kuberas. Ein Bad am großen Magha-Vollmond schenkt die Frucht eines Bades in Prayaga.

13.153 Beim Eintritt der Sonne in ein Tierkreiszeichen, zu jeder heiligen Zeit oder bei Sonnen- und Mondfinsternis erlangt man die volle Frucht des Jyotishtoma-Opfers.

13.154 Danach gehe man zu Jaleshvara, Sadashiva in der Gestalt des Guru. Wer sich vor diesem Weltenherrn verneigt, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.

13.155 Man bade recht im Rama-See, schaue Hara als Jaleshvara und verehre Mahadeva, dem Fasten hingegeben.

13.156 So erlangt man die Frucht des Agnishtoma und gelangt in Shivas Welt. Danach gehe man nach Mayura, mit dem Gesicht nach Osten.

13.157 Mit einem einzigen Gewand bekleidet steige man langsam auf und rezitiere den Mantra. Mit jedem Schritt entsteht nach dem Dharma die Frucht eines Pferdeopfers.

13.158 Auf dem vortrefflichen Mayura-Berg ist kein anderer Weg erwünscht. Mayura, den höchsten der Berge, Hari in Berggestalt,

13.159 besteige der Mensch; so gelangt er in Brahmas leidfreie Welt. „Dem, der hundert mal zehn Millionen Weltalter besteht, dem Träger des Wunschbaumes,

13.160 dem einzigen Hort des Unsterblichkeitsnektars, Mayura: Verehrung dir!“ Nachdem ich den Mayura-Berg bestiegen, den südlichen Ozean

13.161 verehrt und geschaut habe, ist der Herr der Toten um seine Macht gebracht. „Verehrung dir, Sohn Brahmas! Verehrung dir, Sohn Shantanus!

13.162 Dir, der aus Amoghas Schoß geboren ist und die Ganga in sich trägt, sei Verehrung!“ Wenn ich den Mayura-Berg besteige und den Vihaga-Berg schaue,

13.163 „gewähre mir Brahmas haltlosen, von keiner Stütze abhängigen Bereich, vortrefflicher Berg!“ Nördlich von Divyajala befindet sich das aus dem Ozean Hervorgegangene. [Variante: aus Garuda hervorgegangen; der Satzanschluss ist beschädigt.]

13.164 Wenn man im Frühlingsmonat Madhu drei Ströme bei Gayashiras sieht, herrscht beständiger Wohlstand unter den Brahmanen, Herrin der Götter.

13.165 Wenn sein Strom nach Süden fließt, du Schöne, entsteht im Makara-Reich großes Wehklagen. [Der Reichsname ist unsicher.]

13.166 Wenn er nördlich von Divyamala und westlich von Mayura fließt, Herrin der Götter, herrscht Wohlstand unter den vier gesellschaftlichen Ständen.

13.167 Wenn sein Strom nach Süden gerichtet ist, du Schöne, wird ein Kshatriya-König in einer gerechten Herrschaft feststehen. [Die unterschiedlichen Vorzeichen werden wie überliefert wiedergegeben.]

13.168 Wenn das große Gewässer nahe Chaitratirtha fließt, wird nach fünf Jahren Jalpisha von als Mlecchas bezeichneten Fremden geprägt sein, Göttin.

13.169 Dann werden dort auch Yavanas und weitere Gruppen sein, große Herrin. Wenn das Wasser südlich davon liegt, folgt ein grausamer König.

13.170 Liegt es nur eine Sichtweite entfernt, wird der Herrscher überaus grausam. Dann meide man besonders den Aufenthalt in Bhadrapitha.

13.171 Wenn das große Gewässer eine Yama-Wegstrecke von Divyesha entfernt liegt, wird die Erde zweifellos ohne Ernte sein, Göttin.

13.172 Wenn das Gewässer eine Krosha von Mayura entfernt liegt, wird die Erde genussreich und überreich an Früchten sein.

13.173 Bei einer Entfernung von mehr als einer Krosha ist die Angabe über den „grausamen Anteil“ beschädigt, meine Schöne. Man gebe dem tugendhaften Lehrer vorschriftsgemäß das Honorar, bringe der Sonne Arghya dar und bewirte danach die Brahmanen.

Kolophon: Damit endet der dreizehnte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Vierzehnter Paṭala

14.1 Der erhabene Herr sprach: Nordöstlich von Divyajala fließt der Sita genannte Fluss. Wer darin badet, große Herrin, wird nicht in tierischer Geburt wiedergeboren.

14.2 Hetuka, Shringini, Ghora, Satya und Tapasi: Wo diese fünf Ströme zusammenkommen, führt ein Bad zum Himmel. [Die Vorlage vermerkt, dass diese Aussage in einigen Handschriften fehlt.]

14.3 Der östlich davon fließende Strom heißt Kapila. Ein Bad an einem heiligen Festtag tilgt die Schuld des Brahmanenmordes.

14.4 Er fließt fünf Yama-Wegstrecken und kommt von Chyavanas Einsiedelei. Er entspringt dem Kapota-Becken und wurde von Kapila herabgeführt.

14.5 Schon ein Bad am großen Magha-Vollmond lässt Brahmanis Welt schauen. Eine Krosha östlich davon fließt die Sarasvati mit dem Namen Divya.

14.6 Wer darin badet, wenn die Sonne im Steinbock steht, erlangt die Frucht aller Opfer; besonders an Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen und Übergängen der Sonne in ein neues Zeichen.

