Kubjikamata Tantra: Unterschied zwischen den Versionen
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Vor Kapitel 25 steht der ausdrücklich als Zusatz überlieferte Mandala-Abschnitt. Das Hauptkapitel erläutert fünf Formen des Selbst und den [[Vidyavrata|Vidyā-Gelübdewandel]]. Äußere Pilgerstätten, Geräte und gesellschaftliche Bezeichnungen werden auf innere Zustände bezogen. 25.171 beschreibt den vom Nektar der Erkenntnis erfüllten Yogin als einen Menschen, der nichts mehr zu vollbringen hat. Den Abschluss bilden die Weitergabe der Lehre, Festzeiten und rituelle Geheimsprache. Sanderson weist für 25.29–171 auf eine umfangreiche Entsprechung zum ''Tantrasadbhāva'' hin; ein eigener vollständiger Vergleich beider Fassungen wurde hier nicht vorgenommen.<ref name="Sanderson2002" /> | Vor Kapitel 25 steht der ausdrücklich als Zusatz überlieferte Mandala-Abschnitt. Das Hauptkapitel erläutert fünf Formen des Selbst und den [[Vidyavrata|Vidyā-Gelübdewandel]]. Äußere Pilgerstätten, Geräte und gesellschaftliche Bezeichnungen werden auf innere Zustände bezogen. 25.171 beschreibt den vom Nektar der Erkenntnis erfüllten Yogin als einen Menschen, der nichts mehr zu vollbringen hat. Den Abschluss bilden die Weitergabe der Lehre, Festzeiten und rituelle Geheimsprache. Sanderson weist für 25.29–171 auf eine umfangreiche Entsprechung zum ''Tantrasadbhāva'' hin; ein eigener vollständiger Vergleich beider Fassungen wurde hier nicht vorgenommen.<ref name="Sanderson2002" /> | ||
===Kapitel | ===Kapitel 1–25: Themenübersicht nach den Kapitelüberschriften=== | ||
Die folgende Orientierung beruht auf den Kapitelüberschriften beziehungsweise Kolophonen der elektronischen Sanskritvorlage. | Die folgende Orientierung beruht auf den Kapitelüberschriften beziehungsweise Kolophonen der elektronischen Sanskritvorlage. Die teils verdichteten technischen Bezeichnungen werden sinngemäß wiedergegeben. Diese Übersicht ersetzt keine vollständige inhaltliche Übersetzungsprüfung. | ||
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| 1 || Herabkommen nach Candradvipa | |||
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| 2 || Formen der geistlichen Vollmacht (Ajna) und der Bereich der jungfräulichen Göttin (Kaumari) | |||
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| 3 || Entfaltung der Formen des Quirlens (Manthana) und liebende Vereinigung | |||
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| 4 || Bestimmung der Mantras und Heraushebung der Malini im Gahvara | |||
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| 5 || Heraushebung der großen Samaya-Vidya; Bestimmung der Durchdringung von Shabdarashi, Malini und Tadgraha | |||
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| 6 || Japa und Mudra | | 6 || Japa und Mudra | ||
Version vom 9. September 2026, 08:58 Uhr
Kubjikamata Tantra, auch Kubjikamata (Sanskrit: कुब्जिकामततन्त्र, Kubjikāmatatantra, „Tantra der Lehre Kubjikas“), ist eine tantrische Sanskritschrift über die Lehre und Praxis der Verehrung der Göttin Kubjika. Sie gehört zur westlichen Kaula-Überlieferung und beschreibt Kubjika als göttliche Shakti. In einem Gespräch zwischen der Göttin und Bhairava verbindet das Kubjikamata Tantra die Entstehung heiliger Stätten und Lehrerlinien mit Mantra, Einweihung, Nyasa, Yoga und der Erkenntnis der Einheit von Shiva und Shakti.
Die Schrift wird häufig dem 9. oder 10. Jahrhundert zugeordnet; ihre genaue Entstehungszeit ist jedoch nicht gesichert. Die Kubjika-Tradition ist unter anderem in Kashmir bezeugt und wird besonders mit der Überlieferung in Nepal verbunden. Eine ursprüngliche Beschränkung auf Kashmir lässt sich daraus nicht ableiten. Die Verehrung Kubjikas lebt in Kaula-Traditionen fort. Dieser Artikel behandelt die Kulālikāmnāya-Version des Kubjikamata Tantra.

Kubjikā bedeutet „die Gebeugte“ oder „die Gekrümmte“. Kapitel 2 verbindet den Namen mit dem scheuen Sich-Abwenden der Göttin; Kapitel 3 macht ihn zum Ausgangspunkt einer Frage nach seiner tieferen Bedeutung. Mata bedeutet „Meinung“, „Auffassung“ oder „Lehre“ und bezeichnet hier die Lehre Kubjikas. Das Wort sollte nicht mit mātā, „Mutter“, verwechselt werden, auch wenn die Göttin im Kubjikamata Tantra häufig als göttliche Mutter angesprochen wird.
Ein Leitmotiv ist ājñā: Auftrag, geistliche Vollmacht und wirksame Übertragung. Das Kubjikamata Tantra beschreibt Wissen als etwas, das in einer lebendigen Lehrerüberlieferung empfangen und verwirklicht wird. Besonders deutlich formuliert Kapitel 2.17–18 die wechselseitige Verbundenheit des göttlichen Paares: Nichts ist ohne Shiva, nichts ohne Shakti; beide können einander Guru sein. Die konkrete Bedeutung von ājñā wechselt im Text und lässt sich nicht überall mit demselben deutschen Wort vollständig wiedergeben.
Hintergrund und Datierung
Das Kubjikamata Tantra gehört zum Paścimāmnāya, der „westlichen Überlieferung“, innerhalb des shivaitisch-shaktischen Kaula-Milieus. Die Bezeichnung beschreibt eine religiöse Überlieferungsrichtung und ist keine eindeutige Angabe eines einzigen Entstehungsortes. Bereits Kapitel 2 verbindet den Lehrweg mit einem Netz heiliger Stätten, darunter Oddiyana, Jalandhara, Purna und Kamarupa.
Die verbreitete Einordnung in das 9. oder 10. Jahrhundert ist als ungefähre Orientierung zu verstehen. Sicherer greifbar sind einzelne Handschriftenzeugnisse: Alexis Sanderson nennt als ältesten datierten Zeugen der kürzeren Laghvikāmnāya-Fassung eine Handschrift von 1037/38. Ein früher Zeuge der hier verwendeten mittellangen Fassung stammt aus der Regierungszeit Rāmapālas, etwa 1072–1126; seine Jahresangabe ist beschädigt. Diese Handschriften belegen die damalige Existenz der betreffenden Fassungen, nicht ihren Entstehungszeitpunkt. Sanderson hält die weiter zurückreichende Chronologie ausdrücklich für unklar. Auch die mythischen Weltalter und göttlichen Überlieferungsfolgen des Grundtextes sind von einer historischen Datierung zu unterscheiden.[1]
Die Überlieferung ist besonders reich durch nepalesische Handschriften bezeugt. Zugleich weist Sanderson auf die Verbreitung des Kubjika-Kultes in Kashmir und Südindien hin. Das Kubjikamata Tantra gehört somit zu einem überregionalen religiösen Zusammenhang, dessen Geschichte nicht auf einen einzigen Ort reduziert werden kann.[1]
Die hier verwendete Kulālikāmnāya-Version wurde von Teun Goudriaan und Jan A. Schoterman 1988 herausgegeben. Diese kritische Edition gehört zu den Orientalia Rheno-Traiectina, Band 30, und ist keine Ausgabe der Kashmir Series of Texts and Studies (KSTS). Ihr bibliographischer Umfang von 571 Seiten bezeichnet das gesamte Buch mit wissenschaftlichen Bestandteilen, nicht 571 Seiten reinen Sanskritgrundtext.[2]
Textgrundlage und Umfang
Textgrundlage dieses Artikels ist die elektronische Sanskritfassung des Göttingen Register of Electronic Texts in Indian Languages (GRETIL). Ausgangspunkt der Bearbeitung war die auf der Yoga-Wiki-Spielwiese bereitgestellte Textkopie; zusätzlich wurde die zugrunde liegende GRETIL-XML-Datei direkt herangezogen. Ihr Quellenkopf nennt die Edition von Goudriaan und Schoterman, die Eingabe durch Somadeva Vasudeva in den Jahren 1998–2000 und die TEI-Konversion vom 31. Juli 2020.
Die elektronische Vorlage ist bereits normalisiert. Ihr Quellenkopf erklärt außerdem, dass offensichtliche Fehler stillschweigend berichtigt wurden. Die hier geprüfte Erfassung bezieht sich deshalb auf diese elektronische Fassung und ist keine diplomatische Abschrift der Druckausgabe.[3]
Die XML-Datei enthält 25 Kapitel und 2975 als Versblöcke ausgezeichnete Einheiten. Diese Zahl ist keine bereinigte Zahl selbständiger Strophen: Sie umfasst Zusatzstrophen und die doppelte Wiedergabe von 22.46–60. Umgekehrt stehen mehrere nummerierte Mantrapassagen als Prosaelemente außerhalb dieser Zählung. Ein langer Daṇḍaka, ein ausgedehnter Lobgesang, folgt auf 2.2.
Vor 25.1 stehen 26 Zusatzstrophen mit der wiederholten Quellenkennung 25.0*. Sie gehören laut Quellenhinweis zu einem eingeschobenen Mandala-Abschnitt aus Anhang 4 der Edition, der nur durch die dort mit EJT bezeichneten Textzeugen gestützt ist. Diese Zusatzstrophen werden in ihrer überlieferten Reihenfolge erhalten und als solche kenntlich gemacht.
Der Gesamtkolophon bezeichnet die Fassung als fünfundzwanzigkapitelig und nennt dreieinhalbtausend Verse. Diese traditionelle Umfangsangabe wird beibehalten, aber nicht mit der tatsächlich erfassten Anzahl von XML-Versblöcken gleichgesetzt. Ebenso ist die dort genannte Vierundzwanzigtausender-Sammlung ein Überlieferungsbezug und nicht der Umfang der hier wiedergegebenen Fassung.
Bereits in der GRETIL-Datei fehlen die Nummernkennungen 1.48–69, 7.39, 18.56 und 24.10. Ob jeweils eine Textauslassung, eine abweichende Verszählung oder ein Editionsproblem vorliegt, lässt sich erst durch den Vergleich mit der Druckausgabe abschließend entscheiden. Die betroffenen Stellen werden ausdrücklich dokumentiert, nicht aus Vermutung ergänzt und nicht neu durchnummeriert.
Darstellung der Göttin Kubjika
Inhalt und Aufbau des Kubjikamata Tantra
Kapitel 1–3: Göttliche Offenbarung, heilige Stätten und Guru
Kapitel 1 schildert die göttliche Wohnstatt am Trikuta und die Begegnung mit Himavat und Kalika. Die Göttin fragt nach der geistlichen Vollmacht und der Überlieferung der Vollendeten. Nach der Lücke in der elektronischen Nummernfolge folgt eine Darstellung von Malini als Lautkraft. Die Erzählung lässt Shivas Anspruch, die Göttin aus seinen Lauten hervorgebracht zu haben, auf die Frage nach seiner eigenen Herkunft treffen.
Kapitel 2 enthält einen langen Lobgesang auf die Göttin. Anschließend entfaltet das Kubjikamata Tantra die Beziehung zwischen Shiva und Shakti und die Einsetzung heiliger Stätten, Göttinnen, Siddhas und ihrer Gefolge. Die Reise der Göttin durch Bharata stiftet eine religiöse Landschaft. Die zahlreichen Eigennamen werden in der Arbeitsübersetzung erhalten; ihre Zuordnung zu modernen Orten wird nicht ohne Einzelprüfung behauptet.
Kapitel 3 verbindet die Hochzeitserzählung mit der Bedeutung des Guru. Der Text fordert vom Lehrer Wissen, Erfahrung, Friedfertigkeit, Zufriedenheit und Freiheit von Gier. Zugleich enthält er strenge historische Unterwerfungs- und Strafvorstellungen gegenüber Schülern. Besonders 3.55–57 sprechen von Beschimpfung und Schlägen. Diese Aussagen werden als historische Textaussagen übersetzt; sie sind keine heutige Empfehlung für Lehrer-Schüler-Beziehungen.
Kapitel 4–5: Mantra, Lautkraft und innere Verehrung
Kapitel 4 beginnt mit einer kritischen Frage der Göttin: Warum bleiben Menschen trotz zahlloser Rezitationen ohne Erfolg? Bhairavas Antwort unterscheidet bloße Lautgestalten vom lebendigen Mantra. Die weitere Lehre verbindet das Erwecken der Mantras mit Shakti, Sushumna, Bindu und Nada. Die genaue Anordnung der Laute im Gahvara verlangt eine gesonderte Rekonstruktion; die deutsche Übersetzung gibt zunächst die angegebenen Beziehungen wieder.

Kapitel 5 behandelt die gegliederte Vidya, die fünf Pranavas, Regeln zur Wiedergutmachung von Verfehlungen sowie äußere und innere Deutungen von Japa und Gebetskette. Namen von Mantragliedern bleiben im Sanskrit sichtbar. Eine genaue Silbenzählung setzt die Prüfung der jeweiligen Lautform und der editorischen Gliederung voraus. Am Schluss betont das Kubjikamata Tantra, dass die eine Shakti durch ihre verschiedenen Tätigkeiten unterschieden wird, nicht durch eine Trennung in höchster Wahrheit (5.144).
Kapitel 6–10: Mudras, Aghora und Einweihung
Kapitel 6 entfaltet Japa und Mudras. Handgesten, innere Konzentration und umfangreiche Wiederholungszahlen werden miteinander verbunden. Die technische Beschreibung einzelner Handstellungen bleibt teilweise unsicher; aus dieser Arbeitsübersetzung allein lässt sich keine gesicherte historische Übungsfolge rekonstruieren.
Kapitel 7 behandelt die sechsgliedrige Vidya und die Heraushebung verschlüsselter Mantras. Es enthält auch historische Rituale zur Beeinflussung und Schädigung anderer. Die rückläufigen Lautfolgen werden quellengetreu bewahrt; drei Passagen besitzen vorläufige Teilauflösungen beziehungsweise noch ungeklärte Bestandteile. Kapitel 8 führt die Lehre von Svacchanda und der Scheitelflamme weiter. Seine Heilungs- und Schutzversprechen werden als religiöse Aussagen der Quelle wiedergegeben.
Kapitel 9 verbindet die zweiunddreißig Mütter mit Aghora, dem Herzrad, dem inneren Feuer und Amrita. Es beschreibt ein Schutzamulett und preist dessen Wirkung mit weitreichenden Zusagen. Der Verweis auf Schutz und Heilung bietet einen Vergleichspunkt zum Netra Tantra; eine textliche Gleichsetzung oder direkte Abhängigkeit ist damit nicht bewiesen.
Kapitel 10 behandelt Schutzpanzer, Auge und Waffe als Mantraglieder, anschließend Weihe, sechs Wege und Zeichen rituellen Ergriffenseins. Die Zeichen reichen im Text von körperlicher Erregung bis zu ruhiger Erkenntnis. Dies ist eine historische religiöse Klassifikation, keine heutige diagnostische Einteilung. Das Kapitel unterscheidet die Freiheit eines verwirklichten Menschen von bloßer Regellosigkeit und betont am Ende die Bewahrung weltlicher Umgangsformen (10.143). Für 10.12 liegt nun eine redaktionelle Arbeitsauflösung vor; drei weitere Formeln bleiben nicht vollständig geklärt. Die Bezeichnung „Auge“ für ein Mantraglied begründet keine Gleichsetzung mit dem Netra Tantra.
Kapitel 11–15: Körperzentren, sechs Wege und Göttinnengruppen
Kapitel 11 entfaltet die sechs Gegenstände über Kula, Akula, Körperzentren, Lautstufen und heilige Stätten. Das Kubjikamata Tantra nennt dabei für Anahata zehn und für Manipura zwölf Unterteilungen (11.36). Diese Zahlen werden als eigener Textbefund erhalten. Die innere Klangfolge führt vom vielfachen Hören zum befreienden zehnten Klang (11.22–26).
Kapitel 12 unterscheidet Zustände nach Sattva, Rajas und Tamas. Es verbindet die Reifung des Schülers mit dem Umgang mit Ichstolz, mit Lehrerunterweisung und innerer Erfahrung. Die Darstellung des inneren Quirlens von Shiva und Shakti mündet in Seligkeit und die Erkenntnis ihrer Nichtverschiedenheit (12.54–67).
Kapitel 13 führt die südliche Sechsheit weiter aus. Neben historischen Ritualen zur Beeinflussung anderer beschreibt es eine Meditation, bei der äußere Mittel zurücktreten und nur ein leichtes Ausrichten des Bewusstseins bleibt (13.78–82). Die Bilder der reifen Frucht und der guten Gemeinschaft betonen Vorbereitung und den Einfluss des Umfelds.
Kapitel 14 behandelt Göttinnen und Botinnen, verbindet die Körperentstehung mit kosmischen Stufen und entfaltet neun Gruppen von Botinnen. Die angekündigten Zahlen lassen sich nicht überall eindeutig aus den überlieferten Namen gewinnen. Kapitel 15 behandelt acht Müttergruppen und sechs Yoginis, ordnet sie Körperzentren und den sechs Wegen zu und beschreibt die Gefäßstätte als Ort ihres Zusammenwirkens. Namen wie Damarī, Ramanī, Lambakarṇī, Kakinī, Sakinī und Yakṣiṇī werden in den Versen quellengetreu wiedergegeben; sie werden nicht an verbreitete moderne Chakra-Tabellen angeglichen.
Kapitel 16–19: Fünfergruppe, Haṃsa und vierfache Ordnung
Kapitel 16 setzt die Lehre von den Körperzentren und göttlichen Gruppen als Mahananda-Fünfergruppe fort. Kapitel 17 verbindet zwei Stätten mit Haṃsa, Lautordnung und innerer Bewegung. Eine chiffrierte Lautliste bleibt ausdrücklich unaufgelöst. Das Kubjikamata Tantra verwendet hier mehrere miteinander verschränkte Zahlensysteme, die nicht ohne Einzelbeleg vereinheitlicht werden.
Kapitel 18 entfaltet die Vierergruppe mit ihren Mantras, Gliedern und Unterteilungen. Zahlreiche nummerierte Formeln stehen in der Quelle außerhalb der eigentlichen Versauszeichnung; auch diese erhalten einen eigenen deutschen Anschluss. Kapitel 19 verbindet die vierfache Ordnung mit Gottheitsgestalten, Zeichen und Wirkungsbehauptungen. Seine Aussagen zu Krankheit, Omen und Atemdauer sind historische Quelleninhalte. Der Vergleich mit Schutzmotiven im Netra Tantra kann das Schriftenstudium ergänzen, beweist aber keine Identität beider Ritualsysteme.
Kapitel 20–22: Überlieferung, Gottheitsgruppen und Lautzuordnungen
Kapitel 20 erzählt vom Herabkommen der Lehre nach Candradvipa. Das Gleichnis von den Blinden und dem Elefanten in 20.70–80 veranschaulicht die Begrenztheit einzelner Perspektiven. Kapitel 21 entfaltet die Insel-Überlieferung mit umfangreichen Gruppen von Gottheitsnamen. Diese bleiben als Eigennamen erkennbar.
Kapitel 22 behandelt gemeinsame und gesonderte Durchdringung, Lauttabellen und rituelle Zuordnungen. Die Quellfassung enthält 22.46–60 zweimal; beide Folgen bleiben sichtbar. Die Tabellen werden zeilenweise wiedergegeben, ohne beschädigte Einträge zu ergänzen oder aus Vermutung eine eindeutige Mantraordnung herzustellen.
Kapitel 23–25: Zeitzeichen, Verehrung und innere Deutung der Praxis
Kapitel 23 behandelt Wissen um die drei Zeiten, Zeichen begrenzter Lebensdauer und utkrānti, das Verlassen des Körpers. Es enthält auch historische Rituale zur absichtlichen Herbeiführung dieses Vorgangs. Diese Passagen gehören zur religionsgeschichtlichen Übersetzung und sind keine heutigen Praxisanregungen. Die neun Quellenabschnitte bei 23.151 bilden eine zusammenhängende rückläufige Formel. Ihre erkennbaren Wörter sind jetzt teilweise übersetzt; abschnittsübergreifende Wortgrenzen und unsichere Namen sind bezeichnet.
Kapitel 24 verbindet die Verehrung des Tadgraha mit dem Pavitra-Ritual. Ein eigener Hymnus auf Shiva und Shakti steht in 24.114–141 und besitzt einen eigenen Kolophon. Dieser Hymnus bietet einen Zugang zur theologischen Sprache des Kubjikamata Tantra, während die Mantrachiffren des Kapitels gesondert geprüft werden müssen.
Vor Kapitel 25 steht der ausdrücklich als Zusatz überlieferte Mandala-Abschnitt. Das Hauptkapitel erläutert fünf Formen des Selbst und den Vidyā-Gelübdewandel. Äußere Pilgerstätten, Geräte und gesellschaftliche Bezeichnungen werden auf innere Zustände bezogen. 25.171 beschreibt den vom Nektar der Erkenntnis erfüllten Yogin als einen Menschen, der nichts mehr zu vollbringen hat. Den Abschluss bilden die Weitergabe der Lehre, Festzeiten und rituelle Geheimsprache. Sanderson weist für 25.29–171 auf eine umfangreiche Entsprechung zum Tantrasadbhāva hin; ein eigener vollständiger Vergleich beider Fassungen wurde hier nicht vorgenommen.[1]
Kapitel 1–25: Themenübersicht nach den Kapitelüberschriften
Die folgende Orientierung beruht auf den Kapitelüberschriften beziehungsweise Kolophonen der elektronischen Sanskritvorlage. Die teils verdichteten technischen Bezeichnungen werden sinngemäß wiedergegeben. Diese Übersicht ersetzt keine vollständige inhaltliche Übersetzungsprüfung.
| Kapitel | Themenorientierung |
|---|---|
| 1 | Herabkommen nach Candradvipa |
| 2 | Formen der geistlichen Vollmacht (Ajna) und der Bereich der jungfräulichen Göttin (Kaumari) |
| 3 | Entfaltung der Formen des Quirlens (Manthana) und liebende Vereinigung |
| 4 | Bestimmung der Mantras und Heraushebung der Malini im Gahvara |
| 5 | Heraushebung der großen Samaya-Vidya; Bestimmung der Durchdringung von Shabdarashi, Malini und Tadgraha |
| 6 | Japa und Mudra |
| 7 | Heraushebung der Mantras und sechsgliedrige Vidya |
| 8 | Svacchandashikha |
| 9 | Teilbereich des Shikha-Verfahrens |
| 10 | Verpflichtung der Göttin und Heraushebung der Mantras |
| 11–12 | Bestimmung und Bereich der sechs Formen |
| 13 | Erkenntnis der südlichen Sechsergruppe |
| 14 | Göttin und Duti |
| 15 | Yoginis innerhalb der sechs Formen |
| 16 | Mahananda-Fünfergruppe |
| 17 | Zwei Stätten und Hamsa |
| 18–19 | Gliederung und Bestimmung der Vierergruppe |
| 20 | Herabkommen nach Candradvipa |
| 21 | Insel-Überlieferung |
| 22 | Gemeinsame und gesonderte Durchdringung |
| 23 | Wissen um die drei Zeiten und Utkranti |
| 24 | Tadgraha-Verehrung und Pavitra-Ritual; eingeschlossener Shiva-Shakti-Hymnus |
| 25 | Erkenntnis des gesamten Wissens und Unterweisung in der Lebenspraxis; vorgeschalteter Mandala-Zusatz |
Für die Beschäftigung mit den Chakras ist die Untersuchung von Dory Heilijgers-Seelen zu Kapitel 14–16 eine einschlägige weiterführende Arbeit. Bereits ihr Gegenstand, ein System von fünf Cakras, mahnt dazu, die Gliederungen des Kubjikamata Tantra zunächst in ihrem eigenen Zusammenhang zu lesen und nicht unbesehen mit heutigen Diagrammen gleichzusetzen.[4]
Erfassungs- und Übersetzungsstand
Hinweis zur Textfassung: Vorläufige deutsche Arbeitsübersetzung, Stand 9. September 2026. Alle 25 Kapitel sind durchgehend bearbeitet. Jeder Sanskrit-Vers- und Prosablock der elektronischen Vorlage wird in IAST mit unmittelbar anschließender deutscher Arbeitswiedergabe oder einem ausdrücklichen Hinweis auf eine nicht sicher entschlüsselte Formel geboten. Anschließend folgt die vollständige technische Devanagari-Umschrift. Bei 20 Formelblöcken liegt keine vollständige sprachliche Auflösung vor; darunter ist eine reine Keimsilbenformel ohne zusammenhängende Satzbedeutung. Weitere unsichere Lesungen und Teildeutungen sind unmittelbar am Vers markiert. Die vollständige Übernahme der elektronischen Vorlage ist technisch geprüft. Eine abschließende philologische Prüfung sämtlicher Übersetzungen und ein vollständiger Vergleich mit der kritischen Druckausgabe stehen aus.
Die Sanskrit-Erfassung umfasst sämtliche 25 Kapitel der abgerufenen GRETIL-XML-Datei einschließlich Prosa, Zusatzstrophen und Kolophonen. Das belegt die vollständige Übernahme dieser elektronischen Vorlage, nicht die Vollständigkeit gegenüber der Druckausgabe oder den Handschriften. Alle Kapitel sind deutsch bearbeitet. Nicht vollständig sprachlich aufgelöste Formeln und unsichere Teildeutungen bleiben ausdrücklich bezeichnet; die deutsche Fassung ist keine philologisch endgeprüfte Edition.
| Kapitel | Versblöcke in XML | Weitere Sanskritblöcke | Versblöcke mit Arbeitsübersetzung | Weitere Blöcke mit Arbeitsübersetzung | Formelblöcke ohne vollständige sprachliche Auflösung | Fehlende Nummernkennungen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 59 | 0 | 59 | 0 | keine | 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69 |
| 2 | 123 | 1 | 123 | 1 | keine | keine |
| 3 | 134 | 0 | 134 | 0 | keine | keine |
| 4 | 112 | 0 | 112 | 0 | keine | keine |
| 5 | 146 | 1 | 146 | 1 | keine | keine |
| 6 | 113 | 0 | 113 | 0 | keine | keine |
| 7 | 107 | 5 | 107 | 2 | 7.30, 7.p-4, 7.96 | 39 |
| 8 | 105 | 0 | 105 | 0 | keine | keine |
| 9 | 88 | 0 | 88 | 0 | keine | keine |
| 10 | 152 | 3 | 151 | 1 | 10.6, 10.29, 10.62 | keine |
| 11 | 116 | 0 | 116 | 0 | keine | keine |
| 12 | 88 | 0 | 88 | 0 | keine | keine |
| 13 | 97 | 0 | 97 | 0 | keine | keine |
| 14 | 94 | 0 | 94 | 0 | keine | keine |
| 15 | 83 | 0 | 83 | 0 | keine | keine |
| 16 | 109 | 0 | 109 | 0 | keine | keine |
| 17 | 112 | 1 | 112 | 0 | 17.p-1 | keine |
| 18 | 127 | 28 | 127 | 27 | 18.55~2 | 56 |
| 19 | 129 | 0 | 128 | 0 | 19.28 | keine |
| 20 | 81 | 0 | 81 | 0 | keine | keine |
| 21 | 114 | 0 | 114 | 0 | keine | keine |
| 22 | 84 | 5 | 84 | 3 | 22.14, 22.18 | keine |
| 23 | 174 | 17 | 174 | 8 | 23.151~2, 23.151~3, 23.151~4, 23.151~5, 23.151~6, 23.151~7, 23.151~8, 23.151~9, 23.151~10 | keine |
| 24 | 170 | 1 | 170 | 1 | keine | 10 |
| 25 | 258 | 0 | 258 | 0 | keine | keine |
„Versblock“ bezeichnet ein XML-lg-Element; dazu zählen auch Zusatzstrophen und doppelt überlieferte Nummern. Mantra- und Prosablöcke werden gesondert gezählt. Fehlende Nummernkennungen sind zunächst Befunde der elektronischen Quelle und keine eigenmächtig ergänzten Textlücken.
Sanskrit in IAST und deutsche Arbeitsübersetzung
Kapitel 1
1.1
saṃvartāmaṇḍalānte kramapadanihitānandaśaktiḥ subhīmā saṃsṛjyādyaṃ catuṣkam akulakulagataṃ pañcakaṃ cānyaṣaṭkam
catvāraḥ pañcako 'nyaḥ punar api caturas tattvato maṇḍaledaṃ saṃsṛṣṭaṃ yena tasmai namata guruvaraṃ bhairavaṃ śrīkujeśam //
Am Ende des Saṃvartā-Mandalas steht die überaus furchterregende Kraft der Wonne, die in den Stufen des Überlieferungsweges niedergelegt ist. Nachdem die erste Vierergruppe, die in Akula und Kula befindliche Fünfergruppe und eine weitere Sechsergruppe hervorgebracht sind, folgen vier, eine weitere Fünfergruppe und wiederum vier. Verneigt euch vor dem höchsten Guru, Bhairava, dem erhabenen Kujeśa, durch den dieses Mandala seinem Wesen nach erschaffen wurde. [Die syntaktische Verbindung und die verschlüsselten Gruppenbezeichnungen sind vorläufig gedeutet.]
1.2
śrīmaddhimavataḥ pṛṣṭhe trikūṭaśikharāntagam
santānapuramadhyagam anekākārarūpiṇam //
Auf dem Rücken des erhabenen Himavat, im Bereich des Gipfels Trikūṭa, mitten in der Stadt der Überlieferung, [befindet sich eine Stätte], die vielerlei Formen besitzt.
1.3
tryasraṃ vai triprakāraṃ tu triśaktitriguṇojjvalam
candrasūryakṛtālokaṃ vahnidedīpyavarcasam //
Sie ist dreieckig, dreifach gegliedert, von den drei Kräften und den drei Eigenschaften erhellt; Mond und Sonne spenden ihr Licht, und Feuer lässt ihren Glanz aufleuchten.
1.4
trisandhyāveṣṭitaṃ divyaṃ prākāratripathānvitam
dvārapālatrayopetaṃ trikapāṭārgalānvitam //
Diese göttliche Stätte ist von den drei Übergängen umgeben und mit einer Umfassungsmauer und drei Wegen ausgestattet; sie besitzt drei Torhüter, drei Torflügel und deren Riegel.
1.5
anekaratnasandīptam udyānavanamaṇḍitam
vasantaguṇasampannaṃ satatānandapūritam //
Sie strahlt von vielerlei Edelsteinen, ist mit Gärten und Wäldern geschmückt, trägt die Vorzüge des Frühlings und ist stets von Wonne erfüllt.
1.6
santānabhuvanaṃ divyaṃ divyādivyair niṣevitam
tatra taṃ bhuvaneśānaṃ vyaktāvyaktaṃ sanātanam //
Diese göttliche Wohnstatt der Überlieferung wird von göttlichen und nichtgöttlichen Wesen aufgesucht. Dort [weilt] der ewige Weltenherr, der offenbar und unoffenbar ist.
1.7
kāryakāraṇabhāvena kiñcit kālam apekṣayā
tiṣṭhate bhairavīśāno maunam ādāya niścalam //
Als Herr der Bhairavas verharrt er eine Zeit lang unbewegt im Schweigen, im Zusammenhang von Wirkung und Ursache. [Die Zeitbestimmung ist sprachlich unregelmäßig.]
1.8
tatra devagaṇāḥ sarve sakinnaramahoragāḥ
kurvanti kalakalārāvaṃ samāgatya samīpataḥ //
Da versammeln sich alle Scharen der Götter zusammen mit Kinnaras und großen Schlangenwesen in seiner Nähe und erheben ein lautes Stimmengewirr.
1.9
śrutvā kalakalārāvaṃ ko bhavān kim ihāgataḥ
himavān tu prasannātmā gacchāmo 'nveṣaṇaṃ prati //
Als Himavat das Stimmengewirr hört, [fragt er]: „Wer bist du, und weshalb bist du hierhergekommen?“ Freudigen Herzens [spricht er]: „Gehen wir hin und sehen nach!“ [Die Zuordnung der ersten Frage bleibt unsicher.]
1.10
yāvat sa paśyate tatsthaṃ śivajñānāvalokanāt
tāvat paśyati śrīnātham āgataṃ tu mamāśrame //
Sobald er durch die Schau des Shiva-Wissens den dort Verweilenden erblickt, erkennt er: „Der erhabene Herr ist in meine Einsiedelei gekommen.“
1.11
gatas tūrṇaṃ prayatnena yatrāste bhagavān prabhuḥ
sakuṭumbaḥ stutiṃ divyāṃ himavān vākyam abravīt //
Eilig begibt sich Himavat mit seiner Familie dorthin, wo der erhabene Herr weilt, und spricht zu seinem göttlichen Lob:
1.12
adya me saphalaṃ janma adya me saphalaṃ tapaḥ
adya me saphalaṃ sthānaṃ jīvitaṃ saphalaṃ mama //
„Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, heute meine Askese, heute meine Wohnstatt; mein Leben hat seine Erfüllung gefunden.
1.13
adya dhanyaḥ kṛtārtho 'ham adya me saphalā gatiḥ
adya me saphalaṃ sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram //
Heute bin ich gesegnet und habe mein Ziel erreicht. Heute ist mein Weg fruchtbar geworden; heute hat für mich alles seine Erfüllung gefunden, die Dreiwelt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen.
1.14
yan nātha bhavadaṅghribhyām aṅkitaṃ mastakaṃ mama
tena vikhyātakīrtis tu bhaviṣyāmi jagattraye //
Weil mein Haupt, o Herr, von deinen beiden Füßen gezeichnet ist, wird mein Ruhm in den drei Welten bekannt werden.
1.15
tvatprasādena deveśa sarvajñatvaṃ labhāmy aham
kim anena na paryāptaṃ yad āyāta-m-iha prabhuḥ //
Durch deine Gnade, o Herr der Götter, erlange ich Allwissenheit. Was wäre damit nicht erfüllt, dass du, Herr, hierhergekommen bist?
1.16
kiṃ kurmaḥ kā gatir mahyam ādeśo dīyatāṃ prabho
himavantavilāpo 'yaṃ śrutvaivaṃ sakuṭumbinaḥ //
Was sollen wir tun? Welcher Weg steht mir offen? Erteile deinen Auftrag, o Herr!“ Nachdem [Shiva] diese flehenden Worte Himavats gehört hatte, der mit seiner Familie gekommen war,
1.17
uvāca bhagavān nāthaḥ prahasyemāṃ giraṃ śubhām
himavanta gire sādhu tuṣṭo 'haṃ tava klinnayā //
sprach der erhabene Herr lächelnd diese glückverheißenden Worte: „Gut ist es, Himavat, Herr der Berge! Deine bewegten Worte haben mich erfreut.
1.18
prārthayasva varaṃ kiñcid dāsyāmo manasepsitam
himavanta mahāprājña tuṣṭo 'haṃ paramārthataḥ //
Erbitte eine Gabe; wir werden dir geben, was dein Herz begehrt. Himavat, du großer Weiser, ich bin wahrhaft erfreut.“
1.19
kiṃ kṛtaṃ me maheśāna svakīyadayayā prabho
rucitaṃ kuru deveśa himavān abravīd idam //
„Was habe ich denn vollbracht, o großer Herr? [Du kommst] aus deinem eigenen Mitgefühl, o Herr. Tue, was dir gefällt, Herr der Götter!“ So sprach Himavat.
1.20
parvatollapitaṃ śrutvā uvācedaṃ sureśvaraḥ
prasannagirayā divyaṃ varaṃ dātuṃ samudyataḥ //
Als der Herr der Götter die Worte des Berges hörte, sprach er mit freundlicher Stimme, bereit, eine göttliche Gabe zu verleihen:
1.21
prathamaṃ tāvat tubhyaṃ hi pañca ślokān paṭhet tu yaḥ
sannidhānaḥ prayatnena bhaviṣyāmo hy avaśyataḥ //
„Zuerst [gewähre ich] dir dies: Wer diese fünf Strophen mit Hingabe vorträgt, bei dem werden wir gewiss gegenwärtig sein.
1.22
dvitīyaṃ sannidhāno 'haṃ bhaviṣyāmi tavādhvare
tṛtīyaṃ sarvaśailānāṃ rājatvaṃ cakradhāriṇaḥ //
Zweitens werde ich bei deinem Opfer gegenwärtig sein. Drittens [erhältst du] die Königsherrschaft über alle Berge, als Träger des Herrschaftsrades.
1.23
caturthaṃ mama tulyatvaṃ pañcamaṃ mokṣadaṃ nṛṇām
evaṃ pañca varās tubhyaṃ himavanta punar vada //
Viertens [erlangst du] Gleichheit mit mir, fünftens [die Kraft], den Menschen Befreiung zu schenken. Dies sind deine fünf Gaben, Himavat; nun sprich weiter!“
1.24
kim anyena mahādeva ātmatulyas tvayā kila
kṛto 'haṃ tat kim anyena kiṃ tu devābhayaṃ dada //
„Was bedarf es noch, Mahadeva, da du mich dir selbst gleich gemacht hast? Was brauche ich anderes? Doch gewähre mir Furchtlosigkeit, o Gott!“
1.25
evaṃ brūtha punaḥ kiñcid yat te manasi rocate
tad arpayāmy ahaṃ sarvaṃ pūrvam evoditaṃ mayā //
„Sprich also noch aus, was dir im Herzen gefällt. Ich gewähre es dir alles; das habe ich bereits erklärt.“
1.26
āśrame sati sarvatra prāticāraṃ vinā na hi
tatra ḍikkarikā mahyaṃ kariṣyaty upalepanam //
„Solange du in der Einsiedelei weilst, soll es dir an Bedienung nicht fehlen. Meine kleine Dienerin wird dort das Bestreichen und Reinigen übernehmen.
1.27
sā ca dharmapravṛttā ca yena tat kriyatāṃ prabho
iṣṭā sā mama deveśa kālikā ca kumārikā //
Sie ist dem Dharma zugewandt; lass dies durch sie geschehen, o Herr. Sie ist mir lieb, Herr der Götter: das Mädchen Kālikā.“
1.28
evaṃ babhūva tasmād vai tatrasthā guṇaśālinī
prasādayati deveśaṃ vinayādyair anekadhā //
So geschah es. Die tugendhafte [Kālikā] blieb dort und erfreute den Herrn der Götter auf vielerlei Weise durch Bescheidenheit und anderes.
1.29
vinayenopasaṅgamya stutistotrair anekadhā
kālena bahunā kālīm uvācedaṃ kuleśvaraḥ //
Sie näherte sich ihm ehrerbietig mit zahlreichen Lobpreisungen. Nachdem viel Zeit vergangen war, sprach Kuleśvara zu Kālī:
1.30
tuṣṭo 'haṃ kālike tubhyaṃ brūhi kiñcin manepsitam
yat tvayā dhāritaṃ citte tat prārthaya hy aśaṅkitā //
„Ich bin über dich erfreut, Kālikā. Sage, was dein Herz begehrt. Erbitte ohne Scheu, was du in deinem Herzen trägst.“
1.31
labdh[v]ā praṇayasadbhāvaṃ tyaktalajjā manotsukā
vadate nātha nāthas tvaṃ bhavāsmākaṃ surārcitaḥ //
Da sie seine liebevolle Zuwendung gewonnen hatte, legte sie ihre Scheu ab und sprach voll Verlangen: „Herr, werde du unser Gemahl, du von den Göttern Verehrter!“ [Die Ergänzung in labdh[v]ā stammt aus der Vorlage.]
1.32
evaṃ śrutvā maheśāno vākyam ānandasambhavam
tataḥ sampāditaṃ śīghram ājñānandaguṇojjvalam //
Als Maheshana diese von Wonne erfüllten Worte hörte, wurde sogleich [die Verbindung] vollzogen, strahlend von der Wonne der geistlichen Vollmacht. [Das Objekt ist im Sanskrit nicht ausdrücklich genannt.]
1.33
ājñāsanasamārūḍhaṃ preritānantaśambhunā
darśitaṃ nikhilaṃ sarvaṃ pūrvasantānagocaram //
Auf den Sitz der Vollmacht erhoben und von Anantaśambhu angeregt, [wurde ihr] alles gezeigt, was zum Bereich der östlichen Überlieferung gehört.
1.34
tataḥ prabuddhabhāvātmā vadaty evaṃ kuleśvarī
darśitaṃ nikhilaṃ mahyaṃ kim āścaryaṃ kujeśvara //
Da erwachte ihr inneres Wesen, und Kuleśvarī sprach: „Du hast mir alles gezeigt; welch ein Wunder, Kujeśvara!
1.35
viditaṃ nātha me sarvaṃ kriyākāraṇagocaram
yasmāt sampadyate hy evaṃ tad ācakṣva kujeśvara //
Herr, ich kenne nun den gesamten Bereich von Handlung und Ursache. Erkläre mir, Kujeśvara, woraus all dies hervorgeht.
1.36
ājñāto guṇam aiśvaryaṃ sañjātaṃ parameśvara
asya tantrārthasadbhāvaṃ brūhi me paramārthataḥ //
Aus der Vollmacht sind die Eigenschaften und die Herrschaftsmacht entstanden, o höchster Herr. Erkläre mir wahrheitsgemäß den eigentlichen Sinn dieses Tantra.
1.37
dṛṣṭaṃ samastaparyantaṃ bhavadājñāṣaḍadhvaram
brūhi nirdeśataḥ sarvaṃ yadi tuṣṭaḥ kujeśvara //
Ich habe den gesamten sechsfachen Weltenweg deiner Vollmacht gesehen. Erkläre mir alles im Einzelnen, wenn du zufrieden bist, Kujeśvara.
1.38
ājñāto guṇasadbhāvaṃ brūhi deva guṇodayam
yathā drakṣyāpitaṃ sarvam ājñādvāreṇa me 'khilam //
Erkläre mir, o Gott, wie aus der Vollmacht die Kräfte entstehen und sich entfalten, so wie du mir alles durch das Tor der Vollmacht gezeigt hast. [Die Form drakṣyāpitaṃ ist sprachlich auffällig.]
1.39
pūrvavṛttāntasadbhāvaṃ pūrvapāṭhaśrutaṃ ca yat
pūrvakalpārthanirdeśam ājñāto jñāpitaṃ tvayā //
Das Wesen der früheren Geschehnisse, was in früherer Rezitation gehört wurde, die Erklärung des Sinnes früherer Weltperioden: All dies hast du mir durch die Vollmacht kundgetan.
1.40
pūrvasandarśitaṃ deva ājñāguṇamahodayam
tadbhraṃśād bhraṃśam utpannam ato 'rthaṃ kathaya sphuṭam //
Früher hast du mir, o Gott, die gewaltige Entfaltung der Kraft der Vollmacht gezeigt. Durch deren Verlust ist [auch dieses Wissen] verloren gegangen; erkläre mir deshalb den Sinn deutlich.
1.41
kalpe kalpe tvayā deva saṃhitārtham anekadhā
mantratantrakriyāyogāḥ kathitā nāvadhāritāḥ //
In jeder Weltperiode hast du, o Gott, auf vielerlei Weise den Inhalt der heiligen Sammlung gelehrt: Mantras, Tantras, rituelle Handlungen und Yogaverfahren; doch sie wurden nicht festgehalten.
1.42
idānīṃ saṃsphuṭaṃ sarvam ājñāguṇamahodayam
yasmāt sañjāyate sarvaṃ tatprabhāvaṃ vada prabho //
Nun erkläre alles ganz deutlich: die große Entfaltung der Kraft der Vollmacht und ihre Wirksamkeit, aus der alles entsteht, o Herr.
1.43
ānandaś cāvaliś caiva prabhur yogī tathaiva ca
atītaś caiva pādaś ca ṣaṭ prakārāḥ kathaṃ sthitāḥ //
Ānanda, Āvali, Prabhu, Yogin, Atīta und Pāda: Wie sind diese sechs Arten angeordnet?“ [Die sechs technischen Bezeichnungen bleiben als Namen erhalten.]
1.44
sādhu sādhu mahābhāge mahānandavidhāyini
pṛcchitaṃ yat tvayā vākyam atyadbhutam anāmayam //
„Gut, sehr gut, du Hochbegnadete, die große Wonne schenkt! Deine Frage ist überaus wunderbar und frei von Unheil.
1.45
gopitaṃ sarvarudrāṇāṃ vīrāṇāṃ bhairaveṣu ca
siddhakramaṃ nirācāraṃ tathāpi kathayāmi te //
Vor allen Rudras, Vīras und Bhairavas ist die Überlieferungsfolge der Vollendeten verborgen, die über gewöhnliche Verhaltensordnungen hinausgeht; dennoch erkläre ich sie dir.
1.46
siddhamārgakramāyātaṃ siddhapaṅktivyavasthitaṃ
gopitaṃ sarvamārgeṣu tavādya prakaṭīkṛtam //
Sie ist auf dem Weg der Vollendeten in geordneter Folge überliefert und in ihrer Lehrerreihe verankert. Vor allen [anderen] Wegen verborgen, wird sie dir heute offenbart.
1.47
pūrvasañcodito devi tvayāhaṃ tvaṃ mayā punaḥ
atra kalpe mayā tubhyaṃ tvaṃ punar mama dāsyasi //
Früher, o Göttin, hast du mich dazu angeregt und ich wiederum dich. In dieser Weltperiode [wird sie] dir durch mich [gegeben]; du wirst sie wiederum mir geben.“
Quellenbefund: Die elektronische Vorlage enthält hier keine Verse 1.48–1.69. Sie setzt mit 1.70 fort. Es wird kein Ersatztext erfunden.
1.70
ārādhayantaṃ deveśaṃ na jānāti tapotkaṭā
tataḥ stavena divyena devenānandabhṛdgirā
divyastotraṃ samārabdham aśeṣārthaprabodhakam //
Die durch Askese mächtige [Göttin] erkennt den Götterherrn nicht, der sie verehrt. Darauf beginnt der Gott mit wonnevoller Stimme einen göttlichen Lobgesang, der sämtliche Bedeutungen erschließt. [Der erzählerische Anschluss ist wegen der fehlenden Verse 1.48–69 nicht gesichert.]
Hinweis der GRETIL-Vorlage (englisch): After 70ef ABEFG continue with:
1.71
evaṃ samyagvidhānena rudraśaktiḥ svayambhunā
nirmitā svāṅgajair varṇair nādiphāntasvarūpiṇī //
So wurde die Rudra-Kraft vom Selbstentstandenen auf rechte Weise aus den Lauten seiner eigenen Glieder gebildet; ihre Gestalt reicht vom Laut na bis zum Laut pha.
1.72
sarvākṣaramayī devī sarvalakṣaṇalakṣitā
utpannā sumahātejā bhairavābhimukhe sthitā //
Die Göttin besteht aus sämtlichen Lauten und ist mit allen Merkmalen ausgezeichnet. Mit gewaltigem Glanz hervorgebracht, steht sie Bhairava gegenüber.
1.73
vadate mālinī kas tvaṃ devo 'haṃ kim upāgataḥ
māṃ tvaṃ kathaṃ na jānāsi devi tvaṃ kena nirmitā //
Mālinī spricht: „Wer bist du?“ – „Ich bin der Gott.“ – „Weshalb bist du gekommen?“ – „Wie kannst du mich nicht kennen, Göttin? Von wem bist du geschaffen worden?“
1.74
sṛṣṭikrīḍāvatārārthe mayā utpāditā priye
tvam evotpāditaḥ kena brūhi vākyaṃ tu bhairava //
„Für das Hervortreten des Schöpfungsspiels habe ich dich hervorgebracht, Geliebte.“ – „Von wem bist denn du hervorgebracht worden? Sage es, Bhairava!“
1.75
varṇarāśir ahaṃ bhadre svayambhūr jagataḥ patiḥ
mamāṅgasambhavair bījais tvam evotpāditā mayā //
„Ich bin die Gesamtheit der Laute, du Gütige, der selbstentstandene Herr der Welt. Aus den Keimsilben, die meinen Gliedern entstammen, habe ich dich hervorgebracht.
1.76
vīrāvalīti tena tvaṃ rudraśaktiḥ praśasyase
vadate mālinī kruddhā tvatsvakīyaiḥ śarīrajaiḥ //
Deshalb wirst du als Vīrāvalī und Rudra-Kraft gepriesen.“ Mālinī aber spricht zornig: „Durch die aus deinem eigenen Körper entstandenen
1.77
varṇair utpāditāhaṃ te gṛhṇa varṇān svakān iha
prasārya varṇamālāṃ tu tattvākāraṃ svarūpiṇam //
Laute bin ich von dir hervorgebracht worden? Dann nimm deine Laute hier zurück!“ Sie entfaltet die Lautgirlande in der Gestalt der Wirklichkeitsprinzipien,
1.78
pūrvabījatanur bhūtvā prasuptāmṛtakuṇḍalī
kutaḥ sarve gatā varṇā bhrāntacittaḥ sureśvaraḥ //
wird zum Leib der ursprünglichen Keimsilbe und [verweilt als] schlummernde Amṛtakuṇḍalī. „Wohin sind alle Laute gegangen?“, [fragt] der Herr der Götter verwirrten Geistes.
1.79
paraṃ vismayam āpannaḥ kṣaṇam ekaṃ vitarkitaḥ
lolībhūtās tu te sarve jīvatattve layaṃ gatāḥ //
In höchstes Erstaunen versetzt, denkt er einen Augenblick nach. Alle [Laute] sind in Bewegung geraten und im Lebensprinzip aufgegangen.
1.80
aho devyāḥ prabhāvas tu iti cintā jagatpateḥ
stunoti vividhaiḥ stotrair devo bhuvanamālinīm //
„O, welche Macht besitzt die Göttin!“ So denkt der Weltenherr. Der Gott preist die Welten-Mālinī mit verschiedenen Hymnen:
1.81
kāvarṇā kāmarūpe pur eva purigatā jālapīṭhe jikā yā ṣaḍbhinnā madhyapīṭhe tripathapadagatā tvaṃ ca śṛṅgātakārā
siddhair yā veṣṭitāṅgī parivṛtacaturaiḥ ṣaṣṭibhir yogivṛndair yuktā hṛtpaṅkajena ḍaralakasahajā pātu māṃ rudraśaktiḥ //
„Möge mich Rudraśakti beschützen: Du, die als der Laut kā in Kāmarūpa [weilt], als pure in Puri und als jikā im Jāla-Pīṭha; die in der mittleren heiligen Stätte sechsfach gegliedert ist, am dreifachen Weg weilt und die Gestalt einer Wegkreuzung besitzt; deren Leib von Vollendeten umgeben ist, von vier [Gruppen] von je sechzig Yogis umringt; die mit dem Herzlotus verbunden und mit ḍa, ra, la und ka zusammengeboren ist.“ [Lautverschlüsselung und Gruppierung sind nicht abschließend geklärt.]
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate candradvīpāvatāro nāma prathamaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das erste Kapitel namens „Das Herabkommen nach Candradvīpa“.
Kapitel 2
2.1
jaya tvaṃ mālinī devī nirmale malanāśinī
jñānaśaktiḥ prabhur devī buddhis tvaṃ tejavardhanī //
Sieg dir, Göttin Mālinī, du Makellose, die Unreinheit vernichtet! Du bist Erkenntniskraft, Herrin, Göttin und Einsicht, die den Glanz vermehrt.
2.2
jananī sarvabhūtānāṃ saṃsāre 'smin vyavasthitā
mātā vīrāvalī devī kāruṇyaṃ kuru vatsale //
Du bist die Mutter aller Wesen, die in diesem Daseinskreislauf weilt, die göttliche Mutter Vīrāvalī. Erweise dein Mitgefühl, du Liebevolle!
Hinweis der GRETIL-Vorlage (englisch): Daṇḍaka
Zusatzblock 2.p-1
(1)jayati paramatattvanirvāṇasambhūtitejomayī niḥsṛtā vyaktarūpā
(2)parā jñānaśaktis tvam icchā kriyā ṛjvirekhā punaḥ suptanāgendravat
(3)kuṇḍalākārarūpā prabhur nādaśaktis tu saṅgīyase bhāsurā
(4)jyotirūpā surūpā śivā jyeṣṭhanāmā ca vāmā ca raudrī manākhyāmbikā
(5)bindurūpāvadhūtārdhacandrākṛtis tvaṃ trikoṇā a-u-ma-kāra i-kāra
(6)e-kārasaṃyojitaikatvam āpadyase tattvarūpā bhagākāravat sthāyinī
(7)āditattvodbhavā yonirūpā ca śrīkaṇṭhasambodhanī rudramātā
(8)tathānantaśaktiḥ susūkṣmā trimūrtyāmarīśārghinī bhārabhūtis
(9)tithīśātmikā sthāṇubhūtā harākhyā ca jhaṇṭīśabhauktīśa-
(10) sadyātmikānugraheśārcitā krūrasaṅge mahāsenasambhoginī
(11) ṣoḍaśāntāmṛtā bindusandohaniṣyandadehaplutāśeṣasamyakparānanda-
(12) nirvāṇasaukhyaprade bhairavī bhairavodyānakrīḍānuṣakte
(13) parā mālinī rudramālārcite rudraśaktiḥ khagī siddhayogeśvarī
(14) siddhamātā vibhuḥ śabdarāśīti yonyārṇavī vāgviśuddhāsi vāgeśvarī
(15) mātṛkāsiddham icchā kriyā maṅgalā siddhalakṣmī vibhūtiḥ subhūtir
(16) gatiḥ śāśvatā khyāti nārāyaṇī raktacaṇḍā karālekṣaṇā bhīmarūpā
(17) mahocchuṣmayāgapriyā tvam jayantyājitā rudrasammohanī
(18) tvaṃ navātmānadevasya cotsaṅgayānāśritā
(19) mantramārgānugair mantribhir vīrapānānuraktaiḥ subhaktaiś ca
(20) sampūjyase devi pañcāmṛtair divyapānotsavair ekajanmadvijanma-
(21) trijanmacatuḥpañcaṣaṭsaptajanmodbhavais taiś ca nāraiḥ
(22) śubhaiḥ phalguṣais tarpyase madyamāṃsapriye
(23) mantravidyāvratodbhāṣibhir muṇḍakaṅkālakāpālibhir
(24) divyacaryānurūḍhair namaskāra oṃkārasvāhāsvadhākāravauṣaḍvaṣaṭ-
(25) kāraphaṭkārahūṃkārajātībhir etaiś ca mantrākṣaroccāribhir
(26) vāmahastasthitaiś cākṣasūtrāvalījāpibhiḥ sādhakaiḥ putrakair
(27) mātṛbhir maṇḍale dīkṣitair yogibhir yoginīvṛndamelāpakai
(28) rudrakrīḍālasaiḥ pūjyase yogināṃ yogasiddhiprade devi tvaṃ
(29) padmapattropamair locanaiḥ snehapūrṇais tu yaṃ paśyase
(30) tasya divyāntarīkṣasthitā saptapātālasatkhecarī siddhir avyāhatā
(31) vartate. bhaktito yaḥ paṭhed daṇḍakaṃ ekakālaṃ dvikālaṃ trikālaṃ
(32) śuciḥ saṃsmared yaḥ sadā mānavaḥ so'pi śastrāgnicaurārṇave
(33) parvatāgre 'pi saṃrakṣase devi putrānurāgān mahālakṣmi ye
(34) hemacaurānyadārānuṣaktāś ca brahmaghnagoghnā mahādoṣaduṣṭā
(35) vimuñcanti saṃsmṛtya devi tvadīyaṃ mukhaṃ pūrṇacandrānukāraṃ
(36) sphuraddi vyamāṇikyasatkuṇḍalodghṛṣṭagaṇḍasthalaṃ
(37) ye 'pi baddhā dṛḍhair bandhanair nāgapāśair bhujābaddha-
(38) pādārgalais te 'pi tvannāmasaṅkīrtanād devi muñcanti
(39) ghorair mahāvyādhibhiḥ saṃsmṛtya pādāravindadvayaṃ te
(40) mahākāli kālāgnitejaḥprabhe skandagovindabrahmendracandrārka-
(41) puṣpāyudhair maulimālālisatpadmakiñjalkasatpiñjaraiḥ sevyase
(42) sarvavīrāmbike bhairavī bhairavas te śaraṇyāgato 'haṃ
(43) kṣamasvāparādhaṃ kṣamasvāparādhaṃ śive
Siegreich erstrahlst du, hervorgegangen aus dem höchsten Wirklichkeitsprinzip und der Erlösung, als Lichtwesen in offenbar gewordener Gestalt. Du bist die höchste Erkenntniskraft, Wille und Handlung, die gerade Linie und wiederum die ringförmige Gestalt einer schlafenden großen Schlange. Als Herrin und strahlende Klangkraft wirst du besungen. Du bist lichtgestaltig und schön, die Gütige, Jyeṣṭhā, Vāmā, Raudrī und die Mutter namens Manākhya. Du hast die Gestalt des Bindu, des Halbmondes und des Dreiecks; als die Laute a, u, m und i gelangst du, mit e verbunden, zur Einheit, bist Wirklichkeit und verweilst in der Gestalt der weiblichen Scham. Aus dem ursprünglichen Prinzip hervorgegangen, bist du Schoßgestalt, Erweckerin Śrīkaṇṭhas und Rudras Mutter. Du bist die unendliche, überaus feine Kraft, [verbunden mit] Trimūrti, Amareśa, Arghin und Bhārabhūti; du bist Tithīśa, Sthāṇu, Hara, Jhaṇṭīśa, Bhauktīśa und Sadya, von Anugraheśa verehrt und in furchterregender Vereinigung mit Mahāsena verbunden. Du bist der Nektar am Ende der Sechzehn, der den Leib mit dem Ausströmen der Bindu-Fülle überflutet; du schenkst die vollkommene höchste Wonne und das Glück der Erlösung. Bhairavī, dem Spiel in Bhairavas Garten hingegeben, höchste Mālinī, mit Rudra-Girlanden verehrt, Rudra-Kraft, Himmelsgängerin, Herrin vollendeter Yogis, Mutter der Vollendeten, Allgegenwärtige! Du bist Lautgesamtheit, Schoß-Ozean, reine Rede und Herrin der Rede. Du bist Mātṛkā und Vollendung, Wille und Handlung, Glückverheißende, Siddhalakṣmī, Entfaltung, Gedeihen, ewiger Weg und Erkenntnis, Nārāyaṇī, Raktacaṇḍā mit schrecklichen Augen und furchtbarer Gestalt. Du liebst das Mahocchuṣma-Opfer, bist Jayantī, Ajitā und diejenige, die Rudra bezaubert; du ruhst im Schoß des Gottes Navātman. Die Mantrakundigen auf dem Mantraweg, die dem Vīra-Trank zugetan und voller Hingabe sind, verehren dich, Göttin, mit den fünf Nektaren und Festen göttlicher Getränke. Mit menschlichen [Opfersubstanzen] aus einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs und sieben Geburten sowie mit gutem Fleisch wirst du gesättigt, du Liebhaberin von Wein und Fleisch. Mantra-, Vidyā- und Gelübdeübende, Träger von Köpfen, Skeletten und Schädeln, in göttlicher Lebensweise Gefestigte, sprechen die Mantrasilben namaskāra, oṃ, svāhā, svadhā, vauṣaṭ, vaṣaṭ, phaṭ und hūṃ. Praktizierende, Putrakas, Muttergöttinnen, im Mandala Eingeweihte und Yogis, die mit Yogini-Scharen zusammenkommen, verehren dich; sie rezitieren mit Gebetsketten in der linken Hand und erfreuen sich am Spiel Rudras. Du schenkst den Yogis die Vollendung des Yoga. Wen du mit lotusblattgleichen, liebevollen Augen ansiehst, dessen Khecarī-Vollendung wirkt ungehindert in den göttlichen Bereichen, im Zwischenraum und in den sieben Unterwelten. Wer diesen Daṇḍaka mit Hingabe einmal, zweimal oder dreimal [am Tag] vorträgt, wer dich rein und beständig erinnert, den schützt du aus Liebe zu deinem Kind vor Waffen, Feuer, Dieben, dem Meer und selbst auf Bergeshöhen. Mahālakṣmī! Selbst Golddiebe, diejenigen, die fremden Frauen nachgehen, Brahmanentöter, Kuhtöter und durch schwere Verfehlungen Belastete werden frei, wenn sie dein vollmondgleiches Gesicht erinnern, dessen Wangen von prächtigen, funkelnden Rubin-Ohrgehängen berührt werden. Auch die mit festen Fesseln, Schlangenschlingen und Fußriegeln Gebundenen werden durch das Besingen deines Namens frei. Von schrecklichen schweren Krankheiten [werden sie frei], wenn sie deine beiden Lotusfüße erinnern. Mahākālī, strahlend wie das Feuer der Weltauflösung! Skanda, Govinda, Brahmā, Indra, Mond, Sonne und der Gott mit Blumenwaffen dienen dir; ihre Kränze und Kronen leuchten vom gelben Staub der Lotusfäden [deiner Füße]. Mutter aller Helden, Bhairavī, ich, Bhairava, habe bei dir Zuflucht gesucht. Vergib die Verfehlung, vergib die Verfehlung, du Gütige! [Arbeitsübersetzung des gesamten unnummerierten Daṇḍaka. Mehrere Lautgottheiten und die Geburten-/Opferterminologie bleiben philologisch vorläufig; die Wirkversprechen werden als Aussagen der Hymne wiedergegeben.]
2.3
evaṃ stutā mahādevī bhairaveṇa mahātmanā
tato liṅgaṃ vinirbhidya nirgatā parameśvarī //
Als die große Göttin so vom erhabenen Bhairava gepriesen worden war, brach die höchste Herrin aus dem Linga hervor.
2.4
nīlāñjanasamaprakhyā kubjarūpā vṛkodarā
īṣatkarālavadanā barbarordhvaśiroruhā //
Sie war dunkel wie schwarze Augensalbe, von gebeugter Gestalt und mit einem Wolfsbauch, mit leicht furchterregendem Gesicht und struppigem, aufgerichtetem Haupthaar.
2.5
surūpā ca virūpā ca anekākārarūpiṇī
vāmaprasāritakarā vāmadevī-m-uvāca ha //
Schön und ungestalt zugleich, vielerlei Gestalten annehmend, streckte die linke Göttin ihre Hand aus und sprach:
2.6
ājñānandasamāviṣṭā stutyānandākulīkṛtā
na vedmi ko 'tra māṃ stauti kāhaṃ kasya varapradā //
„Von der Wonne der Vollmacht durchdrungen, von der Freude am Lobpreis bewegt, weiß ich nicht: Wer preist mich hier? Wer bin ich? Wem gewähre ich Gaben?“
2.7
uvācaivaṃ mahāsattvā dṛṣṭipāto madīyakaḥ
āśīviṣeva duṣprekṣyaḥ sa kathaṃ dhāritas tvayā //
Die Machtvolle sprach weiter: „Mein Blick ist so schwer zu ertragen wie eine Giftschlange. Wie hast du ihm standgehalten?
2.8
prārthayasva tadā kiñcid yat te manasi rocate //
Erbitte nun etwas, was dein Herz begehrt!“
2.9
prasādāya mahādevi dadājñānugrahaṃ mama
tapasā tava cogreṇa mama hāniḥ kujāmbike //
„Große Göttin, erweise mir deine Gnade und verleihe mir die Vollmacht. Durch deine gewaltige Askese, Mutter Kubjikā, ist mir eine Einbuße
2.10
sañjātā tena me devi pūrvam uktam idaṃ mayā
evaṃ śrutvā mahādevī salajjā gadgadekṣanā //
entstanden. Deshalb, Göttin, habe ich zuvor so gesprochen.“ Als die große Göttin dies hörte, [wurde sie] scheu und blickte erregt. [gadgadekṣanā ist ungewöhnlich und nur annähernd wiedergegeben.]
2.11
kiṃ te siddhaṃ mahādeva yena lajjāpitā vayam //
„Was hast du denn vollbracht, großer Gott, dass du uns beschämt hast?“
2.12
pūrvam uktaṃ mayā tubhyam ājñāsamayagocare
mattulyānugṛhītvā tu paścād bhava gaṇāmbikā //
„Ich habe dir zuvor im Zusammenhang von Vollmacht und Verpflichtung gesagt: Nachdem du einen mir Gleichen begnadet hast, werde danach Mutter der Scharen.
2.13
kasyedaṃ siddhasantānaṃ pāramparyakramāgatam
matsakāśāt punas tubhyaṃ tvatsakāśāt punar mama //
Wem gehört diese in ununterbrochener Folge weitergegebene Überlieferung der Vollendeten? Von mir [gelangt sie] wieder zu dir und von dir wiederum zu mir.“
2.14
evaṃ tad bhairavaṃ vākyaṃ śrutvā devī parāṅmukhī
sañjātā kubjikārūpā lajjāto rabhasoditā //
Als die Göttin diese Worte Bhairavas hörte, wandte sie sich ab und nahm aus plötzlich aufwallender Scham die gebeugte Gestalt Kubjikās an.
2.15
kiṃ tu lajjāyase devi pūrvam ājñā mayā tava
idānīṃ dada me śīghraṃ mā śaṅkā mā vilambaya //
„Warum schämst du dich, Göttin? Früher habe ich dir die Vollmacht [gegeben]. Gib sie mir jetzt rasch; zögere nicht, säume nicht!“
2.16
aprabuddhapramattena yadā tad rabhasoditam
tat kiṃ nigrahabuddhyā vā yuktaṃ tvedaṃ kujeśvara //
„Was damals in Unachtsamkeit und ohne volles Verständnis vorschnell ausgesprochen wurde – ist es recht, Kujeśvara, daraus eine Absicht zur Unterwerfung zu machen?“ [Die Sprecher- und Satzbezüge sind vorläufig.]
2.17
sarvānugrahake devi kiṃ na budhyasi cātmani
na mayā rahitaṃ kiñcin na tvayā rahitaṃ kvacit //
„Göttin, die allen Gnade erweist, weshalb erkennst du es nicht in dir selbst? Nichts ist ohne mich, und nirgends ist etwas ohne dich.
2.18
anyonyaguṇayogena kāryakāraṇayogataḥ
tvaṃ gurur mama deveśi ahaṃ te na vicāraṇāt //
Durch die Verbindung unserer wechselseitigen Kräfte und den Zusammenhang von Wirkung und Ursache bist du mein Guru, Herrin der Götter, und ich bin deiner; darüber besteht kein Zweifel.
2.19
rudrabhairavavīrāṇām eṣā cājñā na kasyacit
yadi śiṣyaṃ na manyetha mitratvena tadā dada //
Keiner der Rudras, Bhairavas und Vīras besitzt diese Vollmacht. Wenn du mich nicht als Schüler anerkennen willst, dann gib sie mir als Freund.“
2.20
evaṃ brūte tadā devyā sarvam etad bhaviṣyati
paścimedaṃ kṛtaṃ deva pūrvabhāgavivarjitam //
Darauf sprach die Göttin: „All dies soll geschehen. Dies ist zur westlichen [Überlieferung] geworden, o Gott, gesondert von der östlichen Abteilung.
2.21
candradvīpaṃ manoramyaṃ deva tyaktuṃ na me manaḥ
paścimaṃ sarvamārgāṇāṃ tvaṃ tāvad anuśīlaya //
Ich möchte das reizvolle Candradvīpa nicht verlassen, o Gott. Befasse du dich einstweilen mit dem westlichen [Weg] unter allen Wegen.
2.22
paścimāmnāyamārgo 'yaṃ siddhānām akhilaṃ dada
gacchāmy ahaṃ punas tatra bhārate kulaparvatam //
Dies ist der Weg der westlichen Überlieferung; gib ihn den Vollendeten vollständig weiter. Ich gehe nun wieder nach Bhārata zum Kula-Berg.“
2.23
anādiyugaparyantaṃ kīrtayāmāsa tadvidām
śrīparvataṃ kumārākhyaṃ chāyāchatravibhūṣitam //
[Sie] verkündete den Kundigen [den Ruhm] des Śrīparvata namens Kumāra, der mit einem schattenspendenden Schirm geschmückt ist, [für die Folge] der anfanglosen Weltalter. [Der Satzanschluss bleibt unsicher.]
2.24
evam uktvā gatā tūrṇaṃ śrīmatkaumāraparvatam
tatra chāyātmikā devī avyaktā vyaktarūpiṇī //
Nachdem sie so gesprochen hatte, ging sie rasch zum erhabenen Kumāra-Berg. Dort [weilte] die Göttin als Schattenwesen, unoffenbar und doch von offenbarer Gestalt.
2.25
kṣapitvā kālaparyāyaṃ yāvad ālokayed diśām
uttarāṃ tāvat tat sarvaṃ liṅgapūrṇaṃ mahāvanam //
Nach einiger Zeit blickte sie nach Norden; dort sah sie einen großen Wald voller Lingas.
2.26
aśītiyojanāyāmaṃ samantāt parimaṇḍalam
caturdvārasamopetaṃ tīrthakoṭibhir āvṛtam //
Er erstreckte sich über achtzig Yojanas, war ringsum kreisförmig, besaß vier Tore und war von zahllosen heiligen Badeplätzen umgeben.
2.27
anekasiddhasaṃchannaṃ manoramyam anopamam
tamoguṇagaṇākīrṇam anekāścaryasaṃkulam //
Von vielen Vollendeten bevölkert, reizvoll und unvergleichlich, von den Erscheinungsweisen des Tamas erfüllt, barg er vielerlei Wunder.
2.28
devyādṛṣṭinipātena akasmāc chrīr upasthitā
tena śrīśailam uddiṣṭaṃ devyānāmapratiṣṭhitam //
Durch den Blick der Göttin erschien plötzlich Glücksglanz. Deshalb wurde [der Berg] Śrīśaila genannt; die Göttin stiftete seinen Namen.
2.29
aṅguṣṭhena kṛtā rekhā svasthānasya ca tasya vai
tatra jātā nadī divyā sāsīmā ubhayor api //
Mit dem großen Zeh zog sie eine Linie zwischen ihrer eigenen Stätte und jener [Stätte]. Dort entstand ein göttlicher Fluss als Grenze zwischen beiden.
2.30
tacchāyāṃ niścalāṃ kṛtvā ājñāṃ dattvā tu śāmbhavīm
atra yo viśate kaścit sa me tulyo bhaviṣyati //
Sie machte ihren Schatten dort unbeweglich und verlieh die Shiva-Vollmacht: „Wer hier eintritt, wird mir gleich sein.
2.31
hartā kartā svatantro 'sau bhraṣṭajñānaprakāśakaḥ
ājñāto guṇam aiśvaryaṃ trailokye sacarācare //
Er wird Auflöser und Schöpfer sein, unabhängig, Wiedererheller verlorenen Wissens; durch die Vollmacht [besitzt er] Herrschaftskraft in der Dreiwelt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen.“
2.32
evam ākṣepayitvā tu gatā trikūṭaparvatam
tatra kālaṃ kṣapitvā tu kiṣkindhākhyam anugrahet //
Nachdem sie dies angeordnet hatte, ging sie zum Trikūṭa-Berg. Dort verbrachte sie einige Zeit und begnadete dann [die Stätte] Kiṣkindhā.
2.33
tasya cājñāvibhūtiṃ tu dattvānugṛhya rākṣasān
yena tiṣṭhāmy ahaṃ tīre samudrasya tv aśaṅkitā //
Sie verlieh ihr die Macht der Vollmacht und begnadete die Rakshasas: „Dadurch weile ich furchtlos am Meeresufer.“ [Der direkte Redeanschluss ist unsicher.]
2.34
tatra kanyākumārī tvaṃ gatvā kālasya paryayam
samudram anugṛhītvā daradaṇḍīṃ gatā punaḥ //
Dort [war sie] Kanyākumārī. Nach einiger Zeit begnadete sie das Meer und ging wieder nach Daradaṇḍī. [Der Ortsname wird nach der Quelle beibehalten.]
2.35
tatra chāyādharī devī avyaktaguṇacetasā
lokānugrahahetvarthaṃ tatrājñāṃ mocayet punaḥ //
Dort weilte die Göttin als Schattenträgerin mit unoffenbarem innerem Wesen. Zum Wohl der Menschen ließ sie dort erneut ihre Vollmacht ausgehen.
2.36
pūrvasthāne tu yā vācā sā tv atraiva bhaviṣyati
evam uktvā gatā dūraṃ paścimaṃ himagahvaram //
„Was ich an der früheren Stätte ausgesprochen habe, wird auch hier gelten.“ Nachdem sie so gesprochen hatte, ging sie weit nach Westen in eine Schneeberg-Höhle.
2.37
yatra olambikā nāma tiṣṭhate vanapallikā
raktāmbaradharā raktā raktasthā ratilālasā //
Dort wohnt die Waldsiedlerin namens Olambikā, rot gekleidet, rot [von Erscheinung], im Roten weilend und nach Liebeslust verlangend.
2.38
tatrasthā gahvarāntasthā guhāgahanavāsinī
yāvat santiṣṭhate kālaṃ tāvad yogimayaṃ khilam //
[Die Göttin] blieb dort im Inneren der Höhle, in ihrem verborgenen Dunkel; während ihres Aufenthaltes war alles von Yogis erfüllt.
2.39
tais tu santoṣitā devī nayopāyair anekadhā
tataḥ prasannagambhīrā uvācedaṃ kujeśvarī //
Diese erfreuten die Göttin auf vielerlei Weise und mit verschiedenen Mitteln. Darauf sprach Kujeśvarī, freundlich und tiefgründig:
2.40
anekopāyaracanā vivekaguṇaśālinī
oḍḍitā yena aṅghribhyāṃ tenedam oḍḍiyānakam //
„Weil [ich hier], reich an unterschiedlichen Mitteln und Unterscheidungskraft, mit beiden Füßen aufgeflogen bin, [heißt] dies Oḍḍiyānaka.“ [Die Ortsableitung und der Sprecherbezug sind vorläufig.]
2.41
bhaviṣyati purāvastham aṣṭakoṭiguṇāśrayam
āgatya khecarīcakrāt tv amoghājñāprasādataḥ //
„Durch die Gnade der unfehlbaren Vollmacht wird sich der frühere Zustand einstellen, als Stätte von acht Koti an Kräften, [nach dem Herabkommen] aus dem Khecarī-Kreis.
2.42
aṣṭau te mānasāḥ putrā bhaviṣyanti ca ṣaḍguṇāḥ
śākinyaṣṭakamātā tvam aṣṭasiṃhāsanādhipāḥ //
Du wirst acht geistgeborene Söhne besitzen, mit sechs Vorzügen ausgestattet. Du bist Mutter der acht Śākinīs; [die Söhne sind] Herren der acht Throne.
2.43
rudrāṇī rudraśākī ca gomukhī sumukhī tathā
vānarī kekarī caiva kālarātrī ca bhaṭṭikā //
[Die Töchter heißen:] Rudrāṇī, Rudraśākī, Gomukhī, Sumukhī, Vānarī, Kekarī, Kālarātrī und Bhaṭṭikā.
2.44
vāmano harṣaṇaś caiva siṃhavaktro mahābalaḥ
mahākālaikavīraś ca bhairavaś ca pracaṇḍakaḥ //
[Die Söhne heißen:] Vāmana, Harṣaṇa, Siṃhavaktra, Mahābala, Mahākāla, Ekavīra, Bhairava und Pracaṇḍaka.
2.45
caturbhujo gaṇādhyakṣo gajavaktro mahotkaṭaḥ
airāvato vināyakṣaḥ ṣaḍ ete prāticārakāḥ //
Caturbhuja, Gaṇādhyakṣa, Gajavaktra, Mahotkaṭa, Airāvata und Vināyakṣa sind die sechs Diener.
2.46
putrīputrāṣṭakopetā nivṛttisthā niyāmikā
anekasṛṣṭikartā ca susampūrṇaguṇojjvalaḥ //
Mit je acht Töchtern und Söhnen versehen, in Nivṛtti weilend, [bist du] die Lenkerin. [Dein Herr ist] Schöpfer vieler Schöpfungen, strahlend von vollkommen erfüllten Kräften. [Der Wechsel der grammatischen Geschlechter macht die Zuordnung unsicher.]
2.47
kṛte coḍḍamaheśāno mitrānandaḥ patis tava
aṣṭau putrāḥ kariṣyanti adhikāraṃ paścimānvaye //
Im Kṛta-Zeitalter ist Oḍḍamaheśāna, Mitrānanda, dein Gemahl. Die acht Söhne werden die Leitung in der westlichen Überlieferung ausüben.
2.48
adhikāraṃ kariṣyanti ṣaṭ kulādhipatīśvarāḥ
yuge yuge bhaviṣyanti pṛthaksaṃjñākramodayāḥ //
Die sechs Herren der Kulas werden ihre Zuständigkeit ausüben. In jedem Weltalter werden sie mit besonderen Namen und Überlieferungsfolgen erscheinen.
2.49
evaṃ te sūcitaṃ sarvaṃ kramaughaḥ kulapaddhatiḥ
bhaviṣyadraktacāmuṇḍe gamiṣyāmo yathepsitam //
Damit ist dir alles angedeutet: der Strom der Überlieferungsfolge und der Kula-Weg. Du wirst Raktacāmuṇḍā sein; wir gehen nun nach unserem Wunsch weiter.“
2.50
evaṃ dattvā varaṃ tebhyaḥ karālaṃ ca samāgatā
mahājvālālisandīptaṃ dīptatejānalaprabham //
Nachdem sie ihnen so die Gabe verliehen hatte, kam sie nach Karāla, das von gewaltigen Flammenreihen erleuchtet war und wie loderndes Feuer strahlte.
2.51
mahājvālāvalīṭopaṃ devyās tejo mahādbhutam
dhṛtaṃ yena pratāpo 'syās tena taj jālasaṃjñakam //
Die überaus wunderbare Macht der Göttin war ein mächtiges Geflecht von Flammen. Weil [die Stätte] deren Glut getragen hatte, erhielt sie die Bezeichnung Jāla. [Religiöse Namensableitung.]
2.52
kiñcitkālasya paryāye prabuddhakiraṇojjvalā
vicitraracanānekaṃ paśyaty agrendrajālavat //
Nach einiger Zeit erstrahlte sie in erwachten Lichtstrahlen und sah vor sich vielfältige, wunderbare Gebilde wie ein Zaubernetz.
2.53
kasyaiṣā racanā divyā pūrvam āsīd ihādhvare
mattejasaḥ pratāpena bhraṣṭā tvaṃ na palāyitā //
„Wessen göttliches Werk war zuvor hier an dieser Kultstätte? Von der Glut meiner Kraft getroffen, bist du dennoch nicht geflohen.
2.54
karālavadane tubhyaṃ māyājālaprasārike
jālandharādhipatyatvaṃ bhaviṣyaty acireṇa tu //
Du mit dem schrecklichen Antlitz, die das Netz der Māyā entfaltet: Bald wirst du die Herrschaft über Jālandhara innehaben.
2.55
āgatya khecarīcakrāc chrīsiddhakauṇḍalīśvaraḥ
aśeṣārthavido nāthaḥ sa te nātho bhaviṣyati //
Der erhabene vollendete Kauṇḍalīśvara wird aus dem Khecarī-Kreis kommen. Dieser Herr, der sämtliche Bedeutungen kennt, wird dein Gemahl sein.
2.56
bhaviṣyanti karālinyo daśaiva duhitā tava
bhaviṣyanty uttarānandā daśaite guṇavattarāḥ //
Zehn furchterregende Töchter wirst du besitzen; zehn besonders machtvolle [Söhne] werden der nördlichen Ānanda-[Überlieferung] angehören.
2.57
prāticārās tu ṣaḍ bhadre bhaviṣyanty anugocare
ājñānandasamekatvaṃ karālīduhitājanam //
Sechs Diener, du Gütige, werden im Gefolge sein. In der Einheit mit der Wonne der Vollmacht [stehen] die Töchter Karālīs.
2.58
mālā śivā tathā durgā pāvanī harṣaṇī tathā
jayā tu suprabhā caiva prabhā caṇḍā ca rugminī //
[Sie heißen:] Mālā, Śivā, Durgā, Pāvanī, Harṣaṇī, Jayā, Suprabhā, Prabhā, Caṇḍā und Rugminī.
2.59
śakuniḥ sumatir nando gopālaś ca pitāmahaḥ
pallavo meghanirghoṣaḥ śikhivaktro mahādhvajaḥ //
Śakuni, Sumati, Nanda, Gopāla, Pitāmaha, Pallava, Meghanirghoṣa, Śikhivaktra, Mahādhvaja
2.60
kālakūṭo daśaivaite putrāḥ siṃhāsanādhipāḥ
bhaviṣyanti bhave tubhyaṃ meghavarṇādito gaṇāḥ //
und Kālakūṭa: Diese zehn Söhne werden dir in der Welt als Herren der Throne [geboren]. Die Scharen beginnen mit Meghavarṇa. [Der Anschluss von meghavarṇādito bleibt offen.]
2.61
bṛhatkukṣaikadaṃṣṭraś ca gaṇeśo vighnarāṭ prabhuḥ
mahānandaḥ ṣaḍ evaite bhaviṣyanti gaṇeśvarāḥ //
Bṛhatkukṣi, Ekadaṃṣṭra, Gaṇeśa, Vighnarāṭ, Prabhu und Mahānanda: Diese sechs werden Herren der Scharen sein.
2.62
uttarānandam īśānāḥ kariṣyanti yuge yuge
jñānabhraṃśāvasāne tu saṃjñābhedān punaḥ punaḥ //
Die Herren werden in jedem Weltalter die nördliche Ānanda-[Überlieferung] weiterführen und bei eingetretenem Verlust des Wissens immer wieder unterschiedliche Namen [annehmen].
2.63
karālī tava santāne bhaviṣyanti mamājñayā
evam uktvā maheśānī gatā sahyaṃ mahāvanam //
„Karālī, in deiner Überlieferung werden sie auf meinen Auftrag hin erscheinen.“ Nachdem sie so gesprochen hatte, ging die große Herrin zum mächtigen Wald des Sahya.
2.64
sampūrṇamaṇḍalārcībhiḥ pūrayantī jagattrayam
niḥśeṣaṃ nikhilaṃ viśvaṃ lokālokāntasaṃsthitam //
Mit den Strahlen ihres vollkommenen Lichtkreises erfüllte sie die Dreiwelt, das ganze Weltall bis zur Grenze von Lokāloka.
2.65
yāvat santiṣṭhate tatsthā nayopādair anekadhā
tāvac caṇḍākṣī balavat paricaryām anekadhā //
Während sie dort durch verschiedene Mittel [wirkte], leistete Caṇḍākṣī kraftvoll auf vielerlei Weise Dienst,
2.66
kurvantī vividhopāyaiḥ saukaryaracanān bahūn
tejobhābhiḥ pradīpyante caṇḍākṣīguṇapūritāḥ //
mit verschiedenen Verfahren und zahlreichen dienlichen Einrichtungen. [Diese] erstrahlten in Lichtglanz und waren von Caṇḍākṣīs Kräften erfüllt.
2.67
yasminn adrau sthitā devī dedīpyārcir ghanojjvalā
tat pradeśaṃ sthiraṃ jātam anyad dagdhaṃ carācaram //
Der Ort auf dem Berg, an dem die Göttin mit hell lodernden Strahlen weilte, blieb fest bestehen; das übrige Bewegliche und Unbewegliche wurde verbrannt.
2.68
āpūritam idaṃ sarvam anekaracanādibhiḥ
paśyate parvataṃ mātā kālānte muditekṣaṇā //
Alles war mit vielfältigen Gestaltungen erfüllt. Nach einiger Zeit betrachtete die Mutter den Berg mit freudigem Blick.
2.69
tāvac caṇḍākṣiṇīty agre paśyaty amitatejasā
viśvāmṛtaiḥ pūrayantī divyaughaguṇalālasā //
Da sah sie vor sich Caṇḍākṣiṇī, die mit unermesslichem Glanz [alles] mit dem Nektar des Weltalls erfüllte und nach den Kräften des göttlichen Stromes verlangte.
2.70
uvācedaṃ mahādevī sādhu pūrṇamanorathe
yenedaṃ pūritaṃ sthānaṃ tena tvaṃ pūrṇarūpiṇī //
Die große Göttin sprach: „Gut, du mit erfülltem Wunsch! Weil du diesen Ort erfüllt hast, bist du die Gestalt der Fülle.
2.71
bhaviṣyaty ādhipatyatvaṃ parvato 'yaṃ tavodbhavaḥ
viṣuvena tu yogena yenedaṃ saṃskṛtaṃ tvayā //
Dir wird die Herrschaft gehören; dieser Berg ist dein Hervortreten. Weil du ihn durch die Verbindung im Gleichgewicht gestaltet hast,
2.72
tena pīṭheśvarī tvaṃ vai bhaviṣyasi yuge yuge
tejaskandhāsanaṃ tubhyaṃ dvāparāntādhikāriṇī //
wirst du in jedem Weltalter die Herrin der heiligen Stätte sein. Der Thron auf der Lichtmasse gehört dir; du führst die Herrschaft bis zum Ende des Dvāpara-Zeitalters.
2.73
bhaviṣyati bhave 'vaśyaṃ cakrānandaḥ patis tava
sampūrṇamaṇḍalākāro granthādhāraḥ kuleśvaraḥ //
Cakrānanda wird gewiss dein Gemahl in der Welt sein, vollkommen kreisgestaltig, Träger der Schrift und Herr des Kula.
2.74
dvādaśaiva bhave tubhyaṃ bhaviṣyanti kumārikāḥ
tābhyas tv ekaikakoṭiś ca ādhipatyādhikārikāḥ //
Zwölf Jungfrauen wirst du in der Welt besitzen; jeder von ihnen wird eine Koti [Gefolge] zur Ausübung der Herrschaft zukommen.
2.75
bhaviṣyanti tathā putrāḥ prāticārās tadardhataḥ
āgantuṃ khecarīcakrāt preritās tu mamājñayā //
Ebenso viele Söhne und halb so viele Diener werden sein; auf meinen Auftrag hin sollen sie aus dem Khecarī-Kreis herabkommen.
2.76
yena te nāmato brūmi yathā te 'haṃ prasāditā
haṃsāvalī sutārā ca harṣā vāṇī sulocanā //
Ich nenne sie dir beim Namen, da du mich erfreut hast: Haṃsāvalī, Sutārā, Harṣā, Vāṇī, Sulocanā,
2.77
mahānandā sunandā ca koṭarākṣī vṛkānanā
yaśovatī viśālākṣī sundarī dvādaśī tathā //
Mahānandā, Sunandā, Koṭarākṣī, Vṛkānanā, Yaśovatī, Viśālākṣī und Sundarī als zwölfte.
2.78
siṃhāsanādhipatye tāḥ pūrṇādrau kulakanyakāḥ
valir nando daśagrīvo hayagrīvo hayas tathā //
Diese Kula-Mädchen werden die Throne auf dem Berg Pūrṇa innehaben. [Die Söhne heißen:] Vali, Nanda, Daśagrīva, Hayagrīva, Haya,
2.79
sugrīvo gopatir bhīṣmaḥ śikhaṇḍī khaṇḍalas tathā
śakraś caṇḍādhipaḥ siddhāḥ sarvānugrahakārakāḥ //
Sugrīva, Gopati, Bhīṣma, Śikhaṇḍin, Khaṇḍala, Śakra und Caṇḍādhipa: Vollendete, die allen Gnade erweisen.
2.80
haṃsabhedādimārgasya bhaviṣyanti prakāśakāḥ
āmodaś ca pramodaś ca sumukho durmukhas tathā //
Sie werden den Weg der Haṃsa-Unterscheidung und die weiteren [Lehren] offenbaren. Āmoda, Pramoda, Sumukha und Durmukha,
2.81
avighno vighnakartā ca tava mārgeṣu rakṣakāḥ
etat sarvaṃ yathānyāyaṃ caṇḍākṣī puratas tava //
Avighna und Vighnakartṛ werden die Hüter deiner Wege sein. All dies wird ordnungsgemäß vor dir, Caṇḍākṣī,
2.82
bhaviṣyati mamājñāto gacchāmaḥ kāmikaṃ yathā
evam uktvā gatā śīghraṃ yatrocchuṣmā nadī śubhā //
auf meinen Auftrag hin geschehen. Wir gehen nun nach Kāmika.“ Nachdem sie so gesprochen hatte, ging sie rasch dorthin, wo der heilige Fluss Ucchuṣmā [fließt],
2.83
mahocchuṣmavanāntasthā divyādivyaughavāhinī
mahocchuṣmahradaṃ yatra yatra nīlo mahāhradaḥ //
mitten im Mahocchuṣma-Wald, göttliche und nichtgöttliche Ströme führend, wo der Mahocchuṣma-See und der große blaue See sind.
2.84
tatra sā ram ate devī divyājñāguṇaśālinī
ubhayos taṭayos tasthā ramitvā kālaparyayam //
Dort erfreute sich die Göttin, ausgestattet mit den Kräften göttlicher Vollmacht. Nachdem sie eine Zeit lang an beiden Ufern verweilt hatte,
2.85
yāvat paśyati viśvāṅgī tattvāṅgī tāvat paśyati
kāmabhogakṛtāṭopāṃ vasantatilakojjvalām //
sah sie, deren Leib das Weltall und die Wirklichkeitsprinzipien umfasst, [eine Göttin], die im Genuss des Verlangens prangte und vom Schmuck des Frühlings erstrahlte.
2.86
dravayantīṃ dravantīṃ tām icchayā bhuvanatrayam
tāṃ dṛṣṭvā prahasitā mātā kā tvaṃ kasmād ihāgatā //
Sie brachte die Dreiwelt durch ihren Willen zum Schmelzen und schmolz selbst dahin. Als die Mutter sie sah, lächelte sie: „Wer bist du? Weshalb bist du hierhergekommen?“
2.87
tāṃ dṛṣṭvā mohitā mātā jānanty api na jānatī
viśramya ca muhūrtaikaṃ yāvad ālokayet punaḥ //
Von ihrem Anblick bezaubert, war die Mutter zugleich wissend und nichtwissend. Sie ruhte einen Augenblick und blickte nochmals hin.
2.88
tāvocchuṣma ihāyātā mamāgre śokavāhinī
sādhu kāmini sarvatra yat tvayā darśitaṃ mama //
„Da ist Ucchuṣmā vor mich getreten, Kummer mit sich führend. Gut, du Liebende, was du mir überall gezeigt hast!
2.89
kāmānandaphalāvāptis tena kāmeśvarī bhava
kāruṇyāt kāmarūpaṃ tu mamāgre vividhaṃ kṛtam //
Dadurch wird die Frucht der Liebeswonne erlangt; werde deshalb Kāmeśvarī! Aus Mitgefühl hast du vor mir vielfältige Gestalten des Verlangens geschaffen.
2.90
tenedaṃ kāmarūpaṃ tu mahat pīṭhaṃ tavādhvaram
bhaviṣyati kalau prāpte candrānandaḥ patis tava //
Deshalb soll diese große heilige Stätte deiner Verehrung Kāmarūpa heißen. Wenn das Kali-Zeitalter beginnt, wird Candrānanda dein Gemahl sein.
2.91
vāyuskandhopaviṣṭo 'sau ātmabhedaprakāśakaḥ
aśeṣārthavido nāthaḥ sarvajñaḥ parameśvaraḥ //
Auf der Windmasse sitzend, offenbart er die Gliederungen des Selbst; er ist der Herr, der alle Bedeutungen kennt, allwissend und höchster Herr.
2.92
kāmike kāmukas tubhyaṃ kāmadevo bhaviṣyati
bhaviṣyanti mahānandās trayodaśa guṇānvitāḥ //
In Kāmika wird er als Liebender dein Kāma-Gott sein. Dreizehn mit großen Wonnen und Kräften ausgestattete
2.93
yoginyo yogasampannās tava ḍikkarikāḥ śubhāḥ
putrās trayodaśā hy evaṃ saptaite prāticārakāḥ //
Yoginīs, im Yoga vollendet, werden deine glückverheißenden Dienerinnen sein. Ebenso werden dreizehn Söhne und diese sieben Diener
2.94
bhaviṣyanti jagaddīpā jagadānandakārakāḥ
prabhā prasūtiḥ śāntābhā bhānuvatyā ca śrībalā //
als Leuchten der Welt erscheinen und ihr Freude bringen. [Die Yoginīs heißen:] Prabhā, Prasūti, Śāntābhā, Bhānuvatī, Śrībalā,
2.95
hārī ca hāriṇī caiva śālinī kandukī tathā
muktāvalī tathā cānyā gautamī kauśikī tathā //
Hārī, Hāriṇī, Śālinī, Kandukī, ferner Muktāvalī, Gautamī und Kauśikī,
2.96
śākodarī ca vikhyātā rājñāḥ siṃhāsanādhipāḥ
bhānur anantahetuś ca surājaḥ sundaras tathā //
sowie die berühmte Śākodarī. [Nun folgen] die Könige, die Herren der Throne: Bhānu, Anantahetu, Surāja, Sundara,
2.97
mahāvaktrārjuno bhīmo droṇako bhasmako 'ntakaḥ
ketudhvajo viśālākṣaḥ kalyāṇaś caturānanaḥ //
Mahāvaktra, Arjuna, Bhīma, Droṇaka, Bhasmaka, Antaka, Ketudhvaja, Viśālākṣa, Kalyāṇa und Caturānana. [Die getrennte Lesung ergibt zusammen mit 2.96 vierzehn Namen statt der angekündigten dreizehn; die Namensgliederung ist zu prüfen.]
2.98
eṣo'vatāro vividhaḥ kalau prāpte bhaviṣyati
lampaṭo ghaṇṭakarṇaś ca sthūladanto gajānanaḥ //
Dieses vielfältige Herabkommen wird im beginnenden Kali-Zeitalter stattfinden. Lampaṭa, Ghaṇṭakarṇa, Sthūladanta, Gajānana,
2.99
bṛhatkukṣiḥ surānandaḥ saptamas tu balotkaṭaḥ
saptaite viṣamāḥ kruddhāḥ sarvasantānapālakāḥ //
Bṛhatkukṣi, Surānanda und als siebter Balotkaṭa: Diese sieben schrecklichen, zornigen [Wesen] sind Hüter aller Überlieferungen.
2.100
pīṭhopapīṭhasandohe kṣetre kṣetre mahābalāḥ
sarvasādhāraṇā hy ete bhaviṣyanti kalau yuge //
In den heiligen Haupt- und Nebenstätten, an jedem Kultort, werden diese überaus Mächtigen im Kali-Zeitalter allen gemeinsam sein.
2.101
anyat kāmāmbike kiñcid bhaṇiṣyāmaḥ kariṣyatha
sarvasādhāraṇaṃ tac ca caturṇāṃ tu vijānatha //
Noch etwas anderes werden wir dir sagen, Mutter Kāma; führt es aus! Erkennt, dass es allen vier [Überlieferungen] gemeinsam ist.
2.102
bhaviṣyati kalācakraṃ maccharīrasamudbhavam
parāparavibhāgajñaṃ mātaṅgakulasambhavam //
Es wird einen Kreis der Kräfte geben, aus meinem Körper hervorgegangen, kundig in der Unterscheidung von Höherem und Niederem, aus dem Mātaṅga-Kula entstanden.
2.103
nīlasyottarabhāge tu mahocchuṣmavanāntagam
parāparaṃ tu tenedaṃ pañcamaṃ pīṭhanāyakam //
Im nördlichen Teil des blauen [Sees], innerhalb des Mahocchuṣma-Waldes, ist deshalb diese höhere-und-niedere [Stätte] die fünfte unter den führenden Pīṭhas.
2.104
mātaṅginīkulāntastham ādyaṃ caivātha pañcamam
tena jātaṃ jagat sarvaṃ tat sañjātaṃ kulākulam //
Im Mātaṅginī-Kula gelegen, ist sie zugleich die erste und die fünfte. Aus ihr ist die ganze Welt entstanden, Kula und Akula.
2.105
maccharīrāṅgasambhūtaṃ bhaviṣyanti tavādhvare
kāryadṛṣṭau praśastaṃ tu apraśastam itare jane //
Aus den Gliedern meines Körpers hervorgegangen, werden [diese Mächte] in deinem Kultweg sein; im Hinblick auf das Werk gelten sie als geachtet, bei anderen Menschen aber als ungeachtet.
2.106
madhyadeśasthitaṃ tac ca matsamīpe vyavasthitam
siddhapālakasaṃyuktaṃ bhaviṣyaty avatārakam //
Diese [Stätte] befindet sich in der Mitte, in meiner Nähe. Mit Hütern aus den Reihen der Vollendeten versehen, wird sie Ort des Herabkommens sein.
2.107
nirācāraṃ jagat sarvaṃ nirācāravivarjitam
nirācāreṇa yogena kariṣyanti nirākulam //
Durch den Yoga jenseits gewöhnlicher Verhaltensordnungen werden sie die ganze Welt frei von Verwirrung machen. [Die zweimalige, scheinbar gegenläufige Verwendung von nirācāra erlaubt keine gesicherte glatte Übersetzung des ersten Halbverses.]
2.108
hārikā hāri gāndhārī vīrā caiva nakhī tathā
jvālinī sumukhī caiva piṅgalī ca sukeśinī //
[Die Göttinnen heißen:] Hārikā, Hāri, Gāndhārī, Vīrā, Nakhī, Jvālinī, Sumukhī, Piṅgalī und Sukeśinī.
2.109
śrīphalaḥ kaṣmalaś caṇḍaś caṇḍālaś ceṭakas tathā
mātaṅgo bāhuko vīro avyakto navamaḥ smṛtaḥ //
Śrīphala, Kaṣmala, Caṇḍa, Caṇḍāla, Ceṭaka, Mātaṅga, Bāhuka, Vīra und Avyakta werden als die neun [männlichen Gestalten] genannt.
2.110
herambo dhūlisaṃjñas tu piśācaḥ kubjavāmanaḥ
parāparaṃ tu tat pīṭhaṃ kāmapīṭhordhvamadhyagam //
[Die Diener heißen:] Heramba, Dhūli, Piśāca und Kubjavāmana. Diese höhere-und-niedere heilige Stätte liegt oberhalb beziehungsweise in der Mitte des Kāma-Pīṭha. [Die räumliche Beziehung bleibt vorläufig.]
2.111
triśrotraṃ pūritaṃ yasmāt triśrotrā tvaṃ tathā bhava
nadīrūpāsi māṅgalye bhava tvaṃ kāmarūpiṇī //
„Weil der dreifache Strom erfüllt wurde, werde du Triśrotrā! Du hast Flussgestalt, Glückverheißende; werde diejenige, die jede gewünschte Gestalt annimmt.
2.112
mātaṅgānāṃ kulotpanne yas tvāṃ nityābhivādayet
teṣu kṣemakarī nityaṃ na manyante kṣayaṅkarī //
Du im Kula der Mātaṅgas Geborene, wer dich beständig grüßt, dem bringe stets Wohlergehen; [sei ihm] keine Vernichterin.
2.113
tvāṃ muktvā yo 'nyavarṇas tu yo 'tra pīṭhe bhaviṣyati
tasyāpadakarī nityaṃ bhaviṣyasi kulāmbike //
Wer aber einer anderen sozialen Gruppe angehört und unter Missachtung deiner an dieser heiligen Stätte weilt, dem wirst du stets Bedrängnis bringen, Mutter des Kula.
2.114
evaṃ tiṣṭha mamānande jagānandakarī ciram
bhaviṣyati purāvastham amoghājñāprasādataḥ //
Bleibe so lange in meiner Wonne und erfreue die Welt! Durch die Gnade der unfehlbaren Vollmacht wird sich der ursprüngliche Zustand einstellen.“
2.115
evam uktvā gatā śīghraṃ devīkoṭaṃ kṛtakṣaṇāt
ālokanena mahatā aṭṭahāso 'ṭṭahāsataḥ //
Nachdem sie so gesprochen hatte, ging sie rasch nach Devīkoṭa; durch ihren mächtigen Blick [wirkte sie dort] und durch ihr lautes Lachen [in] Aṭṭahāsa.
2.116
kolāgiryāṃ tathojjenī prayāgavaraṇādikam
virajekāmrakādyaṃ ca anyac cānyaṃ carācaram //
Ebenso [besuchte sie] Kolāgiri, Ujjenī, Prayāga, Varaṇā, Virajā, Ekāmraka und weitere [Stätten] in der beweglichen und unbeweglichen Welt.
2.117
yatra yatra gatā devī yatra yatrāvalokayet
tatra sandohatīrthaṃ ca upakṣetrāṇy anekadhā //
Wo immer die Göttin hinging und wohin sie blickte, [entstanden] heilige Versammlungs- und Badeplätze sowie zahlreiche untergeordnete Kultstätten.
2.118
kṛtaṃ tu bhārate varṣe ātmakīrtikumārikā
tena kaumārikākhaṇḍaṃ sañjātaṃ puṇyapāvanam //
So wirkte das Mädchen in Bhāratavarṣa zu seinem eigenen Ruhm. Deshalb entstand der heilige, reinigende Kaumārikā-Landesteil.
2.119
pūrvasantānadevena yad uktaṃ bhārataṃ vraja
tadāvasāne kubjeśi ubhābhyāṃ melakaṃ tv iha //
„Der Gott der östlichen Überlieferung hatte gesagt: Geh nach Bhārata! Am Ende dessen, Herrin Kubjikā, [erfolgt] hier die Begegnung von uns beiden.“ [Die Redeeinleitung fehlt.]
2.120
tat kṛtaṃ sakalaṃ devyā ājñānandāvabodhakam
āgatā tu punas tatra pūrvarūpānuyāyinī //
Die Göttin führte all dies aus, wodurch die Wonne der Vollmacht erkannt wird. Dann kehrte sie dorthin zurück und nahm ihre frühere Gestalt wieder an.
2.121
devo 'pi pūrvasantāne śiṣyaḥ suravarārcite
śrīmadoḍramaheśānaṃ kṛtvā cājñāṃ punar dadet //
Auch der Gott [handelte] in der östlichen Überlieferung: Er machte den erhabenen Oḍramaheśāna zum Schüler und verlieh ihm wiederum die Vollmacht, du von den besten Göttern Verehrte. [Die grammatische Form śiṣyaḥ ist auffällig; der Satzbau ist kontextuell erschlossen.]
2.122
vraja tvaṃ bhārate varṣe itaḥ prabhṛty anugrahaḥ
uḍḍapīṭhe punaḥ sthātuṃ kuru sṛṣṭim anekadhā //
„Geh nach Bhāratavarṣa! Von nun an [wirke dort] Gnade. Weile wieder im Uḍḍa-Pīṭha und bringe vielfältige Schöpfung hervor.“
2.123
evam uktvā punas tatra trikūṭaśikharāntagaḥ
adṛṣṭavigraheśānaś cāntardhānam abhūt kṣaṇāt //
Nachdem er so gesprochen hatte, begab sich der Herr in den Gipfelbereich des Trikūṭa; seine Gestalt wurde unsichtbar, und er verschwand augenblicklich.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate ājñāparyāyakaumāryādhikāro nāma dvitīyaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das zweite Kapitel über die Erscheinungsweisen der Vollmacht und den Bereich der Jungfrau. [Arbeitstitel nach dem zusammengesetzten Sanskrit-Kolophon.]
Kapitel 3
3.1
tvayā sārdhaṃ mahādeva vivāho jāyate yathā
kiṃ nimittaṃ ca kasyārthe tan me nigada bhairava //
„Großer Gott, wie kam es zu meiner Vermählung mit dir? Was war der Anlass, und zu welchem Zweck geschah es? Sage mir dies, Bhairava!“
3.2
tvam eva devi sā bhadre gatāsi pitṛmandiram
krauñcasya ca vadhārthāya devais tv ārādhitā vayam //
„Du selbst, Göttin, du Gütige, warst in das Haus deines Vaters gegangen. Die Götter verehrten uns, damit Krauñca getötet werde.
3.3
sa ca krauñco yathotpannas tat sarvaṃ kathayāmi te
sthānāt sthānaṃ kramantyāśu prasvedaḥ patitaḥ kvacit //
Wie dieser Krauñca entstand, erkläre ich dir vollständig: Als du rasch von Ort zu Ort zogst, fiel irgendwo ein Schweißtropfen herab.
3.4
tatrāsau dānavo jātaḥ krauñcākhyo baladarpitaḥ
tena devagaṇāḥ sarve saptalokāntasaṃsthitāḥ //
Daraus entstand der Dämon namens Krauñca, stolz auf seine Kraft. Sämtliche Götterscharen in den sieben Welten wurden von ihm,
3.5
upadrutās tu balinā gatā brahmapuraṃ tu te
brahmāpi taiḥ samaṃ devi viṣṇoḥ pārśvam upāgatāḥ //
dem Mächtigen, bedrängt und gingen zur Stadt Brahmās. Brahmā begab sich mit ihnen, o Göttin, zu Vishnu.
3.6
viṣṇunā saha ālocya kiṃ kurvāma upadrutāḥ
krauñcāsureṇa balinā tasyopāyaṃ vada prabho //
Sie berieten sich mit Vishnu: ‚Was sollen wir tun? Wir werden vom mächtigen Dämon Krauñca bedrängt. Nenne ein Mittel gegen ihn, o Herr!
3.7
sphoṭanārthaṃ garutmīśa tenāham idam āgataḥ
hariṇāpi punaś coktaṃ vadhituṃ tasya na kṣamaḥ //
Um ihn zu zerschlagen, Herr des Garuḍa, bin ich hierhergekommen.‘ Hari antwortete: ‚Niemand vermag ihn zu töten,
3.8
devadevīsutaṃ muktvā kasmāt so 'pi tadudbhavaḥ
tata evaṃ samālocya kva sthānasthaḥ kujeśvaraḥ //
außer dem Sohn des Gottes und der Göttin, denn auch jener ist aus ihr entstanden.‘ So berieten sie: ‚An welchem Ort weilt Kujeśvara?
3.9
devīdehojjhito deva uvācedaṃ pitāmahaḥ
prahasya pālako hy evam uvācedaṃ pitāmahaḥ //
Der Gott ist vom Körper der Göttin verlassen.‘ So sprach der Großvater [Brahmā]. Der Bewahrer lächelte und sprach [zu] Brahmā. [Der Sanskrittext wiederholt pitāmahaḥ; die Sprecherfolge ist nicht eindeutig.]
3.10
idānīṃ kim asau dakṣo nirvaped utthito 'nalaḥ
tasya kopānalād dagdhaḥ kāryotpanne kutas tu saḥ //
‚Soll Dakṣa jetzt das entfachte Feuer löschen? Er ist doch vom Zornesfeuer jenes [Gottes] verbrannt worden. Wo ist er nun, da eine Aufgabe ansteht?
3.11
mahādarpavaśād bhraṣṭā naṣṭā yūyaṃ divaukasaḥ
evopalambhitāḥ sarve hariṇā brahmaṇoditāḥ //
Durch großen Hochmut seid ihr abgefallen und ins Verderben geraten, ihr Himmelsbewohner.‘ So wurden sie alle von Hari getadelt, [nachdem] Brahmā gesprochen hatte.
3.12
ūcus tv evaṃ punaḥ paścād upāyaḥ ko 'sti sāmpratam
himavadgirer duhitā tiṣṭhaty ekā subhāvitā //
Darauf fragten sie: ‚Welches Mittel gibt es jetzt?‘ – ‚Eine Tochter des Berges Himavat weilt dort, gut vorbereitet,
3.13
jagannāthāṅghriniratā jagannātho hi tatra ca
evam uktvā vasantasya kāmasya guṇaśālinaḥ //
den Füßen des Weltenherrn hingegeben; auch der Weltenherr ist dort.‘ Nachdem dies gesagt war, [wandten sie sich] an den Frühling und an den machtvollen Kāma.
3.14
devaiḥ pracoditau tau dvau devadevyor manoharau
evaṃ tai racitaṃ sarvaṃ puṣpapallavakādibhiḥ //
Die Götter sandten die beiden aus, um die Herzen des Gottes und der Göttin zu bewegen. Sie schmückten alles mit Blüten, jungen Blättern und anderem.
3.15
kokilārāvajhaṅkāraṃ ṣaṭpadonmattasaṅkulam
vasantam uditaṃ dṛṣṭvā prasannagirayā kila //
Kuckucksrufe erklangen; berauschte Bienen erfüllten die Umgebung. Als [der Gott] den erwachten Frühling sah, [sprach er] mit freundlicher Stimme.
3.16
uvācedaṃ tadā kāle kāmo vidhyati bhairavam //
Als er damals so sprach, traf Kāma den Bhairava [mit seinem Pfeil].
3.17
madālasānandabhṛtekṣaṇekṣitaḥ prapaśyatām eva kumārikorum
dhṛtvā karotkaṇṭhitayā ca kaṇṭhe āliṅgayantyā ca diśaṃ vilokya //
Unter dem Blick der [Göttin], deren Augen berauscht und voller Wonne waren, ergriff er vor aller Augen den Schenkel des Mädchens. Sie umschlang seinen Hals mit verlangenden Armen; [er] blickte sich um.
3.18
lajjāyamānena sakopanena trailokyasaṃhāramahānalena
sandīpito 'sau patitaḥ kṣaṇena kāmo hataḥ kāmanirīkṣaṇena //
Voller Scham und Zorn entzündete er mit dem gewaltigen Feuer, das die Dreiwelt auflöst, jenen [Kāma]. Augenblicklich fiel Kāma nieder, getötet durch den [auf ihn gerichteten] Blick.
3.19*
kāmānande dagdhe prītiratī rodanātmike duḥsaham /
dṛṣṭvā te rudamāne nānaṅgaḥ patir bhavati mā rudathaḥ //
Als Kāmas Wonne verbrannt war, weinten Prīti und Rati in unerträglichem Schmerz. Als [der Gott] die beiden weinen sah, [sprach er]: ‚Euer Gemahl wird [als] der Körperlose bestehen; weint nicht!‘ [Die Lesung nānaṅgaḥ ist problematisch; diese Deutung nach dem Zusammenhang bleibt ungesichert. Das Sternchen gehört zur Quellenkennung.]
3.20
nigrahītvā tu taṃ kāmaṃ trinetrarūpadhāriṇā
nigrahānugrahaś caiva bhairavecchā pravartate //
Nachdem der Träger der dreiäugigen Gestalt Kāma bezwungen hatte, [zeigte sich]: Züchtigung und Gnadenerweis geschehen nach Bhairavas Willen.
3.21
etad antaram āsādya brahmaviṣṇupuraḥsarāḥ
sarve devagaṇāḥ prāptā ṛṣisiddhāḥ saguhyakāḥ //
Diesen Augenblick nutzend, kamen alle Götterscharen, Brahmā und Vishnu voran, zusammen mit Rishis, Vollendeten und Guhyakas.
3.22
stutistotraravair divyais toṣayitvā kujeśvaram
uvācedaṃ harir brahmā deva cotkaṇṭhitā vayam //
Sie erfreuten Kujeśvara durch göttliche Lobpreisungen. Hari und Brahmā sprachen: ‚O Gott, wir sind voller Sehnsucht [nach deiner Hilfe].
3.23
bhavatpādavinirmuktā devadevā hy upadrutāḥ
pracaṇḍabalinākrāntāḥ krauñcena parameśvara //
Von deinen Füßen getrennt, werden wir Götter bedrängt; Krauñca von furchtbarer Macht hat uns überwältigt, höchster Herr.
3.24
prasīda dayayā nātha bruvāmas tv abhayaṃ dada
devīm udvāhyatāṃ nātha kleśāyāsaprapīḍitām //
Sei gnädig aus Mitgefühl, Herr; wir bitten dich: Schenke Furchtlosigkeit! Vermähle dich mit der Göttin, die von Leid und Mühsal gequält ist.‘
3.25
kutra tiṣṭhati kasyaiṣā kā mātā kaḥ pitāmahaḥ
ko me dadāti ko yācyaḥ kiṃ kurvāmaḥ kulojjhitāḥ //
‚Wo weilt sie, wessen [Tochter] ist sie? Wer ist ihre Mutter, wer ihr Großvater? Wer gibt sie mir? Wen soll man bitten? Was sollen wir tun, die wir keinem Kula angehören?‘
3.26
uktaṃ tu brahmaṇā hy evaṃ yācyo 'haṃ yācakā vayam
yajñayājī himantākhyo adhvaryuḥ parameśvaraḥ //
Brahmā sprach: ‚Ich bin der zu Bittende, und wir sind die Bittenden. Himavat ist der Opferveranstalter, der höchste Herr der ausführende Priester.‘ [Die Rollenverteilung ist im Wortlaut ungewöhnlich.]
3.27
evam uktvā tu vṛddhena vasiṣṭhapramukhān ṛṣīn
preṣitā vada śīghredaṃ sampradānakriyāṃ kuru //
Nachdem der Alte so gesprochen hatte, wurden die Rishis mit Vasiṣṭha an der Spitze ausgesandt: ‚Sagt rasch: Vollziehe die Handlung der Übergabe!‘
3.28
tair gatai rucitaṃ sarvam ādeśaṃ śirasā dhṛtam
bahuvittaprabhāreṇa vivāhānandakṛd dhy abhūt //
Sie gingen hin; alles fand Zustimmung, und der Auftrag wurde ehrerbietig angenommen. Durch die Fülle großer Güter entstand ein freudiges Hochzeitsfest.
3.29
sarvamaṅgalamāṅgalyam ānandānandapūritam
tadā prabhṛti sarvedam abhūt pūrṇamanoratham //
Es war das Glückverheißendste unter allem Glückverheißenden, ganz von Wonne erfüllt. Von da an fand alles die Erfüllung seines Wunsches.
3.30
bhairave mathanāsakte jagadyoniḥ sadoditā
trailokyasṛṣṭihetvarthaṃ manthānastho bhavet tada //
Als Bhairava sich dem Quirlen hingab, war der Schoß der Welt beständig offenbar. Um die Dreiwelt zu erschaffen, weilte er damals im Quirlvorgang.
3.31
krīḍāvinodair atilālasasthaṃ kulāmṛtānandavidhau pravṛttam
kuleśvaraṃ kubjibhṛtānurāgaṃ sampṛcchatedaṃ praṇatā kujeśī //
Kujeśī verneigte sich und fragte Kuleśvara, der voller Verlangen nach Spiel und Vergnügen war, in der Wonne des Kula-Nektars wirkte und von Kubjikās Liebe getragen wurde:
3.32
praṇayena tu yogena drāvitāṅgaṃ tvayā mama
kubjenaiva tu rūpeṇa pīḍitātīva bhairava //
‚Durch die Verbindung in Liebe hast du meinen Leib zum Schmelzen gebracht. In eben der gebeugten Gestalt werde ich überaus bedrängt, Bhairava.‘
3.33
vinodakuśale devi anekārthavidhāyinī
toṣito'dya tvayā nāthe pṛccha pṛccha sudurlabham //
‚Göttin, geschickt im Liebesspiel, die vielerlei Ziele verwirklicht: Heute hast du mich erfreut, Herrin. Frage, frage nach dem schwer Erlangbaren!‘
3.34
pūrvakāle tvayā mahyaṃ prasādo yaḥ kṛtaḥ prabho
kubjatvaṃ śabdarūpeṇa pūrvaṃ vyāharitaṃ yataḥ //
‚Die Gnade, die du mir früher erwiesen hast, o Herr – damals hast du die Bezeichnung des Gebeugtseins ausgesprochen.
3.35
tena kāryeṇa deveśa kālasthānaṃ na me prabho
pṛcchāmi praṇayāviṣṭā ajñānaguṇaśālinī //
Aufgrund dieses Geschehens, Herr der Götter, [finde ich] keinen zeitlichen Ruhepunkt. Von Liebe erfüllt und mit Unwissenheit behaftet, frage ich dich. [kālasthānaṃ ist hier nicht gesichert gedeutet.]
3.36
kathaṃ me kubjikā nāma kiṃ khañjī pūrva sūcitā
etad ācakṣva yatnena sarvopāyasamanvitam //
Weshalb heiße ich Kubjikā? Warum wurde ich früher als die Hinkende bezeichnet? Erkläre mir dies sorgfältig und mit allen Zugängen.
3.37
paramārthaṃ yadā deva tadā syāt siddhisādhanam
atha cet tan mṛṣā vākyaṃ tat kiṃ nāma pratiṣṭhitam //
Wenn [der Name] eine höchste Wahrheit bezeichnet, o Gott, möge er ein Mittel zur Vollendung sein. Wenn jene Rede aber unwahr war, weshalb hat sich der Name eingebürgert?
3.38
kathayasva prasādena samācāro guruḥ katham
sādhanaṃ sarvavastūnāṃ yenaikena prapadyate //
Erkläre mir gnädig: Wie sind die Lebensordnung und der Guru [beschaffen]? Wodurch allein lässt sich die Verwirklichung aller Dinge erlangen?
3.39
mantratantreṇa yogena ājñātaḥ sampravartate
tat sarvaṃ helayā nātha ekoccārād vada prabho //
All dies entfaltet sich durch Vollmacht mittels Mantra, Tantra und Yoga. Erkläre es mühelos, o Herr, in einem einzigen Aussprechen!‘
3.40
krīḍānandasvarūpeṇa pṛṣṭo 'haṃ klinnacetase
tena te kledanāmārgaṃ kathayāmi surārcite //
‚Du hast mich in der Gestalt der Spielfreude gefragt, du mit erweichtem Herzen. Deshalb erkläre ich dir den Weg des Erweichens, du von den Göttern Verehrte.
3.41
nityānandaprakartāraṃ kalyāṇārthaprabodhakam
gurum anveṣayed yatnāt subhagaṃ priyadarśanam //
Man soll sorgfältig einen Guru suchen, der beständige Wonne hervorbringt, heilsamen Sinn erschließt, begnadet und angenehm anzusehen ist.
3.42
śubhajātisuvṛttisthaṃ śubhadeśasamudbhavam
jñānavijñānasampannaṃ samastārthaviśāradam //
Er soll von guter Herkunft und gutem Wandel sein, aus einer guten Gegend stammen, Wissen und Erfahrung besitzen und sämtliche Bedeutungen beherrschen.
3.43
kālajñaṃ nipuṇaṃ dakṣaṃ sāmarthajñam akutsitam
sarvāvayavasampannaṃ vyaṅgadoṣavivarjitam //
Er soll den rechten Zeitpunkt kennen, gewandt und geschickt sein, die Fähigkeit [zur Praxis] verstehen, untadelig sein und alle Glieder besitzen, frei von körperlichen Abweichungen. [Diese körperbezogenen Auswahlkriterien geben die historische Wertung des Textes wieder.]
3.44
vedhaghaṭṭanirodhajñaṃ lokamārgaviśāradam
kriyākāṇḍarataṃ śāntaṃ subhaktaṃ guruvatsalam //
Er soll Durchdringung, Erschütterung und Hemmung kennen, mit weltlichen Wegen vertraut, dem Ritualteil zugewandt, friedvoll, hingebungsvoll und seinem Guru liebevoll verbunden sein.
3.45
susantuṣṭam alobhiṣṭhaṃ tapasvijanavatsalam
pratipannajanānandaṃ śauryavantaṃ dṛḍhavratam //
Er soll zufrieden und frei von Gier sein, Asketen mit Liebe begegnen, den bei ihm Zuflucht Suchenden Freude bringen, mutig sein und an seinen Gelübden festhalten.
3.46
vidyām abhayadātāraṃ laulyacāpalyavarjitam
ācārapālakaṃ dhīraṃ samayeṣu kṛtāspadam //
Er soll Wissen und Furchtlosigkeit schenken, frei von Habgier und Unbeständigkeit sein, die Lebensordnung wahren, standhaft sein und in den Verpflichtungen ruhen.
3.47
āgataṃ na tyajed vastuṃ yo gatvā na parigrahet
sa gurur na manuṣyānāṃ devānām api durlabhaḥ //
Wer eine von selbst kommende Gabe nicht zurückweist und nicht hinausgeht, um etwas an sich zu bringen – ein solcher Guru ist nicht nur unter Menschen, sondern sogar unter Göttern selten.
3.48
śaktihīnaṃ guruṃ prāpya śiṣye muktiḥ kutaḥ priye
mūlacchinne yathā vṛkṣe kutaḥ puṣpaphalādikam //
Wenn man einen Guru ohne Shakti findet, woher sollte dem Schüler Befreiung kommen, Geliebte? Woher sollten einem Baum mit abgeschnittener Wurzel Blüten und Früchte wachsen?
3.49
evaṃvidhaṃ guruṃ prāpya ko na mucyeta bandhanāt
taṃ dṛṣṭvā sarvabhāvena śiṣyaś cārādhayed gurum //
Wer würde nicht aus der Bindung frei, wenn er einen Guru von solcher [zuvor beschriebener] Art findet? Wenn der Schüler ihn erblickt hat, soll er ihn mit seinem ganzen Wesen verehren.
3.50
ātmanā ca dhanenaiva dāsatvena bhajet tu tam
tāvad ārādhayed devi prasanno yāvat sa guruḥ //
Mit seiner eigenen Person, mit seinem Vermögen und durch Dienst soll er ihm zugewandt sein. Er soll ihn so lange verehren, Göttin, bis der Guru ihm gewogen ist.
3.51
prasanno dadate dīkṣāṃ yayā pāśakṣayo bhavet
prabodho bhavate tasya gṛhṇāti yadi tatkramāt //
Ist er gewogen, erteilt er die Einweihung, durch die die Fesseln vergehen. Dem [Schüler] wird Erkenntnis zuteil, wenn er sie in der vorgeschriebenen Folge empfängt.
3.52
akramād dadate yas tu akramād gṛhṇate tu yaḥ
dvāv etau niścitau baddhau pāśaiḥ kulasamudbhavaiḥ //
Wer sie außerhalb der Folge erteilt und wer sie außerhalb der Folge empfängt: Beide sind gewiss durch Fesseln gebunden, die aus dem Kula hervorgehen.
3.53
yāvad aṣṭau tathā pañca trīṇy abdāni subhāvitaḥ
tāvan na kārayed dīkṣāṃ niṣiddhas tu kulānvaye //
Bevor [der Schüler] acht, fünf oder drei Jahre lang gut vorbereitet worden ist, soll man die Einweihung nicht vollziehen; [ein vorzeitiger Vollzug] ist in der Kula-Überlieferung untersagt.
3.54
atha ced gurusāmarthyād dadate dayayā śiśoḥ
tathāpi tena kartavyaṃ dāsatvaṃ tu guroḥ kule //
Falls der Guru aufgrund seiner Fähigkeit dem Schüler aus Mitgefühl [früher die Einweihung] gibt, muss dieser dennoch im Kula des Gurus seinen Dienst leisten.
3.55
ākruṣṭaḥ śatadhā vāpi tāḍitas tu sahasradhā
evaṃ kṛte na yasyāsti virāgas tasya yogyatā //
Wer selbst dann keine Abwendung empfindet, wenn er hundertfach beschimpft und tausendfach geschlagen wird, gilt [nach diesem Text] als geeignet.
3.56
guruṇā roṣito vātha yo dadyād uttaraṃ kvacit
sa tu naśyati duṣṭātmā ajīrṇe bhojanaṃ yathā //
Wer aber, vom Guru erzürnt, ihm irgendwann widerspricht, geht nach [dieser Lehre] als übel Gesinnter zugrunde, wie Speise bei unverdauter vorheriger Nahrung.
3.57
guroḥ kopaṃ na kartavyaṃ vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ
tasya kopād dahiṣyanti prāptajñānaṃ marīcayaḥ //
Man soll durch Rede, Gedanken und körperliche Handlungen nicht den Zorn des Gurus erregen. Aus seinem Zorn werden die Strahlenkräfte denjenigen verbrennen, der Erkenntnis erlangt hat. [Die Form prāptajñānam ist hier auf einen Menschen bezogen; grammatisch ist auch die Deutung „das erlangte Wissen“ möglich. Die drohende Aussage gehört zur historischen Lehre, nicht zu den heutigen Praxisempfehlungen.]
3.58
martyalokaṃ samāsādya kiñcijjñā guravo yadi
tadā jñānasya kā rakṣā jñānacauraṃ haranti tāḥ //
Auch wenn die in die Menschenwelt gekommenen Gurus nur wenig wissen sollten: Wie würde dann das Wissen geschützt? Jene [Kräfte] nehmen [es] dem Wissensdieb weg. [Der Satzbau ist vorläufig erschlossen.]
3.59
kṣamāśīlaṃ guruṃ matvā yadi śiṣyo 'pamānayet
prāptaṃ me jñānasadbhāvaṃ gacchāmaḥ kathanaṃ vinā //
Wenn ein Schüler seinen Guru für nachsichtig hält und ihn missachtet [mit dem Gedanken]: ‚Ich habe das wahre Wissen erlangt; gehen wir, ohne es ihm mitzuteilen!‘,
3.60
tasya rodhādikā devyo mūkatvaṃ janayanti vai
na rohati yathā bījaṃ dagdhaṃ tadvad idaṃ priye //
dann bewirken die Göttinnen Rodhā und die übrigen seine Stummheit. Wie ein verbrannter Same nicht keimt, so [ist es mit seinem Wissen], Geliebte.
3.61
ājñāyogaṃ kriyāmantraṃ muṣitvā yaḥ palāyate
na ca tena samaṃ yāti tatraivāyāti niścitam //
Wer Vollmacht, Yoga, Ritual und Mantra stiehlt und davonläuft – [die Kraft] geht nicht mit ihm; sie kehrt gewiss an ihren Ort zurück.
3.62
sa kathaṃ tiṣṭhate mūḍho bhuktodgīrṇe vapur yathā
nābubhukṣā bubhukṣā vā ghṛṇī kṣīṇatanur bhavet //
Wie könnte jener Tor bestehen? Wie ein Körper, der die Speise wieder erbricht, wird er, mit oder ohne Hunger, elend und abgemagert. [Die Lesung nābubhukṣā und der Bezug von ghṛṇī bleiben unsicher.]
3.63
śubhaṃ vā aśubhaṃ vātha kurvāṇaṃ na hased gurum
hasanād dhvaṃsam āyāti hasite hiṃsito hi saḥ //
Man soll den Guru nicht auslachen, ob er Gutes oder Schlechtes tut. Durch das Auslachen gelangt man zum Untergang; denn im Ausgelachtwerden wird er verletzt.
3.64
sāmānyapratipattyā vā na vaded guruṇā saha
mukhe hastaṃ pradattvā tu dadādeśam iti bruvan //
Man soll auch nicht wie mit einem Gleichgestellten mit dem Guru sprechen. Mit der Hand vor dem Mund spreche man: ‚Erteile den Auftrag!‘
3.65
aṅgarakṣā na kartavyā na śāṭhyaṃ guruṇā saha
uktānukteṣu kāryeṣu upekṣāṃ naiva kārayet //
Man soll [im Dienst] den eigenen Leib nicht schonen und gegenüber dem Guru nicht hinterlistig sein. Bei aufgetragenen wie nicht aufgetragenen Aufgaben soll man keine Nachlässigkeit zeigen.
3.66
śaṭhas tu duṣṭabhāvaś ca mṛṣāvādyapravādakaḥ
antaraṅgī na sadbhāvī sa naṣṭaḥ kañjinī yathā //
Wer hinterlistig, übel gesinnt, lügnerisch und verleumderisch ist, [nur äußerlich] vertraut, aber nicht aufrichtig, geht zugrunde wie sauer Gewordenes. [antaraṅgī und kañjinī sind hier vorläufig gedeutet.]
3.67
dvidhābhāvābhipannasya bhinnabhāva itas tataḥ
ya evaṃ vartate mūḍhaḥ sa naṣṭaḥ kañjikaṃ yathā //
Wer von Zwiespalt erfasst ist und sein Wesen hierhin und dorthin aufspaltet, ein solcher Tor verdirbt wie ein saures Gärgetränk.
3.68
ājñāsphurantam ānandaṃ guruṃ tyaktvānyam āśrayet
sanniruddhas tu sarvatra rājyabhraṣṭo yathā nṛpaḥ //
Wer den Guru verlässt, der als Wonne von Vollmacht erstrahlt, und sich an einen anderen hält, wird überall gehemmt wie ein König, der sein Reich verloren hat.
3.69
śarīraṃ dravyavijñānaṃ vastravāhanabhūṣaṇam
gurvarthaṃ dhārayed yas tu sa vai saṃskāram arhati //
Wer Körper, Besitz, Wissen, Kleidung, Fahrzeuge und Schmuck für den Guru bereithält, ist der rituellen Vorbereitung würdig.
3.70
gurur mānyo guruḥ pūjyaś cārādhyo guravaḥ sadā
gurau santoṣite sarvaṃ toṣitaṃ sacarācaram //
Der Guru ist zu ehren, zu verehren und stets zu würdigen. Ist der Guru zufriedengestellt, ist alles Bewegliche und Unbewegliche zufriedengestellt.
3.71
guroḥ samo naiva hi martyaloke tathā viśeṣeṇa tu cāntarikṣe
yas tārayed duḥkhamahārṇavaughāt kiṃ tasya kartuṃ sa karoti śiṣyaḥ //
In der Menschenwelt gibt es keinen, der dem Guru gleicht, erst recht nicht im Zwischenraum. Er führt über die Fluten des großen Leidensozeans: Was könnte der Schüler tun, um ihm das zu vergelten?
3.72
na mātā na pitā caiva na bhrātā naiva bāndhavāḥ
upakāraṃ hi kurvanti kurute yādṛśaṃ guruḥ //
Weder Mutter noch Vater, weder Bruder noch Verwandte erweisen eine solche Hilfe, wie sie der Guru erweist.
3.73
evaṃ matvā varārohe duḥkhe duḥkhī sukhe sukhī
guror vairodhikaṃ sthānaṃ pramādād api na vrajet //
So soll man denken, du Schöne, und bei seinem Leid leidend, bei seinem Glück glücklich sein. Man soll nicht einmal aus Unachtsamkeit einen dem Guru feindlichen Ort aufsuchen.
3.74
upaviṣṭasya pārśve tu kartavyaṃ mārjanādikam
bhikṣāpātraṃ nivedyeta puṣpadhāṭīṃ vahet sadā //
An seiner Seite, wenn er sitzt, soll man Reinigungsdienste und Ähnliches verrichten, die Almosenschale darreichen und stets den Blumenkorb tragen.
3.75
antaraṅgaṃ na kartavyaṃ vāṅmanaḥkāyakarmaṇā
yat kiñcid gurave kāryaṃ tat kartavyam aśaṅkitaiḥ //
Man soll in Rede, Gedanken und körperlichem Handeln keine verborgene Gegenabsicht hegen. Was immer für den Guru zu tun ist, soll ohne Bedenken getan werden. [antaraṅgaṃ wird hier kontextuell, nicht sicher wörtlich gedeutet.]
3.76
ya evaṃ vartate śiṣyaḥ sukhaduḥkhasamāśrayī
tasya siddhir na dūrasthā mokṣaḥ svādhīnatāṃ gataḥ //
Für einen Schüler, der sich so verhält und Glück wie Leid [des Gurus] teilt, ist die Vollendung nicht fern; die Befreiung liegt in seiner Reichweite.
3.77
guruṇāpāditaṃ sarvam upadeśaṃ prapūjayet
tasmād evaṃ viditvā tu gurur devo na cānyathā //
Man soll jede vom Guru vermittelte Unterweisung hoch ehren. Daraus erkenne man: Der Guru ist die Gottheit und nichts anderes.
3.78
triṣkālaṃ praṇipātena dhyānayogena taṃ yajet
adṛṣṭavigraheśānam upalabhyeta nānyathā //
Dreimal täglich soll man ihn mit Verneigung und meditativer Sammlung verehren. Den Herrn von unsichtbarer Gestalt erlangt man nicht auf andere Weise.
3.79
mantradhyānatapopāyaiś caryāyogair anekadhā
na paśyanti paraṃ śambhuṃ yāvan nopāsayed gurum //
Durch Mantras, Meditation, Askese, Lebensweisen und vielfältige Yogaverfahren sieht man den höchsten Shambhu nicht, solange man den Guru nicht verehrt.
3.80
dhyāyanto 'pi sadā bhaktyā madrūpaṃ guruṇoditam
tathāpi na bhavet saukhyaṃ śāmbhavaṃ paramārthataḥ //
Auch wenn man beständig voller Hingabe über meine vom Guru gelehrte Gestalt meditiert, entsteht dadurch noch nicht wahrhaft das Glück Shambhus,
3.81
yāvan mūrdhnopari pādā ājñāyuktaḥ subhāvitaḥ
tāvan na jāyate śīghram adṛṣṭaguṇalakṣaṇam //
solange [man nicht] seine Füße über dem eigenen Haupt [vergegenwärtigt], durch Vollmacht verbunden und gut gesammelt. Dann [erst] entsteht rasch das Kennzeichen der zuvor ungesehenen Kraft. [Die Negation und der Anschluss sind im Sanskrit unvollständig ausgedrückt.]
3.82
gururūpavidhau yadi niścalatā tad upāsati mūrdhni dhṛtāṅghriyugam
acireṇa bhavaty upaladbhiguṇā aṇimādiguṇāṣṭakaśambhupadam //
Wenn in der Betrachtung der Guru-Gestalt Unbewegtheit besteht und man ihn mit seinen beiden Füßen auf dem eigenen Haupt verehrt, erlangt man bald die Stätte Shambhus mit den acht Kräften, beginnend mit Aṇimā.
3.83
ājñāhīne parokṣatvaṃ trayāṇāṃ darśitaṃ mayā
rudrabhairavavīrāṇāṃ kathanād yogaḥ pravartate //
Ohne Vollmacht bleiben die drei [Gruppen] – Rudras, Bhairavas und Vīras – mittelbar, wie ich gezeigt habe. Durch die Unterweisung setzt der Yoga ein.
3.84
siddhe siddhaṃ vinirdiṣṭaṃ pratyakṣaguṇalakṣaṇam
ājñātaḥ sampravarteta sā cājñā guravo viduḥ //
Beim Vollendeten ist Vollendung als Merkmal unmittelbar erfahrbarer Kraft bezeichnet. Sie soll aus der Vollmacht hervorgehen; jene Vollmacht kennen die Gurus.
3.85
śāstre śāstre smṛtaṃ jñānaṃ mayānekavidhānataḥ
pratyakṣamantranihitā siddhājñā siddhagocare //
In den einzelnen Schriften habe ich das Wissen auf vielerlei Weise dargelegt. Die Vollmacht der Vollendeten ist im unmittelbar wirkenden Mantra niedergelegt und gehört zum Bereich der Vollendeten.
3.86
tenedaṃ siddhasantānaṃ gurudevopalakṣitam
yasya cājñānipātena sambodhaḥ śāmbhavo bhavet //
Deshalb ist diese Überlieferung der Vollendeten durch den Guru als Gottheit gekennzeichnet: Durch das Herabkommen seiner Vollmacht entsteht die Erkenntnis Shambhus.
3.87
pratyakṣaṃ guravaṃ tyaktvā jñānarūpaṃ kuleśvaram
katham ārādhanānyatra kurute mohitātmanaḥ //
Wie kann ein Verblendeter den unmittelbar gegenwärtigen Guru, Kuleśvara in Wissensgestalt, verlassen und anderswo Verehrung üben?
3.88
nirvāṇāgnau jvaladdīpte yo 'nyatrāgnau vrajet kudhīḥ
devāgāraṃ guruṃ tyaktvā vrajaty adhobhavaṃ tu saḥ //
Wer bei hell loderndem Feuer der Befreiung töricht zu einem anderen Feuer geht, den Guru als Wohnstatt der Gottheit verlässt, gelangt in eine niedere Existenz.
3.89
pūrvakarmaviśuddhasya śaktipātaḥ sunirmalaḥ
tīvraśaktinipāto 'sya śīghram eva prapadyate //
Bei einem durch früheres Handeln Gereinigten ist das Herabkommen der Shakti ganz rein; die intensive Herabkunft der Kraft stellt sich rasch ein.
3.90
malakāyaprapūrṇasya mandaṃ mandaṃ pravartate
abhāgyasyāpi ṣaṇmāsāt tīvratvaṃ samprapadyate //
Bei einem von der Masse der Unreinheiten Erfüllten entfaltet sie sich nur langsam. Doch selbst bei einem Unglücklichen erreicht sie nach sechs Monaten Intensität.
3.91
yāvan na sarvabhāvena martyalokam upāgatam
gurumūrtidharaṃ śambhuṃ tāvat pāto na śāmbhavaḥ //
Solange [man nicht] mit ganzem Wesen [Shambhu erkennt], der in die Menschenwelt gekommen ist und die Gestalt des Gurus trägt, ist die Herabkunft noch nicht diejenige Shambhus. [Das Prädikat des ersten Satzteils ist erschlossen.]
3.92
madvīryaḥ pārado yadvat patitaḥ sphuṭitaḥ kaṇaiḥ
tadvac ca deśikendrāṇāṃ rūpeṇa prabhramāmy aham //
Wie Quecksilber, meine Zeugungskraft, beim Herabfallen in Tropfen zerspringt, so bewege ich mich in den Gestalten der großen Lehrer umher.
3.93
mama vīryaprasūtās te ācāryāḥ sūtakeva hi
vindhanti saṃskṛtāḥ santo bhaktyoṣadhisujāraṇāt //
Diese Acharyas sind aus meiner Zeugungskraft entstanden, wie Quecksilber. Durch Läuterung zubereitet, bewirken sie Umwandlung, wenn sie mit dem Heilmittel der Hingabe gut verarbeitet sind. [Alchemistisches Gleichnis; keine stoffliche Anleitung.]
3.94
aham ekaḥ kulālo vai khecarādau guṇojjvalaḥ
sṛjāmi nikhilaṃ sarvaṃ gurutve saṃvyavasthitaḥ //
Ich allein bin der Töpfer, in den Himmelsgängern und den übrigen [Wesen] von Kräften erstrahlend. In der Stellung des Gurus bringe ich alles hervor.
3.95
sādākhyaḥ khecarāṇāṃ ca piṅgo 'haṃ pavanodbhavaḥ
tejase 'nantarūpo 'haṃ 'nugrahīśo jalodbhavaḥ //
Bei den Himmelsgängern bin ich Sādākhya; aus dem Wind entstanden bin ich Piṅga. Im Feuer bin ich Ananta-Gestalt, aus dem Wasser entstanden Anugrahīśa.
3.96
śrīkaṇṭho 'haṃ nivṛt[t]yante kulīśo 'haṃ kṣitītale
'nughrahāmy akhilaṃ sarvam eko 'py anekadhā sthitaḥ //
Am Ende von Nivṛtti bin ich Śrīkaṇṭha, auf der Erdoberfläche Kulīśa. Obwohl einer, stehe ich in vielen Gestalten da und erweise allem Gnade.
3.97
yena yena hi bhāvena pṛcchito 'haṃ yathā yathā
tathā tathā mayā sarvaṃ gurutve sampradarśitam //
In welcher Weise und mit welcher Vorstellung ich jeweils gefragt werde, entsprechend offenbare ich alles in meiner Gestalt als Guru.
3.98
atraiva siddhasantāne pratyakṣo 'haṃ vyavasthitaḥ
gurumūrtau sthito nityaṃ yasyājñā sampravartate //
Gerade in dieser Überlieferung der Vollendeten bin ich unmittelbar gegenwärtig. Ich weile beständig in der Guru-Gestalt, von der die Vollmacht ausgeht.
3.99
suvarṇasya yathākārāḥ saṃjñābhedair anekadhā
kaṭakaṅkaṇakeyūraiḥ kaṇṭhīmudrāṅgulīyakaiḥ //
Wie Gold durch verschiedene Formen unterschiedliche Bezeichnungen erhält – als Armreif, Handgelenkschmuck, Oberarmschmuck, Halskette, Siegel und Fingerring –,
3.100
tathā te guravo jñeyā mamājñāṅgasamudbhavāḥ
rasavad vedhakā jñeyā stokaṃ stokaṃ bahuṃ bahum //
so soll man die Gurus verstehen, die aus den Gliedern meiner Vollmacht hervorgegangen sind. Wie Quecksilber bewirken sie Umwandlung, in kleinerem oder größerem Umfang,
3.101
palakoṭipalānāṃ ca guñjād evaṃ na saṃśayaḥ
evaṃ vibhūtir ākhyātā yugarūpānusāriṇī //
von einer Guñjā [ausgehend] bis zu einem Pala oder einer Koti Palas, daran besteht kein Zweifel. So ist die Entfaltung der Macht erklärt, die der Gestalt des jeweiligen Weltalters folgt. [Die quantitative Zuordnung ist syntaktisch unsicher.]
3.102
palena vihito vedhaḥ kiṃ guñjāto na vidhyati
saṃskāre sati sarvatra bahustokaṃ na cintayet //
Wenn ein Pala die Umwandlung bewirkt, weshalb sollte eine Guñjā sie nicht bewirken? Wenn die Zubereitung vorhanden ist, soll man nicht auf viel oder wenig achten.
3.103
parāparavibhāgena kālabhāvavaśena ca
bahustokaṃ na mantavyaṃ pratyayaś cātra kāraṇam //
Nach der Unterscheidung von Höherem und Niederem und entsprechend den zeitlichen Umständen soll man nicht auf viel oder wenig achten; entscheidend ist hier die Gewissheit [beziehungsweise der Wirknachweis].
3.104
rasaviddhaṃ yathā tāmraṃ na bhūyas tāmratāṃ vrajet
ājñāviddhas tathāpy evaṃ na saṃsāram anukramet //
Wie Kupfer, das durch Quecksilber umgewandelt wurde, nicht wieder zu Kupfer wird, so tritt auch der von der Vollmacht Durchdrungene nicht wieder in den Daseinskreislauf ein.
3.105
sā cājñā vidyate yasya mama tulyaḥ kujāmbike
palamātraraso bhavyaṃ guñjāmātrarasena kim //
Wer diese Vollmacht besitzt, ist mir gleich, Mutter Kubjikā. [Man soll nicht denken:] ‚Ein Pala Quecksilber ist tauglich; was vermag dagegen eine Guñjā?‘ [Die rhetorische Einordnung ergibt sich aus dem folgenden Vers.]
3.106
palamātraraso hy ahaṃ guñjāmātras tatodbhavaḥ
evaṃ matvā gurūṇāṃ ca na vikalpo vibhūtaye //
Ich bin [gleichsam] das Pala Quecksilber, der aus mir Entstandene eine Guñjā. So verstehend soll man bei den Gurus hinsichtlich ihrer Kraft keine trennende Vorstellung bilden.
3.107
ājñāto bhukti muktiś ca sarvaṃ sādhayate kṣaṇāt
vāñchitaṃ labhate sarvaṃ yadi bhaktiḥ suniścalā //
Aus der Vollmacht [entstehen] Genuss und Befreiung; sie verwirklicht alles augenblicklich. Wer unerschütterliche Hingabe besitzt, erlangt alles Gewünschte.
3.108
ājñā tu dvividhā proktā sādhakānugrahātmikā
samarthācārayuktasya tatas tāṃ tu pramocayet //
Die Vollmacht wird als zweifach beschrieben, auf den Praktizierenden und auf den Gnadenerweis bezogen. Man soll sie dem übertragen, der geeigneten Wandel besitzt.
3.109
prāthamikasya yā ājñā; sā viśuddhiprabodhikā
adhikāranimittārthaṃ punaś cājñāṃ daded guruḥ //
Die Vollmacht für einen Anfänger bewirkt Reinigung und Erwachen. Für die Übernahme einer Lehrbefugnis soll der Guru erneut Vollmacht erteilen.
3.110
ājñāmātreṇa santuṣṭo anyasyājñāṃ dadāti ca
nehatre tu sukhaṃ tasya paratre bādhyate tu saḥ //
Wer sich mit der bloßen [ersten] Vollmacht zufriedengibt und einem anderen Vollmacht erteilt, findet hier kein Glück und wird im Jenseits bedrängt.
3.111
vācāsiddhiḥ purakṣobhaṃ yāvaj jñātaṃ na yoginaḥ
tāvan na kārayed dīkṣām ity ājñā pārameśvarī //
Solange der Yogi die Vollendung der Rede und das Erschüttern der [Körper-]Stadt nicht erkannt hat, soll er keine Einweihung vollziehen: Dies ist der Auftrag des höchsten Herrn.
3.112
jñātvāmnāyaṃ varārohe divyādivyair niṣevitam
catuṣkaṃ pañcakaṃ ṣaṭkaṃ catuṣkaṃ pañcakaṃ catuḥ //
Nachdem er die von göttlichen und nichtgöttlichen Wesen gepflegte Überlieferung erkannt hat, du Schöne – die Vierer-, Fünfer-, Sechser-, Vierer-, Fünfer- und Vierergruppe,
3.113
ślokadvādaśakaṃ cānyat pañcaratnaṃ satadgraham
ṣoḍhānyāsakramaṃ jñātvā etat sarvaṃ vidhānataḥ //
ferner die zwölf Strophen, die fünf Juwelen mit ihrer Erfassung und die Reihenfolge des sechsfachen Nyāsa – und all dies ordnungsgemäß kennt,
3.114
sa yogyaḥ kramiko śiṣyo anyathā nāmadhārakaḥ
tataḥ prabhṛti siddho 'sau pūjyaḥ pūjāpakaḥ smṛtaḥ //
ist er ein geeigneter, in der Folge stehender Schüler; andernfalls trägt er nur den Namen. Von da an gilt er als Vollendeter, als verehrungswürdig und als einer, der Verehrung anleitet.
3.115
etadguṇaviśiṣṭo 'yaṃ śiṣyaḥ sarvārthadāyakaḥ
mahadanyāyasamprāpto gurus taṃ na tiraskaret //
Dieser mit solchen Kräften ausgezeichnete Schüler vermag alle Ziele zu gewähren. Der Guru soll ihn nicht zurückweisen, [auch wenn] ein schwerer Regelverstoß eingetreten ist. [mahadanyāyasamprāpto ist in seinem Bezug unsicher.]
3.116
evaṃ gurutvam āpnoti siddhāmnāye kujeśvari
anyathā jīvikārthaṃ tu ātmānaṃ ca viḍambitaḥ //
So erlangt man in der Überlieferung der Vollendeten die Stellung eines Gurus, Kujeśvarī. Andernfalls täuscht man [sie] zum Lebensunterhalt vor und macht sich selbst zum Gespött.
3.117
ājñāyā guṇam aiśvaryaṃ yasya jātaṃ yaśasvini
tasmāt sampadyate sarvaṃ yadi dattā prasādataḥ //
Bei wem die Herrschaftskraft der Vollmacht entstanden ist, du Ruhmreiche, aus dem geht alles hervor, sofern sie aus Gnade verliehen wurde.
3.118
krameṇa vihitā cājñā ājñāmoghakramaṃ viduḥ
te jyeṣṭhāḥ kramasantāne yady eṣāṃ 'nukramo na hi //
Die Vollmacht ist in der richtigen Folge einzusetzen; man soll die Folge der unfehlbaren Vollmacht kennen. [Solche] sind die Älteren der Überlieferung, auch wenn sie nicht in der [entsprechenden zeitlichen] Reihenfolge stehen. [Der Bezug des letzten Satzteils ist offen.]
3.119
kiṃ tu maṇḍalayogyās te na bhavanti kuleśvarāḥ
candanākṣatadīpānāṃ nārhatvaṃ ca bhajanti te //
Doch sind sie [ohne die erforderliche weitere Befugnis] nicht für das Mandala geeignet, keine Kula-Herren und nicht berechtigt, Sandelpaste, ungebrochene Reiskörner und Lampen [als Verehrung] zu empfangen. [Der Rückbezug bedarf der Kollation.]
3.120
adhikārājñā prathamā prasādājñā dvitīyakā
sā yadi kramaśaḥ prāptā sakramānukrameṇa tu //
Die erste ist die Vollmacht der Amtsbefugnis, die zweite die Vollmacht der Gnade. Wenn sie in der vorgeschriebenen Reihenfolge empfangen worden sind,
3.121
tatra kālaṃ samārabhya gurutvaṃ bhajate tu saḥ
sa yatra tiṣṭhate deśe tatra ye 'nye tu kanyasāḥ //
erlangt er von diesem Zeitpunkt an die Guru-Stellung. Wo er sich aufhält, sollen die anderen, die jünger [in der Überlieferung] sind,
3.122
bhrātṝṇāṃ bhrātṛputrāś ca tatputrāś ca gurur yathā
pūjayanty avikalpena siddhimārge vidhir hy ayam //
die Schüler seiner Brüder und deren Schüler ihn ohne Bedenken wie den Guru verehren. Dies ist die Ordnung auf dem Weg der Vollendeten.
3.123
ārādhyas tiṣṭhate yatra tatra kiñcin na kārayet
mantratantrakriyāyogam adhikāraṃ prabhutvatā //
Wo der Verehrungswürdige weilt, soll man keine eigene herrschaftliche Befugnis in Mantra, Tantra, Ritual und Yoga ausüben.
3.124
pañcayojanamātreṇa gatvā karma samārabhet
tatpure dāsavat tiṣṭhed ājñāśravaṇatatparaḥ //
Erst nachdem man fünf Yojanas fortgegangen ist, soll man ein solches Werk beginnen. In seiner Stadt bleibe man wie ein Diener, darauf bedacht, seinen Auftrag zu hören.
3.125
svapurasthaṃ prayatnena yadārādhyaṃ na paśyati
bhuñjate mohitātmānaḥ kilbiṣaṃ bhuñjate tu saḥ //
Wer den Verehrungswürdigen, der in seiner eigenen Stadt weilt, nicht gewissenhaft aufsucht und [dennoch] isst, der Verblendete, isst Verfehlung.
3.126
prāyaścittaṃ cared devi kubjikāyāyutadvayam
atha ced darpamūḍhas tu jñātvā bhuñjaty aśaṅkitaḥ //
Er soll Sühne üben, Göttin, durch zwanzigtausend [Rezitationen] der Kubjikā. Wenn er aber, von Hochmut verblendet, wissentlich bedenkenlos isst,
3.127
lakṣaṃ japtvā bhavec chuddhi[r] gurupūjā tv anantaram
samapādena cāruhya guror agre ajānataḥ //
wird er durch hunderttausend Rezitationen und anschließende Guru-Verehrung gereinigt. Wer unwissentlich vor dem Guru auf dieselbe Höhe steigt,
3.128
kubjikāyutam ekaṃ tu śudhyate gurupūjayā
guror āsthānasaṃsthāne cāruhya pādukaiḥ saha //
wird durch zehntausend [Rezitationen] der Kubjikā und Guru-Verehrung gereinigt. Wer mit Schuhen den Sitzbereich des Gurus betritt
3.129
gurudṛṣṭigate pāde japate tasya pūrvavat
jyeṣṭho bhrātā guror mātā guroḥ sthānārcakās tu ye //
und dabei in dessen Blickfeld gerät, soll wie zuvor rezitieren. Der ältere Bruder, die Mutter des Gurus und diejenigen, die die Stätte des Gurus verehren,
3.130
trīṇy etās tatsamā jñeyā draṣṭavyā guruvad yathā
apamānya yadā hy etān ātmasambhāvitaḥ kudhīḥ //
diese drei sind ihm gleich zu achten und wie der Guru zu betrachten. Wenn ein Törichter sie in Selbstüberhebung missachtet,
3.131
prāyaścittī salakṣeṇa śudhyate gurupūjayā
upamardya guroḥ sthānaṃ pāpātmā yatra tiṣṭhati //
wird er als Sühnepflichtiger durch hunderttausend [Rezitationen] und Guru-Verehrung gereinigt. Ein Übeltäter, der die Stätte des Gurus gewaltsam bedrängt und dort verbleibt –
3.132
tasya darśanasambhāṣāt pātakino bhavanti te
yadā sādhuḥ prasannātmā tadā lakṣatrayeṇa vai //
durch den Umgang und das Gespräch mit ihm wird man mit Schuld belastet. Wenn [der Betroffene] wieder wohlgesinnt ist, [erfolgt die Sühne] durch dreihunderttausend [Rezitationen]
3.133
maṇḍalānāṃ sahasreṇa gurupūjā tv anantaram
pādukopānahau chattraṃ śayyāpaṭṭo 'tha bhājanam //
und tausend Mandalas sowie anschließende Guru-Verehrung. Sandalen, Schuhe, Schirm, Bettgestell oder Gefäß [des Gurus]:
3.133*
pādena saṃspṛśed yas tu śire dhṛtvāṣṭakaṃ japet //
Wer sie mit dem Fuß berührt, soll sie auf sein Haupt nehmen und achtmal rezitieren. [Das Sternchen bezeichnet einen gesonderten Zusatzhalbvers der Vorlage.]
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate manthānabhedapracāraratisaṅgamo nāma tṛtīyaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das dritte Kapitel namens „Die Vereinigung in Liebe und die Entfaltung der Gliederungen des Quirlens“. [Der zusammengesetzte Kapiteltitel ist vorläufig übersetzt.]
Kapitel 4
4.1
tṛptāhaṃ devadeveśa bījamantrair anekadhā
cakraiś ca vividhākāraiḥ sadyaḥpratyayakārakaiḥ //
„Herr der Götter, ich bin durch die vielfältigen Keimmantras und die verschieden gestalteten Kreise, die unmittelbar Gewissheit bewirken, erfüllt.
4.2
adyāpi saṃśayo nātha mantrāṇāṃ nirṇayaṃ prati
pūrvaṃ ca kathitā mantrāḥ saptakoṭir asaṅkhyayā //
Doch noch immer, Herr, habe ich Zweifel hinsichtlich der Bestimmung der Mantras. Zuvor wurden Mantras in der Zahl von sieben Koṭis, siebzig Millionen, gelehrt – als unzählbare Fülle. [Die Verbindung von Zahl und asaṅkhyayā ist sprachlich unregelmäßig; zusätzliche, von den sieben Koṭis getrennte Mantras werden nicht eindeutig genannt.]
4.3
sādhanāni punas teṣāṃ sadyaḥpratyayakārakāḥ
kliṣyanti manujātyantaṃ japahomaparāyaṇāḥ //
und die dazugehörigen Verwirklichungsverfahren [sollen] unmittelbar erfahrbare Ergebnisse hervorbringen. Die Menschen mühen sich außerordentlich mit Rezitation und Feueropfer,
4.4
vrataiś ca vividhākāraiḥ kaṣṭaiś cāndrāyaṇādibhiḥ
kimarthaṃ te na sidhyanti japtvā koṭiśatair api //
mit vielfältigen Gelübden und beschwerlichen Übungen wie Cāndrāyaṇa. Warum gelangen sie nicht zur Vollendung, selbst wenn sie Hunderte Koti Male rezitieren?
4.5
tvaṃ ca devo vibhuḥ kartā tvayoktaṃ sat yam ucyate
avicāreṇa tad grāhyaṃ mithyā kiṃ deva bhāṣitam //
Du bist doch der Gott, der alldurchdringende Schöpfer. Was du gelehrt hast, gilt als wahr und soll ohne Zweifel angenommen werden. Warum wäre deine Rede falsch, o Gott?
4.6
dhvaṃsitāś ca tvayā lokā māyārūpeṇa bhairava //
Du hast die Menschen durch deine Māyā-Gestalt ins Verderben geführt, Bhairava!“
4.7
sādhu sādhu mahāprājñe vastucodyavikalpini
ye mayā kathitā mantrāḥ pūrvaṃ ye kāmasiddhidāḥ //
„Gut, sehr gut, du Weise, die Fragen und Unterscheidungen hinsichtlich der Wirklichkeit aufwirft! Die Mantras, die ich früher lehrte und die Wünsche erfüllen,
4.8
te gopitā mayā devi varṇarūpāḥ prakāśitāḥ
tena te na prasidhyanti japtvā koṭiśatair api //
habe ich verborgen, Göttin; offenbart habe ich ihre Lautgestalten. Deshalb gelingen sie nicht, selbst wenn man Hunderte Koti Male rezitiert.
4.9
oṃkāreṇa tu te guptā namaskāreṇa bhāmini
tena guptena guptās te śeṣā varṇās tu kevalāḥ //
Durch oṃ und durch die Verneigungsformel sind sie verhüllt, du Strahlende. Durch dieses Verborgene sind sie verborgen; die übrigen [Bestandteile] sind bloße Laute.
4.10
ekākṣarā dvyakṣarāś ca catuḥpañcanavākṣarāḥ
kūṭamantrāś ca ye kecit piṇḍamantrās tathaiva ca //
Einsilbige, zweisilbige, vier-, fünf- und neunsilbige Mantras, sämtliche Kūṭa-Mantras und ebenso Piṇḍa-Mantras,
4.11
ekāśītipadāś cānye sahasrāntāḥ śatārdhikāḥ
sarve te niṣphalāḥ proktāḥ kiṃ tu jīvavivarjitāḥ //
andere mit einundachtzig Gliedern, solche bis zu tausend und solche von fünfzig [Gliedern]: Sie alle gelten als fruchtlos, wenn ihnen das Leben fehlt.
4.12
loke prasiddham evaṃ hi jīvahīnā mṛtāḥ kila
mṛtasya copacāreṇa kiṃ teṣāṃ jīvitaṃ bhavet //
In der Welt ist bekannt: Was kein Leben besitzt, ist tot. Wie sollte durch die Bedienung eines Toten Leben in [solche Mantras] kommen?
4.13
evaṃ mantrā varārohe akṣarārthe vyavasthitāḥ
vratacaryair na sidhyanti sat yam etad udāhṛtam //
So verhält es sich mit den Mantras, du Schöne, die lediglich in ihrer Lautbedeutung verbleiben. Durch Gelübde und Lebensweisen allein werden sie nicht wirksam; dies ist wahrlich gesagt.
4.14
sidhyante jīvayuktās tu kim atra pravicāryate
anyonyavalitāś caiva bheditā dvādaśasvaraiḥ //
Mit Leben verbunden werden sie wirksam – was wäre daran zu bezweifeln? Sie werden ineinander verschlungen und durch die zwölf Vokale gegliedert,
4.15
rañjitāḥ śaktibījena sidhyante varavarṇini
uktāḥ kāmapradāḥ sarve sarve cāmoghaśaktayaḥ //
von der Shakti-Keimsilbe gefärbt; so werden sie wirksam, du Schöne. Alle sind als wunscherfüllend gelehrt, alle besitzen unfehlbare Kraft.
4.16
śivavaktrodbhavāḥ sarve mananatrāṇadharmiṇaḥ
trāṇaṃ tu rakṣaṇaṃ proktaṃ tac ca varṇavivarjitam //
Sie alle sind aus Shivas Mund hervorgegangen; ihr Wesen ist Denken und Schützen. Schützen bedeutet Bewahren; dieses [Schützende] ist frei von Lauten,
4.17
śuddhasphaṭikasaêkāśaṃ cāroccāravivarjitam
jvalantaṃ svena tejena hṛtpadme saṃvyavasthitam //
gleich einem reinen Kristall, frei von Bewegung und Aussprechen, aus eigenem Glanz leuchtend und im Herzlotus ruhend. [Die Quelle hat saêkāśaṃ; die Deutung als „gleich“ ist eine erschlossene Lesung.]
4.18
bhāvayec chūnyam ātmānam ekībhūtaṃ tayā saha
suṣumṇācārayogena udyantaṃ ravibimbavat //
Man vergegenwärtige das Selbst als leer und mit jener [Kraft] vereint; durch den Weg der Suṣumṇā steigt es wie die Sonnenscheibe auf.
4.19
o-jā-pū-kā-kramān bhittvā vidyākubjapade sthitam
tāvat kampaty asau yogī stobham āyāti tatkṣaṇāt //
Nachdem es die Folge o–jā–pū–kā durchdrungen hat, weilt es in der Stätte Vidyākubja. Sogleich erzittert jener Yogi und gerät im selben Augenblick in Stobha [eine Form ekstatischer Erregung].
4.20
mudrā mantraṃ tathā bhāṣā sarvaṃ jānāti tattvataḥ
kubjīśānapadaṃ prāptaṃ suptāvasthā prajāyate //
Mudrā, Mantra und die Sprache: Alles erkennt er seinem Wesen nach. Wenn die Stätte Kubjīśāna erreicht ist, entsteht ein schlafähnlicher Zustand.
4.21
īṣanmātraṃ vijānāti suptāvasthāvyavasthitaḥ
brahmarandhragatā cājñā kāṣṭhavat tiṣṭhate tadā //
In diesem schlafähnlichen Zustand erkennt er nur noch ein Geringes. Wenn die Vollmacht das Brahmarandhra erreicht, verharrt er wie ein Stück Holz.
4.22
yavamātrapramāṇaṃ tu trikoṇākṛtim uttamam
vaḍavāmaṇīndriyaṃ yadvan mīlanonmīlanāni ca //
[Die Öffnung] ist von der Größe eines Gerstenkorns und von erhabener Dreiecksform; wie das Geschlechtsorgan einer Stute schließt und öffnet sie sich. [vaḍavāmaṇīndriyaṃ ist nicht abschließend geklärt.]
4.23
tatra madhye gataṃ cetaḥ kāṣṭhāvasthā tu jāyate
bherīmṛdaṅgaśabdādyair gītavādyair anekadhā //
Wenn das Bewusstsein in ihre Mitte eingeht, entsteht der holzgleiche Zustand. Trommeln wie Bherī und Mṛdaṅga, Gesänge und vielerlei Instrumente
4.24
na śṛṇoti na paśyeta na cānyaṃ manyate prabhum
khaḍgacakrādibhiḥ śastraiś chidyamāno na vindati //
hört er nicht; er sieht nicht und denkt an keinen anderen Herrn. Selbst wenn er von Waffen wie Schwert und Diskus geschnitten wird, empfindet er es nicht.
4.25
īṣanmātraṃ vijānāti śaktyāvasthā varānane
śaktyantaṃ tu yadā prāptas tadā cotpatate kṣaṇāt //
Im Shakti-Zustand erkennt er ein Geringes, du Schöne. Wenn er das Ende der Shakti erreicht hat, steigt er augenblicklich auf.
4.26
evaṃ krameṇa deveśi śaktyuccāraṃ samabhyaset
satatābhyāsayogena vāgīśatvaṃ prajāyate //
So soll man schrittweise das Emporführen der Shakti üben, Herrin der Götter. Durch beständige Übung entsteht die Herrschaft über die Rede.
4.27
māsam ekaṃ yadābhyastaṃ kāvyakartā na saṃśayaḥ
dvibhir māsair vapuṣmantaḥ kṣuttṛṣṇādyair na bādhyate //
Nach einem Monat Übung wird man ein Dichter, daran besteht kein Zweifel. Nach zwei Monaten ist man von schöner Gestalt und wird nicht von Hunger und Durst bedrängt.
4.28
vicared akhilān lokān yāvadābhūtasamplavam
akṣarārthena ye mantrās teṣām eva vidhiḥ sphuṭam //
Man durchwandert alle Welten bis zur Auflösung der Elemente. Damit ist das Verfahren für jene Mantras, die [zunächst] als Laute bestehen, deutlich [erklärt].“
4.29
akṣarārthopadeśaś ca sampradāyaś ca kaulikaḥ
yathā vijñāyate deva prasādaṃ kuru bhairava //
„Die Unterweisung über die Lautbedeutung, die Überlieferung und das Kaulische: Erweise mir deine Gnade, Gott Bhairava, damit dies verstanden wird!“
4.30
śṛṇu devi pravakṣyāmi mantrāṇāṃ nirṇayaṃ sphuṭam
prastārādi-r-anekaiś ca ye mantrāś coditāḥ priye //
„Höre, Göttin, ich werde die Bestimmung der Mantras deutlich erklären. Die Mantras, die durch Entfaltungen und zahlreiche andere [Verfahren] gelehrt werden, Geliebte,
4.31
akṣarārthena te jñeyāḥ khaṇḍamantrāḥ śivoditāḥ
rañjakena samāyuktā upadeśaḥ surārcite //
sind hinsichtlich ihrer Lautbedeutung als von Shiva gelehrte Teilmantras zu verstehen. Mit dem färbenden [Element] verbunden, [bilden sie] die Unterweisung, du von den Göttern Verehrte.
4.32
sampradāyo bhaved devi so 'pi ṣaṭsu prabhedataḥ
pallavo yogarodhaś ca sampuṭo grathanas tathā //
Die Weitergabe, Göttin, ist in sechs Formen gegliedert: Pallava, Yoga, Rodha, Saṃpuṭa, Grathana
4.33
vidarbhaś ca ṣaḍ ete hi sampradāyāḥ prakīrtitāḥ
mālinī śabdarāśiś ca kauliko vidhir uttamaḥ //
und Vidarbha werden als diese sechs Übertragungsverfahren genannt. Mālinī und Śabdarāśi [gehören zum] höchsten kaulischen Verfahren.
4.34
sā tu jñeyā varārohe bhedāḥ pañcāśa suvrate
kulaṃ tu ṣaḍvidhaṃ jñeyaṃ tasya vakṣyāmi lakṣaṇam //
Jene sollst du als fünfzigfach gegliedert erkennen, du Schöne und Gelübdetreue. Kula ist als sechsfach zu verstehen; seine Merkmale werde ich erklären.
4.35
paraṃ bījaṃ tathā mūlam āgamo vidhir eva ca
varṇarāśisamāyuktaḥ ṣaḍvidhas tu kulakramaḥ //
Para, Bīja, Mūla, Āgama und Vidhi, verbunden mit Varṇarāśi: So ist die sechsfache Kula-Folge.
4.36
sakalo niṣkalaś caiva tathā sakalaniṣkalaḥ
sūkṣmo bhinnakalaś caiva kalātīto varānane //
Sakala, Niṣkala, Sakalaniṣkala, Sūkṣma, Bhinnakala und Kalātīta, du Schöne:
4.37
ṣaṭprakāro bhaven mantro jñātavyaḥ siddhim icchatā
śuddhadvandvajasaṭkīrṇa upadeśas tribhedataḥ //
Der Mantra ist sechsfach; dies soll erkennen, wer Vollendung wünscht. Die Unterweisung ist dreifach: rein, aus Paarung entstanden und vermischt. [Die Quelle hat saṭkīrṇa statt des erwartbaren saṅkīrṇa.]
4.38
sūcitā mantramārge tu ye mantrā lakṣaṇānvitāḥ
te jñeyās tvatprasādena dhyānadhāraṇayogataḥ //
„Die auf dem Mantraweg angedeuteten, mit Merkmalen ausgestatteten Mantras sollen durch deine Gnade mittels Meditation und Konzentration erkannt werden.
4.39
kulamārgagatā deva yathā bhavati tat katham
kathaṃ tu pallavo yoga ādi ṣaṭsu prakārataḥ //
Wie aber, o Gott, befinden sie sich auf dem Kula-Weg? Wie verhalten sich Pallava, Yoga und die weiteren sechs Arten?
4.40
kaulikaṃ ṣaḍvidhaṃ kiṃ tu mantrāṇāṃ ṣaḍvidhā gatiḥ
trividhaś copadeśaś ca etad icchāmi veditum //
Was ist das sechsfache Kaulische, was der sechsfache Gang der Mantras und was die dreifache Unterweisung? Das möchte ich wissen.“
4.41
pallavo ādideśe tu yogo madhye vijānataḥ
rodhas tu ādimadhyānte sampuṭaś cādi-r-antagaḥ //
„Pallava befindet sich am Anfang, Yoga in der Mitte, wie die Kundigen wissen. Rodha steht am Anfang, in der Mitte und am Ende; Saṃpuṭa umschließt Anfang und Ende.
4.42
grathanaṃ cāntare jñeyam akṣarākṣarayogataḥ
vidarbho mantra-m-ādau tu mantrānte vīranāyike //
Grathana ist das Verflechten dazwischen, durch Verbindung von Laut mit Laut. Vidarbha [setzt] am Anfang und Ende des Mantras [an], Herrin der Helden.
4.43
mālāgrathanam etad dhi jñātavyaṃ mantravādinā
pallavo mantrabodhe tu yogo jñeyas tu sarvadā //
Dieses Auffädeln einer Girlande soll der Mantrakundige kennen. Pallava [dient] dem Erwecken des Mantras; Yoga ist stets anzuwenden
4.44
amalīkaraṇe caiva sandhānasya vidhau priye
yogas tu kathito hy evaṃ rodhaś caivānukathyate //
bei Reinigung und Verbindung, Geliebte. So wurde Yoga erklärt; nun wird Rodha beschrieben.
4.45
tīvramantrapadastambhe vākstambhe sainyastambhane
hastyādiśakaṭayantre nāvānte ca prakīrtitaḥ //
Beim Hemmen mächtiger Mantraglieder, beim Stillstellen der Rede oder eines Heeres, bei Elefanten, Wagen, Maschinen und Schiffen
4.46
teṣu rodhaḥ praśasyeta paśūnām utkrameṣu ca
sampuṭo mantrarakṣāsu vaśyārthe caiva yojayet //
wird Rodha empfohlen, ebenso beim Heraustreten der gebundenen Wesen [aus dem Körper]. Saṃpuṭa verwende man zum Schutz der Mantras und zur Beeinflussung.
4.47
amṛtīkaraṇe caiva viṣe sthāvarajaṅgame
śāntikādiṣu kāryeṣu sampuṭas tu praśayate //
Bei der Nektarisierung, bei pflanzlichem und tierischem Gift sowie bei Befriedungsritualen und ähnlichen Aufgaben wird Saṃpuṭa empfohlen.
4.48
grathanaṃ rūpakāryeṣu ākṛṣṭyādiṣu karmasu
sandhāne tu varārohe grathanaṃ samudāhṛtam //
Bei Arbeiten an Gestalten, bei Anziehung und ähnlichen Handlungen sowie beim Zusammenfügen wird Grathana gelehrt, du Schöne.
4.49
vidarbhaḥ sarvakāryeṣu uktānukteṣu vastuṣu
kartavyaṃ satataṃ devi yadi siddhiṃ samīhate //
Vidarbha ist bei allen genannten und ungenannten Aufgaben stets anzuwenden, Göttin, wenn man Vollendung anstrebt.
4.50
etad devi samākhyātaṃ sampradāyavidhiḥ śubhaḥ
na mayā kasyacit khyātaṃ satyaṃ satyaṃ gaṇāmbike //
Damit ist dir, Göttin, das glückverheißende Verfahren der Übertragung erklärt. Ich habe es keinem anderen offenbart – wahrlich, wahrlich, Mutter der Scharen!
4.51
sāmprataṃ kulamārgas tu yathā bhavati tac chṛṇu
paraṃ binduḥ samākhyāto hṛtpadme suranāyike //
Höre nun, wie der Kula-Weg beschaffen ist. Als Para wird der Bindu im Herzlotus bezeichnet, Herrin der Götter.
4.52
grahaṇaṃ tasya copāyas taṃ jñeyaṃ kaulikaṃ param
bījaṃ kuṇḍalinī śaktir yā karoti gamāgamam //
Das Mittel zu seiner Erfassung soll als höchstes Kaulisches verstanden werden. Bīja ist die Kundalini-Shakti, die Hin- und Herbewegung bewirkt.
4.53
tasyāntaṃ tu tato jñātvā bījaṃ kaulikam uttamam
mūlaṃ śaktiḥ smṛtā kubjī jagataḥ kāraṇātmikā //
Ihr Ende zu erkennen [bedeutet], das höchste kaulische Bīja [zu kennen]. Als Mūla gilt die Kraft Kubjī, deren Wesen die Ursache der Welt ist.
4.54
tasyā jātam aśeṣaṃ tu ābrahmabhuvanāntikam
sṛjate yena suśroṇi kāryakāraṇayogataḥ //
Aus ihr ist alles ohne Rest bis zur Welt Brahmās hervorgegangen. Weil sie durch die Verbindung von Wirkung und Ursache erschafft, du Schöne,
4.55
jñeyā dharmiṇi dharmitvaṃ yathoṣmā kṛṣṇavartmanaḥ
etat kaulikam ākhyātaṃ mūlasaṃjñā varānane //
ist [die Kraft] im Träger als dessen Eigenschaft zu verstehen, wie Hitze im Feuer. Dies ist das Kaulische mit der Bezeichnung Mūla, du Schöne.
4.56
āgamas tatra sūtrārtho vidhis tatraiva coditā
varṇarāśikramo jñeyo nādiphāntasvarūpataḥ //
Āgama ist darin der Sinn der Lehrsätze; Vidhi ist das darin vorgeschriebene Verfahren. Die Lautfolge ist von na bis pha zu erkennen.
4.57
ādikṣāntaś ca deveśi śabdarāśikramo viduḥ
etat kaulikam ākhyataṃ ṣaṭprakāraṃ varānane //
Die Folge von a bis kṣa gilt als die Śabdarāśi-Folge, Herrin der Götter. Damit wurde das sechsfache Kaulische erklärt.
4.58
sakalādikrameṇaiva vakṣyamānaṃ nibodhata
brahmasthaḥ sakalo mantra aṣṭatriṃśatkalair yutaḥ //
Vernehmt nun die Erklärung in der Folge beginnend mit Sakala. Der in Brahmā befindliche Mantra ist Sakala und besitzt achtunddreißig Kalās.
4.59
pūryaṣṭakasamopeta udbhavastho vijānataḥ
kaṇṭhastho niṣkalo devi kalākālavivarjitaḥ //
Er ist mit der achtfachen subtilen Stadt verbunden und weilt im Hervortreten, wie die Kundigen wissen. Der im Hals befindliche ist Niṣkala, Göttin, frei von Kalā und Zeit.
4.60
rudrasthānagato bhadre mantro bhāvair dvibhir yutaḥ
sthūlajālakalair yukto bindvādīnāṃ ca sambhavaiḥ //
In Rudras Stätte, du Gütige, besitzt der Mantra zwei Zustände. Er ist mit den Kalās des groben Geflechts und den Entfaltungen von Bindu und den weiteren [Stufen] verbunden.
4.61
sūkṣmādhārasthito hy ekaḥ sparśākhyo mantravedakaḥ
sakalo niṣkalaś cāsau mantro jñeyas tu suvrate //
Einzig auf subtiler Grundlage ruhend, heißt er Berührung und lässt den Mantra erkennen. Dieser Mantra ist als Sakala und Niṣkala zu verstehen, du Gelübdetreue.
4.62
vilīno bindudeve tu yonyākārasvarūpataḥ
śabdasparśavinirmukto mantro jñeyas tu niṣkalaḥ //
Im Bindu-Gott aufgegangen, in Schoßgestalt, von Klang und Berührung frei: So ist der Mantra als Niṣkala zu erkennen.
4.63
sūkṣmāt sūkṣmataro devi sa ca sūkṣmo nigadyate
kālarūpaḥ smṛto bindus taṃ bhittvā vrajate yadi //
Feiner als das Feine, Göttin, wird er Sūkṣma genannt. Der Bindu gilt als Zeitgestalt; wenn [der Mantra] ihn durchbricht und weitergeht,
4.64
ūrdhvapade pravṛttasya suṣumṇādhāragocaraḥ
pralīnaḥ śabdadeve tu cicchaktipratibodhitaḥ //
zur höheren Stätte gelangt, im Bereich der Suṣumṇā-Grundlage, im Klanggott aufgegangen und von der Bewusstseinskraft erweckt,
4.65
bhinnakalaḥ smṛto hy evaṃ layātītas tu mokṣadaḥ
pañcāvasthā samākhyātā mantrāṇām amitaujasām //
dann heißt er Bhinnakala. Jenseits der Auflösung schenkt er Befreiung. So sind die fünf Zustände der Mantras von unermesslicher Macht erklärt. [Die Beziehung dieser fünf zu den sechs Formen in 4.36 ist noch zu klären.]
4.66
yāvad evaṃ na vindeta tāvat siddhiḥ kuto bhavet
hṛtkaṇṭhatālujihvauṣṭhau dantanāsodbhavākṣarāḥ //
Solange man dies nicht erfasst, woher sollte Vollendung kommen? Die Laute, die aus Herz, Hals, Gaumen, Zunge, Lippen, Zähnen und Nase entstehen,
4.67
kṣaṇapradhvaṃsino devi yathotpattis tathā kṣayaḥ
kṛtakā hy acetanā śūnyā anityā jalpakārakāḥ //
vergehen im Augenblick, Göttin: Wie sie entstehen, so zerfallen sie. Sie sind hergestellt, unbewusst, leer und unbeständig, bloßes Reden hervorbringend.
4.68
pañcāvasthāprabhinnas tu tadā mantra-m ihocyate
evaṃ mantragatiṃ jñātvā sidhyante līlayā narāḥ //
Erst wenn [der Klang] in die fünf Zustände gegliedert ist, wird er hier Mantra genannt. Menschen, die diesen Gang des Mantras kennen, gelangen spielend zur Vollendung.
4.69
udbhave śuddham ity ukto viśleṣe dvandvajaḥ smṛtaḥ
saṅkīrṇe layasaṃsthā hi upadeśas tridhā smṛtaḥ //
Im Hervortreten heißt [die Unterweisung] rein, im Auseinandertreten paargeboren, in der Vermischung in Auflösung ruhend. So gilt die Unterweisung als dreifach.
4.70
sparśanaṃ cāvalokaṃ ca sambhāṣaṃ cātmadarśanam
svayamāveśanaṃ caiva saṅkrāntiḥ pañcalakṣaṇā //
Berührung, Anblick, Ansprache, Schau des Selbst und selbsttätiges Eintreten: Die Übertragung besitzt fünf Kennzeichen.
4.71
sparśanaṃ hṛdisaṃsthaṃ tu ālokaṃ kaṇṭhadeśataḥ
tālusthāne tu sambhāṣaṃ darśanaṃ bindumadhyataḥ //
Berührung weilt im Herzen, Anblick im Halsbereich, Ansprache am Gaumen, Schau in der Mitte des Bindu.
4.72
svayamāveśanaṃ devi kubjirandhre na saṃśayaḥ
sparśane kampanaṃ jñeyam āloke dhunanaṃ bhavet //
Selbsttätiges Eintreten geschieht in der Öffnung Kubjikās, Göttin, zweifellos. Bei Berührung entsteht Zittern, beim Anblick Schütteln.
4.73
sambhāṣe tu bhavet stobhaḥ śāstrārthaṃ caiva manyate
darśanena guṇāvāptir aṇimādiguṇāṣṭakam //
Bei der Ansprache entsteht Stobha, und man versteht den Sinn der Schriften. Durch Schau werden die acht Kräfte, beginnend mit Aṇimā, erlangt.
4.74
svayamāviśane devi utpaten nātra saṃśayaḥ
evaṃ mantragatiṃ jñātvā sidhyate nātra saṃśayaḥ //
Bei selbsttätigem Eintreten steigt man auf, Göttin, daran besteht kein Zweifel. Wer den Gang des Mantras so kennt, gelangt zweifellos zur Vollendung.
4.75
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi mantroddhāraṃ varānane
sugupte bhūsame śuddhe gomayenopalepite //
Nun werde ich die Heraushebung der Mantras erklären, du Schöne. An einem gut verborgenen, ebenen und reinen, mit Kuhdung bestrichenen Ort,
4.76
puṣpaprakaragandhāḍhye gahvaraṃ tu samālikhet
saptatrayodaśair bhāgaiḥ ṣaḍ lopyāḥ ṣaṭkrameṇa tu //
reich an ausgebreiteten Blumen und Düften, zeichne man das Gahvara. Mit sieben und dreizehn Abteilungen sind sechs nach der sechsfachen Folge auszulassen. [Die geometrische Anordnung ist nicht rekonstruiert.]
4.77
yathā caivaikapārśve tu dvitīyam evam eva hi
ekaṃ trīṇi tathā pañca sapta nava tathaiva ca //
Wie auf der einen Seite, so auch auf der anderen: eins, drei, fünf, sieben, neun,
4.78
ekādaśa tathāpy evaṃ trayodaśāvasānataḥ
pañcāśad ūnam ekena kartavyaṃ hi yathāvidhi //
elf und schließlich dreizehn. Neunundvierzig [Positionen] sind nach Vorschrift herzustellen.
4.79
kāmarūpād akārādau likhed evaṃ krameṇa tu
svarāḥ sparśā yathāvṛttyā yāvan madhyam upāgatāḥ //
Von Kāmarūpa aus beginne man mit dem Laut a und schreibe in dieser Folge: die Vokale und Verschlusslaute, bis man die Mitte erreicht hat.
4.80
oḍḍiyānagataṃ devi haṃsākhyaṃ tu mahātmanam
ka-ṣākhyaṃ mantrarājānaṃ saṃyogena tu jāyate //
In Oḍḍiyāna, Göttin, entsteht durch Verbindung der große Haṃsa, der Mantrakönig, der als ka–ṣa [bezeichnet wird].
4.81
evaṃ nyāse kṛte devi uddharen mālinīṃ śubhām
nādiphāntakrameṇaiva yathā bhavati tac chṛṇu //
Wenn die Anordnung so ausgeführt ist, Göttin, hebe man die glückverheißende Mālinī in der Folge von na bis pha heraus. Höre, wie dies geschieht.
4.82
pa-dha-madhye śikhā jñeyā adhaḥśiravyavasthitā
e-pūrvākṣaracatuṣkaṃ śiromālā nigadyate //
Zwischen pa und dha ist die Haarspitze zu erkennen, mit dem Kopf nach unten angeordnet. Die vier Laute vor e werden die Kopfgirlande genannt.
4.83
ai-śa-madhye śiro devyāḥ kārayec chubhalakṣaṇam
tṛtīyaṃ nayanaṃ devyā ṅa-cha-madhyagataṃ punaḥ //
Zwischen ai und śa bilde man das Haupt der Göttin mit glückverheißenden Merkmalen. Ihr drittes Auge befindet sich zwischen ṅa und cha.
4.84
na-da-madhyagataṃ jñeyaṃ dvidhābhūtaṃ varānane
nayanau ca smṛtau devyāḥ kramād dakṣiṇavāmagau //
Das zwischen na und da Befindliche ist in zwei geteilt zu verstehen, du Schöne. Diese gelten als die Augen der Göttin, der Reihe nach rechts und links.
4.85
ṭa-pūrve nāsikā jñeyā saṃsṛṣṭā caiva madhyagā
ḍha-ta-madhyagataṃ gṛhya dvirabhyāsapaderitam //
Vor ṭa ist die Nase zu erkennen, verbunden und in der Mitte gelegen. Man nehme das zwischen ḍha und ta Befindliche und spreche es durch doppelte Wiederholung aus.
4.86
ṭha-ḍa-pūrvau yutau 'dhastād bhūṣaṇau karṇayoḥ smṛtau
vāmadakṣiṇamārgeṇa karṇabhūṣasthitāv iha //
Die beiden vor ṭha und ḍa befindlichen [Laute], unten verbunden, gelten als Ohrschmuck. Hier sind sie links und rechts als Ohrschmuck angeordnet.
4.87
sa-ca-madhyagataṃ vaktraṃ devyāyā vīranāyike
visargānta-kha-madhyasthaṃ ka-ga-madhyagataṃ punaḥ //
Zwischen sa und ca befindet sich das Gesicht der Göttin, Herrin der Helden. [Man nehme] das zwischen dem Visarga-Ende und kha sowie das zwischen ka und ga Befindliche,
4.88
kha-paścimaṃ samuddiṣṭaṃ paścimottaram eva ca
gha-ca-madhyagataṃ caiva uddhared akṣaraṃ śubham //
das westlich von kha Bezeichnete, ebenso das nordwestliche und das zwischen gha und ca liegende glückverheißende Zeichen.
4.89
ete pañca smṛtā varṇā devyā daśanakalpanā
ña-pūrve rasanā devyā jha-ūrdhvena sarasvatī //
Diese fünf Laute bilden die Zähne der Göttin. Vor ña liegt ihre Zunge, oberhalb von jha Sarasvatī.
4.90
sa-ta-madhyasthitaḥ kaṇṭhaḥ ma-cha-madhyagatoddharet
ra-ma-madhyagataṃ tadvad akṣarau tu śubhātmakau //
Zwischen sa und ta befindet sich der Hals. Man hebe das zwischen ma und cha sowie das zwischen ra und ma Befindliche heraus, die beiden glückverheißenden Laute.
4.91
śikharau tau smṛtau bhadre vāmadakṣiṇagau śubhau
ū-ḍha-madhyagataṃ gṛhya ḍa-ṇa-madhye dvitīyakam //
Diese gelten als die beiden glückverheißenden Spitzen links und rechts, du Gütige. Man nehme das zwischen ū und ḍha Befindliche, als zweites das zwischen ḍa und ṇa.
4.92
vāmadakṣiṇagau dvau tu bāhū devyāḥ surārcite
ṭa-ḍa-madhyagataṃ caiva dvidhābhūtaṃ tu kārayet //
Diese beiden sind der linke und rechte Arm der Göttin, du von den Göttern Verehrte. Das zwischen ṭa und ḍa Befindliche teile man in zwei.
4.93
karatalau smṛtau devyāḥ savyāsavyau vijānataḥ
ja-ma-pūrvau tu aṅgulyau vāmadakṣiṇagau śubhau //
Sie gelten als die linke und rechte Handfläche der Göttin. Die vor ja und ma Befindlichen sind die glückverheißenden Finger links und rechts.
4.94
aṃ-ka-madhye karapṛṣṭhe dvidhābhūtaṃ prakalpayet
ña-ṭha-madhyagataṃ gṛhya vāmahaste pradāpayet //
Zwischen aṃ und ka bilde man die beiden Handrücken. Man nehme das zwischen ña und ṭha Befindliche und gebe es in die linke Hand:
4.95
ūrdhvavaktrakapālaṃ tu amṛtākhyena pūritam
dakṣiṇe tu kare jñeyaṃ ya-ḍha-madhye tu daṇḍakam //
die nach oben geöffnete, mit Nektar gefüllte Schädelschale. In der rechten Hand ist der Stab zwischen ya und ḍha zu erkennen,
4.96
śūlasya kathitaṃ bhadre uddhāreṇa samuddhṛtam
a-cha-madhyagataṃ śūlam uttānam ūrdhvavaktragam //
der [Stab] des Dreizacks, du Gütige, durch Heraushebung gewonnen. Der Dreizack zwischen a und cha ist aufgerichtet, mit den Spitzen nach oben.
4.97
jñātavyaṃ tu vipaścidbhir yathālakṣaṇalakṣitam
gha-na-madhye tu hṛdayaṃ devyāyāḥ sarvakāmadam //
Die Verständigen sollen ihn seinen Merkmalen entsprechend erkennen. Zwischen gha und na liegt das Herz der Göttin, das alle Wünsche gewährt.
4.98
ma-ṣa-madhyagataṃ gṛhya ātmabījaṃ śivātmakam
visargasahitaṃ bhadre uddhṛtaṃ mantram uttamam //
Man nehme das zwischen ma und ṣa Befindliche, die shivahafte Keimsilbe des Selbst. Mit Visarga versehen, du Gütige, ist der höchste Mantra herausgehoben.
4.99
ya-sa-madhyagataṃ prāṇaṃ devyāyā vīranāyike
ja-ca-madhyagataṃ gṛhya ra-va-sandhigataṃ tathā //
Zwischen ya und sa liegt der Lebenshauch der Göttin, Herrin der Helden. Man nehme das zwischen ja und ca sowie das an der Verbindung von ra und va Befindliche.
4.100
vāmadakṣiṇagau dvau tu akṣarau tau stanātmakau
jha-pūrve tu payo jñeyam amṛtaṃ ca udāhṛtam //
Diese beiden Laute links und rechts bilden die Brüste. Vor jha ist die Milch zu erkennen, die auch Nektar genannt wird.
4.101
na-sa-madhyagataṃ gṛhya udaram uddhṛtaṃ 'naghe
ka-ṣākhyaṃ tattvarājānaṃ nābhiṃ devyāḥ prakalpayet //
Man nehme das zwischen na und sa Befindliche: So ist der Bauch herausgehoben, du Makellose. Den König der Prinzipien namens ka–ṣa bilde man als Nabel der Göttin.
4.102
bha-ña-madhyagataṃ devi nitambaṃ sakalātmakam
va-ṣa-madhyagataṃ guhyam au-paścimasamanvitam //
Zwischen bha und ña, Göttin, liegt die Hüfte in ihrer vollständigen Gestalt. Zwischen va und ṣa liegt die Scham, verbunden mit dem westlich von au Befindlichen.
4.103
ūrvākāraṃ bhaved bījaṃ ṇa-tha-madhyagataṃ 'naghe
ṇa-ta-dakṣiṇagau bījau jānunī dve prakalpayet //
Die Keimsilbe zwischen ṇa und tha bildet die Schenkel, du Makellose. Aus den beiden Keimsilben rechts von ṇa und ta bilde man die beiden Knie.
4.104
savyāsavyagatau jñeyau krameṇaiva śubhekṣaṇe
tha-da-dakṣiṇagau dvau tu jaṅghau dve vāmadakṣiṇau //
Sie sind der Reihe nach links und rechts zu erkennen, du Schönäugige. Die beiden rechts von tha und da bilden den linken und rechten Unterschenkel.
4.105
tha-da-madhyagataṃ devi pa-ba-madhyaṃ tathaiva ca
dvau bījau coddhṛtau bhadre pādau jñeyau vipaścitā //
Die zwischen tha und da und die zwischen pa und ba liegenden Keimsilben, Göttin, werden herausgehoben; der Verständige soll sie als die Füße erkennen,
4.106
vāmadakṣiṇagau proktau lakṣaṇena samanvitau
evaṃ samyagvidhānena uddhṛtā mālinī priye //
links und rechts mit ihren Merkmalen. So wurde Mālinī nach rechter Vorschrift herausgehoben, Geliebte.
4.107
sapta koṭyas tu vidyānāṃ mantrāṇām amitaujasām
eṣā hy ekā parā yonir mālinī sarvakāmadā //
Für sieben Koti Vidyās und Mantras von unermesslicher Macht ist diese eine Mālinī der höchste Schoß, die alle Wünsche gewährt.
4.108
mālayitvā sthitā yena tenaiṣā mālinī smṛtā
ye bhūtā ye bhaviṣyanti aprameyā varānane //
Weil sie [alles] als Girlande umfasst, wird sie Mālinī genannt. Für die unermesslichen [Scharen], die gewesen sind und sein werden, du Schöne,
4.109
rudrāṇāṃ yoginīnāṃ ca sā mātaiva nigadyate
avarṇā varṇasaṃyogā jñātavyā tu śubhekṣaṇe //
für Rudras und Yoginīs, wird sie als Mutter bezeichnet. Sie ist als lautlos und doch mit den Lauten verbunden zu erkennen, du Schönäugige.
4.110
sarvarudrātmakā mantrā rudrāḥ śaktyātmakāḥ priye
śaktis tu mātṛkā jñeyā sā jñeyā tu śivātmikā //
Alle Mantras sind Rudra ihrem Wesen nach; die Rudras bestehen aus Shakti, Geliebte. Shakti ist als Mātṛkā zu erkennen, und diese als shivahaft.
4.111
evaṃ mantrapramāṇaṃ tu kathitaṃ tava śobhane
etad ādyaṃ samākhyātaṃ gopanīyaṃ prayatnataḥ //
So wurde dir das Wesen und Maß der Mantras erklärt, du Schöne. Dieses Ursprüngliche wurde dargelegt; es ist sorgfältig geheim zu halten.
4.111*
ekavīravidhānaṃ tu prāg uktam anya āgame //
Das Verfahren des einzelnen Helden wurde zuvor in einem anderen Āgama gelehrt.“
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate mantranirṇayagahvaramālinyuddhāro nāma caturthaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das vierte Kapitel über die Bestimmung der Mantras und die Heraushebung Mālinīs aus dem Gahvara.
Kapitel 5
5.1
umāmāheśvaraṃ cakraṃ kathayāmi suniścitam
padaṃ ca padabhedaṃ ca yo jānāti sa sidhyati //
Ich werde den Kreis von Umā und Maheśvara eindeutig erklären. Wer seine Glieder und deren Unterteilung kennt, gelangt zur Vollendung.
5.2
aiṃ namo bhagavate rudrāya padaṃ caiva daśākṣaram
namaś cāmuṇḍe dvitīyaṃ syāt pañcākṣaram udāhṛtam //
Das Glied „aiṃ namo bhagavate rudrāya“ besitzt zehn Silben. „namaś cāmuṇḍe“ bildet das zweite und wird als fünfsilbig bezeichnet.
5.3
namaś cākāśamātṝṇāṃ padam anyat tṛtīyakam
aṣṭākṣaraṃ samākhyātaṃ lakṣaṇena vilakṣitam //
„namaś cākāśamātṝṇāṃ“ ist das dritte Glied. Es wird als achtsilbig beschrieben und ist durch sein besonderes Merkmal gekennzeichnet.
5.4
sarvakāmārthasādhakīnāṃ padaṃ caiva caturthakam
navākṣaram idaṃ devi padaṃ yat samudāhṛtam //
„sarvakāmārthasādhakīnāṃ“ ist das vierte Glied. Dieses hier gelehrte Glied besitzt neun Silben, Göttin.
5.5*
ajarāmarīṇāṃ padaṃ cātra kathitaṃ pañcaguṇāvaham /
akṣarāṇāṃ samāsena rasasaṅkhyā udāhṛtā //
„ajarāmarīṇāṃ“ ist das [fünfte] Glied und bringt fünf Kräfte hervor; seine Silbenzahl wird zusammenfassend durch die Zahl der Geschmäcker [sechs] angegeben.
5.6*
sarvatrāpratihatagatīnāṃ padaṃ ṣaṣṭhaṃ varānane /
daśākṣaraṃ samākhyātaṃ kathitaṃ vīranāyike //
„sarvatrāpratihatagatīnāṃ“ bildet das sechste Glied, du Schöne. Es wird als zehnsilbig beschrieben, Herrin der Helden.
5.7*
svarūpapararūpaparivartanīnāṃ padaṃ saptamakaṃ bhavet /
akṣarāṇāṃ samāsena daśatritayam uttamam //
„svarūpapararūpaparivartanīnāṃ“ ist das siebte Glied. Seine Silbenzahl beträgt insgesamt dreizehn.
Zusatzblock 5.p-1
sarvasattva vaśīkaraṇocchādanonmūlanasamastakarmapravṛttīnāṃ padaṃ cāṣṭamakaṃ bhavet |
„sarvasattva vaśīkaraṇocchādanonmūlanasamastakarmapravṛttīnāṃ“ bildet das achte Glied. [Die Mantra-Wortfolge wird unverändert belassen; sie bezeichnet das Tätigsein in allen Handlungen, darunter Beeinflussung aller Wesen, Verdeckung beziehungsweise Vertreibung und Entwurzelung.]
5.8
akṣarāṇāṃ samāsena viṃśaccatvārisaṅkhyayā //
Die Gesamtzahl seiner Silben beträgt vierundzwanzig.
5.9*
sarvamātṛguhyahṛdayaparamasiddhaṃ padaṃ tu navamaṃ bhavet /
akṣarāṇāṃ samāsena śakrasaṅkhyā varānane //
„sarvamātṛguhyahṛdayaparamasiddhaṃ“ bildet das neunte Glied. Seine Silbenzahl entspricht der Zahl Śakras [vierzehn], du Schöne. [Die Zahlensymbolik ist vorläufig.]
5.10
parakarma tathā devi chedanakaraṃ prakīrtitam
siddhikaraṃ ca evātra padaṃ caiva dvipañcakam //
„parakarma“ sowie „chedanakaraṃ“ und „siddhikaraṃ“ werden hier als das zehnte Glied genannt, Göttin.
5.11
akṣarāṇāṃ tathā saṅkhyā ekatra samudāhṛtā
dvisaptaparimāṇena sphuṭam etat kuleśvari //
Die gemeinsame Silbenzahl wird mit zweimal sieben angegeben. Damit ist dies deutlich erklärt, Kuleśvarī.
5.12
śṛṇu cānyaṃ varārohe mātṝṇāṃ vacanaṃ śubham
akṣarāṇāṃ pramāṇena dvicatuṣkaṃ varānane //
Höre noch die glückverheißende Rede der Mütter, du Schöne; nach der Silbenzahl besitzt sie zweimal vier [Silben].
5.13
ekādaśamam etad dhi padaṃ sarvaguṇāvaham
tad yatheti samārabhya dvitīyaṃ śobhanaṃ priye //
Dies ist das elfte Glied, das alle Kräfte hervorbringt. Mit „tad yathā“ beginnt die zweite glückverheißende [Abteilung], Geliebte.
5.14
brahmāṇīti padaṃ pūrvaṃ māheśvarī dvitīyakam
kaumārīti tṛtīyaṃ syād vaiṣṇavyā tu caturthakam //
„brahmāṇī“ ist das erste Glied, „māheśvarī“ das zweite, „kaumārī“ das dritte und „vaiṣṇavī“ das vierte.
5.15
vārāhyā pañcamaṃ jñeyam aindrī ṣaṣṭhamakaṃ bhavet
aiśānī saptamaṃ proktam āgneyī cāṣṭamaṃ priye //
„vārāhī“ ist als fünftes zu erkennen, „aindrī“ bildet das sechste, „aiśānī“ das siebte und „āgneyī“ das achte, Geliebte.
5.16
evamādyāḥ sthitā devyaḥ kathitās tava śobhane
aghore amoghe varade vicce vai vacanaṃ śubham //
So wurden dir die Göttinnen, beginnend mit diesen, erklärt, du Schöne. „aghore amoghe varade vicce“ ist die glückverheißende Formel
5.17
sarvāsāṃ caiva mātṝṇāṃ svāhāpraṇavasaṃyutam
aiṃ cāmuṇḍe padaṃ pūrvam ūrdhvakeśi dvitīyakam //
für alle Mütter, verbunden mit svāhā und Praṇava. „aiṃ cāmuṇḍe“ ist das erste Glied, „ūrdhvakeśi“ das zweite,
5.18
jvalitaśikhe tṛtīyaṃ tu vidyujjihve caturthakam
tārakākṣi tathā devi pañcamaṃ parikīrtitam //
„jvalitaśikhe“ das dritte, „vidyujjihve“ das vierte und „tārakākṣi“, Göttin, das fünfte.
5.19
piṅgalabhruve nāmena ṣaṣṭhamaṃ tu sulocane
vikṛtadaṃṣṭre padaṃ hy etat saptamaṃ parikīrtitam //
Das sechste heißt „piṅgalabhruve“, du Schönäugige; als siebtes wird das Glied „vikṛtadaṃṣṭre“ genannt.
5.20*
kruddhe ti ca tathā cānyam aṣṭamaṃ śubhalakṣaṇam /
māṃsaśoṇitasurāsavapriye navamaṃ daśamaṃ tu hasadvayam //
„kruddhe“ ist das achte glückverheißende [Glied], „māṃsaśoṇitasurāsavapriye“ das neunte und zweimal „hasa“ das zehnte.
5.21
nṛtyadvayaṃ tathā coktaṃ daśa-m-ekaṃ tu suvrate
vijṛmbha ca tathā yugmaṃ daśadve ca prakāśitam //
Zweimal „nṛtya“ gilt als elftes, du Gelübdetreue; das Paar „vijṛmbha“ wird als zwölftes erklärt.
5.22
māyātrailokyarūpeti daśatritayam uttamam
sahasraparivartanīnāṃ dvisaptamaṃ parameśvari //
„māyātrailokyarūpe“ ist das dreizehnte; „sahasraparivartanīnāṃ“ das vierzehnte, höchste Herrin.
5.23
nudayugmaṃ tripañcaiva kūṭayugmaṃ dviraṣṭakam
ciriyugmaṃ tathā bhadre daśasapta ca ekataḥ //
Das Paar „nuda“ bildet das fünfzehnte, das Paar „kūṭa“ das sechzehnte und das Paar „ciri“, du Gütige, das siebzehnte.
5.24
hiridvitayam ekatra daśa-aṣṭa śubhekṣaṇe
bhiri caiva dvirabhyāsād viṃśa-m-ekonasaṅkhyayā //
Zweimal „hiri“ ergibt das achtzehnte, du Schönäugige; durch doppelte Wiederholung von „bhiri“ [entsteht] das neunzehnte.
5.25
trāsanidvitayaṃ caiva padaṃ viṃśamakaṃ bhavet
bhrāmaṇiyugmam etad dhi viṃśa-m-ekaṃ tu uttamam //
Zweimal „trāsani“ bildet das zwanzigste Glied; das Paar „bhrāmaṇi“ das einundzwanzigste.
5.26
vidrāvaṇi dvirabhyāsād viṃśadvayaṃ tathānaghe
kṣobhaṇīti dvirabhyāsād viṃśatrikam udāhṛtam //
Durch doppelte Wiederholung von „vidrāvaṇi“ entsteht das zweiundzwanzigste, du Makellose; zweimal „kṣobhaṇi“ wird als dreiundzwanzigstes genannt.
5.27
māraṇidvitayaṃ caiva viṃśacatvārisaṅkhyayā
sañjīvanipade dve tu pañcaviṃśapadaṃ priye //
Zweimal „māraṇi“ ergibt das vierundzwanzigste; die beiden „sañjīvani“-Glieder bilden das fünfundzwanzigste, Geliebte.
5.28
heriyugmaṃ smṛtaṃ bhadre ṣaḍviṃśakam anuttamam
geriyugmaṃ tathā proktaṃ saptaviṃśatimaṃ padam //
Das Paar „heri“ wird als sechsundzwanzigstes bezeichnet, du Gütige; ebenso ist das Paar „geri“ das siebenundzwanzigste Glied.
5.29
ghuri caiva dvirabhyāsād aṣṭāviṃśa varānane
ghurileti tathāpy evam ūnatriṃśam udāhṛtam //
Zweimal „ghuri“ bildet das achtundzwanzigste, du Schöne; ebenso wird „ghurila“ als neunundzwanzigstes genannt.
5.30
namo mātṛgaṇāyeti triṃśakaṃ kathitaṃ sphuṭam
namo namaḥ aiṃ vicce svāhā triṃśam ekottaraṃ padam //
„namo mātṛgaṇāya“ wird deutlich als dreißigstes bezeichnet. „namo namaḥ aiṃ vicce svāhā“ ist das einunddreißigste Glied.
5.31
samastapadasaṃyogāt parimāṇaṃ śatārdhakam
varṇānāṃ ca śate dve tu dvānavatyā varānane //
Durch die Verbindung sämtlicher Glieder ergibt sich die Zahl fünfzig; die Zahl der Laute beträgt zweihundert
5.32
adhikaṃ kathitaṃ bhadre mātṝṇāṃ nāmavarjitam
padabhedas tu vidyāyā jñātavyaḥ sādhakena tu //
und zweiundneunzig, du Gütige, ohne die Namen der Mütter. Die Gliederung der Vidyā muss der Praktizierende kennen.
5.33
prayatnena varārohe tantrāmnāyaprapālakaḥ
sakṛd uccāritā vidyā samayajño bhavaty asau //
Der Bewahrer der Tantra-Überlieferung [erkenne sie] sorgfältig, du Schöne. Wenn die Vidyā einmal ausgesprochen ist, wird er zum Kenner der Verpflichtung.
5.34
pañcapraṇava-m-uddhāraṃ yathā tvaṃ gahvare śṛṇu
e-o-madhye samuddhṛtya bindunāda-m-alaṅkṛtam //
Höre, wie die fünf Praṇavas im Gahvara herausgehoben werden: Man nehme das zwischen e und o Befindliche, geschmückt mit Bindu und Nāda.
5.35
bhagākhyaṃ prathamaṃ bījam uddhṛtaṃ paramākṣaram
va-ṣa-madhyagataṃ gṛhya ṇa-ṭa-madhyāsane sthitam //
Das erste Bīja namens Bhaga, der höchste Laut, ist [damit] herausgehoben. Man nehme das zwischen va und ṣa Befindliche, auf dem Sitz zwischen ṇa und ṭa gelegen,
5.36
i-u-madhyena sambhinnam aḥ-au-madhya-m-alaṅkṛtam
dvitīyaṃ kathitaṃ devi tṛtīyaṃ va-ma-madhyagam //
durch das zwischen i und u Befindliche gegliedert und mit dem zwischen aḥ und au Befindlichen geschmückt: Dies ist das zweite, Göttin. Das dritte liegt zwischen va und ma,
5.37
ṭha-la-madhyāsanāsīnaṃ caturthasvarabheditam
bindunā mastakākrāntaṃ na-ca-madhye caturthakam //
sitzt zwischen ṭha und la, ist durch den vierten Vokal gegliedert und trägt den Bindu auf dem Haupt. Das vierte befindet sich zwischen na und ca,
5.38
ī-ta-madhye samāruddham ai-pūrveṇa vibheditam
bindunādasamākrāntaṃ caturthaṃ praṇavaṃ bhavet //
wird zwischen ī und ta eingeschlossen, durch das vor ai Befindliche gegliedert und mit Bindu und Nāda versehen. So entsteht das vierte Praṇava.
5.39
pañcamaṃ ya-sa-madhyasthaṃ ba-ha-madhyāsane sthitam
aṃ-pūrveṇa samāyuktam au-paścimavibhūṭitam //
Das fünfte liegt zwischen ya und sa, sitzt zwischen ba und ha, ist mit dem vor aṃ Befindlichen verbunden und mit dem westlich von au Befindlichen geschmückt.
5.40
ardhacandrānvitaṃ kṛtvā bindunādayutaṃ kuru
pañcapraṇava-m-uddhāraṃ rahasyaṃ kathitaṃ tava //
Man versehe es mit dem Halbmond und füge Bindu und Nāda hinzu. Die geheime Heraushebung der fünf Praṇavas ist dir [damit] erklärt.
5.41
mantrāṇāṃ dīpakaṃ devi yathākarmaṇi yojayet
vidyāyās tu prasaṅgena pañcapraṇavam uddhṛtam //
Als Erleuchtung der Mantras, Göttin, soll man sie der jeweiligen Handlung entsprechend anwenden. Im Zusammenhang mit der Vidyā wurden die fünf Praṇavas herausgehoben.
5.42
sāmprataṃ śṛṇu kalyāṇi vidyāmāhātmyam uttamam
sevanāj japahomād vā dhyānāc ca kramaśo bhavet //
Höre nun, du Glückverheißende, von der höchsten Größe der Vidyā. Durch ihren Dienst, Rezitation, Feueropfer und Meditation entsteht schrittweise [ihre Wirkung].
5.43
ṣaṇmāsāc cotpated devi sat yam etad udāhṛtam
kṛtvā sāmrāṭajān doṣān uccārāt kalmaṣāpaham //
Nach sechs Monaten steigt man auf, Göttin; dies ist wahrlich gesagt. Das Aussprechen entfernt Verfehlungen, auch nachdem man die als Sāmrāṭa bezeichneten Fehler begangen hat. [sāmrāṭajān doṣān bleibt fachlich ungeklärt.]
5.44
devadrohe gurudrohe koṭitriṃśaiḥ sa śudhyati
chedane puṣpapattrāṇām āvartāc chudhyate tu saḥ //
Bei Feindseligkeit gegen die Gottheit oder den Guru wird man durch dreißig Koti [Rezitationen] gereinigt; beim Abtrennen von Blumen und Blättern durch eine Wiederholung.
5.45
sandhyālope kṛte devi trirāvarteṇa śudhyati
āhnikacchedasañjāte śatam ekam udīrayet //
Bei Versäumnis einer Sandhyā wird man durch dreimalige Wiederholung gereinigt, Göttin. Wird die tägliche Pflichtübung unterbrochen, soll man hundertmal rezitieren.
5.46
laṅghane samayānāṃ ca abhakṣyasya tu bhakṣaṇe
avācyavācite devi sahasrāc chuddhir iṣyate //
Bei Verletzung der Verpflichtungen, beim Essen von Verbotenem und beim Aussprechen von Unaussprechlichem, Göttin, wird Reinigung durch tausend [Rezitationen] vorgeschrieben.
5.47
kākolūkakapotānāṃ pakṣiṇāṃ ghātane kṛte
sahasrair dvibhiḥ śudhyeta satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ //
Wenn Vögel wie Krähen, Eulen oder Tauben getötet wurden, soll man sich durch zweitausend [Rezitationen] reinigen – wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel.
5.48
chāgameṣa tathānyāni mṛgajambūka ṛkṣayoḥ
śuddhis trisahasrād devi yathā bhairava-m-abravīt //
Bei Ziegen, Schafen und anderen [Tieren], bei Wild, Schakalen und Bären [erfolgt] Reinigung durch dreitausend, Göttin, wie Bhairava gesagt hat.
5.49
sarpamārjārahantāro dundubhomatsyaghātakaḥ
caturbhiś ca sahasrair hi śīghraṃ śuddhim avāpnuyāt //
Wer eine Schlange oder Katze tötet, wer eine Dundubha-Schlange oder einen Fisch tötet, soll durch viertausend rasch Reinigung erlangen.
5.50
śvasūkaranakulādi mūṣakaś cātha vāpi vā
pañcabhiḥ śuddhir iṣyeta sahasrais tu kulānvaye //
Bei Hund, Schwein, Mungo und auch Maus wird in der Kula-Überlieferung Reinigung durch fünftausend vorgeschrieben.
5.51
gavāṃ hatvā praśudhyeta daśalakṣais tu saṅkhyayā
brāhmaṇas tu yadā devi pramādād ghātito budhaiḥ //
Nach dem Töten einer Kuh soll man sich durch zehn Laksha [eine Million] reinigen. Wenn ein Brahmane aus Unachtsamkeit getötet wurde, Göttin,
5.52
lakṣair viṃśati śudhyeta naktāśī tu jitendriyaḥ
bauddhārahantahantā ca dvijād dviguṇa śudhyati //
soll man sich durch zwanzig Laksha reinigen, nur nachts essen und die Sinne bezwingen. Wer einen buddhistischen Arhat tötet, wird durch das Doppelte [der Zahl für] den Zweimalgeborenen gereinigt.
5.53
lākulā mauṣalāś caiva ye cānye lātapāṇayaḥ
hatvā śuddhim avāpnoti koṭitrayajapena tu //
Wer Lākulas, Mauṣalas oder andere Stabträger getötet hat, erlangt Reinigung durch Rezitation von drei Koti.
5.54
guruṃ hatvā pañca koṭyaḥ śudhyate tu pramādataḥ
striyo ghātī durācāro daśa koṭyo japet priye //
Nach der unbeabsichtigten Tötung des Gurus wird man durch fünf Koti gereinigt. Ein Übeltäter, der eine Frau tötet, soll zehn Koti rezitieren, Geliebte,
5.55
naktāśī śuddhim āpnoti kṣetrapīṭhān bhramed yadi
anyeṣāṃ varṇajātīnām adhamottamamadhyamāḥ //
nur nachts essen und die Kultorte und heiligen Stätten durchwandern; dann erlangt er Reinigung. Bei den übrigen sozialen Gruppen und Geburtsgruppen, niedrigen, hohen und mittleren,
5.56
lakṣais tu bhavate śuddhir dvitricatvārisaṅkhyayā
ekād ekona kartavyaṃ varṇāṇāṃ ca krameṇa tu //
geschieht Reinigung durch zwei, drei oder vier Laksha. Der Reihenfolge der Gruppen entsprechend ist jeweils eine Einheit abzuziehen. [Zahlenzuordnung und Anschluss sind unklar; keine geglättete soziale Rangliste wird ergänzt.]
5.57
nindate yoginīṃ yas tu śivabhaktāṃś ca nindati
śāstrāṇi dūṣayed yas tu striyam ākoṭayeti ca //
Wer eine Yoginī schmäht, Shiva-Verehrer beschimpft, die Schriften herabsetzt oder eine Frau schlägt,
5.58
kroṣanti kanyakā devi sahasrāc chuddhir iṣyate
vāmadakṣiṇasiddhānte śivavratadharo hataḥ //
[sodass] Mädchen weinen, Göttin, [für den] wird Reinigung durch tausend [Rezitationen] vorgeschrieben. Wurde ein Träger eines Shiva-Gelübdes der linken, rechten oder Siddhānta-[Überlieferung] getötet,
5.59
koṭicaturbhir deveśi śudhyate japatatparaḥ
yaḥ punas tattvavettā ca ṣoḍhānyāsaviśāradaḥ //
wird man durch vier Koti gereinigt, Herrin der Götter, wenn man sich der Rezitation widmet. Wer hingegen die Wirklichkeit kennt und den sechsfachen Nyāsa beherrscht,
5.60
smaraṇāc chuddhir iṣyeta tathyaṃ bhairava-m-abravīt
krodhena tu yadā devi uccaiḥśabdapralāpitam //
für den wird Reinigung durch Erinnerung [an die Vidyā] vorgeschrieben; so hat Bhairava wahrheitsgemäß gesprochen. Wenn im Zorn laut geredet wurde, Göttin,
5.61
trivārāvartayed vidyāṃ śāntim āśu prayacchati
kṛte karmaṇi bālānāṃ lūtācipiṭagaṇḍayoḥ //
soll man die Vidyā dreimal wiederholen; sie gewährt rasch Befriedung. Bei durchgeführten Handlungen für Kinder, bei Spinnen[-Leiden], cipiṭa und Schwellungen,
5.62
jvaragrahaviṣādibhyaḥ oṣadhākhyāpanāya ca
pañcāvartād viśudhyeta anvayī yas tu śāsane //
bei Fieber, besetzenden Mächten, Gift und anderem sowie bei der Mitteilung eines Heilmittels soll sich ein Angehöriger der Lehre durch fünf Wiederholungen reinigen. [cipiṭa sowie die genaue Ritualsituation bedürfen weiterer Prüfung.]
5.63
yaḥ punaḥ kramavettā ca śuddhāśuddhair na bādhyate
deśikaṃ putrakaṃ vāpi sādhakaṃ samayajñakam //
Wer jedoch die Überlieferungsfolge kennt, wird von Reinem und Unreinem nicht beeinträchtigt. Wer einen Lehrer, Putraka, Sādhaka oder Kenner der Verpflichtungen
5.64
pramādān nindate yas tu daśāvartād viśudhyati
aliṃ jugupsayed yas tu phalguṣaṃ vā yadi priye //
aus Unachtsamkeit schmäht, wird durch zehn Wiederholungen gereinigt. Wer Wein oder Fleisch verabscheut, Geliebte,
5.65
ekoccāreṇa śudhyeta annaṃ vā yaj jugupsate
kandukaṃ mallakoṣāḍhyā chippakaṃ carmakārakam //
oder Nahrung verschmäht, wird durch ein einziges Aussprechen gereinigt. [Wer] Kanduka, Malla, Koṣāḍhya, Chippaka oder den Lederarbeiter [schmäht],
5.66
dhvajaṃ sūnākaraṃ vāpi matsyaghātaṃ tu lubdhakam
koṅkaṇaṃ cīnabāhlīkaṃ vaṅgālaṃ kāmarūpakam //
Dhvajā, den Schlächter, Fischer oder Jäger, [Menschen aus] Koṅkaṇa, China, Bāhlīka, Vaṅgāla oder Kāmarūpa,
5.67
māgadhaṃ saindhavaṃ vāpi gujjaraṃ lāṭasaṃjñakam
anye 'pi deśamadhyasthā vanavāsāntyajātayaḥ //
Magadha, Sindh, Gurjara oder Lāṭa, ferner Bewohner anderer Länder, Waldbewohner und Angehörige ausgegrenzter Geburtsgruppen,
5.68
veśyādikramaśaḥ sarve nindanāc chuddhir iṣyate
trirāvarteṇa deveśi akāmāt kāmato 'pi vā //
Prostituierte und die übrigen – [von solcher] Schmähung wird man durch dreimalige Wiederholung gereinigt, Herrin der Götter, ob [sie] unabsichtlich oder absichtlich [geschah].
