Schavank: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Schavank''', auch '''Shaunaka Upanishad''', ist eine [[Upanishad]], die in der [[Oupnek'hat]]-Sammlung aufgeführt wird. Ihr Name geht auf den weisen [[Shaunaka]] zurück. Er berichtet vom Kampf zwischen [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]]n und [[Dämon]]en, bei dem [[Indra]] den Göttern den [[Om]]-Laut zur Hilfe schickt und sie dadurch den Sieg erringen.
'''Schavank''', auch '''Shaunaka Upanishad''', ist eine [[Upanishad]], die in der [[Oupnek'hat]]-Sammlung aufgeführt wird. Ihr Name geht auf den weisen [[Shaunaka]] zurück. Er berichtet vom Kampf zwischen [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]]n und [[Dämon]]en, bei dem [[Indra]] den Göttern den [[Om]]-Laut zur Hilfe schickt und sie dadurch den Sieg erringen.
Die '''Shaunaka Upanishad''' ([[Sanskrit]]: शौनकोपनिषद्, ''Śaunakopaniṣad'') ist eine außerhalb der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]] überlieferte [[Upanishaden|Upanishad]] über [[Om]], den [[Pranava]], und seine Stellung im vedischen Opfergesang. Eine Erzählung vom Kampf zwischen [[Deva]]s und [[Asura]]s führt zu einer Lehre über den [[Udgitha]]. Die drei Soma-Pressungen, die Versmaße [[Gayatri]], [[Trishtubh]] und [[Jagati]] sowie verschiedene Göttergruppen bilden den rituellen Rahmen. Am Schluss wird Om als die eine Silbe betrachtet, in der der Udgitha verehrt werden soll.