14.7 Ein Bad darin schenkt die Frucht eines Pferdeopfers, große Herrin. [Die Vorlage vermerkt das Fehlen dieses Halbverses in einer anderen Lesart.] Wenn der Strom nach Osten fließt, droht den Brahmanen Gefahr.

14.8 Fließt er nach Süden, gerät das Land in Not; fließt er nach Nordosten, entsteht eine große Seuche.

14.9 Wer östlich davon wohnt, dessen Leben ist fruchtbar. Wer westlich wohnt, erleidet Verlust an Geld und Getreide.

14.10 In einer Stadt oder einem Dorf, östlich dessen Flüsse liegen, Geliebte, soll man nicht wohnen; man meide es weiträumig.

14.11 Wenn der Fluss auf der westlichen Seite zu sehen ist, bringt das Bad dort Gedeihen von Lebenskraft und Wohlstand. [Die Lesart „Wind“ statt „Lebenskraft“ ist auffällig.]

14.12 Einen Fluss soll man nicht aufstauen, insbesondere keinen als weiblich verehrten Strom. Solange die Sperre auf Erden besteht, verfluchen die Flüsse die Familie des Urhebers.

14.13 Wer aus Unachtsamkeit eine Sperre errichtet hat, soll Sühne vollziehen. Wer im aufgestauten Flusswasser badet,

14.14 zieht zweifellos einen für alle Zeiten fortwirkenden Fehler auf sich. Im westlichen Bereich, nach Süden hin, höchste Herrin,

14.15 im Naga-Gebiet auf dem heiligen Erdboden, ist die Göttin Trigandaki bekannt. Allein durch ihre Verehrung erlangt man sämtliche Wünsche.

14.16 Östlich davon liegt der Berg Modaka, große Herrin. Wer dort Ganeshas Linga verehrt, erlangt Wohlstand.

14.17 Nördlich befindet sich Brahma, südlich der Kamala-Stein. Man verehre Mahamaya in Yoni-Gestalt, ganz der Hingabe zugewandt.

14.18 Eine halbe Yama-Wegstrecke nordöstlich davon fließt der berühmte Dviputra. Ein Bad darin führt zum Himmel.

14.19 Der Strom östlich des Dviputra heißt Tapini, höchste Herrin. Ein Bad darin vernichtet Sünde.

14.20 Eine Krosha östlich davon entspringt, abseits der Sarayu, der als Digvasa berühmte Fluss, der alle Sünden vernichtet. [Die Beziehung zur Sarayu ist sprachlich unsicher.]

14.21 Wer im Magha beziehungsweise unter den Zeichen Wassermann und Fische darin badet, meine Schöne, tilgt mit dem vorgeschriebenen Mantra die Schuld des Brahmanenmordes. [Die Vorlage liest anstelle von „Mantra“ das auffällige Wort „Tempel“.]

14.22 Wer als vortrefflicher Mensch am vierzehnten Tag der hellen Monatshälfte badet, erlangt die Frucht von zehn Pferdeopfern. [Die Nummer 22 steht in der Vorlage ohne abschließende Versstriche.]

14.23 Wer am Magha-Vollmond vorschriftsgemäß badet, gelangt in Brahmas Welt. Am Karttika-Vollmond, bei einer Finsternis, Sonnenwende oder Tagundnachtgleiche

14.24 erlangt man die Frucht aller Opfer und erfreut sich im Himmel wie ein Gott. Wer den ganzen Monat Karttika darin badet, höchste Herrin,

14.25 wird auf Erden beständig gesund, stark und berühmt. Am vierzehnten Mondtag, der auf einen Dienstag fällt, oder am vierten, der auf einen Samstag fällt,

14.26 befreit ein Bad in der Digvasa von der Bindung des Werdens. „Verehrung dir, Vernichterin aller Sünden, Reine, die klares Wasser führt!

14.27 Sei gnädig, du mit den glückverheißenden Strudeln; Verehrung dir, von Göttern Verehrte!“ [Es folgt eine beschädigte verschlüsselte Lautbeschreibung mit einem Ende, Ananta und zehnfacher Erweiterung.]

14.28 Mit Strahl und Bindu verbunden, himmelsgleich und siebenlautig wird die Formel beschrieben. Mit diesem Mantra bade man und bringe gesammelt Arghya dar. [Die Lautfolge wird nicht rekonstruiert.]

14.29 Voller Hingabe sättige man die Ahnen mit Trankopfern und vollziehe am folgenden Tag das Ahnenopfer. [Die Vorlage kennzeichnet den vorausgehenden Mantra-Abschnitt als zusätzlichen Text.] Danach lasse man das Haupthaar scheren und faste.

14.30 Diese überaus heilige Göttin wird von Göttern und Gandharvas aufgesucht. Die weltweit bekannte Digvasa ist die vorzüglichste Fluss-Pilgerstätte.

14.31 Digvasa, der höchste der Flüsse, entspringt Rudras Leib. Sie führt alle Wesen hinüber, auch die unbeweglichen, Shankari.

14.32 Ob im Dorf oder im Wald: Überall ist Digvasa heilig. Götter, Asuras, Gandharvas und die an Askese reichen Rishis

14.33 erlangten nach ihrer Askese dort höchste Vollendung, Herrin der Götter. Wer morgens badet, seine Regeln einhält und die Sinne beherrscht,

14.34 und eine Nacht fastet, führt hundert Familiengenerationen hinüber. Der vortreffliche Fluss soll sich über hunderttausend Yojanas erstrecken.

