Ishanashivagurudeva Paddhati Mantrapada 1
Ishanashivagurudeva Paddhati – Mantrapada: Der Mantrapada entfaltet die Verehrung von Ganesha, Göttinnen, Shiva, Vishnu und weiteren Gottheiten. Meditationsbilder und Gebete wechseln mit genauen Ritualverfahren. Wer die Bilder mit Geduld liest, begegnet einer religiösen Welt, in der Sprache, Gestalt und Hingabe eng verbunden sind.
Dieser Artikel enthält Mantrapada, Kapitel 15–52. Übersetzungsgrundlage ist die gelieferte IAST-Fassung. Quellenunsicherheiten sind örtlich bezeichnet. Historische Ritualvorschriften und Wirkungsbehauptungen werden als Aussagen des Werkes wiedergegeben.
Ein Zugang für dein Studium: Wähle zunächst ein Gebet oder ein Meditationsbild, dessen Zusammenhang du verstehst. Achte darauf, wie Anrufung, Vergegenwärtigung und Darbringung ineinandergreifen. Die Vielfalt der Gottheiten lässt sich auf diese Weise Schritt für Schritt erschließen. Die gesonderte Mantrasammlung hilft, ausgeschriebene Worte von bloßen Namen und verschlüsselten Formeln zu unterscheiden.
Zur Textausgabe: Hauptartikel · Deutsch · IAST · Devanagari · 108-Auswahl · Mantrasammlung
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Weiterführende Lektüre: Netra Tantra eröffnet einen Vergleich zum Thema Schutz und göttliche Anrufung. Stelle beim Lesen die Frage, welche Rolle Mantra, innere Vorstellung und Mitgefühl jeweils spielen. Soma Shambhu Paddhati bietet einen weiteren Zugang zur Verbindung von Gebet und geregelter Verehrung.
Mantrapada: Eröffnung des zweiten Werkteils
Eingangssegen: Heil und Segen!
Werktitel und Zuschreibung: Ishanashivagurudeva Paddhati, verfasst vom ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Mishra.
Werkteilüberschrift: Der zweite Werkteil: Mantrapada.
Mantrapada, Kapitel 15: Ganapati als Gestalt des Weltganzen
Dieses Kapitel eröffnet den Mantrapada mit Ganapati. Seine Gestalt umfasst hier das Weltganze; Shakti erscheint als seine untrennbare schöpferische Kraft. Eine reich ausgeschmückte innere Landschaft führt zur Verehrung, gefolgt von Gebeten der Hingabe und vielen zweckgebundenen Ritualanwendungen. Die Aussagen über Reichtum, Heilung und übernatürliche Kräfte sind traditionelle Verheißungen. Auch die beschriebenen Einfluss- und Schädigungsrituale gehören zum historischen Quelleninhalt.
Kapiteleingang: Nun das fünfzehnte Kapitel.
15-1. Ich verehre den elefantengesichtigen Gott, dessen schöner roter Glanz einer Fülle von Zinnober gleicht und vor dem Indra und die anderen Götter sich verneigen.
15-2. Diese Welt entfaltet sich durch die Kraft, welche Mahat, Ichbewusstsein, Raum, Luft, Wasser, Feuer, Erde und ihre Eigenschaften hervorbringt. Sie wird »Schar« genannt; ihr Herr ist Ganapati, Shiva selbst.
15-3. Dieser Purusha, Shiva, gestaltet durch Shakti und seinen schöpferischen Willen das gesamte Weltganze. Nach seinem Willen erhält und löst er es wieder auf, wobei er sich durch verschiedene Gestalten zeigt.
15-4. Selbst Hari, Brahma, Mahesha und die übrigen Götter werden in der Welt durch Scharen von Hindernissen bedrängt und vollziehen Ganapatis Verehrung. Deshalb ist Vinayaka wahrhaft der mächtige Herr.
15-5. Er brachte das ganze Weltganze hervor. Um es zu schützen und den Welten Gedeihen zu schenken, nahm der Körperlose eine Gestalt an und wurde elefantengesichtig.
15-6. Seine Gestalt enthält sämtliche Welten und Erkenntniswege, ist mit den sechs Bija-Lauten der Gunas und Grundbestandteile verbunden und wird durch die sechs höchsten Gliedermantras gebildet. Sie umfasst sechs Paare mit hervorragenden Gottheitsgestalten …
15-7. … ist die unvergängliche Erzeugerin des Wohlergehens der Welt und wird ringsum von Kamala und dem Lotusäugigen, Girija und Girisha, Rati und Manmatha, Erde und Varaha sowie der Göttin der Rede und dem Viergesichtigen umgeben.
15-8. Wer diesen Herrn der Scharen täglich mit seinem Mantra und dem zugehörigen Verfahren vergegenwärtigt, verehrt und rezitiert, wird nach der Lehre des Textes zum Empfänger alles Erstrebten.
15-9. Die Mantrabildung beginnt mit Pranava und Vagbhava in einer als »das andere zuerst« bezeichneten Anordnung; anschließend folgen die Bijas der Shri, Girija und des Liebesgottes. Es folgen »Mitte des Armes«, verbunden mit dem Erd-Bija, Mondsichel und linkem Auge …
15-10. … und danach nochmals die »Mitte des Armes« mit einem Stabzeichen. Dies ist Ganapatis hervorragendes Bija. So entnimmt man der Reihe nach die sechs vortrefflichen Bijas, denen alle Vollendungen zugeschrieben werden. [Die Lautchiffren und ihre Reihenfolge werden nicht zu einer gesicherten Formel ergänzt.]
15-11. Danach werden »Wasser mit Auge«, »Lenker des Windes mit Auge«, »Schwertträger mit Auge« und »Schlange mit Auge« genannt: So sind die nächsten vier Buchstaben zu entnehmen.
Unnummerierter Formelteil nach 15-11: »… Bringe mir das Herz aller Welten unter meinen Einfluss. Tha Tha.« [Der vorausgehende Lauttext »hiṇāśa ca haṣaḥ haṣa ḍaṭ« ist unsicher und nicht wörtlich übersetzbar.]
15-12. Aus den Buchstabengruppen des Mantra in den durch Shruti, Veda, Veda, Guna, Bhogin und Rasa bezeichneten Zahlen, jeweils mit den genannten Bijas verbunden, entstehen die Glieder mit den bei »Allwissender« beginnenden Bezeichnungen und den entsprechenden Endungen.
Unnummerierte Erläuterung nach 15-12: »Dem Allwissenden, dem ewig Erfüllten, dem anfangslos Erwachten, dem Selbstbestimmten, dem von ungeschwächter Kraft, dem von unendlicher Kraft«: Diese werden der Reihe nach mit den eigenen Lauten verbunden und bilden die sechs Glieder.
15-13. Man reinigt die Hände mit dem Waffenmantra und setzt die Gliedermantras in die Finger ein. Danach setzt man das Waffenmantra in die Handfläche und die Buchstaben, das Wurzelmantra und seine Wörter entsprechend in den Körper.
Unnummerierte Erläuterung nach 15-13: Vom Daumen bis zum kleinen Finger setzt man die Gliedermantras vom Herzen bis zu den Augen ein, das Waffenmantra in die Handfläche. Die sechs Bijas, beginnend bei der A-Gruppe der Buchstaben, setzt man dreimal im Gesicht ein. Die sechs Gruppen mit Ka, Cha, Ta, Ta, Pa und Ya am Anfang sowie die sechs Wortteile des Wurzelmantra werden in beide Arme, beide Beine, beide Seiten sowie Rücken, Nabel und Herz eingesetzt. Dann meditiert man über sich selbst als Ganapati mit seiner Shakti im Lotus der Buchstabenmutter. [Die beiden Ta-Gruppen sind im Sanskrit retroflex und dental; die deutsche Lautannäherung bildet dies nicht ab. Die Bezeichnung des ersten Wortteils des Wurzelmantra ist unklar.]
15-14. In Herz und die weiteren Stellen setzt man die sechs Gliedermantras ein und grenzt die Richtungen mit dem eigenen Waffenmantra ab. Wieder mit dem Waffenmantra errichtet man ringsum mit dem Zeigefinger einen flammenden Schutzwall.
15-15. Als Seher nennen manche Vamadeva, andere Ganaka. Als Versmaß wird Nivrit genannt; die Gottheit ist der verehrte Prapancha-Ganapati.
15-16. Den Mantra empfängt man aus dem Mund des Gurus. Mit dessen Erlaubnis errichtet man an einem Berg, Flussufer, Tempel oder einem anderen geeigneten Ort eine neue, ansprechende Übungsstätte mit den gewünschten Merkmalen.
15-17. Man beschafft die notwendigen Verehrungsgegenstände, versäumt die täglichen Pflichten nicht und rezitiert den Mantra hunderttausendmal mit unermüdlichem Geist. Man hält sich an die für Gelübdeübende empfohlene reine, maßvolle Nahrung.
15-18. Nach dieser vorbereitenden Verehrung verleihe der Mantra besondere Vollendung. Wer ihn täglich durch Verehrung, Feueropfer und Japa pflegt, dessen Wünsche würden bald erfüllt.
15-19. Nun wird sein vorzügliches Verfahren beschrieben, dessen bloße Vergegenwärtigung den Mantra vollenden soll. Wer die Mittel besitzt, fertigt ein reich bemaltes Bild an und verehrt ihn darin; andernfalls verehrt er ihn im Geist.
15-20. Man stelle sich einen Ozean aus Zuckerrohrsaft vor, schön durch Hunderte von Wellen und Wogen. Seine Wasser beleben große Fische, Krokodile, Muscheln, Fischschwärme und Timingilas.
15-21. In seiner Mitte liegt eine große Sandbank mit einem Edelsteinberg und vielen Gipfeln. Ringsum stehen Hunderte von Tamala-Bäumen und Palmen, Sarala-Bäume, Salbäume und Kampferbäume …
15-22. … Gruppen von Kadamba und Nimba, Hunderte Kokospalmen und Karakeli-Pflanzen, schöne Kunda-, Hali-, Nichula- und Mangowälder und liebliche Bananenhaine. [Mehrere Pflanzennamen dieser Folge sind unsicher überliefert; sie bleiben ohne botanische Gleichsetzung.]
15-23. Junge Arekapalmen sind von Betelranken umschlungen. Sallaki, Lavali, Pfeffer, Nelken, Bilva und Bakula stehen beisammen; das Summen berauschter Bienen erfüllt die Luft.
15-24. Kuckucke, berauscht vom Saft der Mangoknospen, lassen ihre Rufe erklingen. Chamara-Tiere und Sramara-Tiere streifen umher; Götter, Kinnaras und vornehme Asuras bewohnen den Ort.
15-25. Ranken mit jungen Blättern, Knospen und sich öffnenden Blüten schmücken ihn in großer Fülle; Scharen von Vögeln beleben ihn.
15-26. Teiche sind mit blauen Wasserlilien und Lotussen geschmückt, von Sarasa-Vögeln belebt; anderswo wachsen Nachtwasserlilien, offene Utpalas und Kuravakas, und liebliche Schwäne finden sich zusammen.
15-27. Von den Ufern strömen Wasserfälle; ihre Sprühnebel vermischen sich mit dem Duft des Schläfensaftes der Elefanten. Winde tragen den bewegten Duft von Sandelholz, Champaka und Ketaki.
15-28. An einer Stelle ist der Himmel klar von Sternen und vom Licht des aufgehenden Vollmonds; anderswo glänzt er von den Strahlen der aufsteigenden Sonne oder wird von Wolken belebt.
15-29. Madhu und Madhava, Shukra und Shuchi, Nabhas und Nabhasya, Isha und Urja, Sahas und Sahasya, Tapas und Tapasya – alle zwölf Monate tragen dort ihren Blumenreichtum bei.
15-30. Man betrachtet die goldenen, schönen Ufer und den Wald, den alle Jahreszeiten mit gleichmäßig entfalteten Eigenschaften und ständigem Blütenreichtum besonders schmücken.
15-31. Auf dem goldenen Gipfel in der Mitte, auf einem Boden aus Gold und Edelsteinen, stehen sieben Wälle mit golden glänzenden Mauern. Man betrachtet sieben Höfe voller prächtiger Bauten, jeder von hohen Tortürmen begrenzt.
15-32. In ihrer Mitte steht eine goldene Halle mit hohen Spitzen, vom Glanz zahlloser Edelsteine umgeben. Sie ist göttlich, weit und viereckig, überaus schön und mit einem Boden aus Mondstein geschmückt.
15-33. In der Mitte hängt ein mit Perlenketten verzierter Baldachin. Goldene Krüge mit kunstvoll gestalteten Edelsteinen und Diamanten glänzen. In allen vier Richtungen besitzt die Halle Tore mit kunstvollen Makara-Torbögen.
15-34. Die Hallenränder schmücken herabhängende, reife, süße Früchte verschiedener Arten, Blumen und schöne Blütenketten, Reisähren, goldene Blätter und süße Klöße.
15-35. Ringsum stehen Keimgefäße, Edelsteinlampen und goldene Lichter, Gefäße mit Räucherwerk, Blumen, Reis und Duftstoffen; dazu kommen Yakschweifwedel, Svastikas, Muscheln und Lotusse …
15-36. … Spiegel, gefüllte Krüge und Gefäße mit geröstetem Korn. Aufmerksam versammelte Scharen von Zwergen, Gebückten und weiteren Gefolgswesen schmücken den Ort ringsum.
15-37. Nachdem man Duftstoffe, Blumen, sich selbst, Wasser und die Verehrungshalle mit Arghya-Wasser besprengt hat, verehrt man zuerst unterhalb der Erde und ihrer Ebenen die tragende Adhara-Shakti.
15-38. Dann verehrt man Ananta, den Erdenträger, die Erde und den aus Ananta bestehenden Yoga-Sitz. Dessen Füße, Dharma und die anderen, verehrt man in den beschriebenen Gestalten.
15-39. Man betrachtet Knolle, Stängel und Lotus als Rajas, Tamas und Sattva. Im Lotus entsprechen Blätter, Staubfäden und Samenkapsel der Reihe nach Sonne, Feuer und Mond.
15-40. Diesen mit Buchstaben versehenen Matrika-Lotus betrachtet man in der bereits beschriebenen Weise. Auf den Blättern der Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt man die acht heiligen Sitze mit ihren Müttern und Rudras.
15-41. Im Osten liegt der ehrwürdige Kamarupa, im Süden Kollagiri, im Westen Sopara und im Norden Uddiyana. Im Südosten liegt Malayagiri, im Südwesten Shrikula, im Nordwesten Jalandhara und im Nordosten Devikotta.
15-42. Dort befinden sich die bereits einzeln genannten Mütter von Brahmi bis Chandika, verbunden mit langen Vokalen und Mondsicheln. Mit kurzen, durch Bindu versehenen Vokalen verbunden sind Asitanga, Ruru, Chanda, Krodhana, Unmatta, Kapalin, Bhishana und Samhriti.
15-43. Für den Sitz verbindet man Pranava, Shri, seinen Namen und das Wort »Sitz«. Für die Mutter folgt der lange Vokal mit ihrem Namen im Dativ und der Herz-Endung. Für die acht Bhairavas mit Asitanga am Anfang folgen die kurzen Vokale mit Bindu, der jeweilige Name, »dem Bhairava Verehrung« und ebenso »seinen heiligen Sandalen«.
15-44. Die Göttinnen von Brahmani an gleichen ihren jeweiligen Göttern in Gestalt, Farbe, Reittier und Waffen. Die Bhairavas sind schwarz, rot, hell, gelb, rötlich, papageiengrün, golden und kupferfarben. Man betrachtet sie geschmückt, lächelnd, mit Mala und Schädelschale, Mondsichel, drei Augen sowie roten Gewändern, Salben und Blütenketten.
15-45. Amoda, Pramoda, Sumukha, Durmukha, Vighna und Vinayaka sind die sechs elefantengesichtigen Gestalten, mit göttlichen Gewändern und Schmuck. Auf ihrem linken Schoß sitzen ihre Shaktis Siddhi, Kanti, Samriddhi, Madanavati, Klinna und Kledani. In zärtlichem Liebesspiel verbunden werden sie verehrt.
Unnummerierte Ergänzung nach 15-45: Rechts und links verehrt man die Schatzgestalten Shankha und Padma, von ihren Shaktis Vasumati und Vasudhara umschlungen, Reichtum regnend.
15-46. Die sechs Ganeshas, von ihren Geliebten umarmt, stehen auf den Blättern im Osten, Westen, Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten. Die Schätze Shankha und Padma regnen Reichtum auf dem südlichen und nördlichen Blatt.
15-47. Im inneren Kreis verehrt man die elefantengesichtigen Gliedermantras vom Herzen an auf den Eckblättern, das Waffenmantra in den Hauptrichtungen und das Augenmantra davor. Mit den eigenen Namen, »Verehrung« am Ende und den fünf Ehrengaben werden sie verehrt. [Die Lageangabe zum Augenmantra ist hier nicht weiter präzisiert.]
15-48. Dann betrachtet man im weißen Lotus des Raumes die Mondscheibe, aus deren tausend Strahlen weißer Nektar in Tropfen herabregnet.
15-49. In ihrer Mitte befindet sich ein feiner Hohlraum. Darin betrachtet man die leuchtende, aus Shiva bestehende Gestalt, deren Glanz einer zitternden Lampenflamme gleicht und in der der höchste Bindu und Laut aufleuchten.
15-50. Von dort führt man das feine, durch Mondnektar gekühlte Licht auf dem Sushumna-Weg zum Scheitel. Im Lotus setzt man Ganesha mit seinem Mantra-Körper ein, eine Lichtfülle vom Glanz geschmolzenen Goldes.
15-51. Man verbindet die mit Blumen gefüllten Hände damit und setzt dieses göttliche Licht in die Lotusmitte ein. Man meditiert über den schön gestalteten Gott, glänzend wie Gold und wie der Aufgang von tausend Sonnen.
15-52. Möge euch Ganapati schützen: zwölfarmig, mit Mondsichel geschmückt, dreiäugig und mit schönem Elefantengesicht. Er trägt Muschel, Rad, Treibstachel, Schlinge, den Bogen des Liebesgottes und Lotus-Pfeile, Wunschbaum, Reisähre, Arekazweig und Dreizack und zeigt Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung. Er sitzt im Lotus mit seiner Shakti und hält im Rüssel einen Edelsteinbecher.
15-53. Die Erde ist sein Lotusfuß, der Raum sein Leib, das Wasser sein Bauch, Sonne, Mond und Feuer seine drei Augen und der Wind seine Stimme. Urnatur und Buddhi erscheinen in seinen Augen, seinem Haupt und seinen Bewegungen; sein kosmischer Körper ist die Stätte aller Welten. [Die genaue Verteilung der letzten inneren Prinzipien auf die Körperteile bleibt mehrdeutig.]
15-54. Der Himmel ist sein Gewand, gleich gelblicher Seide. In seinem herabhängenden Bauch ruhen die Welten. Vielfältige Ketten glänzen an seiner breiten Brust; der Schlangenherr bildet seine heilige Schnur.
15-55. Auf den schönen Haarflechten trägt er eine goldene Krone. Er besteht aus den Kalas, sein Haupt schmückt der Mond der Erkenntnis. Seine schöne Gestalt besteht aus dem Wissen des Weltganzen; er ist die eine Stätte aller Schönheit, der allgegenwärtige Herr.
15-56. Goldene Brustmünzen, Armreifen und Halsschmuck zieren ihn, dazu vielfältige Armbänder und Ringe. Sein Leib ist mit tiefblauen Edelsteinen geschmückt, seine goldenen Fußreifen leuchten von gelblichbraunen Steinen.
15-57. Man betrachtet ihn bequem in der Lotusmitte sitzend. Seinen rechten Lotusfuß legt er spielerisch auf einen goldenen Krug mit lotusförmiger Öffnung, der vor ihm Reichtum regnen lässt.
15-58. Auf seinem linken Schoß ruht seine eigene unvergängliche Shakti, die Herrin aller Dinge, aus den drei Gunas bestehend und Mutter der Buchstaben und der Welten. Ihre heilsame Gestalt entzückt; wie eine göttliche Wunschranke schmiegt sie sich an den großen Parijata-Baum und gewährt Wünsche.
15-59. Ihr eigener roter Glanz gleicht der Bandhujiva-Blüte und dem Rajas. Das Mondlicht ihres zarten Lächelns ist weiß wie eine Jasminknospe; ihre gewellten Haarmassen sind dunkelblau wie Bienen. Die Kundigen nennen diese ursprüngliche, ungeborene Frau Prakriti.
15-60. Der Glanz ihrer beiden Lotusfüße übertrifft die Landlotusse, die Schönheit ihrer Unterschenkel den Hals einer Pfauenhenne. Ihre Oberschenkel gleichen schönen, kräftigen Bananenstämmen; ihre schlanke Mitte ist durch einen schönen Gürtel betont.
15-61. Über den schlanken Bauch zieht sich eine feine, wie mit schwarzer Schminke gezeichnete Haarlinie; drei Hautfalten schmücken ihn. Ihre Brüste gleichen zwei goldenen Krügen, ihre Arme jungen Parijata-Ranken. Ihr Hals glänzt durch reichen Edelsteinschmuck.
15-62. Ihr Gesicht gleicht dem Herbstmond, ihre Augen jungen Wasserlilien, die sich auf Wellen bewegen. An ihren schönen Ohren schwingen leuchtende Edelsteinringe. Schön sind Nase, Wangen und Stirn; ihre Brauen sind wie der Bogen des Liebesgottes gebogen, ihre Locken gleichen einer Bienenreihe.
15-63. Sie ist die Stätte der Fülle aller ausströmenden Schönheit, klar und beständig leuchtend wie herbstliches Mondlicht. Indra, Chandra, große Weise und vornehme Asuras verehren sie. Ihre Gestalt umfasst Indira, Girija, Rati, die Erde und die Göttin der Rede.
15-64. Mit dem rechten Arm umschlingt sie ihn und berührt liebevoll sein männliches Zeichen. Der Gott umarmt sie mit dem Arm, der den Blumenbogen trägt, und berührt sie unten am Gewandbund.
15-65. So betrachtet man die ursprüngliche Shakti und ebenso den Gott in der beschriebenen Gestalt und Ausstattung. Nach der Reinigung verehrt man beide mit Ehrengaben in der nun folgenden Ordnung.
15-66. Das Arghya-Gefäß wäscht man mit dem Waffenmantra und füllt es mit Wasser, ungebrochenem Reis, Duftstoffen, Blumen, weißem Senf, Durva, Früchten, Milch und Grasbüschel. Darin setzt man das Wurzelmantra mit seinen Gliedern ein.
15-67. Man betrachtet es als erfüllt vom Nektarstrom des Dvadashanta und durch Hamsa mit Bewusstsein verbunden. Man zeigt die Kuh-Mudra und verehrt es mit Räucherwerk und Blumen. Mit dem Büschel und dem Arghya-Wasser …
15-68. … besprengt man das eigene Haupt, den Ort, die Gegenstände, Wasser, Blumen und weitere Gaben. Durch Betrachten und Verbindung mit einem Tropfen dieses Wassers reinigt man auch Fußwasch- und Mundwasser.
15-69. Mit guten Blumen und Durva-Sprossen am Haupt und einem Duftstoff-Tilaka auf der Stirn verehrt man im Nordosten, hingebungsvoll geneigt, die Gurus mit den fünf Ehrengaben.
Unnummerierte Guru-Formeln nach 15-69: »Om, Verehrung den Gurus. Om, Verehrung den höheren Gurus. Om, Verehrung den höchsten Gurus. Om, Verehrung den Gurus der früheren Lehrer. Om, Verehrung den hoch zu verehrenden früheren Vollendeten.«
15-70. Sie tragen rote Blütenketten, Gewänder, Duftstoffe und Schmuck und sitzen schön geschmückt auf Lotussitzen. Alle sind im Yoga mit einem Meditationsgegenstand gefestigt und haben die acht Eigenschaften göttlicher Macht erlangt.
15-71. Nach dem im Kapitel über die Ehrengaben beschriebenen Weg vollzieht man Herbeirufung, Einsetzung, Vergegenwärtigung, Festhalten und die weiteren Handlungen bis zur Umhüllung der Reihe nach mit den sechs Gliedermantras.
15-72. Arghya, Fußwasch- und Mundwasser sowie Duftstoffe, Reis, Blumen und Räucherwerk werden mit dem Herzmantra gegeben. Das Bad erfolgt mit den sechs Gliedern, verbunden mit dem Wurzelmantra, sowie mit vedischen Mantras und Sutra-Vorschriften.
15-73. Gewänder, Blütenketten, Schmuck, Duftstoffe, Reis, Räucherwerk und Licht gibt man mit dem Herzmantra, den Spiegel mit dem Augenmantra. Die Speisegabe bringt man mit dem Wurzelmantra dar.
15-74. Nach der zuvor beschriebenen abgestuften Ordnung besteht sie aus vier Arten von Speisen, Ghee, Früchten und Beilagen, dazu Dickmilch, Honig, Zucker, Ghee sowie Laddus, Modakas, Fladen und Ähnlichem.
15-75. Man gibt kühles Wasser, Kokosnuss mit ihrem Wasser, Mehl und geröstetes Korn, süß und mit Rohrzucker bestrichen. Nach Wasser für die Hände und zum Mundreinigen bietet man den mit acht Bestandteilen versehenen Betel an.
Unnummerierte Gayatri vor 15-76: »… erkennen wir; über den mit gebogenem Rüssel meditieren wir. Möge jener Ganapati uns anregen.« [Der gelieferte Anfang »phavoḍaṣāṃ vidmahe« ist beschädigt. Er wird nicht durch eine bekannte Ganapati-Gayatri ersetzt.]
15-76. Diese Gayatri des Hinderniskönigs wird bei Speisegabe, Japa, Feueropfer und weiteren Handlungen verwendet. Nach Lobgesängen und vollständiger Niederwerfung verehrt man auch die Gefolgswesen in den Höfen.
15-77. Am östlichen Tor verehrt man Padma und Mahapadma, am südlichen Makara und Kurma, am westlichen Mukunda und Ananta, danach im Norden Nila und Shankha, die Schatzgestalten.
15-78. Im innersten Hof außerhalb der Halle verehrt man im Osten, Süden, Westen und Norden vier goldene Wunschbäume, umgeben von Edelsteinschreinen.
Unnummerierte Erläuterung nach 15-78: Diese Wunschbäume besitzen die Gestalten von Bilva, Ashvattha, Vata und Udumbara.
15-79. Unter dem Bilva sitzen Shri und der Lotusäugige im Lotus. Im Süden unter dem Pippala sitzen Sharva und Gauri, im Westen unter dem Nyagrodha Kama und Rati, im Norden unter dem Udumbara der Eber und die Erde.
15-80. Man betrachtet sie mit ihren Gegenständen: zwei Lotussen, Muschel und Rad, Axt und Antilope, Schlinge, Treibstachel, Blumenpfeilen und Bogen, Wasserlilie, aus Areka gestaltetem Gegenstand, Keule und Rad sowie Reisähren. Der Reihe nach erscheinen sie wie die Wunschranke. [Die Zuordnung sämtlicher Gegenstände zu den acht Gestalten ist aus dieser gedrängten Folge nicht sicher zu entscheiden.]
Unnummerierte Erläuterung nach 15-80: Die acht Gestalten, Shri und Mukunda und die weiteren, tragen paarweise mit ihren oberen Händen die beim Lotus beginnenden Gegenstände. Die unteren Hände sind gefaltet. In anmutigen Gewändern und Schmuck stehen beziehungsweise sitzen sie auf Lotussen, Ganapati zugewandt, und bitten darum, dass ihre gegenseitige eheliche Liebe lange ununterbrochen bleibe.
15-81. In den Zwischenrichtungen zwischen den Paaren betrachtet man, vom Südosten an, Apsaras, Gandharvas, Vidyadharas und Siddhas. Sie musizieren, singen und tanzen, um ihre erwünschten Ziele zu erlangen.
15-82. Außerhalb von ihnen, bei den vier vedischen Tortürmen, betrachtet man den lotusgeborenen Brahma, weiß ausgestattet, mit Wassergefäß und Mala, auf einem Lotus und mit Brahmi vereint; sie trägt Buch und Krug.
Unnummerierte Ergänzung nach 15-82: Zwischen den Tortürmen, in den Ecken vom Südosten an, vergegenwärtigt man Sanaka und die anderen, Daksha und die anderen, die Valakhilyas und die sieben Rishis, ihrem jeweiligen Rang entsprechend meditierend und bequem sitzend.
15-83. Im dritten Ring verehrt man die Welthüter in ihren Richtungen mit Gefolge und Reittieren. Im Süden verehrt man die Ahnen, im Westen die Nagas, im Norden den Reichtumsherrn mit den Yaksha-Scharen.
15-84. Im vierten Hof verehrt man Daityas und Danavas mit ihren Kindern und Frauen; im fünften Ring die Rishis und alle Maruts.
15-85. Im sechsten Ring verehrt man nördlich den Guru und den Herrn des Ortes sowie die neun Planeten: die Sonne in der Mitte, Mond, Merkur, Jupiter und Venus in den Hauptrichtungen, Mars und die übrigen in den Zwischenrichtungen vom Südosten an. [Die Namensfolge der Hauptrichtungen ist in der Vorlage gedrängt und teilweise unsicher.]
15-86. In diesem Ring verehrt man auch die mit Skanda beginnenden ergreifenden Mächte, die Bhutas und die Mütter. Im äußersten Ring betrachtet man die Bewohner der himmlischen Gebiete, der Weltregionen und Ozeane samt den Kinnaras.
15-87. So werden außen in den sieben genannten Höfen die Paare, Wunschbäume, Götter und die beschriebenen Scharen verehrt, die alle Ganapatis Verehrung ergeben sind.
15-88. Für sie ist die Verehrung mit den fünf Ehrengaben und den eigenen Namen vorgeschrieben, nach den vorhandenen Möglichkeiten. Auch im Feuer sättigt man Ganapati mit seinem Gefolge durch Ghee und die übrigen Speisegaben.
15-89. Man zeigt die Mudras von Muschel, Rad und den weiteren Gegenständen. Für die Ganaraja-Mudra hält man den Arm vor das Gesicht wie einen Elefantenrüssel und verbindet die gekrümmte Spitze des Mittelfingers mit dem Daumen.
15-90. Dann rezitiert man täglich nach Kräften. Japa und Verehrung legt man mit einer Handvoll Wasser zu seinen Lotusfüßen nieder, der Reihe nach mit den folgenden Mantras.
15-91. »Om. Du Hüter des Geheimsten der Geheimnisse, nimm unser Japa an. Durch deine Gnade möge mir daraus die Vollendung erwachsen, die in dir ruht.
15-92. Was immer wir, o Gott, stets tun, Gutes oder Schlechtes: Nimm es von mir, der in Shivas Zustand ruht, an und lasse es schwinden, Shankara!
15-93. Shiva ist der Gebende, Shiva der Genießende, Shiva ist diese ganze Welt. Shiva siegt überall. Was Shiva ist, das bin auch ich.
15-94. Diese Verehrung, o Gott, die ich mit Japa und Feueropfer vollzogen habe: Sei gnädig und nimm sie an; gewähre mir die erstrebte Vollendung.«
15-95. Danach richtet man das goldsamige Feuer ein und weiht es durch die beschriebenen besonderen Riten. Der Zweimalgeborene vollzieht die Feuereröffnung, ruft Ganapati im Mund des Feuers herbei und opfert zur Vollendung.
15-96. Mit weißen Blumen und Duftstoffen beginnt man am Vollmondtag und opfert zehntausend weiße Lotusse mit Ghee, Rohrzucker und Honig; oder fünfzigtausend Bilva-Früchte mit Ghee, Honig und Milch. Dafür wird unerschöpflicher Wohlstand wie der des Reichtumsherrn verheißen.
15-97. Vom ersten Tag der hellen Mondhälfte an fastet man drei Nächte und opfert am vierten Tag zehntausend und darüber hinaus hunderttausend Lotusgaben mit den drei süßen Stoffen. Dann werde man Shri oder einen Schatz schauen; so wird es ausdrücklich versichert.
15-98. Mit Tausenden Nandyavarta-Blüten unter Bhagas Mondhaus, am fünften Tag mit Lotus-Blüten oder am zwölften Tag beziehungsweise am hellen Festtag mit weißen Lotussen opfernd, werde man zum Herrn des Reichtums. [Die Pflanzenbezeichnung im zweiten Glied ist nicht eindeutig.]
15-99. Wer vormittags mit erhobenen Armen, zur Sonne blickend, bis zu hunderttausend Rezitationen vollzieht, werde reich. Oder man opfert einen vollständig ausgegrabenen Udumbara-Baum; innerhalb eines Mandala-Zeitraums werde Wohlstand erlangt.
15-100. Man kann auch eine durch Berührung und Rezitation geweihte Opferspeise essen, gekocht in der Milch einer Kuh mit gleichfarbigem Kalb. Oder man rezitiert im Wasser eines zum Meer fließenden Flusses, zur Sonne blickend, und werde reich. [»Gleichfarbig« gibt hier die unsichere Verbindung »ekacchāyāpatya« wieder.]
15-101. Das Feueropfer aus gleichen Anteilen Kokosnuss, Jackfrucht, Zuckerrohr, Banane, Mehl, geröstetem Korn, Reisflocken und Modakas, mit süßen Stoffen bestrichen, wird wahrhaft als Wunschbaum gepriesen.
15-102. Wer unversehrte Spinnfäden oder, um Gewänder zu gewinnen, weiße, rote und andere Blumen opfert, erlange Gewänder der entsprechenden Farben; durch Wasserlilien Gewänder und durch schöne Lotusse besonders schöne.
15-103. Tausend tägliche Durva-Gaben, mit Milch und Ghee benetzt, sollen Gesundheit und langes Leben bringen; Blumen oder Sesam mit Ghee Gedeihen. Das Trinken von durch Rezitation geweihtem Wasser soll Krankheiten beseitigen.
15-104. Vier Fingerbreiten lange Stücke der Amrita-Ranke, mit Dickmilch und Honig verbunden und mit Ghee benetzt, sollen als Feueropfer die Furcht vor vorzeitigem Tod und Störungen durch ergreifende Mächte vertreiben.
15-105. Ebenso werden Opfer von Milchreis mit Ghee und Zucker oder von Milch mit Ghee und schwarzem Sesam genannt. Auch Japa am Fuß eines Pippala am dunklen Mondtag unter Berührung [des Baumes] soll die Furcht vor vorzeitigem Tod vertreiben.
15-106. Bei Sonnenaufgang stellt man einen Krug auf einen Lotus, rezitiert darüber tagsüber und wacht nachts. Mit seiner Flüssigkeit vollzieht man beim folgenden Sonnenaufgang eine Begießung; dies soll Unglück, schädigende Magie und Krankheit beseitigen.
15-107. Ebenso füllt man den Krug bei Sonnenaufgang und gibt den Rest eines Ghee-Opfers in Höhe eines Zehntels [der Rezitationen] hinzu. Die Begießung zur Mittagszeit soll Anmut, Wohlstand und Söhne verleihen.
15-108. Wasser, Nahrung, Früchte und Ähnliches werden mit diesem Mantra besprochen; dies soll Krankheiten beseitigen und reiche Rede verleihen. Das weiter genannte »Priyakurcha«, so gegeben, soll Menschen erfreuen. [Der letzte Gegenstand ist nicht sicher zu bestimmen.]
15-109. In der Brahma-Stunde am Neumond-Festtag fängt man Kuhdung einer braunen Kuh auf einem Lotusblatt auf, ehe er den Boden berührt. Nach zehntausend Rezitationen wird er am Tor vergraben; dies soll vor Krankheit, Dieben, Feuer und Schlangen schützen.
15-110. Ebenso soll aus Kuhdung bereitete Asche Epilepsie und Störungen durch niedere Wesen und ergreifende Mächte beseitigen, Schutz bringen und Wohlstand fördern. Durch den Mantra geweihter Sandelstoff und Ähnliches soll Einfluss verleihen.
15-111. Nach drei Fastennächten wird bei einer Finsternis Brahmi-Ghee in einem Kupfergefäß mit Vacha-Pulver vermischt und mit dem durch Hamsa und Vagishvari ergänzten Mantra geweiht. Ihm wird die Entfaltung gewandter Rede zugeschrieben.
15-112. Vetasa-Holz soll als Opfer erwünschten Regen, Tripatra-Holz Söhne bringen. Mit Körnern soll Regen abgehalten werden; Arka-Blüten mit süßen Stoffen sollen Sieg verleihen.
15-113. Nahrung und süße Gaben sollen Nahrung bringen. Mit Palasha-, Udumbara-, Bodhi- und Plaksha-Holz sollen der Reihe nach die Stände von den Brahmanen an unter Einfluss gebracht werden.
15-114. Mit Bilva-Früchten und Lotussen sollen Könige beeinflusst werden, mit weißen Wasserlilien Landbevölkerungen, mit Salz, Ghee und geröstetem Korn junge Frauen, mit Honig und Salz andere Frauen und mit Kurkuma, Sesam, Reis und Zucker Dörfer.
15-115. Für den Sieg eines Königs über Feinde errichtet man an einem besonderen Ort eine schöne viereckige Halle mit Toren in den Himmelsrichtungen und Torbögen. Man schmückt sie und verhängt sie mit feinen Stoffen, Früchten, Blumen und Girlanden.
15-116. Darin verehrt man den Herrn der Scharen auf einem Svastika-Lotus und opfert hunderttausend Gaben der drei süßen Stoffe in der Grube; ein Zehntel davon mit Gebäck, Modakas und Früchten, dreitausend mit Milchreis, Zuckerrohrsaft und Ghee.
15-117. Den Schülern des ersten Lebensstadiums gibt man gute Speisen, Gold und Gewänder, dem Opferpriester Kühe, Pferde und Gold. Nachdem vorzügliche Brahmanen gesättigt und die Götter verehrt sind, ziehe der König als Sieger aus.
15-118. Mit diesem Mantra besprochene Kiesel sollen Schlangen, Räuber, Tiger und Elefanten abwehren. Der Mantrakundige soll Feuer in der Hand halten und Jambhakas, Rakshasas, Yakshas und Gruppen von Bhutas bezwingen können.
15-119. Er soll eine Frau herbeiziehen oder zum Tanzen bringen und die ganze Welt erschüttern können. Mit dem Mantra geweihte Augenschminke oder Sandelpaste sollen herzliche Zuneigung bei denen hervorrufen, die ihn sehen.
15-120. Tausend Senfkörner werden mit dem Mantra besprochen und sieben Nächte im Inneren eines Ashvattha verwahrt. Durch wiederholtes Japa sollen sie wirksam werden; an einem Ort vergraben sollen sie Feinde und Schlangen vertreiben.
15-121. Kali-Holz oder Nimba-Blätter zwischen Spelzen sollen Feindschaft erzeugen. Mit Holz vom Heiligtumsbaum, Feuerholz und Vibhita sowie Blut und Gift wird ein unmittelbar tödliches Ritual beschrieben. [Die genaue erste Holzgruppe ist mehrdeutig; die Passage wird als historische Schädigungsvorschrift wiedergegeben.]
15-122. Man betrachtet den Herrn tiefrot und schwarz, bespricht ein mannshohes Bündel Wald-Darbha und verstreut es auf dem Weg des Feindes; den Feinden werde dadurch Krankheit zugefügt.
15-123. Man betrachtet Ganapati auf der Zunge des Streitgegners, wie brennendes Feuer. Unter Mantrarezitation und dem Abschneiden mit seinem scharfen Treibstachel soll dessen Mund gehemmt und der Gegner besiegt werden.
15-124. Der Mantrakundige fastet am dritten Mondtag und opfert am vierten nach Kräften Früchte und weitere Gaben ins Feuer. Hingebungsvoll bietet er Milchreis mit reichlich Ghee dar und ehrt vorzügliche Brahmanen; dadurch soll er das Gewünschte erlangen.
15-125. Wer von Milch oder Gemüse lebt und hunderttausendmal rezitiert, soll vollständige Vollendung erlangen. Auch wer fortwährend nach Kräften ausgezeichnete Brahmanen und Schüler mit gewünschten Gaben ehrt, soll sie erlangen.
15-126. Ferner heißt es: Vor der guten Feuergrube verehrt man den Herrn der Scharen in der zuvor beschriebenen Gestalt, setzt das Feuer ein und opfert Milch und Ghee, Arka-Blüten, Sand …
15-127. … Honig und Nahrung, jeweils der Reihe nach hunderttausendmal. In der Mitte der Grube soll man dann eine Vetala genannte Kugel erhalten. Wer sie trägt, werde der Siddhis wie des Kleinwerdens mächtig.
15-128. Ebenso erlange der Mantrakundige das gewünschte Schwert, die Augensalbe, Sandalen und weitere Wundermittel. Was sei ihm in den drei Welten nicht erreichbar? Was sei ihm unmöglich? Wozu noch viele Worte?
15-129. Aus Reismehl, Bananen, Mehl schwarzer Bohnen, Zucker, enthülsten Mungbohnen, Kokosnuss, Honig, Kreuzkümmel, Salz und dem Pulver der drei scharfen Gewürze bereitet man mit Ghee …
15-130. … Modakas, deren Duft und Geschmack das Herz erfreuen. Das tägliche Opfer damit nach den eigenen Kräften wird als Wunschbaum gepriesen, der den Menschen die Frucht ihrer Wünsche schenkt.
15-131. Ein Opfer aus Milchreis mit Shali-Reis, enthülsten Mungbohnen, Zucker, Ghee, Kokosnuss und Milch einer braunen Kuh wird als Gewährer des Erstrebten bezeichnet.
15-132. Ebenso gelten Opfer von Bananen, Jackfrüchten, Mangos, Trauben und Jujuben, mit den drei süßen Stoffen benetzt, sowie von Laddus, Fladen und schwarzem Sesam als Wünsche erfüllend.
15-133. Verehrung und Feueropfer am vierten Mondtag nach den eigenen Mitteln, tägliche Verehrung und Sättigung mit dem Nektarwasser des Raumlotus sollen alle erwünschten Ziele der Menschen verwirklichen.
15-134. Man betrachtet den Gott mondweiß und mit sich selbst eins. Aus dem Becher in seiner Hand regnet Nektarwasser herab. Unter Japa soll dieser Hinderniskönig, dessen Körper das Weltganze ist, durch seine Begießung alle Gifte sogleich vernichten.
15-135. Im Herzlotus erscheint er klar und schön wie ein neuer weißer Lotus, leuchtend wie tausend Monde und daumengroß, von oben mit Nektarwasser übergossen. So betrachtet, soll er selbst den Tod überwinden und Befreiung schenken.
15-136. Dieser Mantra wurde hier entsprechend seiner Lehre im Prapancha beschrieben; er wird auch im Lalitagama, Makuta und Vatula gelehrt. Prapancha-Ganapati mit seinen Regeln und Mantrahandlungen wird als Vollendungsgeber auch im Kali-Zeitalter gepriesen, für jene, die den Reichtum der drei weltlichen Lebensziele erstreben.
Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das fünfzehnte Kapitel über Prapancha-Ganapati.
Zur Besinnung
Die Gebete in 15-91–94 führen von der äußeren Fülle zur inneren Hingabe: Japa und Handeln werden der Gottheit dargebracht. Für die heutige Praxis kann darin eine Einladung liegen, das eigene Tun mit Sammlung, Dankbarkeit und Verantwortung zu verbinden. Die späteren Verheißungen und Einflussrituale bleiben davon getrennte Aussagen der historischen Quelle.
Mantrapada, Kapitel 16: Weitere Gestalten und Mantras Ganapatis
Das Kapitel unterscheidet Mahaganapati, den einsilbigen Mantra, Siddhavinayaka, Ucchishta-Ganapati, Kshipraprasada und einen dreisilbigen Mantra. Es beschreibt ihre Meditationsbilder, Begleitgottheiten, Einweihung und Anwendungen. Die oft drastischen Erfolgsverheißungen und Einflussrituale werden als historische Aussagen wiedergegeben. Medizinisch klingende Mischungen und Verfahren sind keine heutigen Behandlungsempfehlungen.
Kapiteleingang: Nun das sechzehnte Kapitel.
16-1. Am Anfang stehen die sechs Bijas von Pranava, Shri, Shakti, Kama, Erde und Ganapati. Es folgen die chiffrierten Angaben »Ende von Chanda«, »Na-Ende«, »Da-Ende«, »Ashadin«, »Wasser im Schoß des Windes«, »Rot«, »Wasser« und dreimal »Feuer«. Danach folgen die Wörter »alle«, »Menschen«, »mir«, »unter Einfluss« und »bringe«, abgeschlossen durch die Geliebte des Feuers. Dies ist der Vinayaka-Mantra. [Die Chiffren sind teilweise unklar und werden nicht zu einer gesicherten Formel aufgelöst.]
16-2. Wie zuvor verbindet man die sechs Bijas vom Pranava an mit dem Vighna-Bija, dessen Vokale lang sind, und mit den jeweiligen Endungen. So entstehen die sechs Gliedermantras in der Folge bis zur Waffe.
16-3. Der Seher heißt wie zuvor Ganaka. Das Versmaß ist Kakubh; manche nennen Gayatri. Die Gottheit ist Mahaganesha; die Vollendung umfasst die Frucht aller vier Lebensziele.
16-4. Man rezitiert in der mit »Bhava-Abhava-Bhava« bezeichneten Anzahl; wer das nicht vermag, in der mit »Bhava-Bhava-Abha« bezeichneten. Ein Zehntel davon opfert man als Ghee und die acht Speisegaben. So werde der Mantra durch Ganeshas Macht vollendet. [Die Zahlchiffren bleiben unaufgelöst; später nennt 16-21 eine ausdrückliche Rezitationszahl.]
16-5. In einem Ozean aus Rohrzucker betrachtet man einen goldenen Berg, schön durch vielerlei Baumgruppen. Darauf liegt ein göttlicher Garten innerhalb goldener Wälle, mit Flächen aus Mondstein.