[[Datei:Jugendliche-Om-Zeichen-kl.jpg|thumb|Die heilige Silbe Om]]
[[Datei:Jugendliche-Om-Zeichen-kl.jpg|thumb|Die heilige Silbe Om]]
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Also sprach der verehrungswürdige Saunaka.
Also sprach der verehrungswürdige Saunaka.
==Shaunaka Upanishad - Infos und Erläuterungen==
'''Shaunaka Upanishad''' ([[Sanskrit]]: शौनकोपनिषद्, ''Śaunakopaniṣad'') ist eine außerhalb der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]] überlieferte [[Upanishaden|Upanishad]] über [[Om]], den [[Pranava]], und seine Stellung im vedischen Opfergesang. Eine Erzählung vom Kampf zwischen [[Deva]]s und [[Asura]]s führt zu einer Lehre über den [[Udgitha]]. Die drei Soma-Pressungen, die Versmaße [[Gayatri]], [[Trishtubh]] und [[Jagati]] sowie verschiedene Göttergruppen bilden den rituellen Rahmen. Am Schluss wird Om als die eine Silbe betrachtet, in der der Udgitha verehrt werden soll.
[[Datei:Vedanta-medit.jpg|thumb|Die Shaunaka Upanishad betrachtet Om als tragenden Grund des Udgitha und der verschiedenen Formen des vedischen Gesangs.]]
'''Zur Textgestalt:''' Die folgende Fassung erfasst sämtliche erhaltenen Abschnitte des Sanskritdrucks von 1933 einschließlich der beiden Rigveda-Zitate und der Schlussformel. Jeder Abschnitt erhält unmittelbar eine eigene deutsche Übersetzung und eine vollständige Wort- beziehungsweise Formerklärung. Der zugängliche Druck enthält zwei sichtbare Textlücken und mehrere grammatisch schwierige Lesarten. Diese bleiben ausdrücklich gekennzeichnet; der vollständige erhaltene Wortlaut wird nicht mit einem hypothetisch lückenlosen Urtext verwechselt.
'''Textgrundlage und Gliederung:''' Grundlage ist ''Aprakāśitā Upaniṣadaḥ'', Adyar 1933, S. 51–54, verglichen mit der digitalen Wiedergabe bei Sanskrit Documents. Die Ziffern 1.1 bis 6.1 gliedern den überlieferten Prosatext für diesen Artikel; sie sind keine alten Versnummern. Die tatsächlich zitierten Rigverse stehen gesondert. Die Wiedergabe ist eine unakzentuierte Lesefassung. Wortabstände, Interpunktion und einzelne Sandhi-Schreibungen wurden zur Lesbarkeit normalisiert. Beschädigte Wörter werden durch Punkte gekennzeichnet; ergänzte Bedeutungen stehen in eckigen Klammern oder werden erläutert.
'''Name und Zuordnung:''' Der Schluss nennt den ehrwürdigen [[Shaunaka]] als Sprecher der Lehre. Daraus lässt sich weder ein bestimmter historischer Autor noch ein sicheres Entstehungsjahr ermitteln. Der ausgeprägte Bezug auf den Saman-Gesang erklärt die inhaltliche Nähe zum [[Samaveda]]. Eine Schulzugehörigkeit sollte darüber hinaus nur mit ausdrücklichem Überlieferungszeugnis angegeben werden.
===Datierung und Überlieferung zur Shaunaka Upanishad===
'''Eine alte Erzählform in einem schwierigen Textzeugen'''
Die Shaunaka Upanishad verwendet eine für die [[Brahmana]]s und [[Aranyaka]]s charakteristische Erzählform: Götter und Asuras kämpfen miteinander; der Erfolg hängt von einer zuvor nicht erkannten rituellen oder sprachlichen Kraft ab. Im vorliegenden Text ist diese Kraft der Pranava. Auch die personifizierten Versmaße, die gestufte Zuordnung der drei Soma-Pressungen und die Erklärung eines Rigverses durch rituelle Entsprechungen gehören in dieses Milieu. Solche Merkmale begründen einen Vergleich mit älterer vedischer Prosa. Sie liefern für den erhaltenen Text allein noch kein genaues Jahrhundert.
Friedrich Otto Schrader besprach die Shaunaka Upanishad 1908 zusammen mit Arsheya und Chhagaleya im Vorwort seines Adyar-Handschriftenkatalogs. Er hielt eine Einordnung nahe dem Ende der frühen Prosa-Upanishaden für vertretbar, betonte aber zugleich den stark beschädigten Zustand dieser Texte. Diese historische Einschätzung ist von einer heute gesicherten absoluten Datierung zu unterscheiden. Sprachliche Eigentümlichkeiten können Alter anzeigen; sie können ebenso durch fehlerhafte Abschrift oder Bearbeitung entstanden sein. Für eine präzise Datierung müssten diese Möglichkeiten an einer kritisch gesicherten Textfassung getrennt geprüft werden.
'''Belvalkars erste vorläufige Sanskritedition von 1925'''
S. K. Belvalkar veröffentlichte 1925 die Shaunaka zusammen mit der Bashkala-Mantra-, Chhagaleya- und Arsheya-Upanishad in ''Four Unpublished Upaniṣadic Texts''. Der Untertitel bezeichnet die Texte ausdrücklich als erstmals vorläufig ediert und übersetzt. Für die Editionsgeschichte ist daher zu unterscheiden: 1908 dokumentierte Schrader die Handschriften, 1925 erschien Belvalkars erste vorläufige Sanskritedition, und 1933 folgte die hier als Textgrundlage benutzte Adyar-Sammlung.
'''Sanskritdruck und Oupnekhat'''
Der Sanskritdruck von 1933 wurde von Gelehrten der Adyar Library unter Aufsicht von C. Kunhan Raja herausgegeben. Das Vorwort weist ausdrücklich darauf hin, dass die Sammlung keine kritische Edition bietet und auch beschädigte, teilweise unverständliche Texte zugänglich machen soll. Diese Einschränkung betrifft das Vertrauen in einzelne Buchstaben und Wortformen. Eine moderne Abschrift desselben Drucks beseitigt solche Probleme nicht von selbst.
Die Schrift war in der persisch-lateinischen [[Oupnekhat]]-Überlieferung bereits unter dem Namen ''Schavank'' bekannt. Paul Deussen übersetzte diese Überlieferung in seinem Anhang zu den ''Sechzig Upanishad’s des Veda''. Die Veröffentlichung des Sanskritdrucks im 20. Jahrhundert bedeutet daher nicht, dass der Text erst damals entstand oder erstmals überhaupt bekannt wurde.
Deussens Übersetzung ist für den Vergleich hilfreich, aber sie beruht auf einer anderen Vermittlung. Besonders beim Nachhall von Om und bei der Auslegung der Zahlen des Stier-Verses enthält sie Erklärungen, die im erhaltenen Sanskrit nicht ausdrücklich stehen. Diese können eine ältere Deutung bewahren; sie dürfen nicht unbemerkt als wörtliche Übersetzung der Sanskritsätze eingesetzt werden.
'''Grenzen der vorliegenden Lesefassung'''
Die beschädigte Stelle vor ''-rtim ārcchan'' im ersten Erzählabschnitt bleibt offen. Beim ebenfalls beschädigten Namen ''gā…rīm'' macht die anschließende Handlung Gayatri als gemeinte Gestalt erkennbar. Hier ist eine sinngemäße Ergänzung tragfähig, während die genaue Buchstabenfolge der Vorlage sichtbar beschädigt bleibt. Andere Sätze besitzen ungewöhnliche Verbformen oder widersprüchliche grammatische Anschlüsse. Ihre Worterklärungen unterscheiden die erhaltene Form von der im Zusammenhang naheliegenden Bedeutung.
Beim Vers über den vierhörnigen Stier lässt sich die fehlerhafte digitale Lesung ''badvo'' durch den Rigveda-Paralleltext zu ''baddho'', „gebunden“, berichtigen. Eine solche nachvollziehbare Einzelkorrektur ist etwas anderes als eine freie Glättung ganzer unklarer Sätze. Die im Artikel verwendete Zählung macht die problematischen Stellen auffindbar und erlaubt eine spätere Überarbeitung anhand weiterer Handschriften oder kritischer Forschung.
===Inhalt und Aufbau der Shaunaka Upanishad===
'''Der erste Versuch: Vasus und Gayatri'''
Die Götter treten zunächst ohne Indras Mitwirkung an. Bei der morgendlichen Soma-Pressung führen die [[Vasus]]. Die Asuras bedrohen die Rishis am Opferplatz und erhalten von ihnen eine Unterstützung, mit der sie die Götter überwinden. Damit wird der äußere Vollzug allein als unzureichend dargestellt: Die entscheidende Kraft ist noch nicht richtig eingeordnet.
Indra entsendet darauf Gayatri. Das Versmaß fürchtet den Gegner; deshalb wird ihm der Pranava als Schutz vorangestellt. Die anschließende Frage nach dessen Anteil führt über eine gewöhnliche Aufteilung der Opfergabe hinaus. Seine Größe soll sich nicht auf den Teil beschränken, der Gayatri zufällt. Zugleich wird er verborgen, sodass der erste Erfolg begrenzt bleibt. Die Erzählung begründet daraus Merkmale des morgendlichen Gesangs.
'''Die beiden weiteren Pressungen'''
Die gleiche Grundstruktur kehrt mittags mit den [[Rudra]]s und [[Trishtubh]] wieder. Die Unterstützung der Gegenseite, Indras Eingreifen und das schützende Vorangehen des Pranava werden erneut erzählt. Die Wiederholung ist ein Bestandteil des Textes: Sie ordnet die Wirksamkeit des Om verschiedenen Phasen des Rituals zu. Deshalb werden im kommentierten Sanskrittext auch die wiederkehrenden Wörter jeweils vollständig erklärt.
Bei der dritten Pressung stehen die [[Aditya]]s und [[Jagati]] im Mittelpunkt. Nun erscheint der Pranava in einer umfassenderen Gestalt. Der endgültige Sieg wird mit seiner offenen Wirksamkeit und dem jubelnden beziehungsweise brüllenden Klang verbunden. Daraus entwickelt der Text seine Erklärung des Udgitha und der zugehörigen Vortragsweisen.
{| class="wikitable"
! Soma-Pressung !! Göttergruppe !! Personifiziertes Versmaß
|-
| Morgendliche Pressung || Vasus || Gayatri
|-
| Mittägliche Pressung || Rudras || Trishtubh
|-
| Dritte Pressung || Adityas || Jagati
|}
Die Tabelle zeigt Zuordnungen innerhalb dieser Erzählung. Sie ersetzt keine vollständige Darstellung des Soma-Rituals. Die Upanishad setzt vieles voraus, was ihre ursprünglichen Hörer aus der Praxis kannten: die Stellung der Priester, Opfergefäße, Gesangsformen und den Ablauf der Pressungen.
'''Der vierhörnige Stier'''
Der Vers aus [[Rigveda]] 4.58.3 spricht von einem Stier mit vier Hörnern, drei Füßen, zwei Köpfen und sieben Händen. Dreifach gebunden brüllt er; der große Gott geht in die Sterblichen ein. Die Upanishad liest dieses rätselhafte Bild im Zusammenhang von Pranava und Udgitha. Anschließend erläutert sie die Zahlen und verbindet den Stier mit [[Indra]].
Nicht jede der Zahlen-Erklärungen ist in der erhaltenen Fassung eindeutig. Der Text spricht etwa von zwei Lauten, von einer Verbindung durch drei und von sieben, mit denen man den Gesang erklingen lässt. Er schreibt die betreffenden Laute oder eine bestimmte Tonfolge nicht vollständig aus. Die digitale Lesung ''tadvai'' wird nach dem Druck zu ''taddve'', „das [erklärt] zwei“, berichtigt. Was dabei unmittelbar erkennbar sein soll, bleibt knapp und erklärungsbedürftig. Deshalb werden in diesem Artikel keine vollständigen Lautsysteme als vermeintlicher Wortlaut ergänzt.
Ein weiteres Rigveda-Zitat nennt den von den [[Marut]]s begleiteten, erstarkten Stier. Die Upanishad übernimmt davon nur einen Versfuß. Danach folgt Prosa, die das Brüllen und das Eingehen in alle Wesen auslegt. Die Trennung von Zitat und Auslegung ist für das Verständnis wesentlich: Der erhaltene Text enthält an dieser Stelle keinen zweiten vollständigen Vierzeiler.
'''Die Schlusslehre'''
Der Schluss fasst die Erzählung in eine konkrete [[Upasana]]: Den Udgitha soll man als die eine Silbe Om verehren. Die Namenswiederholung „Shaunaka, Shaunaka“ markiert das Ende. Der Text entwickelt somit einen Weg von der rituellen Erzählung über die Deutung des Gesangs zur konzentrierten Betrachtung einer Silbe.
===Bedeutung der Shaunaka Upanishad===
'''Gesang als Erkenntnisgegenstand'''
Om erscheint hier in einer bestimmten Praxis: Es gehört zur Vorbereitung, Ordnung und Deutung des vedischen Gesangs. Seine Bedeutung wird aus diesem Zusammenhang erschlossen. Wer nur die Schlussformel liest, kann leicht übersehen, wie ausführlich der Text die Beziehung zwischen Laut, Versmaß, Göttergruppe und Opferzeit entwickelt.
Die Upanishad verbindet [[Mantra]] und [[Jnana|Erkenntnis]], indem sie nach der Bedeutung eines bereits verwendeten Lautes fragt. Der Klang erhält Gewicht durch das Wissen um seine Stellung im Ganzen. Das ist ein charakteristischer Schritt der upanishadischen Betrachtung des Rituals: Einzelne Handlungen und Gegenstände werden auf einen umfassenden Zusammenhang bezogen.
'''Einheit und Verschiedenheit'''
Die drei Pressungen und Versmaße behalten ihre Unterschiede. Zugleich geht ihnen derselbe Pranava voraus. Die Einheit wird also an verschiedenen rituellen Stellen wiedererkannt. Diese Struktur ist für eine spirituelle Lektüre ergiebiger als eine beliebige Zahlensymbolik: Sie fragt, wie eine gemeinsame Grundlage in unterschiedlichen Ausdrucksformen wirksam werden kann.
Die Frage nach dem Opferanteil schärft diesen Gedanken. Die Größe des Pranava lässt sich der Erzählung zufolge nicht einfach in dieselbe Aufteilung einordnen wie die einzelnen Beteiligten. Der Text bringt dies durch ein Gespräch zwischen Indra und dem Versmaß zum Ausdruck. Eine ausgearbeitete spätere [[Advaita Vedanta|Advaita]]-Systematik wird dadurch noch nicht vorgetragen.
'''Mythos und Auslegung'''
Der Kampf zwischen Devas und Asuras ist der mythische Rahmen einer Ritualdeutung. Er ist kein Bericht über einen nachprüfbaren historischen Krieg. Eine heutige Deutung als Auseinandersetzung zwischen Sammlung und Zerstreuung kann für die eigene [[Sadhana]] sinnvoll sein; sie muss als Übertragung erkennbar bleiben. Der ursprüngliche Text erzählt von Göttern, Opferhandlungen und Gesang.
Auch die Stier-Symbolik fordert eine doppelte Aufmerksamkeit: Man sollte ihre Anschaulichkeit ernst nehmen und zugleich die jeweiligen Erklärungen des Textes genau lesen. Wo eine Erklärung beschädigt ist, kann die Symbolik den verlorenen Wortlaut nicht zuverlässig ersetzen. Sorgfalt gehört daher zur angemessenen Beschäftigung mit dieser Upanishad.
===Bedeutung heute===
'''Om mit Aufmerksamkeit betrachten'''
Die Schlusslehre kann dazu anregen, Om bewusst zu rezitieren und anschließend in der [[Meditation]] zu betrachten. Für die heutige Praxis sind dabei Klang, Sammlung und Verständnis miteinander zu verbinden. Der Text schreibt keine bestimmte Frequenz, moderne Tonleiter oder feste Atemzählung vor. Seine Ausdrücke für den Gesang gehören zunächst zum vedischen Vortragszusammenhang.
'''Verschiedene Tätigkeiten auf einen Sinn beziehen'''
Die dreimalige Wiederkehr des Pranava kann als Anregung dienen, die eigene Ausrichtung in verschiedenen Lebenssituationen wiederzufinden: beim Beginn einer Aufgabe, in ihrer Durchführung und beim Abschluss. Dies ist eine heutige Anwendung des Musters. Sie ersetzt keine Soma-Zeremonie und wird nicht als zusätzliche Anweisung der Upanishad ausgegeben.
'''Genaues Studium als Teil der Praxis'''
Bei diesem Text ist ein langsames [[Svadhyaya]] besonders wertvoll. Erhaltene Wörter, Übersetzung und Deutung sollten nebeneinander gelesen werden. Wer eine beschädigte Stelle offenlässt, verzichtet damit nicht auf spirituellen Ernst. Eine solche Genauigkeit unterstützt [[Satya|Wahrhaftigkeit]] und verhindert, dass schöne Gedanken nachträglich als alte Sanskritlehre ausgegeben werden.
==Shaunaka Upanishad Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung==
'''1.1 – Der Kampf beginnt'''<br>
oṃ devāsurāḥ saṃyattā āsan | teṣāmindro na pratyapadyata | te ha vasūneva prātassavaneṣu purodhāya vyajigīṣanta |<br>
'''Übersetzung:''' Om. Götter und Asuras standen kampfbereit einander gegenüber. Indra war noch nicht zu ihnen [den Göttern] getreten. Bei den morgendlichen Soma-Pressungen stellten sie die Vasus an die Spitze und suchten den Sieg.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, einleitende heilige Silbe; ''deva-asurāḥ'' – Götter und Asuras, zusammenfassendes Dvandva; ''saṃyattāḥ'' – zum Kampf bereit, gegeneinander angetreten; ''āsan'' – waren; ''teṣām'' – zu ihnen, unter ihnen; ''indraḥ'' – Indra; ''na'' – nicht; ''pratyapadyata'' – trat hinzu, schloss sich an; ''te'' – sie, die Götter; ''ha'' – erzählende Partikel; ''vasūn'' – die Vasus, eine Göttergruppe, Akkusativ Plural; ''eva'' – eben, gerade; ''prātaḥ-savaneṣu'' – bei den morgendlichen Soma-Pressungen; prātaḥ, morgens, savana, Pressung; ''purodhāya'' – vorangestellt habend, an die Spitze gestellt; ''vyajigīṣanta'' – suchten zu siegen, wollten überwinden; Desiderativ zu vi-√ji.
'''1.2 – Die Drohung am Opferplatz'''<br>
te ha nunneṣu nārāśaṃseṣu ṛṣīṇāṃ yajñavāstvabhyāyan haniṣyāma vā etadvo yaddevānna parābhāvayiṣyatheti |<br>
'''Übersetzung:''' Die Asuras kamen, als die Narashamsa-[Gaben beziehungsweise Becher] vorgeschoben waren, zum Opferplatz der Rishis und drohten: „Wir werden dieses euer [Opfer] zerstören, wenn ihr die Götter nicht besiegen lasst.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''te'' – sie, hier die Asuras; ''ha'' – erzählende Partikel; ''nunneṣu'' – bei den vorgeschobenen, angetriebenen, Lokativ Plural des Partizips zu √nud; ''nārāśaṃseṣu'' – bei den zu Narashamsa gehörigen Gaben beziehungsweise Bechern; Ritualbezeichnung, Lokativ Plural; ''ṛṣīṇām'' – der Rishis, Genitiv Plural; ''yajña-vāstu'' – Opferstätte; yajña, Opfer, und vāstu, Ort, Stätte; ''abhyāyan'' – gingen darauf zu, kamen heran; ''haniṣyāmaḥ'' – wir werden zerstören, erschlagen, Zukunft von √han; ''vai'' – fürwahr; ''etat'' – dieses; ''vaḥ'' – euer, euch; ''yat'' – wenn; ''devān'' – die Götter, Akkusativ; ''na'' – nicht; ''parābhāvayiṣyatha'' – ihr werdet besiegen lassen oder zur Niederlage bringen, Zukunft Kausativ; ''iti'' – Ende der Drohung.
'''Erläuterung:''' Die mehrfachen Wechsel des Bezugs von te, „sie“, werden durch den Ablauf der Erzählung erschlossen. Bei nārāśaṃsa ist der genaue Gegenstand im Wortlaut nicht ausdrücklich genannt. Die Übersetzung ergänzt deshalb keine bestimmte Ritualhandlung als gesicherte Einzelheit.
'''1.3 – Die Tropfen und die beschädigte Stelle'''<br>
te ha bibhyata eva stokānudakalpayan vijepyadhve vāvaitānanviti | te ha tata ...rtimārcchaṃstānanvitarān parābhāvayan |<br>
'''Übersetzung:''' Die erschrockenen Rishis stellten ihnen Tropfen [der Opfergabe] bereit: „Damit werdet ihr jene besiegen.“ Darauf … [Textlücke vor -rtiṃ ārcchan]; mit diesen brachten sie die anderen zur Niederlage.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''te'' – sie, die Rishis; ''ha'' – erzählende Partikel; ''bibhyataḥ'' – sich fürchtend, Partizip Plural; ''eva'' – gerade, eben; ''stokān'' – Tropfen, geringe Mengen, Akkusativ Plural; ''udakalpayan'' – stellten bereit, richteten her; ''vijepyadhve'' – ihr werdet siegen; ungewöhnliche überlieferte Zukunftsform; ''vāva'' – wirklich, eben; ''etān'' – diese, jene; ''anu'' – mittels, diesen folgend; der Anschluss ist unsicher; ''iti'' – Ende der Zusage; ''te'' – sie; ''ha'' – erzählende Partikel; ''tataḥ'' – darauf; vor der Lücke tata; ''...rtim'' – Lücke mit erhaltenem Wortende -rtim; das vollständige Substantiv ist nicht sicher überliefert; ''ārcchan'' – gelangten, erreichten; überlieferte Form; ''tān'' – diese, im Zusammenhang die bereitgestellten Gaben; ''anu'' – mit ihnen, ihnen folgend; ''itarān'' – die anderen, die Gegner; ''parābhāvayan'' – brachten zur Niederlage, besiegten; überlieferte Vergangenheitsform.
'''Erläuterung:''' Der Druck von 1933 lässt an dieser Stelle Punkte stehen. Das digitale „??“ ist daher nicht nur ein moderner Tippfehler. Eine Ergänzung zu ārtim, „Bedrängnis“, ist denkbar, wird aber wegen des beschädigten Satzes nicht als sicherer Sanskrittext eingesetzt.
'''1.4 – Indra entsendet Gayatri'''<br>
tato hendro’paśyat | sa ha gā...rīmeva pratisandideśa | sā hovāca | bibhemi vā etadetebhyo yathaitatparāvṛtanniti |<br>
'''Übersetzung:''' Da erkannte Indra [die Lage]. Er entsandte Gayatri [Name im Druck beschädigt]. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene zurückgeschlagen worden sind.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tataḥ'' – darauf; ''ha'' – erzählende Partikel; ''indraḥ'' – Indra; ''apaśyat'' – sah, erkannte; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''gā...rīm'' – beschädigter Name; aus den folgenden Nennungen als gāyatrīm, Gayatri, erschließbar; ''eva'' – gerade; ''pratisandideśa'' – entsandte, beauftragte, Perfekt; ''sā'' – sie; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''bibhemi'' – ich fürchte mich; ''vai'' – fürwahr; ''etat'' – dieses, deshalb; adverbialer Anschluss; ''etebhyaḥ'' – vor diesen, Ablativ Plural; ''yathā'' – da, wie; ''etat'' – diese Lage, dies; im beschädigten Satz unklarer pronominaler Bezug; ''parāvṛtan'' – wurden zurückgedrängt oder wandten sich zurück; auffällige überlieferte Form; ''iti'' – Ende der Rede.
'''Erläuterung:''' Die Druckseite zeigt gā…rīm, während die digitale Fassung gā??vīm wiedergibt. Der Kontext nennt unmittelbar danach mehrfach Gayatri. Die Übersetzung verwendet deshalb den erschlossenen Namen, die Sanskritwiedergabe bewahrt die Lücke.
'''1.5 – Pranava geht voran'''<br>
sa praṇavamevāsyāḥ purogamakarodeṣa vāva te gopyāyeti | sā hovāca | yadeṣa purogāḥ udeṣa me bhāgadheyī syāditi |<br>
'''Übersetzung:''' Er stellte ihr den Pranava voran: „Dieser ist wirklich zu deinem Schutz da.“ Sie sagte: „Wenn dieser vorangeht, wird er dann auch an meinem Anteil teilhaben?“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er, Indra; ''praṇavam'' – Pranava, die Silbe Om, Akkusativ; ''eva'' – eben; ''asyāḥ'' – ihr, für sie; ''purogam'' – vorangehend, als Vorangehenden; ''akarot'' – machte, bestimmte; ''eṣaḥ'' – dieser; ''vāva'' – wirklich, eben; ''te'' – für dich; ''gopyāya'' – zum Schutz; ungewöhnliche Dativbildung; ''iti'' – Ende der Zusage; ''sā'' – sie; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''yat'' – wenn; ''eṣaḥ'' – dieser; ''purogāḥ'' – der Vorangehende; ''u'' – fragende beziehungsweise verbindende Partikel; ''eṣaḥ'' – dieser; ''me'' – mein, an meinem; ''bhāgadheyī'' – Anteilhabender; zu bhāgadheya, zugeteilter Anteil; ''syāt'' – würde sein, Optativ; ''iti'' – Ende der Frage.
'''1.6 – Seine Größe ist nicht ein Teilanteil'''<br>
sa hovāca | na ha vāvaiṣa tvadbhāgadheyī bhavati | mahānvā asya mahimā na ha vā mahīyāṃso bhāgaklṛptimapyābhajantīti |<br>
'''Übersetzung:''' Er sagte: „Er wird nicht zum Teilhaber an deinem Anteil. Groß ist seine Größe; die Größeren lassen sich nicht auf eine Zuteilung von Anteilen ein.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vāva'' – wirklich, eben; ''eṣaḥ'' – dieser; ''tvad-bhāgadheyī'' – Teilhaber an deinem Anteil; tvad, dein, und bhāgadheyin, am Anteil beteiligt; ''bhavati'' – wird, ist; ''mahān'' – groß; ''vai'' – fürwahr; ''asya'' – dessen, seine; ''mahimā'' – Größe, Macht; ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''mahīyāṃsaḥ'' – die Größeren, Höherstehenden; ''bhāga-klṛptim'' – Festlegung oder Zuteilung eines Anteils; bhāga, Anteil, klṛpti, Festsetzung; auffällige Schreibung; ''api'' – auch, überhaupt; ''ābhajanti'' – nehmen Anteil, lassen sich zuteilen; ''iti'' – Ende der Antwort.
'''Erläuterung:''' Die Druckform klṛpti wird beibehalten. Das übliche Sanskritwort lautet kḷpti, „Festsetzung“. Die ungewöhnliche Transkription ist keine zusätzliche philosophische Kategorie.
'''1.7 – Die Aufgabe Gayatris'''<br>
viśvaminnu samanvālabhadhvamiti | senānyāstu prathamajānāpyāyayiṣyasītyomiti hovāca |<br>
'''Übersetzung:''' „Ergreift nun gemeinsam das Ganze! Du aber wirst die zuerst entstandenen Heerführer stärken.“ Sie antwortete: „Om – so sei es.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''viśvam'' – das Ganze, alles; ''it'' – bekräftigende Partikel; vor nu in innu assimiliert; ''nu'' – nun; ''samanvālabhadhvam'' – ergreift gemeinsam, verbindet euch damit, Imperativ Medium Plural; ''iti'' – Ende der Aufforderung; ''senānyaḥ'' – Heerführer; überlieferte Akkusativform, in senānyāstu verbunden; ''tu'' – aber; ''prathamajān'' – erstgeborenen, zuerst entstandenen, Akkusativ Plural; ''āpyāyayiṣyasi'' – du wirst stärken, nähren, anwachsen lassen; ''iti'' – Ende der Anweisung; ''oṃ'' – Om, zustimmender Ruf; ''iti'' – mit diesem Wort; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte.
'''Erläuterung:''' Im ersten Satz steht ein Pluralimperativ, danach eine Anweisung an eine Einzelne. Die Sprecher- und Adressatenwechsel werden nicht durch eine freie zusammenfassende Wiedergabe verdeckt.
'''1.8 – Die Bedingung des Namensrufs'''<br>
sa hovāca yatprathamaṃ nābhyakīrtayo nāmagrāhamatha nānuvatsya iti | nāmagrāhametena sarvamabhipadyante | sarvaṃ vā eṣa sarvamaśnotīti | akṣaraṃ vā eṣaḥ |<br>
'''Übersetzung:''' Er [der Pranava] sagte: „Wenn du mich nicht zuerst namentlich ausrufst, werde ich nicht folgen [Verbformen auffällig].“ Mit diesem namentlichen Ruf wendet man sich allem zu. Er ist alles und erreicht alles. Er ist die Silbe, das Unvergängliche.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er, im Zusammenhang der Pranava; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''yat'' – wenn, sofern; ''prathamam'' – zuerst; ''na'' – nicht; ''abhyakīrtayaḥ'' – du hast ausgerufen; überlieferte Vergangenheitsform, im Bedingungssatz auffällig; ''nāma-grāham'' – unter ausdrücklicher Nennung des Namens; ''atha'' – dann; ''na'' – nicht; ''anuvatsye'' – ich werde folgen, beistehen oder mitwohnen; überlieferte Form in nānuvatsya iti; ''iti'' – Ende der Bedingung; ''nāma-grāham'' – unter Nennung des Namens; ''etena'' – mit diesem; ''sarvam'' – alles; ''abhipadyante'' – sie erreichen, wenden sich zu; ''sarvam'' – alles; ''vai'' – fürwahr; ''eṣaḥ'' – dieser; ''sarvam'' – alles; ''aśnoti'' – erreicht, umfasst; ''iti'' – Abschluss der Aussage; ''akṣaram'' – Silbe; zugleich das Unvergängliche; ''vai'' – fürwahr; ''eṣaḥ'' – dieser.
'''Erläuterung:''' Die Nähe von „Silbe“ und „Unvergänglichem“ gehört zum Bedeutungsfeld von [[Akshara]]. Die grammatische Form der Bedingung bleibt auffällig; der Text verlangt erkennbar, Om an den Anfang zu stellen.
'''1.9 – Om beim Beginnen und Zustimmen'''<br>
tasmādomityanujānanti | omiti pratipadyanta omityabhyādadata omityabhinidhāpayanti |<br>
'''Übersetzung:''' Darum geben sie mit „Om“ ihre Zustimmung. Mit „Om“ beginnen sie, mit „Om“ nehmen sie auf und mit „Om“ lassen sie niederlegen beziehungsweise abschließen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasmāt'' – deshalb; ''oṃ'' – Om; ''iti'' – mit dem Wort; ''anujānanti'' – stimmen zu, gestatten; ''oṃ'' – Om; ''iti'' – mit dem Wort; ''pratipadyante'' – treten an, beginnen, übernehmen; ''oṃ'' – Om; ''iti'' – mit dem Wort; ''abhyādadate'' – nehmen auf, nehmen an sich; ''oṃ'' – Om; ''iti'' – mit dem Wort; ''abhinidhāpayanti'' – lassen niederlegen, setzen ein oder schließen ab, Kausativ.
'''Erläuterung:''' Die Verben bezeichnen verschiedene Vollzüge des Rituals und der Rede. Ohne weitere rituelle Paralleltexte wäre eine feste Zuordnung jedes Verbs zu einer einzelnen modernen Handlung zu eng.
'''1.10 – Die Vielfalt in der einen Silbe'''<br>
tadetadakṣaraṃ jaitramabhitvaraṃ sarvāṇi bhūtānyabhyāttaṃ yadanekamekaṃ nānāvarṇaṃ nānārūpaṃ nānāśabdaṃ nānāgandhaṃ nānārasaṃ nānāsparśamiti |<br>