14.35 In der Breite wird er mit hundert Yojanas beschrieben, Herrin der Götter. Wer keusch und rein lebt, Zorn und Sinne beherrscht,

14.36 von jeder Gewalt ablässt, sich dem Wohl aller Wesen widmet und so nach dem Dharma handelt und Sünden meidet — [Die Vorlage liest im Ausdruck für „Wohl aller Wesen“ das auffällige Wort „Würfelspiel“; der Sinn ist hier entsprechend dem Satzkontext wiedergegeben.]

14.37 dessen Verdienstfrucht höre, Göttin, du Gelübdetreue. Dieses Wesen erfreut sich hundert Jahre lang im Himmel, Shankari,

14.38 spielt mit Apsaras, wird von himmlischen Frauen bedient, mit göttlichen Düften gesalbt und mit himmlischen Blumen geschmückt.

14.39 Es vergnügt sich in der Götterwelt und erfreut sich mit den Gottheiten. Nach dem Abstieg aus dem Himmel strahlt dieser rechtschaffene Mensch auf Erden.

14.40 Er erhält ein Haus, Göttin, mit himmlischen Edelsteinen geschmückt, mit kostbaren Edelsteinsäulen, Bannern und Lapislazuli-Zier.

14.41 Mit schönen Gemälden, Fahrzeugen, Dienerinnen und Dienern versehen, erstrahlt er als wohlhabender Meister der Rede, allen Frauen lieb.

14.42 Er lebt dort mehr als hundert Jahre, von Hirten beziehungsweise Beschützern umgeben. Am Zusammenfluss des Königs der Pilgerstätten erlangt er Lebensgenuss und Befreiung.

14.43 Der östlich davon fließende Strom ist Padmavati. Ein vorschriftsgemäßes Bad darin führt zu Ehren in Shivas Welt.

14.44 Ein Bad im hochheiligen Kanyashrama führt zum Himmel. Wer am zehnten Mondtag im Ashoka-Becken badet, höchste Herrin — [Variante: Soma-Becken] —,

14.45 dessen seit der Geburt angesammelte Sünde schwindet augenblicklich. Ein Mädchen, Somas Tochter, wurde von Chyavana aufgezogen.

14.46 Shankara entführte sie einst; darauf wurde sie von Gauri verflucht und blieb dort. Daher heißt die segensreiche, alle Pilgerstätten umfassende Stätte Kanyashrama.

14.47 Das Gebiet misst zwei Krosha, der Opferplatz die Hälfte davon. Das innere Gebiet erstreckt sich über zwölf Bogenlängen, große Herrin.

14.48 Auf der Steinfläche sind die Fußspuren Brahmas, Indras, Varunas, Rudras, Vishnus, Kraunchas und des Gana eingeprägt.

14.49 Brahmas Fußspur ist rot, Göttin; zwei Fußspuren werden mit einem weißen Schirm verglichen. Indras Spur ist dunkel, steinfarben, Geliebte. [Die Zuordnung der weißen Spuren ist unklar.]

14.50 Wenn Brahmas Fußspur weiß wird, droht ein Rückgang der Bevölkerung. [Die Vorlage kennzeichnet den vorausgehenden Satzteil als Zusatz.] Wenn Vishnus Fußspur rot erscheint, höchste Herrin,

14.51 droht dem Königreich Hungersnot; so wisse es, Geliebte. Nördlich davon befindet sich Rudras hochheilige Fußspur.

14.52 Das Gebiet gleicht Varanasi und schenkt Früchte wie Gaya. Darum vollziehe man hier die vorgeschriebene Handlung beziehungsweise die Viraja-Rezitation. [Die Lesart ist unklar; eine Variante lautet „meiden“.]

14.53 Wer im Lauhitya-Wasser badet und die Ahnen durch Trankopfer sättigt, führt sieben Geschlechterlinien und hunderteine Familiengenerationen hinüber.

14.54 Wer gerade in diesem Gebiet das Leben verlässt, wird in allen Welten geläutert und in Brahmas Welt geehrt.

14.55 Ob im Wasser, auf dem heiligen Boden oder im Luftraum, schönangesichtige Göttin: Wer die Pashupata-Erkenntnis erlangt hat und seinen Körper ablegt,

14.56 und auch die durch Erhängen Gestorbenen sollen das höchste Ziel erreichen. [Historische Heilsverheißung des Textes.] In diesem Gebiet, in Ekagra, am Lauhitya und in Viraja

14.57 vermeide man das Scheren des Haupthaares, Göttin, besonders auch in Gaya. Auf dem Siddhachala, große Herrin, gehe man westwärts

14.58 und verehre in einer Höhle sieben Lingas. Dort liegt auch die äußerst schwer zugängliche Pilgerstätte Naradas.

14.59 Schon ein Bad schenkt die Frucht der Gabe von tausend Kühen, Herrin der Götter. Dort übte einst der erhabene Narada Askese.

14.60 Maheshvara, der Gott der Götter, war über seine Versenkung erfreut. Der See wurde von Brahma geschaffen und heißt darum Brahmasaras. [Variante: Brahmeshvara.]

14.61 Wer dorthin geht, große Herrin, erlangt Brahmas Welt. Danach gehe man nach Ramatirtha; so befreit man die Angehörigen von Furcht.

14.62 Dann gehe man zu Maheshvari und erlange die Frucht früherer Geburten; danach zu Tamreshvara, der alle Krankheiten vernichtet. [Variante: Bhaseshvara.]