16-6. In seiner Mitte, auf einem sechseckigen Sitz und dem zuvor beschriebenen Lotus, sitzt der elefantengesichtige Ganesha, groß und bauchig, hibiskusrot und mit vielfältigen Edelsteinketten geschmückt.
16-7. Möge euch der Zehnarmige schützen, der Zitronenfrucht, Keule, Liebeswaffen, Treibstachel, Rad, Lotus, Schlinge, Wasserlilie, Reisähren und Stoßzahn trägt. [Die gedrängte Gegenstandsfolge lässt ihre Verteilung auf die zehn Arme nicht eindeutig erkennen.]
16-8. Auf seinem linken Schoß sitzt seine Shakti mit einem weißen Lotus in der Hand und umarmt ihn. Ihr Körper ist reich mit hellen Ketten, Edelsteinen und Gold geschmückt.
16-9. Mit ihr zusammen trägt der Herr der Scharen rote Duftstoffe, Blumen, Gewänder und Girlanden. Im Rüssel hält er einen Krug, aus dem er Reichtum auf den Übenden regnen lässt.
16-10. Amoda, Pramoda, Sumukha, Durmukha, Vighna und Vighnakarta sind die sechs Begleiter; danach folgen die Schätze Shankha und Padma.
16-11. Die sechs Ganeshas befinden sich im Osten, Südosten, Nordosten, Westen, Südwesten und Nordwesten. Die Schätze Shankha und Padma stehen im Süden und Norden.
16-12. Die sechs Vighnas von Amoda an sind paarweise weiß, rot und schwarz. Ihre oberen Hände tragen Axt und Mala, ihre unteren Stoßzahn und Speise.
16-13. Die Schätze Shankha und Padma sind weiß und rot; ihre beiden Hände tragen die entsprechenden Zeichen. Man betrachtet sie als einander zugewandte Yakshas, die große Mengen von Reichtum ausströmen lassen.
16-14. Tivra, Jvalini, Mohini, Sogada, Kamini und Tejishtha sind die sechs Shaktis von Amoda und den anderen. [»Sogada« bleibt als gelieferte, unsicher bestimmte Namensform stehen.]
16-15. Die fünf Umfassungen bestehen der Reihe nach aus den Gliedern, den Vighnas samt den beiden Schätzen, Lakshmi und den weiteren Gottheiten, den Müttern und den bei Indra beginnenden Welthütern.
16-16. Vorn unter dem Bilva sitzen Padma und der Lotusäugige, im Süden unter dem Banyan Girija und der Stierbanner-Träger, im Westen unter dem Bodhi Rati und der Blumenpfeilträger, im Norden unter Priyangu Erde und Varaha.
16-17. Die ersten tragen zwei Lotusse, Rad und weiße Muschel; Uma und Isha tragen Schlinge, Treibstachel, Dreizack und Axt. Das nächste Paar trägt zwei Wasserlilien, Liebesbogen und Blumenpfeile; das letzte Reisähre, Papagei, Rad und Keule. [Die Papageienbezeichnung ist in der IAST-Lesung auffällig als »śukra« geschrieben.]
16-18. Mit gefalteten Händen verehren sie den Herrn der Hindernisse und bitten um dauerndes Glück ihrer ehelichen Verbindung. Außen betrachtet man die Welthüter mit Waffen und Reittieren, alle mit göttlichem Schmuck, Gewändern und Duftstoffen.
16-19. Von der tragenden Shakti bis zum Lotus verehrt man wie zuvor mit den jeweiligen Namen. Den Gott samt den fünf Umfassungen verehrt man ordnungsgemäß mit Wurzel- und Gliedermantras und den grundlegenden Ehrengaben.
16-20. Nachdem man die Mantra-Einweihung empfangen hat, setzt man Mahaganesha an einer Wand, auf einem Bildtuch oder in einem Bild aus Gold oder anderem Material ein und verehrt ihn. Zuvor wird die Begießung mit Ganesha-Krügen vollzogen.
16-21. Man rezitiert vierhunderttausendmal und opfert ein Zehntel davon mit den acht Speisen, oder nach den eigenen Kräften. Auch durch Vergegenwärtigung und geistige Verehrung Ganeshas sollen Mantra und gewünschtes Ziel gelingen.
16-22. Vorn befindet sich die goldene Maus, groß wie ein Berggipfel; beim nordöstlichen Herrn steht Ganachanda als Ortshüter. Er wird wie zuvor verehrt. Durch Speiseopfer und die weiteren Handlungen sollen demjenigen alle Ziele gelingen, der den Lotusfüßen des Lehrers ergeben ist.
16-23. Täglich rezitiert man nach Kräften und sättigt die Gottheit mit dem Wasser des Himmelsmondes. Wer Vollendung erstrebt, gibt Schülern des ersten Lebensstadiums und Brahmanen gewünschte Speisen und andere Gaben.
16-24. An die Spitzen der vier Richtungsblätter stellt man Krüge, den Hauptkrug in die Lotusmitte. Man verwendet Wasser der vier zuvor genannten milchsaftführenden Bäume und der Heilkräuter.
16-25. Die Krüge werden wie zuvor mit Edelsteinen, Duftstoffen, guten Blumen und Gold gefüllt und mit Gewändern versehen. Im mittleren setzt man Ganesha ein, in den Krügen vom Osten an verehrt man die Gottheitenpaare.
16-26. Man schmückt und verehrt sie mit Gewändern und Duftstoffen und belebt sie durch Wurzel- und Gliedermantras. Nach Japa und Feueropfer entsprechend den eigenen Kräften vollzieht man die Begießung. Dadurch sollen der Mantra und das Erstrebte gelingen.
16-27. Für Nahrungsfülle opfert man Nahrung, für Gold Honig, für Kühe Milchprodukte, für Wohlstand Sesam mit Reis oder Ghee. Für Ruhm opfert man Dickmilch und Zucker, für Gewänder Ashvari- und Färberdistelblüten. Mit Lotussen soll man den König, mit Wasserlilien Königin und Minister beeinflussen.
16-28. Ashvattha-, Banyan-, Udumbara- und Plaksha-Holz sollen die Stände beeinflussen, Modakas und Teiggebäck junge Frauen. Die acht Stoffe sollen das Gewünschte bringen; Salz und Vetasa werden für Regen genannt. Durch Sättigung und vierfaches Mantra-Japa oder Opfer sollen alle Wünsche erfüllt werden. [Die Verbindung der Salzgabe mit dem Regenverfahren ist syntaktisch unsicher.]
16-29. Will man Elefanten gewinnen, errichtet man im Elefantenwald nahe am Wasser eine gleichmäßig viereckige Opferhalle. Auf dem mittleren Altar verehrt man den Elefantengesichtigen und opfert im Nordosten in einer guten Feuergrube.
16-30. Nach dem Verfahren des Gedeihens opfert man im Feuer, nachdem Mahaganesha darin herbeigerufen wurde. Zuerst opfert man mit den Bijas und Gliedermantras, danach mit dem Wurzelmantra.
16-31. Man teilt den Mantra in drei Gruppen und opfert auf neunfache Weise Ghee. Mit dem ganzen Mantra opfert man entsprechend seiner Buchstabenzahl die acht Speisen, mit den drei süßen Stoffen bestrichen.
16-32. Die Anzahl wird als »Bhava-Udbhava-Abhavana« bezeichnet. Ein Hundertstel dieser Anzahl entspricht der Zahl der zu bewirtenden Brahmanen. Nach Kräften ehrt man sie mit Gewändern, Gold und Kühen; dann sollen die Elefanten in die Fanggrube fallen. [Die Zahlchiffre und die Ortslesung »vaṭāntar« sind unsicher.]
16-33. Dem vorzüglichen Mantrakundigen gibt man ein Zehntel der gewonnenen Elefanten als Gabe. Man bringt den Dienern mit ihren Gliedern Bali dar und führt Feuer und Gottheit …
Unnummerierter Abschluss vor 16-34: … in den eigenen Herzlotus oder den Raumlotus zurück. So ist das Elefantenfangverfahren beschrieben.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Verfahren des Mahaganapati.
16-34. Andere nennen als unmittelbares Ganesha-Bija den »Fünfer-Endlaut« mit Bindu.
Unnummerierte Fortsetzung vor 16-35: Wieder andere nennen ihn mit Au und Bindu am Ende. Für beide ist dasselbe Verfahren anzuwenden.
Unnummerierte Gliederformeln: »Dem König der Scharen Tha Tha; dem Einstoßzähnigen Hum Phat; dem mit unbeweglichen Ohren Verehrung, Verehrung; dem Elefantengesichtigen Verehrung, Verehrung; dem Großbauchigen mit dem Stab in der Hand Hum Phat; Vinayaka Vaushat.«
16-35. Dies sind die sechs Glieder mit ihren eigenen Endungen, der Reihe nach bis zum Augenmantra.
Unnummerierte Richtungsformeln nach 16-35: »Dem Herrn der Scharen Tha Tha; dem Rauchgesichtigen Tha Tha; dem mit Rauchflechten Tha Tha; dem in Hindernisgestalt Tha Tha.« Dies wird als Verfahren zur Bindung der acht Richtungen bezeichnet. Hinzu kommen »Dem Hindernisvernichter Tha Tha; dem Hängebauchigen Tha Tha« zur Begrenzung nach oben und unten. [Für die acht Richtungen stehen hier nur vier ausdrücklich ausgeschriebene Formeln.]
16-36. Der Seher heißt Ganaka, das Versmaß Virat und die Gottheit Vinayaka.
16-37. Mit gelübdegemäßer Nahrung rezitiert man ihn zur Vorbereitung dreihunderttausendmal und opfert ein Zehntel davon. Die Gottheit ist vierarmig, klein, elefantengesichtig und hängebauchig; eine Schlange bildet ihre heilige Schnur.
16-38. Sie trägt Schlinge, Treibstachel, Stoßzahn und ein Speisegefäß, in das die Rüsselspitze hängt. Rote Gewänder, Salben, Blütenketten und Edelsteine schmücken sie; ihr Glanz ist gelbrot wie Safran.
16-39. Man betrachtet sie unter einem Wunschbaum, mit reichen Früchten überschüttet, auf einem goldenen Lotussitz. Zuerst verehrt man im Nordosten Guru und Ortshüter, dann die tragende Shakti …
16-40. … Shesha, die Erde und den Ananta-Sitz mit Dharma und den weiteren Füßen sowie den genannten Gunas, Lotus und Scheiben. Mit dem Nektarstrom des Raumlotus führt man die Gottheit in den Pranava in der Mitte der Mondscheibe.
16-41. Vinayaka ist von seinen elefantengesichtigen Gliedermantras vom Herzen an umgeben, die auf den Richtungsblättern stehen. Die Waffe steht in den Ecken, das Auge vor ihm; die sechs Ganesha-Gestalten zur Richtungsbindung …
16-42. … sowie die Schätze Shankha und Padma werden der Reihe nach in Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt. Indra und die anderen Welthüter mit ihren Reittieren und Waffen verehrt man in den eigenen Richtungen.
16-43. Im vierten Ring und im Nordosten verehrt man auch die eigenen Gurus und Ganachanda. Nach Herbeirufung und den entsprechenden Ehrengaben rezitiert man den Mantra nach Kräften.
16-44. Speisegaben und Ähnliches gibt man den Schülern des ersten Lebensstadiums; dadurch sollen die gewünschten Güter erlangt werden. Honig und Fleisch sollen den König beeinflussen, Sesam Minister, weiße Blumen Brahmanen, Rohrzucker Händler, gesalzener Reis Shudras und andere, Zitronenblüten eine junge Frau.
16-45. Durch die acht Stoffe oder Rohrzucker und Mehl sollen alle gewünschten Lebensziele rasch erlangt werden. Lotusse sollen Reichtum bringen, Nimba-Blätter Feindschaft. Besprochene gelbe Farbpaste, Duftstoffe und Ähnliches sollen Einfluss verleihen.
16-46. Man betrachtet das Zielwesen als durch den eigenen Treibstachel gebeugt und tritt auf es; durch Japa soll es unter Einfluss kommen. Ebenso soll eine Frau, deren Glieder erregt sind, beeinflusst werden. Wer die Einheit mit der Gottheit betrachtet, soll in Kampf und Streit siegen.
16-47. Senfkörner bleiben sieben Tage im Inneren eines Ashvattha. Bei Vollmond mit diesem Mantra im betreffenden Haus vergraben, sollen sie Feinde, Giftschlangen und Ähnliches vertreiben. In Einheit mit der Gottheit rezitierend soll man Bhutas und niedere Wesen bezwingen.
16-48. Unter einem Banyan richtet man im Mandala das Feuer ein und ruft südlich davon eine Yakshini herbei. Mit Wurzel- und Gliedermantras, jeweils auf »Verehrung« endend, verehrt man sie und bildet die elefantenrüsselartige Mudra.
16-49. Zuerst rezitiert man in der durch »Feuer-Tausend« bezeichneten Anzahl und opfert dann Ankol(a)-Öl. Nach einem Monat soll man die Yakshini sehen, das Gewünschte erhalten oder sich mit ihr erfreuen. Dreimaliges tägliches Baden wird genannt; Waffen sollen einen dann nicht verletzen. [Die Zahlchiffre wird nicht aufgelöst.]
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Verfahren des einsilbigen Vinayaka-Mantra.
16-50. Ein sechssilbiger Vinayaka-Mantra wird aus den Chiffren »Krug mit Feuer«, »Armanfang«, »Ashadin mit Ohr«, dem Bestandteil »andaya« und Hum gebildet. Sein Seher ist Shukra, sein Versmaß Anushtubh, seine Gottheit Siddhavinayaka. Die Glieder entstehen durch die langen Vokallaute. [Die chiffrierte Formel bleibt unrekonstruiert.]
16-51. Sein Bija ist die sechste Silbe, seine Shakti besteht aus Nada. Die Silben werden vom Daumen an in beide Hände, die letzte in die Handfläche eingesetzt. Die Glieder setzt man vom kleinen Finger an ein, die Waffe in die Handfläche; die Silben in Scheitel, Augen, Ohren, Mund, Herz und Füße, ebenso die Gliedermantras.
16-52. Möge der verehrte Ganesha euch Wohlergehen bringen: elefantengesichtig und hängebauchig, in zwei Händen Schlinge und Treibstachel, in den weiteren den trefflichen Stoßzahn und die Gewährungsgeste. Rote Blütenketten, Duftstoffe und Gewänder sowie Armreifen, Krone und vielfältige Ketten schmücken ihn.
16-53. Auf dem Gipfel des goldenen Sonnenaufgangsbergs, in einem frischen Lotusteich, steht eine goldene, edelsteinglänzende Halle mit Edelsteinsitz. Darauf sitzt Siddhaganesha bequem in einem weißen Lotus. Zur Erlangung des Gewünschten sättigt man ihn am Morgen.
16-54. Von der Shakti über den Sitz mit Dharma und den weiteren Füßen bis zum Lotus der Gunas wird alles vorbereitet; aus dem Raumlotus kommt die Gottheit herbei. Man verehrt sie mit den Ehrengaben, umgeben zunächst von den Gliedern, dann von acht Ganeshas sowie von Welthütern und Richtungselefanten.
16-55. Die acht Vighnas, vom Osten beginnend, heißen Vighna, Vinayaka, Vira, Shura, Varada, Kshipraprasada, Gajavaktra und Mahaganesha.
16-56. Die Richtungselefanten vom Osten an heißen Airavata, Pundarika, Kumuda, Anjana, Vamana, Pushpadanta, Sarvabhauma und Supratika.
16-57. Alle diese mächtigen Elefanten besitzen vier Stoßzähne und lassen Schläfensaft strömen. Aus ihren Rüsseln schütten sie reichen Edelsteinbesitz aus und lassen die Weite erglänzen.
16-58. So verehrt man Ganesha mit seinem Gefolge in einem gemalten oder anderen Bild oder im Herzlotus. Mit gelübdegemäßer Nahrung rezitiert man sechzigtausendmal und opfert ein Zehntel davon als Ghee.
16-59. Dadurch soll der vortreffliche Mantra vollendet werden; durch tägliches Japa und weitere Handlungen sollen sämtliche Ziele erlangt werden. Nahrung mit Ghee soll Nahrung bringen, geröstetes Korn mit Honig eine junge Frau.
16-60. Die acht Stoffe, Kuchen oder Früchte mit süßen Stoffen sollen Wünsche erfüllen. Durva mit Milch und Ghee soll Lebensdauer bringen, geröstetes Korn eine junge Frau und Vetasa den erwünschten Regen.
16-61. Apamarga und Brahma-Baumholz sollen Sieg bringen, Getreide Getreide, Wasserlilien und Ähnliches Gewänder. Stroh mit Rohrzucker soll ein Feld bringen, Stücke der Chinna-Pflanze sollen alle beeinflussen.
16-62. Auf dem Leichenplatz zeichnet man den Körper eines anderen und setzt unter dessen Namen die Lebenshauche ein. Ein Feueropfer mit Vibhita-Holz, roten Fäden und Senföl wird als Tötungsritual beschrieben.
16-63. Man betrachtet Ganeshvara als mit sich selbst eins, schwarz, von der Gestalt und dem Klang einer furchtbaren dunklen Wolke. Er hebt den Feind mit seinem Rüssel hoch und wirft ihn in das untermeerische Feuer; so wird Vertreibung dargestellt.
16-64. Im Wasser eines zum Meer fließenden Flusses stehend, begießt man sich mit den Händen; dies soll Krankheiten durch ergreifende Mächte beseitigen. Eine Frau mit Kinderwunsch soll nach Mantrarezitation Vacha mit Milch, Kurkuma, Ghee und Steinsalz trinken. [Historische Rezeptvorschrift ohne heutigen Wirksamkeitsnachweis.]
16-65. Wer im Herzlotus, im Mandala der achtfältigen Körperstadt mit seinen Blättern, den daumengroßen Ganesha von Shaktis umgeben betrachtet, der überquere mühelos den Ozean des Samsara.
16-66. Nach Verehrung eines Kruges, einer Schale und einer Lampe mit Ghee einer braunen Kuh rezitiert man nachts und weiht eine junge Frau in diesem Rahmen. Durch Hineinschauen soll sie Vorgänge aus allen drei Zeiten mitteilen. [Der genaue Gegenstand ihres Blicks ist nicht eindeutig.]
16-67. So wurde dieser Hindernis-Mantra, ein Wunschspender für die Weisen, einst von Bhargava gelehrt. Wer ihn richtig vollendet, dem sei in den drei Welten nichts unerreichbar.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Verfahren des Siddhavinayaka.
16-68. Man entnimmt die Chiffren Jhanti und Krodesha, dann das Wort »dem Stoßzahn«. Es folgt eine unsicher überlieferte Folge mit »Blase«, »Schwanz« und weiteren Lautbezeichnungen, danach »Ucchishta« und »dem Selbst«.
16-69. Shakti wird mit Pranava und Treibstachel, Bindu und Nada verbunden. Es folgen Hrum, das Waffen-Bija und Shivottama mit dem Lippenlaut.
16-70. Zweimal wiederholt ergibt dies den achtundzwanzigsilbigen Mantra namens Ucchishta-Vighnaraja, dem durch Japa und weitere Handlungen alle Vollendungen zugeschrieben werden. [Die chiffrierten und beschädigten Bestandteile in 16-68–70 werden nicht ergänzt.]
Unnummerierte Kurzformel vor 16-71: »Ucchishta Tha Tha.«
16-71. Mit dieser Bezeichnung und den jeweiligen Endungen setzt man die sechs Glieder vom Herzen an an ihren Stellen ein. Man vollendet ihn im Zustand des Ucchishta, der rituellen Unreinheit durch Speisereste.
16-72. Der Seher heißt Ucchishtayaja, das Versmaß ist Nicrit; die Gottheit ist Ganapati mit dem vorangestellten Namen Ucchishta.
16-73. Der bauchige, elefantengesichtige Vighna ist weiß, nackt, daumengroß, mit Schlinge und Treibstachel sowie vielerlei Edelsteinen geschmückt. Dreiäugig und tanzend, Furchtlosigkeit und Wünsche gewährend, wird er verehrt.
16-74. Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Mondhälfte rezitiert man täglich im Ucchishta-Zustand hundertachtmal und opfert frische Zahnreinigungshölzer, mit süßen Stoffen bestrichen. So soll der Mantra gelingen. Dann schreibt man ihn mit dem Namen des Zielwesens auf, setzt Ganapati darin ein und soll durch Japa Anziehung bewirken.
16-75. Unter die Achsel gelegt, soll dies das gewünschte Ziel bringen. Man verehrt Vighna mit Hunderten Hema-Unmatta-Blüten; eine aus dem Staub unter den Füßen der gewünschten Frau hergestellte Gestalt soll durch nächtliches Japa ihr rasches Herbeikommen bewirken. [Pflanzenbezeichnung und Bezug des Gegenstands sind unsicher.]
16-76. Wünscht man gegenseitige Liebe eines Paares, hält man die Vighna-Gestalt in der Hand und rezitiert, während man beide betrachtet. Oder man gibt besprochene Duftstoffe; Ghee und Asche eines Sandelholzopfers gelten als Einflussmittel.
16-77. Für Einfluss auf einen König opfert man daumengroße Stücke des goldenen Unmatta-Holzes, für Brahmanen dessen Blumen, für Händler Früchte, für einen Shudra Blätter und für alle zusammen alle Teile.
16-78. Ein weiterer Ucchishta-Mantra beginnt mit »Hasti«. Es folgen Chiffren für Auge und Seite, langes V-Ende, Kurcha, Maya, Auge und Fleisch, Lippenlaut und zweimal Chanda; er endet mit der Gemahlin des Feuers. Sein Verfahren entspricht dem vorigen.
Unnummerierte Gliederformeln nach 16-78: »Hasti: Verehrung dem Herzen. Pishacha: dem Haupt Svaha. Likhe: dem Haarschopf Vashat. Svaha: dem Schutzpanzer Hum. Sangha: der Waffe Phat.« [Die einleitenden Wörter bleiben als Mantrabestandteile stehen; die Quelle führt fünf Glieder aus.]
16-79. Dies sind seine Glieder. Der Seher ist Kishkindha, das Versmaß Virat, die Gottheit wie zuvor. Am achten Mondtag soll er mit der durch »Sonnen-Tausend« bezeichneten Anzahl vollendet werden.
16-80. Wer im Ucchishta-Zustand so viele Hunderttausende rezitiert, wie der Mantra Buchstaben hat, dem sei kein Ziel der Welt unerreichbar. Die für das Vighna-Bija genannten Anwendungen sollen ebenso durch diesen Mantra im Ucchishta-Zustand gelingen.
16-81. Was für den mit E beginnenden Mantra als Anwendung gelehrt ist, soll der vorzügliche Übende auch mit diesem erreichen.
16-82. Man vergräbt eine Wachsgestalt, die ein Blatt mit Mantra und Namen des Zielwesens enthält. Darüber wird ein Feuer aus Khadira-Holz entzündet; dessen Opfer soll das Ziel ganz unter Einfluss bringen.
16-83. Japa mit eingefügtem Namen soll Einfluss bewirken; ebenso trägt man den in den Mantra auf Birkenrinde eingefügten Namen. Oder ein Ghee-Opfer über sieben Nächte soll Einfluss verleihen.
16-84. Durch diesen Mantra besprochenes Öl, Augenschminke und Sandelpaste sollen Einfluss bringen, ebenso das Opfer mit Hema-Blüten. Man betrachtet Ganesha nackt, tiefrot, mit Schlinge und Treibstachel und seinen Gliedermantras.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über Ucchishta-Vighnesha.
16-85. Der nächste Mantra enthält »Kshipra« und »Prasadana«, beginnt mit dem Vighna-Bija und endet mit der Herz-Endung. Dieser zehnsilbige Mantra des Herrn der Hindernisse wird als Wunschbaum zur Erfüllung des Erstrebten gepriesen.
16-86. Seher, Glieder und alle weiteren Bestimmungen entsprechen dem einsilbigen Verfahren. Nach Einweihung, hunderttausend Rezitationen und einem Zehntel davon als Feueropfer aus süßen Stoffen und Sesam soll er vollendet sein.
16-87. Möge euch Kshipraprasada schützen, elefantengesichtig, reich geschmückt und mit dem Mond auf dem Haupt, in den Händen Schlinge, Treibstachel, Wunschranke und Stoßzahn und im Rüssel eine Zitronenfrucht tragend.
16-88. Man betrachtet ihn rötlich, mit den drei Welten im Bauch, in weißen Gewändern auf einem Lotussitz. Die Wunschranke in seiner Hand lässt Reichtum auf das Haupt des vorzüglichen Übenden regnen.
16-89. Mit den vier Umfassungen des Siddha-Verfahrens wird er im eigenen Bild oder Herzlotus verehrt. Die genannten Gaben, Ghee, Milchreis und Lotusse, sollen als Feueropfer Wohlstand bringen.
16-90. Das tägliche Opfer von Reis mit Ghee nach Kräften soll den Haushalt der Hausleute ernähren. Man sättigt ihn mit Nektarwasserströmen; dadurch soll auch jedes weitere gewünschte Ziel erlangt werden.
16-91. Nächtliche Gaben aus Zucker und Salz, mit Dickmilch und Ghee benetzt, sollen das Erstrebte verwirklichen. Sie werden auch bei gewünschter Einigung mit Gegnern genannt. Kokosnussopfer am vierten Mondtag sollen Wohlstand bringen.
16-92. Ein dreisilbiger Vighna-Mantra wird aus dem »Fünfer-Endlaut« mit Feuer, linkem Auge und Stab gebildet, eingeschlossen in den Shakti-Mantra. Seine Glieder entstehen durch die langen Vokale und die jeweiligen Endungen. [Die Lautchiffren bleiben unaufgelöst.]
16-93. Sein Versmaß ist Virat, sein Seher Bhargava, seine Gottheit Ganapati. Zunächst rezitiert man für jeden Buchstaben hunderttausendmal; durch das anteilige Feueropfer mit fünf Speisen und die Bewirtung von Mädchen und Schülern soll er gelingen.
16-94. Eingeweiht und mit dem vom Guru empfangenen Mantra vollzieht man nach Bad und täglicher Vorschrift die Verehrung. Im Rohrzuckerozean betrachtet man ein goldenes Land mit Wunschbaumhain, darin eine Halle aus Gold und Edelsteinen und einen Löwenthron.
16-95. Nach Shakti, den bei Dharma beginnenden Sitzfüßen, Gunas, Lotus und Scheiben verehrt man in den Eckblättern die Gliedermantras vom Herzen an, vorn das Auge und in den Richtungen die Waffe. An den Blattspitzen und in der Mitte stehen der Reihe nach die Shaktis Jaya, Vijaya, Ajita, Aparajita, Nitya, Vilasini, Shaundi, Ananta und Sumangala.
16-96. Außerhalb des Lotus verehrt man in den acht Richtungen Gana, Gananatha, Vighnesha, Vinayaka, Bhakshyapriya, Panchakara, Lambahasta und Mahodara. Sie sind elefantengesichtig und rot, tragen Schlinge, Treibstachel, Mango und Stoßzahn sowie rote Blütenketten und Duftstoffe. Weiter außen stehen die Welthüter der zehn Richtungen.
16-97. Man betrachtet Ganapati, vom Nektar des Raumlotus benetzt, selbst von der Natur des Raumes, in der Farbe geschmolzenen Goldes, mit gelbem Gewand, rötlichem Schmuck, Blütenketten und Duftstoffen, hängebauchig, dreiäugig und mit der Mondsichel gekrönt.
16-98. Seine fünf Hände einschließlich des Rüssels tragen Schlinge, Treibstachel, Mango, Stoßzahn und Modaka. Er ist von kleiner Gestalt und vielfältig geschmückt. In der Handvoll Blumen betrachtet, wird er mit Wurzel- und Gliedermantras in die Samenkapsel des genannten Lotus gerufen.
16-99. Mit Wurzelmantra, Gliedern und grundlegenden Ehrengaben verehrt man ihn und bietet Milchreis, Rohrzucker, Ghee, Opferspeise, Kuchen, frische Wurzeln, Früchte, Zuckerrohr, geröstetes Korn, Honig und Laddus dar.
16-100. Täglich rezitiert man zu den drei Übergangszeiten jeweils in der mit »Guna-Tausend« bezeichneten Anzahl, meditiert und verehrt Ganesha entsprechend den eigenen Mitteln. Dafür werden Reichtum, besondere Freuden, langes krankheitsfreies Leben und die Erfüllung aller Wünsche verheißen.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Nun werden die Anwendungen erklärt.
16-101. In einer viereckigen Grube richtet man das Feuer nach der Vorschrift ein, ruft die Gottheit herbei und opfert Reis mit Rohrzucker und Ghee oder Milchreis. Nach zwei Monaten sollen das Gewünschte und Wohlstand erlangt werden.
16-102. Mit Rohrzucker vermischte Ghee-Kuchen oder die acht Stoffe sollen Reichtum und das Gewünschte bringen. Geröstetes Korn mit Sesam und Zucker soll einen Brahmanen beeinflussen, Honig den König.
16-103. Rohrzucker soll Minister beeinflussen, Honig, Reis und Zuckerrohr Frauen; ferner werden honiggetränkte Sesammassen genannt. Früchte sollen Shudras beeinflussen, Sesam mit Zucker und geröstetem Korn alle. [Der syntaktische Anschluss der Sesammassen ist nicht eindeutig.]
16-104. Japa des vom Namen einer jungen Frau eingeschlossenen Mantra soll sie gewinnen. Ebenso wird das Opfer einer mit Rohrzucker bestrichenen Teiggestalt und der Verzehr ihres Restes genannt. Bei allen Anwendungen soll man nach Kräften verehren.
16-105. Vor der Aussaat bietet man der Gottheit eine aus den betreffenden Samen bereitete Speise an, rezitiert zehntausendmal und sät dann. Dadurch wird reicher Feldertrag verheißen.
Unnummerierte Ergänzung nach 16-105: Ist die Ernte herangereift, nimmt man den ersten Anteil davon und vollzieht eine große Verehrung der Gottheit.
16-106. Wer ein umstrittenes oder anderes Feld als Eigentum gewinnen will, begibt sich in seine Mitte, betrachtet sich als Ganesha, nimmt Erde ein und rezitiert an acht Dienstagen; dadurch soll er es erlangen.
16-107. Bei einer Sonnenfinsternis wird ein Pala Ghee einer braunen Kuh mit einem Viertelmaß Vacha-Pulver vermischt und ordnungsgemäß besprochen. Nach dem Trinken fastet man, solange das Ghee unverdaut ist. Dies soll Gedächtnis für Gehörtes und Redekraft verleihen.
16-108. Kurkuma, Steinsalz und weiße Vacha werden in Mengen von einem Nishka, einem halben und einem Viertel genannt und mit Tierurin verrieben. Nach Verehrung Ganeshas und Mantrarezitation soll eine Frau in ihrer fruchtbaren Zeit die berührte Mischung trinken, um einen Sohn zu gewinnen. [Die historische Rezeptangabe wird unverändert im Sinngehalt bewahrt.]
16-109. An einem Dienstag verehrt man den Herrn der Scharen mit reicher Ausstattung, bietet Speisen, Ghee, Milchreis und Opferspeise an und opfert. Nach Bewirtung von Mädchen, Schülern und Brahmanen soll Japa sämtliche Gefangenen befreien.
16-110. Ein nach Norden gerichteter Stein beziehungsweise ein treibstachelartiger Austrieb des weißen Sindhuvara wird genannt. Nach dreihunderttausend Rezitationen gibt man ihn an einem Dienstag in die Hand eines Gefesselten; dies soll ihn lösen. [Die Gegenstandsfolge ist in beiden Satzhälften schwer zu verbinden und bleibt örtlich unsicher.]
16-111. Man weiht einen Schüler und ein Mädchen über Nacht. Am Morgen badet und schmückt man beide und vollzieht eine große Ganesha-Verehrung mit Opfern von Milchreis, Ghee, Modakas und weiteren Gaben.
16-112. Auf einem Getreidealtar stellt man einen Krug auf, verehrt ihn mit Wasser, Duftstoffen, Reis, Blumen und Pulver und setzt darauf eine neue, mit Ghee gefüllte Schale. In der Lampe wird der Hinderniskönig verehrt.
16-113. Schüler und Mädchen sollen darin verlorenen Besitz und Vorgänge aus den drei Zeiten sehen. Man rezitiert selbst und berührt die beiden Kinder. Dasselbe Verfahren wird auch mit einem Spiegel beschrieben.
16-114. Wird Regen gewünscht, verehrt man den Herrn der Hindernisse hingebungsvoll nach Kräften mit Ghee, Milchreis, Modakas, Früchten, guten Duftstoffen, Blütenketten, Räucherwerk und Lichtern.
16-115. Fahnen, Torbögen, glückverheißende Keime, Wasserkrüge, Früchte und Baldachine schmücken den Ort. Im Mund des Feuers in der geschmückten Grube ruft man den Herrn herbei und opfert sieben Nächte lang.
16-116. Aus Bananen und Zucker bereitete Teige, in Ghee gegarte Kuchen und Reis, Früchte, Milchreis, Zucker, Ghee und Milch werden täglich jeweils dreihundertmal geopfert.
Unnummerierte Verheißung nach 16-116: Es werde reichlich regnen.
16-117. An einem Dienstag unter einem für den Feind tödlichen Sternbild wird ein nachmittägliches Opfer mit tausend giftbestrichenen Aksha-Holzstücken oder Nimba beschrieben. Dem wird der Tod der Feinde binnen einer Mondhälfte zugeschrieben.
16-118. An einem Dienstagnachmittag zeichnet man auf dem Leichenplatz die Gestalt des Gegners und verbindet seinen Namen mit den Lebenshauchen. In ihrem Bauch verehrt man ein Feuer aus dem genannten Holz und rezitiert; dies wird als tödliches Ritual dargestellt.
16-119. Zehntausend mit dem Namen bezeichnete Früchte des Giftbaumes werden im Scheiterhaufenfeuer geopfert; auch dies gilt als Tötungsritual. Das Einschlagen eines Nimba-Pflocks am Haus des Feindes am Dienstagnachmittag wird als Vertreibung bezeichnet.
Unnummerierte Ergänzung nach 16-119: Mit dessen Blättern werde Feindschaft erzeugt.
16-120. An einem Dienstag, der zugleich Ganeshas Mondtag ist, verehrt man den Herrn der Scharen, auf einem Tigerfell sitzend. Man füllt einen Krug, rezitiert und opfert; eine Begießung damit soll durch Schädigungsrituale verursachte Krankheiten befrieden.
16-121. Opfer von Milch, Zuckerrohrsaft und Ghee sollen Fieberleid befrieden. Opfer von Milch und Kuchen gelten als geeignet zur Befriedung bei Elefanten und Pferden; Besprengung mit dem geweihten Wasser soll ihnen Ruhe und Gedeihen bringen.
16-122. So lehrte der Weise Bhargava zum Wohl der Welten das Verfahren des dreisilbigen Ganaraja-Mantra. Nach Bewirtung von Mädchen und Schülern mit süßen Speisen soll der Mantrakundige bei allen Anwendungen die genannte Frucht erlangen.
Unnummerierte Erläuterung nach 16-122: Bei der Bewirtung betrachtet man das Mädchen als Durga und den Schüler als Ganapati.
16-123. Die genannten acht Ganeshas von Vighna und Vinayaka an sättigt man täglich einzeln mit ihren Namen und den Worten »Ich sättige«, unter Darbringung von Mondnektarwasser. Dadurch werde das Gewünschte erlangt.
16-124. Zu Tagesbeginn betrachtet man die genannten Hindernisherren als durstig und sättigt sie mit ihren Mantras und dem Nektarwasser, das aus dem Mond des Raumlotus strömt. Dadurch sollen die gewünschten Ziele gelingen.
16-125. Am Morgen vergegenwärtigt man den Elefantenherrn inmitten von Elefantenkühen, vom Gipfel des Sonnenaufgangsberges auf einer goldenen Treppe herabkommend. Durch seine Sättigung sollen Wünsche erfüllt werden.
16-126. Speisegaben an Ganapati, Feueropfer, Japa, Sättigung, Lobgesang und Verneigung sollen täglich nach Kräften geschehen. Empfohlen werden vierundvierzig Verehrungen am vierten Mondtag. Wer ihn so verehrt, werde dem König der Hindernisse lieb.
16-127. Die vorzüglichen Ganapati-Mantras mit ihren verschiedenen Formen, wie sie in unterschiedlichen Tantras erscheinen, wurden hier einzeln erklärt. Unter den genannten Mantras und ihren Handlungen von Japa an gilt jeweils der früher behandelte Ganapati-Mantra als gewichtiger.
Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das sechzehnte Kapitel über den zehnarmigen Ganapati und weitere Formen.
Zur Besinnung
Inmitten der Vielfalt kehrt die Aufforderung wieder, entsprechend den eigenen Kräften regelmäßig zu verehren und andere zu bewirten. Eine heutige Anregung lässt sich daran anschließen: Beständigkeit und Großzügigkeit geben einer Praxis ihren menschlichen Boden. Die rituellen Machtansprüche dieses Kapitels sind davon als historische Vorstellungen zu unterscheiden.
Mantrapada, Kapitel 17: Tripura – Mantra, innere Verehrung und Hingabe
Tripura wird als höchste Shakti verstanden, die sich in allen Dreiheiten ausdrückt. Das Kapitel verbindet Körper-Nyasa, innere Lotusbilder, Kundalini-Meditation, ein äußeres Verehrungsdiagramm und Gebete. Zu seinen verständlichsten Aussagen gehören die acht inneren Opferblüten und die Bitte, eine unvollkommene Verehrung durch Gnade zu vollenden. Die konkreten Energie- und Ritualverfahren werden als traditionelle Unterweisung wiedergegeben.
Kapiteleingang: Nun das siebzehnte Kapitel.
17-1. Auf das Vagbhava-Bija folgt das Bija des Liebesgottes, danach die als Bhrigu bezeichnete Silbe, verbunden mit Anugraha und dem Schöpfungszeichen. Dies ist der Bala-Mantra Tripuras, der als wunscherfüllend wie die himmlische Wunschkuh gilt. [Die Lautchiffren bleiben unaufgelöst.]
17-2. Diese Vidya umfasst Vagbhava und Kamaraja und ist mit Vagishvari verbunden. Die drei Opferfeuer, drei Welten, drei Gottheitsgestalten, drei Soma-Pressungen, Veden, Gunas, Ursachen und alles andere Dreifache werden durch Tripuras drei Silben sichtbar. So ist die höchste Shakti zu verstehen, die den Namen Tripura trägt.
17-3. Als Seher wird der ehrwürdige Brahma genannt, als Versmaß Ushnih. Die Gottheit ist die Göttin selbst; andere nennen Vagishi, wieder andere Shiva oder Bhairava. Das Vagbhava-Bija glänzt wie der Vollmond, das zweite rot wie die Bandhujiva-Blüte, das dritte wie eine voll erblühte rote Karnikara-Blüte.
17-4. Pranava, Raum und Bhrigu bilden den dreisilbigen, Shesha genannten Mantra. Damit bildet man der Reihe nach die Glieder des Tripura-Mantra mit ihren eigenen Endungen. Nach Reinigung der Hände durch das Waffenmantra setzt man die Silben und Glieder in Finger und Körper ein.
Unnummerierte Fingerformeln vor 17-5: »Om Hasaum, Verehrung dem kleinen Finger. Om Hasaum, Verehrung dem Ringfinger. Om Hasaum, Verehrung dem Mittelfinger. Om Hasaum, Verehrung dem Zeigefinger. Om Hasaum, Verehrung dem Daumen.« So setzt man sie der Reihe nach an den drei Fingergliedern beider Hände ein.
Unnummerierte Gesichtsformeln: »Om Hasaum, Verehrung dem oberen Gesicht. Om Hasaum, Verehrung dem östlichen Gesicht. Om Hasaum, Verehrung dem südlichen Gesicht. Om Hasaum, Verehrung dem nördlichen Gesicht. Om Hasaum, Verehrung dem westlichen Gesicht.«
17-5. Mit den vom Daumen an entsprechend geführten Fingern setzt man diese in die Gesichter ein. Den Shesha-Mantra, mit den Silben des Wurzelmantra verbunden, setzt man einzeln in Füße, Knie, Geschlechtsbereich, Nabel, Herz, Kehle, Gaumen, Bindu-Stelle und Scheitel ein.
Unnummerierter Übergang vor 17-6: Auch in umgekehrter Reihenfolge.
17-6. Kamarupa, Kollagiri, Sopara, Uddiyana, Malayadri, Kulanta, Jalandhara und Devikottaka.
Unnummerierte Erläuterung nach 17-6: Dies sind die acht Yoga-Sitze.
17-7. An ihnen befinden sich die bereits einzeln genannten Mütter von Brahmi bis Chandika, verbunden mit langen Vokalen und Mondsicheln. Die kurzen Vokale mit Bindu gehören Asitanga, Ruru, Chanda, Krodhana, Unmatta, Kapalin, Bhishana und Samhriti.
17-8. Shesha und Shri werden mit dem Namen des heiligen Ortes und dem Wort »Sitz« verbunden. Danach folgen der lange Vokal, der Name der jeweiligen Mutter im Dativ und die Herz-Endung. Die kurzen Vokale mit Bindu beziehungsweise die mit Bindu versehenen Anfangsbuchstaben werden mit Asitanga und den übrigen verbunden; darauf folgen »Bhairava« und »Verehrung den heiligen Sandalen«.
17-9. So setzt man sie einzeln der Reihe nach in Nabel, Herz, Kehle, Mund, Nase, Stirn, Scheitel und Dvadashanta ein.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Einsetzen der heiligen Sitze und Sandalen.
17-10. In die drei Stellen Geschlechtsbereich, Herz und die Bindu genannte Stirnstelle setzt man einzeln die Silben des Wurzelmantra ein, jeweils mit Shesha am Anfang.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Einsetzen des Wurzelmantra.
17-11. Die sechs Arten des Nyasa sind: zuerst in die Hände, dann in die Gesichter, dann die Sitze und Sandalen, von den Füßen bis zum Scheitel und zurück, mit dem Wurzelmantra und mit den Gliedern.
17-12. Der Schüler hat die Einweihung empfangen, wurde vom Guru begossen, erfüllt dessen Wünsche und ist von ihm besonders unterwiesen. Mit seiner Erlaubnis vollzieht er die täglichen Pflichten, reinigt das eigene Wesen und versieht den Körper mit Mantras.
17-13. Er trägt weiße Gewänder, Salben, Blütenketten und Schmuck, verehrt Ganesha und den Guru hingebungsvoll und setzt sich auf einen geeigneten guten Sitz. Die notwendigen Verehrungsgegenstände hat er beschafft.
17-14. Im Inneren des Welteis, inmitten eines Ozeans und einer Edelsteinresidenz, betrachtet er einen von Kadamba-Bäumen leuchtenden Garten. Darin steht eine Edelsteinhalle, rot im Glanz der Rubine. An ihren vier Toren stehen vier rote, allwissende Vatukas in roten Gewändern und entsprechender Ausstattung.
17-15. Sie heißen Kula-Vatuka, Akula-Vatuka, Samaya-Vatuka und Sadhaka-Vatuka.
17-16. Diese werden an den vier Toren verehrt; ebenso der Ortshüter und Ganeshvara, schön geschmückt, im Norden und Süden.
17-17. In der Mitte, auf einem goldenen Löwenthron, betrachtet man Shakti, rot wie ein zarter Korallenspross. Ananta umwindet sie achtfach mit seinen Windungen; ebenso betrachtet man dort einen weißen Lotus.
17-18. Dharma und die drei weiteren bilden die vier löwengesichtigen Füße des Sitzes. Sattva, Tamas und Rajas werden der Reihe nach als Knolle, Stängel und Lotus betrachtet, ebenso die drei Tattvas, drei Welten und drei Gottheitsgestalten. [Diese Guna-Reihenfolge weicht von anderen Stellen ab und bleibt bewahrt.]
17-19. Die achtfältige Körperstadt bildet die oberen Blätter des Lotus, die vier Weltalter seine unteren Blätter. Die Samenkapsel ist von leuchtenden Staubfäden umgeben; darüber befindet sich die ursprüngliche Shakti.
17-20. Man betrachtet das Vagbhava-Bija allein als ein schönes Dreieck, rot wie die Bandhuka-Blüte, sowie Hiranyagarbha, Hari, Rudra, Ishvara und Sadashiva.
17-21. In dessen Mitte sitzt die Göttin bequem, rot leuchtend wie Hibiskus und Lackfarbe, in festem Lotussitz, von freundlicher Gestalt. Drei Augen schmücken ihr Lotusgesicht.
17-22. Auf ihrer Flechtenkrone trägt sie den kühl leuchtenden Mond. Schmuck, Gewand und Blütenkranz sind gelbrot. Rechts hält sie die Mala und zeigt die Gewährungsgeste, links trägt sie das Buch und zeigt Furchtlosigkeit.
17-23. Ihr Gesicht gleicht der vollen Mondscheibe. Sie trägt Ohrringe aus glühendem Gold und Edelsteinen; der Glanz ihres Halses färbt den Brustschmuck. Ihre Brüste sind wohlgeformt, rund, hoch und voll.
17-24. Vielfältige Ketten glänzen über ihrem Brustgewand; Ringe und Armreifen schmücken sie. Gelbliche Seide verleiht ihr roten Glanz, und an der Hüfte trägt sie einen goldenen Gürtel.
17-25. Ihre schönen Oberschenkel und Unterschenkel besitzen die angemessene Form, der Reihe nach gerundet. An ihren Lotusfüßen glänzen vielfältige Edelsteine und … [Der Vers bricht in der Quelle bei »nū **?« ab. Der fehlende Schluss wird nicht ergänzt.]
17-26. Man betrachtet die heilsame Tripura-Gottheit als mit sich selbst eins, als einzigartige Schönheit aller Pracht und als Nektarfülle strahlender Schönheit. Mit innerlich dargebrachten Mitteln verehrt man sie.
17-27. Dann betrachtet man im Mondkreis des Raumlotus das feine, ungeteilte Bewusstsein von Shivas Natur, überaus zart, leuchtend wie ein wandernder Stern und wie eine Kette von Blitzen.
