Ishanashivagurudeva Paddhati 108 inspirierende Verse und Mantras

Aus Yogawiki

108 inspirierende Stellen aus der Ishanashivagurudeva Paddhati

Diese Auswahl führt durch alle vier Werkteile. Sie versammelt vollständige Verse oder zusammenhängende Versgruppen: Worte über innere Sammlung, Mitgefühl, Hingabe und verantwortliches Handeln. Die Nummern 1–108 zählen die Auswahlstellen; sie sind keine neue Verszählung des Werkes. Die genaue Fundstelle steht jeweils dabei.

Die Übersetzungen bewahren auch historische Ritualzusammenhänge und religiöse Verheißungen. Solche Aussagen sind keine Zusage heutiger Wirkungen. Einzelne Verse beziehen sich auf eine im Kapitel zuvor beschriebene Gottheit oder Handlung; der Link führt zum Zusammenhang. Die gesonderte Mantrasammlung enthält Sanskritbelege und unterscheidet vollständige Formeln von Chiffren und Textanfängen.

So kannst du mit der Auswahl arbeiten: Lies einige wenige Stellen und wähle eine aus, die dich zum Nachdenken bringt. Prüfe ihre Fundstelle im vollständigen Kapitel, bevor du sie als Merksatz verwendest. Anschließend kannst du in Stille verweilen oder in einer Studiengruppe darüber sprechen: Was sagt die Stelle tatsächlich, und welche eigene Erfahrung hilft mir, sie besser zu verstehen?

Weiterführende Lektüre: Stelle eine ausgewählte Passage neben einen Abschnitt aus Vijnana Bhairava Tantra oder Soma Shambhu Paddhati. Welche Frage stellen die Texte an deine Aufmerksamkeit? Welche Unterschiede zeigen sich zwischen Meditation und Ritualzusammenhang? Ein solcher Vergleich vertieft das Verständnis, wenn die Fundstellen jeweils mitgelesen werden.

Zur Textausgabe: Hauptartikel · Samanyapada auf Deutsch · Mantrapada auf Deutsch · Kriyapada 1 auf Deutsch · Kriyapada 2 auf Deutsch · Yogapada auf Deutsch - Mantrasammlung


Shiva in Meditation: eine moderne Begleitabbildung zum Thema innere Sammlung.

Samanyapada

1. Guru und inneres Licht

Fundstelle: Samanyapada 1, 1-2

Gesammelt verneige ich mich mit tiefer Ehrfurcht vor den erhabenen Lehrern. Allen begegnen sie mit Gleichmut. Durch ihre große Herrlichkeit gleichen sie aufgegangenen Sonnen und vertreiben die Finsternis tiefer Verblendung.

2. Vertrauen, Hingabe und Übung

Fundstelle: Samanyapada 1, Verse 22–24 mit eingeschlossenem Ratnatraya-Zitat

Durch Vertrauen, Hingabe und beharrliche Übung gelangen jedoch alle jederzeit zur Vollendung. Wo die Bezeichnung einer Gottheit die Eigenschaft des inneren Bedenkens und des Schützens besitzt,

dort gilt sie als Mantra; diese Eigenschaft muss bei den Bijas nicht in derselben Weise vorliegen.

„Weil sie allen Wesen inneres Bedenken ermöglicht und sie aus dem Meer des Samsara rettet, ist jene Shakti von Mantragestalt; ihr Wesen ist Bedenken und Schützen.“ Das Zitat erläutert „Mantra“ durch die Begriffe Manana und Trana.

Wenn man die Einheit des Bezeichneten und seiner Bezeichnung erkannt hat, soll man auch dem Guru gegenüber

eine Hingabe entwickeln, die der Hingabe an die Gottheit gleichkommt, um selbst Vollendung zu erlangen. Das Alphabet ist die Matrka, die Mutter aller Mantras und aller Wörter.

3. Bewusstsein und Weltsame

Fundstelle: Samanyapada 1, 1-91

Jenes eine, unvergängliche und ungeborene Klang-Brahman ist reines Bewusstsein. Aus ihm gehen die immer wirkenden Gestalten für Entstehung, Auflösung und Erhaltung der Welt hervor; aus ihm entsteht von selbst die göttliche Matrka mit ihrem Leib aus Lauten. Die Wissenden erkennen dieses von Shakti erfüllte, Pranava genannte Bija als den Samen des ganzen Alls, gleich dem Samen des Banyanbaums.

4. Höchstes Licht im Herzen

Fundstelle: Samanyapada 2, 2-73

Sein Seher ist Brahma, sein Versmaß Gayatri und seine Gottheit der höchste Atman. Als höchstes Licht soll man ihn im Lotus des eigenen Herzens meditieren.

5. Acht innere Blüten

Fundstelle: Samanyapada 2, 2-116–117

Im Norden verehre man auch die Seher und die weiteren Zugehörigen, Ganesha und den Guru. Dann vollziehe man die Darbringung der acht Blüten: Gewaltlosigkeit, Verzeihen, Mitgefühl,

Beherrschung der Sinne, Erkenntnis, Reinheit der inneren Haltung, Freiheit von Zorn und Meditation. Dies sind der Reihe nach die acht Blüten des Herzens.

6. Verantwortliches Lernen vor Anwendung

Fundstelle: Samanyapada 3, 3-2

Wer den Aufbau, die Anwendung und die Gestalt der Mantralaute nicht kennt – wie kann er, nach Erfolg verlangend, mit ihrer Wiederholung beginnen? Er ist töricht wie ein schlechter Arzt, der unbedingt behandeln will, ohne die Einteilung der Heilmittel in Gruppen und Anwendungsbereiche zu kennen.

7. Mantra, Bewusstsein und Shakti

Fundstelle: Samanyapada 4, 4-18

Die Gesamtheit der Mantralaute ist die Gestalt jener Gottheit, deren Wesen Mantra ist. Shakti ist das Bewusstsein, das sie zur Fülle bringt; das sogenannte Bija ist ihre Lebenskraft.

8. Schutz des Mantrabaums

Fundstelle: Samanyapada 4, 4-25–26

Die siebenundzwanzig Mondhäuser werden nach der Aufteilung der Alphabetlaute zugeordnet. Ebenso viele Gottheiten und Bäume gehören dazu. Den Baum des Mondhauses des eigenen Mantras soll man nicht fällen.

Zur Mehrung des eigenen Lebens soll man ihn wachsen lassen und schützen; zur Vollendung soll man diesen Mantrabaum verehren. Auch die Gottheit, die über das Mondhaus des Mantras herrscht, verehre man, ebenso die aus den Lautgruppen hervorgehenden Planeten an ihrem jeweiligen Wochentag.

9. Asana, Einpünktigkeit, geistige Klarheit

Fundstelle: Samanyapada 5, 5-78

Die Frucht einer solchen Beherrschung der Sitzhaltungen ist durch Einpünktigkeit die Klarheit und Ruhe des Geistes. Denn der Geist ist die Ursache von allem. Ist er unter der eigenen Führung – was wäre dann nicht bezwungen?

