Schlechtes Gewissen

Aus Yogawiki
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Ein schlechtes Gewissen kann sehr belasten. Wie kann man sein Gewissen entlasten? Was kann man tun, um sein schlechtes Gewissen wieder loszuwerden? Menschen sind mit einem ethischen Kompass ausgestattet. Da Menschen gesellige Wesen sind, hat die Natur den Menschen mit einem Gewissen ausgestattet, das den Menschen dazu veranlasst, sich angemessen zu verhalten.

Ein schlechtes Gewissen kann sehr belastend sein

Ein schlechtes Gewissen kann großen Einfluss auf das Glücksgefühl haben

Menschen sind ethische Lebewesen. Sie haben einen feinen ethischen Kompass. Wer ein schlechtes Gewissen hat, den kann das bewusst oder unbewusst stark beeinflussen. Manchmal kann es helfen zu überlegen: Habe ich ein schlechtes Gewissen? Bedaure ich vielleicht etwas, das lange zurückliegt? Habe ich vielleicht überzogenes Leistungsdenken, ein überzogenes Pflichtgefühl, was mir ein unangemessenes schlechtes Gewissen verursacht? Habe ich ein schlechtes Gewissen wegen etwas, das ich in der Kindheit getan habe - wofür ich aber nicht wirklich Schuld auf mich geladen habe? Manchmal hilft es, sich dieser Dinge bewusst zu werden. Manchmal ist es gut, ein solches schlechtes Gewissen in einer Psychotherapie bzw. psychologischer Yogatherapie aufzuarbeiten.

Gründe für ein schlechtes Gewissen - Umgang mit schlechtem Gewissen

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Menschen ein schlechtes Gewissen haben. Je nach Grund des schlechten Gewissens gibt es unterschiedliche Weisen, damit umzugehen.

Schlechtes Gewissen wegen objektiver Verstöße gegen die Ethik

Wer ein schlechtes Gewissen hat, weil er sich schuldig gemacht hat, der sollte schauen, wie er den Schaden gut macht. Manchmal ist das Gestehen der Schuld, manchmal ist Selbstanzeige bei der Polizei, besser als lebenslanges Leiden an schlechtem Gewissen.

Im westlichen Kontext, stark beeinflusst vom Christentum, gibt es folgende Schritte im Umgang mit schlechtem Gewissen nach begangener Schuld:

  1. Werde dir bewusst, dass du falsch gehandelt hast
  2. Gestehe es ein, gestehe deine Schuld gegenüber anderen
  3. Versprich Besserung
  4. Leiste Sühne: Versuche, den angetanen Schaden gutzumachen, nimm die Sühneauflagen bzw. Bestrafung anderer an

Religiöse Menschen können dabei auch die Empfehlungen ihrer Religion nutzen.

Manchmal ist es nicht möglich, seine Schuld gegenüber anderen einzugestehen. Manchmal muss man sich darauf beschränken, die Schuld gegenüber Gott auszudrücken, innere Reue Gott zu gestehen. Und wenn man den Schaden nicht gegenüber dem Geschädigten gut machen kann, kann man eine Spende machen an eine gemeinnützige Organisation bzw. sich im Ehrenamt engagieren.

Schlechtes Gewissen wegen falschem Verhalten

Nicht immer hat man ein schlechtes Gewissen, weil man wirklich Schuld auf sich geladen hat. Vielleicht hat man einfach einen Fehler begangen, etwas vergessen, ein Versprechen nicht eingehalten. Hier ist die Bitte um Entschuldigung und die Wiedergutmachung am besten. Auch hier gibt es ein paar Schritte die man gehen kann:

  1. Werde dir bewusst, was dein Fehler gewesen ist.
  2. Gehe offen mit dem Fehler um.
  3. Bitte den anderen um Entschuldigung in folgenden Schritten
  • Beschreibung des Fehlverhaltens
  • Beschreibung der Konsequenzen
  • Eingeständnis des Fehlers
  • Ausdruck des Bedauerns
  • Bitte um Entschuldigung
  • Versprechen, es gut machen zu wollen
  • Versprechen, den Fehler nicht zu wiederholen

Beispiel: Ich habe den Abwasch heute Morgen nicht gemacht, obgleich ich es versprochen habe. Dadurch hatte unser Besuch heute Nachmittag keinen guten Eindruck von unserer Küche. Das tut mir sehr leid, das war nicht richtig. Ich bitte dich um Entschuldigung. Ich werde den Abwasch gleich machen - und ich werde beim nächsten Mal sorgfältiger sein.

Wichtig: Wenn du jemanden um Entschuldigung bitten willst, dann mache keine Ausreden, entschuldige dich nicht selbst. Sage also nicht: "Ich war ja in Eile. Gestern hast du ja den Abwasch auch nicht gemacht". Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, dann bedaure, bitte um Entschuldigung, gelobe Besserung. Überlass das Finden von Ausreden für dein Fehlverhalten dem anderen...