17-28. Man nimmt es durch Sushumna auf und führt es zum Herzlotus der Göttin, mit der man sich eins weiß. Einen Augenblick betrachtet man sie als bewusst belebt und richtet den Geist fest auf sie.
17-29. Mit dem Nektarstrom aus dem Mond des eigenen Lotus, weiß wie Milch, begießt man durch Sushumna und den Brahma-Weg die mit sich selbst geeinte Göttin und erfreut sie.
17-30. Nach geistiger Verehrung mit den passenden Ehrengaben überflutet man sie mit Nektar. Dann betrachtet man den Körper mit seinen sechs inneren Trägern, Mandalas und Lotussen und der aufwärts führenden Sushumna.
17-31. Muladhara, After, Geschlechtsbereich, Nabel, Herz, Gaumenwurzel und Scheitel werden als Stellen genannt. Die Lotusblätter werden durch die Zahlwörter Veda, Ritu, Asha, Arka, Ashti und »Paar« bezeichnet. Die Lotusse befinden sich im Inneren der Brahma-Nadi. [Stellenzahl und Zahlfolge sind nicht eindeutig aufeinander abzustimmen; es wird keine harmonisierte Chakra-Tabelle ergänzt.]
17-32. An der Wurzel betrachtet man einen Mondkreis von neun Koti Yojanas Ausdehnung. Man zieht ihn leicht zusammen, hält ihn fest und betrachtet den daraus entspringenden weißen Lotus mit der durch »Kala« bezeichneten Blattzahl.
17-33. Bei gebeugtem Körper weist dieser Lotus nach unten; bei aufgerichtetem Körper nach oben, weit und geöffnet. In seiner Mitte betrachtet man das Haus des Verlangens, ein mondhelles Linga von der runden Gestalt einer Kadamba-Blüte.
17-34. Kundalini, hell wie der feine Faden eines Lotussprosses, schläft dreifach darum gewunden. Wenn das Haus des Verlangens erwacht und in Bewegung gerät, erwacht auch sie. Dieses erste Linga wird als aus Vagbhava bestehend bezeichnet.
17-35. Im Herzen befindet sich ein rotes Feuermandala mit einem zehnblättrigen Lotus, leuchtend wie Bandhuka. In dessen Mitte meditiert man über das rubinfarbene Linga des Kama-Bija, das die Welt erfreut und bezaubert.
17-36. An der Bindu-Stelle der Stirn befindet sich das gelbe Sonnenmandala. Darin steht ein zwölfspeichiger Lotus und ein gelbes, sonnenhelles Linga. Sein Sarasvati-Bija bringt durch seine Kraft höchste sprachliche Fülle hervor. Dies sind die drei Städte, nach denen die Vidya Tripura heißt.
17-37. Vom Bana genannten Linga steigt Shakti auf dem Sushumna-Weg empor, fein leuchtend wie der Blitz. Durch die Mitte des zweiten und dritten Linga gelangt sie zur oberen Stadt, dem Dvadashanta.
17-38. »Ich als Jiva bin mit der Shakti, die der Reihe nach aus den drei Lingas hervortritt, zu meinem Lotus gelangt.« Dieser ist tausendblättrig, besitzt in der Mitte die Kala-Blätter, strömt Nektar aus und hat eine Öffnung im Zentrum.
17-39. Dieselbe Shakti kehrt von dort als Nektarstrom auf dem Sushumna-Weg zurück, tritt durch die Scheitelöffnung ein, überflutet wie zuvor nacheinander die drei inneren Lingas und erreicht den Wurzellotus.
17-40. So betrachtet man die Bewegung von oben nach unten und wieder aufwärts. Der Körper wird ganz mit Nektar erfüllt, weiß wie Muschel, Jasmin, Mond und Kuhmilch; aus den Haarporen strömt Nektarwasser hervor …
17-41. … und überflutet der Reihe nach die Gottheiten an den acht Sitzen, die Glieder und die in den Umfassungen befindlichen Siddhis … [Hier enthält die Quelle eine mit Sternchen bezeichnete Lücke.] Dann betrachtet man Guru, Torhüter, Welthüter, Halle und Ozean.
17-42. Durch diese Vergegenwärtigung des Mantra und beständige Übung sollen die gewünschten Ziele in den drei Welten erlangt werden: Überwindung des Todes, Herrschaft über Fähigkeiten, göttliche Macht und Rede sowie die schwer erreichbare Befreiung.
17-43. Nachdem man die Göttin so in Einheit mit sich selbst betrachtet und mit geistigen Ehrengaben verehrt hat, zeichnet man für die äußere Verehrung ihr Chakra nach der Vorschrift.
17-44. Auf einer schönen, ellenbreiten Fläche aus Gold, Silber oder Kupfer zeichnet man es mit einer Mischung aus Safran, gelber Farbpaste, Sandelholz, Kampfer, Sprik, Kushtha, Rukpatra und Kuhdungwasser. [Einige Pflanzennamen bleiben ohne sichere botanische Gleichsetzung.]
17-45. In der Mitte zeichnet man einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel, außen zwölf Blätter, darum einen sechzehnblättrigen Lotus und weiter außen die mit »Raga« bezeichnete Blattzahl.
17-46. Außen liegt ein Kreis, darum ein Quadrat. Seine Ecken und Seiten werden krugartig gestaltet und der Reihe nach mit Schlinge, Treibstachel, Muschel und Lotus bezeichnet.
17-47. In der Mitte steht Vagbhava in Dreiecksform; in dessen Inneres schreibt man Kama- und Shakti-Bija. Die Vokale stehen auf den Blättern der acht Richtungen, Kama auf den äußeren zwölf Blättern.
17-48. Dann schreibt man die Shaktis auf die sechzehn Blätter; erneut nennt die Quelle Kama auf zwölf Blättern. Auf die zweiunddreißig Lotusblätter setzt der Mantrakundige die mit Sa beginnende und bis Sa reichende Folge, mit Hamsa und Bindu. [Diese Buchstabenfolge und die wiederholte Zwölferangabe sind unklar und werden nicht vereinheitlicht.]
17-49. Außen schreibt man den Shesha-Mantra wie eine Girlande, außerhalb des Kreises und innerhalb des Quadrats. Ebenso zeichnet man schön und vorschriftsmäßig Schlinge und Treibstachel an die vier Ecken.
17-50. Dies ist das Tripura genannte Chakra. Man zeichnet es und vollzieht darin die Verehrung. Der Mantrakundige stellt es auf einen Sitz und verehrt mit den vorgeschriebenen Ehrengaben.
17-51. Empfohlen ist die Verehrung der Göttin in Einheit mit dem eigenen Selbst, im Chakra oder im Bild, nicht unmittelbar auf dem Erdboden. Wer sie aus Verblendung auf einer bloßen Opferfläche verehrt, verliere nach dieser Lehre die drei Lebensziele und die Mantra-Vollendung.
17-52. Zuerst betrachtet man sie durch die Verbindung mit den Bijas der drei Lingas und mit der Nektar-Shakti des Dvadashanta. Auf dem eigenen Haupt verehrt man ihre mit sich selbst geeinte Gestalt mit Duftstoffen, Reis, Blumen und Wasser.
17-53. Wie zuvor ruft man aus dem Mond des Raumlotus die leuchtende Göttin der Rede herbei, die aus Bewusstsein und Glückseligkeit besteht, und setzt sie in die Samenkapsel des Chakras ein. Man begießt sie mit dem Nektar des Raummondes.
17-54. Mit Shesha-, Glieder- und Wurzelmantras verehrt man sie der Reihe nach wie zuvor mit großen Ehrengaben. Man überflutet sie mit Nektartropfen aus dem Raum und verehrt die genannten Umfassungen.
17-55. In der ersten Umfassung, zwischen den Blättern, verehrt man die Glieder. In der zweiten stehen an den Blattspitzen die Shaktis, jeweils mit Schreibgriffel und Buch in den Händen.
17-56. Sie heißen Yoga, Satya, Vimala, Medha, Shraddha, Buddhi, Samriddhi und Jnana. Vom Osten an stehen sie rot, mit göttlichen Gewändern und weiterer Ausstattung geschmückt.
17-57. In der dritten Umfassung verehrt man die acht Sitze, die Mütter und die heiligen Sandalen der Bhairavas. In der vierten verehrt man im Nordosten die fünf Gurus, den Ortshüter, Ganesha und die Vatukas in den Richtungen.
17-58. In der fünften Umfassung verehrt man ordnungsgemäß die Welthüter mit Waffen und Reittieren. Nach den jeweiligen Ehrengaben verehrt man die Göttin erneut mit Blumen.
Unnummerierte Tattva-Formeln vor 17-59: »Verehrung der Göttin, der Herrin des Atman-Tattva. Verehrung der Göttin, der Herrin des Vidya-Tattva. Verehrung der Göttin, der Herrin des Shiva-Tattva.«
17-59. Mit diesen Mantras bringt man der Reihe nach drei Handvoll Blumen dar. Man verehrt sie auch mit den acht inneren Blüten, den Mitteln des inneren Empfindens.
17-60. Gewaltlosigkeit ist die erste Blüte, dann folgen Beherrschung der Sinne, Geduld, Hingabe, Mitgefühl, Meditation, Gierlosigkeit und als achte Erkenntnis.
17-61. Vor und nach Japa rezitiert man einzeln mit den Tattvas Atman, Vidya und Shiva wie zuvor, jeweils mit »Verehrung« am Ende. Dies ist das Verfahren zum Schutz des Japa.
17-62. Für Tripura-Japa ist eine Kristall-Mala empfohlen. Das Japa bringt man ihr innerlich mit Nektarwasser dar.
Unnummerierter Übergang vor 17-63: Dann spricht man diesen Lobgesang, der den Kern des zu meditierenden Mantra enthält.
17-63. Wir preisen die Göttin der Rede: zart, leuchtend wie ein Büschel von Blitzen und fein wie ein Lotusfaden. Aus den drei Linga-Bildern hervorgehend, überschreitet sie der Reihe nach Schöpfungszeichen, Bindu und Nada; aus jener höchsten Stätte wird sie von strömendem Nektar überflutet, vollkommen ungeteilt.
17-64. Wir preisen die Göttin der Rede als helles Mädchen im Nektarozean, auf weißem Land, in einer Mondsteinhalle, im Lotus der Mondscheibe. Sie trägt Erkenntnisgeste und Buch, Krug und Mala; weiße Gewänder und Schmuck sowie eine weiße Umfassung umgeben sie.
17-65. Wir preisen die Göttin der Rede in der schneereichen Einsiedelei, mit den acht Müttern auf dem Matrika-Lotus sitzend, mondhell, Gewährung und Furchtlosigkeit zeigend, Lotus und Buch tragend. Bei ihr sind Ganesha, der Sechsgesichtige, Dakshinamurti, der Lehrer und Bhairava; sie ist dreiäugig und trägt Haarflechten.
17-66. Um Gedeihen preisen wir die Göttin der Rede als mit uns selbst eins: rot leuchtend, mit Ohrringen aus glühendem Gold, vielfältigem Schmuck und Gewand, im Wunschlotus stehend. Ihre Hände tragen Schlinge und Treibstachel und zeigen Gewährung und Furchtlosigkeit; die Schätze Shankha und Padma begleiten sie.
17-67. Für Lebensfülle und Befreiung preisen wir die Göttin der Rede in ihren einzelnen Bildern: im Vagbhava des Stirnlotus wie ein Regenbogen leuchtend, auf dem Haupt in der Mondscheibe mit dem Kama-Bija weiß strahlend und im Herzlotus in der Sonnenscheibe sonnenhell. [Diese Zuordnungen werden als eigene Folge des Hymnus bewahrt.]
17-68. Wir preisen die Göttin der Rede, die die Welt bezaubert und anzieht: Ihr eigener lackroter Glanz färbt Himmel und Erde. Sie trägt Blumenpfeile und Bogen, Treibstachel und Schlinge, rote Gewänder und Schmuck und wird als mit uns selbst eins betrachtet.
17-69. Wir preisen die Göttin der Rede, aus der der sprachliche Reichtum aller Veden und Lehrwerke entsteht. Ihr Vagbhava schenkt die Entfaltung von Sanskrit und anderer Rede; im Haus des Verlangens leuchtet es wie ein Stern. Von seiner Natur ist sie, die das Sprechen hervorbringt.
17-70. Weil aus dir Entstehung, Bestand und Auflösung der Welt hervorgehen, wirst du als dreigestaltig in drei Formen betrachtet. Drei Gunas, drei Welten, drei Tattvas und die Dreiheit der Zeit gehen aus dir hervor. Darum, Mutter, heißt du Tripura: Diese Göttin der Rede preisen wir.
17-71. Vielleicht habe ich in Unkenntnis des Verfahrens deine Glieder verehrt und dabei Gliedermantras, Hilfsmittel oder Handlungen ausgelassen. Doch Hingabe an deine beiden Lotusfüße hat mich bewegt. Wenn ich dich dadurch, Mutter, nun ermüdet habe, verzeih mir mein ungeschicktes Vorgehen.
17-72. Was an meiner Verehrung ohne Hingabe, ohne rechte Handlung oder ohne Vertrauen blieb, möge durch deine Gnade, o Göttin, vollständig werden.
17-73. Mit den Formeln der drei Tattvas, beginnend bei Atman und mit »der Herrin … Verehrung« endend, bringt man der Göttin mit einer Handvoll Wasser die Frucht von Verehrung und Japa dar.
17-74. Die beiden Ringfinger verbindet man wechselseitig mit den Zeigefingern. Bei nach oben geöffneten Handflächen stellt man die Mittelfinger zusammen mit den kleinen Fingern …
17-75. … seitlich und mit verbundenen Spitzen gerade und ausgestreckt auf. Mit den beiden Daumenspitzen berührt man die Wurzeln der kleinen Finger.
17-76. Dies ist die Yoni-Mudra der Shakti-Tradition, der Mantra-Vollendung zugeschrieben wird. Man bildet und zeigt sie der Göttin; dies soll sie unmittelbar erfreuen.
17-77. Man gibt Arghya mit dem Herzmantra, verneigt sich und bittet um Gnade. Mit »Du Unbefleckte, gehe in die Auflösung ein. Tha Tha« nimmt man die Göttin samt ihrem Gefolge in einer Handvoll Blumen auf …
17-78. … und setzt sie mit Nektarströmen in die Mitte des Raumlotus ein. Man entlässt das Arghya mit dem Herzmantra und bewirtet Mädchen …
17-79. … sowie Schüler nach Kräften, besonders mit Milchreis, Ghee und Honig. Während der rituellen Unreinheit durch Geburt und ähnlichen Anlässen vollzieht man keine äußere Verehrung und kein äußeres Japa.
17-80. Das Anlegen der Pavitra-Fäden und die weiteren Riten werden nach der Vorschrift vollzogen. Hier sollen die Pavitra-Fäden besonders aus Seide gefertigt werden.
17-81. Man vollzieht auch das Herabführen der Ganga und legt das Armband an. Chanda-Verehrung ist hier nicht empfohlen. Nun folgt das Verfahren des Feueropfers.
17-82. Ein Opfer von Sesam, Ghee und Zucker soll Einfluss auf alle verleihen. Bilva-Blätter und -Früchte sowie weiße Blumen und Blätter werden für Wohlstand genannt.
17-83. Mit Senf, Salz und Honig opfert man für höchste Zufriedenheit. Als weiß betrachtete Göttin wird sie mit weißen Blumen verehrt; dies soll Wissen bringen.
17-84. Für Wohlstand, Einfluss und Anziehung betrachtet man sie rot und verwendet rote Stoffe. Durva-Spitzen sollen eine junge Frau gewinnen, Reis mit Ghee gute Nahrung bringen.
17-85. Shirisha-Blüten mit Honig sollen eine Kurtisane beeinflussen. Weiße und andere Blumen sollen als Opfer Gewänder der entsprechenden Farben bringen.
17-86. Apamarga-, Ashvattha-, Banyan- und Udumbara-Holz, mit süßen Stoffen versehen, sollen der Reihe nach die vier Stände von den Brahmanen an beeinflussen.
17-87. Ein Opfer mit Dhurdhura-Holz soll Feinde wahnsinnig machen, Nimba und Baumwolle Feindschaft erzeugen; giftige Stoffe mit Gift werden für ein tödliches Ritual genannt.
17-88. Krähen- und Eulenfedern gelten im Feueropfer als Mittel zur Vertreibung. Bei niederen Handlungen betrachtet man die Göttin und ihre Umfassungen schwarz.
17-89. Honig, Ghee und Milch sollen als Feueropfer großes Gedeihen bringen. Unter einem Banyan, auf mit Kuhdung bestrichenem Boden, breitet der Übende Darbha-Gras aus …
17-90. … und verehrt Brahmayakshini mit weißen Blumen, geröstetem Korn und ungebrochenem Reis. Nachts rezitiert er täglich achttausendmal, ganz auf sie ausgerichtet.
17-91. Nach einem Monat soll er die Yakshini sehen und gewünschte Ziele erlangen. Das tägliche Trinken von mit diesem Mantra geweihtem Wasser soll Einsicht fördern.
17-92. Nach hundertachtfacher Besprechung unter Berührung wird Wasser bei Tag und Nacht getrunken. Mit gebundener Mudra und festem Blick soll man die Rede eines anderen hemmen. [Der Übergang zwischen Wasserpraxis und Redeverhinderung ist im Vers nicht weiter erläutert.]
17-93. Selbst nie gehörte Lehrwerke soll man durch bloßen Anblick behalten. Wozu viele Worte? Als Spenderin sprachlicher Entfaltung …
17-94. … gebe es keinen anderen Mantra wie den Tripura-Mantra, besonders auch für Wohlstand. Der zuerst genannte Mantra ohne den Shesha-Mantra …
17-95. … heißt Bala und soll nur von den »Bala« genannten Anfängern beziehungsweise Jungen rezitiert werden, nicht von anderen. Die einzelnen Silben des Wurzelmantra werden jeweils mit dem vollständigen Shesha verbunden …
17-96. … und bilden so den verdichteten Tripura-Mantra, dem alle Vollendungen zugeschrieben werden. Durch die Vokale und dann die Konsonanten von Ka bis Ksha, der Reihe nach paarweise …
17-97. … mit inneren Vokalen, Berührungslauten und dem »linken Auge« als Zusatz entstehen weitere Tripura-Mantras. [Die Lautkonstruktion bleibt chiffriert und wird nicht als Reihe gesicherter Formeln ausgeführt.]
17-98. So ist Tripura richtig beschrieben, die Wünsche gewährende Vidya gleich einer Wunschkuh. Durch ihre Verehrung erlangten Götter, Guhyakas und Siddhas die ersehnte Vollendung und Fülle.
Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das siebzehnte Kapitel namens »Zusammenstellung über Tripura«.
Zur Besinnung
Die acht inneren Blüten machen deutlich, dass Verehrung im Text auch eine Frage der inneren Haltung ist. Gewaltlosigkeit, Geduld und Mitgefühl lassen sich im Alltag konkret üben. Die Bitte in 17-72 öffnet zugleich einen freundlichen Umgang mit den eigenen Grenzen: Man darf sorgfältig handeln, ohne Vollkommenheit vorzutäuschen.
Mantrapada, Kapitel 18: Vagishvari, die Göttin der Rede
Dieses Kapitel entfaltet die Verehrung von Hamsa-Vagishvari und weiteren Formen der Göttin der Rede. Saraswati, Mantra, Sprache, Gedächtnis und Erkenntnis werden miteinander verbunden. Die Bildwelten zeigen die Göttin meist hell, mit Buch, Mala und Musikinstrument. Neben Gebeten und Meditation enthält die Quelle historische Anwendungen zur Beeinflussung anderer und Verheißungen außergewöhnlicher Fähigkeiten; diese werden nicht zu heutigen Wirkungszusagen umgedeutet.
Kapiteleingang: Nun das achtzehnte Kapitel.
18-1. Als besondere, zuvor angedeutete Form wird Tripura-Hamsa-Vagishvari gelehrt. »Raum mit Bindu« und »Bhrigu« werden jeweils mit den Bala-Silben verbunden. Diese weltbezaubernde Vidya dient der Entfaltung aller Rede. Ihr Seher ist der Lotusgeborene, ihr Versmaß Ushnih und ihre Gottheit die Rede selbst.
18-2. Die Vokale mit Bindu setzt man der Reihe nach in Gesicht, Augen, Nase, Lippen, Gesichtskreis, Kopf, beide Ohren, Mund, Herz, Nabel, den ganzen Körper und Scheitel ein. Die Glieder werden durch die folgenden Buchstabengruppen gebildet; mit den bei Ya beginnenden Lauten bindet man die Richtungen.
Innerhalb von 18-2 ausgeschriebene Gliederformeln: »Om Ham Sah, Ka Kha Ga Gha Nga mit Bindu: Verehrung dem Herzen. Om Ham Sah, Cha Chha Ja Jha Nya: dem Haupt Tha Tha. Om Ham Sah, die retroflexe Ta-Gruppe mit Bindu: dem Haarschopf Vashat. Om Ham Sah, die dentale Ta-Gruppe mit Bindu: dem Schutzpanzer Hum. Om Ham Sah, Pa Pha Ba Bha Ma mit Bindu: der Waffe Phat.« [Die Quelle führt fünf Gruppen aus; im zweiten Glied steht der letzte Laut ohne Bindu. Die exakten Lautzeichen sind in der IAST-Ausgabe bewahrt.]
18-3. Nach dem rituellen Bad mit den eigenen Glieder- und Wurzelmantras sitzt man auf dem gewünschten Sitz. Inmitten des Milchozeans betrachtet man eine göttliche Siddha-Einsiedelei. In einer Mondsteinhalle, auf einem silbernen Pranava-Löwenthron, steht ein großer Lotus, dessen drei Gunas leuchten und dessen Samenkapsel Meru bildet.
Unnummerierte Formel vor 18-4: »Verehrung der Samenkapsel in Gestalt des Meru.«
18-4. Man verehrt die Staubfäden als die großen Kula-Berge: »Verehrung, Verehrung den Staubfäden, die aus den Kula-Bergen bestehen.« Ebenso verehrt man die Blätter als die Berge der Weltregionen: »Verehrung, Verehrung den Blättern, die aus den Regionsbergen bestehen.« Außen verehrt man den Erdkreis und die sieben Meere, ferner in den Richtungen Chandika, Ganapati, Guru und Ortshüter.
18-5. Zuerst kommt die Umfassung der eigenen Gliedermantras; davor steht Rudra im Lotus. Oben sitzt der Viergesichtige im Lotus, unten Vasuki. Sonne und Mond dienen oben als Lichter; vorn stehen die beiden vortrefflichen Schatzgestalten Padma und Shankha und lassen Reichtum fließen.
18-6. Verneigt euch vor der höchsten Hamsa-Vagishvari, deren Körper Nektar ist: weiß wie Mondstein, rechts Gewährungsgeste und Mala, links Laute und Buch tragend, dreiäugig, mit dem Mond auf der Flechtenkrone und mit reinen Ketten und Girlanden geschmückt.
18-7. Man betrachtet ihre göttliche Gestalt bequem in der Samenkapsel sitzend und mit klarem Glanz das eigene Haupt durch Mondnektar des geöffneten Lotus begießend. Mit duftenden Blumen und weiteren Ehrengaben, die mit Arghya-Wasser besprengt wurden, verehrt man sie auch im Geist.
Unnummerierte Anrufungen der Richtungselefanten nach 18-7: »Verehrung Airavata; Verehrung Pundarika; Verehrung Kumuda; Verehrung Anjana; Verehrung Vamana; Verehrung Pushpadanta; Verehrung Sarvabhauma; Verehrung Supratika.« So verehrt man die Richtungselefanten vom Osten an.
Unnummerierte Anrufungen der acht Vasus: »Verehrung Dhara; Verehrung Dhruva; Verehrung Soma; Verehrung Apa; Verehrung Anila; Verehrung Anala; Verehrung Pratyusha; Verehrung Prabhasa.«
Unnummerierte Anrufungen der elf Rudras: »Verehrung Ajaikapad; Verehrung Ahirbudhnya; Verehrung Virupaksha; Verehrung Raivata; Verehrung Tryambaka; Verehrung Pinakin; Verehrung Bhavana; Verehrung Ishvara; Verehrung Kapalin; Verehrung Sthavanu; Verehrung Bhava.« [Die Namensform Sthavanu entspricht der auffälligen Quelllesung und wird nicht normalisiert.]
Unnummerierte Anrufungen der zwölf Adityas: »Verehrung Dhatr; Verehrung Aryaman; Verehrung Mitra; Verehrung Varuna; Verehrung Amsha; Verehrung Bhaga; Verehrung Indra; Verehrung Vivasvat; Verehrung Pushan; Verehrung Parjanya; Verehrung Tvashtr; Verehrung Vishnu.«
Unnummerierte Anrufungen der zehn Vishvedevas: »Verehrung Kratu; Verehrung Daksha; Verehrung Sudha; Verehrung Stavya; Verehrung Kala; Verehrung Kama; Verehrung Dhuni; Verehrung Kurumat; Verehrung Madhumat; Verehrung Rochanama.« [Auffällige Namen werden entsprechend der gelieferten Liste bewahrt.]
18-8. Die Vasus verehrt man im Osten, die dreiäugigen Rudras im Süden, die Adityas im Westen und die Vishvedevas im Norden. Danach folgen Welthüter und ihre Waffengottheiten, jeweils mit Pranava, Namen und Herz-Endung.
Unnummerierte Erläuterung nach 18-8: Gemeint ist die Verehrung mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.
18-9. Mit gelübdegemäßer, maßvoller Nahrung, weißen Duftstoffen, Blütenketten und Gewändern rezitiert man zur Vorbereitung mit der Mala in der durch »Sonnen-Hunderttausend« bezeichneten Anzahl. Je hunderttausendmal opfert man Palasha-Blüten, weiße Lotusse, Jasmin, Wasserlilien und duftendes frisches Ghee.
18-10. Dadurch soll der vorzügliche Übende alle Vollendungen erlangen und zu einem vollendeten Herrn der Rede werden, einer einzigartigen Stätte des Reichtums der drei Welten. Er rezitiert täglich und opfert nach Kräften Ghee und Milch; in Einheit mit der Göttin soll er andere im Wortstreit besiegen.
18-11. Für königlichen Wohlstand betrachtet man die heilsame Göttin in der Farbe glühenden Goldes, dreiäugig, mit Schlinge, Treibstachel, Schwert, Vajra, Lotus und trefflichem Dreizack sowie Furchtlosigkeit und Gewährung. Als Bhuvanamohini betrachtet man sie hibiskusrot.
18-12. Mit sich selbst eins betrachtet man die rote Göttin der Rede, die mit zwei Händen die Laute erklingen lässt und in weiteren Händen Schlinge, Treibstachel, Krug und Mala trägt, mit vielfältigem Edelsteinschmuck. Dies soll bei Japa und weiteren Handlungen Einfluss und das Heranziehen des Erstrebten bewirken.
18-13. Lotusse und Bilva, mit süßen Stoffen und Milch benetzt, sollen Wohlstand bringen. Lotus- und Bandhujiva-Opfer sollen König und Volk beeinflussen, Salz und Reis eine Frau, Jasmin und Wasserlilien Brahmanen, Sesam mit Rohrzucker Händler, Honig und Sesam Shudras und andere.
18-14. Gift- und Vibhita-Holz sollen Feindvernichtung und Feindschaft bewirken; entsprechende Holzstücke und Blätter die Glieder eines Feindes hemmen. Senf mit Gift und Giftbaumholz werden als tödliches Opfer genannt, Senfkörner mit Fußstaub zur Vertreibung von Feinden.
18-15. Gleich große Stücke der Galuchi-Ranke, Kuhmilch und Durva-Sprossen sollen im Feueropfer sämtliche Krankheiten beseitigen; mit Sesam verbunden sollen sie den Tod überwinden. Was immer im Geist gewünscht wird, soll durch Japa und Meditation gelingen. Man verehrt Hamsa-Vagishvari in Einheit mit dem eigenen Selbst.
18-16. Wozu hier viele Erläuterungen? Alles, was durch Tripura bewirkt werde, könne auch durch diese Vidya erreicht werden. Die Früchte der Anwendungen seien gleich; in den drei Welten gebe es für diese beiden nichts Unerreichbares.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Verfahren der Hamsa-Vagishvari.
18-17. Die Chiffren »Wasser-Atri« und »Wasser-Atri«, danach das Wort »Vagvadini« und zweimal Tha ergeben diesen zehnsilbigen Rede-Mantra. Sein Seher ist Dhishana; andere nennen Kanva. Virat wird genannt, die Gottheit ist Vagishvari. [Die Konstruktion lässt Versmaß- und Gottheitsangabe ineinanderlaufen; Virat wird hier nicht stillschweigend als andere Gottheit ausgegeben.]
Unnummerierte Gliederformeln nach 18-17: »Om Ham, sprich, Rigveda: Verehrung dem Herzen. Om Him, sprich, Yajurveda: dem Haupt Svaha. Om Hum, Rede, Samaveda: dem Haarschopf Vashat. Om Haim, du Sprechende, Atharvaveda: dem Schutzpanzer Hum. Om Haum, die sechs Glieder: den drei Augen Vaushat. Om Hah, Itihasa, Purana und Shastra, Svaha: der Waffe Phat.«
18-18. Dies sind die sechs Gliedermantras. Von einem vortrefflichen Guru eingeweiht und den eigenen Pflichten ergeben, trägt man weiße Duftstoffe, Blütenketten und Gewänder, hält reine, maßvolle Gelübdenahrung ein und sitzt am genannten geeigneten Ort. Zur vorbereitenden Vollendung rezitiert man in der mit »Pankti-Hunderttausend« bezeichneten Anzahl.
18-19. Die erste Mantrasilbe setzt man im Herzen ein, mit dem Pranava verbunden. Kopf, Nase, Mund, Augen, Kehle, Brüste, Oberschenkel, Knie, Füße und Bauch werden als weitere Stellen genannt; dort setzt man die übrigen Silben ein und erneut den Pranava im Herzlotus. [Die Zählung und Zuordnung dieser Liste ist uneindeutig.]
18-20. Eine andere Reihenfolge setzt die zehn Silben der Reihe nach in Kopf, Augenpaar, Ohrenpaar, Nasenöffnungen, Mund, Herz und Füße ein. Von beiden Wegen wählt man einen passenden. Danach vollzieht man Glieder-Nyasa und bindet die Richtungen mit der vorgeschriebenen Waffe.
18-21. »Om, schütze mich, Virabhadra des Dakshinamurti! Verehrung sei dir. Schütze uns stets, die wir deinen Füßen dienen, du den Hingebungsvollen Zugewandter!« [Die Genitivform bei Dakshinamurti macht die Anrede syntaktisch unsicher.]
18-22. Zum Schutz von Körper und Mantra rezitiert der Übende diese Formel vor dem Niederlegen, Sitzen, Gehen und den notwendigen Verrichtungen. Die Darbringung von Wasser morgens und mittags soll Verwirrung beseitigen, wenn der Mantra-Rezitierende rein ist.
18-23. Für die Verehrung sitzt man nach Norden gewandt und betrachtet mitten im Milchozean eine kristallene Halle in einem Lotushain. Auf goldenem Löwenthron steht ein offener weißer Matrika-Lotus mit deutlicher Samenkapsel und schön ausgebreiteten Staubfäden.
18-24. Mit Arghya, das durch die eigenen Glieder geweiht ist, und mit dem Mondnektar des Raumlotus betrachtet und besprengt man der Reihe nach Haupt, Ort und Verehrungsgegenstände. Im Süden, Westen, Norden und Osten verehrt man auf Lotussen über Löwenfell-Unterlagen …
18-25. … die vier nun beschriebenen Gestalten: Dakshinamurti-Shiva, den Guru, den Fellbekleideten und Ganesha. Dakshinamurti ist herbstmondhell, dreiäugig, mit Flechtenkrone und Mondsichel, durch ein Yogaband im Sitz gehalten …
18-26. … unter einem Banyan, von Weisen umgeben, mit Axt, Erkenntnisgeste und Mala. Verneigt euch vor ihm. Mit den Guru-Mantras verehrt man den eigenen Guru, den höheren Guru, den höchsten Guru, den eigenen verehrungswürdigen Guru und den unendlich verehrten Guru …
18-27. … in Samadhi vertieft, mit weißen Duftstoffen und Gewändern, mit den acht Fähigkeiten ausgestattet und in allem Erkennbaren vollendet. Dann verneigt man sich vor dem Dreiäugigen mit Schädelschale, Dreizack und Gewährungsgeste, Schlangenschmuck und Gewändern aus Elefanten- und Tigerfell …
18-28. … auf einem Leichen-Lotus sitzend, eine Girlande von Heldenköpfen tragend: vor Bhairava, von Göttern und Asuras gepriesen, für das eigene Gedeihen. Dann vor dem hibiskusroten, elefantengesichtigen Herrn mit Hängebauch, Schlinge, Treibstachel, eigenem Stoßzahn und Frucht …
18-29. … mit Mondsichel, drei Augen und leuchtendem Schmuck: »Ich verneige mich vor dem Herrn der Scharen, dessen Gestalt der Raum ist und der das Erstrebte gewährt.« Mit gesammeltem Geist verneigt man sich vor diesen Beseitigern von Verfehlung, Leid und Hindernissen und ruft die Göttin im Lotusinneren herbei.
18-30. Bharati leuchtet wie Mondstein, Mondlicht, weiße Wasserlilien und Jasmin. Die Mondsichel glänzt auf ihrer Flechtenkrone; sie besitzt drei Augen. Gewänder und Salben sind weiß, Ketten und Blütenkränze rein. Ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit, tragen Schreibgriffel und Buch und gewähren Wünsche.
18-31. Mit den Gliedermantras und Ehrengaben verehrt man sie der Reihe nach. Die Speisegabe soll reiner Milchreis mit Rohrzucker und Ghee sein. Man verehrt sie gemalt auf Tuch oder Tafel; andernfalls in einem gezeichneten Lotus in einem schönen Buch.
18-32. Man kann sie auch im Raumlotus, in der Sonnenscheibe oder im Wasser verehren, nach eigener Neigung und entsprechend den Mitteln. Zuerst wird die Umfassung der eigenen Glieder verehrt, danach die Shaktis und Mütter, jeweils mit ihrem Namen und »Verehrung« am Ende.
Unnummerierte Shakti-Formeln nach 18-32: »Om, Verehrung Yoga. Om, Verehrung Satya. Om, Verehrung Vimala. Om, Verehrung Buddhi. Om, Verehrung Smriti. Om, Verehrung Medha. Om, Verehrung Shraddha.« [Die Liste enthält hier sieben Namen.]
18-33. Die Shaktis stehen an den Blattspitzen, mit Buch und Mala, reinen Ketten und Girlanden und mondhellem Glanz. Die Mütter besitzen die zuvor genannten, ihren Göttern entsprechenden Gestalten, halten beide Hände gefaltet und tragen den Mond auf der Flechtenkrone.
18-34. Im dritten Ring verehrt man die genannten Gestalten von Dakshinamurti an, im vierten außen Indra und die übrigen Welthüter, im letzten Ring ihre Waffengottheiten. Nach gehöriger Verehrung mit duftenden Blumen und weiteren Gaben rezitiert man den Mantra.
18-35. Mit Wasser in der hohlen Hand bringt man Japa und Verehrung dar: »Du, höchste Herrin, deren eigene Gestalt im Geheimsten der Geheimnisse verborgen ist, nimm meine Verehrung, mein Japa und die weiteren Handlungen an, damit ihre Frucht erlangt werde.«
18-36. Diese Formel wird bei jeder Verehrung eines Shakti-Mantra an ihren Lotusfüßen verwendet. Man bittet um Verzeihung und führt sie mit den Gottheiten vom Verehrungsbild in den Raumlotus zurück: »Du Unbefleckte, gehe in die Auflösung ein. Tha Tha.« Oder man setzt dieses Bewusstsein in die Knospe des Herzlotus ein.
18-37. Täglich berührt man das eigene Gesicht mit der Hand und betrachtet sie; wer den Mantra zu den drei Übergangszeiten rezitiert, soll Verfasser von Prosa und Versen werden. Mit dem Mantra in der linken Hand und geballter Faust, gegen den Mund eines anderen gerichtet, wird eine sofortige Hemmung seiner Rede beschrieben.
18-38. Man betrachtet sie mondhell, sechsarmig, mit Gewährung, Furchtlosigkeit, Mala, Lotus, Krug und Buch, weiß und dreiäugig, mit weißen Gewändern, Blütenketten und Schmuck, anmutig und mit hohen Brüsten. Dadurch werden unmittelbares Behalten des Gehörten und umfassendes Wissen verheißen.
18-39. Man betrachtet Vagishvari mit den beschriebenen acht Armen und vier Lotusgesichtern im eigenen Mund und als mit sich selbst eins. Den Mund mit Mantra weihend soll man im Wortstreit siegen und auch nicht studierte Veden und Lehrwerke vortragen können.
18-40. Weiße Blumen und Lotusse, mit süßen Stoffen und Milch benetzt, sollen als Feueropfer binnen sechs Monaten Dichtkunst und Wohlstand bringen. Wer den Körper mit Mantra versieht und jeden Morgen ehrfürchtig tausendmal rezitiert, soll binnen eines Jahres alle Lehrwerke durchdringen.
18-41. Morgens trinkt man Wasser, das hundertzehnmal besprochen wurde, oder rezitiert dreitausendmal in Wasser, das bis ans Herz reicht. Alternativ rezitiert man morgens tausendmal mit dem Mantra am Körper; Bilva-Opfer sollen binnen eines Jahres dichterische Fähigkeit bringen.
18-42. Opfer mit frischen Palasha-Blüten oder Brennholz sollen Dichtkunst bringen, Malura-Gaben Wohlstand. Man trinkt mit diesem Mantra besprochenes Brahmi-Ghee, mit weißer Vacha vermischt; dies soll sofortiges Behalten des Gehörten verleihen.
18-43. Wozu noch viele Worte? Was der Geist wünscht, sei durch diese Vidya in den drei Welten nicht schwer erreichbar. Wie ließe sie sich ganz beschreiben, wenn selbst Brahma sie verehrt, um die Welt vor Not zu bewahren und ihr Bestand und Gedeihen zu schenken?
18-44. Wer Vagishvari verehrt und Vollendung erstrebt, soll Zwiebel, Grinjana, Spelzenwasser, Knoblauch, Kalanja und die mit »Brihadalu …« beginnende, beschädigte Pflanzenfolge sowie Amlataka nicht essen; ebenso nachts keinen Betel nehmen und sich tagsüber nicht mit einer Frau vereinigen. [Die mittlere Nahrungsliste ist sprachlich gestört; fehlende Pflanzenbestimmungen werden nicht erfunden.]
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Verfahren der zehnsilbigen Vagishvari.
18-45. Dieselbe zehnsilbige Formel erhält Pranava und Shakti vorangestellt und heißt Siddha-Vagishvari, der Einfluss auf die Welt zugeschrieben wird. Für die Vorbereitung rezitiert man in der mit »Sonne-Hunderttausend« bezeichneten Anzahl und opfert hundertfünfundzwanzigtausend Gaben aus Guggulu, Milch und Lotussen.
18-46. Je zwei eigene Silben bilden der Reihe nach die sechs Glieder; Verfahren und Anwendung entsprechen dem zuvor Genannten. Ein weiterer Mantra besteht aus »Verehrung, ehrwürdige Göttin«, »Göttin der Rede« und zweimal Tha; ihm werden die vorher genannten Erfolge zugeschrieben.
18-47. Andere nennen als Shaktis des Vagishvari-Mantra Prajna, Medha, Shruti, Shakti, Smriti, Vagishvari, Mati und Svasti.
18-48. Für Befreiung meditiert man im Herzlotus über Saraswati, rund wie eine Kadamba-Blüte und leuchtend wie die Sonnenscheibe. In der Mitte des Lotus-Bindu betrachtet man sie herbstmondhell, von strömendem Nektar überflutet, als Durchtrennerin des Daseinskreislaufs.
18-49. Im Vollmond des Raumlotus stellt man sich die ausströmenden Nektarwasserfluten vor. Wer die Göttin der Rede morgens damit sättigt, soll zu Fülle und zur Meisterschaft der Rede gelangen.
18-50. So sind Mantra, Verehrung und die weiteren allgemeinen Verfahren zur Herrschaft über die Rede beschrieben. Wer sie versteht, soll in der Welt die gewünschte Redemeisterschaft und die allgemeinen Ziele erlangen.
Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das achtzehnte Kapitel über Vagishvari.
Zur Besinnung
Sprache kann klären, verbinden und Wissen weitergeben. Eine heutige Besinnung auf die Göttin der Rede kann deshalb mit der Frage beginnen, wie wir aufmerksam zuhören und wahrhaftig, verständlich und freundlich sprechen. Das Gebet um Annahme der eigenen unvollkommenen Praxis lässt zugleich Raum für Lernen und Korrektur.
Mantrapada, Kapitel 19: Shrihridaya – das Herz der Shri
Shri beziehungsweise Lakshmi erscheint als fürsorgliche Mutter und als Kraft des Gedeihens. Das Kapitel verbindet innere Meditation mit äußeren Verehrungsbildern, Gebeten und historischen Wohlstandsritualen. Zugleich dienen zahlreiche Verse als Beispiele unterschiedlicher Versmaße; die in der Quelle beigefügten metrischen Namen werden bei den Versen bewahrt. Die genaue Gestalt mancher Laut- und Zahlenchiffren bleibt offen.
Kapiteleingang: Nun das neunzehnte Kapitel.
Unnummerierte Einleitung: Hier werden Verse aufgezeichnet, die Beispiele und Kennzeichnungen der nach Silbengruppen, Zählzeiten und Versformen bestimmten Metren darstellen.
19-1. Sie triumphiert in der Welt, die Mutter Lakshmi, die Edle: Mit ihrem mitleidvollen Seitenblick schützt sie den Menschen und schenkt ihm das gewünschte Gedeihen, als wäre er ihr eigenes zu nährendes Kind. Versmaß: Arya.
19-2. Die Erinnerung an ihre Lotusfüße lässt in der Welt Getreide, Kühe, Gold, Land, Herrschaft, Besitz, Pferde, Elefanten und kostbare Frauen gedeihen. Versmaß: wie zuvor.
19-3. Das »V-Ende«, auf Feuer ruhend und mit linkem Auge, Bindu und Nada verbunden, wird als Lakshmis Mantra genannt. Durch den Weg des Japa soll er rasch zur Vollendung führen. Versmaß: Pathya. [Die Lautchiffre wird nicht stillschweigend aufgelöst.]
19-4. Von Shakti am Anfang und Ende eingeschlossen heißt dieser Mantrakönig Shrihridaya. Vom Guru empfangen und mit Meditation verbunden, trägt er Frucht; hinsichtlich der Versgestalt entspricht er einer Gatha. Versmaß: Pathyagatha.
19-5. Der Seher heißt Vishnu, das Versmaß Jagata; die Gottheit ist die von der Welt verehrte Lakshmi. Nun werde ich seine Glieder nennen. Versmaß: wie zuvor.
Unnummerierte Gliederformeln nach 19-5: »Om, Lakshmi: Verehrung dem Herzen. Om, Shri: dem Haupt Tha Tha. Om, Devajushta: dem Haarschopf Vashat. Om, Maya: dem Schutzpanzer Hum. Om Shrim Hum Phat: der Waffe Phat. Om Ham Sah.« Mit der letzten Formel bindet man die zehn Richtungen.
19-6. Nach der Einweihung empfängt man die Vidya im Monat Phalguna unter Phalguni oder an einem günstigen Mondtag und zu einer guten Stunde, etwa unter einem geeigneten Geburtsstern. Versmaß: Mukhapathya.
19-7. Während die Sonne nördlich zieht, badet man und trägt weiße Duftstoffe, Blütenketten und neue Gewänder. Nach Verehrung des Elefantengesichtigen und des Lehrers rezitiert man den Mantra. Auch dies ist Arya. [Der Ausdruck »āryāmapi« bleibt im Satzanschluss unsicher.]
19-8. Zuerst rezitiert man je hunderttausendmal an einem Flussufer, bei einem Bilva-Baum, auf einem Berg sowie in einem Vishnu- oder Shiva-Tempel. Dann verehrt man sie nach dem nun beschriebenen Meditationsverfahren.
19-9. Meru steht in der Mitte des Erdlotos und bildet seine breite Samenkapsel. Die umliegenden goldenen Gipfel stellt man sich als Staubfäden vor.
19-10. Man tritt selbst in die überaus schöne Mitte dieses Lotus ein und sitzt mit geradem, aufgerichtetem Körper, unbeweglich und mit beherrschtem Geist.
19-11. Unterhalb des Nabels betrachtet man einen tausendblättrigen Lotus, leuchtend wie hundert Sonnen. Seine Samenkapsel ist der Pranava; darin befindet sich die rote Shakti-Silbe.
19-12. Im achtblättrigen Herzlotus betrachtet man das Bija der Ma, wie flüssiges Gold leuchtend. Zwischen den Brauen befindet sich ein weiterer tausendblättriger Lotus mit dem Shakti-Bija.
19-13. Im hundertblättrigen Scheitellotus betrachtet man die mit »Krug mit Bindu« und »Ta-Ende« bezeichnete, überaus weiße Lautgestalt. Sie lässt Nektarfluten regnen; dazu wird ein Lotusgesicht genannt. [Die Quelle kennzeichnet »vargāg« bereits als unsicher; der Satzschluss bleibt undeutlich.]
19-14. Im ersten Lotus betrachtet man Shakti, deren schöner Laut süß wie Glockenklang ist. Innerlich rezitiert man sie bis zum Sushumna-Weg des Herzlotus. Dies sind besondere Arya-Formen.
19-15. Im Herzlotus erscheint das Shri-Bija wie eine Lampe, mit Shaktis Nada vereint. Von dort erreicht es den oberen Sushumna-Weg und gelangt zum Bindu. Auch dies ist Pathya.