10. Lernen beim Guru und Handeln für eigenes/fremdes Wohl

Fundstelle: Samanyapada 5, 5-81

Nachdem der Übende all dies vollständig und ordnungsgemäß von einem im Wissen ausgezeichneten Guru verstanden hat, soll er gesammelt die jeweiligen Handlungen ausführen, mit einem verwirklichten Mantra und gefestigtem Selbst. Was er um des eigenen oder fremden Wohles willen zu tun hat, das vollzieht er und erfährt seine Frucht in dieser Welt, von der entsprechenden Gewissheit erfüllt.

11. Innere Reinigung

Fundstelle: Samanyapada 7, 7-37

Diese allgemeine Reinigung der Handlungen, Stoffe und des eigenen Selbst ist eine Voraussetzung aller guten Eigenschaften. Doch die Reinigung des Geistes ist diejenige, die zu verwirklichen ist. Ist er nicht durch Anhaftung und Ähnliches verdorben, liegen einem Menschen alle vier Lebensziele gleichsam in der Hand.

12. Verehrung entsprechend den eigenen Mitteln

Fundstelle: Samanyapada 8, 8-3

Die vorzügliche Puja besitzt sechzehn Darbringungen, die mittlere zehn, die einfache fünf. Man wähle unter ihnen eine Verehrungsform entsprechend den eigenen Möglichkeiten.

13. Einladung der bereits allgegenwärtigen Gottheit

Fundstelle: Samanyapada 8, 8-13

Diese Wirklichkeit ist schon von sich aus vollkommen. Bei ihrer Verehrung bedeutet Einladung daher, sich ihr mit Achtung zuzuwenden und ihre Gegenwart zu vergegenwärtigen.

14. Innerliche Ergänzung fehlender Verehrungsgaben

Fundstelle: Samanyapada 8, 8-114

Alle Glieder und das gesamte Gefolge soll man nach Möglichkeit mit den fünf Darbringungen verehren. Was an äußerer Verehrung nicht möglich ist, stelle man mit gesammeltem Geist innerlich bereit.

15. Das höchste Licht im Herzen

Fundstelle: Samanyapada 9, 9-3

Man erinnere sich an das höchste Licht Shivas im Inneren des Herzlotus, das Atman genannt wird, erhebe sich und gehe an einen reinen Ort, wo reichlich Wasser leicht erreichbar ist.

16. Übung gemäß den eigenen Kräften

Fundstelle: Samanyapada 9, 9-136

Mit ungeteilter Aufmerksamkeit wiederhole man so eintausendachtmal; wenn dies nicht möglich ist, hundertmal oder auch nur zehnmal.

17. Gastfreundschaft

Fundstelle: Samanyapada 9, 9-178

Nach deren Abschluss speise man nach Vermögen Gäste und Unterhaltsberechtigte und esse dann selbst mit Kindern und anderen Angehörigen, ohne die Speise zu verachten.

18. Die reine Gestalt im Bewusstsein

Fundstelle: Samanyapada 10, 10-40

Der Körper erscheint sechzehnjährig, aus reinem Wissen bestehend, von Nektarfluten überströmt und durch eine Fülle heilsamer Verdienste gewonnen. Wer ihn auch nur einmal in dieser Weise als rein im Geist betrachtet, der wird nach dieser Lehre zum Yogi.

19. Gnade, innere Klarheit und wohltuende Rede

Fundstelle: Samanyapada 10, 10-41

Durch solche Übung wird der Mensch von selbst in seinem Wesen rein und empfängt durch Ishvaras Gnade Shaktipata, das Herabkommen der göttlichen Kraft. Durch Japa, Verehrung und weitere Übungen erlangt er dann das Erstrebte; klare, wohltuende Rede strömt aus seinem Mund.

20. Shakti als Ursprung und Gestalt der Welt

Fundstelle: Samanyapada 13, 13-38–39

Für das Gelingen sichtbarer Ziele erscheint sie rot wie die Hibiskusblüte. Sie trägt Schlinge und Treibstachel; ihre weiteren Hände gewähren Wünsche und Furchtlosigkeit. Bunte Gewänder, Blütenketten und gelblich duftende Salbe schmücken sie; ihr Haar glänzt wie ein Schwarm dunkler Bienen.

Der Glanz ihrer Edelsteine, Schmuckstücke und Krone entfaltet sich am Himmel wie Schirm und Regenbogen. Man betrachtet und verehrt sie als die Gebärerin des Weltganzen, die selbst das Weltganze ist, und lässt sie im Herzlotus gegenwärtig sein.

Mantrapada

21. Weltentfaltung durch Shiva und Shakti

Fundstelle: Mantrapada 15, 15-2–3

Diese Welt entfaltet sich durch die Kraft, welche Mahat, Ichbewusstsein, Raum, Luft, Wasser, Feuer, Erde und ihre Eigenschaften hervorbringt. Sie wird »Schar« genannt; ihr Herr ist Ganapati, Shiva selbst.

Dieser Purusha, Shiva, gestaltet durch Shakti und seinen schöpferischen Willen das gesamte Weltganze. Nach seinem Willen erhält und löst er es wieder auf, wobei er sich durch verschiedene Gestalten zeigt.

22. Geistige Verehrung bei fehlenden äußeren Mitteln

Fundstelle: Mantrapada 15, 15-19

Nun wird sein vorzügliches Verfahren beschrieben, dessen bloße Vergegenwärtigung den Mantra vollenden soll. Wer die Mittel besitzt, fertigt ein reich bemaltes Bild an und verehrt ihn darin; andernfalls verehrt er ihn im Geist.

23. Shakti als schöpferische Mutter

Fundstelle: Mantrapada 15, 15-58–59

Auf seinem linken Schoß ruht seine eigene unvergängliche Shakti, die Herrin aller Dinge, aus den drei Gunas bestehend und Mutter der Buchstaben und der Welten. Ihre heilsame Gestalt entzückt; wie eine göttliche Wunschranke schmiegt sie sich an den großen Parijata-Baum und gewährt Wünsche.

Ihr eigener roter Glanz gleicht der Bandhujiva-Blüte und dem Rajas. Das Mondlicht ihres zarten Lächelns ist weiß wie eine Jasminknospe; ihre gewellten Haarmassen sind dunkelblau wie Bienen. Die Kundigen nennen diese ursprüngliche, ungeborene Frau Prakriti.

24. Darbringung des Japa

Fundstelle: Mantrapada 15, 15-91

»Om. Du Hüter des Geheimsten der Geheimnisse, nimm unser Japa an. Durch deine Gnade möge mir daraus die Vollendung erwachsen, die in dir ruht.«

25. Darbringung aller Handlungen

Fundstelle: Mantrapada 15, 15-92

Was immer wir, o Gott, stets tun, Gutes oder Schlechtes: Nimm es von mir, der in Shivas Zustand ruht, an und lasse es schwinden, Shankara!

