Der Meister ist die Quelle des Lebens

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Artikel von Buchautor und Seminarleiter Bhajan Noam

Ein Meister spricht über Dinge, die dich wirklich interessieren, die ganz konkret dein Sein betreffen.

Buddha offenbart Erkenntnisse

Das Leben wie es ist

Er langweilt dich nicht mit irrelevanten Themen, mit religiösen Phrasen, mit esoterischen Spekulationen. Er spricht über das Leben, wie es ist. Er spricht über Liebe, Beziehung, Familie, Sex, Eifersucht, Streit; er spricht über Geld, Arbeit, Beruf und Berufung und über deinen Alltagsfrust; er spricht über Krieg und Frieden in der kleinen wie in der großen Welt. Er spricht Wahrheiten aus, die anfangs unbequem klingen, weil sie dem Aberglauben der Welt widersprechen. Doch dem Verständigen werden sie eine Quelle des Lebens sein.

Der Buddha sprach: „Was da, ihr Mönche, in der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und frommen Geistern, mit ihrer Schar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen als wahr und wohl betrachtet wird, das eben wird von den Heiligen, wie es wirklich ist, als falsch und wehe angesehen. Und was da, ihr Mönche, in der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und frommen Geistern, mit ihrer Schar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen als falsch und wehe betrachtet wird, das eben wird von den Heiligen, wie es wirklich ist, als wahr und wohl angesehen.“

Vertraue deinem Meister, dann kann er dir alle Geheimnisse des Lebens offenbaren, von deren Erkenntnis die Welt der gewöhnlichen Menschen dich fern hält. Diese materielle Welt lässt dich pausenlos beschäftigt sein mit unnützen Dingen und Aktivitäten. Sie stopft dich voll mit Dummheiten, mit trivialen Wünschen und mit Unzufriedenheit. Ihre psychologischen Tricks sind kindisch und leicht durchschaubar. Sie müssen sich keine große Mühe mit dir geben, wer finanziell abhängig ist, applaudiert auch den neuen, nicht vorhandenen Kleidern des Kaisers. Hast du aber einen Meister gefunden, wird er nach und nach das ganze Kino zerstören, das bisher dein Universum war.

Der Meister wird deine Wunden offen legen. Er wird dir raten: „Lasse zu deiner Heilung Natürlichkeit in dein Leben. Wirf alles Unnatürliche und Widernatürliche hinaus. Räume auf! Lasse deine Freude zu und deine Traurigkeit. Beginne mehr zu fühlen statt zu denken. Werde sensibler. Entwickele ein Gefühl für Schönheit, für Musik, für Poesie. Lasse dich von der Leichtigkeit führen.“ Die kultivierten Tantriker und Taoisten, sie folgen der Leichtigkeit, sie setzen dem Fluss des Lebens nichts entgegen. Dschuang Dsi sagt: „Der Himmel tut nichts; dieses Nichts-Tun ist Würde;
 Die Erde tut nichts; dieses Nichts-Tun ist Ruhe; 
Aus der Vereinigung dieser beiden Nichts-Tun beginnt alles Handeln
 und alle Dinge entstehen. – Das Leichte ist richtig. 
Beginne richtig, und es ist leicht. 
Fahre leicht fort, und es ist richtig.
 Der richtige Weg, das Leichte zu finden, ist den richtigen Weg zu vergessen und zu vergessen, dass er leicht ist.“

Handle danach in deiner alltäglichen Welt. Bewege dich so in deinen Beziehungen, in der Liebe, in der Freundschaft. Mache aus jedem Augenblick etwas Besonderes, indem du spielst. Kinder erleben die Welt noch intensiv, sie sind in ihrem Spiel ganz im Augenblick. Nimm nichts so ernst, spiele mehr mit den Energien, erfreue dich an kleinen Nuancen. Flüstere mit deiner Liebsten, mit deinem Liebsten kleine Worte der Zärtlichkeit. Reiße deine Kinder nicht aus ihren bunten Phantasien, bringe ihnen keine Zahlen und keine Zeit bei. Belasse sie in ihrem selbstvergessenen Spiel, bis sie von sich aus zu fragen beginnen. Setze der unheilen Welt draußen nichts entgegen und lasse die Harmonie in deinem Inneren sich entfalten. – „Wer nicht handelt“, sagt Dschuang Dsi, „dem steht die Welt zur Verfügung und er hat Überfluss. Wer handelt, der steht der Welt zur Verfügung und hat Mangel.“

Sitze so oft du kannst an der Seite deines Meisters und lausche seinen Worten und seiner Stille. Es geht nicht um das Gesagte und das Nichtgesagte, es geht um die Kraft, um das Licht, um den Segen, den du in seiner bloßen Gegenwart empfängst. Der Meister ist eine Quelle des Lebens. Der Meister ist deine Quelle des Lebens, solange du noch nicht in deine eigene Tiefe vorgedrungen bist. Trinke ihn, atme ihn, nimm ihn durch alle deine Sinne in dich auf. „Erinnere dich“, das ist alles, was der Meister zu dir sagt.

