Ishanashivagurudeva Paddhati Kriyapada 1
Ishanashivagurudeva Paddhati – Kriyapada 1
Der erste Abschnitt des Kriyapada verbindet die Lehre von Shiva, Shakti, Seele und Bindung mit täglicher Verehrung, Einweihung und der Gestaltung eines Heiligtums. Immer wieder fragt der Text nach der Haltung, mit der Menschen lernen, lehren und handeln.
Dieser Artikel enthält Kriyapada, Kapitel 1–30. Die Unterteilung des Kriyapada in zwei Artikel folgt den Druckbänden; sie ist kein zusätzlicher Werkteil. Übersetzungsgrundlage ist die gelieferte IAST-Fassung. Quellenunsicherheiten sind örtlich bezeichnet. Historische Ritualvorschriften und Wirkungsbehauptungen werden als Aussagen des Werkes wiedergegeben.
Ein Zugang für dein Studium: Lies die philosophischen Eingangskapitel als Vorbereitung auf die späteren Handlungen. Was bedeutet Einweihung innerhalb dieser Lehre? Welche Verantwortung tragen Lehrende und Lernende? Halte Erkenntnis, rituelle Befähigung und persönliches Verhalten beim Lesen zusammen. Das erleichtert den Zugang zu einem Werkteil, in dem Lehre und sorgfältig geordnete Praxis eng aufeinander bezogen sind.
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Weiterführende Lektüre: Die Soma Shambhu Paddhati eignet sich als ergänzendes Ritualhandbuch. Für das vergleichende Studium der Begriffe Shiva, Seele und Bindung führen die Verweise zu Mrigendra Tantra und Kirana Tantra weiter. Notiere beim Vergleich sowohl gemeinsame Fragen als auch unterschiedliche Antworten.

Kriyapada, Kapitel 1: Shiva, Offenbarung und die Grundprinzipien der Welt
Der dritte Werkteil beginnt mit der philosophischen Grundlage der rituellen Praxis. Er begründet Shiva als höchsten Urheber, unterscheidet seine ursprüngliche Reinheit von der Befreiung einzelner Seelen und ordnet Veden, Agamas und weitere Wissensgebiete ein. In Auseinandersetzung mit anderen indischen Schulen entfaltet er die Lehre von den Tattvas, den Grundprinzipien der Wirklichkeit. Die teils scharfen Urteile über andere Traditionen sind die historische Stimme des Autors.
Werkteileingang. Heil! Ishanashivagurudeva Paddhati, verfasst vom ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Mishra. Der dritte Werkteil: Kriyapada.
Kapiteleingang. Nun das erste Kapitel.
Kriyapada 1-1. Zuerst verneigen wir uns vor Shiva, Shakti und dem Herrn der Scharen mit Adesha, ebenso vor der reinen Erkenntnis und Vani. Dann legen wir den höchsten Dharma dar. [Hinweis: „Adesha“ ist als Begleiterbezeichnung hier nicht eindeutig; der Name wird nicht ergänzt oder ersetzt.]
Kriyapada 1-2. In der ersten Hälfte, im Samanya- und Mantrapada, wurden die allgemeinen Verfahren für Dharma, Wohlergehen und gewünschte Ziele gezeigt. Nun wird das Verbleibende ausführlich erklärt.
Kriyapada 1-3. Wer den höchsten Dharma kennt, erlangt durch das Entstehen sichtbarer und unsichtbarer Früchte sowohl Erfahrungen des Genusses als auch Befreiung. Der Gegenstand dieses Dharma ist der höchste Herr.
Kriyapada 1-4. Aus dem Vaisheshika-Sutra, das mit „Nun also der Dharma“ beginnt, wird als Zweck des Dharma Befreiung und großes Gedeihen gelehrt.
Kriyapada 1-5. Viele Arten des Dharma sind bekannt, von den jeweiligen Agamas vorgeschrieben. Doch gelten sie nicht als höchster Dharma; höchster Dharma ist, was Shiva gelehrt hat.
Kriyapada 1-6. Die Lehre, die Shiva ausgesprochen hat – frei von Veränderungen durch Maya, rein, makellos und Urheber aller Dinge –, ist in jeder Hinsicht die höchste.
Kriyapada 1-7. Denn er ist die Ursache der gesamten hervorgebrachten Welt, von Maya bis zur Erde. Shiva ist Schöpfer und Umgestalter; er ist durch die drei Erkenntnismittel zugänglich.
Kriyapada 1-8. Diese Welt besteht aus Teilen und gilt als Werk eines bewussten Urhebers, weil sie hervorgebracht ist. Alles, was so beschaffen ist, verhält sich wie ein Topf, ein Tuch und ähnliche Dinge.
Kriyapada 1-9. So wird es auch hier gelehrt; daher ist die genannte Schlussfolgerung zweifellos begründet: Es gibt einen einzigen Urheber, Shiva, der von den anderen verschieden ist.
Kriyapada 1-10. Er ist durch unmittelbare Wahrnehmung der Yogis, durch Schlussfolgerung und durch Offenbarung erwiesen. Doch wie soll seine Verschiedenheit von allen anderen begründet werden?
Kriyapada 1-11. Shiva ist von anderen verschieden, weil er anfangslos und makellos ist, während alle anderen mit Unreinheit verbunden sind. Was von sich aus rein ist,
Kriyapada 1-12. unterscheidet sich von ihnen, wie Gold von Kupfer und anderen Metallen. So wird dies als begründet gelehrt. Auch im Kirana heißt es:
Kriyapada 1-13. „Durch die anfangslose Verbindung mit Unreinheit ist die begrenzte Seele unrein. Weil Shiva anfangslos von Unreinheit frei ist, steht seine Reinheit fest.“
Unnummerierter Kommentar nach Kriyapada 1-13: Ramakantha. So lautet das Zitat. Auch Ramakantha sagt: „Jener reine Shiva weiß alles und tut alles; der unreine Atman dagegen weiß nur wenig. Das Wesen Shivas und das Wesen des Atman sind entsprechend rein und unrein, frei von Unreinheit und mit ihr verbunden.“ [Hinweis: Die Verbindung der beiden Wesensbestimmungen ist in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen.]
Unnummerierte Zitate: Lambita. Auch im ehrwürdigen Lambita: „Es gab einen einzigen Shiva, den Geistigen, der von den anderen verschieden ist.“ Und: „Darum gelten die einzelnen Seelen als anfangslos mit Unreinheit verbunden.“
Kriyapada 1-14. Allein Maheshvara ist anfangslos makellos und rein. Wenn aber nur Shiva rein und dadurch von allen anderen verschieden ist,
Kriyapada 1-15. wie können dann Vidyeshvaras als reine Bewohner von Shivas Bereich gelten? Du selbst lehrst doch die Befreiung von Unreinheit durch Shiva-Diksha.
Kriyapada 1-16. Wenn im Shaiva-Agama der Shiva-Zustand der Eingeweihten feststeht, dann gibt es diese Shiva gleichen Seelen doch zusätzlich zu Shiva.
Kriyapada 1-17. Daher scheint Shivas Verschiedenheit von allen anderen unbegründet. Darauf lautet die Antwort: Vor der Nirvana-Diksha waren sie unrein;
Kriyapada 1-18. erst nach der Einweihung sind sie rein und ihr Shiva-Zustand wird offenbar. Ihr Shiva-Zustand entsteht durch Shivas Gnade und hat deshalb einen Anfang.
Kriyapada 1-19. Shiva dagegen besitzt seinen Shiva-Zustand ohne Anfang, schenkt anderen begrenzten Seelen Gnade und ist unabhängig. Darum ist er auch von diesen verschieden.
Kriyapada 1-20. Hier lehren die großen Vertreter des Vedanta die Nichtzweiheit der Seelen: „Brahman ist nur eines, ohne ein Zweites.“ Wie könnte es dann andere Seelen geben?
Kriyapada 1-21. Wo kein Unterschied begründet werden kann, wie soll Shiva verschieden sein? Wenn es kein Dorf gibt, wo wäre seine Grenze? Wem sollte Shiva Gnade erweisen?
Kriyapada 1-22. Wenn solche Aussagen ihrer Vertreter ein gültiges Erkenntnismittel besitzen, ergibt sich Zweiheit; wenn nicht, sind sie ohne gültigen Erkenntnisgrund.
Kriyapada 1-23. Auf jede ihrer Aussagen wird mit der jeweils folgenden geantwortet. Kurz gesagt: Durch die Behauptung der Nichtzweiheit selbst wird Zweiheit vorausgesetzt.
Kriyapada 1-24. Nur wenn es Brahmanen und dergleichen gibt, kann man von Nichtbrahmanen und dergleichen sprechen. Die Annahme von Bindung und Befreiung widerspricht ihrer Auffassung.
Kriyapada 1-25. Wenn alles das eine Brahman ist, gibt es keine Gebundenen. Alle wären bereits befreit; welchen Nutzen hätten dann Hören und die weiteren Übungen?
Kriyapada 1-26. Das Aufsuchen eines Lehrers wäre vergeblich; wem könnte man sich als einem anderen verneigen? Auch die Unterscheidung zwischen Erkennendem und Erkanntem und die Erkenntnis selbst wären ohne Sinn.
Kriyapada 1-27. Solche Unterschiede werden auch im Vedanta anerkannt. Darum gelten Zweiheit und das Besitzen von Eigenschaften durch den Atman als begründet.
Kriyapada 1-28. Was bedarf es vieler weiterer Worte? Es gibt doch Unwissenheit, Dunkelheit oder Maya, die der Befreiungssuchende ablegen muss und die vom Befreienden verschieden ist.
Kriyapada 1-29. Die Shruti sagt: „Wer Brahman kennt, erlangt das Höchste.“ Wer Brahman nicht kennt, erlangt es nicht. Daher ist der Unterschied durch ein gültiges Erkenntnismittel begründet.
Kriyapada 1-30. Weil ein Grund für die Einzigkeit des Atman fehlt, werden ebenso die Buddhisten zurückgewiesen, die Leere beziehungsweise Nichtbestehen eines Selbst lehren und nach Auffassung des Textes durch einen Irrtum des Denkens fehlgehen. [Hinweis: Dies ist eine polemische Fremddarstellung, keine neutrale Zusammenfassung buddhistischer Philosophie.]
Kriyapada 1-31. Eine von einem bewussten Wesen ausgeführte Handlung bringt eine zu bewirkende Frucht hervor. Erkenntnis sei dagegen ohne ursächliche Bedeutung – so wird die Position derer angesprochen, die die Frucht allein aus der Handlung erklären. [Hinweis: Die Satzverbindung und „ahaituka“ sind hier knapp und mehrdeutig.]
Kriyapada 1-32. Eine solche Handlung wäre augenblicklich, abhängig und unbewusst. Ohne eine bewusste Ursache könnte sie ihre Frucht nicht zustande bringen.
Kriyapada 1-33. Da bei ihnen durch unbewusste Mantras und eine solche Handlung dennoch die Frucht des Rituals erreicht wird, muss als Urheber der wissende Shiva erkannt werden.
Kriyapada 1-34. Auch die Auffassung, die aus den Gunas bestehende unentfaltete Prakriti sei die stoffliche Ursache der Welt, genügt nicht: Wie ein Lehmklumpen von sich aus keinen Topf hervorbringt, ist sie allein keine ausreichende Ursache.
Kriyapada 1-35. „Der eine Ungeborene liegt bei ihr und genießt sie“ – auch aus solchen Worten folgt: Über dem in Prakriti versunkenen Geistigen steht Maheshvara.
Kriyapada 1-36. Darum sollen auch die Sankhya-Anhänger Maheshvara suchen. Weil Elemente, Körper und die Gruppe der Sinne unbewusst sind,
Kriyapada 1-37. sollen die Charvakas ihren Stolz ablegen und anerkennen, dass diese nicht der Atman sind. Elemente und Sinne sind auch im toten Körper vorhanden; daher muss ein anderer
Kriyapada 1-38. Atman gesucht werden. Ebenso sind seine mangelnde Unabhängigkeit und das Bestehen einer unsichtbaren Wirkkraft anzuerkennen, etwa angesichts der Planeten und der Sonne.
Kriyapada 1-39. Deren bewusste Ursache, Maheshvara, ist zu suchen. Die Jainas lehren einen Atman von Körpergröße und bestimmen ihn als ewig und nicht ewig.
Kriyapada 1-40. Ihr großer Seher ist entsprechend beschaffen; durch Gewaltlosigkeit und weitere Askese erlangt er nach ihrer Auffassung den Arhat-Zustand.
Kriyapada 1-41. Auch dieser Zustand hat einen Anfang, und der Betreffende ist von Askese abhängig. Ein anderer ist der Spender ihrer Frucht. Darum sollen sie Missgunst ablegen
Kriyapada 1-42. und den unabhängigen, anfangslosen Urheber Maheshvara suchen. Die Vertreter anderer Lehren, deren Einwände durch solche Erörterungen zurückgewiesen werden,
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 1-43. sollen zum eigenen Heil Shiva verehren.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über das Bestehen Shivas.
Kriyapada 1-43. Shiva erweist der Welt durch höhere und niedere Agamas, die aus seinem eigenen Mund hervorgehen,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-43. Gnade, damit Erfahrung und Befreiung zustande kommen.
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Um die fortgesetzte Unreinheit des Atman und seinen gebundenen Zustand aufzuheben und seinen Shiva-Zustand offenbar zu machen, geht Erkenntnis von Shiva aus. Obwohl sie eine ist und aus Shivas Lotusmund entsteht, nimmt sie aufgrund der Verschiedenheit ihrer Gegenstände die Unterscheidung in höhere und niedere Erkenntnis an.“
Kriyapada 1-44. Durch die höheren göttlichen Agamas, die Shaiva-Lehre und die verwandten Lehren, die von den Fesseln befreien,
Kriyapada 1-45. besondere Erfahrungen, Herrlichkeit und den Shiva-Zustand als Frucht verleihen, ebenso durch die niederen Agamas, Veden und andere, die aus seinem Mund hervorgehen,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-45. wird das Wissen der gebundenen Seelen erschlossen, damit Himmel und weitere Früchte erreicht werden.
Unnummerierter Kommentar: Sadyojyotis. „Durch das höhere, mit Kamika beginnende Wissen wird eine Form des Shiva-Wissens vermittelt; durch das niedere, mit dem Veda beginnende Wissen eine Form des Wissens gebundener Seelen.“ So Sadyojyotis.
Kriyapada 1-46. Zuerst ging das Shaiva genannte Tantra aus Shivas Mund hervor.
Kriyapada 1-47. Es heißt reines Shaiva, weil es auf den reinen Tattvas beruht. Doch wie kann Shiva, der ohne Teile ist, Agamas aussprechen, die aus Sätzen und anderen Gliedern bestehen?
Kriyapada 1-48. Auf diesen Einwand wird erwidert: Auch der Raum wird als durch Klang gekennzeichnet erkannt. Der teillose Shiva, dessen Wesen Mantra ist, nimmt einen Erkenntniskörper an
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-48. und lässt zu Beginn der Schöpfung aus seinem Mund die Agamas hervorgehen, die ihn selbst zum Gegenstand haben.
Unnummeriertes Zitat: Kirana. „Um den Seelen Gnade zu erweisen, tritt der Höchste in eine niedere Erscheinungsweise ein. Er schafft einen Körper aus Mantra und lehrt die Tantras in vielfältiger Weise.“
Kriyapada 1-49. Die ersten Unterteilungen des Shaiva-Agama beginnen mit Kamika; danach folgen achtzehn Unterteilungen, beginnend mit Vijaya.
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Das eine Shiva-Wissen wird zuerst zehnfach geteilt, dann nochmals achtzehnfach und breitet sich in weitere Unterteilungen aus.“
Unnummerierte vollständige Schriftliste. Nämlich: Kamika, Yogaja, Achintya, Karana, Ajita, Dipta, Sukshma, Sahasra, Amshuman und Suprabhedaka. Diese zehn Tantras werden der Reihe nach Shiva-Unterteilungen genannt. Vijaya, Nihshvasa, Prodgita, Parameshvara, Agneya, Mukhabimba, Svayambhuva, Raurava, Makuta, Kirana, Lambita, Chandrajnana, Virabhadra, Siddha, Santanika, Sharvodgita, Vimala und Vatula sind die achtzehn aus der Rudra-Unterteilung hervorgegangenen Tantras. Ihre Unterteilungen, Nebenunterteilungen und einzelnen Lehrabschnitte sind sehr zahlreich; deshalb werden ihre Namen hier nicht alle aufgeführt. Mitsamt den Nebenunterteilungen ist ihre Zahl nicht festzulegen, seien die einzelnen Abteilungen groß oder klein. So im Svayambhuva. [Hinweis: Die Namen folgen dieser Quelle; sie werden nicht an eine andere kanonische Agama-Liste angepasst.]
Unnummerierte Fortsetzung: Weitere Offenbarungen. Bei seinen freiwilligen Herabkünften lehrte der höchste Herr ferner das Pashupata-Tantra, das Vakula- und das Soma-Tantra. Unter ihnen ist das zuerst von Shiva gelehrte Shaiva das vorrangige. Durch diese vier unterschiedenen Tantra-Arten, Shaiva und die übrigen, durch Diksha, heilige Handlungen, Lebensführung, Erkenntnis und Yoga führt Maheshvara die gereinigten begrenzten Seelen aus dem Schlamm des Leidens über den Ozean des Werdens.
Unnummerierte Fortsetzung: Die vierzehn Wissensgebiete. Die niederen Agamas werden zunächst zehnfach gegliedert: Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda, dazu Lautlehre, Ritualregel, Worterklärung, Metrik, Astronomie und Grammatik als die sechs Glieder der Veden. Mimamsa, Nyaya, Purana und Smriti sind vier weitere Wissensgebiete; insgesamt sind es vierzehn. Jedes dieser Gebiete besitzt Schulen, Samhita-Unterteilungen und vielfältige Lehrwerke, kaum aufzuzählen, durch Shivas Willen hervorgebracht. Im Vertrauen auf ihn und durch Handlungen wie Agnishtoma, tägliche, gelegentliche und auf bestimmte Wünsche gerichtete Rituale, Opfer und gemeinnützige Werke kann man hier und im Jenseits Erfahrungen wie den Himmel erlangen, die noch zum Bereich gebundener Seelen gehören.
Unnummerierte Fortsetzung: Ursprung der Veden. Manche dulden aus Unwissenheit nicht die Aussage, die Veden gingen aus Shivas Mund hervor. Das dient nach Auffassung des Textes nicht dem Wohl des Veda. Die klangförmige Shruti enthält Zusammenhänge von Wörtern, Sätzen und Bedeutungen; sie wird von einem bewussten Urheber ausgesprochen – anders sieht man eine solche Rede nicht entstehen. Dass ihr Verfasser verlässlich ist, gilt durch ihre Anerkennung bei den Gelehrten als gesichert; nirgends wird gelehrt, die Shruti habe einen unverlässlichen Urheber. Darum gilt für die Verständigen als begründet, dass alle Shrutis vom vollkommen verlässlichen Shiva, dem Urheber aller Dinge, hervorgebracht sind.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 1-50. Ferner:
Kriyapada 1-50. Dass die sechs Vedaglieder, beginnend mit der Lautlehre, und ihre Sutras von Personen verfasst wurden, gilt in den drei Welten als erwiesen – auch nach der Auffassung jener Gegner.
Kriyapada 1-51. Die Verbindung von Glied und Ganzem gehört zu einer einheitlichen Art von Körper. Das gilt in der Welt allgemein, selbst bei Frauen, Kindern und Kuhhirten. [Hinweis: Die Aufzählung spiegelt die soziale Rhetorik der Quelle.]
Kriyapada 1-52. Aus Elefantengliedern entsteht keine Ziege, aus Ziegengliedern kein Elefant. Überall entsprechen sich Glieder und das Ganze auf diese Weise, nicht anders.
Kriyapada 1-53. Die Veden sind ein gültiges Erkenntnismittel, ausgesprochen vom verlässlichen und wissenden Herrn, weil ihre zugehörigen Glieder und Sutras von verlässlichen Personen verfasst wurden.
Kriyapada 1-54. Was hier mit eigenen Gliedern verbunden ist, die von einem wissenden, verlässlichen Urheber gelehrt wurden, etwa Ayurveda und verwandte Lehren, verhält sich entsprechend. So gilt die behauptete Schlussfolgerung.
Unnummeriertes Smriti-Zitat nach Kriyapada 1-54. „Die Vedaglieder, die vier Veden, Mimamsa, die ausführliche Nyaya-Lehre, Purana und Dharmashastra: Dies sind die vierzehn Wissensgebiete.“
Unnummerierte Begründung. Nyaya, Mimamsa, Purana und Smriti werden von den vedischen Lehrern gemeinsam aufgeführt, weil sie dem Veda wesensverwandt sind und derselben Vergleichsgruppe angehören. Manu und andere kundige, verlässliche Vedakenner tun dies; daraus gilt der bewusste Urheber der Shruti, ein verlässlicher Herr der Yogis, als erwiesen. Der Veda selbst lehrt ausdrücklich die Entstehung aller Veden aus dem ursprünglichen Purusha, der erschaffen will. So heißt es:
Unnummeriertes Shruti-Zitat. „Aus jenem Opfer, in dem alles dargebracht wurde, entstanden die Rig-Verse und Saman-Gesänge. Aus ihm entstanden die Versmaße; aus ihm entstand der Yajus.“
Kriyapada 1-55. Zu diesem Sinn gibt es auch in den Puranas, etwa Brahma, Kurma und Vishnu, Aussagen über die Schöpfung durch Prajapati.
Unnummeriertes Purana-Zitat nach Kriyapada 1-55. „Aus seinem ersten Gesicht schuf er Gayatri und Rig-Verse, den dreifachen Stoma, Rathantara und unter den Opfern Agnishtoma. Aus dem südlichen Gesicht ließ er Yajus, das Trishtubh-Versmaß, den fünfzehnfachen Stoma, Brihat-Saman und Ukthya hervorgehen. Aus dem westlichen Gesicht ließ er Saman-Gesänge, das Jagati-Versmaß, den siebzehnfachen Stoma, Vairupa und Atiratra hervorgehen. Aus dem nördlichen Gesicht ließ er den einundzwanzigfachen Stoma, Atharvan, Aptoryama und Anushtubh mit Vairaja hervorgehen.“
Kriyapada 1-56. Die vedischen Lehrer erkennen die Gültigkeit der Puranas an, indem sie diese zusammen mit den Veden unter den vierzehn Wissensgebieten aufführen.
Kriyapada 1-57. Diese Purana-Aussagen stützen auch die zu erschließende Bedeutung eines Yajurveda-Wortes, das mit „Für die Rig-Verse der Osten“ beginnt.
Kriyapada 1-58. Weil die Veden aus dem östlichen und den weiteren Gesichtern hervorgehen, wird ihre jeweilige Richtungszuordnung gelehrt. Wäre es nicht so, woher käme diese Festlegung der Richtungen?
Kriyapada 1-59. Auch Brahmas Körper entstand aus den Tattvas von Kala bis zur Erde. Ursache der Tattvas ist Maya, Ursache der Maya Maheshvara.
Kriyapada 1-60. „Maya soll man als Prakriti erkennen, den Träger der Maya als Maheshvara.“ Aus dieser und ähnlichen Aussagen folgt, dass Maheshvara auch Brahmas Urheber ist.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 1-61. Dies ist auch im Skandapurana, im Lobgesang Devalas, zu finden. Nämlich: „Verehrung ihm, der Brahma zum Wesen hat und, zu Brahma geworden, die ganze Welt mit Göttern, Asuras und Menschen erschafft, während er inmitten des Wassers verweilt.“
Kriyapada 1-61. Auch daraus ist Maheshvara als Sprecher der Veden zu erkennen.
Unnummeriertes Nyaya-Zitat nach Kriyapada 1-61. „Der Urheber des Veda ist eine Person, doch nicht irgendeine beliebige. Es ist der höchste Herr, der in der Gestaltung der drei Welten kundig ist.“
Kriyapada 1-62. Manche wenden ein: Wenn so die Entstehung der Agamas aus Maheshvara feststeht, müsste die Shruti einen Anfang haben und daher vergänglich sein.
Kriyapada 1-63. Dieser Einwand trifft nicht zu, denn Maheshvara ist anfangslos, ewig rein, makellos und wissend; sein eigener Leib besteht aus Mantra und Vidya.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-63. Auch sein Vidya-Leib ist anfangslos und unvergänglich. So sagt die Shruti: „Jene deine glückverheißende Gestalt, Rudra, die nicht schrecklich ist und kein Übel offenbart – mit dieser deiner friedvollsten Gestalt, o Girishanta …“ [Hinweis: Das Zitat endet in der gelieferten Fassung vor dem vollständigen Satzabschluss; es wird nicht aus einer anderen Ausgabe vervollständigt.]
Kriyapada 1-64. Sie ist daher von ihm nicht verschieden und besteht in ihm, wie Lava, Kashtha, Kala und andere Zeitmaße in der Zeit.
Kriyapada 1-65. Durch das Zunehmen und Zurücktreten seiner Willens-, Handlungs- und Erkenntniskraft, durch die Entfaltung in Gestalt und weitere Erscheinungsweisen und durch das Zusammenfassen subtiler innerer Laute
Kriyapada 1-66. wird sie auf den Stufen der Vaikhari und der übrigen Sprachformen offenbar. Als Veden und Agamas tritt diese in Shiva ruhende Rede immer wieder aus seinem Mund hervor.
Kriyapada 1-67. Über die Entstehung dieser Rede wird später noch einiges gesagt. Von dieser durch den Weltenherrn ausgesprochenen Rede leben alle.
Kriyapada 1-68. Wenn er erschaffen will, lässt er sie hervorgehen; bei der Auflösung nimmt er sie wieder in sich auf. Aus Mitgefühl erschafft er die Welt, damit die Seelen Erfahrung und Befreiung erlangen,
Kriyapada 1-69. und er löst sie auf, damit die im Samsara Erschöpften ruhen können. Wie der anfangslose höchste Shiva von anderen verschieden ist,
Kriyapada 1-70. so sind die Worte aus seinem Mund von anderen Worten verschieden. Shiva-Agamas und Veden sind daher als ewig begründet.
Kriyapada 1-71. Die Shiva-Agamas sind zusammen mit den Veden ewig, weil sie ursprünglich ungetrennt in Shiva bestehen. Sie werden in ihm offenbar und sind anfangslos.
Kriyapada 1-72. Was fortwährend im Ewigen besteht und aus seinem Mund offenbar wird, ist selbst ewig, wie die Zeitanteile Kala, Kashtha und weitere anfangslose Zeitmaße.
Unnummerierter Abschnittsabschluss nach Kriyapada 1-72. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall; daher ist die genannte Schlussfolgerung zweifellos begründet. Abschnitt über die Begründung der Gültigkeit beider Agama-Arten als von Ishvara verfasst.
Kriyapada 1-73. Als der allgegenwärtige Maheshvara die Welt und die Agamas erschaffen wollte, ließ er seine Shakti offenbar werden,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-73. wie der Vollmond sein eigenes Licht.
Unnummeriertes Lehrzitat. „Die erste Entfaltung seines Schöpfungswillens, um dem Bewussten und dem Unbewussten Gnade zu erweisen, wird Shakti-Tattva genannt; sie ist von ihm selbst ungetrennt.“
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Diese Shakti ist von Shiva nicht verschieden, ewig, mächtig und beständig. Obwohl sie eine ist, wird sie in vielerlei Weise bezeichnet, damit ihre vielen Wirkungen offenbar werden.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Obwohl sie selbst kein Wünschen ist, heißt sie Wille, weil sie die Wirkung des Willens vollbringt. Obwohl sie nicht die Gestalt eines Erkenntnisgegenstands hat, heißt sie Erkenntnis; obwohl sie selbst keine Handlung ist, heißt sie Handlung.“
Kriyapada 1-74. Deshalb ist diese Kraft die Willenskraft; sie ist auch die Handlungskraft
Kriyapada 1-75. und als Erkenntniskraft zu verstehen, weil sie die jeweiligen Wirkungen hervorbringt. Durch den Willen angeregt vollbringt der Herr alles mittels seiner Handlungskraft.
Kriyapada 1-76. Durch die Erkenntniskraft erkennt er; diese gilt als Kundalini. Die Entfaltung, in der Erkenntnis- und Handlungskraft im Gleichgewicht sind und Shiva zum Wesen haben,
Kriyapada 1-77. ist das Sadashiva genannte Tattva, ein Leib aus Vidya und von Shivas Wesen. Seine Gestalt als Gegenstand der Verehrung wird später erklärt.
Kriyapada 1-78. Wo die Erkenntniskraft geringer und die Handlungskraft größer ist, liegt das Ishvara-Tattva mit seiner Macht, alles zu tun.
Kriyapada 1-79. Das Ishvara genannte, von Handlung geprägte Prinzip ist die wirkende Ursache der Schöpfung, wie der Töpfer Töpfe und andere Gefäße hervorbringt.
Kriyapada 1-80. Wo die Handlungskraft geringer und die Erkenntniskraft größer ist, liegt das Shuddhavidya genannte Prinzip, das als Erkenntnis aufleuchtet.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Wo die Handlungskraft zurücktritt und die Erkenntniskraft hervortritt, heißt das Prinzip Vidya. Weil sein Wesen Erkenntnis ist, macht es offenbar.“
Kriyapada 1-81. Wenn Bindu und Nada innig verbunden in Sadashiva ruhen, entstehen dort die Vidyeshvaras, mit Shrikantha und Ananta als ihren hervorgehobenen Gestalten. [Hinweis: „Puraka“ am Ende der Namensverbindung ist nicht eindeutig; eine vollständige Namensliste wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 1-82. Wo das Vidya genannte Prinzip in Bindu, Nada und Shiva ruht, leuchten Vidyas und Mantras auf wie Wellen im Ozean.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Shiva erweist zuerst acht Wesen Gnade und setzt sie als Vidyeshvaras ein. Andere macht er zu Mantras; ihre Zahl wird mit sieben Koti angegeben.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Dort heißen die früheren Träger der Vidya Mantras und Vidyas. Sie werden von den Vidyeshvaras eingesetzt; ihre Zahl beträgt sieben Koti.“
Kriyapada 1-83. So gibt es fünf reine Tattvas, von Shiva bis Vidya. Aus ihrem Zusammenwirken entstehen Vidyeshvaras, Vidyas und weitere Gestalten.
Kriyapada 1-84. Durch die Kraft der Vidyas, Vidyeshvaras und Mantras und durch Ishvaras Willen erscheint das unreine, Maya genannte Prinzip wie ein Zaubernetz.
Unnummerierter Kommentar aus der Shattrimshattattvasiddhi. Das Maya-Tattva ist der Keim des Zaubernetzes. Der erhabene Shiva, der es kennt und gleichsam die Wurzelknolle seines Gewächses ist, bringt es durch das Aufbrechen der Unreinheit selbst zur Erscheinung. Maya besteht nämlich nicht aus sich selbst. Bestünde sie aus sich selbst, wäre sie nicht Maya. So in der „Begründung der sechsunddreißig Tattvas“.
Kriyapada 1-85. Ohne einen Zaubernden gibt es keinen Zauber. Der Zaubernde mit seinem Körper wird in der Welt als derjenige gesehen, der das Zauberschauspiel in Gang setzt. [Hinweis: Die überlieferte Verbindung mit „vina“ ist grammatisch auffällig; der argumentative Sinn ist erkennbar.]
Kriyapada 1-86. Entsprechend gilt Maya als stoffliche Ursache der Tattvas von Kala an. Das Unbewusste erscheint vielfältig wie etwas Bewusstes,
Kriyapada 1-87. wie ein Zaubernetz, das nicht aus sich selbst besteht und doch den Anschein von Wirklichkeit besitzt. Der höchste Herr versetzt diese Maya durch seine Kräfte in Bewegung
Kriyapada 1-88. und erschafft als Hort des Mitgefühls die Welt entsprechend dem jeweiligen Karma der Seelen. In ihr entstehen der Reihe nach die fünf unreinen Tattvas, beginnend mit Zeit und Kala.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Damit der Purusha begrenzt erkennen und handeln kann, entsteht aus Maya eine Fünfergruppe: Zeit, Niyati, Kala, unreine Vidya und Raga.“
Kriyapada 1-89. Das Zeit genannte Prinzip ist dreifach, beginnend mit der Vergangenheit,
Kriyapada 1-90. dazu Gegenwart und Zukunft; es gliedert sie deutlich. Ebenso entsteht das Niyati-Prinzip, dessen Wesen Begrenzung und feste Zuordnung ist.
Kriyapada 1-91. Auch das Kala-Prinzip entsteht. Weil es die Unreinheit der begrenzten Seelen teilweise aufbricht und ihre Handlungskraft offenbar macht, heißt es Kala.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Indem es die Unreinheit der Menschen teilweise aufbricht, macht es die Handlungskraft offenbar.“
Kriyapada 1-92. Die unreine Vidya setzt die durch Kala gestärkte Handlungskraft in Bewegung und zeigt den Menschen die Erfahrungsgegenstände.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Um dem Purusha die Gegenstände zu zeigen, bringt sie danach das offenbar machende Vidya-Tattva hervor.“
Kriyapada 1-93. Aus Vidya entsteht das Raga-Prinzip. Durch Anhaftung bewegt es den Purusha auf die Gegenstände zu und lässt ihn an ihnen Gefallen finden.
Kriyapada 1-94. Durch diese Prinzipien gebunden gelangt die begrenzte Seele zum Zustand des Erfahrenden. Als Purusha-Tattva wird sie nun gezählt, mit entfalteter Handlungskraft.
Unnummeriertes Lehrzitat nach Kriyapada 1-94. „Wenn die gebundene Seele durch diese Tattvas bestimmt und in den Zustand des Erfahrenden geführt wird, erhält sie die Bezeichnung Purusha und wird unter die Tattvas gerechnet.“
Kriyapada 1-95. Ausgehend vom Purusha entsteht zu dessen Erfahrung das Prakriti genannte Prinzip. Bei Gleichgewicht seiner drei Gunas heißt es das Unentfaltete.
Kriyapada 1-96. Weil es der Ursprung der Umwandlungen in Buddhi und die weiteren Tattvas ist, heißt es Prakriti. Da die Gunas im Gleichgewicht und noch nicht entfaltet sind, wird es Avyakta, das Unentfaltete, genannt.
Kriyapada 1-97. Diese Prakriti, die das Erkennbare darstellt, wird durch Shakti gestärkt. Wenn sie sich auf die sattvische Eigenschaft stützt, entsteht das entfaltete Buddhi-Tattva.
Kriyapada 1-98. Diese Buddhi nennen die Sankhya-Lehrer auch Mahat, das große Prinzip. Wenn sich im Unentfalteten Sattva, Rajas und Tamas ausprägen,
Kriyapada 1-99. entsteht das Ahamkara-Tattva, gekennzeichnet durch Verblendung und Ich-Zuschreibung. Dieser Ichbildner ist dreifach, entsprechend den drei Gunas.
Kriyapada 1-100. Der sattvische heißt Taijasa, der rajasische Vaikari, der tamasische Bhutadi. Sie bringen jeweils weitere Tattvas hervor.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Aus Taijasa entsteht Manas, aus Vaikarika die Sinne, aus Bhutadi die feinen Sinnesqualitäten. So erfolgt ihre Hervorbringung.“
Kriyapada 1-101. Das Manas-Tattva, das Wollen, Entwerfen und Unterscheiden umfasst, entsteht aus Taijasa. Es ist selbst unbewusst und nicht eigenständig. [Hinweis: „Niranvaya“ kann auch fehlende Verbindung oder Kontinuität bezeichnen; die genaue technische Bedeutung bleibt hier offen.]
Kriyapada 1-102. Aus Vaikarika entstehen Gehör, Haut, Auge, Zunge und Nase: die fünf Erkenntnisorgane.
Kriyapada 1-103. Ebenso entstehen aus Vaikarika die fünf Handlungsorgane: Rede, Füße, Hände, Ausscheidungsorgan und Geschlechtsorgan.
Kriyapada 1-104. Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und als fünfter Geruch sind die feinen Sinnesqualitäten und Erfahrungsgegenstände; sie entstehen der Reihe nach aus Bhutadi.
Kriyapada 1-105. Aus diesen feinen Qualitäten entstehen der Reihe nach Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Die Weisen nennen sie die fünf Elemente, jeweils mit zunehmender Zahl von Eigenschaften.
Kriyapada 1-106. Die fünf Sinnesorgane, beginnend mit dem Gehör, sind die Träger der Wahrnehmung von Klang und den folgenden Qualitäten und machen diese erfahrbar.
Kriyapada 1-107. Sprechen, Gehen, Ergreifen, Ausscheiden und Lust sind die jeweils festgelegten Tätigkeiten der Handlungsorgane.
Kriyapada 1-108. Aus den vier großen Elementen, die einander durchdringen und vom Raum durchzogen sind, wird die gesamte sichtbare, hervorgebrachte Welt gestaltet.
Kriyapada 1-109. Hier könnten Sankhya-Anhänger und andere sagen: Es gibt fünfundzwanzig oder vierundzwanzig Tattvas; darüber hinaus keines.
Kriyapada 1-110. „Da damit die Welt erklärt ist, wozu weitere Prinzipien annehmen?“ Solches Reden begründet nach Auffassung des Textes ihre Sache nicht. Wir erklären nun, wozu die weiteren Tattvas dienen.
Unnummerierte Begründung nach Kriyapada 1-110. Nämlich: „Nicht durch Elemente, Sinnesorgane, feine Qualitäten oder innere Organe wird der Purusha an Erfahrungsgegenstände gebunden; Raga ist das Prinzip, das ihn für sie einnimmt.“ Raga und Kama, Anhaften und Begehren, unterscheiden sich hier nicht im Sinn. „Durch Raga begehrt er die Gegenstände; aus Begehren folgt Tätigkeit. Daher ist das Bestehen des Raga genannten Prinzips anzuerkennen. Ebenso vermögen die Tattvas von Raga bis zur Erde nicht von sich aus die Kraft zur Erkenntnis eines anderen Gegenstands offenbar zu machen. Was diese Kraft offenbart, nennt man Vidya-Tattva, wie Auge und andere Organe Gestalt und weitere Eigenschaften erkennbar machen.“ So in der Tattvasiddhi. [Hinweis: Die Quelle markiert einzelne Satzverbindungen dieses Zitats als fraglich; die Argumentationsfolge ist erkennbar.]
Kriyapada 1-111. Darum soll man das Bestehen des Vidya genannten Prinzips als gewiss anerkennen.
Kriyapada 1-112. Ebenso kann die anfangslose, alles durchziehende Unreinheit, die die Tattvas von Vidya bis zur Erde verhüllt, nicht ohne das Kala-Prinzip aufgebrochen werden. [Hinweis: Der Vers ist elliptisch und in der Quelle fraglich markiert; der folgende Kommentar erläutert seinen Sinn.]
Unnummerierter Kommentar nach Kriyapada 1-112: Tattvasiddhi. Wenn der Purusha von anfangsloser Unreinheit verhüllt ist und der erhabene Prajapati ihn aus dem Schlamm der Verblendung herausführen will, entsteht aus Mitgefühl das Kala-Prinzip. Sein Stoffgrund ist Maya-Prakriti; es vermag die Unreinheit aufzubrechen.
Unnummerierte weitere Begründung. „Ebenso lässt sich durch die Tattvas von Kala bis zur Erde keine feste Zuordnung von Richtung, Ort, Stoff, Art und Ähnlichem erklären. Ihre Begrenzung ist ein weiteres Prinzip: die ordnende Niyati. Daher wird ein Niyati genanntes Tattva erkannt. Durch Niyati und die übrigen Tattvas bis zur Erde ist Zeit nicht erklärt; die Prüfenden sollen darum Zeit als ein von ihnen verschiedenes Prinzip anerkennen. Ebenso können die Tattvas von Zeit bis zur Erde, jeweils auf ihre stofflichen Ursachen bezogen, ohne Grundlage die hervorgebrachte Welt nicht in Gang setzen. Daher gibt es die schwer zu ergründende Maya als ihren Träger, wie vielfältige gemalte Bilder eine Wand als Unterlage brauchen. So entsteht durch die voneinander nicht grundsätzlich verschiedenen Tattvas von Maya bis zur Erde auf dem unreinen Entfaltungsweg die Welt, einem Zaubernetz gleich. Da dieses Werk der Maya unbewusst ist, kann es nicht selbst handelnder Urheber sein; auch bei einem Gemälde ist der Handelnde ein anderer als Wand und Bild. Ebenso ist der Urheber der Entstehung aus Maya ein anderer: Shiva, mit Vidya und den höheren Tattvas, dessen Wesen Mantra ist und der Klang und Laute verursacht. Auf dem vollkommen reinen Weg von Shiva bis Vidya sind Klang-Vidyas mit den Vidyeshvaras im Raum sichtbar. Durch die Nähe von Shiva und Shakti entsteht Bindu als Nada, so wie durch Mond und Mondlicht die Eigenschaft der Erquickung hervortritt.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Woraus der reine Entfaltungsweg entsteht, worin er besteht und worin er sich auflöst, das ist Bindu, auch höchster Nada genannt, Ursache von Nada, Bindu und begrenzten Seelen.“
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Der höchste Keim namens Nada ruht in allen Wesen; er ist göttlich, gewährt Befreiung und sämtliche Vollendungen. Friedvoll, allgegenwärtig und leer ist er an der Stelle der zwölf Maße gegenwärtig. Die kurze Form wird Brahman genannt, die lange die Glieder, o Sechsgesichtiger!“ [Hinweis: „Santa“ und die Bezüge der kurzen und langen Form sind im knappen Zitat nicht vollständig erklärt.]
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Am Anfang entstand Klang; aus der Ursache ging der Laut hervor. Aus dem Laut entstand das Befreiung schenkende Brahman, o Brahmane, das die Brahman-Kenner erkennen.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Dieser Klang entsteht als vierfache Rede, unterschieden in Vaikhari und die übrigen Formen, aus der Bewegung des Bindu, damit Anantas Vorhaben verwirklicht wird.“
Unnummeriertes Shruti-Zitat. „Vier sind die bemessenen Stufen der Rede.“
Kriyapada 1-113. Shakti, Nada, Mahamaya und Raum heißen seine vier Formen. Es ist Bindu selbst; ihm werden wiederum vier Wirkweisen zugeschrieben:
Kriyapada 1-114. Vaikhari, Madhyama, Pashyanti und Sukshma. In umgekehrter Reihenfolge entstehen sie nacheinander ausgehend von Kundalini.
Kriyapada 1-115. Die subtile Kundalini ist innen nur Licht, überaus fein und dem Gehör nicht zugänglich. Von dort steigt sie aufwärts,
Kriyapada 1-116. leuchtet aus sich selbst und wird, auf Sushumna gestützt, zu Pashyanti. Erreicht sie den Herzlotus, wird sie Madhyama in Gestalt des inneren Klanges.
Kriyapada 1-117. Sie ist zunächst nur inneres Sprechen, noch ungeteilt, und steigt weiter empor. Sie befindet sich in Brust, Kehle und Gaumen, gelangt zu Kopf, Nase und Zähnen,
Kriyapada 1-118. wird an Zungenwurzel und Lippen hervorgebracht und nimmt die einzelnen Laute an. Als Mutter der vielfältigen Klangwelt und vom Gehör erfassbar heißt sie Vaikhari.
Kriyapada 1-119. Der Ha-Laut mit seiner Veränderung verband sich dann mit dem R-Laut.
Kriyapada 1-120. Daraus trat er mit dem langen I zusammen, geschmückt mit Bindu und Nada.
Kriyapada 1-121. Durch diese Verbindung entsteht der Shakti-Keim, Ursache aller Hervorbringung.
Kriyapada 1-122. Weil Shiva und Shakti in ihrer Verbindung als Hara und Hari wirken,
Kriyapada 1-123. gilt ihre ineinander verschlungene Aussprache als Klanggestalt dieses Keims. Ha ist Brahma, das lange I gilt als Vishnu.
Kriyapada 1-124. Der R-Laut ist Rudra und Feuer, Bindu heißt Ishvara. Nada ist als Sadashiva zu erkennen, das Ende des Nada als Shiva selbst. [Hinweis: Die Erklärung der Hara-/Hari-Bezeichnungen in Vers 122 ist knapp; die Buchstabenbildung wird nicht zu einer anderen überlieferten Formel vereinheitlicht.]
Kriyapada 1-125. Wenn Ha hervortritt und seinen aus dem Herzen kommenden Hauch verliert, wird es zu A. Seine weitere Differenzierung ist die Folge der Laute.
Kriyapada 1-126. Die sechs Laute von A bis zum langen U sind seine besonderen Abwandlungen; aus dem R-Laut gehen die kurzen und langen vokalischen R- und L-Laute hervor.
Kriyapada 1-127. Durch Differenzierung des langen I entstehen die sechs Laute von E an. So gehen sechzehn Vokale aus dem Shakti-Keim hervor.
Kriyapada 1-128. Andere sprechen von zwölf, wenn die vier vokalischen R- und L-Laute ausgenommen werden. Die kurzen Vokale mit Bindu sind männlich und sonnenhaft,
Kriyapada 1-129. die langen mit Visarga weiblich und mondhaft. Die vier vokalischen R- und L-Laute sind zugleich mond- und feuerhaft und sächlich.
Kriyapada 1-130. Ha, das die Eigenschaft Klang besitzt, erschuf zuerst den Raum. Aus dem Raum entstand Luft mit der Eigenschaft Berührung; die als Verschlusslaute bezeichneten Laute von Ka an traten hervor.
Kriyapada 1-131. Diese fünf Reihen von jeweils fünf Lauten sind sonnenhaft. Die vier Laute von Ya an verkörpern Luft, Feuer, Erde und Wasser.
Kriyapada 1-132. Berührung, Gestalt, Geruch und Geschmack sind deren Eigenschaften in dieser Reihenfolge. Die übrigen Laute von Sha an sind durchdringend, feuer- und mondhaft und stehen mit den Vokalen in Verbindung.
Kriyapada 1-133. So entstanden fünfzig Laute durch die Entfaltung der Shakti: die fünfundzwanzig von Ka an, ferner die von Ya und von Sha an.
Kriyapada 1-134. Durch Unterschiede von Artikulationsort und Sprechbewegung entstehen sie alle aus A. Aus der Verbindung von Konsonanten mit den Vokalen von A an und miteinander
Kriyapada 1-135. entsteht die ganze vielfältige Welt der Sprache. Diese Gesamtheit der fünfzig Laute ist als Matrika bekannt.
Kriyapada 1-136. Die gesamte Klangwelt ist offenkundig ihre Entfaltung. Sie ist die Göttin der Rede, deren Gestalt aus ihren eigenen Lauten besteht, Vidya von Shivas Wesen.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-136. Sie wurde bereits im Samanyapada ausführlich gezeigt. Abschnitt über Tattvas und Matrika.
Kriyapada 1-137. Aus jenem Bindu, dessen Wesen Nada ist, wurden durch Shivas Willen
Kriyapada 1-138. die fünf Kalas, beginnend mit Nivritti, hervorgebracht; in ihnen ruht die Welt. Der Ksha-Laut und das Erd-Tattva werden von Nivritti umfasst.
Kriyapada 1-139. Ebenso ruhen die dreiundzwanzig Laute von Ha bis zur angegebenen Achtzahl-Endgruppe und die Tattvas bis Prakriti in der Kala Pratishtha. [Hinweis: Die Endlautlesung „ashtakara“ ist unklar; sie wird nicht stillschweigend durch einen erwarteten Konsonanten ersetzt.]
Kriyapada 1-140. Die sieben Laute von dem palatalen Nasal bis Gha und die sieben Tattvas von Purusha bis Maya ruhen in der Vidya genannten Kala.
Kriyapada 1-141. Die drei Laute Ga, Kha und Ka sowie Shuddhavidya, Ishvara und Sadashiva ruhen in der Shanti genannten Kala.
Kriyapada 1-142. Die sechzehn Vokale, in umgekehrter Folge von der als A bezeichneten Anfangs- bis zur A-Endstelle, sowie Shakti und Shiva gehören zur Kala Shantyatita. [Hinweis: Die Quelle bezeichnet Anfang und Ende auffällig gleich; die erwartete alphabetische Abfolge wird nicht eingesetzt.]
Kriyapada 1-143. So wurde das Umfassen von Lauten und Tattvas durch die Kalas kurz erklärt. Nun wird beschrieben, wie die Tattvas und Gottheiten einander durchdringen.
Kriyapada 1-144. Shakti durchdringt die Welt von Shiva bis zur Erde. Sadashiva und Ishvara umfassen den Bereich von Bindu bis zur Erde.
Kriyapada 1-145. Das Vidya-Tattva erstreckt sich von Sadashiva bis zur Erde; das Kala-Tattva ist überall im Bereich von Maya, Zeit und den weiteren Prinzipien bis zur Erde gegenwärtig.
Kriyapada 1-146. Danach bestehen die Tattvas in der jeweiligen Reihenfolge. Rudra umfasst Maya bis Erde, Vishnu ebenfalls Maya bis Erde.
Kriyapada 1-147. Brahma durchdringt die Tattvas von Purusha bis zur Erde. Die Vidyeshvaras, beginnend mit Ananta, ruhen im Vidya-Tattva.
Kriyapada 1-148. Vighneshvara und Sarasvati befinden sich im Sadashiva-Tattva, Nandin und die übrigen in Vidya, Chandika in Prakriti.
Kriyapada 1-149. Lakshmi befindet sich im Ishvara-Tattva, andere Shaktis in Buddhi. Mond und Sonne ruhen im Klangprinzip, der Opferherr im Purusha.
Kriyapada 1-150. Elemente und Sinne befinden sich jeweils in ihrer eigenen Ursache. Die acht göttlichen Herkunftsgruppen gelten als in der achtgliedrigen subtilen Stadt, dem Puryashtaka, enthalten.
Kriyapada 1-151. Alle aus dem Mutterleib, aus Eiern, aus Feuchtigkeit und durch Sprossen entstehenden Wesen gehören durch die Kraft von Shiva, Shakti und Kala zum Erd-Tattva.
Kriyapada 1-152. So wurde hier die Durchdringung der Tattvas kurz gezeigt. Ausführlicher ist sie später bei der Bestimmung der Entfaltungswege zu verstehen.
Kriyapada 1-153. Wodurch wird festgelegt, dass es genau sechsunddreißig Tattvas gibt? Tattva bedeutet doch das Wesen eines Dings, und ein solches findet man auch bei Töpfen und anderen Gegenständen.
Kriyapada 1-154. Wenn jemand so fragt, wird Tattva erklärt: Das Wort „tat“, „jenes“, bezieht sich auf den behandelten Gegenstand, die Endung „tva“ auf dessen Wesenszustand.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-154. Tattva ist, was ausgebreitet und kontinuierlich vorhanden ist und bis zur Weltauflösung besteht.
Unnummeriertes Zitat: Tattvasiddhi. „Wegen ihrer Ausgebreitetheit und ihrer Kontinuität heißen sie Tattvas. Ausgebreitetheit ist räumliche Durchdringung, Kontinuität zeitliche Dauer.“
Weiteres unnummeriertes Zitat. „… und Raum sind durchdringend; ein Tattva besteht bis zur Weltauflösung. Andernfalls müsste man auch einen Pfosten, Topf und Ähnliches als Tattva ansehen.“ [Quellenunsicherheit: Der Anfang „lakshadi“ ist in dieser Verbindung nicht sicher übersetzbar.]
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Was bis zur Weltauflösung besteht und allen Welten Erfahrung ermöglicht, trägt den Namen Tattva. Körper, Töpfe und ähnliche Dinge sind keine Tattvas.“
Kriyapada 1-155. So sind die sechsunddreißig Tattvas in ihrer Gliederung zu erkennen.
Kriyapada 1-156. Diese Erkenntnis ist Tattva-Erkenntnis; anderes ist Erkenntnis dessen, was kein Tattva ist. Es gibt genau sechsunddreißig Tattvas, weil die Welt durch sie sachgemäß erklärt wird,
Kriyapada 1-157. kein weiteres Prinzip vorhanden und keines darüber hinaus erforderlich ist. Wenn die vorliegende Wirkung durch die genannten Ursachen zustande kommt,
Kriyapada 1-158. braucht man hier keine andere Ursache; diese genügen. Wie beim Entstehen eines Topfes Töpfer, Rad, Stab, Wasser, Lehmklumpen und weitere zugehörige Mittel
Kriyapada 1-159. die erforderlichen Ursachen sind und keine andere hinzukommen muss, so verhält es sich auch hier. Darum gilt das Gesagte für Einsichtige als die zu begründende Schlussfolgerung.
Kriyapada 1-160. So ist der aus Tattvas bestehende Entfaltungsweg beschaffen, der später noch weiter zu erkennen ist. Diese Bestimmung der Wirklichkeit wird in diesem Tantra dargelegt,
Kriyapada 1-161½. damit rituelle Handlung, Diksha, Einsetzung und weitere Verfahren ihren Sinn und ihre Frucht verwirklichen. Shiva ist als Gegenstand der Erkenntnis der Wissenden erwiesen: der bewusste Urheber der Welt, der im höchsten Heil Erfahrung und Befreiung schenkt, der durch das höhere Wissen der aus seinem Mund hervorgehenden höheren und niederen Agamas die begrenzten Seelen hinüberführt. Er ist anfangslos, makellos, von den anderen verschieden, unabhängig und allgegenwärtig; durch Tattvas, Laute, Kalas und weitere Entfaltungen ist er zu erkennen.
Kolophon. Hier endet im oberen beziehungsweise zweiten Teil, im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, das erste Kapitel namens „Bestimmung der Wirklichkeit“.
Besinnung: Praxis mit Verständnis verbinden
Das Kapitel möchte rituelles Handeln auf Einsicht gründen. Seine Lehre von Shakti als Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft kann heutigen Yoga-Aspiranten Anlass geben, Absicht, Verständnis und Tun aufeinander zu beziehen. Auch das Bild der Sprache, die aus einer stillen inneren Bewegung zu hörbaren Worten wird, lädt zu achtsamem Sprechen ein. Die historischen Schulstreitigkeiten bleiben als solche erkennbar; eine heutige Begegnung mit anderen Wegen kann von sorgfältigem Zuhören getragen sein.
Kriyapada, Kapitel 2: Die sechs Grundkategorien der Shaiva-Lehre
Dieses Kapitel entfaltet die Begriffe, auf denen die spätere Einweihungs- und Rituallehre beruht: gebundene Seele, Fesseln, Herr, Shakti, unterscheidende Betrachtung sowie rituelles Handeln und Lebensführung. Es zitiert mehrere Agamas und ihre Ausleger. Die Vergleiche mit anderen Philosophien sind historische, oft polemische Darstellungen; die deutsche Übersetzung hält diese Stimmen auseinander.
Eingang. Nun das zweite Kapitel.
Kriyapada 2-1. Zuerst verneige ich mich hingebungsvoll vor Ganeshvara, vor der Rede, die die Welt hervorbringt, vor Shiva und seiner glückverheißenden Shakti. Danach lehre ich die Diksha der gebundenen Seele: Sie löst ihre Fesseln und erschließt ihren Shiva-Zustand.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Die gebundene Seele, der Bindende und die Fessel – diese drei stehen fest. Durch die Erklärung ihres Verhältnisses als zu Bewirkendes und Bewirkendes sollen sie deutlich werden.“
Kriyapada 2-2. Jener Träger des Körpers, der im Körper gebunden ist, sich aber von ihm unterscheidet und seinem Wesen nach körperlos ist, wird Jiva, Atman und Pashu genannt. Weil er im Samsara wandert, heißt er auch Purusha und Anu, die begrenzte Seele.
Unnummerierte Kategorienverse. „Pashu, Pasha, Pati, Shakti und Vichara sind fünf Grundkategorien; Kriya und Charya bilden die sechste, wie im Shaiva-Agama gelehrt. Zuerst die gebundene Seele, dann Ishvara, Vidya, Ursprung und schließlich Befreiung.“ So im ehrwürdigen Parakhya. [Hinweis: Die zweite Aufzählung ist verkürzt und nicht deckungsgleich mit der ersten; sie wird nicht vereinheitlicht.]
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Wer als Samayin die wirkliche Bestimmung dieser sechs Kategorien jeweils richtig erkennt, erlangt Erfahrung und Befreiung. Der Verkörperte wird nicht nur dem Namen nach als gebundene Seele betrachtet. Woher ergibt sich in diesem Körper ein Atman, der vom Körper verschieden ist?“
Kriyapada 2-3. Die Buddhisten erklären ihn argumentativ als augenblicklich vergehend und aus einer Folge von Erkenntnisereignissen bestehend. Die großen Vertreter des Vedanta dagegen lehren den inneren Atman als ewig und einzig.
Kriyapada 2-4. Die unbekleideten Jainas lehren ihn als körpergroß und unabhängig. Die hier als stolze, dämonische Schar geschmähten Charvakas erklären ihn dagegen allein durch ihre eine Erkenntnisquelle als bloße Gesamtheit der Elemente, als Körper und Sinne. [Hinweis: Die abwertende Bezeichnung gehört zur Polemik des Autors.]
Kriyapada 2-5. Die Sankhyas, die Prakriti lehren, nennen ihn jenseits der gezählten Prinzipien: im gebundenen Zustand nicht handelnd, im befreiten Zustand erkennend.
Kriyapada 2-6. Nach Jaiminis Lehren ist er erkennend und handelnd, und es gibt viele Atmans; in der Befreiung aber ist er gleichsam einem Stein ähnlich, wobei die Erkenntnis des Dharma als einziges Mittel gilt. [Hinweis: Die Schlussverbindung ist knapp; dies ist die Fremddarstellung des Textes.]
Kriyapada 2-7. Nyaya und verwandte Schulen bestimmen ihn als gesondert, verbunden mit Erkenntnis, Leid, Freude, Wunsch, Abneigung, Bemühung, Verdienst und Unverdienst,
Kriyapada 2-8. ferner mit bleibenden Eindrücken: als neun Eigenschaften besitzenden Atman in jedem Körper. Die Grammatiker lehren aufgrund der Nichtverschiedenheit von Wort und Bedeutung die Ewigkeit des Klang-Atman,
Kriyapada 2-9. seine Bindung und seine Befreiung durch die Erkenntnis dessen. So wird der Atman von den verschiedenen Schulen widersprüchlich bestimmt.
Kriyapada 2-9 1/2. Die Seele ist Pashu, weil sie durch Fesseln gebunden ist; der Herr, der bindet, ist Shiva. [Hinweis: Die zusätzlich überlieferte Halbversnummer wird bewahrt.]
Kriyapada 2-10. Die gebundene Seele ist körperlos, ewig, ohne Eigenschaften und ohne eigene Tätigkeit; sie ist erkennend, mächtig und auf den Körper bezogen. Durch Unreinheit befleckt, von Ishvaras Maya umhüllt, erfährt sie die Früchte ihrer eigenen Handlungen. [Hinweis: Die Verbindung „jnaprabhudehagocara“ lässt mehrere syntaktische Deutungen zu.]
Kriyapada 2-11. Sie weiß von sich aus nur wenig und ist durch Anhaften und die Gunas Sattva, Rajas und Tamas gefärbt. Dennoch erkennt sie mittels Buddhi und weiterer Organe und denkt darüber nach, wie sie ihren Durst nach Erfahrung stillen kann.
Unnummeriertes Zitat: Kirana. „Die gebundene Seele ist ewig und körperlos, unwissend, untätig, eigenschaftslos, mächtig und durchdringend. Sie befindet sich im Inneren der Maya und denkt über Mittel zur Erfahrung nach.“
Unnummeriertes Zitat: Varuna. „Sie weiß wenig, ist unrein und gesondert, handelt und erfährt ihre eigenen Handlungen. Vom Körper verschieden, durchdringend und ewig, bedarf sie der Läuterung und steht unter einem Herrn: das ist Pashu.“
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Unbewusst, durchdringend, ewig, ohne Eigenschaften, untätig, nicht selbstmächtig, gehemmt und doch zur Erfahrung fähig, ist sie zu reinigen und zu erwecken, ohne Teile und mächtig.“ [Hinweis: Das Zitat nennt sowohl fehlende Selbstmächtigkeit als auch Macht; die Spannung bleibt sichtbar.]
Unnummeriertes Zitat: Parakhya. „Mit einem Körper versehen, vergänglich, durchdringend, gesondert, unrein und unbewusst erfährt sie die Frucht ihrer eigenen Handlungen, weiß wenig und steht als mächtiges Wesen unter einem Herrn.“ [Hinweis: IAST und Devanagari lesen ausdrücklich „vergänglich“, abweichend von den vorherigen Zitaten; keine Angleichung wird vorgenommen.]
Kriyapada 2-12. Wenn die machtlose gebundene Seele durch Niyati geordnet wird und im Verlauf der Zeit ihre Handlungen ins Gleichgewicht kommen, wird sie durch Shivas Willen und das Herabkommen seiner Kraft gereinigt. Dann wird sie durch eine ihrer Eignung entsprechende Diksha befreit.
Unnummerierte Begründung nach Kriyapada 2-12. Im Kirana heißt es: „Wenn die Handlungen im Laufe der Zeit ins Gleichgewicht gekommen sind, dann durch ein starkes Herabkommen der Kraft …“ Weil dies dort so gelehrt wird, gilt die Befreiung des Eingeweihten von den Fesseln als begründet; der Nichteingeweihte bleibt demnach gebunden. Im Svayambhuva heißt es: „Der unreine Atman ist gebunden und wird danach durch Diksha befreit.“
Kriyapada 2-13. Die verkörperte Seele ist durch Fesseln gebunden, weil sie keine rechte Erkenntnis besitzt;
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 2-13. sie ist ein Erfahrender, wie Rinder und andere Tiere. Was so beschaffen ist, verhält sich entsprechend. Abschnitt über die Untersuchung der gebundenen Seele.
Unnummerierter Abschnitt: Die drei Fesseln. Ebenso sind die Fesseln der Verkörperten dreifach: Unreinheit, Maya und angesammeltes Karma. Die angeborene Unreinheit heißt Anava; daneben stehen die Maya- und Karma-Fessel. Varuna sagt: „Drei Fesseln sind zu erkennen: Mala, Maya und Karma.“ Bei Ramakantha heißt es: „Die Fessel dieser gebundenen Seelen ist dreifach: Unreinheit, Karma und Maya.“
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Die anfangslose Unreinheit der Menschen wird als ihr Gebundensein bezeichnet. Man soll sie wie Hülse und Schale am Keim von Maya und Übel verstehen. Das Maya-Tattva ist der Keim der Welt, unzerstörbar und von Shivas Wesen. Karma ist zweifach und muss erfahren werden …“ [Hinweis: Das Karma-Zitat bricht in der Quelle an dieser Stelle ab.]
Unnummerierte Erläuterung der Unreinheit. Dass die gebundene Seele diesen nicht zum Selbst gehörenden Körper für das Selbst hält, Dinge als „mein“ betrachtet und Nichtwirklichem Wirklichkeit zuschreibt – diese Dreiheit ist offenkundig das als Mala bezeichnete Nichtwissen. Im Kirana: „Mala ist angeboren; Maya-Wirkungen sind später hinzukommende Unreinheit.“ Im Matanga: „Die als Verblendung bezeichnete Unreinheit der Menschen gilt als angeboren und anfangslos; sie steht den sechs, beginnend mit Freude, voran, o bester Brahmane.“ [Hinweis: Die Sechsergruppe wird hier nur durch ihren Anfang bezeichnet.]
Weitere unnummerierte Bestimmungen. Varuna nennt Mala „Unreinheit und Nichtwissen“. Im Brihatkalottara: „Verblendung, Überheblichkeit, Missgunst, Anhaften, Abneigung, Durst und Habgier sind die sieben Formen der angeborenen Unwissenheitsunreinheit der Seele.“
Unnummerierte Erläuterung der Maya. Maya heißt hier die Gesamtheit der Tattvas von Kala bis Erde, in der die vielfältige Welt mit diesen Erscheinungen erkennbar wird. „Ihre Wirkungen von Kala an, fein und grob bis zur Erde, werden als durch das eigene Karma mit diesem Körper verbunden erschlossen. Weil alles Hervorgebrachte in ihr bemessen beziehungsweise enthalten ist, heißt sie Maya-Tattva.“ So im Parakhya.
Unnummerierte Tattvaliste und Karma-Erklärung. Zuerst Kala, dann Niyati, Vidya, Raga, Purusha, Prakriti, Buddhi, Ahamkara, Manas, die zehn Sinnes- und Handlungsorgane, die fünf feinen Sinnesqualitäten sowie Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde: Aus diesen Tattvas entsteht der Körper des Erfahrenden. Durch das Karma des im Samsara Wandelnden erscheint diese Maya wie ein Zauberschauspiel. Unbewusst und doch wie bewusst, vielfältig, allgegenwärtig, ewig und überaus fein, zugleich aber grob: Deshalb lässt sich das Maya-Tattva nicht vollständig angemessen beschreiben.
Auch Karma ist zweifach: früher vollbrachtes verdienstvolles und schuldhaftes Handeln. Beide sind dreifach: geistig, sprachlich und körperlich. Diese drei Arten werden wiederum dreifach unterschieden: früher angesammelt, hier erworben und künftig entstehend. Ihre Früchte bilden für den Erfahrenden die Gegensatzpaare.
Die Unreinheit dieser unreinen verkörperten Seele ist wie die Schwärze des Kupfers mit ihr verbunden. Durch das Herabkommen von Shivas Kraft vergeht sie, wie durch die alchemistische Durchdringung mit dem Herrn der Metalle. [Hinweis: Der alchemistische Vergleich ist ein Bild der Quelle, kein Nachweis einer Metallumwandlung.]
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Durch Shivas Gnade und unmittelbar nach dem Herabkommen der Kraft wird die Diksha vollzogen; dadurch wird die Seele aus ihrem Gebundensein befreit. Nach Shivas Willen fällt die höchste, unendliche, ursprüngliche Shiva-Kraft, die das Ziel Shivas gewährt, in der nichtletzten Geburt des Menschen auf ihn herab. Durch ihr Herabkommen schwindet seine Unreinheit, die Ursache des Samsara.“ [Hinweis: IAST und Devanagari lesen „janmany apashchime“, hier wörtlich als nichtletzte Geburt wiedergegeben. Eine möglicherweise erwartete Gegenlesung wird nicht eingesetzt.]
Kriyapada 2-14. Ihre Zeichen sind Hingabe, Loslösung vom Ozean des Werdens, rechte Erkenntnis und das Offenbarwerden des Shiva-Zustands.
Kriyapada 2-15. Darum sind Erkenntnis, Hingabe und Loslösung Zeichen des eingeweihten Atman; an der gebundenen Seele sind sie nicht ohne Weiteres vorhanden. [Hinweis: Die Quelle liest im Schlussglied „shasho“; der Bezug auf die gebundene Seele ist aus dem Zusammenhang erschlossen.]
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt Varunas über die Untersuchung der Fesseln. [Hinweis: So lautet die gelieferte Schlussbezeichnung.]
Kriyapada 2-16. Der Herr ist allein der reine Shiva, ewig, erfüllt, allwissend und unabhängig. Seine Erkenntnis ist anfangslos, seine Kraft unvermindert; er besitzt unendliche Kräfte und behütet sämtliche Entfaltungswege.
Unnummerierter Kommentar: Ramakantha. „Der Herr ist der erhabene Parameshvara, der im Folgenden nach Tattvas wie Shiva und Sadashiva und nach fünf Welten unterschieden beschrieben wird.“
Kriyapada 2-17. Er strahlt jenseits der Tattvas, durchdringt den ganzen Raum und ist gestaltlos. Der Erhabene leuchtet wie der Raum, ist unermesslich: Maheshvara ohne Anfang, Mitte und Ende.
Kriyapada 2-18. Spielend steigt er vom Bindu herab, von seiner eigenen Shakti umfangen und von höchster Macht. Um alle Wirkungen der Entfaltungswege hervorzubringen, umgibt er sich mit dem Geflecht seiner Kräfte.
Kriyapada 2-19. Als Herr der Mantras bildet er in übertragener Gestalt einen Leib aus seinen fünf Mantras, zusammen mit acht Kraftgestalten des Weltenherrn, Ananta, Sukshma und den übrigen.
Kriyapada 2-20. Ishana ist sein Scheitel, Purusha sein Gesicht, Aghora sein Herz, Vamadeva sein verborgener Bereich, Sadya seine Gestalt. Dazu gehören die Kräfte Harini, Janitri und Nirodhayitri: die Wegnehmende, Hervorbringende und Zurückhaltende.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Sein glückverheißender Leib besteht in übertragener Rede aus fünf Mantras. Der Herr hat Ishana als Scheitel, Purusha als Gesicht, Aghora als Herz; sein verborgener Bereich heißt Vama, seine Gestalt Sadya. Harini, Janani und Rodhayitri sind seine Kräfte.“
Unnummerierte Erläuterung nach dem Zitat. „Ananta, dessen Wesen unendliche Kraft ist, und Sukshma …“ – durch solche Aussagen sind die Vidyeshvaras bekannt. So ist der Herr in Kürze beschrieben, auch in der Gestalt Sadashivas. Abschnitt über die Untersuchung des Herrn.
Kriyapada 2-21. Seine Shakti ist glückverheißend, im höchsten Sinn subtil: Bewusstsein, unabhängig und Ursache aller Vollendung. Wie das Licht von der Lampe ist sie von Shiva nicht verschieden; sie vermag das Entstehen der Welt und Erkenntnis zu entfalten.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Die Kraft des Herrn ist höchst und subtil, fähig, die Welt zu entfalten. Durch sie ist Sadashiva, der unabhängige Herr, erwacht; der von großer Leuchtkraft wird in seinem Sitz der Erkenntniskraft zum Erwachen gebracht.“
Kriyapada 2-22. Verbunden mit dem Ishvara genannten Tattva und seinen vier Welten ist diese Shakti dreifach als Wille, Handlung und Erkenntnis. Sie wird weiter sechzehnfach unterschieden.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Durch diese Macht Anantas wird das höchste göttliche Leuchten sechzehnfach entfaltet, als Wille, Erkenntnis und Handlung.“
Kriyapada 2-23. Samkshobhani, Janani, Krodhayitri, Goptri, Netri, Yoktri, Trana und Vamaniyamika werden genannt:
Kriyapada 2-24. ferner Raudri, Plavika, Shraddha, Bhasani, Jvalini, Ahladanika, Stambhini und Vikira.
Kriyapada 2-25. Dies sind der Reihe nach die sechzehn Kraftgestalten. Durch sie ist Shivas Kraft entfaltet; obwohl teillos, erscheint der Ungeborene mit Gliedern und spielt als Urheber mit den Welten. [Hinweis: Die Quelle verwendet später abweichende Formen einzelner Namen, etwa Rodhayitri statt Krodhayitri und Bhavini statt Bhasani. Sie werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.]
Unnummeriertes Zitat: Parameshvara. „Der Leuchtende, der in der Erkenntniskraft ruht, wird erweckt. Denn seine Urheberschaft wird stets entsprechend den verschiedenen Standorten gelehrt.“
Kriyapada 2-26. Der Leib des Herrn, die Tätigkeit der Welten und deren Erfahrungen kommen entsprechend auch im Ishvara-Bereich zustande. Die Kräfte ruhen auf dem Tattva-Weg und vollziehen Handlungen, die ihren Namen entsprechen.
Unnummerierter Kommentar: Ramakantha. „Die Grundkategorie Shakti wird hier als vierte gelehrt, verbunden mit dem Ishvara-Tattva und den vier noch zu beschreibenden Welten. Ohne ihre tragende Grundlage entsteht bei den Seelen keine Erkenntnis.“
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Auch das Spiel seiner eigenen Natur wird Bewegung genannt. Durch diese äußerst rasche Bewegung entstand einst der Leib des Handelnden. Indem Ananta damit vom Ishvara genannten Tattva zur Erfahrung herabstieg, schuf er die große Welt zum Fortbestehen der Tätigkeit. So gilt der Gott als der Bewegende, die gebundenen Seelen als die zu Bewegenden.“
Unnummerierte Ableitung und weiteres Matanga-Zitat. Daraus folgt: „Mit Kshobhani bewegt er die Welten, mit Janani schafft er Erfahrung. Mit Rodhayitri hält er die begrenzten Seelen zurück und setzt jede in ihre eigene Karmafrucht ein. Mit Goptri schützt er die Welt, mit Netri führt er sie. Die Fesselmasse des Erfahrenden ist Leid; jene Kraft vermag sie aufzulösen.“
Kriyapada 2-27. Mit der Plavika genannten Kraft wischt er die fortgesetzten Leiden der gebundenen Seelen hinweg
Kriyapada 2-28. und überflutet sie mit dem Nektar der Erfahrung. Durch Shraddha verbindet er sie mit ihren Zielen; durch Bhavini lässt er die begrenzten Seelen Zustände des Bestehens, Nichtbestehens und Werdens erfahren.
Kriyapada 2-29. Bei der Weltauflösung zieht er die Welt ein und verbrennt sie mit Jvalini. Mit Hladini erfreut er durch Erfahrungen und durch die Befreiung, die in Shiva gründet.
Kriyapada 2-30. Mit Stambhini hält Maheshvara die Welt in seiner Ordnung fest; durch Vikira verteilt Shiva die begrenzten Seelen in vielen tausend Geburtsorten,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 2-30. vielfältig unter beweglichen, unbeweglichen und empfindenden Wesen.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Mit Vikirini bringt er, entsprechend den jeweils angenommenen Körperteilen, die Körper der Welt in tausendfacher Weise zur Erscheinung.“
Kriyapada 2-31. So besitzt Shiva unendliche Kraft durch die sechzehn Kraftgestalten und die aus ihren Unterteilungen hervorgehenden Kräfte. Mit seinen gesamten Herrlichkeiten, erfüllt von Vidya, erkennt er die Welt und erschafft sie fortwährend.
Kriyapada 2-32. Dreieinhalb Koti Kräfte sind durch Einsetzung dem Vidya-Tattva zugeordnet; sie sind Entfaltungen dieser Kräfte.
Unnummerierte Überleitung. Ferner:
Kriyapada 2-33. Aus dem Urheber hervorgegangen, von unfehlbarer Stärke, haben sie sich in der vielfältigen Welt ausgebreitet. Jede zeigt ihr erhabenes Wirken im Zusammenhang von Ursache und Wirkung.
Kriyapada 2-34. Durch die Gliederung der Fesseln wird dies offenbar; alle gebundenen Seelen werden mit den erforderlichen Möglichkeiten ausgestattet. Wenn die Zeit ihrer Erfahrungen gekommen ist, wird ihnen die Karmafrucht sachgemäß zugeteilt.
Kriyapada 2-35. Diese großen Kräfte, Leuchten der ganzen Welt, stehen unter der eigenen Herrschaft des Herrn.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. So lautet die Darlegung. Abschnitt über die Untersuchung der Shakti.
Kriyapada 2-36. Vichara, unterscheidende Betrachtung, bezeichnet die Untersuchung der Welt und ihres Weltenwegs, von der Schöpfung an, sowohl allgemein als auch im Besonderen entsprechend dem Karma des Purusha.
Kriyapada 2-37. Auch die Prüfung der sechsundzwanzig Gliederungen des Weltenwegs, verbunden mit Vidya und dem Vidyeshvara-Tattva, die teils zuvor, teils später behandelt werden, heißt hier Vichara. [Hinweis: Die Formulierung zum Früheren und Späteren ist in der Quelle syntaktisch auffällig.]
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Grundkategorie Vichara.
Kriyapada 2-38. Kriya ist hier der Kreis der rituellen Handlungen, einschließlich Diksha und besonderer Läuterungen. Charya umfasst tägliche, gelegentliche und auf bestimmte Wünsche gerichtete Pflichten. Beide zusammen bilden
Kriyapada 2-39. die sechste Grundkategorie, wie im Kirana und anderen Shaiva-Agamas bekannt. Das Lehrwerk, das diese Kategorien erschließt, heißt Tantra; die Wortwurzel wird hier im Sinn von Tragen oder Bewahren erklärt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Grundkategorien Kriya und Charya.
Unnummerierte redaktionelle Überleitung des Werkes. Im Zusammenhang mit der Erklärung, wie durch Diksha der Shiva-Zustand umfassend verwirklicht wird, und weil im ersten Vers dieses Kapitels „Danach lehre ich“ gesagt wurde, wird auch der Kreis der Handlungen wie Pratishtha später dargestellt. Er ist in den Grundkategorien Kriya und Charya enthalten.
Kriyapada 2-40. So wurde hier der Keim des Shaiva-Tantra durch die Betrachtung von Seele, Fessel, Herr und göttlicher Kraft dargelegt. In gute rituelle Handlung eingesät trägt er Frucht wie ein Hain himmlischer Wunschbäume, der die ersehnten Ziele spendet.
Kolophon. Hier endet im oberen beziehungsweise zweiten Teil, im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, das zweite Kapitel namens „Untersuchung der sechs Grundkategorien“.
Besinnung: Bindung verstehen, Freiheit suchen
Erkenntnis, Hingabe und Loslösung werden als Zeichen innerer Veränderung genannt. Eine heutige Übung kann darin bestehen, die eigenen Bindungen aufmerksam wahrzunehmen: Was lenkt mein Handeln, was nährt mein Verstehen, und wo kann ich freier antworten? Das Kapitel verbindet solche Fragen mit einer bestimmten Shaiva-Lehre von Gnade und Einweihung. Seine Bilder von Licht und göttlicher Kraft können zur Sammlung anregen, ohne die Unterschiede zwischen den philosophischen Schulen einzuebnen.
Kriyapada, Kapitel 3: Tägliche Reinigung und Verehrung
Das Kapitel ordnet den Tagesbeginn durch Körperpflege, rituelle Reinigung, Mantras und Verehrung. Es unterscheidet verschiedene Lebensformen und religiöse Zugehörigkeiten und enthält historische Reinheitsregeln. Diese werden quellengetreu wiedergegeben, ohne soziale Ausgrenzungen oder überlieferte Gesundheitsvorstellungen zu heutigen Maßstäben zu machen. Für Yoga-Aspiranten kann die bewusste Ausrichtung des Tages ein eigener Anlass zur Besinnung sein.
Eingang. Nun das dritte Kapitel.
Kriyapada 3-1. Nun wird das tägliche Handeln sachgemäß gelehrt, das allgemein zur Vollendung führt: die notwendige gemeinsame Pflicht aller, die einer Gesellschaftsgruppe, Lebensstufe oder religiösen Kennzeichnung angehören.
Kriyapada 3-2. Solange die Sterne noch leuchten, vor dem sichtbaren Sonnenaufgang, liegt die von den Sehern als Morgendämmerung bezeichnete Zeit. Dann soll man erwachen und das Lager verlassen.
Kriyapada 3-3. Man erinnert sich an das höchste Licht Shivas im Inneren des Herzlotus, das im eigenen Selbst ruht, steht auf und geht dorthin, wo reichlich reines Wasser leicht zugänglich ist.
Kriyapada 3-4. Weit entfernt von Wegen, Gewässern und Ähnlichem, an einer mit Gras bedeckten Stelle, mit entsprechend umgelegter heiliger Schnur, entleert man sich tagsüber nach Norden, nachts nach Süden gewandt. Danach hält man das Geschlechtsteil zurück.
Unnummerierte Erläuterung nach Kriyapada 3-4. Gemeint ist: mit der heiligen Schnur am Ohr und bedecktem Kopf.
Kriyapada 3-5. Man erreicht das Gewässer, nimmt reine Erde aus einer acht Fingerbreiten tief gegrabenen Stelle, legt sie rechts nieder und vollzieht mit bereitgehaltenem Wasser die vorgeschriebene Reinigung.
Kriyapada 3-6. Eine Portion Erde wird für das Geschlechtsteil verwendet, drei für die Hände, fünf für den After, zwölf für die linke Hand und ebenso viele für beide Hände. Dies gilt als die vorzügliche Reinigungsweise.
Kriyapada 3-7. Man steht auf, legt das Gewand richtig an, wäscht Füße bis zu den Kniegelenken und Hände mit reiner Erde und Wasser und reinigt den Mund durch Spülen.
Kriyapada 3-8. Für jemanden, der weltliche Erfahrungen sucht, gilt ein Zahnputzholz von Plaksha, Mango, Jambu, Kakubha, Ashvakarna, Maluraka, Ashoka, Lavanga, Jati, Vaikankata, Udumbara oder Champaka als geeignet.
Kriyapada 3-9. Es soll zwölf eigene Fingerbreiten lang sein, so dick wie der kleine Finger und mit Rinde versehen. Nach Osten gewandt, schweigend sitzend, kaut beziehungsweise benutzt man es von den linken unteren Zähnen an rechtsherum.
Kriyapada 3-10. Für Befreiungssuchende gelten dornige Bäume, ebenso Shirisha, Arjuna, Naktamala und Apamarga als geeignet. Ihr Zahnputzholz misst acht Fingerbreiten.
Kriyapada 3-11. Auch Nimba, Dhatri, Dhava, Shelu, Shigru, Vaniraka, Eranda, Gras und Kusha werden genannt. Im Stehen, redend, liegend oder mit Öl eingerieben soll man kein Zahnputzholz benutzen. [Hinweis: Die Verbindung der anfänglichen Pflanzenliste mit dem Verbot ist grammatisch knapp; die Liste wird nicht stillschweigend einer anderen Gruppe zugeteilt.]
Kriyapada 3-12. Nicht während des Fastens vor dessen Beendigung, nicht unter dem Geburtsmondhaus, an den Monatspunkten, an einem dunklen Tag, am achten Tag oder beim Ahnenritual soll man die Zähne damit reinigen; auch nicht mit Fingern oder Nägeln. [Hinweis: Der Geltungsbereich der Schlussworte ist nicht völlig eindeutig; die Quelle unterscheidet mehrere Tage und Reinigungsarten.]
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Am ersten Tag, an den Monatspunkten, am sechsten und auch am neunten Tag, o Guha, wird dem Berühren der Zähne mit Holz ein großer Fehler zugeschrieben.“
Kriyapada 3-13. Ebenso reinigt man die Zunge, wirft das Zahnputzholz und Weiteres weit fort, spült den Mund zwölfmal, vollzieht das rituelle Wassertrinken und beginnt das Bad.
Kriyapada 3-14. Baden in Flüssen wie der Ganga gilt als höchstes; an anderen heiligen Flussstellen als vorzüglich. Seen und Teiche gelten als mittel, Brunnen und das Haus als geringere Orte des Bades.
Kriyapada 3-15. An Brunnen und ähnlichen Stellen badet man mit Wasser aus reinen Gefäßen, das bereits gebadete Zweimalgeborene herbeigebracht haben. Man soll nicht in heißem Wasser baden, weil dieses nicht als ritualgeeignet gilt; für Kranke wird es jedoch anerkannt.
Kriyapada 3-16. Man gräbt acht Fingerbreiten tief, entfernt die obere Erde und nimmt darunter Erde mit dem Waffenmantra heraus; die Grube füllt man wieder auf.
Kriyapada 3-17. Mit dem Kopfmantra legt man die Erde auf eine gereinigte Stelle am Ufer, reinigt sie mit dem Haarschopfmantra und teilt sie mit dem Panzermantra in drei Teile.
Kriyapada 3-18. Mit einem Teil bestreicht man sich bis zum Nabel, wäscht sich und trinkt schweigend rituell Wasser. Mit dem zweiten, durch den leuchtenden Waffenmantra verbundenen Teil bestreicht man die Glieder.
Kriyapada 3-19. Man hält die Lebenswinde an, taucht ins Wasser und vergegenwärtigt den Waffenmantra als dem Feuer der Weltauflösung gleich. Danach sitzt man nahe dem Ufer im Wasser,
Kriyapada 3-20. trinkt rituell Wasser und verschließt mit dem Waffenmantra die Richtungen. Den übrig gebliebenen Teil der Erde nimmt man, steht bis zum Nabel im Wasser
Kriyapada 3-21. und teilt ihn in der linken Hand wiederum dreifach. Den rechten Teil berührt man mit dem Waffenmantra, den vorderen mit dem eigenen Grundmantra, den nördlichen
Kriyapada 3-22. mit den Gliedermantras. Der Kundige nimmt den rechten Teil und wirft ihn mit dem Waffenmantra, der mit Schutz- und Abwehrlaut endet, zum Schutz in die zehn Richtungen.
Kriyapada 3-23. Den vorderen, mit dem Grundmantra berührten Teil gibt man mit der rechten Hand ins Wasser und bewegt dieses kreisend, während man Shivas heiligen Badeplatz vergegenwärtigt.
Kriyapada 3-24. Mit dem übrigen, durch die Gliedermantras sonnenhaft leuchtenden Teil bestreicht man den ganzen Körper. Man ruft die heilige Badestätte unter ihrem eigenen Namen herbei und verehrt sie
Kriyapada 3-25. mit Duftstoffen und Blüten, soweit vorhanden, oder gesammelt im Geist. An heiligen Stätten großer Flüsse und des Meeres soll man keine anderen heiligen Badeorte anrufen.
Kriyapada 3-26. Dadurch würde die Handlung fruchtlos und die örtliche Gottheit zornig; daher soll man es unterlassen. Bei gewöhnlichem Wasser dagegen ist die Anrufung der Ganga und anderer heiliger Gewässer überliefert.
Kriyapada 3-27. Weil sie die jeweiligen Früchte gewährt, ruft man diese heiligen Orte an. Dann hält man gesammelt den Atem an und taucht dreimal unter.
Kriyapada 3-28. Noch untergetaucht wiederholt man im Herzen nach Vermögen den eigenen Grundmantra mit seinen Gliedern. Wer dazu imstande ist, wiederholt zur Aghamarshana, der Abwaschung von Schuld, den einundachtziggliedrigen Mantra.
Kriyapada 3-29. Ein Zweimalgeborener wiederholt das vedische Aghamarshana-Sukta, beginnend mit „Goldgehörnter“, wie in der früheren Verfahrensdarstellung gelehrt. [Hinweis: Der vollständige Sukta-Text ist hier nicht enthalten und wird nicht aus einer anderen Quelle ergänzt.]
Kriyapada 3-30. Wie selbst eine große Salzmenge in einer Wasserflut sogleich zerfließt, so soll auch eine große Menge an Verfehlungen durch Aghamarshana zugrunde gehen; dies wird als gewiss gelehrt.
Kriyapada 3-31. Im Wasser stehend vergegenwärtigt man linke und rechte Hand als Mond, Sonne und die beiden Shiva-Aspekte. Mit der Krugmudra begießt man den Kopf unter dem Grundmantra und dann auch unter den Gliedermantras.
Kriyapada 3-32. Danach geht man ans Ufer, wechselt Lendentuch und Gürtel oder legt zwei weiße Gewänder an.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Für Brahmacharins ein zweites Lendentuch von einer Handbreite, mit dreizehnfacher Einengung, und ein Gürtel aus gutem Fadengeflecht.“
Unnummerierte Erläuterung. Die Nennung der Brahmacharins steht stellvertretend; gemeint sind auch Asketen und Träger religiöser Kennzeichen. [Hinweis: Die Maß- beziehungsweise Faltungsangabe „trayodashaksha-samkocha“ ist unklar.]
Kriyapada 3-33. Nach dem Bad soll man die Glieder nicht mit der Hand oder einem feuchten Gewand abreiben. Ebenso soll man nach dieser historischen Reinheitsregel keine Andersgläubigen, schwer Schuldigen, Hunde, als niedrigst eingestuften Menschen oder Unreinen anschauen.
Kriyapada 3-34. Geschieht dies versehentlich, soll ein erneutes Bad reinigen. Scheiterhaufen, Chandalas, Opferpfosten, Hunde, Scheiterhaufenholz und Ähnliches, Esel,
Kriyapada 3-35. Schweine, Hühner, menstruierende Frauen, Schakale, Eulen, Krähen, durch Geburt oder Tod rituell Unreine und Menschen mit schwerer Schuld:
Kriyapada 3-36. Nach Berührung eines solchen oder eines Devalaka soll man bekleidet ins Wasser steigen. Bei gelegentlichen Riten, Verfinsterungen, Neumond
Kriyapada 3-37. und den beiden Sonnenwenden sowie an heiligen Orten gilt das bekleidete Bad als angemessen. Bei Tagesübergängen, nach Rasur und bei Berührung von Samen, Kot, Urin, Speiseresten oder an Kushtha Erkrankten,
Kriyapada 3-38. nach Erbrechen, nach Berührung des Meeres außerhalb der Monatspunkte sowie nach Berührung von Menschen aus als niedrig oder gegen die Abstammungsordnung eingestuften Gruppen und von Katzen,
Kriyapada 3-39. nach Bartpflege oder dem Durchqueren eines Flusses soll man die Wasserreinigung vollziehen. Bei Spenden, Bad, Mantrawiederholung, Sättigungsgaben und Feueropfer
Kriyapada 3-40. soll man stets den Pavitra-Ring tragen; sonst gilt die Handlung als asurisch. Ebenso wenn man mit offenem Haarschopf, unbekleidet, schwatzend oder verhüllt
Kriyapada 3-41. eine Handlung für Götter und andere vollzieht: All dies wird als asurisch bezeichnet. Nun soll man vor Sonnenaufgang die Verehrung der Dämmerung vollziehen.
Redaktioneller Hinweis zu Kriyapada 3-33–41. Die Reinheitsordnung grenzt Menschen nach Herkunft, Religion, Krankheit und körperlichen Vorgängen aus. Dies ist eine historische Vorschrift der Quelle, keine Bewertung des menschlichen Werts. Devalaka bezeichnet hier einen als problematisch eingestuften Kultdiener; die genaue soziale Abgrenzung wird an dieser Stelle nicht erklärt.
Kriyapada 3-42. Zuerst wäscht man Füße und Hände mit Erde und Wasser und vollzieht zweimal Achamana, das rituelle Wassertrinken, nach den Vorschriften des eigenen Agama und der Smriti.
Kriyapada 3-43. An den Fingerspitzen liegt der Götter-Tirtha, an der Daumenwurzel der Brahma-Tirtha, an den Gelenken der Rishi-Tirtha; unter dem kleinen Finger liegt der Prajapati-Tirtha, an der Zeigefingerwurzel der Ahnen-Tirtha der Zweimalgeborenen.
Kriyapada 3-44. Dies gilt für die rechte Hand; in ihrer Fläche liegt der Feuer-Tirtha, in der anderen der Mond-Tirtha. Götterhandlungen und andere Riten vollzieht man jeweils über den entsprechenden Handbereich; Achamana mit Wasser über den Brahma-Tirtha.
Kriyapada 3-45. An der Daumenspitze ist Agni, an der Spitze des Zeigefingers Vayu, an der Mittelfingerspitze die Sonne, an der Ringfingerspitze Indra und am kleinen Finger Prajapati. So sind die Finger der rechten Brahmanenhand den Gottheiten zugeordnet.
Unnummerierte Erläuterung nach Kriyapada 3-45. Das Wort „Brahmane“ ist hier stellvertretend verwendet; gemeint sind die eingeweihten Zweimalgeborenen.
Kriyapada 3-46. Nach Osten oder Norden gewandt, mit heiliger Schnur und gebundenem Haarschopf, die Arme zwischen den Knien, sitzt man gut, schweigend, leicht vorgebeugt und gesammelt zum Achamana bereit, das Wasser im Blick.
Kriyapada 3-47. Man trinkt rituell geprüftes reines, nicht heißes Wasser, dessen Geschmack und Geruch unverdorben sind und das frei von Insekten, Schaum und Blasen ist.
Kriyapada 3-48. Dreimal trinkt man das betrachtete Wasser, jeweils mit den Atman-, Vidya- und Shiva-Prinzipien verbunden, mit der heiligen Silbe am Anfang und der Verehrung Ishvaras am Ende. [Hinweis: Die genaue Mantraverbindung ist im Vers verkürzt angegeben.]
Kriyapada 3-49. Man formt die Hand wie ein Kuhohr, nimmt so viel Wasser, dass ein Gerstenkorn darin versinken könnte, und trinkt es lautlos dreimal über den Brahma-Tirtha, wie gelehrt.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-49. Mit dem Waffenmantra wischt man die Lippen ab und berührt die Körperöffnungen mit der Formel des All-Selbst.
Unnummeriertes Zitat aus dem Kalottara-Kommentar. „Das dreimal getrunkene Wasser reinigt vorschriftsgemäß die Zweimalgeborenen, wenn es der Reihe nach Herz, Kehle und Mund erreicht; ebenso werden Angehörige der unteren Gruppen, Frauen und die genannten Abstammungsgruppen entsprechend gereinigt. Durch dreimaliges Wassertrinken werden die drei göttlichen Purushas erfreut; durch zweimaliges Abwischen auch Atharvan, die sechs Vedaglieder, die Opfer-Purushas und die Feuer. Der Ringfinger mit dem Daumen erfreut durch Berühren der Augen die Sonne; Zeigefinger und Daumen erfreuen durch Berühren beider Nasenöffnungen die Winde. Kleiner Finger und Daumen erfreuen durch Berühren der Ohren die Richtungen, am Nabel die Vasus; Berühren des Herzens das Selbst, der Schultern die göttlichen Seher, des Scheitels mit allen Fingern die entsprechenden Mächte.“ [Hinweis: Einzelne Zuordnungen in den langen Versen sind grammatisch gedrängt; die soziale Abstufung der Reinigung ist Teil des historischen Zitats.]
Kriyapada 3-50. So reinigt man sich durch zweimaliges richtiges Achamana nach Speiseresten beziehungsweise Mahlzeiten, nach dem Waschen der Füße, beim Lösen des Gürtels oder Haarschopfs, nach Ausspucken, Gähnen und Niesen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Bad und Achamana.
Kriyapada 3-51. Nach diesem Achamana vollzieht man die Dämmerungsverehrung.
Kriyapada 3-52. Zuerst die vedische, dann die tantrische, Mantra genannte Sandhya; ebenso verfahren Kshatriyas und Vaishyas, andere vollziehen allein die tantrische.
Kriyapada 3-53. Ishana, Purusha, Aghora, Vamadeva und Sadya werden, wie gelehrt, einzeln im Dativ mit der Verehrung am Ende verwendet.
Kriyapada 3-54. Herz, Kopf, Haarschopf, Panzer, Auge und Waffe sind der Reihe nach die sechs Glieder mit ihren jeweiligen Abschlusslauten. Der Grundmantra heißt Prasada,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-54. die Waffenformel Pashupata; dies ist die Mantra-Samhita.
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Die Brahma-Mantras, Shiva mit seinen Gliedern, Auge und Pashupata: Damit ist die ganze glückverheißende Mantrabildung kurz gelehrt.“
Kriyapada 3-55. Hier werden Shivas Gliederformeln aufgeschrieben, damit die im Folgenden beschriebenen Handlungen ausgeführt werden können.
Unnummerierte sechs Gliederformeln nach Kriyapada 3-55. „Heilige Silbe und erster Ha-Keim: Shiva, dem Herzen, Verehrung! Heilige Silbe und zweiter Ha-Keim: Shiva, dem Kopf, Darbringung! Heilige Silbe und dritter Ha-Keim: Shiva, dem Haarschopf, ritueller Abschluss! Heilige Silbe und vierter Ha-Keim: Shiva, dem Panzer, Schutzlaut! Heilige Silbe und fünfter Ha-Keim: Shiva Verehrung, den drei Augen die rituelle Darbringung! Heilige Silbe und sechster Ha-Keim: Shiva Verehrung, der Waffe der Abwehrlaut!“ [Hinweis: Die sechs Keime sind nach ihrer Folge bezeichnet; ihre Laute stehen vollständig in den Sanskritfassungen. Die zusätzlichen Verehrungsworte in den letzten beiden Formeln werden nicht vereinheitlicht.]
Kriyapada 3-56. Den zweiten Laut der sechsten Gruppe schmückt man mit dem ersten der vierten; im zweiten Fall verbindet man den ersten Laut mit dem ersten der fünften.
Kriyapada 3-57. So entsteht der Pashupata-Waffenmantra, entsprechend der mündlichen Unterweisung in der richtigen Folge. Mit Shivas Waffenmantra verbunden soll er Hindernisse vernichten. [Hinweis: Die Gruppenbezüge der Lautchiffre werden nicht ohne die genannte Unterweisung zu einer vermeintlich sicheren Formel ergänzt.]
Kriyapada 3-58. Man reibt die mit Duftsalbe bestrichenen Hände aneinander und vertreibt die Hindernisschar durch dreimaliges Klatschen und den Klang des Waffenmantras. Dann setzt man die Mantras von Ishana an der Reihe nach auf die Finger beider Hände, vom Daumen bis zum kleinen Finger.
Kriyapada 3-59. Der Raumlaut wird mit kurzen Vokalen und Bindu verbunden; entsprechend setzt man die Reihe von O bis A mit Ishana und den übrigen ein. [Hinweis: Die Verbindung der Vokalfolge mit den kurzen Vokalen ist knapp und nicht eindeutig; die Lautreihe wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 3-60. Danach setzt man die Gliedermantras vom kleinen Finger bis zum Daumen ein, den Waffenmantra auf beide Handflächen.
Kriyapada 3-61. Eine nach unten gerichtete Faust mit verborgenem Daumen ist die Ishana-Mudra. Für Purusha und die anderen werden die übrigen Finger jeweils vom Daumen gefasst.
Kriyapada 3-62. So sind die den fünf Brahma-Mantras zugeordneten Mudras für die Einsetzungen der Reihe nach gelehrt. Mit ihnen setzt man am Körper Scheitel, Gesicht, Herz, verborgenen Bereich und von den Füßen bis zum Kopf
Kriyapada 3-63. Ishana und die anderen mit ihren eigenen Mantras ein. Am Kopf erfolgt die Einsetzung auf dem Scheitel, vorn, rechts, links und hinten.
Kriyapada 3-64. Die Glieder von Herz an setzt man an ihre jeweiligen Stellen. Sadashiva, dessen Gesichter die fünf Brahma-Mantras sind und dessen Leib Vidya ist, wird als eins mit sich selbst vergegenwärtigt.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-64. Zu Beginn der Dämmerungsverehrung und anderer Verehrung soll man empfinden: „Ich bin Shiva.“ Abschnitt über Sakalikarana, die rituelle Ausbildung des göttlichen Leibes.
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Hat man den Vidya-Leib gebildet, meditiert man über Sandhya entsprechend der Tageszeit: rötlich, weiß oder dunkel leuchtend. Durch die unterschiedlichen Formen von Brahma und den anderen Ursachen erscheint sie verschieden. Als Zeugin von Shambhus Handlungen wird seine Shakti Sandhya genannt. Den eigenen Leib soll man als in den weiten Kreis ihres Lichtes eingegangen vergegenwärtigen.“
Kriyapada 3-65. Man meditiert über die verehrungswürdige Morgensandhya Savitri im Sonnenkreis: jugendlich, auf einem Schwan reitend, lotusäugig, mit vier Gesichtern, mit Juwelen, Gewand und Salbe in der Farbe ihres eigenen Lichtes. In vier Armen trägt sie Gebetskette, Opferlöffel, Krug und Stab. Sie ist Mutter der drei Welten und Hervorbringerin der Rig-Verse.
Kriyapada 3-66. Zur Mittagszeit strahlt Savitri im Sonnenkreis als Vaishnavi: auf Garuda reitend, lotusäugig, von der Farbe des Indra-Edelsteins, mit vier Armen, Muschel und Rad tragend. Sie erhält die Welten und lässt die Yajus hervorgehen. Viele bewegte Halsketten lassen sie glänzen; sie trägt ein gelbes Gewand. Über diese Gestalt soll man meditieren.
Kriyapada 3-67. Am Tagesende meditiert man über Savitri als reife Frau mit fünf Gesichtern und drei Augen. Ihre gelbbraunen Flechten strahlen wie Blitze; die Mondsichel krönt ihr Haupt. Die Strahlen der Juwelen auf den Hauben ihrer Schmuckschlangen lassen die Aschensalbe ihres Körpers leuchten. Sie trägt Schädelstab und Dreizack, zeigt Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung, ist mit Tigerfell bekleidet und lässt die Saman-Gesänge hervorgehen.
Kriyapada 3-68. Bei jeder Sandhya vergegenwärtigt man der Reihe nach ihre besondere Gestalt.
Kriyapada 3-69. Dann betrachtet man rechte und linke Hand als Feuer und Mond sowie als Shiva und Shakti und nimmt Wasser in die rechte Hand.
Kriyapada 3-70. Man erinnert sich an Shivas heiligen Badeplatz, verbunden mit der Ganga und den anderen Flüssen, wiederholt die Mantra-Samhita und bringt das Wasser mit der Krugmudra auf den Kopf.
Kriyapada 3-71. Wieder nimmt man mit dem Waffenmantra Wasser in die rechte Hand, gibt es in die linke und betrachtet es als göttlichen Unsterblichkeitsnektar.
Kriyapada 3-72. Die abfließenden Tropfen nimmt man mit der rechten Hand, die den Pavitra-Ring trägt, während man die Mantras der Samhita spricht,
Kriyapada 3-73. und besprengt damit den Kopf. Das übrige Wasser in der rechten Hand betrachtet man als flammendes Licht und bringt es an das rechte Nasenloch.
Kriyapada 3-74. Man stellt sich vor, dass sämtliche dunkle Verfehlung im Körper durch den Glanz dieses Lichtes hinausgetrieben wird und aus dem linken Nasenloch austritt.
Kriyapada 3-75. Vom Waffenmantra verbrannt, wirft man sie in der Vorstellung auf die Erde. Auch dies ist Aghamarshana, das alle Verfehlungen tilgen soll.
Unnummerierte Sonnenformel nach Kriyapada 3-75. „Heilige Silbe und Shiva-Keim: Verehrung der Sonne, deren Selbst Shiva ist!“
Kriyapada 3-76. Mit gefalteten Händen nimmt man Wasser und wirft es unter dieser Formel dreimal zur Sonne empor. Dann vollzieht man erneut Achamana und wendet sich der Sonne zu.
Kriyapada 3-77. Man wiederholt die Shiva-Gayatri, am Anfang und Ende mit dem Prasada-Mantra verbunden, hundertachtmal nach Vermögen oder wenigstens zehnmal.
Kriyapada 3-78. Man meditiert über die Sonne als Shiva selbst, vollzieht dreimal die Rechtsumwendung, verneigt sich, bittet um Erlaubnis und beginnt die Sättigungsgaben.
Kriyapada 3-79. Mit Obergewand und Pavitra an der Hand sättigt man die Brahma-Mantras, die Glieder und den Grundmantra, dann den Viergesichtigen, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva
Kriyapada 3-80. mit reinem kühlem Wasser und ihren jeweiligen Namen, abgeschlossen durch Darbringung und Verehrung. Danach spricht man die heilige Silbe und ein Wortpaar, verbunden mit „Vagvadini“, der Redenden, und dem Darbringungslaut am Ende. [Hinweis: Die zu verwendenden beiden Wörter sind hier nicht ausgeschrieben.]
Kriyapada 3-81. Die Richtungen der Hüter von Indra an sättigt man mit ihren eigenen Namen im Dativ und der Verehrung am Ende, ebenso die obere Himmelsrichtung und die untere Erde, die von Nagas bewohnt wird.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. So die Sättigung der zehn Richtungen.
Kriyapada 3-82. Indra, Agni, Vaivasvata, der Rakshasa-Herr, der Wasserherr, Vayu, der Vermögensherr, Soma, Isha, Vedhas und Ananta werden wie zuvor mit ihren Namen gesättigt, als die zehn Hüter. [Hinweis: Die Liste nennt elf Namen; die anschließende Erläuterung ordnet Soma der Richtung des Vermögensherrn zu. Die Namen werden nicht gestrichen.]
Unnummerierte Richtungsunterweisung nach Kriyapada 3-82. Soma steht in der Richtung Dhanadas. Zwischen Indra und Ishana ist Brahma als Herr der oberen Richtung zu erkennen, zwischen Nirriti und Varuna Ananta als Herr der unteren Richtung. So lautet die Unterweisung. Sättigung der Richtungshüter.
Kriyapada 3-83. Ebenso sättigt man Atri, Kaushika, Pulastya, Bharadvaja, Angiras, Vasishtha, Daksha, Bhrigu, Marichi und Kratu wie zuvor.
Kriyapada 3-84. Sanaka, Sanatana, Sananda, der Bhrigu Genannte, Sanatkumara, Paila und Panchashikha werden jeweils mit ihrem Namen am Anfang und „Ich sättige, Verehrung“ am Ende angerufen.
Unnummerierte Gruppenbezeichnung. So die Yogis unter den Menschen.
Kriyapada 3-85. Shiva, Rudra, Shri, Uma, Brahma, Agni, Vishnu, Vayu, Surya, Dharma, Soma und Ishana sättigt man.
Unnummerierte Gruppenbezeichnung. So die Vollendeten.
Kriyapada 3-86. Aditya, Soma, Angaraka, Budha, Guru, Shukra, Shani, Rahu und Ketu: die neun Planetenmächte.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-86. Man sättigt sie mit ihren Namen im Dativ und der Verehrung am Ende. „Heilige Silbe! Allen Wesen der Opferabschluss und Verehrung!“ So sättigt man alle Wesen. Dann legt man die heilige Schnur auf die andere Seite und sättigt die Ahnen mit Wasser, Sesam und Darbha über den ihnen zugehörigen Handbereich: „Soma, der mit den Ahnen verbunden ist; Yama, der mit den Angiras verbunden ist; Agni, der die Ahnengaben trägt, und die anderen Ahnen – diese Ahnen sättige ich mit Ahnengabe und Verehrung.“
Kriyapada 3-87. Man sättigt die Gattinnen der Ahnen, die Ahnenscharen und ihre Gattinnen; danach die eigenen Ahnen mit ihrem Namen und ihrer Abstammungslinie.
Kriyapada 3-88. Am Ende fügt man dem Namen die Worte „Ahnengabe, Verehrung, ich sättige“ hinzu. Väter, Großväter und Urgroßväter,
Kriyapada 3-89. Mütter, Großmütter und Urgroßmütter, dann die mütterlichen Großväter und die Großväter der Mutter,
Kriyapada 3-90. die Urgroßväter der Mutter, die mütterlichen Großmütter der Mutter, ihre väterlichen Großmütter und Urgroßmütter,
Kriyapada 3-91. Verwandte und deren Gattinnen, Lehrer, Freunde und deren Gattinnen sowie weitere Angehörige der eigenen Linie
Kriyapada 3-92. sättigt man wie zuvor. Dann verneigt man sich mit „Verehrung den Wassern“ und denkt an die Beruhigung der Verfehlung, die durch Hineintreten und andere Störungen des Wassers entstanden sein könnte. [Hinweis: Die Verwandtschaftsfolge in Vers 90 ist in der Quelle fraglich markiert; die mehrfache Nennung mütterlicher Beziehungen wird nicht geglättet.]
Kriyapada 3-93. Mit dem kurzen Prasada-Mantra zieht man die heilige Badestätte zurück und setzt sie ins Herz ein. Nach Aufstehen, notwendigen Verrichtungen, Reinigung, Zahnpflege,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-93. Bad und Dämmerungsverehrung folgt das Feuerbad. Denn es heißt: „Zuerst soll man das Wasserbad vollziehen, danach das Feuerbad.“ Auch im Matanga: „Wer so einmal nach Vermögen im Wasser gebadet hat, ist zum Aschenbad berechtigt, nicht anders, o bester Seher.“
Kriyapada 3-94. Wenn jemand wegen Krankheit das Wasserbad nicht vollziehen kann,
Kriyapada 3-95. gilt für ihn allein das Feuerbad als angemessen; dieses soll auch die Krankheit beruhigen. Das Feuerbad mit Asche soll alle Verfehlungen beseitigen.
Kriyapada 3-96. Shiva selbst badete in der Asche, die aus seinem eigenen Glanz entstand. Zu den drei Tagesübergängen, vor Mantrawiederholung sowie zu Beginn und Ende der rituellen Lebensführung,
Kriyapada 3-97. nach Essen, Schlafen, Wassertrinken, notwendigen Körperverrichtungen oder nach Berührung einer Frau, Angehöriger der genannten Abstammungsgruppen, einer Maus oder anderer als unrein geltender Wesen
Kriyapada 3-98. soll man das Feuerbad vollziehen, wie im Atharvan gelehrt. In der Nähe von Gottheit, Feuer, Guru oder Vidya, im Blickfeld eines als niedrig eingestuften Menschen,
Kriyapada 3-99. auf unreinem Boden oder auf einem Weg soll der Kundige sich nicht mit Asche bestäuben. Nach Kalpa, Anukalpa, Upakalpa und Akalpa
Kriyapada 3-100. wird die im Shaiva gelehrte Asche vierfach unterschieden; die jeweils frühere gilt als vorzüglicher. Von einer gesunden Kuh mit Kalb nimmt man Dung, bevor er den Boden berührt,
Kriyapada 3-101. mit einem Lotus-, Palasha- oder einem anderen entsprechenden Blatt, innerlich gereinigt, unter der Shiva-Gayatri.
Kriyapada 3-102. Im Shiva-Feuer mit den Samhita-Mantras zubereitet heißt er Kalpa-Asche. Reinen Kuhdung aus dem Wald sammelt man fern vom Dorf und anderen Siedlungen;
Kriyapada 3-103. wie zuvor im Shiva-Feuer verbrannt heißt er Anukalpa. Die vier Aschenarten sollen frei von Vermischung der Arten sein. [Hinweis: Diese allgemeine Viererbemerkung erscheint später erneut und bleibt hier erhalten.]
Kriyapada 3-104. In vom Feuer verbrannten Wäldern sammelt man Asche, formt sie mit Kuhurin zu Klumpen, trocknet diese und verbrennt sie erneut im Shiva-Feuer.
Kriyapada 3-105. Diese Asche heißt Upakalpa. Nun wird Akalpa erklärt: Man nimmt Asche aus dem Rinderstall eines besonders geeigneten Brahmanen oder aus einem Heiligtum
Kriyapada 3-106. und bereitet sie wie zuvor; dies heißt Akalpa. Alle vier Arten sollen frei von Artenvermischung sein.
Kriyapada 3-107. Die Asche soll nicht im Besitz anderer sein und nicht durch fremde Handlungen oder Berührung verunreinigt, sondern fein, gereinigt, unverdorben, weiß und in einem Gefäß aufbewahrt.
Kriyapada 3-108. So ist sie für das Feuerbad geeignet, wie Brahmashambhu lehrt. Diese durch die Samhita-Mantras und Shakti gewonnene, gut geschützte Asche
Kriyapada 3-109. nimmt man mit der rechten Hand aus dem Gefäß, bespricht und reinigt sie durch die tragenden Meditationen nach dem Verfahren der Elementereinigung.
Kriyapada 3-110. Zuerst wird sie mit den sechs Gliedermantras besprochen, dann in die linke Hand gelegt. Mit dem Waffenmantra vollzieht man das reinigende Bad vom Kopf an abwärts.
Kriyapada 3-111. Danach bestäubt der Zweimalgeborene mit Ishana, Purusha, Aghora, Vama und Sadya der Reihe nach Scheitel, Gesicht, Herz, verborgenen Bereich und den übrigen Leib bis zu den Unterschenkeln.
Kriyapada 3-112. Andere tragen die drei Aschelinien an Stirn, Schultern, Herz und weiteren Stellen; ebenso Brahmanen und die übrigen Berechtigten.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-112. Sie tragen das Triyayusha-Zeichen aufgrund der Autorität des Veda. Denn die Shruti beginnt: „Die dreifache Lebensdauer Jamadagnis, die dreifache Lebensdauer Kashyapas …“ Abschnitt über das Feuerbad. [Hinweis: Nur der angeführte Anfang ist hier überliefert.]
Kriyapada 3-113. Auch Indra-Bad und weitere Badearten sind aus den Agamas bekannt.
Kriyapada 3-114. Durch sie soll man Vernichtung von Verfehlungen, Verdienst und Wohlergehen erlangen. Wenn bei wolkenlosem Himmel die Sonne scheint und Regen fällt, soll man mit erhobenen Armen
Kriyapada 3-115. unter dem Ishana-Mantra sieben Schritte lang das Mahendra-Bad vollziehen. Mit vom Wind herbeigetragenem Staub, den Kuhhufe aufgeworfen haben,
Kriyapada 3-116. steht der Zweimalgeborene zwischen den Rindern und wiederholt Tatpurusha oder den Kuhhymnus; ein anderer spricht ein Lob der Rinder oder „Verehrung den Rindern“.
Kriyapada 3-117. So vollzieht man das Windbad, das alle Verfehlungen tilgen soll. Grundlage und vorzüglichste aller Badearten ist hier jedoch das Wasserbad.
Kriyapada 3-118. Daher vollzieht man zuerst dieses und dann ein anderes Bad. Nach Waschen der Hände und Füße und Achamana, schweigend,
Kriyapada 3-119. bildet man den Vidya-Leib und vollzieht das Mantrabad. Der Brahmane verwendet die fünf Brahma-Mantras, die Shiva-Gayatri,
Kriyapada 3-120. den Grundmantra und die sechs Glieder. Er vergegenwärtigt Shivas heiligen Badeplatz und besprengt den eigenen Kopf mit einem Darbha-Büschel oder mit Kusha-Wurzeln.
Kriyapada 3-121. Ein Eingeweihter außerhalb der Zweimalgeborenen besprengt seinen Kopf mit den von ihm geübten Mantras von Ishana an sowie mit Grund- und Gliederformeln.
Kriyapada 3-122. Das vedische Mantrabad verwendet Formeln, beginnend mit „Ihr Wasser seid …“. Auch damit soll der Brahmane sich reinigen und höchste Reinheit erlangen.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 3-123. Auf dem Weg zum Opferhaus zieht man die heilige Badestätte mit dem kurzen Mantra zurück. Gemeint ist der kurze Prasada-Mantra. [Hinweis: Beim Kuhhymnus in Vers 116 und beim Vidya-Leib in Vers 119 bietet die Quelle Lesungsfragen beziehungsweise ergänzte Silben; sie sind im Sinnzusammenhang wiedergegeben.]
Kriyapada 3-123. Badetuch und weitere Gegenstände bindet man an einen Stab, spricht das Wasser rituell an,
Kriyapada 3-124. erinnert sich an Guru und Ganesha und verehrt sie mit dem Herzmantra. Mit dem Waffenmantra reinigt man den Weg und geht, von fünf Waffenformeln umgeben,
Kriyapada 3-125. zum Opferhaus, während man sich die Tattvas unter sich vorstellt und den Ort als Sitz des Vidya-Tattvas und Wohnstätte sämtlicher Vidyas betrachtet.
Kriyapada 3-126. Die Badeutensilien hängt man an einen Wandhaken oder eine ähnliche Stelle, rein und abgeschieden. Dann beginnt man schweigend die Verehrung.
Kriyapada 3-127. So wurde im Zusammenhang mit der Dämmerungsverehrung kurz der vorgeschriebene Kreis täglicher Handlungen für religiöse Kennzeichenträger und Angehörige der Gesellschaftsgruppen dargelegt, wie ihn das Shaiva-Tantra überliefert. Er soll sichtbare und unsichtbare erwünschte Ziele gewähren und wird von den Sehern geübt. Mögen die Guten ihn wie ihren eigenen Schatz annehmen und wie Freunde auf den guten Weg zurückführen. [Hinweis: Das Objekt des letzten Verbs ist nicht ausdrücklich genannt; die abschließende Freundesmetapher bleibt bewahrt.]
Kolophon. Hier endet im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das dritte Kapitel über das tägliche Bad und die weiteren täglichen Handlungen.
Besinnung: Den Tag bewusst beginnen
Der Weg vom Erwachen über Reinigung und Gebet bis zur Verehrung gibt dem Tag eine klare Ausrichtung. Heutige Yoga-Aspiranten können daraus eine einfache Anregung gewinnen: morgens innehalten, sich sammeln und mit Aufmerksamkeit sprechen und handeln. Die historische Reinheitsordnung ist davon zu unterscheiden. Achtsame Körperpflege und innere Sammlung lassen sich mit Respekt gegenüber allen Menschen verbinden.
Kriyapada, Kapitel 4: Reinigung der Elemente und des eigenen Wesens
Das Kapitel beschreibt Bhuta Shuddhi, die innere Reinigung und Auflösung der Elemente. Atem, Mantra und Vorstellung führen den rituell vergegenwärtigten Leib durch Auflösung und erneute Hervorbringung. Eine zweite Folge verwendet die Bilder von Austrocknung, Verbrennung und Überflutung mit Nektar. Die Atemmaße und Heilsversprechen bleiben Angaben der historischen Quelle; die Darstellung ist keine individuell angepasste Atemanleitung.
Eingang. Nun das vierte Kapitel.
Kriyapada 4-1. Nach der Verneigung vor Shambhu, der die Mondsichel als Krone trägt, vor Bhava, der das Werden durchschneidet, wird kurz die Reinigung des eigenen Wesens samt der Folge der Elementereinigung gelehrt, damit Yoga, Japa und weitere Übungen gelingen.
Kriyapada 4-2. Man hat vorschriftsgemäß gebadet, Sandhya verehrt, das Opferhaus erreicht, die Füße gereinigt und Achamana vollzogen. Nachdem man ordnungsgemäß eingetreten ist, sitzt man schweigend auf einem geeigneten Sitz.
Kriyapada 4-3. Im eigenen Leib von den Füßen bis zum Kopf betrachtet man einen äußerst feinen Hohlraum. Außen vergegenwärtigt man die reine, raumhell strahlende Shakti und dann auch in der Körpermitte.
Kriyapada 4-4. Dort betrachtet man den leuchtenden Schutzkeim, hält die Lebenswinde zurück und setzt den Geist hinein. Am Ende des Ausatmens durchbricht man mit der Waffenformel, abgeschlossen durch den Abwehrlaut, der Reihe nach die Knoten.
Unnummerierte Erläuterung nach Kriyapada 4-4. Mit „Waffe“ ist der Pashupata-Waffenmantra gemeint.
Kriyapada 4-5. Fünf von Dunkelheit und Unreinheit geprägte Knoten sind bekannt: im Herzen, in der Kehle, am Gaumen, zwischen den Brauen und am Scheitel. Durch ihr Durchbrechen wird der Nadi-Weg frei.
Kriyapada 4-6. Man führt durch Einatmen den Lebenswind in sich zurück und vergegenwärtigt im Herzlotus den Jiva als reines Bewusstsein, als Bindu, frei von Beeinträchtigung, verbunden mit der als „Santa“ bezeichneten Lautgestalt, während man den Atem hält.
Unnummerierte Erläuterung innerhalb von Kriyapada 4-6. Mit „Santa-Gestalt“ ist der Hamsa-Mantra gemeint. [Hinweis: Die Verbindung „purakardha“ ist nicht eindeutig; ein zusätzliches Atemverhältnis wird nicht errechnet.]
Kriyapada 4-7. Durch den aufsteigenden Wind führt man den Jiva auf dem Sushumna-Weg zum eigenen Scheitel und mittels der Keimbewegung in einem Udghata zu Shiva am Dvadashanta.