5.69
kāmato dviguṇaṃ devi kartavyaṃ siddhim icchatā
trikhaṇḍā yādṛśaṃ proktaṃ prāyaścittaṃ kulānvaye //
Bei Absicht soll, wer Vollendung wünscht, das Doppelte ausführen, Göttin. Die Sühne, die in der Kula-Überlieferung für die dreiteilige [Vidyā] gelehrt wurde,
5.70
dvātriṃśākṣarayā tadvat kartavyaṃ tattvavedibhiḥ
ete nirodharūpās tu sādhakānāṃ prakāśitāḥ //
soll von den Wirklichkeitskundigen ebenso mit der zweiunddreißigsilbigen [Vidyā] ausgeführt werden. Diese [Verfehlungen] wurden als Hindernisse für die Praktizierenden offenbart.
5.71
tadarthe kathitā vidyā yena sidhyanti sādhakāḥ
śreyārthināṃ mayākhyātā madbhaktāḥ kṛtaniścayāḥ //
Zu ihrem Zweck wurde die Vidyā gelehrt, durch die die Praktizierenden Vollendung erlangen. Ich habe sie denen verkündet, die das Heil suchen und mir entschlossen hingegeben sind.
5.72
anyeṣāṃ na kadācit syāl laulyārthe ye sthitānaghe
iyaṃ vidyā samākhyātā upayogād varānane //
Für andere, die aus Habgier handeln, soll sie niemals [bestimmt] sein, du Makellose. Diese Vidyā ist dir hinsichtlich ihrer Anwendung erklärt, du Schöne.
5.73
sāmprataṃ padabhedas tu yathā yojyas tu bhairavi
tathā te kathayiṣyāmi tac chṛṇuṣva samāsataḥ //
Nun werde ich dir darlegen, Bhairavī, wie die Gliederung anzuwenden ist. Höre dies kurzgefasst.
5.74
yā vidyā kathitā pūrvaṃ nādiphāntakrameṇa tu
taccharīragatā varṇāḥ pañcapraṇavabheditāh //
Die zuvor in der Folge von na bis pha gelehrte Vidyā: Die Laute ihres Leibes werden durch die fünf Praṇavas gegliedert,
5.75
pañcayonyāḥ svarūpeṇa varṇam ekaikasaṅkhyayā
bhairavaḥ śabdarāśis tu ādikṣāntakrameṇa tu //
jeder Laut für sich, in der Gestalt der fünf Schoßkräfte. Bhairava ist dagegen die Lautgesamtheit in der Folge von a bis kṣa.
5.76
te varṇāḥ pañcapraṇavaiḥ sampuṭe[c] ca pṛthak pṛthak
ādikṣāntakrameṇaiva niyojanam udāhṛtam //
Jeden dieser Laute umschließe man einzeln mit den fünf Praṇavas. Die Einsetzung wurde in der Reihenfolge von a bis kṣa gelehrt.
5.77
dvābhyāṃ tu grathanaṃ kāryaṃ samastasyāpi śobhane
sapta varṇān dadec cādau madhye vidyāpadaṃ dadet //
Mit beiden soll die Verflechtung des Ganzen erfolgen, du Schöne. Man setze am Anfang sieben Laute, in die Mitte ein Glied der Vidyā,
5.78
punaḥ sapta padasyānte tasyānte tu padaṃ punaḥ
punaḥ saptakam uccārya padaṃ ca tadanantaram //
dann am Ende des Gliedes wieder sieben; danach wiederum ein Glied. Erneut spreche man sieben aus und anschließend ein Glied.
5.79
anena kramayogena nirvāhena tu yojayet
kṣāntaṃ vai yāva deveśi tāvad eva niyojayet //
Durch diese Verbindung in der Reihenfolge führe man [die Anordnung] bis zum Abschluss fort; bis kṣa soll sie reichen, Herrin der Götter.
5.80
padasaṅkhyā samastasya nirvāhobhayadīpite
mālinī dvādaśair bhedaiḥ śabdarāśis tu ṣoḍaśaiḥ //
Bei der Gliederzählung des Ganzen, dessen Durchführung beiderseits erhellt wird, [erscheint] Mālinī in zwölf Gliederungen, Śabdarāśi in sechzehn.
5.81
anena kramaśaḥ sarve varṇāś caiva pṛthak pṛthak
calacakravibhāgena padavidyāṃ yadā yajet //
Wenn man auf diese Weise sämtliche Laute einzeln der Reihe nach anordnet und die gegliederte Vidyā gemäß dem beweglichen Kreis verehrt,
5.82
tadā kṣobhaṃ karoty āśu divyādivyetaraṃ priye
yonayaḥ pañcadhā yās tu sarvāḥ klidyanti nānyathā //
dann erschüttert sie rasch das Göttliche, Nichtgöttliche und andere, Geliebte. Sämtliche fünf Arten von Schoßkräften werden erweicht; anders geschieht es nicht.
5.83
drāvaṇaṃ kṣobhaṇaṃ mohaṃ jṛmbhaṇaṃ śoṣaṇaṃ tathā
sarvān tān kurute devi yadā śaktisamo bhavet //
Schmelzenlassen, Erschüttern, Verblenden, Aufreißen und Austrocknen: All dies bewirkt man, Göttin, wenn man der Shakti gleich geworden ist.
5.84
prasuptabhujagākārā dvādaśānte varānane
nābhiṣṭhā tu tathāpy evaṃ draṣṭavyā parameśvari //
Von der Gestalt einer schlafenden Schlange [weilt sie] im Dvādaśānta, du Schöne. Ebenso ist sie im Nabel befindlich zu betrachten, höchste Herrin.
5.85
dṛśyate dehamadhye tu vyomānte ca parāparā
tasyāgre tu tato mantraṃ hutāśakaṇikākṛtim //
Als Höhere-und-Niedere wird sie in der Mitte des Körpers und am Ende des Raumes geschaut. Vor ihr [vergegenwärtige man] den Mantra in der Gestalt eines Feuerfunkens.
5.86
uccāreta tato mantraṃ śabdarūpaṃ hṛdi priye
śabdānte śaktir uccāryā īṣanmandagamārutā //
Dann spreche man den Mantra als Klanggestalt im Herzen aus, Geliebte. Am Ende des Klanges ist die Shakti mit einem kaum merklichen, langsamen Luftstrom emporzuführen.
5.87
padmasūtranibhākārā uccāryā sānunāsikā
uccārāntāvasāne tu jñātavyālātacakravat //
Sie besitzt die Gestalt eines Lotusfadens und wird mit Nasalresonanz emporgeführt. Am Ende dieses Vorgangs ist sie wie der Kreis eines geschwungenen Feuerbrands zu erkennen.
5.88
tatra madhyagataṃ devi caitanyaṃ mantrasaṃyutam
prasphuratkiraṇānekaiḥ koṭiśo dikṣv avasthitaiḥ //
In dessen Mitte befindet sich das mit dem Mantra verbundene Bewusstsein, Göttin, mit zahllosen funkelnden Strahlen, die millionenfach in die Richtungen reichen.
5.89
tasyāpy ante tato devi śaktir ādyā manonmanī
atītā tu yadā sā vai tadā bindvī udāhṛtā //
An seinem Ende [weilt] die ursprüngliche Shakti Manonmanī. Wenn jene überschritten ist, Göttin, wird [die folgende] Bindvī genannt.
5.90
bindvante vyāpako devo māyātīto nirāmayaḥ
sa śivo bhāvanātīto nirguṇo guṇasambhavaḥ //
Am Ende des Bindu [weilt] der alldurchdringende Gott, jenseits der Māyā und frei von Beeinträchtigung. Er ist Shiva, jenseits der Vorstellung, eigenschaftslos und Ursprung der Eigenschaften.
5.91
adhikārī sarvakārī ca śaktyātīto mahāprabhuḥ
anena kramayogena kramaḥ kāryaḥ suniścitaiḥ //
Er ist der Befugte und Allwirkende, der große Herr jenseits der Shakti. In dieser geordneten Verbindung sollen die Entschlossenen die Folge vollziehen.
5.92
ātmā manaś ca mantraś ca śivaḥ śaktis tathaiva ca
ekībhāvagato devi jñātavyaḥ siddhim īhakaiḥ //
Selbst, Geist, Mantra, Shiva und Shakti sind in Einheit eingegangen: So sollen es diejenigen erkennen, die Vollendung anstreben, Göttin.
5.93
tasmāt prāṇasamaṃ jāpyaṃ mantrānte nādagocare
nādasyānte tato jñātvā etat smaraṇam ucyate //
Deshalb soll man gleichlaufend mit dem Lebenshauch rezitieren, am Ende des Mantras im Bereich des Nāda. Dessen Ende zu erkennen wird Erinnerung genannt.
5.94
smaraṇaṃ śaktir uddiṣṭā yā karoti gamāgamam
tasyānte tu parā sūkṣmā sā kalā amṛtātmikā //
Als Erinnerung ist die Shakti bezeichnet, die Hin- und Herbewegung bewirkt. An ihrem Ende [weilt] die höchste, feine Kalā, deren Wesen Nektar ist.
5.95
layātītā arūpā tu svayaṃvedyāvicārataḥ
na tasya lakṣaṇaṃ devi na lakṣo naiva yojanā //
Jenseits der Auflösung und formlos ist sie zweifellos durch sich selbst erkennbar. Dort gibt es kein Merkmal, Göttin, kein Ziel und keine Verbindung,
5.96
na kṣayo naiva vṛddhiś ca śuklakṛṣṇau na caiva hi
na rātrir na dinaṃ caiva na sandhyā ayanaṃ tathā //
keine Abnahme und keine Zunahme, keine helle und keine dunkle [Monatshälfte], keine Nacht und keinen Tag, keine Dämmerung und keinen Sonnenhalbjahreslauf,
5.97
viṣuvaṃ naiva deveśi saṅkrāntir naiva vidyate
sarvāvasthagatiṃ jñātvā vijñānam upajāyate //
kein Äquinoktium, Herrin der Götter, und keinen Übergang [der Sonne]. Wenn man den Gang durch alle Zustände kennt, entsteht unmittelbares Erkennen.
5.98
etat kaulikam ākhyātam umāmāheśvaraṃ priye
utpateta na sandeho lakṣajāpāc calasya tu //
Dies wird das Kaulische von Umā und Maheśvara genannt, Geliebte. Durch hunderttausend Rezitationen des beweglichen [Kreises] steigt man zweifellos auf.
5.99
calā śaktiḥ samākhyātā lakṣaṇena udāhṛtā
avarṇā varṇasaṃyogā mālinī sā udāhṛtā //
Die Shakti wurde ihrem Merkmal nach als beweglich bezeichnet. Lautlos und doch mit den Lauten verbunden wird sie Mālinī genannt.
5.100
padabhedagatā hy ekā asaṅkhyātā varānane
evaṃ tadgraha-m-ākhyātaḥ sadyaḥpratyayakārakaḥ //
In der Gliederung der Glieder ist sie eine und zugleich unzählbar, du Schöne. So wurde Tadgraha erklärt, das unmittelbar Gewissheit hervorbringt.
5.101
na kasyacin mayākhyātam umāmāheśvaraṃ priye
satataṃ japate yas tu yoginīvallabho bhavet //
Niemandem habe ich [dieses] Umā-Maheśvara[-Verfahren] mitgeteilt, Geliebte. Wer es beständig rezitiert, wird zum Liebling der Yoginīs.
5.102
ṣaṇmāsāc chudhyate devi brahmaghno 'pi na saṃśayaḥ
paśyate virajāṃ śāntāṃ jyotirūpāṃ mahādyutim //
Nach sechs Monaten wird selbst ein Brahmanentöter gereinigt, Göttin, daran besteht kein Zweifel. Er sieht die staublose, friedvolle [Göttin], lichtgestaltig und von großem Glanz.
5.103
japasya lakṣaṇaṃ devi idānīṃ śṛṇu sāmpratam
ekoccāraśatānte tu parāvasthā tu gīyate //
Höre jetzt die Bestimmung der Rezitation, Göttin. Am Ende von hundertmaligem einzelnem Aussprechen wird der höchste Zustand besungen.
5.104
śatabhedaḥ samākhyātas tadguṇo daśa eva tu
sahasrabhedam ity uktaṃ lakṣaḥ śataguṇaḥ smṛtaḥ //
Die hundertfache Gliederung wurde genannt; zehnmal so viel heißt tausendfache Gliederung. Ein Laksha gilt als hundertmal [tausend].
5.105
koṭibhedaḥ śatānāṃ tu lakṣāṇāṃ varavarṇini
etaj japavidhānaṃ tu kathitaṃ tava śobhane //
Hundert Laksha sind die Koti-Gliederung, du Schöne. Damit ist dir dieses Rezitationsverfahren erklärt.
5.106
muktakaḥ śatabhedena yuktaṃ śataguṇaṃ śatam
calacakravibhāgena lakṣabhedam udāhṛtam //
Das unverbundene [Verfahren] ist hundertfach gegliedert; das verbundene [ergibt] hundertmal hundert. Durch die Gliederung des beweglichen Kreises wird die Laksha-Gliederung gelehrt.
5.107
calacakraṃ yadā devi koṭibhedo varānane
bāhyataḥ kathito bhadre adhyātmikam ataḥ śṛṇu //
Wenn [dann] der bewegliche Kreis [weiter entfaltet wird], Göttin, [entsteht] die Koti-Gliederung, du Schöne. Dies wurde äußerlich erklärt; höre nun die innere Deutung.
5.108
udbhave śatabhedas tu sahasro viśleṣake viduḥ
laye tu lakṣabhedo vai layātīte tu koṭayaḥ //
Im Hervortreten liegt die hundertfache Gliederung, im Auseinandertreten die tausendfache. In der Auflösung liegt die Laksha-Gliederung, jenseits der Auflösung die Koti-[Gliederung].
5.109
vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī bindvī ca samudāhṛtā
icchā jñānī kriyā śāntā krameṇaiva surārcite //
Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī und Bindvī sind genannt; der Reihe nach [entsprechen ihnen] Wille, Erkenntnis, Handlung und Ruhe, du von den Göttern Verehrte.
5.110
ātmacāragatiṃ jñātvā japaḥ kāryaḥ sadā budhaiḥ
anenaivākṣasūtreṇa lakṣalakṣaṇalakṣite //
Die Kundigen sollen, nachdem sie den Gang der Bewegung des Selbst erkannt haben, stets rezitieren, mit eben dieser Gebetskette, die durch Ziel und Kennzeichen bestimmt ist.
5.111
kartavyo hi japo nityaṃ sarvaśāstraviśāradaiḥ
bhuvanākhye varārohe śaktyākhye tu tathaiva hi //
Die in allen Schriften Erfahrenen sollen beständig rezitieren: im als Welt bezeichneten [Bereich], du Schöne, ebenso im als Shakti bezeichneten.
5.112
cāroccāravibhāgena japaḥ śreṣṭha udāhṛtaḥ
mālā pañcāśikā proktā sūtraṃ śaktiḥ śivātmikā //
Nach der Unterscheidung von Bewegung und Emporführung wird die höchste Rezitation erklärt. Die Girlande hat fünfzig [Glieder]; ihre Schnur ist die shivahafte Shakti.
5.113
grathanaṃ kuṇḍalī śaktir layānte merusaṃsthitam
etad guptataraṃ kāryam akṣasūtraṃ śivātmakam //
Das Auffädeln ist die Kundalini-Shakti; am Ende der Auflösung steht der Meru. Diese shivahafte Gebetskette ist besonders geheim zu halten.
5.114*
prakaṭaṃ naiva kartavyaṃ na meruṃ laṅghayet kvacit /
śaṅkhasphaṭikarudrākṣaputrañ jīvakariṣṭakāḥ //
Man darf sie nicht offenbaren und den Meru niemals überschreiten. [Ketten aus] Muschel, Kristall, Rudrākṣa, Putrañjīvaka und Ariṣṭaka,
5.115
evamādyāḥ smṛtā ye tu maṇimālā varānane
na tatra vidyate devo na mantro naiva cetanā //
und weitere solche Perlengirlanden, du Schöne: In ihnen befindet sich weder der Gott noch der Mantra noch Bewusstsein.
5.116
yatra yatra sthitā mālā na doṣo vidyate priye
mantranyāse kṛte devi kila gopyaṃ tu kārayet //
Wo auch immer eine [solche] Kette liegt, besteht kein Fehler, Geliebte. Wenn der Mantra-Nyāsa vollzogen ist, Göttin, soll [das Eigentliche] freilich verborgen gehalten werden.
5.117
śarīraṃ kutra gopyaṃ tu kārayīta varānane
mantranyāse kṛte hy ātmā sakalīkṛtavigrahaḥ //
Wo sollte man denn den Körper verbergen, du Schöne? Wenn der Mantra-Nyāsa vollzogen ist, besitzt das Selbst eine mit sämtlichen Gliedern ausgestattete Gestalt.
5.118
yathā gopyaṃ na yuñjeta tadvac caivākṣamālikā
akṣaṃ cendriyam ity uktaṃ sūtraṃ kuṇḍalinī smṛtā //
Wie man diese nicht zum Verbergen bestimmt, so auch die Gebetskette. Akṣa bezeichnet das Sinnesvermögen; Sūtra gilt als Kundalini.
5.119
lakṣaṃ tu sā parā sūkṣmā kalā hy amṛtavāhinī
saṃyogakāriṇī vyomni tena sūtreti kīrtitā //
Das Ziel ist jene höchste, feine Kalā, die Nektar führt. Weil sie im Raum Verbindung stiftet, wird sie Sūtra, Schnur, genannt.
5.120
saṅkhyāgrahaṇakāryeṣu sā coktā akṣamālikā
śaṅkhādyās tu varārohe japakarmaṇi śasyate //
Bei der Tätigkeit des Zählens heißt sie Akṣamālikā. Die [Ketten aus] Muschel und Ähnlichem werden dagegen für die Rezitationshandlung empfohlen.
5.121
śaṅkhajaṃ tu śriyākāmaḥ sphāṭikaṃ muktihetave
padmākṣā padmajā proktā śriyāpuṣṭikarā priye //
Eine Muschelkette [nehme], wer Glücksglanz wünscht; eine Kristallkette zur Befreiung. Lotusperlen, aus dem Lotus entstanden, bringen Glücksglanz und Gedeihen, Geliebte.
5.122
rudrākṣaiḥ siddhim āpnoti yac cānyaṃ khecarīpadam
jīvakā sarvadā jñeyā gopucchāgrathitānaghe //
Mit Rudrākṣas erlangt man Vollendung und auch die Stätte der Khecarī. Jīvaka-[Perlen] sind stets [geeignet], in Form eines Kuhschwanzes aufgefädelt, du Makellose.
5.123
vidrumā vaśyakāryeṣu mauktikā sarvakāmadā
anyāni tu smṛtā ye vai ratnajā parameśvari //
Korallen [eignen sich] für Beeinflussungsrituale, Perlen erfüllen alle Wünsche. Die weiteren als Edelsteine bezeichneten [Materialien], höchste Herrin,
5.124
sarvadā te samuddiṣṭā nātra kāryavicāraṇāt
riṣṭakākṣāsthijā mālā abhicāre praśasyate //
sind für alle Zwecke bestimmt, ohne Unterscheidung der Handlung. Eine Kette aus Riṣṭaka-Samen oder Knochen wird für Schadensrituale empfohlen.
5.125
nāgavaṅgas tathā lohā miśrāś cānye 'pi ye smṛtāḥ
māraṇe tāṃ praśasyeta stambhane mohane tathā //
Blei, Zinn, Eisen und die weiteren genannten Mischmetalle: Eine solche [Kette] wird beim Töten, Lähmen und Verblenden empfohlen,
5.126
kampane dhvaṃsane devi kartavyā cābhicārake
evam anye 'pi ye proktās teṣāṃ śreṣṭhā tu śaṅkhajā //
beim Erschüttern und Vernichten, Göttin, und soll im Schadensritual verwendet werden. Unter den genannten anderen [Ketten] ist die Muschelkette die beste.
5.127
praśastā sarvakāryeṣu japakarmaṇi śasyate
śaṅkhāvartā tu yā nāḍī śikhānte tu vyavasthitā //
Sie wird für alle Aufgaben und für die Rezitation empfohlen. Die Nāḍī, die sich wie eine Muschel windet und am Ende der Haarspitze liegt,
5.128
tena śaṅkhamayaṃ proktam akṣasūtraṃ surādhipe
sphuṭate mastake yā sā dvidhā caiva visarpiṇī //
ist der Grund, weshalb die Gebetskette als muschelartig bezeichnet wird, Herrin der Götter. Was im Haupt aufbricht und sich zweifach ausbreitet,
5.129
sphāṭikaṃ tena coddiṣṭaṃ guruvaktre pratiṣṭhitam
raudrībhāva[ḥ] smṛto rudras tālvagre ca vyavasthitaḥ //
wird deshalb als kristallartig bezeichnet, im Mund des Gurus verankert. Der Raudrī-Zustand gilt als Rudra und befindet sich am vorderen Gaumen.
5.130
śabdasparśaraso rūpaṃ gandhatanmātrasaṃyutam
vikāritve pravarteta nirodhāl lakṣam eva ca //
Mit den subtilen Elementen Klang, Berührung, Geschmack, Gestalt und Geruch verbunden, entfaltet [er] sich in Veränderung; durch Hemmung [wird] gerade das Ziel [erreicht]. [Der Satzbau ist nicht abschließend geklärt.]
5.131
tena rudrākṣamālāyā japaḥ śreṣṭha udāhṛtaḥ
putravad udare kṛtvā prasuptāmṛtakuṇḍalī //
Deshalb wird die Rezitation mit der Rudrākṣa-Girlande als vorzüglich bezeichnet. Die schlummernde Amṛtakuṇḍalī nimmt [den Jīva] wie ein Kind in den Bauch;
5.132
tayā nīyaty asau jīva adhaś cordhvena bhāvini
putrañjīvakasaṃjñā tu tenaiṣā samudāhṛtā //
von ihr wird dieser Jīva abwärts und aufwärts geführt, du Seiende. Deshalb wird sie als Putrañjīvaka bezeichnet.
5.133
ariṣṭāni anekāni sukhaduḥkhātmikāni tu
bhuñjate satataṃ devi arjitaṃ yat purā dhanam //
Man erfährt beständig vielerlei Schicksalszeichen und Unglück, die aus Glück und Leid bestehen, Göttin, als früher erworbenes Vermögen [des Handelns].
5.134
ariṣṭākhyā smṛtā mālā aprameyā bhavāntare
hṛtpadme saṃsthitā nityam akṣarāṇāṃ prabodhikā //
Darum gilt die Girlande als Ariṣṭā, unermesslich in den verschiedenen Existenzen. [Die Kraft], die stets im Herzlotus weilt und die Laute erweckt,
5.135
padmākṣamālā sā proktā śāstre śāstre varānane
evamādyāḥ smṛtā ye tu paryāyā akṣamālayā //
wird in den Schriften Lotusperlengirlande genannt, du Schöne. Die genannten und weiteren Umschreibungen der Gebetskette
5.136
te sarve ātmanaś caiva kathitāś ca kuleśvari
akṣasūtravidhiḥ khyātaḥ samyak kaulikavedinām //
wurden sämtlich als solche des Selbst erklärt, Kuleśvarī. Damit ist das Verfahren der Gebetskette für die rechten Kenner des Kaulischen dargelegt.
5.137
sāmprataṃ nyāsam ākhyāmi śṛṇu tattvena śobhane
svābhāvikaṃ calaṃ dīptaṃ sthiraṃ dravanabhoyutam //
Nun erkläre ich den Nyāsa; höre wahrheitsgemäß, du Schöne: natürlich, beweglich, leuchtend, fest, fließend und raumverbunden.
5.138
nyāsamātraṃ samākhyātaṃ ṣoḍhādvādaśabhedataḥ
ṣoḍhā śaktiḥ samākhyātā parā caivākṣarā śubhā //
Nyāsa wurde nach sechs- und zwölffacher Gliederung erklärt. Die Shakti wird als sechsfach bezeichnet, als höchste, unvergängliche und glückverheißende.
5.139
kuṇḍalī nābhideśasthā parā sā vyomarūpiṇī
ekā eva parā sūkṣmā akṣayā tejarūpiṇī //
Kundalini befindet sich im Nabelbereich; als höchste ist sie raumgestaltig. Sie ist eine, die höchste, feine, unvergängliche Lichtgestalt.
5.140
jñātavyā sā parā devī ṣaḍvarṇarahitā kalā
brahmasthānagatā sūkṣmā svābhāvikam udāhṛtā //
Man soll sie als höchste Göttin erkennen, als Kalā frei von den sechs Lauten. In Brahmās Stätte befindlich, fein, wird sie natürlich genannt.
5.141
viṣṇusthāne calā proktā dīptā rudrapade smṛtā
īśvare sthirasaṃjñā tu sadākhye dravasambhavā //
In Vishnus Stätte heißt sie beweglich, in Rudras Stätte leuchtend, in Īśvara fest, in Sādākhya aus Fließen entstanden.
5.142
śaktisthā vyomarūpā tu jñātavyā tattvavedibhiḥ
aṇimādiguṇādhārā ṣaḍguṇā guṇabodhanī //
In Shakti befindlich ist sie von den Wirklichkeitskundigen als raumgestaltig zu erkennen: Grundlage der Kräfte von Aṇimā an, sechsfach an Kraft und die Kräfte erschließend.
5.143
vyāpinī vyomarūpā ca anantānāthanāśritā
saṃyoktrī ca viyoktrī ca sadbhāvaguṇasaṃsthitā //
Sie ist alldurchdringend, raumgestaltig, in Anantanātha ruhend, verbindend und trennend, im wahren Wesen der Kräfte gegründet.
5.144
ekā eva parā śaktiḥ saṃsthitā kṛtyabhedataḥ
kṛtyabhedena bhedo 'syā na bhedaḥ paramārthataḥ //
Die eine höchste Shakti besteht entsprechend den unterschiedlichen Tätigkeiten. Ihre Unterscheidung beruht auf der Tätigkeit; in höchster Wahrheit besteht keine Trennung.
5.145
evaṃ nyāse kṛte devi antaraṅge pravartate
bahiraṅge varṇarūpā ca ekā caiva anekadhā //
Wenn der Nyāsa so vollzogen ist, Göttin, wirkt sie im Inneren; im Äußeren erscheint sie als Lautgestalt, eine und zugleich vielfältig.
5.146
ṣoḍhādvādaśabhedena nyāsaḥ prokto gamāgame //
Nach sechs- und zwölffacher Gliederung ist der Nyāsa im Hin- und Hergehen gelehrt.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate bṛhatsamayoddhāraḥ śabdarāśimālinītadgrahavyāptinirṇayo nāma pañcamaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das fünfte Kapitel über die Entfaltung der großen Verpflichtung und die Bestimmung von Śabdarāśi, Mālinī sowie ihrer Erfassung und Durchdringung.
Kapitel 6
6.1
japasya lakṣaṇaṃ deva pūrvaṃ hi kathitaṃ tvayā
ekoccāraśataṃ jñeyaṃ sahasraṃ lakṣam eva ca //
„Die Merkmale der Rezitation hast du zuvor erklärt, o Gott: das einzelne Aussprechen, hundert, tausend und ein Laksha,
6.2
koṭayas tu tathā śambho pṛthaglakṣaṇalakṣitāḥ
na me jñātaṃ pramāṇaṃ tu japasya suranāyaka //
ebenso die Koti, Shambhu, jeweils durch besondere Merkmale bestimmt. Doch das Maß der Rezitation habe ich noch nicht verstanden, Herr der Götter.
6.3
tad ahaṃ śrotum icchāmi mandabuddhyālpacetasā //
Dies möchte ich hören, da mein Verständnis schwach und meine Einsicht gering ist.“
6.4
yā sā kuṇḍalinī śaktis cidrūpā ca parā kalā
ādyā śaktir maheśasya aṇumātrā hṛdi sthitā //
„Jene Kundalini-Shakti, die höchste Kalā von der Natur des Bewusstseins, ist die ursprüngliche Kraft Maheshas und weilt winzig klein im Herzen.
6.5
sā aṇu[ḥ ] kathitā tantre dve aṇū truṭim āśritā
truṭibhūtā tu sā devī japtavyā tu parāparā //
Sie wird im Tantra Aṇu genannt; zwei Aṇus ergeben eine Truṭi. In dieser Truṭi-Gestalt soll die Göttin als Höhere-und-Niedere rezitiert werden. [Die Vorlage enthält die Ergänzung aṇu[ḥ ]; die Maße sind hier zugleich yogische Bestimmungen.]
6.6
varṇahīnā parā proktā aparā varṇarūpiṇī
evaṃ jñātvā varārohe japaḥ kāryaḥ sadā budhaiḥ //
Lautlos heißt sie die Höhere, in Lautgestalt die Niedere. In diesem Verständnis sollen die Kundigen stets rezitieren, du Schöne.
6.7
truṭirūpā tu sā devī tadādhāre vyavasthitā
kalate prāṇagā nityaṃ daśasthāne hy anukramāt //
Die Göttin in Truṭi-Gestalt ruht auf jener Grundlage und entfaltet sich, dem Lebenshauch folgend, beständig nacheinander an zehn Stätten:
6.8
brahmā viṣṇus tathā rudra īśvaro 'tha sadāśivaḥ
kuṇḍalī vyāpinī caiva praśāntā viṣuvat tathā //
Brahmā, Vishnu, Rudra, Īśvara, Sadāśiva, Kuṇḍalī, Vyāpinī, Praśāntā, Viṣuvat
6.9
śaktisthānaṃ tu deveśi ete sthānā daśa smṛtāḥ
yeṣāṃ sañcarate devaḥ śivaḥ paramakāraṇaḥ //
und die Shakti-Stätte, Herrin der Götter: Diese gelten als die zehn Stätten, durch die der Gott Shiva, die höchste Ursache, sich bewegt.
6.10
ūrdhve vā yadi vā tiryak svasthāne vā sureśvari
prasphureta kalair yuktā daśabhis tu mahābalaiḥ //
Ob aufwärts, quer oder am eigenen Ort, Herrin der Götter: Sie soll mit den zehn überaus mächtigen Kalās verbunden aufleuchten.
6.11
daśadhā kalanaṃ tena kathitaṃ tava śobhane
prayatnena kṛtoccāraṃ yāvac chaktir layaṃ gatā //
Damit wurde dir die zehnfache Entfaltung erklärt, du Schöne. Vom mit Anstrengung vollzogenen Aussprechen bis zum Aufgehen der Shakti
6.12
tāvad devi śataṃ proktaṃ varṇoccāre na saṃśayaḥ
svābhāvikam anuccārya sūkṣmādhāro jagatpatiḥ //
wird beim Aussprechen der Laute die Hundertzahl angesetzt, Göttin, zweifellos. Das Natürliche ist unausgesprochen; der Weltenherr besitzt eine feine Grundlage.
6.13
śatadhā kalanaṃ tasya truṭirūpasya yoginaḥ
sahasraṃ tu samuddiṣṭaṃ daśadhā parameśvari //
Die hundertfache Entfaltung jenes Yogis in Truṭi-Gestalt, zehnfach genommen, wird als Tausend bezeichnet, höchste Herrin.
6.14
ubhayasya parityāgād kalādhāraḥ sadāśivaḥ1
dṛkkriyājñānanirmuktaḥ kalate ca sahasradhā //
Durch das Aufgeben beider [Formen] ist Sadāśiva Träger der Kalās. Frei von Sehen, Handeln und Erkennen entfaltet er sich tausendfach. [Die an sadāśivaḥ angehängte Ziffer 1 steht bereits in der Quelle.]
6.15
lakṣabhedaḥ samuddiṣṭa iti śāstre na saṃśayaḥ
japo hy evaṃ samuddiṣṭo yogināṃ tattvavedinām //
Dies wird in der Schrift als Laksha-Gliederung bezeichnet, ohne Zweifel. So wird die Rezitation der Yogis gelehrt, welche die Wirklichkeit kennen.
6.16
lakṣātīto manātīto nirmuktas tattvabandhanaiḥ
unmanatve sadā līno aṇurūpo nakiñcanaḥ //
Jenseits des Ziels und des Geistes, frei von den Fesseln der Prinzipien, stets in Unmanā aufgegangen, atomfein und ohne irgendein Ding,
6.17
sattāmātrasthito dehī guṇānāṃ pratibodhakaḥ
viṣayabhāvanirmuktaḥ kalate lakṣadhā priye //
weilt der Verkörperte im bloßen Sein und erweckt die Kräfte. Frei vom Zustand der Sinnesgegenstände entfaltet er sich hunderttausendfach, Geliebte.
6.18
koṭis tu bhavate hy evaṃ jñātavyaṃ mantravādibhiḥ
soccāropāṃśubhūtas tu mānaso manavarjitaḥ //
So entsteht die Koti; dies sollen die Mantrakundigen wissen. Laut ausgesprochen, geflüstert, geistig und ohne Geist:
6.19
japaḥ pūrvaṃ samākhyātaḥ śāstre śāstre surārcite
saśabdoccārayogena śuddhyarthe kathitaṃ sphuṭam //
So wurde die Rezitation früher in den Schriften erklärt, du von den Göttern Verehrte. Das hörbare Aussprechen wurde ausdrücklich zur Reinigung gelehrt.
6.20
siddhyarthe 'pāṃśur uddiṣṭaḥ svapravṛtto hṛdi sthitaḥ
mānaso yogahetvarthe ubhayatra vivarjitaḥ //
Das Flüstern wird zur Vollendung bestimmt; es setzt sich von selbst fort und ruht im Herzen. Die geistige [Rezitation] dient dem Yoga und lässt beide [hörbaren Formen] zurück.
6.21
manātīto bhaved devi mokṣadas tu na saṃśayaḥ
evaṃ devi samākhyāto japaḥ prāṇasamas tava //
Was jenseits des Geistes ist, Göttin, schenkt zweifellos Befreiung. So wurde dir die dem Lebenshauch gleichlaufende Rezitation erklärt.
6.22
japaḥ prāṇasamaḥ kāryo dṛṣṭādṛṣṭaphalārthinām
avarṇā varṇasaṃyogā mayā te samudāhṛtā //
Wer sichtbare und unsichtbare Früchte wünscht, soll gleichlaufend mit dem Lebenshauch rezitieren. Als lautlos und doch mit den Lauten verbunden habe ich sie dir beschrieben.
6.23
nirālambe mahāśūnye yat tejam upajāyate
tadgarbhe abhyasen nityaṃ bhāgyahīno 'pi sidhyati //
In dem Licht, das im stützenlosen großen Leerraum entsteht, übe man beständig. Selbst wer wenig Glück besitzt, gelangt [nach dem Text] zur Vollendung.
6.24
yogamūlī viśuddhī ca sārṇave sā ca ekatā
ekatra saṃsthitānandaṃ kularatnaṃ tridhā priye //
Yogamūlī und Viśuddhī sowie ihre Einheit im Ozean: die an einem Ort weilende Wonne, das Kula-Juwel, ist dreifach, Geliebte. [Die technischen Bezüge dieses Verses sind nicht abschließend geklärt.]
6.25
mudrā tu sūcitā nātha na me jñātā mahāprabho
tan mamācakṣva deveśi yena bhrāntir vinaśyati //
„Die Mudrā wurde angedeutet, Herr, doch ich habe sie nicht verstanden, großer Herr. Erkläre sie mir, damit die Verwirrung vergeht.“ [Die Anrede deveśi ist gegenüber dem übrigen Vers auffällig.]
6.26
pātālordhvagataṃ yac ca śṛṅgāṭapuramadhyagam
golākāraṃ tato devi randhrasyordhvagataṃ priye //
„Was oberhalb der Unterwelt und mitten in der Stadt der Wegkreuzung liegt, und dann das kugelförmige [Zentrum] oberhalb der Öffnung, Göttin, Geliebte:
6.27
cakradvayam idaṃ proktaṃ prādhānyena vyavasthitam
vedhaghaṭṭanirodhaṃ ca uccārākṛṣṭikārakam //
Diese beiden Kreise gelten als die vornehmlichen. Sie bewirken Durchdringung, Erschütterung, Hemmung, Emporführung und Anziehung,
6.28
stobhastambhanam āveśo gamaṃ caivātra suvrate
etadvirahito mantrī hāsyatāṃ yāti niścitam //
Stobha, Stillstellung, Ergriffenwerden und Bewegung, du Gelübdetreue. Ein Mantrakundiger ohne dies wird gewiss zum Gegenstand des Gelächters.
6.29
anena jñātamātreṇa pratyayān kurute bahūn
vṛttirājā varārohe niveśya cakramadhyataḥ //
Schon durch dessen Kenntnis bewirkt man zahlreiche erfahrbare Zeichen. Den König der geistigen Bewegungen, du Schöne, versetze man in die Mitte des Kreises.
6.30
vṛttihīnas tatas tatra kāvyakartā na saṃśayaḥ
cakramadhye ca sañcintya suśuklāṃ ca parāparām //
Dort von geistigen Bewegungen frei, wird man zweifellos ein Dichter. In der Mitte des Kreises vergegenwärtige man die strahlend weiße Parāparā,
6.31
pustakavyagrahastāṃ ca jñānamudrādharāṃ tathā
sphāṭikenākṣasūtreṇa sarvābharaṇabhūṣitām //
deren Hand mit einem Buch beschäftigt ist und die die Wissensmudrā trägt, mit einer kristallenen Gebetskette, mit allem Schmuck geschmückt,
6.32
sragdāmalambitagalāṃ prabhāmaṇḍalamaṇḍitām
dvibāhu-r-ekavadanāṃ candrakoṭisamaprabhām //
mit einer Blumengirlande um den Hals, von einem Strahlenkreis umgeben, zweiarmig und mit einem Gesicht, leuchtend wie zehn Millionen Monde.
6.33
udgirantī[ ṃ ] mahaughena śāstrakoṭīr anekaśaḥ
evaṃ dhyānasamāviṣṭaḥ sākṣād vāgīśvaro bhavet //
In einem großen Strom lässt sie immer wieder unzählige Schriften hervorgehen. Wer in diese Meditation versunken ist, wird unmittelbar zum Herrn der Rede.
6.34
saṃskṛtaṃ prākṛtaṃ caiva vedasiddhāntagahvaram
granthataś cārthataś caiva udgiren nātra saṃśayaḥ //
Sanskrit und Prakrit, die Tiefen der Veden und Siddhāntas wird er nach Wortlaut und Bedeutung hervorbringen, daran besteht kein Zweifel.
6.35
pīṭhamadhyagatābhyāsāt pīṭhadvāre 'thavā priye
sampradāyam idaṃ kaulaṃ śāktaṃ śaktipadānugam //
Durch Übung in der Mitte der heiligen Stätte oder an ihrem Tor, Geliebte, [wird dies verwirklicht]. Diese Weitergabe ist kaulisch und shaktisch; sie folgt der Stätte der Shakti.
6.36
mātrāyogena deveśi mudrābandhaṃ tu kārayet
sā mātrā gīyate cātra uccāravaśavartinī //
Durch Verbindung mit dem Zeitmaß soll man die Mudrā-Bindung herstellen, Herrin der Götter. Dieses Maß wird hier als vom Emporführen abhängig besungen.
6.37
uccaraṃ sahajaṃ devi dehamadhye vyavasthitam
śatasaṅkhyāpramāṇena yāvad uccarate parām //
Die natürliche Emporbewegung, Göttin, befindet sich mitten im Körper. Bis man die höchste [Kraft] im Maß der Hundertzahl emporgeführt hat,
6.38
tāvad āviṣṭadehas tu śāstrārthaṃ vadate sudhīḥ
nityārūpeṇa saivātra dhyāyed raktasamaprabhām //
ist der Leib ergriffen, und der Einsichtige spricht den Sinn der Schriften aus. Dieselbe [Göttin] meditiere man hier in Nityā-Gestalt, rot leuchtend,
6.39
lākṣālaktakasaṅkāśāṃ caturvaktrāṃ caturbhujām
mūrtitrayasamopetāṃ tribhir bhedair vyavasthitām //
wie roter Lack, viergesichtig und vierarmig, mit drei Gestalten versehen und in drei Gliederungen angeordnet,
6.40
tristhāṃ trimārgagāṃ devīṃ trināḍīsamatāṃ gatām
nityaklinnāṃ ca deveśi tathā caiva madadravām //
an drei Stätten weilend, drei Wege durchschreitend, mit den drei Nāḍīs in Gleichheit gelangt: als Nityaklinnā und ebenso als Madadravā, Herrin der Götter.
6.41
devyārūpadharāṃ sarvām ekavaktrāṃ dvibāhukām
pāśāṅkuśadharāṃ sarvāṃ madavibhrāntalocanām //
[Man betrachte] sie alle in Göttinnengestalt, mit einem Gesicht und zwei Armen, Schlinge und Stachel tragend, mit berauscht umherschweifenden Augen,
6.42
yauvanasthāṃ madonmattāṃ madirānandananditām
smared devyāḥ svarūpaṃ tu tatprayogavyavasthayā //
jugendlich, von Leidenschaft trunken und von der Wonne des Weines erfreut. Man erinnere die Gestalt der Göttin entsprechend der Anordnung ihrer Anwendung.
6.43
taḍitsahasrabandhūkadāḍimīkusumadyutim
pañcaśṛṅgāṭakādhārāṃ sā parā pararūpiṇī //
Sie leuchtet wie tausend Blitze und wie Bandhūka- und Granatapfelblüten, auf fünf Kreuzungspunkten gegründet: die Höchste in höchster Gestalt.
6.44
mahāyogavilāsā tu śivādyavanigocaram
vyāpayitvā sthitā devī ravinakṣatramaṇḍalam //
Die im großen Yoga spielende Göttin hat den Bereich von Shiva bis zur Erde sowie den Kreis von Sonne und Gestirnen durchdrungen und weilt [darin].
6.45
śṛṅgāṭakaṃ cordhvamukhaṃ tiryagrekhāgramūlagam
śikhordhvakuṇḍalākāraṃ kāmaśakti-r-adhisthitam //
Die Wegkreuzung weist nach oben, reicht an Spitze und Wurzel der Querlinie; oberhalb der Spitze ist sie ringförmig und von der Kāma-Kraft bewohnt.
6.46
pañcaśṛṅgāṭakāsīnaṃ sthitaṃ tatra varānane
devyārūpadharaṃ cakraṃ dhyāyed evaṃ na saṃśayaḥ //
Auf den fünf Kreuzungen sitzend, dort befindlich, du Schöne: In dieser Göttinnengestalt meditiere man den Kreis, ohne Zweifel.
6.47
eṣa bandhas tu mudrāyāḥ kathitas te kuleśvari
tritattvena tu mantreṇa vakṣyamānena kārayet //
Diese Bindung der Mudrā ist dir erklärt, Kuleśvarī. Man soll sie mit dem noch zu erklärenden Mantra der drei Prinzipien vollziehen,
6.48
drāvaṇaṃ kṣobhaṇaṃ caiva ākarṣavaśam eva ca
pūjāvidhānaṃ deveśi devyāyā vīravandite //
zum Schmelzenlassen, Erschüttern, Anziehen und Beeinflussen, [gemäß] der Verehrungsordnung der Göttin, du von den Helden Verehrte.“
6.49
triśikhā padmamudrā ca yonimudrā viśeṣataḥ
tāsāṃ lakṣaṇam ākhyāhi yathāvat sphuṭato vada //
„Triśikhā, Padmamudrā und besonders Yonimudrā: Erkläre ihre Merkmale richtig und deutlich!“
6.50
mudrāṇāṃ lakṣaṇaṃ devi kathayāmi samāsataḥ
hastābhyāṃ kārayed ādau sampuṭaṃ cordhvadiṅmukham //
„Ich erkläre die Merkmale der Mudrās kurzgefasst, Göttin. Zunächst bilde man mit beiden Händen eine nach oben geöffnete Schale.
6.51
aṅgulyā grathayet sarvāḥ saṃśliṣṭam ubhayeṣv api
tarjanyānāmikau kuñcya saṃśliṣṭau madhyasaṃsthitau //
Man verschränke sämtliche Finger beider Hände miteinander. Zeige- und Ringfinger beuge man und bringe sie miteinander verbunden in die Mitte.
6.52
tābhyāṃ mūle mukhaṃ kāryaṃ tarjanyāyā varānane
saṃśliṣṭau sammukhau dvau tu madhyamau ūrdhvadiṅmukhau //
An ihrer Wurzel bilde man eine Öffnung des Zeigefingers, du Schöne. Die beiden Mittelfinger stehen miteinander verbunden einander gegenüber und weisen nach oben.
6.53
saṃyogena varārohe aṅguṣṭhau ca kaniṣṭhakau
tādṛśīva hi kartavyā triśikhā tu vidhīyate //
Ebenso verbinde man die Daumen und kleinen Finger, du Schöne. In dieser Weise ist die Triśikhā auszuführen. [Die genaue Handstellung ist am Editionsapparat zu prüfen.]
6.54
karābhyāṃ sampuṭaṃ kāryaṃ maṇibandhau tu saṃhatau
agrāṅgulyā prasāryeta aṅguṣṭhau madhyasaṃsthitau //
Mit beiden Händen bilde man eine Schale, die Handgelenke zusammengelegt. Die Fingerspitzen spreize man, während die Daumen in der Mitte bleiben.
6.55
padmamudrā samākhyātā yonimudrām ataḥ śṛṇu
hastābhyāṃ sampuṭaṃ kāryaṃ kaniṣṭhā madhya yojayet //
Dies wird Padmamudrā genannt. Höre nun die Yonimudrā: Mit beiden Händen bilde man eine Schale und füge die kleinen [Finger] in der Mitte zusammen.
6.56
puṭākārau karau kṛtvā aṅguṣṭhau madhyasaṃsthitau
niḥsṛtā vāmahastasya aṅgulyā tu kanīyasī //
Die Hände halte man schalenförmig, die Daumen in der Mitte. Der kleine Finger der linken Hand ragt heraus.
6.57
yonimudrā smṛtā bhadre sarveṣāṃ kṣobhakārikā
etā mudrāḥ samākhyātā dhyānapūjāvisarjane //
Dies gilt als Yonimudrā, du Gütige, die alles erschüttert. Diese Mudrās wurden für Meditation, Verehrung und Entlassung [der Gottheit] erklärt.
6.58
sāmprataṃ khecarīṇāṃ tu yathā mudrā khagādhipe
kathayāmi samāsena tvatprītyā khagagāminī //
Nun erkläre ich aus Zuneigung zu dir kurz die Mudrā der Himmelsgängerinnen, Herrin der Himmelsgänger, du im Himmel Wandelnde.
6.59
anāmā karṇike yojyā ṣoḍaśāraṃ tu pīḍayet
pīḍanād ṛjutāṃ yāti khagamārge tu bhāvini //
Die Namenlose [beziehungsweise den Ringfinger] setze man am Fruchtboden ein und drücke auf das Sechzehnspeichige. Durch den Druck richtet es sich im Himmelsweg gerade aus, du Seiende.
6.60
phādināntagate lakṣe khagatiś ca na saṃśayaḥ
ṣaṭpattraṃ mūrdhnitaḥ kṛtvā tarjanyāgre tu yojayet //
Wenn das Ziel in der Folge von pha bis na erreicht ist, [entsteht] zweifellos Himmelsgang. Man setze das Sechsblättrige über das Haupt und verbinde es mit der Spitze des Zeigefingers.
6.61
śūnye śūnyamano bhūtvā sampīḍyeta parasparam
ṣaṭpattraṃ tu vikāśyeta udānapreritena tu //
Im Leeren, den Geist leer werden lassend, drücke man beide gegeneinander. Durch den Antrieb Udānas soll sich das Sechsblättrige öffnen.
6.62
bhāvayen nādiphāntaṃ tu khagatīti na saṃśayaḥ
dvādaśārordhvanālena lambikānte niveśayet //
Man vergegenwärtige die Folge von na bis pha; [dadurch entsteht] zweifellos Himmelsgang. Durch den oberhalb des Zwölfspeichigen liegenden Stängel führe man [die Kraft] bis ans Ende des Zäpfchens.
6.63
bhedanaṃ kuñcitenaiva cārgalaṃ kūrmasaṃyutam
bhāvayen nādiphāntaṃ tu khagatiṃ vīravandite //
Durch das Gekrümmte erfolge das Durchdringen; der Riegel sei mit der Schildkröte verbunden. Man vergegenwärtige na bis pha und den Himmelsgang, du von den Helden Verehrte. [Verschlüsselte Körper- und Gestenbezeichnungen; keine gesicherte praktische Rekonstruktion.]
6.64
padmamudrā tridhā proktā yonimudrām ataḥ śṛṇu
yoniṃ yonau samākramya mudgareṇa tu bhedanam //
Padmamudrā wurde dreifach gelehrt. Höre nun Yonimudrā: Man trete mit dem Schoß in den Schoß ein; durch den Hammer [erfolge] das Durchbrechen.
6.65
visargadvayasaṃyogāt khagagāmī bhaved dhruvam
amṛtākhyā parā yonir bhāvayen mastakopari //
Durch die Verbindung der beiden Visargas wird man gewiss zum Himmelsgänger. Den höchsten Schoß namens Amṛta vergegenwärtige man über dem Haupt.
6.66
ākramya gandhamārgaṃ tu yojanā nādiphāntagā
khagatir bhavate-d-evaṃ yonimārge vicakṣaṇaḥ //
Den Geruchsweg betretend, erfolgt die Verbindung in der Folge von na bis pha. So entsteht für den Kundigen der Himmelsgang auf dem Schoßweg.
6.67
uccārya vāmaśaktiṃ tu sandhayed granthimadhyataḥ
vikṣepam ūrdhvataḥ kṛtvā pare yonau tu bhāvanā //
Man führe die linke Kraft empor und verbinde sie mitten im Knoten; man richte die Bewegung nach oben und vergegenwärtige [sie] im höchsten Schoß.
6.68
anena khagagāmitvaṃ bhavate tu na saṃśayaḥ
yonimudrā samākhyātā tribhedā parikīrtitā //
Dadurch entsteht zweifellos das Himmelsgängertum. Yonimudrā ist [damit] in ihren drei Gliederungen erklärt.
6.69
triśikhālakṣaṇaṃ devi kathyamānaṃ nibodhata
karābhyāṃ caiva tarjanyāṃ pīḍayet tat prayatnataḥ //
Vernehmt nun die Beschreibung der Triśikhā, Göttin: Mit beiden Händen übe man sorgfältig Druck auf den Zeigefinger aus.
6.70
brahmanāḍyā dvirabhyāsād āsanaṃ mandarasya tu
triśikhā nāma mudreyam arpaṇaṃ khagamārgayoḥ //
Durch zweimalige Übung an der Brahmanāḍī [entsteht] der Sitz des Mandara. Diese Mudrā heißt Triśikhā, eine Darbringung auf den beiden Himmelswegen.
6.71
golakaṃ śūnyamārgasthaṃ pathatrayagataṃ priye
kṣepaṇaṃ bindukoṭyūrdhvam avanīṃ kramya pādayoḥ //
Die Kugel befindet sich auf dem Leerraumweg und ist in die drei Wege eingegangen, Geliebte. [Es erfolgt] eine Bewegung über die Spitze des Bindu hinaus, während man mit den Füßen auf die Erde tritt.
6.72
guhye niveśya mantrajñas triśikhaṃ khecaraṃ priye
anena khagagāmī 'sau bhavate sādhakottamaḥ //
Der Mantrakundige setze das dreispitzige, himmelsgehende [Prinzip] in die verborgene Stätte ein, Geliebte. Dadurch wird jener hervorragende Praktizierende zum Himmelsgänger.
6.73
karaṇaṃ cordhvamūlaṃ syād bandhayet khagamaṇḍalam
ākramya pañcamaṃ tatra karābhyāṃ caiva śūlini //
Die Haltung soll ihre Wurzel oben haben; man binde den Himmelskreis. Man ergreife dort das fünfte [Prinzip] mit beiden Händen, du Dreizackträgerin.
6.74
jānukau kurpare yojya vikṣepo guhyamadhyataḥ
vedhanaṃ brahmarandhrasya kathitaṃ tu tapodhane //
Die Knie verbinde man mit den Ellbogen; die Bewegung gehe aus der Mitte der verborgenen Stätte hervor. Damit ist das Durchdringen des Brahmarandhra erklärt, du an Askese Reiche.
6.75
khagamārgagatis tv evaṃ bhavate tu sulocane
eṣā mudrā samākhyātā navabhedair vyavasthitā //
So entsteht der Gang auf dem Himmelsweg, du Schönäugige. Diese Mudrā ist in neun Gliederungen erklärt.
6.76
mudrā śaktir iti khyātā mudritaṃ drāvayiṣyati
tena mudrā samākhyātā kathitā parameśvari //
Mudrā gilt als Shakti: Sie wird das Versiegelte zum Schmelzen bringen. Deshalb wird sie Mudrā genannt, höchste Herrin.
6.77
mudritaṃ gopitaṃ proktaṃ cicchaktyā yā parāparā
na jñāyate varārohe sā tu mudrā udāhṛtā //
Versiegelt bedeutet verborgen. Jene höhere-und-niedere Bewusstseinskraft, die nicht erkannt wird, du Schöne, wird Mudrā genannt. [Die syntaktische Verbindung von cicchaktyā ist unregelmäßig.]
6.78
ajñānamalarūpeṇa yāvad baddhaḥ sa pudgalaḥ
na jānāti parātmānaṃ tāvan māyā pravartate //
Solange der Einzelne durch die Unreinheit der Unwissenheit gebunden ist und das höchste Selbst nicht kennt, wirkt die Māyā fort.
6.79
bhinne tamasi caikatvaṃ yadā paśyati mānavaḥ
tadā sā tu parā proktā bandhamokṣakarī priye //
Wenn die Finsternis durchbrochen ist und der Mensch die Einheit sieht, dann heißt jene die Höchste, die von Bindung befreit, Geliebte.
6.80
ekā sā paramā śaktiḥ saṃsthitā tu śivecchayā
mocayanti grahādibhyaḥ pāśaughān drāvayanti ca //
Sie ist die eine höchste Shakti, nach Shivas Willen bestehend. [Ihre Kräfte] befreien von ergreifenden Mächten und anderen [Bedrängnissen] und lösen die Scharen der Fesseln auf.
6.81
mocanād drāvaṇād yasmān mudrākhyāḥ śaktayaḥ smṛtāḥ
khagatir hy ūrdhvabhāvena khagamārgeṇa nityaśaḥ //
Weil sie befreien und zum Schmelzen bringen, heißen die Kräfte Mudrās. Als Himmelsgang [bewegt sie sich] beständig aufwärts auf dem Himmelsweg
6.82
carate sarvajantūnāṃ khecarī tena sā smṛtā
paratv' ekā tu sā jñeyā punaś caiva tridhā smṛtā //
in allen Lebewesen; deshalb heißt sie Khecarī. In ihrer Höchstheit ist sie als eine zu erkennen, wiederum aber als dreifach.
6.83
icchā jñānī kriyā sā tu varṇarūpam upāgatā
pañcāśabhedabhinnā sā ekā eva-m-udāhṛtā //
Sie ist Wille, Erkenntnis und Handlung und tritt in Lautgestalt hervor. Obwohl fünfzigfach gegliedert, ist sie als eine erklärt.
6.84
aṅgāvayavasampūrṇā mālayitvā jagat sthitā
nādiphāntasvarūpeṇa tena sā mālinī smṛtā //
Mit sämtlichen Gliedern ausgestattet, umschließt sie die Welt als Girlande. In ihrer Gestalt von na bis pha wird sie deshalb Mālinī genannt.
6.85
sapta koṭyas tu mantrāṇām aprameyās tu yāḥ smṛtāḥ
svatantrasthās tu tāḥ sarvā mudritāḥ parameśvari //
Die sieben Koti und die als unermesslich bezeichneten Mantras bestehen selbständig und sind allesamt versiegelt, höchste Herrin.
6.86
tena mudrā samākhyātā sadyaḥpratyayakārikā
avayave mātṛrūpā tu svaiḥ svair aṃśair vyavasthitā //
Deshalb wird sie Mudrā genannt, die unmittelbar Gewissheit hervorbringt. In ihren Gliedern ist sie Muttergestalt, in den jeweiligen eigenen Anteilen angeordnet:
6.87
brahmāṃśā caiva rudrāṃśā kaumāryāṃśā varānane
vaiṣṇavyā caiva yāmyāṃśā aindryāṃśā ca tathānaghe //
als Brahmā-Anteil, Rudra-Anteil, Kaumārī-Anteil, du Schöne, als Vaiṣṇavī-, Yāmyā- und Aindrī-Anteil, du Makellose,
6.88
yogeśvaryā ca yogāṃśā yogayogīśanāyikā
ete hy aṃśāḥ smṛtāḥ sapta punaḥ saptasu saptasu //
und als Yoga-Anteil Yogeśvarīs, der Herrin des Yoga und des Yogi-Herrn. Diese gelten als sieben Anteile und gliedern sich wiederum jeweils in sieben.
6.89
brahmāṇyāḥ sapta-m-uddiṣṭāḥ sapta māheśvarī punaḥ
kaumāryāḥ sapta-m-uddiṣṭā vaiṣṇavyāḥ sapta eva ca //
Sieben sind Brahmāṇī zugeordnet, sieben wiederum Māheśvarī, sieben Kaumārī und ebenso sieben Vaiṣṇavī.
6.90
vārāhī sapta-m-uddiṣṭā aindrāṇyāḥ sapta eva tu
cāmuṇḍā sapta-m-uddiṣṭā evaṃ vai sapta saptasu //
Sieben werden Vārāhī, sieben Aindrāṇī und sieben Cāmuṇḍā zugeordnet: So sind es sieben mal sieben.
6.91
pañcāśaikona vai devyā bhuvanāvalisaṃsthitā[ḥ]
atra bhedair anekaiś ca saṃsthitā bhuvanāvaliḥ //
Die neunundvierzig [Gestalten] der Göttin bestehen in der Reihe der Welten. Diese Weltenreihe ist darin in vielfältigen Gliederungen angeordnet.
6.92
tasya dehagatā romā[ḥ] koṭyas trīṇi prakīrtitāḥ
lakṣāṇi caiva pañcāśad romāṇāṃ tu tadudbhavā //
Die Haare ihres [beziehungsweise seines] Leibes werden mit drei Koti und fünfzig Laksha gezählt; aus diesen Haaren [entsteht Weiteres]. [Der Pronomenbezug wechselt in der Vorlage.]
6.93
ekaikaromakūpeṣu yoginyaḥ koṭisaṃsthitāḥ
trikoṭikoṭikoṭīnāṃ koṭayas tu anekadhā //
In jeder einzelnen Haarpore weilen Koti von Yoginīs: drei Koti von Koti von Koti, wiederum vielfache Koti. [Die verschachtelte Zahlform wird nicht zu einer vermeintlich exakten Gesamtzahl vereinfacht.]
6.94
yathā cāmbaraparyantā pṛthivyādiṣu sambhavāḥ
aṇavas tv apramāṇās tu tattve tattve tv anekadhā //
Wie die aus Erde und den übrigen [Elementen] bis zum Raum entstandenen Atome unermesslich und in jedem Prinzip vielfach sind,
6.95
sūkṣmarūpās tathā rudrā eṣāṃ saṅkhyā na vidyate
vyāpitaṃ tu samastaṃ hi rudraiḥ sūkṣmataraiḥ priye //
so sind auch die feingestaltigen Rudras ohne zählbare Grenze. Alles ist von den überaus feinen Rudras durchdrungen, Geliebte.
6.96
evaṃ mudrā samākhyātā vyāpayitvāprameyataḥ
ekā eva parā mudrā yasyedaṃ tiṣṭhate jagat //
So wurde Mudrā als unermesslich durchdringend erklärt. Es gibt nur eine höchste Mudrā, in der diese Welt besteht.
6.97
yaṃ yaṃ spṛśati sā hy aṅgaṃ sā sā mudrā vidhīyate
nṛtyaṃ valgaṃ tathā hāsyaṃ rodanaṃ sphoṭam eva ca //
Welches Glied sie jeweils berührt, entsprechend wird die Mudrā bestimmt. Tanz, Springen, Lachen, Weinen und Aufbrechen:
6.98
yad vikāraṃ prakurvanti tat sarvaṃ mudrasaṃjñakam
aṅgulyā aṅganā proktā aṅge carati nityaśaḥ //
Welche Veränderung [die Kräfte] auch hervorbringen, all dies heißt Mudrā. Der Finger wird als Frau bezeichnet, die sich beständig im Glied bewegt.
6.99
aṅgulyā tena coddiṣṭā mudrābandhe varānane
kaṃ śarīram iti khyātaṃ nyastā tasmin pravartate //
Darum werden [diese Kräfte] beim Binden der Mudrā Finger genannt, du Schöne. Ka wird als Körper bezeichnet; darin eingesetzt, wirkt [die Kraft].
6.100
helāgamanamārgeṇa tena nāmā kanīyasī
anāmā nāmarahitā koṭibhedair vyavasthitā //
Durch den Weg spielerischen Gehens heißt sie Kanīyasī, die Kleinste. Anāmā, die Namenlose, besitzt keinen Namen und besteht in Koti von Gliederungen.
6.101
nāmaṃ na śakyate vaktum anāmā tena gīyate
madhye pravartate nit yam āśrayā pudgalasya tu //
Ihr Name lässt sich nicht aussprechen; deshalb heißt sie die Namenlose. [Eine andere] bewegt sich beständig in der Mitte und ist Stütze des Einzelnen.
6.102
tatrādhārād vrajed ūrdhvaṃ punarāgamanaṃ priye
madhyamā nāma tenātra kathitā mantravādinām //
Von jener Grundlage geht sie aufwärts und kehrt wieder zurück, Geliebte. Deshalb wird sie hier Madhyamā, die Mittlere, genannt, wie den Mantrakundigen erklärt ist.
6.103
tarjanaṃ kurute nityaṃ saṃyojanaviyojanam
tarjayantī mahāmohaṃ pāśajālam anantakam //
Sie vollzieht beständig Drohen, Verbinden und Trennen und bedroht die große Verblendung, das endlose Netz der Fesseln.
6.104
tarjanī tena sā proktā mudrā sarveṣu cottamā
aṅguṣṭhaś caughabhūtā tu pravāhe satataṃ priye //
Deshalb heißt sie Tarjanī, die Drohende, die höchste aller Mudrās. Der Daumen ist zum Strom geworden und [weilt] beständig im Fließen, Geliebte.
6.105
uccāreṇa pravarteta aṅguṣṭhas tena sa smṛtaḥ
aha-m-ūrdhvagatiḥ proktaḥ stau ti rātrī nigadyate //
Er entfaltet sich durch Emporführung; deshalb wird er Aṅguṣṭha genannt. Aha wird als Aufwärtsbewegung bezeichnet, stau als Nacht. [Die überlieferte Lautzerlegung ist philologisch ungeklärt.]
6.106
hastau tena samākhyātau vāmadakṣiṇa ucyate
vāme sṛṣṭir iti proktā saṃhāraṃ dakṣiṇe viduḥ //
Deshalb werden [die beiden] Hände genannt und als links und rechts bezeichnet. Links wird Schöpfung genannt, rechts erkennt man Auflösung.
6.107
savyāsavyagatau tena kathitau vīranāyike
vāmāvyāptaṃ jagat kṛtsnaṃ saṃhārāntaṃ tadā priye //
Darum sind sie als links und rechts angeordnet erklärt, Herrin der Helden. Die gesamte Welt ist vom linken [Aspekt] durchdrungen, bis hin zur Auflösung, Geliebte.
6.108
saṃyogena varārohe ātmā kuṇḍalinī smṛtā
iyaṃ sā paramā yonir yonīnām uttamā priye //
In ihrer Verbindung, du Schöne, gilt das Selbst als Kundalini. Dies ist der höchste Schoß, der beste unter den Schößen, Geliebte.
6.109
yo jānāti varārohe śaktir ādyā manonmanī
tena jñātaṃ jagat sarvaṃ varṇāvarṇavivarjitam //
Wer die ursprüngliche Shakti Manonmanī erkennt, du Schöne, der kennt die ganze Welt, jenseits von Laut und Lautlosigkeit.
6.110
sā mudrā tu samākhyātā viśvavyāptikarī parā
dvau bindū cūlike dve tu visargaśaktisampuṭam //
Sie wird als höchste Mudrā bezeichnet, die das Weltall durchdringt. Zwei Bindus, zwei Spitzen und die Umhüllung durch die Visarga-Kraft,
6.111
tadūrdhvam iha nādāntaṃ vibhvī śūnyam udāhṛtam
janmasthānāt samudyantī yāvat tadbhavamaṇḍalam //
darüber das Ende des Nāda, die Alldurchdringende und der Leerraum: So wird [die Ordnung] hier erklärt. Von der Geburtsstätte aufsteigend bis zu jenem Entstehungskreis,
6.112
sṛṣṭisaṃhārayogena meḍhram-ādhāramadhyagam
evaṃ mudrā samākhyātā vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ //
zwischen Geschlechtsorgan und Grundlage [wirkend], durch die Verbindung von Schöpfung und Auflösung: So wurde Mudrā durch die Tätigkeiten von Rede, Geist und Körper erklärt.
6.113
kim anyat pṛcchase devi tat sarvaṃ kathayāmy aham //
Was möchtest du noch fragen, Göttin? Ich werde dir alles erklären.“
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate japamudrānirṇayo nāma ṣaṣṭhaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das sechste Kapitel über die Bestimmung von Japa und Mudrā.
Kapitel 7
Übersetzungsstatus: Alle Quellblöcke dieses Kapitels sind bearbeitet. Einzelne Formeln sind nicht vollständig sprachlich aufgelöst; die betreffenden deutschen Hinweise und Teilübersetzungen werden in der Übersicht nicht als vollständig übersetzte Blöcke gezählt.
7.1
yā sā devī (deva Ed.) parā yoniḥ samayā kubjinī parā
tām ācakṣva prayatnena saṃsphuṭaṃ vyāptilakṣaṇam //
„Jene Göttin, der höchste Schoß, Samayā, die höchste Kubjinī: Erkläre mir sorgfältig und ganz deutlich das Merkmal ihrer Durchdringung.“ [Die Vorlage vermerkt deva als Lesung der Edition gegenüber devī.]
7.2
śṛṇu devi yathātathyaṃ devyā māhātmyam uttamam
kārye vātha akārye vā uktānukteṣu vastuṣu //
„Höre wahrheitsgemäß von der höchsten Größe der Göttin. Bei gebotenem oder verbotenem Handeln, bei genannten und ungenannten Dingen:
7.3
kubjīśānīṃ japed yas tu tasya pāpaṃ na vidyate
yaḥ punaḥ śuddhabhāvātmā samayākhyāṃ maheśvarīm //
Wer Kubjīśānī rezitiert, besitzt [nach dieser Lehre] keine Sünde. Wer aber reinen inneren Wesens die große Herrin namens Samayā
7.4
japet tasya pa tad vastu yan na sidhyati bhūtale
etat paramasamayaṃ devītantre prakīrtitam //
rezitiert – für ihn gibt es auf Erden nichts, das nicht gelingt. Dies wird im Göttinnen-Tantra als höchste Verpflichtung bezeichnet. [pa tad vastu ist auffällig; die Verneinung ist kontextuell erschlossen.]
7.5
na deyaṃ yasya kasyāpi yasmāt sarvaṃ prapadyate
tantre tantre tu samayā kathitānekadhā mayā //
Man darf es nicht beliebigen Personen geben, weil dadurch alles erlangt wird. In den einzelnen Tantras habe ich Samayās auf vielerlei Weise gelehrt.
7.6
anyakalpopacāreṣu niruddhā tatra śāsane
eṣā sā samayā devi atra sarvaṃ pratiṣṭhitam //
Bei den Verfahren anderer Ritualordnungen sind sie an die betreffende Lehre gebunden. Diese aber ist jene Samayā, Göttin; auf ihr beruht alles.
7.7
catuṣpīṭheṣu samayās te 'tra sarve vinirgatāḥ
eṣā rājeśvarī devī samayācāranirgatā //
Die Samayās der vier heiligen Stätten sind alle aus ihr hervorgegangen. Diese Göttin ist Rājeśvarī, aus der Verpflichtungsordnung hervorgegangen.
7.8
nirācāreṇa yogena sidhyate hy avicārataḥ
pañcavyāptam ataḥ sarvaṃ sarvavyāptyantasaṃsthitam //
Durch den Yoga jenseits gewöhnlicher Verhaltensordnungen gelangt man zweifellos zur Vollendung. Von ihr ist alles fünffach durchdrungen und bis ans Ende aller Durchdringung verankert.
7.9
asyoccāraṇamātreṇa tan nāsti yan na sādhayet
kampate bhuvanaṃ sarvaṃ trailokyaṃ suraḍāmaram //
Durch ihr bloßes Aussprechen gibt es nichts, das man nicht verwirklichen könnte. Die gesamte Welt erzittert, die Dreiwelt und das Ungestüm der Götter.
7.10
samayākhyaṃ japantasya kṣubhyate sacarācaram
vāmadakṣiṇatantreṣu sāmānyā samayā parā //
Für den, der die Samayā genannte [Vidyā] rezitiert, gerät alles Bewegliche und Unbewegliche in Erregung. Die höchste Samayā ist den linken und rechten Tantras gemeinsam.
7.11
tasyā devyāḥ prabhāvo 'yaṃ yā pañcāśapadātmikā
siddhamārge 'nyathā devi dvātriṃśaguṇalakṣitā //
Dies ist die Macht jener Göttin, die aus fünfzig Gliedern besteht. Auf dem Weg der Vollendeten aber, Göttin, ist sie anders, durch zweiunddreißig Kräfte gekennzeichnet.
7.12
kubjikā nāma vikhyātā samayasthā kuleśvarī
yatra viśveśvaraṃ sarvaṃ samayādyaṃ vinirgatam //
Sie ist unter dem Namen Kubjikā bekannt, die in der Verpflichtung ruhende Kuleśvarī. Aus ihr ist alles, beginnend mit dem Weltenherrn und Samaya, hervorgegangen.
7.13
mantramudrāgaṇo hy atra vidyāmaṇḍalakādikam
yasyāḥ kamalinī devī hṛdisthā sampravartate //
Hier [entstehen] die Scharen der Mantras und Mudrās, Vidyās, Mandalas und weiteres. In ihrem Herzen wirkt die Göttin Kamalinī,
7.14
yayā sṛṣṭam idaṃ sarvam ābrahmastambhagocaram
kuladīpā śirasthāsyāḥ ṣaḍvidhādhvaprabodhikā //
durch die alles von Brahmā bis zum Grashalm erschaffen wurde. Auf ihrem Haupt weilt Kuladīpā, die den sechsfachen Weltenweg erschließt.
7.15
barbarākhyā śikhā hy asyās tritattvordhvavyavasthitā
mudrādhāragatā devī bahurūpātra nirgatā //
Ihre Haarspitze heißt Barbarā und befindet sich oberhalb der drei Prinzipien. Aus ihr geht die Göttin Bahurūpā hervor, die in der Grundlage der Mudrā weilt.
7.16
chādayantī samastāṃ tu śabdarāśiṃ tu mālinī
kavacaṃ yasyā mahādevyā mantramāyātmakaṃ mahat //
Mālinī umhüllt die gesamte Lautgesamtheit. Der große Schutzpanzer jener großen Göttin besteht aus Mantra und Māyā.
7.17
kiṇkiṇiṃ taṃ pracaṇḍograṃ tejodedīpyavarcasam
jñeyaṃ vṛddhopamaṃ netraṃ tattvārthaguṇasaṅkulam //
Kiṇkiṇī, furchtbar und heftig, mit feurig strahlendem Glanz, ist als das gewaltige Auge zu erkennen, erfüllt von den Kräften der Wirklichkeitsprinzipien. [vṛddhopamaṃ ist vorläufig als Größenvergleich verstanden.]
7.18
saṃvartādiśivāntasthaṃ ṣaḍasraṃ piṅgalocanam
tad astraṃ koṅkaṇeśānyā yena vyāptaṃ ṣaḍadhvaram //
Von Saṃvarta bis Shiva reichend, sechseckig und gelbäugig: Dies ist die Waffe Koṅkaṇeśānīs, durch die der sechsfache Weltenweg durchdrungen wird.“
7.19
kathaṃ tu kubjikā nātha vada mantrapadānvitam
sarvajñā sarvadā devī lakṣaṇena samanvitā //
„Wie ist Kubjikā beschaffen, Herr? Erkläre sie mit den Mantragliedern, die allwissende, stets [wirkende] Göttin mit ihren Merkmalen!“
7.20
uvāca bhairavo hy evaṃ kubjikāṃ śṛṇu kubjike
kiṃ tu tvayā na vaktavyā yāvan nādeśitaḥ śiśuḥ //
Bhairava sprach: „Höre die Kubjikā[-Formel], Kubjikā! Doch darfst du sie nicht aussprechen, solange der Schüler keine Unterweisung empfangen hat.
7.21
ccevīti padaṃ prathamaṃ ṇiki ṇiki dvitīyakam
chīṃ chāṃ padaṃ tṛtīyaṃ tu khimurāgho-a caturthakam //
‚ccevi‘ ist das erste Glied, ‚ṇiki ṇiki‘ das zweite, ‚chīṃ chāṃ‘ das dritte und ‚khimurāgho-a‘ das vierte.
7.22*
me na ṇa ña ṅa pañcamaṃ hrauṃ hrīṃ hrāṃ ṣaṣṭhamaṃ padam /
yaikābjikuśrī saptamaṃ tivagabha mona aṣṭamam //
‚me na ṇa ña ṅa‘ bildet das fünfte, ‚hrauṃ hrīṃ hrāṃ‘ das sechste, ‚yaikābjikuśrī‘ das siebte und ‚tivagabha mona‘ das achte Glied.
7.23
vilomena padāny aṣṭau dvātriṃśākṣaramālikā
pañcapraṇava-m-ādyantā viyuktā lakṣaṇādhikā //
Die acht Glieder werden in umgekehrter Folge [erschlossen], eine Girlande von zweiunddreißig Silben. Die fünf Praṇavas stehen am Anfang und Ende; [ohne sie] ist sie durch ihr besonderes Merkmal bestimmt. [Die Verbindung von viyuktā und lakṣaṇādhikā ist unklar.]
7.24
ādikūṭāvasāne tu catvāriṃśad dhi mālinī
vilomenoddhared devī[ṃ] guruvaktropadeśataḥ //
Mit dem anfänglichen Kūṭa am Ende ist Mālinī vierzigfach. Man hebe die Göttin nach der mündlichen Unterweisung des Gurus in umgekehrter Folge heraus. [Textkritischer Hinweis: Sanderson (2002, S. 14) bevorzugt eine bezeugte Lesung mit zweiundvierzig Silben; die erfasste Quelle nennt vierzig. Beide Angaben werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.][1]
7.25
rephasaham idaṃ kūṭaṃ vidyāsaptamakaṃ padam
śrīlope sanniyoktavyaṃ jīvitaṃ kubjike mama //
Dieses Kūṭa mit Repha [r] ist beim siebten Glied der Vidyā anstelle des ausgelassenen śrī einzusetzen. Es ist mein Leben, Kubjikā.
7.26
svamanīṣikāto 'nyathā sa vidviṣṭo marīcibhiḥ
yasmād bhāṇḍāram ity evaṃ sarvasvaṃ yoginīkule //
Wer es nach eigenem Gutdünken anders [macht], wird von den Strahlenkräften angefeindet. Denn es ist die Schatzkammer und der gesamte Reichtum des Yoginī-Kula.
7.27
atha cet sarvapīṭheṣu māteyaṃ samayātmikā
asyāḥ smaraṇamātreṇa vihvalaṃ tu jagattrayam //
Diese Mutter ist an allen heiligen Stätten von Samayā-Wesen. Durch ihre bloße Erinnerung wird die Dreiwelt überwältigt,
7.28
bhavate nātra sandeha iti mātā surakṣitā
hṛdayādyastraparyantam ekoccāreṇa suvrate //
daran besteht kein Zweifel. So ist die Mutter gut bewahrt. Vom Herzen bis zur Waffe [werden ihre Glieder] in einem einzigen Aussprechen [erfasst], du Gelübdetreue.
7.29
siddhamārgaṃ yathā brūmi vilomena vilomataḥ //
Ich erkläre den Weg der Vollendeten in umgekehrter Reihenfolge, jeweils rückläufig.“
7.30
yastrā-a yaivvāṇāṅkako ccevi ṇiki ṇiki |
yayātratrane yaikārintāhama chīṃ chāṃ |
yacāvaka yaipārūhuba khimurāgho-a me na ṇa ña ṅa |
yaikhāśi kheśirarbaba hrauṃ hrīṃ hrāṃ |
seraśi yaipādīlaku yaikābjikuśrī |
yayādahṛ yailāmatkahṛ tivagabha mona ||
[Vorläufige Teilauflösung der rückläufigen Anordnung:] Verehrung der ehrwürdigen Göttin, der Herzlotusgleichen; dem Herzen. Der ehrwürdigen Kubjikā, der Leuchte des Kula; dem Haupt. [Weitere Anrufungen betreffen die Haarspitze, den Panzer, das Auge und die Waffe. Wortgrenzen und Keimsilbenzuordnungen sind nicht durchgehend gesichert. Die Rücklesung beginnt am Ende der letzten Zeile; die IAST-Fassung bewahrt die Quellenreihenfolge.]
7.31
pañcadaśākṣaraṃ hṛdayaṃ śiraś caiva trayodaśa
ekādaśākṣarā śikhā viṃśadekona kavacam //
Das Herz besitzt fünfzehn Silben, das Haupt dreizehn, die Haarspitze elf und der Panzer neunzehn.
7.32
netraṃ trayodaśaiḥ proktam astraṃ caiva caturdaśam
pañcapraṇava-m-ādyantā yathā vidyā tathā kuru //
Das Auge wird als dreizehnsilbig, die Waffe als vierzehnsilbig bezeichnet. Setze die fünf Praṇavas an Anfang und Ende, wie bei der Vidyā.
7.33
etat kaulikabhāṣāyāṃ kathitaṃ tu sapratyayam
saṃsphuṭaṃ guruvaktrasthaṃ vilomasthaṃ na sidhyati //
Dies ist in kaulischer Sprache mit erfahrbarer Wirksamkeit erklärt. Deutlich [wird es] aus dem Mund des Gurus; in der rückläufigen Form wird es nicht wirksam.
7.34
kaulikedaṃ samākhyātaṃ siddhamārgasudurlabham
ccevi ti prathamaṃ padaṃ ṇiki ṇiki dvitīyakam //
Dieses Kaulische, auf dem Weg der Vollendeten schwer zu erlangen, wurde dargelegt. ‚ccevi‘ bildet das erste Glied, ‚ṇiki ṇiki‘ das zweite.
7.35
chīṃ chāṃ caiva tṛtīyaṃ syāt hrauṃ hrīṃ hrāṃ rdhvekhośitri caturthakam |
hreṃ me na ṇa ña ṅa pañcamaṃ khimurāgho-aśrī ṣaṣṭham ||
‚chīṃ chāṃ‘ ist das dritte, ‚hrauṃ hrīṃ hrāṃ rdhvekhośitri‘ das vierte, ‚hreṃ me na ṇa ña ṅa‘ das fünfte und ‚khimurāgho-aśrī‘ das sechste. [Kodierte Lautgestalten bleiben unverändert.]
7.36
yaikābjiku mona hrīṃ saptamam |
raphasaha eaṃ kūṭam aiṃ vilomena cāṣṭamam ||
‚yaikābjiku mona hrīṃ‘ bildet das siebte; das als ‚raphasaha eaṃ kūṭam aiṃ‘ angegebene [Glied] bildet rückläufig das achte. [Die Entschlüsselung und Satzgliederung bleiben offen.]
7.37
dvātriṃśadakṣarā devī niyuktā guṇaśālinī
ādikūṭakrameṇaiva vilomenoddhṛtā iyam //
Die Göttin von zweiunddreißig Silben wird so eingesetzt, reich an Kräften. In der Folge des anfänglichen Kūṭa wurde sie rückläufig herausgehoben.
7.38
guruvaktropadeśena saṃsphuṭaṃ kathitaṃ tava //
Durch die Unterweisung aus dem Mund des Gurus ist es dir deutlich erklärt.
Zusatzblock 7.p-4
stram-a vvāṇāṅkako ccevi |
traṃne nijiteśvavi ṇiki ṇiki caṃvaka keghvila chīṃ chāṃ |
yaikhāśi kerintāhama hrauṃ hrīṃ hrāṃ me na ṇa ña ṅa |
seraśi rarbaba khimurāgho-aśrī |
yaṃdahṛ yaikābjikulamaka mona hrīṃ hsphreṃ aiṃ ||
[Vorläufige Teilauflösung:] Aiṃ hsphreṃ hrīṃ, Verehrung der lotusartigen Kubjikā; dem Herzen; der ehrwürdigen Aghoramukhī, Barbarā, dem Haupt. [Die weiteren Glieder und Lautchiffren bleiben teilweise ungeklärt. Die Rücklesung beginnt am Blockende; der unnummerierte Block nach 7.38 wird nicht zur fehlenden Nummer 7.39 erklärt.]
7.40
sarvasādhāraṇaṃ kaulaṃ brūmi anyopadeśataḥ
pañcamaṃ tu padādisthaṃ hṛdayaṃ ca daśākṣaram //
Ich lehre das allen gemeinsame Kaulische nach einer anderen Unterweisung. Das fünfte [Glied] steht am Anfang des Abschnitts; das Herz besitzt zehn Silben.
7.41
śiram aṣṭākṣaraṃ viddhi dvādaśārdhaṃ śikhā smṛtā
dvisaptakaṃ ca kavacaṃ netraṃ saptākṣaraṃ śubham //
Erkenne das Haupt als achtsilbig; die Haarspitze gilt als sechssilbig, der Panzer als vierzehnsilbig und das glückverheißende Auge als siebensilbig.
7.42
astraṃ navākṣaraṃ proktaṃ jātayaś ca pṛthak pṛthak
kavacāntaṃ caturvaktraṃ pañcamaṃ tu tadagrataḥ //
Die Waffe wird als neunsilbig bezeichnet; die Endformeln sind jeweils gesondert. Bis zum Panzer [ergeben sich] vier Gesichter; das fünfte steht davor.
7.43
paripāṭis tu vaktrāṇām ūrdhvavaktrāditaḥ kramāt
eṣā sā samayā devī kulamārge vyavasthitā //
Die Reihenfolge der Gesichter beginnt mit dem nach oben gerichteten Gesicht. Dies ist die Göttin Samayā, die im Kula-Weg weilt.
7.44
sakalasthā tu sācārā aśeṣārthaviśodhikā
kaulabhāṣoditā yā tu sā tu siddhā kulānvaye //
In gegliederter Form besitzt sie eine Verhaltensordnung und reinigt sämtliche Bereiche. Was in kaulischer Sprache ausgesprochen wird, ist in der Kula-Überlieferung vollendet,
7.45
aśeṣārthapradātārā anekārthaprabodhikā
yānty anena tu dehena khecaratvaṃ tadāśritāḥ //
gewährt alle Ziele und erschließt vielfältige Bedeutungen. Die sich darauf stützen, gelangen mit eben diesem Körper zum Himmelsgängertum.
7.46
akṣarākṣarasantānaṃ yojayellakṣasaṅkhyayā
kubjīśaguṇatulyo 'sau hartā kartā svayaṃ prabhuḥ //
Man verbinde die Folge von Laut zu Laut im Maß eines Laksha. Dann ist man Kubjīśa an Kräften gleich, Auflöser und Schöpfer, selbst Herr.
7.47
khecarīṇāṃ padaṃ so hi paśyate hy avicārataḥ
nirācāreṇa yogena cintayantaḥ kuleśvarīm //
Man sieht zweifellos die Stätte der Khecarīs, wenn man durch den Yoga jenseits gewöhnlicher Verhaltensordnungen Kuleśvarī vergegenwärtigt.
7.48
atha sāmānyarūpeṇa tadā bhūcaratāṃ vrajet
kupitaḥ pātayec chailān śoṣayej jaladhīśvarān //
In der allgemeinen Form gelangt man dagegen zum Erdgängertum. Erzürnt lässt man Berge stürzen und trocknet die Herren der Gewässer aus.
7.49
sphoṭayec chailavṛkṣāṃś ca taddhyānaguṇam āśritaḥ
bhūcarīṇāṃ patitvaṃ ca kṣudrakarmopajīvinām //
Auf die Kraft jener Meditation gestützt, zersprengt man Berge und Bäume und [erlangt] die Herrschaft über die Bhūcarīs, die von niederen Ritualhandlungen leben.
7.50
kurute vividhāścaryaṃ pūjyate sa śivo yathā
yatra tiṣṭhaty asau deśe tatra vighnaṃ palāyate //
Man vollbringt vielerlei Wunder und wird wie Shiva verehrt. Wo jener sich aufhält, flieht das Hindernis.
7.51
kubjikāyāś ca yā dūtī kālikā nāma viśrutā
kālikākhye mahātantre svatantrā sā udaḥrtā //
Die Botin Kubjikās ist unter dem Namen Kālikā bekannt. Im großen Tantra namens Kālikā wird sie als eigenständig beschrieben.
7.52
śṛṇuṣvekamanā bhadre jñānavijñānadāyinī
sarvasiddhikarī devī sarvakāryaprasādhanī //
Höre aufmerksam, du Gütige: Die Göttin schenkt Wissen und erfahrene Erkenntnis, bewirkt sämtliche Vollendungen und verwirklicht alle Aufgaben.
7.53
vyāghrasiṃhagajavyālabhūtavetālaśatravaḥ
smaraṇān nāśam āyānti vighnasaṅghāni yāni ca //
Tiger, Löwen, Elefanten, Schlangen, Geister, Vetālas, Feinde und alle Scharen von Hindernissen gehen durch ihre Erinnerung zugrunde.
7.54
praśnakāle parīkṣeta kumāry āveśapūrvikā
śubhāśubhaṃ vadaty āśu yad bhūtaṃ yad bhaviṣyati //
Bei einer Befragung prüfe man [das Orakel] durch vorausgehendes Ergriffenwerden eines Mädchens. Sie spricht rasch Günstiges und Ungünstiges aus, Vergangenes und Zukünftiges.
7.55
asyoddhāraṃ pravakṣyāmi yathāvad anupūrvaśaḥ
aḥ-kha-madhyagataṃ gṛhya jha-pūrveṇa samanvitam //
Ich erkläre ihre Heraushebung in richtiger Reihenfolge: Man nehme das zwischen aḥ und kha Befindliche, verbunden mit dem vor jha Befindlichen.
7.56
prathamam uddhṛtaṃ bījaṃ dvitīyaṃ ṇa-ha-sandhigam
bheditaṃ tu ña-pūrveṇa etad varṇadvayaṃ punaḥ //
Damit ist das erste Bīja herausgehoben. Das zweite liegt an der Verbindung von ṇa und ha und wird durch das vor ña Befindliche gegliedert. Diese beiden Laute [setze man] wiederum [ein].
7.57
ā-sa-randhragataṃ gṛhya ya-sa-madhyagataṃ punaḥ
dvitīyena tu sambhinnaṃ ṣaṣṭhaṃ vai bījam uttamam //
Man nehme das in der Öffnung zwischen ā und sa Befindliche, danach das zwischen ya und sa, durch das zweite [Element] gegliedert: [Dies ist] das höchste sechste Bīja. [Die Zwischenschritte der Zählung sind implizit.]
7.58
prathamaṃ saptamaṃ jñeyaṃ dvitīyasya dvitīyakam
aṣṭamam uddhṛtam bījaṃ navamaṃ bha-ña-madhyagam //
Das erste ist als siebtes zu erkennen; das zweite des zweiten [bildet] das herausgehobene achte Bīja. Das neunte liegt zwischen bha und ña,
7.59
ña-uttarasamāyuktaṃ śūnyamastakabhūṣitam
ma-ṣa-madhyagataṃ gṛhya daśamaṃ kevalaṃ priye //
verbunden mit dem nach ña Befindlichen und mit dem Leerraum als Hauptschmuck. Man nehme das zwischen ma und ṣa Befindliche allein als zehntes, Geliebte.
7.60
ṣa-va-madhyagatoddhṛtya au-pūrveṇa tu bheditam
ekādaśākṣaraṃ proktam ai-ṭha-madhyagataṃ dadet //
Man hebe das zwischen ṣa und va Befindliche heraus und gliedere es durch das vor au Befindliche: Dies wird als elfter Laut bezeichnet. Man setze das zwischen ai und ṭha Befindliche ein,
7.61
ña-pūrveṇa tu sambhinnaṃ daśadvitayam uttamam
e-va-randhragataṃ gṛhya kevalaṃ tridaśaṃ punaḥ //
durch das vor ña Befindliche gegliedert, als zwölftes. Man nehme das aus der Öffnung zwischen e und va allein als dreizehntes.
7.62
ja-sa-madhyagataṃ gṛhya ai-au-madhyena āhatam
caturdaśoddhṛtaṃ bījam a-cha-sandhigataṃ punaḥ //
Man nehme das zwischen ja und sa Befindliche, verbunden mit dem zwischen ai und au Befindlichen: Das vierzehnte Bīja ist herausgehoben. Danach das an der Verbindung von a und cha Befindliche,
7.63
kevalaṃ kathitaṃ bījaṃ daśapañcākṣaraṃ priye
pa-dha-madhyagataṃ gṛhya ña-pūrveṇa tu bheditam //
das allein als fünfzehntes Bīja gelehrt wird, Geliebte. Man nehme das zwischen pa und dha Befindliche und gliedere es durch das vor ña Befindliche.
7.64
ṣoḍaśam uddhṛtaṃ bījaṃ sa-ya-madhyagataṃ dadet
la-ṭha-madhyāsanāsīnaṃ jha-pūrveṇa tu bheditam //
Damit ist das sechzehnte Bīja herausgehoben. Man setze das zwischen sa und ya Befindliche ein, auf dem Sitz zwischen la und ṭha, durch das vor jha Befindliche gegliedert,
7.65
nādabindukalākrāntaṃ daśasaptakam uddhṛtam
va-ma-madhyagatoddhṛtya ṭa-ṇa-madhyāsane sthitam //
mit Nāda, Bindu und Kalā versehen: Das siebzehnte ist herausgehoben. Man hebe das zwischen va und ma Befindliche heraus und setze es auf den Sitz zwischen ṭa und ṇa.
7.66
ṭa-pūrveṇa tu sambhinnaṃ śūnyayuktaṃ daśāṣṭamam
vahniyuktaṃ mahāprāṇam aṃ-pūrveṇa tu bheditam //
Durch das vor ṭa Befindliche gegliedert und mit Leerraum verbunden, [ist es] das achtzehnte. [Man nehme] den mit Feuer verbundenen großen Atemlaut, durch das vor aṃ Befindliche gegliedert,
7.67
caturdaśasvarākrāntaṃ bindunādasaśaktigam
viṃśamaṃ nyūnam ekena uddhṛtaṃ bījam uttamam //
mit dem vierzehnten Vokal versehen und mit Bindu, Nāda und Shakti verbunden: So ist das höchste neunzehnte Bīja herausgehoben.
7.68
ya-ḍha-madhyagataṃ gṛhya kevalaṃ viṃśamaṃ bhavet
kha-pūrvavarṇam uddhṛtya tha-pūrvāsanasaṃsthitam //
Man nehme das zwischen ya und ḍha Befindliche allein als zwanzigstes. Man hebe den Laut vor kha heraus, auf dem Sitz vor tha befindlich,
7.69
viṃśam ekādhikaṃ bhadre aḥ-kha-madhyagataṃ punaḥ
ṝ-pūrvāsanam ārūḍhaṃ dvāviṃśatim udāhṛtam //
als einundzwanzigstes, du Gütige. Das zwischen aḥ und kha Befindliche, auf den Sitz vor ṝ erhoben, wird als zweiundzwanzigstes genannt.
7.70
da-ca-randhragatoddhṛtya ta-pūrvāsanasaṃsthitam
viṃśatritayam ākhyātaṃ ya-ja-madhyagataṃ punaḥ //
Man hebe das aus der Öffnung zwischen da und ca heraus, auf dem Sitz vor ta befindlich, als dreiundzwanzigstes. Danach das zwischen ya und ja Befindliche,
7.71
pañcamasvarasaṃyuktaṃ caturviṃśatimaṃ punaḥ
ga-pūrvaṃ tu samuddhṛtya caturthasvarasaṃyutam //
mit dem fünften Vokal verbunden, als vierundzwanzigstes. Man hebe das vor ga Befindliche heraus und verbinde es mit dem vierten Vokal:
7.72
pañcaviṃśa samākhyātam o-ṣa-madhyagataṃ punaḥ
ai-pūrveṇa tu sambhinnaṃ ṣaḍviṃśakam udāhṛtam //
Dies wird als fünfundzwanzigstes genannt. Das zwischen o und ṣa Befindliche, durch das vor ai Befindliche gegliedert, heißt sechsundzwanzigstes.
7.73
sa-ta-madhyagataṃ cānyaṃ ṭa-pareṇa samāhatam
saptāviṃśatimaṃ bhadre ā-sa-madhyagataṃ punaḥ //
Das weitere zwischen sa und ta Befindliche, mit dem nach ṭa Befindlichen verbunden, [ist] das siebenundzwanzigste, du Gütige. Danach das zwischen ā und sa Befindliche,
7.74
jha-pūrveṇa samāyuktam aṣṭāviṃśa tu pārvati
punar evaṃ daded devi triṃśatyūnaṃ sabindukam //
mit dem vor jha Befindlichen verbunden, [als] achtundzwanzigstes, Parvati. Dasselbe setze man nochmals mit Bindu versehen als neunundzwanzigstes ein.
7.75
gha-na-madhyagataṃ gṛhya kevalaṃ triṃśamaṃ bhavet
dha-ha-randhragataṃ devi vāyvāsanasamanvitam //
Man nehme das zwischen gha und na Befindliche allein als dreißigstes. Das aus der Öffnung zwischen dha und ha, Göttin, mit dem Windsitz verbunden,
7.76
triṃśam ekādhikaṃ proktaṃ ka-ṣa-madhyagataṃ punaḥ
tha-ṇa-madhyāsanārūḍhaṃ pañcamasvarayojitam //
wird als einunddreißigstes bezeichnet. Das zwischen ka und ṣa Befindliche, auf den Sitz zwischen tha und ṇa erhoben und mit dem fünften Vokal verbunden,
7.77
dvātriṃśamaṃ samākhyātaṃ kevalaṃ va-ṣa-madhyagam
trayastriṃśa samuddiṣṭaṃ ṇa-tha-madhyagataṃ punaḥ //
wird als zweiunddreißigstes bezeichnet. Das zwischen va und ṣa Befindliche allein ist als dreiunddreißigstes bestimmt. Danach das zwischen ṇa und tha Befindliche,
7.78
vahninā dīpitaṃ kṛtvā triṃśamaṃ caturādhikam
sa-ta-randhragataṃ bījaṃ kevalaṃ sṛṣṭisaṃyutam //
mit Feuer erhellt, als vierunddreißigstes. [Es folgt] das Bīja aus der Öffnung zwischen sa und ta, allein und mit Schöpfung [Visarga] verbunden.
7.79
pañcatriṃśa smṛtā varṇāḥ pañcapraṇavasampuṭāḥ
yojitavyā mahāvidyā kālikā siddhikāṅkṣiṇā //
Fünfunddreißig Laute werden genannt, von den fünf Praṇavas umschlossen. So soll die große Vidyā Kālikā von dem eingesetzt werden, der Vollendung wünscht.
7.80
adṛśīkaraṇe hy eṣā sarvasampadadāyinī
na deyā duṣṭabuddhīnāṃ devīdūtyā mahābalā //
Beim Unsichtbarmachen gewährt sie allen Erfolg. Die überaus mächtige Botin der Göttin darf Menschen mit böser Absicht nicht übergeben werden.
7.81
dūtī tu kathitā hy evaṃ mudrābandham ataḥ śṛṇu
padmāsanasthito yogī samakāya ṛjuḥśiraḥ //
So wurde die Botin erklärt. Höre nun die Mudrā-Bindung: Der Yogi sitzt im Lotussitz, den Körper gerade und den Kopf aufrecht.
7.82
recya vāyuṃ svakād dehāt punar ākṛṣya dhārayet
hṛdaye yaḥ sthito granthis tasya nābhau kṣipen manaḥ //
Er atmet die Luft aus seinem Körper aus, zieht sie erneut ein und hält sie. Den Geist richtet er auf die Mitte des Knotens, der im Herzen liegt.
7.83
mantraṃ caiva tathātmānam ekīkṛtya trayaṃ budhaḥ
daṇḍākāraṃ nayet'tāvad yāvad brahmabilāntagam //
Der Kundige vereine Mantra, Selbst und [Geist], diese drei, und führe [sie] stabförmig bis an das Ende der Brahma-Öffnung.
7.84
tatsthānāt prerayet tūrṇaṃ mahāyānena sundari
karābhyāṃ caiva tarjanyāṃ pīḍayeta punaḥ punaḥ //
Von dort treibe er [sie] rasch mit dem großen Fahrzeug weiter, du Schöne. Mit beiden Händen drücke er wiederholt auf den Zeigefinger.
7.85
lalanāghaṇṭike yojya pañcamaṃ sthānam ākramet
ākramed guhyacakraṃ tu karaṇaṃ cordhvamūlakam //
Er verbinde [sie] mit Lalanā und Ghaṇṭikā und betrete die fünfte Stätte. Er betrete den verborgenen Kreis, mit einer Haltung, deren Wurzel oben liegt.
7.86
lagne granthitrayaṃ devi khagatir nātra saṃśayaḥ
aṅgaṣaṭkaṃ śṛṇuṣvedaṃ kubjikāyāḥ kuleśvari //
Wenn die drei Knoten verbunden sind, Göttin, entsteht zweifellos Himmelsgang. Höre nun die sechs Glieder Kubjikās, Kuleśvarī.
7.87
hṛdayena tu devyāyāḥ kṣobhayec cāsurīgaṇam
navalakṣakṛte jāpye rājikālavaṇe hute //
Mit dem Herzen der Göttin erschüttert man die Scharen der Asuras. Wenn neun Laksha rezitiert und Senfsamen und Salz geopfert sind,
7.88
rājarājeśvarāṇāṃ tu martyaloke 'thavā patiḥ
sāmānyajapahomena sadyaḥsampadadāyinaḥ //
[wird man] Herr der Könige oder Herr in der Menschenwelt. Gewöhnliche Rezitation und Feueropfer schenken unmittelbaren Erfolg. [Der grammatische Anschluss und Numerus sind unregelmäßig.]
7.89
strījanaṃ kṣobhayet sarvaṃ bālavṛddhayuvān paśūn
śiro [']dhiṣṭhitayogena bhūtavetālarākṣasān //
Man erregt alle Frauen, Kinder, Alte, Junge und gebundene Wesen. Durch den mit dem Haupt [der Göttin] verbundenen Yoga [bewältigt man] Geister, Vetālas und Rakshasas,
7.90
yakṣiṇīyakṣakanyāś ca piśācīnāṃ ca sādhanam
kurute vividhāścaryaṃ phalapuṣpādikarṣaṇam //
Yakṣiṇīs, Yaksha-Mädchen und Piśācīs. Man vollbringt vielfache Wunder, das Herbeiziehen von Früchten, Blumen und anderem,
7.91
yakṣiṇyākarṣaṇaṃ devi mṛtakotthāpanādikam
sākinīkulasāmānyaḥ pāśacchedaṃ paśugraham //
das Anziehen von Yakṣiṇīs, Göttin, das Aufrichten von Toten und weiteres. Dem Śākinī-Kula gemeinsam, [bewirkt man] das Durchtrennen von Fesseln und das Ergreifen gebundener Wesen.
7.92
kurute vividhāścaryaṃ śiraḥsiddho hy anekadhā
asiddhasya tu karmāṇi karmayogād vadāmy aham //
Wer das Haupt [als Mantraglied] verwirklicht hat, vollbringt vielerlei Wunder. Ich erkläre nun die Handlungen des noch nicht Vollendeten nach der Verbindung mit dem Ritual.
7.93
aśaktah sādhane vīras tasyedaṃ dveṣaṇaṃ prati
śiroruhasamutpannā caṇḍālī juṣṭapūrvikā //
Ist der Held zur eigentlichen Verwirklichung nicht fähig, [gilt] dieses [Verfahren] der Feindseligkeit. Die aus dem Haupthaar entstandene Caṇḍālī trägt zuvor [den Namensbestandteil] Juṣṭa.
7.94
rakṣaṇārthaṃ tu sā dūtī śāsane sampratiṣṭhitā
paṭhanād eva saṃsiddhā japahomavivarjitā //
Diese Botin ist zum Schutz in der Lehre eingesetzt. Schon durch Vortrag wird sie verwirklicht, ohne Rezitation [in großer Zahl] und Feueropfer.
7.95
śiraso vaśagā dūtī tadājñā nigrahātmikā //
Die Botin steht unter der Macht des Hauptes; ihr Auftrag besteht im Bezwingen.
7.96
oṃ hāsvā ṭpha 2 hūṃ 2 sagra 2 yaramā kaṃmu-a 2 capa 2 madha 2 hada 2 naha ṇiridhāṅgaṭvākhalapāka ṇikṣabhasamāṃradhiru līṇḍācāṣṭaju tivagabha mona oṃ ||
Oṃ, Verehrung dir, ehrwürdige Juṣṭacaṇḍālī, Verzehrerin von Blut und Fleisch, Trägerin von Schädelschale und Schädelstab! Töte! Verbrenne, verbrenne! Blase, blase! Koche, koche! Töte den Soundso – wiederholt! Verschlinge, verschlinge! Hūṃ hūṃ, phaṭ phaṭ, svāhā, oṃ. [Arbeitsauflösung durch Rücklesen der Silbengruppen. „Soundso“ gibt den Platzhalter amuka wieder; die Ziffer 2 bezeichnet Wiederholung, wobei der genaue Umfang bei amukaṃ māraya offenbleibt. Die genaue Namensform der Göttin und die Segmentierung sind am Druck zu prüfen. Die destruktiven Anrufungen sind historischer Quelleninhalt.]
7.97
vilomena kṛtābhyāsam uddhared upadeśataḥ
sampūjya yoginīṣaṭkaṃ rāmaṇīśirasānvitam //
Man hebe die rückläufig eingeübte [Formel] nach der Unterweisung heraus und verehre die sechs Yoginīs zusammen mit dem Rāmaṇī-Haupt. [Die Fachbezeichnung ist vorläufig belassen.]
7.98
dāgham utpādayet prathamaṃ lekhya mātrā na saṃśayaḥ
ṣaḍasrapuramadhyasthaṃ rakāraṃ tu adhordhvataḥ //
Zuerst soll [das Ritual] Hitze erzeugen; das Lautmaß ist aufzuzeichnen, zweifellos. In der Mitte der sechseckigen Stadt [zeichne man] den Laut ra unten und oben.
7.99
rakāraṃ tu tad evaṃ syād bahiṣkoṇe pṛthak pṛthak
ṣaṭprakāraṃ pradātavyaṃ jvālāsañchannalāñchitam //
Ebenso ist ra an jeder äußeren Ecke gesondert sechsmal anzubringen, mit dem Merkmal der Flammenhülle.
7.100
kopakāle samutpanne citivastre nṛcarmaje
likhitavyaṃ sakruddhena viṣonmattarasena ca //
Wenn Zorn entstanden ist, soll der Erzürnte auf Leichenverbrennungstuch oder Menschenhaut mit Gift und Unmatta-Saft schreiben.
7.101
śmaśānāṅgārasaṃyuktaṃ sādhyanāmaṃ tu madhyataḥ
likhitvā tāpayet paścāj jvaro bhavati dāruṇaḥ //
Mit Kohle vom Verbrennungsplatz verbunden, schreibe er den Namen des Betroffenen in die Mitte und erhitze [die Darstellung] danach; [der Text behauptet,] es entstehe heftiges Fieber.
7.102
jvaram utpādayitvā tu sadantam ānayec chiraḥ
pūrvadravyair likhitvā tu nāma tasya gale kṣipet //
Nachdem Fieber hervorgerufen wurde, bringe man einen Schädel mit Zähnen herbei. Man schreibe mit den zuvor genannten Stoffen den Namen und lege ihn in dessen Halsöffnung.
7.103
viparītamukhaṃ kṛtvā ūrdhvagrīvaṃ yathā bhavet
tathā saṃsthāpayed bhūmau kapālaṃ mantravit sudhīḥ //
Der kundige Mantrakundige stelle den Schädel so auf den Boden, dass das Gesicht umgekehrt und der Hals nach oben gerichtet ist.
7.104
śmaśāne vā nadītīre kṛtvā vedīṃ tadūrdhvataḥ
paścād dhomaṃ prakurvīta ugradravyaiḥ samāhitaḥ //
Auf dem Verbrennungsplatz oder am Flussufer errichte man darüber einen Opferplatz und vollziehe danach gesammelt das Feueropfer mit scharfen Stoffen,
7.105
viṣeṇa gandhakenaiva kunaṭyā tālakena ca
rājikālavaṇenaiva nimbapattrais trisaptakam //
mit Gift, Schwefel, Kunaṭī, Tālaka, Senfsamen und Salz sowie Neemblättern, dreimal sieben [Gaben]. [Historisches Schadensritual; die ungesicherten Stoffnamen werden nicht in moderne Giftrezepte aufgelöst.]
7.106
prathame 'hani chāgāntraṃ raktāktaṃ homayed budhaḥ
paścād dhyānaṃ prakurvīta kṛṣṇavarṇaṃ sudāruṇam //
Am ersten Tag opfere der Kundige blutbestrichenes Ziegengedärm. Danach meditiere er [die Gestalt] schwarz und überaus furchterregend.
7.107
jvalantaṃ pādasandhīni mastakāntaṃ vicintayet
rakāraṃ tu lalāṭasthaṃ japen mantraṃ punaḥ punaḥ //
Von den Fußgelenken bis zum Haupt vergegenwärtige er sie brennend. Mit ra auf der Stirn rezitiere er den Mantra immer wieder.
7.108
homamaṇḍalakaṃ yac ca caturasraṃ vajralāñchitam
evaṃ vai bhavate kālo yadi sākṣāt sacīpatiḥ //
Das Opfermandala ist viereckig und mit dem Vajra-Zeichen versehen. So wird man [nach dem Text] zum Tod selbst für Indra, den Gemahl Śacīs.
7.109
evaṃ nigraham ākhyātaṃ śirodevyāḥ samudbhavam
caṇḍālīti prayogo 'yaṃ gopitavyaṃ prayatnataḥ //
Damit ist die aus der Hauptgöttin hervorgehende Bezwingung erklärt. Dieses Caṇḍālī-Verfahren ist sorgfältig geheim zu halten.
7.110
śāsanasya ca yo dveṣṭā yo dveṣṭā guravopari
teṣv amoghinī cāṇḍālī yojayet paramārthataḥ //
Gegen den Feind der Lehre und den Feind des Gurus soll man die unfehlbare Cāṇḍālī tatsächlich einsetzen.
7.111
lakṣam-eke kṛte jāpye vācāmātreṇa mārayet
ato'rthaṃ gopayed devi siddhājñāmoghacaṇḍikā //
Nach einem Laksha Rezitation tötet man [nach dem Text] allein durch Worte. Deshalb ist sie geheim zu halten, Göttin: Caṇḍikā, deren Vollmacht der Vollendeten unfehlbar ist.
7.112
śirodūtī parā hy eṣā kṣudrakarmasv anekadhā
sarvaṃ svacchandadeveśī kariṣyati śikho[j]jvalā //
Diese höchste Botin des Hauptes [wirkt] vielfältig in niederen Ritualhandlungen. Alles wird die Herrin Svacchanda vollbringen, deren Haarspitze strahlt.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate mantroddhāre ṣaḍaṅgavidyādhikāro nāma saptamaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das siebte Kapitel über die sechsgliedrige Vidyā innerhalb der Heraushebung der Mantras.
Kapitel 8
8.1
śrutaṃ deva mayākhyātam aśeṣārthasuvistaram
kathaṃ devyāḥ śikhāsaṃsthā svacchandaḥ katirūpadhṛk //
„Gott, ich habe die ausführliche Erklärung sämtlicher Bedeutungen gehört. Wie weilt Svacchanda in der Haarspitze der Göttin, und wie viele Gestalten trägt er?
8.2
prayogavipulaṃ deva sarvopāyavivarjitam
adhunāśrotum icchāmi sārāt sārataraṃ vibho //
Nun möchte ich, o alldurchdringender Gott, von der reichhaltigen Anwendung hören, die aller [weiteren] Hilfsmittel entbehrt, vom Wesentlichsten des Wesentlichen:
8.3
āpyāyanaṃ śarīrasya ākāśādiprasādhanam
arcanaṃ caiva saṅkṣepād grahamardakaraṃ yathā //
von der Stärkung des Körpers, der Verwirklichung von Raum und anderem, von der kurzgefassten Verehrung und davon, wie die ergreifenden Mächte bezwungen werden,
8.4
ripumardakaraṃ caiva bilayantraprasādhanam
jvaraduṣṭaviṣādīnāṃ sarvaduḥkhavimardanam //
wie Feinde bezwungen und Höhlen und Yantras erschlossen werden, wie sämtliche Leiden durch Fieber, schädliches Gift und anderes beseitigt werden,
8.5
yathā smaraṇamātreṇa vyādhito mucyate kṣaṇāt
dharmakāmārthasaṃsiddham arthamokṣaprasādhanam //
wie man allein durch Erinnerung augenblicklich von Krankheit frei wird, [und von dem], was Dharma, Verlangen, Wohlstand und Befreiung verwirklicht,
8.6
vaśīkaraṇakarmāṇi ākarṣaṇavidhikriyā
divyādivyeṣu kāryeṣu nāgakāryeṣu bhairava //
von Beeinflussungshandlungen und den Verfahren der Anziehung in göttlichen und nichtgöttlichen Angelegenheiten und bei Angelegenheiten der Nāgas, Bhairava.
8.7
śarīrasthaṃ yathā brūhi nāḍisthaṃ mudrayā saha
saṅkṣepārcanakarma ca saṃsiddhaṃ bhogasādhanam //
Erkläre, wie [der Mantra] im Körper und in den Nāḍīs weilt, zusammen mit der Mudrā, und die kurze Verehrung, das bewährte Mittel zum Genuss,
8.8
vratayāgavihīnaṃ ca vittopāyavivarjitam
smaraṇāt kevalo mantraḥ sukham utpādayed yathā //
ohne Gelübde und Opfer und ohne finanzielle Hilfsmittel: wie der Mantra allein durch Erinnerung Glück hervorbringt.“
8.9
sādhu kubjini bhadre tvaṃ kathayataḥ śṛṇuṣva me
śikhā guṇakalā yasya svacchandasyāmitadyuteḥ //
„Gut, du gütige Kubjinī! Höre meine Erklärung: Die Haarspitze ist die Kraft-Kalā des unermesslich strahlenden Svacchanda.
8.10
kubjikāyāḥ śikhā raudrā raudrasiddhipradāyikā
sārāt sārataraṃ devi satyaṃ satyaṃ na cānyathā //
Die Haarspitze Kubjikās ist furchterregend und verleiht furchterregende Vollendung, Göttin, das Wesentlichste des Wesentlichen – wahrlich, wahrlich, nichts anderes.
8.11
aghorān na paro mantraḥ kasmāc cūlīgatas tu saḥ
śamanaṃ sarvaduḥkhānāṃ vyādhīnāṃ ca nikṛntanam //
Es gibt keinen Mantra höher als Aghora; denn er befindet sich an der Spitze. Er befriedet sämtliche Leiden und schneidet Krankheiten ab,
8.12
sarvānugrahakaṃ devi bhuktimuktipradāyakam
kālanirṇāśanaṃ devi jarāsiṃham udāhṛtam //
erweist allen Gnade, Göttin, schenkt Genuss und Befreiung, vernichtet den Tod und wird als Löwe gegen das Alter bezeichnet.
8.13
dāridraśamanaṃ cedam acireṇa gaṇāmbike
āśāḥ saṃśodhayitvā tu devyā nyāsaṃ hi pūrvavat //
Er beseitigt rasch Armut, Mutter der Scharen. Nachdem man die Himmelsrichtungen gereinigt hat, vollziehe man wie zuvor den Nyāsa der Göttin,
8.14
hṛdayādiprabhedena astrāntaṃ yāvadāvadhim
svasthānanyāsavinyāsaṃ pūrvavac ca yathāsthitam //
gegliedert vom Herzen bis zur Waffe, die Anordnung der Einsetzungen an den jeweiligen Stätten wie zuvor.
8.15
śikhāsvacchandadeveśaṃ mantredaṃ pārameśvaram
ṣaḍaṅgayajanād vātha nirācāreṇa sidhyati //
Śikhāsvacchandadeveśa, dieser Mantra des höchsten Herrn, wird durch Verehrung der sechs Glieder oder durch den Weg jenseits gewöhnlicher Verhaltensordnungen verwirklicht.
8.16
tato mudrāṃ parāṃ baddhvā cintayed yonimadhyagām
mahāmudreti vikhyātā nākhyātā kasyacin mayā //
Dann binde man die höchste Mudrā und vergegenwärtige sie in der Mitte des Schoßes. Sie ist als Mahāmudrā bekannt; ich habe sie niemandem erklärt.
8.17
dhyātvā pretaṃ purā devi sarvakāraṇakāraṇam
mahāyogī mahāsiddhaḥ sarvalokadharaḥ prabhuḥ //
Zuerst meditiere man den Leichnam, Göttin, die Ursache aller Ursachen, [als] großen Yogi, großen Vollendeten, Träger aller Welten und Herrn.
8.18
sarvajñaguṇasaṃyuktaṃ padmaṃ tasyopari sthitam
karṇikopari dīpyantaṃ prajvalantaṃ mahaujasam //
Darüber befindet sich ein Lotus, mit den Kräften des Allwissenden versehen. Auf seinem Fruchtboden erstrahlt [ein Wesen] von großer Macht.
8.19
anantaṃ tad vijānīyāt tasyordhve tacchikhāśivam
aṣṭapattrāsanāsīnaṃ dvātriṃśārcibhir āvṛtam //
Dieses erkenne man als Ananta; darüber [weilt] Śikhāśiva, auf einem achtblättrigen Sitz sitzend und von zweiunddreißig Strahlen umgeben.
8.20
nānālaṅkārasampannaṃ nānāvarṇaṃ vicintayet
daśabāhuṃ mahāghoraṃ caturvaktraṃ sulālasam //
Man vergegenwärtige ihn mit mannigfachem Schmuck und vielfältigen Farben, zehnarmig, überaus furchtbar, viergesichtig und voller Spielfreude.
8.21
sarvavarṇadharaṃ devam atha śyāmaṃ vincintayet
kapālaṃ caiva khaṭvāṅgam anyat paraśuśūladhṛk //
Den Gott, der alle Farben trägt, stelle man sich sodann dunkel vor. Er trägt Schädelschale und Khaṭvāṅga sowie Axt und Dreizack.
8.22
ḍamaruṃ cākṣamālāṃ ca phalaṃ haste niveśayet
gajacarmadharau cobhau hastau tu parikīrtitau //
Ḍamaru, Gebetskette und Frucht lege man [ihm] in die Hand; zwei Hände werden als Träger der Elefantenhaut beschrieben. [Die vollständige Zuordnung zu zehn Händen ist aus dieser Aufzählung allein nicht eindeutig.]
8.23
garjantaṃ bhīṣaṇaṃ nādaṃ sarvakāraṇakāraṇam
bhakṣantaṃ cintayed vyādhiṃ viśveśvarakujeśvaram //
Man vergegenwärtige ihn einen schrecklichen Laut ausstoßend, als Ursache aller Ursachen, als Viśveśvara-Kujeśvara, der die Krankheit verschlingt.
8.24
khādyamānāṃ raṭantīṃ tāṃ tāḍyamānāṃ vibheditām
bhedayantīṃ triśūlena chedayantīṃ mahāsinā //
[Jene Krankheit] wird gefressen, schreit, wird geschlagen und zertrennt; sie wird mit dem Dreizack durchbohrt und mit dem großen Schwert geschnitten.
8.25
kruddhabhāvād dhunantīṃ tāṃ pūrvavyādhiṃ vicintayet
tasyopari tam aikāram īśatattvāvadhisthitam //
Man vergegenwärtige jene ursprüngliche Krankheit [als Gestalt], die unter dem Zorn geschüttelt wird. Darüber [setze man] den Laut ai, bis zum Īśa-Prinzip reichend. [Die wechselnden Partizipformen sind syntaktisch unregelmäßig.]
8.26
śikhāsvacchandadeveśaṃ tat sthāpyopari pūjayet
svakīyāṅgasamudbhūtam ekavīrāṅgapañcakam //
Darauf setze und verehre man Śikhāsvacchandadeveśa, [zusammen mit] den fünf Gliedern des Einzelhelden, die aus seinen eigenen Gliedern hervorgehen.
8.27
āgneyyāṃ hṛdayaṃ nyasya śiras tv īśānagocare
śikhāṃ śikhātmakāṃ rakṣe tanutrāṇaṃ tu vāyave //
Man setze das Herz im Südosten, das Haupt im Nordosten, die Haarspitze im Südwesten und den Körperschutz im Nordwesten ein.
8.28
astraṃ diśāsu vinyasya bhūyo madhye prapūjayet
juṣṭacaṇḍeśvaraṃ kṣetre pūjādau vighnarāṭ kule //
Die Waffe setze man in die Richtungen ein und verehre wieder in der Mitte. Juṣṭacaṇḍeśvara [verehrt man] im Kultfeld, am Anfang der Verehrung Vighnarāṭ im Kula.
8.29
calādīnām adhiṣṭhānaṃ jānīyād gurupaṅktivat
dhūpacandananaivedyaṃ trayāṇāṃ prathamaṃ dadet //
Die Grundlage der Beweglichen und der übrigen [Kräfte] soll man wie die Guru-Reihe kennen. Zuerst gebe man den dreien Räucherwerk, Sandelpaste und Speiseopfer.
8.30
siddhisādhanayuktasya mārgo 'yaṃ hy avicārakaḥ
nirācārapadasthānāṃ kṣetracaṇḍīśavighnarāṭ //
Dieser Weg gilt ohne Zweifel für den, der mit der Verwirklichung der Vollendung verbunden ist. Für die jenseits gewöhnlicher Verhaltensordnungen Weilenden [sind es] Kṣetra, Caṇḍīśa und Vighnarāṭ.
8.31
balipūjāsu naivedyaṃ trayāṇāṃ prathamaṃ dadet
paścāt kramasya kubjīśe ataḥ śāṭhyaṃ na kārayet //
Bei Bali-Darbringungen und Verehrung gebe man den dreien zuerst das Speiseopfer, danach der Überlieferungsfolge, Herrin Kubjī. Hierbei darf man nicht hinterlistig sein.
8.32
pāramparyakramaṃ pūjya paścān maṇḍalakopari
śikhāsvacchandadeveśaṃ yāmalaṃ tu catuṣkalam //
Nach Verehrung der fortlaufenden Überlieferung [verehre man] über dem Mandala Śikhāsvacchandadeveśa im Paar, vierfach gegliedert.
8.33
hṛttanutrāṇaparyantaṃ yajed devaṃ catuṣkalam
yogamārgāvalambānāṃ śrīsiddhākhyaṃ catuṣkalam //
Vom Herzen bis zum Körperschutz verehre man den vierfachen Gott; für die auf den Yogaweg Gestützten [gilt] die Vierergruppe namens Śrīsiddha.
8.34
pūjya svacchandadeveśaṃ kramāgre maṇḍalopari
tato japec chikhānātham aghoraṃ parameśvaram //
Nachdem man Svacchandadeveśa an der Spitze der Überlieferungsfolge über dem Mandala verehrt hat, rezitiere man den Herrn der Haarspitze, Aghora, den höchsten Herrn.
8.35
praṇavādyaṃ namaskāram asiddhānāṃ niyuñjayet
siddhārthayogayuktānām aiṃpādādyantayojitam //
Für die noch nicht Vollendeten verwende man Praṇava am Anfang und die Verneigungsformel. Bei den mit dem Yoga der Vollendung Verbundenen [sei der Mantra] am Anfang und Ende mit dem Glied aiṃ versehen.
8.36
tato ' gnipūjanaṃ kṛtvā yathā pūjā tathāhutim
sahasraṃ vā śataṃ vātha pañcāśat pañcaviṃśa vā //
Dann verehre man das Feuer und bringe entsprechend der Verehrung Opfergaben dar: tausend, hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig.
8.37
tilair homaṃ prakurvīta dadhimadhvājyasaṃyutaiḥ
ghṛtasaktvā ca madhunā sarvaduḥkhapramardakam //
Man vollziehe das Feueropfer mit Sesam, verbunden mit Dickmilch, Honig und geklärter Butter; mit Butter, geröstetem Mehl und Honig [gilt es als] alle Leiden vernichtend.
8.38
vyādhinirṇāśanaṃ kubji śeṣahomaṃ tu bhūtidam
sahasreṇa mahābhūtiḥ śatena vyādhināśanam //
[Dies gilt als] Vernichtung der Krankheit, Kubjikā; das übrige Feueropfer verleiht Gedeihen. Tausend [Gaben bringen] großes Gedeihen, hundert Vernichtung der Krankheit.
8.39
śatam aṣṭaśataṃ kubji devatulyo bhaviṣyati
sarvaduḥkhavinirmuktaṃ japapūjāsamanvitam //
Durch hundert [beziehungsweise] achthundert, Kubjikā, wird man einem Gott gleich, von allen Leiden frei, mit Rezitation und Verehrung verbunden. [Das Verhältnis der beiden Zahlen ist unklar.]
8.40
śatato ' ṣṭasahasreṇa triṣkālena tu sundari
ṣaṇmāsāj jāyate siddhiḥ sākṣāt paśyati bhairavīm //
Durch hundert [und] achttausend, dreimal täglich, du Schöne, entsteht nach sechs Monaten Vollendung; man sieht Bhairavī unmittelbar. [Auch diese Zahlenverbindung ist nicht eindeutig.]
8.41
yatheṣṭaṃ jāyate siddhir nāsty atra-m-anṛtaṃ vacaḥ
sahasreṇa jvaraṃ yāti chāgasya piśitair hutaiḥ //
Vollendung entsteht nach Wunsch; hier ist kein unwahres Wort. Durch tausend Opfergaben von Ziegenfleisch weicht das Fieber.
8.42
triṣkālaṃ māsam ekaṃ tu sahasraṃ hunate tu saḥ
sidhyate māṃsahomena kṣaudrājyadadhisaṃyutam //
Einen Monat lang opfere man dreimal täglich tausend [Gaben]. Durch Fleischopfer mit Honig, Butter und Dickmilch gelingt [die Verwirklichung].
8.43
yavakṣīrānnahomena śālitaṇḍulasādhitam
prīyate tu śikhādevaḥ svacchando ghorarūpadhṛk //
Durch ein Feueropfer aus Gerste, Milch und Speise, aus Śāli-Reis bereitet, wird der Gott der Haarspitze erfreut, Svacchanda in furchtbarer Gestalt.
8.44
dadhihomāt parā puṣṭiḥ kṣīrahomena śāntikam
ṣaṇmāsāt tu ghṛtaṃ hutvā sarvavyādhivināśanam //
Aus Dickmilchopfer [entsteht] höchste Kräftigung, aus Milchopfer Befriedung. Durch sechsmonatiges Butteropfer [erfolgt nach der Quelle] die Vernichtung aller Krankheiten.
8.45
rājayakṭmaṃ tilair homād āyuvṛddhir yavair hutaiḥ
kuṣṭhasyaiva sadā homāt triyuktais taṇḍulaiḥ priye //
Durch Sesamopfer [werde] die Auszehrung [beseitigt], durch Gerstenopfer das Leben verlängert. Gegen Kuṣṭha [gilt] beständiges Opfer mit Reis, der mit den drei [Stoffen] verbunden ist, Geliebte. [Die Quelle schreibt rājayakṭmaṃ; Krankheitsnamen sind historische Kategorien.]
8.46
samasaktughṛtenāśu nāśayeta bhagandaram
tilair homaṃ prakurvīta dadhimadhvājyasaṃyutam //
Mit gleichen Teilen geröstetem Mehl und Butter [soll man nach dem Text] rasch Bhagandara beseitigen. Man vollziehe Sesamopfer mit Dickmilch, Honig und Butter.
8.47
vyādhinirṇāśanaṃ kubji śeṣahomas tu bhūtidaḥ
ghṛtakevalahomena sarvavyādhinikṛntanam //
[Dies gilt als] Krankheit vernichtend, Kubjikā; das übrige Opfer verleiht Gedeihen. Durch Opfer mit Butter allein [werde] jede Krankheit abgeschnitten.
8.48
prayogaṃ sampravakṣyāmi yad uktaṃ te purā mayā
dharmakāmārthamokṣāṇāṃ caturvargaphalodayam //
Ich werde die Anwendung erklären, die ich dir zuvor angekündigt habe: das Hervorgehen der Früchte der vier Ziele Dharma, Verlangen, Wohlstand und Befreiung.
8.49
tava kubji pravakṣyāmi śṛṇuṣvekamanādhunā
sarvavyādhiharaṃ dhyānaṃ paraṃ puṣṭivivardhanam //
Ich werde dir, Kubjikā, die höchste, alle Krankheiten beseitigende und Kräftigung vermehrende Meditation erklären. Höre nun aufmerksam!
8.50
āśāṃ saṃśodhayet pūrvaṃ nyāsaṃ kṛtvā tu pūrvakam
pūrvaṃ nyasya ca mantreśaṃ nāḍīvarṇais tathākṣaraiḥ //
Zuerst reinige man die Himmelsrichtung und vollziehe den früheren Nyāsa. Zuvor setze man den Mantraherrn mit den Nāḍī-Lauten und Silben ein,
8.51
adhaḥsrotaṃ tu vāmena dakṣiṇordhvagataṃ priye
nyāsaṃ kṛtvā śarīre tu mantrarājam anusmaret //
links den abwärtsgehenden Strom, rechts den aufwärtsgehenden, Geliebte. Nach dem Nyāsa am Körper erinnere man den Mantrakönig.
8.52
pañcapraṇava-m-ādyena aghoreṇa surādhipe
adhyuṣṭamātrād uttīrṇaṃ jñātvā mantram anusmaret //
Mit den fünf Praṇavas am Anfang, [verbunden] mit Aghora, Herrin der Götter, erinnere man den Mantra, nachdem man erkannt hat, dass er über dreieinhalb Maße hinausgegangen ist.
8.53
akulāditrimadhyasthaṃ kulā[c] cādes trimadhyagam
madhyamāditrimadhyasthaṃ piṇḍādes tu trimadhyagam //
[Er weilt] in der Mitte der drei beginnend mit Akula, in der Mitte der drei beginnend mit Kula, in der Mitte der drei beginnend mit Madhyamā und in der Mitte der drei beginnend mit Piṇḍa.
8.54
trayārdhamātrasaṃyuktaṃ praṇavedaṃ śikhāśivam
trināḍīpiṇḍasambhūtaṃ mudrayā cordhvadīpitam //
Dieses Praṇava ist Śikhāśiva, mit eineinhalb Maßen verbunden, aus der Einheit der drei Nāḍīs hervorgegangen und durch die Mudrā nach oben erhellt.
8.55
tripakṣakṣayakartāraṃ tridhābaddhaṃ triśūlinam
trimūrtiguṇasambhūtaṃ tenāsau tridaśeśvaraḥ //
Er vernichtet die drei Seiten, ist dreifach gebunden, trägt den Dreizack und geht aus den Kräften der drei Gestalten hervor; deshalb ist er der Herr der Götter.
8.56
trimārgavihitaṃ śāntaṃ tripathāntasamudbhavam
tripathena vinā bhadre bhrājate yonimaṇḍalam //
Auf den drei Wegen angeordnet, friedvoll, am Ende der drei Wege hervorgegangen: Ohne die drei Wege, du Gütige, erstrahlt der Schoßkreis. [Das Verhältnis von Bejahung und Verneinung bleibt erklärungsbedürftig.]
8.57
yoniṃ vinā na niṣpattir divyādivyeṣu vastuṣu
uttamottamamadhyasthā kanyasāntavyavasthitā //
Ohne Schoß gibt es kein Zustandekommen göttlicher und nichtgöttlicher Dinge. [Die Kraft] weilt im höchsten, höchsten-mittleren und bis zum niedrigsten [Bereich]. [Die Abstufung ist syntaktisch unsicher.]
8.58
bindu śaktis tathā nādaṃ mātrātrayam udāhṛtam
trayāṇām api saṃyogān niṣpadyeta bhagālayam //
Bindu, Shakti und Nāda werden als die drei Maße genannt. Aus der Verbindung der drei entsteht die Schoßstätte.
8.59
parārdhamātrasambhinnaṃ praṇavo 'yaṃ kulāgame
a-u-ma-kārasaṃyuktaṃ praṇavedaṃ kriyātmakam //
Durch das höchste halbe Maß gegliedert, ist dies das Praṇava im Kula-Āgama. Mit a, u und m verbunden, ist dieses Praṇava von Handlungswesen.
8.60
sādākhyeśvararudrāṇāṃ brahmaviṣṇu-r-anukramāt
ete te praṇavāḥ pañca kriyākāraṇagocare //
[Sādākhya, Īśvara, Rudra sowie Brahmā und Vishnu] – entsprechend ihrer Folge [stehen] diese fünf Praṇavas im Bereich von Handlung und Ursache.
8.61
praṇavādisamudbhūtāḥ pañcaite guṇavattarāḥ
pañcapraṇava-m-ādyantaṃ tatordhve tu śikhāśivam //
Aus dem ursprünglichen Praṇava gehen diese fünf besonders machtvollen [Formen] hervor. Die fünf Praṇavas [stehen] am Anfang und Ende, darüber Śikhāśiva.
8.62
evaṃ tu praṇavaṃ divyaṃ sugopyaṃ prakaṭīkṛtam
atra devi sphuṭaṃ tubhyaṃ bhrāntaṃ cātra jagattrayam //
So ist dieses göttliche, streng verborgene Praṇava dir hier deutlich offenbart, Göttin; darüber ist die Dreiwelt verwirrt.
8.63
jñātvevaṃ saṃsmared yas tu sannidhāno 'sti tasya vai
sudurlabhaḥ prayogo 'yaṃ guruvaktrāt tu labhyate //
Wer in diesem Verständnis erinnert, bei dem ist [die Gottheit] gegenwärtig. Diese schwer zu erlangende Anwendung empfängt man aus dem Mund des Gurus.
8.64
yatrotpannaṃ tato yāti layaṃ kṛtvā surādhipe
utpattipralayaṃ jñātvā tato mantram anusmaret //
[Der Mantra] geht in Auflösung dorthin zurück, woher er entstanden ist, Herrin der Götter. Nachdem man Entstehung und Auflösung erkannt hat, erinnere man den Mantra.
8.65
yat kiñcit kurute kāryaṃ sādhakaḥ sādhanātmakaḥ
uccaret tu layāntasthaṃ tarjanyāgre vyavasthitam //
Welche Handlung der auf Verwirklichung gerichtete Praktizierende auch ausführt, er führe [den Mantra] am Ende der Auflösung empor, an der Spitze des Zeigefingers befindlich.
8.66
nāḍīsūtreṇa vinyastaṃ bahir ante ca mātaraḥ
yā nāḍī sā bhaved varṇas tayā nāḍyā tu veṣṭayet //
Durch die Nāḍī-Schnur sind außen und am Ende die Mütter angeordnet. Die jeweilige Nāḍī wird zum Laut; mit jener Nāḍī umhülle man [den Kreis].
8.67
yadi candraṃ vahec cakraṃ sūryaṃ vā cakram uttamam
tasya madhye svayaṃ sthitvā viśvo 'ham iti cintayet //
Ob man den Mondkreis oder den höchsten Sonnenkreis trägt: Selbst in dessen Mitte weilend, denke man: ‚Ich bin das Weltall.‘
8.68
ahaṃ brahmā tathā viṣṇur ahaṃ devo maheśvaraḥ
bhairavo 'ham iti devi cintayitvā tu sādhakaḥ //
‚Ich bin Brahmā und Vishnu, ich bin der Gott Maheśvara, ich bin Bhairava‘ – so soll der Praktizierende denken, Göttin,
8.69
hṛnmadhye cintayec cakraṃ nāḍīvarṇais tathākṣaraiḥ
ādyakṣaraṃ japen mantraṃ punar ādyaṃ niyojayet //
und in der Mitte des Herzens den Kreis mit Nāḍī-Lauten und Silben vergegenwärtigen. Er rezitiere den Mantra mit dem Anfangslaut und setze den Anfang erneut ein.
8.70
evaṃ saṃsmṛtya vidhivat sarvakarmāṇi sādhayet
arcanaṃ havanaṃ dhyānaṃ japam ekāntarūpiṇam //
So nach Vorschrift erinnernd, verwirkliche er alle Handlungen: Verehrung, Feueropfer, Meditation und die in innerer Sammlung vollzogene Rezitation.
8.71
karma kṛtvā kujeśāni kujeśāya nivedayet
tato dhyānaṃ prakurvīta viśuddhenāntarātmanā //
Nach der Handlung, Herrin Kubjī, bringe er sie Kujeśa dar. Dann meditiere er mit gereinigtem innerem Wesen.
8.72
sa eva mantram uccārya ādyādau yāvad antimam
nādena tu gatiṃ kuryāt svacchandagatibhāvitaḥ //
Er selbst spreche den Mantra vom allerersten bis zum letzten [Element] aus und vollziehe die Bewegung durch Nāda, in Svacchandas Gang vertieft.
8.73
brahmaṃ bhittvā tato viṣṇuṃ rudram īśvaram eva ca
setumadhyena gamanaṃ kuñcikodghāṭayed bilam //
Nachdem er Brahmā, Vishnu, Rudra und Īśvara durchdrungen hat, gehe er durch die Mitte der Brücke. Mit dem Schlüssel öffne er die Höhlung.
8.74
udghāṭya paramaṃ sthānam aghoraṃ yatra saṃsthitam
aṣṭākapāla ghorīśaṃ tryakṣaraṃ samanusmaret //
Nach dem Öffnen der höchsten Stätte, in der Aghora weilt, erinnere er den dreisilbigen Ghorīśa mit acht Schädelschalen. [aṣṭākapāla ist in seiner genauen Zuordnung unsicher.]
8.75
sarvamantreṣu hṛdayaṃ yat kubjīśaśikhātmakam
manasā smṛtamātreṇa khecaratvaṃ prajāyate //
Was in allen Mantras das Herz bildet und das Wesen der Haarspitze Kubjīśas besitzt: Durch seine bloße geistige Erinnerung entsteht Himmelsgängertum.
8.76
sarvavighnopaśamanaṃ mantraṃ tryakṣaram uttamam
śeṣaṣaṭkaṃ tu yad devi tadaṅgāny asya kalpayet //
[Dies ist] der höchste dreisilbige Mantra, der alle Hindernisse befriedet. Die übrige Sechsergruppe, Göttin, bilde man als seine Glieder.
8.77
japtavyaṃ tu śikhāsūtraṃ sakṛt siddhiḥ prajāyate
ākāśādiprasiddhyarthaṃ siddhir anyāsu kā kathā //
Das Śikhā-Sūtra soll rezitiert werden; schon einmal [rezitiert] entsteht Vollendung hinsichtlich des Raums und der weiteren [Ziele]. Was wäre da noch von anderen Vollendungen zu sagen?
8.78
mantrasannaddhadehas tu sarvāvastho 'pi sādhakaḥ
tiṣṭhan jāgran svapan gacchan bhuñjāno maithune rataḥ //
Der Praktizierende, dessen Leib mit dem Mantra gerüstet ist, [kann] in jedem Zustand [sein]: stehend, wachend, schlafend, gehend, essend oder in geschlechtlicher Vereinigung,
8.79
caryādhārī nirācāro mantrasaṃsmaraṇāc chuciḥ
sāmānyasmaraṇād eva vyādhibhir nābhibhūyate //
an eine Lebensordnung gebunden oder jenseits gewöhnlicher Verhaltensordnungen. Durch die Erinnerung an den Mantra ist er rein; schon durch allgemeines Erinnern wird er nicht von Krankheiten überwältigt.
8.80
prajvalan dṛśyate bhūtair yasyedaṃ tu śarīragam
ataḥ kiṃ bahunoktena siṃhasyaiva yathā mṛgāḥ //
In wessen Körper dieser [Mantra] weilt, den sehen die Geister als lodernd. Was bedarf es vieler Worte? Wie Tiere vor einem Löwen
8.81
gandhena pralayaṃ yānti satyaṃ satyaṃ mahātape
japena sādhayet sarvaṃ vratastho yas tu sādhakaḥ //
schon durch dessen Geruch zugrunde gehen – wahrlich, wahrlich, du große Asketin –, [so weichen sie]. Der im Gelübde stehende Praktizierende verwirkliche alles durch Rezitation.
8.82
pūrvam eva japel lakṣaṃ sidhyate ghoramūrdhajam
aviditvā vidhānena kiñcit kāryaṃ na sādhayet //
Zuerst rezitiere er ein Laksha; so wird die furchtbare Haar-[Kraft] verwirklicht. Ohne das Verfahren zu kennen, soll man keine Aufgabe zu verwirklichen suchen.
8.83
yaḥ kuryād vidhihīnaṃ tu sa vighnaiś cābhibhūyate
tasmāt padārthanavakaṃ jñātavyaṃ tu kujeśvari //
Wer ohne Vorschrift handelt, wird von Hindernissen überwältigt. Deshalb sind die neun Gegenstände zu erkennen, Kujeśvarī.
8.84
kṣetrasthānāni suśroṇi jñātavyāni suniścitaiḥ
kṣetraṃ vratāni mantrāś ca akṣasūtraṃ japaṃ tathā //
Die Kultstätten und ihre Orte müssen von den Entschlossenen erkannt werden, du Schöne: Kultfeld, Gelübde, Mantras, Gebetskette und Rezitation,
8.85
dhyānaṃ pūjā tathā dravyaṃ varṇaṃ mukhasamanvitam
mukhahīnā na sidhyanti agnihotravivarjitāḥ //
Meditation, Verehrung, Stoff und Laut, verbunden mit dem Mund. Ohne Mund gelingt [die Verwirklichung] nicht; [es fehlt] das Feueropfer.
8.86
mukham āhavanīyaṃ syāt tasmin mantrāḥ sadā sthitāḥ
aghoraṃ kālam ity uktam aghoraṃ viṣṇur ucyate //
Der Mund sei das Āhavanīya-[Opferfeuer]; in ihm weilen stets die Mantras. Aghora wird Zeit genannt, Aghora wird Vishnu genannt.
8.87
aghoras tvaṃ maheśāni aghoraś cāham eva ca
bahurūpadharo hy agniḥ pracaṇḍaḥ kāla-m-antagaḥ //
Du bist Aghora, große Herrin, und auch ich bin Aghora. Das Feuer trägt viele Gestalten, ist furchtbar und bringt die Zeit zum Ende.
8.88
sa śivaḥ paramo brahmā nirvāṇaḥ sa sadāśivaḥ
īśvaraḥ sa paro nityam asmāt parataro na hi //
Er ist Shiva, der höchste Brahmā, Erlösung und Sadāśiva. Er ist stets der höchste Īśvara; es gibt nichts Höheres als ihn.
8.89
anena smṛtamātreṇa sarvaduḥkhaiḥ pramucyate
dāridrasiṃho 'ghorīśo vyādhisiṃhaḥ kuleśvari //
Durch seine bloße Erinnerung wird man von allen Leiden frei. Der Herr Aghora ist ein Löwe gegen Armut und Krankheit, Kuleśvarī,
8.90
pracaṇḍaduṣṭasiṃhaś ca mahāpātakanāśanaḥ
sarvatīrthābhiṣekaś ca saptajaptena jāyate //
ein Löwe gegen heftige Übeltäter und Vernichter großer Verfehlungen. Durch sieben Rezitationen [erlangt man die Wirkung] der Waschung an allen heiligen Badeplätzen.
8.91
śatajaptena devena sarvayajñaphalaṃ labhet
dīkṣānirvāṇakārī syāt trisaptaparivartanāt //
Durch hundert Rezitationen des Gottes erlangt man die Frucht aller Opfer. Durch einundzwanzig Wiederholungen [wird er] Einweihung und Erlösung bewirkend.
8.92
daśāvartena duritaṃ brahmahatyāṃ vyapohati
daśāvartād guropekṣī smaraṇād eva mucyate //
Durch zehn Wiederholungen beseitigt man die Verfehlung der Brahmanentötung. Durch zehn Wiederholungen wird einer, der den Guru missachtet hat, allein durch Erinnerung frei.
8.93
vidhihīne tathā pāne pañcabhiś copapātakī
śatena caiva triṣkālyaṃ varṣāt siddhir yathepsitā //
Bei Trinken entgegen der Vorschrift und bei Nebenverfehlungen [geschehen] fünf [Wiederholungen]. Hundert, dreimal täglich, [führen] nach einem Jahr zur gewünschten Vollendung.
8.94
balavatāṃ ripūṇāṃ tu vyastam āvartayet prabhuḥ
dakṣiṇāsyo mahādevi sahasreṇa nipātayet //
Gegen mächtige Feinde wiederhole der Herr [den Mantra] in umgekehrter Folge, nach Süden gewandt, große Göttin; durch tausend [Wiederholungen soll er sie] niederwerfen.
8.95
saṅgrāmakāle smartavyam asipattragataṃ hṛdi
veṣṭantaṃ mātṛbhiḥ sainyaṃ bhakṣa bhakṣeti bhāṣayet //
Zur Zeit der Schlacht erinnere man [den Mantra] im Herzen, in einem Schwertblatt befindlich. Man vergegenwärtige das Heer von den Müttern umringt und spreche: ‚Verschlinge, verschlinge!‘
8.96
hatadarpāḥ prajāyante na punaḥ saṃharanti ca
duḥsvapne dviguṇaṃ jāpyaṃ vraṇe caiva caturguṇam //
Ihr Hochmut wird gebrochen, und sie vernichten nicht weiter. Bei einem bösen Traum ist doppelt zu rezitieren, bei einer Wunde vierfach,
8.97
lūtā daśaguṇaṃ caiva viṣe vai viṃśatis tathā
dine dine śataṃ japtvā vibhūtir vardhate ' cirāt //
bei Spinnen[-Leiden] zehnfach und bei Gift zwanzigfach. Wer täglich hundertmal rezitiert, dessen Machtentfaltung wächst bald.
8.98
prāṅmukho yasya nāmnā tu sādhyārūḍho hṛdi sthitaḥ
vaśībhavati rājānaṃ śatajāpyena dhīmatā //
Nach Osten gewandt, mit dem Namen des Betroffenen [den Mantra einsetzend], auf diesem ruhend und im Herzen befindlich, bringt der Einsichtige einen König durch hundert Rezitationen unter Einfluss. [Die genaue Einsetzung ist syntaktisch unklar.]
8.99
saptāhāt sa balopeto vaśībhavati nānyathā
dine dine sahasreṇa nāsti tad yan na sādhayet //
Nach sieben Tagen steht jener mit seiner Streitmacht unter Einfluss, nicht anders. Durch täglich tausend [Rezitationen] gibt es nichts, das man nicht verwirklichen könnte.
8.100
ādityābhimukho bhūtvā sahasraṃ parivartayet
yat kiñcid vihitaṃ citte saptāhāt sādhayiṣyati //
Der Sonne zugewandt, wiederhole man tausendmal. Was immer man im Geist beabsichtigt, wird man nach sieben Tagen verwirklichen.
8.101
nyastaṃ sarvāṅgikaṃ mantraṃ bhairavākārasaṃsthitam
sa tu bhojanakāle tu pātre sañcintya sādhakaḥ //
Den auf alle Glieder eingesetzten Mantra in Bhairava-Gestalt vergegenwärtige der Praktizierende beim Essen im Gefäß.
8.102
sampūrṇaśaśinaṃ dhyāyed bhuñjāno 'mṛtam aśnute
sampūrṇacandramadhyastham adhordhvasampuṭīkṛtam //
Er meditiere den vollen Mond; während er isst, verzehrt er Nektar. [Den Mantra] inmitten des vollen Mondes, oben und unten umschlossen,
8.103
paryaṭet sādhako nityaṃ sarvaśreyam avāpnuyāt
yad icchet sādhakaḥ siddhiṃ hṛdi kṛtvā kujeśvaram //
trage der Praktizierende stets mit sich und erlange alles Heil. Welche Vollendung er wünscht: Er setze Kujeśvara in sein Herz,
8.104
candramaṇḍalamadhyasthaṃ svacchandagatibhāvitam
tatpraviṣṭaṃ vicinteta antyād antaṃ parāparam //
inmitten des Mondkreises, in Svacchandas Gang vertieft. Er vergegenwärtige den darin eingegangenen Höheren-und-Niederen vom Letzten bis zum Ende,
8.105
parasparaṃ tu sañcintya yāvad brahmabilaṃ gataḥ //
und beide wechselseitig, bis [er] zur Brahma-Öffnung gelangt.“ [Der verkürzte Schluss ist hinsichtlich der Bewegungsrichtung nicht abschließend geklärt.]
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate svacchandaśikhādhikāro nāmāṣṭamaḥ paṭalaḥ
So endet im Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Überlieferung das achte Kapitel über Svacchandashikha.
Kapitel 9
9.1
bhedayitvā paraṃ tattvaṃ hakāraṃ nāma nāmataḥ
so 'ṣṭākapālo vijñeyas tasyākāśaṃ tu tac chiraḥ //
Nachdem man die höchste Wirklichkeit durchdrungen hat, [erkennt man] das ausdrücklich Ha genannte [Prinzip]. Es ist als der Acht-Schädelige zu erkennen; sein Haupt ist der Raum.
9.2
aghoram iti vikhyātaṃ dvātriṃśākṣarabhūṣitam
tasmāt sañjāyate sṛṣṭiḥ sā tu sṛṣṭir hṛdi sthitā //
Es ist als Aghora bekannt und mit zweiunddreißig Silben geschmückt. Aus ihm entsteht die Schöpfung; diese Schöpfung ruht im Herzen.
9.3
dvātriṃśa mātaras tās tu cakrārūḍhā vicintayet
caṇḍā ghaṇṭā mahānāsā sumukhī durmukhī balā //
Man stelle sich jene zweiunddreißig Mütter auf dem Rad vor: Caṇḍā, Ghaṇṭā, Mahānāsā, Sumukhī, Durmukhī, Balā,
9.4
revatī prathamā ghorā saumyā bhīmā mahābalā
jayā ca vijayā caiva ajitā cāparājitā //
Revatī, Prathamā, Ghorā, Saumyā, Bhīmā, Mahābalā, Jayā, Vijayā, Ajitā und Aparājitā,
9.5
mahotkaṭā virūpākṣī śuṣkā cākāśamātarā
sehārī jātahārī ca daṃṣṭrālī śuṣkarevatī //
Mahotkaṭā, Virūpākṣī, Śuṣkā, Ākāśamātarā, Sehārī, Jātahārī, Daṃṣṭrālī, Śuṣkarevatī,
9.6
pipīlikā puṣpahārī aśanī sasyahārikā
bhadrakālī subhadrā ca bhadrabhīmā subhadrikā //
Pipīlikā, Puṣpahārī, Aśanī, Sasyahārikā, Bhadrakālī, Subhadrā, Bhadrabhīmā und Subhadrikā.
9.7
manasā pūjayet tasthā bhakṣyabhojyādibhiḥ kramāt
puṣpair nānāvidhair devi nānālaṅkārakādibhiḥ //
Man verehre sie dort der Reihe nach im Geist mit festen und weichen Speisen, mit verschiedenartigen Blumen, o Göttin, und mit mannigfaltigem Schmuck.
9.8
sravantaṃ cintayet tastham amṛtaṃ sarvatomukham
tenāpyāyitadehas tu tatkṣaṇād virajo bhavet //
Man stelle sich dort den nach allen Seiten strömenden Unsterblichkeitstrank vor. Wessen Leib davon erfüllt wird, der soll augenblicklich von Befleckung frei werden.
9.9
yāgaṃ tu mānasaṃ kṛtvā kasya siddhir na jāyate
sampūrṇamaṇḍalaṃ dhyātvā aghoraṃ nāma nāmataḥ //
Wer erlangte keine Vollendung, nachdem er dieses geistige Opfer ausgeführt und über das vollständige Maṇḍala meditiert hat, das ausdrücklich Aghora heißt?
9.10
so 'ṣṭākapālaḥ pravaras tattvavyāpī nirakṣaraḥ
sa eva candrarūpī syāt karṇikāyāṃ vicintayet //
Er ist der vorzügliche Acht-Schädelige, der die Wirklichkeitsprinzipien durchdringt und jenseits der Silben ist. Man stelle ihn sich in Mondgestalt im Blüteninneren vor.
9.11
tattvaṃ tatra mahānādaṃ hakāraṃ nāma nāmataḥ
ṣaṭpadārthayuto devi navakena prasidhyati //
Dort ist jenes Wirklichkeitsprinzip der große Urklang, ausdrücklich Ha genannt. Mit den sechs Gegenständen verbunden, o Göttin, wird es durch die Neunheit verwirklicht. [Die sechs Gegenstände und die Neunheit sind hier nicht näher bestimmt.]
9.12
sa eva līyate viṣṇor viṣṇu rudrasamāśritaḥ
sa eva kālo vijñeyaḥ sarvabhakṣo hutāśanaḥ //
Es geht in Viṣṇu auf; Viṣṇu lehnt sich an Rudra an. Eben dieses ist als die Zeit zu erkennen, als das alles verzehrende Feuer. [Der Kasusgebrauch der Vorlage ist unregelmäßig.]
9.13
sa eva līyate māyā sā ca viṣṇuḥ prakīrtitā
sā śaktir nirmalā kubji kālo vai yena bhakṣitaḥ //
Es geht in Māyā auf; diese wird Viṣṇu genannt. Sie ist die makellose Kraft, o Kubjī, durch die die Zeit verschlungen wurde. [Die wechselnden grammatischen Geschlechter sind bereits in der Quelle vorhanden.]
9.14
sa viṣṇuḥ śivatāṃ yāti setuṃ bhittvā kuleśvari
sa ca turyapadaṃ prāpya unmanatvaṃ hi tat padam //
Dieser Viṣṇu gelangt zur Śiva-Natur, indem er die Schranke durchbricht, o Herrin des Kula. Er erreicht den vierten Zustand: Diese Stätte ist das Übersteigen des Denkens.
9.15
āśrayaṃ devadevasya aghorasya mahātape
nirvāṇaṃ tu paraṃ vindyāt sa kubjīśaḥ prakīrtitaḥ //
Man erkenne die Zuflucht des Gottes der Götter, des Aghora, o große Asketin, als das höchste Nirvāṇa. Er wird Kubjīśa genannt.
9.16
sa dhruvo vāsudevaś ca ajātaḥ parikīrtitaḥ
tatra śaktiṃ sadā kuryāt tatrāsaktaḥ sadā bhavet //
Er heißt der Unerschütterliche, Vāsudeva und der Ungeborene. Dorthin soll man stets seine Kraft richten und stets daran hängen.
9.17
na pāpair lipyate devi mahāpāpaiḥ sudāruṇaiḥ
na kālasya vaśaṃ gacchen na jarā na ca duḥkhitaḥ //
Man wird dann, o Göttin, selbst von äußerst furchtbaren großen Verfehlungen nicht befleckt; man gerät nicht unter die Gewalt der Zeit und wird weder alt noch leidend.
9.18
sarvatīrthaphalaṃ caiva sarvayajñeṣu dīkṣitaḥ
hṛnnādaṃ manasotthāpya vrajen nirvāṇajaṃ padam //
[Man erlangt] die Frucht aller Pilgerstätten und [gilt als] in alle Opfer eingeweiht. Indem man den Herzensklang im Geist emporführt, gelangt man zur Stätte des Nirvāṇa.
9.19
cetasā tv amṛtaṃ gṛhya āgacched ghaṇṭikāśrayam
tadutthaṃ bhāratīmūle kṛtvāsau 'mṛtam aśnute //
Nachdem man den Unsterblichkeitstrank im Bewusstsein aufgenommen hat, gelange man zum Sitz des Zäpfchens. Man bringe das dort Entstandene an die Wurzel der Sprache und genieße den Unsterblichkeitstrank.
9.20
āpūrya vadanaṃ tena svacchandena kujeśvari
anangadhenavīṃ dugdh[ v ]ā tattvaṃ vyāpyeśvareṇa tu //
Man fülle den Mund damit frei nach eigenem Vermögen, o Kujeśvarī, nachdem man die körperlose Kuh gemolken und das Wirklichkeitsprinzip mit dem Herrn durchdrungen hat. [Die Quelle schreibt „dugdh[ v ]ā“; die yogische Bildsprache wird nicht anatomisch vereindeutigt.]
9.21
aghoraṃ pañcamadhye tu ātmatattvaṃ vicintayet
yo 'gnir jvalati cāpena ekas tiṣṭhati pañcadhā //
Inmitten der Fünf stelle man sich Aghora als das Prinzip des Selbst vor: Das Feuer, das mit dem Bogen lodert, steht als eines in fünffacher Gestalt. [„Mit dem Bogen“ gibt das unklare „cāpena“ vorläufig wieder.]
9.22
trailokyaṃ vyāpitaṃ tena yajante brahmavādinaḥ
tasyaiva yaḥ śikhāṃ vetti āhitāgniḥ sa ucyate //
Von ihm sind die drei Welten durchdrungen; die Kenner des Brahman opfern ihm. Wer seine Flamme kennt, wird als einer bezeichnet, der das Opferfeuer angelegt hat.
9.23
so' gnir devamukhaṃ vindyād aghoraḥ sarvatomukhaḥ
mukheṣu ca mukhaṃ devi trailokye 'pi pragīyate //
Man erkenne dieses Feuer als den Mund der Götter: Aghora hat überall Münder. Als der Mund unter den Mündern wird er, o Göttin, selbst in den drei Welten besungen.
9.24
vinā tena varārohe na homo na ca bhojanam
śucir agnir bhaved devo bahurūpaḥ kujeśvari //
Ohne ihn, o Schönhüftige, gibt es weder Feueropfer noch Essen. Das reine Feuer ist der vielgestaltige Gott, o Kujeśvarī.
9.25
tadantaṃ tu japaṃ kuryāt kṛtvā hṛtsthaṃ tu keśavam
adhastāt setumārgasya tiṣṭhate tu kujeśvaraḥ //
Man vollziehe die Rezitation bis zu jenem Endpunkt und setze Keśava ins Herz. Unterhalb des Weges der Schranke befindet sich Kujeśvara.
9.26
sa cāsanaṃ paraṃ tasya sevyate kiṃ na mantrarāṭ
vidyārājeti vikhyāto mantrarājeti kathyate //
Er ist dessen höchster Sitz. Warum sollte man dem König der Mantras nicht dienen? Er ist als König der Vidyās bekannt und wird König der Mantras genannt.
9.27
mudrārājeti mahatāṃ maṇḍalādhipatiḥ smṛtaḥ
brahmaviṣṇvīśvarādyeṣu patir devi pracakṣyate //
Bei den Großen gilt er als König der Mudrās und als Herr des Maṇḍala. Man nennt ihn, o Göttin, den Herrn über Brahmā, Viṣṇu, Īśvara und die übrigen.
9.28
nānena sadṛśo devi mantrakoṭiśatair api
hṛdayaṃ sarvamantrāṇāṃ paramaṃ parikīrtitam //
Nicht einmal unter Hunderten von Millionen Mantras gibt es einen ihm gleichen, o Göttin. Er wird als das höchste Herz aller Mantras gepriesen.
9.29
anena hīnā deveśi mahān api na sidhyati
grahayantreṣu sarveṣu vyādhiteṣu kuleśvari //
Ohne ihn erlangt selbst ein großer [Adept] keine Vollendung, o Götterherrin. Bei allen Vorrichtungen gegen Besessenheitsmächte und bei Krankheiten, o Kuleśvarī,
9.30
ripunāśe ca balavān dāridrabhayanāśanam
tasmād ārādhya yatnena duḥkhasiṃhaḥ prakīrtitaḥ //
ist er machtvoll, ebenso bei der Vernichtung von Feinden; er vernichtet Armut und Furcht. Deshalb soll man ihn sorgsam verehren; man nennt ihn den Löwen gegen das Leiden.
9.31
nānena sadṛśaḥ kaścin nānyo 'sti sacarācare
devāsuramanuṣyānāṃ tattvarūpo maheśvari //
Keiner gleicht ihm; unter Beweglichem und Unbeweglichem gibt es keinen anderen. Für Götter, Dämonen und Menschen ist er die Gestalt der Wirklichkeit, o große Herrin.
9.32
mūrdhnaḥ pādatalaṃ yāvat tattvaṃ carati dehinām
niṣkalāt sakalaṃ yāti sakalān niṣkalaṃ padam //
Vom Scheitel bis zur Fußsohle bewegt sich dieses Wirklichkeitsprinzip in den Verkörperten. Vom Ungegliederten geht es ins Gegliederte und vom Gegliederten in die ungegliederte Stätte.
9.33
ekenāṃśena vīrāṇāṃ sarveṣāṃ kim api stutam
sa bhairavaḥ śivo bhāti sarvajñaḥ sarvajantuṣu //
Mit einem einzigen Anteil wird [an ihm] für alle Vīras etwas [Unaussprechliches] gepriesen. Als Bhairava, als Śiva, als Allwissender erscheint er in allen Lebewesen. [Der erste Halbvers ist syntaktisch unsicher.]
9.34
yāvat tiṣṭhaty asau gātre tāvaj jīvanti jantavaḥ
vinā tena varārohe nāsti nāstīti kathyate //
Solange er im Leib verweilt, leben die Geschöpfe. Ohne ihn, o Schönhüftige, gibt es nichts, wahrhaftig nichts – so heißt es.
9.35
tasya devādhidevasya sarvavyāpimayasya ca
sarvadevamayo devi kathaṃ bhaktyā na sidhyati //
Wie sollte man durch Hingabe an diesen Gott der Götter, der alles durchdringt und alle Götter in sich enthält, o Göttin, keine Vollendung erlangen?
9.36
yena vijñānamātreṇa smṛtenaiva tu sundari
akṣayān labhate lokān muktisthānaṃ gamiṣyati //
Schon indem man ihn erkennt und seiner gedenkt, o Schöne, erlangt man unvergängliche Welten und wird zur Stätte der Befreiung gelangen.
9.37
sarvalakṣaṇahīno 'pi smaraṇāt kalmaṣāpahaḥ
aho mantrasya māhātmyaṃ japyamānasya nityaśaḥ //
Auch wer aller [erforderlichen] Kennzeichen entbehrt, wird durch das Gedenken von Befleckung befreit. Welch eine Größe besitzt dieser Mantra, wenn er täglich rezitiert wird!
9.38
vināpi layayogena yoginīsamatāṃ vrajet
sādhakāya prayacchanti trailokyajñānam uttamam //
Selbst ohne den Yoga der Auflösung gelangt man zur Gleichheit mit den Yoginīs. Sie schenken dem Sādhaka die höchste Erkenntnis der drei Welten.
9.39
ākāśādi prayacchanti divyadṛṣṭiśrutāgamam
sarvabhūtā vaśaṃ yānti grahāś caiva viśeṣataḥ //
Sie verleihen [Fähigkeiten im] Raum und anderes, göttliches Sehen und den Zugang zu göttlichem Hören. Alle Wesen, besonders die Besessenheitsmächte, kommen unter seine Gewalt. [„ākāśādi“ ist verkürzt und mehrdeutig.]
9.40
viṣaṃ ca nirviṣaṃ kuryād darśanād eva sarvataḥ
na tasya tiṣṭhate gātre viṣaṃ sthāvarajaṅgamam //
Schon durch seinen Blick soll er überall Gift ungiftig machen können. Kein pflanzliches oder tierisches Gift soll in seinem Leib verbleiben.
9.41
kīṭalūtās tu bhūtāś ca apamṛtyur na tiṣṭhati
garajaṃ yogajaṃ doṣaṃ pralayaṃ yānti dūrataḥ //
Insekten, Spinnen, Geister und vorzeitiger Tod sollen ihm nichts anhaben; Schäden durch zubereitetes Gift oder [magische] Verbindungen sollen schon von fern vergehen. [Historische Wirksamkeitsbehauptung; „yogaja“ bleibt im Zusammenhang mehrdeutig.]
9.42
cūrṇalepāñjanādīni kuhakāni tu yāni vai
ye kariṣyanti ripavaḥ striyo vā puruṣasya vā //
Was immer Feinde an Täuschungszaubern durch Pulver, Salben, Augensalben und dergleichen gegen eine Frau oder einen Mann ausführen mögen,
9.43
tatkṣaṇāt pralayaṃ yānti teṣāṃ pratyaṅgirā bhavet
smaraṇād devadevasya indraṃ yāti narottamaḥ //
das soll augenblicklich vergehen und sich als Gegenzauber gegen sie wenden. Durch das Gedenken an den Gott der Götter gelangt der vorzügliche Mensch zu Indra.
9.44
jvalanto dṛśyate bhūtair hṛccakre vidhisaṃsthitaḥ
duṣṭāś ca pralayaṃ yānti siṃhasyaiva yathā mṛgāḥ //
Wenn er vorschriftsgemäß im Herzrad weilt, sehen die Geister ihn als flammend. Die Bösen vergehen, wie Wildtiere vor einem Löwen.
9.45
eko doṣo hi mantrasya japyamānasya jāyate
jarā mṛtyuś ca dāridryaṃ vyādhayo vividhāḥ priye //
Nur ein einziger „Fehler“ entsteht durch die Rezitation dieses Mantras: Alter, Tod, Armut und vielerlei Krankheiten, o Geliebte,
9.46
smaraṇāt pralayaṃ yānti tuhinaṃ tu raver iva
japyate yeṣu rāṣṭreṣu deśe vā surasundari //
vergehen beim Gedenken wie Reif vor der Sonne. In den Reichen oder Gegenden, in denen man ihn rezitiert, o Götterschöne,
9.47
na rujā jāyate tatra svāmī tatra vivardhate
ekenāpi suputreṇa ghoradevāṅgapūjanāt //
soll keine Krankheit entstehen, und der Herrscher soll dort gedeihen. Wenn auch nur ein guter Sohn die Glieder des schrecklichen Gottes verehrt,
9.48
ghorīśaṃ tu yadā jñātaṃ sa kulaṃ tārayiṣyati
paśavaś ca na naśyanti sadā vardhati gokulam //
und Ghorīśa erkennt, wird er seine Familie hinüberführen. Das Vieh soll nicht zugrunde gehen, und die Rinderherde soll stets wachsen.
9.49
vandhyā na jāyate nārī na mriyante ca bālakāḥ
jvararogādibhis tasya kuṭumbaṃ naiva pīḍyate //
Keine Frau soll unfruchtbar sein, keine Kinder sollen sterben, und seine Familie soll nicht von Fieber und anderen Krankheiten geplagt werden.
9.50
sarvalokasya sampūjyo jāyate rājavallabhaḥ
dhāraṇīyaṃ sadā gātre yathāvat pravadāmy aham //
Er wird von allen Menschen geehrt und zum Liebling des Königs. [Das Amulett] soll stets am Körper getragen werden; ich werde die richtige Weise erklären.
9.51
puṣpeṇa guḍikāṃ kṛtvā mantraṃ bhūrje samālikhet
kuṅkumena likhed devi rocanāyāthavā punaḥ //
Man fertige mit einer Blume eine Amulettkapsel und schreibe den Mantra auf Birkenrinde, o Göttin, mit Safran oder auch mit Rocanā.
9.52
akāracaturo madhye ātmanāma samālikhet
mantreṇa chāditaṃ nāma aṅkusena tu rakṣitam //
In die Mitte von vier A-Zeichen schreibe man den eigenen Namen. Der Name wird vom Mantra umschlossen und durch den Haken geschützt. [Die Quelle hat das grammatisch unregelmäßige „akāracaturo“.]
9.53
māyayācchādayitvā tu śivaṃ mūrdhni gataṃ likhet
yāṣṭaṃ ṣaṣṭhasamāyuktaṃ bindunādāṅkitaṃ priye //
Nachdem man ihn mit Māyā umhüllt hat, schreibe man Śiva, der nach oben gelangt ist: „yāṣṭa“, mit dem sechsten [Laut] verbunden und mit Bindu und Nāda bezeichnet, o Geliebte. [„yāṣṭaṃ“ ist als Lautanweisung ungeklärt; keine Silbe wird ergänzt.]
9.54
tac chivaṃ tu varārohe caturāśramapūjitam
sarvaṃ kṣasthaṃ paraṃ mantraṃ sarvarakṣākaraṃ param //
Dieser Śiva, o Schönhüftige, wird von den vier Lebensständen verehrt. Der ganze höchste Mantra befindet sich in Kṣa und bewirkt höchsten Schutz für alle. [Auch eine räumliche Deutung von „caturāśrama“ ist prüfbedürftig.]
9.55
nāmnā tu guḍikā hy eṣā sarvarogavimardanī
sāntā pūrvaṃ tu kartavyā tataḥ kṣasthāṃ tu kārayet //
Dieses Amulett trägt den Namen „Vernichter aller Krankheiten“. Zuerst soll es auf Sa enden; dann lasse man es in Kṣa ruhen. [Vorläufige Lesung von „sāntā“ als „sa-antā“; die Lautanweisung ist nicht sicher entschlüsselt.]
9.56
kṣakāraṃ kālam ārūḍham okāroparidīpitam
ṣaṣṭhasvarayutaṃ devi amaratvaṃ prayacchati //
Der Laut Kṣa, auf Kāla ruhend, über dem Laut O erstrahlend und mit dem sechsten Vokal verbunden, soll Unsterblichkeit verleihen, o Göttin.
9.57
yas tu dhārayate divyāṃ guḍikāṃ śivapūjitām
tasya vakṣyāmi suśroṇi guṇān nānāvidhān śṛṇu //
Wer das göttliche, von Śiva verehrte Amulett trägt, dessen mannigfaltige Vorzüge werde ich dir nennen. Höre, o Schönhüftige!
9.58
sarvatīrtheṣu yaḥ snātaḥ sarvayajñeṣu dīkṣitaḥ
na bhayaṃ vidyate tasya dharaṇad ajarāmaraḥ //
[Er gilt als einer,] der an allen Pilgerstätten gebadet hat und in alle Opfer eingeweiht ist. Für ihn gibt es keine Furcht; durch das Tragen soll er alterslos und unsterblich sein.
9.59
sarvavratāni cīrṇāni sarvatīrthanamaskṛtaḥ
avaniṃ vicaret sarvāṃ bhairavas tu yathā hi saḥ //
[Er gilt als einer,] der sämtliche Gelübde erfüllt und an allen Pilgerstätten Verehrung erwiesen hat. Er kann die ganze Erde wie Bhairava durchwandern.
9.60
sarve te darśanāt tasya sādhakasya mahātmanaḥ
duṣṭāś ca pralayaṃ yānti vyādhayo vidravanti ca //
Beim Anblick dieses großherzigen Sādhaka sollen alle Bösen vergehen und Krankheiten fliehen.
9.61
abrahmacārī cārī syād asnātaḥ snānam āpnuyāt
na bhayaṃ vidyate tasya saṅgrāme ca sadā jayaḥ //
Wer nicht enthaltsam lebt, soll als enthaltsam gelten; wer nicht gebadet hat, soll die Wirkung des Bades erlangen. Er kennt keine Furcht und soll im Kampf stets siegen.
9.62
abhakṣyabhakṣaṇaṃ kṛtvā agamyāgamanaṃ tathā
nāsau lipyati pāpena paṅkasthaṃ kamalaṃ yathā //
Auch wenn er Verbotenes gegessen oder mit einer ihm nicht erlaubten Person verkehrt hat, soll ihn die Verfehlung nicht beflecken, wie der Schlamm den darin stehenden Lotus nicht befleckt.
9.63
guḍikā tu sadā siddhā mahābhairavadhāritā
yogeśvarādimunibhiḥ sarvadevair namaskṛtā //
Dieses stets wirksame Amulett wird von Mahābhairava getragen und von den Weisen, angefangen mit den Herren des Yoga, sowie von allen Göttern verehrt.
9.64
bahunāpi kim uktena satyaṃ satyaṃ yaśasvini
jvalanto dṛśyate bhūtair yathā rudro makhāntakṛt //
Wozu viele Worte? Wahrhaftig, wahrhaftig, o Ruhmreiche: Die Geister sehen ihn flammend wie Rudra, den Vernichter des Opfers.
9.65
supto bhuktaḥ prabuddhaś ca atha maithunam āgate
mahāhave mahādevi duṣṭasiṃhagajeṣu ca //
Im Schlaf, nach dem Essen, im Wachzustand, beim Geschlechtsverkehr, in großer Schlacht, o große Göttin, und angesichts gefährlicher Löwen und Elefanten,
9.66
vidyudvajrāśaniś caiva utpāteṣv aśanīṣu ca
śatrunāśe ca gonāśe viṣaśaṅkāgataṃ ca yat //
bei Blitzen, Donnerkeilen, Unheil und Donnerschlägen, bei Feindvernichtung, Viehverlust und drohender Vergiftung,
9.67
ārṇaveṣu ca sarveṣu dhāraṇān na bhayaṃ bhavet
śākinyo vaśagās tasya duṣṭavetālarākṣasāh //
und auf allen Meeren soll durch das Tragen keine Furcht entstehen. Śākinīs, böse Vetālas und Rākṣasas kommen unter seine Gewalt.
9.68
śucir vāpy aśucir vāpi vidravanti diśo daśa
guḍikaiṣā samākhyātā trilohapariveṣṭitā //
Ob er rein oder unrein ist: Sie fliehen in die zehn Richtungen. Dieses beschriebene Amulett wird mit drei Metallen umhüllt.
9.69
dhāraṇīyā prayatnena śivalokam avāpnuyāt
sarvāvasthagato vāpi muktiṃ yāti surādhipe //
Man soll es sorgsam tragen und dadurch Śivas Welt erreichen. In welchem Zustand man sich auch befindet, man soll Befreiung erlangen, o Herrscherin der Götter.
9.70
matsamo dhāraṇād devi satyaṃ satyaṃ yaśasvini
mayāpi dhāritā hy eṣā brahmaṇāpi tataḥ punaḥ //
Durch sein Tragen wird man mir gleich, o Göttin, wahrhaftig, wahrhaftig, Ruhmreiche. Auch ich habe es getragen, ebenso Brahmā,
9.71
viṣṇunā devarājena yuddhe daityās tu nirjitāḥ
agnivāyukubereṇa yamena varuṇena ca //
Viṣṇu und der König der Götter – im Kampf wurden die Daityas besiegt –, ferner Agni, Vāyu, Kubera, Yama und Varuṇa,
9.72
mātṛbhir guhyakaiś caiva garuḍena ca dhīmatā
dadhīcinā ca śukreṇa durvāsenāpi dhīmatā //
die Mütter, die Guhyakas, der weise Garuḍa, Dadhīci, Śukra und der weise Durvāsas,
9.73
ṛṣibhiś ca tathā sarvair devadaityaiḥ kujeśvari
tatas tv anyaiś ca rājānair balibhir nahuṣādibhiḥ //
sowie alle Ṛṣis, Götter und Daityas, o Kujeśvarī, und außerdem andere mächtige Könige wie Nahuṣa.
9.74
yuddhe jayārthibhir devi ugravyādhijayārthibhiḥ
prajāvaśyārthibhiś caiva guḍikā kaṇṭhadhāritā //
In der Hoffnung auf Sieg im Kampf, auf Überwindung schwerer Krankheit und auf Gewalt über ihre Untertanen, o Göttin, haben sie das Amulett am Hals getragen.
9.75
nānayā sadṛśī vidyā guḍikā bhuvi vidyate
piṇḍaṃ tu prathamaṃ mantryam aghoreṇa susaṃskṛtam //
Auf Erden gibt es keine Vidyā und kein Amulett, die diesem gleichen. Zunächst soll man einen Speisebissen mit dem Aghora-Mantra sorgfältig weihen,
9.76
bhuñjīyāc caiva niḥśaṅkaṃ tatas tasyāmṛtāyate
diśo 'bhimantrya gaccheta vāmaṃ cāgrapadaṃ nyaset //
und ihn dann unbesorgt essen; dadurch soll er zum Unsterblichkeitstrank werden. Man bespreche die Himmelsrichtungen mit dem Mantra, gehe los und setze zuerst den linken Fuß vor.
9.77
ubhayoś candramadhye tu paryaṭeta sadā sthitaḥ
bhuñjāne śayane caiva candramadhye sadā sthitaḥ //
Man wandere stets in der Mitte des Mondes beider [Seiten]. Beim Essen und beim Liegen bleibe man stets in der Mondmitte. [Der Bezug von „beider“ bleibt in der Vorlage offen.]
9.78
candrārūḍhena satataṃ sthātavyaṃ varavarṇini
nāghorasadṛśo mantro mantrā yasmād vinirgatāḥ //
Man soll ständig auf dem Mond ruhen, o Schönfarbige. Kein Mantra gleicht Aghora, aus dem die Mantras hervorgegangen sind.
9.79
guruvaktrāt tu vijñeyo madhye oṃkāramadhyagam
sa eva nādasaṃlīno yāvad brahmabilaṃ gataḥ //
Man muss ihn aus dem Mund des Lehrers kennenlernen: Er befindet sich inmitten von Oṃ, in der Mitte. Er geht in den Urklang ein, bis er die Brahma-Öffnung erreicht.
9.80
dhāraṇād dhāritaṃ kṛtvā tribhiḥ prāṇair alaṅkṛtam
svacchandasahitaṃ devaṃ varṇāntapariveṣṭitam //
Man halte ihn durch Konzentration fest, mit den drei Lebenshauchen geschmückt: den mit Svacchanda verbundenen Gott, umgeben vom Ende der Lautreihe. [Die genaue Lautanordnung bleibt vorläufig.]
9.81
mukhe 'naṅgāṃ tato dugdhvā dhenavīṃ cāmbarāṃ priye
grāhyagrāhavimardaś ca triśūlaṃ vaḍavāmukham //
Nachdem man dann im Mund die körperlose, raumhafte Kuh gemolken hat, o Geliebte, [folgen] die Aufhebung von Erfasstem und Erfasser, der Dreizack, das untermeerische Feuer,
9.82
kuñcikā ghaṇṭikā caiva rājadantāmṛtāgamam
āyuṣo jñānam utkrāntir aghorasya vaśe sthitaḥ //
der Schlüssel, das Zäpfchen, der Zustrom des Unsterblichkeitstranks am „Königszahn“, das Wissen um die Lebensdauer und das Verlassen des Körpers: [All dies] steht unter Aghoras Gewalt. [Eine technische Aufzählung; ihre Einzelglieder sind hier nicht erläutert.]
9.83
nāghorasadṛśo mantro mantrakoṭiśatair api
satyaṃ satyaṃ punaḥ satyaṃ bhūyaḥ satyaṃ punaḥ punaḥ //
Selbst unter Hunderten von Millionen Mantras gibt es keinen Aghora gleichen. Wahrhaftig, wahrhaftig und nochmals wahrhaftig, immer wieder wahrhaftig!
9.84
sarvajñaṃ paramaṃ mantraṃ muktidaṃ vyādhināśanam
jarāmṛtyuharaṃ devi vidyārājeti kīrtitam //
Der allwissende höchste Mantra, der Befreiung schenkt, Krankheiten vernichtet und Alter und Tod beseitigt, o Göttin, wird „König der Vidyās“ genannt.
9.85
viṣuvaṃ ca sadā tatra yatra sarvaṃ pratiṣṭhitam
utpattisthitikartāraṃ yatra sarve layaṃ gatāḥ //
Dort ist stets der Gleichgewichtspunkt, in dem alles ruht: [Er ist] der Urheber von Entstehen und Bestehen, in den alle eingegangen sind.
9.86
kiṃ na sevyati deveśi bahurūpaṃ kujeśvari
devādhidevaṃ paramaṃ yat tat kāraṇam avyayam //
Warum sollte man dem Vielgestaltigen nicht dienen, o Götterherrin, o Kujeśvarī, dem höchsten Gott der Götter, jener unvergänglichen Ursache?
9.87
tattvavyāpīti paramaṃ vyomavyāpīti kathyate
brahmaviṣṇusurādīnām utpattipralayāntikam //
Als höchster Durchdringer der Wirklichkeitsprinzipien und als Durchdringer des Raumes wird er bezeichnet; [er umfasst] Entstehen und endgültige Auflösung von Brahmā, Viṣṇu und den übrigen Göttern.
9.88
aghoraṃ ghorarūpeti aghorīśa iti smṛtaḥ //
Aghora wird „der von schrecklicher Gestalt“ und „Herr des Schrecklichen“ genannt.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate śikhākalpaikadeśo nāma navamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das neunte Kapitel mit dem Titel „Ein Teil des Rituals der Scheitelflamme“.
Kapitel 10
Übersetzungsstatus: Alle Quellblöcke dieses Kapitels sind bearbeitet. Einzelne Formeln sind nicht vollständig sprachlich aufgelöst; die betreffenden deutschen Hinweise und Teilübersetzungen werden in der Übersicht nicht als vollständig übersetzte Blöcke gezählt.
10.1
kavacasya tu māhātmyaṃ śṛṇu devi vadāmy aham
yena saṃrakṣayet sarvaṃ kruddhaḥ śatrūn nipātayet //
Höre, o Göttin: Ich erkläre die Größe des Schutzpanzers. Durch ihn kann man alles schützen und im Zorn die Feinde niederwerfen.
10.2
āgataṃ rakṣayet kālaṃ kruddhaḥ kālaṃ vināśayet
kālavat kulasiddho 'sau tanutrāṇāvalambakaḥ //
Man kann sich vor der herangekommenen Todeszeit schützen und im Zorn die Zeit vernichten. Wer sich auf diesen Leibesschutz stützt, ist ein im Kula Vollendeter, der Zeit gleich. [Der erste Halbvers ist grammatisch unsicher.]
10.3
śākinībhūtavetālān nāśayet sādhayeti ca
māyārūpadharo mantrī māhendraguṇaśālinaḥ //
Der Mantrakundige vernichtet oder unterwirft Śākinīs, Geister und Vetālas; er nimmt eine aus Zauberkraft gebildete Gestalt an und besitzt die Vorzüge des großen Indra.
10.4
kurute vividhāścaryaṃ picchakabhrāmaṇena vai
kavacaṃ tu samākhyātam asiddhabhedakṛd bhavet //
Schon durch das Schwenken eines Federbüschels vollbringt er verschiedene Wunder. So ist der Schutzpanzer beschrieben; er bewirkt die Beseitigung des Nichtgelingens.
10.5
asya dūtīṃ pravakṣyāmi sadyaḥsiddhāṃ kulodbhavām
yasyā lekhanamātreṇa prasrāvo 'ṅghritalaṃ bhavet //
Ich werde seine aus dem Kula hervorgegangene, unmittelbar wirksame Botin beschreiben: Schon durch ihr Aufzeichnen soll ein Ausfluss bis zur Fußsohle erfolgen. [Art und Bezug des „Ausflusses“ sind in der Quelle nicht eindeutig.]
10.6
ākhkhilla bheṭṭā durvasa ākhkhille usi ānnidi
āṭṭi vasaṃ viha pūrvasa aṭṭi masi ālitto u //
[Unentschlüsselte Formel in Kaula-Geheimsprache. Der folgende Vers verlangt rückläufige Erschließung durch mündliche Unterweisung. Vollständig erfasst, aber nicht als übersetzt gezählt.]
10.7
evaṃ pārampareṇaiva kaulabhāṣā samuddhṛtā
guruvaktrād vilomena tarjanyagreṣu siddhidā //
So ist die Kaula-Sprache durch die Überlieferungsfolge herausgezogen worden. Aus dem Mund des Lehrers [erschlossen], rückläufig [gelesen], verleiht sie an den Spitzen der Zeigefinger Vollendung.
10.8
kavacaṃ tu samākhyātaṃ śṛṇu netraṃ yathāsthitam
netrasiddho mahāyogī lokālokaṃ carācaram //
Der Schutzpanzer ist damit beschrieben. Höre nun die genaue Lehre vom Auge. Der große Yogin, der das Auge verwirklicht hat, [erblickt] die Welt und das Jenseits der Welt, Bewegliches und Unbewegliches.
10.9
paśyate nikhilaṃ sarvaṃ śivādyavanigocaram
kruddhaḥ saṃśoṣayet sarvaṃ sāgarāṃś ca nadānadīn //
Er sieht ausnahmslos alles im Bereich von Śiva bis zur Erde. Im Zorn kann er alles austrocknen, auch Meere, Flüsse und Ströme.
10.10
āpyāyati tadāvasthaṃ pañcavyāptyantagocaram
nirācārapadastho 'sau tattvastho japate yadi //
Er erfüllt es wieder in seinem jeweiligen Zustand, bis zum Bereich am Ende der fünffachen Durchdringung, wenn er im Wirklichkeitsprinzip verweilend rezitiert und in der Stätte jenseits vorgeschriebener Verhaltensweisen steht. [Die Konstruktion des ersten Halbverses ist unsicher.]
10.11
asya dūtī parā devyā paradṛṣṭisamudbhavā
sadyaḥsiddhā mahādevi sadyaḥpratyayakārikā //
Seine höchste Botin entsteht aus dem höchsten Blick der Göttin. Sie ist unmittelbar wirksam, o große Göttin, und bringt unmittelbar eine bestätigende Erfahrung hervor.
10.12
hāsvā yairīśvaṇḍemucā kterahāma ktera ktera oṃ ||
Oṃ, Rote, Rote, große Rote! Der Cāmuṇḍeśvarī: svāhā, die Opferbekräftigung! [Arbeitsauflösung der rückläufigen Silbengruppen: oṃ rakte rakte mahārakte cāmuṇḍeśvarīyai svāhā. Die ungewöhnliche Dativbildung -īyai bleibt erhalten. Die rückläufige Quellenform bleibt oben erhalten; die lesbare Auflösung ist redaktionell gewonnen, nicht als zusätzliche Handschriftenlesung bezeugt.]
10.13
guruvaktropadeśena pāramparyakrameṇa vai
tithisaṅkhyākalair yuktā kulabhāṣāsurakṣitā //
Durch Unterweisung aus dem Mund des Lehrers in der Reihenfolge der Überlieferung [wird sie erschlossen]. Sie ist mit so vielen Teilen wie Mondtagen verbunden und durch die Kula-Sprache gut geschützt.
10.14
asyopacāraḥ kartavyaḥ kaumāryau dve samāharet
gandhadhūpapayaḥpānaṃ śucau sthāne nayet tu te //
Ihre rituelle Verehrung ist auszuführen: Man führe zwei Jungfrauen herbei und bringe sie an einen reinen Ort, mit Duftstoffen, Räucherwerk und Milch zum Trinken.
10.15
śuklavastradharāṃ tāṃ vai devīṃ dhāyed yathā tu tām
bhāvanāntānusāreṇa mardayed dārikānanām //
Man meditiere über jene Göttin als weiß gekleidet, entsprechend ihrer Gestalt; dem Abschluss der Vorstellung folgend bestreiche oder reibe man das Gesicht des Mädchens. [Numerus und Bezug wechseln gegenüber den zwei Jungfrauen in 10.14; „mardayet“ ist mehrdeutig.]
10.16
śikhinocchiṣṭayogena śarīraṃ tasya lāñchitam
svastikena tu kumbhordhvaṃ sitavastrāvaguṇṭhitam //
Mit dem Rückstand des Feuers wird sein [oder: ihr] Körper bezeichnet; [man zeichnet] eine Svastika oben auf dem Krug, der mit weißem Stoff verhüllt ist. [Subjekt und Zuordnung der Attribute sind nicht eindeutig.]
10.17
kuryāt snānaṃ tu tailāktā bhuñjānas tilapiṣṭakam
tṛptāḥ santaḥ prapaśyanti dārikānanamadhyataḥ //
Mit Öl gesalbt soll [sie] baden; [sie] essen Sesamgebäck. Gesättigt sehen [sie] mitten im Gesicht des Mädchens [Erscheinungen]. [Die Quelle wechselt zwischen Singular und Plural; die Beteiligten lassen sich nicht sicher zuordnen.]
10.18
yat kiñcid vāṅmayaṃ loke cintayitvā tu sādhakaḥ
bhūtabhavyārthanirdeśaṃ tat pasyati tadodare //
Was immer der Sādhaka an Gegenständen der Rede in der Welt bedenkt, dessen Bedeutung in Vergangenheit und Zukunft sieht er darin bezeichnet.
10.19
eṣā netragatā dūtī sadyaḥsiddhiphalapradā
kālavelāvinirmuktā sādhitā sati sarvadā //
Dies ist die zum Auge gehörende Botin, die unmittelbar die Frucht der Vollendung verleiht. Einmal verwirklicht, ist sie stets unabhängig von Zeit und Stunde.
10.20
astraṃ pracaṇḍadaṇḍograṃ sādhitaṃ vidhinā yadi
hṛdādau kramaśo vṛddhyā saṅkruddhaḥ saṃharet khilam //
Wenn die Waffe, furchtbar durch ihren gewaltigen Stab, vorschriftsgemäß verwirklicht ist, kann der Erzürnte durch stufenweise Steigerung vom Herzen an alles vernichten.
10.21
aśuddhaṃ śodhayet sarvaṃ sakṛduccāraṇāt tu tam
tan na vastvantaraṃ kiñcid yad anena na sidhyati //
Mit einem einzigen Aussprechen soll man alles Unreine reinigen. Es gibt keinen anderen Gegenstand, der durch sie nicht verwirklicht werden könnte.
10.22
asya dūtī mahāmāyā śrīmadguhyeśvarī parā
guhyakālīti nāmena sarvāyudhavimardanī //
Ihre Botin ist die große Māyā, die erhabene höchste Guhyeśvarī, mit Namen Guhyakālī, die alle Waffen zerschmettert.
10.23
rakṣaṇī kālapāśānāṃ śatrūṇāṃ tu nikṛntanī
chedanī paramantrāṇāṃ yantramantrāpavādinām //
Sie schützt vor den Schlingen der Zeit, zerschneidet die Feinde und zertrennt fremde Mantras sowie [die Mittel] derer, die Yantras und Mantras angreifen. [Die Verbindung des letzten Kompositums ist unsicher.]
10.24
yasyeṣā tiṣṭhate kaṇṭhe mahākṛtyā sudāruṇā
tasya yaḥ kurute kiñcit tasyaiva tu punar bhavet //
Bei wem diese große, äußerst furchtbare Zaubermacht am Hals verweilt, auf den fällt zurück, was immer er gegen ihren Träger unternimmt.
10.25
aśubhe vā śubhe vātha karmavṛttau niyojayet
sādhakendrasya yaḥ kaścit tasya pratyaṅgirā bhavet //
Wer immer [sie oder einen Angriff] gegen den vorzüglichen Sādhaka zu einer unheilvollen oder heilvollen Handlung einsetzt, gegen den wird sie zum Gegenzauber. [Die Satzbezüge sind nicht vollständig eindeutig.]
10.26
mahābhaye samutpanne sitagandhāmbarānvitaḥ
cintayanto niśābhāge śatror yuddhaṃ parasparam //
Wenn große Gefahr entsteht, soll man, mit weißen Duftstoffen und Gewändern versehen, nachts den wechselseitigen Kampf der Feinde vorstellen.
10.27
evam anyāni karmāṇi sādhayet parameśvarī
devyāḥ śastrasya dhāreṇa amoghotkaṭavarcasā //
So möge man auch andere Handlungen vollbringen, o höchste Herrin, durch die Schneide der Waffe der Göttin mit ihrer unfehlbaren, gewaltigen Strahlkraft.
10.28
śrūyatāṃ kula-m-īśāni kālasya kālarūpiṇī
amoghā śakti vikhyātā saṃvartāṅgasamudbhavā //
Höre, o Herrin des Kula: [Sie ist] die Todesgestalt der Zeit selbst, als unfehlbare Kraft bekannt und aus einem Glied Saṃvartas hervorgegangen.
10.29
hāsvā yaikābjikuhyagu ṭpha hūṃ hreṃ hūṃ hrīṃ hreṃ lirākaṣṭrādaṃ naha naha rvānsa tān tiṣyarika taṃpirākā taṃkṛ naye kaṃdigāyoprarṇacūntratantramantrayavāndraparvosa mama ṭpha hūṃ kebjikuhyagu oṃ ||
[Sprachlich erkennbare Teile der rückläufigen Formel:] Oṃ, verborgene Kubjikā, hūṃ phaṭ! Meine … [Mantra-, Tantra- und weitere Ritualmittel werden genannt; der folgende Satzanschluss ist unsicher.] … Töte, töte, du mit furchtbaren Fangzähnen! [Keimlaute.] Der verborgenen Kubjikā, svāhā! [Der Mittelteil einschließlich der Bezüge auf Handlungen und Personen bleibt nicht sicher aufgelöst. Diese Teilübersetzung ersetzt keine vollständige Mantrarekonstruktion.]
10.30
svāhā oṃ vai parityajya siddhavarṇās triṣaṣṭi ca
khādakāstreti vikhyātā sarvārthaguṇarūpadhṛk //
Lässt man Svāhā und Oṃ fort, ergeben sich dreiundsechzig vollendete Laute. Sie heißt „verzehrende Waffe“ und trägt die Gestalt der Kräfte für alle Ziele.
10.31
asya nāmnā pṛthaktantraṃ svatantraṃ siddhasāgaram
guhyakālīti nāmena sapādalakṣapūrvakam //
Unter ihrem Namen besteht ein eigenes, unabhängiges Tantra, ein Meer der Vollendeten, mit Namen Guhyakālī, [im Umfang von] einhundertfünfundzwanzigtausend [Einheiten]. [Die Zähleinheit und der Bezug von „pūrvakam“ werden nicht genannt.]
10.32
vyāvarṇitaṃ tu tatrastham atra kiñcid udāhṛtam
kubjikāstrasya māhātmyaṃ kulālītantranirgatam //
Was dort ausführlich erklärt wird, ist hier nur teilweise angeführt: die Größe der Kubjikā-Waffe, hervorgegangen aus dem Kulālītantra.
10.33
pāramparyakramāyātam upadeśasamanvitam
vilomavihitaṃ sarvaṃ khādakāstre 'py ayaṃ vidhiḥ //
Alles ist in der Reihenfolge der Überlieferung empfangen, mit Unterweisung verbunden und rückläufig angeordnet. Diese Vorschrift gilt auch für die verzehrende Waffe.
10.34
khādakāstrasya lakṣeṇa nirācāreṇa yojayet
māṃsāhārasvarūpasya parivartaṃ karoti ca //
Durch hunderttausend [Rezitationen] der verzehrenden Waffe soll man sich mit dem Zustand jenseits der Verhaltensregeln verbinden. Sie bewirkt eine Verwandlung der Gestalt des Fleischessers. [Die genaue Ritualbedeutung ist unsicher.]
10.35
tatkṣaṇād viṣṇupaṅkena lepanāt siṃharūpadhṛk
jāyate nārasiṃhatvaṃ yad dhṛtaṃ viṣṇunā purā //
Durch Bestreichen mit „Viṣṇus Schlamm“ nimmt man augenblicklich Löwengestalt an; es entsteht die Menschlöwen-Natur, die Viṣṇu einst annahm. [„viṣṇupaṅka“ bleibt als nicht sicher identifizierter Ritualstoff stehen.]
10.36
viṣṇunāpi purā cīrṇaṃ vrataṃ hy asyāḥ subhīṣaṇam
tena taṃ nārasiṃhatvaṃ tasya siddhaṃ sudāruṇam //
Auch Viṣṇu vollzog einst ihr äußerst furchtbares Gelübde. Dadurch verwirklichte sich für ihn jene überaus schreckliche Menschlöwen-Natur.
10.37
nāyātaṃ martyalokedaṃ kvacit siddhaṃ krame sthitam
māhātmyaṃ gopitaṃ hy asyāḥ siddhair bhṛgupuraḥsaraiḥ //
Dies ist nicht in die Menschenwelt gelangt; irgendwo ist es vollendet und in der Überlieferungsfolge bewahrt. Ihre Größe wurde von den Siddhas, allen voran Bhṛgu, verborgen.
10.38
astrasya dūtikā hy eṣā kubjikāmnāyanirgatā
siddhavidyāmahaughaiṣā āśusiddhā sugopitā //
Dies ist die Botin der Waffe, aus der Überlieferung Kubjikās hervorgegangen: dieser große Strom vollendeter Vidyā, rasch wirksam und gut verborgen.
10.39
kuleśvaryāṅgasambhūtā suvratā yā guṇojjvalā
gopitā anyatantreṣu pratyakṣā kubjikāmate //
Die aus einem Glied Kuleśvarīs entstandene, gelübdetreue und durch Vorzüge strahlende [Kraft] ist in anderen Tantras verborgen, im Kubjikāmata aber offenbar.
10.40
etad devyāṅgaṣaṭkaṃ tu nānānandapradāyakam
devyā hṛdayamāhātmyaṃ nityātantram aśeṣakam //
Dies sind die sechs Glieder der Göttin, die verschiedene Freuden schenken. Die Größe des Herzens der Göttin [bildet] das ganze Nityātantra.
10.41
nityānandakarī dūtī devyā hṛdi samudbhavā
tena nityā samākhyātā svādhiṣṭhānaṃ samāśritā //
Die Botin, die beständige Seligkeit bewirkt, entsteht im Herzen der Göttin. Deshalb heißt sie Nityā; sie hat ihren Sitz im Svādhiṣṭhāna.
10.42
siddhātantraṃ śirodbhūtaṃ tatra devyā mahābalā
siddhayogeśvarī nāma raudraśaktir mahojjvalā //
Aus dem Haupt ist das Siddhātantra hervorgegangen. Dort [weilt] die mächtige Göttin namens Siddhayogeśvarī, die stark erstrahlende Rudra-Kraft.
10.43
anāhatena saṃyuktā raudradevyā mahābalā
siddhayogeśvarītantre asyāḥ kīrtir anekadhā //
Die sehr mächtige [Kraft] der wilden Göttin ist mit Anāhata verbunden. Im Siddhayogeśvarītantra wird ihr Ruhm vielfältig verkündet.
10.44
devyāḥ śikhiśikhodbhūtā svacchandānekabhedataḥ
maṇibhedāntarālena svacchandādyaṃ vinirmitam //
Aus der Feuerflamme der Göttin entstand, durch die vielen Unterteilungen des Svacchanda und durch den Zwischenraum der Edelsteinteilung, das Svacchanda und Weiteres. [„maṇibheda“ und die syntaktische Zuordnung bleiben unsicher; eine Gleichsetzung mit Maṇipūra ist nicht stillschweigend eingesetzt.]
10.45
svatantrā sahajā śāntā svacchandagatigāminī
maṇibhedaṃ pūrayantī svacchandārthaprabodhikā //
Sie ist unabhängig, angeboren und friedvoll, bewegt sich frei, erfüllt die Edelsteinteilung und erweckt das Verständnis des Svacchanda.
10.46
svacchandena svarūpeṇa śikhāsūtraṃ pravartate
svacchandāghorarūpasya tasyedaṃ tantram uttamam //
In der eigenen Gestalt des Svacchanda entfaltet sich die Lehre der Scheitelflamme. Dies ist sein höchstes Tantra, [das Tantra] des Svacchanda in Aghora-Gestalt.
10.47
tanutrāṇasamudbhūtaṃ tantraṃ sammohanādikam
viśuddhibhāvanāsīnaṃ dūtyanekasusaṅkulam //
Aus dem Leibesschutz ging das Tantra Sammohana und Weiteres hervor, im Versenken in Viśuddhi ruhend und von vielen Botinnen erfüllt.
10.48
anekāścaryakartāraṃ sammohadhvaṃsakārakam
sammohanaṃ tu tenedaṃ māhātmyaṃ tatra tasya vai //
Es vollbringt viele Wunder und zerstört Verblendung. Daher [heißt] es Sammohana; darin liegt seine Größe.
10.49
devyā netrasamudbhūtaṃ jyotiḥśāstraṃ svarodayam
ājñādhāragataṃ hy etat sāmarthyānekasaṅkulam //
Aus dem Auge der Göttin entstanden die Lehre der Gestirne und der Aufgang der Atemlaute. Dies hat seinen Sitz im Ājñā-Zentrum und umfasst zahlreiche Fähigkeiten.
10.50
kaivalyādyaṃ ca yat kiñcit tan netrāṅgasamudbhavam
asyāṅgasya tu māhātmyaṃ jyotiṣeśvarasāgare //
Auch alles, was mit völliger Loslösung beginnt, ist aus dem Augenglied entstanden. Die Größe dieses Gliedes [ist dargestellt] im Jyotiṣeśvarasāgara. [Die hier genannten Augentraditionen sind nicht ohne Weiteres mit dem Netra Tantra gleichzusetzen.]
10.51
paramāstrasya madhye tu khādakāstraṃ mahābalam
tasya vyāvarṇitaṃ pūrvaṃ tantraṃ svābhāvalakṣaṇam //
Innerhalb der höchsten Waffe befindet sich die mächtige verzehrende Waffe. Ihr Tantra, dessen Kennzeichen die eigene Natur ist, wurde zuvor erläutert.
10.52
abhiṣekaṃ pravakṣyāmi sarvapāpapraṇāśanam
paramāstraprayogena sarvaṃ tatra na saṃśayaḥ //
Ich werde die Weihe erklären, die alle Verfehlungen vernichtet. Durch die Anwendung der höchsten Waffe [wird] dort alles [erreicht], daran besteht kein Zweifel.
10.53
śūladaṇḍaṃ samuddhṛtya nābhisthaṃ varṇam uddharet
śūladaṇḍāsanasthaṃ tu karṇabhūṣaṇavāmakam //
Man ziehe den Stab des Dreizacks heraus und entnehme den in der Nabelgegend befindlichen Laut; dann den linken Ohrschmuck, der auf dem Sitz des Dreizackstabs ruht,
10.54
vāmajaṅghāsamāyuktaṃ nitambālaṅkṛtaṃ priye
etad devyāstraparamaṃ nāpuṇyo labhate sphuṭam //
verbunden mit dem linken Unterschenkel und mit der Hüfte geschmückt, o Geliebte. Dies ist die höchste Waffe der Göttin; ein Mensch ohne Verdienst erlangt sie gewiss nicht. [10.53–54 verschlüsseln eine Lautauswahl durch Körperstellen; die Übersetzung behauptet keine abgeschlossene Rekonstruktion des Mantras.]
10.55
kramapūjāvidhānena yathāvibhavavistaram
dīpamālābhir uddyotaṃ kṛtvā dhūpādhivāsitam //
Nach der Vorschrift der stufenweisen Verehrung, in einer dem eigenen Vermögen entsprechenden Ausführlichkeit, soll man [den Ort] mit Reihen von Lampen erhellen und mit Räucherduft erfüllen.
10.56
śaṅkhaṃ vā kalaśaṃ vāpi abhimantrya svavidyayā
uttamādhamamadhyasya karmasevānusārataḥ //
Man bespreche ein Muschelhorn oder einen Krug mit der eigenen Vidyā, entsprechend dem Vollzug der Handlungen auf höchster, niederer oder mittlerer Stufe.
10.57
tayā vidyābhiṣekaṃ tu nyastavyā kalaśe tu sā
śiṣyahaste tu taṃ dattvā idaṃ kūṭaṃ tu yojayet //
Mit dieser Vidyā [vollziehe man] die Weihe; sie soll im Krug eingesetzt werden. Man gebe ihn dem Schüler in die Hand und füge diesen zusammengesetzten Mantra hinzu,
10.58
yāvat kṣubhyaty asau hastaḥ svayam eva calaty asau
dhāraṇād iva saṃyātaṃ yadā patati mastake //
bis diese Hand zu zittern beginnt und sich von selbst bewegt. Wenn [das Gefäß], wie durch Konzentration herangeführt, auf den Kopf herabkommt,
10.59
tadā tu jāyate 'sau vai sādhyalakṣaṇasādhakaḥ
dagdhapāpaḥ prajāyeta nātra kāryavicāraṇāt //
dann wird er zum Sādhaka, der die Kennzeichen des zu Verwirklichenden besitzt; seine Verfehlungen werden verbrannt. Hier braucht man über die Wirkung nicht zu zweifeln.
10.60
nāśiṣyāya pradātavyaṃ na dhūrtāya na nindake
bhaktāya śraddadhānāya gurubhaktāya sundari //
Man soll dies keinem Nichtschüler geben, keinem Betrüger und keinem Verleumder, sondern einem Hingebungsvollen, Vertrauenden und seinem Lehrer Ergebenen, o Schöne.
10.61
tasya deyam idaṃ devi abhiṣekaṃ varānane
tadā tu sādhayet karma yad uktaṃ karmasantatau //
Ihm soll diese Weihe gegeben werden, o Göttin mit schönem Antlitz. Dann soll er die Handlungen vollbringen, die in der Folge der Rituale gelehrt wurden.
10.62
3 ṭpha 3 hūṃ 2 yataghāvi 2 yataghā 2 mava 2 haka 2 ṭacapra 2 ṭaca parūnuta rataragho 2 rasphupra hrauṃ hrīṃ hrāṃ ||
[Vorläufige Rücklesung:] Hrāṃ hrīṃ hrauṃ. Erstrahle, erstrahle, überaus Schrecklicher, du mit entsprechender Körpergestalt! [Es folgen die Lautverben caṭa und pracaṭa, jeweils wiederholt, sowie die unklare Folge kaha, wiederholt.] Speie aus, speie aus! Schlage, schlage! Zerschlage, zerschlage! Hūṃ dreimal, phaṭ dreimal. [Die Deutung von tanurūpa und einzelner Befehlsformen bleibt unsicher. Die Zahlen werden als Wiederholungsangaben aufgefasst; der Quellenwortlaut ist nicht verändert.]
10.63
lakṣaṃ vai pūrvasevāyāṃ sidhyate nātra saṃśayaḥ
ṣaḍaṅgaṃ ṣaṭprakāraṃ ca ṣaḍyoginyaḥ ṣaḍadhvaram //
Durch hunderttausend [Rezitationen] im vorbereitenden Dienst wird sie zweifellos wirksam. Die sechs Glieder, die sechs Arten, die sechs Yoginīs und den sechsfachen Weg,
10.64
ṣaṭ prakārāṇi ṣaṭ siddhā jñātvaitān bhinnadṛṣṭinā
sa jānāti varārohe samastāmnāyapaddhatim //
die sechs Formen und die sechs Siddhas: Wer dies mit unterscheidendem Blick erkennt, o Schönhüftige, der kennt den Weg der gesamten Überlieferung.
10.65
anyathā na bhavet siddhiḥ kiñcijjñaḥ paścimānvaye
śrutvā savismayaṃ vākyam ānandapraṇayānvitam //
Andernfalls entsteht keine Vollendung; [man bleibt] in der westlichen Überlieferung nur wenig wissend. Als Kubjī diese Worte mit Staunen, Freude und Zuneigung gehört hatte,
10.66
uvācedaṃ punaḥ kubjī ṣaḍadhvaṃ vada me prabho //
sprach sie wiederum: „Herr, erkläre mir den sechsfachen Weg.“
10.67
yuktam uktaṃ ca deveśi śrūyatāṃ paramārthataḥ
saṅkṣepāt kathayiṣyāmi śeṣānyat purataḥ punaḥ //
[Der Herr sprach:] Du hast angemessen gefragt, o Götterherrin. Höre die höchste Wahrheit. Ich werde sie kurz erklären; den übrigen Rest später.
10.68
bhūtaṃ bhāvaṃ tathā śāktaṃ māntraṃ raudraṃ ca śāmbhavam
ājñātaḥ sampravarteta ṣaḍadhvedaṃ kulānvaye //
Der elementare, der gegenständliche, der zur Kraft gehörige, der mantrische, der Rudra- und der Śiva-Weg: Dieser sechsfache Weg geht in der Kula-Überlieferung aus der Ermächtigung hervor.
10.69
bhūtaṃ bhuvanāvaraṇaṃ padaṃ bhāvaṃ prayujyate
śāktaṃ varṇāḥ samākhyātā māntraṃ dvādaśa kīrtitāḥ //
Der elementare [Weg umfasst] die Hülle der Welten; dem gegenständlichen werden die Wörter zugeordnet. Der Kraftweg heißt [Weg der] Laute; der mantrische wird als zwölffach bezeichnet. [Die Zuordnungen weichen von geläufigen Aufzählungen ab und werden nicht angeglichen.]
10.70
raudraṃ kalādhvaraṃ proktaṃ śāmbhavaṃ tattvalakṣaṇam
ājñānalavatī dīkṣā mantrāṇāṃ sādhane hitā //
Der Rudra-Weg heißt Weg der Kalās; der Śiva-Weg ist durch die Wirklichkeitsprinzipien gekennzeichnet. Die Einweihung mit dem Feuer der Ermächtigung hilft bei der Verwirklichung der Mantras.
10.71
sā cājñā pūrvikā siddhā anyathā tilaghātakī
sā ca tattvavatāṃ caiva tattvaṃ vai śāmbhavam padam //
Sie ist wirksam, wenn die Ermächtigung vorausgeht; andernfalls gleicht sie dem Zerstampfen von Sesam. Jene [Ermächtigung] gehört den Kennern der Wirklichkeit; die Wirklichkeit ist die Śiva-Stätte. [Die genaue Pointe des Sesamvergleichs ist nicht erläutert.]
10.72
tat padaṃ vidyate yasya sāmarthajñaḥ sa sarvaśaḥ
jñānamārgaprasiddhyarthaṃ dīkṣā vedhavatī śubhā //
Wer diese Stätte besitzt, kennt in jeder Hinsicht die Befähigung. Für die Vollendung des Erkenntnisweges [gibt es] die heilvolle durchdringende Einweihung.
10.73
yogyatātaḥ pradātavyā subhaktasya kulādhvare
sarvāsām eva dīkṣānāṃ cottamā parikīrtitā //
Sie soll entsprechend der Eignung einem sehr ergebenen [Schüler] auf dem Kula-Weg gegeben werden. Sie gilt als die höchste aller Einweihungen.
10.74
tena vedho na kartavyo na jñātaṃ yāva niścayam
śāmbhavājñābhimānena lobhamohaḥ prakīrtitaḥ //
Deshalb darf man die Durchdringung nicht vornehmen, solange man [sie] nicht mit Gewissheit erkannt hat. Der bloße Anspruch auf Śivas Ermächtigung wird als Gier und Verblendung bezeichnet.
10.75
sāmarthyo 'nyo na me tulyo ya evaṃ manyate kudhīḥ
ājñātaḥ sampravarteta kiṃ tu bhūtavatī bhavet //
Wer töricht denkt: „Kein anderer gleicht mir an Befähigung“, [dessen Handlung] mag aus Ermächtigung hervorgehen, wird aber nur elementar sein. [Die Satzverbindung und der Bezug des letzten Prädikats sind unsicher.]
10.76
atha cet paripakvasya ṣaḍvidho hy alpasvalpavat
pṛthivyādīni bhūtāni cāviśanti ca yasya vai //
Bei einem Herangereiften ist das Sechsfache allerdings jeweils in geringem Maß [vorhanden]. Wenn die Elemente, angefangen mit der Erde, in jemanden eintreten,
10.77
bhūtāveśaṃ tu tad viddhi bhāvāveśam ataḥ śṛṇu
śabdaḥ sparśas tathā rūpaṃ raso gandhaś ca bhāvajam //
so erkenne dies als elementares Ergriffensein. Höre nun vom gegenständlichen Ergriffensein: Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch gehören zum Gegenständlichen.
10.78
śrotraṃ tvak cakṣuṣī jihvā ghrāṇaṃ śaktimano viduḥ
vācā pāṇis tathā pādaṃ pāyūpasthaṃ tu māntrajam //
Gehör, Haut, Augen, Zunge und Geruchssinn erkennt man als [dem Bereich von] Kraft und Geist zugehörig. Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan gehören zum Mantrischen. [„śaktimano“ ist sprachlich unsicher; die Zuordnung wird nicht harmonisiert.]
10.79
mano buddhis tathā garvaḥ prakṛtau guṇa raudrajam
puruṣādinivṛt[t]yantam unmanatvaṃ parāntikam //
Denken, Erkenntnisvermögen, Ichstolz und die Eigenschaften in der Urnatur gehören zum Rudra-Bereich. Von Puruṣa bis Nivṛtti, das Übersteigen des Denkens bis zum Höchsten:
10.80
etat te śāmbhavaṃ jñānaṃ bhuvanādyaṃ mahāhradam //
Dies ist für dich die Śiva-Erkenntnis, der große See, der mit den Welten beginnt. [10.79–80 bieten eine verkürzte und teilweise ergänzte Aufzählung; „nivṛt[t]yantam“ ist bereits in der Quelle geklammert.]
10.81
bhūtādiśāmbhavāntasya bhedopāyaṃ pṛthak pṛthak
kathitaṃ tu yathā nātha tathā tatpratyayaṃ vada //
[Die Göttin sprach:] Du hast, o Herr, die Mittel zur je eigenen Durchdringung vom elementaren bis zum Śiva-Bereich erklärt. Nenne nun ebenso die bestätigenden Erfahrungen.
10.82
sādhu devi mahāprājñe kathayāmi sapratyayam
anyathā tat kathaṃ tasya bhrāntijñānaṃ vinaśyati //
[Der Herr sprach:] Gut, o hochweise Göttin! Ich erkläre es mitsamt den bestätigenden Erfahrungen. Wie könnte sonst sein irriges Wissen vergehen?
10.83
kampate bhramate rodec cotpaten nipated vadet
anibaddharavonmādī sasaṃjño bhūtavad yathā //
Er zittert, dreht sich, weint, springt auf, fällt nieder und spricht; er stößt zusammenhanglose Laute aus und ist wie rasend, bleibt jedoch bei Bewusstsein, wie einer, der von einem Geist ergriffen ist.
10.84
bhūtāveśasya cihnedaṃ bhāvāveśam ataḥ śṛṇu
yāni cihnāni jāyante bhāvaviddhasya bhāvini //
Dies sind die Kennzeichen des elementaren Ergriffenseins. Höre nun, o Werdende, welche Zeichen bei einem vom Gegenständlichen Durchdrungenen entstehen.
10.85
ghūrmaṇaṃ svedaromāñca aśrupātāṅgamoṭanam
ārādhya smaraṇād evaṃ sampadyante svabhāvadhṛk //
Schwindeln, Schwitzen, aufgerichtete Körperhaare, Tränenfluss und ein Verwinden der Glieder entstehen schon durch das Gedenken an das Verehrte, entsprechend der eigenen Verfassung.
10.86
bhramate cakravat pātaḥ kāṣṭhavat kṣubhitekṣaṇaḥ
paśyate vibhramāpannaḥ śaktivedhopalakṣayet //
Er dreht sich wie ein Rad, fällt wie ein Stück Holz, hat unruhige Augen und sieht verwirrt: Daran soll man die Durchdringung durch Kraft erkennen.
10.87
kampate bhramate caiva jalpate vadate 'khilam
mantrāveśasya cihnedaṃ kathitaṃ tava śobhane //
Er zittert, dreht sich, redet und spricht alles aus. Damit habe ich dir, o Schöne, die Zeichen des Ergriffenseins durch den Mantra genannt.
10.88
raudraṃ caivam ato brūmi pañcāvasthā[ s] tu raudrajāḥ
anādhītāni śāstrāṇi granthataś cārthataḥ sudhīḥ //
Nun erkläre ich den Rudra-Zustand; aus Rudra gehen fünf Zustände hervor. Der Verständige [kennt] nicht studierte Lehrwerke in Wortlaut und Bedeutung,
10.89
atītānāgataṃ sarvaṃ vartamānasya yat phalam
raudraśaktisamāveśāt sarvam eva prapadyate //
alles Vergangene und Zukünftige sowie die Frucht des Gegenwärtigen: Durch das Ergriffensein von der Rudra-Kraft erlangt er dies alles.
10.90
yasyedaṃ vartate cihnaṃ raudrāveśaṃ tad ucyate
śāmbhavena tu vedhena sarvāṇy etāni suvrate //
Wenn sich dieses Zeichen bei jemandem zeigt, nennt man das Rudra-Ergriffensein. Bei der Durchdringung durch Śiva [erscheinen] all diese [Zeichen], o Gelübdetreue.
10.91
śuddhaśāmbhavavedhasya sāmprataṃ nirṇayaṃ śṛṇu
yena viddhasya loke 'smin sarvajñatvaṃ prapadyate //
Höre nun die Bestimmung der reinen Durchdringung durch Śiva, durch die der Durchdrungene in dieser Welt Allwissenheit erlangt.
10.92
pūrvoktena tu kālena śodhitas tu yadā śiśuḥ
tadā sampadyate tasya śāmbhavaṃ guṇadāyakam //
Wenn der Schüler nach der zuvor genannten Zeit gereinigt ist, entsteht bei ihm der Śiva-Zustand, der die Vorzüge verleiht.
10.93
kubjīśo yaṃ yadāyātaḥ puṃso janmany apaścime
tadā sampadyate tasya śāmbhavaṃ kubjike tanau //
Wenn Kubjīśa zu einem Menschen in dessen nicht letzter Geburt gekommen ist, dann entsteht in seinem Leib der Śiva-Zustand, o Kubjikā. [„janmany apaścime“ bedeutet dem Wortlaut nach „in einer nicht letzten Geburt“; die sachlich auffällige Lesung bleibt erhalten.]
10.94
bahvarthakāle 'pi viśodhitātmā ātmaiva sau paśyati sarvabhūtān
na me samāno bhuvanāntarāle viśuddhabhāvo bhavate hy akāle //
Auch nach einer Zeit vieler Gegenstände erkennt der im Selbst Gereinigte alle Wesen als das Selbst: „Mir gleicht keiner im Zwischenraum der Welten.“ Sein Wesen wird außerhalb der Zeit rein. [Der ganze Vers ist syntaktisch schwierig; besonders „bahvarthakāle“ und „akāle“ bedürfen des Editionsvergleichs.]