26. Shiva als Gebender, Empfänger und Welt

Fundstelle: Mantrapada 15, 15-93

Shiva ist der Gebende, Shiva der Genießende, Shiva ist diese ganze Welt. Shiva siegt überall. Was Shiva ist, das bin auch ich.

27. Bitte um Annahme der Verehrung

Fundstelle: Mantrapada 15, 15-94

»Diese Verehrung, o Gott, die ich mit Japa und Feueropfer vollzogen habe: Sei gnädig und nimm sie an; gewähre mir die erstrebte Vollendung.«

28. Ganesha im Herzlotus und Befreiung

Fundstelle: Mantrapada 16, 16-65

Wer im Herzlotus, im Mandala der achtfältigen Körperstadt mit seinen Blättern, den daumengroßen Ganesha von Shaktis umgeben betrachtet, der überquere mühelos den Ozean des Samsara.

29. Feines ungeteiltes Bewusstsein

Fundstelle: Mantrapada 17, 17-63

Wir preisen die Göttin der Rede: zart, leuchtend wie ein Büschel von Blitzen und fein wie ein Lotusfaden. Aus den drei Linga-Bildern hervorgehend, überschreitet sie der Reihe nach Schöpfungszeichen, Bindu und Nada; aus jener höchsten Stätte wird sie von strömendem Nektar überflutet, vollkommen ungeteilt.

30. Ursprung der Rede

Fundstelle: Mantrapada 17, 17-69

Wir preisen die Göttin der Rede, aus der der sprachliche Reichtum aller Veden und Lehrwerke entsteht. Ihr Vagbhava schenkt die Entfaltung von Sanskrit und anderer Rede; im Haus des Verlangens leuchtet es wie ein Stern. Von seiner Natur ist sie, die das Sprechen hervorbringt.

31. Bitte um Verzeihung

Fundstelle: Mantrapada 17, 17-71

Vielleicht habe ich in Unkenntnis des Verfahrens deine Glieder verehrt und dabei Gliedermantras, Hilfsmittel oder Handlungen ausgelassen. Doch Hingabe an deine beiden Lotusfüße hat mich bewegt. Wenn ich dich dadurch, Mutter, nun ermüdet habe, verzeih mir mein ungeschicktes Vorgehen.

32. Vollendung des Unvollkommenen durch Gnade

Fundstelle: Mantrapada 17, 17-72

Was an meiner Verehrung ohne Hingabe, ohne rechte Handlung oder ohne Vertrauen blieb, möge durch deine Gnade, o Göttin, vollständig werden.

33. Darbringung der Verehrung

Fundstelle: Mantrapada 18, 18-35

Mit Wasser in der hohlen Hand bringt man Japa und Verehrung dar: »Du, höchste Herrin, deren eigene Gestalt im Geheimsten der Geheimnisse verborgen ist, nimm meine Verehrung, mein Japa und die weiteren Handlungen an, damit ihre Frucht erlangt werde.«

34. Lakshmi als fürsorgliche Mutter

Fundstelle: Mantrapada 19, 19-1

Sie triumphiert in der Welt, die Mutter Lakshmi, die Edle: Mit ihrem mitleidvollen Seitenblick schützt sie den Menschen und schenkt ihm das gewünschte Gedeihen, als wäre er ihr eigenes zu nährendes Kind. Versmaß: Arya.

35. Innere Freiheit von Sinnesbindung

Fundstelle: Mantrapada 19, 19-49

Wer Shri erlangen will, soll ihren Mantra beständig im Geist rezitieren. Wenn er mit Einsicht die weitreichende Bindung an Sinnesgegenstände aufgibt, wird er zu einem Gefäß für Kamala. Metrische Anmerkung: Vipularyagiti.

36. Rechtschaffener Erwerb und wahrhaftiger Geist

Fundstelle: Mantrapada 19, 19-50

Wer weiße Gewänder, Blumen und Duftstoffe trägt, täglich opfert und Mantra-Japa und Verehrung pflegt, seinen Besitz rechtschaffen gewinnt und wahrhaftig denkt, wird zur Stätte für das Erlangen vielfältigen Gedeihens. Metrische Anmerkung: Vipulachapal aryagiti.

Heutige Puja. Das Bild veranschaulicht Verehrung, nicht die historische Ausführung eines bestimmten Kapitels.

Moderne Begleitung: Nyasa – Verehrung und Darbringung des Körpers

Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.

37. Das innere Selbstlicht

Fundstelle: Mantrapada 19, 19-73

Verneigt euch vor dem Bezwinger Madhus, der Zuflucht der Zufluchtlosen, dem Unvergleichlichen von überragenden, unzähligen Eigenschaften. Die Guten schauen ihn, das Selbst des Weltganzen, als Licht ihres eigenen Selbst im Inneren. Versmaß: Saumya.

38. Jenseits der Form und in Formen gegenwärtig

Fundstelle: Mantrapada 21, 21-36

Die Weltenherrin nimmt nach eigenem Willen eine Gestalt an. Man meditiere über sie, die jenseits der Form ist und doch Formenfülle besitzt. Versform namens Rupadhya.

39. Innere und äußere Verehrung nach Kräften

Fundstelle: Mantrapada 21, 21-88

Ebenso verehrt man Shakti mit gutem Geist im Herzlotus und täglich auch äußerlich mit guten Gaben, die den eigenen Mitteln entsprechen.

40. Reinigung zum Wohl aller Wesen

Fundstelle: Mantrapada 22, 22-12

Er verehrt den Hüter des Ortes und den Herrn der Wohnstätte. Schweigend nimmt er seinen Sitz ein und vergegenwärtigt die Reinigung der Elemente und die Reinigung seiner inneren Haltung – zum Wohl aller Wesen.

41. Ruhiges Maß der Rezitation

Fundstelle: Mantrapada 22, 22-39

Beim Feueropfer wie bei Japa und den anderen Übungen spreche man den Mantra nicht schnell, aber auch nicht schleppend. Stets ist ein Maß zwischen rasch und gedehnt erwünscht; dieses verleiht Vollendung. Versmaß: Drutavilambita, dessen Name „rasch und gedehnt“ bedeutet. Das verneinende Wort bei der Wiederholung der Anweisung steht in der Quelle fragend in Klammern.

42. Innerliches Japa im Alltag

Fundstelle: Mantrapada Kapitel 23, Originalmarke 22-46

Ob man sieht, hört, Berührung genießt, sich Gerüchen zuwendet, isst, geht, spricht oder eine Tätigkeit ausführt: Wer so meditiert und Freude an innerlichem Japa hat, unter dessen Geheiß soll die ganze Welt stehen – was wäre da erst von geringerem Erfolg zu sagen? Die abschließende Machtverheißung ist Teil der Quelle; der Vers verbindet sie mit der Übung im Alltag.