14.63 Schon durch ein Bad dort wird man von allen Sünden frei. Dann gehe man ostwärts zum vortrefflichen Pingaleshvara.

14.64 Ein Fasten während eines Tages und einer Nacht schenkt die Frucht eines dreitägigen Fastens. Wer an dieser Pilgerstätte eine braune Kuh verschenkt,

14.65 wird so viele tausend Jahre in Rudras Welt geehrt, wie diese Kuh und ihre Nachkommen Haare haben.

14.66 Wer dort sein Leben verlässt, große Herrin, erfreut sich unvergänglich im Himmel, solange Mond und Sonne bestehen.

14.67 Menschen, die bei den Siddhas Zuflucht nehmen und dort verweilen, gelangen befreit zum Himmel wie heilige, verdienstvolle Menschen.

14.68 Danach gehe man zu Dipeshvara; es folgen eine heilige Stätte und die unsichere Bezeichnung Dhana. Einst wurde der dort fließende große Strom von ihm umgelenkt.

14.69 Von Vyasa aufgehalten floss er darauf westwärts. Wer dieses Gebiet rechtsläufig umschreitet, große Herrin,

14.70 erfreut Vyasa und erlangt die ersehnte Frucht. Nordöstlich davon, achtzehn Pfeilschussweiten entfernt,

14.71 liegt das zwei Krosha messende vortreffliche Gebiet Ekamra. Dort weilt Shankara namens Naga an einer bezaubernden, von Nagas erfüllten Stätte: eine verborgene Pilgerstätte mit verborgenem Linga, von verborgenen Göttern verehrt und von verborgenen Scharen der Götter und Göttinnen umgeben. Unter dem Mangobaum liegt ein Becken, sechzehn Bogenlängen messend. [Die Nummer 71 umfasst hier mehrere überlieferte Strophen.]

14.72 Südlich davon liegt der Naga genannte See, Göttin. Auf dem heiligen Erdboden weilt der Gott Shankara, der höchste Herr,

14.73 wo Brahma und die anderen Götter, die an Askese reichen Rishis, Siddhas, Charanas, Gandharvas, Kinnaras und große Schlangenwesen versammelt sind.

14.74 Dort weilt Shankara namens Naga, von den Göttern verehrt. Östlich liegt Brahmasaras, nördlich Parvatis Banyan-Baum,

14.75 südlich das Vishnu-Becken und westlich die Dikkarayini. Das dazwischenliegende Gebiet ist wohlriechend und wenig bekannt.

14.76 Dann badete ich Shankara im vortrefflichen Fluss. Man bade in der Dikkarayini und berühre Parvatis Banyan-Baum.

14.77 Wer sich voller Hingabe vor Shankara verneigt, reinigt seine Familie bis zur siebten Generation. Tara, Mangala, Hamsa, nochmals Hamsa und Shravana-Vadana

14.78 werden als verschlüsselte Bestandteile des Mantras des Gottes der Götter angegeben, überliefert vom Rishi Garga. Sein Versmaß ist Anushtubh, seine Gottheit Bhava; entsprechend verwende man ihn. [Keine sichere Lautfolge ergänzt.]

14.79 Er trägt bunte Gewänder, ist dunkel und hat verfilztes Haar. Er hält Schädelstab und Dreizack und zeigt Gnade und Furchtlosigkeit.

14.80 Eine Schlange ist seine heilige Schnur, ein großer Stier sein Reittier. Er besitzt alle glückverheißenden Merkmale und ist mit allen Schmuckstücken geziert.

14.81 Zuerst verehre man Rama und die weiteren, Brahma und die weiteren, die Bhairavas Nishitanga und die übrigen sowie die Herren der Pithas; außen die Hüter der Himmelsrichtungen.

14.82 Danach preise man mit dem Mantra und bringe Honig und Milchreis dar. Nicht weit nördlich des Gottes

14.83 liegt die höchste Pilgerstätte Trishula. Ein Bad schenkt Befreiung. Dort vollziehe man die rituelle Begießung, der Verehrung von Ahnen und Göttern hingegeben.

14.84 Beim Verlassen des Körpers erlangt man zweifellos die Herrschaft über die Ganas. Sechzig Bogenlängen südlich von Trishulatirtha

14.85 verehre man das große göttliche Linga, Maheshvara als Kankakesha. Besonders im Monat Chaitra, in dessen dunkler Hälfte,

14.86 am achten Mondtag, erlangt man die Frucht eines Pferdeopfers. Das Scheren des Haupthaares meide man hier und in Kanyashrama,

14.87 am Lauhitya, am Shona, an der Ganga und in Viraja. Dann gehe man zum Kula-Gebiet, dem schwer zugänglichen Gebiet der Göttin.

14.88 Dort weilt die Göttin Shakambhari, deren Wesen die Yoni-Mudra ist. Die höchste Herrin befindet sich nordöstlich des Gottes.

14.89 Neun Bogenlängen entfernt verehre man die Göttin mit dem Kama-Bija. Man erlangt zweifellos die im Geist erbetenen Wünsche.

14.90 Der Lehrer gehe hin und bitte den Gott mit diesem Mantra um Gnade, die Hände gefaltet und die Knie auf dem Erdboden:

14.91 „Verehrung dem unendlichen Gott, der Auflösung und Schöpfung bewirkt! Verehrung dem Gnadenspender, Nagesha: wieder und wieder Verehrung!

14.92 Dem Urgrund, dem Unermesslichen, dem Purusha: wieder und wieder Verehrung! Purusha, dir sei Verehrung; Nagesha, wieder und wieder Verehrung!

14.93 Verehrung dem mit dem Lotus in der Hand, dem mit den Hauern, dem Keulenträger! Verehrung dem Herrn der drei Welten, Nagesha: wieder und wieder Verehrung!