'''Übersetzung:''' Diese Silbe ist siegbringend, rasch vorwärtsdrängend und umfasst alle Wesen: das Vielfache und Eine, mit vielerlei Farben, Gestalten, Klängen, Gerüchen, Geschmäcken und Berührungen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – jenes; ''etat'' – dieses; ''akṣaram'' – Silbe, Unvergängliches; ''jaitram'' – siegbringend, zum Sieg führend; ''abhitvaram'' – rasch vorwärtsdrängend, beschleunigend; seltene Bildung; ''sarvāṇi'' – alle; ''bhūtāni'' – Wesen; ''abhyāttam'' – umfassend, in sich aufgenommen habend; genaue Bildung unsicher; ''yat'' – dasjenige, welches; ''anekam'' – nicht eines, vielfach; ''ekam'' – eines; ''nānā-varṇam'' – von vielerlei Farben; ''nānā-rūpam'' – von vielerlei Gestalten; ''nānā-śabdam'' – von vielerlei Klängen; ''nānā-gandham'' – von vielerlei Gerüchen; ''nānā-rasam'' – von vielerlei Geschmäcken oder Säften; ''nānā-sparśam'' – von vielerlei Berührungen, Tastqualitäten; ''iti'' – Ende der Aufzählung.
'''1.11 – Om, Indra und die Abhängigkeit aller Dinge'''<br>
atho khalvāhurindro vā caitadakṣaram | sarvāṇi ha vā imāni bhūtānyetadakṣaramanvāyattāni sarve vedāḥ sarve yajñā ityatha khalvindramanvāyattamiti ||<br>
'''Übersetzung:''' Ferner sagen sie: „Diese Silbe ist auch Indra. Alle diese Wesen hängen von dieser Silbe ab, ebenso alle Veden und alle Opfer.“ Und zugleich heißt es: „Es hängt von Indra ab.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''atho'' – ferner, außerdem; ''khalu'' – gewiss, nun; ''āhuḥ'' – sie sagen; ''indraḥ'' – Indra; ''vai'' – fürwahr; ''ca'' – auch, und; ''etat'' – diese; ''akṣaram'' – Silbe; ''sarvāṇi'' – alle; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''imāni'' – diese; ''bhūtāni'' – Wesen; ''etat-akṣaram'' – diese Silbe, als Bezugsgröße; ''anvāyattāni'' – abhängig, daran gebunden; ''sarve'' – alle; ''vedāḥ'' – Veden; ''sarve'' – alle; ''yajñāḥ'' – Opfer; ''iti'' – Ende der Aussage; ''atha'' – und dann, zugleich; ''khalu'' – gewiss; ''indram'' – Indra, als Bezugsgröße; ''anvāyattam'' – abhängig, daran gebunden; Singular; ''iti'' – Ende der Aussage.
'''Erläuterung:''' Der Schluss nennt die Abhängigkeit von Indra und verwendet dabei den Singular. Die vorherige Gleichsetzung von Indra und der Silbe bildet den gedanklichen Zusammenhang; der einzelne Bezug von anvāyattam bleibt knapp formuliert.
'''2.1 – Der tiefe Ton der Frühpressung'''<br>
sa mandreṇaivānvābhakto vididyute’ñjasaiva bhrātṛvyānapahanānīti | tasmānmandraṃ prātaḥsavanamabhavadyadgāyatraṃ tadgāyatrī tadgāyatraṃ yadvasavaḥ tadvasavyam |<br>
'''Übersetzung:''' Er, mit dem tiefen Ton verbunden, leuchtete auf: „Leicht werde ich die Gegner hinwegschlagen.“ Darum wurde die Frühpressung mit tiefem Ton verbunden. Was zum Gayatra gehört, ist Gayatri; jenes ist Gayatra, und was zu den Vasus gehört, ist Vasavya.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er, der Pranava; ''mandreṇa'' – mit dem tiefen, gedämpften Ton; ''eva'' – eben; ''anvābhaktaḥ'' – zugeteilt, verbunden; ''vididyute'' – leuchtete auf, Perfekt; ''añjasā'' – geradewegs, leicht, unmittelbar; ''eva'' – eben; ''bhrātṛvyān'' – Gegner, Rivalen; wörtlich auch Vettern; ''apahanāni'' – ich will hinwegschlagen, erste Person Singular mit voluntativer Bedeutung; ''iti'' – Ende der Rede; ''tasmāt'' – deshalb; ''mandram'' – tief, gedämpft tönend; ''prātaḥ-savanam'' – morgendliche Soma-Pressung; ''abhavat'' – wurde; ''yat'' – was; ''gāyatram'' – zum Gayatra gehörig, Bezeichnung eines Gesangs beziehungsweise seiner Form; ''tat'' – das; ''gāyatrī'' – Gayatri, Versmaß in personifizierter Gestalt; ''tat'' – jenes; ''gāyatram'' – Gayatra; ''yat'' – was; ''vasavaḥ'' – die Vasus; ''tat'' – das; ''vasavyam'' – zu den Vasus gehörig.
'''Erläuterung:''' Gayatri als Versmaß und Gayatra als Gesangsbezeichnung werden auseinandergehalten. Der Text verschränkt beide durch seine rituellen Entsprechungen.
'''2.2 – Die Frage nach dem Lohn'''<br>
sa ha praṇava uvāca | yadahaṃ sarvaṃ bhavāni yadgāyatrī vai purogāḥ tatkiṃ me syāditi | gāyatramanveva gāyatrīmanveva tvā sarvarūpamimaṃ kṛtvā hiṅkurvanti |<br>
'''Übersetzung:''' Der Pranava sagte: „Wenn ich alles werde und Gayatri vorangeht [Satzform auffällig], was wird dann mir zuteil?“ [Die Antwort lautet:] „Dem Gayatra und der Gayatri entsprechend machen sie dich zu dieser Allgestalt und sprechen den Hin-Ruf.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''praṇavaḥ'' – Pranava, Om; ''uvāca'' – sagte; ''yat'' – wenn, insofern; ''aham'' – ich; ''sarvam'' – alles; ''bhavāni'' – ich möge werden, voluntative Form; ''yat'' – wenn, insofern; ''gāyatrī'' – Gayatri; im Druck Nominativ; ''vai'' – fürwahr; ''purogāḥ'' – vorangehend, Vorangehende; die Fügung ist grammatisch auffällig; ''tat'' – dann, das; ''kim'' – was; ''me'' – mir, mein; ''syāt'' – würde sein, Optativ; ''iti'' – Ende der Frage; ''gāyatram'' – Gayatra, Akkusativ; ''anu'' – gemäß, folgend; ''eva'' – eben; ''gāyatrīm'' – Gayatri, Akkusativ; ''anu'' – gemäß, folgend; ''eva'' – eben; ''tvā'' – dich; ''sarva-rūpam'' – alle Gestalten habend, Allgestalt; ''imam'' – diesen; ''kṛtvā'' – gemacht habend; ''hiṅkurvanti'' – sie bringen den Laut hiṃ hervor, sprechen den Hinkara.
'''Erläuterung:''' Der vorherige Abschnitt macht den Pranava zum Vorangehenden der Gayatri; dieser Satz hat jedoch gāyatrī im Nominativ. Die Unstimmigkeit wird nicht durch eine unmarkierte Textänderung beseitigt. Der [[Hinkara]] ist ein ritueller Anlaut, nicht einfach ein anderer Name für beliebige Musik.
'''2.3 – Der Rückzug des Pranava'''<br>
sa hāpaśyannaitadañjasaiva sarvā rūpāṇyevamabhicakṣīranniti | sa hāntata evātmānamupasaṃhṛtya tāvadevāgrāhayat | sa viśṛṅga evābhavat | tasmādviśṛṅgamevaitadihānudravanti |<br>
'''Übersetzung:''' Er erwog: „Sie sollen so nicht ohne Weiteres alle Gestalten erkennen.“ Er zog sich bis in das Ende zurück und ließ nur so viel erfassen. Er wurde gleichsam hornlos. Deshalb folgen sie hier diesem Hornlosen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''apaśyat'' – sah, erwog; ''na'' – nicht; ''etat'' – dies, auf diese Weise; ''añjasā'' – unmittelbar, ohne Weiteres; ''eva'' – eben; ''sarvā'' – alle, überlieferte Form; ''rūpāṇi'' – Gestalten; ''evam'' – so; ''abhicakṣīran'' – sie könnten erkennen oder beschreiben, Optativ Medium; ''iti'' – Ende der Überlegung; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''antataḥ'' – am Ende, vom Ende her; ''eva'' – eben; ''ātmānam'' – sich selbst; ''upasaṃhṛtya'' – zurückgezogen, zusammengezogen habend; ''tāvat'' – so viel, nur diesen Umfang; ''eva'' – nur, eben; ''agrāhayat'' – ließ erfassen, ließ ergreifen; ''saḥ'' – er; ''viśṛṅgaḥ'' – hornlos, eines Hornes oder der Hörner beraubt; ''eva'' – eben; ''abhavat'' – wurde; ''tasmāt'' – deshalb; ''viśṛṅgam'' – den Hornlosen; ''eva'' – eben; ''etat'' – dieses, ihn; ''iha'' – hier; ''anudravanti'' – laufen hinterher, folgen.
'''Erläuterung:''' Viśṛṅga bedeutet „hornlos“. Die ältere Datei schrieb aufgrund eines Übertragungsfehlers viśaṛṅga. Das Bild beschreibt eine verminderte oder zurückgenommene Lautgestalt. Eine genaue Gleichsetzung jedes „Horns“ mit einer bestimmten Lautkomponente bedarf der Auslegung und steht hier nicht ausdrücklich.
'''2.4 – Kraft und Licht im verbleibenden Ende'''<br>
tadāhuryadvā etasya vīryaṃ yacchukraṃ yajjyotiryadamṛtaṃ yadajaryaṃ tadavaramiti | tasmāttata evāto jyotiramṛtamajaryaṃ pratipadyante | tato hāsurāḥ parābhavan |<br>
'''Übersetzung:''' Dazu sagen sie: „Seine Kraft, sein Helles beziehungsweise sein Same, sein Licht, sein Unsterbliches und sein Unvergängliches – das ist das nachfolgende [Ende].“ Deshalb gelangen sie von eben dort aus zum Licht, zum Unsterblichen und zum Unvergänglichen. Darauf wurden die Asuras besiegt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – dazu, darüber; ''āhuḥ'' – sie sagen; ''yat'' – was, dasjenige, das; ''vai'' – fürwahr; ''etasya'' – dessen, seine; ''vīryam'' – Kraft, Wirkmacht; ''yat'' – was; ''śukram'' – Helles, Reines, auch Same; ''yat'' – was; ''jyotiḥ'' – Licht; ''yat'' – was; ''amṛtam'' – Unsterbliches; ''yat'' – was; ''ajaryam'' – nicht alternd, unvergänglich; ''tat'' – das; ''avaram'' – das spätere, nachfolgende, untere; hier auf das verbleibende Ende bezogen; ''iti'' – Ende der Aussage; ''tasmāt'' – deshalb; ''tataḥ'' – von dort; ''eva'' – eben; ''ataḥ'' – von diesem her; ''jyotiḥ'' – Licht; ''amṛtam'' – Unsterbliches; ''ajaryam'' – Unvergängliches; ''pratipadyante'' – erreichen, gelangen dazu; ''tataḥ'' – darauf; ''ha'' – erzählende Partikel; ''asurāḥ'' – Asuras; ''parābhavan'' – unterlagen, wurden besiegt.
'''Erläuterung:''' Avara ist hier keine ausdrückliche technische Bezeichnung des Anusvara. Die Deutung als nachfolgendes Ende beziehungsweise Nachhall folgt dem vorherigen Rückzug des Pranava. Die bloße Wörterbuchbedeutung „niedriger“ würde den Zusammenhang nicht ausreichend erklären.
'''2.5 – Die Einheit der Zuordnungen'''<br>
sa eṣa indraḥ sarvaṃ yadgāyatrī udgītho vasavaḥ prātassavanamiti | tadāhuḥ | sarvaṃ vā etadindro yajjagadyathaiveti ||<br>
'''Übersetzung:''' Dieser ist Indra und alles, was Gayatri, Udgitha, Vasus und Frühpressung heißt. Dazu sagen sie: „All dies ist Indra, das Bewegte, so wie es ist.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – jener; ''eṣaḥ'' – dieser; ''indraḥ'' – Indra; ''sarvam'' – alles; ''yat'' – was, nämlich; ''gāyatrī'' – Gayatri; ''udgīthaḥ'' – Udgitha, der hohe Gesang des Saman-Rituals; ''vasavaḥ'' – Vasus; ''prātaḥ-savanam'' – Frühpressung; ''iti'' – Ende der Aufzählung; ''tat'' – dazu; ''āhuḥ'' – sie sagen; ''sarvam'' – alles; ''vai'' – fürwahr; ''etat'' – dies; ''indraḥ'' – Indra; ''yat'' – was; ''jagat'' – das Bewegte, die Welt; ''yathā'' – wie; ''eva'' – eben; ''iti'' – Ende der Aussage.
'''3.1 – Die Asuras kehren zurück'''<br>
tato hāsurāḥ punarevodayanti | te ha mādhyandinasyaiva savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāṃ jaritāro bibhyata eva vasatīvarīrupākalpayan | te ha tābhireva jighāṃsan |<br>
'''Übersetzung:''' Dann erhoben sich die Asuras wieder. Bei den Pavamana-Gesängen der mittäglichen Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die erschrockenen Sänger stellten ihnen die Vasativari-Wasser bereit. Mit diesen suchten sie [die Götter] zu erschlagen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tataḥ'' – darauf; ''ha'' – erzählende Partikel; ''asurāḥ'' – Asuras; ''punaḥ'' – wieder; ''eva'' – eben, erneut; ''udayanti'' – erheben sich, treten hervor; ''te'' – sie; ''ha'' – erzählende Partikel; ''mādhyandinasya'' – der mittäglichen; ''eva'' – gerade; ''savanasya'' – Soma-Pressung, Genitiv; ''pavamāneṣu'' – bei den Pavamana-Gesängen für den sich läuternden Soma, Lokativ Plural; ''yajña-vāstu'' – Opferplatz; ''abhyāyan'' – kamen darauf zu; ''teṣām'' – ihnen, für sie; ''jaritāraḥ'' – Lobsänger, Sänger, Nominativ Plural; ''bibhyataḥ'' – sich fürchtend; ''eva'' – eben; ''vasatīvarīḥ'' – Vasativari-Wasser, rituell bereitgestelltes Wasser, Akkusativ Plural; ''upākalpayan'' – stellten bereit; ''te'' – sie, die Asuras; ''ha'' – erzählende Partikel; ''tābhiḥ'' – mit diesen, Instrumental Plural Femininum; ''eva'' – eben; ''jighāṃsan'' – beabsichtigten zu erschlagen; überlieferte Form des Desiderativs zu √han.
'''3.2 – Die Rudras und Trishtubh'''<br>
teṣāmindro rudrāneva senānyo’kaḥ | te hākṣīyanta | sa ha triṣṭubhameva pratisandadat | sābravīt | bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parābhavanniti |<br>
'''Übersetzung:''' Indra machte die Rudras zu ihren Heerführern. Sie wurden jedoch geschwächt. Da entsandte er Trishtubh. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, denn sogar jene, die kraftvoller und stärker sind, wurden besiegt.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''teṣām'' – für sie, ihre; ''indraḥ'' – Indra; ''rudrān'' – die Rudras, Akkusativ Plural; ''eva'' – eben; ''senānyaḥ'' – Heerführer; überlieferte Akkusativform; ''akaḥ'' – machte, bestimmte; überlieferte Form zu √kṛ; ''te'' – sie; ''ha'' – erzählende Partikel; ''akṣīyanta'' – schwanden, wurden geschwächt, zu √kṣi; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''triṣṭubham'' – Trishtubh, personifiziertes Versmaß, Akkusativ; ''eva'' – gerade; ''pratisandadat'' – sandte zu, übergab; überlieferte Verbform; ''sā'' – sie; ''abravīt'' – sagte; ''bibhemi'' – ich fürchte mich; ''vai'' – fürwahr; ''etat'' – deshalb, in dieser Lage; ''etebhyaḥ'' – vor diesen, Ablativ; ''yathā'' – da, insofern; ''ojīyāṃsaḥ'' – kräftiger, energiereicher, Komparativ Plural; ''balīyāṃsaḥ'' – stärker, Komparativ Plural; ''ime'' – diese; ''parābhavan'' – wurden besiegt, unterlagen; ''iti'' – Ende der Rede.
'''3.3 – Die Gleichsetzung mit Indra'''<br>
sa ha praṇavamevovāca purogāyamevārabhasveti | so’bravīt | kiṃ me’taḥ syāditi | yadahaṃ sa tvaṃ mamaiva rūpeṇa nyūṃkhayiṣyanti tvāmiti |<br>
'''Übersetzung:''' Er sagte zum Pranava: „Übernimm das Vorangehen!“ Dieser fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ [Indra antwortete:] „Was ich bin, das bist du. In meiner eigenen Gestalt werden sie dich im Nyunkha ertönen lassen.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er, Indra; ''ha'' – erzählende Partikel; ''praṇavam'' – den Pranava, Akkusativ; ''eva'' – gerade; ''uvāca'' – sagte zu; ''purogāyam'' – das Vorangehen beziehungsweise die Rolle des Vorangehenden; ungewöhnliche Form; ''eva'' – eben; ''ārabhasva'' – ergreife, übernimm, Imperativ Medium; ''iti'' – Ende der Aufforderung; ''saḥ'' – er, Pranava; ''abravīt'' – sagte; ''kim'' – was; ''me'' – mir; ''ataḥ'' – daraus, von diesem her; ''syāt'' – würde sein, Optativ; ''iti'' – Ende der Frage; ''yat'' – was; ''aham'' – ich [bin]; ''saḥ'' – das, derselbe; ''tvam'' – du [bist]; ''mama'' – meine; ''eva'' – eigene, eben; ''rūpeṇa'' – in Gestalt, Instrumental; ''nyūṃkhayiṣyanti'' – sie werden im Nyunkha aussprechen oder ertönen lassen, Zukunft; ''tvām'' – dich; ''iti'' – Ende der Zusage.
'''Erläuterung:''' Nyunkha bezeichnet eine besondere, gedehnte oder modulierte Lautführung im vedischen Vortrag. Die Stelle ist keine ausreichende Anleitung, um diese Rezitationsform ohne Überlieferung der Melodie zu rekonstruieren.
'''3.4 – Der zweite Rückzug'''<br>
sa hāpaśyat | sarva eva nyūṃkhayanto māmabhicakṣīranniti | sa ha sarvamevātmānamupasaṃhṛtya śṛṅga evāgūhayat | sa ha viśṛṅga evābhavat | tasmāditthaiva nyūṃkhayanti |<br>
'''Übersetzung:''' Er erwog: „Alle, die den Nyunkha vortragen, könnten mich erkennen.“ Darum zog er sein ganzes Selbst zusammen und verbarg sich im Horn beziehungsweise in der Spitze. Er wurde hornlos. Deshalb tragen sie den Nyunkha in dieser Weise vor.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''apaśyat'' – sah, erwog; ''sarve'' – alle; ''eva'' – ausnahmslos; ''nyūṃkhayantaḥ'' – den Nyunkha vortragend, Partizip Plural; ''mām'' – mich; ''abhicakṣīran'' – könnten erkennen oder beschreiben, Optativ; ''iti'' – Ende der Überlegung; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''sarvam'' – das ganze; ''eva'' – vollständig; ''ātmānam'' – sich selbst, sein Selbst; ''upasaṃhṛtya'' – zusammengezogen habend; ''śṛṅge'' – im Horn, in der Spitze; im überlieferten Sandhi śṛṅga evāgūhayat; ''eva'' – gerade; ''agūhayat'' – verbarg, verhüllte; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''viśṛṅgaḥ'' – hornlos; ''eva'' – eben; ''abhavat'' – wurde; ''tasmāt'' – deshalb; ''itthā'' – so, auf diese Weise; ''eva'' – eben; ''nyūṃkhayanti'' – sie tragen den Nyunkha vor.
'''Erläuterung:''' Der Text verbindet das Verbergen „im Horn“ mit dem anschließenden Hornloswerden. Die Bildsprache zielt auf die zurückgenommene Lautgestalt. Die ältere persisch-lateinische Überlieferung erläutert dies als Rückzug in den Nachhall; diese Erläuterung steht hier nicht mit demselben Wortlaut.
'''3.5 – Die Zuordnung der Mittagspressung'''<br>
tato hāsurāḥ parābhāvayan | tasmādrudrāneva mādhyandinaṃ savanaṃ traiṣṭubhaṃ ceti ||<br>
'''Übersetzung:''' Darauf wurden die Asuras besiegt [Verbform der Vorlage auffällig]. Deshalb gehört die mittägliche Pressung zu den Rudras und zum Trishtubh-Versmaß.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tataḥ'' – darauf; ''ha'' – erzählende Partikel; ''asurāḥ'' – Asuras, Nominativ Plural; ''parābhāvayan'' – brachten zur Niederlage, Kausativ; passt grammatisch nicht ohne Weiteres zu der im Zusammenhang erwarteten passiven Aussage; ''tasmāt'' – deshalb; ''rudrān'' – die Rudras, Akkusativ, als Zuordnungsziel; ''eva'' – eben; ''mādhyandinam'' – mittägliche; ''savanam'' – Soma-Pressung; ''traiṣṭubham'' – zum Trishtubh gehörig; ''ca'' – und; ''iti'' – Ende der Bestimmung.
'''Erläuterung:''' Das Sanskrit hat eine kausative Form, obwohl der Erzählverlauf die Niederlage der Asuras verlangt. Die deutsche Wiedergabe kennzeichnet diese Schwierigkeit ausdrücklich. Sie ist keine stillschweigende Behauptung, der Druck enthalte das reguläre parābhavan.
'''4.1 – Der dritte Angriff'''<br>
te hāsurāḥ punarevodapatiṣyanta | te ha tṛtīyasyeha savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāmime bibhyata evāṃśūnupākalpayan | te ha taireva devānapājighāṃsan |<br>
'''Übersetzung:''' Die Asuras wollten sich erneut erheben. Bei den Pavamana-Gesängen der dritten Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die Erschrockenen stellten ihnen Soma-Stängel bereit. Mit diesen suchten sie die Götter zu erschlagen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''te'' – diese; ''ha'' – erzählende Partikel; ''asurāḥ'' – Asuras; ''punaḥ'' – wieder; ''eva'' – erneut, eben; ''udapatiṣyanta'' – wollten sich wieder erheben; überlieferte Form zu ud-√pat; ''te'' – sie; ''ha'' – erzählende Partikel; ''tṛtīyasya'' – der dritten; ''iha'' – hier; ''savanasya'' – Soma-Pressung; ''pavamāneṣu'' – bei den Pavamana-Gesängen; ''yajña-vāstu'' – Opferplatz; ''abhyāyan'' – kamen darauf zu; ''teṣām'' – für sie; ''ime'' – diese, die am Opfer Tätigen; ''bibhyataḥ'' – sich fürchtend; ''eva'' – eben; ''aṃśūn'' – Stängel, insbesondere Soma-Stängel, Akkusativ Plural; ''upākalpayan'' – stellten bereit; ''te'' – sie, die Asuras; ''ha'' – erzählende Partikel; ''taiḥ'' – mit diesen; ''eva'' – eben; ''devān'' – die Götter, Akkusativ; ''apājighāṃsan'' – suchten hinwegzuschlagen, wollten vernichten; überlieferte desiderative Form.
'''Erläuterung:''' Aṃśu bezeichnet im Soma-Ritual die Stängel beziehungsweise Triebe der Soma-Pflanze. Die aus einer anderen Überlieferungsstufe bekannte Wiedergabe „Opfergrasspitzen“ wird deshalb hier nicht ungekennzeichnet übernommen.
'''4.2 – Jagati und ihre Furcht'''<br>
teṣāmindro jagatīmeva pratisandideśa | sābravīt bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parāvṛtanniti | tasyā indraḥ praṇavameva purogāmakarot |<br>
'''Übersetzung:''' Indra entsandte ihnen Jagati. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene, die kraftvoller und stärker sind, zurückgeschlagen wurden.“ Darum stellte Indra ihr den Pranava voran.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''teṣām'' – ihnen, für sie; ''indraḥ'' – Indra; ''jagatīm'' – Jagati, personifiziertes Versmaß, Akkusativ; ''eva'' – gerade; ''pratisandideśa'' – entsandte, beauftragte; ''sā'' – sie; ''abravīt'' – sagte; ''bibhemi'' – ich fürchte mich; ''vai'' – fürwahr; ''etat'' – deshalb, in dieser Lage; ''etebhyaḥ'' – vor diesen; ''yathā'' – da, wie; ''ojīyāṃsaḥ'' – kräftigere; ''balīyāṃsaḥ'' – stärkere; ''ime'' – diese; ''parāvṛtan'' – wurden zurückgedrängt; auffällige überlieferte Form; ''iti'' – Ende der Rede; ''tasyāḥ'' – ihr, für sie; ''indraḥ'' – Indra; ''praṇavam'' – Pranava; ''eva'' – eben; ''purogām'' – den Vorangehenden; ''akarot'' – machte, bestimmte.
'''4.3 – Der Udgitha als zugesprochener Anteil'''<br>
sa hovāca | kiṃ me’taḥ syāditi | sa hovācendro yattvāmudgīthenopāvaneṣyante tenaiva te kalpayiṣyantīti |<br>
'''Übersetzung:''' Der Pranava fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ Indra sagte: „Damit, dass sie dich im Udgitha verehren werden, werden sie dir deinen Anteil bereiten.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er, Pranava; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''kim'' – was; ''me'' – mir; ''ataḥ'' – daraus; ''syāt'' – würde sein; ''iti'' – Ende der Frage; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''indraḥ'' – Indra; ''yat'' – dass, damit dass; ''tvām'' – dich; ''udgīthena'' – mit dem Udgitha, dem hohen Saman-Gesang, Instrumental; ''upāvaneṣyante'' – werden verehren oder sich zuwenden; ungewöhnliche überlieferte Zukunftsform; ''tena'' – damit, dadurch; ''eva'' – eben; ''te'' – dir; ''kalpayiṣyanti'' – werden zuteilen, bereitstellen; ''iti'' – Ende der Antwort.
'''4.4 – Die Adityas führen an'''<br>
senānyo hi tarhyādityānakalpayan tasmājjāgataṃ tṛtīyasavanamādityānām |<br>
'''Übersetzung:''' Damals bestimmten sie nämlich die Adityas zu Heerführern. Darum ist die dritte Pressung dem Jagati-Versmaß und den Adityas zugeordnet.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''senānyaḥ'' – Heerführer, überlieferte Akkusativform; ''hi'' – denn, nämlich; ''tarhi'' – damals, dann; ''ādityān'' – Adityas, Göttergruppe, Akkusativ; ''akalpayan'' – bestimmten, stellten auf; ''tasmāt'' – deshalb; ''jāgatam'' – zum Jagati gehörig; ''tṛtīya-savanam'' – dritte Soma-Pressung; ''ādityānām'' – der Adityas, Genitiv Plural.
'''4.5 – Erkenntnis der gemeinsamen Wirklichkeit'''<br>
sa hāpaśyadādityo vā udgītho’sau khalvādityo brahma | na ha vā enaṃ mithu cidemīti | sa ha svenaiva rūpeṇādityānagacchat | sa ha tenaiva vajreṇāsurān parābhāvayan |<br>
'''Übersetzung:''' Der Pranava erkannte: „Der Udgitha ist Aditya, die Sonne; jene Sonne ist Brahman. Ich gehe nicht vergeblich beziehungsweise getrennt von ihm [Wortdeutung unsicher].“ Er ging in seiner eigenen Gestalt zu den Adityas. Mit eben diesem Donnerkeil besiegte er die Asuras [Verbform auffällig].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''apaśyat'' – sah, erkannte; ''ādityaḥ'' – Aditya, Sonne; ''vai'' – fürwahr; ''udgīthaḥ'' – Udgitha; ''asau'' – jener dort; ''khalu'' – gewiss; ''ādityaḥ'' – Aditya, die Sonne; ''brahma'' – Brahman; ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''enam'' – ihn, diesen; ''mithu'' – falsch, vergeblich oder voneinander getrennt; seltene Partikel, genauer Sinn unsicher; ''cit'' – auch nur, überhaupt; ''emi'' – ich gehe, gelange; ''iti'' – Ende der Erkenntnis; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''svena'' – in seiner eigenen; ''eva'' – eben; ''rūpeṇa'' – Gestalt, Instrumental; ''ādityān'' – zu den Adityas, Akkusativ Plural; ''agacchat'' – ging; ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''tena'' – mit diesem; ''eva'' – eben; ''vajreṇa'' – Donnerkeil, Instrumental; ''asurān'' – die Asuras, Akkusativ; ''parābhāvayan'' – zur Niederlage bringend beziehungsweise brachten zur Niederlage; der Auslaut passt nicht zur regulären dritten Person Singular.
'''Erläuterung:''' Die Erkenntnis der Zusammengehörigkeit wird durch die Sätze über Aditya, Udgitha und Brahman nahegelegt. Die Form mithu erlaubt hier keine unbedingte Festlegung auf ein einziges deutsches Wort. Auch der Schluss des Satzes über den Sieg ist grammatisch beschädigt.
'''4.6 – Der gewonnene Halt'''<br>
tadyat svenaiva rūpeṇāvistarāmagacchattatpratiṣṭhāmavindat | pratiṣṭhā ha vā eṣā yatpraṇavaḥ | sarvāṇi ha vā imāni bhūtāni praṇava eva pratitiṣṭhanti |<br>
'''Übersetzung:''' Dass er in seiner eigenen Gestalt offen hervortrat, darin fand er einen festen Grund. Dieser feste Grund ist der Pranava. Alle diese Wesen stehen fest im Pranava.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – das, darin; ''yat'' – dass, indem; ''svena'' – in seiner eigenen; ''eva'' – eben; ''rūpeṇa'' – Gestalt; ''āvistarām'' – offener, deutlicher sichtbar, adverbiale Steigerung von āvis; ''agacchat'' – ging, trat hervor; ''tat'' – dadurch, darin; ''pratiṣṭhām'' – Halt, festen Grund; ''avindat'' – fand; ''pratiṣṭhā'' – fester Grund, Halt; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''eṣā'' – dieser; ''yat'' – nämlich, der da ist; ''praṇavaḥ'' – Pranava; ''sarvāṇi'' – alle; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''imāni'' – diese; ''bhūtāni'' – Wesen; ''praṇave'' – im Pranava, Lokativ; ''eva'' – eben; ''pratitiṣṭhanti'' – stehen fest, haben ihren Halt.
'''4.7 – Der verborgene Grund'''<br>
tasya ha vā eṣā pratiṣṭhā yatrāsāvātmānamupasaṃhṛtyājūgupat | tasmāttadevopanvīteti tadevopāsīta |<br>
'''Übersetzung:''' Sein Grund ist wiederum jener Ort, in den er sich zurückgezogen und an dem er sich verborgen beziehungsweise geschützt hatte. Darum soll man sich eben diesem zuwenden, eben dieses verehren.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasya'' – dessen, sein; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''eṣā'' – dieser; ''pratiṣṭhā'' – Grund, Halt; ''yatra'' – wo, worin; ''asau'' – jener; ''ātmānam'' – sich selbst; ''upasaṃhṛtya'' – zurückgezogen habend; ''ajūgupat'' – schützte, verbarg, zu √gup; ''tasmāt'' – deshalb; ''tat'' – diesem, dieses; ''eva'' – eben; ''upanvīta'' – sollte sich zuwenden, verehren; seltene überlieferte Verbform; ''iti'' – so; ''tat'' – dieses; ''eva'' – eben; ''upāsīta'' – sollte verehren, meditativ betrachten.
'''Verszitat 1 – Der Stier mit vier Hörnern'''<br>
tadetadṛcābhyuktam--<br>
catvāri śṛṅgā trayo asya pādāḥ |<br>
dve śīrṣe saptahastāso asya |<br>
tridhā baddho vṛṣabho roravīti |<br>
maho devo martyāṃ āviveśa || iti ||<br>
'''Übersetzung:''' Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Vier Hörner hat er, drei Füße; zwei Köpfe, sieben Hände hat er. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingegangen.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – dies; ''etat'' – eben dies; ''ṛcā'' – durch einen Rigvers, Instrumental von ṛc; ''abhyuktam'' – ausgesprochen, erklärt; ''catvāri'' – vier, Neutrum; ''śṛṅgā'' – Hörner, vedischer Plural; ''trayaḥ'' – drei, Maskulinum; ''asya'' – sein, er hat; ''pādāḥ'' – Füße; ''dve'' – zwei, Dual; ''śīrṣe'' – Köpfe, Dual; ''sapta'' – sieben; ''hastāsaḥ'' – Hände, vedischer Plural; ''asya'' – sein, er hat; ''tridhā'' – dreifach; ''baddhaḥ'' – gebunden; ''vṛṣabhaḥ'' – Stier; ''roravīti'' – brüllt, intensive Bildung zu √ru; ''mahāḥ'' – groß; vedische Textform maho vor devaḥ; ''devaḥ'' – Gott; ''martyān'' – die Sterblichen; nasalisierter Auslaut martyāṃ vor ā; ''āviveśa'' – ist eingegangen, Perfekt von ā-√viś; ''iti'' – Ende des Zitats.