Unnummerierte Erklärung nach Kriyapada 4-7. Udghata bedeutet zwölf Matras. Im Yoganushasana heißt es: „Man führt die Hand um das Knie, weder schnell noch langsam, und schnippt mit den Fingern. Diese Dauer kennen die Kundigen als eine Matra. Zwölf Matras heißen ein Udghata.“
Kriyapada 4-8. Zwölf Fingerbreiten über der bezeichneten Stelle wird ein friedvoller weißer, tausendblättriger Lotus vergegenwärtigt, nach unten geöffnet, von Raumnektar erfüllt. Seine Mitte ist von Shiva eingenommen. [Hinweis: Der Ausgangspunkt der Zwölf-Fingerbreiten-Angabe ist im Wort „kad“ nicht sicher lesbar.]
Kriyapada 4-9. In Shiva aufgegangen und durch die Gliedermantras geschützt vergegenwärtigt man den Körper als nach unten gerichteten Baum. Dann führt man die sechsunddreißig Tattvas in umgekehrter Folge jeweils in ihre Ursachen zurück.
Kriyapada 4-10. Nämlich: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung und Klang; Geschlechtsorgan, Rede, Hände, Füße und Ausscheidungsorgan;
Kriyapada 4-11. Nase, Zunge, Auge, Haut, Gehör; Manas, Ahamkara, Buddhi, die Gunas und Prakriti, Purusha, Raga, unreine Vidya, Kala und Niyati;
Kriyapada 4-12. ferner Zeit, Maya, reine Vidya, Ishvara, Sadashiva, Shakti und Shiva. So sind die Tattvas von Shiva an genannt. [Hinweis: Die Liste läuft tatsächlich rückwärts; Gunas und Prakriti sind in der Quelle verbunden genannt.]
Kriyapada 4-13. Die fünf Elemente, vom Raum an in umgekehrter Folge, sind ineinander zu reinigen, jeweils mit Kala, Zeichen, Eigenschaft, Sinn und Gottheit, weil Brahma und die weiteren Gottheiten ihnen vorstehen.
Kriyapada 4-14. Das Erdfeld ist viereckig, mit einem Vajra gekennzeichnet, hat Geruch als Eigenschaft, das Riechorgan, Sadya, die Kala Nivritti und den viergesichtigen Brahma als Gottheit.
Kriyapada 4-15. Mit dem Keim aus Ha, R und langem A mit Bindu, durch Einatmen und Atemhalten, wird es von den Füßen bis zu den Knien ausgedehnt. In fünf Udghatas gereinigt betrachtet man es als in die Luft eingegangen.
Kriyapada 4-16. Das Wasserfeld ist weiß wie ein Halbmond, mit weißem Lotus gekennzeichnet, mit Geschmack und Zunge verbunden. Vama und Vishnu stehen ihm vor; mit der Kala Pratishtha ist es zu reinigen.
Kriyapada 4-17. Mit dem Keim aus Ha, R und langem I mit Bindu wird es in vier Udghatas gereinigt, bis zum Nabel ausgedehnt und als in das Feuer eingegangen betrachtet. Das Feuerfeld ist dreieckig und rot, mit der Kala Vidya und einem Swastika-Zeichen.
Kriyapada 4-18. Auge und sichtbare Gestalt gehören zu ihm, ebenso Rudra und Aghora. Mit dem Keim aus Ha, R und langem U mit Bindu wird es in drei Udghatas gereinigt, bis zur Kehle ausgedehnt und als ins Wasser eingegangen betrachtet.
Kriyapada 4-19. Das Luftfeld ist schwarz, sechseckig und mit sechs Punkten gekennzeichnet. Purusha steht ihm vor; Haut, Berührung, Shanti und Ishvara gehören zu ihm. Mit dem Keim aus Ha, R und Ai mit Bindu wird es in zwei Udghatas gereinigt.
Kriyapada 4-20. Es reicht bis zu den Brauen und geht mit seinem groben Anteil in die Erde ein. Das Raumfeld ist rund und kristallhell, verbunden mit Gehör, Klang, Bindu und Shakti.
Kriyapada 4-21. Ishana und Sadesha gehören zu ihm, ebenso die jenseitige Kala. Mit Grund- und Waffenmantra reicht es bis zum Scheitel. Vom Grundmantra am Dvadashanta her überflutet man alles mit Strömen des Mondnektars.
Örtlicher Quellenhinweis zu Kriyapada 4-15–21. IAST und Devanagari nennen ausdrücklich Erde → Luft, Wasser → Feuer, Feuer → Wasser und Luft → Erde. Diese auffällige Folge wird nicht nach einem erwarteten Elementschema korrigiert. Auch „Sadesha“ bleibt als gelieferte Bezeichnung stehen.
Kriyapada 4-22. Nach der Überflutung und vollendeten Elementereinigung lässt man die Tattvas der Reihe nach wieder entstehen. Durch die Tattvas von Shiva bis zur Erde bildet man nach dem Willen Shivas, der auf seiner eigenen Shakti ruht, den Vidya-Leib. Mit dem durch Shivas Willen hervorgebrachten reinen Körper setzt man durch die heilige Silbe einen Sitz ins Herz.
Kriyapada 4-23. Darauf setzt man die alles durchdringende glückverheißende Shakti. Den Jiva im eigenen Keim, der im Shiva genannten Bereich eingesetzt wurde, führt man mit dem Einatmen vom Dvadashanta durch die Nadi in die Mitte des Herzlotus zurück.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 4-23. Dort setzt man ihn ein, überflutet ihn mit dem Nektarwasser des Grundmantras und beginnt Verehrung und weitere Handlungen. Abschnitt über die Elementereinigung.
Kriyapada 4-24. Nun wird eine weitere Reinigung des eigenen Wesens deutlich erklärt: die Folge von Austrocknung und weiteren Vorgängen am nach oben vergegenwärtigten Leib.
Kriyapada 4-25. Weil sie sämtliche Fehler tilgen und Reinheit verleihen soll, soll sie auch Krankheiten, Alter und Tod mindern. Wie zuvor betrachtet man im eigenen Körper einen Hohlraum und die ihn innen und außen durchdringende Shakti.
Kriyapada 4-26. Geist und Jiva ruhen im Schutzkeim. Durch Einatmen hält man die Lebenswinde zurück, durchbricht die Knoten mit der Waffenformel am Ende des Ausatmens und führt den Wind durch Einatmen wieder zurück.
Kriyapada 4-27. Man sammelt das Bewusstsein mit dem Jiva in seiner Santa-Lautgestalt als unversehrtes Licht im Herzraum. Durch Atemhalten und Udghata zieht man ihn auf dem Sushumna-Weg empor,
Kriyapada 4-28. setzt ihn in Shiva am Dvadashanta ein und löst die Tattvas in umgekehrter Folge auf. Ebenso führt man die Laute, rückläufig von Ksha, Ha und Sa an, und die ganze Klangfolge in Shakti zurück.
Kriyapada 4-29. Den leeren Körper betrachtet man als schwarz, nur aus Unreinheit und Verfehlung bestehend. Im Nabelkreis, im Windfeld, vergegenwärtigt man den tief rauchfarbenen Ya-Keim mit Bindu und daraus einen heftigen Wind.
Unnummerierte Betrachtung vor Kriyapada 4-30. Man betrachtet den eigenen Leib als Samsara-Baum mit Zweigen nach unten und Wurzeln nach oben. Brahmashambhu sagt: „Der Körper als Baum des Werdens ist dort nach unten gerichtet zu meditieren.“
Kriyapada 4-30. Mit dem heftigen inneren Wind, der aus dem Nabel hervorgeht, trocknet man ihn aus; Verfehlung und Unreinheit werden mit ausgetrocknet.
Kriyapada 4-31. Nachdem man durch fünf Udghatas und Zurückhalten des Windes die Austrocknung vollzogen hat, betrachtet man im Herzlotus den letzten Laut, mit Feuer, Anugraha, Halbmond und Nada verbunden,
Kriyapada 4-32. als feuerartigen Keim. Im roten Feuerfeld eingesetzt, verbrennt er die Menge der Verfehlungen mit Tausenden von Flammen, die aus den Dreizacken an den sechs Ecken hervorbrechen.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 4-33. Den als Körper bezeichneten Zusammenhang soll man vollständig verbrennend und schließlich zu Asche geworden betrachten. Weil Parakhya und Paurusha lehren: „Man verbrenne ihn mit dem Pashupata-Waffenmantra“, kann man ihn auch damit verbrennen. [Hinweis: Die vorangehende Keimchiffre wird nicht zu einer ergänzten Formel aufgelöst.]
Kriyapada 4-33. Mit dem Keim des heftigen Windes treibt man die ganze Asche fort und verstreut sie in die Richtungen.
Kriyapada 4-34. Den Körper betrachtet man als leer wie der Raum, rein, nur von Verdienst erfüllt. Shiva im Himmelslotus will durch die Willens-, Handlungs- und Erkenntniskraft seiner Shakti erschaffen.
Kriyapada 4-35. Aus Shakti lässt man ordnungsgemäß die geschriebenen Lautgruppen und Tattvas entstehen, daraus den Körper. Man betrachtet ihn als Weltei und Weltbereich, rein und von Fesselbindung frei.
Kriyapada 4-36. Den zuvor am Dvadashanta eingesetzten Keim-Jiva zieht man mit dem Einatem herab, führt ihn durch die Scheitelöffnung auf dem inneren Weg in die Mitte des Herzlotus und betrachtet ihn als Shiva, das eigene Selbst.
Kriyapada 4-37. Vom sechzehnblättrigen Himmelslotus mit Mondanteilen und Vokalen führt man die Nektar-Kalas durch Sushumna herab und füllt den Körper der Reihe nach in umgekehrter Vokalfolge mit ihnen.
Kriyapada 4-38. Amrita, Manini, Tushti, Pushti, Priti, Rati, Shri, Shanti, Sudha, Kanti, Jyotsna, Haimavati, Prabha, Purani, Vama und als sechzehnte Ama sind diese Kalas: Nektar, Selbstachtung, Zufriedenheit, Gedeihen, Liebe, Freude, Glück, Frieden, Labsal, Schönheit, Mondlicht, Schneehelle, Glanz, Fülle, die linke beziehungsweise schöne Kraft und der verborgene Mondanteil. [Hinweis: Die Bedeutungen dienen der Verständlichkeit der Namen; bei Vama und Ama bleibt der technische Sinn mehrdeutig.]
Kriyapada 4-39. Vom rechten großen Zeh geht die Folge über Knöchel, Knie, Hüfte, Bauch, Handgelenk und Arm zum halben Kopfbereich; ebenso sind die Stellen der linken Seite zu verstehen. Die Kalas setzt man in umgekehrter Folge ein.
Unnummerierte Einsetzungsformeln und Erläuterung nach Kriyapada 4-39. „Letzter Vokallaut mit Visarga: Ama Verehrung! Nasalierter A-Laut: Vama Verehrung! Au-Laut mit Bindu: Purani Verehrung!“ So setzt man die sechzehn Kalas vom großen Zeh bis zum Scheitel ein und füllt die Stellen der Reihe nach mit ihrem Nektar. Dies ist die Unterweisung. [Hinweis: Die Quelle schreibt nur diese ersten drei Formeln aus.]
Kriyapada 4-40. Im Himmelslotus vergegenwärtigt man Wasser mit Halbmond, vollmondhell und mit den Vokalen seiner Kalas. Mit Nektar, weiß wie Muschel, Kunda-Blüte, Mond und Kuhmilch, füllt man durch die Brahma-Nadi den eigenen Leib.
Kriyapada 4-41. Man betrachtet ihn als sechzehnjährig, als reinen Vidya-Leib, von Nektarfüllung überströmt und durch eine Fülle von Verdienst erworben. Wer ihn auch nur einmal so innerlich vergegenwärtigt, soll ein Yogi sein.
Kriyapada 4-43, erstes Vorkommen [nach 4-41]. Durch solche Übung soll man selbst von reinem Sattva werden und durch Ishvaras Gnade das Herabkommen der Shakti erlangen. Durch Japa, Puja und weitere Handlungen sollen die erwünschten Ziele gelingen; klare, beglückende Rede soll aus dem Mund hervorgehen.
Kriyapada 4-43, zweites Vorkommen [Schlussvers]. Durch besondere Wasserarten, bloßes Waschen und ähnliche Handlungen entsteht keine vollständige Reinigung des von Unreinheit geprägten Körpers. Darum wurde von den Guten diese zweifache Reinigung des eigenen Wesens samt innerer Sammlung vorschriftsgemäß gelehrt; man soll sie täglich üben.
Hinweis zur Nummerierung. Nach 4-41 folgt in den gelieferten Fassungen zweimal 4-43. Eine Versnummer 4-42 wird nicht ergänzt.
Kolophon. Hier endet im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das vierte Kapitel über die Reinigung der Elemente und weitere innere Reinigungen.
Besinnung: Raum für einen neuen Anfang
Auflösung, Reinigung und erneute Entstehung geben diesem Kapitel seine innere Bewegung. Als heutige Besinnung kann man darin die Möglichkeit eines neuen Anfangs sehen: Belastendes wahrnehmen, nicht daran festhalten und die eigene Haltung bewusst erneuern. Die rituellen Bilder von Licht und Nektar lassen sich als Bilder lesen; sie begründen keine Zusage, Krankheit, Alter oder Tod durch Vorstellung zu überwinden.
Kriyapada, Kapitel 5: Die Gaben und Handlungen der Puja
Das Kapitel erläutert die Puja als geordnete Folge von Gastlichkeit, Verehrung und innerer Vergegenwärtigung. Sitz, Anrufung, Wasser, Bad, Kleidung, Duft, Blumen, Licht und Speisen werden einzeln beschrieben. Große Tempelformen stehen neben einfacheren Formen nach den verfügbaren Mitteln; Fehlendes darf im Geist dargebracht werden. Pflanzenlisten, Maße und Lesungsabweichungen bleiben in ihrer überlieferten Gestalt erkennbar.
Eingang. Nun das fünfte Kapitel.
Kriyapada 5-1. Die Verehrung dieses Shiva, des höchsten Atman mit seinem Vidya-Leib, ist als Vollendung schenkend zu verstehen; sie soll sichtbare und unsichtbare Früchte gewähren.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 5-2. Diese Puja wird in drei Stufen unterschieden: vorzüglich, mittel und gering.
Kriyapada 5-2. Die vorzügliche Puja hat sechzehn Ehrengaben, die mittlere zehn und die einfachste fünf. Aus diesen Formen soll man die Verehrung entsprechend den eigenen Mitteln wählen.
Kriyapada 5-3. Sitz, Anrufung, Arghya-Ehrenwasser, Fußwasser und Wasser zum Mundspülen,
Kriyapada 5-4. ferner das Bad mit Haupt- und Nebengliedern, Gewand, Schmuck, Duftstoffe, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speisedarbringung,
Kriyapada 5-5. Feuerhandlung, Verneigung sowie Übergabe von Japa und Puja: Dies sind in Kürze die sechzehn genannten Ehrungen.
Kriyapada 5-6. Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Bad, Duft, Blüten, Räucherwerk, Lampe, Speise und Verneigung sind die zehn,
Kriyapada 5-7. die für die mittlere Puja gelehrt werden. Duft, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speise sind die fünf der einfachsten Form. Zum Wohl der Übenden werden auch ihre Merkmale und Unterteilungen aufgeschrieben.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Nachdem Sitz und Gestalt herbeigerufen sind, auf dem Meru … Entfaltungsweg, soll man ihr Verhältnis als Umfasstes und Umfassendes erkennen und die Verehrung beginnen. Der Sitz reicht bis Shuddhavidya, die Gestalt bis Shakti. Der herbeizurufende Shiva steht mit seiner Gestalt darüber.“ [Quellenlücke: Im ersten Vers stehen Pluszeichen; auch die Verbindung der letzten Gestaltbezeichnung ist beschädigt.]
Weiteres unnummeriertes Zitat. „Andere nennen Ananta den Sitz, Shakti die Gestalt und Shiva deren Träger. Manche Einsichtige nennen Shakti selbst den Sitz.“
Kriyapada 5-8. Der Sitz ist die Grundlage der Gottheit; auf ihm sitzend wird die erwählte Gottheit verehrt. Die Wortwurzel „as“ bedeutet Sitzen; darum wird zuerst der Sitz als wesentlich hervorgehoben.
Kriyapada 5-9. Die tragende Shakti, mondlichthell, setzt man auf den Schildkrötenstein.
Kriyapada 5-10. Ananta, zum Sitz geworden, setzt man auf den Brahmastein. Ananta ist Vishnu selbst, die Kraft, die alles erhält. Dann verehrt man im Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten die Füße des Throns als schöne Löwengestalten: der Reihe nach mondweiß, safranrot, talagelb und bienenschwarz, mit der heiligen Silbe, der Herzformel, ihren Namen und der Verehrung am Ende. [Hinweis: Die Prosadeutung Anantas steht in der Quelle innerhalb der Versfolge.]
Kriyapada 5-11. Ebenso setzt man Unrecht, Nichtwissen, fehlende Loslösung und fehlende Herrschaftsmacht der Reihe nach in die Richtungen von Osten an am Thron ein.
Unnummeriertes Zitat: Kirana. „Die vier Weltalter sind seine großen Füße, das Erd-Tattva seine Wurzelknolle, bis Kala reicht sein Stängel, fünfzig Zustände sind seine Dornen. Maya ist sein großer Knoten; der Lotus der reinen Vidya ziert ihn. Die Vidyeshvaras bedecken seine Blätter, Shakti bildet seine Staubgefäße. Shiva und Shakti bilden Mitte und Samen. So soll der aus dem Matrika-Keim entstandene Thron vergegenwärtigt werden.“
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Man betrachtet einen weißen achtblättrigen Lotus mit goldglänzender Mitte, den Shakti-Kreis wie die Strahlen der aufgehenden Sonne und Manonmani mondlichthell; die Gesamtheit der Kreise jeweils in ihrer eigenen Gestalt. Das Sonnenfeld erfüllt die Blätter, Brahma ist sein Herr; ebenso das Mondfeld mit Vishnu als Hüter die Staubgefäße, das Feuerfeld mit Rudra als Gottheit die Mitte. Den acht Gestalten von Erde an entsprechen die Kräfte von Vama an, durch die nach Shivas Befehl das Gedeihen der Welt gelingt. Die neunte ist Shivas eigene Kraft, die Göttin Manonmani.“
Kriyapada 5-12. Vama, Jyeshtha, Raudri, Kala und Kalavikarani,
Kriyapada 5-13. Balavikarani, Balapramathini, Sarvabhutadamani und als neunte Manonmani.
Kriyapada 5-14. Weiß, rot, dunkel, gelb, dunkelgrünlich, schwarz wie Augensalbe, Japa-blütenrot und mondlichthell werden die schönen, allseits geschmückten Gestalten von Vama an beschrieben. [Hinweis: Neun Kräfte stehen einer kürzeren beziehungsweise anders teilbaren Farbfolge gegenüber. Eine fehlende Farbe wird nicht ergänzt.]
Unnummerierter Kommentar: Kalottara-Tika. Man soll sie mit einem Gesicht und zwei Armen betrachten, die Hände zur Verehrung gefaltet und der Gottheit zugewandt.
Kriyapada 5-15. Mit heiliger Silbe und Herzkeim am Anfang, dem jeweiligen Namen und der Verehrung am Ende vergegenwärtigt man Shivas Sitz als den Tattva-Weg umfassend und verehrt ihn.
Unnummerierter Zusatz nach Kriyapada 5-15. Andere sagen: aus sämtlichen Entfaltungswegen gebildet. Abschnitt über den Sitz.
Kriyapada 5-16. Dass man sich dem von sich aus vollkommenen Prinzip bei Verehrung und ähnlichen Handlungen aufmerksam zuwendet, gilt als seine Anrufung.
Kriyapada 5-17. Man füllt die gefalteten Hände mit Blüten, vergegenwärtigt Shivas Gestalt und legt die Blüten auf das Linga oder einen anderen Träger, mit der Herzformel am Anfang und Verehrung am Ende.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 5-18. So entsteht die Gestalt aus den Tattvas von Erde bis Shakti:
Kriyapada 5-18. Sie sitzt im gebundenen Lotussitz, strahlt wie der reine Mond und erscheint göttlich, etwa sechzehnjährig. Durch die fünf Brahma-Mantras hat sie fünf Gesichter; drei Augen verkörpern die drei Kräfte Erkenntnis, Handlung und Wille.
Kriyapada 5-19. Mit zehn Armen zeigt sie rechts Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung und trägt Lanze, Dreizack und Schädelstab; links Schlange, Gebetskette, Trommel, Utpala und Zitronatzitrone.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Die fünf Ströme sind seine Köpfe, die zehn Richtungen seine Arme: so ist der friedvolle Ishvara.“
Kriyapada 5-20. So vergegenwärtigt man die Gestalt und legt eine Handvoll Blüten auf das Linga. Mit erneut blütengefüllten Händen meditiert man dann über Shiva als Vidya-Leib.
Kriyapada 5-21. Ferner, zur Vollendung des makellosen, mit Ishana verbundenen Körpers:
Kriyapada 5-22. Shantyatita ist sein Scheitel, Shanti sein Lotusgesicht, Vidya seine weite Brust und Schultern, Pratishtha sein verborgener Bereich,
Kriyapada 5-23. Nivritti Knie, Unterschenkel und Füße. Der Weltenweg sind seine Körperhaare; Laut- und Mantraweg bilden sein Blut, der Wortweg Fleisch und Adern.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 5-24. Der Tattva-Weg bildet Mark, Samen und Knochen. So ist dieser glückverheißende Leib.
Kriyapada 5-24. Nachdem man den Vidya-Leib so betrachtet hat, spricht man die heilige Silbe, Herz- und Grundformel verbunden,
Kriyapada 5-25. dann „Dem Vidya-Leib Verehrung“ und setzt ihn in die Gestalt ein. In diesen Vidya-Leib setzt man achtunddreißig Kalas.
Kriyapada 5-26. Ihre Einsetzung erfolgt wie zuvor im Zusammenhang der Verehrung gelehrt. Dann ruft man den allgegenwärtigen Gott Shiva in den Vidya-Leib herbei.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „In dieser gegliederten Gestalt soll man den von allen Begrenzungen freien, höchsten Urgrund ehren: den anfangslosen Parameshvara mit Allwissenheit und den übrigen Eigenschaften. Durch hingebungsvolle Anrufung und weitere Handlungen verehrt man den Teillosen im Gegliederten, während man seine Prasada-Gestalt ausspricht. Man füllt die Hände mit Blüten und spricht Shiva mit der Herzformel voran so lange aus, bis der teillose Bereich erreicht ist. Von der Betrachtung seines Wesens erfüllt, sieht man ihn im Bindu aufsteigen, in einem flimmernden Strahlenkreis. Von dort nimmt man ihn vertrauensvoll und mit festem Geist auf und setzt ihn mit der Herzformel in den vor einem vergegenwärtigten Leib ein.“
Kriyapada 5-27. Teile der Anrufung sind Einsetzen, Vergegenwärtigen der Anwesenheit, Festhalten, Nektarisieren und Umhüllen.
Kriyapada 5-28. Den herbeigerufenen Shiva in diesem Vidya-Leib bei hingebungsvoller Verehrung beständig und fest zu vergegenwärtigen, heißt Einsetzen.
Kriyapada 5-29. Dass er in der Beziehung zwischen dem Eigenen und seinem Herrn seine Kraft zeigt, heißt hier Anwesenheit, obwohl er allgegenwärtig ist.
Kriyapada 5-30. Seine Anwesenheit bis zum Abschluss der Puja durch Hingabe festzuhalten, heißt Sannirodha, auch wenn er der Allgegenwärtige ist.
Kriyapada 5-31. Das Prinzip ist Stätte der Freude, Gestalt von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Es als diese ganze gegliederte Gestalt durchdringend zu betrachten, heißt Umhüllen.
Kriyapada 5-32. Dass die ihrem Wesen nach verschiedenen Glieder mit ihrem Ganzen einen gemeinsamen Zweck besitzen, heißt Nektarisierung.
Kriyapada 5-33. Wie beim Umhüllen lässt man die lichtvollen Glieder an Strahlkraft zunehmen. Dies geschieht mit der großen Mudra, denn es ist ihr Aufleuchten.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Anrufung.
Kriyapada 5-34. Arghya wird dreifach unterschieden: das Shiva-Arghya mit sechs oder acht Bestandteilen und das achtteilige Shakti-Arghya, wie … gelehrt. [Quellenlücke: Ein Teil der Quellen- beziehungsweise Lehrangabe ist durch Pluszeichen ersetzt.]
Kriyapada 5-35. Duft, Blüten, ungebrochener Reis, Kusha, Durva-Spitzen und Wasser bilden das sechsteilige Arghya, wie Bhojendra und Brahmashambhu lehren.
Kriyapada 5-36. Kusha, ungebrochener Reis, Sesam, Durva, Duft, Blüten, Gerste und Milch bilden das achtteilige Shiva-Arghya-Wasser nach dem Vijaya.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Wasser, Bilva-Frucht, Durva, Sesam, Blüten, Reis, Kuhdickmilch und Darbha-Spitzen: dies heißt achtteiliges Arghya.“
Kriyapada 5-37. Duft, Blüten, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha, Durva-Spitzen, Senf und Wasser sind die acht Stoffe des Shakti-Arghya.
Kriyapada 5-38. Ein goldenes, silbernes, kupfernes oder, wenn nichts anderes verfügbar ist, hölzernes Gefäß wird mit drei Kuduba gefüllt; auch eine Muschelschale kann als Arghya-Gefäß dienen.
Kriyapada 5-39. Auf eine Halterung gestellt, wird es mit dem Waffenmantra gereinigt, zuerst nach unten gewandt besprengt, dann aufgerichtet. Man setzt darin Darbha-Büschel und Shakti ein.
Kriyapada 5-40. Unter Wiederholung der Samhita füllt man es mit vom Mond tropfendem Nektar und den acht beziehungsweise sechs Bestandteilen; dann setzt man Shiva mit seinen Gliedern ein.
Kriyapada 5-41. Mit der Mantra-Samhita berührt und durch die Nektarmudra zum Leuchten gebracht, wird es mit Duft, Blüten, ungebrochenem Reis und Räucherwerk verehrt und durch den Waffenmantra geschützt.
Kriyapada 5-42. Vom Panzermantra behütet soll es alle Hindernisse abwehren. Mit seinem Wasser und einem Kusha-Büschel besprengt man danach den eigenen Kopf,
Kriyapada 5-43. einzeln die Verehrungsgegenstände und der Reihe nach den Boden. Dieses gut behütete besondere Arghya wird während der Puja dargebracht.
Kriyapada 5-44. Ein Gefäß mit gewöhnlichem Wasser, Duft, Blüten und ungebrochenem Reis, unter Shivas Waffenmantra besprochen, heißt allgemeines Arghya für Shivas Verehrung.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Verfahren des Arghya.
Kriyapada 5-45. Das gewöhnliche Fußwasser enthält Durva, Shyamaka und Lotus. Man füllt es wie zuvor in ein Gefäß und bietet es an den Füßen dar.
Kriyapada 5-46. Kühles Wasser mit Jatiphala, Takkola, Lavanga, Kampfer und Sandelholz gilt als Wasser zum Mundspülen.
Kriyapada 5-47. Für spätere Mundspülgaben ist wohlriechendes Wasser geeignet. Mit der Herzformel und den Abschlusslauten Verehrung, Ahnengabe, Darbringung und Opferabschluss
Kriyapada 5-48. bietet man die vier Gaben von Arghya an der Reihe nach dar. Für Arghya sollen drei Gefäße bereitstehen, ebenso drei für Fußwasser,
Kriyapada 5-49. sechs für Mundspülwasser; ist das nicht möglich, auch nur eines. Arghya wird am Anfang, beim Bad und am Ende der Puja gegeben.
Kriyapada 5-50. Fußwasser gibt man zu drei Zeiten: am Anfang, beim Bad und nach dem Schmücken. Mundspülwasser nach dem Fußwasser, nach der Honiggabe, vor und nach dem Bad, bei der Bekleidung
Kriyapada 5-51. und nach der Speisedarbringung: zu diesen sechs Zeitpunkten. Auch nach jeder einzelnen Gabe wie Duft und Blüten
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-51. gibt man gewöhnliches Mundspülwasser und vollzieht danach die nächste Handlung. Abschnitt über Fuß- und Mundspülwasser.
Kriyapada 5-52. Man reinigt der Reihe nach sich selbst, den Ort, die Stoffe und die Mantras,
Kriyapada 5-53. wie es später im Puja-Kapitel genau gelehrt wird. Man verehrt Sonne, Vighneshvara, Guru und sich selbst,
Kriyapada 5-54. mit Duft, Blüten und weiteren Gaben, vergegenwärtigt und verehrt Shivas Sitz und ruft auf dem beschriebenen Weg Shiva in gegliederter Gestalt in das Linga.
Kriyapada 5-55. Auf den Scheitel legt man Durva und ungebrochenen Reis, bietet das besondere Arghya dar und reinigt Krüge und Wasser- beziehungsweise Filtertuch einmal mit dem Waffenmantra.
Kriyapada 5-56. Mit gefiltertem Wasser füllt man Krüge und Waffen-Vardhani. Mit Herzformel oder Gayatri gibt man jeweils Duft und Blüten hinein.
Kriyapada 5-57. Man fügt einen Arghya-Tropfen hinzu, setzt den Grundmantra ein und badet mit diesem Wasser den erneut verehrten und beräucherten Gott.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Man hält die Krüge in der linken Hand über dem Scheitel des Linga. Die zuvor aufgelegte Blüte entfernt man mit Arghya. Mit gereinigter Hand und dem eigenen Mantra badet man den Herrn am Kopf mit gleichmäßig fließendem Wasser, das durch die Muschel-Mudra dargebracht wird. Man soll die Hand nicht oben kreisen lassen und die Mudra nicht unterhalb bilden; hochspritzendes Wasser darf die Verehrungsgegenstände nicht benetzen.“
Kriyapada 5-58. Man salbt ihn mit Duftöl, entfernt die Fettigkeit mit Gersten-, Masha- und weiteren Pulvern und wäscht ihn mit lauwarmem Wasser.
Kriyapada 5-59. Nach Verehrung und Räucherung vollzieht man eine Lichtschwenkung mit Lampen aus Teig und weiteren Mitteln, begleitet von Gesang, Musik, Lobpreis und glückverheißenden Handlungen.
Kriyapada 5-60. Milch, Dickmilch, Ghee, Honig und Zuckerrohrsaft werden der Reihe nach einzeln verwendet, jeweils durch Wasser, Blüten und Räucherung voneinander getrennt.
Kriyapada 5-61. Mit den fünf Kuhprodukten, gemeinsam oder gesondert, begießt man ihn, entfernt erneut die Fettigkeit und wäscht ihn. Danach mit durch Duft und Blüten aromatisiertem Wasser,
Kriyapada 5-62. wobei der Scheitel des Linga nicht leer bleibt, vollzieht man eine besondere Begießung, mit den dafür bestimmten Kalasha-Gefäßen, Muscheln oder Krügen.
Kriyapada 5-63. Zweimalgeborene verwenden die Brahma- und Samhita-Mantras sowie Rudra- und Pavamana-Texte; andere wiederholen die Samhita.
Kriyapada 5-64. Zum Abschluss badet man mit Duftwasser und den entsprechenden vedischen Formeln und trocknet mit weißem Tuch, bis kein Wasser verbleibt.
Kriyapada 5-65. Dieses Verfahren gilt für ein feststehendes Linga und wird auch für ein bewegliches anerkannt. Das bewegliche stellt man sorgfältig auf seinen Sockel auf der Badeplattform,
Kriyapada 5-66. badet es vorschriftsgemäß, setzt es danach auf den Verehrungssitz und verehrt es sachgerecht. Entsprechend bei ausgeformten Steinbildern und Edelsteinbildern.
Kriyapada 5-67. Für Metallbilder lehren manche kein tägliches Bad. Andere verneinen die Begießung bei gemalten Bildern und bestimmten weiteren Linga-Formen.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-67. Bei vergänglichen Gestalten, auf dem gezeichneten Opferplatz und im Feuer gilt das Bad als rein geistig. Abschnitt über das Bad.
Kriyapada 5-68. Danach verwendet man reine, feine und neue Gewänder,
Kriyapada 5-69. etwa aus Dukula, Seide, Baumwolle oder Devanga-Gewebe, die nicht anderweitig benutzt wurden, frei von Haaren und unbeschädigt sind.
Kriyapada 5-70. Entsprechend den verfügbaren Mitteln bekleidet man den Gott hingebungsvoll damit. Goldener Schmuck, mit verschiedenen Edelsteinen glänzend,
Kriyapada 5-71. wird an den geeigneten Stellen von den Füßen bis zum Haar angelegt. Fehlt er, geschieht dies im Geist. Auch ein Spiegel wird gezeigt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Gewänder und Schmuck.
Kriyapada 5-72. Shiva-Duftpaste ist zweifach: fünf- oder achtteilig. Sandelholz, Agaru, Kampfer und Safran werden mit kühlem Wasser
Kriyapada 5-73. fein verrieben; dies heißt fünfteilige Duftpaste. Sandelholz, Safran, Kushtha, Dala, Shita, Agaru, Kampfer und Hrivera ergeben die achtteilige Duftpaste.
Unnummeriertes Zitat: Vatula. „Sandelholz, Agaru, Kampfer, Kaschmir-Safran, Ushira, Rochana, Kushtha und kühles Wasser: Diese achtteilige Duftpaste ist Shiva lieb.“
Weiteres unnummeriertes Zitat. „Sandelholz, Agaru, Kampfer, Mamsi, Safran, Rochana, Sprik und Vanara bilden die achtteilige Shakti-Duftpaste.“ [Hinweis: Die Listen unterscheiden sich ausdrücklich; Wasser wird in einzelnen Zählungen als Bestandteil mitgezählt. Unklare Pflanzennamen bleiben bewahrt.]
Kriyapada 5-74. Weiße Blüten gelten hier als sattvisch,
Kriyapada 5-75. rote als rajasisch, schwarze als tamasisch. Dunkelgrünliches gilt als Mischung von Tamas und Rajas, Gelbes als Mischung von Rajas und Sattva.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 5-76. Sattvische und die übrigen Blüten sollen entsprechend sattvische und die anderen Früchte gewähren.
Kriyapada 5-76. Weißer Arka, Karavira, Kamala, Dhurdhura, Aragvadha, Rajarka, weißer Lotus, Tulasi, Ashoka, Champaka, Kalhara, Baka, Patala, Vakula, die beiden Mallika, Malati, Palasha, Sthalapadma sowie Darbha-, Damana-, Apamarga- und Durva-Sprosse,
Kriyapada 5-77. ebenso Granthi, Shami, Brihanmaruvaka, Punnaga, Naga, Asana, Nandyavarta, Tamala, Kubja, Vijaya, Mandara, Kaschmir-Safran, Utpala, Karnikara-Blüten, Kadamba, Bilva und blaues Utpala: Diese Blüten werden als für Shiva geeignet gelehrt.
Kriyapada 5-78. Ambhoja, Utpala, Bandhujiva, Vijaya, Punnaga, Naga, Jati, Kunda, Karanda, Champaka, Japa, Yuthi, Rama, Patala, Bilva, Ashoka, Hayari, Kubja, Damana, Mandara, Durva-Blätter, Nandya und Aparajita werden als Shakti-Blüten genannt.
Kriyapada 5-79. Geruchlose, übermäßig scharf oder unangenehm riechende Blüten, durch als unrein geltende Berührung beeinträchtigte, unrechtmäßig beschaffte, von Würmern oder Nägeln beschädigte, zerrissene, mit Wollfäden oder Haaren verunreinigte, welkende, alte, überalterte oder überschrittene Blüten soll man meiden.
Kriyapada 5-80. Geeignet sind die beiden Tulasi, weißer Lotus, roter Lotus, Palasha, Jati, Kubjaka, Madhavi, Damana, Punnaga, Naga, Asana, Nandyavarta, Shami, Sthalabja, Vijaya, Mallika, Champaka, Bilva, Utpala, Ketaka, frisches Kunda und Patala,
Kriyapada 5-81. ferner Lakshmi, Devi, Saha, Bhringa, Musali, Bhita, Indravalli, Sadabhadra, Shripatilanghita als zehnte, Durva, Jambu-Blätter, Kalhara, Karavira, Ekadalaka, Padma, Kusha und rotes Kairava. Dies sind Vishnu-Blüten; in umgekehrter Folge soll ihre Frucht zunehmen. [Hinweis: Mehrere Pflanzennamen und die Trennung bei „Shripati-langhita“ sind unsicher; die Zehnerangabe bleibt als Quellenwort stehen.]
Kriyapada 5-82. Bei den drei genannten Blütengruppen sind nicht genannte Arten zu meiden; ebenso, wenn sich eine gegenseitige Ausschlussregel findet, sofern nichts anderes ausdrücklich gelehrt ist. Auch für eine andere Gottheit bestimmte Blüten sind zu meiden. Was für eine Gottheit besonders vorgeschrieben ist, soll diese erfreuen.
Kriyapada 5-83. Sonne und Feuer sind Blüten aller drei Gruppen willkommen. Für Vighneshvara gelten Shakti- und Shiva-Blüten, ebenso für Skanda, Arya, Chanda und verwandte Gottheiten. Shakti-Blüten sind Manoja, Vag, der Bergestochter, Durga und den acht Müttern lieb; Brahma auf dem Lotus, Indra und Kamala werden mit Vishnu-Blüten verehrt. [Hinweis: Die Namen Manoja und Vag bezeichnen hier Kama und die Rede-Göttin; Arya bleibt ohne zusätzliche Identifizierung.]
Kriyapada 5-84. Nandyavarta verwendet man morgens, Malati und Mallika nachmittags oder zu Beginn der Nacht; Lotusse nur tagsüber, Utpala jederzeit, die goldfarbenen Blüten morgens und Kesara in der ersten Nachtzeit. [Hinweis: Der Bezug der Zeitangaben ist knapp; „haima“ wird als goldfarben verstanden.]
Kriyapada 5-85. Lotus ist bis zur Verfärbung seiner Staubgefäße geeignet; Bilva-Blatt und Damana drei Nächte, Karnikara eine Monatshälfte, die Baka genannte Blüte sechs Monate, sofern sie nicht verdorben ist.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Blüten.
Kriyapada 5-86. Unter allen Räucherstoffen gilt schwarzes Agaru als das beste.
Kriyapada 5-87. Kampfer, besonders mit Agaru verbunden, gilt als noch vorzüglicher. Auch der Mahishaksha genannte Guggulu gilt als vorzüglich und Shiva lieb.
Kriyapada 5-88. Sandelholz und Ushira werden als mittel eingestuft, Shrivasa und Sarja als geringer; hinzu kommen Lackharz, Ghee und Honig.
Kriyapada 5-89. Aus diesen allen mit Zucker entsteht das zehnteilige Räucherwerk. Auf rauchlos glühender Kohle, ohne Flamme und ohne unverbrannten Brennstoff,
Kriyapada 5-90. bringt man den Rauch etwas tiefer dar und läutet mit der linken Hand die Glocke. Schöne Dochte werden aus reinem weißem Baumwollfaden gefertigt.
Kriyapada 5-91. Für die Lampe gilt Kuhghee als vorzüglich, Öl als mittel und Büffelfett als gering. Ein Docht mit Kampfer soll mehr als hundertfache Frucht gewähren.
Kriyapada 5-92. Eine Lampe allein aus Kampfer wird als tausendfach wirksam bezeichnet. Zehn, neun oder acht Lampen mit reichlich Brennstoff,
Kriyapada 5-93. jeweils frisch entzündet, werden vor der Gottheit kreisend bewegt; so entsteht Aratrika. Mit einem bereits abgebrannten Docht soll man keine neue Lampe entzünden.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-93. Auch nicht mit Speiseresten, unreinem Öl und dergleichen oder mit fremdem Öl und Ghee. Verfahren von Räucherwerk, Lampe und Aratrika.
Kriyapada 5-94. Fünfhundert Reiskörner bilden ein Tala; es wird verdoppelt, zwei davon heißen Prakubja, zwei davon Prasara, ebenso Kuduba; zwei davon ein halbes Prastha. Danach folgen Prastha, Patra, Adhaka, Shiva, Drona und Khari. Drei Khari heißen Bhara. So wird das Maß nach der Lehre angegeben. [Quellenunsicherheit: Die Zuordnung der ersten Verdoppelungen und der späteren Maßverhältnisse ist elliptisch. Eine moderne Volumentabelle wird daraus nicht errechnet.]
Kriyapada 5-95. Speisedarbringung gilt als zweifach: täglich und aus besonderem Anlass.
Kriyapada 5-96. Sie wird in neun Stufen von „höchste der höchsten“ an erklärt. Bei der täglichen Form bereitet man aus acht Drona enthülstem Shali-Reis
Kriyapada 5-97. vier Speisearten für die vier Verehrungszeiten einschließlich Mitternacht: Milchreis, Krisara, Rohzuckerreis und gewöhnlichen Reis,
Kriyapada 5-98. mit passenden Beilagen, reichlich Ghee, Dickmilch, Kuchen und Säften, begleitet von Gesang, Tanz und Musik sowie glückverheißenden Bali-Gaben an die Wesen.
Kriyapada 5-99. Fünfhundert Lampen gehören dazu. So ist die höchste der höchsten Formen. Mit sechs Drona verehrt man zu vier Zeiten und bringt Speise dar;
Kriyapada 5-100. zweihundert Lampen, Gesang, Bali und Tanz werden entsprechend dem Vorherigen ausgeführt. Dies ist die mittlere der höchsten Formen.
Kriyapada 5-101. Mit fünf Drona erfolgen Speisedarbringung und Verehrung zu vier Zeiten, dazu hundertacht Lampen, Gesang, Musik und Bali-Handlungen.
Kriyapada 5-102. Auch die Feuerhandlung ist auszuführen; so ist die geringste der höchsten Formen. Bei Speise aus vier Drona und angemessener Verehrung zu vier Zeiten,
Kriyapada 5-103. mit Gesang und Weiterem, Bali und Feueropfer sowie siebzig Lampen, liegt die höchste der mittleren Formen vor. Nun die mittlere der mittleren:
Kriyapada 5-104. Speise aus einem halben Bhara Reis, verbunden mit Verehrung; Feueropfer nur mittags, Tanz und Ähnliches zweimal am Tag,
Kriyapada 5-105. vierzig Lampen und Bali gehören zur mittleren der mittleren Form. Speise aus einem Khari Reis, Verehrung zu vier Zeiten, Bali,
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 5-106. Feueropfer, zwölf Lampen und Gesang mit Weiterem gehören zur geringsten der mittleren Formen.
Kriyapada 5-106. Morgens und abends jeweils zwei Adhaka, mittags ein Shiva-Maß; tagsüber vier Lampen, nachts acht; dreimalige Verehrung mit fünf Arten von Musikinstrumenten: Dies heißt die höchste der geringeren Formen.
Kriyapada 5-107. Morgens und abends jeweils ein Patra, mittags ein Adhaka; tagsüber zwei Lampen, nachts vier; dreimalige Puja: Dies ist die mittlere der geringeren Formen.
Kriyapada 5-108. Morgens und abends verehrt man mit jeweils zwei Prastha Speise.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-108. Tagsüber eine Lampe, nachts zwei: Dies heißt die geringste der geringen Formen. Abschnitt über die tägliche Speisedarbringung.
Kriyapada 5-109. Von acht Drona bis zu zwölf Bhara
Kriyapada 5-110. reicht die Speisedarbringung aus besonderem Anlass, auch hier neunfach wie zuvor. Die Puja-Stufen von der höchsten der höchsten an sind entsprechend zu erschließen.
Kriyapada 5-111. Eine Speisedarbringung für einen bestimmten Wunsch kann das umfassen, was gelobt beziehungsweise erbeten wurde. Dafür gibt es keine feste Zeitregel; eine Puja mit allen Gliedern wird empfohlen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss und Rezeptbeginn. Verfahren bei besonderen Anlässen und Wünschen. Für Milchreis nimmt man drei Teile Milch und einen Teil Reis.
Kriyapada 5-112. Gespaltene Mudga-Bohnen und Reis werden zu gleichen Teilen genommen, Ghee zur Hälfte davon, Rohzucker zur Hälfte des Ghee. Kuhmilch nimmt man sechsmal so viel wie Reis; mit reifen Bananen verbunden heißt die Speise Rohzuckerreis. [Hinweis: Der Übergang zwischen Krisara- und Rohzuckerreis-Rezept ist nicht ausdrücklich markiert; die gegebenen Mengen bleiben erhalten.]
Kriyapada 5-113. Zweimalgeborene mit gereinigten Zähnen, gebadet und weiß gekleidet, waschen schweigend den Reis siebenmal mit durch Stoff gefiltertem Wasser unter der Herzformel. Ebenso entzünden sie das Feuer mit Fächer und weiteren Mitteln.
Kriyapada 5-114. Sie betrachten den Herd als Shakti, das Feuer als Rudra, verehren es mit dem Feuerkeim oder der heiligen Silbe und bereiten darin die Opferspeise. Unter der mit der heiligen Silbe beginnenden Formel begießen sie sie mit Ghee und nehmen sie heraus.
Kriyapada 5-115. Brihati, Banane, „Krandahali“, Kushmanda, Urvaruka, Karkati, Karavalli, Mango, Ingwer, große Mudga, Mudga und Kokos,
Kriyapada 5-116. ferner Masha, Shimbi, Adhaki, Matulunga und Kulattha gelten als geeignete Götterbeilagen. Aus gekochten Bananen und Weiterem, Zucker, scharfen Gewürzen und Salz sowie Yavani und Dickmilch bereitet man eine Suppe.
Kriyapada 5-117. Auch Süßkugeln und Beilagen soll man aus Ghee, scharfen Gewürzen, Salz, Yavani und geeignetem Mehl bereiten. Danach reinigt man außen die Gefäße und hebt sie unter Muschelschall und einem Schirm empor. [Hinweis: „Krandahali“ trägt in Vers 115 eine Lesungsfrage; die Namen werden nicht botanisch ergänzt.]
Kriyapada 5-118. Ein goldenes oder anderes Gefäß wird mit Wasser unter der Herzformel gereinigt; ersatzweise nimmt man Bananenblätter oder ähnliche Unterlagen und benetzt sie mit Ghee. Darauf legt man die Opferspeise mit Beilagen, reifen Bananen und weiteren Früchten sowie Süßkugeln.
Kriyapada 5-119. Zu Zucker, Honig und Dickmilch gibt man frisches Kuhghee, ein Zweiunddreißigstel der dargebrachten Speise. Nach Blütenverehrung überflutet man sie durch die Kuhmudra mit Nektar,
Kriyapada 5-120. besprengt sie unter dem Grundmantra und gibt Wasser mit dem Darbringungslaut am Ende. [Hinweis: Die Quelle bietet beim Verb eine Alternative zwischen „verbrennen“ und „geben“; hier ist „geben“ dem Zusammenhang nach gewählt, ohne den Sanskrittext zu ändern.]
Kriyapada 5-121. Mit einer Blüte in der rechten Hand berührt man die Speise und bietet sie dar. Im Geist betrachtet man diese Nahrung als göttlich und Sättigung schenkend.
Kriyapada 5-122. Auch wohlschmeckendes, kühles und duftendes Trinkwasser wird angeboten. Man tritt hinaus und opfert einen Teil der übrigen Speise im Feuer.
Kriyapada 5-123. Der Übende verfährt nach den Regeln von Grund- und Gliedermantras mit den jeweiligen Formeln, legt die dort vorgeschriebene Bali-Gabe nieder und entlässt das Feuer hingebungsvoll.
Kriyapada 5-124. Mit Rechtsumwendung, Verneigung und Lobpreis stimmt man es gnädig. Dann wäscht man die Füße, vollzieht Achamana und tritt wieder ein.
Kriyapada 5-125. Man vergegenwärtigt Shankara als wohlgesättigt und bietet Mundspülwasser dar. Dann reicht man Betel mit Lavanga, Kampfer, Takkola und Kramuka,
Kriyapada 5-126. verehrt mit Duft und Blüten, verneigt sich und wiederholt den Grundmantra nach Vermögen.
Kriyapada 5-127. Oder man stellt die für das Feueropfer bestimmte Speise geschützt in einem Gefäß bereit und verwendet sie für die Feuerhandlung, nachdem der Götterherr gesättigt ist.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Speisedarbringung.
Unnummerierter Vers zwischen Kriyapada 5-127 und 5-129. Die Glieder und die begleitenden Scharen … soll man mit den fünf Ehrengaben verehren, soweit sie verfügbar sind. Was für die Verehrung fehlt, soll man gesammelt allein im Geist bereitstellen. [Quellenlücke und Nummerierung: In der ersten Zeile stehen Pluszeichen; eine Versnummer 5-128 ist nicht gesetzt. Der erhaltene Vers wird als unnummeriert bewahrt.]
Kriyapada 5-129. Andere lehren weitere Unterteilungen der Puja nach ihren Ehrengaben. Diese werden nun beschrieben, da sie etwas von der vorigen Einteilung abweichen.
Kriyapada 5-130. Zehn Ehrengaben werden für eine Puja genannt, die mit Speise endet; sechzehn für eine, die mit Feueropfer endet.
Kriyapada 5-131. Fünfundzwanzig sind es bis zur Bali-Gabe, sechsunddreißig bis zum Tanz.
Kriyapada 5-132. Sie gehören zur höchsten der höchsten oder zur höchsten Puja. Sitz, Anrufung, Arghya, Fußwasser, Mundspülwasser,
Kriyapada 5-133. vollständiges Bad, Gewand, heilige Schnur, Schmuck, Duft, Blüten, Girlanden, Räucherwerk, Lampe und Spiegel,
Kriyapada 5-134. Lichtschwenkung, Speisedarbringung, Feuerhandlung, Rechtsumwendung, Verneigung, Lobpreis, Musik, Gesang und tägliche Bali-Gabe,
Kriyapada 5-135. schließlich Übergabe der Puja: So werden fünfundzwanzig genannt. Nun die sechsunddreißig: die ersten fünf von Sitz an, Begießung mit den fünf Kuhprodukten,
Kriyapada 5-136. Begießung mit den fünf Nektaren, Bad nach königlicher Ehrungsweise, Gewand, heilige Schnur, Schmuck, Duft, Blüten, Girlanden und ungebrochener Reis,
Kriyapada 5-137. Räucherwerk, Lampe, Spiegel, Lichtschwenkung, Speisedarbringung, Betel und Verehrung des Vidya-Sitzes,
Kriyapada 5-138. ordnungsgemäße Feuerhandlung, Sandalen, Wedel, Schirm, täglicher Auszug, Bali-Gabe und Pavitra,
Kriyapada 5-139. Rechtsumwendung, Verneigung, Hymnen, Instrumentalmusik, Gesang, Tanz und schließlich die Übergabe der Puja und der übrigen Handlungen.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-139. Dies sind der Reihe nach die im Tantra gelehrten sechsunddreißig Ehrungen.
Kriyapada 5-140. So wurden die Wege und Ehrengaben einzeln in ihrer Reihenfolge dargelegt, wie sie in den Shaiva-Tantras zu finden sind. Bei der Verehrung Shambhus sind sie sachgemäß zu verstehen, damit die Hingebungsvollen ihre erwünschten Ziele verwirklichen können.
Kolophon. Hier endet im oberen beziehungsweise zweiten Teil, im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das fünfte Kapitel über die Ehrengaben.
Besinnung: Hingabe nach den eigenen Möglichkeiten
Die ausführlichen Listen zeigen die Sorgfalt historischer Verehrung. Zugleich eröffnet das Kapitel einen einfachen Zugang: Man wählt die Form nach den eigenen Mitteln, und was fehlt, darf gesammelt im Geist dargebracht werden. Für heutige Yoga-Aspiranten kann darin die Anregung liegen, Aufmerksamkeit und aufrichtige Zuwendung in eine überschaubare tägliche Praxis einzubringen. Äußerer Aufwand und innere Hingabe sind dabei unterschiedliche Größen.
Kriyapada, Kapitel 6: Mantras und weitere Voraussetzungen des Rituals
Das Kapitel beginnt mit den sechs Voraussetzungen rituellen Handelns und entfaltet zunächst Mantras, Lautkörper und Einsetzungen. Zahlreiche Formeln werden nicht ausgeschrieben, sondern durch Buchstabengruppen, Zahlen und Gottheitsnamen verschlüsselt. Diese Angaben werden bewahrt, ohne unklare Stellen durch vertraute Mantrafassungen zu ersetzen. Verständliche Anrufungen, technische Lautangaben und zitierte Lehrkommentare bleiben unterscheidbar.
Eingang. Nun das sechste Kapitel.
Kriyapada 6-1. Durch sechs Glieder gelingt die rituelle Handlung: Mantras, Mudras, Opfergruben, Mandalas, Verfügbarkeit der Stoffe und geeignete Übende. Diese im Tantra gelehrten Voraussetzungen werden hier richtig erklärt.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Mudras, Mandalas, Mantras, Orte, Stoffe und Übende – durch den Guru … erkennt dies sachgemäß.“ [Quellenlücke: Ein Teil der zweiten Zeile ist durch Pluszeichen ersetzt.]
Kriyapada 6-2. Wo eine lautliche Bezeichnung der Gottheit die Eigenschaften des Besinnens und Beschützens besitzt, heißt sie Mantra, mit Merkmalen wie kurzen und langen Lauten.
Kriyapada 6-3. Weil sie alle Wesen im Denken umfasst und aus dem Ozean des Samsara rettet, ist seine Kraft mantraförmig: Ihr Wesen ist Besinnen und Beschützen.
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Das Brahman ohne begriffliche Unterscheidungen, dessen Gestalt ewige Glückseligkeit ist, ist das ewige Shiva-Tattva: makellos, durchdringend, verdichtetes Bewusstsein. Seine Shakti ist von Shiva nicht verschieden, ebenso ewig und vollkommen rein. Sie ist unabhängiges Bewusstsein und gilt als Ursache des Zustandekommens der Welt. Fünffach ist das Wirken Shivas, des Hortes des Mitgefühls: Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Verhüllung und Gnade. Es gelingt durch diese Kraft, unterschieden in eigenen Willen, Handlung und Erkenntnis. Diese Shakti wird zu Bindu, in höherer und niederer Form. Daraus entsteht Nada, der Grundkeim von Shivas Wesen.“
Unnummerierte Fortsetzung des Lehrzitats. „Der höchste Keim namens Nada ruht in allen Wesen, ist göttlich, gewährt Befreiung und sämtliche Vollendungen. Friedvoll, allgegenwärtig und leer ist er an der Stelle der zwölf Maße gegenwärtig. Die kurze Form heißt Brahman, die lange die Glieder, o Sechsgesichtiger. Anusvara ist das Auge und steht über allen. Den sechsten, mit dem Ende des dreizehnten verbunden, setzt man in den fünften ein. Diesen Shiva soll man als Mantra-Gestalt Sadashivas erkennen.“ [Hinweis: Die Schlussanweisung besteht aus nicht vollständig bestimmten Laut- und Gruppenbezügen.]
Unnummeriertes Zitat: Kalottara, Grundkeime. „Der Grundmantra ist mit den Brahma-Mantras und seinen Gliedern gelehrt. A, U und Ma, mit Bindu und Nada, bilden den Tara genannten Pranava; er gilt als Klang-Brahman. Die mit A, langem I, Ma, Bindu und Nada bezeichnete Verbindung heißt Vagbhava-Keim. Sie gewährt die Herrlichkeit aller Rede und bildet Vagishvaris Leib. Shakti-Keim, Tara und danach Vagbhava werden genannt.“ [Hinweis: Die auffällige Buchstabenverbindung des Vagbhava-Keims bleibt nach dieser Quelle wiedergegeben; eine geläufige andere Bildung wird nicht eingesetzt.]
Unnummerierte Fortsetzung: Matrikas Lautkörper. „Die höchste Herrin Matrika hat fünfzig Laute als Gestalt. Die Vokalgruppe bildet ihr Gesicht mit seinen Gliedern, die Ka- und Cha-Reihen die beiden Arme, die retroflexe Ta- und dentale Ta-Reihe die beiden Füße. Pa und Pha bilden die beiden Seiten; die Quelle nennt in dieser Verbindung zusätzlich Ba und Bha. Ba bildet den Rücken, Bha den Nabel, Ma das Herz. Die sieben Laute von Ya an bilden Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen. Ha gilt als Lebensatem, Ksha als kraftvolle Entfaltung mit Zorn. Ihr Leib besteht aus allen Welten.“ [Hinweis: Die doppelte Ba-/Bha-Nennung in der Seiten- und Rückenfolge bleibt kenntlich.]
Unnummerierte Fortsetzung: Die sechs Matrika-Glieder. „Die Glieder der Schriftgottheit, vom Herzen an, werden nun der Reihe nach genannt. Das Herz ist der letzte Laut der sechsten Gruppe mit Bindu, verdoppelt. Der erste der ersten Gruppe mit Bindu bildet entsprechend den Kopf; der zweite der ersten mit Anusvara den Haarschopf. Das verdoppelte Wort Kacha bildet den Panzer. Der dritte und vierte der ersten Gruppe bilden die drei Augen. Der Gruppenendlaut mit Visarga, verdoppelt, heißt Waffe. Die mit Tara und Lebensatem verbundene weiße Lautgestalt, mit Au geschmückt, setzt man jeweils an den Anfang dieser sechs Glieder. Die Abschlusslaute sind der Reihe nach Verehrung, Darbringung, Opferabschluss, Schutzlaut, Augenopferabschluss und Abwehrlaut; sie folgen den Gliedernamen im Dativ.“ [Hinweis: Die Gruppenbezüge und einzelne Chiffren werden nicht zu einer vermeintlich gesicherten Gesamtformel aufgelöst.]
Unnummerierte Meditation über die Schriftgöttin. „Man meditiere über die Schriftgöttin im Lotus: Mit den Händen, von rechts an, zeigt beziehungsweise trägt sie Mudra, kristallene Gebetskette, Krug und Buch. Sie ist dreiäugig, mit weißen Girlanden und weißer Salbe geschmückt, hell wie Kunda-Blüten. Ihr Leib sind die Laute; die Mondsichel krönt sie, ihr Gesicht ist freundlich und Perlenschmuck ziert sie.“ [Hinweis: Die erste Handangabe und die Perlenschmucklesung sind in der Quelle fraglich.]
Unnummerierte Einsetzungsanweisung. „Nachdem man sie so als Gestalt von fünfzig Lauten im eigenen Leib betrachtet hat, setzt man ihre Laute der Reihe nach ein und verwirklicht die Mantras durch Wiederholung. Die Vokale setzt man an Haaransatz, Gesichtskreis, Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Wangen, Lippen, Zahnreihen, Scheitel und Mund ein. Die Ka-Reihe gehört zum rechten Arm, die Cha-Reihe zum anderen, die retroflexe und dentale Ta-Reihe zu den Füßen. Pa und Pha setzt man in die beiden Seiten, Ba, Bha und Ma in Rücken, Nabel und Herz. Die acht Laute von Ya an setzt man im Herzlotus auf dessen Blätter, bezogen auf Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen und Lebensatem. Ksha setzt man in die Mitte und betrachtet es als alles durchdringend.“
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Matrika-Nyasa.
Kriyapada 6-4. Auch die Gestalt-Einsetzung der fünf Brahma-Mantras wird gelehrt. Bei Bildung und begleitender Wiederholung beginnt ihre Reihe mit Sadyojata.
Kriyapada 6-5. Bei Nyasa, Puja und verwandten Handlungen beginnt dieselbe Reihe mit Ishana. Sadya ist weiß wie Kuhmilch, Vamadeva rot wie die Japa-Blüte.
Kriyapada 6-6. Aghora gleicht schwarzer Augensalbe, Purusha strahlt wie Safran, das Ishana genannte Gesicht des Allgegenwärtigen wie reiner Kristall.
Kriyapada 6-7. Gesicht, Laute, zugehörige Mantras, Kalas und Gestalten sind je nach Zusammenhang sowohl als ungetrennt als auch als unterschieden zu verstehen.
Kriyapada 6-8. Sadyojata liegt im Westen, Vamadeva im Norden, Aghora ist das südliche Gesicht, Tatpurusha das östliche.
Kriyapada 6-9. Ishana ist das nach oben gerichtete Gesicht. Dies sind die fünf Brahma-Mantras. Kurze Vokale mit Bindu und der heiligen Silbe voran
Kriyapada 6-10. verbindet man jeweils am Anfang mit ihren Namen im Dativ und der Verehrung am Ende. Dies sind die fünf allgemeinen Brahma-Mantras für Verehrung und verwandte Handlungen.
Kriyapada 6-11. Sie dürfen von allen Eingeweihten ohne Unterschied gesprochen werden. Nun folgen die fünf Brahma-Mantras, wie sie in Veda und Agama gelehrt sind.
Kriyapada 6-12. Diese sind nach der historischen Vorschrift den Zweimalgeborenen zum Sprechen vorbehalten, nicht Frauen, Shudras und anderen. Sie werden nun hergeleitet, ebenso Savitri, die im Shaiva anerkannte Gayatri,
Kriyapada 6-13. ferner Pashupata-Waffenmantra und der Mantrakönig Vyomavyapin. Die heilige Silbe, die mit Shukla und „Dyo“ bezeichnete Verbindung, „Jata“, der erste Laut der sechsten Gruppe mit Feuer,
Kriyapada 6-14. nochmals der erste der sechsten und die mit „Dyami“ beginnende Folge ergeben zunächst neun Laute. Sadyojata im Dativ, dann der zwölfte Vokal und der Wasserlaut,
Kriyapada 6-15. Verehrung, zweimal „Bhava“, nach der mit „Anati“ bezeichneten Folge wieder „Bhava“, dann „lass teilhaben“ und „mich“, schließlich Bhavodbhava im Dativ
Kriyapada 6-16. und Verehrung: So umfasst der Sadya-Mantra neununddreißig Laute. Die heilige Silbe, Vamadeva im Dativ, mit Verehrung verbunden,
Kriyapada 6-17. dann Jyeshtha, Rudra und Kala, diese drei jeweils mit Verehrung am Ende; nach Kala und Bala jeweils „dem Verändernden“,
Kriyapada 6-18. dann „dem Zermalmer der Kräfte“, „allen Wesen“ und „dem Bezwinger“ im Dativ sowie Manonmana in derselben Endung,
Kriyapada 6-19. abgeschlossen mit Verehrung und mit neun heiligen Silben: Dieser Vamadeva-Mantra hat fünfundsiebzig Laute und wird durch neun Shaktis entfaltet. [Hinweis zu 6-13–19: Die Quelle verbindet verständliche Anrufungsteile mit örtlich unklaren Buchstabenchiffren. Die Angaben sind übersetzt, aber nicht durch eine andere bekannte Sadyojata- oder Vamadeva-Fassung ersetzt.]
Kriyapada 6-20. Man spricht die heilige Silbe, den Gruppenanfang, „den Schrecklichen“ und „auch“; dann diese Folge nochmals ohne „auch“, danach zweimal „schrecklich“.
Kriyapada 6-21. Nach den drei mit „Tarebhyas“ bezeichneten Lauten folgt „und“, dann „von allen Seiten“, „Sharva, allen“, ferner die beiden mit „nas te“ bezeichneten Wörter,
Kriyapada 6-22. „sei“, „Rudra“ und am Ende „den Gestalten“. Dies ist der Aghora-Mantra, mit sechsunddreißig Lauten gelehrt. [Hinweis: Die Wort- und Lautabtrennungen sind örtlich beschädigt. Es wird keine vollständige Standardformel als vermeintlicher Quellentext eingesetzt.]
Kriyapada 6-23. Die heilige Silbe, dann „jenem“, „Purusha“, die beiden Laute „wir erkennen“, danach „he“ und „dem großen Gott“;
Kriyapada 6-24. der vierte Laut der fünften Gruppe mit dem vierten Vokal, die vier Laute „mahi tan nah“, dann „Rudra“ und die drei mit „pra“ beginnenden Laute,
Kriyapada 6-25. schließlich „möge er anregen“: Dies ist der fünfundzwanziglautige Tatpurusha-Mantra. Nun wird Ishana gelehrt. [Hinweis: Die Gayatri wird hier in Lautteilen erklärt; ihr verständlicher Gebetssinn ist die Erkenntnis und Betrachtung des großen göttlichen Purusha und die Bitte um Rudras Anregung. Die beschädigte Lautfolge bleibt in den Sanskritfassungen erhalten.]
Kriyapada 6-26. Die heilige Silbe, der vierte Vokal, die angegebenen Laute aus siebter und fünfter Gruppe und ein langer Vokal mit Visarga ergeben vier Laute.
Kriyapada 6-27. Dann „aller“, „Erkenntnisse“, „Herr“, eine Folge von sechs Lauten; „aller“, „Wesen“, „Herr Brahmas“;
Kriyapada 6-28. das Wort Brahman im Genitiv, dann „Oberherr“; die vier Laute „Brahma, Shiva“ und die drei Laute „sei mir“;
Kriyapada 6-29. Sadashiva und die heilige Silbe am Ende: So wird der vierziglautige Ishana-Mantra gelehrt. Dies sind die fünf Brahma-Mantras. [Hinweis: Die Anrufungsbedeutungen sind wiedergegeben; die initialen Lautchiffren und syntaktischen Verknüpfungen werden nicht aus einer anderen Sanskritausgabe vervollständigt.]
Kriyapada 6-30. Acht, dreizehn, acht, vier und fünf Kalas gehören der Reihe nach Sadya und den folgenden Gesichtern – insgesamt achtunddreißig.
Kriyapada 6-31. Man lege die Kalas entsprechend den Brahma-Mantras im Körper und in den fünf Gesichtern nieder. Nach der Zuordnung zu den Gesichtern vollziehe man den Kala-Nyasa nacheinander an den betreffenden Stellen.
Kriyapada 6-32. Shashini, die Mondhafte; Angada, die Schmuckspange; Ishta, die Erwünschte; Marichi, der Lichtstrahl; und Jvalini, die Flammende: Diese fünf Kalas Ishanas lege man mit den fünf zugehörigen Wortgruppen nieder.
Kriyapada 6-33. Shanti, Frieden; Vidya, Erkenntnis; Pratishtha, Festigung; und Nivritti, Rückkehr: Diese vier Kalas Tatpurushas lege man der Reihe nach mit ihren eigenen Wortgruppen nieder.
Kriyapada 6-34. Tamasi, die Dunkle; Moha, Verblendung; Kshapa, Nacht; Nishtha, Vollendung; Mrityu, Tod; Maya; Bhaya, Furcht; und Jara, Alter: Dies sind die aus Aghora hervorgehenden Kalas.
Kriyapada 6-35. Rajasi, die leidenschaftlich Tätige; Raksha, Schutz; Rati, Freude; ferner Palini, die Bewahrende; Sajjamani; Kriya, Tätigkeit; Buddhi, Einsicht; und Chaya, Schatten;
Kriyapada 6-36. Dhatri, die Tragende; Bhramani, die Umhertreibende; Mohini, die Verzaubernde; und Abhaya, Furchtlosigkeit: Diese Kalas lege man mit ihren eigenen Wortgruppen nieder. Sie werden als die dreizehn Kalas Vamadevas bezeichnet. [Quellenhinweis: Die gelieferte Verbindung „sajjamanyā“ lässt die Namensgliederung unsicher; in der hier erkennbaren Aufzählung ergeben sich zwölf Namen. Ein fehlender Name wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 6-37. Siddhi, Vollendung; Riddhi, Gedeihen; Dyuti, Glanz; Lakshmi, Glück; Medha, Einsicht; Kanti, Schönheit; Svadha, die Ahnenopferkraft; und Sthiti, Bestand: Diese Kalas Sadyojatas lege man nacheinander mit den entsprechenden Wortgruppen nieder.
Kriyapada 6-38. Der Kundige lege die fünf Kalas des Ishana-Mantras mit dessen Abschnitten von neun, acht, zwölf, fünf und vier Lauten nieder.
Kriyapada 6-39. Die Kalas Tatpurushas werden mit neun, acht, vier und vier Lauten niedergelegt; jene Aghoras mit fünf, fünf, zwei, vierundzwanzig, fünf, drei, fünf und fünf Lauten,
Kriyapada 6-40. jeweils mit ihren eigenen Lauten: So vollziehe der Kundige den Nyasa der acht Kalas Aghoras. Auf den nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Köpfen
Kriyapada 6-41. lege man gesondert Ishanas fünf Kalas nieder, jeweils mit „Verehrung“ am Ende. Im nach oben gerichteten Gesicht lege man mit der heiligen Silbe die Kala Shantyatita, „jenseits des Friedens“, nieder.
Unnummerierter beschädigter Übergang nach 6-41. „Darauf im Osten …“ [In der Quelle folgt eine mit Pluszeichen markierte Lücke; der erhaltene Schluss ist nicht sicher übersetzbar.] Der anschließende Kommentar lautet: „Gemeint ist: Er lege die Kalas nieder.“
Kriyapada 6-42. Die Kalas Aghoras lege man sodann der Reihe nach im Herzen, am Hals und an den beiden Schultern nieder,
Kriyapada 6-43. am Nabel, am Bauch, am Rücken und an der Brust. Oberhalb der Geschlechtsorgane, an den Geschlechtsorganen, an beiden Oberschenkeln, Knien und Unterschenkeln,
Kriyapada 6-44. an beiden Gesäßhälften, an der Hüfte und an den beiden Seiten lege man Vamadevas Kalas nieder. An den beiden Füßen, beiden Händen, an Nase und Scheitel
Kriyapada 6-45. sowie an beiden Armen lege man nacheinander die acht Kalas Sadyojatas nieder. Bei paarigen Körperteilen wie Schultern und Oberschenkeln beginne man rechts,
Kriyapada 6-46. danach folgt die linke Seite. Diese Reihenfolge gilt überall, jeweils mit der zugehörigen Mudra. Nun werden allgemein die sechs Glieder der Brahma-Mantras der Reihe nach gelehrt.
Unnummerierte Einführung nach 6-46. Es heißt:
Kriyapada 6-47. In der Prayogamanjari und in der Abhandlung zum Paushkara wird Folgendes gelehrt: Nach der mit „Pfeil“ und der heiligen Silbe bezeichneten Anfangsfolge steht das Wort „dem Allwissenden“ im Dativ.
Kriyapada 6-48. Mit „Verehrung“ am Ende ist dies der Herz-Mantra. Sodann entnehme man den Gruppenanfang, den letzten Laut der sechsten Gruppe mit der siebten, den ersten der fünften mit dem zehnten Abschluss,
Kriyapada 6-49. und das Wort „Lichtbekränzte“, verbunden mit „Erfüllte“ und „Brahman“. Im Dativ und mit der Opferanrufung am Ende wird dies als Shivas Kopf-Mantra angegeben. [Hinweis zu 6-47–49: Die Lautchiffren sind in der gelieferten Fassung syntaktisch nicht vollständig eindeutig; daraus wird keine rezitierbare Formel rekonstruiert.]
Kriyapada 6-50. Den dritten Laut der dritten Gruppe mit „Wasser“, sodann den dritten der siebten Gruppe mit demselben Vokal, den Laut „ta“ und das Wort „Flammenträger“
Kriyapada 6-51. verbinde man mit „der Haarspitze“ und „anfangsloses Erkennen“ sowie dem entsprechenden Schlusslaut: So entsteht der Haarspitzen-Mantra. Darauf entnehme man „dem Donnerkeilträger“ und „dem Träger des Donnerkeils“,
Kriyapada 6-52. „dem Freien“ im Dativ und „dem Schutzpanzer“, mit dessen Schlusslaut. Den ersten Laut der achten, den ersten der dritten und den vierten der achten Gruppe
Kriyapada 6-53. entnehme man der Reihe nach, mit dem dreizehnten Vokal und dem Punkt. Es folgen „dem, dessen Kraft nicht schwindet“ und die Bezeichnung „drei Augen“
Kriyapada 6-54. im Dativ, verbunden mit dem zugehörigen Schlusslaut: Dies ist der Augen-Mantra. Nun entnehme man die fünfsilbige Pashupata-Waffe.
Kriyapada 6-55. Nach „dem von grenzenloser Kraft“ folgt der Waffen-Mantra mit seinem eigenen Schlusslaut. Shiva selbst, mit Visarga am Ende, wird als Shiva-Waffe bezeichnet.
Kriyapada 6-56. Der zweite Laut der sechsten Gruppe erhält die halbe Maßeinheit des Anfangs der vierten; die Anfangslaute der ersten und fünften Gruppe werden zu einer zweilautigen Verbindung zusammengefügt. [Quellenhinweis: Die genaue Verbindung der Angaben ist unklar; die Lautfolge wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 6-57. Dies ist die Pashupata-Waffe, die nach der Aussage des Textes alles Unheil beseitigt. An ihren Anfang setze man die Shiva-Waffe und verbinde sie mit dem Keim der Haarspitze.
Kriyapada 6-58. Als göttlich, alle Hindernisse beseitigend und durch Japa und weitere Übungen Befreiung gebend wird sie beschrieben. Den ersten Laut der achten Gruppe verbinde man mit „Erde“, dem dritten Vokal und dem Punkt:
Kriyapada 6-59. Dies ist der erste Keim. Als zweiter gilt der erste Laut der sechsten Gruppe; als dritter der erste der achten, verbunden mit dem fünften Vokal.
Kriyapada 6-60. Zusammen mit Panzer und Waffe gilt dies als die fünfsilbige Pashupata-Waffe. Damit ist sie erklärt; nun folgt die Aghora-Waffe.
Kriyapada 6-61. Man entnehme den ersten Laut der sechsten Gruppe mit „Feuer“, zweimal das Wort „erstrahle“ und den vierten Laut der zweiten Gruppe mit dem zwölften Vokal;
Kriyapada 6-62. dann „Feuer“, wiederhole beide, füge den ersten Laut der fünften Gruppe und „Feuer“ hinzu, sodann „von leiblicher Gestalt“ und zweimal den Lautausruf „cat“.
Kriyapada 6-63. Zweimal „pracat“, zweimal „kaha“, zweimal „speie aus“, zweimal „schlage nieder“, sodann Panzer, Waffe und die Geliebte des Feuers. [Hinweis: Die Lautausrufe bleiben als solche benannt; die gewaltsamen Imperative gehören zum historischen Waffen-Mantra.]
Kriyapada 6-64. Dies ist die zweiundvierziglautige Aghora-Waffe, mit der heiligen Silbe am Anfang. Ihre Abschnitte umfassen sechs, sechs, vier, zehn, acht und acht Laute.
Kriyapada 6-65. Mit ihren jeweiligen Schlusslauten bilden sie die sechs Glieder bis hin zur Waffe. Den dritten Laut der dritten Gruppe verbinde man mit dem fünften Vokal und dem „Stab“;
Kriyapada 6-66. danach spreche man die beiden Laute „Weiß“ und Visarga. Die heilige Silbe mit gedehntem Abschluss steht voran: Dies gilt als Mrityunjaya, „Überwinder des Todes“.
Kriyapada 6-67. Man betrachte ihn im Inneren eines weißen Lotuspaares, eingeschlossen in die Mondscheibe, einen Strom von Nektar verströmend; ihm wird das Abwehren von Tod und Krankheit zugeschrieben. [Quellenhinweis: Beim Lotuspaar enthält die Vorlage eine ausdrücklich fragliche Lesungsalternative; auch der Ausdruck für den Nektarstrom ist beschädigt. Keine Zusage einer medizinischen Wirkung.]
Kriyapada 6-68. Den mit Punkt und Klang verbundenen Lebenshauch, weiß, mit Visarga und hell, betrachte man im Herzlotus. Dies ist der Bewusstseins-Mantra, dessen Wesen Shiva ist.
Kriyapada 6-69. Zuerst die heilige Silbe und das Wort „jenem“, dann „dem großen Herrn“; aus „wir erkennen“ folgt der vollständige Ausdruck, danach „wir meditieren über den in der Rede vollkommen Reinen“.
Kriyapada 6-70. Nach „uns“ folgt „Rudra“ und die Bitte „möge er anregen“. So ist die Shiva-Gayatri erklärt. Nun folgt die shivaitische Savitri. [Gebetssinn von 6-69–70: „Wir wollen den großen Herrn erkennen. Wir meditieren über den in der Rede vollkommen Reinen. Möge Rudra uns anregen.“ Die versweise Lautanweisung wird in den Sanskritfassungen bewahrt.]
Kriyapada 6-71. Man entnehme den letzten Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit dem dreizehnten Vokal, mit „Wasser“ und „Wind“; an den Anfang dieses Wortes setze man die zugehörige Lautbildung.
Kriyapada 6-72. Es folgen das Wort „Raum“ im Dativ, „wir erkennen“, dann „Weiß“ mit dem sechsten Vokal und der Endlaut mit dem letzten der sechsten Gruppe;
Kriyapada 6-73. das Wort „fein“ im Dativ und „wir meditieren“ samt dem weiteren, zuvor angegebenen Abschluss. So entsteht die Savitri mit dem Namen Shiva. [Hinweis: Die Lautchiffren in 6-71–73 erlauben hier keine durchgehend gesicherte Wortverbindung; die Formel wird nicht stillschweigend vervollständigt.]
Kriyapada 6-74. Als Ganeshas Keim gilt der dritte Laut der zweiten Gruppe, mit Punkt und Klang. Seine Glieder werden mit den zugehörigen langen Vokalen gebildet.
Kriyapada 6-75. Voran die heilige Silbe, dann der dritte Laut der zweiten Gruppe mit „Ohr“ und Punkt; am Ende „Verehrung den Lehrern“: Dies ist der Mantra zur Guru-Verehrung.
Kriyapada 6-76. Nach der heiligen Silbe steht der Ausdruck „vacat“, dann „bhuva“ und Verehrung. Dies wird als Skandas siebensilbiger, alle Ziele verwirklichender Mantra bezeichnet. [Quellenhinweis: Bereits die Quelle versieht „vacat“ mit einem Fragezeichen; daraus wird keine sichere Rezitationsform abgeleitet.]
Kriyapada 6-77. Zuerst die heilige Silbe, dann Raum, langes Feuer, Punkt und Dehnung, der Shakti-Keim und „Weiß“ mit Visarga; danach „Verehrung der Sonne“: So lautet die Anweisung für den neunlautigen Grundmantra der Sonne.
Unnummerierte Sonnen-Gliedermantras nach 6-77. Die erhaltenen Keimlaute und rituellen Schlussrufe sind in den Sanskritfassungen nachzulesen; die Bedeutung der angerufenen Glieder lautet:
- „Brahmas Lichtkraft, flamme auf, flamme auf! Dem Herzen Verehrung!“
- „Vishnus Lichtkraft, erstrahle, erstrahle! Der Sonne, dem Kopf, die Opfergabe!“
- „Rudras Lichtkraft, flamme auf! Erde, Luftraum, Himmel! Du Flammende, der Haarspitze die Weihung!“
- „Maheshvaras Lichtkraft, du Speertragende, dem Schutzpanzer!“
- „Die Lichtkraft des wahren Sadashiva, du mit dem Haargeflecht, du mit dem Haargeflecht, der Waffe!“
- „Shivas Lichtkraft, o Shakti, den drei Augen die Weihung!“
Kriyapada 6-78. Dies sind die Glieder der Sonne. Man lege sie nacheinander auf die mit dem eigenen Waffen-Mantra gereinigten Hände, beginnend bei den Daumen, und die Waffe auf beide Handflächen.
Kriyapada 6-79. Dieselben Glieder lege man nacheinander auf Kopf, Gesicht, Herz, Schoß, Füße und Himmelsrichtungen sowie an Herz und die übrigen zugehörigen Stellen.
Kriyapada 6-80. Man vollziehe Verehrung, Japa und die weiteren Handlungen; der Text verheißt die gewünschte Vollendung. Es folgt eine weitere Lautanweisung: die heilige Silbe, der mit „sa“ endende Laut mit Punkt und der mit „ka“ endende Laut mit Punkt,
Kriyapada 6-81. dann der zweite Laut der zweiten Gruppe und „shotkaya“. Dieser Sonnen-Mantra heißt Prayojanatilaka, „Zierde der Zielverwirklichung“. [Quellenhinweis: Die Lautanweisung wird nicht nach einer geläufigeren Sonnenformel berichtigt.]
Unnummerierter Übergang nach 6-81. Auch mit diesem Mantra sollen Shiva-Verehrer täglich die Sonne verehren, um ihr gewünschtes Ziel zu erreichen.
Kriyapada 6-82. Nun werde ich den Mantra namens Vyomavyapi, „den Raum durchdringend“, erklären. Er entfaltet sich in einundachtzig Wortgruppen und zählt dreihundertachtundsechzig Laute.
Kriyapada 6-83. Die erste Wortgruppe ist die heilige Silbe; dann folgt der letzte Laut der siebten Gruppe, verbunden mit „Berg“.
Kriyapada 6-84. Man entnehme ihn mit dem dreizehnten Vokal, wiederhole dies entsprechend, füge den letzten Laut der sechsten Gruppe und „dem Durchdringenden“ hinzu: Dies ist die zweite, fünflautige Wortgruppe. [Hinweis: Die Chiffren am Beginn sind nicht sicher auflösbar; der Quellwortlaut bleibt erhalten.]
Kriyapada 6-85. „Dem, dessen Gestalt der Raum ist“ und „dem Alldurchdringenden“ sind zwei Wortgruppen mit je fünf Lauten; „Shiva“ im Dativ hat drei Laute.
Kriyapada 6-86. Die Worte „dem Unendlichen“ und „dem Herrenlosen“ im Dativ bilden je vier Laute; die achte Wortgruppe, „dem auf nichts Angewiesenen“, hat fünf Laute.
Kriyapada 6-87. „Dem Festen“ und „dem Ewigen“ im Dativ bilden drei beziehungsweise vier Laute; dann folgen „dem auf dem Yoga-Sitz Ruhenden“ und „dem ewig im Yoga Weilenden“
Kriyapada 6-88. mit acht und fünf Lauten; „dem von Meditation Genährten“ hat fünf Laute. Die fünfsilbige Formel mit der heiligen Silbe davor bildet die sechssilbige Hauptwortgruppe.
Kriyapada 6-89. „Ursprung von allem“ ist die nächste Gruppe mit fünf Lauten, „Shiva“ im Dativ eine mit drei Lauten. Dann folgen die fünf mit Ishana beginnenden Namen,
Kriyapada 6-90. verbunden mit „dem Kopf“, „dem Gesicht“, „dem Herzen“, „dem Verborgenen“ und „der Gestalt“; die Lautzahlen sind sechs, sieben, sieben,
Kriyapada 6-91. vier und vier, entsprechend den fünf Wortgruppen. Die heilige Silbe und zweimal „Verehrung“ bilden eine fünflautige Gruppe.
Kriyapada 6-92. „Dem Verborgenen jenseits des Verborgenen“ hat sechs Laute, „dem Beschützer“ zwei; „dem Unvergänglichen“ fünf und „dem Herrn allen Wissens“
Kriyapada 6-93. sieben. „Dem durch jeden Yoga Erreichbaren“ hat acht, „dem von Lichtgestalt“ fünf und „dem Höchsten des höchsten Herrn“
Kriyapada 6-94. acht Laute. „O höchster Atman“ hat vier; „unbewusst, unbewusst“ wird als siebenlautige Wortgruppe angegeben. [Quellenhinweis: Die gelieferte Wiederholung „acetanācetana“ bleibt in ihrer Bedeutung sichtbar; sie wird nicht zu einer vermeintlich erwarteten anderen Lesung korrigiert.]
Kriyapada 6-95. Zweimal „o Raum“ hat vier Laute, ebenso zweimal „o Durchdringender“; zweimal „o Gestaltloser“ hat sechs, ebenso das erste Paar. [Hinweis: Worauf „das erste Paar“ verweist, bleibt in der gelieferten Anleitung unklar.]
Kriyapada 6-96. Zweimal „Lichtkraft“ hat vier Laute, ebenso zweimal „Licht“. „O Gestaltloser“, „o Feuerloser“ und „o Rauchloser“ haben je drei Laute;
Kriyapada 6-97. ebenso „o Aschenloser“ und „o Anfangsloser“; dann dreimal „na“ und dreimal „dhu“. Diese vier Wortgruppen des Allgegenwärtigen haben jeweils drei Laute. [Hinweis: Die Lautausrufe werden nicht als bedeutungstragende deutsche Wörter ausgegeben.]
Kriyapada 6-98. Mit der heiligen Silbe voran folgen Erde, Luftraum und Himmel; sie bilden der Reihe nach zwei, drei und zwei Laute. „O Unvergänglicher“ hat vier, „Auflösung“ drei,
Kriyapada 6-99. „Ursprung der Auflösung“ fünf, „Shiva“ zwei und „Sharva“ zwei. So sollen die Lehrer dies verstehen.
Kriyapada 6-100. „Maheshvara“ und „Mahadeva“ haben je vier Laute, „Herr des wahren Seins“ fünf und „große Lichtkraft“ vier.
Kriyapada 6-101. „Herr des Yoga“ hat fünf, zweimal „befreie“ vier; das erste Paar hat sechs, zweimal „Sharva“ vier. [Hinweis: Auch hier ist der Bezug des „ersten Paares“ unklar.]
Kriyapada 6-102. Zweimal „Bhava“ hat vier Laute, „Ursprung des Werdens“ vier; „der allen Wesen Glück gibt“ ist eine achtlautige Wortgruppe.
Kriyapada 6-103. „Der allen seine Gegenwart gewährt“ hat sieben Laute; „über Brahma, Vishnu und Rudra hinaus“ bildet eine achtlautige Gruppe. [Quellenhinweis: Für die letzte Wendung bietet die Datei ausdrücklich die unsichere Alternative „padaṃ ? ra“; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinn der zweiten Lesung, ohne die Sanskritfassung zu ändern.]
Kriyapada 6-104. Zweimal „Unverehrter“ und zweimal „Ungepriesener“ bilden je acht Laute; „zuvor bestehend“ hat vier.
Kriyapada 6-105. Zweimal „Zeuge“ hat vier Laute, ebenso zweimal der Ausruf „turu“; „Fliegender“ hat drei, zweimal „Rotbrauner“ vier.
Kriyapada 6-106. Zweimal „Wissen“, zweimal „Klang“ und zweimal „Feiner“ sind drei Wortgruppen von jeweils vier Lauten, ebenso die Paare „Shiva“ und „Sharva“.
Kriyapada 6-107. „Allgebender“ hat drei Laute, die heilige Silbe mit zweimal „Verehrung“ fünf, „Shiva“ im Dativ drei. So sollen es die vorzüglichen Lehrer verstehen.
Kriyapada 6-108. Mit der heiligen Silbe voran gilt die doppelte Verehrung als fünflautige Gruppe. So sind die einundachtzig Wortgruppen der Reihe nach zu erkennen. [Redaktioneller Hinweis zu 6-83–108: Wiederholungen, schwankende grammatische Anreden und örtlich unklare Lautangaben gehören zur gelieferten Textgestalt. Die verständlichen Anrufungen wurden vollständig übertragen; eine normalisierte Sanskrit-Rezitationsfassung wird nicht daraus hergestellt.]
Kriyapada 6-109. Zwei heilige Silben sowie „dem Atman von allem“, verbunden mit „Licht“, gelten als Herz-Mantra. Man spreche die zweite Wortgruppe und verbinde sie mit „Shiva“ und „Brahman“:
Kriyapada 6-110. Mit ihrem eigenen Abschluss bildet sie den Kopf-Mantra. Nun wird der Haarspitzen-Mantra genannt: Man spreche die dritte Wortgruppe und wiederhole zweimal „Flammende“.
Kriyapada 6-111. Mit dem zugehörigen Abschluss ist dies die Haarspitze. Dann entnehme man die vierte Wortgruppe und spreche „Pingala, Rotbrauner“: Mit dem entsprechenden Abschluss ist dies der Panzer.
Kriyapada 6-112. Nach der fünften Wortgruppe folgen Shiva- und Aghora-Waffe; mit dem eigenen Abschluss bildet dies den Waffen-Mantra. Dies sind die fünf Glieder.
Kriyapada 6-113. Für diesen Vyomavyapi-Mantra sind auch sechs Glieder nach dem im Chandrajnana gelehrten Verfahren überliefert. Sie werden der Reihe nach niedergeschrieben.
Unnummerierte Herz-, Kopf- und Haarspitzenformeln nach 6-113. „Du den Raum durchdringender Shiva! Verehrung dem Atman von allem, dem Höchsten, dem Höchsten des höchsten Herrn, dem Yoga, dem aus Yoga Entstandenen! Tue, tue! Wirke, wirke! Wahrer, Wahrer! Ursprung des Werdens! Dem Vamadeva! Du, der alle Handlungen zur Ruhe bringt, Sadashiva, Huldvoller, dir sei Verehrung! Die Opfergabe! Dem Herzen Verehrung!“
„Shiva! Dem Brahma-Kopf die Opfergabe!“
„Shiva, du im Herzen Flammende, die Opfergabe! Der Flammenden, der Haarspitze die Weihung!“
[Die originalen Keim- und Schlusslaute sind in den beiden Sanskritfassungen bewahrt; hier stehen die Bedeutungen der vollständig erhaltenen Anrufungen.]
Kriyapada 6-114. Ich wiederhole den heilsamen, rotbraunen Schutzpanzer, den großen Gott von Shivas Wesen, den allwissenden, unvergänglichen Herrn, den überaus Furchtbaren.
Unnummerierte Panzer-, Augen- und Waffenformel nach 6-114. „Komm herbei, Pingala, großer Schutzpanzer! Auf Shivas Geheiß: Binde, binde das Herz! Flamme, flamme! Wirble, wirble! Träger von Speer und Donnerkeil, dringe in die Donnerkeilschlinge ein und hemme, hemme alle Übeltäter!“ Es folgen die rituellen Schutz- und Waffenlaute. „Dem Pingala als Schutzpanzer!“
„Dem von Lichtgestalt, den drei Augen die Weihung!“ Die Waffe ist wie zuvor eben die Aghora-Waffe.
Unnummeriertes Zitat aus dem Matanga. „Sie alle vollziehen alle Handlungen; sie alle verwirklichen alle Ziele. Sie alle tragen jede Gestalt, und ihre Kräfte sind niemals vergeblich. Sie alle entstehen aus Shivas Wirken; an ihnen soll in keiner Weise gezweifelt werden.“ So heißt es im Matanga.
Kriyapada 6-115. Deshalb werden für diesen Mantra keine getrennten Gottheiten angenommen. Seine Gottheit ist Shiva, sein Seher Shakti; Gayatri heißt
Kriyapada 6-116. sein Versmaß. Über anderes soll man nicht weiter zweifeln. Nun folgt eine weitere Lautanweisung: Der erste Laut der sechsten Gruppe steht auf dem Erd-Keim, verbunden mit dem fünften Vokal und dem Punkt,
Kriyapada 6-117. dann „Wasser“ mit Visarga, „Wasser“ und „Wind“ mit dem zwölften Vokal, der letzte Laut der sechsten Gruppe und das Wort „dem Durchdringenden“, verbunden mit der Geliebten des Feuers.
Kriyapada 6-118. Dieser zehnlautige Mantra beginnt mit der heiligen Silbe, heißt Vyomavyapi und hat Shiva zum Wesen. Eine weitere Bildung nennt die heilige Silbe, den zweiten Vokal sowie den vierten und sechsten Vokal,
Kriyapada 6-119. „dem Raumdurchdringenden“ im Dativ und die heilige Silbe am Ende: Auch dies ist zehnlautig. Sodann die heilige Silbe, der Prasada-Keim und die drei Laute „Shiva“ im Dativ,
Kriyapada 6-120. dazu Verehrung: Dies ist ein siebenlautiger … Mantra Shivas. [In der Quelle steht hier eine Lücke.] An die für Prasada genannten Gliederkeime füge man die mit „shi“ beginnenden Laute
Kriyapada 6-121. und die jeweiligen Abschlüsse an: So entstehen Shivas Glieder-Mantras. Das Wort Shiva im Dativ, mit Verehrung davor, umfasst fünf Laute.
Kriyapada 6-122. Dieser Shiva-Mantra wird als Geber von Dharma, Lebensgenuss, Wohlstand und Moksha erklärt. Für die Zweimalgeborenen steht die heilige Silbe voran … [Der Rest des Verses fehlt in der gelieferten Fassung.]
Kriyapada 6-123. … sechssilbig. Kein anderer Mantra gleiche ihm darin, alle Ziele zu verwirklichen. [Der Anfang des Verses ist in der Quelle durch Pluszeichen als Lücke wiedergegeben.]
Kriyapada 6-124. Dieser sechssilbige Mantra, ergänzt durch die heilige Silbe und den Shakti-Keim am Anfang, heißt der achtlautige Shiva-Mantra und wird als Geber von Lebensgenuss und Befreiung beschrieben.
Kriyapada 6-125. Fügt man an das Ende eben dieses achtlautigen Mantras den reinen Bewusstseins-Mantra an, wird er als zehnlautig bezeichnet: Gleich einem Wunschbaum gewähre er das Erwünschte.
Kriyapada 6-126. Für diese fünf Mantras werden als Versmaße der Reihe nach Pankti, Gayatri, Brihati und nochmals Pankti genannt. [Quellenhinweis: Die Aussage nennt fünf Mantras, aber nur vier Versmaßpositionen. Die Liste wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 6-127. Als Seher werden der Reihe nach Vamadeva, Dadhicha, der große Weise Shilada und Sanatkurara genannt. [Quellenhinweis: Auch hier stehen vier Namen für die zuvor genannten fünf Mantras; der auffällige letzte Name wird nicht stillschweigend verändert.]
Kriyapada 6-128. Shiva selbst ist unmittelbar die Gottheit der ersten beiden Mantras; bei den übrigen drei ist es Shiva gemeinsam mit Shakti.
Kriyapada 6-129. Ihre einzelnen Ritualordnungen wurden bereits im früheren Teil dieser Paddhati niedergeschrieben, jeweils in dem Kapitel des Mantrapada, in dem die Mantras entfaltet wurden.
Kriyapada 6-130. Ihnen allen schreibt der Text unbegrenztes Vermögen zu; alle sollen sämtliche Ziele verwirklichen.
Kriyapada 6-131. So sind hier die hauptsächlichen, in Shivas Tantras überlieferten Mantras ordnungsgemäß gelehrt worden. Durch sie sollen sämtliche Ritualhandlungen gelingen, ebenso Wohlergehen, das mit dem Erlangen von Shivas Zustand beginnt, und Befreiung.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das sechste Kapitel: „Die Entfaltung der Mantras“.
Zur Besinnung. Die vielen Lautanweisungen machen deutlich, wie eng diese Tradition Klang, Körper und Bewusstsein verbindet. Für heutige Yoga-Aspiranten können die verständlichen Gebetsworte der Shiva-Gayatri eine Einladung zu klarem Erkennen und gesammelter Betrachtung sein. Die historischen Chiffren bedürfen dagegen ihrer eigenen Überlieferung und werden hier nicht als erschlossene Übungsformeln angeboten.
Kriyapada, Kapitel 7: Die rituellen Handgesten
Dieses Kapitel beschreibt Mudras für die Verehrung der Sonne und Shivas. Die Hände begleiten Anrufung, Begrüßung, Schutz und Abschluss des Rituals. Manche räumlichen Beschreibungen bleiben ohne die zugehörige lebendige Unterweisung schwer eindeutig nachzuvollziehen.
Kapiteleröffnung. Nun das siebte Kapitel.
Kriyapada 7-1. Ich werde die in den shivaitischen Tantras bekannten Mudras erklären, durch welche die Vollendung der Verehrungshandlungen gelehrt wird: zuerst sechs besondere Gesten der Sonne, dann die zehn hauptsächlichen Shambhus; auch die weiteren sind zu kennen.
Kriyapada 7-2. Beide Hände bilden, einander zugewandt, einen Lotus; in der Mitte liegen die Daumen wie sein Samengehäuse. Dies heißt die Lotus-Geste. Dieselbe Geste mit verbundener Mitte und freigegebenen Daumen heißt die Scheiben-Geste.
Kriyapada 7-3. Bleiben die Hände wie zuvor verbunden und werden die Daumen zu den Fingerspitzen hin angehoben, entsteht die Nishthura-Geste, „die Strenge“. Man balle die rechte Faust und lasse Zeige- und Mittelfinger frei hervortreten: Dies heißt die Stier-Geste.
Kriyapada 7-4. Man verschränke die entsprechenden Finger beider Hände miteinander. Die Spitzen der Mittelfinger verbinden sich mit den beiden Zeigefingerspitzen; über Kreuz werden ferner die Spitzen der Ring- und kleinen Finger miteinander verbunden. Dies ist die Kuh-Geste. [Hinweis: Die genaue räumliche Zuordnung bleibt im knappen Quellwortlaut schwer bestimmbar; keine abweichende moderne Gestenform wird eingesetzt.]
Kriyapada 7-5. Man balle die rechte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger zur Faust. Schlägt man mit diesem Zeigefinger auf die linke Handfläche, entsteht Trasani, „die Erschreckende“.
Unnummerierter Abschluss nach 7-5. Damit sind die sechs Mudras der Sonne erklärt.
Kriyapada 7-6. Mit ausgestreckten, nach unten gerichteten Händen berühre man den Körper, von den Füßen bis zum Scheitel. Dies wird die große Mudra genannt.
Kriyapada 7-7. Bei nach oben gerichteten Händen im Anjali-Gruß beuge man beide Daumenspitzen einzeln ein und berühre damit die Wurzeln der Ringfinger. Dies ist die Anrufungs-Geste.
Unnummerierte Ergänzung nach 7-7. Dieselbe Anrufungs-Geste, nach unten gewendet, heißt die Aufstellungs-Geste.
Kriyapada 7-8. Sind die Hände zu verbundenen Fäusten geschlossen und beide Daumen aufrecht mit emporgerichteten Spitzen, heißt dies die Gegenwarts-Geste. Werden bei derselben Geste die Daumen innen eingeschlossen, heißt sie Nishthura.
Kriyapada 7-9. Man forme den Anjali-Gruß wie eine geschlossene Lotusknospe und lege den rechten Daumen über den linken. Diese Begrüßungs-Geste wird beim ehrerbietigen Gruß verwendet.
Kriyapada 7-10. Werden beide Hände zu Fäusten geschlossen, wobei die einander zugewandten Daumen verbunden sind, entsteht die shivaitische Kalakarni-Geste. … Weitere … werden überliefert. [Quellenhinweis: Der Schluss des Verses ist durch Sternchen unterbrochen und nicht sicher zu übersetzen.]
Kriyapada 7-11. Man lege den linken Daumen nach unten in die rechte Faust. Der rechte Daumen ragt aus der Mitte der linken Faust hervor: Dies ist die weitere, umschlungene Linga-Geste. [Hinweis: Die komprimierte Handanordnung bleibt örtlich unsicher.]
Unnummerierte Ergänzung nach 7-11. Die Kuh-Geste ist dieselbe wie zuvor beschrieben.
Kriyapada 7-12. Beide Daumen ruhen auf den querliegenden Spitzen der kleinen Finger. Die Zeigefinger halten die Mittelfinger zurück, während beide Ringfinger erhoben sind.
Unnummerierte Fortsetzung nach 7-12. Verbindet man deren Spitzen, entsteht die fünfgesichtige Mudra.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Damit endet die Behandlung der zehn Mudras.
Kriyapada 7-13. Nun beuge man die Spitze des kleinen Fingers ein und drücke sie mit der Mitte des Daumens nieder.
Kriyapada 7-14. Die übrigen Finger bleiben gerade ausgestreckt: Dies heißt die Shakti-Geste. Dieselbe Shakti-Geste, bei der die drei Finger gespreizt aufwärts stehen,
Kriyapada 7-15. heißt Dreizack-Geste, wenn sie die Form dreier Spitzen besitzt. Man forme mit beiden Händen den Anjali-Gruß, beuge beide Ringfinger ein
Kriyapada 7-16. und strecke die übrigen Finger aus: Dies wird die Opfergaben-Geste genannt. Man strecke die rechte Hand aus und beuge sämtliche Finger, beginnend beim kleinen,
Kriyapada 7-17. rasch nacheinander ein: Diese Geste heißt „die Zurücknehmende“. Man lege die Handrücken aneinander und verschränke die Finger gegenseitig,
Unnummerierte Fortsetzung nach 7-17. halte sie verbunden, wende die Hände um und verneige sich: Dies ist die Bitte um Vergebung.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Damit sind die fünf weiteren Mudras erklärt.
Kriyapada 7-18. So wurden vor allem die Mantras und Mudras gelehrt, durch welche die Vollendung der Ritualhandlungen angegeben wird. Durch ihre Kenntnis, ihr Bewahren, ihre Wiederholung und praktische Ausführung sollen die erwünschten Ziele erreicht werden.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das siebte Kapitel: „Die Mudras“.
Zur Besinnung. Anrufung, Begrüßung und die Bitte um Vergebung geben dem Ritual eine menschlich verständliche Sprache. Auch jenseits seiner besonderen Handgesten erinnert dieses Kapitel daran, dass innere Aufmerksamkeit im Körper Ausdruck finden kann.
Kriyapada, Kapitel 8: Feuergruben und Mandalas
Aus Schnüren, Kreisbögen, Farben und genau bestimmten Feldern entstehen die rituellen Räume dieses Kapitels. Es behandelt Feuergruben, Lotusbilder und verschiedene Mandalas. „Fisch“ bezeichnet dabei gewöhnlich die linsenförmige Schnittfigur zweier Kreisbögen. Die historische Konstruktionssprache wird übersetzt; unklare Maßangaben bleiben als solche sichtbar.
Kapiteleröffnung. Nun das achte Kapitel.
Kriyapada 8-1. Wo die Handlung vollzogen wird – im Tempel, in einer Halle oder in einem Haus –, soll der Platz gereinigt und mit Kuhdung bestrichen sein.
Kriyapada 8-2. In seiner Mitte spanne man eine Schnur in westöstlicher Richtung und schlage damit eine Linie. Man markiere deren Mittelpunkt und trage nach Westen und Osten mit der Schnur gleiche Abstände ab.
Kriyapada 8-3. Auch diese beiden Schnurabschnitte halbiere und markiere man. Mit einer Schnur, deren Länge vom Mittelpunkt bis zu den östlichen und westlichen Zwischenmarken reicht, zeichne man von den entsprechenden Punkten aus im Süden und Norden zwei Fischfiguren.
Kriyapada 8-4. Durch diese beiden lege man eine von Süden nach Norden verlaufende Schnur.
Kriyapada 8-5. So stelle man die Brahma-Linie und die Nordlinie her. Mit der halben Feldlänge markiere man vom Mittelpunkt aus in den vier Richtungen die gewünschten Punkte; aus jeweils zwei Punkten auf den beiden Schnüren entstehen die Fischfiguren der Ecken.
Kriyapada 8-6. Legt man durch diese Fischfiguren ringsum in den Richtungen Schnurlinien,
Kriyapada 8-7. entsteht ein gleichmäßiges, schönes Quadrat mit vier Teilfeldern, die Grundlage für die Anlage aller Mandalas, Feuergruben und anderer Bauformen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Herstellung des Quadrats.
Kriyapada 8-8. Als erste vorzügliche Feuergrube gilt die quadratische; danach die Form eines Ashvattha-Blattes, eines Halbmonds, eines Dreiecks, eines Kreises, eines Sechsecks, eines Lotus und eines Achtecks.
Kriyapada 8-9. Für fünfzig Feueropfer soll sie ein Ratni messen, für hundert ein Aratni; für tausend eine Elle, für zehntausend zwei Ellen.
Kriyapada 8-10. Für hunderttausend Opfergaben misst sie vier Ellen, für eine Million sechs, für zehn Millionen acht Ellen – so die Bhojendra-Paddhati. [Hinweis: Die historischen Maße Ratni und Aratni werden nicht ohne ausreichenden Quellenbeleg in moderne Längen umgerechnet.]
Kriyapada 8-11. Bei allen Feuergruben entsprechen Länge und Breite dem angegebenen Maß. Die Tiefe der Aushebung soll ihrer Breite gleichen. Darüber werden nacheinander drei umlaufende Stufenränder angelegt.
Kriyapada 8-12. Die Aushebung sei überall gleichmäßig. Über ihr lasse man nach allen vier Richtungen einen Finger breit frei und lege danach die drei Ränder an.
Kriyapada 8-13. Bei der Ratni-Grube misst der erste Rand zwei Finger, der zweite einen und der dritte einen halben Finger. Bei der Aratni-Grube sind drei, zwei und ein Finger vorgesehen.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja nach 8-13. „Bei einer Grube vom Maß einer geschlossenen Handelle misst der erste Rand zwei Finger, der zweite einen Finger und der dritte einen halben. Beim Aratni-Maß betragen sie drei, zwei und einen Finger.“ [Die Quellfassung enthält im letzten Maßwort eine Lesungsalternative.]
Kriyapada 8-14. Bei der Grube von einer Elle messen die Ränder der Reihe nach vier, drei und zwei Finger; bei zwei Ellen sechs, vier und drei Finger.
Kriyapada 8-15. Bei vier Ellen sind es acht, sechs und vier Finger, bei sechs Ellen zehn, acht und sechs; bei acht Ellen sechzehn, zwölf und acht Finger.
Kriyapada 8-16. Bei allen Gruben sind die Ränder jeweils gleich breit und hoch. Sie verlaufen ringsum in ihrem gleichbleibenden Maß, ohne Vertiefungen oder Erhöhungen.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja nach 8-16. „An sämtlichen Feuergruben sind nacheinander drei Ränder anzulegen, jeweils der betreffenden Grube entsprechend.“
Kriyapada 8-17. Im Westen oder auch im Süden der Grube lege man die Yoni an, die rituelle Ausflussform: mittig zu den Rändern und über ihnen allen liegend.
Kriyapada 8-18. Bei der Ratni-Grube ist die Yoni zwölf Finger lang; von der Wurzel zur Spitze misst sie der Reihe nach acht, vier und zwei Finger. Sie ist einen Finger hoch und besitzt eine deutlich hervortretende Spitze. [Hinweis: Die Wendung für den Übergang zur Spitze ist im Quellwortlaut nicht völlig eindeutig.]
Kriyapada 8-19. Bei den Gruben ab Aratni wird die Yoni angelegt, indem Länge und Breite von Stufe zu Stufe jeweils um zwei Finger zunehmen.
Unnummeriertes Zitat aus der Bhojarajendra-Paddhati nach 8-19. „So verhält es sich bei der ersten Grube. Bei den übrigen soll die Yoni jeweils um zwei Finger größer angelegt werden.“
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari. Bei einer Feuergrube von einer Elle: „Sie soll eine Spanne lang sein, im Westen liegen, einem Ashvattha-Blatt gleichen und allmählich abfallen. Die Nabelstelle misst der Reihe nach zehn und sechs Finger; ihre gerundete Spitze ist vier Finger breit.“ [Quellenhinweis: Die Zuordnung der letzten Maße ist im verkürzten Zitat unklar; sie wird nicht zu einem Bauplan ergänzt.]
Kriyapada 8-20. Für tägliche und befriedende Riten verwende man eine quadratische oder runde Grube. Andere nennen Quadrat und Kreis für alle erwünschten Ziele geeignet.
Kriyapada 8-21. Außerhalb der Grenzen markiere man vorn und im Westen ein Viertel. Mit einer diesem Maß entsprechenden, innen befestigten Schnur ziehe man von beiden Ecken Bögen; von der Mitte bis zum Ende der anderen Diagonale und weiter von den Ecken zu den zuvor markierten Punkten schlage man Schnurlinien. So entsteht die einer Yoni ähnliche Feuergrube in Ashvattha-Blattform. [Örtliche Ausnahme: Die räumlichen Bezüge des langen Konstruktionssatzes bleiben teilweise unklar; seine Angaben werden sinngemäß, ohne geometrische Rekonstruktion, wiedergegeben.]
Kriyapada 8-22. Man teile das Quadrat in vier Teile und entferne den äußersten Teil im Norden. Mit diesem Teilmaß setze man außerhalb im Osten und Westen zwei Marken.
Kriyapada 8-23. Ebenso im Süden: Durch das Schwenken der in der Mitte befestigten Schnur zwischen den beiden Punkten entsteht eine schöne halbmondförmige Grube. [Quellenhinweis zu 8-22: Das Verb beim nördlichen Teil ist bereits in der Vorlage mit Fragezeichen versehen.]
Kriyapada 8-24. Beim in vier Teile gegliederten Quadrat trage man vorn außerhalb, vom Westen aus, eine Seitenlänge ab. An den mittleren und westlichen Marken befestige man die Schnur und schwenke sie nach beiden Seiten; so entstehen zwei Fischfiguren. Durch diese und die vordere Marke lege man drei Schnurlinien: Daraus wird die nach Südwesten gerichtete dreieckige Grube. [Hinweis: Die Orientierung der ersten Maßangabe bleibt örtlich unsicher.]
Kriyapada 8-25. Oder man nehme ein Sechstel, das zuvor abgetragen wurde, und lege zwei Schnüre zu den südwestlichen und nordwestlichen Endpunkten; so entsteht ebenfalls ein Dreieck.
Kriyapada 8-26. Man befestige die Schnur im Mittelpunkt, lege sie an die Marke der östlichen Seite und führe sie im Kreis: So entsteht die schöne runde Feuergrube.
Unnummerierter Kommentar nach 8-26. Wegen der Bedeutung des Wortes „Seite“ und weil „östlich“ genannt wird, ist gemeint: Man lege außerhalb der östlichen Seite die betreffenden Fingermaße an. [Quellenhinweis: Der Kommentar enthält selbst eine fragliche, unvollständige Maßangabe.]
Kriyapada 8-27. Außerhalb des Quadrats trage man im Osten und Westen je ein Sechstel ab. Man befestige die Schnur in der Mitte und schwenke sie gleichmäßig um beide äußeren Punkte: Es entstehen vier Fischfiguren. Durch die dortigen Marken lege man die nördliche und südliche Schnurlinie; so entsteht eine sechseckige Feuergrube. [Örtliche Ausnahme: Die verkürzte geometrische Anleitung ist sinngemäß übertragen; die vollständige Lage sämtlicher Schnittpunkte bleibt ungesichert.]
Kriyapada 8-28. Bei einer runden Grube lege man außen auf ihrem Rand acht Lotusblätter an, jeweils so lang wie die halbe Grube. Dies heißt die Lotusform.
Kriyapada 8-29. Durch Schwenken um ein Zwölftel und ein Sechstel, innen und außen rings in den Richtungen, entstehen aus den beiden Kreisbögen je zwei Fischfiguren. Durch richtig gelegte Schnurlinien entsteht daraus ein schönes Achteck. Oder man gewinne es aus den Ecken der halben Richtungslinien und acht Fischfiguren, die aus den verbleibenden halben westlichen und östlichen Fünfteln hervorgehen. [Örtliche Ausnahme: Besonders die zweite Konstruktionsvariante ist in der gelieferten Wortfolge nicht sicher auflösbar. Die erhaltenen Maß- und Formangaben sind sinngemäß wiedergegeben.]
Kriyapada 8-30. Man teile das Quadrat in neun Teile, trage einen Teil innen und außen ab und setze Teilmarken in den Hauptrichtungen und Ecken. Durch die entsprechenden Schnurlinien entstehen zwei gleich große Quadrate; über Kreuz ergibt sich daraus ebenfalls eine regelmäßige, schöne achteckige Grube, nach Nordosten ausgerichtet.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der Feuergruben.
Kriyapada 8-31. Man stelle ein Quadrat her und teile es sechzehnfach: Daraus entstehen zweihundertsechsundfünfzig Felder.
Kriyapada 8-32. In die mittleren sechs mal sechs Felder zeichne man einen Lotus, außen darum mit einer Reihe den Sitz und um diesen mit zwei Reihen den Umgang. In den beiden äußeren Reihen lege man in den Haupt- und Zwischenrichtungen Tore, Hälse und Nebenhälse, Wangen und Nebenwangen an; in Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten die Eckfelder.
Unnummerierter Namenskommentar nach 8-32. Einige nennen die betreffenden Formen „Wangen und Nebenwangen“ oder „Schmuck und Nebenschmuck“. [Hinweis: Die Quelle stellt „Hälse und Nebenhälse“ und „Wangen und Nebenwangen“ ausdrücklich als unsichere Lesungsalternativen gegenüber.]
Kriyapada 8-33. Man lasse im Lotusfeld die Richtungslinien stehen und lösche die anderen. Außen lasse man ein Zwölftel frei und schwenke die verbleibende Schnurlänge im Kreis.
Kriyapada 8-34. Man teile die Kreisfläche mittels der Schnur gleichmäßig in vier Abschnitte: Sie reichen bis zum Samengehäuse, zu den Staubfäden, den Blattansätzen und dem Ende der Lotusblätter.
Kriyapada 8-35. Das zuvor freigelassene Zwölftel ziehe man außen als Kreis. So entsteht ein fünfter, „Raum“ genannter Bereich für die Blattspitzen.
Kriyapada 8-36. Man spanne beide Diagonalen und schlage vier Schnurlinien zwischen den Haupt- und Zwischenrichtungen; so erhält man sechzehn Schnurstrahlen.
Kriyapada 8-37. Zur Herstellung der Blattränder befestige man die Schnur in der Mitte des Blattansatzes, mit der Länge bis zum Blattende. Aus den beiden Zwischenräumen heraus schwenke man Halbmondbögen: So entsteht das Blatt.
Kriyapada 8-38. Halbiert man die Zwischenräume der sechzehn Lotuslinien mit weiteren Schnüren, ergeben sich zweiunddreißig gleichmäßige Teilstrahlen am Kreis der Blattspitzen.
Kriyapada 8-39. Man setze die Schnur an die Enden der beiden Linien beiderseits einer Blattspitzenlinie und führe sie zeichnend von Spitze und Wurzel zum Ende dieser Linie. So entsteht eine schöne Blattspitze. [Hinweis: Die räumliche Beziehung von „Spitze“ und „Wurzel“ ist in der knappen Anweisung unklar.]
Kriyapada 8-40. Reismehl gilt als weißes Farbpulver; Kurkuma, mit wenig Weiß vermischt, als kräftiges Gelb. Rot liefern Färberdistel, Zinnober und Jati; dunkles Pulver entsteht aus verbrannter Gerste und ähnlichen Stoffen. [Hinweis: Die genaue Bedeutung von „Jati“ als Farbmittel bleibt hier offen.]
Kriyapada 8-41. Dunkelgrün wird aus rituell geeigneten Blättern wie Shami, Lotus und Bilva gewonnen. Mit Körnern und anderen Stoffen der jeweiligen Farbe fülle man die Mandalas aus.
Kriyapada 8-42. Für gelbes Pulver werden Manahshila und Rochana empfohlen. Die fünf Gestalten, beginnend mit Brahma, sind den fünf Farben
Kriyapada 8-43. als Gottheiten zugeordnet, ebenso die mit Nivritti beginnenden Kalas und die Zeiten Krita, Treta, Dvapara und Kali.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-43. Ihre Farben sind Weiß, Rot, Dunkelgrün, Gelb und Schwarz. [Quellenhinweis: Die Aufzählung der Weltalter nennt vier, die Farbfolge fünf Positionen; der Text wird nicht ergänzt. Die historischen Pigmentangaben sind keine Empfehlung zur heutigen Verwendung der genannten Mineralstoffe.]
Kriyapada 8-44. Weiß, Rot und Schwarz denke man der Reihe nach durchdrungen von den drei Wirklichkeitsprinzipien, den drei Veden, Feuern, Welten, Kräften, Tagesübergängen, Eigenschaften und Gestirnscheiben; so verwende man sie.
Kriyapada 8-45. Um Lebensgenuss zu erlangen, erfolgt das Streuen gegen den Uhrzeigersinn, um Gedeihen zu erlangen, im Uhrzeigersinn.
Kriyapada 8-46. So setze der Kundige das Farbpulver in den Mandalas ein. Für Gedeihen streue er aus der Faust; wenn Befreiung erwünscht ist,
Kriyapada 8-47. mit Mittel-, Daumen- und Zeigefinger, bei befriedenden Riten mit allen Fingern. Wer die Mittel hat und höchste Vollendung wünscht, gestalte die Mandalas aus Edelsteinen der entsprechenden Farben: Perlen, Topasen, Rubinen, blauen und grünen Edelsteinen.
Unnummerierter Hinweis aus Bhojaraja nach 8-47. „Wer Vollendung wünscht, soll bei solchen Farbstoffen entsprechend Perlen, Korallen und weitere kostbare Stoffe verwenden“, sagt Bhojaraja.
Kriyapada 8-48. Alle Linien sollen überall weiß und vom Maß des Mittelfingers sein.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-48. Beim Zwei-Ellen-Mandala können sie daumenbreit, beim Ein-Ellen-Mandala ringfingerbreit sein.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja. „Die ersten Linien haben ein Fingermaß; die anderen sind um ein Gerstenkorn schmaler und um ein Gerstenkorn voneinander entfernt. Für den, der Befreiung wünscht, sind sie alle entsprechend anzulegen; für den, der Lebensgenuss wünscht, gleichmäßig.“ [Hinweis: Der Gegensatz im letzten Satz bleibt im gelieferten Wortlaut verkürzt.]
Kriyapada 8-49. Das Samengehäuse soll gelb sein; sämtliche Linien weiß und gleichmäßig.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-49. Beim Zwei-Ellen-Mandala sollen sie daumenbreit sein, beim Ein-Ellen-Mandala vom Maß des Mittelfingers. So lehren andere.
Kriyapada 8-50. In der Mitte liege das kräftig gelbe Samengehäuse mit neun schwarzen Samen. Zwischen den Blättern zeichne man jeweils zwei Staubfäden mit leicht gebogenen Spitzen.
Kriyapada 8-51. An der Wurzel seien sie dünn und gelblich, in der Mitte kräftig und rötlich,
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-51. am Ende deutlich schmal und gelb, ganz an der Spitze ein wenig weiß.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja. „Das Geflecht der Staubfäden ist an Wurzel, Mitte und Spitze weiß, rot und gelb.“ [Die von der vorherigen Anweisung abweichende Farbfolge bleibt erhalten.]
Kriyapada 8-52. Die acht Blätter gestalte man weiß, gleichmäßig, mit schönen aufgerichteten Spitzen: für Lebensgenuss; für Befreiung wie zum Anjali-Gruß zusammengefügt, bei Verehrungen Kamas und anderer mit scharfen Spitzen.
Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 8-52. „Auch vier Blattspitzen soll man rot färben.“
Kriyapada 8-53. Für Gauri, Sarasvati und andere Gottheiten forme man die Blätter wie Ashvattha-Blätter;
Kriyapada 8-54. für die Herren der Vidyas und die Planeten gestalte man ihre Spitzen wie Kuhohren. Den Sitz versehe man mit weißen, roten, gelben und schwarzen Füßen, mit schönen blauen Pflöcken und vier verschiedenfarbigen Körperteilen; oder man wähle die Farben nach Wunsch.
Unnummeriertes Zitat aus dem Tattvasagara nach 8-54. „Am Sitz sind in den Hauptrichtungen jeweils zwei Felder zu löschen, in jeder Ecke jeweils drei.“
Kriyapada 8-55. Den Umgang schmücke man mit Ranken, Laubdächern und Blättern. Außerhalb fülle man in den vier Richtungen die Tore mit Weiß aus.