19-16. Von der Brauenmitte führt man die bewusste Lakshmi, mit Shaktis Nada vereint, auf dem Brahma-Weg zum Scheitellotus und weiter zum Mondlotus des Raumes.
19-17. Durch den Brahma-Weg führt man sie zum Herzlotus herab und meditiert dort über sie als Glückseligkeit des Bewusstseins, ihre Gestalt von höchsten Nektarfluten überströmt.
19-18. Immer wieder führt man diese an der Wurzel befindliche Shakti zum Nektarweg und zurück zum Herzen. Man betrachtet sie aufsteigend und wieder im Herzen ruhend, als die Ewige.
19-19. Wenn in diesem als Nishkala, »ohne Teile«, bezeichneten Yoga der Geist fest wird und man ganz darauf ausgerichtet rezitiert, dann werde man allwissend und schaue alles.
19-20. Die Lehrwerke würden einem klar; Getreide, Reichtum und Macht stellten sich ein. Durch solche Übung des Shrihridaya werde Einfluss auf die ganze Welt erlangt.
19-21. Nun werde ich die Meditation mit Gestalt erklären, verbunden mit äußerer und innerer Verehrung, durch äußere Mittel wie Duftstoffe und durch geistig hervorgebrachte Gaben. Dies ist Arya.
19-22. Man betrachtet eine goldene Halle inmitten des Milchozeans, von Lotuswäldern umgeben, mit Schatzgestalten, aus deren Mündern reicher Besitz strömt. Versmaß: Mukhavipula.
19-23. Ihr Boden besteht aus Katzenaugensteinen; sie besitzt vier schöne Tore mit Torbögen. Botinnen mit lieblichen Gesichtern und breiten Hüften schmücken sie. Versmaß: Jaghanavipula.
19-24. Säulen und Baldachine sind mit Perlen und Smaragden vielfältig gestaltet. Ihre vier Ecken besitzen Kristallwände und Edelsteinränder. Eine weitere Jaghanavipula.
19-25. Sanfte Winde vom Malaya-Berg tragen den Duft der bewegten Saugandhika-Haine und den Blütenstaub von Parijata und anderen Blumen herbei, reich an Wohlgefühl. Versmaß: Mahavipula.
19-26. Duftmischungen aus Kampfer, dunklem Duftstoff, kühlem Wasser, Safran und Sandelholz sowie Räucherwerk erfüllen die Richtungen. Versmaß: Mukhachapala.
19-27. In der Hallenmitte betrachtet man ein göttliches Mahendra-Mandala und darin den Lotus des Sitzes, strahlend in seinem eigenen Glanz. Versmaß: Mahachapala.
19-28. Süß erklingt die Vina, dazu große und kleine Trommeln. Unablässig erklingen geordneter Gesang und rhythmisch bemessene Mridanga-Schläge. Versmaß: Pathyagiti.
19-29. Man vergegenwärtigt dort den vollen, lieblichen Gesang der Kinnaras, vermischt mit Bienensummen und den Rufen wohltönender Vögel und Kuckucke. Versmaß: Vipulagiti.
19-30. Man betrachtet Shakti, Shesha und den Lotus auf dem Erdsitz. Die Herren von Feuer, Sonne und Mond sind in der Bedeutung von Brahma, Vishnu und Shiva zu verstehen. Versmaß: Upagiti.
19-31. Die Shaktis der acht Lotusblätter heißen Kanti, Pushti, Dyuti, Dhriti, Kirti, Mati, Tushti und Shanti. Ihre Bedeutungen werden durch die eigenen Namen ausgedrückt; man verehrt sie mit der Herz-Endung. Versmaß: Aryagiti. [Die Namensfolge ist in der Quelle mit einem Fragezeichen versehen.]
19-32. Auf dem östlichen Blatt befindet sich Vasudeva, im Süden Sankarshana, im Westen Pradyumna und im Norden Aniruddha.
19-33. Sie halten Muschel und Rad, tragen gelbe Gewänder, göttliche Blütenketten, Duftstoffe und Schmuck. Sie leuchten blau, weiß, rot und gelblich, tragen Shrivatsa an der Brust und den Kaustubha.
19-34. Airavata, Kumuda, Vamana und Sarvabhauma stehen weiß auf den Eckblättern, mit Nektarkrügen und je vier Stoßzähnen.
19-35. Riddhi, Sarasvati, Svasti, Priti, Kshama, Rati, Siddhi und Ruchi sind die Botinnen in den acht Richtungen. In den Händen tragen sie Blütenketten, Gewänder, Duftstoffe, Schmuck und Fächer.
19-36. Im fünften Ring verehrt man Indra und die übrigen Welthüter mit Waffen, Gefolge und Reittieren. Zuvor verehrt man die Glieder an den Spitzen der Staubfäden.
19-37. Am östlichen Tor verehrt man die Botin Valakini, am südlichen Vanamalika, am westlichen Bibhishika und am nördlichen Shankari.
19-38. Sie tragen Schwert und Rohrstab, sind klein von Gestalt und schönäugig, mit eigenem Schmuck geziert. Sie leuchten dunkel, weiß, tiefrot und honiggelb.
19-39. Dharma, Artha, Kama und Moksha stehen an den vier Ecken, in Menschengestalt mit göttlichen Blütenketten und Schmuck. Ihre Formen, Eigenschaften und Gewänder entsprechen jeweils ihrer Bedeutung.
19-40. Aus dem Mond des Raumlotus ruft man die lichtvolle Shri ins Herz oder in den äußeren Lotus: »Om, komm, komm, Göttin Kamala, Mutter der Welt! Von der Brust des Weltenherrn komm hierher zum Gedeihen von mir, deinem Verehrer …
19-41. … und nimm die bereitete Verehrung an, die nach den vorhandenen Mitteln gestaltet wurde.« Mit diesem Mantra vollzieht man nach der Vorschrift die Einfassung.
19-42. Mit Arghya, das durch Wurzel- und Gliedermantras erfüllt ist, besprengt und reinigt man sich selbst, Ort und Hilfsmittel. Mit gedehnt gesprochenen Mantras, Blumenschmuck und Bad wird das Bild gereinigt.
19-43. Arghya gibt man mit dem Herzmantra, Fußwasch- und Mundwasser mit dem Waffenmantra. Das Bad erfolgt unter Wurzel- und Gliedermantras. Gewänder, Schmuck und die fünf Gaben von Duftstoff an werden mit Herz- und Wurzelmantra dargebracht.
19-44. Als Speisegabe gibt man Milchreis mit Ghee und Zucker, reinen Reis mit Ghee, süße Früchte und Beilagen, in Ghee bereitete Modakas und süße Getränke.
19-45. Man gibt kühles duftendes Wasser, Wasser für die Hände und Mundduft. Im Feuer vollzieht man die vorgeschriebene Eröffnung und opfert Ghee mit Glieder- und Wurzelmantras.
19-46. Jasmin, Wasserlilien, Tulasi, Vasanti, Mallika, Kubjaka und Saha, Nandyavarta, Damanaka, Maruvaka, Malura, Naga, Punnaga und Shiph(a) …
19-47. … oder andere duftende, geeignete weiße Waldblumen, mit Ausnahme von Drona, sollen Lakshmi erfreuen. So entfaltet sich hier die Aryagiti. [Einige Pflanzennamen sind nicht sicher zu bestimmen.]
Unnummerierte metrische Anmerkung nach 19-47: Dies sind Aryagiti-Verse.
19-48. Nachdem man Vishnu, den ungeborenen, alterslosen, unsterblichen Einen, hingebungsvoll verehrt hat, soll man diese angemessene Shri-Verehrung in Aryagiti-Form zur Erlangung der vier Lebensziele entfalten. Metrische Anmerkung: Pathyaryagiti.
19-49. Wer Shri erlangen will, soll ihren Mantra beständig im Geist rezitieren. Wenn er mit Einsicht die weitreichende Bindung an Sinnesgegenstände aufgibt, wird er zu einem Gefäß für Kamala. Metrische Anmerkung: Vipularyagiti.
19-50. Wer weiße Gewänder, Blumen und Duftstoffe trägt, täglich opfert und Mantra-Japa und Verehrung pflegt, seinen Besitz rechtschaffen gewinnt und wahrhaftig denkt, wird zur Stätte für das Erlangen vielfältigen Gedeihens. Metrische Anmerkung: Vipulachapal aryagiti.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die nach Silbengruppen bestimmten Versmaße.
19-51. Auch für Frauen soll dieser Mantra durch besonders hingebungsvolle Pflege rasch gelingen. Königen soll er durch die Niederwerfung von Gegnern Sieg schenken und die Scharen der Lobsprecher erfreuen. Versmaß: Vaitaliya.
19-52. Mit weißen Gewändern und Duftstoffen geschmückt, in einem Haus, dessen besonderer Segensritus vollzogen und in dem Brahmanen bewirtet wurden, zeichnet man einen weißen Lotus mit Sitz.
19-53. Im Lotus oder in einer viereckigen Feuergrube setzt man das Feuer ein. Nach der Feuereröffnung ruft man Shri in sein Herz und opfert die entsprechenden Gaben. Versmaß: wie zuvor.
19-54. Ausgezeichnete Brahmanen rezitieren dort das Shri-Sukta und ebenso die vier Veden, alle mit Wassergefäßen versehen. Versmaß: Aupacchandasika.
19-55. Mit Bilva, Lotussen, weißen Blumen, geröstetem Korn, Reis, Duftstoffen, Räucherwerk und Lichtern verehrt man Feuer und Lakshmi; damit soll alles erlangt werden. Versmaß: wie zuvor.
19-56. Wer Besitz erstrebt, opfert Bilva-Früchte oder weiße Lotusse mit Ghee. So soll er Lakshmi für lange Zeit in der eigenen Familie verankern. Versmaß: Apatalika.
19-57. Opfer von Kumuda, Utpala und Kubjaka sollen reichen Gewandbesitz bringen; Milchreis mit Ghee soll Wohlstand zum Übenden kommen lassen. Versmaß: Pracyavritti.
19-58. Palasha-Holz oder dessen Blüten sollen als Opfer große Einsicht bringen, Durva mit Ghee langes Leben. Versmaß: Udicyavritti.
19-59. Ein halbes Jahr lebt man von Opferspeise, rezitiert täglich und verehrt Shri. Man solle eine Herrscherstellung erreichen, sofern man nicht Shri selbst, die schön Lächelnde, erreicht. Versmaß: Charuhasini. [Die Bedingung im zweiten Halbvers bleibt mehrdeutig.]
19-60. Weißer Reis mit Milch, Ghee und Honig soll Nahrungsfülle bringen. Am Tag Bhagas soll ein Opfer von Sarala-Blüten in dieser Welt beständigen Wohlstand verleihen. Versmaß: Aparantika.
19-61. Vor einem Zornigen rezitiert man, die Einheit mit der Gottheit betrachtend; dadurch soll er ruhig werden. Vor einem König soll Mantra-Japa ihn zum Freund machen. Versmaß: Matrasamaka.
19-62. Wen man beim Japa anschaut, den soll man beeinflussen können, sogar eine Waldtierherde. Gegen schlechte Träume vollzieht man morgens Bad, Japa und weitere Handlungen und verwendet Bilva. Versmaß: Vanavasika.
19-63. Ein Feueropfer mit weißen Lotussen und Ghee soll Not, Kummer, Schäden durch Fehlverhalten und Streit sowie großes, von Feinden verursachtes Leid beseitigen. Versmaß: Vishloka.
19-64. Wer königsgleiche Macht oder selbst die Herrschaft führen will, soll durch tausend Tage Japa und Feueropfer Herrschaft und vielfältigen Wohlstand erlangen. Versmaß: Chitra. [Die Quelle bietet zur Verbform eine geklammerte Lesungsalternative.]
19-65. Dreihundertsechsunddreißig Bilva-Holzstücke, Früchte oder Blätter opfert man zu den drei Tageszeiten; daraus wird großer, vielfältiger Wohlstand verheißen. Versmaß: Upachitra.
19-66. Zu diesen Zeiten opfert man Reis mit Ghee und Milch, verbunden mit Brahmanenbewirtung. Nachts vollzieht man die besondere Verehrung; wer Königsherrschaft wünscht, soll sie erlangen. Versmaß: wie zuvor.
19-67. Man berührt den vorschriftsmäßig gefüllten Krug, rezitiert und verehrt Lakshmi darin. Der mit ihm begossene König soll die Erde mit allen ihren Bereichen erlangen. Versmaß: Padakulaka.
19-68. Dem Opferpriester gibt man Geld und Tiere, ehrt die Brahmanen mit Schmuck, Gewändern, Fahrzeugen, Getreide und gewünschten Gaben; so soll das Erstrebte bald gelingen. Versmaß: wie zuvor.
19-69. »Tochter des Milchozeans, Mutter, sei dem König gnädig in dem, was er ersehnt. Mit dem Shri-Krug begossen, möge er hundert Jahre voller Gedeihen leben.«
Unnummerierte Erläuterung nach 19-69: So richtet man die Bitte an die Göttin.
19-70. In einem guten neuen Haus zeichnet man einen Lotus und stellt einen neuen Krug darauf, mit Wasser und neun Edelsteinen gefüllt. Mit Gewändern, Duftstoffen und Blumen verehrt man ihn; Mantra-Japa und Feueropfer werden bei aufgehender Sonne vollzogen. Versmaß: Gityarya.
19-71. Die Begießung eines guten Königs oder eines anderen Menschen, der Tugenden pflegt, fremdem Wohl dient und Götter und Guru gerne verehrt, soll ihm auch bei schwankendem Mut Sieg auf Erden bringen. Metrische Anmerkung: Andere nennen dies Chaladhriti.
Unnummerierte Vorbereitung nach 19-71: Man gibt Shali-Reis, Durva, Bilva, Lotus, Wasserlilie, die zehn Blumen, Sesam, schwarze Bohnen, Kusha, die vier milchsaftführenden Bäume und ungebrochenen Reis hinein. Den Brahma-Büschel schmückt man mit Perlennetzen, sich selbst mit weißen Gewändern und weiterer Ausstattung. Man ruft Shri im Krug herbei und rezitiert das Wurzelmantra zehntausend- oder tausendachtmal. Nach großer Vishnu-Verehrung preist man Göttin und Gott gemeinsam.
19-72. »Sieg, Sieg dir, der du den Sohn Ditis mit den Nagelspitzen zerrissen hast! Sieg, Sieg dir, die du herrlich aus dem gequirlten Ozean hervorgingst! Sieg, Sieg dir, der du Muschel und Rad trägst! Sieg, Sieg dir, die du beim Lotusäugigen deine Wohnstatt genommen hast!« Versmaß: Chulika.
19-73. Verneigt euch vor dem Bezwinger Madhus, der Zuflucht der Zufluchtlosen, dem Unvergleichlichen von überragenden, unzähligen Eigenschaften. Die Guten schauen ihn, das Selbst des Weltganzen, als Licht ihres eigenen Selbst im Inneren. Versmaß: Saumya.
19-74. Ich verehre die Göttin Lakshmi, die im Lotus wohnt und aus dem Milchozean geboren ist. Deine beiden Füße, o Göttin, schön wie frische Lotusblätter, mögen hier in meinem Herzen ruhen. Versmaß: wie zuvor.
19-75. Nach diesem abschließenden Lob gibt man dem Guru nach den eigenen Mitteln Besitz. Dann solle bald die gewünschte, unermessliche Fülle entstehen.
19-76. Nun folgt ein Feuerverfahren zur allgemeinen Befriedung in einer viereckigen Halle mit vier schönen Toren und Torbögen, vielfältig mit Früchten, Blumen und weiteren Dingen geschmückt.
19-77. In den vier Richtungen rezitiert man Svasti- und Shri-Sukta. Mittags und um Mitternacht opfert man weiße Lotusse und Bilva mit Ghee.
19-78. Ein Zehntel davon opfert man Hari als Ghee, dann bewirtet man Brahmanen. Einen Monat lang vollzieht man täglich auch die Wassersättigung.
19-79. Dadurch werde man glücklich und wohlhabend, von Störungen und Bedrängnissen der Welt befreit. Wem man eine mit diesem Mantra besprochene Blume oder Duftpaste gibt, den soll man beeinflussen können.
19-80. Wenn der Atem im Nektarweg fließt, nimmt man unter Japa den Atem eines Schlafenden auf; dies soll Einfluss bewirken. Auf der eigenen Stirn betrachtet man im Feuerort das rote Shakti-Bija. [Das Verhältnis beider Anweisungen bleibt offen.]
19-81. Sahadevi sammelt man an einem reinen Ort, bespricht sie vielfach und trägt sie am Kopf oder Arm. Dadurch wird Sieg in Kampf, Streit und Waldgefahren verheißen.
19-82. Am fünften Tag der hellen Mondhälfte oder am elften der dunklen nähert man sich unter Japa einer Frau; dies soll Einfluss bewirken, ebenso auf einen König, einen Mann oder andere Menschen.
19-83. Mit den Shakti-Duftstoffen zeichnet man nacheinander einen acht- und einen sechzehnblättrigen Lotus, außen einen mit der Blattzahl »Raga« und darum einen mit der durch »Vitana« bezeichneten Blattzahl. Metrische Anmerkung: besondere Arya-Formen.
Unnummerierte Zwischenüberschriften: Abschnitt über die nach Silbengruppen und Zählzeiten bestimmten Versformen. Nun in Anushtubh.
19-84. In die Samenkapsel schreibt man die zu schützende Person. Auf die acht Blätter setzt man jeweils gleich den »letzten Laut«, verbunden mit Feuer, Auge und Stab. Versmaß: Samani. [Die Lautform bleibt chiffriert.]
19-85. Auf die sechzehn Blätter schreibt man das Wurzelmantra, auf die durch »Raga« bezeichneten Blätter der Reihe nach Schlinge und Treibstachel. Versmaß: wie zuvor.
19-86. Außen schreibt man der Reihe nach die Matrika-Buchstaben, verbunden mit den acht Lauten, Kama und Shakti sowie den als Ma, Japa und Pranava bezeichneten Silben. [Die Lautfolge ist nicht eindeutig aufzulösen.]
19-87. Man rollt es zu einer kleinen Kugel, umgibt sie mit einem Gold- oder Kupferröhrchen und umwickelt sie mit Lotus- oder Seidenfaden sowie Gold. Versmaß: wie zuvor.
19-88. Nachdem man Shri zusammen mit Vishnu im Lotusmandala innerlich betrachtet und verehrt hat, trägt man dies mit gefestigtem Vertrauen. Versmaß: Pramani.
19-89. Diesem Sieges-Chakra werden Wohlstand und Lebensdauer, Schutz, Reichtum, Land, Söhne und weiteres Gedeihen zugeschrieben. Versmaß: Vitana.
19-90. Für den Sieg über sämtliche Feinde ruft man Shri in schwarzer Gestalt in einer dreieckigen Feuergrube herbei, die mit Edelsteinen und Baldachin geschmückt ist. Versmaß: Manichitra.
19-91. Außen legt man Pfeile, Schwerter und weitere Waffen aus und opfert im Feuer Aksha-Holz, mit frischem Senf und Ghee benetzt. Versmaß: wie zuvor.
19-92 – erste Nennung. Zornig und dem Feind zugewandt spricht man den vom Feindnamen eingeschlossenen Mantra aus, verbunden mit zweimal »Schlage«, Schutzpanzer, Waffe und Feuergemahlin. Versmaß: wie zuvor.
19-92 – zweite Nennung. Auch mit gebackenen Teigwaffen und Milchreis opfernd solle man Feinde wie Indra besiegen, schon binnen eines Monats, um wie viel mehr binnen eines Jahres. Versmaß: wie zuvor. [Die doppelte Versnummer ist original.]
19-93. So ist Shrihridaya beschrieben: ein Wunschbaum oder ein kostbarer Edelstein aus dem Wesen der drei Welten, der den Verehrenden das Ersehnte gewährt.
Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das neunzehnte Kapitel namens »Shrihridaya«.
Zur Besinnung
Die Verse 19-49–50 verbinden Gedeihen mit innerer Unabhängigkeit, rechtschaffenem Erwerb und Wahrhaftigkeit. Für eine heutige Praxis kann daraus die Frage entstehen, wie materieller Besitz fürsorglich genutzt werden kann. Das Bild Lakshmis als nährender Mutter lädt dazu ein, Fülle auch als Fähigkeit zum Geben zu verstehen; dies ist eine moderne Besinnung auf die genannten Textmotive.
Mantrapada, Kapitel 20: Lakshmi mit den vier Elefanten und weitere Shri-Mantras
Das Kapitel führt die Verehrung Lakshmis fort und verbindet ihr Bild mit vier Nektar spendenden Elefanten. Es beschreibt das Shri-Bija, weitere Mantraformen und Regeln der Lebensführung. Wie im vorigen Kapitel stehen Versmaßnamen neben den Versen. Neben den historischen Wohlstandsverheißungen fällt die Aufforderung auf, Menschen mit herzlichen Worten Gutes zu tun.
Kapiteleingang: Nun das zwanzigste Kapitel.
20-1. Zuerst werde ich die ausführliche Praxis zur Vollendung des Shri-Bija erklären, die Dharma, Artha, Kama und Moksha verleihen und die Fülle der Verfehlungen lösen soll. Versmaß: Vitana.
20-2. Im Wasser stehend rezitiert man dreihunderttausendmal mit einer Mala aus Lotussamen und begießt sich ebenso mit Wasser. Nach drei Monaten werde man reich. Versmaß: wie zuvor.
20-3. Wer zu Tagesbeginn nach Shri-Verehrung in einem Vishnu-Tempel oder bei einem Bilva-Baum dreihunderttausendmal rezitiert, solle Shri in vielfältiger Erscheinung erlangen. Versmaß: Chitrapada.
20-4. Selbst ohne vorbereitende Vollendungsübung soll dieses Bija den Verehrenden täglich Geld, Getreide und weitere Güter zuführen; deshalb wird es als Shri-Bija gelehrt. Versmaß: Vaktra.
20-5. Sein Versmaß heißt Shri, sein Seher Mankana, seine Gottheit Lakshmi. Durch Japa, Meditation und Verehrung soll es gelingen. Auch dies ist Vaktra.
20-6. Seine fünf Glieder besitzen jeweils ihre eigenen Endungen. Aus zwei genannten Verfahren wählt man eines. Auch dies ist Vaktra.
Innerhalb von 20-6 genannte erste Gliederfolge: »Der großen Shri, du von mächtigem Blitzglanz: Tha Tha. Der Shri, o Göttin, ich opfere: Svaha. Gauri, du überaus Starke, binde, binde: Tha Tha. Standhaftigkeit: Svaha. Hum, du Großgestaltige mit dem Lotus in der Hand: Hum Phat.«
Zweite, abweichende Gliederfolge: »Der Shri Tha Tha. Shrim Phat. Shrim Verehrung. Shri, sei gnädig, Verehrung. Shrih Phat.«
20-7. Nach Einweihung und Empfang des Mantra vom Guru vollzieht man zur Shri-Praxis die täglichen Pflichten und beherrscht Rede und die weiteren eigenen Fähigkeiten auf angemessene Weise. Versmaß: Pathyavaktra.
20-8. Mit weißen Blütenketten und Gewändern lebt man an einem schönen, empfohlenen Ort, nach Osten oder Norden gewandt; die entgegengesetzte Ausrichtung wird gemieden. Versmaß: Viparitapathyavaktra.
20-9. Im Herzen betrachtet man eine neue goldene Halle im Mahendra-Bereich, rings von einem goldenen Wall umgeben und durch lebhafte schöne Gesichter geschmückt. Versmaß: Chapalavaktra.
20-10. Die zuvor genannten lotusäugigen Botinnen mit breiten, schönen Gesichtern, beginnend bei Valakini, verehrt man der Reihe nach an den Toren. Versmaß: Vipulavaktra.
20-11. Lampenreihen, Krüge, die acht Glückszeichen und prächtige Blütenketten schmücken das gute Mandala reich. Versmaß: Bhakaravipula.
20-12. In der Mitte steht ein von Gold und Edelsteinen leuchtender Löwenthron; darauf ein weißer Lotus mit vielen Staubfäden und einer großen Samenkapsel. Versmaß: Ravipula.
20-13. Auf den Richtungsblättern dieses Lotus verehrt man Vasudeva und die anderen, mit den genannten Farben und Waffen und großen Lotusaugen. Versmaß: Navipula.
20-14. Auf den Eckblättern verehrt man wie zuvor die vier weißen, mächtigen Elefanten mit vier Stoßzähnen, beginnend bei Guggulu.
Unnummerierte Namensliste nach 20-14: Sie heißen Guggulu, Guranda, Damaka und Shala.
20-15. Ihre Rüssel halten goldene Nektarkrüge über dem Haupt. Mit Nektarwasser begießen sie Ma, die reiches Glück schenkt. Versmaß: Navipula. [Die Form »mām« kann auch »mich« bedeuten; hier wird sie im Göttinnenzusammenhang gelesen.]
20-16. In der Samenkapsel betrachtet man wie zuvor Shri, die Mutter der Welten, in der ganzen Fülle ihrer Gestalt. Versmaß: wie zuvor.
20-17. Sie ist vierarmig; die oberen Hände tragen zwei weiße Lotusse, die anderen zeigen Gewährung und Furchtlosigkeit. Ihre Fülle und ihr Glanz sind unvergleichlich. Auch dies ist Vipula.
20-18. Sie leuchtet wie das Innere eines frischen Lotus, ihr Gesicht gleicht einem goldenen Lotus. Weiße Duftstoffe, Gewänder und Blütenketten schmücken sie; ihr Glanz ist groß. Versmaß: Vipula.
20-19. Sie ist goldfarben, mit zwei hohen, schönen, vollen Brüsten; ihr zartes Lotusgesicht gleicht dem ganzen Herbstmond. Menschen aller Welten verehren ihre Lotusfüße. Versmaß: Padachatururdhva. [Die Quelle bietet eine Lesungsalternative zur Brustbeschreibung.]
20-20. Ihre schlanke Taille lässt sich mit einer Hand umfassen, ihre Augen sind wie offene Wasserlilien und Lotusse. Die gebundene Haarfülle glänzt dunkel wie Bienenschwärme. Wer sie im eigenen Herzen betrachtet, soll von allen Bedrängnissen frei werden. Versmaß: Apida; die Quelle bietet beim Wort »Herz« eine Lesungsalternative.
20-21. Bei Lakshmis Lotusfüßen betrachtet man die beiden Schatzgestalten mit den Namen Lotus und Muschel, unablässig große Ströme von Edelsteinen und Reichtum ausstoßend. Der eigene Körper erscheint ganz mit überreichem Besitz erfüllt. Versmaß: wie zuvor.
20-22. Schon durch einmalige Meditation soll in dieser Welt Reichtum erreichbar werden. Wer täglich verehrt, rezitiert und opfert, soll Besitz gewinnen wie Kubera, als fordere er den Reichtumsherrn selbst heraus. Versmaß: Pratyapida.
20-23. Wer Lakshmi zur Vollendung bringen will, soll nicht nackt ins Wasser gehen oder schlafen und nicht unrein auf dem Boden liegen. Er soll nicht mit ölfeuchtem oder schmutzbedecktem Körper umhergehen. Versmaß: ebenfalls Pratyapida.
20-24. Unmittelbaren Genuss von Sesamöl und Salz sowie das als »Vaikuntha« bezeichnete [Mittel] soll man meiden. Lotus und Bilva soll man nicht mit Kopf oder Fuß berühren, Lotussamen nicht essen und Blütenbüschel nicht zerreißen. Metrische Anmerkung: Manjari. [»Vaikuntha« ist hier nicht sicher als Gegenstand oder Nahrungsmittel bestimmbar.]
20-25. Man soll Gras nicht unnötig abreißen, den Boden nicht ohne Anlass ritzen und keine Kurkuma ins Gesicht streichen. Am fünften und siebten Mondtag sowie am Tag Bhagas meidet man Salz, saure Amalaka-Früchte und Lavali. Versmaß: Lavali.
20-26. Gebadet, mit unversehrten reinen weißen Gewändern, Blumen und Duftstoffen und morgens mit Lakshmi-Blumen am Haupt soll man alle Menschen durch herzliche Worte begünstigen, liebevoll wie durch Nektarströme. Versmaß: Amritadhara. [Das einzelne Wort »bhakṣaḥ« ist im Satz nicht sicher zu deuten.]
20-27. An Bhagas Tag, am Schlangen-Mondtag und am Freitag genießt man Süßes, am hellen Festtag Milchreis mit Bilva-Früchten. Dadurch werde in der Familie erwachsender Wohlstand erlangt. Versmaß: Udgata.
20-28. Je zehntausend Gaben von Reis mit Ghee, Ghee, weißen Lotussen, Milchreis sowie duftenden Bilva-Blättern und -Früchten sollen bald Shri bringen. Versmaß: Saurabhaka.
20-29. Man vollzieht Begießung, Japa und Verehrung mit den Shri-Hymnen und das Feueropfer Wort für Wort. So werde bald anmutige Fülle erlangt. Versmaß: Lalita.
20-30. Wer täglich bei Sonnenaufgang Nandyavarta-, Pundarika- und Kubjaka-Blüten opfert und tausendmal rezitiert, soll glücklich sein durch rasch zunehmenden Besitz und Viehbestand. Versmaß: Upasthitaprachupita.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Verfahren mit den vier Elefanten.
Unnummerierte Formel vor 20-31: Die Vorlage gibt eine gestörte Formel mit den erkennbaren Bestandteilen »Verehrung … Shri, der Herrin, Verehrung« und weiteren unsicheren Lauten. [Der Wortlaut »yuddhāhālale namo pha vā śrīśe namaḥ (?)« ist nicht sicher übersetzbar und wird nicht rekonstruiert.]
20-31. Seher und weitere Angaben entsprechen dem zuvor Genannten. Wer täglich mit wachsender Hingabe, bis zum Hals im Wasser stehend, diesen Mantra dreihunderttausendmal rezitiert, soll großen Reichtum erlangen. Versmaß: Vardhamana.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Verfahren der Shri-Rekha.
20-32. Herz, Brahma, Gift, Erde, langes Wasser und die mit Auge verbundene Bhrigu-Silbe bilden, mit weiteren Lauten und Svaha am Ende, einen zehnsilbigen Mantra. Durch reines Japa soll er Shri hervorbringen. Versmaß: Shuddhavirat. [Die Lautchiffren bleiben unaufgelöst.]
20-33. Als Seher wird Daksha genannt, als Versmaß Virat beziehungsweise Upachitra. Die Gottheit ist Kamala, die im Lotus wohnt. Für jeden Buchstaben soll man hunderttausend Rezitationen vollziehen. Versmaß des Beispielverses: Upachitraka.
Unnummerierte Gliederformeln nach 20-33: »Verehrung der Göttin. Verehrung der Lotusreichen. Verehrung Vishnus Gemahlin. Verehrung der Wünsche Gewährenden. Verehrung der Lotusgestaltigen.«
20-34. Die fünf Gliedermantras werden der Reihe nach wie vorgeschrieben gesprochen; das Verfahren ist wie zuvor. Wer sie täglich verehrt, soll Shri rasch erlangen. Versmaß: Drutamadhya.
20-35. Wer sechzig Tage oder doppelt so lange den Mantra rezitiert und zehntausendfach Bilva oder Lotusse im Feuer opfert, soll überaus reich werden. Versmaß: wie zuvor.
20-36. Wer Kamala täglich in Meditation, Verehrung und Feueropfer dient und beständig die genannten Gelübde hält, soll die rasch bedrängende Not der Armut hinter sich lassen. Versmaß: Vegavati.
20-37. Man opfert täglich tausend verfügbare weiße Blumen, etwa Nandyavarta, weiße Wasserlilien und Lotusse; dadurch werde man ein Herr des Reichtums wie ein guter König. Versmaß: Bhadravirat.
20-38. Drei Monate opfert man Rohrzucker, Milch, Kuhprodukte, weiße Lotusse, Bilva-Früchte sowie Milchreis mit Ghee. Dadurch wird Sieg über das feindliche Heer und über die Erde verheißen. Versmaß: Ketumati.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die im Lotus Wohnende.
20-39. Die hier genannten Shri-Mantras stammen aus besonderen Tantra-Lehren. Für die Verehrenden bringen sie bei entsprechenden Anwendungen gleichartige Früchte hervor. Versmaß: Harinapluta.
20-40. Wer einen der so beschriebenen Mantras der Lotusbewohnerin vollendet, dessen Familie und dessen eigene Person lasse Lakshmi gedeihen, wie eine im Haus wachsende Wunschranke mit blühenden Spitzen. Versmaß: Pushpitagra.
Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das zwanzigste Kapitel über die vier Elefanten und die weiteren Verfahren.
Zur Besinnung
Herzliche Worte, achtsamer Umgang mit Pflanzen und beständige Übung stehen neben den auf Besitz gerichteten Ritualen. Eine heutige Anregung kann sein, Gedeihen auch in der Qualität der Beziehungen zu suchen: durch Zuhören, freundliche Rede und einen sorgfältigen Umgang mit dem, was uns anvertraut ist.
Mantrapada, Kapitel 21: Shakti und ihre Verehrung
Die schöpferische Shakti wird als Mutter der Sprache und der Welten verehrt. Das Kapitel behandelt ihre Mantraformen, Körper-Nyasa, verschiedene Umfassungen des Verehrungsbildes und die Einweihung. Darauf folgen zahlreiche historische Anwendungen. Es führt außerdem die Beispiele für Versmaße fort. Die Göttinnennamen und die ausdrücklich unsicheren Laut- und Zahlenchiffren bleiben als solche erkennbar.
Kapiteleingang: Nun das einundzwanzigste Kapitel.
21-1. Es triumphiert Shivas göttliche Shakti, die Buchstabenmutter aller Rede und aller Welten. Kein aus einem anderen Mund hervorgehendes Lobwort erreicht ihre höchste Stätte. Versmaß: Aparavaktra.
21-2. Schon im ersten Kapitel wurde das ursprüngliche Shakti-Bija beschrieben, das alle Gestalten umfasst. Seine Entfaltung trägt alle Wünsche als Frucht, wie eine göttliche Wunschranke mit blühenden Spitzen.
21-3. Als Seher wird Ishvara genannt, als Versmaß Gayatri. Shakti selbst ist die Gottheit; ihr Bija besitzt Bindu und Nada.
21-4. Der Raumlaut wird mit langen Vokalen verbunden; mit den jeweiligen Endungen entstehen die sechs Gliedermantras. Das Augenmantra steht vor dem Waffenmantra. Mit Phat bindet man die Richtungen.
21-5. Mit gedehntem Schluss heißt sie Bhuvanadhipa, die Herrin der Welten, und bezaubert die drei Welten. Im Herzlotus, ohne Nada, rötlich leuchtend und mit der Herz-Endung verbunden, heißt sie Hrid-Lekha.
21-6. So wird das Shakti-Bija dreifach beschrieben. Bei der Verehrung steht gegebenenfalls Pranava davor und »Verehrung« am Ende; beim Feueropfer endet es mit der Geliebten des Feuers, während beim Japa das Bija allein verwendet wird.
21-7. Lange hat man den vortrefflichen Lehrer verehrt, seine Wünsche erfüllt und die Einweihung empfangen. An einem geeigneten Tag der hellen Mondhälfte begibt man sich in einen schönen Shiva-Tempel mit einem einzelnen Linga.
21-8. Man verehrt den Elefantengesichtigen und den eigenen Lehrer, trägt weiße heilige Asche und Tripundra, hält maßvolle Gelübdenahrung ein, schweigt und trägt reine Gewänder. Man nimmt an der reinen südlichen Seite seinen Platz ein.
21-9. Shiva mit seiner Shakti und dem Gefolge wird nach der Vorschrift mit großen Ehrengaben verehrt. Man bietet in Milch gekochte Opferspeise mit Ghee und Rohrzucker an und opfert auch ins Feuer.
21-10. Vom achten Tag der dunklen Mondhälfte bis zum folgenden vierzehnten Tag rezitiert man in der mit »Sonnen-Hunderttausend« bezeichneten Anzahl, weder hastig noch schleppend. So wird dem Mantra nach der mit »Tattva« bezeichneten Tageszahl Vollendung zugeschrieben. [Zeitangaben und Zahlchiffren werden nicht harmonisiert.]
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die vorbereitende Vollendungsübung.
21-11. Nun werde ich die Shakti-Verehrung erklären, durch die die verschiedenen besonderen Verfahren gelingen sollen. Nach dem Bad mit Glieder- und Wurzelmantras und nach Vollzug der eigenen vorgeschriebenen Pflichten hält man Schweigen.
21-12. Mit gewaschenen Füßen, nach rituellem Wasserschlucken und mit reinem Grasring an der Hand betritt man den Verehrungsraum. Mit Blumen, Arghya, Grasbüschel und Wasser in der Hand verehrt man zunächst die Göttin im Umkreis.
21-13. Rechts und links am Tor stehen Jaya und Vijaya, rot und gelb. Sie tragen Rohrstäbe, Gewänder, Blütenketten und ihren eigenen Schmuck und besitzen schöne Gestalten.
21-14. Darüber stehen Ganga und Yamuna, weiß und dunkel, mit Lotussen. In der Mitte befindet sich die goldene Tor-Shri, mit Lotus und einem Elefantenpaar.
21-15. Nach ihrer Verehrung weiht man mit dem Naracha-Waffenmantra, vertreibt die Hindernisscharen, tritt ein und verehrt den Herrn des Ortes.
21-16. Nach Verehrung des eigenen Sitzes setzt man sich und reinigt sich durch Elementreinigung. Mit dem Waffenmantra reinigt man beide Hände und setzt die genannten Gliedermantras in ihre Finger ein, der Reihe nach bis zum kleinen Finger; in beide Handflächen setzt man das Waffenmantra mit Pranava.
21-17. Das Wurzelmantra setzt man in Scheitel, Augenpaar, Mund, Ohrenpaar, Herz, Nabel, Hüfte, Liebesbereich, Knie, Unterschenkel und Füße ein.
Unnummerierte Namensformeln vor 21-18: »Hridlekha, Gagana, Rakta, Karalika, Mahocchushma«, jeweils im Dativ, mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende.
21-18. Diese fünf Gestalten werden in Scheitel, Mund, Herz, Geschlechtsbereich und Füße eingesetzt.
21-19. Gayatri, Savitri, Sarasvati, Brahma, Vishnu und Rudra setzt man in Kehle, beide Brüste, beide Schultern und Herz ein. Diese sechs Gestalten werden zuerst links, danach an den genannten rechten Gliedern eingesetzt.
21-20. Stirn, Schulter, linke Seite, Bauch, rechte Seite, Schulter, Rücken und Herz sind die weiteren Stellen. Dort setzt man mit ihren Namen die bei Brahmani beginnenden Mütter ein.
21-21. Danach setzt man die sechs Glieder vom Herzen an an ihren jeweiligen Körperstellen ein. Außen errichtet man mit der Zeigefingerspitze den Waffenwall, der wie loderndes Feuer erscheint.
Unnummerierte metrische Anmerkung: Bis hierher steht dieses Kapitel in Pushpitagra, stellenweise auch in Arya.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über Nyasa.
21-22. Duftstoffe, Blumen, Senf, Kusha-Spitzen, ungebrochener Reis, Durva, duftendes Wasser und Gerste füllt man sorgfältig zum Shakti-Arghya zusammen und verehrt es unter dem genannten Namen. Versmaß: Yavamati.
21-23. Mit dem Büschel besprengt man das eigene Haupt, den Ort und sämtliche Gegenstände von Sandelholz an. Man betrachtet denselben Ort als viereckige Edelsteinhalle und darin einen Edelstein-Löwenthron.
21-24. Unter ihm verehrt man die rote Shakti und die bei Dharma beginnenden Sitzfüße. In seiner Mitte steht ein roter achtblättriger Lotus; die vier Weltalter bilden seine unteren Blätter.
21-25. Die sechzehn Vokale sind seine Staubfäden; seine große Samenkapsel enthält die drei Scheiben. Acht Shaktis von Jaya an befinden sich an den Staubfäden, Sumangala in der Samenkapsel.
Unnummerierte Shakti-Namen nach 21-25: Jaya, Vijaya, Ajita, Aparajita, Nitya, Vilasini, Shaundhi, Aghora und Sumangala. Bei allen steht in der Verehrung Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende.
21-26. In den Eckblättern verehrt man die Glieder vom Herzen an, vorn das Auge, auf den Richtungsblättern die Waffe. Außen folgen in Haupt- und Zwischenrichtungen die schön gekleideten Botinnen von Anangarupa an.
Unnummerierte Botinnennamen nach 21-26: Anangarupa, Anangamadana, Madanatura, Pavanavega, Bhuvanapala, Sarvashishira, Anangadamana und Anangamekhala. Mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende verehrt man sie auf dem Sitz außerhalb des Lotus.
21-27. Sie sind schön und rot von Gestalt und tragen goldenen Krug, Spiegel, Betel, Schirm, Palmfächer, Papagei, Yakschweifwedel und Blumenkorb.
Unnummerierter Übergang nach 21-27: Nun betrachtet man die verehrte Shakti in der folgenden Gestalt, ruft sie herbei und verehrt sie.
21-28. Ihre beiden Füße gleichen jungen roten Lotusblättern; der Edelsteinglanz ihrer Nägel übertrifft den Mond. Was oberhalb ihrer beiden Füße liegt, besitzt in der ganzen Welt eine unvergleichliche Form, die nicht angemessen beschrieben werden kann …
21-29. … die Hüften, der schlanke Bauch, die krugförmigen Brüste, das Armpaar, der Hals – und wie erst das Lotusgesicht, dessen ungleiche drei Augen Wasserlilien übertreffen, und die mächtige Haarfülle! Metrische Anmerkung: Shikha, auch Chulika genannt; der Wortlaut enthält eine Lesungsvariante.
21-30. Sie bringt die Frauen der Götter, Asuras, Menschen und großen Schlangen hervor, die in allen Welten wohnen, mit leuchtenden, reinen, mondgleichen Gesichtern, Lotusaugen und Lotusfüßen …
21-31. … ebenso Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde, Sonne, Opferherrn und Mond. Selbst Brahma ist nicht fähig, die Fülle der Eigenschaften ihres überaus schönen Körpers zu beschreiben. Metrische Anmerkung: Shadja; die Folge des vorigen Verses enthält eine ergänzte Silbe in Klammern.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über Versformen mit ungleichen Zählzeiten.
Einleitung zu 21-32: Nun unter den Silbenmetren, in der Klasse Ukta.
21-32. Sie ist Hri, Rede und Shri. Versform namens Shri.
Einleitung zu 21-33: In der Klasse Atyukta.
21-33. Ich verehre Gauri, Shakti, die Göttin. Versform namens Devi.
Einleitung zu 21-34: In der Klasse Madhyama.
21-34. Sie ist fein, Bewusstsein und ewig; sie ist zu meditieren, jene göttliche Frau. Versform namens Nari.
Einleitung zu 21-35: In der Klasse Pratishtha.
21-35. Um die ganze begnadete Welt zu erschaffen und zu schützen, wurde sie zur Jungfrau. Versform namens Kanya.
Einleitung zu 21-36: In der Klasse Supratishtha.
21-36. Die Weltenherrin nimmt nach eigenem Willen eine Gestalt an. Man meditiere über sie, die jenseits der Form ist und doch Formenfülle besitzt. Versform namens Rupadhya.
Einleitung zu 21-37: Nun in der Klasse Gayatri.
21-37. Ihre Gestalt besteht aus Licht, ihr Leib gleicht der Bandhuka-Blüte. Sie ist göttlich in Form und Kleidung, die schlanke Göttin … Versmaß: Tanumadhya.
21-38. … mit roten Gewändern und Duftstoffen, mit einer halben Mondsichel an ihrer edelsteinglänzenden Krone, reich an göttlichem Schmuck …
21-39. … mit Schlinge und Treibstachel in den Händen, Furchtlosigkeit und Gewährung zeigend, sechzehnjährig, ein Ozean anmutiger Schönheit …
21-40. … die eine Mutter der Welt, die über Samsara hinüberführt, deren Wesen das Bija ist. So meditiere man über Shakti. Versmaß: wie zuvor.
Einleitung zu 21-41: In der Klasse Ushnih.
21-41. Im Mond des Raumlotus, vom höchsten Nektar benetzt, betrachtet man das göttliche Bewusstsein in jugendlich anmutiger Gestalt … Versmaß: Kumaralalita.
21-42. … nimmt es aus dem Raumlotus in die Blumenfülle der eigenen Hand auf und rezitiert innerlich Shakti.
21-43. In der beschriebenen Gestalt setzt man die Göttin fest in diesen Lotus mit seinem Sitz ein, während man das Herzmantra rezitiert.
21-44. Herbeirufung, Einsetzung, Vergegenwärtigung, Festhalten, Umhüllung und die weiteren Handlungen bis zur Erfreuung vollzieht man der Reihe nach mit den eigenen Gliedern, verbunden mit dem Wurzelmantra.
Unnummerierter Übergang: Danach:
21-45. Arghya und Fußwaschwasser gibt man mit dem Herzmantra, Mundwasser mit dem Waffenmantra. Das Bad wird mit dem Wurzelmantra und den Gliedern dargebracht.
21-46. Gute Gewänder und Schmuckstücke, Blütenketten, Duftstoffe, Räucherwerk und Licht gibt man mit dem eigenen Wurzelmantra.
21-47. Vorschriftsmäßig bereitete Opferspeise, Milchreis, Früchte und Beilagen, Modakas, Rohrzucker und Ghee …
21-48. … bietet man mit dem Wurzelmantra dar, ebenso Wasser und guten Gesang. Duftenden Mundbalsam gibt man mit dem Herzmantra.
21-49. Das zuvor genannte Gefolge verehrt man nach den vorhandenen Möglichkeiten mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben oder im Geist. Versmaß: wie zuvor.
Einleitung zu 21-50: In der Klasse Anushtubh.
21-50. Außerhalb des Sitzes, an den Ecken vom Nordosten an, verehrt man elefantengesichtige Kindergestalten, spielend wie Knaben. Versmaß: Manavakakriditaka.