14.94 Verehrung dem Kenner der Prakriti, Verehrung dem Weltenherrn! Verehrung dem Chakresha Genannten, Nagesha: wieder und wieder Verehrung!

14.95 Verehrung dem makellosen Linga und dem Träger der Schlangenkette! Verehrung dem mit dem Dreizack in der Hand, Nagesha: wieder und wieder Verehrung!

14.96 Verehrung dem Herrn der Kalas, dem Bewohner Kamarupas, dem Herrn über Kala und Akala, Nagesha: wieder und wieder Verehrung!“ [„Kala“ bezeichnet hier je nach Deutung Teilkraft oder Zeit; der Wortlaut erlaubt keine eindeutige Festlegung.]

14.97 Danach gehe man ostwärts zum Naimisha genannten Gebiet. Dort nähere man sich dem Gott in der höchsten Linga-Gestalt namens Tryambaka.

14.98 Man verehre den Gott inmitten der drei Kama-Zeichen, der auf dem heiligen Erdboden weilt, mit dem Tara-Laut.

14.99 Nordöstlich von Tryambaka liegt das Gebiet Martanda. Man gehe dorthin und verehre das Martanda genannte Linga, große Herrin.

14.100 Der Fluss Marmara westlich dieses Gebietes heißt auch Kala. [Variante: Kamala.] Sein Wasser soll man nicht berühren.

14.101 Der heilige Fluss Sudhama dagegen vernichtet alle Sünden. Ein Bad darin tilgt die seit der Geburt begangene Schuld.

14.102 Westlich der Dikkarini, etwas nach Nordwesten hin, liegt das große heilige Gebiet Dharmaranya. Man gehe dorthin, große Herrin.

14.103 Dieses überaus heilige Gebiet wird von Göttern und Gandharvas aufgesucht; vielerlei Bäume und Schlingpflanzen erfüllen es, zahlreiche Blumen schmücken es.

14.104 Dort ist der Keulenträger zusammen mit Lakshmi gegenwärtig, Göttin. Vishnu und Indra sind dort, umgeben von Scharen der Vidyadharas. [Variante: Chandra statt Indra.]

14.105 Madhava mit dem Namen Ananta weilt dort, von wunderbarer Macht. Wer ihn Monat für Monat am zwölften Mondtag schaut, Geliebte,

14.106 erlangt die Frucht des Paundarika- und des Pferdeopfers. Westlich des Gottes liegt Vishnus Pushkara-Pilgerstätte.

14.107 Wer dort badet und den Gott verehrt, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers. Wer am Vollmond des Jyeshtha eine Pilgerfahrt beziehungsweise Prozession vollzieht,

14.108 wird von allen Sünden frei und gelangt in Vishnus Stadt. Wer am großen Jyeshtha-Vollmond Madhava, den Herrn der Menschen, schaut … [Hier bricht der Satz ab; die Vorlage vermerkt ausdrücklich eine Textlücke.]

Kolophon: Damit endet der vierzehnte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Fünfzehnter Paṭala

15.1 Der erhabene Herr sprach: Als die Schöpfung beziehungsweise Chakashesha entstand, herrschte König Shikhidhvaja. Nach Shikhidhvaja wurde ein König namens Shala geboren. [Der Eingang ist beschädigt.]

15.2 Aus seiner Linie gingen Kshatriyas hervor; danach kam Dharmapala. Als er noch nahezu ein Kind war, trat ein Kaivarta als Zerstörer auf.

15.3 Er war fünfjährig; der Aufruhr wurde von ihm selbst ausgelöst. Dann erschien Kamapala, strahlend wie der Mond. Nach einem oder zwei Jahren wurde er durch Verrat getötet. [Die Bezüge der Alters- und Regierungsangaben sind unsicher.]

15.4 Ein Zweimalgeborener namens Vira, zugleich als Shudra aus Jaiminis Geschlecht bezeichnet, wurde erneut geboren und sollte damals König sein. [Die widersprüchliche Standesangabe bleibt unverändert.]

15.5 Dann herrschte im Land eine tödliche Seuche, und die Brahmanen nahmen ab. In einem verschlüsselt bezeichneten Regierungsjahr entstand bei Svargadvara ein Weg beziehungsweise ein Todesfall. Als ein Yavana König war, wurde das Jahr mit „Pfeil“ und „Leere“ bezeichnet. [Eine Jahreszahl lässt sich hier nicht zuverlässig bestimmen.]

15.6 Dann sollte er im mit „Rishi“ bezeichneten Jahr das Shukra-Linga zerstören. Wenn im Kali-Zeitalter ein König aus Kama hervorgeht,

15.7 wird er in der Welt als Shudra bezeichnet, der Götter und Brahmanen schmäht. Sein Sohn namens Lakshminarayana wird die Dynastie erhöhen.

15.8 Während er die Erde regiert, sind Gesänge und Dharma-Schriften gegenwärtig. Dieser Rechtschaffene erscheint, und aus seinem Anteil geht ein weiterer König hervor. [Die Satzverknüpfung ist unsicher.]

15.9 Bis dahin geht seine ganze Dynastie zugrunde. Wenn der aus Brahmasaras Hervorgegangene von Ratnapitha herankommt,

15.10 entsteht nach ihrem Vordringen Kali unter Namen wie Bhasmagarbha. [Der geschichtliche Bezug ist verderbt.] Unter den Königen, die in der Zwischenzeit vortrefflich sind, Parvati,

15.11 treten die Pilgerstätten und Gottheiten offen hervor. Unter einem sündigen Herrscher dagegen gehen sie zugrunde, Göttin.