10.95
ekaikaṃ bhuvanaṃ paśyet puṃsādau conmanāvadhim
viśuddhatanujo hy evaṃ dehenānena cotpatet //
Er sieht jede einzelne Welt, von Puruṣa an bis zum Zustand jenseits des Denkens. Mit so gereinigtem Leib kann er in eben diesem Körper emporsteigen.
10.96
na kampadhunane tasya īśadghūrmiḥ pravartate
viṣonmūrchāgatas tv evaṃ tiṣṭhate bhūtakumbhavat //
Bei ihm gibt es kein Zittern oder Schütteln; nur ein leichtes Schwanken tritt ein. Er bleibt wie einer, der durch Gift ohnmächtig geworden ist, wie ein Gefäß der Elemente. [„bhūtakumbha“ ist mehrdeutig.]
10.97
paśyate cāgrataḥ sarvaṃ tattvavrātaṃ sadoditam
tatkṣaṇād viṣayān mucyej jīrṇakañcur yathoragaḥ //
Vor sich sieht er die ganze Schar der Wirklichkeitsprinzipien, immerdar offenbar. Augenblicklich löst er sich von den Sinnesgegenständen wie eine Schlange von ihrer alten Haut.
10.98
sadānandamadonmattaḥ sarvajñaguṇabhūṣitaḥ
śāmbhavena tu viddhasya cihnedaṃ sampravartate //
Vom Rausch beständiger Seligkeit erfüllt und mit der Eigenschaft der Allwissenheit geschmückt: Dieses Zeichen tritt bei dem durch Śiva Durchdrungenen hervor.
10.99
bhūtabhāvanaśaktīnāṃ mantrāveśa[ ṃ ] saraudrajam
krameṇa śāmbhavas teṣāṃ viśuddhatvaṃ yathā yathā //
Das Ergriffensein durch Elemente, Gegenstände, Kräfte, Mantras und Rudra wird stufenweise zum Śiva-Zustand, entsprechend dem jeweiligen Maß seiner Reinigung. [Die Vorlage hat die ergänzte Form „mantrāveśa[ ṃ ]“.]
10.100
jhalajhaleti yad vedhaṃ sampūrṇaghaṭavad yathā
bhūtāntaśaktimantrādau tathedaṃ sampracakṣyate //
Die Durchdringung, die „jhala-jhala“ klingt, wie ein gefüllter Krug, wird entsprechend bei den Elementen, der Kraft, den Mantras und den übrigen [Stufen] beschrieben. [Die onomatopoetische Bezeichnung und die genaue Reihenfolge sind nicht sicher erklärt.]
10.101
gurubhaktivihīnānāṃ vañcakānāṃ yaśasvini
pūrvaṃ śāmbhavaviddhasya bhūtādyaṃ sampravartate //
Bei Betrügern ohne Hingabe an den Lehrer, o Ruhmreiche, tritt das elementare und weitere [niedrigere Ergriffensein] auf, selbst wenn sie zuvor durch Śiva durchdrungen waren.
10.102
vedhadīkṣāparaṃ nāsti kathaṃ sā pratyayātmikā
pratyaye sati sañjāte kathaṃ tan mokṣalakṣaṇam //
[Die Göttin fragt:] Nichts ist höher als die durchdringende Einweihung. Wie besteht sie in bestätigender Erfahrung? Wenn eine solche Erfahrung entsteht, wodurch ist das ein Zeichen der Befreiung? [Sprecherwechsel aus dem Fragezusammenhang erschlossen.]
10.103
pratyaye sati mokṣo ' sti piṇḍapātena sarvathā
viṣayeṣu na mucyeta siddhabhāvaṃ na gacchati //
[Der Herr antwortet:] Ist bestätigende Erfahrung vorhanden, gibt es jedenfalls Befreiung beim Fallen des Körpers. [Solange] man sich nicht von den Sinnesgegenständen löst, gelangt man nicht zum Zustand eines Siddha.
10.104
śāmbhavena tu vedhena tatkṣaṇād viṣayojjhitaḥ
viṣayojjhita-ātmā vai dehenānena cotpatet //
Durch die Durchdringung durch Śiva ist man augenblicklich von den Sinnesgegenständen gelöst. Wessen Selbst von ihnen gelöst ist, der kann mit eben diesem Leib emporsteigen.
10.105
yena vedhena viddhasya sukhāsvādo na vidyate
sa kathaṃ svārthanirmukto viṣayeṣu virajyate //
Wenn ein Durchdrungener durch die Durchdringung keinen Geschmack der Freude erfährt, wie könnte er dann, vom eigenen Vorteil gelöst, gegenüber den Sinnesgegenständen leidenschaftslos werden?
10.106
śāmbhave na hi samprāpte darpeṇākulitekṣaṇaḥ
nāyakaiḥ so 'bhibhūyeta na sidhyaty adhikārakṛt //
Wenn der Śiva-Zustand nicht erlangt ist und Hochmut den Blick verwirrt, wird er von den Führern überwältigt; trotz Ausübung eines Amtes erlangt er keine Vollendung.
10.107
ājñānande samutpanne na gantavyaṃ guroḥ kulāt
kasmāt sāmarthyahetvarthaṃ yāvan notpādayed guṇān //
Wenn die Freude der Ermächtigung entstanden ist, soll man die Gemeinschaft des Lehrers nicht verlassen. Warum? Um Befähigung zu erlangen, solange man die Vorzüge noch nicht hervorgebracht hat.
10.108
divā preṣaṇatanniṣṭho rātrau jñānaparigrahaḥ
evaṃ sampādayet sarvaṃ sāmarthyaṃ tu guroḥ kule //
Am Tag widme man sich den aufgetragenen Diensten, nachts dem Erwerb von Erkenntnis. So erlange man die ganze Befähigung in der Gemeinschaft des Lehrers.
10.109
apreṣite na gantavyaṃ na kuryāc colbaṇādikam
ye na kopavaśād ājñāṃ dāsyanti gamanaṃ prati //
Ohne ausgesandt zu sein, soll man nicht fortgehen und nichts Anmaßendes tun. Diejenigen aber, die aus Zorn keine Erlaubnis zum Fortgehen geben,
10.110
śāmbhavājñāsamutpanne ya evaṃ kurute kudhīḥ
tasya pīṭhādhipāḥ pālāś cābhibhūyanty anekadhā //
obwohl Śivas Ermächtigung entstanden ist – einen solchen törichten [Lehrer] überwältigen die Herren und Hüter der Pīṭhas auf vielerlei Weise.
10.111
anuṣṭhānatapopāyair yadānandabhṛtas tanuḥ
tadādhikāraḥ kartavyo yasyājñā tasya tatpade //
Wenn der Leib durch Übung, Askese und [andere] Mittel Seligkeit trägt, soll die Amtsübertragung vorgenommen werden: Wer die Ermächtigung besitzt, [erhält] dessen Stellung. [Das Verhältnis der beiden Genitive bleibt offen.]
10.112
anujñāto 'bhiṣiktasya nāmamālāṃ prakāśayet
navapañcavidhaṃ dravyaṃ pūjārthe sampradarśitam //
Nachdem er die Ermächtigung erhalten hat, soll er dem Geweihten die Namensreihe offenbaren. Für die Verehrung werden neun- und fünffache Stoffe angegeben. [„navapañcavidha“ ist als Mengenangabe nicht eindeutig.] [Sanderson (2002, S. 8) bevorzugt abhiṣiktaś ca: Der Ermächtigte und Geweihte soll selbst die Namensreihe offenbaren. Damit ändert sich die Rollenverteilung gegenüber der erfassten Lesung.][1]
10.113
śubhe 'hani muhūrte ca caturdaśyāṣṭamīṣu ca
darpaṇodarabhūbhāge vastre vātha suśobhane //
An einem glückverheißenden Tag und zu einer günstigen Stunde, am vierzehnten oder achten Mondtag, [errichte man die Anordnung] auf der Fläche eines Spiegels, auf einem Bodenstück oder auf einem schönen Tuch.
10.114
tatopari yajet siddhān sarvajñaguṇaśālinān
caturviṃśa ṣoḍaśaivam aṣṭau caiva tripaṅktiṣu //
Darauf verehre man die Siddhas, die mit Allwissenheit ausgestattet sind: vierundzwanzig, sechzehn und acht in drei Reihen.
10.115
dvau siddhau madhyadeśe tu kuṅkumena tu cākṣataiḥ
trihastaṃ maṇḍalaṃ kuryād ūrdhvādau pūrvapaścimam //
Zwei Siddhas befinden sich in der Mitte. Mit Safran und ungebrochenen Reiskörnern fertige man ein drei Ellen großes Maṇḍala, oben beginnend in Ost-West-Richtung. [Die Richtungsanweisung ist sprachlich verkürzt.]
10.116
śṛṅgātakākṛti hy evaṃ tatra pūjāṃ samārabhet
pūjayitvā vidhānena dravyaiḥ pañcanavādibhiḥ //
Es hat die Gestalt einer Wegkreuzung; dort beginne man die Verehrung. Nachdem man vorschriftsgemäß mit fünf, neun und weiteren Stoffen verehrt hat,
10.117
pṛthagdīpaiḥ pūjayitvā phalguṣālisugandhibhiḥ
supraṇītaṃ subhaktaṃ ca ājñāguṇavidhāyinam //
und mit einzelnen Lampen, mit duftendem Phalgu und Reis verehrt hat, [bereite man] den gut angeleiteten, hingebungsvollen [Schüler], der die Vorzüge der Ermächtigung verwirklicht. [„phalgu“ und die Satzverbindung sind unsicher.]
10.118
tataḥ praveśayec chiṣyaṃ puṣpaṃ mocāpayed iti
yasmin mārge patet puṣpaṃ tan nāma tasya dāpayet //
Dann führe man den Schüler hinein und lasse ihn eine Blume fallen. Entsprechend dem Weg, auf den die Blume fällt, gebe man ihm den Namen.
10.119
prakaṭaṃ śiva vijñeyaṃ guptam ānanda-m-ucyate
akārādikṣakārāntaṃ pañcāśaguṇalakṣitam //
Der offenbare [Namensbestandteil] ist als „Śiva“ zu verstehen, der geheime heißt „Ānanda“. Von A bis Kṣa ist [die Reihe] durch fünfzig Eigenschaften gekennzeichnet.
10.120
akṣare akṣare siddhaṃ puṣpapātād vilakṣayet
śrīkaṇṭhānantasūkṣmeśaṃ trimūrtir amaro 'rghinaḥ //
Bei jedem einzelnen Buchstaben bestimme man durch den Fall der Blume den Siddha: Śrīkaṇṭha, Ananta, Sūkṣmeśa, Trimūrti, Amara, Arghin,
10.121
tithīśo bhārabhūtiś ca sthāṇunāmo haras tathā
jhaṇṭīśo bhauktikaś caiva sadyojātas tv anugrahī //
Tithīśa, Bhārabhūti, der Sthāṇu Genannte, Hara, Jhaṇṭīśa, Bhauktika, Sadyojāta und Anugrahin,
10.122
krūrasenas tathānyo vai mahāsenas tataḥ paraḥ
prathamādau sthitā hy ete upariṣṭād vilakṣayet //
ferner Krūrasena und dann Mahāsena. Diese stehen am Anfang [der ersten Reihe]; man soll sie oben erkennen.
10.123
krodhaś caṇḍaḥ pracaṇḍaś ca śivaikarudra eva ca
kūrmaś caivaikanetraś ca caturāsyo 'vasānugaḥ //
Krodha, Caṇḍa, Pracaṇḍa, Śivaikarudra, Kūrma, Ekanetra, Caturāsya und Avasānuga:
10.124
prathamā yā sthitā paṅktiḥ pīṭhatrayavibhūṣitā
ajeśaḥ śarma somaś ca lāṅgulīśo 'tha dārukaḥ //
[Dies vervollständigt] die erste Reihe, die mit drei Pīṭhas geschmückt ist. [Es folgen:] Ajeśa, Śarma, Soma, Lāṅgulīśa und Dāruka,
10.125
ardhanāryo hy umākānto āṣāḍhī diṇḍir eva ca
dhātrīśaś ca tathā mīno meṣo lohita-m-eva ca //
Ardhanārya, Umākānta, Āṣāḍhin, Diṇḍin, Dhātrīśa, Mīna, Meṣa und Lohita,
10.126
śikhīśaś chagalaṇḍaś ca dviraṇḍo madhyapaṅktigāḥ
mahākālaś ca vālākhyo bhujaṅgākhyaḥ pinākinaḥ //
Śikhīśa, Chagalaṇḍa und Dviraṇḍa gehören zur mittleren Reihe. [Dann:] Mahākāla, der Vāla Genannte, der Bhujaṅga Genannte, Pinākin,
10.127
khaḍgānando bakānandaḥ śvetānandas tathaiva ca
bhṛguś caivāntime cakre aṣṭau tāṃś ca prapūjayet //
Khaḍgānanda, Bakānanda, Śvetānanda und Bhṛgu: Diese acht soll man im letzten Rad verehren.
10.128
lākulānanda madhyasthaṃ saṃvartānandasaṃyutam
tayor madhyagatāṃ devīṃ kubjikāṃ parameśvarīm //
Lākulānanda befindet sich in der Mitte, mit Saṃvartānanda verbunden. Zwischen ihnen [weilt] die Göttin Kubjikā, die höchste Herrin.
10.129
pūjayet pīṭhasaṃyuktāṃ pāramparyeṇa saṃyutām
yathā siddhās tathā devyāḥ saṃhāryādi prapūjayet //
Man verehre sie zusammen mit den Pīṭhas und der Überlieferungsfolge. Wie die Siddhas verehre man auch die Göttinnen, angefangen mit Saṃhārī,
10.130
vāgeśyantāḥ krameṇaiva guruvaktraprasādataḥ
ṣaḍāre ḍādiṣaṭkaṃ tu krameṇaiva prapūjayet //
bis Vāgeśī in der gehörigen Reihenfolge, dank der Gnade aus dem Mund des Lehrers. Im sechsspeichigen [Rad] verehre man nacheinander die Sechsheit, die mit Ḍa beginnt.
10.131
kulāṣṭakaṃ tato bāhye aṣṭāre paṅkaje kramāt
pañcadravyabhṛtaṃ pātraṃ tadagre sanniveśayet //
Dann [verehre man] außen im achtspeichigen Lotus die acht Kulas der Reihe nach. Davor stelle man ein Gefäß mit den fünf Stoffen auf.
10.132
kramāmnāyaṃ punaḥ pātre kuryāt tenābhiṣecanam
mukhena vātha kartavyaṃ yasyopari subhāvanā //
Die stufenweise Überlieferung setze man wiederum im Gefäß ein und vollziehe damit die Besprengungsweihe. Oder man vollziehe sie mit dem Mund, über demjenigen, für den eine gute innere Haltung besteht. [Die konkrete Ausführung wird nicht erläutert.]
10.133
tataś cādeśayet taṃ tu kuru kāryaṃ yadṛcchayā
adhikārapadaṃ sarvaṃ mokṣitaṃ te prasādataḥ //
Dann trage man ihm auf: „Führe die Aufgabe nach freiem Ermessen aus. Die gesamte Stellung der Befugnis ist dir durch Gnade freigegeben.“
10.134
tataḥ prabhṛti deveśi yogyo bhavati śāsane
śāsanaṃ bhūṣayen nityaṃ guptācāravidhau sthitaḥ //
Von da an, o Götterherrin, ist er für die Lehre befähigt. Er soll die Lehre stets schmücken und dabei in der Vorschrift der verborgenen Lebensführung bleiben.
10.135
avyaktena tu liṅgena vyaktaliṅgena vā punaḥ
yena liṅgena yasyedaṃ talliṅgaṃ na parityajet //
Ob mit einem unauffälligen oder mit einem sichtbaren Kennzeichen: Welches Kennzeichen jemand dabei besitzt, dieses soll er nicht aufgeben.
10.136
ākāśāt patitaṃ toyaṃ yathā gacchati sāgaram
gartānadyopacāreṇa tathā sarvaṃ kulānvaye //
Wie das vom Himmel gefallene Wasser durch Gruben und Flüsse zum Meer gelangt, so [gelangt] alles in die Kula-Überlieferung.
10.137
yāsyanti liṅginaḥ sarve niścayārtho 'nyathā na hi
kasmāt pratyakṣarūpeṇa tatrājñā vartate yataḥ //
Alle Träger religiöser Kennzeichen werden dorthin gelangen; dies ist gewiss und nicht anders. Warum? Weil dort die Ermächtigung in unmittelbar erfahrbarer Gestalt gegenwärtig ist.
10.138
samudravat kulānandaṃ yasmāt tat sarvatomukham
kulaṃ tad eva vijñeyaṃ sarvānugrahakārakam //
Die Seligkeit des Kula gleicht dem Meer, weil sie nach allen Seiten offen ist. Eben dies ist als das Kula zu erkennen, das allen Gnade erweist.
10.139
brāhmaṇaṃ kṣatriyaṃ vaiśyaṃ śūdraṃ prākṛtam antyajam
mātaṅgamlecchajātyutthaṃ bauddhasāṅkhyadigambaram //
Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra, gewöhnlicher Mensch, außerhalb der Kasten Geborener, Angehöriger einer Mātaṅga- oder Mleccha-Gruppe, Buddhist, Sāṃkhya-Anhänger und Digambara,
10.140
tridaṇḍamuṇḍakhaṭvāṅgamuṣalānyakriyānvitam
yāsyanti paramaṃ śaivaṃ śaivo yāti na kutracit //
Träger des Dreistabs, Kahlgeschorener, Träger von Schädelstab oder Keule und Menschen anderer Praktiken: Sie werden zum höchsten Śaiva-[Zustand] gelangen; der Śaiva geht nirgendwo andershin.
10.141
tac ca kaulabhṛtānandaṃ netaraṃ tu kriyākulam
sarvajñamārgavihitaṃ sarvācāraprapālakam //
Dies ist die vom Kaula getragene Seligkeit, nicht ein anderer, von Ritualen überladener [Weg]. Sie ist vom Weg des Allwissenden bestimmt und bewahrt alle Lebensordnungen.
10.142
kaulikācāramārgeṇa bhāvādvaitena sarvathā
tattvādvaitena mārgeṇa sarvathā yatra saṃsthitaḥ //
Auf dem Weg der Kaula-Lebensführung, durch die Nichtzweiheit der inneren Haltung und durch den Weg der Nichtzweiheit der Wirklichkeitsprinzipien soll man vollständig darin gegründet sein.
10.143
pālayel laukikācāram advaitaṃ samanuṣṭhayet
gopayed guptaliṅgāni tatpraviṣṭāni sarvathā //
Man bewahre das weltliche Verhalten und verwirkliche die Nichtzweiheit. Die darin enthaltenen geheimen Kennzeichen soll man in jeder Hinsicht verbergen.
10.144
adhamād uttamaṃ jñānaṃ yady arthī uttamo bhavet
liṅgino vā dvijanmā vā ājñārthī tu na vañcayet //
Höhere Erkenntnis [kann] von einem Niedrigeren [kommen], auch wenn der Suchende höher steht. Ob Träger eines Ordenszeichens oder Zweimalgeborener: Wer Ermächtigung sucht, soll nicht täuschen. [Das letzte Verb kann auch „vorenthalten/betrügen“ bedeuten; das Objekt ist nicht ausgedrückt.]
10.145
ekānte vihitaṃ sarvaṃ kurvīta na janākule
anyathā sthitibhaṅgaḥ syān naśyate śāsanaṃ priye //
Alles Vorgeschriebene soll man in Abgeschiedenheit ausführen, nicht in einer Menschenmenge. Andernfalls wird die Ordnung gebrochen, und die Lehre geht zugrunde, o Geliebte.
10.146
varjayet kaulikān bauddhān tathā mīmāṃsakāsthitān
kasmād bhraṣṭakriyā teṣāṃ na mokṣo naiva sādhanam //
Man meide Kaulikas, Buddhisten und diejenigen, die in der Mīmāṃsā stehen. Warum? Ihre Praxis sei verfehlt; bei ihnen gebe es weder Befreiung noch Verwirklichung. [Polemische Aussage des Textes. Ob „kaulikān“ selbständige Gruppe oder nähere Bestimmung ist, bedarf weiterer Prüfung.]
10.147
jihvopasthanimittārtham advaitaṃ teṣu sarvathā
kaulikācāranirmuktāḥ śvānavad vicaranti te //
Ihre Nichtzweiheit diene ausschließlich der Zunge und den Geschlechtsorganen. Von der Kaula-Lebensführung abgefallen, streifen sie wie Hunde umher. [Die abwertende Darstellung gehört zur historischen Abgrenzung des Autors.]
10.148
nirācāraṃ prakurvanti nirācāravivarjitāḥ
viṣaṃ bhakṣanti te mūḍhā yathājñāmantravarjitāḥ //
Sie betreiben Regellosigkeit, obwohl sie den Zustand jenseits der Regeln nicht besitzen. Diese Toren essen gleichsam Gift, da ihnen Ermächtigung und Mantra fehlen.
10.149
yady api te trikālajñās trailokyākarṣaṇakṣamāḥ
tathāpi saṃvṛtācārāḥ pālayanti kulasthitim //
Selbst wenn [die Befähigten] die drei Zeiten kennen und die drei Welten herbeiziehen können, halten sie ihre Lebensführung verborgen und bewahren die Ordnung des Kula.
10.150
nirācāreṇa yogena paśyanti viṣayojjhitāḥ
viṣayastho 'pahāsitvaṃ nirācāreṇa yāty asau //
Durch den Yoga jenseits der Regeln sehen sie, von Sinnesgegenständen gelöst. Wer an Sinnesgegenständen haftet, wird durch [vorgebliche] Regellosigkeit zum Gespött.
10.151
bhraṣṭanaṣṭakulaṃ tyajya kulakaulaṃ samāśrayet
tatra yogigurūṇāṃ ca pūjyate caraṇāmbujam //
Man verlasse ein verfallenes und zerstörtes Kula und suche Zuflucht beim Kula-Kaula. Dort wird der Lotusfuß der Yogin-Lehrer verehrt.
10.152
samayena vinā devi samartho bhavate katham
sāmarthyena vinā caryā nirācārātmikā bhavet //
Wie könnte man ohne die Verpflichtungen befähigt werden, o Göttin? Ohne Befähigung wäre die Lebensführung [bloß] regellos. [Der Text spielt hier mit der positiven und negativen Bedeutung von „nirācāra“.]
10.153
jñātvāmnāyapadaṃ sarvaṃ yathāvasthaṃ kuleśvaram
ṣaṭprakāravidhānena nirgatācārarūpiṇam //
Nachdem man die gesamte Stätte der Überlieferung und den Herrn des Kula seinem wirklichen Wesen nach erkannt hat, der in sechsfacher Ordnung die Gestalt des über die Lebensregeln Hinausgegangenen besitzt,
10.154
sāmarthyaguṇayuktātmā viṣayātīto jitendriyaḥ
virajo rañjitātmā vai nirācāro bhavet tu saḥ //
wird der mit Befähigung ausgestattete, über die Sinnesgegenstände hinausgelangte und seine Sinne beherrschende Mensch, unbefleckt und innerlich erfreut, wahrhaft jenseits der Regeln sein.
10.155
etat te kathitaṃ devi sarahasyaṃ sugopitam
anyad yat te manasthaṃ tu tat pṛccha vadato mama //
Damit habe ich dir, o Göttin, das gut gehütete [Wissen] mitsamt seinem Geheimnis erklärt. Frage mich nun nach allem anderen, was dir im Sinn liegt, während ich spreche.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate devyāsamayo nāma mantroddhāre daśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das zehnte Kapitel der Mantraerschließung mit dem Titel „Die Verpflichtung der Göttin“. [Die Titelgestalt „devyāsamaya“ ist grammatisch auffällig und wird vorläufig so verstanden.]
Kapitel 11
11.1
mantratantrais tvayā deva bhrāmitāhaṃ kriyādibhiḥ
dhyānadhāraṇayogaiś ca idānīṃ kathaya sphuṭam //
[Die Göttin sprach:] Gott, durch Mantras, Tantras, Rituale, Meditation, Konzentration und Yoga hast du mich verwirrt. Erkläre es jetzt deutlich!
11.2
pūrvatantre tvayā deva sūcitaṃ na prakāśitam
adhunā śrotum icchāmi ṣaṭpadārthavinirṇayam //
Im früheren Tantra hast du es angedeutet, aber nicht offengelegt. Nun möchte ich die genaue Bestimmung der sechs Gegenstände hören.
11.3
mahānandakaraṃ vākyaṃ mahāścaryakaraṃ param
gopitaṃ sarvadevānāṃ tathā te kathayāmy aham //
[Der Herr sprach:] Ich werde dir diese höchste, großes Staunen und große Seligkeit hervorrufende Lehre mitteilen, die vor allen Göttern verborgen ist.
11.4
anādinidhaneśānāc chivāt paramakāraṇāt
divyājñāyāḥ kramo jātaḥ pāramparyaughasantatiḥ //
Aus Śiva, dem Herrn ohne Anfang und Ende, der höchsten Ursache, entstand die Folge göttlicher Ermächtigung, der fortlaufende Strom der Lehrerüberlieferung.
11.5
akulaṃ ca kulaṃ caiva kulākulavinirṇayam
adhunā kathayiṣyāmi navadhā nirṇayo yathā //
Akula, Kula und die Unterscheidung von Kula und Akula werde ich nun erklären, und wie ihre Bestimmung neunfach ist.
11.6
parasya paramāṃ viddhi yonim ādyāṃ mahāmbike
rūpātītādiyogena pareccheyaṃ caturvidhā //
Erkenne die höchste ursprüngliche Quelle des Höchsten, o große Mutter. Dieser höchste Wille ist durch die Verbindung mit dem Gestaltlosen und den weiteren [Stufen] vierfach.
11.7
rūpātītaṃ tu kāmākhyaṃ rūpaṃ pūrṇagirir mahān
padaṃ jālandharākhyaṃ tu piṇḍam oḍraṃ prakīrtitam //
Das Gestaltlose heißt Kāmākhya, die Gestalt ist der große Pūrṇagiri; die Stätte heißt Jālandhara, der Körper Oḍra.
11.8
antimāmṛta sūkṣmā ca susūkṣmādyaṃ catuṣṭayam
akuleśvaradevasya sambandhaḥ prathamaḥ smṛtaḥ //
Antimā, Amṛtā, Sūkṣmā und Susūkṣmā bilden die Vierheit. Sie gilt als die erste Verbindung mit dem Gott Akuleśvara. [Die Abgrenzung der ersten beiden Namen in „antimāmṛta“ ist vorläufig.]
11.9
rūpātītāt paro hinduḥ śaktyādhiṣṭhita bhāsvaraḥ
tato nādo nirodhaś ca ardhacandram anukramāt //
Jenseits des Gestaltlosen ist der höchste „hindu“, leuchtend und von Śakti getragen; danach folgen Nāda, Nirodha und der Halbmond. [„hinduḥ“ steht so in der Quelle; möglicherweise ist „binduḥ“ gemeint, ohne Druckvergleich aber nicht berichtigt.]
11.10
etat tat pañcakaṃ proktaṃ jñānaratnamahodayam
sā yoniḥ paramā jñeyā kriyādhvānamahodadhiḥ //
Diese Fünfheit ist genannt, der große Aufgang des Erkenntnisjuwels. Sie ist als die höchste Quelle zu erkennen, als der große Ozean des Handlungsweges.
11.11
bindutattvāt paro bindur makārokāra-m-eva ca
akāras tu samākhyātaḥ ṣaṭpadārthavibhedakaḥ //
Jenseits des Bindu-Prinzips sind Bindu, der Laut Ma, der Laut U und der Laut A genannt, welche die sechs Gegenstände unterscheiden. [Die Aufzählung ist syntaktisch verkürzt.]
11.12
rūpāt padaṃ samutpannaṃ kālarūpaṃ ṣaḍānanam
ṣaḍvidhādhvānayogena sṛjate saṃharanti ca //
Aus der Gestalt entstand die Stätte, sechsangesichtig und von Zeitgestalt. Durch Verbindung mit dem sechsfachen Weg erschafft und vernichtet [sie].
11.13
ādhārādheyayogena ṣaṭpadārthapadena ca
kurute vividhāṃ sṛṣṭiṃ yena tat kathyate ' dhunā //
Durch das Verhältnis von Träger und Getragenem und durch die Stätte der sechs Gegenstände bewirkt [sie] mannigfaltige Schöpfung. Wodurch dies geschieht, wird nun erklärt.
11.14
ātmā dhārayate śaktim ātmā haṃsoparisthitaḥ
haṃsaḥ samīraṇāntasthaḥ sa ca nāḍīpathe sthitaḥ //
Das Selbst trägt die Kraft; das Selbst ruht auf Haṃsa. Haṃsa befindet sich im Lebenswind, dieser auf dem Weg der Nāḍīs.
11.15
nāḍyaḥ piṇḍe sakarmādyaḥ paśur māyāmalānvitāḥ
etat ṣaṭkaṃ samākhyātaṃ kulamārgaprabodhakam //
Die Nāḍīs befinden sich im Körper mitsamt dem Karman und Weiterem; das gebundene Wesen ist mit Māyā und Befleckung versehen. Diese Sechsheit ist erklärt, welche den Kula-Weg erhellt. [Die grammatischen Bezüge sind unregelmäßig.]
11.16
atra jātaṃ jagat sarvaṃ kriyākāraṇagocaram
parāc ca śāmbhavaṃ jñānaṃ vijñānānekasaṅkulam //
Darin entsteht die ganze Welt im Bereich von Wirkung und Ursache; aus dem Höchsten [entsteht] Śivas Erkenntnis, die viele Erkenntnisweisen umfasst.
11.17
viśuddhir bodhajananī ṣoḍaśānta-m-adhordhvataḥ
maṇipūraka śabdasthaṃ daśapañcāvatārakam //
Viśuddhi, die Erkenntnis erzeugt, reicht oberhalb und unterhalb bis zum Sechzehnten; Maṇipūraka ruht im Laut und bringt fünfzehn Erscheinungsformen hervor. [Die Zahlen- und Raumbezüge sind vorläufig.]
11.18
sā tu māyā parā jñeyā caturyonir mahāmbike
śabdasūtreṇa yenaitāḥ pañcāśa maṇayo mahān //
Sie ist als höchste Māyā mit vier Quellen zu erkennen, o große Mutter. Durch jenen großen Lautfaden sind diese fünfzig Edelsteine
11.19
āpūritāś ca mahatā tenedaṃ maṇipūrakam
asyādhāraṃ tu vijñeyaṃ karṇakubjaṃ mahāpuram //
von dem Großen erfüllt; deshalb heißt dies Maṇipūraka, „Edelsteinfüller“. Als seine Grundlage erkenne man die große Stadt Karṇakubja.
11.20
vijñānaiḥ pañcadaśabhiḥ pūritaṃ bhuktimuktidam
maṇipūrakamālāyāṃ granthir jātā caturvidhā //
Mit fünfzehn Erkenntnisweisen erfüllt, schenkt sie Genuss und Befreiung. An der Maṇipūraka-Kette entstand ein vierfacher Knoten.
11.21
maṇḍalaṃ mantravidyāś ca mudrā granthiś caturvidhā
māyāyantrodare cānyā puṃsāṃ sṛṣṭir anāhatā //
Maṇḍala, Mantra, Vidyā und Mudrā sind der vierfache Knoten. Im Inneren der Māyā-Vorrichtung gibt es eine weitere, ungeschlagene Schöpfung der Wesen.
11.22
nadate daśadhā sā tu divyānandapradāyikā
ciṇīti prathamaṃ śabdaṃ ciñcinī tu dvitīyakam //
Sie erklingt auf zehn Arten und schenkt göttliche Seligkeit. Der erste Laut heißt „ciṇī“, der zweite „ciñcinī“.
11.23
cīravākī tṛtīyaṃ tu śaṅkhaśabdaṃ caturthakam
pañcamaṃ tantrinirghoṣaṃ ṣaṣṭhaṃ vaṃśaravas tathā //
Der dritte ist Cīravākī, der vierte der Muschelklang, der fünfte das Klingen einer Saite und der sechste der Flötenton.
11.24
saptamaṃ kaṃsatālaṃ tu meghaśabdaṃ tu cāṣṭamam
navamaṃ dāghanirghoṣaṃ daśamaṃ dundubhisvanaḥ //
Der siebte ist der Schlag eines Metallbeckens, der achte der Wolkenklang, der neunte der Dāgha-Klang und der zehnte der Klang einer Trommel. [„dāgha“ ist nicht sicher identifiziert.]
11.25
navaśabdam parityajya daśamaṃ mokṣadaṃ param
hananena vinā yena vyāhared daśadhā ravam //
Man lasse die neun Klänge zurück; der zehnte ist der höchste, der Befreiung schenkt. Weil [dieses Prinzip] ohne Anschlagen zehnfachen Klang hervorbringt,
11.26
tenaivānāhataṃ jātaṃ karṇakubjād vinirgatam
daśadhā ravate-d-evam aṣṭapattroparisthitam //
heißt es Anāhata, „ungeschlagen“, und geht aus Karṇakubja hervor. Auf dem achtblättrigen [Lotus] ruhend, erklingt es so zehnfach.
11.27
daśadhā guṇadātāraṃ ciccetāhṛdayātmakam
pramāṇapadayogena kṣobhayitvā navān bahūn //
Es schenkt zehnfach Vorzüge und besteht aus Bewusstsein, Denken und Herz. Durch Verbindung mit der Stätte des Erkenntnismittels erregt es viele neue [Formen]. [„navān bahūn“ hat kein ausdrücklich genanntes Bezugswort.]
11.28
kalākarmasamāyogāt svādhiṣṭhānaṃ vinirmitam
śatakoṭisuvistīrṇaṃ bhuvanānekasaṅkulam //
Durch Verbindung von Kalā und Karman wird Svādhiṣṭhāna gebildet, über hundert Koṭis ausgedehnt und mit vielen Welten erfüllt.
11.29
māyākālakalākīrṇam ādhāraṃ brahmaṇas tu tat
catuṣkalasamopetaṃ śivaśaktisamanvitam //
Von Māyā, Zeit und Kalās durchsetzt, ist es die Grundlage Brahmās, mit vier Teilen ausgestattet und mit Śiva und Śakti verbunden.
11.30
ṣaṭprakāram idaṃ kubji svādhiṣṭhānaṃ pṛthak pṛthak
ṣaṭpadārthavibhāgo 'yaṃ durlabhaḥ prakaṭīkṛtaḥ //
Dieses Svādhiṣṭhāna ist jeweils sechsfach, o Kubjī. Die schwer zugängliche Gliederung der sechs Gegenstände ist damit offengelegt.
11.31
kriyātattvārthanirdeśaṃ kubjike 'nyatra gopitam
kulākulam idaṃ ṣaṭkam uttaraṃ te prakāśitam //
Diese Erklärung des Sinnes der Handlungsprinzipien wird andernorts verborgen, o Kubjikā. Diese nördliche Sechsheit von Kula und Akula wurde dir offenbart.
11.32
dakṣiṇasyāpi ṣaṭkasya sāmprataṃ nirṇayaṃ śṛṇu
maṇipūrakadevasya tat tejo bhāsvaras tu yaḥ //
Höre nun auch die Bestimmung der südlichen Sechsheit. Jener strahlende Glanz des Gottes Maṇipūraka:
11.33
tatra tad dakṣiṇaṃ ṣaṭkam ājñāpūrvaṃ kulodbhavam
sṛṣṭimārgakramāyātaṃ śivaśakteḥ kulākulam //
Darin liegt die südliche, aus dem Kula entstandene Sechsheit, der Ermächtigung vorausgeht. Sie kommt in der Folge des Schöpfungsweges als Kula und Akula von Śiva und Śakti.
11.34
saṃhārapadaṣaṭkasya kulaṃ śaktyāntadakṣiṇam
gudam ādhāram ity uktaṃ svādhiṣṭhānaṃ tu liṅgajam //
Das Kula der sechs Auflösungsstätten reicht südlich bis zur Kraft. Der After wird Grundlage genannt, Svādhiṣṭhāna gehört zum Geschlechtsorgan. [Der erste Halbvers bleibt hinsichtlich seiner räumlichen Zuordnung unsicher.]
11.35
maṇipūraka nābhisthaṃ hṛdisthaṃ ca anāhatam
viśuddhiḥ kaṇṭhadeśe tu ājñā netradvayāntare //
Maṇipūraka liegt am Nabel, Anāhata im Herzen, Viśuddhi in der Halsgegend und Ājñā zwischen den Augen.
11.36
viśuddhiḥ ṣoḍaśair bhedair daśadhā tu anāhatam
maṇipūraka vijñeyaṃ bhedair dvādaśabhiḥ sthitam //
Viśuddhi besitzt sechzehn Unterteilungen, Anāhata zehn; Maṇipūraka ist als in zwölf Unterteilungen bestehend zu erkennen.
11.37
anekārthaguṇādhāraṃ svādhiṣṭhānaṃ tu ṣaṭkalam
catuṣkalaṃ tu ādhāram ājñābhedadvayaṃ viduḥ //
Svādhiṣṭhāna, Grundlage vieler Bedeutungen und Kräfte, hat sechs Teile; die Grundlage hat vier. Ājñā kennt man in zwei Unterteilungen.
11.38
ājñābhedadvayaṃ nātha kathaṃ tat parameśvara
ācacakṣva prayatnena yena bhrāntir vinaśyati //
[Die Göttin fragte:] Wie sind diese zwei Unterteilungen von Ājñā beschaffen, Herr, höchster Herr? Erkläre es sorgfältig, damit die Verwirrung vergeht.
11.39
lakṣavārasahasrais tu vāraṃ vāraṃ punaḥ punaḥ
eṣa sāṅketiko hy arthaḥ kathyamānaṃ na budhyasi //
[Der Herr sprach:] Hunderttausende und Tausende Male, immer wieder, [erkläre ich es]; doch du verstehst den in Andeutungen ausgedrückten Sinn nicht, obwohl er dir gesagt wird.
11.40
śāmbhavaṃ kathitaṃ jñānaṃ sṛṣṭimārgeṇa śaktigam
icchāśaktisamāyuktam uttaraṃ te prakāśitam //
Die Śiva-Erkenntnis wurde als auf dem Schöpfungsweg zur Kraft gelangend erklärt. Das Nördliche, mit der Willenskraft verbunden, wurde dir offenbart.
11.41
icchājñānaṃ parityajya śambhur atrāpi dakṣiṇam
kriyāśaktir adhobhāge saṃyogāt pratyayāyate //
Unter Zurücklassung von Wille und Erkenntnis ist Śambhu hier auch das Südliche. Die Handlungskraft befindet sich unten; durch die Verbindung wird sie erfahrbar. [Die Satzstruktur ist verkürzt.]
11.42
ūrdhvaśaktinipātena adhaḥśaktinikuñcanāt
kurute vividhāṃ sṛṣṭim anekākārarūpiṇīm //
Durch Herabfallen der oberen und Zusammenziehen der unteren Kraft bewirkt [er] mannigfaltige Schöpfung in vielerlei Gestalten.
11.43
na śivena vinā śaktir na śivaḥ śaktivarjitaḥ
kriyātattvasya mārgo 'yaṃ parecchādhvaṃ tu kevalam //
Ohne Śiva gibt es keine Śakti, und Śiva ist nicht ohne Śakti. Dies ist der Weg des Handlungsprinzips, allein der Weg des höchsten Willens.
11.44
uttarasya tu mārgasya yac chatuṣkaṃ susūkṣmagam
kṣobhitaṃ tena cātmānaṃ punaḥ ṣoḍaśadhā kṛtam //
Die Vierheit des nördlichen Weges, die sich im überaus Feinen befindet, erregt das Selbst; dieses wird wiederum sechzehnfach gemacht.
11.45
viśuddhaṃ paratattvāntaṃ tenātmānaṃ visarpitam
catustriṃśatibhedena tasmān 'nekavidhākṛtiḥ //
Rein bis zum höchsten Wirklichkeitsprinzip breitet sich das Selbst dadurch aus. Durch vierunddreißig Unterteilungen besitzt es dann mannigfaltige Gestalt. [Die Beziehung von sechzehn und vierunddreißig wird hier nicht ausgeführt.]
11.46
sapratyayaguṇādhāram avasthāguṇadāyakam
lakṣyate yena suśroṇi tac chṛṇuṣva yathārthataḥ //
Höre genau, o Schönhüftige, woran man die Grundlage erfahrbarer Eigenschaften erkennt, die die Eigenschaften der Zustände verleiht.
11.47
muktāphalanibhākāraṃ kvacij jvālācalācalam
kvacin markaṭijālābhaṃ mṛgatṛṣṇeva cāpalam //
Sie erscheint wie eine Perle, bisweilen als unruhige Flamme, bisweilen wie ein Spinnennetz, flüchtig wie eine Luftspiegelung. [„markaṭijāla“ wird vorläufig als Spinnennetz verstanden.]
11.48
rūpātītaṃ ca rūpaṃ ca padapiṇḍaṃ caturvidham
viśuddhatanudevasya ādyabhedaṃ catuṣṭayam //
Gestaltloses, Gestalt, Stätte und Körper: Diese Vierheit bildet die ursprünglichen vier Unterteilungen des Gottes mit reinem Leib.
11.49
sarahasyaṃ prabuddhānāṃ kṣubdhānāṃ tu kriyādhvare
tasmāt pīṭhacatuṣkaṃ tu sañjātaṃ tu kulākulam //
[Mitsamt] ihrem Geheimnis [gilt dies] für die Erwachten, die auf dem Handlungsweg erregt sind. Daraus entstand die Vierheit der Pīṭhas als Kula und Akula.
11.50
kalābhṛttanudevasya kailāsoparisaṃsthitam
madhyadeśe tu randhrasthaṃ śrīmadoḍrakuleśvaram //
Oberhalb des Kailāsa des Gottes mit dem aus Kalās bestehenden Leib, in einer Öffnung der Mitte, [liegt] das erhabene Oḍra-Kuleśvara.
11.51
prathamaṃ pītavarṇaṃ tu saśailavanakānanam
vanopavanasaṃyuktaṃ hemaprākāramaṇḍitam //
Die erste [Stätte] ist gelb, mit Bergen, Wäldern und Hainen versehen, mit Waldungen und Gärten verbunden und von goldenen Mauern geschmückt.
11.52
nadīnadasamākīrṇam anekārthasamākulam
sarvabījasamākīrṇaṃ caturasraṃ samantataḥ //
Sie ist von Flüssen und Strömen durchzogen, reich an vielerlei Gegenständen, mit allen Samen erfüllt und ringsum viereckig.
11.53
vajrārgalasamopetaṃ vajrahastā tu mālinī
tatrādhipatyayogena pīṭhapīṭheśvarīyutam //
Sie besitzt einen diamantenen Riegel. Mālinī hält den Donnerkeil in der Hand; durch ihre Herrschaft ist [die Stätte] mit dem Pīṭha und seiner Herrin verbunden.
11.54
tasyaiva dakṣiṇe koṇe candrābhaṃ candravarcasam
ardhacandra purākāraṃ sari tsarasamākulam //
An ihrer südlichen Ecke [liegt eine Stadt], mondgleich und mondstrahlend, von der Gestalt eines Halbmonds und voller Flüsse und Seen.
11.55
jalakallolagambhīraṃ ṣaḍrasārṇavasaṅkulam
vīcītaraṅgakallolais taṭāsphālanabhīṣaṇaiḥ //
Sie ist tief durch ihre wogenden Gewässer, mit dem Meer der sechs Geschmäcker erfüllt; Wellen und Wogen schlagen furchterregend an ihre Ufer.
11.56
tattvanāthoparisthaṃ tu puraṃ tat pārameśvaram
himacandraśilābhiś ca samantān nicitaṃ tu tam //
Diese Stadt des höchsten Herrn liegt auf dem Herrn der Wirklichkeitsprinzipien; ringsum ist sie mit Schnee- und Mondsteinen bedeckt.
11.57
prākāreṇa vicitreṇa gopurāṭṭālaśobhitam
anekaguṇasañchannam anekāścaryasaṅkulam //
Mit einer bunten Ringmauer, Toren und Türmen geschmückt, birgt sie viele Vorzüge und ist mit vielen Wundern erfüllt.
11.58
tatra tattveśvaraṃ devaṃ devyādhiṣṭhitavigraham
śyāmavarṇaṃ sutejāḍhyaṃ pāśahastaṃ sulocanam //
Dort [weilt] der Gott Tattveśvara, dessen Gestalt von der Göttin getragen wird: dunkel, voller herrlichem Glanz, mit der Schlinge in der Hand und schönen Augen.
11.59
ādhāraṃ sarvasṛṣṭes tu mahāpīṭhoparisthitam
kailāsadakṣiṇe śṛṅge anekaguṇasaṅkulam //
Er ist die Grundlage aller Schöpfung und ruht auf dem großen Pīṭha, auf dem südlichen Gipfel des Kailāsa, mit vielen Vorzügen ausgestattet.
11.60
śrīmajjālandharaṃ pīṭhaṃ tatrasthaṃ lakṣayet priye
kailāsasyottare śṛṅge anekārcisamākulam //
Dort erkenne man das erhabene Pīṭha Jālandhara, o Geliebte. Auf dem nördlichen Gipfel des Kailāsa [liegt eine Stätte], mit vielen Flammen erfüllt,
11.61
grasantam iva trailokyaṃ sūryakoṭisamaprabham
piṅgalaṃ dahanāvasthaṃ lelihānaṃ sudāruṇam //
als verschlänge sie die drei Welten, so hell wie zehn Millionen Sonnen, gelbbraun, brennend, züngelnd und äußerst furchtbar.
11.62
mamāpi devi duṣprekṣyaṃ kiṃ punas tv itarair janaiḥ
trikoṇapuramadhyasthaṃ vajraprākāramaṇḍitam //
Selbst für mich ist sie schwer anzublicken, o Göttin, wie viel mehr für andere Menschen! Sie befindet sich inmitten einer dreieckigen Stadt mit diamantener Umwallung.
11.63
vajrastambhamayaṃ divyaṃ puraṃ vai pārameśvaram
kālāgnigopurāṭṭālaṃ samantāt pariveṣṭitam //
Die göttliche Stadt des höchsten Herrn besteht aus diamantenen Säulen und ist ringsum von Toren und Türmen aus dem Feuer der Zeit umgeben.
11.64
bahurūpasamākīrṇaṃ vidyāguṇavibhūṣitam
anekāścaryasampannaṃ jīvabhūtaṃ jagattraye //
Sie ist von vielerlei Formen erfüllt, mit Vidyā-Kräften geschmückt, mit vielen Wundern ausgestattet und das Leben der drei Welten.
11.65
āpūritam idaṃ yena tena tat pūrṇasaṃjñitam
saptajihvāsamopetaṃ kālarūpaṃ ṣaḍānanam //
Weil dadurch alles erfüllt wird, heißt sie Pūrṇa, „voll“. [Der Gott] besitzt sieben Zungen, die Gestalt der Zeit und sechs Gesichter.
11.66
pūrṇamāyā samāyuktaṃ sāñjanaṃ cārurūpiṇam
śaktihastaṃ mahāvīryaṃ sṛṣṭisaṃhārakārakam //
Mit Pūrṇamāyā verbunden, mit Augenschminke versehen und schön gestaltet, hält er den Speer, ist von großer Kraft und bewirkt Schöpfung und Auflösung.
11.67
napuṃsakaguṇāntasthaṃ vyāptibhūtaṃ vinirgatam
madhyapīṭhasya pūrveṇa cāgraśṛṅge vyavasthitam //
Im Bereich der neutralen Eigenschaft verweilend und als Durchdringung hervorgegangen, befindet sich [das Folgende] östlich des mittleren Pīṭha, auf dem vorderen Gipfel.
11.68
padminīdalasaṅkāśaṃ dhūmravat tāmravarcasam
mahāpracaṇḍadaṇḍaughaiḥ sphālanollālalālasaiḥ //
Es gleicht einem Lotusblatt, ist rauchfarben und kupferglänzend, mit Scharen äußerst gewaltiger Stäbe, die sich nach Schlagen und Aufschwingen sehnen. [Die Bild- und Satzbezüge sind unsicher.]
11.69
dhūyamānaṃ samantāt tu śoṣayantaṃ carācaram
ṣaḍasramaṇḍalāntasthaṃ sarvavyāpikuleśvaram //
Ringsum geschüttelt, trocknet es Bewegliches und Unbewegliches aus. Im sechseckigen Maṇḍala befindet sich der alles durchdringende Kuleśvara.
11.70
na tena rahitaṃ kiñcit sṛṣṭisaṃhāragocare
indranīlanibhaiḥ stambhaiḥ samantān nicitaṃ puram //
Nichts im Bereich von Schöpfung und Auflösung ist ohne ihn. Die Stadt ist ringsum mit Säulen ausgestattet, die Saphiren gleichen,
11.71
prākāragopurāṭṭālaṃ dhvajāekuśadhanurdharam
pañcabāṇadharaṃ devaṃ kāmadevyā samanvitam //
mit Ringmauer, Toren und Türmen. Der Gott trägt Fahne, Haken und Bogen sowie fünf Pfeile und ist mit Kāmadevī verbunden. [„dhvajāekuśa“ ist auffällig; „Haken“ setzt die wahrscheinliche Lesung aṅkuśa voraus.]
11.72
drāvayantaṃ jagat sarvaṃ śrutirūpaṃ tanūjjhitam
caturdaśavidhasyāpi nāyako daṇḍadhārakaḥ //
Er bringt die ganze Welt zum Schmelzen, hat die Gestalt des Hörbaren und ist körperlos. Er ist Führer auch des Vierzehnfachen und trägt den Stab.
11.73
tasyecchāpreritaṃ sarvaṃ kāmādyaṃ sampravartate
tenedaṃ cāgrakoṭisthaṃ manonmanyordhvasaṃsthitam //
Alles, angefangen mit dem Begehren, entfaltet sich von seinem Willen angetrieben. Deshalb steht dies an der vordersten Spitze, oberhalb von Manonmanī.
11.74
strīpuṃnapuṃsake dve tu pīṭhavyāptau pare viduḥ l
kāmena kṣubhitaṃ tattvaṃ sthāṇusaṃjñā manonmanam //
In der Durchdringung der Pīṭhas kennt man zwei höchste [Prinzipien] bei Weiblichem, Männlichem und Neutralem. Das von Kāma erregte Wirklichkeitsprinzip heißt Sthāṇu, Manonmana. [Die Zuordnung der Zahlen und Geschlechter ist unklar; die Quelle enthält zudem ein einzelnes „l“.]
11.75
manonmanena samanaṃ dvāv etau tu napuṃsakau
puṭarūpau samākhyātau tasmān 'nyo vyāpinaḥ paraḥ //
Samana ist mit Manonmana [verbunden]; beide sind neutral und werden als Hüllen beschrieben. Davon verschieden ist das höchste durchdringende [Prinzip].
11.76
sā tu māyā parā devī durbhedyā cākṣayāvyayā
vyāpinī sarvatattvānām ātmādau tv apare 'dhvani //
Es ist die höchste Göttin Māyā, schwer zu durchdringen, unerschöpflich und unvergänglich, die alle Wirklichkeitsprinzipien durchzieht, beginnend beim Selbst auf dem anderen Weg.
11.77
māyaiva sā ṣaḍadhvasya ṣaṭtriṃśānāṃ viśeṣataḥ
yayā vibhajya cātmānaṃ svarūpe cādhvanirmitam //
Sie ist die Māyā des sechsfachen Weges und besonders der sechsunddreißig [Prinzipien]. Sie teilt sich selbst und bildet den Weg in ihrer eigenen Gestalt.
11.78
ardhakoṭyā adhaḥsthāne nādāntaṃ sanniveśitam
unmanaḥ samanaś caiva vyāpino dhvanir eva ca //
Unterhalb der halben Spitze ist Nādānta eingesetzt: Unmanas, Samanas, Vyāpin und Dhvani.
11.79
pīṭhacatuṣkam etat tu sa evānyonyataḥ kramāt
dhvaner nādaḥ samutpannaḥ sa cānekavidhaḥ sthitaḥ //
Diese bilden die Vierheit der Pīṭhas, nacheinander auseinander [hervorgehend]. Aus Dhvani entstand Nāda; dieser besteht in vielerlei Formen.
11.80
sūkṣmaś caiva susūkṣmaś ca vyaktāvyakto 'tha kṛtrimaḥ
ātmano 'py ardhakoṭyante adhaḥsthāne niveśitaḥ //
Fein, überaus fein, offenbar, unoffenbar und künstlich: [So ist Nāda] unterhalb, am Ende der halben Spitze des Selbst, eingesetzt. [„ardhakoṭi“ bleibt als technische Ortsangabe vorläufig.]
11.81
tasmāt sa kurute sṛṣṭim anekākārarūpiṇīm
sūkṣmanādo guhāvāsī kālāgnau tu susūkṣmagaḥ //
Von dort bewirkt er die Schöpfung in vielerlei Gestalten. Der feine Nāda wohnt in der Höhle, der überaus feine im Feuer der Zeit.
11.82
svasthānasthas tu avyaktaḥ padānte vyakta-m-āśritaḥ
kṛtrimaś caiva saṃyogāt sa cākāśe vyavasthitaḥ //
Der unoffenbare bleibt an seinem eigenen Ort, der offenbare ruht am Ende der Stätte. Der künstliche entsteht durch Verbindung und befindet sich im Raum.
11.83
tasmād akṣarasantānaṃ vāgvilāsaṃ pravartate
tena saṅkṣobhya cātmānaṃ avyaktāvyaktarūpiṇam //
Daraus entfaltet sich die Folge der Laute, das Spiel der Sprache. Dadurch erregt [er] das Selbst, das die Gestalt des Unoffenbaren und Unoffenbaren besitzt. [Die Quelle wiederholt „avyakta“; keine stillschweigende Änderung zu „offenbar und unoffenbar“.]
11.84
nirodhitaṃ tu tenedaṃ sūkṣmabhāvasya sambhavaḥ
tena nairodhikaṃ nāma golākāraṃ vyavasthitam //
Dadurch wird dies angehalten, der Ursprung des feinen Zustandes. Deshalb besteht das Nirodhika Genannte in Kugelgestalt.
11.85
ātmalagnasvarūpeṇa pratimūrti dvitīyakam
tena saṅkṣobhya cātmānam ardhacandravinirmitam //
Seiner Gestalt nach am Selbst haftend, [ist es] ein zweites Gegenbild. Dadurch wird das Selbst erregt und der Halbmond gebildet.
11.86
sravantam amṛtaṃ divyaṃ sarvasya jagataḥ sthitam
tasya samplāvanātyarthaṃ visargābhiratas tu yaḥ //
Er lässt göttlichen Unsterblichkeitstrank strömen und besteht für die ganze Welt. Derjenige, der sich an der Ausströmung erfreut, um sie völlig zu überfluten:
11.87
tatrādityaṃ samutpannaṃ varṇānāṃ prabhum īśvaram
bindurūpaṃ jagannāthaṃ kriyākālaguṇottaram //
Dort entsteht Āditya, der Herrscher der Laute, der Weltenherr in Bindu-Gestalt, erhaben durch die Eigenschaften von Handlung und Zeit.
11.88
varṇasṛṣṭes tu kartāraṃ dedīpyantaṃ suvarcasam
unmanādicatuṣkasya sañjātedaṃ catuṣkalam //
Er bewirkt die Erschaffung der Laute und strahlt in herrlichem Glanz. Aus der Vierheit, die mit Unmanas beginnt, ist diese Vierheit der Teile entstanden.
11.89
kṣubhitaṃ kramayogena viśuddhatanu śāmbhavam
sthitaṃ ṣoḍaśabhedena catuṣkena pṛthak pṛthak //
Durch die geordnete Folge erregt, besteht der reine Śiva-Leib in sechzehn Unterteilungen, jeweils nach Vierheiten gesondert.
11.90
kulātītaśarīrasya piṇḍam ādyaṃ catuṣkalam
dvādaśāṅgaṃ kuleśasya mastake saṃvyavasthitam //
Die erste vierteilige Körperform des über Kula hinausgehenden Leibes befindet sich am Haupt Kuleśas, [als] zwölfgliedrig. [Das Verhältnis von vier Teilen und zwölf Gliedern ist nicht eindeutig erklärt.]
11.91
catuṣkalaṃ dvitīyaṃ tu pīṭharūpaṃ jagāmbike
nādāntordhvaṃ tu māyādyaṃ vijñeyaṃ tu puṭatrayam //
Die zweite Vierheit hat die Gestalt der Pīṭhas, o Weltenmutter. Oberhalb von Nādānta sind die drei Hüllen, beginnend mit Māyā, zu erkennen.
11.92
lalāṭordhvaṃ kuleśasya jñātavyaṃ tu kuleśvari
tadadhaḥ pañcadhā nādaṃ kṛtrimaṃ mukhamaṇḍale //
Man erkenne sie oberhalb der Stirn Kuleśas, o Kuleśvarī. Darunter liegt der fünffache Nāda; der künstliche [Nāda befindet sich] im Bereich des Mundes.
11.93
nirodhaṃ tatsamaṃ jñeyaṃ candrasūryaṃ tatodare
evaṃ viśuddhadevena ṣoḍaśāvayavaṃ tanum //
Nirodha ist ihm entsprechend zu erkennen; Mond und Sonne liegen in dessen Innerem. So wurde vom reinen Gott der sechzehngliedrige Leib
11.94
akuleśakuleśānaṃ vibhajya ca niveśitam
atra yogābhipannānām avasthāṃ śṛṇu bhāvini //
als Akuleśa und Kuleśāna gegliedert und eingesetzt. Höre nun, o Werdende, die Zustände derjenigen, die hier in Yoga eingetreten sind.
11.95
romāñcaś cāśrupātaś ca viṣuvaṃ candradarśanam
pipīlikāparaḥ sparśaḥ sūryaṃ rātrau ca paśyati //
Aufgerichtete Körperhaare, Tränenfluss, Gleichgewichtspunkt, Mondschau, eine Berührung wie von Ameisen; außerdem sieht man nachts die Sonne.
11.96
utpated gaganāmbhobhiḥ śabdān muñcati dāruṇān
vāgīśatvaṃ prapadyeta kiṃ tv abaddhapralāpinaḥ //
Man steigt mit den Wassern des Himmels auf und stößt furchtbare Laute aus; man erlangt Herrschaft über die Rede, spricht jedoch zusammenhanglos. [„gaganāmbhobhiḥ“ ist bildlich und syntaktisch unsicher.]
11.97
kṣobhaḥ kṣudhājayo nidrā unmanatvaṃ kṣanāt kṣanāt
sugandhaś ca sudīptaś ca vācāsiddhiḥ pravartate //
Erregung, Überwindung des Hungers, Schlaf, von Augenblick zu Augenblick das Übersteigen des Denkens, Wohlgeruch, starkes Leuchten und die Wirksamkeit der Rede treten auf.
11.98
ṣoḍaśaite mahāvasthāḥ pratyakṣānubhaved yadi
tadā tena tu dehena khecarīkulanandanaḥ //
Wenn man diese sechzehn großen Zustände unmittelbar erfährt, wird man in eben diesem Leib zur Freude der Khecarī-Familie. [Die Aufzählung erlaubt ohne weitere Deutung keine eindeutige Zählung von sechzehn Einzelzeichen.]
11.99
etat te sarahasyaṃ tu viśuddhaṃ kathitaṃ mayā
idānīṃ śṛṇu kalyāṇi yathāvastham anāhatam //
Damit habe ich dir Viśuddha mitsamt seinem Geheimnis erklärt. Höre nun, o Heilvolle, die genaue Beschaffenheit von Anāhata.
11.100
kaṇṭhādhastāt kuleśasya udarordhvam avasthitam
krodhaśarmādibhiḥ siddhaiś cakravartidaśānvitaḥ //
Unterhalb des Halses und oberhalb des Bauches Kuleśas liegt [Anāhata], mit zehn Weltherrschern versehen, den Siddhas angefangen mit Krodha und Śarma.
11.101
ekarudraḥ suśarmā ca granthau nāle vyavasthitaḥ
krodhājeśādayaḥ siddhāś cakravartidale sthitāḥ //
Ekarudra und Suśarma befinden sich im Knoten und im Stängel; die Siddhas, angefangen mit Krodha und Ajeśa, befinden sich auf den Blättern der Weltherrscher.
11.102
pūrveśagocarāntās te madhye devaḥ sadāśivaḥ
cāroccāravicāraiś ca ebhiḥ sārdhaṃ ramet tu saḥ //
Sie reichen vom Osten bis zum Bereich Īśas; in der Mitte ist der Gott Sadāśiva. Mit diesen erfreut er sich an Bewegung, Hervorbringen und Betrachtung. [Die technischen Bedeutungen von cāra, uccāra und vicāra bleiben kontextabhängig.]
11.103
rājyakrīḍām athordhve ca saṃhārātmā jagattrayam
māṃsādapiśunatvena hy abhilāṣo ' dhunā punaḥ //
[Es entstehen] das Spiel der Königsherrschaft und darüber hinaus [der Wunsch,] die drei Welten aufzulösen; nun auch das Verlangen nach Fleischessen und Verleumdung. [Elliptische Beschreibung wechselnder innerer Zustände.]
11.104
āpyāyitamano hṛṣṭas tuṣṭacittas tu vatsalaḥ
pṛthvīṃ bhramāmi nikhilāṃ vrajāmo girigahvaram //
Mit erfülltem Denken, erfreut, zufrieden und liebevoll [denkt man]: „Ich durchwandere die ganze Erde; wir gehen in eine Berghöhle.“
11.105
dravyam āvarjayām āsa vilasāmo dadāmy aham
paraṃ vairāgyam āpanno mokṣānveṣaṇatatparaḥ //
[Man denkt:] „Er sammelte Besitz; wir genießen; ich gebe.“ Dann erlangt man höchste Leidenschaftslosigkeit und widmet sich der Suche nach Befreiung. [Personen- und Zeitwechsel stehen bereits in der Vorlage.]
11.106
gurum anveṣayiṣyāmi yena bhūyo na sambhavaḥ
sandhinālāntarastho 'sau pātālam anukāṅkṣati //
„Ich werde einen Lehrer suchen, durch den es keine Wiedergeburt mehr gibt.“ Im Inneren des Verbindungskanals verweilend, verlangt man nach der Unterwelt.
11.107
divyasiddho bhaviṣyāmaḥ krīḍāmaḥ kāminījanaiḥ
madhyadeśāntarastho 'sau na kiñcid api cintayet //
„Wir werden göttliche Siddhas; wir spielen mit begehrenswerten Frauen.“ Wenn man in der Mitte verweilt, denkt man hingegen an nichts.
11.108
sukhāvastho jitakrodhaḥ sattvāvastho jitendriyaḥ
tiṣṭhate 'nāhato devaś cakravartyaṣṭakair vṛtaḥ //
In Wohlsein, mit überwundenem Zorn, in Sattva gegründet und mit beherrschten Sinnen verweilt der Gott Anāhata, umgeben von acht Weltherrschern.
11.109
daśadhāvasthite cakre bhāvābhāvasamanvitaḥ
guruvaktragato devaś cakravartisamanvitaḥ //
Im zehnfach bestehenden Rad, mit Sein und Nichtsein verbunden, [weilt] der aus dem Mund des Lehrers empfangene Gott mitsamt den Weltherrschern.
11.110
svabhāvaguṇasaṃyuktaṃ cintayantopadeśataḥ
abhyasantasya deveśi avasthāḥ sambhavanti hi //
Wenn man gemäß der Unterweisung über ihn mit seinen natürlichen Eigenschaften meditiert, entstehen beim Übenden, o Götterherrin, diese Zustände.
11.111
puṃso bhedena jāyante sāttvarājasatāmasāḥ
uttamo madhyamaś ceti kanyasas tu tṛtīyakaḥ //
Je nach der Verschiedenheit des Menschen entstehen sattvische, rajasische und tamasische [Zustände]: die höchste, die mittlere und als dritte die niedrigste [Stufe].
11.112
kanyase tāmasāvasthā rājasā sāttvikā punaḥ
madhyame rajasā yuktaṃ sattvāvasthāditottamaḥ //
Bei der niedrigsten [Stufe] bestehen tamasische, dann rajasische und sattvische Zustände; die mittlere ist mit Rajas verbunden, die höchste beginnt mit dem Sattva-Zustand.
11.113
yāś ca tāḥ śṛṇu kalyāṇi yeṣu yogasya sādhanam
tamo moho rajaḥ śokaś catuṣkaṃ kanyasādikam //
Höre, o Heilvolle, von jenen [Zuständen], in denen die Vollbringung des Yoga stattfindet: Dunkelheit, Verblendung, Erregtheit und Kummer bilden die Vierheit, die mit der niedrigsten [Stufe] beginnt.
11.114
lolupā rāgavatyā ca kāmukā cāpalāyinī
madhyamādiṣv avasthaitāḥ kanyase tu dvitīyakā //
Lolupā, Rāgavatī, Kāmukā und Cāpalāyinī: Diese Zustände beginnen bei der mittleren [Stufe] und bilden bei der niedrigsten die zweite [Vierheit].
11.115
prabhāvatī sutārā ca bimbā bimbakhageśvarī
jyeṣṭhādimadhyame dvisthā tristhā kanyasagocare //
Prabhāvatī, Sutārā, Bimbā und Bimbakhageśvarī stehen am Anfang der höchsten, an zweiter Stelle der mittleren und an dritter Stelle der niedrigsten [Stufe].
11.116
udayanti kramā hy etāḥ samādhiviṣaye sthitāḥ
antimaikā dvimadhyasthā tridhāvasthā tu kanyase //
Diese Folgen gehen im Bereich des Samādhi auf: Die letzte [Vierheit] allein [bei der höchsten Stufe], zwei bei der mittleren und drei Arten von Zuständen bei der niedrigsten. [Die Zuordnung erschließt sich aus 11.112–115; der Wortlaut ist verkürzt.]
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate ṣaṭprakāranirṇayo nāma ekādaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das elfte Kapitel mit dem Titel „Bestimmung der sechs Formen“.
Kapitel 12
12.1
kiṃ tu jyeṣṭhacatuṣkasya dve 'vasthā na bhavanti hi
kuleśānām avasthānāṃ lakṣaṇaṃ vada bhairava
yena vai 'nāhataṃ devaṃ jānīmaḥ parameśvara //
[Die Göttin sprach:] Doch bei der höchsten Vierheit entstehen zwei Zustände nicht. Bhairava, nenne die Kennzeichen der Zustände der Kula-Herren, damit wir den Gott Anāhata erkennen, o höchster Herr. [Der Bezug der „zwei Zustände“ bleibt vorläufig.]
12.2
kathayāmi varārohe pratyayaṃ tu salakṣaṇam
tām avijñāya bhraṣṭatvam avaśyaṃ hitakāriṇi //
[Der Herr sprach:] Ich werde die bestätigende Erfahrung samt ihren Kennzeichen erklären, o Schönhüftige. Wer sie nicht kennt, geht unausweichlich fehl, o Heilwirkende.
12.3
akramājñā bhaved yeṣāṃ rabhasājñā prakāśitā
sāmarthyato 'tha dayayā uktakālād avāntare //
Bei wem die Ermächtigung außerhalb der Reihenfolge erfolgt, als übereilte Ermächtigung offenbart, aufgrund von Befähigung oder aus Mitgefühl vor der vorgeschriebenen Zeit,
12.4
tāmasās te samākhyātās tamo'vasthāntarānvitāḥ
samayāni na manyante gurvājñālopakārakāḥ //
der wird als tamasisch bezeichnet, mit den Zuständen der Dunkelheit verbunden. Solche Menschen achten die Verpflichtungen nicht und verletzen die Anweisung des Lehrers.
12.5
kalidvandvapriyā nityaṃ chidrānveṣaṇatatparāḥ
guropavādaniratā nirapekṣā muhur muhuḥ //
Sie lieben stets Streit und Zwist, suchen eifrig nach Fehlern, widmen sich der Verleumdung des Lehrers und sind immer wieder rücksichtslos.
12.6
apavādaṃ ruṣitvā tu guror yānti parāṅmukhāḥ
yenāsau nidhanaṃ yāti tat karoti tamo'nvitaḥ //
Über einen Vorwurf erzürnt, wenden sie sich vom Lehrer ab. Von Dunkelheit erfüllt, tun sie das, wodurch er zugrunde geht. [Der Bezug des letzten Pronomens ist nicht eindeutig.]
12.7
mohāviṣṭo na jānāti ātmasambhāvitaḥ kudhīḥ
ahaṅkāratamolubdhaḥ pūrvajātim anusmaret //
Von Verblendung ergriffen, erkennt der törichte, von sich selbst eingenommene Mensch nicht; durch Ichstolz und Dunkelheit geblendet, erinnert er sich an seine frühere Herkunft.
12.8
guruṃ vicārayitvā tu śokenāntaritātmanaḥ
prayāti gṛhasāyojyaṃ tamenākulitekṣaṇaḥ //
Nachdem er den Lehrer kritisch beurteilt hat, kehrt er mit von Kummer erfülltem Selbst zum häuslichen Leben zurück, den Blick durch Dunkelheit verwirrt.
12.9
tenādhamapadaṃ yāti jīvann eva mṛtas tu saḥ
buddhimanto mahāprājñaḥ svāgamārthaviśāradaḥ //
Dadurch gelangt er zur niedrigsten Stätte; noch lebend ist er tot. Ein Verständiger hingegen, hochweise und mit dem Sinn seiner eigenen Überlieferung vertraut,
12.10
tataḥ kṣamāpayen nāthaṃ tadvidāmnāyapūjanam
trisaptakaṃ tu maunena sarvopaskaraṇaiḥ saha //
soll dann den Herrn um Verzeihung bitten und die Verehrung der entsprechenden Überlieferung einundzwanzig [Tage] schweigend mit allen erforderlichen Mitteln vollziehen. [Die Zeiteinheit ist ergänzt.]
12.11
avasthāś copaśāmyante tamo 'vasthācatuṣṭayam
lolupādau tu catvāri kramād dhy evaṃ vyapohayet //
So beruhigen sich die Zustände, die Vierheit der Dunkelheitszustände. Ebenso beseitige man der Reihe nach die vier, die mit Lolupā beginnen.
12.12
māyayā bhṛtacittas tu dāsatvena tu rañjayet
uktakālārdhamānena rañjito 'nugrahed guruḥ //
Wessen Geist von Māyā erfüllt ist, soll [den Lehrer] durch Dienst erfreuen. Wenn der Lehrer nach der Hälfte der genannten Zeit erfreut ist, gewähre er Gnade.
12.13
tīvratve 'pi hi sañjāte mandatvaṃ sampravartate
upadeśopacāreṇa avasthālakṣaṇaṃ bhavet //
Selbst wenn Heftigkeit entstanden ist, tritt Milderung ein. Durch die Behandlung mittels Unterweisung zeigt sich das Kennzeichen des Zustandes. [Der Bezug von Heftigkeit und Milderung ist nicht ausdrücklich bestimmt.]
12.14
rājaso 'yaṃ samākhyātaś cāhaṅkāraguṇānvitaḥ
paṇḍito 'haṃ subhakto 'haṃ vaktāhaṃ bodhako hy aham //
Dieser [Mensch] heißt rajasisch und ist mit der Eigenschaft des Ichstolzes versehen: „Ich bin gelehrt, ich bin sehr ergeben, ich bin ein Redner, ich bin ein Erwecker!“
12.15
jñānino 'haṃ samartho 'haṃ vayaṃ sarvaguṇeśvarāḥ
karoti guruṇā sārdhaṃ vādam ajñānacetasaḥ //
„Ich bin wissend, ich bin befähigt; wir sind Herren aller Vorzüge!“ Mit unwissendem Geist führt er Streitgespräche mit dem Lehrer.
12.16
idaṃ tattvam idaṃ tattvam āgamoktaṃ na jānatha
evaṃ 'sau rajasālipto yady ātmānaṃ na saṃsmaret //
„Dies ist die Wahrheit, dies ist die Wahrheit; ihr kennt nicht, was die Āgamas lehren!“ Wenn der so von Rajas Befleckte sich nicht auf sich selbst besinnt,
12.17
tadāvasthācatuṣkeṇa lolupādyena gṛhyate
parastriyaṃ hasen nityaṃ dhāvayitvā vilagyate //
wird er von der Vierheit der Zustände, angefangen mit Lolupā, ergriffen. Er lächelt ständig eine fremde Frau an, läuft ihr nach und hängt sich an sie.
12.18
sa śṛṅgārī madasrāvī nit yam evaṃ gajo yathā
ātmānaṃ vikrayitvā tu madyamāṃsaṃ samācaret //
Er ist verliebt und strömt ständig Rausch aus wie ein Elefant. Er verkauft sich selbst und gibt sich Wein und Fleisch hin.
12.19
viveko yadi cittasthas tadārādhyaṃ samāśrayet
atha cet pūrvavihitāṃ kramapūjāṃ samācaret //
Wenn Unterscheidungsvermögen in seinem Geist vorhanden ist, soll er beim Verehrungswürdigen Zuflucht suchen und die zuvor vorgeschriebene stufenweise Verehrung vollziehen.
12.20
madhyamasya tataḥ paścād avasthā śubhadāyikā
uttamaṃ parayā bhaktyā āviṣṭas tu sadā guroḥ //
Danach entsteht für den Mittleren ein heilbringender Zustand. Der Höchste ist stets von äußerster Hingabe an den Lehrer erfüllt.
12.21
uktakālena cādeśānugrahaḥ samprapāditaḥ
triśuddhāntarabhāvena yasya bhāvo na cānyathā //
Zur vorgeschriebenen Zeit erlangt er die Gnade der Weisung. Wessen innere Haltung dreifach rein ist und nicht davon abweicht,
12.22
tasya caivottare mārge dakṣiṇāmnāyapūrvakam
vindate nikhilaṃ jñānaṃ nirahaṅkārī dṛḍhavrataḥ //
der gewinnt auf dem nördlichen Weg, mit der südlichen Überlieferung als Voraussetzung, das gesamte Wissen, frei von Ichstolz und fest im Gelübde.
12.23
udayanti śubhāvasthāḥ prabhāvatyāditaḥ kramāt
ṣaṭkamārgeti yāḥ proktāḥ śubhās tāś codayanti vai //
Heilvolle Zustände, beginnend mit Prabhāvatī, gehen der Reihe nach auf. Jene heilvollen [Zustände], die beim Weg der Sechsheit genannt wurden, entstehen.
12.24
prabhābhirañjitātmā vai paśyate bhuvanatrayam
tārakāntastham ātmānaṃ dedīpyantaṃ suvarcasam //
Von Lichtstrahlen erfüllt, sieht er die drei Welten und sich selbst inmitten der Sterne, strahlend und von herrlichem Glanz.
12.25
candrarūpaṃ yadā paśyet tārāmaṇḍalamadhyataḥ
tārāvatī tu sā proktā avasthā siddhidāyikā //
Wenn er sich in Mondgestalt inmitten des Sternenkreises sieht, heißt dieser vollendungsspendende Zustand Tārāvatī. [Die Namensform weicht von Sutārā in 11.115 ab.]
12.26
abhyasyantaḥ svarūpeṇa samādhisthaḥ prapaśyati
ātmabimbapurasthaṃ tu bimbā sāvaśyasiddhidā //
Wenn der Übende, im Samādhi ruhend, in seiner eigenen Gestalt das Abbild seiner selbst vor sich sieht, ist dies Bimbā, die gewiss Vollendung schenkt.
12.27
samādhisthaḥ svabimbaṃ tu āsanena samanvitam
utpatantaṃ yadā paśyet tadā sā bimbakhecarī //
Wenn er im Samādhi sein eigenes Abbild mitsamt dem Sitz aufsteigen sieht, ist dies Bimbakhecarī.
12.28
dṛṣṭvaitāṃ tu mahāvasthāṃ siddhe[r] bhrāntiṃ na kārayet
avaśyaṃ yāti khecakre hy uktakālaṃ kuleśvari //
Wer diesen großen Zustand gesehen hat, soll hinsichtlich der Vollendung nicht zweifeln. Zur genannten Zeit gelangt er sicher in den Himmelskreis, o Kuleśvarī. [Die Quelle ergänzt „siddhe[r]“.]
12.29
eṣāvasthā samāsādya daśāvasthā[s] tyajet punaḥ
guṇān utpādayitvā tu anāhatapadaṃ vrajet //
Nachdem man diese Zustände erreicht hat, lasse man wiederum die zehn Zustände zurück. Nach Hervorbringen der Vorzüge gelange man zur Anāhata-Stätte. [Die Quelle ergänzt „daśāvasthā[s]“.]
12.30
athānyat paramaṃ vakṣYe maṇipūraṃ yathā sthitam
tathā tvaṃ śṛṇu kalyāṇi kalyāṇānandavardhanam //
Nun werde ich etwas anderes Höchstes erklären: Maṇipūra in seiner wirklichen Beschaffenheit. Höre dies, o Heilvolle, was Heil und Seligkeit vermehrt. [Das auffällige große Y in „vakṣYe“ bleibt in der Quellwiedergabe erhalten.]
12.31
sthitaṃ dvādaśabhedena someśādau śikhāntikam
nābhyudaranitamborujaṅghāṅghrīm anukramāt //
Es besteht in zwölf Unterteilungen, von Someśa bis Śikhin, der Reihe nach an Nabel, Bauch, Hüfte, Oberschenkel, Unterschenkel und Füßen.
12.32
kulanāthamaheśasya saṃsthito maṇipūrakaḥ
tanucakre samāvṛtya yathāvasthaṃ tathā śṛṇu //
So befindet sich Maṇipūraka im großen Herrn, dem Herrn des Kula. Höre, wie es das Rad seines Leibes umgibt.
12.33
someśodarasaṃsthaṃ tu dvādaśārcisamanvitam
dvīpakṣetrasamāyuktaṃ tad evānyān vilakṣayet //
Es befindet sich im Bauch Someśas, mit zwölf Strahlen versehen und mit Inseln und heiligen Feldern verbunden. Die anderen erkenne man entsprechend.
12.34
lāṅgalī dakṣiṇe kukṣau vāme dārukajaṃ vibhum
ardhanārīśvaraṃ nābhau svacakraparivāritam //
Lāṅgalī liegt in der rechten Flanke, der mächtige Dārukaja in der linken; Ardhanārīśvara liegt am Nabel, von seinem eigenen Rad umgeben.
12.35
dakṣiṇena hy umākāntaṃ nitambe vāmato 'ṣaḍhim
ḍiṇḍitriyugalorubhyāṃ jānubhyāṃ mīnameṣakau //
Umākānta liegt rechts an der Hüfte, Aṣāḍhin links. Ḍiṇḍin und [Dhātrī] liegen an den beiden Oberschenkeln, Mīna und Meṣa an den Knien. [„ḍiṇḍitriyugala“ ist unsicher; die Ergänzung Dhātrī beruht vorläufig auf der Namensfolge in 10.125.]
12.36
lohitākhyaṃ śikhīnāthaṃ dakṣādau vāmam āśritau
pīṭhanāthaṃ tathā kṣetraṃ dvīpaṃ dvīpādhipaiḥ saha //
Der Lohita Genannte und Śikhīnātha liegen rechts beziehungsweise links. [Dazu gehören] der Herr des Pīṭha, das Feld, die Insel und ihre Herren. [Die Körperstelle ist hier nicht ausdrücklich genannt.]
12.37
maṇivad dyotayantaṃ tu pūrayantaṃ diśo daśa
sūryakāntimaṇiprakhyaṃ bhāskareva prapaśyate //
Wie ein Edelstein leuchtend und die zehn Richtungen erfüllend, erscheint [der Gott] gleich einem Sonnenstein, wie die Sonne.
12.38
kālasaṅkhyākaraṃ devaṃ kalair dvādaśabhir yutam
pīṭhanāthaṃ tu dvīpasthaṃ māsamāsāditaḥ kramāt //
Der Gott bewirkt die Zählung der Zeit und besitzt zwölf Teile. Als Herr des Pīṭha auf der Insel erfüllt er, Monat für Monat in der Reihenfolge,
12.39
pūrayed varṣasantānaṃ yugamanvantarāṇi ca
kalpaṃ ceti mahākalpaṃ maṇidvādaśabhiḥ khilam //
die Folge der Jahre, die Yugas und Manvantaras, den Kalpa und den Mahākalpa – alles durch die zwölf Edelsteine.
12.40
yataḥ pūrayed viśvātmā tenedaṃ maṇipūrakam
śaktimārgaprapannānāṃ bhuktimuktiphalapradam //
Weil er als Selbst des Alls erfüllt, heißt dies Maṇipūraka. Denen, die den Weg der Kraft betreten, schenkt es die Frucht von Genuss und Befreiung.
12.41
ekaikaṃ cintayec cakraṃ nāthājñā hy upadeśataḥ
bhavanti sarvasiddhīni uttamādhamamadhyamāḥ //
Man meditiere über jedes einzelne Rad gemäß der Ermächtigung und Unterweisung des Herrn. Dann entstehen sämtliche höchsten, niedrigsten und mittleren Vollendungen.
12.42
maṇipūraka pādasthaṃ pīṭheśvarasamanvitam
dvīpadvīpādhipair yuktaṃ māsam ekaṃ yadābhyaset //
Wenn man einen Monat lang über das an den Füßen gelegene Maṇipūraka übt, zusammen mit dem Pīṭha-Herrn, der Insel und ihren Herren,
12.43
pādacāri jagat sarvaṃ kṣobhayed avicārataḥ
pūjādhyānasamādhisthaḥ śaktimārgeṇa yogavit //
kann der Yogakenner auf dem Weg der Kraft, in Verehrung, Meditation und Samādhi gegründet, die ganze zu Fuß gehende Welt zweifellos erschüttern.
12.44
ṣaṇmāsena avaśyaṃ hi vatsarāntaṃ na saṃśayaḥ
anyac chīghragatis tasya ātmanaḥ sampravartate //
Nach sechs Monaten, spätestens nach einem Jahr, entsteht bei ihm unzweifelhaft eine andere, schnelle Bewegungsfähigkeit.
12.45
pāduke pādalepaṃ vā manovegaḥ prajāyate
evaṃ jānuni abhyāsād bhūtavetālanayakaḥ //
Durch Sandalen oder Fußsalbe entsteht die Schnelligkeit des Denkens. Durch entsprechende Übung an den Knien wird er zum Herrn der Geister und Vetālas.
12.46
kurute vividhāścaryaṃ kalpasthāyī bhavet tu saḥ
ātmavanto mahotsāha ūrubhyāṃ urageśvaraḥ //
Er vollbringt viele Wunder und besteht einen Kalpa lang. Selbstbeherrscht und voller Tatkraft wird er durch [Übung an] den Oberschenkeln zum Herrn der Schlangen.
12.47
kiṃ tu taddviguṇenaiva kālena prathamāditaḥ
krameṇa sidhyate sarvam ādyantena vilakṣayet //
Alles wird jedoch der Reihe nach jeweils in der doppelten Zeit gegenüber der ersten [Stufe] verwirklicht. Man bestimme es von Anfang bis Ende.
12.48
nitambābhyāsayogena guhyakānāṃ patir bhavet
yakṣavidyādharāṇaṃ ca pretapaiśācarākṣasām //
Durch die Übung an den Hüften wird er Herr der Guhyakas, Yakṣas, Vidyādharas, Pretas, Piśācas und Rākṣasas.
12.49
krīḍate nāyako bhūtvā pūrvamārgavidhau sthitaḥ
kukṣimārgagate cakre abhyasantaḥ śriyaṃ labhet //
Zum Führer geworden, spielt er, in der Vorschrift des früheren Weges gegründet. Durch Übung am Rad im Bereich der Flanken erlangt er Herrlichkeit.
12.50
kinnarendra sagandharvo lokālokeṣu pūjyate
vāyuvad bhramate so hi sarvatraivam aśaṅkitaḥ //
Als Herr der Kinnaras, mit Gandharvas verbunden, wird er in der Welt und jenseits der Welt verehrt. Wie der Wind wandert er überall unbesorgt.
12.51
madhyanābhigate cakre mūlameḍhre yadābhyaset
śāntipuṣṭivaśākarṣaṃ sarvajñatvaṃ pṛthuśriyam //
Wenn er am Rad in der Nabelmitte und an der Wurzel des Geschlechtsorgans übt, [erlangt er] Befriedung, Gedeihen, Unterwerfung, Anziehung, Allwissenheit und große Herrlichkeit.
12.52
sakṛtsaṃsmaraṇād evam abhyasantaḥ khageśvaraḥ
brahmāṇḍāntaraniḥśeṣaṃ bhramate kāmarūpiṇaḥ //
Schon durch einmaliges Gedenken wird der so Übende zum Herrn der Himmelsgänger. Beliebige Gestalt annehmend, durchwandert er den gesamten Innenraum des Welteneis.
12.53
sāṅkhyajñānavido bhūtvā vicaret svapuraṃ punah
atha spaṣṭataraṃ devi śaktityāgaṃ śṛṇuṣva me //
Zum Kenner unterscheidender Erkenntnis geworden, durchwandert er wiederum seine eigene Stadt. Höre nun deutlicher, o Göttin, von mir das Loslassen der Kraft.
12.54
yad etat paramaṃ bījaṃ haṃsākhyaṃ hṛdi saṃsthitam
vinā tenopalabdhiṃ ca na jānāti kadācana //
Dieses höchste, Haṃsa genannte Keimwort befindet sich im Herzen. Ohne es erlangt man niemals Erkenntnis. [Der zweite Halbvers verbindet upalabdhi und jñā in einer syntaktisch gedrängten Form; dies ist eine sinngemäße Arbeitswiedergabe.]
12.55
tasya rūpatrayaṃ bhadre nādaṃ saṃyogam eva ca
viyogaṃ ceti suśroṇi lakṣaṇīyaṃ prayatnataḥ //
Seine drei Formen, o Heilvolle, sind Nāda, Verbindung und Trennung. Sie soll man sorgfältig unterscheiden, o Schönhüftige.
12.56
caitanyatritayaṃ cātra ātmaśaktiśivātmakam
avinābhāvayogena caitanyatritayasthitam //
Darin ist eine Dreiheit des Bewusstseins, bestehend aus Selbst, Śakti und Śiva. Durch ihre Untrennbarkeit besteht [Haṃsa] in dieser Bewusstseinsdreiheit.
12.57
tenopacaryate bhadre haṃsadevaḥ parāparaḥ
saṅkoce tu parā śaktir vikāse bhairavaḥ smṛtaḥ //
Deshalb wird der Gott Haṃsa, höchstes und nicht höchstes [Prinzip], verehrt, o Heilvolle. In der Zusammenziehung ist er die höchste Śakti, in der Entfaltung gilt er als Bhairava.
12.58
madhye ātmā sadā tiṣṭhet pūryaṣṭakasamanvitaḥ
vikāsaś cordhvanāḍis tu saṅkoco'dhaḥ prakīrtitaḥ //
In der Mitte verweilt stets das Selbst, mit dem achtfachen subtilen Leib verbunden. Die Entfaltung ist der obere Kanal, die Zusammenziehung wird als untere bezeichnet.
12.59
madhye nābhir iti proktas trayam etat sudurlabham
ūrdhvanāḍīnirodhena adhonāḍīnikuñcanāt //
Die Mitte heißt Nabel. Diese Dreiheit ist schwer zugänglich. Durch Anhalten des oberen und Zusammenziehen des unteren Kanals,
12.60
madhye cittaṃ samādāya mathanaṃ tatra kārayet
yonimadhyagataṃ liṅgaṃ yonyodarapuṭīkṛtam //
indem man das Bewusstsein in der Mitte sammelt, bewirke man dort ein Quirlen: Das Liṅga befindet sich in der Yoni, vom Inneren der Yoni umschlossen.
12.61
tanmadhye cātmano rūpaṃ lakṣayeta punaḥ punaḥ
mathanaṃ hy etad ākhyātam ajñānamalanāśanam //
In seiner Mitte betrachte man immer wieder die Gestalt des Selbst. Dies heißt das Quirlen, das die Befleckung der Unwissenheit vernichtet.
12.62
madhyamanthānayogena jñānāgnir jvalate kila
jvalite tu tadā vahnau jyotir evaṃ pravardhate //
Durch das Quirlen in der Mitte lodert das Erkenntnisfeuer auf. Wenn dieses Feuer brennt, wächst das Licht.
12.63
pravardhanān mahājyoter ānandam upajāyate
mathanād bhagaliṅgābhyāṃ yathānandaḥ prajāyate //
Aus dem Anwachsen des großen Lichtes entsteht Seligkeit. Wie beim Quirlen von Vulva und Liṅga Freude entsteht,
12.64
mathanāc chivaśaktyos tu tathānandaḥ prajāyate
niścayatvaṃ bhaved devi śivaśaktyor abhedataḥ //
so entsteht durch das Quirlen von Śiva und Śakti Seligkeit. Aufgrund der Nichtverschiedenheit von Śiva und Śakti entsteht Gewissheit, o Göttin.
12.65
mathanaṃ hy etad evoktam amṛtotpādakaṃ priye
tenāmṛtena cātmānaṃ plāvyamānaṃ vicintayet //
Eben dies heißt das Quirlen, das den Unsterblichkeitstrank hervorbringt, o Geliebte. Man stelle sich vor, von diesem Trank überflutet zu werden.
12.66
eṣā sā paramā vṛttiḥ paratattvam idaṃ smṛtam
etat tat paramaṃ brahma paramānandalakṣaṇam //
Dies ist die höchste Wirkungsweise, dies gilt als höchstes Wirklichkeitsprinzip. Dies ist das höchste Brahman, dessen Kennzeichen höchste Seligkeit ist.
12.67
tad ānandaparānandaṃ śaktityāgam iti smṛtam
eṣa te maṇipūras tu sarahasyaṃ prakāśitam //
Diese über die Freude hinausgehende Seligkeit heißt Loslassen der Kraft. Damit ist dir Maṇipūra mitsamt seinem Geheimnis offenbart.
12.68
gopitaṃ pūrvatantreṣu kubji tubhyaṃ prakāśitam
dvīpamārgavibhāgena pīṭhanāthakrameṇa tu //
Was in früheren Tantras verborgen wurde, ist dir, Kubjī, nach der Gliederung des Inselweges und der Reihenfolge der Pīṭha-Herren offenbart.
12.69
durlabhaṃ siddhamārgasya kiṃ punas tv itareṣu ca
uktakālena sidhyanti avaśyaṃ nānṛtaṃ vacaḥ //
Schon auf dem Weg der Siddhas ist es schwer zu erlangen, wie viel mehr auf anderen Wegen! Zur genannten Zeit wird es sicher verwirklicht; das Wort ist nicht unwahr.
12.70
śṛṇu devi yathāvasthaṃ svādhiṣṭhānaṃ vadāmi te
kalākalitadehasya yathāsthānaṃ nigadyate //
Höre, o Göttin: Ich erkläre dir Svādhiṣṭhāna in seiner wirklichen Beschaffenheit, wie es im aus Kalās gebildeten Leib an seinem Ort liegt.
12.71
pūrvam ekārṇave ghore tamobhūte jagattraye
liṅgarūpadharaś cāhaṃ parecchāvaśavartinaḥ //
Einst, als die drei Welten im schrecklichen einen Ozean zu Dunkelheit geworden waren, nahm ich Liṅga-Gestalt an, dem höchsten Willen unterstehend.
12.72
ṣaṇmukhaḥ kālarūpo 'haṃ liṅgākāro vyavasthitaḥ
ṣaṭkalābhir vṛto nityaṃ viśvamadhye ramāmy aham //
Sechsangesichtig, von Zeitgestalt und als Liṅga bestehend, von sechs Kalās umgeben, spiele ich stets inmitten des Alls.
12.73
ṣaṭkauṣikena yukto 'haṃ piṇḍo 'haṃ 'naṅgavarcasaḥ
tataḥ pravartitā sṛṣṭir mamecchā tu punaḥ priye //
Ich bin mit sechs Hüllen verbunden; ich bin der Körper, körperlos strahlend. Daraus setzte sich die Schöpfung in Gang, wiederum als mein Wille, o Geliebte.
12.74
brahmaviṣṇvādibhiḥ siddhaiḥ pūjitārādhita[ḥ] stutaḥ
tato 'haṃ varam āpannas teṣu bhāvānuvartinām //
Von den Siddhas, angefangen mit Brahmā und Viṣṇu, verehrt, angebetet und gepriesen, wandte ich mich ihnen, die meiner inneren Haltung folgten, mit einem Segen zu. [Die Quelle ergänzt „pūjitārādhita[ḥ]“.]
12.75
ṣaḍasraṃ caturasraṃ tu ātmānaṃ ca samarpitam
tena te kāraṇatvena sṛṣṭikṛt kāraṇeśvarāḥ //
Ich gab mich als Sechseck und Viereck hin. Dadurch wurden sie als Ursachen zu Schöpfern und Herren der Ursachen.
12.76
hartā kartā svatantrās te madrūpaguṇacetasaḥ
punaḥ stotraṃ samārabdhaṃ tais tu nāthaiḥ punar hy ah am //
Sie sind Auflöser, Schöpfer und unabhängig, im Geist mit den Eigenschaften meiner Gestalt verbunden. Wieder begannen jene Herren einen Lobgesang, und wiederum ich
12.77
yāvan 'nekavidhānena tāvat teṣāṃ varapradaḥ
punaḥ santoṣito 'tīva varaṃ prārthaya puṣkalam //
gewährte ihnen entsprechend den vielen [Weisen ihrer Verehrung] Segen. Nochmals sehr erfreut, [sprach ich:] „Erbittet einen reichen Segen!“ [Die Quelle wechselt zwischen Singular und Plural.]
12.78
tair uktaṃ devadeveśa liṅgedaṃ sarvatomukham
yena pūjyo bhavāmīha tad varaṃ dada me prabho //
Sie sprachen: „Herr des Gottes der Götter, dieses Liṅga hat überall Gesichter. Gewähre mir den Segen, durch den ich hier verehrungswürdig werde, Herr.“ [Auch hier bleibt der Singular in der Rede mehrerer Sprecher erhalten.]
12.79
asya liṅgasya māhātmyaṃ vyāptibhūtaṃ yathāsthitam
tathā kuru maheśāna jānīmo niścayaṃ yathā //
„Lass die Größe dieses Liṅga in ihrer wahren, alles durchdringenden Beschaffenheit offenbar werden, großer Herr, damit wir Gewissheit erlangen.“
12.80
tatas teṣāṃ mahādevi vyāptimārga[ḥ] pradarśitaḥ
vyaktaliṅgaṃ kṛtaṃ paścāt ṣaḍadhvaguṇagocaram //
Darauf wurde ihnen, o große Göttin, der Weg der Durchdringung gezeigt. Danach wurde das Liṅga sichtbar gemacht, im Bereich der Eigenschaften des sechsfachen Weges. [Die Quelle ergänzt „vyāptimārga[ḥ]“.]
12.81
ṣaḍadhvaropadeśena tanus teṣāṃ pradarśitā
dviraṇḍena kṛtaṃ dehaṃ śeṣā vaktrāṇi cordhvataḥ //
Durch die Unterweisung über den sechsfachen Weg wurde ihnen der Leib gezeigt. Dviraṇḍa bildete den Körper, die übrigen oben die Gesichter.
12.82
vāmādikramayogena sañjātāni vidur budhāḥ
chagalaṇḍottaraṃ vaktraṃ mahākālordhvataḥ sthitaḥ //
Die Weisen wissen, dass sie der Reihe nach von links an entstanden. Chagalaṇḍa ist das nördliche Gesicht; Mahākāla befindet sich oben.
12.83
vālivaktraṃ bhavet pūrvaṃ puruṣaṃ jīvarūpiṇam
bhujaṅgaṃ dakṣine krūraṃ nāgarūpaṃ mahadbhutam //
Vālis Gesicht ist das östliche, Puruṣa in Gestalt des Lebendigen. Bhujaṅga liegt rechts, furchtbar, von Schlangengestalt und höchst erstaunlich.
12.84
paścimaṃ tu pinākākhyaṃ nivṛttisthaṃ niyāmakam
avidyākhyaṃ purā proktaṃ kṣaṇadhvaṃsīvināśakam //
Das westliche heißt Pināka, ruht in Nivṛtti und lenkt. Es wurde zuvor Unwissenheit genannt und zerstört das augenblicklich Vergehende. [„kṣaṇadhvaṃsīvināśakam“ lässt mehrere syntaktische Deutungen zu.]
12.85
atra madhye trayaṃ śreṣṭham avināśākṣayāvyayam
māyā śambhuś ca puruṣaṃ kṣīYate na kadācana //
In der Mitte liegt die höchste Dreiheit, unzerstörbar, unerschöpflich und unvergänglich: Māyā, Śambhu und Puruṣa vergehen niemals. [Das große Y in „kṣīYate“ ist ein Quellenbefund.]
12.86
pañcavaktratanūdbhūtaṃ ṣaṭkauṣakulasambhavam
teṣāṃ pradarśitaṃ rūpaṃ kalādhvaṃ kulanāyakam //
Die Gestalt, aus fünf Gesichtern und dem Leib entstanden, hervorgegangen aus dem Kula der sechs Hüllen, wurde ihnen als Kalā-Weg und Führer des Kula gezeigt.
12.87
sādhito 'haṃ tvayā viṣṇo niścalenāntarātmanā
bhāvādhiṣṭhānayogena tenedaṃ darśitaṃ mayā //
„Du hast mich, Viṣṇu, mit unbewegtem innerem Selbst verwirklicht. Durch deine feste innere Haltung habe ich dir dies gezeigt.
12.88
svādhiṣṭhānaṃ paraṃ yogaṃ praviśya mama sarvathā
liṅgaṃ praviśya medhāvī yena pūjyo bhaviṣyasi //
Tritt vollständig in meinen höchsten Svādhiṣṭhāna-Yoga ein! Indem du in das Liṅga eintrittst, wirst du, o Verständiger, verehrungswürdig werden.“
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate ṣaṭprakārādhikārārṇavo nāma dvādaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das zwölfte Kapitel mit dem Titel „Ozean des Bereichs der sechs Formen“.
Kapitel 13
13.1
evaṃ devi mayāsau tu pūrvaṃ cakradharaḥ sudhīḥ
liṅge svādhiṣṭhito yena svādhiṣṭhānaṃ tu tena vai //
So, o Göttin, wurde jener weise Diskusträger einst von mir im Liṅga fest eingesetzt. Deshalb heißt es Svādhiṣṭhāna.
13.2
māyāśāmbhavasaṃsthānaṃ kalādhiṣṭhānaśāsanam
puruṣāṇusamāyuktaṃ svādhiṣṭhānam ato 'rthataḥ //
Es ist die Stätte von Māyā und Śambhu, die Ordnung des Sitzes der Kalās, mit Puruṣa, dem begrenzten Selbst, verbunden; daher heißt es seinem Sinn nach Svādhiṣṭhāna.
13.3
rāgeṇa rañjitātmā vai niyatyā yo niyāmitaḥ
avidyāprerito gacchet svargaṃ vā svabhram eva vā //
Wessen Selbst vom Begehren gefärbt und durch Niyati begrenzt ist, der geht, von Unwissenheit angetrieben, in den Himmel oder in den Abgrund.
13.4
tritayaṃ śubham uddiṣṭam aśubhaṃ tu tathā trikam
ṣaṭkauṣikam idaṃ sthānaṃ vyāptibhūtaṃ mayā tava //
Eine Dreiheit wird als heilvoll bezeichnet, eine weitere als unheilvoll. Diese sechshüllige Stätte [habe ich] dir als durchdringendes [Prinzip erklärt]. [Der letzte Halbvers ist elliptisch.]
13.5
śakte yaṃ tu samākhyātaṃ śāmbhavaṃ paratottare
kathayiṣyāmi suśroṇi idānīṃ pratyayaṃ śṛṇu //
Dies ist als zur Śakti gehörig erklärt; das zu Śiva Gehörige werde ich weiter oben beziehungsweise später erklären, o Schönhüftige. Höre nun die bestätigende Erfahrung.
13.6
sādhanaṃ lokavikhyātaṃ ṣaṭsiddhādhiṣṭhitaṃ tu tat
svādhiṣṭhānaṃ tu liṅgasthaṃ yathā sthānagataṃ śṛṇu //
Jenes in der Welt bekannte Mittel der Verwirklichung wird von sechs Siddhas getragen. Höre, wie Svādhiṣṭhāna im Liṅga an seinem Ort liegt.
13.7
dviraṇḍena tanus tasya chagalaṇḍāditaḥ kramāt
yatra sthāne sthitā māyā mahākāla mukhāgrataḥ //
Dviraṇḍa bildet seinen Leib; [die anderen folgen] von Chagalaṇḍa an der Reihe nach. Dort liegt die Stätte der Māyā, Mahākāla an der Spitze des Gesichts. [Die Zuordnung ist syntaktisch verkürzt.]
13.8
vālīśvaraṃ tu randhrasthaṃ bhujaṅga maṇimastake
pinākinaṃ tu sīmanyāṃ saṃsthitaṃ tu niyāmakam //
Vālīśvara befindet sich in der Öffnung, Bhujaṅga auf dem Kopf des Juwels; der lenkende Pinākin befindet sich an der Naht.
13.9
atra yogaṃ pravakṣyāmi yogināṃ śubhadāyakam
yena paśyanti taṃ liṅgaṃ pūrvoktaṃ guṇaśālinam //
Ich werde hier den Yoga erklären, der den Yogins Heil schenkt und durch den sie das zuvor beschriebene Liṅga mit seinen Vorzügen sehen.
13.10
dvīpadvīpeśvaraṃ nāthaṃ dvādaśārcisamanvitam
māsamāsāvadhī 'kaikam abhyasanto guṇān labhet //
Wenn man jeweils einen Monat lang über Insel, Inselherrn und Herrn mit seinen zwölf Strahlen übt, erlangt man die Vorzüge.
13.11
yuñjantaḥ śriyam āpnoti ṣaḍrasāsvādanaṃ kramāt
kaṭutiktakaṣāyāmlaṃ kṣāraś ca madhurāvadhi //
Durch die Übung erlangt man Herrlichkeit und kostet der Reihe nach die sechs Geschmäcker: scharf, bitter, zusammenziehend, sauer, laugig und schließlich süß. [„kṣāra“ wird nicht stillschweigend durch das gewöhnlich genannte „salzig“ ersetzt.]
13.12
nāthaṃ dvīpas tu dvīpārci dvīpādikramasaṃyutam
dhyānasthānasamāyogāt tan nāsti yan na sādhayet //
Herr, Insel, Inselstrahl und die mit den Inseln beginnende Folge: Durch die Verbindung mit den Meditationsorten gibt es nichts, was man nicht verwirklichen könnte.
13.13
ṣaḍvaktraṃ cintyam ātmānaṃ devīṃ ca guṇalālasām
mukhena mukham ālagnaṃ hy ātmaliṅgoparisthitam //
Man stelle sich selbst sechsangesichtig vor und die Göttin, die sich nach den Vorzügen sehnt, Mund an Mund verbunden und auf dem eigenen Liṅga ruhend.
13.14
bhāvānandarasālāḍhyaṃ helādolair vyavasthitam
liṅgarandhraṃ tu randhrasthaṃ tena mārgeṇa cābhyaset //
Reich an der Essenz innerer Seligkeit, in spielerischem Schwingen verweilend, [verbinde man] die Liṅga-Öffnung mit der Öffnung und übe auf diesem Weg. [Die Bildsprache verbindet Körper und inneren Yoga; die genaue Ausführung ist nicht eindeutig.]
13.15
vidyujjyotilatākāraṃ vaktramaṇḍalaniḥsṛtam
tasya vai hy ātmanaḥ paścāt nit yam eva samabhyaset //
[Man betrachte] die Gestalt einer blitzenden Lichtranke, die aus dem Bereich des Mundes hervorgeht, und übe danach beständig über das eigene Selbst.
13.16
ṣaṇmāsena varārohe sphoṭayet parvatān api
dvitīye 'naṅgarūpo 'sau kṣobhayeta varāṅganām //
Nach sechs Monaten, o Schönhüftige, kann man selbst Berge sprengen. In der zweiten [Übung] besitzt man die Gestalt des Körperlosen und kann eine schöne Frau erregen.
13.17
tatsthāne tiryagālokāt kiṃ tu raktāruṇena tu
martyajān khecarān yakṣān rakṣaḥpaiśācagocarān //
An jener Stätte, durch einen seitwärts gerichteten Blick in roter beziehungsweise rötlicher [Vorstellung], [erregt man] Menschen, Himmelsgänger, Yakṣas, Rākṣasas und Piśācas.
13.18
kṣobhayed dhāṭakīśasya puraṃ sādhakapuṅgavaḥ
tatraiva brahmayogena cakrāvartena cakṣuṣā //
Der vorzügliche Sādhaka kann die Stadt des Dhāṭakīśa erschüttern. Ebendort, durch den Brahma-Yoga und einen kreisenden Blick,
13.19
karṣayen nikhilān sarvān phalapuṣpāditaḥ kramāt
martyalokāditaḥ kṛtvā pātālasvargasaṃsthitān //
zieht er ausnahmslos alles herbei, der Reihe nach angefangen bei Früchten und Blumen, von der Menschenwelt bis zu den Wesen der Unterwelt und des Himmels.
13.20
tṛtīyena tu yogena caturthaṃ stambhane kṣamaḥ
kiṃ tu pītena tattvākṣaś cakṣuṣā paripūrṇadhīḥ //
[Dies geschieht] durch den dritten Yoga; durch den vierten vermag er zu lähmen, mit gelbem [Blick], das Auge auf das Wirklichkeitsprinzip gerichtet und mit erfülltem Verständnis.
13.21
stambhayed gaganāmbhobhir vimānapavanau mahān
nāvāgati gajānāṃ ca vājicaurāripannagān //
Der Mächtige kann Himmelswasser, Flugwagen und Wind anhalten, die Fahrt von Schiffen, Elefanten, Pferde, Diebe, Feinde und Schlangen. [„gaganāmbhobhiḥ“ ist grammatisch unregelmäßig; die Aufzählung ist vorläufig.]
13.22
pañcamena tu yogena tatrasthaḥ kṛṣṇamaṇḍale
mārayed yasya kruddho 'sau yaḥ kruddho mriyate tu saḥ //
Durch den fünften Yoga, dort im schwarzen Kreis verweilend, kann er den töten, dem sein Zorn gilt; derjenige, dem er zürnt, stirbt.
13.23
sa devāsuratrailokyaṃ dvipadaṃ vā catuṣpadam
caturdaśavidhasyāpi kruddhaḥ saṃharaṇe kṣamaḥ //
Im Zorn vermag er die drei Welten samt Göttern und Asuras aufzulösen, Zweibeiner, Vierbeiner und die gesamte vierzehnfache [Schöpfung].
13.24
ṣaṣṭham ūrdhvaparaṃ sthānaṃ brahmadvāreti kīrtitam
aprasiddhena mārgeṇa helādolaikatatparaḥ //
Die sechste, höchste obere Stätte heißt Brahma-Tor. Auf einem nicht allgemein bekannten Weg, ganz dem spielerischen Schwingen zugewandt,
13.25
vidyullatāchaṭāṭopaṃ vāraṃ vāraṃ muhur muhuḥ
abhyased yāva yogeśi tāvad ānandatāṃ vrajet //
übe man immer wieder den Ausbruch blitzender Lichtranken, o Herrin des Yoga, bis man zur Seligkeit gelangt.
13.26
tyajet svābhāvikaṃ sarvaṃ saṃsārapathagocaram
niḥsaṃjño mṛtavad yogī kāṣṭhavad upalakṣyate //
Man lässt alles Gewohnheitsmäßige im Bereich des Saṃsāra-Weges zurück. Der Yogin erscheint ohne Bewusstsein, wie tot, wie ein Stück Holz.
13.27
sāttvikaṃ rājasaṃ bhāvaṃ tāmasaṃ tu yadā bhavet
trayāvasthagato yogī pūrvaliṅgasamo bhavet //
Wenn ein sattvischer, rajasischer oder tamasischer Zustand entsteht, gleicht der in diesen drei Zuständen befindliche Yogin dem zuvor beschriebenen Liṅga. [Das Verhältnis zum vorausgehenden bewusstseinslosen Zustand bleibt prüfbedürftig.]
13.28
pūjyate sa suraiḥ sarvaiḥ khecarasthair na cāparaiḥ
ṣaṭprakāram idaṃ liṅgaṃ yo jānāti sa tattvavit //
Er wird von allen Göttern und den im Luftraum Weilenden verehrt, nicht von anderen. Wer dieses sechsfache Liṅga kennt, ist ein Kenner der Wirklichkeit.
13.29
etat te kathitaṃ sarvaṃ sarahasyaṃ sugopitam
na deyaṃ duṣṭabuddhīnāṃ jñānacaureṣu śāsanam //
Dies alles habe ich dir mitsamt seinem gut gehüteten Geheimnis erklärt. Die Lehre soll Menschen von bösem Verstand und Dieben des Wissens nicht gegeben werden.
13.30
yāvan na sarvabhāvena kāyakleśasahā narāḥ
tataś cedaṃ pradātavyam anyāyān narakaṃ vrajet //
Erst wenn Menschen mit ihrem ganzen Wesen körperliche Mühsal ertragen können, soll ihnen dies gegeben werden. Durch unrechtmäßige [Weitergabe] gelangt man in die Hölle.
13.31
etat kuleśvaraṃ liṅgaṃ pralayotpattikārakam
yo jānāti varārohe sa siddho hy atra śāsane //
Dieses Liṅga Kuleśvaras bewirkt Auflösung und Entstehen. Wer es kennt, o Schönhüftige, ist in dieser Lehre vollendet.
13.32
tasmālliṅgaṃ na nindeta yāvat tāvat tanau sthitam
sarveṣāṃ vidyate hy etat kalpanā hy atra kāraṇam //
Daher soll man das Liṅga nicht verachten, solange es im Leib besteht. Es ist bei allen vorhanden; die innere Gestaltung ist hierbei die Ursache.
13.33
dvipadaṃ martyajaṃ liṅgaṃ raupyahemamaṇirmayam
mantramūrtikuleśānam āvāhyāpy atra ropitam //
Das zweibeinige, menschliche Liṅga und das aus Silber, Gold oder Edelstein: Darin wird Kuleśāna in Mantragestalt herbeigerufen und eingesetzt.
13.34
svādhiṣṭhānaṃ tu tat tasya pūjanāt tat padaṃ labhet
prathamaṃ na hi sarvasya sarvajñatvaṃ prapadyate //
Dies ist sein eigener Sitz, Svādhiṣṭhāna. Durch seine Verehrung erlangt man jene Stätte; nicht jeder erlangt gleich zu Anfang Allwissenheit.
13.35
tasmān na nindayelliṅgaṃ tanmūrtiguṇaśālinam
sarvajñatve 'pi samprāpte samayān samprapālayet //
Deshalb soll man das Liṅga, das die Eigenschaften seiner Gestalt trägt, nicht verachten. Selbst nach Erlangen der Allwissenheit bewahre man die Verpflichtungen.
13.36
tamorajaḥpraviṣṭānām ahaṅkāravaśānugām
na teṣāṃ sādhanaṃ siddhir jāyate patanaṃ punaḥ //
Bei denen, die in Dunkelheit und Erregtheit eingetreten sind und dem Ichstolz folgen, entstehen weder Verwirklichung noch Vollendung, sondern erneuter Fall.
13.37
śrīkuleśvaradevasya liṅgādhāraṃ śṛṇu priye
vṛttākāraṃ sarandhraṃ tu caturasraṃ prakīrtitam //
Höre, Geliebte, von der Liṅga-Grundlage des erhabenen Gottes Kuleśvara. Sie wird als rund, mit einer Öffnung und viereckig beschrieben. [Diese Formen werden nicht zu einer einzigen Geometrie harmonisiert.]
13.38
trirandhravalayākāraṃ śṛṅgāṭākṛtivarcasam
piṇḍikopariliṅgasya jagadyonir mahāmbike //
Sie hat die Gestalt eines Ringes mit drei Öffnungen und das Aussehen einer Wegkreuzung. Die [Grundlage] des Liṅga über dem Sockel ist die Quelle der Welt, o große Mutter.
13.39
catuṣkalasamopetaṃ catuṣpīṭhasamanvitam
catuḥsiddhasamāyuktaṃ jñātvā siddhiphalapradam //
Mit vier Teilen, vier Pīṭhas und vier Siddhas versehen, schenkt sie, wenn erkannt, die Frucht der Vollendung.
13.40
khaḍgīśaḥ prathame vṛtte jalapaṭṭe niveśitaḥ
bakaś cāṅkurarūpeṇa randhrasandhau vyavasthitaḥ //
Khaḍgīśa ist im ersten Kreis auf der Wasserplatte eingesetzt. Baka befindet sich in Sprossgestalt an der Verbindung der Öffnung.
13.41
śvetaḥ praṇālake dvisthaḥ pravāhe saṃvyavasthitaḥ
bhṛgur mekhalarūpeṇa samantāt parimaṇḍalam //
Śveta liegt zweifach im Ausflusskanal, im Abstrom. Bhṛgu bildet als Gürtel die ringsum verlaufende Einfassung.
13.42
śṛṅgāṭake tu pīṭhāni khātasyāgre vilakṣayet
o-jā-pū-kā-matatvaṃ tu madhyadakṣiṇavāmataḥ //
An der Kreuzung vor der Vertiefung erkenne man die Pīṭhas: O, Jā, Pū, Kā, der Mitte, der rechten und der linken Seite zugeordnet. [Abgekürzte Pīṭha-Namen; die vierte Richtung folgt im nächsten Vers.]
13.43
agradeśe tu koṭisthaṃ śṛṅgāṭaṃ caturasrakam
kṛ-tre-dvā-ka-kramād evam ādhāraṃ caturaṅgulam //
Vorne an der Spitze liegt die viereckige Kreuzung; entsprechend der Folge Kṛ, Tre, Dvā, Ka ist die Grundlage vier Finger breit. [Die Kürzel dürften Weltalter bezeichnen; die genaue räumliche Zuordnung bleibt vorläufig.]
13.44
tatrābhyāsaṃ prakurvīta abhiṣekaguṇānvitaḥ
ājñālabdhaparo bhaktaś caturmāsāt phalaṃ labhet //
Dort übe man, mit den Eigenschaften der Weihe versehen. Ein sehr ergebener Mensch, der Ermächtigung empfangen hat, erlangt nach vier Monaten die Frucht.
13.45
jalapaṭṭagataṃ devam ādipīṭhasamanvitam
śuklavarṇaṃ yadā dhyāyec chāntipuṣṭiparaṃ vrajet //
Wenn man über den Gott auf der Wasserplatte, mit dem ursprünglichen Pīṭha verbunden, in weißer Farbe meditiert, gelangt man zu höchster Befriedung und Stärkung.
13.46
taṃ tyajya bakanāthākhyaṃ dakṣapīṭhagataṃ yadā
tadā puṣṭiśriyārogyaṃ pūrvābhyāsaphalaṃ labhet //
Wenn man diesen zurücklässt und [über] den Bakanātha Genannten am rechten Pīṭha [meditiert], erlangt man Stärkung, Herrlichkeit, Gesundheit und die Frucht der vorausgehenden Übung.
13.47
śvetaṃ praṇālarandhrasthaṃ vāmapīṭhagataṃ yadā
abhyaset kramayogena vaśyākarṣaṇamāraṇam //
Wenn man über Śveta in der Öffnung des Ausflusskanals, am linken Pīṭha, der Reihenfolge gemäß übt, [erlangt man] Unterwerfung, Anziehung und Tötung.
13.48
rogavyādhijayaḥ puṣṭiḥ kramāt khecaratāṃ vrajet
bhṛgu[ṃ] kāmasamāyogād abhyasanto guṇān labhet //
[Es folgen] Überwindung von Krankheiten und Stärkung; der Reihe nach gelangt man zum Himmelsgängertum. Durch Übung über Bhṛgu, verbunden mit Kāma, erlangt man die Vorzüge. [Die Quelle ergänzt „bhṛgu[ṃ]“.]
13.49
śāntipuṣṭivaśākarṣaṃ purakṣobhaṃ pṛthuśriyam
valīpalitanāśas tu vāgīśatvaṃ pravartate //
Befriedung, Stärkung, Unterwerfung, Anziehung, Erschütterung von Städten, große Herrlichkeit, Verschwinden von Falten und grauem Haar sowie Herrschaft über die Rede entstehen.
13.50
sañjīvanaṃ mṛtānāṃ ca drumākṛṣṭi jalaplavam
vātameghanadīnāṃ ca stambhakṛd vācahāriṇaḥ //
[Man vermag] Tote wiederzubeleben, Bäume heranzuziehen, auf Wasser zu treiben, Wind, Wolken und Flüsse anzuhalten und die Rede zu rauben.
13.51
vācāsiddhiḥ prabhutvaṃ ca stobhakṛt parvatādiṣu
stambhayet sarvasainyāni ādhāragatacetasaḥ //
Wirksamkeit der Rede, Herrschaft und Erschütterung von Bergen und anderem [entstehen]. Wer sein Bewusstsein in die Grundlage versetzt, kann sämtliche Heere anhalten.
13.52
ādhāraṃ kramam ity uktaṃ tad vinā sādhanaṃ na hi
na mokṣo na ca bhuktiś ca yāvāmnāyo na veditaḥ //
Die Grundlage wird Krama, „geordnete Folge“, genannt; ohne sie gibt es keine Verwirklichung. Weder Befreiung noch Genuss sind möglich, solange die Überlieferung nicht erkannt ist.
13.53
etad ādhāram ity uktam ājñābhedam ataḥ śṛṇu
yena vijñātamātreṇa sarvajñatvaṃ prapadyate //
Damit ist die Grundlage erklärt. Höre nun die Unterteilung der Ermächtigung, durch deren bloße Erkenntnis man Allwissenheit erlangt.
13.54
kramaṃ śāmbhavam ity āhur yasmāt sambhavate 'khilam
vācāsiddhes tu ādhāraṃ vācayājñā pravartate //
Krama heißt zu Śiva gehörig, weil daraus alles entsteht. Es ist die Grundlage der Wirksamkeit der Rede; durch Rede entfaltet sich die Ermächtigung.
13.55
śāmbhavābhyāsamātraṃ tu yat kramāt sampravartate
athāṇurudraśaktisthā bhāvabhūteṣu śāmbhavā //
Was aus der Folge hervorgeht, ist die bloße Übung des Śiva-[Zustandes]. Sodann [weilt] die zu Śiva gehörige [Ermächtigung] im begrenzten Selbst, in Rudra, Kraft, Gegenständen und Elementen. [Die Folge „aṇu-rudra-śakti“ ist vorläufig gegliedert.]
13.56
adhikārātmikā hy eṣā viśuddhiguṇadāyikā
na mokṣo vidyate teṣāṃ prasādājñā vivarjitā //
Diese besteht in Amtsbefugnis und verleiht die Eigenschaften der Reinigung. Ohne die Ermächtigung der Gnade gibt es für sie keine Befreiung.
13.57
prasādaṃ kramam ity uktaṃ kramāj jñānaṃ tu śāmbhavam
śāmbhavena samastārthān vetti paśyati cāgrataḥ //
Gnade heißt Krama; aus Krama entsteht Śivas Erkenntnis. Durch diese erkennt man sämtliche Gegenstände und sieht sie vor sich.
13.58
yadā dṛṣṭaḥ samastārtho gurutaḥ śāstrataḥ svataḥ
tadāsau kramikaḥ proktaḥ kramatulyo 'thavā hi saḥ //
Wenn der gesamte Sinn durch den Lehrer, die Schrift und aus sich selbst erkannt ist, heißt man ein Angehöriger des Krama oder dem Krama gleich.
13.59
ājñābhyāse na muktis tu yāvāmnayo na veditaḥ
sabāhyābhyantaraṃ bhadre ato 'rthaṃ toṣayed gurum //
Durch Übung der Ermächtigung allein gibt es keine Befreiung, solange die Überlieferung in ihrem äußeren und inneren Bereich nicht erkannt ist, o Heilvolle. Darum erfreue man den Lehrer.
13.60
sarvāṅgabhaktiyuktas tu triśuddhenāntarātmanā
bhaktyā cārādhayen nāthaṃ tasya sarvaṃ prapadyate //
Mit Hingabe in allen Gliedern und dreifach reinem innerem Selbst verehre man den Herrn voller Hingabe; dann wird einem alles zuteil.
13.61
yā bhaktiḥ sā bhavec chaktiḥ śaktyā sambhavate kramaḥ
kramāt sambhavate vācā vācayājñā pravartate //
Was Hingabe ist, wird zur Kraft. Aus der Kraft entsteht Krama, aus Krama die Rede; durch die Rede entfaltet sich die Ermächtigung.
13.62
yādṛśena tu bhāvena gurudevam upāsayet
tādṛgbhāvena tasyājñā kiñcic cāṃśena saṅkramet //
In welcher inneren Haltung man den göttlichen Lehrer verehrt, in entsprechender Haltung geht dessen Ermächtigung zu einem gewissen Anteil auf einen über.
13.63
uparodhaprasaṅgena uktakālād avāntare
kiñcic cājñā bhavet tasya bhūtormiguṇasaṅkulā //
Wenn vor der genannten Zeit gedrängt wird, erhält man eine gewisse Ermächtigung, die mit den Eigenschaften elementarer Wogen durchsetzt ist.
13.64
paripakvaphalaṃ yadvat susvādaguṇasaṃyutam
tadvac chiṣyo 'pi kālena samastārthavido bhavet //
Wie eine völlig gereifte Frucht wohlschmeckende Eigenschaften besitzt, so wird auch der Schüler mit der Zeit zum Kenner aller Gegenstände.
13.65
rasojjhitaṃ na susvādaṃ yathāmlaphalabhakṣaṇam
tathā hy apakvaśiṣyāṇāṃ vṛthājñānapariśramaḥ //
Wie eine saure Frucht ohne Saft nicht wohlschmeckend ist, so ist bei unreifen Schülern die Mühe um Ermächtigung vergeblich. [„vṛthājñānapariśrama“ kann auch auf Erkenntnisbemühung bezogen werden.]
13.66
sāmarthyenāpi dattājñā bhūtāṃśena samāviśet
ūrmigrasto hy ahaṅkārī ahaṅkārād vinaśyati //
Selbst wenn aufgrund von Befähigung Ermächtigung gegeben wird, tritt sie [nur] mit einem elementaren Anteil ein. Von Wogen ergriffen, ist man ichstolz und geht durch Ichstolz zugrunde.
13.67
ekapakṣaḥ samākhyātaḥ sāmprataṃ vai 'dhikaṃ śṛṇu
sthūlamārgeṇa sūkṣmatvaṃ kramād evaṃ prajāyate //
Damit ist eine Seite erklärt. Höre nun Weiteres: Auf dem groben Weg entsteht stufenweise Feinheit.
13.68
bhedo randhraṃ tathā chidram ekā saṃjñā yaśasvini
sabījāś ceti nirbījāḥ sthitibhedo dvidhā sthitaḥ //
Durchbruch, Öffnung und Spalt bezeichnen ein und dasselbe, o Ruhmreiche. Mit Keim und ohne Keim bestehen zwei verschiedene Zustandsweisen.
13.69
kūrmānandaṃ ca painākaṃ mahākālaṃ tṛtīyakam
krodhīśam arghiṇā yuktaṃ vidyā caiva dvitīyakam //
Kūrmānanda, Paināka und als Drittes Mahākāla; Krodhīśa verbunden mit Arghin, und als Zweites die Vidyā:
13.70
jhaṇṭīśena samāyuktaṃ kulavāgeśvarī smṛtā
praṇavaṃ kaulikaṃ gṛhya lakulīśād anantaram //
Mit Jhaṇṭīśa verbunden, heißt sie Kulavāgeśvarī. Man nehme den Kaula-Praṇava, unmittelbar nach Lakulīśa,
13.71
śrīkaṇṭhaṃ coṣmaṇā yuktaṃ lakulīśādimaṃ punaḥ
upadeśasamāyuktaṃ sarvadaṃ bhṛgu-r-āvadhim //
und Śrīkaṇṭha verbunden mit dem Hauchlaut, dann wiederum das mit Lakulīśa Beginnende, mit Unterweisung verbunden, alles schenkend, bis Bhṛgu. [13.69–71 sind Lautchiffren; die Beziehungsangaben werden übersetzt, ohne eine gesicherte Mantraauflösung zu behaupten.]
13.72
vajrarandhrāntare yojya kodaṇḍāntaṃ vicintayet
ślokadvādaśakopetaṃ cakradvādaśakānvitam //
Man setze [dies] in die diamantene Öffnung ein und stelle sich das Bogenende vor, mit zwölf Versen und zwölf Rädern versehen.
13.73
guruvaktrasamopetaṃ dhyātvā vācāṃ prasādhayet
smaraṇamātrayogena kālakṣepo na cātra vai //
Gemäß dem Mund des Lehrers darüber meditierend, verwirkliche man die Rede. Durch bloßes Gedenken [geschieht es]; hier gibt es keinen Zeitaufschub.
13.74
atha ced abhyased evaṃ vajrakodaṇḍakāntaram
sarvajñatvaṃ bhavet tasya kriyākhyaṃ yāva sundari //
Wenn man so im Zwischenraum von Diamant und Bogen übt, entsteht Allwissenheit bis zu dem, was Handlung heißt, o Schöne.
13.75
kriyāto ' ghaṃ pravarteta vācājñāmoghaśālinī
vāgīśatvaṃ punaḥ paścād vāgīśaḥ sṛjate 'khilam //
Aus der Handlung entsteht Unheil; die Ermächtigung durch Rede ist unfehlbar. Danach [entsteht] Herrschaft über die Rede, und der Herr der Rede erschafft alles. [„aghaṃ“ bedeutet dem Wortlaut nach Unheil; die sachlich auffällige Lesung verlangt Editionsvergleich.]
13.76
jvalantaṃ svena tejena lakulī vāmamārgataḥ
sa jyeṣṭhaḥ kulasantāne raudraśaktibhir āvṛtaḥ //
In eigenem Glanz strahlend, [weilt] Lakulī auf dem linken Weg. Er ist der Älteste in der Kula-Linie, von Rudra-Kräften umgeben.
13.77
trayastriṃśatime tattve hy adhikāro layaḥ pare
saṃvartaḥ kevalo nāthaḥ sabījo bījavarjitaḥ //
Im dreiunddreißigsten Wirklichkeitsprinzip liegt die Amtsbefugnis, im höheren die Auflösung. Saṃvarta ist der alleinige Herr, mit Keim und ohne Keim.
13.78
asya randhrāntarasthānam ājñādhyānaṃ tu śāmbhavam
na mantroccāraṇaṃ jñānaṃ na mudrā dhyāna cintanam //
Seine Stätte im Inneren der Öffnung ist die Śiva-Meditation der Ermächtigung. [Dabei gibt es] weder Mantraaussprechen noch Erkenntnis, weder Mudrā noch Meditation oder Denken.
13.79
nāyāmo na nirodhaś ca granthibhedo na dhāraṇā
sarvopāyavihīno 'sau kiṃ tu sthānavikalpanā //
Weder Atemlenkung noch Anhalten, weder Knotendurchbrechen noch Konzentration: Er ist ohne alle Mittel; einzig die Bestimmung der Stätte [bleibt].
13.80
adhordhvaromasaṃsthāne tatra bhāvaṃ vinikṣipet
ūrdhvagranthir adhaḥkando madhye kiñcin na vidyate //
Man versetze die innere Haltung dorthin, wo die Haare unten und oben liegen. Oben ist ein Knoten, unten eine Knolle; in der Mitte ist nichts vorhanden. [„romasaṃsthāna“ bleibt als technische Körperangabe ungeklärt.]
13.81
tat sthānaṃ śāmbhavaṃ viddhi śambhurandhropalakṣitam
na kiñcic cintayet tatra īṣadāropaṇaṃ citau //
Erkenne diese Śiva-Stätte, gekennzeichnet durch Śambhus Öffnung. Dort denke man an nichts; [es gibt nur] ein leichtes Einsetzen in das Bewusstsein.
13.82
evaṃ saṃsmaraṇād eva jñānānandaṃ pravartate
vācāmātreṇa cānyeṣāṃ kurute pratyayān bahūn //
So entsteht schon durch bloßes Gedenken die Seligkeit der Erkenntnis. Allein durch Rede bewirkt man für andere viele bestätigende Erfahrungen.
13.83
sakṛtsaṃsmaraṇād evam abhyasantaḥ śriyaṃ labhet
vijñānāni ca sarvāṇi ṣaṇmāsābhyāsayogataḥ //
Schon durch einmaliges Gedenken erlangt der so Übende Herrlichkeit; durch sechs Monate Übung alle Erkenntnisweisen.
13.84
catustriṃśapadeśānaṃ vindate vatsarāṣṭakān
tat sthānaṃ sahajaṃ tasya saṃyogaṃ yadi tasya vai //
Nach acht Jahren erlangt er den Herrn der vierunddreißigsten Stätte. Diese Stätte ist ihm angeboren, wenn die Verbindung mit ihr besteht. [Der Kasus von „vatsarāṣṭakān“ ist unregelmäßig.]
13.85
bhujaṅgānugrahīśena mantrayuktena tat priye
uccaranto hanet sṛṣṭiṃ lakulīśāntakārakaḥ //
Mit Bhujaṅga und Anugrahīśa, mit dem Mantra verbunden, o Geliebte, vernichtet der Aussprechende die Schöpfung und setzt Lakulīśa ein Ende. [Die Lautchiffre und ihre genaue Satzanbindung bleiben vorläufig.]
13.86
bhogaś cāsya hi nādānte layaḥ syād vyāpinīpade
ājñābhedadvayaṃ nāthe hy etat tat paramārthataḥ //
Sein Genuss liegt in Nādānta, seine Auflösung in der Stätte Vyāpinī. Dies ist in Wahrheit die zweifache Unterteilung der Ermächtigung, o Herrin.
13.87
śaktimārgagataṃ viddhi śeṣo 'nyac cot tare punaḥ
etat ṣaṭkaṃ paraṃ śāktaṃ dakṣiṇaṃ parikīrtitam //
Erkenne dies als zum Weg der Kraft gehörig; anderes Übriges [folgt] später im Nördlichen. Diese höchste, zur Śakti gehörige Sechsheit heißt die südliche.
13.88
yogiṣaṭkasamāyuktaṃ sadyomelakadāyakam
tvayā mahyaṃ mayā tubhyaṃ tvayāhaṃ tvaṃ mayā punaḥ //
Sie ist mit den sechs Yogins verbunden und schenkt unmittelbare Zusammenkunft: durch dich für mich, durch mich für dich; ich durch dich und wiederum du durch mich.
13.89
kathitaṃ tava suśroṇi tvatsaṅgānyeṣu mokṣadam
paśu pakṣi tathā vṛkṣās tṛṇagulmasarīsṛpam //
Ich habe sie dir erklärt, o Schönhüftige; durch Gemeinschaft mit dir schenkt sie anderen Befreiung. Tiere, Vögel, Bäume, Gräser, Sträucher und Kriechtiere:
13.90
vyākhyānaṃ yatra mārgasya mu cy ante tāny avaśyataḥ
yena varṣasahasrāṇi bhaktyā ārādhito hy aham //
Wo der Weg erklärt wird, werden sie gewiss befreit. Wer mich tausend Jahre mit Hingabe verehrt hat,
13.91
janmany apaścime puṃsāṃ jāyate 'daṃ sudurlabham
cetaścittavihīnānāṃ prasaṅgān muktidaṃ priye //
bei dem entsteht dieses schwer zugängliche [Wissen] in einer nicht letzten Geburt. Selbst Wesen ohne Denken und Bewusstsein schenkt es durch Berührung Befreiung, o Geliebte. [„janmany apaścime“ bleibt wie in 10.93 unberichtigt.]
13.92
kiṃ punaś cittayuktānāṃ saṅgād eva na muktidam
ato 'rthaṃ saha saṃyogaṃ khānapānaṃ sahāsanam //
Wie sollte es dann Bewussten nicht schon durch Gemeinschaft Befreiung schenken? Deshalb [pflege man] gemeinsamen Umgang, Essen, Trinken und Zusammensitzen.
13.93
vastramālyopahārāṇi svajuṣṭānyaṃ na dāpayet
asatsaṅgaṃ na kartavyaṃ satsaṅgaṃ na vivarjayet //
Gewänder, Kränze und Opfergaben, die man selbst gebraucht hat, gebe man nicht einem anderen. Man pflege keine schlechte Gemeinschaft und verlasse die gute nicht.
13.94
śuddhāśayasamācāraṃ jñānādhāraṃ prapūjayet
viśuddhaṃ kāñcanaṃ yadvan nāgasaṅgād vinaśyati //
Man verehre den, dessen innere Haltung und Verhalten rein sind und der eine Grundlage der Erkenntnis ist. Wie reines Gold durch Verbindung mit Blei verdorben wird,
13.95
evaṃ viśuddhatattvo 'pi asatsaṅgād vinaśyati
yoginīkulagarbhasthaḥ kulavīrāṅgasambhavaḥ //
so geht selbst ein Mensch von reinem Wesen durch schlechte Gemeinschaft zugrunde. Wer im Schoß der Yoginī-Familie weilt und aus einem Glied des Kula-Helden hervorgeht,
13.96
siddho 'sau siddhasantāne ṣaṭpādārthaṃ sa vindati
etat te kathitaṃ sarvaṃ dakṣiṇedaṃ salakṣaṇam //
ist ein Siddha in der Linie der Siddhas und erlangt die sechs Gegenstände. Dies alles habe ich dir erklärt: das Südliche mitsamt seinen Kennzeichen,
13.97
yogaṣaṭkaṃ kulādhāraṃ pṛcchasvānyad yad icchasi //
die sechs Yogas, die Grundlage des Kula. Frage nun nach allem anderen, was du wissen möchtest.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate dakṣiṇaṣaṭkaparijñāno nāma trayodaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das dreizehnte Kapitel mit dem Titel „Erkenntnis der südlichen Sechsheit“.
Kapitel 14
14.1
dayā ca paramā mahyaṃ maṇḍalīśakulākulam
ṣaṭpadārtho mayā jñātaḥ ṣaḍ yoginyo vada prabho //
[Die Göttin sprach:] Höchstes Mitgefühl [hast du] mir [erwiesen]. Kula und Akula des Maṇḍala-Herrn und die sechs Gegenstände habe ich erkannt. Nenne nun die sechs Yoginīs, Herr! [Der Beginn ist elliptisch.]
14.2
uvāca bhagavān nāthaḥ kubjīśāni vadāmy aham
sadyaḥpratyayakartāraṃ sadyomelakadāyakam //
Der erhabene Herr sprach: Herrin Kubjī, ich erkläre, was unmittelbare bestätigende Erfahrung bewirkt und unmittelbare Zusammenkunft schenkt.
14.3
kam-ba-mā-lam-vi-kā devyaḥ kramāt ṣaṭkaṃ kulākule
mokṣabhuktipradātāraḥ ṣaḍ etāḥ ṣaṭkanāyikāḥ //
Kam, Ba, Mā, Lam, Vi, Kā: So lautet der Reihe nach die Sechsheit der Göttinnen in Kula und Akula. Diese sechs Führerinnen der Sechsheit schenken Befreiung und Genuss. [Namenskürzel der Quelle, keine vollständig aufgelösten Namen.]
14.4
ḍa-ra-la-ka-sa-ha-jotthāḥ saṃsthitāḥ kulagocare
kulaṣaṭkanivāsinyo nigrahānugrahe 'pi vā //
Aus Ḍa, Ra, La, Ka, Sa und Ha entstanden, stehen sie im Bereich des Kula. Sie wohnen in den sechs Kulas und bewirken Bestrafung wie Begnadung.
14.5
ekaikānugrahanty etā nigrahanty anulomakṛt
ṣaṭpattre pūjitāḥ santyaḥ ṣaṭpadārthaphalapradāḥ //
Jede einzelne begnadigt oder bestraft in vorwärtslaufender Folge. Im sechsblättrigen [Lotus] verehrt, schenken sie die Frucht der sechs Gegenstände.
14.6
purataḥ pṛcchayiṣyāmi prārabdhaṃ kathayasva me
catuṣkapañcakānāṃ ca caturṇāṃ ca phalodayam //
[Die Göttin sprach:] Danach werde ich später fragen. Erkläre mir das Begonnene: das Hervortreten der Früchte der Vierheiten, Fünfheiten und der Vier. [Die wiederholte Vierzahl ist schon in der Vorlage vorhanden.]
14.7
ṣaṭpadārthopadeśena samastaṃ kathitaṃ mayā
tathāpi kathayiṣyāmi adhikāro yathā sthitaḥ //
[Der Herr sprach:] Durch die Unterweisung über die sechs Gegenstände habe ich alles erklärt. Dennoch werde ich den Bereich darlegen, wie er beschaffen ist.
14.8
o-jā-pū-kāmuko bhedo dṛṣṭvākṣaraviniścitam
mudrācatuṣṭayopetaṃ saṅketāt kathitaṃ priye //
Die Gliederung O, Jā, Pū, Kā ist anhand der Laute zu bestimmen. Mit vier Mudrās verbunden, wurde sie durch Andeutung erklärt, Geliebte.
14.9
caturyugaṃ catuṣpīṭhaṃ yonyaś catvāri yāḥ priye
sabāhyābhyantare sarvaṃ kathayāmi yathārthataḥ //
Die vier Weltalter, vier Pīṭhas und vier Quellen, Geliebte, werde ich samt ihrem äußeren und inneren Bereich vollständig und genau erklären.
14.10
nābhyadhodarahṛtkaṇṭhe kṛ-tre-dvā-kam anukramāt
o-jā-pū-kāmarūpiṇyaś catvāry evaṃ vyavasthitāḥ //
Unterhalb des Nabels, im Bauch, im Herzen und im Hals liegen der Reihe nach Kṛ, Tre, Dvā und Ka. So sind die Vier in den Gestalten von O, Jā, Pū und Kāma angeordnet. [Abkürzungen der Weltalter und Pīṭhas bleiben erhalten.]
14.11
sabāhyābhyantareṇaiva catuṣkaṃ parikīrtitam
gurūpadeśasaṃyuktaṃ pañcakaṃ kathayāmi te //
Damit ist die Vierheit in äußerer und innerer Hinsicht erklärt. Nun erkläre ich dir die Fünfheit, verbunden mit der Unterweisung des Lehrers.
14.12
devyo dūtyas tathā mātryo yoginyaḥ khecarīgaṇaḥ
pañcadhā hy adhikāro 'yaṃ kurvanty etāḥ kulākule //
Göttinnen, Botinnen, Mütter, Yoginīs und die Schar der Khecarīs: Diese üben die fünffache Zuständigkeit in Kula und Akula aus.
14.13
devīcatuṣṭayādhāraṃ svādhiṣṭhānaṃ ṣaḍāśrayam
randhrakāmaśikhir golaṃ dhvajakandāntakāvadhim //
Svādhiṣṭhāna ist die Grundlage der vier Göttinnen und besitzt sechs Sitze: Öffnung, Kāma, Feuer, Kugel, Fahne und Knolle.
14.14
saptamaṃ tattvam uddiṣṭaṃ brahmaṇaḥ padam uttamam
atra sṛṣṭiḥ samutpannā ṣaṭkauṣakulasambhavā //
Als siebtes ist das Wirklichkeitsprinzip genannt, die höchste Stätte Brahmās. Hier entstand die Schöpfung aus dem Kula der sechs Hüllen.
14.15
devyādhiṣṭhitam īsānaṃ svādhiṣṭhānaguṇāśrayam
randhradvādaśakopetaṃ kāmadvādaśakānvitam //
Īśāna, von der Göttin getragen, ruht auf den Eigenschaften Svādhiṣṭhānas. Er besitzt zwölf Öffnungen und zwölf Kāmas.
14.16
vahnīśvare tathāpy evaṃ dvādaśaṃ dhvajakandayoḥ
piṇḍadvādaśakopetaṃ caturāśīty anekaśaḥ //
Ebenso [gibt es zwölf] beim Feuerherrn sowie bei Fahne und Knolle. Mit zwölf Körperformen versehen, [ergibt dies] vierundachtzig in vielfacher Weise. [Die Aufzählung nennt nicht alle Glieder gleich ausführlich.]
14.17
śāmbhavādhiṣṭhite yoge svādhiṣṭhāne nirāmaye
caturāśītiguṇānāṃ vijñānapadavīṃ labhet //
Im von Śiva getragenen Yoga, im unversehrten Svādhiṣṭhāna, erlangt man den Erkenntnisweg der vierundachtzig Eigenschaften.
14.18
atra madhye maheśāni sarvakāraṇakāraṇam
yathā niṣpadyate piṇḍaṃ tat tathā cāvadhārayet //
In seiner Mitte, große Herrin, [liegt] die Ursache aller Ursachen. Man erfasse genau, wie der Körper entsteht.
14.19
ādhāraśaktim ādau tu brahmaśaktim atordhvataḥ
etad brahmāṇḍam ity uktaṃ saptalokasamanvitam //
Zuerst [liegt] die Kraft der Grundlage, darüber die Brahma-Kraft. Dies heißt Weltenei, mit sieben Welten versehen.
14.20
ādhāraṃ caiva bhūrlokaṃ bhuvarlokaṃ tu kāmagam
svarlokaṃ śikhim ity uktaṃ maharlokaṃ tu golakam //
Die Grundlage ist die Erdwelt; die Zwischenwelt liegt bei Kāma. Die Himmelswelt heißt Feuer, die Mahar-Welt Kugel.
14.21
dhvajasthaṃ janam ity uktaṃ tapolokaṃ tu kandagam
satyalokaṃ tu tattvasthaṃ brahmagranthyāvadhisthitam //
Die Jana-Welt liegt in der Fahne, die Tapo-Welt in der Knolle; die Satya-Welt liegt im Wirklichkeitsprinzip und reicht bis zum Brahma-Knoten.
14.22
satyalokād adhaḥ sṛṣṭiḥ kalādyā piṇḍasambhavā
ājñātaḥ sampravartante trayāntaṃ yāva mānasī //
Unterhalb der Satya-Welt [liegt] die mit Kalā beginnende, körperentstandene Schöpfung. Aus der Ermächtigung entfaltet sie sich geistig bis zum Ende der Dreiheit. [Die genaue Abgrenzung der Dreiheit bleibt offen.]
14.23
caturṇāṃ tu punaḥ sṛṣṭir adhastād yonisambhavā
madhyamanthānayogena śubhāśubhanibandhanam //
Die Schöpfung der vier [unteren Welten] entsteht dagegen unten aus der Yoni. Durch das Quirlen in der Mitte ist sie an Heilvolles und Unheilvolles gebunden.
14.24
bhuvarlokād adholoke vividhā sṛṣṭiḥ pravartate
jarāyujā ca sā jñeyā bahuduḥkhasamākulā //
In der Welt unterhalb der Bhuvar-Welt entfaltet sich mannigfaltige Schöpfung. Sie ist als im Mutterleib geboren und mit vielem Leiden erfüllt zu erkennen.
14.25
kandāt sañjāyate sṛṣṭiḥ kandaṃ vai saptalaukikam
randhrādau granthiparyantaṃ vijñeyaṃ saptadhātukam //
Aus der Knolle entsteht die Schöpfung; die Knolle umfasst die sieben Welten. Von der Öffnung bis zum Knoten erkenne man [den Bereich] der sieben Körperbestandteile.
14.26
kandāt sañjāyate 'ṅkuraḥ aṅkurān mūlasambhavaḥ
mūlāt parṇalatāśākhā[s] tataḥ puṣpaphalādikam //
Aus der Knolle entsteht der Spross, aus dem Spross die Wurzel; aus der Wurzel Blätter, Ranken und Zweige, danach Blüten, Früchte und anderes. [Die Quelle ergänzt „śākhā[s]“.]
14.27
phalaṃ śarīram ity uktaṃ dhātuvṛkṣasamudbhavam
piṇḍaṃ kandodbhavaṃ tac ca śubhāśubhajalāntagam //
Die Frucht heißt Körper, entstanden aus dem Baum der Körperbestandteile. Dieser aus der Knolle entstandene Leib befindet sich im Wasser des Heilvollen und Unheilvollen.
14.28
tvagraktamāṃsa randhrādau aśubhaṃ kāmavahnigam
śubhaṃ medo'sthimajjāntaṃ golakandadhvajānvitam //
Haut, Blut und Fleisch liegen an Öffnung, Kāma und Feuer und gelten als unheilvoll; das Heilvolle umfasst Fett, Knochen und Mark, verbunden mit Kugel, Knolle und Fahne. [Die Quelle ordnet die letzten drei Stellen in dieser Reihenfolge an.]
14.29
aśubhaṃ tu rajaḥ sākṣāt triśaktiguṇa mātṛjam
paitṛkaṃ śubham uddiṣṭaṃ reto hy ātmādi-m-īśvaraḥ //
Das Unheilvolle ist unmittelbar das mütterliche Blut, entstanden aus den Eigenschaften dreier Kräfte. Als heilvoll wird das Väterliche bezeichnet, der Samen, [verbunden mit] Selbst und den weiteren [Prinzipien] bis Īśvara. [Historische Geschlechter- und Stoffwertung der Quelle.]
14.30
piṇḍaṃ sarvatra sāmānyam ubhayor api kubjike
saṅgame śivaśaktīnāṃ piṇḍabandho bhavet tadā //
Der Körper ist überall beiden gemeinsam, o Kubjikā. Bei der Vereinigung von Śiva und Śakti entsteht die Bindung des Körpers.
14.31
yat kiñcic cintayen mātā yat kiñcic cintayet pitā
ubhau bhāvasamāyogāt tadbhāvaḥ sahajo bhavet //
Was immer die Mutter und was immer der Vater denken: Aus der Verbindung ihrer beider inneren Haltungen wird jene Haltung angeboren.
14.32
viśvarūpo maṇir yadvad upādhiviṣayo yathā
tatkālopādhicintāyāṃ sa rāgaḥ sahajo bhavet //
Wie ein Edelstein alle Gestalten [annimmt], je nach dem Gegenstand seiner Bedingung, so wird die Färbung durch die zur betreffenden Zeit gedachte Bedingung angeboren.
14.33
etad antaram āsādya piṇḍaḥ kāraṇarūpadhṛk
bandhate pañcadhātmānaṃ pañcapañcādibhiḥ kramāt //
In diesem Zwischenraum nimmt der Körper die Gestalt der Ursachen an. Er bindet sich fünffach durch jeweils fünf und die weiteren [Glieder] der Reihe nach.
14.34
puruṣaṃ prakṛtiś caiva guṇo 'haṅkāra dhīr manaḥ
ṣaṇmukhas tu paro hy ātmā catuṣkapariveṣṭitaḥ //
Puruṣa, Prakṛti, Guṇa, Ichbewusstsein, Erkenntnisvermögen und Denken: Das höhere Selbst ist sechsangesichtig und von einer Vierheit umgeben.
14.35
adhordhvaṃ nīyate jīvaḥ koṣakīṭa-m-iva sthitaḥ
prakāśayati cātmānaṃ badhnāti ca punaḥ punaḥ //
Das Lebewesen wird auf und ab geführt und verweilt wie eine Raupe im Kokon. Es bringt sich selbst zum Vorschein und bindet sich immer wieder.
14.36
niyāmikācatuṣkeṇa sannaddho bhramate hy aṇuḥ
ekaikaṃ taṃ caturdhā tu devīcakraṃ prakīrtitam //
Von der Vierheit der lenkenden Kräfte gefesselt, wandert das begrenzte Selbst umher. Jede davon ist vierfach; dies heißt das Rad der Göttinnen.
14.37
niyāmikā bhavet pṛthvī pratiṣṭhā śabdapūrvikā
śrotrapūrṇā bhaved vidyā śāntir vāgeśvarī smṛtā //
Die lenkende [Kraft] ist Erde; Pratiṣṭhā beginnt mit dem Laut. Vidyā ist vom Gehör erfüllt; Śānti gilt als Herrin der Rede.
14.38
kṣoṇī tu prathamā jñeyā śabdadevī dvitīyakā
tṛtīyā śrotrikā nāma vācādevī caturthikā //
Als erste erkenne man Kṣoṇī, als zweite Śabdadevī; die dritte heißt Śrotrikā, die vierte Vācādevī.
14.39
devīcatuṣṭayaṃ hy etad ekaikaṃ tu catuṣṭayam
etac catuṣṭayaṃ devi saṃsārapathavartmani //
Dies ist die Vierheit der Göttinnen; jede einzelne bildet eine Vierheit. Diese Vierheit, o Göttin, [wirkt] auf dem Weg des Saṃsāra.
14.40
catuṣṭayaṃ tu bhūtānāṃ tanmātrāṇāṃ catuṣṭayam
buddhīndriyacatuṣkaṃ tu catuṣkaṃ karmayājinām //
Eine Vierheit der Elemente, eine Vierheit der subtilen Sinnesqualitäten, eine Vierheit der Erkenntnisorgane und eine Vierheit der handelnden [Organe].
14.41
pañcakaṃ tat tu vijñeyaṃ puṃsaḥ ṣaḍguṇasaṃyutam
evaṃ niṣpadyate piṇḍaṃ pañcadhā pañcaviṃśakam //
Diese ist als Fünfheit zu erkennen, mit den sechs Eigenschaften des Menschen verbunden. So entsteht der fünffach-fünfundzwanzigfache Körper. [Die Verbindung von Vier-, Fünf- und Sechszahlen ist im Wortlaut nicht widerspruchsfrei aufgelöst.]
14.42
ṣaṭkauśikaṃ tu mārgo 'yam ādidevīcatuṣṭayam
kathitaṃ sarahasyaṃ tu ṣaṭsiddhapuraniścayam //
Dies ist der Weg der sechs Hüllen, die ursprüngliche Vierheit der Göttinnen. Mitsamt dem Geheimnis wurde die Bestimmung der sechs Siddha-Städte erklärt.
14.43
uvāca kubjikā nāthaṃ ṣaṭsiddhapuraniścayam
na me jñātaṃ kuleśāna saṃsphuṭaṃ kathayasva me //
Kubjikā sprach zum Herrn: Die Bestimmung der sechs Siddha-Städte habe ich nicht verstanden, Kuleśāna. Erkläre sie mir ganz deutlich!
14.44
uvāca bhagavān nāthaḥ kubjīśāni mayā tava
kathitā saptadhā sṛṣṭiḥ siddhān sapta vadāmy ah am //
Der erhabene Herr sprach: Herrin Kubjī, ich habe dir die siebenfache Schöpfung erklärt. Nun nenne ich die sieben Siddhas.
14.45
navatattveśvaro nātho navacakreśvareśvaraḥ
brahmāṇḍaśivasiddho ' sau hartā kartāvatārakaḥ //
Der Herr der neun Wirklichkeitsprinzipien, der Herr über die Herren der neun Räder, ist jener Śiva-Siddha des Welteneis, Auflöser, Schöpfer und Herabführer.
14.46
sa nāthaḥ sarvasiddhānāṃ patitve saṃvyavasthitaḥ
kandabhūto 'ṅkuro 'sau vai ṣaṭpurādhipatiḥ prabhuḥ //
Er steht als Herr über allen Siddhas. Als Knolle und Spross ist er der mächtige Herr der sechs Städte.
14.47
pumpuraṃ prathamaṃ kandaṃ prākṛtaṃ cāparaṃ puram
guṇānandaṃ tu golākhyaṃ garvaṃ jālandharātmakam //
Die erste Knolle ist die Puruṣa-Stadt, die andere Stadt gehört zur Prakṛti. Die Seligkeit der Guṇas heißt Kugel; der Ichstolz besitzt Jālandhara-Gestalt.
14.48
dhīpuraṃ kāmarūpākhyam ādhāraṃ tu manaḥpuram
pumpure śrīmatkhaḍgīśaḥ khagīśaḥ prākṛte pure //
Die Stadt des Erkenntnisvermögens heißt Kāmarūpa; die Grundlage ist die Stadt des Denkens. In der Puruṣa-Stadt [weilt] der erhabene Khaḍgīśa, in der Prakṛti-Stadt Khagīśa.
14.49
viśvanātho guṇānande jhaṇṭīśo 'hammahāpure
dhīpure 'nugrahīśāno mitreśāno manaḥpure //
Viśvanātha [weilt] in Guṇānanda, Jhaṇṭīśa in der großen Ich-Stadt, Anugrahīśāna in der Stadt des Erkenntnisvermögens und Mitreśāna in der Stadt des Denkens.
14.50
ṣaṭpurādhipatir nāthāḥ kaulīśāḥ kulanāyakāḥ
kulasiddhāḥ samākhyātāḥ ṣaṭkramaughaprakāśakāḥ //
Die Herren der sechs Städte sind Kaula-Herren und Führer des Kula. Sie heißen Kula-Siddhas und offenbaren die sechs Ströme der Überlieferungsfolge.
14.51
bhaviṣyanti purā kalpe martyalokam upāgatāḥ
prabhur ānanda yogākhyam āvalī pādam antimam //
Sie werden in einem früheren Kalpa in die Menschenwelt gelangt sein, [mit Namensgliedern] Prabhu, Ānanda, Yoga, Āvalī und zuletzt Pāda. [Zeitform und Namensreihe sind in der Quelle unregelmäßig.]
14.52
bhaviṣyanty apare kalpe kulasiddhāḥ kulotthitāḥ
kulasiddhādhipo deva ājñāmoghakuleśvaraḥ //
In einem anderen Kalpa werden Kula-Siddhas aus dem Kula hervorgehen. Ihr göttlicher Herr ist Kuleśvara, dessen Ermächtigung unfehlbar ist.
14.53
ṣaṭkulānāṃ tv asau nāthas tasmāt sarvaṃ kulānvayam
navānāṃ cakravartīnāṃ cakravartis tv asau prabhuḥ //
Er ist der Herr der sechs Kulas; aus ihm [entspringt] die ganze Kula-Überlieferung. Er ist der mächtige Weltherrscher über die neun Weltherrscher.
14.54
tasmāt pravartate sṛṣṭir brahmādyā kulasambhavā
ṣaṭpurāṇāṃ tam ādhāraṃ kartāraṃ kulapaddhatau //
Aus ihm entfaltet sich die aus dem Kula geborene Schöpfung, angefangen mit Brahmā. [Er ist] Grundlage und Schöpfer der sechs Städte im Kula-Weg,
14.55
śāstāraṃ brahmajantūnāṃ devīnāṃ tu catuṣṭayam
apare brahmaṇaḥ sṛṣṭau yat kiñcid vāṅmayākhilam //
Lehrer der von Brahmā geschaffenen Wesen und [Grundlage] der vier Göttinnen. Alles Weitere in Brahmās Schöpfung, was überhaupt aus Sprache besteht,
14.56
tat sarvaṃ devibhir vyāptaṃ tvayādhārāntakāvadhim
caturmukheśvarasyānte kandaḥ saptavidhaś ca yaḥ //
ist von den Göttinnen, von dir, bis hinab zur Grundlage durchdrungen. Am Ende des viergesichtigen Herrn befindet sich jene siebenfache Knolle.
14.57
tatra jātaṃ jagat sarvaṃ sadevāsuramānuṣam
devīcatuṣṭayānāṃ tu mārgo 'yaṃ kathito 'khilam //
Darin entsteht die ganze Welt samt Göttern, Asuras und Menschen. Damit ist der Weg der vier Göttinnen vollständig erklärt.
14.58
adhunā kathayiṣyāmi dūtīnāṃ lakṣaṇaṃ yathā
brahmādhāram iti proktaṃ saptādhārasamanvitam //
Nun erkläre ich die Kennzeichen der Botinnen. Was Brahma-Grundlage heißt, besitzt sieben Grundlagen.
14.59
prathamaiṣā parā sṛṣṭiḥ śāmbhavī yā kulādhvare
navatattveśvareśasya nābhyadhastāt tu maṇḍalam //
Dies ist die erste höchste, zu Śiva gehörige Schöpfung auf dem Kula-Weg: das Maṇḍala unterhalb des Nabels des Herrn der neun Wirklichkeitsprinzipien.
14.60
śatakoṭisuvistīrṇaṃ devīkulasamāśrayam
trikoṇaṃ caiva ṣaṭkoṇaṃ vṛkṣavallīkramas tathā //
Es erstreckt sich über hundert Koṭis und ist die Zuflucht der Göttinnenfamilie, dreieckig und sechseckig, auch in der Folge von Baum und Ranke.
14.61
dvividhājñādhikāro 'yaṃ nigrahānugrahaṃ prati //
Diese zweifache Zuständigkeit der Ermächtigung betrifft Bestrafung und Begnadung.
14.62
brahmaṇo 'ṇḍakaṭāhasya samantāt parimaṇḍalam
sahasrakoṭivistīrṇam apsu viṣṇoḥ puraṃ mahat //
Rings um die Schale von Brahmās Ei, über tausend Koṭis ausgedehnt, liegt im Wasser die große Stadt Viṣṇus.
14.63
ardhenduśikharākāraṃ potanāvākulaṃ tu tat
anekatattvasaṅkīrṇaṃ navanālopaśobhitam //
Sie hat die Gestalt eines Halbmondgipfels, ist von Booten und Schiffen erfüllt, mit vielen Wirklichkeitsprinzipien durchsetzt und mit neun Stängeln geschmückt.
14.64
padmapattram anaupamyaṃ ṣoḍaśāraṃ sakarṇikam
yatra dūtyaḥ svabhāvinyaḥ krīḍante vividhaiḥ sukhaiḥ //
[Sie ist] ein unvergleichlicher Lotus, sechzehnspeichig und mit Blüteninnerem, in dem die aus eigener Natur bestehenden Botinnen in mannigfaltigen Freuden spielen.
14.65
yatrāsau ramate nit yam uttamaḥ puruṣottamaḥ
tat sthānaṃ paramaṃ proktaṃ yatra dūtyo 'mṛtodbhavāḥ //
Dort erfreut sich stets der höchste Puruṣottama. Diese höchste Stätte ist der Ort, an dem die Botinnen aus dem Unsterblichkeitstrank entstehen.
14.66
tās tu kṣubdhā yadā kāle 'mṛtaṃ muñcanti bhāvitāḥ
tadā caturvidhā sṛṣṭir brahmacakre tu nānyathā //
Wenn sie zur entsprechenden Zeit erregt und innerlich belebt den Unsterblichkeitstrank ausströmen lassen, entsteht im Brahma-Rad die vierfache Schöpfung; anders nicht.
14.67
ṣoḍaśāre mahāpadme divyāmṛtapariplute
tatrastho dūtibhiḥ sārdhaṃ poṣayed brahmaṇaḥ padam //
Im großen sechzehnspeichigen Lotus, vom göttlichen Unsterblichkeitstrank überflutet, nährt [der Herr] zusammen mit den Botinnen die Stätte Brahmās.
14.68
brahmakandāntabījānām ūrdhvarandhrāṅkuratrayam
tatra granthīśvaro 'nantaḥ svaśaktikiraṇojjvalaḥ //
Aus den Samen im Inneren der Brahma-Knolle [entsteht] die Dreiheit von oberer Öffnung und Sprossen. Dort [weilt] Ananta, der Herr des Knotens, leuchtend durch die Strahlen seiner eigenen Kraft. [Die Gliederung des ersten Halbverses ist unsicher.]
14.69
sthito mahāmbhasi madhye navadūtīsamanvitaḥ
sṛṣṭikṛd bhagavānantaḥ padārthapada-m-īśvaraḥ //
Mitten im großen Wasser steht er mit neun Botinnen: der erhabene Ananta, Schöpfer und Herr der Stätte der Gegenstände.
14.70
kapālaṃ caṇḍalokeśaṃ yogeśaṃ tu manonmanam
hāṭakeśvara kravyādaṃ mudreśaṃ diṅmaheśvaram //
Kapāla, Caṇḍalokeśa, Yogeśa, Manonmana, Hāṭakeśvara, Kravyāda, Mudreśa und Diṅmaheśvara,
14.71
śrī anantīśa nāthānto navaite bhāsvareśvarāḥ
vibhajya navadhātmānaṃ padasṛṣṭiṃ vinirmite //
zuletzt der erhabene Herr Anantīśa: Dies sind neun strahlende Herren. Indem [der Herr] sich neunfach teilt, erschafft er die Stätten.
14.72
ekaikā navadhātmānaṃ punaś caivaṃ sṛjanti te
navanava padāni syur dūtīnāṃ kāraṇātmakam //
Jeder erschafft wiederum sich selbst neunfach. So entstehen neun mal neun Stätten als ursächlicher Bereich der Botinnen.
14.73
padabhuktigatānāṃ tu dūtīnāṃ ca pṛthak pṛthak
nāmāni kīrtayiṣyāmi yā yasyāṅgasamudbhavāḥ //
Ich werde die Namen der Botinnen einzeln nennen, die zum Genuss der Stätten gelangt sind, und aus wessen Glied sie jeweils entstanden.
14.74
śrī anantāṅgasambhūtāḥ sarve yās tu navaiva hi
adhikārapadaṃ teṣāṃ tat pravakṣyāmy aśeṣataḥ //
Alle neun sind aus den Gliedern des erhabenen Ananta entstanden. Ihren Zuständigkeitsbereich werde ich vollständig erklären.
14.75
bindukā bindugarbhā ca nādinī nādagarbhajā
śaktī ca garbhiṇī cānyā parā garbhārthacāriṇī //
Bindukā, Bindugarbhā, Nādinī, Nādagarbhajā, Śakti, ferner Garbhiṇī, Parā und Garbhārthacāriṇī,
14.76
nirācārapadāvasthā madhyasthānantavarcasaḥ
adhikāraṃ prakurvanti kulākulasamāśritāḥ //
[und die] im Zustand jenseits der Regeln Verweilende: In der Mitte von Anantas Glanz üben sie, auf Kula und Akula gestützt, ihre Zuständigkeit aus. [Die Abgrenzung des neunten Namens ist vorläufig.]
14.77
caṇḍā caṇḍamukhī caiva caṇḍavegā manojavā
caṇḍākṣī caṇḍanirghoṣā bhṛkuṭī caṇḍanāyikā //
Caṇḍā, Caṇḍamukhī, Caṇḍavegā, Manojavā, Caṇḍākṣī, Caṇḍanirghoṣā, Bhṛkuṭī und Caṇḍanāyikā,
14.78
caṇḍīśanāyakopetā hy akuleśapade sthitāḥ
tasmāt padāt parā sṛṣṭir manonmanyādisambhavā //
mit Caṇḍīśanāyaka verbunden, stehen in der Akuleśa-Stätte. Aus dieser Stätte entsteht die höchste Schöpfung, angefangen mit Manonmanī. [Die neunte Gestalt ist grammatisch nicht eindeutig als Botin ausgewiesen.]
14.79
manojavā mano'dhyakṣā mānasī mananāyikā
manohārī manohlādī manaḥprītir maneśvarī //
Manojavā, Mano'dhyakṣā, Mānasī, Mananāyikā, Manohārī, Manohlādī, Manaḥprīti und Maneśvarī,
14.80
manonmanyā samāyuktā unmanaḥpadam āśritāḥ
navaiva paramā dūtyo manaś conmanakārikāḥ //
mit Manonmanī verbunden, ruhen in der Stätte jenseits des Denkens. Diese neun höchsten Botinnen führen das Denken über sich hinaus.
14.81
aindrī hutāśanī yāmyā nairṛtī vāruṇī tathā
vāyavī caiva kauberī aiśānī kaulikeśvarī //
Aindrī, Hutāśanī, Yāmyā, Nairṛtī, Vāruṇī, Vāyavī, Kauberī, Aiśānī und Kaulikeśvarī,
14.82
samanaughapadāntasthā[ḥ] parākāśe vyavasthitāḥ
janayanty aparāṃ sṛṣṭiṃ yogākhyā vyāpinīpade //
im Bereich des Samana-Stromes und im höchsten Raum stehend, erzeugen weitere Schöpfung; die Yoga Genannten [wirken] in der Vyāpinī-Stätte. [Die Quelle ergänzt „padāntasthā[ḥ]“.]
14.83
hiraṇyā ca suvarṇā ca kāñcanī hāṭakā tathā
rukmiṇī ca manasvī ca subhadrā jambuhāṭakī //
Hiraṇyā, Suvarṇā, Kāñcanī, Hāṭakā, Rukmiṇī, Manasvī, Subhadrā und Jambuhāṭakī:
14.84
vyāpinīpadam āpannā yogadūtyo mahābalāḥ
vyāpyavyāpakabhāvena vyāpayanti carācaram //
Diese mächtigen Yoga-Botinnen sind in die Vyāpinī-Stätte eingetreten und durchdringen als Durchdrungenes und Durchdringendes Bewegliches und Unbewegliches. [14.83 nennt acht Namen; keine neunte Gestalt wird ergänzt.]
14.85
vāgvatī vāk tathā vāṇī bhīmā citrarathā sudhī
devamātā hiraṇyā ca yogeśī navamā smṛtā //
Vāgvatī, Vāk, Vāṇī, Bhīmā, Citrarathā, Sudhī, Devamātā, Hiraṇyā und als neunte Yogeśī:
14.86
vāgeśvarapadāntasthā vāgīśvaryasamanvitāḥ
mantravidyāṅgasambhūtāḥ sarvārthapratipādikāḥ //
Sie stehen in der Vāgeśvara-Stätte, mit der Herrschaft über die Rede verbunden, aus den Gliedern von Mantras und Vidyās entstanden und alle Gegenstände vermittelnd.
14.87
vajriṇī śakti daṇḍī ca khaḍginī pāsinī dhvajī
gadī ca śūlinī padmī mudreśapadasambhavāḥ //
Vajriṇī, Śakti, Daṇḍī, Khaḍginī, Pāsinī, Dhvajī, Gadī, Śūlinī und Padmī entstehen aus der Mudreśa-Stätte. [Die auffällige Namensform Pāsinī bleibt erhalten.]
14.88
piṅgadūtyo mahāvīryāḥ kalākālavidhāyikāḥ
tejorūpā mahādevyo anantaguṇasambhavāḥ //
Die gelbbraunen Botinnen sind sehr kraftvoll und bestimmen Kalās und Zeit. Die großen Göttinnen sind von Feuergestalt und Ursprung unendlicher Eigenschaften.
14.89
lambā lambastanī suṣkā pūtivaktrā mahānanā
gajavaktrā mahānāsā vidyutkravyādanāyikā //
Lambā, Lambastanī, Suṣkā, Pūtivaktrā, Mahānanā, Gajavaktrā, Mahānāsā, Vidyut und Kravyādanāyikā. [Die letzten beiden Namen sind vorläufig getrennt.]
14.90
kālānalāntare dūtyaḥ saṃhārapadasaṃsthitāḥ
anantaguṇavīryās tāḥ saṃharanti carācaram //
Die Botinnen im Feuer der Zeit stehen in der Auflösungsstätte. Mit unendlichen Eigenschaften und Kräften versehen, lösen sie Bewegliches und Unbewegliches auf.
14.91
suprabuddhā prabuddhā ca caṇḍī muṇḍī kapālinī
mṛtyuhantā virūpākṣī kapardī kalanātmikā //
Suprabuddhā, Prabuddhā, Caṇḍī, Muṇḍī, Kapālinī, Mṛtyuhantā, Virūpākṣī, Kapardī und Kalanātmikā,
14.92
niyāmikāpadāntasthāḥ śubhāśubhaniyāmikāḥ
ekāśītivibhāgena dūtyo hy evaṃ mahābalāḥ //
in der Stätte der lenkenden Kraft befindlich, lenken Heilvolles und Unheilvolles. So sind die mächtigen Botinnen in einundachtzig Unterteilungen gegliedert.
14.93
navakeśvaradevasya udaredaṃ prakīrtitam
ekāśītipadair vyāptam anekāścaryasaṅkulam //
Dies wird als der Bauch des Gottes Navakeśvara bezeichnet, von einundachtzig Stätten durchdrungen und mit vielen Wundern erfüllt.
14.94
padarūpasamāyuktaṃ rūpātītādisaṃyutam
padmamārgavidhāyinyas tritattvapadavīṃ labhet //
Mit der Gestalt der Stätten und dem Gestaltlosen und Weiterem verbunden, bestimmen sie den Lotusweg; [durch sie] erlange man den Weg der drei Wirklichkeitsprinzipien. [Der Wechsel des grammatischen Subjekts ist elliptisch.]
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate devīdūtīnirṇayo nāma caturdaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das vierzehnte Kapitel mit dem Titel „Bestimmung der Göttinnen und Botinnen“.
Kapitel 15
15.1
devīdūtīmataṃ kubji kathitaṃ tu suvistaram
idānīṃ mātarāṇāṃ ca śṛṇu tvaṃ vyāptilakṣaṇam //
Die Lehre von Göttinnen und Botinnen wurde dir, Kubjī, ausführlich erklärt. Höre nun die Kennzeichen der Durchdringung durch die Mütter.
15.2
padapattrordhvagaṃ padmaṃ tejorūpaṃ subhāsvaram
lakṣakoṭisuvistīrṇam ambhodhiparimaṇḍalam //
Oberhalb der Blätter der Stätten liegt ein Lotus von Feuergestalt, hell strahlend, über hunderttausend Koṭis ausgedehnt und vom Meer umgeben. [Die Größenangabe ist eine Angabe der mythischen Kosmologie.]
15.3
tatra madhye maheśānaṃ piṅgeśaṃ piṅgarūpiṇam
trikoṇapuramadhyasthaṃ tejorāśim anāmayam //
In seiner Mitte [weilt] der große Herr Piṅgeśa, gelbbraun gestaltet, inmitten einer dreieckigen Stadt, eine unversehrte Masse von Glanz.
15.4
kāle hy aharmukhe prāpte kṣobhayitvā svakāṃ tanum
vijñānakevalāny aṣṭau bodhayāmāsa pudgalān //
Als die Zeit des Tagesanbruchs gekommen war, erregte er seinen eigenen Leib und erweckte acht Wesen, die allein in Erkenntnis bestehen.
15.5
aṣṭau mudrā mahāmātryo jagadyonir mahāmbike
tāsu jātaṃ jagat sarvaṃ yat kiñcid vāṅmayaṃ 'khilam //
Die acht Mudrās sind die großen Mütter, die Quelle der Welt, o große Mutter. In ihnen entstand die ganze Welt, alles, was aus Sprache besteht.
15.6
prathamā khecarīmudrā ātmī nāma dvitīyakā
tṛtīyā śaśinī jñeyā vahnināmā caturthikā //
Die erste ist Khecarīmudrā, die zweite heißt Ātmī; die dritte ist als Śaśinī zu erkennen, die vierte heißt Vahni.
15.7
pañcamī calanī nāma ṣaṣṭhī bhānumatī smṛtā
saptamī mahimā nāma aṣṭamī sukṛtālayā //
Die fünfte heißt Calanī, die sechste Bhānumatī, die siebte Mahimā und die achte Sukṛtālayā.
15.8
etā aṣṭau mahāmātryaḥ śrīmanmitrāṅgajodbhavāḥ
kurvanti vividhāṃ sṛṣṭiṃ sthūlasūkṣmaparāparām //
Diese acht großen Mütter sind aus den Gliedern des erhabenen Mitra entstanden. Sie bewirken mannigfaltige Schöpfung, grob und fein, höher und niedriger.
15.9
vibhājayanti cātmānam ekaikā cāṣṭadhāṣṭadhā
teṣv anyāḥ ṣoḍaśādhārāś catuḥṣaṣṭyānta-m-antikāḥ //
Jede teilt sich achtfach. Unter ihnen [sind] andere mit sechzehn Grundlagen, bis zur Vierundsechzigheit reichend. [Die zweite Zahlenzuordnung ist sprachlich unsicher.]
15.10
khecarītanusambhūtāś cāṣṭau mātryo diśātmikāḥ
aindrādīśāna-m-antasthāḥ sarvādhārāḥ parāparāḥ //
Aus dem Leib Khecarīs entstehen acht Mütter von Richtungsgestalt, vom Bereich Indras bis zu Īśāna, Grundlagen von allem, höher und niedriger.
15.11
rudrāṇyaṃśāḥ samākhyātā devīkoṭāntasaṃsthitāḥ
saṃvartavīrasaṃyuktāḥ śambhukalpāvatārakāḥ //
Sie heißen Anteile Rudrāṇīs, befinden sich in Devīkoṭa, sind mit dem Helden Saṃvarta verbunden und bringen den Śambhu-Kalpa herab.
15.12
ātmamātrodbhavā hy evaṃ sakalā niṣkalāś ca ye
vijñānapralayāntānye dharmādharme niyojayet //
So [entstehen] aus der Selbst-Mutter die Gegliederten und Ungegliederten, die in Erkenntnis und Auflösung Endenden; [sie] werden Recht und Unrecht zugewiesen. [Die technische Klassifikation ist verkürzt.]
15.13
tatrāṇavo 'tha māyāyā aṣṭau mātryo 'ṇusambhavāḥ
prayāgapuramadhyasthāś caṇḍakaulīśasaṃyutāḥ //
Dort [sind] die begrenzten Seelen der Māyā, acht aus dem begrenzten Selbst entstandene Mütter, mitten in der Stadt Prayāga und mit Caṇḍakaulīśa verbunden.
15.14
brāhmīcakraṃ samuddiṣṭam ādikalpasya madhyagam
ātmamātryaṣṭakaṃ proktam indramātryaṣṭakaṃ vadet //
Dies heißt das Brāhmī-Rad und liegt inmitten des ursprünglichen Kalpa. Die acht Selbst-Mütter sind erklärt; nun seien die acht Indra-Mütter genannt.
15.15
chāyā tu śīkarā jyotsnā ṛturatnā suśītalā
payoghṛtavatī cānyā indramātryo 'ṣṭa vaiṣṇavī //
Chāyā, Śīkarā, Jyotsnā, Ṛtu, Ratnā, Suśītalā, Payo und Ghṛtavatī: [Dies sind] die acht Indra-Mütter, [das Rad] Vaiṣṇavī. [Die Namenstrennung in „ṛturatnā“ und „payoghṛtavatī“ ist vorläufig.]
15.16
vārāṇasīpurāntasthā amṛtādhāraśītalā
āpyāyanti jagat sarvaṃ pālayanti jagāmbikāḥ //
In der Stadt Vārāṇasī, kühl durch ihre Grundlage im Unsterblichkeitstrank, erfüllen und bewahren diese Weltenmütter die ganze Welt.
15.17
kalpāvāntaram āsādya krodhakaulīśasaṃyutāḥ
kurvanti vividhāṃ sṛṣṭim āpadāṃ mocayanti tāḥ //
In einem Zwischen-Kalpa, mit Krodhakaulīśa verbunden, bewirken sie mannigfaltige Schöpfung und befreien aus Gefahren.
15.18
tṛṣṇā rāgavatī mohā kāmā kopā tamotkaṭā
īrṣā śokavatīty aṣṭau vahnimātryaḥ prakīrtitāḥ //
Tṛṣṇā, Rāgavatī, Mohā, Kāmā, Kopā, Tamotkaṭā, Īrṣā und Śokavatī heißen die acht Feuermütter.
15.19
kaulīśonmattasaṃyuktāḥ kollādrau saṃvyavasthitāḥ
mahāntakalpamadhyasthāḥ krīḍanty amitatejasā //
Mit Kaulīśa Unmatta verbunden, auf dem Kolla-Berg und inmitten des Mahānta-Kalpa befindlich, spielen sie mit unermesslichem Glanz.
15.20
tvacī sparśavatī gandhā prāṇāpānī samānanī
udānī vyāni kṛkarā marunmātryo 'ṣṭa kīrtitāḥ //
Tvacī, Sparśavatī, Gandhā, Prāṇāpānī, Samānanī, Udānī, Vyāni und Kṛkarā heißen die acht Windmütter. [Die Namen folgen dem elektronischen Wortlaut.]
15.21
asitāṅgakuleśānam aṭṭahāsapurāntagāḥ
divyakalpe purā mātryaḥ krīḍanty amitatejasā //
Mit Asitāṅga-Kuleśāna in der Stadt Aṭṭahāsa spielen die Mütter einst im göttlichen Kalpa mit unermesslichem Glanz.
15.22
tamohantā prabhā mohā tejinī dahanī dinā
jvalanī śoṣaṇīty aṣṭau arkamātryaḥ prakīrtitāḥ //
Tamohantā, Prabhā, Mohā, Tejinī, Dahanī, Dinā, Jvalanī und Śoṣaṇī heißen die acht Sonnenmütter.
15.23
divyādivyapare kalpe jayantīpuramadhyagāḥ
rurukauleśasaṃyuktās tena sārdhaṃ ramanti tāḥ //
Im höchsten göttlich-ungöttlichen Kalpa, mitten in der Stadt Jayantī, erfreuen sie sich gemeinsam mit Rurukauleśa, mit dem sie verbunden sind.
15.24
nivṛttiś ca pratiṣṭhā ca vidyā śāntis tathaiva ca
śāntātītā ca pṛthivī vajriṇī kāmadhenavī //
Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti, Śāntātītā, Pṛthivī, Vajriṇī und Kāmadhenu:
15.25
mahimeśānadevasya aṣṭau mātryaś caritragāḥ
adivyakalpamadhyasthā jhaṇṭhakauleśvarānvitāḥ //
Die acht Mütter des Gottes Mahimeśāna bewegen sich in Caritra, im ungöttlichen Kalpa, mit Jhaṇṭhakauleśvara verbunden.
15.26
aindryādhiṣṭhitacakrasthāḥ krīḍanty amitatejasā
pūryaṣṭakasya madhyasthā vajrahastā mahābalāḥ //
Im von Aindrī getragenen Rad spielen sie mit unermesslichem Glanz. Mitten im achtfachen subtilen Leib stehen sie, Donnerkeile in den Händen, sehr mächtig.
15.27
payoṣṇī vāruṇī śāntā amṛtā vyāpinī dravā
plavanī jalamātā ca payomātryo 'ṣṭa viśrutāḥ //
Payoṣṇī, Vāruṇī, Śāntā, Amṛtā, Vyāpinī, Dravā, Plavanī und Jalamātā sind als acht Wassermütter bekannt.
15.28
vartamānikakalpe tu ekāmrakavanāntagāḥ
kapālīśakuleśānaṃ cāmuṇḍācakramadhyagāḥ //
Im gegenwärtigen Kalpa befinden sie sich im Ekāmraka-Wald, mit Kapālīśa-Kuleśāna inmitten des Cāmuṇḍā-Rades.
15.29
śrīkuleśvaradevasya hṛtpadme ' ṣṭadale sthitāḥ
īśānakramayogena sṛṣṭimārgāvalambikāḥ //
Im achtblättrigen Herzlotus des erhabenen Gottes Kuleśvara stehen sie, der von Īśāna beginnenden Folge entsprechend, auf den Schöpfungsweg gestützt.
15.30
karṇikāyāṃ sthito devaś catuṣkaparivāritaḥ
raktākarālācaṇḍākṣīmahocchuṣmāsamanvitaḥ //
Im Blüteninneren steht der Gott, von einer Vierheit umgeben: Raktā, Karālā, Caṇḍākṣī und Mahocchuṣmā.
15.31
mahāraktavanāntasthas tejomaṇḍalamadhyagaḥ
navatattveśvaraṃ devaṃ pūryaṣṭakasamanvitam li //
Im großen roten Wald, mitten im Feuerkreis, [weilt] der Gott Navatattveśvara, mit dem achtfachen subtilen Leib verbunden. [Das abschließende „li“ steht in der elektronischen Quelle.]
15.32
antardehasthito yasmāt pūrayet sa carācaram
tena pūryaṣṭakaṃ proktam aṣṭadhā tu prapūrakam //
Weil er im Inneren des Leibes steht und Bewegliches und Unbewegliches erfüllt, heißt dies Pūryaṣṭaka, das achtfach Erfüllende.
15.33
sa śivaḥ sarvasattvānāṃ hṛdisthaḥ parameśvaraḥ
bhrāmayeta jagat sarvaṃ yantrārūḍhas tu māyayā //
Er ist Śiva, der höchste Herr im Herzen aller Wesen. Durch Māyā lässt er die ganze Welt kreisen, wie auf einer Vorrichtung sitzend.
15.34
dvāsaptatisahasrāṇām uparistho 'ntare sthitaḥ
akṣārūḍho 'kṣagamyo 'yaṃ manīśānāṃ piśācavat //
Über den zweiundsiebzigtausend [Kanälen] und in ihrem Inneren stehend, ruht er auf der Achse und ist den Sinnen unzugänglich, bei den Denkenden wie ein Piśāca. [Die mehrfache Bedeutung von „akṣa“ und „manīśānām“ macht die Deutung unsicher.]
15.35
guruvaktraṃ tu tat proktaṃ guruvaktrāt tu labhyate
gurutvaṃ yāty asau yogī guruvaktrāvalambakaḥ //
Dies heißt Mund des Lehrers und wird aus dem Mund des Lehrers erlangt. Der Yogin, der sich auf den Mund des Lehrers stützt, gelangt selbst zur Lehrerschaft.
15.36
tejastattvaṃ tu taṃ devi rudraśaktibhir āvṛtam
atordhvaṃ yoginīnāṃ tu ghaṭasthānaṃ nigadyate //
Er ist das Feuerprinzip, o Göttin, von Rudra-Kräften umgeben. Darüber wird die Gefäßstätte der Yoginīs beschrieben.
15.37
guruvaktre guror vaktraṃ guruvaktre tu saṃsthitam
guruvaktrāt tu labhyeta tasmāt santoṣayed gurum //
Im Mund des Lehrers [liegt] der Mund des Lehrers, im Mund des Lehrers ist er gegründet. Aus dem Mund des Lehrers wird er erlangt; deshalb erfreue man den Lehrer.
15.38
stutiṃ kṛtvā uvācedaṃ kubjikā parameśvaram
pṛcchāmi nātha yatnena ghaṭasthānaṃ suvistaram //
Nachdem sie ihn gepriesen hatte, sprach Kubjikā zum höchsten Herrn: Ich frage dich eindringlich, Herr, nach einer ausführlichen Erklärung der Gefäßstätte.
15.39
uvāca bhagavān devas tvatpṛcchā rahitaṃ 'naghe
nikhilaṃ kathayiṣyāmi yathā tvaṃ kubji cetasā //
Der erhabene Gott sprach: Ohne [weitere] Fragen von dir, o Makellose, werde ich alles erklären, wie du es im Geist [wünschst], Kubjī. [Die Aussage ist syntaktisch verkürzt.]
15.40
koṭikoṭisuvistīrṇaṃ ghaṭādhāraṃ tatordhvataḥ
vajrapadmāṅkitaṃ divyaṃ piṅganāthāvadhisthitam //
Darüber liegt die Grundlage des Gefäßes, über Koṭis von Koṭis ausgedehnt, göttlich und mit diamantenen Lotussen bezeichnet, bis Piṅganātha reichend.
15.41
anantaguṇadātāraṃ sarvārthapratipādakam
tasmāt sampadyate sarvam aihiṃ pāratrikaṃ ca yat //
Sie verleiht unendliche Eigenschaften und vermittelt alle Ziele. Aus ihr entsteht alles Diesseitige und Jenseitige.
15.42
yatra bhāṇḍāni sarvāṇi labhyante ca sahasradhā
layaṃ yānti punas tatra ghaṭasthānaṃ tad ucyate //
Wo sämtliche Behältnisse tausendfach gefunden werden und wohin sie wieder eingehen, das heißt Gefäßstätte.
15.43
yasmāt sarvaṃ yathā yāti yasmād yānti truṭanti ca
yatra nirbhedyatāṃ yānti tat sthānaṃ ghaṭikātmakam //
Weil alles dorthin gelangt, von dort ausgeht und zerbricht, wo es zur Ungeteiltheit gelangt, ist diese Stätte vom Wesen des Gefäßes. [Wortspiel mit ghaṭa und verwandten Verben; der Satz bleibt teilweise unklar.]
15.44
bhuvanāṣṭottaraṃ bhāṇḍaṃ padabhāṇḍaṃ tu tatra vai
varṇabhāṇḍaṃ tu tatrasthaṃ mantratattvakalātmakam //
Dort [liegen] der Behälter der einhundertacht Welten, der Behälter der Wörter und der Behälter der Laute, bestehend aus Mantra, Wirklichkeitsprinzipien und Kalās. [„Einhundert“ ist hier aus 15.61 ergänzt.]
15.45
bhāṇḍāriṇo amīṣāṃ ca nivṛttyādyāḥ prakīrtitāḥ
yasyādhāreṇa vartante bhogānte tat padaṃ punaḥ //
Ihre Hüterinnen heißen Nivṛtti und die folgenden. Auf deren Grundlage bestehen sie, und nach Ende des Genusses [gehen sie] wieder in jene Stätte.
15.46
śrīkuleśvaradevasya hṛdyordhvaghaṭa-m-antare
tat kuleśvaradevasya durbhedyaṃ ṣaṭpuraṃ mahat //
Im Inneren des Gefäßes oberhalb des Herzens des erhabenen Kuleśvara liegt seine große, schwer zu durchdringende Sechsstadt.
15.47
vibhajya svatanuṃ devaḥ ṣaṭpadārthapadena ca
ṣaḍ yoginyo mahātejāḥ ṣaṭpure sanniveśitāḥ //
Der Gott teilte seinen Leib nach der Ordnung der sechs Gegenstände und setzte sechs Yoginīs von großem Glanz in die sechs Städte ein.
15.48
ḍāmarī rāmaṇī caiva lambakarṇī ca kākinī
sākinī yakṣiṇī cānyā kusumbhodasamudbhavāḥ //
Ḍāmarī, Rāmaṇī, Lambakarṇī, Kākinī, Sākinī und ferner Yakṣiṇī sind aus dem Kusumbha-Wasser entstanden. [Kusumbha bezeichnet gewöhnlich Färberdistel; die technische Stoffbedeutung ist hier nicht abschließend bestimmt.]
15.49
vajrapadmāsanārūḍhāḥ kusumbhaguṇaśālinī[ḥ]
ṣaṭpurādhipatīnāṃ ca patitve samvyavasthitāḥ //
Auf diamantenen Lotussitzen ruhend, mit Kusumbha-Eigenschaften ausgestattet, stehen sie als Herrinnen über den Herren der sechs Städte. [Die Quelle hat die ergänzte Endung „śālinī[ḥ]“.]
15.50
o-jā-pū-kāmabhedena kā-pū-jā-o-vyatikramāt
etat kramaṃ samākhyātaṃ sṛṣṭisaṃhāragocare //
Nach der Gliederung O, Jā, Pū, Kā und in umgekehrter Folge Kā, Pū, Jā, O: Dies heißt die Reihenfolge im Bereich von Schöpfung und Auflösung.
15.51
parāparavibhāgena sthūlasūkṣmaparāntagam
yathādhipati devatvaṃ yoginīnāṃ tathā śṛṇu //
Nach der Unterscheidung von Höherem und Niederem bis zum Groben, Feinen und Höchsten: Höre die jeweilige göttliche Herrschaft der Yoginīs.
15.52
duḥśīlā ḍamarī bhīmā ādhārasthā tu ḍāmarī
svādhiṣṭhānapurāntasthā rāmaṇī ramaṇātmikā //
Ḍāmarī, von schlimmem Verhalten, lärmend und furchtbar, steht in der Grundlage. Rāmaṇī, deren Wesen das Sich-Erfreuen ist, steht in der Svādhiṣṭhāna-Stadt.
15.53
maṇipūrapurāntasthā lambakarṇī mahadbhutā
dhvanidevapure kākī viśuddhau sākinī smṛtā //
Die höchst erstaunliche Lambakarṇī steht in der Maṇipūra-Stadt, Kākī in der Stadt des Klanggottes und Sākinī in Viśuddhi.
15.54
ājñāpurasya madhyasthā yakṣiṇīti nigadyate
kubjikodarasambhūtāḥ ṣaḍ yoginyaḥ parāparāḥ //
Inmitten der Ājñā-Stadt wird Yakṣiṇī genannt. Diese sechs höheren und niederen Yoginīs sind aus Kubjikās Bauch entstanden.
15.55
atra jātaṃ jagat sarvaṃ rudrāntaṃ brahmaṇo 'vadhim
saṃharanti punas tās tu vilomena prapūjitāḥ //
Hier entstand die ganze Welt, von Brahmā bis Rudra. Werden sie in umgekehrter Folge verehrt, lösen sie sie wieder auf.
15.56
upadeśapragamyās tāḥ pāramparyakrameṇa vai
jñātavyaṃ ṣaḍvidhādhvānaṃ ṣaṭprakāraṃ guror mukhāt //
Sie sind durch Unterweisung in der Folge der Überlieferung zugänglich. Den sechsfachen Weg und die sechs Formen muss man aus dem Mund des Lehrers kennenlernen.
15.57
śravaṇe cakṣuṣī nāsā mukhe caiva tathaiva hi
cibuke kaṇṭhadeśe tu guruvaktrāt tu labhyate //
In Ohren, Augen, Nase, Mund, Kinn und Halsgegend [liegen ihre Orte]; aus dem Mund des Lehrers werden sie erlangt. [Das Bezugswort ist nicht ausdrücklich genannt.]
15.58
praṇayāviṣṭacetaskā uvācedaṃ kujeśvarī
vyāptisthānaṃ kathaṃ teṣāṃ kā kasya pathayāyinī //
Mit von Zuneigung erfülltem Bewusstsein sprach Kujeśvarī: Wie ist ihre Stätte der Durchdringung beschaffen? Welche geht auf wessen Weg?
15.59
bhaktyā pṛṣṭavatī matvā prahasya parameśvaraḥ
uvāca kubjike tubhyaṃ kathayāmy anupūrvaśaḥ //
Als der höchste Herr erkannte, dass sie aus Hingabe fragte, lächelte er und sprach: Kubjikā, ich werde es dir der Reihe nach erklären.
15.60
ghaṭanti sarvavastūni yasyāṅge tu varānane
ghaṭasthānaṃ tu tenoktaṃ sandohaguṇalakṣaṇam //
Weil sich in ihrem Leib alle Gegenstände zusammenfügen, o Schönantlitzige, heißt sie Gefäßstätte, gekennzeichnet durch die Eigenschaft der Ansammlung.
15.61
rudrapañcāśakopetaṃ śaktipañcāśakānvitam
cakravartyaṣṭakopetaṃ bhuvanāṣṭottaraṃ śatam //
Sie besitzt fünfzig Rudras, fünfzig Kräfte, acht Weltherrscher und einhundertacht Welten.
15.62
manojanapadākīrṇam ādhāragṛhasaṅkulam
oṃkāradalamadhyastham aghorīhṛdayānvitam //
Mit der Landschaft des Denkens erfüllt, voller Häuser der Grundlage, liegt sie im Inneren des Oṃ-Blattes und ist mit Aghorīs Herz verbunden.
15.63
tatra sā ḍāmarī devī jvalatpiṅgogralocanā
manorasādhipatyasthā duḥsādhyā bhuvanātmikā //
Dort [weilt] die Göttin Ḍāmarī mit flammenden, gelbbraunen, furchtbaren Augen. Sie herrscht über die Essenz des Denkens, ist schwer zu verwirklichen und von Weltennatur.
15.64
punar japattramadhyasthā ekāśītipadāvṛtā
śirasādhiṣṭhitā yogī svādhiṣṭhānagṛhākulā //
Wiederum [weilt die nächste] im Jā-Blatt, von einundachtzig Wörtern umgeben, vom Haupt getragen, als Yoginī voller Svādhiṣṭhāna-Häuser. [Die Quelle schreibt „japattram“; die Zuordnung zu Jā ist erschlossen.]
15.65
buddhijanapadākīrṇā padādhve rāmaṇī ramet
duṣprekṣā duḥsahā bhīmā buddhyāsṛglolavigrahā //
Mit der Landschaft des Erkenntnisvermögens erfüllt, erfreut sich Rāmaṇī auf dem Wörterweg. Sie ist schwer anzublicken, unerträglich und furchtbar, ihre Gestalt gierig nach Erkenntnisvermögen und Blut. [„buddhyāsṛg“ ist mehrdeutig gegliedert.]
15.66
maṇipūragṛhāntasthā kāmapattrāntare gatā
taḍitsahasravarṇābhā śikhārūpā maheśvarī //
Die große Herrin im Maṇipūra-Haus befindet sich im Kāma-Blatt, glänzt wie tausend Blitze und hat die Gestalt der Scheitelflamme.
15.67
ahaṅkārajanānandā prāleyāvalisannibhā
varṇeśvarī mahādevī kriyārūpā parāparā //
Sie ist die Freude der Landschaft des Ichbewusstseins, gleicht einer Reihe von Schneekristallen, ist die große Göttin und Herrin der Laute, Handlungsgestalt, höher und niedriger.
15.68
tasyāṅgasambhavā mantrāḥ sarvajñās te prakīrtitāḥ
lambikā sā samākhyātā māṃsāhārā ca lampaṭā //
Die aus ihrem Leib entstandenen Mantras heißen allwissend. Sie wird Lambikā genannt, isst Fleisch und ist begehrlich. [Lambikā ist hier die vorliegende Namensform, gegenüber Lambakarṇī zuvor.]
15.69
pūrṇakadalamadhye tu nīlāñjanasamaprabhā
tanutrāṇakṛtāṭopā mantrādhvā-s-tu vibhūṣitā //
Im Inneren des Pūrṇaka-Blattes [weilt die nächste], dunkel glänzend wie Augenschminke, durch den Schutzpanzer machtvoll auftretend und mit dem Mantraweg geschmückt.
15.70
anāhatakamadhyasthā guṇānekajanāvṛtā
kākī medavasālubdhā guṇān nāśayate kṣaṇāt //
Inmitten von Anāhata, von den vielen Bewohnern der Guṇas umgeben, [weilt] Kākī, gierig nach Fett und Talg; sie vernichtet die Guṇas augenblicklich.
15.71
kruddhā tamotkaṭā nityaṃ pracaṇḍogrā bhayānakā
mantrādhvānagatā yogī layabhogādhikārikā //
Stets zornig, voller heftiger Dunkelheit, äußerst wild und furchterregend, geht diese Yoginī auf dem Mantraweg und ist für Auflösung und Genuss zuständig.
15.72
punaḥ puṃdalamadhyasthā viśuddhigṛhamadhyagā
saṃvartānalasaṅkāśā netrādhiṣṭhitabhāsvarā //
Wiederum [weilt die nächste] inmitten des Puṃ-Blattes, im Viśuddhi-Haus, dem Feuer der Weltauflösung gleich und vom Auge getragen leuchtend.
15.73
prākṛtajanasaṅkīrṇā kalādhvānasamāvṛtā
rudraśaktisamāviṣṭā raudrabhāvapradāyikā //
Mit der Landschaft der Prakṛti erfüllt, vom Kalā-Weg umgeben und von Rudra-Kraft ergriffen, verleiht sie den Rudra-Zustand.
15.74
asthibhaṅgapriyā nityaṃ prākṛtārthavināśanī
sākinīyaṃ mahāghorā sthūlasūkṣmaparāntagā //
Stets am Knochenbrechen erfreut, vernichtet sie die Gegenstände der Prakṛti. Dies ist die äußerst furchtbare Sākinī, die zum Groben, Feinen und Höchsten reicht.
15.75
dakṣe kāmeśvarīpattre prāleyāvalisannibhā
kadācin [']nekarūpābhā upādhiguṇagocarā //
Rechts im Kāmeśvarī-Blatt [weilt die nächste], einer Schneereihe gleich; bisweilen erscheint sie vielgestaltig, im Bereich der Eigenschaften begrenzender Bedingungen. [Die Quelle ergänzt ein Auslassungszeichen in „[']nekarūpābhā“.]
15.76
tattvādhvapuramadhyasthā ājñāmandiraśobhitā
puṃjanākṛtasampūrṇā mahāstraughasamāvṛtā //
Inmitten der Stadt des Weges der Wirklichkeitsprinzipien, vom Ājñā-Haus geschmückt, ist sie von den Bewohnern des Puruṣa-Bereichs erfüllt und von einer Flut großer Waffen umgeben.
15.77
majjabījāśinī yogī yakṣiṇī śakti śāmbhavī
ṣaḍ yoginyo ghaṭādhāre ṣaḍadhvānavidhāyikāḥ //
Die Yoginī Yakṣiṇī isst Mark und Samen und ist Śivas Kraft. Die sechs Yoginīs in der Gefäßgrundlage bestimmen die sechs Wege.
15.78
tatra madhye sthitā kanyā viśvarūpā parāparā
sā patiḥ sarvayogīnāṃ yogeśī [']nantavigrahā //
In der Mitte steht die Jungfrau, allgestaltig, höher und niedriger. Sie ist die Herrin aller Yoginīs, Yogeśī von unendlicher Gestalt. [Die Quelle ergänzt „[']nantavigrahā“.]
15.79
kam-ba-mā-lam-vi-kāntābhir āvṛtā madhyasaṃsthitā
'nugrahanti punas tās tu ṣaḍadhvānaprayogataḥ //
Von den mit Kam, Ba, Mā, Lam, Vi und Kā [bezeichneten Göttinnen] umgeben, steht sie in der Mitte. Jene wiederum gewähren durch Anwendung der sechs Wege Gnade.
15.80
bhūtaṃ bhāvaṃ tathā śāktam āṇavaṃ raudra śāmbhavam
kramād anugrahanty etās tattvādau bhuvanāditaḥ //
Elementar, gegenständlich, zur Kraft gehörig, zum begrenzten Selbst gehörig, zu Rudra und zu Śiva gehörig: Der Reihe nach begnadigen sie von den Wirklichkeitsprinzipien beziehungsweise von den Welten an.
15.81
dakṣiṇādhvānasaṃsthās tāḥ kṛntayanti mahāmbikāḥ
uttarasthāḥ prakurvanti śreyaṃ cāmṛtasambhavam //
Auf dem südlichen Weg stehend, zerschneiden die großen Mütter; auf dem nördlichen bewirken sie Heil und das Entstehen des Unsterblichkeitstranks.
15.82
vajrapadmāsanāsīnā ghaṭāmbodadhimadhyagāḥ
amṛtaughataraṅgaughaiḥ plāvayanti carācaram //
Auf diamantenen Lotussitzen mitten im Gefäßozean ruhend, überfluten sie Bewegliches und Unbewegliches mit Wogenschwärmen des Unsterblichkeitstranks.
15.83
asyā rūpaṃ ca māhātmyaṃ sādhanaṃ siddhilakṣaṇam
purataḥ kathayiṣyāmi idānīṃ khecarīṃ śṛṇu //
Ihre Gestalt, Größe, Verwirklichung und die Kennzeichen der Vollendung werde ich später erklären. Höre nun von Khecarī.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate ṣaṭprakāre yoginīnirṇayo nāma pañcadaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das fünfzehnte Kapitel mit dem Titel „Bestimmung der Yoginīs innerhalb der sechs Formen“.
Kapitel 16
16.1
bhuvanāṅkurasaṃyuktaṃ padapattravibhūṣitam
varṇakaṇṭakasaṅkīrṇaṃ mantracchidrasamanvitam //
[Der Lotus] besitzt Welten als Sprosse, Wörter als Blätter, Laute als Dornen und Mantras als Öffnungen.
16.2
kalāsūtracitaṃ divyaṃ tattvagranthyuparisthitam
koṭikoṭiśatāyāmaṃ caturviṃśadalāyatam //
Göttlich, von Kalā-Fäden durchzogen, steht er auf dem Knoten der Wirklichkeitsprinzipien, hundert Koṭis von Koṭis ausgedehnt, mit vierundzwanzig Blättern.
16.3
vyomodārṇavamadhyasthaṃ nīlāñjanasamaprabham
sahasrādityasaṅkāśaṃ kālāgnir iva varcasam //
Mitten im Ozean des Raumwassers glänzt er wie dunkle Augenschminke, wie tausend Sonnen und wie das Feuer der Zeit.
16.4
tatrordhve maṇḍalāny āhuś caturviṃśam anukramāt
kṣetropakṣetrasandohān pūrvādau pārthivāditaḥ //
Darüber werden der Reihe nach vierundzwanzig Maṇḍalas genannt: heilige Felder, Nebenfelder und Versammlungsstätten, vom Osten und vom Erdelement an.
16.5
kṣetre dve copakṣetre dve sandohe dve vijānataḥ
dalopari virājante catuḥṣaṭkaṃ diśāditaḥ //
Zwei Felder, zwei Nebenfelder und zwei Versammlungsstätten bilden jeweils eine Sechsergruppe; vier solche Gruppen erstrahlen auf den Blättern in den Himmelsrichtungen.
16.6
aṭṭahāsāditaḥ kṛtvā rājagṛham apaścimam
pārthivādiprakṛtyantaṃ saṃyogān maṇḍalāyate //
Von Aṭṭahāsa bis Rājagṛha, vom Erdelement bis zur Prakṛti, entsteht durch Verbindung die Maṇḍala-Gestalt.
16.7
saumyādibhagnanāsāntāḥ sūryamaṇḍalasaṃsthitāḥ
pṛthagmaṇḍalacakrasthāḥ khecaryaḥ kulanāyikāḥ //
Die Khecarīs, Führerinnen des Kula, von Saumyā bis Bhagnanāsā, befinden sich im Sonnenkreis und jeweils in ihren eigenen Maṇḍala-Rädern.
16.8
somamaṇḍalamadhye tu dvātriṃśānye mahābalāḥ
kubjikāṅgasamudbhūtāḥ pracaṇḍogrā guṇotkaṭāḥ //
Im Mondkreis stehen zweiunddreißig weitere mächtige, aus Kubjikās Gliedern entstandene [Göttinnen], gewaltig, furchtbar und reich an Kräften.
16.9
caṇḍā ghaṇṭā mahānāsā sumukhī durmukhī balā
revatī prathamā ghorā saumyā bhīmā mahābalā //
Caṇḍā, Ghaṇṭā, Mahānāsā, Sumukhī, Durmukhī, Balā, Revatī, Prathamā, Ghorā, Saumyā, Bhīmā und Mahābalā,
16.10
jayā ca vijayā caiva ajitā cāparājitā
mahotkaṭā virūpākṣī śuṣkā cākāśamātarā //
Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Mahotkaṭā, Virūpākṣī, Śuṣkā und Ākāśamātarā,
16.11
sehārī jātahārī ca daṃṣṭrālī śuṣkarevatī
pipīlikā puṣpahārī aśanī sasyahārikā //
Sehārī, Jātahārī, Daṃṣṭrālī, Śuṣkarevatī, Pipīlikā, Puṣpahārī, Aśanī und Sasyahārikā,
16.12
bhadrakālī subhadrā ca bhadrabhīmā subhadrikā
dvātriṃśadguṇaśālinyaś cakreśvaryā mahāmbikāḥ //
Bhadrakālī, Subhadrā, Bhadrabhīmā und Subhadrikā: Diese zweiunddreißig großen Mütter sind mit Kräften der Radherrin ausgestattet.
16.13
somamaṇḍalamadhyasthā vahnisthās tu tataḥ śṛṇu
khageśvarapatīnāṃ tu patimātryo 'tra saṃsthitāḥ //
Sie stehen im Mondkreis. Höre nun von denen im Feuer: Dort befinden sich die Mütter der Herren der Himmelsgänger.
16.14
asitāṅgatanūdbhūtāḥ kriyārūpāḥ parāparāḥ
kurvanti vividhāṃ sṛṣṭiṃ tvaritaṃ lāghave sthitāḥ //
Aus Asitāṅgas Leib entstanden, von Handlungsgestalt, höher und niedriger, vollbringen sie rasch mannigfaltige Schöpfung, in Leichtigkeit gegründet.
16.15
tvaritāśabdaṃ kathaṃ deva khañjīśabdaṃ kim ucyate
kubjāśabdaṃ kathaṃ proktaṃ kathaṃ tanmaṇḍalāgaṇaḥ //
[Die Göttin fragt:] Warum heißt sie Tvaritā, Gott? Was bedeutet Khañjī? Warum wird sie Kubjā genannt, und wie ist ihre Maṇḍala-Schar beschaffen?
16.16
kathaṃ rūpaṃ maheśānyāḥ sarvam etad yathākramam
ācacakṣva prayatnena yena bhrāntir vinaśyati //
Wie ist die Gestalt der großen Herrin? Erkläre dies alles sorgfältig der Reihe nach, damit die Verwirrung vergeht.
16.17
sādhu devi mahādurge kiṃ na budhyasi pārvati
yad asmāt tvam ihāyātā tat kiṃ te veditaṃ na hi //
[Der Herr spricht:] Gut, Göttin, große Durgā! Warum verstehst du nicht, Pārvatī? Weißt du nicht, woher du hierhergekommen bist?
16.18
vālāgraśatabhāgasya vibhinnasya sahasradhā
asya kālavibhāgasya tvarāt sañcarase yathā //
Wie du dich rasch durch einen Zeitabschnitt bewegst, der dem tausendfach geteilten hundertsten Teil einer Haarspitze entspricht,
16.19
tathā tvaṃ tvaritā nāma aśeṣārtivināśinī
khañjinī kathitā tubhyaṃ vāraṃ vāraṃ punaḥ punaḥ //
so heißt du Tvaritā, „die Rasche“, Vernichterin aller Not. Khañjinī wurde dir schon immer wieder erklärt.
16.20
yasyā madhyagataṃ viśvaṃ viśvamadhyagatā tu yā
khañjikā tena sā proktā sūkṣme vastuni sūkṣmagā //
Weil das All in ihrer Mitte liegt und sie inmitten des Alls, heißt sie Khañjikā; im feinen Gegenstand bewegt sie sich fein.
16.21
eṣā te khañjikā khyātā kubjinī[ṃ] śṛṇu sāmpratam
anvarthasaṃjñikā nāma ekā tvaṃ tu kuleśvari //
Damit ist dir Khañjikā erklärt. Höre nun von Kubjinī. Du allein trägst diesen bedeutungsgemäßen Namen, Kuleśvarī. [Die Quelle ergänzt „kubjinī[ṃ]“.]
16.22
sthūlasūkṣme pare tattve vyaktāvyakte nirāmaye
sarvaṃ vyāptam idaṃ devyā sā ca tvaṃ kiṃ na budhyasi //
Im groben, feinen und höchsten Wirklichkeitsprinzip, im offenbaren und unoffenbaren, unversehrten [Bereich] ist alles von der Göttin durchdrungen. Sie bist du – warum verstehst du nicht?
16.23
bṛhatkāyo yadā kaścit svalpe vyācarate gṛhe
kuñcitāṅgo viśed yasmāt tadvad eṣā maheśvarī //
Wie jemand mit großem Körper ein kleines Haus nur mit gebeugten Gliedern betritt, so verhält es sich mit dieser großen Herrin.
16.24
caturdvādaśadhādhāraṃ granthau ṣoḍaśakānvitam
vaḍavākhyaṃ triśūlordhvaṃ trittattvaṃ tu kalāntagam //
Die Grundlage ist vier- und zwölffach, am Knoten mit sechzehn [Teilen] versehen; oberhalb des Dreizacks liegt das Vaḍavā Genannte, die drei Prinzipien bis zum Ende der Kalās. [Die Konstruktion ist unsicher.]
16.25
nididhyāsyaṃ śrutaṃ deśyam etat kauleśvaraṃ tanum
yasyodaragataṃ tac ca tasya kim aparaṃ param //
Dieser Leib Kauleśvaras ist zu bedenken, zu hören und zu zeigen. Für den, in dessen Innerem er liegt, was wäre da noch niedriger oder höher?
16.26
kūṭabhūtaṃ tu tanmadhye yasmāt sā kuṭilītayā
gatānekakulodbhinnā iccheyaṃ pārameśvarī //
Weil jener höchste Wille der Herrin, im Inneren als verdichteter Kern bestehend, gekrümmt in die vielen Kulas eingegangen ist,
16.27
tena tvaṃ kubjikā proktā parā sarveṣu vastuṣu
tatredaṃ durlabhaṃ devi sugopyaṃ prakaṭīkṛtam //
heißt du Kubjikā, die Höchste in allen Dingen. Dieses schwer zugängliche, streng zu hütende [Wissen] wurde nun offenbart, Göttin.
16.28
vedasiddhāḥ paśus cordhve ūrdhvaṃ vāme paśutvatā
vāmaṃ dakṣiṇamārgasya dakṣiṇaṃ kulaśāsane //
Die durch die Veden Vollendeten gelten im Oberen als gebunden; das Obere gilt im Linken als gebunden; das Linke [ist dem] südlichen Weg [untergeordnet], das Südliche der Kula-Lehre. [Hierarchische, sprachlich verkürzte Aussage.]
16.29
taṃ tu yonyārṇave līnaṃ yoniḥ srīkubjikāmate
ato'rthaṃ gopitaṃ tantraṃ na kasyacin mayoditam //
Diese [Lehre] geht im Ozean der Quelle auf; die Quelle [liegt] im ehrwürdigen Kubjikāmata. Deshalb hielt ich das Tantra geheim und erklärte es niemandem.
16.30
rabhasāviṣṭabhāvena tavādya prakaṭīkṛtam //
Heute habe ich es dir aus einer von heftiger Zuneigung ergriffenen Haltung offenbart.
16.31
sūryasomasthitiḥ proktā vahnisthānāvadhāritā
kathaṃ sā kurute sṛṣṭiṃ ko 'sitāṅgaḥ kuleśvaraḥ //
[Die Göttin fragt:] Sonne und Mond sind erklärt, die Feuerstätte ist bestimmt. Wie erschafft sie, und wer ist Asitāṅga-Kuleśvara?
16.32
kubjeśi śrūyatāṃ sṛṣṭir yathāvasthā prapadyate
asitāṅgo maheśānas tatordhve maṇḍalopari //
[Der Herr spricht:] Höre, Kubjeśī, wie die Schöpfung entsteht. Der große Herr Asitāṅga [weilt] darüber, auf dem Maṇḍala.
16.33
somamadhye ravisthānaṃ sūryamadhye śikhi[ḥ] sthitaḥ
tatra madhye 'ṅkuraṃ divyam asitāṅgasamudbhavam //
Im Mond liegt die Sonnenstätte, in der Sonne das Feuer. In dessen Mitte befindet sich der göttliche, aus Asitāṅga entstandene Spross. [Die Quelle ergänzt „śikhi[ḥ]“.]
16.34
tato niṣpadyate sṛṣṭir vicitrānekarūpiṇī
tattvāni ca kalā varṇā mantravidyā padaḥ purā //
Daraus entsteht die bunte, vielgestaltige Schöpfung: Wirklichkeitsprinzipien, Kalās, Laute, Mantras, Vidyās, Wörter und Städte.
16.35
visṛjanti mahānandaṃ śaktibhairavamaṇḍalam
pañcaviṃśatimadhyādau ṣoḍaśaivāṣṭa cāntimāḥ //
Sie bringen das Mahānanda-Maṇḍala von Śakti und Bhairava hervor: fünfundzwanzig in der Mitte beziehungsweise zuerst, sechzehn und zuletzt acht. [Die Zahlenzuordnung ist verkürzt.]
16.36
bhairavānandaśaktistham asitāṅgakuleśvaram
ādimaṇḍalamadhyasthaṃ siddhaiḥ ṣoḍaśabhir vṛtam //
Asitāṅga-Kuleśvara, in Bhairavas Seligkeitskraft stehend, befindet sich im ursprünglichen Maṇḍala, von sechzehn Siddhas umgeben.
16.37
ādiyonipurasthaṃ tu maṇḍalaṃ khecarātmakam
asya pūjāvidhānena ājñāyoniphalaṃ labhet //
Das Maṇḍala in der ursprünglichen Quellenstadt besteht aus Himmelsgängern. Durch seine vorschriftsgemäße Verehrung erlangt man die Frucht der Ermächtigungsquelle.
16.38
ādimaṇḍalakaṃ hy etat pravaraṃ hy uttamottamam
atrotpannāni sarvāṇi maṇḍalāni hy anekadhā //
Dieses ursprüngliche Maṇḍala ist das vorzüglichste, das Höchste des Höchsten. Hier entstehen alle Maṇḍalas in vielen Formen.
16.39
pañcaviṃśātmakaṃ madhye maṇḍalānāṃ tadādimam
catuḥsiddhānvitaikaikaṃ vijñeyaṃ pañcaviṃśakam //
In der Mitte besteht das erste der Maṇḍalas aus fünfundzwanzig [Gliedern]. Jedes der fünfundzwanzig ist mit vier Siddhas verbunden.
16.40
vālādau khaḍgaparyantaṃ maṇḍale maṇḍale tu tam
eṣānyat pañcakaṃ devi kulavidyā kulādhvare //
Von Vāla bis Khaḍga [liegen sie] in jedem Maṇḍala. Dies ist eine weitere Fünfheit, Göttin, die Kula-Vidyā auf dem Kula-Weg.
16.41
bhujaṅgakrūrasaṃyuktā trimūrtiguṇadhāraṇā
sāmānyā sarvasiddhānāṃ pañcaviṃśatimaṇḍale //
Mit Bhujaṅga und Krūra verbunden, die Eigenschaften der drei Gestalten tragend, ist sie allen Siddhas im fünfundzwanzigfachen Maṇḍala gemeinsam.
16.42
maṇḍalo[ d]bhṛtadehā sā kriyākālaguṇottarā
caturbhiḥ sahitā devī sṛjate varṇasāgaram //
Ihr Leib ist aus dem Maṇḍala hervorgegangen; sie ist erhaben durch Handlung und Zeit. Mit den Vieren erschafft die Göttin den Lautozean. [Die Quelle ergänzt „maṇḍalo[ d]bhṛta“.]
16.43
kakārādau maparyantaṃ yakārādau ha-m-antimam
atra mantrāḥ samutpannā vidyāmudrāgaṇo mahān //
Von Ka bis Ma und von Ya bis Ha entstehen hier die Mantras und die große Schar der Vidyās und Mudrās.
16.44
devīdehāt samutpannā sā devī maṇḍalodbhavā
caturviṃśakamadhyasthā ṣaṭcatuṣkavibhūṣitā //
Aus dem Leib der Göttin entstand jene maṇḍalageborene Göttin; sie steht inmitten der Vierundzwanzigheit, mit sechs Vierheiten geschmückt.
16.45
vahnimaṇḍalamadhyasthā bahurūpā arūpiṇī
barbaroruha piṅgākṣī danturā bṛhadodarā //
Inmitten des Feuerkreises ist sie vielgestaltig und gestaltlos, mit wirrem Haar, gelbbraunen Augen, vorstehenden Zähnen und großem Bauch.