Kriyapada 8-56. Für jedes Tor liegen beiderseits der Richtungslinie zwei Felder in der inneren Reihe; in der äußeren Reihe kommen beiderseits je zwei hinzu. Diese sechs Felder lösche man in jeder Richtung zusammen.
Kriyapada 8-57. Innerhalb der Tore, an ihren beiden Seiten, sind jeweils drei Felder;
Kriyapada 8-58. um Hals und Nebenhals herzustellen, lösche man außen jeweils eines hinzu. So entstehen acht Hälse und Nebenhälse mit jeweils vier Feldern. Seitlich daneben entstehen entsprechend, in umgekehrter Richtung, Wangen und Nebenwangen.
Kriyapada 8-59. Danach bleiben in den Ecken jeweils sechs Felder übrig.
Kriyapada 8-60. Diese gebe man zur Ausgestaltung der Ecken frei oder zeichne Stiere hinein. Hälse und Nebenhälse färbe man rot, Wangen und Nebenwangen
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-60. – die acht Formen – gelb und deckend, sodass der Boden nicht durchscheint.
Kriyapada 8-61. Außen zeichne man ringsum die zuvor genannten Gunas Sattva, Rajas und Tamas: mit weißen, roten und schwarzen Farbpulvern, jeweils daumenbreit und durch einen Zwischenraum von einem Gerstenkorn getrennt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Bhadraka-Mandalas.
Kriyapada 8-62. In einem achtfach geteilten Quadrat mit vierundsechzig Feldern
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-62. zeichne man in die mittleren vier Felder den Lotus samt Sitz.
Kriyapada 8-63. Die äußere Reihe bildet den Umgang. In den beiden Reihen außerhalb davon fasse man in den vier Richtungen jeweils vier Felder zusammen und bilde gleichmäßige weiße Tore.
Kriyapada 8-64. Beiderseits der Tore liegt in der äußeren Reihe jeweils ein Feld.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-64. Man verbinde es mit dem Tor und lösche die Trennlinie; daraus entstehen Hals und Nebenhals. In jeder Ecke lasse man ein Feld stehen; aus den übrigen, jeweils fünf Feldern
Kriyapada 8-65. entstehen durch Zusammenfassung vier Wangen und ebenso viele Nebenwangen.
Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 8-65. „Von diesen ist das von Osten nach Westen verlaufende Feld die Wange; das von Süden nach Norden verlaufende ist die Nebenwange.“
Kriyapada 8-66. Nach dem bereits gelehrten Verfahren fülle man Samengehäuse und die übrigen Teile sowie den Umgang mit den genannten Farben aus. Die Tore sind weiß, die Wangen rot oder auch gelb.
Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 8-66. „Wangen und Nebenwangen färbe man von der südöstlichen Ecke an der Reihe nach rot, gelb, dunkelgrün und weiß.“
Kriyapada 8-67. Die Eckfelder, beginnend im Südosten, fülle man mit Gelb, Dunkelgrün, Schwarz und Rot.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-67. Andere lehren, sie alle schwarz zu färben.
Kriyapada 8-68. Außen stelle man wie zuvor die drei Gunas in Weiß, Rot und Schwarz dar. Dies ist das Sarvatobhadra-Mandala, „von allen Seiten glückverheißend“; durch Zusammenfassen der sechs Eckfelder entsteht das Bhadra.
[Nummerierungshinweis: Auf 8-68 folgt in der gelieferten Quelle 8-73. Verse 8-69–72 sind dort nicht enthalten und werden nicht ergänzt.]
Kriyapada 8-73. In allen Mandalas sollen die Lotusblätter und Tore weiß sein; der Umgang ist mit Ranken und weiteren Formen versehen, sofern nichts Besonderes angegeben wird.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Sarvatobhadra.
Kriyapada 8-74. In einem zweiunddreißigfach geteilten Quadrat entstehen eintausendvierundzwanzig Felder. In die sechsunddreißig mittleren Felder zeichne man wie zuvor einen Lotus.
Kriyapada 8-75. Die äußere Reihe wird zum Sitz. In den sieben Reihen außerhalb zeichne man acht Lingas, jeweils beiderseits der Richtungslinien.
Kriyapada 8-76. Mit querliegenden Feldfolgen von sechs, vier, zwei, vier und sechs Feldern entsteht der schöne Sitz mit Hals, vom Brahma-Teil bis zur Wasserplatte.
Kriyapada 8-77. Oberhalb des Sitzes bilden vier Felder in den beiden mittleren Reihen das Linga; seine mittlere Schnurlinie wird so geschwenkt, dass sein Kopf gerundet ist.
Kriyapada 8-78. Für jene, die Lebensgenuss wünschen, zeichne man die Lingas nach innen gerichtet; für Befreiungssuchende umgekehrt, mit den Sitzen nach innen.
Kriyapada 8-79. Beiderseits von Hals und Sitz entstehen aus je vier Feldern zwei Bhadra-Formen. Zwischen den Lingas lege man in den Ecken mit je fünfundzwanzig Feldern Ranken an.
Kriyapada 8-80. Die Linien innerhalb dieser Felder werden in einem gewundenen, dem Lauf von Kuhurin ähnlichen Muster verbunden. Durch Löschen der übrigen Linien entstehen zu den Zwischenrichtungen verlaufende Ranken.
Kriyapada 8-81. Zwischen den Kanten der Ranken zeichne man auch Blätter, mit an der Ranke ansetzenden Wurzeln und gebogenen Spitzen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-81. Außerhalb davon fasse man mit zwei Reihen wie zuvor den Umgang zusammen.
Kriyapada 8-82. Man schmücke den Umgang mit besonderen Wunschranken. In den drei äußeren Reihen lösche man für die Tore, von innen beginnend, vier, sechs und acht Felder zusammen.
Kriyapada 8-83. Schmuck- und Nebenschmuckformen entstehen durch Löschen von zwei, vier und sechs Feldern.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-83. In jeder Ecke fasse man gesondert einundzwanzig Felder zusammen.
Kriyapada 8-84. Lotus und sämtliche übrigen Teile schmücke man wie beim Bhadraka mit den fünf Farbpulvern. Die acht Lingas fülle man mit den für die fünf Gesichter genannten Farben oder nach eigenem Wunsch aus.
Kriyapada 8-85. Dies ist das Parvatikanta-Prasada-Mandala, das Mandala der erhabenen Gestalt von Parvatis Geliebtem, geschmückt mit acht Lingas, Ranken, Lotus, Umgang und Umfassungsmauer.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Parvatikanta-Prasada.
Kriyapada 8-86. Ein vier Ellen großes Quadrat, zwanzigfach geteilt, enthält vierhundert Felder. In der Mitte liegt der Lotus aus sechsunddreißig Feldern.
Kriyapada 8-87. Eine Reihe bildet den Sitz, eine weitere den Umgang; darauf folgen vier Reihen mit Toren, Lingas und rings angelegten Ranken. Die äußere Reihe bildet den äußeren Umgang.
Kriyapada 8-88. Lotus, Sitz und Umgang gestalte man ordnungsgemäß wie beim Bhadraka. In den Richtungen lege man Tore an, nach Reihen mit zwei und acht Feldern. [Quellenhinweis: Die komprimierte Zahlenverbindung ist nicht eindeutig; keine fehlende Zwischenzahl wird eingesetzt.]
Kriyapada 8-89. Zwischen den Umgängen bilden drei mit dem Tor verbundene Felder den Bodensitz, ein Feld den Halssitz, drei Felder die Wasserplatte und ein Feld das Linga.
Kriyapada 8-90. Oben und unten in den vier Sitzfeldern befestige man die Schnur an deren inneren Ecken; sie messe die Hälfte einer Feldseite.
Kriyapada 8-91. Man schwenke sie und entferne die vier äußeren abgeschnittenen Ecken. So entsteht ein schöner, mit zwölf Vorsprüngen geschmückter Sitz.
Kriyapada 8-92. Man fülle das gesamte Bild vom Lotus bis zum Umgang wie zuvor mit Farbpulvern aus. Dieses Shankara liebe Mandala ist unter dem Namen „Entstehung von Ranken und Lingas“ bekannt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Lataliṅgodbhava-Mandalas.
Kriyapada 8-93. In einem sechzehnfach geteilten Quadrat lege man in den vier Richtungen vier Lingas an, mit der Feldanordnung des Parvatikanta-Mandalas.
Kriyapada 8-94. Aus den vier verbleibenden mittleren Feldern und ebenso vielen Feldern zwischen den Lingas entsteht von selbst ein vierblättriger Lotus, wenn die Köpfe der Lingas abgerundet werden.
Kriyapada 8-95. Acht Bhadra-Formen liegen an den Hälsen, die Ranken wie zuvor in den Ecken. So gezeichnet heißt das Mandala „die fünf Brahmas“.
Kriyapada 8-96. Das runde Samengehäuse im mittleren Lotus ist gelb, die feine Reihe der Staubfäden rot. Isha befindet sich in der Mitte; Purusha und die übrigen stehen mit ihren eigenen Farben in den Lingas der zugehörigen Himmelsrichtungen.
Kriyapada 8-97. Zeichnet man an den Stellen der Ranken Swastikas, löscht man der Reihe nach ein, drei und fünf Felder zusammen.
Kriyapada 8-98. Dies ist das Swastika-Lotus-Mandala. Oder man verwende ein zwölfgeteiltes Feld: In der Mitte entsteht der Lotus aus sechzehn Feldern, und entsprechend liegen Swastikas in den acht Richtungen.
Kriyapada 8-99. Swastikas und Lotus fülle man wie zuvor mit Farbpulvern. Das Swastika-Zeichen wird zum Wohlergehen gepriesen und als von allen Gottheiten begrüßt beschrieben. [Redaktioneller Hinweis: Gemeint ist hier das alte indische Glückszeichen in seinem religiösen Zusammenhang.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der beiden Swastika-Lotusformen.
Kriyapada 8-100. In einem achtzehnfach geteilten Feld lege man zuerst die Mitte des zentralen Swastikas fest. Ringsum lösche man jeweils fünf Felder in der Form einer Wegkreuzung zusammen.
Kriyapada 8-101. Die Linien sollen jeweils ein Feld lang, rechtwinklig gebogen und in Swastika-Form miteinander verbunden bleiben; die übrigen Linien werden gelöscht.
Kriyapada 8-102. Es entstehen siebenundfünfzig Swastikas zusammen mit zwölf Bhadra-Formen; dazwischen liegen zweiundfünfzig Sarvatobhadra-Wegkreuzungen.
Kriyapada 8-103. Die einzelnen übrig gebliebenen Eckfelder schmücke man weiß; Bhadra-Formen und Wegkreuzungen mit Blau, Gelb, Rot und Dunkelgrün.
Kriyapada 8-104. Dieses Mandala heißt Sarvatobhadra-Swastika. Einige nennen es Sarvaswastika, „überall Glückszeichen“; es ist Shiva und Shakti lieb.
Kriyapada 8-105. Oder man teile das Feld sechzehn-, vierzehn-, zwölf-, zehn-, acht- oder siebenfach. Durch das bereits erklärte Löschen entstehen Mandalas, die ringsum Swastikas und Bhadra-Formen enthalten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Swastika-Sarvatobhadra-Mandalas.
Kriyapada 8-106. In einem Quadrat von zwei Ellen zeichne man einen Radlotus ohne Sitz, mit einer einzigen Nabe. Seine Merkmale folgen der Einteilung in Fingermaße.
Kriyapada 8-107. Man befestige die Schnur im Mittelpunkt des Lotus und schwenke sie mit den Maßen eines halben Lotus, neun, drei, acht und vier Finger: So entstehen Lotus, Nabe, Speichen und Radkranz. [Quellenhinweis: Fünf Maßangaben stehen vier benannten Teilen gegenüber; ihre genaue Zuordnung bleibt offen.]
Kriyapada 8-108. Man zeichne den Lotus wie zuvor und fülle die Nabe gelb aus. Hat das Rad ebenso viele Speichen wie der Lotus Blätter, verlängere man die Blattlinien;
Kriyapada 8-109. darauf zeichne man die Speichen ordnungsgemäß. Soll die Zahl der Speichen doppelt so groß sein, verlängere man entsprechend die Linien der Blattspitzen und Blattzwischenräume: So entstehen die betreffenden Speichen.
Kriyapada 8-110. Man teile das Speichenfeld dreifach und markiere innen zwei Teile. Dort schlage man mithilfe von Fischfiguren die Schnurlinien und zeichne die Speichen.
Kriyapada 8-111. Sie können Blättern des blauen Lotus oder des Ashvattha gleichen, einer Zitronatzitrone, Lotusblättern oder Gerstenkörnern; oder sie sind in der Mitte schmal, wie Ameisen.
Kriyapada 8-112. Die Speichen sind abwechselnd rötlich und dunkelgrün. Am Ende gleichen sie dem Gelb von Gorochana; gelb sind auch die Speichenverbindungen.
Kriyapada 8-113. Man teile den Radkranz dreifach und fülle ihn in der Mitte weiß, außen schwarz und innen gelb aus. Die mit schönen Swastika-Zeichen versehenen Ecken färbe man schwarz.
Kriyapada 8-114. Von der Stelle zwischen den Speichenverbindungen aus ziehe man den Bogen außerhalb des Radkranzes; von der Mitte einer Speichenverbindung aus schwenke man zur Speichenwurzel.
Kriyapada 8-115. Von der Speichenmitte aus ziehe man den Bogen des mittleren Speichenteils. So entstehen nach und nach Speichen in der Form einer Zitronatzitrone.
Kriyapada 8-116. Man lege die Schnur an die Speichenspitze und ziehe sie von der Wurzel der Speichenverbindung sowie von den beiden Speichenseiten aus gesondert als Linie: So entstehen Speichen wie ausgebreitete Blätter des blauen Lotus.
Kriyapada 8-117. Von der Speichenmitte aus lasse man vor der Spitze etwas frei, wie bei einem Lotusblatt. Durch Bögen von der Speichenverbindung und von der Spitze entstehen lotusblattförmige Speichen. [Hinweis: Die genaue Abfolge der Bezugspunkte bleibt in der verkürzten Anleitung örtlich unsicher.]
Kriyapada 8-118. Gerstenkornförmige Speichen sollen an Spitze und Wurzel schmal, in der Mitte breit sein; sie greifen um ein Drittel in die Speichenverbindung hinein und erhalten der Reihe nach scharfe Spitzen.
Kriyapada 8-119. Man teile das Speichenfeld dreifach. Von der Mitte zwischen erstem und zweitem Teil aus ziehe man einen Bogen; im dritten Teil zeichne man, wie bei einer Blattspitze,
Kriyapada 8-120. mit zwei halbmondförmigen Linien die Spitze. So entstehen dort Speichen in der Form von Ashvattha-Blättern.
Kriyapada 8-121. … in der Mitte der Speichenverbindung … Durch seitliches Schwenken von je einer halben Teilstrecke entstehen zwischen zwei Linien Speichen mit schmaler Mitte, die „ameisenleibförmig“ heißen. [Örtliche Ausnahme: Der Versanfang und eine weitere Wortverbindung sind bereits in der Quelle beschädigt beziehungsweise mit Fragezeichen versehen; die erkennbaren Konstruktionsangaben sind sinngemäß übertragen.]
Kriyapada 8-122. Die Zwischenräume der Speichenverbindungen schmücke man mit verschiedenartigen Blüten; auch die bestrichene Fläche außerhalb des Bildes schmücke man mit Blumenreihen.
Kriyapada 8-123. Damit ist der Radlotus mit einer Nabe erklärt, der Shiva, Arya, Sonne und Keshava lieb ist. Weitere schöne Radlotus-Mandalas mit neun Naben sind entsprechend zu erschließen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Radlotus.
Kriyapada 8-124. Durch Schwenken der im Osten liegenden Schnur mit dem halben Maß des Samengehäuses und entsprechende seitliche Verbindung entstehen zwölf Fischfiguren.
Kriyapada 8-125. Mit den dadurch geschlagenen Schnurlinien und den Linien der Blattzwischenräume entsteht ein zwölfblättriger Lotus. Durch gleichmäßige Teilung des achtblättrigen Lotus entsteht einer mit sechzehn schönen Blättern.
Kriyapada 8-126. Von der Schnur am Ende der Staubfaden- und Raumlinie bis zu den Staubfadenspitzen markiere man Fischfiguren; so entsteht ein fünfblättriger Lotus. [Hinweis: Die zusammengesetzte Ortsangabe bleibt geometrisch unklar.]
Kriyapada 8-127. Mit Samengehäuse und Blattansätzen verfahre man wie zuvor, um sechs Blätter herzustellen. Für sieben setzt man die Blattspitze mithilfe von Raumlinie und Samengehäuse an.
Kriyapada 8-128. Mit Blattansatz und Samengehäuse und einer am Blattansatz gesetzten Fischmarke entstehen neun Blätter. Schlägt man fünf Schnurlinien, ergibt sich ein zehnblättriger Lotus.
Kriyapada 8-129. Man setze die Marke im Zwischenraum zwischen Staubfäden und äußerem Raum. Durch das Schlagen der Schnurlinien entsteht so ein elfblättriger Lotus.
Kriyapada 8-130. Von Blattspitze und Blattansatz aus setze man die Markierung an die Blattspitze und schlage dort die Schnurlinien: So entsteht ein Lotus mit der als „Abhikriti“ bezeichneten Blattzahl. [Quellenhinweis: Die Zahlenchiffre wird mangels eindeutiger Auflösung in diesem Zusammenhang nicht in eine erfundene Zahl umgewandelt.]
Kriyapada 8-131. Wünscht man darüber hinaus mehr Blätter, zeichne man nach demselben Verfahren, durch entsprechendes Überlegen und mittels Fischfiguren und Schnurlinien, Lotusbilder nach Wunsch.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Merkmale der verschiedenen Blattzahlen.
Kriyapada 8-132. Nach den Merkmalen der halbmondförmigen und anderen Feuergruben fertige man durch Schnurlinien entsprechend geformte Halbmondbilder und weitere Figuren an.
Kriyapada 8-133. So wurde das Verfahren für Feuergruben und Mandalas in seinen Hauptzügen gelehrt, das die besonderen Shiva-Rituale vollenden soll. Viele verschiedene Shiva-Agamas wurden hierzu wiederholt geprüft, um den vorzüglichen Lehrern Freude zu bereiten.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im Kriyapada des oberen Teils, das achte Kapitel: „Feuergruben und Mandalas“.
Zur Besinnung. Ein Mandala entsteht hier Schritt für Schritt aus einer Mitte, aus Beziehungen und aus sorgfältig gezogenen Grenzen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann diese Ordnung ein Bild gesammelter Aufmerksamkeit sein. Diese heutige Betrachtung ergänzt die historische Bau- und Ritualbeschreibung, ohne ihre örtlichen Textunsicherheiten aufzulösen.
Kriyapada, Kapitel 9: Opfergeräte, Gaben und Reinigung
Das Kapitel beschreibt die Geräte und Stoffe des Feueropfers: Schöpflöffel, Reibelholz, Brennholz, Gras, Gefäße und Opfergaben. Es unterscheidet äußere Reinigungsverfahren und die Reinheit des Geistes. Die sozialen Reinheitsgrenzen des historischen Textes bleiben als solche erkennbar.
Kapiteleröffnung. Nun das neunte Kapitel.
Kriyapada 9-1. Ich werde die Merkmale des großen und des kleinen Opferlöffels erklären. Der große Löffel soll eine Elle lang sein, schön aus Palasha-, Khadira- oder Shami-Holz gefertigt. Seine quadratische Schale misst in der besten Ausführung sieben Finger, in der mittleren sechs, in der geringeren fünf. In ihrer Mitte liegt eine Vertiefung, die ein Drittel einnimmt.
Kriyapada 9-2. Die runde Höhlung ist so tief wie breit; außen liegen drei Ränder, mit einem Lotus dazwischen ringsum. Der Hals ist in der Breite rundlich und einen Finger lang. Daran schließt sich eine Spitze von fünf Fingern Länge und ebenso großer Breite an. [Quellenhinweis: Der Ausdruck für die Halsbreite nennt kein eindeutig bestimmbares Zahlenmaß.]
Kriyapada 9-3. In der Halsmitte liegt ein Kanal; die Spitze ist dreieckig. Die längliche Rinne soll das Ghee ausfließen lassen und so groß sein, dass der kleine Finger hineinpasst. Die Rückseite trägt einen Lotus; die ganze Schale gleicht einer Elefantenlippe. Der übrige Teil bildet einen runden Stiel, dessen Ende ebenfalls mit einem Lotus gekennzeichnet ist.
Kriyapada 9-4. Unter dem Lotus misst der Umfang des Stielendes sechs Finger. Der Stiel wird wie ein Unterarm allmählich dicker und misst an seiner Wurzel acht Finger. Dort befindet sich ein Stier oder ein Lotus. Man fertige den überall glatten Opferlöffel aus fehlerfreiem Holz von Bäumen eines geeigneten Ortes.
Kriyapada 9-5, erste Quellmarke. Den kleinen Opferlöffel fertige man aus derselben Holzart, zwei Spannen lang. Seine runde Schale sei einen Finger groß; die beiden Höhlungen darin je einen halben Finger. Zwischen ihnen liegt eine Scheidewand von einem Gerstenkorn. Die glatten, kuhtrittförmigen Mulden fassen ein Karsha Ghee; an der Rückseite liegen zwei Wölbungen vom Maß zweier Gerstenkörner.
Kriyapada 9-5, zweite Quellmarke. Zwischen den beiden Wölbungen verläuft eine gerstenkornbreite Linie. Unter der Schale liegt ein Hals mit Lotusmerkmal, darunter ein gleichmäßiger runder Stiel. Sein Ende misst im Umfang einen Finger, die Wurzel anderthalb. Vom Hals an gleicht er einem Kuhschwanz und wird zur Wurzel hin dicker.
[Nummerierungshinweis: Die gelieferte Fassung wiederholt 9-5 und geht anschließend zu 9-7 über. Keine Marke 9-6 wird erfunden.]
Unnummerierte abweichende Maßangabe nach der zweiten Marke 9-5. Einige lehren, dass die großen Opferlöffel eine Armlänge oder ein Aratni messen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der beiden Opferlöffel.
Kriyapada 9-7. Man schneide einen Pippala-Zweig, insbesondere von einem Ashvattha, der in einem Shami-Baum gewachsen ist. Aus fehlerfreien, gleichmäßig sechs Finger langen Stücken fertige man das Reibelholz. Sein Umfang beträgt sechs Finger; der Kopf liegt an der Wurzel, der Fuß an der Spitze. In der Mitte liegt die vier Finger messende, zum Feuerreiben geeignete Vertiefung. [Hinweis: Die Holzangabe ist syntaktisch gedrängt; die besondere Verwachsung der beiden Baumarten wird nicht durch eine andere Lesung ersetzt.]
Kriyapada 9-8. Auch das obere Reibelholz soll aus Ashvattha bestehen und sechs Finger messen. Den geraden Drehstab fertige man aus Khadira und nehme eine feste Zugschnur. Damit erzeuge man das Feuer. Als Brennstoff dienen rindenfreie, kernige, gespaltene Stücke geeigneter Bäume; angefacht wird es mit einem Fächer und ähnlichen Geräten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Das Verfahren mit den Reibehölzern.
Kriyapada 9-9. Zu meiden sind krumme, abgeblätterte, dünne, wurmzerfressene, gespaltene oder von ungeeigneten Orten geholte Hölzer, ebenso kurze, dickrindige, beschädigte, überlange und angebrannte. Die übrigen, an reinen Orten gewachsen und gleichmäßig zugeschnitten, sind geeignet. Als vorzüglich gelten sie, wenn ihr Umfang dem Mittel- beziehungsweise Ringfinger entspricht; solche vom Maß des kleinen Fingers gelten als geringere.
Kriyapada 9-10. Das Brennholzbündel besteht aus achtzehn Hölzern von einer Spanne Länge, nach anderer Angabe von einem Ratni. Drei Einfassungshölzer sind eine Elle lang: das lange liegt im Süden, das dicke im Westen, das dünne und kurze im Norden. Kaushika-, Bala- und Kusha-Gräser gelten der Reihe nach als vorzügliches Darbha-Gras. [Hinweis: Die genaue botanische Identifikation der historischen Grasnamen bleibt offen.]
Kriyapada 9-11. Zu meiden sind Gräser ohne Spitzen, mit Fingernägeln ausgerissene, von Würmern beschädigte, schon für andere Riten verwendete, nach Süden gerichtete, von einem Tiger übersprungene oder anderweitig beeinträchtigte, rauchfarbene und oben vertrocknete. Geeignet sind dunkelgrüne, weiche, frische, geschnittene Gräser, feuchte wie getrocknete. Die Flechtung und Weiteres werden im Kapitel über die Feuerhandlung erklärt.
Unnummerierte Angaben zu Darbha-Gebinden nach 9-11. Eine Flechtung wird aus dreißig Darbha-Halmen gefertigt. Für die Umstreuung von Osten an werden Halme in den durch Ashti, Atyashti, Dhriti und Atidhriti bezeichneten Zahlen verwendet. Ein aus sechsunddreißig Halmen gebundenes Grasbüschel heißt „Schwert der Erkenntnis“; einige nennen zweiunddreißig. Das gewöhnliche Büschel besteht aus zwei Halmen, das besondere aus fünf – so in der Samhita. [Hinweis: Die vier metrischen Zahlenbezeichnungen werden hier als Quellchiffren bewahrt; eine nicht aus dem gelieferten Zusammenhang gesicherte Auflösung wird vermieden.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Das Verfahren für Brennholz und Opfergras.
Kriyapada 9-12. Das Ghee-Gefäß soll einer flachen Schale gleichen, acht Finger breit und halb so hoch sein; sein Ausguss misst vier Finger. Das Gefäß für das bereitgestellte Wasser ist sechs Finger breit und ebenso hoch; das Besprengungsgefäß acht Finger breit und ebenso hoch, mit einem Ausguss.
Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara nach 9-12. „Überall ergeben Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer und Ton vorzügliche, mittlere beziehungsweise geringere Früchte.“ [Quellenhinweis: Vier Werkstoffe stehen drei Rangbezeichnungen gegenüber; keine zusätzliche Rangstufe wird ergänzt.]
Kriyapada 9-13. Als geringes Gefäß für den Opferbrei gilt eines mit acht Kuduba Inhalt; das mittlere fasst zwölf, das beste sechzehn. Kupfer wird als vorzüglich bezeichnet, anderes als geringer. Der Rührlöffel soll einundzwanzig Finger lang sein; sein runder Kopf misst sieben beziehungsweise fünf Finger, sein hinteres Ende zwei. [Quellenhinweis: Die Verbindung der beiden Kopfmaße ist im gelieferten Satz unklar; die Zahlen bleiben sichtbar.]
Kriyapada 9-14. Geeignet für den Opferbrei sind weißer Shali-Reis, weißer Sechzigtage-Reis, Kalama und Nivara, gereinigt und frei von Hülsen, Steinchen und anderen Beimischungen. Frisches Ghee von der eigenen Kuh gilt als bestes, frisch gekauftes als mittleres und gekauftes, nicht mehr frisches als geringeres; es soll von der Kuh stammen und gefiltert sein.
Kriyapada 9-15. Honig soll in Geruch und Geschmack unverdorben sein; gekauften filtere man erneut. Man nehme frischen gekauften Kristallzucker, Zuckerbrocken und Zuckerrohrmelasse, wobei jeweils das zuvor Genannte höher geschätzt wird. Alles sei rein und auf redliche Weise erworben. Sämtliche Körner für das Feueropfer, Sesam eingeschlossen, seien gewaschen und gereinigt.
Kriyapada 9-16. Auch andere wohlschmeckende Früchte, Wurzeln und weitere Gaben sollen rein und frisch sein. Außer bei Reis und ähnlichen Körnern gilt eine daumengroße Portion als Opfergabe. Bei diesen greife man mit fünf Fingern; für Ghee und andere Flüssigkeiten wird ein gefüllter kleiner Opferlöffel angegeben. Von geröstetem Reis nimmt man eine Handvoll, von Lotus- und anderen Blüten jeweils eine.
Kriyapada 9-17. Von Ranken nimmt man ein vier Finger langes Stück; bei Körnern, Sesam und Mehl gilt der „Rehgriff“. So heißt der Griff von Daumen und Mittelfinger. Duftstoffe haben Kichererbsengröße, Guggulu-Harz die Größe eines Jujubekerns; bei Speisen und großen Früchten gilt eine Aksha-große Portion als Opfergabe. [Hinweis: Das historische Vergleichsmaß Aksha bleibt ohne unbelegte moderne Gewichtsangabe.]
Kriyapada 9-18. Von Datteln, Inguda-Früchten, Trauben, Jujuben, Jambu-Früchten und Blättern nimmt man jeweils eines, vom Zuckerrohr ein Glied. Bei gemischten Speiseopfern nimmt man, was die fünf Finger halten; von Durva drei Spitzen, vom Brennholz jeweils ein Stück.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Maße der Opfergaben.
Kriyapada 9-19. Die Vardhani fasst ein volles Bhara Wasser, der Kumbha ein Khari, der Kalasha ein Drona. Die Karkari wird mit der als „Shiva“ bezeichneten Menge gefüllt, die Ghatika mit einem Adhaka; eine Schale fasst zwei Kuduba. Ein Prasarata-Gefäß, eine Muschel und ebenso die Lampe werden mit einem Kuduba gefüllt. [Quellenhinweis: Die Karkari-Angabe ist in der Vorlage beschädigt beziehungsweise mit Lesungsalternative versehen; die genaue Menge bleibt ungesichert. Die Gefäß- und Volumennamen werden nicht gleichgesetzt.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Gefäßmaße.
Kriyapada 9-20. Nun werde ich die Reinigung der Gefäße und Stoffe erklären. Man wasche sie mit Wasser, bis Geruch, anhaftende Salben und Ähnliches verschwunden sind. Man reibe sie auch mit Pulvern ab und wasche sie nochmals mit warmem Wasser. So werden die Gefäße gereinigt; nun folgen besondere Verfahren.
Kriyapada 9-21. Ein Goldgefäß wird mit Wasser gereinigt, sodass der Belag entfernt ist; ein Kupfergefäß mit saurem Wasser, ein silbernes mit Kuhdung. Bronze wird mit Aschenwasser gereinigt, Edelstein mit Sonnenstrahlen oder Wasser. Ein neues Tongefäß reinigt man durch Brennen, ein hölzernes durch Abschaben.
Kriyapada 9-22. Für Eisen wird Reinigung durch Erhitzen gelehrt. Metalle werden durch ihre Bearbeiter gereinigt; auch durch Berührung oder durch Heranbringen an ein Pferdemaul, sofern keine andere Verunreinigung vorliegt. Leder, Seile und Stoffe reinigt man durch Einweichen in Laugenwasser; Flaschenkürbis- und Bambusgefäße mit Wasser und durch Reiben mit Kuhhaaren. [Quellenhinweis: Der Satz über Metall, Berührung und Pferdemaul bleibt in seiner Verknüpfung unsicher. Diese und die folgenden Angaben beschreiben historische rituelle Reinheit.]
Kriyapada 9-23. Auch wassergefüllte Gefäße werden gereinigt, indem man Feuer um sie herumführt. Körner, Früchte, Darbha-Gras, Wurzeln und Opferholz reinigt man durch Besprengen und Waschen. Gefärbte Seiden-, Dukula- und feine Gewänder, deren Farbe beim Begießen mit Wasser ausbleichen würde, werden mit weißem Senf gereinigt.
Kriyapada 9-24. Holz-, Bambus- und Tongefäße sind wegzuwerfen, wenn sie durch Schleim, Speisereste, Ausscheidungen oder gebrauchte Opferreste verunreinigt wurden. Fette werden, sofern keine schwere Verunreinigung vorliegt, durch das Vorüberführen einer Flamme gereinigt; Wasserstellen und Ähnliches nachts durch den Anblick einer Feuerflamme.
Kriyapada 9-25. Erde wird gereinigt, wenn Kühe darauf geweilt haben, wenn ihre Oberfläche umgegraben, gepflügt oder abgetragen wurde. Gebäude reinigt man mit Wasser und gutem Kuhdunganstrich. Auch eine Segenshandlung, das Speisen von Brahmanen oder Abschaben reinigt den Boden. Nach dem Gespräch mit einem als Sünder Geltenden soll ein Gespräch mit einem Brahmanen die Rede reinigen. [Redaktioneller Hinweis: Die soziale Hierarchie dieser Reinheitslehre ist Bestandteil des historischen Textes.]
Kriyapada 9-26. Körper und Geist werden durch Pranayama gereinigt. Nach Berührung von Menschen, die der Text als „unberührbar“ einstuft, soll man bekleidet ins Wasser eintauchen. Nach dem Essen, Niesen, Ausspucken und Gähnen sowie nach dem Anblick von Menschen außerhalb der Kastenordnung und von Hunden vollziehe man das rituelle Wasserschlürfen. [Diese diskriminierende historische Einteilung ist keine heutige spirituelle Handlungsanweisung.]
Kriyapada 9-27. Brunnenwasser wird durch Ausschöpfen gereinigt; große Wassermengen durch kräftige Strömung oder durch Berührung mit Sonnenstrahlen. Feuer wird durch Besprengen mit mantra-geweihtem Wasser gereinigt; rituell unterhaltenes Feuer durch eine Sühnehandlung oder das Verfahren der Feuereröffnung.
Kriyapada 9-28. Duftstoffe und Ähnliches reinigt man durch Besprengen mit Mantrawasser, Milchreis und andere Speisen durch Übergießen mit Ghee. Bei geringfügiger Verunreinigung genügt das Vorüberführen eines brennenden Darbha-Halms. Die Reinigung der übrigen Stoffe ist entsprechend zu erschließen.
Kriyapada 9-29. Allgemein liegt der Grund aller Vorzüglichkeit in der Reinheit der Handlungen, der verwendeten Stoffe und des eigenen Wesens; entscheidend ist dabei die Reinheit des Geistes. Ist der Geist eines Menschen nicht durch Begierde und ähnliche Regungen verdorben, liegen ihm alle vier Lebensziele gleichsam in der Hand.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im Kriyapada, das neunte Kapitel: „Die Merkmale der großen und kleinen Opferlöffel und der weiteren Geräte“.
Zur Besinnung. Der Schlussvers öffnet den Blick von den Gegenständen zum Geist. Für heutige Yoga-Aspiranten liegt darin eine verständliche Anregung: Sorgfalt im äußeren Tun kann von Ehrlichkeit, innerer Klarheit und dem prüfenden Umgang mit den eigenen Wünschen begleitet werden.
Kriyapada, Kapitel 10: Die Aussaat glückverheißender Keime
Die Vorbereitung einer Einweihung oder eines größeren Festes beginnt hier mit der rituellen Aussaat. Gefäße, Samen und Wasser werden geordnet und geweiht; das Wachsen der Keime begleitet mehrere Nächte der Verehrung. Die Deutung der Pflanzen als Vorzeichen gehört zum historischen Ritualverständnis.
Kapiteleröffnung. Nun das zehnte Kapitel.
Kriyapada 10-1. Im Kapitel über die sechs Grundbegriffe wurde die Einweihung bereits mit ihrer Begründung vorgestellt. Nun werde ich sie mit ihren Unterarten und den besonderen Befähigungen des guten Lehrers erklären. [Quellenhinweis: Der Versanfang enthält mehrere ausdrücklich fragliche Lesungen; der erkennbare Satzsinn wird wiedergegeben.]
Kriyapada 10-2. Durch die Diksha wird dem gebundenen Wesen Shivas Zustand gegeben: Daher die Ableitung von der Wurzel „geben“. Zugleich schwinden seine Fesseln und sein Gebundensein: Daher die Ableitung von der Wurzel „schwinden“. [Hinweis: Dies ist die traditionelle sinndeutende Erklärung des Wortes Diksha im Text.]
Kriyapada 10-3. Wenn die Sonne auf ihrem nördlichen Weg zieht, bei zunehmendem Mond, an einem günstigen Wochentag, unter einem passenden eigenen Mondhaus, Aszendenten und Mondtag, vollziehe man die Einweihung an einem für den Betreffenden förderlichen Tag.
Kriyapada 10-4. An einem geeigneten Flussufer, bei einem Tempel, in einem Kuhstall, Kloster oder im eigenen Haus errichte man auf gereinigtem Boden eine gut gebaute quadratische Halle mit den vorgeschriebenen Merkmalen.
Kriyapada 10-5. Östlich oder westlich davon, in einem schönen, ungestörten Gebäude, ist die Aussaat glückverheißender Keime zum Schutz und Gedeihen des Auftraggebers vorgesehen.
Kriyapada 10-6. Bei unterschiedlichen Festen, Einweihungen, Installationen und der Pavitra-Zeremonie wird die Handlung glückverheißend, wenn ihr diese Aussaat vorangeht.
Kriyapada 10-7. Am siebten, neunten oder fünften Tag vor dem geeigneten Opfertag, an einem günstigen Tag und zu guter Stunde, vollziehe man das Ritual der glückverheißenden Keime.
Kriyapada 10-8. Drei Arten von Gefäßen sind dafür vorgesehen: Palika, Ghatika und Schale. Ihre Gottheiten sind der Reihe nach Vishnu, der Lotusgeborene Brahma und Shankara.
Kriyapada 10-9. Die beste Palika ist zwanzig Finger hoch und ebenso weit an der Öffnung. Als mittlere und geringere Formen werden zwei weitere Maße genannt, ausgedrückt durch „acht“ und „Jagati“. [Quellenhinweis: Die Zahlenverbindung „aṣṭajagatī“ bleibt unklar; daraus werden keine ergänzten Standardmaße abgeleitet.]
Kriyapada 10-10. Die Fußbreite beträgt die Hälfte davon, die Halsöffnung ein Drittel. Der gesamte verbleibende Teil ist schön stabförmig und hat denselben Umfang wie der Hals.
Kriyapada 10-11. Das Ghatika genannte Gefäß ist eine Spanne hoch und ebenso breit und besitzt fünf Öffnungen: vier in den Himmelsrichtungen und eine in der Mitte, mit gleichmäßig gerundeten Teilen.
Kriyapada 10-12. Die Schale hat eine spannengroße Öffnung, ist ebenso hoch und hat einen Fuß von der halben Größe. Ihr Stiel misst vier Finger im Umfang; ihr erhöhter Hals hat keine Durchbohrung.
Kriyapada 10-13. Wenn möglich, bestehen sie aus Gold, Silber oder Kupfer; andernfalls nehme man neue Tongefäße. Man wasche sie mit Wasser unter Verwendung des Shiva-Waffenmantras, umwinde ihre Hälse mit Schnüren und stelle sie auf.
Kriyapada 10-14. Man fülle die Gefäße mit reiner Erde, Sand und pulverisiertem Kuhdung, versehe sie mit Kusha-Büscheln und ordne sie im schönen Keimhaus unter einem Baldachin an.
Kriyapada 10-15. Man bestreiche den Boden mit Kuhdungwasser, besprenge ihn mit Wasser unter dem eigenen Grundmantra, den Glieder-Mantras und dem Waffen-Mantra und ziehe mit mehlbestäubten Schnüren das Quadrat nach den bereits gelehrten Merkmalen.
Kriyapada 10-16. Zuerst verehre man den Herrn der Hindernisse und lasse vedakundige Personen die Segensverkündigung sprechen. Das beschriebene Quadrat soll einundachtzig Felder besitzen.
Kriyapada 10-17. In die neun mittleren Felder zeichne man mit weißem Farbpulver einen Lotus mit Samengehäuse, acht Blättern und Staubfäden; seine Mitte werde durch Reis gut erhöht.
Kriyapada 10-18. Dort stelle man auf Kusha-Gras einen mit Schnur umwundenen und beräucherten Krug auf, mit Kusha-Büschel und Gold darin. Man fülle ihn mit dem Nektarwasser, das in der inneren Betrachtung aus dem Dvadashanta herabfließt.
Kriyapada 10-19. Seine Öffnung sei mit frischen Pippala- und Mangosprossen, Duftstoffen, Girlanden, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern versehen; seine Abdeckung reich an Reis und Früchten, geschmückt mit zwei Tüchern und Blumen.
Kriyapada 10-20. Man betrachte darin den leuchtenden Mond, den Herrn der Heilpflanzen, im Matrika-Lotus, umgeben vom Sternenkreis und versehen mit den Kalas, die den sechzehn Vokalen verbunden sind.
Kriyapada 10-21. Man verehre ihn mit besonderen Darbringungen und biete Milchreis mit Ghee an. Auf den mit Farbpulver geschmückten Feldern stelle man die einzelnen Keimgefäße auf.
Kriyapada 10-22. Bei Aditya, Marichi, Vivasvat, Yama, dem Herrn des Wassers, Mitra, Soma und Prithividhara,
Kriyapada 10-23. auf deren Feldern, stelle man der Reihe nach die acht Ghatikas auf. Bei Agni, Pushan, Pitr, Dauvara, Roga und Naga,
Kriyapada 10-24. ferner bei Aditi und Ishana ordne man die Schalen an. In den acht Zwischenfeldern, entsprechend der Folge der Haupt- und Zwischenrichtungen,
Kriyapada 10-25. liegen die angegebenen Plätze der Palikas; dort stelle man sie auf. Zuerst zeichne man die Felder und fülle sie mit weißem Pulver.
Kriyapada 10-26. Auf jedes gebe man ein Adhaka Reis und eine Unterlage aus Darbha. Darauf stelle man die Ghatikas und anderen Gefäße und säe die Samen hinein.
Kriyapada 10-27. Schwarze Bohnen, Mungbohnen, Pferdebohnen, Nishpava-Bohnen, Sesam, Shali-Reis, Senf, Marga, Weizen, Shyamaka-Hirse, Vrihi-Reis und Gerste,
Kriyapada 10-28. Priyangu, Adhaki und Bambus: Diese fünfzehn Samenarten in drei Fünfergruppen sind für die beste Keimaussaat angegeben. [Quellenhinweis: „Marga“ ist in dieser Pflanzenliste nicht sicher identifiziert; die Lesung wird nicht in einen erwarteten Pflanzennamen geändert.]
Kriyapada 10-29. Für die mittlere Form nimmt man zwei Gruppen, für die geringere fünf Samenarten. Man wasche die Samen zuerst mit Wasser, anschließend mit Milch,
Kriyapada 10-30. binde sie fest in ein Tuchstück und lasse sie einen Tag im Wasser liegen. Nach dem Herausnehmen warte man zwei Zeitwachen und säe sie dann aus.
Kriyapada 10-31. Der Mond ist die Gottheit der Samen. Weil er nachts seinen Glanz entfaltet, soll der nach Gedeihen Strebende die Samen gerade in der Nacht säen.
Kriyapada 10-32. Zuerst weihe man sie mit dem Herz-Mantra und säe dann mit diesem Gebet: „Dem Dreiäugigen, Sharva, Shankara und Shiva,
Kriyapada 10-33. dem Höchsten aller Welten, dem Ewigen: Verehrung, Verehrung!“ Mit eben diesem Mantra begieße man sie mit Kurkumawasser.
Kriyapada 10-34. Man verehre sie mit den fünf Darbringungen und bedecke sie mit weißen Tüchern. Sieben Nächte lang bringe man Bali-Gaben nach der nun folgenden Ordnung dar.
Kriyapada 10-35. Brahma, die Bhutas, Indra, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas und Pishachas bilden die sieben Empfängergruppen; die Nächte sind der Reihe nach durch ihre Namen bezeichnet.
Kriyapada 10-36. In der ersten, Brahma gewidmeten Nacht besteht die Bali-Gabe aus Speise, Blumen und Kusha. Speise mit Dickmilch, Kurkumapulver, geröstetem Reis, Mehl und Sesam
Kriyapada 10-37. heißt Bhutakrura und ist in der Bhuta-Nacht darzubringen. Speise, Mehl, Milch und Dickmilch, vermischt mit dem Saft der Indravalli,
Kriyapada 10-38. gebe der Lehrer als Bali in der dritten, Indra gewidmeten Nacht. In der vierten, der Gandharva-Nacht, nimmt man Bambusreis mit Milch.
Kriyapada 10-39. In der fünften, Yaksha genannten Nacht besteht die Gabe aus Blumen, Speise, Ghee und Wasser; in der sechsten, der Rakshasa-Nacht, aus roter Speise mit Hülsen und Erde.
Kriyapada 10-40. In der siebten, den Pishachas gewidmeten Nacht gebe man Bohnenspeise, Reis-Hülsenfruchtbrei, Honig und Kurkumapulver, reich an Öl und mit Fleisch.
Kriyapada 10-41. Manche Lehrer nennen die sieben Gruppen anders; auch dies wird hier erklärt: Bhutas, Ahnen und Guhyakas,
Kriyapada 10-42. Nagas, Brahma, Shiva und Vishnu sind dann die Gottheiten der sieben Nächte. Die Bali-Gaben übergebe man jeweils mit ihren Namen, der heiligen Silbe am Anfang und Verehrung am Ende.
Kriyapada 10-43. In der ersten, Bhuta genannten Nacht gebe man Bhutakrura; in der zweiten, der Ahnennacht, Sesam mit Reis.
Kriyapada 10-44. In der dritten, der Yaksha-Nacht, Kokoswasser und gekochten Shali-Reis; in der vierten, der Naga-Nacht, Milch, Teig, Mehl und Wasser.
Kriyapada 10-45. In der fünften, Brahma gewidmeten Nacht, Speise mit Lotussamen und Ghee; in der sechsten, der Shiva-Nacht, Speise mit Kuchen und Ghee.
Kriyapada 10-46. In der siebten, Vishnu gewidmeten Nacht, ist die Bali-Gabe Reis mit Zuckerrohrmelasse und Ghee. Sind es neun Tage, folgen Milchreis und Reis-Hülsenfruchtbrei.
Kriyapada 10-47. Die jeweils bezeichnete Gottheitengruppe verehre man mit der genannten Gabe. Niemand sonst soll die Keime betrachten.
Kriyapada 10-48. Nur der Lehrer soll eintreten oder sein Schüler auf seine Anweisung hin. Anhand der aufgeschossenen Keime soll er dem Auftraggeber günstige und ungünstige Vorzeichen deuten.
Kriyapada 10-49. Dunkle oder schwarze Keime deutet er als Vermögensverlust, seitwärts gewachsene und rötliche als Krankheit, gekrümmte als Leid, nicht aufgegangene als Tod, abgebrochene als Verlust von Stellung, Heimat oder Liebgewonnenem. [Hinweis: Der Text beschreibt hier historische Omenlehre; Pflanzenwuchs liefert keine solche persönliche Krankheits- oder Todesdiagnose.]
Kriyapada 10-50. Weiße oder gelbe, kräftig und vollständig aufgegangene, rasch gewachsene, schöne und langgestreckte Keime gelten als Zeichen dafür, dass der Auftraggeber Glück, Gedeihen, die vollständige Erfüllung seiner Wünsche und Wohlergehen erlangt.
Kriyapada 10-51. Erkennt der Lehrer ungünstige Keime, vollziehe er einen befriedenden Ritus: Er opfere Sesam mit dem Grundmantra, den Glieder- und Brahma-Mantras und schließe mit den heiligen Weltanrufungen. Dadurch soll ein günstiger Ausgang herbeigeführt werden.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das zehnte Kapitel: „Die Darbringung der Keime“.
Zur Besinnung. Die Keimaussaat gibt einer bevorstehenden Handlung Zeit zum Reifen. Als heutige spirituelle Anregung kann sie daran erinnern, einen Entschluss mit Sorgfalt vorzubereiten und sein Wachstum geduldig zu begleiten. Diese Betrachtung ist von den historischen Vorzeichendeutungen des Kapitels zu unterscheiden.

Moderne Begleitung: Shiva-Shakti-Philosophie und Tantra
Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.
Kriyapada, Kapitel 11: Lehrer, Schüler und Vorbereitung der Einweihung
Dieses Kapitel fragt nach der Eignung des Lehrers und des Schülers und beschreibt die Vorbereitung der Diksha. Es führt zahlreiche Agama-Zitate an. Neben Wissen, Mitgefühl und innerer Sammlung nennt es auch Herkunfts- und Körpermerkmale als Zulassungskriterien. Diese historischen, teils diskriminierenden Wertungen sind von heutigen Maßstäben geistlicher Begleitung zu unterscheiden.
Kapiteleröffnung. Nun das elfte Kapitel.
Kriyapada 11-1. Bei Einweihungen und Weihebegießungen prüfe der vorzügliche Lehrer die zuvor genannten günstigen Zeiten: Ort und Zeitpunkt sollen für Schüler und Lehrer förderlich sein.
Kriyapada 11-2. Der Frühling gilt als beste, die kühle Jahreszeit als mittlere, der Sommer als geringere Zeit. Erwünscht ist die helle Mondhälfte. Freitag, Mittwoch, Montag und Donnerstag gelten als günstig; Neumond und die als „leer“ bezeichneten Mondtage sind zu meiden.
Kriyapada 11-3. Als unbehinderte Mondhäuser für Einweihungen und Weihebegießungen werden Tishya und die den Gottheiten Prajesha, Aditi, Soma, Vishnu, Brahma, Indra, Pushan, Wind und Nirriti zugehörigen genannt, ferner das Mitra-Mondhaus und die Uttara-Mondhäuser. [Hinweis: Die Quelle benennt mehrere Mondhäuser über ihre Gottheiten. Diese Benennungen bleiben erhalten, ohne eine hier nicht belegte Zuordnungstabelle einzusetzen.]
Kriyapada 11-4. Der Lehrer bestimme außerdem Aszendent und weitere von Sternkundigen als günstig und frei von Unglück betrachtete Umstände. Dann weihe er die Schüler entsprechend ihrer Befähigung ein.
Kriyapada 11-5. Zum Amt des Acharya berechtigt ist nach dieser Lehre ein Brahmane aus angesehener Gegend und Familie, gelehrt, von gutem Charakter, rein, verständig, mit günstig gedeuteten Körpermerkmalen und freundlichem Wesen.
Kriyapada 11-6. Ein Guru soll der Wahrheit verpflichtet sein, in innerer Ruhe, Selbstbeherrschung, Aufrichtigkeit und Dharma feststehen, dem achtgliedrigen Yoga hingegeben und mit Shivas Lehre vertraut sein. Ihn schmücke die achtfache Hingabe an Shiva; er sei freigebig und stets eine Stätte des Mitgefühls.
Kriyapada 11-7. Auch der Schüler soll besonnen, dankbar, von guter Herkunft und gutem Charakter sein, Shiva und dem Guru hingegeben, bescheiden, bereitwillig dienend und großzügig im Geben des Erwünschten. Er sei mit Gierlosigkeit und weiteren guten Eigenschaften versehen.
Kriyapada 11-8. Wer durch Gelehrsamkeit, Charakter, Lebensführung, Vorzüglichkeit, Vermögen und Hingabe Gewicht besitzt und anderen seine Gunst zuwendet, der wird Guru genannt.
Kriyapada 11-9. Wer in den vom Tantra bezeichneten Ländern geboren ist, in Askese lebt und durch Erkenntnis anderen den Weg zum Heil zeigt, ist ein Deshika.
Unnummerierte Worterklärung nach 11-9. „Weil er entsprechend dem Land beziehungsweise der Unterweisung wandelt, heißt er Deshika.“ [Hinweis: Die Quelle spielt mit der Wortverwandtschaft; die Doppeldeutigkeit lässt sich im Deutschen nur erläutern.]
Kriyapada 11-10. Wer hinsichtlich Herkunftsland, Geburt und Lebensführung als geeignet gilt, beim Guru Zuflucht sucht und sein eigenes Wesen durch gute Eigenschaften vervollkommnen will, heißt Schüler.
Unnummerierte grammatische Erklärung nach 11-10. Das Wort wird mit der Endung „kyap“ von der Wurzel „shas“ in der Bedeutung „unterweisen“ gebildet.
Unnummerierte Belegsammlung nach 11-10
Die folgenden Zitate zeigen die unterschiedlichen Kriterien der herangezogenen Traditionen. Die regionale und soziale Rangordnung ist ihre historische Aussage, keine Bewertung heutiger Menschen.
Mahendra. „Die Länder zwischen dem Agastya-Gebiet und dem Himalaya, ausgenommen die acht mit K beginnenden, gelten als geeignet für Lehrer.“ So und Weiteres im Mahendra.
Vira. „Ein gelehrter Zweimalgeborener, der im Land zwischen Kumari und dem Himalaya geboren ist, wo die schwarze Antilope von Natur aus lebt, ist zum Lehramt geeignet.“
Pratishthasamuccaya. „Er stammt aus Aryavarta oder einem anderen Land, ausgenommen die acht mit K beginnenden; er ist von guter Familie, kundig, geschickt, bescheiden und angenehm anzusehen. Er kennt die Grundwahrheiten des Shaiva-Siddhanta und beherrscht die Tantras der Installation.“
Yogashiva-Paddhati. „Die besten Gurus stammen aus Madhyadesha, Kurukshetra, Lata, Ujjayini, Antarvedi, Pratishthana und Avanti. Als sieben mittlere Gruppen gelten Gaudas, aus Suhya Stammende, Tairas, Magadhas, Keralas, Kosalas und Dasharnas. Als geringere werden die aus Karnataka, Maharashtra und Kacchanira Stammenden sowie Kalingas, Lambakas und Kambojas betrachtet. Lehrer aus Kanchi, Kashmir, Saurashtra, Pandya und anderen Ländern sowie aus dem Kaveri-Gebiet und Konkan werden missbilligt.
Auch Kunda und weitere so bezeichnete Personen sowie von Krankheit Betroffene gelten als ungeeignet, selbst wenn sie aus einem anerkannten Land stammen. Wer von einem aus seinem Gelübde Gefallenen oder aus der Gemeinschaft Ausgeschlossenen abstammt, wird als niedrig bezeichnet; die beiden Bhasma und Ankura Genannten sind bei allen Handlungen als missbilligt zu meiden. [Quellenhinweis: Diese Personengruppen und Abstammungsbezeichnungen bleiben in der vorliegenden Passage unzureichend erklärt; ihnen werden keine unbelegten Definitionen hinzugefügt.]
Wer zuvor die Kennzeichen einer anderen Gemeinschaft trug, sie ablegte und später shivaitisch eingeweiht wurde, gilt ebenfalls bei Installationen als missbilligt und nicht zum Lehramt berechtigt. Wer ohne Shiva-Einweihung bloß Lehrtexte vorträgt, heißt ein ‚Selbstentstandener‘ und wird bei shivaitischen Handlungen missbilligt.
Entsagende, Menschen mit fehlenden Gliedmaßen oder abweichender Körpergestalt, von Klosterkost Lebende, …, Bucklige und die als ‚Nasika‘ Bezeichneten werden missbilligt. [Hier fehlt in der Quelle ein mit Sternchen markierter Teil; die letzte Personenbezeichnung ist unklar.]
Karnataka, Kalinga, Kaccha, Kashmir, Konkan, Karahata, Kamboja und Kamarupa heißen die acht mit K beginnenden Länder, die für Lehrer ausgeschlossen werden.“
Vijaya. Einige nennen diese „Kikata“ – so im Vijaya.
Manjari. „Ein grausamer, wenig kundiger, einem Laster ergebener, undankbarer, heuchlerischer oder wieder eingetretener Mann, einer ohne Hingabe an den Guru, ein Neidischer, Sinnengenuss-Süchtiger oder bloßer Streitlogiker ist bei Installationen und anderen Ritualhandlungen zu meiden.“ [Hinweis: Die Personenbezeichnung „punarbhū“ ist in diesem Zusammenhang nicht näher erläutert.]
Devyamata, Verweis auf weitere Verse. Mit Versen, die beginnen „Ein Entsagender, ein Gottesleugner, ein Ambashtha …“, nennt das Devyamata Personen, die nicht zum Guru-Amt geeignet seien. [Die Quelle zitiert hier selbst nur den Anfang; es werden keine fehlenden Verse ergänzt.]
Svayambhuva. „Der Acharya sei ausgeglichen, von Würde, ein Erstgeborener und von sehr feinem Wesen …“ Der anschließende Kommentar erklärt: „Erstgeborener“ bedeutet Brahmane, weil er als zuerst aus Brahma geboren gilt.
Brahmashambhu. „Ein Guru sei durch Herkunftsland, Geburt, Gelehrsamkeit, Erscheinung, Lebensführung, Charakter und weitere Eigenschaften ausgezeichnet, mit innerer Kraft und Ausstrahlung versehen und von einem Guru eingesetzt.“ So und Weiteres bei Brahmashambhu.
Somashambhu. „So wird die Einweihung durch einen Acharya entsprechend seiner Befugnis ausgeführt. Dieser soll aus einem anerkannten Land stammen, von guter Erscheinung, gelehrt und von gutem Charakter sein.“
Matanga. „Der vorzügliche Lehrer hat die Ritualhandlungen selbst kennengelernt, ist rein und geschickt, der Förderung der Schüler ganz hingegeben, kennt Shivas wahres Wesen, ist gelehrt und erkennt den Atman.“
Bhojaraja. So beschaffene Einweihungen, mit der Bhuta-Einweihung beginnend, werden von einem vollgültigen Acharya ausgeführt. Er soll aus Aryavarta oder einem anderen geeigneten Gebiet stammen, mit Gelehrsamkeit, Charakter, guten Eigenschaften und rechter Lebensführung ausgestattet sein und reine Absicht besitzen. [Hinweis: Die Verbindung „bhūtādidīkṣā“ bleibt örtlich unklar; die Bezeichnung wird nicht zu einer anderen Einweihungsart korrigiert.]
Prayogamanjari. „Vorzüglich in Herkunftsland, Familie und Gesinnung, bescheiden, redegewandt und von guter Familie …“
Devyamata. „Der Acharya kennt Shivas Lehre, stammt aus einem anerkannten Land, lebt als Brahmacharin oder Haushälter und ist ganz auf die Hingabe an Shiva ausgerichtet. Er wird Deshika genannt, wenn sein Geburtsmondhaus dem Auftraggeber günstig ist.“
Ajita. „Ein König, der von einem Guru mit allen erforderlichen Merkmalen eingeweiht wird, erlangt alle Wünsche und jenseits Shivas heilsamen Zustand. Ob mit verfilztem Haar, geschorenem Kopf oder Haarbüschel: Ein Zweimalgeborener aus anerkanntem Land, der den wahren Sinn der Shiva-Lehre kennt, Gelehrsamkeit und rechte Lebensführung besitzt und in Rede, Geist und körperlichem Handeln stets allein bei Shiva Zuflucht sucht, wird hier als Acharya für Shiva-Einweihung und verwandte Riten bezeichnet.“
Santanika. „Ein Guru ist gelehrt, von heiterem Wesen, durch Shiva-Einweihung geweiht, mit den Shiva-Agamas vertraut, verständig und ganz der Shiva-Verehrung hingegeben. Er trägt eine Rudraksha-Kette und die drei Aschenstreifen, stammt aus rein geachtetem Land und Geschlecht, besitzt Charakter und rechte Lebensführung und kennt die Wahrheit des Sinnes von Veda und Lehrschriften.“
Sarvajnanottara. „Ein Land, in dem die schwarze Antilope von Natur aus umherzieht und Brahmanen ansässig sind, soll als für Opfer geeignet gelten. Ein Acharya, der unter den entsprechenden Orts- und Zeitbedingungen geboren ist, wird von den Lehrschriften anerkannt.“
Pratishtha-Paddhati. „Er stammt aus günstigem Land, besitzt Würde und kennt Wörter, Sätze und Erkenntnismittel. Am Sinn der Shiva-Lehre findet er Genüge; überall ist er ein Hort des Mitgefühls. Er hat das Acharya-Gelübde erfüllt, ist mit Mantras vertraut, von heiterem Herzen und Gesicht und kennt sich bei der fortlaufenden Ritualausführung mit den Merkmalen des Linga und der weiteren Gegenstände aus.
Seine Abstammungsfolge ist unversehrt; er lebt als Brahmacharin oder Haushälter. Ein Haushälter in erblicher Lehrertradition, der die Regeln und Verpflichtungen wahrt, gilt als vorzüglich. Wer früher ein Bhautika-Brahmacharin war und später Haushälter wird, heißt Bhautika-Haushälter und wird von Kennern Acharya genannt. Auch er ist vorzüglich; sein Sohn wird dann zum Guru einer erblichen Tradition.
Er kennt das Prinzip der Durchdringung durch die Gottheit, beherrscht den sechsfachen Weg und versteht günstige und ungünstige Vorzeichen. Doch wozu viele Worte? Rechte Geburt, umfassende Erkenntnis und Lebensführung sind die drei ersten Eigenschaften. Wer sie besitzt, ist ein vorzüglicher Guru, der die Früchte aller Wünsche gewährt.“ [Hinweis: Bhautika und Santanika sind hier historische Kategorien des Lehrerstandes; ihre unterschiedlichen Herkunftsmodelle bleiben getrennt.]
Mohashurottara. „Wer das Vidya-Gelübde vollendet hat, mit Mantras vertraut, erkenntnisreich und gut gesammelt ist, an der heiligen Asche festhält und als Entsagender bekannt ist, kann Guru sein; ebenso ein Bhautika.“ [Quellenhinweis: Der in der Quelle angeführte Werktitel wird in dieser Form bewahrt.]
Parakhya. „Der Guru, der der Lebensführung eines Brahmanen folgt, soll dies stets beachten. Wer sich so verhält, ist verehrungswürdig; ein Brahman-Kenner ist ein solcher Guru, o Zweimalgeborener!“
Vatulottara. „Von günstig erachteter Geburt, in guter Lebensführung feststehend und aus geeignetem Land stammend; den Ritualhandlungen hingegeben, friedvoll, rechtschaffen und seinem Guru zugetan; den zu ihm Gekommenen Freude bereitend, rein, fest im Gelübde, durch Wissen Furchtlosigkeit gebend, frei von Gier und Unbeständigkeit: Wer würde nicht von Bindung frei, wenn er einen solchen Guru gefunden hat?“
Sarvajnanasamudra, Zitatanfang. „Rechtschaffen, wahrhaftig …“ [Hinweis: Die Quellform des zweiten Wortes ist auffällig; der erkennbare Sinn wird wiedergegeben.]
Paushkara. „Auch wenn er alle äußeren Merkmale vermissen lässt, gilt der Erkenntnisreiche als Guru. Erkenntnis bedeutet die Einsicht in die Wirklichkeitsprinzipien, gestützt auf das Wissen um den sechsfachen Weg.“
Brihatkalottara. „Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas gelten, wenn sie gereinigt sind, als geeignete Übende. Als Acharyas wirken sie von ihrem eigenen Stand aus in der absteigenden Reihenfolge, o Sechsgesichtiger!“ [Hinweis: Die hier zugelassene größere Spannweite bleibt neben den engeren Kriterien anderer Zitate bestehen.]
Fortsetzung der nummerierten Lehre
Kriyapada 11-11. Wozu viele weitere Worte, die das Buch nur schwerer machen? Aufgrund der Vielzahl solcher Agama-Aussagen gilt hier gerade der Brahmane,
Kriyapada 11-12. wenn er eingeweiht, mit den vorgeschriebenen Eigenschaften versehen, freundlich und angenehm sprechend ist, als geeignet zum Guru eines Königs und anderer Menschen – daran besteht nach dieser Lehre kein Zweifel.
Kriyapada 11-13. Wer Herkunft, Charakter und rechte Lebensführung besitzt, dem Guru zugetan ist, bei ihm das Tantra studiert hat und durch die Sadhaka-Einweihung gereinigt wurde,
Kriyapada 11-14. wer mit fester Hingabe die Mantras verwirklicht, der heißt Sadhaka. Er erkenne die Welt des Kreislaufs als ohne bleibenden Kern und die menschliche Geburt als schwer zu erlangen.
Kriyapada 11-15. Er erhebe sein Selbst durch sich selbst und lasse es nicht absinken. Um hier und jenseits Wohlstand und Lebensgenuss zu erlangen, ebenso um Befreiung zu gewinnen,
Kriyapada 11-16. gibt es nach dieser Lehre kein anderes leicht zugängliches und vorzügliches Mittel als die Zuflucht zu Shiva. Wie Zweimalgeborene vor der Einführung in das Studium zu ihren Aufgaben und zum Lernen
Kriyapada 11-17. noch nicht berechtigt sind, sondern erst nach der Upanayana-Zeremonie, so besitzen auch Nichteingeweihte für tantrische Mantras, Verehrung und weitere Handlungen
Unnummerierte Fortsetzung vor 11-18. keine Befugnis. Darum soll man sich durch Shiva weihen lassen.
Unnummerierte Zitateinleitung. Denn es heißt:
Kriyapada 11-18. Wer nicht Rudra geworden ist, soll Rudra nicht innerlich vergegenwärtigen; wer nicht Rudra geworden ist, soll Rudra nicht verehren.
Kriyapada 11-19. Wer nicht Rudra geworden ist, soll Rudra nicht preisen; wer nicht Rudra geworden ist, kann Rudra nicht erlangen. Hat der Verständige das Shiva-Gelübde angenommen, bewahre er es täglich.
Unnummerierte Einführung. Es lautet beispielsweise:
Unnummeriertes Zitat aus dem Shivadharma nach 11-19. „Lieber würde mir der Kopf abgeschlagen, lieber würde ich sterben, als zu essen, ohne zuvor den erhabenen Dreiäugigen verehrt zu haben. In den drei Welten gibt es hier keinen Dharma, der Shivas Verehrung gleichkäme. Wer dies erkannt hat, soll Sadashiva stets mit Sorgfalt verehren.“ [Redaktioneller Hinweis: Die drastische Gelübdesprache unterstreicht die Verbindlichkeit der historischen Observanz; sie ist keine Aufforderung zur Selbstverletzung.]
Kriyapada 11-20. Deshalb sollen Samayins, Sadhakas und Gurus Sadashiva täglich mit sorgsamer Hingabe verehren.
Unnummeriertes, Patanjali zugeschriebenes Zitat nach 11-20. „Selbst wenn jemand nur zufällig eine einzige, schon duftlose Blüte zu deinen Lotusfüßen niederlegt, o Vielgestaltiger, genießt er in dieser Welt wahrlich viele überaus süße Früchte!“ [Quellenhinweis: Die Zuschreibung an Patanjali ist die Angabe dieses Werkes; eine Identität mit dem Verfasser der Yoga-Sutras wird damit nicht behauptet.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das elfte Kapitel: „Die Merkmale des Sadhaka und des Acharya“.
Zur Besinnung. Zwischen den unterschiedlichen historischen Zulassungsregeln treten Eigenschaften hervor, die auch heute verständlich sind: Wissen, Aufrichtigkeit, Dankbarkeit und Mitgefühl. Besonders bemerkenswert ist das zitierte Paushkara-Wort, das Erkenntnis höher gewichtet als äußere Merkmale. Geistliche Begleitung lässt sich daran prüfen, ob sie Klarheit fördert und Menschen zugewandt bleibt.
Kriyapada, Kapitel 12: Die Gestalten der Gottheiten und ihres Gefolges
Dieses Kapitel beschreibt die Gottheiten, die bei der Verehrung Shivas und der Sonne vergegenwärtigt werden. Farben, Sitzformen, Hände und Attribute bilden eine Sprache der Meditation. Die Angaben gehören zu bestimmten historischen Ritualbildern; unterschiedliche überlieferte Formen bleiben nebeneinander stehen.
Kapiteleröffnung. Nun das zwölfte Kapitel.
Kriyapada 12-1. Hier erklären wir die Gestalten der zum Gefolge gehörenden Gottheiten und alles Weitere, was bei ihrer Verehrung besonders zu wissen ist, damit die angestrebte Frucht vollständig erreicht werde.
Kriyapada 12-2. Zuerst verehre man die Sonne, dann zur Befriedung von Hindernissen den Herrn der Hindernisse, … und den Guru. Darauf vollziehe man Shambhus Verehrung und die Feuerhandlung ordnungsgemäß; auch die Begleitgottheiten sind zu verehren. [Quellenhinweis: Vor „Guru“ enthält die Quelle eine mit Sternchen markierte Lücke.]
Kriyapada 12-3. Bei der Sonnenverehrung steht rechts der Torwächter Dandin, ein Schwert tragend. Links steht der schwerttragende, gelbbraune Pingala. Beide tragen rote Gewänder und Schmuck und haben eine furchtgebietende Erscheinung.
Kriyapada 12-4. Der elefantengesichtige Bezwinger der Hindernisse hat einen rötlichen Körper, roten Schmuck, den Mond auf dem Haupt, drei Augen und zwei Arme; er wird täglich auf der rechten Seite verehrt. Der eigene Guru, in glückverheißender Erscheinung, steht in der nordöstlichen Ecke.
Unnummerierte Sitz- und Gliederbeschreibung nach 12-4. Man betrachte den „Überreichen Sitz“: einen goldenen quadratischen Thron, getragen von vier löwengestaltigen Füßen, welche die Weltalter von Krita an darstellen, in Weiß, Rot, Gelb und Schwarz und mit den Namen Vimala und den folgenden. In der Mitte liegt eine runde rote Scheibe, darauf ein entfalteter achtblättriger Lotus als Sitz der Sonne. Auf den Eckblättern von Südosten an verehre man die Glieder, beginnend mit dem Herzen, auf den Blättern der Hauptrichtungen die Waffe und vorn das Auge: rot, in weiblicher Gestalt, mit zum Gruß gefalteten Händen. [Hinweis: Die Quelle nennt hier nur den ersten der Fußnamen ausdrücklich.]
Kriyapada 12-5. Die neun Shaktis, beginnend mit Dipta, tragen rote Gewänder und Schmuck. Sie sind von anmutiger Gestalt und schöner Erscheinung, zinnoberfarben und zweiarmig, mit Begrüßungsgesten. Acht stehen an den Blattspitzen, die neunte im Samengehäuse.
Unnummerierte Anrufungsanweisung nach 12-5. In der Mitte dieses Samengehäuses betrachte man den erhabenen Sonnengott, begleitet von den beiden seitlich stehenden Göttinnen Prabha und Sandhya, und verehre ihn durch Anrufung und die weiteren Handlungen. [Quellenhinweis: Der Name Sandhya erscheint in der Vorlage als fragliche Ergänzung; diese Unsicherheit bleibt bestehen.]
Kriyapada 12-6. Er leuchtet wie eine Bandhuka-Blüte, ist zart, schön gekleidet, von göttlicher Gestalt, zweiarmig und lotusbehändig. Er trägt roten Schmuck, hat kupferrote Lotusaugen, verkörpert den Veda und besitzt einen strahlend goldenen Leib.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-6. Man betrachte den strahlenbekränzten Gott mit heiterem Gesicht, geschmückt mit göttlichen Edelsteinohrringen, Oberarmreifen, Armbändern, Halsketten und weiterem Schmuck.
Kriyapada 12-7. Den Mond betrachte man mit weißem Schmuck, einem entfalteten Lotus in der Hand, kühl strahlend, zweiarmig und hell wie eine Perlenkette. Er ist anmutig, lotusäugig und freundlich und reitet auf einem weißen Pferd.
Unnummerierte Begleitgestalt nach 12-7. Im Nordosten betrachte man Tejashchanda, rot, mit roten Gewändern und weiterem Schmuck, einen Speer in der Hand.
Unnummerierte Einleitung einer anderen Mondgestalt. Oder:
Kriyapada 12-8. Man meditiere über den weißen Mond, mit weißer Kleidung und weißem Schmuck, zweiarmig, eine Keule tragend, auf einem von zehn Pferden gezogenen Wagen, als Gewährer von Gaben.
Kriyapada 12-9. Der erhabene Erdgeborene Mars gleicht einer Bandhuka-Blüte, trägt rote Gewänder und Schmuck und reitet auf einem Widder. Seine Glieder sind anmutig, seine Erscheinung schön; mit vier Händen zeigt er die Gabengeste und trägt Speer, Dreizack und Keule. [Hinweis: Die Arm- und Attributangabe enthält in der Vorlage eine ergänzte Wortfolge.]
Kriyapada 12-10. Der Mondsohn Merkur ist gelb, trägt gelben Schmuck, eine Krone und weitere Zierden und reitet auf einem Löwen. Von göttlicher Gestalt zeigt er die Gabengeste und hält Schwert, Schild und Keule.
Kriyapada 12-11. Dhishana, Jupiter, ist gelb, mit gelbem Schmuck, Kopfbinde und Edelsteinzierden. Er sitzt auf einem goldenen Wagen und trägt Stab, Gebetskette und Wassergefäß und zeigt die Gabengeste.
Kriyapada 12-12. Der erhabene Bhrigu-Sohn Venus ist hell wie eine Perlenkette und trägt weißen Schmuck. Mit Stab, Gebetskette, Gabengeste und Wassergefäß sitzt er auf einem silbernen Wagen, mit Kopfbinde und geschmücktem Leib.
Kriyapada 12-13. Den erhabenen Langsamen, Saturn, betrachte man bei der Verehrung mit dunkelblauem Schmuck und einem Leib wie Augenschwärze. Er trägt Dreizack, Lanze, Pfeil und Bogen und zeigt die Gabengeste; geschmückt sitzt er auf einem Geier beziehungsweise seinem Wagen. [Quellenhinweis: Geier und Wagen werden beide genannt; ihre genaue Verbindung wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 12-14. Rahu trägt schwarzen Schmuck und gleicht frisch gespaltenem dunklem Augenschminkstein. Er hat Dreizack, Schwert und Schild, reiche Gewänder, eine finstere Gestalt und ein furchtbares Gesicht mit weißen Hauern; sein Wagen ist mit mächtigen dunkelblauen Zugtieren versehen. [Hinweis: Die Tierbezeichnung der gelieferten Fassung ist nicht eindeutig auf eine Art festzulegen.]
Kriyapada 12-15. Die vielen Ketus stelle man sich rauchfarben vor, mit rauchfarbenem Schmuck, zwei Armen, deutlich sichtbaren Hauern, Keule und Gabengeste. Sie sind furchtgebietend, auf Geiersitzen und mit Wagen versehen.
Unnummerierte gemeinsame Merkmale nach 12-15. Alle Planeten sind mit Kronen und weiterem Schmuck zu betrachten, jugendlich, den Lauf der Welt in Bewegung haltend und Lebensgenuss, Herrschaft und Gaben gewährend.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Gestalten der Sonnenverehrung.
Kriyapada 12-16. Der Tempel hat Shiva und Shakti zum Wesen. Aus den Wirklichkeitsprinzipien von der Erde bis zur Shakti bestehend, ist er Shivas Gestalt mit dem Namen „Gotteshaus“. Darum soll er zuerst betrachtet und verehrt werden.
Kriyapada 12-17. Das erste Tor im Osten heißt Frieden, das südliche Erkenntnis, das westliche Rückkehr und das nördliche Festigung. Für die täglichen Riten wird das Friedenstor empfohlen.
Kriyapada 12-18. Rechts am Tor betrachte man den weißen, elefantengesichtigen Gott auf einem Lotus, mit Stoßzahn, Stachelstock, Schlinge und Zuckerrohr in den Händen, dickbäuchig, gekrönt, rot geschmückt, mit Mond auf dem Haupt und drei Augen.
Kriyapada 12-19. Links betrachte man Vani, die Göttin der Rede: klar wie Kristall und Mond, mit Geste, Gebetskette, Krug und Buch in den Händen, weiß geschmückt, mit Mond auf dem Haupt und drei Augen, auf einem weißen Lotus sitzend.
Unnummerierter Vorausverweis nach 12-19. Nandisha und Mahakala werden bei der Umhüllung der Torwächter beschrieben.
Kriyapada 12-20. Ganga steht rechts, hell wie ihre hohen klaren Wellen, jung und von göttlicher Gestalt, mit hellem Schmuck und zwei Armen. Sie hält einen Lotus; die andere, linke Hand zeigt deutlich die Begrüßungsgeste. [Hinweis: Bei der Gestenbezeichnung bietet die Quelle eine Lesungsalternative.]
Kriyapada 12-21. Kalindi steht links, dunkelblau wie ihre eigenen Wogen, mit bewegtem Seitenblick, jugendlich und von göttlicher Schönheit. In der linken Hand hält sie einen Lotus, mit der anderen zeigt sie eine halbe Begrüßungsgeste.
Kriyapada 12-22. Die Naracha-Waffe steht auf der Schwelle, glänzend wie ein feiner Blitz und wie Feuer und Sonne. Vastu-Isha wird als Asura vorgestellt, bäuchlings liegend, die Glieder ausgebreitet und den Kopf nach Nordosten gerichtet.
Unnummerierte Erläuterung nach 12-22. Der Vastu-Purusha ist hier also ein Asura, der mit nach unten gewandtem Gesicht und ausgestreckten Händen und Füßen auf der Erde liegt. Vom Herrn des Vastu, Brahma, ist später die Rede.
Kriyapada 12-23. Die tragende Shakti wird weiß beschrieben, wie Mondlicht, dem Raum gleich und von schöner Gestalt. Weil sie auf den Willen des höchsten Herrn hin stets alle Welten trägt, ist sie zuerst zu verehren.
Kriyapada 12-24. Die durch zweiunddreißig Wirklichkeitsprinzipien von der Erde bis zur Vidya verherrlichte Lichtkraft Vishnus heißt Ananta und bildet den Sitz. Ananta ist dabei die Schlange in Gestalt eines Thrones.
Kriyapada 12-25. Die Füße des Thrones sind der Reihe nach Dharma als roter Stier, Erkenntnis als dunkelgrüner Löwe, Leidenschaftslosigkeit als gelbes Geistwesen und Herrschaftsmacht als weißer Elefant.
Unnummerierte abweichende Beschreibung nach 12-25. Andere nennen sie löwengestaltig und weiß, safranfarben, gelb wie Tala und dunkel wie eine Biene.
Unnummerierte Beschreibung der Querstreben. Die vier Querstreben, beginnend mit Adharma, sind schön wie Gold. In der Manjari heißt es entsprechend: „Die Querstreben sind Adharma …“
Kriyapada 12-26. Der Lotus ist weiß, mit acht ausgebreiteten Blättern, einer schönen Reihe von Staubfäden und einem reichen Samengehäuse.
Kriyapada 12-27. In der Sonnenscheibe betrachte man Brahma, viergesichtig, gekrönt, auf einem Schwan, mit hellen Gesichtern und vier Händen: Er trägt Krug und Gebetskette und zeigt die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-28. In der Mondscheibe sitzt Vishnu auf Garuda, wolkendunkel, mit Rad, Muschel, Keule und Lotus. Er trägt Halskette, Girlande, Armreifen, schöne Krone, gelbes Gewand und den Kaustubha-Edelstein.
Kriyapada 12-29. In der Feuerscheibe sitzt der weiße Rudra auf dem Stier, mit Mond auf dem Haupt, drei Augen und zehn Armen. Er trägt Beil, Gazelle, Feuer, Dreizack, Schlange, Donnerkeil und Gebetskette und zeigt die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste. [Quellenhinweis: Die Aufzählung nennt für zehn Arme nur neun eindeutig erkennbare Attribute beziehungsweise Gesten. Ein weiteres wird nicht ergänzt.]
Unnummerierte Erläuterung und Zitat aus dem Vatula nach 12-29. Diese Gottheiten sind so zu betrachten, dass sie Blätter, Staubfäden und Samengehäuse durchdringen. Im Vatula heißt es: „Brahma, Vishnu und Rudra befinden sich in Sonnen-, Mond- und Feuerscheibe; Ishvara durchdringt sie dort. Darüber ist Sadashiva zu verehren.“
Man verehre also Brahma, Vishnu und Rudra als die jeweiligen Scheiben durchdringend in Blättern, Staubfäden und Samengehäuse, ferner Ishvara, der sie durchdringt. Alle vier haben dabei die Funktion, den Sitz des Gottes Sadashiva zu bilden.
Unnummeriertes Zitat des Varuna. „Als den beständigen Ishvara erkenne man den Achtarmigen, Viergesichtigen, kristallhellen Dreiäugigen, dessen heilige Schnur eine Schlange bildet.“
Kriyapada 12-30. Die ringsum stehenden Shaktis, beginnend mit Vama, sind schön und geschmückt. Ihre Farben werden als weiß, rot, dunkel, gelb, dunkelgrün, schwarz, augenschminkfarben, hibiskusrot und mondlichthell genannt; die letzte Angabe erscheint auch als Alternative.
Kriyapada 12-31. Er sitzt im gebundenen Lotussitz, strahlt wie der reine Mond, gleicht einem Sechzehnjährigen und ist von schöner göttlicher Gestalt. Durch die fünf Brahmas hat er fünf Gesichter. Seine Augen sind Sonne, Mond und Feuer, verbunden mit den Kräften des Handelns, Erkennens und Wollens.
Kriyapada 12-32. Er hat zehn Arme. Auf der rechten Seite zeigt er Furchtlosigkeit und Gabengewährung und trägt Speer, Dreizack und Khatvanga-Stab; auf der anderen Seite Schlange, Gebetskette, Damaru-Trommel, blauen Lotus und Zitronatzitrone.
Kriyapada 12-33. Sein Gesicht ist überaus freundlich; er trägt göttliche Girlanden und Gewänder sowie glänzenden Gold- und Edelsteinschmuck. In seinem aufgetürmten Haar strahlt der Mond … So ist dort Sadeshvara zu betrachten. [Quellenhinweis: Nach der Mondbeschreibung ist eine Lücke markiert; der anschließende Wortrest wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 12-34. Manche beschreiben die Ishana-Gestalt des allgegenwärtigen Herrn als Sadeshvara gleich; andere als ein Gesicht besitzend, hell wie Mondstein, Gaben gewährend und mit dem Dreizack in der Hand, mondgeschmückt, schön gekleidet und jugendlich.
Kriyapada 12-35. Man betrachte Purusha gelb und safranleuchtend, mit Haargeflecht und Mond auf dem Haupt, Zitronatzitrone und Gebetskette tragend, von göttlicher Gestalt, geschmückt und mit Händen in Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-36. Mit auf die Lippe beißendem Mund, rotbraunem Bart und Haar, furchtbarer Gestalt und roten Gewändern, mit einer Schlange als Kopfbinde, schrecklichen weißen Hauern und grimmigen Schlangen als Schmuck,
Kriyapada 12-37. mit Dreizack, Axt, Schwert, Stab, Khatvanga, Schild, Schlinge und Schädelschale in den Händen und mit Schädeln geschmückt, wolkendunkel: So betrachte man Aghora.
Kriyapada 12-38. Vama betrachte man bandhukarot, anmutig mit weiblicher Grazie, von göttlicher Gestalt, mit Haarbund und Mond, roten Zierden, Gewändern, Salben und Girlanden, Schwert und Schild in den Händen.
Kriyapada 12-39. Sadyojata betrachte man hell wie Mond und Kuhmilch, mit weißem Schmuck, Gewand und Duftsalben, dreiäugig, mit Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, mondgekrönt und in kindlicher Gestalt. [Quellenhinweis: Die zusätzliche Wendung „saptābhāraṃ“ ist nicht sicher verständlich und wird nicht stillschweigend ersetzt.]
Unnummeriertes Zitat aus dem Kalottara nach 12-39. „Vama und die übrigen sind der Reihe nach die Shaktis der acht Gestalten, beginnend mit der Erde. Durch sie gelingt auf Shivas Geheiß die Entfaltung der Welt.“ Weil dies im Kalottara gelehrt wird, werden nun auch die acht Gestalten selbst beschrieben.
Kriyapada 12-40. Die Erdgestalt ist viergesichtig, achtarmig, auf einer Schildkröte, gelb und von göttlicher Schönheit. Sie trägt eine Reisähre und einen blauen Lotus; Berge, Inseln, Meere und Flüsse umgeben ihren Leib.
Kriyapada 12-41. Die Feuergestalt reitet auf einem Widder, ist rötlich, schön im Gesicht, mit fünf Gesichtern und sieben Zungen, einer Flammenkrone und goldenem Schmuck. Die Hände zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und tragen Speer und Swastika-Zeichen.
Unnummerierte Opferherr-Gestalt nach 12-41. Der Opferherr trägt eine weiße Kopfbinde; sein Körper ist mit frischer Butter bestrichen. Er trägt ein vollständiges schwarzes Tierfell und eine weiße heilige Schnur, ist mit seiner Frau vereint und hält beim Opfer den großen Opferlöffel in der Hand. [Nummerierungshinweis: Diese Passage besitzt in der gelieferten Fassung keine Versmarke 12-42; die nächste Marke lautet 12-43.]
Kriyapada 12-43. Die Sonne steht auf einem Wagen, dessen sieben Pferde die Versmaße sind. Sie gleicht einer Bandhuka-Blüte, hat ein schönes Gesicht und eine anmutige Gestalt, trägt roten Schmuck, Gewänder, Girlanden und Salben, einen Panzer und eine Krone und hält einen Lotus.
Kriyapada 12-44. Die Wassergestalt wird weiß beschrieben, auf einem Krokodil, mit Gabengeste und Schlinge, geschmückt mit mannigfaltigen Perlengehängen und weißen Zierden, mit vier schönen Häuptern beziehungsweise Kronen. [Hinweis: „mauli“ lässt hier beide Bedeutungen zu.]
Kriyapada 12-45. Der Wind reitet auf einer Gazelle, ist rauchfarben, mit kräftigen Gliedern und Schultern, gekrönt, mit gebogenen Brauen, schwarzem Schmuck, vier Gesichtern und vier Armen, Stachelstock und Fahne tragend, von göttlicher Gestalt.
Kriyapada 12-46. Den Raum betrachte man hell wie der offen strahlende Mond, mit Dreizack, Damaru-Trommel, Muschel und Khatvanga in den Händen, mit Halbmond und Haargeflecht auf dem Haupt, dreiäugig und auf einem Stier.
Kriyapada 12-47. Der kühlstrahlende Mond ist hell wie Schnee und Kuhmilch, weiß geschmückt, anmutig und gekrönt. Muschel, Lotus und Keule tragend und Gaben gewährend, soll er auf einem Pferd verehrt werden.
Kriyapada 12-48. Die acht Hüter der Gestalten, beginnend mit Sharva, reiten auf Stieren, haben drei Augen und vier Gesichter, Haargeflecht und Mondsichel. Sie tragen Dreizack, Donnerkeil, Pfeil und Bogen und sind mit Schlangen geschmückt.
Kriyapada 12-49. Ihre Farben sind entsprechend lotusfarben, golden, rot, weiß, gelblich, …, rot und schwarz. Die Herren der Gestalten, beginnend mit Ananta, ebenso die Herren der Vidyas, haben dieselben Farben. [Quellenhinweis: Die Verbindung „śuklāpītāvaraṇā“ lässt eine Position der Farbfolge nicht sicher bestimmen; sie wird nicht durch eine übliche Liste ersetzt.]
Kriyapada 12-50. Die Herren der Vidyas sind im Yoga gesammelt, freundlich im Gesicht, von schöner Gestalt, mit einer am Haarbund befestigten Girlande … Sie sind alle friedvoll, tragen schöne feine Gewänder und halten Schlangen in den Händen. [In der Quelle ist ein Teil der Haarbeschreibung durch Sternchen als fehlend markiert.]
Kriyapada 12-51. Auch die Glieder sind in weiblicher Gestalt zu betrachten, mit weißen, goldenen, roten und schwarzen Farbtönen. Sie haben drei Augen, zeigen die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und tragen Dreizack und Beil. [Quellenhinweis: Die Zuordnung sämtlicher Attribute zu den Gliedergestalten ist im Satz gedrängt; die folgende Überlieferung nennt ausdrücklich zwei Arme.]
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari nach 12-51. „Die Glieder, beginnend mit dem Herzen, sind Frauen in der entsprechenden Gestalt, zweiarmig, mit Händen in Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste; die Waffe ist etwas gelbbraun.“
Kriyapada 12-52. Nandisha steht rechts am Tor: gekrönt, goldfarben, mit etwas hervortretenden Hauern, schönem Gesicht, drei Augen und strahlender, einem Daitya gleichender Gestalt, Dreizack und Keule tragend.
Kriyapada 12-53. Links am Tor steht der Mahakala Genannte, wolkendunkel, schön gekleidet, gekrönt, rot geschmückt, dreiäugig, mit Beil und Keule und etwas hervortretenden Hauern.
Kriyapada 12-54. Bhringisha, dem höchsten Herrn lieb, hat einen ausgezehrten Körper, drei Augen und einen Dreizack. Er gleicht einem Totengeist, mit dünnem langem Bauch und Gesicht, und steht westlich am südlichen Tor.
Kriyapada 12-55. Östlich am südlichen Tor steht der Elefantengesichtige, lackrot, mit Beil und Gebetskette, rotem Schmuck, drei Augen und kurzem Körper; eine Schlange bildet seine heilige Schnur.
Kriyapada 12-56. Am westlichen Tor auf der Nordseite steht Dharma selbst als vierfüßiger Stier: dem Kailasa gleich, weiß wie Schnee und Mondlicht, hochgewachsen, gehörnt, kräftig und mit mächtigem Höcker.
Kriyapada 12-57. Der Sechsgesichtige hat doppelt so viele Augen und Arme, ist rot, reitet auf einem Pfau und trägt Krone und roten Schmuck. Er erscheint als Knabe und hält Feuer, Speer, Gebetskette und weitere Waffen. [Hinweis: Die Quelle zählt hier die übrigen Attribute nicht einzeln auf.]
Kriyapada 12-58. Die jungfräuliche Göttin steht östlich am Nordtor, dunkelblau, auf einem Löwen und rot geschmückt. Ihre Hände tragen Rad, Schwert, Pfeile, Dreizack, Muschel, Schild und Bogen und zeigen die Gabengeste.
Kriyapada 12-59. Chandesha ist von rotem Leib, mit Krone und drei Augen, von göttlicher Gestalt und mit rötlichen Girlanden und Gewändern. Seine Hände tragen Axt, Wassergefäß, Dreizack und Gebetskette.
Kriyapada 12-60. Indra ist gelb, gekrönt und zweiarmig, göttlich geschmückt mit Halsketten, Goldschmuck, Armbändern und Oberarmreifen. Im Osten sitzt er mit den Göttern auf Airavata und trägt den Donnerkeil.
Kriyapada 12-61. Agni glänzt wie geschmolzenes Gold, hat ein schönes Gesicht und die Gestalt eines alten Mannes, goldenen Schmuck und vier Arme. Er zeigt die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und trägt Wassergefäß und goldene Gebetskette.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-61. Er befindet sich in seiner flammenumgebenen Scheibe, auf einem Widder, begleitet von Svaha an seiner rechten Seite.
Kriyapada 12-62. Yama, Dharma, der Herr der Verstorbenen, ist dunkel wie eine Regenwolke, kräftig, göttlich gestaltet, vierarmig, gekrönt und schwarz geschmückt. Mit dem Stab in der Hand reitet er auf einem Büffel.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-62. Chitragupta und die übrigen seines Gefolges umgeben ihn.
Unnummerierte Nirriti-Gestalt zwischen 12-62 und 12-64. Nirriti, der Herr der Rakshasas, ist schwarz, mit Hauern und Schwert, mit dunklen Girlanden und Gewändern. Er ist furchtbar und zugleich schön gestaltet, steht in seiner eigenen Himmelsrichtung und reitet auf einem Menschen. Rakshasa-Scharen umgeben ihn. [Nummerierungshinweis: Eine Marke 12-63 steht in der gelieferten Fassung nicht.]
Kriyapada 12-64. Varuna betrachte man klar und hell wie Schnee, Mond und Kristall, mit gelbem Schmuck, gekrönt und schön, freundlich und geschmückt, auf einem Krokodil, die Schlinge tragend.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-64. Ganga, Yamuna und die weiteren Flüsse in göttlicher Gestalt sowie Nagas umgeben ihn.
Kriyapada 12-65. Vayu ist rauchfarben, anmutig und jugendlich, mit dunkelblauem Schmuck und vier Armen, auf einer Gazelle. Man betrachte den Gott mit Halskette, Fahne und Stachelstock, begleitet von den Maruts.
Kriyapada 12-66. Der Herr der Yakshas glänzt golden, mit sanften honigbraunen Augen und göttlichem Schmuck. Er reitet auf einem Menschen und trägt eine Keule; etwas dickbäuchig und kräftig, mit kurzen Armen, ist er von den Schatzgestalten umgeben.
Kriyapada 12-67. Ishana ist perlenfarben, mit Dreizack, drei Augen, weißem Schmuck, Haargeflecht und Mondsichel. Er ist friedvoll, reitet auf einem Stier und gilt als Anteil Shivas und Herr der Vidyas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-67. Verkörperte Vidyas umgeben ihn.
Kriyapada 12-68. Brahma gleicht geschmolzenem Gold, reitet auf einem Schwan, besitzt vier Gesichter und Arme, Haargeflecht und schöne Gestalt. Er trägt Gebetskette, großen und kleinen Opferlöffel, Wassergefäß und Kusha-Gras.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-68. Links ist Savitri, rechts Sarasvati; Schöpfungsherren, Götter und alle Welten umgeben ihn. Seine Fahne trägt Kusha-Gras. [Hinweis: Für vier Arme werden mehr als vier Gegenstände genannt; ihre Verteilung bleibt offen.]
Kriyapada 12-69. Ananta ist von allen Schlangenherren verehrt, von weißrötlichem Glanz und friedvoller Gestalt, göttlich geschmückt, auf einem Lotus, mit Rad in der Hand und der Erde als Hauptschmuck zu betrachten.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-69. Sein Haupt strahlt im Licht der Edelsteine auf seinen tausend Schlangenhauben.
Kriyapada 12-70. Virabhadra gleicht einer weißen Muschel, reitet auf einem Stier, hat drei Augen, Schlangenschmuck, Haargeflecht und Mondsichel. Obwohl furchtbar, ist er überaus segensreich; unter einem Banyanbaum weilend trägt er Dreizack und Beil.
Kriyapada 12-71. Die Göttin Brahmi ist rötlich, mit vier Gesichtern und vier Armen, auf einem Schwan, beim Palasha-Baum. Göttlich geschmückt trägt sie Wassergefäß und Gebetskette und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-72. Maheshvari ist weiß und weilt beim Plaksha-Baum, mit Haargeflecht und Mondsichel, drei Augen und Schlangenschmuck. Sie reitet auf einem Stier, trägt Beil und Dreizack und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-73. Kaumari gleicht einer Bandhuka-Blüte und ist schön mit rötlichem Schmuck versehen. Sie trägt Speer und Gebetskette, zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, besitzt göttliche Gestalt und eine Pfauenfahne und steht beim Udumbara-Baum.
Kriyapada 12-74. Vaishnavi ist wolkendunkel, in gelbes Gewand gekleidet, beim Shri-Baum, mit Krone und anderem Schmuck. Auf Garuda trägt sie Muschel und Rad und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-75. Varahi reitet auf einem Widder, trägt Pflug, Rad und Lotus, hat dunkelblauen Schmuck und gleicht dunklem, frisch gespaltenem Augenschminkstein. Ihr Gesicht ist das einer Sau mit Hauern, furchtbar und schön; sie weilt beim Karanja-Baum. [Quellenhinweis: Der Widder wird als Reittier ausdrücklich genannt; eine geläufigere andere Zuordnung wird nicht eingesetzt.]
Kriyapada 12-76. Aindri ist dunkel, mit schönen Girlanden und Salben, golden geschmückt. Sie trägt Donnerkeil und Schlinge und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste. Im Schatten des Wunschbaums reitet sie auf einem Elefanten mit vier Stoßzähnen.
Kriyapada 12-77. Chamunda ist schwarz, furchtbar und berggroß, beim Banyanbaum, rot geschmückt und auf einem Totengeist. Sie trägt Dreizack, Schwert, Damaru-Trommel und Schädelschale sowie eine Girlande aus Kriegerköpfen und Eingeweiden.
Kriyapada 12-78. Der Herr der Hindernisse ist elefantengesichtig, dunkel wie Augenschwärze, mit Beil und Gebetskette und Händen in Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, rot geschmückt … Der Erhabene freut sich über Speisen und reitet auf einer Maus. [Quellenhinweis: In der Mitte des Verses fehlt eine mit Sternchen bezeichnete Passage.]
Kriyapada 12-79. Auch die vielen anderen Mütter der Welt, in unterschiedlichen Erscheinungen, mit schönen Farben und Waffen, sind zu betrachten: beim Shiva-Opfer versammelt, zufrieden und freundlich, nachdem sie Verehrung empfangen haben.
Kriyapada 12-80. Nivritti glänzt golden, ist gekrönt, vierarmig und von göttlicher Gestalt. Weiß geschmückt sitzt sie auf einem Lotus, trägt Donnerkeil, Gebetskette und Lotus und zeigt die Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-81. Pratishtha ist klar wie Kristall, mit rotem Schmuck, Krone und vielen Edelsteinen. Auf einem roten Lotus sitzend ist sie mit Schlinge, Gebetskette und Lotus sowie der Furchtlosigkeitsgeste zu betrachten.
Kriyapada 12-82. Die Kala Vidya ist gunjasamenrot, mit Haargeflecht, drei Gesichtern und Mondschmuck. Göttlich geschmückt sitzt sie auf einem Lotus, trägt Speer, Gebetskette und Lotus und zeigt die Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-83. Die Shanti Genannte ist schwarz, trägt schwarze Gewänder und weitere Zierden, hat vier Arme und vier Gesichter, Schlangenschmuck und Haargeflecht. Sie trägt Fahne und Gebetskette und zeigt die Furchtlosigkeitsgeste. [Ein viertes Handattribut nennt die Quelle hier nicht ausdrücklich.]
Kriyapada 12-84. Shantyatita ist klar und weiß wie Muschel, Milch und Kristall, fünfgesichtig, mit Haargeflecht und Mondsichel, weiß geschmückt auf einem Lotus. Sie trägt Lotus und Gebetskette und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-85. Das innere Atman-Prinzip wird auf einem Lotus sitzend beschrieben, viergesichtig, kräftig gelb, ganz in Meditation gesammelt. Zwei Arme bilden im Schoß die Geste, die oberen Hände tragen Gebetskette und Krug; Gestalt und Schmuck sind göttlich.
Kriyapada 12-86. Das Vidya-Prinzip ist wolkendunkel und von göttlicher Gestalt, mit den Lotusformen der achtgliedrigen feinstofflichen Hülle verbunden. Es trägt Wassergefäß, Lotus, Rad, Gebetskette und Wissensträger und zeigt Furchtlosigkeits- und Erkenntnisgeste. [Quellenhinweis: Die Zusammensetzungen für feinstoffliche Hülle und Handattribute sind gedrängt; der „Wissensträger“ wird nicht unbelegt als ein bestimmtes Buchobjekt festgelegt.]
Kriyapada 12-87. Das Shiva-Prinzip betrachte man mondweiß, vierarmig und viergesichtig, göttlich gestaltet, mit Beil und Gebetskette, auf einem Lotus, mit Haargeflecht und Meditationsgeste, in Samadhi versunken.
Kriyapada 12-88. Die unzähligen weiteren friedlichen und furchtbaren Herren der Scharen, in vielfältigen Gestalten, mit schönen Gewändern und Waffen, sind in den zehn Richtungen zu vergegenwärtigen. Sie werden später in diesem Werk kurz beschrieben.
Kriyapada 12-89. Die Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil, sind der Reihe nach gelb, rot, schwarz, blau, blitzfarben, vielfarbig, golden sowie von Flammen-, Mond- und Sonnenglanz zu erkennen.
Kriyapada 12-90. Jede einzelne Waffe soll als schutzkräftige, Hindernisse vernichtende, schöne Menschengestalt vorgestellt werden, in der Himmelsrichtung ihres jeweiligen Weltenhüters, rot geschmückt und zweiarmig, mit gefalteten Händen und dem eigenen Waffenzeichen als Haupt.
Unnummerierte Ergänzung nach 12-90. Keule und Speer sind dabei weiblich.
Kriyapada 12-91. Sie gleicht dem Feuer am Weltende, strahlt wie zehn Millionen Sonnen und speit aus ihren von Hauern entstellten Gesichtern dichte Flammen,
Kriyapada 12-92. hat viele Gesichter und Augen und unzählige, durch viele Waffen furchtbare Arme, mit denen sie Geschosse auf die Widersacher schleudert;
Kriyapada 12-93. ihre heilige Schnur ist eine Schlange, ihr Schlangenschmuck furchtbar. Sie trägt rote Duftsalben und Gewänder, eine Kopfgirlande und Eingeweideschmuck,
Kriyapada 12-94. umgeben von vielen Geistwesen mit Löwen-, Raubtier-, Schlangen-, Geier-, Hunde-, Tiger-, Eber- und Elefantengesichtern, schrecklich durch ihr lautes Gelächter.
Kriyapada 12-95. Sie schützt die Shiva-Verehrer, vernichtet alle Bedrängnis, … fremde göttliche Mächte … und hält feindliche Heere zurück. [Quellenhinweis: Die Wortgruppe vor der Heeresabwehr steht bereits in der Vorlage in Klammern mit Fragezeichen; ihr genaues Verb ist nicht gesichert.]
Kriyapada 12-96. Damit ist die Gestalt der Pashupata-Waffe kurz beschrieben. Nun folgt die Aghora-Waffe: einem frisch gespaltenen Berg aus dunklem Augenschminkstein gleich, überaus furchtbar in rotem Schmuck,
Kriyapada 12-97. mit hauerentstelltem Gesicht und aufrecht flammenden Haaren. Rechts hält sie das untere Ende des Dreizacks, einen Vetala und ein Schwert; auf der anderen Seite
Kriyapada 12-98. trägt sie mit ihren acht Armen Damaru-Trommel, Schädelschale, Glocke und die Mitte des Dreizacks. Die allgegenwärtige Gestalt trägt ein Tigerfell als Gewand. [Quellenhinweis: Acht Arme werden genannt, aber die Verteilung der erhaltenen Attribute ist nicht vollständig eindeutig.]
Kriyapada 12-99. Sie trägt eine Girlande aus frisch abgeschlagenen, blutenden Gesichtern tapferer Krieger und eine aus Spinnen und Skorpionen, die vom Hals bis über die Knie reicht,
Kriyapada 12-100. Fußringe, Hüftschnur, Bauchband, Oberarmreifen, Armbänder, Halsschmuck, Ohrringe und Ohrzierden
Kriyapada 12-101. sowie die heilige Schnur. Sie steht auf edelsteinbesetzten Sandalen, hat den linken Fuß vorgestellt und erscheint furchtbar wie beim Beginn eines Kampfes.
Kriyapada 12-102. Als alle Bedrängnis beseitigend und … zerbrechend wird sie vergegenwärtigt. So meditiere man über die Aghora-Waffe mit dem beschriebenen Gefolge. [Quellenhinweis: Das Objekt des „Zerbrechens“ fehlt in der mit Sternchen markierten Lücke. Die gewaltsame Bildsprache gehört zum historischen Schutzritual.]
Kriyapada 12-103. So wurden die Gestalten der Hauptgottheit, des Sitzes und der Glieder, der Herren der inneren Tore und der Weltenhüter sowie der Waffen, die als Umhüllungen bezeichnet werden,
Kriyapada 12-104. hier sämtlich in ihren Hauptzügen erklärt. Bei Verehrung und weiteren Handlungen, in täglichen und anderen Riten, sind sie jeweils in der zugehörigen Weise zu vergegenwärtigen.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das zwölfte Kapitel: „Die Gestalten der Umhüllungen und der weiteren Gottheiten“.
Zur Besinnung. Friedliche und furchtbare Bilder stehen hier nebeneinander. Sie erschließen sich aus ihrer jeweiligen Aufgabe im Ritual. Eine heutige Betrachtung kann bei der tragenden Shakti, der Sammlung der Meditationsgestalten oder den Gesten der Furchtlosigkeit ansetzen, ohne die gesamte historische Bildwelt zu einer einheitlichen modernen Lehre umzudeuten.
Kriyapada, Kapitel 13: Sonnenverehrung und Shiva-Puja
Das Kapitel verbindet die vorbereitende Verehrung der Sonne mit der Puja für Shiva. Reinigung, innere Vergegenwärtigung, Anrufung, Gaben und Mantrawiederholung bilden einen zusammenhängenden Ablauf. Eingeschobene Formeln werden hier in ihrer deutschen Bedeutung wiedergegeben; ihre überlieferten Keim- und Schlusslaute stehen in den getrennten Sanskritfassungen.
Kapiteleröffnung. Nun das dreizehnte Kapitel.
Kriyapada 13-1. Nun werde ich die Sonnenverehrung erklären, die Hindernisse bei der Shiva-Verehrung befrieden soll. Nach dem Bad, der Andacht zur Tageswende und den sättigenden Wassergaben gehe man zum Verehrungsraum,
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-2. wasche die Füße, vollziehe das rituelle Wasserschlürfen und verehre die beiden Torwächter mit ihren Namen: „Verehrung dem Dandin! Verehrung dem Pingala!“
Kriyapada 13-2. Man trete ein, setze sich und vollziehe die Atemregelung.
Kriyapada 13-3. Mit den durch den Waffen-Mantra gereinigten Händen lege man die Glieder-Mantras, vom Herzen beginnend, nieder. Man betrachte sich selbst als Sonnengott und fülle das Arghya-Gefäß wie beschrieben.
Kriyapada 13-4. Man versehe es mit den acht Bestandteilen, lege darin Grund- und Glieder-Mantras nieder und verehre sie. Danach besprenge man damit sich selbst, den Platz und die Gesamtheit der Verehrungsstoffe mithilfe von Kusha-Gras.
Unnummerierte Formeln nach 13-4. „Verehrung dem Ganapati! Verehrung den Gurus!“
Kriyapada 13-5. So verehre man rechts den Herrn der Hindernisse und nördlich den Guru. Den überreichen Thron namens Prabhutasana verehre man mit dessen Namen, vorangestellt die heilige Silbe und der Gruppenanfang.
Kriyapada 13-6. Nach der Verehrung seines Namens verehre man die vier Löwenfüße: Vimala, Sara, Aradhya und Sukha, jeweils mit „Parama“ davor.
Kriyapada 13-7. Ihre Namen werden mit der heiligen Silbe und dem Gruppenanfang samt Punkt versehen und mit Verehrung abgeschlossen. Ebenso verehre man den höchsten Atman und den Lotus-Sitz der Sonne.
Kriyapada 13-8. Dipta, die Leuchtende; Sukshma, die Feine; Jaya, die Siegreiche; Bhadra, die Segensreiche; Vibhuti, die Macht; Vimala, die Makellose; Amogha, die Unfehlbare; und Vidyuta, die Blitzende: Diese acht verehre man der Reihe nach auf den Blättern der acht Richtungen.
Kriyapada 13-9. Den Namen der Shaktis stelle man den zweiten Laut der siebten Gruppe, durch die langen Vokale unterschieden und mit Punkt versehen, voran; am Ende stehe Verehrung.
Kriyapada 13-10. Als neunte verehre man im Samengehäuse Sarvatomukhi, „die nach allen Seiten Gewandte“, mit der heiligen Silbe voran. Danach zeige man die aufstrahlende Mudra und betrachte den Sonnengott,
Kriyapada 13-11. in der runden Scheibe seines eigenen Glanzes auf einem weißen Lotus stehend, in der beschriebenen Gestalt, mit festem Geist im Herzen.
Kriyapada 13-12. Man fülle die zum Anjali geformten Hände mit Blumen, spreche den Khashotka-Mantra verbunden mit dem Grundmantra und rufe ihn aus dem Lotus des Dvadashanta mit der Anrufungs-Geste herbei.
Kriyapada 13-13. Gut gesammelt stelle man ihn mit der Aufstellungs-Geste im Lotus auf, mache ihn mit der Gegenwarts-Geste gegenwärtig und halte ihn mit der Nishthura-Geste fest.
Kriyapada 13-14. Mit der Kuh-Geste lade man ihn zum freundlichen Annehmen ein, gebe Arghya und weitere Gaben mit dem Khashotka-Mantra und verehre ihn mit Grund- und Glieder-Mantras. Dann zeige man Lotus- und Scheiben-Geste.
Kriyapada 13-15. Nach der Gabe von Bad, Gewand und heiliger Schnur verehre man der Reihe nach die Glieder, beginnend mit dem Herzen, auf den Blättern in Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten.
Kriyapada 13-16. In der Mitte liegt das Auge, in den Hauptrichtungen die Waffe, jeweils mit dem eigenen Abschluss. Für Herz und die weiteren Glieder zeige man die Kuh-Geste, für das Auge die Stier-Geste,
Kriyapada 13-17. für die Waffe die erschreckende Geste. Danach verehre man erneut mit Duftstoffen und anderen Gaben. In den Hauptrichtungen, beginnend im Osten, verehre man Mond, Merkur, Jupiter
Kriyapada 13-18. und Venus; in Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten die Planeten Mars, Saturn, Rahu und Ketu.
Kriyapada 13-19. Man verwende ihre Namen, mit der heiligen Silbe und dem jeweiligen Anfangslaut samt Punkt voran. Mit der Begrüßungs-Geste lade man sie zum Annehmen ein und verehre den Sonnengott mit Duftstoffen und weiteren Gaben
Kriyapada 13-20. bis zur Speisegabe, ebenso die Planeten in ihrer Reihenfolge. Man zeige Lotus- und Scheiben-Geste und erfreue sie damit.
Kriyapada 13-21. Nach Japa gemäß den eigenen Kräften gebe man Arghya und entlasse die Gottheiten. Mit der Zurücknahme-Geste ziehe man die Mantras, den Gott mit seinen Gliedern und die Planeten zurück
Kriyapada 13-22. und vereinige sie mit der Sonnenscheibe im Herzen oder im Dvadashanta. Sämtliche gebrauchten Opferreste und weiteren Rückstände übergebe man Tejashchanda,
Kriyapada 13-23. im Nordosten, mit seinem eigenen Namen, dem die heilige Silbe und der Gruppenanfang vorangehen. Überall werden die Namen bei der Verehrung im Dativ und mit Verehrung am Schluss verwendet.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der Sonnenverehrung.
Kriyapada 13-24. Man lege den Pavitra-Grasring ab, vollziehe das Wasserschlürfen und verehre das Tor. Mit gewöhnlichem Arghya und Blumen besprenge man es unter dem Shiva-Waffenmantra.
Unnummerierte Formeln und Fortsetzung vor 13-25. „Verehrung dem Ganapati! Verehrung der Sarasvati!“ So verehre man die beiden rechts und links am oberen Türbalken. „Verehrung der Ganga! Verehrung der Yamuna!“
Kriyapada 13-25. So verehre man im oberen Bereich auf der südlichen und nördlichen Seite.
Unnummerierte Formeln vor 13-26. „Verehrung dem Nandisha! Verehrung dem Mahakala!“
Kriyapada 13-26. So verehre man die beiden unten rechts und links an den Türpfosten. Eine Blume, als flammende Waffe vergegenwärtigt, welche die Scharen der Hindernisse vertreibt,
Kriyapada 13-27. werfe man mit dem Shiva-Waffenmantra wie einen Pfeil in den Verehrungsraum. Mit drei Fersenstößen vertreibe man die irdischen Hindernisse, mit Fingerschnippen die im Luftraum,
Kriyapada 13-28. mit den Zeigefingern die himmlischen. Danach stelle man Indra und die übrigen Götter im Geist in ihren eigenen Richtungen auf.
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari nach 13-28. „Man stelle Indra und die übrigen Weltenhüter, mit ihren Waffen zum Schutz bereit, in den zehn Richtungen auf und trete dann selbst in das Mandala ein.“
Kriyapada 13-29. Man trete mit dem rechten Fuß ein, ohne die Schwelle zu berühren, halte sich dabei an den nördlichen Pfosten und wende sich dann zurück.
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-30. Man lege eine Blume auf die Schwelle und vergegenwärtige sie als flammende Waffe, welche die Hindernisscharen abwehrt. Danach: „Verehrung dem Vastu-Purusha! Verehrung Brahma, dem Herrn des Vastu!“
Kriyapada 13-30. Diese Gabe bringe man am Brahma-Platz dar.
Unnummerierte Fortsetzung und Sitzformel vor 13-31. Man betrachte das Opferhaus und die Geräte im Uhrzeigersinn. „Verehrung dem Ananta-Sitz!“
Kriyapada 13-31. So verehre man den eigenen Sitz und nehme darauf nach Norden gewandt Platz.
Kriyapada 13-32. Man vollziehe die Reinigung der Elemente mit Austrocknung und den weiteren Verfahren. Nach der zuvor beschriebenen Weise bilde man die mit Duftstoff befeuchtete Shiva-Hand,
Kriyapada 13-33. dann die Linga-Geste und die Hand-Schildkrötengeste. Man vollziehe an sich den Nyasa der achtunddreißig Kalas, wie gelehrt.
Kriyapada 13-34. Im Herzlotus rufe man den Grundmantra, dessen Wesen Shiva ist, an und lege die sechs Glieder-Mantras, beginnend mit dem Herzen, am eigenen Körper nieder.
Kriyapada 13-35. Man vollziehe die Erhebung in den höchsten Zustand und betrachte: „Ich bin Shiva.“ Mit der großen Mudra bereite man sich selbst die innere Zustimmung und Öffnung.
Kriyapada 13-36. Durch dreimaliges Händeklatschen, Fingerschnippen, Blicke und die Lautzeichen des Zeigefingers vertreibe man die Hindernisse. Man mache die Richtungen frei, reinige sie und umschließe sie schützend.
Kriyapada 13-37. Nach dieser Reinigung des Ortes vergegenwärtige man den Mantra auf dem Löwenthron: Sadashiva im Licht-Linga, im Inneren des Herzlotus,
Kriyapada 13-38. daumengroß. Mit unbewegtem Geist verehre man ihn innerlich mit vollkommenen Gaben in der rechten Reihenfolge, mit der ganzen Ehrerbietung für einen Weltenherrscher.
Kriyapada 13-39. Mit Strömen höchsten Nektars sättige man Shiva im Feuer der Nabelgrube. Im Zwischenraum zwischen den Brauen, im Inneren des aufstrahlenden Punktes,
Kriyapada 13-40. meditiere man über Shiva als das Höchste und Feinste. Nach Vollendung des inneren Opfers betrachte man Sadashiva als mit dem eigenen Selbst eins und schütze den Ort.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 13-40. „Nach dreimaligem Händeklatschen stelle man sich durch den Waffen-Mantra eine aufragende Schutzmauer vor und außerhalb davon durch den Panzer-Mantra einen ausgehobenen Graben.“
Kriyapada 13-41. Man fülle das besondere Arghya, wie im Kapitel über die Darbringungen gelehrt, verehre es und besprenge mit seinem Wasser mithilfe von Kusha-Gras den eigenen Kopf.
Kriyapada 13-42. Mit duftender Asche ziehe man ordnungsgemäß die drei Streifen. Sind so das eigene Wesen und der Ort gereinigt, vollziehe man die Reinigung der Stoffe.
Kriyapada 13-43. Man betrachte die genannten Verehrungsstoffe mit dem Kraftblick und besprenge sie mit Arghya-Wasser, mithilfe der Kusha-Wurzeln oder des Grasbüschels, unter dem Panzer-Mantra.
Kriyapada 13-44. Man berühre sie und wiederhole den Ajata- oder Herz-Mantra für die Duftstoffe; für die Gewänder den Vama- oder Kopf-Mantra.
Kriyapada 13-45. Für Schmuck und Girlanden verwende man den Krishna- oder Haarspitzen-Mantra, für Speisegaben und Früchte den Purusha- oder Panzer-Mantra.
Kriyapada 13-46. Für lose Blüten und Ähnliches verwende man Ishana oder die Gayatri; für Dickmilch und Milch den Panzer-Mantra, für Ghee den Haarspitzen-Mantra.
Kriyapada 13-47. Zucker weihe man mit dem Herz-Mantra, Honig und Wasser mit dem Haarspitzen-Mantra, das Übrige mit dem Grundmantra. Auf alle diese Stoffe sprenge man Tropfen des Arghya-Wassers.
Kriyapada 13-48. Mit Sandel und dem Grundmantra zeichne man ein Stirnzeichen. Nach dem Besprengen lege man mit demselben Mantra eine Blume auf den eigenen Kopf.
Unnummerierter Übergang nach 13-48. Damit ist die Reinigung der Stoffe erklärt. Nun wird die Reinigung des Mantras beschrieben.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Man spreche den Mantra langsam aufwärts, beginnend mit drei Maßeinheiten und weiter in dieser Folge, bis der Zustand der Vollendung erreicht ist; sein Geist … Durch die Zuflucht zur reinen Wirklichkeit erfolgt so die Reinigung des Mantras.“ [Quellenhinweis: Die Aussage über den Geist enthält eine durch Sternchen markierte Lücke.]
Kriyapada 13-49. Danach reinige man das Linga nach der im Kapitel über die Darbringungen gelehrten Reihenfolge.
Kriyapada 13-50. Rein gesinnt fülle man mit kleinen Krügen reines Wasser in Vardhani und Kumbha und öffne mit dem Waffen-Mantra den inneren Heiligtumsraum.
Kriyapada 13-51. Zuerst bringe man gewöhnliches Arghya mit der Shiva-Gayatri dar, … mit Blumen und Räucherwerk …; dann gebe man damit erneut Arghya. [Zwei Passagen fehlen in der gelieferten, mit Sternchen gekennzeichneten Textstelle.]
Kriyapada 13-52. Man entferne die gebrauchten Opfergaben, wiederhole die fünf Brahma-Mantras und lege sogleich eine Blume auf den Kopf des Linga.
Kriyapada 13-53. Bei einem fest installierten Linga übergebe man die alten Gaben Chanda, mit Arghya voran; bei einem beweglichen gebe man sie ins Wasser oder an einen entsprechenden Ort. Mit Herz- und Waffen-Mantra besprengtem Wasser
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-53. wasche man zuerst den Sockel, anschließend das Linga. [Quellenhinweis: Bei der Übergabe an Chanda ist die Wortverbindung in der Vorlage ausdrücklich unsicher.]
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Sorgfältig wasche man das Linga gerade mit der rechten Hand. Das Linga mitsamt Wasseraufnahme reinige man zuerst mit Waffen-Mantrawasser; danach begieße man es unter Mantrarezitation mit gewöhnlichem Arghya-Wasser.“
Kriyapada 13-54. Beim Begießen, bei der Verehrung und den weiteren Handlungen lasse man den Kopf des Linga niemals leer,
Kriyapada 13-55. sondern versehe ihn mit Duftstoffen, Blumen und anderen Gaben: Dies bewirkt nach der Lehre die göttliche Gegenwart. So sind die Reinigungen des eigenen Wesens, des Ortes, der Stoffe, des Mantras und des Linga
Unnummerierte Fortsetzung und Formel vor 13-56. als fünf Reinigungen von Shiva-Verehrern auszuführen; ohne sie wird die Verehrung nicht anerkannt. „Verehrung dem Ganapati!“
Kriyapada 13-56. Damit verehre man den Herrn der Scharen in der nordwestlichen Ecke,
Unnummerierte Fortsetzung und Formel vor 13-57. oder im Südwesten den rötlichen Elefantengesichtigen auf einem Lotus in der beschriebenen Gestalt. „Verehrung den Gurus!“ [Quellenhinweis: Das Farbadjektiv „vāruṇaṃ“ in der gelieferten Verbindung ist unklar; die Zuordnung bleibt örtlich unsicher.]