43. Loslassen von Macht und Befreiung

Fundstelle: Mantrapada Kapitel 23, Originalmarke 22-47

Wünscht man Genuss und Macht, soll man sie erlangen; ebenso Macht über die Rede, gleich der des Herrn der Rede. Auch die acht Yogakräfte, beginnend mit dem Kleinwerden, sollen entstehen. Wer all diese vielfältigen Kräfte nicht begehrt, kann sogar Befreiung erlangen.

44. Eine Shakti in vielfältigen Formen

Fundstelle: Mantrapada Kapitel 23, Originalmarke 22-77

So leuchtet in der Welt die eine ewige Gauri-Shakti, die durch verschiedene Mantras und verschiedene Gestalten verehrt wird. Als Matrikamalini schenkt diese Parvati die ersehnte Frucht und bringt alles Unheil für euch zur Ruhe. Versmaß: Malini.

45. Wunschlose Meditation im Herzen

Fundstelle: Mantrapada 24, 24-82

Wer an den drei Tagesübergängen Japa übt, soll Einfluss, langes Leben und die Beseitigung von Krankheit erlangen; durch göttliche Gnade auch Wohlstand, Schutz, Kinder und Sieg. Alle Güter soll er in Fülle gewinnen. Geht es aber um Befreiung, so übt er wunschlos tausend Wiederholungen, ganz der Meditation im Lotus des Herzens hingegeben. Der Satzanfang ist sprachlich uneben; die Gegenüberstellung von äußeren Zielen und wunschloser Meditation ist deutlich.

46. Stimmliches und geistiges Japa

Fundstelle: Mantrapada 24, 24-84

In rituell reinem Zustand soll man den Mantra mit der Stimme wiederholen, in unreinem Zustand im Geist. Dabei meditiert man über Durga und über den Gott Agni und soll das Erwünschte erlangen.

47. Freundlichkeit, Mitgefühl, Freude und Gleichmut

Fundstelle: Mantrapada 26, 26-13–14

Mit diesen Worten vollzieht der Einsichtige dreimal den Nyasa vom Kopf bis zu den Füßen. Er entwickelt Freundlichkeit gegenüber allen Einsichtigen und Mitgefühl für die Leidenden …

… Freude an denen, deren Verhalten gut ist, und Gleichmut gegenüber denen, die Schlechtes tun. So richtet er sich auf die Lebewesen aus, stets mit zufriedener innerer Haltung.

48. Wahrhaftige Rede als Praxisgrundlage

Fundstelle: Mantrapada 26, 26-51–52

Nachdem man sie so mit ihrem Gefolge ordnungsgemäß verehrt hat, wiederholt man schweigend und rein den Mantra. Man soll stets ausschließlich die Wahrheit sprechen.

Gerade bei diesem Mantra erlangt man die Frucht durch wahrhaftige Rede. Als Feueropfer bringt man ein Zehntel der Japa-Zahl mit Lotussen dar, die mit Ghee vermischt sind.

49. Das Bild vom Boot über Geburt und Tod

Fundstelle: Mantrapada 26, 26-129

So wurden vorwiegend die wichtigsten Shakti-Formeln beschrieben, wie sie in den maßgeblichen Tantras gelehrt werden. Diese großen Kräfte sollen alles Unheil, Fehler, Elend, Unglück, Krankheit, Bedrängnis durch besitzergreifende Mächte und Gift, Not, seelische Qual und weiteres Leid beseitigen. Für Menschen, die gute Werke, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung erstreben, sollen sie das Erbetene gewähren, immer wunschspendend wie die Wunschkuh. Sie sind siegreich als glückbringende Boote, die über das wirbelnde Meer des Daseins führen, erfüllt von den Wogen von Tod und Geburt. Die Quelle verbindet hier religiöse Heilsbilder mit umfassenden Wirkungsversprechen. Versmaß: Arna.

50. Hingabe an das Sonnenlicht

Fundstelle: Mantrapada 27, 27-116

Mit den hier ordnungsgemäß beschriebenen Sonnenmantras, so erklärt der Text, ist selbst in den drei Welten nichts unerreichbar. Darum richte man seine Hingabe auf Savita; so soll man Vollendung, Ansehen, Fülle und Befreiung erlangen.

51. Nada in allen Wesen

Fundstelle: Mantrapada 28, 28-9

Das höchste Bija namens Nada ist in allen Wesen gegenwärtig. Es ist erhaben und göttlich, schenkt Befreiung und verleiht sämtliche Vollendungen.

52. Innere Verehrung im Herzen

Fundstelle: Mantrapada 28, 28-70

Oder man verehrt ihn im Geist im Lotus des Herzens, im Feuer, im Sonnenkreis, im Wasser oder auf einem Opferplatz, entsprechend Eignung und Neigung.

53. Wunschlose Übung und Befreiung

Fundstelle: Mantrapada 29, 29-71

Wer aber Gelübdenahrung zu sich nimmt, wunschlos auf einer Bergspitze Shiva verehrt und dreihunderttausend Wiederholungen übt, soll von der Bindung des Daseins frei werden.

54. Innere Verehrung und tägliche Übung

Fundstelle: Mantrapada 29, 29-99

Man verwendet die wichtigsten Dienste, beginnend mit Ehrenwasser; ist dies nicht möglich, verehrt man im Geist. Täglich übt man tausendacht Wiederholungen.

55. Hingabe und Wirksamkeit

Fundstelle: Mantrapada 31, 31-58

Auch ohne vorbereitende Großübung soll dieser Mantra dem hingebungsvollen Shiva-Verehrer das Ersehnte verwirklichen – um wie viel mehr nach dem beschriebenen Japa!

56. Gastfreundschaft und Speisung

Fundstelle: Mantrapada 32, 32-40–42

Man betrachtet Shasta als von der Jagd ermüdeten Jäger, auf einem Pferd, von Scharen umgeben, aus dem Wald kommend und nach Wasser verlangend.

Mittags nimmt man Wasser mit geröstetem Mehl in die gefalteten Hände, gießt es mit neun Mantras aus und erquickt auch seine Scharen.

Dem nun Ausgeruhten trägt man die eigenen Anliegen vor. Man stellt sich vor, wie er erfreut „So sei es“ sagt und weiterzieht.

57. Das Licht der inneren Gegenwart

Fundstelle: Mantrapada 33, 33-68–70

Nachdem man Narayanas Gestalt so im eigenen Herzlotos betrachtet hat, stellt man sich dort ein Licht wie eine unbewegte Flamme vor, seinem Wesen nach Hamsa und vom Praṇava umfangen, so wie eine Lampe eine andere entzündet.

Man nimmt es im Geist auf und führt es unter Aussprechen des am Ende lang ausgezogenen Praṇava durch den Weg der Sushumna hinauf. Man verbindet es mit dem lichtvollen Brahman im Inneren des Raumlotos; von dort wiederum

legt man es in die eigene Blumengabe zwischen den Händen. Von dieser führt man es durch den mittleren Kanal in das vor einem stehende Bild und setzt das Bija mit Tara, Hamsa und Nada in die Mitte seines Herzlotos ein.