21-51. Sie tragen Schlinge, Treibstachel, Mangofrucht und einen Stoßzahn, rote Blütenketten und Gewänder sowie ihren eigenen Schmuck und leuchten wie Gold.
Unnummerierte Namensformeln nach 21-51: Ganadhipa, Ganadhyaksha, Gananatha und Ganeshvara werden mit eigenem Bija und Pranava am Anfang sowie »Verehrung« am Ende verehrt.
21-52. Auf der Bahn des äußeren Ringes verehrt man Indra und die übrigen Welthüter mit Waffen und Gefolge in ihren jeweiligen Richtungen.
Unnummerierter Übergang vor 21-53: Für die Feuerhandlung begibt man sich zum Feuerraum.
21-53. Man geht nach Osten und verehrt dort in einer guten Yoni-förmigen Grube die Göttin im Mund des nach dem Mantra-Verfahren eingerichteten Feuers.
21-54. Im täglichen Ritus opfert man Ghee, Opferspeise, Milch und Sesam. Bei Wunschhandlungen und anderen besonderen Verfahren gelten die jeweils angegebenen Gaben. Versmaß: wie zuvor.
21-55. Für die Glieder opfert man ein Zehntel der Wurzelmantra-Gaben, mit dem Ghee-Rest die Vollopfergabe. Den Speiserest verstreut man als Bali auf die Erde mit der Namensformel »Für ihr Gefolge«.
Unnummerierte Anweisung nach 21-55: Nach dem Händewaschen und rituellen Wasserschlucken rezitiert man täglich das Wurzelmantra dreitausend- oder tausendmal.
21-56. Eine goldene oder kristallene Mala gilt als besonders gut; eine Perlen-Mala soll vielfältige Vollendung bringen. Versmaß: Chitrapada.
Unnummerierter Übergang vor 21-57: Nach der Verneigung bringt man mit einer Handvoll Wasser und den folgenden Mantras Japa und Verehrung zu den Füßen der Göttin dar.
21-57. »Om. Du Hüterin des Geheimsten der Geheimnisse, nimm unser Japa an. Durch deine Gnade, o Göttin, möge mir die Vollendung zuteilwerden, die in dir ruht.
21-58. Wenn du von mir ohne Hingabe, ohne rechte Handlung und ohne Vertrauen verehrt wurdest, möge all dies durch deine Gnade, o Göttin, vollständig werden.«
Unnummerierte Schlussanrufung: »Verehrung Shakti, der Herrin aller Tattvas.«
21-59. Die Göttin im Feuer führt man in das Bild und die Göttin im Bild in den nektarfeuchten Raumlotus oder Herzlotus zurück. So soll die Handlung gelingen.
Unnummerierte Alternative nach 21-59: Wer zur äußeren Verehrung nicht imstande ist, verehrt sie allein im Geist im Herzlotus.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die allgemeine Shakti-Verehrung.
21-60. Ich verehre die Göttin Hridlekha, bandhukafarben, flackernd wie eine Blitzgirlande, mit dem Mond am Haupt, von göttlicher Gestalt, rot ausgestattet und dreiäugig. Versmaß: Vidyunmala.
21-61. In einem Wunschgarten mit lieblichem Schatten meditiert man über Hridlekha, göttlich gestaltet und sechzehnjährig, auf dem zuvor beschriebenen Sitz im Lotus.
21-62. Innen an den Staubfadenspitzen verehrt man die Glieder, an den Blattspitzen die acht Shaktis, im Süden den roten Ganesha und in ihren Richtungen die Welthüter.
21-63. In dieser Gestalt verehrt man sie im Herzlotus mit geistigen Gaben und Meditation. Nach vierhunderttausend Mantrarezitationen soll der Hridlekha-Mantra gelingen.
Unnummerierter Übergang: Ferner:
21-64. Verehre die herzgewinnende Göttin in roter Ausstattung, dreiäugig und mit Mondsichel, im Wunschgarten auf einem goldenen Berg inmitten des Ozeans, umgeben von Edelsteinen.
21-65. Auf goldenem Sitz im roten Lotus verehrt man ihre Glieder an den Staubfadenspitzen, Hridlekha und die weiteren im Inneren der Blätter sowie sechzehn Shaktis an den Blattspitzen.
Unnummerierte Liste nach 21-65: Karali, Vikarali, Uma-Devi, Sarasvati, Durga, Shachi, Maya, Lakshmi, Shruti, Smriti, Dhriti, Shraddha, Medha, Mati, Kanti und Arya. Je zwei Shaktis werden an einer Blattspitze mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende verehrt.
21-66. Auf der äußeren Bahn stehen die acht Mütter von Brahmani an, außerhalb von ihnen die Welthüter und zuletzt die Waffen. Wer Wohlstand erstrebt, verehrt sie so.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Hridlekha-Verehrung.
21-67. Wer Genuss und göttliche Macht wünscht, verehrt die Weltenherrin mit sieben Umfassungen, in göttlicher Gestalt auf dem Sitzlotus eines Wunschgartens im Ozean. [Die Ozeanbezeichnung »jyāmbhodhi« ist unsicher.]
21-68 – erste Nennung. Innen stehen die Glieder, Hridlekha und die weiteren, sechzehn Shaktis an den Blattspitzen, die acht Mütter, zweiunddreißig Shaktis sowie die Herren der Welten und Waffen.
Unnummerierte Erläuterung nach der ersten 21-68: Der Satz ist mit »man verehre« zu verbinden. Die zweiunddreißig Shaktis heißen: Vidya, Hri, Pushti, Prajna, Sinivali, Kuhu, Rudravirya, Prabha, Nanda, Poshani, Riddhida, Shubhada, Kalaratri, Maharatri, Bhadrakali, Kapalini, Vikriti, Dandini, Mundini, Sendukhanda, Shikhandini, Nishumbhamathana, Mahishasuramardini, Indrani, Rudrani, Shankarardhasharirini, Nari, Narayani, Shulini, Palini, Ambika und Hradini. Ihre Gestalten entsprechen ihren Namen. Sie werden mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende verehrt.
21-68 – zweite Nennung. Diese Weltenherrin ist Parvati, rot ausgestattet und zinnoberfarben. Man betrachtet sie dreiäugig, mit leuchtender Krone, Mondsichel und gebundenem Haar. [Die doppelte Versnummer ist original.]
21-69. Sie trägt vielerlei Edelsteine, goldene Brustmünzen, Perlenketten, Oberarmreifen und weitere Schmuckstücke, einen Leibgurt, einen hervorragenden Hüftgürtel und zwei Fußreifen.
21-70. Eine Botin hält einen weißen Schirm, andere weiße Yakschweifwedel. Weitere stehen an den Seiten der Göttin mit Wasserkanne, Spiegel und anderen Gegenständen. [Die Vorlage bietet »Rad? Schirm?« als Alternative; »Schirm« wird hier im Ausstattungskontext gewählt.]
21-71. Nachdem man Parvati, die Weltenherrin, so hingebungsvoll betrachtet und mit den sieben genannten Umfassungen verehrt hat, rezitiert man den Mantra in der durch »Kala-Hunderttausend« bezeichneten Anzahl.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Verehrung der Weltenherrin.
21-72. Nun wird das gemeinsame Verfahren für die als Bhuvanadhipati, Shakti und Hridya bezeichneten Formen beschrieben, mit elf Umfassungen, dem alle Vollendungen für Menschen zugeschrieben werden.
21-73. Die erste Umfassung besteht aus den Gliedern, dann folgen Jaya und die weiteren, Hridlekha und die weiteren mit den sechs Gestalten, die Gruppe von Anangarupa an, die Vighnas und als sechste die Mütter.
21-74. Eine weitere besteht aus sechzehn Shaktis, danach folgen zweiunddreißig Shaktis. Die neunte beginnt mit Pingala, die zehnte besteht aus den Welthütern, die letzte aus den Waffen.
Unnummerierte Einleitung der Liste: Die Gottheiten der übrigen zehn Umfassungen wurden bereits genannt. Hier werden die vierundsechzig Shaktis von Pingalakshi an aufgezeichnet.
21-75. Pingalakshi, Vishalakshi, Samriddhi, Vriddhi, Buddhi, Svaha, Svadha, Maya, Abhikhya und Vasundhara …
21-76. … Trilokadhatri, Gayatri, Savitri, Tridasheshvari, Surupa, Bahurupa, Skandamata und Shivapriya …
21-77. … Amala, Vimala, Aruni, Aruna, Prakriti, Vikriti, Srishti, Sthiti, Samkhya und Samhriti …
21-78. … Jaganmata, Sati, Hamsini, Mardika, Vajrika, Devamata, Bhagavati und Devaki …
21-79. … Padmasana, Trimukhi, Saptamukhi, Devasuravimardini, Lamboshthi und Lambakeshini …
21-80. … Urdhvakeshi, Bahulinga, Bahudari, Ratharekha, Shashirekha und Gaganavegika …
21-81. … Vayuvega, Anangarupa, Anangamadana, Bhuvanapalya und Anangamekhala …
21-82. … Madanatura, Anangakusuma, Vishvarupa und Asurabhayankari …
21-83. … Surarakshinika, Akshobhya, Satyavada, Shuchivrata, Vajravega, Varada und Vagishi: Dies sind die Shaktis.
21-84. Alle diese vierundsechzig tragen bunte Gewänder und Blütenketten; ihre Gestalten entsprechen den Namen. Sie sind schön und geschmückt.
21-85. Man betrachtet und verehrt alle Umfassungen mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende. In einem Garten auf einem Himalaya-Gipfel, unter einem roten Wunschbaum …
21-86. … betrachtet und verehrt man sie in der beschriebenen Gestalt, bequem auf dem Lotus eines Edelstein-Löwenthrons sitzend, den ein Fußschemel schmückt.
Einleitung zu 21-87: Nun in der Klasse Brihati.
21-87. Hat man dieses Verehrungsverfahren verstanden, verehrt man sie täglich. Den Geist, der wie eine junge Schlange dahingleitet, macht man sehr fest und geradlinig. Versmaß: Bhujagashishusrita.
21-88. Ebenso verehrt man Shakti mit gutem Geist im Herzlotus und täglich auch äußerlich mit guten Gaben, die den eigenen Mitteln entsprechen.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Verehrung mit elf Umfassungen.
Unnummerierter Übergang: Ferner:
21-89. Man betrachtet Ambika von der Farbe einer frischen Wolke, schön und jung, mit Gold und Edelsteinen geschmückt, dreiäugig und in rotem Gewand … Versmaß: Halamukhi.
21-90. … eine aus Muschelschalenstücken gefügte kleine Glocke tragend, mit Oberarmreifen, Armbändern, Krone und auch mit Schlangen geschmückt. Versmaß: wie zuvor.
Unnummerierte Alternative: Oder:
21-91. Man betrachtet sie im Tigerfell, mit dem Schlangenkönig als heiliger Schnur, freundlich und zugleich furchtbar. Sie trägt Schädelschale und Dreizack und zeigt Furchtlosigkeit und Gewährung.
21-92. Mit Botinnen, die Yakschweifwedel, Krug, Schirm und weitere königliche Insignien halten, und mit den sieben genannten Umfassungen verehrt man sie.
Einleitung zu 21-93: In der Klasse Pankti.
21-93. Zuerst rezitiert man Shakti oder Bhuvanadhipa sechzehnhunderttausendmal. Durch das Opfer roter Lotusse mit süßen Stoffen soll der Übende zu reiner Hoheit gelangen. Versmaß: Shuddhavirat.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über furchtbare und friedliche Verehrung.
Unnummerierter Übergang: Nun wird das Einweihungsverfahren erklärt.
21-94. Der Kundige zeichnet einen guten roten Lotus oder das Maya-Chakra und verehrt darin Shakti nach der Vorschrift. Die Samenkapsel enthält das Bija, Treibstachel und Schlinge.
21-95. Im Nordosten stehen auf einem fünfblättrigen Lotus fünf Krüge aus Gold oder entsprechendem Material. Man füllt sie vorschriftsmäßig und setzt darin die fünf Gestalten von Hridlekha an ein.
21-96. In ihnen verbindet man die fünf Kuhprodukte mit den fünfzig aus dem Pranava hervorgegangenen Kalas. Hinzu kommen Wasser von den Rinden milchsaftführender Bäume, Duftwasser und fünf Edelsteine.
Unnummerierte Alternative: Oder:
21-97. Auf einem achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel füllt man neun Krüge, der Reihe nach mit Ghee, Milch, Dickmilch, Zuckerrohrsaft, Flüssigkeit aus Milchbaumrinden und heiligem Wasser. [Die aufgezählten Flüssigkeiten werden nicht künstlich auf neun Einzelzuordnungen erweitert.]
Unnummerierte Ergänzung nach 21-97: In den mittleren Krug gibt man außerdem den Saft der den Buchstaben zugeordneten Kräuter.
21-98. In den acht Krügen der Haupt- und Zwischenrichtungen ruft man die Mütter von Brahmani an herbei, im mittleren Ambika mit Wurzel- und Gliedermantras. Man verehrt sie zusammen mit den Umfassungen.
Unnummerierte Ergänzung nach 21-98: An jedes der vier Tore stellt man zwei mit Palasha-Abkochung gefüllte Krüge. Zum Schutz verehrt man darin Jaya und die übrigen Shaktis.
21-99. Bei der Einweihung folgt man für Vorweihe und weitere Handlungen dem shaivischen Verfahren; oder man verwendet die Mantra-Einweihung mit Shaktis Gliedermantras und dem Shakti-Bija.
21-100. Nach tausend Opfergaben der drei süßen Stoffe gibt man das durch die zusammengeführten Opferreste gereinigte Ghee in die Krüge. Mit ihnen begießt man den Schüler und weiht ihn ein.
21-101. Man opfert Ashvattha-, Khadira-, Jati- und Bilva-Holz, alle Getreidearten, Sesam, Opferspeise und Ghee. Nach Verehrung im Bild vollzieht man die Vorweihe des Schülers.
21-102. Der Guru weiht den Schüler über Nacht vor und erkennt an guten Träumen dessen Aussicht. Mit Glückszeichen, Trommeln, Instrumentalmusik und Gesang vollzieht er dann die Einweihung. Versmaß: Panava.
21-103. Wer so die Einweihung und den Shakti-Mantra aus dem Mund des Gurus empfängt, soll durch Meditation, Japa, Verehrung und Feueropfer die erstrebten Ziele verwirklichen.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Shakti-Einweihung.
21-104. Im Herzlotus des verehrten Feuers verehrt man Shakti mit Umfassungen und Gliedern. Hunderttausendfache Opfer von Lotussen, Bilva und Reis mit Ghee sollen goldreichen Wohlstand bringen. Versmaß: Rukmavati.
21-105. Täglich opfert man achttausend- oder hundertachtmal die genannten Stoffe. Danach isst man das übriggebliebene Ghee und eine Bilva-Frucht, denen Wohlstand fördernde Wirkung zugeschrieben wird.
Unnummerierter Übergang: Nun wird die Meditation für Gedeihen erklärt.
21-106. Man betrachtet sie golden, mit Schlinge, Lotus, Treibstachel und Muschel, verbunden mit dem Sechsgesichtigen. Wer sie im Herzen oder im Feuer verehrt, soll nach der mit »Pfeil-Hunderttausend« bezeichneten Anzahl Wohlstand erlangen.
21-107. Nach »Padmodbhava« stehen Shri- und Shakti-Bija und am Schluss »Verehrung«. Durch Japa und Opfer wie zuvor sollen Reichtümer erlangt werden.
21-108. Unter einem Wunschbaum auf goldenem Sitz betrachtet man die goldene Uma als mit sich selbst eins, mit dem Skanda-Kind auf dem Schoß. Hunderttausend Rezitationen sollen Wohlstand bringen.
21-109. Am Anfang steht der Muschelschatz, dann Schlinge, Shakti-Bija und Treibstachel; am Ende Lotusschatz und Feuergemahlin. So rezitiert man für Wohlstand. [Dies sind Konstruktionsbezeichnungen, keine vollständig ausgeschriebene Formel.]
21-110. Der lange Wasserlaut mit Sa und Bindu wird mit Shakti verbunden. Hunderttausend Rezitationen und die weiteren Handlungen auf einem Berggipfel oder Durva-Opfer sollen langes Leben bringen. [Die genaue Lautverbindung bleibt unsicher.]
21-111. In den »Krug« eingeschlossen und im Krugwasser befindlich soll Shakti durch Japa und Opfer in der Zahl »Sonnen-Tausend« vorzeitigen Tod überwinden und durch Begießung mit diesem Wasser alle Krankheiten beseitigen.
21-112. Hunderttausend Gaben von Amrita-Holz, mit Ghee benetzt, werden mit dem in den »Krug« eingefassten Mantra geopfert. Dies soll den Menschen die Furcht vor unzeitigem Tod nehmen. Versmaß: Mayurasarini.
21-113. An Sonntagen unter Hasta und am siebten Mondtag rezitiert man mit erhobenen Armen, zur Sonne blickend, ein Jahr lang in der Zahl »Sonnen-Hunderttausend«. Dies soll Schwindsucht und Aussatz beseitigen. [Die genaue Verbindung der Kalenderbedingungen bleibt offen.]
21-114. Mit dem in den »Krug« eingefassten Mantra viertausendmal besprochene Asche soll Krankheiten beseitigen; ebenso Öl Windkrankheiten, Ghee Galleleiden und Kana Schleimleiden.
21-115. Pippali soll Milzleiden, Pathya Bauchleiden beseitigen. Alle Arzneien, die der Mantrakundige auf diese Weise gibt, sollen Krankheiten heilen. [Dies sind historische Wirksamkeitsbehauptungen der Quelle.]
21-116. Milch wird fünfundzwanzigmal besprochen und getrunken; dies soll große Einsicht bringen. Andere so geweihte Nahrung soll Lebensdauer und Gedeihen fördern.
21-117. Reis mit Dickmilch soll Gedeihen bringen, geröstetes Korn mit Honig eine junge Frau, Milch und Ghee Vieh, Reis mit Ghee Nahrung.
21-118. Mit Pippala sollen Brahmanen beeinflusst werden, mit Lotussen und Palasha-Blüten Könige, mit weißen Wasserlilien deren Frauen beziehungsweise Händler; mit Öl und Salz andere. Hunderttausendfache Gaben werden genannt. [Die Zuordnung im zweiten Halbvers ist gedrängt und unsicher.]
21-119. Für Liebesgewinnung opfert man alles mit süßen Stoffen. Für Anziehung wird nun erklärt: Bei Königen steht Om am Anfang, bei anderen ein als »Bhautika« bezeichneter Anfang. [Die Vorlage bietet für Om eine Lesungsalternative.]
21-120. Nachts am Fuß eines Banyan opfert man dreihunderttausend rote Oleanderholzstücke mit Ghee. Der Mantrakundige soll dann eine Wünsche gewährende Yakshini sehen.
21-121. Nach zehn Millionen Shakti-Rezitationen mit Meditation, an reinem Ort und mit reiner Nahrung, sollen die acht göttlichen Fähigkeiten erlangt werden; nach hundert Millionen werde man ein unsterblicher Himmelswanderer.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über Gedeihen und Aufstieg.
21-122. Man schreibt Shakti in die Mitte und auf die Blätter eines sechszähligen Lotus, außen die Vokale. Getragen soll dies Frauen einen Sohn bringen. Versmaß: Upasthita.
21-123. In die Mitte eines Sechsecks schreibt man den Mantra, die beiden eigenen Namen in seine Zwischenräume, außen das Erdgehäuse. Getragen soll dies gegenseitige Zuneigung zwischen zweien bewirken.
Einleitung zu 21-124: In der Klasse Trishtubh.
21-124. Auf eine Schädelschale zeichnet man die Gestalt des Feindes mit Namen und das Wurzelmantra im Sechseck. Auf dem Leichenplatz erhitzt man sie nachts unter Japa; dem Gegner werde dadurch wie durch Indras Blitz geschadet. Versmaß: Indravajra; die Vorlage schreibt vor dem Namen zusätzlich »21-«.
21-125. Senf mit Menschenknochen und Salz, mit Senf-Ghee benetzt, wird eine Mondhälfte lang mit dem Wurzelmantra, Zielnamen und gewünschter Handlung geopfert. Dies wird als vollständiges Tötungsritual gegen den Feind beschrieben.
21-126. Nachts opfert man Krähenfedern mit Ziegenmilch, Snuhi-Milchsaft und Fußstaub und rezitiert den in die Windlaute eingeschlossenen Mantra. Dies soll den Gegner in sieben Tagen vertreiben.
21-127. Eulen- und Krähenfedern mit Ziegenblut und Snuhi-Milchsaft werden sieben Nächte lang mit dem bei »Sthanu« beginnenden Wurzelmantra geopfert. Dadurch soll rasch Feindschaft unter Gegnern entstehen.
21-128. Für Stillstellung wird das Shakti-Bija in das Erd-Bija eingefasst, für Austreibung in Feuer und Wind, für Befriedung und Gedeihen in Wasser, sowohl beim Feueropfer als auch beim Japa.
21-129. Das Bija mit dem Namen steht zwischen zwei Kreisen, außen folgt ein Lotus mit der Blattzahl »Kala« und Vokalen. Erd-Bija, Schlinge und Treibstachel befinden sich an den grundlegenden Ecken. Dieses Chakra soll, getragen, Einfluss in den drei Welten verleihen.
21-130. Im sechseckigen Shakti-Bild steht der eigene Name, außen Shakti mit eingefügter Schlinge und Treibstachel, darum das Windgehäuse. Auf einem Betelblatt im Mund getragen soll dies Einfluss bewirken.
21-131. Nun wird eine besondere Schwert-Vollendung erklärt. Wer sie erlangt, soll von großer Kraft und Tapferkeit sein, Feinde besiegen und die Welten durchwandern, an Macht Vishnu und Indra gleich. Versmaß: Upendravajra.
21-132. An einem reinen, einsamen Ort, etwa im Wald, steigt man in das dortige Wasser. Man fastet in der Nacht des vierzehnten Tages der dunklen Mondhälfte und trägt gelblichbraune Blütenketten, Gewänder und Sandelpaste.
21-133. Mit fünf Pulvern zeichnet man einen Lotus und stellt vorschriftsmäßig einen Krug darauf, mit fünf Edelsteinen, Gewändern, Blumen und Duftstoffen. Darin ruft man die furchtbare und friedliche Göttin herbei.
21-134. Mit Rudra-Umfassungen, Wurzel- und Gliedermantras verehrt man sie. Man gibt Duftstoffe, Blumen, Reis, Räucherwerk, Licht und Opferspeise und bringt Bali dar.
21-135. Ein gereinigtes, fehlerfreies Schwert, das bereits einen Menschen getötet hat, ohne innere Linien, Risse und die weiteren Mängel, setzt man im Bild ein. Es soll nicht den Brahmanen-Unterarten angehören; man verehrt die königliche Art. Versmaß: Upajati. [Die Schwertklassifikation ist hier nur benannt, nicht weiter erklärt.]
21-136. Man bringt den blutigen Leichnam eines jungen Helden, der gerade durch eine Waffe getötet wurde, schmückt ihn mit roten Gewändern, Blütenketten und Duftstoffen und legt das Schwert in seine Hand.
21-137. Unter Berührung rezitiert man das Wurzelmantra, bis der Schwert tragende Tote als belebt erscheint und sich erheben will. Dann soll man das Schwert gewaltsam aus seiner Hand nehmen und erfreut aufrufen.
21-138. Nach Entlassung der Gottheit und des Gefolges bis zu Shiva trägt man dieses hervorragende Schwert. Der vorzügliche Übende werde dadurch unangreifbar und könne, wenn er wünsche, Weltherrscher werden. Metrische Anmerkung: Upajati-Verse.
Unnummerierte Ergänzung nach 21-138: Nach demselben Verfahren sind auch die Vollendungen von Dreizack, Ring, Augensalbe und weiteren Gegenständen zu verstehen.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Schwert-Vollendung.
21-139. Nun erkläre ich ein Mittel, um alle zweifelhaften Dinge zu erfahren, die Zukunft, Vergangenheit oder Gegenwart betreffen und den Geist beunruhigen. Versmaß: Dodhaka.
21-140. Nach eintägigem Fasten vollzieht man am dunklen Mondtag der Mütter eine große Verehrung an einem Ort mit einzelnem Shiva-Linga, mit sechzehn Lotussen und Oleanderblüten.
21-141. Man bietet reichlich mit Ghee versehene Milchopferspeise dar und opfert Sesam und Ghee ins Feuer. Für Jati-Holz, Blumen, Nahrung und Früchte werden jeweils achttausend Gaben genannt.
21-142. Man stellt einen vollkommen reinen, unbeschädigten Spiegel auf, verehrt die Göttin darin und rezitiert unter Berührung des Spiegels das Wurzelmantra in der Zahl »Sonnen-Tausend«.
Unnummerierte Nahrungsvorschrift nach 21-142: Solange man das Spiegelverfahren vollendet, isst man Gemüse, erbettelte Nahrung, Gerstenspeise oder Körner-Hülsenfrucht-Brei. So solle es gelingen.
21-143. Am achten Mondtag oder an einem Sonntag bereitet man ein Mädchen vor: Es ist gebadet, gut geschmückt und wird am Vortag mit Milchreis und Ghee bewirtet, damit es für die Schau im Spiegel geeignet ist. Versmaß: Shalini.
21-144. An einem reinen Ort liegt es auf einem Darbha-Lager und wird mit dem Mantra vorgeweiht. Am Morgen wird es gebadet, verehrt, bequem hingesetzt und zum Schauen in den Spiegel angeleitet.
21-145. An einem schönen, mit Kuhdung bestrichenen Ort zeichnet man mit Mehl ein Mandala und verehrt die Göttin im Spiegel mit Räucherwerk, Lichtern und roten Blumen. Das Mädchen solle darin alles sehen.
Unnummerierte Erläuterung nach 21-145: Zuerst sieht es die Göttin auf dem Löwenthron unter dem Wunschbaum, dann alle gewünschten Vorgänge aus den drei Zeiten. Ebenso ist das Verfahren mit dem Daumen und weiteren Schauflächen zu verstehen.
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über Spiegelverehrung.
21-146. Oder man betrachtet sich als mit der furchtbaren schwarzen Göttin eins, die auf einem Löwen reitet und Schädelschale und Dreizack trägt. Dann bestehe keine Furcht im Wasser, im sturmbewegten Meer, im Wald oder im Kampf. Versmaß: Vatormi.
21-147. Shakti, »Wasser mit Auge«, »Mark«, »Raum auf Feuer«, »Auge« und das Wort »alle« werden als Bestandteile genannt. Nach Weglassung von Shakti und vier zuvor genannten Lauten entsteht der auf Svaha endende, als giftvernichtend bezeichnete Mantra. [Die Formel bleibt chiffriert und unvollständig bestimmbar.]
21-148. Man betrachtet die weiße Göttin mit Krug und Dreizack, weiß ausgestattet, mondgekrönt und dreiäugig, als mit sich selbst eins. Sie begießt mit dem aus ihrem Krug strömenden Nektar; Japa soll dadurch Gift vernichten.
21-149. Auf einem gewünschten Feld nimmt der Mantrakundige an sieben Dienstagen Erde aus neun Richtungen ein. Vor Ablauf von neun Monaten solle es sein Eigentum werden. Auch die Mittagszeit an einem Dienstag unter Ashvini wird genannt.
Unnummerierte Ergänzung nach 21-149: Ebenso gilt am Neumond die Zeit der siebenundfünfzigsten Ghatika.
21-150. An einem Sonntag unter Hasta schreibt man den Namen eines Menschen auf Ziegel in der durch »Dhriti« bezeichneten Anzahl. Dieser solle einen lieben und das Gewünschte tun; durch Berührung und Ähnliches werde Einfluss auf alle verheißen.
21-151. An einem schönen Ort verehrt man die Göttin auf Tuch oder Opferfläche nachts täglich mit einzeln dargebrachten duftenden Blumen zu ihren Füßen, in der Zahl »Rasa-Hunderttausend«. Dadurch werde man ein Herr des Reichtums.
Unnummerierte Ergänzung nach 21-151: Hunderttausend Karnikara-Opfer bringen nach der Quelle dieselbe Frucht.
21-152. Nachts verehrt man sie mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Lichtern, Speisen und Gaben und rezitiert bis Sonnenaufgang. Nach sechs Monaten werde man zum Reichtumsherrn.
Unnummerierte Ergänzung nach 21-152: Durch tägliche Verehrung, Japa und weitere Handlungen um Mitternacht sollen Geld, Getreide und Macht erlangt werden.
21-153. Das mit den Buchstaben des Namens eines Gebissenen verflochtene Shakti-Bija wird an eine Wand oder ähnliche Fläche geschrieben und gilt als giftvernichtend. Man rezitiert darüber, wischt das Geschriebene ab oder besprengt und trinkt mit dem Mantra geweihtes Wasser.
21-154. Das mit seinen Gliedern auf Birkenrinde geschriebene Wurzelmantra wird bei Getreide oder anderen Vorräten niedergelegt und soll diese vermehren. Darin verehrt man Göttin und Reichtumsherrn. Die zehn mit dem Mantra geweihten Blumen werden getragen.
21-155. Beide Hände werden einander zugewandt und fest verbunden, die Zeigefinger bleiben frei. Durch Verbindung von Mittelfingern und Daumen entsteht die Kshobhani genannte Mudra.
21-156. Bei verbundenen Fingern und Handflächen streckt man Daumen und Zeigefinger aus. Durch Zusammenfügen von kleinen, Ring- und Mittelfingern entsteht Mohani.
21-157. Ebenso streckt man bei verbundenen Händen beide Zeigefinger aus und drückt die Verbindung von Mittelfingern und Daumen zusammen; dies heißt Dravani.
21-158. Bei ebenso verbundenen Händen drückt man die beiden Zeigefinger zusammen; dies heißt Karshini. Drückt man mit Mittel- und Zeigefingern die beiden Daumen …
21-159. … zusammen und lässt die übrigen Finger frei, entsteht die Gegenwart bewirkende Mudra. Dann verschränkt man die beiden Ringfinger mit den Zeigefingern unterhalb der Hände … [Die Vorlage bietet zur Freigabe der Finger eine Lesungsalternative.]
21-160. … hält die Handflächen nach oben und stellt Mittel- und kleine Finger seitlich mit verbundenen Spitzen gerade und ausgestreckt auf …
21-161. … und berührt mit beiden Daumenspitzen die Wurzeln der kleinen Finger. Dies ist die Yoni-Mudra der Shakti-Tradition, der alle Vollendungen zugeschrieben werden.
21-162. Mohani, Kshobhani, Yoni-Mudra und Dravani werden der Reihe nach zur Beeinflussung eines Königs, aller, von Frauen und von Männern verwendet. [Die Quelle versieht die Zuordnungszeile mit einem Fragezeichen.]
Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über Mudras.
21-163. Am Ufer der Ganga oder anderer guter Flüsse, am Meer, auf einem hohen Berggipfel oder in einem von Bienen belebten Garten sollen zehn Millionen Rezitationen den Übenden einem Weisen gleich machen. Versmaß: Bhramaravilasita.
21-164. Er werde ein Himmelswanderer in den drei Welten oder gelange mühelos in die Unterwelt. Durch Mantra-Japa wohne er auch auf dem Goldberg, langlebig, überaus stark und jugendlich.
21-165. Wie ließe sich alles beschreiben, was durch die Shakti-Vidya erreichbar sei? Die Übenden erstrebten damit jede gewünschte Vollendung, die ihr eigener Geist sich in der Welt ausmalt. Versmaß: Rathoddhata.
21-166. Wer sich fest an Shakti hält, die eine Mutter aller Welten und Herrin sämtlicher Tattvas und Erkenntniswege, dem seien alle Vollendungen nicht schwer erreichbar.
Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das einundzwanzigste Kapitel über Shakti. [Die Endung der Kapitelzahl ist in der Quelle als unsicher gekennzeichnet.]
Zur Besinnung
Das Kapitel erlaubt ausdrücklich innere Verehrung, wenn äußere Mittel fehlen. Seine Gebete bitten darum, dass eine begrenzte menschliche Praxis durch Gnade ganz werden möge. Als heutige Anregung kann dies helfen, regelmäßig und aufrichtig zu üben, ohne den eigenen Wert an rituellem Aufwand oder an versprochenen außergewöhnlichen Erfolgen zu messen.
Mantrapada, Kapitel 22: Tvarita, die rasch Helfende
Dieses Kapitel beschreibt Parvati als Tvarita und Trotala. Meditation, Einweihung und Verehrung münden in ein ausführliches Schutzgebet und eine Betrachtung der Kundalini. Daneben stehen historische Anwendungen, die äußeren Erfolg, Heilung oder Einfluss auf andere versprechen. Diese Aussagen werden als Inhalt der Quelle übersetzt; sie sind keine zugesicherten Wirkungen heutiger Praxis.
22-1. Sieg sei Gauri, die Tvarita genannt wird! Sie kam mit Shankara in das Waldgebiet: Er hatte Jägergestalt angenommen und war, durch die Askese Vijayas erfreut, bereit, ihm einen Segen zu gewähren. Versmaß: Svagata. Vijaya bezeichnet hier Arjuna.
22-2. Zuerst Tara, dann Kavacha mit Halbmond; darauf Chanda mit „Lippe“, Kacchapa, Ekanetra mit dem Ende von Hara und der Samvartaka Genannte mit Ausstoßlaut.
22-3. Linkes Auge, Feuer und Ashadhi; das Weiße mit seinem Anteil, der Raum und der Stabträger; danach der auf der Lippe befindliche Zorn und Phat: Daraus entsteht die zehnsilbige Trotala, auch Tvarita genannt. Die beiden Verse verschlüsseln die Mantrabildung durch Lautnamen; die überlieferte Lesung enthält selbst ein Fragezeichen. Eine eindeutige rezitierbare Formel lässt sich daraus hier nicht sichern.
22-4. Ihr Seher ist Kirata-Rudra, ihr Versmaß Pankti. Die Gottheit, über die man meditieren soll, ist Parvati im Gewand einer Shabari, einer Waldbewohnerin. Durch hunderttausend Wiederholungen verleiht sie nach dem Text Vollendung.
22-5. Wird an beiden Stellen, nach Tara und vor Astra, das Shakti-Bija eingesetzt, entsteht die zwölfsilbige Form. Sie verleiht Vollendung sehr rasch; deshalb heißt die Göttin Tvarita, „die Eilige“.
22-6. Nach Varma und vor Astra werden die eigenen Laute in sieben beziehungsweise zwei Laute gegliedert. So bildet man die sechs Glieder, jeweils indem der vorausgehende mit dem folgenden Laut verbunden wird. Die genaue syntaktische Zuordnung von sieben und zwei bleibt unsicher; die folgende Prosa führt die Paarungen aus.
Unnummerierte Erläuterung zu 22-6. Hier bildet Chanda mit „Lippe“ zusammen mit Kurma das Herz; Kurma mit dem bezeichneten Vokal zusammen mit Ekanetra den Kopf; der genannte Ekanetra zusammen mit Kopa die Haarspitze; der genannte Kopa zusammen mit dem genannten Bhrigu den Panzer; Bhrigu und Akasha, wie bezeichnet, die drei Augen; der genannte Akasha zusammen mit Samvartaka die Waffe. Die Unterweisung lautet, dass alle mit ihrer jeweils zugehörigen Lautklasse verbunden sein sollen. Auch dies sind chiffrierte Lautbezeichnungen, keine ausgeschriebenen Mantras.
22-7. Nach der Einweihung spricht der Schüler den vom Guru gelehrten Mantra. Mit Wurzelmantra und Gliedermantras vollzieht er die rituelle Waschung seines Körpers. Anschließend setzt er die Glieder auf beide Hände, bis zu den Daumen; Astra setzt er auf beide Handflächen.
Unnummerierte Anweisung nach 22-7. Nachdem er mit dem Wurzelmantra den durchdringenden Nyasa ausgeführt hat, soll er die Pranita-Mudra bilden.
22-8. Die Hände werden einander zugewandt aneinandergelegt. Die Zeigefinger richtet man, zusammen mit den Daumen, getrennt nach oben; die Spitzen der Mittelfinger werden gebogen.
22-9. Die Ringfinger liegen über den Mittelfingern, darüber die kleinen Finger. So verbunden bildet die Pranita eine Gestalt wie eine Schlangenhaube. Die zusätzliche Gestaltangabe im Quellwort „havasamsthana“ ist unklar; die Fingeranordnung wird nicht ergänzt.
22-10. Mit dieser Mudra berührt er den ganzen Körper und richtet den Geist auf seine Einheit mit der Göttin. Nachdem er sich rituell begossen und Kleidung angelegt hat, berührt er seinen Körper erneut mit der Mudra.
Unnummerierte Tvarita-Gayatri nach 22-10. „Wir wollen die heilige Kraft Tvaritas erkennen; über die heilige Kraft Trotalas meditieren wir. Möge die rasch Helfende uns anregen!“ Mit dieser Tvarita-Gayatri erfreut er die Göttin durch Wassergaben, ebenso ihr Gefolge unter dessen jeweiligen Namen.
22-11. Schweigend betritt er den Opferplatz. Hände und Füße wäscht er mit reinem Wasser; er vollzieht das vorgeschriebene rituelle Wasserschlürfen und sichert ringsum den Platz durch einen Schutzwall aus dem Waffenmantra.
22-12. Er verehrt den Hüter des Ortes und den Herrn der Wohnstätte. Schweigend nimmt er seinen Sitz ein und vergegenwärtigt die Reinigung der Elemente und die Reinigung seiner inneren Haltung – zum Wohl aller Wesen.
Unnummerierte Anweisung nach 22-12. Nach dem Hand-Nyasa bildet er die Mudra und setzt die Gliedermantras ein. Die eigenen Mantrasilben setzt er an ihren Orten auf Scheitel, Stirn, Kehle, Herz, Nabel, Geschlecht, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße. Dann meditiert er über die Göttin in Einheit mit sich selbst. Nach dieser Selbstreinigung vollzieht er die äußere Verehrung und die folgende Meditation.
22-13. Sie ist dunkel, ihr lockiges Haar gleicht schwarzen Bienen. Ihren goldenen Kopfschmuck ziert eine Kette aus Gunja-Samen. Ihr Antlitz gleicht dem Herbstmond; sie hat drei Augen, hohe volle Brüste und eine schlanke Taille.
22-14. Ihre schönen Schultern und zarten Arme gleichen einer Blumengirlande; ihre Hände haben anmutige, sprossengleiche Finger. Schenkel, Knie und beide Lotusfüße sind schön. In ihrer Gestalt vereinigt sich alle Anmut. Das Wort am Beginn der zweiten Vershälfte ist in der gelieferten Lesung nicht eindeutig; „Schenkel“ bleibt eine unsichere Wiedergabe.
22-15. Schlangen der Brahmanen-, Königs-, Kaufmanns- und der untersten Gruppe trägt sie als Schmuck an Ohren, Armen, Hüfte und Füßen. Besondere Girlanden aus Waldblumen schmücken sie; junge Blätter bilden ihr Gewand. Die sozialen Bezeichnungen klassifizieren hier die Schlangen innerhalb der historischen Ritualvorstellung.
22-16. Sie trägt einen Kranz von Pfauenfedern und besitzt einen Pfauenschirm, ein Paar Wedel und ein Banner. Waldfrauen bilden ihr Gefolge. Auch während der äußeren Verehrung soll man sie so betrachten, in Einheit mit sich selbst.
22-17. Wer Gauri auch nur einmal in der beschriebenen Gestalt vergegenwärtigt und verehrt, empfängt hier seinen Wunsch, wie eine reife, schöne Frucht vom Stiel fällt. Versmaß: Vrinta. Die Erfüllungsverheißung gehört zur Quelle.
22-18. Nun stelle man sich am Hang des Himalaya einen großen, überaus schönen Garten vor. Darin liegt ein Platz aus Edelsteinen und ein prächtiger Sitz, von acht Löwen getragen. „Acht Löwen“ folgt der möglichen Auflösung der Zahl- und Tierbezeichnungen im Kompositum; die Lesung bleibt erklärungsbedürftig.
22-19. In seiner Mitte meditiere man über die tragende Shakti, leuchtend wie flüssige Koralle. Aus ihr erhebt sich ein Lotus, von einem Kranz seiner Blätter geschmückt, wie ein Falke im Aufflug. Versmaß: Shyenika.
22-20. Auf Blättern, Staubfäden und Fruchtboden befinden sich der Reihe nach die Kreise von Sonne, Mond und Feuer mit Brahma, Vishnu und Rudra als ihren Gottheiten. Man verehrt sie mit ihren jeweiligen Namen und dem abschließenden Wort der Verehrung.
Unnummerierte Versmaßangabe vor 22-21. Nun im Versmaß Jagati:
22-21. Dann vergegenwärtige man im Lotus des Raumes, im Mondlotus, das Bewusstsein: Aus der an den Blattspitzen befindlichen Reihe der Kalas strömt Nektar. Es strahlt mit dem Glanz leuchtender Sterne und ist mit Shakti und der Darbringung einer Handvoll Blumen verbunden. Versmaß: Vamshastha. Die dichte räumliche Zuordnung der ersten Vershälfte ist unsicher; die Lesung wird nicht zu einem zusätzlichen Chakra-Schema ergänzt.
22-22. Im Geist wiederholt man nacheinander Wurzelmantra und Gliedermantras und betrachtet Tvarita in der beschriebenen Gestalt. Man ruft sie in den zuvor verehrten Lotus herbei, festigt sie mit dem Herzmantra und macht ihre Gegenwart wirksam.
Unnummerierte Fortsetzung nach 22-22. Mit dem Kopfmantra hält man sie dort; mit dem Wurzelmantra richtet man sie auf, erfüllt sie mit Nektar und umhüllt sie mit dem Panzermantra. Mit dem Herzmantra reicht man Ehrenwasser, Fußwasser und Wasser zum rituellen Schlürfen.
22-23. Ihre sechs Glieder werden nacheinander auf den Blütenblättern, beginnend mit Indras Richtung, verehrt: Sie sind rot und haben weibliche Gestalt. Auf den beiden Blättern in der Richtung des Herrn des Reichtums und Ishanas verehrt man die folgenden beiden; dann die acht Shaktis an den Blattspitzen.
Unnummerierte Formeln innerhalb und nach 22-23. „Verehrung der Gayatri! Verehrung der Pranita!“ Die Namen der acht Shaktis lauten: Humrava, Khechari, Chanda, Chedini, Kshepani, Stri, Humkari und Kshemakarika. Die Quelle trennt am Anfang „hum“ und „rava“; der Name erscheint im Schutzgebet verbunden.
22-24. Die ersten sieben verehrt man mit den Farben, Reittieren und Waffen der Weltenhüter. Die achte ist äußerst furchterregend: Sie hält Dreizack und Schädelschale und erhebt ihren Leib unter Einbeziehung von Knien und Händen von der Erde. Die Haltung ist in der gelieferten Wortfolge nicht eindeutig zu bestimmen.
22-25. Ihre drei Augen und ihr schreckliches Gesicht flammen; die Himmelsrichtungen sind ihr Gewand. Sie vernichtet Bedrängnis und Furcht vor Geisterwesen, Hindernissen und Feinden. So meditiert man über Kshemakari und verehrt sie unter ihrem Namen, mit dem Shakti-Bija zu Beginn und dem Verehrungswort am Ende.
22-26. Vor ihr verehrt man Phatkarini, die einen Bogen trägt und links eine Kugel hält; ebenso Vijaya und Jaya, die goldene Stäbe tragen und geschmückt außerhalb des Tores stehen. Der Bezug des Quellwortes „rasasya“ bei Phatkarini bleibt unklar; eine weitere Hand oder Waffe wird nicht erschlossen.
Unnummerierte Formel und Figurenbeschreibung zu 22-27. „Diener, beschütze! Bleibe auf Tvaritas Geheiß hier! Phat!“ Mit dieser Formel verehrt man draußen den schwarzen, geschmückten Diener, der einen Stab trägt und dichtes beziehungsweise krauses Haar hat. „Verehrung dem Stabträger!“ Mit dieser Formel verehrt man einen gleichartigen Begleiter des Dieners. Die zusätzliche Lesung „kantam“ lässt Geschlecht und Bezug dieses Begleiters offen.
22-27. Man verehrt die Weltenhüter, jeden in seiner Himmelsrichtung, und ebenso Chanda im Nordosten.
Unnummerierte Formel zu 22-27. „Verehrung Chanda, der Trägerin der abgelegten Opfergaben!“
Unnummerierte Anweisung nach 22-27. Alle werden unter ihren jeweiligen Namen mit dem abschließenden Verehrungswort verehrt. Der Göttin bringt man sechzehn Dienste dar, ihrem Gefolge fünf, jeweils entsprechend den eigenen Mitteln.
22-28. Mit bunten roten Gewändern, Duftstoffen …, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, Girlanden und Spiegeln; mit Räucherwerk und Lampen, Honig, Wurzeln und Milchreis; mit Melassereis, reinem gekochtem Reis und Modaka-Gebäck mit frischem Ghee. Nach den Duftstoffen zeigt die Quelle eine durch Sternchen bezeichnete Lücke. Sie wird nicht ergänzt.
22-29. Nach dieser Verehrung reicht man hingebungsvoll kühles Wasser, Betel und weitere Gaben. Mit dem Rest der dargebrachten Speisen, mit Honig, Ghee, Sesam und Blumen bringt man anschließend im Feuer Opfer dar.
22-30. Man ruft die Göttin herbei und opfert fünfundzwanzigmal mit der Gayatri und ebenso mit dem Wurzelmantra; mit den Gliedermantras regelmäßig jeweils ein Zehntel davon. Der Text erläutert hier nicht, wie bei fünfundzwanzig das Zehntel als ganze Opferzahl anzusetzen ist.
22-31. Vor dem Feuer streut man aus dem Speiserest die Bali-Gabe für ihr Gefolge bis hin zum Diener aus. Nach Abschluss dieser Handlung verabschiedet man das Feuer, vollzieht die rituelle Wasserschlürfung und übt Japa mit der Gebetskette.