15.12 Wenn in einem Reich ein Karmanasha genannter Fluss oder See liegt und der König an seinem Ufer eine Stadt errichtet, werden Land und König durch Sünden zerstört.

15.13 Gesänge und Dharma-Schriften werden genannt; die folgende Verbotsanweisung zum Wasser beziehungsweise zum Abschluss ist beschädigt. Westlich davon liegt ein segensreicher Fluss.

15.14 Der östlich gelegene Fluss ist in jeder Hinsicht heilig. Die folgende Angabe eines mit „Logik“ und „Gestalt“ bezeichneten Jahres und einer gegenseitigen Beziehung ist nicht zuverlässig deutbar.

15.15 Ein hochverständiger Herrscher regiert dort im als „Nriga“ überlieferten Jahr. Am Ende des im Aishvarya-Tantra bezeichneten Jahres geht der König zugrunde. [Jahresangaben und Textbezug bleiben unsicher.]

15.16 In der mittleren Hälfte des folgenden Jahres entsteht große Furcht. Von da an wird ein König, der Kamakhya schaut,

15.17 seines Reiches beraubt, oder er verliert seine Frau beziehungsweise seine Nachkommenschaft. Wenn in Kamarupa ein König von einer als „am Ende weiß“ beschriebenen Farbe herrscht, erscheint Shankara als Kakudeshvara aus Brahmasaras. [Die dynastische Kennzeichnung ist unklar.]

15.18 In der nicht näher gezählten Zwischenzeit wird die Bhargava-Linie entstehen. Während sie Saumara regiert, gibt es vielerlei Aufruhr.

15.19 [Die beschädigte Passage nennt dort entstandene Menschen, die Sonne, eine Fünfergruppe beginnend mit dem Sonnen-Bija und drei Kama-Pithas; die Aussage darüber, wer sie nimmt oder zerstört, ist nicht sicher rekonstruierbar.]

15.20 Danach erstrahlt ein beredter Herr in Gauda; seine nähere Bezeichnung ist verderbt. Bei Ashvakranta entstehen zu ihrer Zeit zwei Becken.

15.21 Wenn die Pilgerstätte entstanden ist, verschwinden alle Hindernisse rasch. Während dieses Herrschers Regierung gibt es vier Arten von Aufruhr.

15.22 Im großen Land Balada wird mit dem Kama- und Brahma-Laut, mit Raum und Mond verbunden, zur Vollendung die als Herz bezeichnete Formel gebildet. Dies wird der fünfsilbige Mantra der Gebetskette genannt. [Die verschlüsselte Formel wird nicht ergänzt.]

15.23 Man verwende ihn beim Aufnehmen, Niederlegen und Verehren der Gebetskette. Nach dem Japa lege man sie auf den Kopf und spreche am Ende der Sitzung den Lobpreis.

15.24 Man vollziehe auch das Bali-Opfer und gebe entsprechend dem eigenen Vermögen. Mit dem Wurzelmantra verehre man in vorwärts- und rückläufiger Folge,

15.25 mit dem Mantra, der „Mutter, Mütterchen“ beginnt, und mit der Gauri-Formel. „Sieg dir, Kameshi, Chamunda! Sieg dir, Vertreiberin der Wesen beziehungsweise Geister!

15.26 Sieg dir, allgegenwärtige Göttin! Kameshvari, Verehrung dir! Du Gestalt des Universums, Segensreiche, Reine, mit außergewöhnlichen Augen, Dreiäugige,

15.27 Schreckgestaltige, Segensreiche, heilige Erkenntnis: Kameshvari, Verehrung dir! Du bist schnell wie der Geist, siegreich, Jambha, mit Augen für die Wesen, hungrig und verzehrend. [Mehrere Beinamen sind mehrdeutig.]

15.28 Große Maya, große Herrin: Kameshvari, Verehrung dir! Chamunda, Mahakali, Kali, Trägerin der Schädel,

15.29 mit Schlinge und Stab in den Händen: Kameshvari, Verehrung dir! Chamunda, deren Antlitz mit der Kula-Girlande verbunden ist, mit scharfen Hauern, von großer Kraft,

15.30 Göttin, die an der Stätte der Leichen weilt: Kameshvari, Verehrung dir! Furchtbaräugige, schreckliche Göttin, die alle Wesen vergehen lässt,

15.31 Karali, Vikarali: Kameshvari, Verehrung dir! Kali, Furchtbare, Machtvolle, Kameshvari, Haras Geliebte,

15.32 Göttin, die alle heiligen Schriften verkörpert: Kameshvari, Verehrung dir! Vernichterin Nishumbhas und Shumbhas: Kameshvari, Verehrung dir! Kamakhya, die in Kamarupa weilt, Kameshvari, Haras Geliebte,

15.33 gewähre mir beständig die Erfüllung meiner Sehnsucht! Kameshvari, Verehrung dir!“ [Die Vorlage vermerkt ausdrücklich: „Hier fehlt der Abschluss des Patala.“ Danach folgt dennoch ein Kapitelkolophon.]

Kolophon: Damit endet der fünfzehnte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Sechzehnter Paṭala – Anhang mit vier Versen

Dieser Anhang enthält ausschließlich die vier ausdrücklich als Auszug überlieferten Verse; er ist kein vollständiger sechzehnter Paṭala.