58. Hingabe an Hari

Fundstelle: Mantrapada 33, 33-132

So wurde das höchste Geheimnis des achtsilbigen Mantras in Kürze gelehrt: seine in der heiligen Überlieferung verkündete Praxis und das Weitere. Für Menschen, die den Lotosfüßen Haris hingegeben sind, ist dies lieb und heilsam und gilt als Mittel zur Erlangung aller Ziele.

59. Krishna als Kind

Fundstelle: Mantrapada 34, 34-33

„Ich vergegenwärtige mir Krishna als Kind: Seine weichen Glieder sind dunkel wie die Blätter eines frischen blauen Lotos und wie eine Regenwolke. Seine Augen gleichen geöffneten Lotosblüten. Er trägt leuchtenden Schmuck aus Gold und Edelsteinen, gelbe Gewänder und einen Pfauenfederschmuck. Schön ist sein Gesicht, glänzend und bunt sind die Ohrringe in Gestalt von Wassertieren. In vier Händen hält er Muschel, Keule, Lotos und Rad.“

60. Mukunda in Hirtengestalt

Fundstelle: Mantrapada 34, 34-35

Man meditiert über Mukunda in der Gestalt eines Hirten: Auf seiner durch Shrivatsa geschmückten Brust strahlt Kaustubha; sein Glanz mischt sich mit den beweglichen Halsketten. Sein Haar und seine Locken sind dunkel wie Bienenschwärme. Sein reines Lotosgesicht gleicht der vollen Mondscheibe, seine langen Augen geöffneten Lotosblüten. Im Himmel verehren ihn Götter und Rishis.

61. Krishna als Lehrer der Gita

Fundstelle: Mantrapada 34, 34-86

Wer Krishna als den betrachtet, der Partha die Gita lehrt, und ihn mit Lotosblüten verehrt, soll Dharma und Moksha erlangen; durch Durva-Opfer soll man lange leben.

62. Beständige Praxis und gleiche Hingabe an Guru, Mantra und Gottheit

Fundstelle: Mantrapada 35, 35-8–9

Man verehrt die Gottheit zu den drei Tagesübergängen, lebt von Gelübdenahrung und beherrscht die Sinne. An einem reinen Ort sitzend rezitiert man unermüdlich hunderttausendmal.

Man bleibt stets rein und richtet gleiche Hingabe auf Guru, Mantra und Gottheit. Wer dazu imstande ist, opfert Sesam und Butter; wer nicht dazu imstande ist, rezitiert die doppelte Zahl.

63. Darbringung von Japa und Puja

Fundstelle: Mantrapada 35, 35-57

Man verehrt die Gebetskette und rezitiert vor der Gottheit mit heiterem Geist den Mantra. Japa, Puja und alles Weitere bringt man zu den Füßen der Gottheit dar.

64. Licht aus dem eigenen Herzlotos

Fundstelle: Mantrapada 36, 36-28

Mit Tara ruft man aus dem eigenen Herzlotos das höchste, aus Bewusstsein bestehende Licht herbei, wie zuvor. Mit der Formel „Om, Verehrung Narayana! Sei fest eingesetzt! Tha, Tha“ setzt man ihn ein.

65. Die Frucht der eigenen Praxis darbringen

Fundstelle: Mantrapada 38, 38-80–82

Überall verehrt man mit der Smara-Gayatri und den genannten Darbringungen. Nach den eigenen Kräften rezitiert man den Mantra und nimmt ein wenig Wasser in die Hand,

fügt Duftstoff und Blumen hinzu, kniet mit beiden Knien auf der Erde und bringt die Frucht des Japa und der weiteren Handlungen in die rechte Hand der Gottheit dar.

Nachdem man so die tägliche Verehrung vollzogen hat, speist man Brahmanen nach Vermögen und isst selbst den Rest; so hat der Mensch seine Aufgabe erfüllt.

Kriyapada

66. Vidyas und Mantras wie Wellen im Ozean

Fundstelle: Kriyapada 1-82

Wo das Vidya genannte Prinzip in Bindu, Nada und Shiva ruht, leuchten Vidyas und Mantras auf wie Wellen im Ozean.

67. Vier ganze Verse über den Weg von innerem Licht zu hörbarer Sprache

Fundstelle: Kriyapada 1-115–118

Die subtile Kundalini ist innen nur Licht, überaus fein und dem Gehör nicht zugänglich. Von dort steigt sie aufwärts,

leuchtet aus sich selbst und wird, auf Sushumna gestützt, zu Pashyanti. Erreicht sie den Herzlotus, wird sie Madhyama in Gestalt des inneren Klanges.

Sie ist zunächst nur inneres Sprechen, noch ungeteilt, und steigt weiter empor. Sie befindet sich in Brust, Kehle und Gaumen, gelangt zu Kopf, Nase und Zähnen,

wird an Zungenwurzel und Lippen hervorgebracht und nimmt die einzelnen Laute an. Als Mutter der vielfältigen Klangwelt und vom Gehör erfassbar heißt sie Vaikhari.

68. Hingabe, Loslösung, rechte Erkenntnis als Zeichen von Shaktipata

Fundstelle: Kriyapada 2-14

Ihre Zeichen sind Hingabe, Loslösung vom Ozean des Werdens, rechte Erkenntnis und das Offenbarwerden des Shiva-Zustands.

69. Shakti und Shiva wie Licht und Lampe

Fundstelle: Kriyapada 2-21

Seine Shakti ist glückverheißend, im höchsten Sinn subtil: Bewusstsein, unabhängig und Ursache aller Vollendung. Wie das Licht von der Lampe ist sie von Shiva nicht verschieden; sie vermag das Entstehen der Welt und Erkenntnis zu entfalten.

70. Erkenntnis als Keim, gute Praxis als fruchtbarer Boden

Fundstelle: Kriyapada 2-40

So wurde hier der Keim des Shaiva-Tantra durch die Betrachtung von Seele, Fessel, Herr und göttlicher Kraft dargelegt. In gute rituelle Handlung eingesät trägt er Frucht wie ein Hain himmlischer Wunschbäume, der die ersehnten Ziele spendet.

71. Morgendliche Savitri-Meditation, vollständiger Vers

Fundstelle: Kriyapada 3-65

Man meditiert über die verehrungswürdige Morgensandhya Savitri im Sonnenkreis: jugendlich, auf einem Schwan reitend, lotusäugig, mit vier Gesichtern, mit Juwelen, Gewand und Salbe in der Farbe ihres eigenen Lichtes. In vier Armen trägt sie Gebetskette, Opferlöffel, Krug und Stab. Sie ist Mutter der drei Welten und Hervorbringerin der Rig-Verse.

72. Innere Reinigung geht über äußeres Waschen hinaus

Fundstelle: Kriyapada 4-43, zweites Vorkommen, Schlussvers

Durch besondere Wasserarten, bloßes Waschen und ähnliche Handlungen entsteht keine vollständige Reinigung des von Unreinheit geprägten Körpers. Darum wurde von den Guten diese zweifache Reinigung des eigenen Wesens samt innerer Sammlung vorschriftsgemäß gelehrt; man soll sie täglich üben.