Unnummerierte Anweisung nach 22-31. Auf die im Shakti-Kapitel beschriebene Weise widmet man Verehrung, Japa und alles Weitere mit einer Handvoll Wasser den Lotusfüßen der Göttin.
22-32. Man verneigt sich und erfreut Parvati nach Möglichkeit mit Tanz, Lobpreis, Gesang und Instrumentalmusik. Dann spricht man: „O Makellose, gehe in die Auflösung ein“, verbunden mit dem zweifachen Tha und dem Wurzelmantra, und lässt sie ins Herz einströmen. „Zweifaches Tha“ ist eine Lautchiffre der Quelle; die Formel wird nicht vervollständigt.
22-33. Wer Tvarita täglich nach seinen Kräften durch Meditation und die weiteren Dienste oder im Lotus seines Herzens durch innere Sammlung verehrt, dessen Familie sollen dauerhaft alle Güter zuteilwerden, in einer Pracht, die Indras Geschlecht entspricht. Versmaß: Indravamsha; die Wortwahl des Verses spielt zugleich auf diesen Namen an.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Reichtum und tägliche Verehrung.
22-34. In einer yoni-förmigen Opfergrube ruft man Ambika ordnungsgemäß in das durch Mantras geheiligte Feuer. Nach der Verehrung bringt man hunderttausend süße Opfer dar; dadurch, sagt der Text, erlangt man die gewünschten Früchte seiner Wünsche.
22-35. Getreide soll Reichtum verschaffen, schwarzer Sesam das Gewünschte. Frische Kunda-, Champaka-, Bilva- und Lotusblüten sollen Wohlstand und Herrschaft bringen; mit Honig getränkte Madhuka-Blüten die begehrten Ziele.
22-36. Weizen und Gerste sowie blaue Lotusse sollen Gedeihen bringen; Jambu-Brennhölzer Reichtum an Geld und Getreide, Senfkörner die Beseitigung von Plagen, Reis Gesundheit und Zuckerrohr das Eintreffen eines geliebten oder gewünschten Menschen.
22-37. Mit Urdbohnen soll der Feind stumm werden, mit Aksha-Früchten verwirrt, mit Kodrava-Körnern krank. Mit giftigen Shalmali-Gaben wird ein Tötungsritual beschrieben, bei dem man die Göttin schwarz und schrecklich betrachtet. Dies ist eine historische Vorschrift für Schädigungszauber, keine spirituelle Empfehlung.
22-38. Mallika-Blüten sollen Unruhe in einer Stadt hervorrufen; mit Patala-Blüten soll man Frauen gewinnen, mit Mango Lebensdauer erlangen, mit Kumuda-Blüten andere unterwerfen und mit Ashoka-Blüten, vermischt mit Süßem und Ghee, Söhne erhalten. Die Zuordnung zur Lebensdauer ist sprachlich knapp; der Text begründet die behaupteten Wirkungen nicht.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Vorschrift für das Feueropfer.
22-39. Beim Feueropfer wie bei Japa und den anderen Übungen spreche man den Mantra nicht schnell, aber auch nicht schleppend. Stets ist ein Maß zwischen rasch und gedehnt erwünscht; dieses verleiht Vollendung. Versmaß: Drutavilambita, dessen Name „rasch und gedehnt“ bedeutet. Das verneinende Wort bei der Wiederholung der Anweisung steht in der Quelle fragend in Klammern.
22-40. Auf ein mit weißem Pulver schön gestaltetes Mandala in Yoni-Form, dessen Ausmaß durch die Ausstreuung bestimmt ist, setzt man zehn neue Krüge. Die Buchstaben Tvaritas sind nacheinander in die zehn Richtungen geschrieben. Die genaue Maßangabe bleibt unklar.
22-41. Neun Krüge füllt man der Reihe nach mit den neun Shaktis, beginnend mit Hurava; den zehnten in der Mitte füllt man mittels des Wurzelmantras der Göttin. Die Namensform Hurava steht hier abweichend von Humrava; sie wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.
22-42. Man füllt sie mit Gold, Edelsteinen, Blumen, Früchten, Duftstoffen und Pflanzenauszügen. Obenauf kommen Blätter von Jackfruchtbaum, Ashvattha, Mango und Bilva.
22-43. Die Krüge werden mit feinem weißem Stoff bedeckt und mit Girlanden, Blumen und weiteren Gaben geschmückt. Man verehrt sie sorgfältig nach der Vorschrift als von Tvaritas Shakti bewohnte Gefäße.
Unnummerierte Anweisung nach 22-43. Danach opfert man im Feuer dreihundertmal mit dem Wurzelmantra, mit jedem Gliedermantra zehnmal und mit jeder der neun Shaktis ebenfalls zehnmal, unter Verwendung von Sesam und gekochter Opferspeise.
22-44. Der fastende Schüler wird nachts rituell vorbereitet. Bei Sonnenaufgang begießt man ihn der Reihe nach aus den Krügen und verbindet ihn durch die vorgeschriebene Mantra-Einweihung mit Tvarita.
22-45. Er bringt dem Guru die Opfergabe dar und erfreut ihn durch seinen persönlichen Dienst und seine Mittel. Dann wiederholt er diesen Mantra dreihunderttausendmal; so soll er ein Mensch mit verwirklichtem Mantra und voller Kraft werden. Die Zahl ist durch „Guna-Hunderttausend“ ausgedrückt; Guna bezeichnet gewöhnlich die Dreiheit.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Einweihung.
22-46. Schönes Kupfer, Silber und Gold werden in dem durch „Vara“ und „Raga“ bezeichneten Maß zusammengeschmolzen. Aus dieser Legierung wird ein Ring gefertigt, der besitzergreifende Mächte zerschlagen soll. Die Mengenchiffre ist nicht sicher auflösbar. Versmaß: Totaka; auch hier spielt die Wortwahl auf das Versmaß an.
Unnummerierte Erläuterung nach 22-46. Gemeint ist ein am Finger getragener Ring, der durch Tvarita-Japa und hunderttausend Ghee-Opfer verwirklicht beziehungsweise rituell ermächtigt wurde.
22-47. Wer ihn trägt, soll Scharen von Geisterwesen, Furcht vor Schadenzauber und giftige Schlangen schon durch einen Blick abwehren, sie unter seine Macht bringen, sie zerschneiden und vernichten können. Die Wirkung ist eine Verheißung des Ritualtextes.
22-48. Außerhalb der durch Zahl und Shakti bezeichneten Mitte zeichnet man ein Diagramm mit sechs und vier Ecken und mit Buchstaben auf einem zehnblättrigen Lotus. Getragen soll es Wünsche erfüllen. Die Beziehung zwischen Zentrum, Ecken und Lotus ist in der knappen Lesung nicht eindeutig; ein konkretes Diagramm wird daraus nicht rekonstruiert.
22-49. In einem auf Birkenrinde oder einem ähnlichen Träger angebrachten Diagramm verlaufen nach Osten und Norden Linien in der Zahl der Sonnen. Die Linienenden sind mit Zähnen und Dreizacken versehen. Die Bezeichnung der Kästchen und die genaue Zuordnung von „Zähnen“ bleiben unsicher; „Sonnen“ ist eine Zahlenchiffre, gewöhnlich zwölf.
22-50. In die Mitte schreibt man den Namen, in die Ecken Tara und in die Richtungen dazwischen Phat. In den Ecken ordnet man die mit Tara beginnenden Mantras so an, dass sie mit Phat enden.
22-51. Schreibt man sie dort in beiderlei Richtung, ergeben sich in den Richtungen acht Wurzelmantras. Zwanzig Pranavas befinden sich in dem Diagramm, an den vier Ecken angeordnet. Wie die Zwanzig auf die Ecken und Verbindungen verteilt werden, erläutert der Vers nicht eindeutig.
22-52. In sämtliche Kästchen schreibt man der Reihe nach je einen Buchstaben des Namens. Das durch Japa und Feueropfer verehrte Diagramm soll, wenn man es trägt, jede Bedrängnis durch besitzergreifende Mächte überwinden.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Das Trotala-Diagramm.
22-53. Oder man schreibt, ausgehend von den vier Pranavas an den vier Ecken, wie zuvor der Reihe nach Tvarita zusammen mit den Buchstaben des Namens.
22-54. Dies ist das Tvarita-Diagramm, das besitzergreifende Mächte und Geisterwesen abwehren soll. Aus diesem zehnsilbigen Mantra nimmt man den zweiten und dritten Laut …
22-55. … sowie den sechsten heraus; so ergibt sich der Mantra Trikantaki. Auf Kopf, Stirn, Mund und Herz sowie auf Nabel, Geschlecht, Oberschenkel und Knie …
Unnummerierte Fortsetzung nach 22-55. … und auf die Füße setzt man die neun Tvarita-Laute ohne Tara.
22-56. Mit Tvaritas eigenen Buchstaben, bezeichnet durch Pfeile, die beiden Ashvins, Geschmäcke, Vasus und danach Nandas, und verbunden mit ihrer jeweiligen Lautklasse, bildet man hier die sechs Gliedermantras. Durch dreihunderttausend Wiederholungen soll man Vollendung erlangen. Die Reihe nennt die Zahlenchiffren fünf, zwei, sechs, acht und neun; die sechs vollständigen Formeln werden nicht ausgeschrieben. Eine fehlende sechste Angabe wird nicht ergänzt.
22-57. Von den Füßen bis zum Nabel ist sie schwarz, vom Nabel bis zur Kehle leuchtet sie wie frischer roter Lack. Oberhalb der Kehle ist ihr Antlitz weiß wie der Mond. Sie trägt eine Mondsichel, hat verfilzte Haarflechten und drei Augen.
22-58. Rings an ihrem Leib befinden sich vier schwarze, schreckliche Gesichter, deren Brauen sich zornig krümmen. Sie haben weiße Fangzähne, sind mit Schlangen geschmückt und speien Feuerflammen.
22-59. In den Armen hält sie eine weiße Muschel, einen Diskus und zwei Lampen, gleichmäßig nach oben und unten gerichtet. So betrachtet man die Tochter des Berges in Einheit mit sich selbst und übt Japa und die weiteren Handlungen, die das Gewünschte bewirken sollen.
22-60. Man meditiert über Trikantaki in Einheit mit sich selbst und bildet die Dreizack-Mudra. Während man Japa übt, blickt man Menschen an, die von einer Macht ergriffen sind. Die eingedrungenen Mächte sollen augenblicklich zugrunde gehen.
Unnummerierte abweichende Anweisung nach 22-60. An anderer Stelle heißt es, man solle über Rudra in Trikantaki-Gestalt in Einheit mit sich selbst meditieren und dadurch besitzergreifende Mächte und Ähnliches abwehren.
22-61. Oder man wiederholt die aus sieben Lauten bestehende Gestalt dieses Mantras, eingeschlossen vom neunten Laut, dreihunderttausendmal, um junge Frauen zu unterwerfen. Dreihundert Wiederholungen nachts auf dem Lager sollen sie herbeiziehen. Die Zahl sieben ist durch „Weise“ verschlüsselt. Der Vers beschreibt ein historisches Beeinflussungsritual.
Unnummerierte Aussage vor 22-62. Durch das Überreichen von Blumen und ähnlichen Gaben, die mit diesem Mantra besprochen wurden, sollen Frauen gefügig werden.
22-62. Den sechsten Laut, eingeschlossen vom dritten und fünften Laut, …
22-63. … wiederholt man und vergegenwärtigt die eigene Einheit mit Trotala; so soll man jedes Gift vernichten. Nun folgt das, was alle Lücken in den Ritualvorschriften des Tvarita-Mantras ausfüllt.
Das Schutzgebet von Tvaritas Umfriedung
Das folgende Gebet verbindet Körper, Himmelsrichtungen und göttliche Kräfte. „Umfriedung“ gibt hier Panjara wieder, wörtlich ein Gitter oder schützendes Gehäuse. Die Namen bezeichnen unterschiedliche Gestalten der Göttin und ihrer Kräfte.
22-64. Om. So soll man Tvaritas Umfriedung kennen, die umfassenden Schutz gewährt: Humrava sei auf meinem Haupt, Khechari sei an meiner Kehle.
22-65. Chanda sei in meinem Herzen, Chedini sei in meinem Bauch. Kshepani sei an meiner Hüfte; die Stri Genannte sei an meinen Oberschenkeln.
22-66. Humkari sei an meinen Knien, Kshemakari an meinen Unterschenkeln. Phatkari sei an meinen Füßen, Jaya an allen meinen Gliedern.
22-67. Vijaya, die Sieg bringt, sei in allen meinen Tattvas, den Grundbestandteilen meines Daseins. So spreche und meditiere ich und berühre dabei das jeweilige Körperglied.
22-68. Om. Brahmani sei vor mir, Maheshvari hinter mir. Kaumari sei zu meinen beiden Seiten, Vaishnavi über mir.
22-69. Varahi schütze mich im Wasser; auf dem Land stehe Indrani und behüte mich. Charcha sei auf allen Seiten gegenwärtig; Chamunda beschütze mich.
22-70. In Bergen, Wäldern, schwer zugänglichen Orten und Ähnlichem sei Chandika meine Beschützerin. Vajrini sei östlich von mir, Shaktini stehe im Südosten.
22-71. Dandini sei im Süden, Khadgini im Südwesten. Pashini sei im Westen; im Nordwesten stehe Dhvajini.
22-72. Gadini sei im Norden und ebenso Shulini im Nordosten. Die Diskusträgerin sei unter mir, Padmini über mir. Die Bezeichnung der Diskusträgerin weicht in der Quelle von der üblichen Namensform ab; ihre Funktion ist hier erkennbar.
22-73. Die Shaktis in Gestalt der Waffen der Weltenhüter mögen mich stets beschützen. Tvarita behüte mich in den Hauptrichtungen, Trotala in den Zwischenrichtungen.
22-74. Oberhalb und unterhalb beschütze mich Turna; Trikanthaki behüte mich immer. Ich befinde mich in Tvaritas Umfriedung, rings geschützt durch die heilige Kraft des Mantras. Hier lautet der überlieferte Name Trikanthaki, während er zuvor als Trikantaki erscheint.
22-75. Von keiner Seite kommt mir Furcht. So möge Parvati uns beschützen. Soll ein anderer Mensch geschützt werden, dann wird bei der Wiederholung dieses Schutzgebetes …
Unnummerierte Fortsetzung nach 22-75. … überall anstelle des Wortes „mich“ das Wort „dich“ eingesetzt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Tvaritas Umfriedung.
Trotala und die aufsteigende Kraft
Die abschließenden Verse wenden sich von äußeren Schutzformen der inneren Betrachtung zu. Die Göttin erscheint als Licht, das sich durch die mittlere Bahn bewegt und mit dem Bild des Nektars verbunden ist.
22-76. Wer die Trotala Genannte betrachtet, leuchtend wie eine Ranke aus Blitzen, schön aus Kundalini hervorgegangen, in den Lotuskelch am Dvadashanta eingetreten und vom strömenden Nektarsaft benetzt, soll Befreiung erlangen. Dvadashanta bezeichnet einen in der Meditation bestimmten Endpunkt im Abstand von zwölf Fingerbreiten; die genaue Bezugslage wird hier nicht erneut erläutert. Versmaß: Puta.
22-77. Vom Lotus des Raumes gelangt sie durch die Brahma-Nadi rasch wieder zum Wurzellotus und steigt erneut nach oben, von Licht durchtränkt. So vergegenwärtigt, verleiht sie sämtliche Vollendungen.
22-78. Alle Mantras der Welt schenken den Übenden die erhoffte Frucht, wenn ihre Zeit gereift ist. Turna aber gewährt das Ersehnte rasch; deshalb hat ihr Name seinen zutreffenden Sinn.
22-79. Wie beim Eintauchen in die dreifach strömende Ganga mit ihrem mächtigen Wasserlauf das Unheil vergeht und durch gute Werke Glück leicht erreichbar wird, so ergeht es nach diesem Vers dem Menschen, der Tvarita verehrt. Versmaß: Jaloddhatagati; das Bild des bewegten Wassers greift den Namen des Versmaßes auf.
22-80. Diesen Mantra Trotalas soll man keinem Ungläubigen lehren und keinem Menschen von schlangenhafter Gesinnung. Man darf ihn einem König geben, der die eigenen erwünschten Güter gewährt, oder einem guten Sohn, der beständig Vertrauen besitzt. „Schlangenhaft“ gehört zur wertenden Ausdrucksweise der Quelle. Versmaß: Bhujangaprayata, zugleich im Wortlaut angespielt.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das zweiundzwanzigste Kapitel, das Kapitel über Tvarita.
Redaktionelle Besinnung. Das Kapitel enthält sehr verschiedene religiöse Anliegen. Für eine heutige, verantwortliche Yogapraxis kann besonders der in 22-12 ausdrücklich genannte Wunsch nach dem Wohl aller Wesen richtungweisend sein. Die Betrachtung des Herzens und das Gebet um Schutz lassen sich als Einladung zu Sammlung und Vertrauen lesen. Diese heutige Deutung bleibt von den historischen Versprechen äußerer Macht und von den Schädigungsritualen unterscheidbar.
Mantrapada, Kapitel 23: Nitya und weitere Formen der Göttin
Die „Ewige“, Nitya, erscheint hier in unterschiedlichen Gestalten. Sinnliche Bilder von Blüten, Musik und Nektar stehen neben der Meditation über Sprache und Kundalini. Der Abschluss deutet die Vielfalt als Erscheinung einer einzigen ewigen Shakti.
Zur Fundstelle: Dieses dreiundzwanzigste Kapitel trägt in der gelieferten Quelle durchgehend die Versmarken 22-1 bis 22-77. Sie bleiben erhalten. Jede folgende Marke ist deshalb als „Mantrapada, Kapitel 23, Originalmarke …“ zu lesen; sie bezeichnet nicht das vorausgehende Tvarita-Kapitel.
22-1. Zu Beginn stehen Tara und Shakti, danach die Wörter Vak und Nitya. Es folgen Bhuja mit Auge und Fleisch, Jhanti mit den beiden Widdern, die Wendung „Vishati-drava“, Shakti, das aus der Rede geborene Bija und zweimal Tha. So wird Nitya als fünfzehnsilbiger Mantra bezeichnet. Der Vers enthält Lautchiffren und eine nicht sicher gliederbare Wortfolge. Daraus wird keine gesicherte Rezitationsformel rekonstruiert.
22-2. Ohne Vagbhava bildet man mit den eigenen Lauten der Reihe nach, nach der durch Krura, Khari und Bhava bezeichneten Gliederung, und mit dem Ganzen die sechs Glieder. Mit den jeweils zugehörigen Lautklassen enden sie bei Astra. Oder man bildet die Glieder wiederum mit Vagbhava. Die Zahlen- und Lautbezeichnungen sind örtlich unsicher; die alternative Anweisung bleibt erhalten.
22-3. Kamadeva ist der Seher dieses Mantras; als Versmaß gilt Atishakvari. Die Gottheit ist Uma selbst, Nitya genannt, mit dem vorangestellten Wort Klinna. Seine Frucht soll Einfluss auf die Welt und Wohlstand sein. Die zusammengesetzte Bezeichnung erscheint im Abschnittsabschluss dagegen als Nityaklinna; die unterschiedliche Reihenfolge wird nicht korrigiert.
22-4. Hat der Übende vom Guru Einweihung und Gnade empfangen, soll er den Mantra wiederholen. Zuvor reinigt er sich selbst und die weiteren Bestandteile des Rituals. Dann vergegenwärtigt er in einem Meer aus süßem Trank eine dreieckige Insel.
22-5. Leuchtende Wunschbäume machen sie lieblich. Im Osten geht die Sonne auf, im Westen strahlt der volle Mond mit einem Kranz von Sternen. Stellenweise ist der Himmel durch Regenzeitwolken schön.
22-6. Ashoka-Bäume mit glänzenden Knospenbüscheln und gelblich roten jungen Trieben nehmen dort den Kummer. Die lieblichen Rufe der Kuckucke und das Summen der Bienen machen den Ort überaus reizvoll; in seinem Inneren liegt eine goldene Fläche.
22-7. Auf ihrem Lotus verehrt man einen goldenen, dreieckigen Sitz mit Lotus, der wie Rubin leuchtet. Nach Verehrung dieses Sitzes verehrt man die Kräfte in den Ecken des Feuers, des Wassers und Ishas. Weitere Kräfte werden in den Richtungen und in der Mitte verehrt; ihre Formeln enden mit dem Verehrungswort.
Unnummerierte Formeln innerhalb 22-7. „Om, Aim, Klim, Verehrung dem Sitz des Yoni-Lotus!“ Es folgen die Anrufungen Dravanis, „der Schmelzenden“, mit Om Am; Ahladakarinis, „der Freude Schenkenden“, mit Om Im; Kshobhanis, „der Erregenden“, mit Om Kham. Danach werden Madadrava mit Om Aim, Rodri mit Om Aum, Madanatura mit Om Ah sowie Yoni-Shakti mit Om Aim Klim angerufen. Die Bijas haben keine gewöhnliche Wortbedeutung; ihre genaue IAST-Schreibung steht in der separaten Sanskritfassung und im Mantrabeleg. Rodri ist die hier gelieferte Namensform.
22-8. Dann betrachtet man am Dvadashanta das Bewusstsein in seiner feinen Gestalt als ursprüngliche Shakti, als nektarbenetzte Nitya. Man ruft sie auf diesen Yoga-Sitz und verehrt sie mit den Diensten in der hier beschriebenen Gestalt.
22-9. Sie ist rot wie die Bandhujiva-Blüte, trägt rote Duftsalben und rote Gewänder. Göttliche, von Edelsteinen strahlende Schmuckstücke schmücken sie. Ihre Brüste sind voll und hoch; ihre Gestalt ist die einer Sechzehnjährigen. Sie trägt einen schönen Haarknoten und einen Blütenkranz und hat drei Augen. Versmaß: Sragvini.
22-10. Ihr Gesicht ist wie der Vollmond, der Mond schmückt ihren Scheitel. Die glückverheißende Göttin hat sechs Arme. Rechts hält sie Schlinge, Stachelstock und einen Parijata-Zweig; links eine Schädelschale mit Nektar, während sie die Laute spielt. Die Verteilung der Laute auf die verbleibenden Hände ist im Vers nicht ausdrücklich ausgeführt.
22-11. So betrachtet der Übende Parvati, in jeder Hinsicht schön und im Rausch schwankend. Wer die Mittel hat, verehrt sie in einem goldenen Bild oder einer schönen gemalten Darstellung; oder er verehrt sie innerlich, in Einheit mit sich selbst.
Unnummerierte Anweisung nach 22-11. Nun verehrt man neun Shaktis, vom Osten bis zur Mitte: Nitya, Subhadra, Mangala, Naravirini, Subhaga, Durga, Manonmani, Madadrava und Kamamandira. Ihnen werden der Reihe nach die Quell-Bijas im, īm, um, ūm, em, aim, om, aum und am zugeordnet. Die hier sprachlich erläuterte Liste ersetzt nicht den gesondert bewahrten Sanskritwortlaut.
22-12. Man betrachtet diese Shaktis in schöner roter Gestalt, mit roten Duftsalben und Gewändern, geschmückten Gliedern und aufrecht stehend. Gemeinsam spielen sie Lauten, vom Liebesgott bewegt. Unter ihren Namen soll man sie verehren. Das erste Wort der Quelle ist unklar; es wird nicht als eigenständige zusätzliche Einweihungsvorschrift aufgelöst.
Unnummerierte Anrufungen vor 22-13. Die fünf Anrufungen richten sich an Ananga, Smara, Manmatha, Kama und Kusumayudha, den „Blumenbewaffneten“; jeweils steht Om vor dem Namen, bei Ananga zusätzlich Am.
22-13. Diese fünf Liebesgötter tragen rote Duftsalben und Gewänder und haben schöne Kleidung und Gestalt. Sie halten Blumenbogen, Pfeil, Schlinge und Stachelstock und tragen Köcher. Man verehrt sie außen in den Richtungen und vor der Göttin.
Unnummerierte Anweisung und Namen vor 22-14. Alle sollen unter ihren eigenen Kama-Namen mit abschließendem Verehrungswort angerufen werden. Die zusätzliche Bezeichnung „Lakuli“ in dieser Anweisung ist fraglich; die Quelle selbst setzt ein Fragezeichen. Danach folgen Rati, Virati, Priti, Vipriti, Mati, Durmati, Dhriti, Vidhriti, Krishti und Pushti mit ihren jeweiligen Ja-Bijas und dem Verehrungswort. Die Namen bezeichnen Freude und deren Gegenformen, Denken, Festigkeit, Heranziehung und Gedeihen; nicht jeder Name ist hier eindeutig als gewöhnliches Wort zu übersetzen.
22-14. Diese zehn verehrt man nacheinander, jeweils zwei zu beiden Seiten der Liebesgötter. Sie halten Lauten und singen; sie sind rot und tragen rote Gewänder und entsprechenden Schmuck.
22-15. Außerhalb von ihnen verehrt man die Weltenhüter unter ihren Namen, an ihren jeweiligen Orten und mit Waffen, Reittieren und den weiteren Attributen. Milchreis mit Zuckerrohrsaft, mit Honig und Ghee getränkt, soll zusammen mit Modaka-Gebäck bereitstehen.
22-16. Man reicht Kokoswasser, wohlschmeckendes Trinkwasser, Wasser zum Waschen der Hände und Betel mit seinen Zutaten. Dann erfreut man Parvati mit Tanz, Gesang und weiteren glückverheißenden Darbietungen, ebenso mit Lobpreis.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Verehrung.
22-17. Wer den Mantra zusammen mit den Buchstaben des Alphabets in vorwärts- und rückwärtslaufender Folge wiederholt, soll bald die gesamte Welt unter seinen Einfluss bringen und in wohlbemessenen Versen dichten können. Versmaß: Pramitakshara, „wohlbemessene Silben“.
22-18. Wer der Flamme in einer yoni-förmigen Opfergrube zugewandt diese zuvor verehrte Göttin betrachtet und mit honiggetränkten roten Lotussen opfert, soll zum Reichtumspender werden.
22-19. Hunderttausend Opfer mit Honig und Madhuka-Blüten sollen großen Reichtum verschaffen. Gekochte Speise mit Ghee, Milch und Honig soll vorzügliche Nahrung bringen; Milch mit Ghee soll Viehreichtum bewirken.
22-20. Honigbenetzte rote Blumen sollen alle Menschen gefügig machen, die drei süßen Stoffe einen König. Blickt man bei der Rezitation eine Frau oder einen Mann an, so soll daraus ein einander zugetanes Paar werden. Dies sind Einflussverheißungen des historischen Ritualtextes.
22-21. Wer die Nityaklinna Genannte beständig verwirklicht, vertrauensvoll meditiert und Japa übt – drei Millionen, fünf Millionen, sechs Millionen oder zehn Millionen Wiederholungen –, soll die irdischen und weiteren sowie die zu allen Göttern gehörigen Vollendungen erlangen. Die Quelle reiht mehrere Zahlen ohne eindeutige Zuordnung zu den einzelnen Vollendungen aneinander. Versmaß: Vaishvadevi.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Nityaklinna.
22-22. Mit Hrillekha am Anfang und den durch Erde, Auge, Arm, Schlinge und Stachelstock bezeichneten Lauten, dem Nitya-Laut, Kala und Drava sowie dem Shakti-Bija wird die zwölfsilbige Nitya gebildet. Diese heilige Formel heißt Vajraprastari. Die Lautkonstruktion ist nicht vollständig eindeutig; die ungeklärten Verbindungen bleiben in der Sanskritquelle nachprüfbar.
Unnummerierte Anrufungswörter nach 22-22. „O Freude Schenkende! O Benetzte! O beständig Benetzende! O Ewige! O vom Rausch Flüssige!“ Die überlieferte Folge enthält fünf erkennbare Anrufungen; eine sechste wird nicht ergänzt.
22-23. So entstehen die sechs Glieder mit ihren Namen und zugehörigen Lautklassen. Kama ist der Seher, Jagati das Versmaß und die allwissende Shakti die Gottheit. Durch zwölfhunderttausend Wiederholungen soll die Formel wirksam werden; ihre Frucht sind alle Wünsche. Die Zahl ist durch „Sonnen-Hunderttausend“ bezeichnet.
22-24. Nach ordnungsgemäßem Empfang von Einweihung und Mantra vom Lehrer reinigt man sich selbst, den Ort, die Materialien und den Mantra nach seinen Kräften. Man meditiert über ein rotes Meer mit einer Kette hoch aufragender Wogen und darin ein Schiff mit hohen Spitzen.
22-25. Mitten im Schiff steht ein goldenes, yoni-förmiges Heiligtum, reich an Perlennetzen und lieblich durch Blumengirlanden. Auf einem Sitz in seiner Mitte betrachtet man einen entsprechenden roten Lotus mit dreieckigem Fruchtboden, der mit Vagbhava verbunden ist. „Dreieckig“ folgt der Zahlenchiffre Rama; die Zuordnung des letzten Wortes bleibt unsicher.
22-26. Darauf sitzt die Göttin in göttlicher Gestalt, rot wie die Bandhuka-Blüte, sechsarmig und dreiäugig. Schmuckstücke mit vielerlei Edelsteinen zieren ihre Glieder; ihr gesamter Schmuck ist rot, ihre Brüste sind voll und hoch.
22-27. Man betrachtet sie mit Stachelstock und Schlinge, mit Pfeil und Bogen und einer Schädelschale voll Nektar; eine Hand trägt eine Zitronatzitrone. Eine junge Mondsichel schmückt sie, ihr Antlitz gleicht dem Mond. Versmaß: Navamalini.
Unnummerierte Anweisung nach 22-27. Nachdem man sie so meditiert und herbeigerufen hat, führt man mit dem Shakti-Bija ihre Einsetzung, Vergegenwärtigung, Festhaltung und Erweckung aus.
22-28. Auf den Staubfäden des Lotus verehrt man ihre Glieder; an den Spitzen der jungen Blütenblätter die roten Shaktis. Außen verehrt man den Kreis der acht Mütter, danach die Hüter der Richtungen in ihren jeweiligen Himmelsrichtungen.
Unnummerierte Namensliste innerhalb 22-28. Hrillekha, Kledini, Nanda, Kshobhani, Madanatura, Niranjana, Ragavati, Madanavati, Shekharini, Dravani, Vegavati und Kama. Diese Namen stehen als Anrufungen im Dativ; sie werden nicht durch zusätzliche Bijas vervollständigt.
22-29. Wer sie mit ihrem Gefolge täglich durch die angemessenen Dienste verehrt und zu Beginn des Tages tausend Wiederholungen übt, soll in der Welt begütert wie Kubera werden. Die zusätzliche Richtungsangabe ist nicht weiter bestimmt.
Unnummerierte Versmaßangabe. Nun im Versmaß Atijagati:
22-30. Oder man meditiert über Vajraprastara, die die drei Welten bezaubert, und übt als ordnungsgemäß Eingeweihter Japa. Dann kommt Lakshmi von selbst zu ihm, glückverheißend und mit vielerlei Reichtum, und erfreut die Herzen seiner Angehörigen. Versmaß: Praharshini.
22-31. Zunächst opfert man zehntausend honigvermischte Vyaghata-Blüten; dadurch soll der Mantra fruchtbar werden. Anschließend handelt man dem gewünschten Ziel entsprechend. Wer hunderttausend solcher Gaben opfert, soll bei allen beliebt, wohlhabend und heiteren Sinnes sein und lange leben.
22-32. Milchreis mit Ghee soll große Fülle bringen; rote Lotusse mit Honig und ebenso blaue Lotusse das Gewünschte. Gesalzener Reis soll Frauen gefügig machen; honigbestrichener Puffreis soll alle Menschen unter den eigenen Einfluss bringen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Vajraprastarini.
22-33. Hrillekha, danach die Bijas von Nitya und Kama, dann das durch „Nebhanta“ bezeichnete Ende und ein Paar Bhadrapitha: So entsteht die elfsilbige Mohini-Formel. Seher, weitere Zuordnungen und Frucht entsprechen vollständig dem zuvor Gesagten. Die Zahl elf ist durch Rudra verschlüsselt; ein Bestandteil der Lautkonstruktion bleibt unaufgelöst.
Unnummerierte Erläuterung. Bei der Meditation besteht nur ein kleiner Unterschied.
22-34. Man meditiert über sie, deren Glieder mit roten Duftstoffen und entsprechendem Schmuck geschmückt sind: Sie leuchtet rot, zeigt die Geste der Furchtlosigkeit, hält Schädelschale, Schlinge und Stachelstock und hat drei Augen. Im Haarknoten trägt sie die Mondsichel und eine Parijata-Blüte. Die Lesung zur Hand mit dem Stachelstock enthält eine fragende Ergänzung.
22-35. Zunächst wiederholt man diese Formel dreihunderttausendmal und opfert ebenso viele honigbenetzte Madhuka-Blüten. Dadurch soll man bei der Welt beliebt, angesehen, wohlhabend, von anmutiger Gestalt und beständig glücklich werden.
22-36. Mit dem Mantra bespricht man die eigene rituelle Waschung oder Duftstoffe, Wasser, Augensalbe und Ähnliches. Dies soll böse Träume beseitigen, Krankheit beruhigen, Glück hervorrufen und Menschen gefügig machen. Das Wort vor der abschließenden Unterwerfungsverheißung ist unklar; diese Wiedergabe bleibt sinngemäß.
Unnummerierte Abschnittsbezeichnung. Mohani. Die Bezeichnung erscheint hier gegenüber Mohini abweichend.
22-37. Man betrachtet sie in Einheit mit sich selbst: Sie hält Stachelstock, Schädelschale und Schlinge und zeigt die Segensgeste. Sie trägt Haarflechten und den Mond am Scheitel und hat drei Augen. Rot wie die Japa-Blüte, mit Edelsteinen, Gewändern und anderem geschmückt, ist sie von liebreizender Schönheit und soll Einfluss verleihen. Versmaß: Ruchira.
Unnummerierter Übergang. Oder:
22-38. In jenem Meer, auf einem roten Lotus im Haus des Liebesgottes, betrachtet man sie im Glanz frischen Safrans. Sie hat zwei Hände und spendet den aus ihrer Schädelschale strömenden Nektar. Man wiederholt die Formel der Göttin, die die Welt unter ihren Einfluss bringen soll.
Unnummerierte Unterweisung nach 22-38. Dabei stellt man sich mit den kurzen Formen des Smara-Bijas fünf Gesichter an sich selbst vor; mit den langen Formen bildet man die Glieder. Wer das mit einem Namen verbundene Smara-Bija in der Vorstellung der Einheit mit der Göttin wiederholt, soll die Welt unter seinen Einfluss bringen: So lautet die Unterweisung.
22-39. Man nimmt selbst die durch ihren Namen bezeichnete Gestalt an und wird ganz von ihr erfüllt. Dann wiederholt man das Alphabet, in das der eigene Laut und das Manmatha-Bija der Reihe nach eingeflochten sind, und setzt es auf Körper und Hände. Mit der gebildeten Mudra soll dies Einfluss verleihen. Der Bezug der ersten Namensangabe bleibt unsicher.
Unnummerierte Unterweisung nach 22-39. Wer die Kshobhani-Mudra mit dem Namen der Zielperson verbindet und dabei Japa übt, soll sie gefügig machen: So lautet die Unterweisung.
22-40. Wer Nitya hier täglich mit Meditation, Japa und den weiteren Diensten verehrt und dessen Geist sich unter der Fülle der Hingabe beugt, vor dem sollen die begehrten, lieblichen Wunscherfüllungen frei tanzen wie berauschte Pfauen. Versmaß: Mattamayura.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die drei- und einsilbige Nitya. Die Quellbezeichnung enthält eine geklammerte Silbe; die Einsilbigkeit folgt dieser Lesemöglichkeit.
22-41. Mit dem Anfang des Alphabets, dem Manmatha-Bija, Bhuvaneshi, Mesha, Kshvela und dem Ausstoßlaut wird der fünfsilbige Nitya-Mantra bezeichnet, der alle Menschen erregen soll. Er ist innerlich zu wiederholen; die Glieder bildet man aus den eigenen Lauten und ihren Lautklassen. Die Quelle setzt in der Lautfolge selbst ein Fragezeichen. Die genannten Bestandteile sind Chiffren, keine zusätzlich erschlossenen Silben.
22-42. Kama ist sein Seher, Siddhalipi seine Gottheit, Pankti sein Versmaß. Durch hunderttausend Wiederholungen soll der Mantra verwirklicht werden. Opfert man dazu ein Zehntel mit Milch und Ghee samt Honig, soll Lakshmi dauerhaft unter dem eigenen Einfluss bleiben.
22-43. Man betrachtet die Göttin als mit sich selbst eins: Sie ist rot, trägt roten Schmuck und hält Schreibstift und Buch, in den oberen Händen Schlinge und Stachelstock. Der Mond schmückt sie; sie hat schöne Haarflechten, drei Augen und volle, krugförmige Brüste.
22-44. Vom Muladhara steigt Kundalini empor, nachdem sie das Linga im Lotus durchbrochen hat, fein und leuchtend wie eine Lotusfaser. Sie heißt Pashyanti, Madhyama und Vaikhari; auf ihr sind die Buchstaben aufgereiht wie Perlen.
22-45. Man meditiert über diese Göttin als eine feine Lichtlinie. Zwischen den Brauen durchbricht sie den Bindu und gelangt auf dem inneren Weg in den Raum. Beständig ist sie von den Nektarwassern des Lotusmondes benetzt. Den Geist auf sie gerichtet, soll man fest im Japa bleiben.
22-46. Ob man sieht, hört, Berührung genießt, sich Gerüchen zuwendet, isst, geht, spricht oder eine Tätigkeit ausführt: Wer so meditiert und Freude an innerlichem Japa hat, unter dessen Geheiß soll die ganze Welt stehen – was wäre da erst von geringerem Erfolg zu sagen? Die abschließende Machtverheißung ist Teil der Quelle; der Vers verbindet sie mit der Übung im Alltag.
22-47. Wünscht man Genuss und Macht, soll man sie erlangen; ebenso Macht über die Rede, gleich der des Herrn der Rede. Auch die acht Yogakräfte, beginnend mit dem Kleinwerden, sollen entstehen. Wer all diese vielfältigen Kräfte nicht begehrt, kann sogar Befreiung erlangen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Matrikamalini, die den Kranz der Buchstabenkräfte trägt.
22-48. Shakti mit ihrem eigenen Ende; der mit Anugraha und Sukshma verbundene Feuerlaut; Kanthi, Feuer, der im Feuer befindliche Atri und Atri selbst; Vali mit Auge; schließlich das Wort Yogeshvari, Varma, Astra und die beiden Tha: So wird Gauris Mantra bezeichnet. Die Lautchiffren werden nicht zu einer vermeintlich gesicherten Formel vereinheitlicht.
22-49. Ashti ist sein Versmaß; ebenso viele Laute hat der Mantra, nämlich sechzehn. Mit den eigenen Anfangslauten und den entsprechenden Lautklassen werden auch die sechs Glieder gebildet. Gauri ist die Gottheit, Vamadeva der Seher. Durch dreihunderttausend Wiederholungen soll er verwirklicht werden.
Unnummerierte Versmaßangabe. Nun in Shakvari:
22-50. Nachdem man vom Lehrer Einweihung und Mantra empfangen hat, badet man zunächst mit Wurzel- und Gliedermantras. Man betritt ein geräumiges Shiva-Heiligtum und verehrt Shiva und Shakti mit Ehrenwasser und den weiteren Gaben. Nach Empfang ihrer Erlaubnis beginnt man die Verehrung mit diesem Mantra. Versmaß: Asambadha.
Unnummerierte ausführliche Verehrungsanweisung nach 22-50. Außerhalb der Tür des Verehrungsraumes verehrt man den Ortshüter, an beiden Seiten Jaya und Vijaya, über der Tür die glückverheißende Kraft der Schwelle und innerhalb der Tür den Vastu-Purusha. Man verwendet ihre jeweiligen Namen mit dem abschließenden Verehrungswort. Dann tritt man ein, nimmt schweigend den eigenen Sitz ein, zügelt den Atem und reinigt die Elemente. Nach dem Hand-Nyasa setzt man die Gliedermantras ein und durchdringt mit ihnen den ganzen eigenen Körper. Man füllt das Ehrenwassergefäß und verehrt den Elefantengesichtigen im Westen, die Gurus im Nordosten.
Unnummerierte Anrufungen zur vorigen Anweisung. „Gam, Verehrung Ganapati! Gum, Verehrung den Gurus! Verehrung den höchsten Gurus! Om, Verehrung den erhabensten Gurus! Verehrung den früheren Lehrern! Verehrung den früheren Vollendeten! Verehrung den Yoginis! Den Yoginis!“ Die letzte Anrufung wird in der Quelle wiederholt; sie wird nicht entfernt.
Unnummerierte Verehrung des Sitzes. In der Mitte: „Verehrung dem Wunschbaum!“ Darunter: „Verehrung dem Löwensitz aus Edelsteinen!“ Dann mit den jeweils beigegebenen Bijas: Verehrung der tragenden Shakti; Kurma, der Schildkröte; dem Ananta-Sitz; Dharma, Erkenntnis, Loslösung und Herrschaftskraft; der Lotusknolle, dem Stängel, dem Lotus, den Staubfäden, dem Fruchtboden und den Blättern. Die Sanskritfassung bewahrt jede einzelne Bija-Zuordnung; einzelne Vokalzeichen besitzen dort keinen ausdrücklich geschriebenen Nasallaut.
Unnummerierte Verehrung der Sitzkräfte. Auf den Blattspitzen verehrt man acht Shaktis: Prabha, Jnana, Vach, Vagishvari, Jvalini, Vama, Jyeshtha und Raudri. In der Mitte, auf dem Fruchtboden, die neunte: Gauris Gestalt. Jede Anrufung erhält das in der Quelle bezeichnete Sa-Bija. Bei Gauri bietet die Quelle eine fragend geklammerte Alternative; sie bleibt in der Sanskritausgabe sichtbar. Mit dem Wurzelmantra meditiert man über die Göttin und ruft sie herbei.
22-51. Man betrachtet die Unbesiegbare, im Glanz des Blitzes, mit einem Leib aus Licht. Ihr Gesicht gleicht dem vollen Mond, ihre drei Augen sind schön. Ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit und Segen und halten Stachelstock und Schlinge. Sie trägt die Mondsichel. Versmaß: Aparajita, „die Unbesiegbare“.
22-52. Man setzt die Glieder in die Hauptrichtungen, Astra in die Zwischenrichtungen und das Augenmantra nach vorn. An den Spitzen der Staubfäden und an den Blattspitzen in den Richtungen befinden sich die vier Shaktis. Die räumliche Beziehung beider Ortsangaben ist knapp und nicht vollständig eindeutig.
Unnummerierte Namen und Paarungen nach 22-52. Die vier heißen Subhaga, Lalita, Kamini und Kamamalini; die ersten beiden Bija-Lesungen tragen Fragezeichen. An den Spitzen der Eckblätter verehrt man danach acht Kräfte paarweise: Anangarupa und Ana; Madanatura und Pavanavega; Bhuvanapalini und Sarvashishira; Anangamadanangamadana und Anangamekhala. Die auffälligen Namensformen Ana und Anangamadanangamadana werden nach der gelieferten Folge wiedergegeben, nicht durch bekanntere Namen ersetzt.
22-53. Außen befinden sich im Umkreis die Mütter; danach die Hüter der Richtungen, beginnend mit Indra. Mit ihren Scharen, Waffen und Reittieren verehrt man sie in den jeweiligen Kreisen gesondert unter ihren Namen.
Unnummerierte Anweisung und Gauri-Gayatri nach 22-53. Im Nordosten verehrt man die Trägerin der abgelegten Opfergaben mit „Verehrung Subhaga!“ Dann mit der Gauri-Gayatri: „Wir wollen … erkennen; über Kamamalini meditieren wir. Möge Gauri uns anregen!“ Der erste Gottesname ist in der Quelle beschädigt und mit fragender Alternative versehen; diese Lücke wird nicht als sichere Formel ergänzt. Mit dieser Gayatri, dem Shakti-Bija und den rituellen Diensten verehrt man sie.
22-54. Man verehrt die Göttin mit Blumenduft und wohlriechenden Salben, mit gutem Räucherwerk aus Adlerholz und Harz sowie mit Ghee-Lampen; mit Früchten voll süßen Saftes, Modaka-Gebäck und Milchreis mit Ghee.
22-55. Für Wohlstand betrachtet man sie glänzend wie frisches Gold: Sie trägt einen Lotus, zeigt Furchtlosigkeit und Segen und wird von den beiden Schatzwesen bedient. Sie hält Spiegel und Augenschminkstift und sitzt auf einem vortrefflichen Lotussitz, der von goldenen Löwen getragen wird.
22-56. Für Sieg über Feinde betrachtet man die Vernichterin der Dämonen mit acht Armen, in denen sie Diskus, Muschel, Donnerkeil, Schlinge, Bogen, Pfeil, Schwert und Schild hält, rings mit Waffen versehen. Der Schluss der überlieferten Wortverbindung lässt auch einen Bezug auf den Feind des Liebesgottes zu; „für Sieg über Feinde“ bleibt hier die naheliegende, aber nicht gesicherte Auflösung. Versmaß: Praharanakalita.
22-57. Auf einem achtblättrigen Lotus stellt man einen Krug auf und verehrt die Tochter des Berges nach Vorschrift und nach den verfügbaren Mitteln. Mit zehntausend Wiederholungen und Feueropfern weiht man das Wasser und begießt den König; er soll dadurch siegreich werden.
22-58. Wer die Berggeborene, die den drei Welten Segen spendet, täglich mit Japa, Feueropfer und Verehrung ehrt, soll in der Welt viel Reichtum und Vieh besitzen und lange Freude an Land, Haus und Kindern haben.
22-59. Wer die Geliebte Shivas im Mund des Feuers zehntausendmal mit Ghee, Honig, Milch, frischen weißen Lotussen und in Milch gekochter Opferspeise verehrt, soll bald reich werden.