'''Erläuterung:''' Das Zitat entspricht [[Rigveda]] 4.58.3. Die digitale Lesung badvo wird nach der rigvedischen Parallelstelle als baddho, „gebunden“, wiedergegeben. Die spezielle vedische Nasalschreibung im letzten Versfuß wird in der unakzentuierten Lesefassung durch Anusvara dargestellt. Die Übersetzung des Rigverses steht vor seiner besonderen Deutung in dieser Upanishad.
'''5.1 – Die vier Hörner'''<br>
yadimāstisrothāsāviti catvārīti |<br>
'''Übersetzung:''' Dass diese drei und jener [vierte] gemeint sind, das erklärt „vier“.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – dass, insofern; ''imāḥ'' – diese, Femininum Plural; ''tisraḥ'' – drei, Femininum; ''atha'' – und dann; ''asau'' – jener; ''iti'' – so, als Zusammenfassung; ''catvāri'' – vier, zitierter Ausdruck; ''iti'' – so lautet die Deutung.
'''Erläuterung:''' Die drei zuvor personifizierten Versmaße und der Pranava bieten sich als Bezug an. Der Satz selbst nennt diese Namen hier nicht erneut. Die ältere persisch-lateinische Überlieferung erläutert die Stelle mithilfe von Lautmoren; diese Erklärung wird nicht als zusätzliche Sanskritzeile eingesetzt.
'''5.2 – Die drei Füße und die zwei Köpfe'''<br>
yadime dve evākṣare tribhirupanvanti tattraya iti | yatpratyakṣaṃ taddve iti |<br>
'''Übersetzung:''' Dass sie diese beiden Laute durch drei [Bestandteile] verbinden, das erklärt „drei“. Was unmittelbar erkennbar ist, das erklärt „zwei“.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – dass; ''ime'' – diese beiden, Dual; ''dve'' – zwei, Dual; ''eva'' – eben; ''akṣare'' – Laute oder Silben, Dual; ''tribhiḥ'' – durch drei, Instrumental Plural; ''upanvanti'' – sie verbinden oder beziehen darauf; seltene überlieferte Verbform; ''tat'' – das; ''trayaḥ'' – drei, zitierter Ausdruck; ''iti'' – so lautet die Deutung; ''yat'' – was; ''pratyakṣam'' – unmittelbar vor Augen liegend, direkt wahrnehmbar; ''tat'' – das; ''dve'' – zwei, zitierter Ausdruck; ''iti'' – so.
'''Erläuterung:''' Die digitale Fassung hat an dieser Stelle tadvai. Die vergrößerte Druckseite erlaubt die Lesung taddve, die hier übernommen wird. Damit ist der Bezug auf die zwei Köpfe hergestellt; was genau als unmittelbar erkennbar bezeichnet wird, bleibt knapp und erklärungsbedürftig. Die Buchstaben a, u und m beziehungsweise o und m werden im erhaltenen Satz nicht ausdrücklich ausgeschrieben.
'''5.3 – Die sieben Hände'''<br>
yadudgīthaṃ saptabhirabhiprapadyante tatsapteti | atho khalvāhuḥ | saptabhirenaṃ svārayantīti |<br>
'''Übersetzung:''' Dass sie sich dem Udgitha mit sieben [Tönen] nähern, erklärt „sieben“. Ferner sagen sie: „Mit sieben [Tönen] lassen sie ihn erklingen.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – dass; ''udgītham'' – Udgitha, Akkusativ; ''saptabhiḥ'' – mit sieben, Instrumental Plural; ''abhiprapadyante'' – sich nähern, erreichen, in den Vortrag eintreten; ''tat'' – das; ''sapta'' – sieben, zitierter Ausdruck; ''iti'' – so lautet die Deutung; ''atho'' – ferner; ''khalu'' – gewiss; ''āhuḥ'' – sie sagen; ''saptabhiḥ'' – mit sieben; ''enam'' – ihn; ''svārayanti'' – lassen tönen, bringen mit Tongebung zum Erklingen; ''iti'' – Ende der Aussage.
'''Erläuterung:''' Das ergänzte „Töne“ erschließt sich aus svārayanti, „erklingen lassen“. Eine konkrete siebentönige Melodie oder moderne Tonleiter wird hier nicht angegeben.
'''5.4 – Die dreifache Bindung und der Stier'''<br>
yadīmān trīnabhidhatte tattridheti | yadindra evodgīthastadvṛṣabha iti |<br>
'''Übersetzung:''' Dass er diese drei zusammenfasst, erklärt „dreifach“. Dass Indra selbst der Udgitha ist, erklärt „Stier“.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – dass; ''imān'' – diese, Akkusativ Plural; ''trīn'' – drei, Akkusativ Plural Maskulinum; ''abhidhatte'' – fasst zusammen, legt bei, benennt; ''tat'' – das; ''tridhā'' – dreifach, zitierter Ausdruck; ''iti'' – so lautet die Deutung; ''yat'' – dass; ''indraḥ'' – Indra; ''eva'' – selbst, eben; ''udgīthaḥ'' – Udgitha; ''tat'' – das; ''vṛṣabhaḥ'' – Stier, zitierter Ausdruck; ''iti'' – so lautet die Deutung.
'''Erläuterung:''' Die genaue Identifikation der „drei“ wird an dieser Stelle nicht erneut ausgesprochen. Andere Überlieferungen nennen drei Laute, Feuer, Welten oder Veden; solche Ausführungen gehören in den Vergleich, nicht in den Sanskritwortlaut dieses Satzes.
'''Verszitat 2 – Indra als Stier bei den Maruts'''<br>
tadetadṛcābhyuktam--<br>
marutvantaṃ vṛṣabhaṃ vāvṛdhānam |<br>
'''Übersetzung:''' Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Den von den Maruts begleiteten Stier, den erstarkten …“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – dies; ''etat'' – eben dies; ''ṛcā'' – durch einen Rigvers, Instrumental; ''abhyuktam'' – ausgesprochen, erklärt; ''marutvantam'' – von den Maruts begleiteten, mit den Maruts verbundenen, Akkusativ; ''vṛṣabham'' – Stier, Akkusativ; ''vāvṛdhānam'' – erstarkten, angewachsenen, Partizip Akkusativ.
'''Erläuterung:''' Die Upanishad zitiert nur den ersten Versfuß aus [[Rigveda]] 3.47.5 beziehungsweise 6.19.11. Es wird kein vollständiger Vierzeiler ergänzt. Die folgenden Wörter yad drāvayanti tad roravīti sind die Prosaerklärung des Brüllens und werden deshalb gesondert behandelt.
'''5.5 – Das Brüllen und das Eingehen in die Wesen'''<br>
yaddrāvayanti tadroravīti || yadeṣa sarvāṇi bhūtānyanupraviṣṭastanmartyāṃ āviveśeti |<br>
'''Übersetzung:''' Dass sie ihn ertönen beziehungsweise dahineilen lassen, erklärt „er brüllt“. Dass er in alle Wesen eingegangen ist, erklärt „er ist in die Sterblichen eingegangen“.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – dass; ''drāvayanti'' – sie lassen eilen, fließen oder ertönen; genaue Bedeutung im Rezitationszusammenhang unsicher; ''tat'' – das; ''roravīti'' – er brüllt, zitierter Ausdruck; ''yat'' – dass; ''eṣaḥ'' – dieser, er; ''sarvāṇi'' – alle; ''bhūtāni'' – Wesen; ''anupraviṣṭaḥ'' – eingegangen, eingetreten; ''tat'' – das; ''martyān'' – die Sterblichen, hier als martyāṃ vor āviveśa; ''āviveśa'' – ist eingegangen, zitierter Ausdruck; ''iti'' – Ende der Erklärung.
'''6.1 – Shaunakas Schlusslehre'''<br>
tasmādomityekākṣaramudgīthamupāsītetyāha bhagavān śaunakaḥ śaunaka iti ||<br>
'''Übersetzung:''' Darum soll man den Udgitha als die eine Silbe Om verehren. So spricht der ehrwürdige Shaunaka, Shaunaka.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasmāt'' – deshalb; ''oṃ'' – Om; ''iti'' – als, mit der Bezeichnung; ''eka-akṣaram'' – eine Silbe, einsilbig; ''udgītham'' – Udgitha, Akkusativ; ''upāsīta'' – sollte verehren, meditativ betrachten; ''iti'' – so; ''āha'' – spricht, sagt; ''bhagavān'' – der Ehrwürdige; ''śaunakaḥ'' – Shaunaka; ''śaunakaḥ'' – Shaunaka, wiederholter Name; ''iti'' – Abschluss der Lehre.
'''Erläuterung:''' Die Wiederholung des Namens wird erhalten. Sie ist eine Schlussmarkierung der Überlieferung und nicht als zwei verschiedene Lehrer zu lesen.
'''Kolophon – Schlussformel'''<br>
iti śaunakopaniṣat samāptā |<br>
'''Übersetzung:''' Damit ist die Shaunaka Upanishad beendet.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''iti'' – so, damit; ''śaunaka-upaniṣat'' – Shaunaka Upanishad; ''samāptā'' – beendet, abgeschlossen.
==Vollständiger erhaltener Text der Shaunaka Upanishad auf Devanagari==
'''१.१'''<br>
ॐ देवासुराः संयत्ता आसन् । तेषामिन्द्रो न प्रत्यपद्यत । ते ह वसूनेव प्रातस्सवनेषु पुरोधाय व्यजिगीषन्त ।<br>
'''१.२'''<br>
ते ह नुन्नेषु नाराशंसेषु ऋषीणां यज्ञवास्त्वभ्यायन् हनिष्याम वा एतद्वो यद्देवान्न पराभावयिष्यथेति ।<br>
'''१.३'''<br>
ते ह बिभ्यत एव स्तोकानुदकल्पयन् विजेप्यध्वे वावैतानन्विति । ते ह तत ...र्तिमार्च्छंस्तानन्वितरान् पराभावयन् ।<br>
'''१.४'''<br>
ततो हेन्द्रोऽपश्यत् । स ह गा...रीमेव प्रतिसन्दिदेश । सा होवाच । बिभेमि वा एतदेतेभ्यो यथैतत्परावृतन्निति ।<br>
'''१.५'''<br>
स प्रणवमेवास्याः पुरोगमकरोदेष वाव ते गोप्यायेति । सा होवाच । यदेष पुरोगाः उदेष मे भागधेयी स्यादिति ।<br>
'''१.६'''<br>
स होवाच । न ह वावैष त्वद्भागधेयी भवति । महान्वा अस्य महिमा न ह वा महीयांसो भागक्लृप्तिमप्याभजन्तीति ।<br>
'''१.७'''<br>
विश्वमिन्नु समन्वालभध्वमिति । सेनान्यास्तु प्रथमजानाप्याययिष्यसीत्योमिति होवाच ।<br>
'''१.८'''<br>
स होवाच यत्प्रथमं नाभ्यकीर्तयो नामग्राहमथ नानुवत्स्य इति । नामग्राहमेतेन सर्वमभिपद्यन्ते । सर्वं वा एष सर्वमश्नोतीति । अक्षरं वा एषः ।<br>
'''१.९'''<br>
तस्मादोमित्यनुजानन्ति । ओमिति प्रतिपद्यन्त ओमित्यभ्याददत ओमित्यभिनिधापयन्ति ।<br>
'''१.१०'''<br>
तदेतदक्षरं जैत्रमभित्वरं सर्वाणि भूतान्यभ्यात्तं यदनेकमेकं नानावर्णं नानारूपं नानाशब्दं नानागन्धं नानारसं नानास्पर्शमिति ।<br>
'''१.११'''<br>
अथो खल्वाहुरिन्द्रो वा चैतदक्षरम् । सर्वाणि ह वा इमानि भूतान्येतदक्षरमन्वायत्तानि सर्वे वेदाः सर्वे यज्ञा इत्यथ खल्विन्द्रमन्वायत्तमिति ॥<br>
'''२.१'''<br>
स मन्द्रेणैवान्वाभक्तो विदिद्युतेऽञ्जसैव भ्रातृव्यानपहनानीति । तस्मान्मन्द्रं प्रातःसवनमभवद्यद्गायत्रं तद्गायत्री तद्गायत्रं यद्वसवः तद्वसव्यम् ।<br>
'''२.२'''<br>
स ह प्रणव उवाच । यदहं सर्वं भवानि यद्गायत्री वै पुरोगाः तत्किं मे स्यादिति । गायत्रमन्वेव गायत्रीमन्वेव त्वा सर्वरूपमिमं कृत्वा हिङ्कुर्वन्ति ।<br>
'''२.३'''<br>
स हापश्यन्नैतदञ्जसैव सर्वा रूपाण्येवमभिचक्षीरन्निति । स हान्तत एवात्मानमुपसंहृत्य तावदेवाग्राहयत् । स विशृङ्ग एवाभवत् । तस्माद्विशृङ्गमेवैतदिहानुद्रवन्ति ।<br>
'''२.४'''<br>
तदाहुर्यद्वा एतस्य वीर्यं यच्छुक्रं यज्ज्योतिर्यदमृतं यदजर्यं तदवरमिति । तस्मात्तत एवातो ज्योतिरमृतमजर्यं प्रतिपद्यन्ते । ततो हासुराः पराभवन् ।<br>
'''२.५'''<br>
स एष इन्द्रः सर्वं यद्गायत्री उद्गीथो वसवः प्रातस्सवनमिति । तदाहुः । सर्वं वा एतदिन्द्रो यज्जगद्यथैवेति ॥<br>
'''३.१'''<br>
ततो हासुराः पुनरेवोदयन्ति । ते ह माध्यन्दिनस्यैव सवनस्य पवमानेषु यज्ञवास्त्वभ्यायन् । तेषां जरितारो बिभ्यत एव वसतीवरीरुपाकल्पयन् । ते ह ताभिरेव जिघांसन् ।<br>
'''३.२'''<br>
तेषामिन्द्रो रुद्रानेव सेनान्योऽकः । ते हाक्षीयन्त । स ह त्रिष्टुभमेव प्रतिसन्ददत् । साब्रवीत् । बिभेमि वा एतदेतेभ्यो यथौजीयांसो बलीयांस इमे पराभवन्निति ।<br>
'''३.३'''<br>
स ह प्रणवमेवोवाच पुरोगायमेवारभस्वेति । सोऽब्रवीत् । किं मेऽतः स्यादिति । यदहं स त्वं ममैव रूपेण न्यूंखयिष्यन्ति त्वामिति ।<br>
'''३.४'''<br>
स हापश्यत् । सर्व एव न्यूंखयन्तो मामभिचक्षीरन्निति । स ह सर्वमेवात्मानमुपसंहृत्य शृङ्ग एवागूहयत् । स ह विशृङ्ग एवाभवत् । तस्मादित्थैव न्यूंखयन्ति ।<br>
'''३.५'''<br>
ततो हासुराः पराभावयन् । तस्माद्रुद्रानेव माध्यन्दिनं सवनं त्रैष्टुभं चेति ॥<br>
'''४.१'''<br>
ते हासुराः पुनरेवोदपतिष्यन्त । ते ह तृतीयस्येह सवनस्य पवमानेषु यज्ञवास्त्वभ्यायन् । तेषामिमे बिभ्यत एवांशूनुपाकल्पयन् । ते ह तैरेव देवानपाजिघांसन् ।<br>
'''४.२'''<br>
तेषामिन्द्रो जगतीमेव प्रतिसन्दिदेश । साब्रवीत् बिभेमि वा एतदेतेभ्यो यथौजीयांसो बलीयांस इमे परावृतन्निति । तस्या इन्द्रः प्रणवमेव पुरोगामकरोत् ।<br>
'''४.३'''<br>
स होवाच । किं मेऽतः स्यादिति । स होवाचेन्द्रो यत्त्वामुद्गीथेनोपावनेष्यन्ते तेनैव ते कल्पयिष्यन्तीति ।<br>
'''४.४'''<br>
सेनान्यो हि तर्ह्यादित्यानकल्पयन् तस्माज्जागतं तृतीयसवनमादित्यानाम् ।<br>
'''४.५'''<br>
स हापश्यदादित्यो वा उद्गीथोऽसौ खल्वादित्यो ब्रह्म । न ह वा एनं मिथु चिदेमीति । स ह स्वेनैव रूपेणादित्यानगच्छत् । स ह तेनैव वज्रेणासुरान् पराभावयन् ।<br>
'''४.६'''<br>
तद्यत् स्वेनैव रूपेणाविस्तरामगच्छत्तत्प्रतिष्ठामविन्दत् । प्रतिष्ठा ह वा एषा यत्प्रणवः । सर्वाणि ह वा इमानि भूतानि प्रणव एव प्रतितिष्ठन्ति ।<br>
'''४.७'''<br>
तस्य ह वा एषा प्रतिष्ठा यत्रासावात्मानमुपसंहृत्याजूगुपत् । तस्मात्तदेवोपन्वीतेति तदेवोपासीत ।<br>
'''Verszitat १'''<br>
तदेतदृचाभ्युक्तम्--<br>
चत्वारि शृङ्गा त्रयो अस्य पादाः ।<br>
द्वे शीर्षे सप्तहस्तासो अस्य ।<br>
त्रिधा बद्धो वृषभो रोरवीति ।<br>
महो देवो मर्त्यां आविवेश ॥ इति ॥<br>
'''५.१'''<br>
यदिमास्तिस्रोथासाविति चत्वारीति ।<br>
'''५.२'''<br>
यदिमे द्वे एवाक्षरे त्रिभिरुपन्वन्ति तत्त्रय इति । यत्प्रत्यक्षं तद्द्वे इति ।<br>
'''५.३'''<br>
यदुद्गीथं सप्तभिरभिप्रपद्यन्ते तत्सप्तेति । अथो खल्वाहुः । सप्तभिरेनं स्वारयन्तीति ।<br>
'''५.४'''<br>
यदीमान् त्रीनभिधत्ते तत्त्रिधेति । यदिन्द्र एवोद्गीथस्तद्वृषभ इति ।<br>
'''Verszitat २'''<br>
तदेतदृचाभ्युक्तम्--<br>
मरुत्वन्तं वृषभं वावृधानम् ।<br>
'''५.५'''<br>
यद्द्रावयन्ति तद्रोरवीति ॥ यदेष सर्वाणि भूतान्यनुप्रविष्टस्तन्मर्त्यां आविवेशेति ।<br>
'''६.१'''<br>
तस्मादोमित्येकाक्षरमुद्गीथमुपासीतेत्याह भगवान् शौनकः शौनक इति ॥<br>
'''Kolophon'''<br>
इति शौनकोपनिषत् समाप्ता ।<br>
==Vollständiger erhaltener Text Shaunaka Upanishad in Transliteration IAST==
'''1.1'''<br>
oṃ devāsurāḥ saṃyattā āsan | teṣāmindro na pratyapadyata | te ha vasūneva prātassavaneṣu purodhāya vyajigīṣanta |<br>
'''1.2'''<br>
te ha nunneṣu nārāśaṃseṣu ṛṣīṇāṃ yajñavāstvabhyāyan haniṣyāma vā etadvo yaddevānna parābhāvayiṣyatheti |<br>
'''1.3'''<br>
te ha bibhyata eva stokānudakalpayan vijepyadhve vāvaitānanviti | te ha tata ...rtimārcchaṃstānanvitarān parābhāvayan |<br>
'''1.4'''<br>
tato hendro’paśyat | sa ha gā...rīmeva pratisandideśa | sā hovāca | bibhemi vā etadetebhyo yathaitatparāvṛtanniti |<br>
'''1.5'''<br>
sa praṇavamevāsyāḥ purogamakarodeṣa vāva te gopyāyeti | sā hovāca | yadeṣa purogāḥ udeṣa me bhāgadheyī syāditi |<br>
'''1.6'''<br>
sa hovāca | na ha vāvaiṣa tvadbhāgadheyī bhavati | mahānvā asya mahimā na ha vā mahīyāṃso bhāgaklṛptimapyābhajantīti |<br>
'''1.7'''<br>
viśvaminnu samanvālabhadhvamiti | senānyāstu prathamajānāpyāyayiṣyasītyomiti hovāca |<br>
'''1.8'''<br>
sa hovāca yatprathamaṃ nābhyakīrtayo nāmagrāhamatha nānuvatsya iti | nāmagrāhametena sarvamabhipadyante | sarvaṃ vā eṣa sarvamaśnotīti | akṣaraṃ vā eṣaḥ |<br>
'''1.9'''<br>
tasmādomityanujānanti | omiti pratipadyanta omityabhyādadata omityabhinidhāpayanti |<br>
'''1.10'''<br>
tadetadakṣaraṃ jaitramabhitvaraṃ sarvāṇi bhūtānyabhyāttaṃ yadanekamekaṃ nānāvarṇaṃ nānārūpaṃ nānāśabdaṃ nānāgandhaṃ nānārasaṃ nānāsparśamiti |<br>
'''1.11'''<br>
atho khalvāhurindro vā caitadakṣaram | sarvāṇi ha vā imāni bhūtānyetadakṣaramanvāyattāni sarve vedāḥ sarve yajñā ityatha khalvindramanvāyattamiti ||<br>
'''2.1'''<br>
sa mandreṇaivānvābhakto vididyute’ñjasaiva bhrātṛvyānapahanānīti | tasmānmandraṃ prātaḥsavanamabhavadyadgāyatraṃ tadgāyatrī tadgāyatraṃ yadvasavaḥ tadvasavyam |<br>
'''2.2'''<br>
sa ha praṇava uvāca | yadahaṃ sarvaṃ bhavāni yadgāyatrī vai purogāḥ tatkiṃ me syāditi | gāyatramanveva gāyatrīmanveva tvā sarvarūpamimaṃ kṛtvā hiṅkurvanti |<br>
'''2.3'''<br>
sa hāpaśyannaitadañjasaiva sarvā rūpāṇyevamabhicakṣīranniti | sa hāntata evātmānamupasaṃhṛtya tāvadevāgrāhayat | sa viśṛṅga evābhavat | tasmādviśṛṅgamevaitadihānudravanti |<br>
'''2.4'''<br>
tadāhuryadvā etasya vīryaṃ yacchukraṃ yajjyotiryadamṛtaṃ yadajaryaṃ tadavaramiti | tasmāttata evāto jyotiramṛtamajaryaṃ pratipadyante | tato hāsurāḥ parābhavan |<br>
'''2.5'''<br>
sa eṣa indraḥ sarvaṃ yadgāyatrī udgītho vasavaḥ prātassavanamiti | tadāhuḥ | sarvaṃ vā etadindro yajjagadyathaiveti ||<br>
'''3.1'''<br>
tato hāsurāḥ punarevodayanti | te ha mādhyandinasyaiva savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāṃ jaritāro bibhyata eva vasatīvarīrupākalpayan | te ha tābhireva jighāṃsan |<br>
'''3.2'''<br>
teṣāmindro rudrāneva senānyo’kaḥ | te hākṣīyanta | sa ha triṣṭubhameva pratisandadat | sābravīt | bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parābhavanniti |<br>
'''3.3'''<br>
sa ha praṇavamevovāca purogāyamevārabhasveti | so’bravīt | kiṃ me’taḥ syāditi | yadahaṃ sa tvaṃ mamaiva rūpeṇa nyūṃkhayiṣyanti tvāmiti |<br>
'''3.4'''<br>
sa hāpaśyat | sarva eva nyūṃkhayanto māmabhicakṣīranniti | sa ha sarvamevātmānamupasaṃhṛtya śṛṅga evāgūhayat | sa ha viśṛṅga evābhavat | tasmāditthaiva nyūṃkhayanti |<br>
'''3.5'''<br>
tato hāsurāḥ parābhāvayan | tasmādrudrāneva mādhyandinaṃ savanaṃ traiṣṭubhaṃ ceti ||<br>
'''4.1'''<br>
te hāsurāḥ punarevodapatiṣyanta | te ha tṛtīyasyeha savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāmime bibhyata evāṃśūnupākalpayan | te ha taireva devānapājighāṃsan |<br>
'''4.2'''<br>
teṣāmindro jagatīmeva pratisandideśa | sābravīt bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parāvṛtanniti | tasyā indraḥ praṇavameva purogāmakarot |<br>
'''4.3'''<br>
sa hovāca | kiṃ me’taḥ syāditi | sa hovācendro yattvāmudgīthenopāvaneṣyante tenaiva te kalpayiṣyantīti |<br>
'''4.4'''<br>
senānyo hi tarhyādityānakalpayan tasmājjāgataṃ tṛtīyasavanamādityānām |<br>
'''4.5'''<br>
sa hāpaśyadādityo vā udgītho’sau khalvādityo brahma | na ha vā enaṃ mithu cidemīti | sa ha svenaiva rūpeṇādityānagacchat | sa ha tenaiva vajreṇāsurān parābhāvayan |<br>
'''4.6'''<br>
tadyat svenaiva rūpeṇāvistarāmagacchattatpratiṣṭhāmavindat | pratiṣṭhā ha vā eṣā yatpraṇavaḥ | sarvāṇi ha vā imāni bhūtāni praṇava eva pratitiṣṭhanti |<br>
'''4.7'''<br>
tasya ha vā eṣā pratiṣṭhā yatrāsāvātmānamupasaṃhṛtyājūgupat | tasmāttadevopanvīteti tadevopāsīta |<br>
'''Verszitat 1'''<br>
tadetadṛcābhyuktam--<br>
catvāri śṛṅgā trayo asya pādāḥ |<br>
dve śīrṣe saptahastāso asya |<br>
tridhā baddho vṛṣabho roravīti |<br>
maho devo martyāṃ āviveśa || iti ||<br>
'''5.1'''<br>
yadimāstisrothāsāviti catvārīti |<br>
'''5.2'''<br>
yadime dve evākṣare tribhirupanvanti tattraya iti | yatpratyakṣaṃ taddve iti |<br>
'''5.3'''<br>
yadudgīthaṃ saptabhirabhiprapadyante tatsapteti | atho khalvāhuḥ | saptabhirenaṃ svārayantīti |<br>
'''5.4'''<br>
yadīmān trīnabhidhatte tattridheti | yadindra evodgīthastadvṛṣabha iti |<br>
'''Verszitat 2'''<br>
tadetadṛcābhyuktam--<br>
marutvantaṃ vṛṣabhaṃ vāvṛdhānam |<br>
'''5.5'''<br>
yaddrāvayanti tadroravīti || yadeṣa sarvāṇi bhūtānyanupraviṣṭastanmartyāṃ āviveśeti |<br>
'''6.1'''<br>
tasmādomityekākṣaramudgīthamupāsītetyāha bhagavān śaunakaḥ śaunaka iti ||<br>
'''Kolophon'''<br>
iti śaunakopaniṣat samāptā |<br>
==Vollständige deutsche Übersetzung des erhaltenen Textes der Shaunaka Upanishad==
'''1.1'''<br>
Om. Götter und Asuras standen kampfbereit einander gegenüber. Indra war noch nicht zu ihnen [den Göttern] getreten. Bei den morgendlichen Soma-Pressungen stellten sie die Vasus an die Spitze und suchten den Sieg.<br>
'''1.2'''<br>
Die Asuras kamen, als die Narashamsa-[Gaben beziehungsweise Becher] vorgeschoben waren, zum Opferplatz der Rishis und drohten: „Wir werden dieses euer [Opfer] zerstören, wenn ihr die Götter nicht besiegen lasst.“<br>
'''1.3'''<br>
Die erschrockenen Rishis stellten ihnen Tropfen [der Opfergabe] bereit: „Damit werdet ihr jene besiegen.“ Darauf … [Textlücke vor -rtiṃ ārcchan]; mit diesen brachten sie die anderen zur Niederlage.<br>
'''1.4'''<br>
Da erkannte Indra [die Lage]. Er entsandte Gayatri [Name im Druck beschädigt]. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene zurückgeschlagen worden sind.“<br>
'''1.5'''<br>
Er stellte ihr den Pranava voran: „Dieser ist wirklich zu deinem Schutz da.“ Sie sagte: „Wenn dieser vorangeht, wird er dann auch an meinem Anteil teilhaben?“<br>
'''1.6'''<br>
Er sagte: „Er wird nicht zum Teilhaber an deinem Anteil. Groß ist seine Größe; die Größeren lassen sich nicht auf eine Zuteilung von Anteilen ein.“<br>
'''1.7'''<br>
„Ergreift nun gemeinsam das Ganze! Du aber wirst die zuerst entstandenen Heerführer stärken.“ Sie antwortete: „Om – so sei es.“<br>
'''1.8'''<br>
Er [der Pranava] sagte: „Wenn du mich nicht zuerst namentlich ausrufst, werde ich nicht folgen [Verbformen auffällig].“ Mit diesem namentlichen Ruf wendet man sich allem zu. Er ist alles und erreicht alles. Er ist die Silbe, das Unvergängliche.<br>
'''1.9'''<br>
Darum geben sie mit „Om“ ihre Zustimmung. Mit „Om“ beginnen sie, mit „Om“ nehmen sie auf und mit „Om“ lassen sie niederlegen beziehungsweise abschließen.<br>
'''1.10'''<br>
Diese Silbe ist siegbringend, rasch vorwärtsdrängend und umfasst alle Wesen: das Vielfache und Eine, mit vielerlei Farben, Gestalten, Klängen, Gerüchen, Geschmäcken und Berührungen.<br>
'''1.11'''<br>
Ferner sagen sie: „Diese Silbe ist auch Indra. Alle diese Wesen hängen von dieser Silbe ab, ebenso alle Veden und alle Opfer.“ Und zugleich heißt es: „Es hängt von Indra ab.“<br>
'''2.1'''<br>
Er, mit dem tiefen Ton verbunden, leuchtete auf: „Leicht werde ich die Gegner hinwegschlagen.“ Darum wurde die Frühpressung mit tiefem Ton verbunden. Was zum Gayatra gehört, ist Gayatri; jenes ist Gayatra, und was zu den Vasus gehört, ist Vasavya.<br>
'''2.2'''<br>
Der Pranava sagte: „Wenn ich alles werde und Gayatri vorangeht [Satzform auffällig], was wird dann mir zuteil?“ [Die Antwort lautet:] „Dem Gayatra und der Gayatri entsprechend machen sie dich zu dieser Allgestalt und sprechen den Hin-Ruf.“<br>
'''2.3'''<br>
Er erwog: „Sie sollen so nicht ohne Weiteres alle Gestalten erkennen.“ Er zog sich bis in das Ende zurück und ließ nur so viel erfassen. Er wurde gleichsam hornlos. Deshalb folgen sie hier diesem Hornlosen.<br>
'''2.4'''<br>
Dazu sagen sie: „Seine Kraft, sein Helles beziehungsweise sein Same, sein Licht, sein Unsterbliches und sein Unvergängliches – das ist das nachfolgende [Ende].“ Deshalb gelangen sie von eben dort aus zum Licht, zum Unsterblichen und zum Unvergänglichen. Darauf wurden die Asuras besiegt.<br>
'''2.5'''<br>
Dieser ist Indra und alles, was Gayatri, Udgitha, Vasus und Frühpressung heißt. Dazu sagen sie: „All dies ist Indra, das Bewegte, so wie es ist.“<br>
'''3.1'''<br>
Dann erhoben sich die Asuras wieder. Bei den Pavamana-Gesängen der mittäglichen Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die erschrockenen Sänger stellten ihnen die Vasativari-Wasser bereit. Mit diesen suchten sie [die Götter] zu erschlagen.<br>
'''3.2'''<br>
Indra machte die Rudras zu ihren Heerführern. Sie wurden jedoch geschwächt. Da entsandte er Trishtubh. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, denn sogar jene, die kraftvoller und stärker sind, wurden besiegt.“<br>
'''3.3'''<br>
Er sagte zum Pranava: „Übernimm das Vorangehen!“ Dieser fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ [Indra antwortete:] „Was ich bin, das bist du. In meiner eigenen Gestalt werden sie dich im Nyunkha ertönen lassen.“<br>
'''3.4'''<br>
Er erwog: „Alle, die den Nyunkha vortragen, könnten mich erkennen.“ Darum zog er sein ganzes Selbst zusammen und verbarg sich im Horn beziehungsweise in der Spitze. Er wurde hornlos. Deshalb tragen sie den Nyunkha in dieser Weise vor.<br>
'''3.5'''<br>
Darauf wurden die Asuras besiegt [Verbform der Vorlage auffällig]. Deshalb gehört die mittägliche Pressung zu den Rudras und zum Trishtubh-Versmaß.<br>
'''4.1'''<br>
Die Asuras wollten sich erneut erheben. Bei den Pavamana-Gesängen der dritten Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die Erschrockenen stellten ihnen Soma-Stängel bereit. Mit diesen suchten sie die Götter zu erschlagen.<br>
'''4.2'''<br>
Indra entsandte ihnen Jagati. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene, die kraftvoller und stärker sind, zurückgeschlagen wurden.“ Darum stellte Indra ihr den Pranava voran.<br>
'''4.3'''<br>
Der Pranava fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ Indra sagte: „Damit, dass sie dich im Udgitha verehren werden, werden sie dir deinen Anteil bereiten.“<br>
'''4.4'''<br>
Damals bestimmten sie nämlich die Adityas zu Heerführern. Darum ist die dritte Pressung dem Jagati-Versmaß und den Adityas zugeordnet.<br>
'''4.5'''<br>
Der Pranava erkannte: „Der Udgitha ist Aditya, die Sonne; jene Sonne ist Brahman. Ich gehe nicht vergeblich beziehungsweise getrennt von ihm [Wortdeutung unsicher].“ Er ging in seiner eigenen Gestalt zu den Adityas. Mit eben diesem Donnerkeil besiegte er die Asuras [Verbform auffällig].<br>
'''4.6'''<br>
Dass er in seiner eigenen Gestalt offen hervortrat, darin fand er einen festen Grund. Dieser feste Grund ist der Pranava. Alle diese Wesen stehen fest im Pranava.<br>
'''4.7'''<br>
Sein Grund ist wiederum jener Ort, in den er sich zurückgezogen und an dem er sich verborgen beziehungsweise geschützt hatte. Darum soll man sich eben diesem zuwenden, eben dieses verehren.<br>
'''Verszitat 1'''<br>
Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Vier Hörner hat er, drei Füße; zwei Köpfe, sieben Hände hat er. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingegangen.“<br>
'''5.1'''<br>
Dass diese drei und jener [vierte] gemeint sind, das erklärt „vier“.<br>
'''5.2'''<br>
Dass sie diese beiden Laute durch drei [Bestandteile] verbinden, das erklärt „drei“. Was unmittelbar erkennbar ist, das erklärt „zwei“.<br>
'''5.3'''<br>
Dass sie sich dem Udgitha mit sieben [Tönen] nähern, erklärt „sieben“. Ferner sagen sie: „Mit sieben [Tönen] lassen sie ihn erklingen.“<br>
'''5.4'''<br>
Dass er diese drei zusammenfasst, erklärt „dreifach“. Dass Indra selbst der Udgitha ist, erklärt „Stier“.<br>
'''Verszitat 2'''<br>
Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Den von den Maruts begleiteten Stier, den erstarkten …“<br>
'''5.5'''<br>
Dass sie ihn ertönen beziehungsweise dahineilen lassen, erklärt „er brüllt“. Dass er in alle Wesen eingegangen ist, erklärt „er ist in die Sterblichen eingegangen“.<br>
'''6.1'''<br>
Darum soll man den Udgitha als die eine Silbe Om verehren. So spricht der ehrwürdige Shaunaka, Shaunaka.<br>
'''Kolophon'''<br>
Damit ist die Shaunaka Upanishad beendet.<br>
==Fünf Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten==
* '''Beginne mit der Schlusslehre.''' Lies den letzten Abschnitt und betrachte Om als Gegenstand der [[Upasana]]. Kehre danach zur Erzählung zurück, um ihre Begründung zu verstehen.
* '''Rezitiere aufmerksam.''' Sprich oder singe Om in einer dir vertrauten Weise und höre dem Klang bewusst zu. Verbinde die Wiederholung mit gesammelter Aufmerksamkeit.
* '''Studiere jede Pressung einzeln.''' Vergleiche erst danach die drei Erzählfolgen. Achte darauf, was sich wiederholt und was sich beim dritten Durchgang verändert.
* '''Prüfe symbolische Erklärungen am Wortlaut.''' Unterscheide Sanskrittext, ältere Auslegung und eigene Meditationserfahrung. Beachte besonders die offenen Stellen der Zahlen-Deutung.
* '''Verbinde Sammlung und Wahrhaftigkeit.''' Nimm die Lehre ernst und benenne zugleich die Grenzen des eigenen Verständnisses. So können [[Bhakti|Hingabe]] und sorgfältiges [[Svadhyaya]] zusammenwirken.
==Siehe auch==
* [[Upanishaden]]
* [[Om]]
* [[Pranava]]
* [[Udgitha]]
* [[Samaveda]]
* [[Soma]]
* [[Gayatri]]
* [[Indra]]
* [[Shaunaka]]
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* [[Arsheya Upanishad]]
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==Siehe auch==
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Aktuelle Version vom 4. September 2026, 10:18 Uhr