Schlechtes Gewissen wegen übertriebenem Verantwortungsgefühl


Manche Menschen haben ein schlechtes Gewissen wegen übertriebenem Verantwortungsgefühl. Manche Menschen haben starke innere Antreiber wie:

  • Du musst vollkommen sein
  • Du musst schnell sein
  • Du musst stark sein
  • Alle müssen dich lieben

Wenn du solche inneren Antreiber hast, dann hast du vermutlich schnell ein schlechtes Gewissen. In diesen Fällen solltest du lernen, mit den inneren Antreibern etwas besser umzugehen. Gerade wenn du feststellst, dass du ein schlechtes Gewissen hast wegen Dingen, die du nicht oder nicht gut genug getan hast, aber objektiv sehr engagiert bist, dann ist es wichtig, dies zu ändern. Denn diese Art von schlechtem Gewissen ist gar nicht mal selten ein Faktor, der auch ins Burnout, mindestens in die Überforderung und mangelndes Glücksgefühl, führen kann.

Siehe dazu den umfangreichen Artikel mit mehreren Vorträgen zum Thema Innere Antreiber.

Viveka Chudamani - Inmitten des schlechten Gewissens bist du das unsterbliche Selbst

Gutes oder schlechtes Gewissen - Das Selbst ist unberührt davon

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 274 von Sukadev Bretz -

Der Duft des Höchsten Selbst – wie der Duft vom roten Sandelholz – wird durch die Unreinheiten endloser, unabsehbarer Eindrücke (vasana) , die im Gemüt/ Geist haften (antah-shrita), verdorben. Wenn er durch Erkenntnis (prajnati) vollständig geläutert und wieder rein ist, wird er wie der Sandelholzduft klar erkannt.

Shankara greift in diesem Vers das Beispiel des vorigen Verses auf. Hier nimmt er Sandelholz statt Adlerholz. Sandelholz riecht sehr gut. Wenn über das Sandelholz irgendeine faulige Flüssigkeit gegossen wird, dann riecht das Sandelholz nicht mehr gut. Aber du kannst es wieder abwischen, das Sandelholz wieder aufrauen und dann riecht es wieder sehr gut.

Durch Erkenntnis den rechten Blickwinkel

So ähnlich gibt es Vasanas (Eindrücke im Unterbewussten), Samskaras, die sich scheinbar auf dein Selbst legen über dein Bewusstsein. Und dann scheinst du gerade ärgerlich, ängstlich, gierig, gekränkt und so weiter, zu sein. Aber das ist nur vorübergehend. Langfristig geht das alles vorbei. Du kannst diese oberflächlichen Gerüche wegbringen durch Erkenntnis deines wahren Selbst. Zum einen verschwindet vieles von selbst und zum anderen kannst du dir bewusst machen, dass du das unsterbliche Selbst bist.

Beispiel: Kränkung eines Kollegen

Das möchte ich jetzt auf etwas Praktisches anwenden. Nehmen wir mal an, du hast etwas getan, was du nachher bereust. Du hast vielleicht einen Kollegen in einer Mitarbeiterbesprechung etwas gesagt, was diesen gekränkt hat oder du hast über diesen gesprochen, was nicht so gut war. Du hast ein schlechtes Gewissen. Du bereust es. Du kannst auf verschiedene Weise damit umgehen. Zunächst kannst du dir sagen, dass egal, was du getan hast, Gutes oder Schlechtes, dein Selbst unberührt davon ist. „Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman. Ich habe mich hier falsch verhalten. Das ist richtig. Auf der Oberfläche meines Geistes ist es ein schlechtes Gewissen. Aber ich bin weder das schlechte Gewissen noch das falsche Verhalten.“ Wenn du dann noch denkst: „Was werden die anderen denken, eigentlich bin ich doch ein Yogaübender, eigentlich bin ich doch mitfühlend. Jetzt habe ich mich so mitleidlos verhalten, was werden die anderen von mir denken?“, dann kannst du dir sagen, dass du das unsterbliche Selbst bist. Ich bin unabhängig davon, was andere von mir denken, ich bin das unsterbliche Selbst.

Auf der relativen Ebene in Ordnung bringen

Dann kannst du auch überlegen, was du auf der relativen Ebene tun solltest:

  • Du kannst deinen Kollegen anrufen und ihm sagen: „Du, ich habe das und das gesagt, das tut mir leid. Das war nicht richtig. Ich bitte um Entschuldigung. Wie kann ich das gerade rücken?“
  • Oder du kannst zu deinem Chef sagen: „Herr Sowieso, ich habe beim letzten Mal etwas gesagt, was ich bereue. Gibt es eine Möglichkeit, wie ich das richtig rücken kann?“
  • Oder du kannst bei der nächsten Mitarbeiterbesprechung sagen: „Ich habe das letzte Mal diese oder jene Bemerkung gemacht, das war nicht richtig.“

Gut und schlecht sind nur Vorstellungen

Wenn du dich nicht identifizierst, kannst du es auch wieder gerade rücken. Du kannst dir bewusst machen, dass du das unsterbliche Selbst bist. Und was andere von mir denken, ist nicht so erheblich. Trotzdem will ich das ethisch Richtige tun. Du brauchst auch nicht zu denken, was du doch für ein schlechter Mensch bist. Du bist kein schlechter Mensch. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Die Vorstellung von gut und schlecht ist auf dein Selbst übergestülpt. Du bist das nicht. Du bist das unsterbliche Selbst der Atman. Mache dir das bewusst.

Siehe auch

Literatur

Seminare

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