Folgsamkeit

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Folgsamkeit : Was ist Folgsamkeit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Folgsamkeit gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Folgsamkeit ? Folgsamkeit ist die Fähigkeit dem zu folgen, was gesagt wird. Folgsamkeit ist die Fähigkeit zur Unterordnung. In manchen Situationen braucht es jemanden, der das Sagen hat – und es ist notwendig, dass die anderen dem folgen, was dieser bestimmt hat. Auch wenn man Absprachen und Vereinbarungen getroffen hat, braucht es Folgsamkeit, um diese gemeinsamen Entschlüsse umzusetzen. Folgsamkeit und geistige Unabhängigkeit/Mut sind zwei Pole, die beide wichtig sind.

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Sukadev über Folgsamkeit

Niederschrift eines Vortragsvideos (2015) von Sukadev über Folgsamkeit

Heute geht es um etwas, wo viele ein etwas zwiespältiges Verhältnis dazu haben werden, Folgsamkeit. Folgsamkeit klingt unmodern, klingt nicht wie etwas, was man heutzutage tun will. Folgsamkeit, das klingt wie ein Überrest vergangener Zeiten, als irgendwelche Menschen behauptet haben, sie wären gottgegebene Führer, Gottesgnaden-Fürsten und die anderen haben gefälligst zu folgen. Oder auch Eltern, in der Bibel steht: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Und ehren, da würde keiner etwas dagegen sagen, sondern ehren stimmt schon, aber daraus wurde dann oft gemacht: „Du musst Folgsamkeit üben gegenüber Eltern.“ Gehorsam und Folgsamkeit, das galt als wichtig. Und spätestens mit dem Dritten Reich, dort ist diese Folgsamkeit etwas aus der Mode gekommen. Folgsamkeit ist also etwas, was nur im begrenzten Maße gültig ist.

Heutzutage sollen auch schon Kinder zu mündigen Bürgern erzogen werden. Und aus guten Gründen wird man Kinder schon sehr früh auch in Entscheidungen mit einbinden. Man hat sogar zeigen können, dass schon Grundschulkinder mit demokratischen Strukturen etwas anfangen können und dass das sehr hilft, dass Kinder engagierter sind und dass auch in den Klassen es weniger Konflikte gibt. Genauso auch in der Schule weiter, sie sollen heute den Lehrern nicht einfach folgen, sondern sie sollen kritisch denken können, authentische Personen werden können. Manchmal ist aber Folgsamkeit auch etwas Gutes. Wenn man ständig protestiert und ständig rebelliert und gegen alles ankämpft, das macht es für einen selbst nur schwierig, man kommt ständig auf Widerstände und für andere wird man zu einem unangenehmen Zeitgenossen.

Manchmal muss man erstmal auswählen und überlegen und sagen: „In welchem Kontext möchte ich sein?“ Und dann, wenn du in einem bestimmten Kontext bist, dann ist eine gewisse Folgsamkeit auch wichtig. Angenommen, du bist in einem gewinnzielorientierten Unternehmen und da hast du einen Chef, und vielleicht ist der Chef sogar dominant, und dann wirst du eine gewisse Folgsamkeit an den Tag legen müssen, denn sonst wirst du dort nicht sein können. Wenn dir das nicht passt, dann kannst du ja kündigen und woanders hingehen oder auch mal den Chef darauf ansprechen. Ähnlich auch, Folgsamkeit ist ja nicht nur gegenüber einem Menschen, Folgsamkeit kann auch heißen, Folgsamkeit gegenüber deinen eigenen Entscheidungen. Du hast eine Entscheidung getroffen, z.B. hast du die Entscheidung getroffen, einen bestimmten Beruf zu ergreifen, eine bestimmte Selbständigkeit. Anschließend gilt es, zu folgen mit dem, was du tust. Wenn du dich mal entschieden hast, dann brauchst du auch eine gewisse Folgsamkeit gegenüber dem, was du entschlossen hast. Und auch im Sinne von Geben und Nehmen.