16.46
nīlameghaprabhā bhīmā gambhīrābharaṇojjvalā
vedaiḥ kṛtaśiromālā saṣaḍaṅgapadakramāt //
Dunklen Wolken gleich, furchtbar und mit mächtigem Schmuck strahlend, trägt sie eine aus den Veden gebildete Kopfkette samt deren sechs Hilfswissenschaften.
16.47
brahmasūtraṃ maheśānyāḥ purāṇodbaddhamekhalā
jyotiḥśāstrāñjitākṣī sā dhvanikarṇāvataṃsakā //
Die große Herrin trägt die heilige Schnur und einen aus Purāṇas gebundenen Gürtel; die Gestirnlehre schminkt ihre Augen, der Klang schmückt ihre Ohren.
16.48
kalālambitahāraughā vijñānakaṭakojjvalā
śabdapaṅkāmṛtodbhinnā maṇḍitaṃ mukhamaṇḍalam //
Kalās bilden die herabhängenden Halsketten, Erkenntnisweisen die glänzenden Armreifen. Ihr Gesicht ist mit dem Unsterblichkeitstrank des Lautschlamms geschmückt. [Das letzte Bild ist sprachlich unsicher.]
16.49
vicitravasanānekā śāstrapaṭṭāṃśukomalā
ābaddhāṃśukaparyaṅkā prameyāsanasaṃsthitā //
Sie trägt viele bunte Gewänder, weich durch die Seidentücher der Lehrwerke, mit festgebundenem Tuch als Sitzunterlage, auf dem Sitz des Erkennbaren.
16.50
īdṛgrūpadharāṃ devīṃ pañcaviṃsāntamadhyagām
aparāṃ sṛṣṭikartārāṃ parāṃ ṣaḍviṃśa-m-ādimām //
[Man erkenne] diese Göttin in solcher Gestalt inmitten der Fünfundzwanzigheit als die niedere Schöpferin, die höchste ursprüngliche hingegen als die sechsundzwanzigste.
16.51
ādimaṇḍalamadhyasthām asitotsaṅgagāminīm
dvibhujābharaṇopetām ekavaktrāṃ trilocanām //
Im ursprünglichen Maṇḍala sitzt sie auf Asitas Schoß, mit zwei Armen, Schmuck, einem Gesicht und drei Augen.
16.52
cārubimboṣṭhavadanām anekaguṇaśālinīm
arūpāṃ rūpasampannāṃ tasyānte rūpasambhavām //
Ihr Gesicht besitzt schöne bimbafruchtrote Lippen; sie trägt viele Vorzüge, ist gestaltlos und doch von Gestalt erfüllt, an deren Ende Gestalt entsteht.
16.53
icchārūpadharāṃ devīṃ navātmānena labhyate //
Die Göttin in Gestalt des Willens wird durch Navātman erlangt.
16.54
navātmānamayaṃ sarvaṃ tasyaitat paramā parā
sā parā labhyate yena sa navātmā vada prabho //
[Die Göttin fragt:] Alles besteht aus Navātman; sie ist dessen höchstes Höchstes. Erkläre jenen Navātman, durch den die Höchste erlangt wird, Herr!
16.55
sādhu bhairavi yatnena pṛcchitaṃ nirmalārthataḥ
na tena rahitaṃ kiñcit satyedaṃ paramārthataḥ //
[Der Herr spricht:] Gut, Bhairavī, du hast sorgfältig nach dem reinen Sinn gefragt. Nichts ist ohne ihn; dies ist höchste Wahrheit.
16.56
prasahyaṃ pūjyate yatra tatra siddhakramo na hi
yatra siddhakramo bhadre tatredaṃ gopitaṃ mayā //
Wo mit Zwang verehrt wird, gibt es keine Siddha-Überlieferungsfolge. Wo diese besteht, Heilvolle, habe ich dieses [Wissen] verborgen.
16.57
ājñālabdharasāsvādās tyajantīdaṃ sudurlabham
viśuddhamaṇḍalordhvedaṃ maṇḍalaṃ na tadojjhitam //
Wer durch Ermächtigung den Geschmack erfahren hat, lässt dieses schwer Zugängliche zurück. Oberhalb des reinen Maṇḍalas liegt dieses Maṇḍala, davon nicht getrennt. [Der Zusammenhang ist unsicher.]
16.58
pañcaviṃśakabhedasya pūrvaṃ vidyā samuddhṛtā
tasyaivādyaṃ dvikaṃ tyajya śeṣānyatkevalākṣarāḥ //
Die Vidyā der fünfundzwanzigfachen Gliederung wurde zuvor herausgezogen. Lässt man ihre ersten beiden [Laute] fort, bleiben die übrigen reinen Laute.
16.59
bhṛgulākulasaṃvartās trīṇy etāni anukramāt
tatra lākulabhṛgveśaṃ bhujaṅgāsanasaṃsthitam //
Bhṛgu, Lākula und Saṃvarta: diese drei der Reihe nach. Dabei [stehen] Lākula und Bhṛgveśa auf dem Sitz Bhujaṅgas,
16.60
saṃvartakamahākālaṃ pinākīguṇasaṃyutam
khaḍgavālāsanāsīnam arghīśānandanopari //
Saṃvartaka und Mahākāla sind mit Pinākins Eigenschaft verbunden, sitzen auf Khaḍga und Vāla, oberhalb von Arghīśānandana,
16.61
'nugrahānandamūrdhnisthaṃ krūrānandasamanvitam
parānandasamāyuktaṃ kūṭedaṃ maṇḍaleśvaram //
auf dem Haupt Anugrahānandas, mit Krūrānanda und Parānanda verbunden. Dies ist der zusammengesetzte Herr des Maṇḍalas. [16.59–61 sind Lautchiffren; die Zuordnungen sind übersetzt, der Mantra nicht gesichert rekonstruiert.]
16.62
yasya garbhagataṃ sarvaṃ vāṅmayaṃ sacarācaram
tasyopāyam idaṃ devi upeyasya mahātmanaḥ //
Dies, Göttin, ist das Mittel zu jenem großen Ziel, in dessen Innerem alles Sprachliche, Bewegliche und Unbewegliche liegt.
16.63
etat kauleśvaraṃ nāma kūṭarūpaṃ kuleśvaram
nānena rahitā siddhiḥ sādhanaṃ khecarīpade //
Es heißt Kauleśvara, Kuleśvara in zusammengesetzter Gestalt. Ohne dieses gibt es keine Vollendung und Verwirklichung in der Khecarī-Stätte.
16.64
maṇḍalāntargataṃ pūjya maṇḍalaṃ kāmadaṃ smṛtam
yena pūjitamātreṇa sarvavyāptipadaṃ labhet //
Man verehre das im Maṇḍala Befindliche; das Maṇḍala gilt als wunscherfüllend. Schon durch seine Verehrung erlangt man die alldurchdringende Stätte.
16.65
mahataḥ kulavṛkṣasya ḍālāḥ syuḥ pañcaviṃśati
ājñāpuṣpopaśobhāḍhyaṃ vijñānaphalamālitam //
Der große Kula-Baum hat fünfundzwanzig Äste, ist mit Ermächtigungsblüten geschmückt und mit Erkenntnisfrüchten behängt.
16.66
paripakvarasānandaṃ mokṣatṛptikaraṃ phalam
prāpyate yena yajñena helayā maṇḍalaṃ tu tam //
Seine reife Frucht ist voller Seligkeitsgeschmack und sättigt durch Befreiung. Das Maṇḍala ist jenes Opfer, durch das sie mühelos erlangt wird.
16.67
khecarīcakramadhyasthaṃ tritattvaguṇaśālinam
maṇḍalodbhṛtadīpyantaṃ maṇḍalaṃ vaḍavāmukham //
Inmitten des Khecarī-Rades trägt es die Eigenschaften der drei Prinzipien, leuchtet aus dem Maṇḍala hervor und ist das Maṇḍala des untermeerischen Feuers.
16.68
catuḥśaktisamāyuktam ekaikaṃ pañcaviṃśakam
ambikā raudriṇī jyeṣṭhā vāmādau sṛṣṭisāgare //
Jedes der fünfundzwanzig ist mit vier Kräften verbunden: Ambikā, Raudriṇī, Jyeṣṭhā und Vāmā im Schöpfungsozean.
16.69
etaccatuṣṭayāntasthaṃ naveśānaṃ kuleśvaram
vaḍavānala-m-āsīnam ājñāśūladharaṃ vibhum //
In dieser Vierheit sitzt Naveśāna-Kuleśvara im untermeerischen Feuer, der mächtige Träger des Dreizacks der Ermächtigung.
16.70
maṇḍalānāṃ pṛthak pūjā siddhyarthaṃ sādhakeśvara
vyāptisthaṃ tu yathā sarvaṃ tathā vadata bhairava //
[Die Göttin fragt:] Die gesonderte Verehrung der Maṇḍalas dient der Vollendung. Erkläre, Bhairava, wie alles in der Durchdringung besteht!
16.71
kathayāmi varārohe devyā dehagataṃ yathā
vyāptināmavibhedena jñāsyante jñānino yathā //
[Der Herr spricht:] Ich erkläre, Schönhüftige, wie es im Leib der Göttin liegt, damit die Wissenden es nach den verschiedenen Durchdringungsnamen erkennen.
16.72
kāmamaṇḍalakaṃ skandhe khecaraṃ tadadhaḥsthitam
gurumaṇḍalakaṃ sandhau pāṇimadhye ghanojjvalam //
Das Kāma-Maṇḍala liegt an der Schulter, Khecara darunter; das Guru-Maṇḍala im Gelenk, Ghanojjvala in der Handmitte.
16.73
rudramaṇḍalakaṃ dakṣe pāṇau tat tu nakhāgratah
candramaṇḍalakaṃ vāme chāyāmaṇḍalakaṃ tv adhaḥ //
Das Rudra-Maṇḍala liegt rechts an den Nagelspitzen der Hand. Links [liegt] das Candra-Maṇḍala, darunter das Chāyā-Maṇḍala.
16.74
jayantamaṇḍalaṃ sandhau jhaṅkāraṃ karamadhyataḥ
jñānamaṇḍalakaṃ vāme aṅgulyāgre vyavasthitam //
Jayanta liegt im Gelenk, Jhaṅkāra in der Handmitte; das Jñāna-Maṇḍala liegt links an den Fingerspitzen.
16.75
varāṅgordhvanitambādho dakṣiṇe 'mṛtamaṇḍalam
somamaṇḍalakorubhyāṃ sandhau ḍāmaramaṇḍalam //
Oberhalb des Geschlechtsorgans und unterhalb der Hüfte liegt rechts das Amṛta-Maṇḍala; Soma an den Oberschenkeln, Ḍāmara im Gelenk.
16.76
kanyāmaṇḍalakaṃ padbhyām umāmaṇḍalakaṃ nakhe
tārāmaṇḍalakaṃ vāme kuladivyorumadhyataḥ //
Kanyā liegt an den Füßen, Umā an den Nägeln; links [liegt] Tārā, Kuladivya in der Oberschenkelmitte. [Die Seitenzuordnung der ersten Angaben ist aus dem Zusammenhang zu prüfen.]
16.77
anantamaṇḍalaṃ sandhau pādānte mitramaṇḍalam
aṅgulyāgre samākhyātaṃ maṇḍalaṃ merupūrvakam //
Ananta liegt im Gelenk, Mitra am Fußende; an den Zehenspitzen liegt das mit Meru beginnende Maṇḍala.
16.78
raktamaṇḍalakaṃ kukṣau dakṣiṇe vāmataḥ śikhī
kulamaṇḍalakaṃ pṛṣṭhau vajrasaṅkhyāta madhyagam //
Rakta liegt in der rechten Flanke, Śikhin links, Kula am Rücken, das Vajra Genannte in der Mitte.
16.79
maṇḍalaiś caikaviṃśābhir āvṛtaḥ sa kuleśvaraḥ
ṣaṣṭhamaṇḍalakaṃ nābhau kālamaṇḍalakaṃ hṛdi //
Von einundzwanzig Maṇḍalas ist Kuleśvara umgeben. Das sechste Maṇḍala liegt am Nabel, Kāla im Herzen. [„Sechste“ ist die vorliegende, auffällige Zählung.]
16.80
śrīmannāthāditaḥ kṛtvā trayaitānukrameṇa tu
ekaikaṃ caikaviṃśānāṃ maṇḍalānāṃ patīśvarāḥ //
Vom erhabenen Nātha an bilden diese drei der Reihe nach jeweils die herrschenden Herren der einundzwanzig Maṇḍalas.
16.81
pañcaviṃśakayogasya catuṣkaṃ patirūpiṇam
samudāyapatīnāṃ ca patir eko visuddhirāṭ //
Die Vierheit herrscht über die Verbindung der Fünfundzwanzigheit. Über den Gesamtherren steht ein einziger Herr, der König der Reinheit.
16.82
randhramaṇḍalakaṃ vṛtte romakoṭyordhvasaṃsthitam
sarvāṅgasundaraṃ devyāḥ śarīraṃ maṇḍalodbhavam //
Das Öffnungsmaṇḍala liegt im Kreis oberhalb der Haarspitze. Der in allen Gliedern schöne Leib der Göttin ist aus Maṇḍalas entstanden.
16.83
śāmbhavīyaṃ parā mūrtiḥ svayaṃsambhṛtamaṇḍalam
maṇḍalodbhṛtadehā sā sā ca maṇḍalamadhyagā //
Dies ist die höchste Śiva-Gestalt, deren Maṇḍala sie selbst trägt. Ihr Leib entsteht aus Maṇḍalas, und sie befindet sich in deren Mitte.
16.84
svayaṅkartā svayaṃhartā maṇḍalānāṃ kuleśvarī
vaḍavānalarūpeṇa triśūlāsanasaṃsthitā //
Kuleśvarī erschafft und vernichtet die Maṇḍalas selbst. In Gestalt des untermeerischen Feuers sitzt sie auf dem Dreizack.
16.85
kaṅkāleśvaramūrdhnisthā ṣaṭpadārthoparisthitā
caturbhujaikavadanā cākṣasūtrakarābhayā //
Auf Kaṅkāleśvaras Haupt, oberhalb der sechs Gegenstände, besitzt sie vier Arme und ein Gesicht, hält die Gebetskette und gewährt Furchtlosigkeit.
16.86
sarvajñānāvabodhena pustakānyavarapradā
pañcamordhvakramo devyā maṇḍalodbhṛtavigrahā //
Durch das Erwecken aller Erkenntnis [trägt sie] ein Buch; die andere [Hand] schenkt Segen. Die Göttin steht in der fünften oberen Folge, ihr Leib aus Maṇḍalas entstanden.
16.87
caturāśītipramāṇena koṭīnāṃ mūlatordhvataḥ
śarīraṃ śrīkuleśasya tasya kumbho 'bjamaṇḍale //
Von der Wurzel aufwärts misst der Leib Kuleśas vierundachtzig Koṭis; sein Gefäß liegt im Lotusmaṇḍala.
16.88
sthitā sañjanate sarvaṃ tena kubjeśvarī parā
maṇḍalodbhṛtadehā sā maṇḍaloparisaṃsthitā //
Dort stehend, erzeugt die höchste Kubjeśvarī alles. Ihr Leib ist aus Maṇḍalas entstanden, sie steht über den Maṇḍalas.
16.89
maṇḍalāntargatā devī dhyātvā maṇḍaladāyikām
śrīmahānandavṛkṣo 'yaṃ ḍālānekacitaṃ tu tam //
Man meditiere über die im Maṇḍala befindliche, Maṇḍalas schenkende Göttin: Dieser erhabene Mahānanda-Baum ist mit vielen Ästen versehen,
16.90
śāstrapallavasaṃyuktaṃ vijñānāṅkuraśobhitam
akhaṇḍajñānapuṣpāḍhyaṃ siddhodayaphalānvitam //
mit Lehrwerken als jungen Blättern, Erkenntnis als Sprossen, ungeteilter Erkenntnis als Blüten und aufsteigender Vollendung als Früchten,
16.91
pakvānandarasālāḍhyaṃ mokṣatṛptyādisatphalam
eṣa maṇḍalavṛkṣo 'yaṃ yasmāt sarvaṃ prapadyate //
reich an reifem Seligkeitsgeschmack und guten Früchten wie Befreiung und Sättigung. Dies ist der Maṇḍala-Baum, aus dem alles erlangt wird.
16.92
sarvathā tad yajen nityaṃ vyākulena-m-anena kim
nirācāreṇa yogena sācāreṇa na tad yajet //
Man verehre ihn stets vollständig; wozu diese Verwirrung? Man verehre ihn durch Yoga jenseits der Verhaltensregeln, nicht durch regelgebundene Praxis.
16.93
vyāptibhāvam ato matvā bhuktvā cāṇḍālajāṃ tanum
sa paśyati paraṃ vṛkṣaṃ khecaraṃ maṇḍalodbhavam //
Nachdem man die Durchdringung erkannt und einen Caṇḍāla-geborenen Leib genossen hat, sieht man den höchsten, himmelsgängigen, maṇḍalageborenen Baum. [„Genossen“ und der Bezug auf den Leib bleiben rituell mehrdeutig.]
16.94
tadbhāvabhāvanāṃ kṛtvā guruṃ matvāvadhārayet
yat kiñcit puratas tasya tat sarvaṃ maṇḍalaṃ viduḥ //
Man vergegenwärtige seinen Zustand, erkenne ihn als Lehrer und erfasse ihn. Was immer vor einem liegt, alles erkennt man als Maṇḍala.
16.95
yadi syān maṇḍalo dehaḥ pūjayen maṇḍalādibhiḥ
vaḍavānalayogena ekaikaṃ māsakāvadhim //
Ist der Leib ein Maṇḍala, verehre man ihn durch Maṇḍalas und anderes, mit dem Yoga des untermeerischen Feuers jeweils einen Monat lang,
16.96
kulavidyāsamāyuktaṃ catuṣkalasamanvitam
kauleśānasamāyuktaṃ svasthānasthopadeśagam //
verbunden mit Kula-Vidyā, vier Kalās und Kauleśāna, an seinem eigenen Ort gemäß der Unterweisung.
16.97
evaṃ sañcintya manasā bhaktiyukto jitendriyaḥ
pañcaviṃśatimāsena prākṛtān labhate guṇān //
So im Geist meditierend, hingebungsvoll und mit beherrschten Sinnen, erlangt man nach fünfundzwanzig Monaten die Eigenschaften der Prakṛti.
16.98
dviguṇena tu kālena paiśācaguṇakṛd bhavet
triguṇena tu kālena daivatyaṃ bhajate tu saḥ //
In der doppelten Zeit erlangt man Piśāca-Eigenschaften, in der dreifachen Zeit Göttlichkeit.
16.99
caturguṇena kāmitvaṃ sāmānyatvāmarālaye
pañcamāvasthayogena satyalokāvadhiṃ vrajet //
In der vierfachen [Zeit] erlangt man Wunscherfüllung und Gemeinschaft in der Götterwelt; durch den fünften Zustand reicht man bis zur Satya-Welt.
16.100
ṣaṣṭhamena tu yogena viṣṇutvaṃ jāyate dhruvam
saptamena tu yogena brahmāṇḍāntam anuvrajet //
Durch die sechste Übung entsteht sicher Viṣṇu-Sein; durch die siebte gelangt man bis zum Ende des Welteneis.
16.101
aṣṭamena tu piṅgo'sau navamānteśvaraḥ prabhuḥ
maṇḍalīśo daśāvasthaḥ khecaraḥ khecarādhipaḥ //
Durch die achte wird man Piṅga, durch die neunte der mächtige Ananteśvara; im zehnten Zustand Maṇḍaleśa, Himmelsgänger und Herr der Himmelsgänger.
16.102
maṇḍalābhyāsayogena nirācāreṇa yoginaḥ
vaḍavānalamadhye tu vaḍavānalapūritaḥ //
Durch Maṇḍala-Übung und den Yoga jenseits der Regeln [steht] der Yogin im untermeerischen Feuer, davon erfüllt.
16.103
vaḍavānalarūpeṇa nirācāravrataṃ caret
vaḍavānalam ārūḍho vāḍavīyaṃ padaṃ labhet //
In dessen Gestalt vollziehe er das Gelübde jenseits der Regeln. Auf diesem Feuer ruhend, erlangt er dessen Stätte.
16.104
yataḥ sarvamayaṃ tac ca jagedaṃ vaḍavodaram
ājñeyaṃ sakalā devī divyājñāto 'sya sambhavaḥ //
Weil es aus allem besteht, ist diese Welt der Bauch des untermeerischen Feuers. Die gesamte Göttin ist als Ermächtigung zu erkennen; aus göttlicher Ermächtigung entsteht dies.
16.105
ṣaṭpadārthasya cānyasya pradhānaṃ vaḍavānalam
mahāvṛkṣavaṭo yasya sūkṣmabījavaṭo yathā //
Das untermeerische Feuer ist das Hauptprinzip der sechs Gegenstände und des Übrigen. Wie der große Feigenbaum in seinem feinen Samen [liegt],
16.106
tathā tu hṛdayasyāsya sarvam evodare jagat
khecarādhipatir devyā vaṭamālāvalambinī //
so liegt die ganze Welt im Inneren dieses Herzens. [Es ist] Herr der Himmelsgänger; die Göttin stützt sich auf die Feigenbaumkette. [Die Satzbezüge sind unsicher.]
16.107
ājñāsūtraprayoktā sā caturāśītiguṇojjvalā
guruvaktrāt tu labhyeta māleyaṃ vaḍavānalī //
Sie wendet den Faden der Ermächtigung an und strahlt durch vierundachtzig Eigenschaften. Diese Kette des untermeerischen Feuers ist aus dem Mund des Lehrers zu erlangen.
16.108
svamanīṣikato 'nyathā paśyanto 'pi na paśyati
etat te pañcakaṃ proktaṃ sarvavyāptibhṛtodaram //
Wer anders, nach eigenem Gutdünken, sieht, sieht trotz seines Sehens nicht. Diese Fünfheit, deren Inneres alle Durchdringung trägt, ist dir erklärt,
16.109
khecarāntapadaṃ divyaṃ catuṣkānyaṃ punaḥ śṛṇu //
die göttliche Stätte bis zu den Himmelsgängern. Höre nun eine weitere Vierheit.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate ṣaṭprakāre mahānandapañcake ṣoḍaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das sechzehnte Kapitel, innerhalb der sechs Formen über die Mahānanda-Fünfheit.
Kapitel 17
Übersetzungsstatus: Alle Quellblöcke dieses Kapitels sind bearbeitet. Einzelne Formeln sind nicht vollständig sprachlich aufgelöst; die betreffenden deutschen Hinweise und Teilübersetzungen werden in der Übersicht nicht als vollständig übersetzte Blöcke gezählt.
17.1
catuṣkaṃ pañcakaṃ nātha ṣaṭkaṃ tu pañcakaṃ tathā
jñātaṃ vyāptibhṛtaṃ sarvaṃ catuṣkaṃ kīdṛśaṃ punaḥ //
[Die Göttin fragt:] Herr, die Vierheit, Fünfheit, Sechsheit und weitere Fünfheit habe ich mitsamt ihrer Durchdringung erkannt. Wie ist die weitere Vierheit beschaffen?
17.2
pṛcchāmi tvāṃ na śaknomi svata eva prasādataḥ
vada nātha guṇānandaṃ yena jānīmahe 'khilam //
Ich frage dich, weil ich es nicht selbst vermag. Erkläre aus Gnade die Seligkeit der Eigenschaften, damit wir alles erkennen.
17.3
kubjike 'timahāprājñe kiṃ na budhyasi mūḍhadhīḥ
yady evaṃ lapitaṃ sarvaṃ kathayāmy avaśeṣakam //
[Der Herr spricht:] Hochweise Kubjikā, warum verstehst du nicht und bleibst verwirrt? Obwohl alles gesagt ist, erkläre ich den Rest.
17.4
sthitibhogalayāntasthaṃ pūjāvyāptipadaṃ yathā
tathā taṃ nikhilaṃ sarvam uktānuktaṃ vadāmi te //
Die Verehrung und Durchdringung in Bestehen, Genuss und Auflösung erkläre ich vollständig, das Gesagte und Ungesagte.
17.5
devyāpīṭhacatuṣkaṃ tu siddhapiṇḍacatuṣṭayam
yugaiś caturbhis tad vyāptaṃ parāparavibhāgaśaḥ //
Die vier Pīṭhas der Göttin und die vier Siddha-Körper sind von den vier Weltaltern durchdrungen, nach Höherem und Niederem unterschieden.
17.6
akuleśvaradevasya yathā tiṣṭhati vigrahe
tathā śṛṇu maheśāni nirācārapadaṃ yathā //
Höre, große Herrin, wie dies im Leib Akuleśvaras liegt und wie die Stätte jenseits der Regeln beschaffen ist.
17.7
o-jā-pū-kā-kramaṃ madhyād vāmadakṣāgratordhvataḥ
vyāptibhūtaṃ yajet sarvaṃ nābhyadhaḥ siddhapūrvakam //
Man verehre die alldurchdringende Folge O, Jā, Pū, Kā von der Mitte aus links, rechts und vorn aufwärts, unterhalb des Nabels, mit den Siddhas beginnend. [Die Richtungsangaben sind verkürzt.]
17.8
o-jā-pū-kā-kramād dhṛtsthaṃ dakṣādau vāma nābhigam
upadeśena jānīyād guruvaktrāt tu śāmbhavam //
O, Jā, Pū, Kā liegen im Herzen, rechts, links und am Nabel. Dies zu Śiva Gehörige erkenne man durch Unterweisung aus dem Mund des Lehrers.
17.9
evaṃ karṇamukhe nāsā nāsordhvaṃ pūrvavad yajet
pūrvoktārcisamāyuktaṃ siddhavṛndasapālakaiḥ //
Ebenso verehre man an Ohr, Mund, Nase und oberhalb der Nase, mit den zuvor genannten Strahlen, den Siddha-Scharen und ihren Hütern.
17.10
balakaumāravṛddhasthaṃ triśuddhisthaṃ tritattvagam
vaḍavānalayogena gahvarād upadeśataḥ //
In Kindheit, Jugend und Alter, dreifacher Reinheit und den drei Prinzipien, durch den Yoga des untermeerischen Feuers gemäß der Gahvara-Unterweisung,
17.11
kulākule pare sthāne sarvajñāṃ śāmbhavaṃ kramam
sarvavyāptisamopetam ājñāpuṣpaiḥ prapūjayet //
verehre man die allwissende Śiva-Folge in der höchsten Kula-Akula-Stätte, mit aller Durchdringung versehen, durch Blumen der Ermächtigung.
17.12
rūpātītādiyogena maṇḍalodbhṛtavigrahā
tatrasthā paramā devī madhyasthā pararūpiṇī //
Durch Verbindung mit dem Gestaltlosen und Weiterem besitzt sie einen aus Maṇḍalas entstandenen Leib. Dort in der Mitte steht die höchste Göttin von höchster Gestalt.
17.13
kālamūrdhni sthitā śāntā kalātītā kalākalā
kālahantā kalātītā kambalīyaṃ kuleśvarī //
Auf dem Haupt der Zeit steht sie friedvoll, jenseits der Kalās, Kalā und Nicht-Kalā, die Zeit vernichtend und über die Zeit hinaus: diese Kambalī-Kuleśvarī.
17.14
vaḍavānalam uttīrṇā dedīpyantaguṇojjvalā
sahasrādityasaṅkāśā rūpātītā kuleśvarī //
Über das untermeerische Feuer hinausgelangt, von leuchtenden Eigenschaften strahlend, tausend Sonnen gleich, ist Kuleśvarī gestaltlos.
17.15
rūpaṃ pīṭhakramaṃ devyā nīlameghāñjanaprabhā
bhujair dvādaśakopetā ṣaḍvaktrā barbarālakā //
Ihre Gestalt ist die Pīṭha-Folge: dunkel wie Wolken und Augenschminke, mit zwölf Armen, sechs Gesichtern und wirren Locken.
17.16
bṛhodarā ca lamboṣṭhī stabdhākṣī viraladvijā
bālakramasya madhyasthā rūpasthā nagnakubjikā //
Großbäuchig, mit hängenden Lippen, starrem Blick und auseinanderstehenden Zähnen, steht die nackte Kubjikā in der Kindheitsfolge und im Gestaltbereich.
17.17
vaḍavānalasandīptā atiraudrā subhīṣaṇā
gurūpadeśagamyā sā divyājñārthapradāyikā //
Vom untermeerischen Feuer entflammt, überaus wild und furchtbar, ist sie durch Lehrerunterweisung zugänglich und gewährt das Ziel göttlicher Ermächtigung.
17.18
kaumārakramamadhyasthā ekavaktrā caturbhujā
pustakamaṇḍaludharā akṣasūtravarapradā //
In der Jugendfolge besitzt sie ein Gesicht und vier Arme; sie trägt Buch, Wassergefäß und Gebetskette und schenkt Segen.
17.19
vaḍavānalamadhyasthā saumyarūpā sulālasā
mahānandamahāviṣṭā āveśantī jagattrayam //
Inmitten des untermeerischen Feuers, freundlich gestaltet und voller Verlangen, ist sie von großer Seligkeit ergriffen und durchdringt die drei Welten.
17.20
mahāsaṃsāra-m-ambhodhes tārayantī vyavasthitā
sā mahāntārikāpy atra kaumāre mahatāṃ gatā //
Sie führt über den großen Ozean des Saṃsāra hinweg. Deshalb ist sie hier in der Jugendfolge die große Retterin, bei den Großen angekommen.
17.21
pāśaughakṣayakartā sā vidyāśāstrāvalambinī
yasyoccārāt sphuṭanty āśu parvatān vajramausalān //
Sie vernichtet die Scharen der Fesseln und stützt sich auf Vidyā und Lehrwerk. Durch ihr Aussprechen zerbersten rasch Berge und diamantene Keulen.
17.22
pañca pañca ca vidyāstraṃ mahāntārī sa eva hi
akṣaraughena siddhā sā uccārāveśinī parā //
Fünf und fünf [Laute bilden] die Vidyā-Waffe; eben sie ist Mahāntārī. Durch die Lautfolge vollendet, dringt die Höchste durch ihr Aussprechen ein.
17.23
abhaktaṃ vā dviṣantaṃ vā vādasthaṃ vā tathetaram
kupitaḥ pātayet sarvaṃ yasyaiṣā hṛdi śālinī //
Wem sie im Herzen kraftvoll gegenwärtig ist, der kann im Zorn jeden niederwerfen: einen Hingabelosen, Hasser, Streitenden oder anderen.
17.24
padasthena tu yogena siddhā sā parameśvarī
piṇḍam āveśayec chīghraṃ piṇḍasthāṃ śṛṇu kubjini //
Durch den Yoga der Stätte wird die höchste Herrin verwirklicht und lässt den Körper rasch ergriffen werden. Höre von ihrer Körpergestalt, Kubjinī.
17.25
vṛddhakramasya madhyasthāṃ laghurūpāṃ sutejasām
dvibhujaikavadanāṃ tāṃ piṇḍasthāṃ patirūpiṇīm //
In der Altersfolge ist sie klein und sehr strahlend, zweiarmig, eingesichtig, im Körper stehend und von Herrschergestalt.
17.26
paśuprāṇaharāṃ devīṃ pāśajālanikṛntanīm
damanīṃ sarvapāpānāṃ vijñānakaraṇīṃ parām //
Die Göttin nimmt dem gebundenen Wesen den Lebenshauch, zerschneidet das Fesselnetz, bezwingt alle Verfehlungen und bewirkt höchste Erkenntnis.
17.27
pūrvaṃ vyāvarṇitaṃ yac ca rūpānte guṇaśālinīm
vidyāṅgābharaṇopetāṃ piṇḍasthāṃ tāṃ vijānatha //
Erkennt sie als im Körper stehend, wie zuvor am Ende der Gestalt beschrieben, mit Vorzügen und dem Schmuck der Vidyā-Glieder versehen.
17.28
dvātriṃśākṣarasaṃyuktāṃ ṣaḍaṅgapariveṣṭitām
yad uktaṃ karmasantānaṃ tad atra phaladaṃ kramāt //
Sie besitzt zweiunddreißig Silben und ist von sechs Gliedern umgeben. Die beschriebene Ritualfolge bringt hier der Reihe nach Frucht.
17.29
mantrasiddhikarī devī piṇḍasiddhikarī parā
vaḍavānalayogena sarvajñatvaṃ labhet tu saḥ //
Die höchste Göttin vollendet Mantra und Körper. Durch den Yoga des untermeerischen Feuers erlangt man Allwissenheit.
17.30
vaḍavānalakubjasthā kūjate 'nandarūpadhṛk
tena sā kubjikā nāma maṇirūpā1pakhañjikā //
Im gebeugten [Bereich] dieses Feuers ruft sie, von Seligkeitsgestalt. Deshalb heißt sie Kubjikā, juwelenförmig und [kleine] Khañjikā. [„maṇirūpā1pakhañjikā“ enthält eine auffällige Ziffer; die Deutung bleibt vorläufig.]
17.31
asyā devyāḥ padaṃ rūpaṃ rūpātītaṃ pravartate
piṇḍeśinī parā mātā caturāśītiguṇojjvalā //
Aus ihr entfalten sich Stätte, Gestalt und Gestaltloses. Als höchste Mutter herrscht sie über den Körper und strahlt durch vierundachtzig Eigenschaften.
17.32
sampūjya mānasaiḥ puṣpair aliphalgvādibhiḥ kramāt
catuḥsiddhakramāmnāyaṃ svāmipādam anukramāt //
Man verehre mit geistigen Blumen und nacheinander mit Ali, Phalgu und Weiterem die Überlieferungsfolge der vier Siddhas und die Füße des Herrn. [Ritualbezeichnungen nicht abschließend identifiziert.]
17.33
piṇḍayogasthitāṃ cājñāṃ saṃsmaren madhyatiryagām
kubjinīkulam ārūḍhām abhyasantaḥ śriyaṃ labhet //
Man gedenke der Ermächtigung im Körper-Yoga, quer durch die Mitte gehend und auf Kubjinīs Kula ruhend. Durch Übung erlangt man Herrlichkeit.
17.34
śāntipuṣṭivaśākṛṣṭi vāgvilāsaṃ jvarāpaham
mṛtyunāśaṃ purakṣobhaṃ sainyastambhāmbhaśoṣaṇam //
[Bewirkt werden] Befriedung, Stärkung, Unterwerfung, Anziehung, freie Rede, Fieberbeseitigung, Todesvernichtung, Stadterschütterung, Heereslähmung und Austrocknung von Wasser,
17.35
paśupāśagrahastobhaṃ dantakāṣṭhāñjalīghaṭam
nirbījīkaraṇādyaṃ ca vṛkṣasphoṭaṃ jalaplavam //
Erregung gebundener Wesen, Fesseln und Besessenheitsmächte; [Wirkungen an] Zahnholz, gefalteten Händen und Gefäß; Samenlosmachen, Baumspaltung und Treiben auf Wasser. [Elliptische Ritualaufzählung.]
17.36
mudrāsphoṭaṃ śilācchedaṃ vṛkṣāṇāṃ labhanaṃ mahat
nadīpravartanastambho nāvādiśakaṭasya ca //
Aufsprengen von Siegeln, Spalten von Steinen, großes Herbeischaffen von Bäumen, Anhalten von Flüssen, Booten und Wagen,
17.37
anagnijvalanaṃ pātaḥ sainyastambhordhvaropaṇam
jvālāstambhaṃ jalastambhaṃ ghaṭasastragirācalam //
Brennen ohne Feuer, Fallen, Heereslähmung, Emporheben, Anhalten von Flammen und Wasser sowie [Wirkungen an] Gefäß, Waffe, Rede und Berg. [Der Schlusskomplex ist unsicher.]
17.38
stambhayed vajrapātaṃ tu aśanyaughaṃ nivārayet
mārayeṭ ṭālayec chailān dārayed dharaṇītalam //
Man hält den Donnerkeil an, wehrt Gewitterblitze ab, tötet, schlägt Berge und spaltet die Erdoberfläche.
17.39
hastavṛddhir manaḥsiddhir dūrāśravaṇadarśanam
vartamānam atītārthaṃ bhaviṣyaṃ ca laghutvatā //
[Es entstehen] Vergrößerung der Hand, geistige Vollendung, Fernhören und Fernsehen, [Erkenntnis von] Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft sowie Leichtigkeit,
17.40
vācāsiddhiś ca māhendram indrajālapravartakam
kāmarūpāntaradhyānaṃ jñānaṃ mātṛkulasya ca //
Wirksamkeit der Rede, Indras Macht, Hervorbringen von Zauberspiegelungen, beliebige Gestalt, Verschwinden und Kenntnis der Mütterfamilie. [„antaradhyāna“ ist auffällig; Verschwinden ist kontextuelle Deutung.]
17.41
jihvāprasāraṇaṃ cānyam aṅgaikaikavivardhanam
sphoṭanaṃ śuṣkakāṣṭhānāṃ troṭanaṃ phalapuṣpayoḥ //
Ausstrecken der Zunge, Vergrößern einzelner Glieder, Aufsprengen trockenen Holzes und Abtrennen von Früchten und Blumen,
17.42
mṛtakotthāpanaṃ śīghraṃ dagdhasañjīvanaṃ mahat
akāle vṛkṣaphalanaṃ puṣpadhānyāvarohaṇam //
rasches Aufrichten von Toten, Wiederbeleben Verbrannter, außerzeitliches Fruchttragen der Bäume und Hervorbringen von Blumen und Getreide,
17.43
parakāyapraveśaṃ ca anyajanmāvabodhanam
parokṣamṛtakānayanaṃ dṛṣṭijvālāprasāraṇam //
Eintreten in fremde Körper, Erkennen anderer Geburten, Herbeiholen entfernter Toter und Ausbreiten von Flammen durch den Blick,
17.44
dantavṛddhikaraṃ jñānaṃ jvālāvijñānam uttamam
śarīre phalapuṣpāni pratimājalpakarṣaṇam //
Wissen zum Verlängern der Zähne, höchste Flammenerkenntnis, Früchte und Blumen am Körper, Sprechenlassen und Herbeiziehen von Bildnissen,
17.45
jalpāyanaṃ kumārīṇām antardhānordhvadarśanam
nirālambordhvaruhaṇaṃ pararūpāpakarṣaṇam //
Sprechenlassen von Mädchen, Verschwinden, Sehen nach oben, Aufsteigen ohne Stütze und Entziehen fremder Gestalt,
17.46
citranṛtyāpanaṃ yuddhaṃ śatrūṇāṃ ca parasparam
haraṇaṃ śabdadṛṣṭīnāṃ vardhataikaikahelayā //
Tanzenlassen von Bildern, gegenseitiger Kampf der Feinde und Rauben von Hören und Sehen; jedes [Vermögen] wächst mühelos.
17.47
parasāmarthyaharaṇaṃ puṃstriyopakaraṇaṃ param
aṅgasaṅkocanānayanaṃ bhūtānāṃ bhūtasādhanam //
Rauben fremder Fähigkeiten, höchstes Unterstützen von Männern und Frauen, Zusammenziehen und Herbeiführen von Gliedern und Verwirklichung von Geistwesen. [Einzelne Ritualbegriffe bleiben mehrdeutig.]
17.48
piṇḍakramasya pūjāyāṃ svādhiṣṭhānaphalaṃ labhet
kubjānalena yogena kubjipiṇḍaṃ caturvidham //
Bei der Verehrung der Körperfolge erlangt man die Frucht Svādhiṣṭhānas. Durch den Yoga des Kubjā-Feuers ist Kubjīs Körper vierfach.
17.49
aśvatthapattravat kubjaṃ śukacañcunibhaṃ param
maṇikubjaṃ paraṃ cānyaṃ randhrakubjaṃ tato 'param //
Die erste Krümmung gleicht einem Aśvattha-Blatt, die höchste einem Papageienschnabel; eine weitere höchste ist die Juwelenkrümmung, eine andere die Öffnungskrümmung.
17.50
etat te saṃsphuṭaṃ sarvaṃ kubjāmbīnāṃ catuṣṭayam
piṇḍo 'tha pada rūpaṃ ca rūpātītāditaḥ kramāt //
Damit ist dir die Vierheit der Kubjā-Mütter deutlich erklärt: Körper, Stätte, Gestalt und Gestaltloses in ihrer Folge.
17.51
ādyaṃ piṇḍasthitā kubjī kubjeśīti kuleśvarī
padasthā kubjikā cānyā mahāntārī mahadbhutā //
Zuerst steht Kubjī im Körper, als Kubjeśī-Kuleśvarī. Eine andere Kubjikā steht in der Stätte, die höchst erstaunliche Mahāntārī.
17.52
rūpasthā kubjinī cānyā bindusthā barbarā parā
rūpātītā tu randhrasthā kubjinī kamalānanā //
Eine weitere Kubjinī steht in der Gestalt, die höchste Barbarā im Bindu; die gestaltlose, lotusgesichtige Kubjinī steht in der Öffnung.
17.53
vijñānānekaviśliṣṭā ekaikā phaladāyinī
piṇḍayogakrameṇaitāḥ kubjidehaphalapradāḥ //
Jede besitzt viele unterschiedene Erkenntnisweisen und schenkt Früchte. Durch die Folge des Körper-Yoga verleihen sie die Frucht des Kubjī-Leibes.
17.54
mitreśānasamāyuktā kaṇṭhoṣṭhāliṅganānvitā
golāntapaścimāntasthā śaṅkhabhedād vinirgatā //
Mit Mitreśāna verbunden, an Hals und Lippen umschlungen, steht sie am westlichen Ende der Kugel und geht aus dem Muscheldurchbruch hervor. [Technische Orts- und Körperbilder bleiben vorläufig.]
17.55
vidyudanyonyatārebhyo viśaty ekā punar dvidhā
evam abhyasate yāvat tāvat kāmaḥ svayaṃ kṣubhet //
Wie Blitze gehen sie ineinander über; eine tritt ein und wird wieder zweifach. Übt man so, gerät Kāma von selbst in Erregung.
17.56
svādhiṣṭhānagate yoge śākte śaktiṃ samabhyaset
abdaikena jagat sarvaṃ kṣobhayet tridaśeśvaram //
Im Śakti-Yoga Svādhiṣṭhānas übe man die Kraft. In einem Jahr kann man die ganze Welt samt dem Götterherrn erschüttern.
17.57
durbhagānām abhāgyānām abdāt sarvaṃ bhaviṣyati
yaḥ punaḥ sarvathā siddhaḥ sa sidhyaty acirāt priye //
Selbst den Unglücklichen und Unbegünstigten wird alles nach einem Jahr zuteil; wer bereits völlig vollendet ist, gelangt rasch zum Erfolg, Geliebte.
17.58
sāttvikena tu rūpeṇa tyaktamāyāsukhojjhitaḥ
pādaprakṣālanaṃ juṣṭaṃ yo na dadyāt sa sidhyati //
In sattvischer Gestalt, Māyā und Vergnügen zurücklassend: Wer das gebrauchte Fußwaschwasser nicht weitergibt, erlangt Vollendung. [Die Ritualregel und ihre Satzanbindung sind unsicher.]
17.59
etat kulālikāmnāye piṇḍakubjicatuṣṭayam
avijñāya na dātavyaṃ yāvan nādeśitaḥ śiśuḥ //
Dies ist im Kulālikāmnāya die Vierheit der Körper-Kubjī. Unverstanden darf sie nicht weitergegeben werden, solange der Schüler nicht unterwiesen ist.
17.60
anādivimalamātaṅgī sarvajñā ca pulindikā
yoge ca śabarī proktā siddhasaṃjñeti campakā //
[Sie heißt] anfangslos reine Mātaṅgī, allwissende Pulindikā, im Yoga Śabarī und als vollendete Gestalt Campakā.
17.61
adhunā śṛṇu kubjīśe padagranthivibhañjakam
kramaṃ vakṣyāmi divyaughaṃ sāmarthyādinirākulam //
Höre nun, Kubjīśā, die Folge des göttlichen Stromes, die die Knoten der Stätten aufbricht und frei von Verwirrung hinsichtlich Befähigung und Weiterem ist.
17.62
ājñāmoghapadaṃ khañji dvitīyaṃ kubjinīpadam
śaktividyā tṛtīyaṃ tu caturthaughapadakramam //
Die erste Stätte ist unfehlbare Ermächtigung, Khañjī; die zweite Kubjinīs Stätte, die dritte Śakti-Vidyā und die vierte die Folge der Stromstätte.
17.63
catuṣpīṭhavibhedena punaḥ pīṭhacatuṣpadam
ṣoḍaśaiva padāny āhur granthibhūtāḥ pṛthak pṛthak //
Durch die vier Pīṭhas wird jede wiederum viergeteilt. So heißen sie sechzehn Stätten, jede ein eigener Knoten.
17.64
kalanti sakalaṃ sarvaṃ sthūlasūkṣmavibhāgataḥ
nadanti kālarūpasthā[ḥ] sthūlasūkṣmān tathāntimān //
Sie gliedern alles Gegliederte nach Grobem und Feinem und erklingen in Zeitgestalt als grobe, feine und letzte [Laute]. [Die Quelle ergänzt „rūpasthā[ḥ]“.]
17.65
tithyādyāntapadaṃ yānti vāmāntaṃ dakṣiṇaṃ punah
candrasūryavibhāgena jīvitaṃ maraṇaṃ padam //
Sie gelangen zu Anfang und Ende der Mondtage, nach links und rechts, nach Mond und Sonne unterschieden, zur Stätte von Leben und Tod.
17.66
padaiḥ ṣoḍaśabhiḥ sarvaṃ granthiṃ baddhvādhvaraṃ 'khilam
kālarūpās tu tāḥ kālaṃ hananty uccārayogataḥ //
Mit sechzehn Stätten knüpfen sie den gesamten Weg zum Knoten. Selbst Zeitgestalten, vernichten sie durch Aussprechen die Zeit.
Zusatzblock 17.p-1
o-jā-pū-kā-ḍi-lam-rṇa-ma-ā-dha-gi-rū-ṇa-ra-ri-pū |
[Lautfolge:] O, Jā, Pū, Kā, Ḍi, Lam, Rṇa, Ma, Ā, Dha, Gi, Rū, Ṇa, Ra, Ri, Pū. [Die sechzehn Chiffren werden benannt, aber hier nicht vollständig entschlüsselt.]
17.67
evaṃ jñāte hanet kālam uccaranto 'nupūrvaśaḥ //
So erkannt und der Reihe nach ausgesprochen, vernichten sie die Zeit.
17.68
akṣare akṣare granthiḥ pīṭhaṃ granthicatuṣṭayam
catuṣpīṭhamayā yoniś caturyonimayaṃ 'khilam //
Jeder Laut ist ein Knoten; ein Pīṭha bildet vier Knoten. Die Quelle besteht aus vier Pīṭhas, alles aus vier Quellen.
17.69
pañcamī yā parā yonis tasyā granthiḥ pade pade
tayā vyāptam idaṃ sarvaṃ kāraṇānalamadhyagam //
Die fünfte, höchste Quelle hat an jeder Stätte einen Knoten. Sie durchdringt alles, inmitten des Ursachenfeuers.
17.70
tat padaṃ paramaṃ proktaṃ yatra sarve padā gatāḥ
ṣoḍaśākṣarabhedena tat padaṃ labhate sphuṭam //
Die höchste Stätte ist jene, in die alle Stätten eingehen. Durch die sechzehn Laute erlangt man sie deutlich.
17.71
prathamādhāranantākhyā madhyamāṅghryāṅgulīgatā
kālagranthis tu gulphādho raudrīgranthir nalāntare //
Die erste Grundlage heißt Ananta und liegt am mittleren Zeh. Der Zeitknoten liegt unter dem Knöchel, der Raudrī-Knoten im Inneren des Kanals.
17.72
jyeṣṭhāgranthir nitambādho vāme vāmādhasaṃsthitā
kāmagranthir gudādhāre piṅgagranthis tatordhvataḥ //
Der Jyeṣṭhā-Knoten liegt unterhalb der Hüfte, links darunter Vāmā; der Kāma-Knoten an der Aftergrundlage, darüber der Piṅga-Knoten.
17.73
adhordhvaromamadhye tu brahmagranthir udāhṛtā
somagranthis tataś cordhve sūryagranthis tatordhvataḥ //
Zwischen den unteren und oberen Haaren liegt der Brahma-Knoten, darüber der Mondknoten, darüber der Sonnenknoten.
17.74
prāṇagranthiḥ punaś cordhve jīvagranthis tatordhvataḥ
yena jīvanti bhūtāni tadviyogān mriyanti ca //
Darüber liegen der Prāṇa-Knoten und der Jīva-Knoten: Durch ihn leben die Wesen, und durch die Trennung von ihm sterben sie.
17.75
viṣṇugranthis tu sā jñeyā kaṇṭhasthā tāluke 'nyathā
rudragranthir mahāraudrā īśagranthis tatordhvataḥ //
Er ist als Viṣṇu-Knoten zu erkennen, im Hals; am Gaumen [liegt] der äußerst wilde Rudra-Knoten, darüber der Īśa-Knoten. [Die Zuordnung von „anyathā“ bleibt unsicher.]
17.76
sādākhyas tu parā granthis trikoṭyordhvavyavasthitā
māyā śaktis tataś cordhve icchānandāmṛtāplutā //
Der höchste Sadā genannte Knoten liegt oberhalb der drei Spitzen; darüber Māyā-Śakti, vom Unsterblichkeitstrank der Willensseligkeit überflutet.
17.77
ṣoḍaśāvayavā devī khecarī tu khageśvarī
padmasthā padmamadhyasthā haṃsasthā haṃsavāhinī //
Die sechzehngliedrige Göttin ist Khecarī, Herrin der Himmelsgänger, auf und im Lotus, auf Haṃsa sitzend und Haṃsa als Fahrzeug besitzend.
17.78
niṣkalā sakalā devī vajradehā manonmanī
padakramasya madhyasthā padāṅgābharaṇojjvalā //
Ungegliedert und gegliedert, von diamantenem Leib und jenseits des Denkens, steht sie in der Stättenfolge, mit deren Gliedern geschmückt.
17.79
kramamantrapadālabdhā helayā cāṇimāṣṭakam
sādhayen mahatā devī ṣoḍaśākṣarasambhavā //
Durch die Mantrastätten der Folge erlangt, verwirklicht die große, aus sechzehn Lauten entstandene Göttin mühelos die acht Kräfte, beginnend mit Kleinheit.
17.80
mālinī siddhadehā sā tritattvārcighanojjvalā
aghoryāṣṭakasaṃyuktā dvādaśāṅgaprapūritā //
Sie ist Mālinī mit vollendetem Leib, dicht strahlend durch die Strahlen der drei Prinzipien, mit den acht Aghorīs verbunden und durch zwölf Glieder erfüllt.
17.81
ṣaḍaṅgāvayavopetā divyadehā mahābalā
asitāṅgatanūdbhūtā mantradehā maheśvarī //
Mit sechs Gliedern versehen, göttlichen Leibes und sehr mächtig, entsteht die große Herrin aus Asitāṅgas Leib und besitzt einen Mantraleib.
17.82
mālinī śabdarāśiś ca trividyāghorikāṣṭakam
dvādaśāṅgaṣaḍaṅgaṃ ca etad dehaṃ kulātmakam //
Mālinī, Lautmenge, drei Vidyās, acht Aghorikās, zwölf und sechs Glieder: Dies ist der aus Kula bestehende Leib.
17.83
lalāṭakaṇṭhavakṣasthaṃ guhyāṅghrau ratnapañcakam
ślokadvādaśabhir mālā pādādau cūlikāvadhim //
Die fünf Juwelen liegen an Stirn, Hals, Brust, Geschlechtsorgan und Füßen. Zwölf Verse bilden eine Kette von den Füßen bis zur Spitze.
17.84
brahmasūtrojjvalā devyāḥ skandhobhau tadgrahānvitau
pañcabījair mukhakoṣaṃ pañcauṃkāraiḥ khilaṃ nyaset //
Die Göttin strahlt durch die heilige Schnur; beide Schultern sind mit Tadgraha verbunden. Man setze fünf Keime in die Mundhöhle und fünf Oṃ-Laute überall ein.
17.85
paramaṃ vada kauleśa padamantrā yathā sthitāḥ
yatra sthāne niyoktavyāḥ sphuṭaikaikaṃ pṛthak pṛthak //
[Die Göttin fragt:] Erkläre das Höchste, Kauleśa: Wie bestehen die Stättenmantras? Wo sollen sie einzeln und deutlich eingesetzt werden?
17.86
kathayāmi varārohe padārthārthapadaṃ yathā
siddhamantropadeśo 'yaṃ prakaṭārthaṃ vadāmi te //
[Der Herr spricht:] Ich erkläre die Stätte des Sinnes der Gegenstände. Diese Unterweisung in vollendete Mantras werde ich dir mit offenem Sinn mitteilen.
17.87
mūrdhni vaktrākṣiṇau karṇau nāsāgaṇḍau dvijauṣṭhakau
bhāratīśaṅkhinīdvāre śrīkaṇṭhāt senakāvadhim //
Am Haupt, Gesicht, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Zähnen, Lippen, Sprache und Śaṅkhinī-Tor [setze man die Siddhas] von Śrīkaṇṭha bis Sena ein.
17.88
krameṇa ṣoḍaśaivaitān dakṣiṇādau padā nyaset
dantauṣṭhādim adho nyasya bhāratīśaṅkhikāvadhim //
Diese sechzehn setze man der Reihe nach, rechts beginnend, ein; Zähne und Lippen abwärts bis zur Sprache und Śaṅkhinī.
17.89
krodhādāv ekarudrāntaṃ skandhādau cāṅgulāvadhim
dakṣiṇe vāmato 'py evaṃ kūrmādau śarmakāvadhim //
Rechts von der Schulter bis zu den Fingern [setze man] Krodha bis Ekarudra ein, links entsprechend Kūrma bis Śarma.
17.90
someśvarādyumākāntaṃ sphicādau 'ṅghryānta dakṣiṇam
vāmato 'ṣāḍhimeṣāntaṃ pārśvau lohiśikhānvitau //
Someśvara bis Umākānta [liegen] rechts von der Hüfte bis zum Fuß; links Aṣāḍhin bis Meṣa. Die Flanken sind mit Lohita und Śikhin verbunden.
17.91
chagalaṇḍaṃ tu vaṃśasthaṃ dviraṇḍaṃ nābhimaṇḍale
hṛdaye tu mahākālam aṣṭakaṃ purato 'nyathā //
Chagalaṇḍa liegt an der Wirbelsäule, Dviraṇḍa am Nabel, Mahākāla im Herzen; die andere Achtergruppe [folgt] davor. [Die Raumangabe bleibt unklar.]
17.92
vālibhaujaṅgapainākakhaḍgīśabakaśvetakāḥ
bhṛgulākulasaṃvartāḥ kālaprāṇasaśukragāḥ //
Vāli, Bhaujaṅga, Paināka, Khaḍgīśa, Baka, Śveta, Bhṛgu, Lākula und Saṃvarta [liegen in] Zeit, Lebenshauch und Samen,
17.93
majjāsthisnāyumāṃsasthā raktatvagvālimāditaḥ
anulomavilomena kālavelāditaḥ kramāt //
Mark, Knochen, Sehnen, Fleisch, Blut und Haut, von Vāli an; vorwärts und rückwärts, der Reihe nach von Zeit und Stunde an. [Die genaue Namens-Stoff-Zuordnung ist nicht ausgeführt.]
17.94
nādinī tu śikhāgrasthā nakārākṣarasambhavā
ṛ-ṝ-ḷ-ḹ nivṛttyādyā mālikā śirasi sthitā //
Nādinī liegt an der Scheitelspitze und entsteht aus Na. Ṛ, Ṝ, Ḷ, Ḹ sind Nivṛtti und die folgenden; die Kette liegt am Haupt.
17.95
tha śiro grasanī devī dha netre priyadarśanā
ī guhyaśakti nādasthā nāsāyāṃ netramadhyataḥ //
Tha ist das Haupt, Göttin Grasanī; Dha die Augen, Priyadarśanā; Ī die geheime Kraft im Nāda, an der Nase zwischen den Augen.
17.96
vyāpayitvā sthitā devī ca tṛtīyaṃ tu locanam
cāmuṇḍā parameśānī lalāṭasthā virājate //
Die Göttin durchdringt [alles] und besteht als drittes Auge. Cāmuṇḍā, die höchste Herrin, erstrahlt an der Stirn.
17.97
bakāraṃ vadanaṃ devyā vajriṇī śaktir avyayā
kavarge daśanās tīkṣṇāḥ kaṅkaṭā kālikā śivā //
Ba ist das Gesicht der Göttin, Vajriṇī, die unvergängliche Kraft. Im Ka-Varga [liegen] die scharfen Zähne: Kaṅkaṭā, Kālikā, Śivā,
17.98
ghoraghoṣā mukhīvīrā kavarge dasanā[ḥ ] śubhāḥ
māyādevī i jihvā tu a vāg vāgeśvarī matā //
Ghoraghoṣā und Mukhīvīrā; im Ka-Varga die schönen Zähne. Māyādevī, I, ist die Zunge; A die Rede, Vāgeśvarī. [Wiederholung des Ka-Varga und ergänztes „dasanā[ḥ ]“ bleiben erhalten.]
17.99
nārāyaṇī ṇa karṇau tu tayor bhūṣaṇam ī-parau
mohanī ca tathā prajñā va kaṇṭhe śikhivāhinī //
Nārāyaṇī, Ṇa, ist die Ohren; deren Schmuck [sind] die beiden mit Ī [verbundenen], Mohanī und Prajñā. Va liegt am Hals: Śikhivāhinī. [Die Lautzuordnung ist unsicher.]
17.100
lāmā vināyakī devī ḍaḍhau bāhudvayaṃ matam
paurṇimā hastadeśasthā ṭhakārākhyaṃ vibhor matam //
Lāmā und Göttin Vināyakī, Ḍa und Ḍha, gelten als beide Arme. Paurṇimā liegt an der Hand, als Ṭha bezeichnet.
17.101
jhaṅkārī kurdanī caiva jhañau cāṅgulayaḥ kramāt
kapālinī vāmakare ṭakāraḥ parameśvarī //
Jhaṅkārī und Kurdanī, Jha und Ña, bilden der Reihe nach die Finger. Kapālinī, die höchste Herrin, liegt als Ṭa in der linken Hand.
17.102
dīpanī śūladaṇḍaṃ ca rephaḥ samyag udāhṛtam
jayantī ja bhavec chūlam evaṃ devī virājate //
Dīpanī ist der Dreizackstab, deutlich als Ra bezeichnet. Jayantī, Ja, ist der Dreizack. So erstrahlt die Göttin.
17.103
bhīṣaṇā vāyuvegā ca skandhayor ubhayor api
pāvanī tu pa hṛllagnā ṣodaraṃ lambikā sthitā //
Bhīṣaṇā und Vāyuvegā liegen an beiden Schultern. Pāvanī, Pa, haftet am Herzen; Ṣa ist der Bauch, in dem Lambikā steht.
17.104
saṃhārikā kṣakāro 'yaṃ nābhir devyā[ś] ca bhairavi
chagalī pūtanā caiva stanau chalau paristhitau //
Saṃhārikā, Kṣa, ist der Nabel der Göttin, Bhairavī. Chagalī und Pūtanā liegen als Cha und La an den Brüsten. [Die Quelle ergänzt „devyā[ś]“.]
17.105
āmoṭī tadgataṃ kṣīram āvarṇaḥ parikīrtitaḥ
paramātmā sakāro 'yaṃ ha prāṇe śaktir ambikā //
Āmoṭī ist die darin befindliche Milch, als Ā bezeichnet. Das höchste Selbst ist Sa; Ha liegt im Lebenshauch, als Kraft Ambikā.
17.106
icchāśaktir visargākhyā vyāpyabhāvena saṃsthitā
ma nitambaṃ mahākālī śa guhyaṃ kusumāyudhā //
Die Willenskraft heißt Visarga und besteht als das Durchdrungene. Ma ist die Hüfte, Mahākālī; Śa das Geschlechtsorgan, Kusumāyudhā.
17.107
śukrā devī tv anusvāraṃ śukraṃ devyās tu bhairavi
tārā takāram ūrusthā e ai jñānīkriyāv ubhau //
Göttin Śukrā ist Anusvāra, der Samen der Göttin, Bhairavī. Tārā, Ta, liegt am Oberschenkel; E und Ai sind Erkenntnis und Handlung.
17.108
jānunī saṃsthitau devi bhairavyāś ca mahātmanaḥ
gāyatrī caiva sāvitrī o au jaṅghau prakīrtitau //
Diese beiden liegen an den Knien der großen Bhairavī, Göttin. Gāyatrī und Sāvitrī, O und Au, heißen die Unterschenkel.
17.109
dahanī dakṣapādasthā vāme phetkārikā matā
nādiphāntā varārohe dehaṃ śaktimayaṃ śubham //
Dahanī steht am rechten Fuß, Phetkārikā links. Von Na bis Pha [reicht] der heilvolle, kraftvolle Leib, Schönhüftige.
17.110
siddhapañcāśakopetaṃ mālinyārdhaśatānvitam
evaṃ śataṃ samākhyātaṃ yojyamānaṃ tanau bhṛtam //
Mit fünfzig Siddhas und fünfzig Mālinī-[Gestalten] verbunden, wird diese Hundertheit eingesetzt und im Leib getragen.
17.111
padadvayaṃ samākhyātaṃ tatra haṃso vyavasthitaḥ
yāvac carati tau dvau tu tāvad ātmā samāpyate //
Die zwei Stätten sind erklärt; darin steht Haṃsa. Solange jene beiden sich bewegen, wird das Selbst [darin] umfasst.
17.112
padamānam aśeṣaṃ tu atra sarvaṃ samāpyate
ājñāto bhuñjate kālaṃ padaṃ jñātvājarāmaram //
Hier vollendet sich das ganze Maß der Stätten. Durch Ermächtigung verzehrt man die Zeit und erkennt die alterslose, unsterbliche Stätte.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate padadvayahaṃsanirṇayo nāma saptadaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das siebzehnte Kapitel mit dem Titel „Bestimmung von Haṃsa in den zwei Stätten“.
Kapitel 18
Übersetzungsstatus: Alle Quellblöcke dieses Kapitels sind bearbeitet. Einzelne Formeln sind nicht vollständig sprachlich aufgelöst; die betreffenden deutschen Hinweise und Teilübersetzungen werden in der Übersicht nicht als vollständig übersetzte Blöcke gezählt.
18.1
padagranthisamālabdhas tattvagranthisamāśritaḥ
kubjigranthipadāntastho haṃsabhedapadaṃ vrajet //
Wer den Stättenknoten erlangt, im Wirklichkeitsknoten und in Kubjīs Knotenstätte ruht, gelangt zur Durchdringung von Haṃsa.
18.2
haṃsabhede parā śaktiḥ sahajā śivatattvagā
sā vidyā prathamā jñeyā dvitīyā tu parāparā //
In dieser Durchdringung ist die höchste, angeborene Śakti im Śiva-Prinzip. Sie gilt als erste Vidyā; die zweite ist höher-und-niedriger.
18.3
catvāriṃśatpadā jñeyā vidyātattve niveśitā
haṃsagranthisamārūḍhāṃ prakaṭārthaṃ vadāmi te //
Sie besitzt vierzig Stätten und ist im Vidyā-Prinzip eingesetzt. Auf dem Haṃsa-Knoten ruhend, erkläre ich sie mit offenem Sinn.
18.4
someśvaraṃ samuddhṛtya patitaṃ suranāyike
śikhīśaṃ kevalaṃ paścāl lākulaṃ tadanantaram //
Man ziehe Someśvara heraus und lasse ihn fallen, Götterführerin; danach Śikhīśa allein, unmittelbar darauf Lākula.
18.5
arghīśāsanasaṃsthaṃ hi bindunā mastake hatam
lākulaṃ punar uddhṛtya bhujaṅgāsanasaṃsthitam //
Dieser steht auf Arghīśas Sitz, am Haupt mit Bindu versehen. Dann ziehe man wiederum Lākula heraus, auf Bhujaṅgas Sitz.
18.6
trimūrtinā ca cākrāntaṃ śūnyamastakabhūṣitam
śikhīśaṃ vahnisaṃyuktaṃ jhaṇṭīśena samanvitam //
Von Trimūrti überdeckt und am Haupt mit Leere geschmückt; [dann] Śikhīśa, mit Feuer und Jhaṇṭīśa verbunden.
18.7
krūrānandena sambhinnaṃ lākulī tadanantaram
bhujaṅgena tu sandīptam arghīśāsanasaṃsthitam //
Mit Krūrānanda durchsetzt, folgt darauf Lākulī, von Bhujaṅga entflammt und auf Arghīśas Sitz.
18.8
tad evaṃ lākulīśaṃ tu bhujaṅgādhāram īśvaram
trimūrtinā tu cākrāntaṃ aṃ krūraṃ śirasi sthitam //
So [nehme man] Lākulīśa mit Bhujaṅga als Grundlage, von Trimūrti überdeckt, mit Aṃ, Krūra, auf dem Haupt.
18.9
bhujaṅgaṃ tu caturdhā vai kartavyaṃ tu kuleśvari
kevalaṃ dvitayaṃ devi amarīśadvitayānvitam //
Bhujaṅga ist vierfach zu bilden, Kuleśvarī: zweimal allein und zweimal mit Amarīśa verbunden.
18.10
lākulaṃ tu tato deyaṃ jhaṇṭīśena tu bheditam
mahāsenāhataṃ devi lākulīśaṃ samuddharet //
Dann gebe man Lākula hinzu, durch Jhaṇṭīśa gespalten; von Mahāsena getroffen, ziehe man Lākulīśa heraus, Göttin.
18.11
khaḍgīśaṃ kevalaṃ gṛhya lohitaṃ tadanantaram
sūkṣmānandena sambhinnaṃ mahākālaṃ tu kevalam //
Man nehme Khaḍgīśa allein, darauf Lohita mit Sūkṣmānanda durchsetzt, dann Mahākāla allein.
18.12
khaḍgīśaṃ kevalaṃ paścād umākāntaṃ tataḥ punaḥ
jhaṇṭānandena sambhinnaṃ śvetānandaṃ kulādhipe //
Danach Khaḍgīśa allein, wiederum Umākānta, mit Jhaṇṭānanda durchsetzt, und Śvetānanda, Kula-Herrin.
18.13
kevalaṃ tu smṛtaṃ bhadre dviraṇḍaṃ tadanantaram
trimūrtinā tu cākrāntaṃ mahākālaṃ tataḥ punaḥ //
Dieser gilt als alleinstehend, Heilvolle. Danach Dviraṇḍa, von Trimūrti überdeckt, darauf wiederum Mahākāla.
18.14
dviraṇḍaṃ tu punar devi trimūrtyālaṅkṛtaṃ kuru
sūkṣmānandena sambhinnaṃ caṇḍānandaṃ yaśasvini //
Bilde erneut Dviraṇḍa, mit Trimūrti geschmückt, Göttin; [dann] Caṇḍānanda, mit Sūkṣmānanda durchsetzt, Ruhmreiche.
18.15
mahākālaṃ punaḥ paścād amarīśāsanasthitam
bhujaṅgaṃ kevalaṃ devi śiveśaṃ sadyasaṃyutam //
Darauf Mahākāla auf Amarīśas Sitz, Bhujaṅga allein, Göttin, und Śiveśa mit Sadya verbunden.
18.16
lākulī bhṛgusaṃyuktaṃ nugrahīśānvitaṃ priye
krūradevaṃ śirasthaṃ hi lohitaṃ jhaṇṭināhatam //
Lākulī mit Bhṛgu und Anugrahīśa verbunden, Geliebte, mit Krūradeva auf dem Haupt; [dann] Lohita, von Jhaṇṭin getroffen.
18.17
raktaṃ caivārghinā yuktaṃ bhujaṅgaṃ kevalaṃ punaḥ
śivānandaṃ tu deveśi sadyojātena bheditam //
Rakta mit Arghin, wiederum Bhujaṅga allein; Śivānanda mit Sadyojāta gespalten, Götterherrin.
18.18
lākulam arghinā yuktaṃ śūnyamastakabhūṣitam
bhujaṅgaṃ jhaṇṭidevena bheditaṃ kuru pārvati //
Lākula mit Arghin, am Haupt mit Leere geschmückt; bilde Bhujaṅga, durch Jhaṇṭideva gespalten, Pārvatī.
18.19
śivottamaṃ tataḥ paścāt sadyojātena bhūṣitam
kevalaṃ tu mahākālaṃ bhujaṅgaṃ kevalaṃ punaḥ //
Danach Śivottama mit Sadyojāta geschmückt, Mahākāla allein und wiederum Bhujaṅga allein.
18.20
lohitaṃ tu punaḥ paścān mahāsenaṃ tataḥ punaḥ
āsanasthaṃ bhṛgor devi lākulīśaṃ samuddharet //
Darauf Lohita, dann Mahāsena; ziehe Lākulīśa auf Bhṛgus Sitz heraus, Göttin.
18.21
lākulīśaṃ punar bhadre bhujaṅgāsanasaṃsthitam
trimūrtinā tu cākrāntaṃ krūrānandasamanvitam //
Wiederum Lākulīśa auf Bhujaṅgas Sitz, von Trimūrti überdeckt und mit Krūrānanda verbunden, Heilvolle.
18.22
jhaṇṭinā bheditaṃ devi bhujaṅgaṃ kārayet tataḥ
śivānandaṃ tatoddhṛtya sadyānandānvitaṃ kuru //
Danach bilde Bhujaṅga, durch Jhaṇṭin gespalten. Ziehe Śivānanda heraus und verbinde ihn mit Sadyānanda.
18.23
śrīkaṇṭhaṃ kevalaṃ paścād bhauktikaṃ bindunā yutam
eṣā parāparā devī uddhṛtā tu vilomataḥ //
Darauf Śrīkaṇṭha allein und Bhauktika mit Bindu. Damit ist die höher-und-niedrigere Göttin rückläufig herausgezogen. [18.4–23 übersetzen Lautbeziehungen; keine gesicherte Entschlüsselung wird behauptet.]
18.24
catvāriṃśaddvayo varṇā ardhavarṇānvitā priye
eṣā vidyā tathā proktā vidyātattve niveśayet //
Sie besitzt zweiundvierzig Laute und einen halben Laut, Geliebte. Diese Vidyā setze man im Vidyā-Prinzip ein. [Die Angabe unterscheidet sich von den vierzig Stätten in 18.3.]
18.25
devyā caivātmatattvasthā kriyāśaktyāparā punaḥ
ardhasaptākṣarā devī vilomena tataḥ śṛṇu //
Die weitere niedere Göttin steht als Handlungskraft im Selbst-Prinzip. Höre rückläufig die Göttin von sechseinhalb Silben.
18.26
patitam īśa somaṃ hi śikhīśaṃ kevalaṃ tataḥ
lākulam arghinā yuktaṃ śikhīśaṃ bhujagānvitam //
Den gefallenen Herrn Soma, dann Śikhīśa allein; Lākula mit Arghin, Śikhīśa mit Bhujaṅga,
18.27
jhaṇṭīśena samāyuktaṃ lākulaṃ raktasaṃsthitam
dvidhā bhūtaṃ tu kartavyaṃ bhedaṃ cātra vadāmi te //
und Jhaṇṭīśa verbunden; Lākula steht auf Rakta und ist zweifach zu bilden. Seine Unterscheidung erkläre ich:
18.28
arghinā pūrva sambhinnam aparaṃ tu trimūrtinā
bhauktikaṃ kevalaṃ devi uddhṛtaṃ paramākṣaram //
Der erste ist mit Arghin durchsetzt, der andere mit Trimūrti. Bhauktika allein, Göttin: So ist der höchste Laut herausgezogen.
18.29
bindunādānvitāḥ pañca kartavyās tu yaśasvini
apareyam imā vidyā sarvasvaṃ yoginīkule //
Fünf sind mit Bindu und Nāda zu versehen, Ruhmreiche. Diese niedere Vidyā ist der ganze Schatz der Yoginī-Familie.
18.30
parāṃ devīṃ tato vakṣye śivatattvānusāriṇīm
lākulaṃ bhṛgusaṃsthaṃ hi bhujaṅgena samanvitam //
Dann erkläre ich die höchste Göttin, dem Śiva-Prinzip folgend: Lākula auf Bhṛgu, mit Bhujaṅga verbunden,
18.31
arghīśāsanam ārūḍhaṃ 'nugrahīśena bheditam
bindunādakalākrāntam uddhṛtaṃ paramaṃ priye //
auf Arghīśas Sitz, durch Anugrahīśa gespalten und von Bindu, Nāda und Kalā überdeckt. So ist das Höchste herausgezogen, Geliebte.
18.32
praṇavoccārasaṃyuktā vidyā tattvatrayātmikā
śabdamālinimūrtisthā vidyādehaguṇojjvalā //
Mit dem Aussprechen des Praṇava verbunden, besteht die Vidyā aus den drei Prinzipien, ruht in Laut- und Mālinī-Gestalt und strahlt durch den Vidyā-Leib.
18.33
puryāṣṭakam aghoristhaṃ yathāvasthāṃ vadāmi te //
Ich erkläre dir den achtfachen subtilen Leib in Aghorī, wie er beschaffen ist.
18.34,1
hrīṃ ru aghore hrīṃ shauṃ aghoryāyai prathamaṃ śiraḥ ||
Hrīṃ ru, o Aghorā! Hrīṃ shauṃ, der Aghorī: zuerst am Haupt.
18.34,2
hrīṃ ru paramaghore hūṃ shauṃ paramaghorāyai mukham ||
Hrīṃ ru, o höchste Schreckliche! Hūṃ shauṃ, der Paramaghorā: am Gesicht.
18.34,3
hrīṃ ru shauṃ ghorarūpe shauṃ ghorarūpāyai hṛdi ||
Hrīṃ ru shauṃ, o Schrecklichgestaltige! Shauṃ, der Ghorarūpā: am Herzen.
18.34,4
hrīṃ ru shauṃ ghoramukhi shauṃ ghoramukhyai guhye ||
Hrīṃ ru shauṃ, o Schrecklichgesichtige! Shauṃ, der Ghoramukhī: am Geschlechtsorgan.
18.34,5
hrīṃ phaṭ bhīmanāme shauṃ bhīmāyai dakṣiṇabhuje ||
Hrīṃ phaṭ, o Furchtbarbenannte! Shauṃ, der Bhīmā: am rechten Arm.
18.34,6
hrīṃ hūṃ bhīṣaṇe shauṃ bhīṣaṇāyai vāmato bhuje ||
Hrīṃ hūṃ, o Furchterregende! Shauṃ, der Bhīṣaṇā: am linken Arm.
18.34,7
shauṃ hrīṃ haḥ vama shauṃ vamanyai dakṣiṇoru ||
Shauṃ hrīṃ haḥ, speie aus! Shauṃ, der Vamanī: am rechten Oberschenkel.
18.34,8
hrīṃ hūṃ phaṭ piba he shauṃ pibanyai vāmatoru ||
Hrīṃ hūṃ phaṭ, trinke, he! Shauṃ, der Pibanī: am linken Oberschenkel. [Die Quellschreibung „sh“ der Keimsilben ist unverändert.]
18.35
etat puryāṣṭakaṃ devyā aghoryāṣṭakasaṃyutam
nyased aṣṭavidhāṅgaṃ tu aṣṭapattreṣu sādhakaḥ //
Dies ist der achtfache subtile Leib der Göttin, mit acht Aghorīs verbunden. Der Sādhaka setze die acht Glieder auf den acht Blättern ein.
18.36
atordhvaṃ dvādaśāṅgaṃ tu dehaniṣpattikāraṇam
pādādau śiraso yāvan nyased aṅge yathoditam //
Darüber [folgen] zwölf Glieder, Ursache der Körpervollendung. Von den Füßen bis zum Haupt setze man sie vorschriftsgemäß ein.
18.37A
siddhāīti sahaṃ padbhyāṃ ṛddhāī jānunī sahāṃ
vidyutāyai sahim ūrubhyāṃ sahīṃ lakṣmīti guhyagā //
Der Siddhā: sahaṃ an beiden Füßen; Ṛddhā: sahāṃ an den Knien; der Vidyutā: sahim an den Oberschenkeln; sahīṃ, Lakṣmī am Geschlechtsorgan. [Unregelmäßige Namensendungen der Vorlage sind nicht grammatisch vereinheitlicht.]
18.37B
dīptāikā sahuṃ nābhau sahūṃ nālāikā hṛdi
saheṃ śivāikā kaṇṭhe sahaiṃ vasumukhī mukhe //
Dīptā: sahuṃ am Nabel; sahūṃ, Nālā im Herzen; saheṃ, Śivā am Hals; sahaiṃ, Vasumukhī am Mund.
18.37C
sahoṃ nāsā vamanyāyai karṇe nandinikā sahauṃ
harikeśā sahaṃ tryakṣī mahāmukhyai sahaḥ śire //
Sahoṃ, der Vamanī an der Nase; Nandinikā: sahauṃ am Ohr; Harikeśā: sahaṃ an den drei Augen; der Mahāmukhī: sahaḥ am Haupt.
18.38
anena dṛḍhito hy ātmā jīvabhūtaḥ sthirīkṛtaḥ
ṣaḍaṅganyāsayogena vyaktatvaṃ bhajate tu saḥ //
Dadurch wird das Selbst gestärkt und als Lebendiges gefestigt. Durch den sechsfachen Nyāsa nimmt es offenbare Gestalt an.
18.39,1
shāṃ sarvajña hṛdayāya namaḥ ||
Shāṃ, Allwissender: Verehrung dem Herzen!
18.39,2
amṛte tejomālini tṛpti śirase shīṃ svāhā ||
Unsterbliche, Lichtbekränzte, Erfüllung: dem Haupt, shīṃ svāhā!
18.39,3
vedavedini hūṃ phaṭ shūṃ anādibodhāya śikhāyai vauṣaṭ ||
Kennerin der Veden, hūṃ phaṭ shūṃ: dem anfangslosen Erwachen, der Scheitelflamme, vauṣaṭ!
18.39,4
shaiṃ vajriṇe vajradharāya svatantra kavacāya hūṃ ||
Shaiṃ, dem Diamantenen, dem Donnerkeilträger, Unabhängiger: dem Schutzpanzer, hūṃ!
18.39,5
shauṃ nit yam aluptaśakti shauṃ vauṃ dhauṃ sahaje trinetrarūpiṇe namas tubhyam anantaśakti ||
Shauṃ, stets unverminderte Kraft! Shauṃ vauṃ dhauṃ, Angeborene, dem Dreiäugigen: Verehrung dir, unendliche Kraft! [Die Kasus wechseln in der Formel.]
18.39,6
shaḥ ślīṃ paśu hūṃ phaṭ pāśupatāstrāya sahasrākṣāya hūṃ phaṭ ||
Shaḥ ślīṃ, gebundenes Wesen, hūṃ phaṭ: der Pāśupata-Waffe, dem Tausendäugigen, hūṃ phaṭ!
18.40
ṣaḍaṅganyāsayogena parādehaṃ parādhvaram
evam niṣpannadehasya slokadvādaśamekhalā //
Durch den sechsfachen Nyāsa [entsteht] der höchste Leib, der höchste Weg. Für den so vollendeten Leib bilden zwölf Verse den Gürtel.
18.41
tadgraheṇa tu yogena brahmasūtraṃ vilambayet
śiraḥprabhṛti pādāntaṃ pañcaratnavibhūṣitam //
Durch Tadgraha lasse man die heilige Schnur herabhängen. Von Kopf bis Fuß ist [der Leib] mit fünf Juwelen geschmückt.
18.42
yatra yat padavinyāsaṃ $ tat kubjīśe-m-ataḥ śṛṇu //
Höre nun, Kubjīśā, wo welche Wörter einzusetzen sind. [Das Zeichen „$“ steht in der elektronischen Quelle.]
18.43,1
aiṃ haḥ a paramānande haḥ ā siddhidānandane haḥ i parāpare hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ī śrīkulāmbike ||
Aiṃ haḥ a, höchste Seligkeit! Haḥ ā, vollendungsschenkende Freude! Haḥ i, Höhere-und-Niedere! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ī, erhabene Kula-Mutter!
18.43,2
aiṃ haḥ u kālarudrasthe haḥ ū ṛddhibalānvite haḥ ṛ śirohāre hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ṝ śrīkulāmbike ||
Aiṃ haḥ u, in Kālarudra Weilende! Haḥ ū, mit Erfolgskraft Versehene! Haḥ ṛ, Hauptnehmerin! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ṝ, erhabene Kula-Mutter!
18.43,3
aiṃ haḥ ḷ narakāntasthe haḥ ḹ guhyamahāmbike haḥ e sṛṣṭigate hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ai śrīkulāmbike ||
Aiṃ haḥ ḷ, in der Hölle Weilende! Haḥ ḹ, geheime große Mutter! Haḥ e, in die Schöpfung Eingegangene! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ai, erhabene Kula-Mutter!
18.43,4
aiṃ haḥ o kuṇḍalaguhyānte haḥ au kuṇḍalalakṣmike haḥ aṃ kuṇḍalinī hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ aḥ kulamālinī ||
Aiṃ haḥ o, im Geheimnis der Windung Weilende! Haḥ au, Glück der Windung! Haḥ aṃ, Kuṇḍalinī! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ aḥ, Kula-Mālinī!
18.43,5
aiṃ haḥ ka kamaladīpte haḥ kha kuṇḍalanābhige haḥ ga kālahare hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ gha svatejaśive ||
Aiṃ haḥ ka, im Lotus Leuchtende! Haḥ kha, zum gewundenen Nabel Gehende! Haḥ ga, Zeitnehmerin! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ gha, durch eigenen Glanz Heilvolle!
18.43,6
aiṃ haḥ ṅa kamalamāle haḥ ca kramasauhṛdi haḥ cha pāpahane hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ja kāmarūpiṇī ||
Aiṃ haḥ ṅa, Lotusbekränzte! Haḥ ca, im Herzen der Folge! Haḥ cha, Vernichterin der Verfehlung! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ja, Kāmarūpiṇī!
18.43,7
aiṃ haḥ jha kaṇṭhakūpasthe haḥ ña śaivāmṛtātmike haḥ ṭa candrātmike hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ṭha sukhadeśvarī ||
Aiṃ haḥ jha, in der Halsgrube Weilende! Haḥ ña, Wesen von Śivas Unsterblichkeitstrank! Haḥ ṭa, Mondwesen! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ṭha, freudeschenkende Herrin!
18.43,8
aiṃ haḥ ḍa kuharāntasthe haḥ ḍha saumukhyatāmane haḥ ṇa svānandane hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ta kālanāśanī ||
Aiṃ haḥ ḍa, in der Höhlung Weilende! Haḥ ḍha, [saumukhyatāmane: unklare Anrufung]! Haḥ ṇa, in eigener Freude! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ ta, Zeitvernichterin!
18.43,9
aiṃ haḥ tha kālavamani haḥ da cogrānunāsike haḥ dha karoti sā hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ na kālarodanī ||
Aiṃ haḥ tha, die Zeit Ausspeiende! Haḥ da, heftige Nasale! Haḥ dha, „sie bewirkt“! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ na, die Zeit Beweinende! [„karoti sā“ und einzelne Anrufungen sind grammatisch auffällig.]
18.43,10
aiṃ haḥ pa śrāvaṇāntasthe haḥ pha siddhim āśrite haḥ ba karoti sā hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ bha pārameśvarī ||
Aiṃ haḥ pa, im Gehör Weilende! Haḥ pha, auf Vollendung Gestützte! Haḥ ba, „sie bewirkt“! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ bha, höchste Herrin!
18.43,11
aiṃ haḥ ma kālakalātīte haḥ ya śrībindunetrage haḥ ra śrīhārike hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ la sṛṣṭibinduge ||
Aiṃ haḥ ma, jenseits von Zeit und Kalā! Haḥ ya, im erhabenen Bindu-Auge Weilende! Haḥ ra, erhabene Nehmende! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ la, zum Schöpfungsbindu Gehende!
18.43,12
aiṃ haḥ va prakaṭagupte haḥ śa mahāmukhe pare haḥ ṣa svākāśage hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ sa śrīkujāmbike ||
Aiṃ haḥ va, offenbar und verborgen! Haḥ śa, höchste Großgesichtige! Haḥ ṣa, im eigenen Raum Weilende! Hrūṃ phreṃ phaṭ kṣaḥ sa, erhabene Kujā-Mutter!
18.44
ajacakreśvarī rekhā dvitīyā kādibhāntagā
mādisāntā tṛtīyā tu tribhi rekhaiḥ svareśvarī //
Die erste Linie ist die Herrin des ungeborenen Rades; die zweite reicht von Ka bis Bha, die dritte von Ma bis Sa. Mit drei Linien [besteht] die Herrin der Vokale.
18.45
ambikā śūladaṇḍasthā guhyaśaktyā vibhūṣitā
bindunādasamāyuktā uddhṛtaṃ paramākṣaram //
Ambikā steht auf dem Dreizackstab, mit geheimer Kraft, Bindu und Nāda geschmückt. So ist der höchste Laut herausgezogen.
18.46
śrīkaṇṭha ambikā caiva dvidhārūpā tu kārayet
punar ambā ca phetkārī dīpanyāsanasaṃsthitā //
Śrīkaṇṭha und Ambikā bilde man zweifach. Dann wiederum Ambā und Phetkārī, auf Dīpanīs Sitz.
18.47
prajñābhūṣitam ekaṃ hi jñānadevyā dvitīyakam
bindunādayute dve tu saṃhāryā icchayānvitā //
Das eine schmücke man mit Prajñā, das zweite mit Jñānadevī. Beide besitzen Bindu und Nāda; Saṃhāryā ist mit Wille verbunden.
18.48
śrīkaṇṭhādibhṛgo'ntā vai saṃsthitā kulapaddhatiḥ
anena vidhinā devi bhinnā tu kulapaddhatiḥ //
Von Śrīkaṇṭha bis Bhṛgu besteht der Kula-Weg. Durch dieses Verfahren wird er durchdrungen, Göttin.
18.49
parāmṛtapadaṃ hy etat ślokānāṃ daśakaṃ dvikam
etasmin paṭhite devi kṣubhyante mātaraḥ sadā //
Dies ist die Stätte des höchsten Unsterblichkeitstranks, die zwölf Verse. Werden sie rezitiert, geraten die Mütter stets in Erregung.
18.50
sadyāveśaḥ prajāyeta kavitvaṃ tasya jāyate
ājñāvedhādikā siddhiḥ paṭhite ' smin prajāyate //
Unmittelbares Ergriffensein und dichterische Fähigkeit entstehen. Durch die Rezitation entstehen Vollendungen wie Ermächtigung und Durchdringung.
18.51
tvayā na kathyam abhakteṣv ity ājñā pārameśvarī
ślokadvādaśakaṃ hy etad vaṭamālāvibhūṣitam //
Du darfst dies Hingabelosen nicht mitteilen: So lautet die höchste Weisung. Diese zwölf Verse sind mit der Feigenbaumkette geschmückt.
18.52
vaḍavānala mantavyaṃ pādādau mastakāvadhim
mekhaleyaṃ nyased devi vilomenopadeśataḥ //
Man stelle sie sich von den Füßen bis zum Haupt als untermeerisches Feuer vor. Diesen Gürtel setze man rückläufig gemäß Unterweisung ein.
18.53
uccāraṃ tasya cāveśaṃ sthāne sthāne pravartate
gopanīyaṃ prayatnena na deyaṃ yasya kasyacit //
Durch sein Aussprechen entsteht Ergriffensein an jeder Stätte. Man hüte es sorgfältig und gebe es nicht beliebig weiter.
18.54
jīvasya rakṣaṇaṃ hy etad anyathā hānikṛd bhavet
tadgraho'nyaṃ nyased devi brahmasūtravibhūṣaṇam //
Dies schützt das Leben; andernfalls kann es schaden. Man setze den weiteren Tadgraha als Schmuck der heiligen Schnur ein, Göttin.
18.55
dedīpyantaṃ pracaṇḍograṃ yathāvasthaṃ tathā śṛṇu //
Höre, wie er beschaffen ist: hell leuchtend, gewaltig und furchtbar.
18.55 (zweites Vorkommen)
ana aiṃ | ā tha hrīṃ | i ṛ a | ī ṛ gho | u ḷ re | ū ḹ hrīṃ |
ṛ ca hsaḥ | ṛ dha pa | ḷ ṇa ra | ḹ u ma |
e ū gho | ai ī re | o ba hūṃ | au ka gho | aṃ kha ra | aḥ ga rū |
ka gha pe | kha ṅa hsauṃ | ga i gho | gha a ra | ṅa va mu |
ca bha khi | cha ya bhī | ja ḍa ma | jha ḍha bhī | ña ṭha ṣa |
ṭa jha ṇe | ṭha ña va | ḍa aḥ ma | ḍha ṭa va | ṇa ra ma |
ta ja pi | tha pa va | da sa pi | dha ha va | na cha ha |
pa la he | pha ā ru | ba ṣa ru | bha kṣa ru | ma ma ru |
ya śa ra | ra aṃ ra | la ta ra | va e ra |
śa ai hrīṃ | ṣa o hūṃ | sa au phreṃ |
ha da hsauṃ | kṣa pha aiṃ ||
[Teilauflösung der dritten Lautreihe, in der gegebenen Zeilenfolge gelesen:] Aiṃ hrīṃ, Unschreckliche! Hrīṃ hsaḥ, überaus Schreckliche! Hūṃ, du von schrecklicher Gestalt! Hsauṃ, du mit schrecklichem Antlitz, Furchtbare, Schreckenerregende! Speie aus, speie aus! Trinke, trinke! [Es folgen ha, he, wiederholte ru- und ra-Laute sowie hrīṃ hūṃ phreṃ hsauṃ aiṃ.] Die Tabelle verbindet fünfzig Gruppen aus Lauten und Formelbestandteilen. Die sprachlichen Anrufungen sind erkennbar; die vollständige Funktion der beiden anderen Reihen und auffällige Einträge bleiben ungeklärt. Die doppelte Kennung 18.55 wird erhalten.
18.57
rudraśaktitrayaṃ hy etad ānandapadasaṃsthitam
anyonyavalayākāraṃ pañcāśatpadabhūṣitam //
Dies ist die Dreiheit von Rudra und Kraft, in der Seligkeitsstätte, ineinander verschlungen und mit fünfzig Stätten geschmückt.
18.58
vāmaraudrāntadakṣasthaṃ dakṣaraudrāntavāmagam
raudrāraudrasamāyuktaṃ triraudraṃ tadgraho 'py ay am //
Links am Ende des rechten Rudra, rechts am Ende des linken Rudra, mit wildem und nichtwildem verbunden: Dieser Tadgraha ist dreifach rudrisch. [Die Richtungsverkettung ist unsicher.]
18.59
vāgeśvarī tathā māyā mohanī ca tṛtīyakā
jñānadevī ca gāyatrī ratnāḥ pañca ime smṛtāḥ //
Vāgeśvarī, Māyā, als dritte Mohanī, Jñānadevī und Gāyatrī gelten als diese fünf Juwelen.
18.60
nyāsamātreṇa cāveśam uccārād bhavate sphuṭam
piṇḍasya bandhanaṃ hy etad duṣṭasiṃhavināśanam //
Schon durch Nyāsa entsteht Ergriffensein, durch Aussprechen deutlich. Dies befestigt den Leib und vernichtet böse Löwen.
18.61
tadgrahābaddhamūlaṃ tu pañcaratnopaśobhitam
ratnāṅgī ratnadehā tu ratnānāṃ nirṇayaṃ śṛṇu //
Die Wurzel ist durch Tadgraha gebunden und mit fünf Juwelen geschmückt. Die Juwelengliedrige besitzt einen Juwelenleib: Höre deren Bestimmung.
18.62
ratnāny amṛtam ity uktaṃ pañcadhā tv amṛtaṃ priye
piṇḍabandhaṃ vinā tena jīvitaṃ tu na vidyate //
Juwelen heißen Unsterblichkeitstrank; dieser ist fünffach, Geliebte. Ohne ihn gibt es weder Körperbindung noch Leben.
18.63
gaganāmṛtaratnaṃ tu svargaratnāmṛtaṃ tathā
pātālamartyaratnaṃ ca nārakaṃ ratnapañcakam //
Raum-Unsterblichkeitsjuwel, Himmelsjuwel, Unterweltjuwel, Menschenjuwel und Höllenjuwel bilden die Fünfheit.
18.64
devīdehāt samudbhūtaṃ devīdehād vinirgatam
jñānavīryaḥ savīryas tu ajñāte vīryahānikṛt //
Aus dem Leib der Göttin entstanden und hervorgegangen, [besitzen sie] Erkenntniskraft und Wirkkraft; unerkannt bewirken sie Kraftverlust.
18.65
tṛtīyaṃ daśanaṃ devyā ātmahṛtsthaṃ nitambagam
śikhāntasahitaṃ hy etat stanavāmoparisthitam //
Der dritte Zahn der Göttin, das im eigenen Herzen und an der Hüfte Befindliche, mit der Scheitelspitze verbunden, steht oberhalb der linken Brust.
18.66
karṇabhūṣaṇavāmasthaṃ bījenāhatamastakam
pañcaratnādiyogasya padoddhāraḥ prakīrtitaḥ //
Im linken Ohrschmuck, am Haupt vom Keim getroffen: Dies heißt Herausziehen der Wörter für die Verbindung der fünf Juwelen. [18.65–66 sind nicht abschließend entschlüsselte Lautanweisungen.]
18.67
prāṇaṃ vahnisamārūḍhaṃ guhyaśaktyā vibhūṣitam
bindumastaka cākrāntaṃ pañcaratnavibhedakam //
Prāṇa ruht auf Feuer, ist mit geheimer Kraft geschmückt und am Haupt von Bindu überdeckt: Dies unterscheidet die fünf Juwelen.
18.68
ekaikaṃ rakṣitaṃ ratnaṃ yoginībhir yathā yathā
tat tathā śṛṇu kalyāṇi vyāptibhedo yathā sthitaḥ //
Höre, Heilvolle, wie jedes Juwel von Yoginīs geschützt wird und wie ihre Durchdringung gegliedert ist.
18.69
catuḥṣaṣṭigaṇaṃ vyomni dvātriṃsat svargacāriṇaḥ
pātālaṃ ṣoḍaśair vyāptaṃ martyaṃ caivāṣṭakānvitam //
Vierundsechzig bilden die Schar im Raum, zweiunddreißig wandeln im Himmel, sechzehn durchdringen die Unterwelt, acht die Menschenwelt.
18.70
nirayasthās tu catvāri ratnānām adhidevatāḥ
taddīptibhāsakā jñātā ajñātā dīptihārikāḥ //
Vier stehen in der Hölle als herrschende Gottheiten der Juwelen. Erkannt lassen sie deren Glanz leuchten; unerkannt rauben sie ihn.
18.71
ratnaprabhāvam atulaṃ dedīpyārcisamujjvalam
tatprabhāvād varārohe yoginyo balavattarāḥ //
Die Macht der Juwelen ist unvergleichlich und strahlt mit lodernden Flammen. Durch sie sind die Yoginīs besonders stark, Schönhüftige.
18.72
ato'rthaṃ gopayanty etās tadvīryaguṇavattarāḥ
rakṣanti svāminoddiṣṭā anādiṣṭaṃ haranti tāḥ //
Darum hüten sie diese, reich an deren Kraft. Vom Herrn beauftragt schützen sie; ohne Auftrag rauben sie.
18.73
amīṣāṃ darśanāt sparśāt padārthapadayogataḥ
divyadehatvam āpnoti uccārāt kṣobhakṛd bhavet //
Durch Sehen, Berühren und Verbindung mit ihren Wortstätten erlangt man göttlichen Leib; durch Aussprechen bewirkt man Erregung.
18.74
ṣoḍaśāvayavaṃ piṇḍaṃ ṣoḍhānyāsasuyantritam
ślokamālānvitaṃ divyaṃ tadgrahāvalibhūṣitam //
Der sechzehngliedrige Körper wird durch sechsfachen Nyāsa befestigt, göttlich, mit Verskette und Tadgraha-Reihe geschmückt,
18.75
pañcaratnakṛtāṭopaṃ parāsyam akulānvitam
evaṃ kṛtvā śarīrasthaṃ nyāsamaṇḍalabhṛttanum //
machtvoll durch fünf Juwelen und mit dem höchsten Mund und Akula verbunden. So mache man ihn im Körper zum Träger des Nyāsa-Maṇḍalas.
18.76
devyā dehaṃ paraṃ hy etac chāmbhavaṃ padapūrvakam
vaḍavānalayogasthaṃ padadehaṃ padodbhavam //
Dies ist der höchste Śiva-Leib der Göttin, mit den Stätten beginnend, im Yoga des untermeerischen Feuers, aus Stätten bestehend und geboren.
18.77
padadehopadeśena yogīnyāsaparāyaṇaḥ
kṛtvā nyāsam aśeṣaṃ tu yas tiṣṭhati subhāvitaḥ //
Wer nach der Unterweisung in den Stättenleib ganz dem Yoginī-Nyāsa hingegeben ist, ihn vollständig ausführt und gut vergegenwärtigt verweilt,
18.78
tasya duṣṭāny anekāni vighnāni prabhavanti na
śākinībhūtavetālāḥ piśācoragarākṣasāḥ //
bei dem entstehen keine vielfältigen bösen Hindernisse: Śākinīs, Geister, Vetālas, Piśācas, Schlangen und Rākṣasas,
18.79
siṃhavyāghragajā ṛkṣā duṣṭacittāny anekadhā
ye hiṃsanti yadālabdhaṃ teṣāṃ pratyaṅgirā bhavet //
Löwen, Tiger, Elefanten, Bären und vielerlei Böswillige – wer bei Gelegenheit schädigt, gegen den wendet sich der Gegenzauber.
18.80
āpado rakṣayet sarvā ātmanaś ca parasya ca
pracaṇḍayoginīghrāto nīto vā yamaśāsanam //
Man schützt sich und andere vor allen Gefahren. Selbst wer von einer gewaltigen Yoginī gewittert oder unter Yamas Herrschaft gebracht wurde,
18.81
nyastvā ṣoḍaśavāreyaṃ satyedaṃ na mriyet tu saḥ
sakṛnnyāse kṛte devi brahmahatyādipātakaiḥ //
soll durch sechzehnmaliges Einsetzen nicht sterben – dies sei wahr. Schon nach einmaligem Nyāsa wird man durch Verfehlungen wie Brahmanentötung,
18.82
samparke 'pi na lipyo 'sau sādhayed itarāṃs tu saḥ
satyaṃ satyaṃ punaḥ satyaṃ pratyakṣedaṃ parādhvaram //
selbst bei Berührung damit, nicht befleckt und kann andere vollenden. Wahrhaftig, wahrhaftig und nochmals wahrhaftig: Dies ist der unmittelbar erfahrbare höchste Weg.
18.83
kṛtanyāsaḥ patet padbhyāṃ yasyāsau mriyate dhruvam
guros tu na patet pāde yāvedaṃ dehasaṃsthitam //
Wem der mit Nyāsa Versehene zu Füßen fällt, der soll gewiss sterben. Solange dies im Leib besteht, soll er dem Lehrer nicht zu Füßen fallen.
18.84
vyādhiduḥkhaṃ bhavet tasya yady ākrośen mriyet tu saḥ
jñāte sati na kartavyaṃ yāvad gurukule vaset //
Dieser erleidet Krankheit und Schmerz; beschimpft er [den Schüler], soll er sterben. Wissentlich tue man dies nicht, solange man in der Lehrergemeinschaft lebt.
18.85
guruhānikṛte śiṣyo na nandaty avaśaṃ priye
ājñāniṣṭho guṇaśreṣṭhaḥ kramajñaughaviśāradaḥ //
Ein Schüler, der dem Lehrer schadet, gedeiht unausweichlich nicht, Geliebte. Er sei fest in der Ermächtigung, reich an Vorzügen und kundig in der Überlieferungsfolge.
18.86
svādhikārī tu nānyo vai vācājyeṣṭho 'bhivādayet
pūrvasiddheṣu liṅgeṣu susiddhapratimāsu ca //
Wer eigene Befugnis besitzt, nicht ein anderer, grüße den Älteren mündlich. Bei zuvor vollendeten Liṅgas und vollkommenen Bildnissen,
18.87
kṛtanyāsaḥ patet pādau sphuṭaty āśu na saṃśayaḥ
sadā pravartate yas tu nyāsaṃ dehasya bhāvini //
wenn der mit Nyāsa Versehene ihnen zu Füßen fällt, zerbersten sie rasch, zweifellos. Wer den Körper-Nyāsa ständig vollzieht, Werdende,
18.88
anuṣṭhānād ṛte tasya ūrdhvenotkramaṇaṃ bhavet
trikālanyāsayogena ardharātre tathā punaḥ //
bei dem erfolgt auch ohne weitere Übung der Aufstieg nach oben. Durch Nyāsa zu den drei Tageszeiten und nochmals um Mitternacht,
18.89
anena vidhinā kālaṃ kṣapayanti mahāmbike
anyaṃ ca paramaṃ devi granthibhedaṃ sudurlabham //
vernichten sie nach diesem Verfahren die Zeit, große Mutter. [Es gibt] einen weiteren höchsten, schwer zugänglichen Knotendurchbruch.
18.90
haṃsabhedaprayogena nyāsaṃ vakṣyāmi durlabham
o-jā-pū-kāma-madhyasthaṃ hṛnnābhau liṅgamadhyagam //
Diesen seltenen Nyāsa erkläre ich durch Anwendung der Haṃsa-Durchdringung: O, Jā, Pū, Kā inmitten von Herz, Nabel und Liṅga,
18.91
pīṭhaṃ vā padasaṃyuktam ādyagranthicatuṣṭayam
oghānandaṃ jayānandaṃ purānandaṃ tṛtīyakam //
das Pīṭha mit seiner Wortstätte, die ursprünglichen vier Knoten: Oghānanda, Jayānanda und als dritter Purānanda,
18.92
kamalānandasaṃyuktam ādyabhedacatuṣṭayam
ḍikkariyāṇa lampārṇaṃ mahānandapuraṃ tathā //
mit Kamalānanda bilden sie die ursprüngliche Vierheit. [Dann:] Ḍikkariyāṇa, Lampārṇa und die große Ānanda-Stadt. [Namensabgrenzung und Vierzahl sind unklar.]
18.93
karṇau mukhe tu nāsādyaṃ pīṭhaṃ vā padasaṃyutam
dvitīyaṃ padagranthīnāṃ nyāso 'yaṃ parikīrtitaḥ //
An Ohren, Mund und Nase [setze man] Pīṭha und Wortstätte ein. Dies heißt der zweite Nyāsa der Stättenknoten.
18.94
aṣṭakoṭisuvistīrṇaṃ trikoṭyardham ataḥ śṛṇu
āmardakaṃ dharāpīṭhaṃ girāṅkaṃ rūpiṇīpuram //
Über acht Koṭis ausgedehnt; höre nun die Hälfte der drei Spitzen: Āmardaka, Dharāpīṭha, Girāṅka und Rūpiṇīpura.
18.95
dvau śaṅkhāv ūrdhvamāyāntaṃ madhyakoṭigataṃ nyaset
pīṭhaṃ vā padasaṃyuktaṃ tristhaṃ granthicatuṣṭayam //
Man setze sie an den beiden Schläfen, oberhalb bis Māyā und an der mittleren Spitze ein: Pīṭha und Wortstätte, die dritte Knoten-Vierheit.
18.96
māyānirodhimadhyastham anyagranthicatuṣṭayam
jñānaśṛṅgaṃ ramāśṛṅgam ṛṣiśṛṅgaṃ tṛtīyakam //
Zwischen Māyā und Nirodhī liegt eine weitere Vierheit: Jñānaśṛṅga, Ramāśṛṅga, als drittes Ṛṣiśṛṅga,
18.97
pūrṇaśṛṅgasamāyuktaṃ pīṭhaṃ vā padasaṃyutam
siddhakramasamāyuktaṃ gurupaṅktisamanvitam //
mit Pūrṇaśṛṅga verbunden, das Pīṭha mit seiner Wortstätte, mit der Siddha-Folge und Lehrerreihe.
18.98
jñānadṛṣṭyā nyaset taṃ tu catuṣkedaṃ kulākulam
etat kulākulaṃ divyaṃ sarvasādhāraṇaṃ param //
Mit Erkenntnisblick setze man diese Kula-Akula-Vierheit ein. Dieses göttliche Kula-Akula ist höchst und allen gemeinsam.
18.99
padabhuktimatānāṃ ca padedaṃ parikīrtitam
anyat parataro dehaḥ koṭidvādaśam āśritaḥ //
Für die Anhänger des Genusses der Stätten heißt dies die Stätte. Ein weiterer, höherer Leib ruht auf zwölf Koṭis.
18.100
akulīnapadādhvānaṃ nirādhāraṃ khagālayam
akulavyāptir ity eṣā kṣetrapīṭhasamākulā //
Der Akulīna-Stättenweg ist grundlos, Wohnstätte der Himmelsgänger. Diese Akula-Durchdringung ist voller Felder und Pīṭhas.
18.101
sācārakulayogīnāṃ ṣaṇnavatyāpadānugā
caturāśītipadair vyāptiḥ sā cānyatra prakāśitā //
Für regelgebundene Kula-Yogins folgt sie sechsundneunzig Stätten. Die Durchdringung durch vierundachtzig Stätten wurde andernorts erklärt.
18.102
yeṣāṃ te tu punas tatra vyāvṛtante punaḥ punaḥ
ṣaṇnavatipado haṃsaḥ sa cāmnāyavidāṃ viduḥ //
Deren [Anhänger] kehren dort immer wieder zurück. Haṃsa besitzt sechsundneunzig Stätten; die Überlieferungskenner kennen ihn.
18.103
siddhakaulābhipannānām itareṣāṃ na darśitaḥ
tatra divyakramaḥ pūjyaḥ padacāreṇa yoginā //
Er wurde denen gezeigt, die den vollendeten Kaula-Weg betreten, nicht anderen. Dort verehre der Yogin die göttliche Folge durch den Stättengang.
18.104
yena gacchen nirācāraṃ tat padaṃ paramaṃ śṛṇu
dvādaśādhāramūrdhnisthaṃ catuṣpīṭhasamucchritam //
Höre die höchste Stätte, durch die man über die Regeln hinausgelangt: auf dem Haupt der zwölf Grundlagen, von vier Pīṭhas erhöht.
18.105
kṣetrāṣṭakaṃ tato 'dhastāt sandohāni tato 'py adhaḥ
ṣoḍaśaiva pramāṇena caturdvāraṃ tatas tv adhaḥ //
Darunter liegen acht Felder, darunter die sechzehn Versammlungsstätten, wiederum darunter vier Tore,
18.106
upaśabdasamopetam upadvāravivarjitam
akulīnaśarīredaṃ catuḥṣaṣṭipadānvitam //
jeweils mit Neben-[Stätten], ausgenommen Nebentore. Dieser Akulīna-Leib besitzt vierundsechzig Stätten.
18.107
tasmāt sañjāyate sarvaṃ sarvaṃ tatraiva līyate
tatra dhyānaṃ japaṃ yogaṃ tatra pūjākriyādhvaram //
Aus ihm entsteht alles, in ihn geht alles ein. Dort sind Meditation, Rezitation, Yoga, Verehrung und Ritualweg.
18.108
atra sthito na kenāpi vastunā bādhyate tu saḥ
paro hy ātmā parā vidyā paraḥ śaivaḥ sanātanaḥ //
Wer hier steht, wird von keinem Gegenstand bedrängt: höchstes Selbst, höchste Vidyā, höchster ewiger Śaiva.
18.109
akulīnatanur baddhaḥ paratattvatrayeṇa tu
ātmatattvagataṃ piṇḍaṃ satataṃ yogam abhyaset //
Der Akulīna-Leib ist durch die drei höchsten Prinzipien gebunden. Man übe beständig den Körper-Yoga im Selbst-Prinzip.
18.110
vidyātattvagatā mantrāḥ padayogasamanvitāḥ
śivatattvagato yogaṃ rūpābhyāsaṃ samabhyaset //
Im Vidyā-Prinzip liegen die Mantras, mit Stätten-Yoga verbunden; im Śiva-Prinzip übe man den Yoga der Gestalt.
18.111
śivatattvagato yogaṃ rūpātītaṃ tu tatra vai
piṇḍaṃ kuṇḍalinī śaktiḥ padaṃ haṃsaḥ prakīrtitaḥ //
Im Śiva-Prinzip [liegt auch] der gestaltlose Yoga. Körper heißt Kuṇḍalinī-Śakti, Stätte heißt Haṃsa.
18.112
rūpaṃ binduḥ samākhyātaṃ rūpātītam anāmayam
kuladehaṃ parityajya akulīnavapuḥsthitaḥ //
Gestalt heißt Bindu; das Gestaltlose ist unversehrt. Man verlässt den Kula-Leib und ruht im Akulīna-Leib.
18.113
sa ca vai sakalaḥ piṇḍaḥ kaulikānāṃ kujīmate
aparaṃ pāśavaṃ sarvaṃ tritattvaguṇalakṣaṇam //
Dies ist für die Kaulikas im Kujīmata der gegliederte Körper. Alles andere ist gebunden, durch die Eigenschaften der drei Prinzipien gekennzeichnet.
18.114
śaivamārgavihīnānāṃ śaivānām anyadharmiṇām
prasiddhena tu mārgeṇa prasiddhyarthaṃ bhajanti te //
Śaivas ohne den Śiva-Weg und Anhänger anderer Ordnungen folgen dem bekannten Weg, um Erfolg zu erlangen.
18.115
aprasiddhojjhite siddhā na paśyanty akulāṃ tanum
akulena vinā siddhir aihikā pātrikā na hi //
Selbst Vollendete, die den unbekannten [Weg] verlassen, sehen den Akula-Leib nicht. Ohne Akula gibt es keine diesseitige oder jenseitige Vollendung.
18.116
prasiddhavihite mārge mokṣaś cātra na saṃśayaḥ
aprasiddhagatā ṛjvī ṣoḍaśāntāmṛtāhradam //
Auf dem bekannten Weg gibt es Befreiung, zweifellos. Die auf dem unbekannten [Weg] Gerade [erfüllt] den Unsterblichkeitssee am Ende der Sechzehnheit. [Das Verhältnis der beiden Aussagen bleibt unsicher.]
18.117
āpūrya pūrayet sarvaṃ jīvāntaṃ jīvarūpiṇī
suprasiddhākṣabhūtā tu kālasaṅkhyākarī tu sā //
Sie erfüllt alles bis zum Lebewesen, von Lebensgestalt. Als Achse des wohlbekannten [Weges] bewirkt sie die Zeitzählung.
18.118
saṃsāre tu gatis tasyā mokṣamārganiyāmikā
viṃśatyekasahasrāṇi ṣaṭśataiś ca samanvitā //
Ihr Gang im Saṃsāra lenkt den Befreiungsweg: einundzwanzigtausendsechshundert [Einheiten].
18.119
saṃsārī kurute saṅkhyā hy ahorātropadeśataḥ
apareṇa tu mārgeṇa saṃsārapathalakṣaṇam //
Der Saṃsāra-Wanderer vollzieht diese Zählung nach der Unterweisung für Tag und Nacht. Auf einem anderen Weg, als Kennzeichen des Saṃsāra-Ganges,
18.120
ahorātreṇa lakṣaikaṃ kālasaṅkhyāṃ karoti saḥ
saptādaśāni lakṣāṇi koṭir ekā tv ahamiśi //
zählt er hunderttausend Zeiteinheiten täglich; [weiter] siebzehnhunderttausend und eine Koṭi bei Tag und Nacht. [Die Stufenbezüge der Zahlen sind unklar.]
18.121
caturāśīti padety evaṃ kālaḥ kalati sarvathā
padamārgavidānāṃ tu sakalād ajarāmaraḥ //
So zählt die Zeit vollständig die vierundachtzig Stätten. Der Kenner des Stättenweges [wird] vom Gegliederten aus alterslos und unsterblich.
18.122
śivamārgavidānāṃ tu siddhamārge 'nyathā śṛṇu
koṭidvādaśakopetaṃ koṭilakṣacatuṣṭayam //
Höre für die Kenner des Śiva-Weges eine andere [Zählung] auf dem Siddha-Weg: zwölf Koṭis und vier Koṭi-Lakṣas. [Die zweite zusammengesetzte Zahl ist nicht sicher aufgelöst.]
18.123
ahorātrākṣasūtrasya saṅkhyeyaṃ hy akule tanau
akuleśatanuṃ yāvat sācāraṃ kulayoginām //
Dies ist die Zahl der Gebetskette von Tag und Nacht im Akula-Leib. Bis zum Leib Akuleśas reicht die regelgebundene [Praxis] der Kula-Yogins.
18.124
taccharīrabhṛtānando nirācārapadaṃ vrajet
kulādhvarapadaṃ hṛtsthaṃ tatrasthaṃ paramaṃ kramam //
Wer die Seligkeit dieses Leibes trägt, gelangt jenseits der Regeln. Die Stätte des Kula-Weges liegt im Herzen, dort die höchste Folge.
18.125
pūjayed dhṛtstanau nābhiṃ siddhāvvāpīṭhapādukau
śrīmadbarbaram oḍḍīśaṃ padasthaughamahārṇavam //
Man verehre Herz, Brüste und Nabel, Siddhas, Pīṭhas und Fußstätten, den erhabenen Barbara, Oḍḍīśa und den großen Überlieferungsozean in der Stätte. [„siddhāvvā“ ist auffällig.]
18.126
pūjayitvā smaret tasthām abdenoktaphalaṃ labhet
dvibhis tu adhamā siddhis tribhir madhyamatāṃ vrajet //
Nach Verehrung gedenke man der dort Weilenden; in einem Jahr erlangt man die genannte Frucht, in zwei die niedere Vollendung, in drei die mittlere.
18.127
ṣaḍbhir dvādaśakābdena khecara madhyamottamaḥ
adhamaṃ bhūcaraṃ karma madhyamaṃ bilasādhanam //
Nach sechs und zwölf Jahren [erlangt man] mittleres und höchstes Himmelsgängertum. Das Niedere ist irdisches Wirken, das Mittlere Höhlenverwirklichung.
18.128
uttamottamasiddhībhiḥ khecaraḥ khecarordhvagaḥ
evaṃ devi samastedaṃ padayogakriyādhvaram //
Durch die allerhöchsten Vollendungen wird man Himmelsgänger und steigt über diese hinaus. So ist dir der ganze Ritualweg des Stätten-Yoga,
18.129
kathitaṃ sarahasyaṃ tu padamārgaṃ sudurlabham
padasyāpi hi rūpo 'sti rūpātītaṃ tu saṅkramaḥ //
der schwer zugängliche Stättenweg mitsamt Geheimnis, erklärt. Auch die Stätte hat Gestalt; ihr Übergang ist das Gestaltlose.
18.130
haṃsajñānapadaṃ proktaṃ rūpasthaṃ śṛṇu sāmpratam //
Die Erkenntnisstätte Haṃsas ist erklärt. Höre nun das in der Gestalt Bestehende.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate catuṣkasya padabhedam aṣṭādaśamaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das achtzehnte Kapitel über die Unterscheidung der Stätten innerhalb der Vierheit.
Kapitel 19
Übersetzungsstatus: Alle Quellblöcke dieses Kapitels sind bearbeitet. Einzelne Formeln sind nicht vollständig sprachlich aufgelöst; die betreffenden deutschen Hinweise und Teilübersetzungen werden in der Übersicht nicht als vollständig übersetzte Blöcke gezählt.
19.1
rūpaṃ tu dvividhaṃ proktaṃ sthūlasūkṣmaṃ prakīrtitam
sthūlam ekavidhaṃ bhadre sūkṣmarūpam anantagam //
Gestalt ist zweifach: grob und fein. Das Grobe ist einförmig, Heilvolle; die feine Gestalt reicht ins Unendliche.
19.2
kaṇṭhakūpāditaḥ kṛtvā nirodhyāntam apaścimam
rūpopalabdhisaṃsthānaṃ vijñānānandapūritam //
Von der Halsgrube bis Nirodhī liegt die Stätte der Gestaltwahrnehmung, erfüllt von Erkenntnisseligkeit.
19.3
pramāṇaṃ rūpamārgasya viṃśatkoṭyekasaṃsthitam
māyāvadhis tu kūpādau atra vijñānasambhavaḥ //
Der Gestaltweg misst einundzwanzig Koṭis. Von der Halsgrube bis Māyā entsteht hier Erkenntnis.
19.4
etad rūpapadair vyāptaṃ rūpacakrasamanvitam
koṭiśaḥ koṭiśaś cakraṃ cakre cakre catuṣṭayam //
Dieser Bereich ist von Gestaltstätten durchdrungen und mit Gestalträdern versehen: Koṭis von Rädern, in jedem eine Vierheit.
19.5
vijñānānāṃ varārohe prabhāvo 'syānuśīlaya
caturāśīti-m-ekatra kramāt sthūlaṃ pṛthak pṛthak //
Erforsche deren Erkenntnismacht, Schönhüftige: vierundachtzig jeweils, der Reihe nach, das Grobe einzeln.
19.6
kathayāmi yathānyāyaṃ citrabhānvāditaḥ priye
dvitīyaṃ vāruṇaṃ rūpaṃ tṛtīyaṃ daṇḍapāṇikam //
Ich erkläre es ordnungsgemäß, mit Citrabhānu beginnend: Die zweite Gestalt gehört Varuṇa, die dritte dem Stabträger.
19.7
prāṇarūpaṃ caturthaṃ tu haṃsarūpaṃ tu pañcamam
ṣaṣṭham ātmavataṃ rūpaṃ saptamaṃ śaktipūrvakam //
Die vierte ist Prāṇa, die fünfte Haṃsa, die sechste das Selbst, die siebte Śakti.
19.8
aṣṭamaṃ brahmaṇo rūpaṃ navamaṃ keśavātmakam
dasamaṃ tu bhaved rudraṃ candram ekādaśaṃ vidhuḥ //
Die achte ist Brahmā, die neunte Keśava, die zehnte Rudra; die elfte kennt man als Mond.
19.9
dvādaśaṃ bhāskaraṃ rūpam īśvarākhyaṃ trayodaśam
kodaṇḍadvayamadhyasthaṃ dedīpyantaṃ suvarcasam //
Die zwölfte ist Sonne, die dreizehnte heißt Īśvara, zwischen den beiden Bogen stehend, hell strahlend.
19.10
kodaṇḍatiryagau dvau tu vāmanau kubjikātmakau
kodaṇḍāntargatau cānyau karṇakubjāntare sthitau //
Zwei stehen quer zu den Bogen, zwergenhaft und von Kubjikā-Gestalt; zwei weitere innerhalb der Bogen, im Karṇakubja-Zwischenraum.
19.11
śaṅkharūpadharau dvau tu sāṅkhyayogasya dāyakau
aṣṭādaśam anantākhyaṃ piṅgalaikonaviṃśamam //
Diese beiden sind muschelförmig und schenken Sāṃkhya und Yoga. Die achtzehnte heißt Ananta, die neunzehnte Piṅgala.
19.12
viṃśamaṃ sakalīśānaṃ nirodhī caikaviṃśamam
vaḍavānalam āsīnam ekaikaṃ cakrarūpiṇam //
Die zwanzigste ist Sakalīśāna, die einundzwanzigste Nirodhī. Jede sitzt im untermeerischen Feuer und besitzt Radgestalt.
19.13
cintayantaḥ svabhāvena abhāvapadam āśritaḥ
akuleśvararūpeṇa vijñānaprabhavo bhavet //
Wer darüber entsprechend der eigenen Natur meditiert, auf die Stätte des Nichtseins gestützt, wird in Akuleśvara-Gestalt zum Ursprung der Erkenntnis.
19.14
yasya yad yādṛśaṃ rūpaṃ tad rūpaṃ dharate tu saḥ
avāntarapadasthasya pāramparyojjhitasya ca //
Welche Gestalt jeweils besteht, die nimmt er an. Wer in einer Zwischenstätte steht und die Überlieferungsfolge verlassen hat,
19.15
tasya cābhyāsayogena na sarvajñapadānugam
yasya yad yādṛśī vyāptis tatrasthas tatphalaṃ labhet //
gelangt durch Übung nicht zur Allwissenheitsstätte. Je nach Durchdringungsbereich erlangt er dort die entsprechende Frucht.
19.16
kāraṇānte mahādevo vibhāti kiraṇojjvalaḥ
satatābhyāsayogena trirabdāt tatpadaṃ vrajet //
Am Ende der Ursachen leuchtet Mahādeva strahlend. Durch beständige Übung erreicht man in drei Jahren seine Stätte.
19.17
nirodhinīpadārthānāṃ mahāgranthipade sthitā
tārayed viditā santī avijñātā prapātayet //
Nirodhinī steht im großen Knoten der Gegenstände. Erkannt führt sie hinüber, unerkannt lässt sie fallen.
19.18
mahāmāyārṇavaṃ ghoraṃ tārayed viditā satī
mahāntārīti sā proktā sarvarūpoparisthitā //
Erkannt führt sie über den schrecklichen Ozean der großen Māyā. Darum heißt sie Mahāntārī, über allen Gestalten stehend.
19.19
tasyā rūpam ajānantaḥ sthūlasūkṣmasusūkṣmagam
na paśyanti guṇaṃ rūpaṃ yāvad eṣāṃ na saṅkramet //
Wer ihre grobe, feine und überaus feine Gestalt nicht kennt, sieht deren Eigenschaften und Form nicht, solange sie nicht auf ihn übergeht.
19.20
pūjitā dhyāyitā mātā pūrvokte kramamaṇḍale
aṣṭakoṭisuvistīrṇe trikoṭyordhvaguṇojjvale //
Die Mutter wird im zuvor genannten Krama-Maṇḍala verehrt und meditiert, über acht Koṭis ausgedehnt und oberhalb der drei Spitzen strahlend.
19.21
tatrasthoccāritā dhyātā pūjitā tu phalapradā
sādhayet sarvarūpāṇi vaṭendīkusumārcitā //
Dort ausgesprochen, meditiert und verehrt, schenkt sie Früchte. Mit Vaṭendī-Blumen verehrt, verwirklicht sie alle Gestalten. [Die Blumenbezeichnung ist nicht sicher identifiziert.]
19.22
rūpaṃ devyās tu pūrvoktam aśeṣaguṇaśālinam
kiṃ tu noccāritaṃ tasya sthūladehaṃ yathā sthitam //
Die Gestalt der Göttin mit sämtlichen Vorzügen wurde zuvor erklärt; ihr grober Leib wurde jedoch noch nicht vollständig ausgesprochen.
19.23
tasya coccāraṇād devi prabuddhakiraṇojjvalā
yaṣṭīhatā bhujaṅgīva pātayed avalokanāt //
Durch dessen Aussprechen erwacht sie strahlend und fällt [andere] durch den Blick, wie eine mit dem Stock geschlagene Schlange.
19.24
tadvad eṣā mahāvīryā mahāntārī mahābalā
vidyāyaṣṭihatā santī sṛṣṭicakre hy anekadhā //
So ist die äußerst mächtige Mahāntārī, vom Vidyā-Stab getroffen, auf vielerlei Weise im Schöpfungsrad [wirksam].
19.25
ṣaṭprakāroparisthā sā ṣaḍvaktrā bṛhadodarā
bhujair dvādaśakopetā koṭarākṣā subhīṣaṇā //
Über den sechs Formen steht sie sechsangesichtig, großbäuchig, zwölfarmig, mit hohlen Augen und äußerst furchtbar.
19.26
vajrahastā tu vajrasthā ṣaḍyogikulamadhyagā
ṣaṣṭḥīśānasamāyuktā siddhapaṅktau niveśitā //
Den Donnerkeil haltend und auf ihm stehend, liegt sie inmitten der sechs Yoginī-Kulas, mit dem sechsten Herrn verbunden, in der Siddha-Reihe.
19.27
vidyādaṇḍasamāyuktā tasyoccāraṃ śṛṇuṣva me
yoginīnāṃ kuleśā tu gopitānyatra śāsane //
Mit dem Vidyā-Stab verbunden: Höre dessen Aussprechen. Die Kula-Herrin der Yoginīs wird in anderen Lehren verborgen.
19.28
hā svā yai prathamaṃ padaṃ ṇḍā ka ḍu ku dvitīyakam
ḍu ku ṭī ṅga tṛtīyaṃ tu pi ṭī ṅga ri caturthakam //
Das erste Wortglied lautet „hā svā yai“; das zweite „ṇḍā ka ḍu ku“; das dritte „ḍu ku ṭī ṅga“; das vierte „pi ṭī ṅga ri“. [Die vier Lautgruppen stehen in der chiffrierten Quellenreihenfolge. pada bezeichnet hier ein Wort- beziehungsweise Formelglied, nicht notwendig einen Ort. Ihre vollständige rückläufige Namensauflösung bleibt offen.]
19.29
pañca pañca tathā pañca svarūpākṣaramālikā
eṣā sāṅketikā proktā saṃsphuṭā guruvānane //
Fünf, fünf und nochmals fünf [Laute] bilden ihre eigene Lautkette. Sie ist chiffriert angegeben und wird im Mund des Lehrers deutlich.
19.30
eṣopāyo mahāntāryā durlabhaḥ prakaṭīkṛtaḥ
tasyaivoccāraṇāt sarvaṃ kampate ḍāmarīgaṇam //
Dieses schwer zugängliche Mittel Mahāntārīs wurde offenbart. Schon durch sein Aussprechen erzittert die ganze Ḍāmarī-Schar.
19.31
saṃhārakramaṣaṭkasya vṛddhājñeyaṃ prakīrtitā
ājñā kramati bhaktānām abhaktānāṃ na saṅkramet //
Dies heißt die ältere Ermächtigung der sechsfachen Auflösungsfolge. Sie geht auf Hingebungsvolle über, nicht auf Hingabelose.
19.32
kiṃ tu cārādhitā kiñcit pāramparyaugham āgatā
uccaranto hanec chailān kruddhasyānyeṣu kā kathā //
Schon ein wenig verehrt und durch die Überlieferung empfangen, [bewirkt sie], dass der Aussprechende Berge zerstört; was dann erst andere im Zorn!
19.33
asyā devyārcane dhyāne jape havanatatparaḥ
sthūlaṃ saṃsādhayet sarvaṃ mahāmāyāntakāvadhim //
Wer ihrer Verehrung, Meditation, Rezitation und dem Feueropfer hingegeben ist, verwirklicht alles Grobe bis zum Ende der großen Māyā.
19.34
yat sañcintayate rūpaṃ tat sarvam icchayā bhavet
mahāmāyāvinā yogī māyaiva guṇakṛd bhavet //
Welche Gestalt er sich vorstellt, diese entsteht nach seinem Willen. Ohne die große Māyā ist der Yogin [nicht wirksam]; Māyā bewirkt die Eigenschaften. [Elliptische Satzverbindung.]
19.35
bhūguṇo bhūcare mārge jalarūpo jaleśvaraḥ
tejasvī tejaso mārge vāyor vāyubhṛteśvaraḥ //
Auf dem Erdenweg besitzt er Erdeigenschaften, in Wassergestalt ist er Wasserherr; im Feuerweg strahlend, im Wind [dessen] Herr.
19.36
vyomni vyomādhipo yogī pañcāntaguṇayogataḥ
tripañcavarṣād ūrdhvaṃ ca sarvajño guṇa-m-īśvaraḥ //
Im Raum ist er Raumherr, durch Verbindung mit den fünf Eigenschaften. Nach fünfzehn Jahren wird er allwissend und Herr der Eigenschaften.
19.37
vaṭendīvaramālābhiḥ pūjayantaughasantatim
sādhayen nikhilaṃ rūpaṃ sthūlasūkṣmam atīndriyam //
Mit Kränzen von Feigenbaum und blauem Lotus verehre man die Überlieferungsfolge und verwirkliche alle groben, feinen, übersinnlichen Gestalten.
19.38
tatprasādena māyordhvaṃ bhittvā śaktitrayaṃ vrajet
tatraiva sā mahāmāyā sūkṣmarūpā susūkṣmagā //
Durch deren Gnade durchbricht man Māyā und erreicht die drei Kräfte. Dort ist die große Māyā selbst feingestaltig und überaus fein.
19.39
khecare 'nekarūpā sā sūkṣmasūkṣmatarā parā
dṛśyate mṛgatṛṣṇeva gurvājñātopadeśataḥ //
Im Himmelsbereich vielgestaltig, feiner als fein und höchst, wird sie wie eine Luftspiegelung durch Lehrerermächtigung und Unterweisung gesehen.
19.40
akuleśvaradevasya padāntam anuvartinī
viśuddhamālinī hy eṣā tadābhyāsena sarvavit //
Sie folgt bis zur Stätte Akuleśvaras und ist die reine Mālinī. Durch ihre Übung wird man allwissend.
19.41
abhyāso 'py asya kartavyaḥ pṛṣṭhe dattvā tu bhāskaram
prāsādagṛhavṛkṣāṇāṃ sandhyākālāntare sthitaḥ //
Diese Übung vollziehe man mit der Sonne im Rücken, bei Palast, Haus oder Baum, in der Dämmerung.
19.42
atha ced vṛkṣamūlādho madhyāhne samupasthite
pasyate rūpabhṛt sarvaṃ sūkṣmasūkṣmāṇavo hradam //
Oder man stehe mittags unter einem Baum. Man sieht alles Gestalttragende, einen See feinster Teilchen. [Bild und Satzbau sind unsicher.]
19.43
rūpam anyad varārohe śṛṇuṣva karaṇātmakam
yena sādhayate rūpaṃ khecarādim anukramāt //
Höre eine weitere Gestaltübung, Schönhüftige, die als Mittel dient und Gestalten von den Himmelsgängern an verwirklicht.
19.44
sarvasādhāraṇaṃ devi na bhavaty aphalapradam
yāvan na tatprasādena gurvājñātaḥ pravartate //
Sie ist allen gemeinsam und bleibt nicht fruchtlos, sofern sie durch Gnade und Lehrerermächtigung erfolgt. [Die negative Konstruktion ist unregelmäßig.]
19.45
śubhe 'hani muhūrte vā śiṣyam ekāntato nayet
ājñāṃ dattvā prapūjitvā kṛtvā maṇḍalakādikam //
An glückverheißendem Tag oder Zeitpunkt führe man den Schüler in die Abgeschiedenheit, gewähre Ermächtigung, verehre und errichte ein Maṇḍala.
19.46
tatopari ca saṃsthāpya nirmale gaganāntare
chāyāṃ nirīkṣayitvā tu kaṇṭhakūpopadeśataḥ //
Man stelle ihn darauf unter klaren Himmel und lasse ihn den Schatten betrachten, gemäß der Unterweisung an der Halsgrube.
19.47
tato nirīkṣayed vyomaṃ sākāraṃ rūpadarśanam
paśyate bhāskaraṃ bimbaṃ śivarūpaṃ sadāśivam //
Dann blicke er zum Raum, um die Gestalt zu sehen. Er sieht ein Sonnenbild, Śiva-Gestalt, Sadāśiva.
19.48
taṃ dṛṣṭvā pātakānāṃ ca avasānaṃ bhaviṣyati
ṣaṇmāsābhyāsayogena bhūcarīṇāṃ patir bhavet //
Durch diesen Anblick sollen Verfehlungen enden. Nach sechs Monaten Übung wird er Herr der erdwandelnden [Kräfte].
19.49
trirabdena tu bhūnātho hartā kartā svayaṃ prabhuḥ
avasthāṃ tyajate sarvāṃ pañcāvasthāparaṃ vrajet //
Nach drei Jahren wird er Erdherr, selbständig Auflöser und Schöpfer. Er verlässt alle Zustände und erreicht das Jenseits der fünf Zustände.
19.50
nirācāreṇa yogena tan nāsti yan na sādhayet
uktānuktaṃ tu deveśi sarvam asmāt prasādhayet //
Durch Yoga jenseits der Regeln gibt es nichts, was er nicht verwirklicht. Gesagtes und Ungesagtes erreicht er daraus, Götterherrin.
19.51
sakṛdabhyāsayogena māse vā tv ayane 'pi vā
vindate hy āgataṃ kālam āpado vātmanaḥ pare //
Durch einmalige Übung, nach einem Monat oder Halbjahr erkennt er die herangekommene Todeszeit oder Gefahren für sich und andere.
19.52
kṛṣṇavarṇena devena ṣaṇmāsān mriyate dhruvam
vaktramūrdhni bhayaṃ vindyān mūrdhni pātān mriyed dhruvam //
Bei schwarzer Gottesgestalt soll nach sechs Monaten sicher der Tod eintreten; am Gesicht und Haupt erkennt man Gefahr, beim Fallen des Hauptes Tod. [Beginn historischer Vorzeichendeutung.]
19.53
lohite brahmahatyā tu pīte vyādhibhayaṃ bhavet
pādau yatra na dṛśyete videśagamanaṃ bhavet //
Rot bedeutet Brahmanentötung, Gelb Krankheitsgefahr; sind die Füße unsichtbar, bedeutet dies Reise ins Ausland.
19.54
ūrumārge bhaved rogaṃ guhye vai naśyate priyā
udare arthanāśaṃ tu hṛdaye mṛtyubhāg bhavet //
Am Oberschenkel zeigt sich Krankheit, am Geschlechtsorgan Verlust der Geliebten, am Bauch Vermögensverlust, am Herzen Tod.
19.55
bhujahīne pated bandhur vāme bhāryābhayaṃ bhavet
ṣaṇmāsāllakṣayet sarvam ātmanaś ca parasya vā //
Fehlt ein Arm, fällt ein Verwandter; links entsteht Gefahr für die Ehefrau. Alles für sich oder andere erkenne man innerhalb von sechs Monaten.
19.56
upadeśena deveśi śeṣaṃ ca guravānanāt
rūpapūrṇahradāntastho rūpastho nirapekṣadhīḥ //
Das Übrige [erfahre man] aus der Lehrerunterweisung. Im gestaltgefüllten See ruhend, in Gestalt gegründet und erwartungslos,
19.57
sūkṣmasūkṣmāntarūpeṇa rūpātītapadaṃ vrajet
yogasiddhā mahādevi dṛśyante vyomagāgaṇāḥ //
gelangt man durch die feinste Gestalt zur gestaltlosen Stätte. Die yogavollendeten Scharen der Himmelsgänger werden sichtbar, große Göttin.
19.58
bindurūpās tu te sarve kvacid dṛśyanti na kvacit
ghaṭādhāragataṃ prāṇaṃ kūrmayantreṇa pīḍayet //
Alle sind punktförmig, manchmal sichtbar, manchmal nicht. Den Lebenshauch in der Gefäßgrundlage presse man durch die Schildkrötenvorrichtung.
19.59
nocchvasen māsam ekaṃ tu tathyaṃ bhairava-m-abravīt
bhairavovāca kalyāṇi kularūpaṃ prakāśitam //
Man atme einen Monat lang nicht aus: So sprach Bhairava als wahr. Bhairava sprach: Heilvolle, die Kula-Gestalt ist offenbart. [Historische außergewöhnliche Atembehauptung, keine heutige Übungsanweisung.]
19.60
akulaṃ vyāpakaṃ rūpaṃ susūkṣmaṃ śṛṇu sāmpratam
ekānekavibhāgena saṃsthitā vyomamālinī //
Höre nun die äußerst feine, durchdringende Akula-Gestalt. Vyomamālinī besteht als eines und vieles.
19.61
amṛtāmbhodhimadhyasthā cārasthā cāravāhinī
icchārūpadharā devī kubjinīti kujāmbikā //
Im Ozean des Unsterblichkeitstranks ruht sie in Bewegung und trägt Bewegung; die Göttin von Willensgestalt heißt Kubjinī, Kujāmbikā.
19.62
dvibhujaikamukhī devī athānekabhujānanā
cārasthā cāramadhyasthā cāradehā caleśvarī //
Sie ist zweiarmig und eingesichtig oder besitzt viele Arme und Gesichter; in Bewegung und deren Mitte, mit Bewegungsleib, ist sie Caleśvarī.
19.63
candragarbhasya caryeyaṃ cāravī caṇḍacaṇḍikā
pīṭhamadhyagatā pūjyā candragarbhasamanvitā //
Dies ist Candragarbhas Wirken, Cāravī, Caṇḍacaṇḍikā. Inmitten des Pīṭha, mit Candragarbha verbunden, ist sie zu verehren.
19.64
ṣoḍaśārakamadhyasthā caturvargaphalodayā
pīṭhapīṭhādhipair yuktā sarvajñā sarvadāyikā //
Im sechzehnspeichigen [Lotus] schenkt sie die Früchte der vier Lebensziele, mit Pīṭhas und ihren Herren verbunden, allwissend und alles schenkend.
19.65
ājñāvabodhajananī divyarūpaprakāśinī
asyāḥ pragopitaṃ rūpaṃ yoginībhir varānane //
Sie erzeugt Erkenntnis der Ermächtigung und offenbart göttliche Gestalt. Diese Gestalt haben die Yoginīs streng verborgen, Schönantlitzige.
19.66
tena rūpavatānāṃ tu rūpavyāptir na sidhyati
dedīpyantī mahānandā sahasrādityavarcasā //
Darum gelingt den Gestaltbesitzenden die Gestaltdurchdringung nicht. Sie leuchtet als große Seligkeit, strahlend wie tausend Sonnen.
19.67
sphurantī mālikā divyā ājñātaḥ sampravartate
sadoditaṃ sadānandaṃ parānandapradāyakam //
Die flimmernde göttliche Kette entfaltet sich aus Ermächtigung, stets aufgegangen und selig, höchste Seligkeit schenkend.
19.68
kalātītaṃ tu kālāntam ājñārūpojjvalaṃ param
anantaṃ sakalaṃ jñānaṃ divyājñāparamojjvalam //
Jenseits der Kalās, Ende der Zeit, höchst und in Ermächtigungsgestalt leuchtend: unendliche gesamte Erkenntnis, durch göttliche Ermächtigung strahlend.
19.69
uttarasya ca ṣaṭkasya rūpedaṃ parasambhavam
dakṣiṇasyāpi ṣaṭkasya śaktiyuktasya varṇitam //
Dies ist die höchstgeborene Gestalt der nördlichen Sechsheit; auch jene der mit Kraft verbundenen südlichen Sechsheit wurde beschrieben.
19.70
sthūlarūpaṃ varārohe sarvatraiva prakāśitam
uttaraṃ gopitaṃ rūpaṃ devatābhiḥ susiddhidam //
Die grobe Gestalt ist überall offenbart, Schönhüftige; die Götter verbergen die nördliche, die vollkommene Vollendung schenkt.
19.71
kasmāt sidhyati śīghredam anyatra kṣapaṇākulam
bhairaveṇa tu rūpeṇa bhairavatvaṃ prasādhayet //
Denn diese gelingt schnell; anderswo ist [der Weg] voller Verzögerung. In Bhairava-Gestalt verwirkliche man Bhairava-Sein.
19.72
vighnajālojjhitaṃ hy etat tenedaṃ śīghrasiddhidam
atra rūpasamālabdhaḥ pūrvoktaṃ labhate phalam //
Dieser [Weg] ist frei vom Hindernisnetz und bringt daher rasche Vollendung. Wer hier Gestalt erlangt, erhält die zuvor genannte Frucht.
19.73
akulakramamārgeṇa ājñāyogena sarvathā
akulīnakramāntasthaḥ kubjīśapadam āśritaḥ //
Auf dem Akula-Folgeweg, ganz durch den Yoga der Ermächtigung, in der Akulīna-Folge gegründet und auf Kubjīśas Stätte gestützt,
19.74
prāpyate bhairavānandaṃ samastānandapūrvakam
toṣito 'haṃ tvayā devi tenedaṃ saṃsphuṭaṃ mayā //
erlangt man Bhairavas Seligkeit samt aller Seligkeit. Du hast mich erfreut, Göttin; deshalb habe ich es deutlich erklärt.
19.75
kīrtitaṃ tava kalyāṇi sugopyaṃ rūpasādhanam
sarvatantreṣu luptedam īṣad yogimate sphuṭam //
Die streng zu hütende Gestaltverwirklichung wurde dir verkündet, Heilvolle. In allen Tantras ist sie verloren, im Yogimata ein wenig offenbart.
19.76
mauktikāvalisādṛśyaṃ sitaraktaṃ tu pītagam
grīvā kuṇḍalinī tasya viyogaṃ tu tadā bhavet //
[Die Erscheinung] gleicht einer Perlenreihe, weiß, rot oder gelb. Ist ihr Hals gewunden, entsteht Trennung. [Erneute historische Vorzeichendeutung.]
19.77
cañcuprasāraṇe varṣaṃ durbhikṣaṃ cañcusampuṭe
kṛṣṇavarṇe bhaven mṛtyuḥ ṣaṇmāsāt tu na saṃśayaḥ //
Ausgestreckter Schnabel bedeutet Regen, geschlossener Schnabel Hungersnot; bei schwarzer Farbe soll nach sechs Monaten Tod eintreten.
19.78
sarvam eva na paśyeta sadyam eva vinaśyati
bhrūmadhyagatam ātmānaṃ ṣaḍaṅgena mahāmate //
Sieht man gar nichts, geht man unmittelbar zugrunde. [Man betrachte] sich zwischen den Brauen, mit sechs Gliedern versehen, Hochweise.
19.79
dṛśyate sūryavad bimbaṃ pratyakṣaṃ cāgrataḥ sthitam
hrasve nīle bhayaṃ vindyād dīrghe sthūle hy arogatā //
Vor einem erscheint sichtbar ein sonnenähnliches Bild. Klein und blau bedeutet Gefahr, lang und groß Gesundheit.
19.80
dhūmre uccāṭanaṃ proktaṃ rakte rogaṃ varānane
kṛṣṇe brahmavināśaṃ vā mṛtyur evābhijāyate //
Rauchfarben bedeutet Vertreibung, rot Krankheit, Schönantlitzige; schwarz Brahma-Vernichtung oder Tod. [„brahmavināśa“ ist mehrdeutig.]
19.81
samale tu tathā hānir nīlamāle tathāpadaḥ
vāyavyāṃ tu yadā dhūmrāṃ mālāṃ pasyati yogavit //
Befleckung bedeutet Verlust, eine blaue Kette Gefahren. Sieht der Yogakenner nordwestlich eine rauchfarbene Kette,
19.82
tadā uccāṭanaṃ devi nairṛtyāṃ daṃṣṭriṇo bhayam
āgneyyāṃ tu yadā bhinnāṃ mālāṃ paśyati yogavit //
bedeutet dies Vertreibung, Göttin; südwestlich Gefahr durch bezahnte Tiere. Sieht er südöstlich eine zerbrochene Kette,
19.83
deśabhraṃśo ' gnidāhaś ca rājā caiva vinaśyati
madhye tasya yadā chidraṃ paśyate yogacintakaḥ //
bedeutet dies Heimatverlust, Verbrennung und Untergang des Königs. Sieht der Yogin in ihrer Mitte eine Öffnung,
19.84
mṛtyus tasya varārohe divasair daśabhir bhavet
īśāne sthāvarabhayaṃ kauberyām arthasiddhidam //
soll ihm nach zehn Tagen der Tod kommen, Schönhüftige. Nordöstlich Gefahr durch Unbewegliches, nördlich Vermögenserfolg.
19.85
aindryāṃ vai sthānalābhaṃ ca vāruṇyāṃ sukham edhate
yāmyāyāṃ mriyate devi nātra kāryavicāraṇāt //
Östlich gewinnt man eine Stellung, westlich wächst Wohlsein, südlich stirbt man, Göttin, ohne Zweifel.
19.86
sampūrṇaṃ susamaṃ pītaṃ snigdhaṃ rūkṣatvavarjitam
sāmalaṃ siddhidaṃ proktaṃ jīvādityaṃ varānane //
Vollständig, ebenmäßig, gelb, glänzend und nicht rau: Die Lebenssonne gilt als vollendungsspendend, [auch] „sāmala“, Schönantlitzige. [Das auffällige „befleckt“ widerspricht der vorherigen Wertung und bleibt prüfbedürftig.]
19.87
śrīmatkubjimate sarvaṃ saṃsphuṭaṃ kathitaṃ tava
mālinī vyomasaṃsthā ca bindur vyome tathaiva ca //
Im ehrwürdigen Kubjīmata ist dir alles deutlich erklärt: Mālinī im Raum und ebenso Bindu im Raum,
19.88
kulākhyaṃ puruṣaṃ vyome rūpātītam ataḥ śṛṇu //
der Kula genannte Puruṣa im Raum. Höre nun vom Gestaltlosen.
19.89
ūcus tv evaṃ punar bhadre rūpātītasya nirṇayam
śṛṇuṣva sarvabhāvena avajñārahitā satī //
So erklärten sie wiederum die Bestimmung des Gestaltlosen, Heilvolle. Höre mit ganzem Wesen und ohne Geringschätzung.
19.90
amanaskaṃ mano'tītaṃ bhāvābhāvavivarjitam
layoccāravinirmuktaṃ hetutarkavivarjitam //
Ohne Denken, jenseits des Denkens, frei von Sein und Nichtsein, von Auflösung und Aussprechen, von Gründen und Schlussfolgerungen,
19.91
heyopāyavinirmuktaṃ śrutidṛṣṭāntavarjitam
nāstikyabhāvasampannaṃ śūnyabhūtam anāmayam //
frei von Aufzugebendem und Mitteln, von Schriftzeugnis und Beispielen, mit Nichtbejahung versehen, leer geworden und unversehrt,
19.92
prameyāvaliyogasya atītaṃ kāraṇeśvaram
atīndriyam anābhāṣaṃ parākāśaṃ tu tad viduḥ //
jenseits der Reihe des Erkennbaren, Herr der Ursachen, übersinnlich und unaussprechlich: Dies kennt man als höchsten Raum.
19.93
tasyopāyam idaṃ sarvaṃ yogamārgakriyādhvaram
sādhyate yena mārgeṇa rūpātītaṃ tu tac chṛṇu //
Der gesamte Yoga- und Ritualweg ist sein Mittel. Höre, auf welchem Weg das Gestaltlose verwirklicht wird.
19.94
vyomaṃ kṛtvā samākāśe sa saṃsmṛtya vilāpayet
asmin taṃ tu cidākāśe bāhyākāśe sa eva hi //
Man bilde Raum im gleichen Raum, gedenke seiner und lasse ihn aufgehen: in diesem Bewusstseinsraum und im äußeren Raum ist er derselbe.
19.95
parākāśe pare sthāne yānākāśam atordhvataḥ
rūpātītaṃ tataś cordhve niḥsandigdhaṃ padaṃ pare //
Darüber [liegt] der Fahrtraum in der höchsten Raumstätte; darüber das Gestaltlose, die zweifelsfreie Stätte im Höchsten. [„yānākāśa“ ist technisch ungeklärt.]
19.96
bahunoktena kiṃ devi pūrvaṃ vyāvarṇitaṃ maya
guror asya prasādena labhyate paramaṃ padam //
Wozu viele Worte, Göttin? Ich erklärte es zuvor: Durch die Gnade dieses Lehrers wird die höchste Stätte erlangt.
19.97
pūrvaṃ vyāvarṇitaṃ tubhyam adṛṣṭaguṇalakṣaṇam
etat sarvaṃ samākhyātaṃ śāmbhavasya guṇāspadam //
Zuvor wurden dir die Kennzeichen unsichtbarer Eigenschaften erläutert. All dies ist die Grundlage von Śivas Eigenschaften.
19.98
nirācāreṇa mārgeṇa śāmbhavaṃ tu samabhyaset
kim abhyāsaḥ punas tasya yasya sarvaṃ puraḥsaram //
Auf dem Weg jenseits der Regeln übe man den Śiva-Zustand. Doch was wäre für den noch Übung, dem alles gegenwärtig ist?
19.99
yasya sambhavitaṃ śambhum anantaguṇadāyakam
yogātmā vai sa sarvatra pūjyate yoginīkule //
Wem Śambhu, Spender unendlicher Eigenschaften, offenbar geworden ist, der besteht aus Yoga und wird überall in der Yoginī-Familie verehrt.
19.100
yadi śambhuvidher bhaktaḥ saṃsāre viratātmanaḥ
sa sādhayati sarvajño dehenānena sarvagaḥ //
Ist er Śambhus Ordnung ergeben und vom Saṃsāra abgewandt, verwirklicht er als Allwissender, mit diesem Leib allgegenwärtig.
19.101
na dhyānaṃ na japaḥ pūjā maṇḍalādiprapūjanam
nirācāravidhānena dehenānena bhairavi //
Keine Meditation, Rezitation, Verehrung oder Maṇḍala-Verehrung [ist nötig]; durch das Verfahren jenseits der Regeln, in diesem Leib, Bhairavī,
19.102
ātmānaṃ pūjayen nityaṃ yathālabdhopajīvakaḥ
agnivat sarvavarṇeṣu sa śīghraṃ phalabhāg bhavet //
verehre er stets sich selbst und lebe vom gerade Erhaltenen. Wie Feuer in allen Kasten erlangt er rasch die Frucht.
19.103
prākṛtām adhamāṃ siddhiṃ madhyamāṃ cottamāṃ ca yām
uttamottamatāṃ yānti ṣaḍbhir māsaiḥ kramāt kramāt //
Von natürlicher niederer über mittlere und höhere Vollendung gelangt man in jeweils sechs Monaten der Reihe nach zur allerhöchsten.
19.104
adhikārapadasthena kartavyaṃ vidhipūrvakam
gurumaṇḍalakādyaṃ ca pūrvāmnāyaprapūjanam //
Wer eine Amtsstellung besitzt, vollziehe vorschriftsgemäß Guru-Maṇḍala und die Verehrung der früheren Überlieferung.
19.105
śrutaṃ sarvaṃ ca deveśa padārthānāṃ ca nirṇayam
kim āmnāyaṃ kathaṃ pūjā etad ācakṣva bhairava //
[Die Göttin fragt:] Alles und die Bestimmung der Gegenstände habe ich gehört, Götterherr. Was ist Überlieferung, wie geschieht Verehrung? Erkläre dies, Bhairava!
19.106
devyuktaṃ ca vacaḥ śrutvā bhairavo hasitānanaḥ
pūjāmnāyam idaṃ sarvaṃ kathyamānaṃ na budhyasi //
Bhairava hörte ihre Worte und sprach lächelnd: Obwohl die ganze Verehrungsüberlieferung erklärt wird, verstehst du sie nicht.
19.107
dvīpāmnāyas tu prathamo devyāmnāyo dvitīyakaḥ
pīṭhāmnāyas tṛtīyas tu siddhāmnāyaś caturthakaḥ //
Die erste ist Inselüberlieferung, die zweite Göttinnenüberlieferung, die dritte Pīṭha-Überlieferung, die vierte Siddha-Überlieferung.
19.108
asyoddhāraṇam ekatra pūjanaṃ tat prakīrtirtam
guptadeśe sugandhāḍhye viviktopadravojjhite //
Sie an einem Ort zusammenzuführen heißt Verehrung: an verborgenem, duftendem, abgeschiedenem und störungsfreiem Ort.
19.109
pīṭhāḥ pīṭhādhipāḥ siddhāḥ pīṭhāmbās tatsamīpataḥ
pīṭhamadhyagatāṃ devīṃ catuḥsiddhasamanvitām //
[Man verehre] Pīṭhas, ihre Herren, Siddhas und nahebei die Pīṭha-Mütter; die Göttin mitten im Pīṭha mit vier Siddhas.
19.110
maṇḍalottaradigbhāge gurupaṅktiṃ prapūjayet
etad āmnāyam ākhyātaṃ kiṃ tu maṇḍalakānvitam //
Im nördlichen Teil des Maṇḍalas verehre man die Lehrerreihe. Dies heißt Überlieferung, mit dem Maṇḍala verbunden.
19.111
talahastapramāṇena yonyagre maṇḍalādikam
pūjyo 'haṃ maṇḍale tatra navātmānapadākṣaraiḥ //
Vor der Yoni [errichte man] ein handflächengroßes Maṇḍala. Darin bin ich durch die Silben der Navātman-Stätte zu verehren,
19.112
ānandapadasaṃyuktaṃ śaktibhairavapūrvakam
bhairaveti padaṃ paścād vīrādhipatayeti ca //
mit dem Wort Ānanda verbunden, Śakti und Bhairava voran; danach „Bhairava“ und „dem Herrn der Helden“.
19.113
saṣoḍaśapadair yuktaḥ pūjanīyo 'tra maṇḍale
āmnāyamaṇḍalaṃ hy etat samekhalacatuṣkalam //
Mit sechzehn Wörtern verbunden bin ich darin zu verehren. Dies ist das Überlieferungsmaṇḍala, mit Gürtel und vier Teilen.
19.114
sarvam etat kramāmnāyaṃ maṇḍalopari maṇḍalam
pūjitena bhavaty āsu tat sarvam uditaṃ mayā //
Die ganze Krama-Überlieferung, Maṇḍala über Maṇḍala, [wird] durch Verehrung rasch [wirksam]; all dies habe ich erklärt.
19.115
alinā pūritaṃ pātraṃ samayālabdhodakaṃ pṛthak
karmakāle prakartavyaṃ pūjānte 'rghanivedanam //
Ein mit Ali gefülltes Gefäß und gesondert das durch Verpflichtung erhaltene Wasser bereite man zur Ritualzeit; am Ende bringe man die Ehrengabe dar.
19.116
candanair dhūpanaivedyair dadyād ācamanaṃ pṛthak
tasmāt kriyākalāpena ārādhanavidhiṃ yajet //
Mit Sandel, Räucherwerk und Speisegaben gebe man gesondert Mundspülwasser. Durch diese Handlungsfolge vollziehe man die Verehrung.
19.117
dīpotsavaṃ sanaivedyam alipātraṃ saphalguṣam
cakrapūjāvidhir hy evaṃ kuryād ārādhane vidhau //
Lichterfest, Speisegaben, Ali-Gefäß und Phalgu: So führe man die Radvorschrift im Verehrungsritual aus. [Ritualstoffe bleiben ohne moderne Gleichsetzung.]
19.118
athavāmnāyam ādhāraṃ divyaughāgamapaddhatim
pūjayet sarvabhāvena sarvāmnāyaṃ sa gopayet //
Oder man verehre mit ganzem Wesen die Überlieferungsgrundlage, den Āgama-Weg des göttlichen Stromes, und hüte die gesamte Überlieferung.
19.119
athādyamaṇḍalaṃ yones tadvad asya dine dine
kurvantasya parā vyāptiḥ kramoghaṃ sampravartate //
Wer täglich ebenso das ursprüngliche Quellenmaṇḍala [verehrt], bei dem entfalten sich höchste Durchdringung und Überlieferungsstrom.
19.120
oghādhāram idaṃ divyam āgamaṃ yaḥ paṭhed idam
pādukau pūjayitvā tu caturdaśyāṣṭamīṣu ca //
Wer diesen göttlichen Āgama, Grundlage des Stromes, liest, verehre am vierzehnten und achten Mondtag die Fußstätten,
19.121
puṣpāvaraṇake divye vastramālyopaśobhite
divyagandhasugandhāḍhye dīpamālopaśobhite //
in einer göttlichen Blumenhülle, mit Stoffen und Kränzen geschmückt, reich an göttlichen Düften und Lampenreihen,
19.122
sauvarṇarajatādībhis tāmralohaśilāmṛdā
bhaktyā-devaṃ svaśaktyā ca piṣṭadīpān ghṛtānvitān //
mit Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Stein oder Ton, voller Hingabe und nach Vermögen, [auch mit] Teiglampen und geklärter Butter,
19.123
naivedyaphalguṣālibhyāṃ puṣpadhūpair anekadhā
evaṃ kṛtvā tataḥ paścād vyākhyāne vācane 'pi vā //
Speisegaben, Phalgu, Reis, Blumen und vielerlei Räucherwerk. Danach errichte man bei Erklärung oder Lesung
19.124
gurumaṇḍalakaṃ kuryāt triṣkālaṃ pustakāgrataḥ
ahaṃ vai guravas tasya yatrāste cāgamaḥ svayam //
dreimal täglich das Guru-Maṇḍala vor dem Buch. Ich selbst bin sein Lehrer; wo der Āgama selbst weilt,
19.125
guruvac ca pramantavyaṃ vidyābodhaparaṃ gurum
na vinā ca guror vidyā na vidyārahito guruḥ //
ist er wie ein Lehrer zu achten, höchster Lehrer der Vidyā-Erkenntnis. Ohne Lehrer gibt es keine Vidyā, ohne Vidyā keinen Lehrer.
19.126
yathā gurus tathā vidyā yathā vidyā tathā guruḥ
prāptavidyā guroḥ pārśve vidyāprāpte gurutvatā //
Wie der Lehrer, so die Vidyā; wie die Vidyā, so der Lehrer. Vidyā wird beim Lehrer erlangt; durch deren Erlangen entsteht Lehrerschaft.
19.127
evaṃ cāmnāyiko mārgaḥ sarvathā granthato 'rthataḥ
vetti siddhaḥ sa me tulyaḥ sāmānyas tatsamo na hi //
Wer den Überlieferungsweg vollständig nach Wortlaut und Sinn kennt, ist vollendet und mir gleich; ein gewöhnlicher Mensch gleicht ihm nicht.
19.128
eṣa te kauliko mārgaḥ paramārthopadeśataḥ
kulaṃ ca kulavidyāṃ ca kulamārgaṃ kulakramam //
Dies ist der Kaula-Weg gemäß der Unterweisung in höchste Wahrheit: Kula, Kula-Vidyā, Kula-Weg und Kula-Folge.
19.129
catuṣkaṃ yo vijānāti sa bhavet kulanandanaḥ
catuṣṭayaṃ samākhyātaṃ pṛccha-m-anyaṃ yathāruci //
Wer diese Vierheit kennt, wird zur Freude des Kula. Die Vierheit ist erklärt; frage nun nach anderem, wie du möchtest.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate catuṣkanirṇayo nāma ekonaviṃśatimaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das neunzehnte Kapitel mit dem Titel „Bestimmung der Vierheit“.
Kapitel 20
20.1
purā mahyaṃ tvayā deva dvīpāmnāyaḥ pracoditaḥ
paramārthopadeśena yathā tv evaṃ vada prabho //
[Die Göttin fragt:] Du hast mir zuvor die Inselüberlieferung angedeutet. Erkläre sie nun gemäß der Unterweisung in höchste Wahrheit, Herr!
20.2
satyedaṃ sādhu deveśi yat tvayā paripṛcchitam
dvīpāmnāyāvatāraṃ tu sugopyaṃ prakaṭāmi te //
[Der Herr spricht:] Wahrhaftig, gut ist deine Frage, Götterherrin. Ich offenbare dir das streng zu hütende Herabkommen der Inselüberlieferung.
20.3
ādyakalpāvatāre tu udyānārṇavamadhyataḥ
kṛṣṇaraktajanākīrṇaṃ dedīpyārcisamaprabham //
Beim Herabkommen des ursprünglichen Kalpa [liegt] mitten im Udyāna-Ozean, von schwarzen und roten Menschen erfüllt und flammend strahlend,
20.4
oghasṛṣṭes tu saṃsthānaṃ mātaṅgadvīpam uttamam
dvitīye 'tra pare kalpe sindūrāruṇasaprabham //
die höchste Mātaṅga-Insel, Stätte der Stromschöpfung. Im zweiten höheren Kalpa [liegt eine Insel], zinnoberrot leuchtend,
20.5
pītaraktajanākīrṇaṃ brahmaghnaṃ dvīpanāyakam
tejaḥsṛṣṭes tu saṃsthānaṃ karālāgnisamaprabham //
von gelben und roten Menschen erfüllt, Brahmaghna, Führerin der Inseln, Stätte der Feuerschöpfung, wie schreckliches Feuer strahlend.
20.6
tṛtīye dvāpare kalpe kusumbhodakasannibham
pītāruṇajanākīrṇaṃ rajasā dvīpam ujjvalam //
Im dritten Dvāpara-Kalpa gleicht die Insel Kusumbha-Wasser, ist von gelbrötlichen Menschen erfüllt und strahlt durch Rajas.
20.7
krīḍāsṛṣṭes tu saṃsthānaṃ caṇḍogrākṣisamaprabham
udyānabhairavāmbhobhiḥ kallolālīsamākulam //
Sie ist Stätte spielerischer Schöpfung, wie wilde Augen leuchtend, von Wogenreihen der Bhairava-Gewässer Udyānas erfüllt.
20.8
mahākalpe caturthe tu padmarāgasamaprabham
śvetaraktajanākīrṇaṃ viśuddhāmoghasampadam //
Im vierten großen Kalpa [glänzt sie] wie Rubin, mit weißen und roten Menschen, rein und von unfehlbarem Gedeihen.
20.9
icchāsṛṣṭes tu saṃsthānam atrodyānaṃ mahāvanam
gandhamālyasupuṣpāḍhyaṃ mahocchuṣmopaśobhitam //
Als Stätte der Willensschöpfung liegt hier der große Udyāna-Wald, reich an Düften, Kränzen und Blumen, von Mahocchuṣma geschmückt.
20.10
pañcame divyakalpe tu candrakoṭisamaprabham
candrakāntimayaṃ divyaṃ viśuddhodadhimadhyagam //
Im fünften göttlichen Kalpa [erscheint] die göttliche [Insel], zehn Millionen Monden gleich, aus Mondglanz, mitten im reinen Ozean,
20.11
kāmānandajanākīrṇaṃ catuḥsṛṣṭipravartakam
anekānandasampannaṃ candradvīpaguṇāvṛtam //
mit Menschen voller Begehrensseligkeit, die vierfache Schöpfung hervorbringend, reich an vielerlei Freude und den Eigenschaften Candradvīpas.
20.12
caturvarṇaguṇānandaṃ caturvargaphalodayam
caturmāyājanātītaṃ caturthāntamṛtātmakam //
Sie trägt die Freude der vier Kasten, bringt die vier Lebensziele hervor, übersteigt die Bewohner der vier Māyās und besteht aus dem Unsterblichen am Ende des Vierten.
20.13
jñānakriyām adhiṣṭhānam avyaktāvyaktarūpiṇam
sṛṣṭisandoham ānandaṃ candradvīpaguṇāspadam //
Sie ist Grundlage von Erkenntnis und Handlung, von unoffenbar-unoffenbarer Gestalt, die freudige Schöpfungsansammlung, Grundlage Candradvīpas. [Die Wiederholung „avyaktāvyakta“ bleibt unberichtigt.]
20.14
pañcadvīpopacāro 'yam upadvīpāny ataḥ śṛṇu
catvāry eva sabījāni vyaktiṃ yānti kulādhvare //
Dies ist die Darstellung der fünf Inseln. Höre nun die Nebeninseln: Vier treten mit Keim auf dem Kula-Weg hervor.
20.15
upadvīpāruṇaṃ cādyaṃ vāruṇaṃ tu dvitīyakam
narasiṃhaṃ tṛtīyaṃ tu lokālokaṃ caturthakam //
Die erste Nebeninsel ist Aruṇa, die zweite Vāruṇa, die dritte Narasiṃha, die vierte Lokāloka.
20.16
dvīpopadvīpasambhūtaṃ sarvam etac carācaram
vyaktāvyaktaṃ tu taṃ yasmāt kāraṇaṃ taṃ nigadyate //
Alles Bewegliche und Unbewegliche entsteht aus Haupt- und Nebeninseln. Weil [dieses Prinzip] offenbar und unoffenbar ist, heißt es Ursache.
20.17
pare catvāri dvīpāni catvāry evaṃ parāṇi ca
candradvīpaṃ paraṃ tebhyo madhyasthaṃ vyaktikāraṇam //
Vier Inseln sind höher, vier weitere ebenso; Candradvīpa ist höher als sie, in der Mitte, Ursache des Offenbarwerdens.
20.18
dvīpasṛṣṭiparānandam udyānārṇavamadhyagam
lakṣitavyopadeśena śeṣānyad vistṛtaṃ purā //
Die höchste Freude der Inselschöpfung liegt mitten im Udyāna-Ozean und ist durch Unterweisung zu erkennen. Das Übrige wurde früher ausführlich erklärt.
20.19
dvīpānandaṃ kathaṃ deva kathitaṃ tu mayā śrutam
tathāpi me manoglāniḥ kathayasva yathā sphuṭam //
[Die Göttin fragt:] Die erklärte Inselfreude habe ich gehört, Gott. Dennoch bleibt mein Geist ermüdet; erkläre sie deutlich.
20.20
vyāpyavyāpakabhāvena yatsthāne saṃsthitāni tu
yasmād utpattisaṃsthānam etat sarvaṃ vada prabho //
Wo stehen sie als Durchdrungenes und Durchdringendes? Woraus entstehen sie? Erkläre dies alles, Herr!
20.21
sādhu sādhu mahābhāge sādhu mālini sarvathā
pṛcchitaṃ śṛṇu kalyāṇi niravadyaṃ vadāmi te //
[Der Herr spricht:] Gut, gut, Hochbegünstigte! Gut, Mālinī! Höre die Antwort auf deine Frage, Heilvolle; ich erkläre sie fehlerlos.
20.22
ādau ṣoḍaśa pīṭhāni pīṭhe dvīpasamudbhavaḥ
tāni dvādaśadhā viddhi ekaikaṃ ca pṛthak pṛthak //
Zuerst bestehen sechzehn Pīṭhas; in ihnen entstehen die Inseln. Erkenne jedes einzeln als zwölffach.
20.23
kulacakrasamāyuktaṃ triḥprakāraṃ vilakṣayet
pīṭhopapīṭhasaṃyuktaṃ kṣetrasandohalakṣitam //
Mit dem Kula-Rad verbunden, erkenne man drei Arten, mit Pīṭhas und Nebenpīṭhas, Feldern und Versammlungsstätten.
20.24
upakṣetropasandohe dve dve pīṭhasamāvṛte
lakṣitavyāni yatnena upāsya guravaṃ priye //
Nebenfelder und Nebenversammlungsstätten sind jeweils paarweise von Pīṭhas umgeben. Nach Verehrung des Lehrers erkenne man sie sorgfältig, Geliebte.
20.25
catustriṃśati dvīpāni dvīpasthaṃ tricatuṣṭayam
mātarāṇāṃ varārohe ekaikasmin vyavasthitam //
Es gibt vierunddreißig Inseln; in jeder stehen drei Vierheiten von Müttern, Schönhüftige.
20.26
dūrasthāni purasthāni dehasthāni vilakṣayet
tair vinā sādhanaṃ siddhir yatnenāpi na jāyate //
Man erkenne sie als fern, vor einem und im Leib gelegen. Ohne sie entstehen trotz Bemühung weder Verwirklichung noch Vollendung.
20.27
itarasya bahisthāni kṣetrasthāni tu sādhake
dehasthāni tu tasyaiva kiṃ tv evaṃ hi sa muktibhāk //
Für andere liegen sie außen, für den Sādhaka im heiligen Feld und in seinem Leib; so wird er der Befreiung teilhaftig.
20.28
kurute yatra saṃsthānaṃ kvacit sādhakapuṅgavaḥ
sādhanaṃ mantrayogasya liṅgasaṃsthāpane'pi vā //
Wo ein vorzüglicher Sādhaka eine Stätte einrichtet, den Mantra-Yoga verwirklicht oder ein Liṅga aufstellt,
20.29
pratimā cādhikārārthaṃ jñātvā sthānaṃ samāśrayet
anyathā naiva bhuktis tu dvandvadveṣo rujānvitaḥ //
oder ein Bildnis zur Amtsausübung [errichtet], dort wähle er den Ort wissend. Andernfalls gibt es keinen Genuss, sondern Streit, Hass und Krankheit.
20.30
dvīpaṃ dvīpādhipaṃ devyā dvīpanāthasamanvitam
pīṭhabhinnakramaṃ jñātvā sidhyate hy avicārataḥ //
Wer Insel, Inselherrn, Göttin und die nach Pīṭhas unterschiedene Folge kennt, erlangt zweifellos Vollendung.
20.31
kṣetragrāmapurasyaiva pīṭhasya nagarasya vā
jñātvā pañcasu saṃsthānaṃ saṃsthānaṃ kārayet tadā //
Nachdem er die Stellung von Feld, Dorf, Stadt, Pīṭha oder Siedlung in den fünf [Bereichen] erkannt hat, richte er die Stätte ein.
20.32
pañca pañca tathā pañca pañcamāntaṃ kulāntikam
calasaumye catuṣkaṃ tu īśvaraikaṃ diśāditaḥ //
Fünf, fünf und nochmals fünf, bis zur fünften und zum Kula-Ende; bei Beweglichem und Friedlichem eine Vierheit, ein Herr, von den Richtungen an. [Die Zahlenordnung ist nicht eindeutig aufgelöst.]
20.33
pīṭhavyūhavaraṃ madhye dvīpavyūhaṃ bahisthitam
puraṃ nāma bhaved yatra tāṃ diśaṃ tu samāśrayet //
Die vorzügliche Pīṭha-Anordnung liegt innen, die Inselanordnung außen. Man wähle die Richtung, in der der Stadtname [zugeordnet] ist.
20.34
asthigūthāvṛtaṃ cāpi doṣair dviṣṭaṃ yathā bhavet
tathāpi bhogam āpnoti tatsthānanyāsayogataḥ //
Selbst wenn [der Ort] mit Knochen und Kot bedeckt und wegen Fehlern verabscheut ist, erlangt man durch entsprechenden Orts-Nyāsa Genuss.
20.35
nākṣareṇa bhaven mantraṃ yogaś caiva guṇānvitaḥ
akṣareṇāpi mantrasya kiṃ tu tatsthānayogataḥ //
Nicht durch den Laut allein entsteht ein kraftvoller Mantra oder Yoga; beim Mantralaut kommt es auf die Verbindung mit seiner Stätte an.
20.36
mantrasthāpitaliṅgāni nisphurāṇi yaśasvini
dṛśyante sthānahīnāni siddhaiḥ saṃsthāpitāni tu //
Man sieht selbst von Siddhas mit Mantras aufgestellte Liṅgas wirkungslos, Ruhmreiche, weil ihnen die richtige Stätte fehlt.
20.37
sthānavaikalyabhāvena yasyāścaryaṃ kuleśvari
svatejodīpitaṃ śambhuṃ kvacid dṛśyati nisphuram //
Durch einen Mangel der Stätte erscheint bisweilen selbst der durch eigenen Glanz leuchtende Śambhu wirkungslos, Kuleśvarī.
20.38
sarvajñaṃ sarvadaṃ mantram ajasraṃ bhāvapūrvakam
sarvadaṃ sarvakālasthaṃ kālarūpāmṛtātmakam //
Der allwissende, alles schenkende Mantra [besteht] ununterbrochen aus innerer Haltung, in aller Zeit, von Zeitgestalt und Unsterblichkeitswesen.
20.39
gopitaṃ sarvatantreṣu dvīpāmnāyena gopitam
dvīpākṣaraṃ tathā vāraṃ tithinakṣatrasaṃyutam //
In allen Tantras wird er verborgen, durch die Inselüberlieferung gehütet. [Er verbindet] Insellaut, Wochentag, Mondtag und Mondhaus,
20.40
sādhakākṣarasaṃyuktaṃ mantram etat surārcitam
pīṭhayuktaṃ prameyena bhidya pīṭhena cetaram //
mit dem Laut des Sādhaka. Dieser götterverehrte Mantra ist mit dem Pīṭha nach dem Erkennbaren verbunden; [das andere] durchdringe man durch das Pīṭha. [Der zweite Halbvers ist unsicher.]
20.41
daśa-m-ekādaśenaiva kūṭasthaṃ vā samekataḥ
purasyādyakṣaraṃ vāpi svasthāne kṣobhakṛd bhavet //
Zehn mit elf oder gemeinsam als zusammengesetzter Kern, auch der Anfangslaut der Stadt: An seiner eigenen Stätte bewirkt er Erregung.
20.42
sarvasyāpi hi kṣetrasya praveśe japam ārabhet
svasthānātmakamantreṇa svasthānena puraṃ viśet //
Beim Betreten jedes Feldes beginne man die Rezitation. Mit dem Mantra der eigenen Stätte betrete man die Stadt.
20.43
diśām ālokya japtavyaṃ saptavārāvadhi priye
tāvat kṣubhyati tat kṣetraṃ bālavṛddhayuvān api //
Die Richtungen betrachtend, rezitiere man bis zu siebenmal, Geliebte. Dadurch wird das Feld samt Kindern, Alten und Jungen erregt.
20.44
sthitir vai yatra mantavyā tatraiva vidhim ācaret
sakṛd anyatra coccāraṃ japamānaṃ puraṃ viśet //
Wo man bleiben will, vollziehe man dieses Verfahren. Anderswo spreche man einmal aus und betrete rezitierend die Stadt.
20.45
tatrānnapānaśayanaṃ kiñcid duḥkhaṃ na jāyate
yaḥ punaḥ sarvabhāvena bhaktiyuktaḥ samabhyaset //
Dort entstehen keine Schwierigkeiten mit Essen, Trinken und Schlafen. Wer mit ganzem Wesen hingebungsvoll übt,
20.46
dvīpasthānaṃ samāsthāya sveṣṭamantrasya sādhayet
tatrāpi tasya siddhīni bhavanty aṣṭavidhā priye //
und sich auf die Inselstätte stützt, verwirklicht seinen gewählten Mantra. Dort entstehen ihm acht Arten der Vollendung, Geliebte.
20.47
dvīpādhipam ajānanto varṣapūrṇaśatena vā
tathāpi na hi sidhyanti yogād dhyānāc ca mantriṇaḥ //
Ohne Kenntnis des Inselherrn erlangen Mantrakundige selbst in hundert vollen Jahren durch Yoga und Meditation keine Vollendung.
20.48
pīṭhādhipatayaḥ proktāḥ ṣoḍaśaiva varānane
tais tu vyāptam idaṃ sarvaṃ catustriṃśāntagocaram //
Sechzehn Pīṭha-Herren wurden genannt, Schönantlitzige. Sie durchdringen alles bis zum Bereich der Vierunddreißigheit.
20.49
dvīpādhipatayaḥ proktāś catustriṃśati kevalāḥ
pīṭhādhipatibhir yuktāḥ pañcāśa patayas tu te //
Vierunddreißig Inselherren wurden genannt; mit den Pīṭha-Herren sind sie fünfzig Herren.
20.50
ādyantasaṃsthitaṃ bhadre madhye liṅgasya lakṣayet
pīṭhagrāmapurasyāpi lakṣayitvā nirākulam //
Anfang, Ende und Mitte des Liṅga erkenne man, Heilvolle, ebenso bei Pīṭha, Dorf und Stadt, ohne Verwirrung.
20.51
pālakasyākṣaraṃ yatra yad idaṃ na tad ādimam
kasmāt pīṭheṣu adhipāḥ pīṭhabhinnaṃ na pūjayet //
Wo der Laut des Hüters liegt, ist er nicht jener ursprüngliche. Denn Herren [liegen] in den Pīṭhas; man verehre nicht vom Pīṭha getrennt. [Der Zusammenhang ist unklar.]
20.52
na guruṃ nādimaṃ cāntaṃ na madhyaṃ pīṭhasaṃyutam
kevalaṃ yadi labhyeta tadādyaṃ tu surārcite //
Weder Lehrer noch Anfang, Ende oder Mitte [verehrt man] ohne Pīṭha-Verbindung. Wird etwas allein erlangt, [nehme man] dessen Anfang, Götterverehrte. [Vorläufige Deutung.]
20.53
liṅgasaṃjñā tu nāmasya sarvato adhipāvṛtam
tasmād ekatamaṃ gṛhya liṅgamūlaṃ yad akṣaram //
Die Liṅga-Bezeichnung des Namens ist rings von Herren umgeben. Daraus nehme man einen Laut, der die Wurzel des Liṅga ist.
20.54
taṃ tu gṛhya vikalpena madhyāntaṃ varjayet priye
evaṃ jñātvā tataḥ siddhir jāyate nirvikalpataḥ //
Diesen wähle man unterscheidend und lasse Mitte und Ende fort, Geliebte. So wissend entsteht Vollendung ohne Zweifel.
20.55
avijñāya na pūjyetāṃ yas tu kurvīta sādhanam
mama tulyās tu kurvanti vighnaṃ vai pālakāḥ priye //
Wer ohne diese Kenntnis verehrt und Verwirklichung betreibt, dem bereiten die mir gleichen Hüter Hindernisse, Geliebte.
20.56
atra sārataraṃ proktaṃ niścayam adhipān prati
śrutaṃ devi tvayā sarvaṃ nāma pañcāśakeṣv api //
Hier wurde das Wesentlichste über die Herren eindeutig erklärt. Du hast alles gehört, Göttin, auch ihre fünfzig Namen.
20.57
aghoryāḍāmare tantre sūcito 'py asya nirṇayaḥ
saṃsphuṭaṃ sarvabhāvena nirṇītaṃ kubjinīmate //
Im Aghoryāḍāmara-Tantra wurde diese Bestimmung angedeutet; im Kubjinīmata ist sie vollständig und deutlich entschieden.
20.58
kathaṃ deva sthitā dehe pīṭhadvīpādhipāśrayam
kva sthāne saṃsthitā deva etad ācakṣva niścayam //
[Die Göttin fragt:] Wie liegen Pīṭhas und Inselherren im Leib? An welchen Stellen? Erkläre dies gewiss, Gott!
20.59
śṛṇu devi yathā dehe pīṭhaiḥ ṣoḍaśabhiḥ śiraḥ
āvṛtaṃ vaṃśaguhyāntaṃ dvīpaiḥ kodaṇḍakāvadhim //
[Der Herr spricht:] Höre: Das Haupt ist von sechzehn Pīṭhas umgeben; von der Wirbelsäule bis zum Geschlechtsbereich, bis zum Bogen, [liegen] Inseln.
20.60
grīvādho vāṃśamārgeṇa kandordhvaṃ yāva saṃsthitam
pañca dvīpāni deveśi brahmaṇyādhiṣṭhitāni tu //
Unterhalb des Halses entlang der Wirbelsäule bis oberhalb der Knolle liegen fünf Inseln, von Brahmāṇī getragen, Götterherrin.
20.61
pañca nābhigatā bhadre māheśyālaṅkṛtās tu te
jaṭhare pañca vaiṣṇavyā kaumāry eva hṛdi sthitā //
Fünf am Nabel sind von Māheśī geschmückt, fünf im Bauch von Vaiṣṇavī; Kaumārī liegt im Herzen.
20.62
pañcadvīpānvitā kālī kaṇṭhānte saṃvyavasthitā
aindry ākāśapadasthā tu catuṣkaparivāritā //
Kālī mit fünf Inseln liegt am Halsende. Aindrī steht in der Raumstätte, von einer Vierheit umgeben.
20.63
caturdvīpasamāyuktā cāmuṇḍā tu bhruvottare
mahākālī tu kopasthā saṃhārapathavartiṇī //
Cāmuṇḍā mit vier Inseln liegt oberhalb der Brauen; Mahākālī steht im Zorn auf dem Auflösungsweg.
20.64
devyādhiṣṭhānadvīpeṣu yo yatrāntavyavasthitaḥ
daṇḍadhārī pracaṇḍaś ca daṃṣṭrālī vajratuṇḍakaḥ //
Auf den von Göttinnen getragenen Inseln stehen jeweils: Daṇḍadhārī, Pracaṇḍa, Daṃṣṭrālī und Vajratuṇḍaka,
20.65
trijaṭī śaṅkhatuṇḍaś ca kapālī triśiras tathā
ete vargādhipāḥ proktā aṣṭau vasumahābalāḥ //
Trijaṭī, Śaṅkhatuṇḍa, Kapālī und Triśiras. Diese acht sehr mächtigen Vasus heißen Herren der Lautgruppen.
20.66
yāṃ diśaṃ saṃsthitās te vai tanmukhas tu prapūjayet
sabāhyābhyantaraṃ matvā tato 'sau siddhibhājanaḥ //
Man verehre sie mit dem Gesicht in ihre jeweilige Richtung. Äußeres und Inneres erkennend, wird man für Vollendung empfänglich.
20.67
eṣa devi samāsena dvīpāmnāyaḥ prakāśitaḥ
śeṣo 'nyo vistaro 'py asya kulasāre vadāmy aham //
Damit ist die Inselüberlieferung kurz offenbart, Göttin. Ihre weitere Ausführung werde ich im Kulasāra erklären.
20.68
vijñāna ṛddhisampannaṃ jñānamaṇḍalapūritam
tenedaṃ śrīmataṃ proktaṃ bhuktimuktipradāyakam //
Mit Erkenntnis und Erfolg erfüllt, reich an Erkenntnismaṇḍalas, heißt dies Śrīmata und schenkt Genuss und Befreiung.
20.69
jñātena tantrasāreṇa anuṣṭhānaṃ vinā priye
bhājano bhuktimuktīnāṃ yady evaṃ gopayet sudhīḥ //
Wer den Kern des Tantras erkennt, wird auch ohne [weitere] Übung für Genuss und Befreiung empfänglich, wenn er ihn verständig hütet, Geliebte.
20.70
śrīmatena vinā yuktāḥ khaṇḍajñānavimohitāḥ
hastyandhavad vibhajyante dṛṣtihīnā yatas tu te //
Ohne Śrīmata sind die Übenden durch Teilwissen verwirrt. Wie Blinde beim Elefanten geraten sie auseinander, weil ihnen der Blick fehlt.
20.71
āgataṃ tu gajaṃ śrutvā andhavṛndena sau vṛtaḥ
pucchakarṇāṅghrihastābhyāṃ Pṛṣṭhakukṣodareṣu ca //
Als Blinde hörten, ein Elefant sei gekommen, umringten sie ihn und [berührten] Schwanz, Ohren, Füße, Rüssel, Rücken, Flanken und Bauch.
20.72
yena yatra gajaḥ spṛṣṭas tadbhāvas tena mantritaḥ
pucchahastā vadanty evaṃ gajo 'yaṃ cāmarākṛtiḥ //
Jeder beschrieb ihn entsprechend der berührten Stelle. Wer den Schwanz hielt, sagte: „Dieser Elefant gleicht einem Wedel.“
20.73
karṇalagnās tu sūrpeva pādalagnokhalaṃ yathā
bhittirūpaṃ tu kukṣisthā pṛṣṭhasthā gṛharūpiṇaḥ //
Wer das Ohr hielt: „Wie eine Worfelschwinge.“ Am Fuß: „Wie ein Mörser.“ An der Flanke: „Wie eine Wand.“ Auf dem Rücken: „Wie ein Haus.“
20.74
stambhobhau hastalagnau tu muṣalau dantidantagau
evam andhaganā mūḍhā anyonyaṃ spardhayanti te //
Am Rüssel [sagten sie]: „Eine Säule“; an den beiden Stoßzähnen: „Zwei Keulen.“ So stritten die verwirrten Blinden miteinander. [Die Dualformen sind unregelmäßig.]
20.75
anyaiś cakṣuryutais tv evaṃ yudhyamānāḥ parasparam
tān dṛṣṭvā hāsyam ārabdhaṃ taṃ śrutvā vismitās tu te //
Andere, Sehende, sahen ihren Streit und begannen zu lachen. Als die Blinden das hörten, waren sie erstaunt.
20.76
atha śrutvā mahāhāsyaṃ kimarthaṃ hasitā vayam
ūcus tv evākṣiyuktena mā yudhyaivaṃ vimohitāḥ //
Sie fragten angesichts des Gelächters: „Warum werden wir ausgelacht?“ Ein Sehender sprach: „Streitet nicht so, Verwirrte!
20.77
dṛṣṭihīnās tv aho tubhyaṃ hastirūpo 'nyathā sthitaḥ
hastino 'ṅgāni sarvāṇi yāni spṛṣṭāni tatparaiḥ //
Ach, ihr seid ohne Sehkraft; der Elefant besitzt eine andere Gestalt. Ihr habt lediglich einzelne Glieder des Elefanten berührt.
20.78
paṭalāntaritā dṛṣṭir gatvā vaidyam upāśrayet
yena paśyasi sarvāṅgaṃ śrīkubjaughamahāgajam //
Euer Blick ist durch einen Schleier verdeckt. Sucht einen Arzt auf, damit ihr den großen Elefanten des erhabenen Kubjī-Stromes mit allen Gliedern seht.“
20.79
gajo yathāndhavṛndasya tathā jñānaṃ pravartate
ājñākramaṃ vinā lokas tatkramaṃ kubjinīmate //
Wie beim Elefanten für die Blinden verhält sich das Wissen der Welt ohne Ermächtigungsfolge. Diese Folge ist im Kubjinīmata
20.80
kathitaṃ niravadyaṃ te gajasyāvayavo yathā
gajāṅganyāyato yatra dakṣavāmordhvakaulike //
fehlerlos erklärt, wie die Glieder eines Elefanten, nach deren Gleichnis in südlicher, linker, oberer und Kaula-[Überlieferung].
20.81
sarvaṃ sampāditaṃ tubhyam ājñānandakulārṇavam
idānīṃ śṛṇu kalyāṇi kālacakraṃ yathāsthitam //
Alles ist dir dargelegt, der Kula-Ozean der Ermächtigungsseligkeit. Höre nun, Heilvolle, das Zeitrad in seiner wirklichen Beschaffenheit.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate candradvīpāvatāro nāma viṃśatimaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das zwanzigste Kapitel mit dem Titel „Herabkommen der Mondinsel“.
Kapitel 21
21.1
lakṣācāramanorūpāḥ śaktayo vīryasaṃsthitāḥ
rudraśaktisamāveśās tābhir ātmanibṛṃhaṇam //
Die Kräfte besitzen die Gestalt von Ziel, Verhalten und Denken und stehen in Wirkkraft. Durch Ergriffensein von Rudras Kräften wächst das Selbst.
21.2
śivacaitanyayogena śakticaitanyabṛṃhaṇam
śakticaitanyayogena jīvacaitanyabṛṃhaṇam //
Durch Verbindung mit Śivas Bewusstsein wächst das Śakti-Bewusstsein; durch Verbindung mit diesem wächst das Bewusstsein des Lebewesens.
21.3
jīvacaitanyayogena mantracaitanyabṛṃhaṇam
mantracaitanyayogena piṇḍacaitanyabṛṃhaṇam //
Durch dessen Bewusstsein wächst das Mantrabewusstsein; durch das Mantrabewusstsein wächst das Körperbewusstsein.
21.4
piṇḍacaitanyayogena bāhyācārasya bṛṃhaṇam
caitanyena vinā sarvam asvatantraṃ śilādivat //
Durch Körperbewusstsein wird das äußere Verhalten belebt. Ohne Bewusstsein ist alles unselbständig, wie Stein und anderes.
21.5
niṣkriyaṃ cetanāhīnaṃ mṛtadehopamaṃ priye
agnicaitanyayogena jalam apy atra dāhakam //
Es ist untätig, bewusstlos, einem toten Leib gleich, Geliebte. Durch Verbindung mit der Lebendigkeit des Feuers wird selbst Wasser brennend.
21.6
tasmāt sarvaprayatnena vidyāvīryacidātmakam
dharāmaṇḍalagarbhe tu dvīpadeśāntaraṃ yajet //
Darum verehre man sorgfältig im Inneren des Erdmaṇḍalas den Inselbereich, bestehend aus Vidyā-Kraft und Bewusstsein.
21.7
dvādaśaivātra yoginyo dvādaśāre prapūjayet
karṇikāyāṃ yajed devaṃ śabdarāśiṃ salakṣaṇam //
Zwölf Yoginīs verehre man im zwölfspeichigen [Lotus], im Blüteninneren den Gott Lautmenge mit seinen Kennzeichen.
21.8
kumārī siṃhaladvīpaṃ suvarṇaṃ ca tṛtīyakam
karṇaprāvaraṇaṃ cānyaṃ svāmukhaṃ deśam uttamam //
Kumārī, Siṃhaladvīpa, als dritte Suvarṇa, ferner Karṇaprāvaraṇa und das höchste Land Svāmukha,
21.9
kulūtam oḍḍiyānaṃ ca ebhir deśair yajet sudhīḥ
jālandharaṃ ca vikhyātam ekapādaṃ tathāparam //
Kulūta und Oḍḍiyāna: Mit diesen Ländern verehre der Verständige. [Ferner] das berühmte Jālandhara und Ekapāda,
21.10
pārasaukulavikhyātaṃ kuśadvīpaṃ ca śālmalī
parṇadvīpaṃ kumārākhyaṃ yavadvīpaṃ tathāparam //
das als Pārasaukula Bekannte, Kuśadvīpa, Śālmalī, Parṇadvīpa, das Kumāra Genannte und Yavadvīpa,
21.11
deśaṃ tu kāmarūpākhyaṃ puṣkaradvīpam eva ca
aparaṃ kaṭāhadvīpaṃ cīnadeśam ataḥ param //
das Land Kāmarūpa, Puṣkaradvīpa, Kaṭāhadvīpa und das Land Cīna,
21.12
candradvīpaṃ janadvīpaṃ ratnadvīpaṃ suśobhanam
rasadvīpaṃ ca gomedaṃ garbhodaṃ sūryadvīpakam //
Candradvīpa, Janadvīpa, das schöne Ratnadvīpa, Rasadvīpa, Gomeda, Garbhoda und Sūryadvīpa,
21.13
āsavadvīpaṃ vikhyātaṃ marudeśasamanvitam
vasantaṃ mahāsaradvīpam amṛtadvīpam eva ca //
das berühmte Āsavadvīpa mit Marudeśa, Vasanta, Mahāsaradvīpa und Amṛtadvīpa,
21.14
dvīpam ānandagandharvau agnidvīpaṃ mahāvanam
aṅgāradvīpaparyantaṃ nagnadvīpāvasānagam //
die Inseln Ānanda und Gandharva, Agnidvīpa, Mahāvana, bis Aṅgāradvīpa und zuletzt Nagnadvīpa. [Namensabgrenzungen und Gesamtsumme bedürfen der Editionsprüfung.]
21.15
eṣāṃ dvīpādhipānāṃ ca nāmaṃ vakṣyāmi tac chṛṇu
kṣetrapālā mahāraudrā rakṣāṃ kurvanti sādhake //
Höre die Namen ihrer Inselherren. Die äußerst wilden Feldhüter schützen den Sādhaka.
21.16
vidrumo gastinaś caṇḍas tathā yakṣo gaṇādhipaḥ
mahābhṛgur jayo nāma mahājihvas tu vikramaḥ //
Vidruma, Gastina, Caṇḍa, Yakṣa, Gaṇādhipa, Mahābhṛgu, Jaya, Mahājihva und Vikrama,
21.17
dhvāṅkṣaś ca jayabhadraś ca pīṭhe pīṭhe samāsate
mahādivyo dadhīciś ca kumārīśas tathāparaḥ //
Dhvāṅkṣa und Jayabhadra sitzen an den jeweiligen Pīṭhas; [ferner] Mahādivya, Dadhīci und Kumārīśa,
21.18
mahādhaṃṣṭraḥ karālīśaḥ śrutīdharo nigadyate
mahādhvāṅkṣo mahānandī sugandhī ca gopālakaḥ //
Mahādhaṃṣṭra, Karālīśa, Śrutīdhara, Mahādhvāṅkṣa, Mahānandī, Sugandhī und Gopālaka,
21.19
puṣpadanto dhanāḍhyaś ca vipulo nandakārakaḥ
śukro viḍālo dvāv etau śukāruṇaśubhānanau //
Puṣpadanta, Dhanāḍhya, Vipula, Nandakāraka, Śukra und Viḍāla sowie Śuka, Aruṇa und Śubhānana,
21.20
ratipriyasurapriyau dvau citrāṅgasudurjayau
rasano viḍālaḥ pradyumnaḥ kṣetrapālāḥ kulakrame //
Ratipriya und Surapriya, Citrāṅga und Sudurjaya, Rasana, Viḍāla und Pradyumna: Feldhüter der Kula-Folge. [Wiederholte Namen und schwankende Namensformen bleiben erhalten.]
21.21
manoharā rūpiṇī devī citrā citrarathā tathā
citrāṅgī citrarekhā ca vicitrā citranā śubhā //
Manoharā, Rūpiṇī, Devī, Citrā, Citrarathā, Citrāṅgī, Citrarekhā, Vicitrā, Citranā und Śubhā,
21.22
citrākṣī citrarūpā ca subhadrā kāmadā śubhā
kakārasya imā devyaḥ kanyadvīpādhikariṇī[ḥ] //
Citrākṣī, Citrarūpā, Subhadrā, Kāmadā und Śubhā: Diese Göttinnen des Ka herrschen über Kanyadvīpa. [Mögliche Namen und Attribute sind nicht überall eindeutig abgrenzbar.]
21.23
kṣetrapālo mahāviṣṇuś cakrahasto mahābalaḥ
krūrā ca piṅgalā caiva khaḍgikā lampaṭā satī //
Feldhüter ist der mächtige Mahāviṣṇu mit dem Diskus. [Es folgen:] Krūrā, Piṅgalā, Khaḍgikā, Lampaṭā und Satī,
21.24
daṃṣṭrālī rākṣasī dhvāṅkṣī lolupā lohitāmukhī
bahvāśī ca virūpā ca lampaṭā āmiṣapriyā //
Daṃṣṭrālī, Rākṣasī, Dhvāṅkṣī, Lolupā, Lohitāmukhī, Bahvāśī, Virūpā, Lampaṭā und Āmiṣapriyā.
21.25
khakārasya imā devyaḥ siṃhaladvīpam āśritāḥ
kṣetrapālo mahāyogī agastiś ca mahā-ṛṣiḥ //
Diese Göttinnen des Kha wohnen auf Siṃhaladvīpa. Ihr Feldhüter ist der große Yogin und Ṛṣi Agasti.
21.26
suprakīrṇā prakīrṇā ca lambā lambamukhī tathā
lamboṣṭhī dīrghadaṃṣṭrā ca lambajā prāṇahāmukhī //
Suprakīrṇā, Prakīrṇā, Lambā, Lambamukhī, Lamboṣṭhī, Dīrghadaṃṣṭrā, Lambajā und Prāṇahāmukhī,
21.27
gajakarṇā sukarṇā ca mahākālī subhīṣaṇā
vātavegā ravā ghorā gakāre devatāḥ sthitāḥ //
Gajakarṇā, Sukarṇā, Mahākālī, Subhīṣaṇā, Vātavegā, Ravā und Ghorā sind Gottheiten des Ga.
21.28
svarṇadvīpādhikāriṇyaś caṇḍanātho mahābalaḥ
ghanaravā ghoraghoṣā mahāghoṣātighoṣikā //
Sie herrschen über Svarṇadvīpa; [ihr Herr ist] der mächtige Caṇḍanātha. [Es folgen:] Ghanaravā, Ghoraghoṣā, Mahāghoṣā und Atighoṣikā,
21.29
ghaṇṭā ghaṇṭeśvarī ghorā mahāghaṇṭā sughaṇṭikā
atighaṇṭātighorā ca kalakalāraveti ca //
Ghaṇṭā, Ghaṇṭeśvarī, Ghorā, Mahāghaṇṭā, Sughaṇṭikā, Atighaṇṭā, Atighorā und Kalakalāravā.
21.30
ghakāre devatā hy etāḥ karṇāprāvṛtamaṇḍale
yakṣarājā mahādevaḥ kṣetrapālo mahābalaḥ //
Diese Gottheiten des Gha liegen im Karṇāprāvṛta-Maṇḍala. Der mächtige Feldhüter ist Yakṣarāja-Mahādeva.
21.31
vibhūtir bhogadā kāntiḥ khaḍginī padminī tathā
gāndhāri yogamātā ca sudhārā paramojjvalā //
Vibhūti, Bhogadā, Kānti, Khaḍginī, Padminī, Gāndhārī, Yogamātā, Sudhārā und Paramojjvalā,
21.32
sehārī māṃsahārī ca prāṇahārī balāpahā
ṛcchikā gṛdhratuṇḍī ca revatī raṅgisaṃjñikā //
Sehārī, Māṃsahārī, Prāṇahārī, Balāpahā, Ṛcchikā, Gṛdhratuṇḍī, Revatī und die Raṅgi Genannte:
21.33
ṅakāre devatā hy etāḥ svāmukhe maṇḍale sthitāḥ
rājyaṃ pālayate deśe kavarge uttarāpathe //
Diese Gottheiten des Ṅa stehen im Svāmukha-Maṇḍala. Im nördlichen Land bewahrt [die Ka-Gruppe] das Reich.
21.34
kṣetrapālo gaṇapati rakṣāṃ kurvanti sādhake
caṇḍā caṇḍamukhī caṇḍā caṇḍavegā mahāravā //
Feldhüter ist Gaṇapati; sie schützen den Sādhaka. [Es folgen:] Caṇḍā, Caṇḍamukhī, Caṇḍā, Caṇḍavegā und Mahāravā,
21.35
bhṛkuṭī caṇḍavīryā ca caṇḍabhrū caṇḍanāyikā
cañcalā calavegā ca calajihvā caleśvarī //
Bhṛkuṭī, Caṇḍavīryā, Caṇḍabhrū, Caṇḍanāyikā, Cañcalā, Calavegā, Calajihvā und Caleśvarī.
21.36
cakāre devatā hy etāḥ kṣetrapālo mahājayaḥ
kulūtadeśavāsinyo rakṣāṃ kurvanti sādhake //
Diese Gottheiten des Ca wohnen im Land Kulūta und schützen den Sādhaka. Ihr Feldhüter ist Mahājaya.
21.37
kālarātrī ca vetālī kaṅkālī ca karaṅkiṇī
kiṅkiṇī caṇḍaghoṣā ca aṭṭahāsā mahāravā //
Kālarātrī, Vetālī, Kaṅkālī, Karaṅkiṇī, Kiṅkiṇī, Caṇḍaghoṣā, Aṭṭahāsā und Mahāravā,
21.38
caṇḍamātaṅgī caṇḍālī sūkarī kukkuṭī tathā
gandhārī ḍombī campākṣī chakāre devatāḥ smṛtāḥ //
Caṇḍamātaṅgī, Caṇḍālī, Sūkarī, Kukkuṭī, Gandhārī, Ḍombī und Campākṣī heißen Gottheiten des Cha.
21.39
nāyikā oḍḍiyāne tu kṣetrapālo mahābhṛguḥ
jvalinī jvālinī caiva mahājvālāvatī prabhā //
Sie herrschen in Oḍḍiyāna; Feldhüter ist Mahābhṛgu. [Es folgen:] Jvalinī, Jvālinī, Mahājvālāvatī und Prabhā,
21.40
tejā tejavatī vahniḥ sutejā nirmalojjvalā
jvālāvatī karālī ca visphuliṅgā śikhāśikhī //
Tejā, Tejavatī, Vahni, Sutejā, Nirmalojjvalā, Jvālāvatī, Karālī, Visphuliṅgā und Śikhāśikhī.
21.41
jakāre devatā rājñaḥ sarvasattvavaśaṅkarī[ḥ]
jālandhare ca deveśe kṣetrapālo mahājihvaḥ //
Die herrschenden Gottheiten des Ja unterwerfen alle Wesen. In Jālandhara ist Mahājihva Feldhüter, Götterherr.
21.42
subhadrā bhīmabhadrā ca bhadrā caiva śubhānanā
bhīmā bhīmavatī kāntī kaṅkālī ca karālinī //
Subhadrā, Bhīmabhadrā, Bhadrā, Śubhānanā, Bhīmā, Bhīmavatī, Kāntī, Kaṅkālī und Karālinī,
21.43
bhadrakālī sukālī ca vikaṭā kaṅkaṭeti ca
cārvākī lampaṭī caiva jhakāre devatāḥ smṛtāḥ //
Bhadrakālī, Sukālī, Vikaṭā, Kaṅkaṭā, Cārvākī und Lampaṭī heißen Gottheiten des Jha.
21.44
maṇḍale ekapāde tu mahāmāyā balotkaṭāḥ
citraseno mahāvīraḥ kṣetrapālo mahābhayaḥ //
Im Ekapāda-Maṇḍala [sind sie] große Māyās von heftiger Kraft. Feldhüter ist Citraseṇa, großer Held und große Furcht.
21.45
subhaṭodbhaṭā vikaṭā kuṭilā caiva kaṅkaṭā
vīramātā suvīrā ca khaḍginī śūlinī kharā //
Subhaṭā, Udbhaṭā, Vikaṭā, Kuṭilā, Kaṅkaṭā, Vīramātā, Suvīrā, Khaḍginī, Śūlinī und Kharā,
21.46
chucchundarī viḍālī ca ñakāre devatāgaṇāḥ
pārase tu mahādevyo adhikāraṃ prakurvate //
Chucchundarī und Viḍālī bilden die Gottheitenschar des Ña. Diese großen Göttinnen üben ihre Herrschaft in Pārasa aus.
21.47
dhvāṅkṣo nāmeti vikhyātaḥ kṣetrapālo bhayānakaḥ
rājā dakṣiṇadeśe tu cavarge ca kramīśvarī //
Dhvāṅkṣa heißt der furchterregende Feldhüter. Die Herrin der Folge herrscht im südlichen Land in der Ca-Gruppe.
21.48
mṛgā ca śaśirekhā ca hariṇī rohiṇī tathā
amṛtodbhavā parṇajīvī jīvarakṣā sujīvikā //
Mṛgā, Śaśirekhā, Hariṇī, Rohiṇī, Amṛtodbhavā, Parṇajīvī, Jīvarakṣā und Sujīvikā,
21.49
hariṇākṣī sujīvā ca candrodayāmṛtodbhavā
ṭakāre devatā hy etāḥ kuśadvīpe vyavasthitāḥ //
Hariṇākṣī, Sujīvā, Candrodayā und Amṛtodbhavā: Diese Gottheiten des Ṭa stehen auf Kuśadvīpa.
21.50
kṣetrapālo jayabhadraḥ kuśadvīpaprapālakaḥ
vyomanī vyomarūpā ca vyomavyāpī śubhodayā //
Jayabhadra ist Feldhüter und Beschützer Kuśadvīpas. [Es folgen:] Vyomanī, Vyomarūpā, Vyomavyāpī und Śubhodayā,
21.51
grahacārī sucārī ca viṣahārī viṣāntikā
jṛmbhodyānā ca phetkārī devakī durjayā mahā //
Grahacārī, Sucārī, Viṣahārī, Viṣāntikā, Jṛmbhodyānā, Phetkārī, Devakī, Durjayā und Mahā.
21.52
ṭhakāre devatāḥ pūjyāḥ śālmalīdvīpam āśritāḥ
kṣetrapālo mahādivyaḥ kapālahasto mahābalaḥ //
Die verehrungswürdigen Gottheiten des Ṭha wohnen auf Śālmalīdvīpa. Ihr mächtiger Feldhüter Mahādivya trägt eine Schädelschale.
21.53
cañcalā capalā caṇḍā ḍamarī ḍāmarī śubhā
ḍiṇḍinī muṇḍinī muṇḍā śākinī ḍākinīti ca //
Cañcalā, Capalā, Caṇḍā, Ḍamarī, Ḍāmarī, Śubhā, Ḍiṇḍinī, Muṇḍinī, Muṇḍā, Śākinī und Ḍākinī,
21.54
kartanī kākinī devī haṭṭakī ḍākinī mahā
ḍakāre devatā hy etāś cīnadvīpe vyavasthitāḥ //
Kartanī, Kākinī, Devī, Haṭṭakī, Ḍākinī und Mahā: Diese Gottheiten des Ḍa stehen auf Cīnadvīpa.
21.55
dadhīciḥ kṣetrapālas tu tatra deśe prapūjayet
yamadaṃṣṭrā mahādaṃṣṭrā antramālā karālikā //
Dadhīci ist dort als Feldhüter zu verehren. [Es folgen:] Yamadaṃṣṭrā, Mahādaṃṣṭrā, Antramālā und Karālikā,
21.56
vikarālā karālinyā tālajaṅghā sujaṅghikā
lohajaṅghātijaṅghā ca mahāvegātivegagā //
Vikarālā, Karālinī, Tālajaṅghā, Sujaṅghikā, Lohajaṅghā, Atijaṅghā, Mahāvegā und Ativegagā,
21.57
vajraśaṅkhī naṭī caiva balā caiva tathāparā
ḍhakāre devatā nāma kumārīdvīpam āśritāḥ //
Vajraśaṅkhī, Naṭī und Balā. Diese Gottheiten des Ḍha wohnen auf Kumārīdvīpa.
21.58
kṣetrapālaḥ kumārīśo rakṣapālas tathaiva ca
balā cātibalā caiva ajitā cāparājitā //
Feldhüter und Schutzhüter ist Kumārīśa. [Es folgen:] Balā, Atibalā, Ajitā und Aparājitā,
21.59
jayā ca vijayā devī jṛmbhanī stambhanī tathā
andhanī mohanī māyā nigaḍā kīlanī tathā //
Jayā, Vijayā, Jṛmbhanī, Stambhanī, Andhanī, Mohanī, Māyā, Nigaḍā und Kīlanī.
21.60
yavadvīpe sthitā devya adhikāraṃ prakurvate
mahādaṃṣṭras tu vikhyātaḥ kṣetrapālo mahābalaḥ //
Die Göttinnen stehen auf Yavadvīpa und üben Herrschaft aus. Mahādaṃṣṭra heißt der mächtige Feldhüter.
21.61
ṇakāre devatā hy etāḥ kāmarūpanivāsitāḥ
danturā raudrabhāṣā ca abhramāla kulāsubhā //
Diese Gottheiten des Ṇa wohnen in Kāmarūpa. [Es folgen:] Danturā, Raudrabhāṣā, Abhramālā und Kulāsubhā. [Die Ortszuordnung schwankt gegenüber 21.60.]
21.62
calajihvāgraṇetrā ca ruru[r] hūṃkārikā tathā
khādakā rūpanāma ca saṃhārī ca kṣayāntikā //
Calajihvā, Agraṇetrā, Ruru, Hūṃkārikā, Khādakā, Rūpanāmā, Saṃhārī und Kṣayāntikā,
21.63
kaṇḍanī peṣaṇī caiva mahāgrāsī kṛtāntikā
takāre devatāḥ khyātāḥ puṣkaradvīpam āśritāḥ //
Kaṇḍanī, Peṣaṇī, Mahāgrāsī und Kṛtāntikā heißen Gottheiten des Ta, auf Puṣkaradvīpa wohnhaft.
21.64
nāyakā devatā nāma kṣetrapālaḥ śrutīdharaḥ
ḍambhakī ḍimbhiḍimbhā ca kaivartarajalehikā //
[Diese heißen] führende Gottheiten; Feldhüter ist Śrutīdhara. [Es folgen:] Ḍambhakī, Ḍimbhiḍimbhā und Kaivartarajalehikā. [Letztere Namensfolge ist unsicher geteilt.]
21.65
dravaṇī drāvaṇī kṣobhā plavanī plāvanīti ca
madotkaṭā madakṣobhā madavāhā mahābalā //
Dravaṇī, Drāvaṇī, Kṣobhā, Plavanī, Plāvanī, Madotkaṭā, Madakṣobhā, Madavāhā und Mahābalā,
21.66
kāmasandīpanī devī atirūpā manoharā
thakāre devatā nāma saṃsthitā[ḥ ] paratīrake //
Göttin Kāmasandīpanī, Atirūpā und Manoharā: Diese Gottheiten des Tha stehen am anderen Ufer.
21.67
kṣetrapālo mahādhvāṅkṣaḥ khaḍgahasto mahābalaḥ
aruṇā ghoṣadevī ca revatī ghoradāyikā //
Feldhüter ist der mächtige Schwertträger Mahādhvāṅkṣa. [Es folgen:] Aruṇā, Ghoṣadevī, Revatī und Ghoradāyikā,
21.68
stambhanī ghorarakṣā ca ghorarūpā ca ghoriṇī
ghoraghoratarāghorā ghorā vikaṭanāyikā //
Stambhanī, Ghorarakṣā, Ghorarūpā, Ghoriṇī, Ghoraghoratarā, Aghorā, Ghorā und Vikaṭanāyikā,
21.69
vānarī kroṣṭakī caiva surāsavamadhupriyā
dakāre devatā rājāś cīnadeśe suvāsitāḥ //
Vānarī und Kroṣṭakī, die Surā, Āsava und Honig lieben: Diese herrschenden Gottheiten des Da wohnen im Land Cīna.
21.70
kṣetrapālo mahānandī śūlahasto mahābalaḥ
bhīmarāvā surāvā ca saṃstārī savarākṣikā //
Feldhüter ist Mahānandī, mächtiger Dreizackträger. [Es folgen:] Bhīmarāvā, Surāvā, Saṃstārī und Savarākṣikā,
21.71
stambhanī roṣaṇī raudrā rudravatyā chalāpahā
mahāśaktiḥ kṣāntiśīlā vajratuṇḍī vṛkodarī //
Stambhanī, Roṣaṇī, Raudrā, Rudravatī, Chalāpahā, Mahāśakti, Kṣāntiśīlā, Vajratuṇḍī und Vṛkodarī.
21.72
dhakāre devatā hy etāḥ pūjanīyāḥ sadā budhaiḥ
kṣetrapālaḥ sugandhī ca gandharvo vīṇahastakaḥ //
Diese Gottheiten des Dha sind von Verständigen stets zu verehren. Feldhüter ist Sugandhī, ein Gandharva mit der Vīṇā.
21.73
candradvīpe suvāsinyo ārtānām ārtināśanī[ḥ]
kalanī kṛntanī kālī kālasaṃvartanī kalā //
Sie wohnen auf Candradvīpa und vernichten die Not der Leidenden. [Es folgen:] Kalanī, Kṛntanī, Kālī, Kālasaṃvartanī und Kalā,
21.74
anteṣṭhī ca pratiṣṭhā ca śāntipuṣṭikarī tathā
jayā dhṛtikarī saumyā kāmadā śubhadānanā //
Anteṣṭhī, Pratiṣṭhā, Śāntipuṣṭikarī, Jayā, Dhṛtikarī, Saumyā, Kāmadā und Śubhadānanā,
21.75
sutejā kāmamatikā nakāre devatāḥ śubhāḥ
janadvīparatā nityaṃ sādhakānāṃ tu vatsalāḥ //
Sutejā und Kāmamatikā: Diese heilvollen Gottheiten des Na weilen stets auf Janadvīpa und lieben die Sādhakas.
21.76
kṣetrapālas tu gopālo dharmajñaḥ satyavādinaḥ
dharmā dharmavatī śīlā pāpahā dharmavardhanī //
Feldhüter ist Gopāla, Kenner des Dharma und wahrhaftig. [Es folgen:] Dharmā, Dharmavatī, Śīlā, Pāpahā und Dharmavardhanī,
21.77
dharmarakṣitavārtā ca dharmādharmavatīti ca
dharmakartā dharmapriyā dharmasandīpanīti ca //
Dharmarakṣitavārtā, Dharmādharmavatī, Dharmakartā, Dharmapriyā und Dharmasandīpanī. [Einzelne Namensgrenzen sind unsicher.]
21.78
pakāre devatā rājā ratnadvīpārṇave sthitāḥ
kṣetrapālo mahākāyas tasmin deśe ' dhipo mahān //
Die herrschenden Gottheiten des Pa stehen im Ozean von Ratnadvīpa. Feldhüter und großer Landesherr ist Mahākāya.
21.79
sumatir durmatir medhā vimalā manavikāśinī
śuddhir buddhir matiḥ kāntir balotsāhanavardhanī //
Sumati, Durmati, Medhā, Vimalā, Manavikāśinī, Śuddhi, Buddhi, Mati, Kānti und Balotsāhanavardhanī,
21.80
balā cātibalā caiva prāṇavṛddhikarī parā
nirlepā nirghṛṇā māyā sarvapāpakṣayaṅkarī //
Balā, Atibalā, die höchste Prāṇavṛddhikarī, Nirlepā, Nirghṛṇā, Māyā und Sarvapāpakṣayaṅkarī:
21.81
phakāre devatā rājā saradvīpe suvāsinaḥ
puṣpadantas tu vikhyātaḥ kṣetrapālo mahābalaḥ //
Die herrschenden Gottheiten des Pha wohnen auf Saradvīpa. Puṣpadanta heißt der mächtige Feldhüter.
21.82
raktā caiva viraktā ca udvegā śokavardhanī
kāmatṛṣṇā kṣudhā mohā nidrālasabhayā jarā //
Raktā, Viraktā, Udvegā, Śokavardhanī, Kāmatṛṣṇā, Kṣudhā, Mohā, Nidrā, Ālasa, Bhayā und Jarā,
21.83
sukṛṣṇā rodanī kuṣmā malāṅgī śiśunāśanī
bakāre devatā rājā hy etā gomedamaṇḍale //
Sukṛṣṇā, Rodanī, Kuṣmā, Malāṅgī und Śiśunāśanī: Diese herrschenden Gottheiten des Ba stehen im Gomeda-Maṇḍala.
21.84
dhanado nāma vikhyātaḥ kṣetrapālo mahāyaśaḥ
tṛṣṇā ca kāmadā bhogā nirduḥkhā sukhadā tathā //
Dhanada heißt der ruhmreiche Feldhüter. [Es folgen:] Tṛṣṇā, Kāmadā, Bhogā, Nirduḥkhā und Sukhadā,
21.85
ānandā ca sunandā ca mahānandā śubhaṅkarī
vītarāgā mahotsāhā jitarāgā manoramā //
Ānandā, Sunandā, Mahānandā, Śubhaṅkarī, Vītarāgā, Mahotsāhā, Jitarāgā und Manoramā.
21.86
bhakāre devatā hy etā madhye garbhodamaṇḍale
vipulo nāma vikhyātaḥ kṣetrapālo mahābalaḥ //
Diese Gottheiten des Bha stehen im Garbhoda-Maṇḍala. Vipula heißt der mächtige Feldhüter.
21.87
manonmanī manaḥkṣobhā madonmattā madākulā
madā gajamadā nāma kāmānandasuvihvalā //
Manonmanī, Manaḥkṣobhā, Madonmattā, Madākulā, Madā, Gajamadā und Kāmānandasuvihvalā,
21.88
mahāvegā suvegā ca mahāvegā kṣaṇāpahā
kramaṇī caiva nāmā ca krāmaṇī ca tathāparā //
Mahāvegā, Suvegā, Mahāvegā, Kṣaṇāpahā, Kramaṇī, Nāmā und die weitere Krāmaṇī. [Wiederholung und mögliche Attribute bleiben erkennbar.]
21.89
sūryadvīpe mahāyogī[ḥ] sarvāḥ kanakapiṅgalāḥ
makārasya imā devyo rājā adhipatir mahān //
Auf Sūryadvīpa sind alle großen Yoginīs goldgelbbraun. Diese Göttinnen gehören zu Ma; [dort herrscht] ein großer Herrscher.