Der Meister ist wie ein Vater

Der Gerechte, der Weise, er kennt keinen Tod, er weiß, dass seine Seele, wie die Seele aller Wesen, ewig lebt in göttlicher Geborgenheit. Im „Sohar“, dem Buch des Glanzes steht: „In dieser Nacht, die nach dem Tag nach Shavuot (der Übergabe der Thora) ist, muss die Braut mit ihrem Gemahl unter dem Hochzeitsbaldachin sein, all die Freunde müssen in dieser Nacht bei ihr sein und mit ihr jubeln.“ – Das bedeutet, nachdem die Menschen durch die heiligen Schriften den Weg zur Weisheit erhielten, sollen sie beisammen sitzen und in Freude die Weisheit studieren und teilen. Weisheit macht fröhlich und unbeschwert, sie beseitigt die Schleier der Unwissenheit und führt ins helle Licht der Wahrheit. Es ist wichtig, einen Meister zu haben, der uns auf den Weg bringt und die ersten Schritte, wie ein Vater mit seinem Kind, gemeinsam mit uns geht; der uns in die Schriften einführt und nach und nach alle falschen Vorstellungen beiseite räumt; der uns daran hindert in die Fallgruben von Begierde, Eifersucht, Neid, Hass und Zorn zu stolpern und der uns an seinem Beispiel geduldig und immer neu den schlichten Pfad der Bescheidenheit, der Demut und Dankbarkeit, der Leichtigkeit und reinen Freude aufzeigt.

Liebe und Lehre des Meisters

Vor fast zwanzig Jahren besuchte ich Sri Ranjit Maharaj, einen großen indischen Advaita-Lehrer, und ich erhielt, was bei ihm ungewöhnlich war, eine Privataudienz. Damals konnte ich nicht ahnen, dass er schon drei Monate später seinen Körper verlassen würde. Er sagte, ob ich eine Frage hätte. Und ich antwortete ihm, ich hätte keine Frage, ich wäre ihm dankbar, wenn ich einfach nur in Stille bei ihm sitzen dürfte. Er gewährte es mir. In dieser Stille aber übertrug er mir wortlos den Kern seiner Lehre, den ich danach in meinen – oder seinen – Worten aufschrieb. Es gibt diese nonverbale Kommunikation, ich habe sie enige Male erfahren dürfen. Die wahre Essenz kann nicht mit Worten ausgesprochen werden, sie muss gespürt werden. Dann vielleicht können die Worte dazu in einem auftauchen.

Ranjit Maharaj sprach in mir

„Bei jedem Menschen, der dir begegnet, erinnere dich: Alle Menschen sind gleich und wollen mit gleicher Liebe und Achtung behandelt werden. Es gibt keine guten und schlechten, wertvollen und wertlosen Menschen. Keine, die höher und weiter, und andere, die niedriger sind. Wir alle sind Brüder und Schwestern, Freunde und Freundinnen, Kinder der einen Wahrheit, und wir bedürfen der gleichen tiefen und unvoreingenommenen Freundlichkeit. Alle Menschen, gemeinsam mit der unendlichen Schöpfung, bilden ein einziges Wesen. Als Teil von diesem Wesen trägt der Einzelne alle Träume, alle Hoffnungen und alle Möglichkeiten des Ganzen in sich. Wie könnte ich da sagen: Der ist mehr oder die ist weniger? Jedes Wesen ist eine einzigartige Blüte der Schöpfung. Jedes ist vollkommen und einmalig, und gibt sein nie zuvor gehörtes Lied in diese Welt. Und die Lieder aller gemeinsam sind der ewige Schöpferton OM. – Schaue dir die Menschen danach an, was aus ihrer Seele sprechen will, was sie dieser Welt schenken können, um sie schöner zu gestalten, um sie harmonischer und friedlicher erscheinen zu lassen, um sie zu einem glücklichen, mit liebender Kraft erfüllten Ort zu erschaffen. Fördere jeden und auch dich darin. Erlausche die verborgenen Dinge, das, was im Samen geschieht, bevor er den scheinbaren Sprung zum Keimling vollzieht. – Schenke Verehrung allen, die erkannt haben, allen Meistern, allen Lehrern und allen die Erkenntnis anstreben. Berühre die Füße der Erwachten.“