Schavank, auch Shaunaka Upanishad, ist eine Upanishad, die in der Oupnek'hat-Sammlung aufgeführt wird. Ihr Name geht auf den weisen Shaunaka zurück. Er berichtet vom Kampf zwischen Göttern und Dämonen, bei dem Indra den Göttern den Om-Laut zur Hilfe schickt und sie dadurch den Sieg erringen.

Die Shaunaka Upanishad (Sanskrit: शौनकोपनिषद्, Śaunakopaniṣad) ist eine außerhalb der Muktika-Liste überlieferte Upanishad über Om, den Pranava, und seine Stellung im vedischen Opfergesang. Eine Erzählung vom Kampf zwischen Devas und Asuras führt zu einer Lehre über den Udgitha. Die drei Soma-Pressungen, die Versmaße Gayatri, Trishtubh und Jagati sowie verschiedene Göttergruppen bilden den rituellen Rahmen. Am Schluss wird Om als die eine Silbe betrachtet, in der der Udgitha verehrt werden soll.

Die heilige Silbe Om

Schavank (Shaunaka Upanishad) mit Erläuterungen von Paul Deussen

Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 1043 - 1048.

Einleitung

Der weise "Schavank" auf den die Lehre dieser Upanishad zurückgeführt wird, ist ohne Zweifel Saunaka (vgl. Oupnek'hat I, 375 mit Mund. 1,1,3, oben S. 547), wiewohl eine Saunaka Upanishad sonst nirgendwo, unseres Wissens, erwähnt wird. Der Inhalt ist eine dem alten Mythos vom Kampf der Devas und Asuras nachgebildete Legende zur Verherrlichung des Om-Lautes (Pranava). Die Dämonen überfallen dreimal, beim 1. Pratahsavanam, 2. Madhyandinasavanam und 3. Tritiyasavanam die opfernden Ritvij und erhalten als Abfindung von ihnen 1. Opferschmalztropfen, 2. Opferwasser, 3. Opfergrasspitzen, mit denen sie dreimal die von den 1. Vasus, 2. Rudras, 3. Adityas geführten Götter besiegen. Diesen sendet Indra nach ihrer Niederlage jedesmal ein Metrum zu Hilfe, nämlich 1. die Gayatri, 2. die Trishtubh, 3. die Jagati, und da diese sich nicht stark genug fühlen, so setzt ihnen Indra jedesmal den Om-Laut als Anfang vor, worauf die Dämonen besiegt werden. Aber zweimal erholen sich die Dämonen von ihrer Niederlage, weil der Pranava aus Scheu, sich ganz den Göttern zu zeigen, sich aus den Matras in den Nachhall zurückzieht (vgl. auch Chand. 1,4), und erst das dritte Mal, wo er in seiner ganzen Herrlichkeit erscheint, besiegt er die Dämonen für immer.

Die Pranava- und Saunaka Upanishad sind nach Zweck, Inhalt und Haltung nahe verwandt; sie gehen weiter in der Verherrlichung des Om-Lautes als alle übrigen von uns aufgenommenen Upanishaden und sind dadurch nicht ohne Interesse. Leider konnte auch jetzt die letztere nur durch das trübe Medium der Übersetzung einer Übersetzung aufgefaßt werden, welche beide, die eine durch übergroße Freiheit und die andere durch übergroße Treue, gleich sehr dazu beitragen, den Inhalt zu entstellen. Wir dürfen hoffen, im großen und ganzen den ursprünglichen Text richtig rekonstruiert zu haben; in vielen Einzelheiten aber waren wir aufs Raten angewiesen und können für die richtige Behandlung derselben nicht überall die Verantwortung übernehmen.

Schavank

Ein Brahmana führt eine Yajna (Feueropfer) aus.

Die Götter und Dämonen rüsteten sich zum Kampf; Indra aber war noch nicht zu den Göttern gestoßen.

1. Da stellten die Götter bei der Frühkelterung die Rishis und Vasus voran, um die Dämonen zu besiegen, und bereiteten sich zum Kampf. Aber während des Opfers erschienen die Dämonen und sprachen zu den Rishis: "Damit wir heute über die Götter den Sieg erringen, laßt uns mit euch opfern!" Da erschraken die Rishis und gaben ihnen so viel Opferschmalz, wie man beim Opfer ins Feuer tropfen läßt, und sprachen: "Damit werdet ihr die Götter besiegen." Das nahmen die Dämonen und besiegten damit die Götter. Da sprach Indra zur Gayatri: "Führe du die Götter zum Sieg!" Sie sprach: "Ich sehe die Götter fliehen, was kann ich mit ihnen tun?" Da machte Indra den Pranava zum beständigen Anfang der Gayatri und sprach: "Dieser wird dich schützen." Die Gayatri sprach: "Wenn dieser mich führt, so wird er einen Teil meines Ruhmes nehmen." Indra sprach: "Fürchte nicht, daß er mit dir teilen wird. Seine Größe ist über alles erhaben und nimmt nicht teil an eines anderen Größe. Die ganze Welt beruht in seiner Größe. Du hast nicht zu tun mit dein Pranava, sondern sollst den Vasus zu Hilfe kommen." - "Om" (so sei es), sprach die Gayatri. Der Pranava sprach: "Das ist meine Bedingung, daß sie jedes Werk mit mir beginnen. Wo nicht, so werde ich diesen nicht helfen." - "Om" (so sei es), sprachen die Götter. Nämlich wenn man "Om" sagt, so sind darin alle Namen und Gestalten enthalten; denn der Pranava ist alles und befaßt alles. Darum nennt man ihn "die eine Silbe" (Eka Aksharam, angeblich von As umfassen, Vyaptau). Darum sagt einer: "Om, ich will dies tun", und wenn sie es ihm erlauben, so sagen sie "Om", und alle, wenn sie sprechen wollen, sagen zuerst "Om". Dieser Laut verleiht Sieg und ist beständig, und enthält in sich alle Wesen; er ist nur eine Silbe und doch unendlich; weil unendlich, ist er einer, und alle Gestalten, Töne, Gerüche, Geschmäcke und Gefühle befaßt er. Darum nennen sie den Pranava den Indra. Denn alle Silben und alle Wesen sind mit dieser einen Silbe verknüpft, alle Veden und alle Opfer sind in ihrer Gewalt. Und so wie alles in des Indra Gewalt ist, weil er König über alle ist, also ist auch alles in der Gewalt des Pranava; er ist der König aller Silben.

Darum sprechen sie den Pranava des Morgens leise und leicht; denn weil die Dämonen nahe waren, sprachen die Götter ihn leise; da ward der Pranava ihr Licht und sprach: "Leicht werde ich eure Feinde zermalmen."

Darum werden auch die Mantras, weil ihnen der Pranava vorangeht, am Morgen leise gesprochen; und weil die Gayatri mit ihm verbunden war, darum sind alle Mantras, die sie am Morgen rezitieren, mit der Gayatri verknüpft, und die Götter der Morgenspende sind die Vasus.

Da sprach der Pranava: "Dieweil ich alles bin und der Anfang der Gayatri, was wird mein Lohn sein dafür, daß ich den Göttern Hilfe bringe?"

Indra sprach: "Dieses, daß sie dich zuerst beim Saman sprechen, und wenn sie das Saman singen, so werden sie dich als alle Silben singen." Daher geschieht es, daß wenn sie das Saman singen, sie den Pranava als alle Silben singen.

Der Pranava erwog: "Wenn ich als alle Silben bin, so werden die Götter alle meine Formen sehen, und das ist nicht gut." Da zog er alle seine Formen in sich hinein und verbarg sich in dem Nachhall; da war er hornlos (ohne Moras). Darum liefen sie dem Hornlosen nach, ihn zu suchen. Und sie sprachen: "Die Kraft, der Same, das Licht, das Unvergängliche, Fehlerlose, das alles ist der Nachhall." Darum erlangt man durch den Nachhall das Licht, das Unvergängliche, Fehlerlose.

Da geschah es, daß die Dämonen überwunden wurden, und die Götter siegten.

Dieser Pranava ist Indra, ist alles, was ist. Die Gayatri, das Saman, die Vasus, die Frühkelterung, das alles ist der Pranava. Indra ist das Bewegte und Unbewegte, so sagen sie, Indra aber ist der Pranava.

2. Aber die geschlagenen Dämonen sammelten sich wieder, und als das Saman der Mittagskelterung gesungen wurde, erschienen sie beim Opfer. Da erschraken die Rishis und gaben ihnen vom Wasser, das beim Opfer gebraucht wird, und sprachen: "Damit werdet ihr die Götter besiegen." Da wollten die Dämonen mit dem Wasser die Götter besiegen. Und Indra sandte die Rudras mit den Göttern in den Kampf, aber die Götter wurden von den Dämonen besiegt. Da sprach Indra zur Trishtubh: "Komme du ihnen zu Hilfe!" Sie sprach: "Die Götter sind besiegt, was kann ich mit ihnen tun?" Da sprach Indra wiederum zum Pranava: "Mache dich zum Anfange der Trishtubh." Der Pranava sprach: "Was wird mein Lohn sein?" Indra sprach: "Was ich bin, das bist du; als meine Gestalt werden sie dich aussprechen."

Der Pranava erwog: "Die Götter werden die volle Wahrheit von mir sehen, und das ist nicht gut." Da zog er alle in sich hinein und verbarg sich in dem Nachhall. Darum sprechen sie ein drittes Horn (m) nicht aus, sondern an seiner Stelle den Anusvara (ṃ).

Da geschah es, daß die Dämonen und die Götter siegten. Darum sind die Götter der Mittagskelterung die Rudras, und ihr Versmaß ist die Trishtubh.

3. Aber die Dämonen rüsteten sich abermals, und als das Saman der Abendkelterung gesungen wurde, erschienen sie beim Opfer. Da erschraken die Rishis, rissen die Spitzen der Opfergrashalme ab und gaben sie den Dämonen und sprachen: "Damit werdet ihr die Götter besiegen." Da sprach Indra zur Jagati: "Komme du den Göttern zu Hilfe!" Die Jagati sprach: "Die Götter sind besiegt, was kann ich tun?" Da machte Indra den Pranava zum Anfange der Jagati. Der Pranava sprach: "Was wird mein Lohn sein, daß ich den Göttern helfe?" Indra sprach: "Sie werden dich mit dem Udgitha aussprechen, also daß deine Herrlichkeit sichtbar wird." Und er machte den Aditya zum Anführer der Götter. Darum ist der Gott der Abendkelterung Aditya, und ihr Versmaß die Jagati. Da erkannte der Pranava: "Der Udgitha ist die Erscheinung des Aditya, die Erscheinung des Brahman, und ich bin die Erscheinung des Brahman und nicht von ihm verschieden." Und er trat mit seiner ganzen Gestalt, die er die vorigen Male in dem Nachhall verborgen hatte, dem Aditya voran, und Aditya machte ihn zu seiner Waffe. Da besiegte er die Dämonen, und sie zerstoben, also daß sie sich nicht wieder sammeln konnten. Daß der Pranava in seiner ganzen Gestalt erschien, damit erlangte er großen Ruhm, denn der Gipfel der Größe ist der Pranava. Alle Wesen sind in ihm enthalten, und seine Stätte ist in dem Nachhall, denn in diesem hatte er sich verborgen.

Darum, was man wünscht, das soll man von ihm erbitten, und die Verehrung, die man üben soll, gehört ihm.

Darum heißt es:

Vier Hörner hat der Pranava, drei Füße,
Zwei Häupter, sieben Hände, dreifach ist er
Verbunden, groß, laut schallend und hell leuchtend,
In alle Lebewesen eingegangen. (Vgl. Rigv. 4,58,3.)

Seine vier Hörner sind die 3 1/2 Moren; seine drei Füße sind A, U und M; seine zwei Häupter O und M; seine sieben Hände sind die sieben Töne (Svara), denn in allen sieben wird er gesungen. Dreifach verbunden sind seine drei Laute (A, U, M) mit den drei Feuern, den drei Welten und den drei Veden; wie diese wird auch er vorgetragen.

Der Pranava ist Indra und darum groß.

Darum heißt es:

Herr über alle Götter, groß ist Indra,
Verleihend Größe, Kummer stillend, lichtvoll;
Allhelfend, Herrscher, mächtig, Kraft verleihend,
Das Weltall tragend, wohlgesinnt zu allen.

Weil in dieser Weise Indra sich selbst erhält, darum wurde gesagt, der Pranava sei laut schallend; und er ist laut schallend, weil alle, die ihn verehren, zu großem Ruhm gelangen. Daß er in alle Lebewesen (Pranin) eingegangen, bedeutet, daß er in allen Wesen (Bhuta) wohnt. Darum soll man den Indra durch die Silbe Om verehren!

Also sprach der verehrungswürdige Saunaka.

Shaunaka Upanishad - Infos und Erläuterungen

Shaunaka Upanishad (Sanskrit: शौनकोपनिषद्, Śaunakopaniṣad) ist eine außerhalb der Muktika-Liste überlieferte Upanishad über Om, den Pranava, und seine Stellung im vedischen Opfergesang. Eine Erzählung vom Kampf zwischen Devas und Asuras führt zu einer Lehre über den Udgitha. Die drei Soma-Pressungen, die Versmaße Gayatri, Trishtubh und Jagati sowie verschiedene Göttergruppen bilden den rituellen Rahmen. Am Schluss wird Om als die eine Silbe betrachtet, in der der Udgitha verehrt werden soll.

Die Shaunaka Upanishad betrachtet Om als tragenden Grund des Udgitha und der verschiedenen Formen des vedischen Gesangs.

Zur Textgestalt: Die folgende Fassung erfasst sämtliche erhaltenen Abschnitte des Sanskritdrucks von 1933 einschließlich der beiden Rigveda-Zitate und der Schlussformel. Jeder Abschnitt erhält unmittelbar eine eigene deutsche Übersetzung und eine vollständige Wort- beziehungsweise Formerklärung. Der zugängliche Druck enthält zwei sichtbare Textlücken und mehrere grammatisch schwierige Lesarten. Diese bleiben ausdrücklich gekennzeichnet; der vollständige erhaltene Wortlaut wird nicht mit einem hypothetisch lückenlosen Urtext verwechselt.

Textgrundlage und Gliederung: Grundlage ist Aprakāśitā Upaniṣadaḥ, Adyar 1933, S. 51–54, verglichen mit der digitalen Wiedergabe bei Sanskrit Documents. Die Ziffern 1.1 bis 6.1 gliedern den überlieferten Prosatext für diesen Artikel; sie sind keine alten Versnummern. Die tatsächlich zitierten Rigverse stehen gesondert. Die Wiedergabe ist eine unakzentuierte Lesefassung. Wortabstände, Interpunktion und einzelne Sandhi-Schreibungen wurden zur Lesbarkeit normalisiert. Beschädigte Wörter werden durch Punkte gekennzeichnet; ergänzte Bedeutungen stehen in eckigen Klammern oder werden erläutert.

Name und Zuordnung: Der Schluss nennt den ehrwürdigen Shaunaka als Sprecher der Lehre. Daraus lässt sich weder ein bestimmter historischer Autor noch ein sicheres Entstehungsjahr ermitteln. Der ausgeprägte Bezug auf den Saman-Gesang erklärt die inhaltliche Nähe zum Samaveda. Eine Schulzugehörigkeit sollte darüber hinaus nur mit ausdrücklichem Überlieferungszeugnis angegeben werden.

Datierung und Überlieferung zur Shaunaka Upanishad

Eine alte Erzählform in einem schwierigen Textzeugen

Die Shaunaka Upanishad verwendet eine für die Brahmanas und Aranyakas charakteristische Erzählform: Götter und Asuras kämpfen miteinander; der Erfolg hängt von einer zuvor nicht erkannten rituellen oder sprachlichen Kraft ab. Im vorliegenden Text ist diese Kraft der Pranava. Auch die personifizierten Versmaße, die gestufte Zuordnung der drei Soma-Pressungen und die Erklärung eines Rigverses durch rituelle Entsprechungen gehören in dieses Milieu. Solche Merkmale begründen einen Vergleich mit älterer vedischer Prosa. Sie liefern für den erhaltenen Text allein noch kein genaues Jahrhundert.

Friedrich Otto Schrader besprach die Shaunaka Upanishad 1908 zusammen mit Arsheya und Chhagaleya im Vorwort seines Adyar-Handschriftenkatalogs. Er hielt eine Einordnung nahe dem Ende der frühen Prosa-Upanishaden für vertretbar, betonte aber zugleich den stark beschädigten Zustand dieser Texte. Diese historische Einschätzung ist von einer heute gesicherten absoluten Datierung zu unterscheiden. Sprachliche Eigentümlichkeiten können Alter anzeigen; sie können ebenso durch fehlerhafte Abschrift oder Bearbeitung entstanden sein. Für eine präzise Datierung müssten diese Möglichkeiten an einer kritisch gesicherten Textfassung getrennt geprüft werden.

Belvalkars erste vorläufige Sanskritedition von 1925

S. K. Belvalkar veröffentlichte 1925 die Shaunaka zusammen mit der Bashkala-Mantra-, Chhagaleya- und Arsheya-Upanishad in Four Unpublished Upaniṣadic Texts. Der Untertitel bezeichnet die Texte ausdrücklich als erstmals vorläufig ediert und übersetzt. Für die Editionsgeschichte ist daher zu unterscheiden: 1908 dokumentierte Schrader die Handschriften, 1925 erschien Belvalkars erste vorläufige Sanskritedition, und 1933 folgte die hier als Textgrundlage benutzte Adyar-Sammlung.

Sanskritdruck und Oupnekhat

Der Sanskritdruck von 1933 wurde von Gelehrten der Adyar Library unter Aufsicht von C. Kunhan Raja herausgegeben. Das Vorwort weist ausdrücklich darauf hin, dass die Sammlung keine kritische Edition bietet und auch beschädigte, teilweise unverständliche Texte zugänglich machen soll. Diese Einschränkung betrifft das Vertrauen in einzelne Buchstaben und Wortformen. Eine moderne Abschrift desselben Drucks beseitigt solche Probleme nicht von selbst.

Die Schrift war in der persisch-lateinischen Oupnekhat-Überlieferung bereits unter dem Namen Schavank bekannt. Paul Deussen übersetzte diese Überlieferung in seinem Anhang zu den Sechzig Upanishad’s des Veda. Die Veröffentlichung des Sanskritdrucks im 20. Jahrhundert bedeutet daher nicht, dass der Text erst damals entstand oder erstmals überhaupt bekannt wurde.

Deussens Übersetzung ist für den Vergleich hilfreich, aber sie beruht auf einer anderen Vermittlung. Besonders beim Nachhall von Om und bei der Auslegung der Zahlen des Stier-Verses enthält sie Erklärungen, die im erhaltenen Sanskrit nicht ausdrücklich stehen. Diese können eine ältere Deutung bewahren; sie dürfen nicht unbemerkt als wörtliche Übersetzung der Sanskritsätze eingesetzt werden.

Grenzen der vorliegenden Lesefassung

Die beschädigte Stelle vor -rtim ārcchan im ersten Erzählabschnitt bleibt offen. Beim ebenfalls beschädigten Namen gā…rīm macht die anschließende Handlung Gayatri als gemeinte Gestalt erkennbar. Hier ist eine sinngemäße Ergänzung tragfähig, während die genaue Buchstabenfolge der Vorlage sichtbar beschädigt bleibt. Andere Sätze besitzen ungewöhnliche Verbformen oder widersprüchliche grammatische Anschlüsse. Ihre Worterklärungen unterscheiden die erhaltene Form von der im Zusammenhang naheliegenden Bedeutung.

Beim Vers über den vierhörnigen Stier lässt sich die fehlerhafte digitale Lesung badvo durch den Rigveda-Paralleltext zu baddho, „gebunden“, berichtigen. Eine solche nachvollziehbare Einzelkorrektur ist etwas anderes als eine freie Glättung ganzer unklarer Sätze. Die im Artikel verwendete Zählung macht die problematischen Stellen auffindbar und erlaubt eine spätere Überarbeitung anhand weiterer Handschriften oder kritischer Forschung.

Inhalt und Aufbau der Shaunaka Upanishad

Der erste Versuch: Vasus und Gayatri

Die Götter treten zunächst ohne Indras Mitwirkung an. Bei der morgendlichen Soma-Pressung führen die Vasus. Die Asuras bedrohen die Rishis am Opferplatz und erhalten von ihnen eine Unterstützung, mit der sie die Götter überwinden. Damit wird der äußere Vollzug allein als unzureichend dargestellt: Die entscheidende Kraft ist noch nicht richtig eingeordnet.

Indra entsendet darauf Gayatri. Das Versmaß fürchtet den Gegner; deshalb wird ihm der Pranava als Schutz vorangestellt. Die anschließende Frage nach dessen Anteil führt über eine gewöhnliche Aufteilung der Opfergabe hinaus. Seine Größe soll sich nicht auf den Teil beschränken, der Gayatri zufällt. Zugleich wird er verborgen, sodass der erste Erfolg begrenzt bleibt. Die Erzählung begründet daraus Merkmale des morgendlichen Gesangs.

Die beiden weiteren Pressungen

Die gleiche Grundstruktur kehrt mittags mit den Rudras und Trishtubh wieder. Die Unterstützung der Gegenseite, Indras Eingreifen und das schützende Vorangehen des Pranava werden erneut erzählt. Die Wiederholung ist ein Bestandteil des Textes: Sie ordnet die Wirksamkeit des Om verschiedenen Phasen des Rituals zu. Deshalb werden im kommentierten Sanskrittext auch die wiederkehrenden Wörter jeweils vollständig erklärt.

Bei der dritten Pressung stehen die Adityas und Jagati im Mittelpunkt. Nun erscheint der Pranava in einer umfassenderen Gestalt. Der endgültige Sieg wird mit seiner offenen Wirksamkeit und dem jubelnden beziehungsweise brüllenden Klang verbunden. Daraus entwickelt der Text seine Erklärung des Udgitha und der zugehörigen Vortragsweisen.

Soma-Pressung Göttergruppe Personifiziertes Versmaß
Morgendliche Pressung Vasus Gayatri
Mittägliche Pressung Rudras Trishtubh
Dritte Pressung Adityas Jagati

Die Tabelle zeigt Zuordnungen innerhalb dieser Erzählung. Sie ersetzt keine vollständige Darstellung des Soma-Rituals. Die Upanishad setzt vieles voraus, was ihre ursprünglichen Hörer aus der Praxis kannten: die Stellung der Priester, Opfergefäße, Gesangsformen und den Ablauf der Pressungen.

Der vierhörnige Stier

Der Vers aus Rigveda 4.58.3 spricht von einem Stier mit vier Hörnern, drei Füßen, zwei Köpfen und sieben Händen. Dreifach gebunden brüllt er; der große Gott geht in die Sterblichen ein. Die Upanishad liest dieses rätselhafte Bild im Zusammenhang von Pranava und Udgitha. Anschließend erläutert sie die Zahlen und verbindet den Stier mit Indra.

Nicht jede der Zahlen-Erklärungen ist in der erhaltenen Fassung eindeutig. Der Text spricht etwa von zwei Lauten, von einer Verbindung durch drei und von sieben, mit denen man den Gesang erklingen lässt. Er schreibt die betreffenden Laute oder eine bestimmte Tonfolge nicht vollständig aus. Die digitale Lesung tadvai wird nach dem Druck zu taddve, „das [erklärt] zwei“, berichtigt. Was dabei unmittelbar erkennbar sein soll, bleibt knapp und erklärungsbedürftig. Deshalb werden in diesem Artikel keine vollständigen Lautsysteme als vermeintlicher Wortlaut ergänzt.

Ein weiteres Rigveda-Zitat nennt den von den Maruts begleiteten, erstarkten Stier. Die Upanishad übernimmt davon nur einen Versfuß. Danach folgt Prosa, die das Brüllen und das Eingehen in alle Wesen auslegt. Die Trennung von Zitat und Auslegung ist für das Verständnis wesentlich: Der erhaltene Text enthält an dieser Stelle keinen zweiten vollständigen Vierzeiler.

Die Schlusslehre

Der Schluss fasst die Erzählung in eine konkrete Upasana: Den Udgitha soll man als die eine Silbe Om verehren. Die Namenswiederholung „Shaunaka, Shaunaka“ markiert das Ende. Der Text entwickelt somit einen Weg von der rituellen Erzählung über die Deutung des Gesangs zur konzentrierten Betrachtung einer Silbe.

Bedeutung der Shaunaka Upanishad

Gesang als Erkenntnisgegenstand

Om erscheint hier in einer bestimmten Praxis: Es gehört zur Vorbereitung, Ordnung und Deutung des vedischen Gesangs. Seine Bedeutung wird aus diesem Zusammenhang erschlossen. Wer nur die Schlussformel liest, kann leicht übersehen, wie ausführlich der Text die Beziehung zwischen Laut, Versmaß, Göttergruppe und Opferzeit entwickelt.

Die Upanishad verbindet Mantra und Erkenntnis, indem sie nach der Bedeutung eines bereits verwendeten Lautes fragt. Der Klang erhält Gewicht durch das Wissen um seine Stellung im Ganzen. Das ist ein charakteristischer Schritt der upanishadischen Betrachtung des Rituals: Einzelne Handlungen und Gegenstände werden auf einen umfassenden Zusammenhang bezogen.

Einheit und Verschiedenheit

Die drei Pressungen und Versmaße behalten ihre Unterschiede. Zugleich geht ihnen derselbe Pranava voraus. Die Einheit wird also an verschiedenen rituellen Stellen wiedererkannt. Diese Struktur ist für eine spirituelle Lektüre ergiebiger als eine beliebige Zahlensymbolik: Sie fragt, wie eine gemeinsame Grundlage in unterschiedlichen Ausdrucksformen wirksam werden kann.