21.90
ānando nāma vikhyātaḥ kṣetrapālaḥ sadā sthitaḥ
hayavegā suvegā ca ativegavatī mahā //
Ānanda heißt der stets gegenwärtige Feldhüter. [Es folgen:] Hayavegā, Suvegā und die große Ativegavatī,
21.91
cakravegā viruddhā ca calacittavatī matī
rodanī kṣodanī bālā 'tiroṣā kalahapriyā //
Cakravegā, Viruddhā, Calacittavatī, Matī, Rodanī, Kṣodanī, Bālā, Atiroṣā und Kalahapriyā,
21.92
vidrutā trāsanī devī manovegā ca cañcalā
yakāre devatā rājā āsavadvīpasaṃsthitāḥ //
Vidrutā, Göttin Trāsanī, Manovegā und Cañcalā: Die herrschenden Gottheiten des Ya stehen auf Āsavadvīpa.
21.93
śukro nāmeti vikhyātaḥ kṣetrapālo mahābalaḥ
vidyujjihvā mahājihvā śṛṅgāṭā kuṭilā sphuṭā //
Śukra heißt der mächtige Feldhüter. [Es folgen:] Vidyujjihvā, Mahājihvā, Śṛṅgāṭā, Kuṭilā und Sphuṭā,
21.94
jvālā caiva sujvālā ca mahājvālā tathaiva ca
jvālāvatī visphuliṅgā jvālābhasmakṣayāntakā //
Jvālā, Sujvālā, Mahājvālā, Jvālāvatī, Visphuliṅgā und Jvālābhasmakṣayāntakā.
21.95
rakāramadhyagā devyo marudeśādhipo mahān
viḍālaḥ kṣetrapālaś ca mahābalaparākramaḥ //
Die Göttinnen stehen im Ra; der große Herr des Maru-Landes und Feldhüter ist Viḍāla, von mächtiger Kraft und Tapferkeit.
21.96
ullekhā ca patākā ca bhogā bhogavatī mahā
mahābhogātibhogā ca bhogāḍhyā bhogapāragā //
Ullekhā, Patākā, Bhogā, die große Bhogavatī, Mahābhogā, Atibhogā, Bhogāḍhyā und Bhogapāragā,
21.97
ṛddhir vṛddhir dhṛtiḥ kāntir lakāre devatāḥ śubhāḥ
vasantadvīpavāsinyaḥ kṣetrapālaś ca kāruṇī //
Ṛddhi, Vṛddhi, Dhṛti und Kānti sind heilvolle Gottheiten des La, auf Vasantadvīpa wohnhaft; Feldhüter ist Kāruṇī.
21.98
variṣṭhā ca parā divyā amṛtā tu phalāśinī
hariṇākṣī suvarṇā ca kanakareṇupiñjarā //
Variṣṭhā, Parā, Divyā, Amṛtā, Phalāśinī, Hariṇākṣī, Suvarṇā und Kanakareṇupiñjarā,
21.99
ratnā ca ratnadvīpā ca sudvīpā ratnamālinī
ratnaśobhā mahāśobhā romaśobhā parādyutiḥ //
Ratnā, Ratnadvīpā, Sudvīpā, Ratnamālinī, Ratnaśobhā, Mahāśobhā, Romaśobhā und Parādyuti:
21.100
vakāre devatā hy etāḥ saradvīpādhivāsitā[ḥ]
kṣetrapālas tu vikhyātaḥ śubhānano balotkaṭaḥ //
Diese Gottheiten des Va wohnen auf Saradvīpa. Śubhānana heißt der Feldhüter von heftiger Kraft.
21.101
savarī barbarī gṛdhrī ghaṇṭakarṇā kharānanā
hayagrīvā ca jaṅghā ca sarvagrāsā kṛtāntakā //
Savarī, Barbarī, Gṛdhrī, Ghaṇṭakarṇā, Kharānanā, Hayagrīvā, Jaṅghā, Sarvagrāsā und Kṛtāntakā,
21.102
sarvāśī ca mahābhakṣā mahādaṃṣṭrātirauravā
śakāre devatā nāma kathitāś ca mahāyaśāḥ //
Sarvāśī, Mahābhakṣā, Mahādaṃṣṭrā und Atirauravā: Diese ruhmreichen Gottheiten des Śa sind genannt.
21.103
amṛtāsavadvīpe ca kṣetrapālo ratipriyaḥ
rāgā rāgavatī krodhā mahābhogā ca rauravā //
Auf Amṛtāsavadvīpa ist Ratipriya Feldhüter. [Es folgen:] Rāgā, Rāgavatī, Krodhā, Mahābhogā und Rauravā,
21.104
kruddhanī roṣaṇī kalahā kalakālī kalāntikā
durbhedyā durbhaṭā caiva dumirīkṣā subhīṣaṇā //
Kruddhanī, Roṣaṇī, Kalahā, Kalakālī, Kalāntikā, Durbhedyā, Durbhaṭā, Dumirīkṣā und Subhīṣaṇā,
21.105
yamāntakā kalī nāma ṣakāre devatāḥ śubhāḥ
ānandadvīpavāsinyo devyo akṣayayauvanāḥ //
Yamāntakā und Kalī: Diese heilvollen Gottheiten des Ṣa wohnen auf Ānandadvīpa, Göttinnen von unvergänglicher Jugend.
21.106
devaś ca kṣetrapālo 'tra surāsavavarapriyaḥ
naṭī nāṭī kunāṭī ca vāṭakī hāṭakī viṭī //
Der göttliche Feldhüter liebt besonders Surā und Āsava. [Es folgen:] Naṭī, Nāṭī, Kunāṭī, Vāṭakī, Hāṭakī und Viṭī,
21.107
kaṅkaṭā vikaṭā caiva subhaṭā ca bhaṭodbhavā
sakāre devatā nāma gāndharvadvīpavāsinaḥ //
Kaṅkaṭā, Vikaṭā, Subhaṭā und Bhaṭodbhavā: Diese Gottheiten des Sa wohnen auf Gāndharvadvīpa.
21.108
vīṇāvaṃśaratā devī nodaṃ gandharvakinnaraiḥ
citrāṅgaḥ kṣetrapālaś ca merūrdhvavalaye sthitaḥ //
Die Göttinnen erfreuen sich an Vīṇā und Flöte, [an Klang] mit Gandharvas und Kinnaras. Feldhüter ist Citrāṅga, im Kreis oberhalb des Meru. [„nodaṃ“ ist unsicher.]
21.109
nādākṣī nādarūpā ca sarvākārī gamāgamā
antacārī sucārī ca ūrdhvanādī suvāhinī //
Nādākṣī, Nādarūpā, Sarvākārī, Gamāgamā, Antacārī, Sucārī, Ūrdhvanādī und Suvāhinī,
21.110
saṃyogā ca viyogā ca haṃsākhyā ca visālinī
aṅgāradvīpavāsinyo hakārākṣarasambhavāḥ //
Saṃyogā, Viyogā, Haṃsā und Visālinī wohnen auf Aṅgāradvīpa und entstehen aus dem Laut Ha.
21.111
viḍālo nāma vikhyātaḥ kṣetrapālo mahābalaḥ
sarvagrāsī kṛtāntī ca pavanī pāvanī tathā //
Viḍāla heißt der mächtige Feldhüter. [Es folgen:] Sarvagrāsī, Kṛtāntī, Pavanī und Pāvanī,
21.112
bhedanī chedanī caiva sarvakārī kṣudhāśanī
ucchuṣmā devagāndhārī bhasmāntā vaḍavānalā //
Bhedanī, Chedanī, Sarvakārī, Kṣudhāśanī, Ucchuṣmā, Devagāndhārī, Bhasmāntā und Vaḍavānalā,
21.113
bahvāśī agnidvīpā ca kṣamā kṣemakarī parā
kṣakāre devatā hy etā nagnadvīparatāḥ priye //
Bahvāśī, Agnidvīpā, Kṣamā und die höchste Kṣemakarī: Diese Gottheiten des Kṣa erfreuen sich an Nagnadvīpa, Geliebte.
21.114
pradyumnaḥ kṣetrapālaś ca mahābalaparākramaḥ //
Pradyumna ist Feldhüter, von großer Kraft und Tapferkeit.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate dvīpāmnāyo nāma ekaviṃśatimaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das einundzwanzigste Kapitel mit dem Titel „Inselüberlieferung“.
Kapitel 22
Übersetzungsstatus: Alle Quellblöcke dieses Kapitels sind bearbeitet. Einzelne Formeln sind nicht vollständig sprachlich aufgelöst; die betreffenden deutschen Hinweise und Teilübersetzungen werden in der Übersicht nicht als vollständig übersetzte Blöcke gezählt.
22.1
śrutā deva mahāvyāptiḥ samastavyastavistarāt
idānīṃ śrotum icchāmi tvatsakāśān manodbhavām //
[Die Göttin fragt:] Ich habe die große Durchdringung in gesamter und gesonderter Ausführung gehört. Nun möchte ich von dir die geistgeborene,
22.2
aparāṃ dehajair bhinnāṃ śabdarāśiṃ sabhairavam //
weitere, durch Körpergeborene unterschiedene Lautmenge samt Bhairava hören.
22.3
sādhu bhadre punaḥ sādhu mahāvastuprabodhake
tad ahaṃ sampravakṣyāmi siddhakaulaṃ mahātape //
[Der Herr spricht:] Gut, Heilvolle, nochmals gut, Erweckerin zur großen Wirklichkeit! Ich erkläre dir den vollendeten Kaula, große Asketin.
Zusatzblock 22.p-1
mahākalpāntasaṃhāre mahāpralayam adbhutam
Bei der Auflösung am Ende des großen Kalpa [entsteht] die erstaunliche große Weltauflösung,
22.4
sūryakoṭikarābhāsaṃ vidyucchaṭalatākulam
kālāgniśikharāṭopaṃ śūlajvālormisaṅkulam //
strahlend wie Millionen Sonnenstrahlen, von Blitzranken erfüllt, gewaltig wie die Spitze des Zeitfeuers, mit Wogen von Dreizackflammen,
22.5
visphuliṅgajvalantaughair mahājvālārcivartulam
jvālāmālākulojjvālaiḥ karālair bhīmabhīṣaṇaiḥ //
von Funkenströmen lodernd, umkreist von großen Flammen, mit wilden, furchtbaren und erschreckenden Flammenketten,
22.6
svargapātālabhūrlokair antarīkṣair diśo daśa
maccharīre samutpannā mahākrodhasamudbhavā //
mit Himmel, Unterwelt, Erde, Zwischenraum und zehn Richtungen. Aus meinem Leib entstand sie, aus großem Zorn.
22.7
akārādikṣakārāntā ekaikākṣarabheditā
bhairavāvalinī devī vilomena samuddharet //
Von A bis Kṣa, nach einzelnen Lauten gegliedert, ziehe man die Göttin Bhairavāvalinī rückläufig heraus.
22.8
tad ahaṃ sampravakṣyāmi śṛṇu kubji mahādhipe
kṣa ha sa āditaḥ kṛtvā akārāntena sampuṭam //
Dies erkläre ich, Kubjī, große Herrin: Von Kṣa, Ha, Sa an bis A bilde man die Umschließung.
22.8 (zweites Vorkommen)
kṣa krodhāvali a ananta ajara bhairava
ha haṃsāvali ā mahānanda āpakumbha bhairava
sa ānandāvali i pracaṇḍa iḍācāra bhairava
ṣa garbhāvali ī ḍāmara indramūrti bhairava
śa saṃhārāvali u udyāna ulkāsya bhairava
va amṛtāvali ū vasanta ūṣmāda bhairava
la vipulāvali ṛ ṛpudarpa ṛpusūdana bhairava
ra kālāntakāvali ṝ kṛtānta ṝmukta bhairava
ya pracaṇḍāvali ḷ prasanna ḷptakāya bhairava
ma mahāmohāvali ḹ mahāmāyā ḹpāda bhairava
bha bhūtabhayāvali e raudra ekadaṃṣṭra bhairava
ba vaḍavāmukhāvali ai mahādaṃṣṭra airāvata bhairava
pha lampaṭāvali o kaṅkāla oghāmbu bhairava
pa pavanāvali au anaṅga auṣadhīghna bhairava
na kusumāvali aṃ svacchanda aṃjana bhairava
dha vipulāvali aḥ manmatha aḥhvakāyabhairava
da suratāvali ka unmatta kambala bhairava
tha kūrmāvali kha meghanāda kharuṣānana bhairava
ta tvaritāvali ga karāla gomukha bhairava
ṇa mandarāvali gha vikarāla ghaṇṭāla bhairava
ḍha khaṭvāṅgāvali ṅa mahābala ṅaṇanāntabhairava
ḍa candrāvali ca asitāṅga caṇḍadhāra bhairava
ṭha vajrāvali cha ulka chaṭāṭopa bhairava
ṭa manthāvali ja ekapāda jaṭālākṣa bhairava
ña kāntāvali jha kapāla jhaṅkīśa bhairava
jha ambikāvali ña vyoma ñabhaṭeśvara bhairava
ja bhedakāvali ṭa vetāla ṭaṅkapāṇi bhairava
cha kṛtāntāvali ṭha āmardaka ṭhānubandha bhairava
ca caturbhujāvali ḍa mahāsāha ḍāmara bhairava
ṅa yogāvali ḍha ruru ḍhaḍhṛkarṇa bhairava
gha bhūtāvali ṇa bhuvana ṇatīkānta bhairava
ga abhayāvali ta vibhūti taḍidbhāsvara bhairava
kha carcakāvali tha ūrdhvasepha thavira bhairava
ka bhasmāntakāvali da krūra dantura bhairava
aḥ sṛṣṭikāvali dha lohita dhanada bhairava
aṃ vijayāvali na lampaṭa nāgakarṇa bhairava
au brahmāvali pa carcaka pracaṇḍa bhairava
o sadyojātāvali pha ....... phetkāra bhairava
ai phetkārāvali ba acintya vīrasiṃha bhairava
e karṇamoṭāvali bha mahādevāṅga bhṛkuṭi bhairava
ḹ mahāmohāvali ma mahākālāgni meghabhāsura bhairava
ḷ mahāmāyāvali ya mārtaṇḍa yugānta bhairava
ṝ gāndhārāvali ra prāṇa raurava bhairava
ṛ puṣpāvali la ananta lamboṣṭha bhairava
ū śabdāvali va ucchuṣma vasala bhairava
u mahāghoṣāvali śa mahāyaśa śukatuṇḍa bhairava
ī sūkṣmāvali ṣa mahodyāna ṣaṭālākṣa bhairava
vidyāvali sa amṛta sunāsa bhairava
ā vyāpakāvali ha śubhaṅkara hūhūka bhairava
a mahāmāyāvali kṣa pralayāntaka kṣayānta bhairava ||
Zuordnung von Laut, Göttinnenreihe und Bhairava-Namen:
Laut kṣa: Reihe krodhāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: a ananta ajara bhairava.
Laut ha: Reihe haṃsāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ā mahānanda āpakumbha bhairava.
Laut sa: Reihe ānandāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: i pracaṇḍa iḍācāra bhairava.
Laut ṣa: Reihe garbhāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ī ḍāmara indramūrti bhairava.
Laut śa: Reihe saṃhārāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: u udyāna ulkāsya bhairava.
Laut va: Reihe amṛtāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ū vasanta ūṣmāda bhairava.
Laut la: Reihe vipulāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṛ ṛpudarpa ṛpusūdana bhairava.
Laut ra: Reihe kālāntakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṝ kṛtānta ṝmukta bhairava.
Laut ya: Reihe pracaṇḍāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḷ prasanna ḷptakāya bhairava.
Laut ma: Reihe mahāmohāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḹ mahāmāyā ḹpāda bhairava.
Laut bha: Reihe bhūtabhayāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: e raudra ekadaṃṣṭra bhairava.
Laut ba: Reihe vaḍavāmukhāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ai mahādaṃṣṭra airāvata bhairava.
Laut pha: Reihe lampaṭāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: o kaṅkāla oghāmbu bhairava.
Laut pa: Reihe pavanāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: au anaṅga auṣadhīghna bhairava.
Laut na: Reihe kusumāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: aṃ svacchanda aṃjana bhairava.
Laut dha: Reihe vipulāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: aḥ manmatha aḥhvakāyabhairava.
Laut da: Reihe suratāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ka unmatta kambala bhairava.
Laut tha: Reihe kūrmāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: kha meghanāda kharuṣānana bhairava.
Laut ta: Reihe tvaritāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ga karāla gomukha bhairava.
Laut ṇa: Reihe mandarāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: gha vikarāla ghaṇṭāla bhairava.
Laut ḍha: Reihe khaṭvāṅgāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṅa mahābala ṅaṇanāntabhairava.
Laut ḍa: Reihe candrāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ca asitāṅga caṇḍadhāra bhairava.
Laut ṭha: Reihe vajrāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: cha ulka chaṭāṭopa bhairava.
Laut ṭa: Reihe manthāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ja ekapāda jaṭālākṣa bhairava.
Laut ña: Reihe kāntāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: jha kapāla jhaṅkīśa bhairava.
Laut jha: Reihe ambikāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ña vyoma ñabhaṭeśvara bhairava.
Laut ja: Reihe bhedakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṭa vetāla ṭaṅkapāṇi bhairava.
Laut cha: Reihe kṛtāntāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṭha āmardaka ṭhānubandha bhairava.
Laut ca: Reihe caturbhujāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḍa mahāsāha ḍāmara bhairava.
Laut ṅa: Reihe yogāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḍha ruru ḍhaḍhṛkarṇa bhairava.
Laut gha: Reihe bhūtāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṇa bhuvana ṇatīkānta bhairava.
Laut ga: Reihe abhayāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ta vibhūti taḍidbhāsvara bhairava.
Laut kha: Reihe carcakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: tha ūrdhvasepha thavira bhairava.
Laut ka: Reihe bhasmāntakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: da krūra dantura bhairava.
Laut aḥ: Reihe sṛṣṭikāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: dha lohita dhanada bhairava.
Laut aṃ: Reihe vijayāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: na lampaṭa nāgakarṇa bhairava.
Laut au: Reihe brahmāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: pa carcaka pracaṇḍa bhairava.
Laut o: Reihe sadyojātāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: pha ....... phetkāra bhairava.
Laut ai: Reihe phetkārāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ba acintya vīrasiṃha bhairava.
Laut e: Reihe karṇamoṭāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: bha mahādevāṅga bhṛkuṭi bhairava.
Laut ḹ: Reihe mahāmohāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ma mahākālāgni meghabhāsura bhairava.
Laut ḷ: Reihe mahāmāyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ya mārtaṇḍa yugānta bhairava.
Laut ṝ: Reihe gāndhārāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ra prāṇa raurava bhairava.
Laut ṛ: Reihe puṣpāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: la ananta lamboṣṭha bhairava.
Laut ū: Reihe śabdāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: va ucchuṣma vasala bhairava.
Laut u: Reihe mahāghoṣāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: śa mahāyaśa śukatuṇḍa bhairava.
Laut ī: Reihe sūkṣmāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṣa mahodyāna ṣaṭālākṣa bhairava.
Laut [in der Quelle nicht angegeben]: Reihe vidyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: sa amṛta sunāsa bhairava.
Laut ā: Reihe vyāpakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ha śubhaṅkara hūhūka bhairava.
Laut a: Reihe mahāmāyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: kṣa pralayāntaka kṣayānta bhairava. [Eigennamen bleiben unübersetzt; fehlende Zeichen und „.......“ werden nicht ergänzt.]
22.9
eṣa krodho mahādevi mama hṛdayaniḥsṛtaḥ
pañcāśabhairavopetā mālinyā saha saṃyutā //
Dies ist der große Zorn aus meinem Herzen, Göttin; [die Kraft] besitzt fünfzig Bhairavas und ist mit Mālinī verbunden.
22.10
anena nyāsamātreṇa sakalīkṛtavigrahaḥ
cintayed deham ātmānam uktalakṣaṇasaṃyutam //
Durch diesen Nyāsa erhält der Leib gegliederte Gestalt. Man stelle sich den eigenen Leib mit den genannten Kennzeichen vor,
22.11
saṃharantaṃ jagat sarvam chindantaṃ pāśapañjaram
nirdahantaṃ jagat sarvam bhasmakūṭaṃ vicintayet //
die ganze Welt auflösend, den Käfig der Fesseln zerschneidend, alles verbrennend; man stelle sich einen Aschenhaufen vor.
22.12
akārādikṣakārāntaṃ paśudehe vicintayet
adhomukhordhvapādāntaṃ saṃhārānalamadhyagam //
Von A bis Kṣa stelle man [die Laute] im gebundenen Leib vor, Kopf abwärts und Füße aufwärts, mitten im Auflösungsfeuer.
22.13
saṃvartānaladahyantaṃ caturdaśaviyojitam
tadbījaṃ sampravakṣyāmi mahākrodhasya bhairavi //
Im Weltauflösungsfeuer brennend, von der Vierzehnheit getrennt. Ich erkläre den Keim dieses großen Zorns, Bhairavī.
22.14ab
mantrasāraṃ varārohe śṛṇu tvaṃ bhāvitātmanā //
Höre mit vergegenwärtigtem Selbst die Essenz des Mantras, Schönhüftige.
22.14
oṃ hūṃ kṣaḥ hūṃ phaṭ hrīṃ chrīṃ kṣaḥ ślīṃ phreṃ hrūṃ hūṃ hūṃ phaṭ ||
[Keimformel ohne zusammenhängenden lexikalischen Satzsinn; die Lautfolge ist vollständig wiedergegeben.]
22.14cd
krodhahṛdayānujā devī mahābhairavam abravīt //
Die aus dem Zornherzen geborene Göttin sprach zu Mahābhairava.
22.15
kujākhyamantram uccārya trailokyam api saṃharet
kailāsam api pātayed vācāsiddhiḥ pravartate //
Durch Aussprechen des Kujā-Mantras kann man selbst die drei Welten auflösen und den Kailāsa niederwerfen; Wirksamkeit der Rede entsteht.
22.16
ekaikākṣarasambhinnām uddharāmi parāparām
akārādikṣakārāntaṃ nāmaṃ vakṣyāmi pārvati //
Ich ziehe die Höhere-und-Niedere nach einzelnen Lauten heraus. Von A bis Kṣa nenne ich ihre Namen, Pārvatī.
Zusatzblock 22.p-4
%%22.16A a anantāvali kṣa gaganavīra
ā pralayāntakāvali ha bhuvanavīra
anantaśaktyāvali sa vijayavīra
ī haṃsāvali ṣa ajayavīra
u mohāvali śa mahā-ajayavīra
ū kriyāśaktyāvali va aṅkuravīra
ṛ bṛhodarāvali la saṃhāravīra
ṝ ripumardakāvali ra kumāravīra
ḷ vidyāśaktyāvali ya mahāyaśavīra
ḹ icchāvali ma mahāsāhasavīra
e ratnāvali bha pracaṇḍavīra
ai vijñānaśaktyāvali ba mahārṇavavīra
o lohitāvali pha mahāmaravīra
au ulkāvali pa mahādambhakavīra
aṃ lolupāvali na carcikavīra
aḥ barbarāvali dha pramathavīra
ka pavanāvali da kanakavīra
kha lampaṭāvali tha kharodakavīra
ga mātāvali ta garuḍavīra
gha raudrāvali ṇa meghanādavīra
ṅa sarvabhakṣāvali ḍha mahāgarjanavīra
ca jyeṣṭhāvali ḍa carvakavīra
cha ambikāvali ṭha chedakavīra
ja vedāvali ṭa triśikhavīra
jha krodhāvali ña mārīcivīra
ña brahmaghoṣāvali jha vidhānavīra
ṭa sarvavīrāvali ja vikaṭavīra
ṭha vajrakāvali cha vasantakavīra
ḍa kanyāvali ca abhayavīra
ḍha prasannāvali ṅa vipakṣavīra
ṇa mahākrodhāvali gha mahābalivīra
ta ḍāmarāvali ga kaṭaṅkaṭavīra
tha mahādaṃṣṭrāvali kha ḍamarukavīra
da ādhārāvali ka dharmavīra
dha āsannāvali aḥ mahātibalavīra
na ujjvalāvali aṃ sarvavīra
pa sāgarāvali au mahākāyavīra
pha tribhuvanāvali o varalāmukhavīra
ba valayāvali ai bhasmāntakavīra
bha nidrāvali e durjayavīra
ma sandhyāvali ḹ mahāvetālavīra
ya candravīṇāvali ḷ mahārauravavīra
ra manmathāvali ṝ mahādurdharavīra
la vyomāvali ṛ mahābhogavīra
va ūṣmāvali ū vajravīra
śa sitāvali u kālāgnivīra
ṣa mahāmāyāvali ī sarvalokavīra
sa sarvadevatāvali i mahānādavīra
ha yogāvali ā parāparavīra
kṣa anantākhyāvali a mahākṣayāntavīra
Zuordnung von Laut, Göttinnenreihe und Heldenname:
Laut a: Reihe anantāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: kṣa gaganavīra.
Laut ā: Reihe pralayāntakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ha bhuvanavīra.
Laut [in der Quelle nicht angegeben]: Reihe anantaśaktyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: sa vijayavīra.
Laut ī: Reihe haṃsāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṣa ajayavīra.
Laut u: Reihe mohāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: śa mahā-ajayavīra.
Laut ū: Reihe kriyāśaktyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: va aṅkuravīra.
Laut ṛ: Reihe bṛhodarāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: la saṃhāravīra.
Laut ṝ: Reihe ripumardakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ra kumāravīra.
Laut ḷ: Reihe vidyāśaktyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ya mahāyaśavīra.
Laut ḹ: Reihe icchāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ma mahāsāhasavīra.
Laut e: Reihe ratnāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: bha pracaṇḍavīra.
Laut ai: Reihe vijñānaśaktyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ba mahārṇavavīra.
Laut o: Reihe lohitāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: pha mahāmaravīra.
Laut au: Reihe ulkāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: pa mahādambhakavīra.
Laut aṃ: Reihe lolupāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: na carcikavīra.
Laut aḥ: Reihe barbarāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: dha pramathavīra.
Laut ka: Reihe pavanāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: da kanakavīra.
Laut kha: Reihe lampaṭāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: tha kharodakavīra.
Laut ga: Reihe mātāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ta garuḍavīra.
Laut gha: Reihe raudrāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṇa meghanādavīra.
Laut ṅa: Reihe sarvabhakṣāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḍha mahāgarjanavīra.
Laut ca: Reihe jyeṣṭhāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḍa carvakavīra.
Laut cha: Reihe ambikāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṭha chedakavīra.
Laut ja: Reihe vedāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṭa triśikhavīra.
Laut jha: Reihe krodhāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ña mārīcivīra.
Laut ña: Reihe brahmaghoṣāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: jha vidhānavīra.
Laut ṭa: Reihe sarvavīrāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ja vikaṭavīra.
Laut ṭha: Reihe vajrakāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: cha vasantakavīra.
Laut ḍa: Reihe kanyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ca abhayavīra.
Laut ḍha: Reihe prasannāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṅa vipakṣavīra.
Laut ṇa: Reihe mahākrodhāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: gha mahābalivīra.
Laut ta: Reihe ḍāmarāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ga kaṭaṅkaṭavīra.
Laut tha: Reihe mahādaṃṣṭrāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: kha ḍamarukavīra.
Laut da: Reihe ādhārāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ka dharmavīra.
Laut dha: Reihe āsannāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: aḥ mahātibalavīra.
Laut na: Reihe ujjvalāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: aṃ sarvavīra.
Laut pa: Reihe sāgarāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: au mahākāyavīra.
Laut pha: Reihe tribhuvanāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: o varalāmukhavīra.
Laut ba: Reihe valayāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ai bhasmāntakavīra.
Laut bha: Reihe nidrāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: e durjayavīra.
Laut ma: Reihe sandhyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḹ mahāvetālavīra.
Laut ya: Reihe candravīṇāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ḷ mahārauravavīra.
Laut ra: Reihe manmathāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṝ mahādurdharavīra.
Laut la: Reihe vyomāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ṛ mahābhogavīra.
Laut va: Reihe ūṣmāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ū vajravīra.
Laut śa: Reihe sitāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: u kālāgnivīra.
Laut ṣa: Reihe mahāmāyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ī sarvalokavīra.
Laut sa: Reihe sarvadevatāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: i mahānādavīra.
Laut ha: Reihe yogāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: ā parāparavīra.
Laut kṣa: Reihe anantākhyāvali; zugeordnete Laut-/Namensfolge: a mahākṣayāntavīra. [Eigennamen bleiben unübersetzt; fehlende Zeichen und „.......“ werden nicht ergänzt.]
22.17
athāparā parā khyātā mahāmāyā parāparā
mantragarbhā mahādevī viśrutā bhuvanatraye //
Die Niedere ist als Höchste bekannt, die große Māyā als Höhere-und-Niedere. Die große Göttin trägt Mantras im Inneren und ist in den drei Welten berühmt.
22.18
yryauṃ rryauṃ lryauṃ vryauṃ śryauṃ ṣryauṃ sryauṃ hryauṃ kṣryauṃ kāmākhyasya hsryauṃ pūrṇagiri smryauṃ oḍḍiyāna kṣmryauṃ jālandhara |
śrī hā ka ḍo ka śrī kāmarivāḍī śrī devavāḍī śrīṃ hrīṃ amṛtavidye putraṃ dehi āyuṃ dehi yaśaṃ dehi ||
[Keimlaute und Ortszuordnungen:] Die Lautfolgen werden Kāma beziehungsweise Kāmākhya, Pūrṇagiri, Oḍḍiyāna und Jālandhara zugeordnet. [Es folgen weitere Lautchiffren sowie Śrī Kāmarivāḍī und Śrī Devavāḍī; die genaue Segmentierung und Namensdeutung bleiben offen.] Śrīṃ hrīṃ, Vidyā der Unsterblichkeit, schenke einen Sohn, schenke Leben, schenke Ruhm!
22.18 (zweites Vorkommen)
pramādāllopam āyāte siddhe samayamaṇḍale
sādhakasya bhaved glāniḥ kliṣṭo vighnaiḥ prabādhyate //
Wenn durch Nachlässigkeit eine Verletzung des vollendeten Verpflichtungsmaṇḍalas entsteht, wird der Sādhaka erschöpft und von Hindernissen bedrängt.
22.19
kā gatis tasya deveśa kathaṃ śuddhim avāpnuyāt
tam ācakṣasva sarvajña samayaghnaḥ śudhyate yathā //
Was ist seine Zuflucht, Götterherr? Wie erlangt er Reinigung? Erkläre, Allwissender, wie der Verpflichtungsbrecher gereinigt wird.
22.20
aṭṭahāsāditaḥ kṛtvā rājagṛham apaścimam
āyudhaiḥ sahitāṃ devīṃ kṣetrapālasamanvitām //
[Der Herr antwortet:] Von Aṭṭahāsa bis Rājagṛha [verehre man] die Göttin samt Waffen und Feldhüter.
22.21
kṣetropakṣetrasandohaiḥ sevanān nirmalo bhavet
athāśaktaḥ pramādī vā pīṭhasaṅkīrtanāt priye //
Durch Dienst an Feldern, Nebenfeldern und Versammlungsstätten wird man rein. Ist man unfähig oder nachlässig, [hilft] das Preisen der Pīṭhas, Geliebte.
22.22
samyak śuddhim avāpnoti prātar utthāya yaḥ paṭhet
tad ahaṃ sampravakṣyāmi samayānāṃ viśuddhaye //
Wer morgens aufsteht und es rezitiert, erlangt völlige Reinigung. Ich werde dies zur Reinigung der Verpflichtungen erklären.
22.23
aṭṭahāse kadambasthāṃ saumyāsyāṃ vajradhāriṇīm
mahāghaṇṭasamopetāṃ praṇamāmi sivaṅkarīm //
In Aṭṭahāsa, am Kadamba-Baum, verneige ich mich vor der freundlichgesichtigen Donnerkeilträgerin Śivaṅkarī, mit Mahāghaṇṭa verbunden.
22.24
caritrāyāṃ karañjasthāṃ kṛṣṇākhyāṃ śaktidhāriṇīm
mahābalasamopetāṃ praṇamāmi susiddhidām //
In Caritrā, am Karañja-Baum, verneige ich mich vor der Kṛṣṇā Genannten, Speerträgerin mit Mahābala, Spenderin guter Vollendung.
22.25
agnikena samopetāṃ daṇḍahastāṃ nagaukasām
kolāgirye mahālakṣmīṃ naumi lakṣmīvivardhanīm //
Mit Agnika verbunden, den Stab haltend, bergbewohnend: Auf Kolāgiri preise ich Mahālakṣmī, die Glück vermehrt.
22.26
jvālāmukhīṃ śrījayantyāṃ nimbasthāṃ khaḍgadhāriṇīm
mahāpretasamopetāṃ naumi sarvārthasiddhidām //
In Śrījayantī preise ich Jvālāmukhī am Nimba-Baum, Schwertträgerin mit Mahāpreta, Spenderin aller Zielverwirklichung.
22.27
aśvatthasthāṃ mahāmāyām ujjainyāṃ pāśadhāriṇīm
mahākālasamopetāṃ naumi sarvārthasiddhidām //
In Ujjayinī preise ich Mahāmāyā am Aśvattha-Baum, Schlingenträgerin mit Mahākāla, Spenderin aller Zielverwirklichung.
22.28
uḍumbaratalāvasthāṃ vāyuvegāṃ dhvajāyudhām
prayāge pavanopetāṃ naumi śatruvināśanīm //
In Prayāga preise ich Vāyuvegā unter dem Uḍumbara-Baum, mit Fahnenwaffe und Pavana, Vernichterin der Feinde.
22.29
vārāṇasyāṃ tu tālasthām ūrdhvakeśīṃ gadāyudhām
praṇamya śirasā devīṃ śāṅkarīṃ śāṅkarānvitām //
In Vārāṇasī verneige ich mein Haupt vor Śāṅkarī am Tāla-Baum, mit aufgerichtetem Haar, Keule und Śāṅkara.
22.30
karṇamoṭīṃ vaṭasthāṃ tu saśūlāṃ hetukānvitām
śrīkoṭe śrīpadāṃ naumi rājyasampadadāyinīm //
In Śrīkoṭa preise ich Karṇamoṭī am Feigenbaum, mit Dreizack und Hetuka, die Śrī-Stätte, Spenderin königlichen Glücks.
22.31
virajāyāmbikadevīṃ mudrāpaṭṭiśadhāriṇīm
analena samopetāṃ praṇamāmi jayāvahām //
In Virajā verneige ich mich vor Ambikādevī, mit Mudrā und Paṭṭiśa-Waffe, mit Anala, die Sieg bringt.
22.32
airuḍyām agnivaktrāṃ tu vajraśaktidharāṃ śubhām
ghaṇṭāravasamopetāṃ namāmi ripunāśanīm //
In Airuḍī verneige ich mich vor der heilvollen Agnivaktrā, Donnerkeil- und Speerträgerin mit Ghaṇṭārava, Feindvernichterin.
22.33
muṣalāyudhahastāṃ tu mahājaṅghasamanvitām
namāmi śatrubhaṅgārthe piṅgākṣīṃ hastināpure //
In Hastināpura verneige ich mich zur Zerschlagung der Feinde vor Piṅgākṣī, Keulenträgerin mit Mahājaṅgha.
22.34
elāpure kharāsyāṃ tu pāśahastāṃ mahābalām
gajakarṇasamopetāṃ naumi duṣṭapramardanīm //
In Elāpura preise ich die mächtige Kharāsyā, Schlingenträgerin mit Gajakarṇa, Zermalmerin der Bösen.
22.35
kāśmaryāṃ caiva gokarṇāṃ mudrālakuṭadhāriṇīm
taḍijjaṅghasamopetāṃ namāmi ripumardanīm //
In Kāśmarya verneige ich mich vor Gokarṇā mit Mudrā und Stock, mit Taḍijjaṅgha, Zermalmerin der Feinde.
22.36
karālena samopetāṃ namāmyaṅkuśadhāriṇīm
kramaṇīṃ marudeśe tu trailokyākṛṣṭikārikām //
Im Maru-Land verneige ich mich vor Kramaṇī, Hakenträgerin mit Karāla, die die drei Welten herbeizieht.
22.37
romajaṅghasamopetāṃ nagare tu halāyudhām
caitrakacchanivāsāṃ tu namāmi dhanasiddhaye //
In Nagara verneige ich mich zum Vermögenserfolg vor der Pflugträgerin mit Romajaṅgha, die in Caitrakaccha wohnt.
22.38
kumbhakena samopetāṃ khaṭvāṅgakarabhūṣitām
namāmi pāpaśuddhyarthaṃ cāmuṇḍām puṇḍravardhane //
In Puṇḍravardhana verneige ich mich zur Reinigung von Verfehlungen vor Cāmuṇḍā, mit Kumbhaka und Schädelstab in der Hand.
22.39
parastīre prasannāsyāṃ vajraśṛṅkhaladhāriṇīm
namāmi trijaṭopetāṃ bhedastambhanakārikām //
Am anderen Ufer verneige ich mich vor Prasannāsyā, mit diamantener Kette und Trijaṭa, die Durchbruch und Lähmung bewirkt.
22.40
pṛṣṭhāpure vidyunmukhīṃ daṇḍaśaktyāyudhodyatām
namāmi ghanaravopetāṃ bhedajṛmbhanakārikām //
In Pṛṣṭhāpura verneige ich mich vor Vidyunmukhī mit erhobenem Stab und Speer, mit Ghanarava, die Durchbruch und Erstarrung bewirkt.
22.41
ulkāmukhasamopetāṃ kuhudyāṃ tu mahābalām
mudrālakuṭadhāriṇyāṃ naumi duṣṭāṅgabhañjanīm //
In Kuhudī preise ich die Mächtige mit Ulkāmukha, Mudrā und Stock, die die Glieder der Bösen zerbricht.
22.42
piśitāśasamopetāṃ naumi kaṭṭārikodyatām
sopāre agnivaktrāṃ tu amitrapaśudāriṇīm //
In Sopāra preise ich Agnivaktrā mit Piśitāśa und erhobenem Dolch, die feindliche gebundene Wesen zerreißt.
22.43
kṣīrike lokamātāṃ tu khaḍgahastāṃ namāmy aham
mahāmerusamopetāṃ mahatārtinikṛntanīm //
In Kṣīrika verneige ich mich vor der schwerttragenden Weltenmutter mit Mahāmeru, die großes Leiden zerschneidet.
22.44
vajrāyudhadharāṃ saumyāṃ bhīmānanasamanvitām
stambhākṛṣṭikarīṃ devīṃ māyāpuryāṃ tu kampinīm //
In Māyāpurī [verehre ich] die freundliche Donnerkeilträgerin Kampinī mit Bhīmānana, die Lähmung und Anziehung bewirkt.
22.45
mahākrodhasamopetāṃ pūtanāmrātikeśvare
gadāhastāyudhāṃ naumi tāḍanākṛṣṭikārikām //
In Āmrātikeśvara preise ich Pūtanā mit Mahākrodha und Keule, die Schlagen und Anziehung bewirkt.
22.46
rājagṛhe bhagnanāsāṃ mahākarṇasamanvitām
vajraśaktidharāṃ naumi aśeṣaphaladāyikām //
In Rājagṛha preise ich Bhagnanāsā mit Mahākarṇa, Donnerkeil und Speer, die sämtliche Früchte schenkt.
22.47
kṣetropakṣetrasandohe sthitabhūcakramātarām
kṣetrapālasamopetāṃ kīrtayed yaḥ samāhitaḥ //
Wer gesammelt die Mutter des Erdrades mit ihren Feldhütern preist, die in Feldern, Nebenfeldern und Versammlungsstätten steht,
22.48
prātar utthāya mantrajñaḥ svapnakāle 'thavā sudhīḥ
yukto 'pi pātakair ghorair mātṝṇāṃ sammato bhavet //
morgens nach dem Aufstehen oder zur Schlafenszeit, wird als verständiger Mantrakenner selbst bei schweren Verfehlungen von den Müttern angenommen.
22.49
mātṛhā pitṛhā caiva brahmaghna goghna eva ca
vīradravyāpahārī ca pramādāt samayacyutaḥ //
Muttermörder, Vatermörder, Brahmanen- oder Kuhtöter, Räuber von Heldenbesitz, durch Nachlässigkeit von Verpflichtungen Abgefallener,
22.50
mantrācāravilupto 'pi pīṭhasaṅkīrtanāt priye
pāpakañcukam utsṛjya naiva paśyati durgatim //
selbst wer Mantrapraxis versäumt: Durch Preisen der Pīṭhas wirft er die Hülle der Verfehlung ab und erlebt kein schlimmes Geschick, Geliebte.
22.51
yaḥ punaḥ śuddhabhāvātmā triṣkālaṃ parivartayet
prāpnoti cintitān kāmān strīṇāṃ bhavati vallabhaḥ //
Wer mit reiner innerer Haltung dreimal täglich rezitiert, erlangt die gedachten Wünsche und wird zum Liebling der Frauen.
22.52
kuṇḍe 'tha maṇḍale vātha pratimāyāṃ paṭe 'pi vā
liṅge dakṣiṇamūrtau vā jalamadhye gato 'pi vā //
An Feuergrube, Maṇḍala, Bildnis, Tuch, Liṅga oder südlicher Gestalt, auch mitten im Wasser,
22.53
triṣkālam ekakālaṃ vā yaḥ paṭhed yas tu bhāvitaḥ
viṣaśastraja1āgnibhyo vyādhibhūtagrahair api //
wer dreimal oder einmal täglich vergegenwärtigend rezitiert, [bleibt] gegen Gift, Waffen, Wasser, Feuer, Krankheiten, Geister und Besessenheitsmächte
22.54
ajitaḥ suciraṃ kālaṃ jāyate nirupadravaḥ
mahābhaye samutpanne kapilāgomayena tu //
lange unbesiegt und frei von Störungen. Bei großer Gefahr lasse man mit dem Dung einer bräunlichen Kuh
22.55
caturdikṣu caturviṃśa kārayen maṇḍalāni tu
pūrvam uttarataś caiva vāruṇyāṃ dakṣiṇena tu //
vierundzwanzig Maṇḍalas in den vier Richtungen anfertigen: Osten, Norden, Westen und Süden,
22.56
ṣaṭkaṃ ṣaṭkaṃ tu kartavyaṃ tatra pūjya krameṇa tu
śmaśānakalpavṛkṣe tu yoginyaḥ kṣetrapās tathā //
jeweils sechs. Darin verehre man der Reihe nach Yoginīs und Feldhüter am Wunschbaum des Verbrennungsplatzes.
22.57
pūrve tu śvetapuṣpais tu dakṣiṇe pītapuṣpakaiḥ
paścime raktapuṣpais tu uttare kṛṣṇapuṣpakaiḥ //
Im Osten mit weißen, im Süden mit gelben, im Westen mit roten und im Norden mit schwarzen Blumen.
22.58
sāyudhān śvetapuṣpais tu gandhair dhūpair manoramaiḥ
madhye tu kalaśaṃ sthāpya divyatoyapariplutam //
Die Bewaffneten [verehre man] mit weißen Blumen, angenehmen Düften und Räucherwerk. In die Mitte stelle man einen mit göttlichem Wasser gefüllten Krug.
22.59
caturviṃśati dīpāṃś ca sthāne sthāne pradāpayet
caturviṃśati pīṭhāṃś ca krameṇa parivartayet //
An jeder Stätte lasse man insgesamt vierundzwanzig Lampen aufstellen und rezitiere die vierundzwanzig Pīṭhas der Reihe nach.
22.60
ahorātroṣito bhūtvā niśām ekāṃ suyantritaḥ
prabhāte vimale mantrī vīrabhojyaṃ tu kārayet //
Nach einem Tag und einer Nacht Fasten, eine Nacht diszipliniert verweilend, veranstalte der Mantrakundige am klaren Morgen eine Heldenspeisung.
22.46 (zweites Vorkommen)
rājagṛhe bhagnanāsāṃ mahākarṇasamanvitām
vajraśaktidharāṃ naumi aśeṣaphaladāyikām //
In Rājagṛha preise ich Bhagnanāsā mit Mahākarṇa, Donnerkeil und Speer, die sämtliche Früchte schenkt. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.47 (zweites Vorkommen)
kṣetropakṣetrasandohe sthitabhūcakramātarām
kṣetrapālasamopetāṃ kīrtayed yaḥ samāhitaḥ //
Wer gesammelt die Mutter des Erdrades mit ihren Feldhütern preist, die in Feldern, Nebenfeldern und Versammlungsstätten steht, [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.48 (zweites Vorkommen)
prātar utthāya mantrajñaḥ svapnakāle 'thavā sudhīḥ
yukto 'pi pātakair ghorair mātṝṇāṃ sammato bhavet //
morgens nach dem Aufstehen oder zur Schlafenszeit, wird als verständiger Mantrakenner selbst bei schweren Verfehlungen von den Müttern angenommen. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.49 (zweites Vorkommen)
mātṛhā pitṛhā caiva brahmaghna goghna eva ca
vīradravyāpahārī ca pramādāt samayacyutaḥ //
Muttermörder, Vatermörder, Brahmanen- oder Kuhtöter, Räuber von Heldenbesitz, durch Nachlässigkeit von Verpflichtungen Abgefallener, [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.50 (zweites Vorkommen)
mantrācāravilupto 'pi pīṭhasaṅkīrtanāt priye
pāpakañcukam utsṛjya naiva paśyati durgatim //
selbst wer Mantrapraxis versäumt: Durch Preisen der Pīṭhas wirft er die Hülle der Verfehlung ab und erlebt kein schlimmes Geschick, Geliebte. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.51 (zweites Vorkommen)
yaḥ punaḥ śuddhabhāvātmā triṣkālaṃ parivartayet
prāpnoti cintitān kāmān strīṇāṃ bhavati vallabhaḥ //
Wer mit reiner innerer Haltung dreimal täglich rezitiert, erlangt die gedachten Wünsche und wird zum Liebling der Frauen. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.52 (zweites Vorkommen)
kuṇḍe 'tha maṇḍale vātha pratimāyāṃ paṭe 'pi vā
liṅge dakṣiṇamūrtau vā jalamadhye gato 'pi vā //
An Feuergrube, Maṇḍala, Bildnis, Tuch, Liṅga oder südlicher Gestalt, auch mitten im Wasser, [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.53 (zweites Vorkommen)
triṣkālam ekakālaṃ vā yaḥ paṭhed yas tu bhāvitaḥ
viṣaśastraja1āgnibhyo vyādhibhūtagrahair api //
wer dreimal oder einmal täglich vergegenwärtigend rezitiert, [bleibt] gegen Gift, Waffen, Wasser, Feuer, Krankheiten, Geister und Besessenheitsmächte [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.54 (zweites Vorkommen)
ajitaḥ suciraṃ kālaṃ jāyate nirupadravaḥ
mahābhaye samutpanne kapilāgomayena tu //
lange unbesiegt und frei von Störungen. Bei großer Gefahr lasse man mit dem Dung einer bräunlichen Kuh [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.55 (zweites Vorkommen)
caturdikṣu caturviṃśa kārayen maṇḍalāni tu
pūrvam uttarataś caiva vāruṇyāṃ dakṣiṇena tu //
vierundzwanzig Maṇḍalas in den vier Richtungen anfertigen: Osten, Norden, Westen und Süden, [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.56 (zweites Vorkommen)
ṣaṭkaṃ ṣaṭkaṃ tu kartavyaṃ tatra pūjya krameṇa tu
śmaśānakalpavṛkṣe tu yoginyaḥ kṣetrapās tathā //
jeweils sechs. Darin verehre man der Reihe nach Yoginīs und Feldhüter am Wunschbaum des Verbrennungsplatzes. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.57 (zweites Vorkommen)
pūrve tu śvetapuṣpais tu dakṣiṇe pītapuṣpakaiḥ
paścime raktapuṣpais tu uttare kṛṣṇapuṣpakaiḥ //
Im Osten mit weißen, im Süden mit gelben, im Westen mit roten und im Norden mit schwarzen Blumen. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.58 (zweites Vorkommen)
sāyudhān śvetapuṣpais tu gandhair dhūpair manoramaiḥ
madhye tu kalaśaṃ sthāpya divyatoyapariplutam //
Die Bewaffneten [verehre man] mit weißen Blumen, angenehmen Düften und Räucherwerk. In die Mitte stelle man einen mit göttlichem Wasser gefüllten Krug. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.59 (zweites Vorkommen)
caturviṃśati dīpāṃś ca sthāne sthāne pradāpayet
caturviṃśati pīṭhāṃś ca krameṇa parivartayet //
An jeder Stätte lasse man insgesamt vierundzwanzig Lampen aufstellen und rezitiere die vierundzwanzig Pīṭhas der Reihe nach. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.60 (zweites Vorkommen)
ahorātroṣito bhūtvā niśām ekāṃ suyantritaḥ
prabhāte vimale mantrī vīrabhojyaṃ tu kārayet //
Nach einem Tag und einer Nacht Fasten, eine Nacht diszipliniert verweilend, veranstalte der Mantrakundige am klaren Morgen eine Heldenspeisung. [Zweites, wortgleiches Vorkommen in der Vorlage.]
22.61
tataḥ kṣamāpayet pīṭhān praṇipatya punaḥ punaḥ
nirvighnas tu tato mantrī kṣipraṃ bhavati siddhibhāk //
Dann bitte er die Pīṭhas um Verzeihung, sich wiederholt verneigend. So wird er rasch hindernisfrei und der Vollendung teilhaftig.
22.62
upasargagrahādibhyaḥ kṣayakuṣṭhajvarādibhiḥ
mucyate sarvarogaiś ca dhanavān api jāyate //
Von Angriffen, Besessenheitsmächten, Schwindsucht, Aussatz, Fieber und allen Krankheiten soll er frei und auch wohlhabend werden.
22.63
kanyā manepsitān kāmān labhate cābhiṣekataḥ
putrārthī labhate putrān kāmukaḥ subhago bhavet //
Ein Mädchen erhält durch die Weihe seine Herzenswünsche; wer Söhne wünscht, erhält Söhne, der Begehrende wird begünstigt.
22.64
vidyārthī labhate vidyāṃ vaṇig vai lābham aśnute
mantrārādhanaśīlaś ca jāyate nirupadravaḥ //
Wer Wissen sucht, erhält Wissen; der Kaufmann Gewinn. Wer Mantraverehrung pflegt, wird frei von Störungen.
22.65
yogābhyāsarato nityaṃ prāpya siddhiṃ paraṃ yayau
dvīpāmnāyaprasaṅgena sarvam etat prakāśitam //
Wer sich stets an Yogaübung erfreut, erlangt Vollendung und das Höchste. Im Zusammenhang mit der Inselüberlieferung wurde all dies offenbart.
22.66
samastavyastavyāptis tu kṣetropakṣetrasaṃyutam
yat tvayā pṛcchitaṃ sarvaṃ kālajñānaṃ kujeśvari //
Gesamte und gesonderte Durchdringung samt Feldern und Nebenfeldern, alles von dir Erfragte, Kujeśvarī; die Zeiterkenntnis,
22.67
tad ahaṃ sampravakṣyāmi bhaktānāṃ bhaktivatsale
sarvaṃ sampāditaṃ tubhyam ājñānandakramārṇavam //
diese werde ich erklären, du Liebende der Hingebungsvollen. Alles wurde dir dargelegt, der Ozean der Ermächtigungsseligkeitsfolge.
22.68
idānīṃ śṛṇu kalyāṇi kālacakraṃ yathā sthitam //
Höre nun, Heilvolle, das Zeitrad in seiner wirklichen Beschaffenheit.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate samastavyastavyāptir nāma dvāviṃśatimaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das zweiundzwanzigste Kapitel mit dem Titel „Gesamte und gesonderte Durchdringung“.
Kapitel 23
Übersetzungsstatus: Alle Quellblöcke dieses Kapitels sind bearbeitet. Einzelne Formeln sind nicht vollständig sprachlich aufgelöst; die betreffenden deutschen Hinweise und Teilübersetzungen werden in der Übersicht nicht als vollständig übersetzte Blöcke gezählt.
23.1
kālacakraṃ varārohe ātmanaś ca parasya ca
jñātvā vyapohayet kālam utkrāntiṃ vā salakṣaṇam //
Wer das Zeitrad bei sich und anderen kennt, soll die Todeszeit abwehren oder das Verlassen des Körpers samt Kennzeichen [erkennen], Schönhüftige.
23.2
yena jānāti deveśi sādhako niścayātmakaḥ
śṛṇu tvaṃ paramānandaṃ sugopyaṃ prakaṭāmi te //
Höre, wodurch der Sādhaka Gewissheit erlangt, Götterherrin. Ich offenbare dir die streng zu hütende höchste Seligkeit.
23.3
kālaṃ tu trividhaṃ proktaṃ paraṃ caiva parāparam
aparaṃ tu kalādhāraṃ kālasya vaśasaṃsthitam //
Zeit ist dreifach: höchste, höhere-und-niedere und niedere. Letztere ist Grundlage der Kalās und steht unter der Gewalt der Zeit.
23.4
truṭilavāt paraḥ kālaḥ kālonmeṣāt parāparaḥ
manvantarādikāṣṭhādau sa kālaḥ kalate tanum //
Die höchste Zeit liegt jenseits von Truṭi und Lava, die höhere-und-niedere jenseits des zeitlichen Aufblinzelns. Von Manvantara bis Kāṣṭhā misst die Zeit den Leib.
23.5
kalpe parāpare kāle sthitvā kālasya vañcanam
parāt paratare kāle sthitau kālasya kālakṛt //
In der höheren-und-niederen Kalpa-Zeit stehend, überlistet man die Zeit; in der höchsten, noch höheren Zeit wird man zum Tod der Zeit.
23.6
iti matvā paraṃ kālaṃ mānabhūtaṃ guror mukhāt
tataḥ kurvanti sarvatra jñānakrīḍām aśaṅkitām //
So erkennen sie das höchste Zeitmaß aus dem Mund des Lehrers und vollziehen überall unbesorgt das Spiel der Erkenntnis.
23.7
paraṃ tu ṣaṇṇavatyordhvaṃ ṣaṇṇavatyā parāparam
caturāśītipramāṇena aparaṃ kalanātmakam //
Die höchste [Zeit] liegt über sechsundneunzig, die höhere-und-niedere bei sechsundneunzig; die niedere messende bei vierundachtzig.
23.8
pañcakena nibaddhaṃ tu pañcatvaṃ yāti śīghrataḥ
nandābhadrādiyogena jayāriktādipaurṇimā //
Durch die Fünfheit gebunden, geht man rasch in die fünf Elemente ein: durch Nandā, Bhadrā, Jayā, Riktā und Paurṇimā.
23.9
pañca pañca tathā pañca māsā-ṛtvayanāvadhim
saṃvatsaraṃ yugaṃ ceti manvantarasakalpakam //
Fünf, fünf und nochmals fünf, bis zu Monat, Jahreszeit und Halbjahr, Jahr, Yuga, Manvantara und Kalpa.
23.10
evaṃ kalanti taṃ kālaṃ pañcapañcāntakāvadhim
kālāvadhisthitān dvīpān dvīpaiḥ pīṭhān vidur budhāḥ //
So messen sie die Zeit bis zum Ende der Fünfergruppen. Die Weisen erkennen Inseln innerhalb der Zeitgrenzen und durch sie die Pīṭhas.
23.11
pīṭhāntasthāni tattvāni pañca bhūtāni teṣu vai
ekaikaṃ pañcakāvṛttaṃ pañcaviṃśāntakāvidhim //
In den Pīṭhas liegen die Wirklichkeitsprinzipien und darin fünf Elemente; jedes wird fünfmal gegliedert bis zur Fünfundzwanzigheit.
23.12
svarapañcakayuktāni saṃsaranti kalārṇave
padmanāḍīnibaddhetāḥ kālayantropariṣṭhitāḥ //
Mit fünf Vokalen verbunden, kreisen sie im Kalā-Ozean, an Lotuskanäle gebunden und auf der Zeitmaschine stehend.
23.13
jīvatoyaṃ haraty āśu śoṣayanti kṣaṇe kṣaṇe
candrasūryakaraiḥ kṛtvā kṛtānto vāhane kṣamaḥ //
Sie rauben rasch das Lebenswasser und trocknen es augenblicklich aus. Mit Mond- und Sonnenstrahlen vermag der Tod es fortzutragen.
23.14
jīvārṇavaṃ samastedam ākṛṣya ca punaḥ punaḥ
siñcayet kṣayavṛkṣāṇi jarāmṛtyuphalārthinaḥ //
Immer wieder zieht er den ganzen Lebensozean an sich und begießt die Verfallsbäume, nach den Früchten Alter und Tod verlangend.
23.15
evaṃ te trividhaḥ kālaḥ kathitas tu suvistaraḥ
lakṣyate yai rutaiḥ so hi tan nibodhayataḥ śṛṇu //
So ist dir die dreifache Zeit ausführlich erklärt. Höre, an welchen Zeichen sie erkannt wird. [„rutaiḥ“ bedeutet wörtlich Laute/Rufe und wird kontextuell verstanden.]
23.16
bahiraṅgāntaraṅgāni jñātvā vañcayate yathā
vañcituṃ yo na śakyeta sa yāti gurusannidhau //
Man erkenne äußere und innere Zeichen und überliste sie. Wer sie nicht abwenden kann, begibt sich zum Lehrer.
23.17
svapne vā yadi pratyakṣaṃ samādhiguṇayogataḥ
vivarṇāṃ paśyate chāyāṃ jīved varṣatrayaṃ tu saḥ //
Wer im Traum, unmittelbar oder im Samādhi einen entfärbten Schatten sieht, soll drei Jahre leben. [Die folgenden Angaben sind historische Vorzeichenlehre, keine verlässlichen Prognosen.]
23.18
uttarābhimukho bhūtvā paśyate dakṣiṇādiśam
vivarṇaṃ pūrvam ākhyātaṃ māsaikaṃ tridinojjhitam //
Nach Norden gewandt sieht er die südliche Richtung; das zuvor genannte Entfärbte [bedeutet] einen Monat weniger drei Tage. [Satzbezüge unklar.]
23.19
śuddhanirmalam ādityaṃ viraśmiṃ yadi paśyati
varṣadvayena mantavyaṃ mṛtyum ātmani vindati //
Wer die reine Sonne ohne Strahlen sieht, soll seinen Tod nach zwei Jahren erwarten.
23.20
arundhatīṃ dhruvaṃ caiva somacchāyāṃ mahāpatham
yo na paśyati deveśi na jīved vatsarāt param //
Wer Arundhatī, den Polarstern, den Mondschatten und den großen Weg nicht sieht, soll nicht länger als ein Jahr leben, Göttin.
23.21
madhye chidraṃ candramasi yas tu paśyati bhāmini
mṛtyuṃ tasya vijānīyān māse caikādaśe tathā //
Wer eine Öffnung in der Mondmitte sieht, dessen Tod erkenne man im elften Monat, Strahlende.
23.22
bhagnaśākhādrumaṃ paśyed gandharvanagaraṃ tathā
paśyet pretapiśācāṃś ca daśa māsān sa jīvati //
Wer einen Baum mit gebrochenen Ästen, eine Gandharva-Stadt, Tote und Piśācas sieht, soll zehn Monate leben.
23.23
yasya vai snātamātrasya hṛdi pādau ca śuṣyati
dhūmo vā mastake vāsti aṣṭamāsān sa jīvati //
Wem unmittelbar nach dem Bad Herzgegend und Füße trocknen oder Rauch am Haupt erscheint, der soll acht Monate leben.
23.24
agrataḥ Pṛṣṭhato vāpi khaṇḍaṃ yasya padaṃ bhavet
pāṃsau vā kardame vāpi sapta māsān sa jīvati //
Wessen Fußspur im Staub oder Schlamm vorn oder hinten abgebrochen ist, der soll sieben Monate leben.
23.25
raktamālyānulepāni raktakṛṣṇaṃ ca vāsasam
labhate svapnayogena ṣaṇmāsāṃs tu sa jīvati //
Wer im Traum rote Kränze und Salben sowie rot-schwarze Kleidung erhält, der soll sechs Monate leben.
23.26
āruhya mastake yasya kṛkalāsaḥ sthirībhavet
dhārayet trīṇi rūpāṇi pañcamāsān sa jīvati //
Wem eine Eidechse auf den Kopf steigt, dort bleibt und drei Gestalten annimmt, der soll fünf Monate leben.
23.27
puruṣo lohadaṇḍena kṛṣṇo yasya paricchadaḥ
paśyate svapnayogena caturmāsān sa jīvati //
Wer im Traum einen schwarzen Mann mit Eisenstab als Begleiter sieht, der soll vier Monate leben.
23.28
candrabimbapratīkāśam udayantaṃ divākaram
viraśmimaṇḍalaṃ paśyet trīṇi māsān sa jīvati //
Wer die aufgehende Sonne mondgleich als strahlenlose Scheibe sieht, der soll drei Monate leben.
23.29
dīpam āraktatāmrābham ākāśe ravimaṇḍalam
mañjiṣṭhāṃ medinīṃ paśyej jīven māsadvayaṃ tu saḥ //
Wer die Lampe rötlich-kupfern, den Sonnenkreis im Raum und die Erde krappfarben sieht, soll zwei Monate leben.
23.30
apsu vā yadi vādarśe yady ātmānaṃ na paśyati
viśirāṃ paśyate chāyāṃ māsam ekaṃ sa jīvati //
Wer sich im Wasser oder Spiegel nicht sieht oder seinen Schatten kopflos sieht, soll einen Monat leben.
23.31
yadi netraṃ sraved ekaṃ kaṇṭhasthānaṃ viśuṣyati
vācādyaṃ kampate yasya svāṅgaṃ vahnisamaprabham //
Wenn ein Auge tränt, die Halsgegend austrocknet, Rede und anderes zittern und der Leib wie Feuer erscheint,
23.32
vedanā bhavate tīvrā abdam ekaṃ sa jīvati
lalāṭaṃ calate yasya vivarṇaṃ jāyate mukham //
und heftiger Schmerz entsteht, soll er ein Jahr leben. Wem die Stirn zuckt und das Gesicht sich verfärbt,
23.33
dhruvasthāne tu prasvedaṃ jāyate yasya sarvadā
ekādaśa sa māsāni jīvatety avicārataḥ //
und wer an der festen Stätte stets schwitzt, der soll zweifellos elf Monate leben. [„dhruvasthāna“ ist nicht sicher anatomisch bestimmt.]
23.34
hṛdaye yasya santāpaṃ svakaṃ kāyaṃ na paśyati
vācā ca calate yasya dantāś ca pariśuṣyati //
Wer Hitze im Herzen empfindet, den eigenen Leib nicht sieht, dessen Rede schwankt und Zähne austrocknen,
23.35
vismṛtir nitya cittasya daśa māsān sa jīvati
hṛdayaṃ śuṣyate yasya svakaṃ kāryaṃ na jānati //
und dessen Geist ständig vergisst, soll zehn Monate leben. Wessen Herz austrocknet und der seine Aufgabe nicht kennt,
23.36
guhyaṃ ca śuṣyate śīghraṃ nava māsān sa jīvati
śuṣyate dakṣiṇāṅgaṃ tu vāmāṅgaṃ caiva śuṣyati //
und dessen Geschlechtsorgan rasch austrocknet, soll neun Monate leben. Wessen rechte und linke Körperseite austrocknen,
23.37
ghūrmate mahatā nit yam aṣṭa māsān sa jīvati
akasmāj jāyate sthūlaḥ sthūlo 'pi kṛṣatāṃ gataḥ //
und der ständig stark schwankt, soll acht Monate leben. Wer unvermittelt dick wird oder als Dicker abmagert,
23.38
dhūsaro dhūmravarṇaś ca sapta māsān sa jīvati
pūrve tu udite sūrye chāyāṃ paśyaiva dakṣiṇām //
staubgrau und rauchfarben wird, soll sieben Monate leben. Wer bei Sonnenaufgang im Osten einen südlichen Schatten sieht,
23.39
muhūrtaṃ jīvate so vai satyedaṃ kulanandini
vakranāsā bhaved yasya māsād ūrdhvaṃ na jīvati //
soll nur einen Augenblick leben, wahrhaftig, Freude des Kula. Wessen Nase sich krümmt, soll nicht länger als einen Monat leben.
23.40
chāgagandhaṃ bhaved gātraṃ dantāś ciṭiciṭāyate
chāyātmāṃ vikṛtāṃ paśyet saptarātraṃ sa jīvati //
Wessen Leib nach Ziege riecht, dessen Zähne klappern und dessen Schatten verzerrt erscheint, soll sieben Nächte leben.
23.41
yasya kṛṣṇā bhavej jihvā padmavarṇaṃ mukhaṃ bhavet
gaṇḍapṛṣṭhau suraktābhau trirātraṃ ca sa jīvati //
Wessen Zunge schwarz, Gesicht lotusfarben und Wangen und Rücken stark gerötet sind, soll drei Nächte leben.
23.42
śyāmadantaṃ mukhaṃ caiva prakṛtir yasya dṛśyate
viparītendriyagrāmaṃ ahorātraṃ sa jīvati //
Bei dunklen Zähnen und dunklem Gesicht sowie umgekehrter Sinnesfunktion soll man noch einen Tag und eine Nacht leben.
23.43
ghoṣaṃ na śṛṇute yas tu dīpavartiṃ na paśyati
viśirāṃ paśyate chāyāṃ kṣaṇam ekaṃ sa jīvati //
Wer Klang nicht hört, den Lampendocht nicht sieht und einen kopflosen Schatten sieht, soll nur einen Augenblick leben.
23.44
anyac ca paramopāyaṃ śṛṇuṣva varavarṇini
yena vijñātamātreṇa kālaṃ jānāti tattvataḥ //
Höre ein weiteres höchstes Mittel, Schönfarbige, durch dessen Kenntnis man die Zeit wahrheitsgemäß erkennt.
23.45
ṣoḍaśadvādaśārābhyāṃ yā gatis tv arkasomayoḥ
tasmin nirīkṣayej jyotiṃ dīpyamāne hutāśane //
Den Gang von Sonne und Mond durch den sechzehn- und zwölfspeichigen [Kreis] betrachte man als Licht im lodernden Feuer.
23.46
ṣoḍaśāntargataṃ yac ca pūrvoktaṃ yac caturdalam
tasya madhye vijānīyāt kālajñaḥ kālalakṣaṇam //
Im zuvor genannten vierblättrigen [Lotus] innerhalb der Sechzehnheit erkenne der Zeitkundige die Zeitzeichen.
23.47
somādhastād dale naṣṭe ṣaṇmāsān mriyate dhruvam
trīṇi māsāṃs tathā cordhve dvau māsau dhvanisannidhau //
Verschwindet das Blatt unterhalb des Mondes, bedeutet dies Tod nach sechs Monaten; oberhalb nach drei, beim Klang nach zwei Monaten.
23.48
māsaikaṃ vāyusāmīpye tac ca pūṣodayaṃ viduḥ
somacakram idaṃ proktaṃ sṛṇu sūryaṃ ca sāmpratam //
Nahe dem Wind [bleibt] ein Monat; dies kennt man als Pūṣā-Aufgang. Der Mondkreis ist erklärt; höre nun den Sonnenkreis.
23.49
yadā na dṛsyate jyotir dvādaśāre caturdale
pakṣaikaṃ tasya deveśi dināni daśa pañcakaiḥ //
Wenn im zwölfspeichigen, vierblättrigen [Kreis] das Licht nicht sichtbar ist, bleiben ein Halbmonat, zehn oder fünf Tage, Göttin.
23.50
tatraiva tena mārgeṇa yadā jyotir na dṛśyate
daśa pañca tathā trīṇi ekāhaṃ tasya jīvitam //
Ist auf demselben Weg das Licht unsichtbar, bleiben zehn, fünf, drei oder ein Tag Leben. [Die beiden Zeitreihen werden nicht harmonisiert.]
23.51
athānyat paramaṃ vakṣye niścitaṃ kālalakṣaṇam
jīvanti ca tadabhyāsāt tadabhāvān mriyanti te //
Nun erkläre ich ein weiteres sicheres Zeitzeichen. Durch seine Übung leben sie, durch dessen Fehlen sterben sie.
23.52
niścitaṃ tad varārohe kālayogaḥ sa eva hi
vismṛtir jāyate yasya sā vārā mṛtyukāṅkṣiṇī //
Dies ist gewiss, Schönhüftige, eben der Zeit-Yoga. Bei wem Vergessen entsteht, dessen betreffender Tag verlangt nach dem Tod.
23.53
dehamadhyagataṃ sarvaṃ mriyate kālacoditam
parāpareṇa kālena bhedayitvā samabhyaset //
Alles im Leib stirbt, von der Zeit angetrieben. Man durchdringe es durch die höhere-und-niedere Zeit und übe.
23.54
vāmāvartādiyogena dakṣiṇāntam anukramāt
śuklakṛṣṇaprayogeṇa kadahāntam apaścimam //
Von Linksumlauf bis rechts, durch Anwendung heller und dunkler [Mondhälfte], bis zum letzten „kadahā“-Ende. [„kadahāntam“ ist unklar.]
23.55
pūrṇamāvāsyamadhyasthaṃ kālacakraṃ samabhyaset
pañca pañca tathā pañca pratipavchuklam āditaḥ //
Man übe das Zeitrad zwischen Voll- und Neumond: fünf, fünf und fünf, vom ersten Tag der hellen Hälfte an.
23.56
svaravarṇasamāyogaṃ śuklādau kṛṣṇakāvadhim
pudgalātmā samāśritya abhyasedam ahar ahaḥ //
Die Verbindung von Vokalen und Lauten, vom Hellen bis zum Dunklen, übe man täglich, auf das individuelle Selbst gestützt.
23.57
jarāmṛtyuvināśārthe śīghredaṃ piṇḍasādhanam
kathayanti mahāvidyāḥ kālasya kālalakṣaṇam //
Zur Vernichtung von Alter und Tod dient diese rasche Körperverwirklichung. Die großen Vidyās erklären sie als Kennzeichen des Todes der Zeit.
23.58
katham apy eṣa tanniṣṭho yadi siddhiṃ na gacchati
ākṛṣṭo yoginīcakre tadā vismṛtikārikā //
Wenn der ihr Ergebene dennoch keine Vollendung erlangt, wird er in das Yoginī-Rad gezogen; dann bewirkt [die Kraft] Vergessen.
23.59
vismṛtir vā tithir yāti abhyasanto muhur muhuḥ
sā vārā sā tithir devi niścitedaṃ mayoditam //
Vergessen tritt an einem Wochentag oder Mondtag trotz wiederholter Übung ein. Eben dieser Tag ist es, Göttin; dies habe ich als gewiss gesagt.
23.60
etat te paramaṃ kālaṃ paramārthaṃ prakīrtitam
savismayakaraṃ devi abhedyaṃ samprakāśitam //
Damit ist die höchste Zeit in höchster Wahrheit erklärt, staunenerregend, Göttin, und unzerstörbar offenbart.
23.61
yadīcchasi ciraṃ devi jīvitaṃ paramārthataḥ
dehamadhyaṃ parityajya tiṣṭhasvānyatra bhāvitā //
Wenn du wahrhaft lange leben willst, Göttin, verlasse die Körpermitte und verweile vergegenwärtigend anderswo.
23.62
dehāmṛtaṃ paraṃ yogaṃ na deyam aparīkṣite
yāvaj jñānavirāgābhyāṃ pūritaṃ syāt tanur na hi //
Dieser höchste Yoga der Körperunsterblichkeit darf keinem Ungeprüften gegeben werden, dessen Leib nicht von Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit erfüllt ist.
23.63
parāparasya kālasya jñātṛtvaṃ bhavate yathā
lekhanādiprayogeṇa vidhiyogena bhāvini //
Wie Erkenntnis der höheren-und-niederen Zeit durch Schreiben und weitere Verfahren entsteht, [erkläre ich], Werdende.
23.64
mārgaśīrṣasya māsasya kṛṣṇāyāṃ pañcamī bhavet
tasyāṃ sambhārasampanno rātrau jāgaraṇaṃ yajet //
Am fünften Tag der dunklen Hälfte des Mārgaśīrṣa-Monats vollziehe man mit allen Mitteln eine nächtliche Wachverehrung.
23.65
āharen nirvraṇaṃ bhūrjaṃ rocanāsṛk sakuṅkumam
likhet pūrvamukho bhūtvā dvādaśaiva svarān śubhān //
Man beschaffe unbeschädigte Birkenrinde, Rocanā, Blut und Safran und schreibe ostwärts gewandt die zwölf heilvollen Vokale.
23.66
mātrābindususampannān rakṣayitvā punaḥ punaḥ
saṃvarec chuklasūtreṇa japtavidyaḥ samālabhet //
Mit Vokalzeichen und Bindu versehen, schütze man sie wiederholt, umwickle sie mit weißem Faden und nehme sie nach Vidyā-Rezitation auf.
23.67
sitacandananaivedyair jātīpuṣpair manoramaiḥ
pūjayitvā kramāmnāyaṃ dīpamantrasusaṃyutam //
Mit weißem Sandel, Speisegaben und schönen Jasminblumen verehre man die Krama-Überlieferung, mit Lampen und Mantra verbunden.
23.68
śarāvasampuṭasthaṃ tu jātīkusumamadhyataḥ
sthāpayitvā japen mantraṃ yāvad rātrikṣayaṃ gataḥ //
Man lege [das Geschriebene] in eine Schalenkapsel zwischen Jasminblumen und rezitiere den Mantra bis zum Ende der Nacht.
23.69
tataḥ prabhātasamaye pūjayitvā punaḥ kramam
kumāryo vai pratarpeta vidyā labdhā tathā śṛṇu //
Am Morgen verehre man erneut die Folge und sättige Mädchen. Höre die so empfangene Vidyā.
23.70
hrīṃ hūṃ svleṃ svāhāpataye rakṣa rakṣāmṛtodbhave
svleṃ hūṃ hrīṃ ca punar jāpyaṃ sampuṭīkṛtya mantrayet //
Hrīṃ hūṃ svleṃ, dem Herrn der Svāhā: Schütze, schütze, aus Unsterblichkeit Entstandene! Danach rezitiere man svleṃ hūṃ hrīṃ und bespreche es umschließend.
23.71
japtavidyās tu stubhyante kathayanti śubhāśubham
na stubhyanti yadā devyo japtavidyāsya sampuṭam //
Durch Vidyā-Rezitation werden [die Göttinnen] erregt und verkünden Heil und Unheil. Werden sie nicht erregt, [so zeigt] die Kapsel der rezitierten Vidyā
23.72
darśayanti mahāhāniṃ bhraṣṭatvaṃ yoginīkule
sāmarthyato na mṛtyuḥ syād bhraṣṭasiddhiṃ na yāsyati //
großen Verlust und Fall aus der Yoginī-Familie. Aufgrund seiner Befähigung stirbt er nicht, doch gefallen erreicht er keine Vollendung.
23.73
evaṃ kṛtvā tataḥ paścād bhūrjapattre sthitākṣarān
vācayan sannirūpeta samaṃ hīnaṃ suvṛddhidam //
Danach lese und betrachte man die Laute auf der Birkenrinde: unverändert, vermindert oder vermehrt.
23.74
akṣarābhyadhike yatra tatra rājyaṃ vinirdiśet
mātrayābhyadhike lābhaṃ same cārogyavatsalam //
Bei zusätzlichem Laut sage man Herrschaft voraus, bei zusätzlichem Vokalzeichen Gewinn, bei unverändertem Bestand Gesundheit.
23.75
binduhīnaṃ yadā paśyed hānim arthasya tatra vai
mātrāhīne bhaved vyādhir mṛtyuḥ syād akṣaraṃ vinā //
Fehlt ein Bindu, bedeutet dies Vermögensverlust; fehlt ein Vokalzeichen, Krankheit; fehlt ein Laut, Tod.
23.76
vāmādikramayogena lakṣayed upadeśataḥ
vidyākumbhaṃ savardhanyā tatkāle pūjitaṃ tu yat //
Man prüfe gemäß Unterweisung von links an. Der damals verehrte Vidyā-Krug mit Vardhanī,
23.77
tataḥ punaḥ samālabdhaṃ grāmasya ca purasya ca
bhrāmayet ṣoḍaśavāraṃ dahyate na tadambhasā //
wird erneut aufgenommen und sechzehnmal um Dorf oder Stadt getragen; durch sein Wasser wird [der Ort] nicht verbrannt. [Der Schutzbezug ist elliptisch.]
23.78
etat te kathitaṃ devi śubhāśubhavilakṣaṇam
na deyaṃ duṣṭabuddhīnām āgamaṃ gopayet sadā //
Damit sind die Kennzeichen von Heil und Unheil erklärt, Göttin. Man gebe sie nicht Böswilligen und hüte den Āgama stets.
23.79
kālāvabodhanaṃ devi pūṣākālopalakṣitam
samasaptagate sūrye janma-ṛkṣe ca candramāḥ //
Die Zeiterkenntnis ist durch die Pūṣā-Zeit gekennzeichnet: wenn die Sonne im gleichen Siebten und der Mond im Geburtshaus stehen,
23.80
makarodayavelāyāṃ pūṣākālas tu kubjike
ariṣṭadarśanaṃ nāthe japahomopaśāmyati //
zur Zeit des Steinbockaufgangs ist Pūṣā-Zeit, Kubjikā. Unglücksvorzeichen werden durch Rezitation und Feueropfer beruhigt.
23.81
mṛtyuñjayena yogena tac chṛṇuṣva parisphuṭam
juṃ saḥ sampuṭanāmādyaṃ saḥ juṃ ante niyojayet //
Höre deutlich den todüberwindenden Yoga: Juṃ saḥ umschließen den Namen vorn; saḥ juṃ setze man ans Ende.
23.82
candrodayāmṛtāntasthaṃ pudgalātmā vicintayet
japen mṛtuñjayaṃ devi parāparatanau sthitaḥ //
Man stelle das individuelle Selbst im Unsterblichkeitstrank des Mondaufgangs vor und rezitiere Mṛtyuñjaya, im höheren-und-niederen Leib stehend.
23.83
akṣasūtreṇa divyena netareṇa praśasyate //
Mit der göttlichen Gebetskette wird dies empfohlen, nicht mit einer anderen.
23.84
savismayakaraṃ vākyam atyadbhutam akāraṇam
akṣasūtraṃ purā jñātaṃ divyākṣaṃ vada sāmpratam //
[Die Göttin fragt:] Erstaunliche, außerordentliche Worte! Die Gebetskette wurde zuvor erkannt; erkläre nun die göttliche Kette.
23.85
śṛṇu devi pravakṣyāmi divyākṣasūtranirṇayam
yan na kasyacid ākhyātaṃ siddhidaṃ paramaṃ padam //
[Der Herr spricht:] Höre die Bestimmung der göttlichen Gebetskette, die niemandem erklärt wurde, die höchste vollendungsspendende Stätte.
23.86
yan na bhidyati cakreṇa yan na dahyati cāgninā
yan na protāpare sūtre paṭṭakārpāsike 'pi vā //
Sie wird von keinem Diskus gespalten, von keinem Feuer verbrannt und ist auf keinen anderen Faden aus Seide oder Baumwolle gereiht.
23.87
yasya madhye sthito merur granthayaś ca na tatra vai
pañcāśākṣamayā tantu[r] yasmāt sarvaṃ carācaram //
In ihrer Mitte steht Meru; Knoten gibt es darin nicht. Ihr Faden besteht aus fünfzig Lauten, aus denen alles Bewegliche und Unbewegliche entsteht.
23.88
chinnabhinneṣu mantreṣu lubdhakruddheṣu suptake
japtānena tu sūtreṇa asiddhaṃ sādhayed dhruvam //
Mit dieser Kette rezitiert, werden selbst zerschnittene, gespaltene, gierige, zornige oder schlafende Mantras sicher wirksam.
23.89
akṣasūtram idaṃ siddhaṃ sarvamārgaprabodhakam
sarvamārgeṣu guptedam 'nuṣṭheyaṃ parameśvari //
Diese vollendete Gebetskette erhellt alle Wege, ist in allen Wegen verborgen und auszuüben, höchste Herrin.
23.90
prastutāyātamārgeṇa varṇitaṃ sūtranirṇayam //
Im Zusammenhang des begonnenen Weges wurde die Bestimmung der Kette erklärt.
23.91
ḍākinī rākṣasī lāmā kākinī śākinī tathā
yakṣiṇī bhrāmaṇī caiva vada mantraṃ surādhipa //
[Die Göttin fragt:] Ḍākinī, Rākṣasī, Lāmā, Kākinī, Śākinī, Yakṣiṇī und Bhrāmaṇī: Erkläre ihren Mantra, Götterherr!
23.92
ū-ḍha-madhyagataṃ gṛhya ṇa-ṭa-madhyagataṃ tathā
va-kha-pūrvadvayoddhṛtya dha-ha-madhyagataṃ punaḥ //
[Der Herr antwortet:] Man nehme das zwischen Ū und Ḍha, dann zwischen Ṇa und Ṭa, die beiden vor Va und Kha und das zwischen Dha und Ha.
23.93
ya-sa-madhyagataṃ gṛhya etat ṣaṭkaṃ samuddhṛtam
ñapaścimaṃ samuddhṛtya dīrghasvarayutaṃ kuru //
Man nehme das zwischen Ya und Sa; so ist die Sechsheit herausgezogen. Man nehme das nach Ña und verbinde es mit langem Vokal.
23.94
ṣaṭprakāravidhānena ṣaṭkaṃ ṣaṭkaṃ niyojayet
prabhur vai bhrāmaṇī proktā ṣaṭsvarādhiṣṭhitā tu sā //
Nach dem sechsfachen Verfahren setze man jeweils eine Sechsheit ein. Die Herrin heißt Bhrāmaṇī und wird von sechs Vokalen getragen.
23.95
sarvakārye niyoktavyā nigrahānugrahaṃ prati
anyad vai hṛdayaṃ vakṣye śākinīnāṃ yaśasvini //
Sie ist bei allen Handlungen zu Bestrafung und Begnadung einzusetzen. Ich erkläre ein weiteres Herz der Śākinīs, Ruhmreiche.
23.96
ū-paścimaṃ samuddhṛtya ha-pūrva-m-āsane sthitam
rephākrāntaṃ tu kartavyaṃ da-uttarayutaṃ tathā //
Man nehme das nach Ū, setze es auf das vor Ha, überdecke es mit Ra und verbinde es mit dem nach Da,
23.97
jha-pūrveṇa samāyuktaṃ kūṭaṃ bindusamanvitam
prastārāyātamārgeṇa uddhṛtaṃ ṣaṭkanirṇayam //
und mit dem vor Jha; der zusammengesetzte Laut besitzt Bindu. Nach dem Weg der Lautanordnung ist die Sechsheit herausgezogen. [Lautchiffren, nicht abschließend rekonstruiert.]
23.98
prastutaṃ śṛṇu kalyāṇi ucyamānaṃ nigadyate
ariṣṭadarśanādy evam abhyasyanto 'nyathā yadi //
Höre nun das Begonnene, Heilvolle: Wenn man nach Wahrnehmung der Unglückszeichen so übt, aber dennoch
23.99
śuṣyate ghaṇṭikāsthānaṃ tadā dhyānaṃ parityajet
japadhyānārcanād eva sañjātopaśamaṃ na hi //
die Zäpfchengegend austrocknet, soll man die Meditation aufgeben. Wenn Rezitation, Meditation und Verehrung keine Beruhigung bewirken,
23.100
tadātra niścitaṃ jātaṃ pañcāhān mṛtyulakṣaṇam
niścayena tadā kāle gurudevaṃ samāśrayet //
gilt dies als Todeszeichen innerhalb von fünf Tagen. Zu dieser Zeit soll man gewiss beim göttlichen Lehrer Zuflucht suchen.
23.101
putradārādibandhūnāṃ vyāharitvā vaded idam
pañcāhāvāntare kāle kuryād utkrāntikāraṇam //
Man benachrichtige Söhne, Frau und Verwandte und erkläre dies. Innerhalb der fünf Tage [soll der Text zufolge] das Mittel zum Körperverlassen vollzogen werden.
23.102
anyathā kurute yas tu sa pāpī hy ātmabhedakaḥ
na duḥkhito na kopena kuryād utkrāntikāraṇam //
Wer es anders tut, ist ein sündiger Selbstzerstörer. Weder aus Leiden noch aus Zorn soll man das Verlassen des Körpers betreiben.
23.103
kīrtihetoḥ śarīrasya yadi śakto na rakṣaṇe
guruṇāpi hi dātavyaṃ jñātvā śiṣyaṃ salakṣaṇam //
Um des Ruhmes willen, wenn man den Körper nicht schützen kann, darf auch der Lehrer es geben, nachdem er den Schüler samt Kennzeichen geprüft hat. [Historische religiöse Vorschrift, keine heutige Handlungsanweisung.]
23.104
anyathā dadate yas tu liṅgabhedī gurus tu saḥ
pañcaprakārako hy ātmā yena jñātaḥ svadehataḥ //
Wer es anders weitergibt, ist ein Lehrer, der das Liṅga zerstört. Wer das fünffache Selbst im eigenen Leib erkannt hat,
23.105
sarvatīrthamayaḥ so hi tīrthāni kṛtakāny api
susiddhapumbhiḥ sarvais tu yatra baddhāspadaṃ kvacit //
besteht aus allen Pilgerstätten. Pilgerstätten sind auch geschaffen: Wo vollkommen verwirklichte Menschen ihren Aufenthaltsort gegründet haben,
23.106
tatprabhāvād bhavet tīrthaṃ na tīrthaṃ jalapūritam
jñānāvabodhasampannā jñānasampādane kṣamāḥ //
wird durch deren Kraft eine Pilgerstätte, nicht allein durch Wasserfülle. Die mit Erkenntnis und Erwachen Erfüllten, die Erkenntnis vermitteln können,
23.107
yatra tiṣṭhanti te sthāne tat tīrthaṃ paramārthataḥ
vārāṇasī kurukṣetraṃ naimiṣaṃ bhairavaṃ tathā //
wo diese stehen, dort ist wahrhaft eine Pilgerstätte: Vārāṇasī, Kurukṣetra, Naimiṣa und Bhairava.
23.108
sannidhāno gurur yatra sarvatīrthāni tatra vai
tīrthāni toyapūrṇāni devāḥ pāṣāṇamṛṇmayāḥ //
Wo der Lehrer gegenwärtig ist, dort sind alle Pilgerstätten. Wassergefüllte Orte und Götter aus Stein oder Ton
23.109
ātmavido na manyante tat tīrtham itare janāḥ
balinopadrute sthāne guror mānam upāgate //
halten Selbstkenner nicht [für hinreichend]; andere Menschen [nennen sie] Pilgerstätten. Wird der Ort von Mächtigen bedrängt und die Ehre des Lehrers angegriffen,
23.110
jñānino 'pi na doṣo'sti ātmano hanane kṛte
tīrthaṅkaro gurur yasmāt tatkāryojjhitajīvite //
liegt dem Text zufolge auch beim Wissenden kein Fehler in Selbsttötung. Weil der Lehrer Pilgerstätten stiftet, [wer] im Dienst an ihm sein Leben aufgibt,
23.111
tiryagyoniṃ hy asau yāti duḥkhāntaṃ phalam aśnute
anyatkāle na kartavyam utkrāntyutkramaṇaṃ priye //
[oder dessen Dienst verlässt: unsicherer Bezug], gelangt in tierische Geburt und erfährt leidvolle Frucht. Zu anderer Zeit darf kein Körperverlassen erfolgen, Geliebte. [Der Satzanschluss zwischen 23.110 und 23.111 ist ungeklärt.]
23.112
kīrtihetoḥ prakartavyā sā yathā kathyate ' dhunā
dvāreṣv argalasaṃyogaṃ kuryāc codghāṭanaṃ kvacit //
Um des Ruhmes willen sei es auszuführen, wie nun erklärt: An den Toren werden Riegel angebracht und anderswo eine Öffnung geschaffen.
23.113
jīvādhāraṃ chined granthim etad utkrāntilakṣaṇam
gudaṃ liṅgaṃ tathā nābhir mukhaṃ nāsā śrutīkṣaṇau //
Der lebensstützende Knoten wird durchtrennt: Dies kennzeichnet Utkrānti. [Genannt werden] After, Liṅga, Nabel, Mund, Nase, Ohren und Augen.
23.114
eṣu sthāne 'rgalaṃ yojya kuñcikordhvaṃ niyojayet
argalāny upadeśena śṛṇu tvaṃ karaṇaṃ yathā //
An diesen Stellen werden Riegel eingesetzt, der Schlüssel oben. Höre gemäß Unterweisung ihre Ausführung. [Beginn einer historischen, gefährlichen Körpertechnik; keine Empfehlung zur Nachahmung.]
23.115
gudādhāropari sthitvā kṛtvā vai kukkuṭāsanam
samapādorujaṅghas tu kurparau tu tadūrdhvagau //
Der Text beschreibt das Sitzen auf der Aftergrundlage in Kukkuṭāsana, mit gleichgerichteten Füßen, Schenkeln und Unterschenkeln, den Ellbogen darüber.
23.116
bhagnapṛṣṭhaśiraḥskandho hy uttānordhvamukhaḥ sthitaḥ
muṣṭibhyāṃ pīḍayet skandhau kaṇṭhasthau cānunāsikau //
Rücken, Haupt und Schultern werden gebeugt, das Gesicht nach oben gerichtet; Fäuste üben Druck an Schultern, Hals und Nasenbereich aus. [Die anatomischen Bezüge sind unsicher.]
23.117
uccaret kṣurikāmūle granthicchedaṃ bhavet kṣaṇāt
ghāṭayitvā tu dvārāṇi nityam eva samabhyaset //
An der Wurzel der „Rasiermesser“-Formel wird ausgesprochen; augenblicklich soll der Knoten reißen. Nach Verschließen der Tore soll dies beständig geübt werden.
23.118
ghaṇṭikāyāṃ tu deveśi ṣaṇmāsāvadhipūrvakam
nityam evābhyasantasya pratyayāni bhavanti hi //
An der Zäpfchengegend, Götterherrin, entstehen nach sechs Monaten beständiger Übung bestätigende Erfahrungen.
23.118A
ghaṭādhāragataṃ prāṇaṃ kūrmayantreṇa pīḍayet
abhyasan māsam ekaṃ tu sadyam utkrāntilakṣaṇam //
Der Lebenshauch in der Gefäßgrundlage wird durch die Schildkrötenvorrichtung gepresst; nach einem Monat Übung soll unmittelbar das Zeichen des Körperverlassens entstehen.
23.119
brahmarandhraṃ sphurantīva nirjīvaṃ kaṇṭhakāvadhim
evam abhyāsayen nityaṃ yatra bandhatanu[ḥ] sthitaḥ //
Die Brahma-Öffnung scheint zu pulsieren, [der Leib] ist bis zum Hals leblos. So soll der an den gebundenen Leib Geheftete beständig üben. [Die Quelle ergänzt „tanu[ḥ]“.]
23.120
gudādhāre mṛduṃ dattvā pṛṣṭhādhāraṃ suśobhanam
jānūrubhyāṃ tu pārśve tu kīlakau dvau nidhāpayet //
An der Aftergrundlage wird eine weiche, gute Rückenstütze angebracht, seitlich von Knien und Oberschenkeln zwei Pflöcke.
23.121
tatpramāṇau samau bhūmyāṃ yantrayen mṛduyantraṇāt
incorrḷoc. should read bhūmau
evaṃ saṃśodhayitvā tu pūrvasiddhi[r] yathā yathā //
Diese werden entsprechend bemessen im Boden mit weicher Befestigung fixiert. So gereinigt, [entsteht] die frühere Vollendung. [Die Quelle enthält die englische Notiz, „bhūmyāṃ“ solle „bhūmau“ heißen, sowie „pūrvasiddhi[r]“.]
23.122
tadā saṅkurute kīrtim ity ājñā pārameśvarī
satatābhyāsayogena sadyam utkramaṇe kṣamaḥ //
Dann bewirkt man Ruhm: So lautet die höchste Weisung. Durch beständige Übung wird man zum unmittelbaren Körperverlassen fähig.
23.123
kruddhaḥ saṃharate kṣipraṃ ghaṭikābhyantareṇa vai
tṛṇa vṛkṣalatādīnāṃ ṣaṭpadākāśagāminām //
Im Zorn vernichtet man rasch innerhalb einer Ghaṭikā Gräser, Bäume, Ranken, sechsfüßige und himmelsgängige Wesen.
23.124
phalapuṣpaprapātena tadā siddhiṃ vilakṣayet
akālenāpi kālas tu ṣaḍghaṭikābhyantareṇa vai //
Am Fallen von Früchten und Blüten erkennt man dann Vollendung. Selbst vor der bestimmten Zeit [bewirkt man] den Tod innerhalb von sechs Ghaṭikās.
23.125
ṣaṇmāsābhyāsayogena ātmanaḥ kurute dhruvam
evaṃ te kathitaṃ sarvaṃ sarahasyaṃ mahāmatam //
Nach sechs Monaten Übung bewirkt man dies sicher an sich selbst. So ist dir die ganze große Lehre mitsamt Geheimnis erklärt.
23.126
kṣurikādyargalābhyāsaṃ kathayāmy upadeśataḥ
etadvijñānasāro 'yaṃ vijñānānekasaṅkulam //
Ich erkläre die Übung des Rasiermessers und der Riegel gemäß Unterweisung. Dies ist der Erkenntniskern, der viele Erkenntnisweisen umfasst.
23.127
anādeśān na tad deyaṃ datte syālliṅgabhedakṛt
lubdhakruddheṣu duṣṭeṣu gopayedaṃ surakṣitam //
Ohne Auftrag darf es nicht gegeben werden; sonst zerstört man das Liṅga. Vor Gierigen, Zornigen und Bösen hüte man es gut.
23.128
paraṃ cājñāpahāro 'sti yasya hānir na vidyate
evaṃ surakṣitā devi vāritāsi punaḥ punaḥ //
Ein Entzug der höchsten Ermächtigung besteht, bei dem es keinen Verlust [des Entziehenden] gibt. So bist du gut geschützt, Göttin, und wiederholt gewarnt.
23.129
anādiṣṭasya śiṣyedaṃ dāsyase narakārthinī
pañcātmānaṃ yadā jñātaṃ yadā jñātaṃ ṣaḍadhvaram //
Gibst du dies einem nicht beauftragten Schüler, verlangst du nach der Hölle. Erst wenn das fünffache Selbst und der sechsfache Weg erkannt sind,
23.130
tadā tv apaścimam idaṃ kathyam utkrāntikāraṇam
anyad vā paścimaṃ vakṣye duḥkhākrāntasya yoginaḥ //
ist dieses nichtletzte Mittel zum Körperverlassen mitzuteilen. Ein weiteres letztes [Mittel] erkläre ich für den leidbedrängten Yogin.
23.131
sarvajñavihite mārge na doṣas tatprasādhane
ātmanaś ca parasyaiva kruddhaceto'vadhāraṇam //
Auf dem vom Allwissenden bestimmten Weg sei dessen Vollzug fehlerlos: die zornige Geistesausrichtung auf sich selbst oder andere. [Historische Behauptung.]
23.132
kartavyaṃ bhīvane gatvā raktamaṇḍalakaṃ subham
maṇḍalānte tu ṣaṭkoṇaṃ tatra devyaḥ subhīṣaṇāḥ //
Im schrecklichen Wald wird ein rotes Maṇḍala errichtet, an dessen Ende ein Sechseck mit furchtbaren Göttinnen.
23.133
pūjayed yakṣiṇīmūlā ḍāmaryantaṃ vidur budhāḥ
kusuminyā sahaikatvam ātmānaṃ madhyato nyaset //
Die Weisen kennen die Verehrung von Yakṣiṇī bis Ḍāmarī. In der Mitte wird das Selbst in Einheit mit Kusuminī eingesetzt.
23.134
māṃsakhaṇḍaiḥ prapūjyeta raktenārghaṃ pradāpayet
bhedayitvā tu aṣṭāṅgaṃ viṣṭhamūtrasamekataḥ //
Verehrung erfolgt mit Fleischstücken, Ehrengabe mit Blut; nach Gliederung in acht Teile [wird es] mit Kot und Urin vereinigt. [Der Gegenstand der Gliederung ist nicht ausdrücklich genannt.]
23.135
kiñcidalisamāyuktam arghapātraṃ niyojayet
kṣmāpalenātha nāreṇa kṛṣṇavastrodbhavena ca //
Ein wenig Ali wird zur Ehrengabe hinzugefügt; [genannt werden] Kṣmāpala, menschlicher [Stoff] und aus schwarzem Gewand Entstandenes. [Stoffchiffren bleiben unidentifiziert.]
23.136
pūjayed vātha naivedyair dhātuṃ dattvā svakāṃ svakām
raktapātraṃ pṛthakkuryān naivedyāni pṛthak pṛthak //
Oder Speisegaben werden dargebracht, jede mit ihrem eigenen Körperbestandteil; Blutgefäß und Speisegaben werden getrennt bereitgestellt.
23.137
kapālaśakalaiḥ sarvaṃ pātrādau dhūpakāvadhim
sānnidhyakaraṇārthaṃ tu dhūpānyaṃ sanniyojayet //
Vom Gefäß bis zum Räucherbehälter wird alles aus Schädelscherben [bereitet]. Zum Herbeiführen der Gegenwart wird ein weiteres Räucherwerk eingesetzt.
23.138
yenākṛṣṭāḥ prayānty āśu sannidhānā bhavanti hi
kṣmāpalaṃ hi ca kṣmāpittaṃ narāsthi śailamadrajam //
Dadurch angezogen sollen sie rasch gegenwärtig werden. [Genannt werden] Kṣmāpala, Kṣmāpitta, Menschenknochen und Śailamadraja,
23.139
kiñcidalisamāyuktaṃ dhūpo 'yaṃ paramārthataḥ
evopacārayogena dhūpayitvā samuccaret //
mit etwas Ali verbunden: Dies sei das höchste Räucherwerk. Nach dieser Verehrung und Räucherung wird [die Formel] ausgesprochen. [Keine moderne Stoffidentifikation ergänzt.]
23.140
vidyāṃ svadhātusaṃyuktāṃ yasya tasya śataṃ japet //
Die mit dem jeweiligen eigenen Körperbestandteil verbundene Vidyā rezitiert man hundertmal.
23.140 (zweites Vorkommen)
aiṃ śrīṃ hāṃ hīṃ hūṃ kusumamālinīye idaṃ pradhānadhātuṃ gṛhṇa gṛhṇa devadattasya udaragataṃ āṇimāri vaśaṅkari sarvaśatrūṇāṃ svāhā ||
Aiṃ śrīṃ hāṃ hīṃ hūṃ, Kusumamālinī: Nimm, nimm diesen Hauptbestandteil im Bauch Devadattas! Āṇimāri, Unterwerferin aller Feinde, svāhā! [Āṇimāri ist nicht sicher aufgelöst; Devadatta ist ein eingesetzter Personenname.]
23.140 (Vorkommen 3)
aiṃ śrīṃ yāṃ yīṃ yūṃ yakṣiṇī jambhaya jambhaya sarvaśatrūṇāṃ devadattānām asthi bhañja bhañja āṇimāri vaśīkuru kuru svāhā ||
Aiṃ śrīṃ yāṃ yīṃ yūṃ, Yakṣiṇī: Lähme, lähme alle Feinde namens Devadatta! Zerbrich, zerbrich den Knochen! Āṇimāri, unterwirf, bewirke es, svāhā!
23.140 (Vorkommen 4)
aiṃ śrīṃ śāṃ śīṃ śūṃ śaṅkhinī śaṅkhagrahena sarvaśatrūṇāṃ devadattānāṃ āṇimāri vaśīkuru kuru majjaṃ gṛhṇa gṛhṇa svāhā ||
Aiṃ śrīṃ śāṃ śīṃ śūṃ, Śaṅkhinī: Durch Śaṅkha-Ergreifen unterwirf alle Feinde namens Devadatta, Āṇimāri! Nimm, nimm das Mark, svāhā!
23.140 (Vorkommen 5)
aiṃ śrīṃ kāṃ kīṃ kūṃ kākinī kāyaṃ saṃhāraya saṃhāraya medaṃ sarvaśatrūṇāṃ devadattānāṃ āṇimāri vaśīkuru kuru svāhā ||
Aiṃ śrīṃ kāṃ kīṃ kūṃ, Kākinī: Löse, löse den Leib und das Fett aller Feinde namens Devadatta auf! Āṇimāri, unterwirf, bewirke es, svāhā!
23.140 (Vorkommen 6)
aiṃ śrīṃ lāṃ līṃ lūṃ lākinī sarvaśatrūṇāṃ devadattānāṃ āṇimāri vaśīkuru kuru māṃsaṃ bhakṣaya bhakṣaya stambhaya stambhaya svāhā ||
Aiṃ śrīṃ lāṃ līṃ lūṃ, Lākinī: Unterwirf alle Feinde namens Devadatta, Āṇimāri! Verzehre, verzehre das Fleisch; lähme, lähme, svāhā!
23.140 (Vorkommen 7)
aiṃ śrīṃ rāṃ rīṃ rūṃ rākiṇī āṇimāri vaśīkuru kuru sarvaśatrūṇāṃ devadattānāṃ raktaṃ gṛhṇa gṛhṇa svāhā ||
Aiṃ śrīṃ rāṃ rīṃ rūṃ, Rākiṇī: Āṇimāri, unterwirf alle Feinde namens Devadatta! Nimm, nimm das Blut, svāhā!
23.140 (Vorkommen 8)
aiṃ śrīṃ ḍāṃ ḍīṃ ḍūṃ ḍākinī sarvaśatrūṇāṃ devadattānāṃ āṇimāri vaśīkuru kuru tvacadhātuṃ gṛhṇa gṛhṇa svāhā ||
Aiṃ śrīṃ ḍāṃ ḍīṃ ḍūṃ, Ḍākinī: Unterwirf alle Feinde namens Devadatta, Āṇimāri! Nimm, nimm den Hautbestandteil, svāhā!
23.141
śataṃ śataṃ japitvā tu ekaikāyāḥ samarpayet
gṛhṇantv idaṃ mayā dattam atrājñā pārameśvarī //
Nach jeweils hundert Rezitationen bringt man jeder [Göttin] dar: „Nehmt dies von mir Gegebene! Hier gilt die höchste Weisung.“
23.142
duḥkhito 'haṃ virakto 'haṃ bhraṣṭo 'haṃ samayojjhitaḥ
gṛhṇantu devatāḥ kṣipraṃ mayā dattāṃ svakāṃ tanum //
„Ich leide, bin leidenschaftslos, gefallen und ohne Verpflichtung. Nehmt rasch, Gottheiten, meinen von mir dargegebenen Leib!“
23.143
ājñā yadi pramāṇo 'sti pramāṇaṃ yadi cānvayam
tena satyena gṛhṇantu matpradattaṃ marīcayaḥ //
„Wenn die Ermächtigung maßgeblich ist, wenn die Überlieferung maßgeblich ist, dann nehmt durch diese Wahrheit meine Gabe, ihr Strahlen!“
23.144
evaṃ viraktadehas tu yāvat kuryād dine dine
tāvad āyānti yoginyaḥ saptame 'hani bhāsurāḥ //
Wer so täglich vom Leib abgewandt handelt, zu dem sollen am siebten Tag die strahlenden Yoginīs kommen.
23.145
jñānasiddhiprasiddhasya saptarātrāntakāvadhim
kṣapayanty anyathā naiva śīghraṃ saṃhārayanti tāḥ //
Den durch Erkenntnisvollendung Bewährten sollen sie binnen sieben Nächten aufzehren, anders nicht; rasch lösen sie ihn auf.
23.146
atha ced duṣṭakarmāṇāṃ nigrahedaṃ prakārayet
tad ātmāṅgasamudbhūtaṃ kiñcid dravyaṃ na gṛhṇayet //
Wendet man dies zur Bestrafung Übeltätiger an, nehme man keinen Stoff aus den eigenen Körpergliedern.
23.147
brahmaṇālepya-m-ātmānaṃ paścād dhyānaṃ niyojayet
paramātmasvarūpo 'haṃ bhairavo 'haṃ mahāprabhuḥ //
Man bestreiche sich mit Brahman-[Stoff] und meditiere: „Ich bin die Gestalt des höchsten Selbst, ich bin Bhairava, der große Herr.“
23.148
iti matvā prayuñjīta ṣoḍhānyāsaṃ svake tanau
kṛtvā ṣoḍaśa vārāṇi tato vajratanur bhavet //
So denkend vollziehe man den sechsfachen Nyāsa sechzehnmal am eigenen Leib; dadurch werde er diamanten.
23.149
athātaḥ sampravakṣyāmi lohake sādhanaṃ yathā
ayutaikena siddhiḥ syāl liṅge vai paścimāmukhe //
Nun erkläre ich die Verwirklichung am Eisen. Mit zehntausend [Rezitationen] soll sie an einem westwärts gerichteten Liṅga gelingen,
23.150
svayambhau bāṇaliṅge vā itare vāpi suvrate
tatra sthitvā japed evam ekacittaḥ samāhitaḥ //
an einem selbstentstandenen, einem Bāṇa-Liṅga oder einem anderen, Gelübdetreue. Dort rezitiere man gesammelt und einspitzig.
23.151
sadā kruddhena kartavyaṃ nigrahaṃ saptavāsaraiḥ
śatam aṣṭottareṇaiva yāvat tannigraho bhavet //
Stets zornig soll die Bestrafung in sieben Tagen vollzogen werden, mit einhundertacht [Rezitationen], bis sie erfolgt.
23.151 (zweites Vorkommen)
ṭha ṭha ya lā ba hā ma mi mi hi hi sa gra sa gra ||
Verschlinge, verschlinge! Hi hi, mi mi. Dem Mahābala, dem Großmächtigen: ṭha ṭha. [Arbeitsübersetzung der erkennbaren Wörter. Dieser erste Quellenabschnitt bildet bei rückläufiger Lesung den Schluss der neunteiligen Formel; die Funktionsdeutung der Keimlaute bleibt offen.]
23.151 (Vorkommen 3)
kaṃ mu a hūṃ hūṃ la jva la jva na śa nā ra gho ||
Vernichter des Schreckens, flamme, flamme! Hūṃ hūṃ. Den Soundso … [amukaṃ ist ein Platzhalter und Objekt der anschließenden Aufforderung „verschlinge“ in Quellenabschnitt 1. Die Formel wird über die Abschnittsgrenzen hinweg rückwärts gelesen.]
23.151 (Vorkommen 4)
pa rū ra gho ra gho a ra śva the ma pra tha ma pra ||
Zerwühle! Herr der Pramathas, du mit unschrecklicher und schrecklicher Gestalt! [Vorläufige Rücklesung als pramatha, pramatheśvara und aghoraghorarūpa. Einzelne Wortgrenzen sind redaktionell erschlossen.]
23.151 (Vorkommen 5)
tha ma pra śa vi ā śa vi ā da bhiṃ da bhiṃ ya ||
[Abschluss des im folgenden Quellenabschnitt begonnenen Befehls:] Vernichte! Brich, brich! Dringe ein, dringe ein! Zerwühle! [Die Rücklesung ergibt unter anderem bhiṃda, āviśa und pramatha. bhiṃda ist die auffällige Quellenform; sie wird in der IAST-Erfassung nicht zu bhinda berichtigt.]
23.151 (Vorkommen 6)
śa dhvaṃ vi ya śa dhvaṃ vi tha ma tha ma sa gra ||
Verschlinge! Quirle, quirle! Vernichte, vernichte! [Der Schluss des zweiten vidhvaṃśaya liegt wegen der rückläufigen Anordnung im vorhergehenden Quellenabschnitt. Die Verbindung über die Grenze ist eine redaktionelle Arbeitsauflösung.]
23.151 (Vorkommen 7)
sa gra kaṃ mu aka ha lo hi e hi e ya rā śva me ra ||
… dem höchsten Herrn! Komm, komm, Lohaka! Den Soundso verschlinge! [Der Anfang des Gottesnamens parameśvara liegt im folgenden Quellenabschnitt; die genaue Segmentierung bei lo ha aka bleibt unsicher. amuka bezeichnet eine im Ritual einzusetzende Person.]
23.151 (Vorkommen 8)
pa ya rā pa rā pa ya vā de ya sā hā ṭṭa ṅgā ||
… dem mit Funken verbundenen lauten Lacher, dem Gott, dem zugleich Höchsten und Niederen … [Vorläufige Anrufungsdeutung des über die Abschnittsgrenze reichenden visphuliṅgāṭṭahāsa. Die Schlusslaute führen in parameśvara im vorhergehenden Quellenabschnitt weiter.]
23.151 (Vorkommen 9)
li sphu vi ye ta pa dhi ṇā ga hā ma ya kā ha lo ||
Dem Lohāka, dem großen Herrn der Scharen … [Es beginnt außerdem das Wort visphuliṅga, „Funke“, dessen Ende im vorhergehenden Quellenabschnitt liegt. Namensform und genaue Kompositumsdeutung bleiben prüfbedürftig.]
23.151 (Vorkommen 10)
mo na ya rā śva 'je ste ma na aiṃ ||
Aiṃ, Verehrung dir, dem als ’jeśvara bezeichneten Herrn; Verehrung … [Die Namenslesung mit Apostroph ist nicht sicher geklärt. Dieser letzte Quellenabschnitt bildet den Beginn der rückläufig zu lesenden Formel. Die folgenden Anrufungen stehen in der Quelle in umgekehrter Abschnittsfolge.]
23.152
atordhve yantrakarmāṇi nigrahānugrahaṃ prati
kṛtvā kuṇḍalikās tisro aṣṭau dvādaśa ṣoḍaśa //
Nun die Yantra-Handlungen für Bestrafung und Begnadung: Man bilde drei Ringe mit acht, zwölf und sechzehn [Gliedern].
23.152 (zweites Vorkommen)
ya madhye kṣe ma me da abhyantaracakre vidikṣu
hūṃkāreṇa nāma vidarbhya yac ca ni rā [rā] ja sa
do [do] ru ṇa yo [yo] ni ra [ya] iti dvitīyacakre l
oṃ hrīḥ ṣṭrīḥ vikṛtānana hūṃ hūṃ phaṭ phaṭ
amukaṃ māraya vidveṣaya uccāṭaya vaśīkuru ākṛṣṭiṃ
kuru śāntiṃ kuru puṣṭiṃ kuru stobhaṃ kuru stambhaṃ
kuru hūṃ hūṃ phaṭ phaṭ ṭha ṭha tṛtīyacakre /
māraṇe hūṃ vidveṣe hraṃḥ uccāṭe hyaḥ vaśe
hsklīṃ ākṛṣṭau hrīṃ śāntike sphauṃ pauṣṭike
sphaḥ stobhe hrūṃ mohe hlauṃ stambhe hlūṃ ||
Im inneren Rad werden Ya und die Lautfolge „kṣe ma me da“ in Zwischenrichtungen eingesetzt; der Name wird mit Hūṃ verflochten. Im zweiten Rad folgen die angegebenen, teilweise geklammerten Laute. Im dritten: Oṃ hrīḥ ṣṭrīḥ, Entstelltgesichtiger, hūṃ hūṃ phaṭ phaṭ! Töte den Genannten, säe Zwietracht, vertreibe, unterwirf, ziehe an, befriede, stärke, errege und lähme! Hūṃ hūṃ phaṭ phaṭ ṭha ṭha. Den Handlungen sind zugeordnet: Töten hūṃ, Zwietracht hraṃḥ, Vertreiben hyaḥ, Unterwerfen hsklīṃ, Anziehen hrīṃ, Befrieden sphauṃ, Stärken sphaḥ, Erregen hrūṃ, Verblenden hlauṃ, Lähmen hlūṃ. [Die Lautanordnung und Klammerlesungen sind nicht abschließend rekonstruiert.]
23.153
madhye yakāralopasya lopye niṣkadvayasya ca
karmakarmāṇurūpeṇa śeṣā varṇā yathāsukham //
In der Mitte lasse man Ya und zwei Niṣkas fort; die übrigen Laute [ordne man] entsprechend der jeweiligen Handlung nach Bedarf. [„niṣka“ bleibt technisch unklar.]
23.154
athātaḥ sampravakṣyāmi svapnamānavakāmbikām
prāṇaṃ vahnisamārūḍhaṃ mātrādvādaśabheditam //
Nun erkläre ich Svapnamānavakāmbikā: Prāṇa ruht auf Feuer und wird durch zwölf Vokalmaße unterschieden.
23.155
akṣarāntaritaṃ kṛtvā saṣaḍaṅgā bhaved ume
hrasvā tyājyā prayatnena dīrghā grāhyā sulocane //
Durch Einfügen von Lauten erhält sie sechs Glieder, Umā. Kurze [Vokale] lasse man sorgfältig fort, lange nehme man, Schönäugige.
23.156
ayutaṃ pūrvasevāyāṃ pañcapraṇavasampuṭe
raktāśvamārakusumaiḥ sidhyate nātra saṃśayaḥ //
Zehntausend [Rezitationen] im vorbereitenden Dienst, von fünf Praṇavas umschlossen, mit roten Aśvamāra-Blumen: So soll sie zweifellos wirksam werden.
23.157
aṣṭottaraśataṃ japtvā śayyārūḍho niśāsu ca
śubhāśubhaṃ vaded rātrau siddhavidyāṃ tu kaulikīm //
Nach einhundertacht Rezitationen legt man sich nachts nieder; die vollendete Kaula-Vidyā verkündet nachts Heil und Unheil.
23.158
athānyam api vakṣyāmi prayogaṃ mṛtyunāśanam
saṅkocya mūlacakran tu janmasthaṃ dhārayet kṣaṇāt //
Ein weiteres todvernichtendes Verfahren erkläre ich: Das Wurzelrad wird zusammengezogen und das an der Geburtsstätte Befindliche augenblicklich gehalten.
23.159
saṅghaṭṭe pīḍanaṃ kṛtvā lambakaṃ tu vidārayet
lambakāmṛtasantṛpto jayen mṛtyuṃ na saṃśayaḥ //
An der Verbindung wird Druck ausgeübt und Lambaka geöffnet; vom Lambaka-Unsterblichkeitstrank gesättigt soll man zweifellos den Tod besiegen. [Technische Körperdeutung unsicher.]
23.160
dāhaśoṣas tu santāpo vaivarṇaṃ vā mahadbhutam
nāśayeta varārohe anenābhyāsayogataḥ //
Brennen, Austrocknung, Hitze und auffällige Verfärbung sollen durch diese Übung vergehen, Schönhüftige.
23.161
rasanāṃ śūnyamadhyasthāṃ kṛtvā caiva nirāśrayam
na dantair daśanān spṛṣṭvā oṣṭhau naiva parasparam //
Die Zunge wird haltlos in die Leere gelegt; Zähne berühren einander nicht, ebenso wenig die Lippen.
23.162
tyajya sparśanam eteṣāṃ jinen mṛtyuṃ na saṃśayaḥ
eṣa mṛtyuñjayo yogo na bhūto na bhaviṣyati //
Durch Vermeidung dieser Berührungen soll man den Tod besiegen. Einen solchen todüberwindenden Yoga habe es nie gegeben und werde es nicht geben.
23.163
nābhicakrād adhaś cāgnir nivṛtte tu gamāgame
dvandvātītaṃ padaṃ devi cintātītaṃ pracakṣyate //
Unterhalb des Nabelrades liegt Feuer; wenn Kommen und Gehen enden, heißt die über Gegensätze hinausgehende Stätte jenseits des Denkens, Göttin.
23.164
pṛṣṭhavaṃśa-adhastāt tu spandane vilayaṃ gate
kālātītaṃ paraṃ sthānaṃ cintātītam ihocyate //
Wenn unterhalb der Wirbelsäule die Schwingung aufgelöst ist, heißt die höchste, zeitjenseitige Stätte hier jenseits des Denkens.
23.165
gudaguhyāntare granthiḥ sīvanyā badirāsthivat
jarātītaṃ padaṃ divyaṃ bhāvātītaṃ pracakṣyate //
Zwischen After und Geschlechtsorgan liegt an der Naht ein Knoten wie ein Jujubekern: die göttliche altersjenseitige Stätte heißt jenseits der Vorstellung.
23.166
gudaguhyāntare granthir guhādhāre sukhodaye
parānandapadaṃ divyaṃ cintātītaṃ tu kathyate //
Der Knoten zwischen After und Geschlechtsorgan, an der Höhlengrundlage, wo Freude entsteht, heißt göttliche höchste Seligkeitsstätte jenseits des Denkens.
23.167
rājadantadvayor madhye adhastāt pīḍayed bhṛśam
ūrdhvadṛṣṭiṃ parāṃ kṛtvā evam etat samabhyaset //
Unterhalb zwischen den beiden Königszähnen wird starker Druck ausgeübt und der Blick nach oben gerichtet; so beschreibt der Text die Übung.
23.168
anena jayate mṛtyuṃ nātra kāryavicāraṇāt
nādānte saṃsthitaṃ lakṣyaṃ pañcatattvasya madhyagam //
Dadurch soll der Tod zweifellos besiegt werden. Am Ende des Nāda liegt das Ziel inmitten der fünf Prinzipien,
23.169
catuṣkalasamopetaṃ tatra sthitvā japet priye
jarā mṛtyuś ca rogāś ca ītayo vividhāś ca ye //
mit vier Kalās versehen. Dort verweilend rezitiere man, Geliebte. Alter, Tod, Krankheiten und vielerlei Plagen
23.170
naśyante nātra sandehas tuhinaṃ tu raver yathā
adhaḥ prāṇaṃ samānīya kuṇḍalīpadamadhyagam //
sollen zweifellos vergehen wie Reif vor der Sonne. Man führe den Lebenshauch abwärts in die Kuṇḍalī-Stätte,
23.171
tatra rundhyāt prayatnena vṛttirājavivarjitam
ye prāṇās te mahājīve gatāyur vīravandite //
und halte ihn dort sorgfältig an, frei vom König der Bewegungen. Diese Lebenshauche [gehen] ins große Leben, dessen Lebensdauer [nicht mehr gemessen wird], Heldenverehrte. [Der letzte Halbvers ist unsicher.]
23.172
tatrāsaktaḥ sadā devi mṛtyujid bhavate kṣaṇāt
kathitaṃ sarahasyaṃ tu sugopyaṃ tu tavānaghe //
Daran stets gebunden, Göttin, wird man augenblicklich Todesbesieger. Dies wurde dir mitsamt dem streng zu hütenden Geheimnis erklärt, Makellose.
23.173
ṣoḍhānyāsavidhānaṃ tu pūrvaṃ tu kathitaṃ mayā
nirodhotkramaṇādīnāṃ kiṃ tvedaṃ na prakāśayet //
Das Verfahren des sechsfachen Nyāsa erklärte ich zuvor; dieses über Anhalten und Körperverlassen soll jedoch nicht offenbart werden.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate triṣkālajñānam utkrāntisambandha [iti] trayoviṃśatimaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das dreiundzwanzigste Kapitel über Erkenntnis der drei Zeiten und den Zusammenhang mit Utkrānti.
Kapitel 24
24.1
devadeva mahādeva śaśāṅkakṛtaśekhara
tadgrahākhye tu ye rudrāḥ sṛṣṭinyāsena me śrutāḥ //
[Die Göttin fragt:] Gott der Götter, großer Gott mit dem Mond als Scheitelschmuck! Die Rudras im Tadgraha habe ich nach dem Schöpfungs-Nyāsa gehört.
24.2
saṃhāreṇa sureśāna kathayasva prasādataḥ
niścayārthaṃ mahādeva kṣakārādyā yathāsphuṭam //
Erkläre sie aus Gnade in der Auflösungsfolge, Götterherr, von Kṣa an ganz deutlich, zur Gewissheit.
24.3
kathayāmi na sandehaḥ sphuṭārthaṃ tadgrahātmakam
pañcāśadvyutkrameṇaiva śṛṇuṣva gadato mama //
[Der Herr spricht:] Zweifellos erkläre ich den Tadgraha mit klarem Sinn. Höre die fünfzig in umgekehrter Reihenfolge.
24.4
kṣa saṃvartaḥ sthitaḥ krodhe ha prāṇe lākulī sthitaḥ
sa bhṛguḥ śukrato nityaṃ ṣa śveto majjam āsthitaḥ //
Kṣa: Saṃvarta im Zorn; Ha: Lākulī im Lebenshauch; Sa: Bhṛgu stets im Samen; Ṣa: Śveta im Mark.
24.5
śa bakīśo 'sthimadhye tu va khaḍgīśaḥ sirānvitaḥ
la pinākī sthito māṃse ra bhujaṅgo 'sṛgāsthitaḥ //
Śa: Bakīśa in den Knochen; Va: Khaḍgīśa in den Gefäßen; La: Pinākin im Fleisch; Ra: Bhujaṅga im Blut.
24.6
ya vālīśas tvacāmadhye kathitaṃ tava suvrate
mahākālo makāras tu hṛdaye sarvajantuṣu //
Ya: Vālīśa in der Haut, Gelübdetreue. Ma ist Mahākāla im Herzen aller Wesen.
24.7
dviraṇḍas tu bha nābhyāṃ tu ba vaṃśe chagalaṇḍinaḥ
pha śikhī vāmapārśve tu kathitaṃ tu varānane //
Bha: Dviraṇḍa am Nabel; Ba: Chagalaṇḍin an der Wirbelsäule; Pha: Śikhin in der linken Flanke, Schönantlitzige.
24.8
pakāro lohito rudro dakṣiṇe kukṣim āśritaḥ
na meṣo vāmapāde tu dha mīno jaṅgham āśritaḥ //
Pa ist Rudra Lohita in der rechten Flanke; Na: Meṣa am linken Fuß; Dha: Mīna am Unterschenkel.
24.9
da dhātṛ jānumadhye tu saṃsthito varavarṇini
tha diṇḍī ūrudeśe tu ta āṣāḍhī tatordhvataḥ //
Da: Dhātṛ im Knie, Schönfarbige; Tha: Diṇḍin am Oberschenkel; Ta: Āṣāḍhin darüber.
Zusatzblock 24.p-1
loṇa umākānta pāde tu dakṣiṇe ca mahābalaḥ
ḍhārdhanārī sthito devi jaṅghikāyāṃ varānane
[Lo]ṇa: der mächtige Umākānta am rechten Fuß; Ḍha: Ardhanārī am Unterschenkel, Göttin mit schönem Antlitz. [„loṇa“ ist auffällig; der Block besitzt keine Verskennung. 24.10 wird nicht nachträglich vergeben.]
24.11
ḍakāre dāruko rudro jānumadhye prakīrtitaḥ
ṭha lāṅgaly ūrudeśe tu nātra kāryavicāraṇāt //
Ḍa ist Rudra Dāruka im Knie; Ṭha: Lāṅgalin am Oberschenkel, ohne Zweifel.
24.12
someśvaras ṭakāre tu jaṅghāmūle sthitas tu saḥ
ña haste saṃsthitaḥ śarmā jhājeśo vāmabāhugaḥ //
Ṭa ist Someśvara an der Wurzel des Beines; Ña: Śarma in der Hand; Jha: Ajeśa am linken Arm.
24.13
ja caturmukha madhye tu cha ekākṣas tu kakṣagaḥ
cakāraḥ kūrma evātra śikhare vāmake sthitaḥ //
Ja: Caturmukha in der Mitte; Cha: Ekākṣa in der Achsel; Ca ist Kūrma auf der linken Schulterspitze.
24.14
atordhve dakṣiṇe haste ṅādikāntam ataḥ śṛṇu
ṅakāra[ḥ] kara-agre tu ekarudro vyavasthitaḥ //
Höre nun rechts an der Hand von Ṅa bis Ka: Ṅa ist Ekarudra an der Handspitze. [Die Quelle ergänzt „ṅakāra[ḥ]“.]
24.15
gha śiveśaḥ karasyordhve ga pracaṇḍaś ca kurpare
kha caṇḍo bāhumadhye tu ka krodhaḥ śikhare sthitaḥ //
Gha: Śiveśa oberhalb der Hand; Ga: Pracaṇḍa am Ellbogen; Kha: Caṇḍa in der Armmitte; Ka: Krodha an der Schulterspitze.
24.16
aḥ mahāsenarudras tu visargabrahmarandhragaḥ
aṃ krūro madhyaghaṇṭānte au 'nugrahīśordhva-oṣṭhake //
Aḥ: Mahāsena-Rudra am Visarga-Brahma-Tor; Aṃ: Krūra am mittleren Zäpfchenende; Au: Anugrahīśa an der Oberlippe.
24.17
o oṣṭhe sadyadevas tu ai bhauktī dvija-m-ūrdhvagaḥ
e jhaṇṭīśo ' dhapaṅktis tu dvijabhūto vyavasthitaḥ //
O: Sadyadeva an der Lippe; Ai: Bhauktin an den oberen Zähnen; E: Jhaṇṭīśa als untere Zahnreihe.
24.18
ḹ haro vāmagaṇḍe tu ḷ sthāṇur dakṣagaṇḍagaḥ
ṝ tithīśa iḍāyāṃ tu ṛ bhārabhūti piṅgalā //
Ḹ: Hara in der linken Wange; Ḷ: Sthāṇu rechts; Ṝ: Tithīśa in Iḍā; Ṛ: Bhārabhūti in Piṅgalā.
24.19
ū arghīśo vāmakarṇe u amarīśas tu dakṣiṇe
ī trimūrtir vāmacakṣuṣi i sūkṣma dakṣacakṣugaḥ //
Ū: Arghīśa im linken Ohr; U: Amarīśa rechts; Ī: Trimūrti im linken Auge; I: Sūkṣma rechts.
24.20
ā ananto maṇḍale vaktre a śrīkaṇṭho lalāṭagaḥ
tadgrahe rudra-m-ākhyātā mālinyāṃ śṛṇu sāmpratam //
Ā: Ananta im Gesichtsbereich; A: Śrīkaṇṭha an der Stirn. Die Tadgraha-Rudras sind erklärt; höre nun Mālinī.
24.21
vāme phetkārikā caiva dahanī dakṣapādagā
sāvitrī caiva gāyatrī au o jaṅghau prakīrtitau //
Links [am Fuß] Phetkārikā, rechts Dahanī; Sāvitrī und Gāyatrī, Au und O, heißen die Unterschenkel.
24.22
e ai jānū kriyā jñānī tārā takāram ūrugā
śukradevīty anusvāraṃ śukraṃ devyās tu bhairavi //
E und Ai: Knie, Kriyā und Jñānī; Tārā, Ta, am Oberschenkel. Śukradevī ist Anusvāra, der Samen der Göttin, Bhairavī.
24.23
śa guhyaṃ kusumākhyā ca mahākālī nitambagā
kṣa saṃhārī sthitā nābhau ṣodaraṃ lambanodarā //
Śa: Geschlechtsorgan, Kusumā; Mahākālī an der Hüfte; Kṣa: Saṃhārī am Nabel; Ṣa: Bauch, Lambanodarā.
24.24
ha prāṇe ambikā devī sakāre ca parāparā
āmoṭī tadgataṃ kṣīram ā varṇaṃ parikīrtitam //
Ha: Göttin Ambikā im Lebenshauch; Sa: Parāparā. Āmoṭī ist die dortige Milch, als Ā bezeichnet.
24.25
pūtanā chagalaṇḍā ca la-chau stanau prakīrtitau
pāvanī tu pa hṛllagnā jayantyā śūlajā smṛtā //
Pūtanā und Chagalaṇḍā, La und Cha, heißen die Brüste; Pāvanī, Pa, haftet am Herzen, Jayantī gilt als dreizackgeboren.
24.26
dīpanī śūladaṇḍā tu rephaṃ dakṣakare sthitam
kapālinī vāmakare ṭa varṇaḥ parikīrtitaḥ //
Dīpanī ist der Dreizackstab, Ra in der rechten Hand; Kapālinī in der linken heißt Ṭa.
24.27
icchāśaktir visargākhyā karapṛṣṭhāv ubhāv api
kurdanī jhaṅkarī caiva ña-jhāv aṅgulayaḥ kramāt //
Die Willenskraft heißt Visarga und [liegt auf] beiden Handrücken; Kurdanī und Jhaṅkarī, Ña und Jha, bilden die Finger.
24.28
sampūrṇapūrṇimā caiva ṭhavarṇas talahastayoḥ
vināyakī ca lāmā ca ḍa-ḍhau bāhudvayaṃ priye //
Die ganz volle Pūrṇimā, Ṭha, liegt in den Handflächen; Vināyakī und Lāmā, Ḍa und Ḍha, sind beide Arme, Geliebte.
24.29
vāyuvegā ca bhīṣaṇyā skandhayor ubhayor api
va kaṇṭhe śikhivāhinyā a vāg vāgeśvarī matā //
Vāyuvegā und Bhīṣaṇī liegen an den Schultern; Va am Hals ist Śikhivāhinī; A ist Rede, Vāgeśvarī.
24.30
māyā devī i jihvā tu jihvā devyā virājate
khirvirā ghoraghoṣā ca śivā kālī ca kaṅkaṭā //
Göttin Māyā, I, erstrahlt als Zunge der Göttin. Khirvirā, Ghoraghoṣā, Śivā, Kālī und Kaṅkaṭā
24.31
kavarge daśanās tīkṣṇā evaṃ devyā virājate
bakāraṃ vadanaṃ tasyā vajriṇī śaktir avyayā //
bilden die scharfen Zähne in der Ka-Gruppe. Ba ist ihr Gesicht, Vajriṇī, die unvergängliche Kraft.
24.32
ī guhyaśakti nādasthā nāsāyāṃ netramadhyataḥ
prajñā ca mohanī caiva ū u bhūṣaṇa-m-īkṣagau //
Ī ist die geheime Kraft im Nāda, an der Nase zwischen den Augen. Prajñā und Mohanī, Ū und U, sind Schmuck bei den Augen. [Die Körperzuordnung ist auffällig.]
24.33
nārāyaṇī ṇa karṇau tu vāmadakṣiṇayor ubhau
priyadarśanā dha netrasthā ubhau netrau virājate //
Nārāyaṇī, Ṇa, ist das linke und rechte Ohr. Priyadarśanā, Dha, liegt an den Augen und lässt beide strahlen.
24.34
cāmuṇḍā ca lalāṭasthā tha vaktraṃ grasanī smṛtā
ḹ ḷ ṛ ṝ tu śāntyādyāḥ śiromālā tu mālinī //
Cāmuṇḍā liegt an der Stirn; Tha ist das Gesicht, Grasanī. Ḹ, Ḷ, Ṛ und Ṝ sind Śānti und die folgenden, die Kopfkette Mālinī.
24.35
nādinī tu śikhāntasthā nakārākṣarasambhavā
mālinyās tadgraho hy eṣa śaktitrayam ataḥ śṛṇu //
Nādinī steht an der Scheitelspitze und entsteht aus Na. Dies ist Mālinīs Tadgraha; höre die drei Kräfte.
24.36
kriyā ca śukrasahitā bindu-ardhendusaṃyutā
nādaśaktiśikhākrāntā prathamaṃ bījam uttamam //
Kriyā mit Śukra, Bindu und Halbmond, von Nāda und der Kraftspitze überdeckt, ist der erste höchste Keim.
24.37
ambikā śūladaṇḍasthā guhyaśaktyā tv alaṅkṛtā
binduyuktaṃ dvitīyaṃ tu tṛtīyaṃ śṛṇu sāmpratam //
Ambikā auf dem Dreizackstab, mit geheimer Kraft und Bindu geschmückt, ist der zweite. Höre nun den dritten.
24.38
vāktattvaṃ kevalaṃ śuddhaṃ ghoraghoṣā tathāparā
dakṣajaṅghāsamāyuktā dīpanī dakṣajānugā //
Das Redeprinzip allein, rein; ferner Ghoraghoṣā mit dem rechten Unterschenkel verbunden, Dīpanī am rechten Knie.
24.39
ambikā dīpanīsaṃsthā guhyaśaktīcchayānvitā
ambikā ca parārūḍhā icchāyuktaṃ padaṃ bhavet //
Ambikā auf Dīpanī, mit geheimer Kraft und Wille; Ambikā auf Parā: Die mit Wille verbundene Wortstätte entsteht.
24.40
abhinnā pāvanī tadvac chūladaṇḍaṃ tathaiva ca
mahākālīsvarūpeṇa daśanaṃ tu caturthakam 1 //
Ungeteilte Pāvanī, ebenso der Dreizackstab, in Mahākālīs Gestalt der vierte Zahn. [Die isolierte „1“ ist Quellenbefund.]
24.41
gāyatryā bheditaṃ kāryaṃ jñānabhinnā ca dīpanī
mohanyā bheditaṃ prāṇaṃ mahākālyā samāhitam //
Er ist mit Gāyatrī zu spalten; Dīpanī mit Erkenntnis. Prāṇa wird mit Mohanī gespalten und mit Mahākālī verbunden.
24.42
ṣaḍakṣaraṃ dvitīyaṃ tu padaṃ devyāḥ samuddhṛtam
gāyatryā bheditaṃ kṛtvā ghoraghoṣā mahābalā //
Damit ist die zweite, sechssilbige Wortstätte der Göttin herausgezogen. Die mächtige Ghoraghoṣā werde mit Gāyatrī gespalten.
24.43
dīpanīṃ kevalāṃ dadyāt prajñayā śūladaṇḍakam
jñānabhinnaṃ tu hṛdayaṃ prāṇaṃ jīvasamanvitam //
Man gebe Dīpanī allein, den Dreizackstab mit Prajñā, das mit Erkenntnis gespaltene Herz und Prāṇa mit Jīva,
24.44
sāvitrīsahitaṃ kāryaṃ padaṃ vidyāt tṛtīyakam
dakṣajaṅghāsamāyuktā ghoraghoṣā kuleśvarī //
mit Sāvitrī verbunden: Dies erkenne man als dritte Wortstätte. Ghoraghoṣā, Kuleśvarī, ist mit dem rechten Unterschenkel verbunden.
24.45
dīpanī kevalā cātra nitambaṃ mohanānvitam
kālikā jihvayā yuktā caturthaṃ caturakṣaram //
Dīpanī allein, die Hüfte mit Mohanā, Kālikā mit der Zunge: Die vierte [Stätte] ist viersilbig.
24.46
bhīṣaṇānāsamāyuktā mahākālī tu kevalā
bhīṣaṇā guhyaśaktisthā lambikā kevalāpy ataḥ //
[Etwas] ist mit Bhīṣaṇā und Nase verbunden; Mahākālī allein; Bhīṣaṇā in der geheimen Kraft; danach Lambikā allein.
24.47
nārāyaṇī jñānaśaktyā yuktā syāt pañcamaṃ padam
vajriṇī tu mahākālī dvir abhyāsaṃ tu kārayet //
Nārāyaṇī mit Erkenntniskraft bildet die fünfte Wortstätte. Vajriṇī und Mahākālī werden zweimal wiederholt.
24.48
pāvanī māyayā bhinnā abhinnā śikhivāhinī
dvir abhyāsam idaṃ kāryaṃ prāṇam icchāsamanvitaṃ //
Pāvanī durch Māyā gespalten, Śikhivāhinī ungespalten: Dies ist zweimal auszuführen; Prāṇa ist mit Wille verbunden.
24.49
ṣaṣṭhamaṃ tu padaṃ devyā uddhṛtaṃ tu navākṣaram
ambikā jñānabhinnā vai dīpanyā ca catuṣṭayam //
Damit ist die sechste, neunsilbige Wortstätte der Göttin herausgezogen. Ambikā mit Erkenntnis gespalten und mit Dīpanī [bildet] eine Vierheit,
24.50
bhūṣitaṃ bhūṣaṇenaiva vāmakarṇasya suvrate
dīpanyā kevalā caiva caturdhā tu prakalpayet //
mit dem Schmuck des linken Ohres versehen, Gelübdetreue. Dīpanī allein ist vierfach zu bilden.
24.51
navavarṇam idaṃ devi saptamaṃ padam uddhṛtam
ambikā śūladaṇḍasthā guhyaśaktyā vibhūṣitā //
Diese neunsilbige siebte Wortstätte ist herausgezogen, Göttin. Ambikā auf dem Dreizackstab, mit geheimer Kraft geschmückt,
24.52
punar eva tathāpy evaṃ śūladaṇḍāsane sthitā
prajñāyuktā tu kartavyā vāmapādaṃ tataḥ punaḥ //
wiederum ebenso auf dem Dreizackstab, ist mit Prajñā zu verbinden; danach der linke Fuß,
24.53
śūladaṇḍāsanāsīnaṃ jñānadevyā hy alaṅkṛtam
prāṇaṃ jīvasamāyuktaṃ śūladaṇḍāsane sthitam //
auf dem Dreizackstab sitzend und mit Jñānadevī geschmückt; Prāṇa mit Jīva auf dem Dreizackstab,
24.54
sāvitryā sahitaṃ kāryaṃ bhūṣitaṃ bhūṣaṇena tu
vāmakarṇasya deveśi kriyādevyā tataḥ punaḥ //
mit Sāvitrī verbunden und mit dem Schmuck des linken Ohres geschmückt, Götterherrin; danach mit Kriyādevī,
24.55
binduyuktaṃ tu kartavyaṃ padaṃ devyās tu cāṣṭamam
kubje te prītipūrveṇa kathitaṃ tu viśeṣataḥ //
und mit Bindu versehen: Dies ist die achte Wortstätte der Göttin, dir liebevoll genau erklärt, Kubjā. [24.36–55 sind relationale Lautanweisungen; keine abschließend rekonstruierte Mantrafassung.]
24.56
phetkārādiniyogena nādiphāntaṃ tu mālinī
vidyātrayaṃ tathāpy evaṃ [']ghoryāṣṭakasamanvitam //
Durch Einsetzen von Phetkāra und Weiterem [entsteht] Mālinī von Na bis Pha, ebenso die drei Vidyās mit den acht Aghorīs.
24.57
dvādaśāṅgaṃ tu suśroṇi vidyāṅgāś ca navātmakam
navātmā-aṅgasaṃyuktaṃ mālinyāṅgasamanvitam //
Zwölf Glieder, Schönhüftige, die Vidyā-Glieder und Navātman, verbunden mit Navātmans und Mālinīs Gliedern:
24.58
nigrahas tu samākhyāto vilomenopadeśataḥ
athānyaṃ sampravakṣyāmi arcanaṃ vidhipūrvakam //
So ist Bestrafung nach rückläufiger Unterweisung erklärt. Nun erkläre ich eine weitere vorschriftsgemäße Verehrung.
24.59
kaulikena vidhānena yathāśāstravidhānataḥ
susame bhūpradeśe tu gomayenopalepite //
Nach Kaula-Verfahren und Schriftvorschrift, auf einem ebenen, mit Kuhdung bestrichenen Boden,
24.60
yogapīṭhe 'thavā ramye gandhadhūpasuvāsite
puṣpaprakarasaṅkīrṇe sugupte janavarjite //
oder an einem schönen Yoga-Sitz, mit Duft und Räucherwerk erfüllt, mit Blumen bestreut, gut verborgen und menschenleer,
24.61
tatrārcanaṃ samārabhya ekacitto dṛḍhavrataḥ
śuklavastraparīdhānaḥ suklayajñopavītinaḥ //
beginne man die Verehrung, einspitzig und gelübdefest, weiß gekleidet und mit weißer heiliger Schnur.
24.62
śucir bhūtvā susannaddhaḥ ṣoḍhānyāsena kubjike
sabāhyābhyantare dhyātvā ekacitto vyavasthitaḥ //
Rein geworden und durch sechsfachen Nyāsa befestigt, Kubjikā, meditiere man außen und innen und bleibe einspitzig.
24.63
tataḥ karma samārabhya pūrvoktena vidhānavit
kuṅkumākṣatasammiśrais trirasraṃ vartayet kramam //
Dann beginne der Vorschriftenkenner das zuvor beschriebene Ritual und zeichne mit Safran und Reiskörnern die dreieckige Folge.
24.64
raktacandanacūrṇena sindūreṇa-m-athāmbike
hiṅgulena tathā rakte likhyākṣaraṃ yathoditam //
Mit rotem Sandelpulver, Zinnober oder Hiṅgula schreibe man den Laut wie gelehrt, Mutter,
24.65
nādabindusamāyuktaṃ ṣaṭprakārasamanvitam
sarvākārasamopetaṃ paramaṃ divyarūpiṇam //
mit Nāda und Bindu, sechs Formen und allen Gestalten versehen, höchst und göttlich gestaltet.
24.66
tatra pūjā prakartavyā śāstroktena vidhānavit
ādau pīṭhāni catvāri catvāraḥ pīṭhadevatāḥ //
Darin vollziehe man die Verehrung gemäß Schrift: zuerst vier Pīṭhas und vier Pīṭha-Gottheiten,
24.67
yoginīpañcakaṃ caiva ḍādiyāntāḥ krameṇa tu
punar mahāntārikāḥ pañca jñānaṃ ṣaḍvidham ucyate //
die fünf Yoginīs, von Ḍa bis Ya der Reihe nach, ferner fünf Mahāntārikās; Erkenntnis heißt sechsfach. [Die Anzahl gegenüber anderen Sechserlisten bleibt auffällig.]
24.68
sraṣṭāraḥ siddhasadbhāvāḥ siddhāś catvāry anukramāt
oṃkārapīṭhamadhyasthaṃ devyāyā saha vinyaset //
Die Schöpfer, die wahren Siddhas, vier der Reihe nach: [Den Herrn] setze man mit der Göttin mitten ins Oṃ-Pīṭha ein.
24.69
dakṣiṇe caiva jālākhyaṃ pūrṇapīṭhaṃ tathottare
kāmarūpaṃ tato 'gre tu devyāsiddhasamanvitam //
Rechts das Jāla Genannte, nördlich das Pūrṇa-Pīṭha, vorn Kāmarūpa, mit Göttin und Siddhas.
24.70
ṣaṭprakāravidhānena kulāṣṭakam ataḥ śṛṇu
prayāge tu mahākṣetre ā-kṣā-maṅgalasaṃyutā //
Nach dem sechsfachen Verfahren höre nun die acht Kulas: Im großen Feld Prayāga [liegt die Göttin] mit Ā, Kṣā und Maṅgala,
24.71
vairiñcī ādinā pūjyā pūrvabhāge vyavasthitā
vārāṇasyāṃ mahākṣetre ī-lā-carcikasaṃyutā //
Vairiñcī, mit der A-Gruppe zu verehren, im Osten. Im großen Feld Vārāṇasī [liegt die Göttin] mit Ī, Lā und Carcika,
24.72
māheśī kādinā pūjyā āgneyīṃ diśam āśritā
kolāgirye mahākṣetre ū-hā-yogīsamanvitā //
Māheśī, mit der Ka-Gruppe zu verehren, im Südosten. Im großen Feld Kolāgiri [liegt die Göttin] mit Ū, Hā und Yogin,
24.73
kaumārī cādinā pūjyā yāmyāyāṃ diśi saṃsthitā
aṭṭahāse mahākṣetre ṝ-sā-siddhiharānvitā //
Kaumārī, mit der Ca-Gruppe zu verehren, im Süden. Im großen Feld Aṭṭahāsa [liegt die Göttin] mit Ṝ, Sā und Siddhihara,
24.74
ṭādinā vaiṣṇavī hy evaṃ nairṛtyakoṇam āśritā
jayantī ca mahākṣetre ḹ-ṣā-bhaṭṭasamanvitā //
Vaiṣṇavī, mit der Ṭa-Gruppe, im Südwesten. Im großen Feld Jayantī [liegt die Göttin] mit Ḹ, Ṣā und Bhaṭṭa,
24.75
vārāhī tādinā hy evaṃ vāruṇyāṃ diśi bhūṣitā
caritre ca mahākṣetre ai-śā-kilakilānvitā //
Vārāhī, mit der Ta-Gruppe, im Westen. Im großen Feld Caritra [liegt die Göttin] mit Ai, Śā und Kilakila,
24.76
aindrī pādyena sampūjyā vāyavyakoṇake sthitā
ekāmrake mahākṣetre kālarātryā ca au-va-kā //
Aindrī, mit der Pa-Gruppe zu verehren, im Nordwesten. Im großen Feld Ekāmraka [liegt die Göttin] mit Kālarātrī und Au, Va, Ka,
24.77
cāmuṇḍā yādinā pūjyā kauberīdiśi saṃsthitā
devikoṭṭe mahākṣetre aḥ-hlā-bhīṣaṇasaṃyutā //
Cāmuṇḍā, mit der Ya-Gruppe zu verehren, im Norden. Im großen Feld Devīkoṭṭa [liegt die Göttin] mit Aḥ, Hlā und Bhīṣaṇa,
24.78
lakṣmī śādyena sampūjyā aiśānyāṃ diśi bhūṣitā
kṣavarṇe kubjinīśānaṃ madhyasaṃsthaṃ prapūjayet //
Lakṣmī, mit der Śa-Gruppe zu verehren, im Nordosten. Mit Kṣa verehre man Kubjinīśāna in der Mitte.
24.79
ḍakāre ḍākinī pūjyā rakāre rākṣasī tathā
lakāre lākinī 'py evaṃ kakāre kusumālikā //
Mit Ḍa ist Ḍākinī zu verehren, mit Ra Rākṣasī, mit La Lākinī, mit Ka Kusumālikā.
24.80
śakāre śākinī viddhi yakāre yakṣiṇī matā
bhrāmaṇī madhyataḥ pūjyā dakṣaṣaṭkaṃ prakīrtitam //
Mit Śa erkenne man Śākinī, mit Ya Yakṣiṇī. Bhrāmaṇī ist in der Mitte zu verehren. So heißt die südliche Sechsheit.
24.81
uttaraṃ sampravakṣyāmi yathāvad anupūrvaśaḥ
guhyākhyā ca mahākhyā ca balākhyā maṇicandrikā //
Die nördliche erkläre ich nun ordnungsgemäß: Guhyā, Mahā, Balā, Maṇicandrikā,
24.82
mālinī vidyayā sārdhaṃ ṣaṭkam uttarasaṃjñakam
ūrdhvataḥ siddhasantānaṃ mitrādau guravāvadhim //
Mālinī samt Vidyā bilden die nördliche Sechsheit. Darüber die Siddha-Linie von Mitra bis zum Lehrer.
24.83
ādhārīśas tu oṃkāre kuraṅgīśas tu jālake
cakrīśaḥ pūrṇagiryāyāṃ mathanaṃ kāmarūpake //
Ādhārīśa liegt in Oṃ, Kuraṅgīśa in Jāla, Cakrīśa in Pūrṇagiri, Mathana in Kāmarūpa.
24.84
yoginyaś ca yugāś caiva kramaśaḥ samprapūjayet
caṇḍā ghaṇṭā mahānāsā sumukhī durmukhī balā //
Yoginīs und Weltalter verehre man der Reihe nach. Caṇḍā, Ghaṇṭā, Mahānāsā, Sumukhī, Durmukhī, Balā,
24.85
revatī prathamā ghorā bhaumyā bhīmā mahābalā
jayā ca vijayā caiva 'jitā caivāparājitā //
Revatī, Prathamā, Ghorā, Bhaumyā, Bhīmā, Mahābalā, Jayā, Vijayā, Ajitā und Aparājitā,
24.86
mahotkaṭā virūpākṣī śuṣkā cākāśamātarā
sehārī jātahārī ca daṃṣṭrālī śuṣkarevatī //
Mahotkaṭā, Virūpākṣī, Śuṣkā, Ākāśamātarā, Sehārī, Jātahārī, Daṃṣṭrālī und Śuṣkarevatī,
24.87
pipīlikā puṣpahārī aśanī śaspahārikā
bhadrakālī subhadrā ca bhadrabhīmā subhadrikā //
Pipīlikā, Puṣpahārī, Aśanī, Śaspahārikā, Bhadrakālī, Subhadrā, Bhadrabhīmā und Subhadrikā.
24.88
kādivarṇaiḥ prapūjyaitāḥ svaraiḥ pīṭhādhipās tathā
siddhakramam idaṃ devi siddhamātṭḥ prapūjayet //
Diese verehre man mit den Lauten von Ka an, die Pīṭha-Herren mit den Vokalen. Dies ist die Siddha-Folge; man verehre die Siddha-Mütter. [„siddhamātṭḥ“ ist beschädigt.]
24.89
gopanīyaṃ prayatnena yadīcchec chirajīvitam
na deyaṃ duṣṭabuddhīnām ity ājñā pārameśvarī //
Man hüte sie sorgfältig, wenn man lange leben will, und gebe sie nicht Böswilligen: So lautet die höchste Weisung.
24.90
pūjanīyaṃ prayatnena nit yam eva na saṃśayaḥ
yogācārasamo yogī mānasaṃ samprapūjayet //
Täglich ist sie sorgfältig zu verehren. Ein in Yoga-Lebensführung gefestigter Yogin verehre sie geistig.
24.91
trikālam ekakālaṃ vā ṣoḍhānyāsaprapūrvakam
ṣaṭprakāram idaṃ devi trisandhyaṃ samprapūjayet //
Dreimal oder einmal täglich, nach sechsfachem Nyāsa, verehre man diese sechs Formen zu den drei Übergangszeiten, Göttin.
24.92
svaraiḥ ṣoḍaśabhir devyaḥ siddhāś caiva prapūjayet //
Mit sechzehn Vokalen verehre man Göttinnen und Siddhas.
24.93
pīṭhaṃ pīṭheśvarīm īśaṃ pīṭhādhipasapālakam
nāthadevyā samāyuktaṃ siddhadevyānvitaṃ yajet //
Man verehre Pīṭha, Pīṭha-Herrin, Herrn, Pīṭha-Herrscher und Hüter, mit der Göttin des Nātha und der Siddha-Göttin.
24.94
pañcamaṃ pīṭhamadhyasthaṃ devīcatuṣṭayānvitam
siddhaiś caturbhiḥ saṃyuktaṃ pūjayet samanukramāt //
Das fünfte [Prinzip] mitten im Pīṭha, mit vier Göttinnen und vier Siddhas, verehre man der Reihe nach.
24.95
ṣaḍaṅgabhogasaṃsthānaṃ paṅkti ratnaṃ ca pañcakam
guhyaṣaṭkaṃ tathā ḍādi sthānaṣaṭkam ataḥ param //
Die Genussstätte der sechs Glieder, die Reihe, fünf Juwelen, die geheime Sechsheit, die mit Ḍa beginnende und die weitere Sechsheit der Stätten,
24.96
yoginīṣaṭkam etad dhi pañcakaṃ ca tataḥ punaḥ
kṣetrāṣṭa-m-aṣṭakaṃ caiva aṣṭakaṃ ca catuṣṭayam //
diese sechs Yoginīs, dann die Fünfheit, acht mal acht Felder und vier Achtergruppen,
24.97
ṣaṭkam anyat tato bāhye pūjanīyaṃ prayatnataḥ
yo vetti yogyatā tasya anyathā nāmadhārakaḥ //
und eine weitere Sechsheit außen sind sorgfältig zu verehren. Wer dies kennt, besitzt Eignung; andernfalls trägt er nur den Namen.
24.98
ṣoḍhānyāsaṃ tataḥ paścād vācanīyaṃ prayatnataḥ
svabhrā caiva nirabhrā ca bhūcarī khecarī tathā //
Danach rezitiere man sorgfältig den sechsfachen Nyāsa. Svabhrā, Nirabhrā, Bhūcarī und Khecarī,
24.99
gocarī gaṇamukhyā ca yoginyaḥ ṣaṭ kule sthitāḥ
sūkṣmā caiva susūkṣmā ca antimāmṛta-m-antimā //
Gocarī und Gaṇamukhyā sind sechs Yoginīs im Kula. Sūkṣmā, Susūkṣmā, Antimā und zuletzt Amṛtā,
24.100
kāmarūpāditaḥ kṛtvā yoginyaḥ siddhasaṃyutāḥ
kamalā barbarā caiva mahāntārī tṛtīyakā //
von Kāmarūpa an [liegen] die Yoginīs mit Siddhas. Kamalā, Barbarā und als dritte Mahāntārī,
24.101
laghvinī ca caturthī syād bimbākhyā vṛddhapañcakam
raktākhyā ca karālākhyā caṇḍā ucchuṣmasaṃjñikā //
als vierte Laghvinī, dazu Bimbā bilden die ältere Fünfheit. [Dann:] Raktā, Karālā, Caṇḍā und Ucchuṣmā,
24.102
khaṇḍikā pañcamī jñeyā pañca devyā udāhṛtāḥ
mātaṅgī ca pulindā ca śabarī campakā tathā //
als fünfte Khaṇḍikā: Fünf Göttinnen sind genannt. [Weiter:] Mātaṅgī, Pulindā, Śabarī und Campakā,
24.103
madhyataḥ kubjanāmā tu ratnabhūṣaṇabhūṣitā
viśuddhānāhataṃ caiva tathā ca maṇipūrakam //
in der Mitte die Kubjā Genannte, mit Juwelenschmuck geschmückt. Viśuddha, Anāhata und Maṇipūraka,
24.104
svādhiṣṭhānaṃ tathādhāraṃ pañcaratnaṃ prapūjayet
ṣoḍhānyāsasya tattvajño anyathā ca vilomakṛt //
Svādhiṣṭhāna und Ādhāra verehre man als fünf Juwelen. Der Kenner des sechsfachen Nyāsa [verfährt so], andernfalls rückläufig. [Satzanschluss vorläufig.]
24.105
pūjyapūjakadigbhāge kramaśuddhikrameṇa tu
sa ca yogyo 'nvayī śiṣyo anyathā nāmadhārakaḥ //
In den Richtungsbereichen von Verehrtem und Verehrer, nach der Folge der Krama-Reinigung, ist der Schüler geeignet und überlieferungsverbunden; sonst bloßer Namensträger.
24.106
gandhaiś ca vividhaiḥ puṣpair javābandhūkapāṭalaiḥ
karavīrakubjakuṇḍaiś ca jātīmallikacampakaiḥ //
Mit Düften und verschiedenen Blumen: Javā, Bandhūka, Pāṭala, Karavīra, Kubja, Kunda, Jātī, Mallikā und Campaka,
24.107
saivalyotpalayūthībhiḥ sindūraiḥ kiṃśukais tathā
ebhiś ca bahubhiś cānyaiḥ sugandhair dhūpaguggulaiḥ //
Śaivalī, Utpala, Yūthī, Sindūra und Kiṃśuka, mit diesen und vielen anderen, mit wohlriechendem Räucherwerk und Guggulu,
24.108
vāmāmṛtādibhir dravyaiḥ kuṇḍagolodbhavais tathā
pañcāmṛtais tathā cānyair aliphalgusamanvitaiḥ //
mit Stoffen wie Vāmāmṛta und aus Kuṇḍa und Gola Entstandenem, fünf Unsterblichkeitstränken und weiteren, mit Ali und Phalgu,
24.109
mahāpiśitadhūpais tu nālājair dīpakaiḥ saha
evaṃ kuryād vidhānena arcanaṃ vidhipūrvakam //
mit Räucherwerk aus „großem Fleisch“ und aus Nāla entstandenen Lampen vollziehe man vorschriftsgemäß die Verehrung. [Historische Ritualstoffe; Chiffren bleiben nicht abschließend identifiziert.]
24.110
mahāśaṅkhārghapātreṇa arghaṃ dattvā yathākramam
tasyāpi pūrvato devi maṇḍalānāṃ catuṣṭayam //
Mit einer „großen Muschel“ als Ehrengabengefäß bringe man die Gabe dar. Davor errichte man vier Maṇḍalas, Göttin,
24.111
pītapuṣpaiḥ samabhyarcya ekaikasya krameṇa tu
punar dakṣiṇato devi catvāraḥ kṛṣṇapuṣpakaiḥ //
und verehre sie einzeln mit gelben Blumen. Südlich weitere vier mit schwarzen Blumen,
24.112
uttare caiva catvāri raktapuṣpaiḥ prapūjayet
catvāraḥ paścime devi śvetapuṣpaiḥ prapūjayet //
nördlich vier mit roten, westlich vier mit weißen Blumen, Göttin.
24.113
praṇāmaḥ kriyate paścād aṣṭāṅgaṃ mānasena tu
stotraṃ paścāt prakurvīta tac ca devi vadāmy ah am //
Danach erfolgt geistig eine achtgliedrige Verneigung. Anschließend spreche man den Lobgesang, den ich dir erkläre.
24.114
namo 'stu te mahāmāye sūkṣmadehe parāpare
ekākini viśuddhātme nādākhye bindumālini //
Verehrung dir, große Māyā, Feinleibige, Höhere-und-Niedere, Alleinige, Reinselbstige, Nāda Genannte, Bindu-Bekränzte!
24.115
adehāc ca samutpanne acale viśvadhāriṇi
mahākuṇḍalinī nitye haṃsamadhye vyavasthite //
Aus dem Körperlosen Entstandene, Unbewegliche, Weltenträgerin, große ewige Kuṇḍalinī, inmitten von Haṃsa Weilende!
24.116
somasūryāgnimadhyasthe vyomavyāpī parāpare
oṃkāravigrahāvasthe hakārārdhārdhadhāriṇi //
In Mond, Sonne und Feuer Weilende, Raumdurchdringende, Höhere-und-Niedere, in Oṃ-Gestalt Ruhende, Trägerin der Hälfte der Hälfte von Ha!
24.117
vālāgraśatadhāsūkṣme anante cākṣaye 'vyaye
hakārārdhakalādhāre padmakiñjalkam āśrite //
Fein wie ein Hundertstel einer Haarspitze, Unendliche, Unerschöpfliche, Unvergängliche, Trägerin der halben Kalā von Ha, im Lotusfaden Ruhende!
24.118
sakalākhye mahāmāye varade lokapūjite
ekaikanāḍimadhyasthe marma-m-ekaikabhedini //
Gegliederte, große Māyā, Segensspenderin, Weltverehrte, in jedem Kanal Weilende, jeden empfindlichen Punkt Durchdringende!
24.119
aṣṭatriṃśatkalā devi bhedini brahmarandhrage
brahmā viṣṇuś ca rudraś ca īśvaraś ca sadāsivaḥ //
Göttin, die achtunddreißig Kalās durchdringt, im Brahma-Tor Weilende! Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva,
24.120
ete pañca mahāpretāḥ pādamūle vyavasthitāḥ
trailokyajananī devi namas te śaktirūpiṇī //
diese fünf großen Toten liegen zu deinen Füßen. Mutter der drei Welten, Göttin, Verehrung dir in Kraftgestalt!
24.121
iḍāpiṅgalamadhyasthe mṛṇālatanturūpiṇi
bindumadhyagate devi kuṭile cārdhacandrike //
Zwischen Iḍā und Piṅgalā Weilende, lotusfadenförmige, in der Bindu-Mitte Weilende, gekrümmte Göttin, Halbmondförmige!
24.122
tuṣārakaṇikābhāse dvādaśāntāvalambini
umākhye hṛdgate gauri dvādaśādityavarcase //
Wie ein Schneeteilchen Leuchtende, am Zwölferende Ruhende, Umā Genannte im Herzen, Gaurī, strahlend wie zwölf Sonnen!
24.123
śūnye śūnyāntarāvasthe haṃsākhye prāṇadhāriṇi
lambākhye parame devi dakṣiṇottaragāmini //
Leere, in der Leere Weilende, Haṃsa Genannte, Lebenshauchträgerin, Lambā Genannte, höchste Göttin, südlich und nördlich Wandelnde!
24.124
nāsāgre tu samuttīrṇe madhyasūtrapravāhini
hṛllekhe paramānande tālumūrdhni vyavasthite //
Über die Nasenspitze Hinausgegangene, im mittleren Faden Strömende, Herzenslinie, höchste Seligkeit, an Gaumen und Haupt Weilende!
24.125
nādaghaṇṭikasaṅghṛṣṭe guṇāṣṭakasamanvite
sthūlasūkṣme tu saṅkṣubdhe dharmādharmapuṭadvaye //
Von Nāda und Zäpfchen berührte, mit acht Eigenschaften Versehene, grob und fein Erregte, in den beiden Hüllen von Recht und Unrecht!
24.126
kāryakāraṇakartṛtve triśūnye nādavigrahe
parāparapare śuddhe caitanye śāśvate dhruve //
Als Wirkung, Ursache und Handelnde, dreifache Leere, Nāda-Gestalt, höchste Höhere-und-Niedere, reine, ewige, feste Bewusstheit!
24.127
sarvavarṇadharī devi guhyatattveti viśrute
aśarīre mahābhāge saṃsārārṇavatāriṇi //
Alle Laute tragende Göttin, als geheimes Wirklichkeitsprinzip Bekannte, Körperlose, Hochbegünstigte, Retterin über den Saṃsāra-Ozean!
24.128
jayā ca vijayā caiva jayantī cāparājitā-
tumburubījamadhyasthe namas te pāpamocani //
Jayā, Vijayā, Jayantī, Aparājitā, im Tumburu-Keim Weilende: Verehrung dir, Befreierin von Verfehlung!
24.129
bandhamokṣakarī devi ṣoḍaśānte vyavasthite
bhrāmaṇī śaktiśūlena mahāvyūhasamanvite //
Bindung und Befreiung bewirkende Göttin, am Sechzehnerende Weilende, Bhrāmaṇī mit dem Kraftdreizack, mit großer Anordnung Versehene!
24.130
bhramaṇi bhrāmaṇī gauri māyāyantrapravāhini
svacchandabhairavī devi krodha-unmattabhairavi //
Drehende, Drehenlassende, Gaurī, die Māyā-Maschine antreibende Göttin Svacchandabhairavī, Zorn- und Unmattabhairavī!
24.131
pañcāśadvarṇarūpasthe tvayā rudrāḥ prakīrtitāḥ
amṛtākhye ruruś caṇḍe namas te jñānabhairavi //
In der Gestalt der fünfzig Laute stehen die durch dich genannten Rudras. Amṛtā Genannte, Ruru, Caṇḍā: Verehrung dir, Jñānabhairavī!
24.132
daṃṣṭrotkaṭe vidyujjihve tārakākṣi bhayānake
namāmi devadeveśi aghore ghorarūpiṇi //
Mit gewaltigen Hauern, Blitzzunge und Sternenaugen, Furchtbare! Ich verneige mich, Götterherrin, Aghorā von schrecklicher Gestalt!
24.133
jvālāmukhī vegavatī umādevi sarasvati
haṃsasvarodvahe devi gomukhi śaktimālini //
Jvālāmukhī, Vegavatī, Umādevī, Sarasvatī, die Haṃsa-Laute tragende Göttin, Gomukhī, Kraftbekränzte!
24.134
kroṣṭuke subhage devi durge kātyāyanī tathā
nityaklinnāsamākhyāte rakte ekākṣare pare //
Kroṣṭukā, glückliche Göttin, Durgā, Kātyāyanī, als Nityaklinnā Bekannte, rote, höchste Einsilbige!
24.135
brāhmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā
vārāhī caiva māhendrī cāmuṇḍā tv abhayānanā //
Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Māhendrī, Cāmuṇḍā und Abhayānanā!
24.136
yogeśī tvaṃ hi deveśi kulāṣṭakavibhūṣite
aindrī caiva tu āgneyī yāmyā nairṛtyavāruṇī //
Du bist Yogeśī, Götterherrin, mit acht Kulas geschmückt; Aindrī, Āgneyī, Yāmyā, Nairṛtī und Vāruṇī,
24.137
vāyavyā caiva kauberī īśānī samudāhṛtā
prayāgā varuṇā kollā aṭṭahāsā jayantikā //
Vāyavyā, Kauberī und Īśānī wirst du genannt. Prayāgā, Varuṇā, Kollā, Aṭṭahāsā, Jayantikā,
24.138
caritrekāmrake caiva devikoṭṭaṃ tu cāṣṭadhā
tathā kālī umā devī devadūti namo 'stu te //
Caritra, Ekāmraka und Devīkoṭṭa bilden die Acht. Ebenso Kālī, Umā, Göttin, Götterbotin: Verehrung dir!
24.139
bhadrakāli mahādevi carmamuṇḍe bhayāvahe
mahocchuṣme mahāśānte namas te śaktirūpiṇi //
Bhadrakālī, große Göttin, Carmamuṇḍā, Furchtbringende, Mahocchuṣmā, höchst Friedvolle: Verehrung dir in Kraftgestalt!
24.140
bhūr bhuvaḥ sveti svāhānte dayāṃ nāthe kuruṣva me
jñānārthino mahāmāye etad icchāmi veditum //
Bhūr, bhuvaḥ, svaḥ, mit Svāhā endend! Erbarme dich meiner, Herrin, der ich Erkenntnis suche, große Māyā. Dies möchte ich erkennen.
24.141
yas tv idaṃ paṭhate stotraṃ trisandhyaṃ caiva mānavaḥ
prāpnoti cintitān kāmān strīṇāṃ bhavati vallabhaḥ //
Wer diesen Lobgesang zu den drei Übergangszeiten liest, erlangt die gedachten Wünsche und wird zum Liebling der Frauen.
Kolophon
iti śivaśaktisamarasamahāmāyāstavaḥ samāptaḥ
Damit endet der Lobgesang auf Mahāmāyā in der Wesensgleichheit von Śiva und Śakti.
24.142
kulajānāṃ maheśāna pavitrārohaṇaṃ katham
kasmin kāle kathaṃ kāryaṃ kimarthaṃ vada me prabho //
[Die Göttin fragt:] Wie geschieht das Anlegen des Pavitra für Kula-Angehörige, großer Herr? Wann, wie und weshalb wird es vollzogen?
24.143
purā devāsurair devi kṣīrodo mathito yadā
tatra netro mahābhāge kaśyapasya suto balī //
[Der Herr antwortet:] Als einst Götter und Asuras den Milchozean quirlten, war ein mächtiger Sohn Kaśyapas das Seil, Hochbegünstigte,
24.144
manthāne yojito bhadre viṣanidrāvimūrchitaḥ
na śaknoti talasyānte varṣāsu vasituṃ yadā //
beim Quirlen eingesetzt, Heilvolle, durch Giftschlaf betäubt. Als er während der Regenzeit nicht unten wohnen konnte,
24.145
tenāhaṃ rādhito devi pavitreṇa mahātmanā
divyaṃ varṣasahasraṃ tu vāyubhakṣo mahābalaḥ //
verehrte mich jener große Pavitra tausend göttliche Jahre, nur von Luft lebend und sehr mächtig.
24.146
tuṣṭo 'haṃ tasya deveśi kiṃ kartavyaṃ puroditam
tato 'sau daṇḍavad bhūmau mama pādāgrataḥ sthitaḥ //
Er erfreute mich, Götterherrin. Auf meine Frage nach seinem Wunsch lag er ausgestreckt vor meinen Füßen auf der Erde.
24.147
prāvṛṭkāle na śaknomi talānte vasituṃ hara
tataḥ so 'pi mayā devi karābhyāṃ gṛhya bhūtalāt //
„In der Regenzeit kann ich nicht unten wohnen, Hara.“ Da hob ich ihn mit beiden Händen von der Erde,
24.148
śirasā dhārito devi jaṭājūṭe varānane
tataḥ sarvais tu deveśi śirasā dhāritaḥ śuciḥ //
und trug ihn auf dem Haupt im Haarknoten, Schönantlitzige. Darauf wurde der Reine von allen auf dem Haupt getragen.
24.149
daśakoṭis tu pūjānāṃ pavitrārohaṇe samā
vṛthā dīkṣā vṛthā jñānaṃ gurvārādhanam eva ca //
Hundert Millionen Verehrungen gleichen dem Anlegen des Pavitra. Vergeblich sind Einweihung, Erkenntnis und Lehrerverehrung,
24.150
harate nāgarājas tu vinā devi pavitrakāt
vṛthā pariśramas tasya yo na kuryāt pavitrakam //
denn ohne Pavitra raubt sie der Schlangenkönig, Göttin. Vergeblich ist die Mühe dessen, der das Pavitra nicht vollzieht.
24.151
tasmāt sarvaprayatnena kartavyaṃ kulajaiḥ priye
āṣāḍhe śuklapakṣe tu mithunasthe divākare //
Darum sollen Kula-Angehörige es sorgsam vollziehen, Geliebte: in der hellen Hälfte von Āṣāḍha, wenn die Sonne in den Zwillingen steht.
24.152
tadālābhe prakartavyaṃ karkaṭasthe divākare
avirodhena kartavyaṃ yāvat syāt tulapūrṇimā //
Ist dies nicht möglich, wenn die Sonne im Krebs steht. Ohne Hindernis kann es bis zum Vollmond in der Waage vollzogen werden.
24.153
sauvarṇaṃ tu kṛtaṃ sūtraṃ sūkṣmaṃ tu triguṇīkṛtam
tatra tantuśataṃ proktaṃ granthipādaṃ guror matam //
Ein feiner goldener Faden wird verdreifacht. Hundert Fäden sind genannt; ein Viertel [dieser Zahl] an Knoten gilt für den Lehrer.
24.154
pūjyasya dvyadhikaṃ kāryaṃ pratipūjye caturādhikam
saptādhikaṃ śivasyoktaṃ yogeśīnāṃ ṣaḍuttaram //
Für den Verehrten sind zwei mehr, für den jeweils Verehrten vier mehr, für Śiva sieben mehr, für die Yoginī-Herrinnen sechs mehr anzufertigen. [Die Bezugszahl ist aus dem Ritualzusammenhang zu prüfen.]
24.155
vidyāpīṭhasya sarvasya kuryāt tac ca ṣaḍuttaram
pādukānāṃ prakartavyaṃ śatam aṣṭādhikaṃ priye //
Für den gesamten Vidyā-Sitz ebenfalls sechs mehr; für die Fußstätten einhundertacht, Geliebte.
24.156
aṣṭatriṃśac ca granthyo vai pañcāśad vā vikalpanā
aṣṭādhikaṃ guror uktaṃ vaṭukasya tathā bhavet //
Achtunddreißig oder wahlweise fünfzig Knoten; für den Lehrer acht mehr, ebenso für Vaṭuka. [Zählvarianten bleiben unverändert.]
24.157
athavā rājataṃ sūtram abhāvād vastrajaṃ bhavet
śuklasūtraṃ samādāya triguṇaṃ triguṇīkṛtam //
Oder der Faden sei silbern, bei dessen Fehlen aus Stoff. Einen weißen Faden nehme man dreifach und wiederum verdreifacht.
24.158
tena tantuśataṃ kuryād aṣṭādhikaṃ mahātape
śrīkaṇṭhādi caturviṃśair ajeśādyais tu ṣoḍaśa //
Daraus bilde man einhundertacht Fäden, große Asketin: vierundzwanzig für Śrīkaṇṭha und die folgenden, sechzehn für Ajeśa und die folgenden,
24.159
aṣṭābhiś ca mahākālair vidyāmātā catuṣṭayam
ṣaṭtantu ḍādiṣaṭkasya kulāṣṭe cāṣṭatantukam //
acht für Mahākāla und die folgenden, vier für die Vidyā-Mütter, sechs für die mit Ḍa beginnende Sechsheit, acht für die acht Kulas.
24.160
granthayaś ca yathāśobhā yathāśaktyā pavitrakam
gorocanā prakartavyā athavā kuṅkumena tu //
Knoten nach Schönheit und Pavitra nach Vermögen; [die Färbung] geschehe mit Gorocanā oder Safran.
24.161
evaṃ niṣpādayitvā tu yāgaṃ kṛtvā varānane
dātavyaṃ bhaktiyuktena pūjānte tu pavitrakam //
So hergestellt, gebe der Hingebungsvolle nach Vollzug des Opfers am Ende der Verehrung das Pavitra, Schönantlitzige.
24.162
gītaṃ nṛtyaṃ prakartavyaṃ sa evātra varānane
hindolaṃ vātha kartavyaṃ mandatārayutena tu //
Gesang und Tanz sollen stattfinden, oder eine Schaukel mit tiefen und hohen Tönen. [Die musikalische Deutung ist vorläufig.]
24.163
prāptāḥ samayino ye tu te pūjyās tu prayatnataḥ
tat sarvaṃ tu prakartavyaṃ cāturmāsyaṃ varānane //
Angekommene Verpflichtungsträger sind sorgfältig zu ehren. All dies geschehe während der vier Regenmonate, Schönantlitzige.
24.164
saptavāsaram evaṃ tu trīṇi vā ekam eva vā
vīrakrīḍākṛte devi sampannaṃ bhavate priye //
Sieben Tage, drei oder einen Tag: Durch das Heldenspiel wird es vollendet, Geliebte.
24.165
tat pavitraṃ varārohe kṛtvā caiva kṣamāpayet
bahuyajñaphalaṃ devi bahutīrthaphalaṃ tathā //
Nach Vollzug des Pavitra bitte man um Verzeihung. Die Früchte vieler Opfer und vieler Pilgerstätten,
24.166
dānadharmasya deveśi kalāṃ nārghanti ṣoḍaśīm
pavitraṃ paramaṃ puṇyaṃ sarvadoṣavivarjitam //
auch der Wohltätigkeit, erreichen nicht ein Sechzehntel davon. Das Pavitra ist höchst verdienstvoll und frei von allen Fehlern.
24.167
tena kāryam idaṃ devi kulajais tu varānane
laṅghanaṃ samayānāṃ tu karma vidhivinākṛtam //
Darum ist es von Kula-Angehörigen zu vollziehen, Göttin. Übertretungen der Verpflichtungen und Handlungen ohne Vorschrift,
24.168
te doṣā nāśam āyānti pavitreṇa varānane
varṣe varṣe prakartavyaṃ yathāvibhavavistarāt //
diese Fehler vergehen durch das Pavitra, Schönantlitzige. Jährlich ist es entsprechend dem eigenen Vermögen auszuführen.
24.169
kāśaiḥ kuśaiḥ prakartavyaṃ bhaktiyuktena bhairavi
vittaśāṭhyaṃ na kartavyam ihaiva tu kulāgame //
Auch aus Kāśa- oder Kuśa-Gras kann es hingebungsvoll hergestellt werden, Bhairavī. Vermögensverschleierung soll es im Kula-Āgama nicht geben.
24.170
śāṭhyena yat kṛtaṃ karma na tat siddhipadaṃ bhavet
evaṃ jñātvā varārohe vittaśāṭhyaṃ na kārayet //
Eine durch Täuschung vollzogene Handlung führt nicht zur Vollendung. Dies wissend, verschleiere man sein Vermögen nicht, Schönhüftige.
24.171
tadgrahaś ca tathā pūjā pavitrārohaṇaṃ param
etat sarvaṃ samākhyātaṃ kim anyat paripṛcchasi //
Tadgraha, Verehrung und höchstes Pavitra-Anlegen sind vollständig erklärt. Was möchtest du noch fragen?
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate tadgrahapūjāpavitrārohaṇaṃ nama caturviṃśatimaḥ paṭalaḥ
Damit endet im Kulālikāmnāya des ehrwürdigen Kubjikāmata das vierundzwanzigste Kapitel mit dem Titel „Tadgraha, Verehrung und Anlegen des Pavitra“.
Kapitel 25
Hinweis der GRETIL-Vorlage (englisch): next 26 verses introducing chapter 25
Hinweis der GRETIL-Vorlage (englisch): (maṇḍalavidhāna) only in EJT
Hinweis der GRETIL-Vorlage (englisch): from appendix 4
25.0*
maṇḍalānāṃ vidhānaṃ tu prasādaṃ kuru bhairava
yena jānāmy ahaṃ deva kathayasva vidhānataḥ //
Sei gnädig, Bhairava, und erläutere mir die Einrichtung der Maṇḍalas nach ihrer Vorschrift, damit ich sie erkenne, Gott.
25.0* (zweites Vorkommen)
sāraṃ maṇḍalam ākhyātaṃ phalaṃ sāraṃ parāparam
lāti yasmād yamātītaṃ maṇḍalaṃ tena kīrtitam //
Das Maṇḍala wird als Essenz bezeichnet; sein Ertrag ist die höchste und die zugleich höchste und niedere Essenz. Weil es das über die Beschränkung Hinausgehende ergreift, heißt es Maṇḍala. [Die etymologische Herleitung ist sprachlich unsicher.]
25.0* (Vorkommen 3)
makāre mātaraḥ sarvā ḍakāre ḍāmarīgaṇam
lakāre lākinīvargaṃ maṇḍalaṃ tena cocyate //
Im Laut ma sind sämtliche Mütter, im Laut ḍa die Schar der Ḍāmarīs, im Laut la die Gruppe der Lākinīs: Deshalb heißt es Maṇḍala.
25.0* (Vorkommen 4)
makāre nit yam ātmānaṃ ḍakāre khecarīgaṇam
lakāre bhūcarīvargo maṇḍalaṃ tena kīrtitam //
Im Laut ma ist stets das Selbst, im Laut ḍa die Schar der Khecarīs, im Laut la die Gruppe der Bhūcarīs: Deshalb heißt es Maṇḍala. [Die Worttrennung „nit yam“ ist auffällig.]
25.0* (Vorkommen 5)
makāre ' nāma yo devo ḍakāre śaktir iṣyate
lakāre ṣaḍvidhā sṛṣṭir maṇḍalaṃ tena kīrtitam //
Im Laut ma ist der namenlose Gott, im Laut ḍa wird die Śakti angenommen, im Laut la die sechsfache Schöpfung: Deshalb heißt es Maṇḍala. [„' nāma“ ist eine unsichere Lesung.]
25.0* (Vorkommen 6)
makāraṃ śivatattvaṃ ca vidyātattvaṃ ḍakāragam
lakāram ātmatattvaṃ tu kīrtitaṃ tena maṇḍalam //
Dem Laut ma entspricht das Śiva-Prinzip, dem Laut ḍa das Vidyā-Prinzip und dem Laut la das Selbst-Prinzip: Deshalb wird es Maṇḍala genannt.
25.0* (Vorkommen 7)
makāre tu śivaṃ vidyād ḍakāre parameśvarī
lakāre saptakoṭyas tu mantrāṇāṃ parikīrtitam //
Im Laut ma erkenne man Śiva, im Laut ḍa die höchste Herrin; im Laut la werden siebzig Millionen Mantras angesetzt.
25.0* (Vorkommen 8)
makāre kāraṇāḥ pañca ḍakāre tu parāparā
lakāre aparāḥ pañca tena maṇḍala kīrtitam //
Im Laut ma sind die fünf Ursachen, im Laut ḍa Parāparā, im Laut la die fünf niederen Kräfte: Deshalb wird es Maṇḍala genannt.
25.0* (Vorkommen 9)
brahmā viṣṇuś ca rudraś ca īśvaraś ca sadāśivaḥ
ucyate maṇḍalenaite tena maṇḍalam ucyate //
Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva werden durch das Maṇḍala bezeichnet; deshalb heißt es Maṇḍala.
25.0* (Vorkommen 10)
sarve grahāś ca dikpālā nāgā vai bhairavādayaḥ
tiṣṭhanti maṇḍale līnāḥ sarvādhikyam ato punaḥ //
Alle Planeten, Richtungswächter, Nāgas, Bhairavas und die übrigen verweilen in das Maṇḍala eingegangen; daraus folgt seine überragende Stellung.
25.0* (Vorkommen 11)
anantādyāḥ śivāntādhvā ṣaḍvidhaḥ samprakīrtitaḥ
āste maṇḍalake so hi maṇḍalaṃ vyāpakaṃ tataḥ //
Der von Ananta bis Śiva reichende Weg wird als sechsfach gelehrt. Er befindet sich im Maṇḍala; deshalb ist das Maṇḍala alles durchdringend.
25.0* (Vorkommen 12)
sarvavyāpitayā nānyo maṇḍalābhyadhiko yataḥ
tena maṇḍalam abhyarcya[ṃ] bhuktimuktiphalārthibhiḥ //
Da wegen seiner Allgegenwart nichts höher steht als das Maṇḍala, sollen diejenigen es verehren, die Genuss und Befreiung als Früchte erstreben. [Das abschließende ṃ von abhyarcya[ṃ] ist editorisch ergänzt.]
25.0* (Vorkommen 13)
itīṣṭaṃ maṇḍalādhyāyaṃ nirdiṣṭaṃ kubjikāmate
kuryāt pradakṣiṇaṃ devi apasavye visarjanam //
So ist im Kubjikāmata das gewünschte Kapitel über das Maṇḍala dargelegt. Man umschreite es rechtsherum, Göttin; die Entlassung erfolgt linksherum.
25.0* (Vorkommen 14)
śrīmatasyāgrato devi tad evaṃ gurusannidhau
suprasiddhāṃ tato jyeṣṭhāṃ suparīkṣya prayatnataḥ //
Vor dem Śrīmata, Göttin, in der Gegenwart des Lehrers, prüfe man dann sorgfältig die wohlbekannte Älteste. [Der syntaktische Anschluss und die Identifikation der „Ältesten“ bleiben unsicher.]
25.0* (Vorkommen 15)
saptāviṃśatibhir bhedaiḥ praśnam etat kramāgatam
ṣaṭprakāratrayaś cājñā yeṣāṃ tīvrāvalokanam //
Diese überlieferte Befragung hat siebenundzwanzig Unterteilungen; die Weisung besitzt drei Gruppen von sechs Arten, bei denen ein eindringliches Hinschauen stattfindet. [Die Gliederung ist ohne weiteren Kontext nicht sicher aufzulösen.]
25.0* (Vorkommen 16)
subhaktā vatsalāḥ śāntā dambhamāyāvivarjitāḥ
teṣāṃ maṇḍalakaṃ kuryād anyathā tu vilomakṛt //
Für Menschen, die hingebungsvoll, zugewandt und friedlich sind, frei von Heuchelei und Täuschung, soll man das Maṇḍala herstellen; andernfalls wirkt man der Ordnung entgegen.
25.0* (Vorkommen 17)
tasya pūjākramaś cāyaṃ jānunā bhūmisaṃsthitaḥ
vidhāya mārjanī śuddhe prokṣite caiva bhūtale //
Dies ist seine Verehrungsfolge: Mit dem Knie auf dem Boden, nachdem man auf der gereinigten und besprengten Erde das Auskehren vorgenommen hat,
25.0* (Vorkommen 18)
dakṣahastatalaṃ bhrāmyaṃ maṇḍalaṃ vārinirmitam
supuṣpaprakarair yuktaṃ vilipya candanādibhiḥ //
bewege man die rechte Handfläche kreisend über das mit Wasser gebildete Maṇḍala, versehe es mit reichlich Blumen und bestreiche es mit Sandel und Ähnlichem.
25.0* (Vorkommen 19)
tridhā tad yāgavidhinā dattvārghaṃ dravyasaṃyutam
śiṣyo 'sya gandhadhūpādyaiḥ pūjāṃ kṛtvā purātmanaḥ //
Nach der dreifachen Opferordnung bringe man eine mit den erforderlichen Stoffen versehene Ehrengabe dar. Der Schüler vollziehe zuvor seine eigene Verehrung mit Duftstoffen, Räucherwerk und Weiterem.
25.0* (Vorkommen 20)
sadvidhānasamāyuktaṃ tad abhyarcya samantataḥ
gurupādāmbhujau bhaktyā stutvā stotrādibhiḥ kramāt //
Nachdem er jenes ringsum nach rechter Vorschrift verehrt hat, preise er hingebungsvoll die beiden Lotusfüße des Lehrers der Reihe nach mit Lobgesängen und Ähnlichem.
25.0* (Vorkommen 21)
paścāt triḥśuddhayā bhaktyā praṇamya tadanujñayā
utthāya śirasā dhāryaṃ bhuktimuktiphalārthinā //
Danach verneige er sich mit dreifach reiner Hingabe. Mit dessen Erlaubnis erhebe er sich und trage, nach Genuss und Befreiung strebend, auf dem Haupt
25.0* (Vorkommen 22)
gurupādasthapuṣpaṃ tu kāryaṃ śisyeṇa sādarāt
nīrājanaṃ subhaktyātha śubhavastunivedanam //
die Blume von den Füßen des Lehrers. Der Schüler soll dies ehrerbietig tun, sodann voller Hingabe das Licht schwenken und eine glückverheißende Gabe darbringen.
25.0* (Vorkommen 23)
dūrāt karoti paryāyāt pārśvastho hi ca parvasu
svāminaṃ praṇamed bhaktyā ity ājñā pārameśvarī //
Auch aus der Ferne vollziehe er dies zu den entsprechenden Zeiten; ist er in der Nähe, verneige er sich an den Festtagen hingebungsvoll vor dem Meister. So lautet die Weisung der höchsten Herrin. [Die zeitliche Zuordnung von paryāyāt bleibt unsicher.]
25.0* (Vorkommen 24)
puṣpāghrāya visarjyeta nītvā nāsam apuṣpatā
vidhānaṃ maṇḍalasyoktaṃ svāmipūjāvidhikramaḥ //
Nachdem er die Blume zur Nase geführt und an ihr gerochen hat, entlasse er sie. Damit ist die Maṇḍala-Vorschrift, die Folge der Verehrung des Meisters, ausgesprochen. [„nāsam apuṣpatā“ ist beschädigt oder nicht sicher verständlich; die Wiedergabe des ersten Halbverses bleibt vorläufig.]
25.0* (Vorkommen 25)
kramaṃ kuryād idaṃ bhaktyā yaḥ śiṣyaḥ kubjikāmate
svāmipādaprasādena divyājñāṃ labhate punaḥ //
Der Schüler, der diese Folge im Kubjikāmata hingebungsvoll vollzieht, empfängt durch die Gnade der Füße des Meisters die göttliche Weisung.
25.0* (Vorkommen 26)
etan maṇḍalam ākhyātaṃ yathārthaṃ tu mayā tava
idānīṃ brūhi deveśi kim anyaṃ kathayāmi te //
Damit habe ich dir das Maṇḍala seinem Sinn entsprechend erklärt. Sprich nun, Herrin der Götter: Was soll ich dir noch erläutern?
Hinweis der GRETIL-Vorlage (englisch): end of maṇḍalavidhāna insertion
25.1
pañcātmānaḥ kathaṃ deva saṃsthitaḥ katamaḥ śivaḥ
kinniyogaratā deva kimpramāṇaṃ vyavasthitāḥ //
Wie sind die fünf Formen des Selbst beschaffen, Gott? Welcher Śiva steht dabei fest? Welchen Aufgaben widmen sie sich, und mit welchem Maß sind sie angeordnet?
25.2
atyantanipunaṃ devi pṛcchase guṇavistaram
savismayakaraṃ bhadre kathayāmy anupūrvaśaḥ //
Du fragst äußerst scharfsinnig nach der Entfaltung der Eigenschaften, Göttin. Ich erläutere sie dir der Reihe nach, Glückliche; sie werden Verwunderung erregen.
25.3
paraḥ parāparaḥ siddhaḥ prasiddhaḥ pudgalātmakaḥ
sthānanirdeśato vakṣye śṛṇu tvaṃ varavarṇini //
Die fünf heißen Para, Parāpara, Siddha, Prasiddha und Pudgalātmaka. Ich werde sie unter Angabe ihrer jeweiligen Stätten erläutern; höre, Schöngestaltete.
25.4
śatakoṭipramāṇena paro hy ātmā vyavasthitaḥ
ṣaṇnavatyeva koṭīnāṃ vijñeyas tu parāparaḥ //
Das höchste Selbst ist mit einem Maß von hundert Koṭis angesetzt; Parāpara ist mit sechsundneunzig Koṭis zu erkennen. [Eine Koṭi entspricht zehn Millionen; was hier gemessen wird, wird im Vers nicht ausdrücklich gesagt.]
25.5
caturāśītipramāṇena siddho hy ātmā vyavasthitaḥ
ṣaṭtriṃśatkoṭimadhyasthaḥ prasiddhaḥ kāraṇeśvaraḥ //
Das Siddha-Selbst ist mit vierundachtzig angesetzt; Prasiddha, der Herr der Ursachen, steht inmitten von sechsunddreißig Koṭis.
25.6
catvāriṃśāṣṭamānena saṃsthitaḥ pudgalātmakaḥ
laḍahaiva sa vijñeyaḥ parāparavibhāgaśaḥ //
Das individuelle Selbst ist mit achtundvierzig angesetzt. Es ist als Laḍaha zu erkennen, gemäß der Unterscheidung des Höheren und Niederen. [„laḍahaiva“ und damit die Benennung bleiben unsicher.]
25.7
prasiddhakandharārūḍhaḥ siddhasārathināhataḥ
sa yāti nīyate yatra parāparanirīkṣaṇāt //
Auf den Schultern des Prasiddha sitzend, vom Wagenlenker Siddha angetrieben, bewegt es sich dorthin, wohin es unter der Aufsicht des Parāpara geführt wird.
25.8
paramāṇusamādiṣṭaḥ karmavṛttau niyāmitaḥ
vāmādipathamārgeṇa prakṛtyarthabharālasaḥ //
Als kleinste Einheit bestimmt und der Tätigkeit des Karmas unterstellt, zieht es auf den Wegen der Vāmā und der übrigen dahin, beschwert durch die Last der Gegenstände der Natur.
25.9
prakṛtyākrāntaśakaṭo bhajyate mriyate gavi
rodate sārathis tatra paśyate tu parāparaḥ //
Der von der Natur beladene Wagen zerbricht; beim Tod des Zugtiers weint dort der Wagenlenker, während Parāpara zuschaut. [„mriyate gavi“ ist syntaktisch unsicher; der Zusammenhang bleibt die Wagenallegorie.]
25.10
vāmādipatham ārūḍho nadyāmbhodhisaritsaraiḥ
yāti mad hyena teṣāṃ vai pasyate varṣaṇādikam //
Auf dem Weg der Vāmā zieht es zwischen Flüssen, Meeren, Strömen und Seen dahin und sieht Regen und dergleichen.
25.11
yānakrīḍāṃ ca paśyeta kaphākrāntabharo yadi
pudgalātmā vrajet tatra siddhasārathineritaḥ //
Es sieht das Spiel der Fortbewegung. Wenn die Last vom Schleim überwältigt ist, zieht das individuelle Selbst dorthin, angetrieben vom Wagenlenker Siddha.
25.12
pittadravyabharākrānto jyeṣṭhāpathi niyojitaḥ
jvālāvalīḍhamadhye tu jvalantaikapure 'pi vā //
Von der stofflichen Last der Galle bedrückt, wird es dem Weg der Jyeṣṭhā zugewiesen und befindet sich mitten in leckenden Flammen oder in einer einzigen brennenden Stadt.
25.13
kṣutpipāsābhibhūtas tu caurā gṛhṇanti tatpathe
kopasaṅgrāmasaṃrambhaṃ striyāliṅganacumbanam //
Von Hunger und Durst überwältigt, wird es auf diesem Weg von Räubern ergriffen; es erlebt Zorn, Kampf und Aufregung sowie Umarmungen und Küsse einer Frau.
25.14
rājyopadravam etad dhi paradārasamākulam
sārathis tu bhavet tatra vadhyate māryate tu saḥ //
Dies ist eine Bedrängnis durch Herrschaft, verbunden mit Verwicklungen um die Frauen anderer. Dort wird der Wagenlenker gebunden und getötet.
25.15
parāparo rudaty āśu paraḥ paśyati tatra vai
yāty anekavidhopāyaiḥ jyeṣṭhāpathasamāśritaḥ //
Parāpara weint sogleich, während Para zuschaut. Auf dem Weg der Jyeṣṭhā zieht es durch vielerlei Zustände weiter.
25.16
kaphapittabharākrānto vātākrānto yathā punaḥ
pathi raudre niyukto 'yaṃ yāty asau khecarāmukhaḥ //
Wenn es von der Last aus Schleim und Galle oder wiederum vom Wind überwältigt wird, wird es auf den Raudra-Weg geschickt und zieht dem Bereich der Himmelswanderer entgegen.
25.17
svargapātālalokāntaṃ piśācabhuvanāni ca
vidyādharapuraṃ paśyet puṣpitaṃ vanakānanam //
Es sieht Himmel und Unterwelt samt den übrigen Welten, die Bereiche der Piśācas, die Stadt der Vidyādharas und blühende Wälder und Haine.
25.18
yoginīcakramelāpaṃ nṛtyagītaravākulam
rājyābhiṣekam āpannaṃ chattrotkṣepitacāmaram //
Es sieht Zusammenkünfte der Yoginī-Kreise, erfüllt von Tanz, Gesang und Stimmen, sowie eine Königsweihe mit erhobenem Schirm und Yakschweifwedeln.
25.19
vātapittabharākrāntaḥ pudgalātmā pathi sthitaḥ
paśyate sārathiḥ sarvaṃ bhuñjate tu parāparaḥ //
Von Wind und Galle bedrückt, befindet sich das individuelle Selbst auf dem Weg. Der Wagenlenker sieht alles, Parāpara aber erfährt es.
25.20
atha vātabharākrānto yāti nīyati dūrataḥ
santrāsitas tu ravinā viṣamaḥ samaparvatam //
Oder es wird allein von der Last des Windes überwältigt und weit fortgeführt; von der Sonne erschreckt, zieht es durch unebenes und ebenes Gelände und über Berge. [Die Wortfügung des letzten Viertels ist unregelmäßig.]
25.21
khañjamāno 'py asau yatnād bhajyate mriyate tu saḥ
atha vātakaphākrāntaḥ parasārathineritaḥ //
Auch wenn es sich hinkend anstrengt, zerbricht es und stirbt. Ist es hingegen von Wind und Schleim überwältigt und von dem anderen Wagenlenker angetrieben,
25.22
sarpavyāghravṛkākīrṇaṃ mārgaṃ paśyati sarvathā
khādyate cāpy asau sarpair mriyate nīyate 'pi vā //
sieht es überall einen Weg voller Schlangen, Tiger und Wölfe; es wird von Schlangen gefressen, stirbt oder wird fortgeführt.
25.23
evaṃ pudgala-ātmā vai prasiddhaskandham āśritaḥ
siddhasārathinā yuktaḥ parāparavaśānugaḥ //
So ruht das individuelle Selbst auf den Schultern des Prasiddha, ist mit dem Wagenlenker Siddha verbunden und folgt der Gewalt des Parāpara.
25.24
prerito 'sau parātmānā krīḍate sa carācaram
kathitaṃ sarahasyaṃ tu parātmānirṇayaṃ sphuṭam //
Vom höchsten Selbst angetrieben, spielt es in der beweglichen und unbeweglichen Welt. Damit ist die Bestimmung des höchsten Selbst mitsamt ihrem Geheimnis deutlich ausgesprochen.
25.25
yan na kasyacid ākhyātaṃ bhrāntirūpaṃ jagasya ca
śrīmataṃ ye na vindanti bhrāntis teṣāṃ pade pade //
Was niemandem sonst mitgeteilt wurde, betrifft auch die täuschende Erscheinung der Welt. Wer das Śrīmata nicht erkennt, unterliegt auf Schritt und Tritt der Täuschung.
25.26
parākāśe paro hy ātmā mantrākāśe parāparaḥ
śaktyākāśe susiddhas tu padabhāve prasiddhadhīḥ //
Im höchsten Raum ist das höchste Selbst, im Mantra-Raum Parāpara, im Śakti-Raum Susiddha; Prasiddha wird im Zustand der Wörter beziehungsweise Stufen angesetzt. [padabhāva ist hier mehrdeutig.]
25.27
bhūtākāśapathe saṃsthaḥ pudgalātmā nakiñcanaḥ
pañcaite śambhunādiṣṭāḥ śambhuḥ sarvatra samarasaḥ //
Im Raum der Elemente befindet sich das individuelle Selbst, das für sich nichts ist. Diese fünf sind von Śambhu angewiesen; Śambhu ist überall von gleichem Wesen.
25.28
ṣaṣṭhanāthaḥ paraḥ sākṣāt sarvajñaḥ sa parāparaḥ
alakṣaṇam asaṃjño 'sau prasādāc chambhuvas tu saḥ //
Der sechste Herr ist unmittelbar der Höchste; als Parāpara ist er allwissend. Ohne Merkmal und ohne Bezeichnung ist er durch Śambhus Gnade. [Die Gleichsetzungen bleiben im Wortlaut nicht eindeutig.]
25.29
anujñāto 'bhiṣiktas tu vīro vīratvam icchatā
cared vidyāvrataṃ mantrī yathā tat kathayasva me //
Wie soll der Mantra-Kundige, der Erlaubnis und Weihe erhalten hat und als Held das Heldentum erstrebt, das Vidyā-Gelübde ausüben? Erkläre mir dies.
25.30
śṛṇu devi pravakṣyāmi vidyāyā vratam uttamam
jaṭī muṇḍī śikhī bhasmī brahmacārī tu snātakaḥ ll //
Höre, Göttin, ich werde das höchste Gelübde der Vidyā erläutern: mit verfilztem Haar, geschoren oder mit Haarschopf, mit Asche bedeckt, als keuscher Schüler oder als einer, der das Abschlussbad vollzogen hat,
25.31
vratastho 'py avratastho vā sarvāvastho 'tha siddhidaḥ
pañcamudrādharo vāpi bhasmaniṣṭho digambaraḥ //
ob an ein Gelübde gebunden oder ohne Gelübde – in jedem Zustand verleiht es Vollendung; man kann die fünf Siegel tragen oder ganz der Asche ergeben sein und die Himmelsrichtungen zum Gewand haben.
25.32
cīravalkaladhārī vā sarvābharaṇabhūṣitaḥ
malīmaso 'tha śuklo vā vastrābharaṇabhūṣitaḥ //
Man kann Lumpen und Baumrinde tragen oder mit allem Schmuck geschmückt sein; man kann schmutzig oder rein sein und Gewänder und Schmuck anlegen.
25.33
yena yena hi veṣeṇa vartate sādhakottamaḥ
tat tad eva vrataṃ proktam iti śāstrasya niścayaḥ //
In welcher Erscheinungsform der vorzüglichste Übende auch lebt: Eben diese gilt als sein Gelübde. So lautet die Entscheidung der Schrift.
25.34
yad yad ābharaṇaṃ tasya yaṃ vā vadati vācayā
sā caryā kathitā tasya mantrāś caiva na saṃśayaḥ //
Was immer sein Schmuck ist und was er mit seiner Stimme ausspricht, wird als sein Verhalten beziehungsweise als Mantra bezeichnet; daran besteht kein Zweifel.
25.35
vidyā nāma parā śaktir dvibhir bhedair vyavasthitā
cicchaktirahitādhiṣṭhā avarṇā varṇagā śubhā //
Vidyā heißt die höchste Śakti, die in zwei Gestalten besteht: ohne Laute und in den Lauten gegenwärtig. [Die Form „cicchaktirahitādhiṣṭhā“ ist nicht sicher zu deuten; die Beziehung zur Bewusstseinskraft bleibt an dieser Stelle offen.]
25.36
vindate varṇagā yena tena vidyāvrataṃ priye
cīrṇacaryā jagat sarvaṃ varṇāvarṇair vyavasthitam //
Weil man dadurch die in den Lauten gegenwärtige Vidyā findet, heißt es Vidyā-Gelübde, Geliebte. Die ganze Welt ist durch lautliche und nichtlautliche Gestalten geordnet; darin vollzieht sich der Wandel.
25.37
vrataṃ bhāvam iti proktaṃ tena vidyāvrataṃ smṛtam
cic cinoti vida jñāne cicchaktipratibodhakam //
„Gelübde“ wird als ein Seinszustand erklärt; daher spricht man vom Vidyā-Gelübde. Die etymologischen Hinweise auf cit und die Wurzel vid, „erkennen“, machen die Bewusstseinskraft verständlich. [Der Vers enthält grammatische Wurzeldeutungen, deren Wortlaut unregelmäßig ist.]
25.38
avarṇaṃ raktavat piṇḍaṃ vidyāmantrātmavigraham
paśyanti ca vratāsaktāś cīrṇavidyā sa ucyate //
Die dem Gelübde ergeben sind, sehen das Lautlose als eine blutrote Verdichtung, deren Gestalt aus Vidyā und Mantra besteht. Ein solcher Mensch heißt einer, der die Vidyā durchlebt hat.
25.39
saptakoṭisahasrāṇāṃ vidyānām aprameyataḥ
cicchaktibodhanaṃ yasmād avarṇā varṇatāṃ gatā //
Unermesslich sind die Tausende von siebzig Millionen Vidyās. Weil durch sie die Bewusstseinskraft erweckt wird, ist die Lautlose in die Gestalt von Lauten eingegangen.
25.40
ekā eva parā proktā vidyārūpā tu kuṇḍalī
tena devi vrataṃ proktaṃ vidyāyāvaraṇaṃ śubham //
Als die eine höchste, die Gestalt der Vidyā besitzende Kraft wird Kuṇḍalī bezeichnet. Daher, Göttin, heißt das Gelübde die glückverheißende Umhüllung der Vidyā.
25.41
vidyāmārge cared yas tu śāstradṛṣṭena karmaṇā
dhyānaṃ pūjā japo homaḥ samayānāṃ prapālanam //
Wer auf dem Weg der Vidyā nach den Handlungen wandelt, welche die Schrift lehrt – Meditation, Verehrung, Rezitation, Feueropfer und Bewahrung der Verpflichtungen –,
25.42
etad vidyāvrataṃ proktaṃ nānyathā vīranāyike
vidyā jñeyā tu yonisthā carate dvādaśāntagam //
vollzieht das Vidyā-Gelübde; anders ist es nicht, Führerin der Helden. Die Vidyā ist als im Ursprungsschoß ruhend zu erkennen; sie bewegt sich bis zum Dvādaśānta.
25.43
vratasthāneṣu sarveṣu tena vidyāvrataṃ priye
brahmā viṣṇus tathā rudra īśvaras tu sadāśivaḥ //
Weil sie alle Stätten des Gelübdes durchwandert, heißt es Vidyā-Gelübde, Geliebte. Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva
25.44
ete sthānā vratasyaiva yatra sā carate parā
taṃ jñātvā paramaṃ sthānaṃ cīrṇavidyāvrato hi saḥ //
sind eben die Stätten des Gelübdes, an denen jene Höchste wandelt. Wer diese höchste Stätte erkannt hat, hat das Vidyā-Gelübde vollzogen.
25.45
pañcamudrā bhaved devi pañcakāraṇakaṃ tataḥ
bhūṣito hṛdi tiṣṭheta pañcamudrāvyavasthitaḥ //
Die fünf Siegel entsprechen den fünf Ursachen, Göttin. Mit ihnen geschmückt, soll er im Herzen ruhen und in den fünf Siegeln gefestigt sein.
25.46
etais tu bhūṣito mantrī paryaṭet kṣetram āśritaḥ
śmaśāne kānane kūpe udyāne devakule 'pi vā //
Mit diesen geschmückt, wandere der Mantra-Kundige an den heiligen Stätten umher: auf dem Leichenplatz, im Wald, beim Brunnen, im Garten oder im Göttertempel,
25.47
śūnye rājagṛhe mantrī parvatāgre catuṣpathe
tripathagrāmarathyāsu mahodadhitaṭe tathā //
im leeren Königshaus, auf einem Berggipfel, an einer Kreuzung von vier oder drei Wegen, auf Dorfstraßen sowie am Ufer des großen Meeres,
25.48
nadīsaṅgamatīre vā ekavṛkṣe 'tha kānane
ekaliṅge tathā ṣaṇḍe kṣetrair vā aṣṭabhiḥ kramāt //
am Ufer eines Zusammenflusses, bei einem einzelnen Baum, im Wald, bei einem einzelnen Liṅga, in einem Gehölz oder nacheinander an den acht heiligen Stätten.
25.49
prayāgā varuṇā kolā bhīmanādā jayantikā
caritrekāmrakaṃ caiva koṭīvarṣaṃ tathāṣṭamam //
Diese sind Prayāga, Varuṇā, Kolā, Bhīmanādā, Jayantikā, Caritra, Ekāmraka und als achte Koṭīvarṣa.
25.50
etais tu paryaṭen mantrī yoginīsiddhim icchatā
khaṭvāṅgadhāriṇo maunī vegāt paryaṭate sadā //
An ihnen wandere der Mantra-Kundige umher, der die Vollendung durch die Yoginīs erstrebt. Den Schädelstab tragend und schweigend, soll er beständig rasch umherziehen.
25.51
ḍamaruṃ pāśakhaṭvāṅgaṃ triśūlaṃ kheṭakaṃ tathā
nārācā kartarī cakram aṅkuśaṃ muśalaṃ dhanuḥ //
Handtrommel, Schlinge, Schädelstab, Dreizack und Schild, Eisenpfeile, Schneidemesser, Diskus, Elefantenhaken, Keule und Bogen,
25.52
gadā kaṭṭārikā śaktis tathā daṇḍakamaṇḍalum
ete tu āyudhāḥ śreṣṭhāś caryākāle tu dhārayet //
Streitkolben, Dolch, Speer, Stab und Wassergefäß: Diese vorzüglichen Geräte soll er während seines rituellen Wandels tragen.
25.53
pañcadaivasikaṃ kāryam astrasamkhyā vratottamā
dvādasāhaṃ caren mantrī pakṣamāsādito 'thavā //
Das vorzügliche Gelübde soll fünf Tage dauern, entsprechend der Anzahl der Waffen. Der Mantra-Kundige kann es zwölf Tage oder einen halben Monat, einen Monat und länger ausüben. [Der Bezug der „Anzahl der Waffen“ auf fünf Tage ist unklar.]
25.54
ṣaṇmāsam athavābdaṃ ca dvirabdaṃ trīṇi-m-eva vā
catuḥ pañca tathā ṣaṭsu sapta aṣṭa tathāpi vā //
Oder er übe es sechs Monate, ein Jahr, zwei oder drei Jahre, vier, fünf, sechs, sieben oder acht Jahre,
25.55
nava dvipañcakaṃ vātha ekādaśa-m-athāpi vā
dvādaśābdaṃ caren mantrī brahmaghno 'pi sa sidhyati //
neun, zehn, elf oder zwölf Jahre. Selbst ein Brahmanenmörder erreicht dann, so der Text, Vollendung.
25.56
abda-m-ekena deveśi maṇḍalīkaiḥ prapūjyate
deśaṃ bhṛtyā[ḥ] puraṃ grāmaṃ samantrī sapurogamaḥ //
Nach einem Jahr wird er, Herrin der Götter, von Gebietsherrschern verehrt; Land, Diener, Stadt und Dorf samt Ministern und Anführern
25.57
sāntaḥpuravaro rājā vaśyo bhavati śobhane
dvirabdair yakṣakanyāś ca sidhyanti suranāyike //
und ein vorzüglicher König mit seinem Frauenhaus geraten unter seinen Einfluss, Schöne. Nach zwei Jahren stehen ihm Yakṣa-Mädchen zur Verfügung, Führerin der Götter.
25.58
trirabdāt saptapātālā yās tu daityāṅganāḥ śubhāḥ
paśyate madamattās tu madavibhrāntalocanāḥ //
Nach drei Jahren sieht er die schönen Dämoninnen der sieben Unterwelten, berauscht und mit vor Trunkenheit unsteten Augen,
25.59
mātaṅgamadagāminyo akṣayā yauvanodvahāḥ
kṣubhyanti sādhakendrasya prāṇān muñcanti tatkṣaṇāt //
mit dem Gang brünstiger Elefanten, unvergänglich und jugendlich. Sie werden angesichts des mächtigen Übenden erregt und geben augenblicklich ihr Leben hin. [Dies ist eine übersteigerte rituelle Wirkungsbehauptung des Textes.]
25.60
catuḥ pañca tathā ṣaṭsu brahmalokādi sādhayet
saptame 'bde varārohe rudrāntā yā vyavasthitāḥ //
Im vierten, fünften und sechsten Jahr erlangt er die Welten Brahmās und die folgenden; im siebten, Schöne, werden die bis Rudra angesetzten
25.61
sidhyanti sādhakendrasya iti śāstre pracoditāḥ
aṣṭame īśvarākhyaṃ tu navame tu sadāśivam //
Bereiche dem vorzüglichsten Übenden zugänglich, wie die Schrift verkündet. Im achten Jahr erlangt er den Bereich Īśvaras, im neunten Sadāśiva.
25.62
daśame vidyālayo bhūtvā krīḍate gagane mahān
daśamaikādaśe devi dvādaśair guṇasaṃyutaḥ //
Im zehnten wird er zu einer Wohnstatt der Vidyā und spielt groß im Luftraum; im zehnten, elften und zwölften wird er mit den besonderen Eigenschaften ausgestattet. [Die Wiederholung des zehnten Jahres steht so im Text.]
25.63
aṇimādiguṇair yukto gacchate khecaraiḥ saha
akṣayo hy ajayo yogī krīḍate sarvagaḥ śubhaḥ //
Mit den Fähigkeiten des Kleinwerdens und den übrigen versehen, zieht er mit den Himmelswanderern dahin. Der unvergängliche, unbesiegbare und glückhafte Yogin spielt als Allgegenwärtiger.
25.64
vratasthasya phalaṃ hy etat kathitaṃ tu mayā priye
sāmprataṃ yogamārgeṇa yathā bhavati tac chṛṇu //
Dies habe ich dir als Frucht des Gelübdes erklärt, Geliebte. Höre nun, wie sich dasselbe auf dem Yoga-Weg verhält.
25.65
śmaśānaṃ tu gṛhaṃ proktaṃ gṛho dehaḥ prakīrtitaḥ
aṭate tu aviśrāntaḥ śmaśānagatacetasaḥ //
Der Leichenplatz wird als Haus erklärt, das Haus als Körper. Mit seinem Bewusstsein auf diesen Leichenplatz gerichtet, wandert er unablässig umher.
25.66
kaṃ śarīram iti proktaṃ tasyānte nayate bhṛśam
paśyate mantrasaṃstho 'pi vāṅmayaṃ sacarācaram //
Ka wird als Körper erklärt; an dessen Ende führt er sich mit Nachdruck. Im Mantra gegründet, sieht er die ganze bewegliche und unbewegliche Welt als aus Sprache bestehend. [Die Wortableitung bleibt künstlich und teilweise unsicher.]
25.67
kānanaṃ tena cākhyātaṃ kāyānte saṃsthitaṃ priye
manaḥ kūpaṃ samuddiṣṭaṃ saṅkalpaṃ kurute bahūn //
Daher heißt es kānana, Wald, das am Ende des Körpers Befindliche, Geliebte. Der Geist wird als Brunnen bezeichnet; er erzeugt zahlreiche Vorstellungen.
25.68
tatrādhāro vrajet kṣetrī tena kūpeti viśrutaḥ
udyato mana nābhistho madhyataḥ sarvajantuṣu //
Dorthin begibt sich der Träger, der das Feld bewohnt; daher heißt es Brunnen. Der emporgerichtete Geist sitzt im Nabel, in der Mitte aller Lebewesen,
25.69
neti tat paramaṃ prāptaṃ udyānas tena ucyate
dadāti satataṃ dehe amṛtaṃ tu nabhogatam //
und führt zum erreichten Höchsten; deshalb heißt er Garten. Er gibt dem Körper beständig den im Raum befindlichen Nektar. [Der erste Halbvers ist in seiner Syntax unsicher.]
25.70
kulānte ca cared yena dharmādharmātmabandhanaiḥ
tena devi samākhyātaṃ dehī devakulaṃ sadā //
Weil er sich am Ende des Kula durch die Bindungen von Verdienst, Unverdienst und Selbst bewegt, heißt der Verkörperte beständig Göttertempel, Göttin. [Die genaue Zuordnung der Bindungen bleibt offen.]
25.71
rājā cātmā samuddiṣṭaḥ ṣaṭtriṃśe 'py athavādhvani
śabdādiguṇabhūyiṣṭho manaḥkoṣṭhagataḥ prabhuḥ //
Als König wird das Selbst bezeichnet, auch auf dem Weg der sechsunddreißig Prinzipien. Der Herr ruht in der Kammer des Geistes und ist reich an Klang und den übrigen Eigenschaften.
25.72
tena sthitena tiṣṭhanti tenaiva saha gacchati
unmanatve sadā yuktaḥ śūnyo mana-m-udāhṛtaḥ //
Weil er besteht, bestehen sie; mit ihm ziehen sie fort. Der Geist, der stets mit dem Zustand jenseits des Geistes verbunden ist, wird als leer bezeichnet.
25.73
śūnyaṃ rājagṛhaṃ tena unmanatve sadā priye
parvataṃ guruvaktraṃ tu tasyāgram avalambayet //
Daher ist das leere Königshaus der beständige Zustand jenseits des Geistes, Geliebte. Der Berg ist der Mund des Lehrers; an dessen Spitze soll man sich halten.
25.74
parvatāgraṃ smṛtaṃ tena paryāyena surārcite
catuṣpathaṃ bhaved devi vāmā jyeṣṭhā ca raudrikā //
Deshalb wird er sinnbildlich Berggipfel genannt, von Göttern Verehrte. Die Kreuzung von vier Wegen besteht aus Vāmā, Jyeṣṭhā und Raudrikā,
25.75
ambikāyā samāyuktam aṭanaṃ pudgalātmakam
catuṣkaṃ tena cākhyātaṃ patham etad udāhṛtam //
zusammen mit Ambikā; durch sie wandert das individuelle Selbst. Daher wird dieses Vierfache als Kreuzweg bezeichnet.
25.76
pathaṃ nāḍītrayaṃ proktam iḍādyā tu kuleśvari
tripathastho-r-aṭen nityaṃ kurute gati-r-āgatim //
Als Wege werden die drei Nāḍīs, beginnend mit Iḍā, erklärt, Herrin des Kula. In diesen drei Wegen wandert es beständig hin und her.
25.77
tripathasthaikabhāvastho yaḥ karoti sa sidhyati
grāmaṃ deham iti proktam ātmā deham iti smṛtaḥ //
Wer in den drei Wegen im einen Zustand verweilt und so handelt, erlangt Vollendung. Das Dorf heißt Körper; als Selbst wird der Körper bezeichnet. [Die zweite Gleichsetzung ist im Wortlaut auffällig.]
25.78
ālayaḥ sarvasattvānāṃ sukhaduḥkhaparāparaḥ
gacchate adha ūrdhvaṃ tu rathyādhāro jagatpatiḥ //
Es ist der Aufenthaltsort aller Wesen, verbunden mit höherem und niederem Glück und Leid. Der Herr der Welt bewegt sich auf und ab und trägt die Straßen.
25.79
tena rathyā smṛtā nāḍī brahmādyā ātmanaś ca tu
taṭaṃ tīraṃ samākhyātaṃ sindhūccāraṃ nigadyate //
Daher heißt die Nāḍī Straße; sie gehört Brahmā und den folgenden sowie dem Selbst. Taṭa bedeutet Ufer; das Meer bezeichnet den Aufstieg der Lautung. [Der mittlere Satz ist grammatisch unsicher.]
25.80
duḥkhānte tu layātītaṃ taṭam udadhisaṃjñakam
vācānte vyāpinaṃ devaṃ śivaṃ paramakāraṇam //
Am Ende des Leidens, jenseits der Auflösung, befindet sich das als Meeresufer bezeichnete Ufer: Am Ende der Sprache ist der alles durchdringende Gott Śiva, die höchste Ursache.