Shiva und Parvati als Begleitbild zur Beziehung von Bewusstsein und göttlicher Kraft.

Moderne Begleitung: Kundalini – die kosmische Kraft

Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.

73. Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit als alles durchdringende Gegenwart

Fundstelle: Kriyapada 5-31

Das Prinzip ist Stätte der Freude, Gestalt von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Es als diese ganze gegliederte Gestalt durchdringend zu betrachten, heißt Umhüllen.

74. Guru als Stätte des Mitgefühls

Fundstelle: Kriyapada 11, 11-6

Ein Guru soll der Wahrheit verpflichtet sein, in innerer Ruhe, Selbstbeherrschung, Aufrichtigkeit und Dharma feststehen, dem achtgliedrigen Yoga hingegeben und mit Shivas Lehre vertraut sein. Ihn schmücke die achtfache Hingabe an Shiva; er sei freigebig und stets eine Stätte des Mitgefühls.

75. Erkenntnis über äußeren Merkmalen

Fundstelle: Kriyapada 11, unnummeriertes Paushkara-Zitat nach 11-10

„Auch wenn er alle äußeren Merkmale vermissen lässt, gilt der Erkenntnisreiche als Guru. Erkenntnis bedeutet die Einsicht in die Wirklichkeitsprinzipien, gestützt auf das Wissen um den sechsfachen Weg.“

76. Die Gabe einer einzigen Blüte

Fundstelle: Kriyapada 11, unnummeriertes Patanjali-Zitat nach 11-20

„Selbst wenn jemand nur zufällig eine einzige, schon duftlose Blüte zu deinen Lotusfüßen niederlegt, o Vielgestaltiger, genießt er in dieser Welt wahrlich viele überaus süße Früchte!“ [Quellenhinweis: Die Zuschreibung an Patanjali ist die Angabe dieses Werkes; eine Identität mit dem Verfasser der Yoga-Sutras wird damit nicht behauptet.]

77. Die tragende Shakti

Fundstelle: Kriyapada 12, 12-23

Die tragende Shakti wird weiß beschrieben, wie Mondlicht, dem Raum gleich und von schöner Gestalt. Weil sie auf den Willen des höchsten Herrn hin stets alle Welten trägt, ist sie zuerst zu verehren.

78. Shiva, Flammen und Sonnenstrahlen

Fundstelle: Kriyapada 13, 13-77

Wie das Feuer durch seine Flammen und die Sonne durch ihre Strahlen, so ist Shiva durch seine eigenen Glieder kraftvoll und unangreifbar.

79. Nahrung und Mitgefühl für Bedürftige, Gäste, Tiere und Ausgegrenzte

Fundstelle: Kriyapada 18-127–128

Ebenso sättige man Kinder, Frauen, Alte, Kranke, Leidende, Bedürftige und Gäste nach eigener Kraft mit Speise, Trank und anderem.

Aus Mitgefühl gebe man auch Papageien, Krähen, Hunden und Chandalas Nahrung. Dies ist als sechste Gelübdeverpflichtung der Shaivas zu verstehen. [Chandala ist hier die historische Bezeichnung einer sozial ausgegrenzten Gruppe.]

80. Wissen, Großherzigkeit, Mitgefühl und Frieden des Lehrers

Fundstelle: Kriyapada 19-33

Er kennt den gesamten Sinn der Tantras, ist großherzig und von Mitgefühl erfüllt, der Shiva-Verehrung hingegeben, friedvoll und ein Bewahrer der Verpflichtungen und Verhaltensregeln.

81. Verehrung des zeitlosen Wesens in allen Zeitmaßen

Fundstelle: Kriyapada 21-33

„Dem Wesen der Zeit, das vom kleinsten Augenblick bis zum Jahr reicht, das allgegenwärtig und mächtig, anfanglos, endlos und ewig ist – diesem Wesen der Zeit Verehrung!“

82. Zuflucht, Hingabe und Vollendung unvollständiger Praxis

Fundstelle: Kriyapada 21-109–113

„Du bist die Zuflucht aller Wesen; du bist im Beweglichen und Unbeweglichen gegenwärtig. Durch dein Wirken im Innern bist du der Schauende in allen, höchster Herr!

In Tun, Denken und Sprechen habe ich keine andere Zuflucht als dich. Was ich ohne ausreichende Mantras, Handlungen oder Gaben vollzogen habe,

was ich dir täglich unvollständig an Japa, Feueropfer und Verehrung dargebracht habe, was an Lobpreis und Hingabe fehlte: Das vollende, Maheshvara!

Du bist vollkommen rein, Herr der Götter, das Reinigende, das Verfehlungen vernichtet. Durch dich ist die ganze bewegliche und unbewegliche Welt gereinigt.

Welches Gelübde ich durch Unzulänglichkeit auch unterbrochen habe, Gott: Möge es ganz und eins werden, durch den Faden deines Gebots verbunden!“

83. Geben mit Hingabe und nach eigenen Kräften

Fundstelle: Kriyapada 21-118

„Möge Sadashiva an dieser Gabe Gefallen finden, die ich ohne Geiz und Verstellung in Vermögensfragen, mit Hingabe und nach meinen Kräften dargebracht habe!“

84. Bitte um Befreiung von Kummer und um Freude

Fundstelle: Kriyapada 22-25

„Dir, Ashoka, Verehrung, du Vernichter des Kummers von Kamas Gattin! Nimm mir stets das Leid des Kummers und lass Freude in mir entstehen!“

85. Guter Ort, gute Zeit und Pflege wie bei einer Saat

Fundstelle: Kriyapada 26-2–4

Besonders ist dabei auf einen geeigneten Ort und eine geeignete Zeit zu achten. Ein Same, auf gutem Feld zur angegebenen Zeit ausgesät, keimt auf,

und durch Bewässerung und weitere Maßnahmen trägt er die erwünschte Frucht. In einem durch Pflügen und die weiteren Handlungen vorbereiteten, mit den vorgeschriebenen Merkmalen versehenen Heiligtum,

an einem besonderen Ort und zu geeigneter Zeit, in einem vorschriftsmäßig eingesetzten Linga wird Shiva gegenwärtig, auch zum Gedeihen des Ausführenden.

86. Viele Vorzüge und wenige Mängel statt unerreichbarer Fehlerfreiheit

Fundstelle: Kriyapada 26-45

Ein von allen Fehlern freier Tag oder Aszendent ist von sich aus nicht leicht zu finden. Daher wähle man einen mit vielen Vorzügen und wenigen Mängeln.

87. Schönheit des Heiligtums und Heiterkeit des Herzens

Fundstelle: Kriyapada 28-1–2

Nun werden hier die Merkmale der Prasadas kurz beschrieben. Weil in ihnen die Herzen von Göttern und anderen Wesen sowie von Menschen durch ihre Schönheit lange Zeit

heiter werden, heißen sie Prasadas. Wegen der vielfältigen Anordnung der Maße heißt der nach der Lehre gefertigte Bau auch Vimana.