Die Frage nach dem Opferanteil schärft diesen Gedanken. Die Größe des Pranava lässt sich der Erzählung zufolge nicht einfach in dieselbe Aufteilung einordnen wie die einzelnen Beteiligten. Der Text bringt dies durch ein Gespräch zwischen Indra und dem Versmaß zum Ausdruck. Eine ausgearbeitete spätere Advaita-Systematik wird dadurch noch nicht vorgetragen.

Mythos und Auslegung

Der Kampf zwischen Devas und Asuras ist der mythische Rahmen einer Ritualdeutung. Er ist kein Bericht über einen nachprüfbaren historischen Krieg. Eine heutige Deutung als Auseinandersetzung zwischen Sammlung und Zerstreuung kann für die eigene Sadhana sinnvoll sein; sie muss als Übertragung erkennbar bleiben. Der ursprüngliche Text erzählt von Göttern, Opferhandlungen und Gesang.

Auch die Stier-Symbolik fordert eine doppelte Aufmerksamkeit: Man sollte ihre Anschaulichkeit ernst nehmen und zugleich die jeweiligen Erklärungen des Textes genau lesen. Wo eine Erklärung beschädigt ist, kann die Symbolik den verlorenen Wortlaut nicht zuverlässig ersetzen. Sorgfalt gehört daher zur angemessenen Beschäftigung mit dieser Upanishad.

Bedeutung heute

Om mit Aufmerksamkeit betrachten

Die Schlusslehre kann dazu anregen, Om bewusst zu rezitieren und anschließend in der Meditation zu betrachten. Für die heutige Praxis sind dabei Klang, Sammlung und Verständnis miteinander zu verbinden. Der Text schreibt keine bestimmte Frequenz, moderne Tonleiter oder feste Atemzählung vor. Seine Ausdrücke für den Gesang gehören zunächst zum vedischen Vortragszusammenhang.

Verschiedene Tätigkeiten auf einen Sinn beziehen

Die dreimalige Wiederkehr des Pranava kann als Anregung dienen, die eigene Ausrichtung in verschiedenen Lebenssituationen wiederzufinden: beim Beginn einer Aufgabe, in ihrer Durchführung und beim Abschluss. Dies ist eine heutige Anwendung des Musters. Sie ersetzt keine Soma-Zeremonie und wird nicht als zusätzliche Anweisung der Upanishad ausgegeben.

Genaues Studium als Teil der Praxis

Bei diesem Text ist ein langsames Svadhyaya besonders wertvoll. Erhaltene Wörter, Übersetzung und Deutung sollten nebeneinander gelesen werden. Wer eine beschädigte Stelle offenlässt, verzichtet damit nicht auf spirituellen Ernst. Eine solche Genauigkeit unterstützt Wahrhaftigkeit und verhindert, dass schöne Gedanken nachträglich als alte Sanskritlehre ausgegeben werden.

Shaunaka Upanishad Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

1.1 – Der Kampf beginnt
oṃ devāsurāḥ saṃyattā āsan | teṣāmindro na pratyapadyata | te ha vasūneva prātassavaneṣu purodhāya vyajigīṣanta |

Übersetzung: Om. Götter und Asuras standen kampfbereit einander gegenüber. Indra war noch nicht zu ihnen [den Göttern] getreten. Bei den morgendlichen Soma-Pressungen stellten sie die Vasus an die Spitze und suchten den Sieg.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, einleitende heilige Silbe; deva-asurāḥ – Götter und Asuras, zusammenfassendes Dvandva; saṃyattāḥ – zum Kampf bereit, gegeneinander angetreten; āsan – waren; teṣām – zu ihnen, unter ihnen; indraḥ – Indra; na – nicht; pratyapadyata – trat hinzu, schloss sich an; te – sie, die Götter; ha – erzählende Partikel; vasūn – die Vasus, eine Göttergruppe, Akkusativ Plural; eva – eben, gerade; prātaḥ-savaneṣu – bei den morgendlichen Soma-Pressungen; prātaḥ, morgens, savana, Pressung; purodhāya – vorangestellt habend, an die Spitze gestellt; vyajigīṣanta – suchten zu siegen, wollten überwinden; Desiderativ zu vi-√ji.

1.2 – Die Drohung am Opferplatz
te ha nunneṣu nārāśaṃseṣu ṛṣīṇāṃ yajñavāstvabhyāyan haniṣyāma vā etadvo yaddevānna parābhāvayiṣyatheti |

Übersetzung: Die Asuras kamen, als die Narashamsa-[Gaben beziehungsweise Becher] vorgeschoben waren, zum Opferplatz der Rishis und drohten: „Wir werden dieses euer [Opfer] zerstören, wenn ihr die Götter nicht besiegen lasst.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie, hier die Asuras; ha – erzählende Partikel; nunneṣu – bei den vorgeschobenen, angetriebenen, Lokativ Plural des Partizips zu √nud; nārāśaṃseṣu – bei den zu Narashamsa gehörigen Gaben beziehungsweise Bechern; Ritualbezeichnung, Lokativ Plural; ṛṣīṇām – der Rishis, Genitiv Plural; yajña-vāstu – Opferstätte; yajña, Opfer, und vāstu, Ort, Stätte; abhyāyan – gingen darauf zu, kamen heran; haniṣyāmaḥ – wir werden zerstören, erschlagen, Zukunft von √han; vai – fürwahr; etat – dieses; vaḥ – euer, euch; yat – wenn; devān – die Götter, Akkusativ; na – nicht; parābhāvayiṣyatha – ihr werdet besiegen lassen oder zur Niederlage bringen, Zukunft Kausativ; iti – Ende der Drohung.

Erläuterung: Die mehrfachen Wechsel des Bezugs von te, „sie“, werden durch den Ablauf der Erzählung erschlossen. Bei nārāśaṃsa ist der genaue Gegenstand im Wortlaut nicht ausdrücklich genannt. Die Übersetzung ergänzt deshalb keine bestimmte Ritualhandlung als gesicherte Einzelheit.

1.3 – Die Tropfen und die beschädigte Stelle
te ha bibhyata eva stokānudakalpayan vijepyadhve vāvaitānanviti | te ha tata ...rtimārcchaṃstānanvitarān parābhāvayan |

Übersetzung: Die erschrockenen Rishis stellten ihnen Tropfen [der Opfergabe] bereit: „Damit werdet ihr jene besiegen.“ Darauf … [Textlücke vor -rtiṃ ārcchan]; mit diesen brachten sie die anderen zur Niederlage.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie, die Rishis; ha – erzählende Partikel; bibhyataḥ – sich fürchtend, Partizip Plural; eva – gerade, eben; stokān – Tropfen, geringe Mengen, Akkusativ Plural; udakalpayan – stellten bereit, richteten her; vijepyadhve – ihr werdet siegen; ungewöhnliche überlieferte Zukunftsform; vāva – wirklich, eben; etān – diese, jene; anu – mittels, diesen folgend; der Anschluss ist unsicher; iti – Ende der Zusage; te – sie; ha – erzählende Partikel; tataḥ – darauf; vor der Lücke tata; ...rtim – Lücke mit erhaltenem Wortende -rtim; das vollständige Substantiv ist nicht sicher überliefert; ārcchan – gelangten, erreichten; überlieferte Form; tān – diese, im Zusammenhang die bereitgestellten Gaben; anu – mit ihnen, ihnen folgend; itarān – die anderen, die Gegner; parābhāvayan – brachten zur Niederlage, besiegten; überlieferte Vergangenheitsform.

Erläuterung: Der Druck von 1933 lässt an dieser Stelle Punkte stehen. Das digitale „??“ ist daher nicht nur ein moderner Tippfehler. Eine Ergänzung zu ārtim, „Bedrängnis“, ist denkbar, wird aber wegen des beschädigten Satzes nicht als sicherer Sanskrittext eingesetzt.

1.4 – Indra entsendet Gayatri
tato hendro’paśyat | sa ha gā...rīmeva pratisandideśa | sā hovāca | bibhemi vā etadetebhyo yathaitatparāvṛtanniti |

Übersetzung: Da erkannte Indra [die Lage]. Er entsandte Gayatri [Name im Druck beschädigt]. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene zurückgeschlagen worden sind.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: tataḥ – darauf; ha – erzählende Partikel; indraḥ – Indra; apaśyat – sah, erkannte; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; gā...rīm – beschädigter Name; aus den folgenden Nennungen als gāyatrīm, Gayatri, erschließbar; eva – gerade; pratisandideśa – entsandte, beauftragte, Perfekt; – sie; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; bibhemi – ich fürchte mich; vai – fürwahr; etat – dieses, deshalb; adverbialer Anschluss; etebhyaḥ – vor diesen, Ablativ Plural; yathā – da, wie; etat – diese Lage, dies; im beschädigten Satz unklarer pronominaler Bezug; parāvṛtan – wurden zurückgedrängt oder wandten sich zurück; auffällige überlieferte Form; iti – Ende der Rede.

Erläuterung: Die Druckseite zeigt gā…rīm, während die digitale Fassung gā??vīm wiedergibt. Der Kontext nennt unmittelbar danach mehrfach Gayatri. Die Übersetzung verwendet deshalb den erschlossenen Namen, die Sanskritwiedergabe bewahrt die Lücke.

1.5 – Pranava geht voran
sa praṇavamevāsyāḥ purogamakarodeṣa vāva te gopyāyeti | sā hovāca | yadeṣa purogāḥ udeṣa me bhāgadheyī syāditi |

Übersetzung: Er stellte ihr den Pranava voran: „Dieser ist wirklich zu deinem Schutz da.“ Sie sagte: „Wenn dieser vorangeht, wird er dann auch an meinem Anteil teilhaben?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, Indra; praṇavam – Pranava, die Silbe Om, Akkusativ; eva – eben; asyāḥ – ihr, für sie; purogam – vorangehend, als Vorangehenden; akarot – machte, bestimmte; eṣaḥ – dieser; vāva – wirklich, eben; te – für dich; gopyāya – zum Schutz; ungewöhnliche Dativbildung; iti – Ende der Zusage; – sie; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; yat – wenn; eṣaḥ – dieser; purogāḥ – der Vorangehende; u – fragende beziehungsweise verbindende Partikel; eṣaḥ – dieser; me – mein, an meinem; bhāgadheyī – Anteilhabender; zu bhāgadheya, zugeteilter Anteil; syāt – würde sein, Optativ; iti – Ende der Frage.

1.6 – Seine Größe ist nicht ein Teilanteil
sa hovāca | na ha vāvaiṣa tvadbhāgadheyī bhavati | mahānvā asya mahimā na ha vā mahīyāṃso bhāgaklṛptimapyābhajantīti |

Übersetzung: Er sagte: „Er wird nicht zum Teilhaber an deinem Anteil. Groß ist seine Größe; die Größeren lassen sich nicht auf eine Zuteilung von Anteilen ein.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; vāva – wirklich, eben; eṣaḥ – dieser; tvad-bhāgadheyī – Teilhaber an deinem Anteil; tvad, dein, und bhāgadheyin, am Anteil beteiligt; bhavati – wird, ist; mahān – groß; vai – fürwahr; asya – dessen, seine; mahimā – Größe, Macht; na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; mahīyāṃsaḥ – die Größeren, Höherstehenden; bhāga-klṛptim – Festlegung oder Zuteilung eines Anteils; bhāga, Anteil, klṛpti, Festsetzung; auffällige Schreibung; api – auch, überhaupt; ābhajanti – nehmen Anteil, lassen sich zuteilen; iti – Ende der Antwort.

Erläuterung: Die Druckform klṛpti wird beibehalten. Das übliche Sanskritwort lautet kḷpti, „Festsetzung“. Die ungewöhnliche Transkription ist keine zusätzliche philosophische Kategorie.

1.7 – Die Aufgabe Gayatris
viśvaminnu samanvālabhadhvamiti | senānyāstu prathamajānāpyāyayiṣyasītyomiti hovāca |

Übersetzung: „Ergreift nun gemeinsam das Ganze! Du aber wirst die zuerst entstandenen Heerführer stärken.“ Sie antwortete: „Om – so sei es.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvam – das Ganze, alles; it – bekräftigende Partikel; vor nu in innu assimiliert; nu – nun; samanvālabhadhvam – ergreift gemeinsam, verbindet euch damit, Imperativ Medium Plural; iti – Ende der Aufforderung; senānyaḥ – Heerführer; überlieferte Akkusativform, in senānyāstu verbunden; tu – aber; prathamajān – erstgeborenen, zuerst entstandenen, Akkusativ Plural; āpyāyayiṣyasi – du wirst stärken, nähren, anwachsen lassen; iti – Ende der Anweisung; oṃ – Om, zustimmender Ruf; iti – mit diesem Wort; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte.

Erläuterung: Im ersten Satz steht ein Pluralimperativ, danach eine Anweisung an eine Einzelne. Die Sprecher- und Adressatenwechsel werden nicht durch eine freie zusammenfassende Wiedergabe verdeckt.

1.8 – Die Bedingung des Namensrufs
sa hovāca yatprathamaṃ nābhyakīrtayo nāmagrāhamatha nānuvatsya iti | nāmagrāhametena sarvamabhipadyante | sarvaṃ vā eṣa sarvamaśnotīti | akṣaraṃ vā eṣaḥ |

Übersetzung: Er [der Pranava] sagte: „Wenn du mich nicht zuerst namentlich ausrufst, werde ich nicht folgen [Verbformen auffällig].“ Mit diesem namentlichen Ruf wendet man sich allem zu. Er ist alles und erreicht alles. Er ist die Silbe, das Unvergängliche.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, im Zusammenhang der Pranava; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; yat – wenn, sofern; prathamam – zuerst; na – nicht; abhyakīrtayaḥ – du hast ausgerufen; überlieferte Vergangenheitsform, im Bedingungssatz auffällig; nāma-grāham – unter ausdrücklicher Nennung des Namens; atha – dann; na – nicht; anuvatsye – ich werde folgen, beistehen oder mitwohnen; überlieferte Form in nānuvatsya iti; iti – Ende der Bedingung; nāma-grāham – unter Nennung des Namens; etena – mit diesem; sarvam – alles; abhipadyante – sie erreichen, wenden sich zu; sarvam – alles; vai – fürwahr; eṣaḥ – dieser; sarvam – alles; aśnoti – erreicht, umfasst; iti – Abschluss der Aussage; akṣaram – Silbe; zugleich das Unvergängliche; vai – fürwahr; eṣaḥ – dieser.

Erläuterung: Die Nähe von „Silbe“ und „Unvergänglichem“ gehört zum Bedeutungsfeld von Akshara. Die grammatische Form der Bedingung bleibt auffällig; der Text verlangt erkennbar, Om an den Anfang zu stellen.

1.9 – Om beim Beginnen und Zustimmen
tasmādomityanujānanti | omiti pratipadyanta omityabhyādadata omityabhinidhāpayanti |

Übersetzung: Darum geben sie mit „Om“ ihre Zustimmung. Mit „Om“ beginnen sie, mit „Om“ nehmen sie auf und mit „Om“ lassen sie niederlegen beziehungsweise abschließen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – deshalb; oṃ – Om; iti – mit dem Wort; anujānanti – stimmen zu, gestatten; oṃ – Om; iti – mit dem Wort; pratipadyante – treten an, beginnen, übernehmen; oṃ – Om; iti – mit dem Wort; abhyādadate – nehmen auf, nehmen an sich; oṃ – Om; iti – mit dem Wort; abhinidhāpayanti – lassen niederlegen, setzen ein oder schließen ab, Kausativ.

Erläuterung: Die Verben bezeichnen verschiedene Vollzüge des Rituals und der Rede. Ohne weitere rituelle Paralleltexte wäre eine feste Zuordnung jedes Verbs zu einer einzelnen modernen Handlung zu eng.

1.10 – Die Vielfalt in der einen Silbe
tadetadakṣaraṃ jaitramabhitvaraṃ sarvāṇi bhūtānyabhyāttaṃ yadanekamekaṃ nānāvarṇaṃ nānārūpaṃ nānāśabdaṃ nānāgandhaṃ nānārasaṃ nānāsparśamiti |

Übersetzung: Diese Silbe ist siegbringend, rasch vorwärtsdrängend und umfasst alle Wesen: das Vielfache und Eine, mit vielerlei Farben, Gestalten, Klängen, Gerüchen, Geschmäcken und Berührungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – jenes; etat – dieses; akṣaram – Silbe, Unvergängliches; jaitram – siegbringend, zum Sieg führend; abhitvaram – rasch vorwärtsdrängend, beschleunigend; seltene Bildung; sarvāṇi – alle; bhūtāni – Wesen; abhyāttam – umfassend, in sich aufgenommen habend; genaue Bildung unsicher; yat – dasjenige, welches; anekam – nicht eines, vielfach; ekam – eines; nānā-varṇam – von vielerlei Farben; nānā-rūpam – von vielerlei Gestalten; nānā-śabdam – von vielerlei Klängen; nānā-gandham – von vielerlei Gerüchen; nānā-rasam – von vielerlei Geschmäcken oder Säften; nānā-sparśam – von vielerlei Berührungen, Tastqualitäten; iti – Ende der Aufzählung.

1.11 – Om, Indra und die Abhängigkeit aller Dinge
atho khalvāhurindro vā caitadakṣaram | sarvāṇi ha vā imāni bhūtānyetadakṣaramanvāyattāni sarve vedāḥ sarve yajñā ityatha khalvindramanvāyattamiti ||

Übersetzung: Ferner sagen sie: „Diese Silbe ist auch Indra. Alle diese Wesen hängen von dieser Silbe ab, ebenso alle Veden und alle Opfer.“ Und zugleich heißt es: „Es hängt von Indra ab.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: atho – ferner, außerdem; khalu – gewiss, nun; āhuḥ – sie sagen; indraḥ – Indra; vai – fürwahr; ca – auch, und; etat – diese; akṣaram – Silbe; sarvāṇi – alle; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; imāni – diese; bhūtāni – Wesen; etat-akṣaram – diese Silbe, als Bezugsgröße; anvāyattāni – abhängig, daran gebunden; sarve – alle; vedāḥ – Veden; sarve – alle; yajñāḥ – Opfer; iti – Ende der Aussage; atha – und dann, zugleich; khalu – gewiss; indram – Indra, als Bezugsgröße; anvāyattam – abhängig, daran gebunden; Singular; iti – Ende der Aussage.

Erläuterung: Der Schluss nennt die Abhängigkeit von Indra und verwendet dabei den Singular. Die vorherige Gleichsetzung von Indra und der Silbe bildet den gedanklichen Zusammenhang; der einzelne Bezug von anvāyattam bleibt knapp formuliert.

2.1 – Der tiefe Ton der Frühpressung
sa mandreṇaivānvābhakto vididyute’ñjasaiva bhrātṛvyānapahanānīti | tasmānmandraṃ prātaḥsavanamabhavadyadgāyatraṃ tadgāyatrī tadgāyatraṃ yadvasavaḥ tadvasavyam |

Übersetzung: Er, mit dem tiefen Ton verbunden, leuchtete auf: „Leicht werde ich die Gegner hinwegschlagen.“ Darum wurde die Frühpressung mit tiefem Ton verbunden. Was zum Gayatra gehört, ist Gayatri; jenes ist Gayatra, und was zu den Vasus gehört, ist Vasavya.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, der Pranava; mandreṇa – mit dem tiefen, gedämpften Ton; eva – eben; anvābhaktaḥ – zugeteilt, verbunden; vididyute – leuchtete auf, Perfekt; añjasā – geradewegs, leicht, unmittelbar; eva – eben; bhrātṛvyān – Gegner, Rivalen; wörtlich auch Vettern; apahanāni – ich will hinwegschlagen, erste Person Singular mit voluntativer Bedeutung; iti – Ende der Rede; tasmāt – deshalb; mandram – tief, gedämpft tönend; prātaḥ-savanam – morgendliche Soma-Pressung; abhavat – wurde; yat – was; gāyatram – zum Gayatra gehörig, Bezeichnung eines Gesangs beziehungsweise seiner Form; tat – das; gāyatrī – Gayatri, Versmaß in personifizierter Gestalt; tat – jenes; gāyatram – Gayatra; yat – was; vasavaḥ – die Vasus; tat – das; vasavyam – zu den Vasus gehörig.

Erläuterung: Gayatri als Versmaß und Gayatra als Gesangsbezeichnung werden auseinandergehalten. Der Text verschränkt beide durch seine rituellen Entsprechungen.

2.2 – Die Frage nach dem Lohn
sa ha praṇava uvāca | yadahaṃ sarvaṃ bhavāni yadgāyatrī vai purogāḥ tatkiṃ me syāditi | gāyatramanveva gāyatrīmanveva tvā sarvarūpamimaṃ kṛtvā hiṅkurvanti |

Übersetzung: Der Pranava sagte: „Wenn ich alles werde und Gayatri vorangeht [Satzform auffällig], was wird dann mir zuteil?“ [Die Antwort lautet:] „Dem Gayatra und der Gayatri entsprechend machen sie dich zu dieser Allgestalt und sprechen den Hin-Ruf.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; praṇavaḥ – Pranava, Om; uvāca – sagte; yat – wenn, insofern; aham – ich; sarvam – alles; bhavāni – ich möge werden, voluntative Form; yat – wenn, insofern; gāyatrī – Gayatri; im Druck Nominativ; vai – fürwahr; purogāḥ – vorangehend, Vorangehende; die Fügung ist grammatisch auffällig; tat – dann, das; kim – was; me – mir, mein; syāt – würde sein, Optativ; iti – Ende der Frage; gāyatram – Gayatra, Akkusativ; anu – gemäß, folgend; eva – eben; gāyatrīm – Gayatri, Akkusativ; anu – gemäß, folgend; eva – eben; tvā – dich; sarva-rūpam – alle Gestalten habend, Allgestalt; imam – diesen; kṛtvā – gemacht habend; hiṅkurvanti – sie bringen den Laut hiṃ hervor, sprechen den Hinkara.

Erläuterung: Der vorherige Abschnitt macht den Pranava zum Vorangehenden der Gayatri; dieser Satz hat jedoch gāyatrī im Nominativ. Die Unstimmigkeit wird nicht durch eine unmarkierte Textänderung beseitigt. Der Hinkara ist ein ritueller Anlaut, nicht einfach ein anderer Name für beliebige Musik.

2.3 – Der Rückzug des Pranava
sa hāpaśyannaitadañjasaiva sarvā rūpāṇyevamabhicakṣīranniti | sa hāntata evātmānamupasaṃhṛtya tāvadevāgrāhayat | sa viśṛṅga evābhavat | tasmādviśṛṅgamevaitadihānudravanti |

Übersetzung: Er erwog: „Sie sollen so nicht ohne Weiteres alle Gestalten erkennen.“ Er zog sich bis in das Ende zurück und ließ nur so viel erfassen. Er wurde gleichsam hornlos. Deshalb folgen sie hier diesem Hornlosen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; apaśyat – sah, erwog; na – nicht; etat – dies, auf diese Weise; añjasā – unmittelbar, ohne Weiteres; eva – eben; sarvā – alle, überlieferte Form; rūpāṇi – Gestalten; evam – so; abhicakṣīran – sie könnten erkennen oder beschreiben, Optativ Medium; iti – Ende der Überlegung; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; antataḥ – am Ende, vom Ende her; eva – eben; ātmānam – sich selbst; upasaṃhṛtya – zurückgezogen, zusammengezogen habend; tāvat – so viel, nur diesen Umfang; eva – nur, eben; agrāhayat – ließ erfassen, ließ ergreifen; saḥ – er; viśṛṅgaḥ – hornlos, eines Hornes oder der Hörner beraubt; eva – eben; abhavat – wurde; tasmāt – deshalb; viśṛṅgam – den Hornlosen; eva – eben; etat – dieses, ihn; iha – hier; anudravanti – laufen hinterher, folgen.

Erläuterung: Viśṛṅga bedeutet „hornlos“. Die ältere Datei schrieb aufgrund eines Übertragungsfehlers viśaṛṅga. Das Bild beschreibt eine verminderte oder zurückgenommene Lautgestalt. Eine genaue Gleichsetzung jedes „Horns“ mit einer bestimmten Lautkomponente bedarf der Auslegung und steht hier nicht ausdrücklich.

2.4 – Kraft und Licht im verbleibenden Ende
tadāhuryadvā etasya vīryaṃ yacchukraṃ yajjyotiryadamṛtaṃ yadajaryaṃ tadavaramiti | tasmāttata evāto jyotiramṛtamajaryaṃ pratipadyante | tato hāsurāḥ parābhavan |

Übersetzung: Dazu sagen sie: „Seine Kraft, sein Helles beziehungsweise sein Same, sein Licht, sein Unsterbliches und sein Unvergängliches – das ist das nachfolgende [Ende].“ Deshalb gelangen sie von eben dort aus zum Licht, zum Unsterblichen und zum Unvergänglichen. Darauf wurden die Asuras besiegt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – dazu, darüber; āhuḥ – sie sagen; yat – was, dasjenige, das; vai – fürwahr; etasya – dessen, seine; vīryam – Kraft, Wirkmacht; yat – was; śukram – Helles, Reines, auch Same; yat – was; jyotiḥ – Licht; yat – was; amṛtam – Unsterbliches; yat – was; ajaryam – nicht alternd, unvergänglich; tat – das; avaram – das spätere, nachfolgende, untere; hier auf das verbleibende Ende bezogen; iti – Ende der Aussage; tasmāt – deshalb; tataḥ – von dort; eva – eben; ataḥ – von diesem her; jyotiḥ – Licht; amṛtam – Unsterbliches; ajaryam – Unvergängliches; pratipadyante – erreichen, gelangen dazu; tataḥ – darauf; ha – erzählende Partikel; asurāḥ – Asuras; parābhavan – unterlagen, wurden besiegt.