Medizin und Meditation des Meisters

Freudentanz

Kenne die Gesetze des Weges und erkenne das Ende des Weges der Gesetze. Da dir dafür alleine aber das Verständnis fehlt, suche dir einen weisen Führer. Ein Lehrer hat von seinem Lehrer gelernt und vertraut den Erfahrungen längst vergangener Generationen. Der Meister hat viele Leben lang die einsamen und furchteinflößenden Wege durch die inneren Landschaften beschritten. Wähle ihn, ob du vor einem Abgrund stehst oder vor einem goldenen Tor! Wähle die wahrhaftige, glühende Liebe und das feurige Schwert der rettenden Erkenntnis! Durchquere mit ihm entblößt die Drachengärten und die eisigen Wüsten irriger Freuden! Mit Worten der Güte entfernt er das Heimweh aus deinem Gemüt. Mit Worten des Zornes vielleicht fügt er das wahre Heimweh dir zu.

Tanze oder stolpere ihm entgegen, unbewusst oder bewusst, so voll Liebe und voll Sehnen! Du wirst immer stolpern, du wirst zittern, du wirst schluchzen, bevor das Abenteuer zu einem einzigen Freudentanz, zur süßen Frucht all deines wunden Taumelns reift. Die Medizin deines Meisters ist bitter, doch das Meditieren neben ihm ist so unvergleichlich süß. Du kannst deinen Weg nicht wählen, der Weg hat dich schon lange zuvor erwählt. Du willst einen Lichtgott finden und begegnest einem finster erscheinenden Dieb, einem Einbrecher, den deine Schatzkammer lockte. Hüte dein Herz nicht und lasse deine Tore offen, dann muss dich die Liebe nicht verletzen und das Leid findet keinen Eingang bei dir.

Nur noch so wenig!

Die Zeit des Wartens auf ein ersehntes Ereignis empfindet jeder unterschiedlich. Einer durchlebt sie voller Ungeduld oder in Ängsten, ein anderer genießt sie und kostet ganz seine Vorfreude aus. Eine buddhistische Geschichte erzählt von zwei Schülern, die ihren Meister fragen, wann sie endlich die Erleuchtung erfahren. Zum ersten Schüler sagt der Meister, dass er noch sieben Inkarnationen abwarten müsse, bis er erleuchtet sei. Der Schüler ist vollkommen niedergeschlagen und frustriert. Zum anderen Schüler sagt der Meister: „Schau in diesen Baum unter dem wir sitzen, so viele Blätter, wie er hat, so viele Leben wird es noch dauern, bis du erleuchtet bist.“ Der Schüler springt auf und tanzt und freut sich unbändig. „Nur noch so wenige“, ruft er fröhlich und umarmt voller Dankbarkeit seinen Meister.

Verse für den Meister

Der Meister. Der Meister ist wie Wasser: erst schmiegt er sich in jede Form, dann sprengt er sie.

Was du vergessen hast. Ein Meister lehrt dich nicht. Er erinnert dich nur daran, was du in vielen Leben vergessen hast. Und manchmal gibt er dir Worte für dein Schweigen. Und manchmal gibt er dir Schweigen für die vielen Worte. So rückt er die Dinge zurecht. Und aus deinem Chaos wächst langsam, sehr langsam ein Kosmos aus Liebe.

Denn er geht wohin er will. Weil der Meister die Welt hinter sich gelassen hat, kann er sie so lieben. Weil der Meister seinen Körper hinter sich gelassen hat, ist er sein heiliger Tempel für eine kleine Weile noch.

Berühre seine Füße. Finde Frieden in seinem Schatten.

Behüte ihn, weil er dich nicht behütet.

Halte ihn, weil er dich fallen lässt.

Gib ihm deine Süße, weil er dein Salz ist.

Liebkose ihn, weil er dich schlägt.

Sei voller Dank, weil er dir niemals dankt.

Sieh nur ihn, weil er dich niemals sieht. Doch in dein Herz schaut niemand so tief.

Folge seinem Schritt, denn er geht wohin er will.

Er ist der Sturm, der die Blätter von den Zweigen reißt und streut sie überall hin.

Sieh, wie glücklich sie wirbeln in die Vergänglichkeit mit dem, der vorauseilt und bleibt.

Dem Einen Geliebten

Ich bin dem Meister ohne Namen begegnet, wie könnte ich nicht singen!

In meinem Herzen jagte und erlegte er das scheue Wild.

Bin in sein loderndes Feuer getaumelt wie ein Sommerfalter.

Mit dem Wind weht die Asche, mit dem Wind...

Wie könnte ich nicht lachen und tanzen unterm leeren Bodhi-Baum!

Tau tropft von seinen Blüten flüsternd unter meine nackte Haut.

Wie könnte ich nicht singen – nicht in tausend Liebesversen zitternd schweigen!

Quelle

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