Kriyapada 13-57. Ebenso verehre man die Gurus im Nordosten und vergegenwärtige ihre zuvor beschriebene Gestalt und weiteren Merkmale,
Unnummerierte Fortsetzung und Kommentar nach 13-57. mit gewöhnlichem Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben bis zur Speisegabe, nach den eigenen Möglichkeiten. „Gurus“ meint hier fünf: den eigenen Guru, den Guru des Gurus, den höchsten Guru, den verehrungswürdigen Guru und den höchst verehrungswürdigen Guru. „Verehrung der tragenden Shakti!“
Kriyapada 13-58. Diese Shakti auf dem Schildkrötenstein ist unterhalb des Sitzes zu verehren.
Unnummerierte Fortsetzung und Formel vor 13-59. Sie gleicht dem Keim eines Lotussamens. „Verehrung dem Ananta-Sitz!“ Damit verehre man die auf dem Brahma-Stein ruhende Grundlage.
Kriyapada 13-59. Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaftsmacht verehre man der Reihe nach
Kriyapada 13-60. als die beschriebenen Thronfüße von Südosten bis Nordosten. Adharma, Unwissenheit und fehlende Leidenschaftslosigkeit verehre man in den Hauptrichtungen,
Kriyapada 13-61. ferner mangelnde Herrschaftsmacht, von Osten beginnend an den Thronteilen. Die Namen stehen im Dativ, verbunden mit der heiligen Silbe und dem Herzkeim.
Unnummerierte Fortsetzung vor 13-62. So sind allgemein die Umhüllungen zu verehren, soweit nichts Besonderes vorgeschrieben wird. Es folgt die heilige Silbe mit dem Herzkeim.
Kriyapada 13-62. Damit verehre man unterhalb des Randes den entsprechenden Teil in der Nähe der Erkenntnis.
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-63. Ebenso verehre man die darüber liegende obere Decke in der Richtung der Herrschaftsmacht. „Verehrung dem Lotus! Verehrung dem Samengehäuse!“ [Hinweis zu 13-62: Der Bezug des ersten verehrten Teils bleibt im Quellsatz unvollständig; kein Gegenstand wird ergänzt.]
Kriyapada 13-63. Nach dieser Verehrung werden auf den Staubfäden der Reihe nach die acht Shaktis, beginnend mit Vama,
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-64. sämtlich in den zuvor beschriebenen Richtungen und Sitzen verehrt. „Verehrung der Vama! Verehrung der Manonmani!“
Kriyapada 13-64. Als neunte Shakti verehre man Manonmani im Samengehäuse.
Unnummerierte Formeln und Anweisung nach 13-64. „Verehrung der Sonnenscheibe! Verehrung Brahma, dem Herrn der Sonnenscheibe!“ So verehre man sie und betrachte ihre Durchdringung von den Spitzen der Lotusblätter an.
„Verehrung der Mondscheibe! Verehrung Vishnu, dem Herrn der Mondscheibe!“
Kriyapada 13-65. So verehre man beide und betrachte ihre Durchdringung von den Spitzen der Staubfäden an.
Unnummerierte Formeln und Anweisungen nach 13-65. „Verehrung der Feuerscheibe! Verehrung Rudra, dem Herrn der Feuerscheibe!“ So verehre man Scheibe und Scheibenherrn in der Mitte des Samengehäuses.
„Verehrung der Raumscheibe! Verehrung Shivas Sitz!“ So ist der beschriebene Sitz zu verehren.
Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara. „So stelle man sich an einem unbeweglichen Linga einen festen Sitz vor. Beim beweglichen Linga besteht der Unterschied, dass der Sitz beweglich und unbeweglich ist. Nachdem man es nach dem Begießen auf einen Sockel oder ein Mandala gestellt hat, verehre man dort den Gott im beweglichen Linga auf seinem nun festen Sitz.“
Kriyapada 13-66. Dann fülle man die zum Anjali geformten Hände mit Blumen.
Unnummerierte Formeln und Anweisung nach 13-66. „Verehrung Shivas Gestalt!“ Damit lege man am Gestalt-Linga die beschriebenen Merkmale nieder. „Verehrung der Ishvara-Gestalt, deren Wesen Erkenntnis und Handeln sind!“
Kriyapada 13-67. Auf die fünf Brahma-Gesichter lege man ferner die achtunddreißig Kalas
Kriyapada 13-68. mit ihren eigenen Mudras, entsprechend der beim Nyasa gelehrten Reihenfolge. Erneut forme man die Hände mit Blumen zum Anjali und vergegenwärtige darin den Gott Sadashiva.
Kriyapada 13-69. Man entfalte seinen aus Vidya bestehenden Leib und spreche, verbunden mit heiliger Silbe, Herzkeim, Grund- und Herz-Mantra: „Verehrung dem Vidya-Leib!“ Dies lege man in der Gestalt nieder.
Kriyapada 13-70. Dann erhebe man die mit Blumen gefüllten Hände, verbinde heilige Silbe und Herzkeim mit dem Sadya-Grundmantra und spreche den Mantra mit gedehntem Abschluss.
Kriyapada 13-71. Aus dem Herzlotus heraus betrachte man Shiva als höchstes Licht, dem feinen Klang gleich. Man führe ihn aufwärts zum Dvadashanta-Lotus und vereinige ihn mit dem ungeteilten Shiva.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 13-71. „Man setze die Lauterhebung fort, bis der Bereich des Ungeteilten erreicht ist. Ganz in der Betrachtung dieses Zustandes versunken, schaue man ihn im aufstrahlenden Strahlenkreis, im hervorgetretenen Punkt. Für die Anrufung nehme man ihn von dort vertrauensvoll auf und lege ihn mit festem Geist in dem vor einem stehenden, als Ziel bestimmten Leib nieder.“
Kriyapada 13-72. So rufe man Shambhu mit der Anrufungs-Geste herbei, wie gelehrt. Mit heiliger Silbe, Herzkeim und Vamadeva stelle man den Allgegenwärtigen durch die Aufstellungs-Geste auf.
Kriyapada 13-73. Nach heiliger Silbe, Herzkeim und Gesichts-Mantra mache man ihn durch die Geste gegenwärtig. Nach heiliger Silbe, Herzkeim und Aghora halte man ihn mit der Nishthura-Geste
Kriyapada 13-74. fest. Erneut fülle und erhebe man die Hände mit Blumen und spreche die Abschlüsse für Verehrung, Ahnengabe, Feueropfer und Weihung sowie Herz- und Panzer-Mantra.
Kriyapada 13-75. Man füge die Blütenhände zusammen und umschließe ihn mit beiden Händen schützend. Die Glieder lege man mit ihren eigenen Mantras an den jeweiligen Stellen Shivas nieder.
Kriyapada 13-76. Dabei vergegenwärtige man der Reihe nach die Bedeutungen von Anrufung und den weiteren Handlungen, wie sie im Kapitel über die Darbringungen erläutert wurden.
Kriyapada 13-77. Wie das Feuer durch seine Flammen und die Sonne durch ihre Strahlen, so ist Shiva durch seine eigenen Glieder kraftvoll und unangreifbar.
Kriyapada 13-78. Sein Herz ist sein wahres Wesen; sein Haupt ist die Eigenschaft, über alles zu herrschen. Die über ihm stehende Haarspitze bedeutet seine von niemand anderem abhängige Verfügungsmacht.
Kriyapada 13-79. Seine Lichtkraft ist durch ihr eigenes Wesen geschützt und gegenüber anderen unterschiedslos wirksam. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Schutzpanzer wird sie mit dessen Namen bezeichnet.
Kriyapada 13-80. Seine unwiderstehliche, von anderen nicht aufhaltbare Macht ist die Waffe: Mit ihr schleudert er jene, die Hindernisse verursachen, rasch weit fort.
Kriyapada 13-81. So vollziehe man die Gestaltung der Glieder auch im Gedenken an diese Worte Brahmashambhus. Mit dem Grundmantra verwandle man die Gegenwart in Nektar.
Kriyapada 13-82. Die beschriebene Einladung zum Annehmen geschehe durch die große Mudra. Das besondere Arghya, das Fußwasser und das Wasser zum Mundreinigen bringe man mit dem Herz-Mantra dar,
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-82. abgeschlossen jeweils mit den Rufen für Verehrung, Ahnengabe und Feueropfer.
Unnummerierte abweichende Reihenfolge. Einige lehren, zuerst Fuß- und Mundwasser und danach Arghya zu geben.
Kriyapada 13-83. Mit dem Herz-Mantra und dem Weihungsruf am Ende gebe man Arghya auf die fünf Häupter,
Kriyapada 13-84. lege Durva-Gras, Blumen und ungebrochene Reiskörner auf sein Haupt und verehre Sadashiva mit guten Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk.
Kriyapada 13-85. Den Gott auf dem Badepodest begieße man nach der beschriebenen Weise. Man trockne ihn mit einem Tuch, gebe Fußwasser an die Füße und dann auf das Haupt
Kriyapada 13-86. Arghya, anschließend Mundwasser, Gewänder und Schmuck. Erneut verehre man den Allgegenwärtigen in der Reihenfolge von Sitz, Gestalt und den übrigen Teilen.
Kriyapada 13-87. Mit der beschriebenen Duftpaste bestreiche man ihn mitsamt dem Sockel und schmücke ihn mit Goldplatten, Halsketten, Girlanden, Blumen und Blättern,
Kriyapada 13-88. mit Blumenschnüren und Timinda genannten Schmuckgebilden. Bei jeder Gabe spreche man die heilige Silbe, den Grundmantra und „Verehrung Shiva“.
Kriyapada 13-89. So lege man die jeweilige Gabe auf Shiva. Die Brahma-Gestalten verehre man auf seinen fünf Gesichtern der Reihe nach mit den Brahma-Mantras,
Kriyapada 13-90. beginnend mit Ishana; die Glieder verehre man an Shambhus Körpergliedern mit ihren Mantras. Dann führe man die Brahma-Gestalten aus Shivas Gesichtern hervor,
Kriyapada 13-91. ebenso die Glieder aus seinen Körpergliedern, leuchtend wie Lichter, die an einem Licht entzündet werden. Man betrachte ihre beschriebenen Formen und lege sie in der Mitte der Blätter nieder.
Kriyapada 13-92. Ishana lege man im Samengehäuse oder im Nordosten vorn nieder; die übrigen auf den Blättern ihrer Richtungen, sitzend und Shiva zugewandt.
Kriyapada 13-93. Herz und die folgenden Glieder bis zum Panzer lege man auf die Blätter in Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten; die Waffe der Reihe nach in die Hauptrichtungen.
Kriyapada 13-94. Das Auge lege man vor Shambhu mit seinem eigenen Mantra nieder. Nach Betrachtung ihrer beschriebenen Formen verehre man sie nacheinander mit Fußwasser und Arghya.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 13-94. „Für sie gibt es keine gesonderte schützende Umschließung, keine Nektarisierung, kein Bad, keine Lampengestaltung und keine eigene Gestaltung der Glieder.“
Kriyapada 13-95. Man gebe das beschriebene Räucherwerk und läute dabei mit der linken Hand die Glocke: zuerst für den Gott, danach der Reihe nach für die Brahma-Gestalten und Glieder.
Kriyapada 13-96. Rakshasas, Asuras, Yakshas, Pishachas und Brahmarakshasas weichen nach der Vorstellung des Textes dem Glockenklang; Räucherwerk bewirkt die göttliche Gegenwart.
Kriyapada 13-97. Man zeige die Lampe im Lampengefäß und stelle sie im Nordosten ab. Ebenso vollziehe man das kreisend dargebrachte Arati nach der beschriebenen Weise.
Kriyapada 13-98. Weil Shiva im Shiva-Linga gegenwärtig ist und die Welt in Shiva gründet, gilt das Schwenken des Lichtes vor ihm als Befriedung der Welt.
Kriyapada 13-99. Bei Räucherwerk, Licht, Speisegabe, Bali und Feueropfer ist der Opferabschluss zu verwenden; bei den übrigen Darbringungen der Verehrungsabschluss.
Kriyapada 13-100. Alles ausdrücklich Genannte und auch das nicht eigens Genannte wird mit dem Herzkeim vollzogen. Danach reiche man die Speisegabe, wie im Kapitel über die Darbringungen beschrieben.
Kriyapada 13-101. Dem Gott gebe man sie mit dem Grundmantra, den Brahma-Gestalten und Gliedern die halbe Menge. Für die Glieder sind einzelne Gefäße vorgesehen, andernfalls ein gemeinsames.
Kriyapada 13-102. Man biete ihm Trinkwasser an, dann Wasser zum Waschen der Hände, ein Mittel zum Abreiben der Hände und Wasser zur Mundreinigung,
Kriyapada 13-103. Betel und Mundduft, Augensalbe und Spiegel, Schirm und zwei Wedel, ebenso Tanz, Gesang und Instrumentalmusik.
Kriyapada 13-104. Man preise ihn mit den feierlichen fünf großen Klängen und glückverheißenden Hymnen und betrachte Sadashiva froh, mit der Göttin Prakriti vereint.
Unnummerierte Fortsetzung und Quellenkommentar nach 13-104. Mit diesen und weiteren Darbringungen erfreue man ihn. Hierzu sagt Brahmashambhu: „Dann erfreue man ihn, froh und mit Prakriti vereint.“
Kriyapada 13-105. Eine goldene heilige Schnur, Durva-Spitzen und ungebrochene Reiskörner
Unnummerierte Fortsetzung und Ausführungsanweisung nach 13-105. bilden den täglichen Pavitra-Schmuck; man lege ihn mit dem Grundmantra auf Shiva. Man spreche den Grundmantra, verbunden mit den drei Wirklichkeitsprinzipien und dem Opferabschluss, und lege den Pavitra-Schmuck auf das Haupt des Linga.
Kriyapada 13-106. Was bei der Verehrung zu wenig oder zu viel war, misslang oder ausgelassen wurde,
Kriyapada 13-107. das reinigt und schützt er; deshalb heißt er Pavitraka. Danach vollziehe man die Erhebung der Prakriti in den höchsten Zustand.
Kriyapada 13-108. Man spreche den höchsten Mantra und lege Prasada wie zuvor nieder; mit der bereits verwendeten Mudra lade man ihn ordnungsgemäß zum Annehmen ein.
Kriyapada 13-109. Erneut verehre man mit Blumen und Räucherwerk und schwenke das Arati. Rechts von Shiva, auf einem Lotus, lege man die Gebetskette, versehen mit Grund- und Glieder-Mantras,
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-109. und verehre sie mit Duftstoffen und den weiteren Gaben bis zum Räucherwerk.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu zur Gebetskette. „Die Zusammenbindung der Perlen, die den Sinnen gleichen und die erwünschten sichtbaren und unsichtbaren Früchte hervorbringt, heißt Gebetsschnur. Sie hat hundertacht Perlen samt Meru, oder die Hälfte oder ein Viertel davon, und ist mit allen Mantras geweiht.“ [Quellenhinweis: Die Formulierung lässt offen, ob der Meru in die Zahl eingeschlossen wird; es wird keine zusätzliche Perle stillschweigend ergänzt.]
Kriyapada 13-110. Wer Befreiung wünscht, übe Japa mit fünfundzwanzig Perlen, wer Reichtum wünscht, mit dreißig.
Kriyapada 13-111. Wer Gedeihen wünscht, mit siebenundzwanzig, für Glück mit vierundfünfzig, für die Erfüllung aller Wünsche mit hundertacht.
Kriyapada 13-112. Die von einer jungen Frau gefertigte Schnur ist dreifach gedreht und wiederum dreifach verbunden. Die Perlen sind einander zugewandt aufgefädelt, der Meru bildet den Abschluss am Kopf. [Die Quelle enthält bei „gefertigt“ eine Lesungsalternative.]
Kriyapada 13-113. Man nehme eine vom Guru erhaltene Gebetsschnur, andernfalls eine selbst gefertigte. Für Befreiung übe man Japa mit Kusha-Knoten, für Wohlstand mit Edelsteinen und Gold.
Kriyapada 13-114. Brahmanen und Kshatriyas verwenden günstige, reine, maßgerechte und gleichmäßige Perlen; Vaishyas und Shudras Putrajiva-Samen. Rudraksha dürfen alle verwenden. [Die erste Materialangabe bleibt im Vers unausgesprochen; die soziale Einteilung wird als historische Vorschrift bewahrt.]
Kriyapada 13-115. Die Rudrakshas sind nach der Überlieferung aus Rudra selbst hervorgegangen und haben Shiva zum Wesen. Wer mit ihnen Japa übt und sie trägt, soll dadurch Rudras Zustand erlangen.
Unnummeriertes Zitat aus dem Shivadharma nach 13-115. „Selbst Tiere, die mit Rudrakshas verbunden waren, gelangten zu Shivas Zustand.“ [Dies ist eine religiöse Verheißung der zitierten Überlieferung.]
Kriyapada 13-116. Von der einmündigen bis zur sechzehnmündigen Form … kommen hier verschiedene Rudrakshas vor; sie werden als beste, mittlere und geringere unterschieden. [In der Quelle fehlt eine mit Sternchen markierte Passage.]
Kriyapada 13-117. Acht-, elf- und sechzehnmündige gelten als vorzüglich. Die einmündige Rudraksha ist schwer zu finden und gilt als die beste der besten.
Kriyapada 13-118. Drei-, vier- und fünfmündige sind leicht erhältlich und gelten als geringere; die übrigen als mittlere. Alle sollen die genannten Früchte gewähren.
Kriyapada 13-119. Man verehre die Gebetskette zuerst, erfülle sie mit Nektar und übe dann Japa. Während man den Mantra spricht, ziehe man langsam eine Perle nach der anderen weiter.
Kriyapada 13-120. Für Befreiung verwende man Daumen und Zeigefinger, für Lebensgenuss den Daumen mit dem Mittelfinger; für Gedeihen die übrigen Finger, ausgenommen den kleinen.
Kriyapada 13-121. Japa ist dreifach: laut, flüsternd und rein geistig. Lauter Japa ergibt nach dieser Einteilung die geringere Frucht, geistiger die mittlere Vollendung.
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-121. Flüsternder Japa gibt die vorzüglichste Frucht; darum soll der Kundige ihn verwenden. [Quellenhinweis: Diese Rangfolge wird bewahrt und nicht einer aus anderen Schriften bekannten Ordnung angeglichen.]
Unnummerierter Kommentar aus Bhoja. Weil geistiger Japa nur mit großer Anstrengung gelingt, äußerlich lauter Japa aber die geringere Vollendung erbringt, ist flüsternder Japa als allgemein geeignete Form anzuwenden. Alle drei Formen sollen weder hastig noch schleppend, weder mit undeutlichen Lauten noch mit zerstreutem Geist ausgeführt werden. Bei täglichen und anlassbezogenen Riten übe man mit gesammeltem Geist, nach Osten oder Norden gewandt. So Bhoja.
Unnummeriertes Zitat aus dem Brihatkalottara. „Ungezählten Japa und ungezähltes Feueropfer eignen sich Asuras und Rakshasas an. Japa ohne Schweigsamkeit und Reinheit gilt deshalb als den Pishachas zugehörig.“
Kriyapada 13-122. Nach dem im Ritualtext vorgeschriebenen Japa widme man die Verehrung und sich selbst
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-122. Shiva, damit Mantra und Verehrung ihre Vollendung finden.
Unnummerierte Anweisung aus Bhojaraja. Danach bringe der nach Lebensgenuss Strebende Japa, Verehrung und sich selbst zu den Füßen des Gottes dar: in drei Handvoll duftendem Wasser, vermischt mit Kusha, Blumen und Sandel, eingeschlossen durch den Herz-Mantra, geschützt durch die Waffe und umhüllt vom Panzer-Mantra. Mit den drei Versen spreche er dabei: „Möge dies mir zur Erlangung der Frucht dienen.“
Kriyapada 13-123. Ist er ein Befreiungssuchender, spreche er: „O Gott, möge diese Handlung für mich keine neue Bindung bewirken!“
Unnummerierter Übergang. Darauf die heilige Silbe.
Kriyapada 13-124. Du hütest das Geheimnis jenseits des Geheimen. Nimm unseren vollzogenen Japa an, durch den mir dank deiner Gnade die in dir gründende Vollendung zuteilwird.
Kriyapada 13-125. Was immer wir stets tun, o Gott, Gutes oder Schlechtes: Lass es für mich, der ich in Shivas Zustand ruhe, vergehen, o Shankara! [In der Sanskritfassung stehen vor der Bitte zwei Keimlaute; sie sind dort unverändert bewahrt und tragen keine gesicherte eigene Satzübersetzung.]
Kriyapada 13-126. Shiva ist der Geber, Shiva der Genießende; Shiva ist diese ganze Welt. Shiva vollzieht überall das Opfer. Der, der Shiva ist, bin ich selbst.
Kriyapada 13-127. So bringe man stets sich selbst, Japa und Verehrung voller Hingabe dar, verneige sich vor Shiva und empfange seine Zustimmung.
Kriyapada 13-128. Man vollziehe die beschriebene Feuerhandlung vollständig und ordnungsgemäß, vereinige den im Feuer gegenwärtigen Shiva mit dem Linga und ebenso das Feuer.
Kriyapada 13-129. Die einzelne Umhüllung führe man in die Gesichter und Glieder des Gottes zurück, den Gott in die Linga-Gestalt. Erneut, mit Arghya voran,
Kriyapada 13-130. verehre man ihn mit der achtfachen Blumengabe und entlasse ihn unter Fortbestand seiner Gegenwart. Yoga-Sitz, Gestalt, Shiva und seine fünf Glieder
Kriyapada 13-131. bilden diese acht; man verehre sie gesondert mit acht Mantras. Die Entlassung wird als zweifach überliefert: mit bleibender Beziehung und ohne bleibende Beziehung.
Kriyapada 13-132. Bei einem dauerhaft angenommenen Linga, sei es fest installiert oder beweglich, erfolgt die Entlassung mit bleibender Beziehung, damit Shivas Gegenwart fortbesteht.
Kriyapada 13-133. Bei gewöhnlichen Lingas dagegen ist die Entlassung ohne bleibende Beziehung vorgesehen. Solche gewöhnlichen Lingas sind nur vorübergehend: aus Ton,
Kriyapada 13-134. Sand, Teig, frischer Butter, Kuhdung, Früchten, gezeichnet oder aus Speise. So gibt es acht gewöhnliche Formen.
Kriyapada 13-135. Man fertige sie unmittelbar an, rufe Shankara sogleich darin herbei, verehre ihn ordnungsgemäß und entlasse ihn ohne bleibende Beziehung.
Kriyapada 13-136. Für ihre Installation gibt es weder Wasserlagerung noch rituelles Niederlegen, weder einen bestimmten Mondtag noch ein bestimmtes Mondhaus und auch keine ausführliche Festlegung der Merkmale.
Kriyapada 13-137. Man verehre sie sogleich mitsamt dem Sitz, entlasse die Gegenwart und gebe die Darstellung ins Wasser. Dasselbe Verfahren gilt auf einem Bodenaltar, im Feuer und im Spiegel,
Kriyapada 13-138. bei der Verehrung im Krug, im Wasser und im eigenen Selbst. Auf einem Quadrat, das mit reinem Kuhdungwasser bestrichen ist,
Kriyapada 13-139. gestalte man innerlich den Sitz, verehre ihn, rufe die Gottheit ordnungsgemäß herbei und verehre sie. Das Bad erfolgt hier geistig, nicht äußerlich.
Kriyapada 13-140. Dies ist das Verfahren auf dem Bodenaltar; das Übrige vollziehe man wie zuvor. Ebenso bei figürlichen Darstellungen aus Ton, auf Stoffen
Kriyapada 13-141. und in Bildern: Vor ihnen verehre man mit trockenen Blumen. Figürliche Darstellungen aus Gold, Silber oder Edelstein
Kriyapada 13-142. verehre man in allem wie das gestaltlose Linga. Für Kupfer, Messing und Bronze wird Reinigung mit sauren Stoffen und Ähnlichem gelehrt.
Kriyapada 13-143. Ihr Bad vollziehe man zu besonderen Anlässen, nicht täglich. Bei Entlassungen ohne bleibende Beziehung verehre man zuerst mit der achtfachen Blumengabe,
Kriyapada 13-144. entlasse die Gottheit, lege die heilige Silbe nieder und verehre dort Chandesha. Auch ihn entlasse man und vereinige die Mantras der Reihe nach mit dem Herzlotus.
Unnummerierter Kommentar nach 13-144. Dieses Verfahren gilt für den gewöhnlichen Bodenaltar. Bei dauerhaft angenommenen, festen oder beweglichen Lingas geschieht die Entlassung ausschließlich mit bleibender Beziehung.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Die Entlassung ohne bleibende Beziehung gilt für das gewöhnliche Linga. Beim dauerhaft angenommenen wurde zuvor die Entlassung mit bleibender Beziehung gezeigt. Auch beim beweglichen Linga bleibt die Beziehung bestehen; beim Bodenaltar besteht sie danach niemals fort.“
Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara. „Bei einem dauerhaft angenommenen, festen oder beweglichen Linga wird eine Entlassung ohne bleibende Beziehung als schwerer Fehler bezeichnet.“
Unnummerierte weiterführende Erklärung und Ritualanweisung. „Zu günstiger Zeit, unter günstigem Mondhaus und günstiger Stunde wird das Linga ordnungsgemäß installiert und die Mantra-Gestalt eingesetzt. Von diesem Zeitpunkt an wohnt Shiva selbst in diesem Linga. Bei seiner täglichen Verehrung sind Anrufung und Entlassung deshalb als zeremonielle Handlungen anerkannt, die das Vollziehen der Verehrung ermöglichen.
Wie man bei einem verkörperten Wesen im Wachzustand die Verbindung mit den Tätigkeiten der Welt sieht, so verhält es sich hier mit Anrufung und den folgenden Handlungen. Wie beim tiefen Schlaf die Tätigkeit gegenüber allen äußeren Gegenständen aufhört und allein Bewusstsein verbleibt, so wird am Ende der Verehrung die Entlassung mit bleibender Beziehung verstanden.
Für Shiva, der in einem festen oder beweglichen Linga installiert ist, gilt dasselbe wie für das Feuer in seiner Grube: Zu den entsprechenden Zeiten wird es für das Feueropfer erweckt und am Ende dort wieder verborgen. Ebenso verhält es sich mit Anrufung und den weiteren Handlungen bei einem installierten Linga.
Bei der Entlassung mit bleibender Beziehung gebe man Shambhu Arghya, zeige die höchste Mudra von ihm abgewandt und hebe mit dem Waffen-Mantra die Glieder zurück. Mit der Zurücknahme-Geste betrachte man Shiva und vereinige ihn mit der verkörperten und unverkörperten Gestalt. [Quellenhinweis: Die Verbindung „mūrtāmūrtau“ ist bereits in der Vorlage mit Fragezeichen versehen; ihr genauer Bezug bleibt unsicher.]
Man verehre ihn mit der achtfachen Blumengabe und betrachte ihn als ungeteilt. Danach ziehe man mit der Zurücknahme-Geste die Mantras aus den Arghya- und anderen Gefäßen zurück, verehre sie und trete hinaus. Mit dem Panzer-Mantra schütze beziehungsweise verschließe man den inneren Heiligtumsraum. [Hinweis: Das entsprechende Verb ist im Quellwortlaut unklar; die funktionale Wiedergabe bleibt vorläufig.]
Draußen wasche man Füße und Hände, vollziehe das Wasserschlürfen, meditiere über Shiva und wiederhole zur Reinigung von Auslassungen und Fehlern die Samhita-Mantras. Dann gebe man eine Spende als Darbringung an Shiva.“
[Nummerierungshinweis: Nach 13-144 folgen in der gelieferten Datei die unnummerierten Zitate und Anweisungen; die nächste Marke lautet 13-172. Für den Zwischenabschnitt wird keine eigene Verszählung erfunden.]
Kriyapada 13-172. So wurde nach Prüfung unterschiedlicher shivaitischer Samhitas die Verehrung Sadashivas mit einer Umhüllung erklärt: Sie soll die erwünschte Vollendung bringen, ist heilsam und segensreich und erfreut die Shiva-Verehrer.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das dreizehnte Kapitel: „Die Verehrung mit einer Umhüllung“.
Zur Besinnung. Die äußeren Gaben werden von innerer Vergegenwärtigung getragen. Besonders klar spricht die Bitte des Befreiungssuchenden: Die eigene Praxis möge keine neue Bindung erzeugen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dies eine Einladung sein, Hingabe auch als Loslassen des Anspruchs auf persönliche Erträge zu verstehen.
Kriyapada, Kapitel 14: Shiva-Verehrung mit fünf Umhüllungen
Die einfache Anordnung des vorherigen Kapitels wird hier zu fünf konzentrischen Gruppen von Gottheiten erweitert. Der Text unterscheidet wiederum zwischen fest installierten und beweglichen Lingas. Seine praktische Rücksicht bleibt deutlich: Fehlende äußere Gaben können innerlich vorgestellt werden.
Kapiteleröffnung. Nun das vierzehnte Kapitel.
Kriyapada 14-1. Nun werde ich die erwünschte Verehrung mit fünf Umhüllungen erklären: für den fünfgesichtigen Sadashiva, dessen Leib aus den fünf Mantras besteht, oder für seine eingesichtige Form, entsprechend der bereits beschriebenen Ordnung.
Kriyapada 14-2. Alles zuvor Gelehrte, von der Sonnenverehrung bis zu Shivas Sitz, gilt auch hier. Bei den verkörperten Brahma-Gestalten gibt es jedoch eine in der Prayogamanjari genannte Besonderheit.
Kriyapada 14-3. Ishana hat hier fünf Gesichter, Tatpurusha und die übrigen jeweils vier. Auch die Herren der Vidyas haben vier Gesichter und tragen Pfeil, Dreizack, Donnerkeil und Bogen.
Kriyapada 14-4. Alles Übrige, ihre Farben und weiteren Merkmale, entspricht der Verehrung mit einer Umhüllung. Was über die Gestalten in den fünf Umhüllungen zu wissen ist, wurde im Kapitel über die Gestalten erklärt.
Kriyapada 14-5. Man betrachte Sadashiva auf einem Lotus, fünfgesichtig, zehnarmig, kristallklar und weiß, mit der Mondsichel im gebundenen Haargeflecht, dreiäugig und einem Sechzehnjährigen gleich,
Kriyapada 14-6. rechts mit Schlange, Glocke, Furchtlosigkeitsgeste, Stachelstock und Schlinge, in den übrigen Händen der Reihe nach Dreizack, Axt, Schwert, Donnerkeil und Feuer,
Kriyapada 14-7. mit einer Schlange als heiliger Schnur, reich geschmückt, in ein unvergleichliches Raubtierfell gekleidet, mit bläulichem Hals und Asche auf dem Körper, durch jede besondere Schönheit anmutig.
Kriyapada 14-8. So betrachte und verehre man ihn wie zuvor im Samengehäuse des Lotus. Oder man betrachte ihn eingesichtig, vierarmig, mondgekrönt und freundlich, mit den drei Augen von Erkenntnis, Handeln und Wollen.
Kriyapada 14-9. Er trägt Gebetskette, Dreizack, Khatvanga und Schädelschale, ist geschmückt, hell wie eine Herbstwolke, mit Haargeflecht und auf einem Lotus sitzend. So verehre man ihn.
Kriyapada 14-10. Gesichter und Glieder zusammen bilden die erste Umhüllung, die Herren der Vidyas die zweite, Uma und die folgenden Gottheiten die dritte, Indra und die übrigen Weltenhüter mitsamt den Müttergruppen die vierte.
Kriyapada 14-11. Die zuvor genannten zehn Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil, bilden die fünfte. Man verehre sie mit ihren Namen im Dativ, Herzkeim und heiliger Silbe voran und Verehrung am Ende.
Unnummerierte Einleitung. Im Einzelnen:
Kriyapada 14-12. Außerhalb des Lotus verehre man die Herren der Vidyas, außerhalb der Tore Uma und die folgenden. Im äußeren Umgang verehre man die Weltenhüter und außerhalb von ihnen die Waffen.
Kriyapada 14-13. Ananta, Sukshma, Shivottama und Ekanetra werden jeweils auf eigenen Lotusblüten verehrt, die an den Enden der östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Blätter auf dem Sitz liegen.
Kriyapada 14-14. Danach Shikhandin, Shrikantha und Ekanetra in den Ecken von Südosten an … Dies sind der Reihe nach die Herren der Vidyas. [Quellenhinweis: Der Vers enthält eine lange Sternchenlücke und wiederholt Ekanetra nach 14-13. Die Liste wird weder ergänzt noch vereinheitlicht.]
Kriyapada 14-15. Uma und Chanda, Nandisha und Mahakala, Ganeshvara und Bhringi, Stier und Skanda stehen an den Toren, beginnend im Norden.
Kriyapada 14-16. Diese werden paarweise an den vier Toren von Norden an verehrt, bei Pavitra-Zeremonien und weiteren Anlässen, beim fest installierten Linga und in der als „Jayavali“ bezeichneten Anordnung. [Quellenhinweis: Die letzte Ortsbezeichnung bleibt in diesem Zusammenhang unklar.]
Kriyapada 14-17. Die Weltenhüter sind Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Vaishravana und Ishana.
Kriyapada 14-18. Brahma, der Herr der oberen Welt, steht zwischen Ishana und Indra; Ananta, der Herr der unteren Welt, zwischen Nirriti und Varuna.
Kriyapada 14-19. Sie herrschen der Reihe nach über Götter, Lichtkräfte, Verstorbene, Rakshasas, Wasser, Lebenshauche, Yakshas, Erkenntnisse, Welten und Schlangen.
Kriyapada 14-20. Mit Reittieren und Gefolge werden sie verehrt, unter Hinzufügung der Bezeichnung „Gefolgsmann Rudras“; ebenso werden ihre eigenen Begleiter verehrt.
Unnummerierte Zusatzanweisung und Formel nach 14-20. In der Nähe Kuberas verehre man auch den Mond mit der Anrufung „Dem Soma, dem Herrn der Mondhäuser“ und dem weiteren Abschluss. Die vollständige Anrufung Indras bedeutet: „Verehrung dem Indra, Herrn der Götter, mit Waffen, Reittier und Gefolge, dem Gefolgsmann Rudras! Verehrung seinen Begleitern!“
Kriyapada 14-21. Mit solchen Mantras verehre man sie in den zehn Richtungen von Osten an. Innerhalb der Umhüllung der Weltenhüter werden außerdem die folgenden Gottheiten verehrt.
Unnummerierte Formel und Zitat aus dem Lalita nach 14-21. „Verehrung dem Stier!“
„Indra wird im Osten am Platz des Stieres verehrt, wenn dort ein Stier vorhanden ist. Beim fest installierten Linga ist der Stier zu verehren; beim beweglichen Linga ist kein Stier vorgesehen.“ [Quellenhinweis: Die erste Zeile des Zitats enthält eine auffällige Wortverbindung; ihre genaue Abgrenzung bleibt unsicher.]
Kriyapada 14-22. Westlich von Yama verehre man Virabhadra nach Westen gewandt und den Herrn der Hindernisse nach Osten gewandt; zwischen beiden die Mütter.
Unnummerierte Mütter-Anrufungen nach 14-22. „Verehrung dem Virabhadra! Verehrung dem Ganapati! Verehrung der Brahmani! Verehrung der Maheshvari! Verehrung der Kaumari! Verehrung der Vaishnavi! Verehrung der Varahi! Verehrung der Indrani! Verehrung der Mahakali, Chamunda!“ Vor ihnen verehre man nochmals sämtliche Mütter: „Verehrung den Müttern! Verehrung allen Mütterscharen!“
Kriyapada 14-23. Etwas südöstlich von Nirriti verehre man Shasta mit seinem eigenen Namen; nahe bei Vayu, etwas nordöstlich, verehre man Skanda.
Kriyapada 14-24. Etwas westlich von Kubera verehre man Durga mit ihrem eigenen Mantra; etwas südwestlich von Ishana Chandesha mit seinem Mantra.
Kriyapada 14-25. Man entnehme den vierten und letzten Laut der fünften Gruppe, versehen mit dem fünften und dem Feuer-Vokal, mit der heiligen Silbe voran; dann das Wort „Chanda“, Panzer
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 14-26. und Waffe: Dies ist der siebensilbige Mantra Chandeshvaras. Man verehre auch mit „Verehrung dem Chanda!“ und „Verehrung dem Chandesha!“ [Hinweis: Die Lautchiffren bleiben als solche bewahrt; daraus wird keine normalisierte Rezitationsform rekonstruiert.]
Kriyapada 14-26. Die genannten Gottheiten vom Stier bis Chanda sind
Unnummerierte Fortsetzung nach 14-26. beim fest installierten Linga zu verehren, nicht beim beweglichen und auch nicht auf dem Bodenaltar.
Unnummeriertes Zitat aus dem Lalita. „Bei der täglichen Verehrung eines beweglichen Linga oder eines Bodenaltars verehre man keinen Stier. Auch die sieben Mütter, Chanda und Skanda sind dort nicht vorgesehen. Zu besonderen Anlässen, etwa beim Pavitra-Ritus, ist ihre Verehrung jedoch besonders angezeigt.“
Kriyapada 14-27. Außerhalb der Umhüllung der Weltenhüter verehre man Donnerkeil und die übrigen Waffen mit ihren eigenen Namen,
Kriyapada 14-28. ihre jeweilige Gestalt vergegenwärtigend, der Reihe nach in den zehn Richtungen. Mit den verfügbaren Duftstoffen und weiteren Gaben verehre man die Gottheiten der Umhüllungen.
Kriyapada 14-29. Was von diesen Gaben nicht vorhanden ist, stelle man sich im Geist vor. Festzug und Bali-Darbringung sind beim fest installierten Linga vorgeschrieben.
Kriyapada 14-30. Bei der Verehrung eines beweglichen Linga oder Bodenaltars vollziehe man diese beiden nicht. Wenn die Mittel vorhanden sind, gelten dagegen Gesang, Tanz und Instrumentalmusik
Kriyapada 14-31. allgemein als empfehlenswert, sowohl bei festen als auch bei beweglichen Darstellungen. Die Feuerhandlung vollziehe man überall ordnungsgemäß.
Unnummerierte Fortsetzung nach 14-31. Ebenso vollziehe man anlassbezogene Riten wie die Chaitra- und Pavitra-Zeremonie.
Kriyapada 14-32½. So wurde die in Shivas Tantras vorgeschriebene Shiva-Verehrung mit fünf Umhüllungen ordnungsgemäß erklärt. Durch sie sollen verkörperte Wesen ohne Mühe diesseitigen und jenseitigen Lebensgenuss und Befreiung erlangen. [Die originale Halbversmarke 32½ bleibt erhalten; die Aussage ist eine Verheißung des Werkes.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das vierzehnte Kapitel: „Das Verfahren der Verehrung mit fünf Umhüllungen“.
Zur Besinnung. Die aufwendige Anordnung schließt die innere Gabe ausdrücklich ein: Was äußerlich fehlt, darf im Geist dargebracht werden. Für heutige Yoga-Aspiranten ist darin eine ermutigende Einsicht zu finden: Aufmerksamkeit und Hingabe hängen nicht allein von der Fülle verfügbarer Gegenstände ab.
Kriyapada, Kapitel 15: Die Feuerhandlung
Das Feueropfer wird hier als ein Vorgang der Reinigung, Belebung und Darbringung beschrieben. Das Feuer durchläuft sinnbildlich die Stationen eines menschlichen Lebens; anschließend wird Shiva darin verehrt. Den Abschluss bilden Gaben an viele Wesen und die Versorgung von Gästen und Bedürftigen. Die langen Prosapassagen erhalten redaktionelle Abschnittsbezeichnungen, ohne eine neue Verszählung zu bilden.
Kapiteleröffnung. Nun das fünfzehnte Kapitel.
Unnummerierte Vorbereitung vor 15-1
P1. Eintritt und Reinigung der Feuergrube. Man trete in das Feuerhaus ein, gehe im Uhrzeigersinn umher, wiederhole den Grundmantra und prüfe die Opferstoffe. Der Yoni der Feuergrube gegenüber setze man sich nach Norden gewandt. Mit dem eigenen Blick und unter Wiederholung des Grundmantras betrachte man die Grube, schlage sie mit dem Waffen-Mantra an, besprenge sie mit dem Panzer-Mantra, grabe sie mit dem Waffen-Mantra aus, hebe mit demselben das Material heraus und bringe es wieder ein. Mit dem Herz-Mantra fülle man sie und gleiche sie damit aus; Besprengen, Feststampfen, Fegen und Bestreichen vollziehe man mit dem Waffen-Mantra.
Shantyatita, Shanti, Vidya, Pratishtha und Nivritti vergegenwärtige und verehre man als Kalas im Inneren der Grube, in der Mitte, im Osten, Süden, Westen und Norden, jeweils mit ihrem Namen, der heiligen Silbe voran und Verehrung am Ende. Dann umgebe man die Grube mit einer dreifachen Schnur unter dem Panzer-Mantra. Mit „Verehrung der aus Kalas bestehenden Feuergrube!“ stelle man sie sich als aus Kalas gebildet vor und verehre sie.
Mit den drei Wirklichkeitsprinzipien ziehe man mittels der Spitze eines Opferholzes drei Linien nach Osten oder Norden; mit dem Waffen-Mantra eine weitere quer dazu. Ihre Gottheiten sind Brahma, Vishnu, Rudra und Shiva. Mit drei Kusha-Halmen und dem Waffen-Mantra mache man sie donnerkeilfest und bilde die Wegkreuzung.
P2. Vagishvari, Vagishvara und das Herbeibringen des Feuers. In der Mitte der Grube lege man einen Darbha-Sitz nieder: „Verehrung dem Sitz Vagishvaris und Vagishvaras!“ Darauf meditiere man über Vagishvari: dunkel, nach ihrer Monatsblutung gebadet, frisch jugendlich, göttlich gestaltet und geschmückt, voller Verlangen. Mit heiliger Silbe, Herzkeim und ihrem Namen, abgeschlossen durch Verehrung, rufe und verehre man sie. Ebenso verehre man Vagishvara in ihr entsprechender Gestalt.
Danach bringe man Feuer herbei, das unter umfassender Mantrarezitation aus Reibehölzern erzeugt wurde, aus einem Brennstein stammt oder aus dem Haus eines vedakundigen Brahmanen geholt wurde. Es liege in einem Kupfer- oder anderen geeigneten Gefäß, mit rauchfreiem Brennholz, als Flamme oder glühende Kohle. Den dem leichenverzehrenden Feuer zugehörigen Anteil entferne man. Das übrige Feuer betrachte man mit dem Grundmantra, besprenge es mit dem Waffen-Mantra, umhülle es mit dem Panzer-Mantra und schütze es mit der Waffe.
P3. Die Vereinigung der drei Feuer. Dieses äußere Feuer betrachte man als aufsteigende Lichtgestalt. Selbst Shiva geworden, entnehme man dem eigenen Stirnauge das aus dem Punkt hervorgehende Feuer, mit seinem Keimlaut, vom Herz-Mantra umschlossen. Durch Einatmen verbinde man es mit dem äußeren Feuer. Dann ziehe man mit seinen eigenen Namen das Feuer der inneren Grube durch die Pingala-Nadi heran, führe es beim Ausatmen durch das rechte Nasenloch heraus und vereinige es mit dem Feuer im Gefäß. [Hinweis: Das Heranführen und Ausatmen wird hier als rituelle innere Vorstellung beschrieben; die genaue Bewegungsfolge bleibt im Quellsatz gedrängt.]
So vereinige man die drei Feuer. Mit „Verehrung dem Bewusstsein des Feuers!“ und dessen eigenem Keim lege man Bewusstsein in das Feuer. Derselbe Keim, mit den langen Vokalen verbunden, bildet die sechs Glieder vom Herzen an. Damit weihe man das Feuer, erfülle es durch den Grundmantra mit Weihungsabschluss und die Kuh-Geste mit Nektar, verehre es mit dem Herz-Mantra und schütze es mit dem Panzer-Mantra.
P4. Zeugung und Entwicklung des Feuerkindes. Man nehme das Gefäß mit beiden Händen und betrachte die Erregung Vagishvaris und Vagishvaras, die nach der Entkleidung durch den Waffen-Mantra im Nordosten auf einem göttlichen Lager vereinigt sind. Man erhebe das Feuergefäß bis zur Kehle, führe es dreimal über der Grube im Kreis und knie auf dem Boden. Das Feuer sei einem selbst zugewandt; man betrachte es als Shivas Samen und bringe es mit dem Grundmantra durch die Nadi der Shakti in die Grube.
Das verstreute Feuer sammle man mit dem Waffen-Mantra. Man lege der Göttin innerlich wieder ein Gewand an und stelle sich Reinigung, Wasserschlürfen und die weiteren Handlungen vor. Mit dem Panzer-Mantra bedecke man das Feuer mit Brennholz und fache es mit einem Fächer an. Zum Schutz der Leibesfrucht binde man Vagishvari an die rechte Hand ein Darbha-Armband, das mit dem Waffen-Mantra geweiht wurde.
Für die Empfängniszeremonie verehre man mit Sadyojata und opfere fünf Sesamgaben mit dem Herz-Mantra. Ebenso vollziehe man mit Vamadeva und dem Kopf-Mantra die Zeremonie für die Entwicklung des Kindes, mit Aghora und dem Haarspitzen-Mantra das Scheiteln des Haares der Schwangeren. Mit „Verehrung dem Leib der achtgliedrigen feinstofflichen Hülle!“ stelle man sich einen Leib vor und gebe mit einer Kusha-Spitze unter dem Haarspitzen-Mantra einen Wassertropfen hinein, der das Lebewesen verkörpert.
Mit fünf Sesamgaben vergegenwärtige man die fünf Gesichter des Feuers, beginnend mit Sadya, und bilde ebenso die Glieder aus. Auch die Reinigung der Gesichter vollziehe man entsprechend. Danach betrachte man Vagishvari als Wöchnerin und das Feuer als neugeborenen Knaben. Durch Verehrung mit Tatpurusha und Opfergaben mit dem Panzer-Mantra wird die Geburtszeremonie vollzogen.
P5. Reinigung nach der Geburt und Einfassung. Mit Arghya-Wasser und dem Waffen-Mantra besprenge man die Grube. Das zur Umstreuung verwendete Darbha und das Grasarmband entferne man. Um die rituelle Geburtsunreinheit aufzuheben, besprenge man Vagishvari, den Gott und den Knaben mit Waffen-Mantrawasser und stelle sich Bad, Gewänder, Schmuck und weitere Gaben im Geist vor.
Man streue Darbha am Rand der Grube aus. Zur Entfernung des Speichels opfere man fünf Palasha-Hölzer mit Spitzen, je eine Spanne lang und mit Ghee bestrichen, unter dem Waffen-Mantra. Danach umgebe man die Grube mit einer aus dreißig Darbha-Halmen gefertigten Flechtung, deren Spitzen nach Osten und Norden weisen, und lege die vorgeschriebenen Einfassungshölzer nieder.
Auf den Unterlagen dieser Hölzer rufe man im Osten Brahma, im Süden Shankara, im Westen Vishnu und im Norden Ananta und Ishvara an. Man verehre sie mit dem Herzkeim und ihren Namen, ebenso die Weltenhüter in ihren Richtungen und die Waffen, und verkünde Shivas Befehl: „Hört, Brahma, Indra, Vishnu und die übrigen Götter mit euren Waffen! Schützt auf Shivas Geheiß dieses Shiva-Feuer, jeder an seinem eigenen Platz!“
P6. Weihe der Opferlöffel. Nach dieser Schutzanordnung wasche man großen und kleinen Opferlöffel unter dem Waffen-Mantra, nehme sie zusammen mit vier Darbha-Halmen auf, betrachte sie mit dem Herz-Mantra, erhitze sie mit dem Waffen-Mantra und wasche sie mit dem Kopf-Mantra. Erneut erhitze und wasche man sie. Den kleinen Löffel lege man ab und nehme den großen.
Mit den Darbha-Spitzen wische man dessen Spitze ab: „Dem Shiva-Prinzip!“ Mit der Mitte des Darbha die Löffelmitte: „Dem Vidya-Prinzip!“ Mit den Wurzeln die Löffelwurzel: „Dem Atman-Prinzip!“ Wieder vergegenwärtige man an Wurzel, Mitte und Spitze Brahma, Vishnu und Rudra als Herren des Atman- und der folgenden Prinzipien. Man schabe und wasche den Löffel und lege ihn rechts, nach unten gewandt, auf das ausgebreitete Darbha. Ebenso weihe man den kleinen Löffel und lege ihn daneben, ebenfalls abwärts gewandt. Im großen Löffel verehre man Shakti, im kleinen Shiva, mit ihren eigenen Namen. Mit dreifacher Schnur um die Hälse sind beide für die Handlung geeignet.
P7. Bereitgestelltes Wasser und erste Ghee-Weihe. Rechts von der Grube verehre man nochmals Brahma auf einem Grasbüschel. Im Norden bereite man einen Darbha-Sitz, fülle das Gefäß für das bereitgestellte Wasser samt Pavitra-Grasring und erhebe es mit beiden Kusha-haltenden Händen bis zur Nase. Mit Brahmas Zustimmung stelle man es auf seinen Sitz: „Du bist Varuna!“ Darin verehre man Vishnu: „Verehrung Vishnu, dem Vernichter der Feinde des Opfers!“ [Quellenhinweis: In der Gefäßanweisung steht zusätzlich das unklare Wort „granthaṃ“; seine syntaktische Funktion bleibt offen.]
Nun betrachte man das wie beschrieben gefilterte Ghee im vorgesehenen Gefäß mit dem Herz-Mantra, besprenge es mit dem Waffen-Mantra und setze es auf die nördlich liegende Glut. Man erwärme es über der südöstlichen Ecke der Grube. Selbst Brahma geworden, opfere man mit einer Kusha-Spitze einen Ghee-Tropfen: „Brahma die Opfergabe!“ Danach erwärme man es mit Kusha über der nordöstlichen Ecke; selbst Vishnu geworden, opfere man einen Tropfen: „Vishnu die Opfergabe!“
P8. Läuterung des Ghee. Man stelle das Ghee auf Kusha an der Yoni ab und weihe es mit dem Herz-Mantra. Zwei Darbha-Halme entzünde man und führe sie unter dem Panzer-Mantra dreimal leuchtend über das Ghee. Dann werfe man das brennende Darbha ins Feuer und wasche die Hände.
Die beiden Hände betrachte man als helle und dunkle Mondhälfte. Mit Daumen und Ringfingern fasse man Spitze und Wurzel des Pavitra-Grases und ziehe es unter dem Panzer-Mantra dreimal zu sich hin durch das Ghee. Man wasche es, ziehe es erneut zum Feuer hin durch und wasche es wieder; dann ziehe man es mit dem Herz-Mantra nach beiden Seiten hindurch. Man löse den Pavitra-Ring, wasche ihn und gebe ihn ins Feuer: Dies ist die Läuterung. Danach entzünde man Kusha, führe es als Licht über das Ghee und werfe es ins Feuer.
P9. Das Öffnen der Feueraugen und des Mundes. In der rechten und linken Hälfte des Ghee stelle man sich die erste und zweite Mondhälfte mit Ida und Pingala vor, in der Mitte die Übergangszeiten und Sushumna. Mit dem kleinen Opferlöffel nehme man Ghee von rechts und links und opfere in das rechte und linke Auge des Feuers: „Agni die Opfergabe! Soma die Opfergabe!“ Danach opfere man ins Stirnauge: „Agni und Soma die Opfergabe!“ Nun nehme man Ghee und opfere in den Mund des Feuers: „Agni, dem Vollender des wohl Dargebrachten, die Opfergabe!“
So öffne man den Mund des Feuers. Mit der Kuh-Geste erfülle man das Ghee mit Nektar, schütze es mit dem Waffen-Mantra und umhülle es mit dem Panzer-Mantra. Dies ist die Weihe des Ghee.
Dieses Verfahren gilt in der ersten Mondhälfte. In der zweiten besteht der Unterschied darin, dass man in die Augen mit „Agni“, „Surya“ und „Agni und Surya“ opfert; alles Übrige geschieht wie zuvor. Danach gebe man einen Tropfen des geweihten Ghee in Ghee, Milch, Honig und die weiteren Stoffe und weihe sie mit dem Herz-Mantra. Dadurch gelten auch sie als geweiht.
P10. Gestalt und Zungen des Shiva-Feuers. Man meditiere über Shiva-Feuer wie über Sadashiva: fünfgesichtig, mit Haargeflecht als Krone, sieben Zungen und drei Augen in jedem Gesicht, vier Armen mit Furchtlosigkeits- und Gabengeste, Speer und Swastika-Zeichen, guten Düften, Girlanden, Gewändern, göttlichem Schmuck und freundlichem Gesicht. Vier Zungen liegen in den vier seitlichen Gesichtern, drei im mittleren. Bei Einweihungen und Installationen sind sie sattvisch, bei schädigenden Riten tamasisch, bei wunscherfüllenden rajasisch. Im Einzelnen:
Kriyapada 15-1. … Hiranya, die Goldene; Gagana, der Himmelsraum; und Rakta, die Rote: So heißen die sieben sattvischen Zungen. [Quellenhinweis: Die gesamte erste Vershälfte fehlt als Sternchenreihe; nur diese drei Namen der Siebenerliste sind erhalten.]
Kriyapada 15-2. Kali, die Schwarze; Karali, die Schreckliche; Vilohita, die Tiefrote; Manojava, die Gedankenschnelle; Dhumravarna, die Rauchfarbene; Sphulingini, die Funkensprühende; und Vishvaruchi, die Allleuchtende: Dies sind die sieben tamasischen Zungen des Feuers.
Kriyapada 15-3. Karali, die Schreckliche; Dhumini, die Rauchende; Shveta, die Weiße; Lohita, die Rote; Bhadralohita, die Glückverheißend-Rote; Suvarna, die Goldene; und Padmaraga, die Rubinfarbene: Diese sieben Zungen sind rajasisch.
Unnummerierte Fortsetzung nach 15-3
P11. Begießen und Verbinden der fünf Gesichter. Nachdem man das Shiva-Feuer so betrachtet hat, begieße man seine Gesichter mit Opferghee. Die Anrufungen bedeuten: „Der Sadyojata-Gestalt die Opfergabe! Dem Verborgenen des Vamadeva die Opfergabe! Dem Herzen Aghoras die Opfergabe! Dem Gesicht Tatpurushas die Opfergabe! Dem Haupt Ishanas die Opfergabe!“ So begieße man jedes Gesicht.
Sogleich verbinde man die Gesichter. Man opfere paarweise: „Der Sadyojata-Gestalt und dem Verborgenen des Vamadeva! Dem Verborgenen des Vamadeva und dem Herzen Aghoras! Dem Herzen Aghoras und dem Gesicht Tatpurushas! Dem Gesicht Tatpurushas und dem Haupt Ishanas!“ Jeweils folgt der Opferabschluss.
Nach dieser paarweisen Verbindung spreche man die fünf Keime von Ishana bis Sadya, mit der heiligen Silbe voran. Man nehme Ghee im kleinen Opferlöffel und opfere unter der Anrufung Ishanas, Tatpurushas, Aghoras, Vamadevas und Sadyojatas in einem einzigen ununterbrochenen Ghee-Strom: von Südosten nach Nordwesten, weiter bis Südwesten und von dort bis Nordosten. So vollziehe man die Vereinigung der Gesichter. [Quellenhinweis: Der Schlussruf der vollständigen Sanskritanrufung ist in der gelieferten Fassung auffällig; er wird dort unverändert bewahrt.]
Die Vereinigung bedeutet außerdem, dass die übrigen Gesichter in das jeweils hauptsächliche eingehen. Im täglichen Ritual ist Sadyojata das Hauptgesicht; daher gehen die anderen in dieses ein.
P12. Zitat aus der Samhita zur Vorrangstellung der Gesichter. „Bei der täglichen Handlung gilt Sadya als das hauptsächliche Gesicht. Sonst ist das obere Gesicht das hauptsächliche, und das andere ist ihm untergeordnet. Bei anlassbezogenen und wunscherfüllenden Riten ist jeweils eigens angegeben, welches Gesicht Vorrang besitzt; mit diesem werden die übrigen vereinigt. Bei der Einweihung eines Befreiungssuchenden gilt Ishanas Gesicht als das hauptsächliche; zum Erlangen sichtbarer Erfolge das östliche, bei schädigenden Riten das südliche; für Befriedung und Gedeihen das nördliche namens Vamadeva.“
P13. Namengebung und Abschluss der ersten fünf Weihen. Beim täglichen Ritual stelle man sich Sadyojata als Hauptgesicht in der Größe der Feuergrube vor und verehre es: „Verehrung Sadyojata!“ Dann opfere man fünf Gaben mit „Ishana die Opfergabe!“ und gebe dem Feuer seinen Namen: „Du bist Shiva-Feuer, der Opferverzehrer!“
Danach verehre man Vagishvari und Vagishvara mit ihren eigenen Namen, opfere jedem einmal Ghee und entlasse beide in den Dvadashanta. Aus dem so durch fünf Weihen geweihten Feuer nehme man einen Teil heraus und bewahre ihn für Bali und andere Handlungen sowie zum Kochen von Opferbrei und Opferkuchen und für Räucherwerk.
P14. Zitat aus der Samhita zum Koch- und Opferfeuer. „Opferbrei und Opferkuchen sind auf dem durch fünf Weihen geweihten Feuer zu kochen, in das die Gottheit noch nicht angerufen wurde. Das Feueropfer dagegen wird nach der Anrufung vollzogen.“
P15. Die elf weiteren Lebensweihen. Mit dem Grundmantra und Weihungsabschluss vollziehe man nun durch jeweils drei gesonderte Ghee-Gaben elf weitere Weihen: erstes Hinaustragen, erste feste Nahrung, erste Haarschur, Einführung zum Studium, Beginn des Studiums, Übernahme des Gelübdes, Entlassung aus dem Gelübde, Godana, Rückkehr nach dem Studium, Heirat und Einrichtung des eigenen Feuers. Alle geschehen mit dem Grundmantra. [Hinweis: Godana bezeichnet hier die im Lebensweihen-Zusammenhang so benannte Zeremonie; der Text erläutert sie an dieser Stelle nicht näher.]
P16. Andere Reihenfolge nach der Manjari. In der Manjari heißt es: „Bei den Weihen des Shiva-Feuers werden unterschiedliche Verfahren beobachtet. Man vollziehe sämtliche sechzehn Handlungen, beginnend mit der Empfängnis.“ Die dortigen Verse werden hier so ausgeführt:
Mit dem zehnlautigen Vyomavyapi vollziehe man Empfängnis, Entwicklung des Kindes, Scheitelzeremonie, Geburtszeremonie und Namengebung, jeweils durch acht Opfergaben. Mit der Shiva-Gayatri vollziehe man das erste Hinaustragen, mit Ishana die erste Nahrung, mit Tatpurusha die Haarschur, wiederum mit Ishana die Einführung zum Studium. Danach folgen mit den Brahma-Mantras von Sadya an der Reihe nach Beginn des Studiums, Gelübdeübernahme, Gelübdeentlassung, Godana und Rückkehr nach dem Studium; mit dem zehnlautigen Vyomavyapi die Heirat und mit Prasada die Einrichtung des Feuers.
Nur mit Feuer, das nach einem dieser beiden Wege geweiht ist, gelingen nach dieser Lehre die täglichen, anlassbezogenen und wunscherfüllenden Ritualhandlungen der Shiva-Verehrer.
P17. Vollopfer und Anrufung Shivas im Feuer. Nun opfere man die volle Gabe. Man fülle mit dem kleinen Löffel den großen mit Ghee, lege den kleinen nach unten gewandt darüber und eine Blume auf die Spitze des großen. Beide Stiele fasse man gemeinsam mit beiden Händen in der Muschel-Geste, stehe mit eng zusammenstehenden Füßen auf und richte den Blick auf die Löffelspitze. Man spreche den mit dem Herz-Mantra verbundenen Grundmantra und dem Weihungsabschluss und gieße den Ghee-Strom aus.
Mit Zustimmung des Shiva-Feuers rufe man Shiva im Herzlotus des Feuers an, in der Reihenfolge von Shiva-Sitz, Gestalt, Gliedern und Umhüllung. Man vollziehe die Handlungen bis zur Einladung zum Annehmen und verehre ihn nach den verfügbaren Mitteln mit Arghya und den weiteren Gaben bis zum Licht. Danach stelle man die Nadi-Verbindung zwischen den beiden Shiva-Gegenwarten her. [Hinweis: Der Quellsatz verbindet Vollopfer und anschließende Anrufung sehr knapp; seine Handlungen sind hier in derselben Folge gegliedert.]
P18. Zitat aus dem Paushkara zur inneren Verbindung. „Mit dem Licht, das aus der Nasenspitze des im Feuer gegenwärtigen Shiva hervortritt, stelle man durch die Pingala-Nadi bis zum Ende der Handlung die Verbindung her. Jede dargebrachte Opfergabe betrachte man als Nektarstrom, der auf dem Sushumna-Weg beider Shiva erfreut.“
P19. Opferstoffe und Beobachtung des Feuers. Nun opfere man mit dem Grundmantra die vorgeschriebenen Gaben: Ghee, enthülsten Reis, unenthülsten Reis, Opferhölzer und Opferbrei. Den Gestalten und Gliedern gebe man jeweils ein Zehntel der für Shiva bestimmten Menge. Auch zu besonderen Anlässen opfere man die jeweils vorgeschriebenen Stoffe in der angegebenen Weise.
Brahmashambhu sagt: „Mit innerlich gesammeltem Geist beobachte man Farben, Gerüche, Flammen und Geräusche des Feuers, in denen sich Gelingen und Misslingen zeigen. Günstig ist ein glänzendes, nach rechts wirbelndes Feuer, dessen Klang die Ohren erfüllt, dessen Flamme stets aufwärts geht und geschlossen zusammensteht. [Quellenhinweis: Eine Wortverbindung in der Beschreibung der aufsteigenden Flamme ist unklar.] Man opfere weder in unentzündetes noch in rauchendes oder brennstoffloses Feuer. In hell brennendes, züngelndes Feuer soll geopfert werden, damit die Handlung gelingt.“
P20. Zitat aus dem Lalita zu Feuerzeichen. „Ein Feuer mit weißen, gelben oder rötlichen Flammen, blitzfarben oder gelbbraun, glänzend und rechtsdrehend, bewirkt das Gelingen der Handlung. Schwarzes, graues, rauchfarbenes, fleckiges oder linksdrehendes, raues oder funkenreiches Feuer wird als unheilbringend bezeichnet. Zu seiner Befriedung opfere man Sesam und Ghee mit den Samhita-Mantras und Shivas Weltanrufungen; dann soll ein günstiges Ergebnis entstehen.“ [Dies sind historische Ritualdeutungen, keine verlässliche Vorhersage künftiger Ereignisse.]
P21. Vollendung des täglichen Feueropfers. Die einzelnen Gaben opfere man mit ihren jeweiligen Mudras. An Fest- und Übergangstagen verdopple man Verehrung, Japa und Feueropfer gegenüber dem täglichen Maß. Drei Portionen Opferbrei begieße man jeweils gesondert mit Ghee und opfere sie der Reihe nach mit dem großen Löffel und dem Grundmantra. Für Gestalten und Glieder opfere man einmal mit der Hand.
Man besprenge mit dem Wasser des Besprengungsgefäßes unter dem Waffen-Mantra, reiche Betel, erfreue die Gottheit durch Umwandlung im Uhrzeigersinn, Verneigung und Lob und nehme heilige Asche an sich. Mit „Vergib!“ löse man die Nadi-Verbindung. Dann opfere man mit den Weltanrufungen, vorangestellt heilige Silbe und Herzkeim, hebe Gestalten und Glieder mit dem Waffen-Mantra zurück und vereinige sie an ihren zugehörigen Stellen mit dem im Feuer gegenwärtigen Shiva. Den Gott halte man im Herzen des Feuers gegenwärtig und bewahre das tägliche Feuer in derselben Grube.
P22. Tägliche Neuentzündung und Feuer unterwegs. Oder man verehre täglich Feuer und Shiva und ziehe mit der Zurücknahme-Geste und dem Einatmen die Feuer-Mantras zurück. Shiva und Feuer führe man der Reihe nach zum Dvadashanta und vereinige sie mit dem eigenen Herzen. Man entlasse Shiva und Feuer in den eigenen inneren Punkt oder ins Herz, erzeuge täglich neues Feuer und opfere darin.
Ist unterwegs oder aus anderem Grund keine Feuergrube vorhanden, bestreiche man ein quadratisches Feld von der Größe einer Kuhhaut mit Kuhdung, errichte darauf aus reinem Sand einen Bodenaltar, weihe ihn durch Betrachten und die weiteren Verfahren, setze das Feuer ein und opfere.
P23. Erlöschen des Feuers und Reinheit der Geräte. Erlischt versehentlich das Feuer, in dem Shiva gegenwärtig ist, soll man nach der historischen Vorschrift drei Nächte fasten, Aghora wiederholen und nach Kräften Ghee und Sesam opfern. Erlischt dagegen das Shiva-Feuer, nachdem Shiva entlassen wurde, soll man einen Tag und eine Nacht fasten, tausend Aghora-Wiederholungen samt Feueropfer vollziehen, das Feuer neu einsetzen und wieder opfern. [Diese Fastenangaben gehören zur historischen Sühneordnung.]
Bei der täglichen Handlung werden großer und kleiner Opferlöffel, Einfassungshölzer und Grasflechtung durch Waschen gereinigt und können danach wieder für das tägliche Feueropfer verwendet werden. Asche und Ähnliches aus dem Feuer mit gegenwärtigem Shiva gelten nicht als verbrauchte Opferreste; nach Shivas Entlassung gelten dieselben Stoffe als nicht zu berührende Opferreste.
P24. Bali nach der Feuerhandlung. Nachdem man Shiva und Feuer so zurückgehalten hat, entlasse man die Gottheiten der Einfassungshölzer und ihrer Unterlagen. Vor oder nördlich der Grube verehre man mit Duftstoffen und weiteren Gaben und bringe vom übrigen Opferbrei Bali dar.
In den vier Hauptrichtungen von Osten an sind die Empfänger Rudras, Mütter, Scharen und Yakshas; in den Ecken von Nordosten bis Nordwesten Planeten, Asuras, Rakshasas und Nagas. In der Mitte gibt man den Mondhäusern, außerhalb der Mondhäuser zwischen den Rudra-Gruppen und in den Ecken von Nordosten an den Tierkreiszeichen, den Allgötterscharen, dem Hüter des Feldes und Durga. Man verwendet jeweils ihre Namen, mit heiliger Silbe voran und Opferabschluss.
In einem zweiten Mandala gebe man in den zehn Richtungen von Osten an Indra und den übrigen der Reihe nach Bali, mit ihren Namen, heiliger Silbe voran und Verehrung am Ende. Außerhalb des Mandalas streue man ringsum aus: „Den Krähen und den übrigen die Opfergabe!“ Dann ziehe man die Bali-Mantras zurück und spreche auf einem im Hof angelegten Mandala:
Kriyapada 15-4. Die Rudras, deren Handlungen furchtbar sind und die an furchtbaren Orten wohnen, ebenso alle Friedlichen, die an friedlichen Orten wohnen,
Kriyapada 15-5. die Mütter von furchtbarer Gestalt und die Herren der Scharen: Mögen sie alle mit wohlgesinntem Herzen diese Bali-Gabe annehmen!
Unnummerierte Gebetsfortsetzung nach 15-5. Mögen sie mir rasch Vollendung gewähren und mich stets vor Gefahren schützen!
P25. Abschluss am Linga. Mit den anschließenden Schutz- und Waffenlauten bringe man Bali dar. Man wasche Hände und Füße, vollziehe das Wasserschlürfen und gebe in umgekehrter Folge beim Linga Arghya. Die Glieder der Darbringung ziehe man wie zuvor zurück, vereinige sie mit dem Linga und entlasse den Erhabenen auf die beschriebene Weise.
Unnummerierte Hausrituale vor 15-6½
P26. Herdopfer vor der Mahlzeit. Ist der Shiva-Anhänger Haushälter und möchte essen, soll er zuerst Herdopfer, Haus-Bali, die Gabe für alle Götter und die zehn Richtungs-Gaben vollziehen und danach speisen. Man gebe den ersten Anteil des gekochten Essens in ein Gefäß, entzünde das Herdfeuer, bestreiche den Platz mit Kuhdung und besprenge ihn mit Arghya-Wasser. Feuer und die nun genannten Gottheiten verehre man mit Duftstoffen, Blumen und ungebrochenem Reis und opfere mit Ghee vermischte Speise.
Die Empfänger sind Agni, Soma, Savitri, Brihaspati, Prajapati, sämtliche Vishvedevas, alle Götter und Agni als Vollender des wohl Dargebrachten. Man verehre sie mit heiliger Silbe und Verehrungsabschluss und opfere mit dem Opferabschluss. Nach dem Besprengen mit Arghya-Wasser bringe man den Hausgottheiten Bali dar.
P27. Die Hausgottheiten. Am Herd rechts und links Dharma und Adharma; am Vorrats- beziehungsweise Gärgefäß dem Umschwung des Daseinskreislaufs; am Wassergefäß dem Wassernektar, Varuna. Am Haupteingang des Hauses dem Herrn der Hindernisse und der Herrlichkeit des Tores. Am Mahlstein: „Du Glückverheißende!“ Am Mörser: „Du Furchtbare, Kotṭaharika!“ Am Stößel: „Dem Freund Balabhadras, der großen Schlagwaffe!“ Am Besen: „Dem Tod, dem für die Götter Geeigneten!“ Am Kopfende des Bettes: „Kama, dessen Waffen Blumen sind!“ Unter der mittleren Säule: „Skanda, dem Herrn des Hauses!“ [Quellenhinweis: Die knappen Geräteanrufungen enthalten uneinheitliche grammatische Formen und einzelne unklare Namen; sie werden nicht nach einer anderen Ritualfassung vereinheitlicht.]
P28. Gabe an alle Götter und Wesen. Danach bringe man in einem runden Mandala in der Hausmitte die Gabe für alle Götter dar. Die Namen lauten: „Brahma, den Vasus, den Rudras, den Adityas, den Sadhyas, den Mondhäusern, der Erde, den auf der Erde wandelnden Wesen, dem Luftraum, den im Luftraum wandelnden Wesen, den unterhalb Wandelnden, dem Himmel, den im Himmel wandelnden Wesen, den Richtungen und den in den Richtungen wandelnden Wesen.“
So gebe man die Gaben im Uhrzeigersinn. In der Mandala-Mitte: „Vishnu, dem Herrn aller Wesen, der durch Meditation erreichbar ist!“ Die Namen werden mit heiliger Silbe voran und Verehrung am Ende verwendet.
P29. Ahnengaben. Danach lege man die heilige Schnur in der Ahnenweise über die rechte Schulter und bringe außerhalb des Mandalas im Süden, gegen den Uhrzeigersinn, die Gaben dar: „Den Ahnen, zu denen Soma mit den Vätern, Yama mit den Angiras und Agni als Träger der Ahnengaben gehören: Ahnengabe und Verehrung! Den Feuer-Ahnen: Ahnengabe und Verehrung! Allen Ahnen: Ahnengabe und Verehrung!“ So streue man der Reihe nach aus, gehe hinaus und bringe den Richtungs-Gottheiten Bali dar.
P30. Die zehn Richtungen und die ungenannten Empfänger. „Indra, nimm dies an, Verehrung! Östliche Richtung Indras, nimm dies an, Verehrung!“ Entsprechend verfahre man mit „Agni“ und den übrigen bis Ishana für die acht Weltenhüter und ihre Richtungen. Nach oben, in Brahmas Richtung: „Suparna und Sauparni!“ Nach unten, in Anantas Richtung: „Dem Naga und der Mutter der Nagas!“ Man verehre mit Duftstoffen und weiteren Gaben.
Dann streue man eine mit Duftstoffen und Blumen verbundene Gabe aus: „Krähen, Würmer, Verstorbene, aus der Gemeinschaft Ausgeschlossene, Hunde, als Hundeesser Bezeichnete, Übertreter der Verpflichtungen und alle übrigen: Mögen sie diese Bali-Gabe annehmen! Verehrung!“ Den Rest lege man auf die Erde. [Die soziale Einteilung ist die historische Sprache des Textes; alle genannten Gruppen werden hier in die Gabe einbezogen.]
P31. Versorgung anderer vor dem eigenen Essen. Man wasche Hände und Füße und vollziehe das Wasserschlürfen. Gäste, Ankömmlinge, Schutzsuchende, Kinder, Alte, Blinde, Arme, Verlassene und andere Bedürftige versorge man nach den eigenen Kräften mit Essen und Trinken. Danach esse man nach dem dafür beschriebenen Verfahren. [Quellenhinweis: Die gelieferte Form „andān“ ist auffällig; „Blinde“ gibt den naheliegenden Sinn wieder, ohne die Sanskritlesung zu ändern.]
Kriyapada 15-6½. So wurde dieses den Shiva-Anhängern liebe, in den shivaitischen Tantras begründete Feueropfer erklärt. Durch es soll die tägliche Verehrung des Herrn vollständig werden, Frucht tragen und dem Wohl der Welt dienen. [Quellenhinweis: Der Ausdruck für das Feueropfer im ersten Versviertel enthält eine ausdrückliche Lesungsalternative; der sichere Gesamtsinn wird wiedergegeben. Die originale Halbversmarke bleibt erhalten.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das fünfzehnte Kapitel: „Die Feuerhandlung“.
Zur Besinnung. Das Kapitel endet beim Teilen von Nahrung. Nach den vielgestaltigen inneren Bildern und rituellen Handlungen richtet sich die Aufmerksamkeit auf Gäste, Schutzsuchende und Bedürftige. Für heutige Yoga-Aspiranten kann gerade diese Verbindung von Sammlung und Fürsorge eine tragfähige Anregung sein.
Kriyapada, Kapitel 16: Shaktipata und die Formen der Einweihung
Die Diksha wird hier als Lösung der Bindung und als Öffnung für Shivas Gnade beschrieben. Das Kapitel unterscheidet unmittelbare göttliche Gnade und die Vermittlung durch einen Lehrer, äußere Ritualhandlungen und Einweihung durch Erkenntnis. Daran schließen sich die konkreten Vorbereitungen der Zeremonie an.
Kapiteleröffnung. Nun das sechzehnte Kapitel.
Kriyapada 16-1. Bei Menschen, deren Trübungen geschwunden sind, geschieht durch die fortgesetzte Betrachtung Shivas der Herabstieg der Kraft, Shaktipata. Daraus entsteht Klarheit des Verstehens,
Kriyapada 16-2. daraus das Aufsuchen eines Gurus; so wird die Shiva-Einweihung erlangt. Mala, Karma und Maya sind die Ursachen der fesselnden Bindung.
Kriyapada 16-3. Durch die besondere Einweihung entsteht dem für Gnade Empfänglichen Erkenntnis Shivas. Sie heißt Diksha, abgeleitet von der Wurzel mit der Bedeutung „schwinden“, weil durch sie die Fesseln schwinden.
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-3. Darum wird sie die Diksha des lebenden, gebundenen Wesens genannt, das Gnade empfangen soll.
Unnummerierte Einteilung der Empfänger. Der Gnadenempfänger ist dreifach: Vijnanakala, Pralayakala und Sakala.
Kriyapada 16-4. Der erste ist allein durch Mala gebunden, der zweite besitzt Mala und Karma.
Kriyapada 16-5. Der dritte, Sakala, ist mit Karma, Maya und Mala verbunden. „Vijnana“ bedeutet hier ein verkehrtes Wissen vom Atman und ist eben Unwissenheit. [Hinweis: Die besondere negative Wortdeutung folgt der vorliegenden Textstelle; sie wird nicht durch die gewöhnliche positive Bedeutung von Vijnana ersetzt.]
Kriyapada 16-6. Aus der Wurzel „kal“ in der Bedeutung „binden“ wird die Bezeichnung Vijnanakala erklärt. Der durch Unwissenheit und Karma Gebundene heißt dagegen Pralayakala,
Kriyapada 16-7. weil sein Wissen gänzlich in Auflösung eingegangen sei. Wer mit den drei Bindungen Maya, Karma und Mala
Kriyapada 16-8. zusammen besteht, wird aufgrund dieses „zusammen“ Sakala genannt. Diese drei sind die Gnadenempfänger Shivas, als höhere, mittlere und geringere Gruppe unterschieden. [Die Wortableitungen geben die sinndeutende Erklärung des Werkes wieder.]
Kriyapada 16-9. Auch die Gnade Shivas, des Hortes des Mitgefühls, ist zweifach: mit vermittelnder Grundlage und ohne sie, jeweils dem Empfänger entsprechend.
Unnummerierte Erläuterung nach 16-9. Der Gnade ohne Grundlage beziehungsweise mit Grundlage entspricht die jeweilige Einweihung. Die Diksha ist daher ebenfalls zweifach: ohne vermittelnden Träger oder mit einem solchen.
Bhojaraja erklärt: Ohne Abhängigkeit von einem Acharya vollzieht der Erhabene durch seine eigene gnadenförmige Shakti, durch starken beziehungsweise noch stärkeren Shaktipata, die Einweihung der Vijnanakala- und Pralayakala-Wesen. Dies ist die Einweihung ohne vermittelnden Träger. Wo der Erhabene in der Gestalt eines Acharya wirkt und die Sakala-Wesen durch schwachen, noch schwächeren oder starken Shaktipata einweiht, geschieht sie mit vermittelndem Träger. Entsprechend der Befähigung wird sie ferner als „mit Samen“ oder „ohne Samen“ unterschieden.
Kriyapada 16-10. Die Einweihung mit Samen ist mit Verpflichtungen und deren Lebensordnung verbunden sowie mit dem Durchtrennen der Fesseln und den weiteren Handlungen. Sie ist für Verständige vorgesehen.
Kriyapada 16-11. Die Einweihung ohne Samen dagegen wird für Könige, Kinder, Frauen, sehr Alte, schwer Kranke und Menschen mit geringer Auffassungskraft empfohlen. [Hinweis: Dies ist die historische Einteilung der Ritualbefähigung; sie wird nicht als heutige Rangordnung übernommen.]
Kriyapada 16-12. Für Sadhaka und Acharya ist ausschließlich die Einweihung mit Samen vorgesehen, weil sie zu täglichen, anlassbezogenen und weiteren Handlungen für sich und andere befugt werden.
Kriyapada 16-13. Ferner gilt die eine Einweihung als handlungsgebunden, die andere als erkenntnisgebunden. Diejenige, bei der Halle, Farbpulver, Feuergrube, Durchtrennen der Fesseln und Reinigung der Wege,
Kriyapada 16-14. Opferstoffe, Feueropfer und weitere Handlungen dazugehören, heißt handlungsgebunden. Ohne Halle, Feuergrube und Ähnliches, allein durch geistiges Wirken,
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-14. bis zum Erwachen richtiger Erkenntnis vollzogen, heißt die Einweihung erkenntnisgebunden. Sie hat vier Formen: durch Blick, durch Berührung, durch Worte und durch den Geist. Im Einzelnen:
Kriyapada 16-15. Selbst Shiva geworden, meditiere der Lehrer und betrachte den Schüler. Mit seinem Blick ordne er in ihm die Gesamtheit der Wege, durchtrenne die Fesseln und verwirkliche Shivas Zustand in ihm: Dies ist die Einweihung durch den Blick.
Kriyapada 16-16. Selbst Rudra, dessen Leib Mantra ist, vergegenwärtige der Lehrer Shiva im Lotus der eigenen Hand, mit Gestalt, Gliedern und Grundmantra. Berührt er damit den Schüler, geschieht die Einweihung durch Berührung, durch welche die Fesselbindung abfällt.
Kriyapada 16-17. Als Sadashiva, verbunden mit sämtlichen Weltwegen, lege er alle Mantras in den eigenen Mund, durchtrenne durch Worte der Reihe nach die Fesseln des Schülers und weihe ihn ein: Dies ist die sprachliche Einweihung.
Kriyapada 16-18. Selbst Shiva geworden und mit allen Wegen verbunden, vergegenwärtige er Shiva im eigenen Herzlotus, mit Gestalt und Mantras. Kraft seiner Erkenntnis führe er den Schüler durch geistige Einweihung in Shivas Zustand. [Quellenhinweis: Die Verbindung für „mit allen Wegen verbunden“ steht in der gelieferten Fassung mit einem Fragezeichen.]
Unnummerierte Unterarten der handlungsgebundenen Einweihung nach 16-18. Auch die handlungsgebundene Diksha hat mehrere Formen: Samaya-Einweihung, Nirvana-Einweihung, Sadhaka-Einweihung und weitere. Wird der Schüler allein durch die Reinigung von Mala rituell geweiht, in die Verpflichtungen aufgenommen und zu Rudras Wesen geführt, heißt dies Samaya-Einweihung.
Kriyapada 16-19. Wo die sechs Wege gereinigt werden und die rituelle Vollendung umfassend erlangt wird,
Kriyapada 16-20. wo die Spitze der Fessel durchtrennt und die Vereinigung mit Shivas Zustand vollzogen wird, spricht man von Nirvana-Einweihung, besonders für die dazu Befähigten.
Kriyapada 16-21. Wo durch das Lösen der Fesseln in Nivritti und den folgenden Bereichen gereinigt wird, wo die Kräfte des Kleinwerdens und der übrigen Vollkommenheiten erlangt werden und die Vereinigung mit dem Zustand des Herrschers geschieht,
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-21. zusammen mit der entsprechenden Befugnis von Anfang an, heißt die Einweihung Sadhaka-Diksha.
Kriyapada 16-22. Zusammen mit den zuvor genannten guten Eigenschaften wird durch die Nirvana-Einweihung das eigene Bewusstsein zum Boot über den Ozean des Werdens. Indem begrenzte leibliche Eigenschaften wie das Schwinden der Wirksamkeit überwunden werden, entsteht Shivas Zustand, ausgezeichnet durch Allwissenheit und weitere Eigenschaften. [Quellenhinweis: Die dicht zusammengesetzte Wendung über die leiblichen Eigenschaften bleibt in ihrer genauen Gliederung unsicher.]
Kriyapada 16-23. Von seinen Schülern umgeben bade der Guru ordnungsgemäß, vollende die fälligen Handlungen und sammle sich. Dann gehe er zum äußerst schönen quadratischen Einweihungshaus, das nach den verfügbaren Mitteln neun, sieben oder fünf Ellen groß errichtet wurde,
Kriyapada 16-24. mit vier Ashvattha-Torbögen, vollen Krügen an deren Fuß in den vier Richtungen, geschmückt mit geröstetem und ungebrochenem Reis, Früchten, verschiedenartigen Blumen und vielerlei Gefäßen mit Keimen.
Kriyapada 16-25. In der Mitte hängt ein reiner, mondstrahlweißer Baldachin; an den Rändern fallen schöne feine Stoffe herab. Perlenketten und Blumengirlanden hängen daran, und außen steht ein neuer weißer Stoffschirm.
Kriyapada 16-26. Der Lehrer trägt feines weißes Gewand, weiße Girlanden und Duftstoffe; sein Leib glänzt von Edelsteinen und verschiedenem Goldschmuck. Nach dem Waschen von Füßen und Händen mit reinem Wasser vollziehe er das Wasserschlürfen, schweigend, mit Pavitra-Grasring an der Hand.
Unnummerierter Eintrittsritus nach 16-26. Mit gewöhnlichem Arghya in der Hand besprenge er die Tore unter dem Waffen-Mantra. Am Westtor verehre er die Torwächter wie beim täglichen Ritus. Mit Fersenstößen, Fingerschnippen und Zeigefingergesten vertreibe er die Hindernisse, werfe die Naracha-Waffe hinein und trete ein. Er wende sich um und lege auf der Schwelle mit einer Blume die Waffe nieder.
Mit dem Blick auf die Wirklichkeitsprinzipien betrachte er die Halle, gehe im Uhrzeigersinn herum und lege eine Blume am Brahma-Platz ab. Er verehre seinen Sitz, setze sich nach Norden gewandt und vollziehe die Reinigung der Elemente. [Die Quelle kennzeichnet eine Verbindung bei der Dreierfolge der Abwehrgesten als fraglich.]
Kriyapada 16-27. Zuerst lege er in der Vorstellung den aus Prakriti und den übrigen Prinzipien entstandenen Leib ab und betrachte den eigenen Leib mit dem Gedanken: „Ich bin jener Sadashiva.“ In die mit Duftstoff bestrichene Shiva-Hand legt er den Mantra und vervollständigt sich ordnungsgemäß nach dem täglichen Verfahren.
Kriyapada 16-28. Im Geist verehre er Shiva im Inneren des Herzlotus, das Feuer am Nabel und Shambhu im Punkt. Mit dreifachem Händeklatschen und den Kräften der Waffe, die Graben und Schutzwall bilden, stelle er außen den Schutz her.
Kriyapada 16-29. Danach bereite er das besondere Arghya und reinige die Badestoffe.
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-29. Durch das gleichmäßige Schlagen der Schnurlinien lege man fünf Felder an.
Unnummerierte Fünf-Gaben-Bereitung zwischen 16-29 und 16-30. Im mittleren, Supratishthita genannten Feld des Shiva-Prinzips fülle man Milch in ein Gefäß und verwende Ishana und den Grundmantra. Im Osten, im Svashanta genannten Feld des Sadashiva-Prinzips, fülle man Dickmilch mit Tatpurusha und dem Panzer-Mantra ein; im Süden, im Tejorupa genannten Feld des Vidya-Prinzips, Ghee mit Aghora und dem Haarspitzen-Mantra; im Norden, im Nivritti-Feld des Purusha-Prinzips, Kuhurin mit Edelsteinwasser unter Vamadeva und dem Kopf-Mantra; im Westen, im Amrita genannten Feld des Zeit-Prinzips, Kuhdung unter Sadyojata und dem Herz-Mantra.
In der Mitte beginnend wiederhole man die Mantras ein-, zwei-, drei-, vier- und fünfmal. Kusha-Wasser weihe man sechsmal mit der Shiva-Gayatri und gebe es der Reihe nach fünfmal in jedes der fünf Gefäße, beginnend mit der Milch. Dann vereinige man Dickmilch und die weiteren Bestandteile mit der Milch im mittleren Supratishthita-Gefäß. Die vereinte Mischung rühre man um, verehre sie wie Sadashiva und stelle sie bereit. [Dies ist die historische Bereitung ritueller Kuhprodukte, keine heutige Verzehrempfehlung.]
Danach fertige man das als „Schwert der Erkenntnis“ bezeichnete Kusha-Büschel aus sechsunddreißig Halmen an und bereite die Streustoffe.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu zu den Streustoffen. „Gerösteter Reis, Sandel, weißer Senf, Asche, Blumen, Kusha und ungebrochene Reiskörner: Diese sieben Waffenstoffe mische man und bereite sie mit dem Waffen-Mantra.“
Unnummeriertes Zitat aus dem Matanga. „Sesam, gerösteter Reis, Gerste, Durva, weißer Senf und Blumen, mit etwas Sandelpaste vermischt, heißen Streustoffe.“
Unnummeriertes Zitat aus dem Parakhya. „Man weihe die Körner mit dem Waffen-Mantra und streue sie wie Waffen ringsum. Bei ihrem Niederfallen fliehen die Hindernisscharen voller Furcht.“
Nach einer dieser Arten bereite man die Streustoffe. Auch die Kopfbinde des Acharya ist bereitzuhalten.
Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara zur Kopfbinde. „Der Acharya soll stets eine feine weiße Kopfbinde tragen, sechs Finger hoch, schön gleichmäßig und im Uhrzeigersinn gewickelt.“
Unnummeriertes Zitat aus dem Brihatkalottara. „Die durch die Mantra-Samhita geweihte weiße Kopfbinde trage der Guru sechs Finger hoch auf dem Haupt, gleich der Stirnbinde eines Königs.“
Ebenso trage man ein weißes Obertuch wie die heilige Schnur. Zur Zusammenfassung der Fessel bereite man eine von einer Brahmanentochter gedrehte, neunfache Schnur vor, berühre sie mit dem Haarspitzen-Mantra und lege sie in ein Gefäß.
Kriyapada 16-30. Die aus neun Fäden gefertigte Schnur soll doppelt so lang wie das Mandala sein. Sie heißt Karani; ebenso ist eine sehr weiße Ghatika bereitzuhalten.
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-30. Beide lege man bereit, nachdem man sie mit den Gestalt-Mantras geweiht hat. Auch eine eiserne Schere zum Abschneiden der Fadenspitze lege man unter dem Waffen-Mantra bereit.
Kriyapada 16-31. Für das Mandala bereite man die fünf Farbpulver, Edelsteine, Gold, Körner, den Kumbha und den Karaka,
Kriyapada 16-32. Kalashas, Gefäße für Opferbrei, Duftstoffe, Blumen und weitere Dinge sowie neue weiße Gewänder ohne lose Fäden,
Kriyapada 16-33. Opferhölzer, Ghee, Sesam, gerösteten Reis, Badestoffe und alles Weitere jeweils gesondert mit den Kala-Mantras von Shantyatita an.
Kriyapada 16-34. Die weiße Kopfbinde weihe man siebenmal mit dem Grundmantra, wickle sie um den Kopf und bleibe, mit dem Obertuch bekleidet, gesammelt.
Kriyapada 16-35. Man betrachte: „Ich bin fähig, Gnade zu vermitteln. Ich bin der allwissende Sadashiva. Ich bin unabhängig und befreie diese gebundenen Wesen.“
Unnummerierte Streuung und Krugbereitung nach 16-35. Man nehme die im Gefäß liegenden Streustoffe in die linke Hand und stelle sich im Südwesten der Halle nach Nordosten gewandt auf. Nach siebenfacher Wiederholung der Aghora-Waffe oder Shiva-Waffe streue man sie mit nach oben offener rechter Hand von der Hallenmitte bis zur Nordostecke aus, als glichen sie flammendem Feuer. Dabei verwende man die Wortfolge „Sharva, Sharva“. Mit einer Handvoll Kusha und der Lautfolge „dhu, dhu“ sammle man die Streustoffe wieder und lege sie im Nordosten nieder.
Dort richte man einen Lotus-Sitz ein, gebe ein Adhaka Reis und eine Darbha-Unterlage darauf und stelle einen mit Schnur versehenen Shiva-Krug aus Gold oder einem anderen entsprechenden Material auf, gründlich gewaschen, beräuchert und zunächst abwärts gewandt. An seinem Boden und dem Grasbüschel vergegenwärtige man den Krug als aus den Prinzipien von Erde bis Prakriti bestehend. Dann richte man ihn auf und lege auch das Büschel aufrecht hinein.
Während man den Nektar des Dvadashanta betrachtet, fülle man ihn mit Wasser heiliger Orte und gebe neun Edelsteine, Gold, Heilpflanzen, Blumen, Duftstoffe und ungebrochene Reiskörner hinein. Ashvattha-Sprosse stelle man aufrecht hinein und bedecke ihn mit einer Abdeckung, die ungebrochenen Reis und Früchte trägt.
Kriyapada 16-36. Man umhülle ihn mit zwei weißen Tüchern und weißen Girlanden, rufe darin den Herrn des Yoga an, auf dem beweglichen und unbeweglichen Stier-Sitz, mit Shiva-Sitz, Gestalt und Leib, und verehre ihn mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.
Unnummerierter Vers zwischen 16-36 und 16-38. Rechts neben dem Krug, ebenfalls auf den zuvor zusammengetragenen Streustoffen, stelle man die Vardhani auf und fülle sie wie den Krug. Mit dem Waffen-Mantra rufe man darin Shakti auf dem Löwen an und verehre sie ordnungsgemäß. [Eine Versmarke 16-37 fehlt in der gelieferten Fassung.]
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „In den zehn Richtungen von Osten an verehre man ordnungsgemäß der Reihe nach die Götter von Indra bis Upendra.“
Unnummerierte Fortsetzung und Zitat aus der Manjari. Dann richte man seine Bitte an sie. Nach der Verehrung der Vardhani auf dem beweglichen und unbeweglichen Sitz heißt es in der Manjari:
„Nach Wiederholung des Aghora-Waffenmantras führe der Acharya die Vardhani im Uhrzeigersinn rings um die Wand und gieße dabei einen ununterbrochenen Wasserstrom. Ein anderer nehme den Shiva-Krug und trage ihn auf demselben Weg. Danach stelle man Shiva-Krug und Vardhani wieder an ihren Platz auf den Sitz wie zuvor.
In den Shiva-Krug lege man den Grundmantra; darin verehre man Shiva auf festem Sitz, mit Gestalt und Gliedern. In das Wasser der Vardhani lege man die heilige Silbe und die Pashupata-Waffe und verehre darin die erhabene Uma ordnungsgemäß.“
Unnummerierte Berührungsanweisung aus Brahmashambhu. Mit der Linga-Geste berühre man den Shiva-Krug und mit der linken Faust der Geste die Vardhani. „Die linke Faust ist Uma, der Sockel; der Daumen ist das Linga, Hara.“
So verfährt, wer Lebensgenuss wünscht. Wer Befreiung wünscht, berühre zuerst die Vardhani und danach den Krug.
Kriyapada 16-38. „Uma in der Gestalt des weiblichen Schoßes und Shankara, der die Gestalt des Linga trägt,
Kriyapada 16-39. euch Verehrung!“ Mit diesem Lob erfreue man sie. „Du bist der Herr dieses Opfers; diese ist deine unbewegliche Shakti.
Kriyapada 16-40. Hier ist dein Schwert der Erkenntnis; nimm es als deine eigene Waffe an. Dieses von mir begonnene Opfer der Opfernden sollst du,
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-40. o Gott, bis zu seinem Abschluss beschützen!“ [Quellenhinweis: Die Satzverbindung des zweiten Halbverses ist im Sanskrit gedrängt; die Bitte um Schutz wird durch die Fortsetzung eindeutig.]
Unnummerierter Vers zwischen 16-40 und 16-42. So verneige man sich vor Shiva, überreiche ihm das Erkenntnisschwert, verehre beide ordnungsgemäß und trage dem Erhabenen die zu vollziehende Aufgabe und den Schutzauftrag vor. Dann verehre man den Herrn der Hindernisse in seiner eigenen Richtung. [Eine Versmarke 16-41 fehlt in der gelieferten Fassung.]
Kriyapada 16-42. „Dieses Opfer für den Herrn der Götter haben wir zum Zweck der Gnade für die gebundenen Wesen begonnen. Möge es in deiner Gegenwart ohne Hindernis zum Abschluss gelangen!“
Kriyapada 16-43. Nach dieser Verehrung Ganeshas zeichne man im östlichen oder mittleren Bereich der mit duftendem Wasser und Kuhdung bestrichenen Halle eines der Lingodbhava-Mandalas oder ein Bhadraka und verehre darin Mahesha.
Kriyapada 16-44. Man stelle sich den Ananta-Sitz vor, rufe Sadashiva auf die beschriebene Weise darin herbei und verehre ihn mit den hauptsächlichen Gaben und Geräten. Ist Shiva erfreut, verehre man ordnungsgemäß auch die Umhüllungen.
Unnummerierter Kommentar nach 16-44. Mit „Umhüllungen“ sind die fünf Umhüllungen gemeint.
Kriyapada 16-45. Im Osten, im Feuerhaus, setze man in einer quadratischen Grube das Sadashiva genannte Feuer ein. … Ein Viertel des Opferbreis … opfere man der Reihe nach mit Grund-, Glieder- und Gestalt-Mantras. [Quellenhinweis: Der Beginn der zweiten Vershälfte fehlt; die anschließende Prosa erklärt die Aufteilung des Opferbreis.]
Unnummerierte Ausführung nach 16-45. Man setze das Feuer nach dem beschriebenen Verfahren ein und stelle die Verbindung mit Shiva her. Zuvor nehme man einen Teil des erst durch fünf Weihen geweihten Feuers heraus und entzünde damit den Herd. Für die Einweihung eines Schülers koche man in der Milch einer braunen Kuh fünf Prasriti Shali-Reis zu Opferbrei; je weiterem Schüler erhöhe man um ein Kudumba. Man koche ihn in der angegebenen Reihenfolge, begieße ihn ordnungsgemäß mit Ghee und stelle ihn westlich der Grube auf Darbha ab.
Mit der Mantra-Samhita opfere man Ghee und lasse davon in den Brei fließen; mit der Kuh-Geste erfülle man ihn mit Nektar. Man teile ihn vierfach: Ein Teil wird dem Erhabenen am Hauptplatz, einer dem im Krug, einer dem Feuer dargebracht; den Rest bewahre man für sich und die Schüler.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Nachdem man Shiva, dem Feuer und dem Krug ihre Anteile übergeben hat, bewahre man den Rest des Opferbreis unversehrt für sich und die Schüler.“
Kriyapada 16-46. Nun opfere man drei Portionen, jeweils gesondert mit Ghee begossen, der Reihe nach mit dem großen Opferlöffel und dem Grundmantra.
Kriyapada 16-47. Dann opfere man elf mit Ghee vermischte Gaben mit dem Grundmantra und jeweils eine gesonderte mit den Brahma-, Glieder- und Gestalt-Mantras.
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari nach 16-47. „Mit den Brahma-Mantras, den sechs Glieder-Mantras und allen Gefolge-Mantras, beginnend bei den Herren der Vidyas, opfere man der Reihe nach Ghee.“
Kriyapada 16-48. Ebenso opfere man Sesam und anschließend die volle Opfergabe.
Kriyapada 16-49. Nach Bali-Gaben an Rudra und die übrigen und nach erlangter Zustimmung Shivas weihe der Guru einen, zwei oder mehrere Schüler gemäß ihrer Befähigung ein.
Kriyapada 16-50. So weit reicht die gemeinsame Handlung, die Lehrer bei den rituellen Einweihungen von Samaya bis Sadhaka der Reihe nach kennen sollen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der gemeinsamen Handlung.
Unnummerierter Beginn der Samaya-Einweihung nach 16-50. Die geeigneten Schüler haben die Zähne gereinigt, Bad, Andacht zur Tageswende und tägliche Übungen vollzogen und tragen weißes Gewand und Obertuch. Man lasse sie vor dem Tor stehen. Der Lehrer gehe hinein, verneige sich vor dem Gott und trage vor:
Kriyapada 16-51. „O Gott, die friedvollen gebundenen Wesen, um derentwillen ich dieses Shiva-Opfer begonnen habe, stehen jetzt wartend vor dem Tor.
Kriyapada 16-52. Gewähre mir deine Gunst, Shankara, damit sie eintreten dürfen!“ Wenn der Gott mit „Ich gewähre Gnade“ seine Zustimmung erteilt hat,
Kriyapada 16-53. vervollständige der Guru sich rituell und betrachte seinen Leib als Sadashiva: „Ich bin der eine Shiva in allen fünf Trägern der Einweihung:
Kriyapada 16-54. im Krug der Beschützer des Opfers, im Mandala der Zeuge der Handlung, im Feuer der Träger des Feueropfers, im Schüler der Löser seiner Fesselbindung,
Kriyapada 16-55. und als Acharya ganz der Gnade zugewandt. Jener bin ich selbst.“
Unnummerierter Vers nach 16-55. Draußen vor dem Tor sitzt der Schüler in einem Mandala auf einem Sitz aus Darbha, ungebrochenem Reis und dem Lotus der heiligen Silbe, mit gefalteten Händen, dem Erhabenen zugewandt und aufrechtem Leib. Der Guru, selbst nach Norden gewandt und mit Arghya in der Hand, betrachte ihn.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Mit dem Blick der Erkenntnis der Wirklichkeitsprinzipien prüfe der Guru ihn von der Haarspitze bis zu den Zehennägeln und von den Zehennägeln zurück zur Haarspitze.“
Kriyapada 16-56. „Dieser ist sein Atman; das Netz seiner Bindungen ist gelockert. Jetzt … Shivas Zustand … der Herabstieg von Shivas Kraft.“ So meditiere der Lehrer, besprenge ihn dreimal mit Arghya-Wasser unter dem Waffen-Mantra und berühre beziehungsweise bestreue ihn dreimal mit Asche; danach gebe er Wasser auf sein Haupt. [Quellenhinweis: Die innere Betrachtungsformel am Versanfang ist in der gelieferten Wortfolge beschädigt beziehungsweise durch eine fragliche Alternative unterbrochen; ihre erkennbaren Teile werden ohne Ergänzung wiedergegeben.]
Unnummerierter Kommentar und Vorbereitung nach 16-56. Gemeint ist: Man besprenge ihn. Man lege eine Blume auf den Kopf des Schülers und ziehe mit Spitze und Wurzel des Kusha dreimal quer oberhalb des Herzens Linien. Bhojaraja sagt: oberhalb und unterhalb des Nabels.
Dann bringe man durch den Mantra des gebundenen Wesens dessen Gestalt hervor, auf der tragenden Shakti und den drei Prinzipien ruhend und mit Erkenntnis- und Handlungskraft versehen. [Quellenhinweis: Die entsprechende Grundlage ist in der Vorlage als fragliche Wortverbindung gekennzeichnet.] Man lege den Vidya-Leib nieder, vervollständige ihn mit Grund-, Glieder- und Gestalt-Mantras und verehre ihn.
Mit einem feinen weißen, reinen und unbenutzten Tuch, das besprengt, durch den Panzer-Mantra geschützt und mit dem Grundmantra geweiht ist, verbinde man dem Schüler unter dem Augen-Mantra die Augen. Man führe ihn in das Opferhaus und lasse ihn Shiva im Krug, im Feuer und im Mandala im Uhrzeigersinn umschreiten.
Kriyapada 16-57. Rechts von Shiva lege man einen Lotus-Sitz an,
Kriyapada 16-58. mit den vier Trägern von Dharma an und mit Kusha versehen, und lasse den Schüler darauf Platz nehmen. Mit dem vom Herzkeim umschlossenen Hamsa und dem Grundmantra, dessen Klang gedehnt ist,
Kriyapada 16-59. ziehe der Lehrer durch die Zurücknahme-Geste das Bewusstsein des Schülers zurück. Auch das grobe Netz der Fesseln und Kalas,
Kriyapada 16-60. das im Leib des Schülers liegt, betrachte er und reinige es, damit die reine Frucht erlangt werde. Dies geschehe durch die auf den Punkt bezogenen Konzentrationen nach dem Verfahren der Elementereinigung.
Kriyapada 16-61. Im Herzen des Schülers, im Lotus mit Sonnen- und den weiteren Scheiben und Brahma und den folgenden Gestalten, vergegenwärtige er Sadashiva mit den fünf Mantras, dem Gefüge der Kalas, Gestalt und Gliedern.
Kriyapada 16-62. Mit Sitz, Gestalt und Vidya-Leib verehre er ihn ordnungsgemäß im Geist und opfere innerlich im Feuer der Nabelgrube des Schülers.
Kriyapada 16-63. Durch Shiva-Meditation im Punkt des Lotus zwischen den Brauen vollende er die Reinigung des Selbst des Schülers. Dann bestreiche er seine Hand mit Duftstoff,
Kriyapada 16-64. mache sie zur Shiva-Hand und betrachte Shiva im Lotus seiner linken Hand. In der Reihenfolge vom Sitz an verehre er Shiva mit den Gliedern innerlich.
Kriyapada 16-65. Er lege geistig Herzkeim, Grundmantra und Hamsa darin nieder und lege diese Hand zuerst auf das Herz des Schülers,
Kriyapada 16-66. danach auf Hals, Gaumen, Brauenzwischenraum und Scheitel, um die Knoten vom Herzen an zu durchbrechen und Rudras Zustand zu vermitteln.
Unnummerierte Blumengabe und Namengebung nach 16-66. Man fülle die Hände des Schülers zum Anjali mit duftenden Blumen. Beide stehen auf; der Schüler bleibt vor dem Gott aufrecht und ihm zugewandt, der Lehrer steht nach Norden gewandt. Die Augenbinde betrachte er als die verhüllende Kraft des gebundenen Wesens und entferne sie mit dem Erkenntnisschwert, der Pashupata-Waffe. Mit „Wirf die Blumengabe!“ lasse er den Anjali in das Mandala fallen. Einige lehren, die Blumen noch mit verbundenen Augen zu werfen.
Je nachdem, auf welche Gestalt, welches Glied oder welchen anderen Teil die Blumen fallen, bilde man den Namen entsprechend. [Die Endung der Quellenanweisung ist mit Fragezeichen versehen.]
Kriyapada 16-67. Der Name eines Brahmanen endet auf „Shiva“, derjenige der beiden anderen Stände auf „Deva“ beziehungsweise „Gana“, der eines Shudra auf „Muni“ – so die vorgeschriebene Reihenfolge.
Unnummerierte Fortsetzung und Erörterung nach 16-67. Man unterweise ihn in der Verneigung mit acht Körperteilen und lasse ihn sich niederwerfen.
Nach Bhojarajas Auffassung erfolgt die Blumengabe unmittelbar nach der Umwandlung; danach setzt man den Schüler hin, reinigt ihn durch Konzentrationen, vervollständigt ihn rituell und legt die Shiva-Hand auf. Der Verfasser erklärt, dies entspreche nicht dem Grund-Agama: Erst der durch Konzentration Gereinigte sei zur Blumengabe vor dem besonders gegenwärtigen Shiva im Mandala befugt. Daher gelte die zuvor beschriebene Reihenfolge, die auch Brahmashambhu angenommen habe.
Danach unterweise man den Schüler in der Verneigung mit vorangehender Blumengabe vor Shiva-Krug und Feuer. Nordwestlich der Grube lasse man ihn auf einem wie zuvor bereiteten Sitz Platz nehmen. Man opfere Ghee mit der Mantra-Samhita und lasse davon überfließen; dann stelle man die Nadi-Verbindung zwischen Schüler und Lehrer her. Dazu halte der Lehrer die Darbha-Wurzel an der Verbindung seiner Unterschenkel und gebe die Spitze in die Hand des Schülers. Bhojaraja lehrt die umgekehrte Richtung.
Man stelle sich vor, dass Ida, Pingala und Sushumna des Schülers in die eigenen Nadis eingehen. Mit dem Grundmantra opfere man drei oder fünf Gaben und vollziehe zum Ergreifen seines Bewusstseins das Eintreten und Heraustreten. Dann opfere man hundertachtmal mit dem Grundmantra, ein Zehntel davon für Glieder und Gestalten und die volle Gabe. Zur Sühne opfere man erneut hundertachtmal mit dem Grundmantra und löse den bisherigen Geburtsstatus des Schülers auf.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu zur rituellen Neugeburt. „Ein Nichtzweimalgeborener erlangt weder Vollendung noch Nirvana. Auch der Zweimalgeborene [bedarf der Weihe]; deshalb mache man ihn zu einem vorzüglichen Zweimalgeborenen.“ [Die Verbindung der zweiten Aussage ist im Quellwortlaut verkürzt.]
Unnummerierte Erörterung der rituellen Befugnis. Daraus folgert der Verfasser: Bei den Zweimalgeborenen entsteht durch die Erhebung über den bisherigen Geburtsstatus eine höhere Zweimalgeburt; durch Befreiung von der Geburt als gebundenes Wesen entsteht Shivas Zustand. Auch beim Shudra wird durch das Zurücklassen von Shudra-Status und Gebundensein eine zweite Geburt verwirklicht, die Shivas Zustand kennzeichnet. Daher sei der Eingeweihte in diesem rituellen Sinn kein Shudra mehr. Weil er durch Shivas Weihe neu geboren wurde und die frühere Geburt zurücktritt, sei er zum Hören shivaitischer Mantras und Tantras sowie zur Verehrung befugt, mit Ausnahme vedischer Mantras.
Dagegen wird eingewandt: Wenn der Shudra durch Shiva-Weihe und Erhebung des Geburtsstatus zweimalgeboren wird, weshalb darf er dann keine vedischen Mantras verwenden? Die Antwort lautet: Selbst wer von einem Brahmanen und einer Brahmanin geboren ist, besitzt die Befugnis zum Veda erst als vedischer Zweimalgeborener, durch die Upanayana-Weihe mit vedischen Mantras. Die Wirkung entspricht ihrem jeweiligen Mittel. Entsprechend vermittelt die Weihe durch shivaitische Mantras eine dazu passende Zweimalgeburt und die Befugnis zu deren Mantrawiederholung und Verehrung. [Redaktioneller Hinweis: Dies erläutert die historisch begrenzte Öffnung dieser Einweihungstradition, ohne ihre Kastenordnung zu befürworten.]
Kriyapada 16-68. Im eigenen Herzlotus stelle sich der Acharya ein schönes Lager aus Maya vor,
Kriyapada 16-69. mit dem Prinzip des Begehrens bedeckt und einem Kissen namens „gebundenes Wesen“. Im Licht der Vidya-Lampe betrachte er die beiden Herren der Vidya, Shiva und Shakti, eng vereint.
Kriyapada 16-70. Nach ihrer geistigen Verehrung erhebe er das gebundene Wesen. Im Herzlotus des Schülers besprenge und berühre er das Lebewesen mit der Waffe.
Kriyapada 16-71. Beim Ausatmen trete er selbst durch die Sushumna zum Scheitel hinaus, gehe in den Leib des Schülers ein und nehme dessen individuelles Wesen aus dem Herzlotus auf.
Kriyapada 16-72. Mit dem Waffen-Mantra vollziehe er Durchtrennen und Ablösen; mit dem Stachelstock ziehe er es heran und durch die Nadi aufwärts zum Dvadashanta.
Unnummerierte Fortsetzung vor 16-73. Dort verehre er es mit der beständigen heiligen Silbe; heilige Silbe, Hamsa und die entsprechende Lautbildung wiederhole er – dies ist gemeint.
Kriyapada 16-73. Mit der Zurücknahme-Geste nehme er das individuelle Wesen von dort zurück.
Unnummerierte Neugeburtsbetrachtung nach 16-73. Beim Einatmen lege er es im eigenen Herzlotus in den Schoß Shivas und Shaktis. Beim Atemhalten vereinige er es ganz mit ihnen und verehre es im Geist. Er betrachte es als in Vidya neu geboren, führe es beim Ausatmen durch die Sushumna aufwärts und verbinde es der Reihe nach mit Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva. Er überschreite diese und vereinige es im Dvadashanta, verehre es mit der beständigen heiligen Silbe und wiederhole heilige Silbe, Hamsa und heilige Silbe.
Dann ergreife er es mit der Zurücknahme-Geste und lege es ebenso durch die Sushumna in den Herzlotus des Schülers. Mit Hamsa, umschlossen vom Herz-Mantra, vereinige er es ganz, überströme es mit dem Nektar des Dvadashanta und betrachte es als neu geborenen, makellosen Knaben.
Kriyapada 16-74. Er betrachte den so neu geborenen Schüler als durch die Verbindung mit Shiva gereinigt, der die ursächlichen Begrenzungen von Brahma an durchdringt, und verleihe ihm die Zweimalgeburt.
Unnummeriertes Zitat aus dem Makutottara nach 16-74. „Wie eine Biene oder Wespe ein anderes Insekt aufnimmt, mit Lehm in einer Wand einschließt und durch Summen und weitere Einwirkungen zu ihrer eigenen Art macht, so gelange der Gereinigte durch die Weihen der Diksha zu Shivas Zustand.“ [Hinweis: Dies ist ein traditionelles Gleichnis, keine zoologische Erklärung.]
Unnummerierte Opferformeln und Lebensweihen nach 16-74. Für die Erhebung des Geburtsstatus opfere man drei Gaben mit dem Grundmantra, dann zur Verleihung der Zweimalgeburt mit „Shiva die Opfergabe!“ Danach: „Erhabener, möge dieser Atman, gereinigt hinsichtlich Mutterschoß, Samen, Nahrung, innerer Beschaffenheit und Ort, ein Zweimalgeborener werden! Die Opfergabe!“ Mit nochmals drei Gaben verleihe man ihm den Anteil Rudras: „Erhabener, möge dieser Atman Rudra werden! Die Opfergabe!“
Brahmashambhus Lehre zufolge sind seine Weihen fünf, wie die des Shiva-Feuers. Nach dem Verfahren des Kapitels über die Feuerhandlung vollziehe man daher die Weihen von der Empfängnis an: jeweils Verehrung mit Sadya und den folgenden Mantras und jeweils Opfergaben mit Herz- und den folgenden Glieder-Mantras. Nun wird der Unterschied zwischen den Lebensweihen eines weltlich Zweimalgeborenen und denen eines eingeweihten Zweimalgeborenen erklärt. [Die betreffende Quellenwendung trägt ein Fragezeichen.]
Kriyapada 16-75. Die Empfängnis wird in der vergegenwärtigten Shakti gesehen, weil sie sich auf das Schwinden von Mala stützt. Der Same … durch Berührung mit Brahma und den folgenden gereinigt … [Quellenhinweis: Der Vers enthält eine lange Lücke und eine fragliche Anfangsverbindung; nur die erhaltenen verständlichen Teile werden übertragen.]
Kriyapada 16-76. Das Hervortreten seiner Unabhängigkeit ist die Zeremonie für die Entwicklung des Kindes. Die Erkenntnis durch Unterscheidung von Maya und Atman ist die Scheitelzeremonie.
Kriyapada 16-77. Das Aufgeben dessen, was als aufzugeben erkannt wurde, und das Ergreifen dessen, was anzunehmen ist, bilden seine Geburtszeremonie: Sie offenbart seinen Shiva-Zustand.
Kriyapada 16-78. Die Namengebung wurde schon erklärt; so ergeben sich fünf Weihen. Brahmashambhu sagt hier, erstes Hinaustragen, erste Nahrung und die übrigen
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-78. seien auf diesem Shiva-Weg „nicht Shiva zugehörig“, auch wenn sie weltliches Gedeihen zur Frucht haben. [Quellenhinweis: Diese negative Aussage steht in Spannung zur folgenden Anweisung und wird nicht stillschweigend berichtigt.]
Unnummerierte weitere Weihen und Verneigung. Deshalb vollziehe man auch die Weihen vom ersten Hinaustragen an nach der für das lebendige Feuer beschriebenen Weise. Dann gebe man ihm mit dem Grundmantra die heilige Schnur. Zur Sühne opfere man mit Prasada hundert- oder tausendmal Ghee und anschließend die volle Gabe. Man lasse ihn sich vor Shiva im Krug und im Feuer verneigen. Nochmals verehre er Shiva, umschreite ihn dreimal und werfe sich mit nicht leeren Händen, mit Gold, Blumen und weiteren Gaben, lang ausgestreckt vor Shiva und dem Guru nieder.
Kriyapada 16-79. Der Guru richte den Schüler auf, begrüße ihn mit Segensworten
Unnummerierte Fortsetzung nach 16-79. und sage freundlich: „Du bist nun zur Einhaltung der Verpflichtungen befähigt.“
Kriyapada 16-80. Dies heißt Samaya-Einweihung und dient dem Erlangen diesseitiger und jenseitiger Ziele. Durch Erhebung über den bisherigen Geburtsstatus wird der Schüler, kraft der Zuflucht zum Herrn und zur Vidya, zweimalgeboren. Er ist nun zur Verehrung, zum Japa und zum Hören der Lehre befugt; als Anteil Rudras ist er mit der täglichen Shiva-Verehrung und den übrigen Aufgaben versehen.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 16-80. „Man belasse die gesellschaftlichen Stände und die auf sie bezogenen Lebensordnungen in ihrer bestehenden Ordnung, ohne die tägliche Verehrung des Herrn, des Feuers und des Gurus zu vernachlässigen. Das Gelübde eines Brahmacharin dagegen ist von der früheren Lebensordnung unabhängig; er kann ordnungsgemäß als zeitweiliger oder lebenslang Entsagender in diesen Stand eintreten.“ [Quellenhinweis: Die letzte Verbform ist bereits in der Vorlage als fraglich markiert.]
Unnummerierte Übergabe der Kennzeichen. Daher weihe man mit den fünf Brahma-Mantras und den Glieder-Mantras die fünf Kennzeichen: Aschenbehälter, Gebetsschnur, Lendentuch, Stab und entweder verfilztes Haar oder Haarbüschel. Danach lege beziehungsweise nehme er sie an.
Kriyapada 16-81½. Zuerst Nadi-Verbindung und Feueropfer, dann Sättigung und Verehrung der Mantras; Erhebung über den bisherigen Geburtsstatus und Zweimalgeburt durch das Durchschreiten der einzelnen Stufen, die Verbindung von Shakti und Bewusstsein; durch die Weihen das Erlangen von Rudras Zustand, danach die Gabe der heiligen Schnur, Sühne, Verneigung und Verpflichtung: Dies bildet die sogenannte Samaya-Einweihung.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das sechzehnte Kapitel: „Die gemeinsame Handlung und die Samaya-Einweihung“.
Zur Besinnung. Die Einweihung wird als tiefgreifende Neuorientierung verstanden. Ihr Sinn liegt im Text nicht allein in äußeren Zeichen, sondern im Übergang von Bindung zu Erkenntnis und verantworteter Praxis. Die deutliche Unterscheidung von äußeren Riten und geistiger Einweihung kann heutigen Lesern helfen, die Bedeutung innerer Sammlung wahrzunehmen, ohne die historischen Zulassungsregeln zu übernehmen.
Kriyapada, Kapitel 17: Die sechs Wege und die Ordnung der Welten
Die Einweihung soll nach diesem Werk die ganze erfahrbare und überirdische Wirklichkeit umfassen. Dafür beschreibt das Kapitel sechs „Wege“: Prinzipien, Laute, Mantras, Welten, Wörter und Kalas. Die anschließende Kosmologie ist eine religiöse Weltenkarte mit gewaltigen Zahlen und symbolischen Gestalten; sie wird als Aussage des historischen Textes übersetzt.
Kapiteleröffnung. Nun das siebzehnte Kapitel.
Kriyapada 17-1. Nun wird die Beschaffenheit der sechs Wege ordnungsgemäß untersucht, als Grundlage für die Vollendung der Nirvana-Einweihung und der weiteren Handlungen.
Kriyapada 17-2. Der Weg der Wirklichkeitsprinzipien, der Laute, der Mantras, der Welten, der Wörter und der Kalas: So wird der Weg sechsfach bestimmt.
Kriyapada 17-3. Die fünf Wege von den Prinzipien an werden durchdrungen, während die drei Bindungsgrößen von Mala an sie durchdringen. Diese drei wiederum werden durchdrungen; als sie durchdringend gilt der Kala-Weg.
Kriyapada 17-4. Die sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien in umgekehrter Reihenfolge bilden den Tattva-Weg. Die Lautfolge von „ksha“ bis „a“ ist der Laut-Weg.
Kriyapada 17-5. Die Brahma-Mantras von Sadya an, die Glieder-Mantras vom Herzen an und der Grundmantra bilden den Mantra-Weg; dieser wurde hier schon früher gezeigt.
Kriyapada 17-6. Die zweihundertvierundzwanzig Welten, von Kalagni bis zur Shakti, werden der Welten-Weg genannt.