Erläuterung: Avara ist hier keine ausdrückliche technische Bezeichnung des Anusvara. Die Deutung als nachfolgendes Ende beziehungsweise Nachhall folgt dem vorherigen Rückzug des Pranava. Die bloße Wörterbuchbedeutung „niedriger“ würde den Zusammenhang nicht ausreichend erklären.

2.5 – Die Einheit der Zuordnungen
sa eṣa indraḥ sarvaṃ yadgāyatrī udgītho vasavaḥ prātassavanamiti | tadāhuḥ | sarvaṃ vā etadindro yajjagadyathaiveti ||

Übersetzung: Dieser ist Indra und alles, was Gayatri, Udgitha, Vasus und Frühpressung heißt. Dazu sagen sie: „All dies ist Indra, das Bewegte, so wie es ist.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – jener; eṣaḥ – dieser; indraḥ – Indra; sarvam – alles; yat – was, nämlich; gāyatrī – Gayatri; udgīthaḥ – Udgitha, der hohe Gesang des Saman-Rituals; vasavaḥ – Vasus; prātaḥ-savanam – Frühpressung; iti – Ende der Aufzählung; tat – dazu; āhuḥ – sie sagen; sarvam – alles; vai – fürwahr; etat – dies; indraḥ – Indra; yat – was; jagat – das Bewegte, die Welt; yathā – wie; eva – eben; iti – Ende der Aussage.

3.1 – Die Asuras kehren zurück
tato hāsurāḥ punarevodayanti | te ha mādhyandinasyaiva savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāṃ jaritāro bibhyata eva vasatīvarīrupākalpayan | te ha tābhireva jighāṃsan |

Übersetzung: Dann erhoben sich die Asuras wieder. Bei den Pavamana-Gesängen der mittäglichen Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die erschrockenen Sänger stellten ihnen die Vasativari-Wasser bereit. Mit diesen suchten sie [die Götter] zu erschlagen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tataḥ – darauf; ha – erzählende Partikel; asurāḥ – Asuras; punaḥ – wieder; eva – eben, erneut; udayanti – erheben sich, treten hervor; te – sie; ha – erzählende Partikel; mādhyandinasya – der mittäglichen; eva – gerade; savanasya – Soma-Pressung, Genitiv; pavamāneṣu – bei den Pavamana-Gesängen für den sich läuternden Soma, Lokativ Plural; yajña-vāstu – Opferplatz; abhyāyan – kamen darauf zu; teṣām – ihnen, für sie; jaritāraḥ – Lobsänger, Sänger, Nominativ Plural; bibhyataḥ – sich fürchtend; eva – eben; vasatīvarīḥ – Vasativari-Wasser, rituell bereitgestelltes Wasser, Akkusativ Plural; upākalpayan – stellten bereit; te – sie, die Asuras; ha – erzählende Partikel; tābhiḥ – mit diesen, Instrumental Plural Femininum; eva – eben; jighāṃsan – beabsichtigten zu erschlagen; überlieferte Form des Desiderativs zu √han.

3.2 – Die Rudras und Trishtubh
teṣāmindro rudrāneva senānyo’kaḥ | te hākṣīyanta | sa ha triṣṭubhameva pratisandadat | sābravīt | bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parābhavanniti |

Übersetzung: Indra machte die Rudras zu ihren Heerführern. Sie wurden jedoch geschwächt. Da entsandte er Trishtubh. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, denn sogar jene, die kraftvoller und stärker sind, wurden besiegt.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: teṣām – für sie, ihre; indraḥ – Indra; rudrān – die Rudras, Akkusativ Plural; eva – eben; senānyaḥ – Heerführer; überlieferte Akkusativform; akaḥ – machte, bestimmte; überlieferte Form zu √kṛ; te – sie; ha – erzählende Partikel; akṣīyanta – schwanden, wurden geschwächt, zu √kṣi; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; triṣṭubham – Trishtubh, personifiziertes Versmaß, Akkusativ; eva – gerade; pratisandadat – sandte zu, übergab; überlieferte Verbform; – sie; abravīt – sagte; bibhemi – ich fürchte mich; vai – fürwahr; etat – deshalb, in dieser Lage; etebhyaḥ – vor diesen, Ablativ; yathā – da, insofern; ojīyāṃsaḥ – kräftiger, energiereicher, Komparativ Plural; balīyāṃsaḥ – stärker, Komparativ Plural; ime – diese; parābhavan – wurden besiegt, unterlagen; iti – Ende der Rede.

3.3 – Die Gleichsetzung mit Indra
sa ha praṇavamevovāca purogāyamevārabhasveti | so’bravīt | kiṃ me’taḥ syāditi | yadahaṃ sa tvaṃ mamaiva rūpeṇa nyūṃkhayiṣyanti tvāmiti |

Übersetzung: Er sagte zum Pranava: „Übernimm das Vorangehen!“ Dieser fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ [Indra antwortete:] „Was ich bin, das bist du. In meiner eigenen Gestalt werden sie dich im Nyunkha ertönen lassen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, Indra; ha – erzählende Partikel; praṇavam – den Pranava, Akkusativ; eva – gerade; uvāca – sagte zu; purogāyam – das Vorangehen beziehungsweise die Rolle des Vorangehenden; ungewöhnliche Form; eva – eben; ārabhasva – ergreife, übernimm, Imperativ Medium; iti – Ende der Aufforderung; saḥ – er, Pranava; abravīt – sagte; kim – was; me – mir; ataḥ – daraus, von diesem her; syāt – würde sein, Optativ; iti – Ende der Frage; yat – was; aham – ich [bin]; saḥ – das, derselbe; tvam – du [bist]; mama – meine; eva – eigene, eben; rūpeṇa – in Gestalt, Instrumental; nyūṃkhayiṣyanti – sie werden im Nyunkha aussprechen oder ertönen lassen, Zukunft; tvām – dich; iti – Ende der Zusage.

Erläuterung: Nyunkha bezeichnet eine besondere, gedehnte oder modulierte Lautführung im vedischen Vortrag. Die Stelle ist keine ausreichende Anleitung, um diese Rezitationsform ohne Überlieferung der Melodie zu rekonstruieren.

3.4 – Der zweite Rückzug
sa hāpaśyat | sarva eva nyūṃkhayanto māmabhicakṣīranniti | sa ha sarvamevātmānamupasaṃhṛtya śṛṅga evāgūhayat | sa ha viśṛṅga evābhavat | tasmāditthaiva nyūṃkhayanti |

Übersetzung: Er erwog: „Alle, die den Nyunkha vortragen, könnten mich erkennen.“ Darum zog er sein ganzes Selbst zusammen und verbarg sich im Horn beziehungsweise in der Spitze. Er wurde hornlos. Deshalb tragen sie den Nyunkha in dieser Weise vor.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; apaśyat – sah, erwog; sarve – alle; eva – ausnahmslos; nyūṃkhayantaḥ – den Nyunkha vortragend, Partizip Plural; mām – mich; abhicakṣīran – könnten erkennen oder beschreiben, Optativ; iti – Ende der Überlegung; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; sarvam – das ganze; eva – vollständig; ātmānam – sich selbst, sein Selbst; upasaṃhṛtya – zusammengezogen habend; śṛṅge – im Horn, in der Spitze; im überlieferten Sandhi śṛṅga evāgūhayat; eva – gerade; agūhayat – verbarg, verhüllte; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; viśṛṅgaḥ – hornlos; eva – eben; abhavat – wurde; tasmāt – deshalb; itthā – so, auf diese Weise; eva – eben; nyūṃkhayanti – sie tragen den Nyunkha vor.

Erläuterung: Der Text verbindet das Verbergen „im Horn“ mit dem anschließenden Hornloswerden. Die Bildsprache zielt auf die zurückgenommene Lautgestalt. Die ältere persisch-lateinische Überlieferung erläutert dies als Rückzug in den Nachhall; diese Erläuterung steht hier nicht mit demselben Wortlaut.

3.5 – Die Zuordnung der Mittagspressung
tato hāsurāḥ parābhāvayan | tasmādrudrāneva mādhyandinaṃ savanaṃ traiṣṭubhaṃ ceti ||

Übersetzung: Darauf wurden die Asuras besiegt [Verbform der Vorlage auffällig]. Deshalb gehört die mittägliche Pressung zu den Rudras und zum Trishtubh-Versmaß.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tataḥ – darauf; ha – erzählende Partikel; asurāḥ – Asuras, Nominativ Plural; parābhāvayan – brachten zur Niederlage, Kausativ; passt grammatisch nicht ohne Weiteres zu der im Zusammenhang erwarteten passiven Aussage; tasmāt – deshalb; rudrān – die Rudras, Akkusativ, als Zuordnungsziel; eva – eben; mādhyandinam – mittägliche; savanam – Soma-Pressung; traiṣṭubham – zum Trishtubh gehörig; ca – und; iti – Ende der Bestimmung.

Erläuterung: Das Sanskrit hat eine kausative Form, obwohl der Erzählverlauf die Niederlage der Asuras verlangt. Die deutsche Wiedergabe kennzeichnet diese Schwierigkeit ausdrücklich. Sie ist keine stillschweigende Behauptung, der Druck enthalte das reguläre parābhavan.

4.1 – Der dritte Angriff
te hāsurāḥ punarevodapatiṣyanta | te ha tṛtīyasyeha savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāmime bibhyata evāṃśūnupākalpayan | te ha taireva devānapājighāṃsan |

Übersetzung: Die Asuras wollten sich erneut erheben. Bei den Pavamana-Gesängen der dritten Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die Erschrockenen stellten ihnen Soma-Stängel bereit. Mit diesen suchten sie die Götter zu erschlagen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – diese; ha – erzählende Partikel; asurāḥ – Asuras; punaḥ – wieder; eva – erneut, eben; udapatiṣyanta – wollten sich wieder erheben; überlieferte Form zu ud-√pat; te – sie; ha – erzählende Partikel; tṛtīyasya – der dritten; iha – hier; savanasya – Soma-Pressung; pavamāneṣu – bei den Pavamana-Gesängen; yajña-vāstu – Opferplatz; abhyāyan – kamen darauf zu; teṣām – für sie; ime – diese, die am Opfer Tätigen; bibhyataḥ – sich fürchtend; eva – eben; aṃśūn – Stängel, insbesondere Soma-Stängel, Akkusativ Plural; upākalpayan – stellten bereit; te – sie, die Asuras; ha – erzählende Partikel; taiḥ – mit diesen; eva – eben; devān – die Götter, Akkusativ; apājighāṃsan – suchten hinwegzuschlagen, wollten vernichten; überlieferte desiderative Form.

Erläuterung: Aṃśu bezeichnet im Soma-Ritual die Stängel beziehungsweise Triebe der Soma-Pflanze. Die aus einer anderen Überlieferungsstufe bekannte Wiedergabe „Opfergrasspitzen“ wird deshalb hier nicht ungekennzeichnet übernommen.

4.2 – Jagati und ihre Furcht
teṣāmindro jagatīmeva pratisandideśa | sābravīt bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parāvṛtanniti | tasyā indraḥ praṇavameva purogāmakarot |

Übersetzung: Indra entsandte ihnen Jagati. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene, die kraftvoller und stärker sind, zurückgeschlagen wurden.“ Darum stellte Indra ihr den Pranava voran.

Wort-für-Wort-Erläuterung: teṣām – ihnen, für sie; indraḥ – Indra; jagatīm – Jagati, personifiziertes Versmaß, Akkusativ; eva – gerade; pratisandideśa – entsandte, beauftragte; – sie; abravīt – sagte; bibhemi – ich fürchte mich; vai – fürwahr; etat – deshalb, in dieser Lage; etebhyaḥ – vor diesen; yathā – da, wie; ojīyāṃsaḥ – kräftigere; balīyāṃsaḥ – stärkere; ime – diese; parāvṛtan – wurden zurückgedrängt; auffällige überlieferte Form; iti – Ende der Rede; tasyāḥ – ihr, für sie; indraḥ – Indra; praṇavam – Pranava; eva – eben; purogām – den Vorangehenden; akarot – machte, bestimmte.

4.3 – Der Udgitha als zugesprochener Anteil
sa hovāca | kiṃ me’taḥ syāditi | sa hovācendro yattvāmudgīthenopāvaneṣyante tenaiva te kalpayiṣyantīti |

Übersetzung: Der Pranava fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ Indra sagte: „Damit, dass sie dich im Udgitha verehren werden, werden sie dir deinen Anteil bereiten.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, Pranava; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; kim – was; me – mir; ataḥ – daraus; syāt – würde sein; iti – Ende der Frage; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; indraḥ – Indra; yat – dass, damit dass; tvām – dich; udgīthena – mit dem Udgitha, dem hohen Saman-Gesang, Instrumental; upāvaneṣyante – werden verehren oder sich zuwenden; ungewöhnliche überlieferte Zukunftsform; tena – damit, dadurch; eva – eben; te – dir; kalpayiṣyanti – werden zuteilen, bereitstellen; iti – Ende der Antwort.

4.4 – Die Adityas führen an
senānyo hi tarhyādityānakalpayan tasmājjāgataṃ tṛtīyasavanamādityānām |

Übersetzung: Damals bestimmten sie nämlich die Adityas zu Heerführern. Darum ist die dritte Pressung dem Jagati-Versmaß und den Adityas zugeordnet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: senānyaḥ – Heerführer, überlieferte Akkusativform; hi – denn, nämlich; tarhi – damals, dann; ādityān – Adityas, Göttergruppe, Akkusativ; akalpayan – bestimmten, stellten auf; tasmāt – deshalb; jāgatam – zum Jagati gehörig; tṛtīya-savanam – dritte Soma-Pressung; ādityānām – der Adityas, Genitiv Plural.

4.5 – Erkenntnis der gemeinsamen Wirklichkeit
sa hāpaśyadādityo vā udgītho’sau khalvādityo brahma | na ha vā enaṃ mithu cidemīti | sa ha svenaiva rūpeṇādityānagacchat | sa ha tenaiva vajreṇāsurān parābhāvayan |

Übersetzung: Der Pranava erkannte: „Der Udgitha ist Aditya, die Sonne; jene Sonne ist Brahman. Ich gehe nicht vergeblich beziehungsweise getrennt von ihm [Wortdeutung unsicher].“ Er ging in seiner eigenen Gestalt zu den Adityas. Mit eben diesem Donnerkeil besiegte er die Asuras [Verbform auffällig].

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; apaśyat – sah, erkannte; ādityaḥ – Aditya, Sonne; vai – fürwahr; udgīthaḥ – Udgitha; asau – jener dort; khalu – gewiss; ādityaḥ – Aditya, die Sonne; brahma – Brahman; na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; enam – ihn, diesen; mithu – falsch, vergeblich oder voneinander getrennt; seltene Partikel, genauer Sinn unsicher; cit – auch nur, überhaupt; emi – ich gehe, gelange; iti – Ende der Erkenntnis; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; svena – in seiner eigenen; eva – eben; rūpeṇa – Gestalt, Instrumental; ādityān – zu den Adityas, Akkusativ Plural; agacchat – ging; saḥ – er; ha – erzählende Partikel; tena – mit diesem; eva – eben; vajreṇa – Donnerkeil, Instrumental; asurān – die Asuras, Akkusativ; parābhāvayan – zur Niederlage bringend beziehungsweise brachten zur Niederlage; der Auslaut passt nicht zur regulären dritten Person Singular.

Erläuterung: Die Erkenntnis der Zusammengehörigkeit wird durch die Sätze über Aditya, Udgitha und Brahman nahegelegt. Die Form mithu erlaubt hier keine unbedingte Festlegung auf ein einziges deutsches Wort. Auch der Schluss des Satzes über den Sieg ist grammatisch beschädigt.

4.6 – Der gewonnene Halt
tadyat svenaiva rūpeṇāvistarāmagacchattatpratiṣṭhāmavindat | pratiṣṭhā ha vā eṣā yatpraṇavaḥ | sarvāṇi ha vā imāni bhūtāni praṇava eva pratitiṣṭhanti |

Übersetzung: Dass er in seiner eigenen Gestalt offen hervortrat, darin fand er einen festen Grund. Dieser feste Grund ist der Pranava. Alle diese Wesen stehen fest im Pranava.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – das, darin; yat – dass, indem; svena – in seiner eigenen; eva – eben; rūpeṇa – Gestalt; āvistarām – offener, deutlicher sichtbar, adverbiale Steigerung von āvis; agacchat – ging, trat hervor; tat – dadurch, darin; pratiṣṭhām – Halt, festen Grund; avindat – fand; pratiṣṭhā – fester Grund, Halt; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; eṣā – dieser; yat – nämlich, der da ist; praṇavaḥ – Pranava; sarvāṇi – alle; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; imāni – diese; bhūtāni – Wesen; praṇave – im Pranava, Lokativ; eva – eben; pratitiṣṭhanti – stehen fest, haben ihren Halt.

4.7 – Der verborgene Grund
tasya ha vā eṣā pratiṣṭhā yatrāsāvātmānamupasaṃhṛtyājūgupat | tasmāttadevopanvīteti tadevopāsīta |

Übersetzung: Sein Grund ist wiederum jener Ort, in den er sich zurückgezogen und an dem er sich verborgen beziehungsweise geschützt hatte. Darum soll man sich eben diesem zuwenden, eben dieses verehren.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – dessen, sein; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; eṣā – dieser; pratiṣṭhā – Grund, Halt; yatra – wo, worin; asau – jener; ātmānam – sich selbst; upasaṃhṛtya – zurückgezogen habend; ajūgupat – schützte, verbarg, zu √gup; tasmāt – deshalb; tat – diesem, dieses; eva – eben; upanvīta – sollte sich zuwenden, verehren; seltene überlieferte Verbform; iti – so; tat – dieses; eva – eben; upāsīta – sollte verehren, meditativ betrachten.

Verszitat 1 – Der Stier mit vier Hörnern
tadetadṛcābhyuktam--
catvāri śṛṅgā trayo asya pādāḥ |
dve śīrṣe saptahastāso asya |
tridhā baddho vṛṣabho roravīti |
maho devo martyāṃ āviveśa || iti ||

Übersetzung: Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Vier Hörner hat er, drei Füße; zwei Köpfe, sieben Hände hat er. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingegangen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – dies; etat – eben dies; ṛcā – durch einen Rigvers, Instrumental von ṛc; abhyuktam – ausgesprochen, erklärt; catvāri – vier, Neutrum; śṛṅgā – Hörner, vedischer Plural; trayaḥ – drei, Maskulinum; asya – sein, er hat; pādāḥ – Füße; dve – zwei, Dual; śīrṣe – Köpfe, Dual; sapta – sieben; hastāsaḥ – Hände, vedischer Plural; asya – sein, er hat; tridhā – dreifach; baddhaḥ – gebunden; vṛṣabhaḥ – Stier; roravīti – brüllt, intensive Bildung zu √ru; mahāḥ – groß; vedische Textform maho vor devaḥ; devaḥ – Gott; martyān – die Sterblichen; nasalisierter Auslaut martyāṃ vor ā; āviveśa – ist eingegangen, Perfekt von ā-√viś; iti – Ende des Zitats.

Erläuterung: Das Zitat entspricht Rigveda 4.58.3. Die digitale Lesung badvo wird nach der rigvedischen Parallelstelle als baddho, „gebunden“, wiedergegeben. Die spezielle vedische Nasalschreibung im letzten Versfuß wird in der unakzentuierten Lesefassung durch Anusvara dargestellt. Die Übersetzung des Rigverses steht vor seiner besonderen Deutung in dieser Upanishad.

5.1 – Die vier Hörner
yadimāstisrothāsāviti catvārīti |

Übersetzung: Dass diese drei und jener [vierte] gemeint sind, das erklärt „vier“.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – dass, insofern; imāḥ – diese, Femininum Plural; tisraḥ – drei, Femininum; atha – und dann; asau – jener; iti – so, als Zusammenfassung; catvāri – vier, zitierter Ausdruck; iti – so lautet die Deutung.

Erläuterung: Die drei zuvor personifizierten Versmaße und der Pranava bieten sich als Bezug an. Der Satz selbst nennt diese Namen hier nicht erneut. Die ältere persisch-lateinische Überlieferung erläutert die Stelle mithilfe von Lautmoren; diese Erklärung wird nicht als zusätzliche Sanskritzeile eingesetzt.

5.2 – Die drei Füße und die zwei Köpfe
yadime dve evākṣare tribhirupanvanti tattraya iti | yatpratyakṣaṃ taddve iti |

Übersetzung: Dass sie diese beiden Laute durch drei [Bestandteile] verbinden, das erklärt „drei“. Was unmittelbar erkennbar ist, das erklärt „zwei“.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – dass; ime – diese beiden, Dual; dve – zwei, Dual; eva – eben; akṣare – Laute oder Silben, Dual; tribhiḥ – durch drei, Instrumental Plural; upanvanti – sie verbinden oder beziehen darauf; seltene überlieferte Verbform; tat – das; trayaḥ – drei, zitierter Ausdruck; iti – so lautet die Deutung; yat – was; pratyakṣam – unmittelbar vor Augen liegend, direkt wahrnehmbar; tat – das; dve – zwei, zitierter Ausdruck; iti – so.

Erläuterung: Die digitale Fassung hat an dieser Stelle tadvai. Die vergrößerte Druckseite erlaubt die Lesung taddve, die hier übernommen wird. Damit ist der Bezug auf die zwei Köpfe hergestellt; was genau als unmittelbar erkennbar bezeichnet wird, bleibt knapp und erklärungsbedürftig. Die Buchstaben a, u und m beziehungsweise o und m werden im erhaltenen Satz nicht ausdrücklich ausgeschrieben.

5.3 – Die sieben Hände
yadudgīthaṃ saptabhirabhiprapadyante tatsapteti | atho khalvāhuḥ | saptabhirenaṃ svārayantīti |

Übersetzung: Dass sie sich dem Udgitha mit sieben [Tönen] nähern, erklärt „sieben“. Ferner sagen sie: „Mit sieben [Tönen] lassen sie ihn erklingen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – dass; udgītham – Udgitha, Akkusativ; saptabhiḥ – mit sieben, Instrumental Plural; abhiprapadyante – sich nähern, erreichen, in den Vortrag eintreten; tat – das; sapta – sieben, zitierter Ausdruck; iti – so lautet die Deutung; atho – ferner; khalu – gewiss; āhuḥ – sie sagen; saptabhiḥ – mit sieben; enam – ihn; svārayanti – lassen tönen, bringen mit Tongebung zum Erklingen; iti – Ende der Aussage.

Erläuterung: Das ergänzte „Töne“ erschließt sich aus svārayanti, „erklingen lassen“. Eine konkrete siebentönige Melodie oder moderne Tonleiter wird hier nicht angegeben.

5.4 – Die dreifache Bindung und der Stier
yadīmān trīnabhidhatte tattridheti | yadindra evodgīthastadvṛṣabha iti |

Übersetzung: Dass er diese drei zusammenfasst, erklärt „dreifach“. Dass Indra selbst der Udgitha ist, erklärt „Stier“.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – dass; imān – diese, Akkusativ Plural; trīn – drei, Akkusativ Plural Maskulinum; abhidhatte – fasst zusammen, legt bei, benennt; tat – das; tridhā – dreifach, zitierter Ausdruck; iti – so lautet die Deutung; yat – dass; indraḥ – Indra; eva – selbst, eben; udgīthaḥ – Udgitha; tat – das; vṛṣabhaḥ – Stier, zitierter Ausdruck; iti – so lautet die Deutung.

Erläuterung: Die genaue Identifikation der „drei“ wird an dieser Stelle nicht erneut ausgesprochen. Andere Überlieferungen nennen drei Laute, Feuer, Welten oder Veden; solche Ausführungen gehören in den Vergleich, nicht in den Sanskritwortlaut dieses Satzes.

Verszitat 2 – Indra als Stier bei den Maruts
tadetadṛcābhyuktam--
marutvantaṃ vṛṣabhaṃ vāvṛdhānam |

Übersetzung: Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Den von den Maruts begleiteten Stier, den erstarkten …“

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – dies; etat – eben dies; ṛcā – durch einen Rigvers, Instrumental; abhyuktam – ausgesprochen, erklärt; marutvantam – von den Maruts begleiteten, mit den Maruts verbundenen, Akkusativ; vṛṣabham – Stier, Akkusativ; vāvṛdhānam – erstarkten, angewachsenen, Partizip Akkusativ.

Erläuterung: Die Upanishad zitiert nur den ersten Versfuß aus Rigveda 3.47.5 beziehungsweise 6.19.11. Es wird kein vollständiger Vierzeiler ergänzt. Die folgenden Wörter yad drāvayanti tad roravīti sind die Prosaerklärung des Brüllens und werden deshalb gesondert behandelt.

5.5 – Das Brüllen und das Eingehen in die Wesen
yaddrāvayanti tadroravīti || yadeṣa sarvāṇi bhūtānyanupraviṣṭastanmartyāṃ āviveśeti |

Übersetzung: Dass sie ihn ertönen beziehungsweise dahineilen lassen, erklärt „er brüllt“. Dass er in alle Wesen eingegangen ist, erklärt „er ist in die Sterblichen eingegangen“.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – dass; drāvayanti – sie lassen eilen, fließen oder ertönen; genaue Bedeutung im Rezitationszusammenhang unsicher; tat – das; roravīti – er brüllt, zitierter Ausdruck; yat – dass; eṣaḥ – dieser, er; sarvāṇi – alle; bhūtāni – Wesen; anupraviṣṭaḥ – eingegangen, eingetreten; tat – das; martyān – die Sterblichen, hier als martyāṃ vor āviveśa; āviveśa – ist eingegangen, zitierter Ausdruck; iti – Ende der Erklärung.

6.1 – Shaunakas Schlusslehre
tasmādomityekākṣaramudgīthamupāsītetyāha bhagavān śaunakaḥ śaunaka iti ||

Übersetzung: Darum soll man den Udgitha als die eine Silbe Om verehren. So spricht der ehrwürdige Shaunaka, Shaunaka.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – deshalb; oṃ – Om; iti – als, mit der Bezeichnung; eka-akṣaram – eine Silbe, einsilbig; udgītham – Udgitha, Akkusativ; upāsīta – sollte verehren, meditativ betrachten; iti – so; āha – spricht, sagt; bhagavān – der Ehrwürdige; śaunakaḥ – Shaunaka; śaunakaḥ – Shaunaka, wiederholter Name; iti – Abschluss der Lehre.