25.81
tiṣṭhate satataṃ mantrī tatra caryā prakāśitā
nadate cāntarādhārā parā kuṇḍalinī tu yā //
Dort verweilt der Mantra-Kundige beständig; darin zeigt sich sein ritueller Wandel. Die höchste Kuṇḍalinī, die innere Trägerin, ertönt.
25.82
sā nadī oghabhūtā tu vyomārṇe vahate sadā
saṅgamaṃ parayā yuktam unmanāyāḥ prakīrtitam //
Sie ist der Fluss, der als Strom stets im Ozean des Raumes fließt. Als Zusammenfluss wird die Verbindung mit der höchsten Unmanā bezeichnet.
25.83
saṅgamaṃ tena cākhyātaṃ nadī tu samudāhṛtā
tīraṃ tu samavāyinyā vibhvīyā sā parā kalā //
Deshalb heißt es Zusammenfluss; so wird der Fluss erklärt. Das Ufer ist die höchste Teilkraft der innewohnenden, alles durchdringenden Kraft. [Die Formen „samavāyinyā vibhvīyā“ sind sprachlich unsicher.]
25.84
tadātīto bhaved vyāpī nadyās tīram udāhṛtam
ekavṛkṣaṃ samākhyātam ekā śaktir ihocyate //
Jenseits davon ist der Durchdringende: Dies heißt das Ufer des Flusses. Was einzelner Baum genannt wird, ist hier die eine Śakti.
25.85
vṛkṣam indriyam ākhyātaṃ vṛkṣaṃ śaktir iti smṛtā
kṣayaṃ gatā pare vyomni amanaske nirāmaye //
Der Baum wird als Sinnesvermögen erklärt, und als Baum gilt die Śakti; sie ist im höchsten Raum zur Ruhe gekommen, im leidlosen Zustand ohne Geist.
25.86
tena devi mayā proktam ekavṛkṣas tu caryayā
ekam eva paraṃ tattvaṃ liṅgādhāraṃ vibhuṃ priye //
Deshalb, Göttin, habe ich beim rituellen Wandel vom einzelnen Baum gesprochen. Nur eines ist das höchste Prinzip, die allgegenwärtige Grundlage des Liṅga, Geliebte.
25.87
paryaṭe[t] tu divā rātrau aviśrāntaḥ punaḥ punaḥ
ekaliṅgaṃ samākhyātaṃ ṣaṇḍaṃ tu kathayāmi te //
Darin wandere man bei Tag und Nacht unermüdlich immer wieder; dies heißt das einzelne Liṅga. Nun werde ich dir das Gehölz erklären.
25.88
hṛdayaṃ tu saraḥ proktaṃ padmaṃ vai aṣṭapattrakam
udānena tu deveśi vikāśe tu ravis tu saḥ //
Das Herz heißt See, der achtblättrige Lotus. Wenn er sich durch den aufsteigenden Lebenshauch entfaltet, Herrin der Götter, ist dieser die Sonne.
25.89
sevyate pudgalālīnaṃ sarojaṃ hṛdayātmakam
ramate tatra haṃsākhyaḥ śaktir ādyā manonmanī //
Man verehrt den Herzlotus, in dem das individuelle Wesen ruht. Dort erfreut sich der Haṃsa; dort ist die ursprüngliche Śakti Manonmanī. [Die syntaktische Beziehung beider Benennungen ist offen.]
25.90
taṃ ṣaṇḍaṃ kathitaṃ śāstre kṣetrāṇi kathayāmi te
kṣetraṃ nāma paraṃ śāntaṃ śarīraṃ tattvasaṃyutam //
Dies heißt in der Schrift Gehölz. Ich werde dir die heiligen Felder erklären: Feld heißt der höchste friedvolle Körper, der mit den Prinzipien verbunden ist.
25.91
kṣetrajño aṭate nityaṃ sthānāṣṭakagatisthitaḥ
tenedaṃ kathitaṃ devi kṣetrāṣṭakam udāhṛtam //
Der Kenner des Feldes wandert beständig umher und bewegt sich durch die acht Stätten. Deshalb wurde dies, Göttin, als die Gruppe der acht Felder bezeichnet.
25.92
ye pīṭhās te bhavet kṣetrāḥ kṣetrāḥ pīṭhā udāhṛtāḥ
nāmaparyāyasaṃjñā tu śāstre śāstre pṛthak pṛthak //
Was Pīṭhas sind, sind zugleich Kṣetras; Kṣetras werden Pīṭhas genannt. Die Bezeichnungen sind Synonyme und werden von Schrift zu Schrift verschieden gebraucht.
25.93
prayāgaṃ nābhisaṃsthaṃ tu varuṇā hṛtpradeśataḥ
kolāgiryaṃ tu kaṇṭhasthaṃ bhīmanādaṃ ca tāluke //
Prayāga befindet sich im Nabel, Varuṇā im Herzbereich, Kolāgiri in der Kehle und Bhīmanāda am Gaumen.
25.94
bindusthāne jayantyākhyaṃ nādākhye tu caritrakam
ekāmraṃ śaktimadhye tu jñātavyaṃ viditātmakaiḥ //
Jayantī liegt am Ort des Bindu, Caritra am Ort des Nāda; Ekāmra ist von den Erkennenden inmitten der Śakti zu erkennen.
25.95
guruvaktragataṃ proktaṃ koṭīvarṣaṃ tu cāṣṭamam
ete sthānā mayā proktā adhyātmaṃ pudgalāśritāḥ //
Als achte liegt Koṭīvarṣa im Mund des Lehrers. Diese von mir genannten Stätten sind innerlich und beziehen sich auf das individuelle Wesen.
25.96
aṭate satataṃ yena hṛccakrasthaḥ sanātanaḥ
yāvad evaṃ na vindec ca pīṭham adhyātmikaṃ priye //
Durch sie wandert der Ewige im Herzchakra beständig. Solange man dieses innere Pīṭha nicht erkennt, Geliebte,
25.97
tāvat tasya kutaḥ siddhir aṭato 'pi jagattrayam
bahirantarabhāvaṃ tu antarambahiraṅgayoḥ //
woher sollte dann Vollendung kommen, auch wenn man die drei Welten durchwandert? So verhält es sich mit dem äußeren und inneren Sein und mit ihrem Verhältnis zueinander. [Der Schluss ist syntaktisch gedrängt.]
25.98
lokapravṛttihetvarthe bahiḥpīṭhāḥ prakīrtitāḥ
antaraṅgaṃ yadā śuddhaṃ paśyate manasā priye //
Um das Handeln in der Welt zu ermöglichen, wurden die äußeren Pīṭhas gelehrt. Wenn das Innere gereinigt ist, schaut man mit dem Geist, Geliebte.
25.99
tadā paśyati bāhye tu sūkṣmarūpā gabhastayaḥ
melakaṃ ca prayacchanti caruṃ vā pāśavīṃ vidhim //
Dann sieht man auch außen die Strahlen in feiner Gestalt. Sie gewähren Begegnung, Opferspeise oder eine dem gebundenen Wesen entsprechende Ritusform. [„pāśavīṃ vidhim“ bleibt fachsprachlich unsicher.]
25.100
sampradāyaṃ prayacchanti sthānaṃ vā kathayanty api
aśuddhena tu bhāvena paryaṭet pṛthivīṃ yadi //
Sie gewähren Überlieferung oder nennen eine Stätte. Wer hingegen mit unreiner innerer Haltung die Erde durchwandert,
25.101
na tasya darśanaṃ devi dadate manasā kvacit
paśyann api ca deveśi paśyanto 'pi na paśyati //
dem gewähren sie nirgendwo eine Schau im Geist, Göttin. Obwohl er sieht, sieht er nicht, Herrin der Götter.
25.102
saṅkīrṇalakṣaṇā devyo miśrā jñātuṃ na śakyate
prabhāvo 'syāḥ samuddiṣṭo vinā tāsām anugrahāt //
Die Göttinnen mit vermischten und vielfältigen Kennzeichen sind schwer zu erkennen; ihre Wirkmacht lässt sich ohne ihre Gnade nicht erfassen. [Der Numeruswechsel der Vorlage bleibt auffällig.]
25.103
grāme grāme tathāraṇye nagare catvare pure
kheṭake caiva sandohe pīṭhakṣetre vane tathā //
In jedem Dorf und Wald, in Städten, auf Plätzen, in Siedlungen und Ansammlungen, an Pīṭhas und Kṣetras, im Wald,
25.104
udyānopavane caiva pūrvam ukte tathaiva ca
deśe deśe 'bhijāyante jñānarūpā gabhastayaḥ //
in Gärten und Hainen und an den schon genannten Orten entstehen überall Strahlen, deren Wesen Erkenntnis ist.
25.105
pārthivācaraṇe proktā āpe teje tathānile
ākāśe caiva suśroṇi tāsāṃ saṅkhyā na vidyate //
Sie werden als auf der Erde wandelnd gelehrt, ebenso im Wasser, im Feuer, im Wind und im Raum, Schönhüftige; ihre Zahl ist nicht zu bestimmen.
25.106
pīṭhāśrayavibhāgena utpadyante hy anekadhā
khānapānaratā nityaṃ krīḍante cāntyajeṣv api //
Je nach ihrer Bindung an ein Pīṭha entstehen sie in vielerlei Gestalt. Stets dem Essen und Trinken zugewandt, spielen sie auch unter gesellschaftlich Ausgeschlossenen.
25.107
tena devi mayā proktāḥ pīṭhā bāhyasvarūpataḥ
veśyāgṛhaṃ prayāgākhyaṃ varuṇā sauṇḍikī viduḥ //
Daher habe ich die Pīṭhas in äußerer Gestalt beschrieben, Göttin. Ein Haus von Sexarbeiterinnen heißt Prayāga; Varuṇā kennt man als den Ort einer Schankwirtin.
25.108
kaivartikī bhavet kollā aṭṭahāsaṃ tu khaṭṭakī
jayantī kandukī vidyāc caritraṃ rajakīgṛham //
Kolā entspricht einer Fischerin, Aṭṭahāsa einer Schlachterin; Jayantī einer Bäckerin und Caritra dem Haus einer Wäscherin. [Die Berufsbezeichnungen khaṭṭakī und kandukī sind kontextuell wiedergegeben.]
25.109
ekāmrakaṃ bhavec chippī koṭākhyeti ca kauṣaṭī
purasthitāni kṣetrāṇi jñānātmā lakṣayet tu tā[ḥ] //
Ekāmraka entspricht einer Stoffdruckerin, Koṭā einer Frau der Kauṣaṭī-Gruppe. Der Erkennende soll diese vor ihm liegenden Felder wahrnehmen. [Die genaue Berufs- oder Gruppenzuordnung von kauṣaṭī ist unsicher.]
25.110
bāhyataḥ kathito bhedo gṛhasthaṃ śṛṇu sāmpratam
prayāgaṃ madhyadeśe tu varuṇā dvāram āsritā //
Die äußere Unterscheidung ist erklärt; höre nun diejenige im Haus. Prayāga liegt in dessen Mitte, Varuṇā befindet sich an der Tür.
25.111
kolāpuraṃ tu kañjinyāṃ cullī caivāṭṭahāsakam
caritraṃ peṣaṇī jñeyā ekāmraṃ kaṇḍanī smṛtā //
Kolāpura liegt beim Gefäß für sauren Reisbrei, Aṭṭahāsa ist der Herd. Caritra ist als Mahlstein zu erkennen, Ekāmra als Stampfvorrichtung.
25.112
devikoṭṭaṃ gharaṭṭaṃ ca upakṣetrāṇy ataḥ sṛṇu
vardhamānī-m-upālambhī dehalyā muṣalaṃ tathā //
Devīkoṭṭa ist die Handmühle. Höre nun von den Nebenfeldern: Vardhamānī, Upālambhī, Türschwelle und Stößel,
25.113
khaṭvā śūrpagharaṭṭaṃ ca vardhamānyāditaḥ kramāt
pādenaitān na saṃspṛśya yad icchec chriyam ātmanaḥ //
Bettgestell, Worfelkorb und Mühle, der Reihe nach beginnend mit Vardhamānī. Wer sein eigenes Wohlergehen wünscht, soll diese nicht mit dem Fuß berühren. [Die genaue Zuordnung der Namen und Hausgeräte über beide Verse ist unsicher.]
25.114
mārjanīśūrpavātaṃ vā dūrataḥ parivarjayet
vātāviṣṭāḥ praviśyanti chidraṃ matvā tu sādhake //
Auch den Luftzug eines Besens oder Worfelkorbs soll er meiden. Die im Wind befindlichen Wesen dringen ein, wenn sie darin eine Öffnung beim Übenden sehen.
25.115
vighnāni siddhayoginyaḥ śreyaṃ gṛhṇanty ato 'rthataḥ
kaṇikā śiravākhyaṃ tu kālikālālayaṃ śivam //
Vollendete Yoginīs bewirken Hindernisse und nehmen so sein Wohlergehen. Kaṇikā, der Śirava genannte Ort und die glückverheißende Wohnstatt Kālikālā,
25.116
kālañjaraṃ mahākālaṃ kṣetrasaṃsthānam āśritaḥ
pīṭhopapīṭhasandohaṃ purasthaṃ gṛhadehagam //
Kālañjara und Mahākāla gehören zur Anordnung der Felder. Die Schar der Pīṭhas und Nebenpīṭhas befindet sich vor ihm, im Haus und im Körper.
25.117
jñātavyaṃ cumbakenaiva bhuktimuktiphalapradam
bāhyataḥ kathitā hy evaṃ pīṭhāḥ kṣetrās tu suvrate //
Der Cumbaka soll dies erkennen; es gewährt Genuss und Befreiung als Früchte. So sind die äußeren Pīṭhas und Kṣetras erklärt, du Treue im Gelübde.
25.118
paryaṭed eṣu sthāneṣu pūjanīyāḥ sadā budhaiḥ
bhakṣyabhojyānnapānaiś ca tarpayen mantravit sadā //
An diesen Orten soll man umherwandern; die Weisen sollen sie stets verehren. Der Mantra-Kundige soll sie beständig mit Speisen, Nahrung und Getränken zufriedenstellen.
25.119
eteṣāṃ saṃsthitis teṣāṃ yoginām aprameyatā
bhavantīha na sandeho varadāḥ sādhakasya tu //
Ihre Gegenwart dort und die Unermesslichkeit der Yogins bestehen ohne Zweifel. Sie gewähren dem Übenden Gaben. [Der Satzbau der ersten Hälfte ist unsicher.]
25.120
tarpitāḥ pūjitā devyaḥ sādhakasya dadanti hi
ṣaṇmāsād yuktamārgasya samayavratapālake //
Zufriedengestellt und verehrt, geben die Göttinnen dem Übenden nach sechs Monaten, sofern er den rechten Weg verfolgt und Verpflichtungen und Gelübde wahrt.
25.121
mantavyaṃ sādhakendreṇa toṣayitvā guruṃ priye
athānyaṃ sampravakṣyāmi paribhāṣāstravādinām //
Dies soll der vorzüglichste Übende bedenken, nachdem er den Lehrer zufriedengestellt hat, Geliebte. Nun werde ich eine weitere besondere Ausdrucksweise derer erläutern, die von den rituellen Geräten sprechen.
25.122
adhyātmikaṃ bahiś caiva yathā jñāyanti tattvataḥ
tathā te kathayiṣyāmi śṛṇuṣvāyatalocane //
Wie diese innerlich und äußerlich ihrem Wesen nach zu verstehen sind, werde ich dir erklären. Höre, Großäugige.
25.123
adhyātmaṃ kurute bāhyaṃ vratacaryā tu sādhanam
evaṃ kṛte bhavet siddhiḥ satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ //
Man soll das Äußere innerlich vollziehen: den Gelübdewandel und die spirituelle Übung. So entsteht Vollendung – wahrlich, wahrlich, daran besteht kein Zweifel.
25.124
khaṭvāṅgaṃ kathayiṣyāmi khagatīkaraṇaṃ param
āpādatalamūrdhnāntaṃ yathā bhavati tac chṛṇu //
Ich werde den Schädelstab erläutern, das höchste Mittel der Bewegung im Raum. Höre, wie er sich von den Fußsohlen bis zum Scheitel erstreckt.
25.125
śirādau sarva-m-aṅgeṣu aṅgapratyaṅgakeṣvapi
khaṭvāyate tu suśroṇi khaṭvāṅgī tena ucyate //
Er liegt vom Kopf aus in allen Gliedern und Untergliedern wie auf einem Lager, Schönhüftige; deshalb heißt er Träger des Schädelstabs. [Das Wortspiel mit khaṭvā und aṅga ist nur annähernd übertragbar.]
25.126
maunena vartayen nityaṃ hṛdi gūḍhaṃ parāparam
tena maunīti vijñeyaḥ sarvabhāveṣu bhāvini //
Man verweile stets schweigend; Parāpara ist im Herzen verborgen. Deshalb heißt man in allen Zuständen Schweigender, du Seiende.
25.127
vegena paryaṭed dehe aviśrāntaḥ punaḥ punaḥ
tena vegān mayākhyātam aṭanaṃ pudgalasya tu //
Rasch wandert er im Körper unermüdlich immer wieder umher. Daher habe ich das Wandern des individuellen Selbst als schnell bezeichnet.
25.128
ḍamarukaṃ pravakṣyāmi yathā śāstre udāhṛtam
amā nāma parā sūkṣmā kalā cāmṛtavāhinī //
Ich werde die Handtrommel erklären, wie sie in der Schrift gelehrt wird. Amā heißt die höchste feine Teilkraft, die Nektar führt.
25.129
ātmā sañcarate tasmin rāvaṃ muñcanti binduke
visargastho mahātmāno vādayet kathayeti ca //
Das Selbst bewegt sich in ihr; im Bindu wird ein Ton freigesetzt. Die im Visarga ruhenden großen Wesen lassen ihn ertönen und sprechen. [Numerus und Satzanschluss wechseln in der Vorlage.]
25.130
ḍamarukaṃ smṛtaṃ tena amanaske nirāmaye
nābhisthā yasya tiṣṭheta māyārūpā tu kuṇḍalī //
Daher heißt dies Handtrommel, im leidlosen Zustand jenseits des Geistes. Wenn Kuṇḍalī in ihrer Māyā-Gestalt im Nabel ruht,
25.131
pāśam etad vinirdiṣṭaṃ khaḍgaṃ caivādhunā śṛṇu
khasthā chinatti pāśāṃs tu visargāstreṇa mohanī //
wird dies als Schlinge bezeichnet. Höre jetzt vom Schwert: Im Raum ruhend, durchschneidet die Verzaubernde die Fesseln mit der Waffe des Visarga.
25.132
khaḍgavan nirmalā yena khagamadhye kuleśvari
gatā sā brahmasāyujyaṃ ghaṭate śaktir avyayā //
Weil sie inmitten des Raumes rein wie ein Schwert ist, Herrin des Kula, gelangt die unvergängliche Śakti zur Vereinigung mit Brahman und verbindet sich damit.
25.133
tena khaḍgam iti proktam āyudhaṃ suranāyike
ekā eva parā śaktis tripathā cakramaṇḍale //
Deshalb wird das Gerät Schwert genannt, Führerin der Götter. Die eine höchste Śakti geht im Chakra-Maṇḍala auf drei Wegen:
25.134
vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī icchājñānakriyātmikā
triśūlaṃ tripathaṃ khyātaṃ triśaktim anupūrvaśaḥ //
als Vāmā, Jyeṣṭhā und Raudrī, deren Wesen Wollen, Erkennen und Handeln ist. Dreizack heißt der dreifache Weg dieser drei Kräfte in ihrer Reihenfolge.
25.135
kharūpā vyomagā śāntā nirmalā aṭate priye
kheṭakaṃ tena nāmaṃ tu dvādaśānte vyavasthitam //
Als Raum gestaltet, durch den Raum gehend, friedvoll und rein, wandert sie, Geliebte. Deshalb heißt sie Schild und ruht im Dvādaśānta.
25.136
nārā ca śakti-r-uccāraṃ karaṇātmavyavasthitam
vedhate tu nirodhinyā kāraṇaṃ pañca eva tu //
Nārā ist der Aufstieg der Śakti, der als rituelles Verfahren festgelegt ist. Sie durchbohrt bei Nirodhinī die fünf Ursachen.
25.137
tena nārācam ākhyātaṃ paryāyeṇa varānane
kartarī jñānaśaktis tu yena pāśāñ chinatty asau //
Deshalb heißt sie sinnbildlich Eisenpfeil, Schöne. Das Schneidemesser ist die Erkenntniskraft, mit der sie die Fesseln durchtrennt.
25.138
sā kalā paramā sūkṣmā mantrāṇāṃ bodhanī parā
kartarī kartṛrūpeṇa jñātavyā sādhakena tu //
Sie ist jene höchste, überaus feine Teilkraft, die höchste Erweckerin der Mantras. Der Übende soll das Schneidemesser in dieser tätigen Gestalt erkennen.
25.139
carate dvādaśānte tu kramāt tattvāni muñcati
cakraved bhramate nit yam aṅkuśasthā parāparā //
Sie wandert bis zum Dvādaśānta und lässt der Reihe nach die Prinzipien zurück; beständig dreht sie sich wie ein Rad. Parāparā ruht im Elefantenhaken.
25.140
aṅgamaṅgagatā devī bahirantarasaṃsthitā
kurute satataṃ ceṣṭām āsane śayane tathā //
Die Göttin ist in jedem Glied gegenwärtig, innen und außen. Sie bewirkt unablässig Bewegung, beim Sitzen ebenso wie beim Liegen,
25.141
dhāvanaṃ valganaṃ rodham aṅkuśasthānam āśritaḥ
muṣalatve sthito nādo rekhākārordhvagaḥ priye //
beim Laufen, Springen und Anhalten, indem sie den Ort des Elefantenhakens einnimmt. Als Keule besteht Nāda, der in gerader Linie aufwärtsgeht, Geliebte.
25.142
taṃ bhittvā gamanaṃ cordhvaṃ muṣalākhyaṃ sadāśivam
dhanur lakṣye manākhyaṃ tu yena vedhayate param //
Ihn zu durchbrechen und nach oben zu gehen, heißt die Keule, Sadāśiva. Der Bogen wird Geist genannt, auf das Ziel gerichtet, mit dem man das Höchste durchbohrt.
25.143
āpūrya savisargeṇa pareṇa manacakṣuṣā
karaṇena phaḍantena visargasthena susvane //
Nachdem man mit dem Visarga und mit dem höchsten geistigen Auge gefüllt hat, vollzieht man das im Visarga ruhende Verfahren, das auf phaṭ endet, du mit der schönen Stimme,
25.144
ṛtudvayaviśuddhena kānanāntargatena tu
anena karaṇāntena kaṭṭārikā parāparā //
das durch zwei Jahreszeiten gereinigt und ins Innere des Waldes gelangt ist. Am Ende dieses Verfahrens ist Parāparā der Dolch. [Beide Verse sind elliptisch; „zwei Jahreszeiten“ ist eine nicht sicher entschlüsselte rituelle Chiffre.]
25.145
prāpnoti tattvasāyojyaṃ gadayā ca sulocane
gatā hy ekā parā randhraṃ dadate cāmṛtaṃ śubham //
Durch den Streitkolben erlangt man Vereinigung mit dem Prinzip, Schönäugige. Die eine höchste Kraft ist in die Öffnung eingegangen und gibt den glückverheißenden Nektar.
25.146
gatās tu na nivartante ye gatā gadayā saha
śaktiḥ śaktisthabhāvena ātmānaṃ nayate sadā //
Wer mit dem Streitkolben dorthin gelangt ist, kehrt nicht zurück. Die Śakti als Speer führt das Selbst stets durch ihr Verweilen in der Śakti weiter.
25.147
tadbhāvayogaviddhas tu śaktinā tu surādhipe
daṇḍavadṛjurekhā tu nādāntapadam avyayam //
Es wird durch die Verbindung mit ihrem Zustand vom Speer durchdrungen, Herrin der Götter. Die wie ein Stab gerade Linie ist die unvergängliche Stufe am Ende des Nāda.
25.148
tena mārgeṇa gantavyaṃ daṇḍadhāreṇa suvrate
kaṃ śarīram iti khyātaṃ maṇḍalākārasaṃsthitam //
Diesen Weg soll der Stabträger gehen, du Treue im Gelübde. Ka heißt Körper, der in Kreisgestalt besteht.
25.149
atrādhvā tu varārohe śodhanīyo manīṣibhiḥ
kulādyā yā parā śuddhā sarva-adhvahṛdi sthitā //
Hier soll der Weg von den Verständigen gereinigt werden, Schöne. Die höchste reine Kraft, die mit Kula beginnt, ruht im Herzen des gesamten Weges.
25.150
tenedaṃ kathitaṃ bhadre kamaṇḍalur iti smṛtaḥ
ete tu āyudhāḥ sūkṣmāḥ paryāyāt kathitāḥ sphuṭam //
Daher, Glückliche, wurde dies als Wassergefäß bezeichnet. Diese feinen Geräte sind damit in ihrer sinnbildlichen Bedeutung deutlich erläutert.
25.151
samayinyagatā sūkṣmā kalā sūkṣmātināyikā
kathitās tu mayā devi parāparavibhāgaśaḥ //
Die feine Teilkraft, welche in Samayinī eingegangen ist und über das Feine hinausführt, habe ich dir nach ihren höheren und niederen Unterscheidungen erklärt, Göttin. [Der Ausdruck „sūkṣmātināyikā“ bleibt unsicher.]
25.152
bāhyataḥ kathayiṣyāmi dūtīnāṃ lakṣaṇaṃ subham
antaraṅge tathā hy evaṃ śrūyatāṃ teṣu niścayam //
Nun werde ich die glückverheißenden äußeren Kennzeichen der Botinnen erklären; ebenso ihre innere Bedeutung. Höre die Entscheidung darüber.
25.153
mātā duhitā bhaginī sahajā tu tathā ntyajā
rajakī carmakārī ca mātaṅgī cāgrajanmikā //
Mutter, Tochter, Schwester, die von gleicher Geburt sowie eine Frau aus ausgeschlossener Gruppe, eine Wäscherin, eine Lederarbeiterin, eine Mātaṅgī und eine Erstgeborene:
25.154
annapānaṃ tathā bhakṣyam ācarec chaktibhiḥ saha
antyajānāṃ dvijānāṃ ca ekatra carubhojanam //
Mit diesen Kräften soll man Nahrung, Getränke und Speisen genießen. Angehörige ausgeschlossener Gruppen und Zweimalgeborene sollen gemeinsam Opferspeise essen.
25.155
kartavyaṃ sādhakenaiva yad icchet siddhim uttamām //
So soll der Übende handeln, wenn er die höchste Vollendung wünscht.
25.156
kutsitaṃ kathitaṃ deva ayuktaṃ śāstravādinām
paśūnāṃ yat samākhyātam ācāraṃ parameśvara
yatīnāṃ tu yadā so hi tad āścaryaṃ mahāprabho //
Gott, du hast etwas Tadelnswertes gelehrt, das den Vertretern der Schriften unangemessen erscheint: ein Verhalten, das den gebundenen Wesen zugeschrieben wird, höchster Herr. Wenn es nun auch für Asketen gelten soll, ist das erstaunlich, großer Herr!
25.157
sādhu devi mahāprājñe praśnam etat sudurlabham
kathayāmi samāsena tvatprītyā suranāyike //
Gut gefragt, Göttin von großer Weisheit; diese Frage ist sehr selten. Aus Liebe zu dir werde ich es kurz erklären, Führerin der Götter.
25.158
māteva saṃsthitā śaktir jagato yonirūpiṇī
atrotpannaṃ samastaṃ hi vāṅmayaṃ sacarācaram //
Die Śakti besteht wie eine Mutter als Ursprungsschoß der Welt. In ihr ist alles entstanden, die gesamte sprachliche, bewegliche und unbewegliche Welt.
25.159
tena māteti vikhyātā kathitā parameśvarī
udbhavasthā duhitrī tu duhanāt tu jagasya ca //
Daher ist die höchste Herrin als Mutter bekannt. Am Ort des Hervorgehens ist sie Tochter, weil sie die Welt „melkt“ beziehungsweise hervorbringt. [Die Herleitung spielt mit duhitṛ und der Wurzel duh.]
25.160
duhitrī tu dvitīyā tu bhaginī tv atha-m-ucyate
bhagarūpā parā sūkṣmā nānyena tu sunirmitā //
Die Tochter ist die zweite; nun wird die Schwester erklärt. Sie ist die höchste feine Kraft in Gestalt des Ursprungsorgans und wird von keinem anderen hervorgebracht.
25.161
svatotpannā svayaṃ jātā tenoktā sahajā kalā
antasthā sarvabhūtānāṃ vartate cāntagā parā //
Aus sich hervorgegangen, aus sich geboren, heißt die Teilkraft „von gleicher Geburt“. Sie ist im Inneren aller Wesen und gelangt als Höchste an ihr Ende.
25.162
ante ca saṃsthitā hy ekā antyajā parameśvarī
rajastamovinirmuktā mahānte rajakī ume //
Weil sie allein am Ende steht, heißt die höchste Herrin „am Ende Geborene“, Antyajā. Von Leidenschaft und Dunkelheit befreit, ist sie am großen Ende die Wäscherin, Umā. [Die soziale Bezeichnung wird hier durch eine esoterische Wortableitung umgedeutet.]
25.163
carate carmagā yena svaraṅgena tu rañjitā
carmakārī tu sā caikā mātaṅgī ca tatocyate //
Weil sie in der Haut wandert und durch ihre eigene Färbung gefärbt ist, heißt die eine Kraft Lederarbeiterin. Nun wird die Mātaṅgī erklärt.
25.164
ātmasthā satataṃ nityaṃ gītasyāntapathe sthitā
mātaṅgī kathitā dūtī agrajanmī tathocyate //
Stets im Selbst gegründet und am Ende des Gesanges stehend, heißt die Botin Mātaṅgī. Nun wird die Erstgeborene erklärt.
25.165
sarveṣāṃ caiva śāstrāṇām agrotpannā tu agraṇī
nānyat tatra bhavet kiñcic chaktir ādyā manonmanī //
Allen Schriften voraus entstanden, ist sie die Führende. Dort gibt es nichts anderes als die ursprüngliche Śakti Manonmanī.
25.166
agrajanmā samākhyātā parā hy amṛtavāhinī
paryāyāt kathitā devi śaktis taddharmadharmiṇī //
Als Erstgeborene wird die höchste, Nektar führende Kraft bezeichnet. So ist die Śakti sinnbildlich erklärt, Göttin; sie trägt die entsprechenden Eigenschaften.
25.167
ajñātvā dehajāṃ śaktiṃ bahusthānagatāṃ priye
ācaranti ca ye mūḍhāḥ paśavaḥ samudāhṛtāḥ //
Die Toren, die handeln, ohne die im Körper entstandene und an vielen Orten gegenwärtige Śakti zu erkennen, werden als gebundene Wesen bezeichnet, Geliebte.
25.168
apākteyā asambhāṣyāḥ śivavrataviḍambakāḥ
khānaṃ pānaṃ tathā devi kartavyaṃ na ca taiḥ saha //
Mit ihnen soll man weder in einer Speisereihe sitzen noch sprechen; sie machen Śivas Gelübde zum Zerrbild. Mit ihnen soll man weder essen noch trinken, Göttin. [Dies ist eine historische Abgrenzungsregel der Überlieferung.]
25.169
evaṃ yuktaḥ sadā tiṣṭhen madirānandacetasaḥ
madirā yā parā śakti rañjitaṃ tu jagattrayam //
So verbunden, soll man stets verweilen, das Bewusstsein von der Wonne des Weines erfüllt. Der Wein ist die höchste Śakti, durch die die drei Welten gefärbt sind.
25.170
ānandaṃ tatsamatvaṃ hi madirānandacetasaḥ
sidhyate nātra sandeho yathā bhairava-m-abravīt //
Die Wonne ist die Gleichheit mit ihr: Dies bedeutet ein vom Wein der Wonne erfülltes Bewusstsein. So erlangt man zweifellos Vollendung, wie Bhairava gesprochen hat.
25.171
jñānāmṛtena tṛptasya kṛtakṛtyasya yoginaḥ
naivāsti kiñcit kartavyam asti cen na sa tattvavit //
Für den Yogin, der vom Nektar der Erkenntnis gesättigt ist und getan hat, was zu tun war, bleibt nichts mehr zu tun. Bleibt doch etwas, so kennt er die Wirklichkeit nicht.
25.172
athānyat sampravakṣyāmi avasthāṃ jñānabodhikām
ghoṣaṇī piṅgalā caiva vidyunmālā ca candriṇī //
Nun werde ich weitere Zustände erklären, welche Erkenntnis erwecken: Ghoṣaṇī, Piṅgalā, Vidyunmālā und Candriṇī,
25.173
mano'nugā ca sukṛtā saumyā caiva nirañjanā
nirālambā tathā devī anyā caiva mahābalā //
Mano'nugā, Sukṛtā, Saumyā und Nirañjanā, ferner die Göttin Nirālambā und die andere, Mahābalā,
25.174
helā lolā tathā līlā bodhābodhavatīti ca
nirāmayāḥ samākhyātā etāḥ pratyakṣamātarāḥ //
Helā, Lolā, Līlā und Bodhābodhavatī. Diese werden als leidlose, unmittelbar wahrnehmbare Mütter bezeichnet.
25.175
ājñāsiddhipradātārā ājñāsiddhikulānvaye
ghoṣaṇī ghoṣamārgasthā śikhā dhūmrā ca piṅgalā //
In der Überlieferung der durch Weisung erlangten Vollendung verleihen sie die Vollendung der Weisung. Ghoṣaṇī befindet sich im Weg des Tones; die rauchfarbene Flamme ist Piṅgalā.
25.176
rātrau dyotayate śuklaṃ vidyunmāleti cocyate
candriṇī candragarbheṇa sandhyābindu mano'nugā //
Was nachts weiß aufleuchtet, heißt Vidyunmālā, „Blitzgirlande“. Candriṇī hat den Mond in sich; der Punkt der Dämmerung ist Mano'nugā. [Die Zuordnung des letzten Ausdrucks bleibt gedrängt.]
25.177
nimīlitākṣe yat pītaṃ sukṛtā samudāhṛtā
kaṃsadhvanis tathā saumyā ghaṇṭā caiva nirañjanā //
Was man mit geschlossenen Augen als Gelb wahrnimmt, heißt Sukṛtā. Der Klang von Bronze ist Saumyā, der Glockenklang Nirañjanā.
25.178
haṃsākhyā tu nirālambā kiṅkiṇī tu mahābalā
gudadeśe prajāyeta sadā siddhipradāyikā //
Der Haṃsa genannte Laut ist Nirālambā, das Glöckchen Mahābalā. Sie entsteht im Bereich des Afters und verleiht stets Vollendung. [Der genaue Bezug des zweiten Halbverses bleibt offen.]
25.179
ghoṣamārge tu yo haṃso helā nāmeti cocyate
tasya madhye tu yaḥ śabdo lolākhyā sā prakīrtitā //
Der Haṃsa im Klangweg heißt Helā; der Ton in seiner Mitte wird als Lolā bezeichnet.
25.180
līlā caivāṇavā proktā khecaratvapradāyinī
cītkṛtaṃ karṇadeśe tu bodhābodhavatī tu sā //
Līlā wird als dem individuellen Bereich zugehörig bezeichnet und verleiht die Fähigkeit des Himmelswanderns. Ein feiner hoher Laut im Ohrbereich ist Bodhābodhavatī.
25.181
ātmānaṃ haṃsam ity āhur māyārūpā tu bodhanī
kuṇḍalī tu samākhyātā rudraśaktis tu bindukam //
Das Selbst nennt man Haṃsa; die erweckende Kraft in Māyā-Gestalt heißt Kuṇḍalī. Rudras Śakti ist der Bindu.
25.182
gagane dṛśyate yas tu prabhākāreṇa suprabhaḥ
akhaṇḍamaṇḍalākāraṃ dyotayantaṃ nabhastalam //
Was im Raum als überaus leuchtender Glanz sichtbar wird, in Gestalt eines ungeteilten Kreises den Himmelsraum erhellend,
25.183
acalaṃ tat samākhyātam acalatvena saṃsthitam
etāvasthāḥ samākhyātā udayanti krameṇa tu //
heißt das Unbewegliche, weil es unbewegt besteht. Diese Zustände sind erklärt; sie gehen der Reihe nach auf.
25.184
ājñātatparabhāvajñaḥ sugupto gurupūjakaḥ
tasya siddhir bhavaty āśu nānyathā kubjike vacaḥ //
Wer den auf die Weisung gerichteten Zustand kennt, gut verschwiegen ist und den Lehrer verehrt, erreicht rasch Vollendung; anders nicht. Dies ist mein Wort, Kubjikā.
25.185
pitu[ḥ] prāptaṃ yathā saukhyaṃ tat sukhaṃ bhuñjate svayam
mṛtyur yena sukheneha tat sukhaṃ dhyānam ucyate //
Wie man das vom Vater empfangene Glück selbst genießt, so heißt jenes Glück, durch das hier der Tod eintritt, Meditation. [Die Lesung „mṛtyur“ steht ausdrücklich in der Vorlage; die Aussage ist inhaltlich dunkel und keine Anleitung zur Herbeiführung des Todes.]
25.186
samastedaṃ varārohe durlabhaṃ prakaṭīkṛtam
tvaṃ punaś cāvatāritvā kramaughaṃ samprakāśaya //
Diese ganze schwer zugängliche Lehre ist nun enthüllt, Schöne. Lass du sie wiederum herabsteigen und offenbare den Strom der Überlieferungsfolge.
25.187
sugopyaṃ gopanībhūtvā kramaṃ pūjyārihā bhava //
Bewahre sie gut; werde selbst zur Hüterin des Geheimnisses und der Folge. [Die abschließende Form „pūjyārihā“ ist nicht sicher zu deuten.]
25.188
yā sā kubji parā mahaughajananī sañcodito 'haṃ tvayā tvaṃ kubjā parakubjinī mama punas tvāhaṃ mayā tvaṃ punaḥ
tvayādiṣṭacatuṣṭayaṃ kramapathaṃ teṣāṃ kramo vai yathā sampreṣyātmagataṃ kramaughaparamaṃ cājñā gṛhītānaghe //
Du bist jene höchste Kubjī, die Mutter des großen Stroms; von dir bin ich angetrieben. Du bist Kubjā, die höchste Kubjinī; ich bin wiederum du, und du bist durch mich. Die von dir angewiesene vierfache Folge und ihr jeweiliger Weg sollen weitergesandt werden, der im Selbst ruhende höchste Überlieferungsstrom. Die Weisung ist empfangen, Makellose. [Die Sprecherbezüge und mehrere Satzanschlüsse sind unsicher; die Wiedergabe bleibt vorläufig.]
25.189
śatakoṭisuvistīrṇaṃ tantredaṃ pārameśvaram
asya bhedopabhedāś ca bhaviṣyanti hy anekadhā //
Dieses Tantra des höchsten Herrn erstreckt sich über hundert Koṭis. Seine Unterteilungen und weiteren Unterteilungen werden mannigfach sein. [Dies ist eine mythische Umfangsangabe, nicht die Verszahl der erhaltenen Fassung.]
25.190
atra kalpe varārohe sūtrasaṅgrahalakṣaṇam
caturviṃśatisāhasraṃ kiṃ tu tat prakaṭaṃ na hi //
In diesem Weltzeitalter umfasst seine Zusammenfassung in Lehrsätzen vierundzwanzigtausend, Schöne; doch diese ist nicht öffentlich zu machen.
25.191
kartavyaṃ tu tvayā bhadre kiṃ tu pīṭhacatuṣṭaye
prakāśayasva cājñāto yathā gopyataraṃ bhavet //
Du sollst sie jedoch an den vier Pīṭhas offenbaren, Glückliche, wie es angewiesen ist, sodass sie besonders geheim bleibt.
25.192
sudurlabhataraṃ devi tantredaṃ paramādbhutam
yatra vā tiṣṭhate deśe sa deśo bhuktibhāg bhavet //
Dieses höchst wunderbare Tantra ist überaus schwer zugänglich, Göttin. Das Land, in dem es sich befindet, wird des Genusses teilhaftig.
25.193
kiṃ punaḥ puramadhyasthaṃ gṛhāvasthagataṃ hṛdi
tiṣṭhate yasya 'sau nāthe puraṃ pīṭhasamaṃ bhavet //
Wie viel mehr gilt dies, wenn es in einer Stadt, in einem Haus oder im Herzen verweilt! Wessen Herz es bewohnt, dessen Stadt gleicht einem Pīṭha, Herrin. [Die Syntax und das anlautende Apostroph vor 'sau sind auffällig.]
25.194
gṛhaṃ tad yogapīṭhaṃ ca mantavyam anvayānvitaiḥ
āgamaṃ maṇḍalādyais tu pūjyoghaṃ pārameśvaram //
Sein Haus soll von den Angehörigen der Überlieferung als Yoga-Pīṭha betrachtet werden. Den Āgama, den Strom des höchsten Herrn, soll man mit Maṇḍalas und Weiterem verehren.
25.195
yatredaṃ tiṣṭhate sthāne divyāmnāyaṃ sudurlabham
divyais tu pūjyate so hi yadi gopyataraṃ bhavet //
An dem Ort, wo diese schwer zugängliche göttliche Überlieferung sich befindet, wird ihr Träger von göttlichen Wesen verehrt, sofern sie besonders geheim bleibt.
25.196
vidhānavihitā pūjā yady aṣṭamyāṃ caturdaśī
pūjayet paramāmnāyaṃ pūjyate sa marīcibhiḥ //
Wenn man nach der festgelegten Vorschrift am achten oder vierzehnten Mondtag die höchste Überlieferung verehrt, wird man von den Strahlenkräften verehrt.
25.197
yas tv evaṃ vindate devi granthataś cārthato 'pi vā
sa jyeṣṭhaḥ kulasantāne pūjyo 'sau bhairavo yathā //
Wer dies so erkennt, Göttin, sei es aus dem Wortlaut oder aus seinem Sinn, ist ein Ältester in der Kula-Linie und wie Bhairava zu verehren.
25.198
avajñāṃ kurute yas tu yasya tasya prakāśayet
sāmarthyena satāṃ dviṣṭo bhraṣṭo duḥkhī sa sarvataḥ //
Wer es missachtet und wahllos jedem offenbart, wird von den Guten gehasst, verliert seine Stellung und erfährt überall Leid.
25.199
āgamādhārabhāṇḍasya dṛṣṭvāvajñāṃ karoti yaḥ
namaskāreṇa tat pīṭhaṃ tasyaivāyaṃ puroditam //
Wer den Träger des Āgama sieht und missachtet, soll dieses Pīṭha durch Verneigung ehren; ihm gilt das zuvor Gesagte. [Der zweite Halbvers ist syntaktisch unsicher; dies ist eine vorläufige Wiedergabe.]
25.200
śrutvaivaṃ vismayāpannā ūcus tv evaṃ kuleśvarī
prerayitvāditoddiṣṭā atrājñānavirodhinī //
Als die Herrin des Kula dies hörte, geriet sie in Verwunderung und sprach so; von Anfang an war sie dazu angetrieben und angewiesen, ohne der Weisung entgegenzustehen. [Der Sprecherwechsel und die Wortfügung „atrājñānavirodhinī“ sind unsicher.]
25.201
ājñāśrutaṃ samastedaṃ dṛṣṭam asmād virjṛmbhitam
vrajatoḍādisiddhānāṃ teṣu sarvaṃ samarpayet //
Die Weisung, all dies, ist gehört; ich habe gesehen, wie es sich daraus entfaltet. Geh zu den Siddhas von Oḍa und den übrigen Orten und übergib ihnen alles. [Der Übergang zwischen Bericht und Anweisung ist in der Vorlage nicht eindeutig markiert.]
25.202
samayinyaś ca saṃyojya tasya tvāmoghaśālinī
bhaviṣyasi purāvasthā tadavasthāntare sthitā //
Verbinde auch die Samayinīs damit; dann wirst du unfehlbare Wirkmacht besitzen und, in einem anderen Zustand stehend, wieder den früheren Zustand einnehmen.
25.203
prathamaṃ madguṇair bhadre dvitīyaṃ ca khagāntare
tṛtīyaṃ bhūcarīnāthaḥ paścānantabhavātmikā //
Zuerst durch meine Eigenschaften, Glückliche, zweitens im Bereich der Himmelswanderer, drittens als Herr der Erdwanderer, zuletzt als Wesen unendlicher Entstehung. [Der Satz ist elliptisch; die Rangfolge bleibt nur teilweise verständlich.]
25.204
trayānte gurupaṅktisthā Pṛthakpūjākrame sthitā
bhaviṣyasi purāvasthā hrāsyamānā pade pade //
Am Ende der Dreiheit stehst du in der Reihe der Lehrer und in einer gesonderten Verehrungsfolge. Du wirst wieder der frühere Zustand sein, während du Stufe um Stufe abnimmst.
25.205
jīvikopāyahetvartham utkarṣārtham athāpi vā
teṣu tyajya parāmnāyaṃ bhūtāveśakarī bhava //
Bei denen, die dies zum Lebensunterhalt oder zum eigenen Aufstieg betreiben, verlasse die höchste Überlieferung und werde zur Verursacherin von Besessenheit durch Geister.
25.206
vyatikramaṃ yadā kāle bhaviṣyat kubjinīmate
tadā kāle tu taṃ hatvā samāpyevaṃ punar bhaja //
Wenn im Verlauf der Zeit eine Übertretung im Kubjinī-System eintritt, vernichte sie beziehungsweise den Übertreter; nachdem du sie beendet hast, kehre wieder zurück. [Der Bezug des maskulinen „tam“ ist nicht eindeutig.]
25.207
sārasaṅgraham etad dhi anāmāmatam uttamam
asyoccāraṃ na kartavyam uccārād ay utaṃ japet //
Dies ist die Zusammenfassung der Essenz, die höchste namenlose Lehre. Ihr Name soll nicht ausgesprochen werden; nach einem Aussprechen soll man zehntausend Rezitationen vollziehen.
25.208
kubjikā yā varārohe pañcabhiḥ praṇavaiḥ saha
tair vinā na hi coccāraṃ kubjāmnāyamahādhvare //
Die als Kubjikā bezeichnete soll, Schöne, mit den fünf Praṇavas verbunden werden. Ohne diese soll im großen Opferweg der Kubjā-Überlieferung keine Aussprache erfolgen.
25.209
yais tu tāni varārohe kathayāmi svarūpataḥ
binduyuktāni sarvāṇi jīvabhūtāni śāsane //
Welche diese sind, werde ich dir ihrem Wesen nach sagen, Schöne. Sie sind sämtlich mit dem Bindu versehen und bilden das Leben der Lehre.
25.210
ādimaṃ ca tṛtīyaṃ ca daśamaṃ caikaviṃśakam
dvitīyaṃ caikaviṃśena varjitaṃ pañcamaṃ tu tat //
Der erste, der dritte, der zehnte und der einundzwanzigste; der zweite, vom einundzwanzigsten getrennt, ist der fünfte. [Die Zahlen verschlüsseln Laute. Eine sichere Rekonstruktion der fünf Lautformen wird hier nicht behauptet.]
25.211
kiṃ tu vāmena jaṅghāyā hataṃ bījena kārayet
tad bījaṃ param uddiṣṭaṃ sarvajñānāvatārakam //
Man soll ihn jedoch mit dem Keimlaut bilden, der links am Schenkel getroffen ist. Dieser wird als höchster Keimlaut gelehrt, durch den sämtliche Erkenntnis herabsteigt. [Die Lautbildungsanweisung ist chiffriert und nicht sicher entschlüsselt.]
25.212
ambikā bindunādaṃ ca kuṇḍalī ca paraḥ śivaḥ
ratnānāṃ pañcakaṃ devi vyāpayitvā sudurlabham //
Ambikā, Bindu und Nāda, Kuṇḍalī und der höchste Śiva bilden die schwer zugängliche Fünfergruppe der Juwelen, Göttin; nachdem man sie durchdrungen hat,
25.213
anenābhyāsayogena khecarīkulanandanaḥ
sidhyate nātra sandeho guruvaktraprasādataḥ //
erlangt man durch diese wiederholte Yoga-Übung und durch die Gnade des Lehrermundes zweifellos Vollendung als Freude der Khecarī-Familie.
25.214
khecarā bhūcarā caiva dikcarā gocarā tathā
dadanti melakaṃ sarvaṃ yasyedaṃ hṛdi saṃsthitam //
Die Himmelswanderer, Erdwanderer, Richtungswanderer und Wanderer der Sinnesbereiche gewähren alle Begegnung demjenigen, in dessen Herzen dies ruht.
25.215
devadevena devyāyā mataṃ divyaṃ mayā tava
kartavyaṃ tu tathā gopyam ity ājñā pārameśvarī //
Als Gott der Götter habe ich dir, der Göttin, diese göttliche Lehre mitgeteilt. Sie soll entsprechend geheim gehalten werden: So lautet die Weisung des höchsten Herrn.
25.216
pūjā cāsya prakartavyā viśeṣeṇa varānane
śuklapakṣe tṛtīyāyāṃ vaiśākhasya tathā punaḥ //
Ihre Verehrung soll besonders am dritten Tag der hellen Monatshälfte des Vaiśākha vollzogen werden, Schöne,
25.217
kṛṣṇapakṣe trayodaśyāṃ nabhasyanavamī punaḥ
āśvine śuklapakṣasya pūrṇimā phālgune matā //
ferner am dreizehnten Tag der dunklen Hälfte, am neunten des Nabhasya, in der hellen Hälfte des Āśvina und am Vollmond des Phālguna. [Die Zuordnung einzelner Tage zu Monaten ist in diesem Vers elliptisch und nicht sicher zu vervollständigen.]
25.218
āṣāḍhe śrāvaṇe caiva bhādrapadyāṃ tathaiva ca
śuklapakṣe caturdaśyāṃ kartavyaṃ ca pavitrakam //
Im Āṣāḍha, Śrāvaṇa und Bhādrapada soll am vierzehnten Tag der hellen Monatshälfte das Pavitra-Fest vollzogen werden.
25.219
ātmavittānusāreṇa uttamādhamamadhyamāḥ
guruparvam iti khyātaṃ pālanīyaṃ kulāmbike //
Je nach den eigenen Mitteln in vorzüglicher, geringer oder mittlerer Form: Dies heißt das Fest des Lehrers und soll bewahrt werden, Mutter des Kula.
25.220
yugādayaḥ samākhyātā atra pīṭhāvatāraṇam
pīṭhamārgakramāyātam āgamo 'yaṃ tad eva hi //
Diese Zeiten heißen Anfänge der Weltalter; an ihnen erfolgt hier das Herabsteigen in die Pīṭhas. Dieser Āgama ist eben durch die Folge des Pīṭha-Weges herabgekommen.
25.221
āgame pūjite sarvaṃ pūjitaṃ jñānasāgaram
yenedaṃ pustakaṃ devyāḥ pūrvoktaṃ yan mayā tava //
Wenn der Āgama verehrt wird, ist das Ganze, der Ozean der Erkenntnis, verehrt – durch dieses Buch der Göttin, das ich dir zuvor erläutert habe. [Der Anschluss des Relativsatzes bleibt unsicher.]
25.222
anyat tat paramopāyaṃ siddhiparyāyaśāsane
divyasiddhipradātāraṃ divyabhāṣāvibhūṣitam //
Nun folgt ein weiteres höchstes Mittel in der Lehre von den Formen der Vollendung, das göttliche Vollendung verleiht und mit göttlicher Geheimsprache geschmückt ist.
25.223
kusumaṃ ca rajaṃ raktaṃ rathyaṃ śivakusumbhakam
taḍid amṛtamadhuraṃ kṣatajodbhavanetrajam //
„Blüte“, „Staub“, „Rotes“, „Straßenstoff“, „Śivas Saflor“, „Blitz“, „Nektarsüße“, „aus einer Wunde entstanden“ und „aus dem Auge entstanden“: [Dies sind überlieferte Stoffnamen beziehungsweise Chiffren; ihre genauen Referenten sind nicht durchgehend gesichert.]
25.224
kādambarī prasannā ca parisruṅ madirā surā
vāmāmṛtam aliś caiva somapānaṃ madālasī //
Kādambarī, Prasannā, Parisrut, Madirā und Surā, ferner „linker Nektar“, Ali, „Somatrank“ und Madālasī sind Bezeichnungen berauschender Getränke beziehungsweise ihrer rituellen Entsprechungen.
25.225
dhārāmṛtaṃ śivāmbuṃ ca rativiṣṇuvaruṇodbhavam
varco brahmā dvijanmā ca sarojaḥ kamalāsanaḥ //
„Stromnektar“, „Śivas Wasser“, „aus Rati, Viṣṇu und Varuṇa entstanden“; Kot, Brahmā, „zweimal geboren“, „lotusgeboren“ und „Lotussitzender“: [Die Gleichsetzungen innerhalb dieser Chiffrenliste sind nicht eindeutig abgegrenzt.]
25.226
bukapuṣpakaṇākhyaṃ ca liṅgapaṅkamalaṃ tathā
kuṇḍagolodbhavaṃ śukraṃ śaśiś caiva sitaṃ madhu //
„Buka-Blüte“, „Korn“, „Schlamm beziehungsweise Unreinheit des Liṅga“, „aus Kuṇḍa und Gola entstanden“, Samen, Mond und „weißer Honig“: [Die Gruppierung der Komposita ist unsicher; die Reihe enthält Decknamen sexueller beziehungsweise körperlicher Stoffe.]
25.227
kaṭaṃ māṃsaṃ palaṃ kravyaṃ piṣitaṃ phalguṣāmiṣam
jāṅgalaṃ devadāruṃ ca kṣmā vai khaḍgodbhavaṃ smṛtam //
Kaṭa, Fleisch, Pala, rohes Fleisch, Piṣita, Phalguṣa und Āmiṣa, ferner „vom trockenen Land“, „Götterzeder“, „Erde“ und „aus dem Schwert entstanden“: So lauten die Bezeichnungen. [Mehrere Ausdrücke sind Fleischsynonyme oder rituelle Chiffren; nicht alle Gleichsetzungen sind sicher.]
25.228
tailaṃ vasā tathā snehaṃ kaṭutailaṃ tu tīkṣṇakam
turuṣkaṃ sihṇakaṃ proktaṃ kapālapuṭamadhyagam //
Öl, Fett und Fettsubstanz; scharfes Öl heißt „das Scharfe“. Turuṣka wird Sihṇaka genannt und als in der Höhlung einer Schädelschale befindlich bezeichnet. [Die Stoffbestimmung und die Form sihṇaka bleiben unsicher.]
25.229
laśunaṃ nāsikāvasthaṃ tac ca hiṅgu prakīrtitam
gajaṃ caiva tu kuṣmāṇḍaṃ palāṇḍuṃ ca viśeṣataḥ //
Knoblauch befindet sich in der Nase und wird als Hiṅgu, Asafoetida, bezeichnet; ferner „Elefant“, Kürbis und insbesondere Zwiebel. [Der Vers bietet verschlüsselte Stoffzuordnungen; die konkrete Entschlüsselung bleibt offen.]
25.230
paryuṣitācchāly agaruṃ pippalyaḥ kṛṣṇataṇḍulāḥ
kṛṣṇacchāgo mahānetrī palalaṃ meṣātmakaṃ smṛtam //
„Agaru aus abgestandenem Reis“, Langpfeffer als „schwarze Reiskörner“, der schwarze Ziegenbock als Mahānetrī; Palala wird als vom Schaf stammend bezeichnet. [Die erste Wortgruppe und mehrere Zuordnungen sind unsicher.]
25.231
sāmarthajñavidānāṃ ca iti pūjā prakīrtitā
siddhadravyaṃ samākhyātaṃ prasaṅgād yoginīkule //
So wird die Verehrung derjenigen erklärt, die ihre Wirkkraft kennen. Im Zusammenhang mit der Yoginī-Familie sind dies als wirksame rituelle Stoffe bezeichnet.
25.232
nānena rahitā siddhir bhuktimuktir na vidyate
nirācārapadaṃ hy etat tenedaṃ paramaṃ smṛtam //
Ohne dieses gibt es, so die Lehre, weder Vollendung noch Genuss noch Befreiung. Dies ist die Stufe jenseits der Verhaltensregeln; deshalb gilt es als das Höchste.
Kolophon
iti kulālikāmnāye śrīkubjikāmate samastajñānāvabodhacaryānirdeśo nāma pañcaviṃśatimaḥ paṭalaḥ
Damit endet im ehrwürdigen Kubjikāmata der Kulālikāmnāya-Tradition das fünfundzwanzigste Kapitel mit dem Titel „Unterweisung im rituellen Wandel, der sämtliche Erkenntnis erschließt“.
Vollständige Devanagari-Umschrift der elektronischen Vorlage
Die folgende Fassung ist eine technische Rücktransliteration der erfassten IAST-Vorlage, keine gesondert kollationierte Devanagari-Edition. Unsichere Lesungen und editorische Zeichen werden nicht stillschweigend berichtigt. Groß- und Kleinbuchstaben der lateinischen Sanskritumschrift werden für die Rücktransliteration gleichbehandelt. Englische Quellenhinweise bleiben englisch.
Kapitel 1 – Devanagari
1.1
संवर्तामण्डलान्ते क्रमपदनिहितानन्दशक्तिः सुभीमा संसृज्याद्यं चतुष्कम् अकुलकुलगतं पञ्चकं चान्यषट्कम्
चत्वारः पञ्चको ऽन्यः पुनर् अपि चतुरस् तत्त्वतो मण्डलेदं संसृष्टं येन तस्मै नमत गुरुवरं भैरवं श्रीकुजेशम् //
1.2
श्रीमद्धिमवतः पृष्ठे त्रिकूटशिखरान्तगम्
सन्तानपुरमध्यगम् अनेकाकाररूपिणम् //
1.3
त्र्यस्रं वै त्रिप्रकारं तु त्रिशक्तित्रिगुणोज्ज्वलम्
चन्द्रसूर्यकृतालोकं वह्निदेदीप्यवर्चसम् //
1.4
त्रिसन्ध्यावेष्टितं दिव्यं प्राकारत्रिपथान्वितम्
द्वारपालत्रयोपेतं त्रिकपाटार्गलान्वितम् //
1.5
अनेकरत्नसन्दीप्तम् उद्यानवनमण्डितम्
वसन्तगुणसम्पन्नं सततानन्दपूरितम् //
1.6
सन्तानभुवनं दिव्यं दिव्यादिव्यैर् निषेवितम्
तत्र तं भुवनेशानं व्यक्ताव्यक्तं सनातनम् //
1.7
कार्यकारणभावेन किञ्चित् कालम् अपेक्षया
तिष्ठते भैरवीशानो मौनम् आदाय निश्चलम् //
1.8
तत्र देवगणाः सर्वे सकिन्नरमहोरगाः
कुर्वन्ति कलकलारावं समागत्य समीपतः //
1.9
श्रुत्वा कलकलारावं को भवान् किम् इहागतः
हिमवान् तु प्रसन्नात्मा गच्छामो ऽन्वेषणं प्रति //
1.10
यावत् स पश्यते तत्स्थं शिवज्ञानावलोकनात्
तावत् पश्यति श्रीनाथम् आगतं तु ममाश्रमे //
1.11
गतस् तूर्णं प्रयत्नेन यत्रास्ते भगवान् प्रभुः
सकुटुम्बः स्तुतिं दिव्यां हिमवान् वाक्यम् अब्रवीत् //
1.12
अद्य मे सफलं जन्म अद्य मे सफलं तपः
अद्य मे सफलं स्थानं जीवितं सफलं मम //
1.13
अद्य धन्यः कृतार्थो ऽहम् अद्य मे सफला गतिः
अद्य मे सफलं सर्वं त्रैलोक्यं सचराचरम् //
1.14
यन् नाथ भवदङ्घ्रिभ्याम् अङ्कितं मस्तकं मम
तेन विख्यातकीर्तिस् तु भविष्यामि जगत्त्रये //
1.15
त्वत्प्रसादेन देवेश सर्वज्ञत्वं लभाम्य् अहम्
किम् अनेन न पर्याप्तं यद् आयात-म्-इह प्रभुः //
1.16
किं कुर्मः का गतिर् मह्यम् आदेशो दीयतां प्रभो
हिमवन्तविलापो ऽयं श्रुत्वैवं सकुटुम्बिनः //
1.17
उवाच भगवान् नाथः प्रहस्येमां गिरं शुभाम्
हिमवन्त गिरे साधु तुष्टो ऽहं तव क्लिन्नया //
1.18
प्रार्थयस्व वरं किञ्चिद् दास्यामो मनसेप्सितम्
हिमवन्त महाप्राज्ञ तुष्टो ऽहं परमार्थतः //
1.19
किं कृतं मे महेशान स्वकीयदयया प्रभो
रुचितं कुरु देवेश हिमवान् अब्रवीद् इदम् //
1.20
पर्वतोल्लपितं श्रुत्वा उवाचेदं सुरेश्वरः
प्रसन्नगिरया दिव्यं वरं दातुं समुद्यतः //
1.21
प्रथमं तावत् तुभ्यं हि पञ्च श्लोकान् पठेत् तु यः
सन्निधानः प्रयत्नेन भविष्यामो ह्य् अवश्यतः //
1.22
द्वितीयं सन्निधानो ऽहं भविष्यामि तवाध्वरे
तृतीयं सर्वशैलानां राजत्वं चक्रधारिणः //
1.23
चतुर्थं मम तुल्यत्वं पञ्चमं मोक्षदं नृणाम्
एवं पञ्च वरास् तुभ्यं हिमवन्त पुनर् वद //
1.24
किम् अन्येन महादेव आत्मतुल्यस् त्वया किल
कृतो ऽहं तत् किम् अन्येन किं तु देवाभयं दद //
1.25
एवं ब्रूथ पुनः किञ्चिद् यत् ते मनसि रोचते
तद् अर्पयाम्य् अहं सर्वं पूर्वम् एवोदितं मया //
1.26
आश्रमे सति सर्वत्र प्रातिचारं विना न हि
तत्र डिक्करिका मह्यं करिष्यत्य् उपलेपनम् //
1.27
सा च धर्मप्रवृत्ता च येन तत् क्रियतां प्रभो
इष्टा सा मम देवेश कालिका च कुमारिका //
1.28
एवं बभूव तस्माद् वै तत्रस्था गुणशालिनी
प्रसादयति देवेशं विनयाद्यैर् अनेकधा //
1.29
विनयेनोपसङ्गम्य स्तुतिस्तोत्रैर् अनेकधा
कालेन बहुना कालीम् उवाचेदं कुलेश्वरः //
1.30
तुष्टो ऽहं कालिके तुभ्यं ब्रूहि किञ्चिन् मनेप्सितम्
यत् त्वया धारितं चित्ते तत् प्रार्थय ह्य् अशङ्किता //
1.31
लब्ध्[व्]आ प्रणयसद्भावं त्यक्तलज्जा मनोत्सुका
वदते नाथ नाथस् त्वं भवास्माकं सुरार्चितः //
1.32
एवं श्रुत्वा महेशानो वाक्यम् आनन्दसम्भवम्
ततः सम्पादितं शीघ्रम् आज्ञानन्दगुणोज्ज्वलम् //
1.33
आज्ञासनसमारूढं प्रेरितानन्तशम्भुना
दर्शितं निखिलं सर्वं पूर्वसन्तानगोचरम् //
1.34
ततः प्रबुद्धभावात्मा वदत्य् एवं कुलेश्वरी
दर्शितं निखिलं मह्यं किम् आश्चर्यं कुजेश्वर //
1.35
विदितं नाथ मे सर्वं क्रियाकारणगोचरम्
यस्मात् सम्पद्यते ह्य् एवं तद् आचक्ष्व कुजेश्वर //
1.36
आज्ञातो गुणम् ऐश्वर्यं सञ्जातं परमेश्वर
अस्य तन्त्रार्थसद्भावं ब्रूहि मे परमार्थतः //
1.37
दृष्टं समस्तपर्यन्तं भवदाज्ञाषडध्वरम्
ब्रूहि निर्देशतः सर्वं यदि तुष्टः कुजेश्वर //
1.38
आज्ञातो गुणसद्भावं ब्रूहि देव गुणोदयम्
यथा द्रक्ष्यापितं सर्वम् आज्ञाद्वारेण मे ऽखिलम् //
1.39
पूर्ववृत्तान्तसद्भावं पूर्वपाठश्रुतं च यत्
पूर्वकल्पार्थनिर्देशम् आज्ञातो ज्ञापितं त्वया //
1.40
पूर्वसन्दर्शितं देव आज्ञागुणमहोदयम्
तद्भ्रंशाद् भ्रंशम् उत्पन्नम् अतो ऽर्थं कथय स्फुटम् //
1.41
कल्पे कल्पे त्वया देव संहितार्थम् अनेकधा
मन्त्रतन्त्रक्रियायोगाः कथिता नावधारिताः //
1.42
इदानीं संस्फुटं सर्वम् आज्ञागुणमहोदयम्
यस्मात् सञ्जायते सर्वं तत्प्रभावं वद प्रभो //
1.43
आनन्दश् चावलिश् चैव प्रभुर् योगी तथैव च
अतीतश् चैव पादश् च षट् प्रकाराः कथं स्थिताः //
1.44
साधु साधु महाभागे महानन्दविधायिनि
पृच्छितं यत् त्वया वाक्यम् अत्यद्भुतम् अनामयम् //
1.45
गोपितं सर्वरुद्राणां वीराणां भैरवेषु च
सिद्धक्रमं निराचारं तथापि कथयामि ते //
1.46
सिद्धमार्गक्रमायातं सिद्धपङ्क्तिव्यवस्थितं
गोपितं सर्वमार्गेषु तवाद्य प्रकटीकृतम् //
1.47
पूर्वसञ्चोदितो देवि त्वयाहं त्वं मया पुनः
अत्र कल्पे मया तुभ्यं त्वं पुनर् मम दास्यसि //
1.70
आराधयन्तं देवेशं न जानाति तपोत्कटा
ततः स्तवेन दिव्येन देवेनानन्दभृद्गिरा
दिव्यस्तोत्रं समारब्धम् अशेषार्थप्रबोधकम् //
Hinweis der Vorlage: After 70ef ABEFG continue with:
1.71
एवं सम्यग्विधानेन रुद्रशक्तिः स्वयम्भुना
निर्मिता स्वाङ्गजैर् वर्णैर् नादिफान्तस्वरूपिणी //
1.72
सर्वाक्षरमयी देवी सर्वलक्षणलक्षिता
उत्पन्ना सुमहातेजा भैरवाभिमुखे स्थिता //
1.73
वदते मालिनी कस् त्वं देवो ऽहं किम् उपागतः
मां त्वं कथं न जानासि देवि त्वं केन निर्मिता //
1.74
सृष्टिक्रीडावतारार्थे मया उत्पादिता प्रिये
त्वम् एवोत्पादितः केन ब्रूहि वाक्यं तु भैरव //
1.75
वर्णराशिर् अहं भद्रे स्वयम्भूर् जगतः पतिः
ममाङ्गसम्भवैर् बीजैस् त्वम् एवोत्पादिता मया //
1.76
वीरावलीति तेन त्वं रुद्रशक्तिः प्रशस्यसे
वदते मालिनी क्रुद्धा त्वत्स्वकीयैः शरीरजैः //
1.77
वर्णैर् उत्पादिताहं ते गृह्ण वर्णान् स्वकान् इह
प्रसार्य वर्णमालां तु तत्त्वाकारं स्वरूपिणम् //
1.78
पूर्वबीजतनुर् भूत्वा प्रसुप्तामृतकुण्डली
कुतः सर्वे गता वर्णा भ्रान्तचित्तः सुरेश्वरः //
1.79
परं विस्मयम् आपन्नः क्षणम् एकं वितर्कितः
लोलीभूतास् तु ते सर्वे जीवतत्त्वे लयं गताः //
1.80
अहो देव्याः प्रभावस् तु इति चिन्ता जगत्पतेः
स्तुनोति विविधैः स्तोत्रैर् देवो भुवनमालिनीम् //
1.81
कावर्णा कामरूपे पुर् एव पुरिगता जालपीठे जिका या षड्भिन्ना मध्यपीठे त्रिपथपदगता त्वं च शृङ्गातकारा
सिद्धैर् या वेष्टिताङ्गी परिवृतचतुरैः षष्टिभिर् योगिवृन्दैर् युक्ता हृत्पङ्कजेन डरलकसहजा पातु मां रुद्रशक्तिः //
1.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते चन्द्रद्वीपावतारो नाम प्रथमः पटलः
Kapitel 2 – Devanagari
2.1
जय त्वं मालिनी देवी निर्मले मलनाशिनी
ज्ञानशक्तिः प्रभुर् देवी बुद्धिस् त्वं तेजवर्धनी //
2.2
जननी सर्वभूतानां संसारे ऽस्मिन् व्यवस्थिता
माता वीरावली देवी कारुण्यं कुरु वत्सले //
Hinweis der Vorlage: Daṇḍaka
2.p-1
(१)जयति परमतत्त्वनिर्वाणसम्भूतितेजोमयी निःसृता व्यक्तरूपा
(२)परा ज्ञानशक्तिस् त्वम् इच्छा क्रिया ऋज्विरेखा पुनः सुप्तनागेन्द्रवत्
(३)कुण्डलाकाररूपा प्रभुर् नादशक्तिस् तु सङ्गीयसे भासुरा
(४)ज्योतिरूपा सुरूपा शिवा ज्येष्ठनामा च वामा च रौद्री मनाख्याम्बिका
(५)बिन्दुरूपावधूतार्धचन्द्राकृतिस् त्वं त्रिकोणा अ-उ-म-कार इ-कार
(६)ए-कारसंयोजितैकत्वम् आपद्यसे तत्त्वरूपा भगाकारवत् स्थायिनी
(७)आदितत्त्वोद्भवा योनिरूपा च श्रीकण्ठसम्बोधनी रुद्रमाता
(८)तथानन्तशक्तिः सुसूक्ष्मा त्रिमूर्त्यामरीशार्घिनी भारभूतिस्
(९)तिथीशात्मिका स्थाणुभूता हराख्या च झण्टीशभौक्तीश-
(१०) सद्यात्मिकानुग्रहेशार्चिता क्रूरसङ्गे महासेनसम्भोगिनी
(११) षोडशान्तामृता बिन्दुसन्दोहनिष्यन्ददेहप्लुताशेषसम्यक्परानन्द-
(१२) निर्वाणसौख्यप्रदे भैरवी भैरवोद्यानक्रीडानुषक्ते
(१३) परा मालिनी रुद्रमालार्चिते रुद्रशक्तिः खगी सिद्धयोगेश्वरी
(१४) सिद्धमाता विभुः शब्दराशीति योन्यार्णवी वाग्विशुद्धासि वागेश्वरी
(१५) मातृकासिद्धम् इच्छा क्रिया मङ्गला सिद्धलक्ष्मी विभूतिः सुभूतिर्
(१६) गतिः शाश्वता ख्याति नारायणी रक्तचण्डा करालेक्षणा भीमरूपा
(१७) महोच्छुष्मयागप्रिया त्वम् जयन्त्याजिता रुद्रसम्मोहनी
(१८) त्वं नवात्मानदेवस्य चोत्सङ्गयानाश्रिता
(१९) मन्त्रमार्गानुगैर् मन्त्रिभिर् वीरपानानुरक्तैः सुभक्तैश् च
(२०) सम्पूज्यसे देवि पञ्चामृतैर् दिव्यपानोत्सवैर् एकजन्मद्विजन्म-
(२१) त्रिजन्मचतुःपञ्चषट्सप्तजन्मोद्भवैस् तैश् च नारैः
(२२) शुभैः फल्गुषैस् तर्प्यसे मद्यमांसप्रिये
(२३) मन्त्रविद्याव्रतोद्भाषिभिर् मुण्डकङ्कालकापालिभिर्
(२४) दिव्यचर्यानुरूढैर् नमस्कार ओंकारस्वाहास्वधाकारवौषड्वषट्-
(२५) कारफट्कारहूंकारजातीभिर् एतैश् च मन्त्राक्षरोच्चारिभिर्
(२६) वामहस्तस्थितैश् चाक्षसूत्रावलीजापिभिः साधकैः पुत्रकैर्
(२७) मातृभिर् मण्डले दीक्षितैर् योगिभिर् योगिनीवृन्दमेलापकै
(२८) रुद्रक्रीडालसैः पूज्यसे योगिनां योगसिद्धिप्रदे देवि त्वं
(२९) पद्मपत्त्रोपमैर् लोचनैः स्नेहपूर्णैस् तु यं पश्यसे
(३०) तस्य दिव्यान्तरीक्षस्थिता सप्तपातालसत्खेचरी सिद्धिर् अव्याहता
(३१) वर्तते. भक्तितो यः पठेद् दण्डकं एककालं द्विकालं त्रिकालं
(३२) शुचिः संस्मरेद् यः सदा मानवः सोऽपि शस्त्राग्निचौरार्णवे
(३३) पर्वताग्रे ऽपि संरक्षसे देवि पुत्रानुरागान् महालक्ष्मि ये
(३४) हेमचौरान्यदारानुषक्ताश् च ब्रह्मघ्नगोघ्ना महादोषदुष्टा
(३५) विमुञ्चन्ति संस्मृत्य देवि त्वदीयं मुखं पूर्णचन्द्रानुकारं
(३६) स्फुरद्दि व्यमाणिक्यसत्कुण्डलोद्घृष्टगण्डस्थलं
(३७) ये ऽपि बद्धा दृढैर् बन्धनैर् नागपाशैर् भुजाबद्ध-
(३८) पादार्गलैस् ते ऽपि त्वन्नामसङ्कीर्तनाद् देवि मुञ्चन्ति
(३९) घोरैर् महाव्याधिभिः संस्मृत्य पादारविन्दद्वयं ते
(४०) महाकालि कालाग्नितेजःप्रभे स्कन्दगोविन्दब्रह्मेन्द्रचन्द्रार्क-
(४१) पुष्पायुधैर् मौलिमालालिसत्पद्मकिञ्जल्कसत्पिञ्जरैः सेव्यसे
(४२) सर्ववीराम्बिके भैरवी भैरवस् ते शरण्यागतो ऽहं
(४३) क्षमस्वापराधं क्षमस्वापराधं शिवे
2.3
एवं स्तुता महादेवी भैरवेण महात्मना
ततो लिङ्गं विनिर्भिद्य निर्गता परमेश्वरी //
2.4
नीलाञ्जनसमप्रख्या कुब्जरूपा वृकोदरा
ईषत्करालवदना बर्बरोर्ध्वशिरोरुहा //
2.5
सुरूपा च विरूपा च अनेकाकाररूपिणी
वामप्रसारितकरा वामदेवी-म्-उवाच ह //
2.6
आज्ञानन्दसमाविष्टा स्तुत्यानन्दाकुलीकृता
न वेद्मि को ऽत्र मां स्तौति काहं कस्य वरप्रदा //
2.7
उवाचैवं महासत्त्वा दृष्टिपातो मदीयकः
आशीविषेव दुष्प्रेक्ष्यः स कथं धारितस् त्वया //
2.8
प्रार्थयस्व तदा किञ्चिद् यत् ते मनसि रोचते //
2.9
प्रसादाय महादेवि ददाज्ञानुग्रहं मम
तपसा तव चोग्रेण मम हानिः कुजाम्बिके //
2.10
सञ्जाता तेन मे देवि पूर्वम् उक्तम् इदं मया
एवं श्रुत्वा महादेवी सलज्जा गद्गदेक्षना //
2.11
किं ते सिद्धं महादेव येन लज्जापिता वयम् //
2.12
पूर्वम् उक्तं मया तुभ्यम् आज्ञासमयगोचरे
मत्तुल्यानुगृहीत्वा तु पश्चाद् भव गणाम्बिका //
2.13
कस्येदं सिद्धसन्तानं पारम्पर्यक्रमागतम्
मत्सकाशात् पुनस् तुभ्यं त्वत्सकाशात् पुनर् मम //
2.14
एवं तद् भैरवं वाक्यं श्रुत्वा देवी पराङ्मुखी
सञ्जाता कुब्जिकारूपा लज्जातो रभसोदिता //
2.15
किं तु लज्जायसे देवि पूर्वम् आज्ञा मया तव
इदानीं दद मे शीघ्रं मा शङ्का मा विलम्बय //
2.16
अप्रबुद्धप्रमत्तेन यदा तद् रभसोदितम्
तत् किं निग्रहबुद्ध्या वा युक्तं त्वेदं कुजेश्वर //
2.17
सर्वानुग्रहके देवि किं न बुध्यसि चात्मनि
न मया रहितं किञ्चिन् न त्वया रहितं क्वचित् //
2.18
अन्योन्यगुणयोगेन कार्यकारणयोगतः
त्वं गुरुर् मम देवेशि अहं ते न विचारणात् //
2.19
रुद्रभैरववीराणाम् एषा चाज्ञा न कस्यचित्
यदि शिष्यं न मन्येथ मित्रत्वेन तदा दद //
2.20
एवं ब्रूते तदा देव्या सर्वम् एतद् भविष्यति
पश्चिमेदं कृतं देव पूर्वभागविवर्जितम् //
2.21
चन्द्रद्वीपं मनोरम्यं देव त्यक्तुं न मे मनः
पश्चिमं सर्वमार्गाणां त्वं तावद् अनुशीलय //
2.22
पश्चिमाम्नायमार्गो ऽयं सिद्धानाम् अखिलं दद
गच्छाम्य् अहं पुनस् तत्र भारते कुलपर्वतम् //
2.23
अनादियुगपर्यन्तं कीर्तयामास तद्विदाम्
श्रीपर्वतं कुमाराख्यं छायाछत्रविभूषितम् //
2.24
एवम् उक्त्वा गता तूर्णं श्रीमत्कौमारपर्वतम्
तत्र छायात्मिका देवी अव्यक्ता व्यक्तरूपिणी //
2.25
क्षपित्वा कालपर्यायं यावद् आलोकयेद् दिशाम्
उत्तरां तावत् तत् सर्वं लिङ्गपूर्णं महावनम् //
2.26
अशीतियोजनायामं समन्तात् परिमण्डलम्
चतुर्द्वारसमोपेतं तीर्थकोटिभिर् आवृतम् //
2.27
अनेकसिद्धसंछन्नं मनोरम्यम् अनोपमम्
तमोगुणगणाकीर्णम् अनेकाश्चर्यसंकुलम् //
2.28
देव्यादृष्टिनिपातेन अकस्माच् छ्रीर् उपस्थिता
तेन श्रीशैलम् उद्दिष्टं देव्यानामप्रतिष्ठितम् //
2.29
अङ्गुष्ठेन कृता रेखा स्वस्थानस्य च तस्य वै
तत्र जाता नदी दिव्या सासीमा उभयोर् अपि //
2.30
तच्छायां निश्चलां कृत्वा आज्ञां दत्त्वा तु शाम्भवीम्
अत्र यो विशते कश्चित् स मे तुल्यो भविष्यति //
2.31
हर्ता कर्ता स्वतन्त्रो ऽसौ भ्रष्टज्ञानप्रकाशकः
आज्ञातो गुणम् ऐश्वर्यं त्रैलोक्ये सचराचरे //
2.32
एवम् आक्षेपयित्वा तु गता त्रिकूटपर्वतम्
तत्र कालं क्षपित्वा तु किष्किन्धाख्यम् अनुग्रहेत् //
2.33
तस्य चाज्ञाविभूतिं तु दत्त्वानुगृह्य राक्षसान्
येन तिष्ठाम्य् अहं तीरे समुद्रस्य त्व् अशङ्किता //
2.34
तत्र कन्याकुमारी त्वं गत्वा कालस्य पर्ययम्
समुद्रम् अनुगृहीत्वा दरदण्डीं गता पुनः //
2.35
तत्र छायाधरी देवी अव्यक्तगुणचेतसा
लोकानुग्रहहेत्वर्थं तत्राज्ञां मोचयेत् पुनः //
2.36
पूर्वस्थाने तु या वाचा सा त्व् अत्रैव भविष्यति
एवम् उक्त्वा गता दूरं पश्चिमं हिमगह्वरम् //
2.37
यत्र ओलम्बिका नाम तिष्ठते वनपल्लिका
रक्ताम्बरधरा रक्ता रक्तस्था रतिलालसा //
2.38
तत्रस्था गह्वरान्तस्था गुहागहनवासिनी
यावत् सन्तिष्ठते कालं तावद् योगिमयं खिलम् //
2.39
तैस् तु सन्तोषिता देवी नयोपायैर् अनेकधा
ततः प्रसन्नगम्भीरा उवाचेदं कुजेश्वरी //
2.40
अनेकोपायरचना विवेकगुणशालिनी
ओड्डिता येन अङ्घ्रिभ्यां तेनेदम् ओड्डियानकम् //
2.41
भविष्यति पुरावस्थम् अष्टकोटिगुणाश्रयम्
आगत्य खेचरीचक्रात् त्व् अमोघाज्ञाप्रसादतः //
2.42
अष्टौ ते मानसाः पुत्रा भविष्यन्ति च षड्गुणाः
शाकिन्यष्टकमाता त्वम् अष्टसिंहासनाधिपाः //
2.43
रुद्राणी रुद्रशाकी च गोमुखी सुमुखी तथा
वानरी केकरी चैव कालरात्री च भट्टिका //
2.44
वामनो हर्षणश् चैव सिंहवक्त्रो महाबलः
महाकालैकवीरश् च भैरवश् च प्रचण्डकः //
2.45
चतुर्भुजो गणाध्यक्षो गजवक्त्रो महोत्कटः
ऐरावतो विनायक्षः षड् एते प्रातिचारकाः //
2.46
पुत्रीपुत्राष्टकोपेता निवृत्तिस्था नियामिका
अनेकसृष्टिकर्ता च सुसम्पूर्णगुणोज्ज्वलः //
2.47
कृते चोड्डमहेशानो मित्रानन्दः पतिस् तव
अष्टौ पुत्राः करिष्यन्ति अधिकारं पश्चिमान्वये //
2.48
अधिकारं करिष्यन्ति षट् कुलाधिपतीश्वराः
युगे युगे भविष्यन्ति पृथक्संज्ञाक्रमोदयाः //
2.49
एवं ते सूचितं सर्वं क्रमौघः कुलपद्धतिः
भविष्यद्रक्तचामुण्डे गमिष्यामो यथेप्सितम् //
2.50
एवं दत्त्वा वरं तेभ्यः करालं च समागता
महाज्वालालिसन्दीप्तं दीप्ततेजानलप्रभम् //
2.51
महाज्वालावलीटोपं देव्यास् तेजो महाद्भुतम्
धृतं येन प्रतापो ऽस्यास् तेन तज् जालसंज्ञकम् //
2.52
किञ्चित्कालस्य पर्याये प्रबुद्धकिरणोज्ज्वला
विचित्ररचनानेकं पश्यत्य् अग्रेन्द्रजालवत् //
2.53
कस्यैषा रचना दिव्या पूर्वम् आसीद् इहाध्वरे
मत्तेजसः प्रतापेन भ्रष्टा त्वं न पलायिता //
2.54
करालवदने तुभ्यं मायाजालप्रसारिके
जालन्धराधिपत्यत्वं भविष्यत्य् अचिरेण तु //
2.55
आगत्य खेचरीचक्राच् छ्रीसिद्धकौण्डलीश्वरः
अशेषार्थविदो नाथः स ते नाथो भविष्यति //
2.56
भविष्यन्ति करालिन्यो दशैव दुहिता तव
भविष्यन्त्य् उत्तरानन्दा दशैते गुणवत्तराः //
2.57
प्रातिचारास् तु षड् भद्रे भविष्यन्त्य् अनुगोचरे
आज्ञानन्दसमेकत्वं करालीदुहिताजनम् //
2.58
माला शिवा तथा दुर्गा पावनी हर्षणी तथा
जया तु सुप्रभा चैव प्रभा चण्डा च रुग्मिनी //
2.59
शकुनिः सुमतिर् नन्दो गोपालश् च पितामहः
पल्लवो मेघनिर्घोषः शिखिवक्त्रो महाध्वजः //
2.60
कालकूटो दशैवैते पुत्राः सिंहासनाधिपाः
भविष्यन्ति भवे तुभ्यं मेघवर्णादितो गणाः //
2.61
बृहत्कुक्षैकदंष्ट्रश् च गणेशो विघ्नराट् प्रभुः
महानन्दः षड् एवैते भविष्यन्ति गणेश्वराः //
2.62
उत्तरानन्दम् ईशानाः करिष्यन्ति युगे युगे
ज्ञानभ्रंशावसाने तु संज्ञाभेदान् पुनः पुनः //
2.63
कराली तव सन्ताने भविष्यन्ति ममाज्ञया
एवम् उक्त्वा महेशानी गता सह्यं महावनम् //
2.64
सम्पूर्णमण्डलार्चीभिः पूरयन्ती जगत्त्रयम्
निःशेषं निखिलं विश्वं लोकालोकान्तसंस्थितम् //
2.65
यावत् सन्तिष्ठते तत्स्था नयोपादैर् अनेकधा
तावच् चण्डाक्षी बलवत् परिचर्याम् अनेकधा //
2.66
कुर्वन्ती विविधोपायैः सौकर्यरचनान् बहून्
तेजोभाभिः प्रदीप्यन्ते चण्डाक्षीगुणपूरिताः //
2.67
यस्मिन्न् अद्रौ स्थिता देवी देदीप्यार्चिर् घनोज्ज्वला
तत् प्रदेशं स्थिरं जातम् अन्यद् दग्धं चराचरम् //
2.68
आपूरितम् इदं सर्वम् अनेकरचनादिभिः
पश्यते पर्वतं माता कालान्ते मुदितेक्षणा //
2.69
तावच् चण्डाक्षिणीत्य् अग्रे पश्यत्य् अमिततेजसा
विश्वामृतैः पूरयन्ती दिव्यौघगुणलालसा //
2.70
उवाचेदं महादेवी साधु पूर्णमनोरथे
येनेदं पूरितं स्थानं तेन त्वं पूर्णरूपिणी //
2.71
भविष्यत्य् आधिपत्यत्वं पर्वतो ऽयं तवोद्भवः
विषुवेन तु योगेन येनेदं संस्कृतं त्वया //
2.72
तेन पीठेश्वरी त्वं वै भविष्यसि युगे युगे
तेजस्कन्धासनं तुभ्यं द्वापरान्ताधिकारिणी //
2.73
भविष्यति भवे ऽवश्यं चक्रानन्दः पतिस् तव
सम्पूर्णमण्डलाकारो ग्रन्थाधारः कुलेश्वरः //
2.74
द्वादशैव भवे तुभ्यं भविष्यन्ति कुमारिकाः
ताभ्यस् त्व् एकैककोटिश् च आधिपत्याधिकारिकाः //
2.75
भविष्यन्ति तथा पुत्राः प्रातिचारास् तदर्धतः
आगन्तुं खेचरीचक्रात् प्रेरितास् तु ममाज्ञया //
2.76
येन ते नामतो ब्रूमि यथा ते ऽहं प्रसादिता
हंसावली सुतारा च हर्षा वाणी सुलोचना //
2.77
महानन्दा सुनन्दा च कोटराक्षी वृकानना
यशोवती विशालाक्षी सुन्दरी द्वादशी तथा //
2.78
सिंहासनाधिपत्ये ताः पूर्णाद्रौ कुलकन्यकाः
वलिर् नन्दो दशग्रीवो हयग्रीवो हयस् तथा //
2.79
सुग्रीवो गोपतिर् भीष्मः शिखण्डी खण्डलस् तथा
शक्रश् चण्डाधिपः सिद्धाः सर्वानुग्रहकारकाः //
2.80
हंसभेदादिमार्गस्य भविष्यन्ति प्रकाशकाः
आमोदश् च प्रमोदश् च सुमुखो दुर्मुखस् तथा //
2.81
अविघ्नो विघ्नकर्ता च तव मार्गेषु रक्षकाः
एतत् सर्वं यथान्यायं चण्डाक्षी पुरतस् तव //
2.82
भविष्यति ममाज्ञातो गच्छामः कामिकं यथा
एवम् उक्त्वा गता शीघ्रं यत्रोच्छुष्मा नदी शुभा //
2.83
महोच्छुष्मवनान्तस्था दिव्यादिव्यौघवाहिनी
महोच्छुष्मह्रदं यत्र यत्र नीलो महाह्रदः //
2.84
तत्र सा रम् अते देवी दिव्याज्ञागुणशालिनी
उभयोस् तटयोस् तस्था रमित्वा कालपर्ययम् //
2.85
यावत् पश्यति विश्वाङ्गी तत्त्वाङ्गी तावत् पश्यति
कामभोगकृताटोपां वसन्ततिलकोज्ज्वलाम् //
2.86
द्रवयन्तीं द्रवन्तीं ताम् इच्छया भुवनत्रयम्
तां दृष्ट्वा प्रहसिता माता का त्वं कस्माद् इहागता //
2.87
तां दृष्ट्वा मोहिता माता जानन्त्य् अपि न जानती
विश्रम्य च मुहूर्तैकं यावद् आलोकयेत् पुनः //
2.88
तावोच्छुष्म इहायाता ममाग्रे शोकवाहिनी
साधु कामिनि सर्वत्र यत् त्वया दर्शितं मम //
2.89
कामानन्दफलावाप्तिस् तेन कामेश्वरी भव
कारुण्यात् कामरूपं तु ममाग्रे विविधं कृतम् //
2.90
तेनेदं कामरूपं तु महत् पीठं तवाध्वरम्
भविष्यति कलौ प्राप्ते चन्द्रानन्दः पतिस् तव //
2.91
वायुस्कन्धोपविष्टो ऽसौ आत्मभेदप्रकाशकः
अशेषार्थविदो नाथः सर्वज्ञः परमेश्वरः //
2.92
कामिके कामुकस् तुभ्यं कामदेवो भविष्यति
भविष्यन्ति महानन्दास् त्रयोदश गुणान्विताः //
2.93
योगिन्यो योगसम्पन्नास् तव डिक्करिकाः शुभाः
पुत्रास् त्रयोदशा ह्य् एवं सप्तैते प्रातिचारकाः //
2.94
भविष्यन्ति जगद्दीपा जगदानन्दकारकाः
प्रभा प्रसूतिः शान्ताभा भानुवत्या च श्रीबला //
2.95
हारी च हारिणी चैव शालिनी कन्दुकी तथा
मुक्तावली तथा चान्या गौतमी कौशिकी तथा //
2.96
शाकोदरी च विख्याता राज्ञाः सिंहासनाधिपाः
भानुर् अनन्तहेतुश् च सुराजः सुन्दरस् तथा //
2.97
महावक्त्रार्जुनो भीमो द्रोणको भस्मको ऽन्तकः
केतुध्वजो विशालाक्षः कल्याणश् चतुराननः //
2.98
एषोऽवतारो विविधः कलौ प्राप्ते भविष्यति
लम्पटो घण्टकर्णश् च स्थूलदन्तो गजाननः //
2.99
बृहत्कुक्षिः सुरानन्दः सप्तमस् तु बलोत्कटः
सप्तैते विषमाः क्रुद्धाः सर्वसन्तानपालकाः //
2.100
पीठोपपीठसन्दोहे क्षेत्रे क्षेत्रे महाबलाः
सर्वसाधारणा ह्य् एते भविष्यन्ति कलौ युगे //
2.101
अन्यत् कामाम्बिके किञ्चिद् भणिष्यामः करिष्यथ
सर्वसाधारणं तच् च चतुर्णां तु विजानथ //
2.102
भविष्यति कलाचक्रं मच्छरीरसमुद्भवम्
परापरविभागज्ञं मातङ्गकुलसम्भवम् //
2.103
नीलस्योत्तरभागे तु महोच्छुष्मवनान्तगम्
परापरं तु तेनेदं पञ्चमं पीठनायकम् //
2.104
मातङ्गिनीकुलान्तस्थम् आद्यं चैवाथ पञ्चमम्
तेन जातं जगत् सर्वं तत् सञ्जातं कुलाकुलम् //
2.105
मच्छरीराङ्गसम्भूतं भविष्यन्ति तवाध्वरे
कार्यदृष्टौ प्रशस्तं तु अप्रशस्तम् इतरे जने //
2.106
मध्यदेशस्थितं तच् च मत्समीपे व्यवस्थितम्
सिद्धपालकसंयुक्तं भविष्यत्य् अवतारकम् //
2.107
निराचारं जगत् सर्वं निराचारविवर्जितम्
निराचारेण योगेन करिष्यन्ति निराकुलम् //
2.108
हारिका हारि गान्धारी वीरा चैव नखी तथा
ज्वालिनी सुमुखी चैव पिङ्गली च सुकेशिनी //
2.109
श्रीफलः कष्मलश् चण्डश् चण्डालश् चेटकस् तथा
मातङ्गो बाहुको वीरो अव्यक्तो नवमः स्मृतः //
2.110
हेरम्बो धूलिसंज्ञस् तु पिशाचः कुब्जवामनः
परापरं तु तत् पीठं कामपीठोर्ध्वमध्यगम् //
2.111
त्रिश्रोत्रं पूरितं यस्मात् त्रिश्रोत्रा त्वं तथा भव
नदीरूपासि माङ्गल्ये भव त्वं कामरूपिणी //
2.112
मातङ्गानां कुलोत्पन्ने यस् त्वां नित्याभिवादयेत्
तेषु क्षेमकरी नित्यं न मन्यन्ते क्षयङ्करी //
2.113
त्वां मुक्त्वा यो ऽन्यवर्णस् तु यो ऽत्र पीठे भविष्यति
तस्यापदकरी नित्यं भविष्यसि कुलाम्बिके //
2.114
एवं तिष्ठ ममानन्दे जगानन्दकरी चिरम्
भविष्यति पुरावस्थम् अमोघाज्ञाप्रसादतः //
2.115
एवम् उक्त्वा गता शीघ्रं देवीकोटं कृतक्षणात्
आलोकनेन महता अट्टहासो ऽट्टहासतः //
2.116
कोलागिर्यां तथोज्जेनी प्रयागवरणादिकम्
विरजेकाम्रकाद्यं च अन्यच् चान्यं चराचरम् //
2.117
यत्र यत्र गता देवी यत्र यत्रावलोकयेत्
तत्र सन्दोहतीर्थं च उपक्षेत्राण्य् अनेकधा //
2.118
कृतं तु भारते वर्षे आत्मकीर्तिकुमारिका
तेन कौमारिकाखण्डं सञ्जातं पुण्यपावनम् //
2.119
पूर्वसन्तानदेवेन यद् उक्तं भारतं व्रज
तदावसाने कुब्जेशि उभाभ्यां मेलकं त्व् इह //
2.120
तत् कृतं सकलं देव्या आज्ञानन्दावबोधकम्
आगता तु पुनस् तत्र पूर्वरूपानुयायिनी //
2.121
देवो ऽपि पूर्वसन्ताने शिष्यः सुरवरार्चिते
श्रीमदोड्रमहेशानं कृत्वा चाज्ञां पुनर् ददेत् //
2.122
व्रज त्वं भारते वर्षे इतः प्रभृत्य् अनुग्रहः
उड्डपीठे पुनः स्थातुं कुरु सृष्टिम् अनेकधा //
2.123
एवम् उक्त्वा पुनस् तत्र त्रिकूटशिखरान्तगः
अदृष्टविग्रहेशानश् चान्तर्धानम् अभूत् क्षणात् //
2.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते आज्ञापर्यायकौमार्याधिकारो नाम द्वितीयः पटलः
Kapitel 3 – Devanagari
3.1
त्वया सार्धं महादेव विवाहो जायते यथा
किं निमित्तं च कस्यार्थे तन् मे निगद भैरव //
3.2
त्वम् एव देवि सा भद्रे गतासि पितृमन्दिरम्
क्रौञ्चस्य च वधार्थाय देवैस् त्व् आराधिता वयम् //
3.3
स च क्रौञ्चो यथोत्पन्नस् तत् सर्वं कथयामि ते
स्थानात् स्थानं क्रमन्त्याशु प्रस्वेदः पतितः क्वचित् //
3.4
तत्रासौ दानवो जातः क्रौञ्चाख्यो बलदर्पितः
तेन देवगणाः सर्वे सप्तलोकान्तसंस्थिताः //
3.5
उपद्रुतास् तु बलिना गता ब्रह्मपुरं तु ते
ब्रह्मापि तैः समं देवि विष्णोः पार्श्वम् उपागताः //
3.6
विष्णुना सह आलोच्य किं कुर्वाम उपद्रुताः
क्रौञ्चासुरेण बलिना तस्योपायं वद प्रभो //
3.7
स्फोटनार्थं गरुत्मीश तेनाहम् इदम् आगतः
हरिणापि पुनश् चोक्तं वधितुं तस्य न क्षमः //
3.8
देवदेवीसुतं मुक्त्वा कस्मात् सो ऽपि तदुद्भवः
तत एवं समालोच्य क्व स्थानस्थः कुजेश्वरः //
3.9
देवीदेहोज्झितो देव उवाचेदं पितामहः
प्रहस्य पालको ह्य् एवम् उवाचेदं पितामहः //
3.10
इदानीं किम् असौ दक्षो निर्वपेद् उत्थितो ऽनलः
तस्य कोपानलाद् दग्धः कार्योत्पन्ने कुतस् तु सः //
3.11
महादर्पवशाद् भ्रष्टा नष्टा यूयं दिवौकसः
एवोपलम्भिताः सर्वे हरिणा ब्रह्मणोदिताः //
3.12
ऊचुस् त्व् एवं पुनः पश्चाद् उपायः को ऽस्ति साम्प्रतम्
हिमवद्गिरेर् दुहिता तिष्ठत्य् एका सुभाविता //
3.13
जगन्नाथाङ्घ्रिनिरता जगन्नाथो हि तत्र च
एवम् उक्त्वा वसन्तस्य कामस्य गुणशालिनः //
3.14
देवैः प्रचोदितौ तौ द्वौ देवदेव्योर् मनोहरौ
एवं तै रचितं सर्वं पुष्पपल्लवकादिभिः //
3.15
कोकिलारावझङ्कारं षट्पदोन्मत्तसङ्कुलम्
वसन्तम् उदितं दृष्ट्वा प्रसन्नगिरया किल //
3.16
उवाचेदं तदा काले कामो विध्यति भैरवम् //
3.17
मदालसानन्दभृतेक्षणेक्षितः प्रपश्यताम् एव कुमारिकोरुम्
धृत्वा करोत्कण्ठितया च कण्ठे आलिङ्गयन्त्या च दिशं विलोक्य //
3.18
लज्जायमानेन सकोपनेन त्रैलोक्यसंहारमहानलेन
सन्दीपितो ऽसौ पतितः क्षणेन कामो हतः कामनिरीक्षणेन //
3.19*
कामानन्दे दग्धे प्रीतिरती रोदनात्मिके दुःसहम् /
दृष्ट्वा ते रुदमाने नानङ्गः पतिर् भवति मा रुदथः //
3.20
निग्रहीत्वा तु तं कामं त्रिनेत्ररूपधारिणा
निग्रहानुग्रहश् चैव भैरवेच्छा प्रवर्तते //
3.21
एतद् अन्तरम् आसाद्य ब्रह्मविष्णुपुरःसराः
सर्वे देवगणाः प्राप्ता ऋषिसिद्धाः सगुह्यकाः //
3.22
स्तुतिस्तोत्ररवैर् दिव्यैस् तोषयित्वा कुजेश्वरम्
उवाचेदं हरिर् ब्रह्मा देव चोत्कण्ठिता वयम् //
3.23
भवत्पादविनिर्मुक्ता देवदेवा ह्य् उपद्रुताः
प्रचण्डबलिनाक्रान्ताः क्रौञ्चेन परमेश्वर //
3.24
प्रसीद दयया नाथ ब्रुवामस् त्व् अभयं दद
देवीम् उद्वाह्यतां नाथ क्लेशायासप्रपीडिताम् //
3.25
कुत्र तिष्ठति कस्यैषा का माता कः पितामहः
को मे ददाति को याच्यः किं कुर्वामः कुलोज्झिताः //
3.26
उक्तं तु ब्रह्मणा ह्य् एवं याच्यो ऽहं याचका वयम्
यज्ञयाजी हिमन्ताख्यो अध्वर्युः परमेश्वरः //
3.27
एवम् उक्त्वा तु वृद्धेन वसिष्ठप्रमुखान् ऋषीन्
प्रेषिता वद शीघ्रेदं सम्प्रदानक्रियां कुरु //
3.28
तैर् गतै रुचितं सर्वम् आदेशं शिरसा धृतम्
बहुवित्तप्रभारेण विवाहानन्दकृद् ध्य् अभूत् //
3.29
सर्वमङ्गलमाङ्गल्यम् आनन्दानन्दपूरितम्
तदा प्रभृति सर्वेदम् अभूत् पूर्णमनोरथम् //
3.30
भैरवे मथनासक्ते जगद्योनिः सदोदिता
त्रैलोक्यसृष्टिहेत्वर्थं मन्थानस्थो भवेत् तद //
3.31
क्रीडाविनोदैर् अतिलालसस्थं कुलामृतानन्दविधौ प्रवृत्तम्
कुलेश्वरं कुब्जिभृतानुरागं सम्पृच्छतेदं प्रणता कुजेशी //
3.32
प्रणयेन तु योगेन द्राविताङ्गं त्वया मम
कुब्जेनैव तु रूपेण पीडितातीव भैरव //
3.33
विनोदकुशले देवि अनेकार्थविधायिनी
तोषितोऽद्य त्वया नाथे पृच्छ पृच्छ सुदुर्लभम् //
3.34
पूर्वकाले त्वया मह्यं प्रसादो यः कृतः प्रभो
कुब्जत्वं शब्दरूपेण पूर्वं व्याहरितं यतः //
3.35
तेन कार्येण देवेश कालस्थानं न मे प्रभो
पृच्छामि प्रणयाविष्टा अज्ञानगुणशालिनी //
3.36
कथं मे कुब्जिका नाम किं खञ्जी पूर्व सूचिता
एतद् आचक्ष्व यत्नेन सर्वोपायसमन्वितम् //
3.37
परमार्थं यदा देव तदा स्यात् सिद्धिसाधनम्
अथ चेत् तन् मृषा वाक्यं तत् किं नाम प्रतिष्ठितम् //
3.38
कथयस्व प्रसादेन समाचारो गुरुः कथम्
साधनं सर्ववस्तूनां येनैकेन प्रपद्यते //
3.39
मन्त्रतन्त्रेण योगेन आज्ञातः सम्प्रवर्तते
तत् सर्वं हेलया नाथ एकोच्चाराद् वद प्रभो //
3.40
क्रीडानन्दस्वरूपेण पृष्टो ऽहं क्लिन्नचेतसे
तेन ते क्लेदनामार्गं कथयामि सुरार्चिते //
3.41
नित्यानन्दप्रकर्तारं कल्याणार्थप्रबोधकम्
गुरुम् अन्वेषयेद् यत्नात् सुभगं प्रियदर्शनम् //
3.42
शुभजातिसुवृत्तिस्थं शुभदेशसमुद्भवम्
ज्ञानविज्ञानसम्पन्नं समस्तार्थविशारदम् //
3.43
कालज्ञं निपुणं दक्षं सामर्थज्ञम् अकुत्सितम्
सर्वावयवसम्पन्नं व्यङ्गदोषविवर्जितम् //
3.44
वेधघट्टनिरोधज्ञं लोकमार्गविशारदम्
क्रियाकाण्डरतं शान्तं सुभक्तं गुरुवत्सलम् //
3.45
सुसन्तुष्टम् अलोभिष्ठं तपस्विजनवत्सलम्
प्रतिपन्नजनानन्दं शौर्यवन्तं दृढव्रतम् //
3.46
विद्याम् अभयदातारं लौल्यचापल्यवर्जितम्
आचारपालकं धीरं समयेषु कृतास्पदम् //
3.47
आगतं न त्यजेद् वस्तुं यो गत्वा न परिग्रहेत्
स गुरुर् न मनुष्यानां देवानाम् अपि दुर्लभः //
3.48
शक्तिहीनं गुरुं प्राप्य शिष्ये मुक्तिः कुतः प्रिये
मूलच्छिन्ने यथा वृक्षे कुतः पुष्पफलादिकम् //
3.49
एवंविधं गुरुं प्राप्य को न मुच्येत बन्धनात्
तं दृष्ट्वा सर्वभावेन शिष्यश् चाराधयेद् गुरुम् //
3.50
आत्मना च धनेनैव दासत्वेन भजेत् तु तम्
तावद् आराधयेद् देवि प्रसन्नो यावत् स गुरुः //
3.51
प्रसन्नो ददते दीक्षां यया पाशक्षयो भवेत्
प्रबोधो भवते तस्य गृह्णाति यदि तत्क्रमात् //
3.52
अक्रमाद् ददते यस् तु अक्रमाद् गृह्णते तु यः
द्वाव् एतौ निश्चितौ बद्धौ पाशैः कुलसमुद्भवैः //
3.53
यावद् अष्टौ तथा पञ्च त्रीण्य् अब्दानि सुभावितः
तावन् न कारयेद् दीक्षां निषिद्धस् तु कुलान्वये //
3.54
अथ चेद् गुरुसामर्थ्याद् ददते दयया शिशोः
तथापि तेन कर्तव्यं दासत्वं तु गुरोः कुले //
3.55
आक्रुष्टः शतधा वापि ताडितस् तु सहस्रधा
एवं कृते न यस्यास्ति विरागस् तस्य योग्यता //
3.56
गुरुणा रोषितो वाथ यो दद्याद् उत्तरं क्वचित्
स तु नश्यति दुष्टात्मा अजीर्णे भोजनं यथा //
3.57
गुरोः कोपं न कर्तव्यं वाङ्मनःकायकर्मभिः
तस्य कोपाद् दहिष्यन्ति प्राप्तज्ञानं मरीचयः //
3.58
मर्त्यलोकं समासाद्य किञ्चिज्ज्ञा गुरवो यदि
तदा ज्ञानस्य का रक्षा ज्ञानचौरं हरन्ति ताः //
3.59
क्षमाशीलं गुरुं मत्वा यदि शिष्यो ऽपमानयेत्
प्राप्तं मे ज्ञानसद्भावं गच्छामः कथनं विना //
3.60
तस्य रोधादिका देव्यो मूकत्वं जनयन्ति वै
न रोहति यथा बीजं दग्धं तद्वद् इदं प्रिये //
3.61
आज्ञायोगं क्रियामन्त्रं मुषित्वा यः पलायते
न च तेन समं याति तत्रैवायाति निश्चितम् //
3.62
स कथं तिष्ठते मूढो भुक्तोद्गीर्णे वपुर् यथा
नाबुभुक्षा बुभुक्षा वा घृणी क्षीणतनुर् भवेत् //
3.63
शुभं वा अशुभं वाथ कुर्वाणं न हसेद् गुरुम्
हसनाद् ध्वंसम् आयाति हसिते हिंसितो हि सः //
3.64
सामान्यप्रतिपत्त्या वा न वदेद् गुरुणा सह
मुखे हस्तं प्रदत्त्वा तु ददादेशम् इति ब्रुवन् //
3.65
अङ्गरक्षा न कर्तव्या न शाठ्यं गुरुणा सह
उक्तानुक्तेषु कार्येषु उपेक्षां नैव कारयेत् //
3.66
शठस् तु दुष्टभावश् च मृषावाद्यप्रवादकः
अन्तरङ्गी न सद्भावी स नष्टः कञ्जिनी यथा //
3.67
द्विधाभावाभिपन्नस्य भिन्नभाव इतस् ततः
य एवं वर्तते मूढः स नष्टः कञ्जिकं यथा //
3.68
आज्ञास्फुरन्तम् आनन्दं गुरुं त्यक्त्वान्यम् आश्रयेत्
सन्निरुद्धस् तु सर्वत्र राज्यभ्रष्टो यथा नृपः //
3.69
शरीरं द्रव्यविज्ञानं वस्त्रवाहनभूषणम्
गुर्वर्थं धारयेद् यस् तु स वै संस्कारम् अर्हति //
3.70
गुरुर् मान्यो गुरुः पूज्यश् चाराध्यो गुरवः सदा
गुरौ सन्तोषिते सर्वं तोषितं सचराचरम् //
3.71
गुरोः समो नैव हि मर्त्यलोके तथा विशेषेण तु चान्तरिक्षे
यस् तारयेद् दुःखमहार्णवौघात् किं तस्य कर्तुं स करोति शिष्यः //
3.72
न माता न पिता चैव न भ्राता नैव बान्धवाः
उपकारं हि कुर्वन्ति कुरुते यादृशं गुरुः //
3.73
एवं मत्वा वरारोहे दुःखे दुःखी सुखे सुखी
गुरोर् वैरोधिकं स्थानं प्रमादाद् अपि न व्रजेत् //
3.74
उपविष्टस्य पार्श्वे तु कर्तव्यं मार्जनादिकम्
भिक्षापात्रं निवेद्येत पुष्पधाटीं वहेत् सदा //
3.75
अन्तरङ्गं न कर्तव्यं वाङ्मनःकायकर्मणा
यत् किञ्चिद् गुरवे कार्यं तत् कर्तव्यम् अशङ्कितैः //
3.76
य एवं वर्तते शिष्यः सुखदुःखसमाश्रयी
तस्य सिद्धिर् न दूरस्था मोक्षः स्वाधीनतां गतः //
3.77
गुरुणापादितं सर्वम् उपदेशं प्रपूजयेत्
तस्माद् एवं विदित्वा तु गुरुर् देवो न चान्यथा //
3.78
त्रिष्कालं प्रणिपातेन ध्यानयोगेन तं यजेत्
अदृष्टविग्रहेशानम् उपलभ्येत नान्यथा //
3.79
मन्त्रध्यानतपोपायैश् चर्यायोगैर् अनेकधा
न पश्यन्ति परं शम्भुं यावन् नोपासयेद् गुरुम् //
3.80
ध्यायन्तो ऽपि सदा भक्त्या मद्रूपं गुरुणोदितम्
तथापि न भवेत् सौख्यं शाम्भवं परमार्थतः //
3.81
यावन् मूर्ध्नोपरि पादा आज्ञायुक्तः सुभावितः
तावन् न जायते शीघ्रम् अदृष्टगुणलक्षणम् //
3.82
गुरुरूपविधौ यदि निश्चलता तद् उपासति मूर्ध्नि धृताङ्घ्रियुगम्
अचिरेण भवत्य् उपलद्भिगुणा अणिमादिगुणाष्टकशम्भुपदम् //
3.83
आज्ञाहीने परोक्षत्वं त्रयाणां दर्शितं मया
रुद्रभैरववीराणां कथनाद् योगः प्रवर्तते //
3.84
सिद्धे सिद्धं विनिर्दिष्टं प्रत्यक्षगुणलक्षणम्
आज्ञातः सम्प्रवर्तेत सा चाज्ञा गुरवो विदुः //
3.85
शास्त्रे शास्त्रे स्मृतं ज्ञानं मयानेकविधानतः
प्रत्यक्षमन्त्रनिहिता सिद्धाज्ञा सिद्धगोचरे //
3.86
तेनेदं सिद्धसन्तानं गुरुदेवोपलक्षितम्
यस्य चाज्ञानिपातेन सम्बोधः शाम्भवो भवेत् //
3.87
प्रत्यक्षं गुरवं त्यक्त्वा ज्ञानरूपं कुलेश्वरम्
कथम् आराधनान्यत्र कुरुते मोहितात्मनः //
3.88
निर्वाणाग्नौ ज्वलद्दीप्ते यो ऽन्यत्राग्नौ व्रजेत् कुधीः
देवागारं गुरुं त्यक्त्वा व्रजत्य् अधोभवं तु सः //
3.89
पूर्वकर्मविशुद्धस्य शक्तिपातः सुनिर्मलः
तीव्रशक्तिनिपातो ऽस्य शीघ्रम् एव प्रपद्यते //
3.90
मलकायप्रपूर्णस्य मन्दं मन्दं प्रवर्तते
अभाग्यस्यापि षण्मासात् तीव्रत्वं सम्प्रपद्यते //
3.91
यावन् न सर्वभावेन मर्त्यलोकम् उपागतम्
गुरुमूर्तिधरं शम्भुं तावत् पातो न शाम्भवः //
3.92
मद्वीर्यः पारदो यद्वत् पतितः स्फुटितः कणैः
तद्वच् च देशिकेन्द्राणां रूपेण प्रभ्रमाम्य् अहम् //
3.93
मम वीर्यप्रसूतास् ते आचार्याः सूतकेव हि
विन्धन्ति संस्कृताः सन्तो भक्त्योषधिसुजारणात् //
3.94
अहम् एकः कुलालो वै खेचरादौ गुणोज्ज्वलः
सृजामि निखिलं सर्वं गुरुत्वे संव्यवस्थितः //
3.95
सादाख्यः खेचराणां च पिङ्गो ऽहं पवनोद्भवः
तेजसे ऽनन्तरूपो ऽहं ऽनुग्रहीशो जलोद्भवः //
3.96
श्रीकण्ठो ऽहं निवृत्[त्]यन्ते कुलीशो ऽहं क्षितीतले
ऽनुघ्रहाम्य् अखिलं सर्वम् एको ऽप्य् अनेकधा स्थितः //
3.97
येन येन हि भावेन पृच्छितो ऽहं यथा यथा
तथा तथा मया सर्वं गुरुत्वे सम्प्रदर्शितम् //
3.98
अत्रैव सिद्धसन्ताने प्रत्यक्षो ऽहं व्यवस्थितः
गुरुमूर्तौ स्थितो नित्यं यस्याज्ञा सम्प्रवर्तते //
3.99
सुवर्णस्य यथाकाराः संज्ञाभेदैर् अनेकधा
कटकङ्कणकेयूरैः कण्ठीमुद्राङ्गुलीयकैः //
3.100
तथा ते गुरवो ज्ञेया ममाज्ञाङ्गसमुद्भवाः
रसवद् वेधका ज्ञेया स्तोकं स्तोकं बहुं बहुम् //
3.101
पलकोटिपलानां च गुञ्जाद् एवं न संशयः
एवं विभूतिर् आख्याता युगरूपानुसारिणी //
3.102
पलेन विहितो वेधः किं गुञ्जातो न विध्यति
संस्कारे सति सर्वत्र बहुस्तोकं न चिन्तयेत् //
3.103
परापरविभागेन कालभाववशेन च
बहुस्तोकं न मन्तव्यं प्रत्ययश् चात्र कारणम् //
3.104
रसविद्धं यथा ताम्रं न भूयस् ताम्रतां व्रजेत्
आज्ञाविद्धस् तथाप्य् एवं न संसारम् अनुक्रमेत् //
3.105
सा चाज्ञा विद्यते यस्य मम तुल्यः कुजाम्बिके
पलमात्ररसो भव्यं गुञ्जामात्ररसेन किम् //
3.106
पलमात्ररसो ह्य् अहं गुञ्जामात्रस् ततोद्भवः
एवं मत्वा गुरूणां च न विकल्पो विभूतये //
3.107
आज्ञातो भुक्ति मुक्तिश् च सर्वं साधयते क्षणात्
वाञ्छितं लभते सर्वं यदि भक्तिः सुनिश्चला //
3.108
आज्ञा तु द्विविधा प्रोक्ता साधकानुग्रहात्मिका
समर्थाचारयुक्तस्य ततस् तां तु प्रमोचयेत् //
3.109
प्राथमिकस्य या आज्ञा; सा विशुद्धिप्रबोधिका
अधिकारनिमित्तार्थं पुनश् चाज्ञां ददेद् गुरुः //
3.110
आज्ञामात्रेण सन्तुष्टो अन्यस्याज्ञां ददाति च
नेहत्रे तु सुखं तस्य परत्रे बाध्यते तु सः //
3.111
वाचासिद्धिः पुरक्षोभं यावज् ज्ञातं न योगिनः
तावन् न कारयेद् दीक्षाम् इत्य् आज्ञा पारमेश्वरी //
3.112
ज्ञात्वाम्नायं वरारोहे दिव्यादिव्यैर् निषेवितम्
चतुष्कं पञ्चकं षट्कं चतुष्कं पञ्चकं चतुः //
3.113
श्लोकद्वादशकं चान्यत् पञ्चरत्नं सतद्ग्रहम्
षोढान्यासक्रमं ज्ञात्वा एतत् सर्वं विधानतः //
3.114
स योग्यः क्रमिको शिष्यो अन्यथा नामधारकः
ततः प्रभृति सिद्धो ऽसौ पूज्यः पूजापकः स्मृतः //
3.115
एतद्गुणविशिष्टो ऽयं शिष्यः सर्वार्थदायकः
महदन्यायसम्प्राप्तो गुरुस् तं न तिरस्करेत् //
3.116
एवं गुरुत्वम् आप्नोति सिद्धाम्नाये कुजेश्वरि
अन्यथा जीविकार्थं तु आत्मानं च विडम्बितः //
3.117
आज्ञाया गुणम् ऐश्वर्यं यस्य जातं यशस्विनि
तस्मात् सम्पद्यते सर्वं यदि दत्ता प्रसादतः //
3.118
क्रमेण विहिता चाज्ञा आज्ञामोघक्रमं विदुः
ते ज्येष्ठाः क्रमसन्ताने यद्य् एषां ऽनुक्रमो न हि //
3.119
किं तु मण्डलयोग्यास् ते न भवन्ति कुलेश्वराः
चन्दनाक्षतदीपानां नार्हत्वं च भजन्ति ते //
3.120
अधिकाराज्ञा प्रथमा प्रसादाज्ञा द्वितीयका
सा यदि क्रमशः प्राप्ता सक्रमानुक्रमेण तु //
3.121
तत्र कालं समारभ्य गुरुत्वं भजते तु सः
स यत्र तिष्ठते देशे तत्र ये ऽन्ये तु कन्यसाः //
3.122
भ्रातॄणां भ्रातृपुत्राश् च तत्पुत्राश् च गुरुर् यथा
पूजयन्त्य् अविकल्पेन सिद्धिमार्गे विधिर् ह्य् अयम् //
3.123
आराध्यस् तिष्ठते यत्र तत्र किञ्चिन् न कारयेत्
मन्त्रतन्त्रक्रियायोगम् अधिकारं प्रभुत्वता //
3.124
पञ्चयोजनमात्रेण गत्वा कर्म समारभेत्
तत्पुरे दासवत् तिष्ठेद् आज्ञाश्रवणतत्परः //
3.125
स्वपुरस्थं प्रयत्नेन यदाराध्यं न पश्यति
भुञ्जते मोहितात्मानः किल्बिषं भुञ्जते तु सः //
3.126
प्रायश्चित्तं चरेद् देवि कुब्जिकायायुतद्वयम्
अथ चेद् दर्पमूढस् तु ज्ञात्वा भुञ्जत्य् अशङ्कितः //
3.127
लक्षं जप्त्वा भवेच् छुद्धि[र्] गुरुपूजा त्व् अनन्तरम्
समपादेन चारुह्य गुरोर् अग्रे अजानतः //
3.128
कुब्जिकायुतम् एकं तु शुध्यते गुरुपूजया
गुरोर् आस्थानसंस्थाने चारुह्य पादुकैः सह //
3.129
गुरुदृष्टिगते पादे जपते तस्य पूर्ववत्
ज्येष्ठो भ्राता गुरोर् माता गुरोः स्थानार्चकास् तु ये //
3.130
त्रीण्य् एतास् तत्समा ज्ञेया द्रष्टव्या गुरुवद् यथा
अपमान्य यदा ह्य् एतान् आत्मसम्भावितः कुधीः //
3.131
प्रायश्चित्ती सलक्षेण शुध्यते गुरुपूजया
उपमर्द्य गुरोः स्थानं पापात्मा यत्र तिष्ठति //
3.132
तस्य दर्शनसम्भाषात् पातकिनो भवन्ति ते
यदा साधुः प्रसन्नात्मा तदा लक्षत्रयेण वै //
3.133
मण्डलानां सहस्रेण गुरुपूजा त्व् अनन्तरम्
पादुकोपानहौ छत्त्रं शय्यापट्टो ऽथ भाजनम् //
3.133*
पादेन संस्पृशेद् यस् तु शिरे धृत्वाष्टकं जपेत् //
3.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते मन्थानभेदप्रचाररतिसङ्गमो नाम तृतीयः पटलः
Kapitel 4 – Devanagari
4.1
तृप्ताहं देवदेवेश बीजमन्त्रैर् अनेकधा
चक्रैश् च विविधाकारैः सद्यःप्रत्ययकारकैः //
4.2
अद्यापि संशयो नाथ मन्त्राणां निर्णयं प्रति
पूर्वं च कथिता मन्त्राः सप्तकोटिर् असङ्ख्यया //
4.3
साधनानि पुनस् तेषां सद्यःप्रत्ययकारकाः
क्लिष्यन्ति मनुजात्यन्तं जपहोमपरायणाः //
4.4
व्रतैश् च विविधाकारैः कष्टैश् चान्द्रायणादिभिः
किमर्थं ते न सिध्यन्ति जप्त्वा कोटिशतैर् अपि //
4.5
त्वं च देवो विभुः कर्ता त्वयोक्तं सत् यम् उच्यते
अविचारेण तद् ग्राह्यं मिथ्या किं देव भाषितम् //
4.6
ध्वंसिताश् च त्वया लोका मायारूपेण भैरव //
4.7
साधु साधु महाप्राज्ञे वस्तुचोद्यविकल्पिनि
ये मया कथिता मन्त्राः पूर्वं ये कामसिद्धिदाः //
4.8
ते गोपिता मया देवि वर्णरूपाः प्रकाशिताः
तेन ते न प्रसिध्यन्ति जप्त्वा कोटिशतैर् अपि //
4.9
ओंकारेण तु ते गुप्ता नमस्कारेण भामिनि
तेन गुप्तेन गुप्तास् ते शेषा वर्णास् तु केवलाः //
4.10
एकाक्षरा द्व्यक्षराश् च चतुःपञ्चनवाक्षराः
कूटमन्त्राश् च ये केचित् पिण्डमन्त्रास् तथैव च //
4.11
एकाशीतिपदाश् चान्ये सहस्रान्ताः शतार्धिकाः
सर्वे ते निष्फलाः प्रोक्ताः किं तु जीवविवर्जिताः //
4.12
लोके प्रसिद्धम् एवं हि जीवहीना मृताः किल
मृतस्य चोपचारेण किं तेषां जीवितं भवेत् //
4.13
एवं मन्त्रा वरारोहे अक्षरार्थे व्यवस्थिताः
व्रतचर्यैर् न सिध्यन्ति सत् यम् एतद् उदाहृतम् //
4.14
सिध्यन्ते जीवयुक्तास् तु किम् अत्र प्रविचार्यते
अन्योन्यवलिताश् चैव भेदिता द्वादशस्वरैः //
4.15
रञ्जिताः शक्तिबीजेन सिध्यन्ते वरवर्णिनि
उक्ताः कामप्रदाः सर्वे सर्वे चामोघशक्तयः //
4.16
शिववक्त्रोद्भवाः सर्वे मननत्राणधर्मिणः
त्राणं तु रक्षणं प्रोक्तं तच् च वर्णविवर्जितम् //
4.17
शुद्धस्फटिकसêकाशं चारोच्चारविवर्जितम्
ज्वलन्तं स्वेन तेजेन हृत्पद्मे संव्यवस्थितम् //
4.18
भावयेच् छून्यम् आत्मानम् एकीभूतं तया सह
सुषुम्णाचारयोगेन उद्यन्तं रविबिम्बवत् //
4.19
ओ-जा-पू-का-क्रमान् भित्त्वा विद्याकुब्जपदे स्थितम्
तावत् कम्पत्य् असौ योगी स्तोभम् आयाति तत्क्षणात् //
4.20
मुद्रा मन्त्रं तथा भाषा सर्वं जानाति तत्त्वतः
कुब्जीशानपदं प्राप्तं सुप्तावस्था प्रजायते //
4.21
ईषन्मात्रं विजानाति सुप्तावस्थाव्यवस्थितः
ब्रह्मरन्ध्रगता चाज्ञा काष्ठवत् तिष्ठते तदा //
4.22
यवमात्रप्रमाणं तु त्रिकोणाकृतिम् उत्तमम्
वडवामणीन्द्रियं यद्वन् मीलनोन्मीलनानि च //
4.23
तत्र मध्ये गतं चेतः काष्ठावस्था तु जायते
भेरीमृदङ्गशब्दाद्यैर् गीतवाद्यैर् अनेकधा //
4.24
न शृणोति न पश्येत न चान्यं मन्यते प्रभुम्
खड्गचक्रादिभिः शस्त्रैश् छिद्यमानो न विन्दति //
4.25
ईषन्मात्रं विजानाति शक्त्यावस्था वरानने
शक्त्यन्तं तु यदा प्राप्तस् तदा चोत्पतते क्षणात् //
4.26
एवं क्रमेण देवेशि शक्त्युच्चारं समभ्यसेत्
सतताभ्यासयोगेन वागीशत्वं प्रजायते //
4.27
मासम् एकं यदाभ्यस्तं काव्यकर्ता न संशयः
द्विभिर् मासैर् वपुष्मन्तः क्षुत्तृष्णाद्यैर् न बाध्यते //
4.28
विचरेद् अखिलान् लोकान् यावदाभूतसम्प्लवम्
अक्षरार्थेन ये मन्त्रास् तेषाम् एव विधिः स्फुटम् //
4.29
अक्षरार्थोपदेशश् च सम्प्रदायश् च कौलिकः
यथा विज्ञायते देव प्रसादं कुरु भैरव //
4.30
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि मन्त्राणां निर्णयं स्फुटम्
प्रस्तारादि-र्-अनेकैश् च ये मन्त्राश् चोदिताः प्रिये //
4.31
अक्षरार्थेन ते ज्ञेयाः खण्डमन्त्राः शिवोदिताः
रञ्जकेन समायुक्ता उपदेशः सुरार्चिते //
4.32
सम्प्रदायो भवेद् देवि सो ऽपि षट्सु प्रभेदतः
पल्लवो योगरोधश् च सम्पुटो ग्रथनस् तथा //
4.33
विदर्भश् च षड् एते हि सम्प्रदायाः प्रकीर्तिताः
मालिनी शब्दराशिश् च कौलिको विधिर् उत्तमः //
4.34
सा तु ज्ञेया वरारोहे भेदाः पञ्चाश सुव्रते
कुलं तु षड्विधं ज्ञेयं तस्य वक्ष्यामि लक्षणम् //
4.35
परं बीजं तथा मूलम् आगमो विधिर् एव च
वर्णराशिसमायुक्तः षड्विधस् तु कुलक्रमः //
4.36
सकलो निष्कलश् चैव तथा सकलनिष्कलः
सूक्ष्मो भिन्नकलश् चैव कलातीतो वरानने //
4.37
षट्प्रकारो भवेन् मन्त्रो ज्ञातव्यः सिद्धिम् इच्छता
शुद्धद्वन्द्वजसट्कीर्ण उपदेशस् त्रिभेदतः //
4.38
सूचिता मन्त्रमार्गे तु ये मन्त्रा लक्षणान्विताः
ते ज्ञेयास् त्वत्प्रसादेन ध्यानधारणयोगतः //
4.39
कुलमार्गगता देव यथा भवति तत् कथम्
कथं तु पल्लवो योग आदि षट्सु प्रकारतः //
4.40
कौलिकं षड्विधं किं तु मन्त्राणां षड्विधा गतिः
त्रिविधश् चोपदेशश् च एतद् इच्छामि वेदितुम् //
4.41
पल्लवो आदिदेशे तु योगो मध्ये विजानतः
रोधस् तु आदिमध्यान्ते सम्पुटश् चादि-र्-अन्तगः //
4.42
ग्रथनं चान्तरे ज्ञेयम् अक्षराक्षरयोगतः
विदर्भो मन्त्र-म्-आदौ तु मन्त्रान्ते वीरनायिके //
4.43
मालाग्रथनम् एतद् धि ज्ञातव्यं मन्त्रवादिना
पल्लवो मन्त्रबोधे तु योगो ज्ञेयस् तु सर्वदा //
4.44
अमलीकरणे चैव सन्धानस्य विधौ प्रिये
योगस् तु कथितो ह्य् एवं रोधश् चैवानुकथ्यते //
4.45
तीव्रमन्त्रपदस्तम्भे वाक्स्तम्भे सैन्यस्तम्भने
हस्त्यादिशकटयन्त्रे नावान्ते च प्रकीर्तितः //
4.46
तेषु रोधः प्रशस्येत पशूनाम् उत्क्रमेषु च
सम्पुटो मन्त्ररक्षासु वश्यार्थे चैव योजयेत् //
4.47
अमृतीकरणे चैव विषे स्थावरजङ्गमे
शान्तिकादिषु कार्येषु सम्पुटस् तु प्रशयते //
4.48
ग्रथनं रूपकार्येषु आकृष्ट्यादिषु कर्मसु
सन्धाने तु वरारोहे ग्रथनं समुदाहृतम् //
4.49
विदर्भः सर्वकार्येषु उक्तानुक्तेषु वस्तुषु
कर्तव्यं सततं देवि यदि सिद्धिं समीहते //
4.50
एतद् देवि समाख्यातं सम्प्रदायविधिः शुभः
न मया कस्यचित् ख्यातं सत्यं सत्यं गणाम्बिके //
4.51
साम्प्रतं कुलमार्गस् तु यथा भवति तच् छृणु
परं बिन्दुः समाख्यातो हृत्पद्मे सुरनायिके //
4.52
ग्रहणं तस्य चोपायस् तं ज्ञेयं कौलिकं परम्
बीजं कुण्डलिनी शक्तिर् या करोति गमागमम् //
4.53
तस्यान्तं तु ततो ज्ञात्वा बीजं कौलिकम् उत्तमम्
मूलं शक्तिः स्मृता कुब्जी जगतः कारणात्मिका //
4.54
तस्या जातम् अशेषं तु आब्रह्मभुवनान्तिकम्
सृजते येन सुश्रोणि कार्यकारणयोगतः //
4.55
ज्ञेया धर्मिणि धर्मित्वं यथोष्मा कृष्णवर्त्मनः
एतत् कौलिकम् आख्यातं मूलसंज्ञा वरानने //
4.56
आगमस् तत्र सूत्रार्थो विधिस् तत्रैव चोदिता
वर्णराशिक्रमो ज्ञेयो नादिफान्तस्वरूपतः //
4.57
आदिक्षान्तश् च देवेशि शब्दराशिक्रमो विदुः
एतत् कौलिकम् आख्यतं षट्प्रकारं वरानने //
4.58
सकलादिक्रमेणैव वक्ष्यमानं निबोधत
ब्रह्मस्थः सकलो मन्त्र अष्टत्रिंशत्कलैर् युतः //
4.59
पूर्यष्टकसमोपेत उद्भवस्थो विजानतः
कण्ठस्थो निष्कलो देवि कलाकालविवर्जितः //
4.60
रुद्रस्थानगतो भद्रे मन्त्रो भावैर् द्विभिर् युतः
स्थूलजालकलैर् युक्तो बिन्द्वादीनां च सम्भवैः //
4.61
सूक्ष्माधारस्थितो ह्य् एकः स्पर्शाख्यो मन्त्रवेदकः
सकलो निष्कलश् चासौ मन्त्रो ज्ञेयस् तु सुव्रते //
4.62
विलीनो बिन्दुदेवे तु योन्याकारस्वरूपतः
शब्दस्पर्शविनिर्मुक्तो मन्त्रो ज्ञेयस् तु निष्कलः //
4.63
सूक्ष्मात् सूक्ष्मतरो देवि स च सूक्ष्मो निगद्यते
कालरूपः स्मृतो बिन्दुस् तं भित्त्वा व्रजते यदि //
4.64
ऊर्ध्वपदे प्रवृत्तस्य सुषुम्णाधारगोचरः
प्रलीनः शब्ददेवे तु चिच्छक्तिप्रतिबोधितः //
4.65
भिन्नकलः स्मृतो ह्य् एवं लयातीतस् तु मोक्षदः
पञ्चावस्था समाख्याता मन्त्राणाम् अमितौजसाम् //
4.66
यावद् एवं न विन्देत तावत् सिद्धिः कुतो भवेत्
हृत्कण्ठतालुजिह्वौष्ठौ दन्तनासोद्भवाक्षराः //
4.67
क्षणप्रध्वंसिनो देवि यथोत्पत्तिस् तथा क्षयः
कृतका ह्य् अचेतना शून्या अनित्या जल्पकारकाः //
4.68
पञ्चावस्थाप्रभिन्नस् तु तदा मन्त्र-म् इहोच्यते
एवं मन्त्रगतिं ज्ञात्वा सिध्यन्ते लीलया नराः //
4.69
उद्भवे शुद्धम् इत्य् उक्तो विश्लेषे द्वन्द्वजः स्मृतः
सङ्कीर्णे लयसंस्था हि उपदेशस् त्रिधा स्मृतः //
4.70
स्पर्शनं चावलोकं च सम्भाषं चात्मदर्शनम्
स्वयमावेशनं चैव सङ्क्रान्तिः पञ्चलक्षणा //
4.71
स्पर्शनं हृदिसंस्थं तु आलोकं कण्ठदेशतः
तालुस्थाने तु सम्भाषं दर्शनं बिन्दुमध्यतः //
4.72
स्वयमावेशनं देवि कुब्जिरन्ध्रे न संशयः
स्पर्शने कम्पनं ज्ञेयम् आलोके धुननं भवेत् //
4.73
सम्भाषे तु भवेत् स्तोभः शास्त्रार्थं चैव मन्यते
दर्शनेन गुणावाप्तिर् अणिमादिगुणाष्टकम् //
4.74
स्वयमाविशने देवि उत्पतेन् नात्र संशयः
एवं मन्त्रगतिं ज्ञात्वा सिध्यते नात्र संशयः //
4.75
अतः परं प्रवक्ष्यामि मन्त्रोद्धारं वरानने
सुगुप्ते भूसमे शुद्धे गोमयेनोपलेपिते //
4.76
पुष्पप्रकरगन्धाढ्ये गह्वरं तु समालिखेत्
सप्तत्रयोदशैर् भागैः षड् लोप्याः षट्क्रमेण तु //
4.77
यथा चैवैकपार्श्वे तु द्वितीयम् एवम् एव हि
एकं त्रीणि तथा पञ्च सप्त नव तथैव च //
4.78
एकादश तथाप्य् एवं त्रयोदशावसानतः
पञ्चाशद् ऊनम् एकेन कर्तव्यं हि यथाविधि //
4.79
कामरूपाद् अकारादौ लिखेद् एवं क्रमेण तु
स्वराः स्पर्शा यथावृत्त्या यावन् मध्यम् उपागताः //
4.80
ओड्डियानगतं देवि हंसाख्यं तु महात्मनम्
क-षाख्यं मन्त्रराजानं संयोगेन तु जायते //
4.81
एवं न्यासे कृते देवि उद्धरेन् मालिनीं शुभाम्
नादिफान्तक्रमेणैव यथा भवति तच् छृणु //
4.82
प-ध-मध्ये शिखा ज्ञेया अधःशिरव्यवस्थिता
ए-पूर्वाक्षरचतुष्कं शिरोमाला निगद्यते //
4.83
ऐ-श-मध्ये शिरो देव्याः कारयेच् छुभलक्षणम्
तृतीयं नयनं देव्या ङ-छ-मध्यगतं पुनः //
4.84
न-द-मध्यगतं ज्ञेयं द्विधाभूतं वरानने
नयनौ च स्मृतौ देव्याः क्रमाद् दक्षिणवामगौ //
4.85
ट-पूर्वे नासिका ज्ञेया संसृष्टा चैव मध्यगा
ढ-त-मध्यगतं गृह्य द्विरभ्यासपदेरितम् //
4.86
ठ-ड-पूर्वौ युतौ ऽधस्ताद् भूषणौ कर्णयोः स्मृतौ
वामदक्षिणमार्गेण कर्णभूषस्थिताव् इह //
4.87
स-च-मध्यगतं वक्त्रं देव्याया वीरनायिके
विसर्गान्त-ख-मध्यस्थं क-ग-मध्यगतं पुनः //
4.88
ख-पश्चिमं समुद्दिष्टं पश्चिमोत्तरम् एव च
घ-च-मध्यगतं चैव उद्धरेद् अक्षरं शुभम् //
4.89
एते पञ्च स्मृता वर्णा देव्या दशनकल्पना
ञ-पूर्वे रसना देव्या झ-ऊर्ध्वेन सरस्वती //
4.90
स-त-मध्यस्थितः कण्ठः म-छ-मध्यगतोद्धरेत्
र-म-मध्यगतं तद्वद् अक्षरौ तु शुभात्मकौ //
4.91
शिखरौ तौ स्मृतौ भद्रे वामदक्षिणगौ शुभौ
ऊ-ढ-मध्यगतं गृह्य ड-ण-मध्ये द्वितीयकम् //
4.92
वामदक्षिणगौ द्वौ तु बाहू देव्याः सुरार्चिते
ट-ड-मध्यगतं चैव द्विधाभूतं तु कारयेत् //
4.93
करतलौ स्मृतौ देव्याः सव्यासव्यौ विजानतः
ज-म-पूर्वौ तु अङ्गुल्यौ वामदक्षिणगौ शुभौ //
4.94
अं-क-मध्ये करपृष्ठे द्विधाभूतं प्रकल्पयेत्
ञ-ठ-मध्यगतं गृह्य वामहस्ते प्रदापयेत् //
4.95
ऊर्ध्ववक्त्रकपालं तु अमृताख्येन पूरितम्
दक्षिणे तु करे ज्ञेयं य-ढ-मध्ये तु दण्डकम् //
4.96
शूलस्य कथितं भद्रे उद्धारेण समुद्धृतम्
अ-छ-मध्यगतं शूलम् उत्तानम् ऊर्ध्ववक्त्रगम् //
4.97
ज्ञातव्यं तु विपश्चिद्भिर् यथालक्षणलक्षितम्
घ-न-मध्ये तु हृदयं देव्यायाः सर्वकामदम् //
4.98
म-ष-मध्यगतं गृह्य आत्मबीजं शिवात्मकम्
विसर्गसहितं भद्रे उद्धृतं मन्त्रम् उत्तमम् //
4.99
य-स-मध्यगतं प्राणं देव्याया वीरनायिके
ज-च-मध्यगतं गृह्य र-व-सन्धिगतं तथा //
4.100
वामदक्षिणगौ द्वौ तु अक्षरौ तौ स्तनात्मकौ
झ-पूर्वे तु पयो ज्ञेयम् अमृतं च उदाहृतम् //
4.101
न-स-मध्यगतं गृह्य उदरम् उद्धृतं ऽनघे
क-षाख्यं तत्त्वराजानं नाभिं देव्याः प्रकल्पयेत् //
4.102
भ-ञ-मध्यगतं देवि नितम्बं सकलात्मकम्
व-ष-मध्यगतं गुह्यम् औ-पश्चिमसमन्वितम् //
4.103
ऊर्वाकारं भवेद् बीजं ण-थ-मध्यगतं ऽनघे
ण-त-दक्षिणगौ बीजौ जानुनी द्वे प्रकल्पयेत् //
4.104
सव्यासव्यगतौ ज्ञेयौ क्रमेणैव शुभेक्षणे
थ-द-दक्षिणगौ द्वौ तु जङ्घौ द्वे वामदक्षिणौ //
4.105
थ-द-मध्यगतं देवि प-ब-मध्यं तथैव च
द्वौ बीजौ चोद्धृतौ भद्रे पादौ ज्ञेयौ विपश्चिता //
4.106
वामदक्षिणगौ प्रोक्तौ लक्षणेन समन्वितौ
एवं सम्यग्विधानेन उद्धृता मालिनी प्रिये //
4.107
सप्त कोट्यस् तु विद्यानां मन्त्राणाम् अमितौजसाम्
एषा ह्य् एका परा योनिर् मालिनी सर्वकामदा //
4.108
मालयित्वा स्थिता येन तेनैषा मालिनी स्मृता
ये भूता ये भविष्यन्ति अप्रमेया वरानने //
4.109
रुद्राणां योगिनीनां च सा मातैव निगद्यते
अवर्णा वर्णसंयोगा ज्ञातव्या तु शुभेक्षणे //
4.110
सर्वरुद्रात्मका मन्त्रा रुद्राः शक्त्यात्मकाः प्रिये
शक्तिस् तु मातृका ज्ञेया सा ज्ञेया तु शिवात्मिका //
4.111
एवं मन्त्रप्रमाणं तु कथितं तव शोभने
एतद् आद्यं समाख्यातं गोपनीयं प्रयत्नतः //
4.111*
एकवीरविधानं तु प्राग् उक्तम् अन्य आगमे //
4.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते मन्त्रनिर्णयगह्वरमालिन्युद्धारो नाम चतुर्थः पटलः
Kapitel 5 – Devanagari
5.1
उमामाहेश्वरं चक्रं कथयामि सुनिश्चितम्
पदं च पदभेदं च यो जानाति स सिध्यति //
5.2
ऐं नमो भगवते रुद्राय पदं चैव दशाक्षरम्
नमश् चामुण्डे द्वितीयं स्यात् पञ्चाक्षरम् उदाहृतम् //
5.3
नमश् चाकाशमातॄणां पदम् अन्यत् तृतीयकम्
अष्टाक्षरं समाख्यातं लक्षणेन विलक्षितम् //
5.4
सर्वकामार्थसाधकीनां पदं चैव चतुर्थकम्
नवाक्षरम् इदं देवि पदं यत् समुदाहृतम् //
5.5*
अजरामरीणां पदं चात्र कथितं पञ्चगुणावहम् /
अक्षराणां समासेन रससङ्ख्या उदाहृता //
5.6*
सर्वत्राप्रतिहतगतीनां पदं षष्ठं वरानने /
दशाक्षरं समाख्यातं कथितं वीरनायिके //
5.7*
स्वरूपपररूपपरिवर्तनीनां पदं सप्तमकं भवेत् /
अक्षराणां समासेन दशत्रितयम् उत्तमम् //
5.p-1
सर्वसत्त्व वशीकरणोच्छादनोन्मूलनसमस्तकर्मप्रवृत्तीनां पदं चाष्टमकं भवेत् ।
5.8
अक्षराणां समासेन विंशच्चत्वारिसङ्ख्यया //
5.9*
सर्वमातृगुह्यहृदयपरमसिद्धं पदं तु नवमं भवेत् /
अक्षराणां समासेन शक्रसङ्ख्या वरानने //
5.10
परकर्म तथा देवि छेदनकरं प्रकीर्तितम्
सिद्धिकरं च एवात्र पदं चैव द्विपञ्चकम् //
5.11
अक्षराणां तथा सङ्ख्या एकत्र समुदाहृता
द्विसप्तपरिमाणेन स्फुटम् एतत् कुलेश्वरि //
5.12
शृणु चान्यं वरारोहे मातॄणां वचनं शुभम्
अक्षराणां प्रमाणेन द्विचतुष्कं वरानने //
5.13
एकादशमम् एतद् धि पदं सर्वगुणावहम्
तद् यथेति समारभ्य द्वितीयं शोभनं प्रिये //
5.14
ब्रह्माणीति पदं पूर्वं माहेश्वरी द्वितीयकम्
कौमारीति तृतीयं स्याद् वैष्णव्या तु चतुर्थकम् //
5.15
वाराह्या पञ्चमं ज्ञेयम् ऐन्द्री षष्ठमकं भवेत्
ऐशानी सप्तमं प्रोक्तम् आग्नेयी चाष्टमं प्रिये //
5.16
एवमाद्याः स्थिता देव्यः कथितास् तव शोभने
अघोरे अमोघे वरदे विच्चे वै वचनं शुभम् //
5.17
सर्वासां चैव मातॄणां स्वाहाप्रणवसंयुतम्
ऐं चामुण्डे पदं पूर्वम् ऊर्ध्वकेशि द्वितीयकम् //
5.18
ज्वलितशिखे तृतीयं तु विद्युज्जिह्वे चतुर्थकम्
तारकाक्षि तथा देवि पञ्चमं परिकीर्तितम् //
5.19
पिङ्गलभ्रुवे नामेन षष्ठमं तु सुलोचने
विकृतदंष्ट्रे पदं ह्य् एतत् सप्तमं परिकीर्तितम् //
5.20*
क्रुद्धे ति च तथा चान्यम् अष्टमं शुभलक्षणम् /
मांसशोणितसुरासवप्रिये नवमं दशमं तु हसद्वयम् //
5.21
नृत्यद्वयं तथा चोक्तं दश-म्-एकं तु सुव्रते
विजृम्भ च तथा युग्मं दशद्वे च प्रकाशितम् //
5.22
मायात्रैलोक्यरूपेति दशत्रितयम् उत्तमम्
सहस्रपरिवर्तनीनां द्विसप्तमं परमेश्वरि //
5.23
नुदयुग्मं त्रिपञ्चैव कूटयुग्मं द्विरष्टकम्
चिरियुग्मं तथा भद्रे दशसप्त च एकतः //
5.24
हिरिद्वितयम् एकत्र दश-अष्ट शुभेक्षणे
भिरि चैव द्विरभ्यासाद् विंश-म्-एकोनसङ्ख्यया //
5.25
त्रासनिद्वितयं चैव पदं विंशमकं भवेत्
भ्रामणियुग्मम् एतद् धि विंश-म्-एकं तु उत्तमम् //
5.26
विद्रावणि द्विरभ्यासाद् विंशद्वयं तथानघे
क्षोभणीति द्विरभ्यासाद् विंशत्रिकम् उदाहृतम् //
5.27
मारणिद्वितयं चैव विंशचत्वारिसङ्ख्यया
सञ्जीवनिपदे द्वे तु पञ्चविंशपदं प्रिये //
5.28
हेरियुग्मं स्मृतं भद्रे षड्विंशकम् अनुत्तमम्
गेरियुग्मं तथा प्रोक्तं सप्तविंशतिमं पदम् //
5.29
घुरि चैव द्विरभ्यासाद् अष्टाविंश वरानने
घुरिलेति तथाप्य् एवम् ऊनत्रिंशम् उदाहृतम् //
5.30
नमो मातृगणायेति त्रिंशकं कथितं स्फुटम्
नमो नमः ऐं विच्चे स्वाहा त्रिंशम् एकोत्तरं पदम् //
5.31
समस्तपदसंयोगात् परिमाणं शतार्धकम्
वर्णानां च शते द्वे तु द्वानवत्या वरानने //
5.32
अधिकं कथितं भद्रे मातॄणां नामवर्जितम्
पदभेदस् तु विद्याया ज्ञातव्यः साधकेन तु //
5.33
प्रयत्नेन वरारोहे तन्त्राम्नायप्रपालकः
सकृद् उच्चारिता विद्या समयज्ञो भवत्य् असौ //
5.34
पञ्चप्रणव-म्-उद्धारं यथा त्वं गह्वरे शृणु
ए-ओ-मध्ये समुद्धृत्य बिन्दुनाद-म्-अलङ्कृतम् //
5.35
भगाख्यं प्रथमं बीजम् उद्धृतं परमाक्षरम्
व-ष-मध्यगतं गृह्य ण-ट-मध्यासने स्थितम् //
5.36
इ-उ-मध्येन सम्भिन्नम् अः-औ-मध्य-म्-अलङ्कृतम्
द्वितीयं कथितं देवि तृतीयं व-म-मध्यगम् //
5.37
ठ-ल-मध्यासनासीनं चतुर्थस्वरभेदितम्
बिन्दुना मस्तकाक्रान्तं न-च-मध्ये चतुर्थकम् //
5.38
ई-त-मध्ये समारुद्धम् ऐ-पूर्वेण विभेदितम्
बिन्दुनादसमाक्रान्तं चतुर्थं प्रणवं भवेत् //
5.39
पञ्चमं य-स-मध्यस्थं ब-ह-मध्यासने स्थितम्
अं-पूर्वेण समायुक्तम् औ-पश्चिमविभूटितम् //
5.40
अर्धचन्द्रान्वितं कृत्वा बिन्दुनादयुतं कुरु
पञ्चप्रणव-म्-उद्धारं रहस्यं कथितं तव //
5.41
मन्त्राणां दीपकं देवि यथाकर्मणि योजयेत्
विद्यायास् तु प्रसङ्गेन पञ्चप्रणवम् उद्धृतम् //
5.42
साम्प्रतं शृणु कल्याणि विद्यामाहात्म्यम् उत्तमम्
सेवनाज् जपहोमाद् वा ध्यानाच् च क्रमशो भवेत् //
5.43
षण्मासाच् चोत्पतेद् देवि सत् यम् एतद् उदाहृतम्
कृत्वा साम्राटजान् दोषान् उच्चारात् कल्मषापहम् //
5.44
देवद्रोहे गुरुद्रोहे कोटित्रिंशैः स शुध्यति
छेदने पुष्पपत्त्राणाम् आवर्ताच् छुध्यते तु सः //
5.45
सन्ध्यालोपे कृते देवि त्रिरावर्तेण शुध्यति
आह्निकच्छेदसञ्जाते शतम् एकम् उदीरयेत् //
5.46
लङ्घने समयानां च अभक्ष्यस्य तु भक्षणे
अवाच्यवाचिते देवि सहस्राच् छुद्धिर् इष्यते //
5.47
काकोलूककपोतानां पक्षिणां घातने कृते
सहस्रैर् द्विभिः शुध्येत सत्यं सत्यं न संशयः //
5.48
छागमेष तथान्यानि मृगजम्बूक ऋक्षयोः
शुद्धिस् त्रिसहस्राद् देवि यथा भैरव-म्-अब्रवीत् //
5.49
सर्पमार्जारहन्तारो दुन्दुभोमत्स्यघातकः
चतुर्भिश् च सहस्रैर् हि शीघ्रं शुद्धिम् अवाप्नुयात् //
5.50
श्वसूकरनकुलादि मूषकश् चाथ वापि वा
पञ्चभिः शुद्धिर् इष्येत सहस्रैस् तु कुलान्वये //
5.51
गवां हत्वा प्रशुध्येत दशलक्षैस् तु सङ्ख्यया
ब्राह्मणस् तु यदा देवि प्रमादाद् घातितो बुधैः //
5.52
लक्षैर् विंशति शुध्येत नक्ताशी तु जितेन्द्रियः
बौद्धारहन्तहन्ता च द्विजाद् द्विगुण शुध्यति //
5.53
लाकुला मौषलाश् चैव ये चान्ये लातपाणयः
हत्वा शुद्धिम् अवाप्नोति कोटित्रयजपेन तु //
5.54
गुरुं हत्वा पञ्च कोट्यः शुध्यते तु प्रमादतः
स्त्रियो घाती दुराचारो दश कोट्यो जपेत् प्रिये //
5.55
नक्ताशी शुद्धिम् आप्नोति क्षेत्रपीठान् भ्रमेद् यदि
अन्येषां वर्णजातीनाम् अधमोत्तममध्यमाः //
5.56
लक्षैस् तु भवते शुद्धिर् द्वित्रिचत्वारिसङ्ख्यया
एकाद् एकोन कर्तव्यं वर्णाणां च क्रमेण तु //
5.57
निन्दते योगिनीं यस् तु शिवभक्तांश् च निन्दति
शास्त्राणि दूषयेद् यस् तु स्त्रियम् आकोटयेति च //
5.58
क्रोषन्ति कन्यका देवि सहस्राच् छुद्धिर् इष्यते
वामदक्षिणसिद्धान्ते शिवव्रतधरो हतः //
5.59
कोटिचतुर्भिर् देवेशि शुध्यते जपतत्परः
यः पुनस् तत्त्ववेत्ता च षोढान्यासविशारदः //
5.60
स्मरणाच् छुद्धिर् इष्येत तथ्यं भैरव-म्-अब्रवीत्
क्रोधेन तु यदा देवि उच्चैःशब्दप्रलापितम् //
5.61
त्रिवारावर्तयेद् विद्यां शान्तिम् आशु प्रयच्छति
कृते कर्मणि बालानां लूताचिपिटगण्डयोः //
5.62
ज्वरग्रहविषादिभ्यः ओषधाख्यापनाय च
पञ्चावर्ताद् विशुध्येत अन्वयी यस् तु शासने //
5.63
यः पुनः क्रमवेत्ता च शुद्धाशुद्धैर् न बाध्यते
देशिकं पुत्रकं वापि साधकं समयज्ञकम् //
5.64
प्रमादान् निन्दते यस् तु दशावर्ताद् विशुध्यति
अलिं जुगुप्सयेद् यस् तु फल्गुषं वा यदि प्रिये //
5.65
एकोच्चारेण शुध्येत अन्नं वा यज् जुगुप्सते
कन्दुकं मल्लकोषाढ्या छिप्पकं चर्मकारकम् //
5.66
ध्वजं सूनाकरं वापि मत्स्यघातं तु लुब्धकम्
कोङ्कणं चीनबाह्लीकं वङ्गालं कामरूपकम् //
5.67
मागधं सैन्धवं वापि गुज्जरं लाटसंज्ञकम्
अन्ये ऽपि देशमध्यस्था वनवासान्त्यजातयः //
5.68
वेश्यादिक्रमशः सर्वे निन्दनाच् छुद्धिर् इष्यते
त्रिरावर्तेण देवेशि अकामात् कामतो ऽपि वा //
5.69
कामतो द्विगुणं देवि कर्तव्यं सिद्धिम् इच्छता
त्रिखण्डा यादृशं प्रोक्तं प्रायश्चित्तं कुलान्वये //
5.70
द्वात्रिंशाक्षरया तद्वत् कर्तव्यं तत्त्ववेदिभिः
एते निरोधरूपास् तु साधकानां प्रकाशिताः //
5.71
तदर्थे कथिता विद्या येन सिध्यन्ति साधकाः
श्रेयार्थिनां मयाख्याता मद्भक्ताः कृतनिश्चयाः //
5.72
अन्येषां न कदाचित् स्याल् लौल्यार्थे ये स्थितानघे
इयं विद्या समाख्याता उपयोगाद् वरानने //
5.73
साम्प्रतं पदभेदस् तु यथा योज्यस् तु भैरवि
तथा ते कथयिष्यामि तच् छृणुष्व समासतः //
5.74
या विद्या कथिता पूर्वं नादिफान्तक्रमेण तु
तच्छरीरगता वर्णाः पञ्चप्रणवभेदिताह् //
5.75
पञ्चयोन्याः स्वरूपेण वर्णम् एकैकसङ्ख्यया
भैरवः शब्दराशिस् तु आदिक्षान्तक्रमेण तु //
5.76
ते वर्णाः पञ्चप्रणवैः सम्पुटे[च्] च पृथक् पृथक्
आदिक्षान्तक्रमेणैव नियोजनम् उदाहृतम् //
5.77
द्वाभ्यां तु ग्रथनं कार्यं समस्तस्यापि शोभने
सप्त वर्णान् ददेच् चादौ मध्ये विद्यापदं ददेत् //
5.78
पुनः सप्त पदस्यान्ते तस्यान्ते तु पदं पुनः
पुनः सप्तकम् उच्चार्य पदं च तदनन्तरम् //
5.79
अनेन क्रमयोगेन निर्वाहेन तु योजयेत्
क्षान्तं वै याव देवेशि तावद् एव नियोजयेत् //
5.80
पदसङ्ख्या समस्तस्य निर्वाहोभयदीपिते
मालिनी द्वादशैर् भेदैः शब्दराशिस् तु षोडशैः //
5.81
अनेन क्रमशः सर्वे वर्णाश् चैव पृथक् पृथक्
चलचक्रविभागेन पदविद्यां यदा यजेत् //
5.82
तदा क्षोभं करोत्य् आशु दिव्यादिव्येतरं प्रिये
योनयः पञ्चधा यास् तु सर्वाः क्लिद्यन्ति नान्यथा //
5.83
द्रावणं क्षोभणं मोहं जृम्भणं शोषणं तथा
सर्वान् तान् कुरुते देवि यदा शक्तिसमो भवेत् //
5.84
प्रसुप्तभुजगाकारा द्वादशान्ते वरानने
नाभिष्ठा तु तथाप्य् एवं द्रष्टव्या परमेश्वरि //
5.85
दृश्यते देहमध्ये तु व्योमान्ते च परापरा
तस्याग्रे तु ततो मन्त्रं हुताशकणिकाकृतिम् //
5.86
उच्चारेत ततो मन्त्रं शब्दरूपं हृदि प्रिये
शब्दान्ते शक्तिर् उच्चार्या ईषन्मन्दगमारुता //
5.87
पद्मसूत्रनिभाकारा उच्चार्या सानुनासिका
उच्चारान्तावसाने तु ज्ञातव्यालातचक्रवत् //
5.88
तत्र मध्यगतं देवि चैतन्यं मन्त्रसंयुतम्
प्रस्फुरत्किरणानेकैः कोटिशो दिक्ष्व् अवस्थितैः //
5.89
तस्याप्य् अन्ते ततो देवि शक्तिर् आद्या मनोन्मनी
अतीता तु यदा सा वै तदा बिन्द्वी उदाहृता //
5.90
बिन्द्वन्ते व्यापको देवो मायातीतो निरामयः
स शिवो भावनातीतो निर्गुणो गुणसम्भवः //
5.91
अधिकारी सर्वकारी च शक्त्यातीतो महाप्रभुः
अनेन क्रमयोगेन क्रमः कार्यः सुनिश्चितैः //
5.92
आत्मा मनश् च मन्त्रश् च शिवः शक्तिस् तथैव च
एकीभावगतो देवि ज्ञातव्यः सिद्धिम् ईहकैः //
5.93
तस्मात् प्राणसमं जाप्यं मन्त्रान्ते नादगोचरे
नादस्यान्ते ततो ज्ञात्वा एतत् स्मरणम् उच्यते //
5.94
स्मरणं शक्तिर् उद्दिष्टा या करोति गमागमम्
तस्यान्ते तु परा सूक्ष्मा सा कला अमृतात्मिका //
5.95
लयातीता अरूपा तु स्वयंवेद्याविचारतः
न तस्य लक्षणं देवि न लक्षो नैव योजना //
5.96
न क्षयो नैव वृद्धिश् च शुक्लकृष्णौ न चैव हि
न रात्रिर् न दिनं चैव न सन्ध्या अयनं तथा //
5.97
विषुवं नैव देवेशि सङ्क्रान्तिर् नैव विद्यते
सर्वावस्थगतिं ज्ञात्वा विज्ञानम् उपजायते //
5.98
एतत् कौलिकम् आख्यातम् उमामाहेश्वरं प्रिये
उत्पतेत न सन्देहो लक्षजापाच् चलस्य तु //
5.99
चला शक्तिः समाख्याता लक्षणेन उदाहृता
अवर्णा वर्णसंयोगा मालिनी सा उदाहृता //
5.100
पदभेदगता ह्य् एका असङ्ख्याता वरानने
एवं तद्ग्रह-म्-आख्यातः सद्यःप्रत्ययकारकः //
5.101
न कस्यचिन् मयाख्यातम् उमामाहेश्वरं प्रिये
सततं जपते यस् तु योगिनीवल्लभो भवेत् //
5.102
षण्मासाच् छुध्यते देवि ब्रह्मघ्नो ऽपि न संशयः
पश्यते विरजां शान्तां ज्योतिरूपां महाद्युतिम् //
5.103
जपस्य लक्षणं देवि इदानीं शृणु साम्प्रतम्
एकोच्चारशतान्ते तु परावस्था तु गीयते //
5.104
शतभेदः समाख्यातस् तद्गुणो दश एव तु
सहस्रभेदम् इत्य् उक्तं लक्षः शतगुणः स्मृतः //
5.105
कोटिभेदः शतानां तु लक्षाणां वरवर्णिनि
एतज् जपविधानं तु कथितं तव शोभने //
5.106
मुक्तकः शतभेदेन युक्तं शतगुणं शतम्
चलचक्रविभागेन लक्षभेदम् उदाहृतम् //
5.107
चलचक्रं यदा देवि कोटिभेदो वरानने
बाह्यतः कथितो भद्रे अध्यात्मिकम् अतः शृणु //
5.108
उद्भवे शतभेदस् तु सहस्रो विश्लेषके विदुः
लये तु लक्षभेदो वै लयातीते तु कोटयः //
5.109
वामा ज्येष्ठा तथा रौद्री बिन्द्वी च समुदाहृता
इच्छा ज्ञानी क्रिया शान्ता क्रमेणैव सुरार्चिते //
5.110
आत्मचारगतिं ज्ञात्वा जपः कार्यः सदा बुधैः
अनेनैवाक्षसूत्रेण लक्षलक्षणलक्षिते //
5.111
कर्तव्यो हि जपो नित्यं सर्वशास्त्रविशारदैः
भुवनाख्ये वरारोहे शक्त्याख्ये तु तथैव हि //
5.112
चारोच्चारविभागेन जपः श्रेष्ठ उदाहृतः
माला पञ्चाशिका प्रोक्ता सूत्रं शक्तिः शिवात्मिका //
5.113
ग्रथनं कुण्डली शक्तिर् लयान्ते मेरुसंस्थितम्
एतद् गुप्ततरं कार्यम् अक्षसूत्रं शिवात्मकम् //
5.114*
प्रकटं नैव कर्तव्यं न मेरुं लङ्घयेत् क्वचित् /
शङ्खस्फटिकरुद्राक्षपुत्रञ् जीवकरिष्टकाः //
5.115
एवमाद्याः स्मृता ये तु मणिमाला वरानने
न तत्र विद्यते देवो न मन्त्रो नैव चेतना //
5.116
यत्र यत्र स्थिता माला न दोषो विद्यते प्रिये
मन्त्रन्यासे कृते देवि किल गोप्यं तु कारयेत् //
5.117
शरीरं कुत्र गोप्यं तु कारयीत वरानने
मन्त्रन्यासे कृते ह्य् आत्मा सकलीकृतविग्रहः //
5.118
यथा गोप्यं न युञ्जेत तद्वच् चैवाक्षमालिका
अक्षं चेन्द्रियम् इत्य् उक्तं सूत्रं कुण्डलिनी स्मृता //
5.119
लक्षं तु सा परा सूक्ष्मा कला ह्य् अमृतवाहिनी
संयोगकारिणी व्योम्नि तेन सूत्रेति कीर्तिता //
5.120
सङ्ख्याग्रहणकार्येषु सा चोक्ता अक्षमालिका
शङ्खाद्यास् तु वरारोहे जपकर्मणि शस्यते //
5.121
शङ्खजं तु श्रियाकामः स्फाटिकं मुक्तिहेतवे
पद्माक्षा पद्मजा प्रोक्ता श्रियापुष्टिकरा प्रिये //
5.122
रुद्राक्षैः सिद्धिम् आप्नोति यच् चान्यं खेचरीपदम्
जीवका सर्वदा ज्ञेया गोपुच्छाग्रथितानघे //
5.123
विद्रुमा वश्यकार्येषु मौक्तिका सर्वकामदा
अन्यानि तु स्मृता ये वै रत्नजा परमेश्वरि //
5.124
सर्वदा ते समुद्दिष्टा नात्र कार्यविचारणात्
रिष्टकाक्षास्थिजा माला अभिचारे प्रशस्यते //
5.125
नागवङ्गस् तथा लोहा मिश्राश् चान्ये ऽपि ये स्मृताः
मारणे तां प्रशस्येत स्तम्भने मोहने तथा //
5.126
कम्पने ध्वंसने देवि कर्तव्या चाभिचारके
एवम् अन्ये ऽपि ये प्रोक्तास् तेषां श्रेष्ठा तु शङ्खजा //
5.127
प्रशस्ता सर्वकार्येषु जपकर्मणि शस्यते
शङ्खावर्ता तु या नाडी शिखान्ते तु व्यवस्थिता //
5.128
तेन शङ्खमयं प्रोक्तम् अक्षसूत्रं सुराधिपे
स्फुटते मस्तके या सा द्विधा चैव विसर्पिणी //
5.129
स्फाटिकं तेन चोद्दिष्टं गुरुवक्त्रे प्रतिष्ठितम्
रौद्रीभाव[ः] स्मृतो रुद्रस् ताल्वग्रे च व्यवस्थितः //
5.130
शब्दस्पर्शरसो रूपं गन्धतन्मात्रसंयुतम्
विकारित्वे प्रवर्तेत निरोधाल् लक्षम् एव च //
5.131
तेन रुद्राक्षमालाया जपः श्रेष्ठ उदाहृतः
पुत्रवद् उदरे कृत्वा प्रसुप्तामृतकुण्डली //
5.132
तया नीयत्य् असौ जीव अधश् चोर्ध्वेन भाविनि
पुत्रञ्जीवकसंज्ञा तु तेनैषा समुदाहृता //
5.133
अरिष्टानि अनेकानि सुखदुःखात्मिकानि तु
भुञ्जते सततं देवि अर्जितं यत् पुरा धनम् //
5.134
अरिष्टाख्या स्मृता माला अप्रमेया भवान्तरे
हृत्पद्मे संस्थिता नित्यम् अक्षराणां प्रबोधिका //
5.135
पद्माक्षमाला सा प्रोक्ता शास्त्रे शास्त्रे वरानने
एवमाद्याः स्मृता ये तु पर्याया अक्षमालया //
5.136
ते सर्वे आत्मनश् चैव कथिताश् च कुलेश्वरि
अक्षसूत्रविधिः ख्यातः सम्यक् कौलिकवेदिनाम् //
5.137
साम्प्रतं न्यासम् आख्यामि शृणु तत्त्वेन शोभने
स्वाभाविकं चलं दीप्तं स्थिरं द्रवनभोयुतम् //
5.138
न्यासमात्रं समाख्यातं षोढाद्वादशभेदतः
षोढा शक्तिः समाख्याता परा चैवाक्षरा शुभा //
5.139
कुण्डली नाभिदेशस्था परा सा व्योमरूपिणी
एका एव परा सूक्ष्मा अक्षया तेजरूपिणी //
5.140
ज्ञातव्या सा परा देवी षड्वर्णरहिता कला
ब्रह्मस्थानगता सूक्ष्मा स्वाभाविकम् उदाहृता //
5.141
विष्णुस्थाने चला प्रोक्ता दीप्ता रुद्रपदे स्मृता
ईश्वरे स्थिरसंज्ञा तु सदाख्ये द्रवसम्भवा //
5.142
शक्तिस्था व्योमरूपा तु ज्ञातव्या तत्त्ववेदिभिः
अणिमादिगुणाधारा षड्गुणा गुणबोधनी //
5.143
व्यापिनी व्योमरूपा च अनन्तानाथनाश्रिता
संयोक्त्री च वियोक्त्री च सद्भावगुणसंस्थिता //
5.144
एका एव परा शक्तिः संस्थिता कृत्यभेदतः
कृत्यभेदेन भेदो ऽस्या न भेदः परमार्थतः //
5.145
एवं न्यासे कृते देवि अन्तरङ्गे प्रवर्तते
बहिरङ्गे वर्णरूपा च एका चैव अनेकधा //
5.146
षोढाद्वादशभेदेन न्यासः प्रोक्तो गमागमे //
5.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते बृहत्समयोद्धारः शब्दराशिमालिनीतद्ग्रहव्याप्तिनिर्णयो नाम पञ्चमः पटलः
Kapitel 6 – Devanagari
6.1
जपस्य लक्षणं देव पूर्वं हि कथितं त्वया
एकोच्चारशतं ज्ञेयं सहस्रं लक्षम् एव च //
6.2
कोटयस् तु तथा शम्भो पृथग्लक्षणलक्षिताः
न मे ज्ञातं प्रमाणं तु जपस्य सुरनायक //
6.3
तद् अहं श्रोतुम् इच्छामि मन्दबुद्ध्याल्पचेतसा //
6.4
या सा कुण्डलिनी शक्तिस् चिद्रूपा च परा कला
आद्या शक्तिर् महेशस्य अणुमात्रा हृदि स्थिता //
6.5
सा अणु[ः ] कथिता तन्त्रे द्वे अणू त्रुटिम् आश्रिता
त्रुटिभूता तु सा देवी जप्तव्या तु परापरा //
6.6
वर्णहीना परा प्रोक्ता अपरा वर्णरूपिणी
एवं ज्ञात्वा वरारोहे जपः कार्यः सदा बुधैः //
6.7
त्रुटिरूपा तु सा देवी तदाधारे व्यवस्थिता
कलते प्राणगा नित्यं दशस्थाने ह्य् अनुक्रमात् //
6.8
ब्रह्मा विष्णुस् तथा रुद्र ईश्वरो ऽथ सदाशिवः
कुण्डली व्यापिनी चैव प्रशान्ता विषुवत् तथा //
6.9
शक्तिस्थानं तु देवेशि एते स्थाना दश स्मृताः
येषां सञ्चरते देवः शिवः परमकारणः //
6.10
ऊर्ध्वे वा यदि वा तिर्यक् स्वस्थाने वा सुरेश्वरि
प्रस्फुरेत कलैर् युक्ता दशभिस् तु महाबलैः //
6.11
दशधा कलनं तेन कथितं तव शोभने
प्रयत्नेन कृतोच्चारं यावच् छक्तिर् लयं गता //
6.12
तावद् देवि शतं प्रोक्तं वर्णोच्चारे न संशयः
स्वाभाविकम् अनुच्चार्य सूक्ष्माधारो जगत्पतिः //
6.13
शतधा कलनं तस्य त्रुटिरूपस्य योगिनः
सहस्रं तु समुद्दिष्टं दशधा परमेश्वरि //
6.14
उभयस्य परित्यागाद् कलाधारः सदाशिवः१
दृक्क्रियाज्ञाननिर्मुक्तः कलते च सहस्रधा //
6.15
लक्षभेदः समुद्दिष्ट इति शास्त्रे न संशयः
जपो ह्य् एवं समुद्दिष्टो योगिनां तत्त्ववेदिनाम् //
6.16
लक्षातीतो मनातीतो निर्मुक्तस् तत्त्वबन्धनैः
उन्मनत्वे सदा लीनो अणुरूपो नकिञ्चनः //
6.17
सत्तामात्रस्थितो देही गुणानां प्रतिबोधकः
विषयभावनिर्मुक्तः कलते लक्षधा प्रिये //
6.18
कोटिस् तु भवते ह्य् एवं ज्ञातव्यं मन्त्रवादिभिः
सोच्चारोपांशुभूतस् तु मानसो मनवर्जितः //
6.19
जपः पूर्वं समाख्यातः शास्त्रे शास्त्रे सुरार्चिते
सशब्दोच्चारयोगेन शुद्ध्यर्थे कथितं स्फुटम् //
6.20
सिद्ध्यर्थे ऽपांशुर् उद्दिष्टः स्वप्रवृत्तो हृदि स्थितः
मानसो योगहेत्वर्थे उभयत्र विवर्जितः //
6.21
मनातीतो भवेद् देवि मोक्षदस् तु न संशयः
एवं देवि समाख्यातो जपः प्राणसमस् तव //
6.22
जपः प्राणसमः कार्यो दृष्टादृष्टफलार्थिनाम्
अवर्णा वर्णसंयोगा मया ते समुदाहृता //
6.23
निरालम्बे महाशून्ये यत् तेजम् उपजायते
तद्गर्भे अभ्यसेन् नित्यं भाग्यहीनो ऽपि सिध्यति //
6.24
योगमूली विशुद्धी च सार्णवे सा च एकता
एकत्र संस्थितानन्दं कुलरत्नं त्रिधा प्रिये //
6.25
मुद्रा तु सूचिता नाथ न मे ज्ञाता महाप्रभो
तन् ममाचक्ष्व देवेशि येन भ्रान्तिर् विनश्यति //
6.26
पातालोर्ध्वगतं यच् च शृङ्गाटपुरमध्यगम्
गोलाकारं ततो देवि रन्ध्रस्योर्ध्वगतं प्रिये //
6.27
चक्रद्वयम् इदं प्रोक्तं प्राधान्येन व्यवस्थितम्
वेधघट्टनिरोधं च उच्चाराकृष्टिकारकम् //
6.28
स्तोभस्तम्भनम् आवेशो गमं चैवात्र सुव्रते
एतद्विरहितो मन्त्री हास्यतां याति निश्चितम् //
6.29
अनेन ज्ञातमात्रेण प्रत्ययान् कुरुते बहून्
वृत्तिराजा वरारोहे निवेश्य चक्रमध्यतः //
6.30
वृत्तिहीनस् ततस् तत्र काव्यकर्ता न संशयः
चक्रमध्ये च सञ्चिन्त्य सुशुक्लां च परापराम् //
6.31
पुस्तकव्यग्रहस्तां च ज्ञानमुद्राधरां तथा
स्फाटिकेनाक्षसूत्रेण सर्वाभरणभूषिताम् //
6.32
स्रग्दामलम्बितगलां प्रभामण्डलमण्डिताम्
द्विबाहु-र्-एकवदनां चन्द्रकोटिसमप्रभाम् //
6.33
उद्गिरन्ती[ ं ] महौघेन शास्त्रकोटीर् अनेकशः
एवं ध्यानसमाविष्टः साक्षाद् वागीश्वरो भवेत् //
6.34
संस्कृतं प्राकृतं चैव वेदसिद्धान्तगह्वरम्
ग्रन्थतश् चार्थतश् चैव उद्गिरेन् नात्र संशयः //
6.35
पीठमध्यगताभ्यासात् पीठद्वारे ऽथवा प्रिये
सम्प्रदायम् इदं कौलं शाक्तं शक्तिपदानुगम् //
6.36
मात्रायोगेन देवेशि मुद्राबन्धं तु कारयेत्
सा मात्रा गीयते चात्र उच्चारवशवर्तिनी //
6.37
उच्चरं सहजं देवि देहमध्ये व्यवस्थितम्
शतसङ्ख्याप्रमाणेन यावद् उच्चरते पराम् //
6.38
तावद् आविष्टदेहस् तु शास्त्रार्थं वदते सुधीः
नित्यारूपेण सैवात्र ध्यायेद् रक्तसमप्रभाम् //
6.39
लाक्षालक्तकसङ्काशां चतुर्वक्त्रां चतुर्भुजाम्
मूर्तित्रयसमोपेतां त्रिभिर् भेदैर् व्यवस्थिताम् //
6.40
त्रिस्थां त्रिमार्गगां देवीं त्रिनाडीसमतां गताम्
नित्यक्लिन्नां च देवेशि तथा चैव मदद्रवाम् //
6.41
देव्यारूपधरां सर्वाम् एकवक्त्रां द्विबाहुकाम्
पाशाङ्कुशधरां सर्वां मदविभ्रान्तलोचनाम् //
6.42
यौवनस्थां मदोन्मत्तां मदिरानन्दनन्दिताम्
स्मरेद् देव्याः स्वरूपं तु तत्प्रयोगव्यवस्थया //
6.43
तडित्सहस्रबन्धूकदाडिमीकुसुमद्युतिम्
पञ्चशृङ्गाटकाधारां सा परा पररूपिणी //
6.44
महायोगविलासा तु शिवाद्यवनिगोचरम्
व्यापयित्वा स्थिता देवी रविनक्षत्रमण्डलम् //
6.45
शृङ्गाटकं चोर्ध्वमुखं तिर्यग्रेखाग्रमूलगम्
शिखोर्ध्वकुण्डलाकारं कामशक्ति-र्-अधिस्थितम् //
6.46
पञ्चशृङ्गाटकासीनं स्थितं तत्र वरानने
देव्यारूपधरं चक्रं ध्यायेद् एवं न संशयः //
6.47
एष बन्धस् तु मुद्रायाः कथितस् ते कुलेश्वरि
त्रितत्त्वेन तु मन्त्रेण वक्ष्यमानेन कारयेत् //
6.48
द्रावणं क्षोभणं चैव आकर्षवशम् एव च
पूजाविधानं देवेशि देव्याया वीरवन्दिते //
6.49
त्रिशिखा पद्ममुद्रा च योनिमुद्रा विशेषतः
तासां लक्षणम् आख्याहि यथावत् स्फुटतो वद //
6.50
मुद्राणां लक्षणं देवि कथयामि समासतः
हस्ताभ्यां कारयेद् आदौ सम्पुटं चोर्ध्वदिङ्मुखम् //
6.51
अङ्गुल्या ग्रथयेत् सर्वाः संश्लिष्टम् उभयेष्व् अपि
तर्जन्यानामिकौ कुञ्च्य संश्लिष्टौ मध्यसंस्थितौ //
6.52
ताभ्यां मूले मुखं कार्यं तर्जन्याया वरानने
संश्लिष्टौ सम्मुखौ द्वौ तु मध्यमौ ऊर्ध्वदिङ्मुखौ //
6.53
संयोगेन वरारोहे अङ्गुष्ठौ च कनिष्ठकौ
तादृशीव हि कर्तव्या त्रिशिखा तु विधीयते //
6.54
कराभ्यां सम्पुटं कार्यं मणिबन्धौ तु संहतौ
अग्राङ्गुल्या प्रसार्येत अङ्गुष्ठौ मध्यसंस्थितौ //
6.55
पद्ममुद्रा समाख्याता योनिमुद्राम् अतः शृणु
हस्ताभ्यां सम्पुटं कार्यं कनिष्ठा मध्य योजयेत् //
6.56
पुटाकारौ करौ कृत्वा अङ्गुष्ठौ मध्यसंस्थितौ
निःसृता वामहस्तस्य अङ्गुल्या तु कनीयसी //
6.57
योनिमुद्रा स्मृता भद्रे सर्वेषां क्षोभकारिका
एता मुद्राः समाख्याता ध्यानपूजाविसर्जने //
6.58
साम्प्रतं खेचरीणां तु यथा मुद्रा खगाधिपे
कथयामि समासेन त्वत्प्रीत्या खगगामिनी //
6.59
अनामा कर्णिके योज्या षोडशारं तु पीडयेत्
पीडनाद् ऋजुतां याति खगमार्गे तु भाविनि //
6.60
फादिनान्तगते लक्षे खगतिश् च न संशयः
षट्पत्त्रं मूर्ध्नितः कृत्वा तर्जन्याग्रे तु योजयेत् //
6.61
शून्ये शून्यमनो भूत्वा सम्पीड्येत परस्परम्
षट्पत्त्रं तु विकाश्येत उदानप्रेरितेन तु //
6.62
भावयेन् नादिफान्तं तु खगतीति न संशयः
द्वादशारोर्ध्वनालेन लम्बिकान्ते निवेशयेत् //
6.63
भेदनं कुञ्चितेनैव चार्गलं कूर्मसंयुतम्
भावयेन् नादिफान्तं तु खगतिं वीरवन्दिते //
6.64
पद्ममुद्रा त्रिधा प्रोक्ता योनिमुद्राम् अतः शृणु
योनिं योनौ समाक्रम्य मुद्गरेण तु भेदनम् //
6.65
विसर्गद्वयसंयोगात् खगगामी भवेद् ध्रुवम्
अमृताख्या परा योनिर् भावयेन् मस्तकोपरि //
6.66
आक्रम्य गन्धमार्गं तु योजना नादिफान्तगा
खगतिर् भवते-द्-एवं योनिमार्गे विचक्षणः //
6.67
उच्चार्य वामशक्तिं तु सन्धयेद् ग्रन्थिमध्यतः
विक्षेपम् ऊर्ध्वतः कृत्वा परे योनौ तु भावना //
6.68
अनेन खगगामित्वं भवते तु न संशयः
योनिमुद्रा समाख्याता त्रिभेदा परिकीर्तिता //
6.69
त्रिशिखालक्षणं देवि कथ्यमानं निबोधत
कराभ्यां चैव तर्जन्यां पीडयेत् तत् प्रयत्नतः //
6.70
ब्रह्मनाड्या द्विरभ्यासाद् आसनं मन्दरस्य तु
त्रिशिखा नाम मुद्रेयम् अर्पणं खगमार्गयोः //
6.71
गोलकं शून्यमार्गस्थं पथत्रयगतं प्रिये
क्षेपणं बिन्दुकोट्यूर्ध्वम् अवनीं क्रम्य पादयोः //
6.72
गुह्ये निवेश्य मन्त्रज्ञस् त्रिशिखं खेचरं प्रिये
अनेन खगगामी ऽसौ भवते साधकोत्तमः //
6.73
करणं चोर्ध्वमूलं स्याद् बन्धयेत् खगमण्डलम्
आक्रम्य पञ्चमं तत्र कराभ्यां चैव शूलिनि //
6.74
जानुकौ कुर्परे योज्य विक्षेपो गुह्यमध्यतः
वेधनं ब्रह्मरन्ध्रस्य कथितं तु तपोधने //
6.75
खगमार्गगतिस् त्व् एवं भवते तु सुलोचने
एषा मुद्रा समाख्याता नवभेदैर् व्यवस्थिता //
6.76
मुद्रा शक्तिर् इति ख्याता मुद्रितं द्रावयिष्यति
तेन मुद्रा समाख्याता कथिता परमेश्वरि //
6.77
मुद्रितं गोपितं प्रोक्तं चिच्छक्त्या या परापरा
न ज्ञायते वरारोहे सा तु मुद्रा उदाहृता //
6.78
अज्ञानमलरूपेण यावद् बद्धः स पुद्गलः
न जानाति परात्मानं तावन् माया प्रवर्तते //
6.79
भिन्ने तमसि चैकत्वं यदा पश्यति मानवः
तदा सा तु परा प्रोक्ता बन्धमोक्षकरी प्रिये //
6.80
एका सा परमा शक्तिः संस्थिता तु शिवेच्छया
मोचयन्ति ग्रहादिभ्यः पाशौघान् द्रावयन्ति च //
6.81
मोचनाद् द्रावणाद् यस्मान् मुद्राख्याः शक्तयः स्मृताः
खगतिर् ह्य् ऊर्ध्वभावेन खगमार्गेण नित्यशः //
6.82
चरते सर्वजन्तूनां खेचरी तेन सा स्मृता
परत्व्ऽ एका तु सा ज्ञेया पुनश् चैव त्रिधा स्मृता //
6.83
इच्छा ज्ञानी क्रिया सा तु वर्णरूपम् उपागता
पञ्चाशभेदभिन्ना सा एका एव-म्-उदाहृता //
6.84
अङ्गावयवसम्पूर्णा मालयित्वा जगत् स्थिता
नादिफान्तस्वरूपेण तेन सा मालिनी स्मृता //
6.85
सप्त कोट्यस् तु मन्त्राणाम् अप्रमेयास् तु याः स्मृताः
स्वतन्त्रस्थास् तु ताः सर्वा मुद्रिताः परमेश्वरि //
6.86
तेन मुद्रा समाख्याता सद्यःप्रत्ययकारिका
अवयवे मातृरूपा तु स्वैः स्वैर् अंशैर् व्यवस्थिता //
6.87
ब्रह्मांशा चैव रुद्रांशा कौमार्यांशा वरानने
वैष्णव्या चैव याम्यांशा ऐन्द्र्यांशा च तथानघे //
6.88
योगेश्वर्या च योगांशा योगयोगीशनायिका
एते ह्य् अंशाः स्मृताः सप्त पुनः सप्तसु सप्तसु //
6.89
ब्रह्माण्याः सप्त-म्-उद्दिष्टाः सप्त माहेश्वरी पुनः
कौमार्याः सप्त-म्-उद्दिष्टा वैष्णव्याः सप्त एव च //
6.90
वाराही सप्त-म्-उद्दिष्टा ऐन्द्राण्याः सप्त एव तु
चामुण्डा सप्त-म्-उद्दिष्टा एवं वै सप्त सप्तसु //
6.91
पञ्चाशैकोन वै देव्या भुवनावलिसंस्थिता[ः]
अत्र भेदैर् अनेकैश् च संस्थिता भुवनावलिः //
6.92
तस्य देहगता रोमा[ः] कोट्यस् त्रीणि प्रकीर्तिताः
लक्षाणि चैव पञ्चाशद् रोमाणां तु तदुद्भवा //
6.93
एकैकरोमकूपेषु योगिन्यः कोटिसंस्थिताः
त्रिकोटिकोटिकोटीनां कोटयस् तु अनेकधा //
6.94
यथा चाम्बरपर्यन्ता पृथिव्यादिषु सम्भवाः
अणवस् त्व् अप्रमाणास् तु तत्त्वे तत्त्वे त्व् अनेकधा //
6.95
सूक्ष्मरूपास् तथा रुद्रा एषां सङ्ख्या न विद्यते
व्यापितं तु समस्तं हि रुद्रैः सूक्ष्मतरैः प्रिये //
6.96
एवं मुद्रा समाख्याता व्यापयित्वाप्रमेयतः
एका एव परा मुद्रा यस्येदं तिष्ठते जगत् //
6.97
यं यं स्पृशति सा ह्य् अङ्गं सा सा मुद्रा विधीयते
नृत्यं वल्गं तथा हास्यं रोदनं स्फोटम् एव च //
6.98
यद् विकारं प्रकुर्वन्ति तत् सर्वं मुद्रसंज्ञकम्
अङ्गुल्या अङ्गना प्रोक्ता अङ्गे चरति नित्यशः //
6.99
अङ्गुल्या तेन चोद्दिष्टा मुद्राबन्धे वरानने
कं शरीरम् इति ख्यातं न्यस्ता तस्मिन् प्रवर्तते //
6.100
हेलागमनमार्गेण तेन नामा कनीयसी
अनामा नामरहिता कोटिभेदैर् व्यवस्थिता //
6.101
नामं न शक्यते वक्तुम् अनामा तेन गीयते
मध्ये प्रवर्तते नित् यम् आश्रया पुद्गलस्य तु //
6.102
तत्राधाराद् व्रजेद् ऊर्ध्वं पुनरागमनं प्रिये
मध्यमा नाम तेनात्र कथिता मन्त्रवादिनाम् //
6.103
तर्जनं कुरुते नित्यं संयोजनवियोजनम्
तर्जयन्ती महामोहं पाशजालम् अनन्तकम् //
6.104
तर्जनी तेन सा प्रोक्ता मुद्रा सर्वेषु चोत्तमा
अङ्गुष्ठश् चौघभूता तु प्रवाहे सततं प्रिये //
6.105
उच्चारेण प्रवर्तेत अङ्गुष्ठस् तेन स स्मृतः
अह-म्-ऊर्ध्वगतिः प्रोक्तः स्तौ ति रात्री निगद्यते //
6.106
हस्तौ तेन समाख्यातौ वामदक्षिण उच्यते
वामे सृष्टिर् इति प्रोक्ता संहारं दक्षिणे विदुः //
6.107
सव्यासव्यगतौ तेन कथितौ वीरनायिके
वामाव्याप्तं जगत् कृत्स्नं संहारान्तं तदा प्रिये //
6.108
संयोगेन वरारोहे आत्मा कुण्डलिनी स्मृता
इयं सा परमा योनिर् योनीनाम् उत्तमा प्रिये //
6.109
यो जानाति वरारोहे शक्तिर् आद्या मनोन्मनी
तेन ज्ञातं जगत् सर्वं वर्णावर्णविवर्जितम् //
6.110
सा मुद्रा तु समाख्याता विश्वव्याप्तिकरी परा
द्वौ बिन्दू चूलिके द्वे तु विसर्गशक्तिसम्पुटम् //
6.111
तदूर्ध्वम् इह नादान्तं विभ्वी शून्यम् उदाहृतम्
जन्मस्थानात् समुद्यन्ती यावत् तद्भवमण्डलम् //
6.112
सृष्टिसंहारयोगेन मेढ्रम्-आधारमध्यगम्
एवं मुद्रा समाख्याता वाङ्मनःकायकर्मभिः //
6.113
किम् अन्यत् पृच्छसे देवि तत् सर्वं कथयाम्य् अहम् //
6.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते जपमुद्रानिर्णयो नाम षष्ठः पटलः
Kapitel 7 – Devanagari
7.1
या सा देवी (देव एद्.) परा योनिः समया कुब्जिनी परा
ताम् आचक्ष्व प्रयत्नेन संस्फुटं व्याप्तिलक्षणम् //
7.2
शृणु देवि यथातथ्यं देव्या माहात्म्यम् उत्तमम्
कार्ये वाथ अकार्ये वा उक्तानुक्तेषु वस्तुषु //
7.3
कुब्जीशानीं जपेद् यस् तु तस्य पापं न विद्यते
यः पुनः शुद्धभावात्मा समयाख्यां महेश्वरीम् //
7.4
जपेत् तस्य प तद् वस्तु यन् न सिध्यति भूतले
एतत् परमसमयं देवीतन्त्रे प्रकीर्तितम् //
7.5
न देयं यस्य कस्यापि यस्मात् सर्वं प्रपद्यते
तन्त्रे तन्त्रे तु समया कथितानेकधा मया //
7.6
अन्यकल्पोपचारेषु निरुद्धा तत्र शासने
एषा सा समया देवि अत्र सर्वं प्रतिष्ठितम् //
7.7
चतुष्पीठेषु समयास् ते ऽत्र सर्वे विनिर्गताः
एषा राजेश्वरी देवी समयाचारनिर्गता //
7.8
निराचारेण योगेन सिध्यते ह्य् अविचारतः
पञ्चव्याप्तम् अतः सर्वं सर्वव्याप्त्यन्तसंस्थितम् //
7.9
अस्योच्चारणमात्रेण तन् नास्ति यन् न साधयेत्
कम्पते भुवनं सर्वं त्रैलोक्यं सुरडामरम् //
7.10
समयाख्यं जपन्तस्य क्षुभ्यते सचराचरम्
वामदक्षिणतन्त्रेषु सामान्या समया परा //
7.11
तस्या देव्याः प्रभावो ऽयं या पञ्चाशपदात्मिका
सिद्धमार्गे ऽन्यथा देवि द्वात्रिंशगुणलक्षिता //
7.12
कुब्जिका नाम विख्याता समयस्था कुलेश्वरी
यत्र विश्वेश्वरं सर्वं समयाद्यं विनिर्गतम् //
7.13
मन्त्रमुद्रागणो ह्य् अत्र विद्यामण्डलकादिकम्
यस्याः कमलिनी देवी हृदिस्था सम्प्रवर्तते //
7.14
यया सृष्टम् इदं सर्वम् आब्रह्मस्तम्भगोचरम्
कुलदीपा शिरस्थास्याः षड्विधाध्वप्रबोधिका //
7.15
बर्बराख्या शिखा ह्य् अस्यास् त्रितत्त्वोर्ध्वव्यवस्थिता
मुद्राधारगता देवी बहुरूपात्र निर्गता //
7.16
छादयन्ती समस्तां तु शब्दराशिं तु मालिनी
कवचं यस्या महादेव्या मन्त्रमायात्मकं महत् //
7.17
किण्किणिं तं प्रचण्डोग्रं तेजोदेदीप्यवर्चसम्
ज्ञेयं वृद्धोपमं नेत्रं तत्त्वार्थगुणसङ्कुलम् //
7.18
संवर्तादिशिवान्तस्थं षडस्रं पिङ्गलोचनम्
तद् अस्त्रं कोङ्कणेशान्या येन व्याप्तं षडध्वरम् //
7.19
कथं तु कुब्जिका नाथ वद मन्त्रपदान्वितम्
सर्वज्ञा सर्वदा देवी लक्षणेन समन्विता //
7.20
उवाच भैरवो ह्य् एवं कुब्जिकां शृणु कुब्जिके
किं तु त्वया न वक्तव्या यावन् नादेशितः शिशुः //
7.21
च्चेवीति पदं प्रथमं णिकि णिकि द्वितीयकम्
छीं छां पदं तृतीयं तु खिमुराघो-अ चतुर्थकम् //
7.22*
मे न ण ञ ङ पञ्चमं ह्रौं ह्रीं ह्रां षष्ठमं पदम् /
यैकाब्जिकुश्री सप्तमं तिवगभ मोन अष्टमम् //
7.23
विलोमेन पदान्य् अष्टौ द्वात्रिंशाक्षरमालिका
पञ्चप्रणव-म्-आद्यन्ता वियुक्ता लक्षणाधिका //
7.24
आदिकूटावसाने तु चत्वारिंशद् धि मालिनी
विलोमेनोद्धरेद् देवी[ं] गुरुवक्त्रोपदेशतः //
7.25
रेफसहम् इदं कूटं विद्यासप्तमकं पदम्
श्रीलोपे सन्नियोक्तव्यं जीवितं कुब्जिके मम //
7.26
स्वमनीषिकातो ऽन्यथा स विद्विष्टो मरीचिभिः
यस्माद् भाण्डारम् इत्य् एवं सर्वस्वं योगिनीकुले //
7.27
अथ चेत् सर्वपीठेषु मातेयं समयात्मिका
अस्याः स्मरणमात्रेण विह्वलं तु जगत्त्रयम् //
7.28
भवते नात्र सन्देह इति माता सुरक्षिता
हृदयाद्यस्त्रपर्यन्तम् एकोच्चारेण सुव्रते //
7.29
सिद्धमार्गं यथा ब्रूमि विलोमेन विलोमतः //
7.30
यस्त्रा-अ यैव्वाणाङ्कको च्चेवि णिकि णिकि ।
ययात्रत्रने यैकारिन्ताहम छीं छां ।
यचावक यैपारूहुब खिमुराघो-अ मे न ण ञ ङ ।
यैखाशि खेशिरर्बब ह्रौं ह्रीं ह्रां ।
सेरशि यैपादीलकु यैकाब्जिकुश्री ।
ययादहृ यैलामत्कहृ तिवगभ मोन ॥
7.31
पञ्चदशाक्षरं हृदयं शिरश् चैव त्रयोदश
एकादशाक्षरा शिखा विंशदेकोन कवचम् //
7.32
नेत्रं त्रयोदशैः प्रोक्तम् अस्त्रं चैव चतुर्दशम्
पञ्चप्रणव-म्-आद्यन्ता यथा विद्या तथा कुरु //
7.33
एतत् कौलिकभाषायां कथितं तु सप्रत्ययम्
संस्फुटं गुरुवक्त्रस्थं विलोमस्थं न सिध्यति //
7.34
कौलिकेदं समाख्यातं सिद्धमार्गसुदुर्लभम्
च्चेवि ति प्रथमं पदं णिकि णिकि द्वितीयकम् //
7.35
छीं छां चैव तृतीयं स्यात् ह्रौं ह्रीं ह्रां र्ध्वेखोशित्रि चतुर्थकम् ।
ह्रें मे न ण ञ ङ पञ्चमं खिमुराघो-अश्री षष्ठम् ॥
7.36
यैकाब्जिकु मोन ह्रीं सप्तमम् ।
रफसह एअं कूटम् ऐं विलोमेन चाष्टमम् ॥
7.37
द्वात्रिंशदक्षरा देवी नियुक्ता गुणशालिनी
आदिकूटक्रमेणैव विलोमेनोद्धृता इयम् //
7.38
गुरुवक्त्रोपदेशेन संस्फुटं कथितं तव //
7.p-4
स्त्रम्-अ व्वाणाङ्कको च्चेवि ।
त्रंने निजितेश्ववि णिकि णिकि चंवक केघ्विल छीं छां ।
यैखाशि केरिन्ताहम ह्रौं ह्रीं ह्रां मे न ण ञ ङ ।
सेरशि रर्बब खिमुराघो-अश्री ।
यंदहृ यैकाब्जिकुलमक मोन ह्रीं ह्स्फ्रें ऐं ॥
7.40
सर्वसाधारणं कौलं ब्रूमि अन्योपदेशतः
पञ्चमं तु पदादिस्थं हृदयं च दशाक्षरम् //
7.41
शिरम् अष्टाक्षरं विद्धि द्वादशार्धं शिखा स्मृता
द्विसप्तकं च कवचं नेत्रं सप्ताक्षरं शुभम् //
7.42
अस्त्रं नवाक्षरं प्रोक्तं जातयश् च पृथक् पृथक्
कवचान्तं चतुर्वक्त्रं पञ्चमं तु तदग्रतः //
7.43
परिपाटिस् तु वक्त्राणाम् ऊर्ध्ववक्त्रादितः क्रमात्
एषा सा समया देवी कुलमार्गे व्यवस्थिता //
7.44
सकलस्था तु साचारा अशेषार्थविशोधिका
कौलभाषोदिता या तु सा तु सिद्धा कुलान्वये //
7.45
अशेषार्थप्रदातारा अनेकार्थप्रबोधिका
यान्त्य् अनेन तु देहेन खेचरत्वं तदाश्रिताः //
7.46
अक्षराक्षरसन्तानं योजयेल्लक्षसङ्ख्यया
कुब्जीशगुणतुल्यो ऽसौ हर्ता कर्ता स्वयं प्रभुः //
7.47
खेचरीणां पदं सो हि पश्यते ह्य् अविचारतः
निराचारेण योगेन चिन्तयन्तः कुलेश्वरीम् //
7.48
अथ सामान्यरूपेण तदा भूचरतां व्रजेत्
कुपितः पातयेच् छैलान् शोषयेज् जलधीश्वरान् //
7.49
स्फोटयेच् छैलवृक्षांश् च तद्ध्यानगुणम् आश्रितः
भूचरीणां पतित्वं च क्षुद्रकर्मोपजीविनाम् //
7.50
कुरुते विविधाश्चर्यं पूज्यते स शिवो यथा
यत्र तिष्ठत्य् असौ देशे तत्र विघ्नं पलायते //
7.51
कुब्जिकायाश् च या दूती कालिका नाम विश्रुता
कालिकाख्ये महातन्त्रे स्वतन्त्रा सा उदःर्ता //
7.52
शृणुष्वेकमना भद्रे ज्ञानविज्ञानदायिनी
सर्वसिद्धिकरी देवी सर्वकार्यप्रसाधनी //
7.53
व्याघ्रसिंहगजव्यालभूतवेतालशत्रवः
स्मरणान् नाशम् आयान्ति विघ्नसङ्घानि यानि च //
7.54
प्रश्नकाले परीक्षेत कुमार्य् आवेशपूर्विका
शुभाशुभं वदत्य् आशु यद् भूतं यद् भविष्यति //
7.55
अस्योद्धारं प्रवक्ष्यामि यथावद् अनुपूर्वशः
अः-ख-मध्यगतं गृह्य झ-पूर्वेण समन्वितम् //
7.56
प्रथमम् उद्धृतं बीजं द्वितीयं ण-ह-सन्धिगम्
भेदितं तु ञ-पूर्वेण एतद् वर्णद्वयं पुनः //
7.57
आ-स-रन्ध्रगतं गृह्य य-स-मध्यगतं पुनः
द्वितीयेन तु सम्भिन्नं षष्ठं वै बीजम् उत्तमम् //
7.58
प्रथमं सप्तमं ज्ञेयं द्वितीयस्य द्वितीयकम्
अष्टमम् उद्धृतम् बीजं नवमं भ-ञ-मध्यगम् //
7.59
ञ-उत्तरसमायुक्तं शून्यमस्तकभूषितम्
म-ष-मध्यगतं गृह्य दशमं केवलं प्रिये //
7.60
ष-व-मध्यगतोद्धृत्य औ-पूर्वेण तु भेदितम्
एकादशाक्षरं प्रोक्तम् ऐ-ठ-मध्यगतं ददेत् //
7.61
ञ-पूर्वेण तु सम्भिन्नं दशद्वितयम् उत्तमम्
ए-व-रन्ध्रगतं गृह्य केवलं त्रिदशं पुनः //
7.62
ज-स-मध्यगतं गृह्य ऐ-औ-मध्येन आहतम्
चतुर्दशोद्धृतं बीजम् अ-छ-सन्धिगतं पुनः //
7.63
केवलं कथितं बीजं दशपञ्चाक्षरं प्रिये
प-ध-मध्यगतं गृह्य ञ-पूर्वेण तु भेदितम् //
7.64
षोडशम् उद्धृतं बीजं स-य-मध्यगतं ददेत्
ल-ठ-मध्यासनासीनं झ-पूर्वेण तु भेदितम् //
7.65
नादबिन्दुकलाक्रान्तं दशसप्तकम् उद्धृतम्
व-म-मध्यगतोद्धृत्य ट-ण-मध्यासने स्थितम् //
7.66
ट-पूर्वेण तु सम्भिन्नं शून्ययुक्तं दशाष्टमम्
वह्नियुक्तं महाप्राणम् अं-पूर्वेण तु भेदितम् //
7.67
चतुर्दशस्वराक्रान्तं बिन्दुनादसशक्तिगम्
विंशमं न्यूनम् एकेन उद्धृतं बीजम् उत्तमम् //
7.68
य-ढ-मध्यगतं गृह्य केवलं विंशमं भवेत्
ख-पूर्ववर्णम् उद्धृत्य थ-पूर्वासनसंस्थितम् //
7.69
विंशम् एकाधिकं भद्रे अः-ख-मध्यगतं पुनः
ॠ-पूर्वासनम् आरूढं द्वाविंशतिम् उदाहृतम् //
7.70
द-च-रन्ध्रगतोद्धृत्य त-पूर्वासनसंस्थितम्
विंशत्रितयम् आख्यातं य-ज-मध्यगतं पुनः //
7.71
पञ्चमस्वरसंयुक्तं चतुर्विंशतिमं पुनः
ग-पूर्वं तु समुद्धृत्य चतुर्थस्वरसंयुतम् //
7.72
पञ्चविंश समाख्यातम् ओ-ष-मध्यगतं पुनः
ऐ-पूर्वेण तु सम्भिन्नं षड्विंशकम् उदाहृतम् //
7.73
स-त-मध्यगतं चान्यं ट-परेण समाहतम्
सप्ताविंशतिमं भद्रे आ-स-मध्यगतं पुनः //
7.74
झ-पूर्वेण समायुक्तम् अष्टाविंश तु पार्वति
पुनर् एवं ददेद् देवि त्रिंशत्यूनं सबिन्दुकम् //
7.75
घ-न-मध्यगतं गृह्य केवलं त्रिंशमं भवेत्
ध-ह-रन्ध्रगतं देवि वाय्वासनसमन्वितम् //
7.76
त्रिंशम् एकाधिकं प्रोक्तं क-ष-मध्यगतं पुनः
थ-ण-मध्यासनारूढं पञ्चमस्वरयोजितम् //
7.77
द्वात्रिंशमं समाख्यातं केवलं व-ष-मध्यगम्
त्रयस्त्रिंश समुद्दिष्टं ण-थ-मध्यगतं पुनः //
7.78
वह्निना दीपितं कृत्वा त्रिंशमं चतुराधिकम्
स-त-रन्ध्रगतं बीजं केवलं सृष्टिसंयुतम् //
7.79
पञ्चत्रिंश स्मृता वर्णाः पञ्चप्रणवसम्पुटाः
योजितव्या महाविद्या कालिका सिद्धिकाङ्क्षिणा //
7.80
अदृशीकरणे ह्य् एषा सर्वसम्पददायिनी
न देया दुष्टबुद्धीनां देवीदूत्या महाबला //
7.81
दूती तु कथिता ह्य् एवं मुद्राबन्धम् अतः शृणु
पद्मासनस्थितो योगी समकाय ऋजुःशिरः //
7.82
रेच्य वायुं स्वकाद् देहात् पुनर् आकृष्य धारयेत्
हृदये यः स्थितो ग्रन्थिस् तस्य नाभौ क्षिपेन् मनः //
7.83
मन्त्रं चैव तथात्मानम् एकीकृत्य त्रयं बुधः
दण्डाकारं नयेत्ऽतावद् यावद् ब्रह्मबिलान्तगम् //
7.84
तत्स्थानात् प्रेरयेत् तूर्णं महायानेन सुन्दरि
कराभ्यां चैव तर्जन्यां पीडयेत पुनः पुनः //
7.85
ललनाघण्टिके योज्य पञ्चमं स्थानम् आक्रमेत्
आक्रमेद् गुह्यचक्रं तु करणं चोर्ध्वमूलकम् //
7.86
लग्ने ग्रन्थित्रयं देवि खगतिर् नात्र संशयः
अङ्गषट्कं शृणुष्वेदं कुब्जिकायाः कुलेश्वरि //
7.87
हृदयेन तु देव्यायाः क्षोभयेच् चासुरीगणम्
नवलक्षकृते जाप्ये राजिकालवणे हुते //
7.88
राजराजेश्वराणां तु मर्त्यलोके ऽथवा पतिः
सामान्यजपहोमेन सद्यःसम्पददायिनः //
7.89
स्त्रीजनं क्षोभयेत् सर्वं बालवृद्धयुवान् पशून्
शिरो [ऽ]धिष्ठितयोगेन भूतवेतालराक्षसान् //
7.90
यक्षिणीयक्षकन्याश् च पिशाचीनां च साधनम्
कुरुते विविधाश्चर्यं फलपुष्पादिकर्षणम् //
7.91
यक्षिण्याकर्षणं देवि मृतकोत्थापनादिकम्
साकिनीकुलसामान्यः पाशच्छेदं पशुग्रहम् //
7.92
कुरुते विविधाश्चर्यं शिरःसिद्धो ह्य् अनेकधा
असिद्धस्य तु कर्माणि कर्मयोगाद् वदाम्य् अहम् //
7.93
अशक्तह् साधने वीरस् तस्येदं द्वेषणं प्रति
शिरोरुहसमुत्पन्ना चण्डाली जुष्टपूर्विका //
7.94