22-60. Zur Beeinflussung von Brahmanen, Königen, Kaufleuten und Shudras opfert man tausend Hölzer, der Reihe nach von Ashvattha, Banyan, Udumbara und Khadira. Für Frauen verwendet man gesalzenen Reis. Zur schönen Frühlingszeit opfert man mit den süßen Stoffen. Die Zuordnung folgt der Folge der sozialen Gruppen und Hölzer. Versmaß: Vasantatilaka.
22-61. Süß bestrichene rote Blumen sollen alles gefügig machen; Opfer mit Nandyavarta-Blüten Nachkommen verschaffen. Rote Wasserlilien und Weidenhölzer sollen den erwünschten Regen bringen, Milch Viehreichtum und Sesam alle Ziele.
22-62. Bei schädigenden Handlungen verwendet der Text Arushkara, Vibhitaka und scharfes Öl. Bilva, Ghee, Milchreis und Sesam sollen königlichen Wohlstand bringen; Durva-Gras, Milch, Sesam und Ghee langes Leben. Durch rituelles Begießen mit Wasser soll man Freiheit von Krankheit erlangen. Historische Anwendungen und Wirkungsbehauptungen der Quelle.
22-63. Nachts schreibt man mit Kurkuma den Namen der Zielperson in die mittlere Shakti eines durch Vamoru und Feuerstadt bezeichneten umschließenden Zeichens. Man bildet den Mantra und wiederholt ihn; durch den Einsatz der linken Hand soll die Frau herankommen, mit der anderen ein anderer Mensch. Die Diagrammchiffren und der letzte Personenbezug sind unklar; die Stelle wird nur in diesem begrenzten Sinn wiedergegeben.
22-64. Sie hat einen erhabenen Löwenwagen bestiegen, leuchtet wie eine Wolke und hält Muschel, Diskus, Bogen, Pfeil, Donnerkeil, Keule, Dreizack, Schwert, Schild und Feuer. Sie hat drei Augen. Wer sie bei Gefahren in Einheit mit sich selbst betrachtet und Japa übt, soll furchtlos werden. Versmaß laut Quellenanmerkung wiederum Vasantatilaka; andere nennen es Simhonnata.
22-65. Auf einem Betelblatt befindet sich der geschriebene Name; außerhalb davon Shakti, umgeben von Schlinge und Stachelstock. Die sechs Glieder stehen in sechs Ecken; es entsteht ein Svastika-Zeichen. Nachts wiederholt man die Buchstaben, Shakti und Pasha; beim Erhitzen des Ankusha-Zeichens in einer Lampe soll das Gewünschte herbeikommen. Die genaue Verbindung von Diagramm, Rezitation und Erhitzung ist nicht sicher auflösbar. Die Wiedergabe bleibt örtlich sinngemäß; eine ausführbare Zeichnung wird nicht ergänzt.
22-66. Um Shakti und den festgesetzten Namen stehen in den vier Richtungen vier Bijas. Shakti, Smara, Ankusha, das Alphabet und Pasha bilden eine Umfassung. Dies zeichnet man auf eine aus Teig gefertigte, rituell belebte Figur. Wird sie zerbrochen und mit Süßem verzehrt, soll die betreffende Person gefügig werden. Die Lesung zu den vorausgehenden Zeichen ist beschädigt; die Diagrammbeschreibung bleibt hier unvollständig auflösbar.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Gauris Ritualordnung.
Unnummerierter Übergang. Nun wird Mahashakti gelehrt.
22-67. Shakti, das Verehrungswort, das Wort Brahma und „von königlicher Herrlichkeit Verehrte“ bilden den Beginn. Aja ist ihr Seher, Atinicrit ihr Versmaß und Gauri ihre Gottheit.
Unnummerierter Mantratext innerhalb 22-67. „… Gauri, Gandhari, du bringst den drei Welten Wohlergehen; du bringst alle Welten unter deinen Einfluss, alle Frauen und Männer unter deinen Einfluss … Rede, Rede … Kama …“ Darauf folgt die Chiffre des doppelten Tha. Der längere Formeleingang und einzelne spätere Wörter sind beschädigt beziehungsweise unentscheidbar; die Auslassungspunkte kennzeichnen diese konkreten nicht übersetzten Bestandteile. Keine vollständige Rezitationsformel. Der gesamte überlieferte Wortlaut bleibt im Sanskrit und im Mantraregister bewahrt.
22-68. Mit den eigenen Lauten, gezählt nach Manu, Richtungen, Vasus, Vasus, Richtungen und Rudras, bildet man die sechs Glieder. Durch zunächst zehntausend Wiederholungen soll sie verwirklicht werden. Die Zahlenchiffren entsprechen gewöhnlich vierzehn, zehn, acht, acht, zehn und elf.
Unnummerierte Versmaßangabe. In Atishakvari:
22-69. Auf dem sandigen Ufer des Nektarmeeres, auf einem Lotus, umduftet von einer Fülle verschiedenster Blüten der Götterbäume, leuchtet sie wie ein roter Edelstein. Ihr Gesicht ist wie der Mond; in ihrem schönen dichten Haar trägt sie eine Mondsichel. Versmaß: Shashikala; andere nennen es Chandravarta.
22-70. Man ruft Gauri herbei und verehrt sie: Sie hält Schlinge und Stachelstock, trägt roten Schmuck, hat drei Augen, volle hohe Brüste und eine göttliche Gestalt.
22-71. Mit den Gliedern, den Müttern, den Herren der Richtungen und ihren Waffen in drei Umkreisen verehrt man sie täglich durch die Dienste und die beiden eigenen Bijas. Dann wiederholt man den Mantra hundertmal.
22-72. Opfert man im mantra-geheiligten Feuer süß vermischte gekochte Speise mit weißen Lotusblüten, soll dies Wohlstand verschaffen. Wer im Morgengrauen tausend Wiederholungen übt, dem folgt die Glücksgöttin wie eine Reihe von Bienen einer Blumengirlande. Versmaß: Mala; andere nennen es Sraj.
22-73. Mit süß bestrichenem, gesalzenem Sesam und Reis soll man opfern. Dadurch soll man alle Männer und Frauen gefügig machen und das Ersehnte genießen.
22-74. Täglich bei Sonnenaufgang steht man bis zur Kehle im Wasser, sammelt den Geist und verehrt, dem Japa zugewandt, die Tochter des Bergkönigs. Sie soll Wohlstand mit Scharen kostbarer Juwelen herbeiführen. Versmaß: Manigunanikara; die Schlusswendung spielt darauf an.
22-75. Man betrachtet und verehrt die Göttin auf einem Musikinstrument und wiederholt den Mantra am Vormittag hundertmal, auf einen bestimmten Menschen gerichtet. Dieser soll dadurch unter den eigenen Einfluss kommen. Die ungewöhnliche Ortsangabe „auf einem Musikinstrument“ folgt der gelieferten Lesung; sie wird nicht umgedeutet.
22-76. Vor den Laut setzt man den Namen der Zielperson zusammen mit der beabsichtigten Handlung. Bei Japa und den weiteren Handlungen zur Unterwerfung soll dadurch sofortiger Erfolg entstehen.
22-77. So leuchtet in der Welt die eine ewige Gauri-Shakti, die durch verschiedene Mantras und verschiedene Gestalten verehrt wird. Als Matrikamalini schenkt diese Parvati die ersehnte Frucht und bringt alles Unheil für euch zur Ruhe. Versmaß: Malini.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das dreiundzwanzigste Kapitel über Nitya und weitere Gestalten.
Redaktionelle Besinnung. Der Gedanke der einen Shakti hinter vielen Gestalten eröffnet einen Blick auf Einheit in religiöser Vielfalt. Besonders die Verse über innerliches Japa und das Loslassen des Verlangens nach besonderen Kräften können heutige Yoga-Aspiranten anregen. Eine solche freiwillige innere Praxis ist von den hier ebenfalls überlieferten Ritualen zur Beeinflussung anderer Menschen zu unterscheiden.
Mantrapada, Kapitel 24: Durga und der Jatavedas-Mantra
Durga erscheint als göttliche Kraft, in der Schöpfung, Erhaltung und Auflösung geschehen. Das Kapitel verbindet einen vedischen Mantra mit einer tantrischen Verehrungsordnung. Es enthält Gebete, Körper-Nyasa und Schutzrituale, aber auch ausdrücklich schädigende Rituale. Deren Übersetzung dokumentiert die historische Quelle; heutige spirituelle Anregungen stehen davon getrennt am Kapitelende.
24-1. Möge Durga euch Wohlergehen schenken! In sie eingegangen, vollziehen Brahma, Vishnu und Rudra die Entstehung, Erhaltung und Auflösung aller Welten. Auf diese Maya gestützt erscheint das All, wie Silber auf der Grundlage von Perlmutt erscheint. Das Bild vom vermeintlichen Silber im Perlmutt veranschaulicht eine Erscheinung, deren wahrer Grund anders beschaffen ist.
24-2. Der Seher der fünf vedischen Strophen, die mit „Jatavedas“ beginnen, ist Marichi Kashyapa. Ihr Versmaß ist Trishtubh und ihre Gottheit Durga.
24-3. Andere nennen Jatavedas-Agni als Gottheit. Die dritte Strophe heißt Atidurga; ihr Versmaß ist Viraj.
24-4. Für jede von ihnen bildet man die sechs Gliedermantras aus den eigenen Lauten nach den Zahlen der Planeten, Weisen, Geschmäcke, Wochentage, Schlangen und Welten, verbunden mit den jeweiligen Lautklassen. Auf den Körper setzt man die Mantrabuchstaben in der durch Bhava bezeichneten Zahl; danach bildet man mit den eigenen Wörtern in der Zahl Dhriti die sechs Glieder. Die Wortfolge zu den Zahlen ist örtlich unsicher. Die geläufigen Zahlenchiffren reichen nicht aus, um alle Nyasa-Formeln zweifelsfrei auszuschreiben.
24-5. Die beiden Füße, die Knöchel, Unterschenkel, Knie und Oberschenkel; das Haus der Liebe, Hüfte und Bauch; Herz, Brust, Seiten und Rücken; die Gegend unterhalb der Kehle, Kehle und Schultern; Arme, Ober- und Unterarme; Handgelenke und Handflächen, Mund und Nase; Ohren, Augen, Kopf und Scheitel.
Unnummerierte Erläuterung nach 24-5. Dies sind die Orte der Buchstaben. Die Körperliste enthält eng benachbarte Bezeichnungen für Armabschnitte; ihre Zuordnung wird nicht vereinheitlicht.
24-6. Als Orte der Wörter gelten Scheitel, Stirn, Augen, Ohren, Lippe, Zunge, Kehle, Arme, Herz und Nabelgegend; ferner Hüfte, Geschlecht, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße. Bei Ohren und Augen gibt es je zwei Orte; bei den anderen jeweils einen.
24-7. Der Übende widmet sich den ihm vorgeschriebenen Pflichten und erfreut den Guru. Während des nördlichen Sonnenlaufes wird er von ihm ordnungsgemäß eingeweiht und empfängt den Mantra. Nach der rituellen Waschung und den weiteren Vorbereitungen zeichnet er auf einen gut bestrichenen Boden einen Lotus. Versmaß: Aravindaka.
24-8. Oder er zeichnet auf die Erde einen Rad-Lotus oder ein zwei Ellen großes Bhadraka-Mandala, sehr schön, mit Pulver in fünf Farben. Im Fruchtboden stehen der Name des Übenden und der Herr der Welten; sechs Ecken sind mit dem Durga-Bija versehen. Die Gestalt des „Herrn der Welten“ ist hier eine Mantrabezeichnung; der Vers schreibt keine vollständige Formel aus. Versmaß: Sundara.
24-9. Dort verehrt er den als Vajrasana bezeichneten Sitz unter seinem Namen. Ebenso Prakriti, die Kreise und Gestalten mit ihren drei Gunas sowie den Lotus. Die Verbindung der Guna-, Kreis- und Gestaltangaben ist in der gelieferten Lesung unsicher.
24-10. An den Ecken des Sitzes werden Dharma und die weiteren Kräfte verehrt. Den Shakti-Lotus verehrt man mit den Gunas, Sonne und den folgenden Kreisen, mit Knolle und weiteren Lotusteilen; außerdem den Umkreis mit den Gliedern.
Unnummerierte Namen vor 24-11. Jaya, Vijaya, Bhadra, Bhadrakali, Sumukhi, Durmukhi, Vyaghramukhi, Simhamukhi und Durga. Die Namen stehen in der Quelle als Anrufungen im Dativ.
24-11. Die Shaktis verehrt man an den Blattspitzen, die neunte auf dem Fruchtboden. Außerhalb des Lotus verehrt man die acht Abschnitte des Mantras, wie nun erklärt wird.
24-12. Diese Abschnitte enthalten die eigenen Laute nach der durch „Mata, Matatmasa …“ bezeichneten Zählung. Jeder Abschnitt ist gesondert mit den Tattvas und den Gestalten des Feuers verbunden. Die Zählanweisung ist beschädigt und bereits in der Quelle mit einem Fragezeichen markiert; eine verlässliche Aufteilung lässt sich daraus hier nicht gewinnen.
Unnummerierter Übergang. Nämlich:
24-13. Die Abschnitte werden der Reihe nach mit den Erkenntnissinnen, den Handlungsorganen, den Elementen, den sieben Körpersubstanzen, den sechs Wogen, den sechs Hüllen, den Sinnesgegenständen und den Lebenskräften verbunden.
24-14. Jataveda, Hutasha, Agni und Vaishvanara; Saptajihva, Hutavaha, Hutavartma und Devamukha.
Unnummerierte Erläuterung. Dies sind die acht Gestalten. Es handelt sich um Namen des Feuers, darunter „Opferverzehrer“, „Siebenzüngiger“, „Opferträger“ und „Mund der Götter“.
24-15. Am Ende der mit Jatavedas beginnenden Abschnitte verehrt man diese Gestalten nacheinander mit ihren Namen im Dativ, jeweils verbunden mit Erkenntnissinnen und den weiteren genannten Gruppen und mit abschließendem Verehrungswort. Die Zuordnung der Gestaltnamen ist in der Quelle fragend bezeichnet.
24-16. Außerhalb dieses Wort-Umkreises verehrt man die mit ihren eigenen Lauten beginnenden Shaktis, angefangen mit Jagata: je elf in jeder Himmelsrichtung.
24-17. Jagata, Tapani, Vedagarbha, Dahanarupini, Indukhanda, Sumbhagantri und die als Nabhashvara Bekannte.
24-18. Vagishvari, Madavaha, Somarupa, Manojava, Marudvega, Ratri, Tivrakopa und Yashovati.
24-19. Toyatmika, Nitya, Dayavati, Harini, Tiraskriya, Vedamata und Damarapriya.
24-20. Samaradhya, Nandini, Para, Ripuvimardini, Shashthi, Dandini, Tigma, Durga und die Gayatri Genannte.
24-21. Niravadya, Vishalakshi, Shvasodvaha, Vedani, Vedana, Vahnigarbha, Simhavaha und Dhuryaya. Die letzte Namenslesung ist bereits in der Quelle fraglich.
24-22. Durvishahya, Riramsa, Tapaharini, Tyaktadosha und Nihsapatna: Dies sind die Shaktis der Mantrabuchstaben. Die Liste 24-17–22 umfasst in der hier gelesenen Folge vierundvierzig Namen; auffällige Namensformen bleiben erhalten.
24-23. Jede einzelne ist ihrerseits von vielen Shaktis umgeben. Außerhalb des Sitzes werden sie in den vier Richtungen verehrt, mit ihren Namen und dem abschließenden Verehrungswort.
Unnummerierte Anweisung vor 24-24. Im fünften Umkreis verehrt man die Mütter in den Richtungen, im Süden Ganesha. Nun im Versmaß Ashti:
24-24. Ich verneige mich vor dem goldglänzenden, dreiäugigen Elefantengesichtigen mit einem Stoßzahn und mächtigem Hals. Rote Gewänder und Blumen schmücken ihn. Er hält Schlinge, Stachelstock, Frucht und Stoßzahn. Der Mond schmückt seinen Scheitel; er entfaltet sich wie ein herrlicher Elefant. Versmaß: Rishabhagajavilasita; die Schlusswendung greift dessen Namen auf.
24-25. Im Nordosten verehrt man die Gurus unter ihren Namen: weiß, mit weißen Gewändern und entsprechendem Schmuck.
Unnummerierte Anweisung vor 24-26. Der Pranava wird vorangestellt.
24-26. „Ich rufe diese aus Rudra hervorgegangene Durga herbei, vor deren Wagen Löwen gespannt sind und der Tiger folgen.“
Unnummerierte Gebetsfortsetzung. „Möge mir Furchtlosigkeit zuteilwerden! Durga, deren Gestalt schwer zu überwinden ist, möge sie mir verleihen. Zu dieser von Göttern und Sehern verehrten Göttin Durga nehme ich Zuflucht. Verehrung!“
24-27. Nachdem man dies gesprochen hat, ruft man die Göttin mit Wurzel- und Gliedermantras aus dem Sonnenkreis herbei. Man verehrt sie im Lotus und betrachtet sie in der beschriebenen Gestalt.
24-28. In den linken Händen hält sie Muschel, Schild und Bogen und zeigt die drohende Geste; in den anderen Diskus, Schwert, Pfeil und Dreizack. Sie hat drei Augen und einen strahlenden Kopfschmuck.
24-29. Ich verehre die Göttin Durga, mit Mondsichel und Schmuck versehen, rot gekleidet, auf einem Löwen reitend und von Scharen kampfbereiter Mädchen begleitet. Versmaß: Yuddhonnaddha.
Unnummerierte Namen und Anweisung nach 24-29. Durga, Katyayani, Gauri, Chandika, Suvarnavarna, „die Goldfarbene“, und Sarvanishkala, „die von allen Teilen Freie“. Zuerst soll man den Gliedermantra verehren. Die Quelle gibt die Namen im Dativ, ohne hier sämtliche Mantraendungen erneut auszuschreiben.
24-30. Dann verehrt man die bewaffneten Hüter der Welt in ihren eigenen Richtungen. Im Nordosten verehrt man Simhika, die Trägerin der abgelegten Opfergaben.
24-31. Nach ihrer Verehrung mit den wichtigsten Diensten wiederholt man den Mantra vierhunderttausendmal. Man nimmt die für das Gelübde erlaubte Nahrung zu sich, lebt in sexueller Enthaltsamkeit und bringt auch nachts Feueropfer dar.
24-32. Sesam, Shami-Material, Senfkörner, Milchreis, Brennhölzer, gekochte Opferspeise und Ghee opfert man gesondert, der Reihe nach in der durch „Bhava-Bhava“ bezeichneten Zahl. Die genaue Menge und die Lesung des Shami-Begriffs sind unsicher; eine bestimmte Opferzahl wird nicht ergänzt.
24-33. Wer dazu nicht imstande ist, verehrt allein im Geist und übt doppelt so viele Wiederholungen, wie Feueropfer vorgesehen waren. Dann soll dieser Mantra verwirklicht werden und die Früchte seiner Anwendungen verleihen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Verehrung des Mantras und die weiteren Handlungen.
Historische Anwendungen und ihre Verheißungen
Die folgenden Verse nennen unterschiedliche Ziele und teilweise schädigende Handlungen. Die Übersetzung bewahrt ihre historischen Aussagen, ohne daraus heutige Praxisempfehlungen abzuleiten.
24-34. Man betrachtet Durga im Feuer, rot leuchtend, mit Schlinge und Stachelstock und der Segensgeste. Wer mit aufgeblühten, von Sandel getränkten Bakula-Blüten opfert, soll innerhalb eines halben Monats alle Menschen, einen König oder eine Frau unter seinen Einfluss bringen. Versmaß: Vanini.
24-35. Ein mit Süßem versehenes Salzbild und Staub von den Füßen der Zielperson werden im Feuer aus dem Baum ihres Geburtsgestirns geopfert; dies wird als Heranziehung bezeichnet. Die Partikel bei der Angabe des Fußstaubes ist in der Quelle fraglich.
Unnummerierte Versmaßangabe. In Atyashti:
24-36. Man betrachtet sie auf einem roten Lotus stehend, dunkel wie der Tapinchha-Baum, mit vielfältigem Schmuck, goldenem Gewand und Mondsichel. Ihre Hände halten der Reihe nach Diskus, Muschel, Keule und Lotus. Opfert man ihr im Wasser Wasserblumen und Duftstoffe, soll man die bewegliche Glücksgöttin erlangen. Versmaß: Harini; die Bezeichnung des Glücks spielt darauf an.
24-37. Man betrachtet sie kristallweiß, mit weißem Schmuck, in einer großen Wasserflut stehend. Sie zeigt Furchtlosigkeit und Segen und hält Schlinge und Stachelstock. Mit süß vermischten frischen Reiskörnern opfert man und übt zehntausend Wiederholungen, bis zum Nabel im Wasser stehend; so soll man Regen erlangen.
24-38. Gelb und mit gelben Gewändern, Eisenfaust und Keule in den Händen, wird sie betrachtet. Durch Opfer von grobem Reis und Aksha-Früchten, mit einem Büffelprodukt bestrichen, soll sie Erstarrung bewirken. Das Büffelprodukt ist hier nicht näher bezeichnet; die Übersetzung ergänzt keine Substanz.
24-39. Rauchfarben, mit Dreizack und Mörserkeule, soll sie durch Opfer aus Neemblättern und Baumwollsamen, getränkt mit Senföl beziehungsweise dem als Ghee bezeichneten Senffett, Zwietracht hervorrufen. Die Fettbezeichnung wird in den folgenden Ritualen ebenfalls uneinheitlich gebraucht.
24-40. Dieselbe Göttin, mit drohend erhobenem Finger und Dreizack, soll durch Opfer aus Pfeffer, einem Büffelprodukt, Giftblättern und Senf Feinde vertreiben.
24-41. Durga wird mit Dreizack in der Hand, dem Feuer gleichend, betrachtet. Opfer aus Pfeffer, Dhattura und Senf, mit scharfem Öl versehen, sollen andere verwirren.
24-42. Schwarz, mit Schwert und Schlinge in den Händen, meditiert man über sie. Mit Arushkara getränkte, dem Feind zugeordnete Hölzer werden geopfert, um ihn in Yamas Haus zu schicken. Nachts wird ein Tötungsritual mit Pfeffer, entsprechendem Brennholz, Senf, in Senffett getränktem Asafoetida sowie Hölzern von Gift- und Kultbäumen beschrieben. Die Pflanzenfolge und die Bezeichnung des dem Feind zugeordneten Holzes sind nicht vollständig eindeutig; der schädigende Zweck ist ausdrücklich.
24-43. Getrennt werden tausend Hölzer von Giftbaum, Aksha und dunklem Dhattura geopfert, mit Büffelfett und Senföl benetzt, beginnend am achten Tag der dunklen Monatshälfte, jeweils am Tagesende. Der Feind soll nach einer Monatshälfte, auf der Erde sich wälzend und klagend, in Yamas Stadt gelangen. Versmaß: Prithvi. Die genaue botanische Auflösung der zusammengesetzten Liste bleibt unsicher.
24-44. Um Mitternacht wird zornig eine Figur aus dem Baum des Geburtsgestirns des Feindes in Wasser mit Pfefferpulver und den als Pratichya bezeichneten Blüten gekocht. Die mit starkem Gift bestrichene Figur wird erhitzt, während der Mantra rückwärts gesprochen wird; dies soll töten. Die Blumenbezeichnung und das Wort zur Figur sind nicht sicher verständlich.
24-45. Eine Figur des Feindes aus dem als Bhaga bezeichneten Material wird mit Asafoetida, scharfen Gewürzen und Kreuzkümmel in Meerwasser gekocht und mit einem Giftbaumstab geschlagen; dadurch soll der Feind getötet werden. Das Figurenmaterial bleibt unentscheidbar.
24-46. Man stellt sich den Feind nackt und mit dem Gesicht nach unten im Feuer- und Windkreis vor. Eine Schlange, mit der die Pferde des Sonnenwagens gebunden werden, hat seine Füße verschlungen. Unter Mantrarezitation wird Wasser geworfen; so soll er nicht weiterbestehen. Ebenso wird ein Opfer mit Pfeffer und scharfem Fett beschrieben, bei dem der Handelnde in nassem Gewand steht. Die Zuordnung der letzten Anweisungen ist syntaktisch unsicher; sie wird nicht zu einem detaillierteren Ablauf ergänzt.
24-47. Am Sonntag verehrt man Shakti in einem im Hof gezeichneten Rad-Lotus, nach den eigenen Mitteln, mit roten Girlanden, Duftstoffen und weiteren Gaben. Man opfert mit weißem Senf, gekochter Opferspeise, Sesam, Ghee und Speisen mit Kuhprodukten. Dann streut man eine Bali-Gabe mit rotem Wasser und Speiseklößen aus.
24-48. Je nach Aufgabe bringt man tausend, zehntausend, eine Million oder hundert Millionen Opfer dar. Anschließend wirft man alles, einschließlich des Feuers, auf eine Kreuzung. Dies soll Furcht vor Bedrängnissen des Hauses beseitigen und alles Leid beruhigen. Solche auf das Ziel bezogene Verehrung und Feueropfer sollen sämtliche Wünsche erfüllen. Die Zahlenwörter stehen in dieser Folge in der Quelle; ihre praktische Durchführbarkeit wird dort nicht erläutert.
24-49. Nach einem Opfer von gekochter Speise mit den fünf Kuhprodukten und Ghee wird der vom Opfer verbleibende, rituell beträufelte Rest verzehrt. Dies soll vor vorzeitigem Tod schützen, Gesundheit bringen und reinigen.
24-50. Auf einem Brett aus Palasha-Holz, in einem durch die Zahl der sieben Weisen gegliederten umschließenden Diagramm, schreibt man in das mittlere Feld die beabsichtigte Handlung und den Namen. In die Zwischenrichtungen kommen die Herren der Welten, in die durch Bhava bezeichneten Umfassungen die Mantrabuchstaben. Nach Japa und den weiteren Riten wird es vergraben; dadurch soll man Herrschaft über das eigene Gebiet gewinnen. Mehrere Diagrammbegriffe bleiben unklar; die Beschreibung wird hier örtlich nur sinngemäß wiedergegeben.
24-51. In den Monaten, in denen die Sonne in Löwe, Widder oder Schütze steht, an einem Freitag, Mittwoch, Montag, Sonntag oder Dienstag, unter Vishakha, Mula, dem Vishnu-Gestirn, dem Feuer-Gestirn, dem Prajapati-Gestirn oder dem Yama-Gestirn …
24-52. … legt man die neun beschriebenen Feuergruben an und entzündet gleichzeitig Feuer in ihnen. Im Osten verehrt man Mahadurga und die Waffen, beginnend mit der Muschel.
24-53. Die Waffen werden an den Rändern der Gruben verehrt, der Dreizack in der Mitte. Mit Ghee opfert man jeweils zwölftausendmal mit der Savitri und der Trishtubh-Strophe.
24-54. Die Rückstände beziehungsweise Tropfen der Opfer bringt man auf jene Waffen aus Gold, Kupfer oder anderem Material. Man streut Bali aus und bewirtet vorzügliche Brahmanen und junge Mädchen.
24-55. Den Guru, die Opferpriester und die Rezitierenden erfreut man mit Gaben. In den neun Richtungen von Städten, Dörfern, Häusern und Ähnlichem werden die Gegenstände entsprechend angeordnet.
24-56. Diese Gegenstände werden in Gefäße mit Kuhprodukten gelegt und ordnungsgemäß im Boden eingesetzt. So soll eine langwährende Bewahrung von Dörfern und Städten entstehen. Unglück soll dort keinen Halt finden, wie Wassertropfen auf einem Bambusblatt, das ein kräftiger Wind bewegt. Versmaß: Vamshapatrapatita. Die Angabe zum Gefäßinhalt ist knapp und lässt sich auch auf das Gefäßmaterial beziehen.
24-57. Man spaltet einen Brahma-Baum in neun Stücke, die in die neun Richtungen fallen, und fertigt daraus neun verschiedene Waffen. Nach der beschriebenen Vorschrift bringt man sie außerhalb des Dorfes oder der Stadt an; so soll deren Schutz entstehen. Eine weitere Form des Verfahrens verwendet feuchten Sand vom Meer.
Unnummerierte Erläuterung nach 24-57. Mit „eine weitere“ ist gemeint, dass für das Sandverfahren eben dieselbe Vorschrift gilt.
24-58. Auch neun weiße Steine von der Größe einer Bilva-Frucht werden wie die Waffen rituell bereitet und in die Richtungen gelegt, um Krankheiten und Ähnliches zu beruhigen.
24-59. Am Sonntag nimmt man, mit den Himmelsrichtungen bekleidet, unter Mantrarezitation ebenso viele Steine aus den neun Richtungen der Nanda-Durga-Mächte. Um Mitternacht legt man sie auf Giftbaumblätter; nach dem Opfer mit beträufelnden Gaben werden sie langsam bewegt und auf einem Stein besprochen. Sie gelten als geeignet zur Vertreibung eines Heeres. Die Wortverbindung zu Nanda, Durga und den ergreifenden Mächten sowie der Ablauf sind unklar; diese Stelle bleibt örtlich sinngemäß. Versmaß: Mandakranta.
24-60. Wer Wohlstand wünscht, opfert täglich je hundertacht Gaben: Hölzer milchsaftführender Bäume, vorzügliche Opferspeisen aus Shali- und Vrihi-Reis, Milch und Bilva, jeweils mit Süßem vermischt und in der angegebenen Folge. Mit Wasserblumen verehrt man das Sonnenbild im Wasser und soll dadurch Wohlstand erlangen. Die Sonnenbezeichnung ist in der gelieferten Wortfolge beschädigt.
24-61. Bis zum Nabel im Wasser stehend, betrachtet man Durga, wie sie den eigenen Körper mit einem Strom von Reichtum begießt. Man besprengt sich mit Wasser und soll so Wohlstand erlangen. Die Strombezeichnung lautet in der Quelle „Artha“ und bleibt als Reichtum beziehungsweise begehrtes Gut verstanden.
24-62. In den acht Richtungen und in der Mitte verehrt man die Feuer mit ihren Gestalten. Im Osten ruft man die Göttin ordnungsgemäß herbei und verehrt sie. In jedes Feuer opfert man, meditierend, hundert Holzstücke. Dies soll alle Plagen und Furcht beseitigen und die Wünsche erfüllen.
24-63. Mit süß vermischten Stücken der als Bhinna bezeichneten Pflanze oder mit Mangoblättern opfert man gegen durch Anziehung bewirkten Schadenzauber. Ashvattha-Holz dient dem Frieden im Viehstall. Mit Kuhurin bestrichene Apamarga-Hölzer sollen Bedrängnisse durch besitzergreifende Mächte, Feinde und Krankheit beseitigen; blattreiche Udumbara-Zweige mit Ghee sollen Schutz gewähren. Die erste Pflanzenbezeichnung und die genaue Art des Schadenzaubers bleiben unsicher.
24-64. Opfer von Banyanfrüchten sollen Elefanten in Erregung versetzen; mit jungen Blättern desselben Baumes sollen sie gefügig werden. Man reinigt sie regelmäßig mit den fünf Kuhprodukten. Getreideopfer sollen Getreide, Speiseopfer Nahrung verschaffen; Lakshmi-Blüten mit Ghee und Honig sollen Wohlstand bringen.
24-65. Banyan-Hölzer werden mit weißen, schwarzen und roten Fäden umwickelt, mit Kuhprodukten bestrichen und geopfert. Dann streut man eine Bali-Gabe aus rotem Wasser und Speise aus.
Unnummerierte Fortsetzung nach 24-65. Alles wird auf eine Kreuzung geworfen; dies soll Schadenzauber, Krankheit und Ähnliches beruhigen.
24-66. Eine Figur des Feindes wird aus dem Mist einer braunen Kuh gefertigt und mit dem als Feuer bezeichneten Stoff bestrichen. Vom Sonnenaufgang bis zur Mitte der Nacht wird Japa geübt. Im Wald zerschneidet man die Figur und opfert sie, mit Gift und dem Produkt der braunen Kuh versehen, am achten Tag der dunklen Monatshälfte bis zum Sonnenaufgang. Dadurch soll der Feind sterben. Die ungewöhnliche Verbindung mit „Himmel“ beim Figurenmaterial und die Feuerstoff-Chiffre bleiben unaufgelöst; keine Substanz wird ergänzt.
24-67. Zum eigenen Schutz berührt man sich mit dem Mantraanfang „Er möge uns hinüberführen“. Die Quelle nennt nur den Anfang der vedischen Formel; der übrige Wortlaut wird nicht ergänzt.
Unnummerierte Anweisung nach 24-67. Besonders durch Feueropfer, Gaben, rituelles Begießen und Ähnliches soll man sich selbst schützen.
24-68. In einer dreieckigen Feuergrube, deren Maß durch „Paranara“ angegeben wird, hängt man ein dem Feind gleichendes Abbild aus Giftbaumholz mit dem Gesicht nach unten auf. Seine Glieder sind mit einer als Honigrückstand bezeichneten Masse verziert. In einem Bergwald opfert man um Mitternacht tausend Giftbaumhölzer und tausend Gaben scharfen Fettes. Die Maß- und Materialangaben sind nicht sicher auflösbar. Versmaß: Shikharini.
24-69. Innerhalb von vierundvierzig Tagen oder einer Monatshälfte soll der Feind dem Tod verfallen. Lebt er dennoch, wird ein gerade geborenes Kalb gewaschen, mit Ghee begossen und geopfert, ebenso das Abbild auf diese Weise; dann soll der Feind nicht weiterbestehen. Der Vers beschreibt Tieropfer im Rahmen eines Tötungsrituals. Die zeitliche Alternative ist in der Quelle nicht ganz eindeutig gegliedert.
24-70. Bis dieses zu Asche geworden ist, soll man den Mantra weiter wiederholen.
24-71. Dabei soll der eigene Schutz durch Begießen mit den fünf Kuhprodukten vollzogen werden. Den Brahmanen soll man hundert Kühe schenken; dies gilt als die dazugehörige Sühne.
24-72. Ein Opfer der fünf Teile des als Gift-Shikhari bezeichneten Baumes soll den Feind vernichten. Früchte sollen Erstarrung hervorrufen, mit Gift vermischte Blätter ihn vertreiben und Blüten Zwietracht bewirken. Gekochte Speise, Sesam und Ghee werden zur Befriedung genannt. Nachdem man durch mantra-begleitetes Baden und Ähnliches den eigenen Schutz vollzogen hat, wiederholt man den Mantra.
24-73. „Om. Mögen Jataveda und Durga, die Segensspenderin, mir gnädig sein! Durch ihre Gnade möge mir überall das Ersehnte gelingen!“
Unnummerierte Erläuterung. Dies ist der Mantra für das verehrende Herantreten.
Jatavedas-Agni und die innere Ausrichtung
Eine weitere Form der Verehrung stellt das göttliche Feuer in den Mittelpunkt. Der Schluss nennt neben den erhofften äußeren Gütern auch wunschloses Meditieren als Weg zur Befreiung.
24-74. Nun wird hier eine weitere Form der Trishtubh-Verehrung beschrieben. Ihre Gottheit ist Jatavedas-Agni; alles Übrige wird wie zuvor vorgeschrieben.
24-75. Zwölf Tage lang badet man dreimal täglich und beschränkt das Reden. Als Nahrung nimmt man Milch, erbettelte Speise oder Früchte, je nachdem, was man dafür wählt. So hält man das als Agneya bezeichnete Gelübde. Dann übt man tausend Wiederholungen, bereitet eine dem Feuer geweihte Opferspeise mit Ghee und opfert sie.
24-76. Man bewirtet tausend, hundert oder wenigstens zehn Brahmanen. An Agni denkend empfängt man ihren Segen und bringt Ghee dar.
24-77. „Om. Möge Jatavedas-Agni erfreut sein und mein Gelübde Frucht tragen! Möge dieser Mantra rasch fruchtbar werden, und möge die Vollendung beständig sein!“
Unnummerierte Anweisung. So beendet man das Gelübde.
24-78. Man steigt ordnungsgemäß in einen zum Meer fließenden Fluss, denkt im Herzen an Agni und wiederholt, im Wasser eingetaucht, den Mantra tausendmal. In zehn Tagen soll dies zu einer Sühne werden, die alles Unheil beseitigt. Durch hunderttausend Opfer mit weißen Lotussen und Ghee soll man die Glücksgöttin schauen.
24-79. Getreideopfer sollen Getreide verschaffen; die als Kubja bezeichneten Gaben und Bilva Wohlstand und Reichtum. Wer Kugeln aus Kuhmist und Ghee opfert, soll Vieh besitzen. Kubja bleibt als unklare Materialbezeichnung erhalten.
24-80. Senf und süße Stoffe sollen Einfluss auf andere bringen, ebenso Hunderte von Banyan-Brennhölzern. Shami-Holz soll Befriedung, ein Opfer von Udumbara-Holz Nahrung bewirken.
24-81. Man bereitet Milchreis aus der Milch einer weißen Kuh, deren Kalb dieselbe Farbe hat, opfert davon und isst den Rest. Innerhalb dreier Monate soll man so Wohlstand erlangen und glücklich sein.
24-82. Wer an den drei Tagesübergängen Japa übt, soll Einfluss, langes Leben und die Beseitigung von Krankheit erlangen; durch göttliche Gnade auch Wohlstand, Schutz, Kinder und Sieg. Alle Güter soll er in Fülle gewinnen. Geht es aber um Befreiung, so übt er wunschlos tausend Wiederholungen, ganz der Meditation im Lotus des Herzens hingegeben. Der Satzanfang ist sprachlich uneben; die Gegenüberstellung von äußeren Zielen und wunschloser Meditation ist deutlich.
24-83. Wer auf einer Reise diesen Mantra wiederholt, soll nicht von Dieben und anderen Gefahren bedrängt werden. Besprochene, ausgestreute Steinchen sollen Diebe, wilde Tiere und Ähnliches abwehren.
24-84. In rituell reinem Zustand soll man den Mantra mit der Stimme wiederholen, in unreinem Zustand im Geist. Dabei meditiert man über Durga und über den Gott Agni und soll das Erwünschte erlangen.
24-85. Weil der Jatavedas-Mantra die Essenz der vedischen Offenbarung ist, soll er schon dem Menschen, der ihn beständig erinnert, alle ersehnten Ziele als Frucht schenken. Wer ihn hier durch Japa und weitere Dienste verehrt, wird bald zum Schauplatz des Tanzes der Glücksgöttin, die den Reichtum der drei Welten verkörpert. Die letzte zusammengesetzte Bildwendung ist in der gelieferten Lesung beschädigt; sie ist hier örtlich sinngemäß wiedergegeben.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das vierundzwanzigste Kapitel über die fünf Durga-Formen, beginnend mit der Trishtubh-Verehrung.
Redaktionelle Besinnung. Der Text lässt den Abstand zwischen historischen Ritualwelten und heutigen ethischen Maßstäben deutlich hervortreten. Zugleich enthält er die Möglichkeit rein innerer Verehrung und stellt das wunschlose Meditieren im Herzen den Zielen von Besitz und Macht gegenüber. Für Yoga-Aspiranten kann gerade diese Unterscheidung eine Hilfe sein: Welche Wünsche nähre ich mit meiner Praxis, und wie kann sie Klarheit, Mitgefühl und innere Freiheit fördern?
Mantrapada, Kapitel 25: Wald-Durga, Mahishamardini und Shulini
Dieses Kapitel entfaltet mehrere Gestalten Durgas: die Göttin des Waldes, die Bezwingerin des Büffeldämons, die Dreizackträgerin und die Schwert-Durga. Bilder von Schutz und Mut stehen neben historischen Anwendungen zur Heilung, Beeinflussung und Schädigung. Die Mantras sind teils ausgeschrieben, teils durch Lautnamen verschlüsselt.
25-1. Ohr, ein Paar von „Te“, der mit Auge versehene Weiße auf Langali; dann die durch Kana und Seite bezeichneten Laute, Feuer mit Ohr, der Weiße mit Auge und das Wort „Kim“ … Die Lautfolge ist in der gelieferten Lesung beschädigt. Die Bezeichnungen werden nicht zu einem sicheren Mantra ergänzt.
25-2. … „schläfst du?“ und das Wort „Furcht“, danach „mir“ und „ist herangetreten“. Dieser Mantra der Wald-Durga hat siebenunddreißig Silben.
Unnummerierte Formel innerhalb 25-2. Zwischen den erkennbaren Worten stehen weitere nicht sicher verständliche Laute. Erkennbar ist die Anrede „O Göttin“; am Ende steht die Chiffre des doppelten Tha. Diese beschädigte Passage kann nicht vollständig übersetzt werden. Sie bleibt im IAST- und Devanagari-Text unverändert bewahrt und wird nicht als gesicherte rezitierbare Formel ausgegeben.
25-3. Sein Seher heißt Atyaranya; als Versmaß wird Atyanushtubh genannt. Die Gottheit ist Vanadurga selbst, die Herrin von allem.
25-4. Mit den eigenen Lauten, der Reihe nach in den Zahlen der Jahreszeiten, Weltalter, Schlangen, Vasus, Geschmäcke und vier, bildet man gesondert die sechs Gliedermantras samt ihren Lautklassen. Die Lautgruppen setzt man auf den Körper und anschließend auf Herz und die weiteren sechs Glieder. Die Zahlenchiffren entsprechen gewöhnlich sechs, vier, acht, acht, sechs und vier; eine widerspruchsfreie Silbenaufteilung wird hier nicht behauptet.
25-5. An den zehn Gelenkstellen beider Beine, am After, am Geschlecht, an beiden Seiten, an Bauch und Herz, beiden Brüsten, Kehle und Schultern, an den sechs Gelenken beider Arme, an Mund, Nase, Augen und Ohren, an beiden Brauen und am Scheitel setzt man die Lautgruppe gesondert ein. Die Quelle benennt zehn Gelenkstellen der Beine, erläutert deren genaue Zählung aber nicht.
25-6. Nach der Einweihung durch einen hervorragenden Guru soll man hunderttausend Wiederholungen ordnungsgemäß üben und zehntausend Opfer mit Sesam, gekochter Opferspeise und Kuh-Ghee ins Feuer geben. Täglich verehrt und rezitiert man. Wer dem Guru, Shiva und Shakti sowie Vishnu hingegeben ist, soll Vollendung erlangen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Erschließung des Mantras und die weiteren Grundlagen.
Unnummerierte Versmaßangabe. Nun in Dhriti:
25-7. Man betrachtet einen Garten am Hang des Himalaya. Berauschte Bienen bewegen sich zwischen blühenden Ranken; Wunschbäume tragen vielerlei Blüten. In seiner Mitte steht ein göttlicher Sitz aus neuen beziehungsweise neunfachen Edelsteinen, mit Löwenfüßen. Darauf liegt ein roter Lotus mit acht geöffneten Blättern, Fruchtboden und Staubfäden. Versmaß: Kusumitalatavellita. Das Wort Nava bei den Edelsteinen lässt beide Bedeutungen zu.
25-8. Dort verehrt man den als Vajrasana bezeichneten Sitz unter seinem Namen. Ebenso Prakriti mit den drei Gunas, die Kreise mit ihren Gestalten und den Lotus.
25-9. Auf den Staubfäden bildet man den Umkreis der Glieder, danach an den Blattspitzen den der Shaktis, beginnend mit Arya. Sie tragen Diskus, Muschel, Pfeil, Bogen, Schild und Schwert, sind reichlich mit roter Salbe versehen und halten auch eine Schlinge; eine weitere hält eine Schädelschale mit Blut. Alle haben rote Körper. Außen folgen die Umkreise der Mütter und der Weltenhüter. Die Waffen werden nicht einzeln eindeutig auf alle acht Shaktis verteilt. Versmaß wie zuvor.
25-10. Arya, Durga, Bhadra, Bhadrakali, Ambika, Kshemya, Vedagarbha und als achte Kshemakarika.
25-11. Nachdem man diese mit ihren Namen und dem abschließenden Verehrungswort geehrt hat, ruft man Shakti herbei: in die Mitte des Lotusfruchtbodens, in ein gemaltes Bild, eine Statue oder auf den rituellen Platz.
25-12. Ich verneige mich vor Durga, die links Muschel, Schild und Bogen hält und den drohenden Finger zeigt, auf der anderen Seite Diskus, Schwert, Pfeil und Dreizack. Ihre Gestalt leuchtet smaragdfarben. Sie sitzt auf dem Löwen, hat drei Augen und ist mit roten Duftstoffen und Gewändern, Armreifen, Krone, Halsketten und anderem Schmuck geschmückt. Versmaß: Angalekha. Die verkürzte Aufzählung der ersten Waffen folgt dem Zusammenhang; die Quellform bleibt im Sanskrit sichtbar.
25-13. Wer Sieg oder Schutz wünscht, verehrt sie in dieser Gestalt. Wer Wohlstand oder Herrschaft begehrt, verehrt sie in der nun beschriebenen Gestalt.
25-14. Ich verehre Durga, goldglänzend auf einem goldenen Lotus sitzend. Sie hält Muschel und Diskus und zeigt Furchtlosigkeit und Segen. Ihr Schmuck ist weiß, ihre Gestalt göttlich, ihre Augen sind drei. Gold, Edelsteine und Perlenketten schmücken sie; auf dem schönen Haupt trägt sie die Mondsichel. Sie befindet sich inmitten einer Schar junger Mädchen. Versmaß wie zuvor.
25-15. Man verehrt Shakti nach einer dieser beiden Weisen. Im Hof und ähnlichen Orten ruft man sie aus dem Sonnenkreis herbei; im Haus und ähnlichen Innenräumen aus dem Dvadashanta.
25-16. Mit dem Wurzelmantra ruft man sie herbei und verehrt sie mit den Gliedermantras sowie Ehrenwasser und den weiteren Diensten. Außen in den Richtungen verehrt man der Reihe nach die acht Waffen, beginnend mit der Muschel.
25-17. Ebenso verehrt man die acht Mütter, die Weltenhüter und den Umkreis ihrer Waffen; im Nordosten Simhika, die Trägerin der abgelegten Opfergaben.