16.1 [Shiva spricht:] Die Brahmanen und Rishis sind Teile meines eigenen Wesens, Mahamaya. Um Menschen emporzuheben, die im Schlamm der Verfehlungen versunken sind, …

16.2 … und um die heilige Ordnung wiederherzustellen, erscheinen sie von Weltalter zu Weltalter. Deshalb sollst du diese Brahmanen niemals verachten, Göttin.

16.3 Um das Wissen zu bewahren, das vom vedischen Opferweg abgekommen ist, höchste Herrin, [werden] im Kali-Zeitalter drei Herabkünfte [genannt]. [Der Ausdruck „tripādāstikakāreṣu“ ist nicht sicher verständlich und wird nicht zu einer bestimmten historischen Lehrergruppe ergänzt.]

16.4 Sie werden der Reihe nach durch den göttlichen Überlieferungsstrom erscheinen, Shive, zur Vernichtung der [im Text so bezeichneten] „buddhistischen Irrlehre“ und zur Bewahrung der eigenen Tradition. [Die religionspolemische Wertung gehört zur Quelle. Der anschließend eingefügte Nachweis aus Paramārthasudhā und einem Guwahati-Tagungsband ist eine Herausgebernotiz, kein weiterer Vers.]

Kolophon: Damit endet der sechzehnte Paṭala im zweiten Teil des Yogini Tantra, dem großen König der Tantras, in der als zweiundzwanzigtausend Verse umfassend bezeichneten Überlieferung, im Abschnitt über Kamarupa.

Herausgebernotiz zum Anhang: Die Vorlage erklärt, dass diese Verse in der vom Varanasi Sarvabhauma Prachara Karyalaya herausgegebenen Zeitschrift Paramārthasudhā sowie im Erinnerungsband der in Guwahati abgehaltenen Tagung Bhāratīyadarśanasammelana, Seite 63, zitiert sind. Diese bibliographische Notiz gehört nicht zu Shivas Rede. Der überlieferte Kolophon bezeichnet den Auszug als sechzehnten Paṭala; erhalten sind hier nur vier Verse.

Spirituelle Gesamtsynthese

Die Lektüre des Yogini Tantra verlangt die Fähigkeit, Nähe und Fremdheit zugleich auszuhalten. Manche Verse sprechen unmittelbar zum Herzen; andere führen in eine historische Ritualwelt, deren Regeln nicht die eigene Lebenspraxis bestimmen. Beides sorgfältig zu unterscheiden, vertieft das Verständnis der Schrift.

Besonders tragfähig ist die Verbindung von Hingabe und Erkenntnis. In der Erzählung müssen selbst mächtige Götter lernen, sich nicht als unabhängige Urheber zu verstehen. In der Praxis soll der Geist vom bloßen äußeren Tun zur bewussten Vergegenwärtigung finden. In der Erkenntnis schließlich verliert die Trennung zwischen dem verehrten Göttlichen und dem eigenen tiefsten Wesen ihre letzte Festigkeit.

Eine solche Lektüre kann still nachwirken: als größere Aufmerksamkeit beim Rezitieren, als Dankbarkeit für empfangene Unterweisung, als Ehrfurcht vor einem Ort und als Bereitschaft, dem eigenen Hochmut zu begegnen. Ob das Studium Frucht trägt, zeigt sich dann auch daran, wie ein Mensch mit anderen Wesen umgeht. Der Text selbst verbindet Frieden, Selbstbeherrschung, Freude am Wohl der Wesen und das Einüben der Shiva-Erkenntnis mit Befreiung (II.12.105).

So gelesen, wird das Yogini Tantra weder zu einem bloßen Ritualhandbuch noch zu einer Sammlung exotischer Vorstellungen. Es wird zu einem Zeugnis dafür, wie eine tantrische Tradition äußere Verehrung, heilige Landschaft, Mantra, Hingabe und Erkenntnis zu einem umfassenden spirituellen Weg verbindet. Für heutige Leser liegt sein Wert besonders dort, wo diese Elemente zu größerer Sammlung, Verantwortlichkeit und Bewusstheit führen.

Fünf zentrale Lehren des Yogini Tantra

  1. Die Göttliche Mutter ist Ursprung und höchste Wirklichkeit. Kali erscheint als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit; Kamakhya wird mit ihr verbunden (I.10.14; I.15.2).
  2. Spirituelles Lernen steht in einem Zusammenhang der Übertragung. Guru und Einweihung tragen die Mantrapraxis; die überlieferte Deutung sieht im Lehrer göttliche Gegenwart (I.1.50–53; I.6.17–19).
  3. Handlung kann über Hingabe zur Erkenntnis führen. Befreiung wird ausdrücklich mit Erkenntnis verbunden (I.13.43).
  4. Heiliger Ort und innere Haltung gehören zusammen. Die Vielfalt örtlicher Traditionen und die Bedeutung bewusster Vergegenwärtigung werden nebeneinander gewürdigt (II.1.8–11).
  5. Verehrung kann sich verinnerlichen. Geistige Praxis, Sammlung der Sinne und Vereinigung mit der höchsten Shakti sind ausdrücklich belegt (I.6.68–74).

Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten

Die folgenden Anregungen übertragen ausgewählte Einsichten in eine heutige, einfache Praxis. Sie sind keine Rekonstruktion initiationsgebundener Rituale.