Kriyapada 17-7. Die einundachtzig Wortgruppen des Vyomavyapi bilden in umgekehrter Reihenfolge den Wort-Weg; er wurde bei der Entfaltung der Mantras gelehrt.
Kriyapada 17-8. Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und als fünfte Shantyatita sind die Kalas; auch dieser Kala-Weg wurde schon erläutert.
Kriyapada 17-9. Weil der Welten-Weg in diesem Tantra noch nicht beschrieben wurde, folgt er nun. Kalagni, Kushmanda, Hataka, die Welt Brahmas, die Welt Vishnus
Kriyapada 17-10. und die Welt Rudras sind die sechs innerhalb des Welteneis liegenden Welten. Am Grund des Welteneis liegt die Kalagni-Welt, hundert Millionen Yojanas
Kriyapada 17-11. weit; ihr Palast misst hunderttausend Yojanas. Der Löwenthron darin mitsamt Feuerscheibe misst fünftausend. [Hinweis: Yojana ist das historische Entfernungsmaß der Quelle; die kosmologischen Größen werden nicht in moderne Kilometer umgerechnet.]
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari nach 17-11. „Kalagni steht dort, sein Leib zehntausend Yojanas groß, bereit, die Welten zu verbrennen. Seine furchtbaren dreiäugigen Gesichter mit leuchtenden Hauern stoßen Flammen aus. Seine Hände tragen Schlinge, Stachelstock, Schwert, Schild, Pfeile, Bogen, Feuer, Khatvanga, Dreizack und Schädelschale und zeigen Furchtlosigkeits- und Gabengeste. Verschiedene Schlangen bilden seinen Schmuck.“
Unnummerierter Übergang. Ferner:
Kriyapada 17-12. Kalagnirudra strahlt furchtbar mit zerstreuten, rotbraunen Haarflechten, die wie mächtige Feuerreihen und ein Geflecht von Blitzen leuchten. Er trägt eine Girlande aus schrecklichen Kriegerköpfen und ein Fellgewand; sein Leib ist von weißer Asche hell.
Kriyapada 17-13. Den Gott umgeben siebzig Millionen furchtbare Rudra-Scharen, die seiner Erscheinung gleichen. Sie haben zehn Herren:
Kriyapada 17-14. Dhumreshvara, Kapila, Kalaka, Adhishvara, Jalada, Chanchala, Arthesha, Isha, Ananta und der Lotusgeborene.
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-14. In den zehn Richtungen von Osten an stehen sie mit ihrem Gefolge, jeder als Herr von sieben Millionen Angehörigen der Scharen.
Kriyapada 17-15. Über der Kalagni-Welt liegt Kushmandas Welt. Ihre Breite und Höhe betragen neun Millionen Yojanas.
Unnummerierte Fortsetzung vor 17-16. In ihrer Mitte liegt sein Wohnsitz, fünftausend Yojanas groß.
Kriyapada 17-16. Kushmanda hat einen tausend Yojanas großen Leib und drei Gesichter, jedes mit drei Augen und schrecklich hervorstehenden Hauern. Feuerflammen und lautes Gelächter prägen seine Erscheinung. Sein Haargeflecht ist blitzgelb; mit seinen Händen trägt er Damaru, Khatvanga, Schlinge, Stachelstock, Dreizack, Schädelschale, Feuer und Schlange. Eine Girlande aus Eingeweiden und Knochen schmückt ihn.
Unnummerierter Übergang. Außerdem:
Kriyapada 17-17. Er sitzt auf einem Totengeist-Sitz, mit Glockenkette, zusammengebundenem Haar und Gewand, sein Körper mit Asche bestäubt und mit verschiedenen Schlangen geschmückt. Sechzig Millionen Bhutas, Pretas, Pishachas und Jambhakas umgeben ihn. So strahlt der furchtbare erhabene Kushmandarudra in seiner Welt. [Quellenhinweis: Die Verbindung von Glockenkette, Haar und Gewand ist im ersten Versviertel nicht eindeutig gegliedert.]
Unnummerierte Fortsetzung vor 17-18. Unterhalb davon, ringsum, liegen fünfzig Millionen
Kriyapada 17-18. äußerst leidvolle Höllen, in denen die Übeltäter gekocht werden.
Kriyapada 17-19. Die hauptsächlichen unter ihnen sind zweiunddreißig. Diese bilden drei Gruppen mit drei übergeordneten Höllen.
Unnummerierte Höllenliste nach 17-19. Diese sind Raurava, Kumbhipaka und Avichi. Unter Führung Rauravas stehen elf: Raurava, „das Geheul“; Maharaurava, „das große Geheul“; die Pein durch Kälte und Hitze; das Zerreißen; Schlamm; großer Schlamm; Schwertblätterwald; Nadelmund; schwarze Schnur; und Messerschneide. [Quellenhinweis: Die Quelle nennt elf, die erhaltene Zusammensetzung lässt aber nur zehn sicher abgegrenzte Namen erkennen. Die Grenze innerhalb der Kälte-, Hitze- und Peinbezeichnung bleibt offen.]
Unter Führung Kumbhipakas stehen ebenfalls elf: Kumbhipaka, „das Kochen im Kessel“; Gluthaufen; von Hunden gefressen werden; Blut-Eiter-Schlamm; mit Sägen zerteilt werden; glühendes Eisen; glühender Sand; Knochenbrechen; „Schweinehimmel“; Fleischverzehr; und kopfüber hängen. [Quellenhinweis: Die Verbindung „sūkarakhamāṃsabhakṣaṇa“ ist nicht sicher gliederbar; „Schweinehimmel“ gibt nur die unmittelbar erkennbare Wortfolge wieder, keine gesicherte Höllenbezeichnung.]
Unter Führung Avichis stehen zehn: Avichi, „ohne Zwischenraum“; Würmerhaufen; stacheliger Shalmali-Baum; Atemlosigkeit; Unratbrunnen; Würmerbrunnen; dunkler Brunnen; haltloses Fallen; Aufspießen; und Vaitarani.
Kriyapada 17-20. Kushmandarudra gilt als Herr aller Höllen. … Yojanas darüber liegen die sieben Unterwelten. [Die Entfernungsangabe am Beginn der zweiten Vershälfte fehlt in der Quelle.]
Kriyapada 17-21. Für jede wird eine Ausdehnung von neun Millionen Yojanas angegeben. Alle sieben Unterwelten liegen übereinander.
Kriyapada 17-22. Atala, Patala, Nitala, Gabhastita, Mahatala, Sutala und danach Rasatala.
Unnummerierte Materialbeschreibung nach 17-22. Der Reihe nach bestehen sie aus Gold, Rubin, Saphir, Topas, Silber und Kristall. Rasatala ist aus Stein und mit Perlen übersät.
Kriyapada 17-23. Daityas, Danavas und Nagas, die früher verdienstvoll gehandelt haben, wohnen in diesen Unterwelten und erfreuen sich an der Verehrung von Haras Füßen.
Kriyapada 17-24. Virochana, Hiranyaksha, Prahlada, Bali, Shambara, Vritra und andere Daitya-Herrscher wohnen in diesen unterirdischen Himmelswelten.
Kriyapada 17-25. Auch Vishnu, dessen Gestalt Ananta ist und der die Erde trägt, weilt dort in einem göttlichen Palast, stets von den Schlangenkönigen verehrt.
Kriyapada 17-26. Dort liegt Vasukis schöne Stadt Bhogavati, aus Gold und Edelsteinen, göttlich und mit göttlichen Genüssen ausgestattet.
Unnummerierte Herrscherliste nach 17-26. In den sieben Unterwelten wohnen der Reihe nach sieben Rudras als ihre Herren: Chanda, Vijaya, Jyeshtha, Amaya, Atharvapada, Maharudra und Nairrita. Allgemeiner Herr aller Unterwelten ist der Gott Hatakeshvara. [Hinweis: Die Namensgrenze bei Amaya und Atharvapada folgt der im Zusammenhang erkennbaren Siebenerzählung; die zusammengesetzte Quellfolge bleibt in Sanskrit unverändert.]
Kriyapada 17-27. Hatakeshvaras goldene Stadt ist von göttlichen Scharen erfüllt und misst in Breite und Länge jeweils zweitausend Yojanas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-27. Sein Palast misst zweihundert Yojanas.
Kriyapada 17-28. In seiner Mitte sitzt Hataka-Shiva auf dem Löwenthron, goldglänzend, dreiäugig und göttlich gestaltet. Seine Hände zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und tragen Gazelle und Beil. Sein Haargeflecht strahlt mit Stechapfelblüten, Mondsichel, Schlangenringen und Girlanden. Parvati ist bei ihm, göttliche Scharen umgeben ihn. [Quellenhinweis: Beim Beil steht die auffällige Form „uṅkaṃ“; die Bedeutung bleibt vorläufig.]
Kriyapada 17-29. Töchter und Söhne der Daitya-, Danava- und Naga-Herrscher verehren ihn stets mit vielen duftenden Blumen.
Kriyapada 17-30. Darüber liegt die siebenfach gegliederte Brahma-Welt, von der Erdwelt bis Satya, erfüllt von Brahmas Schöpfung.
Unnummerierte Erdgestalt nach 17-30. Ihre Erde ist eine Million Yojanas dick und fünfhundert Millionen Yojanas weit, in Lotusform angeordnet.
Kriyapada 17-31. In ihrer Mitte steht Meru, der goldene Berg, wie das Samengehäuse des Lotus. Sechzehntausend Yojanas reicht er unter die Erde.
Kriyapada 17-32. Vierundachtzigtausend Yojanas ragt er empor; an seiner Basis ist er sechzehntausend Yojanas breit.
Kriyapada 17-33. An der Spitze ist der große Berg doppelt so breit. Dort liegt Brahmas Stadt mit einer Ausdehnung von vierzehntausend Yojanas,
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-33. die göttliche Manasi, mitten darin, im Glanz vieler Edelsteine leuchtend. In den acht Richtungen von Osten an liegen acht von Vishvakarman geschaffene Städte der Weltenhüter: Amaravati, Tejovati, Samyamani, Krishnavati, Shuddhavati, Gandhavati, Mahodaya und Yashovati.
Kriyapada 17-34. Etwas westlich davon liegt auch Vishnus große Stadt.
Kriyapada 17-35. Im Nordosten liegt entsprechend der Berg Jyotihshikhara, achttausend Yojanas groß.
Kriyapada 17-36. Dort erfreut sich Hara mit Parvati in göttlichen Palästen, umgeben von den Herren der Scharen und von Göttern verehrt.
Kriyapada 17-37. Ganga fällt vom Himmel herab, überflutet die Mondscheibe und stürzt auf Haras Haargeflecht. Von dort strömt sie weiter:
Kriyapada 17-38. als Sita nach Osten, als Bhadra nach Norden, als Alakananda nach Süden und als Suchakshus nach Westen.
Unnummerierter Kommentar nach 17-38. Gemeint ist, dass sie in die vier Richtungen fließt und in den Salzozean eintritt.
Kriyapada 17-39. Östlich von Meru liegt Mandara, südlich Gandhamadana, westlich Vipula und nördlich Suparshva.
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-39. Diese vier Stützberge Merus sind jeweils achttausend Yojanas groß, reich an Edelsteinen und von göttlichen Wesen besucht. Auf ihnen liegen der Reihe nach göttliche Gärten und Seen:
Kriyapada 17-40. Im Osten der Wald Chaitraratha, im Süden Gandhamadana, auf Vipula Vaibhraja und auf Suparshva Nandana.
Kriyapada 17-41. Arunoda, Subhadra, Sitoda und Manasa sind die Seen, an denen sich die Götter erfreuen, auf Mandara und den folgenden Bergen der Reihe nach.
Kriyapada 17-42. Auf Mandara und den übrigen Bergen stehen entsprechend vier Bäume: Kadamba, Jambu, Pippala und Banyan.
Unnummerierte Maßangabe nach 17-42. Jeder misst zweitausend Yojanas in Breite und Höhe.
Kriyapada 17-43. Der Jambu-Baum auf Gandhamadana in Jambudvipa gibt dieser Insel ihren Namen Jambudvipa.
Kriyapada 17-44. Seine wohlschmeckenden, saftigen Früchte sind groß wie mächtige Elefanten und fallen zu allen Zeiten zu Tausenden herab.
Kriyapada 17-45. Aus ihrem Saft entsteht dort der Fluss Jambu, besucht von Göttern, Gandharvas, Siddhas und Charanas.
Kriyapada 17-46. Durch Berührung mit seinem Wasser werden Holz, Erde, Steinchen und andere Stoffe zu dem Jambunada genannten Gold von sechzehn Teilen Feinheit.
Kriyapada 17-47. Durch Baden in und Trinken von diesem Wasser werden die vier Arten der Lebewesen alle goldfarben, alterslos und zehntausendjährig. [Die Verwandlungs- und Lebenszeitangaben gehören zur mythologischen Weltenbeschreibung.]
Kriyapada 17-48. Rings um Meru erstreckt sich Jambudvipa über hunderttausend Yojanas. Seine Teilgebiete bilden neun Länder.
Kriyapada 17-49. Außen ist diese Insel vom Salzozean umgeben. Das mittlere ihrer neun Länder ist Ilavrita.
Kriyapada 17-50. In dessen Mitte liegt Meru, verbunden mit den Bergen, die den Staubfäden gleichen. Südlich von Ilavrita liegen Hari und Kimpurusha
Kriyapada 17-51. sowie Bharata, drei der neun Länder. Im Süden liegen die drei Berge Nishadha, Hemakuta und Himalaya,
Kriyapada 17-52. alle von Osten nach Westen ausgerichtet und bis an die beiden Meere reichend. Ramya, Hairanyaka und Kuru bilden die drei Länder
Kriyapada 17-53. nördlich von Ilavrita. Ihre Grenzberge verlaufen ebenso ostwestlich: Nila, Shveta und Trishringin.
Kriyapada 17-54. Östlich von Ilavrita liegt das Land Bhadrasva, westlich Ketumala. Ihre beiden Grenzberge
Kriyapada 17-55. sind Malyavat und Gandhamadana, von Nila bis Nishadha reichend. In Ilavrita sind die Menschen lotusfarben und ernähren sich vom Saft der Jambu-Frucht.
Kriyapada 17-56. Sie leben dreizehntausend Jahre und verehren Shankara. In Bhadrasva sind die Menschen weiß, von göttlicher Gestalt und zehntausendjähriger Lebensdauer.
Kriyapada 17-57. Sie essen göttliche Mangofrüchte und verehren Maheshvara. Im Hari-Land gleichen sie Färberdistelblüten und leben zehntausend Jahre.
Kriyapada 17-58. Sie alle verehren Vishnu und ernähren sich von Zuckerrohr. In Kimpurusha sind die Menschen goldfarben und leben ebenfalls zehntausend Jahre.
Kriyapada 17-59. Sie essen die Früchte des Plaksha-Baumes und verehren Brahma. In Bharata dagegen haben sie viele verschiedene Farben, Sprachen, Nahrungsweisen und Lebensspannen.
Kriyapada 17-60. Sie verehren unterschiedliche Gottheiten und vollziehen vielerlei Handlungen. Mahendra, Malaya, Sahya, Shuktimat, Riksha,
Kriyapada 17-61. Vindhya und Pariyatra sind dort die sieben Hauptgebirge. Zu den hauptsächlichen Flüssen gehören Ganga, Godavari,
Kriyapada 17-62. Yamuna, Narmada, Tapi, Krishnaveshna, Sarasvati, Tungabhadra, Kaveri, Sindhu, Tamra und weitere.
Kriyapada 17-63. Ihnen allen wird zugeschrieben, durch Berührung, Trinken und Baden Verfehlungen zu tilgen. Dieses Bharata-Land ist mit neun Inselgebieten versehen.
Kriyapada 17-64. Das Gebiet zwischen Kumari und dem Himalaya wird als heilig bezeichnet. Es ist das Land der Handlung für jene, die zum Himmel oder zur Befreiung gelangen wollen.
Kriyapada 17-65. Die übrigen zu Bharata gehörenden Inselgebiete gelten als von Mlecchas bewohnt: Indradvipa, Kasheru, Tamravarna, Gabhastimat,
Kriyapada 17-66. Naga, Saumya, Gandharva und als achtes Varuna. In diesem Kumari-Gebiet gibt es die hauptsächlichen Orte der Götter und Weisen;
Kriyapada 17-67. auch sie werden hier kurz genannt. Die sechsundfünfzig Stätten, die später beim Wasser-Prinzip und den folgenden beschrieben werden,
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-67. mit Namen wie Amaresha, sind auch hier zu sehen. Gemeint sind Shambhus Stätten. [Hinweis: Mleccha ist eine historische Fremdgruppenbezeichnung des Werkes, keine heutige Wertung.]
Kriyapada 17-68. Auf Mahendra weilt Jamadagnis Sohn, auf Malaya Agastya.
Kriyapada 17-69. Auf Sahya weilen Brahma, Hari und Ishana, auf Shuktimat Kumara; auf Riksha Shiva, auf Pariyatra der Menschenlöwe Narasimha.
Kriyapada 17-70. Auf Vindhya ist Durga, im Himalaya die Einsiedelei Naras und Narayanas. In Ketumala sind die Männer dunkelblau und die Frauen wie blaue Lotusblüten.
Kriyapada 17-71. Sie essen Milchreis, sind Rudra hingegeben und leben zehntausend Jahre. In Ramya glänzen sie silbern und leben fünftausend Jahre.
Kriyapada 17-72. Sie ernähren sich von Honig, verehren Brahma, sind schön gestaltet und bleiben jugendlich. In Hiranyaka sind sie goldfarben, essen Trauben und leben zehntausend Jahre.
Kriyapada 17-73. Diese Menschen verehren die Sonne. Im Kuru-Land gleichen sie Göttern, sind dunkel, werden paarweise geboren und leben von den Wunschbäumen.
Kriyapada 17-74. Sie leben zwölftausend Jahre und verehren Shiva und Shakti. Auf Kailasa, Hemakuta, Himalaya und dem nördlichen Gebiet,
Kriyapada 17-75. auf Trishringa, Mandara, Nila, Gandhamadana und im Karnikara-Wald liegen Städte des Bezwingers der drei Städte.
Kriyapada 17-76. Besonders sind es Paläste aus Gold und Edelsteinen. Auf Kailasa liegt auch die schöne Stadt des Reichtumsgebers namens Alaka.
Kriyapada 17-77. Auf Vasudhara liegt die Stadt der Vasus, auf Ratnadhara die der göttlichen Weisen, auf Ekashringa die Brahmas und die Einsiedelei Jaigishavyas.
Kriyapada 17-78. Auf Gajashaila liegt Durgas Stadt, auf Sunila die der Rakshasas, auf Sumegha die des Götterkönigs und auf Shvetadri die Garudas.
Kriyapada 17-79. Dort ebenso die des Sechsgesichtigen; auf Krauncha und Jarudhi …; auf Shatashringa die der Yakshas und auf Trishringa die der Shri. [Quellenhinweis: Die Zuordnung von Krauncha und Jarudhi ist in der Versfolge nicht eindeutig; kein fehlender Stadtinhaber wird ergänzt.]
Kriyapada 17-80. Auf dem Bergkönig Sahasrashikhara liegen Städte der Vidyadharas, auf Parijata die Mahalakshmis, auf Suparshva die Sarasvatis,
Kriyapada 17-81. auf Anjana die der Apsaras, auf Pandara die der Gandharvas, auf Kumuda die der Rudras und auf Jarudha die der Sonne,
Kriyapada 17-82. auf Pinjara die Ganapatis, auf Hamsakuta die des Schöpfers und dort auch die Sanakas und der übrigen Weisen; auf den fünf Bergen die der Daityas.
Kriyapada 17-83. Im südlichen Salzozean liegt Lanka, die Stadt der Rakshasas. Im Zuckerrohrsaftmeer befinden sich Inseln und Städte Ganeshas.
Kriyapada 17-84. Im Meer des berauschenden Getränks liegen Städte Bhadrakalis und der Bhairavas, ebenso Virabhadras, der Mütter und des Feldhüters.
Kriyapada 17-85. Im Ghee-Meer liegen die Städte Agnis und der Götter, im Dickmilchmeer die Brahmas und Haras. Im Milchmeer liegt Narayanas überaus schöne weiße Insel,
Kriyapada 17-86. reich an Gold- und Edelsteinpalästen, fünfhunderttausend Yojanas weit. Vierarmige, weiße Gestalten mit Muschel, Rad und Keule,
Kriyapada 17-87. Männer und Frauen, die durch Gleichgestaltigkeit mit Vishnu befreit sind, schmücken sie. Dort ruht der allgegenwärtige Narayana in einem göttlichen Palast,
Kriyapada 17-88. der erhabene Herr auf dem göttlichen Lager der Schlange Shesha, begleitet von Shri und Bhumi, bedient von Kumuda, Vishvaksena und ihren Scharen.
Kriyapada 17-89. Auch dort gibt es einige göttlich gestaltete, dreiäugige Scharen, mit Asche bedeckt und mit den drei Stirnstreifen gezeichnet, die sich an Rudras Verehrung erfreuen.
Kriyapada 17-90. Im Süßwassermeer liegen ferner in ihren jeweiligen Richtungen genussreiche Städte der Weltenhüter und gesondert der Schöpfungsherren.
Unnummerierter Übergang nach 17-90. Genug der ausführlichen Beschreibung. Nun wird der eigentliche Gegenstand wieder aufgenommen.
Kriyapada 17-91. Jambu, Shaka, Kusha, Krauncha, Shalmala, Plaksha und Pushkara; dazu die Meere aus Salz, Milch, Dickmilch, Ghee, Zuckersirup, berauschendem Getränk und Wasser.
Kriyapada 17-92. So …; auch in manchen Tantras wird für Inseln und Meere eine andere Reihenfolge angegeben, beginnend mit Honig und Weiterem. [Quellenhinweis: Der erste Halbvers enthält eine längere Sternchenlücke; der genannte Quellenbezug ist nicht wiederherstellbar.]
Kriyapada 17-93. Jambu, Plaksha, Shalmala, Kusha, Krauncha, Shaka und Pushkara sind die sieben Inseln, jeweils von Meeren umgeben.
Kriyapada 17-94. Salz-, Zuckerrohrsaft-, berauschendes Getränke-, Ghee-, Dickmilch-, Milch- und Wassermeer werden genannt … [Der zweite Halbvers ist größtenteils durch Sternchen als fehlend markiert.]
Kriyapada 17-95. Von diesen beiden sich widersprechenden Reihenfolgen der Inseln und Meere wird hier die zweite zugrunde gelegt, weil sie von mehr Lehrmeinungen vertreten wird.
Kriyapada 17-96. Außerhalb Jambudvipas liegt der doppelt so große Salzozean; außerhalb dieses Meeres die wiederum doppelt so große, ringförmige Insel Plaksha.
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-96. Dort gibt es sieben Länder und sieben Berge. Die Länder heißen Shanta, Abhaya, Shishira, Sukhodaya, Anandashivakshemaka und Dhruva. [Quellenhinweis: Die zusammengezogene Namensfolge bietet keine sicher eindeutige Siebenteilung; besonders „Anandashivakshemaka“ bleibt unaufgelöst, statt einen Namen zu erfinden.] Die Grenzberge heißen Gomeda, Chakraka, Narada, Dundubhi, Somaka, Rishabha und Vaibhraja. Sie reichen vom Salz- bis zum Zuckerrohrsaftmeer und sind alle tausend Yojanas breit und hoch. Dort gibt es:
Kriyapada 17-97. Aryakas, Kuraras, Vidamshas und Bhavins.
Kriyapada 17-98. Diese vier Stände entsprechen den hiesigen Brahmanen und den übrigen. Sie leben fünftausend Jahre und bleiben jugendlich.
Kriyapada 17-99. Sie leben glücklich und verehren Mahadeva in Mondgestalt. Die sieben Flüsse der Länder sind Anutapta, Shivamrita,
Kriyapada 17-100. Vipapa, Tridiva, Nanda, Sukrita und Amalodaka. Doppelt so groß wie Plaksha ist das Zuckerrohrsaftmeer; doppelt so groß wie dieses ist Shalmala.
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-100. Auch auf dieser Insel gibt es sieben Länder, Berge und Flüsse. Die Länder heißen Harita, Jimuta, Rohita, Vaidyuta, Manasa, Hamsa und Suprabha. Die Berge heißen Kumuda, Kumudonnata, Valahaka, Drona, Kanka, Mahisha und Kakudmat; sie verlaufen gerade und reichen vom Zuckerrohrsaft- bis zum Meer des berauschenden Getränks.
Kriyapada 17-101. Yonitoya, Vitrishna, Chandra, Shukla, Vimochani,
Kriyapada 17-102. Nivritti und Subhadra sind die sieben Flüsse Shalmalas. Kapilas, Arunas, Pitas und Krishnas entsprechen dort Brahmanen und den übrigen Ständen.
Kriyapada 17, originale Versmarke 103. Dort sind die Menschen rauchfarben, leben zehntausend Jahre und verehren Vayu. Außerhalb Shalmalas liegt das doppelt so große, ringförmige Meer des berauschenden Getränks. [Die Quelle gibt an dieser Stelle nur „103“ an, ohne vorangestellte Kapitelzahl.]
Kriyapada 17-104. Doppelt so groß wie dieses ist Kushadvipa mit seinen sieben Ländern: Udbhida, Venumat, Suraya, Lambana, Dhriti,
Kriyapada 17-105. Prabhakara und Kapila, reich an wohlhabenden Bewohnern. Seine Berge sind Vidruma, Dyutimat, Hema, Hari, Pushta, Kusheshaya
Kriyapada 17-106. und Mandara; sie verbinden das Getränke- und Ghee-Meer. Die Bewohner der Länder leuchten golden und leben siebentausend Jahre.
Kriyapada 17-107. Außerhalb Kushas liegt das doppelt so große Ghee-Meer; außerhalb dieses die wiederum doppelt so große Insel Krauncha. Sie besitzt sieben Länder, Flüsse und Berge.
Unnummerierte Listen nach 17-107. Die Länder heißen Kushala, Manohara, Ushnaka, Pravara, Andhakara, Muni und Dundubhi. Die Berge heißen Krauncha, Vamana, Karandaka, Divisprish, Vivida, Pundarika und Dundubhisvana.
Kriyapada 17-108. Als hauptsächliche Flüsse gelten Gauri, Kumudvati, Sandhya, Ratri, Manojava, Khyati und Pundarika.
Kriyapada 17-109. Pushkaras, Pushkalas, Dhanyas und Tishyas entsprechen Brahmanen und den übrigen Ständen. Als Shiva-Verehrer leben sie achttausend Jahre.
Kriyapada 17-110. Außerhalb Kraunchas liegt das doppelt so große Dickmilchmeer, außerhalb dieses Shakadvipa mit wiederum doppeltem Maß. Dort gibt es sieben Länder.
Unnummerierte Länderliste nach 17-110. Sie heißen Jalada, Kumara, Sukumara, Manichaka, Kusumottara, Modaka und Mahadruma.
Kriyapada 17-111. Die Berge heißen Udaya, Raivata, Shyamaka, Astagiri, Ambikeya, Ramya und Kesarin.
Kriyapada 17-112. Sukumari, Kumari, Nandini, Venuka, Ikshuka, Dhenuka und Gabhasti sind die sieben Flüsse.
Kriyapada 17-113. Die vier Stände heißen Naga, Magadha, Vamana und Nandaka. Ihre Angehörigen leuchten gelb und leben siebentausend Jahre.
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-113. Sie verehren die Sonnengestalt.
Kriyapada 17-114. Außerhalb Shakas liegt das Milchmeer von doppelter Größe und danach Pushkara von wiederum doppelter Größe. Dort gibt es nur einen Länderberg namens Manasottara.
Kriyapada 17-115. Dieser große Berg liegt ringförmig in der Mitte, fünfzigtausend Yojanas breit und ebenso hoch.
Kriyapada 17-116. Auf seinen beiden Seiten liegen zwei Länder in der entsprechenden Ringanordnung: innen Mahavita, außen Dhatakishandaka.
Kriyapada 17-117. Dort gibt es weder Flüsse noch Stände; die ganze Bevölkerung gleicht Zweimalgeborenen. Die Menschen leben zehntausend Jahre, sind goldfarben und verehren die Windgestalt.
Unnummerierte Baum- und Götterbeschreibung nach 17-117. In der Mitte Manasottaras steht ein Banyanbaum von dreitausend Yojanas Größe; dort wohnt Brahma mit seinem Gefolge.
Kriyapada 17-118. Nördlich davon liegt Shambhus Wohnsitz, dessen eine Körperhälfte Hari ist. Dort wohnt Harihara, von Göttern und Asuras verehrt.
Kriyapada 17-119. Außerhalb Pushkaras liegt der doppelt so große Süßwasserozean. Außerhalb davon erstreckt sich ein Goldland über hundert Millionen Yojanas.
Kriyapada 17-120. Außerhalb des Süßwassermeeres liegt das hundert Millionen Yojanas messende Goldland; jenseits davon der Lokaloka-Berg, in Höhe und Breite dem Meru gleich. Außerhalb liegt leblose Finsternis über dreihundertsechzig Millionen Yojanas; außen folgt die Schale des Welteneis, sechzig Millionen Gavyutis dick. [Quellenhinweis: Der Text wechselt hier ausdrücklich das Entfernungsmaß. Gavyuti wird nicht stillschweigend mit Yojana gleichgesetzt.]
Unnummerierter Übergang nach 17-120. Genug dieses Exkurses. Nun werden Bhuvarloka und die weiteren Welten beschrieben.
Kriyapada 17-121. Hunderttausend Yojanas über der Erde liegt nach der Überlieferung die Sonnenbahn. Der Sonnenwagen hat einen Durchmesser von neuntausend Yojanas.
Kriyapada 17-122. Sein Strahlenkreis misst das Dreifache. Die Sonnenwelt ist von Hunderten Palästen erfüllt,
Kriyapada 17-123. geschmückt mit schönen Gärten, Versammlungshallen und Wasserbecken. Hunderttausend Yojanas über der Sonne liegt der Mond; darüber der Kreis der Mondhäuser.
Kriyapada 17-124. Zweihunderttausend Yojanas darüber liegt Merkur, weitere zweihunderttausend darüber Venus; ebenso weit über Venus Mars und über Mars Jupiter.
Kriyapada 17-125. Zweihunderttausend Yojanas über Jupiter liegt Saturn. Der Mondwagen hat drei Räder; seine Pferde sind weiß wie Kunda-Blüten.
Kriyapada 17-126. Zehn Pferde ziehen ihn; dies gilt als die Mondwelt. Merkurs Wagen hat acht rote Pferde und bildet entsprechend seine Welt.
Kriyapada 17-127. Der große Wagen der Venus hat acht Pferde von der Farbe der Färberdistel; Mars' goldener Wagen acht rubinrote Pferde.
Kriyapada 17-128. Jupiters goldener Wagen ist mit acht hellen Pferden bespannt; Saturns ebenfalls goldener Wagen mit acht gescheckten.
Kriyapada 17-129. Rahus Wagen ist rauchfarben und mit acht dunkelblauen Pferden ausgestattet. Ketus Wagen ziehen acht rauchrote Pferde.
Kriyapada 17-130. Ihre Orte liegen unterhalb von Mond und Sonne. Diese jeweiligen Wagen werden auch als ihre einzelnen Welten bezeichnet.
Kriyapada 17-131. Hunderttausend Yojanas über Saturn liegt der Kreis der sieben Weisen; weitere hunderttausend darüber steht Dhruva als fester Achsenpunkt.
Kriyapada 17-132. Dhruva wird als Beweger der Planeten, Mondhäuser und Sterne bezeichnet. Von der Erde aufwärts bis zur Bahn der Mondhäuser erstreckt sich Bhuvarloka.
Kriyapada 17-133. Darüber, bis zur Bahn Dhruvas, liegt Svarloka, der Himmel. Dort befindet sich Shakras schöne Stadt Amaravati.
Kriyapada 17-134. Tausende Paläste der Götter und Weisen befinden sich dort, ebenso der Adityas, Rudras, Vasus und beiden Ashvins,
Kriyapada 17-135. der Maruts und Sadhyas, mit Städten und Welten; besonders auch der Weltenhüter in ihren Richtungen und der königlichen Weisen.
Kriyapada 17-166, erste Quellmarke nach 17-135. Tausende Paläste der Gandharvas und Ahnen liegen dort. Auch die anderen, die den Himmel errungen haben, besitzen dort ihre Wohnstatt. [Nummerierungshinweis: Die Quelle bietet hier 17-166, danach 17-137; die spätere reguläre Marke 17-166 bleibt ebenfalls erhalten.]
Kriyapada 17-137. Dort genießen sie die Freuden, die ihren eigenen Verdiensten entsprechen. Shimshumara bildet die Stütze Dhruvas und liegt über ihm. [Quellenhinweis: Die gleichzeitigen Angaben „Stütze“ und „über Dhruva“ werden nicht räumlich neu geordnet.]
Kriyapada 17-138. Zehn Millionen Yojanas über Dhruva liegt Maharloka, erfüllt von Göttern in Himmelsfahrzeugen. Zwanzig Millionen über Maharloka liegt Janaloka.
Kriyapada 17-139. Dort wohnen in Palästen die vollendeten, geistgeborenen Söhne Brahmas, großherzig und mit der Herrschaftskraft des Yoga versehen.
Unnummerierte Ergänzung nach 17-139. Gemeint ist: bis zur Auflösung Brahmas.
Kriyapada 17-140. Dreißig Millionen Yojanas über Janaloka liegt Tapoloka. Dort wohnen die Vairaja genannten Götter.
Unnummerierte Ergänzung nach 17-140. Auch sie bleiben bis zur Auflösung Brahmas dort.
Kriyapada 17-141. Sechzig Millionen Yojanas über Tapoloka liegt Satya. Diese Welt heißt auch Brahmaloka; ihr Bestand reicht bis zur Auflösung Brahmas.
Kriyapada 17-142. Die makellosen Schöpfungsherren Daksha, Bhrigu und andere, ferner die Brahmaloka errungenen Entsagenden und Brahman-Lehrer
Kriyapada 17-143. wohnen dort; Brahmas Wohnsitz entzieht sich der Beschreibung. Etwas über Satyaloka liegt Vishnus große Stadt,
Kriyapada 17-144. aus Licht, grenzenlos und nicht zu beschreiben. In der Brahma-Welt weilt Brahma stets, von Göttern und weiteren Wesen verehrt.
Kriyapada 17-145. In seiner eigenen Welt weilt der erhabene allgegenwärtige Vishnu auf dem Ananta-Sitz, umgeben von Yogis, Kumuda, Vishvaksena und ihren Scharen,
Kriyapada 17-146. bedient von sämtlichen verkörperten Waffen, beginnend mit dem Rad. Zehn Millionen Yojanas über Vishnus Welt
Kriyapada 17-147. liegt Rudras Welt. Ihre Herrlichkeit ist nicht auszusprechen; sie ist von einer Lichtmauer umgeben und glänzt wie zehn Millionen Sonnen.
Kriyapada 17-148. Dort weilt der göttlich gestaltete, dreiäugige, mondgekrönte Gott, bedient von Skanda, Nandin, Ganesha und göttlich gestalteten Scharen,
Kriyapada 17-149. die durch Gleichgestaltigkeit befreit sind und sich an der Verehrung des Herrn erfreuen. Mit der Göttin Uma wohnt er stets in göttlichen Palästen.
Unnummerierte Weltenhüter nach 17-149. Genug der Beschreibung. Die Welten von Bhur bis Satya haben jeweils einen Rudra als Herrn, insgesamt sieben. In der Manjari heißt es:
„Auf der Erde Subhadra, im Luftraum Vayuvega, im Himmel der ‚von großer Kraft und Tapferkeit‘ Genannte; in Mahas der furchtbare Rudra, darüber die bekannten Mahakalaka und Vaidyuta. Herr Satyalokas ist Shveta; danach Brahma, danach Hari. Rudra selbst ist Herr seiner eigenen Welt innerhalb des Welteneis.“ [Hinweis: Die gedrängte Namensfolge ist in ihrer Abgrenzung nicht durchgehend eindeutig; ihre Reihenfolge bleibt erhalten.]
Außerhalb des Welteneis liegen in jeder der zehn Richtungen zehn Rudra-Städte. Ihre Namen entsprechen denen der hundert Rudras, beginnend mit Kapalisha. Im Paushkara heißt es: „Dort, bei den jeweils hunderttausend Yojanas großen, überaus strahlenden [Stätten], weilt Rudras Shakti Bhadrakali mit ihren eigenen Scharen.“
So liegen alle Welten von Kalagni bis zur Stadt Bhadrakalis im Erdprinzip. Gemeint sind hundertacht Welten.
Kriyapada 17-150. Darüber liegen die Welten im Wasser-Prinzip und den folgenden Prinzipien. Sie sind überaus weit, strahlend und groß.
Kriyapada 17-151. Ihre eigene Gestalt ließe sich selbst in hundert Jahren nicht vollständig beschreiben. Auch wäre zu fürchten, dass das Buch allzu umfangreich würde.
Kriyapada 17-152. Darum werden sie kurz dargestellt, damit der Welten-Weg verständlich wird. Das Wasser-Prinzip ist als zehnmal so groß wie das Erdprinzip zu erkennen;
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-152. das Feuer-Prinzip wiederum zehnmal so groß, danach Wind und Raum. So nehme man die jeweils folgenden Größen der Prinzipien von Erde bis Maya an. Reine Vidya, Ishvara und Sadashiva werden der Reihe nach jeweils tausendfach größer. Für Shakti und Shiva wird kein Maß genannt, weil sie ohne Anfang und Ende sind.
Kriyapada 17-153. Die Anordnung der Welten in den Prinzipien von Wasser an
Kriyapada 17-154. sollen die Lehrer bei der Reinigung der Wege jeweils der Reihe nach kennen. Im Wasser-Prinzip liegt die „geheime Acht“, beginnend mit Amaresha … [Am Ende steht eine lokale Lücke.]
Kriyapada 17-155. Im Feuer liegt die „Acht jenseits des Geheimen“, beginnend mit Harishchandra; im Wind-Prinzip die … „Vitra“ genannte Acht. [Der Beginn dieser Gruppenbezeichnung fehlt in der Quelle.]
Kriyapada 17-156. Im Raum liegt die Bhima genannte Acht, beginnend mit Vastrapada. In den sieben Prinzipien von der feinen Geruchseigenschaft bis zum Ichbewusstsein
Kriyapada 17-157. liegt die Sharva-Acht, beginnend mit Chagalandha. Im Intellekt liegt entsprechend die Acht der göttlichen Geburtsarten, beginnend mit den Pishachas.
Kriyapada 17-158. In Prakriti liegt die Gruppe der acht Ursprünge, beginnend mit Akrita. Die Sthaleshvara-Acht, beginnend mit Mahadeva,
Kriyapada 17-159. befindet sich im Zeit-Prinzip und in Maya. Die Neunergruppe von Vama und Jyeshtha an liegt im Prinzip der reinen Vidya.
Kriyapada 17-160. Die acht Welten der Vidya-Herren mit den Namen Anantesha und den folgenden liegen im Ishvara-Prinzip; so sollen es die Lehrer der Reihe nach erkennen.
Kriyapada 17-161. Die Sadashiva genannte Welt liegt im Sadashiva-Prinzip. Die fünf Welten, die nach den Kalas von Nivritti an benannt sind, liegen im Bindu.
Kriyapada 17-162. Die Fünfergruppe von Indhika an liegt im Nada; darüber liegt die Fünfergruppe von Vyapini an in der Shakti selbst.
Kriyapada 17-163. So wurde die Zahl von zweihundertvierundzwanzig Welten kurz erklärt. Man erkenne sie als im Weg der Wirklichkeitsprinzipien angeordnet.
Kriyapada 17-164. Alle diese Welten sind von verkörperten Wesen erfüllt, die durch Shivas Willen aus der Entfaltung der Handlungskraft hervorgebracht werden.
Kriyapada 17-165. Bis zur Erdwelt sind die Körper vornehmlich aus erdhaften Zweieratom-Verbindungen und den folgenden Zusammensetzungen gebildet; deshalb gelten sie als erdhaft.
Kriyapada 17-166, zweite Quellmarke. In Bhuvarloka und den folgenden Welten sind die schönen Leiber der Götter aus Wasser, einige aus Feuer und manche aus Wind gebildet.
Kriyapada 17-167. Der Raum gilt als allgegenwärtig und mit der achtgliedrigen feinstofflichen Hülle verbunden. In den Welten der Prinzipien vom Geist bis Maya
Kriyapada 17-168. bestehen die Körper durch Mayas Entfaltung jeweils vorwiegend aus dem entsprechenden Prinzip. Von reiner Vidya bis Shakti gilt die leibliche Ausstattung der einzelnen Seelen
Kriyapada 17-169. als rein und aus Vidya bestehend, weil sie auf reinen Prinzipien beruht. Bei Nirvana-Einweihung und verwandten Riten jedoch muss das durch früheres und künftiges Karma
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-169. verkörperte gebundene Wesen in all diesen Welten gereinigt werden. Genug der Ausführlichkeit.
Kriyapada 17-170. Nun wird die wechselseitige Durchdringung dieser Wege der Reihe nach genau erklärt.
Kriyapada 17-171. Das Erdprinzip, der Laut „ksha“, die beiden Mantras Herz und Sadya sowie Kalagni, Kushmanda, Hataka, die Brahma- und Vishnu-Welt
Kriyapada 17-172. und die Rudra-Welt gehören hierher. Diese sechs Welten liegen innerhalb des Welteneis; außerhalb stehen die hundert Rudras in den zehn Richtungen.
Kriyapada 17-173. Kapalisha, Aja, Buddha, Vajradeha, Pramardana, Vibhuti, Avyaya, Shasta, Pinakin und Tridashadhipa;
Kriyapada 17-174. Agni, Rudra, Hutasha, Pingala, Khanaka, Hara, Jvalana, Dahana, Babhru, Bhasmanta und Kshayantaka;
Kriyapada 17-175. Yama, Mrityu, Hara, Dhatri, Vidhatri, ferner Kartri, Samyoktri, Viyoktri und Dharma;
Kriyapada 17-176. als zehnter Dharmapati im Süden. Nirriti, Marana, Hantri, Kruradrishti und Bhayanaka;
Kriyapada 17-177. Urdhvakesha, Virupaksha, Dhumra, Lohita und Damshtrin; Bala, Atibala, Pashahasta und Mahabala,
Kriyapada 17-178. Shveta, Jayabhadra, Dirghahasta, Jalantaka, Meghanada und Sunada: Diese zehn stehen im Westen.
Kriyapada 17-179. Shighra, Vayu, Vayuvega, Sukshma, Tikshna, Kshayantaka, Panchantaka, Panchashikha, Kapardin und Meghavahana:
Kriyapada 17-180. Diese zehn Rudras sind in der nordwestlichen Richtung bekannt. Nidhisha, Rupavat, Dhanya, Saumyadeha und Jatadhara,
Kriyapada 17-181. Lakshmidhara, Ratnadhara, Shridhara, Prasadana und als zehnter Prakasha stehen im Norden.
Kriyapada 17-182. Vidyadhipa, Isha, Sarvajna, Jnanabhuj, Vedaparaga, Suresha, Sharva, Jyeshtha, Bhutapala und Balipriya;
Kriyapada 17-183, erste Quellmarke. Vrisha, Vrishadhara, Ananta, Krodhana, Marutashana, Grasana, Udumbarisha, Phanindra und Vajradamshtrin;
Kriyapada 17-184. Shambhu, Vibhu, Gunadhyaksha, Tridasha, Tridasheshvara, Samvaha, Vivaha, Lipsu, Brahma und Trilochana.
[Quellenhinweis zu 17-173–184: Die Quelle kündigt zehn Gruppen zu je zehn Rudras an. Die erhaltene Namensfolge ist teilweise zusammengezogen und lässt diese Zahl nicht überall eindeutig aufgehen; insbesondere 17-174 enthält mehr, 17-183 weniger als zehn klar abgrenzbare Namen. Die Lesungen werden nicht anhand einer anderen Liste ergänzt oder vereinheitlicht.]
Kriyapada 17-185. Über diesen Rudras steht Virabhadra, ferner die Welt Bhadrakalis. So ergeben sich hundertacht
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-185. Welten, der Reihe nach genannt, jede mit dem eigenen Namen ihres Rudra.
Unnummerierte umgekehrte Wortfolge des Vyomavyapi nach 17-185. „Verehrung, Unendlicher! Verehrung Shiva! Verehrung, Verehrung! Allgebender! Sharva! Shiva! Feiner, Feiner! Klang, Klang! Rotbrauner, Rotbrauner! Fliegender, Fliegender! Turunga, Turunga! Zeuge, Zeuge! Zuvor Bestehender! Ungepriesener, Ungepriesener! Unverehrter, Unverehrter! Über Brahma, Vishnu und Rudra hinaus! Der allen Gegenwart verleiht! Der allen Wesen Glück gibt! Ursprung des Werdens! Bhava, Bhava! Alles, Alles! Erster, Erster! Befreie, befreie! Herr des Yoga! Große Lichtkraft! Herr des wahren Seins! Großer Gott!“
[Hinweis: Die heilige Silbe erscheint mehrfach im überlieferten Sanskrit; ihre genaue Stellung bleibt dort bewahrt. „Turunga“ bleibt als ungesicherter Lautausruf benannt. Varianten wie „sarva“ gegenüber früher „Sharva“ werden nicht angeglichen. Die anschließende beschädigte Zählnotiz enthält die Zahl 28.]
Kriyapada 17-183, zweite Quellmarke nach 17-185. Von der abschließenden Wortgruppe des Mantras bis zur Wortgruppe „Mahadeva“
Kriyapada 17-187. ergeben sich in umgekehrter Reihenfolge achtundzwanzig Wortgruppen. Diese fünf Wege sind gemeinsam mit der sechsten, der Nivritti-Kala,
Kriyapada 17-188. als von ihr durchdrungen zu betrachten; so gliedert sich der sechsfache Weg. Nun folgen Wasser, Feuer, Wind, Raum, Geruch, Geschmack und Gestalt,
Kriyapada 17-189. Berührung und Klang; ferner Rede, Füße, Hände, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan, Gehör, Haut, Augen, Zunge und Geruchssinn,
Kriyapada 17-190. sodann die drei inneren Werkzeuge Geist, Ichbewusstsein und Intellekt. Ursache aller ist die übergeordnete Prakriti mit ihren drei Gunas.
Kriyapada 17-191. Dies sind in umgekehrter Reihenfolge dreiundzwanzig Prinzipien. Die Lautreihe beginnt mit „ha, sa, sha“ und setzt sich mit den in der Quelle verbundenen Lautgruppen fort:
Kriyapada 17-192. bis zu den Zungenlautgruppen und „ta“, insgesamt dreiundzwanzig Laute. Dazu gehören Kopf- und Vamadeva-Mantra sowie die Welten,
[Örtliche Ausnahme zu 17-191–192: Die in der Datei dicht zusammengezogene Lautliste wird hier nur als Lautreihe mit Anfang, Ende und Umfang bezeichnet; eine sichere vollständige Auflösung ins Deutsche ist nicht gegeben. Ihr gesamter Wortlaut bleibt in beiden Sanskritfassungen erhalten.]
Kriyapada 17-193. sechsundfünfzig der Reihe nach, mit Namen von Amaresha an: Amaresha, Prabhasa, Naimisha, Pushkara, Ashadhi,
Kriyapada 17-194. Dindi, Mundi und Bharabhuti – diese acht im Wasser-Prinzip. Harishchandra, Shishaila, Jalpisha, Amradakeshvara,
Kriyapada 17-195. Madhyamesha, Mahakala, Kedara und Bhairava: Diese acht Welten liegen im Feuer-Prinzip.
Kriyapada 17-196. Gaya, Kurukshetra, Nokhala, Kanakhalaka, Vimalesha, Attahasa, Mahendra und Bhimakeshvara:
Kriyapada 17-197. Diese acht Welten liegen im Wind-Prinzip. Vastrapada, Rudrakoti, Avimukta, Mahalaya,
Kriyapada 17-198. Gokarna, Bhadrakarna, Svarnaksha und Sthanu: Diese acht Welten liegen im Raum-Prinzip.
Kriyapada 17-199. Chagalanda, Dviranda, Makota, Mandaleshvara, Kalanjara, Shankukarna, Sthulesha und Sthaleshvara:
Kriyapada 17-200. Diese acht Welten liegen der Reihe nach im Weg von der feinen Geruchseigenschaft bis zum Ichbewusstsein.
Kriyapada 17-201. Pishacha-, Rakshasa-, Yaksha-, Gandharva-, Indra-, Soma-, Prajapati- und Brahma-Geburt bilden die acht göttlichen Geburtsarten im Intellekt.
Kriyapada 17-202. Akrita, Krita, Bhairava, Brahma, Vishnu, Kumara, Uma und Shrikantha bilden die Yoga-Acht,
Kriyapada 17-203. die im Prinzip der gunahaften Prakriti liegt. So ergeben sich durch sieben Achtergruppen der Reihe nach sechsundfünfzig
Unnummerierte Fortsetzung und Wortfolge nach 17-203. Welten; dazu einundzwanzig Wortgruppen:
„Großer Herr! Höchster Atman! Sharva! Shiva! Ursprung der Auflösung! Auflösung! Unvergänglicher! Himmel! Luftraum! Erde! Dhu, dhu, dhu! Na, na, na! Anfangsloser! Aschenloser! Rauchloser! Feuerloser! Gestaltloser! Licht, Licht! Lichtkraft, Lichtkraft! Erster! Gestaltloser, Gestaltloser!“
[Hinweis: Die heiligen Silben vor den drei Welten und die genaue Lautgestalt bleiben in Sanskrit erhalten. Die Ausrufe „dhu“ und „na“ werden nicht mit einer erfundenen Wortbedeutung versehen. Die Quelle schließt mit einer Zählnotiz „21“.]
Kriyapada 17-204. Beginnend mit der Wortgruppe „Maheshvara“ bis zur Wortgruppe „Gestaltloser“.
Kriyapada 17-205. Diese fünf Wege betrachte man als von der sechsten, der Pratishtha-Kala, durchdrungen. So ist hier die Durchdringung der sechs Wege.
Kriyapada 17-206. In der Vidya-Kala liegen Purusha, Begehren, unreine Vidya, Kala als begrenzte Wirkkraft, Niyati als Begrenzungsordnung und Zeit,
Kriyapada 17-207. ferner Maya: sieben Prinzipien, verbunden mit sieben Lauten – „nya, jha, ja, cha, ca, nga, gha“ – und den beiden Mantras Haarspitze und Aghora. [Hinweis: Die lateinische Lautbenennung hier dient nur der Erklärung; die Unterscheidung der Sanskritzeichen ist in den IAST- und Devanagari-Seiten genau erhalten.]
Kriyapada 17-208. Die Welten, beginnend mit Vama, zählen siebenundzwanzig: Vama, Bhima, Ugra, Bhava und Ishana,
Kriyapada 17-209. ferner Ekavira – diese sechs Weltenherren liegen im Purusha-Prinzip. Prachanda, Umapati, Aja, Ananta und Ekarudraka
Kriyapada 17-210. bilden die fünf Welten im Prinzip des Begehrens. Krodha und Chanda liegen in der unreinen Vidya.
Kriyapada 17-211. In Niyati liegen Jyotis und Samvarta; danach Sukara, Panchantaka, Ekavira und Shivada in Kala.
Unnummerierter Kommentar nach 17-211. Gemeint ist: im Zeit-Prinzip. [Quellenhinweis: Die Verteilung von begrenzter Wirkkraft und Zeit bleibt dadurch gegenüber 17-206 unklar. Die Lesung und der Kommentar werden nebeneinander bewahrt.]
Kriyapada 17-212. Mahadeva, Vamadeva, Udbhava, Ekapingala, Ekanetra, Ishana, Bhuvanesha
Kriyapada 17-213. und Angushthamatra: Dies sind die acht Sthaleshvaras. Vom Zeit-Prinzip bis Maya umfasst die Weltenreihe siebenundzwanzig.
Unnummerierte Wortfolge nach 17-213. „Durchdringender, Durchdringender! Raum, Raum! Unbewusster, Unbewusster! Dem Höchsten des großen Herrn! Dem von Lichtgestalt! Dem Herrn allen Yoga! Dem über alles Wissen Gesetzten! Dem Unvergänglichen! Dem Beschützer! Dem Verborgenen jenseits des Verborgenen! Verehrung, Verehrung! Der Sadyojata-Gestalt! Dem Verborgenen des Vamadeva! Dem Herzen Aghoras! Dem Gesicht Tatpurushas! Dem Haupt Ishanas! Shiva! Dem Ursprung von allem! Verehrung Shiva! Dem von Meditation Genährten!“
[Hinweis: Die überlieferte Wendung „acetanācetana“ wird wie in Kapitel 6 bewahrt. Abweichungen der Wörter gegenüber früheren Fassungen des Mantras werden nicht still vereinheitlicht.]
Kriyapada 17-214. Von „Durchdringender“ bis „von Meditation Genährter“ liegen hier zwanzig Wortgruppen. Alles ist von der Vidya-Kala
Kriyapada 17-215. durchdrungen zu betrachten: So ist die Anordnung des sechsfachen Weges. In der Shanti-Kala liegen reine Vidya und Ishvara
Kriyapada 17-216. sowie Sadashiva, diese drei Prinzipien. Die drei Laute sind „ga, kha, ka“, die beiden Mantras Panzer und Purusha.
Kriyapada 17-217. Achtzehn Welten liegen hier, beginnend mit Vama: Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali, Kalavikarani,
Kriyapada 17-218. Balavikarani, Balapramathani, Sarvabhutadamani und als neunte Manonmani.
Kriyapada 17-219. Sie liegen so der Reihe nach im Prinzip der reinen Vidya. Anantesha, Sukshma, Shivottama,
Kriyapada 17-220. Ekanetra, Ekarudra, Trimurti, Shrikantha und Shikhandin sind die Welten im Ishvara-Prinzip.
Unnummerierte Fortsetzung nach 17-220. Die Sadashiva genannte Welt liegt im Sadashiva-Prinzip. Die Wortfolge lautet:
„Dem ewig im Yoga Weilenden! Dem auf dem Yoga-Sitz Ruhenden! Dem Ewigen! Dem Festen! Dem auf nichts Angewiesenen! Dem Herrenlosen! Dem Unendlichen! Shiva! Dem Alldurchdringenden! Dem von Raumgestalt! Dem Raumdurchdringenden Verehrung!“
Kriyapada 17-221. Hier liegen elf Wortgruppen, beginnend mit „dem ewig im Yoga Weilenden“
Kriyapada 17-222. bis zur Wortgruppe „Raumdurchdringender“. Diese fünf Wege sind durch die sechste, die Shanti-Kala, durchdrungen.
Kriyapada 17-223. So sollen die Kundigen die Durchdringung des sechsfachen Weges der Reihe nach verstehen. Entsprechend liegt in Shantyatita das Shiva-Prinzip.
Kriyapada 17-224. Die sechzehn Laute sind die Vokale in umgekehrter Reihenfolge, beginnend beim Visarga. Dazu gehören die drei Mantras Waffe, Ishana und Grundmantra.
Kriyapada 17-225. Die Welten von Nivritti an zählen hier fünfzehn: Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti
Kriyapada 17-226. und Shantyatita sind als Kalas die Welten im Bindu. Indhika, Dipika, Rochi, Mochika und Urdhvaga
Kriyapada 17-227. bilden weitere fünf Welten; dies sind die Nada-Kalas. Vyapini, Vyomarupa, Ananta, Anatha
Kriyapada 17-228. und Anashrita sind die Shakti-Kalas und zugleich Welten. Die heilige Silbe am Beginn des Mantras steht in umgekehrter Reihenfolge am Ende.
Kriyapada 17-229. Sie bildet eine einzige Wortgruppe. So wurde auch hier der Weg fünffach erklärt; man erkenne ihn als von der Shantyatita-Kala durchdrungen.
Kriyapada 17-230. So wurde die sechsfache Durchdringung der Wege nach der Bestimmung der Shiva-Agamas gelehrt. Die Welten zählen zweihundertvierundzwanzig.
Unnummerierter Abschluss nach 17-230. Wer die sechs Wege erkennt, soll selbst vom Ozean des Werdens frei werden und auch andere daraus befreien.
Unnummerierter Merkvers. „Zusammengefasst ist der Weg sechsfach: elf Mantras, einundachtzig Wortgruppen, sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien, fünfzig Laute und fünf Kalas.“ [Die Zahl der Welten wurde unmittelbar zuvor genannt.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das siebzehnte Kapitel: „Die Bestimmung der sechs Wege“.
Zur Besinnung. Die vielen Welten und Namen werden am Ende auf einen Gedanken zurückgeführt: Erkenntnis soll aus Bindung herausführen und auch anderen zugutekommen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann diese Zielrichtung verständlich bleiben, selbst wenn die historische Weltenkarte fremd erscheint.
Kriyapada, Kapitel 18: Die Nirvana-Einweihung
Die Nirvana-Einweihung richtet sich auf die Lösung der Bindungen. Eine Schnur stellt dabei den Körper, seine innere Leitbahn und die zu reinigenden Fesseln dar. Das Kapitel führt die Betrachtung der sechs Wege aus dem vorherigen Abschnitt in einen ausführlichen Ritualablauf über. Träume und Vorzeichen werden in ihrem historischen Deutungshorizont wiedergegeben.
Kapiteleröffnung. Nun das achtzehnte Kapitel.
Kriyapada 18-1. Für die Nirvana-Einweihung hat der Guru die täglichen Handlungen vollzogen, die beschriebene innere Zurücknahme ausgeführt und seinen Leib rituell vervollständigt.
Kriyapada 18-2. Nach dem Ausstreuen der Schutzstoffe hat er Shiva-Krug und Waffen-Vardhani verehrt. In einem der Mandalas rufe er Shambhu an und verehre ihn wie zuvor.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 18-2. „Weder durch Blumen noch durch Duftstoffe, ungebrochene Reiskörner oder Wasser soll man die Anordnung der Farbpulver beschädigen.“
Kriyapada 18-3. Daher verehre man am Rand des Mandalas, wie bei einem gemalten Bild. Man verehre Shiva im Feuer der Grube und sättige ihn wie zuvor mit den vorgeschriebenen Gaben.
Kriyapada 18-4. Nach dem Ausstreuen von Bali lege der Lehrer den Pavitra-Ring ab, bewahre Schweigen, wasche Füße und Hände, vollziehe sorgfältig das Wasserschlürfen und kleide sich weiß.
Kriyapada 18-5. Mit Kopfbinde, Obertuch und Pavitra-Fingerring, den Leib rituell vervollständigt, vollziehe er mit gewöhnlichem Arghya wie zuvor
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-5. sämtliche in der Samaya-Einweihung beschriebenen Handlungen: Besprengen, Betrachten, Berühren mit Asche, Verbinden der Augen, Eintritt in die Halle, Reinigung des inneren Organs des Schülers, Werfen der Blumengabe, Verehrung Shivas im Krug und Feuer, Nadi-Verbindung nahe der Grube, Darbringung der Mantras und schließlich die volle Opfergabe.
Kriyapada 18-6. Danach entflamme er der Reihe nach Grund- und Glieder-Mantras, jeden gesondert umschlossen von dem mit Feuer verbundenen Haarspitzen-Keim.
Kriyapada 18-7. Man spreche die Laute der Grund- und Glieder-Mantras mit der heiligen Silbe voran und dem Waffenabschluss am Ende und opfere jeweils dreimal Ghee. Dies soll die Mantras zum Aufleuchten bringen.
Kriyapada 18-8. Für den aufrecht stehenden Schüler dient die aus neun Fäden gefertigte, körperlange Schnur zum Zusammenfassen der Fesseln.
Unnummerierte Schnuranordnung nach 18-8. Sie wird mit dem Waffen-Mantra besprengt, mit dem Panzer-Mantra geschützt und verehrt. Für Lebensgenuss bindet man sie bei einem Mann am Haarbüschel fest und lässt sie bis unter den rechten großen Zeh herabhängen, bei einer Frau bis unter den linken. Für Befreiung bindet man sie zuerst am großen Zeh und danach am Haarbüschel.
Man betrachte die Schnur als Sushumna des Schülers. Mit „Verehrung der Sushumna!“ nehme man durch die Zurücknahme-Geste die Sushumna aus seinem Leib auf und vereinige sie mit der Schnur. Man verehre die so zur Sushumna gewordene Schnur, umhülle sie mit dem Panzer-Mantra und opfere für die Herstellung der Gegenwart dreimal.
Kriyapada 18-9. Nach dem Besprengen berühre man seine Herzgegend mit der als Waffe betrachteten Blume. Unter gedehnter Aussprache des Schutzlautes gehe der Lehrer beim Ausatmen
Kriyapada 18-10. durch die innere Leitbahn in das Herz des Schülers ein, vergegenwärtige dessen Bewusstsein als funkelnden Stern und löse es mit dem Waffen-Mantra von seiner Grundlage.
Kriyapada 18-11. Er ziehe es zum Dvadashanta, betrachte es als durch Shivas Shakti gestärkt und vom Herz-Mantra umschlossen und nehme es mit der Zurücknahme-Geste auf.
Kriyapada 18-12. Mit der Schnur vereint betrachte er es als durchdringend, umhülle es mit dem Panzer-Mantra, verehre es und opfere danach drei Gaben mit dem Grundmantra.
Kriyapada 18-13. Berühren, Aufnehmen und die weiteren Handlungen vollziehe man an der Schnur, nicht am Körper. In dieser Schnur stelle man sich die Fesseln des gebundenen Wesens vor, beginnend mit Mala,
Kriyapada 18-14. die seine Erlebensfähigkeit, seine Erfahrungsgegenstände und seine Körper hervorbringen können. Dann lege man die Kalas von Shantyatita an in die Schnur.
Unnummerierte Einleitung. Im Einzelnen:
Kriyapada 18-15. Der Grundkeim ist der Keim Shantyatitas; ihr Ort wird am Scheitel angegeben. Der mit „sa“ bezeichnete Laut auf „Wind“, mit dem zwölften Vokal und dem Punkt,
Kriyapada 18-16. ist der Keim Shantis. Ihr Ort reicht von der Stirn bis zum Hals. Der auf „Feuer“ gesetzte Haarspitzen-Keim gilt als Vidyas Keim.
Kriyapada 18-17. Ihr Ort reicht vom Hals bis zum Nabel; dort liegt Vidya. Der mit „sa“ bezeichnete Laut auf „la“, mit dem vierten Vokal und dem Punkt,
Kriyapada 18-18. ist als Pratishthas Keim angegeben; ihr Bereich reicht vom Nabel bis zu den Fußknöcheln. Der mit „sa“ bezeichnete Laut, verbunden mit „Erde“, einem langen Vokal und dem Punkt als Krönung,
Kriyapada 18-19. bildet Nivrittis Keim. Ihr Ort reicht vom Knöchel bis zur Fußsohle. Man verbinde die Kala-Keime mit der heiligen Silbe voran und den Kala-Namen im Dativ.
Kriyapada 18-20. Beim rituellen Anschlagen schließen sie mit Schutz- und Waffenlaut, beim Niederlegen mit Verehrung, beim Feueropfer mit dem Opferabschluss. So lege man sie in die Schnur. [Hinweis: Die Lautchiffren werden als Anweisungen erhalten; eine daraus erschlossene Rezitationsfassung wird nicht hinzugefügt.]
Unnummerierte Ausführung nach 18-20. An den angegebenen Stellen vom Scheitel an berühre man mit der Blumenwaffe die Kalas von Shantyatita an, nehme sie mit der Zurücknahme-Geste auf und lege sie der Reihe nach an den entsprechenden Stellen der Schnur nieder.
Danach betrachte man das Verhältnis von Durchdrungenem und Durchdringendem. Prinzipien, Welten, Wörter, Laute und Mantras werden durchdrungen; Mala, Karma, Maya und Isha durchdringen sie. Diese wiederum werden durchdrungen, die Kalas von Shantyatita an durchdringen sie. Wenn die Durchdringenden erfasst werden, werden daher auch die Prinzipien und Mala samt den übrigen erfasst: Werden die Kalas gegenwärtig gemacht, sind auch jene gegenwärtig; werden sie gereinigt, sind auch jene rein. [Quellenhinweis: Die Aufzählung nennt hier zusätzlich Isha gegenüber der Dreiergruppe des vorigen Kapitels; keine Angleichung erfolgt.]
Kriyapada 18-21. Man verehre die in der Schnur befindlichen Fesseln mit ihren eigenen Mantras und entflamme sie nach der nun beschriebenen Ordnung.
Kriyapada 18-22. Heilige Silbe, Aghora, Kala-Keim und Kala-Name im Dativ, abgeschlossen mit Schutz- und Waffenlaut: So spreche man der Reihe nach und opfere drei Gaben.
Kriyapada 18-23. Dies ist das Entflammen der Kalas von Shantyatita an. Danach erfolgt das Festbinden der Fesseln in derselben Reihenfolge.
Unnummerierte Knotenformel nach 18-23. Wie zuvor berühre man mit der Blumenwaffe und spreche, mit der heiligen Silbe voran und vom Grundmantra umschlossen, die Kala-Keime von Shantyatita an: „Erhabener, binde, binde die Fessel der Shantyatita-Kala, welche Mala, Maya, Karma, Shakti sowie die Wege der Prinzipien, Welten, Mantras, Laute und Wörter durchdringt!“ Es folgen Schutz- und Waffenlaut. An Shantyatitas Stelle knüpfe man einen Knoten in die Schnur. So knüpfe man der Reihe nach bis Nivritti die Knoten zur Festlegung der Fesseln.
Kriyapada 18-24. Der Lehrer lege die Fesselschnur zwischen zwei Schalen, besprenge sie mit den Resten der Opfergaben ihres Mantras, bringe sie Shambhu im Mandala dar und verehre sie.
Unnummerierte Fortsetzung und Merkliste nach 18-24. Von dort trage man sie zum Schutz zum Shiva-Krug und bringe sie dort dar. Damit sind vierzehn Handlungen vollzogen: Entflammen der Mantras, Anbringen der Schnur, Verbindung mit Sushumna, Verbindung mit dem Schülerbewusstsein, Vorstellung von Mala und den weiteren Fesseln, Berühren der Kalas, Aufnehmen, Verbinden, Verehren, Darbringen, Entflammen, Festbinden, Besprengen mit Opferresten und Darbringung am Shiva-Krug.
Kriyapada 18-25. Danach lasse man den Schüler sich vor Krug, Shiva und Feuer verneigen.
Kriyapada 18-26. Außerhalb der Halle im Osten setze sich der Schüler der Reihe nach auf drei gesonderte Mandalas, nach Osten gewandt.
Kriyapada 18-27. Man gebe ihm die Mischung der fünf Kuhprodukte, einen Anteil Opferbrei und das Zahnreinigungsholz: Für Befreiung auf einem Palasha-Blatt, für Lebensgenuss auf einem Ashvattha-Blatt.
Unnummerierte abweichende Mengenangabe nach 18-27. Einige sagen, man lasse ihn nur acht Bissen Opferbrei essen, nicht mehr.
Kriyapada 18-28. An der Richtung, in die die Spitze des Zahnreinigungsholzes fällt, soll sein günstiges oder ungünstiges Vorzeichen erkannt werden. Norden, Osten und Nordosten gelten als günstig, die anderen Richtungen als ungünstig.
Kriyapada 18-29. Bei ungünstigem Zeichen vollziehe man ein befriedendes Feueropfer mit Grund-, Glieder- und dem südlichen Mantra. Auf gut bestrichenem Boden bereite man ein Darbha-Lager mit einer Decke.
Kriyapada 18-30. Das Lager liege im Osten und sei durch hundert Wiederholungen des Waffen-Mantras geweiht. Wer Lebensgenuss wünscht, schlafe mit dem Kopf nach Osten; ein Befreiungssuchender auf einem Aschenlager mit dem Kopf nach Süden.
Kriyapada 18-31. Mit dem Herz-Mantra berühre man ihn und binde damit seinen Haarbüschel. Mit dem Waffen-Mantra bedecke man ihn mit einem feinen weißen Tuch.
Kriyapada 18-32. Außerhalb des Lagers lege man mit Sesam und Senf drei schützende Kreise wie einen Wall an, unter dem Waffen-Mantra. Danach gebe man den Geistwesen Bali.
Kriyapada 18-33. Auch der Guru nehme die fünf Kuhprodukte und die weiteren Gaben zu sich, vollziehe das Wasserschlürfen und lege sich schlafen. Am Morgen stehe er auf, bade und vollziehe die täglichen Handlungen.
Kriyapada 18-34. Mit Shivas Zustimmung hole er den Schüler und befrage ihn nach seinen Träumen. Günstige Träume begrüße er; zur Befriedung ungünstiger
Kriyapada 18-35. opfere er hundertmal Sesam, Ghee, Opferbrei und weißen Senf mit der Mantra-Samhita, mit Aghora und dem Waffen-Mantra. Nach der Gabe von Spenden
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-35. an Brahmanen und Angehörige der religiösen Gemeinschaft lasse er sie sprechen: „Möge der Traum günstig sein!“
Unnummerierte Abschnittseinleitung. Nun werden ungünstige und günstige Träume erklärt. [Redaktioneller Hinweis: Die folgenden Deutungen sind historische Omenlehre. Träume begründen keine zuverlässige Krankheits-, Todes- oder Erfolgsprognose.]
Kriyapada 18-36. Ein Traum kann auf Gehörtem, Gesehenem, Erlebtem, Erwünschtem oder Erzähltem beruhen,
Kriyapada 18-37. ferner auf Zukünftigem oder auf einem Hinweiszeichen. So werden sieben Arten überliefert. Die ersten fünf haben nach dieser Lehre keine Vorhersagefrucht; nur die beiden letzten gelten als zukunftsweisend.
Kriyapada 18-38. Das Abfallen eigener Körperteile, Haare, Nägel und Zähne; das Einstürzen von Tempeln und Häusern; der Sturz von Götterbildern, Mond, Sonne und Bäumen sowie der eigene Fall aus der Höhe;
Kriyapada 18-39. Rasur, Einölen und Heirat; Bedrängnis durch gehörnte, bezahnte oder geflügelte Tiere; das Besteigen von Esel, Kamel, Pferd oder Schaukel;
Kriyapada 18-40. eine Reise nach Süden; Versinken in Grube, Schlamm oder Wasser, ohne wieder aufzustehen; der Weg eines Gestürzten;
Kriyapada 18-41. Verbindung mit verwitweten, geschorenen, verunstalteten, sehr dunklen oder überaus furchtbaren Frauen, die schwarze oder rote Gewänder und Eisenschmuck tragen,
Kriyapada 18-42. ihre Umarmung oder das von ihnen Fortgezogenwerden; das Austrocknen von Flüssen, Strömen und Meeren;
Kriyapada 18-43. das Erlöschen von Lampen, Feuer und Himmelslichtern; das Zerbrechen von Bildnissen und Lingas; das Tragen schwarzer Girlanden, Gewänder und Salben oder roter Kleidung;
Kriyapada 18-44. das Bestreichen mit Kurkuma, Dickwerden und Zerstückelung von Leib und Gliedern; der Erwerb von Baumwolle, Sesam, Ölkuchen, Gold, Pfeffer und Nahrung;
Kriyapada 18-45. Abführen, Ghee, Fisch und …; das Trinken von Honig, Öl, Zuckerrohrsaft und Buttermilch; Singen und Tanzen; [Quellenhinweis: Die Verbindung bei Ghee und Fisch ist mit „śāsanam (?)“ unklar; kein fehlendes Verb wird erschlossen.]
Kriyapada 18-46. Trennung von Geliebtem und Verbindung mit Unerwünschtem; Tadel, Schläge und ähnliche Behandlung durch Götter, Brahmanen, Ahnen oder religiöse Personen;
Kriyapada 18-47. das Essen von Kuchen, Mehl und trockener Speise; das Löschen einer Lampe und ähnlicher Lichter mit Wasser; das Herabfallen von Fußbekleidung;
Kriyapada 18-48. Anblick, Berührung und weitere Begegnung mit nackten, unfreundlichen, geschorenen, schwarz oder ockerfarben gekleideten Personen und mit Affen;
Kriyapada 18-49. das Reiten auf Eseln, Kamelen, Schweinen, Büffeln und ähnlichen Tieren oder ihren Wagen; das Eintauchen in oder Bestreichen mit Kuhdung; das Aufnehmen eines unheimlichen Kindes;
Kriyapada 18-50. Zusammenkünfte in Trinkgesellschaften und Ähnlichem, auch Umarmungen mit Toten: Solche Traumbilder gelten als Anzeichen von Untergang, Furcht und Leid.
Kriyapada 18-51. Selbst Gesunden sollen sie Krankheit oder Tod ankündigen. Nun werden günstige Träume beschrieben, die Vollendung anzeigen. [Die Bewertungen der Personen und Tätigkeiten in dieser Liste werden als historische Quellaussagen wiedergegeben.]
Kriyapada 18-52. Der Erwerb weißer Girlanden, Gewänder und Salben, von Lampen und Spiegeln; von Dickmilch, Milch, Ghee, Betel, Früchten, Reis und Kleidung,
Kriyapada 18-53. von unenthülstem Reis, Shali-Reis, Gerste, Muscheln und Perlen sowie die Begegnung mit schönen weiß gekleideten Frauen; das Benetztsein mit Blut;
Kriyapada 18-54. das Überqueren von Flüssen und Meeren, der Anblick lodernden Feuers, das Berühren von Mond, Sonne und Sternen, das Besteigen eines von Menschen getragenen Fahrzeugs;
Kriyapada 18-55. das Besteigen von Bäumen, Bergen, Elefanten, Tempeln, Frucht- und Milchsaftbäumen, Knochen und hohen Palästen, ebenso von Menschen und Rindern; [Quellenhinweis: Die Einordnung von „Knochen“ in die Aufstiegsreihe ist auffällig, wird aber nicht beseitigt.]
Kriyapada 18-56. Gunst durch angesehene religiöse Personen, Brahmanen, Herrscher, Ahnen und Götter; der Erwerb von Linga, Gebetskette, Bildnis und besonderen Waffen;
Kriyapada 18-57. nicht verlöschendes Feuer an den eigenen Gliedern, Gewändern und Häusern; Eingeweide, die sich darum winden, oder das Bestreichen des eigenen Leibes mit Kot;
Kriyapada 18-58. Tod oder Berührung eines Leichnams, das Essen frischen Fleisches, der Biss einer weißen Schlange in die rechte Hand;
Kriyapada 18-59. das Essen von Ghee und Milchreis aus einem Lotus- oder Goldgefäß, Essen von Dickmilch und Milch und Trinken von Maireya oder Nektar;
Kriyapada 18-60. der Erwerb eines damit gefüllten Kruges, die sexuelle Verbindung mit einer nach den Regeln unzugänglichen Frau, das Erlangen von Reiher, Henne, Kranich oder Gans, die Ankunft eines Sohnes;
Kriyapada 18-61. der Erwerb von Mantra, Buch, Wissen, Vina oder Heilmittel, von Schirmen und Wedeln sowie das Eintauchen an einem heiligen Badeort:
Kriyapada 18-62. Solche Traumbilder gelten als Anzeichen von Vollendung, Glück und Freude. Was Brahmanen, Götter, Ahnen und religiöse Personen
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-62. im Traum sagen, werde nach dieser Lehre genau so eintreten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der Träume.
Unnummerierte Rückkehr zum Einweihungsritual nach 18-62. Der Schüler hat gebadet, die Andacht zur Tageswende vollzogen und sich vor Shambhu, Krug und Shiva-Feuer verneigt und sie verehrt. Seine Fesselschnur ist wie zuvor angebracht. Mit Shivas Zustimmung führe man ihn in die Halle und lasse ihn bei der Grube Platz nehmen.
Mit „Verehrung der tragenden Shakti!“ rufe man sie im Feuer an und opfere mit demselben Mantra, nun mit Opferabschluss, dreimal Ghee.
Kriyapada 18-63. Auf diese tragende Shakti lege man die fünf Wege
Kriyapada 18-64. und die sie durchdringende Nivritti. Ihre Untergliederung wird nun erklärt: Erdprinzip, Laut „ksha“, Herz- und Sadya-Mantra,
Kriyapada 18-65. achtundzwanzig Wortgruppen vom Ende her in umgekehrter Reihenfolge und hundertacht Welten von Kalagni bis Kali.
Kriyapada 18-66. Mit ihrem eigenen Mantra nehme man Nivritti aus der Schnur zurück, bringe sie damit der Shakti im Feuer dar und verehre sie. Zur Herstellung der Gegenwart opfere man drei Gaben
Kriyapada 18-67. mit demselben Mantra und dem Feueropferabschluss. Dort betrachte man Mala, Karma und die mayaförmige Fessel des gebundenen Wesens,
Kriyapada 18-68. welche auf Shivas Willen hin Erlebensfähigkeit, Erfahrungskörper und Weiteres hervorbringen. In diesen Welten stelle man sich die unterschiedlichen, verkörperten Geburtsstätten vor,
Kriyapada 18-69. den jeweiligen Welten entsprechend und durch Karma entstanden. Die sie durchdringende Herrin der Rede rufe man an und verehre sie mit: „Verehrung der Vagishvari!“
Unnummerierte Verbindung mit allen Geburtsstätten nach 18-69. Mit demselben Mantra und Opferabschluss opfere man dreimal und bitte: „Erhabene Vagishvari, sei gegenwärtig, um diesem gebundenen Wesen Gnade zu erweisen!“ Man besprenge den Schüler mit Arghya-Wasser unter dem Waffen-Mantra und berühre sein Herz mit der Blumenwaffe. Beim Ausatmen gehe der Lehrer durch die Sushumna in das Herz des Schülers ein, löse dessen Bewusstsein mit dem Waffen-Mantra, erhebe es mit der Stachelstock-Geste und vereinige es durch den Grundmantra mit dem punktförmigen Dvadashanta.
Während er Hamsa, von der heiligen Silbe umschlossen, ausspricht, bringe er beim Einatmen das Schülerbewusstsein in den eigenen Herzlotus. Er vergegenwärtige den Grundmantra, halte den Atem und nehme das Bewusstsein damit auf. Beim Ausatmen führe er es zum Dvadashanta. Durch die Entstehungs-Geste verbinde er es gleichzeitig mit sämtlichen unzähligen zuvor beschriebenen Geburtsstätten: den im Mutterleib, im Ei, aus Feuchtigkeit, aus Keimen und im Geist entstehenden. Diese Verbindung bedeutet das Offenbarwerden durch Annahme der jeweiligen Körper.
Kriyapada 18-70. Die heilige Silbe, der Grundkeim, „Shiva“ im Dativ und der Feueropferabschluss bilden den siebensilbigen Mantra. Er ist für die Verbindung mit den Geburtsstätten, Empfängnis, Geburt und die weiteren Handlungen bestimmt.
Unnummerierte Formel und Ausführungsanweisung nach 18-70. Er ist beim Feueropfer zu verwenden; danach spreche man: „Erhabener, bewirke, bewirke für diesen Atman die gleichzeitige Verbindung mit allen Geburtsstätten!“
Nach „für diesen Atman“ setzt man anstelle der Verbindung mit allen Geburtsstätten jeweils die nachfolgend zu vollziehende Handlung ein: Ausbildung der Leibesfrucht, Geburt und die weiteren, unter ihrem eigenen Namen. Mit „Bewirke, bewirke!“ wird jede einzelne Handlung vollzogen. Überall opfert man drei Gaben mit dem Grundmantra, drei mit dem siebensilbigen und spricht dreimal die mit „Erhabener“ beginnende Bitte. So vollende man der Reihe nach Verbindung mit allen Geburtsstätten, Ausbildung sämtlicher Leibesfrüchte und Geburt daraus.
Kriyapada 18-71. Danach betrachte man das gleichzeitige Wachstum aller Körper von ihrem Beginn an,
Kriyapada 18-72. damit die Erfahrungen zustande kommen. Man vergegenwärtige früheres und künftiges Karma und den Erwerb von Erfahrung bewirkendem Karma in den Körpern aller Geburtsstätten.
Unnummerierte Ergänzung nach 18-72. Man opfere wie zuvor und spreche in der mit „Erhabener“ beginnenden Bitte: „Bewirke, bewirke den Erwerb des Karmas, das vielfältige Erfahrungen gibt!“ Bei der weltbezogenen Einweihung stelle man sich den Erwerb vergangenen und künftigen Karmas in Gestalt von Dharma und Adharma vor und opfere entsprechend.
Kriyapada 18-73. Auch bei der Sadhaka-Einweihung betrachte man früheres und künftiges Karma und opfere. Die durch Ort und Zeit bestimmten Körper, Gegenstände und Handlungen
Kriyapada 18-74. nehmen durch die Verschiedenheit vergangenen und künftigen Karmas vielerlei Formen an. Für diesen Atman, der von der Rolle des Erlebenden umfangen ist,
Kriyapada 18-75. besteht Erfahrung im Empfinden von Freude und Leid. Man betrachte ihre Abhängigkeit vom Haften an Gegenständen und opfere drei Gaben mit dem Grundmantra und dem vierlautigen Mantra. [Quellenhinweis: Die hier gelieferte Bezeichnung „vierlautig“ weicht von dem sonst verwendeten siebensilbigen Mantra ab; keine stillschweigende Korrektur erfolgt.]
Unnummerierte Bitte und abweichende Erläuterung nach 18-75. „Bewirke, bewirke für dieses gebundene Wesen die Vollendung sämtlicher Erfahrungen!“
Bhojaraja erklärt: Bei der weltbezogenen Einweihung betrachte man die vielfältigen Erfahrungen, die sich durch Unterschiede von Ort, Zeit, Körper und Gegenständen aus früherem und künftigem Dharma und Adharma ergeben, und bringe die Gaben dar. Bei der Sadhaka-Einweihung dagegen betrachte man die Erfahrungen, die durch diese Unterschiede allein aus früherem Karma entstanden sind, und opfere. [Die Einschränkung auf früheres Karma bleibt neben der weiter gefassten Versangabe erhalten.]
Kriyapada 18-76. Danach betrachte man das Aufgehen in den Erfahrungen, das durch höchste Befriedigung gekennzeichnet ist, und opfere wie zuvor, um dieses Aufgehen zu bewirken.
Unnummerierte Bitte nach 18-76. „Bewirke, bewirke das Aufgehen in den Erfahrungen in der Form höchster Befriedigung!“
Kriyapada 18-77. Zur Vollendung der Weihe von Geburt, Lebensdauer und Erfahrung opfere man hundertmal mit dem Herz-Mantra. Brahmashambhu erklärt ihren Zweck:
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Wie eine Herbstwolke leicht wird, nachdem ihr Wasser verbraucht ist, so wird die Reinigung dieses Prinzips beschrieben, dessen Karma erschöpft ist. Dass es nicht wieder hervorbringt, heißt Sühnelösung. Dafür opfere man hundert Gaben mit dem Herz-Mantra.“
Unnummerierte Fortsetzung nach dem Zitat. Danach opfere man dreimal mit dem Grundmantra und mit dem siebensilbigen Mantra und bitte: „Erhabener, bewirke, bewirke durch Sühnelösung die Reinigung sämtlichen Karmas!“
Kriyapada 18-78. Man stelle sich das Ende der Erfahrungen und das Heraustreten aus Mayas Fessel vor. Zur Ablösung opfere man mit Grundmantra, siebensilbigem Mantra und den weiteren Anrufungen.
Kriyapada 18-79. Danach betrachte man seine Erlebensrolle, gekennzeichnet durch Haften an den Gegenständen, als Wirkung von Mala und opfere zu deren Reinigung zehn Gaben.
Kriyapada 18-80. Mit dem Grundmantra stelle man sich die Ablösung von Mala vor und opfere drei Gaben; zur Ablösung auch des gereinigten Karmas weitere drei,
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-80. mit Grundmantra, siebensilbigem Mantra und der Bitte: „Erhabener, bewirke, bewirke die Ablösung von den drei Fesseln Maya, Mala und Karma!“
Nach dieser Ablösung opfere man für die Fessel Nivrittis, welche Mala und die weiteren Bindungen sowie die Prinzipien durchdringt, je dreimal mit Waffen-, Grund- und siebensilbigem Mantra. Man bitte: „Erhabener, bewirke, bewirke das Durchtrennen der Nivritti-Fessel!“ und stelle sich deren Durchtrennung vor.
Kriyapada 18-81. Da alle Körper in allen Geburtsstätten vergangen sind, betrachte man den in ihnen befindlichen Atman
Kriyapada 18-82. als einen einzigen. Mit dem Grundmantra und Weihungsabschluss opfere man die volle Gabe. Dann rufe man mit heiliger Silbe und „Verehrung Brahma!“
Unnummerierte Fortsetzung und Formel nach 18-82. Brahma herbei und verehre ihn. Man opfere drei Gaben: „Brahma, nimm Klang und Berührung an! Die Opfergabe!“ Danach:
Kriyapada 18-83. „Herr der Ursachen, du darfst diesen, der zum leidlosen Zustand geht,
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-83. nicht aufhalten. Dies ist der Befehl des höchsten Herrn!“ So übermittle man Shivas Geheiß und entlasse Brahma, den ursächlichen Herrn der Nivritti-Fessel und des zugehörigen Bereichs.
Kriyapada 18-84. So betrachte man das Bewusstsein des Schülers als gereinigt, kristallhell
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-84. und frei von Nivrittis Fessel und vollziehe seine Erhebung. Nach den Opfergaben wie zuvor bitte man: „Erhabener, bewirke, bewirke die Erhebung aus der Fessel der Nivritti-Kala!“
Kriyapada 18-85. Mit der Zurücknahme-Geste erhebe der Guru dieses Bewusstsein und nehme es beim Einatmen
Kriyapada 18-86. in sich auf. Gleich darauf führe er es beim Ausatmen heraus und verbinde es mit dem Schnurleib des Schülers. Zur Festigung opfere er dreimal.
Kriyapada 18-87. Danach verehre man Vagishvari, opfere drei Gaben mit ihrem Mantra und entlasse sie. Dann verbinde man die gereinigte Kala mit der noch ungereinigten.
Kriyapada 18-88. Den Keim der gereinigten Nivritti spreche man kurz aus, den der reinen Pratishtha mit langem Ende, anschließend beide Namen in ihrer Reihenfolge. [Quellenhinweis: Hier lautet das Adjektiv „viśuddhāyāḥ“, „der reinen“; es steht in Spannung zur noch ungereinigten Kala in 18-87. Die gelieferte Lesung bleibt sichtbar.]
Kriyapada 18-89. Man verbinde sie im Dativ und verehre sie mit dem Verehrungsabschluss. Mit derselben Verbindung und dem Feueropferabschluss opfere man dreimal.
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-89. Man betrachte die gereinigte Nivritti als in Pratishtha aufgegangen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Reinigung der Nivritti-Kala.
Kriyapada 18-90. Nun wird die Reihenfolge der genannten Handlungen zusammenhängend aufgeführt,
Kriyapada 18-91. die ebenso für die Reinigung von Pratishtha und den folgenden Kalas gilt: tragende Shakti, Wirklichkeitsprinzip, Vagishvari als viele Geburtsstätten,
Kriyapada 18-92. Aufnehmen des Schüler-Atmans, Verbindung mit sämtlichen Geburtsstätten, Empfängnis und Geburt, danach Erwerb von Karma,
Kriyapada 18-93. Entfaltung des Vermögens, Vollendung der Erfahrung, Aufgehen darin, Sühnelösung, Ablösung von Mala und den übrigen Fesseln, Durchtrennung mit voller Opfergabe,
Kriyapada 18-94. Übergabe an den ursächlichen Herrn, Erhebung, Aufnahme und Vereinigung; danach Einsetzen in den Schnurleib und Entlassung Vagishvaris,
Kriyapada 18-95. Betrachtung der Einheit mit dem gereinigten Prinzip, Verbindung und Verehrung der Kalas. Diese Handlungsfolge ist auch bei Pratishtha und den weiteren Kalas dieselbe.
Unnummerierte Prosa nach 18-95: Reinigung der Pratishtha-Kala. Nun verehre man Shakti, rufe Pratishtha mit ihrem Mantra herbei, lasse sie gegenwärtig werden und verehre sie. Für ihre Gegenwart opfere man damit dreimal. Man betrachte die Gestalt der Fesseln von Mala, Karma und Maya, die das Erfahrendsein, den Erfahrungsleib und das Weitere hervorbringt, als von Pratishtha durchdrungen. Auf dem Weg der Wirklichkeitsprinzipien vom Wasser bis zur Prakriti stelle man sich sechsundfünfzig Welten, einundzwanzig Wörter, dreiundzwanzig Laute sowie den Haupt- und den Vama-Mantra als von Pratishtha durchdrungen vor. Mit dem Wurzelmantra und dem siebensilbigen Mantra opfere man dreimal und spreche: „Erhabener, bringe für diesen Atman die Wirklichkeitsprinzipien, Mala und die übrigen, in der Pratishtha-Kala zur Gegenwart, bringe sie zur Gegenwart!“
Dann stelle man sich in den sechsundfünfzig Welten die verschiedenartigen Geburtsstätten vor. Man rufe Vagishvari herbei, die sie durchdringt, lasse sie gegenwärtig werden, verehre sie und opfere für ihre Gegenwart dreimal. Besprengen, Anschlagen, Eintreten, Durchtrennen, Heranziehen und Aufnehmen sowie die weiteren Handlungen vollziehe man wie zuvor. Mit der Einatmung nehme man das Bewusstsein des Schülers in sich auf und halte den Atem an. Mit der Ausatmung führe man es zum Dvadashanta, dem oberen Zwölffingerpunkt, und nehme es dort auf. Wie zuvor bewirke man seine gleichzeitige Offenbarung in allen Geburtsstätten. Mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra opfere man dreimal. Mit der Anrede „Erhabener“ vollziehe man wie zuvor, jede Handlung für sich, die Verbindung mit allen Geburtsstätten, Empfängnis, Geburt, Erwerb von Karma, Erfahrung und Aufgehen darin.
Zur Sühnelösung opfere man mit dem Hauptmantra hundertmal und bewirke diese Lösung wie zuvor. Weil keine Erfahrung mehr verbleibt und das Bewusstsein aus der Maya-Fessel heraustritt, bewirke man mit den Opfergaben wie zuvor seine Ablösung. Man betrachte die Ablösung als das Heraustreten aus dem Erfahrendsein und den übrigen Wirkungen der Mala und vollziehe diese besondere Ablösung wiederum mit den Opfergaben wie zuvor. Ebenso bewirke man die Ablösung vom Karma.
„Vishnu, nimm den achtgliedrigen feinen Leib dieses Atmans an! Die Opfergabe!“ Mit dieser Formel opfere man dreimal. Mit den Worten „Herr der Ursachen, du …“ verkünde man den bereits genannten Befehl und entlasse ihn. Danach opfere man mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra wie zuvor und spreche mit der Anrede „Erhabener“: „Bewirke, bewirke die Erhebung aus der Pratishtha-Fessel!“ Man erhebe jenes Bewusstsein, nehme es wie zuvor in sich auf und lasse es in den Schnurleib eintreten. Nach Verehrung und Entlassung Vagishvaris verbinde man die Kalas Pratishtha und Vidya durch das Aussprechen ihrer Keimlaute und die weiteren Handlungen. Man verehre sie, opfere und betrachte Pratishtha als in Vidya aufgegangen.
Unnummerierte Prosa nach 18-95: Reinigung der Vidya-Kala. Um nun die Vidya-Kala zu reinigen, verehre man Shakti. Mit ihrem eigenen Mantra rufe man die Vidya-Kala herbei, lasse sie gegenwärtig werden, verehre sie, opfere damit dreimal und betrachte ihre Durchdringung: die sieben Wirklichkeitsprinzipien vom Purusha bis Maya, sieben Laute, siebenundzwanzig Welten, die beiden Mantras der Haarspitze und Aghoras, zwanzig Wörter und die Dreiheit von Mala und den übrigen Fesseln. Dies alles stelle man sich als von der Vidya-Kala durchdrungen vor.
Mit ihrem Mantra rufe man Vagishvari herbei, die alle Geburtsstätten durchdringt, lasse sie gegenwärtig werden und verehre sie. Für ihre Gegenwart opfere man dreimal. Besprengen und Anschlagen sowie sämtliche Handlungen von der Vorstellung aller Geburtsstätten und der Verbindung mit ihnen über Empfängnis, Geburt und Erfahrung bis zum Aufgehen darin vollziehe man wie zuvor. Dabei opfere man mit dem Wurzelmantra und dem siebensilbigen Mantra jeweils dreimal und verwende die Anrede „Erhabener“ entsprechend der jeweiligen Handlung. Zur Sühnelösung opfere man mit dem Haarspitzenmantra hundertmal. Mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra bewirke man die Sühnelösung wie zuvor: „Bewirke, bewirke durch die Sühnelösung die Reinigung von allen Fesseln!“ Ebenso vollziehe man wie zuvor Ablösung, Durchtrennung der Fesseln und die volle Opfergabe.
Dann rufe man mit „Verehrung Rudra!“ Rudra herbei, lasse ihn gegenwärtig werden, verehre ihn und opfere dreimal. „Rudra, nimm Gestalt und Geruch an! Die Opfergabe!“ Damit opfere man dreimal. Mit „Herr der Ursachen …“ verkünde man ihm den Befehl und entlasse ihn. Wie zuvor erhebe man das Bewusstsein aus der Vidya-Kala-Fessel, nehme es in sich auf und setze es vom Dvadashanta aus in den Schnurleib ein. Zur Festigung opfere man dreimal. Man verehre den Herrn der Rede, opfere und entlasse ihn. [Quellenhinweis: An dieser Stelle steht die männliche Form „vāgīśam“, während zuvor Vagishvari angerufen wird; die Abweichung bleibt erhalten.]
Wie zuvor verbinde man den kurzen Keimlaut Vidyas mit dem langen Keimlaut Shantis und bewirke ihre Gegenwart. Mit dem Wurzelmantra opfere man dreimal. Man betrachte Vidya als in der Shanti-Kala aufgegangen und reinige Shanti.
Kriyapada 18-96. Dann verehre man Shakti und opfere mit dem siebensilbigen Mantra. Mit ihrem eigenen Mantra rufe man Shanti herbei, lasse sie gegenwärtig werden, verehre sie und opfere.
Kriyapada 18-97. Für die Gegenwart opfere man mit dem Wurzelmantra und betrachte die fünf Wege: die Wirklichkeitsprinzipien bis zu Sadashiva, achtzehn Welten,
Kriyapada 18-98. elf Wörter, die Mantras des Panzers und Purushas sowie drei Laute. Diese sind jeweils als von Shanti durchdrungen zu erkennen.
Kriyapada 18-99. Dann vergegenwärtige man sich Vagishvari als Hervorbringerin mannigfaltiger Geburtsstätten, rufe sie herbei, verehre sie und bringe mit dem Wurzelmantra die Opfergaben wie zuvor dar.
Unnummerierte Prosa nach 18-99. Danach vollziehe man wie zuvor Besprengen, Anschlagen, Eintreten, Durchtrennen, Heranziehen, Aufnehmen und Verbinden, Empfängnis, Geburt, Erwerb von Karma, Entfaltung des Vermögens, Erfahrung und Aufgehen darin. Zur Sühnelösung opfere man mit dem Panzermantra hundertmal. Mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra sowie der Anrede „Erhabener“ schließe man ab: „Bewirke, bewirke durch die Sühnelösung die Reinigung von allen Fesseln!“
Kriyapada 18-100. Durch das Heraustreten aus der Erfahrung vollziehe man mit Wurzelmantra, siebensilbigem Mantra und den übrigen vorgeschriebenen Mitteln die Ablösung von sämtlichen Erfahrungen. Danach bringe man zur Ablösung von Mala und Karma
Kriyapada 18-101. die Opfergaben dar; ebenso zur Durchtrennung der Fesseln mit dem Waffenmantra. Man opfere mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra und spreche mit der Anrede „Erhabener“ für diesen Atman:
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-101. „Bewirke, bewirke die Durchtrennung dessen, was Mala, die übrigen Wirklichkeitsprinzipien und das Weitere durchdringt!“ So schließe man ab.
Kriyapada 18-102 mit eingeschobener Formel. Wie zuvor bringe man die volle Opfergabe dar, rufe mit „Verehrung Ishvara!“ Ishvara herbei und verehre ihn. Man opfere und spreche unter Nennung seines Namens: „Nimm Buddhi und Ahamkara an!“ – die unterscheidende Erkenntniskraft und das Ichbewusstsein.
Kriyapada 18-103. Man opfere dreimal, verkünde ihm mit „Herr der Ursachen …“ den Befehl und entlasse ihn. Den zu Ishvara gehörenden Schüler, der von den Shanti-Fesseln gelöst ist,
Kriyapada 18-104. erhebe man durch das Opfer mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra und mit der Anrede „Erhabener“ wie zuvor: „Bewirke, bewirke für diesen Atman die Erhebung aus der Fessel der Shanti-Kala!“
Kriyapada 18-105. Mit der Zurücknahme-Geste erhebe man ihn, verbinde ihn durch Einatmen mit sich und führe ihn beim Ausatmen in den Leib der Fesselschnur hinein.
Kriyapada 18-106. Nach seiner Festigung opfere man mit dem Wurzelmantra. Man verehre auch Vagishvari, opfere, entlasse sie und vollziehe die Verbindung der Kalas.
Kriyapada 18-107. Wie zuvor verwende man für Shanti und Shantyatita den kurzen beziehungsweise langen Laut, entsprechend der Unterscheidung zwischen gereinigt und noch ungereinigt. Man verehre und opfere wie zuvor.
Kriyapada 18-108. Man lasse Shanti in Shantyatita aufgehen und reinige diese. Man rufe Shantyatita herbei, lasse sie gegenwärtig werden, verehre sie und opfere.
Kriyapada 18-109. Wie zuvor betrachte man hier die mit Mala und Karma vermischte Durchdringung: den Weg bis zu Shakti, drei Mantras, sechzehn Laute,
Kriyapada 18-110. ein Wort und fünfzehn Welten. Diese in Bindu, Nada, Kala und Shakti offenbar werdenden Bereiche soll man als von Shantyatita
Kriyapada 18-111. durchdrungen betrachten. Für ihre Gegenwart opfere man mit dem Wurzelmantra dreimal. Dann rufe man Vagishvari herbei, die diese Welten durchdringt, und verehre sie.
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-111. Für ihre Gegenwart opfere man wie zuvor dreimal geklärte Butter.
Unnummerierte Prosa nach 18-111: Befreiung von den letzten Fesseln. Dann vollziehe man Besprengen, Anschlagen, Durchtrennen, Heranziehen, die Verbindung mit den Geburtsstätten, Empfängnis, Geburt, Karma, Entfaltung des Vermögens, Erfahrung und Aufgehen darin. Dabei opfere man jeweils drei Gaben mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra, richte die Absicht auf die jeweilige Handlung und spreche die mit „Erhabener“ beginnende Formel. Zur Sühnelösung opfere man mit dem Wurzelmantra hundertmal und spreche wie zuvor: „Bewirke, bewirke die Sühnelösung!“ Man betrachte die Ablösung als Heraustreten aus den Shantyatita-Fesseln und opfere mit dem Wurzelmantra dreimal. Für die Fessel Shantyatitas, die Mala und die übrigen Bereiche durchdringt, bringe man mit dem Pranava drei Opfergaben dar. Zu ihrer Durchtrennung spreche man mit Wurzelmantra und siebensilbigem Mantra: „Erhabener, bewirke, bewirke für diesen Atman die Durchtrennung der Shantyatita-Fessel!“ Mit dem Wurzelmantra opfere man die volle Gabe. Zur Reinigung der Kalas stelle man sich die Fessel der Verpflichtungen und ihrer Befolgung am zugehörigen Ort vor und reinige sie. [Örtlicher Hinweis: Die gelieferte Ortsangabe „sādeśe“ ist nicht sicher aufzulösen.]
„Verehrung den Scharen, die über die Fesseln der Verpflichtungen und ihrer Befolgung herrschen!“ Damit rufe man sie herbei, lasse sie gegenwärtig werden und verehre sie. Für ihre Gegenwart opfere man mit derselben Formel und dem Feueropferabschluss dreimal, ferner mit dem siebensilbigen Mantra. Dann beginne man mit Pranava und Wurzelmantra und spreche: „Sadashiva, nimm den Geist an, den Anteil am achtgliedrigen feinen Leib! Die Opfergabe!“ Damit opfere man dreimal. Mit „Herr der Ursachen …“ verkünde man den Befehl und entlasse ihn.
Mit der Shiva-Waffe, vom Pranava umschlossen, ziehe man beim Ausatmen das Bewusstsein aus der Shantyatita-Fessel zurück. Man lasse es vollkommen rein in sich selbst und im Schüler gegenwärtig sein und gebe einen Wassertropfen auf dessen Haupt. Dann verehre und sättige man Vagishvari und bitte: „Erhabene, durch die fünf Wirklichkeitsprinzipien bist du ermüdet. Gehe jetzt in deinen eigenen Bereich!“ Man entlasse sie und betrachte die Shantyatita-Kala als im Shakti-Prinzip aufgegangen. Nun stelle man das Atman-Prinzip bis hin zum Maya-Prinzip auf. Mit Pranava und Wurzelmantra beginne man die Formel „Verehrung dem Atman-Prinzip!“ und bewirke seine Gegenwart. Man spreche den siebensilbigen Mantra laut und opfere hundert Gaben. So werden Fehler in der Ausführung des Verfahrens bereinigt.
Dann rufe man mit seinem eigenen Mantra das Vidya-Prinzip bis hin zu Sadashiva herbei, stelle es auf und verehre es. Mit demselben Mantra, leise gesprochen, opfere man hundertachtmal; dadurch wird fehlerhafte Mantraaussprache bereinigt. Dann stelle man das Shiva-Prinzip bis hin zu Shakti auf, rufe es herbei, lasse es gegenwärtig werden und verehre es. Mit demselben Mantra, innerlich gesprochen, opfere man hundertachtmal; dadurch erfolgt Reinigung von Fehlern des Geistes und der Erkenntnis. Danach:
Kriyapada 18-112. Man betrachte Shakti, die den gesamten Weltenweg durchdringt und sich innerhalb dieses Weges befindet,
Kriyapada 18-113. als die Gestalt aller Ursachen. Vor ihr stelle sich der Guru die Person des Schülers wie ein vollkommen reines Juwel vor und verehre sie.
Kriyapada 18-114. Mit dem Haarspitzenmantra bespreche man die Schere. Bei einem nach weltlichem Erleben Strebenden schneide man den Haarschopf jenseits von zwölf Fingerbreiten ab, bei einem nach Befreiung Strebenden jenseits von acht Fingerbreiten.
Kriyapada 18-115. Nach dem Abschneiden des Haarschopfes mit dem Haarspitzenmantra bade der Schüler zur Reinigung. Auch der Guru wasche Hände und Füße, vollziehe die rituelle Mundspülung und reinige sich durch Besprengen.
Kriyapada 18-116. Dann trete der Guru mit dem Schüler ein und vollziehe die Ausstattung mit den Mantragliedern. Den Haarschopf samt der Fesselschnur, in eine Kugel aus Kuhdung eingeschlossen,
Kriyapada 18-117. lege er mittels des kleinen Opferlöffels in die große Opferkelle und opfere ihn nach Art einer vollen Opfergabe. Anschließend gehe er hinaus und wasche beide Opfergeräte
Kriyapada 18-118. sowie die Schere. Nach der rituellen Mundspülung verehre er Shiva besonders und bitte: „O Erhabener, auf deinen Befehl ist die Reinigung der Wege
Kriyapada 18-119. für diesen Atman vollzogen, o Gott; sein Fesselschopf ist abgeschnitten. Durch deine Gnade möge er das Shivasein, die höchste Stätte, erreichen!
Unnummerierte Fortsetzung nach 18-119. Gib mir die Erlaubnis, ihn mit den Eigenschaften des Shivaseins zu verbinden!“
Unnummerierte Prosa nach 18-119: Vereinigung mit Shiva. Vom Erhabenen durch „Vollziehe es so!“ ermächtigt, setze sich der erfreute Guru mit dem Arghya-Gefäß in der Hand und mit dem Schüler nahe beim Feuer nieder. Wie zuvor vollziehe er Besprengen, Anschlagen, das Hineinführen, die Ausstattung mit den Mantragliedern, die Verbindung der Nadis und die Sättigung der Mantras. Mit je einer Opfergabe zu jedem der zusammengehörigen Mantras reinige er die Ausstattung mit den Mantragliedern und verbinde das Bewusstsein des Schülers mit dem Shiva-Atman.
Dann befinde sich der Guru auf dem Sitz des Bindu-Prinzips, selbst am Ort des Vidya-Prinzips. [Quellenhinweis: Der Beginn dieser Ortsbeschreibung ist bereits in der IAST-Datei durch Klammerlesungen unsicher bezeichnet; die Wiedergabe des Sitzes bleibt entsprechend vorläufig.] Er stelle sich das Nach-außen-Führen vor: die Kalas der Nada-Shakti namens Entzündende, Erleuchtende, Strahlende, Befreiende, Aufwärtsgehende, Feine, Allerfeinste, Unsterbliche, Rechte und Shakti; sodann die Durchdringende, die Raumgestaltige, die Unendliche, die Herrinnenlose und die auf nichts Gestützte. [Die Benennungen geben die Namen Indhika bis Anashrita sinngemäß wieder; sie sind keine ergänzte Rezitationsformel.]
Durch das Hineinführen sei sein Atman-Prinzip gereinigt und sein Leib von den drei Wirklichkeitsprinzipien erfüllt. Nach Einatmung und Atemanhalten lege er die Zunge an den Gaumen, halte den Mund etwas geöffnet, ohne die Zähne aufeinanderzusetzen, und richte den Körper gerade auf. Er verbinde das Bewusstsein des Schülers mit sich. Mit dem Lebensatem vereinige er die anderen Nadis in der Sushumna. Den Atman des Schülers samt Mantra stelle er sich wie reinen Kristall vor. Während er Wurzelmantra und Hamsa ausspricht, überschreite er die ursächlichen Herren, Brahma und die weiteren, die sich in Herz, Kehle, Gaumen, Bindu und Scheitel befinden. Mit der vollen Opfergabe und dem äußeren Atemanhalten verbinde er den Atman des Schülers mit Shiva. Er betrachte den Schüler als Shiva geworden und übertrage ihm die sechs zu Shiva gehörenden Eigenschaften. Dies geschieht folgendermaßen:
„Atman, werde allwissend! Die Opfergabe!“ Mit dem Pranava und dem angegebenen Keimlaut beginne man diese Formel und opfere eine Gabe geklärter Butter. Ebenso opfere man jeweils eine Gabe mit den Eigenschaften: „Werde vollkommen erfüllt!“, „Werde von anfangloser Erkenntnis!“, „Werde unabhängig!“, „Werde von unverminderter Kraft!“ und „Werde von unendlicher Kraft!“ Man betrachte den Schüler als Shiva geworden und mit Allwissenheit und den weiteren Eigenschaften ausgestattet. Mit dem Wurzelmantra, dem Arghya-Wasser und den zusammengehörigen Mantras übergieße man ihn zur Weihe und erkläre ihm die acht Verpflichtungen. Sie lauten:
Kriyapada 18-120. Die Anhänger Maheshvaras, die Ausübenden seiner Lehrschriften, Verpflichtungen und Verhaltensregeln,
Kriyapada 18-121. Shiva, den Guru und ihre Verehrer soll man nicht schmähen: Dies ist die erste Verpflichtung. Die Schatten von Heiligtümern, Gurus und Lingas, ebenso von Zeichenträgern und Kühen
Kriyapada 18-122. soll man nicht überschreiten. Auch über bereits dargebrachte Opfergaben gehe man nicht hinweg; man esse nicht mit Ausgestoßenen und ihresgleichen. Nahrung, die eine menstruierende Frau, eine Wöchnerin oder eine rituell unreine Person berührt hat, soll man nicht essen, noch diese Personen berühren.
Unnummerierte Abschnittserklärung nach 18-122. Dies ist die zweite Verpflichtung. [Historische Einordnung: Die Vorschrift beschreibt die Reinheits- und Ausschlussregeln dieses Ritualsystems. Sie ist keine heutige Bewertung des Wertes dieser Menschen.]
Kriyapada 18-123. Die Verpflichtungen, ihre Verhaltensregeln, Mantras und Tantras lasse man Uneingeweihte weder aufschreiben noch hören. Dies ist die dritte Verpflichtung.
Kriyapada 18-124. Zweimal, dreimal oder einmal täglich verehre man Shiva und den Guru und esse erst danach. Dies ist die vierte Verpflichtung.
Kriyapada 18-125. Menschen, auf die Shakti nicht herabgekommen ist, Ausgestoßene, Leugner und Menschen mit verwerflicher Lebensführung soll man nicht einweihen. Dies gilt als fünfte Verpflichtung.
Kriyapada 18-126. Was Shiva, dem Feuer, dem Guru und der heiligen Lehre lieb ist und was neu gewonnen wurde – Nahrung, Blumen und anderes –, soll man nicht selbst verwenden, ohne es zuvor dargebracht zu haben.
Kriyapada 18-127. Ebenso sättige man Kinder, Frauen, Alte, Kranke, Leidende, Bedürftige und Gäste nach eigener Kraft mit Speise, Trank und anderem.
Kriyapada 18-128. Aus Mitgefühl gebe man auch Papageien, Krähen, Hunden und Chandalas Nahrung. Dies ist als sechste Gelübdeverpflichtung der Shaivas zu verstehen. [Chandala ist hier die historische Bezeichnung einer sozial ausgegrenzten Gruppe.]
Kriyapada 18-129. Am achten Mondtag, an den Mondwechseln und den Bhuta-Tagen verzichte man auf Geschlechtsverkehr, Rasur und Einölung. Essen und Trinken aus Bronzegefäßen, Fisch, Fleisch und alkoholische Getränke
Kriyapada 18-130. sind gänzlich und jederzeit zu meiden: Dies ist die siebte Verpflichtung. Die Yamas und Niyamas übe man auf angemessene Weise.
Kriyapada 18-131. Am vierzehnten und achten Mondtag, an Mondwechseln, Finsternissen, Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden sowie beim Pavitra-Fest, beim Chaitra-Fest und weiteren Anlässen verehre man nach den besonderen Vorschriften.
Kriyapada 18-132. Man fasse den Vorsatz, nur einmal zu essen, nachts oder tagsüber. Schutzsuchende, Kranke, Leidende, Reisende, Verängstigte und Hilflose,
Kriyapada 18-133. Shiva-Verehrer und auch andere gute Menschen, Kühe und Brahmanen sowie die zu Versorgenden, Diener und weitere, soll man nach eigener Kraft beschützen. Dies ist die achte
Kriyapada 18-134 ½. Verpflichtung, die hier dargelegt wurde; man bewahre sie sorgsam. Nachdem der Schüler vom Guru Unterweisung in den Verpflichtungen erhalten hat, erfreue er ihn mit den von ihm gewünschten Gaben und mit Bescheidenheit. Er verneige sich tief und verehre mit seiner Erlaubnis beständig Shambhu, dem zugewandt, was dem Guru lieb und heilsam ist.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das achtzehnte Kapitel über die Nirvana-Einweihung.
Befreiung und Verantwortung
Das Kapitel entfaltet Befreiung als Lösung von den Fesseln, die Bewusstsein an begrenzte Erfahrung binden. Sein Schluss führt zurück in den Alltag: Nahrung teilen, Schutz gewähren und die eigene Lebensführung üben. Heutige Yoga-Aspiranten können diese Fürsorge aufnehmen und zugleich die historischen Ausschlussregeln als Teil einer anderen sozialen Ordnung erkennen. Die aufwendigen Einweihungsriten gehören zum Zusammenhang einer überlieferten Lehrer-Schüler-Beziehung; ihre Bilder lassen sich mit Aufmerksamkeit lesen, ohne daraus eigene Vollzugsanweisungen abzuleiten.
Kriyapada, Kapitel 19: Die Weihe des Sadhaka und des Acharya
Dieses Kapitel beschreibt zwei Formen geistlicher Beauftragung: die Weihe eines Sadhaka, der einen Mantra verwirklichen soll, und die Einsetzung eines Acharya, der lehren und einweihen darf. Äußere Zeichen der Würde stehen neben Anforderungen an Selbstbeherrschung, Wissen und Mitgefühl. Die beschriebenen Riten und Wirkungszusagen gehören zur historischen Überlieferung.
Kapiteleingang. Nun das neunzehnte Kapitel.
Kriyapada 19-1. Nun wird die Weihe des Sadhaka dargelegt, der durch die handlungsbezogene Einweihung eingeweiht worden ist und das Tantra richtig verstanden hat.
Unnummeriertes Brahmashambhu-Zitat nach 19-1. Hierzu Brahmashambhu: „Der Schüler, der die Sammlung mit ihren drei Gegenständen und vier Teilen versteht, aus der als Frucht Welterfahrung und Befreiung hervorgehen, ist der Weihe würdig.“
Unnummerierte Prosa nach 19-1: Vorbereitung der Weihe. An einem erwünschten Tag und zu einer geeigneten Stunde bereite man den Schüler ordnungsgemäß durch das Adhivasa vor und lasse ihn Krug, Mandala und Feuer verehren. Im Osten, Nordosten oder Norden errichte man einen quadratischen Pavillon von neun, sieben oder fünf Ellen Seitenlänge. Darin stehe ein quadratischer Altar, eine halbe Elle hoch und vier, drei oder zwei Ellen breit. Auf ihm bilde man mit ungebrochenem Reis oder Gerste ein viereckig angelegtes Svastika-Zeichen. Man stelle entweder neun Krüge auf, die von den Vidyeshvaras und Sadashiva bewohnt werden, oder fünf Krüge, die von den Brahma-Mantras und den Kalas Nivritti und den weiteren bewohnt werden.
Man fülle sie mit Wasser heiliger Badeplätze, dem die sämtlichen Edelsteine, Kräuter und Duftstoffe beigefügt sind, und bedecke sie mit zwei weißen Tüchern. In die Krugöffnungen lege man Kusha-Büschel, junge Ashvattha- und Mangozweige sowie Zitronatzitronen. In ihnen verehre man Shakti, Shiva und den zu verwirklichenden Mantra. Südlich auf dem Altar lasse man Shiva Platz nehmen. Weißen Senf, ungebrochenen Reis, Sesam, Durva-Gras, geklärte Butter und gekochte Opferspeise opfere man nacheinander mit dem zu verwirklichenden Mantra. Etwas von der beim Opfer aufgefangenen Butter gebe man in die Krüge. [Örtlicher Hinweis: Der gelieferte Satz zu dieser Zugabe ist elliptisch; die Mengenangabe lautet lediglich „ein wenig“.]
Auf dem bei der Nirvana-Einweihung beschriebenen Weg reinige man im Leib des Schülers zunächst die drei Kalas Nivritti und die folgenden. Dann reinige man Shantyatita. Man betrachte Sadashiva als Verkörperung der heiligen Erkenntnis, rufe ihn im Herzen des Schülers herbei, lasse ihn gegenwärtig werden, statte ihn mit den Mantragliedern aus und verehre ihn der Reihe nach, beginnend mit dem Sitz. Nach der vollen Opfergabe reinige man die Shanti-Kala. Danach:
Kriyapada 19-2. Man spreche den Pranava und dann den Wurzelmantra, verbunden mit der Anrede „Atman“. Nach dem Namen jeder Eigenschaft, Anima und der weiteren, setze man „soll dir zuteilwerden“ und den Feueropferabschluss.
Kriyapada 19-3. Die Eigenschaften Anima und die weiteren spreche man einzeln aus. Mit acht Opfergaben statte man den Schüler mit diesen acht Eigenschaften aus.
Kriyapada 19-4. Anima, das Kleinwerden, Mahima, das Großwerden, Laghima, die Leichtigkeit, Prapti, das Erreichen, Prakamya, die Erfüllung des Wollens, ferner Herrschaft und Verfügungsgewalt,
Kriyapada 19-5. und schließlich das Sichniederlassen, wo immer man es wünscht: Dies sind die acht Machtvollkommenheiten. Dann versehe man den Schüler mit dem zu verwirklichenden Mantra samt seinen Gliedern,
Kriyapada 19-6. sodass Shiva und Shakti seine Gestalt bewohnen. Man verehre ihn mit Duftstoffen und den weiteren Gaben, begleitet von Gesang und Instrumentalmusik.
Kriyapada 19-7. Mit reichlichen Lichtern vollziehe man das Lichterschwenken; dazu gehören farbiges Mehl, Tücher und in Gefäßen angeordnete Formen des Vajra und der übrigen Zeichen. Der Schüler blicke nach Osten, der Vollziehende nach Norden. [Örtliche Unsicherheit: Die Verbindung von Mehlformen, Tüchern und Lichtern ist im gelieferten Satz nicht ganz eindeutig.]
Unnummerierter Übergang. Danach:
Kriyapada 19-8. Mit saurer Milch, Kuhdung, weißem Senf, Durva-Gras, Sandel, Lotus, Erde vom Ameisenhügel und schützenden Stoffen, die mit Wasser benetzt sind, reinige man ihn durch Abstreichen.
Kriyapada 19-9. Man verehre ihn bis einschließlich der Räuchergabe und übergieße ihn mit den Krügen, der Reihe Ananta und die folgenden oder Nivritti und die folgenden entsprechend, jeweils mit den zugehörigen Mantras.
Kriyapada 19-10. Man stelle sich vor, wie der herabströmende Nektarguss einheitlich durch seine Sushumna fließt und die jeweilige Mantragestalt in ihn eintritt.
Kriyapada 19-11. Alle Unreinheit ist durch den Strom des höchsten Nektars abgewaschen. Man betrachte die Mantragestalt, die das Bewusstsein im Lotus seines Herzens durchdringt.
Unnummeriertes Brahmashambhu-Zitat nach 19-11. Hierzu Brahmashambhu: „Der Nektar ist das Wasser, die tragende Grundlage seine Kundalini-Shakti. Der Weihende ist als Shiva zu erkennen, der zu Weihende als die individuelle Person.“
Unnummerierte Prosa nach 19-11. Dann wechsle der Schüler sein weißes Gewand, wasche Hände und Füße und vollziehe die rituelle Mundspülung. Auf dem Altar südlich der Gottheit lasse man ihn nach Osten gewandt auf einem vorbereiteten Ananta-Sitz aus Shriparni-Holz oder einem anderen geeigneten Holz Platz nehmen. Man vollziehe die Reinigung der Elemente und schmücke ihn mit heiliger Schnur, Schmuck, Duftstoffen und Blumen. Man statte ihn mit den Mantragliedern aus, verehre ihn und schwenke die mit saurer Milch, Durva und ungebrochenem Reis geehrte Arati dreimal. Mit drei Handvoll kühlem Wasser und einer Verneigung lasse man ihn die acht Glücksstoffe berühren. Diese sind:
Kriyapada 19-12. Rochana, Sandel, Durva-Gras, Blumen, saure Milch, Milchreis, Gerste und weißer Senf: So werden die acht Glücksstoffe genannt.