88. Bitte an die Bewohner des Waldes

Fundstelle: Kriyapada 33, Verse 20–22

Der Baumeister bade, halte sein Beil und spreche diese beiden Mantras: „Die Wesen und Gottheiten samt den Guhyakas mögen weichen! Euch werde eine gute Opfergabe zuteil. Soma möge die Bäume freigeben.“ – „Heil sei euch, Söhne der Erde, und auch uns allezeit! Ich werde diese Arbeit ausführen; nehmt bitte einen anderen Aufenthalt.“ Nachdem er dies gesagt hat, verneige er sich mit heiterem Geist vor den Bäumen. [Die Quelle kündigt zwei Mantras an; die Grenze zwischen ihnen ist redaktionell nach dem Satzsinn gesetzt.]

89. Vergebung für wissentlich und unwissentlich begangene Fehler

Fundstelle: Kriyapada 38, Verse 20–21

Man meditiere darin den subtilen Shiva und stimme ihn mit diesem Gebet gnädig: „Was ich an dir aus Unwissenheit oder wissentlich unrecht ausgeführt habe, all das vergib mir hier, du Selbst aller Wesen, Shankara!“ Nachdem man so die Zustimmung des Herrn der Götter erbeten hat, arbeite man die Kennzeichen am Linga heraus.

90. Praxis entsprechend Vertrauen und eigenen Möglichkeiten

Fundstelle: Kriyapada 40, Vers 37

Je nachdem, welcher Form jemand vertraut und welche Mittel er besitzt, soll er sich beständig an das entsprechende Linga halten.

91. Gabe an alle Wesen in Rudras Gefolge

Fundstelle: Kriyapada 48, Vers 25

„Alle Angehörigen von Rudras Gefolge, die die ganze Welt durchdringen und nach der Bali-Gabe verlangen, mögen diese vorzügliche Gabe annehmen!“

92. Wohlergehen für Menschen und sämtliche Wesen

Fundstelle: Kriyapada 49, Verse 95–99

„Heil dem König und den Menschen, Heil dem Reich zu jeder Zeit! Heil den Kühen und Brahmanen; das Wohlergehen der Vaishyas möge wachsen!

Auch Frauen und Shudras sei Heil! Das Wohlergehen aller Wesen möge wachsen! Heil sei den Beweglichen und ebenso den Unbeweglichen!

Heil sei den Mantras; das Gelingen der Handlung möge wachsen! Heil allen Göttern, Heil den Ahnen zu jeder Zeit!

Den Rishis sei Heil! Das Wohlergehen der irdischen Wesen möge wachsen! Heil den Bewohnern der Unterwelt und den himmlischen Wesen zu jeder Zeit!

Heil den Wesen des Zwischenraums! Das Wohlergehen aller möge wachsen! Bei diesem Fest Maheshas möge durch die Bali-Gaben Wohlergehen wachsen!“

93. Ehrfürchtige Anjali-Geste

Fundstelle: Kriyapada 56, Vers 64

Die Hände bilden eine geschlossene Anjali-Schale wie eine Lotusknospe. Diese Mudra heißt Vandani; sie wird zur ehrfürchtigen Begrüßung und ähnlichen Handlungen gebraucht.

94. Die Entfaltung der Sprache aus innerer Sammlung

Fundstelle: Kriyapada 57, Verse 34–36

Nun fülle man die zusammengelegten Hände mit Blumen. Von der Kundalini ausgehend vergegenwärtige man in sich selbst die feine Sprache, die schauende, die mittlere und die hörbar ausgesprochene Sprache.

Diese Rede, einer Blitzlinie gleich, hebe man empor, verbinde sie im Dvadashanta und lasse sie durch das dortige Bewusstsein erfüllt werden.

Man sehe sie in die Blumenschale der Hände übergehen. Unter gedehnter Aussprache des Hamsa-Lautes führe man sie durch die Brahma-Nadi herbei und setze sie im Herzlotus des Bildes ein.

95. Der Wert einer einzigen Lampe

Fundstelle: Kriyapada 61, Verse 54–55

Selbst wenn man Tausende mal tausend Münder hätte, eine Lebenszeit gleich Brahmas und die Redekraft Brihaspatis,

könnte man die Frucht auch nur einer einzigen Lampe nicht aussprechen. Wie ließe sich dann die Frucht all der Lampen beim Lichterfest und anderen Anlässen beschreiben?

Yogapada

96. Entsagung und äußere Zeichen

Fundstelle: Yogapada 1, Verse 45–47

Dieser Yoga wird durch rechte Entsagung erreicht, nicht anders. Entsagung entsteht nicht durch das Scheren des Kopfes oder das Aufnehmen eines Stabes.

Ockerfarbene Kleidung, Kopfschur, Stabtragen und alles Ähnliche werden vom Körper ausgesagt, nicht vom verkörperten Selbst.

Dieser Körper ist unbelebt, von ähnlicher Beschaffenheit wie Topf und Wand. Wie sollte das verkörperte Selbst allein durch einen Wechsel der äußeren Erscheinung zur Befreiung gelangen?

97. Loslassen begehrter Ergebnisse

Fundstelle: Yogapada 1, Vers 49

Deshalb ist Entsagung das Aufgeben wunschorientierter Handlungen. Die Weisen verstehen unter Sannyasa das Niederlegen der Handlungen, die um begehrter Ergebnisse willen geschehen.

98. Handeln als Darbringung

Fundstelle: Yogapada 1, Verse 50–52

Wer sich beständig vom Streben nach Welt, Besitz und Nachkommenschaft zurückzieht und die Pflichten seiner sozialen und geistlichen Lebensordnung sowie seiner eigenen Überlieferung

ohne Erwartung ihrer Früchte in der Haltung einer Darbringung an den Herrn erfüllt, dessen Handeln gilt als Entsagung.

Wer diese Haltung besitzt, ist ein Yati und Sannyasin, nicht jemand allein wegen seines geschorenen Kopfes. Als beständig Entsagenden erkenne man den, der weder hasst noch begehrt.

99. Wahrhaftigkeit und Nichtstehlen

Fundstelle: Yogapada 2, Verse 12–13

Wenn eine Wahrheit anderen Leid zufügen würde, soll man schweigen. Was andere besitzen, was sie zurückgelassen oder in Einsiedeleien und ähnlichen Orten niedergelegt haben,

selbst wenn es nur Grashalme sind, weder durch Handlung noch im Denken noch durch Rede an sich zu nehmen: Dieses Nichtnehmen fremden Gutes gilt als höchstes Nichtstehlen.

100. Besitz und Verantwortung

Fundstelle: Yogapada 2, Verse 17–19

Wer die Fehler des Erwerbens, Verlierens und Bewahrens sowie die damit verbundene Verletzung erkennt und Güter nicht aneignet, übt das hauptsächliche Aparigraha.