  1. Lies einen Vers aufmerksam. Wähle etwa I.6.59 oder I.13.43. Frage, welche Erfahrung der Vers anspricht, und bleibe danach einige Augenblicke still.
  2. Verbinde Japa mit Gegenwart. Wiederhole ein dir vertrautes Mantra in ruhigem Rhythmus. Höre bewusst zu und lasse anschließend Stille entstehen. I.13.56–60 kann als Betrachtung über äußeres und inneres Rezitieren dienen.
  3. Gestalte einen schlichten Ort der Sammlung. Ein sauberer Platz, eine Blume oder ein Bild können an die Ausrichtung auf das Göttliche erinnern. Betritt diesen Ort mit derselben Aufmerksamkeit, die du an einem Pilgerort suchen würdest.
  4. Würdige empfangene Unterweisung. Erinnere dich an eine hilfreiche Lehre und setze sie in einer konkreten Handlung um. Verbinde Dankbarkeit mit Unterscheidungskraft und verantwortlichem Lernen.
  5. Lass Hingabe zum Wohl anderer werden. Höre einem Menschen aufmerksam zu oder hilf bei einer anstehenden Aufgabe. Betrachte den in II.12.105 genannten Frieden und das Wohl der Wesen als Maßstab deiner inneren Entwicklung.
Meditation und achtsames Handeln können die Einsichten des Studiums im Alltag vertiefen.

Begleitvideo: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev; eine heutige Übung zur Sammlung im Herzen.

Siehe auch

Literatur

  • Yoginītantram. Elektronischer Text des Muktabodha Indological Research Institute, M00064, IAST- und Devanagari-Fassung, Revision 0 vom 16. Juni 2009. Primäre Arbeitsgrundlage dieser Ausgabe.
  • Die Dateimetadaten nennen als Druckgrundlage: Kṣemarāja Śrī Kṛṣṇa Dāsa, Bombay, „Pre-1900“. Ein genaueres Erscheinungsjahr wird hier nicht ergänzt.
  • Zum angehängten Auszug II.16 nennt die Vorlage Paramārthasudhā und einen Erinnerungsband des in Guwahati abgehaltenen Bhāratīyadarśanasammelana, S. 63. Vollständige bibliographische Angaben sind im E-Text nicht enthalten.

Weblinks

Textgrundlage und Leseregeln

Grundlage ist Yoginītantram, Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00064, Revision 0 vom 16. Juni 2009. Die Dateneingabe erfolgte nach den Dateimetadaten durch Mitarbeiter des Instituts unter Aufsicht von Mark S. G. Dyczkowski. Als Druckgrundlage nennen die Metadaten den Verlag Kṣemarāja Śrī Kṛṣṇa Dāsa, Bombay, mit der pauschalen Zeitangabe „Pre-1900“. Diese Angabe wird hier als Kataloginformation wiedergegeben; sie ist keine verifizierte Datierung des Werkes oder sämtlicher angehängter Materialien.

Die Vorlage bezeichnet die E-Texte als Creative Commons BY-NC 4.0. Herkunft und Lizenzangabe bleiben bei dieser Wiedergabe erhalten.

Die Sanskritbegleitartikel bewahren Wortlaut, Sprecherangaben, Kolophone, Varianten in eckigen Klammern und die ursprünglichen Versnummern. Zeilenumbrüche werden für die Anzeige angepasst und Druckseitenmarker entfernt. Eckige Klammern stammen aus der Vorlage; sie enthalten Alternativlesungen, Ergänzungen und gelegentlich Herausgeberbemerkungen. Sie sind deshalb nicht durchweg zusätzlicher Grundtext. Die digitalen Vorspannangaben und die Dateiende-Markierung gehören nicht zum Sanskritwerk.

Fundstellen werden als Teil, Paṭala und Vers angegeben, etwa I.6.59 oder II.7.145. I.12.40 ist vorhanden, endet jedoch mit nur einem Schlussstrich. II.14.22 trägt eine Nummer, aber keine abschließenden Versstriche; auch diese Strophe ist enthalten. I.17.7ka ist eine zusätzliche alphanumerisch bezeichnete Strophe. Die Originalnummerierung wird auch bei Sprüngen, Wiederholungen und offensichtlichen Zahlfehlern nicht stillschweigend korrigiert. Die 3.839 vorhandenen nummerierten Einheiten sind keine Zählung von 3.839 metrisch einheitlichen Strophen: Zusätzlich stehen die Strophe I.17.7ka und unnummerierte Textstücke. Manche Einheiten sind Halbverse, andere mehrzeilige Verse oder Prosa mit Mantras. IAST und Devanagari stimmen in Kapitelabfolge und vollständiger Folge dieser Nummern überein. Das ist eine Strukturprüfung, keine vollständige kritische Kollation jeder Lesung.

Überlieferungsgrenzen

Der erste Teil besitzt 19 Paṭalas. Der zweite enthält 15 Paṭalas und einen gesondert überschriebenen Anhang mit vier Versen eines 16. Paṭalas. Am Ende von II.14.108 bricht der Satz ab; die Vorlage vermerkt hier eine Textlücke. Beim Ende von II.15 steht ausdrücklich „Hier fehlt der Abschluss des Paṭalas“, obwohl anschließend ein Kapitelkolophon folgt. Der Anhang ist kein vollständiges 16. Kapitel. In dessen vierter Einheit nennt eine Herausgebernotiz die Zeitschrift Paramārthasudhā und einen Erinnerungsband zu einer philosophischen Tagung in Guwahati als Fundorte der zitierten Verse. Diese Notiz wird unterhalb des Anhangs gesondert bewahrt.

Die Kolophone nennen im ersten Teil meist einen Überlieferungsumfang von 24.000, im zweiten häufig 22.000 Versen. Beide Angaben werden als überlieferter Wortlaut erhalten; sie dürfen nicht mit dem tatsächlich vorhandenen Textumfang gleichgesetzt werden.

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