Kriyapada 19-13. Dann verbinde man den Schüler mit seiner Befugnis und ihrer Ausstattung: Armreif, Obergewand, Schirm, Wedel und Sandalen,
Kriyapada 19-14. Buch, Gebetskette, Wasserkrug, Fahrzeuge und Reittiere sowie alle anderen königlichen Zeichen stehen dem Sadhaka zu.
Kriyapada 19-15. Der Acharya besitzt hinsichtlich dieser Ausstattung die gleiche Befugnis. Seine besonderen Zeichen sind Krone, Turban und Karani, das zugehörige Gerät. [Die genaue Gestalt und Verwendung der Karani wird hier nicht erläutert.]
Unnummerierte Prosa nach 19-15: Übergabe und Einsetzen des Mantras. Dann ergreife der Guru mit seiner linken Hand die rechte Hand des Schülers und trete durch das westliche Tor ein. Er lasse ihn Shiva im Krug und im Mandala dreimal rechtsläufig umschreiten und verehren. Der Schüler sinke zur Verneigung auf beide Knie. In seine zusammengelegten Hände gebe der Guru mit den eigenen zusammengelegten Händen duftendes Blumenwasser und übertrage ihm, den zu verwirklichenden Mantra aussprechend, den Mantra samt Unterweisung.
Der Schüler hebe seine zusammengelegten Hände zum eigenen Haupt und verneige sich vor dem Guru. Auf dem Weg der Sushumna führe er den Mantra in der Entfaltungsreihenfolge herab und setze ihn in den Lotus seines Herzens ein. Er überströme ihn mit dem Nektar des Dvadashanta und opfere mit den zusammengehörigen Mantras geklärte Butter. Südlich von Shiva, Krug und Feuer rufe er auf einem Lotussitz den zu verwirklichenden Mantra samt Gliedern herbei, lasse ihn gegenwärtig werden und verehre ihn wie Shiva. Von dort nehme der Sadhaka den Mantra auf, betrachte ihn in seinem eigenen Leib in der mit Shakti beginnenden Reihenfolge und setze ihn dort ein.
Unnummeriertes Brahmashambhu-Zitat nach 19-15. Wie Brahmashambhu sagt: „Aus Shiva die Shakti, daraus Bindu, aus Bindu Nada und aus Nada die Mondsichel; dann den Ha-Laut, als sechsten, und ebenso den ersten Vokal. Darunter das zweifüßige Brahman, den unvergänglichen Ursprung der Kalas, den nicht auszusprechenden Mantrakeim, die Ursache von Entfaltung und Zurücknahme.“ [Die neun Stationen werden erst in der anschließenden Prosa ausdrücklich gezählt; die knappe Lautbeschreibung wird nicht zu einer Rezitationsformel ergänzt.]
Unnummerierte Fortsetzung nach dem Zitat. Als die neun Knotenorte dieser Elemente sind zu erkennen: Dvadashanta, die Öffnung am Haarschopf auf dem Scheitel, Stirn, Brauenmitte, Gaumen, Kehle, Herz, Nabel und Blasengegend. Man betrachte die Reihenfolge in den Lotussen dieser Orte und überströme sie mit Nektar. Dann lasse der Guru ihn die Verpflichtungen und Verhaltensregeln annehmen. Für den Sadhaka gelten dieselben, die für den durch die Nirvana-Einweihung Eingeweihten genannt wurden. Zusammengefasst gehören dazu: das Dienstgelübde bewahren, ein besonderes Linga annehmen, reine Nahrung zu sich nehmen, Anhänglichkeit beziehungsweise Gesellschaft aufgeben, nicht nach Zwang und Begünstigung streben, Verbotenes meiden und vorgeschriebene Handlungen nicht aufgeben.
Kriyapada 19-16. Dann sättige man das Feuer mit den zusammengehörigen Mantras und entlasse es. Mit Erlaubnis Shivas führe man seine Gegenwart aus dem Mandala in den Shiva-Krug über.
Kriyapada 19-17. Den Wesen streue man mit ihren jeweiligen Mantras Bali-Gaben in die Himmelsrichtungen. Der Schüler nehme wie zuvor Platz und werde verehrt.
Kriyapada 19-18. Unter Glücksriten übergieße ihn der Guru mit dem Shiva-Krug. Nach eben diesem Verfahren kann man zur Erlangung von Herrschaft, Wohlstand und Sieg,
Kriyapada 19-19. zu langem Leben, Gesundheit, Glück, Söhnen, einer Gattin und Gedeihen auch einen König, andere Männer oder Frauen weihen.
Kriyapada 19-20. Als Shiva-Verehrer erlangt man mühelos das jeweilige Ziel; anders nicht. Hat der Sadhaka Weihe und Mantra empfangen und die Erlaubnis des Gurus erhalten,
Kriyapada 19-21. verwirkliche er den Mantra, um sichtbare und unsichtbare Früchte zu gewinnen. Unter einer günstigen Mondstation, an günstigem Mondtag und Wochentag, besonders wenn sie ihm entsprechen,
Kriyapada 19-22. begebe er sich an einen Shiva-Ort mit reichlich Blumen, Kusha-Gras und Wasser. Ein Linga mit südlichem oder nördlichem Zugang meide er sorgfältig.
Kriyapada 19-23. Ein Linga, das mit Brahma, Skanda, Indra, Nandisha, dem Stier, Vishnu, Ganeshvara, den Müttern, der Sonne und Durga verbunden ist, gilt als gebunden.
Unnummerierte Erklärung nach 19-23: Wahl des Verehrungsortes. Das bedeutet: Man soll es meiden. Ebenfalls zu meiden ist ein Linga, das ein anderer Sadhaka benutzt, das von Menschen aufgestellt wurde, das keine Verehrung erhält, das durch Menschen verunreinigt ist, die der Text als Fremde und Angehörige niedrigster Gruppen bezeichnet, oder das durch Verrücken, Bruch und ähnliche Fehler beeinträchtigt ist; auch ein Ort mit mehreren Lingas ist zu meiden. [Historische Einordnung: Die soziale Abwertung gehört zur Quellenvorschrift und wird hier nicht als heutiges Urteil übernommen.]
Am besten sind ein einzelnes Linga, ein westlicher Zugang und ein von selbst entstandenes Linga. Ein östlicher Zugang sowie ein von Göttern oder Rishis stammendes und ein Bana-Linga gelten als mittlere Wahl. Von Asuras, Rakshasas, Pishachas und ähnlichen Wesen aufgestellte gelten als geringste Wahl. Da diese Lingas allen Zwecken und Mantras gemeinsam dienen, liegt bei ihnen keine Vermischung der Mantras vor. Deshalb setze man den eigenen Mantra in sie ein und verehre sie.
Bei einem Linga, dessen Mantra unbekannt ist, setze man den Pranava oder die Lautmutter ein. Mit der Einatmung führe man diese in das eigene Herz, mit der Ausatmung zum Dvadashanta und lasse sie dort aufgehen. Nach dem Einsetzungsverfahren setze man den eigenen Mantra ein und verehre ihn. Falls die drei Arten von Lingas nicht verfügbar sind, darf man als vierte Möglichkeit auch ein Linga aufsuchen, das durch einen kraftvollen Guru, durch einen selbst oder durch einen anderen eingesetzt wurde und göttliche Gegenwart besitzt. Danach:
Kriyapada 19-24. Man vollziehe das Waffenopfer samt seinen Gliedern und opfere Butter und Sesam. Zuerst verehre man den Vastu; auf dem von der Vastu-Gottheit geschützten Platz
Kriyapada 19-25. vergrabe man in den Himmelsrichtungen acht eine Elle lange Gegenstände, die von den Waffen der Weltenhüter bewohnt werden, zum Schutz des Ortes, jeweils mit dem betreffenden Waffenmantra. [Quellenhinweis: Die IAST-Datei nennt hier „tilān“, Sesamkörner; das passt nicht zur Ellenlänge. Eine Korrektur zu Pflöcken wird nicht in den Sanskrittext eingesetzt.]
Kriyapada 19-26. Außen umschließe man ihn mit einer Schnur, die mit dem Panzermantra bestrichen beziehungsweise berührt wurde, unter Verwendung eines Pflocks. Mit der Hand streue man wiederum die sieben Saaten ringsum aus.
Kriyapada 19-27. Man ziehe auch eine Linie aus Asche sowie aus mit Gerste vermischtem Sesam. Man stelle sich dort eine Umfassungsmauer vor und bringe den Wesen die Bali-Gabe dar.
Kriyapada 19-28. Einmal täglich esse man maßvoll reine, leichte Nahrung von ungepflügtem Boden, ohne Lauge und Salz. Man widme sich dem Baden zu den drei Tageszeiten,
Kriyapada 19-29. beherrsche die Gesamtheit der Sinne und verwirkliche den gewünschten Mantra. Wenn der Mantra verwirklicht ist, verehre man dort Shiva erneut mit Hingabe.
Kriyapada 19-30. Man entlasse die Waffen der Weltenhüter aus den Pflöcken, verneige sich vor Shiva und bitte um Erlaubnis. Dann begebe man sich an einen gewünschten Ort oder bleibe dort wohnen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die Einweihung des Sadhaka.
Kriyapada 19-31. Nun der zur Weihe geeignete Acharya: Er besitzt gute Lebensführung, guten Charakter und Reinheit, stammt aus einem anerkannten Land, ist gelehrt und trägt die genannten günstigen Merkmale.
Kriyapada 19-32. Er ist durch die Einweihung mit Keim ordnungsgemäß eingeweiht, hat seine Sinne besiegt und den Mantra richtig verwirklicht; er ist zu Zurückweisung und Begünstigung befähigt.
Kriyapada 19-33. Er kennt den gesamten Sinn der Tantras, ist großherzig und von Mitgefühl erfüllt, der Shiva-Verehrung hingegeben, friedvoll und ein Bewahrer der Verpflichtungen und Verhaltensregeln.
Kriyapada 19-34. Zuerst verlasse er sein Haus und vollziehe eine Pilgerfahrt, schrittweise entsprechend Ort, Zeit, Lebensalter, Kraft und Vermögen.
Kriyapada 19-35. Nach Abschluss des Besuchs heiliger Badeplätze übe er am Ufer der Ganga oder eines anderen Flusses, an einem Shiva-Ort oder auf einem Berg das Acharya-Gelübde.
Kriyapada 19-36. Wenn die Sonne ihren nördlichen Weg nimmt, in der hellen Monatshälfte, an einem glückverheißenden Tag verehre er Ganeshvara und den Guru und bringe Shiva besondere Verehrung dar.
Kriyapada 19-37. Er vollziehe das Waffenopfer und widme sich dem Baden zu den drei Tageszeiten. Auch mit Kuhurin bade er. Jeweils drei Tage lang
Kriyapada 19-38. lebe er von einer Mahlzeit, von nächtlichem Essen, von unerbetener Nahrung, ausschließlich von Panchagavya und dann von damit gekochter Opferspeise.
Kriyapada 19-39. Auch mit vollständigem Fasten verbringe er für sich drei Tage. Eine Monatshälfte esse er zu jeder vierten Essenszeit, ebenso zu jeder sechsten Essenszeit.
Kriyapada 19-40. Nach diesen beiden Monatshälften verbringe er weitere drei Tage. Ständig schlafe er auf Asche und Darbha-Gras und widme sich stets dem Aschebad.
Kriyapada 19-41. Nach der angegebenen Reihenfolge esse er Gerstennahrung ohne Lauge und Salz. Zum Abschluss erfreue er eingeweihte Brahmanen mit Speisen, Kleidung und weiteren Gaben,
Kriyapada 19-42. soweit seine Kraft reicht, und spreche: „Möge der Beauftragte erfreut sein!“ [Die gelieferte Benennung „sādeśaḥ“ ist unsicher.] Dann errichte man auf einem wie beschriebenen, reinen und von störenden Gegenständen befreiten Platz
Kriyapada 19-43. einen sehr schönen Pavillon, neun, sieben oder fünf Ellen groß und eine halbe Elle erhöht.
Kriyapada 19-44. Aus Banyan, Udumbara, Ashvattha und Plaksha fertige man die Torbögen, beginnend im Osten. Palasha, Amalaki, Madhuka und Bilva
Kriyapada 19-45. verwende man für die Torbögen in den Ecken, beginnend im Südosten. Zehn Fahnen sollen sich durch Farben und Waffen der Richtungshüter unterscheiden.
Kriyapada 19-46. Der Baldachin des Pavillons sei kunstvoll, weiß und rein, geschmückt mit Glocken, einem Netz kleiner Glöckchen und Perlenschnüren.
Kriyapada 19-47. Den Rand schmücke man mit Seidenstoffen, Juwelenkugeln und Wedeln; Schutzbänder aus feinem Gewebe und anderen Stoffen gehören dazu.
Kriyapada 19-48. Im Osten errichte man sein Feuerhaus und eine schöne Feuergrube. An seine Tore stelle man Krüge und Keimschalen.
Kriyapada 19-49. Nach der Vastu-Verehrung lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen. Nach vorausgehendem Ausstreuen der Streustoffe verehre man Krug und Waffe.
Kriyapada 19-50. In den Himmelsrichtungen stelle man die Weltenhüter und die Waffen Vajra und die weiteren auf. Man bereite Panchagavya nach der für die fünf Felder angegebenen Reihenfolge.
Unnummerierte Prosa nach 19-50. In der durch die genannten achtzehn Sakramente bereiteten Feuergrube entzünde man das Shiva-Feuer und sättige es ordnungsgemäß. Darin rufe man Sadashiva wie angegeben herbei und verehre ihn. Mit Brennholz, Butter, gekochter Opferspeise und Sesam opfere man jeweils fünf Gaben und bringe die volle Opfergabe dar.
Kriyapada 19-51. In der Mitte zeichne man ein glückverheißendes Sarvatobhadra- oder Bhadraka-Mandala, für Brahmanen und die folgenden Gruppen jeweils fünf, vier, drei oder zwei Ellen groß,
Kriyapada 19-52. mit ebenso vielen verschiedenfarbigen Pulvern und einem weißen Lotus in der Mitte. Für Brahmanen und die folgenden Gruppen gilt das Haupttor in den Richtungen, beginnend mit Osten.
Kriyapada 19-53. Auf dem äußeren Umgang des Sockels zeichne man Ranken, Blätter und weitere Muster. Außerhalb des Mandalas zeichne man in den acht Richtungen reinweiße Muscheln.
Kriyapada 19-54. Ihre Namen sind Ananda, Sunanda, Nanda, Nandivardhana, Shrimukha, Vijaya,
Kriyapada 19-55. Tara und Sutara. Ihre Mantras bestehen aus drei Pranavas, den langen Vokalen von A an, jeweils mit Anusvara, und dem eigenen Namen,
Kriyapada 19-56. gefolgt von „dessen Wesen“ im Dativ und „Verehrung“. Damit rufe man sie herbei und verehre sie. Zwischen den Muscheln zeichne man acht Krüge,
Kriyapada 19-57. dem Mandala zugewandt, weiß und mit Farben bunt gestaltet. Subhadra, Vibhadra, Sunanda, Pushpanandaka,
Kriyapada 19-58. Jaya, Vijaya, Purna und Purnakumbha heißen sie der Reihe nach. Ihre Mantras bilde man mit den eigenen Namen wie die der Muscheln.
Kriyapada 19-59 mit eingeschobener Formel. Ebenso bilde man für die acht Torbögen jeweils eine Formel mit dem Namen des Weltenhüters. Hier gilt die Besonderheit: „Verehrung dem Torbogen des Götterherrn, dessen Wesen der Banyan ist!“ Vorausgehen der Pranava und die drei gelieferten langen Keimlaute. Ebenso werden die Mantras für Palasha und die anderen gebildet. [Die genaue Lautfolge bleibt in der getrennten Sanskritfassung; aus der Anweisung werden hier keine zusätzlichen Formeln rekonstruiert.]
Kriyapada 19-60. Auf dem äußeren Umgang des Sockels ordne man sechzehn Muscheln an. Außerhalb davon stelle man acht Krüge in den Haupt- und Zwischenrichtungen auf.
Kriyapada 19-61. Mit sämtlichen Edelsteinen, Kräutern, Saaten, Duftstoffen, Erden und Wasser fülle man diese Muscheln und Krüge, jeweils unter Verwendung ihrer Mantras.
Kriyapada 19-62. Ihre Hälse seien mit Tüchern und Blumenschnüren versehen, mit Sandel und ungebrochenem Reis geehrt; in ihren Öffnungen seien fünf Blattzweige und Zitronatzitronen.
Unnummerierte Prosa nach 19-62: Gefäße und ihre Füllung. Hier werden die Namen der sechzehn Muscheln und acht Krüge genannt. Eben diese Namen ergeben jeweils ihre Mantras: Zu Beginn stehen Pranava und die Dreiheit der langen Vokale, am Schluss „dessen Wesen“ im Dativ und „Verehrung“. Die sechzehn zu füllenden Muscheln sind: Ayata, Ananda, Nandyayata, Sunanda, Mahakukshi, Nandi, Sunabhi, Nandivardhana, Hrasvanabhi, Shrimukhanabhi, Mandali, Vijaya, Sughosha, Tara, Uttara und Sutara. Die Krüge sind Manthara, Subhadra, Prithuloshtha, Sudanta, Hrasvoshtha, Mantharagriva, Jaya und Vijaya. Jeden stelle man gesondert auf eine Unterlage aus Reis und Darbha-Gras.
Nun werden die Kräuter genannt: Jaya, Vijaya, Jayanti, Aparajita, Vishnukranta, Shankhapushpi, Hemapushpi, Nakuli, Vishala, Bala, Atibala, Gandhanakuli, Saha, Sahadeva, Varahi, Shatavari, Meda, Mahameda, Vriddhi, Riddhi und die Kakoli genannte Pflanze. Man nehme sie nach Verfügbarkeit. [Pflanzennamen bleiben als überlieferte Benennungen stehen; die gelieferte Worttrennung bei Saha/Sahadeva ist nicht durch botanische Identifikationen ersetzt.]
Die Edelsteine sind Rubin, Perle, Gomedaka, Smaragd, Pushyaraga, Diamant, blauer Saphir, Koralle und Kristall. Die sieben Saaten sind Reis, Gerste, Mungbohne, schwarze Urdbohne, Sesam, weißer Senf und Weizen. Die acht Duftstoffe sind Sandel, Safran, Adlerholz, Kampfer, Kushtha, Mamsi, Kachora und Ushira. Die acht Erden gewinnt man von der Spitze eines Ameisenhügels, einer duftenden Stelle, einem Berggipfel, einem Flussufer, dem Zusammenfluss großer Flüsse, einer Bilva-Wurzel, einem Elefantenstoßzahn und einem Kuhhorn. [Örtliche Unsicherheit: Die Wortverbindung bei Ameisenhügel, Duft und Berg ist nicht eindeutig; die angekündigte Achtzahl wird hier durch die erkennbare Aufzählung wiedergegeben, nicht durch eine weitere Erde ergänzt.]
Mit diesen vermischten Stoffen und Wasser heiliger Badeplätze fülle man Muscheln und Krüge. Die Muscheln fülle man nacheinander mit den sechzehn Vokalen, die Krüge mit den acht Lautklassen. In den Muscheln der acht Richtungen rufe man die acht Gestalten, Erde und die folgenden, herbei; in den Muscheln der Zwischenrichtungen die acht Shaktis, Vama und die folgenden; in den acht äußeren Krügen die acht Vidyeshvaras. Man lasse sie alle gegenwärtig werden und verehre sie nach Vorschrift.
In der Mitte, auf dem Fruchtboden des Lotus, stehe ein Krug aus Gold, Silber, Kupfer, Ton oder einem anderen Material, entsprechend den eigenen Mitteln. Er enthalte alle Kräuter, Saaten, Edelsteine, Duftstoffe und Blumen sowie Gold. Mit den zusammengehörigen Mantras fülle man ihn mit Wasser heiliger Badeplätze und vergegenwärtige dabei den Nektar des Dvadashanta. Man rufe die Shakti Manonmani sowie Sadashiva herbei, dessen Wurzelmantra mit Gestalt und Gliedern verbunden ist, und vollziehe die Verehrung ordnungsgemäß, beginnend mit dem Sitz. Überall lege man Grasbüschel, Blattzweige und Früchte hinein. Man umwickle die Gefäßhälse mit neuen Tüchern, schmücke sie mit Girlanden und verehre sie bis einschließlich der Speisedarbringung.
Unnummerierte Formeln nach 19-62: Einlegen der Stoffe. Nun werden die Mantras zum Einlegen der Edelsteine und der übrigen Stoffe genannt. Dem Pranava und den drei angegebenen langen Keimlauten folgen:
„Verehrung allen Edelsteinen, deren Wesen das All ist!“
Wie zuvor: „Verehrung allen Saaten, deren Wesen Indra ist!“
Wie zuvor: „Verehrung allen Kräutern, deren Wesen Soma ist!“
„Verehrung allen Duftstoffen, deren Wesen irdisch ist!“
„Verehrung allen Erden, deren Wesen die Erde ist!“
So lege man sie ein. Auf diese Weise bespreche, verehre und verwende man Krüge, Muscheln, Torbögen, Edelsteine und die weiteren Dinge.
Unnummerierte Prosa nach 19-62: Einzug und Übergießung. Der Schüler habe gefastet, gebadet und die täglichen Pflichten, die tägliche Shiva-Verehrung und das Feueropfer vollzogen. Er trage weiße Kleidung und habe Hände und Füße gewaschen. Man lasse ihn den Pavillon rechtsläufig umschreiten und die Tore der Shanti-Kala und der weiteren Kalas samt den Torbögen, im Osten beginnend, verehren. Durch das seiner sozialen Gruppe entsprechende Tor, im Osten beginnend, führe man ihn hinein. Er verehre Shiva, Krug, Waffe und Feuer und verneige sich. Der Guru selbst sättige das Shiva-Feuer mit je einer Opfergabe zu den zusammengehörigen Mantras und führe den Schüler herbei.
Auf einem südlich vom Pavillon gezeichneten Lotus stelle man einen Ehrensitz aus Udumbara- oder Shriparni-Holz auf, bedeckt mit einem passenden Tuch. Darauf lasse man den Schüler auf dem Ananta-Sitz Platz nehmen, dem Gayatri-Japa hingegeben. Glückverheißende Instrumente, Muscheln und Pauken, Gesänge und der von Brahmanen in den Richtungen vorgetragene Veda sollen alle anderen Geräusche übertönen. Der Guru sei von sechzehn oder acht Trägern der göttlichen Gestalten begleitet, die zur ersten sozialen Gruppe gehören und mit der Einweihung mit Keim eingeweiht sind.
Mit Saaten, Schalen, den als Chitramukha, Anjalikaraka und Nagakarna bezeichneten Geräten beziehungsweise Formen sowie einer Fackel mit unversehrter Hülle reinige er den Schüler durch Abstreichen. [Örtliche Unsicherheit: Diese zusammengezogene Geräteliste ist nicht sicher zu gliedern. Die benannten Gegenstände werden nicht durch erschlossene moderne Entsprechungen ersetzt.] Dann bestreiche er dessen ganzen Leib mit den zuvor genannten Erden unter Verwendung des zugehörigen Mantras; danach mit Panchagavya sowie Pulver von Bilva, Lotusstaubfäden und Priyangu. Mit dem in einem eigenen Krug befindlichen Wasser eines Absuds von Ashvattha, Udumbara, Plaksha, Banyan und Bilva vollziehe er zuerst die Übergießung. Er wasche den Schüler ab, verehre ihn bis zur Räuchergabe und statte ihn mit den Mantragliedern aus.
Dann übergieße er ihn mit den Vidyeshvara-Krügen unter den jeweiligen Mantras und verehre ihn bis zur Räuchergabe. Ebenso übergieße er ihn mit den sechzehn Muscheln und verehre ihn bis zur Räuchergabe. Anschließend übergieße er ihn mit dem Shiva-Krug, über dem die Mantras der Gestalt, der Glieder und der Wurzel gesprochen wurden. Dabei stelle er sich vor, wie Shiva in der Entfaltungsreihenfolge durch die Sushumna in das Herz des Schülers eintritt und es durchdringt: zusammen mit den Vidyas und Vidyeshvaras, mit Shakti, mit sämtlichen Mantras der Wurzel, Glieder und weiteren Formen, die in der mit Bindu beginnenden Reihenfolge entstehen, und mit den Eigenschaften wie Allwissenheit. [Die Quelle kennzeichnet die Verbindung der Eigenschaften durch eine fragliche Ergänzung.]
Dann bewirke er mit dem Waffengefäß ringsum Schutz und übergieße den Schüler ebenso noch mit dem Shiva-Krug. Dieser wechsle sein Gewand. Man gebe ihm die seiner sozialen Gruppe entsprechende Zahl heiliger Schnüre sowie die Würdezeichen Turban, Krone, Halskette, Spiegel, Fingerring, Schirm, Wedel, Elefant, Pferd, Sänfte, Wasserkrug, Sandalen und weitere. Man verehre ihn mit Duftstoffen und den übrigen Gaben. Mädchen und verheiratete Frauen tragen in goldenen und anderen Gefäßen Lichter herbei, deren Mehlformen die Waffen Vajra und die weiteren darstellen. Unter glückverheißender Instrumentalmusik vollziehe man damit das Lichterschwenken vor ihm.
Anschließend führe man ihn vor Shiva, lasse ihn mit rechtsläufigem Umschreiten eine Verneigung vollziehen und trage dem Gott vor:
Kriyapada 19-63. „Erhabener, durch deine Gnade und auf deinen Befehl hat dieser die große Weihe empfangen. Von heute an möge er Acharya sein!“
Kriyapada 19-64. So unterrichte man den Herrn der Götter. Nachdem Shiva „So sei es!“ gesprochen hat, entlasse man den Gott und das Feuer, die Krüge, Muscheln und Torbögen.
Kriyapada 19-65. Die Weltenhüter verehre man nach Vermögen und streue die Bali-Gabe aus. Dann entlasse man sie. Die Träger der göttlichen Gestalten, die Zeichenträger
Kriyapada 19-66. und die Brahmanen erfreue man mit Gold, Kleidern und Speisen, ebenso die Armen und Schutzlosen nach eigener Kraft. Den neuen Guru setze man in sein Amt ein:
Kriyapada 19-67. „Dieser Ort, diese Pflichten, diese Sammlungen von Büchern sowie diese Dienerinnen, Diener und die übrigen sind wie bisher zu bewahren und zu versorgen.
Kriyapada 19-68. Entsprechend deiner Befugnis weihe Menschen durch die Einweihungen ein und lasse die Folge der Handlungen vom Pflügen bis zur Einsetzung weitergehen.
Kriyapada 19-69. Den Eingeweihten sind die Lehrschriften zu erläutern, anderen nicht. Bewahre Verpflichtungen und Verhaltensregeln und widme dich dem Gewähren von Gnade!“
Unnummerierter Abschluss der Anweisung. So lautet die Weisung.
Kriyapada 19-70. Nachdem der bisherige Guru den neuen Guru so angewiesen hat, verehre er Shiva besonders und wiederhole den Wurzelmantra zehntausendmal.
Kriyapada 19-71. Nach demselben Verfahren weihe man einen nach Königsherrschaft Strebenden, damit er sie erlange, einen, der Herrschaft oder Sohn verloren hat, und eine Frau, damit sie Glück erlange.
Unnummerierte Fortsetzung nach 19-71. Zuvor weihe man sie ein; sie müssen Shiva ergeben sein. Anders vollziehe man es nicht.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die große Weihe des Acharya.
Kriyapada 19-72. Für jemanden, der dies nicht auszuführen vermag, aber Acharya werden möchte,
Kriyapada 19-73. der das Acharya-Gelübde vollzogen oder, falls er auch dazu nicht fähig ist, in angemessener Weise entsprechend seinen Kräften eine doppelte Gabe gespendet hat,
Kriyapada 19-74. zeichne man im Pavillon ein glückverheißendes Sarvatobhadra-Mandala. Im Nordosten stelle man nach dem Ausstreuen der Streustoffe Krug und Waffe auf und verehre sie.
Kriyapada 19-75. Im mittleren Lotus verehre man Shiva ordnungsgemäß. Außerhalb des Mandalas, in den mit Svastikas und anderen Zeichen geschmückten Richtungen,
Kriyapada 19-76. stelle man im Westen, Norden, Süden, Osten und Nordosten nach Vorschrift fünf Krüge auf. Mit Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum,
Kriyapada 19-77. mit den Kalas Nivritti und den folgenden, den Gliedern sowie Sadyojata und den weiteren Brahma-Mantras werden sie verehrt. Sie enthalten alle Edelsteine, Kräuter, Saaten, Erden, Duftstoffe und Blumen,
Kriyapada 19-78. ferner Goldplättchen und Grasbüschel, und sind mit den genannten Früchten und Blattzweigen, Tüchern, Girlanden und Schmuck geziert. Der Reihe nach, beginnend mit dem Sitz,
Kriyapada 19-79. vollziehe man die Handlungen bis zum Höchstmachen, rufe in ihnen nacheinander die Kalas herbei und verehre Gestalten und Glieder. Auch das Feuer in der Grube verehre man wie zuvor.
Kriyapada 19-80. Man bringe fünf Opfergaben dar, mit den eigenen Namen von Erde und den weiteren Elementen, den Kalas, Gliedern und Gestalten, denen Pranava, Herz- und Wurzelmantra vorausgehen.
Kriyapada 19-81. Man opfere Brennholz, Butter, gekochte Opferspeise, Puffreis und Sesam und streue die Bali-Gabe. Man verbinde Shiva und Feuer und bringe die volle Opfergabe wie angegeben dar.
Kriyapada 19-82. Danach bitte man Shiva um Erlaubnis. Der Schüler habe seine täglichen Pflichten erfüllt. Auf einem Lotus südlich des Mandalas, reich mit Svastikas und anderen Zeichen geehrt,
Kriyapada 19-83. verehre man ihn auf dem glückverheißenden Ananta-Sitz, nachdem man ihn wie zuvor mit den Mantragliedern ausgestattet hat. Mit weißem Senf, saurer Milch, Erde, Asche, Durva und Kuhdungkugeln
Kriyapada 19-84. reinige man ihn durch Abstreichen, wasche ihn mit Duftwasser, verehre und beräuchere ihn. Mit den Krügen, die jeweils hundertmal mit dem Wurzelmantra besprochen worden sind, und ihren eigenen Mantras
Kriyapada 19-85. übergieße man ihn. Nachdem er sein Gewand angelegt und wieder auf dem Ananta-Sitz Platz genommen hat, statte man ihn mit den Mantragliedern aus, verehre ihn und gebe ihm Turban und die übrige Ausstattung.
Kriyapada 19-86. Man zeige Shiva die Befugnis an und übertrage sie ihm. Nach Shivas Erlaubnis gehe man wieder zur Feuergrube.
Kriyapada 19-87. Für die Kalas opfere man jeweils fünf Gaben Butter und bringe die volle Opfergabe dar. Dann ergreife man seine rechte Hand
Kriyapada 19-88. und zeichne sie mit einem brennenden Darbha-Büschel und den fünf Gliedmantras, beginnend am kleinen Finger. Wie zuvor entlasse man Shiva, das Feuer sowie Krug und Waffe.
Kriyapada 19-89. Mit Gold, Kleidern, Speise, Trank und anderem erfreue man die Beteiligten. Die durch Shivas und des Gurus Befehl empfangene Befugnis übe man nun aus.
Kriyapada 19-90. So wurden hier die in den Tantras begründeten Einweihungen samt ihren Weihen in den Hauptzügen ordnungsgemäß dargelegt. Durch sie erlangt man das Ende aller Leiden, Welterfahrung und Machtvollkommenheiten und auch mühelos Befreiung.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das neunzehnte Kapitel über die Einweihung des Sadhaka und die Weihe des Acharya.
Geistliche Würde als Verantwortung
Die vielen Zeichen der Weihe machen eine übertragene Verantwortung sichtbar. Daneben nennt der Text eine innere Haltung: Frieden, Großherzigkeit und Mitgefühl. Für heutige Yoga-Aspiranten liegt darin eine verständliche Frage an jede Form des Lehrens: Trägt die eigene Praxis dazu bei, andere zu verstehen und zuverlässig für sie da zu sein? Diese Besinnung unterscheidet sich von den historischen Privilegien und rituellen Befugnissen, die das Kapitel beschreibt.
Kriyapada, Kapitel 20: Sühne und Ausgleich bei Regelverletzungen
Das Kapitel behandelt Prayashchitta, rituelle Maßnahmen zum Ausgleich von Fehlern und Verstößen. Es verbindet den sorgfältigen Umgang mit Kultgegenständen mit historischen Reinheitsregeln und sozialen Abstufungen. Diese Vorschriften werden quellengetreu wiedergegeben, ohne ihre Abwertungen oder strengen Fastenpraktiken als heutige Empfehlungen zu übernehmen. Am Ende steht ein einfaches Bild: Besser, sich nicht mit Schlamm zu beschmutzen, als ihn nachher abwaschen zu müssen.
Kapiteleingang. Nun das zwanzigste Kapitel.
Kriyapada 20-1. Nun wird hier die Sühne dargelegt, um Fehler zu beruhigen, die aus Unachtsamkeit, Fehltritt, Vergessen und Versäumnis entstanden sind.
Kriyapada 20-2. Fällt das Linga aus der Hand oder wird es von anderen, Uneingeweihten berührt, so wiederhole man Aghora zehntausendmal. Durch besondere Verehrung wird man rein.
Unnummerierte Erklärung nach 20-2. „Besondere Verehrung“ bedeutet: Man verehre mit dem Bad aus Panchagavya und den fünf Nektarstoffen, einer großen Speisedarbringung und den weiteren Handlungen bis zum Feueropfer.
Kriyapada 20-3. Fällt es aus zwei Ellen Höhe, so wiederhole man nach dem Besprengen hunderttausendmal. Fällt es aus noch größerer Höhe, so wiederhole man zweihunderttausend-, dreihunderttausendmal und entsprechend weiter.
Kriyapada 20-4. Ist das Linga oder sein Sockel zerbrochen, gibt es keine Sühne. Deshalb soll man es mit größter Aufmerksamkeit und ohne Nachlässigkeit schützen.
Kriyapada 20-5. Dennoch wird man bei einem beschädigten Linga und ähnlichen Fällen zur Beruhigung der schweren Verfehlung durch zehnfache Sühne und das Kricchra-Gelübde rein. [Quellenhinweis: Die Einschränkung gegenüber der vorangehenden Aussage wird im Text nicht ausdrücklich erklärt.]
Kriyapada 20-6. Wird die Gottheit auf dem Erdfeld oder einem anderen Sitz gestört, bevor sie entlassen wurde, so wiederhole man Aghora fünftausendmal und bringe ein Zehntel davon als Feueropfer dar.
Kriyapada 20-7. Ist das Linga verloren, verbrannt, entfernt oder von Dieben und anderen fortgenommen worden, so wiederhole man hunderttausendmal. Wenn man es zurückerhalten kann, besprenge und verehre man es erneut.
Kriyapada 20-8. Ist es nicht wiederzuerlangen, setze man ein anderes Linga ein und verehre es. Versäumt ein Gesunder die Sandhya-Übung, so faste er und wiederhole hundertmal.
Kriyapada 20-9. Wurde ein Verehrungsgerät oder das Feuer mit dem Fuß berührt oder überschritten, so wiederhole man fünftausendmal und reinige das Betroffene durch Waschen.
Kriyapada 20-10. Blumen, Wasser, Duftstoffe, Tongefäße, Milch, Nahrung und Butter werfe man in diesem Fall weg. Unterblieb die Verehrung einen Tag, so faste man drei Nächte und wiederhole
Kriyapada 20-11. tausendmal. Bei zwei und mehr Tagen unterlassener Verehrung rechne man entsprechend weiter. Bei einem Versäumnis von mehr als fünf Tagen vollziehe man das Sechsfache davon
Kriyapada 20-12. und bringe tausend Feueropfer dar. Ebenso viele Wiederholungen der Brahma-Mantras sind vorgeschrieben. Bei unbeabsichtigten Vermischungen wiederhole man die Brahma-Mantras fünfhundertmal.
Kriyapada 20-13 mit vorangehendem Übergang. Fastend und rein nehme man Panchagavya ein und opfere ins Feuer. Dabei gilt: Kommt es zu einer Vermischung mit gebrauchten Opfergaben, so wiederhole man die fünf Brahma-Mantras hundertmal.
Kriyapada 20-14. Hat man davon unbeabsichtigt gegessen, so wiederhole man tausendfünfhundertmal. Bei absichtlichem Verzehr wird man durch das Ananta-Opfer und die Einweihung auf dem Weg der Wörter
Unnummerierte Fortsetzung nach 20-14. rein. Deshalb soll man gebrauchte Opfergaben weder essen noch auch nur berühren.
Unnummerierte Erklärung des Ananta-Opfers. Das Ananta-Opfer ist die Verehrung Shivas, umgeben von den Vidyeshvaras Anantesha und den folgenden, im Mandala der fünf Brahma-Mantras, die noch in diesem Kapitel dargelegt werden soll.
Kriyapada 20-15. Die verschiedenen Arten gebrauchter Opfergaben werden genannt. Es sind sechs; sie lauten:
Kriyapada 20-16. Göttergut, Göttereigentum, zur Darbringung bestimmte Speise, Dargebrachtes, Chanda-Gut und abgelegte Opfergabe. Ihre Merkmale werden nun erklärt.
Kriyapada 20-17. Kleidung, Schmuck, Duftstoffe und dergleichen gelten als Göttergut. Göttereigentum sind der Gottheit zugehörige Dörfer, Felder und andere Güter sowie Viehbesitz.
Kriyapada 20-18. Für die Gottheit bereitete Speisen und anderes heißen Naivedya, Darzubringendes. Bereits überlassene Gaben heißen Dargebrachtes; was an Chanda gelangt, heißt Chanda-Gut.
Kriyapada 20-19. Was aus dem inneren Heiligtum hinausgebracht wurde, heißt abgelegte Opfergabe; man soll es nicht berühren. Keine der sechs Arten solcher Opferreste darf man jemals für sich verwenden.
Unnummeriertes Bhojaraja-Zitat nach 20-19. Hierzu Bhojaraja: „An keiner der sechs Arten von Opferresten soll man riechen; man soll sie nicht überschreiten, essen oder verkaufen. Wer davon isst, wird ein Aasfresser; beim Überschreiten ein Matanga; beim Riechen entsteht Erfolglosigkeit; ein Wolf beim Berühren; ferner Weiblichkeit, dann ein Chandala; beim Verkauf ein Shavara.“ [Quellenhinweis: Die Zuordnung der Folgen in dieser gelieferten Satzreihe ist teilweise gestört. Insbesondere Wolf, Weiblichkeit und Chandala lassen sich nicht sicher jeweils einer Handlung zuordnen. Die soziale und geschlechtliche Abwertung ist Bestandteil des historischen Zitats.]
„Wie Shivas Opferreste sind auch die der Sonne zu behandeln; was Chanda übergeben wurde, ist noch strenger zu behandeln.
Bei Guru, Buch, Feuer, Yaksha, Naga, Yogin-Herrn, Ganas, Müttern und Gauri gilt jedoch nicht dasselbe wie bei Shivas Opferresten. Auch bei unbeweglichen Kultformen gibt es zehn Ausnahmen: während der Lehrdarlegung des Gurus, beim Shiva-Krug, beim rechtsläufigen Umschreiten der Gottheit und bei der Verehrung am Linga, auch nachdem die Gottheit entlassen wurde; beim beweglichen Linga, beim nicht zusammengefügten Linga, beim nur aufzustellenden Linga, bei einem gemalten oder aus Edelstein entstandenen, bei einem aus Gold und auch bei einem anderen, das eben erst eingesetzt wurde, bis zum Ritual des vierten Tages. Hier entsteht keine Eigenschaft als verbotener Opferrest.“ So Bhojaraja. [Die benannten Fälle folgen der gelieferten gedrängten Aufzählung; ihre Zählung als zehn sowie die Grenze zwischen Orts- und Situationsangaben bleiben unsicher.]
Kriyapada 20-20. Nimmt man bei der Verehrung den Geruch von Duftstoffen und Räucherwerk oder ihren Anblick unwillkürlich wahr,
Kriyapada 20-21. liegt kein Fehler vor, ebenso bei einer Berührung durch etwas, das die Strömung eines Flusses heranträgt. Hat ein Eingeweihter während der Geburts- oder Totenunreinheit gegessen,
Kriyapada 20-22. ohne es zu beabsichtigen, so faste er und wiederhole den Vamadeva-Mantra tausendmal. Bei absichtlichem Handeln ist zur Reinigung das Dreifache vorgeschrieben.
Kriyapada 20-23. Bei einer Unreinheit, die die eigene Familie betrifft, berühre man die betreffende Person nicht selbst. Man esse gesondert zubereitete Speise. Baden, Verehrung und weitere Handlungen
Kriyapada 20-24. vollziehe der Wissende, der die Nirvana-Einweihung empfangen hat, ohne Bedenken wie zuvor. Wer aber durch die Einweihung ohne Keim oder durch die Samaya-Einweihung eingeweiht ist,
Kriyapada 20-25. berühre das Linga nicht selbst und lasse auch das Feuer durch einen anderen verehren, nämlich durch einen eingeweihten Schüler, Sohn oder anderen Verwandten.
Kriyapada 20-26. Nachdem Verehrung, Feueropfer und die weiteren Riten vollzogen sind, habe er gebadet und halte Rede und Geist gesammelt. Die Mantras spreche er nur innerlich und vollziehe die Ausstattung mit den Mantragliedern und das Weitere.
Kriyapada 20-27. Auf einem angelegten Mandala verehre er Shiva durch das Darbringen von Blumen aus den zusammengelegten Händen. Er wiederhole den Mantra innerlich und verneige sich vor dem Feuer.
Kriyapada 20-28. Von gesondert gekochter Speise lebend verbringe er die Tage der Geburtsunreinheit und ähnlicher Zustände. Wer vollkommen erkennt, wird auch durch hundert solcher Geburtsunreinheiten nicht befleckt,
Kriyapada 20-29. wie ein loderndes Feuer, das von einem Haufen Gras und Holz bedeckt ist. Hat man aus Unachtsamkeit während der Geburtsunreinheit gegessen, so faste man einen Tag
Kriyapada 20-30. und wiederhole tausendmal. Nach absichtlichem Verzehr wird man durch das Dreifache rein. Wer während der Geburtsunreinheit isst, wird ebenso lange unrein wie die betreffende Person.
Kriyapada 20-31. Nach Ablauf ihrer Tage esse man ebenso viele Tage lang nachts Gerstenspeise, bade dreimal täglich und wiederhole jeden Tag dreihundertmal.
Kriyapada 20-32. Dieselbe Vorschrift gilt beim Verzehr verbotener Speisen. Geht nachts Samen ab, so wiederhole man den Purusha-Mantra tausendmal.
Kriyapada 20-33. Geschieht es tagsüber, so verdopple man dies und gebe Kühen Futter. Die Herren der sozialen Gruppen, beginnend mit den Brahmanen, sind Purusha und die folgenden.
Unnummerierte Prosa nach 20-33: Berührung und soziale Abstufungen. Berührt jemand, der selbst durch Speisereste unrein ist, einen ebenso unreinen Angehörigen derselben sozialen Gruppe, so wird er nach dem Baden durch hundert Wiederholungen des Herrn seiner eigenen Gruppe rein. Berührt er die Speiseunreinheit eines Uneingeweihten, wiederhole er zweihundertmal. Berührt er die Speiseunreinheit der unmittelbar unter ihm stehenden Gruppe, so faste er einen Tag und wiederhole hundertmal, wobei er den Herrn seiner eigenen Gruppe und den Herrn der berührten Gruppe miteinander verbindet.
Bei Berührung der Speiseunreinheit einer Gruppe mit einer dazwischenliegenden Gruppe faste er einen Tag und wiederhole hundertmal, wiederum die beiden Herren verbindend. Bei einer dazwischenliegenden Gruppe faste er zwei Nächte, bei zwei dazwischenliegenden drei Nächte und wiederhole wie zuvor. [Quellenhinweis: Die erste Regel für eine dazwischenliegende Gruppe wiederholt die unmittelbar vorherige Anweisung und weicht von der folgenden Zweinachtregel ab. Beide Angaben sind geliefert und bleiben stehen.]
Bei der Berührung Uneingeweihter dieser Gruppen verdopple man dies. Bei der Berührung der Speiseunreinheit höherer Gruppen sind Japa und Fasten entsprechend um ein Viertel beziehungsweise um die Hälfte vermindert auszuführen. Berührt jemand, der selbst durch Speisereste unrein ist, einen ebenso unreinen Angehörigen einer als Antyaja bezeichneten ausgegrenzten Gruppe, so faste er drei Nächte, bade und wiederhole den Herrn seiner eigenen Gruppe zehntausendmal.
Kriyapada 20-34. Ist nur einer von beiden durch Speisereste unrein, gilt die Hälfte; bei einer Anuloma-Verbindung wiederum die Hälfte davon. Als Antyajas gelten die Pratiloma-Gruppen, Schmiede, Wäscher und andere. [Anuloma und Pratiloma sind hier historische Kategorien sozialer Abstammung; ihre hierarchische Bewertung ist die des Quelltextes.]
Kriyapada 20-35. Bei Berührung der Speiseunreinheit eines Chandala vollziehe man das Kricchra-Gelübde an einem heiligen Badeplatz. Durch zehntausend Wiederholungen Aghoras und eine Gabe nach eigenem Vermögen wird man rein.
Unnummerierte Prosa nach 20-35: Weitere Sühnevorschriften. Ist man selbst nicht durch Speisereste unrein und berührt einen der genannten Unreinen, vollziehe man ein Viertel der genannten Sühne. Ist man selbst durch Speisereste unrein und berührt einen von ihnen, der nicht in diesem Zustand ist, vollziehe man die Hälfte. Oder: Hat man die Speisereste anderer gegessen, verehre man im Mandala der fünf Brahma-Mantras diese Brahma-Formen und lasse sich durch die Einweihung zur Wiederherstellung der sozialen Zugehörigkeit einweihen.
Dieses Mandala sei vier Ellen groß und habe vier Tore. Darin stelle man Purusha und die weiteren ihrer Richtung entsprechend auf, in der Mitte den Herrn der eigenen Gruppe und Ishana an dessen Platz. Man verehre sie ordnungsgemäß. Mit dem Mantra des Herrn der eigenen Gruppe, der mit dem Waffenabschluss endet, reinige man die soziale Zugehörigkeit und hebe sie heraus. Mit demselben Mantra, nun mit dem Feueropferabschluss, lege man sie in den im Mandala befindlichen Herrn der eigenen Gruppe. Man hebe sie wieder heraus, reinige sie und verbinde sie auf dieselbe Weise mit sich selbst. Nachdem man so die Zugehörigkeit herausgehoben hat, lasse man sich vom Guru durch die Samaya-Einweihung einweihen. Ist kein Guru anwesend, weihe man sich selbst ein.
Kann man auch dies nicht vollziehen, so faste man sechs Tage, lebe von Waldnahrung und wiederhole den Herrn der eigenen Gruppe hunderttausendmal. Hat man Speisereste eines Angehörigen derselben Gruppe gegessen, so faste man einen Tag und wiederhole hundertmal. Bei der unmittelbar folgenden Gruppe faste man zwei Tage und wiederhole tausendmal. Bei einer dazwischenliegenden Gruppe faste man drei Tage und wiederhole zweitausendmal. Bei zwei dazwischenliegenden gilt die doppelte Dauer und zehntausendfacher Japa. Hat ein Brahmane Speisereste eines Shudra gegessen, faste er fünf Nächte, empfange die Einweihung zur Wiederherstellung seiner Zugehörigkeit und wiederhole hunderttausendmal; durch das Kricchra-Gelübde wird er rein. Für Anuloma-Gruppen ist die Sühne entsprechend zu bestimmen.
Wer Speisereste eines Angehörigen einer Antyaja-Gruppe isst, fällt aus seinem Stand, da es dafür keine Sühne gibt. Daher soll man dies sorgfältig vermeiden. Ebenso wiederhole man beim Essen der Speise von Trägern anderer religiöser Zeichen den Herrn ihrer Gruppe zehntausendmal. Diese sind Arhatas, Shakyas, Pashupatas und Kapalikas. Ihre Herren sind Sadyojata und die folgenden. Beim Essen von Kapalika-Speise vollziehe man Kricchra und Chandrayana und wiederhole Ishana hunderttausendmal. Im Mandala der Gruppenherren verehre man den Herrn der anderen religiösen Zeichenträger. Nach der Einweihung zur Wiederherstellung der Zugehörigkeit wird man rein. Hat man Speise gegessen, die mit Angehörigen anderer religiöser Zeichentraditionen vermischt beziehungsweise durch sie berührt war, so vollziehe man dreihunderttausend Wiederholungen und Chandrayana. [Diese Vorschriften geben religiöse und soziale Abgrenzungen der historischen Quelle wieder, keine heutige Empfehlung für den Umgang mit Menschen anderer Traditionen.]
Kriyapada 20-36. Für einen Haushalter, der von anderen abhängig ist, ist die Wiederholungszahl doppelt so hoch wie für einen Selbstständigen. Für den Selbstständigen gilt das hier Genannte; so wird es für den Acharya angegeben. [Der Satzschluss besitzt schon in der Quelle eine unsichere Klammerlesung.]
Kriyapada 20-37. Für den Samayin ist die Hälfte vorgeschrieben, für den Putraka drei Viertel. Bei nicht ausdrücklich genannten Verfehlungen gilt: Was als Sühne für unbewusstes Handeln vorgesehen ist,
Unnummerierte Fortsetzung nach 20-37. ist bei bewusstem Handeln zu verdoppeln.
Unnummerierte Prosa nach 20-37: Kricchra und Chandrayana. Die einmalige tägliche Mahlzeit, das nächtliche Essen, das Leben von unerbetener Nahrung und vollständiges Fasten werden nacheinander jeweils dreimal vollzogen. Das ergibt das zwölftägige Kricchra-Gelübde.
Chandrayana beginnt am ersten Tag der hellen Monatshälfte. Man bade zu den drei Tageszeiten und beherrsche die Sinne. Beginnend mit einem Bissen, vermehre man die Nahrung täglich um einen Bissen, bis man am Vollmond fünfzehn Bissen isst. Ebenso beginne man am ersten Tag der anderen Monatshälfte und vermindere sie täglich um einen Bissen, sodass man am Neumond einen Bissen isst und das Gelübde abschließt. Dies heißt „in der Mitte wie ein Gerstenkorn“, also in der Mitte breit.
Beim umgekehrten Verlauf isst man am ersten Tag der hellen Monatshälfte fünfzehn Bissen und vermindert täglich um einen, bis man am Vollmond nur einen Bissen isst. Vom ersten Tag der dunklen Monatshälfte an steigert man die Bissenzahl, bis man am Neumond fünfzehn Bissen isst. Dies ist das Chandrayana „mit Ameisentaille“, also in der Mitte schmal.
Auch für alle nicht eigens genannten Verfehlungen sind zu ihrer jeweiligen Reinigung die im Dharmashastra vorgeschriebenen Sühnen auszuführen, entsprechend der Schwere des Fehlers: Gelübde, Fasten, Kricchra, Chandrayana, Japa, Feueropfer, Spenden, Besuch heiliger Badeplätze, Shiva-Verehrung und weitere. Aus Sorge, das Werk zu umfangreich zu machen, werden sie hier nicht niedergeschrieben. Wer bei den Sühnen wegen Krankheit oder sehr hohen Alters selbst nicht dazu fähig ist, lasse für sich Fasten, Japa und die weiteren Übungen durch Schüler, Söhne, Brüder, Mutter, Vater, Schwestersöhne oder andere ausführen.
Kriyapada 20-38½. Für die Fehler, zu deren Reinigung hier die Sühne beschrieben wurde, gilt: Der Verständige erkenne sie mit Einsicht und vermeide sie sorgsam. Denn den Schlamm gar nicht erst zu berühren ist besser, als ihn nachher abzuwaschen.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das zwanzigste Kapitel über die Sühne.
Achtsam mit Fehlern umgehen
Das Schlussbild lässt sich auch unabhängig von der historischen Reinheitsordnung verstehen: Aufmerksamkeit kann vermeidbaren Schaden verhindern. Für heutige Yoga-Aspiranten bedeutet das, die Folgen des eigenen Handelns wahrzunehmen, Fehler einzugestehen und sie angemessen zu berichtigen. Diese heutige Anregung ist von den sozialen Ausschlüssen und den besonderen Sühneriten des Kapitels zu unterscheiden.

Moderne Begleitung: Nyasa – Verehrung und Darbringung des Körpers
Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.
Kriyapada, Kapitel 21: Der jährliche Pavitra-Ritus
Der Pavitra-Ritus soll die Lücken eines Jahres ritueller Praxis ausgleichen. Geweihte Fadenschmuckstücke verbinden dabei Zeit, göttliche Gegenwart und erneuerte Hingabe. Das Kapitel beschreibt Herstellung, Verehrung und Darbringung dieser Fäden sowie die begleitenden Gelübde. Für heutige Yoga-Aspiranten kann das jährliche Innehalten ein Anlass zur Besinnung sein; die konkrete Ausführung gehört zum historischen Ritualzusammenhang.
Kapiteleingang. Nun das einundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 21-1. Der Verständige vollziehe jedes Jahr das Auflegen der Pavitra-Fäden, das sämtliche Lücken, Versäumnisse und Fehltritte in den Verehrungsvorschriften ausgleicht.
Kriyapada 21-2. Wer aus Gleichgültigkeit oder Unwissenheit den Pavitra-Ritus nicht vollzieht, verliert das Erlangte und wird von Hindernissen überwältigt.
Kriyapada 21-3. Seine Frucht sind die Beseitigung von Hindernissen, Vollständigkeit und das Weitere. Deshalb sollen Lehrer, Sadhakas, Putrakas und andere den Pavitra-Ritus vollziehen.
Kriyapada 21-4. Weil er den Vollziehenden von Fehlern durch Versäumnis und Fehltritt bei Verehrung, Japa, Feueropfer und weiteren Handlungen reinigt, heißt er Pavitra, „das Reinigende“.
Kriyapada 21-5. Wer aus Verblendung oder Nachlässigkeit den Pavitra-Ritus nicht vollzieht, wiederhole den dunklen Mantra dreihunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Butter. [„Dunkel“ ist hier eine Mantrabenennung; eine ausgeschriebene Formel liefert der Vers nicht.]
Unnummeriertes Zitat aus dem Mohashurottara nach 21-5. „Eine Verehrung ohne Pavitra wird als tamasisch bezeichnet; ohne das Höchstmachen, o Indra, wird sie rajasisch.
Mit Blättchen, Blumen oder Kusha-Gras bereite man Shambhu täglich einen Pavitra-Schmuck, wenn man großes religiöses Verdienst gewinnen möchte.
Dies ist der tägliche Pavitra-Ritus. Nun wird der anlassbezogene beschrieben. In der hellen Hälfte des Monats Ashadha, in der hellen oder dunklen Hälfte Shravanas,
am siebten oder dreizehnten Mondtag vollziehe man den Duft-Pavitra-Ritus. Der Pavitra-Ritus selbst ist für den Bhuta-Tag in Ashadha festgesetzt.
Einweihung, Einsetzung und auch Pavitra sowie weitere Riten, o Indra, soll man in einem Schaltmonat nicht vollziehen, wenn man sein eigenes Heil wünscht.
Wo drei Mondwechsel vorkommen, ohne dass die Sonne in ein neues Zeichen eintritt, ist ein Schaltmonat zu erkennen; er ist von allen rituellen Handlungen ausgeschlossen.“
Kriyapada 21-6. Wo zwischen den Zeichenübergängen der Sonne zweimal Neumond eintritt, ist ein Schaltmonat zu erkennen; er ist von allen rituellen Handlungen ausgeschlossen.
Unnummeriertes Paushkara-Zitat nach 21-6. Auch im Paushkara heißt es: „In den drei Monaten von Ashadha an gilt die Frucht des Pavitra-Ritus der Reihe nach als höchste, mittlere und geringste. Eine andere Zeit ist dafür nicht erwünscht.“
Kriyapada 21-7. Wie die vedische Vorschrift „Im Frühling soll man opfern“ andere Zeiten ausschließt, so zeigt auch diese Regel den Ausschluss einer anderen Zeit: nicht zu einer anderen Zeit.
Unnummerierte Prosa nach 21-7. Deshalb ist Shambhus Pavitra-Ritus in den hellen oder dunklen Hälften der Monate Ashadha, Shravana und Bhadrapada am achten oder vierzehnten Mondtag zu vollziehen. Nach Befreiung Strebende vollziehen ihn in der dunklen, nach Welterfahrung Strebende in der hellen Monatshälfte. Auch für andere Gottheiten ist der Pavitra-Ritus an ihren jeweiligen Mondtagen auszuführen.
Kriyapada 21-8. Goldene, silberne und kupferne Fäden sind für die Zeitalter Krita und die folgenden genannt. Hier im Kali-Zeitalter wird ein neuer Baumwollfaden empfohlen.
Kriyapada 21-9. Weder allzu dick noch allzu dünn, ohne abstehende Fasern, weiß wie Schnee und von Brahmanentöchtern gesponnen: So ist der beste Faden für den Pavitra-Ritus.
Kriyapada 21-10. Von Kshatriya- oder Vaishya-Frauen gesponnener gilt als mittel, von Shudra-Frauen gesponnener als gering. Auch ein als gering eingestufter Faden ist nach den eigenen Möglichkeiten anzunehmen. [Diese Abstufung ist die historische soziale Wertung der Quelle.]
Kriyapada 21-11. Fehlt ein Faden, fertige man den Pavitra-Schmuck auch aus Darbha, Munja oder ähnlichen Gräsern. Den Pavitra-Ritus lasse man unter keinen Umständen ausfallen.
Kriyapada 21-12. Beim Duftfaden sei er zu einer Schnur gedreht, sonst bestehe er aus neun Einzelfäden. Man bereite dies vor; am siebten oder fünften Tag vor dem Festtag
Kriyapada 21-13. vollziehe man ordnungsgemäß das Säen der Keime und trage die erforderlichen Dinge zusammen. Man lasse einen schönen quadratischen Pavillon mit vier Toren errichten,
Kriyapada 21-14. im Maß der Brihati oder der Munis, oder als geringstes Maß fünf Ellen; er habe vier Torbögen und einen eine halbe Elle hohen Boden. [Die Zahlenchiffren Brihati und Munis werden hier nicht durch eine unsichere Zahlenzuweisung ersetzt.]
Kriyapada 21-15. Mit feinem Gewebe, Seide, Devanga-Stoffen oder weißen Tüchern versehe man ihn mit einem Baldachin und schmücke ihn mit Perlenschnüren.
Kriyapada 21-16. Verschiedenartige Früchte, Blumen und Girlanden sollen herabhängen. Der mit Kuhdungwasser bestrichene Boden sei glatt wie die Fläche eines Spiegels.
Kriyapada 21-17. Im Osten errichte man das Feuerhaus mit einer schönen Indra-Feuergrube, von Darbha-Girlanden umgeben. Große und kleine Opferkelle sollen die genannten Merkmale besitzen.
Kriyapada 21-18. Kalashas, Karaka, Kumbhas, Vardhani, Schüsseln und Ghadduka-Gefäße, neue fusselfreie Tücher und sämtliche Feueropfergeräte,
Kriyapada 21-19. Sandel, Adlerholz, Kampfer, Guggulu, Butter, Honig, Zucker, Puffreis, weißen Senf, Sesam, Reis, Gerste und Weiteres,
Kriyapada 21-20. weiße Reiskörner, Brennholz, Kusha-Gras und Früchte sowie alles andere, was für Lichter, Räucherwerk und Speisedarbringung gebraucht wird,
Kriyapada 21-21. beschaffe man und beauftrage Menschen mit diesen Arbeiten. Dann nehme man den Faden und begebe sich rein zu reichlich vorhandenem Wasser.
Kriyapada 21-22. Von reinen Brahmanen werde er mit Laugenwasser gründlich gereinigt und gewaschen. Unter Gesang und Instrumentalmusik lege man ihn auf einen Sockel und verehre ihn.
Kriyapada 21-23. Mit gewöhnlichem Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben verehre man Ganeshvara. Mit Sadyojata wasche man den Faden, mit Aghora trockne man ihn.
Kriyapada 21-24. Nach seiner Verehrung lege man ihn in ein goldenes oder anderes Gefäß, auch in einen Bambuskorb, und bringe ihn auf einen Elefanten oder ein anderes Fahrzeug, mit Schirm und Wedeln geschmückt.
Kriyapada 21-25. Unter dem Schall von Muscheln, Instrumenten und glückverheißendem Gesang, mit geschmückten Männern und Frauen und aufgerichteten Fahnen,
Kriyapada 21-26. umschreite man langsam rechtsläufig Dorf, Stadt oder einen anderen Ort. Am Tor des Opferhauses lasse man Brahmanen Glückwünsche sprechen.
Kriyapada 21-27. Man lege den Faden auf einen Sockel und lasse den glückverheißenden Tag ausrufen. Dann vergegenwärtige man sich die Gottheiten seiner neun Einzelfäden.
Kriyapada 21-28. Pranava, Mond, Feuer, Brahma, Nagas, Guha, Sonne, der Beauftragte und sämtliche Götter sind die neun Fadengottheiten. [Die Benennung „sādeśaḥ“, hier „der Beauftragte“, bleibt örtlich unklar.]
Kriyapada 21-29. Die acht Gestalten, Erde und die folgenden, sowie Shiva sind die übergeordneten Gottheiten. Als ihre Shaktis betrachte man die neun Shaktis, Vama und die folgenden.
Kriyapada 21-30. Mit deren Namen und dem Abschluss „Verehrung“ verehre man die Einzelfäden. Dann verehre man das Wesen der Zeit im Faden und seine neunfache Gliederung in den Einzelfäden:
Kriyapada 21-31. Tuti, Lava, Nimesha, Kashtha, Kala, Ghatika, Muhurta, Tag und Nacht.
Kriyapada 21-32. Auch Mondstationen, Mondtage, Wochentage, beide Monatshälften, Monate, Jahreszeiten und das Jahr verehre man der Reihe nach als in den Fäden gegenwärtig.
Unnummerierte Anleitung nach 21-32. Man verehre sie mit Pranava, Herzmantra und den weiteren Anfängen, ihren eigenen Namen und dem Abschluss „Verehrung“, und bete:
Kriyapada 21-33. „Dem Wesen der Zeit, das vom kleinsten Augenblick bis zum Jahr reicht, das allgegenwärtig und mächtig, anfanglos, endlos und ewig ist – diesem Wesen der Zeit Verehrung!“
Kriyapada 21-34. So verehre man im Faden den Gott Shiva als das Wesen des Zeitprinzips. Man vergegenwärtige sich seine Gegenwart darin, bis der Faden auf Shiva aufgelegt wird.
Unnummerierter Übergang. Danach:
Kriyapada 21-35. Zuerst vollziehe man die Shiva-Hand samt dem Höchstmachen. Dann fertige man die Pavitra-Fäden an, während man Vamadeva vergegenwärtigt und wiederholt.
Kriyapada 21-36. Der Duft-Pavitra besitze einen Knoten und wenige Einzelfäden. Einige nennen die geringste Zahl: Er werde aus drei Fäden gefertigt.
Kriyapada 21-37. Für Lingas von einer bis zu neun Ellen Größe fertige man den Pavitra mit achtundzwanzig bis hundertacht
Kriyapada 21-38. neunfachen Fadeneinheiten, jeweils in Zehnerschritten zunehmend. Dies ist eine mögliche Regel; nun wird die hauptsächliche Regel genannt.
Kriyapada 21-39. Für alle festen Lingas, besonders die nicht figürlich ausgeformten, und ebenso für bewegliche ist eine Zahl von hundertacht Fäden angegeben.
Kriyapada 21-40. Oder einundachtzig, danach fünfzig oder sechsunddreißig Fäden: Dies ist die höchste, mittlere und geringste Ausführung,
Kriyapada 21-41. wie sie für die kleinsten Lingas und für Personen mit geringem Vermögen zur Verehrung genannt wird. Daher fertige man den Pavitra nach den eigenen Kräften.
Kriyapada 21-42. Bei festen Lingas fertige man entsprechend dem Maß des Linga-Hauptes drei Kopf-Pavitras, welche die drei Wirklichkeitsprinzipien verkörpern.
Kriyapada 21-43. Als vierten fertige man den alle Prinzipien verkörpernden „Herabstieg der Ganga“. Er hänge vom Haupt des Lingas bis hinab zur Berührung des gesamten Sockels.
Kriyapada 21-44. Nun wird angegeben, wie breit die Pavitras für bewegliche Lingas und Erdfelder sein sollen, entsprechend der höchsten, mittleren und geringsten Verehrung.
Kriyapada 21-45. Zwölf, acht und vier Fingerbreiten breit sind der Reihe nach die höchsten, mittleren und geringsten Pavitras.
Unnummeriertes Bhojaraja-Zitat nach 21-45. „Zwölf Fingerbreiten, acht Fingerbreiten und vier Fingerbreiten“, so Bhojaraja.
Kriyapada 21-46. Die drei Kopf-Pavitras bestehen aus diesen drei Größen, der höchsten und den weiteren. Sie werden zusammen an einem einzigen Linga verwendet und haben die Form einer Krone.
Unnummerierte Fortsetzung nach 21-46. Den „Herabstieg der Ganga“ fertige man dabei in so vielen Fingerbreiten, wie es Wirklichkeitsprinzipien gibt.
Unnummeriertes Somashambhu-Zitat nach 21-46. Zum Maß der Pavitra-Knoten sagt Somashambhu: „Zehn Knoten sind zu fertigen oder so viele, wie es Wirklichkeitsprinzipien gibt. Der Abstand betrage nach schönem Maß eine, zwei oder vier Fingerbreiten. Auch mehr Knoten dürfen nach Wunsch gefertigt werden, aber sie sollen gleichmäßig sein.“
Auch die Namen der zehn Knoten nennt er: „Prakriti, Paurushi, Vira, als vierte Aparajita, als fünfte Jaya, als sechste Ajita, als siebte Kriya, Shiva, Manonmani und als zehnte Sarvatomukha.“
Kriyapada 21-47. Auch beim „Herabstieg der Ganga“ seien es zwölf Knoten oder
Kriyapada 21-48. ebenso viele wie seine Fäden; dabei soll eine schöne Gestalt entstehen. Für nicht figürlich ausgeformte Lingas fertige man vier Pavitras.
Kriyapada 21-49. Ebenso für Lingas mit Gesicht. Bei figürlichen Darstellungen genügt auch jeweils einer: an der eigenen Gestalt, an Ganadhipa, an der Reihe der Gurus und am Buch,
Kriyapada 21-50. am Shiva-Krug, am Waffengefäß, an den Richtungshütern, Waffen und am Stier sowie an den Torherren fertige man jeweils einen Pavitra.
Kriyapada 21-51. Bei figürlichen Darstellungen lasse man sie vom Hals bis zum Nabel herabhängen. Für Gauri, Mahalakshmi, Durga, die acht Mütter
Kriyapada 21-52 mit eingeschobener Erklärung. und Sarasvati fertige man jeweils drei Pavitras – das heißt ohne den „Herabstieg der Ganga“. Für Vishnu, Sonne, Feuer, Chandesha, Skanda und Brahma
Kriyapada 21-53. sind jeweils vier Pavitras genannt, ebenso wie für Shiva. Hat man die Pavitras auf diese Weise hergestellt, färbe man ihre Knoten.
Kriyapada 21-54. Kampfer, Safran, Kurkuma, Rochana, Adlerholz und roten Ocker zerreibe man nach Verfügbarkeit zu gleichen Teilen und färbe damit unter dem Purusha-Mantra.
Kriyapada 21-55. Die alten Gefäße aus Ton, Holz, Bambus und weiteren Materialien lege man ab. Alles, was zur Verehrung gebraucht wird, nehme man neu.
Unnummeriertes Paushkara-Zitat nach 21-55. „Auch eine alte große Opferkelle ist unbedenklich, wenn sie unbeschädigt ist; die kleine Opferkelle fertige man neu und gut.“ So im Paushkara.
Unnummeriertes Zitat aus dem Mohashurottara nach 21-55. „Mit Ausnahme der großen und kleinen Opferkelle, o Shakra, lege man alles Alte ab.“
Unnummerierte Prosa nach 21-55: Vorbereitung des Opferraums. Dann faste man am siebten oder dreizehnten Mondtag und vollziehe Bad und Sandhya. Auf dem im Badekapitel beschriebenen Weg bringe man die besondere Sättigung der Mantras und der weiteren Gottheiten dar. Man umschließe das gesamte Opferhaus und seinen Bereich mit einer dreifachen Schnur. Im Osten des so umgrenzten Platzes verehre man die Sonne ordnungsgemäß; danach verehre man Shiva und Feuer nach dem täglichen Verfahren.
Im Osten, Süden, Norden und Westen des Pavillons beauftrage man reine Brahmanen, die jeweils Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda kennen, mit dem Vortrag: „Ihr sollt als glückverheißenden Bestandteil des Pavitra-Auflegens die heiligen Texte rezitieren.“ Man ehre sie mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und setze sie zum Vortrag ein. Nach dem Waschen von Händen und Füßen besprenge man zur besonderen Verehrung die Tore des Opferpavillons mit dem Waffenmantra. Im Osten verehre man das Tor der Shanti-Kala, im Süden Vidya, im Westen Nivritti und im Norden Pratishtha: Pranava, Herz- und Keimmantra bilden den Anfang; darauf folgen der Name der Kala, „dem Tor“ und der Abschluss „Verehrung“. Die jeweils an den beiden Torpfosten befindlichen Torwächter, Nandisha und die weiteren, verehre man mit ihren Namen und dem Abschluss „Verehrung“.
Kriyapada 21-56. Nandisha und Mahakala, Bhringisha und Gananayaka, Vrishabha und Shanmukha, Devi und Chanda verehre man, im Osten beginnend.
Kriyapada 21-57. Dann verehre man am Westtor die beim täglichen Ritual genannten Torwächter. Man verwende die Naracha-Waffe und vertreibe mit dreimaligem Fersenstampfen,
Kriyapada 21-58. Fingerschnippen und drohendem Zeigefinger die Hindernisse. Am rechten Türpfosten entlang trete man ins Haus. Wie zuvor setze man die Waffe
Kriyapada 21-59. in die Mitte der Schwelle ein. Rechtsläufig umhergehend verehre man den Vastu-Hüter und Brahma sowie den eigenen Sitz wie zuvor.
Unnummerierte Prosa nach 21-59. Auf dem Altar setze man sich nach Norden gewandt nieder. Nach der Selbstreinigung statte man sich mit den Mantragliedern aus und verehre das besondere Arghya. Mit dessen Wasser besprenge man unter dem Waffenmantra das eigene Haupt und die Verehrungsgeräte; mit dem Panzer verhülle man sie. Die Reinigung der Stoffe, des Ortes und der Mantras vollziehe man wie zuvor. Man trage die drei Aschestriche, ein Sandelzeichen und weiße Blumen, ein Obergewand und das Schwert der Erkenntnis.
In den fünf Feldern Supratishtha und den weiteren bereite man Panchagavya auf dem bei der Einweihung beschriebenen Weg. Betrachten, Besprengen, Anschlagen, Begießen, Graben, Ausstreuen, Auffüllen, Einebnen, Bewässern, Feststampfen, Fegen, Bestreichen und Vajra-Festmachen vollziehe man der Reihe nach mit Herz-, Waffen-, Panzer- und Wurzelmantra. Dann besprenge man mit Panchagavya. Hat man so den Pavillon bereitet, verehre man nach vorausgehendem Ausstreuen der Streustoffe Krug und Vardhani auf ihrem unbeweglichen beziehungsweise beweglichen Sitz, auf dem bei der Einweihung beschriebenen Weg.
Im Pavillon zeichne man in den jeweiligen Richtungen Mandalas. Auf Getreide darauf stelle man wassergefüllte Krüge, mit dreifachen Schnüren umwickelt und mit Mango- und anderen Blattzweigen, Früchten, Duftstoffen, ungebrochenem Reis, Blumen und Grasbüscheln ausgestattet. In ihnen rufe man die Weltenhüter herbei und verehre sie samt ihren Waffen. Ihnen verkünde man Shivas Befehl:
Kriyapada 21-60. „Höre, Shakra! Auf Shivas Befehl sollst du bis zum Abschluss des Opfers aufmerksam in deiner Richtung bleiben, um die Hindernisse zu beruhigen!“
Kriyapada 21-61. So lasse man es die Weltenhüter hören. Man trage Waffe und Krug ringsum, vergegenwärtige die Waffenfestung und verehre beide, nachdem sie wieder ihren festen Sitz eingenommen haben.
Kriyapada 21-62. Mit der zuvor verwendeten Mudra vergegenwärtige man ihre Verbindung. Das Schwert der Erkenntnis übergebe man dem Herrn im Krug und bitte Shiva:
Kriyapada 21-63 mit vorangestelltem Pranava. „Shambhu, bis zum Ende des Opfers sollst du hier bleiben, gemeinsam mit Shiva, der Göttin, mit deinem Sohn, mit den Scharen und mit dem Herrn des Yoga, o Shankara!“
Unnummerierte Prosa nach 21-63: Verbindung der Verehrungsformen. Nach dieser Bitte verehre man bis zur Speisedarbringung und halte die Gegenwart fest. Man setze sich an den vorgesehenen Ort. Beginnend mit der Reinigung des Lingas und den Handlungen der Herbeirufung bade man Shiva nach dem im Kapitel über die Darbringungen beschriebenen Verfahren mit Panchagavya, den fünf Nektarstoffen und Duftwasser. Mit Gewändern, Schmuck, Duftstoffen und den weiteren Gaben verehre man Shiva im Linga bis zur Speisedarbringung.
Dann verehre man Shiva auch in einem Bhadraka-, Lingodbhava- oder anderen Mandala in der Mitte, im Nordosten oder im Norden. Die Handlungen beginnen mit Sitz und Herbeirufung und reichen bis zur Speisedarbringung; nur das Bad entfällt. Auf dem im Feueropferkapitel beschriebenen Weg entzünde man in der östlichen Grube das Feuer, rufe Shiva herbei, verehre und sättige ihn ordnungsgemäß. Das Licht, das aus der Haarspitze Shivas im Mandala austritt, und das Licht aus dem Feuer an Shivas Nase im Feuer stelle man sich entlang der eigenen Nadi als ununterbrochene, blitzrankenförmige Verbindung vor. So verbinde man beide und verehre Shiva im Herzen des Feuers. Dann koche man die Opferspeise, und zwar so:
Kriyapada 21-64. Westlich oder südlich der Feuergrube bestreiche man den Herd, ritze ihn mit dem Waffenmantra, besprenge ihn und umhülle ihn mit dem Panzermantra.
Kriyapada 21-65. Nach Fegen und Bestreichen stelle man sich den Herd als Shakti vor, deren Arme Dharma und Adharma sind und deren gesamte Gestalt auf diese Weise vorgestellt wird.
Kriyapada 21-66. Man verehre sie mit Duftstoffen, Räucherwerk und weiteren Gaben. Das zuvor entnommene Feuer, durch fünf Sakramente bereitet, setze man in diesen Herd ein.
Kriyapada 21-67. Shiva als Feuer und diese Shakti verehre man beide nochmals. Einen unbeschädigten Kochtopf aus Udumbara-Holz oder Ton,
Kriyapada 21-68. mit dem Waffenmantra gewaschen, mit dem Panzer umhüllt und rituell betrachtet, besprenge und begieße man, schlage ihn an, bestreiche ihn mit Duftstoff und beräuchere ihn.
Kriyapada 21-69. Mit dem Panzer umwickle man seinen Hals mit einer Kusha-Girlande. Auf einem mit der Waffe besprengten, mit dem Panzer umschlossenen und mit dem Waffenmantra besprochenen Mandala
Kriyapada 21-70. stelle man ihn mit der Öffnung nach unten auf eine sechsfache Darbha-Unterlage. Darin verehre man Shiva samt Gliedern. Dann drehe man ihn nach oben und bestreiche ihn mit Butter.
Kriyapada 21-71. Man fülle ihn mit reiner, frisch gemolkener Kuhmilch und stelle ihn auf den Herd. Weiße Reiskörner,
Kriyapada 21-72. fünf Handvoll, gewaschen, gebe man in die Milch. Man setze sich südöstlich nieder und vollziehe nacheinander das Umrühren und Öffnen
Kriyapada 21-73. mit dem Kochlöffel und dem Waffenmantra jeweils einmal, während man den kurzen Prasada-Mantra ausspricht. Man koche die Speise und spreche mit den zusammengehörigen Mantras zu ihr:
Kriyapada 21-74. „Sei gut durchgekocht!“ Dann übergieße man sie mit Butter. Nach dieser heißen Übergießung nehme man sie herunter und stelle sie auf eine Darbha-Unterlage
Kriyapada 21-75. auf einem zweiten Mandala. Mit den zusammengehörigen Mantras spreche man erneut zur Speise: „Werde kühl!“ und vollziehe die kalte Butterübergießung.
Kriyapada 21-76. Mit Erde und Wasser reinige man den Topf außen, versehe ihn unter dem Waffenmantra mit dem Schutzzeichen der drei Striche und mache ihn durch die Mudra nektargleich.
Kriyapada 21-77. Etwas westlich der Feuergrube setze man ihn wie zuvor auf ein Mandala. Mit dem Herzmantra verehre man ihn und opfere mit den Gliedern Shivas jeweils einmal Butter.
Kriyapada 21-78. Die Tropfen lasse man in die Opferspeise fallen. Mit dem Wurzelmantra opfere man hundertachtmal und lasse die Tropfen ebenfalls hineinfallen. Danach teile man die Speise in drei Teile.
Kriyapada 21-79. Die Anteile für Shiva und das Feuer mische man mit Honig und Butter, den eigenen Anteil mit Butter. Shivas Anteil verehre man mit dem Herzmantra und stelle ihn bereit.
Unnummerierte Prosa nach 21-79: Begleitgaben. Dann gehe man zur Gottheit und bringe die acht Blumen dar. Im Osten lege man unter dem Purusha-Mantra Zahnholz und Betel hin; im Süden unter Aghora Asche, Gebetskette, Stab, Lendentuch und Bettelschale; im Westen unter Sadyojata Erde, Kusha-Gras, Wasser und Feueropferstoffe; im Norden unter Vamadeva Amalaki-Frucht, Rochana, Safran, Stäbchen, Kamm und Augenschwärze; im Nordosten unter Ishana Panchagavya, Sandalen, Schirm, Yogaband und Sitz. Man verehre sie.
Kriyapada 21-80. Was davon nicht verfügbar ist, stelle man sich innerlich vor. Den Speiseanteil der Gottheit besprenge man mit der Waffe und schütze ihn mit dem Panzer.
Kriyapada 21-81. Man verehre ihn mit dem Herzmantra, mache ihn nektargleich und bringe ihn mit den Brahma-Mantras dar. Dann nehme man die Pavitras und lege sie in ein Gefäß aus Gold, Rohrgeflecht oder anderem Material,
Kriyapada 21-82. das mit schwarzem Antilopenfell, feinem Gewebe oder anderem bedeckt ist, unter dem Herzmantra. Mit der Waffe besprenge man sie, mit den zusammengehörigen Mantras berühre und verehre man sie und vergegenwärtige
Kriyapada 21-83. Shambhu als Verkörperung des Jahres, als einzigen Zeugen sämtlichen Tuns, als unvergänglichen Hüter, der als Frucht alle Welterfahrung und Befreiung gewährt.
Kriyapada 21-84. Als Vollender der verrichteten, nicht verrichteten, aufgegebenen und mühsamen Handlungen betrachte man ihn in den Pavitras. Dann opfere man so oft, wie es Prakritis gibt,
Kriyapada 21-85. mit dem Wurzelmantra ins Feuer und lasse die Buttertropfen auf die Pavitras fallen. Die so durch Opfertropfen gereinigten Pavitras verehre man mit den zusammengehörigen Mantras.
Kriyapada 21-86. Der zuvor verehrten Sonne gebe man den Duft-Pavitra, gut beräuchert und mit Blumen, durch den Wurzelmantra und das Atemanhalten nektargleich gemacht.
Kriyapada 21-87. Beim Abschluss der Ausatmung verwende man den Wurzelmantra mit Pranava und dem Abschluss „dem Wesen von allem“. Dann vollziehe man das Lichterschwenken, die rituelle Mundspülung und die Ausstattung des eigenen Leibes mit den Mantragliedern.
Kriyapada 21-88. Mit einer dreifachen Schnur umschließe man den gesamten Tempel und ebenso den Pavillon. Unter dem Pranava umwickle man alle Verehrungsgeräte.
Kriyapada 21-89. Den Torwächtern Nandi und den folgenden, dem Vastu-Hüter und Brahma, den Weltenhütern und ihren Waffen gebe man den Duft-Pavitra.
Unnummerierte Prosa nach 21-89. Dann nehme man die im Gefäß befindlichen Pavitras von der Feuergrube, stelle sie vor den Shiva-Krug und übergebe sie mit folgender Bitte dem Shiva im Krug zum Schutz:
Kriyapada 21-90 mit vorangestelltem Pranava. „Erhabener, diese Pavitras sind hier nach Vorschrift bereitet. Ich übergebe sie dir. Beschütze sie, Shankara!“
Unnummerierte Prosa nach 21-90. So übergebe man sie. Dann nehme man daraus die Duft-Pavitras. Man lege sie dem Shiva-Krug, dem Waffengefäß, Ganapati und der Reihe der Gurus mit ihren jeweiligen Mantras und dem Abschluss „Verehrung dem Wesen aller Wirklichkeitsprinzipien“ auf und vollziehe jeweils das Lichterschwenken. Auf einem bereiteten Mandala setze man sich der Gottheit zugewandt nieder und lege sich selbst mit folgender Formel einen Pavitra an:
Kriyapada 21-91 mit vorangestelltem Pranava. „Beim Pavitra-Gelübde, das das Opfer des Jahres zur Vollständigkeit bringt, lege ich, dessen Wesen Reinheit ist, den reinigenden Faden an.“
Unnummerierte Prosa nach 21-91. Nach diesen Worten lege man ihn sich selbst mit Pranava, Wurzelmantra und „Verehrung Shiva“ an. Nach der rituellen Mundspülung setze man sich vor die Gottheit. Den für sie gefertigten Duft-Pavitra, mit Duftpaste gefärbt, gut beräuchert und mit Durva und ungebrochenem Reis versehen, nehme man in die zusammengelegten Hände. Mit den zusammengehörigen Mantras mache man ihn nektargleich, bespreche ihn mit den folgenden Worten und lege ihn auf:
Kriyapada 21-92 mit vorangestelltem Pranava. „Herr, der alle Lücken im Verfahren ausfüllt, heute lade ich dich zum Opfer ein, du Erfüller meines Wunsches! [Die Verbindung des Wortes für Opfer ist in der gelieferten Lesung gestört; der Sinn ergibt sich nur vorläufig aus dem folgenden Gebet.]
Kriyapada 21-93. Gewähre mir, dem Opfernden, dessen Gelingen, du Herr des Bewussten und Unbewussten! In jeder Weise und zu jeder Zeit sei dir Verehrung, Shambhu. Sei mir gnädig!“
Unnummerierte Prosa nach 21-93. Durch die Ausatmung mache man den Faden nektargleich. Unter Pranava, Wurzelmantra und dem Abschluss „Verehrung Shiva“ lege man dem Erhabenen den Duft-Pavitra auf. Dann vollziehe man das Lichterschwenken und bete:
Kriyapada 21-94 mit vorangestelltem Pranava. „Herr der Götter, du bist eingeladen, gemeinsam mit der Göttin, den Herren der Scharen, den Mantraherren, den Weltenhütern und deinem Gefolge.
Kriyapada 21-95. Morgen früh werde ich dir den Pavitra darbringen. Auf deinen Befehl, höchster Herr, werde ich auch das Gelübde befolgen.“
Unnummerierte Prosa nach 21-95: Abendlicher Abschluss. Nachdem man Shiva so gebeten hat, ermächtigt er mit „So sei es!“. Dann bringe man der Gottheit nach den eigenen Mitteln eine besondere Speisegabe dar und erfreue sie mit Betel, Mundduft und den weiteren Gaben sowie mit Gesang und Tanz. Mit der Erlaubnis des Erhabenen gehe man hinaus und lege auch dem Feuer auf der Umrandung einen Duft-Pavitra auf. Man opfere dessen Anteil an der gekochten Speise. Mit dem Rest lege man in seiner Nähe die zum Feueropfer gehörige Bali-Gabe nieder. Nach der Bitte um Erlaubnis gehe man hinaus. Mit Duft, Blumen, Wasser, Räucherwerk und Licht bringe man aus dem im Gefäß verbliebenen Essen unter den zusammengehörigen Mantras Bali in den zehn Richtungen dar, mit Formeln wie: „Indra, nimm an! Verehrung!“
Erneut streue man in den zehn Richtungen Bali aus: „Den Bewohnern der Richtungen, im Osten beginnend, den Richtungsherren, Wesen, Müttern, Scharen, Rudras, Feldhütern und den weiteren – die Opfergabe!“ Nach der rituellen Mundspülung vollziehe man die Sühne, welche Lücken ausgleicht: mit den Gliedmantras dreimal, mit den Gestaltmantras fünfmal, mit dem Wurzelmantra zehnmal und mit Aghora hundertachtmal, jeweils Sesam, weißen Senf, Puffreis und Butter opfernd. Danach bringe man die volle Opfergabe dar sowie Gaben mit den Weltrufen und an Feuer, Soma, Feuer und Soma zusammen und an das Feuer als Vollender des gut Geopferten.
Man verehre Shiva im Feuer und führe ihn mit den zusammengehörigen Mantras auf dem Nadi-Weg in Shiva im Mandala über. Man verehre die Gottheit. Auf dem Sitz der heiligen Erkenntnis, auf dem ein Siddhanta-Buch liegt, verehre man wie bei Shiva mit den Namen der Vidyas. Mit dem zehnsilbigen Vagishvari-Mantra sowie Pranava, Herz-, Wurzelmantra und dem Abschluss „Verehrung dem Wesen des Vidya-Prinzips“ lege man den Duft-Pavitra auf und vollziehe das Lichterschwenken.
Die großen Pavitras lege man in ein mit Waffen- und Panzermantra umschlossenes Gefäß. Man bespreche sie mit den zusammengehörigen Mantras, schütze sie durch Waffe und Panzer und verehre sie. Den Herrn im Krug bitte man um Schutz, verneige sich vor dem Erhabenen und übergebe die vollzogene Handlung: „Möge diese meine Handlung lückenlos sein!“ Mit der Erlaubnis des Erhabenen gehe man hinaus. Auf den drei östlichen Mandalas nehme man auf dem bei der Einweihung beschriebenen Weg Panchagavya, Opferspeise und Zahnholz zu sich beziehungsweise in Gebrauch.
Da Fasten vorgeschrieben und zugleich der Verzehr des Opferrestes vorgesehen ist, esse man von der Speise nur die fünf dem Lebensatem dargebrachten Bissen.
Unnummeriertes Paushkara-Zitat nach 21-95. „Wenn Fasten festgesetzt ist und zugleich der Verzehr des Opferrestes ansteht, beeinträchtigt es den Fastenden nicht, wenn er nur das Feueropfer für die Lebensatemkräfte zu sich nimmt.“
Unnummeriertes Zitat aus einem Shraddha-Abschnitt. Andernorts, im Abschnitt über die Ahnenverehrung, heißt es: „Wenn Fasten regelmäßig vorgeschrieben ist, die Ahnenverehrung aber aus besonderem Anlass stattfindet, soll man an der den Ahnen dargebrachten Speise riechen und dann das Fasten einhalten.“
Unnummerierte Fortsetzung. Nach der rituellen Mundspülung nehme der nach Welterfahrung Strebende auf einem Darbha-Lager Platz, das Haupt nach Osten; der nach Befreiung Strebende auf einem Aschelager.
Unnummeriertes Somashambhu-Zitat nach 21-95. „Nach der Mundspülung, mit Mantras gerüstet, halte man mit Gesang Nachtwache. Der nach Welterfahrung Strebende sitze auf einem Darbha-Lager und vergegenwärtige den Herrn. Auf dieselbe Weise nehme auch der nach Befreiung Strebende Platz, jedoch allein auf einem Aschelager, fastend und gesammelt.“
Unnummerierte Erläuterung. Weil es heißt „mit Gesang Nachtwache haltend“, soll man nicht schlafen.
Unnummeriertes Zitat aus dem Mohashurottara nach 21-95. „Nach der Übergabe der Handlung verbringe man die Nacht vor Shiva, Japa und Dhyana hingegeben oder Lobpreis und Gesang gewidmet.“
Unnummerierte Folgerung. Daher soll man fastend und wachend vor der Gottheit auf einer Darbha-Unterlage bleiben.
Kriyapada 21-96. Vor Sonnenaufgang bade man und vollende die Sandhya. Mit dem gewöhnlichen Arghya verehre man die Duftfäden der Reihe nach.
Kriyapada 21-97. Noch bevor der Herr entlassen wird, lege man sie auf ein Mandala im Nordosten. Dann entlasse man die Gottheit unter dem Vorbehalt ihrer erneuten Gegenwart und entferne die gebrauchten Opfergaben.
Kriyapada 21-98. Nach der rituellen Mundspülung vollziehe man wie zuvor die Reinigung des eigenen Selbst und der weiteren Bereiche. Man verehre die Sonne, dann die Tore, Weltenhüter und Waffen.
Kriyapada 21-99. Mit Panchagavya und den weiteren Gaben verehre man die Gottheit bis zum Abschluss des täglichen Verfahrens. Man verehre Krug, Waffe, Mandala-Herrn und Feuer, bringe die volle Opfergabe und Bali dar.
Unnummerierte Fortsetzung nach 21-99. Hat man so das tägliche Ritual abgeschlossen, beginne man das anlassbezogene.
Unnummerierte Prosa vor 21-100. Noch bevor Gottheit und Feuer entlassen sind, entferne man die gebrauchten Opfergaben. Mit Ausnahme der gekochten Opferspeise lege man Zahnholz und die übrigen Dinge an ihre jeweiligen Plätze. Mit Yantra-Linga, Goldkugeln, Seidenstoff, Girlanden, Duftstoffen und weiterem schmücke man die Gottheit nach den eigenen Mitteln. Man opfere als Sühne hundertachtmal mit Aghora und bringe die volle Opfergabe dar.
Dann lege man der Sonne mit ihrem eigenen Mantra die großen, beräucherten Pavitras auf, vollziehe das Lichterschwenken und die Mundspülung. Wie zuvor lege man sie den Torherren, dem Vastu-Hüter, Brahma, den Weltenhütern, Waffen, Ganapati und Gurus mit ihren eigenen Mantras auf. Sich selbst lege man mit der zuvor genannten Formel einen Pavitra an und vollziehe die Mundspülung. Selbst Sadashiva geworden, setze man sich der Gottheit gegenüber, gebe Arghya und verehre mit den acht Blumen. Man betrachte das Wesen der Zeit, dessen Gestalt Augenblick, Lava, Nimesha, Kashtha, Ghatika, Muhurta, Tag und Nacht, Monatshälfte, Monat, Jahreszeit, Halbjahr und Jahr sind; es ist die Ursache aller Vorgänge von Körpern, Sinnen und ihren Gegenständen,
Kriyapada 21-100. der einzige Zeuge verrichteter, nicht verrichteter, aufgegebener und mühsamer Handlungen,
Unnummerierte Fortsetzung nach 21-100. der Hüter des Feldes, Ishana, die Zuflucht. Mit reinem Geist vergegenwärtige man Shiva auf diese Weise, nehme den ersten Kopf-Pavitra und beräuchere ihn. Mit Blumen, ungebrochenem Reis und Durva-Spitzen versehen, lege man ihn auf, etwas dem Krug zugewandt, nachdem man Shiva Folgendes vorgetragen hat:
Kriyapada 21-101 mit vorangestelltem Pranava. „Gott, was du als das Wesen der Zeit in meinem rituellen Handeln gesehen hast,
Kriyapada 21-102. was von mir getan, verbunden, aufgegeben, bewahrt oder verborgen wurde: Ob mühsam oder ohne Mühe, möge es vollzogen, gestärkt und recht geehrt sein,
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln nach 21-102. durch diesen Pavitra, dessen Wesen alles umfasst, Shambhu, nach deinem Willen! Vollende, vollende! Dem Herrn von Opfer, Gelübde und Selbstbindung die Opfergabe!“ [Die gelieferte Verbindung „maghavrata-“ ist unsicher; „Opfer“ bleibt eine kontextbezogene Deutung.]
Mit Pranava, Wurzelmantra und „Verehrung Shiva, dem Herrn des Shiva-Prinzips!“ lege man einen Pavitra auf. Ebenso lege man die beiden anderen mit „Verehrung dem Herrn des Vidya-Prinzips!“ und „Verehrung dem Herrn des Atman-Prinzips!“ auf.
Kriyapada 21-103. Im Shiva-Prinzip, das bis zu Shiva reicht und vom ursächlichen Rudra behütet wird,
Kriyapada 21-104. spreche man den Wurzelmantra mit Shiva am Schluss und lege den Pavitra auf. Im Vidya-Prinzip, das bis zu Vidya reicht und vom ursächlichen Vishnu behütet wird,
Kriyapada 21-105. spreche man Ishvara am Schluss und lege den zweiten auf. Im Atman-Prinzip, das bis zur Prakriti reicht und vom ursächlichen Brahma behütet wird,
Kriyapada 21-106. ende der Wurzelmantra mit Sadashiva; so lege man den dritten auf. Der alle Prinzipien umfassende, von sämtlichen Ursachen behütete Pavitra habe „Herr aller Wirklichkeitsprinzipien“ am Schluss.
Kriyapada 21-107. Man spreche den Wurzelmantra mit Shiva am Schluss und bringe den „Herabstieg der Ganga“ dar. So verfahre der nach Welterfahrung Strebende; zur Befreiung in umgekehrter Reihenfolge.
Kriyapada 21-108. Mit den Prinzipien Atman, Vidya und Shiva lege man dann die Pavitras auf. Nach dem Lichterschwenken trage der Verständige der Gottheit vor:
Kriyapada 21-109. „Du bist die Zuflucht aller Wesen; du bist im Beweglichen und Unbeweglichen gegenwärtig. Durch dein Wirken im Innern bist du der Schauende in allen, höchster Herr!
Kriyapada 21-110. In Tun, Denken und Sprechen habe ich keine andere Zuflucht als dich. Was ich ohne ausreichende Mantras, Handlungen oder Gaben vollzogen habe,
Kriyapada 21-111. was ich dir täglich unvollständig an Japa, Feueropfer und Verehrung dargebracht habe, was an Lobpreis und Hingabe fehlte: Das vollende, Maheshvara!
Kriyapada 21-112. Du bist vollkommen rein, Herr der Götter, das Reinigende, das Verfehlungen vernichtet. Durch dich ist die ganze bewegliche und unbewegliche Welt gereinigt.
Kriyapada 21-113. Welches Gelübde ich durch Unzulänglichkeit auch unterbrochen habe, Gott: Möge es ganz und eins werden, durch den Faden deines Gebots verbunden!“
Unnummerierte Formel und Handlung nach 21-113. Am Ende spreche man: „Verehrung Shiva, dem Wesen aller Wirklichkeitsprinzipien, dem Zeugen sämtlichen Handelns, dem Vollender von allem, dem Geber aller Früchte, dem Allwissenden!“ Mit Wasser und Blumen in den zusammengelegten Händen übergebe man die Pavitra-Verehrung und sich selbst den Lotusfüßen Shivas und verneige sich lang ausgestreckt.
Kriyapada 21-114. Vier, drei oder zwei Monate, einen Monat oder eine Monatshälfte, eine Woche, fünf Nächte, zwei Nächte oder eine Nacht
Kriyapada 21-115. gelobe man vor der Gottheit: „So lange werde ich dieses Gelübde vollziehen.“ Nachdem Shiva „So sei es!“ gesprochen hat, gehe man mit seiner Erlaubnis hinaus.
Kriyapada 21-116. Man verehre mit Pavitras die Weltenhüter, Waffen und Torwächter, Nandi und die weiteren, und lege auch dem Feuer und dem Sitz der heiligen Erkenntnis Pavitras auf.
Kriyapada 21-117. Dann opfere man mit den Weltrufen sowie für Feuer, Soma, Feuer und Soma zusammen und den Vollender des gut Geopferten. Wie zuvor lege man Bali nieder.
Unnummerierte Prosa nach 21-117: Guruverehrung und Spenden. Ist der Guru anwesend, verehre man ihn wie Shiva, erfreue ihn mit Kleidern, Schmuck, Geld und weiteren Gaben und lege ihm einen besonders schönen Pavitra auf. Ist er nicht da, verehre man seine Sandalen oder andere ihn vertretende Gegenstände und lege dort den Pavitra auf.
Die Frucht des Schriftvortrags, Feueropfers und der weiteren Handlungen lasse man sich von den jeweiligen Vollziehenden mit vorangehendem Wasser in die eigene Hand übertragen und übergebe sie den Lotusfüßen der Gottheit. Man gebe ihnen ihre Entlohnung und Fäden. Auch eingeweihten Brahmanen, Zeichenträgern und Verwandten gebe man Fäden; die eingeweihten Brahmanen und Zeichenträger erfreue man mit Gold, Kleidern und weiteren Gaben. Armen, Blinden, Bedürftigen und allen Bittenden gebe man nach eigener Kraft Gold oder andere Gaben und speise alle. Die gesamte Frucht dieser Speisung und Spende übergebe man Shiva mit folgenden Worten:
Kriyapada 21-118 mit vorangestelltem Pranava. „Möge Sadashiva an dieser Gabe Gefallen finden, die ich ohne Geiz und Verstellung in Vermögensfragen, mit Hingabe und nach meinen Kräften dargebracht habe!“
Unnummerierte Fortsetzung nach 21-118. So übergebe man Spende und die weiteren Handlungen den Lotusfüßen Shambhus. Bis zum Ende des Gelübdes verehre man ihn täglich auf diese Weise nach den eigenen Mitteln. Jeden Tag hebe man die Pavitras über der Gottheit am Ansatz des ersten Bindefadens empor und lasse sie dort hängen. Man entferne die gebrauchten Gaben, vollziehe das Bad und lege die Pavitras wieder auf. Am Ende des Gelübdes verehre man besonders und spreche:
Kriyapada 21-119 mit vorangestelltem Pranava. „Das Pavitra-Gelübde habe ich so vollzogen, wie ich es mir vorgenommen habe.
Kriyapada 21-120. Durch deine Gnade möge diese Handlung zur Erlangung ihrer Frucht dienen!“ So übergebe es der nach Welterfahrung Strebende. Der nach Befreiung Strebende aber
Unnummerierte Fortsetzung nach 21-120. trage es Shambhus Lotusfüßen dar: „Möge diese Handlung mich nicht binden!“ [Quellenhinweis: Die positive Bitte in 21-120 enthält die auffällige Lesung „gamāstu“. Ihre Deutung folgt dem Gegensatz zur anschließenden ausdrücklichen Bitte, nicht gebunden zu werden; keine Sanskritkorrektur.]
Unnummerierte Prosa nach 21-120. Danach vollziehe man die Handlungen bis zur Sättigung der Mantras, bringe die volle Opfergabe dar und verbinde den Erhabenen im Feuer auf dem Nadi-Weg mit Shiva.
Kriyapada 21-121. Ist ein Brahmane oder Kshatriya in der vedischen Tradition beheimatet, so opfere er mit den Jaya-Mantras und den folgenden ins Feuer,
Unnummerierte Fortsetzung nach 21-121. und ebenso mit vedischen Mantras der Sühne. Dann ziehe man die Mantras aus dem Feuer zurück, führe sie zum Dvadashanta und setze sie ins Herz ein. Auch das Feuer verbinde man mit dem Dvadashanta und entlasse die auf den Umlegehölzern und Unterlagen befindlichen Gottheiten. Nach der Mundspülung und der Ausstattung mit den Mantragliedern trete man ein. Man ziehe die Mantras aus Shiva-Krug und Waffengefäß zurück und verbinde den dort befindlichen Shiva mit Shiva im Linga. Auch die Richtungshüter und die übrigen entlasse man.
Ist Chanda vorhanden, lege man ihm mit dem siebensilbigen und seinem eigenen Mantra die Pavitras auf. Andernfalls rufe man ihn auf einem Erdfeld herbei, verehre ihn und übergebe Chandanatha sämtliche gebrauchten Opfergaben und das Weitere.
Unnummeriertes Somashambhu-Zitat nach 21-121. „Oder man verehre Chanda auf dem Erdfeld, auf seinem Sockel …“ [Die Auslassungszeichen stehen bereits in der Quelle; fehlende Wörter werden nicht ergänzt.]
Kriyapada 21-122 mit vorangestelltem Pranava. „Welche Handlungen des Jahres ich mit einem Zuwenig oder Zuviel auch vollzogen habe,
Kriyapada 21-123. all dies möge auf deinen Befehl vollständig sein, Chandanatha!“ So bitte man ihn und verehre ihn danach mit Duftstoffen und weiteren Gaben.
Kriyapada 21-124. Man bringe ihm Milchreis dar, verneige sich, preise und entlasse ihn. Alle seine gebrauchten Opfergaben und das Weitere werfe man in einen tiefen Brunnen oder in reichlich
Kriyapada 21-125. vorhandenes Wasser; besonders die Fäden zerschneide man nach Mantrawiederholung und gebe sie hinein. Dann reinige man den Boden mit kuhdungvermischtem Wasser.
Kriyapada 21-126. Danach bade man die Gottheit mit hundertacht Krügen oder entsprechend den eigenen Kräften, auch mit neun, auf dem beschriebenen Weg.
Kriyapada 21-127½. Man verehre sie besonders und erlangt die ungeschmälerte Frucht. Wer so jedes Jahr mit Hingabe den Pavitra-Ritus vollzieht, der Fehltritte ausgleicht, erlangt die gesamte Frucht von Verehrung und den weiteren Handlungen und geht zu Shambhus unvergänglicher, heilvoller Stätte.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das einundzwanzigste Kapitel über das Auflegen der Pavitras.
Ein Jahr bewusst betrachten
Das Bild des Fadens verbindet die vielen einzelnen Handlungen eines Jahres. Die Gebete sprechen offen von dem, was unvollständig blieb, und bitten um Ganzheit. Als heutige Besinnung kann daraus ein stiller Jahresrückblick entstehen: Was wurde mit Hingabe getan, was blieb offen, wem gilt Dank, und wem kann eine Gabe helfen? Der Text selbst hält dabei zwei Ziele auseinander: die Frucht des Handelns zu empfangen und von seiner bindenden Wirkung frei zu werden.
Kriyapada, Kapitel 22: Das Frühlingsfest mit der Damana-Pflanze
Eine Erzählung von Shiva, Parvati, Kama und Bhairava eröffnet dieses Kapitel. Sie erklärt den Ursprung der duftenden Damana-Pflanze und führt in ein Frühlingsfest über, bei dem Pflanzen, Musik und Verehrung zusammenkommen. Die mythologische Erzählung und die rituellen Wirkungszusagen werden als Aussagen des Werkes wiedergegeben.
Kapiteleingang. Nun das zweiundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 22-1. Nun wird die frühlingszeitliche Verehrung mit Damana beschrieben, die den Mondbekränzten erfreut. Einst lebte der Gott lange Zeit ohne die Göttin in einer Einsiedelei im Himalaya,
Kriyapada 22-2. zusammen mit Nandishvara und den anderen Herren der Scharen, verehrt von Gemeinschaften großer Weiser. Beständig schaute er sein Selbst im Selbst und entfaltete den Yoga mit Keim, den Samadhi.
Kriyapada 22-3. Zu jener Zeit besiegte der Asura-Herrscher namens Taraka Indra samt den Götterscharen. Überaus furchtbar wie die Sonne am Weltende bedrängte er sie schwer.
Kriyapada 22-4. Von den Göttern mit Indra an der Spitze und den großen Weisen um Hilfe gegen ihn gebeten, sprach Brahma zu den Göttern: „Bemüht euch, dass der selbstbeherrschte Herr des Berges an Gauri Gefallen findet!
Kriyapada 22-5. In der Welt gibt es kein anderes Mittel, die Macht dieses Daitya-Herrschers zu beruhigen, als die Kraft Shivas und Shivas, der Göttin. Dies ist die große Aufgabe.“ So unterwiesen, nahmen die Götter sie auf sich.
Kriyapada 22-6. Von sämtlichen Göttern mit Indra an der Spitze beauftragt, diese Aufgabe zu erfüllen, ging Kama mit seinem Freund Frühling zu Sthanus Einsiedelei im Himalaya.
Kriyapada 22-7. Während Kama sich bemühte, den Samadhi zu unterbrechen, unterstützte ihn auch der Frühling: durch blühende Wälder und sanfte, über Lotusse streichende Winde.
Kriyapada 22-8. Vor Gauris Augen bedachte der Herr des Berges kurz die Ursache der Veränderung seines Gemüts. Als er Kamas Anmaßung erkannte, wollte er seinen aufsteigenden Zorn nicht zurückhalten.
Kriyapada 22-9. Aus seinem dritten Auge brach ein gewaltiges Feuer hervor; daraus wurde Bhairava, dreiäugig, Dreizack und Schädelschale in den Händen. Er machte Kama zu nichts als Asche.
Kriyapada 22-10. Als alle diese schreckliche Tat Bhairavas sahen, der laut und furchtbar auflachte, erschraken und verzagten sie plötzlich. Götter, Asuras, Siddhas und Yakshas waren gezähmt.
Kriyapada 22-11. Auch Rudra, der Beste der Götter, sah Bhairava an und sprach erfreut: „Weil du heute, indem du Kama verbrannt hast, die drei Welten gezähmt hast, heißt du von nun an Damana, der Zähmende.“
Kriyapada 22-12. Die Götterfrauen waren mit Kamas Gattin herbeigekommen, um Gauri zu dienen. Als Rati die Vernichtung ihres Gatten erkannte, sank sie verstört nieder wie eine gefällte Bananenstaude.
Kriyapada 22-13. Parvati sah Rati in diesem Zustand und Manmatha in einem Augenblick körperlos geworden. Zornig verfluchte sie Bhairava im Geist: „Werde für lange Zeit eine auf der Erde wachsende Pflanze!“
Kriyapada 22-14. Von Ambika so verflucht, wurde er augenblicklich zur Pflanze namens Damana. Aus der Asche von Kamas Körper, von Ratis Tränen benetzt, erwuchs sie mit zarten Gliedern und lieblichem Duft.
Kriyapada 22-15. Shiva bemerkte ihren überaus erfreulichen Duft und die Zustimmung der Göttin. Lächelnd besänftigte der Verehrungswürdige ihren Zorn und gewährte der Damana-Pflanze einen Segen:
Kriyapada 22-16. „Die Menschen, die mich von heute an im Frühling zusammen mit Frühling und Manmatha durch Damana-Blätter und andere Teile deines Leibes verehren, sollen ihre ersehnten Wünsche erlangen.
Kriyapada 22-17. Noch einen zweiten Segen gebe ich dir, mein Lieber, wenn du mich zusammen mit Uma verehrst: Auch Hari, Brahma und die übrigen Gottheiten sollen, wenn sie mit dir verehrt werden, das Ersehnte gewähren.
Kriyapada 22-18. Wer aber im Frühling das Damana-Fest nicht vollzieht und damit mein Gebot übertritt, dessen gesamte Frucht aus dem Verdienst der Frühlingsverehrung nimm du an: Durch meine Gnade sei sie dir übertragen.“
Kriyapada 22-19. Nachdem der Stierbannerträger Damana so gesegnet hatte, legte er das Verfahren dazu fest. Es ist auch im Svacchanda-Tantra bekannt und wurde von Shaivas und anderen anerkannt.
Unnummeriertes Somashambhu-Zitat nach 22-19. „Obwohl dies im Svacchandabhairava-Tantra so dargelegt wurde, wird es hier doch in knapper Form auch im Siddhanta gelehrt.“
Unnummerierter Übergang. Das Verfahren lautet:
Kriyapada 22-20. Am achten oder vierzehnten Mondtag der hellen Monatshälften von Madhu und Madhava vollziehe man Shambhus Damana-Fest, das Welterfahrung und Befreiung gewährt.
Kriyapada 22-21. Sieben oder fünf Tage zuvor säe man die Keime aus und halte die vorgeschriebenen Materialien, den Pavillon und das Weitere bereit.
Kriyapada 22-22. Am siebten oder dreizehnten Mondtag vollziehe man das tägliche Verehrungsverfahren und schmücke das Opferhaus mit Baldachin, Girlanden, Früchten und weiterem.
Kriyapada 22-23. Dann gehe man in einen Damana-Garten, der mit einem Ashoka-Baum geschmückt ist, zu dessen schönem, geschmücktem Wurzelplatz.
Kriyapada 22-24. Fehlt ein solcher Ort, vollziehe man die Frühlingsverehrung im Verehrungshaus oder in einem eigens angelegten Garten, der Reihe nach mit diesen Mantras.
Unnummerierte Einleitung zu 22-25. Im Südwesten rufe man Ganapati, im Nordosten den Guru herbei und verehre sie. Dann beginne man mit dem Pranava:
Kriyapada 22-25. „Dir, Ashoka, Verehrung, du Vernichter des Kummers von Kamas Gattin! Nimm mir stets das Leid des Kummers und lass Freude in mir entstehen!“
Unnummerierter Übergang nach 22-25. Mit diesen Worten verehre man den Ashoka-Baum mit Duftstoffen und den übrigen Gaben bis zum Licht.
Kriyapada 22-26. „Dem, dessen Zeitgestalt vom kleinsten Augenblick bis zum Weltzeitalter reicht, dem Unvergänglichen, Allgegenwärtigen, Anfanglosen, der die Zeit bemisst – diesem Wesen der Zeit Verehrung!“
Unnummerierte Prosa nach 22-26: Verehrung des Frühlings. So rufe man das Wesen der Zeit am Fuß des Ashoka-Baumes herbei und verehre es. Dort zeichne man im Süden und Norden je ein Mandala. Auf Getreide stelle man zwei Krüge, mit Schnüren umwunden, beräuchert, mit Duftwasser und weiteren Stoffen gefüllt, versehen mit Gold, Grasbüscheln und Blumen, geschmückt mit Früchten, Tüchern, Girlanden und ungebrochenem Reis.
Im südlichen Krug verehre man den Frühling, im nördlichen Kama. Ihr Lotussitz besteht aus tragender Shakti, Ananta-Sitz, dem Sockel von Dharma und den weiteren Kräften sowie Rajas, Tamas und Sattva. Mit deren jeweiligen Namen verehre man ihn. „Verehrung dem Frühling!“ ist dessen Wurzelmantra, mit vorangestelltem Pranava. Die fünf Glieder bilde man mit dem angegebenen Va-Keim, den langen Vokalen und den jeweiligen rituellen Abschlüssen, beginnend mit „Verehrung dem Herzen!“
Auf den durch die Waffe gereinigten Händen setze man die Glieder von Herz an auf die Finger, vom Daumen bis zum kleinen Finger. Auf dem Leib setze man sie auf Haupt, Gesicht, Herz, Geschlechtsbereich und Füße sowie auf die eigenen Gliedorte, beginnend mit dem Herzen. Mit dem Wurzelmantra und Blumen in den zusammengelegten Händen vergegenwärtige man im verehrten Sitz des Kruges den Frühling: Er hält zwei Lotusse und zeigt die Gesten des Gebens und der Furchtlosigkeit. Golden ist seine Farbe; rote Gewänder, Duftstoffe und Girlanden, goldene Krone, Ohrringe, Halskette, Armreifen und weiterer Schmuck zieren den Jüngling.
Aus dem eigenen Herzen rufe man ihn herbei und vollziehe Aufstellung, Gegenwärtigmachen und das Weitere. Zu seiner Rechten rufe man Padmavati, zu seiner Linken Kusumavati herbei, die beiden rot beziehungsweise weiß gefärbten, reich geschmückten Göttinnen. Mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben verehre man sie bis zur Speisedarbringung mit dem Wurzelmantra.
Kriyapada 22-27 mit vorangestelltem Pranava. „Dir, Frühling, Verehrung, Freund der Bäume, Sträucher und Ranken! Du mit tausend Gesichtern Herbeiziehender, Verwandter Kamas, dir sei Verehrung!“ [Die Benennung „sahasramukhasaṃvāha“ ist in ihrem genauen Bild nicht sicher zu deuten.]
Unnummerierte Anleitung nach 22-27. Mit diesem Gebet und drei Blumengaben aus den zusammengelegten Händen verehre man den Frühling samt seinen beiden Göttinnen. An den Spitzen seiner Lotusblätter verehre man seine Shaktis, die Waldgöttinnen:
Kriyapada 22-28. Ahladini, Gandhavati, Surabhi, Malini, Madira, Madayanti, Rama und Pushpavati,
Kriyapada 22-29. und als neunte Vasanti, der Reihe nach mit ihren eigenen Namen. Alle tragen schöne Gewänder und Schmuck, haben anmutige Glieder und lächelnde Gesichter.
Unnummerierte Prosa nach 22-29: Verehrung der Damana-Pflanze. Dann verehre man die Damana-Pflanze im Garten. Darin vergegenwärtige man Bhairava mit Dreizack und Schädelschale in den Händen, von roter Farbe, geschmückt mit roten Duftstoffen, Girlanden und Gewändern. Er trägt eine Girlande frisch abgeschlagener Kriegerköpfe, klingende Fußringe und Glöckchen und schöne Sandalen an seinen Füßen. In seinen Händen sind Schwert, Dreizack, Trommel und Schlinge; sein Haupt ist mit reichlich gewachsenem Damana geziert. So betrachte man ihn und verehre ihn mit Arghya, Duftstoffen und den übrigen Gaben unter diesem Gebet:
Kriyapada 22-30 mit vorangestelltem Pranava. „Aus Kamas Asche Entstandener, mit Ratis Tränenwasser Benetzter, du Bezauberer von Rishis, Gandharvas, Göttern und anderen: Dir sei Verehrung!“
Unnummerierte Prosa nach 22-30: Verehrung Kamas. „Verehrung Damana!“ Mit dem Pranava und dem angegebenen Da-Keim verehre man so die Pflanze. Dann verehre man im Kama-Krug den Lotussitz von Shakti bis Sattva. Kamas Wurzelmantra lautet sinngemäß „Verehrung Kama!“, mit Pranava und dem angegebenen Kama-Keim. Mit den langen Vokalen und den entsprechenden rituellen Abschlüssen bilde man die Glieder, beginnend mit „Verehrung dem Herzen!“. Wie zuvor setze man sie auf die Finger, den Leib und die eigenen Gliedorte. Mit Blumen in den zusammengelegten Händen verehre man den Kama-Sitz: „Verehrung dem Sitz Kamas!“ Dann verehre man seine Shaktis an den Spitzen der Lotusblätter:
Kriyapada 22-31. Saubhagya, Hladini, Harsha, Dhriti, Priti, Unmada, Sangama und Nirvana sowie als neunte Rati in der Mitte.
Unnummerierte Ananga-Gayatri nach 22-31. „Wir erkennen Manmatha; wir meditieren über den Liebesgott. Jener Gandharva möge uns anregen!“ Pranava und der Kama-Keim stehen am Anfang. Dies ist die Ananga-Gayatri. Dann vergegenwärtige man den Körperlosen in den Blumen der zusammengelegten Hände und rufe ihn herbei.
Kriyapada 22-32. Rot ist er, trägt rote Kleidung, ist jung und besitzt glänzende Ohrringe. Halsketten, Oberarmreifen, Armringe, Krone, Ohrringe und Fußringe
Kriyapada 22-33. sowie anderer göttlicher Schmuck, Girlanden und Duftstoffe zieren ihn. Er hält Blumenbogen und Pfeile, Schlinge und Stachelhaken.
Kriyapada 22-34. Rati sitzt auf seinem linken Schoß; Scharen junger Frauen umgeben ihn. Gestaltschönheit, Anmut, Liebreiz und Zartheit schmücken ihn.
Kriyapada 22-35. So vergegenwärtige und verehre man Kama der Reihe nach mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben, mit Wurzelmantra und Gayatri nach Vorschrift bis zur Speisedarbringung.
Kriyapada 22-36 mit vorangestelltem Pranava. „Verehrung dem mit Blumenpfeilen, der die Welt erfreut, dir, Manmatha, dem Führer der Welt, der Rati Freude schenkt!“
Kriyapada 22-37. Mit diesem Gebet und Blumengaben verehre man ihn und bitte ihn erneut. Außerhalb von Frühling, Kama und Ashoka verehre man die Weltenhüter
Kriyapada 22-38. samt ihren Waffen in ihren Richtungen. Diese Verehrung gewährt alle Wünsche. Dann nehme man Damana, verehre Frühling, Ashoka und Manmatha
Unnummerierte Fortsetzung zu 22-39. samt ihren genannten Umkreisen und spreche zur Damana-Pflanze:
Kriyapada 22-39 mit vorangestelltem Pranava. „Aus Haras Gnade Entstandener, hier habe ich dich herbeigerufen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 22-39. Du sollst fortgetragen werden; sei auf Shivas Befehl bei der Shiva-Verehrung gegenwärtig!“ So spreche man Damana an.
Kriyapada 22-40 mit vorangestelltem Pranava. „Der du durch die Fülle der Frühlingsblumen der Welt lieb geworden bist,
Unnummerierte Fortsetzung nach 22-40. verehre mit Kama als Helfer den Gott zusammen mit Uma!“
Mit „Verehrung Frühling und Kama!“ samt Pranava und den beiden gelieferten Keimlauten spreche man beide gemeinsam an und bitte um Erlaubnis. Man richte dort den Schutz ein, gehe ins eigene Haus und esse.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die Frühlingsverehrung.
Kriyapada 22-41. Am Morgen stehe man auf und vollziehe die täglichen Handlungen. Dann
Kriyapada 22-42. trage man am Abend die geeigneten Opfermaterialien zusammen, gehe in den Damana-Garten und nehme reichlich Damana.
Kriyapada 22-43. Einen kleinen Teil hebe man samt Wurzel aus und lege alles in Gefäße. Auch die Krüge von Frühling und Kama, deren Gottheiten noch nicht entlassen sind,
Kriyapada 22-44. hebe man an und lade alles auf einen Elefanten oder ein anderes Fahrzeug. Mit Tanz, Gesang, Instrumentalmusik, Glückszeichen, Schirmen und Wedeln
Kriyapada 22-45. geschmückt ziehe man durch Stadt, Dorf, Tempelbereich und andere Orte. Brahmanen lasse man Segenswünsche sprechen und trage alles in den Pavillon hinein.
Kriyapada 22-46. Zu beiden Seiten der Gottheit stelle man die beiden Krüge auf und verehre sie wie zuvor. Dann bade man, vollende die Sättigungsopfer wie zuvor und verehre die Sonne.