रक्षणार्थं तु सा दूती शासने सम्प्रतिष्ठिता
पठनाद् एव संसिद्धा जपहोमविवर्जिता //
7.95
शिरसो वशगा दूती तदाज्ञा निग्रहात्मिका //
7.96
ॐ हास्वा ट्फ २ हूं २ सग्र २ यरमा कंमु-अ २ चप २ मध २ हद २ नह णिरिधाङ्गट्वाखलपाक णिक्षभसमांरधिरु लीण्डाचाष्टजु तिवगभ मोन ॐ ॥
7.97
विलोमेन कृताभ्यासम् उद्धरेद् उपदेशतः
सम्पूज्य योगिनीषट्कं रामणीशिरसान्वितम् //
7.98
दाघम् उत्पादयेत् प्रथमं लेख्य मात्रा न संशयः
षडस्रपुरमध्यस्थं रकारं तु अधोर्ध्वतः //
7.99
रकारं तु तद् एवं स्याद् बहिष्कोणे पृथक् पृथक्
षट्प्रकारं प्रदातव्यं ज्वालासञ्छन्नलाञ्छितम् //
7.100
कोपकाले समुत्पन्ने चितिवस्त्रे नृचर्मजे
लिखितव्यं सक्रुद्धेन विषोन्मत्तरसेन च //
7.101
श्मशानाङ्गारसंयुक्तं साध्यनामं तु मध्यतः
लिखित्वा तापयेत् पश्चाज् ज्वरो भवति दारुणः //
7.102
ज्वरम् उत्पादयित्वा तु सदन्तम् आनयेच् छिरः
पूर्वद्रव्यैर् लिखित्वा तु नाम तस्य गले क्षिपेत् //
7.103
विपरीतमुखं कृत्वा ऊर्ध्वग्रीवं यथा भवेत्
तथा संस्थापयेद् भूमौ कपालं मन्त्रवित् सुधीः //
7.104
श्मशाने वा नदीतीरे कृत्वा वेदीं तदूर्ध्वतः
पश्चाद् धोमं प्रकुर्वीत उग्रद्रव्यैः समाहितः //
7.105
विषेण गन्धकेनैव कुनट्या तालकेन च
राजिकालवणेनैव निम्बपत्त्रैस् त्रिसप्तकम् //
7.106
प्रथमे ऽहनि छागान्त्रं रक्ताक्तं होमयेद् बुधः
पश्चाद् ध्यानं प्रकुर्वीत कृष्णवर्णं सुदारुणम् //
7.107
ज्वलन्तं पादसन्धीनि मस्तकान्तं विचिन्तयेत्
रकारं तु ललाटस्थं जपेन् मन्त्रं पुनः पुनः //
7.108
होममण्डलकं यच् च चतुरस्रं वज्रलाञ्छितम्
एवं वै भवते कालो यदि साक्षात् सचीपतिः //
7.109
एवं निग्रहम् आख्यातं शिरोदेव्याः समुद्भवम्
चण्डालीति प्रयोगो ऽयं गोपितव्यं प्रयत्नतः //
7.110
शासनस्य च यो द्वेष्टा यो द्वेष्टा गुरवोपरि
तेष्व् अमोघिनी चाण्डाली योजयेत् परमार्थतः //
7.111
लक्षम्-एके कृते जाप्ये वाचामात्रेण मारयेत्
अतोऽर्थं गोपयेद् देवि सिद्धाज्ञामोघचण्डिका //
7.112
शिरोदूती परा ह्य् एषा क्षुद्रकर्मस्व् अनेकधा
सर्वं स्वच्छन्ददेवेशी करिष्यति शिखो[ज्]ज्वला //
7.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते मन्त्रोद्धारे षडङ्गविद्याधिकारो नाम सप्तमः पटलः
Kapitel 8 – Devanagari
8.1
श्रुतं देव मयाख्यातम् अशेषार्थसुविस्तरम्
कथं देव्याः शिखासंस्था स्वच्छन्दः कतिरूपधृक् //
8.2
प्रयोगविपुलं देव सर्वोपायविवर्जितम्
अधुनाश्रोतुम् इच्छामि सारात् सारतरं विभो //
8.3
आप्यायनं शरीरस्य आकाशादिप्रसाधनम्
अर्चनं चैव सङ्क्षेपाद् ग्रहमर्दकरं यथा //
8.4
रिपुमर्दकरं चैव बिलयन्त्रप्रसाधनम्
ज्वरदुष्टविषादीनां सर्वदुःखविमर्दनम् //
8.5
यथा स्मरणमात्रेण व्याधितो मुच्यते क्षणात्
धर्मकामार्थसंसिद्धम् अर्थमोक्षप्रसाधनम् //
8.6
वशीकरणकर्माणि आकर्षणविधिक्रिया
दिव्यादिव्येषु कार्येषु नागकार्येषु भैरव //
8.7
शरीरस्थं यथा ब्रूहि नाडिस्थं मुद्रया सह
सङ्क्षेपार्चनकर्म च संसिद्धं भोगसाधनम् //
8.8
व्रतयागविहीनं च वित्तोपायविवर्जितम्
स्मरणात् केवलो मन्त्रः सुखम् उत्पादयेद् यथा //
8.9
साधु कुब्जिनि भद्रे त्वं कथयतः शृणुष्व मे
शिखा गुणकला यस्य स्वच्छन्दस्यामितद्युतेः //
8.10
कुब्जिकायाः शिखा रौद्रा रौद्रसिद्धिप्रदायिका
सारात् सारतरं देवि सत्यं सत्यं न चान्यथा //
8.11
अघोरान् न परो मन्त्रः कस्माच् चूलीगतस् तु सः
शमनं सर्वदुःखानां व्याधीनां च निकृन्तनम् //
8.12
सर्वानुग्रहकं देवि भुक्तिमुक्तिप्रदायकम्
कालनिर्णाशनं देवि जरासिंहम् उदाहृतम् //
8.13
दारिद्रशमनं चेदम् अचिरेण गणाम्बिके
आशाः संशोधयित्वा तु देव्या न्यासं हि पूर्ववत् //
8.14
हृदयादिप्रभेदेन अस्त्रान्तं यावदावधिम्
स्वस्थानन्यासविन्यासं पूर्ववच् च यथास्थितम् //
8.15
शिखास्वच्छन्ददेवेशं मन्त्रेदं पारमेश्वरम्
षडङ्गयजनाद् वाथ निराचारेण सिध्यति //
8.16
ततो मुद्रां परां बद्ध्वा चिन्तयेद् योनिमध्यगाम्
महामुद्रेति विख्याता नाख्याता कस्यचिन् मया //
8.17
ध्यात्वा प्रेतं पुरा देवि सर्वकारणकारणम्
महायोगी महासिद्धः सर्वलोकधरः प्रभुः //
8.18
सर्वज्ञगुणसंयुक्तं पद्मं तस्योपरि स्थितम्
कर्णिकोपरि दीप्यन्तं प्रज्वलन्तं महौजसम् //
8.19
अनन्तं तद् विजानीयात् तस्योर्ध्वे तच्छिखाशिवम्
अष्टपत्त्रासनासीनं द्वात्रिंशार्चिभिर् आवृतम् //
8.20
नानालङ्कारसम्पन्नं नानावर्णं विचिन्तयेत्
दशबाहुं महाघोरं चतुर्वक्त्रं सुलालसम् //
8.21
सर्ववर्णधरं देवम् अथ श्यामं विन्चिन्तयेत्
कपालं चैव खट्वाङ्गम् अन्यत् परशुशूलधृक् //
8.22
डमरुं चाक्षमालां च फलं हस्ते निवेशयेत्
गजचर्मधरौ चोभौ हस्तौ तु परिकीर्तितौ //
8.23
गर्जन्तं भीषणं नादं सर्वकारणकारणम्
भक्षन्तं चिन्तयेद् व्याधिं विश्वेश्वरकुजेश्वरम् //
8.24
खाद्यमानां रटन्तीं तां ताड्यमानां विभेदिताम्
भेदयन्तीं त्रिशूलेन छेदयन्तीं महासिना //
8.25
क्रुद्धभावाद् धुनन्तीं तां पूर्वव्याधिं विचिन्तयेत्
तस्योपरि तम् ऐकारम् ईशतत्त्वावधिस्थितम् //
8.26
शिखास्वच्छन्ददेवेशं तत् स्थाप्योपरि पूजयेत्
स्वकीयाङ्गसमुद्भूतम् एकवीराङ्गपञ्चकम् //
8.27
आग्नेय्यां हृदयं न्यस्य शिरस् त्व् ईशानगोचरे
शिखां शिखात्मकां रक्षे तनुत्राणं तु वायवे //
8.28
अस्त्रं दिशासु विन्यस्य भूयो मध्ये प्रपूजयेत्
जुष्टचण्डेश्वरं क्षेत्रे पूजादौ विघ्नराट् कुले //
8.29
चलादीनाम् अधिष्ठानं जानीयाद् गुरुपङ्क्तिवत्
धूपचन्दननैवेद्यं त्रयाणां प्रथमं ददेत् //
8.30
सिद्धिसाधनयुक्तस्य मार्गो ऽयं ह्य् अविचारकः
निराचारपदस्थानां क्षेत्रचण्डीशविघ्नराट् //
8.31
बलिपूजासु नैवेद्यं त्रयाणां प्रथमं ददेत्
पश्चात् क्रमस्य कुब्जीशे अतः शाठ्यं न कारयेत् //
8.32
पारम्पर्यक्रमं पूज्य पश्चान् मण्डलकोपरि
शिखास्वच्छन्ददेवेशं यामलं तु चतुष्कलम् //
8.33
हृत्तनुत्राणपर्यन्तं यजेद् देवं चतुष्कलम्
योगमार्गावलम्बानां श्रीसिद्धाख्यं चतुष्कलम् //
8.34
पूज्य स्वच्छन्ददेवेशं क्रमाग्रे मण्डलोपरि
ततो जपेच् छिखानाथम् अघोरं परमेश्वरम् //
8.35
प्रणवाद्यं नमस्कारम् असिद्धानां नियुञ्जयेत्
सिद्धार्थयोगयुक्तानाम् ऐंपादाद्यन्तयोजितम् //
8.36
ततो ऽ ग्निपूजनं कृत्वा यथा पूजा तथाहुतिम्
सहस्रं वा शतं वाथ पञ्चाशत् पञ्चविंश वा //
8.37
तिलैर् होमं प्रकुर्वीत दधिमध्वाज्यसंयुतैः
घृतसक्त्वा च मधुना सर्वदुःखप्रमर्दकम् //
8.38
व्याधिनिर्णाशनं कुब्जि शेषहोमं तु भूतिदम्
सहस्रेण महाभूतिः शतेन व्याधिनाशनम् //
8.39
शतम् अष्टशतं कुब्जि देवतुल्यो भविष्यति
सर्वदुःखविनिर्मुक्तं जपपूजासमन्वितम् //
8.40
शततो ऽ ष्टसहस्रेण त्रिष्कालेन तु सुन्दरि
षण्मासाज् जायते सिद्धिः साक्षात् पश्यति भैरवीम् //
8.41
यथेष्टं जायते सिद्धिर् नास्त्य् अत्र-म्-अनृतं वचः
सहस्रेण ज्वरं याति छागस्य पिशितैर् हुतैः //
8.42
त्रिष्कालं मासम् एकं तु सहस्रं हुनते तु सः
सिध्यते मांसहोमेन क्षौद्राज्यदधिसंयुतम् //
8.43
यवक्षीरान्नहोमेन शालितण्डुलसाधितम्
प्रीयते तु शिखादेवः स्वच्छन्दो घोररूपधृक् //
8.44
दधिहोमात् परा पुष्टिः क्षीरहोमेन शान्तिकम्
षण्मासात् तु घृतं हुत्वा सर्वव्याधिविनाशनम् //
8.45
राजयक्ट्मं तिलैर् होमाद् आयुवृद्धिर् यवैर् हुतैः
कुष्ठस्यैव सदा होमात् त्रियुक्तैस् तण्डुलैः प्रिये //
8.46
समसक्तुघृतेनाशु नाशयेत भगन्दरम्
तिलैर् होमं प्रकुर्वीत दधिमध्वाज्यसंयुतम् //
8.47
व्याधिनिर्णाशनं कुब्जि शेषहोमस् तु भूतिदः
घृतकेवलहोमेन सर्वव्याधिनिकृन्तनम् //
8.48
प्रयोगं सम्प्रवक्ष्यामि यद् उक्तं ते पुरा मया
धर्मकामार्थमोक्षाणां चतुर्वर्गफलोदयम् //
8.49
तव कुब्जि प्रवक्ष्यामि शृणुष्वेकमनाधुना
सर्वव्याधिहरं ध्यानं परं पुष्टिविवर्धनम् //
8.50
आशां संशोधयेत् पूर्वं न्यासं कृत्वा तु पूर्वकम्
पूर्वं न्यस्य च मन्त्रेशं नाडीवर्णैस् तथाक्षरैः //
8.51
अधःस्रोतं तु वामेन दक्षिणोर्ध्वगतं प्रिये
न्यासं कृत्वा शरीरे तु मन्त्रराजम् अनुस्मरेत् //
8.52
पञ्चप्रणव-म्-आद्येन अघोरेण सुराधिपे
अध्युष्टमात्राद् उत्तीर्णं ज्ञात्वा मन्त्रम् अनुस्मरेत् //
8.53
अकुलादित्रिमध्यस्थं कुला[च्] चादेस् त्रिमध्यगम्
मध्यमादित्रिमध्यस्थं पिण्डादेस् तु त्रिमध्यगम् //
8.54
त्रयार्धमात्रसंयुक्तं प्रणवेदं शिखाशिवम्
त्रिनाडीपिण्डसम्भूतं मुद्रया चोर्ध्वदीपितम् //
8.55
त्रिपक्षक्षयकर्तारं त्रिधाबद्धं त्रिशूलिनम्
त्रिमूर्तिगुणसम्भूतं तेनासौ त्रिदशेश्वरः //
8.56
त्रिमार्गविहितं शान्तं त्रिपथान्तसमुद्भवम्
त्रिपथेन विना भद्रे भ्राजते योनिमण्डलम् //
8.57
योनिं विना न निष्पत्तिर् दिव्यादिव्येषु वस्तुषु
उत्तमोत्तममध्यस्था कन्यसान्तव्यवस्थिता //
8.58
बिन्दु शक्तिस् तथा नादं मात्रात्रयम् उदाहृतम्
त्रयाणाम् अपि संयोगान् निष्पद्येत भगालयम् //
8.59
परार्धमात्रसम्भिन्नं प्रणवो ऽयं कुलागमे
अ-उ-म-कारसंयुक्तं प्रणवेदं क्रियात्मकम् //
8.60
सादाख्येश्वररुद्राणां ब्रह्मविष्णु-र्-अनुक्रमात्
एते ते प्रणवाः पञ्च क्रियाकारणगोचरे //
8.61
प्रणवादिसमुद्भूताः पञ्चैते गुणवत्तराः
पञ्चप्रणव-म्-आद्यन्तं ततोर्ध्वे तु शिखाशिवम् //
8.62
एवं तु प्रणवं दिव्यं सुगोप्यं प्रकटीकृतम्
अत्र देवि स्फुटं तुभ्यं भ्रान्तं चात्र जगत्त्रयम् //
8.63
ज्ञात्वेवं संस्मरेद् यस् तु सन्निधानो ऽस्ति तस्य वै
सुदुर्लभः प्रयोगो ऽयं गुरुवक्त्रात् तु लभ्यते //
8.64
यत्रोत्पन्नं ततो याति लयं कृत्वा सुराधिपे
उत्पत्तिप्रलयं ज्ञात्वा ततो मन्त्रम् अनुस्मरेत् //
8.65
यत् किञ्चित् कुरुते कार्यं साधकः साधनात्मकः
उच्चरेत् तु लयान्तस्थं तर्जन्याग्रे व्यवस्थितम् //
8.66
नाडीसूत्रेण विन्यस्तं बहिर् अन्ते च मातरः
या नाडी सा भवेद् वर्णस् तया नाड्या तु वेष्टयेत् //
8.67
यदि चन्द्रं वहेच् चक्रं सूर्यं वा चक्रम् उत्तमम्
तस्य मध्ये स्वयं स्थित्वा विश्वो ऽहम् इति चिन्तयेत् //
8.68
अहं ब्रह्मा तथा विष्णुर् अहं देवो महेश्वरः
भैरवो ऽहम् इति देवि चिन्तयित्वा तु साधकः //
8.69
हृन्मध्ये चिन्तयेच् चक्रं नाडीवर्णैस् तथाक्षरैः
आद्यक्षरं जपेन् मन्त्रं पुनर् आद्यं नियोजयेत् //
8.70
एवं संस्मृत्य विधिवत् सर्वकर्माणि साधयेत्
अर्चनं हवनं ध्यानं जपम् एकान्तरूपिणम् //
8.71
कर्म कृत्वा कुजेशानि कुजेशाय निवेदयेत्
ततो ध्यानं प्रकुर्वीत विशुद्धेनान्तरात्मना //
8.72
स एव मन्त्रम् उच्चार्य आद्यादौ यावद् अन्तिमम्
नादेन तु गतिं कुर्यात् स्वच्छन्दगतिभावितः //
8.73
ब्रह्मं भित्त्वा ततो विष्णुं रुद्रम् ईश्वरम् एव च
सेतुमध्येन गमनं कुञ्चिकोद्घाटयेद् बिलम् //
8.74
उद्घाट्य परमं स्थानम् अघोरं यत्र संस्थितम्
अष्टाकपाल घोरीशं त्र्यक्षरं समनुस्मरेत् //
8.75
सर्वमन्त्रेषु हृदयं यत् कुब्जीशशिखात्मकम्
मनसा स्मृतमात्रेण खेचरत्वं प्रजायते //
8.76
सर्वविघ्नोपशमनं मन्त्रं त्र्यक्षरम् उत्तमम्
शेषषट्कं तु यद् देवि तदङ्गान्य् अस्य कल्पयेत् //
8.77
जप्तव्यं तु शिखासूत्रं सकृत् सिद्धिः प्रजायते
आकाशादिप्रसिद्ध्यर्थं सिद्धिर् अन्यासु का कथा //
8.78
मन्त्रसन्नद्धदेहस् तु सर्वावस्थो ऽपि साधकः
तिष्ठन् जाग्रन् स्वपन् गच्छन् भुञ्जानो मैथुने रतः //
8.79
चर्याधारी निराचारो मन्त्रसंस्मरणाच् छुचिः
सामान्यस्मरणाद् एव व्याधिभिर् नाभिभूयते //
8.80
प्रज्वलन् दृश्यते भूतैर् यस्येदं तु शरीरगम्
अतः किं बहुनोक्तेन सिंहस्यैव यथा मृगाः //
8.81
गन्धेन प्रलयं यान्ति सत्यं सत्यं महातपे
जपेन साधयेत् सर्वं व्रतस्थो यस् तु साधकः //
8.82
पूर्वम् एव जपेल् लक्षं सिध्यते घोरमूर्धजम्
अविदित्वा विधानेन किञ्चित् कार्यं न साधयेत् //
8.83
यः कुर्याद् विधिहीनं तु स विघ्नैश् चाभिभूयते
तस्मात् पदार्थनवकं ज्ञातव्यं तु कुजेश्वरि //
8.84
क्षेत्रस्थानानि सुश्रोणि ज्ञातव्यानि सुनिश्चितैः
क्षेत्रं व्रतानि मन्त्राश् च अक्षसूत्रं जपं तथा //
8.85
ध्यानं पूजा तथा द्रव्यं वर्णं मुखसमन्वितम्
मुखहीना न सिध्यन्ति अग्निहोत्रविवर्जिताः //
8.86
मुखम् आहवनीयं स्यात् तस्मिन् मन्त्राः सदा स्थिताः
अघोरं कालम् इत्य् उक्तम् अघोरं विष्णुर् उच्यते //
8.87
अघोरस् त्वं महेशानि अघोरश् चाहम् एव च
बहुरूपधरो ह्य् अग्निः प्रचण्डः काल-म्-अन्तगः //
8.88
स शिवः परमो ब्रह्मा निर्वाणः स सदाशिवः
ईश्वरः स परो नित्यम् अस्मात् परतरो न हि //
8.89
अनेन स्मृतमात्रेण सर्वदुःखैः प्रमुच्यते
दारिद्रसिंहो ऽघोरीशो व्याधिसिंहः कुलेश्वरि //
8.90
प्रचण्डदुष्टसिंहश् च महापातकनाशनः
सर्वतीर्थाभिषेकश् च सप्तजप्तेन जायते //
8.91
शतजप्तेन देवेन सर्वयज्ञफलं लभेत्
दीक्षानिर्वाणकारी स्यात् त्रिसप्तपरिवर्तनात् //
8.92
दशावर्तेन दुरितं ब्रह्महत्यां व्यपोहति
दशावर्ताद् गुरोपेक्षी स्मरणाद् एव मुच्यते //
8.93
विधिहीने तथा पाने पञ्चभिश् चोपपातकी
शतेन चैव त्रिष्काल्यं वर्षात् सिद्धिर् यथेप्सिता //
8.94
बलवतां रिपूणां तु व्यस्तम् आवर्तयेत् प्रभुः
दक्षिणास्यो महादेवि सहस्रेण निपातयेत् //
8.95
सङ्ग्रामकाले स्मर्तव्यम् असिपत्त्रगतं हृदि
वेष्टन्तं मातृभिः सैन्यं भक्ष भक्षेति भाषयेत् //
8.96
हतदर्पाः प्रजायन्ते न पुनः संहरन्ति च
दुःस्वप्ने द्विगुणं जाप्यं व्रणे चैव चतुर्गुणम् //
8.97
लूता दशगुणं चैव विषे वै विंशतिस् तथा
दिने दिने शतं जप्त्वा विभूतिर् वर्धते ऽ चिरात् //
8.98
प्राङ्मुखो यस्य नाम्ना तु साध्यारूढो हृदि स्थितः
वशीभवति राजानं शतजाप्येन धीमता //
8.99
सप्ताहात् स बलोपेतो वशीभवति नान्यथा
दिने दिने सहस्रेण नास्ति तद् यन् न साधयेत् //
8.100
आदित्याभिमुखो भूत्वा सहस्रं परिवर्तयेत्
यत् किञ्चिद् विहितं चित्ते सप्ताहात् साधयिष्यति //
8.101
न्यस्तं सर्वाङ्गिकं मन्त्रं भैरवाकारसंस्थितम्
स तु भोजनकाले तु पात्रे सञ्चिन्त्य साधकः //
8.102
सम्पूर्णशशिनं ध्यायेद् भुञ्जानो ऽमृतम् अश्नुते
सम्पूर्णचन्द्रमध्यस्थम् अधोर्ध्वसम्पुटीकृतम् //
8.103
पर्यटेत् साधको नित्यं सर्वश्रेयम् अवाप्नुयात्
यद् इच्छेत् साधकः सिद्धिं हृदि कृत्वा कुजेश्वरम् //
8.104
चन्द्रमण्डलमध्यस्थं स्वच्छन्दगतिभावितम्
तत्प्रविष्टं विचिन्तेत अन्त्याद् अन्तं परापरम् //
8.105
परस्परं तु सञ्चिन्त्य यावद् ब्रह्मबिलं गतः //
8.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते स्वच्छन्दशिखाधिकारो नामाष्टमः पटलः
Kapitel 9 – Devanagari
9.1
भेदयित्वा परं तत्त्वं हकारं नाम नामतः
सो ऽष्टाकपालो विज्ञेयस् तस्याकाशं तु तच् छिरः //
9.2
अघोरम् इति विख्यातं द्वात्रिंशाक्षरभूषितम्
तस्मात् सञ्जायते सृष्टिः सा तु सृष्टिर् हृदि स्थिता //
9.3
द्वात्रिंश मातरस् तास् तु चक्रारूढा विचिन्तयेत्
चण्डा घण्टा महानासा सुमुखी दुर्मुखी बला //
9.4
रेवती प्रथमा घोरा सौम्या भीमा महाबला
जया च विजया चैव अजिता चापराजिता //
9.5
महोत्कटा विरूपाक्षी शुष्का चाकाशमातरा
सेहारी जातहारी च दंष्ट्राली शुष्करेवती //
9.6
पिपीलिका पुष्पहारी अशनी सस्यहारिका
भद्रकाली सुभद्रा च भद्रभीमा सुभद्रिका //
9.7
मनसा पूजयेत् तस्था भक्ष्यभोज्यादिभिः क्रमात्
पुष्पैर् नानाविधैर् देवि नानालङ्कारकादिभिः //
9.8
स्रवन्तं चिन्तयेत् तस्थम् अमृतं सर्वतोमुखम्
तेनाप्यायितदेहस् तु तत्क्षणाद् विरजो भवेत् //
9.9
यागं तु मानसं कृत्वा कस्य सिद्धिर् न जायते
सम्पूर्णमण्डलं ध्यात्वा अघोरं नाम नामतः //
9.10
सो ऽष्टाकपालः प्रवरस् तत्त्वव्यापी निरक्षरः
स एव चन्द्ररूपी स्यात् कर्णिकायां विचिन्तयेत् //
9.11
तत्त्वं तत्र महानादं हकारं नाम नामतः
षट्पदार्थयुतो देवि नवकेन प्रसिध्यति //
9.12
स एव लीयते विष्णोर् विष्णु रुद्रसमाश्रितः
स एव कालो विज्ञेयः सर्वभक्षो हुताशनः //
9.13
स एव लीयते माया सा च विष्णुः प्रकीर्तिता
सा शक्तिर् निर्मला कुब्जि कालो वै येन भक्षितः //
9.14
स विष्णुः शिवतां याति सेतुं भित्त्वा कुलेश्वरि
स च तुर्यपदं प्राप्य उन्मनत्वं हि तत् पदम् //
9.15
आश्रयं देवदेवस्य अघोरस्य महातपे
निर्वाणं तु परं विन्द्यात् स कुब्जीशः प्रकीर्तितः //
9.16
स ध्रुवो वासुदेवश् च अजातः परिकीर्तितः
तत्र शक्तिं सदा कुर्यात् तत्रासक्तः सदा भवेत् //
9.17
न पापैर् लिप्यते देवि महापापैः सुदारुणैः
न कालस्य वशं गच्छेन् न जरा न च दुःखितः //
9.18
सर्वतीर्थफलं चैव सर्वयज्ञेषु दीक्षितः
हृन्नादं मनसोत्थाप्य व्रजेन् निर्वाणजं पदम् //
9.19
चेतसा त्व् अमृतं गृह्य आगच्छेद् घण्टिकाश्रयम्
तदुत्थं भारतीमूले कृत्वासौ ऽमृतम् अश्नुते //
9.20
आपूर्य वदनं तेन स्वच्छन्देन कुजेश्वरि
अनन्गधेनवीं दुग्ध्[ व् ]आ तत्त्वं व्याप्येश्वरेण तु //
9.21
अघोरं पञ्चमध्ये तु आत्मतत्त्वं विचिन्तयेत्
यो ऽग्निर् ज्वलति चापेन एकस् तिष्ठति पञ्चधा //
9.22
त्रैलोक्यं व्यापितं तेन यजन्ते ब्रह्मवादिनः
तस्यैव यः शिखां वेत्ति आहिताग्निः स उच्यते //
9.23
सोऽ ग्निर् देवमुखं विन्द्याद् अघोरः सर्वतोमुखः
मुखेषु च मुखं देवि त्रैलोक्ये ऽपि प्रगीयते //
9.24
विना तेन वरारोहे न होमो न च भोजनम्
शुचिर् अग्निर् भवेद् देवो बहुरूपः कुजेश्वरि //
9.25
तदन्तं तु जपं कुर्यात् कृत्वा हृत्स्थं तु केशवम्
अधस्तात् सेतुमार्गस्य तिष्ठते तु कुजेश्वरः //
9.26
स चासनं परं तस्य सेव्यते किं न मन्त्रराट्
विद्याराजेति विख्यातो मन्त्रराजेति कथ्यते //
9.27
मुद्राराजेति महतां मण्डलाधिपतिः स्मृतः
ब्रह्मविष्ण्वीश्वराद्येषु पतिर् देवि प्रचक्ष्यते //
9.28
नानेन सदृशो देवि मन्त्रकोटिशतैर् अपि
हृदयं सर्वमन्त्राणां परमं परिकीर्तितम् //
9.29
अनेन हीना देवेशि महान् अपि न सिध्यति
ग्रहयन्त्रेषु सर्वेषु व्याधितेषु कुलेश्वरि //
9.30
रिपुनाशे च बलवान् दारिद्रभयनाशनम्
तस्माद् आराध्य यत्नेन दुःखसिंहः प्रकीर्तितः //
9.31
नानेन सदृशः कश्चिन् नान्यो ऽस्ति सचराचरे
देवासुरमनुष्यानां तत्त्वरूपो महेश्वरि //
9.32
मूर्ध्नः पादतलं यावत् तत्त्वं चरति देहिनाम्
निष्कलात् सकलं याति सकलान् निष्कलं पदम् //
9.33
एकेनांशेन वीराणां सर्वेषां किम् अपि स्तुतम्
स भैरवः शिवो भाति सर्वज्ञः सर्वजन्तुषु //
9.34
यावत् तिष्ठत्य् असौ गात्रे तावज् जीवन्ति जन्तवः
विना तेन वरारोहे नास्ति नास्तीति कथ्यते //
9.35
तस्य देवाधिदेवस्य सर्वव्यापिमयस्य च
सर्वदेवमयो देवि कथं भक्त्या न सिध्यति //
9.36
येन विज्ञानमात्रेण स्मृतेनैव तु सुन्दरि
अक्षयान् लभते लोकान् मुक्तिस्थानं गमिष्यति //
9.37
सर्वलक्षणहीनो ऽपि स्मरणात् कल्मषापहः
अहो मन्त्रस्य माहात्म्यं जप्यमानस्य नित्यशः //
9.38
विनापि लययोगेन योगिनीसमतां व्रजेत्
साधकाय प्रयच्छन्ति त्रैलोक्यज्ञानम् उत्तमम् //
9.39
आकाशादि प्रयच्छन्ति दिव्यदृष्टिश्रुतागमम्
सर्वभूता वशं यान्ति ग्रहाश् चैव विशेषतः //
9.40
विषं च निर्विषं कुर्याद् दर्शनाद् एव सर्वतः
न तस्य तिष्ठते गात्रे विषं स्थावरजङ्गमम् //
9.41
कीटलूतास् तु भूताश् च अपमृत्युर् न तिष्ठति
गरजं योगजं दोषं प्रलयं यान्ति दूरतः //
9.42
चूर्णलेपाञ्जनादीनि कुहकानि तु यानि वै
ये करिष्यन्ति रिपवः स्त्रियो वा पुरुषस्य वा //
9.43
तत्क्षणात् प्रलयं यान्ति तेषां प्रत्यङ्गिरा भवेत्
स्मरणाद् देवदेवस्य इन्द्रं याति नरोत्तमः //
9.44
ज्वलन्तो दृश्यते भूतैर् हृच्चक्रे विधिसंस्थितः
दुष्टाश् च प्रलयं यान्ति सिंहस्यैव यथा मृगाः //
9.45
एको दोषो हि मन्त्रस्य जप्यमानस्य जायते
जरा मृत्युश् च दारिद्र्यं व्याधयो विविधाः प्रिये //
9.46
स्मरणात् प्रलयं यान्ति तुहिनं तु रवेर् इव
जप्यते येषु राष्ट्रेषु देशे वा सुरसुन्दरि //
9.47
न रुजा जायते तत्र स्वामी तत्र विवर्धते
एकेनापि सुपुत्रेण घोरदेवाङ्गपूजनात् //
9.48
घोरीशं तु यदा ज्ञातं स कुलं तारयिष्यति
पशवश् च न नश्यन्ति सदा वर्धति गोकुलम् //
9.49
वन्ध्या न जायते नारी न म्रियन्ते च बालकाः
ज्वररोगादिभिस् तस्य कुटुम्बं नैव पीड्यते //
9.50
सर्वलोकस्य सम्पूज्यो जायते राजवल्लभः
धारणीयं सदा गात्रे यथावत् प्रवदाम्य् अहम् //
9.51
पुष्पेण गुडिकां कृत्वा मन्त्रं भूर्जे समालिखेत्
कुङ्कुमेन लिखेद् देवि रोचनायाथवा पुनः //
9.52
अकारचतुरो मध्ये आत्मनाम समालिखेत्
मन्त्रेण छादितं नाम अङ्कुसेन तु रक्षितम् //
9.53
माययाच्छादयित्वा तु शिवं मूर्ध्नि गतं लिखेत्
याष्टं षष्ठसमायुक्तं बिन्दुनादाङ्कितं प्रिये //
9.54
तच् छिवं तु वरारोहे चतुराश्रमपूजितम्
सर्वं क्षस्थं परं मन्त्रं सर्वरक्षाकरं परम् //
9.55
नाम्ना तु गुडिका ह्य् एषा सर्वरोगविमर्दनी
सान्ता पूर्वं तु कर्तव्या ततः क्षस्थां तु कारयेत् //
9.56
क्षकारं कालम् आरूढम् ओकारोपरिदीपितम्
षष्ठस्वरयुतं देवि अमरत्वं प्रयच्छति //
9.57
यस् तु धारयते दिव्यां गुडिकां शिवपूजिताम्
तस्य वक्ष्यामि सुश्रोणि गुणान् नानाविधान् शृणु //
9.58
सर्वतीर्थेषु यः स्नातः सर्वयज्ञेषु दीक्षितः
न भयं विद्यते तस्य धरणद् अजरामरः //
9.59
सर्वव्रतानि चीर्णानि सर्वतीर्थनमस्कृतः
अवनिं विचरेत् सर्वां भैरवस् तु यथा हि सः //
9.60
सर्वे ते दर्शनात् तस्य साधकस्य महात्मनः
दुष्टाश् च प्रलयं यान्ति व्याधयो विद्रवन्ति च //
9.61
अब्रह्मचारी चारी स्याद् अस्नातः स्नानम् आप्नुयात्
न भयं विद्यते तस्य सङ्ग्रामे च सदा जयः //
9.62
अभक्ष्यभक्षणं कृत्वा अगम्यागमनं तथा
नासौ लिप्यति पापेन पङ्कस्थं कमलं यथा //
9.63
गुडिका तु सदा सिद्धा महाभैरवधारिता
योगेश्वरादिमुनिभिः सर्वदेवैर् नमस्कृता //
9.64
बहुनापि किम् उक्तेन सत्यं सत्यं यशस्विनि
ज्वलन्तो दृश्यते भूतैर् यथा रुद्रो मखान्तकृत् //
9.65
सुप्तो भुक्तः प्रबुद्धश् च अथ मैथुनम् आगते
महाहवे महादेवि दुष्टसिंहगजेषु च //
9.66
विद्युद्वज्राशनिश् चैव उत्पातेष्व् अशनीषु च
शत्रुनाशे च गोनाशे विषशङ्कागतं च यत् //
9.67
आर्णवेषु च सर्वेषु धारणान् न भयं भवेत्
शाकिन्यो वशगास् तस्य दुष्टवेतालराक्षसाह् //
9.68
शुचिर् वाप्य् अशुचिर् वापि विद्रवन्ति दिशो दश
गुडिकैषा समाख्याता त्रिलोहपरिवेष्टिता //
9.69
धारणीया प्रयत्नेन शिवलोकम् अवाप्नुयात्
सर्वावस्थगतो वापि मुक्तिं याति सुराधिपे //
9.70
मत्समो धारणाद् देवि सत्यं सत्यं यशस्विनि
मयापि धारिता ह्य् एषा ब्रह्मणापि ततः पुनः //
9.71
विष्णुना देवराजेन युद्धे दैत्यास् तु निर्जिताः
अग्निवायुकुबेरेण यमेन वरुणेन च //
9.72
मातृभिर् गुह्यकैश् चैव गरुडेन च धीमता
दधीचिना च शुक्रेण दुर्वासेनापि धीमता //
9.73
ऋषिभिश् च तथा सर्वैर् देवदैत्यैः कुजेश्वरि
ततस् त्व् अन्यैश् च राजानैर् बलिभिर् नहुषादिभिः //
9.74
युद्धे जयार्थिभिर् देवि उग्रव्याधिजयार्थिभिः
प्रजावश्यार्थिभिश् चैव गुडिका कण्ठधारिता //
9.75
नानया सदृशी विद्या गुडिका भुवि विद्यते
पिण्डं तु प्रथमं मन्त्र्यम् अघोरेण सुसंस्कृतम् //
9.76
भुञ्जीयाच् चैव निःशङ्कं ततस् तस्यामृतायते
दिशो ऽभिमन्त्र्य गच्छेत वामं चाग्रपदं न्यसेत् //
9.77
उभयोश् चन्द्रमध्ये तु पर्यटेत सदा स्थितः
भुञ्जाने शयने चैव चन्द्रमध्ये सदा स्थितः //
9.78
चन्द्रारूढेन सततं स्थातव्यं वरवर्णिनि
नाघोरसदृशो मन्त्रो मन्त्रा यस्माद् विनिर्गताः //
9.79
गुरुवक्त्रात् तु विज्ञेयो मध्ये ओंकारमध्यगम्
स एव नादसंलीनो यावद् ब्रह्मबिलं गतः //
9.80
धारणाद् धारितं कृत्वा त्रिभिः प्राणैर् अलङ्कृतम्
स्वच्छन्दसहितं देवं वर्णान्तपरिवेष्टितम् //
9.81
मुखे ऽनङ्गां ततो दुग्ध्वा धेनवीं चाम्बरां प्रिये
ग्राह्यग्राहविमर्दश् च त्रिशूलं वडवामुखम् //
9.82
कुञ्चिका घण्टिका चैव राजदन्तामृतागमम्
आयुषो ज्ञानम् उत्क्रान्तिर् अघोरस्य वशे स्थितः //
9.83
नाघोरसदृशो मन्त्रो मन्त्रकोटिशतैर् अपि
सत्यं सत्यं पुनः सत्यं भूयः सत्यं पुनः पुनः //
9.84
सर्वज्ञं परमं मन्त्रं मुक्तिदं व्याधिनाशनम्
जरामृत्युहरं देवि विद्याराजेति कीर्तितम् //
9.85
विषुवं च सदा तत्र यत्र सर्वं प्रतिष्ठितम्
उत्पत्तिस्थितिकर्तारं यत्र सर्वे लयं गताः //
9.86
किं न सेव्यति देवेशि बहुरूपं कुजेश्वरि
देवाधिदेवं परमं यत् तत् कारणम् अव्ययम् //
9.87
तत्त्वव्यापीति परमं व्योमव्यापीति कथ्यते
ब्रह्मविष्णुसुरादीनाम् उत्पत्तिप्रलयान्तिकम् //
9.88
अघोरं घोररूपेति अघोरीश इति स्मृतः //
9.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते शिखाकल्पैकदेशो नाम नवमः पटलः
Kapitel 10 – Devanagari
10.1
कवचस्य तु माहात्म्यं शृणु देवि वदाम्य् अहम्
येन संरक्षयेत् सर्वं क्रुद्धः शत्रून् निपातयेत् //
10.2
आगतं रक्षयेत् कालं क्रुद्धः कालं विनाशयेत्
कालवत् कुलसिद्धो ऽसौ तनुत्राणावलम्बकः //
10.3
शाकिनीभूतवेतालान् नाशयेत् साधयेति च
मायारूपधरो मन्त्री माहेन्द्रगुणशालिनः //
10.4
कुरुते विविधाश्चर्यं पिच्छकभ्रामणेन वै
कवचं तु समाख्यातम् असिद्धभेदकृद् भवेत् //
10.5
अस्य दूतीं प्रवक्ष्यामि सद्यःसिद्धां कुलोद्भवाम्
यस्या लेखनमात्रेण प्रस्रावो ऽङ्घ्रितलं भवेत् //
10.6
आख्खिल्ल भेट्टा दुर्वस आख्खिल्ले उसि आन्निदि
आट्टि वसं विह पूर्वस अट्टि मसि आलित्तो उ //
10.7
एवं पारम्परेणैव कौलभाषा समुद्धृता
गुरुवक्त्राद् विलोमेन तर्जन्यग्रेषु सिद्धिदा //
10.8
कवचं तु समाख्यातं शृणु नेत्रं यथास्थितम्
नेत्रसिद्धो महायोगी लोकालोकं चराचरम् //
10.9
पश्यते निखिलं सर्वं शिवाद्यवनिगोचरम्
क्रुद्धः संशोषयेत् सर्वं सागरांश् च नदानदीन् //
10.10
आप्यायति तदावस्थं पञ्चव्याप्त्यन्तगोचरम्
निराचारपदस्थो ऽसौ तत्त्वस्थो जपते यदि //
10.11
अस्य दूती परा देव्या परदृष्टिसमुद्भवा
सद्यःसिद्धा महादेवि सद्यःप्रत्ययकारिका //
10.12
हास्वा यैरीश्वण्डेमुचा क्तेरहाम क्तेर क्तेर ॐ ॥
10.13
गुरुवक्त्रोपदेशेन पारम्पर्यक्रमेण वै
तिथिसङ्ख्याकलैर् युक्ता कुलभाषासुरक्षिता //
10.14
अस्योपचारः कर्तव्यः कौमार्यौ द्वे समाहरेत्
गन्धधूपपयःपानं शुचौ स्थाने नयेत् तु ते //
10.15
शुक्लवस्त्रधरां तां वै देवीं धायेद् यथा तु ताम्
भावनान्तानुसारेण मर्दयेद् दारिकाननाम् //
10.16
शिखिनोच्छिष्टयोगेन शरीरं तस्य लाञ्छितम्
स्वस्तिकेन तु कुम्भोर्ध्वं सितवस्त्रावगुण्ठितम् //
10.17
कुर्यात् स्नानं तु तैलाक्ता भुञ्जानस् तिलपिष्टकम्
तृप्ताः सन्तः प्रपश्यन्ति दारिकाननमध्यतः //
10.18
यत् किञ्चिद् वाङ्मयं लोके चिन्तयित्वा तु साधकः
भूतभव्यार्थनिर्देशं तत् पस्यति तदोदरे //
10.19
एषा नेत्रगता दूती सद्यःसिद्धिफलप्रदा
कालवेलाविनिर्मुक्ता साधिता सति सर्वदा //
10.20
अस्त्रं प्रचण्डदण्डोग्रं साधितं विधिना यदि
हृदादौ क्रमशो वृद्ध्या सङ्क्रुद्धः संहरेत् खिलम् //
10.21
अशुद्धं शोधयेत् सर्वं सकृदुच्चारणात् तु तम्
तन् न वस्त्वन्तरं किञ्चिद् यद् अनेन न सिध्यति //
10.22
अस्य दूती महामाया श्रीमद्गुह्येश्वरी परा
गुह्यकालीति नामेन सर्वायुधविमर्दनी //
10.23
रक्षणी कालपाशानां शत्रूणां तु निकृन्तनी
छेदनी परमन्त्राणां यन्त्रमन्त्रापवादिनाम् //
10.24
यस्येषा तिष्ठते कण्ठे महाकृत्या सुदारुणा
तस्य यः कुरुते किञ्चित् तस्यैव तु पुनर् भवेत् //
10.25
अशुभे वा शुभे वाथ कर्मवृत्तौ नियोजयेत्
साधकेन्द्रस्य यः कश्चित् तस्य प्रत्यङ्गिरा भवेत् //
10.26
महाभये समुत्पन्ने सितगन्धाम्बरान्वितः
चिन्तयन्तो निशाभागे शत्रोर् युद्धं परस्परम् //
10.27
एवम् अन्यानि कर्माणि साधयेत् परमेश्वरी
देव्याः शस्त्रस्य धारेण अमोघोत्कटवर्चसा //
10.28
श्रूयतां कुल-म्-ईशानि कालस्य कालरूपिणी
अमोघा शक्ति विख्याता संवर्ताङ्गसमुद्भवा //
10.29
हास्वा यैकाब्जिकुह्यगु ट्फ हूं ह्रें हूं ह्रीं ह्रें लिराकष्ट्रादं नह नह र्वान्स तान् तिष्यरिक तंपिराका तंकृ नये कंदिगायोप्रर्णचून्त्रतन्त्रमन्त्रयवान्द्रपर्वोस मम ट्फ हूं केब्जिकुह्यगु ॐ ॥
10.30
स्वाहा ॐ वै परित्यज्य सिद्धवर्णास् त्रिषष्टि च
खादकास्त्रेति विख्याता सर्वार्थगुणरूपधृक् //
10.31
अस्य नाम्ना पृथक्तन्त्रं स्वतन्त्रं सिद्धसागरम्
गुह्यकालीति नामेन सपादलक्षपूर्वकम् //
10.32
व्यावर्णितं तु तत्रस्थम् अत्र किञ्चिद् उदाहृतम्
कुब्जिकास्त्रस्य माहात्म्यं कुलालीतन्त्रनिर्गतम् //
10.33
पारम्पर्यक्रमायातम् उपदेशसमन्वितम्
विलोमविहितं सर्वं खादकास्त्रे ऽप्य् अयं विधिः //
10.34
खादकास्त्रस्य लक्षेण निराचारेण योजयेत्
मांसाहारस्वरूपस्य परिवर्तं करोति च //
10.35
तत्क्षणाद् विष्णुपङ्केन लेपनात् सिंहरूपधृक्
जायते नारसिंहत्वं यद् धृतं विष्णुना पुरा //
10.36
विष्णुनापि पुरा चीर्णं व्रतं ह्य् अस्याः सुभीषणम्
तेन तं नारसिंहत्वं तस्य सिद्धं सुदारुणम् //
10.37
नायातं मर्त्यलोकेदं क्वचित् सिद्धं क्रमे स्थितम्
माहात्म्यं गोपितं ह्य् अस्याः सिद्धैर् भृगुपुरःसरैः //
10.38
अस्त्रस्य दूतिका ह्य् एषा कुब्जिकाम्नायनिर्गता
सिद्धविद्यामहौघैषा आशुसिद्धा सुगोपिता //
10.39
कुलेश्वर्याङ्गसम्भूता सुव्रता या गुणोज्ज्वला
गोपिता अन्यतन्त्रेषु प्रत्यक्षा कुब्जिकामते //
10.40
एतद् देव्याङ्गषट्कं तु नानानन्दप्रदायकम्
देव्या हृदयमाहात्म्यं नित्यातन्त्रम् अशेषकम् //
10.41
नित्यानन्दकरी दूती देव्या हृदि समुद्भवा
तेन नित्या समाख्याता स्वाधिष्ठानं समाश्रिता //
10.42
सिद्धातन्त्रं शिरोद्भूतं तत्र देव्या महाबला
सिद्धयोगेश्वरी नाम रौद्रशक्तिर् महोज्ज्वला //
10.43
अनाहतेन संयुक्ता रौद्रदेव्या महाबला
सिद्धयोगेश्वरीतन्त्रे अस्याः कीर्तिर् अनेकधा //
10.44
देव्याः शिखिशिखोद्भूता स्वच्छन्दानेकभेदतः
मणिभेदान्तरालेन स्वच्छन्दाद्यं विनिर्मितम् //
10.45
स्वतन्त्रा सहजा शान्ता स्वच्छन्दगतिगामिनी
मणिभेदं पूरयन्ती स्वच्छन्दार्थप्रबोधिका //
10.46
स्वच्छन्देन स्वरूपेण शिखासूत्रं प्रवर्तते
स्वच्छन्दाघोररूपस्य तस्येदं तन्त्रम् उत्तमम् //
10.47
तनुत्राणसमुद्भूतं तन्त्रं सम्मोहनादिकम्
विशुद्धिभावनासीनं दूत्यनेकसुसङ्कुलम् //
10.48
अनेकाश्चर्यकर्तारं सम्मोहध्वंसकारकम्
सम्मोहनं तु तेनेदं माहात्म्यं तत्र तस्य वै //
10.49
देव्या नेत्रसमुद्भूतं ज्योतिःशास्त्रं स्वरोदयम्
आज्ञाधारगतं ह्य् एतत् सामर्थ्यानेकसङ्कुलम् //
10.50
कैवल्याद्यं च यत् किञ्चित् तन् नेत्राङ्गसमुद्भवम्
अस्याङ्गस्य तु माहात्म्यं ज्योतिषेश्वरसागरे //
10.51
परमास्त्रस्य मध्ये तु खादकास्त्रं महाबलम्
तस्य व्यावर्णितं पूर्वं तन्त्रं स्वाभावलक्षणम् //
10.52
अभिषेकं प्रवक्ष्यामि सर्वपापप्रणाशनम्
परमास्त्रप्रयोगेन सर्वं तत्र न संशयः //
10.53
शूलदण्डं समुद्धृत्य नाभिस्थं वर्णम् उद्धरेत्
शूलदण्डासनस्थं तु कर्णभूषणवामकम् //
10.54
वामजङ्घासमायुक्तं नितम्बालङ्कृतं प्रिये
एतद् देव्यास्त्रपरमं नापुण्यो लभते स्फुटम् //
10.55
क्रमपूजाविधानेन यथाविभवविस्तरम्
दीपमालाभिर् उद्द्योतं कृत्वा धूपाधिवासितम् //
10.56
शङ्खं वा कलशं वापि अभिमन्त्र्य स्वविद्यया
उत्तमाधममध्यस्य कर्मसेवानुसारतः //
10.57
तया विद्याभिषेकं तु न्यस्तव्या कलशे तु सा
शिष्यहस्ते तु तं दत्त्वा इदं कूटं तु योजयेत् //
10.58
यावत् क्षुभ्यत्य् असौ हस्तः स्वयम् एव चलत्य् असौ
धारणाद् इव संयातं यदा पतति मस्तके //
10.59
तदा तु जायते ऽसौ वै साध्यलक्षणसाधकः
दग्धपापः प्रजायेत नात्र कार्यविचारणात् //
10.60
नाशिष्याय प्रदातव्यं न धूर्ताय न निन्दके
भक्ताय श्रद्दधानाय गुरुभक्ताय सुन्दरि //
10.61
तस्य देयम् इदं देवि अभिषेकं वरानने
तदा तु साधयेत् कर्म यद् उक्तं कर्मसन्ततौ //
10.62
३ ट्फ ३ हूं २ यतघावि २ यतघा २ मव २ हक २ टचप्र २ टच परूनुत रतरघो २ रस्फुप्र ह्रौं ह्रीं ह्रां ॥
10.63
लक्षं वै पूर्वसेवायां सिध्यते नात्र संशयः
षडङ्गं षट्प्रकारं च षड्योगिन्यः षडध्वरम् //
10.64
षट् प्रकाराणि षट् सिद्धा ज्ञात्वैतान् भिन्नदृष्टिना
स जानाति वरारोहे समस्ताम्नायपद्धतिम् //
10.65
अन्यथा न भवेत् सिद्धिः किञ्चिज्ज्ञः पश्चिमान्वये
श्रुत्वा सविस्मयं वाक्यम् आनन्दप्रणयान्वितम् //
10.66
उवाचेदं पुनः कुब्जी षडध्वं वद मे प्रभो //
10.67
युक्तम् उक्तं च देवेशि श्रूयतां परमार्थतः
सङ्क्षेपात् कथयिष्यामि शेषान्यत् पुरतः पुनः //
10.68
भूतं भावं तथा शाक्तं मान्त्रं रौद्रं च शाम्भवम्
आज्ञातः सम्प्रवर्तेत षडध्वेदं कुलान्वये //
10.69
भूतं भुवनावरणं पदं भावं प्रयुज्यते
शाक्तं वर्णाः समाख्याता मान्त्रं द्वादश कीर्तिताः //
10.70
रौद्रं कलाध्वरं प्रोक्तं शाम्भवं तत्त्वलक्षणम्
आज्ञानलवती दीक्षा मन्त्राणां साधने हिता //
10.71
सा चाज्ञा पूर्विका सिद्धा अन्यथा तिलघातकी
सा च तत्त्ववतां चैव तत्त्वं वै शाम्भवम् पदम् //
10.72
तत् पदं विद्यते यस्य सामर्थज्ञः स सर्वशः
ज्ञानमार्गप्रसिद्ध्यर्थं दीक्षा वेधवती शुभा //
10.73
योग्यतातः प्रदातव्या सुभक्तस्य कुलाध्वरे
सर्वासाम् एव दीक्षानां चोत्तमा परिकीर्तिता //
10.74
तेन वेधो न कर्तव्यो न ज्ञातं याव निश्चयम्
शाम्भवाज्ञाभिमानेन लोभमोहः प्रकीर्तितः //
10.75
सामर्थ्यो ऽन्यो न मे तुल्यो य एवं मन्यते कुधीः
आज्ञातः सम्प्रवर्तेत किं तु भूतवती भवेत् //
10.76
अथ चेत् परिपक्वस्य षड्विधो ह्य् अल्पस्वल्पवत्
पृथिव्यादीनि भूतानि चाविशन्ति च यस्य वै //
10.77
भूतावेशं तु तद् विद्धि भावावेशम् अतः शृणु
शब्दः स्पर्शस् तथा रूपं रसो गन्धश् च भावजम् //
10.78
श्रोत्रं त्वक् चक्षुषी जिह्वा घ्राणं शक्तिमनो विदुः
वाचा पाणिस् तथा पादं पायूपस्थं तु मान्त्रजम् //
10.79
मनो बुद्धिस् तथा गर्वः प्रकृतौ गुण रौद्रजम्
पुरुषादिनिवृत्[त्]यन्तम् उन्मनत्वं परान्तिकम् //
10.80
एतत् ते शाम्भवं ज्ञानं भुवनाद्यं महाह्रदम् //
10.81
भूतादिशाम्भवान्तस्य भेदोपायं पृथक् पृथक्
कथितं तु यथा नाथ तथा तत्प्रत्ययं वद //
10.82
साधु देवि महाप्राज्ञे कथयामि सप्रत्ययम्
अन्यथा तत् कथं तस्य भ्रान्तिज्ञानं विनश्यति //
10.83
कम्पते भ्रमते रोदेच् चोत्पतेन् निपतेद् वदेत्
अनिबद्धरवोन्मादी ससंज्ञो भूतवद् यथा //
10.84
भूतावेशस्य चिह्नेदं भावावेशम् अतः शृणु
यानि चिह्नानि जायन्ते भावविद्धस्य भाविनि //
10.85
घूर्मणं स्वेदरोमाञ्च अश्रुपाताङ्गमोटनम्
आराध्य स्मरणाद् एवं सम्पद्यन्ते स्वभावधृक् //
10.86
भ्रमते चक्रवत् पातः काष्ठवत् क्षुभितेक्षणः
पश्यते विभ्रमापन्नः शक्तिवेधोपलक्षयेत् //
10.87
कम्पते भ्रमते चैव जल्पते वदते ऽखिलम्
मन्त्रावेशस्य चिह्नेदं कथितं तव शोभने //
10.88
रौद्रं चैवम् अतो ब्रूमि पञ्चावस्था[ स्] तु रौद्रजाः
अनाधीतानि शास्त्राणि ग्रन्थतश् चार्थतः सुधीः //
10.89
अतीतानागतं सर्वं वर्तमानस्य यत् फलम्
रौद्रशक्तिसमावेशात् सर्वम् एव प्रपद्यते //
10.90
यस्येदं वर्तते चिह्नं रौद्रावेशं तद् उच्यते
शाम्भवेन तु वेधेन सर्वाण्य् एतानि सुव्रते //
10.91
शुद्धशाम्भववेधस्य साम्प्रतं निर्णयं शृणु
येन विद्धस्य लोके ऽस्मिन् सर्वज्ञत्वं प्रपद्यते //
10.92
पूर्वोक्तेन तु कालेन शोधितस् तु यदा शिशुः
तदा सम्पद्यते तस्य शाम्भवं गुणदायकम् //
10.93
कुब्जीशो यं यदायातः पुंसो जन्मन्य् अपश्चिमे
तदा सम्पद्यते तस्य शाम्भवं कुब्जिके तनौ //
10.94
बह्वर्थकाले ऽपि विशोधितात्मा आत्मैव सौ पश्यति सर्वभूतान्
न मे समानो भुवनान्तराले विशुद्धभावो भवते ह्य् अकाले //
10.95
एकैकं भुवनं पश्येत् पुंसादौ चोन्मनावधिम्
विशुद्धतनुजो ह्य् एवं देहेनानेन चोत्पतेत् //
10.96
न कम्पधुनने तस्य ईशद्घूर्मिः प्रवर्तते
विषोन्मूर्छागतस् त्व् एवं तिष्ठते भूतकुम्भवत् //
10.97
पश्यते चाग्रतः सर्वं तत्त्वव्रातं सदोदितम्
तत्क्षणाद् विषयान् मुच्येज् जीर्णकञ्चुर् यथोरगः //
10.98
सदानन्दमदोन्मत्तः सर्वज्ञगुणभूषितः
शाम्भवेन तु विद्धस्य चिह्नेदं सम्प्रवर्तते //
10.99
भूतभावनशक्तीनां मन्त्रावेश[ ं ] सरौद्रजम्
क्रमेण शाम्भवस् तेषां विशुद्धत्वं यथा यथा //
10.100
झलझलेति यद् वेधं सम्पूर्णघटवद् यथा
भूतान्तशक्तिमन्त्रादौ तथेदं सम्प्रचक्ष्यते //
10.101
गुरुभक्तिविहीनानां वञ्चकानां यशस्विनि
पूर्वं शाम्भवविद्धस्य भूताद्यं सम्प्रवर्तते //
10.102
वेधदीक्षापरं नास्ति कथं सा प्रत्ययात्मिका
प्रत्यये सति सञ्जाते कथं तन् मोक्षलक्षणम् //
10.103
प्रत्यये सति मोक्षो ऽ स्ति पिण्डपातेन सर्वथा
विषयेषु न मुच्येत सिद्धभावं न गच्छति //
10.104
शाम्भवेन तु वेधेन तत्क्षणाद् विषयोज्झितः
विषयोज्झित-आत्मा वै देहेनानेन चोत्पतेत् //
10.105
येन वेधेन विद्धस्य सुखास्वादो न विद्यते
स कथं स्वार्थनिर्मुक्तो विषयेषु विरज्यते //
10.106
शाम्भवे न हि सम्प्राप्ते दर्पेणाकुलितेक्षणः
नायकैः सो ऽभिभूयेत न सिध्यत्य् अधिकारकृत् //
10.107
आज्ञानन्दे समुत्पन्ने न गन्तव्यं गुरोः कुलात्
कस्मात् सामर्थ्यहेत्वर्थं यावन् नोत्पादयेद् गुणान् //
10.108
दिवा प्रेषणतन्निष्ठो रात्रौ ज्ञानपरिग्रहः
एवं सम्पादयेत् सर्वं सामर्थ्यं तु गुरोः कुले //
10.109
अप्रेषिते न गन्तव्यं न कुर्याच् चोल्बणादिकम्
ये न कोपवशाद् आज्ञां दास्यन्ति गमनं प्रति //
10.110
शाम्भवाज्ञासमुत्पन्ने य एवं कुरुते कुधीः
तस्य पीठाधिपाः पालाश् चाभिभूयन्त्य् अनेकधा //
10.111
अनुष्ठानतपोपायैर् यदानन्दभृतस् तनुः
तदाधिकारः कर्तव्यो यस्याज्ञा तस्य तत्पदे //
10.112
अनुज्ञातो ऽभिषिक्तस्य नाममालां प्रकाशयेत्
नवपञ्चविधं द्रव्यं पूजार्थे सम्प्रदर्शितम् //
10.113
शुभे ऽहनि मुहूर्ते च चतुर्दश्याष्टमीषु च
दर्पणोदरभूभागे वस्त्रे वाथ सुशोभने //
10.114
ततोपरि यजेत् सिद्धान् सर्वज्ञगुणशालिनान्
चतुर्विंश षोडशैवम् अष्टौ चैव त्रिपङ्क्तिषु //
10.115
द्वौ सिद्धौ मध्यदेशे तु कुङ्कुमेन तु चाक्षतैः
त्रिहस्तं मण्डलं कुर्याद् ऊर्ध्वादौ पूर्वपश्चिमम् //
10.116
शृङ्गातकाकृति ह्य् एवं तत्र पूजां समारभेत्
पूजयित्वा विधानेन द्रव्यैः पञ्चनवादिभिः //
10.117
पृथग्दीपैः पूजयित्वा फल्गुषालिसुगन्धिभिः
सुप्रणीतं सुभक्तं च आज्ञागुणविधायिनम् //
10.118
ततः प्रवेशयेच् छिष्यं पुष्पं मोचापयेद् इति
यस्मिन् मार्गे पतेत् पुष्पं तन् नाम तस्य दापयेत् //
10.119
प्रकटं शिव विज्ञेयं गुप्तम् आनन्द-म्-उच्यते
अकारादिक्षकारान्तं पञ्चाशगुणलक्षितम् //
10.120
अक्षरे अक्षरे सिद्धं पुष्पपाताद् विलक्षयेत्
श्रीकण्ठानन्तसूक्ष्मेशं त्रिमूर्तिर् अमरो ऽर्घिनः //
10.121
तिथीशो भारभूतिश् च स्थाणुनामो हरस् तथा
झण्टीशो भौक्तिकश् चैव सद्योजातस् त्व् अनुग्रही //
10.122
क्रूरसेनस् तथान्यो वै महासेनस् ततः परः
प्रथमादौ स्थिता ह्य् एते उपरिष्टाद् विलक्षयेत् //
10.123
क्रोधश् चण्डः प्रचण्डश् च शिवैकरुद्र एव च
कूर्मश् चैवैकनेत्रश् च चतुरास्यो ऽवसानुगः //
10.124
प्रथमा या स्थिता पङ्क्तिः पीठत्रयविभूषिता
अजेशः शर्म सोमश् च लाङ्गुलीशो ऽथ दारुकः //
10.125
अर्धनार्यो ह्य् उमाकान्तो आषाढी दिण्डिर् एव च
धात्रीशश् च तथा मीनो मेषो लोहित-म्-एव च //
10.126
शिखीशश् छगलण्डश् च द्विरण्डो मध्यपङ्क्तिगाः
महाकालश् च वालाख्यो भुजङ्गाख्यः पिनाकिनः //
10.127
खड्गानन्दो बकानन्दः श्वेतानन्दस् तथैव च
भृगुश् चैवान्तिमे चक्रे अष्टौ तांश् च प्रपूजयेत् //
10.128
लाकुलानन्द मध्यस्थं संवर्तानन्दसंयुतम्
तयोर् मध्यगतां देवीं कुब्जिकां परमेश्वरीम् //
10.129
पूजयेत् पीठसंयुक्तां पारम्पर्येण संयुताम्
यथा सिद्धास् तथा देव्याः संहार्यादि प्रपूजयेत् //
10.130
वागेश्यन्ताः क्रमेणैव गुरुवक्त्रप्रसादतः
षडारे डादिषट्कं तु क्रमेणैव प्रपूजयेत् //
10.131
कुलाष्टकं ततो बाह्ये अष्टारे पङ्कजे क्रमात्
पञ्चद्रव्यभृतं पात्रं तदग्रे सन्निवेशयेत् //
10.132
क्रमाम्नायं पुनः पात्रे कुर्यात् तेनाभिषेचनम्
मुखेन वाथ कर्तव्यं यस्योपरि सुभावना //
10.133
ततश् चादेशयेत् तं तु कुरु कार्यं यदृच्छया
अधिकारपदं सर्वं मोक्षितं ते प्रसादतः //
10.134
ततः प्रभृति देवेशि योग्यो भवति शासने
शासनं भूषयेन् नित्यं गुप्ताचारविधौ स्थितः //
10.135
अव्यक्तेन तु लिङ्गेन व्यक्तलिङ्गेन वा पुनः
येन लिङ्गेन यस्येदं तल्लिङ्गं न परित्यजेत् //
10.136
आकाशात् पतितं तोयं यथा गच्छति सागरम्
गर्तानद्योपचारेण तथा सर्वं कुलान्वये //
10.137
यास्यन्ति लिङ्गिनः सर्वे निश्चयार्थो ऽन्यथा न हि
कस्मात् प्रत्यक्षरूपेण तत्राज्ञा वर्तते यतः //
10.138
समुद्रवत् कुलानन्दं यस्मात् तत् सर्वतोमुखम्
कुलं तद् एव विज्ञेयं सर्वानुग्रहकारकम् //
10.139
ब्राह्मणं क्षत्रियं वैश्यं शूद्रं प्राकृतम् अन्त्यजम्
मातङ्गम्लेच्छजात्युत्थं बौद्धसाङ्ख्यदिगम्बरम् //
10.140
त्रिदण्डमुण्डखट्वाङ्गमुषलान्यक्रियान्वितम्
यास्यन्ति परमं शैवं शैवो याति न कुत्रचित् //
10.141
तच् च कौलभृतानन्दं नेतरं तु क्रियाकुलम्
सर्वज्ञमार्गविहितं सर्वाचारप्रपालकम् //
10.142
कौलिकाचारमार्गेण भावाद्वैतेन सर्वथा
तत्त्वाद्वैतेन मार्गेण सर्वथा यत्र संस्थितः //
10.143
पालयेल् लौकिकाचारम् अद्वैतं समनुष्ठयेत्
गोपयेद् गुप्तलिङ्गानि तत्प्रविष्टानि सर्वथा //
10.144
अधमाद् उत्तमं ज्ञानं यद्य् अर्थी उत्तमो भवेत्
लिङ्गिनो वा द्विजन्मा वा आज्ञार्थी तु न वञ्चयेत् //
10.145
एकान्ते विहितं सर्वं कुर्वीत न जनाकुले
अन्यथा स्थितिभङ्गः स्यान् नश्यते शासनं प्रिये //
10.146
वर्जयेत् कौलिकान् बौद्धान् तथा मीमांसकास्थितान्
कस्माद् भ्रष्टक्रिया तेषां न मोक्षो नैव साधनम् //
10.147
जिह्वोपस्थनिमित्तार्थम् अद्वैतं तेषु सर्वथा
कौलिकाचारनिर्मुक्ताः श्वानवद् विचरन्ति ते //
10.148
निराचारं प्रकुर्वन्ति निराचारविवर्जिताः
विषं भक्षन्ति ते मूढा यथाज्ञामन्त्रवर्जिताः //
10.149
यद्य् अपि ते त्रिकालज्ञास् त्रैलोक्याकर्षणक्षमाः
तथापि संवृताचाराः पालयन्ति कुलस्थितिम् //
10.150
निराचारेण योगेन पश्यन्ति विषयोज्झिताः
विषयस्थो ऽपहासित्वं निराचारेण यात्य् असौ //
10.151
भ्रष्टनष्टकुलं त्यज्य कुलकौलं समाश्रयेत्
तत्र योगिगुरूणां च पूज्यते चरणाम्बुजम् //
10.152
समयेन विना देवि समर्थो भवते कथम्
सामर्थ्येन विना चर्या निराचारात्मिका भवेत् //
10.153
ज्ञात्वाम्नायपदं सर्वं यथावस्थं कुलेश्वरम्
षट्प्रकारविधानेन निर्गताचाररूपिणम् //
10.154
सामर्थ्यगुणयुक्तात्मा विषयातीतो जितेन्द्रियः
विरजो रञ्जितात्मा वै निराचारो भवेत् तु सः //
10.155
एतत् ते कथितं देवि सरहस्यं सुगोपितम्
अन्यद् यत् ते मनस्थं तु तत् पृच्छ वदतो मम //
10.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते देव्यासमयो नाम मन्त्रोद्धारे दशमः पटलः
Kapitel 11 – Devanagari
11.1
मन्त्रतन्त्रैस् त्वया देव भ्रामिताहं क्रियादिभिः
ध्यानधारणयोगैश् च इदानीं कथय स्फुटम् //
11.2
पूर्वतन्त्रे त्वया देव सूचितं न प्रकाशितम्
अधुना श्रोतुम् इच्छामि षट्पदार्थविनिर्णयम् //
11.3
महानन्दकरं वाक्यं महाश्चर्यकरं परम्
गोपितं सर्वदेवानां तथा ते कथयाम्य् अहम् //
11.4
अनादिनिधनेशानाच् छिवात् परमकारणात्
दिव्याज्ञायाः क्रमो जातः पारम्पर्यौघसन्ततिः //
11.5
अकुलं च कुलं चैव कुलाकुलविनिर्णयम्
अधुना कथयिष्यामि नवधा निर्णयो यथा //
11.6
परस्य परमां विद्धि योनिम् आद्यां महाम्बिके
रूपातीतादियोगेन परेच्छेयं चतुर्विधा //
11.7
रूपातीतं तु कामाख्यं रूपं पूर्णगिरिर् महान्
पदं जालन्धराख्यं तु पिण्डम् ओड्रं प्रकीर्तितम् //
11.8
अन्तिमामृत सूक्ष्मा च सुसूक्ष्माद्यं चतुष्टयम्
अकुलेश्वरदेवस्य सम्बन्धः प्रथमः स्मृतः //
11.9
रूपातीतात् परो हिन्दुः शक्त्याधिष्ठित भास्वरः
ततो नादो निरोधश् च अर्धचन्द्रम् अनुक्रमात् //
11.10
एतत् तत् पञ्चकं प्रोक्तं ज्ञानरत्नमहोदयम्
सा योनिः परमा ज्ञेया क्रियाध्वानमहोदधिः //
11.11
बिन्दुतत्त्वात् परो बिन्दुर् मकारोकार-म्-एव च
अकारस् तु समाख्यातः षट्पदार्थविभेदकः //
11.12
रूपात् पदं समुत्पन्नं कालरूपं षडाननम्
षड्विधाध्वानयोगेन सृजते संहरन्ति च //
11.13
आधाराधेययोगेन षट्पदार्थपदेन च
कुरुते विविधां सृष्टिं येन तत् कथ्यते ऽ धुना //
11.14
आत्मा धारयते शक्तिम् आत्मा हंसोपरिस्थितः
हंसः समीरणान्तस्थः स च नाडीपथे स्थितः //
11.15
नाड्यः पिण्डे सकर्माद्यः पशुर् मायामलान्विताः
एतत् षट्कं समाख्यातं कुलमार्गप्रबोधकम् //
11.16
अत्र जातं जगत् सर्वं क्रियाकारणगोचरम्
पराच् च शाम्भवं ज्ञानं विज्ञानानेकसङ्कुलम् //
11.17
विशुद्धिर् बोधजननी षोडशान्त-म्-अधोर्ध्वतः
मणिपूरक शब्दस्थं दशपञ्चावतारकम् //
11.18
सा तु माया परा ज्ञेया चतुर्योनिर् महाम्बिके
शब्दसूत्रेण येनैताः पञ्चाश मणयो महान् //
11.19
आपूरिताश् च महता तेनेदं मणिपूरकम्
अस्याधारं तु विज्ञेयं कर्णकुब्जं महापुरम् //
11.20
विज्ञानैः पञ्चदशभिः पूरितं भुक्तिमुक्तिदम्
मणिपूरकमालायां ग्रन्थिर् जाता चतुर्विधा //
11.21
मण्डलं मन्त्रविद्याश् च मुद्रा ग्रन्थिश् चतुर्विधा
मायायन्त्रोदरे चान्या पुंसां सृष्टिर् अनाहता //
11.22
नदते दशधा सा तु दिव्यानन्दप्रदायिका
चिणीति प्रथमं शब्दं चिञ्चिनी तु द्वितीयकम् //
11.23
चीरवाकी तृतीयं तु शङ्खशब्दं चतुर्थकम्
पञ्चमं तन्त्रिनिर्घोषं षष्ठं वंशरवस् तथा //
11.24
सप्तमं कंसतालं तु मेघशब्दं तु चाष्टमम्
नवमं दाघनिर्घोषं दशमं दुन्दुभिस्वनः //
11.25
नवशब्दम् परित्यज्य दशमं मोक्षदं परम्
हननेन विना येन व्याहरेद् दशधा रवम् //
11.26
तेनैवानाहतं जातं कर्णकुब्जाद् विनिर्गतम्
दशधा रवते-द्-एवम् अष्टपत्त्रोपरिस्थितम् //
11.27
दशधा गुणदातारं चिच्चेताहृदयात्मकम्
प्रमाणपदयोगेन क्षोभयित्वा नवान् बहून् //
11.28
कलाकर्मसमायोगात् स्वाधिष्ठानं विनिर्मितम्
शतकोटिसुविस्तीर्णं भुवनानेकसङ्कुलम् //
11.29
मायाकालकलाकीर्णम् आधारं ब्रह्मणस् तु तत्
चतुष्कलसमोपेतं शिवशक्तिसमन्वितम् //
11.30
षट्प्रकारम् इदं कुब्जि स्वाधिष्ठानं पृथक् पृथक्
षट्पदार्थविभागो ऽयं दुर्लभः प्रकटीकृतः //
11.31
क्रियातत्त्वार्थनिर्देशं कुब्जिके ऽन्यत्र गोपितम्
कुलाकुलम् इदं षट्कम् उत्तरं ते प्रकाशितम् //
11.32
दक्षिणस्यापि षट्कस्य साम्प्रतं निर्णयं शृणु
मणिपूरकदेवस्य तत् तेजो भास्वरस् तु यः //
11.33
तत्र तद् दक्षिणं षट्कम् आज्ञापूर्वं कुलोद्भवम्
सृष्टिमार्गक्रमायातं शिवशक्तेः कुलाकुलम् //
11.34
संहारपदषट्कस्य कुलं शक्त्यान्तदक्षिणम्
गुदम् आधारम् इत्य् उक्तं स्वाधिष्ठानं तु लिङ्गजम् //
11.35
मणिपूरक नाभिस्थं हृदिस्थं च अनाहतम्
विशुद्धिः कण्ठदेशे तु आज्ञा नेत्रद्वयान्तरे //
11.36
विशुद्धिः षोडशैर् भेदैर् दशधा तु अनाहतम्
मणिपूरक विज्ञेयं भेदैर् द्वादशभिः स्थितम् //
11.37
अनेकार्थगुणाधारं स्वाधिष्ठानं तु षट्कलम्
चतुष्कलं तु आधारम् आज्ञाभेदद्वयं विदुः //
11.38
आज्ञाभेदद्वयं नाथ कथं तत् परमेश्वर
आचचक्ष्व प्रयत्नेन येन भ्रान्तिर् विनश्यति //
11.39
लक्षवारसहस्रैस् तु वारं वारं पुनः पुनः
एष साङ्केतिको ह्य् अर्थः कथ्यमानं न बुध्यसि //
11.40
शाम्भवं कथितं ज्ञानं सृष्टिमार्गेण शक्तिगम्
इच्छाशक्तिसमायुक्तम् उत्तरं ते प्रकाशितम् //
11.41
इच्छाज्ञानं परित्यज्य शम्भुर् अत्रापि दक्षिणम्
क्रियाशक्तिर् अधोभागे संयोगात् प्रत्ययायते //
11.42
ऊर्ध्वशक्तिनिपातेन अधःशक्तिनिकुञ्चनात्
कुरुते विविधां सृष्टिम् अनेकाकाररूपिणीम् //
11.43
न शिवेन विना शक्तिर् न शिवः शक्तिवर्जितः
क्रियातत्त्वस्य मार्गो ऽयं परेच्छाध्वं तु केवलम् //
11.44
उत्तरस्य तु मार्गस्य यच् छतुष्कं सुसूक्ष्मगम्
क्षोभितं तेन चात्मानं पुनः षोडशधा कृतम् //
11.45
विशुद्धं परतत्त्वान्तं तेनात्मानं विसर्पितम्
चतुस्त्रिंशतिभेदेन तस्मान् ऽनेकविधाकृतिः //
11.46
सप्रत्ययगुणाधारम् अवस्थागुणदायकम्
लक्ष्यते येन सुश्रोणि तच् छृणुष्व यथार्थतः //
11.47
मुक्ताफलनिभाकारं क्वचिज् ज्वालाचलाचलम्
क्वचिन् मर्कटिजालाभं मृगतृष्णेव चापलम् //
11.48
रूपातीतं च रूपं च पदपिण्डं चतुर्विधम्
विशुद्धतनुदेवस्य आद्यभेदं चतुष्टयम् //
11.49
सरहस्यं प्रबुद्धानां क्षुब्धानां तु क्रियाध्वरे
तस्मात् पीठचतुष्कं तु सञ्जातं तु कुलाकुलम् //
11.50
कलाभृत्तनुदेवस्य कैलासोपरिसंस्थितम्
मध्यदेशे तु रन्ध्रस्थं श्रीमदोड्रकुलेश्वरम् //
11.51
प्रथमं पीतवर्णं तु सशैलवनकाननम्
वनोपवनसंयुक्तं हेमप्राकारमण्डितम् //
11.52
नदीनदसमाकीर्णम् अनेकार्थसमाकुलम्
सर्वबीजसमाकीर्णं चतुरस्रं समन्ततः //
11.53
वज्रार्गलसमोपेतं वज्रहस्ता तु मालिनी
तत्राधिपत्ययोगेन पीठपीठेश्वरीयुतम् //
11.54
तस्यैव दक्षिणे कोणे चन्द्राभं चन्द्रवर्चसम्
अर्धचन्द्र पुराकारं सरि त्सरसमाकुलम् //
11.55
जलकल्लोलगम्भीरं षड्रसार्णवसङ्कुलम्
वीचीतरङ्गकल्लोलैस् तटास्फालनभीषणैः //
11.56
तत्त्वनाथोपरिस्थं तु पुरं तत् पारमेश्वरम्
हिमचन्द्रशिलाभिश् च समन्तान् निचितं तु तम् //
11.57
प्राकारेण विचित्रेण गोपुराट्टालशोभितम्
अनेकगुणसञ्छन्नम् अनेकाश्चर्यसङ्कुलम् //
11.58
तत्र तत्त्वेश्वरं देवं देव्याधिष्ठितविग्रहम्
श्यामवर्णं सुतेजाढ्यं पाशहस्तं सुलोचनम् //
11.59
आधारं सर्वसृष्टेस् तु महापीठोपरिस्थितम्
कैलासदक्षिणे शृङ्गे अनेकगुणसङ्कुलम् //
11.60
श्रीमज्जालन्धरं पीठं तत्रस्थं लक्षयेत् प्रिये
कैलासस्योत्तरे शृङ्गे अनेकार्चिसमाकुलम् //
11.61
ग्रसन्तम् इव त्रैलोक्यं सूर्यकोटिसमप्रभम्
पिङ्गलं दहनावस्थं लेलिहानं सुदारुणम् //
11.62
ममापि देवि दुष्प्रेक्ष्यं किं पुनस् त्व् इतरैर् जनैः
त्रिकोणपुरमध्यस्थं वज्रप्राकारमण्डितम् //
11.63
वज्रस्तम्भमयं दिव्यं पुरं वै पारमेश्वरम्
कालाग्निगोपुराट्टालं समन्तात् परिवेष्टितम् //
11.64
बहुरूपसमाकीर्णं विद्यागुणविभूषितम्
अनेकाश्चर्यसम्पन्नं जीवभूतं जगत्त्रये //
11.65
आपूरितम् इदं येन तेन तत् पूर्णसंज्ञितम्
सप्तजिह्वासमोपेतं कालरूपं षडाननम् //
11.66
पूर्णमाया समायुक्तं साञ्जनं चारुरूपिणम्
शक्तिहस्तं महावीर्यं सृष्टिसंहारकारकम् //
11.67
नपुंसकगुणान्तस्थं व्याप्तिभूतं विनिर्गतम्
मध्यपीठस्य पूर्वेण चाग्रशृङ्गे व्यवस्थितम् //
11.68
पद्मिनीदलसङ्काशं धूम्रवत् ताम्रवर्चसम्
महाप्रचण्डदण्डौघैः स्फालनोल्लाललालसैः //
11.69
धूयमानं समन्तात् तु शोषयन्तं चराचरम्
षडस्रमण्डलान्तस्थं सर्वव्यापिकुलेश्वरम् //
11.70
न तेन रहितं किञ्चित् सृष्टिसंहारगोचरे
इन्द्रनीलनिभैः स्तम्भैः समन्तान् निचितं पुरम् //
11.71
प्राकारगोपुराट्टालं ध्वजाएकुशधनुर्धरम्
पञ्चबाणधरं देवं कामदेव्या समन्वितम् //
11.72
द्रावयन्तं जगत् सर्वं श्रुतिरूपं तनूज्झितम्
चतुर्दशविधस्यापि नायको दण्डधारकः //
11.73
तस्येच्छाप्रेरितं सर्वं कामाद्यं सम्प्रवर्तते
तेनेदं चाग्रकोटिस्थं मनोन्मन्योर्ध्वसंस्थितम् //
11.74
स्त्रीपुंनपुंसके द्वे तु पीठव्याप्तौ परे विदुः ल्
कामेन क्षुभितं तत्त्वं स्थाणुसंज्ञा मनोन्मनम् //
11.75
मनोन्मनेन समनं द्वाव् एतौ तु नपुंसकौ
पुटरूपौ समाख्यातौ तस्मान् ऽन्यो व्यापिनः परः //
11.76
सा तु माया परा देवी दुर्भेद्या चाक्षयाव्यया
व्यापिनी सर्वतत्त्वानाम् आत्मादौ त्व् अपरे ऽध्वनि //
11.77
मायैव सा षडध्वस्य षट्त्रिंशानां विशेषतः
यया विभज्य चात्मानं स्वरूपे चाध्वनिर्मितम् //
11.78
अर्धकोट्या अधःस्थाने नादान्तं सन्निवेशितम्
उन्मनः समनश् चैव व्यापिनो ध्वनिर् एव च //
11.79
पीठचतुष्कम् एतत् तु स एवान्योन्यतः क्रमात्
ध्वनेर् नादः समुत्पन्नः स चानेकविधः स्थितः //
11.80
सूक्ष्मश् चैव सुसूक्ष्मश् च व्यक्ताव्यक्तो ऽथ कृत्रिमः
आत्मनो ऽप्य् अर्धकोट्यन्ते अधःस्थाने निवेशितः //
11.81
तस्मात् स कुरुते सृष्टिम् अनेकाकाररूपिणीम्
सूक्ष्मनादो गुहावासी कालाग्नौ तु सुसूक्ष्मगः //
11.82
स्वस्थानस्थस् तु अव्यक्तः पदान्ते व्यक्त-म्-आश्रितः
कृत्रिमश् चैव संयोगात् स चाकाशे व्यवस्थितः //
11.83
तस्माद् अक्षरसन्तानं वाग्विलासं प्रवर्तते
तेन सङ्क्षोभ्य चात्मानं अव्यक्ताव्यक्तरूपिणम् //
11.84
निरोधितं तु तेनेदं सूक्ष्मभावस्य सम्भवः
तेन नैरोधिकं नाम गोलाकारं व्यवस्थितम् //
11.85
आत्मलग्नस्वरूपेण प्रतिमूर्ति द्वितीयकम्
तेन सङ्क्षोभ्य चात्मानम् अर्धचन्द्रविनिर्मितम् //
11.86
स्रवन्तम् अमृतं दिव्यं सर्वस्य जगतः स्थितम्
तस्य सम्प्लावनात्यर्थं विसर्गाभिरतस् तु यः //
11.87
तत्रादित्यं समुत्पन्नं वर्णानां प्रभुम् ईश्वरम्
बिन्दुरूपं जगन्नाथं क्रियाकालगुणोत्तरम् //
11.88
वर्णसृष्टेस् तु कर्तारं देदीप्यन्तं सुवर्चसम्
उन्मनादिचतुष्कस्य सञ्जातेदं चतुष्कलम् //
11.89
क्षुभितं क्रमयोगेन विशुद्धतनु शाम्भवम्
स्थितं षोडशभेदेन चतुष्केन पृथक् पृथक् //
11.90
कुलातीतशरीरस्य पिण्डम् आद्यं चतुष्कलम्
द्वादशाङ्गं कुलेशस्य मस्तके संव्यवस्थितम् //
11.91
चतुष्कलं द्वितीयं तु पीठरूपं जगाम्बिके
नादान्तोर्ध्वं तु मायाद्यं विज्ञेयं तु पुटत्रयम् //
11.92
ललाटोर्ध्वं कुलेशस्य ज्ञातव्यं तु कुलेश्वरि
तदधः पञ्चधा नादं कृत्रिमं मुखमण्डले //
11.93
निरोधं तत्समं ज्ञेयं चन्द्रसूर्यं ततोदरे
एवं विशुद्धदेवेन षोडशावयवं तनुम् //
11.94
अकुलेशकुलेशानं विभज्य च निवेशितम्
अत्र योगाभिपन्नानाम् अवस्थां शृणु भाविनि //
11.95
रोमाञ्चश् चाश्रुपातश् च विषुवं चन्द्रदर्शनम्
पिपीलिकापरः स्पर्शः सूर्यं रात्रौ च पश्यति //
11.96
उत्पतेद् गगनाम्भोभिः शब्दान् मुञ्चति दारुणान्
वागीशत्वं प्रपद्येत किं त्व् अबद्धप्रलापिनः //
11.97
क्षोभः क्षुधाजयो निद्रा उन्मनत्वं क्षनात् क्षनात्
सुगन्धश् च सुदीप्तश् च वाचासिद्धिः प्रवर्तते //
11.98
षोडशैते महावस्थाः प्रत्यक्षानुभवेद् यदि
तदा तेन तु देहेन खेचरीकुलनन्दनः //
11.99
एतत् ते सरहस्यं तु विशुद्धं कथितं मया
इदानीं शृणु कल्याणि यथावस्थम् अनाहतम् //
11.100
कण्ठाधस्तात् कुलेशस्य उदरोर्ध्वम् अवस्थितम्
क्रोधशर्मादिभिः सिद्धैश् चक्रवर्तिदशान्वितः //
11.101
एकरुद्रः सुशर्मा च ग्रन्थौ नाले व्यवस्थितः
क्रोधाजेशादयः सिद्धाश् चक्रवर्तिदले स्थिताः //
11.102
पूर्वेशगोचरान्तास् ते मध्ये देवः सदाशिवः
चारोच्चारविचारैश् च एभिः सार्धं रमेत् तु सः //
11.103
राज्यक्रीडाम् अथोर्ध्वे च संहारात्मा जगत्त्रयम्
मांसादपिशुनत्वेन ह्य् अभिलाषो ऽ धुना पुनः //
11.104
आप्यायितमनो हृष्टस् तुष्टचित्तस् तु वत्सलः
पृथ्वीं भ्रमामि निखिलां व्रजामो गिरिगह्वरम् //
11.105
द्रव्यम् आवर्जयाम् आस विलसामो ददाम्य् अहम्
परं वैराग्यम् आपन्नो मोक्षान्वेषणतत्परः //
11.106
गुरुम् अन्वेषयिष्यामि येन भूयो न सम्भवः
सन्धिनालान्तरस्थो ऽसौ पातालम् अनुकाङ्क्षति //
11.107
दिव्यसिद्धो भविष्यामः क्रीडामः कामिनीजनैः
मध्यदेशान्तरस्थो ऽसौ न किञ्चिद् अपि चिन्तयेत् //
11.108
सुखावस्थो जितक्रोधः सत्त्वावस्थो जितेन्द्रियः
तिष्ठते ऽनाहतो देवश् चक्रवर्त्यष्टकैर् वृतः //
11.109
दशधावस्थिते चक्रे भावाभावसमन्वितः
गुरुवक्त्रगतो देवश् चक्रवर्तिसमन्वितः //
11.110
स्वभावगुणसंयुक्तं चिन्तयन्तोपदेशतः
अभ्यसन्तस्य देवेशि अवस्थाः सम्भवन्ति हि //
11.111
पुंसो भेदेन जायन्ते सात्त्वराजसतामसाः
उत्तमो मध्यमश् चेति कन्यसस् तु तृतीयकः //
11.112
कन्यसे तामसावस्था राजसा सात्त्विका पुनः
मध्यमे रजसा युक्तं सत्त्वावस्थादितोत्तमः //
11.113
याश् च ताः शृणु कल्याणि येषु योगस्य साधनम्
तमो मोहो रजः शोकश् चतुष्कं कन्यसादिकम् //
11.114
लोलुपा रागवत्या च कामुका चापलायिनी
मध्यमादिष्व् अवस्थैताः कन्यसे तु द्वितीयका //
11.115
प्रभावती सुतारा च बिम्बा बिम्बखगेश्वरी
ज्येष्ठादिमध्यमे द्विस्था त्रिस्था कन्यसगोचरे //
11.116
उदयन्ति क्रमा ह्य् एताः समाधिविषये स्थिताः
अन्तिमैका द्विमध्यस्था त्रिधावस्था तु कन्यसे //
11.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते षट्प्रकारनिर्णयो नाम एकादशमः पटलः
Kapitel 12 – Devanagari
12.1
किं तु ज्येष्ठचतुष्कस्य द्वे ऽवस्था न भवन्ति हि
कुलेशानाम् अवस्थानां लक्षणं वद भैरव
येन वै ऽनाहतं देवं जानीमः परमेश्वर //
12.2
कथयामि वरारोहे प्रत्ययं तु सलक्षणम्
ताम् अविज्ञाय भ्रष्टत्वम् अवश्यं हितकारिणि //
12.3
अक्रमाज्ञा भवेद् येषां रभसाज्ञा प्रकाशिता
सामर्थ्यतो ऽथ दयया उक्तकालाद् अवान्तरे //
12.4
तामसास् ते समाख्यातास् तमोऽवस्थान्तरान्विताः
समयानि न मन्यन्ते गुर्वाज्ञालोपकारकाः //
12.5
कलिद्वन्द्वप्रिया नित्यं छिद्रान्वेषणतत्पराः
गुरोपवादनिरता निरपेक्षा मुहुर् मुहुः //
12.6
अपवादं रुषित्वा तु गुरोर् यान्ति पराङ्मुखाः
येनासौ निधनं याति तत् करोति तमोऽन्वितः //
12.7
मोहाविष्टो न जानाति आत्मसम्भावितः कुधीः
अहङ्कारतमोलुब्धः पूर्वजातिम् अनुस्मरेत् //
12.8
गुरुं विचारयित्वा तु शोकेनान्तरितात्मनः
प्रयाति गृहसायोज्यं तमेनाकुलितेक्षणः //
12.9
तेनाधमपदं याति जीवन्न् एव मृतस् तु सः
बुद्धिमन्तो महाप्राज्ञः स्वागमार्थविशारदः //
12.10
ततः क्षमापयेन् नाथं तद्विदाम्नायपूजनम्
त्रिसप्तकं तु मौनेन सर्वोपस्करणैः सह //
12.11
अवस्थाश् चोपशाम्यन्ते तमो ऽवस्थाचतुष्टयम्
लोलुपादौ तु चत्वारि क्रमाद् ध्य् एवं व्यपोहयेत् //
12.12
मायया भृतचित्तस् तु दासत्वेन तु रञ्जयेत्
उक्तकालार्धमानेन रञ्जितो ऽनुग्रहेद् गुरुः //
12.13
तीव्रत्वे ऽपि हि सञ्जाते मन्दत्वं सम्प्रवर्तते
उपदेशोपचारेण अवस्थालक्षणं भवेत् //
12.14
राजसो ऽयं समाख्यातश् चाहङ्कारगुणान्वितः
पण्डितो ऽहं सुभक्तो ऽहं वक्ताहं बोधको ह्य् अहम् //
12.15
ज्ञानिनो ऽहं समर्थो ऽहं वयं सर्वगुणेश्वराः
करोति गुरुणा सार्धं वादम् अज्ञानचेतसः //
12.16
इदं तत्त्वम् इदं तत्त्वम् आगमोक्तं न जानथ
एवं ऽसौ रजसालिप्तो यद्य् आत्मानं न संस्मरेत् //
12.17
तदावस्थाचतुष्केण लोलुपाद्येन गृह्यते
परस्त्रियं हसेन् नित्यं धावयित्वा विलग्यते //
12.18
स शृङ्गारी मदस्रावी नित् यम् एवं गजो यथा
आत्मानं विक्रयित्वा तु मद्यमांसं समाचरेत् //
12.19
विवेको यदि चित्तस्थस् तदाराध्यं समाश्रयेत्
अथ चेत् पूर्वविहितां क्रमपूजां समाचरेत् //
12.20
मध्यमस्य ततः पश्चाद् अवस्था शुभदायिका
उत्तमं परया भक्त्या आविष्टस् तु सदा गुरोः //
12.21
उक्तकालेन चादेशानुग्रहः सम्प्रपादितः
त्रिशुद्धान्तरभावेन यस्य भावो न चान्यथा //
12.22
तस्य चैवोत्तरे मार्गे दक्षिणाम्नायपूर्वकम्
विन्दते निखिलं ज्ञानं निरहङ्कारी दृढव्रतः //
12.23
उदयन्ति शुभावस्थाः प्रभावत्यादितः क्रमात्
षट्कमार्गेति याः प्रोक्ताः शुभास् ताश् चोदयन्ति वै //
12.24
प्रभाभिरञ्जितात्मा वै पश्यते भुवनत्रयम्
तारकान्तस्थम् आत्मानं देदीप्यन्तं सुवर्चसम् //
12.25
चन्द्ररूपं यदा पश्येत् तारामण्डलमध्यतः
तारावती तु सा प्रोक्ता अवस्था सिद्धिदायिका //
12.26
अभ्यस्यन्तः स्वरूपेण समाधिस्थः प्रपश्यति
आत्मबिम्बपुरस्थं तु बिम्बा सावश्यसिद्धिदा //
12.27
समाधिस्थः स्वबिम्बं तु आसनेन समन्वितम्
उत्पतन्तं यदा पश्येत् तदा सा बिम्बखेचरी //
12.28
दृष्ट्वैतां तु महावस्थां सिद्धे[र्] भ्रान्तिं न कारयेत्
अवश्यं याति खेचक्रे ह्य् उक्तकालं कुलेश्वरि //
12.29
एषावस्था समासाद्य दशावस्था[स्] त्यजेत् पुनः
गुणान् उत्पादयित्वा तु अनाहतपदं व्रजेत् //
12.30
अथान्यत् परमं वक्ष्ये मणिपूरं यथा स्थितम्
तथा त्वं शृणु कल्याणि कल्याणानन्दवर्धनम् //
12.31
स्थितं द्वादशभेदेन सोमेशादौ शिखान्तिकम्
नाभ्युदरनितम्बोरुजङ्घाङ्घ्रीम् अनुक्रमात् //
12.32
कुलनाथमहेशस्य संस्थितो मणिपूरकः
तनुचक्रे समावृत्य यथावस्थं तथा शृणु //
12.33
सोमेशोदरसंस्थं तु द्वादशार्चिसमन्वितम्
द्वीपक्षेत्रसमायुक्तं तद् एवान्यान् विलक्षयेत् //
12.34
लाङ्गली दक्षिणे कुक्षौ वामे दारुकजं विभुम्
अर्धनारीश्वरं नाभौ स्वचक्रपरिवारितम् //
12.35
दक्षिणेन ह्य् उमाकान्तं नितम्बे वामतो ऽषढिम्
डिण्डित्रियुगलोरुभ्यां जानुभ्यां मीनमेषकौ //
12.36
लोहिताख्यं शिखीनाथं दक्षादौ वामम् आश्रितौ
पीठनाथं तथा क्षेत्रं द्वीपं द्वीपाधिपैः सह //
12.37
मणिवद् द्योतयन्तं तु पूरयन्तं दिशो दश
सूर्यकान्तिमणिप्रख्यं भास्करेव प्रपश्यते //
12.38
कालसङ्ख्याकरं देवं कलैर् द्वादशभिर् युतम्
पीठनाथं तु द्वीपस्थं मासमासादितः क्रमात् //
12.39
पूरयेद् वर्षसन्तानं युगमन्वन्तराणि च
कल्पं चेति महाकल्पं मणिद्वादशभिः खिलम् //
12.40
यतः पूरयेद् विश्वात्मा तेनेदं मणिपूरकम्
शक्तिमार्गप्रपन्नानां भुक्तिमुक्तिफलप्रदम् //
12.41
एकैकं चिन्तयेच् चक्रं नाथाज्ञा ह्य् उपदेशतः
भवन्ति सर्वसिद्धीनि उत्तमाधममध्यमाः //
12.42
मणिपूरक पादस्थं पीठेश्वरसमन्वितम्
द्वीपद्वीपाधिपैर् युक्तं मासम् एकं यदाभ्यसेत् //
12.43
पादचारि जगत् सर्वं क्षोभयेद् अविचारतः
पूजाध्यानसमाधिस्थः शक्तिमार्गेण योगवित् //
12.44
षण्मासेन अवश्यं हि वत्सरान्तं न संशयः
अन्यच् छीघ्रगतिस् तस्य आत्मनः सम्प्रवर्तते //
12.45
पादुके पादलेपं वा मनोवेगः प्रजायते
एवं जानुनि अभ्यासाद् भूतवेतालनयकः //
12.46
कुरुते विविधाश्चर्यं कल्पस्थायी भवेत् तु सः
आत्मवन्तो महोत्साह ऊरुभ्यां उरगेश्वरः //
12.47
किं तु तद्द्विगुणेनैव कालेन प्रथमादितः
क्रमेण सिध्यते सर्वम् आद्यन्तेन विलक्षयेत् //
12.48
नितम्बाभ्यासयोगेन गुह्यकानां पतिर् भवेत्
यक्षविद्याधराणं च प्रेतपैशाचराक्षसाम् //
12.49
क्रीडते नायको भूत्वा पूर्वमार्गविधौ स्थितः
कुक्षिमार्गगते चक्रे अभ्यसन्तः श्रियं लभेत् //
12.50
किन्नरेन्द्र सगन्धर्वो लोकालोकेषु पूज्यते
वायुवद् भ्रमते सो हि सर्वत्रैवम् अशङ्कितः //
12.51
मध्यनाभिगते चक्रे मूलमेढ्रे यदाभ्यसेत्
शान्तिपुष्टिवशाकर्षं सर्वज्ञत्वं पृथुश्रियम् //
12.52
सकृत्संस्मरणाद् एवम् अभ्यसन्तः खगेश्वरः
ब्रह्माण्डान्तरनिःशेषं भ्रमते कामरूपिणः //
12.53
साङ्ख्यज्ञानविदो भूत्वा विचरेत् स्वपुरं पुनह्
अथ स्पष्टतरं देवि शक्तित्यागं शृणुष्व मे //
12.54
यद् एतत् परमं बीजं हंसाख्यं हृदि संस्थितम्
विना तेनोपलब्धिं च न जानाति कदाचन //
12.55
तस्य रूपत्रयं भद्रे नादं संयोगम् एव च
वियोगं चेति सुश्रोणि लक्षणीयं प्रयत्नतः //
12.56
चैतन्यत्रितयं चात्र आत्मशक्तिशिवात्मकम्
अविनाभावयोगेन चैतन्यत्रितयस्थितम् //
12.57
तेनोपचर्यते भद्रे हंसदेवः परापरः
सङ्कोचे तु परा शक्तिर् विकासे भैरवः स्मृतः //
12.58
मध्ये आत्मा सदा तिष्ठेत् पूर्यष्टकसमन्वितः
विकासश् चोर्ध्वनाडिस् तु सङ्कोचोऽधः प्रकीर्तितः //
12.59
मध्ये नाभिर् इति प्रोक्तस् त्रयम् एतत् सुदुर्लभम्
ऊर्ध्वनाडीनिरोधेन अधोनाडीनिकुञ्चनात् //
12.60
मध्ये चित्तं समादाय मथनं तत्र कारयेत्
योनिमध्यगतं लिङ्गं योन्योदरपुटीकृतम् //
12.61
तन्मध्ये चात्मनो रूपं लक्षयेत पुनः पुनः
मथनं ह्य् एतद् आख्यातम् अज्ञानमलनाशनम् //
12.62
मध्यमन्थानयोगेन ज्ञानाग्निर् ज्वलते किल
ज्वलिते तु तदा वह्नौ ज्योतिर् एवं प्रवर्धते //
12.63
प्रवर्धनान् महाज्योतेर् आनन्दम् उपजायते
मथनाद् भगलिङ्गाभ्यां यथानन्दः प्रजायते //
12.64
मथनाच् छिवशक्त्योस् तु तथानन्दः प्रजायते
निश्चयत्वं भवेद् देवि शिवशक्त्योर् अभेदतः //
12.65
मथनं ह्य् एतद् एवोक्तम् अमृतोत्पादकं प्रिये
तेनामृतेन चात्मानं प्लाव्यमानं विचिन्तयेत् //
12.66
एषा सा परमा वृत्तिः परतत्त्वम् इदं स्मृतम्
एतत् तत् परमं ब्रह्म परमानन्दलक्षणम् //
12.67
तद् आनन्दपरानन्दं शक्तित्यागम् इति स्मृतम्
एष ते मणिपूरस् तु सरहस्यं प्रकाशितम् //
12.68
गोपितं पूर्वतन्त्रेषु कुब्जि तुभ्यं प्रकाशितम्
द्वीपमार्गविभागेन पीठनाथक्रमेण तु //
12.69
दुर्लभं सिद्धमार्गस्य किं पुनस् त्व् इतरेषु च
उक्तकालेन सिध्यन्ति अवश्यं नानृतं वचः //
12.70
शृणु देवि यथावस्थं स्वाधिष्ठानं वदामि ते
कलाकलितदेहस्य यथास्थानं निगद्यते //
12.71
पूर्वम् एकार्णवे घोरे तमोभूते जगत्त्रये
लिङ्गरूपधरश् चाहं परेच्छावशवर्तिनः //
12.72
षण्मुखः कालरूपो ऽहं लिङ्गाकारो व्यवस्थितः
षट्कलाभिर् वृतो नित्यं विश्वमध्ये रमाम्य् अहम् //
12.73
षट्कौषिकेन युक्तो ऽहं पिण्डो ऽहं ऽनङ्गवर्चसः
ततः प्रवर्तिता सृष्टिर् ममेच्छा तु पुनः प्रिये //
12.74
ब्रह्मविष्ण्वादिभिः सिद्धैः पूजिताराधित[ः] स्तुतः
ततो ऽहं वरम् आपन्नस् तेषु भावानुवर्तिनाम् //
12.75
षडस्रं चतुरस्रं तु आत्मानं च समर्पितम्
तेन ते कारणत्वेन सृष्टिकृत् कारणेश्वराः //
12.76
हर्ता कर्ता स्वतन्त्रास् ते मद्रूपगुणचेतसः
पुनः स्तोत्रं समारब्धं तैस् तु नाथैः पुनर् ह्य् अह् अम् //
12.77
यावन् ऽनेकविधानेन तावत् तेषां वरप्रदः
पुनः सन्तोषितो ऽतीव वरं प्रार्थय पुष्कलम् //
12.78
तैर् उक्तं देवदेवेश लिङ्गेदं सर्वतोमुखम्
येन पूज्यो भवामीह तद् वरं दद मे प्रभो //
12.79
अस्य लिङ्गस्य माहात्म्यं व्याप्तिभूतं यथास्थितम्
तथा कुरु महेशान जानीमो निश्चयं यथा //
12.80
ततस् तेषां महादेवि व्याप्तिमार्ग[ः] प्रदर्शितः
व्यक्तलिङ्गं कृतं पश्चात् षडध्वगुणगोचरम् //
12.81
षडध्वरोपदेशेन तनुस् तेषां प्रदर्शिता
द्विरण्डेन कृतं देहं शेषा वक्त्राणि चोर्ध्वतः //
12.82
वामादिक्रमयोगेन सञ्जातानि विदुर् बुधाः
छगलण्डोत्तरं वक्त्रं महाकालोर्ध्वतः स्थितः //
12.83
वालिवक्त्रं भवेत् पूर्वं पुरुषं जीवरूपिणम्
भुजङ्गं दक्षिने क्रूरं नागरूपं महद्भुतम् //
12.84
पश्चिमं तु पिनाकाख्यं निवृत्तिस्थं नियामकम्
अविद्याख्यं पुरा प्रोक्तं क्षणध्वंसीविनाशकम् //
12.85
अत्र मध्ये त्रयं श्रेष्ठम् अविनाशाक्षयाव्ययम्
माया शम्भुश् च पुरुषं क्षीयते न कदाचन //
12.86
पञ्चवक्त्रतनूद्भूतं षट्कौषकुलसम्भवम्
तेषां प्रदर्शितं रूपं कलाध्वं कुलनायकम् //
12.87
साधितो ऽहं त्वया विष्णो निश्चलेनान्तरात्मना
भावाधिष्ठानयोगेन तेनेदं दर्शितं मया //
12.88
स्वाधिष्ठानं परं योगं प्रविश्य मम सर्वथा
लिङ्गं प्रविश्य मेधावी येन पूज्यो भविष्यसि //
12.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते षट्प्रकाराधिकारार्णवो नाम द्वादशमः पटलः
Kapitel 13 – Devanagari
13.1
एवं देवि मयासौ तु पूर्वं चक्रधरः सुधीः
लिङ्गे स्वाधिष्ठितो येन स्वाधिष्ठानं तु तेन वै //
13.2
मायाशाम्भवसंस्थानं कलाधिष्ठानशासनम्
पुरुषाणुसमायुक्तं स्वाधिष्ठानम् अतो ऽर्थतः //
13.3
रागेण रञ्जितात्मा वै नियत्या यो नियामितः
अविद्याप्रेरितो गच्छेत् स्वर्गं वा स्वभ्रम् एव वा //
13.4
त्रितयं शुभम् उद्दिष्टम् अशुभं तु तथा त्रिकम्
षट्कौषिकम् इदं स्थानं व्याप्तिभूतं मया तव //
13.5
शक्ते यं तु समाख्यातं शाम्भवं परतोत्तरे
कथयिष्यामि सुश्रोणि इदानीं प्रत्ययं शृणु //
13.6
साधनं लोकविख्यातं षट्सिद्धाधिष्ठितं तु तत्
स्वाधिष्ठानं तु लिङ्गस्थं यथा स्थानगतं शृणु //
13.7
द्विरण्डेन तनुस् तस्य छगलण्डादितः क्रमात्
यत्र स्थाने स्थिता माया महाकाल मुखाग्रतः //
13.8
वालीश्वरं तु रन्ध्रस्थं भुजङ्ग मणिमस्तके
पिनाकिनं तु सीमन्यां संस्थितं तु नियामकम् //
13.9
अत्र योगं प्रवक्ष्यामि योगिनां शुभदायकम्
येन पश्यन्ति तं लिङ्गं पूर्वोक्तं गुणशालिनम् //
13.10
द्वीपद्वीपेश्वरं नाथं द्वादशार्चिसमन्वितम्
मासमासावधी ऽकैकम् अभ्यसन्तो गुणान् लभेत् //
13.11
युञ्जन्तः श्रियम् आप्नोति षड्रसास्वादनं क्रमात्
कटुतिक्तकषायाम्लं क्षारश् च मधुरावधि //
13.12
नाथं द्वीपस् तु द्वीपार्चि द्वीपादिक्रमसंयुतम्
ध्यानस्थानसमायोगात् तन् नास्ति यन् न साधयेत् //
13.13
षड्वक्त्रं चिन्त्यम् आत्मानं देवीं च गुणलालसाम्
मुखेन मुखम् आलग्नं ह्य् आत्मलिङ्गोपरिस्थितम् //
13.14
भावानन्दरसालाढ्यं हेलादोलैर् व्यवस्थितम्
लिङ्गरन्ध्रं तु रन्ध्रस्थं तेन मार्गेण चाभ्यसेत् //
13.15
विद्युज्ज्योतिलताकारं वक्त्रमण्डलनिःसृतम्
तस्य वै ह्य् आत्मनः पश्चात् नित् यम् एव समभ्यसेत् //
13.16
षण्मासेन वरारोहे स्फोटयेत् पर्वतान् अपि
द्वितीये ऽनङ्गरूपो ऽसौ क्षोभयेत वराङ्गनाम् //
13.17
तत्स्थाने तिर्यगालोकात् किं तु रक्तारुणेन तु
मर्त्यजान् खेचरान् यक्षान् रक्षःपैशाचगोचरान् //
13.18
क्षोभयेद् धाटकीशस्य पुरं साधकपुङ्गवः
तत्रैव ब्रह्मयोगेन चक्रावर्तेन चक्षुषा //
13.19
कर्षयेन् निखिलान् सर्वान् फलपुष्पादितः क्रमात्
मर्त्यलोकादितः कृत्वा पातालस्वर्गसंस्थितान् //
13.20
तृतीयेन तु योगेन चतुर्थं स्तम्भने क्षमः
किं तु पीतेन तत्त्वाक्षश् चक्षुषा परिपूर्णधीः //
13.21
स्तम्भयेद् गगनाम्भोभिर् विमानपवनौ महान्
नावागति गजानां च वाजिचौरारिपन्नगान् //
13.22
पञ्चमेन तु योगेन तत्रस्थः कृष्णमण्डले
मारयेद् यस्य क्रुद्धो ऽसौ यः क्रुद्धो म्रियते तु सः //
13.23
स देवासुरत्रैलोक्यं द्विपदं वा चतुष्पदम्
चतुर्दशविधस्यापि क्रुद्धः संहरणे क्षमः //
13.24
षष्ठम् ऊर्ध्वपरं स्थानं ब्रह्मद्वारेति कीर्तितम्
अप्रसिद्धेन मार्गेण हेलादोलैकतत्परः //
13.25
विद्युल्लताछटाटोपं वारं वारं मुहुर् मुहुः
अभ्यसेद् याव योगेशि तावद् आनन्दतां व्रजेत् //
13.26
त्यजेत् स्वाभाविकं सर्वं संसारपथगोचरम्
निःसंज्ञो मृतवद् योगी काष्ठवद् उपलक्ष्यते //
13.27
सात्त्विकं राजसं भावं तामसं तु यदा भवेत्
त्रयावस्थगतो योगी पूर्वलिङ्गसमो भवेत् //
13.28
पूज्यते स सुरैः सर्वैः खेचरस्थैर् न चापरैः
षट्प्रकारम् इदं लिङ्गं यो जानाति स तत्त्ववित् //
13.29
एतत् ते कथितं सर्वं सरहस्यं सुगोपितम्
न देयं दुष्टबुद्धीनां ज्ञानचौरेषु शासनम् //
13.30
यावन् न सर्वभावेन कायक्लेशसहा नराः
ततश् चेदं प्रदातव्यम् अन्यायान् नरकं व्रजेत् //
13.31
एतत् कुलेश्वरं लिङ्गं प्रलयोत्पत्तिकारकम्
यो जानाति वरारोहे स सिद्धो ह्य् अत्र शासने //
13.32
तस्माल्लिङ्गं न निन्देत यावत् तावत् तनौ स्थितम्
सर्वेषां विद्यते ह्य् एतत् कल्पना ह्य् अत्र कारणम् //
13.33
द्विपदं मर्त्यजं लिङ्गं रौप्यहेममणिर्मयम्
मन्त्रमूर्तिकुलेशानम् आवाह्याप्य् अत्र रोपितम् //
13.34
स्वाधिष्ठानं तु तत् तस्य पूजनात् तत् पदं लभेत्
प्रथमं न हि सर्वस्य सर्वज्ञत्वं प्रपद्यते //
13.35
तस्मान् न निन्दयेल्लिङ्गं तन्मूर्तिगुणशालिनम्
सर्वज्ञत्वे ऽपि सम्प्राप्ते समयान् सम्प्रपालयेत् //
13.36
तमोरजःप्रविष्टानाम् अहङ्कारवशानुगाम्
न तेषां साधनं सिद्धिर् जायते पतनं पुनः //
13.37
श्रीकुलेश्वरदेवस्य लिङ्गाधारं शृणु प्रिये
वृत्ताकारं सरन्ध्रं तु चतुरस्रं प्रकीर्तितम् //
13.38
त्रिरन्ध्रवलयाकारं शृङ्गाटाकृतिवर्चसम्
पिण्डिकोपरिलिङ्गस्य जगद्योनिर् महाम्बिके //
13.39
चतुष्कलसमोपेतं चतुष्पीठसमन्वितम्
चतुःसिद्धसमायुक्तं ज्ञात्वा सिद्धिफलप्रदम् //
13.40
खड्गीशः प्रथमे वृत्ते जलपट्टे निवेशितः
बकश् चाङ्कुररूपेण रन्ध्रसन्धौ व्यवस्थितः //
13.41
श्वेतः प्रणालके द्विस्थः प्रवाहे संव्यवस्थितः
भृगुर् मेखलरूपेण समन्तात् परिमण्डलम् //
13.42
शृङ्गाटके तु पीठानि खातस्याग्रे विलक्षयेत्
ओ-जा-पू-का-मतत्वं तु मध्यदक्षिणवामतः //
13.43
अग्रदेशे तु कोटिस्थं शृङ्गाटं चतुरस्रकम्
कृ-त्रे-द्वा-क-क्रमाद् एवम् आधारं चतुरङ्गुलम् //
13.44
तत्राभ्यासं प्रकुर्वीत अभिषेकगुणान्वितः
आज्ञालब्धपरो भक्तश् चतुर्मासात् फलं लभेत् //
13.45
जलपट्टगतं देवम् आदिपीठसमन्वितम्
शुक्लवर्णं यदा ध्यायेच् छान्तिपुष्टिपरं व्रजेत् //
13.46
तं त्यज्य बकनाथाख्यं दक्षपीठगतं यदा
तदा पुष्टिश्रियारोग्यं पूर्वाभ्यासफलं लभेत् //
13.47
श्वेतं प्रणालरन्ध्रस्थं वामपीठगतं यदा
अभ्यसेत् क्रमयोगेन वश्याकर्षणमारणम् //
13.48
रोगव्याधिजयः पुष्टिः क्रमात् खेचरतां व्रजेत्
भृगु[ं] कामसमायोगाद् अभ्यसन्तो गुणान् लभेत् //
13.49
शान्तिपुष्टिवशाकर्षं पुरक्षोभं पृथुश्रियम्
वलीपलितनाशस् तु वागीशत्वं प्रवर्तते //
13.50
सञ्जीवनं मृतानां च द्रुमाकृष्टि जलप्लवम्
वातमेघनदीनां च स्तम्भकृद् वाचहारिणः //
13.51
वाचासिद्धिः प्रभुत्वं च स्तोभकृत् पर्वतादिषु
स्तम्भयेत् सर्वसैन्यानि आधारगतचेतसः //
13.52
आधारं क्रमम् इत्य् उक्तं तद् विना साधनं न हि
न मोक्षो न च भुक्तिश् च यावाम्नायो न वेदितः //
13.53
एतद् आधारम् इत्य् उक्तम् आज्ञाभेदम् अतः शृणु
येन विज्ञातमात्रेण सर्वज्ञत्वं प्रपद्यते //
13.54
क्रमं शाम्भवम् इत्य् आहुर् यस्मात् सम्भवते ऽखिलम्
वाचासिद्धेस् तु आधारं वाचयाज्ञा प्रवर्तते //
13.55
शाम्भवाभ्यासमात्रं तु यत् क्रमात् सम्प्रवर्तते
अथाणुरुद्रशक्तिस्था भावभूतेषु शाम्भवा //
13.56
अधिकारात्मिका ह्य् एषा विशुद्धिगुणदायिका
न मोक्षो विद्यते तेषां प्रसादाज्ञा विवर्जिता //
13.57
प्रसादं क्रमम् इत्य् उक्तं क्रमाज् ज्ञानं तु शाम्भवम्
शाम्भवेन समस्तार्थान् वेत्ति पश्यति चाग्रतः //
13.58
यदा दृष्टः समस्तार्थो गुरुतः शास्त्रतः स्वतः
तदासौ क्रमिकः प्रोक्तः क्रमतुल्यो ऽथवा हि सः //
13.59
आज्ञाभ्यासे न मुक्तिस् तु यावाम्नयो न वेदितः
सबाह्याभ्यन्तरं भद्रे अतो ऽर्थं तोषयेद् गुरुम् //
13.60
सर्वाङ्गभक्तियुक्तस् तु त्रिशुद्धेनान्तरात्मना
भक्त्या चाराधयेन् नाथं तस्य सर्वं प्रपद्यते //
13.61
या भक्तिः सा भवेच् छक्तिः शक्त्या सम्भवते क्रमः
क्रमात् सम्भवते वाचा वाचयाज्ञा प्रवर्तते //
13.62
यादृशेन तु भावेन गुरुदेवम् उपासयेत्
तादृग्भावेन तस्याज्ञा किञ्चिच् चांशेन सङ्क्रमेत् //
13.63
उपरोधप्रसङ्गेन उक्तकालाद् अवान्तरे
किञ्चिच् चाज्ञा भवेत् तस्य भूतोर्मिगुणसङ्कुला //
13.64
परिपक्वफलं यद्वत् सुस्वादगुणसंयुतम्
तद्वच् छिष्यो ऽपि कालेन समस्तार्थविदो भवेत् //
13.65
रसोज्झितं न सुस्वादं यथाम्लफलभक्षणम्
तथा ह्य् अपक्वशिष्याणां वृथाज्ञानपरिश्रमः //
13.66
सामर्थ्येनापि दत्ताज्ञा भूतांशेन समाविशेत्
ऊर्मिग्रस्तो ह्य् अहङ्कारी अहङ्काराद् विनश्यति //
13.67
एकपक्षः समाख्यातः साम्प्रतं वै ऽधिकं शृणु
स्थूलमार्गेण सूक्ष्मत्वं क्रमाद् एवं प्रजायते //
13.68
भेदो रन्ध्रं तथा छिद्रम् एका संज्ञा यशस्विनि
सबीजाश् चेति निर्बीजाः स्थितिभेदो द्विधा स्थितः //
13.69
कूर्मानन्दं च पैनाकं महाकालं तृतीयकम्
क्रोधीशम् अर्घिणा युक्तं विद्या चैव द्वितीयकम् //
13.70
झण्टीशेन समायुक्तं कुलवागेश्वरी स्मृता
प्रणवं कौलिकं गृह्य लकुलीशाद् अनन्तरम् //
13.71
श्रीकण्ठं चोष्मणा युक्तं लकुलीशादिमं पुनः
उपदेशसमायुक्तं सर्वदं भृगु-र्-आवधिम् //
13.72
वज्ररन्ध्रान्तरे योज्य कोदण्डान्तं विचिन्तयेत्
श्लोकद्वादशकोपेतं चक्रद्वादशकान्वितम् //
13.73
गुरुवक्त्रसमोपेतं ध्यात्वा वाचां प्रसाधयेत्
स्मरणमात्रयोगेन कालक्षेपो न चात्र वै //
13.74
अथ चेद् अभ्यसेद् एवं वज्रकोदण्डकान्तरम्
सर्वज्ञत्वं भवेत् तस्य क्रियाख्यं याव सुन्दरि //
13.75
क्रियातो ऽ घं प्रवर्तेत वाचाज्ञामोघशालिनी
वागीशत्वं पुनः पश्चाद् वागीशः सृजते ऽखिलम् //
13.76
ज्वलन्तं स्वेन तेजेन लकुली वाममार्गतः
स ज्येष्ठः कुलसन्ताने रौद्रशक्तिभिर् आवृतः //
13.77
त्रयस्त्रिंशतिमे तत्त्वे ह्य् अधिकारो लयः परे
संवर्तः केवलो नाथः सबीजो बीजवर्जितः //
13.78
अस्य रन्ध्रान्तरस्थानम् आज्ञाध्यानं तु शाम्भवम्
न मन्त्रोच्चारणं ज्ञानं न मुद्रा ध्यान चिन्तनम् //
13.79
नायामो न निरोधश् च ग्रन्थिभेदो न धारणा
सर्वोपायविहीनो ऽसौ किं तु स्थानविकल्पना //
13.80
अधोर्ध्वरोमसंस्थाने तत्र भावं विनिक्षिपेत्
ऊर्ध्वग्रन्थिर् अधःकन्दो मध्ये किञ्चिन् न विद्यते //
13.81
तत् स्थानं शाम्भवं विद्धि शम्भुरन्ध्रोपलक्षितम्
न किञ्चिच् चिन्तयेत् तत्र ईषदारोपणं चितौ //
13.82
एवं संस्मरणाद् एव ज्ञानानन्दं प्रवर्तते
वाचामात्रेण चान्येषां कुरुते प्रत्ययान् बहून् //
13.83
सकृत्संस्मरणाद् एवम् अभ्यसन्तः श्रियं लभेत्
विज्ञानानि च सर्वाणि षण्मासाभ्यासयोगतः //
13.84
चतुस्त्रिंशपदेशानं विन्दते वत्सराष्टकान्
तत् स्थानं सहजं तस्य संयोगं यदि तस्य वै //
13.85
भुजङ्गानुग्रहीशेन मन्त्रयुक्तेन तत् प्रिये
उच्चरन्तो हनेत् सृष्टिं लकुलीशान्तकारकः //
13.86
भोगश् चास्य हि नादान्ते लयः स्याद् व्यापिनीपदे
आज्ञाभेदद्वयं नाथे ह्य् एतत् तत् परमार्थतः //
13.87
शक्तिमार्गगतं विद्धि शेषो ऽन्यच् चोत् तरे पुनः
एतत् षट्कं परं शाक्तं दक्षिणं परिकीर्तितम् //
13.88
योगिषट्कसमायुक्तं सद्योमेलकदायकम्
त्वया मह्यं मया तुभ्यं त्वयाहं त्वं मया पुनः //
13.89
कथितं तव सुश्रोणि त्वत्सङ्गान्येषु मोक्षदम्
पशु पक्षि तथा वृक्षास् तृणगुल्मसरीसृपम् //
13.90
व्याख्यानं यत्र मार्गस्य मु च्य् अन्ते तान्य् अवश्यतः
येन वर्षसहस्राणि भक्त्या आराधितो ह्य् अहम् //
13.91
जन्मन्य् अपश्चिमे पुंसां जायते ऽदं सुदुर्लभम्
चेतश्चित्तविहीनानां प्रसङ्गान् मुक्तिदं प्रिये //
13.92
किं पुनश् चित्तयुक्तानां सङ्गाद् एव न मुक्तिदम्
अतो ऽर्थं सह संयोगं खानपानं सहासनम् //
13.93
वस्त्रमाल्योपहाराणि स्वजुष्टान्यं न दापयेत्
असत्सङ्गं न कर्तव्यं सत्सङ्गं न विवर्जयेत् //
13.94
शुद्धाशयसमाचारं ज्ञानाधारं प्रपूजयेत्
विशुद्धं काञ्चनं यद्वन् नागसङ्गाद् विनश्यति //
13.95
एवं विशुद्धतत्त्वो ऽपि असत्सङ्गाद् विनश्यति
योगिनीकुलगर्भस्थः कुलवीराङ्गसम्भवः //
13.96
सिद्धो ऽसौ सिद्धसन्ताने षट्पादार्थं स विन्दति
एतत् ते कथितं सर्वं दक्षिणेदं सलक्षणम् //
13.97
योगषट्कं कुलाधारं पृच्छस्वान्यद् यद् इच्छसि //
13.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते दक्षिणषट्कपरिज्ञानो नाम त्रयोदशमः पटलः
Kapitel 14 – Devanagari
14.1
दया च परमा मह्यं मण्डलीशकुलाकुलम्
षट्पदार्थो मया ज्ञातः षड् योगिन्यो वद प्रभो //
14.2
उवाच भगवान् नाथः कुब्जीशानि वदाम्य् अहम्
सद्यःप्रत्ययकर्तारं सद्योमेलकदायकम् //
14.3
कम्-ब-मा-लम्-वि-का देव्यः क्रमात् षट्कं कुलाकुले
मोक्षभुक्तिप्रदातारः षड् एताः षट्कनायिकाः //
14.4
ड-र-ल-क-स-ह-जोत्थाः संस्थिताः कुलगोचरे
कुलषट्कनिवासिन्यो निग्रहानुग्रहे ऽपि वा //
14.5
एकैकानुग्रहन्त्य् एता निग्रहन्त्य् अनुलोमकृत्
षट्पत्त्रे पूजिताः सन्त्यः षट्पदार्थफलप्रदाः //
14.6
पुरतः पृच्छयिष्यामि प्रारब्धं कथयस्व मे
चतुष्कपञ्चकानां च चतुर्णां च फलोदयम् //
14.7
षट्पदार्थोपदेशेन समस्तं कथितं मया
तथापि कथयिष्यामि अधिकारो यथा स्थितः //
14.8
ओ-जा-पू-कामुको भेदो दृष्ट्वाक्षरविनिश्चितम्
मुद्राचतुष्टयोपेतं सङ्केतात् कथितं प्रिये //
14.9
चतुर्युगं चतुष्पीठं योन्यश् चत्वारि याः प्रिये
सबाह्याभ्यन्तरे सर्वं कथयामि यथार्थतः //
14.10
नाभ्यधोदरहृत्कण्ठे कृ-त्रे-द्वा-कम् अनुक्रमात्
ओ-जा-पू-कामरूपिण्यश् चत्वार्य् एवं व्यवस्थिताः //
14.11
सबाह्याभ्यन्तरेणैव चतुष्कं परिकीर्तितम्
गुरूपदेशसंयुक्तं पञ्चकं कथयामि ते //
14.12
देव्यो दूत्यस् तथा मात्र्यो योगिन्यः खेचरीगणः
पञ्चधा ह्य् अधिकारो ऽयं कुर्वन्त्य् एताः कुलाकुले //
14.13
देवीचतुष्टयाधारं स्वाधिष्ठानं षडाश्रयम्
रन्ध्रकामशिखिर् गोलं ध्वजकन्दान्तकावधिम् //
14.14
सप्तमं तत्त्वम् उद्दिष्टं ब्रह्मणः पदम् उत्तमम्
अत्र सृष्टिः समुत्पन्ना षट्कौषकुलसम्भवा //
14.15
देव्याधिष्ठितम् ईसानं स्वाधिष्ठानगुणाश्रयम्
रन्ध्रद्वादशकोपेतं कामद्वादशकान्वितम् //
14.16
वह्नीश्वरे तथाप्य् एवं द्वादशं ध्वजकन्दयोः
पिण्डद्वादशकोपेतं चतुराशीत्य् अनेकशः //
14.17
शाम्भवाधिष्ठिते योगे स्वाधिष्ठाने निरामये
चतुराशीतिगुणानां विज्ञानपदवीं लभेत् //
14.18
अत्र मध्ये महेशानि सर्वकारणकारणम्
यथा निष्पद्यते पिण्डं तत् तथा चावधारयेत् //
14.19
आधारशक्तिम् आदौ तु ब्रह्मशक्तिम् अतोर्ध्वतः
एतद् ब्रह्माण्डम् इत्य् उक्तं सप्तलोकसमन्वितम् //
14.20
आधारं चैव भूर्लोकं भुवर्लोकं तु कामगम्
स्वर्लोकं शिखिम् इत्य् उक्तं महर्लोकं तु गोलकम् //
14.21
ध्वजस्थं जनम् इत्य् उक्तं तपोलोकं तु कन्दगम्
सत्यलोकं तु तत्त्वस्थं ब्रह्मग्रन्थ्यावधिस्थितम् //
14.22
सत्यलोकाद् अधः सृष्टिः कलाद्या पिण्डसम्भवा
आज्ञातः सम्प्रवर्तन्ते त्रयान्तं याव मानसी //
14.23
चतुर्णां तु पुनः सृष्टिर् अधस्ताद् योनिसम्भवा
मध्यमन्थानयोगेन शुभाशुभनिबन्धनम् //
14.24
भुवर्लोकाद् अधोलोके विविधा सृष्टिः प्रवर्तते
जरायुजा च सा ज्ञेया बहुदुःखसमाकुला //
14.25
कन्दात् सञ्जायते सृष्टिः कन्दं वै सप्तलौकिकम्
रन्ध्रादौ ग्रन्थिपर्यन्तं विज्ञेयं सप्तधातुकम् //
14.26
कन्दात् सञ्जायते ऽङ्कुरः अङ्कुरान् मूलसम्भवः
मूलात् पर्णलताशाखा[स्] ततः पुष्पफलादिकम् //
14.27
फलं शरीरम् इत्य् उक्तं धातुवृक्षसमुद्भवम्
पिण्डं कन्दोद्भवं तच् च शुभाशुभजलान्तगम् //
14.28
त्वग्रक्तमांस रन्ध्रादौ अशुभं कामवह्निगम्
शुभं मेदोऽस्थिमज्जान्तं गोलकन्दध्वजान्वितम् //
14.29
अशुभं तु रजः साक्षात् त्रिशक्तिगुण मातृजम्
पैतृकं शुभम् उद्दिष्टं रेतो ह्य् आत्मादि-म्-ईश्वरः //
14.30
पिण्डं सर्वत्र सामान्यम् उभयोर् अपि कुब्जिके
सङ्गमे शिवशक्तीनां पिण्डबन्धो भवेत् तदा //
14.31
यत् किञ्चिच् चिन्तयेन् माता यत् किञ्चिच् चिन्तयेत् पिता
उभौ भावसमायोगात् तद्भावः सहजो भवेत् //
14.32
विश्वरूपो मणिर् यद्वद् उपाधिविषयो यथा
तत्कालोपाधिचिन्तायां स रागः सहजो भवेत् //
14.33
एतद् अन्तरम् आसाद्य पिण्डः कारणरूपधृक्
बन्धते पञ्चधात्मानं पञ्चपञ्चादिभिः क्रमात् //
14.34
पुरुषं प्रकृतिश् चैव गुणो ऽहङ्कार धीर् मनः
षण्मुखस् तु परो ह्य् आत्मा चतुष्कपरिवेष्टितः //
14.35
अधोर्ध्वं नीयते जीवः कोषकीट-म्-इव स्थितः
प्रकाशयति चात्मानं बध्नाति च पुनः पुनः //
14.36
नियामिकाचतुष्केण सन्नद्धो भ्रमते ह्य् अणुः
एकैकं तं चतुर्धा तु देवीचक्रं प्रकीर्तितम् //
14.37
नियामिका भवेत् पृथ्वी प्रतिष्ठा शब्दपूर्विका
श्रोत्रपूर्णा भवेद् विद्या शान्तिर् वागेश्वरी स्मृता //
14.38
क्षोणी तु प्रथमा ज्ञेया शब्ददेवी द्वितीयका
तृतीया श्रोत्रिका नाम वाचादेवी चतुर्थिका //
14.39
देवीचतुष्टयं ह्य् एतद् एकैकं तु चतुष्टयम्
एतच् चतुष्टयं देवि संसारपथवर्त्मनि //
14.40
चतुष्टयं तु भूतानां तन्मात्राणां चतुष्टयम्
बुद्धीन्द्रियचतुष्कं तु चतुष्कं कर्मयाजिनाम् //
14.41
पञ्चकं तत् तु विज्ञेयं पुंसः षड्गुणसंयुतम्
एवं निष्पद्यते पिण्डं पञ्चधा पञ्चविंशकम् //
14.42
षट्कौशिकं तु मार्गो ऽयम् आदिदेवीचतुष्टयम्
कथितं सरहस्यं तु षट्सिद्धपुरनिश्चयम् //
14.43
उवाच कुब्जिका नाथं षट्सिद्धपुरनिश्चयम्
न मे ज्ञातं कुलेशान संस्फुटं कथयस्व मे //
14.44
उवाच भगवान् नाथः कुब्जीशानि मया तव
कथिता सप्तधा सृष्टिः सिद्धान् सप्त वदाम्य् अह् अम् //
14.45
नवतत्त्वेश्वरो नाथो नवचक्रेश्वरेश्वरः
ब्रह्माण्डशिवसिद्धो ऽ सौ हर्ता कर्तावतारकः //
14.46
स नाथः सर्वसिद्धानां पतित्वे संव्यवस्थितः
कन्दभूतो ऽङ्कुरो ऽसौ वै षट्पुराधिपतिः प्रभुः //
14.47
पुम्पुरं प्रथमं कन्दं प्राकृतं चापरं पुरम्
गुणानन्दं तु गोलाख्यं गर्वं जालन्धरात्मकम् //
14.48
धीपुरं कामरूपाख्यम् आधारं तु मनःपुरम्
पुम्पुरे श्रीमत्खड्गीशः खगीशः प्राकृते पुरे //
14.49
विश्वनाथो गुणानन्दे झण्टीशो ऽहम्महापुरे
धीपुरे ऽनुग्रहीशानो मित्रेशानो मनःपुरे //
14.50
षट्पुराधिपतिर् नाथाः कौलीशाः कुलनायकाः
कुलसिद्धाः समाख्याताः षट्क्रमौघप्रकाशकाः //
14.51
भविष्यन्ति पुरा कल्पे मर्त्यलोकम् उपागताः
प्रभुर् आनन्द योगाख्यम् आवली पादम् अन्तिमम् //
14.52
भविष्यन्त्य् अपरे कल्पे कुलसिद्धाः कुलोत्थिताः
कुलसिद्धाधिपो देव आज्ञामोघकुलेश्वरः //
14.53
षट्कुलानां त्व् असौ नाथस् तस्मात् सर्वं कुलान्वयम्
नवानां चक्रवर्तीनां चक्रवर्तिस् त्व् असौ प्रभुः //
14.54
तस्मात् प्रवर्तते सृष्टिर् ब्रह्माद्या कुलसम्भवा
षट्पुराणां तम् आधारं कर्तारं कुलपद्धतौ //
14.55
शास्तारं ब्रह्मजन्तूनां देवीनां तु चतुष्टयम्
अपरे ब्रह्मणः सृष्टौ यत् किञ्चिद् वाङ्मयाखिलम् //
14.56
तत् सर्वं देविभिर् व्याप्तं त्वयाधारान्तकावधिम्
चतुर्मुखेश्वरस्यान्ते कन्दः सप्तविधश् च यः //
14.57
तत्र जातं जगत् सर्वं सदेवासुरमानुषम्
देवीचतुष्टयानां तु मार्गो ऽयं कथितो ऽखिलम् //
14.58
अधुना कथयिष्यामि दूतीनां लक्षणं यथा
ब्रह्माधारम् इति प्रोक्तं सप्ताधारसमन्वितम् //
14.59
प्रथमैषा परा सृष्टिः शाम्भवी या कुलाध्वरे
नवतत्त्वेश्वरेशस्य नाभ्यधस्तात् तु मण्डलम् //
14.60
शतकोटिसुविस्तीर्णं देवीकुलसमाश्रयम्
त्रिकोणं चैव षट्कोणं वृक्षवल्लीक्रमस् तथा //
14.61
द्विविधाज्ञाधिकारो ऽयं निग्रहानुग्रहं प्रति //
14.62
ब्रह्मणो ऽण्डकटाहस्य समन्तात् परिमण्डलम्
सहस्रकोटिविस्तीर्णम् अप्सु विष्णोः पुरं महत् //
14.63
अर्धेन्दुशिखराकारं पोतनावाकुलं तु तत्
अनेकतत्त्वसङ्कीर्णं नवनालोपशोभितम् //
14.64
पद्मपत्त्रम् अनौपम्यं षोडशारं सकर्णिकम्
यत्र दूत्यः स्वभाविन्यः क्रीडन्ते विविधैः सुखैः //
14.65
यत्रासौ रमते नित् यम् उत्तमः पुरुषोत्तमः
तत् स्थानं परमं प्रोक्तं यत्र दूत्यो ऽमृतोद्भवाः //
14.66
तास् तु क्षुब्धा यदा काले ऽमृतं मुञ्चन्ति भाविताः
तदा चतुर्विधा सृष्टिर् ब्रह्मचक्रे तु नान्यथा //
14.67
षोडशारे महापद्मे दिव्यामृतपरिप्लुते
तत्रस्थो दूतिभिः सार्धं पोषयेद् ब्रह्मणः पदम् //
14.68
ब्रह्मकन्दान्तबीजानाम् ऊर्ध्वरन्ध्राङ्कुरत्रयम्
तत्र ग्रन्थीश्वरो ऽनन्तः स्वशक्तिकिरणोज्ज्वलः //
14.69
स्थितो महाम्भसि मध्ये नवदूतीसमन्वितः
सृष्टिकृद् भगवानन्तः पदार्थपद-म्-ईश्वरः //
14.70
कपालं चण्डलोकेशं योगेशं तु मनोन्मनम्
हाटकेश्वर क्रव्यादं मुद्रेशं दिङ्महेश्वरम् //
14.71
श्री अनन्तीश नाथान्तो नवैते भास्वरेश्वराः
विभज्य नवधात्मानं पदसृष्टिं विनिर्मिते //
14.72
एकैका नवधात्मानं पुनश् चैवं सृजन्ति ते
नवनव पदानि स्युर् दूतीनां कारणात्मकम् //
14.73
पदभुक्तिगतानां तु दूतीनां च पृथक् पृथक्
नामानि कीर्तयिष्यामि या यस्याङ्गसमुद्भवाः //
14.74
श्री अनन्ताङ्गसम्भूताः सर्वे यास् तु नवैव हि
अधिकारपदं तेषां तत् प्रवक्ष्याम्य् अशेषतः //
14.75
बिन्दुका बिन्दुगर्भा च नादिनी नादगर्भजा
शक्ती च गर्भिणी चान्या परा गर्भार्थचारिणी //
14.76
निराचारपदावस्था मध्यस्थानन्तवर्चसः
अधिकारं प्रकुर्वन्ति कुलाकुलसमाश्रिताः //
14.77
चण्डा चण्डमुखी चैव चण्डवेगा मनोजवा
चण्डाक्षी चण्डनिर्घोषा भृकुटी चण्डनायिका //
14.78
चण्डीशनायकोपेता ह्य् अकुलेशपदे स्थिताः
तस्मात् पदात् परा सृष्टिर् मनोन्मन्यादिसम्भवा //
14.79
मनोजवा मनोऽध्यक्षा मानसी मननायिका
मनोहारी मनोह्लादी मनःप्रीतिर् मनेश्वरी //
14.80
मनोन्मन्या समायुक्ता उन्मनःपदम् आश्रिताः
नवैव परमा दूत्यो मनश् चोन्मनकारिकाः //
14.81
ऐन्द्री हुताशनी याम्या नैरृती वारुणी तथा
वायवी चैव कौबेरी ऐशानी कौलिकेश्वरी //
14.82
समनौघपदान्तस्था[ः] पराकाशे व्यवस्थिताः
जनयन्त्य् अपरां सृष्टिं योगाख्या व्यापिनीपदे //
14.83
हिरण्या च सुवर्णा च काञ्चनी हाटका तथा
रुक्मिणी च मनस्वी च सुभद्रा जम्बुहाटकी //
14.84
व्यापिनीपदम् आपन्ना योगदूत्यो महाबलाः
व्याप्यव्यापकभावेन व्यापयन्ति चराचरम् //
14.85
वाग्वती वाक् तथा वाणी भीमा चित्ररथा सुधी
देवमाता हिरण्या च योगेशी नवमा स्मृता //
14.86
वागेश्वरपदान्तस्था वागीश्वर्यसमन्विताः
मन्त्रविद्याङ्गसम्भूताः सर्वार्थप्रतिपादिकाः //
14.87
वज्रिणी शक्ति दण्डी च खड्गिनी पासिनी ध्वजी
गदी च शूलिनी पद्मी मुद्रेशपदसम्भवाः //
14.88
पिङ्गदूत्यो महावीर्याः कलाकालविधायिकाः
तेजोरूपा महादेव्यो अनन्तगुणसम्भवाः //
14.89
लम्बा लम्बस्तनी सुष्का पूतिवक्त्रा महानना
गजवक्त्रा महानासा विद्युत्क्रव्यादनायिका //
14.90
कालानलान्तरे दूत्यः संहारपदसंस्थिताः
अनन्तगुणवीर्यास् ताः संहरन्ति चराचरम् //
14.91
सुप्रबुद्धा प्रबुद्धा च चण्डी मुण्डी कपालिनी
मृत्युहन्ता विरूपाक्षी कपर्दी कलनात्मिका //
14.92
नियामिकापदान्तस्थाः शुभाशुभनियामिकाः
एकाशीतिविभागेन दूत्यो ह्य् एवं महाबलाः //
14.93
नवकेश्वरदेवस्य उदरेदं प्रकीर्तितम्
एकाशीतिपदैर् व्याप्तम् अनेकाश्चर्यसङ्कुलम् //
14.94
पदरूपसमायुक्तं रूपातीतादिसंयुतम्
पद्ममार्गविधायिन्यस् त्रितत्त्वपदवीं लभेत् //
14.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते देवीदूतीनिर्णयो नाम चतुर्दशमः पटलः
Kapitel 15 – Devanagari
15.1
देवीदूतीमतं कुब्जि कथितं तु सुविस्तरम्
इदानीं मातराणां च शृणु त्वं व्याप्तिलक्षणम् //
15.2
पदपत्त्रोर्ध्वगं पद्मं तेजोरूपं सुभास्वरम्
लक्षकोटिसुविस्तीर्णम् अम्भोधिपरिमण्डलम् //
15.3
तत्र मध्ये महेशानं पिङ्गेशं पिङ्गरूपिणम्
त्रिकोणपुरमध्यस्थं तेजोराशिम् अनामयम् //
15.4
काले ह्य् अहर्मुखे प्राप्ते क्षोभयित्वा स्वकां तनुम्
विज्ञानकेवलान्य् अष्टौ बोधयामास पुद्गलान् //
15.5
अष्टौ मुद्रा महामात्र्यो जगद्योनिर् महाम्बिके
तासु जातं जगत् सर्वं यत् किञ्चिद् वाङ्मयं ऽखिलम् //
15.6
प्रथमा खेचरीमुद्रा आत्मी नाम द्वितीयका
तृतीया शशिनी ज्ञेया वह्निनामा चतुर्थिका //
15.7
पञ्चमी चलनी नाम षष्ठी भानुमती स्मृता
सप्तमी महिमा नाम अष्टमी सुकृतालया //
15.8
एता अष्टौ महामात्र्यः श्रीमन्मित्राङ्गजोद्भवाः
कुर्वन्ति विविधां सृष्टिं स्थूलसूक्ष्मपरापराम् //
15.9
विभाजयन्ति चात्मानम् एकैका चाष्टधाष्टधा
तेष्व् अन्याः षोडशाधाराश् चतुःषष्ट्यान्त-म्-अन्तिकाः //
15.10
खेचरीतनुसम्भूताश् चाष्टौ मात्र्यो दिशात्मिकाः
ऐन्द्रादीशान-म्-अन्तस्थाः सर्वाधाराः परापराः //
15.11
रुद्राण्यंशाः समाख्याता देवीकोटान्तसंस्थिताः
संवर्तवीरसंयुक्ताः शम्भुकल्पावतारकाः //
15.12
आत्ममात्रोद्भवा ह्य् एवं सकला निष्कलाश् च ये
विज्ञानप्रलयान्तान्ये धर्माधर्मे नियोजयेत् //
15.13
तत्राणवो ऽथ मायाया अष्टौ मात्र्यो ऽणुसम्भवाः
प्रयागपुरमध्यस्थाश् चण्डकौलीशसंयुताः //
15.14
ब्राह्मीचक्रं समुद्दिष्टम् आदिकल्पस्य मध्यगम्
आत्ममात्र्यष्टकं प्रोक्तम् इन्द्रमात्र्यष्टकं वदेत् //
15.15
छाया तु शीकरा ज्योत्स्ना ऋतुरत्ना सुशीतला
पयोघृतवती चान्या इन्द्रमात्र्यो ऽष्ट वैष्णवी //
15.16
वाराणसीपुरान्तस्था अमृताधारशीतला
आप्यायन्ति जगत् सर्वं पालयन्ति जगाम्बिकाः //
15.17
कल्पावान्तरम् आसाद्य क्रोधकौलीशसंयुताः
कुर्वन्ति विविधां सृष्टिम् आपदां मोचयन्ति ताः //
15.18
तृष्णा रागवती मोहा कामा कोपा तमोत्कटा
ईर्षा शोकवतीत्य् अष्टौ वह्निमात्र्यः प्रकीर्तिताः //
15.19
कौलीशोन्मत्तसंयुक्ताः कोल्लाद्रौ संव्यवस्थिताः
महान्तकल्पमध्यस्थाः क्रीडन्त्य् अमिततेजसा //
15.20
त्वची स्पर्शवती गन्धा प्राणापानी समाननी
उदानी व्यानि कृकरा मरुन्मात्र्यो ऽष्ट कीर्तिताः //
15.21
असिताङ्गकुलेशानम् अट्टहासपुरान्तगाः
दिव्यकल्पे पुरा मात्र्यः क्रीडन्त्य् अमिततेजसा //
15.22
तमोहन्ता प्रभा मोहा तेजिनी दहनी दिना
ज्वलनी शोषणीत्य् अष्टौ अर्कमात्र्यः प्रकीर्तिताः //
15.23
दिव्यादिव्यपरे कल्पे जयन्तीपुरमध्यगाः
रुरुकौलेशसंयुक्तास् तेन सार्धं रमन्ति ताः //
15.24
निवृत्तिश् च प्रतिष्ठा च विद्या शान्तिस् तथैव च
शान्तातीता च पृथिवी वज्रिणी कामधेनवी //
15.25
महिमेशानदेवस्य अष्टौ मात्र्यश् चरित्रगाः
अदिव्यकल्पमध्यस्था झण्ठकौलेश्वरान्विताः //
15.26
ऐन्द्र्याधिष्ठितचक्रस्थाः क्रीडन्त्य् अमिततेजसा
पूर्यष्टकस्य मध्यस्था वज्रहस्ता महाबलाः //
15.27
पयोष्णी वारुणी शान्ता अमृता व्यापिनी द्रवा
प्लवनी जलमाता च पयोमात्र्यो ऽष्ट विश्रुताः //
15.28
वर्तमानिककल्पे तु एकाम्रकवनान्तगाः
कपालीशकुलेशानं चामुण्डाचक्रमध्यगाः //
15.29
श्रीकुलेश्वरदेवस्य हृत्पद्मे ऽ ष्टदले स्थिताः
ईशानक्रमयोगेन सृष्टिमार्गावलम्बिकाः //
15.30
कर्णिकायां स्थितो देवश् चतुष्कपरिवारितः
रक्ताकरालाचण्डाक्षीमहोच्छुष्मासमन्वितः //
15.31
महारक्तवनान्तस्थस् तेजोमण्डलमध्यगः
नवतत्त्वेश्वरं देवं पूर्यष्टकसमन्वितम् लि //
15.32
अन्तर्देहस्थितो यस्मात् पूरयेत् स चराचरम्
तेन पूर्यष्टकं प्रोक्तम् अष्टधा तु प्रपूरकम् //
15.33
स शिवः सर्वसत्त्वानां हृदिस्थः परमेश्वरः
भ्रामयेत जगत् सर्वं यन्त्रारूढस् तु मायया //
15.34
द्वासप्ततिसहस्राणाम् उपरिस्थो ऽन्तरे स्थितः
अक्षारूढो ऽक्षगम्यो ऽयं मनीशानां पिशाचवत् //
15.35
गुरुवक्त्रं तु तत् प्रोक्तं गुरुवक्त्रात् तु लभ्यते
गुरुत्वं यात्य् असौ योगी गुरुवक्त्रावलम्बकः //
15.36
तेजस्तत्त्वं तु तं देवि रुद्रशक्तिभिर् आवृतम्
अतोर्ध्वं योगिनीनां तु घटस्थानं निगद्यते //
15.37
गुरुवक्त्रे गुरोर् वक्त्रं गुरुवक्त्रे तु संस्थितम्
गुरुवक्त्रात् तु लभ्येत तस्मात् सन्तोषयेद् गुरुम् //
15.38
स्तुतिं कृत्वा उवाचेदं कुब्जिका परमेश्वरम्
पृच्छामि नाथ यत्नेन घटस्थानं सुविस्तरम् //
15.39
उवाच भगवान् देवस् त्वत्पृच्छा रहितं ऽनघे
निखिलं कथयिष्यामि यथा त्वं कुब्जि चेतसा //
15.40
कोटिकोटिसुविस्तीर्णं घटाधारं ततोर्ध्वतः
वज्रपद्माङ्कितं दिव्यं पिङ्गनाथावधिस्थितम् //
15.41
अनन्तगुणदातारं सर्वार्थप्रतिपादकम्
तस्मात् सम्पद्यते सर्वम् ऐहिं पारत्रिकं च यत् //
15.42
यत्र भाण्डानि सर्वाणि लभ्यन्ते च सहस्रधा
लयं यान्ति पुनस् तत्र घटस्थानं तद् उच्यते //
15.43
यस्मात् सर्वं यथा याति यस्माद् यान्ति त्रुटन्ति च
यत्र निर्भेद्यतां यान्ति तत् स्थानं घटिकात्मकम् //
15.44
भुवनाष्टोत्तरं भाण्डं पदभाण्डं तु तत्र वै
वर्णभाण्डं तु तत्रस्थं मन्त्रतत्त्वकलात्मकम् //
15.45
भाण्डारिणो अमीषां च निवृत्त्याद्याः प्रकीर्तिताः
यस्याधारेण वर्तन्ते भोगान्ते तत् पदं पुनः //
15.46
श्रीकुलेश्वरदेवस्य हृद्योर्ध्वघट-म्-अन्तरे
तत् कुलेश्वरदेवस्य दुर्भेद्यं षट्पुरं महत् //
15.47
विभज्य स्वतनुं देवः षट्पदार्थपदेन च
षड् योगिन्यो महातेजाः षट्पुरे सन्निवेशिताः //
15.48
डामरी रामणी चैव लम्बकर्णी च काकिनी
साकिनी यक्षिणी चान्या कुसुम्भोदसमुद्भवाः //
15.49
वज्रपद्मासनारूढाः कुसुम्भगुणशालिनी[ः]
षट्पुराधिपतीनां च पतित्वे सम्व्यवस्थिताः //
15.50
ओ-जा-पू-कामभेदेन का-पू-जा-ओ-व्यतिक्रमात्
एतत् क्रमं समाख्यातं सृष्टिसंहारगोचरे //
15.51
परापरविभागेन स्थूलसूक्ष्मपरान्तगम्
यथाधिपति देवत्वं योगिनीनां तथा शृणु //
15.52
दुःशीला डमरी भीमा आधारस्था तु डामरी
स्वाधिष्ठानपुरान्तस्था रामणी रमणात्मिका //
15.53
मणिपूरपुरान्तस्था लम्बकर्णी महद्भुता
ध्वनिदेवपुरे काकी विशुद्धौ साकिनी स्मृता //
15.54
आज्ञापुरस्य मध्यस्था यक्षिणीति निगद्यते
कुब्जिकोदरसम्भूताः षड् योगिन्यः परापराः //
15.55
अत्र जातं जगत् सर्वं रुद्रान्तं ब्रह्मणो ऽवधिम्
संहरन्ति पुनस् तास् तु विलोमेन प्रपूजिताः //
15.56
उपदेशप्रगम्यास् ताः पारम्पर्यक्रमेण वै
ज्ञातव्यं षड्विधाध्वानं षट्प्रकारं गुरोर् मुखात् //
15.57
श्रवणे चक्षुषी नासा मुखे चैव तथैव हि
चिबुके कण्ठदेशे तु गुरुवक्त्रात् तु लभ्यते //
15.58
प्रणयाविष्टचेतस्का उवाचेदं कुजेश्वरी
व्याप्तिस्थानं कथं तेषां का कस्य पथयायिनी //
15.59
भक्त्या पृष्टवती मत्वा प्रहस्य परमेश्वरः
उवाच कुब्जिके तुभ्यं कथयाम्य् अनुपूर्वशः //
15.60
घटन्ति सर्ववस्तूनि यस्याङ्गे तु वरानने
घटस्थानं तु तेनोक्तं सन्दोहगुणलक्षणम् //
15.61
रुद्रपञ्चाशकोपेतं शक्तिपञ्चाशकान्वितम्
चक्रवर्त्यष्टकोपेतं भुवनाष्टोत्तरं शतम् //
15.62
मनोजनपदाकीर्णम् आधारगृहसङ्कुलम्
ओंकारदलमध्यस्थम् अघोरीहृदयान्वितम् //
15.63
तत्र सा डामरी देवी ज्वलत्पिङ्गोग्रलोचना
मनोरसाधिपत्यस्था दुःसाध्या भुवनात्मिका //
15.64
पुनर् जपत्त्रमध्यस्था एकाशीतिपदावृता
शिरसाधिष्ठिता योगी स्वाधिष्ठानगृहाकुला //
15.65
बुद्धिजनपदाकीर्णा पदाध्वे रामणी रमेत्
दुष्प्रेक्षा दुःसहा भीमा बुद्ध्यासृग्लोलविग्रहा //
15.66
मणिपूरगृहान्तस्था कामपत्त्रान्तरे गता
तडित्सहस्रवर्णाभा शिखारूपा महेश्वरी //
15.67
अहङ्कारजनानन्दा प्रालेयावलिसन्निभा
वर्णेश्वरी महादेवी क्रियारूपा परापरा //
15.68
तस्याङ्गसम्भवा मन्त्राः सर्वज्ञास् ते प्रकीर्तिताः
लम्बिका सा समाख्याता मांसाहारा च लम्पटा //
15.69
पूर्णकदलमध्ये तु नीलाञ्जनसमप्रभा
तनुत्राणकृताटोपा मन्त्राध्वा-स्-तु विभूषिता //
15.70
अनाहतकमध्यस्था गुणानेकजनावृता
काकी मेदवसालुब्धा गुणान् नाशयते क्षणात् //
15.71
क्रुद्धा तमोत्कटा नित्यं प्रचण्डोग्रा भयानका
मन्त्राध्वानगता योगी लयभोगाधिकारिका //
15.72
पुनः पुंदलमध्यस्था विशुद्धिगृहमध्यगा
संवर्तानलसङ्काशा नेत्राधिष्ठितभास्वरा //
15.73
प्राकृतजनसङ्कीर्णा कलाध्वानसमावृता
रुद्रशक्तिसमाविष्टा रौद्रभावप्रदायिका //
15.74
अस्थिभङ्गप्रिया नित्यं प्राकृतार्थविनाशनी
साकिनीयं महाघोरा स्थूलसूक्ष्मपरान्तगा //
15.75
दक्षे कामेश्वरीपत्त्रे प्रालेयावलिसन्निभा
कदाचिन् [ऽ]नेकरूपाभा उपाधिगुणगोचरा //
15.76
तत्त्वाध्वपुरमध्यस्था आज्ञामन्दिरशोभिता
पुंजनाकृतसम्पूर्णा महास्त्रौघसमावृता //
15.77
मज्जबीजाशिनी योगी यक्षिणी शक्ति शाम्भवी
षड् योगिन्यो घटाधारे षडध्वानविधायिकाः //
15.78
तत्र मध्ये स्थिता कन्या विश्वरूपा परापरा
सा पतिः सर्वयोगीनां योगेशी [ऽ]नन्तविग्रहा //
15.79
कम्-ब-मा-लम्-वि-कान्ताभिर् आवृता मध्यसंस्थिता
ऽनुग्रहन्ति पुनस् तास् तु षडध्वानप्रयोगतः //
15.80
भूतं भावं तथा शाक्तम् आणवं रौद्र शाम्भवम्
क्रमाद् अनुग्रहन्त्य् एतास् तत्त्वादौ भुवनादितः //
15.81
दक्षिणाध्वानसंस्थास् ताः कृन्तयन्ति महाम्बिकाः
उत्तरस्थाः प्रकुर्वन्ति श्रेयं चामृतसम्भवम् //
15.82
वज्रपद्मासनासीना घटाम्बोदधिमध्यगाः
अमृतौघतरङ्गौघैः प्लावयन्ति चराचरम् //
15.83
अस्या रूपं च माहात्म्यं साधनं सिद्धिलक्षणम्
पुरतः कथयिष्यामि इदानीं खेचरीं शृणु //
15.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते षट्प्रकारे योगिनीनिर्णयो नाम पञ्चदशमः पटलः
Kapitel 16 – Devanagari
16.1
भुवनाङ्कुरसंयुक्तं पदपत्त्रविभूषितम्
वर्णकण्टकसङ्कीर्णं मन्त्रच्छिद्रसमन्वितम् //
16.2
कलासूत्रचितं दिव्यं तत्त्वग्रन्थ्युपरिस्थितम्
कोटिकोटिशतायामं चतुर्विंशदलायतम् //
16.3
व्योमोदार्णवमध्यस्थं नीलाञ्जनसमप्रभम्
सहस्रादित्यसङ्काशं कालाग्निर् इव वर्चसम् //
16.4
तत्रोर्ध्वे मण्डलान्य् आहुश् चतुर्विंशम् अनुक्रमात्
क्षेत्रोपक्षेत्रसन्दोहान् पूर्वादौ पार्थिवादितः //
16.5
क्षेत्रे द्वे चोपक्षेत्रे द्वे सन्दोहे द्वे विजानतः
दलोपरि विराजन्ते चतुःषट्कं दिशादितः //
16.6
अट्टहासादितः कृत्वा राजगृहम् अपश्चिमम्
पार्थिवादिप्रकृत्यन्तं संयोगान् मण्डलायते //
16.7
सौम्यादिभग्ननासान्ताः सूर्यमण्डलसंस्थिताः
पृथग्मण्डलचक्रस्थाः खेचर्यः कुलनायिकाः //
16.8
सोममण्डलमध्ये तु द्वात्रिंशान्ये महाबलाः
कुब्जिकाङ्गसमुद्भूताः प्रचण्डोग्रा गुणोत्कटाः //
16.9
चण्डा घण्टा महानासा सुमुखी दुर्मुखी बला
रेवती प्रथमा घोरा सौम्या भीमा महाबला //
16.10
जया च विजया चैव अजिता चापराजिता
महोत्कटा विरूपाक्षी शुष्का चाकाशमातरा //
16.11
सेहारी जातहारी च दंष्ट्राली शुष्करेवती
पिपीलिका पुष्पहारी अशनी सस्यहारिका //
16.12
भद्रकाली सुभद्रा च भद्रभीमा सुभद्रिका
द्वात्रिंशद्गुणशालिन्यश् चक्रेश्वर्या महाम्बिकाः //
16.13
सोममण्डलमध्यस्था वह्निस्थास् तु ततः शृणु
खगेश्वरपतीनां तु पतिमात्र्यो ऽत्र संस्थिताः //
16.14
असिताङ्गतनूद्भूताः क्रियारूपाः परापराः
कुर्वन्ति विविधां सृष्टिं त्वरितं लाघवे स्थिताः //
16.15
त्वरिताशब्दं कथं देव खञ्जीशब्दं किम् उच्यते
कुब्जाशब्दं कथं प्रोक्तं कथं तन्मण्डलागणः //
16.16
कथं रूपं महेशान्याः सर्वम् एतद् यथाक्रमम्
आचचक्ष्व प्रयत्नेन येन भ्रान्तिर् विनश्यति //
16.17
साधु देवि महादुर्गे किं न बुध्यसि पार्वति
यद् अस्मात् त्वम् इहायाता तत् किं ते वेदितं न हि //
16.18
वालाग्रशतभागस्य विभिन्नस्य सहस्रधा
अस्य कालविभागस्य त्वरात् सञ्चरसे यथा //
16.19
तथा त्वं त्वरिता नाम अशेषार्तिविनाशिनी
खञ्जिनी कथिता तुभ्यं वारं वारं पुनः पुनः //
16.20
यस्या मध्यगतं विश्वं विश्वमध्यगता तु या
खञ्जिका तेन सा प्रोक्ता सूक्ष्मे वस्तुनि सूक्ष्मगा //
16.21
एषा ते खञ्जिका ख्याता कुब्जिनी[ं] शृणु साम्प्रतम्
अन्वर्थसंज्ञिका नाम एका त्वं तु कुलेश्वरि //
16.22
स्थूलसूक्ष्मे परे तत्त्वे व्यक्ताव्यक्ते निरामये
सर्वं व्याप्तम् इदं देव्या सा च त्वं किं न बुध्यसि //
16.23
बृहत्कायो यदा कश्चित् स्वल्पे व्याचरते गृहे
कुञ्चिताङ्गो विशेद् यस्मात् तद्वद् एषा महेश्वरी //
16.24
चतुर्द्वादशधाधारं ग्रन्थौ षोडशकान्वितम्
वडवाख्यं त्रिशूलोर्ध्वं त्रित्तत्त्वं तु कलान्तगम् //
16.25
निदिध्यास्यं श्रुतं देश्यम् एतत् कौलेश्वरं तनुम्
यस्योदरगतं तच् च तस्य किम् अपरं परम् //
16.26
कूटभूतं तु तन्मध्ये यस्मात् सा कुटिलीतया
गतानेककुलोद्भिन्ना इच्छेयं पारमेश्वरी //
16.27
तेन त्वं कुब्जिका प्रोक्ता परा सर्वेषु वस्तुषु
तत्रेदं दुर्लभं देवि सुगोप्यं प्रकटीकृतम् //
16.28
वेदसिद्धाः पशुस् चोर्ध्वे ऊर्ध्वं वामे पशुत्वता
वामं दक्षिणमार्गस्य दक्षिणं कुलशासने //
16.29
तं तु योन्यार्णवे लीनं योनिः स्रीकुब्जिकामते
अतोऽर्थं गोपितं तन्त्रं न कस्यचिन् मयोदितम् //
16.30
रभसाविष्टभावेन तवाद्य प्रकटीकृतम् //
16.31
सूर्यसोमस्थितिः प्रोक्ता वह्निस्थानावधारिता
कथं सा कुरुते सृष्टिं को ऽसिताङ्गः कुलेश्वरः //
16.32
कुब्जेशि श्रूयतां सृष्टिर् यथावस्था प्रपद्यते
असिताङ्गो महेशानस् ततोर्ध्वे मण्डलोपरि //
16.33
सोममध्ये रविस्थानं सूर्यमध्ये शिखि[ः] स्थितः
तत्र मध्ये ऽङ्कुरं दिव्यम् असिताङ्गसमुद्भवम् //
16.34
ततो निष्पद्यते सृष्टिर् विचित्रानेकरूपिणी
तत्त्वानि च कला वर्णा मन्त्रविद्या पदः पुरा //
16.35
विसृजन्ति महानन्दं शक्तिभैरवमण्डलम्
पञ्चविंशतिमध्यादौ षोडशैवाष्ट चान्तिमाः //
16.36
भैरवानन्दशक्तिस्थम् असिताङ्गकुलेश्वरम्
आदिमण्डलमध्यस्थं सिद्धैः षोडशभिर् वृतम् //
16.37
आदियोनिपुरस्थं तु मण्डलं खेचरात्मकम्
अस्य पूजाविधानेन आज्ञायोनिफलं लभेत् //
16.38
आदिमण्डलकं ह्य् एतत् प्रवरं ह्य् उत्तमोत्तमम्
अत्रोत्पन्नानि सर्वाणि मण्डलानि ह्य् अनेकधा //
16.39
पञ्चविंशात्मकं मध्ये मण्डलानां तदादिमम्
चतुःसिद्धान्वितैकैकं विज्ञेयं पञ्चविंशकम् //
16.40
वालादौ खड्गपर्यन्तं मण्डले मण्डले तु तम्
एषान्यत् पञ्चकं देवि कुलविद्या कुलाध्वरे //
16.41
भुजङ्गक्रूरसंयुक्ता त्रिमूर्तिगुणधारणा
सामान्या सर्वसिद्धानां पञ्चविंशतिमण्डले //
16.42
मण्डलो[ द्]भृतदेहा सा क्रियाकालगुणोत्तरा
चतुर्भिः सहिता देवी सृजते वर्णसागरम् //
16.43
ककारादौ मपर्यन्तं यकारादौ ह-म्-अन्तिमम्
अत्र मन्त्राः समुत्पन्ना विद्यामुद्रागणो महान् //
16.44
देवीदेहात् समुत्पन्ना सा देवी मण्डलोद्भवा
चतुर्विंशकमध्यस्था षट्चतुष्कविभूषिता //
16.45
वह्निमण्डलमध्यस्था बहुरूपा अरूपिणी
बर्बरोरुह पिङ्गाक्षी दन्तुरा बृहदोदरा //
16.46
नीलमेघप्रभा भीमा गम्भीराभरणोज्ज्वला
वेदैः कृतशिरोमाला सषडङ्गपदक्रमात् //
16.47
ब्रह्मसूत्रं महेशान्याः पुराणोद्बद्धमेखला
ज्योतिःशास्त्राञ्जिताक्षी सा ध्वनिकर्णावतंसका //
16.48
कलालम्बितहारौघा विज्ञानकटकोज्ज्वला
शब्दपङ्कामृतोद्भिन्ना मण्डितं मुखमण्डलम् //
16.49
विचित्रवसनानेका शास्त्रपट्टांशुकोमला
आबद्धांशुकपर्यङ्का प्रमेयासनसंस्थिता //
16.50
ईदृग्रूपधरां देवीं पञ्चविंसान्तमध्यगाम्
अपरां सृष्टिकर्तारां परां षड्विंश-म्-आदिमाम् //
16.51
आदिमण्डलमध्यस्थाम् असितोत्सङ्गगामिनीम्
द्विभुजाभरणोपेताम् एकवक्त्रां त्रिलोचनाम् //
16.52
चारुबिम्बोष्ठवदनाम् अनेकगुणशालिनीम्
अरूपां रूपसम्पन्नां तस्यान्ते रूपसम्भवाम् //
16.53
इच्छारूपधरां देवीं नवात्मानेन लभ्यते //
16.54
नवात्मानमयं सर्वं तस्यैतत् परमा परा
सा परा लभ्यते येन स नवात्मा वद प्रभो //
16.55
साधु भैरवि यत्नेन पृच्छितं निर्मलार्थतः
न तेन रहितं किञ्चित् सत्येदं परमार्थतः //
16.56
प्रसह्यं पूज्यते यत्र तत्र सिद्धक्रमो न हि
यत्र सिद्धक्रमो भद्रे तत्रेदं गोपितं मया //
16.57
आज्ञालब्धरसास्वादास् त्यजन्तीदं सुदुर्लभम्
विशुद्धमण्डलोर्ध्वेदं मण्डलं न तदोज्झितम् //
16.58
पञ्चविंशकभेदस्य पूर्वं विद्या समुद्धृता
तस्यैवाद्यं द्विकं त्यज्य शेषान्यत्केवलाक्षराः //
16.59
भृगुलाकुलसंवर्तास् त्रीण्य् एतानि अनुक्रमात्
तत्र लाकुलभृग्वेशं भुजङ्गासनसंस्थितम् //
16.60
संवर्तकमहाकालं पिनाकीगुणसंयुतम्
खड्गवालासनासीनम् अर्घीशानन्दनोपरि //
16.61
ऽनुग्रहानन्दमूर्ध्निस्थं क्रूरानन्दसमन्वितम्
परानन्दसमायुक्तं कूटेदं मण्डलेश्वरम् //
16.62
यस्य गर्भगतं सर्वं वाङ्मयं सचराचरम्
तस्योपायम् इदं देवि उपेयस्य महात्मनः //
16.63
एतत् कौलेश्वरं नाम कूटरूपं कुलेश्वरम्
नानेन रहिता सिद्धिः साधनं खेचरीपदे //
16.64
मण्डलान्तर्गतं पूज्य मण्डलं कामदं स्मृतम्
येन पूजितमात्रेण सर्वव्याप्तिपदं लभेत् //
16.65
महतः कुलवृक्षस्य डालाः स्युः पञ्चविंशति
आज्ञापुष्पोपशोभाढ्यं विज्ञानफलमालितम् //
16.66
परिपक्वरसानन्दं मोक्षतृप्तिकरं फलम्
प्राप्यते येन यज्ञेन हेलया मण्डलं तु तम् //
16.67
खेचरीचक्रमध्यस्थं त्रितत्त्वगुणशालिनम्
मण्डलोद्भृतदीप्यन्तं मण्डलं वडवामुखम् //
16.68
चतुःशक्तिसमायुक्तम् एकैकं पञ्चविंशकम्
अम्बिका रौद्रिणी ज्येष्ठा वामादौ सृष्टिसागरे //
16.69
एतच्चतुष्टयान्तस्थं नवेशानं कुलेश्वरम्
वडवानल-म्-आसीनम् आज्ञाशूलधरं विभुम् //
16.70
मण्डलानां पृथक् पूजा सिद्ध्यर्थं साधकेश्वर
व्याप्तिस्थं तु यथा सर्वं तथा वदत भैरव //
16.71
कथयामि वरारोहे देव्या देहगतं यथा
व्याप्तिनामविभेदेन ज्ञास्यन्ते ज्ञानिनो यथा //
16.72
काममण्डलकं स्कन्धे खेचरं तदधःस्थितम्
गुरुमण्डलकं सन्धौ पाणिमध्ये घनोज्ज्वलम् //
16.73
रुद्रमण्डलकं दक्षे पाणौ तत् तु नखाग्रतह्
चन्द्रमण्डलकं वामे छायामण्डलकं त्व् अधः //
16.74
जयन्तमण्डलं सन्धौ झङ्कारं करमध्यतः
ज्ञानमण्डलकं वामे अङ्गुल्याग्रे व्यवस्थितम् //
16.75
वराङ्गोर्ध्वनितम्बाधो दक्षिणे ऽमृतमण्डलम्
सोममण्डलकोरुभ्यां सन्धौ डामरमण्डलम् //
16.76
कन्यामण्डलकं पद्भ्याम् उमामण्डलकं नखे
तारामण्डलकं वामे कुलदिव्योरुमध्यतः //
16.77
अनन्तमण्डलं सन्धौ पादान्ते मित्रमण्डलम्
अङ्गुल्याग्रे समाख्यातं मण्डलं मेरुपूर्वकम् //
16.78
रक्तमण्डलकं कुक्षौ दक्षिणे वामतः शिखी
कुलमण्डलकं पृष्ठौ वज्रसङ्ख्यात मध्यगम् //
16.79
मण्डलैश् चैकविंशाभिर् आवृतः स कुलेश्वरः
षष्ठमण्डलकं नाभौ कालमण्डलकं हृदि //
16.80
श्रीमन्नाथादितः कृत्वा त्रयैतानुक्रमेण तु
एकैकं चैकविंशानां मण्डलानां पतीश्वराः //
16.81
पञ्चविंशकयोगस्य चतुष्कं पतिरूपिणम्
समुदायपतीनां च पतिर् एको विसुद्धिराट् //
16.82
रन्ध्रमण्डलकं वृत्ते रोमकोट्योर्ध्वसंस्थितम्
सर्वाङ्गसुन्दरं देव्याः शरीरं मण्डलोद्भवम् //
16.83
शाम्भवीयं परा मूर्तिः स्वयंसम्भृतमण्डलम्
मण्डलोद्भृतदेहा सा सा च मण्डलमध्यगा //
16.84
स्वयङ्कर्ता स्वयंहर्ता मण्डलानां कुलेश्वरी
वडवानलरूपेण त्रिशूलासनसंस्थिता //
16.85
कङ्कालेश्वरमूर्ध्निस्था षट्पदार्थोपरिस्थिता
चतुर्भुजैकवदना चाक्षसूत्रकराभया //
16.86
सर्वज्ञानावबोधेन पुस्तकान्यवरप्रदा
पञ्चमोर्ध्वक्रमो देव्या मण्डलोद्भृतविग्रहा //
16.87
चतुराशीतिप्रमाणेन कोटीनां मूलतोर्ध्वतः
शरीरं श्रीकुलेशस्य तस्य कुम्भो ऽब्जमण्डले //
16.88
स्थिता सञ्जनते सर्वं तेन कुब्जेश्वरी परा
मण्डलोद्भृतदेहा सा मण्डलोपरिसंस्थिता //
16.89
मण्डलान्तर्गता देवी ध्यात्वा मण्डलदायिकाम्
श्रीमहानन्दवृक्षो ऽयं डालानेकचितं तु तम् //
16.90
शास्त्रपल्लवसंयुक्तं विज्ञानाङ्कुरशोभितम्
अखण्डज्ञानपुष्पाढ्यं सिद्धोदयफलान्वितम् //
16.91
पक्वानन्दरसालाढ्यं मोक्षतृप्त्यादिसत्फलम्
एष मण्डलवृक्षो ऽयं यस्मात् सर्वं प्रपद्यते //
16.92
सर्वथा तद् यजेन् नित्यं व्याकुलेन-म्-अनेन किम्
निराचारेण योगेन साचारेण न तद् यजेत् //
16.93
व्याप्तिभावम् अतो मत्वा भुक्त्वा चाण्डालजां तनुम्
स पश्यति परं वृक्षं खेचरं मण्डलोद्भवम् //
16.94
तद्भावभावनां कृत्वा गुरुं मत्वावधारयेत्
यत् किञ्चित् पुरतस् तस्य तत् सर्वं मण्डलं विदुः //
16.95
यदि स्यान् मण्डलो देहः पूजयेन् मण्डलादिभिः
वडवानलयोगेन एकैकं मासकावधिम् //
16.96
कुलविद्यासमायुक्तं चतुष्कलसमन्वितम्
कौलेशानसमायुक्तं स्वस्थानस्थोपदेशगम् //
16.97
एवं सञ्चिन्त्य मनसा भक्तियुक्तो जितेन्द्रियः
पञ्चविंशतिमासेन प्राकृतान् लभते गुणान् //
16.98
द्विगुणेन तु कालेन पैशाचगुणकृद् भवेत्
त्रिगुणेन तु कालेन दैवत्यं भजते तु सः //
16.99
चतुर्गुणेन कामित्वं सामान्यत्वामरालये
पञ्चमावस्थयोगेन सत्यलोकावधिं व्रजेत् //
16.100
षष्ठमेन तु योगेन विष्णुत्वं जायते ध्रुवम्
सप्तमेन तु योगेन ब्रह्माण्डान्तम् अनुव्रजेत् //
16.101
अष्टमेन तु पिङ्गोऽसौ नवमान्तेश्वरः प्रभुः
मण्डलीशो दशावस्थः खेचरः खेचराधिपः //
16.102
मण्डलाभ्यासयोगेन निराचारेण योगिनः
वडवानलमध्ये तु वडवानलपूरितः //
16.103
वडवानलरूपेण निराचारव्रतं चरेत्
वडवानलम् आरूढो वाडवीयं पदं लभेत् //
16.104
यतः सर्वमयं तच् च जगेदं वडवोदरम्
आज्ञेयं सकला देवी दिव्याज्ञातो ऽस्य सम्भवः //
16.105
षट्पदार्थस्य चान्यस्य प्रधानं वडवानलम्
महावृक्षवटो यस्य सूक्ष्मबीजवटो यथा //
16.106
तथा तु हृदयस्यास्य सर्वम् एवोदरे जगत्
खेचराधिपतिर् देव्या वटमालावलम्बिनी //
16.107
आज्ञासूत्रप्रयोक्ता सा चतुराशीतिगुणोज्ज्वला
गुरुवक्त्रात् तु लभ्येत मालेयं वडवानली //
16.108
स्वमनीषिकतो ऽन्यथा पश्यन्तो ऽपि न पश्यति
एतत् ते पञ्चकं प्रोक्तं सर्वव्याप्तिभृतोदरम् //
16.109
खेचरान्तपदं दिव्यं चतुष्कान्यं पुनः शृणु //
16.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते षट्प्रकारे महानन्दपञ्चके षोडशमः पटलः
Kapitel 17 – Devanagari
17.1
चतुष्कं पञ्चकं नाथ षट्कं तु पञ्चकं तथा
ज्ञातं व्याप्तिभृतं सर्वं चतुष्कं कीदृशं पुनः //
17.2
पृच्छामि त्वां न शक्नोमि स्वत एव प्रसादतः
वद नाथ गुणानन्दं येन जानीमहे ऽखिलम् //
17.3
कुब्जिके ऽतिमहाप्राज्ञे किं न बुध्यसि मूढधीः
यद्य् एवं लपितं सर्वं कथयाम्य् अवशेषकम् //
17.4
स्थितिभोगलयान्तस्थं पूजाव्याप्तिपदं यथा
तथा तं निखिलं सर्वम् उक्तानुक्तं वदामि ते //
17.5
देव्यापीठचतुष्कं तु सिद्धपिण्डचतुष्टयम्
युगैश् चतुर्भिस् तद् व्याप्तं परापरविभागशः //
17.6
अकुलेश्वरदेवस्य यथा तिष्ठति विग्रहे
तथा शृणु महेशानि निराचारपदं यथा //
17.7
ओ-जा-पू-का-क्रमं मध्याद् वामदक्षाग्रतोर्ध्वतः
व्याप्तिभूतं यजेत् सर्वं नाभ्यधः सिद्धपूर्वकम् //
17.8
ओ-जा-पू-का-क्रमाद् धृत्स्थं दक्षादौ वाम नाभिगम्
उपदेशेन जानीयाद् गुरुवक्त्रात् तु शाम्भवम् //
17.9
एवं कर्णमुखे नासा नासोर्ध्वं पूर्ववद् यजेत्
पूर्वोक्तार्चिसमायुक्तं सिद्धवृन्दसपालकैः //
17.10
बलकौमारवृद्धस्थं त्रिशुद्धिस्थं त्रितत्त्वगम्
वडवानलयोगेन गह्वराद् उपदेशतः //
17.11
कुलाकुले परे स्थाने सर्वज्ञां शाम्भवं क्रमम्
सर्वव्याप्तिसमोपेतम् आज्ञापुष्पैः प्रपूजयेत् //
17.12
रूपातीतादियोगेन मण्डलोद्भृतविग्रहा
तत्रस्था परमा देवी मध्यस्था पररूपिणी //
17.13
कालमूर्ध्नि स्थिता शान्ता कलातीता कलाकला
कालहन्ता कलातीता कम्बलीयं कुलेश्वरी //
17.14
वडवानलम् उत्तीर्णा देदीप्यन्तगुणोज्ज्वला
सहस्रादित्यसङ्काशा रूपातीता कुलेश्वरी //
17.15
रूपं पीठक्रमं देव्या नीलमेघाञ्जनप्रभा
भुजैर् द्वादशकोपेता षड्वक्त्रा बर्बरालका //
17.16
बृहोदरा च लम्बोष्ठी स्तब्धाक्षी विरलद्विजा
बालक्रमस्य मध्यस्था रूपस्था नग्नकुब्जिका //
17.17
वडवानलसन्दीप्ता अतिरौद्रा सुभीषणा
गुरूपदेशगम्या सा दिव्याज्ञार्थप्रदायिका //
17.18
कौमारक्रममध्यस्था एकवक्त्रा चतुर्भुजा
पुस्तकमण्डलुधरा अक्षसूत्रवरप्रदा //
17.19
वडवानलमध्यस्था सौम्यरूपा सुलालसा
महानन्दमहाविष्टा आवेशन्ती जगत्त्रयम् //
17.20
महासंसार-म्-अम्भोधेस् तारयन्ती व्यवस्थिता
सा महान्तारिकाप्य् अत्र कौमारे महतां गता //
17.21
पाशौघक्षयकर्ता सा विद्याशास्त्रावलम्बिनी
यस्योच्चारात् स्फुटन्त्य् आशु पर्वतान् वज्रमौसलान् //
17.22
पञ्च पञ्च च विद्यास्त्रं महान्तारी स एव हि
अक्षरौघेन सिद्धा सा उच्चारावेशिनी परा //
17.23
अभक्तं वा द्विषन्तं वा वादस्थं वा तथेतरम्
कुपितः पातयेत् सर्वं यस्यैषा हृदि शालिनी //
17.24
पदस्थेन तु योगेन सिद्धा सा परमेश्वरी
पिण्डम् आवेशयेच् छीघ्रं पिण्डस्थां शृणु कुब्जिनि //
17.25
वृद्धक्रमस्य मध्यस्थां लघुरूपां सुतेजसाम्
द्विभुजैकवदनां तां पिण्डस्थां पतिरूपिणीम् //
17.26
पशुप्राणहरां देवीं पाशजालनिकृन्तनीम्
दमनीं सर्वपापानां विज्ञानकरणीं पराम् //
17.27
पूर्वं व्यावर्णितं यच् च रूपान्ते गुणशालिनीम्
विद्याङ्गाभरणोपेतां पिण्डस्थां तां विजानथ //
17.28
द्वात्रिंशाक्षरसंयुक्तां षडङ्गपरिवेष्टिताम्
यद् उक्तं कर्मसन्तानं तद् अत्र फलदं क्रमात् //
17.29
मन्त्रसिद्धिकरी देवी पिण्डसिद्धिकरी परा
वडवानलयोगेन सर्वज्ञत्वं लभेत् तु सः //
17.30
वडवानलकुब्जस्था कूजते ऽनन्दरूपधृक्
तेन सा कुब्जिका नाम मणिरूपा१पखञ्जिका //
17.31
अस्या देव्याः पदं रूपं रूपातीतं प्रवर्तते
पिण्डेशिनी परा माता चतुराशीतिगुणोज्ज्वला //
17.32
सम्पूज्य मानसैः पुष्पैर् अलिफल्ग्वादिभिः क्रमात्
चतुःसिद्धक्रमाम्नायं स्वामिपादम् अनुक्रमात् //
17.33
पिण्डयोगस्थितां चाज्ञां संस्मरेन् मध्यतिर्यगाम्
कुब्जिनीकुलम् आरूढाम् अभ्यसन्तः श्रियं लभेत् //
17.34
शान्तिपुष्टिवशाकृष्टि वाग्विलासं ज्वरापहम्
मृत्युनाशं पुरक्षोभं सैन्यस्तम्भाम्भशोषणम् //
17.35
पशुपाशग्रहस्तोभं दन्तकाष्ठाञ्जलीघटम्
निर्बीजीकरणाद्यं च वृक्षस्फोटं जलप्लवम् //
17.36
मुद्रास्फोटं शिलाच्छेदं वृक्षाणां लभनं महत्
नदीप्रवर्तनस्तम्भो नावादिशकटस्य च //
17.37
अनग्निज्वलनं पातः सैन्यस्तम्भोर्ध्वरोपणम्
ज्वालास्तम्भं जलस्तम्भं घटसस्त्रगिराचलम् //
17.38
स्तम्भयेद् वज्रपातं तु अशन्यौघं निवारयेत्
मारयेट् टालयेच् छैलान् दारयेद् धरणीतलम् //
17.39
हस्तवृद्धिर् मनःसिद्धिर् दूराश्रवणदर्शनम्
वर्तमानम् अतीतार्थं भविष्यं च लघुत्वता //
17.40
वाचासिद्धिश् च माहेन्द्रम् इन्द्रजालप्रवर्तकम्
कामरूपान्तरध्यानं ज्ञानं मातृकुलस्य च //
17.41
जिह्वाप्रसारणं चान्यम् अङ्गैकैकविवर्धनम्
स्फोटनं शुष्ककाष्ठानां त्रोटनं फलपुष्पयोः //
17.42
मृतकोत्थापनं शीघ्रं दग्धसञ्जीवनं महत्
अकाले वृक्षफलनं पुष्पधान्यावरोहणम् //
17.43
परकायप्रवेशं च अन्यजन्मावबोधनम्
परोक्षमृतकानयनं दृष्टिज्वालाप्रसारणम् //
17.44
दन्तवृद्धिकरं ज्ञानं ज्वालाविज्ञानम् उत्तमम्
शरीरे फलपुष्पानि प्रतिमाजल्पकर्षणम् //
17.45
जल्पायनं कुमारीणाम् अन्तर्धानोर्ध्वदर्शनम्
निरालम्बोर्ध्वरुहणं पररूपापकर्षणम् //
17.46
चित्रनृत्यापनं युद्धं शत्रूणां च परस्परम्
हरणं शब्ददृष्टीनां वर्धतैकैकहेलया //
17.47
परसामर्थ्यहरणं पुंस्त्रियोपकरणं परम्
अङ्गसङ्कोचनानयनं भूतानां भूतसाधनम् //
17.48
पिण्डक्रमस्य पूजायां स्वाधिष्ठानफलं लभेत्
कुब्जानलेन योगेन कुब्जिपिण्डं चतुर्विधम् //
17.49
अश्वत्थपत्त्रवत् कुब्जं शुकचञ्चुनिभं परम्
मणिकुब्जं परं चान्यं रन्ध्रकुब्जं ततो ऽपरम् //
17.50
एतत् ते संस्फुटं सर्वं कुब्जाम्बीनां चतुष्टयम्
पिण्डो ऽथ पद रूपं च रूपातीतादितः क्रमात् //
17.51
आद्यं पिण्डस्थिता कुब्जी कुब्जेशीति कुलेश्वरी
पदस्था कुब्जिका चान्या महान्तारी महद्भुता //
17.52
रूपस्था कुब्जिनी चान्या बिन्दुस्था बर्बरा परा
रूपातीता तु रन्ध्रस्था कुब्जिनी कमलानना //
17.53
विज्ञानानेकविश्लिष्टा एकैका फलदायिनी
पिण्डयोगक्रमेणैताः कुब्जिदेहफलप्रदाः //
17.54
मित्रेशानसमायुक्ता कण्ठोष्ठालिङ्गनान्विता
गोलान्तपश्चिमान्तस्था शङ्खभेदाद् विनिर्गता //
17.55
विद्युदन्योन्यतारेभ्यो विशत्य् एका पुनर् द्विधा
एवम् अभ्यसते यावत् तावत् कामः स्वयं क्षुभेत् //
17.56
स्वाधिष्ठानगते योगे शाक्ते शक्तिं समभ्यसेत्
अब्दैकेन जगत् सर्वं क्षोभयेत् त्रिदशेश्वरम् //
17.57
दुर्भगानाम् अभाग्यानाम् अब्दात् सर्वं भविष्यति
यः पुनः सर्वथा सिद्धः स सिध्यत्य् अचिरात् प्रिये //
17.58
सात्त्विकेन तु रूपेण त्यक्तमायासुखोज्झितः
पादप्रक्षालनं जुष्टं यो न दद्यात् स सिध्यति //
17.59
एतत् कुलालिकाम्नाये पिण्डकुब्जिचतुष्टयम्
अविज्ञाय न दातव्यं यावन् नादेशितः शिशुः //
17.60
अनादिविमलमातङ्गी सर्वज्ञा च पुलिन्दिका
योगे च शबरी प्रोक्ता सिद्धसंज्ञेति चम्पका //
17.61
अधुना शृणु कुब्जीशे पदग्रन्थिविभञ्जकम्
क्रमं वक्ष्यामि दिव्यौघं सामर्थ्यादिनिराकुलम् //
17.62
आज्ञामोघपदं खञ्जि द्वितीयं कुब्जिनीपदम्
शक्तिविद्या तृतीयं तु चतुर्थौघपदक्रमम् //
17.63
चतुष्पीठविभेदेन पुनः पीठचतुष्पदम्
षोडशैव पदान्य् आहुर् ग्रन्थिभूताः पृथक् पृथक् //
17.64
कलन्ति सकलं सर्वं स्थूलसूक्ष्मविभागतः
नदन्ति कालरूपस्था[ः] स्थूलसूक्ष्मान् तथान्तिमान् //
17.65
तिथ्याद्यान्तपदं यान्ति वामान्तं दक्षिणं पुनह्
चन्द्रसूर्यविभागेन जीवितं मरणं पदम् //
17.66
पदैः षोडशभिः सर्वं ग्रन्थिं बद्ध्वाध्वरं ऽखिलम्
कालरूपास् तु ताः कालं हनन्त्य् उच्चारयोगतः //
17.p-1
ओ-जा-पू-का-डि-लम्-र्ण-म-आ-ध-गि-रू-ण-र-रि-पू ।
17.67
एवं ज्ञाते हनेत् कालम् उच्चरन्तो ऽनुपूर्वशः //
17.68
अक्षरे अक्षरे ग्रन्थिः पीठं ग्रन्थिचतुष्टयम्
चतुष्पीठमया योनिश् चतुर्योनिमयं ऽखिलम् //
17.69
पञ्चमी या परा योनिस् तस्या ग्रन्थिः पदे पदे
तया व्याप्तम् इदं सर्वं कारणानलमध्यगम् //
17.70
तत् पदं परमं प्रोक्तं यत्र सर्वे पदा गताः
षोडशाक्षरभेदेन तत् पदं लभते स्फुटम् //
17.71
प्रथमाधारनन्ताख्या मध्यमाङ्घ्र्याङ्गुलीगता
कालग्रन्थिस् तु गुल्फाधो रौद्रीग्रन्थिर् नलान्तरे //
17.72
ज्येष्ठाग्रन्थिर् नितम्बाधो वामे वामाधसंस्थिता
कामग्रन्थिर् गुदाधारे पिङ्गग्रन्थिस् ततोर्ध्वतः //
17.73
अधोर्ध्वरोममध्ये तु ब्रह्मग्रन्थिर् उदाहृता
सोमग्रन्थिस् ततश् चोर्ध्वे सूर्यग्रन्थिस् ततोर्ध्वतः //
17.74
प्राणग्रन्थिः पुनश् चोर्ध्वे जीवग्रन्थिस् ततोर्ध्वतः
येन जीवन्ति भूतानि तद्वियोगान् म्रियन्ति च //
17.75
विष्णुग्रन्थिस् तु सा ज्ञेया कण्ठस्था तालुके ऽन्यथा
रुद्रग्रन्थिर् महारौद्रा ईशग्रन्थिस् ततोर्ध्वतः //
17.76
सादाख्यस् तु परा ग्रन्थिस् त्रिकोट्योर्ध्वव्यवस्थिता
माया शक्तिस् ततश् चोर्ध्वे इच्छानन्दामृताप्लुता //
17.77
षोडशावयवा देवी खेचरी तु खगेश्वरी
पद्मस्था पद्ममध्यस्था हंसस्था हंसवाहिनी //
17.78
निष्कला सकला देवी वज्रदेहा मनोन्मनी
पदक्रमस्य मध्यस्था पदाङ्गाभरणोज्ज्वला //
17.79
क्रममन्त्रपदालब्धा हेलया चाणिमाष्टकम्
साधयेन् महता देवी षोडशाक्षरसम्भवा //
17.80
मालिनी सिद्धदेहा सा त्रितत्त्वार्चिघनोज्ज्वला
अघोर्याष्टकसंयुक्ता द्वादशाङ्गप्रपूरिता //
17.81
षडङ्गावयवोपेता दिव्यदेहा महाबला
असिताङ्गतनूद्भूता मन्त्रदेहा महेश्वरी //
17.82
मालिनी शब्दराशिश् च त्रिविद्याघोरिकाष्टकम्
द्वादशाङ्गषडङ्गं च एतद् देहं कुलात्मकम् //
17.83
ललाटकण्ठवक्षस्थं गुह्याङ्घ्रौ रत्नपञ्चकम्
श्लोकद्वादशभिर् माला पादादौ चूलिकावधिम् //
17.84
ब्रह्मसूत्रोज्ज्वला देव्याः स्कन्धोभौ तद्ग्रहान्वितौ
पञ्चबीजैर् मुखकोषं पञ्चौंकारैः खिलं न्यसेत् //
17.85
परमं वद कौलेश पदमन्त्रा यथा स्थिताः
यत्र स्थाने नियोक्तव्याः स्फुटैकैकं पृथक् पृथक् //
17.86
कथयामि वरारोहे पदार्थार्थपदं यथा
सिद्धमन्त्रोपदेशो ऽयं प्रकटार्थं वदामि ते //
17.87
मूर्ध्नि वक्त्राक्षिणौ कर्णौ नासागण्डौ द्विजौष्ठकौ
भारतीशङ्खिनीद्वारे श्रीकण्ठात् सेनकावधिम् //
17.88
क्रमेण षोडशैवैतान् दक्षिणादौ पदा न्यसेत्
दन्तौष्ठादिम् अधो न्यस्य भारतीशङ्खिकावधिम् //
17.89
क्रोधादाव् एकरुद्रान्तं स्कन्धादौ चाङ्गुलावधिम्
दक्षिणे वामतो ऽप्य् एवं कूर्मादौ शर्मकावधिम् //
17.90
सोमेश्वराद्युमाकान्तं स्फिचादौ ऽङ्घ्र्यान्त दक्षिणम्
वामतो ऽषाढिमेषान्तं पार्श्वौ लोहिशिखान्वितौ //
17.91
छगलण्डं तु वंशस्थं द्विरण्डं नाभिमण्डले
हृदये तु महाकालम् अष्टकं पुरतो ऽन्यथा //
17.92
वालिभौजङ्गपैनाकखड्गीशबकश्वेतकाः
भृगुलाकुलसंवर्ताः कालप्राणसशुक्रगाः //
17.93
मज्जास्थिस्नायुमांसस्था रक्तत्वग्वालिमादितः
अनुलोमविलोमेन कालवेलादितः क्रमात् //
17.94
नादिनी तु शिखाग्रस्था नकाराक्षरसम्भवा
ऋ-ॠ-ऌ-ॡ निवृत्त्याद्या मालिका शिरसि स्थिता //
17.95
थ शिरो ग्रसनी देवी ध नेत्रे प्रियदर्शना
ई गुह्यशक्ति नादस्था नासायां नेत्रमध्यतः //
17.96
व्यापयित्वा स्थिता देवी च तृतीयं तु लोचनम्
चामुण्डा परमेशानी ललाटस्था विराजते //
17.97
बकारं वदनं देव्या वज्रिणी शक्तिर् अव्यया
कवर्गे दशनास् तीक्ष्णाः कङ्कटा कालिका शिवा //
17.98
घोरघोषा मुखीवीरा कवर्गे दसना[ः ] शुभाः
मायादेवी इ जिह्वा तु अ वाग् वागेश्वरी मता //
17.99
नारायणी ण कर्णौ तु तयोर् भूषणम् ई-परौ
मोहनी च तथा प्रज्ञा व कण्ठे शिखिवाहिनी //
17.100
लामा विनायकी देवी डढौ बाहुद्वयं मतम्
पौर्णिमा हस्तदेशस्था ठकाराख्यं विभोर् मतम् //
17.101
झङ्कारी कुर्दनी चैव झञौ चाङ्गुलयः क्रमात्
कपालिनी वामकरे टकारः परमेश्वरी //
17.102
दीपनी शूलदण्डं च रेफः सम्यग् उदाहृतम्
जयन्ती ज भवेच् छूलम् एवं देवी विराजते //
17.103
भीषणा वायुवेगा च स्कन्धयोर् उभयोर् अपि
पावनी तु प हृल्लग्ना षोदरं लम्बिका स्थिता //
17.104
संहारिका क्षकारो ऽयं नाभिर् देव्या[श्] च भैरवि
छगली पूतना चैव स्तनौ छलौ परिस्थितौ //
17.105
आमोटी तद्गतं क्षीरम् आवर्णः परिकीर्तितः
परमात्मा सकारो ऽयं ह प्राणे शक्तिर् अम्बिका //
17.106
इच्छाशक्तिर् विसर्गाख्या व्याप्यभावेन संस्थिता
म नितम्बं महाकाली श गुह्यं कुसुमायुधा //
17.107
शुक्रा देवी त्व् अनुस्वारं शुक्रं देव्यास् तु भैरवि
तारा तकारम् ऊरुस्था ए ऐ ज्ञानीक्रियाव् उभौ //
17.108
जानुनी संस्थितौ देवि भैरव्याश् च महात्मनः
गायत्री चैव सावित्री ओ औ जङ्घौ प्रकीर्तितौ //
17.109
दहनी दक्षपादस्था वामे फेत्कारिका मता
नादिफान्ता वरारोहे देहं शक्तिमयं शुभम् //
17.110
सिद्धपञ्चाशकोपेतं मालिन्यार्धशतान्वितम्
एवं शतं समाख्यातं योज्यमानं तनौ भृतम् //
17.111
पदद्वयं समाख्यातं तत्र हंसो व्यवस्थितः
यावच् चरति तौ द्वौ तु तावद् आत्मा समाप्यते //
17.112
पदमानम् अशेषं तु अत्र सर्वं समाप्यते
आज्ञातो भुञ्जते कालं पदं ज्ञात्वाजरामरम् //
17.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते पदद्वयहंसनिर्णयो नाम सप्तदशमः पटलः
Kapitel 18 – Devanagari
18.1
पदग्रन्थिसमालब्धस् तत्त्वग्रन्थिसमाश्रितः
कुब्जिग्रन्थिपदान्तस्थो हंसभेदपदं व्रजेत् //
18.2
हंसभेदे परा शक्तिः सहजा शिवतत्त्वगा
सा विद्या प्रथमा ज्ञेया द्वितीया तु परापरा //
18.3
चत्वारिंशत्पदा ज्ञेया विद्यातत्त्वे निवेशिता
हंसग्रन्थिसमारूढां प्रकटार्थं वदामि ते //
18.4
सोमेश्वरं समुद्धृत्य पतितं सुरनायिके
शिखीशं केवलं पश्चाल् लाकुलं तदनन्तरम् //
18.5
अर्घीशासनसंस्थं हि बिन्दुना मस्तके हतम्
लाकुलं पुनर् उद्धृत्य भुजङ्गासनसंस्थितम् //
18.6
त्रिमूर्तिना च चाक्रान्तं शून्यमस्तकभूषितम्
शिखीशं वह्निसंयुक्तं झण्टीशेन समन्वितम् //
18.7
क्रूरानन्देन सम्भिन्नं लाकुली तदनन्तरम्
भुजङ्गेन तु सन्दीप्तम् अर्घीशासनसंस्थितम् //
18.8
तद् एवं लाकुलीशं तु भुजङ्गाधारम् ईश्वरम्
त्रिमूर्तिना तु चाक्रान्तं अं क्रूरं शिरसि स्थितम् //
18.9
भुजङ्गं तु चतुर्धा वै कर्तव्यं तु कुलेश्वरि
केवलं द्वितयं देवि अमरीशद्वितयान्वितम् //
18.10
लाकुलं तु ततो देयं झण्टीशेन तु भेदितम्
महासेनाहतं देवि लाकुलीशं समुद्धरेत् //
18.11
खड्गीशं केवलं गृह्य लोहितं तदनन्तरम्
सूक्ष्मानन्देन सम्भिन्नं महाकालं तु केवलम् //
18.12
खड्गीशं केवलं पश्चाद् उमाकान्तं ततः पुनः
झण्टानन्देन सम्भिन्नं श्वेतानन्दं कुलाधिपे //
18.13
केवलं तु स्मृतं भद्रे द्विरण्डं तदनन्तरम्
त्रिमूर्तिना तु चाक्रान्तं महाकालं ततः पुनः //
18.14
द्विरण्डं तु पुनर् देवि त्रिमूर्त्यालङ्कृतं कुरु
सूक्ष्मानन्देन सम्भिन्नं चण्डानन्दं यशस्विनि //
18.15
महाकालं पुनः पश्चाद् अमरीशासनस्थितम्
भुजङ्गं केवलं देवि शिवेशं सद्यसंयुतम् //
18.16
लाकुली भृगुसंयुक्तं नुग्रहीशान्वितं प्रिये
क्रूरदेवं शिरस्थं हि लोहितं झण्टिनाहतम् //
18.17
रक्तं चैवार्घिना युक्तं भुजङ्गं केवलं पुनः
शिवानन्दं तु देवेशि सद्योजातेन भेदितम् //
18.18
लाकुलम् अर्घिना युक्तं शून्यमस्तकभूषितम्
भुजङ्गं झण्टिदेवेन भेदितं कुरु पार्वति //
18.19
शिवोत्तमं ततः पश्चात् सद्योजातेन भूषितम्
केवलं तु महाकालं भुजङ्गं केवलं पुनः //
18.20
लोहितं तु पुनः पश्चान् महासेनं ततः पुनः
आसनस्थं भृगोर् देवि लाकुलीशं समुद्धरेत् //
18.21
लाकुलीशं पुनर् भद्रे भुजङ्गासनसंस्थितम्
त्रिमूर्तिना तु चाक्रान्तं क्रूरानन्दसमन्वितम् //
18.22
झण्टिना भेदितं देवि भुजङ्गं कारयेत् ततः
शिवानन्दं ततोद्धृत्य सद्यानन्दान्वितं कुरु //
18.23
श्रीकण्ठं केवलं पश्चाद् भौक्तिकं बिन्दुना युतम्
एषा परापरा देवी उद्धृता तु विलोमतः //
18.24
चत्वारिंशद्द्वयो वर्णा अर्धवर्णान्विता प्रिये
एषा विद्या तथा प्रोक्ता विद्यातत्त्वे निवेशयेत् //
18.25
देव्या चैवात्मतत्त्वस्था क्रियाशक्त्यापरा पुनः
अर्धसप्ताक्षरा देवी विलोमेन ततः शृणु //
18.26
पतितम् ईश सोमं हि शिखीशं केवलं ततः
लाकुलम् अर्घिना युक्तं शिखीशं भुजगान्वितम् //
18.27
झण्टीशेन समायुक्तं लाकुलं रक्तसंस्थितम्
द्विधा भूतं तु कर्तव्यं भेदं चात्र वदामि ते //
18.28
अर्घिना पूर्व सम्भिन्नम् अपरं तु त्रिमूर्तिना
भौक्तिकं केवलं देवि उद्धृतं परमाक्षरम् //
18.29
बिन्दुनादान्विताः पञ्च कर्तव्यास् तु यशस्विनि
अपरेयम् इमा विद्या सर्वस्वं योगिनीकुले //
18.30
परां देवीं ततो वक्ष्ये शिवतत्त्वानुसारिणीम्
लाकुलं भृगुसंस्थं हि भुजङ्गेन समन्वितम् //
18.31
अर्घीशासनम् आरूढं ऽनुग्रहीशेन भेदितम्
बिन्दुनादकलाक्रान्तम् उद्धृतं परमं प्रिये //
18.32
प्रणवोच्चारसंयुक्ता विद्या तत्त्वत्रयात्मिका
शब्दमालिनिमूर्तिस्था विद्यादेहगुणोज्ज्वला //
18.33
पुर्याष्टकम् अघोरिस्थं यथावस्थां वदामि ते //
18.34,1
ह्रीं रु अघोरे ह्रीं स्हौं अघोर्यायै प्रथमं शिरः ॥
18.34,2
ह्रीं रु परमघोरे हूं स्हौं परमघोरायै मुखम् ॥
18.34,3
ह्रीं रु स्हौं घोररूपे स्हौं घोररूपायै हृदि ॥
18.34,4
ह्रीं रु स्हौं घोरमुखि स्हौं घोरमुख्यै गुह्ये ॥
18.34,5
ह्रीं फट् भीमनामे स्हौं भीमायै दक्षिणभुजे ॥
18.34,6
ह्रीं हूं भीषणे स्हौं भीषणायै वामतो भुजे ॥
18.34,7
स्हौं ह्रीं हः वम स्हौं वमन्यै दक्षिणोरु ॥
18.34,8
ह्रीं हूं फट् पिब हे स्हौं पिबन्यै वामतोरु ॥
18.35
एतत् पुर्याष्टकं देव्या अघोर्याष्टकसंयुतम्
न्यसेद् अष्टविधाङ्गं तु अष्टपत्त्रेषु साधकः //
18.36
अतोर्ध्वं द्वादशाङ्गं तु देहनिष्पत्तिकारणम्
पादादौ शिरसो यावन् न्यसेद् अङ्गे यथोदितम् //
18.37A
सिद्धाईति सहं पद्भ्यां ऋद्धाई जानुनी सहां
विद्युतायै सहिम् ऊरुभ्यां सहीं लक्ष्मीति गुह्यगा //
18.37B
दीप्ताइका सहुं नाभौ सहूं नालाइका हृदि
सहें शिवाइका कण्ठे सहैं वसुमुखी मुखे //
18.37C
सहों नासा वमन्यायै कर्णे नन्दिनिका सहौं
हरिकेशा सहं त्र्यक्षी महामुख्यै सहः शिरे //
18.38
अनेन दृढितो ह्य् आत्मा जीवभूतः स्थिरीकृतः
षडङ्गन्यासयोगेन व्यक्तत्वं भजते तु सः //
18.39,1
स्हां सर्वज्ञ हृदयाय नमः ॥
18.39,2
अमृते तेजोमालिनि तृप्ति शिरसे स्हीं स्वाहा ॥
18.39,3
वेदवेदिनि हूं फट् स्हूं अनादिबोधाय शिखायै वौषट् ॥
18.39,4
स्हैं वज्रिणे वज्रधराय स्वतन्त्र कवचाय हूं ॥
18.39,5
स्हौं नित् यम् अलुप्तशक्ति स्हौं वौं धौं सहजे त्रिनेत्ररूपिणे नमस् तुभ्यम् अनन्तशक्ति ॥
18.39,6
स्हः श्लीं पशु हूं फट् पाशुपतास्त्राय सहस्राक्षाय हूं फट् ॥
18.40
षडङ्गन्यासयोगेन परादेहं पराध्वरम्
एवम् निष्पन्नदेहस्य स्लोकद्वादशमेखला //
18.41
तद्ग्रहेण तु योगेन ब्रह्मसूत्रं विलम्बयेत्
शिरःप्रभृति पादान्तं पञ्चरत्नविभूषितम् //
18.42
यत्र यत् पदविन्यासं $ तत् कुब्जीशे-म्-अतः शृणु //
18.43,1
ऐं हः अ परमानन्दे हः आ सिद्धिदानन्दने हः इ परापरे ह्रूं फ्रें फट् क्षः ई श्रीकुलाम्बिके ॥
18.43,2
ऐं हः उ कालरुद्रस्थे हः ऊ ऋद्धिबलान्विते हः ऋ शिरोहारे ह्रूं फ्रें फट् क्षः ॠ श्रीकुलाम्बिके ॥
18.43,3
ऐं हः ऌ नरकान्तस्थे हः ॡ गुह्यमहाम्बिके हः ए सृष्टिगते ह्रूं फ्रें फट् क्षः ऐ श्रीकुलाम्बिके ॥
18.43,4
ऐं हः ओ कुण्डलगुह्यान्ते हः औ कुण्डललक्ष्मिके हः अं कुण्डलिनी ह्रूं फ्रें फट् क्षः अः कुलमालिनी ॥
18.43,5
ऐं हः क कमलदीप्ते हः ख कुण्डलनाभिगे हः ग कालहरे ह्रूं फ्रें फट् क्षः घ स्वतेजशिवे ॥
18.43,6
ऐं हः ङ कमलमाले हः च क्रमसौहृदि हः छ पापहने ह्रूं फ्रें फट् क्षः ज कामरूपिणी ॥
18.43,7
ऐं हः झ कण्ठकूपस्थे हः ञ शैवामृतात्मिके हः ट चन्द्रात्मिके ह्रूं फ्रें फट् क्षः ठ सुखदेश्वरी ॥
18.43,8
ऐं हः ड कुहरान्तस्थे हः ढ सौमुख्यतामने हः ण स्वानन्दने ह्रूं फ्रें फट् क्षः त कालनाशनी ॥
18.43,9
ऐं हः थ कालवमनि हः द चोग्रानुनासिके हः ध करोति सा ह्रूं फ्रें फट् क्षः न कालरोदनी ॥
18.43,10
ऐं हः प श्रावणान्तस्थे हः फ सिद्धिम् आश्रिते हः ब करोति सा ह्रूं फ्रें फट् क्षः भ पारमेश्वरी ॥
18.43,11
ऐं हः म कालकलातीते हः य श्रीबिन्दुनेत्रगे हः र श्रीहारिके ह्रूं फ्रें फट् क्षः ल सृष्टिबिन्दुगे ॥
18.43,12
ऐं हः व प्रकटगुप्ते हः श महामुखे परे हः ष स्वाकाशगे ह्रूं फ्रें फट् क्षः स श्रीकुजाम्बिके ॥
18.44
अजचक्रेश्वरी रेखा द्वितीया कादिभान्तगा
मादिसान्ता तृतीया तु त्रिभि रेखैः स्वरेश्वरी //
18.45
अम्बिका शूलदण्डस्था गुह्यशक्त्या विभूषिता
बिन्दुनादसमायुक्ता उद्धृतं परमाक्षरम् //
18.46
श्रीकण्ठ अम्बिका चैव द्विधारूपा तु कारयेत्
पुनर् अम्बा च फेत्कारी दीपन्यासनसंस्थिता //
18.47
प्रज्ञाभूषितम् एकं हि ज्ञानदेव्या द्वितीयकम्
बिन्दुनादयुते द्वे तु संहार्या इच्छयान्विता //
18.48
श्रीकण्ठादिभृगोऽन्ता वै संस्थिता कुलपद्धतिः
अनेन विधिना देवि भिन्ना तु कुलपद्धतिः //
18.49
परामृतपदं ह्य् एतत् श्लोकानां दशकं द्विकम्
एतस्मिन् पठिते देवि क्षुभ्यन्ते मातरः सदा //
18.50
सद्यावेशः प्रजायेत कवित्वं तस्य जायते
आज्ञावेधादिका सिद्धिः पठिते ऽ स्मिन् प्रजायते //
18.51
त्वया न कथ्यम् अभक्तेष्व् इत्य् आज्ञा पारमेश्वरी
श्लोकद्वादशकं ह्य् एतद् वटमालाविभूषितम् //
18.52
वडवानल मन्तव्यं पादादौ मस्तकावधिम्
मेखलेयं न्यसेद् देवि विलोमेनोपदेशतः //
18.53
उच्चारं तस्य चावेशं स्थाने स्थाने प्रवर्तते
गोपनीयं प्रयत्नेन न देयं यस्य कस्यचित् //
18.54
जीवस्य रक्षणं ह्य् एतद् अन्यथा हानिकृद् भवेत्
तद्ग्रहोऽन्यं न्यसेद् देवि ब्रह्मसूत्रविभूषणम् //
18.55
देदीप्यन्तं प्रचण्डोग्रं यथावस्थं तथा शृणु //
18.55
अन ऐं । आ थ ह्रीं । इ ऋ अ । ई ऋ घो । उ ऌ रे । ऊ ॡ ह्रीं ।
ऋ च ह्सः । ऋ ध प । ऌ ण र । ॡ उ म ।
ए ऊ घो । ऐ ई रे । ओ ब हूं । औ क घो । अं ख र । अः ग रू ।
क घ पे । ख ङ ह्सौं । ग इ घो । घ अ र । ङ व मु ।
च भ खि । छ य भी । ज ड म । झ ढ भी । ञ ठ ष ।
ट झ णे । ठ ञ व । ड अः म । ढ ट व । ण र म ।
त ज पि । थ प व । द स पि । ध ह व । न छ ह ।
प ल हे । फ आ रु । ब ष रु । भ क्ष रु । म म रु ।
य श र । र अं र । ल त र । व ए र ।
श ऐ ह्रीं । ष ओ हूं । स औ फ्रें ।
ह द ह्सौं । क्ष फ ऐं ॥
18.57
रुद्रशक्तित्रयं ह्य् एतद् आनन्दपदसंस्थितम्
अन्योन्यवलयाकारं पञ्चाशत्पदभूषितम् //
18.58
वामरौद्रान्तदक्षस्थं दक्षरौद्रान्तवामगम्
रौद्रारौद्रसमायुक्तं त्रिरौद्रं तद्ग्रहो ऽप्य् अय् अम् //
18.59
वागेश्वरी तथा माया मोहनी च तृतीयका
ज्ञानदेवी च गायत्री रत्नाः पञ्च इमे स्मृताः //
18.60
न्यासमात्रेण चावेशम् उच्चाराद् भवते स्फुटम्
पिण्डस्य बन्धनं ह्य् एतद् दुष्टसिंहविनाशनम् //
18.61
तद्ग्रहाबद्धमूलं तु पञ्चरत्नोपशोभितम्
रत्नाङ्गी रत्नदेहा तु रत्नानां निर्णयं शृणु //
18.62
रत्नान्य् अमृतम् इत्य् उक्तं पञ्चधा त्व् अमृतं प्रिये
पिण्डबन्धं विना तेन जीवितं तु न विद्यते //
18.63
गगनामृतरत्नं तु स्वर्गरत्नामृतं तथा
पातालमर्त्यरत्नं च नारकं रत्नपञ्चकम् //
18.64
देवीदेहात् समुद्भूतं देवीदेहाद् विनिर्गतम्
ज्ञानवीर्यः सवीर्यस् तु अज्ञाते वीर्यहानिकृत् //
18.65
तृतीयं दशनं देव्या आत्महृत्स्थं नितम्बगम्
शिखान्तसहितं ह्य् एतत् स्तनवामोपरिस्थितम् //
18.66
कर्णभूषणवामस्थं बीजेनाहतमस्तकम्
पञ्चरत्नादियोगस्य पदोद्धारः प्रकीर्तितः //
18.67
प्राणं वह्निसमारूढं गुह्यशक्त्या विभूषितम्
बिन्दुमस्तक चाक्रान्तं पञ्चरत्नविभेदकम् //
18.68
एकैकं रक्षितं रत्नं योगिनीभिर् यथा यथा
तत् तथा शृणु कल्याणि व्याप्तिभेदो यथा स्थितः //
18.69
चतुःषष्टिगणं व्योम्नि द्वात्रिंसत् स्वर्गचारिणः
पातालं षोडशैर् व्याप्तं मर्त्यं चैवाष्टकान्वितम् //
18.70
निरयस्थास् तु चत्वारि रत्नानाम् अधिदेवताः
तद्दीप्तिभासका ज्ञाता अज्ञाता दीप्तिहारिकाः //
18.71
रत्नप्रभावम् अतुलं देदीप्यार्चिसमुज्ज्वलम्
तत्प्रभावाद् वरारोहे योगिन्यो बलवत्तराः //
18.72
अतोऽर्थं गोपयन्त्य् एतास् तद्वीर्यगुणवत्तराः
रक्षन्ति स्वामिनोद्दिष्टा अनादिष्टं हरन्ति ताः //
18.73
अमीषां दर्शनात् स्पर्शात् पदार्थपदयोगतः
दिव्यदेहत्वम् आप्नोति उच्चारात् क्षोभकृद् भवेत् //
18.74
षोडशावयवं पिण्डं षोढान्याससुयन्त्रितम्
श्लोकमालान्वितं दिव्यं तद्ग्रहावलिभूषितम् //
18.75
पञ्चरत्नकृताटोपं परास्यम् अकुलान्वितम्
एवं कृत्वा शरीरस्थं न्यासमण्डलभृत्तनुम् //
18.76
देव्या देहं परं ह्य् एतच् छाम्भवं पदपूर्वकम्
वडवानलयोगस्थं पददेहं पदोद्भवम् //
18.77
पददेहोपदेशेन योगीन्यासपरायणः
कृत्वा न्यासम् अशेषं तु यस् तिष्ठति सुभावितः //
18.78
तस्य दुष्टान्य् अनेकानि विघ्नानि प्रभवन्ति न
शाकिनीभूतवेतालाः पिशाचोरगराक्षसाः //
18.79
सिंहव्याघ्रगजा ऋक्षा दुष्टचित्तान्य् अनेकधा
ये हिंसन्ति यदालब्धं तेषां प्रत्यङ्गिरा भवेत् //
18.80
आपदो रक्षयेत् सर्वा आत्मनश् च परस्य च
प्रचण्डयोगिनीघ्रातो नीतो वा यमशासनम् //
18.81
न्यस्त्वा षोडशवारेयं सत्येदं न म्रियेत् तु सः
सकृन्न्यासे कृते देवि ब्रह्महत्यादिपातकैः //
18.82
सम्पर्के ऽपि न लिप्यो ऽसौ साधयेद् इतरांस् तु सः
सत्यं सत्यं पुनः सत्यं प्रत्यक्षेदं पराध्वरम् //
18.83
कृतन्यासः पतेत् पद्भ्यां यस्यासौ म्रियते ध्रुवम्
गुरोस् तु न पतेत् पादे यावेदं देहसंस्थितम् //
18.84
व्याधिदुःखं भवेत् तस्य यद्य् आक्रोशेन् म्रियेत् तु सः
ज्ञाते सति न कर्तव्यं यावद् गुरुकुले वसेत् //
18.85
गुरुहानिकृते शिष्यो न नन्दत्य् अवशं प्रिये
आज्ञानिष्ठो गुणश्रेष्ठः क्रमज्ञौघविशारदः //
18.86
स्वाधिकारी तु नान्यो वै वाचाज्येष्ठो ऽभिवादयेत्
पूर्वसिद्धेषु लिङ्गेषु सुसिद्धप्रतिमासु च //
18.87
कृतन्यासः पतेत् पादौ स्फुटत्य् आशु न संशयः
सदा प्रवर्तते यस् तु न्यासं देहस्य भाविनि //
18.88
अनुष्ठानाद् ऋते तस्य ऊर्ध्वेनोत्क्रमणं भवेत्
त्रिकालन्यासयोगेन अर्धरात्रे तथा पुनः //
18.89
अनेन विधिना कालं क्षपयन्ति महाम्बिके
अन्यं च परमं देवि ग्रन्थिभेदं सुदुर्लभम् //
18.90
हंसभेदप्रयोगेन न्यासं वक्ष्यामि दुर्लभम्
ओ-जा-पू-काम-मध्यस्थं हृन्नाभौ लिङ्गमध्यगम् //
18.91
पीठं वा पदसंयुक्तम् आद्यग्रन्थिचतुष्टयम्
ओघानन्दं जयानन्दं पुरानन्दं तृतीयकम् //
18.92
कमलानन्दसंयुक्तम् आद्यभेदचतुष्टयम्
डिक्करियाण लम्पार्णं महानन्दपुरं तथा //
18.93
कर्णौ मुखे तु नासाद्यं पीठं वा पदसंयुतम्
द्वितीयं पदग्रन्थीनां न्यासो ऽयं परिकीर्तितः //
18.94
अष्टकोटिसुविस्तीर्णं त्रिकोट्यर्धम् अतः शृणु
आमर्दकं धरापीठं गिराङ्कं रूपिणीपुरम् //
18.95
द्वौ शङ्खाव् ऊर्ध्वमायान्तं मध्यकोटिगतं न्यसेत्
पीठं वा पदसंयुक्तं त्रिस्थं ग्रन्थिचतुष्टयम् //
18.96
मायानिरोधिमध्यस्थम् अन्यग्रन्थिचतुष्टयम्
ज्ञानशृङ्गं रमाशृङ्गम् ऋषिशृङ्गं तृतीयकम् //
18.97
पूर्णशृङ्गसमायुक्तं पीठं वा पदसंयुतम्
सिद्धक्रमसमायुक्तं गुरुपङ्क्तिसमन्वितम् //
18.98
ज्ञानदृष्ट्या न्यसेत् तं तु चतुष्केदं कुलाकुलम्
एतत् कुलाकुलं दिव्यं सर्वसाधारणं परम् //
18.99
पदभुक्तिमतानां च पदेदं परिकीर्तितम्
अन्यत् परतरो देहः कोटिद्वादशम् आश्रितः //
18.100
अकुलीनपदाध्वानं निराधारं खगालयम्
अकुलव्याप्तिर् इत्य् एषा क्षेत्रपीठसमाकुला //
18.101
साचारकुलयोगीनां षण्नवत्यापदानुगा
चतुराशीतिपदैर् व्याप्तिः सा चान्यत्र प्रकाशिता //
18.102
येषां ते तु पुनस् तत्र व्यावृतन्ते पुनः पुनः
षण्नवतिपदो हंसः स चाम्नायविदां विदुः //
18.103
सिद्धकौलाभिपन्नानाम् इतरेषां न दर्शितः
तत्र दिव्यक्रमः पूज्यः पदचारेण योगिना //
18.104
येन गच्छेन् निराचारं तत् पदं परमं शृणु
द्वादशाधारमूर्ध्निस्थं चतुष्पीठसमुच्छ्रितम् //
18.105
क्षेत्राष्टकं ततो ऽधस्तात् सन्दोहानि ततो ऽप्य् अधः
षोडशैव प्रमाणेन चतुर्द्वारं ततस् त्व् अधः //
18.106
उपशब्दसमोपेतम् उपद्वारविवर्जितम्
अकुलीनशरीरेदं चतुःषष्टिपदान्वितम् //
18.107
तस्मात् सञ्जायते सर्वं सर्वं तत्रैव लीयते
तत्र ध्यानं जपं योगं तत्र पूजाक्रियाध्वरम् //
18.108
अत्र स्थितो न केनापि वस्तुना बाध्यते तु सः
परो ह्य् आत्मा परा विद्या परः शैवः सनातनः //
18.109
अकुलीनतनुर् बद्धः परतत्त्वत्रयेण तु
आत्मतत्त्वगतं पिण्डं सततं योगम् अभ्यसेत् //
18.110
विद्यातत्त्वगता मन्त्राः पदयोगसमन्विताः
शिवतत्त्वगतो योगं रूपाभ्यासं समभ्यसेत् //
18.111
शिवतत्त्वगतो योगं रूपातीतं तु तत्र वै
पिण्डं कुण्डलिनी शक्तिः पदं हंसः प्रकीर्तितः //
18.112
रूपं बिन्दुः समाख्यातं रूपातीतम् अनामयम्
कुलदेहं परित्यज्य अकुलीनवपुःस्थितः //
18.113
स च वै सकलः पिण्डः कौलिकानां कुजीमते
अपरं पाशवं सर्वं त्रितत्त्वगुणलक्षणम् //
18.114
शैवमार्गविहीनानां शैवानाम् अन्यधर्मिणाम्
प्रसिद्धेन तु मार्गेण प्रसिद्ध्यर्थं भजन्ति ते //
18.115
अप्रसिद्धोज्झिते सिद्धा न पश्यन्त्य् अकुलां तनुम्
अकुलेन विना सिद्धिर् ऐहिका पात्रिका न हि //
18.116
प्रसिद्धविहिते मार्गे मोक्षश् चात्र न संशयः
अप्रसिद्धगता ऋज्वी षोडशान्तामृताह्रदम् //
18.117
आपूर्य पूरयेत् सर्वं जीवान्तं जीवरूपिणी
सुप्रसिद्धाक्षभूता तु कालसङ्ख्याकरी तु सा //
18.118
संसारे तु गतिस् तस्या मोक्षमार्गनियामिका
विंशत्येकसहस्राणि षट्शतैश् च समन्विता //
18.119
संसारी कुरुते सङ्ख्या ह्य् अहोरात्रोपदेशतः
अपरेण तु मार्गेण संसारपथलक्षणम् //
18.120
अहोरात्रेण लक्षैकं कालसङ्ख्यां करोति सः
सप्तादशानि लक्षाणि कोटिर् एका त्व् अहमिशि //
18.121
चतुराशीति पदेत्य् एवं कालः कलति सर्वथा
पदमार्गविदानां तु सकलाद् अजरामरः //
18.122
शिवमार्गविदानां तु सिद्धमार्गे ऽन्यथा शृणु
कोटिद्वादशकोपेतं कोटिलक्षचतुष्टयम् //
18.123
अहोरात्राक्षसूत्रस्य सङ्ख्येयं ह्य् अकुले तनौ
अकुलेशतनुं यावत् साचारं कुलयोगिनाम् //
18.124
तच्छरीरभृतानन्दो निराचारपदं व्रजेत्
कुलाध्वरपदं हृत्स्थं तत्रस्थं परमं क्रमम् //
18.125
पूजयेद् धृत्स्तनौ नाभिं सिद्धाव्वापीठपादुकौ
श्रीमद्बर्बरम् ओड्डीशं पदस्थौघमहार्णवम् //
18.126
पूजयित्वा स्मरेत् तस्थाम् अब्देनोक्तफलं लभेत्
द्विभिस् तु अधमा सिद्धिस् त्रिभिर् मध्यमतां व्रजेत् //
18.127
षड्भिर् द्वादशकाब्देन खेचर मध्यमोत्तमः
अधमं भूचरं कर्म मध्यमं बिलसाधनम् //
18.128
उत्तमोत्तमसिद्धीभिः खेचरः खेचरोर्ध्वगः
एवं देवि समस्तेदं पदयोगक्रियाध्वरम् //
18.129
कथितं सरहस्यं तु पदमार्गं सुदुर्लभम्
पदस्यापि हि रूपो ऽस्ति रूपातीतं तु सङ्क्रमः //
18.130
हंसज्ञानपदं प्रोक्तं रूपस्थं शृणु साम्प्रतम् //
18.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते चतुष्कस्य पदभेदम् अष्टादशमः पटलः
Kapitel 19 – Devanagari
19.1
रूपं तु द्विविधं प्रोक्तं स्थूलसूक्ष्मं प्रकीर्तितम्
स्थूलम् एकविधं भद्रे सूक्ष्मरूपम् अनन्तगम् //
19.2
कण्ठकूपादितः कृत्वा निरोध्यान्तम् अपश्चिमम्
रूपोपलब्धिसंस्थानं विज्ञानानन्दपूरितम् //
19.3
प्रमाणं रूपमार्गस्य विंशत्कोट्येकसंस्थितम्
मायावधिस् तु कूपादौ अत्र विज्ञानसम्भवः //
19.4
एतद् रूपपदैर् व्याप्तं रूपचक्रसमन्वितम्
कोटिशः कोटिशश् चक्रं चक्रे चक्रे चतुष्टयम् //
19.5
विज्ञानानां वरारोहे प्रभावो ऽस्यानुशीलय
चतुराशीति-म्-एकत्र क्रमात् स्थूलं पृथक् पृथक् //
19.6
कथयामि यथान्यायं चित्रभान्वादितः प्रिये
द्वितीयं वारुणं रूपं तृतीयं दण्डपाणिकम् //
19.7
प्राणरूपं चतुर्थं तु हंसरूपं तु पञ्चमम्
षष्ठम् आत्मवतं रूपं सप्तमं शक्तिपूर्वकम् //
19.8
अष्टमं ब्रह्मणो रूपं नवमं केशवात्मकम्
दसमं तु भवेद् रुद्रं चन्द्रम् एकादशं विधुः //
19.9
द्वादशं भास्करं रूपम् ईश्वराख्यं त्रयोदशम्
कोदण्डद्वयमध्यस्थं देदीप्यन्तं सुवर्चसम् //
19.10
कोदण्डतिर्यगौ द्वौ तु वामनौ कुब्जिकात्मकौ
कोदण्डान्तर्गतौ चान्यौ कर्णकुब्जान्तरे स्थितौ //
19.11
शङ्खरूपधरौ द्वौ तु साङ्ख्ययोगस्य दायकौ
अष्टादशम् अनन्ताख्यं पिङ्गलैकोनविंशमम् //
19.12
विंशमं सकलीशानं निरोधी चैकविंशमम्
वडवानलम् आसीनम् एकैकं चक्ररूपिणम् //
19.13
चिन्तयन्तः स्वभावेन अभावपदम् आश्रितः
अकुलेश्वररूपेण विज्ञानप्रभवो भवेत् //
19.14
यस्य यद् यादृशं रूपं तद् रूपं धरते तु सः
अवान्तरपदस्थस्य पारम्पर्योज्झितस्य च //
19.15
तस्य चाभ्यासयोगेन न सर्वज्ञपदानुगम्
यस्य यद् यादृशी व्याप्तिस् तत्रस्थस् तत्फलं लभेत् //
19.16
कारणान्ते महादेवो विभाति किरणोज्ज्वलः
सतताभ्यासयोगेन त्रिरब्दात् तत्पदं व्रजेत् //
19.17
निरोधिनीपदार्थानां महाग्रन्थिपदे स्थिता
तारयेद् विदिता सन्ती अविज्ञाता प्रपातयेत् //
19.18
महामायार्णवं घोरं तारयेद् विदिता सती
महान्तारीति सा प्रोक्ता सर्वरूपोपरिस्थिता //
19.19
तस्या रूपम् अजानन्तः स्थूलसूक्ष्मसुसूक्ष्मगम्
न पश्यन्ति गुणं रूपं यावद् एषां न सङ्क्रमेत् //
19.20
पूजिता ध्यायिता माता पूर्वोक्ते क्रममण्डले
अष्टकोटिसुविस्तीर्णे त्रिकोट्योर्ध्वगुणोज्ज्वले //
19.21
तत्रस्थोच्चारिता ध्याता पूजिता तु फलप्रदा
साधयेत् सर्वरूपाणि वटेन्दीकुसुमार्चिता //
19.22
रूपं देव्यास् तु पूर्वोक्तम् अशेषगुणशालिनम्
किं तु नोच्चारितं तस्य स्थूलदेहं यथा स्थितम् //
19.23
तस्य चोच्चारणाद् देवि प्रबुद्धकिरणोज्ज्वला
यष्टीहता भुजङ्गीव पातयेद् अवलोकनात् //
19.24
तद्वद् एषा महावीर्या महान्तारी महाबला
विद्यायष्टिहता सन्ती सृष्टिचक्रे ह्य् अनेकधा //
19.25
षट्प्रकारोपरिस्था सा षड्वक्त्रा बृहदोदरा
भुजैर् द्वादशकोपेता कोटराक्षा सुभीषणा //
19.26
वज्रहस्ता तु वज्रस्था षड्योगिकुलमध्यगा
षष्ट्ःईशानसमायुक्ता सिद्धपङ्क्तौ निवेशिता //
19.27
विद्यादण्डसमायुक्ता तस्योच्चारं शृणुष्व मे
योगिनीनां कुलेशा तु गोपितान्यत्र शासने //
19.28
हा स्वा यै प्रथमं पदं ण्डा क डु कु द्वितीयकम्
डु कु टी ङ्ग तृतीयं तु पि टी ङ्ग रि चतुर्थकम् //
19.29
पञ्च पञ्च तथा पञ्च स्वरूपाक्षरमालिका
एषा साङ्केतिका प्रोक्ता संस्फुटा गुरुवानने //
19.30
एषोपायो महान्तार्या दुर्लभः प्रकटीकृतः
तस्यैवोच्चारणात् सर्वं कम्पते डामरीगणम् //
19.31
संहारक्रमषट्कस्य वृद्धाज्ञेयं प्रकीर्तिता
आज्ञा क्रमति भक्तानाम् अभक्तानां न सङ्क्रमेत् //
19.32