Dies ist für Bettelmönche gelehrt; für andere wird es anders beschrieben. Ob Brahmacarin, Hauslebender, Waldeinsiedler oder Muni:

Wer für eine Hausgemeinschaft sowie Lehrer und andere zu sorgen hat, übt Nichtaneignen, indem er sich unrechtmäßiger Geschenke enthält.

101. Zufriedenheit und Selbststudium

Fundstelle: Yogapada 2, Verse 23–27

Keine verwerflichen Handlungen auszuführen gilt als Reinheit des Handelns. Zufriedenheit ist Genüge an einer Lebensführung durch Güter, Getreide und anderes,

das im Einklang mit den Pflichten der sozialen und geistlichen Lebensordnung erworben wurde. Nicht um Vergangenes trauern, nicht gierig nach Künftigem verlangen

und an Gegenwärtigem nicht anhaften wird Zufriedenheit genannt. Bei freudigen Ereignissen nicht übermütig und bei Anlässen zur Trauer nicht von Trauer überwältigt sein,

sowie Gleichmut gegenüber allem: Auch dies heißt Zufriedenheit. Die Übung des Pranava und ebenso der Upanishaden

sowie Japa des eigenen Mantras ohne Absicht auf dessen Früchte werden als die drei Formen des Selbststudiums für Yogis bezeichnet.

102. Studium und Übung vertiefen einander

Fundstelle: Yogapada 2, erster unnummerierter Lehrvers nach Vers 27

Aus dem Selbststudium wende man sich dem Yoga zu, aus dem Yoga wieder dem Selbststudium in sich. Durch die Vollendung von Selbststudium und Yoga wird der höchste Atman offenbar.

103. Das rechte Maß

Fundstelle: Yogapada 2, zweiter Vers des unnummerierten Zitats nach Vers 29

Für den, der Essen und Erholung maßvoll ordnet, bei seinen Handlungen angemessen tätig ist und Schlaf und Wachen ausgleicht, wird Yoga zum Beseitiger des Leidens.

104. Ohne Hast üben

Fundstelle: Yogapada 3, Vers 8

Mit geradem Körper, Kopf und Hals vollziehe er die innere Verehrung im Herzen. Verständig übe er Yoga, weder hastig noch schleppend.

105. Die Sinne zurückführen

Fundstelle: Yogapada 3, Vers 55

Die Sinne, die ihren jeweiligen Gegenständen nachlaufen, nachdrücklich zurückzuholen nennt man Pratyahara.

106. Meditation mit und ohne Gestalt

Fundstelle: Yogapada 3, Vers 69

Meditation wird zweifach gelehrt: mit Teilen und ohne Teile. Meditation mit Gestalt ist die mit Teilen, gestaltlose Meditation die ohne Teile.

107. Mitgefühl und innerer Frieden

Fundstelle: Yogapada 3, Vers 77

Mit Geduld, Sinneszügelung und innerem Frieden versehen, allen Wesen mitfühlend zugewandt, durchtrennt er die aus den Gunas bestehenden Fesseln und gelangt zum höchsten Nirvana.

108. Befreiung statt besonderer Kräfte

Fundstelle: Yogapada 3, Vers 93

Die Fähigkeiten des Kleinwerdens und die übrigen besonderen Kräfte sind nur Nebenfrüchte des Yoga. Die acht besonderen Fähigkeiten können zu Hindernissen des Yoga werden.

Schlussbetrachtung

Eine einzige klar verstandene Stelle kann die eigene Haltung über längere Zeit begleiten. Kehre deshalb zur vollständigen Kapitelübersetzung zurück, wenn dich ein Bild oder Gedanke anspricht. Dort entfaltet sich der Zusammenhang, aus dem die Auswahl lebt.

Für die persönliche Sadhana kannst du eine kleine Folge wählen: aufmerksam lesen, den Sinn erwägen, in Stille verweilen und eine passende Einsicht im Alltag erproben. Das ist eine heutige Leseanregung. Sie lässt Raum dafür, dass manche Worte sofort berühren und andere erst mit wachsendem Verständnis zugänglich werden. So wird aus der Zahl 108 kein Pensum, sondern eine Einladung zu wiederholter, vertiefter Begegnung mit dem Werk.


Verwandte Schriften und Siehe auch

Für den Vergleich bieten sich drei Fragen an: Wie beschreiben andere Agamas Shiva und die Bindung der Seele? Wie ordnen Ritualhandbücher Verehrung und Diksha? Wie führen Meditationstexte zur inneren Sammlung? Die folgenden Verweise dienen diesem Vergleich; sie behaupten weder identische Lehren noch eine direkte Abhängigkeit aller genannten Werke.

Quellen und Literatur

  • Muktabodha Indological Research Institute: īśānaśivagurudevapaddhati, vier elektronische Bände, jeweils IAST und Devanagari: M00016 (Samanyapada 1–14), M00017 (Mantrapada 15–52), M00018 (Kriyapada 1–30), M00233 (Kriyapada 31–64 und Yogapada 1–3). Herausgeber laut Dateiköpfen: Ganapati Shastri; elektronische Erfassung unter Aufsicht von Mark Dyczkowski. Dateiköpfe: Creative Commons BY-NC 4.0. Die gelieferte IAST-Fassung ist Übersetzungsgrundlage; örtlich wurde die getrennt gelieferte Devanagari-Fassung verglichen.
  • Bibliographische Angaben der Dateien: Band 1 nennt 1921, die weiteren Bände 1922. Druckausgabe, in den Köpfen genannter Verlag und elektronische Fassung sind zu unterscheiden; insbesondere bezeichnet der Beschreibungssatz von M00233 den Band abweichend als „Volume 3“. Die inhaltliche Fortsetzung und der Dateititel weisen ihn hier als Band 4 aus.
  • J. P. Prajith: Isanasivagurudeva Paddhati – study, 2008, Kapitel 2. Autor und Datierung. Nur zur historischen Einordnung, nicht als zusätzliche Sanskritgrundlage verwendet.
  • Moderne Begleitmedien: Yoga-Vidya-Wiki, Nyasa und Shiva-Shakti-Philosophie. Bilddateien auf dem Wiki und Videotitel beim Anbieter am 24. September 2026 geprüft. Bilder und Videos zeigen beziehungsweise erläutern heutige Praxis, keine historisch belegte Durchführung dieses konkreten Werkes.
  • Seminarverweise: Indische Schriften und Chakra; die vier eingebundenen Feeds wurden am 24. September 2026 abgerufen.


Seminare

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Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…
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Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…
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Zur Textausgabe: Hauptartikel · Samanyapada auf Deutsch · Mantrapada auf Deutsch · Kriyapada 1 auf Deutsch · Kriyapada 2 auf Deutsch · Yogapada auf Deutsch

Sanskrit: Samanyapada IAST · Mantrapada IAST · Kriyapada 1 IAST · Kriyapada 2 IAST · Yogapada IAST · Samanyapada Devanagari · Mantrapada Devanagari · Kriyapada 1 Devanagari · Kriyapada 2 Devanagari · Yogapada Devanagari

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