Kriyapada 22-47. Shanti, Vidya, Nivritti und Pratishtha verehre man in der Anordnung der Tore. Am Westtor verehre man die beim täglichen Ritual genannten Torgottheiten.
Kriyapada 22-48. Unter Fersenstampfen und den übrigen Schutzhandlungen sowie dem Werfen der Blumenwaffe trete man ein. Man setze die Waffe auf die Schwelle und verehre den Vastu-Herrn und Brahma.
Kriyapada 22-49. Man stelle die Weltenhüter in den Richtungen auf, verehre den Hindernisherrn und den Guru und vollziehe nach dem Ausstreuen der Streustoffe die Verehrung von Krug und Waffe.
Kriyapada 22-50. Nach ihrem Umhertragen verehre man beide, das Schwert der Erkenntnis haltend. Shiva verehre man besonders in Feuergrube, Mandala und Linga.
Unnummerierte Prosa nach 22-50: Vorbereitende Niederlegung. Wie zuvor vollziehe man die Nadi-Verbindung und dann das Adhivasa. Es geschieht so: Die Damana-Wurzel samt Erde lege man mit Sadyojata im Westen nieder; ihren Stängel und duftende Amalaki mit Vamadeva im Norden; ihre Blätter und Asche mit Aghora im Süden; ihre Blüten und Zahnholz mit Purusha im Osten; ihre Frucht und Duftpaste mit Ishana im Nordosten. Auch alle übrigen Opferstoffe ordne man nach dem verfügbaren Platz an. Man fülle die zusammengelegten Hände mit den fünf Teilen der Damana-Pflanze, bitte den Erhabenen mit dem folgenden Gebet und lege sie unter Pranava, Wurzelmantra und dem Abschluss „Verehrung Shiva!“ auf.
Kriyapada 22-51 mit vorangestelltem Pranava. „Herr der Götter, Allgegenwärtiger, ich lade dich für den frühen Morgen ein!
Kriyapada 22-52. Auf deinen Befehl soll ich das Damana-Fest nach meinen Kräften vollständig vollziehen.“ Dann vollziehe man das Lichterschwenken und die Verehrung bis zur Speisedarbringung.
Kriyapada 22-53. Nach dem Verfahren des Pavitra-Ritus opfere man und lasse die Buttertropfen in das mit Damana gefüllte Gefäß fallen. Man verehre es und schütze es durch die Waffe.
Kriyapada 22-54. Mit dem Panzer umhüllt, stelle man es vor den Herrn im Krug. Man bringe ihm Essbares dar und opfere hundert Gaben mit Aghora.
Kriyapada 22-55. Auch draußen streue man Bali aus, ohne die Gottheiten zu entlassen. Zur Welterfahrung esse man Opferspeise; zur Befreiung faste man.
Kriyapada 22-56. Mit Dhyana, Japa oder Gesang halte man nachts Wache. In der Morgendämmerung bade man; nach der Verehrung von Sonne und Toren
Kriyapada 22-57. entlasse man Shambhu unter dem Vorbehalt seiner erneuten Gegenwart. Mit den fünf Reinigungen beginnend, verehre man Shiva in Krug, Feuer, Linga und Bild wie beim täglichen Ritual.
Kriyapada 22-58. Ohne die Gottheit zu entlassen, entferne man die gebrauchten Gaben und vollziehe für Shambhu eine besondere Verehrung nach den eigenen Mitteln.
Kriyapada 22-59. Der Sonne lege man Damana mit ihrem eigenen Wurzelmantra und Ishvara am Schluss auf. Die Torherren, Brahma, den Vastu-Herrn, Krug, Waffe und Gananayaka
Kriyapada 22-60. sowie die Gurus verehre man mit Damana unter ihren eigenen Wurzelmantras, die mit Ishvara enden. Nach dem Lichterschwenken setze man sich selbst vor der Gottheit auf ein Mandala,
Kriyapada 22-61. statte sich mit den Mantragliedern aus und lege Damana auf das eigene Haupt. Man gehe hinaus, vollziehe die Mundspülung, trete wieder ein und nehme Platz.
Kriyapada 22-62. Beginnend mit dem Sitz verehre man Shambhu mit Damana-Sprossen. Die fünf Pflanzenteile lege man in der Reihenfolge Sadyojata und der weiteren Mantras auf Shiva.
Kriyapada 22-63. Danach verehre man mit den fünf zusammengefassten Pflanzenteilen unter den fünf Brahma-Mantras. Erneut fülle man mit den fünf Damana-Teilen, Duftstoff, Durva und ungebrochenem Reis
Kriyapada 22-64. die zusammengelegten Hände vollständig und vergegenwärtige den Gott Sadashiva. Mit den Prinzipien Shiva, Vidya und Atman, wie im Pavitra-Verfahren,
Kriyapada 22-65. lege man nacheinander drei Handvoll Damana auf Shambhu. Dann fülle man die Hände ein viertes Mal mit Damana und ungebrochenem Reis.
Unnummerierte Formel nach 22-65. „Dem Herrn des Opfers: Vollende, vollende das Opfer! Verehrung dem Dreizackträger!“ Der Pranava steht am Anfang. Danach lege man die Gabe unter Pranava und Wurzelmantra auf: „Verehrung Shiva, dem Herrn aller Wirklichkeitsprinzipien!“
Unnummerierte Prosa nach 22-65: Darbringung und Speisung. Nach dem Lichterschwenken bringe man eine große Speisegabe dar und opfere die Opferspeise ins Feuer. Mit Damana verehre man die auf Umlegehölzern und Unterlagen befindlichen Gottheiten. Auch dem Feuer lege man wie Shiva mittels der großen Opferkelle Damana auf, ebenso dem Sitz der heiligen Erkenntnis mit seinem eigenen Mantra.
Ist der eigene Guru anwesend, verehre man ihn mit Gewändern, Schmuck und Damana. Eingeweihten, Zeichenträgern, Brahmanen und Verwandten gebe man Damana und speise sie ihrer Stellung entsprechend. Mit Entlohnungen und Spenden erfreue man alle Bittenden. Mit Damana in den zusammengelegten Händen bitte man die Gottheit:
Kriyapada 22-66 mit vorangestelltem Pranava. „Gott der Götter, Herr der Welt, Herr, der die ersehnten Ziele gewährt: Erfülle die Wünsche in meinem Herzen, du Geliebter Kameshvaris!“
Unnummerierte Prosa nach 22-66. Mit Pranava, Wurzelmantra und „Verehrung dem milden Shiva!“ lege man diese wunscherfüllende Handgabe zu Shivas Lotusfüßen und übergebe ihm die Frucht der Damana-Verehrung. [Die Quelle versieht die Anweisung zum Auflegen selbst mit einem Fragezeichen.] Dann bitte man erneut:
Kriyapada 22-67. „Erhabener, was ich zu viel oder zu wenig vollzogen habe: All dies möge vollständig sein, dieses dein Damana-Fest, Allgegenwärtiger!“
Kriyapada 22-68. Nachdem man dies dem Herrn der Götter vorgetragen hat, verbinde man den im Feuer Gegenwärtigen mit Shiva im Mandala, diesen wiederum mit dem im Linga. Auch Sadashiva im Krug
Kriyapada 22-69. verbinde man mit dem Herzlotus des Feuers. Man verneige sich vor Maheshvara, preise ihn, falle nieder und spreche „Verzeihe!“. Wie zuvor entlasse man ihn. [Quellenhinweis: Die Verbindung mit dem „Herzlotus des Feuers“ steht hier nach der Zusammenführung ins Linga. Die gelieferte Ortsangabe wird nicht zu einer erwarteten Reihenfolge geändert.]
Kriyapada 22-70. Waffe, Torherren, Weltenhüter und die weiteren verbinde man mit ihren eigenen Orten. Nach dem Vollzug dieses Damana-Festes verehre man auch Chanda.
Kriyapada 22-71. Auf dem mit Kuhdungwasser bestrichenen Boden verehre man Shiva täglich. So wurde das im Frühling festgesetzte Damana-Fest mit der Verehrung des Frühlings bis zu seinem Abschluss beschrieben. Wie der Frühlingsschmuck die Blumen und den Geist erfreut, so lässt es hier die im Herzen ersehnten Wünsche Frucht tragen.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das zweiundzwanzigste Kapitel über die Vorschrift des Damana-Festes.
Blühen, Wünschen und Hingeben
Das Frühlingsfest verbindet Freude an Pflanzen, Duft und Musik mit der Bitte, auch unvollkommene Verehrung anzunehmen. Die Erzählung hält dabei gegensätzliche Erfahrungen nebeneinander: Sammlung und Begehren, Zorn und Trauer, Verwandlung und neuen Duft. Als heutige Besinnung kann das Kapitel dazu anregen, die Natur aufmerksam wahrzunehmen und die eigenen Wünsche bewusst zu betrachten, ohne aus dem rituellen Text ein Versprechen ihrer Erfüllung abzuleiten.
Kriyapada, Kapitel 23: Die Beschaffenheit des Bodens
Mit diesem Kapitel wendet sich der Kriyapada der Wahl eines Ortes für Heiligtum und Verehrung zu. Boden, Wasser, Geländeform, Pflanzen und Umgebung werden untersucht. Praktische Beobachtungen stehen dabei neben überlieferten Wertungen, Vorzeichen und sozialen Zuordnungen; sie werden als unterschiedliche Bestandteile der historischen Lehre erkennbar belassen.
Kapiteleingang. Nun das dreiundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 23-1. Die Erde ist Lebensgrundlage und Unterkunft aller sozialen Gruppen. Auf ihr vollzieht sich die gesamte Folge der Handlungen von der Einsetzung an.
Kriyapada 23-2. Deshalb werden ihre Merkmale hier richtig und in Kürze beschrieben. Ein Land mit heiligen Stätten, Flüssen, Badeplätzen, Bergen und ähnlichen Orten
Kriyapada 23-3. gewährt besonderen Erfolg; darum suche der Verständige ein solches auf. Von Natur aus mit schwarzen Antilopen versehen, mit Kusha- und Kasha-Gras geschmückt,
Kriyapada 23-4. von vedakundigen Brahmanen bewohnt, von opfergeeigneten Bäumen umgeben, nach Osten und Norden geneigt, schön und mit reichlich Wasserreservoirs,
Kriyapada 23-5. ohne Hohlräume, wohlverbunden und feucht, mit Brennholz, Blumen und Früchten sowie mit eigenen Gärten und Rinderherden: Solcher Boden wird allgemein gepriesen.
Kriyapada 23-6. Vier Arten von Boden gibt es: Purna, Supadma, Bhadra und Dhumra. Ihre Merkmale werden der Reihe nach genannt.
Kriyapada 23-7. Mit Ankolas, Ashokas, Bakulas, Shimshapas, Nimbas und Kimshukas, mit Madhavi-Sträuchern und Nishpava-Pflanzen versehen, mit kleinen Wasserspeichern,
Kriyapada 23-8. an Bergen und feuchten Niederungen gelegen: Solcher Boden heißt Purna und spendet Gedeihen. Mit Sandel, Adlerholz, Kampferbaum, Kadamba, Arjuna, Kesara,
Kriyapada 23-9. Tilaka, Ketaki, Kunda und lotusreichen Gewässern im Norden versehen, nach Osten abfallend: Solcher Boden heißt Supadma.
Kriyapada 23-10. Nahe beim Meer oder einem Fluss, mit guten Badeplätzen und Wasserreservoirs, im Westen mit opfergeeigneten Bäumen und Obstbäumen geschmückt,
Kriyapada 23-11. im Süden mit Feldern: Das ist der glückspendende Bhadra-Boden. Mit Snuhi, Shleshmataka, Arka, Pilu, Bambus und Vibhitaka,
Kriyapada 23-12. salzhaltig und unfruchtbar, trocken, rau, voller Kies und Steine, von Falken, Geiern, Wildschweinen, Bären, Krähen und Schakalen bevölkert:
Kriyapada 23-13. Solcher Boden heißt Dhumra und gilt als verwerflich, Kummer, Leid und Furcht bringend. Dort setze man weder ein Linga ein noch übe man die Verwirklichung eines Mantras.
Kriyapada 23-14. Menschen der vier sozialen Gruppen sollen dort auch keine Wohnung wünschen. Boden in Form eines Schlangenmauls oder Dreizacks, mit vertiefter Mitte oder dreieckig,
Kriyapada 23-15. einem Worfelkorb oder Schildkrötenrücken gleich, sechseckig oder wasserlos, nach Süden, Südosten, Nordwesten oder Südwesten abfallend, stets schlammig,
Kriyapada 23-16. ständig heftigen Winden ausgesetzt, mit links herum wirbelndem Wasser, übelriechend, durch Haare, Ungeziefer, Knochen, Asche und Ameisenhügel verunreinigt:
Kriyapada 23-17. Solcher Boden heißt „vermischt“ und wird von allen sozialen Gruppen getadelt. Nun wird der Boden vierfach entsprechend den Gruppen, beginnend mit den Brahmanen, beschrieben.
Kriyapada 23-18. Weiß, nach Butter duftend, süß, mit Kusha- und Kasha-Gras geschmückt, nach Norden und Nordosten geneigt, feucht und mit Palasha und Udumbara bestanden,
Kriyapada 23-19. von quadratischer Gestalt: Dies heißt friedenspendender Brahmanenboden. Roter Boden, nach Blut riechend, zusammenziehend im Geschmack und nach Osten abfallend,
Kriyapada 23-20. mit Ashvattha bestanden und um ein Achtel länger als breit, heißt Kshatriya-Boden. Gelber Boden, stark nach Kuhurin riechend, bitter oder sauer im Geschmack,
Kriyapada 23-21. nach Osten abfallend, mit vielen Plaksha-Bäumen und verschiedenen Feldfrüchten, um ein Sechstel länger als breit, wird als Vaishya-Boden bezeichnet.
Kriyapada 23-22. Schwarzer Boden, nach Honig riechend, scharf im Geschmack, dessen Wasser nach Osten abfließt, gilt als der Shudra-Gruppe zugehörig; oder er fällt nach Westen ab. [Diese Einteilung nach sozialen Gruppen ist eine historische Vorschrift, keine heutige Eignungsprüfung von Menschen oder Wohnorten.]
Kriyapada 23-23. Nach Osten abfallender Boden heißt „Kuhweg“, nach Südosten vertiefter „Feuerweg“, nach Süden abfallender „Yama-Weg“, nach Südwesten „Naga-Weg“.
Kriyapada 23-24. Nach Westen abfallender heißt „Varuna-Weg“, nach Nordwesten „Weg der Wesen“, nach Norden vertiefter „Reichtumsweg“, nach Nordosten „Getreideweg“.
Kriyapada 23-25. Für Brahmanen und die übrigen Gruppen sowie für Gottheiten werden die nach Osten, Nordosten und Norden abfallenden Wege empfohlen. Die anderen sind zu meiden, weil sie als ungünstig gelten.
Kriyapada 23-26. So wurden die Merkmale des Bodens im Allgemeinen dargelegt. Nun wird weiter gesagt: Er sei mit Kusha-Gras, Felsen, besonderen Bergen, heiligen Badeplätzen, heiligen Stätten und Wald verbunden,
Kriyapada 23-27. rechtmäßig erworben, mit günstigem Gefälle, der sozialen Gruppe entsprechend und eben. Ist ein solcher nicht zu erlangen, so ist weißer, schöner Boden allen Gruppen zuträglich.
Kriyapada 23-28. Er sei ohne Vertiefungen und unfruchtbare Stellen, frei von Schlangen, Ameisenhügeln und Angehörigen ausgegrenzter Gruppen, ohne Verbrennungsstätte und Kohlenreste, mit wohlschmeckendem Wasser. [Die soziale Ausschließung steht hier neben Geländeangaben und wird als Aussage der Quelle kenntlich belassen.]
Kriyapada 23-29. Banyan, Udumbara, Ashvattha und Plaksha sind in den Richtungen, beginnend mit Osten, günstig. Überall sind Kesara, Mango, Punnaga, Naga und Granatapfel,
Kriyapada 23-30. Manasa, Champaka, Betelpalme und Kokospalme schön. Ein Berg im Osten ist dagegen verboten, denn sein Schatten bei Sonnenaufgang
Kriyapada 23-31. macht den Bereich, auf den er fällt, für ein Dorf und dergleichen nicht empfehlenswert. Wasser gilt bei der Stellung im Wassermann als am besten, in Fischen und Widder als mittel,
Kriyapada 23-32. in Steinbock und Stier als gering für ein Dorf oder Heiligtum. [Örtlicher Hinweis: Welcher Himmelskörper diese Zeichen einnimmt, wird hier nicht genannt; die zeitliche Deutung der Wasserangabe bleibt daher vorläufig.] Man stelle einen ungebrannten, mit Getreide gefüllten Krug auf und verehre ihn. Darauf stelle man
Kriyapada 23-33. eine ungebrannte Schale und gebe ein Kuduba Kuhbutter hinein. In den vier Richtungen lege man reine Dochte aus Baumwollstoff ein,
Kriyapada 23-34. vier gleichmäßig gedrehte, in Weiß, Rot, Gelb und Schwarz. Die Dochte im Osten, Süden, Norden und Westen gehören der Reihe nach den Brahmanen und den übrigen Gruppen.
Kriyapada 23-35. Man verbinde sie mit den ihrer Gruppe zugehörigen Formen Purusha und den weiteren, bespreche sie mit deren Mantras, fasse den Vorsatz, entzünde die Lichter und verehre sie mit Duftstoffen und den übrigen Gaben.
Kriyapada 23-36. Für die Dauer einer Nachtwache stelle man sie auf einen gut bestrichenen Boden. Brennt der Docht einer bestimmten sozialen Gruppe, so gilt dies für sie als glückbringend.
Kriyapada 23-37. Ist er erloschen, soll der Ort für den Bau eines Heiligtums und Ähnliches gemieden werden. Brennen alle, gilt dies für sämtliche Gruppen als glückbringend.
Kriyapada 23-38. Man grabe eine gleichmäßig bemessene Grube von einer Elle und fülle sie wieder mit ihrer Erde auf. Bleibt Erde übrig, ist der Boden am besten; reicht sie genau, ist er mittel.
Kriyapada 23-39. Ist es zu wenig, ist der Boden gering und zu meiden. So bestimme man die drei Arten. Oder man fülle die Grube mit Wasser, gehe hundert Schritte weit
Kriyapada 23-40. und kehre zurück. Ist sie noch ebenso voll wie zuvor, ist der Boden am besten. Ist der Stand um eine Gerstenkornbreite gesunken, ist er mittel; bei stärkerer Abnahme ist er zu meiden.
Kriyapada 23-41. So prüfe man die schöne Erde, frei von den genannten Mängeln und mit den empfohlenen Eigenschaften versehen. Auf ihr errichte man nach dem beschriebenen Weg Shivas Heiligtum und vollziehe seine Verehrung, die das erwünschte Ziel zur Reife bringt.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das dreiundzwanzigste Kapitel über die Merkmale des Bodens.
Den Ort aufmerksam wahrnehmen
Die sorgfältige Betrachtung von Wasser, Boden und Umgebung zeigt, dass ein heiliger Ort im Text nicht losgelöst von seiner Landschaft gedacht wird. Heutige Yoga-Aspiranten können darin eine Anregung finden, ihren Übungsort mit Aufmerksamkeit und Respekt zu wählen. Die beschriebenen Vorzeichen und sozialen Zuordnungen bleiben davon getrennte historische Bestandteile der Überlieferung.
Kriyapada, Kapitel 24: Schattenstab, Richtungen und Längenmaße
Für einen Bauplatz müssen Ebene, Himmelsrichtungen und Maße bestimmt werden. Das Kapitel erläutert dazu einen Schattenstab, geometrische Konstruktionen und verschiedene Körper- und Stabmaße. Es enthält außerdem eine astronomische Korrekturrechnung und abweichende Maßangaben. Wo die gelieferten Erläuterungen unsicher bleiben, wird keine neue technische Rekonstruktion als ursprünglicher Text ausgegeben.
Kapiteleingang. Nun das vierundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 24-1. Wenn die Sonne auf ihrem nördlichen Weg steht, grabe man am Morgen eines günstigen Tages den erworbenen Bauplatz auf, entferne störende Gegenstände im Boden und reinige ihn.
Kriyapada 24-2. Überall mache man die Fläche vollkommen eben wie einen Spiegel. In ihrer Mitte ebne man einen Bereich von einem Stabmaß anhand des Wasserstandes ein.
Unnummerierter Übergang. Dies geschieht so:
Kriyapada 24-3. Einen Krug mit einer Öffnung in der Mitte, gefüllt mit einer Bhara Wasser, stelle man auf eine Vorrichtung und setze ihn eben in die Mitte der Fläche.
Kriyapada 24-4. Wenn der Boden vom ausfließenden Wasser gleichmäßig benetzt ist, soll der Wasserstand erkennen lassen, wo weder Vertiefung noch Erhöhung vorliegt.
Unnummerierte Fortsetzung nach 24-4. In der Mitte der Fläche setze man einen Punkt und darauf den Schattenstab senkrecht auf.
Unnummeriertes Zitat anderer Lehrer nach 24-4. „Der Stab soll auf der Drehbank rund gefertigt sein, unten und oben gleich dick, aus Elefantenstoßzahn oder Kernholz. Nach dem Lot gleichmäßig und gerade, ohne Beschädigung, von sechsfachem Umfang, mit ebener Standfläche und zwölf Fingerbreiten hoch: Ein solcher Schattenstab wird hier empfohlen.“ [Örtliche Unsicherheit: „sechsfachem Umfang“ gibt die unklare Maßangabe „ṣaṭkavṛttaḥ“ wieder; ein konkreter Durchmesser wird nicht daraus ergänzt.]
Kriyapada 24-5. In der Mitte von Fuß und Spitze des Stabes befestige man zwei gleiche Metallnadeln, eine Gerstenkornbreite dick und lang,
Kriyapada 24-6. damit sich die Mitte seines Schattens bestimmen lässt. Eine Schnur von der Länge des Schattenstabes lege man an den genannten Punkt.
Kriyapada 24-7. Vom Punkt aus führe man sie ringsum und zeichne damit einen vollkommenen Kreis. In dessen Mittelpunkt stelle man den Stab bei Sonnenaufgang auf.
Kriyapada 24-8. Wenn am Vormittag die Spitze des kürzer werdenden Stabschattens die Kreislinie erreicht, markiere man dort die Schattenspitze. [Quellenhinweis: Die gelieferte Lesung „viṃśati“ ist in diesem Satz unklar. „Die Kreislinie erreicht“ ist eine kontextbezogene, nicht durch Sanskritkorrektur gewonnene Wiedergabe.]
Kriyapada 24-9. Ebenso markiere man am Nachmittag, wenn der Schatten aus dem Kreis hinaustritt und die Linie berührt, diese Stelle wie zuvor.
Kriyapada 24-10. Zwischen den beiden östlichen und westlichen Marken spanne man eine gerade Schnur. Dies ergibt Ost und West; diese Ostlinie heißt die brahmische.
Kriyapada 24-11. Die an der westlichen Marke befestigte Schnur versetze man südlich der östlichen Marke um die Hälfte des Rakshoghna-Maßes. Diese Richtung heißt die Indra-Richtung. [Das hier vorausgesetzte Rakshoghna-Maß wird nicht erklärt.]
Kriyapada 24-12. Entsprechend nördlich der östlichen Marke liegt die Ishana-Richtung. Einige sagen, beim Errichten von Shiva-Heiligtümern und ähnlichen Bauten sei diese die Ostlinie.
Kriyapada 24-13. Andere nennen die Indra-Richtung für die Errichtung von Wohnungen der Brahmanen und der übrigen Gruppen. Aufgrund der Zeugnisse mehrerer Tantras gilt aber die brahmische Richtung für alle.
Kriyapada 24-14. „Diese Richtungsbestimmung gilt an Orten ohne geographische Breite, etwa Lanka“, sagen einige. Deshalb wird nun die Besonderheit für Orte mit geographischer Breite beschrieben.
Unnummerierte Fortsetzung nach 24-14. Für Orte mit geographischer Breite besteht wegen der Abweichung der Sonne tatsächlich ein Unterschied.
Unnummeriertes astronomisches Zitat nach 24-14. Andere sagen: „Die Sonne bewegt sich auf dem Deklinationskreis fortwährend nach Süden und Norden. Deshalb erscheint jene Richtung nicht genau gerade. Durch die Sinusgröße der Deklination wird sie wieder gerade.“
Unnummerierte Erklärung. Auf der nördlichen Himmelshemisphäre bewegt sich die Sonne entlang des Deklinationskreises nach Norden, auf der südlichen nach Süden. Deshalb erscheint jene Richtung nicht genau gerade. Nun wird dargelegt, wie die Richtung mittels der Sinusgröße der Deklination berichtigt wird:
Unnummeriertes Rechenzitat nach 24-14. „Die Differenz der Sinusgrößen der Sonnendeklination zu den Zeiten des Austritts und Eintritts des Schattens, mit der zugehörigen Hypotenuse multipliziert und durch den Lambaka geteilt, ergibt den Wert in Fingerbreiten und kleineren Einheiten. Um diesen Wert versetze man den westlichen Punkt entgegen der Richtung des Sonnenhalbjahres. So erhält man die genaue Ost-West-Linie. Oder man verschiebe den östlichen Punkt in der Richtung des Sonnenhalbjahres.“
Unnummerierte Erklärung der Rechnung. Die verstrichenen Ghatikas, nach denen der Schatten des Stabes die Kreislinie berührt beziehungsweise aus dem Kreis austritt, bestimmen die Eintritts- und Austrittszeit. Die Differenz der Sinusgrößen der Sonnendeklination zu diesen beiden Zeiten bedeutet hier das Maß der Sonnen-Ghatikas. [Quellenhinweis: Diese Gleichsetzung von Zeitmaß und Deklinationsdifferenz in der gelieferten Erklärung ist fachlich nicht eindeutig; sie wird nicht rechnerisch ersetzt.]
Man multipliziere dies mit der eigenen Hypotenuse, nämlich der Hypotenuse des Schattens zur Eintritts- beziehungsweise Austrittszeit, und teile durch den Lambaka, das heißt durch die Lambajya. Das Ergebnis ergibt sich in Fingerbreiten. Um die so erhaltene Zahl von Fingerbreiten versetze man den westlichen Punkt entgegen dem Sonnenhalbjahr: während des nördlichen Sonnenweges nach Süden, während des südlichen nach Norden. Die so gespannte Schnur ergibt an einem Ort mit geographischer Breite die genaue Ostlinie. Nun folgt ein anderes Verfahren zur Richtungsbestimmung, auch ohne die solaren Lotgrößen:
Kriyapada 24-15. Wo die beiden Schnüre zusammentreffen, welche die Mitten der aus drei Schattenspitzen entstandenen Kreise berühren, ergibt sich in Richtung zum Schattenstab die Süd-Nord-Linie; ihre Zuordnung erfolgt entsprechend der nördlichen beziehungsweise südlichen Himmelshemisphäre.
Unnummerierte Prosa nach 24-15: Konstruktion mit drei Schattenpunkten. Man beobachte vormittags oder nachmittags drei Schattenspitzen. Zeichnet man mit ihnen drei Kreise, entstehen zwei Fischfiguren. Die zwei Schnüre entlang ihrer Köpfe und Schwänze treffen sich an einer Stelle. Von dort bis zum Fuß des Stabes spanne man eine Schnur; sie ergibt die Süd-Nord-Richtung. Steht die Sonne auf der nördlichen Himmelshemisphäre, liegt der Punkt südlich des Stabfußes, auf der südlichen nördlich davon.
Dies wird hier noch einmal genauer erklärt: Auf einer mit Wasser eingeebneten Fläche stelle man den Stab im angegebenen Maß auf. Vormittags oder nachmittags markiere man drei Punkte an drei nacheinander eingenommenen Stellen der Schattenspitze. Dann zeichne man um einen Punkt als Mittelpunkt einen Kreis mit frei gewähltem Radius. Mit demselben Radius zeichne man um den zweiten Punkt einen zweiten und um den dritten Punkt einen dritten Kreis. Alle Kreise haben somit dasselbe Maß. Man zeichne sie so, dass der Kreis um den mittleren Punkt sich mit den beiden Kreisen um die seitlichen Punkte überschneidet. Dadurch entstehen zwei Fischfiguren.
Auf der Seite, wo ihr Abstand groß ist, liegen die Köpfe; auf der Seite, wo sie einander nahekommen, die Schwänze. An den Köpfen setze man feine Pflöcke ein und befestige Schnüre. Man führe sie durch die Mitte der Schwänze weiter, jede in ihrer eigenen Richtung. Wo sich die den Kopf-Schwanz-Linien folgenden Schnüre treffen, liegt vom Stabfuß aus gesehen Süden, wenn die Sonne auf der nördlichen Himmelshemisphäre steht. Steht die Sonne auf der südlichen, liegt dieser Schnittpunkt vom Stabfuß aus im Norden. [Örtlicher Hinweis: Die Beschreibung der Köpfe und Schwänze ist bildhaft und nicht in jedem Konstruktionsschritt eindeutig; die Vorlage enthält zudem eine fragliche Klammerlesung bei der Richtungsangabe. Hier wird ihre Anweisung übersetzt, keine überprüfte Bauzeichnung daraus abgeleitet.]
Man spanne eine Schnur durch Stabfuß und Schnittpunkt und ziehe eine Linie: Dies ist die Süd-Nord-Richtung. Dann nehme man jeweils einen dieser Punkte als Mittelpunkt und erzeuge mit zwei Kreisen eine Fischfigur. Die durch deren Kopf und Schwanz laufende Schnur ergibt Ost und West. So wurde die Richtungsbestimmung für einen Ort mit geographischer Breite beschrieben.
An einem Ort ohne geographische Breite gilt die zuvor genannte Ost-West-Richtung. Vom Mittelpunkt ihrer Schnur aus markiere man auf ihr im Abstand von zehn Fingerbreiten je einen Punkt östlich und westlich. Eine Schnur von der Länge des Abstandes zwischen diesen Marken lege man an die Marken und schwenke sie nach Süden und Norden. Durch die so entstandenen Fischfiguren spanne man eine Schnur; sie ergibt die Süd-Nord-Richtung. Damit genug. Ferner:
Kriyapada 24-16. Die Abweichung der Sonne ist entsprechend dem Schatten des Stabes zu bestimmen.
Kriyapada 24-17. Man berechne sie nach Art von Bogen und Sinus und erkenne sie für beide Sonnenwege. Der abweichende Schatten beträgt bei Stier, Zwillinge und Jungfrau eine halbe Fingerbreite.
Kriyapada 24-18 mit vorangehender Erklärung. Bei Waage, Skorpion und Schütze nimmt er zu, bei Krebs, Steinbock und den weiteren ab – dies gilt täglich. Zwei, eins, null, null, eins, zwei, sodann in der Zahl von Augen, Feuer und heiligen Überlieferungen,
Kriyapada 24-19. in der Zahl von Veden, Feuer und zwei; zwei, eins, nichts; nichts, eins, Augen, Meere, Ramas, Augen, Zeitalter, Pfeile und Jahreszeiten,
Kriyapada 24-20. sechs, sieben, acht; acht, Rishis, Geschmacksarten; Jahreszeiten, Pfeile, heilige Überlieferungen; Veden, Feuer und Augen, der Reihe nach:
Kriyapada 24-21. In der Einheit eines halben halben Viertels ziehe man bei den zwölf Zeichen von Widder an für jeden Zehntagesabschnitt dieses Maß vom Stabschatten ab. [Quellenhinweis zu 24-18–21: Die Zahlenreihe wird teils ausdrücklich, teils durch Zahlwörter wie Augen, Veden und Jahreszeiten angegeben. „Halbes halbes Viertel“ folgt der gelieferten Maßformulierung. Eine vollständig berechnete astronomische Tabelle wäre eine Rekonstruktion und wird hier nicht ergänzt.]
Unnummerierter Übergang. Dazu:
Kriyapada 24-22. Man betrachte den Lauf der Sonne samt ihrem Tierkreiszeichen und ziehe sachgerecht das zuvor genannte Fingermaß ab. Dann bestimme man die Himmelsrichtung und spanne ihr entsprechend die Schnur, um den Bauplatz anzulegen.
Kriyapada 24-23. Die Ebenheit einer Fläche ergibt sich mittels Wasser, die Geradheit im Stehen mittels Lotschnur; gleiche Seiten erkennt man an den Diagonalen, die waagerechte Geradheit durch drei Stäbe.
Unnummerierte Fortsetzung nach 24-23. Aus der Ostschnur ergeben sich die anderen Richtungen des Quadrats.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über den Schatten des Stabes.
Kriyapada 24-24. Aus jeweils acht kleinsten Teilchen, Staubteilchen, Haarbreiten, Nissen, Läusen und Gerstenkörnern
Unnummerierte Fortsetzung nach 24-24. entstehen der Reihe nach die größeren Einheiten bis zum Maßfinger. Zwölf Fingerbreiten sind eine Spanne.
Kriyapada 24-25. Zwölf Maßfinger ergeben eine Spanne; zwei Spannen heißen Kishku und bilden eine Elle. Vier Ellen ergeben einen Bogen, der auch Stab genannt wird. [Die gelieferte Schreibweise der Benennung Kishku ist hier gestört; die anschließende Verwendung des Namens macht die Bezeichnung erkennbar.]
Kriyapada 24-26. Eine Länge von fünfzig Stäben wird als halbe Gavyuti bezeichnet.
Kriyapada 24-27. Das Doppelte ist eine Gavyuti, zwei davon heißen Krosha. Vier Kroshas sind ein Yojana, zwei Kroshas ein halbes Yojana.
Unnummeriertes Aryabhata-Zitat nach 24-27. „Eine Elle besteht aus vierundzwanzig Fingerbreiten; vier Ellen sind ein Stab. Zweitausend davon sind ein Krosha, vier Kroshas ein Yojana.“ [Quellenhinweis: Das zitierte Krosha-Maß weicht deutlich von 24-26–27 ab. Beide Angaben bleiben erhalten.]
Kriyapada 24-28. Die Prajapatya genannte Elle beträgt fünfundzwanzig Fingerbreiten. Sechsundzwanzig und siebenundzwanzig betragen Dhanurmushti und Dhanurgraha.
Kriyapada 24-29. Mit geballter Faust bis zum Gelenk gemessen heißt der Arm Ratni. Derselbe wird Aratni genannt, wenn der kleine Finger ausgestreckt ist.
Kriyapada 24-30. Von der Daumenspitze zu den ausgestreckten Fingern vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger gemessen, heißen die Spannen der Reihe nach Pradesha, Tala, Gokarna und Vitasti.
Kriyapada 24-31. Die Länge des mittleren Gliedes des Mittelfingers bestimmt den längs gemessenen Matra-Finger. Dasselbe Glied quer gemessen ergibt den querliegenden Matra-Finger, auch Tata genannt.
Unnummerierte Fortsetzung nach 24-31. Der am Körper gewonnene Fingermaßstab ist nach den zugehörigen Maßverhältnissen bei Götterbildern zu verstehen.
Kriyapada 24-32. Acht Stäbe sind eine Messschnur; sie wird bei Grenzen und ähnlichen Aufgaben verwendet. Mit der Kishku-Elle bemisst man Fahrzeuge, Lagerstätten und weitere Geräte.
Unnummeriertes Maya-Zitat nach 24-32. „Bei Fahrzeug und Bett gilt die Kishku-Elle, beim Heiligtum die Prajapatya-Elle, bei Bauplätzen Dhanurmushti, bei Dörfern und ähnlichen Anlagen Dhanurgraha. Oder für sämtliche Bauplätze kann die Kishku-Elle gelten.“
Kriyapada 24-33. Mit dem Stabmaß lege man Dörfer, Städte, befestigte Siedlungen und Marktflecken an. Für Häuser und Ähnliches ist das Ellenmaß genannt, für Kleines Fingerbreiten oder Gerstenkörner.
Kriyapada 24-34. Göttertempel, Häuser und andere Bauten errichte man nach dem Matra-Finger.
Kriyapada 24-35. Auch Feuergruben, Mandalas und die übrigen Anlagen sollen überall nach dem Matra-Finger hergestellt werden. So wurde hier ordnungsgemäß dargelegt, wie die verschiedenen besonderen Handlungen durch ihre jeweiligen Maße zustande kommen.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das vierundzwanzigste Kapitel namens „Vorschrift über Schattenstab, Fingermaße und weitere Maße“.
Genauigkeit als Teil der Vorbereitung
Die Aufmerksamkeit für Ebene, Richtung und Maß macht die Sorgfalt sichtbar, die der Text von einer heiligen Bauaufgabe erwartet. Die verschiedenen Lehrmeinungen und Maßsysteme zeigen zugleich, dass die Überlieferung Unterschiede bewahrt. Für die eigene Yoga-Praxis kann daraus eine schlichte Anregung erwachsen: Vor dem Handeln innehalten, die Voraussetzungen betrachten und sorgfältig mit dem arbeiten, was tatsächlich vorliegt.
Kriyapada, Kapitel 25: Raster, Dörfer und Städte
Dieses Kapitel erweitert den Blick vom einzelnen Bauplatz auf ganze Siedlungen. Es beschreibt quadratische Raster, Größenklassen, Straßen, Heiligtümer und Wohnbereiche. Die Raumordnung verbindet praktische Funktionen mit Gottheitenfeldern und der historischen sozialen Hierarchie. Zahlenabweichungen und nicht eindeutig auflösbare Fachwörter bleiben gekennzeichnet.
Kapiteleingang. Nun das fünfundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 25-1. Nun wird zur Verwirklichung der Bauanlage die Anordnung der Felder beschrieben: Sakala, Pechaka, Pitha, Mahapitha, Upapitha,
Kriyapada 25-2. Ugrapitha, Sthandila, Manduka, Parashayika und Asana – zehn Arten der Rasteranlage für Dörfer und andere Siedlungen.
Kriyapada 25-3. Innerhalb der vier äußeren Schnüre liegt das eine Feld des Sakala. Durch Hinzufügen je einer Schnur in östlicher und nördlicher Richtung entstehen vier Felder.
Kriyapada 25-4. So vermehre man schrittweise die nach Osten und Norden verlaufenden Feldreihen. Das Pechaka hat vier Felder, das Pitha neun.
Kriyapada 25-5. Mahapitha besitzt sechzehn, Upapitha fünfundzwanzig und Ugrapitha sechsunddreißig Felder.
Kriyapada 25-6. Sthandila hat neunundvierzig, Manduka acht mal acht. Das Paramashayika genannte Feld ist für seine einundachtzig Felder bekannt.
Kriyapada 25-7. Asana besteht aus hundert Feldern; auf diesen Rastern werden Dörfer und andere Anlagen verwirklicht. Ein quadratisches Grundstück von acht Stäben Seitenlänge ist eine Kakani; deren Vierfaches
Kriyapada 25-8. ist ein Masha. Viermal so viel heißt Vartanaka, dessen Fünffaches Vati, und viermal so viel ist ein Kuduba.
Kriyapada 25-9. So wurden die Bodenmaße genannt; nun werden die Stabmaße beschrieben. Die Grenze eines vorzüglichsten großen Dorfes umfasst hunderttausend Stäbe.
Kriyapada 25-10. Vermindert man dies jeweils um zwanzigtausend Stäbe, ergeben sich fünf Dorfmaße. So wurde die hauptsächliche Reihe genannt.
Kriyapada 25-11. Von zwanzigtausend Stäben an vermindere man die Dorfmaße jeweils um fünfhundert bis hinunter zu fünfhundert Stäben.
Kriyapada 25-12. So ergeben sich vierzig Unterarten der mittleren Größenklasse. Dies gilt als Grenzmaß des Dorfes samt Wohnbereich, Feldern und weiterem.
Kriyapada 25-13. Nun wird das Grenzmaß des Wohnbereichs innerhalb der Umwallung genannt: Dorf, Khetaka, Kharvata, Festung,
Kriyapada 25-14. Stadt, Residenzstadt, Hafenstadt, Dronikamukha, Feldlager, Heerlager, Grenzstation, Vidambaka,
Kriyapada 25-15. Marktflecken und Nebenstadt. Die Merkmale dieser vierzehn Arten werden einzeln dargelegt.
Kriyapada 25-16. Das kleinste der kleinen Dörfer ist vierundsechzig Stäbe breit. Die mittlere und höchste Form betragen das Doppelte und Dreifache.
Kriyapada 25-17. Für ein kleines Kheta gelten zweihundertsechsundfünfzig Stäbe, für ein mittleres dreihundertzwanzig und für ein großes dreihundertvierundachtzig.
Kriyapada 25-18. So wird Kheta dreifach angegeben. Vierhundertachtundvierzig Stäbe
Kriyapada 25-19. gelten für ein kleines Kharvata, fünfhundertzwölf für ein mittleres und fünfhundertsechsundsiebzig für ein großes.
Kriyapada 25-20. Die kleine Festung misst sechshundertvierzig Stäbe, die mittlere siebenhundertvier.
Kriyapada 25-21. Die große Festung misst siebenhundertachtundsechzig. Achthundertzweiunddreißig, achthundertsechsundneunzig
Kriyapada 25-22. und neunhundertsechs sind die drei unteren Stadtmaße. [Quellenhinweis: Die letzte Zahl lautet geliefert neunhundertsechs; sie wird nicht einer erwarteten regelmäßigen Reihe angepasst.] Tausend, tausendfünfhundert und zweitausend sind der Reihe nach
Kriyapada 25-23. die kleine, mittlere und große Stadt in der mittleren Dreiergruppe. Dreitausend, viertausend und fünftausend sind die Stadtmaße der oberen Dreiergruppe.
Kriyapada 25-24. Sechstausend, siebentausend und achttausend Stäbe ergeben der Reihe nach die drei Städte der allerhöchsten Gruppe.
Kriyapada 25-25. Durch Vermehrung um die Vikara-Zahl von Stäben ergeben sich für Dörfer und die weiteren Siedlungen jeweils wiederum neun Maße oberhalb der genannten. [Vikara ist eine Zahlenchiffre; ihr Wert wird hier nicht ausdrücklich erklärt.]
Kriyapada 25-26. Für Residenzstädte und die weiteren gelten die Maße wie für Städte. Diese Maße der Dörfer und übrigen Anlagen gelten nur bei Menschen.
Kriyapada 25-27. Die Maße der Städte von Göttern, Asuras und anderen sind den Menschen nicht bekannt. Gegenüber der Breite betrage die Verlängerung ein Viertel, die Hälfte oder drei Viertel, oder die Länge sei das Doppelte,
Kriyapada 25-28. bei den Anlagen vom Dorf bis zur Stadt. Ihre Breite und Länge sollen mit ungeraden Stabzahlen
Kriyapada 25-29. festgelegt werden. Der Rest dient als Garten- und Verkehrsfläche. Dörfer lege man an den südlichen und weiteren Ufern von Flüssen und anderen Gewässern an. [Die knappe Richtungsangabe „dakṣiṇādye“ bezeichnet hier keine vollständig ausgeführte Uferliste.]
Kriyapada 25-30. Ein Kheta liege zwischen zwei Dörfern, ein Kharvata in der Mitte eines Landes. Eine Festung liege in einem Berggebiet, im Wald, im Meer oder von Wasser umgeben.
Kriyapada 25-31. Sieben Arten von Festungen gibt es: Berg-, Wald-, Wasser-, Ödland-, göttliche, Wüsten- und künstlich angelegte Festung.
Kriyapada 25-32. Eine Stadt liegt in der Mitte eines Landes oder nahe einem Fluss. Dieselbe Anlage, durch Pfähle, Schlamm und ähnliche Hindernisse sowie Gräben schwer zugänglich,
Kriyapada 25-33. mit hoher Umwallung, Türmen, Torbauten, Wurfvorrichtungen, Hula-Geräten und Shataghni-Waffen ringsum sowie weit ausgedehnten hohen Wehrplattformen,
Kriyapada 25-34. mit einem, zwei, drei oder vier Toren, heißt Residenzstadt. Eine mit vielfältigen Waren und Reichtümern gefüllte, an einer Meeresniederung gelegene,
Kriyapada 25-35. von seefahrenden Kaufleuten bewohnte Siedlung nennt man Hafenstadt. Dieselbe an einem Zusammenfluss von Meer und Fluss, von Schiffen angelaufen
Kriyapada 25-36. und von Kaufleuten aus anderen Inseln beziehungsweise Ländern bewohnt, nennen die Kundigen Dronamukha. Im fremden oder eigenen Land mit dem viergliedrigen Heer ausgestattet,
Kriyapada 25-37. heißt die Niederlassung eines nach Sieg strebenden Herrschers Feldlager. Dasselbe, nicht allzu weit entfernt, wenn zwei Könige miteinander Krieg führen,
Kriyapada 25-38. als gesonderte Niederlassung des Heeres, heißt Heerlager. An der Seite eines Berges oder Flusses, mit königlichen Truppen besetzt,
Kriyapada 25-39. an der Landesgrenze mit einem Grenzhüter versehen: Das nennen die Kundigen Grenzstation. Eine Wohnstätte von Bauern und anderen am Dorfrand heißt Vidambaka.
Kriyapada 25-40. Mit Menschen der vier sozialen Gruppen, Handwerkern und Angehörigen verschiedener Erwerbszweige sowie mit Waren, Geld, Getreide und anderem ausgestattet, heißt eine Siedlung Marktflecken.
Kriyapada 25-41. Im Wald oder am Stadtrand, von Stadtbewohnern bewohnt und mit Feldern, Gärten und ergiebigen Lagerstätten versehen, gilt sie als Nebenstadt.
Kriyapada 25-42. Mit so vielen Tausenden von Zweimalgeborenen wie Jagati, Pankti und Vasus zählen, entsteht das höchste, mittlere und geringste Dorf der höchsten Klasse. [Die ersten beiden Zahlen sind durch Versmaßnamen bezeichnet; die Quelle schreibt hier keine Ziffern aus.]
Kriyapada 25-43. Mit siebentausend, sechstausend und fünftausend entstehen die höchste, mittlere und geringste Form der mittleren Klasse; mit viertausend, dreitausend und zweitausend die drei Formen der unteren Klasse.
Kriyapada 25-44. Mit tausend, siebenhundert und fünfhundert Brahmanen entstehen die höchste und die weiteren Formen der noch niedrigeren Klasse. Dann folgen die kleinen Dörfer, auch sie in elf Arten.
Kriyapada 25-45. Mit vierhundert, dreihundert, zweihundert, achthundert und vierundachtzig; ferner vierundsechzig, fünfzig, zweiunddreißig und drei mal acht,
Kriyapada 25-46. mit der Vikara- und der Aditya-Zahl angesiedelter Brahmanen. [Quellenhinweis zu 25-45–46: Die gelieferte Zahl „achthundert“ steht in einer ansonsten kleiner werdenden Reihe. Sie wird nicht stillschweigend zu einer vermuteten anderen Zahl geändert; auch die Gliederung der Elfzahl bleibt dadurch unsicher.] Von einem bis zu zehn Brahmanen reichen zehn Formen, Ein-Besitz und die folgenden genannt.
Kriyapada 25-47. Bei den Dorfrastern von Sakala bis Asana liegen die Straßen bei gerader Teilungszahl auf den Schnurlinien, bei ungerader in den Feldreihen.
Kriyapada 25-48. Man soll beide nicht vermischen; eine Vermischung gilt als verderbenbringend. Dandaka, Svastika, Prastara, Prakirnaka,
Kriyapada 25-49. Nandyavarta, Paraga, Padma und Shripratishthita: So sind die allgemeinen Anordnungen der Dörfer und übrigen Siedlungen achtfach.
Kriyapada 25-50. Die Straße um den Dorfrand heißt Mangala-Straße. In der Stadt heißt sie Jana-Straße, bei Khetakas und den weiteren Ratha-Straße.
Kriyapada 25-51. Die Straßenbreite betrage einen, zwei, drei, vier oder fünf Stäbe. Zwei nach Osten und Norden verlaufende Straßen verbinden die Mitte in kreuzartiger Form. [Die genaue Bedeutung des gelieferten Formwortes „kakarī“ bleibt unsicher.]
Kriyapada 25-52. Mit vier Toren und einer umgebenden Umwallung heißt die Anlage Dandaka. Auch eine Anlage mit nur einer nach Osten verlaufenden Straße heißt Dandaka.
Kriyapada 25-53. In einem Dorf mit fünfundzwanzig Rasterfeldern lasse man vom Mittelfeld aus in den vier Richtungen, im Osten beginnend, jeweils zwei Felder frei.
Kriyapada 25-54. Von dort lasse man nach außen jeweils zwei weitere Felder rechtsläufig frei, wiederum im Osten beginnend. So ergibt sich deutlich eine Anordnung in Svastika-Form.
Kriyapada 25-55. Beim Prastara sind drei von Osten nach Westen verlaufende Straßen und drei nördlich gerichtete genannt, oder vier, fünf, sechs oder sieben.
Kriyapada 25-56. Beim Prakirnaka gibt es vier östlich gerichtete und zwölf nördlich gerichtete Straßen; oder letztere entsprechen den Zahlen der Rudras, Richtungen, Nandas und Vasus.
Kriyapada 25-57. Fünf Straßen verlaufen von Osten nach Westen und dreizehn nach Norden; oder die nördlichen entsprechen den Versmaßzahlen Shakvari, Atishakvari, Ashti und Atyashti.
Kriyapada 25-58. So entstehen die Straßen beim Nandyavarta-Raster eines Dorfes und anderer Anlagen. Wo es sechs östlich gerichtete Straßen gibt und nördliche in den Versmaßzahlen von Dhriti
Kriyapada 25-59. bis Akriti, heißt die Anlage Paraga. Sieben östlich gerichtete Straßen und, bei dreiundzwanzig beginnend,
Kriyapada 25-60. bis siebenundzwanzig nördliche gelten für die Padma-Anordnung. [Die Quelle enthält vor der Obergrenze unvermittelt den Pranava; er wird nicht als Teil einer zusätzlichen Mantraformel gedeutet.] Acht östlich gerichtete Straßen und, bei achtundzwanzig beginnend,
Kriyapada 25-61. bis zweiunddreißig nördliche gibt es bei Shripratishthita. In den Feldern Mahendra, Griharaksha, Bhallata und Pushpadanta
Kriyapada 25-62. liegen die großen Tore. Falls Nebentore vorhanden sind, liegen sie bei Bhrisha, Pushan, Bhringa, Dauvara, Shosha und Naga,
Kriyapada 25-63. ferner Diti und Parjanya. Wasserwege werden vom Indra-Bereich bis zum Bereich von Isha und Argala empfohlen, sodass das Gefälle nach Osten und Norden führt.
Kriyapada 25-64. Im Surya-Feld steht die Sonne, bei Bhrisha Vishnu, bei Agni Kali, bei Yama Guha. Vishnu befindet sich in der Mitte und bei Varuna; bei Sugriva liegt ein Heiligtum des Sugata, des Buddha.
Kriyapada 25-65. Bei Bhringa liegt das Heiligtum des Jina, bei Vayu das der Jyeshtha, bei Mukhya das der Chandi. Kubera, Mahakali und die Mütter befinden sich im Mondbereich.
Kriyapada 25-66. Bei Aditi liegt Vastu-Chamundi. Für Shiva ist der Ishana-Bereich günstig. Im Nirriti- oder Jayanta-Bereich liege das Haus des Hindernisherrn.
Kriyapada 25-67. Andere haben die Anordnung der Gottheiten auch so beschrieben: In der Mitte von Dörfern, Städten und Ländern liege das Haus Brahmas.
Kriyapada 25-68. Vishnus Heiligtum liege im Osten oder Westen und blicke auf Dorf oder Stadt. Ein von Menschen errichtetes Shiva-Heiligtum liege im Nordosten und blicke davon weg.
Kriyapada 25-69. Ein von selbst entstandenes, göttliches oder von Rishis stammendes Heiligtum kann dagegen überall stehen, ohne dass daraus ein Fehler entsteht. Doch wer Heil sucht, soll auch hier den Bereich unmittelbar davor meiden.
Kriyapada 25-70. Im Osten, Nordosten oder in der Mitte liegen die Heiligtümer Gauris, der Sonne und Shris; im Süden das der Mütter, im Südwesten die von Shasta und Kali.
Kriyapada 25-71. Shanmukhas Heiligtum liegt im Westen, das der Jyeshtha anschließend; Durgas im Nordwesten und Norden. Die Weltenhüter befinden sich in ihren jeweiligen Richtungsbereichen.
Kriyapada 25-72. Das Haus des Feldhüters liege im Osten, Nordosten, Norden oder in der Mitte. So bringt die Anordnung Ländern, Dörfern und Städten Gedeihen.
Kriyapada 25-73. Der Kuhstall liegt im Süden oder Osten, ein Wasserbecken im Nordosten und Norden. Wasser ist auch überall günstig. Im Norden liegt der Blumengarten.
Kriyapada 25-74. Im Süden liegt das Viertel der Kurtisanen, ringsum die Wohnbereiche der Shudras. Vaishyas und Kaufleute wohnen im Osten, in der Mitte liege der königliche Markt.
Kriyapada 25-75. Im Osten und Norden liegen die Häuser der Töpfer und auch der Barbiere, im Nordwesten die der Netzfischer, im Westen die der Schlachter.
Kriyapada 25-76. Ölhändler wohnen im Norden; Zimmerleute im Nordwesten oder Südosten; weitere Handwerker im Nordwesten, Weber im Westen.
Kriyapada 25-77. Ein oder zwei Kroshas außerhalb liege die Chandala-Siedlung. Der Bestattungsplatz liege einen Krosha außerhalb nach Osten und Norden. [Die räumliche Ausgrenzung gehört zur historischen sozialen Ordnung der Quelle.]
Kriyapada 25-78. Für die übrigen, nicht genannten Gruppen ordne man die Wohnungen sachgerecht an. In der Residenzstadt liege die Königswohnung westlich des Brahma-Feldes.
Kriyapada 25-79. Östlich davon liege ein äußerer Umgang mit Indra-Kosha und Versammlungshalle. [Der bauliche Fachausdruck Indra-Kosha wird hier nicht näher erklärt.] Die Küche liegt bei Antariksha und Agni, der Schlafraum bei Griharakshaka.
Kriyapada 25-80. Das Waffenhaus liegt bei Nirriti, der Speiseraum bei Varuna, der Erholungsraum bei Vayu, die Schatzkammer bei Bhallata.
Kriyapada 25-81. Der Getreidespeicher liegt im Norden, der Übungsraum bei Argala, das Badehaus bei Parjanya; Räume für Feueropfer und Verehrung liegen im Nordosten.
Kriyapada 25-82. Der Tanzsaal liegt im Gandharva-Feld, der Elefantenstall bei Pushan. Die Pferde stehen bei Diti und Aditi; die Frauenräume liegen im Norden und Westen.
Kriyapada 25-83. In der Mitte lasse man einen Trinkwasserplatz oder Pavillon und sachgerecht auch Weiteres errichten. Für Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und auch wohlhabende Shudras
Kriyapada 25-84. sind die noch zu beschreibenden gruppenspezifischen Prachtbauten Stätten des Wohlstands. Für weniger Vermögende genügen Hallenhäuser, jeweils nach dem passenden Verfahren errichtet.
Kriyapada 25-85. So wurden sämtliche Maße und Merkmale von Dörfern, Städten und weiteren Siedlungen genannt, wie sie von Brahma, Agastya, Purandara, Tvashtar und Maya gelehrt wurden. Erkennt man dies und errichtet die Heiligtümer nach Vorschrift, so wird darin der Gott, Mridanis Gatte, von allen Göttern, von Weisen und ebenso von Menschen verehrt.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das fünfundzwanzigste Kapitel namens „Rasteranordnung und Merkmale von Dörfern und Städten“.
Heilige Orte im gemeinsamen Lebensraum
Die Siedlung erscheint hier als ein Gefüge aus Wohnen, Arbeit, Wasser, Handel, Schutz und Verehrung. Auch Heiligtümer verschiedener religiöser Traditionen werden genannt. Zugleich enthält die Ordnung soziale Ausschlüsse, die nicht als zeitlose spirituelle Werte behandelt werden dürfen. Eine heutige Besinnung kann fragen, wie Orte der Praxis in einen gemeinsamen Lebensraum eingebettet sind und zu einem achtsamen Miteinander beitragen.
Kriyapada, Kapitel 26: Vorbereitung von Tempelbau und Linga-Einsetzung
Ort, Zeit, Auftraggeber und ausführende Personen werden in diesem Kapitel auf die Errichtung eines Heiligtums ausgerichtet. Ausführliche astrologische Zeitregeln stehen vor der Verehrung von Shivas acht Gestalten und den praktischen Vorbereitungen des Bauplatzes. Die astrologischen Angaben sind historische Vorschriften; ihre teils verschlüsselten Tabellen werden nicht zu heutigen Handlungsempfehlungen umgearbeitet.
Kapiteleingang. Nun das sechsundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 26-1. Für die Einsetzung des Lingas und den Bau des Heiligtums ist die Folge der Handlungen vom Pflügen an zu kennen. Sie wird nun niedergeschrieben.
Kriyapada 26-2. Besonders ist dabei auf einen geeigneten Ort und eine geeignete Zeit zu achten. Ein Same, auf gutem Feld zur angegebenen Zeit ausgesät, keimt auf,
Kriyapada 26-3. und durch Bewässerung und weitere Maßnahmen trägt er die erwünschte Frucht. In einem durch Pflügen und die weiteren Handlungen vorbereiteten, mit den vorgeschriebenen Merkmalen versehenen Heiligtum,
Kriyapada 26-4. an einem besonderen Ort und zu geeigneter Zeit, in einem vorschriftsmäßig eingesetzten Linga wird Shiva gegenwärtig, auch zum Gedeihen des Ausführenden.
Kriyapada 26-5. Für Pflügen und die weiteren Handlungen ist hier die Zeit des nördlichen Sonnenweges festgesetzt. Die Monate seien keine Schaltmonate, die Monatshälfte sei hell, die Mondtage günstig,
Kriyapada 26-6. ausgenommen Mondwechsel, Rikta-Tage, der achte Mondtag, Vishti und der erste Mondtag. Unter den Karanas sind, außer Vishti, Shakuni und Chatushpada,
Kriyapada 26-7. und nach Ausschluss von Naga und Kimstughna, die übrigen günstig und glückbringend. Die Wochentage, Dekane und Teilabschnitte von Mond, Merkur, Jupiter und Venus
Kriyapada 26-8. sind günstig, ebenso Stundenherrschaften, Aufgänge und Aspekte von Jupiter, Merkur und Venus. Teilabschnitte, Tage, Dekane, Aufgänge und Aspekte der ungünstigen Planeten
Kriyapada 26-9. sowie ihre Stundenherrschaften sind nicht günstig. Alle Planeten im elften Haus sind günstig; ungünstige Planeten gelten im dritten, sechsten und elften Haus als günstig, andernorts nicht.
Kriyapada 26-10. Venus im sechsten, siebten und zehnten Haus ist nicht erwünscht, andernorts glückbringend. Alle Planeten im achten Haus sind unerwünscht; Venus ist selbst dort günstig.
Kriyapada 26-11. Der Mond im zweiten und fünften Haus, Merkur im siebten, neunten und fünften, Jupiter im zweiten, siebten, fünften und neunten: Diese sind glückbringend.
Kriyapada 26-12. Die Mondstationen Mrigashirsha, Punarvasu, Ashvini, Pushya, Hasta, Revati, die drei Uttaras, Rohini, Shravana, Svati und Anuradha sind erwünscht.
Unnummerierte Fortsetzung nach 26-12. Eine von einem Planeten verlassene, von ihm besetzte oder von ihm angestrebte Mondstation soll man meiden.
Unnummerierte astrologische Liste nach 26-12. Zum Beispiel: Meteorfall; in der zehnten Mondstation von der Sonne aus Erdbeben; in der siebten der Brahma-Stab; in der fünfzehnten Erfolglosigkeit; in der einundzwanzigsten …; in der siebten Mondstation von Venus aus Tod, ebenso in der elften von Rahu aus. [Quellenhinweis: Der Beginn dieser Liste ist elliptisch; der einundzwanzigsten Position ist keine eindeutige eigene Bezeichnung zugeordnet. Die Auslassung in der Übersetzung kennzeichnet dieses örtliche Satzproblem, keinen ergänzten Befund.]
Von der mit Saturn verbundenen Mondstation aus sind die zehnte, sechste und zwanzigste als „abgebrochene“ Mondstationen zu meiden. Von Merkur aus gelten die achte, achtzehnte, vierundzwanzigste und dritte als „großer Dorn“. Von Mars aus die fünfte, siebte, neunte, vierzehnte und dritte als „Flammenfeuer“; die neunte von Jupiter aus heißt „Krankheit“ und ist ebenfalls zu meiden. Ferner:
Kriyapada 26-13. Bei Ashvini, Chitra, Rohini, Dhanishtha und Uttara,
Kriyapada 26-14. ebenso Jyeshtha und Revati heißt die Verbindung mit den Wochentagen von Sonntag an „verbrannt“. Ebenso der zwölfte, elfte, fünfte und zweite,
Kriyapada 26-15. sechste, achte und neunte Mondtag: In Verbindung mit Sonntag und den folgenden heißen sie „verbrannt“. Anuradha, Uttarashadha, Shatabhishaj, Ashvini, Mrigashirsha und Ashlesha
Kriyapada 26-16. sowie Hasta ergeben mit Sonntag und den folgenden die Todesverbindungen. Magha, Vishakha, Ardra, Mula, Shatabhishaj,
Kriyapada 26-17. Rohini und Uttarashadha ergeben mit Sonntag und den folgenden die Giftverbindungen. Am Sonntag Krittika mit dem fünften Mondtag, am Montag Chitra mit dem zweiten,
Kriyapada 26-18. am Dienstag Rohini mit Vollmond, am Mittwoch Bharani mit dem siebten, am Donnerstag Jyeshtha mit dem ersten, am Freitag Shravana mit dem sechsten,
Kriyapada 26-19. am Samstag Revati mit dem achten: Dies sind Todesverbindungen; man soll sie meiden. Rohini am dritten, Mrigashirsha am sechsten, Pushya
Kriyapada 26-20. am zehnten, Anuradha am zwölften, Shravana am fünften, Revati am siebten und Bharani am achten Mondtag heißen „heftig“.
Kriyapada 26-21. Chitra, Vishakha, Krittika, Purvabhadrapada, Shravana, Shatabhishaj, Uttarabhadrapada, Ashvini und Bharani,
Kriyapada 26-22. Rohini, Ardra sowie die Stationen von Aditi und Isha: Dies sind die „leeren“ Mondstationen in den Monaten von Widder an. Diese zwölf Stationen sind der Reihe nach zu meiden. [Quellenhinweis: Die gelieferte Aufzählung ist mit der abschließenden Zwölfzahl nicht eindeutig in Einklang zu bringen; insbesondere die letzte Wortverbindung wird nicht stillschweigend umgeteilt.]
Kriyapada 26-23. Bei den Yogas Vishkambha, Shula, Ganda, Atiganda, Vajra und Vyaghata scheide man jeweils drei, fünf, sechs, sechs,
Kriyapada 26-24. neun und neun Ghatikas aus; die übrigen sind glückbringend. Bei Vishkambha und Shula liegen diese am Anfang, bei Ganda und Atiganda in der Mitte,
Kriyapada 26-25. bei Vyaghata und Vajra am Ende. Die genannten Nadikas soll man meiden; Vyatipata, Parigha und Vaidhriti dagegen ganz.
Kriyapada 26-26. So weit von Sonne und Mars bis Mula gezählt wird, so viele Mondstationen zähle man von Mula weiter. Die als Verbrannt, Dorn und Pfeiler bezeichneten Stationen meide man bei Einsetzung und den weiteren Handlungen. [Der gedrängte Satz legt die Zuordnung der drei Benennungen nicht vollständig offen.]
Kriyapada 26-27. Ashlesha und Ashvini, Magha und Revati, Jyeshtha und Mula stehen einander gegenüber; ebenso Bharani, Uttarabhadrapada und Anuradha sowie Pushya, Purva und die Wasser-Station.
Kriyapada 26-28. Shravana, Rohini, Shatabhishaj, Hasta, Ardra und Svati stehen ebenfalls in gegenseitiger Beziehung. Eine Viertel-Station wird von einer Viertel-Station getroffen, eine Halb-Station von einer Halb-Station.
Kriyapada 26-29. Man erkenne die Durchkreuzung durch die in ihnen stehenden Planeten und meide sie. Man verbinde die verschiedenen Yogas der Zahl nach mit den Mondtagen beider Monatshälften
Kriyapada 26-30. und teile durch die Zahl der Weisen; daraus sind die Tage Shri und die folgenden zu erkennen: Shri-Tag, Streit-Tag, Nandi-Tag, Kalakarni,
Kriyapada 26-31. Sieges-Tag, Tötungs-Tag und Reichtumsmeer – diese sieben. Streit, Kalakarni und der Tötung genannte sind ausgeschlossen. [Quellenhinweis zu 26-27–31: Die Paarbildung in der Stationsliste und die Ausgangsgröße der Tagesrechnung bleiben in der gelieferten Wortfolge teilweise unklar; es wird keine zusätzliche astrologische Tabelle erschlossen.]
Kriyapada 26-32. Der Zahlenfolge „Yama, Schlange, Sana, jenseitiges Ufer, Übeltäter“ entsprechend meide man bei Nanda und den folgenden Mondtagsgruppen die so bezeichneten Nadikas. [Dies ist eine verschlüsselte Zahlenfolge; „Sana“ ist als Chiffrenwort belassen. Eine nicht gesicherte Zahlenauflösung wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 26-33. Die Chiffrenwörter lauten: Entführer, Gipfel, Maya, Auge, Sohn, Schweigender, Affe, Geschickter, Hara, Entführer, Mensch, Benennung, Ehrwürdiger, Tod, Geschickter, Nari.
Kriyapada 26-34. Weiter: Nackte, Heer, Maya, Standort, Geeignete, Benennung, der Bittenden, Erden, in der Ferne, Alter, Weiser. Auch die dadurch bezeichneten Stationsabschnitte soll man meiden. [Örtliche Ausnahme zu 26-33–34: Die Sanskritwörter dienen als Zahlenchiffren; ihre Wortgrenzen sind in der gelieferten Folge teilweise unsicher. Hier werden die erkennbaren Wortbedeutungen beziehungsweise unklaren Chiffrennamen wiedergegeben, keine als gesichert ausgegebene vollständige Zahlentabelle. Die originale Lautfolge bleibt in beiden Sanskritfassungen erhalten.]
Unnummerierte Erklärung vor 26-35. Bei den Mondstationen von Ashvini an sind nach Ablauf der durch die Merksprüche bezeichneten Ghatika-Zahl jeweils zwei Ghatikas zu meiden.
Kriyapada 26-35. Am Ende einer Mondstation meide man zwei Ghatikas, am Tagesende fünf Nadikas, am Monatsende zwei Tage, am Ende eines Sonnenhalbjahres drei Tage.
Kriyapada 26-36. Am Jahresende meide man eine Monatshälfte bei Einsetzung und den weiteren Handlungen. Die Chiffrenfolge lautet: Schlange, Nabel, Bester, Zorn, Blau, Wasser, Berg, Berg,
Kriyapada 26-37. Ara, Mitgefühl, Esel, Grausamer, Böses, wiederum, Führung, Furcht, Frau, Geliebte, Mann, Nipra, Nara, Zugebendes, Zweifaches, Furcht,
Kriyapada 26-38. Wochentag, Richtung, Bester. Damit sind die Gift-Nadikas bezeichnet. Bei Krittika und den folgenden meide man nach der im Merkspruch genannten Zahl vier Nadikas. [Örtliche Ausnahme zu 26-36–38: Auch diese Reihe ist als Zahlencode gemeint. Ihre erkennbaren Wörter sind übertragen; unklare Chiffrennamen bleiben benannt. Eine sichere Entschlüsselung sämtlicher Werte ist hier nicht erreicht.]
Kriyapada 26-39. Ardhaprahara erkenne man durch die Merkwörter Vesara, Manda und Gita; Yamakanthaka durch Shambhu, Guru, Weg und Menschen; Gulika durch die Wörter „unmittelbar Shiva, Guru“, entsprechend den Achteln der Tage von Sonntag an. [Örtliche Unsicherheit: Es handelt sich um weitere numerisch verwendete Wortfolgen; die genaue Abtrennung und Zahlenauflösung bleibt offen.]
Kriyapada 26-40. Die Yoginis von Brahmani an sind durch die Merkwörter Partha, Rambha, Wasser und Friedensspender zu bestimmen, für die Richtungen von Osten an, die Wochentage von Sonntag an und die Mondtage von Feuer und Durga an. [Diese verdichtete Chiffrenanweisung wird nicht um eine erschlossene Yogini-Tabelle erweitert.]
Kriyapada 26-41. Beim Aufbruch zum Erwerb von Boden, zum Übernehmen eines Steines und ähnlichen Aufgaben vermeide man stets, der Yogini entgegenzureisen.
Kriyapada 26-42. In den drei Zehnergruppen der Mondtage von Neumond an gehören die Tage in der Nanda- und Richtungszahl dem Himmel und der Unterwelt.
Kriyapada 26-43. Bei der Zuordnung zu Himmel und Unterwelt soll man keine glückverheißende Handlung vollziehen. Diese und andere im Jyotisha festgelegte Fehler,
Kriyapada 26-44. die fünf Fehler, den Halbkreis und den Anfang der Sechsundachtzig, ferner Finsternisse, Tagundnachtgleichen, Zeichenübergänge und Sonnenwenden soll man meiden. [Mehrere technische Benennungen dieser Reihe sind ohne weitere Erläuterung gegeben; ihre Zuordnung bleibt offen.]
Kriyapada 26-45. Ein von allen Fehlern freier Tag oder Aszendent ist von sich aus nicht leicht zu finden. Daher wähle man einen mit vielen Vorzügen und wenigen Mängeln.
Kriyapada 26-46. Jupiter im Aszendenten beruhigt hunderttausend Fehler, Venus fünftausend und Merkur fünfhundert.
Kriyapada 26-47. Deshalb vollziehe man Pflügen und die weiteren Handlungen, wenn ein günstiger Planet stark im Aszendenten steht, zum Gedeihen des Ortes, des Ausführenden und des Auftraggebers.
Unnummerierte Einleitung zu 26-48. Wenn günstige Verbindungen möglich sind, vollziehe man Einsetzung und die weiteren Handlungen unter ihnen. Zum Beispiel:
Kriyapada 26-48. Mula und der zweite Mondtag am Sonntag, Shravana und der erste am Montag,
Kriyapada 26-49. Uttarabhadrapada und der dritte am Dienstag, Krittika und der achte am Mittwoch, Punarvasu und der fünfte am Donnerstag, Phalguni und der vierte am Freitag,
Kriyapada 26-50. Svati und der siebte am Samstag: Dies sind günstige Nektarverbindungen. Hasta, Mrigashirsha, Ashvini, Anuradha, Pushya, Revati und Rohini
Unnummerierte Fortsetzung nach 26-50. gelten mit Sonntag und den folgenden Wochentagen als günstige Erfolgsverbindungen.
Unnummeriertes Zitat anderer Lehrer nach 26-50. „Wenn je eine der Stationen Feuer, Wind, Chitra, Revati, Varuna, Schlange, Hara und Nirriti der Reihe nach mit Sonne oder Mars und einem Nanda-Tag zusammentrifft, entsteht eine höchste Verbindung, die das Gelingen der Handlungen bewirkt.“ [Die Wortfolge nennt die Zuordnung nur gedrängt; eine fehlende Verteilung der Stationen auf die beiden Tage wird nicht ergänzt.]
Unnummerierte Schlussfolgerung. Deshalb vollziehe man die Handlungen vom Pflügen bis zur Einsetzung zu einer geeigneten Zeit, wenn die genannten Monate, Monatshälften, Mondtage, Karanas, Mondstationen, Wochentage, Tagesverbindungen, günstigen Planeten, Teilabschnitte, Stundenherrschaften, Dekane, Aspekte und Aufgänge nach Möglichkeit sämtlich oder teilweise günstig sind.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über Ort und Zeit.
Kriyapada 26-51. Ein mit guten Eigenschaften versehener Auftraggeber, der die Einsetzung eines Shiva-Lingas wünscht,
Kriyapada 26-52. verfüge über durch rechtmäßigen Erwerb gereinigtes Geld, Getreide und weitere Mittel. Einen Acharya von reiner Gesinnung, mit den genannten Merkmalen geschmückt,
Kriyapada 26-53. verehre er mit Gold, Kleidern, Duftstoffen, Girlanden und Früchten und bestelle ihn an einem für ihn günstigen Tagesbeginn zur Einsetzung.
Kriyapada 26-54. In einem Götterhaus oder an einem schönen Flussufer lasse er ihn Platz nehmen, begleitet von Sadhakas oder Eingeweihten mit den vorzüglichsten Merkmalen,
Kriyapada 26-55. acht reinen Brahmanen als Trägern der göttlichen Gestalten. Mit Fußwasser und den weiteren Gaben bis zum Räucherwerk verehre er sie unter diesen Mantras.
Unnummeriertes Manjari-Zitat nach 26-55. „Man betrachte sie als die acht Gestalten und ihre Hüter und verehre sie der Reihe nach. Mit diesen Mantras, nach vorangehender Verneigung, erfreue man sie mit Gewändern, Schmuck und weiteren Gaben.“
Kriyapada 26-56 mit vorangestelltem Pranava. „Die Erde trägt die Welten; die Welten gelten als aus Erde bestehend. Allgegenwärtig ist die Erdgestalt. Du Verkörperung der Erde, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-57 mit vorangestelltem Pranava. „Das Feuer trägt die Welten; die Welten gelten als aus Feuer bestehend. Allgegenwärtig ist deine Feuergestalt. Du Verkörperung des Feuers, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-58 mit vorangestelltem Pranava. „Der Atman opfert durch Opferhandlungen; die Welten gelten als aus Opfer bestehend. Allgegenwärtig ist deine Opfergestalt. Du Verkörperung des Opfers, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-59 mit vorangestelltem Pranava. „Die Sonne trägt die Welten; die Welten gelten als aus Sonne bestehend. Allgegenwärtig ist deine Sonnengestalt. Du Verkörperung der Sonne, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-60 mit vorangestelltem Pranava. „Das Wasser trägt die Welten; die Welten gelten als aus Wasser bestehend. Allgegenwärtig ist deine Wassergestalt. Du Verkörperung des Wassers, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-61 mit vorangestelltem Pranava. „Der Wind trägt die Welten; die Welten gelten als aus Wind bestehend. Allgegenwärtig ist deine Windgestalt. Du Verkörperung des Windes, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-62 mit vorangestelltem Pranava. „Soma trägt die Welten; die Welten gelten als aus Soma bestehend. Allgegenwärtig ist deine Soma-Gestalt. Du Verkörperung Somas, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-63 mit vorangestelltem Pranava. „Der Raum trägt die Welten; die Welten gelten als aus Raum bestehend. Allgegenwärtig ist deine Raumgestalt. Du Verkörperung des Raumes, dir sei Verehrung!“
Kriyapada 26-64. So heißen Shivas acht Gestalten Erde, Feuer, Atman, Sonne, Wasser, Wind, Mond und Raum. Sie setzen das Gefüge der Welt in Bewegung.
Kriyapada 26-65. Sharva, Rudra, Pashupati, Ishana, Bhava, Ugra, Mahadeva und Bhima sind die acht Hüter dieser Gestalten.
Kriyapada 26-66. So verehre man die acht Brahmanen als Verkörperungen der Gestalten Erde und der weiteren sowie ihrer Herren Sharva und der weiteren, mit Duftstoffen, Blumen, Kleidern und anderem.
Kriyapada 26-67. Besonders verehre man den Acharya und verneige sich vor ihm. Dann bestelle der Auftraggeber sie mit freudigem Herzen:
Kriyapada 26-68. „Zur Einsetzung des Shiva-Lingas wähle ich dich als Acharya, zusammen mit diesen Trägern der göttlichen Gestalten. Sei mir gnädig, Herr!“
Kriyapada 26-69. So spreche der Auftraggeber, verneige sich vor ihnen und bestelle sie. Gemeinsam mit dem Acharya sollen sie dem Auftraggeber antworten: „So sei es!“
Kriyapada 26-70. Dann bestimme man am vorgesehenen Ort, an einem geeigneten Tag und zu günstiger Zeit, die Grenze bis zur Umwallung und vollziehe die Übernahme des Bodens.
Unnummerierter Übergang. Das Verfahren lautet:
Kriyapada 26-71. Nordöstlich des inneren Heiligtums errichte man einen quadratischen Pavillon von vier Ellen mit vier Pfosten und eine schöne Feuergrube.
Kriyapada 26-72. Nach Verehrung der Tore trete man ein und entzünde das Feuer in der Grube. Man opfere Butter mit den zusammengehörigen Mantras sowie den Namen der Weltenhüter und ihrer Waffen,
Unnummerierte Fortsetzung nach 26-72. oder wiederum mit der Aghora-Waffe tausendmal oder hundertmal.
Unnummerierte Prosa nach 26-72: Übernahme und Umgrenzung des Bodens. In den fünf Feldern in der Mitte des Pavillons zeichne man in der Mitte einen Lotus, in den Richtungen vier Svastikas. Darauf stelle man auf die sieben Saaten fünf Krüge und fülle sie nach Vorschrift mit Wasser heiliger Badeplätze. Man gebe Gold, Edelsteine, Duftstoffe, Blumen, ungebrochenen Reis und anerkannte Kräuter hinein. In ihren Öffnungen seien fünf Blattzweige von Bilva, Ashvattha und weiteren Bäumen, Kusha-Büschel und Früchte; ihre Hälse seien mit Gewändern und Girlanden geschmückt. Mit Glied- und Wurzelmantra und den Handlungen vom Sitz an rufe man Shiva in ihnen herbei und verehre ihn ordnungsgemäß.
Nordöstlich davon zeichne man einen Mandala-Sockel mit Lotus. Auf den sieben Saaten stelle man dort den Shiva-Krug auf, fülle und schmücke ihn nach Vorschrift. Auch darin rufe man Shiva samt Gliedern auf dem beweglichen und unbeweglichen Sitz herbei und verehre ihn. Shiva im Feuer samt seinen Gliedern führe man in das Wasser der Krüge über. Mit Krugwasser und Ishana benetze man die Mitte des inneren Heiligtums. Die östliche, südliche, westliche und nördliche Grenze des Heiligtums benetze man mit den Wassern der Krüge aus den entsprechenden Richtungen und den Mantras Purusha und den folgenden.
Im Agni-Feld des übernommenen Bauplatzes lasse man einen nach Norden blickenden Handwerker mit der Hacke graben. Mit einem Korb aus Bambus, Rohrgeflecht oder anderem Material trage man die Erde heraus und werfe sie siebenmal ins Nirriti-Feld. Mit dem verbliebenen Krugwasser fülle man die Grube; mit dem übrigen Wasser bade man Hacke und weitere Geräte.
Ein Brahmane habe gebadet und trage ein neues Gewand. Man hebe den Shiva-Krug auf sein Haupt oder seine Schulter. Vor zahlreichen Zeugen, unter Gesang, Instrumentalmusik und Veda-Rezitation, trage man den Krug an die östliche Grenze der Umwallung und halte dort kurz inne. Von dort trage man ihn rechtsläufig über Südosten und die weiteren Richtungen bis Nordosten. In die vier Grenzecken setze man vier Pflöcke. Nachts streue man mit dem Bhutakrura-Mantra Bali für die Wesen in den Richtungen aus. Der Acharya entlasse die dort wohnenden Wesen mit den folgenden Worten an einen anderen Wohnort:
Kriyapada 26-73 mit vorangestelltem Pranava. „Bhutas, Rakshasas, Yakshas, Pishachas und Brahmarakshasas,
Kriyapada 26-74. und alle anderen, die hier wohnen: Sie alle mögen von hier anderswohin gehen! Denn von heute an gehört dieser Ort dem Gott mit dem Dreizack.“
Unnummerierte Fortsetzung nach 26-74. Mit Pranava, den beiden gelieferten Keimlauten und dem Waffenabschluss schicke man die Schar der Wesen fort. Für die Aufbrechenden streue man noch einmal Bali aus. Wenn die Nacht vorüber ist, vollziehe man zu günstiger Stunde das Pflügen. Dies geschieht so:
Kriyapada 26-75. Mit kräftigen, günstige Merkmale tragenden braunen oder weißen Stieren, unter Jochen aus milchsaftführendem Holz, mit Pflügen aus Khadira oder Asana,
Kriyapada 26-76. durch Männer, die gebadet haben und neue Kleidung tragen, alle geschmückt: Der Guru berühre den Pflug und bespreche ihn mit Ajata. [Die gelieferte Mantrabenennung lautet hier Ajata; sie wird nicht stillschweigend zu Sadyojata vereinheitlicht.]
Kriyapada 26-77. Dann lasse er sie in nach Osten gerichteten Furchen pflügen. Mit Vamadeva spreche er den Mantra und lasse die sieben Saaten säen.
Kriyapada 26-78. Mit Aghora bewässere man sie, mit Isha richte man Schutz ein. Wenn die Pflanzen reif sind, lasse man Kühe sie unmittelbar mit dem Maul abweiden.
Unnummeriertes Manjari-Zitat nach 26-78. „Dann richte man dort nochmals einen Aufenthaltsort für Kühe ein und lasse ein Jahr vergehen. Wiederum säe man dort Mungbohnen und die anderen Saaten nach dem früheren Verfahren. Wieder lasse man die Tiere sie abweiden. Zu einer reinen Stunde grabe man danach die Erde um, entferne störende Gegenstände im Boden und mache sie erneut sehr fest.“
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über das Pflügen.
Kriyapada 26-79. Bis zur Grenze des Heiligtums mache man den Boden eben, glatt wie die Fläche eines Spiegels und mit Kuhdungwasser bestrichen.
Kriyapada 26-80. Mit dem Schattenstab bestimme man die Richtungen nach dem hier genannten Verfahren. Aus Punnaga, Naga und anderen festen, empfohlenen Hölzern fertige man Pflöcke,
Kriyapada 26-81. eine Elle lang und mit einem Viertel davon als Umfang, vollkommen rund, neun an der Zahl. Man verehre sie mit Duftstoffen und den weiteren Gaben und setze zuerst den mittleren,
Kriyapada 26-82. dann acht in die Richtungen, im Osten beginnend; einige sagen: im Südosten beginnend. Nachdem die Pflöcke an den Grenzen des Heiligtums eingesetzt sind, schlage der Guru sie zuerst
Kriyapada 26-83. gleichmäßig mit einem Eisenhammer oder Schlegel ein. Weder mit Stein noch mit Holz soll er schlagen, weil dies als fehlerbringend gilt.
Kriyapada 26-84. Nach Osten gewandt schlage er genau achtmal, damit die acht Glückszeichen wirksam werden. Danach darf der Handwerker die Pflöcke mit dem Hammer nach Bedarf einschlagen.
Kriyapada 26-85. Dringt ein Pflock plötzlich ein oder überhaupt nicht, gilt dies als Hindernis. Dringt der gerade Pflock langsam ein, sage man das Gelingen der Handlung voraus.
Kriyapada 26-86. Ist er gespalten, zerfallen oder gebrochen, bedeutet dies den Tod des Auftraggebers oder seines Sohnes. Neigt er sich in die Richtungen von Osten an, sage man Reichtum, Feuergefahr, Tod,
Kriyapada 26-87. Vermögensverlust, Furcht, Krankheit, Gedeihen und Glück voraus. Bleibt seine Spitze unbeschädigt und aufgerichtet, sage man das Wachstum des Ortes voraus. [Diese Deutungen sind die historischen Vorzeichenregeln des Textes.]
Kriyapada 26-88. Empfohlen wird eine feste, gleichmäßige Schnur aus Baumwolle, Hanf, Kusha oder Munja. Mit ihr spanne man die Messlinien.
Kriyapada 26-89. Der Schnur folgend ziehe man deutlich eine Linie mit einem goldenen oder silbernen Stäbchen, oder auch mit saurer Milch oder ungebrochenem Reis, entsprechend der Richtung.
Kriyapada 26-90. Bleiben der mit dem Schnurspannen Beauftragte und der Auftraggeber oder eine andere beteiligte Person ohne auffällige Regung, so erkläre man den Boden für frei von störenden Gegenständen.
Kriyapada 26-91. Bei auffälligen Regungen wie Kratzen erkläre man, dass ein störender Gegenstand vorhanden sei. Sieht man plötzlich Hunde, Schakale, Ziegen, Kühe, Pferde oder andere Tiere herankommen,
Unnummerierte Fortsetzung nach 26-91. erkläre man, dass dort darunter ein störender Gegenstand liege. Im Einzelnen:
Unnummerierte Prosa nach 26-91: Körperregungen und Bodenzeichen. Beim Kratzen des Kopfes liege ein Schädelknochen zwei Talas tief; beim Berühren des Gesichts Holz oder eine Scherbe zwei Ellen tief; am Hals eine Eisenkette drei Ellen tief; an Schultern oder Oberarmen ein Knochen dieses Körperteils zweieinhalb Ellen tief; an den Unterarmen ein Bettfuß, eine Scherbe oder ein Knochen in Knietiefe. Beim Berühren der Hüfte liege Eisen in Hüfttiefe; bei den Schenkeln ein Knochen oder Holz in entsprechender Tiefe; bei Brust und Herz ein Knochen des betreffenden Bereichs in dieser Tiefe; bei den Knien ein Pfosten eine Elle tief; bei den Unterschenkeln ein Barbiergerät oder ein Unterschenkelknochen; bei den Füßen ein Elefantenknochen; am großen Zeh ein kleines Gefäß oder Messing; an den übrigen Zehen ein Pferdefuß oder Bronze anderthalb Talas tief. Bei gemischten Bewegungen nenne man auch gemischte Gegenstände.
Überspringt eine Katze die Schnur, liege ein Rabhasa-Knochen in der entsprechenden Tiefe. [Schon die Quelle versieht diese Bezeichnung mit einem Fragezeichen; das Tier beziehungsweise die Knochenart ist nicht sicher zu bestimmen.] Bei einem Hund ein Rinderknochen, bei einer Ziege ein Ziegen- oder Hundeknochen, bei einem Pferd ein Büffelknochen, bei einem Büffel ein Schakalknochen, bei einem Schakal ein Schweineknochen, bei einem Schwein ein Tigerknochen, bei einem Tiger ein Elefantenknochen, bei einem Elefanten ein Menschenknochen, bei einem Menschen ein Eselsknochen, bei einem Esel ein Ziegenknochen. So deute man das Überspringen der Schnur, das Betreten des Feldes, den Anblick oder auch die Erwähnung des betreffenden Wesens. Aus dem Einfliegen von Vögeln erschließe man Asche, Spelzen, Kohlen und Ähnliches.
Errichtet man ein Götterhaus, Wohnhaus oder eine andere Anlage, ohne solche störenden Gegenstände zu entfernen, entstehen nach der Lehre des Textes Mängel: Die Gegenwart der Gottheit geht verloren; der Ausführende und seine Nachkommen erfahren mangelndes Gedeihen, Unglück, Krankheit, Aufenthalt in der Fremde, Mangel an Getreide, Vernichtung und Bedrängnis. [Die Wortfolge bei Getreidemangel und Vernichtung ist beschädigt; diese beiden Folgen sind nur vorläufig getrennt.] Aus Sorge, das Werk zu umfangreich zu machen, werden sie nicht einzeln erläutert.
Es gibt jedoch auch günstige Bodenfunde. Dazu sagt Brahmashambhu:
Unnummeriertes Brahmashambhu-Zitat nach 26-91. „Ein lebender Fisch bringt Getreidegewinn, eine Schildkröte günstige Verbindung, ein Frosch beständigen Wohlstand, eine Maus rechtschaffene Lebensführung.“
Kriyapada 26-92. Fische, Frösche und Schildkröten, Gold, Quecksilber und Edelsteine soll man nicht aus der Grube entfernen. Entfernt man sie doch, bringt dies Unheil.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über das Entfernen störender Gegenstände.
Kriyapada 26-93. Nachdem man hier die störenden Gegenstände entfernt hat, beginne man die Vastu-Verehrung.
Unnummeriertes Brahmashambhu-Zitat nach 26-93. „Vastu ist ein Daitya, dessen Leib der Baugrund ist, aus dem Zorn des Ratgebers der Daityas entstanden. So hört man es in den Vastu-Lehren und ebenso im Shiva-Agama.“
Kriyapada 26-94. Einst im Krieg zwischen Göttern und Asuras wurden die Asuras von den Göttern unter Indras Führung allein durch Vishnus große Macht geschlagen und vernichtet.
Kriyapada 26-95. Ihr Guru, der Sohn Bhrigus, wurde in seiner Erregung sehr zornig. Er opferte Opfergaben und einen Ziegenbock mit günstigen Merkmalen ins Feuer.
Kriyapada 26-96. Der Schweiß, der während seines Opferns ins Feuer fiel, verlieh dem Bock Kraft: Er wurde zu einem Asura mit Ziegengesicht.
Kriyapada 26-97. Mit seinem furchtbaren, gewaltigen Leib bedeckte er Erde und Himmel. Er erhob sich und sprach zum vorzüglichen Weisen: „Was soll ich tun?“
Kriyapada 26-98. Bhrigus Sohn sprach zu dem sich ausdehnenden, Furchterregenden: „Vertreibe die Götter, deren Einsicht unverständig ist, aus dem Himmel!“
Kriyapada 26-99. So beauftragt, zog er unter drohenden Rufen aus. Mit dem Feuer seines Mundes schien er die drei Welten zu rösten und stürzte auf die Unsterblichen los.
Kriyapada 26-100. Auch die Götter, von Furcht vor ihm ergriffen und ihrer eigenen Macht beraubt, suchten den allmächtigen Shambhu auf, die Furchtlosigkeit, den Aschegeschmückten. [Quellenhinweis: Die Bezeichnung der Götter am Versanfang ist durch eine Klammerlesung unsicher; die Zuordnung folgt dem Zusammenhang.]
Kriyapada 26-101. Bhava, der ihnen Furchtlosigkeit gibt, wollte den durch den Angriff des Bhargava schwer Geschlagenen zum Gedeihen verhelfen. Dem Feuer, das aus seinem dritten Auge aufstieg,
Kriyapada 26-102. in der Gestalt eines Wesens, befahl er: „Schlage Bhrigus Sohn und verbrenne dann den grausamen, groß gewordenen Ziegen-Asura!“
Kriyapada 26-103. So beauftragt, stürzte das nirgends aufgehaltene Feuer auf Bhargava zu. Dieser floh aus Furcht und irrte durch die drei Welten.
Kriyapada 26-104. Er fand niemanden, der ihm Furchtlosigkeit gewährte, außer dem Aschegeschmückten. Deshalb verkleinerte er seinen Leib durch die Kraft des Yoga
Kriyapada 26-105. und trat durch Shambhus Ohr in dessen heilvollen Körper ein, um Schutz zu finden. Er gelangte in den wohltuenden Bauch Shankaras,
Kriyapada 26-106. sah dort die ganze Welt und fasste Vertrauen und Zuversicht. Auch der Gott mit göttlicher Schau bemerkte den Zufluchtsuchenden.
Kriyapada 26-107. Ohne Verwunderung sprach der Dreiäugige lächelnd zum Yogin: „Fürchte dich nicht, Bhargava! Deine kluge Vorgehensweise erfreut mich.
Kriyapada 26-108. Weil du hier gewohnt hast, bist du mein Sohn. Gehe nun nach deinem Willen heraus! Die vorzügliche Stellung eines Planeten ist dir verliehen; groß sei deine Macht.
Kriyapada 26-109. Gute und schlechte Führung, Regen und Ausbleiben des Regens sollst du in den drei Welten beständig bewirken.“ So sprach der Dreiäugige
Kriyapada 26-110. und ließ ihn durch den Samenweg austreten. Daher erhielt er den Namen Shukra. Shukra verneigte sich vor dem Herrn, erkannte dessen Wohlwollen und sprach:
Kriyapada 26-111. „Mein Ziel ist erreicht, Gnade ist mir zuteilgeworden. Wer wäre glücklicher als ich, da mich der Gott der Götter durch seine Gnade so begünstigt hat?“
Kriyapada 26-112. Als Shukra so sprach und sich verneigte, sagte der Allgegenwärtige mit der Mondsichel im Haar erfreut zu dem Brahmanen: „Wähle einen weiteren Segen!“
Kriyapada 26-113. Da ließ dieser den zuvor erschrockenen Ziegen-Asura zu den Füßen des Städtezerstörers niederfallen und erbat für dessen Wohlergehen Furchtlosigkeit.
Kriyapada 26-114. Zum Daitya, der mit dem Gesicht nach unten lang ausgestreckt auf der Erde lag, sprach der erfreute Herr: „Furchtlosigkeit sei dir gewährt und ebenso der Segen,
Kriyapada 26-115. den du wünschst, Ziegen-Asura!“ So von Shambhu angesprochen, bat der Asura: „Herr, was ich aus Unwissenheit schlecht vollzogen habe,
Kriyapada 26-116. mögest du mir verzeihen. Durch deine Gnade möchte ich auf der Erde wohnen, ohne den Göttern zu widerstreiten. Diesen Segen gewähre mir!
Kriyapada 26-117. Brahma und die übrigen Götter mögen in mir wohnen und verehrt werden.“ Als der Dreizackträger dies hörte, sprach er: „Weil du von mir als Segen das Wohnen
Kriyapada 26-118. erbeten hast, heißt du Vastu-Hüter. So sei es dir gewährt! Vom Verbalstamm für Wohnen her bewohne du die Erde.
Kriyapada 26-119. Zufrieden mögen Brahma und die übrigen Gottheiten in dir wohnen. Von heute an sollen die Menschen auf Erden, wenn sie einen göttlichen oder menschlichen
Kriyapada 26-120. Wohn- oder Bauort errichten, zuerst dich verehren: mit Blumen, Räucherwerk, Lichtern und verschiedenartigen Bali-Gaben.
Kriyapada 26-121. Du und die in deinem Leib gegenwärtigen Gottheiten sollen der Reihe nach verehrt werden. Diejenigen, die die Vastu-Verehrung so vollziehen, wie ich sie angeordnet habe,
Kriyapada 26-122. mögen in ihrem Heiligtum, Haus und den übrigen Bauten Wohlstand erfahren. Was aber an Tempeln, Häusern und anderen Bauten ohne Vastu-Verehrung
Kriyapada 26-123. errichtet wird, sei ganz den Asuras zugehörig, ebenso alles, was dort getan wird.“ Nachdem der Gott Shukra und dem Vastu-Hüter jeweils ihren Segen verliehen hatte,
Kriyapada 26-124. wies er die Götter an, in diesem zu wohnen, und verschwand an eben diesem Ort. In der Lage und Richtung, in der Shukra den Asura zur Verneigung vor Shambhu hatte niederfallen lassen,
Kriyapada 26-125. wurde er durch den Segen des Allmächtigen sogleich von den Göttern bewohnt. So liegt Vastu noch heute mit dem Gesicht nach unten, den Kopf im Nordosten,
Kriyapada 26-126½. die Füße nach Südwesten ausgestreckt, auf der Erde. So erlangte der Herr des Baugrundes einst vom Herrn den gewünschten Segen. Darum ist seine Verehrung beim Errichten von Heiligtümern und anderen Bauten erwünscht, bei Göttern wie bei Menschen.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das sechsundzwanzigste Kapitel über Ort und Zeit, Pflügen, Entfernen störender Gegenstände und die Entstehung des Vastu.
Sorgfalt und ein tragender Grund
Die Saat am Anfang des Kapitels verbindet gute Voraussetzungen mit fortgesetzter Pflege. Nicht nur der Beginn, auch das weitere Handeln trägt zur Reife bei. Die Erzählung des Vastu führt von Furcht und Gewalt zu einem Platz im geordneten Zusammenleben der Gottheiten. Als heutige spirituelle Besinnung kann daraus die Frage entstehen, welche Voraussetzungen die eigene Praxis braucht und wie man sie geduldig pflegt. Die astrologischen und omenbezogenen Vorschriften bleiben dabei historische Aussagen des Werkes.
Kriyapada, Kapitel 27: Vastu-Verehrung, erste Ziegel und Grundsteinbeigabe
Das Kapitel beschreibt den Baugrund als Leib des Vastu-Purusha, in dem zahlreiche Gottheiten ihren Platz haben. Auf ihre Verehrung folgen Bodenarbeiten, das Setzen der ersten Ziegel und eine symbolische Grundsteinbeigabe, die als Keim des Heiligtums gilt. Die langen Listen von Feldern und Gaben bleiben vollständig erhalten; sie gehören zur historischen Bau- und Rituallehre.
Kapiteleingang. Nun das siebenundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 27-1. Auf dem Baugrund vollziehe man die Verehrung des Vastu-Herrn und der in ihm befindlichen Gottheiten mit ihren Namen. Mit den noch zu nennenden Stoffen streue man ordnungsgemäß Bali aus.
Kriyapada 27-2. Am bezeichneten Ort, mit frischem Kuhdungwasser benetzt und bestrichen, lege man zuerst ein Quadrat an und teile es achtfach. So entsteht das genannte Raster mit vierundsechzig Feldern.
Kriyapada 27-3. Teilt man es neunfach, indem man mit Reismehl versehene Schnüre spannt, entsteht das Raster mit einundachtzig Feldern, genannt für Götterhäuser und auch für Könige.
Kriyapada 27-4. Hat man das Raster mit vierundsechzig Feldern angelegt, spanne man darin die beiden Diagonalschnüre. In den vier Mittelfeldern verehre man Brahma; anschließend
Kriyapada 27-5. in den zwei östlichen Feldern Marichi, im Süden Vivasvat, im Westen Mitra und in den beiden nördlichen Feldern Mahidhara. Nun nenne ich die Gottheiten in den Paaren halber Eckfelder:
Kriyapada 27-6. Im Südosten liegen Savitra und Savitar je in einem halben Feld, im Südwesten Indra und Indrajaya, im Nordwesten Rudra und Rudrajaya, im Nordosten Apa und Apavatsa. Nun werde ich noch die acht Gottheiten außerhalb in den vier Ecken nennen.
Kriyapada 27-7. Sharva, Skanda, Aryaman, Jambhaka, Pilipinjaka, Charaki, Vidari, Putana und Paparakshasi. [Quellenhinweis: Die Ankündigung nennt acht, die gelieferte Namensreihe lässt neun Benennungen erkennen. Eine Tilgung oder Zusammenziehung wird nicht vorgenommen.]
Kriyapada 27-8. Nun sind die Gottheiten der zweiunddreißig äußeren Felder in den vier Randreihen zu kennen, der Reihe nach von Osten an, in vier Gruppen für die vier Richtungen.
Kriyapada 27-9. Im Osten sind rechtsläufig die acht Gottheiten Ishana, Parjanya, Jayanta, Indra, Sonne, Satya, Bhrisha und Antariksha.
Kriyapada 27-10. Im Süden Agni, Pushan, Vitatha, Yama, Griharakshaka, Gandharva, Bhringaraja und Mriga.
Kriyapada 27-11. Im Westen Nirriti, Dauvarika, Sugriva, Varuna, Pushpadanta, Asura, Shosha und Papayakshman.
Kriyapada 27-12. Im Norden Maruta, Naga, Mukhya, Bhallata, Mond, Argala, Diti und Aditi.
Kriyapada 27-13. Das Haupt des Vastu-Herrn liegt im Nordosten, seine beiden Hände im Nordwesten und Südosten, beide Füße im Südwesten. Parjanya liegt am Auge, Aditi am Gesicht, Apa und Apavatsa am Hals; am Ohr Diti; an den Schultern Indra und Argala zusammen mit Jayanta. [Die Zuordnung der letzten drei Namen zu den zwei Schultern ist in der gelieferten Formulierung nicht eindeutig.]
Kriyapada 27-14. Sonne und Mond liegen an den Oberarmen, zusammen mit Bhallata, Satya und den weiteren. Savitra und Rudra stehen an seinen Seiten. Im Nabel ist der Viergesichtige, an den Brüsten Mahidhara und Marichi, im Bauch Mitra und Vivasvat, im Geschlechtsbereich ein weiterer Indra.
Kriyapada 27-15. An seinen Schenkeln und Unterschenkeln liegen die drei von Gandharva an sowie Dauvara, Sugala und Varuna; die übrigen stehen seitlich. Deshalb lege man die Grundsteinbeigabe nicht in Vastus Glieder. Geschieht es aus Unwissenheit doch, bringt dies völligen Untergang. [Die Benennung Sugala wird hier nicht zu Sugriva vereinheitlicht.]
Kriyapada 27-16. Ishana verehre man mit Butter, ungebrochenem Reis und Wasser, Parjanya mit Utpala-Blumen und Duftwasser. Jayanta erhält eine gelbe Fahne; Mahendra verehre man mit roter Speise und Lichtern.
Kriyapada 27-17. Die Sonne erhält gelbe Speise und einen Baldachin, Satya gekochten Reis mit Butter. Bhrisha verehre man mit Weizenspeise, Antariksha mit Fleisch und Urdbohnen.
Kriyapada 27-18. Agni verehre man mit einer Opferkelle und Puffreis, Pushan ebenso, Vitatha mit Gold; Griharakshaka mit Honig und gekochtem Reis, Yama mit Fleisch und gekochtem Reis. [Die Zuordnung des Puffreises zu Agni oder Pushan ist im gedrängten Satz nicht völlig eindeutig.]
Kriyapada 27-19. Gandharva verehre man mit duftenden Blumen, Bhringaraja mit einer Vogelzunge, Mriga mit Sesam oder Gerste. Für Nirriti koche man ordnungsgemäß Krisara, eine Getreide-Hülsenfrucht-Speise.
Kriyapada 27-20. Dauvarika verehre man mit schönen Zahnhölzern, Sugriva mit Gerste und Räucherwerk, Pushpadanta mit Kusha-Büscheln, den Wasserherrn mit weißen Lotussen.
Kriyapada 27-21. Asura erhält Honig und ungebrochenen Reis; Shosha Speise mit Butter; Papayakshman Wildreisspeise; Vayu Fladen mit Butter.
Kriyapada 27-22. Naga verehre man mit Naga-Blüten, Mukhya mit Modaka-Süßigkeiten. Bhallata erhält Speise mit Mungbohnen, König Soma Honig, Milchreis und Butter.
Kriyapada 27-23. Argala verehre man mit ungebrochenem Reis, Diti mit rotem Reis und Butter, Aditi ordnungsgemäß mit Urdbohnenspeise und Gebäck. So verehre man die zweiunddreißig der Reihe nach.
Kriyapada 27-24. Apa verehre man mit Milch, Apavatsa mit saurer Milch und Butterbällchen. Savitra verehre man mit Kusha-Gras, Savitar mit Reis und unraffiniertem Zucker.
Kriyapada 27-25. Indra erhält gelben, mit Kurkuma bereiteten Reis mit Butter; für Indrajaya wird reine Speise empfohlen. Rudra ist gekochtes Fleisch vorgeschrieben, Rudrajaya ungekochtes.
Kriyapada 27-26. Marichi und die folgenden verehre man der Reihe nach an ihren jeweiligen Orten mit süßen Bällchen, rotem und weißem Reis sowie Urdbohnen mit Butter.
Kriyapada 27-27. Brahma verehre man mit Butter, ungebrochenem Reis, Panchagavya, duftenden Blumen, gekochter Opferspeise und Sesam. Im Osten verehre man den Sharva genannten Skanda mit Milchreis und Butter. [Quellenhinweis: Hier erscheint Sharva als Benennung Skandas; die frühere Aufzählung in 27-7 lässt beide getrennt erkennen.]
Kriyapada 27-28. Im Süden gebe man Aryaman Fleisch mit Butter. Im Westen gebe man Jambhaka eine gelbe Girlande und Fleisch, im Norden Pilipinja
Kriyapada 27-29. kräftig rote Blumen und Speise. So lasse man Bali darbringen. Charakis Bali im Nordosten besteht aus Fleisch, gekochtem Reis und Buttergebäck.
Kriyapada 27-30. Außen im Südosten besteht Vidaris Bali aus Galle und Fleisch. Putana erhält im Südwesten saure Milch und rote Speise.
Kriyapada 27-31. Im Nordwesten suche man die Rakshasi auf und verehre sie mit Milch, Galle, Knochen und roter Speise. Alle verehre man mit ihren eigenen Namen, dem Abschluss „Verehrung“ und den Darbringungen.
Kriyapada 27-32. Außen bringe man den acht Arten von Wesen Bali dar. Sind die jeweils genannten Stoffe nicht verfügbar, so gilt als Ersatz eine Bali-Gabe aus Blumen, ungebrochenem Reis,
Kriyapada 27-33. wohlriechendem Räucherwerk, Lichtern und reiner Speise. Man verehre sie mit den eigenen Namen, mit Pranava am Anfang und „Verehrung“ am Ende, und mit den fünf Darbringungen. Nachts, in weißer Kleidung und mit reiner Gesinnung, gebe man Bali.
Kriyapada 27-34. Die so ordnungsgemäß verehrten Gottheiten im Leib des Vastu
Unnummerierte Fortsetzung nach 27-34. gewähren das Gelingen der jeweiligen Handlungen und Frieden.
Kriyapada 27-35. Im einundachtzigfeldrigen Raster setze man den Vastu-Herrn wie zuvor ein. Brahma verehre man in seinen neun Mittelfeldern. Außerhalb davon befinden sich an den Ecken in jeweils zwei Feldern die Gottheiten von Savitra an; zwischen ihnen die vier Gottheiten von Marichi an, der Reihe nach.
Kriyapada 27-36. In den Richtungen von Osten an stehen im äußeren Ring die zweiunddreißig Gottheiten von Isha an jeweils in einem Feld und werden wie zuvor der Reihe nach verehrt. Die anderen außerhalb haben keine eigenen Rasterfelder: Charaki im Nordosten, Vidari im Südosten, Putana im Südwesten, die Rakshasi im Nordwesten.
Kriyapada 27-37. Die vier von Sharva-Skanda an stehen ebenfalls außerhalb, ohne eigenes Feld.
Kriyapada 27-38. Man verehre sie der Reihe nach im Osten, Süden, Westen und Norden. Nach einem dieser beiden Verfahren rufe man den Vastu-Hüter herbei
Unnummerierte Fortsetzung nach 27-38. und verehre der Reihe nach die Gottheiten in den Feldern seiner Glieder.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die Vastu-Verehrung.
Kriyapada 27-39. Nachdem man den Vastu-Herrn so verehrt hat, speise man dort Brahmanen,
Kriyapada 27-40. Zeichenträger sowie Handwerker und Arbeiter nach den eigenen Kräften. Dann grabe man die gesamte Fläche bis zur Grenze des Heiligtums
Kriyapada 27-41. so tief aus, wie ein Mensch mit erhobenen Armen hoch ist, und trage die Erde fort. Einige sagen, man solle bis zum Wasser oder bis zur Kiesschicht graben.
Unnummeriertes Zitat aus der Pratishthapaddhati nach 27-41. „Beim Götterhaus grabe man bis zur Kiesschicht oder bis zum Wasser, beim Wohnhaus für menschliche Zwecke, oder so weit, bis der Boden rein ist.“ [Die grammatische Verbindung von „puruṣārtham“ und Wohnhaus bleibt in der gelieferten Form knapp; eine zusätzliche Tiefenangabe wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 27-42. Man besprenge die Grube mit dem Waffenmantra und fülle sie zuerst acht Fingerbreiten hoch mit reiner, nicht verfärbter Erde, frei von Klumpen und anderen Mängeln.
Kriyapada 27-43. Dann lege man schrittweise runde Steine mit Erde und Wasser dazwischen eine Elle hoch hinein, anschließend Sand und erneut Erde.
Kriyapada 27-44. Man durchtränke die Fläche mit Wasser und lasse Elefanten darübertreten. Mit festen, aus empfohlenem Holz gefertigten „Elefantenfüßen“, also Stampfern,
Kriyapada 27-45. klopfe und reibe man sie gleichmäßig fest und baue die Fläche sehr solide auf. Wenn ein Viertel der Grube frei bleibt, setze man die ersten Ziegel.
Kriyapada 27-46. Nördlich des Heiligtums errichte man einen quadratischen Pavillon mit vier Toren, vier Pfosten und vier Torbögen.
Kriyapada 27-47. Der Guru habe gebadet und die täglichen Handlungen vollzogen. Zusammen mit den Trägern der göttlichen Gestalten und mit gewöhnlichem Arghya in der Hand verehre er am Westtor die Torherren.
Kriyapada 27-48. Nach dem Werfen der Waffe trete er ein und lasse den glückverheißenden Tag ausrufen. Selbst, Ort und Mantras seien gereinigt; der Guru trage das Schwert der Erkenntnis.
Kriyapada 27-49. Mit Panchagavya und besonderem Arghya besprenge er Tore und Pavillon. In der Mitte verehre er den Vastu-Herrn und Brahma, im Osten Lakshmi, im Süden Ganeshvara,
Kriyapada 27-50. im Westen Durga und im Norden den Feldherrn. Nach dem Ausstreuen der Streustoffe und der Verehrung von Krug und Waffe
Kriyapada 27-51. setze man die Weltenhüter in die Krüge und die Waffen auf die Fahnen. Mit der Formel „Höre, Shakra …“ lasse man sie Shivas Befehl hören.
Kriyapada 27-52. Nach dem Umhertragen von Waffe und Krug verehre man beide auf ihren festen Plätzen. Man berühre sie mit der Mudra und übergebe dem Krug das Schwert der Erkenntnis.
Kriyapada 27-53. In der quadratischen Feuergrube im Osten rufe man Shiva im Feuer herbei und opfere Butter mit den zusammengehörigen Mantras, Brennholz mit dem fünfsilbigen.
Kriyapada 27-54. Mit dem Pranava opfere man Grundlage und Butteranteile, dann mit den fünf Silben einzeln, mit Pranava am Anfang und Feueropferabschluss am Ende, jeweils dreimal Butter.
Kriyapada 27-55. Brennholz, Butter, gekochte Opferspeise und Puffreis opfere man mit den fünf Brahma-Mantras jeweils hundertmal; mit den Weltrufen hundertmal Butter.
Kriyapada 27-56. Mit den Mantras der Weltenhüter und Waffen jeweils zwei Opfergaben; für die Mondstationen, Wesen und Nagas jeweils einmal,
Kriyapada 27-57. ebenso für die Vishvedevas und sämtliche Gottheiten, mit ihren eigenen Namen und den Abschlüssen „Verehrung“ und „Opfergabe“. Erneut opfere man mit dem fünfsilbigen Mantra,
Kriyapada 27-58. den Weltrufen und die volle Buttergabe, der die Gabe an Svishtakrit vorausgeht. Dann streue man Bali und wiederhole den elffachen Mantra
Kriyapada 27-59. sowie den fünfsilbigen in derselben Anzahl. Auf dem quadratischen Grund des Heiligtums, in vier Felder geteilt, spanne man die Diagonalschnüre.
Kriyapada 27-60. Man lege dort ein Raster mit einundachtzig Feldern an und bestimme empfindliche Stellen, Leitungen und Glieder des Vastu. Auf sie lege man keine Steine.
Kriyapada 27-61. Auch den ersten Pfosten setze man nicht auf empfindliche Stellen und die weiteren genannten Bereiche. Die Ostschnur heißt aufrechter Stamm; die Diagonalschnüre heißen Stämme.
Kriyapada 27-62. Die Nordschnur ist der seitliche Stamm; die Schnüre gelten als seine Adern. Ihre Verbindungen sind empfindliche Stellen. Oder die Glieder werden nach den zuvor genannten Angaben vorgestellt.
Unnummerierte Prosa nach 27-62: Die Glieder des Vastu. Beim Setzen der ersten Ziegel und den folgenden Arbeiten müssen diese Stellen gemieden werden; deshalb werden die Glieder des Vastu-Herrn noch einmal genannt. Im Nordosten liegt sein Haupt, im Südosten und Nordwesten seine beiden Hände. Parjanya und Diti sind die Augen, Apa das Gesicht, Apavatsa der Hals, Aditi befindet sich an den Ohren. Jayanta und Argala sind die Schultern; Sonne, Mond und die weiteren bilden die Arme. Rudra ist am Rücken; Savitra, Savitar, Roga und Shosha befinden sich an den Unterarmen. Brahma liegt am Nabel, Bhubhrit und Aryaman an den Brüsten, Mitra und Vivasvat am Bauch, Indra und Indrajaya im Geschlechtsbereich, beide Füße im Südwesten.
Darum setze man die ersten Ziegel unter Vermeidung dieser Gottheiten, die Glieder des Vastu-Purusha sind, sowie der Adern und empfindlichen Stellen. Ebenso setze man den ersten Pfosten bei Pavillons, Häusern und anderen Bauten. [Quellenhinweis: Einige Zuordnungen und Namen weichen von 27-13–15 ab, etwa Mund, Augen und Brustbereich. Die wiederholte Liste wird nicht mit der früheren vereinheitlicht.]
Unnummeriertes Zitat aus dem Vishvakarmiya nach 27-62. „Setzt man aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit einen Stein auf ein Glied des Vastu, so entstehen die Zerstörung des Ortes, Leid für den Ausführenden oder gar Tod.“
Kriyapada 27-63. Deshalb setze man die ersten Ziegel südlich des Tores, zwischen Arm und Stamm, in die Grube, von der noch ein Viertel frei ist.
Kriyapada 27-64. Kopf, Rücken und die übrigen Seiten seien unterscheidbar; die Ziegel seien fehlerlos und von günstigen Merkmalen, eine Elle lang, halb so breit und acht Fingerbreiten hoch.
Kriyapada 27-65. Sie seien gut gebrannt, rot glänzend, ohne Bruch, Risse und andere Mängel. Neun oder fünf erste Ziegel sollen gefertigt werden.
Kriyapada 27-66. Diese Ziegelvorschrift gilt für ein allerhöchstes Heiligtum mit einem allerhöchsten Linga. Nun wird sie für die höchste und die weiteren Klassen genannt.
Kriyapada 27-67. Ihre Länge in Fingerbreiten entspricht den Zahlen der Versmaße Jagati, Pankti und Anushtubh, der Reihe nach. Die Breite ist die halbe Länge, die Höhe die halbe Breite.
Kriyapada 27-68. So sind die ersten Ziegel für Heiligtümer der höchsten und der weiteren Klassen angegeben. Ein an der Basis dicker Ziegel ist weiblich, ein an der Spitze dicker geschlechtslos.
Kriyapada 27-69. Ein überall gleich breiter und gleich dicker Ziegel ist männlich. Für männliche Gottheiten sei ein männlicher, für weibliche ein weiblicher Ziegel günstig, sagen einige.
Kriyapada 27-70. Der männliche Ziegel allein erfüllt bei allen sämtliche Absichten. Bei einem steinernen Götterhaus sollen auch die ersten Ziegel aus Stein sein.
Kriyapada 27-71. In der Mitte des Pavillons bereite man aus Reis ein Erdfeld und darauf mit Darbha unter dem Pranava einen Sitz. Auf ihn lege man die Ziegel.
Unnummerierte Prosa nach 27-71: Reinigung und Verehrung der Ziegel. Mit gewöhnlichem Arghya besprenge man die Ziegel, mit der Waffe schlage man sie an, mit dem Panzer ritze man sie. Man wasche sie mit Erde und bade sie mit Kuhdung, Kuhurin, Panchagavya, den fünf Nektarstoffen sowie Gold-, Edelstein-, Frucht- und Duftwasser, jeweils unterbrochen durch Wasser und Räucherung. Mit Duftstoffen bestreiche man sie. Jeden binde man mit Gold und einer Schutzschnur, bedecke sie mit neuen Tüchern und lege sie nach den Richtungen auf das genannte Feld. In ihnen stelle man sich drei Abschnitte vor.
Darin rufe man den achtgliedrigen feinen Leib von Buddhi bis Geruch, die acht Gestalten von Erde bis Raum und die acht Gestalthüter von Sharva bis Bhima herbei, zusammen mit den Prinzipien Shiva, Vidya und Atman sowie den ursächlichen Herren Rudra, Vishnu und Brahma, der Reihe nach. Auf den acht Ziegeln verehre man sie einzeln an Basis, Mitte und Spitze mit ihren Namen im Dativ, mit Pranava am Anfang und „Verehrung“ am Schluss.
An den Basen, den ersten Abschnitten, beginne man mit „Verehrung der Buddhi!“ bis zum Geruch; ferner „Verehrung dem Shiva-Prinzip!“ und „Verehrung Rudra, dem Herrn des Shiva-Prinzips!“. In den Mitten die acht Gestalten von „Verehrung der Erdgestalt!“ bis zum Raum, ferner „Verehrung dem Vidya-Prinzip!“ und „Verehrung Vishnu, dem Herrn des Vidya-Prinzips!“. An den Spitzen „Verehrung Sharva, dem Herrn der Erdgestalt!“ bis Bhima sowie „Verehrung dem Atman-Prinzip!“ und „Verehrung Brahma, dem Herrn des Atman-Prinzips!“
So berühre man Basis, Mitte und Spitze der Ziegel mit der Kusha-Waffe. Im mittleren Ziegel setze man ein und verehre: „Verehrung Shiva, dem Herrn aller Wirklichkeitsprinzipien, aller Gestalten und Gestaltherren sowie der drei Prinzipien!“
Mit schützender Asche, Darbha und Sesam richte man ringsum Schutz ein. Dann setze man sich vor die Feuergrube. Buddhi und die folgenden, Erde und die folgenden, Sharva und die folgenden, die drei Prinzipien und ihre Herren sättige man mit ihren eigenen Namen im Dativ, Pranava am Anfang und Feueropferabschluss am Ende, jeweils durch drei Buttergaben. Den Rest lasse man in ein Gefäß tropfen und gieße ihn auf die drei Abschnitte der Ziegel.
Unnummerierte Verbindungsformeln nach 27-71. Zur Gegenwart vollziehe man die Verbindung der Prinzipien: „Verehrung dem Atman-Prinzip und dem Vidya-Prinzip!“ sowie „Verehrung dem Vidya-Prinzip und dem Shiva-Prinzip!“, jeweils mit Pranava und den beiden in der Quelle genannten Keimlauten.
Unnummerierte Prosa nach 27-71: Schatzkrüge. Dann bereite man ebenso viele kupferne Schatzkrüge wie Ziegel, neun oder fünf, gefüllt mit den drei Süßstoffen. Bei neun Krügen rufe man in den acht namens Subhadra, Vibhadra, Sunanda, Pushpadanta, Jaya, Vijaya, Jayanta und Purna die acht Schätze Padma, Mahapadma, Makara, Kacchapa, Mukunda, Ananta, Nila und Shankha herbei. Im mittleren Ananta-Krug, der Shakti und Schatz enthält, verehre man unten Ananta und oben Brahma mit dem Wurzelmantra, der auf Lavana gesetzt ist. [Die Mantrachiffre „auf Lavana gesetzt“ ist hier nicht näher erklärt und wird nicht zu einer Formel ergänzt.] In diesen Schätzen rufe man die acht Weltenhüter von Indra an herbei und verehre sie.