Erläuterung: Die Wiederholung des Namens wird erhalten. Sie ist eine Schlussmarkierung der Überlieferung und nicht als zwei verschiedene Lehrer zu lesen.

Kolophon – Schlussformel
iti śaunakopaniṣat samāptā |

Übersetzung: Damit ist die Shaunaka Upanishad beendet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so, damit; śaunaka-upaniṣat – Shaunaka Upanishad; samāptā – beendet, abgeschlossen.


Vollständiger erhaltener Text der Shaunaka Upanishad auf Devanagari

१.१
ॐ देवासुराः संयत्ता आसन् । तेषामिन्द्रो न प्रत्यपद्यत । ते ह वसूनेव प्रातस्सवनेषु पुरोधाय व्यजिगीषन्त ।

१.२
ते ह नुन्नेषु नाराशंसेषु ऋषीणां यज्ञवास्त्वभ्यायन् हनिष्याम वा एतद्वो यद्देवान्न पराभावयिष्यथेति ।

१.३
ते ह बिभ्यत एव स्तोकानुदकल्पयन् विजेप्यध्वे वावैतानन्विति । ते ह तत ...र्तिमार्च्छंस्तानन्वितरान् पराभावयन् ।

१.४
ततो हेन्द्रोऽपश्यत् । स ह गा...रीमेव प्रतिसन्दिदेश । सा होवाच । बिभेमि वा एतदेतेभ्यो यथैतत्परावृतन्निति ।

१.५
स प्रणवमेवास्याः पुरोगमकरोदेष वाव ते गोप्यायेति । सा होवाच । यदेष पुरोगाः उदेष मे भागधेयी स्यादिति ।

१.६
स होवाच । न ह वावैष त्वद्भागधेयी भवति । महान्वा अस्य महिमा न ह वा महीयांसो भागक्लृप्तिमप्याभजन्तीति ।

१.७
विश्वमिन्नु समन्वालभध्वमिति । सेनान्यास्तु प्रथमजानाप्याययिष्यसीत्योमिति होवाच ।

१.८
स होवाच यत्प्रथमं नाभ्यकीर्तयो नामग्राहमथ नानुवत्स्य इति । नामग्राहमेतेन सर्वमभिपद्यन्ते । सर्वं वा एष सर्वमश्नोतीति । अक्षरं वा एषः ।

१.९
तस्मादोमित्यनुजानन्ति । ओमिति प्रतिपद्यन्त ओमित्यभ्याददत ओमित्यभिनिधापयन्ति ।

१.१०
तदेतदक्षरं जैत्रमभित्वरं सर्वाणि भूतान्यभ्यात्तं यदनेकमेकं नानावर्णं नानारूपं नानाशब्दं नानागन्धं नानारसं नानास्पर्शमिति ।

१.११
अथो खल्वाहुरिन्द्रो वा चैतदक्षरम् । सर्वाणि ह वा इमानि भूतान्येतदक्षरमन्वायत्तानि सर्वे वेदाः सर्वे यज्ञा इत्यथ खल्विन्द्रमन्वायत्तमिति ॥

२.१
स मन्द्रेणैवान्वाभक्तो विदिद्युतेऽञ्जसैव भ्रातृव्यानपहनानीति । तस्मान्मन्द्रं प्रातःसवनमभवद्यद्गायत्रं तद्गायत्री तद्गायत्रं यद्वसवः तद्वसव्यम् ।

२.२
स ह प्रणव उवाच । यदहं सर्वं भवानि यद्गायत्री वै पुरोगाः तत्किं मे स्यादिति । गायत्रमन्वेव गायत्रीमन्वेव त्वा सर्वरूपमिमं कृत्वा हिङ्कुर्वन्ति ।

२.३
स हापश्यन्नैतदञ्जसैव सर्वा रूपाण्येवमभिचक्षीरन्निति । स हान्तत एवात्मानमुपसंहृत्य तावदेवाग्राहयत् । स विशृङ्ग एवाभवत् । तस्माद्विशृङ्गमेवैतदिहानुद्रवन्ति ।

२.४
तदाहुर्यद्वा एतस्य वीर्यं यच्छुक्रं यज्ज्योतिर्यदमृतं यदजर्यं तदवरमिति । तस्मात्तत एवातो ज्योतिरमृतमजर्यं प्रतिपद्यन्ते । ततो हासुराः पराभवन् ।

२.५
स एष इन्द्रः सर्वं यद्गायत्री उद्गीथो वसवः प्रातस्सवनमिति । तदाहुः । सर्वं वा एतदिन्द्रो यज्जगद्यथैवेति ॥

३.१
ततो हासुराः पुनरेवोदयन्ति । ते ह माध्यन्दिनस्यैव सवनस्य पवमानेषु यज्ञवास्त्वभ्यायन् । तेषां जरितारो बिभ्यत एव वसतीवरीरुपाकल्पयन् । ते ह ताभिरेव जिघांसन् ।

३.२
तेषामिन्द्रो रुद्रानेव सेनान्योऽकः । ते हाक्षीयन्त । स ह त्रिष्टुभमेव प्रतिसन्ददत् । साब्रवीत् । बिभेमि वा एतदेतेभ्यो यथौजीयांसो बलीयांस इमे पराभवन्निति ।

३.३
स ह प्रणवमेवोवाच पुरोगायमेवारभस्वेति । सोऽब्रवीत् । किं मेऽतः स्यादिति । यदहं स त्वं ममैव रूपेण न्यूंखयिष्यन्ति त्वामिति ।

३.४
स हापश्यत् । सर्व एव न्यूंखयन्तो मामभिचक्षीरन्निति । स ह सर्वमेवात्मानमुपसंहृत्य शृङ्ग एवागूहयत् । स ह विशृङ्ग एवाभवत् । तस्मादित्थैव न्यूंखयन्ति ।

३.५
ततो हासुराः पराभावयन् । तस्माद्रुद्रानेव माध्यन्दिनं सवनं त्रैष्टुभं चेति ॥

४.१
ते हासुराः पुनरेवोदपतिष्यन्त । ते ह तृतीयस्येह सवनस्य पवमानेषु यज्ञवास्त्वभ्यायन् । तेषामिमे बिभ्यत एवांशूनुपाकल्पयन् । ते ह तैरेव देवानपाजिघांसन् ।

४.२
तेषामिन्द्रो जगतीमेव प्रतिसन्दिदेश । साब्रवीत् बिभेमि वा एतदेतेभ्यो यथौजीयांसो बलीयांस इमे परावृतन्निति । तस्या इन्द्रः प्रणवमेव पुरोगामकरोत् ।

४.३
स होवाच । किं मेऽतः स्यादिति । स होवाचेन्द्रो यत्त्वामुद्गीथेनोपावनेष्यन्ते तेनैव ते कल्पयिष्यन्तीति ।

४.४
सेनान्यो हि तर्ह्यादित्यानकल्पयन् तस्माज्जागतं तृतीयसवनमादित्यानाम् ।

४.५
स हापश्यदादित्यो वा उद्गीथोऽसौ खल्वादित्यो ब्रह्म । न ह वा एनं मिथु चिदेमीति । स ह स्वेनैव रूपेणादित्यानगच्छत् । स ह तेनैव वज्रेणासुरान् पराभावयन् ।

४.६
तद्यत् स्वेनैव रूपेणाविस्तरामगच्छत्तत्प्रतिष्ठामविन्दत् । प्रतिष्ठा ह वा एषा यत्प्रणवः । सर्वाणि ह वा इमानि भूतानि प्रणव एव प्रतितिष्ठन्ति ।

४.७
तस्य ह वा एषा प्रतिष्ठा यत्रासावात्मानमुपसंहृत्याजूगुपत् । तस्मात्तदेवोपन्वीतेति तदेवोपासीत ।

Verszitat १
तदेतदृचाभ्युक्तम्--
चत्वारि शृङ्गा त्रयो अस्य पादाः ।
द्वे शीर्षे सप्तहस्तासो अस्य ।
त्रिधा बद्धो वृषभो रोरवीति ।
महो देवो मर्त्यां आविवेश ॥ इति ॥

५.१
यदिमास्तिस्रोथासाविति चत्वारीति ।

५.२
यदिमे द्वे एवाक्षरे त्रिभिरुपन्वन्ति तत्त्रय इति । यत्प्रत्यक्षं तद्द्वे इति ।

५.३
यदुद्गीथं सप्तभिरभिप्रपद्यन्ते तत्सप्तेति । अथो खल्वाहुः । सप्तभिरेनं स्वारयन्तीति ।

५.४
यदीमान् त्रीनभिधत्ते तत्त्रिधेति । यदिन्द्र एवोद्गीथस्तद्वृषभ इति ।

Verszitat २
तदेतदृचाभ्युक्तम्--
मरुत्वन्तं वृषभं वावृधानम् ।

५.५
यद्द्रावयन्ति तद्रोरवीति ॥ यदेष सर्वाणि भूतान्यनुप्रविष्टस्तन्मर्त्यां आविवेशेति ।

६.१
तस्मादोमित्येकाक्षरमुद्गीथमुपासीतेत्याह भगवान् शौनकः शौनक इति ॥

Kolophon
इति शौनकोपनिषत् समाप्ता ।

Vollständiger erhaltener Text Shaunaka Upanishad in Transliteration IAST

1.1
oṃ devāsurāḥ saṃyattā āsan | teṣāmindro na pratyapadyata | te ha vasūneva prātassavaneṣu purodhāya vyajigīṣanta |

1.2
te ha nunneṣu nārāśaṃseṣu ṛṣīṇāṃ yajñavāstvabhyāyan haniṣyāma vā etadvo yaddevānna parābhāvayiṣyatheti |

1.3
te ha bibhyata eva stokānudakalpayan vijepyadhve vāvaitānanviti | te ha tata ...rtimārcchaṃstānanvitarān parābhāvayan |

1.4
tato hendro’paśyat | sa ha gā...rīmeva pratisandideśa | sā hovāca | bibhemi vā etadetebhyo yathaitatparāvṛtanniti |

1.5
sa praṇavamevāsyāḥ purogamakarodeṣa vāva te gopyāyeti | sā hovāca | yadeṣa purogāḥ udeṣa me bhāgadheyī syāditi |

1.6
sa hovāca | na ha vāvaiṣa tvadbhāgadheyī bhavati | mahānvā asya mahimā na ha vā mahīyāṃso bhāgaklṛptimapyābhajantīti |

1.7
viśvaminnu samanvālabhadhvamiti | senānyāstu prathamajānāpyāyayiṣyasītyomiti hovāca |

1.8
sa hovāca yatprathamaṃ nābhyakīrtayo nāmagrāhamatha nānuvatsya iti | nāmagrāhametena sarvamabhipadyante | sarvaṃ vā eṣa sarvamaśnotīti | akṣaraṃ vā eṣaḥ |

1.9
tasmādomityanujānanti | omiti pratipadyanta omityabhyādadata omityabhinidhāpayanti |

1.10
tadetadakṣaraṃ jaitramabhitvaraṃ sarvāṇi bhūtānyabhyāttaṃ yadanekamekaṃ nānāvarṇaṃ nānārūpaṃ nānāśabdaṃ nānāgandhaṃ nānārasaṃ nānāsparśamiti |

1.11
atho khalvāhurindro vā caitadakṣaram | sarvāṇi ha vā imāni bhūtānyetadakṣaramanvāyattāni sarve vedāḥ sarve yajñā ityatha khalvindramanvāyattamiti ||

2.1
sa mandreṇaivānvābhakto vididyute’ñjasaiva bhrātṛvyānapahanānīti | tasmānmandraṃ prātaḥsavanamabhavadyadgāyatraṃ tadgāyatrī tadgāyatraṃ yadvasavaḥ tadvasavyam |

2.2
sa ha praṇava uvāca | yadahaṃ sarvaṃ bhavāni yadgāyatrī vai purogāḥ tatkiṃ me syāditi | gāyatramanveva gāyatrīmanveva tvā sarvarūpamimaṃ kṛtvā hiṅkurvanti |

2.3
sa hāpaśyannaitadañjasaiva sarvā rūpāṇyevamabhicakṣīranniti | sa hāntata evātmānamupasaṃhṛtya tāvadevāgrāhayat | sa viśṛṅga evābhavat | tasmādviśṛṅgamevaitadihānudravanti |

2.4
tadāhuryadvā etasya vīryaṃ yacchukraṃ yajjyotiryadamṛtaṃ yadajaryaṃ tadavaramiti | tasmāttata evāto jyotiramṛtamajaryaṃ pratipadyante | tato hāsurāḥ parābhavan |

2.5
sa eṣa indraḥ sarvaṃ yadgāyatrī udgītho vasavaḥ prātassavanamiti | tadāhuḥ | sarvaṃ vā etadindro yajjagadyathaiveti ||

3.1
tato hāsurāḥ punarevodayanti | te ha mādhyandinasyaiva savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāṃ jaritāro bibhyata eva vasatīvarīrupākalpayan | te ha tābhireva jighāṃsan |

3.2
teṣāmindro rudrāneva senānyo’kaḥ | te hākṣīyanta | sa ha triṣṭubhameva pratisandadat | sābravīt | bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parābhavanniti |

3.3
sa ha praṇavamevovāca purogāyamevārabhasveti | so’bravīt | kiṃ me’taḥ syāditi | yadahaṃ sa tvaṃ mamaiva rūpeṇa nyūṃkhayiṣyanti tvāmiti |

3.4
sa hāpaśyat | sarva eva nyūṃkhayanto māmabhicakṣīranniti | sa ha sarvamevātmānamupasaṃhṛtya śṛṅga evāgūhayat | sa ha viśṛṅga evābhavat | tasmāditthaiva nyūṃkhayanti |

3.5
tato hāsurāḥ parābhāvayan | tasmādrudrāneva mādhyandinaṃ savanaṃ traiṣṭubhaṃ ceti ||

4.1
te hāsurāḥ punarevodapatiṣyanta | te ha tṛtīyasyeha savanasya pavamāneṣu yajñavāstvabhyāyan | teṣāmime bibhyata evāṃśūnupākalpayan | te ha taireva devānapājighāṃsan |

4.2
teṣāmindro jagatīmeva pratisandideśa | sābravīt bibhemi vā etadetebhyo yathaujīyāṃso balīyāṃsa ime parāvṛtanniti | tasyā indraḥ praṇavameva purogāmakarot |

4.3
sa hovāca | kiṃ me’taḥ syāditi | sa hovācendro yattvāmudgīthenopāvaneṣyante tenaiva te kalpayiṣyantīti |

4.4
senānyo hi tarhyādityānakalpayan tasmājjāgataṃ tṛtīyasavanamādityānām |

4.5
sa hāpaśyadādityo vā udgītho’sau khalvādityo brahma | na ha vā enaṃ mithu cidemīti | sa ha svenaiva rūpeṇādityānagacchat | sa ha tenaiva vajreṇāsurān parābhāvayan |

4.6
tadyat svenaiva rūpeṇāvistarāmagacchattatpratiṣṭhāmavindat | pratiṣṭhā ha vā eṣā yatpraṇavaḥ | sarvāṇi ha vā imāni bhūtāni praṇava eva pratitiṣṭhanti |

4.7
tasya ha vā eṣā pratiṣṭhā yatrāsāvātmānamupasaṃhṛtyājūgupat | tasmāttadevopanvīteti tadevopāsīta |

Verszitat 1
tadetadṛcābhyuktam--
catvāri śṛṅgā trayo asya pādāḥ |
dve śīrṣe saptahastāso asya |
tridhā baddho vṛṣabho roravīti |
maho devo martyāṃ āviveśa || iti ||

5.1
yadimāstisrothāsāviti catvārīti |

5.2
yadime dve evākṣare tribhirupanvanti tattraya iti | yatpratyakṣaṃ taddve iti |

5.3
yadudgīthaṃ saptabhirabhiprapadyante tatsapteti | atho khalvāhuḥ | saptabhirenaṃ svārayantīti |

5.4
yadīmān trīnabhidhatte tattridheti | yadindra evodgīthastadvṛṣabha iti |

Verszitat 2
tadetadṛcābhyuktam--
marutvantaṃ vṛṣabhaṃ vāvṛdhānam |

5.5
yaddrāvayanti tadroravīti || yadeṣa sarvāṇi bhūtānyanupraviṣṭastanmartyāṃ āviveśeti |

6.1
tasmādomityekākṣaramudgīthamupāsītetyāha bhagavān śaunakaḥ śaunaka iti ||

Kolophon
iti śaunakopaniṣat samāptā |

Vollständige deutsche Übersetzung des erhaltenen Textes der Shaunaka Upanishad

1.1
Om. Götter und Asuras standen kampfbereit einander gegenüber. Indra war noch nicht zu ihnen [den Göttern] getreten. Bei den morgendlichen Soma-Pressungen stellten sie die Vasus an die Spitze und suchten den Sieg.

1.2
Die Asuras kamen, als die Narashamsa-[Gaben beziehungsweise Becher] vorgeschoben waren, zum Opferplatz der Rishis und drohten: „Wir werden dieses euer [Opfer] zerstören, wenn ihr die Götter nicht besiegen lasst.“

1.3
Die erschrockenen Rishis stellten ihnen Tropfen [der Opfergabe] bereit: „Damit werdet ihr jene besiegen.“ Darauf … [Textlücke vor -rtiṃ ārcchan]; mit diesen brachten sie die anderen zur Niederlage.

1.4
Da erkannte Indra [die Lage]. Er entsandte Gayatri [Name im Druck beschädigt]. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene zurückgeschlagen worden sind.“

1.5
Er stellte ihr den Pranava voran: „Dieser ist wirklich zu deinem Schutz da.“ Sie sagte: „Wenn dieser vorangeht, wird er dann auch an meinem Anteil teilhaben?“

1.6
Er sagte: „Er wird nicht zum Teilhaber an deinem Anteil. Groß ist seine Größe; die Größeren lassen sich nicht auf eine Zuteilung von Anteilen ein.“

1.7
„Ergreift nun gemeinsam das Ganze! Du aber wirst die zuerst entstandenen Heerführer stärken.“ Sie antwortete: „Om – so sei es.“

1.8
Er [der Pranava] sagte: „Wenn du mich nicht zuerst namentlich ausrufst, werde ich nicht folgen [Verbformen auffällig].“ Mit diesem namentlichen Ruf wendet man sich allem zu. Er ist alles und erreicht alles. Er ist die Silbe, das Unvergängliche.

1.9
Darum geben sie mit „Om“ ihre Zustimmung. Mit „Om“ beginnen sie, mit „Om“ nehmen sie auf und mit „Om“ lassen sie niederlegen beziehungsweise abschließen.

1.10
Diese Silbe ist siegbringend, rasch vorwärtsdrängend und umfasst alle Wesen: das Vielfache und Eine, mit vielerlei Farben, Gestalten, Klängen, Gerüchen, Geschmäcken und Berührungen.

1.11
Ferner sagen sie: „Diese Silbe ist auch Indra. Alle diese Wesen hängen von dieser Silbe ab, ebenso alle Veden und alle Opfer.“ Und zugleich heißt es: „Es hängt von Indra ab.“

2.1
Er, mit dem tiefen Ton verbunden, leuchtete auf: „Leicht werde ich die Gegner hinwegschlagen.“ Darum wurde die Frühpressung mit tiefem Ton verbunden. Was zum Gayatra gehört, ist Gayatri; jenes ist Gayatra, und was zu den Vasus gehört, ist Vasavya.

2.2
Der Pranava sagte: „Wenn ich alles werde und Gayatri vorangeht [Satzform auffällig], was wird dann mir zuteil?“ [Die Antwort lautet:] „Dem Gayatra und der Gayatri entsprechend machen sie dich zu dieser Allgestalt und sprechen den Hin-Ruf.“

2.3
Er erwog: „Sie sollen so nicht ohne Weiteres alle Gestalten erkennen.“ Er zog sich bis in das Ende zurück und ließ nur so viel erfassen. Er wurde gleichsam hornlos. Deshalb folgen sie hier diesem Hornlosen.

2.4
Dazu sagen sie: „Seine Kraft, sein Helles beziehungsweise sein Same, sein Licht, sein Unsterbliches und sein Unvergängliches – das ist das nachfolgende [Ende].“ Deshalb gelangen sie von eben dort aus zum Licht, zum Unsterblichen und zum Unvergänglichen. Darauf wurden die Asuras besiegt.

2.5
Dieser ist Indra und alles, was Gayatri, Udgitha, Vasus und Frühpressung heißt. Dazu sagen sie: „All dies ist Indra, das Bewegte, so wie es ist.“

3.1
Dann erhoben sich die Asuras wieder. Bei den Pavamana-Gesängen der mittäglichen Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die erschrockenen Sänger stellten ihnen die Vasativari-Wasser bereit. Mit diesen suchten sie [die Götter] zu erschlagen.

3.2
Indra machte die Rudras zu ihren Heerführern. Sie wurden jedoch geschwächt. Da entsandte er Trishtubh. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, denn sogar jene, die kraftvoller und stärker sind, wurden besiegt.“

3.3
Er sagte zum Pranava: „Übernimm das Vorangehen!“ Dieser fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ [Indra antwortete:] „Was ich bin, das bist du. In meiner eigenen Gestalt werden sie dich im Nyunkha ertönen lassen.“

3.4
Er erwog: „Alle, die den Nyunkha vortragen, könnten mich erkennen.“ Darum zog er sein ganzes Selbst zusammen und verbarg sich im Horn beziehungsweise in der Spitze. Er wurde hornlos. Deshalb tragen sie den Nyunkha in dieser Weise vor.

3.5
Darauf wurden die Asuras besiegt [Verbform der Vorlage auffällig]. Deshalb gehört die mittägliche Pressung zu den Rudras und zum Trishtubh-Versmaß.

4.1
Die Asuras wollten sich erneut erheben. Bei den Pavamana-Gesängen der dritten Soma-Pressung kamen sie zum Opferplatz. Die Erschrockenen stellten ihnen Soma-Stängel bereit. Mit diesen suchten sie die Götter zu erschlagen.

4.2
Indra entsandte ihnen Jagati. Sie sagte: „Ich fürchte mich vor diesen, da jene, die kraftvoller und stärker sind, zurückgeschlagen wurden.“ Darum stellte Indra ihr den Pranava voran.

4.3
Der Pranava fragte: „Was wird mir daraus zuteil?“ Indra sagte: „Damit, dass sie dich im Udgitha verehren werden, werden sie dir deinen Anteil bereiten.“

4.4
Damals bestimmten sie nämlich die Adityas zu Heerführern. Darum ist die dritte Pressung dem Jagati-Versmaß und den Adityas zugeordnet.

4.5
Der Pranava erkannte: „Der Udgitha ist Aditya, die Sonne; jene Sonne ist Brahman. Ich gehe nicht vergeblich beziehungsweise getrennt von ihm [Wortdeutung unsicher].“ Er ging in seiner eigenen Gestalt zu den Adityas. Mit eben diesem Donnerkeil besiegte er die Asuras [Verbform auffällig].

4.6
Dass er in seiner eigenen Gestalt offen hervortrat, darin fand er einen festen Grund. Dieser feste Grund ist der Pranava. Alle diese Wesen stehen fest im Pranava.

4.7
Sein Grund ist wiederum jener Ort, in den er sich zurückgezogen und an dem er sich verborgen beziehungsweise geschützt hatte. Darum soll man sich eben diesem zuwenden, eben dieses verehren.

Verszitat 1
Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Vier Hörner hat er, drei Füße; zwei Köpfe, sieben Hände hat er. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingegangen.“

5.1
Dass diese drei und jener [vierte] gemeint sind, das erklärt „vier“.

5.2
Dass sie diese beiden Laute durch drei [Bestandteile] verbinden, das erklärt „drei“. Was unmittelbar erkennbar ist, das erklärt „zwei“.

5.3
Dass sie sich dem Udgitha mit sieben [Tönen] nähern, erklärt „sieben“. Ferner sagen sie: „Mit sieben [Tönen] lassen sie ihn erklingen.“

5.4
Dass er diese drei zusammenfasst, erklärt „dreifach“. Dass Indra selbst der Udgitha ist, erklärt „Stier“.

Verszitat 2
Dies ist in einem Rigvers ausgesprochen: „Den von den Maruts begleiteten Stier, den erstarkten …“

5.5
Dass sie ihn ertönen beziehungsweise dahineilen lassen, erklärt „er brüllt“. Dass er in alle Wesen eingegangen ist, erklärt „er ist in die Sterblichen eingegangen“.

6.1
Darum soll man den Udgitha als die eine Silbe Om verehren. So spricht der ehrwürdige Shaunaka, Shaunaka.

Kolophon
Damit ist die Shaunaka Upanishad beendet.

Fünf Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten

  • Beginne mit der Schlusslehre. Lies den letzten Abschnitt und betrachte Om als Gegenstand der Upasana. Kehre danach zur Erzählung zurück, um ihre Begründung zu verstehen.
  • Rezitiere aufmerksam. Sprich oder singe Om in einer dir vertrauten Weise und höre dem Klang bewusst zu. Verbinde die Wiederholung mit gesammelter Aufmerksamkeit.
  • Studiere jede Pressung einzeln. Vergleiche erst danach die drei Erzählfolgen. Achte darauf, was sich wiederholt und was sich beim dritten Durchgang verändert.
  • Prüfe symbolische Erklärungen am Wortlaut. Unterscheide Sanskrittext, ältere Auslegung und eigene Meditationserfahrung. Beachte besonders die offenen Stellen der Zahlen-Deutung.
  • Verbinde Sammlung und Wahrhaftigkeit. Nimm die Lehre ernst und benenne zugleich die Grenzen des eigenen Verständnisses. So können Hingabe und sorgfältiges Svadhyaya zusammenwirken.

Siehe auch

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Literatur

Weblinks

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