Wenn du etwas von anderen willst und sie dir Gefallen tun sollen, dann ist es auch gut, bei anderen Dingen, ihnen zu folgen. Heutzutage sind oft die Beziehungen mehr ein Geben und ein Nehmen, selbst die Beziehungen zwischen Chef und Mitarbeiter sind heute sehr viel egalitärer als sie früher waren. Und auch als Chef musst du manchmal Folgsamkeit an den Tag legen, damit deine Mitarbeiter spüren, dass du sie wertschätzt. Also, Folgsamkeit hat viele verschiedene Aspekte. Und du kannst selbst überlegen, was Folgsamkeit für dich heißt. Übrigens, noch eine kleine anekdotische Bemerkung von mir selbst. Ich war als Kind und Jugendlicher in vielerlei Hinsicht ein folgsames Kind, das heißt, ich habe im Wesentlichen gemacht, was meine Eltern und meine Lehrer von mir erwarten haben. Aber wenn mir etwas wirklich wichtig war und ich etwas nicht für richtig gehalten habe, dann war ich dort absolut vehement. Und dann wussten alle, „wenn er etwas will, dann kann man ihn nicht davon abhalten“. Irgendwann, als ich etwas ungerechtfertigt in der Schule fand, habe ich einen Schülerstreik organisiert.

Und der Lehrer wusste auch, „wenn der sich was in den Kopf setzt, da wird nichts möglich sein“. Da aber der Lehrer wusste, dass ich normalerweise ein folgsamer Mensch bin, wusste er, das muss wirklich tief im Herzen sein. Und er hat dann auch nachgegeben. Genauso auch, als ich als Jugendlicher eines Tages mich an den Mittagstisch gesetzt habe und gesagt habe: „Von heute an esse ich kein Fleisch mehr.“ Dann sind erstmal meine Eltern aus den Wolken gefallen, das war ja in der Mitte der 1970er Jahre, wo das gar nicht selbstverständlich war, Mitte oder Ende der 1970er Jahre, aber sie wussten, wenn ich mir das in den Kopf gesetzt habe, dann werde ich mich daran halten. Auf gewisse Weise ist mir das später auch ein Prinzip geblieben.

Ich war ja auch in einer spirituellen Gemeinschaft vor Yoga Vidya, im Wesentlichen habe ich das getan, was mir gesagt wurde, aber da, wo es mir wichtig war, da habe ich mich meistens durchsetzen können. So ist Folgsamkeit oft auch eine Methode, auch selbst seine eigenen Dinge durchzusetzen. Wenn du in der Mehrheit der Fälle folgst, dem, was von dir erwartet wird, dann bekommst du einen Vertrauensvorschuss. Und wenn du dann etwas wirklich willst, dann werden andere dir zustimmen und sie werden wissen: „Ja, da ist es besser, nachzugeben.“ Insofern ist Folgsamkeit auch heute weiter eine wichtige Tugend, die dir helfen kann, Gutes zu bewirken, andere zu inspirieren, mit anderen zusammen zu arbeiten. Man kann so sagen, wenn du in achtzig Prozent der Fälle den Erwartungen der anderen folgst, kannst du die anderen zwanzig Prozent selbst bestimmen.

Folgsamkeit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Folgsamkeit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Folgsamkeit

Ähnliche Eigenschaften wie Folgsamkeit, also Synonyme zu Folgsamkeit sind z.B. Fügsamkeit, Gehorsem.

Ausgleichende Eigenschaften

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Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Folgsamkeit übertrieben kann ausarten z.B. in Heuchelei, Scheinheiligkeit, Sklavenmentalität. Daher braucht Folgsamkeit als Gegenpol die Kultivierung von Selbstvertrauen, Eigenliebe, Verlässlichkeit.

Gegenteil von Folgsamkeit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Folgsamkeit, Antonym zu Folgsamkeit :

Folgsamkeit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Vortragsmitschnitt zu Folgsamkeit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Folgsamkeit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Folgsamkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Folgsamkeit

Weblinks

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