Bei fünf Krügen tragen diese die Namen Dharma, Jnana, Vairagya, Aishvarya und Sarvasiddhi und sind mit den Mondtagsgruppen Nanda, Bhadra, Jaya, Rikta und Purna verbunden. In ihnen rufe man die fünf Schätze Padma, Mahapadma, Makara, Shankha und Samudra herbei. In den fünf Schätzen rufe man die fünf ursächlichen Herren von Brahma an herbei und verehre sie richtig.
In alle Krüge lege man neun Edelsteine; bei der Fünferform werden neun, acht beziehungsweise fünf Edelsteine genannt. [Örtliche Unsicherheit: Die gelieferte Folge „navavasupañcaratnāni“ legt die Verteilung dieser Zahlen auf die Krüge nicht eindeutig fest.] Man setze die Krüge ihrer Richtung entsprechend bis zur Öffnung in die Gruben ein und verehre die Schätze sowie die Weltenhüter oder ursächlichen Herren mit Arghya und den weiteren Gaben.
Unnummerierte Prosa nach 27-71: Setzen der ersten Ziegel. Dann bringe man die Ziegel der Reihe nach vom Feld herbei. Zur bestimmten Stunde setze man sie auf die Öffnungen der Schatzkrüge, mit den Namen des jeweiligen Schatzes und Weltenhüters, Pranava am Anfang und „Verehrung“ am Schluss. Ihre Spitzen weisen nach Osten und Norden. Rechtsläufig verfahre man von Osten bis Nordosten und zur Mitte; bei der Fünferform von Osten bis Norden und zur Mitte. Alle setze man vollkommen eben, ohne Vertiefungen und Erhöhungen. Ungleich gesetzte Ziegel bringen nach dem Text dem Land Gefahr, dem Ausführenden und dem Ort Leid.
Darum stelle man sie genau eben auf, bade sie mit dem Wasser des Shiva-Kruges und fülle die Grube mit Duftwasser. Mit dem Pranava werfe man eine einzelne Blume hinein und beobachte sie. Dreht sie sich rechtsläufig, gilt dies als günstig; bei Linksdrehung vollziehe man Beruhigung durch Feueropfer, Japa und Spenden.
Dann schichte man den Baugrund wie angegeben aus Steinen oder Ziegeln bis zur festgesetzten Höhe in Ellen und mache die Oberfläche eben. Man verehre Acharya, Gestaltträger und Handwerker. Nachts schlafe man auf einem Darbha-Lager und beachte den Traum. Bei einem ungünstigen Traum vollziehe man Beruhigung; bei einem günstigen vollziehe man nochmals das Vastu-Opfer und dann das Niederlegen der Grundsteinbeigabe.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die ersten Ziegel.
Kriyapada 27-72. Nun vollziehe man bei Heiligtümern und anderen Bauten das Einsetzen des Garbha, der Grundsteinbeigabe. Sie ist deren Keim und Urgrund und bringt Gedeihen.
Kriyapada 27-73. Zwischen Indra- und Agni-Bereich, südlich des Tores, sollen alle sozialen Gruppen die Grundsteinbeigabe zum Gedeihen in die Erde einsetzen.
Kriyapada 27-74. Einige sagen: bei Brahmanen über der Prati-Schicht, bei Königen über dem Upana-Sockelglied, bei Vaishyas und der vierten Gruppe im Boden.
Unnummerierte Fortsetzung nach 27-74. Man fertige als Behälter der Grundsteinbeigabe eine feste kupferne Kassette.
Unnummeriertes Manjari-Zitat nach 27-74. „Sie sei acht Fingerbreiten groß und halb so hoch; ihre Höhe werde darüber um ein Viertel vermindert festgesetzt. Ein Gefäß von einer Elle Länge gilt als höchstes; die Höhe bestimme man durch Verhältnisrechnung.“ [Örtliche Unsicherheit: Die zweite Höhenangabe ist in der gelieferten Formulierung nicht eindeutig auf die erste zu beziehen; eine neue Maßzeichnung wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 27-75. Man versehe sie mit einem Deckel; ihre Wandstärke betrage ein Zwanzigstel.
Kriyapada 27-76. Die Höhe der Fachwände betrage ein Viertel ihrer Breite. Einige nennen ein Gefäß mit gleicher Länge und Höhe das höchste.
Kriyapada 27-77. Das mittlere sei um drei Viertel vermindert, das geringste halb so hoch. Der Deckel betrage ein Drittel; überall sei er eben und fest. [Quellenhinweis: Die Höhenfolge ist so geliefert und in ihrer Rangfolge nicht schlüssig. „Um drei Viertel vermindert“ wird nicht stillschweigend in „drei Viertel hoch“ geändert.]
Kriyapada 27-78. Das Gefäß wasche man mit Panchagavya. Die Grube bestreiche man unter dem Herzmantra mit Kuhdung und lasse den glückverheißenden Tag ausrufen.
Kriyapada 27-79. Mit Mehl zeichne man den Naga Ananta und setze das Garbha-Gefäß auf seine Haube. Außen errichte man aus Reis ein vier Fingerbreiten hohes Feld.
Kriyapada 27-80. Darauf zeichne man mit Meereserde die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten, Meeren und Bergen.
Kriyapada 27-81. Am inneren Boden des Garbha-Gefäßes lege man Fächer in der Abhikriti-Zahl an. Brahma befindet sich im Mittelfach; in den acht Fächern außen darum
Kriyapada 27-82. liegen Marichi, Savitra, Vivasvat, Shakra, Mitra, Rudra, Prithvidhara und Apavatsa.
Kriyapada 27-83. Außerhalb davon stehen sechzehn Gottheiten in den sechzehn Fächern. Es sind: im Osten Ishana, Jayanta, Sonne und Bhrisha,
Kriyapada 27-84. im Süden Agni, Vitatha, Yama und Bhringaraja, im Westen Nirriti, Sugriva, Varuna und Shosha,
Kriyapada 27-85. im Norden Vayu, Mukhya, Soma und Aditi. Diamant, Perle, Vaidurya, Muschel, Smaragd,
Kriyapada 27-86. Kristall, großen blauen Edelstein und Koralle lege man der Reihe nach in die acht Fächer von Marichi an; Rubin lege man in Brahmas Fach.
Kriyapada 27-87. Im Osten lege man Gerste, Realgar, Reis und Auripigment nieder; im Süden Wildreis, Augenschwärze, Tuvara und Priyangu.
Unnummerierte Erklärung nach 27-87. „Im Süden niederlegen“ ist bei den zuletzt genannten Stoffen mitzudenken.
Kriyapada 27-88. Im Westen lege man Shyamaka-Hirse, Blei, Urdbohnen und Saurashtra nieder; im Norden Kulattha, Rochana, Nishpava und roten Ocker. [Saurashtra ist hier eine Stoffbenennung; eine eindeutige moderne Mineralzuordnung wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 27-89. Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Schildkröte, Lotus und Dreizack lege man als acht Dinge der Reihe nach in die Haupt- und Zwischenrichtungen.
Kriyapada 27-90. Goldene Darstellungen von Khatvanga-Stab, Halbmond, Stier, Pinaka-Bogen, Lotus, Axt, Antilope und Diskus lege man der Reihe nach im Brahma-Bereich nieder.
Kriyapada 27-91. Erde von Berg, heiligem Badeplatz, Fluss und tiefem Gewässer lege man in die Richtungen von Osten an. Dann Erde aus einem Krebsloch,
Kriyapada 27-92. vom Ameisenhügel, vom Meeresufer, vom Stierhorn und vom Elefantenstoßzahn in die Ecken von Südosten an.
Kriyapada 27-93. Die Erde vom Stierhorn und Elefantenstoßzahn lege man in die Mitte. Die Wurzeln von Lotus, blauem Wasserlotus, Kumuda, Utpala
Kriyapada 27-94. und Tagara lege man in die Richtungen und die Mitte. Dann opfern die Gestalthüter in den Richtungen mit Sadyojata und den folgenden Brennholz, Butter, gekochte Opferspeise und Sesam,
Kriyapada 27-95. jeweils zu zweit; andere wiederholen die Mantras gemäß der Aufteilung. Im Feuer der Grube südlich des Pavillons, in dem Shiva herbeigerufen wurde,
Kriyapada 27-96. opfere der Acharya mit den zusammengehörigen Mantras jeweils drei Buttergaben, dann getrennt jeweils elf Gaben Brennholz, Butter, gekochte Opferspeise und Puffreis.
Kriyapada 27-97. Auch mit dem fünfsilbigen Mantra, dem zehnsilbigen Vyomavyapin, den achtunddreißig Kalas und den Brahma-Mantras opfere er jeweils einmal Butter.
Kriyapada 27-98. Dann opfere er jeweils einmal für Edelsteine, Saaten, Kräuter, Metalle beziehungsweise Mineralien, Wurzeln und Erden,
Kriyapada 27-99. für Weltenhüter und Waffen, Inselkontinente und Meere, Richtungen, Unterwelten und Nagas, dem jeweiligen Namen das Wort „alle“ voranstellend,
Kriyapada 27-100. mit Pranava am Anfang, dem eigenen Namen im Dativ und dem Feueropferabschluss. Die Butterreste aller Opfergaben sammle man in einem Gefäß.
Kriyapada 27-101. Mit dem Pranava gieße man diese Butter in die Grundsteinbeigabe. Man betrachte sie als Verkörperung der Erde, verehre sie mit Duftstoffen und den weiteren Gaben, berühre sie und wiederhole den fünfsilbigen Mantra.
Kriyapada 27-102. Nachts, unter einer unversehrten Mondstation und einem günstigen festen Tierkreiszeichen, betrachte man die Kassette als die Göttin Erde mit ihren sieben Inselkontinenten und Meeren,
Kriyapada 27-103. mit den vier Arten von Lebewesen, beweglichen und unbeweglichen, als Keim und Schoß des vorgesehenen Heiligtums und der weiteren Bauten.
Unnummerierte Formel nach 27-103. „Verehrung der Erde, die alle Wesen trägt!“ Pranava und die beiden gelieferten Keimlaute stehen am Anfang.
Kriyapada 27-104. Damit rufe man sie herbei, mit Sadyojata stelle man sie auf, mit dem nördlichen Mantra bewirke man ihre Gegenwart, mit Aghora halte man sie fest und mit dem Gesichtsmantra verehre man sie.
Unnummerierte Fortsetzung vor 27-105. Mit Ishana umhülle man sie und verehre sie nochmals mit Duftstoffen und weiteren Gaben.
Kriyapada 27-105 mit vorangestelltem Pranava. „Du Trägerin aller Wesen, Liebliche, mit Bergen als Brüsten geschmückt,
Unnummerierte Fortsetzung nach 27-105. du mit den Meeren als Gewand, Göttin, Erde: Nimm in der Grundsteinbeigabe Wohnung!“ Mit diesen Worten und dem zuvor genannten Mantra am Schluss bespreche man die feste, in der Kassette befindliche Erde.
Unnummeriertes Manjari-Zitat nach 27-105. „Nachdem man diesen Mantra wiederholt ausgesprochen und den Erdkreis vergegenwärtigt hat, lege man die Grundsteinbeigabe nach Vorschrift in die mit Kuhurin benetzte Grube. So vollziehe man das Einsetzen des Keimes ordnungsgemäß und erfreue den Guru mit Geld. Danach lasse man durch die Handwerker das Heiligtum sehr fest und mit den vorgeschriebenen Merkmalen errichten.“
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das siebenundzwanzigste Kapitel über Vastu-Verehrung, erste Ziegel und das Niederlegen der Grundsteinbeigabe.
Die Erde als tragende Gegenwart
Die Grundsteinbeigabe fasst die Welt symbolisch zusammen: Erde, Wasser, Pflanzen, Steine und Lebewesen finden darin einen Platz. Das Schlussgebet spricht die Erde als Trägerin aller Wesen an. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dieses Bild Dankbarkeit für den Boden und die Lebensgrundlagen wecken. Die konkreten Stofflisten und Bauvorschriften bleiben zugleich Teil eines historischen Rituals und sind von dieser heutigen Besinnung zu unterscheiden.
Kriyapada, Kapitel 28: Die Hauptformen der Heiligtümer
Dieses Kapitel nennt zahlreiche Bauformen und beschreibt die wichtigsten Heiligtümer mit ihren Proportionen und Schmuckgliedern. Die Sprache ist die einer historischen Architekturlehre. Wiederkehrende Fachbegriffe wie Kuta, Koshtha und Nasika bezeichnen bestimmte Bauglieder; sie bleiben dort als Namen stehen, wo ein deutsches Alltagswort ihre Form nicht zuverlässig wiedergibt. Beschädigte Maßbeschreibungen werden örtlich kenntlich gemacht.
Kapiteleingang. Nun das achtundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 28-1. Nun werden hier die Merkmale der Prasadas kurz beschrieben. Weil in ihnen die Herzen von Göttern und anderen Wesen sowie von Menschen durch ihre Schönheit lange Zeit
Kriyapada 28-2. heiter werden, heißen sie Prasadas. Wegen der vielfältigen Anordnung der Maße heißt der nach der Lehre gefertigte Bau auch Vimana.
Kriyapada 28-3. Wie einst der Großvater Brahma, die Weisen und Maya die vorzüglichen und weiteren Vimanas der Reihe nach beschrieben haben,
Kriyapada 28-4. so werden sie hier für Götter und andere kurz genannt. Für die Hauptgottheiten Isha, Brahma und Vishnu gibt es zwanzig Hauptformen.
Kriyapada 28-5. Zweiunddreißig weitere, nicht gruppenspezifische Formen dienen ebenfalls allen Gottheiten. Unter den gruppenspezifischen Vimanas gibt es zwölf für Zweimalgeborene,
Kriyapada 28-6. für Könige die Sankriti-Zahl und acht für Vaishyas und Shudras. Bei mangelnden Mitteln sind für alle die „klein“ und „sehr klein“ genannten Formen vorgesehen.
Unnummerierte Einleitung nach 28-6. Nun folgen die Namen der sechsundneunzig Vimanas, beginnend mit den Hauptformen. Sie lauten:
Kriyapada 28-7. Nalina, Pralina, Svastika, Chaturmukha, Sarvatobhadra, Hastiprishtha, Samujjvala,
Kriyapada 28-8. Shricchanda, Vrittabhadra, Shrikanta, Shripratishthita, Shivabhadra, Shivacchanda, Ashtanga, Padmakakriti,
Kriyapada 28-9. Vishnucchanda, Saubhadra, Kailasacchanda, Rudracchanda und Lalitabhadra: Dies sind zwanzig Vimanas.
Kriyapada 28-10. Meru, Mandara, Kailasa, Jayanga, Vimalakriti, Kumbha, Vimalanga, Vrishacchanda, Sudarshana,
Kriyapada 28-11. Hamsacchanda, Padmakanta, Garudacchanda, Bhogicchanda, Padmabhadra, Kailasakanta,
Kriyapada 28-12. Rudrakanta, Skandakanta, Yogabhadra, Mangala, Vindhyacchanda, Merukuta, Mahendra, Chitrakuta,
Kriyapada 28-13. Shrimandana, Saumukhya, Nila, Nishadha, Lalitakanta, Vijaya, Shrikara,
Kriyapada 28-14. Shrivishala und Jayamangala: Dies sind die zweiunddreißig nicht gruppenspezifischen Vimanas für die Himmelsbewohner.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Zweiunddreißig göttliche Vimanas.
Kriyapada 28-15. Nagacchanda, Abhagacchanda, Kudyavarta, Trikuta, Shrivardhana, Padmagriha, Prekshagrihamukha,
Kriyapada 28-16. Atyantakanta, Bhanukanta, Chandrakanta, Kratuvardhana und Vritta: Dies sind zwölf Vimanas für Zweimalgeborene. [Die Trennung der ersten beiden Namen in 28-15 folgt der Zwölfzahl und bleibt wegen der gedrängten Wortverbindung vorläufig.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Zwölf Brahmanen-Vimanas.
Kriyapada 28-17. Chatushkuta, Mantraputa, Avantya, Mahisha, Tantrikanta, Karnabhadra, Vijayanga, Vishalaka,
Kriyapada 28-18. Vishalabhadra, Ganikavishala, Karnashalaka, Padmasana, Indrakanta, Sarvalalita,
Kriyapada 28-19. Yogakanta, Pratyantakanta, Utpalapatraka, Maharajacchanda, Malagriha,
Kriyapada 28-20. Prithivivijaya, Nandivishala, Sarvangasundara, Chayagriha
Kriyapada 28-21 mit eingeschobener Abschnittsmarke. und Rativardhana: So gelten sie als vierundzwanzig. – Vierundzwanzig Kshatriya-Vimanas. – Vishalalaya, Chatushpadika,
Kriyapada 28-22. Turangavadana, Ganikapindika, Shyenacchanda, Utpalagra und Kukkutapucchaka,
Unnummerierter, in der Quelle eingeklammerter Vers nach 28-22. „und danach das Vimana namens Mundaprasadaka“:
Unnummerierte Fortsetzung und Abschnittsmarke nach 28-22. Dies sind die acht gruppenspezifischen Wohnbauten für Vaishyas und Shudras. – Acht Vaishya- und Shudra-Vimanas.
Kriyapada 28-23. Nun wird die Ausgestaltung der genannten Vimanas beschrieben.
Kriyapada 28-24. Zuerst zum Nalina genannten Bau: Sein Unterbau sei gleichmäßig quadratisch und schön. Ein Drittel davon bilde das innere Heiligtum; die Hälfte davon
Kriyapada 28-25. bilde die Ardharika und die Hara, die umlaufende Reihe kleiner Bauglieder. Das innere Heiligtum sei um ein Neuntel verlängert und gerundet; sein Dachaufsatz trage drei Bekrönungen. [Örtliche Unsicherheit: Der genaue Bezug der Verlängerung auf das zuvor genannte quadratische Maß ist in der knappen Beschreibung nicht eindeutig.]
Kriyapada 28-26. Der Halsbereich habe dieselbe Form wie der Dachaufsatz. Der Vorsprung des mittleren Bild- beziehungsweise Baugliedes betrage ein Viertel des Ardharika-Maßes. Vor dem inneren Heiligtum
Kriyapada 28-27. liege ein runder Vorsprung, ein Viertel davon hervortretend. Eine breite Nasika, ein vorspringendes giebelartiges Bauglied, habe die doppelte Breite und Ausladung.
Kriyapada 28-28. Vorn und an beiden Seiten seien sechzehn kleine Nasikas. Hinten liege eine einzelne Nasika mit halb so großer Breite und Ausladung.
Kriyapada 28-29. An den seitlichen Koshtha-Baugliedern setze man oben zwei Nasikas mit Innenraum an, deren Vorsprung die Hälfte der Ardharika-Breite und deren Länge das Doppelte beträgt.
Kriyapada 28-30. Im Innern verborgen, von der Hälfte der Gebäudemasse ausgehend, führe für jedes Geschoss eine Treppe rechtsläufig nach oben.
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-30. Der Baukörper besitze acht Nasikas und die Ausgestaltung mit einer großen Hara. [Die Quelle bietet bei „große Hara“ eine Klammerlesung.]
Unnummeriertes Parashara-Zitat nach 28-30. „Unterhalb der Gebäudemasse gliedere man den Bau mit Kutas, Koshthas, Panjaras, Elefantenrückenformen, runden Vorsprüngen, kleinen Hallen, Hara-Reihen, Torbögen, Pfeilern, Torbogenkrügen, Ranken und weiteren Formen. Vom oberen Bau bis zum untersten Geschoss verbinde man sie in angemessenen Anteilen.“
Kriyapada 28-31. Der Pavillon vor dem Heiligtum sei gleich groß, drei Viertel oder halb so groß,
Kriyapada 28-32. innerhalb der genannten Maße, und habe drei, zwei oder ein Geschoss. Man schmücke ihn mit derselben Ausgestaltung und entsprechenden Gliedern wie das Heiligtum.
Kriyapada 28-33. Das Heiligtum selbst schmücke man nach Wunsch mit drei und mehr Geschossen. An Ecken, Mitten und Zwischenräumen der Wand, außen von der Messlinie
Kriyapada 28-34. im vorgeschriebenen Maß hervortretend, versehe man es mit Kutas, Koshthas, Panjaras, Elefantenrückenformen und den übrigen genannten Gliedern.
Kriyapada 28-35. Ein oberhalb des Halses quadratisches, rundes oder achteckiges, an einer Ecke gelegenes Bauglied, mit einer mittleren Nasika und Bekrönung,
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-35. nennen die Kundigen Kuta, einen Teil des Heiligtums.
Kriyapada 28-36. Ein längliches Glied mit Stirnband, teilweise hervortretenden Enden und mittlerer Nasika, mit Shakti … und Fahne, dreigesichtig, seitlich mit vielen Bekrönungen: Das ist ein Koshtha. [Örtliche Ausnahme: Der Vers enthält eine ausdrücklich markierte Lücke und eine unsichere Klammerlesung. Die erkennbaren Bauglieder sind übersetzt; der genaue Zusammenhang der Ausladungen und des Shakti-Gliedes bleibt unentschieden.]
Unnummerierte Erklärung nach 28-36. Das Wort „Spitze“ bezeichnet hier eine Bekrönung.
Kriyapada 28-37. Mit einer Hallenfront an der Vorderseite und einer Bekrönung nach Art eines Elefantenrückens:
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-37. Dies heißt Panjara. Hierzu sagt Parashara:
Unnummeriertes Parashara-Zitat nach 28-37. „Dasselbe mit einer schlingenartigen Front heißt Elefantenrüssel; ein zwischen Kuta und Koshtha angeordnetes Glied heißt kleines Koshtha. Zwischen Kuta und Koshtha ist eine Hara von einem oder einem halben Anteil anzulegen. Auch der runde Vorsprung ist wie ein Panjara, jedoch in runder Form um die Hälfte vorspringend.“
Kriyapada 28-38. Überall seien Hals, Dachaufsatz und Bekrönung einander entsprechend.
Kriyapada 28-39. Dies ist in Kürze die ursprüngliche Anordnungsweise der Heiligtümer. Ein Koshtha an der Ecke, ein Kuta in der Mitte und Panjara und andere Glieder dazwischen,
Kriyapada 28-40. verbunden mit einem inneren Gebälk, heißt die Variante. Eine Mischung derselben Glieder heißt Abhasa. Alles sei ringsum gleichmäßig.
Kriyapada 28-41. Die Schönheit der Tempelfront gestalte man wie den im Wasser stehenden Mond. Die Verschiedenheit der Vimanas entsteht aus der Verschiedenheit ihrer Gestalt.
Kriyapada 28-42. Insbesondere nach dem Dachaufsatz bestimme man die Unterschiede aller Formen. Alles andere gilt, angemessen und schön ausgeführt, als gemeinsam.
Kriyapada 28-43. Luftwege ordne man schön und zweckmäßig an. An jeder Front und an beiden Flanken sei der Bau mit einer großen Nasika versehen.
Kriyapada 28-44. Durch die beiden halben Koshthas gleicht er einem Vogel, der im Himmel schwebt. Dieses Nalina-Vimana wird als Shiva lieb beschrieben.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Nalina.
Kriyapada 28-45. Der Unterbau des Pralina sei gleichmäßig quadratisch. Teilt man seine Breite in acht, so nimmt das innere Heiligtum drei Teile ein.
Kriyapada 28-46. Inneres Heiligtum und Dachaufsatz sind quadratisch. Vorn liege eine große Nasika, deren Ausladung und Länge die Hälfte des inneren Heiligtums betragen; an den Seiten kleine Nasikas,
Kriyapada 28-47. vier an der Zahl, hinten eine einzige große. Zwei Koshthas mit einem Viertel der Heiligtumsbreite und der doppelten Länge
Kriyapada 28-48. befinden sich an den Seiten oben. Vom inneren Heiligtum aus erstreckt sich um den Rama-Anteil ein gegliederter Oberbau; dessen entsprechendes Maß und die doppelte Länge gelten für beide. [Örtliche Ausnahme: Die Maßbezüge des zweiten Halbverses sind nicht sicher zu verbinden. Die erkennbare Verhältnisangabe bleibt erhalten, ohne daraus einen Grundriss zu rekonstruieren.]
Kriyapada 28-49. Eine innen verborgene Treppe steigt von der Hälfte des Baukörpers aus auf. Innerhalb zwischen Ardharika und Hara liegt ein Innenraum, dem Vorsprung entsprechend.
Kriyapada 28-50. Auf einer Seite sei eine Lagerstätte, auf drei Seiten ein Wasserraum; die Wand gestalte man schön, das Übrige wie zuvor. [Die gelieferte Benennung „aptala“ ist hier nur vorläufig als Wasserraum wiedergegeben.]
Kriyapada 28-51. An beiden Seiten des Unterbaus liegen Treppen in Elefantenrüsselform. Seitenverband, schirmförmiger Kopf und Gebäudemasse erhalten die große Ausgestaltung. [Der letzte Fachausdruck ist bereits in der Quelle fraglich markiert; sein genauer baulicher Sinn bleibt offen.]
Kriyapada 28-52. Darauf liegen acht kleine Nasikas, alle mit Svastikas versehen. Der Unterbau hat einen Pratibandha-Verband; die Pfeiler sind quadratisch.
Kriyapada 28-53. Die Form gleicht einem schwebenden Vogel, der Beute ergreift. Mit Kutas und den anderen Gliedern schmücke man sie sachgerecht wie zuvor.
Kriyapada 28-54. Mit halben Koshthas an beiden Seiten und sechs Nasikas oben steht der Bau wie ein schwebender, Beute greifender Vogel da.
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-54. Mit einem oder mehreren Geschossen versehen, ist dies das Shiva-Heiligtum Pralina.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Pralina.
Kriyapada 28-55. Auch der Unterbau des Svastika ist um ein Viertel seiner Breite verlängert.
Kriyapada 28-56. Er ist viereckig. Teilt man seine Breite der Reihe nach in acht oder neun Teile, so nimmt das innere Heiligtum zwei oder drei ein. Gebäudemasse und die weiteren Glieder sind wie zuvor.
Kriyapada 28-57. Der Dachaufsatz ist länglich viereckig. Vorn springt eine große Nasika um die Hälfte des Heiligtumsmaßes vor, an den Seiten eine Nasika um die Hälfte davon.
Kriyapada 28-58. Am Dachaufsatz liegen acht kleine Nasikas; alle Nasikas besitzen Bhadra-Vorsprünge. Die Koshthas und gegliederten Oberbauten ordne man in Svastika-Form an.
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-58. Kutas, Koshthas und alle übrigen Glieder lasse man wie zuvor herstellen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Svastika.
Kriyapada 28-59. Beim Chaturmukha ist der Bau vom Unterbau bis zum Dachaufsatz gleichmäßig rund.
Kriyapada 28-60. Inneres Heiligtum, Ardharika und weitere Teile haben die beim Svastika genannten Maße. In den vier Richtungen liegen vier große Nasikas, die um ein Viertel des inneren Heiligtums vorspringen.
Kriyapada 28-61. Dazwischen befinden sich am Dachaufsatz kleine Nasikas mit der Hälfte dieses Maßes. Die Gebäudemasse sei so breit wie das innere Heiligtum und springe um einen entsprechenden Anteil vor.
Kriyapada 28-62. Man ordne sie in den vier Richtungen und in der Mitte an. Vier gleiche Eckhallen mit gleichen Bhadra-Vorsprüngen sind anzulegen.
Kriyapada 28-63. Kutas, Koshthas und die weiteren Teile füge man wie zuvor schön zusammen. Mit gesichtsartigen Bhadras in den vier Richtungen versehen, ist dies Chaturmukha, der Viergesichtige.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Chaturmukha.
Kriyapada 28-64. Der Unterbau des Sarvatobhadra ist quadratisch. Teilt man ihn in zehn, neun oder acht Teile, so nimmt das innere Heiligtum vier, drei oder zwei ein.
Kriyapada 28-65. Gebäudemasse und weitere Teile sind wie zuvor; an der Gebäudemasse liegen sechzehn Saushthika-Glieder. Hals und Dachaufsatz sind achteckig, mit acht Nasikas.
Kriyapada 28-66. In jedem Geschoss liegt in der Mitte jeder der vier Richtungen ein Bhadra. Zur Anordnung von fünf göttlichen Gestalten, entsprechend der Breite des inneren Heiligtums,
Kriyapada 28-67. füge man in dessen Richtungen dreifrontige Eck-Kutas an. Dort liegen vier Hallen; Kutas, Koshthas und die übrigen Glieder sind wie zuvor.
Kriyapada 28-68. Kutas und weitere Teile samt Bhadras füge man mit der Hälfte der jeweiligen Breite an. Oder man setze in den acht Richtungen und in der Mitte neun Lingas ein.
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-68. Sarvatobhadra ist für nicht figürliche und figürlich ausgeformte Lingas genannt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Sarvatobhadra.
Kriyapada 28-69. Auch der Unterbau des Hastiprishtha ist viereckig und um ein Viertel seiner Breite verlängert.
Kriyapada 28-70. Gebäudemasse und die weiteren Teile sind wie zuvor angegeben. Kutas, Koshthas und alle übrigen Glieder bestimme man entsprechend dem bereits Gesagten.
Kriyapada 28-71. Der Dachaufsatz ist hinten rund und vorn mit zwei Ecken versehen, gleichmäßig und schön, in der Form eines stehenden Elefanten, mit einer hallenartigen Front. [Örtliche Unsicherheit: Die gelieferte Verbindung „śikharamagnaṃ dvyaśram“ ist gestört; die Wiedergabe der Vorderseite folgt dem baulichen Zusammenhang.]
Kriyapada 28-72. An beiden Seiten und hinten liegen jeweils drei Nasikas, ein Viertel des inneren Heiligtums breit und um die Hälfte davon vorspringend.
Kriyapada 28-73. Mit Brahma-Toren, Fahnen, Kapota-Gesimsen und weiteren Gliedern schmücke man den Bau. Mit einem oder mehreren Geschossen ist er ein Heiligtum für Brahma, Vishnu oder Isha.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Hastiprishtha, Elefantenrücken.
Kriyapada 28-74. Der Unterbau des Samujjvala ist gleichmäßig quadratisch. Das innere Heiligtum beträgt ein Drittel davon; die Gebäudemasse die Hälfte eines Drittels seines Maßes.
Kriyapada 28-75. Auch Umgang und Hara-Reihe ordne man nach diesem Maß an. Vier Nasikas seien ein Drittel des inneren Heiligtums breit und halb so weit vorspringend.
Kriyapada 28-76. Ebenso viele kleine Nasikas besitzen die Hälfte dieses Maßes. Die Form des Dachaufsatzes ist rund; an der Gebäudemasse liegen sechzehn Nasikas.
Kriyapada 28-77. Unterhalb der Gebäudemasse schmücke man das Grundgeschoss einzeln mit Kutas und anderen Gliedern und in den vier Richtungen mit großen Koshthas.
Kriyapada 28-78. In jedem Geschoss liege ein mit Saushthika-Spitzen gefasster Bereich; den Hauptpavillon richte man nach innen. Das Übrige führe man wie zuvor aus. [Der genaue Bauzusammenhang des ersten Halbverses bleibt örtlich unsicher.]
Unnummeriertes Parashara-Zitat nach 28-78. „Dieses Samujjvala ist ein Heiligtum für sämtliche Herren, mit schön rundem Saushthika-Abschluss, Haupt und Hals, mit Bhadra-Hallen und allen Gliedern geschmückt, Sieg, Gedeihen, Ruhm und Glanz spendend, den Geist erfreuend.“
Unnummerierte Abschnittsmarke. Samujjvala.
Kriyapada 28-79. Auch der Unterbau des Shricchanda ist gleichmäßig quadratisch. Dachaufsatz und Hals sind achteckig und mit acht Nasikas versehen.
Kriyapada 28-80. Der Saushthika-Abschluss ist achteckig und mit einer Shuka-Nasika versehen. Das Übrige führe man wie beim Samujjvala aus. Dieser Bau ist Shiva lieb.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shricchanda.
Kriyapada 28-81. Beim Vrittabhadra ist alles vom Unterbau bis zum Dachaufsatz rund. In der Mitte liegt das runde innere Heiligtum; darum in den vier Richtungen
Kriyapada 28-82. Koshthas mit gleichartigen Bhadras sowie ein nach den Maßen bestimmter Bau. Zwischen beiden schmücke man mit Gliedern gleicher Breite und Ausladung. [Welche beiden Baukörper „beide“ genau bezeichnet, bleibt in der gedrängten Maßbeschreibung offen.]
Unnummeriertes Parashara-Zitat nach 28-82. „Zwischen ihnen ist bei großen Anlagen ringsum mit Elefantenrückenformen, kleinen Koshthas und weiteren Gliedern zu schmücken. Ihr vorderer Pavillon habe Bhadras, liege auf derselben Messlinie und besitze viele Querbalken. Er wird für alle Gottheiten empfohlen.“
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vrittabhadra.
Kriyapada 28-83. Der Unterbau des Shrikanta gilt als gleichmäßig quadratisch. Bei einer Breite von acht oder neun Teilen nimmt das innere Heiligtum zwei oder drei Teile ein.
Kriyapada 28-84. Ardharika und halbe Hara erhalten jeweils halbe oder ganze Anteile. Das innere Heiligtum ist quadratisch; am Dachaufsatz beträgt die Ausladung die Hälfte. [Die genaue Verteilung der erstgenannten Anteile ist nicht eindeutig.]
Kriyapada 28-85. Am Dachaufsatz seien vier Nasikas und ebenso viele kleine, an der Gebäudemasse sechzehn Nasikas. Die vier Eck-Kutas
Kriyapada 28-86. seien quadratisch, achteckig oder rund; dazwischen liegen Koshthas. In der Mitte der vier Richtungen füge man vorspringende Panjaras an.
Kriyapada 28-87. Mit kleinen Koshthas, Elefantenrüsselformen, halben Panjaras, Gitterfenstern, Torbögen, Treppen und Sockelgliedern
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-87. schmücke man den Shrikanta sachgerecht; er gehört allen Gottheiten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shrikanta.
Kriyapada 28-88. Beim Shripratishthita ist der Bau vom Unterbau bis zum Dachaufsatz rund.
Kriyapada 28-89. Von drei oder vier Teilen der Breite nimmt das innere Heiligtum einen ein. Gebäudemasse, Umgang und Hara setze man jeweils mit einem Anteil an.
Kriyapada 28-90. Vier Nasikas mit Bhadras haben ein Viertel der Breite des inneren Heiligtums. An der Gebäudemasse liegen sechzehn kleine Nasikas wie zuvor.
Kriyapada 28-91. Die äußere Anlage ist viereckig, der Aufgang im Innern verborgen. In den vier Richtungen liegen Koshthas, deren Breite und Ausladung die Hälfte des inneren Heiligtums betragen.
Kriyapada 28-92. Die maßgerecht bestimmten Bauglieder füge man bis zum Saushthika-Abschluss an. Das Vimana namens Shripratishthita ist ein Vishnu-Heiligtum.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shripratishthita.
Kriyapada 28-93. Der Unterbau des Shivabhadra ist quadratisch. Von acht oder neun Teilen seiner Breite nimmt das innere Heiligtum zwei oder drei ein.
Kriyapada 28-94. Das innere Heiligtum ist quadratisch, der Dachaufsatz rund, mit vier Nasikas. Die Nasikas sind ein Viertel des inneren Heiligtums breit und springen um die Hälfte davon vor.
Kriyapada 28-95. Die drei Teile von der Gebäudemasse an bemesse man nach einem Drittel der Hälfte des inneren Heiligtums. Ringsum schmücke man mit gegliederten Oberbauten und Kuta-Abschlüssen.
Kriyapada 28-96. An der Gebäudemasse liegen sechzehn Prana-Glieder, mit Tilaka- und Svastika-Zeichen versehen. Die Geschosse schmücke man mit verschiedenen Unterbauten, Pfeilern und weiteren Teilen. [Die Benennung „prāṇaṣoḍaśakam“ ist baulich nicht sicher bestimmt.]
Kriyapada 28-97. Eck-Kutas mit vier- oder achteckigem oder rundem Abschluss füge man an; Koshthas von zwei oder drei Stäben, mit gleichen Bhadras.
Kriyapada 28-98. Im Innern verborgen liege die „Elefant“ genannte Treppe. Vorn stehe ein Pavillon, dessen Glieder denen des Heiligtums entsprechen.
Kriyapada 28-99. Der Bau habe ein oder mehrere Geschosse, mit Vor- und Rücksprüngen. Auch einen gegliederten Oberbau errichte man so. Dies heißt Shivabhadra.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shivabhadra.
Kriyapada 28-100. Beim Shivacchanda sind Unterbau und weitere Teile wie zuvor. Die Koshthas besitzen jedoch keine Bhadras; in der Mitte sind sie mit Panjara-Bhadras
Kriyapada 28-101. verbunden. Mit vielen Geschossen füge man die genannten Teile sachgerecht zusammen. Das Shivacchanda gehört allein Shiva und besitzt sämtliche Verzierungen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shivacchanda.
Kriyapada 28-102. Auch beim Ashtanga sei der Unterbau wie beim Shivabhadra, ebenso das innere Heiligtum und die weiteren Teile. Die Besonderheit wird nun genannt.
Kriyapada 28-103. Es besitzt sechzehn Bhadra-Glieder mit Kapota und Panjara, dazu jeweils zwei schlichte Nasikas. Oberhalb des Halses ist der Kopf
Kriyapada 28-104. in Form einer Amalaki-Frucht gestaltet. Dort liegen acht gleiche Nasikas, ein Viertel des inneren Heiligtums breit und halb so weit vorspringend.
Kriyapada 28-105. Ebenso gibt es acht kleine Nasikas; die Mitte ist quadratisch. Gebäudemasse und die weiteren Teile sind wie zuvor. Vorn steigt an beiden Flanken
Kriyapada 28-106. die Treppenanlage empor, an beiden Ecken mit Elefantenrüsseln geschmückt. Das mittlere Tor versehe man mit einem Torbogen und den acht Glückszeichen.
Kriyapada 28-107. Eine größere Treppe ordne man im Innern verborgen an. Mit verschiedenen Sockeln, Pfeilern, Brüstungen und Luftöffnungen
Kriyapada 28-108. sowie achteckigen Saushthika-Abschlüssen an den Ecken gestalte man die oberen Teile. Mit kleinen und großen Ausführungen und mit drei oder mehr Geschossen versehen,
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-108. ist dieses an allen Gliedern geschmückte Götterhaus das Ashtanga.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Ashtanga.
Kriyapada 28-109. Der Unterbau ist viereckig und um ein Viertel seiner Breite verlängert.
Kriyapada 28-110. Bei einer Teilung in acht oder neun nimmt das innere Heiligtum zwei oder drei Teile ein. Auch dieses ist länglich gerundet; die Ardharika ist wie zuvor verlängert.
Kriyapada 28-111. Die Gebäudemassen liegen in den vier Richtungen, mit Nasikas an den Fuß-Bhadras. Der Dachaufsatz ist länglich rund. Darauf liegen nach dem halben Maß des inneren Heiligtums
Kriyapada 28-112. große Nasikas mit Bhadras; Kutas und die weiteren Teile sind wie zuvor. An der Gebäudemasse befinden sich sechzehn kleine Nasikas am Kapota-Gesims.
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-112. Mit Eck-Kutas und den weiteren Teilen schmücke man die Lotusform wie zuvor.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Padmakriti, Lotusform.
Kriyapada 28-113. Auch beim Vishnucchanda ist der Unterbau wie zuvor verlängert.
Kriyapada 28-114. Das innere Heiligtum bemesse man nach dem Viertel- und Rama-Anteil der Breite; es ist sechseckig. Der Unterbau hat einen Lotusverband, oben einen viereckigen Saushthika-Abschluss. [Örtliche Unsicherheit: Die Verbindung der beiden Verhältnisangaben für das innere Heiligtum ist nicht eindeutig.]
Kriyapada 28-115. Gebäudemasse und weitere Teile sind wie zuvor. Der Dachaufsatz ist sechseckig und hat sechs Nasikas; auch der Hals ist sechseckig.
Kriyapada 28-116. Der gegliederte Oberbau samt Saushthika springt um die Hälfte seiner eigenen Breite vor. Er ist von Brahma-Toren und Fahnen bedeckt und mit verborgenen Ausführungen versehen.
Kriyapada 28-117. Auch am Kapota-Gesims sind ringsum Nasikas mit gleichen Bhadras. Der Bau besitzt Nutzgeschosse und ist mit Holzarbeiten geschmückt.
Kriyapada 28-118. An den vier Ecken und in der Mitte werden fünf göttliche Gestalten angeordnet. An den vier Ecken liegen Saushthika-Glieder mit länglich gerundeten Köpfen.
Kriyapada 28-119. Dieses an allen Gliedern geschmückte Vishnucchanda gehört Vishnu. In jedem Geschoss ist der Dachaufsatz der Kutas länglich rund.
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-119. Reich an Ziegel- und Holzarbeiten ist der Bau an allen Gliedern geschmückt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vishnucchanda.
Kriyapada 28-120. Auch der Unterbau des Saubhadra ist gleichmäßig quadratisch.
Kriyapada 28-121. Ein Viertel oder ein Drittel bestimmt die Breite des inneren Heiligtums. Die Teile von der Gebäudemasse an erhalten der Reihe nach einen Anteil aus zwei oder drei Teilen.
Kriyapada 28-122. Der Dachaufsatz ist quadratisch, in den vier Richtungen hallenförmig. Vier Nasikas mit Fuß-Bhadras sind ein Viertel des inneren Heiligtums breit.
Kriyapada 28-123. Dazu kommen acht kleine Nasikas; alle besitzen Svastika-Bhadras. Kutas, Koshthas und sämtliche weiteren Teile haben Bhadras von einem Viertel, einer Hälfte oder einem Drittel.
Kriyapada 28-124. Die Pfeiler sind der Geschossfolge nach vier-, acht-, sechzehneckig und rund. Wasserraum und gegliederter Oberbau tragen die genannten Verzierungen. [Die bauliche Bedeutung von „aptala“ bleibt wie bei 28-50 vorläufig.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Saubhadra.
Kriyapada 28-125. Auch beim Kailasacchanda ist der Sockel quadratisch. Von acht Teilen der Breite nimmt das innere Heiligtum ringsum drei ein.
Kriyapada 28-126. Die übrigen Teile erhalten Gebäudemasse und die folgenden Glieder. Das innere Heiligtum ist quadratisch; oberhalb des Halses ist der Bau achteckig und mit acht einzelnen kleinen Nasikas versehen.
Kriyapada 28-127. An der Gebäudemasse sei die Zahl doppelt. Die Saushthikas an den Eckspitzen sind in jedem Geschoss vier-, achteckig oder rund und mit Nasikas versehen.
Kriyapada 28-128. Der mittlere Schmuckteil hat einen Anteil Breite und springt um die Hälfte seiner Breite vor. Man schmücke mit dem Shribandha genannten Sockel und dazwischen
Kriyapada 28-129. mit großen Panjaras, kleinen Hallen, Elefantenfronten, verschiedenen Sockeln, Pfeilern, Brüstungen, Gittern und Torbögen.
Kriyapada 28-130. Mit den Gliedern wie zuvor schmücke man den gegliederten Oberbau angemessen. Vom ersten Geschoss an aufwärts ordne man jeweils kleinere Formen an,
Kriyapada 28-131. mit Brahma-Toren, Fahnen, Kutas, Koshthas und weiteren Teilen. Vorn liege, durch einen Zwischenraum verbunden und mit Gliedern wie das Heiligtum,
Kriyapada 28-132. ein schöner mehrgeschossiger Pavillon mit innen verborgenem Aufgang. Sämtliche Glieder seien nach den Ordnungen Jati, Chhanda, Vikalpa und den weiteren zusammengefügt.
Kriyapada 28-133. Mit höheren und niedrigeren Kutas und Koshthas, mittleren Bhadras und verschieden geformten Dachaufsätzen gleicht der Bau dem Berg Kailasa.
Kriyapada 28-134. Dieses heilbringende Kailasacchanda gehört allein Shiva. – Kailasacchanda. – Der Unterbau des Rudracchanda ist wie zuvor quadratisch.
Kriyapada 28-135. Inneres Heiligtum und weitere Teile sind wie zuvor. An Ecken, Mitten und Zwischenstellen füge man Kutas, Koshthas und weitere Glieder an, die um ein Viertel ihrer Breite vorspringen.
Kriyapada 28-136. Das Brahma-Tor sei einen Anteil breit und an die Gebäudemasse angeschlossen. Sein oberer Schmuckteil sei hoch; mit verschiedenen Gliedern schmücke man den Bau.
Kriyapada 28-137. Unterbau, Pfeiler, Brüstungen, Gitter, Torbögen und die weiteren Glieder gehören dazu. Vom Grundgeschoss an seien die Geschosse der Reihe nach quadratisch, achteckig und rund.
Kriyapada 28-138. Hals und Dachaufsatz sind rund. Vorn und an den Seiten liegen drei Nasikas, je ein Drittel des inneren Heiligtums breit. Hinten
Kriyapada 28-139. liegen zwei Nasikas von halbem Maß, an beiden Seiten jeweils drei, mit Tilaka-Schmuck. Das Übrige des Rudracchanda füge man entsprechend an.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Rudracchanda.
Kriyapada 28-140. Für Lalitabhadra ist ein quadratischer Unterbau genannt. Bei acht oder neun Teilen seiner Breite nimmt das innere Heiligtum zwei oder drei ein.
Kriyapada 28-141. Die übrigen Teile erhalten Gebäudemasse und weitere Glieder, auch diese quadratisch. Der Dachaufsatz ist achteckig, mit acht kleinen und großen Nasikas.
Kriyapada 28-142. In den vier Richtungen liegen Koshthas mit einer Ausladung gleich ihrer Breite. In deren Mitte springen dreifrontige Hallen um ein Drittel vor.
Kriyapada 28-143. Das mittlere Bhadra ist ein Drittel des Eckheiligtums breit und springt um die Hälfte der Hälfte dieses Maßes vor. Dazwischen
Kriyapada 28-144. ordne man Löwen-Panjaras, kleine Koshthas und weitere Glieder an. Mit den Saushthika-Abschlüssen an den Ecken habe der Bau achteckige Gestalt.
Kriyapada 28-145. In jedem Geschoss ordne man Tilaka-Nasikas in Svastika-Form an. Gebäudemasse und weitere Teile sind wie zuvor; mit Kutas und den weiteren Gliedern schmücke man sie.
Unnummerierte Fortsetzung nach 28-145. Die Elefantentreppe ist im Innern verborgen. Dies ist Lalitabhadra.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Lalitabhadra.
Unnummerierter Schlussvers. So wurden die mit Verzierungen versehenen Formen Nalina und die weiteren kurz beschrieben: die geeigneten Haupt-Vimanas für Shambhu, den Lotusgeborenen Brahma und Hari.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das achtundzwanzigste Kapitel über die Merkmale der Haupt-Vimanas und der weiteren Formen.
Schönheit und genaue Gestalt
Der Kapitelanfang erklärt den Namen des Heiligtums durch die Heiterkeit, die seine Schönheit im Herzen hervorruft. Danach entfaltet der Text diese Schönheit in vielen einzelnen Proportionen und Baugliedern. Für heutige Yoga-Aspiranten kann darin eine Verbindung von Sammlung und sorgfältiger Gestaltung sichtbar werden: Ein Raum kann Aufmerksamkeit unterstützen, wenn seine Teile bewusst aufeinander bezogen sind. Die historische Architekturlehre bleibt dabei in ihren eigenen Begriffen und Grenzen erkennbar.
Kriyapada, Kapitel 29: Weitere Vimanas und ihre Ausgestaltung
Dieses Kapitel setzt die Architekturlehre mit allgemeinen und gruppenspezifischen Bauformen fort. Viele Varianten entstehen durch Änderungen an Dach, Hals, Vorsprüngen und Geschossen. Die Bauformnamen werden einheitlich als Eigennamen wiedergegeben, abweichende Benennungen der Quelle jedoch nicht stillschweigend vereinheitlicht. Die historischen sozialen Zuordnungen beschreiben die Ordnung des Textes.
Kapiteleingang. Nun das neunundzwanzigste Kapitel.
Kriyapada 29-1. Nun werden die Merkmale der nicht gruppenspezifischen Vimanas von Meru an genannt, welche die Verwirklichung der jeweiligen Form ermöglichen.
Kriyapada 29-2. Beim Meru genannten Bau ist der Unterbau quadratisch, Hals und Dachaufsatz sind rund und mit vier Nasikas versehen.
Kriyapada 29-3. Eine große Nasika an der Vorderseite springt um die Hälfte des inneren Heiligtums vor. Von dreizehn Teilen der Breite nimmt das innere Heiligtum fünf ein.
Kriyapada 29-4. Gebäudemasse, Umgang und Hara-Reihe erhalten der Reihe nach jeweils einen Anteil. Ein Kuta nimmt einen Anteil ein, ein Koshtha drei, ein Nida
Kriyapada 29-5. einen Anteil; der Rest ist der Hara-Anteil auf derselben Linie wie Kuta und die weiteren Glieder. Die Nasikas sind in Svastika-Verbindung angeordnet; der Bau hat drei, vier oder fünf Geschosse.
Kriyapada 29-6. Mit verschiedenen Unterbauten, Pfeilern, Brüstungen, Gittern, Torbögen, runden Vorsprüngen, Nidas und weiteren Gliedern schmücke man Meru sorgfältig.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Meru-Vimana.
Unnummerierter Vers nach 29-6. Derselbe Bau mit quadratischem Hals und Dachaufsatz heißt Mandara.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Mandara.
Kriyapada 29-7. Derselbe mit achteckigem Hals und Dachaufsatz, acht Nasikas
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-7. und acht Panjara-Kutas gilt unter dem Namen Kailasa.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Kailasa.
Kriyapada 29-8. Derselbe mit einem inneren Heiligtum von viereckiger, achteckiger oder runder Gestalt,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-8. mit Bhadra-Nasikas versehen, ist als Vimana namens Kumbha bekannt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Kumbha-Vimana.
Kriyapada 29-9. Mit quadratischem innerem Heiligtum und Bhadras heißt derselbe Jayanga.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Jayanga.
Unnummerierter Vers nach 29-9. Derselbe heißt Vishalanga, wenn Dachaufsatz und Hals rund sind. [Quellenhinweis: Hier steht Vishalanga; die frühere Liste nennt Vimalanga. Die Namen bleiben als gelieferte Varianten erhalten.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vishalanga.
Kriyapada 29-10. Lässt man bei demselben in der Mitte einen Anteil frei und versieht ihn auf zwei Anteilen mit Koshthas,
Kriyapada 29-11. mit achteckigem Dachaufsatz und Hals, acht Nasikas am Hals, acht Panjara-Kutas und zweiundsechzig Tilakas,
Kriyapada 29-12. mit oder ohne Umfassung und mit drei, vier oder fünf Geschossen, so heißt dieses wunderbare Vimana Vimalakriti.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vimalakriti.
Kriyapada 29-13. Bei demselben springen sämtliche Koshthas um die Hälfte ihrer Breite vor. In jedem Geschoss befinden sich zwei große Nasikas an den Flanken, wie halbe Koshthas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-13. Dieses überaus schöne Vimana heißt Hamsacchanda.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Hamsacchanda.
Kriyapada 29-14. Derselbe Bau mit quadratischem Hals und quadratischem Haupt,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-14. im Übrigen ganz wie zuvor beschrieben, gilt als Vrishacchanda.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vrishacchanda.
Kriyapada 29-15. Nun wird das daraus hervorgehende Garudacchanda-Vimana beschrieben.
Kriyapada 29-16. Vorn besitzt es eine Bhadra-Nasika, an den Flanken halbe Koshthas, an beiden Seiten jeweils zwei Nasikas und einen Hals mit rundem Vorsprung.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-16. Das Übrige hat die Gestalt des Meru. Dies ist Garudacchanda.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Garudacchanda.
Kriyapada 29-17. Hat derselbe Bau einen achteckigen Hals, einen achteckigen Dachaufsatz
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-17. und einen lotusgleichen Kopf, so heißt er Padmanga, ein Brahma-Heiligtum. [Die frühere Namensliste nennt Padmakanta; hier wird Padmanga nicht daran angeglichen.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Padmanga.
Kriyapada 29-18. Derselbe mit mittleren Koshthas in den vier Richtungen, die um ihre Breite vorspringen,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-18. und mit einem Kopf wie eine Lotusknospe gilt als Padmabhadra.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Padmabhadra.
Kriyapada 29-19. Ist derselbe an Hals und Dachaufsatz rund, mit breiten Nasikas,
Kriyapada 29-20. mit drei gleichen Nasikas an jeder Front und beiden Flanken, in jedem Geschoss mit Bhadra-Gliedern und überall mit Tilakas versehen,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-20. mit oder ohne Tor, heißt er Yoga-Kailasakanta. [Die zusammengesetzte Benennung ist so geliefert; die Abschnittsmarke nennt nur Kailasakanta.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Kailasakanta.
Kriyapada 29-21. Elf Ellen breit, in sieben, acht oder neun Teile geteilt,
Kriyapada 29-22. nimmt das innere Heiligtum ringsum drei, vier oder fünf Teile ein. Das Übrige schmücke man mit Hara-Reihen, Kutas, Koshthas und den weiteren Gliedern.
Kriyapada 29-23. Der Dachaufsatz ist rund, mit Bhadras und vier Nasikas; der Bau ist zweigeschossig, mit vier Kutas, vier Hallen und ringsum Tilakas,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-23. mit schön runden Eck-Kuta-Abschlüssen: Dies ist das Vimana Rudrakanta.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Rudrakanta.
Kriyapada 29-24. Derselbe Bau mit Bhadra-Koshtha-Gliedern wird Yogabhadra genannt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Yogabhadra.
Kriyapada 29-25. Derselbe mit quadratischem Haupt, geschmücktem Saushthika-Abschluss und acht kleinen Nasikas am Dachaufsatz heißt Bhogicchanda.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Bhogicchanda.
Kriyapada 29-26. Ist derselbe an Hals und Dachaufsatz sechseckig, heißt er Sudarshana. Man nennt ihn das Heiligtum Sudarshanas oder Vishnus.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Sudarshana.
Kriyapada 29-27. Derselbe, mit sechs Nasikas geschmückt und mit den passenden Gliedern versehen, ist Skandakanta, ein dem Sechsgesichtigen liebes Vimana.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Skandakanta.
Kriyapada 29-28. Derselbe mit durchgehend achteckigen Eck-Kutas, Haupt und Hals, mit Bhadra-Gliedern, vier Nasikas und zwei Geschossen ist Vindhyacchanda.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vindhyacchanda.
Kriyapada 29-29. Neun oder sieben Ellen breit, in sieben oder sechs Teile gegliedert, mit vier Kutas und vier Hallen und rundem Haupt und Hals,
Kriyapada 29-30. mit vier kleinen und großen Nasikas, acht Panjaras und Torbögen, mittleren Bhadras, Tilakas, Sockeln und Pfeilern,
Kriyapada 29-31. mit Unterbau samt Zusatzsockel, schön durch verschiedenartige Glieder und mit Kutas und den weiteren Teilen geschmückt: Dies heißt Merukuta-Vimana.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Merukuta.
Kriyapada 29-32. Ohne mittleres Bhadra sei dort ein Kakara-Koshtha; das Übrige schmücke man wie zuvor. Dies ist das Hari liebe Chitrakuta. [Der gelieferte Fachausdruck „kakara“ ist nicht sicher bestimmt.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Chitrakuta.
Kriyapada 29-33. Derselbe mit acht Saushthikas und acht Nasikas ist Shrimandana, ein Wohlstand bringendes Vimana für alle Gottheiten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shrimandana.
Unnummerierter Vers nach 29-33. Derselbe mit acht Kutas und acht Hallen ist Saumukhya.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Saumukhya.
Kriyapada 29-34. Derselbe mit viereckigem Dachaufsatz heißt Jayamangala.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Jayamangala.
Unnummerierter Vers nach 29-34. Derselbe mit achteckigem Dachaufsatz trägt den Namen Nilaparvata.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Nilaparvata.
Kriyapada 29-35. Derselbe ohne Kutas und Hallen, jedoch mit acht Panjaras,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-35. und mit einer nach Wunsch gewählten Dachform gilt als Prasada Nishadha.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Nishadha.
Kriyapada 29-36. Mit länglich viereckigem Unterbau und einem hallenförmigen Kopf,
Kriyapada 29-37. mit Kutas, Koshthas, Vorsprüngen und sämtlichen Gliedern geschmückt, reich an verschiedenartigen Unterbauten und Pfeilern, ist das Vimana namens Mangala. [Die Benennung der Unterbauten ist im gelieferten Text beschädigt; die Wiedergabe folgt dem erkennbaren baulichen Zusammenhang.]
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-37. Es ist Shri, Shridhara, Dhara, Durga, Gauri und der Schar der Mütter lieb.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Mangala.
Kriyapada 29-38. Mit quadratischem Unterbau, Bhadras und rundem Haupt,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-38. eingeschossig und mit vier Nasikas, heißt der Hari liebe Bau Vijaya.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vijaya.
Kriyapada 29-39. Derselbe mit Saushthikas und achteckigem Hals und Haupt,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-39. mit allen Gliedern versehen, heißt Lalitakanta und gehört allen Gottheiten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Lalitakanta.
Kriyapada 29-40. Derselbe mit rundem Dachaufsatz ist Shrikara, dem Shridhara lieb.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shrikara.
Kriyapada 29-41. Derselbe mit quadratischem Dachabschluss, acht Panjaras und ohne Eck-Kutas ist Shrivishala, Shiva lieb.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shrivishala.
Kriyapada 29-42. So wurden die zweiunddreißig allgemeinen, nicht gruppenspezifischen Vimanas für alle Himmelsbewohner im Einzelnen beschrieben. [Quellenhinweis: Die angekündigte Zweiunddreißigzahl und die wechselnden Namen werden als Aussagen der Quelle bewahrt; nicht eigens ausgeführte Beschreibungen werden nicht ergänzt.]
Unnummeriertes Parashara-Zitat nach 29-42. „Mit eben diesen Ausgestaltungen verfahre man auch bei den kleinen und sehr kleinen Formen. Auch ihre Namen werden entsprechend der jeweiligen Verschiedenheit des Schmucks genannt.“
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-42. Diese kleinen und sehr kleinen Vimanas werden später beschrieben.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die Ausgestaltung der nicht gruppenspezifischen Vimanas.
Kriyapada 29-43. Die Ausgestaltung der gruppenspezifischen Vimanas wird nun genannt: Beim Somacchanda ist der Unterbau quadratisch.
Kriyapada 29-44. Ein Drittel davon bildet das innere Heiligtum; die Gebäudemasse beträgt dessen Hälfte. Zusammen mit ihr ordne man ringsum den Wasserbereich an; aus dem Rest
Kriyapada 29-45. entstehen ringsum gegliederter Oberbau und oberster Aufbau. Eine größere Treppe liegt im Innern verborgen. Die Glieder sind wie zuvor
Kriyapada 29-46. anzufügen. Der Dachaufsatz ist hallenförmig und hat zweiundfünfzig gleiche Nasikas; vorn liegt ein Pavillon. [Die Gleichheitsangabe ist bereits in der Quelle mit einem Fragezeichen versehen.]
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-46. Mit einem oder mehreren Geschossen versehen, ist dieses Somacchanda für Zweimalgeborene geeignet.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Somacchanda.
Kriyapada 29-47. Der Sockel des Nagacchanda ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-48. Ein Drittel oder Viertel davon bestimmt die Breite des inneren Heiligtums. Von diesem aus bemesse man die Gebäudemasse ringsum mit einem Drittel.
Kriyapada 29-49. Ein entsprechender Pavillon reiche bis zum gegliederten Oberbau des Prasada. Die Treppe beginnt auf halber Höhe des gegliederten Oberbaus. Der Dachaufsatz ist länglich rund,
Kriyapada 29-50. vorn hallenförmig, mit einer breiten Nasika im halben Maß des inneren Heiligtums. Ringsum liegen Nasikas mit der Hälfte davon, alle gleichmäßig und schlangenähnlich.
Kriyapada 29-51. An der vorderen Nasika liegt ein runder Vorsprung, im Grundgeschoss und darüber. Die Pfeiler sind acht- und viereckig. Das Übrige führe man wie zuvor aus.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Nagacchanda.
Kriyapada 29-52. Beim Kudyavarta ordne man Unterbau und weitere Teile wie zuvor an. Das Übrige schmücke man sorgfältig mit Brahma-Toren und Fahnen.
Kriyapada 29-53. Im Innern verborgen liegt die Elefantentreppe. Der Dachaufsatz ist hallenförmig; seine Nasikas entsprechen der Sankriti-Zahl.
Kriyapada 29-54. An jeder Front sind große Nasikas, an den Seiten Tilaka-Nasikas anzufügen. Dies heißt Kudyavarta und ist für Zweimalgeborene geeignet.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Kudyavarta.
Kriyapada 29-55. Auch beim Dvikuta sind Unterbau und inneres Heiligtum wie zuvor. Der übrige Wasser- und Bodenbereich ist mit gegliedertem Oberbau, Kutas und weiteren Teilen geschmückt. [Die vorangehende Gesamtliste nennt Trikuta; hier steht durchgehend Dvikuta.]
Kriyapada 29-56. Vor dem Vimana liege ein Pavillon im Maß des inneren Heiligtums. An beiden Seiten befinden sich hallenförmige Bauten, vier Hallen in der Mitte.
Kriyapada 29-57. Eine Nasika besitzt einen Dachaufsatz; an der Gebäudemasse sind sechzehn Nasikas. Der Dachaufsatz hat Versammlungs- beziehungsweise Hallenform, mit vier Nasikas.
Kriyapada 29-58. Der Unterbau hat einen Padabandha-Verband, alle Pfeiler sind Variantenformen. Mit Vor- und Rücksprüngen und einer Elefantentreppe versehen,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-58. mit Gitterfenstern und weiteren Teilen geschmückt, ist dies das Dvikuta-Vimana.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Dvikuta.
Kriyapada 29-59. Auch beim Shrivardhana sind Unterbau und weitere Teile gleichmäßig wie zuvor.
Kriyapada 29-60. Der Dachaufsatz ist länglich und hallenförmig. Vorn und hinten liegt je eine Nasika, an beiden Seiten jeweils zwei.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-60. Mit Brüstungen, Panjaras und weiteren Teilen schmücke man ihn sachgerecht.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shrivardhana.
Kriyapada 29-61. Der Unterbau des Padmagriha ist als länglich rund beschrieben.
Kriyapada 29-62. Von acht oder neun Teilen seiner Breite nimmt das innere Heiligtum zwei oder drei ein. Das Übrige füge man wie zuvor an; es gibt sechzehn Nasikas.
Kriyapada 29-63. Der Dachaufsatz ist länglich rund und hat vier Nasikas. Dazu kommen acht kleine Nasikas und vier mit Tilaka-Schmuck.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Padmagriha.
Kriyapada 29-64. Auch beim Prekshagrihamukha ist der Unterbau länglich. Die Hälfte der Breite des Vierecks bildet das innere Heiligtum.
Kriyapada 29-65. Vier seitliche Pavillons besitzen die Breite des inneren Heiligtums. Der Dachaufsatz hat Koshtha-Form und sechs Nasikas.
Kriyapada 29-66. Am Kapota-Gesims sind zwölf Nasikas. Das Übrige ordne man wie zuvor an; Brüstungen, Gitter und Luftöffnungen dienen der Ausgestaltung.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Prekshagriha.
Kriyapada 29-67. Auch der Unterbau des Kratuvardhana ist ein Viereck, um die Hälfte seiner Breite verlängert. Ein Drittel seiner Breite bildet das innere Heiligtum.
Kriyapada 29-68. Ringsum beträgt die Ardharika ein Drittel des inneren Heiligtums. Der Rest besteht aus Wasserbereich und oberem Aufbau mit befestigtem Boden.
Kriyapada 29-69. An jeder Front des Vimanas liege ein Pavillon im Maß des inneren Heiligtums. Außen ist die Fläche wie beim Prasada angelegt und mit einem oberen Aufbau versehen.
Kriyapada 29-70. Vier Eck-Kutas sind vorhanden; der Dachaufsatz ist ein großes Koshtha. Dort liegen vier Halb-Hallen und Kutas des inneren Heiligtums an der Front.
Kriyapada 29-71. Vorn und hinten liegen eine Halle, ein Mattavarana und ein Pavillon. Vier angegliederte Hallen sind anzulegen; die übrigen Glieder wie zuvor.
Kriyapada 29-72. Außen liegen offene Pfeiler und ringsum Gitter. Mit einer innen verborgenen Treppe versehen, ist dies Kratuvardhana.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Kratuvardhana.
Kriyapada 29-73. Der Unterbau des Vrittagriha ist rund und verlängert, ebenso der Dachaufsatz. Dort liegen vier breite Nasikas
Kriyapada 29-74. und ebenso viele kleine. Gebäudemasse und weitere Teile sind wie zuvor. Hinten entspricht der Bereich dem Maß des inneren Heiligtums; an der Gebäudemasse liegt ein halbes Bhadra.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-74. Vierundzwanzig Nasikas sind anzufügen; an der Front liegt ein Mandigriha. [Diese Raumbezeichnung ist bereits in der Quelle fraglich markiert.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vrittagriha.
Kriyapada 29-75. Der Unterbau des Bhanukanta ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-76. Die Hälfte seiner Breite bildet das innere Heiligtum, den Rest bilden Gebäudemasse, Wasserbereich und gegliederter Oberbau. Der Dachaufsatz ist zwölfeckig.
Kriyapada 29-77. Daran liegen zwölf Nasikas. An der Gebäudemasse befinden sich sechzehn Hallen, dazwischen vier große Koshthas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-77. Eine größere Treppe liegt beim Bhanukanta im Innern verborgen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Bhanukanta.
Kriyapada 29-78. Der Unterbau des Atyantakanta ist quadratisch.
Kriyapada 29-79. Ein Drittel davon bildet das innere Heiligtum; die Hälfte des Dachaufsatzes ist hallenförmig. Ardharika, Wasserbereich und Hara erhalten zwei Anteile. An den Ecken
Kriyapada 29-80. liegen vier Hallen im Maß des inneren Heiligtums und dazwischen große Koshthas. Ringsum am Kapota-Gesims liegen sechzehn Tilaka-Nasikas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-80. Das Übrige schmücke man angemessen. Dies ist Atyantakanta.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Atyantakanta.
Kriyapada 29-81. Auch der Sockel des Chandrakanta ist länglich rund.
Kriyapada 29-82. Die Hälfte der Breite bildet das innere Heiligtum; den Rest bilden Gebäudemasse und die weiteren Teile. Der Dachaufsatz ist länglich rund und hat acht breite Nasikas
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-82. sowie ebenso viele kleine. Das Übrige schmücke man wie zuvor.
Unnummerierte Abschnittsmarken. Chandrakanta. – Der Abschnitt über die Brahmanen-Vimanas.
Kriyapada 29-83. Der Unterbau des Chatushphuta ist wie zuvor länglich. [Die Gesamtliste nennt Chatushkuta; die hier gelieferte Form Chatushphuta bleibt unterscheidbar.]
Kriyapada 29-84. Ein Viertel der Breite bildet das innere Heiligtum, dessen Hälfte die Gebäudemasse. Mit dem Rest lege man Wasserbereich, oberen und gegliederten Aufbau an.
Kriyapada 29-85. Der Dachaufsatz hat Koshtha-Form; die mittlere Nasika beträgt die Hälfte des inneren Heiligtums. An beiden Seiten liegen jeweils zwei große Nasikas. Kutas, Koshthas und die übrigen Teile sind wie zuvor.
Kriyapada 29-86. In jedem Geschoss befinden sich an den Pfeilern Brüstungen, Gitter und weitere Glieder. Vorn liegt ein entsprechender Pavillon mit Innenpfeilern; außerhalb davon
Kriyapada 29-87. schmücke man eine pflugförmige Wand schön. Mit drei oder mehr Geschossen ist dieser mehrgeschossige Bau Chatushphuta.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Chatushphuta.
Kriyapada 29-88. Der Sockel des Mantraputa ist länglich viereckig. Die halbe Breite bildet das innere Heiligtum; der Rest Gebäudemasse, Wasser- und Bodenbereich
Kriyapada 29-89. sowie Hara-Reihe. Sein Dachaufsatz ist hallenförmig. Innen liegen Pfeiler, außen ist die Wand mit verschiedenen Gittern geschmückt.
Kriyapada 29-90. Mit Kutas, Koshthas und den weiteren Teilen schmücke man die Haupt- und Zwischenrichtungen. Am Dachaufsatz liegen sechzehn Nasikas, am Kapota-Gesims hängende Nasikas,
Kriyapada 29-91. vierundzwanzig an der Zahl, sowie Tore in den vier Richtungen. Vorn liege ein Pavillon im Maß des inneren Heiligtums; außen eine Wand,
Kriyapada 29-92. ein Umgang und ein gegliederter Oberbau. An den Ecken liegen Hallen im Maß des inneren Heiligtums. Dazwischen schmücke man mit großen Koshthas, Kutas und weiteren Gliedern.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Mantraputa.
Kriyapada 29-93. Auch der Unterbau des Avantya ist ein Viereck, um die Hälfte seiner Breite verlängert. Von acht Teilen nimmt das innere Heiligtum zwei ein; mit weiteren Anteilen bemesse man die drei Teile von der Gebäudemasse an. [Die gelieferte Lesung „aṣṭāṃśāṃśau“ macht die Zuweisung der zwei Teile nicht völlig sicher.]
Kriyapada 29-94. An den vier Ecken der Gebäudemasse liegen pflugförmige Wände; dazwischen zahlreiche Pfeiler der zuvor genannten Form. Der Dachaufsatz
Kriyapada 29-95. ist hallenförmig und hat vier Nasikas; die Front ist mit einer Bhadra-Halle versehen. An den Flanken liegen kleine Nasikas, dazwischen breite.
Kriyapada, originale Versmarke 29-8\96. Eine rankenförmig gewundene Treppe ordne man im Innern verborgen an. Mit sichtbaren und verborgenen Ausführungen, Wänden und Pfeilern vielfach ausgestattet,
Unnummerierte Fortsetzung nach der Marke 29-8\96. schmücke man den mehrgeschossigen Bau mit Stützen, Brüstungen, Gittern und weiteren Teilen. [Die beschädigte Versmarke der gelieferten IAST-Datei bleibt unverändert erkennbar; sie steht an der Position zwischen 29-95 und 29-97.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Avantya.
Kriyapada 29-97. Der Unterbau des Mahisha sei länglich viereckig.
Kriyapada 29-98. Ein Drittel seiner Breite bildet das innere Heiligtum, den Rest die drei Teile von der Gebäudemasse an. Davor und dahinter liegen zwei Pavillons mit mittlerem Aufführungsbereich,
Kriyapada 29-99. ringsum ein gegliederter Oberbau mit schönen Kutas und Gittern. Zwischen dem Grundpavillon und dem Hals liegt die Elefantentreppe.
Kriyapada 29-100. Vorn ist der Bau svastikaartig, hinten hat er die Form einer langen Halle. Am Dachaufsatz liegen neun Nasikas; die Front ist hallenförmig wie ein Büffelgesicht.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-100. Das Übrige schmücke man wie zuvor mit Brüstungen, Gittern und weiteren Teilen: Dies ist Mahisha.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Mahisha.
Kriyapada 29-101. Der Sockel des Tantrikanta ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-102. Die Hälfte seiner Breite bildet das innere Heiligtum; den Rest bilden Gebäudemasse, Wasserbereich und gegliederter Oberbau. Der Dachaufsatz ist ein Koshtha.
Kriyapada 29-103. Vorn liegt eine Hallenfront, hinten eine große Nasika. Dort befinden sich sechzehn Nasikas und acht Tilaka-Nasikas.
Kriyapada 29-104. Am großen Tor liegen der Reihe nach zehn Löwen-Panjaras. Unterhalb des Kapota-Gesimses erhebt sich an den vier Ecken eine pflugförmige Halle.
Kriyapada 29-105. In der Mitte liegen vier große Nasikas mit Hallenfronten, die nach Geschmack um die Breite des bemessenen Raumes vorspringen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-105. Mit seinen Kutas und den weiteren eigenen Gliedern geschmückt, heißt der Bau Tantrikanta.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Tantrikanta.
Kriyapada 29-106. Der Unterbau des Vijayanga ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-107. Ein Drittel seiner Breite bildet das innere Heiligtum, den Rest Gebäudemasse, Wasserbereich und weitere Teile. Der Dachaufsatz besitzt acht Nasikas und ein Kakara-Koshtha.
Kriyapada 29-108. Am Kapota-Gesims liegen vierundzwanzig kleine Nasikas. Die Treppe ist innen verborgen; in jedem Geschoss befindet sich ein Pavillon
Kriyapada 29-109. im Maß des inneren Heiligtums, außen eine Reihe gegliederter Oberbauten. Das Übrige schmücke man sachgerecht mit den Gliedern. Dies gilt als Vijayanga.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vijayanga.
Kriyapada 29-110. Der Unterbau des Vishalabhadra ist wie zuvor. Von zehn Teilen seiner Breite entfallen zwei auf die Breite des inneren Heiligtums. Aus dem Rest lege man Gebäudemasse,
Kriyapada 29-111. Brahma-Tor, oberen Aufbau und gegliederten Oberbau an. Vorn liege ein quadratischer Pavillon von der Länge des inneren Heiligtums.
Kriyapada 29-112. Ringsum auf dem halben Maß liegen Wand, Wasserbereich und gegliederter Oberbau, ferner obere Eckbauten. Die Spitze ist ein Kakara-Koshtha.
Kriyapada 29-113. Die Gebäudemasse hat Kapota-Hallenform. Aus ihr springt als mittlerer Schmuckteil eine angefügte Hallenform hervor.
Kriyapada 29-114. Sie besitzt die Breite des inneren Heiligtums und die anderthalb- oder zweifache Länge. Hara, Panjara und die weiteren Glieder bilden die Hallengestalt des vorspringenden Teils.
Kriyapada 29-115. An der Vorderseite des Tempelpavillons und hinten ist sie mit seitlichen Blattgliedern versehen. Der Dachaufsatz besitzt acht Nasikas und sechzehn Tilakas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-115. Über dem Pavillon liegt eine Aufführungsfläche; der Bau ist mit einem oder mehreren Geschossen versehen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vishalabhadra.
Kriyapada 29-116. Der Unterbau ist viereckig und um vier Anteile verlängert
Kriyapada 29-117. beim Ganikavishala und den entsprechenden Formen. Das Übrige bilden Ardharika, Wasserbereich und gegliederter Oberbau. Bei Eckbauten und Mittelteil
Kriyapada 29-118. liegen wie zuvor Schmuckvorsprünge; an Ecken, Mitten und Zwischenstellen befinden sich Pfeiler der Gebäudemasse. Vorn liegt ein Pavillon,
Kriyapada 29-119. dessen Länge der des inneren Raumes entspricht; in seiner Mitte liegt eine Aufführungsfläche. Die übrige Fläche des Baus ist außen mit befestigtem Boden und Gittern versehen.
Kriyapada 29-120. Die Gebäudemasse hat Kapota-Gitterform und sechzehn Nasikas. Der Dachaufsatz ist ein Koshtha, vorn liegt ein Kakara-Bhadra.
Kriyapada 29-121. Dort befinden sich acht Nasikas. Seitlich ist der Bau mit oder ohne Bhadra. Mit einem oder mehr gewünschten Geschossen ist er ein Wohnsitz königlicher Frauen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Ganikavishala.
Kriyapada 29-122. Auch beim Karnabhadra sind Unterbau und weitere Teile wie zuvor. Der Dachaufsatz ist hallenförmig und hat vier Frontnasikas.
Kriyapada 29-123. Zwölf Nasikas liegen nach innen versetzt zwischen Gebäudemasse und Wasserbereich. Die Treppen sind zwischen den Pfeilern verborgen; mit dem Kapota besitzt der Teil eine Nasika.
Kriyapada 29-124. Die Eckbauten des oberen Aufbaus sind so lang wie der innere Raum. Mit Kapota-Panjaras, Löwen-Panjaras, hängenden Nasikas,
Kriyapada 29-125. sichtbaren und verborgenen Ausführungen, Pfeilern, Wänden, Toren und Torbögen versehen, trägt er Bhadras an den vier Ecken und Bhadra-Hallen in den Richtungen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-125. Mit Svastika-Bhadras, Gittern und weiteren Teilen geschmückt, ist dies Karnabhadra.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Karnabhadra.
Kriyapada 29-126. Auch beim Karnashala sind Unterbau und weitere Teile wie zuvor beschrieben.
Kriyapada 29-127. An den vier Ecken liegen Bhadra-Hallen, in der Mitte vorspringende Hallen. Die Zwischenanordnung der Lastglieder setze man nach Vorschrift ein.
Kriyapada 29-128. An die Gebäudemasse schließt sich ein im Innern verborgener Umgang an. Die Gebäudemasse hat Kapota-Hallenform; an den Ecken liegen pflugförmige Wände.
Kriyapada 29-129. Dazwischen stelle man Pfeiler, an die Wand acht Nasikas. Hals und Dachaufsatz des oberen Geschosses gestalte man hallenförmig.
Kriyapada 29-130. Mit einem Kakari-Bhadra als Frontglied und passenden Toren nach Geschmack, drei- oder siebengeschossig, mit zwölf kleinen eingefassten Nasikas,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-130. mit Brüstungen, Gittern und den gewünschten weiteren Gliedern versehen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Karnashala.
Kriyapada 29-131. Der Unterbau des Padmasana ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-132. Ein Fünftel bildet der innere Raum, seine Hälfte die Gebäudemasse. Mit dem Rest lege man Wasserbereich, oberen Aufbau und gegliederten Oberbau entsprechend dem inneren Raum an.
Kriyapada 29-133. In den Richtungen stehen, mit dem mittleren Wohnraum verbunden und nach dem Eckmaß bemessen, vier Bauten, jeder mit eigenem Pavillon.
Kriyapada 29-134. Der Aufführungsbereich besitzt verschiedene Pfeiler; außen liegt eine Wand mit Gittern, Brüstung und Tor. Die gegliederten Oberbauten liegen außen,
Kriyapada 29-135. mit gleichen Vorsprungsanteilen. An den vier Ecken stehen gesonderte Kutas, zwischen ihnen Koshthas.
Kriyapada 29-136. Der mittlere Wohnraum ist an den vier Ecken von pflugförmigen Wänden umgeben. Innen stehen Pfeiler der zuvor genannten Form; der Umgang ist nach innen versetzt.
Kriyapada 29-137. Der hallenförmige Dachaufsatz besitzt vier große und zwölf kleine Nasikas. Von den äußeren Ecken aus liegen ringsum Fronthallen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-137. Mit angemessenen Gliedern versehen, ist dies Padmavasantaka. [Die Beschreibung beginnt mit Padmasana, endet aber mit Padmavasantaka; beide Benennungen bleiben erhalten.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Padmavasantaka.
Kriyapada 29-138. Der befestigte Unterbau des Indrakanta ist viereckig und um ein Drittel seiner Breite verlängert.
Kriyapada 29-139. Ein Drittel davon bildet der innere Raum; den Rest Gebäudemasse und weitere Teile. Vier Bhadra-Hallen liegen in den Richtungen, Nasikas an den vier Ecken.
Kriyapada 29-140. An den Kapota-Hallenvorsprüngen befinden sich Frontnasikas, sechzehn an der Gebäudemasse. Der Dachaufsatz ist hallenförmig.
Kriyapada 29-141. Zwischen seinen pflugförmigen Eckwänden liegen Pfeilervorsprünge. Acht kleine Nasikas schmücken die Front. Das Übrige schmücke man wie zuvor.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Indrakanta.
Kriyapada 29-142. Auch der Unterbau des Yogakanta ist länglich viereckig, darüber länglich gerundet. Ein Achtel der Breite bildet der innere Raum.
Kriyapada 29-143. Mit der Hälfte bemesse man Ardharika, Hara und die Reihe gegliederter Oberbauten. Der Dachaufsatz ist länglich rund, vorn liegen zwei Nasikas.
Kriyapada 29-144. Hinten liegt eine von halbem Maß, ringsum vierundsiebzig kleine Nasikas. Eine hinten aufsteigende Treppe
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-144. liegt im Innern verborgen. Dies ist Yogakanta, für Könige geeignet.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Yogakanta.
Kriyapada 29-145. Auch der Sockel des Sarvalalita ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-146. Ein Drittel der Breite bildet der innere Raum, dessen Hälfte die Gebäudemasse. An den Ecken errichte man Kapota-Hallen und Bhadra-Hallen.
Kriyapada 29-147. Dazwischen liegen nach Wunsch nach innen versetzte Hallen. Vorn und hinten befinden sich zwei Pavillons mit Aufführungsflächen.
Kriyapada 29-148. Der Dachaufsatz ist hallenförmig, mit Bhadras und vier Nasikas. Mit den übrigen großen und kleinen Gliedern schmücke man ihn.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Sarvalalita.
Kriyapada 29-149. Der Unterbau des Pratyantakanta ist gleichmäßig quadratisch. Ein Viertel in der Mitte ist von Pfeilern umgeben; die Hälfte davon
Kriyapada 29-150. bildet seine Gebäudemasse. An den Ecken liegen pflugförmige Wände, Wasserbereich und gegliederter Oberbau. An den Eckspitzen liegen Hallen mit den genannten Anteilen. [Der gelieferte Ausdruck „gābhābhyām“ ist beschädigt; ein genaues Maß lässt sich daraus nicht sicher gewinnen.]
Kriyapada 29-151. Zwischen ihnen liegen vier Bhadra-Hallen. In den Zwischenräumen der Hara schmücke man mit Panjaras, Gittern und weiteren Teilen.
Kriyapada 29-152. Die Mitte der Anlage ist hallenförmig und mit einer Fronthalle verbunden. Der Dachaufsatz besitzt acht kleine Nasikas; man schmücke ihn mit Bhadra-Kutas.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Pratyantakanta.
Kriyapada 29-153. Der Unterbau des Vishala ist länglich viereckig. Ein Drittel seiner Breite bildet der innere Raum, den Rest der Wasserbereich
Kriyapada 29-154. sowie oberer und gegliederter Aufbau. Der Dachaufsatz hat Koshtha-Form. An jeder Front füge man Nasikas nach der Sechs-und-Augen-Zahl an. [Örtliche Unsicherheit: Die gelieferte Zahlenverbindung „ṣaṇṇetre“ ist nicht eindeutig zu gliedern.]
Kriyapada 29-155. An der Gebäudemasse liegen sechzehn. An Ecken und Mitten schmücke man mit breiten, gleichen Bhadras, Kutas und weiteren Gliedern.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vishala.
Kriyapada 29-156. Der Sockel des Utpalapatra ist länglich viereckig. Ein Drittel bildet der innere Raum, den übrigen Anteil die Gebäudemasse
Kriyapada 29-157. in Kapota-Hallenform. Außen liegen Wasserbereich und weitere Teile. Der Dachaufsatz ist hallenförmig und hat drei Nasikas.
Kriyapada 29-158. Ringsum am Kapota-Gesims sind achtunddreißig kleine Nasikas. Man schmücke mit Brüstungen, Gittern, Treppen, Torbögen und weiteren Teilen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Utpalapatra.
Kriyapada 29-159. Auch der Unterbau des Maharajacchanda ist länglich viereckig. Ein Viertel der Breite bildet der innere Raum, den Rest Gebäudemasse, Wasserbereich und weitere Teile.
Kriyapada 29-160. Der Dachaufsatz ist ein Koshtha, so breit wie der innere Raum und halb so weit vorspringend. Vorn und hinten besitzt er die Form einer Hallenfront.
Kriyapada 29-161. An Gebäudemasse und halber Hara liegen vier kleine Nasikas. In den vier Richtungen sind große Hallen, an den Ecken Hallen im Maß des inneren Raumes.
Kriyapada 29-162. Sie springen um einen Anteil vor; der Aufgang liegt innen verborgen. Mit der Hälfte des Vorsprungs und mit höheren und niedrigeren Koshthas
Kriyapada 29-163. fertige man ebenso Panjaras. Die Nasikas gleichen Svastikas. Vier Treppen, Elefant und die weiteren Formen, verlaufen rechtsläufig.
Kriyapada 29-164. Im unteren Geschoss stehen Pfeiler namens Shrikhanda und Chitrakhanda, in den oberen Geschossen Pfeiler mit Lotus-, Pindi- und Pada-Basen.
Kriyapada 29-165. Nandyavarta-, Elefantenaugen- und Kuhaugen-Luftöffnungen verwende man in jedem Geschoss, ebenso dreifache obere Querbalken.
Kriyapada 29-166. Auch die Prati-Glieder sind dreifach; dazu kommen Torbögen und Brüstungen. Reich an sämtlichen Haupt- und Nebenkörpern, mit allen Gliedern geschmückt,
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-166. ist das Maharajacchanda ein Wohnsitz von Weltherrschern.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Maharajacchanda.
Kriyapada 29-167. Der Unterbau des Maligriha gilt als länglich viereckig.
Kriyapada 29-168. Ein Viertel bildet der innere Raum, dessen Hälfte die Gebäudemasse. Den Rest bilden Wasserbereich, oberer Aufbau und gegliederter Oberbau.
Kriyapada 29-169. Der Dachaufsatz ist eine lange Halle, vorn mit zwei Nasikas, hinten mit einer. An der Gebäudemasse liegen sechzehn angemessen angeordnete Nasikas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-169. Der mehrgeschossige Bau ist mit vorspringenden Kutas und weiteren Gliedern versehen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Maligriha.
Kriyapada 29-170. Der Unterbau des Nandivishala ist ein längliches Viereck, um ein Drittel verlängert.
Kriyapada 29-171. Ein Drittel der Breite bildet den inneren Raum; den Rest Ardharika, Wasserbereich, oberen und gegliederten Aufbau, mit Kutas, Koshthas und den weiteren Gliedern.
Kriyapada 29-172. Vor dem gegliederten Oberbau liegt ein Eckbau im Maß des inneren Raumes. An beiden Seiten befinden sich Elefantenrüsselformen an seiner Gebäudemasse.
Kriyapada 29-173 mit vorangestellter unnummerierter Vershälfte. Am Dachaufsatz liegen achtundzwanzig Nasikas. Der Dachaufsatz ist ein Koshtha; alles schmücke man mit Kutas und den weiteren Gliedern.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Nandivishala.
Kriyapada 29-174. Beim Prithivijaya ist der befestigte Unterbau länglich viereckig. Ein Viertel bildet den inneren Raum, dessen Hälfte die Gebäudemasse.
Kriyapada 29-175. Der Dachaufsatz ist ein Koshtha; in der Mitte liegt eine Aufführungsfläche im Maß des inneren Raumes. An jeder Front befindet sich ein Pavillon; das Übrige bilden Oberbau, Wasserbereich und weitere Teile.
Kriyapada 29-176. Im Osten und Westen liegen zwei Koshthas, die entsprechend der Gebäudemasse vorspringen. An den Seiten und oben befinden sich Nasikas mit Tilaka-Schmuck.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-176. Dieser Bau gilt als mehrgeschossig, mit Vor- und Rücksprüngen versehen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Prithivijaya.
Kriyapada 29-177. Auch der Sockel des Sarvangasundara ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-178. Ein Drittel seines Maßes bildet den inneren Raum, dessen Hälfte die Gebäudemasse. Den Rest bilden Wasserbereich sowie die Reihe des oberen und gegliederten Aufbaus.
Kriyapada 29-179. Vier Bauten liegen nach dem Eckmaß; dazwischen füge man vier Koshthas an, deren Länge das Doppelte ihrer Breite beträgt.
Kriyapada 29-180. Am länglich viereckigen Dachaufsatz liegen sechs große Nasikas, ringsum achtundvierzig kleine.
Kriyapada 29-181. Vorn befindet sich ein Pavillon, mit Kutas in zwei Abteilungen und den weiteren Teilen geschmückt. Die Koshthas haben Hallenfronten; die Treppe gleichmäßige Abschnitte.
Kriyapada 29-182. Mit drei oder mehr Geschossen, mit Brüstungen und Gittern geschmückt und mit allen genannten und nicht genannten Gliedern versehen, ist dies Sarvangasundara, „an allen Gliedern schön“.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Sarvangasundara.
Kriyapada 29-183. Der Unterbau des Chayagriha ist länglich viereckig. Seine Hälfte bildet den inneren Raum, nach Art eines Pavillons, mit einem oberen Aufbau.
Kriyapada 29-184. Die Gebäudemasse beträgt die Hälfte des inneren Raumes. Mit Kutas, Brüstungen, Gittern und den weiteren Gliedern geschmückt, gilt dies als Chayagriha.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Chayagriha.
Kriyapada 29-185. Der Unterbau des Rativardhana ist länglich viereckig. Die Hälfte der Breite bildet den inneren Raum; den Rest Ardharika, Wasserbereich,
Kriyapada 29-186. oberen und gegliederten Aufbau. An Ecken, Mitten und Zwischenstellen schmücke man mit Kutas, Brüstungen und sämtlichen weiteren Gliedern.
Kriyapada 29-187. Der Dachaufsatz ist ein in Kakari-Form gestaltetes Koshtha mit acht Nasikas. Vorn liegt ein Pavillon, dessen Länge der Breite des inneren Raumes entspricht.
Kriyapada 29-188. Er ist mit gegliederten Oberbauten und weiteren Teilen versehen und mit vielen Pfeilern geschmückt. An der Gebäudemasse liegen vierundzwanzig Nasikas mit Tilakas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-188. Reich an Schmuck der Haupt- und Nebenkörper ist dies Rativardhana.
Unnummerierte Abschnittsmarken. Rativardhana. – Vierundzwanzig Kshatriya-Vimanas.
Kriyapada 29-189. Der breite, längliche Unterbau ist viereckig und um ein Viertel seiner Breite verlängert.
Kriyapada 29-190. Zwei von acht Teilen der Breite bilden den inneren Raum; seine Hälfte bildet die Ardharika. Brahma-Tor, Zierglieder und Fahnen gehören dazu.
Kriyapada 29-191. Der Dachaufsatz ist länglich rund, vorn liegen drei Nasikas, ringsum achtundzwanzig mit gleicher Ausladung.
Kriyapada 29-192. Kutas und Koshthas springen ringsum um ihre Breite vor. Das Übrige schmücke man mit Tilaka-Nasikas, Hara-Reihen, Panjaras und weiteren Gliedern.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-192. Mit einem, zwei oder drei Geschossen trägt dieser Bau den Namen Vishalalaya.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Vishalalaya.
Kriyapada 29-193. Der Unterbau des Chatushpadika ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-194. Die Länge übersteigt die Breite um ein Drittel; ein Drittel bildet der innere Raum. Der Dachaufsatz ist viereckig, hallenförmig und mit neun Nasikas versehen.
Kriyapada 29-195. Die Koshthas an beiden Seiten sind doppelt so lang wie breit. Aus dem Rest entstehen Wasserbereich und gegliederter Oberbau. Vorn
Kriyapada 29-196. und hinten liegt ein Pavillon mit offenen Pfeilern und einer Aufführungsfläche. Der gegliederte Oberbau springt entsprechend vor. An seinen Eckspitzen
Kriyapada 29-197. liegen vier pflugförmige Hallen nach den Anteilen von Breite und Länge. Zwischen den Eck-Kutas liegen acht stabförmige Hallen.
Kriyapada 29-198. Außen und innen hat das Vimana vierzehn Koshthas. Den Rest schmücke man angemessen. Dieser Bau dient Vaishyas und der vierten sozialen Gruppe.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Chatushpadika.
Kriyapada 29-199. Der Unterbau des Turangavadana ist länglich viereckig. Ein Drittel der Breite bildet den inneren Raum, dessen Hälfte die Ardharika.
Kriyapada 29-200. Wasserbereich und gegliederter Oberbau entstehen aus dem übrigen Anteil. In den Richtungen liegen Hallen des inneren Raumes, dazwischen Eck-Kutas und weitere Glieder.
Kriyapada 29-201. Koshthas gehören dazu; der Dachaufsatz ist hallenförmig. Vorn liegt eine Halle in Pferdegesichtform, an ihrer Vorderseite vier Nasikas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-201. Die Treppe liegt innen verborgen. Die Glieder füge man wie zuvor an.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Turangavadana, Pferdegesicht.
Kriyapada 29-202. Beim Ganikapindika sind Unterbau und weitere Teile wie zuvor.
Kriyapada 29-203. Die Gebäudemasse beträgt die Hälfte des inneren Raumes; den Rest bilden Wasserbereich und weitere Teile. In der Mitte der vier Richtungen liegen Hallen im Maß des inneren Raumes.
Kriyapada 29-204. Außen liegen Kuta und Koshtha mit den gewünschten Bhadra-Hallen. Die Treppe ist innen verborgen; vier breite Nasikas sind vorhanden.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-204. Im Osten liegt ein Pavillon im Maß des inneren Raumes; der Dachaufsatz hat Koshtha-Form.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Ganikapindika.
Kriyapada 29-205. Der Unterbau des Shyenacchanda hat eine verlängerte Rückseite.
Kriyapada 29-206. Ein Viertel der Breite bilde den inneren Raum, dessen Hälfte die Gebäudemasse. Aus dem Rest entstehen ringsum Wasserbereich und gegliederter Oberbau.
Kriyapada 29-207. An der Vorderseite des Dachaufsatzes fertige man zwei Nasikas in Falkenform. Am Dachaufsatz liegen achtundzwanzig kleine Nasikas.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Shyenacchanda.
Kriyapada 29-208. Auch beim Kukkutapuccha ist der Unterbau wie zuvor. Ein Drittel seiner Breite bildet den inneren Raum, dessen Hälfte die Gebäudemasse.
Kriyapada 29-209. Wasserbereich und oberer Aufbau gehören dazu; der Dachaufsatz ist hallenförmig. Die Treppe ist innen verborgen; achtundzwanzig Nasikas sind vorhanden.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-209. Mit Kutas und den übrigen zuvor genannten Gliedern versehen, ist dies Kukkutapuccha, Hahnschwanz.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Kukkutapuccha.
Kriyapada 29-210. Auch der Unterbau des Utpala ist viereckig und um die Hälfte seiner Breite verlängert.
Kriyapada 29-211. Ein Viertel bildet den inneren Raum, den Rest die Gebäudemasse. Die Pfeiler stehen offen; der Dachaufsatz besitzt acht Nasikas.
Kriyapada 29-212. Am Kapota-Gesims liegen sechzehn Nasikas. Vorn liegt eine quadratische Halle, in der Mitte eine Tanzfläche; den Rest bilden Wasserbereich und weitere Teile.
Unnummerierte Fortsetzung nach 29-212. Mit Kutas, Brüstungen und den weiteren Gliedern versehen, heißt dieser Bau Utpala.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Utpala.
Kriyapada 29-213. Der Unterbau des Mundaprasadaka ist länglich viereckig.
Kriyapada 29-214. Ein Drittel der Breite bildet den inneren Raum, dessen Hälfte die Gebäudemasse. Vorn liegt ein quadratischer Pavillon im Maß des inneren Raumes.
Kriyapada 29-215. Der Dachaufsatz ist ein Koshtha, ringsum mit zwölf Nasikas. Das Übrige hat Kapota-Hallenform, verbunden mit oberem Aufbau und weiteren Gliedern.
Kriyapada 29-216. Mit einem, zwei oder drei Geschossen und Luftöffnungen heißt dieses Wohnhaus für Vaishyas und Shudras Mundaprasada.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Mundaprasada.
Kriyapada 29-217. So wurde in Kürze die Ausgestaltung der nicht gruppenspezifischen und der gruppenspezifischen Bauten dargelegt, der für Gottheiten und der für Menschen geeigneten.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das neunundzwanzigste Kapitel über die Ausgestaltung der nicht gruppenspezifischen und der gruppenspezifischen Bauten.
Vielfalt einer Bauüberlieferung
Die vielen Namen und Varianten zeigen den Reichtum der überlieferten Raumgestaltung. Wiederkehrende Grundformen werden durch einzelne Änderungen neu geordnet. Für heutige Leser kann dies eine Einladung sein, bei einem Tempelbesuch genauer hinzusehen: auf Übergänge, Lichtöffnungen, Säulen und die Verbindung von Innenraum und Außenform. Die historischen Rangordnungen der Bewohner bleiben dabei von der Wertschätzung der Baukunst zu unterscheiden.
Kriyapada, Kapitel 30: Geschossmaße und Zusatzsockel
Zum Abschluss des dritten Druckbandes behandelt das Werk die Höhe und Breite von Vimanas, ihre Geschosszahl, Haupt- und Nebenglieder sowie den Aufbau zusätzlicher Sockel. Mehrere Maßsysteme werden nebeneinander genannt. Die Übersetzung bewahrt abweichende Zahlen und unklare Bruchangaben, ohne daraus eine vereinheitlichte Bauanleitung zu machen.
Kapiteleingang. Nun das dreißigste Kapitel.
Kriyapada 30-1. Für die genannten Vimanas von zwölf Geschossen bis hinunter zu drei werden nach der höchsten und den weiteren Klassen
Kriyapada 30-2. Höhe und Breite hier jeweils in Ellen angegeben. Der höchste zwölfgeschossige Bau sei hundert Ellen hoch
Kriyapada 30-3. und siebzig Ellen breit. Dies ist die hauptsächliche Jati-Form. Der Reihe nach folgt ein dreiundsechzig Ellen breiter und dreiundneunzig Ellen hoher Bau;
Kriyapada 30-4. nach dem höchsten Maß hat er elf Geschosse. Ebenso ist ein vierundachtzig Ellen hoher und siebenundfünfzig breiter Bau
Kriyapada 30-5. ein schönes zehngeschossiges Heiligtum nach dem höchsten Maß. Ein fünfundsiebzig hoher und einundfünfzig breiter
Kriyapada 30-6. ist die sachgerecht angeordnete Hauptform mit neun Geschossen. Sechsundsechzig Ellen hoch und fünfundvierzig
Kriyapada 30-7. Ellen breit ist das schöne achtgeschossige Heiligtum. Siebenundfünfzig Ellen hoch und neununddreißig
Kriyapada 30-8. Ellen breit wird das siebengeschossige genannt. Ein dreiunddreißig Ellen breiter und vierzig plus neun Ellen
Kriyapada 30-9. hoher Bau besitzt fünf Geschosse. Dreißig Ellen Höhe und einundzwanzig Breite besitzt der viergeschossige. [Quellenhinweis: Die Reihe springt hier von sieben zu fünf Geschossen; ein Maß für sechs Geschosse wird an dieser Stelle nicht ergänzt. Die Höhe des fünfgeschossigen lautet geliefert neunundvierzig.]
Kriyapada 30-10. Der dreigeschossige hat in Höhe und Breite die Prakriti- beziehungsweise Atishakvari-Zahl. So vermindere man vom dreigeschossigen bis zum zwölfgeschossigen
Kriyapada 30-11. die genannten Maße für jede Geschosszahl um jeweils zwei Ellen. Dadurch entstehen der Reihe nach die zehn mittleren Vimanas.
Kriyapada 30-12. Ebenso vermindere man die mittleren Vimanas jeweils um zwei Ellen. So ergeben sich die geringsten und weiteren Formen bis zum zwölfgeschossigen.
Kriyapada 30-13. Oder es entstehen die Vimanas von der Jati-Form an durch gerade Ellenmaße, beginnend mit der Vikara-Zahl bis zur siebten Stufe.
Unnummerierte Fortsetzung nach 30-13. Auch diese reichen von drei bis zu zwölf Geschossen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die Jati-Vimanas.
Kriyapada 30-14. Beginnend mit der Atyashti-Zahl von Ellen bis zu dreiundsechzig Ellen Breite
Kriyapada 30-15. reichen die Chhanda-Formen von fünf bis zwölf Geschossen. Bei Zunahme um jeweils zwei Ellen ergeben sich drei Achtergruppen, beginnend mit der geringsten Klasse.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die Chhanda-Vimanas.
Kriyapada 30-16. Von dreizehn bis fünfundfünfzig Ellen Breite, durch Zunahme um zwei Ellen wie zuvor, ergeben sich einundzwanzig Vikalpa-Formen. [Quellenhinweis: Die inklusive Zweierschrittfolge ergäbe zweiundzwanzig Werte; die gelieferte Einundzwanzigzahl bleibt erhalten.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Vikalpa-Vimanas.
Kriyapada 30-17. Von elf bis siebenundvierzig Ellen Breite, durch Zunahme um zwei Ellen wie zuvor, neunzehn an der Zahl,
Unnummerierte Fortsetzung nach 30-17. reichen die Abhasa genannten Formen von vier bis zwölf Geschossen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Abhasa-Vimanas.
Kriyapada 30-18. Mit geraden und ungeraden Ellenmaßen, der Reihe nach bei zehn und neun beginnend,
Kriyapada 30-19. ferner acht, sieben, sechs und fünf Ellen, besitzen die höchsten und weiteren kleinen Formen der Reihe nach vier, drei und zwei Geschosse.
Kriyapada 30-20. Oder man ordne bei kleinen Heiligtümern von drei oder vier Ellen Breite sachgerecht ein oder zwei Geschosse an.
Unnummerierte Fortsetzung nach 30-20. Durch Zunahme um jeweils zwei Ellen bestimme man die geringsten und weiteren Formen.
Unnummeriertes Zitat des Großvaters Brahma nach 30-20. „Zehn oder neun Ellen breit ist hier die höchste eingeschossige Form; die mittlere misst acht oder sieben Ellen, die geringste sechs oder fünf. So bestehen drei Klassen eingeschossiger Bauten.“
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die kleinen Vimanas.
Kriyapada 30-21. Oder kurz für Vimanas aller Arten:
Kriyapada 30-22. Ihre Höhe sei das Doppelte der eigenen Breite oder um ein Achtel mehr. Oder bei den sehr kleinen und geringsten Formen teile man die Breite in sieben;
Kriyapada 30-23. ihre Höhe übersteigt sie um sechs Teile, bei mittleren um fünf, bei höchsten um drei. Dies ist hier die Höhe der Heiligtümer.
Kriyapada 30-24. Gemäß der jeweiligen Berechtigung bringen die Heiligtümer Göttern und anderen Gedeihen. Für Brahma, Vishnu und Shiva sowie für Weltherrscher
Kriyapada 30-25. wird der höchste zwölfgeschossige Bau empfohlen; für andere ist er nicht vorgesehen. Für die dreiunddreißig Götter, Yakshas, Naga-Herrscher und Brahma
Kriyapada 30-26. wird ein elfgeschossiger empfohlen; für Mond und Sonne ein zweigeschossiger. Für große Könige und Oberkönige gilt das neungeschossige Vimana.
Kriyapada 30-27. Das achtgeschossige eignet sich für Gandharvas, Siddhas und Vidyadharas; das siebengeschossige bringt vorzüglichen Brahmanen und Königen Gedeihen.
Kriyapada 30-28. Das sechsgeschossige gehört Gebietsherrschern, das fünfgeschossige Kronprinzen, das viergeschossige wird Vasallen und Stadtherren empfohlen.
Kriyapada 30-29. Wohlhabenden Vaishyas und Shudras sowie Heerführern gilt das dreigeschossige. Zwei- und eingeschossige eignen sich für alle Götter und Menschen.
Unnummerierte Einleitung. Dazu:
Kriyapada 30-30. „Welche Geschosszahl für Zweimalgeborene und andere genannt wurde, ist insgesamt auch für Himmelsbewohner erwünscht. Was für vorzügliche Brahmanen genannt wurde, gilt auch für Könige,
Kriyapada 30-31. was für Vaishyas genannt wurde, auch für Shudras; für Brahmanen kann alles gelten. Niedriger Eingestuften steht das für Höhere Genannte nicht zu.“ So sprach Parashara. [Diese Zuordnung ist die historische soziale Hierarchie des Textes.]
Kriyapada 30-32. Im Kali-Zeitalter ist kein Vimana höher als hundert Ellen vorgesehen. Ist es höher, wird es durch heftige Winde und andere Einwirkungen bedrängt.
Kriyapada 30-33. Wo nichts Besonderes angegeben ist, beträgt der innere Raum die Hälfte der eigenen Breite. Ein Neuntel der Vimana-Breite bestimmt die Breite der Kutas und Hallen.
Kriyapada 30-34. Bei geraden und ungeraden Anlagen sind Koshthas doppelt so lang wie breit. Panjara und Umgang sind gleich; die Ardharika hat einen halben Anteil.
Unnummerierte Fortsetzung nach 30-34. Oder der Umgang beträgt fünf beziehungsweise drei Teile, Gebäudemasse und die weiteren Teile den Rest. [Der Bezug dieser alternativen Teilzahlen wird nicht näher bestimmt.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Der Abschnitt über die Geschossgliederung.
Kriyapada 30-35. Die Glieder des Heiligtums gelten als zweifach: Hauptkörper und Nebenkörper.
Kriyapada 30-36. Unterbau, Pfeiler, Wand, Krugglied, Mandika, Potika-Konsole, Lastbalken, Querbalken und Jayanti-Balken,
Kriyapada 30-37. sowie die Anumarga-Glieder bilden der Reihe nach den Hauptkörper. Nun wird der Nebenkörper genannt: oberer Balken, Vajana-Leiste, Stufenreihe, Balika, Eckblatt,
Kriyapada 30-38. Verbindungen, Tore, Türflügel, Fügungen, Abdeckungen, Krugranken, Torbögen mit Faustverbänden und den acht Glückszeichen,
Kriyapada 30-39. kleine Röhren, Stäbe, Naprihara-Glieder, Nasikas, Bänder, Valabhi, Verbände, Brüstungen und Gitter,
Kriyapada 30-40. Eck-Kutas, weitere Kutas, Nidas, Koshthas und andere Teile, die Anordnung oberer Abdeckungen, Mörtel, Erdklumpen, Ziegel und weiteres:
Kriyapada 30-41. Dies sind die allgemeinen als Nebenkörper bezeichneten Glieder. Kleine und sehr kleine Vimanas entsprechen den örtlichen Gegebenheiten. [Einige Fachnamen der Gliederliste, besonders „naprihāra“, sind in der gelieferten Lesung nicht eindeutig zu bestimmen.]
Kriyapada 30-42. Drei Formen gelten: Nagara, Dravila und Vesara. Einen quadratischen oder länglich viereckigen Bau nennt man Nagara.
Kriyapada 30-43. Ein sechs- oder achteckiger, gleichmäßig oder länglich gestalteter Bau heißt Dravila. Auch ein unterhalb des Halses viereckiger,
Kriyapada 30-44. darüber achteckiger gilt als Dravila. Ein runder, länglich runder oder runder mit zwei Ecken,
Kriyapada 30-45. oder ein unterhalb des Halses viereckiger und darüber runder heißt Vesara-Vimana. Die drei gelten als den drei Gunas zugehörig.
Kriyapada 30-46. Nagara ist sattvisch, Dravila rajasisch, Vesara tamasisch; ihre Gottheiten sind der Reihe nach Brahma und die weiteren.
Kriyapada 30-47. Ebenso gelten sie der Reihe nach als den drei Zeitaltern, drei sozialen Gruppen und drei Wirklichkeitsprinzipien zugehörig. Als Land des Nagara gilt das Gebiet zwischen Himalaya und Vindhya.
Kriyapada 30-48. Für Dravila ist das Dravida-Land geeignet, kein anderes. Das Gebiet zwischen Agastya und Vindhya gilt als für Vesara passend.
Kriyapada 30-49. Einige sagen aber, alle Formen seien in allen Ländern möglich. Nun folgt hier kurz die allgemeine Geschossgestaltung.
Kriyapada 30-50. Drei, fünf, sieben oder neun Ellen gelten für einen eingeschossigen Bau; die Rudra- oder Atijagati-Zahl von Ellen für einen zweigeschossigen.
Kriyapada 30-51. Einen dreigeschossigen errichte man mit fünfzehn oder siebzehn Ellen. Darüber vermehre man für jedes Geschoss um fünf Ellen
Kriyapada 30-52. und bestimme so ordnungsgemäß die Maße bis zum zwölfgeschossigen Heiligtum. Bei der höchsten der kleinen Formen beträgt die Höhe das Doppelte der Breite.
Kriyapada 30-53. Bei der mittleren kleinen Form ist die Höhe um ein Siebtel geringer als das Doppelte; bei der geringsten kleinen Form ist sie davon um einen halben Anteil vermindert. [Der Bezugswert des letzten halben Anteils bleibt unklar.]
Kriyapada 30-54, mit beschädigtem Schlusszeichen in der Quelle. Wird die Breite in die Abhikriti-Zahl von Feldern geteilt, liegt der Sockel im Mittelfeld. Die Reihe von acht Feldern außen darum bildet den inneren Raum.
Kriyapada 30-55. Eine äußere Feldreihe bildet die Wand, ein Feld darin das Tor. Dies heißt ein eingeschossiges Götterhaus mit einer Wandumfassung.
Kriyapada 30-56. Ebenso liegt bei einem Vimana-Raster von einundachtzig Feldern in den neun Mittelfeldern das innere Heiligtum mit seinem Sockel.
Kriyapada 30-57. Mit der äußeren Feldreihe lege man Wand und Tor an; mit der nächsten äußeren Reihe ringsum den mittleren Umgang.
Kriyapada 30-58. Mit der äußeren Reihe füge man die Tempelwand und das Tor an. Im Osten oder Westen nehmen die Tore in den beiden Wänden jeweils ein Feld ein.
Kriyapada 30-59. So sind die kleinen Vimanas nach Wunsch zu verstehen. Nach den eigenen Mitteln errichte man sie eingeschossig oder bis zu zwei Geschossen.
Kriyapada 30-60. Ihre Höhe ist das Doppelte der angenommenen Breite. Teilt man die Höhe in acht, so erhält der Unterbau einen Teil,
Kriyapada 30-61. die Pfeilerhöhe zwei, das Gebälk einen, der Hals einen, der Dachaufsatz zwei und die Bekrönung einen.
Kriyapada 30-62. So bestimme man das ein- und zweigeschossige Heiligtum. Die Höhe des Unterbaus teile man in drei.
Kriyapada 30-63. Mit einem Teil fertige man die Jagati-Platte, mit einem das Kumuda-Wulstglied. Den verbleibenden Teil teile man in vier; ein Anteil davon bildet die Pattika-Leiste,
Kriyapada 30-64. ein Anteil den Zwischenraum, die beiden übrigen das Pratimukha-Glied. Dies ist der Unterbau kleiner und sehr kleiner Vimanas.
Kriyapada 30-65. Nun wird für die Hauptformen, die nicht gruppenspezifischen und die gruppenspezifischen Vimanas der jeweils passende Unterbau samt Zusatzsockel genannt.
Kriyapada 30-66. Masuraka, Adhishthana, tragende Baugrundlage, Kuttima, Tala und erstes Glied sind gleichbedeutende Benennungen.
Kriyapada 30-67. Das feste, aus Stein und anderen Stoffen gefügte Bauteil, auf dem das Heiligtum mit seinen eigenen Gliedern ständig steht, heißt Adhishthana, Unterbau.
Kriyapada 30-68. Nachdem die Fläche auf die zuvor beschriebene Weise sehr fest aufgebaut und zuerst die Grundsteinbeigabe niedergelegt wurde, füge man den Zusatzsockel an.
Kriyapada 30-69. Ist ein Zusatzsockel vorhanden, liegt er unter dem Unterbau: zur Erhöhung, zur Schönheit und besonders zum Schutz.
Kriyapada 30-70. Drei Formen gelten: Vedibhadra, Pratibhadra und Subhadra. Teilt man die Höhe des Zusatzsockels in zwölf, nimmt die Fußleiste zwei Teile ein, der Lotus einen,
Kriyapada 30-71. das Kshepana einen halben, der Hals fünf, die Leiste darüber einen halben; der obere Lotus einen, das Vajana-Glied
Kriyapada 30-72. und die obere Leiste die verbleibenden Anteile. So ist der Zusatzsockel achtgliedrig. Oder man fertige ihn sechsgliedrig, ohne den oberen und unteren Lotus.
Kriyapada 30-73. Dies ist Vedibhadra, in beiden Formen für alle Bauten geeignet. Mit Anteilen in der Zahl von Ashvins, Augen und Shiva sowie einem Anteil aus den Sonnenanteilen,
Kriyapada 30-74. mit Rama-Anteilen und Einzelanteilen, ferner zwei und einem Anteil füge man die Glieder vom Fuß bis zum Vajana an, wenn die Höhe in drei mal neun Teile geteilt ist. [Örtliche Ausnahme: Die verdichtete Chiffren- und Bruchreihe in 30-73–74 erlaubt keine sichere vollständige Zuweisung zu den folgenden Gliedern. Ihre erkennbaren Angaben sind übersetzt; eine normalisierte Maßtabelle wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 30-75. Fuß, Lotus, Leiste, Hals, oberer Balken, Lotus, Kapota, Alinga und die weiteren Glieder bis zu Prati und Vajana werden genannt.
Kriyapada 30-76. Dies heißt Pratibhadra, mit sämtlichem Schmuck versehen. Teilt man die Höhe in die Prakriti-Zahl, so nehmen Fuß und Lotus zwei Anteile ein,
Kriyapada 30-77. Hals einen halben, Lotus einen halben, Vajana zwei, Lotus einen halben und ebenso die Leiste; der Hals acht, der obere Balken einen Anteil.
Kriyapada 30-78. Der Lotus erhält einen halben, das Gopana drei; darüber liegt eine Leiste. Dieser Zusatzsockel wird Subhadra genannt. [Quellenhinweis zu 30-76–78: Die Maßreihe bleibt in ihrer Summe und in der wiederholten Halsbenennung unklar. Die Zahlen sind nicht einer vermuteten Gesamthöhe angepasst.]
Kriyapada 30-79. Mit Löwen, Elefanten, Makaras, Fabelwesen, Bhutas, Blättern und weiterem sei er geschmückt. Jede Front habe ein Fischmaul; auf dem Kopf sitze ein Kind. [Die genaue figürliche Verbindung der letzten Angabe bleibt unbestimmt.]
Unnummeriertes Maya-Zitat nach 30-79. „Im Verhältnis zur angenommenen Höhe des Unterbaus sei der Zusatzsockel doppelt, gleich, anderthalbfach, halb oder dreiviertel hoch, oder nach fünf, zwei oder drei Anteilen: in drei, zwei oder einem Maß. Mit seinen Nebengliedern gleichmäßig ausgerichtet und mit einem großen Vajana versehen, füge man bei allen Heiligtümern unten einen festen, passenden Zusatzsockel an.“ [Örtliche Ausnahme: Die erste Vershälfte enthält eine gedrängte Reihe von Verhältnisgrößen, deren genaue Rechenbezüge nicht sicher aufzulösen sind. Alle erkennbaren Maßangaben sind wiedergegeben; eine rekonstruierte Tabelle ersetzt den Vers nicht.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im oberen Teil, im Kriyapada, das dreißigste Kapitel über die Gliederung der Jati- und weiteren Vimanas und das Verfahren der Zusatzsockel.
Unnummerierte Segensformel am Ende des gelieferten dritten Bandes. Möge Heil sein!
Was einen Bau trägt
Der Unterbau verbindet im Text Festigkeit, Schutz und Schönheit. Er trägt, was darüber sichtbar wird. Als heutige Besinnung kann dieses Bild an die unscheinbaren Grundlagen der Yoga-Praxis erinnern: Regelmäßigkeit, Aufmerksamkeit und ein tragfähiger Alltag. Die Maßlehre selbst bleibt eine historische Fachlehre mit mehreren Systemen und örtlichen Unsicherheiten; ihre Unterschiede werden nicht geglättet.
Schlussbetrachtung
Dieser Werkabschnitt stellt Erkenntnis und Handeln nebeneinander. Das Bild vom Samen auf gutem Boden erinnert daran, dass Einsicht Pflege braucht. Studium, verlässliche Begleitung und Mitgefühl geben einer Praxis Halt. Wer über Einweihung und heilige Handlungen liest, begegnet deshalb auch der Frage nach der eigenen Bereitschaft zu lernen.
Als heutige Besinnung kannst du am Ende eines Studientages fragen: Welche Einsicht möchte ich in meinem Verhalten sichtbar werden lassen? Vielleicht ist es mehr Geduld, eine ehrliche Rückfrage oder eine Handlung der Fürsorge. So kann das Lesen eine beständige Sadhana begleiten. Der anschließende zweite Kriyapada-Teil erweitert den Blick auf Bildwerke, Weihe, Feste und die Pflege des Heiligtums.
Verwandte Schriften und Siehe auch
Für den Vergleich bieten sich drei Fragen an: Wie beschreiben andere Agamas Shiva und die Bindung der Seele? Wie ordnen Ritualhandbücher Verehrung und Diksha? Wie führen Meditationstexte zur inneren Sammlung? Die folgenden Verweise dienen diesem Vergleich; sie behaupten weder identische Lehren noch eine direkte Abhängigkeit aller genannten Werke.
- Soma Shambhu Paddhati
- Svacchanda Tantra
- Netra Tantra
- Mrigendra Tantra
- Kirana Tantra
- Raurava Agama
- Vijnana Bhairava Tantra
- Kularnava Tantra
- Tantraloka
- Yogini Hridaya
Quellen und Literatur
- Muktabodha Indological Research Institute: īśānaśivagurudevapaddhati, vier elektronische Bände, jeweils IAST und Devanagari: M00016 (Samanyapada 1–14), M00017 (Mantrapada 15–52), M00018 (Kriyapada 1–30), M00233 (Kriyapada 31–64 und Yogapada 1–3). Herausgeber laut Dateiköpfen: Ganapati Shastri; elektronische Erfassung unter Aufsicht von Mark Dyczkowski. Dateiköpfe: Creative Commons BY-NC 4.0. Die gelieferte IAST-Fassung ist Übersetzungsgrundlage; örtlich wurde die getrennt gelieferte Devanagari-Fassung verglichen.
- Bibliographische Angaben der Dateien: Band 1 nennt 1921, die weiteren Bände 1922. Druckausgabe, in den Köpfen genannter Verlag und elektronische Fassung sind zu unterscheiden; insbesondere bezeichnet der Beschreibungssatz von M00233 den Band abweichend als „Volume 3“. Die inhaltliche Fortsetzung und der Dateititel weisen ihn hier als Band 4 aus.
- J. P. Prajith: Isanasivagurudeva Paddhati – study, 2008, Kapitel 2. Autor und Datierung. Nur zur historischen Einordnung, nicht als zusätzliche Sanskritgrundlage verwendet.
- Moderne Begleitmedien: Yoga-Vidya-Wiki, Nyasa und Shiva-Shakti-Philosophie. Bilddateien auf dem Wiki und Videotitel beim Anbieter am 24. September 2026 geprüft. Bilder und Videos zeigen beziehungsweise erläutern heutige Praxis, keine historisch belegte Durchführung dieses konkreten Werkes.
- Seminarverweise: Indische Schriften und Chakra; die vier eingebundenen Feeds wurden am 24. September 2026 abgerufen.
Seminare
Kundalini Yoga
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
- 13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Manuel Hirning
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Chakras
- 20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren
Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …- Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
- 26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online
Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. L…- Sukadev Bretz, Shaktipriya Vogt, Radharani Birkner
Energiearbeit
- 04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop
Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
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