किं तु चाराधिता किञ्चित् पारम्पर्यौघम् आगता
उच्चरन्तो हनेच् छैलान् क्रुद्धस्यान्येषु का कथा //
19.33
अस्या देव्यार्चने ध्याने जपे हवनतत्परः
स्थूलं संसाधयेत् सर्वं महामायान्तकावधिम् //
19.34
यत् सञ्चिन्तयते रूपं तत् सर्वम् इच्छया भवेत्
महामायाविना योगी मायैव गुणकृद् भवेत् //
19.35
भूगुणो भूचरे मार्गे जलरूपो जलेश्वरः
तेजस्वी तेजसो मार्गे वायोर् वायुभृतेश्वरः //
19.36
व्योम्नि व्योमाधिपो योगी पञ्चान्तगुणयोगतः
त्रिपञ्चवर्षाद् ऊर्ध्वं च सर्वज्ञो गुण-म्-ईश्वरः //
19.37
वटेन्दीवरमालाभिः पूजयन्तौघसन्ततिम्
साधयेन् निखिलं रूपं स्थूलसूक्ष्मम् अतीन्द्रियम् //
19.38
तत्प्रसादेन मायोर्ध्वं भित्त्वा शक्तित्रयं व्रजेत्
तत्रैव सा महामाया सूक्ष्मरूपा सुसूक्ष्मगा //
19.39
खेचरे ऽनेकरूपा सा सूक्ष्मसूक्ष्मतरा परा
दृश्यते मृगतृष्णेव गुर्वाज्ञातोपदेशतः //
19.40
अकुलेश्वरदेवस्य पदान्तम् अनुवर्तिनी
विशुद्धमालिनी ह्य् एषा तदाभ्यासेन सर्ववित् //
19.41
अभ्यासो ऽप्य् अस्य कर्तव्यः पृष्ठे दत्त्वा तु भास्करम्
प्रासादगृहवृक्षाणां सन्ध्याकालान्तरे स्थितः //
19.42
अथ चेद् वृक्षमूलाधो मध्याह्ने समुपस्थिते
पस्यते रूपभृत् सर्वं सूक्ष्मसूक्ष्माणवो ह्रदम् //
19.43
रूपम् अन्यद् वरारोहे शृणुष्व करणात्मकम्
येन साधयते रूपं खेचरादिम् अनुक्रमात् //
19.44
सर्वसाधारणं देवि न भवत्य् अफलप्रदम्
यावन् न तत्प्रसादेन गुर्वाज्ञातः प्रवर्तते //
19.45
शुभे ऽहनि मुहूर्ते वा शिष्यम् एकान्ततो नयेत्
आज्ञां दत्त्वा प्रपूजित्वा कृत्वा मण्डलकादिकम् //
19.46
ततोपरि च संस्थाप्य निर्मले गगनान्तरे
छायां निरीक्षयित्वा तु कण्ठकूपोपदेशतः //
19.47
ततो निरीक्षयेद् व्योमं साकारं रूपदर्शनम्
पश्यते भास्करं बिम्बं शिवरूपं सदाशिवम् //
19.48
तं दृष्ट्वा पातकानां च अवसानं भविष्यति
षण्मासाभ्यासयोगेन भूचरीणां पतिर् भवेत् //
19.49
त्रिरब्देन तु भूनाथो हर्ता कर्ता स्वयं प्रभुः
अवस्थां त्यजते सर्वां पञ्चावस्थापरं व्रजेत् //
19.50
निराचारेण योगेन तन् नास्ति यन् न साधयेत्
उक्तानुक्तं तु देवेशि सर्वम् अस्मात् प्रसाधयेत् //
19.51
सकृदभ्यासयोगेन मासे वा त्व् अयने ऽपि वा
विन्दते ह्य् आगतं कालम् आपदो वात्मनः परे //
19.52
कृष्णवर्णेन देवेन षण्मासान् म्रियते ध्रुवम्
वक्त्रमूर्ध्नि भयं विन्द्यान् मूर्ध्नि पातान् म्रियेद् ध्रुवम् //
19.53
लोहिते ब्रह्महत्या तु पीते व्याधिभयं भवेत्
पादौ यत्र न दृश्येते विदेशगमनं भवेत् //
19.54
ऊरुमार्गे भवेद् रोगं गुह्ये वै नश्यते प्रिया
उदरे अर्थनाशं तु हृदये मृत्युभाग् भवेत् //
19.55
भुजहीने पतेद् बन्धुर् वामे भार्याभयं भवेत्
षण्मासाल्लक्षयेत् सर्वम् आत्मनश् च परस्य वा //
19.56
उपदेशेन देवेशि शेषं च गुरवाननात्
रूपपूर्णह्रदान्तस्थो रूपस्थो निरपेक्षधीः //
19.57
सूक्ष्मसूक्ष्मान्तरूपेण रूपातीतपदं व्रजेत्
योगसिद्धा महादेवि दृश्यन्ते व्योमगागणाः //
19.58
बिन्दुरूपास् तु ते सर्वे क्वचिद् दृश्यन्ति न क्वचित्
घटाधारगतं प्राणं कूर्मयन्त्रेण पीडयेत् //
19.59
नोच्छ्वसेन् मासम् एकं तु तथ्यं भैरव-म्-अब्रवीत्
भैरवोवाच कल्याणि कुलरूपं प्रकाशितम् //
19.60
अकुलं व्यापकं रूपं सुसूक्ष्मं शृणु साम्प्रतम्
एकानेकविभागेन संस्थिता व्योममालिनी //
19.61
अमृताम्भोधिमध्यस्था चारस्था चारवाहिनी
इच्छारूपधरा देवी कुब्जिनीति कुजाम्बिका //
19.62
द्विभुजैकमुखी देवी अथानेकभुजानना
चारस्था चारमध्यस्था चारदेहा चलेश्वरी //
19.63
चन्द्रगर्भस्य चर्येयं चारवी चण्डचण्डिका
पीठमध्यगता पूज्या चन्द्रगर्भसमन्विता //
19.64
षोडशारकमध्यस्था चतुर्वर्गफलोदया
पीठपीठाधिपैर् युक्ता सर्वज्ञा सर्वदायिका //
19.65
आज्ञावबोधजननी दिव्यरूपप्रकाशिनी
अस्याः प्रगोपितं रूपं योगिनीभिर् वरानने //
19.66
तेन रूपवतानां तु रूपव्याप्तिर् न सिध्यति
देदीप्यन्ती महानन्दा सहस्रादित्यवर्चसा //
19.67
स्फुरन्ती मालिका दिव्या आज्ञातः सम्प्रवर्तते
सदोदितं सदानन्दं परानन्दप्रदायकम् //
19.68
कलातीतं तु कालान्तम् आज्ञारूपोज्ज्वलं परम्
अनन्तं सकलं ज्ञानं दिव्याज्ञापरमोज्ज्वलम् //
19.69
उत्तरस्य च षट्कस्य रूपेदं परसम्भवम्
दक्षिणस्यापि षट्कस्य शक्तियुक्तस्य वर्णितम् //
19.70
स्थूलरूपं वरारोहे सर्वत्रैव प्रकाशितम्
उत्तरं गोपितं रूपं देवताभिः सुसिद्धिदम् //
19.71
कस्मात् सिध्यति शीघ्रेदम् अन्यत्र क्षपणाकुलम्
भैरवेण तु रूपेण भैरवत्वं प्रसाधयेत् //
19.72
विघ्नजालोज्झितं ह्य् एतत् तेनेदं शीघ्रसिद्धिदम्
अत्र रूपसमालब्धः पूर्वोक्तं लभते फलम् //
19.73
अकुलक्रममार्गेण आज्ञायोगेन सर्वथा
अकुलीनक्रमान्तस्थः कुब्जीशपदम् आश्रितः //
19.74
प्राप्यते भैरवानन्दं समस्तानन्दपूर्वकम्
तोषितो ऽहं त्वया देवि तेनेदं संस्फुटं मया //
19.75
कीर्तितं तव कल्याणि सुगोप्यं रूपसाधनम्
सर्वतन्त्रेषु लुप्तेदम् ईषद् योगिमते स्फुटम् //
19.76
मौक्तिकावलिसादृश्यं सितरक्तं तु पीतगम्
ग्रीवा कुण्डलिनी तस्य वियोगं तु तदा भवेत् //
19.77
चञ्चुप्रसारणे वर्षं दुर्भिक्षं चञ्चुसम्पुटे
कृष्णवर्णे भवेन् मृत्युः षण्मासात् तु न संशयः //
19.78
सर्वम् एव न पश्येत सद्यम् एव विनश्यति
भ्रूमध्यगतम् आत्मानं षडङ्गेन महामते //
19.79
दृश्यते सूर्यवद् बिम्बं प्रत्यक्षं चाग्रतः स्थितम्
ह्रस्वे नीले भयं विन्द्याद् दीर्घे स्थूले ह्य् अरोगता //
19.80
धूम्रे उच्चाटनं प्रोक्तं रक्ते रोगं वरानने
कृष्णे ब्रह्मविनाशं वा मृत्युर् एवाभिजायते //
19.81
समले तु तथा हानिर् नीलमाले तथापदः
वायव्यां तु यदा धूम्रां मालां पस्यति योगवित् //
19.82
तदा उच्चाटनं देवि नैरृत्यां दंष्ट्रिणो भयम्
आग्नेय्यां तु यदा भिन्नां मालां पश्यति योगवित् //
19.83
देशभ्रंशो ऽ ग्निदाहश् च राजा चैव विनश्यति
मध्ये तस्य यदा छिद्रं पश्यते योगचिन्तकः //
19.84
मृत्युस् तस्य वरारोहे दिवसैर् दशभिर् भवेत्
ईशाने स्थावरभयं कौबेर्याम् अर्थसिद्धिदम् //
19.85
ऐन्द्र्यां वै स्थानलाभं च वारुण्यां सुखम् एधते
याम्यायां म्रियते देवि नात्र कार्यविचारणात् //
19.86
सम्पूर्णं सुसमं पीतं स्निग्धं रूक्षत्ववर्जितम्
सामलं सिद्धिदं प्रोक्तं जीवादित्यं वरानने //
19.87
श्रीमत्कुब्जिमते सर्वं संस्फुटं कथितं तव
मालिनी व्योमसंस्था च बिन्दुर् व्योमे तथैव च //
19.88
कुलाख्यं पुरुषं व्योमे रूपातीतम् अतः शृणु //
19.89
ऊचुस् त्व् एवं पुनर् भद्रे रूपातीतस्य निर्णयम्
शृणुष्व सर्वभावेन अवज्ञारहिता सती //
19.90
अमनस्कं मनोऽतीतं भावाभावविवर्जितम्
लयोच्चारविनिर्मुक्तं हेतुतर्कविवर्जितम् //
19.91
हेयोपायविनिर्मुक्तं श्रुतिदृष्टान्तवर्जितम्
नास्तिक्यभावसम्पन्नं शून्यभूतम् अनामयम् //
19.92
प्रमेयावलियोगस्य अतीतं कारणेश्वरम्
अतीन्द्रियम् अनाभाषं पराकाशं तु तद् विदुः //
19.93
तस्योपायम् इदं सर्वं योगमार्गक्रियाध्वरम्
साध्यते येन मार्गेण रूपातीतं तु तच् छृणु //
19.94
व्योमं कृत्वा समाकाशे स संस्मृत्य विलापयेत्
अस्मिन् तं तु चिदाकाशे बाह्याकाशे स एव हि //
19.95
पराकाशे परे स्थाने यानाकाशम् अतोर्ध्वतः
रूपातीतं ततश् चोर्ध्वे निःसन्दिग्धं पदं परे //
19.96
बहुनोक्तेन किं देवि पूर्वं व्यावर्णितं मय
गुरोर् अस्य प्रसादेन लभ्यते परमं पदम् //
19.97
पूर्वं व्यावर्णितं तुभ्यम् अदृष्टगुणलक्षणम्
एतत् सर्वं समाख्यातं शाम्भवस्य गुणास्पदम् //
19.98
निराचारेण मार्गेण शाम्भवं तु समभ्यसेत्
किम् अभ्यासः पुनस् तस्य यस्य सर्वं पुरःसरम् //
19.99
यस्य सम्भवितं शम्भुम् अनन्तगुणदायकम्
योगात्मा वै स सर्वत्र पूज्यते योगिनीकुले //
19.100
यदि शम्भुविधेर् भक्तः संसारे विरतात्मनः
स साधयति सर्वज्ञो देहेनानेन सर्वगः //
19.101
न ध्यानं न जपः पूजा मण्डलादिप्रपूजनम्
निराचारविधानेन देहेनानेन भैरवि //
19.102
आत्मानं पूजयेन् नित्यं यथालब्धोपजीवकः
अग्निवत् सर्ववर्णेषु स शीघ्रं फलभाग् भवेत् //
19.103
प्राकृताम् अधमां सिद्धिं मध्यमां चोत्तमां च याम्
उत्तमोत्तमतां यान्ति षड्भिर् मासैः क्रमात् क्रमात् //
19.104
अधिकारपदस्थेन कर्तव्यं विधिपूर्वकम्
गुरुमण्डलकाद्यं च पूर्वाम्नायप्रपूजनम् //
19.105
श्रुतं सर्वं च देवेश पदार्थानां च निर्णयम्
किम् आम्नायं कथं पूजा एतद् आचक्ष्व भैरव //
19.106
देव्युक्तं च वचः श्रुत्वा भैरवो हसिताननः
पूजाम्नायम् इदं सर्वं कथ्यमानं न बुध्यसि //
19.107
द्वीपाम्नायस् तु प्रथमो देव्याम्नायो द्वितीयकः
पीठाम्नायस् तृतीयस् तु सिद्धाम्नायश् चतुर्थकः //
19.108
अस्योद्धारणम् एकत्र पूजनं तत् प्रकीर्तिर्तम्
गुप्तदेशे सुगन्धाढ्ये विविक्तोपद्रवोज्झिते //
19.109
पीठाः पीठाधिपाः सिद्धाः पीठाम्बास् तत्समीपतः
पीठमध्यगतां देवीं चतुःसिद्धसमन्विताम् //
19.110
मण्डलोत्तरदिग्भागे गुरुपङ्क्तिं प्रपूजयेत्
एतद् आम्नायम् आख्यातं किं तु मण्डलकान्वितम् //
19.111
तलहस्तप्रमाणेन योन्यग्रे मण्डलादिकम्
पूज्यो ऽहं मण्डले तत्र नवात्मानपदाक्षरैः //
19.112
आनन्दपदसंयुक्तं शक्तिभैरवपूर्वकम्
भैरवेति पदं पश्चाद् वीराधिपतयेति च //
19.113
सषोडशपदैर् युक्तः पूजनीयो ऽत्र मण्डले
आम्नायमण्डलं ह्य् एतत् समेखलचतुष्कलम् //
19.114
सर्वम् एतत् क्रमाम्नायं मण्डलोपरि मण्डलम्
पूजितेन भवत्य् आसु तत् सर्वम् उदितं मया //
19.115
अलिना पूरितं पात्रं समयालब्धोदकं पृथक्
कर्मकाले प्रकर्तव्यं पूजान्ते ऽर्घनिवेदनम् //
19.116
चन्दनैर् धूपनैवेद्यैर् दद्याद् आचमनं पृथक्
तस्मात् क्रियाकलापेन आराधनविधिं यजेत् //
19.117
दीपोत्सवं सनैवेद्यम् अलिपात्रं सफल्गुषम्
चक्रपूजाविधिर् ह्य् एवं कुर्याद् आराधने विधौ //
19.118
अथवाम्नायम् आधारं दिव्यौघागमपद्धतिम्
पूजयेत् सर्वभावेन सर्वाम्नायं स गोपयेत् //
19.119
अथाद्यमण्डलं योनेस् तद्वद् अस्य दिने दिने
कुर्वन्तस्य परा व्याप्तिः क्रमोघं सम्प्रवर्तते //
19.120
ओघाधारम् इदं दिव्यम् आगमं यः पठेद् इदम्
पादुकौ पूजयित्वा तु चतुर्दश्याष्टमीषु च //
19.121
पुष्पावरणके दिव्ये वस्त्रमाल्योपशोभिते
दिव्यगन्धसुगन्धाढ्ये दीपमालोपशोभिते //
19.122
सौवर्णरजतादीभिस् ताम्रलोहशिलामृदा
भक्त्या-देवं स्वशक्त्या च पिष्टदीपान् घृतान्वितान् //
19.123
नैवेद्यफल्गुषालिभ्यां पुष्पधूपैर् अनेकधा
एवं कृत्वा ततः पश्चाद् व्याख्याने वाचने ऽपि वा //
19.124
गुरुमण्डलकं कुर्यात् त्रिष्कालं पुस्तकाग्रतः
अहं वै गुरवस् तस्य यत्रास्ते चागमः स्वयम् //
19.125
गुरुवच् च प्रमन्तव्यं विद्याबोधपरं गुरुम्
न विना च गुरोर् विद्या न विद्यारहितो गुरुः //
19.126
यथा गुरुस् तथा विद्या यथा विद्या तथा गुरुः
प्राप्तविद्या गुरोः पार्श्वे विद्याप्राप्ते गुरुत्वता //
19.127
एवं चाम्नायिको मार्गः सर्वथा ग्रन्थतो ऽर्थतः
वेत्ति सिद्धः स मे तुल्यः सामान्यस् तत्समो न हि //
19.128
एष ते कौलिको मार्गः परमार्थोपदेशतः
कुलं च कुलविद्यां च कुलमार्गं कुलक्रमम् //
19.129
चतुष्कं यो विजानाति स भवेत् कुलनन्दनः
चतुष्टयं समाख्यातं पृच्छ-म्-अन्यं यथारुचि //
19.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते चतुष्कनिर्णयो नाम एकोनविंशतिमः पटलः
Kapitel 20 – Devanagari
20.1
पुरा मह्यं त्वया देव द्वीपाम्नायः प्रचोदितः
परमार्थोपदेशेन यथा त्व् एवं वद प्रभो //
20.2
सत्येदं साधु देवेशि यत् त्वया परिपृच्छितम्
द्वीपाम्नायावतारं तु सुगोप्यं प्रकटामि ते //
20.3
आद्यकल्पावतारे तु उद्यानार्णवमध्यतः
कृष्णरक्तजनाकीर्णं देदीप्यार्चिसमप्रभम् //
20.4
ओघसृष्टेस् तु संस्थानं मातङ्गद्वीपम् उत्तमम्
द्वितीये ऽत्र परे कल्पे सिन्दूरारुणसप्रभम् //
20.5
पीतरक्तजनाकीर्णं ब्रह्मघ्नं द्वीपनायकम्
तेजःसृष्टेस् तु संस्थानं करालाग्निसमप्रभम् //
20.6
तृतीये द्वापरे कल्पे कुसुम्भोदकसन्निभम्
पीतारुणजनाकीर्णं रजसा द्वीपम् उज्ज्वलम् //
20.7
क्रीडासृष्टेस् तु संस्थानं चण्डोग्राक्षिसमप्रभम्
उद्यानभैरवाम्भोभिः कल्लोलालीसमाकुलम् //
20.8
महाकल्पे चतुर्थे तु पद्मरागसमप्रभम्
श्वेतरक्तजनाकीर्णं विशुद्धामोघसम्पदम् //
20.9
इच्छासृष्टेस् तु संस्थानम् अत्रोद्यानं महावनम्
गन्धमाल्यसुपुष्पाढ्यं महोच्छुष्मोपशोभितम् //
20.10
पञ्चमे दिव्यकल्पे तु चन्द्रकोटिसमप्रभम्
चन्द्रकान्तिमयं दिव्यं विशुद्धोदधिमध्यगम् //
20.11
कामानन्दजनाकीर्णं चतुःसृष्टिप्रवर्तकम्
अनेकानन्दसम्पन्नं चन्द्रद्वीपगुणावृतम् //
20.12
चतुर्वर्णगुणानन्दं चतुर्वर्गफलोदयम्
चतुर्मायाजनातीतं चतुर्थान्तमृतात्मकम् //
20.13
ज्ञानक्रियाम् अधिष्ठानम् अव्यक्ताव्यक्तरूपिणम्
सृष्टिसन्दोहम् आनन्दं चन्द्रद्वीपगुणास्पदम् //
20.14
पञ्चद्वीपोपचारो ऽयम् उपद्वीपान्य् अतः शृणु
चत्वार्य् एव सबीजानि व्यक्तिं यान्ति कुलाध्वरे //
20.15
उपद्वीपारुणं चाद्यं वारुणं तु द्वितीयकम्
नरसिंहं तृतीयं तु लोकालोकं चतुर्थकम् //
20.16
द्वीपोपद्वीपसम्भूतं सर्वम् एतच् चराचरम्
व्यक्ताव्यक्तं तु तं यस्मात् कारणं तं निगद्यते //
20.17
परे चत्वारि द्वीपानि चत्वार्य् एवं पराणि च
चन्द्रद्वीपं परं तेभ्यो मध्यस्थं व्यक्तिकारणम् //
20.18
द्वीपसृष्टिपरानन्दम् उद्यानार्णवमध्यगम्
लक्षितव्योपदेशेन शेषान्यद् विस्तृतं पुरा //
20.19
द्वीपानन्दं कथं देव कथितं तु मया श्रुतम्
तथापि मे मनोग्लानिः कथयस्व यथा स्फुटम् //
20.20
व्याप्यव्यापकभावेन यत्स्थाने संस्थितानि तु
यस्माद् उत्पत्तिसंस्थानम् एतत् सर्वं वद प्रभो //
20.21
साधु साधु महाभागे साधु मालिनि सर्वथा
पृच्छितं शृणु कल्याणि निरवद्यं वदामि ते //
20.22
आदौ षोडश पीठानि पीठे द्वीपसमुद्भवः
तानि द्वादशधा विद्धि एकैकं च पृथक् पृथक् //
20.23
कुलचक्रसमायुक्तं त्रिःप्रकारं विलक्षयेत्
पीठोपपीठसंयुक्तं क्षेत्रसन्दोहलक्षितम् //
20.24
उपक्षेत्रोपसन्दोहे द्वे द्वे पीठसमावृते
लक्षितव्यानि यत्नेन उपास्य गुरवं प्रिये //
20.25
चतुस्त्रिंशति द्वीपानि द्वीपस्थं त्रिचतुष्टयम्
मातराणां वरारोहे एकैकस्मिन् व्यवस्थितम् //
20.26
दूरस्थानि पुरस्थानि देहस्थानि विलक्षयेत्
तैर् विना साधनं सिद्धिर् यत्नेनापि न जायते //
20.27
इतरस्य बहिस्थानि क्षेत्रस्थानि तु साधके
देहस्थानि तु तस्यैव किं त्व् एवं हि स मुक्तिभाक् //
20.28
कुरुते यत्र संस्थानं क्वचित् साधकपुङ्गवः
साधनं मन्त्रयोगस्य लिङ्गसंस्थापनेऽपि वा //
20.29
प्रतिमा चाधिकारार्थं ज्ञात्वा स्थानं समाश्रयेत्
अन्यथा नैव भुक्तिस् तु द्वन्द्वद्वेषो रुजान्वितः //
20.30
द्वीपं द्वीपाधिपं देव्या द्वीपनाथसमन्वितम्
पीठभिन्नक्रमं ज्ञात्वा सिध्यते ह्य् अविचारतः //
20.31
क्षेत्रग्रामपुरस्यैव पीठस्य नगरस्य वा
ज्ञात्वा पञ्चसु संस्थानं संस्थानं कारयेत् तदा //
20.32
पञ्च पञ्च तथा पञ्च पञ्चमान्तं कुलान्तिकम्
चलसौम्ये चतुष्कं तु ईश्वरैकं दिशादितः //
20.33
पीठव्यूहवरं मध्ये द्वीपव्यूहं बहिस्थितम्
पुरं नाम भवेद् यत्र तां दिशं तु समाश्रयेत् //
20.34
अस्थिगूथावृतं चापि दोषैर् द्विष्टं यथा भवेत्
तथापि भोगम् आप्नोति तत्स्थानन्यासयोगतः //
20.35
नाक्षरेण भवेन् मन्त्रं योगश् चैव गुणान्वितः
अक्षरेणापि मन्त्रस्य किं तु तत्स्थानयोगतः //
20.36
मन्त्रस्थापितलिङ्गानि निस्फुराणि यशस्विनि
दृश्यन्ते स्थानहीनानि सिद्धैः संस्थापितानि तु //
20.37
स्थानवैकल्यभावेन यस्याश्चर्यं कुलेश्वरि
स्वतेजोदीपितं शम्भुं क्वचिद् दृश्यति निस्फुरम् //
20.38
सर्वज्ञं सर्वदं मन्त्रम् अजस्रं भावपूर्वकम्
सर्वदं सर्वकालस्थं कालरूपामृतात्मकम् //
20.39
गोपितं सर्वतन्त्रेषु द्वीपाम्नायेन गोपितम्
द्वीपाक्षरं तथा वारं तिथिनक्षत्रसंयुतम् //
20.40
साधकाक्षरसंयुक्तं मन्त्रम् एतत् सुरार्चितम्
पीठयुक्तं प्रमेयेन भिद्य पीठेन चेतरम् //
20.41
दश-म्-एकादशेनैव कूटस्थं वा समेकतः
पुरस्याद्यक्षरं वापि स्वस्थाने क्षोभकृद् भवेत् //
20.42
सर्वस्यापि हि क्षेत्रस्य प्रवेशे जपम् आरभेत्
स्वस्थानात्मकमन्त्रेण स्वस्थानेन पुरं विशेत् //
20.43
दिशाम् आलोक्य जप्तव्यं सप्तवारावधि प्रिये
तावत् क्षुभ्यति तत् क्षेत्रं बालवृद्धयुवान् अपि //
20.44
स्थितिर् वै यत्र मन्तव्या तत्रैव विधिम् आचरेत्
सकृद् अन्यत्र चोच्चारं जपमानं पुरं विशेत् //
20.45
तत्रान्नपानशयनं किञ्चिद् दुःखं न जायते
यः पुनः सर्वभावेन भक्तियुक्तः समभ्यसेत् //
20.46
द्वीपस्थानं समास्थाय स्वेष्टमन्त्रस्य साधयेत्
तत्रापि तस्य सिद्धीनि भवन्त्य् अष्टविधा प्रिये //
20.47
द्वीपाधिपम् अजानन्तो वर्षपूर्णशतेन वा
तथापि न हि सिध्यन्ति योगाद् ध्यानाच् च मन्त्रिणः //
20.48
पीठाधिपतयः प्रोक्ताः षोडशैव वरानने
तैस् तु व्याप्तम् इदं सर्वं चतुस्त्रिंशान्तगोचरम् //
20.49
द्वीपाधिपतयः प्रोक्ताश् चतुस्त्रिंशति केवलाः
पीठाधिपतिभिर् युक्ताः पञ्चाश पतयस् तु ते //
20.50
आद्यन्तसंस्थितं भद्रे मध्ये लिङ्गस्य लक्षयेत्
पीठग्रामपुरस्यापि लक्षयित्वा निराकुलम् //
20.51
पालकस्याक्षरं यत्र यद् इदं न तद् आदिमम्
कस्मात् पीठेषु अधिपाः पीठभिन्नं न पूजयेत् //
20.52
न गुरुं नादिमं चान्तं न मध्यं पीठसंयुतम्
केवलं यदि लभ्येत तदाद्यं तु सुरार्चिते //
20.53
लिङ्गसंज्ञा तु नामस्य सर्वतो अधिपावृतम्
तस्माद् एकतमं गृह्य लिङ्गमूलं यद् अक्षरम् //
20.54
तं तु गृह्य विकल्पेन मध्यान्तं वर्जयेत् प्रिये
एवं ज्ञात्वा ततः सिद्धिर् जायते निर्विकल्पतः //
20.55
अविज्ञाय न पूज्येतां यस् तु कुर्वीत साधनम्
मम तुल्यास् तु कुर्वन्ति विघ्नं वै पालकाः प्रिये //
20.56
अत्र सारतरं प्रोक्तं निश्चयम् अधिपान् प्रति
श्रुतं देवि त्वया सर्वं नाम पञ्चाशकेष्व् अपि //
20.57
अघोर्याडामरे तन्त्रे सूचितो ऽप्य् अस्य निर्णयः
संस्फुटं सर्वभावेन निर्णीतं कुब्जिनीमते //
20.58
कथं देव स्थिता देहे पीठद्वीपाधिपाश्रयम्
क्व स्थाने संस्थिता देव एतद् आचक्ष्व निश्चयम् //
20.59
शृणु देवि यथा देहे पीठैः षोडशभिः शिरः
आवृतं वंशगुह्यान्तं द्वीपैः कोदण्डकावधिम् //
20.60
ग्रीवाधो वांशमार्गेण कन्दोर्ध्वं याव संस्थितम्
पञ्च द्वीपानि देवेशि ब्रह्मण्याधिष्ठितानि तु //
20.61
पञ्च नाभिगता भद्रे माहेश्यालङ्कृतास् तु ते
जठरे पञ्च वैष्णव्या कौमार्य् एव हृदि स्थिता //
20.62
पञ्चद्वीपान्विता काली कण्ठान्ते संव्यवस्थिता
ऐन्द्र्य् आकाशपदस्था तु चतुष्कपरिवारिता //
20.63
चतुर्द्वीपसमायुक्ता चामुण्डा तु भ्रुवोत्तरे
महाकाली तु कोपस्था संहारपथवर्तिणी //
20.64
देव्याधिष्ठानद्वीपेषु यो यत्रान्तव्यवस्थितः
दण्डधारी प्रचण्डश् च दंष्ट्राली वज्रतुण्डकः //
20.65
त्रिजटी शङ्खतुण्डश् च कपाली त्रिशिरस् तथा
एते वर्गाधिपाः प्रोक्ता अष्टौ वसुमहाबलाः //
20.66
यां दिशं संस्थितास् ते वै तन्मुखस् तु प्रपूजयेत्
सबाह्याभ्यन्तरं मत्वा ततो ऽसौ सिद्धिभाजनः //
20.67
एष देवि समासेन द्वीपाम्नायः प्रकाशितः
शेषो ऽन्यो विस्तरो ऽप्य् अस्य कुलसारे वदाम्य् अहम् //
20.68
विज्ञान ऋद्धिसम्पन्नं ज्ञानमण्डलपूरितम्
तेनेदं श्रीमतं प्रोक्तं भुक्तिमुक्तिप्रदायकम् //
20.69
ज्ञातेन तन्त्रसारेण अनुष्ठानं विना प्रिये
भाजनो भुक्तिमुक्तीनां यद्य् एवं गोपयेत् सुधीः //
20.70
श्रीमतेन विना युक्ताः खण्डज्ञानविमोहिताः
हस्त्यन्धवद् विभज्यन्ते दृष्तिहीना यतस् तु ते //
20.71
आगतं तु गजं श्रुत्वा अन्धवृन्देन सौ वृतः
पुच्छकर्णाङ्घ्रिहस्ताभ्यां पृष्ठकुक्षोदरेषु च //
20.72
येन यत्र गजः स्पृष्टस् तद्भावस् तेन मन्त्रितः
पुच्छहस्ता वदन्त्य् एवं गजो ऽयं चामराकृतिः //
20.73
कर्णलग्नास् तु सूर्पेव पादलग्नोखलं यथा
भित्तिरूपं तु कुक्षिस्था पृष्ठस्था गृहरूपिणः //
20.74
स्तम्भोभौ हस्तलग्नौ तु मुषलौ दन्तिदन्तगौ
एवम् अन्धगना मूढा अन्योन्यं स्पर्धयन्ति ते //
20.75
अन्यैश् चक्षुर्युतैस् त्व् एवं युध्यमानाः परस्परम्
तान् दृष्ट्वा हास्यम् आरब्धं तं श्रुत्वा विस्मितास् तु ते //
20.76
अथ श्रुत्वा महाहास्यं किमर्थं हसिता वयम्
ऊचुस् त्व् एवाक्षियुक्तेन मा युध्यैवं विमोहिताः //
20.77
दृष्टिहीनास् त्व् अहो तुभ्यं हस्तिरूपो ऽन्यथा स्थितः
हस्तिनो ऽङ्गानि सर्वाणि यानि स्पृष्टानि तत्परैः //
20.78
पटलान्तरिता दृष्टिर् गत्वा वैद्यम् उपाश्रयेत्
येन पश्यसि सर्वाङ्गं श्रीकुब्जौघमहागजम् //
20.79
गजो यथान्धवृन्दस्य तथा ज्ञानं प्रवर्तते
आज्ञाक्रमं विना लोकस् तत्क्रमं कुब्जिनीमते //
20.80
कथितं निरवद्यं ते गजस्यावयवो यथा
गजाङ्गन्यायतो यत्र दक्षवामोर्ध्वकौलिके //
20.81
सर्वं सम्पादितं तुभ्यम् आज्ञानन्दकुलार्णवम्
इदानीं शृणु कल्याणि कालचक्रं यथास्थितम् //
20.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते चन्द्रद्वीपावतारो नाम विंशतिमः पटलः
Kapitel 21 – Devanagari
21.1
लक्षाचारमनोरूपाः शक्तयो वीर्यसंस्थिताः
रुद्रशक्तिसमावेशास् ताभिर् आत्मनिबृंहणम् //
21.2
शिवचैतन्ययोगेन शक्तिचैतन्यबृंहणम्
शक्तिचैतन्ययोगेन जीवचैतन्यबृंहणम् //
21.3
जीवचैतन्ययोगेन मन्त्रचैतन्यबृंहणम्
मन्त्रचैतन्ययोगेन पिण्डचैतन्यबृंहणम् //
21.4
पिण्डचैतन्ययोगेन बाह्याचारस्य बृंहणम्
चैतन्येन विना सर्वम् अस्वतन्त्रं शिलादिवत् //
21.5
निष्क्रियं चेतनाहीनं मृतदेहोपमं प्रिये
अग्निचैतन्ययोगेन जलम् अप्य् अत्र दाहकम् //
21.6
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन विद्यावीर्यचिदात्मकम्
धरामण्डलगर्भे तु द्वीपदेशान्तरं यजेत् //
21.7
द्वादशैवात्र योगिन्यो द्वादशारे प्रपूजयेत्
कर्णिकायां यजेद् देवं शब्दराशिं सलक्षणम् //
21.8
कुमारी सिंहलद्वीपं सुवर्णं च तृतीयकम्
कर्णप्रावरणं चान्यं स्वामुखं देशम् उत्तमम् //
21.9
कुलूतम् ओड्डियानं च एभिर् देशैर् यजेत् सुधीः
जालन्धरं च विख्यातम् एकपादं तथापरम् //
21.10
पारसौकुलविख्यातं कुशद्वीपं च शाल्मली
पर्णद्वीपं कुमाराख्यं यवद्वीपं तथापरम् //
21.11
देशं तु कामरूपाख्यं पुष्करद्वीपम् एव च
अपरं कटाहद्वीपं चीनदेशम् अतः परम् //
21.12
चन्द्रद्वीपं जनद्वीपं रत्नद्वीपं सुशोभनम्
रसद्वीपं च गोमेदं गर्भोदं सूर्यद्वीपकम् //
21.13
आसवद्वीपं विख्यातं मरुदेशसमन्वितम्
वसन्तं महासरद्वीपम् अमृतद्वीपम् एव च //
21.14
द्वीपम् आनन्दगन्धर्वौ अग्निद्वीपं महावनम्
अङ्गारद्वीपपर्यन्तं नग्नद्वीपावसानगम् //
21.15
एषां द्वीपाधिपानां च नामं वक्ष्यामि तच् छृणु
क्षेत्रपाला महारौद्रा रक्षां कुर्वन्ति साधके //
21.16
विद्रुमो गस्तिनश् चण्डस् तथा यक्षो गणाधिपः
महाभृगुर् जयो नाम महाजिह्वस् तु विक्रमः //
21.17
ध्वाङ्क्षश् च जयभद्रश् च पीठे पीठे समासते
महादिव्यो दधीचिश् च कुमारीशस् तथापरः //
21.18
महाधंष्ट्रः करालीशः श्रुतीधरो निगद्यते
महाध्वाङ्क्षो महानन्दी सुगन्धी च गोपालकः //
21.19
पुष्पदन्तो धनाढ्यश् च विपुलो नन्दकारकः
शुक्रो विडालो द्वाव् एतौ शुकारुणशुभाननौ //
21.20
रतिप्रियसुरप्रियौ द्वौ चित्राङ्गसुदुर्जयौ
रसनो विडालः प्रद्युम्नः क्षेत्रपालाः कुलक्रमे //
21.21
मनोहरा रूपिणी देवी चित्रा चित्ररथा तथा
चित्राङ्गी चित्ररेखा च विचित्रा चित्रना शुभा //
21.22
चित्राक्षी चित्ररूपा च सुभद्रा कामदा शुभा
ककारस्य इमा देव्यः कन्यद्वीपाधिकरिणी[ः] //
21.23
क्षेत्रपालो महाविष्णुश् चक्रहस्तो महाबलः
क्रूरा च पिङ्गला चैव खड्गिका लम्पटा सती //
21.24
दंष्ट्राली राक्षसी ध्वाङ्क्षी लोलुपा लोहितामुखी
बह्वाशी च विरूपा च लम्पटा आमिषप्रिया //
21.25
खकारस्य इमा देव्यः सिंहलद्वीपम् आश्रिताः
क्षेत्रपालो महायोगी अगस्तिश् च महा-ऋषिः //
21.26
सुप्रकीर्णा प्रकीर्णा च लम्बा लम्बमुखी तथा
लम्बोष्ठी दीर्घदंष्ट्रा च लम्बजा प्राणहामुखी //
21.27
गजकर्णा सुकर्णा च महाकाली सुभीषणा
वातवेगा रवा घोरा गकारे देवताः स्थिताः //
21.28
स्वर्णद्वीपाधिकारिण्यश् चण्डनाथो महाबलः
घनरवा घोरघोषा महाघोषातिघोषिका //
21.29
घण्टा घण्टेश्वरी घोरा महाघण्टा सुघण्टिका
अतिघण्टातिघोरा च कलकलारवेति च //
21.30
घकारे देवता ह्य् एताः कर्णाप्रावृतमण्डले
यक्षराजा महादेवः क्षेत्रपालो महाबलः //
21.31
विभूतिर् भोगदा कान्तिः खड्गिनी पद्मिनी तथा
गान्धारि योगमाता च सुधारा परमोज्ज्वला //
21.32
सेहारी मांसहारी च प्राणहारी बलापहा
ऋच्छिका गृध्रतुण्डी च रेवती रङ्गिसंज्ञिका //
21.33
ङकारे देवता ह्य् एताः स्वामुखे मण्डले स्थिताः
राज्यं पालयते देशे कवर्गे उत्तरापथे //
21.34
क्षेत्रपालो गणपति रक्षां कुर्वन्ति साधके
चण्डा चण्डमुखी चण्डा चण्डवेगा महारवा //
21.35
भृकुटी चण्डवीर्या च चण्डभ्रू चण्डनायिका
चञ्चला चलवेगा च चलजिह्वा चलेश्वरी //
21.36
चकारे देवता ह्य् एताः क्षेत्रपालो महाजयः
कुलूतदेशवासिन्यो रक्षां कुर्वन्ति साधके //
21.37
कालरात्री च वेताली कङ्काली च करङ्किणी
किङ्किणी चण्डघोषा च अट्टहासा महारवा //
21.38
चण्डमातङ्गी चण्डाली सूकरी कुक्कुटी तथा
गन्धारी डोम्बी चम्पाक्षी छकारे देवताः स्मृताः //
21.39
नायिका ओड्डियाने तु क्षेत्रपालो महाभृगुः
ज्वलिनी ज्वालिनी चैव महाज्वालावती प्रभा //
21.40
तेजा तेजवती वह्निः सुतेजा निर्मलोज्ज्वला
ज्वालावती कराली च विस्फुलिङ्गा शिखाशिखी //
21.41
जकारे देवता राज्ञः सर्वसत्त्ववशङ्करी[ः]
जालन्धरे च देवेशे क्षेत्रपालो महाजिह्वः //
21.42
सुभद्रा भीमभद्रा च भद्रा चैव शुभानना
भीमा भीमवती कान्ती कङ्काली च करालिनी //
21.43
भद्रकाली सुकाली च विकटा कङ्कटेति च
चार्वाकी लम्पटी चैव झकारे देवताः स्मृताः //
21.44
मण्डले एकपादे तु महामाया बलोत्कटाः
चित्रसेनो महावीरः क्षेत्रपालो महाभयः //
21.45
सुभटोद्भटा विकटा कुटिला चैव कङ्कटा
वीरमाता सुवीरा च खड्गिनी शूलिनी खरा //
21.46
छुच्छुन्दरी विडाली च ञकारे देवतागणाः
पारसे तु महादेव्यो अधिकारं प्रकुर्वते //
21.47
ध्वाङ्क्षो नामेति विख्यातः क्षेत्रपालो भयानकः
राजा दक्षिणदेशे तु चवर्गे च क्रमीश्वरी //
21.48
मृगा च शशिरेखा च हरिणी रोहिणी तथा
अमृतोद्भवा पर्णजीवी जीवरक्षा सुजीविका //
21.49
हरिणाक्षी सुजीवा च चन्द्रोदयामृतोद्भवा
टकारे देवता ह्य् एताः कुशद्वीपे व्यवस्थिताः //
21.50
क्षेत्रपालो जयभद्रः कुशद्वीपप्रपालकः
व्योमनी व्योमरूपा च व्योमव्यापी शुभोदया //
21.51
ग्रहचारी सुचारी च विषहारी विषान्तिका
जृम्भोद्याना च फेत्कारी देवकी दुर्जया महा //
21.52
ठकारे देवताः पूज्याः शाल्मलीद्वीपम् आश्रिताः
क्षेत्रपालो महादिव्यः कपालहस्तो महाबलः //
21.53
चञ्चला चपला चण्डा डमरी डामरी शुभा
डिण्डिनी मुण्डिनी मुण्डा शाकिनी डाकिनीति च //
21.54
कर्तनी काकिनी देवी हट्टकी डाकिनी महा
डकारे देवता ह्य् एताश् चीनद्वीपे व्यवस्थिताः //
21.55
दधीचिः क्षेत्रपालस् तु तत्र देशे प्रपूजयेत्
यमदंष्ट्रा महादंष्ट्रा अन्त्रमाला करालिका //
21.56
विकराला करालिन्या तालजङ्घा सुजङ्घिका
लोहजङ्घातिजङ्घा च महावेगातिवेगगा //
21.57
वज्रशङ्खी नटी चैव बला चैव तथापरा
ढकारे देवता नाम कुमारीद्वीपम् आश्रिताः //
21.58
क्षेत्रपालः कुमारीशो रक्षपालस् तथैव च
बला चातिबला चैव अजिता चापराजिता //
21.59
जया च विजया देवी जृम्भनी स्तम्भनी तथा
अन्धनी मोहनी माया निगडा कीलनी तथा //
21.60
यवद्वीपे स्थिता देव्य अधिकारं प्रकुर्वते
महादंष्ट्रस् तु विख्यातः क्षेत्रपालो महाबलः //
21.61
णकारे देवता ह्य् एताः कामरूपनिवासिताः
दन्तुरा रौद्रभाषा च अभ्रमाल कुलासुभा //
21.62
चलजिह्वाग्रणेत्रा च रुरु[र्] हूंकारिका तथा
खादका रूपनाम च संहारी च क्षयान्तिका //
21.63
कण्डनी पेषणी चैव महाग्रासी कृतान्तिका
तकारे देवताः ख्याताः पुष्करद्वीपम् आश्रिताः //
21.64
नायका देवता नाम क्षेत्रपालः श्रुतीधरः
डम्भकी डिम्भिडिम्भा च कैवर्तरजलेहिका //
21.65
द्रवणी द्रावणी क्षोभा प्लवनी प्लावनीति च
मदोत्कटा मदक्षोभा मदवाहा महाबला //
21.66
कामसन्दीपनी देवी अतिरूपा मनोहरा
थकारे देवता नाम संस्थिता[ः ] परतीरके //
21.67
क्षेत्रपालो महाध्वाङ्क्षः खड्गहस्तो महाबलः
अरुणा घोषदेवी च रेवती घोरदायिका //
21.68
स्तम्भनी घोररक्षा च घोररूपा च घोरिणी
घोरघोरतराघोरा घोरा विकटनायिका //
21.69
वानरी क्रोष्टकी चैव सुरासवमधुप्रिया
दकारे देवता राजाश् चीनदेशे सुवासिताः //
21.70
क्षेत्रपालो महानन्दी शूलहस्तो महाबलः
भीमरावा सुरावा च संस्तारी सवराक्षिका //
21.71
स्तम्भनी रोषणी रौद्रा रुद्रवत्या छलापहा
महाशक्तिः क्षान्तिशीला वज्रतुण्डी वृकोदरी //
21.72
धकारे देवता ह्य् एताः पूजनीयाः सदा बुधैः
क्षेत्रपालः सुगन्धी च गन्धर्वो वीणहस्तकः //
21.73
चन्द्रद्वीपे सुवासिन्यो आर्तानाम् आर्तिनाशनी[ः]
कलनी कृन्तनी काली कालसंवर्तनी कला //
21.74
अन्तेष्ठी च प्रतिष्ठा च शान्तिपुष्टिकरी तथा
जया धृतिकरी सौम्या कामदा शुभदानना //
21.75
सुतेजा काममतिका नकारे देवताः शुभाः
जनद्वीपरता नित्यं साधकानां तु वत्सलाः //
21.76
क्षेत्रपालस् तु गोपालो धर्मज्ञः सत्यवादिनः
धर्मा धर्मवती शीला पापहा धर्मवर्धनी //
21.77
धर्मरक्षितवार्ता च धर्माधर्मवतीति च
धर्मकर्ता धर्मप्रिया धर्मसन्दीपनीति च //
21.78
पकारे देवता राजा रत्नद्वीपार्णवे स्थिताः
क्षेत्रपालो महाकायस् तस्मिन् देशे ऽ धिपो महान् //
21.79
सुमतिर् दुर्मतिर् मेधा विमला मनविकाशिनी
शुद्धिर् बुद्धिर् मतिः कान्तिर् बलोत्साहनवर्धनी //
21.80
बला चातिबला चैव प्राणवृद्धिकरी परा
निर्लेपा निर्घृणा माया सर्वपापक्षयङ्करी //
21.81
फकारे देवता राजा सरद्वीपे सुवासिनः
पुष्पदन्तस् तु विख्यातः क्षेत्रपालो महाबलः //
21.82
रक्ता चैव विरक्ता च उद्वेगा शोकवर्धनी
कामतृष्णा क्षुधा मोहा निद्रालसभया जरा //
21.83
सुकृष्णा रोदनी कुष्मा मलाङ्गी शिशुनाशनी
बकारे देवता राजा ह्य् एता गोमेदमण्डले //
21.84
धनदो नाम विख्यातः क्षेत्रपालो महायशः
तृष्णा च कामदा भोगा निर्दुःखा सुखदा तथा //
21.85
आनन्दा च सुनन्दा च महानन्दा शुभङ्करी
वीतरागा महोत्साहा जितरागा मनोरमा //
21.86
भकारे देवता ह्य् एता मध्ये गर्भोदमण्डले
विपुलो नाम विख्यातः क्षेत्रपालो महाबलः //
21.87
मनोन्मनी मनःक्षोभा मदोन्मत्ता मदाकुला
मदा गजमदा नाम कामानन्दसुविह्वला //
21.88
महावेगा सुवेगा च महावेगा क्षणापहा
क्रमणी चैव नामा च क्रामणी च तथापरा //
21.89
सूर्यद्वीपे महायोगी[ः] सर्वाः कनकपिङ्गलाः
मकारस्य इमा देव्यो राजा अधिपतिर् महान् //
21.90
आनन्दो नाम विख्यातः क्षेत्रपालः सदा स्थितः
हयवेगा सुवेगा च अतिवेगवती महा //
21.91
चक्रवेगा विरुद्धा च चलचित्तवती मती
रोदनी क्षोदनी बाला ऽतिरोषा कलहप्रिया //
21.92
विद्रुता त्रासनी देवी मनोवेगा च चञ्चला
यकारे देवता राजा आसवद्वीपसंस्थिताः //
21.93
शुक्रो नामेति विख्यातः क्षेत्रपालो महाबलः
विद्युज्जिह्वा महाजिह्वा शृङ्गाटा कुटिला स्फुटा //
21.94
ज्वाला चैव सुज्वाला च महाज्वाला तथैव च
ज्वालावती विस्फुलिङ्गा ज्वालाभस्मक्षयान्तका //
21.95
रकारमध्यगा देव्यो मरुदेशाधिपो महान्
विडालः क्षेत्रपालश् च महाबलपराक्रमः //
21.96
उल्लेखा च पताका च भोगा भोगवती महा
महाभोगातिभोगा च भोगाढ्या भोगपारगा //
21.97
ऋद्धिर् वृद्धिर् धृतिः कान्तिर् लकारे देवताः शुभाः
वसन्तद्वीपवासिन्यः क्षेत्रपालश् च कारुणी //
21.98
वरिष्ठा च परा दिव्या अमृता तु फलाशिनी
हरिणाक्षी सुवर्णा च कनकरेणुपिञ्जरा //
21.99
रत्ना च रत्नद्वीपा च सुद्वीपा रत्नमालिनी
रत्नशोभा महाशोभा रोमशोभा पराद्युतिः //
21.100
वकारे देवता ह्य् एताः सरद्वीपाधिवासिता[ः]
क्षेत्रपालस् तु विख्यातः शुभाननो बलोत्कटः //
21.101
सवरी बर्बरी गृध्री घण्टकर्णा खरानना
हयग्रीवा च जङ्घा च सर्वग्रासा कृतान्तका //
21.102
सर्वाशी च महाभक्षा महादंष्ट्रातिरौरवा
शकारे देवता नाम कथिताश् च महायशाः //
21.103
अमृतासवद्वीपे च क्षेत्रपालो रतिप्रियः
रागा रागवती क्रोधा महाभोगा च रौरवा //
21.104
क्रुद्धनी रोषणी कलहा कलकाली कलान्तिका
दुर्भेद्या दुर्भटा चैव दुमिरीक्षा सुभीषणा //
21.105
यमान्तका कली नाम षकारे देवताः शुभाः
आनन्दद्वीपवासिन्यो देव्यो अक्षययौवनाः //
21.106
देवश् च क्षेत्रपालो ऽत्र सुरासववरप्रियः
नटी नाटी कुनाटी च वाटकी हाटकी विटी //
21.107
कङ्कटा विकटा चैव सुभटा च भटोद्भवा
सकारे देवता नाम गान्धर्वद्वीपवासिनः //
21.108
वीणावंशरता देवी नोदं गन्धर्वकिन्नरैः
चित्राङ्गः क्षेत्रपालश् च मेरूर्ध्ववलये स्थितः //
21.109
नादाक्षी नादरूपा च सर्वाकारी गमागमा
अन्तचारी सुचारी च ऊर्ध्वनादी सुवाहिनी //
21.110
संयोगा च वियोगा च हंसाख्या च विसालिनी
अङ्गारद्वीपवासिन्यो हकाराक्षरसम्भवाः //
21.111
विडालो नाम विख्यातः क्षेत्रपालो महाबलः
सर्वग्रासी कृतान्ती च पवनी पावनी तथा //
21.112
भेदनी छेदनी चैव सर्वकारी क्षुधाशनी
उच्छुष्मा देवगान्धारी भस्मान्ता वडवानला //
21.113
बह्वाशी अग्निद्वीपा च क्षमा क्षेमकरी परा
क्षकारे देवता ह्य् एता नग्नद्वीपरताः प्रिये //
21.114
प्रद्युम्नः क्षेत्रपालश् च महाबलपराक्रमः //
21.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते द्वीपाम्नायो नाम एकविंशतिमः पटलः
Kapitel 22 – Devanagari
22.1
श्रुता देव महाव्याप्तिः समस्तव्यस्तविस्तरात्
इदानीं श्रोतुम् इच्छामि त्वत्सकाशान् मनोद्भवाम् //
22.2
अपरां देहजैर् भिन्नां शब्दराशिं सभैरवम् //
22.3
साधु भद्रे पुनः साधु महावस्तुप्रबोधके
तद् अहं सम्प्रवक्ष्यामि सिद्धकौलं महातपे //
22.p-1
महाकल्पान्तसंहारे महाप्रलयम् अद्भुतम्
22.4
सूर्यकोटिकराभासं विद्युच्छटलताकुलम्
कालाग्निशिखराटोपं शूलज्वालोर्मिसङ्कुलम् //
22.5
विस्फुलिङ्गज्वलन्तौघैर् महाज्वालार्चिवर्तुलम्
ज्वालामालाकुलोज्ज्वालैः करालैर् भीमभीषणैः //
22.6
स्वर्गपातालभूर्लोकैर् अन्तरीक्षैर् दिशो दश
मच्छरीरे समुत्पन्ना महाक्रोधसमुद्भवा //
22.7
अकारादिक्षकारान्ता एकैकाक्षरभेदिता
भैरवावलिनी देवी विलोमेन समुद्धरेत् //
22.8
तद् अहं सम्प्रवक्ष्यामि शृणु कुब्जि महाधिपे
क्ष ह स आदितः कृत्वा अकारान्तेन सम्पुटम् //
22.8
क्ष क्रोधावलि अ अनन्त अजर भैरव
ह हंसावलि आ महानन्द आपकुम्भ भैरव
स आनन्दावलि इ प्रचण्ड इडाचार भैरव
ष गर्भावलि ई डामर इन्द्रमूर्ति भैरव
श संहारावलि उ उद्यान उल्कास्य भैरव
व अमृतावलि ऊ वसन्त ऊष्माद भैरव
ल विपुलावलि ऋ ऋपुदर्प ऋपुसूदन भैरव
र कालान्तकावलि ॠ कृतान्त ॠमुक्त भैरव
य प्रचण्डावलि ऌ प्रसन्न ऌप्तकाय भैरव
म महामोहावलि ॡ महामाया ॡपाद भैरव
भ भूतभयावलि ए रौद्र एकदंष्ट्र भैरव
ब वडवामुखावलि ऐ महादंष्ट्र ऐरावत भैरव
फ लम्पटावलि ओ कङ्काल ओघाम्बु भैरव
प पवनावलि औ अनङ्ग औषधीघ्न भैरव
न कुसुमावलि अं स्वच्छन्द अंजन भैरव
ध विपुलावलि अः मन्मथ अःह्वकायभैरव
द सुरतावलि क उन्मत्त कम्बल भैरव
थ कूर्मावलि ख मेघनाद खरुषानन भैरव
त त्वरितावलि ग कराल गोमुख भैरव
ण मन्दरावलि घ विकराल घण्टाल भैरव
ढ खट्वाङ्गावलि ङ महाबल ङणनान्तभैरव
ड चन्द्रावलि च असिताङ्ग चण्डधार भैरव
ठ वज्रावलि छ उल्क छटाटोप भैरव
ट मन्थावलि ज एकपाद जटालाक्ष भैरव
ञ कान्तावलि झ कपाल झङ्कीश भैरव
झ अम्बिकावलि ञ व्योम ञभटेश्वर भैरव
ज भेदकावलि ट वेताल टङ्कपाणि भैरव
छ कृतान्तावलि ठ आमर्दक ठानुबन्ध भैरव
च चतुर्भुजावलि ड महासाह डामर भैरव
ङ योगावलि ढ रुरु ढढृकर्ण भैरव
घ भूतावलि ण भुवन णतीकान्त भैरव
ग अभयावलि त विभूति तडिद्भास्वर भैरव
ख चर्चकावलि थ ऊर्ध्वसेफ थविर भैरव
क भस्मान्तकावलि द क्रूर दन्तुर भैरव
अः सृष्टिकावलि ध लोहित धनद भैरव
अं विजयावलि न लम्पट नागकर्ण भैरव
औ ब्रह्मावलि प चर्चक प्रचण्ड भैरव
ओ सद्योजातावलि फ ....... फेत्कार भैरव
ऐ फेत्कारावलि ब अचिन्त्य वीरसिंह भैरव
ए कर्णमोटावलि भ महादेवाङ्ग भृकुटि भैरव
ॡ महामोहावलि म महाकालाग्नि मेघभासुर भैरव
ऌ महामायावलि य मार्तण्ड युगान्त भैरव
ॠ गान्धारावलि र प्राण रौरव भैरव
ऋ पुष्पावलि ल अनन्त लम्बोष्ठ भैरव
ऊ शब्दावलि व उच्छुष्म वसल भैरव
उ महाघोषावलि श महायश शुकतुण्ड भैरव
ई सूक्ष्मावलि ष महोद्यान षटालाक्ष भैरव
विद्यावलि स अमृत सुनास भैरव
आ व्यापकावलि ह शुभङ्कर हूहूक भैरव
अ महामायावलि क्ष प्रलयान्तक क्षयान्त भैरव ॥
22.9
एष क्रोधो महादेवि मम हृदयनिःसृतः
पञ्चाशभैरवोपेता मालिन्या सह संयुता //
22.10
अनेन न्यासमात्रेण सकलीकृतविग्रहः
चिन्तयेद् देहम् आत्मानम् उक्तलक्षणसंयुतम् //
22.11
संहरन्तं जगत् सर्वम् छिन्दन्तं पाशपञ्जरम्
निर्दहन्तं जगत् सर्वम् भस्मकूटं विचिन्तयेत् //
22.12
अकारादिक्षकारान्तं पशुदेहे विचिन्तयेत्
अधोमुखोर्ध्वपादान्तं संहारानलमध्यगम् //
22.13
संवर्तानलदह्यन्तं चतुर्दशवियोजितम्
तद्बीजं सम्प्रवक्ष्यामि महाक्रोधस्य भैरवि //
22.14ab
मन्त्रसारं वरारोहे शृणु त्वं भावितात्मना //
22.14
ॐ हूं क्षः हूं फट् ह्रीं छ्रीं क्षः श्लीं फ्रें ह्रूं हूं हूं फट् ॥
22.14cd
क्रोधहृदयानुजा देवी महाभैरवम् अब्रवीत् //
22.15
कुजाख्यमन्त्रम् उच्चार्य त्रैलोक्यम् अपि संहरेत्
कैलासम् अपि पातयेद् वाचासिद्धिः प्रवर्तते //
22.16
एकैकाक्षरसम्भिन्नाम् उद्धरामि परापराम्
अकारादिक्षकारान्तं नामं वक्ष्यामि पार्वति //
22.p-4
%%२२.१६अ अ अनन्तावलि क्ष गगनवीर
आ प्रलयान्तकावलि ह भुवनवीर
अनन्तशक्त्यावलि स विजयवीर
ई हंसावलि ष अजयवीर
उ मोहावलि श महा-अजयवीर
ऊ क्रियाशक्त्यावलि व अङ्कुरवीर
ऋ बृहोदरावलि ल संहारवीर
ॠ रिपुमर्दकावलि र कुमारवीर
ऌ विद्याशक्त्यावलि य महायशवीर
ॡ इच्छावलि म महासाहसवीर
ए रत्नावलि भ प्रचण्डवीर
ऐ विज्ञानशक्त्यावलि ब महार्णववीर
ओ लोहितावलि फ महामरवीर
औ उल्कावलि प महादम्भकवीर
अं लोलुपावलि न चर्चिकवीर
अः बर्बरावलि ध प्रमथवीर
क पवनावलि द कनकवीर
ख लम्पटावलि थ खरोदकवीर
ग मातावलि त गरुडवीर
घ रौद्रावलि ण मेघनादवीर
ङ सर्वभक्षावलि ढ महागर्जनवीर
च ज्येष्ठावलि ड चर्वकवीर
छ अम्बिकावलि ठ छेदकवीर
ज वेदावलि ट त्रिशिखवीर
झ क्रोधावलि ञ मारीचिवीर
ञ ब्रह्मघोषावलि झ विधानवीर
ट सर्ववीरावलि ज विकटवीर
ठ वज्रकावलि छ वसन्तकवीर
ड कन्यावलि च अभयवीर
ढ प्रसन्नावलि ङ विपक्षवीर
ण महाक्रोधावलि घ महाबलिवीर
त डामरावलि ग कटङ्कटवीर
थ महादंष्ट्रावलि ख डमरुकवीर
द आधारावलि क धर्मवीर
ध आसन्नावलि अः महातिबलवीर
न उज्ज्वलावलि अं सर्ववीर
प सागरावलि औ महाकायवीर
फ त्रिभुवनावलि ओ वरलामुखवीर
ब वलयावलि ऐ भस्मान्तकवीर
भ निद्रावलि ए दुर्जयवीर
म सन्ध्यावलि ॡ महावेतालवीर
य चन्द्रवीणावलि ऌ महारौरववीर
र मन्मथावलि ॠ महादुर्धरवीर
ल व्योमावलि ऋ महाभोगवीर
व ऊष्मावलि ऊ वज्रवीर
श सितावलि उ कालाग्निवीर
ष महामायावलि ई सर्वलोकवीर
स सर्वदेवतावलि इ महानादवीर
ह योगावलि आ परापरवीर
क्ष अनन्ताख्यावलि अ महाक्षयान्तवीर
22.17
अथापरा परा ख्याता महामाया परापरा
मन्त्रगर्भा महादेवी विश्रुता भुवनत्रये //
22.18
य्र्यौं र्र्यौं ल्र्यौं व्र्यौं श्र्यौं ष्र्यौं स्र्यौं ह्र्यौं क्ष्र्यौं कामाख्यस्य ह्स्र्यौं पूर्णगिरि स्म्र्यौं ओड्डियान क्ष्म्र्यौं जालन्धर ।
श्री हा क डो क श्री कामरिवाडी श्री देववाडी श्रीं ह्रीं अमृतविद्ये पुत्रं देहि आयुं देहि यशं देहि ॥
22.18
प्रमादाल्लोपम् आयाते सिद्धे समयमण्डले
साधकस्य भवेद् ग्लानिः क्लिष्टो विघ्नैः प्रबाध्यते //
22.19
का गतिस् तस्य देवेश कथं शुद्धिम् अवाप्नुयात्
तम् आचक्षस्व सर्वज्ञ समयघ्नः शुध्यते यथा //
22.20
अट्टहासादितः कृत्वा राजगृहम् अपश्चिमम्
आयुधैः सहितां देवीं क्षेत्रपालसमन्विताम् //
22.21
क्षेत्रोपक्षेत्रसन्दोहैः सेवनान् निर्मलो भवेत्
अथाशक्तः प्रमादी वा पीठसङ्कीर्तनात् प्रिये //
22.22
सम्यक् शुद्धिम् अवाप्नोति प्रातर् उत्थाय यः पठेत्
तद् अहं सम्प्रवक्ष्यामि समयानां विशुद्धये //
22.23
अट्टहासे कदम्बस्थां सौम्यास्यां वज्रधारिणीम्
महाघण्टसमोपेतां प्रणमामि सिवङ्करीम् //
22.24
चरित्रायां करञ्जस्थां कृष्णाख्यां शक्तिधारिणीम्
महाबलसमोपेतां प्रणमामि सुसिद्धिदाम् //
22.25
अग्निकेन समोपेतां दण्डहस्तां नगौकसाम्
कोलागिर्ये महालक्ष्मीं नौमि लक्ष्मीविवर्धनीम् //
22.26
ज्वालामुखीं श्रीजयन्त्यां निम्बस्थां खड्गधारिणीम्
महाप्रेतसमोपेतां नौमि सर्वार्थसिद्धिदाम् //
22.27
अश्वत्थस्थां महामायाम् उज्जैन्यां पाशधारिणीम्
महाकालसमोपेतां नौमि सर्वार्थसिद्धिदाम् //
22.28
उडुम्बरतलावस्थां वायुवेगां ध्वजायुधाम्
प्रयागे पवनोपेतां नौमि शत्रुविनाशनीम् //
22.29
वाराणस्यां तु तालस्थाम् ऊर्ध्वकेशीं गदायुधाम्
प्रणम्य शिरसा देवीं शाङ्करीं शाङ्करान्विताम् //
22.30
कर्णमोटीं वटस्थां तु सशूलां हेतुकान्विताम्
श्रीकोटे श्रीपदां नौमि राज्यसम्पददायिनीम् //
22.31
विरजायाम्बिकदेवीं मुद्रापट्टिशधारिणीम्
अनलेन समोपेतां प्रणमामि जयावहाम् //
22.32
ऐरुड्याम् अग्निवक्त्रां तु वज्रशक्तिधरां शुभाम्
घण्टारवसमोपेतां नमामि रिपुनाशनीम् //
22.33
मुषलायुधहस्तां तु महाजङ्घसमन्विताम्
नमामि शत्रुभङ्गार्थे पिङ्गाक्षीं हस्तिनापुरे //
22.34
एलापुरे खरास्यां तु पाशहस्तां महाबलाम्
गजकर्णसमोपेतां नौमि दुष्टप्रमर्दनीम् //
22.35
काश्मर्यां चैव गोकर्णां मुद्रालकुटधारिणीम्
तडिज्जङ्घसमोपेतां नमामि रिपुमर्दनीम् //
22.36
करालेन समोपेतां नमाम्यङ्कुशधारिणीम्
क्रमणीं मरुदेशे तु त्रैलोक्याकृष्टिकारिकाम् //
22.37
रोमजङ्घसमोपेतां नगरे तु हलायुधाम्
चैत्रकच्छनिवासां तु नमामि धनसिद्धये //
22.38
कुम्भकेन समोपेतां खट्वाङ्गकरभूषिताम्
नमामि पापशुद्ध्यर्थं चामुण्डाम् पुण्ड्रवर्धने //
22.39
परस्तीरे प्रसन्नास्यां वज्रशृङ्खलधारिणीम्
नमामि त्रिजटोपेतां भेदस्तम्भनकारिकाम् //
22.40
पृष्ठापुरे विद्युन्मुखीं दण्डशक्त्यायुधोद्यताम्
नमामि घनरवोपेतां भेदजृम्भनकारिकाम् //
22.41
उल्कामुखसमोपेतां कुहुद्यां तु महाबलाम्
मुद्रालकुटधारिण्यां नौमि दुष्टाङ्गभञ्जनीम् //
22.42
पिशिताशसमोपेतां नौमि कट्टारिकोद्यताम्
सोपारे अग्निवक्त्रां तु अमित्रपशुदारिणीम् //
22.43
क्षीरिके लोकमातां तु खड्गहस्तां नमाम्य् अहम्
महामेरुसमोपेतां महतार्तिनिकृन्तनीम् //
22.44
वज्रायुधधरां सौम्यां भीमाननसमन्विताम्
स्तम्भाकृष्टिकरीं देवीं मायापुर्यां तु कम्पिनीम् //
22.45
महाक्रोधसमोपेतां पूतनाम्रातिकेश्वरे
गदाहस्तायुधां नौमि ताडनाकृष्टिकारिकाम् //
22.46
राजगृहे भग्ननासां महाकर्णसमन्विताम्
वज्रशक्तिधरां नौमि अशेषफलदायिकाम् //
22.47
क्षेत्रोपक्षेत्रसन्दोहे स्थितभूचक्रमातराम्
क्षेत्रपालसमोपेतां कीर्तयेद् यः समाहितः //
22.48
प्रातर् उत्थाय मन्त्रज्ञः स्वप्नकाले ऽथवा सुधीः
युक्तो ऽपि पातकैर् घोरैर् मातॄणां सम्मतो भवेत् //
22.49
मातृहा पितृहा चैव ब्रह्मघ्न गोघ्न एव च
वीरद्रव्यापहारी च प्रमादात् समयच्युतः //
22.50
मन्त्राचारविलुप्तो ऽपि पीठसङ्कीर्तनात् प्रिये
पापकञ्चुकम् उत्सृज्य नैव पश्यति दुर्गतिम् //
22.51
यः पुनः शुद्धभावात्मा त्रिष्कालं परिवर्तयेत्
प्राप्नोति चिन्तितान् कामान् स्त्रीणां भवति वल्लभः //
22.52
कुण्डे ऽथ मण्डले वाथ प्रतिमायां पटे ऽपि वा
लिङ्गे दक्षिणमूर्तौ वा जलमध्ये गतो ऽपि वा //
22.53
त्रिष्कालम् एककालं वा यः पठेद् यस् तु भावितः
विषशस्त्रज१आग्निभ्यो व्याधिभूतग्रहैर् अपि //
22.54
अजितः सुचिरं कालं जायते निरुपद्रवः
महाभये समुत्पन्ने कपिलागोमयेन तु //
22.55
चतुर्दिक्षु चतुर्विंश कारयेन् मण्डलानि तु
पूर्वम् उत्तरतश् चैव वारुण्यां दक्षिणेन तु //
22.56
षट्कं षट्कं तु कर्तव्यं तत्र पूज्य क्रमेण तु
श्मशानकल्पवृक्षे तु योगिन्यः क्षेत्रपास् तथा //
22.57
पूर्वे तु श्वेतपुष्पैस् तु दक्षिणे पीतपुष्पकैः
पश्चिमे रक्तपुष्पैस् तु उत्तरे कृष्णपुष्पकैः //
22.58
सायुधान् श्वेतपुष्पैस् तु गन्धैर् धूपैर् मनोरमैः
मध्ये तु कलशं स्थाप्य दिव्यतोयपरिप्लुतम् //
22.59
चतुर्विंशति दीपांश् च स्थाने स्थाने प्रदापयेत्
चतुर्विंशति पीठांश् च क्रमेण परिवर्तयेत् //
22.60
अहोरात्रोषितो भूत्वा निशाम् एकां सुयन्त्रितः
प्रभाते विमले मन्त्री वीरभोज्यं तु कारयेत् //
22.46
राजगृहे भग्ननासां महाकर्णसमन्विताम्
वज्रशक्तिधरां नौमि अशेषफलदायिकाम् //
22.47
क्षेत्रोपक्षेत्रसन्दोहे स्थितभूचक्रमातराम्
क्षेत्रपालसमोपेतां कीर्तयेद् यः समाहितः //
22.48
प्रातर् उत्थाय मन्त्रज्ञः स्वप्नकाले ऽथवा सुधीः
युक्तो ऽपि पातकैर् घोरैर् मातॄणां सम्मतो भवेत् //
22.49
मातृहा पितृहा चैव ब्रह्मघ्न गोघ्न एव च
वीरद्रव्यापहारी च प्रमादात् समयच्युतः //
22.50
मन्त्राचारविलुप्तो ऽपि पीठसङ्कीर्तनात् प्रिये
पापकञ्चुकम् उत्सृज्य नैव पश्यति दुर्गतिम् //
22.51
यः पुनः शुद्धभावात्मा त्रिष्कालं परिवर्तयेत्
प्राप्नोति चिन्तितान् कामान् स्त्रीणां भवति वल्लभः //
22.52
कुण्डे ऽथ मण्डले वाथ प्रतिमायां पटे ऽपि वा
लिङ्गे दक्षिणमूर्तौ वा जलमध्ये गतो ऽपि वा //
22.53
त्रिष्कालम् एककालं वा यः पठेद् यस् तु भावितः
विषशस्त्रज१आग्निभ्यो व्याधिभूतग्रहैर् अपि //
22.54
अजितः सुचिरं कालं जायते निरुपद्रवः
महाभये समुत्पन्ने कपिलागोमयेन तु //
22.55
चतुर्दिक्षु चतुर्विंश कारयेन् मण्डलानि तु
पूर्वम् उत्तरतश् चैव वारुण्यां दक्षिणेन तु //
22.56
षट्कं षट्कं तु कर्तव्यं तत्र पूज्य क्रमेण तु
श्मशानकल्पवृक्षे तु योगिन्यः क्षेत्रपास् तथा //
22.57
पूर्वे तु श्वेतपुष्पैस् तु दक्षिणे पीतपुष्पकैः
पश्चिमे रक्तपुष्पैस् तु उत्तरे कृष्णपुष्पकैः //
22.58
सायुधान् श्वेतपुष्पैस् तु गन्धैर् धूपैर् मनोरमैः
मध्ये तु कलशं स्थाप्य दिव्यतोयपरिप्लुतम् //
22.59
चतुर्विंशति दीपांश् च स्थाने स्थाने प्रदापयेत्
चतुर्विंशति पीठांश् च क्रमेण परिवर्तयेत् //
22.60
अहोरात्रोषितो भूत्वा निशाम् एकां सुयन्त्रितः
प्रभाते विमले मन्त्री वीरभोज्यं तु कारयेत् //
22.61
ततः क्षमापयेत् पीठान् प्रणिपत्य पुनः पुनः
निर्विघ्नस् तु ततो मन्त्री क्षिप्रं भवति सिद्धिभाक् //
22.62
उपसर्गग्रहादिभ्यः क्षयकुष्ठज्वरादिभिः
मुच्यते सर्वरोगैश् च धनवान् अपि जायते //
22.63
कन्या मनेप्सितान् कामान् लभते चाभिषेकतः
पुत्रार्थी लभते पुत्रान् कामुकः सुभगो भवेत् //
22.64
विद्यार्थी लभते विद्यां वणिग् वै लाभम् अश्नुते
मन्त्राराधनशीलश् च जायते निरुपद्रवः //
22.65
योगाभ्यासरतो नित्यं प्राप्य सिद्धिं परं ययौ
द्वीपाम्नायप्रसङ्गेन सर्वम् एतत् प्रकाशितम् //
22.66
समस्तव्यस्तव्याप्तिस् तु क्षेत्रोपक्षेत्रसंयुतम्
यत् त्वया पृच्छितं सर्वं कालज्ञानं कुजेश्वरि //
22.67
तद् अहं सम्प्रवक्ष्यामि भक्तानां भक्तिवत्सले
सर्वं सम्पादितं तुभ्यम् आज्ञानन्दक्रमार्णवम् //
22.68
इदानीं शृणु कल्याणि कालचक्रं यथा स्थितम् //
22.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते समस्तव्यस्तव्याप्तिर् नाम द्वाविंशतिमः पटलः
Kapitel 23 – Devanagari
23.1
कालचक्रं वरारोहे आत्मनश् च परस्य च
ज्ञात्वा व्यपोहयेत् कालम् उत्क्रान्तिं वा सलक्षणम् //
23.2
येन जानाति देवेशि साधको निश्चयात्मकः
शृणु त्वं परमानन्दं सुगोप्यं प्रकटामि ते //
23.3
कालं तु त्रिविधं प्रोक्तं परं चैव परापरम्
अपरं तु कलाधारं कालस्य वशसंस्थितम् //
23.4
त्रुटिलवात् परः कालः कालोन्मेषात् परापरः
मन्वन्तरादिकाष्ठादौ स कालः कलते तनुम् //
23.5
कल्पे परापरे काले स्थित्वा कालस्य वञ्चनम्
परात् परतरे काले स्थितौ कालस्य कालकृत् //
23.6
इति मत्वा परं कालं मानभूतं गुरोर् मुखात्
ततः कुर्वन्ति सर्वत्र ज्ञानक्रीडाम् अशङ्किताम् //
23.7
परं तु षण्णवत्योर्ध्वं षण्णवत्या परापरम्
चतुराशीतिप्रमाणेन अपरं कलनात्मकम् //
23.8
पञ्चकेन निबद्धं तु पञ्चत्वं याति शीघ्रतः
नन्दाभद्रादियोगेन जयारिक्तादिपौर्णिमा //
23.9
पञ्च पञ्च तथा पञ्च मासा-ऋत्वयनावधिम्
संवत्सरं युगं चेति मन्वन्तरसकल्पकम् //
23.10
एवं कलन्ति तं कालं पञ्चपञ्चान्तकावधिम्
कालावधिस्थितान् द्वीपान् द्वीपैः पीठान् विदुर् बुधाः //
23.11
पीठान्तस्थानि तत्त्वानि पञ्च भूतानि तेषु वै
एकैकं पञ्चकावृत्तं पञ्चविंशान्तकाविधिम् //
23.12
स्वरपञ्चकयुक्तानि संसरन्ति कलार्णवे
पद्मनाडीनिबद्धेताः कालयन्त्रोपरिष्ठिताः //
23.13
जीवतोयं हरत्य् आशु शोषयन्ति क्षणे क्षणे
चन्द्रसूर्यकरैः कृत्वा कृतान्तो वाहने क्षमः //
23.14
जीवार्णवं समस्तेदम् आकृष्य च पुनः पुनः
सिञ्चयेत् क्षयवृक्षाणि जरामृत्युफलार्थिनः //
23.15
एवं ते त्रिविधः कालः कथितस् तु सुविस्तरः
लक्ष्यते यै रुतैः सो हि तन् निबोधयतः शृणु //
23.16
बहिरङ्गान्तरङ्गानि ज्ञात्वा वञ्चयते यथा
वञ्चितुं यो न शक्येत स याति गुरुसन्निधौ //
23.17
स्वप्ने वा यदि प्रत्यक्षं समाधिगुणयोगतः
विवर्णां पश्यते छायां जीवेद् वर्षत्रयं तु सः //
23.18
उत्तराभिमुखो भूत्वा पश्यते दक्षिणादिशम्
विवर्णं पूर्वम् आख्यातं मासैकं त्रिदिनोज्झितम् //
23.19
शुद्धनिर्मलम् आदित्यं विरश्मिं यदि पश्यति
वर्षद्वयेन मन्तव्यं मृत्युम् आत्मनि विन्दति //
23.20
अरुन्धतीं ध्रुवं चैव सोमच्छायां महापथम्
यो न पश्यति देवेशि न जीवेद् वत्सरात् परम् //
23.21
मध्ये छिद्रं चन्द्रमसि यस् तु पश्यति भामिनि
मृत्युं तस्य विजानीयान् मासे चैकादशे तथा //
23.22
भग्नशाखाद्रुमं पश्येद् गन्धर्वनगरं तथा
पश्येत् प्रेतपिशाचांश् च दश मासान् स जीवति //
23.23
यस्य वै स्नातमात्रस्य हृदि पादौ च शुष्यति
धूमो वा मस्तके वास्ति अष्टमासान् स जीवति //
23.24
अग्रतः पृष्ठतो वापि खण्डं यस्य पदं भवेत्
पांसौ वा कर्दमे वापि सप्त मासान् स जीवति //
23.25
रक्तमाल्यानुलेपानि रक्तकृष्णं च वाससम्
लभते स्वप्नयोगेन षण्मासांस् तु स जीवति //
23.26
आरुह्य मस्तके यस्य कृकलासः स्थिरीभवेत्
धारयेत् त्रीणि रूपाणि पञ्चमासान् स जीवति //
23.27
पुरुषो लोहदण्डेन कृष्णो यस्य परिच्छदः
पश्यते स्वप्नयोगेन चतुर्मासान् स जीवति //
23.28
चन्द्रबिम्बप्रतीकाशम् उदयन्तं दिवाकरम्
विरश्मिमण्डलं पश्येत् त्रीणि मासान् स जीवति //
23.29
दीपम् आरक्तताम्राभम् आकाशे रविमण्डलम्
मञ्जिष्ठां मेदिनीं पश्येज् जीवेन् मासद्वयं तु सः //
23.30
अप्सु वा यदि वादर्शे यद्य् आत्मानं न पश्यति
विशिरां पश्यते छायां मासम् एकं स जीवति //
23.31
यदि नेत्रं स्रवेद् एकं कण्ठस्थानं विशुष्यति
वाचाद्यं कम्पते यस्य स्वाङ्गं वह्निसमप्रभम् //
23.32
वेदना भवते तीव्रा अब्दम् एकं स जीवति
ललाटं चलते यस्य विवर्णं जायते मुखम् //
23.33
ध्रुवस्थाने तु प्रस्वेदं जायते यस्य सर्वदा
एकादश स मासानि जीवतेत्य् अविचारतः //
23.34
हृदये यस्य सन्तापं स्वकं कायं न पश्यति
वाचा च चलते यस्य दन्ताश् च परिशुष्यति //
23.35
विस्मृतिर् नित्य चित्तस्य दश मासान् स जीवति
हृदयं शुष्यते यस्य स्वकं कार्यं न जानति //
23.36
गुह्यं च शुष्यते शीघ्रं नव मासान् स जीवति
शुष्यते दक्षिणाङ्गं तु वामाङ्गं चैव शुष्यति //
23.37
घूर्मते महता नित् यम् अष्ट मासान् स जीवति
अकस्माज् जायते स्थूलः स्थूलो ऽपि कृषतां गतः //
23.38
धूसरो धूम्रवर्णश् च सप्त मासान् स जीवति
पूर्वे तु उदिते सूर्ये छायां पश्यैव दक्षिणाम् //
23.39
मुहूर्तं जीवते सो वै सत्येदं कुलनन्दिनि
वक्रनासा भवेद् यस्य मासाद् ऊर्ध्वं न जीवति //
23.40
छागगन्धं भवेद् गात्रं दन्ताश् चिटिचिटायते
छायात्मां विकृतां पश्येत् सप्तरात्रं स जीवति //
23.41
यस्य कृष्णा भवेज् जिह्वा पद्मवर्णं मुखं भवेत्
गण्डपृष्ठौ सुरक्ताभौ त्रिरात्रं च स जीवति //
23.42
श्यामदन्तं मुखं चैव प्रकृतिर् यस्य दृश्यते
विपरीतेन्द्रियग्रामं अहोरात्रं स जीवति //
23.43
घोषं न शृणुते यस् तु दीपवर्तिं न पश्यति
विशिरां पश्यते छायां क्षणम् एकं स जीवति //
23.44
अन्यच् च परमोपायं शृणुष्व वरवर्णिनि
येन विज्ञातमात्रेण कालं जानाति तत्त्वतः //
23.45
षोडशद्वादशाराभ्यां या गतिस् त्व् अर्कसोमयोः
तस्मिन् निरीक्षयेज् ज्योतिं दीप्यमाने हुताशने //
23.46
षोडशान्तर्गतं यच् च पूर्वोक्तं यच् चतुर्दलम्
तस्य मध्ये विजानीयात् कालज्ञः काललक्षणम् //
23.47
सोमाधस्ताद् दले नष्टे षण्मासान् म्रियते ध्रुवम्
त्रीणि मासांस् तथा चोर्ध्वे द्वौ मासौ ध्वनिसन्निधौ //
23.48
मासैकं वायुसामीप्ये तच् च पूषोदयं विदुः
सोमचक्रम् इदं प्रोक्तं सृणु सूर्यं च साम्प्रतम् //
23.49
यदा न दृस्यते ज्योतिर् द्वादशारे चतुर्दले
पक्षैकं तस्य देवेशि दिनानि दश पञ्चकैः //
23.50
तत्रैव तेन मार्गेण यदा ज्योतिर् न दृश्यते
दश पञ्च तथा त्रीणि एकाहं तस्य जीवितम् //
23.51
अथान्यत् परमं वक्ष्ये निश्चितं काललक्षणम्
जीवन्ति च तदभ्यासात् तदभावान् म्रियन्ति ते //
23.52
निश्चितं तद् वरारोहे कालयोगः स एव हि
विस्मृतिर् जायते यस्य सा वारा मृत्युकाङ्क्षिणी //
23.53
देहमध्यगतं सर्वं म्रियते कालचोदितम्
परापरेण कालेन भेदयित्वा समभ्यसेत् //
23.54
वामावर्तादियोगेन दक्षिणान्तम् अनुक्रमात्
शुक्लकृष्णप्रयोगेण कदहान्तम् अपश्चिमम् //
23.55
पूर्णमावास्यमध्यस्थं कालचक्रं समभ्यसेत्
पञ्च पञ्च तथा पञ्च प्रतिपव्छुक्लम् आदितः //
23.56
स्वरवर्णसमायोगं शुक्लादौ कृष्णकावधिम्
पुद्गलात्मा समाश्रित्य अभ्यसेदम् अहर् अहः //
23.57
जरामृत्युविनाशार्थे शीघ्रेदं पिण्डसाधनम्
कथयन्ति महाविद्याः कालस्य काललक्षणम् //
23.58
कथम् अप्य् एष तन्निष्ठो यदि सिद्धिं न गच्छति
आकृष्टो योगिनीचक्रे तदा विस्मृतिकारिका //
23.59
विस्मृतिर् वा तिथिर् याति अभ्यसन्तो मुहुर् मुहुः
सा वारा सा तिथिर् देवि निश्चितेदं मयोदितम् //
23.60
एतत् ते परमं कालं परमार्थं प्रकीर्तितम्
सविस्मयकरं देवि अभेद्यं सम्प्रकाशितम् //
23.61
यदीच्छसि चिरं देवि जीवितं परमार्थतः
देहमध्यं परित्यज्य तिष्ठस्वान्यत्र भाविता //
23.62
देहामृतं परं योगं न देयम् अपरीक्षिते
यावज् ज्ञानविरागाभ्यां पूरितं स्यात् तनुर् न हि //
23.63
परापरस्य कालस्य ज्ञातृत्वं भवते यथा
लेखनादिप्रयोगेण विधियोगेन भाविनि //
23.64
मार्गशीर्षस्य मासस्य कृष्णायां पञ्चमी भवेत्
तस्यां सम्भारसम्पन्नो रात्रौ जागरणं यजेत् //
23.65
आहरेन् निर्व्रणं भूर्जं रोचनासृक् सकुङ्कुमम्
लिखेत् पूर्वमुखो भूत्वा द्वादशैव स्वरान् शुभान् //
23.66
मात्राबिन्दुसुसम्पन्नान् रक्षयित्वा पुनः पुनः
संवरेच् छुक्लसूत्रेण जप्तविद्यः समालभेत् //
23.67
सितचन्दननैवेद्यैर् जातीपुष्पैर् मनोरमैः
पूजयित्वा क्रमाम्नायं दीपमन्त्रसुसंयुतम् //
23.68
शरावसम्पुटस्थं तु जातीकुसुममध्यतः
स्थापयित्वा जपेन् मन्त्रं यावद् रात्रिक्षयं गतः //
23.69
ततः प्रभातसमये पूजयित्वा पुनः क्रमम्
कुमार्यो वै प्रतर्पेत विद्या लब्धा तथा शृणु //
23.70
ह्रीं हूं स्व्लें स्वाहापतये रक्ष रक्षामृतोद्भवे
स्व्लें हूं ह्रीं च पुनर् जाप्यं सम्पुटीकृत्य मन्त्रयेत् //
23.71
जप्तविद्यास् तु स्तुभ्यन्ते कथयन्ति शुभाशुभम्
न स्तुभ्यन्ति यदा देव्यो जप्तविद्यास्य सम्पुटम् //
23.72
दर्शयन्ति महाहानिं भ्रष्टत्वं योगिनीकुले
सामर्थ्यतो न मृत्युः स्याद् भ्रष्टसिद्धिं न यास्यति //
23.73
एवं कृत्वा ततः पश्चाद् भूर्जपत्त्रे स्थिताक्षरान्
वाचयन् सन्निरूपेत समं हीनं सुवृद्धिदम् //
23.74
अक्षराभ्यधिके यत्र तत्र राज्यं विनिर्दिशेत्
मात्रयाभ्यधिके लाभं समे चारोग्यवत्सलम् //
23.75
बिन्दुहीनं यदा पश्येद् हानिम् अर्थस्य तत्र वै
मात्राहीने भवेद् व्याधिर् मृत्युः स्याद् अक्षरं विना //
23.76
वामादिक्रमयोगेन लक्षयेद् उपदेशतः
विद्याकुम्भं सवर्धन्या तत्काले पूजितं तु यत् //
23.77
ततः पुनः समालब्धं ग्रामस्य च पुरस्य च
भ्रामयेत् षोडशवारं दह्यते न तदम्भसा //
23.78
एतत् ते कथितं देवि शुभाशुभविलक्षणम्
न देयं दुष्टबुद्धीनाम् आगमं गोपयेत् सदा //
23.79
कालावबोधनं देवि पूषाकालोपलक्षितम्
समसप्तगते सूर्ये जन्म-ऋक्षे च चन्द्रमाः //
23.80
मकरोदयवेलायां पूषाकालस् तु कुब्जिके
अरिष्टदर्शनं नाथे जपहोमोपशाम्यति //
23.81
मृत्युञ्जयेन योगेन तच् छृणुष्व परिस्फुटम्
जुं सः सम्पुटनामाद्यं सः जुं अन्ते नियोजयेत् //
23.82
चन्द्रोदयामृतान्तस्थं पुद्गलात्मा विचिन्तयेत्
जपेन् मृतुञ्जयं देवि परापरतनौ स्थितः //
23.83
अक्षसूत्रेण दिव्येन नेतरेण प्रशस्यते //
23.84
सविस्मयकरं वाक्यम् अत्यद्भुतम् अकारणम्
अक्षसूत्रं पुरा ज्ञातं दिव्याक्षं वद साम्प्रतम् //
23.85
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि दिव्याक्षसूत्रनिर्णयम्
यन् न कस्यचिद् आख्यातं सिद्धिदं परमं पदम् //
23.86
यन् न भिद्यति चक्रेण यन् न दह्यति चाग्निना
यन् न प्रोतापरे सूत्रे पट्टकार्पासिके ऽपि वा //
23.87
यस्य मध्ये स्थितो मेरुर् ग्रन्थयश् च न तत्र वै
पञ्चाशाक्षमया तन्तु[र्] यस्मात् सर्वं चराचरम् //
23.88
छिन्नभिन्नेषु मन्त्रेषु लुब्धक्रुद्धेषु सुप्तके
जप्तानेन तु सूत्रेण असिद्धं साधयेद् ध्रुवम् //
23.89
अक्षसूत्रम् इदं सिद्धं सर्वमार्गप्रबोधकम्
सर्वमार्गेषु गुप्तेदम् ऽनुष्ठेयं परमेश्वरि //
23.90
प्रस्तुतायातमार्गेण वर्णितं सूत्रनिर्णयम् //
23.91
डाकिनी राक्षसी लामा काकिनी शाकिनी तथा
यक्षिणी भ्रामणी चैव वद मन्त्रं सुराधिप //
23.92
ऊ-ढ-मध्यगतं गृह्य ण-ट-मध्यगतं तथा
व-ख-पूर्वद्वयोद्धृत्य ध-ह-मध्यगतं पुनः //
23.93
य-स-मध्यगतं गृह्य एतत् षट्कं समुद्धृतम्
ञपश्चिमं समुद्धृत्य दीर्घस्वरयुतं कुरु //
23.94
षट्प्रकारविधानेन षट्कं षट्कं नियोजयेत्
प्रभुर् वै भ्रामणी प्रोक्ता षट्स्वराधिष्ठिता तु सा //
23.95
सर्वकार्ये नियोक्तव्या निग्रहानुग्रहं प्रति
अन्यद् वै हृदयं वक्ष्ये शाकिनीनां यशस्विनि //
23.96
ऊ-पश्चिमं समुद्धृत्य ह-पूर्व-म्-आसने स्थितम्
रेफाक्रान्तं तु कर्तव्यं द-उत्तरयुतं तथा //
23.97
झ-पूर्वेण समायुक्तं कूटं बिन्दुसमन्वितम्
प्रस्तारायातमार्गेण उद्धृतं षट्कनिर्णयम् //
23.98
प्रस्तुतं शृणु कल्याणि उच्यमानं निगद्यते
अरिष्टदर्शनाद्य् एवम् अभ्यस्यन्तो ऽन्यथा यदि //
23.99
शुष्यते घण्टिकास्थानं तदा ध्यानं परित्यजेत्
जपध्यानार्चनाद् एव सञ्जातोपशमं न हि //
23.100
तदात्र निश्चितं जातं पञ्चाहान् मृत्युलक्षणम्
निश्चयेन तदा काले गुरुदेवं समाश्रयेत् //
23.101
पुत्रदारादिबन्धूनां व्याहरित्वा वदेद् इदम्
पञ्चाहावान्तरे काले कुर्याद् उत्क्रान्तिकारणम् //
23.102
अन्यथा कुरुते यस् तु स पापी ह्य् आत्मभेदकः
न दुःखितो न कोपेन कुर्याद् उत्क्रान्तिकारणम् //
23.103
कीर्तिहेतोः शरीरस्य यदि शक्तो न रक्षणे
गुरुणापि हि दातव्यं ज्ञात्वा शिष्यं सलक्षणम् //
23.104
अन्यथा ददते यस् तु लिङ्गभेदी गुरुस् तु सः
पञ्चप्रकारको ह्य् आत्मा येन ज्ञातः स्वदेहतः //
23.105
सर्वतीर्थमयः सो हि तीर्थानि कृतकान्य् अपि
सुसिद्धपुम्भिः सर्वैस् तु यत्र बद्धास्पदं क्वचित् //
23.106
तत्प्रभावाद् भवेत् तीर्थं न तीर्थं जलपूरितम्
ज्ञानावबोधसम्पन्ना ज्ञानसम्पादने क्षमाः //
23.107
यत्र तिष्ठन्ति ते स्थाने तत् तीर्थं परमार्थतः
वाराणसी कुरुक्षेत्रं नैमिषं भैरवं तथा //
23.108
सन्निधानो गुरुर् यत्र सर्वतीर्थानि तत्र वै
तीर्थानि तोयपूर्णानि देवाः पाषाणमृण्मयाः //
23.109
आत्मविदो न मन्यन्ते तत् तीर्थम् इतरे जनाः
बलिनोपद्रुते स्थाने गुरोर् मानम् उपागते //
23.110
ज्ञानिनो ऽपि न दोषोऽस्ति आत्मनो हनने कृते
तीर्थङ्करो गुरुर् यस्मात् तत्कार्योज्झितजीविते //
23.111
तिर्यग्योनिं ह्य् असौ याति दुःखान्तं फलम् अश्नुते
अन्यत्काले न कर्तव्यम् उत्क्रान्त्युत्क्रमणं प्रिये //
23.112
कीर्तिहेतोः प्रकर्तव्या सा यथा कथ्यते ऽ धुना
द्वारेष्व् अर्गलसंयोगं कुर्याच् चोद्घाटनं क्वचित् //
23.113
जीवाधारं छिनेद् ग्रन्थिम् एतद् उत्क्रान्तिलक्षणम्
गुदं लिङ्गं तथा नाभिर् मुखं नासा श्रुतीक्षणौ //
23.114
एषु स्थाने ऽर्गलं योज्य कुञ्चिकोर्ध्वं नियोजयेत्
अर्गलान्य् उपदेशेन शृणु त्वं करणं यथा //
23.115
गुदाधारोपरि स्थित्वा कृत्वा वै कुक्कुटासनम्
समपादोरुजङ्घस् तु कुर्परौ तु तदूर्ध्वगौ //
23.116
भग्नपृष्ठशिरःस्कन्धो ह्य् उत्तानोर्ध्वमुखः स्थितः
मुष्टिभ्यां पीडयेत् स्कन्धौ कण्ठस्थौ चानुनासिकौ //
23.117
उच्चरेत् क्षुरिकामूले ग्रन्थिच्छेदं भवेत् क्षणात्
घाटयित्वा तु द्वाराणि नित्यम् एव समभ्यसेत् //
23.118
घण्टिकायां तु देवेशि षण्मासावधिपूर्वकम्
नित्यम् एवाभ्यसन्तस्य प्रत्ययानि भवन्ति हि //
23.118A
घटाधारगतं प्राणं कूर्मयन्त्रेण पीडयेत्
अभ्यसन् मासम् एकं तु सद्यम् उत्क्रान्तिलक्षणम् //
23.119
ब्रह्मरन्ध्रं स्फुरन्तीव निर्जीवं कण्ठकावधिम्
एवम् अभ्यासयेन् नित्यं यत्र बन्धतनु[ः] स्थितः //
23.120
गुदाधारे मृदुं दत्त्वा पृष्ठाधारं सुशोभनम्
जानूरुभ्यां तु पार्श्वे तु कीलकौ द्वौ निधापयेत् //
23.121
तत्प्रमाणौ समौ भूम्यां यन्त्रयेन् मृदुयन्त्रणात्
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एवं संशोधयित्वा तु पूर्वसिद्धि[र्] यथा यथा //
23.122
तदा सङ्कुरुते कीर्तिम् इत्य् आज्ञा पारमेश्वरी
सतताभ्यासयोगेन सद्यम् उत्क्रमणे क्षमः //
23.123
क्रुद्धः संहरते क्षिप्रं घटिकाभ्यन्तरेण वै
तृण वृक्षलतादीनां षट्पदाकाशगामिनाम् //
23.124
फलपुष्पप्रपातेन तदा सिद्धिं विलक्षयेत्
अकालेनापि कालस् तु षड्घटिकाभ्यन्तरेण वै //
23.125
षण्मासाभ्यासयोगेन आत्मनः कुरुते ध्रुवम्
एवं ते कथितं सर्वं सरहस्यं महामतम् //
23.126
क्षुरिकाद्यर्गलाभ्यासं कथयाम्य् उपदेशतः
एतद्विज्ञानसारो ऽयं विज्ञानानेकसङ्कुलम् //
23.127
अनादेशान् न तद् देयं दत्ते स्याल्लिङ्गभेदकृत्
लुब्धक्रुद्धेषु दुष्टेषु गोपयेदं सुरक्षितम् //
23.128
परं चाज्ञापहारो ऽस्ति यस्य हानिर् न विद्यते
एवं सुरक्षिता देवि वारितासि पुनः पुनः //
23.129
अनादिष्टस्य शिष्येदं दास्यसे नरकार्थिनी
पञ्चात्मानं यदा ज्ञातं यदा ज्ञातं षडध्वरम् //
23.130
तदा त्व् अपश्चिमम् इदं कथ्यम् उत्क्रान्तिकारणम्
अन्यद् वा पश्चिमं वक्ष्ये दुःखाक्रान्तस्य योगिनः //
23.131
सर्वज्ञविहिते मार्गे न दोषस् तत्प्रसाधने
आत्मनश् च परस्यैव क्रुद्धचेतोऽवधारणम् //
23.132
कर्तव्यं भीवने गत्वा रक्तमण्डलकं सुभम्
मण्डलान्ते तु षट्कोणं तत्र देव्यः सुभीषणाः //
23.133
पूजयेद् यक्षिणीमूला डामर्यन्तं विदुर् बुधाः
कुसुमिन्या सहैकत्वम् आत्मानं मध्यतो न्यसेत् //
23.134
मांसखण्डैः प्रपूज्येत रक्तेनार्घं प्रदापयेत्
भेदयित्वा तु अष्टाङ्गं विष्ठमूत्रसमेकतः //
23.135
किञ्चिदलिसमायुक्तम् अर्घपात्रं नियोजयेत्
क्ष्मापलेनाथ नारेण कृष्णवस्त्रोद्भवेन च //
23.136
पूजयेद् वाथ नैवेद्यैर् धातुं दत्त्वा स्वकां स्वकाम्
रक्तपात्रं पृथक्कुर्यान् नैवेद्यानि पृथक् पृथक् //
23.137
कपालशकलैः सर्वं पात्रादौ धूपकावधिम्
सान्निध्यकरणार्थं तु धूपान्यं सन्नियोजयेत् //
23.138
येनाकृष्टाः प्रयान्त्य् आशु सन्निधाना भवन्ति हि
क्ष्मापलं हि च क्ष्मापित्तं नरास्थि शैलमद्रजम् //
23.139
किञ्चिदलिसमायुक्तं धूपो ऽयं परमार्थतः
एवोपचारयोगेन धूपयित्वा समुच्चरेत् //
23.140
विद्यां स्वधातुसंयुक्तां यस्य तस्य शतं जपेत् //
23.140
ऐं श्रीं हां हीं हूं कुसुममालिनीये इदं प्रधानधातुं गृह्ण गृह्ण देवदत्तस्य उदरगतं आणिमारि वशङ्करि सर्वशत्रूणां स्वाहा ॥
23.140
ऐं श्रीं यां यीं यूं यक्षिणी जम्भय जम्भय सर्वशत्रूणां देवदत्तानाम् अस्थि भञ्ज भञ्ज आणिमारि वशीकुरु कुरु स्वाहा ॥
23.140
ऐं श्रीं शां शीं शूं शङ्खिनी शङ्खग्रहेन सर्वशत्रूणां देवदत्तानां आणिमारि वशीकुरु कुरु मज्जं गृह्ण गृह्ण स्वाहा ॥
23.140
ऐं श्रीं कां कीं कूं काकिनी कायं संहारय संहारय मेदं सर्वशत्रूणां देवदत्तानां आणिमारि वशीकुरु कुरु स्वाहा ॥
23.140
ऐं श्रीं लां लीं लूं लाकिनी सर्वशत्रूणां देवदत्तानां आणिमारि वशीकुरु कुरु मांसं भक्षय भक्षय स्तम्भय स्तम्भय स्वाहा ॥
23.140
ऐं श्रीं रां रीं रूं राकिणी आणिमारि वशीकुरु कुरु सर्वशत्रूणां देवदत्तानां रक्तं गृह्ण गृह्ण स्वाहा ॥
23.140
ऐं श्रीं डां डीं डूं डाकिनी सर्वशत्रूणां देवदत्तानां आणिमारि वशीकुरु कुरु त्वचधातुं गृह्ण गृह्ण स्वाहा ॥
23.141
शतं शतं जपित्वा तु एकैकायाः समर्पयेत्
गृह्णन्त्व् इदं मया दत्तम् अत्राज्ञा पारमेश्वरी //
23.142
दुःखितो ऽहं विरक्तो ऽहं भ्रष्टो ऽहं समयोज्झितः
गृह्णन्तु देवताः क्षिप्रं मया दत्तां स्वकां तनुम् //
23.143
आज्ञा यदि प्रमाणो ऽस्ति प्रमाणं यदि चान्वयम्
तेन सत्येन गृह्णन्तु मत्प्रदत्तं मरीचयः //
23.144
एवं विरक्तदेहस् तु यावत् कुर्याद् दिने दिने
तावद् आयान्ति योगिन्यः सप्तमे ऽहनि भासुराः //
23.145
ज्ञानसिद्धिप्रसिद्धस्य सप्तरात्रान्तकावधिम्
क्षपयन्त्य् अन्यथा नैव शीघ्रं संहारयन्ति ताः //
23.146
अथ चेद् दुष्टकर्माणां निग्रहेदं प्रकारयेत्
तद् आत्माङ्गसमुद्भूतं किञ्चिद् द्रव्यं न गृह्णयेत् //
23.147
ब्रह्मणालेप्य-म्-आत्मानं पश्चाद् ध्यानं नियोजयेत्
परमात्मस्वरूपो ऽहं भैरवो ऽहं महाप्रभुः //
23.148
इति मत्वा प्रयुञ्जीत षोढान्यासं स्वके तनौ
कृत्वा षोडश वाराणि ततो वज्रतनुर् भवेत् //
23.149
अथातः सम्प्रवक्ष्यामि लोहके साधनं यथा
अयुतैकेन सिद्धिः स्याल् लिङ्गे वै पश्चिमामुखे //
23.150
स्वयम्भौ बाणलिङ्गे वा इतरे वापि सुव्रते
तत्र स्थित्वा जपेद् एवम् एकचित्तः समाहितः //
23.151
सदा क्रुद्धेन कर्तव्यं निग्रहं सप्तवासरैः
शतम् अष्टोत्तरेणैव यावत् तन्निग्रहो भवेत् //
23.151
ठ ठ य ला ब हा म मि मि हि हि स ग्र स ग्र ॥
23.151
कं मु अ हूं हूं ल ज्व ल ज्व न श ना र घो ॥
23.151
प रू र घो र घो अ र श्व थे म प्र थ म प्र ॥
23.151
थ म प्र श वि आ श वि आ द भिं द भिं य ॥
23.151
श ध्वं वि य श ध्वं वि थ म थ म स ग्र ॥
23.151
स ग्र कं मु अक ह लो हि ए हि ए य रा श्व मे र ॥
23.151
प य रा प रा प य वा दे य सा हा ट्ट ङ्गा ॥
23.151
लि स्फु वि ये त प धि णा ग हा म य का ह लो ॥
23.151
मो न य रा श्व ऽजे स्ते म न ऐं ॥
23.152
अतोर्ध्वे यन्त्रकर्माणि निग्रहानुग्रहं प्रति
कृत्वा कुण्डलिकास् तिस्रो अष्टौ द्वादश षोडश //
23.152
य मध्ये क्षे म मे द अभ्यन्तरचक्रे विदिक्षु
हूंकारेण नाम विदर्भ्य यच् च नि रा [रा] ज स
दो [दो] रु ण यो [यो] नि र [य] इति द्वितीयचक्रे ल्
ॐ ह्रीः ष्ट्रीः विकृतानन हूं हूं फट् फट्
अमुकं मारय विद्वेषय उच्चाटय वशीकुरु आकृष्टिं
कुरु शान्तिं कुरु पुष्टिं कुरु स्तोभं कुरु स्तम्भं
कुरु हूं हूं फट् फट् ठ ठ तृतीयचक्रे /
मारणे हूं विद्वेषे ह्रंः उच्चाटे ह्यः वशे
ह्स्क्लीं आकृष्टौ ह्रीं शान्तिके स्फौं पौष्टिके
स्फः स्तोभे ह्रूं मोहे ह्लौं स्तम्भे ह्लूं ॥
23.153
मध्ये यकारलोपस्य लोप्ये निष्कद्वयस्य च
कर्मकर्माणुरूपेण शेषा वर्णा यथासुखम् //
23.154
अथातः सम्प्रवक्ष्यामि स्वप्नमानवकाम्बिकाम्
प्राणं वह्निसमारूढं मात्राद्वादशभेदितम् //
23.155
अक्षरान्तरितं कृत्वा सषडङ्गा भवेद् उमे
ह्रस्वा त्याज्या प्रयत्नेन दीर्घा ग्राह्या सुलोचने //
23.156
अयुतं पूर्वसेवायां पञ्चप्रणवसम्पुटे
रक्ताश्वमारकुसुमैः सिध्यते नात्र संशयः //
23.157
अष्टोत्तरशतं जप्त्वा शय्यारूढो निशासु च
शुभाशुभं वदेद् रात्रौ सिद्धविद्यां तु कौलिकीम् //
23.158
अथान्यम् अपि वक्ष्यामि प्रयोगं मृत्युनाशनम्
सङ्कोच्य मूलचक्रन् तु जन्मस्थं धारयेत् क्षणात् //
23.159
सङ्घट्टे पीडनं कृत्वा लम्बकं तु विदारयेत्
लम्बकामृतसन्तृप्तो जयेन् मृत्युं न संशयः //
23.160
दाहशोषस् तु सन्तापो वैवर्णं वा महद्भुतम्
नाशयेत वरारोहे अनेनाभ्यासयोगतः //
23.161
रसनां शून्यमध्यस्थां कृत्वा चैव निराश्रयम्
न दन्तैर् दशनान् स्पृष्ट्वा ओष्ठौ नैव परस्परम् //
23.162
त्यज्य स्पर्शनम् एतेषां जिनेन् मृत्युं न संशयः
एष मृत्युञ्जयो योगो न भूतो न भविष्यति //
23.163
नाभिचक्राद् अधश् चाग्निर् निवृत्ते तु गमागमे
द्वन्द्वातीतं पदं देवि चिन्तातीतं प्रचक्ष्यते //
23.164
पृष्ठवंश-अधस्तात् तु स्पन्दने विलयं गते
कालातीतं परं स्थानं चिन्तातीतम् इहोच्यते //
23.165
गुदगुह्यान्तरे ग्रन्थिः सीवन्या बदिरास्थिवत्
जरातीतं पदं दिव्यं भावातीतं प्रचक्ष्यते //
23.166
गुदगुह्यान्तरे ग्रन्थिर् गुहाधारे सुखोदये
परानन्दपदं दिव्यं चिन्तातीतं तु कथ्यते //
23.167
राजदन्तद्वयोर् मध्ये अधस्तात् पीडयेद् भृशम्
ऊर्ध्वदृष्टिं परां कृत्वा एवम् एतत् समभ्यसेत् //
23.168
अनेन जयते मृत्युं नात्र कार्यविचारणात्
नादान्ते संस्थितं लक्ष्यं पञ्चतत्त्वस्य मध्यगम् //
23.169
चतुष्कलसमोपेतं तत्र स्थित्वा जपेत् प्रिये
जरा मृत्युश् च रोगाश् च ईतयो विविधाश् च ये //
23.170
नश्यन्ते नात्र सन्देहस् तुहिनं तु रवेर् यथा
अधः प्राणं समानीय कुण्डलीपदमध्यगम् //
23.171
तत्र रुन्ध्यात् प्रयत्नेन वृत्तिराजविवर्जितम्
ये प्राणास् ते महाजीवे गतायुर् वीरवन्दिते //
23.172
तत्रासक्तः सदा देवि मृत्युजिद् भवते क्षणात्
कथितं सरहस्यं तु सुगोप्यं तु तवानघे //
23.173
षोढान्यासविधानं तु पूर्वं तु कथितं मया
निरोधोत्क्रमणादीनां किं त्वेदं न प्रकाशयेत् //
23.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते त्रिष्कालज्ञानम् उत्क्रान्तिसम्बन्ध [इति] त्रयोविंशतिमः पटलः
Kapitel 24 – Devanagari
24.1
देवदेव महादेव शशाङ्ककृतशेखर
तद्ग्रहाख्ये तु ये रुद्राः सृष्टिन्यासेन मे श्रुताः //
24.2
संहारेण सुरेशान कथयस्व प्रसादतः
निश्चयार्थं महादेव क्षकाराद्या यथास्फुटम् //
24.3
कथयामि न सन्देहः स्फुटार्थं तद्ग्रहात्मकम्
पञ्चाशद्व्युत्क्रमेणैव शृणुष्व गदतो मम //
24.4
क्ष संवर्तः स्थितः क्रोधे ह प्राणे लाकुली स्थितः
स भृगुः शुक्रतो नित्यं ष श्वेतो मज्जम् आस्थितः //
24.5
श बकीशो ऽस्थिमध्ये तु व खड्गीशः सिरान्वितः
ल पिनाकी स्थितो मांसे र भुजङ्गो ऽसृगास्थितः //
24.6
य वालीशस् त्वचामध्ये कथितं तव सुव्रते
महाकालो मकारस् तु हृदये सर्वजन्तुषु //
24.7
द्विरण्डस् तु भ नाभ्यां तु ब वंशे छगलण्डिनः
फ शिखी वामपार्श्वे तु कथितं तु वरानने //
24.8
पकारो लोहितो रुद्रो दक्षिणे कुक्षिम् आश्रितः
न मेषो वामपादे तु ध मीनो जङ्घम् आश्रितः //
24.9
द धातृ जानुमध्ये तु संस्थितो वरवर्णिनि
थ दिण्डी ऊरुदेशे तु त आषाढी ततोर्ध्वतः //
24.p-1
लोण उमाकान्त पादे तु दक्षिणे च महाबलः
ढार्धनारी स्थितो देवि जङ्घिकायां वरानने
24.11
डकारे दारुको रुद्रो जानुमध्ये प्रकीर्तितः
ठ लाङ्गल्य् ऊरुदेशे तु नात्र कार्यविचारणात् //
24.12
सोमेश्वरस् टकारे तु जङ्घामूले स्थितस् तु सः
ञ हस्ते संस्थितः शर्मा झाजेशो वामबाहुगः //
24.13
ज चतुर्मुख मध्ये तु छ एकाक्षस् तु कक्षगः
चकारः कूर्म एवात्र शिखरे वामके स्थितः //
24.14
अतोर्ध्वे दक्षिणे हस्ते ङादिकान्तम् अतः शृणु
ङकार[ः] कर-अग्रे तु एकरुद्रो व्यवस्थितः //
24.15
घ शिवेशः करस्योर्ध्वे ग प्रचण्डश् च कुर्परे
ख चण्डो बाहुमध्ये तु क क्रोधः शिखरे स्थितः //
24.16
अः महासेनरुद्रस् तु विसर्गब्रह्मरन्ध्रगः
अं क्रूरो मध्यघण्टान्ते औ ऽनुग्रहीशोर्ध्व-ओष्ठके //
24.17
ओ ओष्ठे सद्यदेवस् तु ऐ भौक्ती द्विज-म्-ऊर्ध्वगः
ए झण्टीशो ऽ धपङ्क्तिस् तु द्विजभूतो व्यवस्थितः //
24.18
ॡ हरो वामगण्डे तु ऌ स्थाणुर् दक्षगण्डगः
ॠ तिथीश इडायां तु ऋ भारभूति पिङ्गला //
24.19
ऊ अर्घीशो वामकर्णे उ अमरीशस् तु दक्षिणे
ई त्रिमूर्तिर् वामचक्षुषि इ सूक्ष्म दक्षचक्षुगः //
24.20
आ अनन्तो मण्डले वक्त्रे अ श्रीकण्ठो ललाटगः
तद्ग्रहे रुद्र-म्-आख्याता मालिन्यां शृणु साम्प्रतम् //
24.21
वामे फेत्कारिका चैव दहनी दक्षपादगा
सावित्री चैव गायत्री औ ओ जङ्घौ प्रकीर्तितौ //
24.22
ए ऐ जानू क्रिया ज्ञानी तारा तकारम् ऊरुगा
शुक्रदेवीत्य् अनुस्वारं शुक्रं देव्यास् तु भैरवि //
24.23
श गुह्यं कुसुमाख्या च महाकाली नितम्बगा
क्ष संहारी स्थिता नाभौ षोदरं लम्बनोदरा //
24.24
ह प्राणे अम्बिका देवी सकारे च परापरा
आमोटी तद्गतं क्षीरम् आ वर्णं परिकीर्तितम् //
24.25
पूतना छगलण्डा च ल-छौ स्तनौ प्रकीर्तितौ
पावनी तु प हृल्लग्ना जयन्त्या शूलजा स्मृता //
24.26
दीपनी शूलदण्डा तु रेफं दक्षकरे स्थितम्
कपालिनी वामकरे ट वर्णः परिकीर्तितः //
24.27
इच्छाशक्तिर् विसर्गाख्या करपृष्ठाव् उभाव् अपि
कुर्दनी झङ्करी चैव ञ-झाव् अङ्गुलयः क्रमात् //
24.28
सम्पूर्णपूर्णिमा चैव ठवर्णस् तलहस्तयोः
विनायकी च लामा च ड-ढौ बाहुद्वयं प्रिये //
24.29
वायुवेगा च भीषण्या स्कन्धयोर् उभयोर् अपि
व कण्ठे शिखिवाहिन्या अ वाग् वागेश्वरी मता //
24.30
माया देवी इ जिह्वा तु जिह्वा देव्या विराजते
खिर्विरा घोरघोषा च शिवा काली च कङ्कटा //
24.31
कवर्गे दशनास् तीक्ष्णा एवं देव्या विराजते
बकारं वदनं तस्या वज्रिणी शक्तिर् अव्यया //
24.32
ई गुह्यशक्ति नादस्था नासायां नेत्रमध्यतः
प्रज्ञा च मोहनी चैव ऊ उ भूषण-म्-ईक्षगौ //
24.33
नारायणी ण कर्णौ तु वामदक्षिणयोर् उभौ
प्रियदर्शना ध नेत्रस्था उभौ नेत्रौ विराजते //
24.34
चामुण्डा च ललाटस्था थ वक्त्रं ग्रसनी स्मृता
ॡ ऌ ऋ ॠ तु शान्त्याद्याः शिरोमाला तु मालिनी //
24.35
नादिनी तु शिखान्तस्था नकाराक्षरसम्भवा
मालिन्यास् तद्ग्रहो ह्य् एष शक्तित्रयम् अतः शृणु //
24.36
क्रिया च शुक्रसहिता बिन्दु-अर्धेन्दुसंयुता
नादशक्तिशिखाक्रान्ता प्रथमं बीजम् उत्तमम् //
24.37
अम्बिका शूलदण्डस्था गुह्यशक्त्या त्व् अलङ्कृता
बिन्दुयुक्तं द्वितीयं तु तृतीयं शृणु साम्प्रतम् //
24.38
वाक्तत्त्वं केवलं शुद्धं घोरघोषा तथापरा
दक्षजङ्घासमायुक्ता दीपनी दक्षजानुगा //
24.39
अम्बिका दीपनीसंस्था गुह्यशक्तीच्छयान्विता
अम्बिका च परारूढा इच्छायुक्तं पदं भवेत् //
24.40
अभिन्ना पावनी तद्वच् छूलदण्डं तथैव च
महाकालीस्वरूपेण दशनं तु चतुर्थकम् १ //
24.41
गायत्र्या भेदितं कार्यं ज्ञानभिन्ना च दीपनी
मोहन्या भेदितं प्राणं महाकाल्या समाहितम् //
24.42
षडक्षरं द्वितीयं तु पदं देव्याः समुद्धृतम्
गायत्र्या भेदितं कृत्वा घोरघोषा महाबला //
24.43
दीपनीं केवलां दद्यात् प्रज्ञया शूलदण्डकम्
ज्ञानभिन्नं तु हृदयं प्राणं जीवसमन्वितम् //
24.44
सावित्रीसहितं कार्यं पदं विद्यात् तृतीयकम्
दक्षजङ्घासमायुक्ता घोरघोषा कुलेश्वरी //
24.45
दीपनी केवला चात्र नितम्बं मोहनान्वितम्
कालिका जिह्वया युक्ता चतुर्थं चतुरक्षरम् //
24.46
भीषणानासमायुक्ता महाकाली तु केवला
भीषणा गुह्यशक्तिस्था लम्बिका केवलाप्य् अतः //
24.47
नारायणी ज्ञानशक्त्या युक्ता स्यात् पञ्चमं पदम्
वज्रिणी तु महाकाली द्विर् अभ्यासं तु कारयेत् //
24.48
पावनी मायया भिन्ना अभिन्ना शिखिवाहिनी
द्विर् अभ्यासम् इदं कार्यं प्राणम् इच्छासमन्वितं //
24.49
षष्ठमं तु पदं देव्या उद्धृतं तु नवाक्षरम्
अम्बिका ज्ञानभिन्ना वै दीपन्या च चतुष्टयम् //
24.50
भूषितं भूषणेनैव वामकर्णस्य सुव्रते
दीपन्या केवला चैव चतुर्धा तु प्रकल्पयेत् //
24.51
नववर्णम् इदं देवि सप्तमं पदम् उद्धृतम्
अम्बिका शूलदण्डस्था गुह्यशक्त्या विभूषिता //
24.52
पुनर् एव तथाप्य् एवं शूलदण्डासने स्थिता
प्रज्ञायुक्ता तु कर्तव्या वामपादं ततः पुनः //
24.53
शूलदण्डासनासीनं ज्ञानदेव्या ह्य् अलङ्कृतम्
प्राणं जीवसमायुक्तं शूलदण्डासने स्थितम् //
24.54
सावित्र्या सहितं कार्यं भूषितं भूषणेन तु
वामकर्णस्य देवेशि क्रियादेव्या ततः पुनः //
24.55
बिन्दुयुक्तं तु कर्तव्यं पदं देव्यास् तु चाष्टमम्
कुब्जे ते प्रीतिपूर्वेण कथितं तु विशेषतः //
24.56
फेत्कारादिनियोगेन नादिफान्तं तु मालिनी
विद्यात्रयं तथाप्य् एवं [ऽ]घोर्याष्टकसमन्वितम् //
24.57
द्वादशाङ्गं तु सुश्रोणि विद्याङ्गाश् च नवात्मकम्
नवात्मा-अङ्गसंयुक्तं मालिन्याङ्गसमन्वितम् //
24.58
निग्रहस् तु समाख्यातो विलोमेनोपदेशतः
अथान्यं सम्प्रवक्ष्यामि अर्चनं विधिपूर्वकम् //
24.59
कौलिकेन विधानेन यथाशास्त्रविधानतः
सुसमे भूप्रदेशे तु गोमयेनोपलेपिते //
24.60
योगपीठे ऽथवा रम्ये गन्धधूपसुवासिते
पुष्पप्रकरसङ्कीर्णे सुगुप्ते जनवर्जिते //
24.61
तत्रार्चनं समारभ्य एकचित्तो दृढव्रतः
शुक्लवस्त्रपरीधानः सुक्लयज्ञोपवीतिनः //
24.62
शुचिर् भूत्वा सुसन्नद्धः षोढान्यासेन कुब्जिके
सबाह्याभ्यन्तरे ध्यात्वा एकचित्तो व्यवस्थितः //
24.63
ततः कर्म समारभ्य पूर्वोक्तेन विधानवित्
कुङ्कुमाक्षतसम्मिश्रैस् त्रिरस्रं वर्तयेत् क्रमम् //
24.64
रक्तचन्दनचूर्णेन सिन्दूरेण-म्-अथाम्बिके
हिङ्गुलेन तथा रक्ते लिख्याक्षरं यथोदितम् //
24.65
नादबिन्दुसमायुक्तं षट्प्रकारसमन्वितम्
सर्वाकारसमोपेतं परमं दिव्यरूपिणम् //
24.66
तत्र पूजा प्रकर्तव्या शास्त्रोक्तेन विधानवित्
आदौ पीठानि चत्वारि चत्वारः पीठदेवताः //
24.67
योगिनीपञ्चकं चैव डादियान्ताः क्रमेण तु
पुनर् महान्तारिकाः पञ्च ज्ञानं षड्विधम् उच्यते //
24.68
स्रष्टारः सिद्धसद्भावाः सिद्धाश् चत्वार्य् अनुक्रमात्
ओंकारपीठमध्यस्थं देव्याया सह विन्यसेत् //
24.69
दक्षिणे चैव जालाख्यं पूर्णपीठं तथोत्तरे
कामरूपं ततो ऽग्रे तु देव्यासिद्धसमन्वितम् //
24.70
षट्प्रकारविधानेन कुलाष्टकम् अतः शृणु
प्रयागे तु महाक्षेत्रे आ-क्षा-मङ्गलसंयुता //
24.71
वैरिञ्ची आदिना पूज्या पूर्वभागे व्यवस्थिता
वाराणस्यां महाक्षेत्रे ई-ला-चर्चिकसंयुता //
24.72
माहेशी कादिना पूज्या आग्नेयीं दिशम् आश्रिता
कोलागिर्ये महाक्षेत्रे ऊ-हा-योगीसमन्विता //
24.73
कौमारी चादिना पूज्या याम्यायां दिशि संस्थिता
अट्टहासे महाक्षेत्रे ॠ-सा-सिद्धिहरान्विता //
24.74
टादिना वैष्णवी ह्य् एवं नैरृत्यकोणम् आश्रिता
जयन्ती च महाक्षेत्रे ॡ-षा-भट्टसमन्विता //
24.75
वाराही तादिना ह्य् एवं वारुण्यां दिशि भूषिता
चरित्रे च महाक्षेत्रे ऐ-शा-किलकिलान्विता //
24.76
ऐन्द्री पाद्येन सम्पूज्या वायव्यकोणके स्थिता
एकाम्रके महाक्षेत्रे कालरात्र्या च औ-व-का //
24.77
चामुण्डा यादिना पूज्या कौबेरीदिशि संस्थिता
देविकोट्टे महाक्षेत्रे अः-ह्ला-भीषणसंयुता //
24.78
लक्ष्मी शाद्येन सम्पूज्या ऐशान्यां दिशि भूषिता
क्षवर्णे कुब्जिनीशानं मध्यसंस्थं प्रपूजयेत् //
24.79
डकारे डाकिनी पूज्या रकारे राक्षसी तथा
लकारे लाकिनी ऽप्य् एवं ककारे कुसुमालिका //
24.80
शकारे शाकिनी विद्धि यकारे यक्षिणी मता
भ्रामणी मध्यतः पूज्या दक्षषट्कं प्रकीर्तितम् //
24.81
उत्तरं सम्प्रवक्ष्यामि यथावद् अनुपूर्वशः
गुह्याख्या च महाख्या च बलाख्या मणिचन्द्रिका //
24.82
मालिनी विद्यया सार्धं षट्कम् उत्तरसंज्ञकम्
ऊर्ध्वतः सिद्धसन्तानं मित्रादौ गुरवावधिम् //
24.83
आधारीशस् तु ओंकारे कुरङ्गीशस् तु जालके
चक्रीशः पूर्णगिर्यायां मथनं कामरूपके //
24.84
योगिन्यश् च युगाश् चैव क्रमशः सम्प्रपूजयेत्
चण्डा घण्टा महानासा सुमुखी दुर्मुखी बला //
24.85
रेवती प्रथमा घोरा भौम्या भीमा महाबला
जया च विजया चैव ऽजिता चैवापराजिता //
24.86
महोत्कटा विरूपाक्षी शुष्का चाकाशमातरा
सेहारी जातहारी च दंष्ट्राली शुष्करेवती //
24.87
पिपीलिका पुष्पहारी अशनी शस्पहारिका
भद्रकाली सुभद्रा च भद्रभीमा सुभद्रिका //
24.88
कादिवर्णैः प्रपूज्यैताः स्वरैः पीठाधिपास् तथा
सिद्धक्रमम् इदं देवि सिद्धमात्ट्ः प्रपूजयेत् //
24.89
गोपनीयं प्रयत्नेन यदीच्छेच् छिरजीवितम्
न देयं दुष्टबुद्धीनाम् इत्य् आज्ञा पारमेश्वरी //
24.90
पूजनीयं प्रयत्नेन नित् यम् एव न संशयः
योगाचारसमो योगी मानसं सम्प्रपूजयेत् //
24.91
त्रिकालम् एककालं वा षोढान्यासप्रपूर्वकम्
षट्प्रकारम् इदं देवि त्रिसन्ध्यं सम्प्रपूजयेत् //
24.92
स्वरैः षोडशभिर् देव्यः सिद्धाश् चैव प्रपूजयेत् //
24.93
पीठं पीठेश्वरीम् ईशं पीठाधिपसपालकम्
नाथदेव्या समायुक्तं सिद्धदेव्यान्वितं यजेत् //
24.94
पञ्चमं पीठमध्यस्थं देवीचतुष्टयान्वितम्
सिद्धैश् चतुर्भिः संयुक्तं पूजयेत् समनुक्रमात् //
24.95
षडङ्गभोगसंस्थानं पङ्क्ति रत्नं च पञ्चकम्
गुह्यषट्कं तथा डादि स्थानषट्कम् अतः परम् //
24.96
योगिनीषट्कम् एतद् धि पञ्चकं च ततः पुनः
क्षेत्राष्ट-म्-अष्टकं चैव अष्टकं च चतुष्टयम् //
24.97
षट्कम् अन्यत् ततो बाह्ये पूजनीयं प्रयत्नतः
यो वेत्ति योग्यता तस्य अन्यथा नामधारकः //
24.98
षोढान्यासं ततः पश्चाद् वाचनीयं प्रयत्नतः
स्वभ्रा चैव निरभ्रा च भूचरी खेचरी तथा //
24.99
गोचरी गणमुख्या च योगिन्यः षट् कुले स्थिताः
सूक्ष्मा चैव सुसूक्ष्मा च अन्तिमामृत-म्-अन्तिमा //
24.100
कामरूपादितः कृत्वा योगिन्यः सिद्धसंयुताः
कमला बर्बरा चैव महान्तारी तृतीयका //
24.101
लघ्विनी च चतुर्थी स्याद् बिम्बाख्या वृद्धपञ्चकम्
रक्ताख्या च करालाख्या चण्डा उच्छुष्मसंज्ञिका //
24.102
खण्डिका पञ्चमी ज्ञेया पञ्च देव्या उदाहृताः
मातङ्गी च पुलिन्दा च शबरी चम्पका तथा //
24.103
मध्यतः कुब्जनामा तु रत्नभूषणभूषिता
विशुद्धानाहतं चैव तथा च मणिपूरकम् //
24.104
स्वाधिष्ठानं तथाधारं पञ्चरत्नं प्रपूजयेत्
षोढान्यासस्य तत्त्वज्ञो अन्यथा च विलोमकृत् //
24.105
पूज्यपूजकदिग्भागे क्रमशुद्धिक्रमेण तु
स च योग्यो ऽन्वयी शिष्यो अन्यथा नामधारकः //
24.106
गन्धैश् च विविधैः पुष्पैर् जवाबन्धूकपाटलैः
करवीरकुब्जकुण्डैश् च जातीमल्लिकचम्पकैः //
24.107
सैवल्योत्पलयूथीभिः सिन्दूरैः किंशुकैस् तथा
एभिश् च बहुभिश् चान्यैः सुगन्धैर् धूपगुग्गुलैः //
24.108
वामामृतादिभिर् द्रव्यैः कुण्डगोलोद्भवैस् तथा
पञ्चामृतैस् तथा चान्यैर् अलिफल्गुसमन्वितैः //
24.109
महापिशितधूपैस् तु नालाजैर् दीपकैः सह
एवं कुर्याद् विधानेन अर्चनं विधिपूर्वकम् //
24.110
महाशङ्खार्घपात्रेण अर्घं दत्त्वा यथाक्रमम्
तस्यापि पूर्वतो देवि मण्डलानां चतुष्टयम् //
24.111
पीतपुष्पैः समभ्यर्च्य एकैकस्य क्रमेण तु
पुनर् दक्षिणतो देवि चत्वारः कृष्णपुष्पकैः //
24.112
उत्तरे चैव चत्वारि रक्तपुष्पैः प्रपूजयेत्
चत्वारः पश्चिमे देवि श्वेतपुष्पैः प्रपूजयेत् //
24.113
प्रणामः क्रियते पश्चाद् अष्टाङ्गं मानसेन तु
स्तोत्रं पश्चात् प्रकुर्वीत तच् च देवि वदाम्य् अह् अम् //
24.114
नमो ऽस्तु ते महामाये सूक्ष्मदेहे परापरे
एकाकिनि विशुद्धात्मे नादाख्ये बिन्दुमालिनि //
24.115
अदेहाच् च समुत्पन्ने अचले विश्वधारिणि
महाकुण्डलिनी नित्ये हंसमध्ये व्यवस्थिते //
24.116
सोमसूर्याग्निमध्यस्थे व्योमव्यापी परापरे
ओंकारविग्रहावस्थे हकारार्धार्धधारिणि //
24.117
वालाग्रशतधासूक्ष्मे अनन्ते चाक्षये ऽव्यये
हकारार्धकलाधारे पद्मकिञ्जल्कम् आश्रिते //
24.118
सकलाख्ये महामाये वरदे लोकपूजिते
एकैकनाडिमध्यस्थे मर्म-म्-एकैकभेदिनि //
24.119
अष्टत्रिंशत्कला देवि भेदिनि ब्रह्मरन्ध्रगे
ब्रह्मा विष्णुश् च रुद्रश् च ईश्वरश् च सदासिवः //
24.120
एते पञ्च महाप्रेताः पादमूले व्यवस्थिताः
त्रैलोक्यजननी देवि नमस् ते शक्तिरूपिणी //
24.121
इडापिङ्गलमध्यस्थे मृणालतन्तुरूपिणि
बिन्दुमध्यगते देवि कुटिले चार्धचन्द्रिके //
24.122
तुषारकणिकाभासे द्वादशान्तावलम्बिनि
उमाख्ये हृद्गते गौरि द्वादशादित्यवर्चसे //
24.123
शून्ये शून्यान्तरावस्थे हंसाख्ये प्राणधारिणि
लम्बाख्ये परमे देवि दक्षिणोत्तरगामिनि //
24.124
नासाग्रे तु समुत्तीर्णे मध्यसूत्रप्रवाहिनि
हृल्लेखे परमानन्दे तालुमूर्ध्नि व्यवस्थिते //
24.125
नादघण्टिकसङ्घृष्टे गुणाष्टकसमन्विते
स्थूलसूक्ष्मे तु सङ्क्षुब्धे धर्माधर्मपुटद्वये //
24.126
कार्यकारणकर्तृत्वे त्रिशून्ये नादविग्रहे
परापरपरे शुद्धे चैतन्ये शाश्वते ध्रुवे //
24.127
सर्ववर्णधरी देवि गुह्यतत्त्वेति विश्रुते
अशरीरे महाभागे संसारार्णवतारिणि //
24.128
जया च विजया चैव जयन्ती चापराजिता-
तुम्बुरुबीजमध्यस्थे नमस् ते पापमोचनि //
24.129
बन्धमोक्षकरी देवि षोडशान्ते व्यवस्थिते
भ्रामणी शक्तिशूलेन महाव्यूहसमन्विते //
24.130
भ्रमणि भ्रामणी गौरि मायायन्त्रप्रवाहिनि
स्वच्छन्दभैरवी देवि क्रोध-उन्मत्तभैरवि //
24.131
पञ्चाशद्वर्णरूपस्थे त्वया रुद्राः प्रकीर्तिताः
अमृताख्ये रुरुश् चण्डे नमस् ते ज्ञानभैरवि //
24.132
दंष्ट्रोत्कटे विद्युज्जिह्वे तारकाक्षि भयानके
नमामि देवदेवेशि अघोरे घोररूपिणि //
24.133
ज्वालामुखी वेगवती उमादेवि सरस्वति
हंसस्वरोद्वहे देवि गोमुखि शक्तिमालिनि //
24.134
क्रोष्टुके सुभगे देवि दुर्गे कात्यायनी तथा
नित्यक्लिन्नासमाख्याते रक्ते एकाक्षरे परे //
24.135
ब्राह्मी माहेश्वरी चैव कौमारी वैष्णवी तथा
वाराही चैव माहेन्द्री चामुण्डा त्व् अभयानना //
24.136
योगेशी त्वं हि देवेशि कुलाष्टकविभूषिते
ऐन्द्री चैव तु आग्नेयी याम्या नैरृत्यवारुणी //
24.137
वायव्या चैव कौबेरी ईशानी समुदाहृता
प्रयागा वरुणा कोल्ला अट्टहासा जयन्तिका //
24.138
चरित्रेकाम्रके चैव देविकोट्टं तु चाष्टधा
तथा काली उमा देवी देवदूति नमो ऽस्तु ते //
24.139
भद्रकालि महादेवि चर्ममुण्डे भयावहे
महोच्छुष्मे महाशान्ते नमस् ते शक्तिरूपिणि //
24.140
भूर् भुवः स्वेति स्वाहान्ते दयां नाथे कुरुष्व मे
ज्ञानार्थिनो महामाये एतद् इच्छामि वेदितुम् //
24.141
यस् त्व् इदं पठते स्तोत्रं त्रिसन्ध्यं चैव मानवः
प्राप्नोति चिन्तितान् कामान् स्त्रीणां भवति वल्लभः //
24.trailer-1
इति शिवशक्तिसमरसमहामायास्तवः समाप्तः
24.142
कुलजानां महेशान पवित्रारोहणं कथम्
कस्मिन् काले कथं कार्यं किमर्थं वद मे प्रभो //
24.143
पुरा देवासुरैर् देवि क्षीरोदो मथितो यदा
तत्र नेत्रो महाभागे कश्यपस्य सुतो बली //
24.144
मन्थाने योजितो भद्रे विषनिद्राविमूर्छितः
न शक्नोति तलस्यान्ते वर्षासु वसितुं यदा //
24.145
तेनाहं राधितो देवि पवित्रेण महात्मना
दिव्यं वर्षसहस्रं तु वायुभक्षो महाबलः //
24.146
तुष्टो ऽहं तस्य देवेशि किं कर्तव्यं पुरोदितम्
ततो ऽसौ दण्डवद् भूमौ मम पादाग्रतः स्थितः //
24.147
प्रावृट्काले न शक्नोमि तलान्ते वसितुं हर
ततः सो ऽपि मया देवि कराभ्यां गृह्य भूतलात् //
24.148
शिरसा धारितो देवि जटाजूटे वरानने
ततः सर्वैस् तु देवेशि शिरसा धारितः शुचिः //
24.149
दशकोटिस् तु पूजानां पवित्रारोहणे समा
वृथा दीक्षा वृथा ज्ञानं गुर्वाराधनम् एव च //
24.150
हरते नागराजस् तु विना देवि पवित्रकात्
वृथा परिश्रमस् तस्य यो न कुर्यात् पवित्रकम् //
24.151
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन कर्तव्यं कुलजैः प्रिये
आषाढे शुक्लपक्षे तु मिथुनस्थे दिवाकरे //
24.152
तदालाभे प्रकर्तव्यं कर्कटस्थे दिवाकरे
अविरोधेन कर्तव्यं यावत् स्यात् तुलपूर्णिमा //
24.153
सौवर्णं तु कृतं सूत्रं सूक्ष्मं तु त्रिगुणीकृतम्
तत्र तन्तुशतं प्रोक्तं ग्रन्थिपादं गुरोर् मतम् //
24.154
पूज्यस्य द्व्यधिकं कार्यं प्रतिपूज्ये चतुराधिकम्
सप्ताधिकं शिवस्योक्तं योगेशीनां षडुत्तरम् //
24.155
विद्यापीठस्य सर्वस्य कुर्यात् तच् च षडुत्तरम्
पादुकानां प्रकर्तव्यं शतम् अष्टाधिकं प्रिये //
24.156
अष्टत्रिंशच् च ग्रन्थ्यो वै पञ्चाशद् वा विकल्पना
अष्टाधिकं गुरोर् उक्तं वटुकस्य तथा भवेत् //
24.157
अथवा राजतं सूत्रम् अभावाद् वस्त्रजं भवेत्
शुक्लसूत्रं समादाय त्रिगुणं त्रिगुणीकृतम् //
24.158
तेन तन्तुशतं कुर्याद् अष्टाधिकं महातपे
श्रीकण्ठादि चतुर्विंशैर् अजेशाद्यैस् तु षोडश //
24.159
अष्टाभिश् च महाकालैर् विद्यामाता चतुष्टयम्
षट्तन्तु डादिषट्कस्य कुलाष्टे चाष्टतन्तुकम् //
24.160
ग्रन्थयश् च यथाशोभा यथाशक्त्या पवित्रकम्
गोरोचना प्रकर्तव्या अथवा कुङ्कुमेन तु //
24.161
एवं निष्पादयित्वा तु यागं कृत्वा वरानने
दातव्यं भक्तियुक्तेन पूजान्ते तु पवित्रकम् //
24.162
गीतं नृत्यं प्रकर्तव्यं स एवात्र वरानने
हिन्दोलं वाथ कर्तव्यं मन्दतारयुतेन तु //
24.163
प्राप्ताः समयिनो ये तु ते पूज्यास् तु प्रयत्नतः
तत् सर्वं तु प्रकर्तव्यं चातुर्मास्यं वरानने //
24.164
सप्तवासरम् एवं तु त्रीणि वा एकम् एव वा
वीरक्रीडाकृते देवि सम्पन्नं भवते प्रिये //
24.165
तत् पवित्रं वरारोहे कृत्वा चैव क्षमापयेत्
बहुयज्ञफलं देवि बहुतीर्थफलं तथा //
24.166
दानधर्मस्य देवेशि कलां नार्घन्ति षोडशीम्
पवित्रं परमं पुण्यं सर्वदोषविवर्जितम् //
24.167
तेन कार्यम् इदं देवि कुलजैस् तु वरानने
लङ्घनं समयानां तु कर्म विधिविनाकृतम् //
24.168
ते दोषा नाशम् आयान्ति पवित्रेण वरानने
वर्षे वर्षे प्रकर्तव्यं यथाविभवविस्तरात् //
24.169
काशैः कुशैः प्रकर्तव्यं भक्तियुक्तेन भैरवि
वित्तशाठ्यं न कर्तव्यम् इहैव तु कुलागमे //
24.170
शाठ्येन यत् कृतं कर्म न तत् सिद्धिपदं भवेत्
एवं ज्ञात्वा वरारोहे वित्तशाठ्यं न कारयेत् //
24.171
तद्ग्रहश् च तथा पूजा पवित्रारोहणं परम्
एतत् सर्वं समाख्यातं किम् अन्यत् परिपृच्छसि //
24.trailer-2
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते तद्ग्रहपूजापवित्रारोहणं नम चतुर्विंशतिमः पटलः
Kapitel 25 – Devanagari
Hinweis der Vorlage: next 26 verses introducing chapter 25
Hinweis der Vorlage: (maṇḍalavidhāna) only in EJT
Hinweis der Vorlage: from appendix 4
25.0*
मण्डलानां विधानं तु प्रसादं कुरु भैरव
येन जानाम्य् अहं देव कथयस्व विधानतः //
25.0*
सारं मण्डलम् आख्यातं फलं सारं परापरम्
लाति यस्माद् यमातीतं मण्डलं तेन कीर्तितम् //
25.0*
मकारे मातरः सर्वा डकारे डामरीगणम्
लकारे लाकिनीवर्गं मण्डलं तेन चोच्यते //
25.0*
मकारे नित् यम् आत्मानं डकारे खेचरीगणम्
लकारे भूचरीवर्गो मण्डलं तेन कीर्तितम् //
25.0*
मकारे ऽ नाम यो देवो डकारे शक्तिर् इष्यते
लकारे षड्विधा सृष्टिर् मण्डलं तेन कीर्तितम् //
25.0*
मकारं शिवतत्त्वं च विद्यातत्त्वं डकारगम्
लकारम् आत्मतत्त्वं तु कीर्तितं तेन मण्डलम् //
25.0*
मकारे तु शिवं विद्याद् डकारे परमेश्वरी
लकारे सप्तकोट्यस् तु मन्त्राणां परिकीर्तितम् //
25.0*
मकारे कारणाः पञ्च डकारे तु परापरा
लकारे अपराः पञ्च तेन मण्डल कीर्तितम् //
25.0*
ब्रह्मा विष्णुश् च रुद्रश् च ईश्वरश् च सदाशिवः
उच्यते मण्डलेनैते तेन मण्डलम् उच्यते //
25.0*
सर्वे ग्रहाश् च दिक्पाला नागा वै भैरवादयः
तिष्ठन्ति मण्डले लीनाः सर्वाधिक्यम् अतो पुनः //
25.0*
अनन्ताद्याः शिवान्ताध्वा षड्विधः सम्प्रकीर्तितः
आस्ते मण्डलके सो हि मण्डलं व्यापकं ततः //
25.0*
सर्वव्यापितया नान्यो मण्डलाभ्यधिको यतः
तेन मण्डलम् अभ्यर्च्य[ं] भुक्तिमुक्तिफलार्थिभिः //
25.0*
इतीष्टं मण्डलाध्यायं निर्दिष्टं कुब्जिकामते
कुर्यात् प्रदक्षिणं देवि अपसव्ये विसर्जनम् //
25.0*
श्रीमतस्याग्रतो देवि तद् एवं गुरुसन्निधौ
सुप्रसिद्धां ततो ज्येष्ठां सुपरीक्ष्य प्रयत्नतः //
25.0*
सप्ताविंशतिभिर् भेदैः प्रश्नम् एतत् क्रमागतम्
षट्प्रकारत्रयश् चाज्ञा येषां तीव्रावलोकनम् //
25.0*
सुभक्ता वत्सलाः शान्ता दम्भमायाविवर्जिताः
तेषां मण्डलकं कुर्याद् अन्यथा तु विलोमकृत् //
25.0*
तस्य पूजाक्रमश् चायं जानुना भूमिसंस्थितः
विधाय मार्जनी शुद्धे प्रोक्षिते चैव भूतले //
25.0*
दक्षहस्ततलं भ्राम्यं मण्डलं वारिनिर्मितम्
सुपुष्पप्रकरैर् युक्तं विलिप्य चन्दनादिभिः //
25.0*
त्रिधा तद् यागविधिना दत्त्वार्घं द्रव्यसंयुतम्
शिष्यो ऽस्य गन्धधूपाद्यैः पूजां कृत्वा पुरात्मनः //
25.0*
सद्विधानसमायुक्तं तद् अभ्यर्च्य समन्ततः
गुरुपादाम्भुजौ भक्त्या स्तुत्वा स्तोत्रादिभिः क्रमात् //
25.0*
पश्चात् त्रिःशुद्धया भक्त्या प्रणम्य तदनुज्ञया
उत्थाय शिरसा धार्यं भुक्तिमुक्तिफलार्थिना //
25.0*
गुरुपादस्थपुष्पं तु कार्यं शिस्येण सादरात्
नीराजनं सुभक्त्याथ शुभवस्तुनिवेदनम् //
25.0*
दूरात् करोति पर्यायात् पार्श्वस्थो हि च पर्वसु
स्वामिनं प्रणमेद् भक्त्या इत्य् आज्ञा पारमेश्वरी //
25.0*
पुष्पाघ्राय विसर्ज्येत नीत्वा नासम् अपुष्पता
विधानं मण्डलस्योक्तं स्वामिपूजाविधिक्रमः //
25.0*
क्रमं कुर्याद् इदं भक्त्या यः शिष्यः कुब्जिकामते
स्वामिपादप्रसादेन दिव्याज्ञां लभते पुनः //
25.0*
एतन् मण्डलम् आख्यातं यथार्थं तु मया तव
इदानीं ब्रूहि देवेशि किम् अन्यं कथयामि ते //
Hinweis der Vorlage: end of maṇḍalavidhāna insertion
25.1
पञ्चात्मानः कथं देव संस्थितः कतमः शिवः
किन्नियोगरता देव किम्प्रमाणं व्यवस्थिताः //
25.2
अत्यन्तनिपुनं देवि पृच्छसे गुणविस्तरम्
सविस्मयकरं भद्रे कथयाम्य् अनुपूर्वशः //
25.3
परः परापरः सिद्धः प्रसिद्धः पुद्गलात्मकः
स्थाननिर्देशतो वक्ष्ये शृणु त्वं वरवर्णिनि //
25.4
शतकोटिप्रमाणेन परो ह्य् आत्मा व्यवस्थितः
षण्नवत्येव कोटीनां विज्ञेयस् तु परापरः //
25.5
चतुराशीतिप्रमाणेन सिद्धो ह्य् आत्मा व्यवस्थितः
षट्त्रिंशत्कोटिमध्यस्थः प्रसिद्धः कारणेश्वरः //
25.6
चत्वारिंशाष्टमानेन संस्थितः पुद्गलात्मकः
लडहैव स विज्ञेयः परापरविभागशः //
25.7
प्रसिद्धकन्धरारूढः सिद्धसारथिनाहतः
स याति नीयते यत्र परापरनिरीक्षणात् //
25.8
परमाणुसमादिष्टः कर्मवृत्तौ नियामितः
वामादिपथमार्गेण प्रकृत्यर्थभरालसः //
25.9
प्रकृत्याक्रान्तशकटो भज्यते म्रियते गवि
रोदते सारथिस् तत्र पश्यते तु परापरः //
25.10
वामादिपथम् आरूढो नद्याम्भोधिसरित्सरैः
याति मद् ह्येन तेषां वै पस्यते वर्षणादिकम् //
25.11
यानक्रीडां च पश्येत कफाक्रान्तभरो यदि
पुद्गलात्मा व्रजेत् तत्र सिद्धसारथिनेरितः //
25.12
पित्तद्रव्यभराक्रान्तो ज्येष्ठापथि नियोजितः
ज्वालावलीढमध्ये तु ज्वलन्तैकपुरे ऽपि वा //
25.13
क्षुत्पिपासाभिभूतस् तु चौरा गृह्णन्ति तत्पथे
कोपसङ्ग्रामसंरम्भं स्त्रियालिङ्गनचुम्बनम् //
25.14
राज्योपद्रवम् एतद् धि परदारसमाकुलम्
सारथिस् तु भवेत् तत्र वध्यते मार्यते तु सः //
25.15
परापरो रुदत्य् आशु परः पश्यति तत्र वै
यात्य् अनेकविधोपायैः ज्येष्ठापथसमाश्रितः //
25.16
कफपित्तभराक्रान्तो वाताक्रान्तो यथा पुनः
पथि रौद्रे नियुक्तो ऽयं यात्य् असौ खेचरामुखः //
25.17
स्वर्गपाताललोकान्तं पिशाचभुवनानि च
विद्याधरपुरं पश्येत् पुष्पितं वनकाननम् //
25.18
योगिनीचक्रमेलापं नृत्यगीतरवाकुलम्
राज्याभिषेकम् आपन्नं छत्त्रोत्क्षेपितचामरम् //
25.19
वातपित्तभराक्रान्तः पुद्गलात्मा पथि स्थितः
पश्यते सारथिः सर्वं भुञ्जते तु परापरः //
25.20
अथ वातभराक्रान्तो याति नीयति दूरतः
सन्त्रासितस् तु रविना विषमः समपर्वतम् //
25.21
खञ्जमानो ऽप्य् असौ यत्नाद् भज्यते म्रियते तु सः
अथ वातकफाक्रान्तः परसारथिनेरितः //
25.22
सर्पव्याघ्रवृकाकीर्णं मार्गं पश्यति सर्वथा
खाद्यते चाप्य् असौ सर्पैर् म्रियते नीयते ऽपि वा //
25.23
एवं पुद्गल-आत्मा वै प्रसिद्धस्कन्धम् आश्रितः
सिद्धसारथिना युक्तः परापरवशानुगः //
25.24
प्रेरितो ऽसौ परात्माना क्रीडते स चराचरम्
कथितं सरहस्यं तु परात्मानिर्णयं स्फुटम् //
25.25
यन् न कस्यचिद् आख्यातं भ्रान्तिरूपं जगस्य च
श्रीमतं ये न विन्दन्ति भ्रान्तिस् तेषां पदे पदे //
25.26
पराकाशे परो ह्य् आत्मा मन्त्राकाशे परापरः
शक्त्याकाशे सुसिद्धस् तु पदभावे प्रसिद्धधीः //
25.27
भूताकाशपथे संस्थः पुद्गलात्मा नकिञ्चनः
पञ्चैते शम्भुनादिष्टाः शम्भुः सर्वत्र समरसः //
25.28
षष्ठनाथः परः साक्षात् सर्वज्ञः स परापरः
अलक्षणम् असंज्ञो ऽसौ प्रसादाच् छम्भुवस् तु सः //
25.29
अनुज्ञातो ऽभिषिक्तस् तु वीरो वीरत्वम् इच्छता
चरेद् विद्याव्रतं मन्त्री यथा तत् कथयस्व मे //
25.30
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि विद्याया व्रतम् उत्तमम्
जटी मुण्डी शिखी भस्मी ब्रह्मचारी तु स्नातकः ल्ल् //
25.31
व्रतस्थो ऽप्य् अव्रतस्थो वा सर्वावस्थो ऽथ सिद्धिदः
पञ्चमुद्राधरो वापि भस्मनिष्ठो दिगम्बरः //
25.32
चीरवल्कलधारी वा सर्वाभरणभूषितः
मलीमसो ऽथ शुक्लो वा वस्त्राभरणभूषितः //
25.33
येन येन हि वेषेण वर्तते साधकोत्तमः
तत् तद् एव व्रतं प्रोक्तम् इति शास्त्रस्य निश्चयः //
25.34
यद् यद् आभरणं तस्य यं वा वदति वाचया
सा चर्या कथिता तस्य मन्त्राश् चैव न संशयः //
25.35
विद्या नाम परा शक्तिर् द्विभिर् भेदैर् व्यवस्थिता
चिच्छक्तिरहिताधिष्ठा अवर्णा वर्णगा शुभा //
25.36
विन्दते वर्णगा येन तेन विद्याव्रतं प्रिये
चीर्णचर्या जगत् सर्वं वर्णावर्णैर् व्यवस्थितम् //
25.37
व्रतं भावम् इति प्रोक्तं तेन विद्याव्रतं स्मृतम्
चिच् चिनोति विद ज्ञाने चिच्छक्तिप्रतिबोधकम् //
25.38
अवर्णं रक्तवत् पिण्डं विद्यामन्त्रात्मविग्रहम्
पश्यन्ति च व्रतासक्ताश् चीर्णविद्या स उच्यते //
25.39
सप्तकोटिसहस्राणां विद्यानाम् अप्रमेयतः
चिच्छक्तिबोधनं यस्माद् अवर्णा वर्णतां गता //
25.40
एका एव परा प्रोक्ता विद्यारूपा तु कुण्डली
तेन देवि व्रतं प्रोक्तं विद्यायावरणं शुभम् //
25.41
विद्यामार्गे चरेद् यस् तु शास्त्रदृष्टेन कर्मणा
ध्यानं पूजा जपो होमः समयानां प्रपालनम् //
25.42
एतद् विद्याव्रतं प्रोक्तं नान्यथा वीरनायिके
विद्या ज्ञेया तु योनिस्था चरते द्वादशान्तगम् //
25.43
व्रतस्थानेषु सर्वेषु तेन विद्याव्रतं प्रिये
ब्रह्मा विष्णुस् तथा रुद्र ईश्वरस् तु सदाशिवः //
25.44
एते स्थाना व्रतस्यैव यत्र सा चरते परा
तं ज्ञात्वा परमं स्थानं चीर्णविद्याव्रतो हि सः //
25.45
पञ्चमुद्रा भवेद् देवि पञ्चकारणकं ततः
भूषितो हृदि तिष्ठेत पञ्चमुद्राव्यवस्थितः //
25.46
एतैस् तु भूषितो मन्त्री पर्यटेत् क्षेत्रम् आश्रितः
श्मशाने कानने कूपे उद्याने देवकुले ऽपि वा //
25.47
शून्ये राजगृहे मन्त्री पर्वताग्रे चतुष्पथे
त्रिपथग्रामरथ्यासु महोदधितटे तथा //
25.48
नदीसङ्गमतीरे वा एकवृक्षे ऽथ कानने
एकलिङ्गे तथा षण्डे क्षेत्रैर् वा अष्टभिः क्रमात् //
25.49
प्रयागा वरुणा कोला भीमनादा जयन्तिका
चरित्रेकाम्रकं चैव कोटीवर्षं तथाष्टमम् //
25.50
एतैस् तु पर्यटेन् मन्त्री योगिनीसिद्धिम् इच्छता
खट्वाङ्गधारिणो मौनी वेगात् पर्यटते सदा //
25.51
डमरुं पाशखट्वाङ्गं त्रिशूलं खेटकं तथा
नाराचा कर्तरी चक्रम् अङ्कुशं मुशलं धनुः //
25.52
गदा कट्टारिका शक्तिस् तथा दण्डकमण्डलुम्
एते तु आयुधाः श्रेष्ठाश् चर्याकाले तु धारयेत् //
25.53
पञ्चदैवसिकं कार्यम् अस्त्रसम्ख्या व्रतोत्तमा
द्वादसाहं चरेन् मन्त्री पक्षमासादितो ऽथवा //
25.54
षण्मासम् अथवाब्दं च द्विरब्दं त्रीणि-म्-एव वा
चतुः पञ्च तथा षट्सु सप्त अष्ट तथापि वा //
25.55
नव द्विपञ्चकं वाथ एकादश-म्-अथापि वा
द्वादशाब्दं चरेन् मन्त्री ब्रह्मघ्नो ऽपि स सिध्यति //
25.56
अब्द-म्-एकेन देवेशि मण्डलीकैः प्रपूज्यते
देशं भृत्या[ः] पुरं ग्रामं समन्त्री सपुरोगमः //
25.57
सान्तःपुरवरो राजा वश्यो भवति शोभने
द्विरब्दैर् यक्षकन्याश् च सिध्यन्ति सुरनायिके //
25.58
त्रिरब्दात् सप्तपाताला यास् तु दैत्याङ्गनाः शुभाः
पश्यते मदमत्तास् तु मदविभ्रान्तलोचनाः //
25.59
मातङ्गमदगामिन्यो अक्षया यौवनोद्वहाः
क्षुभ्यन्ति साधकेन्द्रस्य प्राणान् मुञ्चन्ति तत्क्षणात् //
25.60
चतुः पञ्च तथा षट्सु ब्रह्मलोकादि साधयेत्
सप्तमे ऽब्दे वरारोहे रुद्रान्ता या व्यवस्थिताः //
25.61
सिध्यन्ति साधकेन्द्रस्य इति शास्त्रे प्रचोदिताः
अष्टमे ईश्वराख्यं तु नवमे तु सदाशिवम् //
25.62
दशमे विद्यालयो भूत्वा क्रीडते गगने महान्
दशमैकादशे देवि द्वादशैर् गुणसंयुतः //
25.63
अणिमादिगुणैर् युक्तो गच्छते खेचरैः सह
अक्षयो ह्य् अजयो योगी क्रीडते सर्वगः शुभः //
25.64
व्रतस्थस्य फलं ह्य् एतत् कथितं तु मया प्रिये
साम्प्रतं योगमार्गेण यथा भवति तच् छृणु //
25.65
श्मशानं तु गृहं प्रोक्तं गृहो देहः प्रकीर्तितः
अटते तु अविश्रान्तः श्मशानगतचेतसः //
25.66
कं शरीरम् इति प्रोक्तं तस्यान्ते नयते भृशम्
पश्यते मन्त्रसंस्थो ऽपि वाङ्मयं सचराचरम् //
25.67
काननं तेन चाख्यातं कायान्ते संस्थितं प्रिये
मनः कूपं समुद्दिष्टं सङ्कल्पं कुरुते बहून् //
25.68
तत्राधारो व्रजेत् क्षेत्री तेन कूपेति विश्रुतः
उद्यतो मन नाभिस्थो मध्यतः सर्वजन्तुषु //
25.69
नेति तत् परमं प्राप्तं उद्यानस् तेन उच्यते
ददाति सततं देहे अमृतं तु नभोगतम् //
25.70
कुलान्ते च चरेद् येन धर्माधर्मात्मबन्धनैः
तेन देवि समाख्यातं देही देवकुलं सदा //
25.71
राजा चात्मा समुद्दिष्टः षट्त्रिंशे ऽप्य् अथवाध्वनि
शब्दादिगुणभूयिष्ठो मनःकोष्ठगतः प्रभुः //
25.72
तेन स्थितेन तिष्ठन्ति तेनैव सह गच्छति
उन्मनत्वे सदा युक्तः शून्यो मन-म्-उदाहृतः //
25.73
शून्यं राजगृहं तेन उन्मनत्वे सदा प्रिये
पर्वतं गुरुवक्त्रं तु तस्याग्रम् अवलम्बयेत् //
25.74
पर्वताग्रं स्मृतं तेन पर्यायेन सुरार्चिते
चतुष्पथं भवेद् देवि वामा ज्येष्ठा च रौद्रिका //
25.75
अम्बिकाया समायुक्तम् अटनं पुद्गलात्मकम्
चतुष्कं तेन चाख्यातं पथम् एतद् उदाहृतम् //
25.76
पथं नाडीत्रयं प्रोक्तम् इडाद्या तु कुलेश्वरि
त्रिपथस्थो-र्-अटेन् नित्यं कुरुते गति-र्-आगतिम् //
25.77
त्रिपथस्थैकभावस्थो यः करोति स सिध्यति
ग्रामं देहम् इति प्रोक्तम् आत्मा देहम् इति स्मृतः //
25.78
आलयः सर्वसत्त्वानां सुखदुःखपरापरः
गच्छते अध ऊर्ध्वं तु रथ्याधारो जगत्पतिः //
25.79
तेन रथ्या स्मृता नाडी ब्रह्माद्या आत्मनश् च तु
तटं तीरं समाख्यातं सिन्धूच्चारं निगद्यते //
25.80
दुःखान्ते तु लयातीतं तटम् उदधिसंज्ञकम्
वाचान्ते व्यापिनं देवं शिवं परमकारणम् //
25.81
तिष्ठते सततं मन्त्री तत्र चर्या प्रकाशिता
नदते चान्तराधारा परा कुण्डलिनी तु या //
25.82
सा नदी ओघभूता तु व्योमार्णे वहते सदा
सङ्गमं परया युक्तम् उन्मनायाः प्रकीर्तितम् //
25.83
सङ्गमं तेन चाख्यातं नदी तु समुदाहृता
तीरं तु समवायिन्या विभ्वीया सा परा कला //
25.84
तदातीतो भवेद् व्यापी नद्यास् तीरम् उदाहृतम्
एकवृक्षं समाख्यातम् एका शक्तिर् इहोच्यते //
25.85
वृक्षम् इन्द्रियम् आख्यातं वृक्षं शक्तिर् इति स्मृता
क्षयं गता परे व्योम्नि अमनस्के निरामये //
25.86
तेन देवि मया प्रोक्तम् एकवृक्षस् तु चर्यया
एकम् एव परं तत्त्वं लिङ्गाधारं विभुं प्रिये //
25.87
पर्यटे[त्] तु दिवा रात्रौ अविश्रान्तः पुनः पुनः
एकलिङ्गं समाख्यातं षण्डं तु कथयामि ते //
25.88
हृदयं तु सरः प्रोक्तं पद्मं वै अष्टपत्त्रकम्
उदानेन तु देवेशि विकाशे तु रविस् तु सः //
25.89
सेव्यते पुद्गलालीनं सरोजं हृदयात्मकम्
रमते तत्र हंसाख्यः शक्तिर् आद्या मनोन्मनी //
25.90
तं षण्डं कथितं शास्त्रे क्षेत्राणि कथयामि ते
क्षेत्रं नाम परं शान्तं शरीरं तत्त्वसंयुतम् //
25.91
क्षेत्रज्ञो अटते नित्यं स्थानाष्टकगतिस्थितः
तेनेदं कथितं देवि क्षेत्राष्टकम् उदाहृतम् //
25.92
ये पीठास् ते भवेत् क्षेत्राः क्षेत्राः पीठा उदाहृताः
नामपर्यायसंज्ञा तु शास्त्रे शास्त्रे पृथक् पृथक् //
25.93
प्रयागं नाभिसंस्थं तु वरुणा हृत्प्रदेशतः
कोलागिर्यं तु कण्ठस्थं भीमनादं च तालुके //
25.94
बिन्दुस्थाने जयन्त्याख्यं नादाख्ये तु चरित्रकम्
एकाम्रं शक्तिमध्ये तु ज्ञातव्यं विदितात्मकैः //
25.95
गुरुवक्त्रगतं प्रोक्तं कोटीवर्षं तु चाष्टमम्
एते स्थाना मया प्रोक्ता अध्यात्मं पुद्गलाश्रिताः //
25.96
अटते सततं येन हृच्चक्रस्थः सनातनः
यावद् एवं न विन्देच् च पीठम् अध्यात्मिकं प्रिये //
25.97
तावत् तस्य कुतः सिद्धिर् अटतो ऽपि जगत्त्रयम्
बहिरन्तरभावं तु अन्तरम्बहिरङ्गयोः //
25.98
लोकप्रवृत्तिहेत्वर्थे बहिःपीठाः प्रकीर्तिताः
अन्तरङ्गं यदा शुद्धं पश्यते मनसा प्रिये //
25.99
तदा पश्यति बाह्ये तु सूक्ष्मरूपा गभस्तयः
मेलकं च प्रयच्छन्ति चरुं वा पाशवीं विधिम् //
25.100
सम्प्रदायं प्रयच्छन्ति स्थानं वा कथयन्त्य् अपि
अशुद्धेन तु भावेन पर्यटेत् पृथिवीं यदि //
25.101
न तस्य दर्शनं देवि ददते मनसा क्वचित्
पश्यन्न् अपि च देवेशि पश्यन्तो ऽपि न पश्यति //
25.102
सङ्कीर्णलक्षणा देव्यो मिश्रा ज्ञातुं न शक्यते
प्रभावो ऽस्याः समुद्दिष्टो विना तासाम् अनुग्रहात् //
25.103
ग्रामे ग्रामे तथारण्ये नगरे चत्वरे पुरे
खेटके चैव सन्दोहे पीठक्षेत्रे वने तथा //
25.104
उद्यानोपवने चैव पूर्वम् उक्ते तथैव च
देशे देशे ऽभिजायन्ते ज्ञानरूपा गभस्तयः //
25.105
पार्थिवाचरणे प्रोक्ता आपे तेजे तथानिले
आकाशे चैव सुश्रोणि तासां सङ्ख्या न विद्यते //
25.106
पीठाश्रयविभागेन उत्पद्यन्ते ह्य् अनेकधा
खानपानरता नित्यं क्रीडन्ते चान्त्यजेष्व् अपि //
25.107
तेन देवि मया प्रोक्ताः पीठा बाह्यस्वरूपतः
वेश्यागृहं प्रयागाख्यं वरुणा सौण्डिकी विदुः //
25.108
कैवर्तिकी भवेत् कोल्ला अट्टहासं तु खट्टकी
जयन्ती कन्दुकी विद्याच् चरित्रं रजकीगृहम् //
25.109
एकाम्रकं भवेच् छिप्पी कोटाख्येति च कौषटी
पुरस्थितानि क्षेत्राणि ज्ञानात्मा लक्षयेत् तु ता[ः] //
25.110
बाह्यतः कथितो भेदो गृहस्थं शृणु साम्प्रतम्
प्रयागं मध्यदेशे तु वरुणा द्वारम् आस्रिता //
25.111
कोलापुरं तु कञ्जिन्यां चुल्ली चैवाट्टहासकम्
चरित्रं पेषणी ज्ञेया एकाम्रं कण्डनी स्मृता //
25.112
देविकोट्टं घरट्टं च उपक्षेत्राण्य् अतः सृणु
वर्धमानी-म्-उपालम्भी देहल्या मुषलं तथा //
25.113
खट्वा शूर्पघरट्टं च वर्धमान्यादितः क्रमात्
पादेनैतान् न संस्पृश्य यद् इच्छेच् छ्रियम् आत्मनः //
25.114
मार्जनीशूर्पवातं वा दूरतः परिवर्जयेत्
वाताविष्टाः प्रविश्यन्ति छिद्रं मत्वा तु साधके //
25.115
विघ्नानि सिद्धयोगिन्यः श्रेयं गृह्णन्त्य् अतो ऽर्थतः
कणिका शिरवाख्यं तु कालिकालालयं शिवम् //
25.116
कालञ्जरं महाकालं क्षेत्रसंस्थानम् आश्रितः
पीठोपपीठसन्दोहं पुरस्थं गृहदेहगम् //
25.117
ज्ञातव्यं चुम्बकेनैव भुक्तिमुक्तिफलप्रदम्
बाह्यतः कथिता ह्य् एवं पीठाः क्षेत्रास् तु सुव्रते //
25.118
पर्यटेद् एषु स्थानेषु पूजनीयाः सदा बुधैः
भक्ष्यभोज्यान्नपानैश् च तर्पयेन् मन्त्रवित् सदा //
25.119
एतेषां संस्थितिस् तेषां योगिनाम् अप्रमेयता
भवन्तीह न सन्देहो वरदाः साधकस्य तु //
25.120
तर्पिताः पूजिता देव्यः साधकस्य ददन्ति हि
षण्मासाद् युक्तमार्गस्य समयव्रतपालके //
25.121
मन्तव्यं साधकेन्द्रेण तोषयित्वा गुरुं प्रिये
अथान्यं सम्प्रवक्ष्यामि परिभाषास्त्रवादिनाम् //
25.122
अध्यात्मिकं बहिश् चैव यथा ज्ञायन्ति तत्त्वतः
तथा ते कथयिष्यामि शृणुष्वायतलोचने //
25.123
अध्यात्मं कुरुते बाह्यं व्रतचर्या तु साधनम्
एवं कृते भवेत् सिद्धिः सत्यं सत्यं न संशयः //
25.124
खट्वाङ्गं कथयिष्यामि खगतीकरणं परम्
आपादतलमूर्ध्नान्तं यथा भवति तच् छृणु //
25.125
शिरादौ सर्व-म्-अङ्गेषु अङ्गप्रत्यङ्गकेष्वपि
खट्वायते तु सुश्रोणि खट्वाङ्गी तेन उच्यते //
25.126
मौनेन वर्तयेन् नित्यं हृदि गूढं परापरम्
तेन मौनीति विज्ञेयः सर्वभावेषु भाविनि //
25.127
वेगेन पर्यटेद् देहे अविश्रान्तः पुनः पुनः
तेन वेगान् मयाख्यातम् अटनं पुद्गलस्य तु //
25.128
डमरुकं प्रवक्ष्यामि यथा शास्त्रे उदाहृतम्
अमा नाम परा सूक्ष्मा कला चामृतवाहिनी //
25.129
आत्मा सञ्चरते तस्मिन् रावं मुञ्चन्ति बिन्दुके
विसर्गस्थो महात्मानो वादयेत् कथयेति च //
25.130
डमरुकं स्मृतं तेन अमनस्के निरामये
नाभिस्था यस्य तिष्ठेत मायारूपा तु कुण्डली //
25.131
पाशम् एतद् विनिर्दिष्टं खड्गं चैवाधुना शृणु
खस्था छिनत्ति पाशांस् तु विसर्गास्त्रेण मोहनी //
25.132
खड्गवन् निर्मला येन खगमध्ये कुलेश्वरि
गता सा ब्रह्मसायुज्यं घटते शक्तिर् अव्यया //
25.133
तेन खड्गम् इति प्रोक्तम् आयुधं सुरनायिके
एका एव परा शक्तिस् त्रिपथा चक्रमण्डले //
25.134
वामा ज्येष्ठा तथा रौद्री इच्छाज्ञानक्रियात्मिका
त्रिशूलं त्रिपथं ख्यातं त्रिशक्तिम् अनुपूर्वशः //
25.135
खरूपा व्योमगा शान्ता निर्मला अटते प्रिये
खेटकं तेन नामं तु द्वादशान्ते व्यवस्थितम् //
25.136
नारा च शक्ति-र्-उच्चारं करणात्मव्यवस्थितम्
वेधते तु निरोधिन्या कारणं पञ्च एव तु //
25.137
तेन नाराचम् आख्यातं पर्यायेण वरानने
कर्तरी ज्ञानशक्तिस् तु येन पाशाञ् छिनत्त्य् असौ //
25.138
सा कला परमा सूक्ष्मा मन्त्राणां बोधनी परा
कर्तरी कर्तृरूपेण ज्ञातव्या साधकेन तु //
25.139
चरते द्वादशान्ते तु क्रमात् तत्त्वानि मुञ्चति
चक्रवेद् भ्रमते नित् यम् अङ्कुशस्था परापरा //
25.140
अङ्गमङ्गगता देवी बहिरन्तरसंस्थिता
कुरुते सततं चेष्टाम् आसने शयने तथा //
25.141
धावनं वल्गनं रोधम् अङ्कुशस्थानम् आश्रितः
मुषलत्वे स्थितो नादो रेखाकारोर्ध्वगः प्रिये //
25.142
तं भित्त्वा गमनं चोर्ध्वं मुषलाख्यं सदाशिवम्
धनुर् लक्ष्ये मनाख्यं तु येन वेधयते परम् //
25.143
आपूर्य सविसर्गेण परेण मनचक्षुषा
करणेन फडन्तेन विसर्गस्थेन सुस्वने //
25.144
ऋतुद्वयविशुद्धेन काननान्तर्गतेन तु
अनेन करणान्तेन कट्टारिका परापरा //
25.145
प्राप्नोति तत्त्वसायोज्यं गदया च सुलोचने
गता ह्य् एका परा रन्ध्रं ददते चामृतं शुभम् //
25.146
गतास् तु न निवर्तन्ते ये गता गदया सह
शक्तिः शक्तिस्थभावेन आत्मानं नयते सदा //
25.147
तद्भावयोगविद्धस् तु शक्तिना तु सुराधिपे
दण्डवदृजुरेखा तु नादान्तपदम् अव्ययम् //
25.148
तेन मार्गेण गन्तव्यं दण्डधारेण सुव्रते
कं शरीरम् इति ख्यातं मण्डलाकारसंस्थितम् //
25.149
अत्राध्वा तु वरारोहे शोधनीयो मनीषिभिः
कुलाद्या या परा शुद्धा सर्व-अध्वहृदि स्थिता //
25.150
तेनेदं कथितं भद्रे कमण्डलुर् इति स्मृतः
एते तु आयुधाः सूक्ष्माः पर्यायात् कथिताः स्फुटम् //
25.151
समयिन्यगता सूक्ष्मा कला सूक्ष्मातिनायिका
कथितास् तु मया देवि परापरविभागशः //
25.152
बाह्यतः कथयिष्यामि दूतीनां लक्षणं सुभम्
अन्तरङ्गे तथा ह्य् एवं श्रूयतां तेषु निश्चयम् //
25.153
माता दुहिता भगिनी सहजा तु तथा न्त्यजा
रजकी चर्मकारी च मातङ्गी चाग्रजन्मिका //
25.154
अन्नपानं तथा भक्ष्यम् आचरेच् छक्तिभिः सह
अन्त्यजानां द्विजानां च एकत्र चरुभोजनम् //
25.155
कर्तव्यं साधकेनैव यद् इच्छेत् सिद्धिम् उत्तमाम् //
25.156
कुत्सितं कथितं देव अयुक्तं शास्त्रवादिनाम्
पशूनां यत् समाख्यातम् आचारं परमेश्वर
यतीनां तु यदा सो हि तद् आश्चर्यं महाप्रभो //
25.157
साधु देवि महाप्राज्ञे प्रश्नम् एतत् सुदुर्लभम्
कथयामि समासेन त्वत्प्रीत्या सुरनायिके //
25.158
मातेव संस्थिता शक्तिर् जगतो योनिरूपिणी
अत्रोत्पन्नं समस्तं हि वाङ्मयं सचराचरम् //
25.159
तेन मातेति विख्याता कथिता परमेश्वरी
उद्भवस्था दुहित्री तु दुहनात् तु जगस्य च //
25.160
दुहित्री तु द्वितीया तु भगिनी त्व् अथ-म्-उच्यते
भगरूपा परा सूक्ष्मा नान्येन तु सुनिर्मिता //
25.161
स्वतोत्पन्ना स्वयं जाता तेनोक्ता सहजा कला
अन्तस्था सर्वभूतानां वर्तते चान्तगा परा //
25.162
अन्ते च संस्थिता ह्य् एका अन्त्यजा परमेश्वरी
रजस्तमोविनिर्मुक्ता महान्ते रजकी उमे //
25.163
चरते चर्मगा येन स्वरङ्गेन तु रञ्जिता
चर्मकारी तु सा चैका मातङ्गी च ततोच्यते //
25.164
आत्मस्था सततं नित्यं गीतस्यान्तपथे स्थिता
मातङ्गी कथिता दूती अग्रजन्मी तथोच्यते //
25.165
सर्वेषां चैव शास्त्राणाम् अग्रोत्पन्ना तु अग्रणी
नान्यत् तत्र भवेत् किञ्चिच् छक्तिर् आद्या मनोन्मनी //
25.166
अग्रजन्मा समाख्याता परा ह्य् अमृतवाहिनी
पर्यायात् कथिता देवि शक्तिस् तद्धर्मधर्मिणी //
25.167
अज्ञात्वा देहजां शक्तिं बहुस्थानगतां प्रिये
आचरन्ति च ये मूढाः पशवः समुदाहृताः //
25.168
अपाक्तेया असम्भाष्याः शिवव्रतविडम्बकाः
खानं पानं तथा देवि कर्तव्यं न च तैः सह //
25.169
एवं युक्तः सदा तिष्ठेन् मदिरानन्दचेतसः
मदिरा या परा शक्ति रञ्जितं तु जगत्त्रयम् //
25.170
आनन्दं तत्समत्वं हि मदिरानन्दचेतसः
सिध्यते नात्र सन्देहो यथा भैरव-म्-अब्रवीत् //
25.171
ज्ञानामृतेन तृप्तस्य कृतकृत्यस्य योगिनः
नैवास्ति किञ्चित् कर्तव्यम् अस्ति चेन् न स तत्त्ववित् //
25.172
अथान्यत् सम्प्रवक्ष्यामि अवस्थां ज्ञानबोधिकाम्
घोषणी पिङ्गला चैव विद्युन्माला च चन्द्रिणी //
25.173
मनोऽनुगा च सुकृता सौम्या चैव निरञ्जना
निरालम्बा तथा देवी अन्या चैव महाबला //
25.174
हेला लोला तथा लीला बोधाबोधवतीति च
निरामयाः समाख्याता एताः प्रत्यक्षमातराः //
25.175
आज्ञासिद्धिप्रदातारा आज्ञासिद्धिकुलान्वये
घोषणी घोषमार्गस्था शिखा धूम्रा च पिङ्गला //
25.176
रात्रौ द्योतयते शुक्लं विद्युन्मालेति चोच्यते
चन्द्रिणी चन्द्रगर्भेण सन्ध्याबिन्दु मनोऽनुगा //
25.177
निमीलिताक्षे यत् पीतं सुकृता समुदाहृता
कंसध्वनिस् तथा सौम्या घण्टा चैव निरञ्जना //
25.178
हंसाख्या तु निरालम्बा किङ्किणी तु महाबला
गुददेशे प्रजायेत सदा सिद्धिप्रदायिका //
25.179
घोषमार्गे तु यो हंसो हेला नामेति चोच्यते
तस्य मध्ये तु यः शब्दो लोलाख्या सा प्रकीर्तिता //
25.180
लीला चैवाणवा प्रोक्ता खेचरत्वप्रदायिनी
चीत्कृतं कर्णदेशे तु बोधाबोधवती तु सा //
25.181
आत्मानं हंसम् इत्य् आहुर् मायारूपा तु बोधनी
कुण्डली तु समाख्याता रुद्रशक्तिस् तु बिन्दुकम् //
25.182
गगने दृश्यते यस् तु प्रभाकारेण सुप्रभः
अखण्डमण्डलाकारं द्योतयन्तं नभस्तलम् //
25.183
अचलं तत् समाख्यातम् अचलत्वेन संस्थितम्
एतावस्थाः समाख्याता उदयन्ति क्रमेण तु //
25.184
आज्ञातत्परभावज्ञः सुगुप्तो गुरुपूजकः
तस्य सिद्धिर् भवत्य् आशु नान्यथा कुब्जिके वचः //
25.185
पितु[ः] प्राप्तं यथा सौख्यं तत् सुखं भुञ्जते स्वयम्
मृत्युर् येन सुखेनेह तत् सुखं ध्यानम् उच्यते //
25.186
समस्तेदं वरारोहे दुर्लभं प्रकटीकृतम्
त्वं पुनश् चावतारित्वा क्रमौघं सम्प्रकाशय //
25.187
सुगोप्यं गोपनीभूत्वा क्रमं पूज्यारिहा भव //
25.188
या सा कुब्जि परा महौघजननी सञ्चोदितो ऽहं त्वया त्वं कुब्जा परकुब्जिनी मम पुनस् त्वाहं मया त्वं पुनः
त्वयादिष्टचतुष्टयं क्रमपथं तेषां क्रमो वै यथा सम्प्रेष्यात्मगतं क्रमौघपरमं चाज्ञा गृहीतानघे //
25.189
शतकोटिसुविस्तीर्णं तन्त्रेदं पारमेश्वरम्
अस्य भेदोपभेदाश् च भविष्यन्ति ह्य् अनेकधा //
25.190
अत्र कल्पे वरारोहे सूत्रसङ्ग्रहलक्षणम्
चतुर्विंशतिसाहस्रं किं तु तत् प्रकटं न हि //
25.191
कर्तव्यं तु त्वया भद्रे किं तु पीठचतुष्टये
प्रकाशयस्व चाज्ञातो यथा गोप्यतरं भवेत् //
25.192
सुदुर्लभतरं देवि तन्त्रेदं परमाद्भुतम्
यत्र वा तिष्ठते देशे स देशो भुक्तिभाग् भवेत् //
25.193
किं पुनः पुरमध्यस्थं गृहावस्थगतं हृदि
तिष्ठते यस्य ऽसौ नाथे पुरं पीठसमं भवेत् //
25.194
गृहं तद् योगपीठं च मन्तव्यम् अन्वयान्वितैः
आगमं मण्डलाद्यैस् तु पूज्योघं पारमेश्वरम् //
25.195
यत्रेदं तिष्ठते स्थाने दिव्याम्नायं सुदुर्लभम्
दिव्यैस् तु पूज्यते सो हि यदि गोप्यतरं भवेत् //
25.196
विधानविहिता पूजा यद्य् अष्टम्यां चतुर्दशी
पूजयेत् परमाम्नायं पूज्यते स मरीचिभिः //
25.197
यस् त्व् एवं विन्दते देवि ग्रन्थतश् चार्थतो ऽपि वा
स ज्येष्ठः कुलसन्ताने पूज्यो ऽसौ भैरवो यथा //
25.198
अवज्ञां कुरुते यस् तु यस्य तस्य प्रकाशयेत्
सामर्थ्येन सतां द्विष्टो भ्रष्टो दुःखी स सर्वतः //
25.199
आगमाधारभाण्डस्य दृष्ट्वावज्ञां करोति यः
नमस्कारेण तत् पीठं तस्यैवायं पुरोदितम् //
25.200
श्रुत्वैवं विस्मयापन्ना ऊचुस् त्व् एवं कुलेश्वरी
प्रेरयित्वादितोद्दिष्टा अत्राज्ञानविरोधिनी //
25.201
आज्ञाश्रुतं समस्तेदं दृष्टम् अस्माद् विर्जृम्भितम्
व्रजतोडादिसिद्धानां तेषु सर्वं समर्पयेत् //
25.202
समयिन्यश् च संयोज्य तस्य त्वामोघशालिनी
भविष्यसि पुरावस्था तदवस्थान्तरे स्थिता //
25.203
प्रथमं मद्गुणैर् भद्रे द्वितीयं च खगान्तरे
तृतीयं भूचरीनाथः पश्चानन्तभवात्मिका //
25.204
त्रयान्ते गुरुपङ्क्तिस्था पृथक्पूजाक्रमे स्थिता
भविष्यसि पुरावस्था ह्रास्यमाना पदे पदे //
25.205
जीविकोपायहेत्वर्थम् उत्कर्षार्थम् अथापि वा
तेषु त्यज्य पराम्नायं भूतावेशकरी भव //
25.206
व्यतिक्रमं यदा काले भविष्यत् कुब्जिनीमते
तदा काले तु तं हत्वा समाप्येवं पुनर् भज //
25.207
सारसङ्ग्रहम् एतद् धि अनामामतम् उत्तमम्
अस्योच्चारं न कर्तव्यम् उच्चाराद् अय् उतं जपेत् //
25.208
कुब्जिका या वरारोहे पञ्चभिः प्रणवैः सह
तैर् विना न हि चोच्चारं कुब्जाम्नायमहाध्वरे //
25.209
यैस् तु तानि वरारोहे कथयामि स्वरूपतः
बिन्दुयुक्तानि सर्वाणि जीवभूतानि शासने //
25.210
आदिमं च तृतीयं च दशमं चैकविंशकम्
द्वितीयं चैकविंशेन वर्जितं पञ्चमं तु तत् //
25.211
किं तु वामेन जङ्घाया हतं बीजेन कारयेत्
तद् बीजं परम् उद्दिष्टं सर्वज्ञानावतारकम् //
25.212
अम्बिका बिन्दुनादं च कुण्डली च परः शिवः
रत्नानां पञ्चकं देवि व्यापयित्वा सुदुर्लभम् //
25.213
अनेनाभ्यासयोगेन खेचरीकुलनन्दनः
सिध्यते नात्र सन्देहो गुरुवक्त्रप्रसादतः //
25.214
खेचरा भूचरा चैव दिक्चरा गोचरा तथा
ददन्ति मेलकं सर्वं यस्येदं हृदि संस्थितम् //
25.215
देवदेवेन देव्याया मतं दिव्यं मया तव
कर्तव्यं तु तथा गोप्यम् इत्य् आज्ञा पारमेश्वरी //
25.216
पूजा चास्य प्रकर्तव्या विशेषेण वरानने
शुक्लपक्षे तृतीयायां वैशाखस्य तथा पुनः //
25.217
कृष्णपक्षे त्रयोदश्यां नभस्यनवमी पुनः
आश्विने शुक्लपक्षस्य पूर्णिमा फाल्गुने मता //
25.218
आषाढे श्रावणे चैव भाद्रपद्यां तथैव च
शुक्लपक्षे चतुर्दश्यां कर्तव्यं च पवित्रकम् //
25.219
आत्मवित्तानुसारेण उत्तमाधममध्यमाः
गुरुपर्वम् इति ख्यातं पालनीयं कुलाम्बिके //
25.220
युगादयः समाख्याता अत्र पीठावतारणम्
पीठमार्गक्रमायातम् आगमो ऽयं तद् एव हि //
25.221
आगमे पूजिते सर्वं पूजितं ज्ञानसागरम्
येनेदं पुस्तकं देव्याः पूर्वोक्तं यन् मया तव //
25.222
अन्यत् तत् परमोपायं सिद्धिपर्यायशासने
दिव्यसिद्धिप्रदातारं दिव्यभाषाविभूषितम् //
25.223
कुसुमं च रजं रक्तं रथ्यं शिवकुसुम्भकम्
तडिद् अमृतमधुरं क्षतजोद्भवनेत्रजम् //
25.224
कादम्बरी प्रसन्ना च परिस्रुङ् मदिरा सुरा
वामामृतम् अलिश् चैव सोमपानं मदालसी //
25.225
धारामृतं शिवाम्बुं च रतिविष्णुवरुणोद्भवम्
वर्चो ब्रह्मा द्विजन्मा च सरोजः कमलासनः //
25.226
बुकपुष्पकणाख्यं च लिङ्गपङ्कमलं तथा
कुण्डगोलोद्भवं शुक्रं शशिश् चैव सितं मधु //
25.227
कटं मांसं पलं क्रव्यं पिषितं फल्गुषामिषम्
जाङ्गलं देवदारुं च क्ष्मा वै खड्गोद्भवं स्मृतम् //
25.228
तैलं वसा तथा स्नेहं कटुतैलं तु तीक्ष्णकम्
तुरुष्कं सिह्णकं प्रोक्तं कपालपुटमध्यगम् //
25.229
लशुनं नासिकावस्थं तच् च हिङ्गु प्रकीर्तितम्
गजं चैव तु कुष्माण्डं पलाण्डुं च विशेषतः //
25.230
पर्युषिताच्छाल्य् अगरुं पिप्पल्यः कृष्णतण्डुलाः
कृष्णच्छागो महानेत्री पललं मेषात्मकं स्मृतम् //
25.231
सामर्थज्ञविदानां च इति पूजा प्रकीर्तिता
सिद्धद्रव्यं समाख्यातं प्रसङ्गाद् योगिनीकुले //
25.232
नानेन रहिता सिद्धिर् भुक्तिमुक्तिर् न विद्यते
निराचारपदं ह्य् एतत् तेनेदं परमं स्मृतम् //
25.trailer-1
इति कुलालिकाम्नाये श्रीकुब्जिकामते समस्तज्ञानावबोधचर्यानिर्देशो नाम पञ्चविंशतिमः पटलः
Gesamtkolophon (IAST):
iti caturviṃśatisāhasre sārāt sārataraṃ śrīkubjikāmnāyaṃ śrīoḍiyānapīṭhavinirgataṃ pañcaviṃśatipaṭalaṃ sārdhatrīṇi sahasrāṇi śrīmataṃ parisamāptam
Damit ist das ehrwürdige Śrīmata abgeschlossen: die aus der Vierundzwanzigtausender-Sammlung gewonnene, noch feinere Essenz der Essenz, die ehrwürdige Kubjikā-Überlieferung, hervorgegangen aus dem ehrwürdigen Pīṭha Oḍiyāna, mit fünfundzwanzig Kapiteln und dreieinhalbtausend [Versen]. [Die Umfangszahlen sind Angaben des Kolophons; sie entsprechen nicht der Zählung der XML-Versblöcke.]
Gesamtkolophon (Devanagari):
इति चतुर्विंशतिसाहस्रे सारात् सारतरं श्रीकुब्जिकाम्नायं श्रीओडियानपीठविनिर्गतं पञ्चविंशतिपटलं सार्धत्रीणि सहस्राणि श्रीमतं परिसमाप्तम्
Lesungs- und Bearbeitungsprotokoll
Was geprüft wurde und was noch offen ist
Nach jedem Kapitel wurde die tatsächlich geschriebene Datei erneut geöffnet. Kontrolliert wurden die Reihenfolge sämtlicher erfasster Quellblöcke, ihre Kennungen und die enthaltenen Sanskrittexte. Dasselbe wurde für die Devanagari-Blöcke durchgeführt. Die Herkunftsdatei und das technische Prüfprotokoll liegen im begleitenden Arbeitsarchiv.
Vollständige elektronische Texterfassung: Alle Sanskrit-Versblöcke, Prosablöcke und Kolophone der GRETIL-XML-Datei sind übernommen. Reine Seitenmarkierungen der XML-Datei werden nicht als Grundtext ausgegeben. Quellenhinweise bleiben an ihrer Stelle sichtbar. Groß- und Kleinbuchstaben der lateinischen Sanskritumschrift werden bei der technischen Devanagari-Erzeugung gleichbehandelt; dies verändert die IAST-Erfassung nicht. Bei XML-choice-Elementen wird die normalisierte reg-Lesung verwendet; die vollständigen ursprünglichen XML-Daten bleiben im Archiv erhalten.
Deutsche Bearbeitung: Alle 25 Kapitel sind durchgehend bearbeitet. Alle 3037 Sanskrit-Vers- und Prosablöcke besitzen unmittelbar anschließend eine deutsche Arbeitswiedergabe oder einen ausdrücklichen Hinweis zur fehlenden sprachlichen Auflösung. Die 26 Kapitel- und Teilkolophone sowie der Gesamtkolophon sind deutsch wiedergegeben. 20 Formelblöcke werden nicht als vollständig sprachlich aufgelöst gezählt: 7.30, 7.p-4, 7.96, 10.6, 10.29, 10.62, 17.p-1, 18.55~2, 19.28, 22.14, 22.18 und die neun Zusatzblöcke 23.151~2 bis 23.151~10. Dabei enthält 22.14 Keimsilben ohne zusammenhängende Satzbedeutung; 22.18 ist teilweise übersetzt. Die übrigen Fälle enthalten unentschlüsselte Lautfolgen oder Chiffren. Weitere unsichere Teildeutungen sind lokal markiert und werden nicht durch diese Zählung als gesichert ausgegeben. Eine automatische Kontrolle belegt die Anwesenheit und Speicherung der deutschen Absätze, nicht deren philologische Richtigkeit.
Inhaltliche Prüfung: Die Arbeitsübersetzung ist am erfassten Sanskrit formuliert und enthält lokale Unsicherheitsmarkierungen. Eine unabhängige vollständige Kollation mit der kritischen Druckausgabe und ihrem Variantenapparat ist noch nicht erfolgt. Besonders Mantrachiffren, Orts- und Gottheitsnamen, unregelmäßige Syntax sowie unklare Zahlzuordnungen sind nicht als endgeprüft auszugeben.
Ergänzende Formelprüfung
Die zuvor als offen geführten 21 Formelblöcke wurden einzeln erneut gelesen. In 10.12 ergibt die rückläufige Silbenordnung eine vollständige lesbare Arbeitsauflösung. Deshalb wird dieser Block nun als Arbeitsübersetzung gezählt; dies ist keine neue Handschriftenlesung. Bei 17 weiteren Blöcken wurden Teilübersetzungen oder genauere Erläuterungen ergänzt. 10.6, 17.p-1 und 22.14 blieben nach der Prüfung unverändert. Die reine Keimsilbenformel 22.14 besitzt keinen zusammenhängenden lexikalischen Satzsinn und ist deshalb nicht mit einem beschädigten Prosasatz gleichzusetzen.
Die Teilauflösungen beruhen auf eigener sprachlicher Prüfung der elektronischen Quelle. Bei 18.55 ergibt die dritte Lautreihe erkennbare Anrufungen; die Funktion der gesamten Tabelle ist damit noch nicht geklärt. Bei 23.151 wurden die neun Abschnitte als zusammenhängende rückläufige Formel gelesen. Sandersons Untersuchung wurde zur textkritischen Einordnung konsultiert; sie wird nicht als Beleg für diese neu erschlossenen Formelauflösungen ausgegeben. Das gesonderte Prüfverzeichnis im Archiv nennt die bearbeiteten Blöcke.
Gezielte Veröffentlichungsprüfung
Einleitung, Kapitelübersicht, Praxisanregungen und ausgewählte darin angeführte Verse wurden nochmals geprüft. In 4.2 entfällt die unbelegte Ergänzung weiterer Mantras zusätzlich zu den sieben Koṭis. In 12.54 wurde eine missverständliche Formulierung zur Erkenntnis verständlicher gefasst; die syntaktische Unsicherheit bleibt benannt. In 3.57 sind die möglichen Bezüge von prāptajñānam ausdrücklich erläutert. Diese gezielte Prüfung ist keine unabhängige philologische Gesamtprüfung sämtlicher Verse. Die elektronischen Quelllesungen sind unverändert erhalten.
Nummerierung und Zusatztexte
- 1.48–69: Keine entsprechenden Versblöcke in der abgerufenen GRETIL-XML-Datei. Der Sprung von 1.47 zu 1.70 steht bereits in der Quelle. Kein Ersatztext wurde ergänzt.
- Nach 1.70: Die XML-Notiz „After 70ef ABEFG continue with:“ kennzeichnet die folgende Fortsetzung als Zeugengruppenbefund. Die Buchstaben sind Editionssiglen; ihre genaue Auflösung ist am Druck zu prüfen.
- Nach 2.2: Der Daṇḍaka ist ein eigener, langer Lobgesang mit 43 intern markierten Abschnitten. Er wird vollständig in IAST und Devanagari erhalten und als zusammenhängender Hymnus übersetzt. Die internen Zeilenmarken sind keine neuen Kapitelversnummern.
- 3.19*, 3.133*, 4.111* und Sternnummern in Kapitel 5: Sternchen gehören zu den Quellenkennungen. Sie werden nicht gelöscht oder in vermeintlich reguläre Nummern umgewandelt.
- 7.30, 7.35, 7.36 und 7.96: Die Texte sind vorhanden, in XML jedoch als p statt lg ausgezeichnet. Sie sind keine Lücken. Die Kennung 7.39 fehlt dagegen.
- 10.12, 10.29 und 10.62: Nummerierte Mantrablöcke in Prosa-Auszeichnung; vollständig erfasst und nicht als fehlende Verse gemeldet.
- Kapitel 18: Untergliederungen wie 18.34,1–8, 18.39,1–6 und 18.43,1–12 sind erhalten. Ebenso bleiben 18.37A–C und die Mantrablöcke mit eigenen Kennungen sichtbar. Die Nummernkennung 18.56 fehlt.
- 22.46–60: Diese fünfzehn Versblöcke erscheinen in der GRETIL-Datei zweimal mit identischem Wortlaut. Beide Vorkommen sind dokumentiert; das zweite ist als solches gekennzeichnet. Sie dürfen nicht als fünfzehn zusätzliche selbständige Verse gezählt werden.
- Kapitel 23: Sonderkennung 23.118A sowie Mantrablöcke bei 23.140, 23.151 und 23.152 bleiben erhalten. Gleiche Nummern allein sind kein Anlass, unterschiedlichartige Texte zu löschen.
- 24.10: Die Nummernkennung fehlt in der elektronischen Vorlage. Der eingeschlossene Shiva-Shakti-Hymnus und sein eigener Kolophon werden neben dem Kapitelkolophon erhalten.
- Vor 25.1: 26 Zusatzstrophen tragen dieselbe Quellenkennung 25.0*. Sie werden in ihrer Originalreihenfolge mit unterscheidbaren internen Vorkommenskennungen erhalten. Die Hinweise auf EJT und Anhang 4 verhindern, dass der Zusatz stillschweigend als unterschiedslos überlieferter Haupttext erscheint.
Einzelne Lesungsprobleme der übersetzten Kapitel
- 1.1 und 1.81: Verschlüsselte Laut- und Gruppennamen. Die Übersetzung ist textnah, aber keine abgeschlossene Mandala-Rekonstruktion.
- 1.31: labdh[v]ā bleibt mit der editorischen Ergänzung erhalten.
- 1.33–43: ājñā und die sechs Formen sind technische Begriffe; „Vollmacht“ ist eine kontextabhängige Arbeitsübersetzung.
- 2.10: gadgadekṣanā ist eine ungewöhnliche Form; die Übersetzung bleibt ausdrücklich annähernd.
- 2.96–97: Bei naheliegender Trennung der Namen ergeben sich vierzehn statt der zuvor angekündigten dreizehn männlichen Gestalten. Keine stillschweigende Streichung eines Namens.
- 2.107 und 2.121: Problematische Satzverbindungen; kontextuelle Ergänzungen sind markiert.
- 3.9–10 und 3.19*: Sprecherfolge beziehungsweise nānaṅgaḥ sind nicht gesichert geklärt. Die vertraute mythologische Erzählung wird nicht als Beweis für eine bestimmte Sanskritlesung verwendet.
- 3.96 und 3.127: nivṛt[t]yante und śuddhi[r] behalten die Ergänzungszeichen der Vorlage.
- 3.81, 3.93, 3.101 und 3.115–120: Ellipsen, Alchemieterminologie und die Ordnung der Vollmachten verlangen weiteren Editionsvergleich.
- 4.17: saêkāśaṃ enthält das auffällige Zeichen ê. Der IAST-Text bewahrt es; die Devanagari-Rücktransliteration kann dieses nicht-IAST-Zeichen nicht philologisch auflösen. „Gleich einem reinen Kristall“ ist eine als solche vermerkte Deutung, keine stillschweigende Berichtigung des Quellentextes.
- 4.36–37 gegenüber 4.65: Sechs benannte Formen und fünf Zustände werden nebeneinander genannt. Ihre systematische Zuordnung ist noch nicht abschließend geklärt.
- 4.75–106 und 5.34–40: Gahvara-Anordnung und Heraushebung der Laute werden relational übersetzt. Es wurde kein vermeintlich gesichertes Mantra aus einem anderen Text eingesetzt.
- 5.2–32: Die Silbenzahlen werden als Angaben des Grundtextes wiedergegeben; eine unabhängige Gesamtprüfung sämtlicher Mantraglieder steht aus.
- 5.43, 5.56, 5.61–62 und 5.65: Sāmrāṭa-Terminologie, Zahlenzuordnung, Krankheitsnamen und einzelne Gruppenbezeichnungen bleiben teilweise ungeklärt.
- 5.76 und 5.129: sampuṭe[c] und raudrībhāva[ḥ] behalten die Ergänzungszeichen der Vorlage.
- 6.14, 6.24–25 und 6.51–75: Auffälliges Zahlenzeichen, sprachliche Unregelmäßigkeiten und teilweise nicht gesichert rekonstruierte Handstellungen; Unsicherheiten stehen bei den betreffenden Versen.
- 7.30, Zusatzblock nach 7.38 und 7.96; 10.6, 10.12, 10.29 und 10.62: Rückläufige beziehungsweise verschlüsselte Formeln sind vollständig erfasst. Für 10.12 besteht jetzt eine redaktionelle Arbeitsauflösung; bei den übrigen sind erkennbare sprachliche Teile teilweise ergänzt. Bloße Hinweise gelten weiterhin nicht als Übersetzung der Formel. Auch die relational übersetzten Lautanweisungen anderer Verse sind keine abschließend rekonstruierte Mantrafassung.
- 8.22, 8.39–40, 8.45 und 8.53–60: Unvollständig zugeordnete Hände, unklare Mengenverhältnisse, auffällige Krankheitsbezeichnung „rājayakṭmaṃ“ und Mantramaße bleiben prüfbedürftig.
- 9.12–14, 9.20–21 und 9.33: Unregelmäßige Kasus und Satzbezüge, „dugdh[ v ]ā“, „cāpena“ und ein elliptischer Halbvers sind ausdrücklich markiert.
- 9.53–56 und 9.79–82: Amulettchiffren, „yāṣṭaṃ“, „sāntā“ und die Aufzählung innerer Yogavorgänge sind nicht abschließend aufgelöst.
- 10.14–18: Wechsel von Singular und Plural sowie unklare Ritualsubjekte werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.
- 10.44–46, 10.53–54 und 10.69–80: „maṇibheda“, die Lautauswahl über Körperstellen und die Zuordnungen des sechsfachen Weges verlangen Editionsvergleich.
- 10.93–94: Die auffällige Lesung „janmany apaścime“ wird nicht zu „letzte Geburt“ berichtigt; die Syntax des folgenden Verses bleibt vorläufig.
- 10.120–128 und 10.146–148: Siddha-Namen sind in ihren vorliegenden Formen erhalten. Die polemische Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen wird als Textaussage kenntlich gemacht; ihre grammatische Gruppierung ist teilweise unsicher.
- 11.9, 11.71, 11.74 und 11.83: „hinduḥ“, „dhvajāekuśa“, ein einzelnes „l“ und die Wiederholung „avyaktāvyakta“ bleiben als auffällige Quellenlesungen erhalten. Mögliche Deutungen sind lokal bezeichnet.
- 11.36–37 und 11.95–98: Abweichende Chakra-Unterteilungen und eine nicht eindeutig in sechzehn Einzelzeichen zerlegbare Zustandsliste werden nicht harmonisiert.
- 12.25, 12.30, 12.35 und 12.85: Tārāvatī gegenüber Sutārā; Großbuchstaben in „vakṣYe“ und „kṣīYate“; unsichere Namenstrennung bei „ḍiṇḍitriyugala“. Die Ergänzung Dhātrī in der Übersetzung ist als vorläufige Deutung markiert.
- 13.69–75, 13.80 und 13.91: Lautchiffren sind relational, nicht als entschlüsselte Mantras übersetzt. „aghaṃ“, die Haar-Ortsangabe und „janmany apaścime“ bleiben prüfbedürftig.
- 14.28–29 und 14.39–41: Historische Wertung mütterlicher und väterlicher Körperstoffe sowie nicht eindeutig aufgelöste Vier-, Fünf- und Sechszahlen sind als Textbefunde erhalten.
- 14.75–84 und 15.15: Namensabgrenzungen und angekündigte Gruppenstärken bleiben teilweise unsicher. Bei 14.83 werden acht Namen erfasst, ohne einen neunten zu erfinden; die Trennungen in 15.15 sind ausdrücklich vorläufig.
- 15.31, 15.34, 15.43, 15.64 und 15.75–78: Auffälliges „li“, mehrdeutige Achsen-/Sinnesterminologie, Gefäß-Wortspiel, erschlossene Blattbezeichnung und editorische Ergänzungszeichen sind dokumentiert.
- 17.p-1, 18.55~2 und 19.28: Lautlisten beziehungsweise chiffrierte Formeln sind erfasst, aber nicht vollständig sprachlich aufgelöst.
- 18.43,8: Die Wortfolge „saumukhyatāmane“ bleibt ungeklärt. Die übrige Passage besitzt eine Arbeitsübersetzung.
- 19.52–59 und 19.76–86: Omen, Aussagen zur Lebensdauer und die außergewöhnliche Behauptung über Atemanhaltung werden als historische Textaussagen wiedergegeben; sie sind nicht empirisch bestätigt.
- Kapitel 21: Zahlreiche Gottheitsnamen und teilweise nicht eindeutig abgegrenzte Gruppen bleiben in der vorliegenden Form erhalten; Eigennamen werden nicht als gewöhnliche deutsche Wörter übersetzt.
- 22.8, Zusatzblock, und 22.p-4: Die Lauttabellen sind zeilenweise bearbeitet. Unvollständige Anfänge und die Punktfolge für einen fehlenden Eintrag werden nicht ergänzt.
- 22.14 und 22.18: Reine Keimsilben besitzen keine gewöhnliche Satzübersetzung; die sprachlichen Anrufungen in 22.18 sind deutsch wiedergegeben, weitere Chiffren bleiben offen.
- 23.121: Die englische Notiz „incorrḷoc. should read bhūmau“ steht innerhalb des erfassten Quellverses. Sie bleibt als editorischer Hinweis auch bei der Devanagari-Umschrift lateinisch; die Sanskritlesung wird nicht stillschweigend ersetzt.
- 23.151, Zusatzblöcke 2–10: Neun Abschnitte einer rückläufigen Mantrapassage besitzen nun Teilübersetzungen. Die Lesereihenfolge verläuft vom letzten zum ersten Abschnitt; mehrere Wörter überschreiten Abschnittsgrenzen. Ihre technische Blocknummer unterscheidet sie, ohne neue Versnummern zu erfinden.
- 24.p-1 und 24.88: Der mit „loṇa“ beginnende Zusatzblock wird nicht eigenmächtig zu Vers 24.10 erklärt. Die beschädigte Form „siddhamātṭḥ“ bleibt dokumentiert.
- 25.0*, Vorkommen 4–5, 14–15 und 24: Auffällige Trennungen, unklare Anweisungsgruppen und „nāsam apuṣpatā“ erlauben nur vorläufige Wiedergaben des Mandala-Zusatzes.
- 25.6, 25.9, 25.26–28 und 25.35: Die Benennung „laḍahaiva“, der Wagenvergleich, Zuordnungen der Selbstformen und „cicchaktirahitādhiṣṭhā“ sind nicht vollständig geklärt.
- 25.108–115 und 25.143–144: Mehrere Berufs- und Gruppennamen, Zuordnungen von Hausgeräten sowie die Chiffre der zwei Jahreszeiten bleiben unsicher.
- 25.185, 25.187–188 und 25.199–204: Die ausdrückliche Lesung „mṛtyur“, die Form „pūjyārihā“ und mehrere Sprecher- beziehungsweise Satzanschlüsse sind prüfbedürftig.
- 25.210–211 und 25.217: Lautbildungsanweisungen sind relational wiedergegeben; eine sichere Mantrarekonstruktion beziehungsweise Ergänzung der elliptischen Festtagszuordnung wird nicht behauptet.
- 25.223–230: Die Geheimsprache der Stofflisten ist nur teilweise aufgelöst. Unsichere Gruppierungen, Decknamen und Referenten sind bei den Versen angegeben.
- Im gesamten Text: Trennformen wie -m-, eckige Klammern, Sonderzeichen und auffällige Wortabstände werden nicht automatisch in eine rekonstruierte Sanskritlesung verwandelt. Die Wiedergabe der Quelle ist von ihrer Berichtigung zu unterscheiden.
Bedeutung heute und Praxisanregungen
Das Kubjikamata Tantra eröffnet einen Zugang zu einer religiösen Welt, in der Körper, Sprache, göttliche Kraft, heilige Landschaft und Lehrerüberlieferung eng verbunden sind. Seine Lektüre kann das Verständnis von Kundalini Yoga, Mantra Yoga und Shakti vertiefen. Besonders anregend ist die Frage des vierten Kapitels, wodurch eine Übung innerlich lebendig wird und wie sich bloße Wiederholung von verstandener und verwirklichter Praxis unterscheidet.

Die folgenden Vorschläge sind heutige Annäherungen an Motive der Schrift:
- Mit Verständnis rezitieren: Wiederhole ein dir vertrautes Mantra ruhig und aufmerksam. Betrachte die Beziehung zwischen Klang, Bedeutung und innerer Sammlung.
- Shiva und Shakti gemeinsam betrachten: Nimm einige Minuten lang stille Bewusstheit und lebendige Wahrnehmung wahr. Die Verse 2.17–18 und 5.144 können als Ausgangspunkt für diese Betrachtung dienen.
- Schriftenstudium üben: Lies wenige Verse des Kubjikamata Tantra samt Übersetzung. Unterscheide die Fragen der Göttin, die Antworten Bhairavas und die Bearbeitungshinweise.
- Überlieferung verantwortungsvoll verstehen: Verbinde Respekt vor Lehrenden mit Unterscheidungskraft. Die historischen Forderungen nach Duldung von Beschimpfung und Schlägen in Kapitel 3 begründen keine heutige Verpflichtung, Misshandlung hinzunehmen.
- Symbolsprache erforschen: Betrachte Chakras, Nadis, Licht und Nada zunächst als Begriffe der jeweiligen Quelle. Vermeide es, jede historische Anordnung auf ein einziges modernes Schema zu reduzieren.
Die im Kubjikamata Tantra enthaltenen Sühnevorschriften, Schadensrituale, Opferstoffe, Todeszeichen, Utkrānti-Verfahren und außergewöhnlichen Wirkversprechen gehören zur historischen Darstellung. Sie sind weder medizinische Belege noch praktische Handlungsaufforderungen dieser Bearbeitung. Auch dürfen die im Text genannten Rezitationszahlen nicht als Aufhebung tatsächlicher Verantwortung für schädigende Handlungen verstanden werden.

Videos
Die folgenden ergänzenden Videos sind aus der für das vorangehende Netra-Tantra-Projekt verwendeten Medienauswahl übernommen. Sie dienen der Beschäftigung mit dem Yoga-Kontext; sie sind keine Verskommentare zum Kubjikamata Tantra. Eine gesonderte neue Medienliste war diesem Auftrag nicht als Datei beigefügt.
Siehe auch
- Kubjaka
- Guhyagarbha Tantra
- Manthana Bhairava Tantra
- Vijnana Bhairava Tantra
- Amrita Siddhi Vers 4.6 Anmerkung
- Hatha Yoga Pradipika Sanskrittext und Übersetzung
- Sanskrit Kurs Lektion 1
Seminare
Kundalini Yoga
- 16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras
Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…- Vani Devi Beldzik
- 25.10.2026 - 30.10.2026 Kundalini Yoga Meditation Kursleiter Ausbildung
Kundalini Yoga Meditationen sind ein faszinierendes weites Gebiet, dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Kundalini Meditationen kön…- Adishakti Stein, Viveka Wilde
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
TSA LUNG - tibetische Yogaübungen zur Aktivierung des feinstofflichen Körpers
- In diesem Workshop erlernen und praktizieren wir eine Serie von fünf energetisierenden Übungen, die mit Körper, Aufmerksamkeit und Atmung arbeiten. Diese TSA LUNG genannte und ursprünglich aus Tibet stammende Praxis dient zur Aktivierung und Reinigung der Chakras und zur Harmonisierung ...
- Dr phil Oliver Hahn
Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - Online
06.01.2027 - 15.12.2027 - Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI - Online
- Die AMRITA SIDDHI ("Erlangung der Unsterblichkeit") ist ein bisher noch wenig bekannter Ur-Text zum Hatha Yoga, der aus einem tantrisch orientierten buddhistischen Umfeld stammt. Niedergeschrieben wurde er vermutlich im 11. Jahrhundert in Indien von Madhava Chandra. Der Verfasser lehrt in 36 kurzen Kapiteln die praktischen und theoretischen Grundlagen ...
- Dr phil Oliver Hahn
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Alexis Sanderson: Remarks on the Text of the Kubjikāmatatantra. Indo-Iranian Journal 45 (2002), S. 1–24, besonders S. 1–3. DOI: 10.1023/A:1014904430407.
- ↑ Teun Goudriaan und Jan A. Schoterman: The Kubjikāmatatantra: Kulālikāmnāya Version. Brill, 1988. Bibliographischer Nachweis.
- ↑ GRETIL: Kubjikāmatatantra, TEI-XML. Vergleichsstand der bereitgestellten Kopie: Spielwiese, Revision 1318384.
- ↑ Dory Heilijgers-Seelen: The System of Five Cakras in Kubjikāmatatantra 14–16. Groningen Oriental Studies 9. Egbert Forsten, Groningen 1994. Bibliographischer Nachweis.