Vedische Götter

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Zeichnung von Indra auf seinem Elefantenberg, Airavata, ca. 1820

Als Vedische Götter bezeichnet man Götter und Göttinnen, die vor allem in der vedischen Zeit, d.h. vor dem klassischen Hinduismus, verehrt wurden, und deren Mythologie und Verehrungsriten in den vedischen Hymnen des Rig- (ca. 1500 v. Chr.), Yajur-, Sama- und Atharvaveda sowie der dazugehörigen Kommentar- und Ritualliteratur der Brahmanas überliefert sind.

Überblick

Der vedische Sonnengott Surya mit Savitri

Viele der vedischen Götter und Göttinnen haben große Ähnlichkeit mit Gottheiten der griechischen und römischen Antike, oder auch mit solchen der alten iranischen Religion. So sind Zeus, Jupiter und Indra, also die jeweils obersten Götter der alten Griechen, Römer und Inder, allesamt Gewittergötter, die über Donner, Blitz und Regen gebieten (das griechische Wort Zeus entspricht übrigens dem altindischen Dyaus "Himmel", ebenso bedeutet Jupiter ursprünglich "Vater Himmel"). Ähnlich wurde die Morgenröte bei den Griechen als Eos, bei den Römern als Aurora, und im alten Indien als Ushas verehrt. Daher geht man davon aus, dass diese und andere Gottheiten gemeinsame indo-europäische bzw. indo-iranische mythologische Ursprünge haben.

Es handelt sich bei den vedischen Göttern zu einem großen Teil um Naturgewalten und -erscheinungen wie Sonne, Wind oder Himmel und Erde, die als Götter und Göttinnen verehrt wurden, und um deren Gunst durch das Darbringen von Opfern (Yajna) gebeten wurde. Andererseits stellen die Gottheiten (Devata) der vedischen Zeit auch Verkörperungen bzw. Personifizierungen abstrakter Konzepte wie Wahrheit, Reichtum und Verderben bzw. Tod dar.

Zur erstgenannten Kategorie gehören der Götterfürst Indra, der Feuergott Agni, der Sonnengott Surya, der Mondgott Soma, der auch den gleichnamigen Rauschtrank der vedischen Dichter (Kavi) und Seher (Rishi) verkörpert, der Windgott Vayu, Dyaus ("Vater Himmel"), Prithivi ("Mutter Erde"), der Meeresgott Varuna, die als heilwirksam verehrten Wasser (āpaḥ Pl.) sowie Ushas, die Göttin der Morgenröte. Bereits abstrahierte Konzepte verkörpern indessen der Totengott Yama, die beiden als göttliche Heiler verehrten Ashvins, die Göttermutter Aditi ("Ungebundenheit") sowie Nirriti, das personifizierte Verderben.


Die 33 Götter

Agni - der vedische Gott des Feuers in einer Miniatur des 18. Jahrhunderts

In der altindischen Literatur ist immer wieder von den "33 Göttern" (Tridasha) die Rede, zu denen, je nach Quelle, eine mehr oder weniger variierende Schar von männlichen Gottheiten zählt. Es handelt sich bei ihnen um drei Gruppen von je 12 Adityas, 11 Rudras und 8 Vasus, zu denen die beiden Ashvin genannten, pferdeköpfigen göttlichen Heiler sowie gelegentlich der Schöpfergott Prajapati hinzukommen.

Die Adityas

Die 12 Aditya genannten Götter sind allesamt Söhne der Göttermutter Aditi ("Ungebundenheit, Unendlichkeit, Unvergänglichkeit"). Es sind dies der Götterfürst Indra, auch Shakra genannt, Mitra, Aryaman, Bhaga, der Meeresgott Varuna, der auch als "Gott Wahrheitswort" verehrt wurde, Daksha, Amsha, der göttliche Werkmeister Tvashtri sowie Pushan und Vishnu.

Die Rudras

Die 11 Rudras sind Sturmgötter, die unter der Führung des gleichnamigen Krankheitsbringers Furcht und Schrecken verbreiteten. Sie werden auch als die Söhne Rudras sowie als Maruts ("Winde") bezeichnet. In Erinnerung an die elf Rudras hat im Sanskrit das Wort rudra die symbolische Bedeutung elf.

Die Vasus

Die 8 Vasus sind Gottheiten, die die Elemente sowie Himmelserscheinungen verkörpern, und deren Namen je nach literarischer Quelle variieren. In der Brihadaranyaka Upanishad werden die folgenden acht Götter genannt: Prithivi "Erde", Agni "Feuer", Vayu "Wind", Antariksha "Luftraum" bzw. der "Zwischenraum" zwischen Himmel und Erde, Aditya (Surya) "Sohne", Dyaus "Himmel", Chandramas (Soma) "Mond" und Nakshatra (Pl.) "die Sterne".

Vedische Götter heute

Sarasvati

Während einige wenige der vedischen Gottheiten auch noch im heutigen Indien verehrt werden, sind die meisten im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Sie machten den neuen hinduistischen Hochgöttern Brahma, Vishnu und Shiva und deren Gemahlinnen Sarasvati, Lakshmi und Parvati sowie deren verschiedenen Erscheinungsformen wie Durga und Kali Platz. Vishnu war in vedischer Zeit eine wenig bekannte Form des Sonnengottes Surya. Der vedische Vorläufer Shivas wiederum war Rudra, ein pfleilversendender Sturmgott, der Krankheiten bringen und heilen konnte. Sarasvati, die Göttin der Gelehrsamkeit, der Weisheit und der Künste geht auf die gleichnamige vedische Flussgöttin zurück. Von den übrigen vedischen Göttern haben lediglich der Feuergott Agni und der auch als Savitri bekannte Sonnengott im rituellen Kontext des modernen Hinduismus noch eine Bedeutung.


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