Schlechte Manieren

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Schlechte Manieren, schlechtes Benehmen, schlechte Umgangsformen - das beklagt man gerne bei anderen. Schon seit Hammurabi vor fast 4000 Jahren in Babylonien findet sich die Klage, dass die Jugend von heute schlechte Manieren habe. Und im indischen Buch "Bhagavatam" wird gesagt, dass mit dem Beginn des Kali Yuga (3227 vor Christus) die Zeit des schlechten Benehmens und der Streiterei begonnen habe.

In westlichen Gesellschaften gilt das Essen mit Messer und Gabel als Zeichen guter Manieren - im traditionellen Indien wäre das schlechte Manieren gewesen

Was sind überhaupt schlechte Manieren?

Was sind überhaupt schlechte Manieren? Das kann man sich fragen. Dazu wäre natürlich zuerst die Frage: Was sind gute Manieren?

Man kann zwei Arten von schlechten Manieren unterscheiden:

  1. Schlechte Manieren, die direkt andere schädigen, die aus Rücksichtslosigkeit stammen
  2. Schlechte Manieren, die eigentlich niemandem schaden, aber das ästhetische Empfinden verletzen bzw. gesellschaftliche Konventionen

Schlechte Manieren, die andere schädigen

Schlechte Manieren, die andere schädigen bzw. gesellschaftliche Gepflogenheiten zuwider laufen, sind noch keine unethische, erst recht keine kriminelle Handlungen. Es sind vielmehr kleine Gesten, die eine gewisse Rücksichtslosigkeit, Unbedachtheit, jedenfalls einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft signalisieren. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Klopapier aufbrauchen
  • Letzten Schluck Tee aus einer Kanne trinken, ohne neuen Tee zu machen
  • Klobürste ignorieren
  • Geschirr nicht in die Spülmaschine räumen - in der Hoffnung, dass der andere das macht
  • Lebensmittel verschimmeln lassen - die Gesundheit aller wird gefährdet
  • Seine Lebensmittelreste, Krümel etc. nicht weg nehmen
  • Fenster offen lassen auch im Winter - ob die Kollegen frieren ist egal
  • In einem gut belegten Yogakurs eine besonders breite Matte auslegen bzw. viel Platz zu seinem Nachbarn halten
  • Sich direkt vor eine Tür platzieren, z.B. während einer Meditation, Yogastunde - dann können andere den Raum nicht richtig betreten oder verlassen

Dieser Art von schlechten Manieren kann man mit Kants kategorischem Imperativ gut vorbeugen: Handle stets so, dass die Maxime deines Handelns zur Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnte. Oder in Kurzform: Handle so, dass jeder auch so handeln könnte. Oder: Was würde passieren, wenn das jeder nach diesen Grundsätzen machen würde?

Schlechte Manieren, die das ästhetische Empfinden verletzen

Was man als schlechte Manieren bezeichnet, die das ästhetische Empfinden verletzen, ist stark kulturabhängig. Beispiele von schlechten Manieren:

  • In manchen südindischen Regionen ist es ein Zeichen schlechter Manieren, wenn Männer im Hindu Tempel den Oberkörper bedeckt halten
  • In Synagogen zählt es zu den schlechten Manieren, den Kopf unbedeckt zu halten
  • In katholischen Kirchen zeugt es von schlechten Manieren, wenn Männer eine Mütze aufhaben
  • In westlichen Gesellschaften gilt Rülpsen und Schmatzen als schlechte Manieren
  • Bei manchen Eskimo Stämmen und in Zentralasien war es ein Zeichen der Höflichkeit, wenn man beim Essen gerülpst und geschmatzt hat

Es zeugt von Rücksicht und Einfühlungsvermögen, wenn man sich erkundigt, was in dem Kontext, in dem man sich befindet oder in den man eintritt, als schlechte Manieren gilt und was nicht. So lange gute Manieren ethisch sind, kann man sich darum bemühen, ihnen gerecht zu werden.

In manchen Gesellschaften galt bzw. gilt aber auch als gute Manieren, was man als ethisch verwerflich hält - z.B bestimmte Umgang mit Sklaven, mit Dienstboten, Ungleichbehandlung von Frauen, sexuelle Ausbeutung von anderen. Nicht alle guten Manieren entsprechen der allgemeinen Ethik von Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bzw. Geschwisterlichkeit.

Begriffsherkunft Manieren - Etymologie

Wo kommt überhaupt der Begriff Manieren her? Der Begriff Manieren kommt vom Wort Manier, also die Art und Weise. Die Manier kommt vom Französischen manière, mit der Hand gemacht, geübt, geschickt, gewöhnt. Es gibt das lateinische Wort manus, die Hand, woraus manuarius entsanden ist, zu den Händen gehörig, handlich, passend. Seit dem 17. Jahrhundert hat das Wort Manier Eingang ins Deutsche gefunden in der Bedeutung "typischer Stil". Der Plural von Manier, also Manieren wurde dann ein Wort für gutes gesellschaftliches Benehmen.

Siehe auch

Schlechte Manieren - gute Manieren - am besten nicht übertreiben

Man sollte sich bemühen, gute Manieren an den Tag zu legen. Man sollte es aber auch nicht übertreiben. Freundlichkeit und Höflichkeit sind wichtig, aber vor allem der Wunsch, anderen Gutes zu tun.