25-18. Wer so die Verehrung bis zum Feueropfer vollzieht – oder, wenn ihm dies nicht möglich ist, auch nur im Geist –, dabei Japa übt und über Mahadurga meditiert, soll alle Wünsche erlangen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Verehrung.
Unnummerierter Übergang. Oder zur Niederhaltung eines feindlichen Heeres und ähnlicher Bedrohungen betrachtet man die höchste Herrin wie folgt. In Atidhriti:
25-19. Muschel, Schild, Bogen, Schädelschale, Mörserkeule, Eisenfaust, Keule, Stachelstock, Diskus, Schwert, Pfeil, Dreizack, Donnerkeil, Wurfspeer, Feuer und Schlinge hält sie in ihren Armen. Sie ist dreiäugig, wolkendunkel, trägt ein Tigerfell, sitzt auf dem Löwen und ist mit Schlangen geschmückt. Zur Tötung von Feinden wird sie betrachtet, spielend wie ein Tiger. Versmaß: Shardulavikridita.
Unnummerierter Übergang. Oder:
25-20. Man betrachtet Durga auf dem Löwen, mit sechzehn Armen und den genannten Waffen, schrecklich wie der Blitz. Sie trägt roten Schmuck, Schlangenhalsketten und Schlangenarmreifen und hat drei Augen. Gerüstete Mädchen mit verschiedenen Waffen sowie die Mütter umgeben sie. Zornig bei der Tötung großer Dämonen, lässt sie einen Strom von Nah- und Fernwaffen los.
25-21. Wer sie so betrachtet, entsprechend seinem Wunsch verehrt und vierhunderttausend Wiederholungen übt, dann mit Reis, Sesam, Ghee, Milch und gekochter Opferspeise opfert, dessen Mantra soll verwirklicht werden. Richtet er tausend, zehntausend, hundert Millionen oder hunderttausend Opfer auf ein bestimmtes Ziel, soll er als Hingebungsvoller alles Ersehnte erreichen. Die ungewöhnliche Reihenfolge der Zahlen bleibt erhalten.
25-22. Man betrachtet sie mit Dreizack in Einheit mit sich selbst und übt Japa. Durch Berührung mit dem Zeigefinger sollen alle Krankheiten beruhigt werden. Bis zum Nabel im Wasser stehend, soll man durch Japa das Gewünschte erlangen. Ein Feueropfer mit Senf, wildem Sesam, Kuhprodukten und Bilva-Holz soll Fallsucht beseitigen; Opfer von Banyan-Zweigen mit jungen Trieben sollen Krankheiten und besitzergreifende Mächte abwehren. Historische Heilungsverheißungen, keine medizinisch geprüften Aussagen.
25-23. Sonntag und die entsprechenden weiteren Tage gelten als geeignet für Wunschrituale. Eine grausame Handlung soll zwischen dem neunten und vierzehnten Mondtag begonnen werden.
25-24. Dreißig einzeln abgeschossene Pfeile, die durch zehntausend Opfer mit scharfem Fett ermächtigt wurden, sollen das feindliche Heer vernichten oder in Furcht nach allen Richtungen zerstreuen. Ebenso sollen nach dem vorherigen Kapitel bereitete Steinchen mittels Nava-Durga sicher das Lager des Feindes vertreiben.
25-25. Von selbst gefallene Ashvi-Blätter, mit Fußstaub der Zielperson vermischt und geopfert, sollen Vertreibung bewirken; die Blüten Erstarrung, die Hölzer bei einem mitternächtlichen Opfer den Tod. Ebenso soll eine daraus gefertigte, rituell belebte und zerteilte Feindfigur wirken, wenn man sie in der Nacht des vierzehnten Tages der dunklen Monatshälfte, mit Eulenblut getränkt, opfert. Ashvi ist eine Pflanzenbezeichnung, die hier nicht sicher botanisch aufgelöst wird; „Feind der Krähen“ bezeichnet in der Blutangabe die Eule.
25-26. Oder ein Ghee-Opfer mit Hölzern der als Nitya bezeichneten Pflanze soll Elefanten beruhigen. Ihre süß getränkten Blüten sollen die Elefanten gefügig machen, ihre Blätter sie erregen. Wiederholt bespricht man Kuhprodukte und reinigt damit die Tiere. Tägliche Opfer aus Milchreis, Kuhprodukten, Reiskörnern und Ghee sollen sie schützen und gedeihen lassen.
25-27. Vom Brahma-Baum schneidet man den oberen Teil ab und lässt den unteren stehen. Noch an Ort und Stelle teilt man ihn in fünf gleich große Stücke …
25-28. … und lässt diese unter einem günstigen Gestirn der Reihe nach in die fünf Richtungen fallen. Aus den Stücken fertigt man Muschel, Diskus, Nandaka-Schwert, Sharnga-Bogen und Keule und legt sie in Krüge mit den fünf Kuhprodukten.
25-29. Diese stellt man außerhalb der Feuergruben gesondert in den entsprechenden Richtungen auf. An jeder Grube opfert man tausendmal Kuh-Ghee.
25-30. Bei jeder Opfergabe lässt man Tropfen auf diese Gegenstände fallen, berührt sie und wiederholt ebenso oft den Mantra. Man vergräbt sie beim Dorf, Haus oder dem entsprechenden Ort; dies soll umfassenden Schutz bewirken.
Unnummerierte Versmaßangabe. Nun in Kriti:
25-31. Am Sonntag schreibt man diesen Mantra auf ein Blatt, mit den Buchstaben des Namens der Zielperson durchflochten. Nachts wird er im Herzen einer Tonfigur eingesetzt, berührt und rezitiert. Sieben Tage lang, oder an den drei Tagesübergängen, soll so eine schöne, von Liebesverlangen ergriffene Frau herangezogen werden. Dasselbe Verfahren wird zur Beeinflussung von Männern gelehrt. Ein Wort zur handelnden Person und die zeitliche Alternative sind nicht sicher verständlich. Versmaß: Suvadana.
25-32. Lotusopfer mit süßen Stoffen sollen einen König oder Brahmanen gefügig machen; Kalhara-Blüten einen anderen Menschen, mit Salz und Honig ein Dorf oder eine Stadt. Jati-Blüten und Durva-Gras sollen Lebensdauer bringen, Lotus mit Ghee und Honig Besitz, Sauermilch Gedeihen, Getreide und Kuhmilch Getreide beziehungsweise Vieh. Versmaß wie zuvor.
25-33. Im Hof zeichnet man am Sonntag einen durch Pulver leuchtenden Sonnenkreis. In seiner Mitte liegt ein achtblättriger Lotus mit Staubfäden und Fruchtboden. Das Diagramm hat zwölf Speichen, außerhalb sechs Ecken und eine in der Zahl Samkriti bestimmte Umfassung; ein als Matula bezeichneter Strahlenkranz umgibt es. Es verkörpert das Jahr und ist gleichmäßig rund. Die beiden letzten technischen Bezeichnungen sind unsicher; daraus wird kein genaues Diagramm rekonstruiert. Versmaß: Vritta.
25-34. In das beschriebene Mandala setzt man Feuer und umlegt es mit Handvoll Darbha-Gras; Pfeile und Schwerter bilden seine Umfassung. Östlich davon verehrt man Shakti. Man opfert je nach Angemessenheit tausendmal Ghee, Puffreis, Milchreis und die als Anityaka bezeichnete Gabe. Außen in den Richtungen bringt man mit Mantras eine Bali-Gabe aus roten Speiseklößen dar. Die letzte Materialbezeichnung der Feueropfer ist unklar. Versmaß wie zuvor.
25-35. Ebenso oft wiederholt man den Mantra. Man bewirtet junge Mädchen und Brahmanen, ehrt sie mit Gold und Gewändern und gibt dem Lehrer seine Gabe.
25-36. Von der Göttin, dem Feuer, den Brahmanen und den Mädchen erbittet man Furchtlosigkeit oder die Beruhigung von besitzergreifenden Mächten und Krankheit. Was man sich wünscht, soll man dadurch erlangen.
25-37. Beginnend am Sonntag bringt man sieben Tage oder eine Monatshälfte lang auf diese Weise Opfer dar. Ein König soll dadurch siegreich werden und von Gefahren frei sein.
25-38. Das Ende von Ekaksha mit Wasser und langem Vokal, danach Erde mit Ananta, dann die Wörter Chanda-Durga und die durch „Yair“, Herz und Bala bezeichneten Bestandteile bilden den Mantra. Die überlieferte Lautkonstruktion bleibt unentscheidbar; sie ist keine ausgeschriebene Rezitationsformel.
25-39. Man fertigt einen guten Ring aus drei Metallen oder aus Gold. Mit zehntausend oder hunderttausend Ghee-Opfern lässt man Opferreste auf ihn fallen, legt ihn in Kuhprodukte, wiederholt entsprechend den Mantra und verehrt ihn. Wer ihn trägt, soll lange leben, reich sein und im Kampf die Kraft eines spielenden brünstigen Elefanten entfalten. Versmaß: Mattebhavikridita.
25-40. Ein geehrter Krug aus Gold oder anderem Material wird auf einem Bhadraka-Lotus mit Wasser heiliger Orte, Blumen, Duftstoffen, Gold, Edelsteinen, Früchten und Heilpflanzen gefüllt. Bei halbem Sonnenuntergang beginnt die Vorbereitung; nachts wacht man und übt Japa. Bei Sonnenaufgang soll das Bad mit diesem Wasser Unreinheit und Krankheit entfernen, Wohlstand schenken und das Leben verlängern. Die Zeitangabe zum Sonnenstand ist knapp. Versmaß wie zuvor.
25-41. Bei diesem Begießungsritual oder bei der Ermächtigung des Ringes ruft man die Göttin mit ihren Umkreisen herbei und verehrt sie nach Vorschrift. Außen, beginnend im Nordosten, ehrt man den Ortsherrn, Skanda, Shastri und Ganapati, ebenso Mädchen und Brahmanen: mit Speisen, Gewändern, Gold, Edelsteinen, bunten Girlanden, ungebrochenem Reis und weiteren Gaben. Versmaß: Chitramala.
Unnummerierte Versmaßangabe. Nun in Prakriti:
25-42. Mit milchbestrichenen, aufwärtsgerichteten Mangogaben soll man Fieber beruhigen; mit Guduchi-Opfern vorzeitigen Tod abwehren. Bilva mit Wurzel, Stücken, Früchten, Hölzern und jungen Blättern soll Fülle bringen. Aus Banyan, Ashvattha, Nitya und Khadira gefertigte Waffen sollen ein Heer brechen. Dabei betrachtet man die Göttin leuchtend beziehungsweise weiß, kräftig gelb, mit einer Girlande goldener Lotusse und mit Wasser verbunden. Die Verbindung der letzten Farbangaben und des Wortes Varuni ist nicht eindeutig. Versmaß: Sragdhara.
25-43. Nach einem Bad fastet man eine Nacht. Man übt zehntausend Wiederholungen und ein Zehntel davon oder hundert Feueropfer. Mit roten Speiseklößen streut man Bali aus und legt sich nachts zum Schlafen nieder: „Om. O Göttin, Allwissende, Zeugin von allem! Zerschneide meinen Zweifel; komm selbst und zeige mir im Traum die Wahrheit über das Ersehnte!“
Unnummerierte Anrufung. „Verehrung der Traum-Durga!“
25-44. Hat man die Göttin so gebeten, soll man im Traum günstige und höchste Inhalte schauen, die mit den drei Zeiten verbunden sind. Dieses Verfahren heißt Traum-Durga. Opfert man nachts unter einem Banyan mit rötlichem Banyan-Holz, soll man innerhalb eines Monats eine Yakshini sehen. Für Wohlstand betrachtet man Chandika glänzend wie frisches Gold.
25-45. Bei Unterwerfung und Heranziehung betrachtet man sie rot, bei Tötung wie loderndes Feuer, bei Erstarrung gelb, bei Zwietracht rauchfarben, bei Giftbeseitigung und Befreiung weiß. Der Satz nennt mehr Anwendungen als ausdrücklich getrennte Farben; Weiß wird hier auf die beiden letzten Ziele bezogen, ohne eine weitere Farbe zu ergänzen.
25-46. Oder man betrachtet sie bei allen Handlungen dunkel, mit den Gesten von Segen und Furchtlosigkeit, mit Muschel und Diskus, auf einem Büffel stehend.
25-47. Wer den Durga-Mantra wiederholt, kann nach dem Text durch verschiedene Störungen wie Schwindel bedrängt werden. Zu ihrer Beruhigung bereitet man auf einem Bhadraka-Mandala Krüge nach der Lotus- und Buchstabenordnung der Matrika, mit passenden Pflanzen, Früchten, Blumen, Gold, Edelsteinen und acht Duftstoffen. Mit den Buchstabenkräften und Rudras werden sie aus dem Lotus des Raumes gefüllt; mit ihnen wird der Betroffene begossen. Die Buchstabenanordnung ist in der Quelle fraglich; die genaue Zuordnung der Kräfte bleibt unklar.
25-48. Mit den betreffenden Nyasa-Mantras opfert man Ghee, Sesam, gekochte Opferspeise, Kuhprodukte und Puffreis. Ghee und Kuhprodukte werden als Opfertropfen in die Krüge gegeben; ein mit diesem Nyasa verbundenes Schutzmittel wird hineingelegt. Mit den der Reihe nach gesprochenen Buchstaben vom ersten bis Ksha begießt man den Betroffenen. Er soll Lebensdauer, Gesundheit und Wohlstand erlangen; Hindernisse, besitzergreifende Mächte, Krankheiten und Gefahren sollen vergehen und seine Wünsche gelingen. Der Ausdruck für das Schutzmittel ist knapp und nicht näher bestimmt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Vanadurga.
Das Herz Durgas: Mahishamardini
Die Bezwingerin des Büffeldämons wird mit einem eigenen Mantra und einer eigenen Verehrungsordnung beschrieben. Der Körper, der Sitz und die umgebenden Gottheiten werden schrittweise in die Vorstellung einbezogen.
25-49. Kala, Raum mit Auge, Umaja und das Wort Mardani bilden, mit dem doppelten Tha am Ende, den achtsilbigen Mantra, der „Durgas Herz“ heißt. Die ersten Wörter sind Lautchiffren; die Folge wird nicht vervollständigt.
Unnummerierte fünf Gliederformeln nach 25-49. „Om, Verehrung der Bezwingerin des Büffels!“ – „O Feindin des Büffels, Gefährtin Sharvas! Hum, Phat, doppeltes Tha!“ – „Lass den Büffel schreien, lass ihn schreien!“ – „Hum, töte den Büffel, töte ihn, o Göttin!“ – „Hum, o Vernichterin des Büffels! Phat!“ Die Formeln beziehen sich auf die mythische Bezwingung des Büffeldämons. Hum und Phat werden als Mantralaute, nicht als gewöhnliche Wörter verstanden; doppeltes Tha bleibt die Chiffre der Quelle.
25-50. Diese fünf werden mit ihren jeweiligen Lautklassen als Glieder gebildet. Der Seher heißt Shakavatsa; als Versmaß wird Prakriti genannt.
25-51. Die Gottheit ist Durga selbst. Durch so viele Hunderttausend Wiederholungen, wie der Mantra Buchstaben hat, soll er verwirklicht werden. Man fastet am achten Tag der dunklen Monatshälfte und beginnt am neunten mit seiner Wiederholung.
25-52. Man betrachtet die glückverheißende Göttin mit Muschel, Schild, Bogen und Keule, Diskus, Nandaka-Schwert, Pfeil und Stachelstock in ihren Armen. Sie trägt rote Gewänder und weiteren roten Schmuck, leuchtet wie Smaragd, hat drei Augen und ist mit Krone und anderen Schmuckstücken geziert. Auf dem Kopf des Büffels steht Mahishamardini, die alle Ziele zur Erfüllung bringt. Versmaß: Siddhida.
25-53. Nach Empfang des Mantras vom Guru badet man, hält sich an einem geeigneten Ort auf und nimmt erlaubte Nahrung zu sich. Nach der Verehrung am Tagesübergang ehrt man zur Vorbereitung der Puja die Türhüter des Heiligtums.
Unnummerierte Türanrufungen. Ringsum: „Verehrung Durgas Gefolge!“ Dann an beiden Seiten: „Verehrung dem Ortshüter! Verehrung Chandika! Verehrung Ambika! Verehrung dem Vastu-Purusha!“ Am oberen Türbalken: „Verehrung der glückverheißenden Kraft der Schwelle!“
25-54. Nachdem man die Naracha-Waffe ausgesandt hat, tritt man ein und nimmt den Sitz ein. Man reinigt sich selbst und setzt die Glieder ein. Mit Materialien, die durch den eigenen Wurzelmantra, die Glieder und das Ehrenwasser gereinigt sind, …
25-55. … verehrt man Ganesha, den Guru, den Sitz und die weiteren Bestandteile. Sattva, Rajas und Tamas, Lotusknolle, Stängel und Lotus verehrt man unter ihren Namen.
Unnummerierte Sitzformeln innerhalb 25-55. Unterhalb der Erde: „Om, Sam, Verehrung Prakriti!“ Den Löwensitz: „Om, Vam, Verehrung dem Vajrasana!“ Die vier Löwenfüße: „Om, Am, der Arya! Om, Rim, der Auflösung! Om, langes Ri, der großen Auflösung! Om, Em, Verehrung der Schöpfung!“ Die hier deutsch benannten Vokale erläutern die Funktion; ihre genaue Schriftform wird in der separaten Sanskritfassung bewahrt. Beim langen Ri fehlt in der Quelle ein ausdrücklich gesetzter Nasallaut.
25-56. Man verehrt die Kreise von Sonne, Mond und Feuer, Brahma, Vishnu und Ishana, die Blätter und weiteren Teile. An den Spitzen der Staubfäden verehrt man die Glieder, an den Blattspitzen und dann in der Mitte …
25-57. … der Reihe nach Prabha, Maya, Jaya, Sukshma, Vishuddha, Nandini, Suprabha, Vijaya und Sarvasiddhida.
Unnummerierte Anweisung und Formel. Man verehrt sie mit vorangestellten langen Vokalen. Über dem Fruchtboden: „Om, Verehrung dem großen Löwen, dessen Waffen diamantfeste Krallen und Fangzähne sind!“
25-58. Dann ruft man Durga mit dem Wurzelmantra in der beschriebenen Gestalt herbei, verehrt sie mit den geeigneten Diensten und ehrt außen die Umkreise.
Unnummerierte Namen nach 25-58. Durga, Varavarnini, Arya, Kanakaprabha, Krittika, Abhayaprada, Kanaka und Surupini.
25-59. Diese werden außerhalb des Sitzes mit vorangestellten langen Vokalen und abschließendem Verehrungswort verehrt. In umgekehrter Folge ehrt man die acht Waffen an Toren, Ecken und Richtungen.
25-60. Mit den acht Buchstaben beginnend bei Ya verehrt man auf dem Umgang den Hindernisherrn und Sarasvati, die Mütter, die Gurus und Guha in den Richtungen, danach Simhika im Nordosten.
25-61. Die Trägerinnen der abgelegten Opfergaben und danach die Weltenhüter werden der Reihe nach verehrt. Kali und die folgenden Gestalten werden außen an den vier Toren paarweise verehrt.
25-62. Kali, Karali, Varada, Madira, Vindhyavasini, Suprabha, Simhavaktra und als achte Daityamardini.
25-63. Nachdem man die Göttin so mit ihrem Gefolge durch die Dienste bis zum Feueropfer verehrt hat, verabschiedet man sie in den Dvadashanta oder den Lotus des Herzens.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Verehrung.
25-64. Sesam, Ghee und Milchreis sollen alle Menschen gefügig machen; Lotusse Wohlstand und Sieg schenken. Giftbaumhölzer und scharfe Gewürze, mit Senffett benetzt, sollen den Tod eines Feindes bewirken. Die als Dvija bezeichneten Blüten sollen das Geschlecht gedeihen lassen, Anityaka-Gaben Feinde besiegen. Ghee und weißer Senf mit Haritalika-Sprossen sollen Krankheiten vertreiben. Die Pflanzenbezeichnungen sind örtlich nicht sicher botanisch bestimmbar. Versmaß wie zuvor.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Durgas Herz.
Shulini, die Dreizackträgerin
In Shulini verbindet sich die Vorstellung göttlicher Macht mit Schutz und dem Bild des Kampfes. Wieder werden Mantrabildung, Meditation, Gefolge und Anwendungen unterschieden.
25-65. Nach dem wiederholten Wort „Flamme!“ folgen „O Shulini“ und „böse“, verbunden mit „ergreifende Macht“; darauf die durch Parabana und Astra bezeichneten Laute. So entsteht der mit der Zahl Tridasha bezeichnete Mantra mit den folgenden Gliedern. Sein Seher ist Dirghatamas, sein Versmaß Uttara Kakubh und seine Gottheit Shulini selbst. Für jeden Laut übt man hunderttausend Wiederholungen. Tridasha bedeutet gewöhnlich dreißig, kann aber auch die Götter bezeichnen. Die hier beabsichtigte Silbenzahl ist anhand der chiffrierten Folge nicht eindeutig gesichert; eine vollständige Wurzelformel wird nicht ergänzt.
Unnummerierte Gliederformeln innerhalb 25-65. „Om, Shulini, Durga! Hum, Phat!“ – „Om, Shulini, der Segensspenderin! Hum, Phat!“ – „Om, Shulini, Bewohnerin des Vindhya! Hum, Phat!“ – „Om, Shulini, Vernichterin der Dämonen, die du am Kampf Freude hast! Erschrecke, erschrecke! Hum, Phat!“ – „Om, Shulini, von Göttern und Vollendeten Verehrte, Nandini! Schütze, schütze, große Herrin des Yoga! Hum, Phat!“ Die wechselnden Anredeformen entsprechen der Quelle.
25-66. Nach Empfang des Mantras aus dem Mund des Gurus beschränkt man Nahrung und Rede. Am Zusammenfluss mit dem Meer, bei einem nach Westen gerichteten Shiva-Heiligtum oder auf einem von Waldblüten duftenden Berg übt man Japa und verehrt sie. Sie befindet sich auf einem Lotus auf dem Löwensitz. Es folgen der Umkreis der Glieder, der Shaktis auf den acht Blättern, der Waffen und der Herren der Richtungen. Versmaß: Vanamanjari.
25-67. Dort verehrt man den als Vajrasana bezeichneten Sitz unter seinem Namen; ebenso Prakriti mit den drei Gunas, die Kreise mit ihren Gestalten und den Lotus.
Unnummerierte Namen der acht Shaktis. Mit vorangestelltem Om werden Durga, Varada, Vindhyavasini, Asuramardini, Yuddhapriya, Devasiddhapujita, Nandini und Mahayogeshvari angerufen: die Segensspenderin, die Bewohnerin des Vindhya, die Dämonenbezwingerin, die Kampffreudige, die von Göttern und Vollendeten Verehrte und die große Herrin des Yoga gehören zu diesen Gestalten.
25-68. Sie hält Diskus, Muschel, Schwert, Keule, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schlinge. Sie leuchtet saphirblau, trägt Krone und weiteren Schmuck, hat drei Augen und ein schönes Gesicht. Auf dem König der Tiere reitend, trägt sie ein glänzendes goldenes Gewand. So betrachtet man sie bei Japa und den weiteren Handlungen; oder vierarmig und goldglänzend. Versmaß wie zuvor.
25-69. Nachdem man die Göttin so meditiert hat, ruft man sie mit dem Wurzelmantra aus dem Herzen oder aus dem Sonnenkreis herbei. Mit ihren Gliedern und den eigenen Diensten verehrt man sie.
25-70. In den vier Richtungen der Göttin verehrt man vier Botinnen auf dem Sitz. Jaya ist gelb, trägt Muschel, Diskus und Keule und hält eine Hand erhoben.
25-71. Im Süden steht die weiße Vijaya mit Schlinge und Stab und einer als Sphota bezeichneten Gebärde. Im Westen die dunkle Subhadra, achtarmig mit Muschel und den weiteren Waffen. Sphota bezeichnet möglicherweise ein Klatschen oder Schnalzen; die genaue Geste bleibt unklar.
25-72. Shula-Katyayani ist weiß und hält zwei Krüge mit Nektar. Mit dem aus diesen Krügen strömenden Nektarwasser begießt sie die Göttin.
Unnummerierte Anweisung nach 25-72. Im Nordosten verehrt man Simhika, die Trägerin der abgelegten Opfergaben. Nun in Akriti:
25-73. Wer die tägliche Verehrung mit Blumen, guten Düften, Räucherwerk, Lampen und gekochter Opferspeise vollzieht, sich mit einem von Hingabe tief gebeugten Haupt verneigt und diesen Mantra zu Füßen Shaktis durch liebliche Madraka-Lieder, Instrumentalmusik, Tanz und Bali verwirklicht – für den soll in der Welt nichts schwer erreichbar sein. Versmaß: Madraka.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Verehrung.
25-74. Durch so viele Hunderttausend Wiederholungen, wie Utkriti bezeichnet, soll man die ganze Welt unter seinen Einfluss bringen. Yakshas, Pishachas, Geisterwesen und Schlangen sollen auf ein Wort hin das Gewünschte ausführen. Man soll ein Heer mit vielen brünstigen Elefanten, Pferden und Kriegern aufhalten und im Kampf besiegen. Verborgene Schätze in der Erde soll man sehen und mühelos erlangen. Die Zahl Utkriti wird hier nicht aufgelöst; Versmaß wie zuvor.
25-75. Betrachtet man Shulini in Einheit mit sich selbst, soll durch Japa ein Eintritt ihrer Gegenwart in den eigenen Zustand entstehen. Die technische Bezeichnung des Eintritts ist knapp; sie wird nicht als eindeutig beschriebene moderne Erfahrung ausgelegt.
25-76. Schon durch einen Blick soll man von Gift, besitzergreifenden Mächten, Krankheiten und Ähnlichem befreien. Auf weißen Stoff zeichnet man die Göttin Durga mit acht Armen und ihren Waffen.
25-77. Zusammen mit den kleinen beziehungsweise zwerggestaltigen Jaya und den weiteren Begleiterinnen verehrt man sie und übt Japa. Dieser Mantra soll rasch wirksam werden. Dann verehrt man sie auf einem Pfeil.
25-78. Durch dessen Kraft soll ein feindliches Heer wirksam vertrieben werden. Durch Meditation über die Einheit mit der Göttin und die weiteren Handlungen soll man den Feind besiegen und verwirren. Das Wort zur Kraft des Pfeiles ist in der gelieferten Lesung auffällig.
25-79. Ein Opfer aus Sesam und Senf im Scheiterhaufenfeuer soll alle Feinde töten. Ein mit dem Mantra besprochener weißer Stein, zornig geworfen, soll Affen und Vögel vertreiben. Es folgt eine beschädigte Anweisung über ein vergrabenes tierförmiges Objekt auf dem Weg eines Heeres. Durch ein Jahr täglicher Opfer von tausend süß vermischten Sesamgaben soll man mächtig werden; mit Ashvattha-Hölzern soll man andere beeinflussen, mit Ghee das Ersehnte erlangen. Die Wortfolge zum vergrabenen Objekt lässt sich nicht vollständig übersetzen; ausschließlich dieser Teilsatz wird zusammenfassend bezeichnet. Der Sanskritbestand bleibt ungekürzt erhalten. Versmaß wie zuvor.
25-80. Die Anwendungen, die hier für Vanadurga beschrieben worden sind, …
Unnummerierte Fortsetzung. … gelten gleichermaßen für Mahishamardini und Shulini.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Shulini.
Khadgadurga, die Schwert-Durga
Die letzte Gestalt steht besonders im Zusammenhang mit Mut und Schutz auf Reisen und in Auseinandersetzungen. Die Schlussstrophe fasst die Verehrung der verschiedenen Durga-Mantras zusammen.
25-81. Tara, zweimal „Durga“, Rakta, Samvarta, Feuer und das doppelte Tha bilden die Lautfolge. Teilweise chiffrierte Mantrabildung; keine sichere Vollformel.
25-82. Narada ist der Seher, Gayatri das Versmaß und Khadgadurga selbst die Gottheit. Die sechs Glieder bildet man der Reihe nach mit ihren eigenen Lauten …
Unnummerierte Fortsetzung. … nach den Zahlen von Purari und Berg; für das Waffenmantra mit der gesamten Folge. Die Angabe ist nicht eindeutig genug für eine ergänzte Silbenaufteilung. Nun im Versmaß Vikriti:
25-83. Möge die Göttin euch beschützen, die mit vier Armen Muschel, Diskus, Schwert und Dreizack hält! Sie leuchtet dunkel wie eine neue Wolke oder rot, hat drei Augen und bezwingt Nishumbha. Sie trägt goldenen Schmuck sowie schöne gelblich rote Girlanden, Duftstoffe und Gewänder. Auf dem König der Tiere reitet sie mit lebhafter, einem Pferd vergleichbarer Bewegung und ist siegreich. Das Schlusswort ist in der Quelle beschädigt; „siegreich“ ist hier nur eine unsichere Wiedergabe. Versmaß: Ashvalalita.
25-84. Nachdem man den Mantra aus dem Mund des Lehrers empfangen hat, vergegenwärtigt man die Einheit mit ihr und wiederholt ihn: im von Elefanten und Pferden erfüllten Kampf, bei schweren Gefahren und bei Streitgesprächen. So soll man furchtlos und siegreich werden. Man verehrt diese vergegenwärtigte Göttin täglich. Durch besondere Verehrung und Japa am neunten Tag der hellen Monatshälfte soll man sich im Luftraum bewegen können und die Kräfte des Kleinwerdens und die weiteren Fähigkeiten erlangen. Versmaß wie zuvor.
25-85. Durch hunderttausend Feueropfer mit Sesam, Ghee und Senf soll man zu einem Vidyadhara, einem Träger übernatürlichen Wissens, werden.
25-86. Durch Treffer mit besprochenen Pfeilen und ähnlichen Mitteln sollen Feinde und wilde Tiere fliehen. Wer Japa übt und meditiert, soll nicht von Dieben, Krankheiten und anderen Bedrängnissen getroffen werden.
25-86½. Diese Khadgadurga soll man ohne umgebende Gottheitenkreise verwirklichen. Die zusätzliche Halbversnummer ist original und bleibt erhalten.
25-87. So sind die Durga-Mantras beschrieben, welche Gift, Krankheiten, Unheil und Furcht beruhigen sollen. Wer einen von ihnen nach seiner Wahl durch vorgeschriebene Verehrung, Feueropfer, Nachsinnen und Japa zunächst verwirklicht und dann Shakti jeden Tag hingebungsvoll verehrt, bei dem soll Lakshmi beständig freudig spielend wohnen, begleitet von Glück und Fülle. Versmaß: Mattakrida.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das fünfundzwanzigste Kapitel.
Redaktionelle Besinnung. Die vielen Gestalten Durgas geben Schutzbedürfnis, Mut und Hingabe eine bildhafte Sprache. Für heutige Yoga-Aspiranten ist besonders die in 25-18 zugelassene innere Verehrung zugänglich: Auch ohne aufwendige äußere Mittel kann Sammlung wachsen. Diese Deutung verwandelt die historischen Schädigungs- und Machtverheißungen nicht nachträglich in harmlose Übungen; sie wählt bewusst die Motive, die einer mitfühlenden Praxis dienen können.
Mantrapada, Kapitel 26: Vasudhara, die Erde und weitere Shaktis
Dieses Kapitel führt durch mehrere Formen der Göttin: Vasudhara als Strom der Fülle, die Erde, Triputa, Annapurna und Matangi. Auffällig ist die Einbindung von Buddhas und Bodhisattvas in Vasudharas Verehrung. Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und innere Sammlung stehen neben Ritualen für Wohlstand und Einfluss.
26-1. Tara und Wasser, das Wort Sudha, Feuer mit „Lippe“ und das doppelte Tha: So wird Vasudharas Wurzelmantra mit sieben Lauten bezeichnet. Die sieben Laute sind durch „Vokale“ als Zahlenwort angegeben; die Bestandteile sind teilweise chiffriert.
26-2. Ambaka mit Agnihotra, danach Vali mit dem Ende von Hara; die drei Laute „Shrikari“, dann die Wörter für Reichtum und Getreide …
26-3. … jeweils mit dem Wort „Kari“, der Bewirkenden, verbunden, und die Gattin des Feuers: Dies ist Vasudharas als Sadhya bezeichneter Mantra, der Vollendung verleiht. Der Anfang besteht aus Lautchiffren; die Gattin des Feuers bezeichnet die Opferendung.
26-4. Der erste, siebensilbige, ist hier der Wurzelmantra; mit ihm soll man verehren. Den zweiten soll man durch Japa, Feueropfer und weitere Handlungen verwirklichen.
26-5. Der Seher ist der Weise Buddha; die Versmaße sind Ushnih und Atishakvari. Die Gottheit heißt Vasudhara: Lakshmi, die von der ganzen Welt Verehrte.
Unnummerierte Gliederformeln nach 26-5. Die Quellformeln ordnen Om, die Namen beziehungsweise Lautfolgen Vasu, Shri, Vasushri und Vasudhara sowie die jeweiligen Endlaute dem Herzen, dem Nebenherzen, dem Nebenherzen des Nebenherzens, der Stirn, dem Kopf, der Haarspitze, dem Panzer sämtlicher Glieder und der Waffe zu. Die ersten fünf verwenden die Chiffre des doppelten Tha; bei der Haarspitze stehen Svaha und Vashat, beim Panzer Svaha und Vaushat, bei der Waffe Svaha und Phat. Dies erläutert die vollständige Gliederfolge; die Bijas selbst besitzen keine gewöhnliche deutsche Wortbedeutung. Der genaue Sanskritwortlaut ist getrennt bewahrt.
26-6. Als vorbereitende Übung soll man den Sadhya-Mantra dreihunderttausendmal wiederholen. Japa und Verehrung sind an den Tagesübergängen und um Mitternacht vorgesehen.
26-7. Körper und Geist seien rein, die Kleidung und alles Weitere sauber; man schweigt. Um Mitternacht bestreicht man eine runde Fläche mit Sandelpaste.
26-8. Zuerst verneigt man sich vor den fünf Buddhas und ebenso vor den acht Bodhisattvas: Akshobhya, Vairochana, Ratnasambhava …
26-9. … Amitagha und Amoghasiddhi werden mit ihren Namen, denen Tara vorangestellt ist, verehrt. Dann Padmapani, Maitratma und der mit Gagana beginnende und mit Gaja bezeichnete Name … Amitagha ist die hier gelieferte Lesung; später steht Amitabha. Die dritte Bodhisattva-Bezeichnung ist chiffriert beziehungsweise beschädigt.
26-10. … Samantabhadra, der als Herr der Yakshas Bezeichnete, Manjughosha und Vishkambhaka. Trotz der Ankündigung von acht Bodhisattvas sind in der vorliegenden Folge nur sieben Bezeichnungen eindeutig abtrennbar. Ein achter Name wird nicht ergänzt.
26-11. Man betrachtet einen überaus schönen goldenen Berg, der aus dem Bija Tram hervorgeht. Darauf liegt ein Garten, mit Wunschbäumen geschmückt.
26-12. In dessen Mitte stellt man sich eine goldene, mit göttlichen Edelsteinen besetzte Fläche vor. Dort vergegenwärtigt man einen aus dem Laut Yam entstandenen Lotus und sich selbst darauf stehend.
Unnummerierte Formel vor 26-13. „Om. Von Natur aus rein, allen gleich; ich bin ganz rein.“ Die erste Hälfte ist grammatisch auffällig und wird hier nur nach den erkennbaren Wörtern wiedergegeben; sie wird nicht durch einen bekannteren buddhistischen Formelsatz ersetzt.
26-13. Mit diesen Worten vollzieht der Einsichtige dreimal den Nyasa vom Kopf bis zu den Füßen. Er entwickelt Freundlichkeit gegenüber allen Einsichtigen und Mitgefühl für die Leidenden …
26-14. … Freude an denen, deren Verhalten gut ist, und Gleichmut gegenüber denen, die Schlechtes tun. So richtet er sich auf die Lebewesen aus, stets mit zufriedener innerer Haltung.
Unnummerierte Lautfolge vor 26-15. Die Folge besteht aus Om, Hum, Tram, Am, Kham und Hum.
26-15. Diese Laute setzt man dreimal ein, von den Daumen bis zu den Handflächen. Mit den folgenden Worten bildet man der Reihe nach dreimal die Anjali-Geste an Nabel, Herz und Kopf.
Unnummerierte Bitte innerhalb 26-15. „Om. Mögen alle Vollendungen sämtlicher Tathagatas zustande kommen! Mögen alle Tathagatas ihre Gegenwart gewähren!“
Unnummerierte Anrufung vor 26-16. „Om, Vasudhara, nimm in mir Gegenwart!“
26-16. Mit dieser Anrufung legt man die gefalteten Hände an den Scheitel und verneigt sich vor ihr. Dann bildet man die Samaya-Mudra, hebt sie empor und zeigt sie.
Unnummerierte Formel innerhalb 26-16. „Om, o Samaya, o Sanfte, die du die heilige Verbindung stiftest, o große Samaya! Verehrung!“ Es folgt die Chiffre des doppelten Tha. Samaya bezeichnet hier die rituelle Bindung beziehungsweise Übereinkunft und zugleich eine Anrede der Göttin.
26-17. Ebenso zeigt man mit der Sadhya-Formel die Vajra-Mudra. Dann nimmt man ein goldenes oder anderes Gefäß, das mit Duftstoffen, Blumen und Wasser gefüllt ist …
26-18. … setzt darin den Wurzelmantra ein, verehrt es und besprengt mit seinem Wasser das eigene Haupt. Ebenso besprengt man die Gegenstände der Verehrung und den Ort mit dem Ehrenwasser.
26-19. Unter dem Wunschbaum, auf dem Lotus eines Löwensitzes aus Edelsteinen, betrachtet man die Göttin und ruft sie mit der folgenden Formel in der anschließend beschriebenen Gestalt herbei.
Unnummerierte Herbeirufung innerhalb 26-19. „Om, der Glücksgöttin! O Glück Schaffende, Reichtum Schaffende, Getreide Schaffende! Komm, komm herbei, erhabene Vasudhara!“ Es folgt die Chiffre des doppelten Tha.
Unnummerierte Versmaßangabe. Nun in Sakriti:
26-20. Verneigt euch vor Vasudhara, goldglänzend, mit vollen krugförmigen Brüsten und mondgleichem Gesicht! Ihr Haar leuchtet wie ein Schwarm schwarzer Bienen. Sie trägt ein Obergewand, hat Augen wie blaue Lotusse, schöne Arme und eine überaus schlanke Taille. Goldene Krone, gold- und edelsteinbesetzter Schmuck, reine Gewänder, Duftstoffe und schöne Girlanden umgeben ihren strahlenden Leib. Versmaß: Kantimati; manche nennen es Tanvi.
26-21. Sie steht mit einem Fuß auf der Öffnung eines Kruges, der Schätze regnen lässt. Ihre linke Hand ruht auf dem Knie des angewinkelten Beines und hält einen Granatapfel.
26-22. In der anderen Hand trägt sie einen Lotus, der einen edelsteinregnenden Krug birgt. Aus seinem Stängel tritt eine Ranke hervor, reich an herabströmenden Güterflüssen. Die räumliche Verbindung von Lotus, Krug und Ranke ist in der Quelle dicht zusammengesetzt und bleibt teilweise unsicher.
26-23. Nachdem man die Göttin so betrachtet hat, ruft man sie mit dem Wurzelmantra in das Mandala. Mit demselben Mantra verehrt man sie der Reihe nach durch Ehrenwasser und die weiteren Dienste.
26-24. Unter dem Wunschbaum, auf einem Lotus, betrachtet man den Buddha Amitabha: gelb, in Meditation versunken, mit einer Haarspitze und geschorenem Haupt. Die beiden Haarangaben stehen gemeinsam in der Quelle; eine davon wird nicht entfernt.
26-25. An seiner Seite betrachtet man Lokeshvara, weiß, auf einem strahlenden Lotus, mit Haarflechten und einem Obergewand aus Tierfell am Körper.
26-26. Links betrachtet man Vajrapani, dunkel, mit dem Vajra, geschmückt mit Krone und weiteren Schmuckstücken, auf einem Lotus, die Hand am Nabel.
Unnummerierte Anrufungen vor 26-27. Om Sam, Om Dham und Om Ram, jeweils mit der Chiffre des doppelten Tha; ebenso die Anreden Vasudhe, Vasundhari, Vasumati mit Shri und Vasudhari. Die Namensformen bleiben wie geliefert; die Folge zählt sieben Anrufungen.
26-27. Diese verehrt man auf den Blattspitzen ihres Lotus in den Haupt- und Zwischenrichtungen. In der Mitte verehrt man die Göttin mit dem Wurzelmantra, an ihren Seiten Shri und Mahashri.
26-28. Die beiden haben Shris Gestalt, stehen auf Lotussen und tragen Krüge, aus denen Schätze regnen. Vor ihnen verehrt man auch die sieben Kostbarkeiten, auf Lotussen befindlich.
Unnummerierte Anrufungen innerhalb 26-28. „Om, Verehrung dem kostbaren Rad! Om, Verehrung dem kostbaren Juwel! Om, Verehrung dem kostbaren Schwert! Om, Verehrung dem kostbaren Pferd! Om, Verehrung der kostbaren Frau! Om, Verehrung dem kostbaren Mann! Om, Verehrung dem kostbaren Elefanten!“ Die Liste wird so übersetzt, wie sie vorliegt, ohne Angleichung an andere Listen der sieben Kostbarkeiten.
26-29. Zu beiden Seiten von ihnen stehen die als Yaksha- und Schlangenkönige Bezeichneten; darüber die Göttersöhne. Sie sind zum Dienst gekommen und verneigen sich.
26-30. So verehrt man sie mit ihrem Gefolge der Reihe nach durch Duftstoffe und weitere Gaben und durch die anschließend beschriebenen Vasudha-Mudras.
26-31. Die Mudra mit beiden nach innen gelegten Daumen heißt Samaya. Löst man daran der Reihe nach Zeigefinger und die folgenden Finger, entstehen drei Mudras, die nach Blumen und den weiteren Gaben benannt sind. Die drei einzelnen Gabennamen werden hier nicht ausgeschrieben.
26-32. Setzt man die Daumenspitze auf den Nagel des kleinen Fingers, entsteht die Vajra-Gestalt. Mit gelösten übrigen Fingern heißt sie nach den Lehrern Lampen-Mudra.
26-33. Man formt die gefalteten Hände wie ein Gefäß, die Daumen seitlich aneinandergelegt: Dies ist die Speisegaben-Mudra. Danach werden die Fingerspitzen wechselseitig nach außen geführt …
26-34. … und es entsteht die allgemeine Mudra, die überall beim Verneigen gilt. Mit den mittleren Teilen des dritten Gelenks beider Zeigefinger berührt man die eingebogenen Finger …
26-35. … wobei die Daumen etwas hervorragen: Diese Mudra heißt Vahana. Um Mitternacht wiederholt man den fünfzehnsilbigen Sadhya-Mantra. Die Fingeranordnung der letzten Mudra ist nicht eindeutig; die Bezeichnung wird nicht stillschweigend zu Avahana geändert.
26-36. Mit dem siebensilbigen Wurzelmantra verehrt man sie nach Vorschrift. Nach einem Monat soll man Vermögen erlangen, nach sechs Monaten einem Reichtumspender gleichen.
26-37. Täglich am Vormittag wiederholt man den Mantra und opfert um Mitternacht Sesam. Dadurch soll man den König beeinflussen und von ihm das gewünschte Gut erhalten.
26-38. Oder weiße Senfkörner werden geopfert, damit der Herrscher sich fügt. Die kurze Shri-Silbe, Wind auf der Lippe, lang, am Anfang und Ende Kari … Ab dieser Stelle beginnt die chiffrierte Bildung eines weiteren Mantras; die Lautzuordnung bleibt unklar.
Unnummerierte Fortsetzung nach 26-38. Die folgenden beiden Glieder sind beschädigt. Erkennbar sind anschließend Anrufungen der „Blüten beziehungsweise Gedeihen Schaffenden“, „Fülle Schaffenden“, „Hindernisfreiheit Schaffenden“ und „Alles Schaffenden“ sowie die Chiffre des doppelten Tha. Die unentscheidbaren Quellformen werden nicht durch erwartete Wörter für Reichtum und Getreide ersetzt.
26-39. Dieser Mantra hat zweiunddreißig Silben; seine Glieder und weiteren Zuordnungen gelten wie zuvor. Durch die zuvor beschriebene Verehrung, Japa und Meditation soll Vasudhara das Ersehnte schenken.
26-40. Nun wird ein anderes Verfahren für den zuvor genannten Sadhya-Mantra gelehrt. Am goldenen Strand des Milchmeeres, geschmückt von einem Garten aus Wunschbäumen …
26-41. … voller goldener Vögel und Tiere, betrachtet man einen goldenen Pavillon: zehn Yojanas breit und hundert Yojanas lang.
26-42. Upendra hat diesen Pavillon im Geist für die Göttin geschaffen. Er besitzt tausendacht göttliche Säulen aus Edelsteinen …
26-43. … Treppen aus Vaidurya und einen inneren Boden aus Kristall. Hunderte Lotusteiche und göttliche Gärten schmücken ihn.
26-44. Torbögen, Schirme, Krüge, Lampen, Keimlinge und Wedel zieren ihn, ebenso Fahnen mit Zeichen von Muschel, Kristall und Diskus sowie Spiegel.
26-45. Er ist mit weiteren glückverheißenden Dingen versehen; Perlenketten hängen herab. In seiner Mitte betrachtet man wiederum einen Löwensitz aus Edelsteinen …
26-46. … und darauf einen großen Lotus mit tausend schönen Blättern. Auf seinem Fruchtboden betrachtet man die Göttin Vasudhara.
Unnummerierter Übergang. Nämlich:
26-47. Ich verneige mich vor Vasudhara! Am Fuß des Wunschbaumes, auf einem Löwensitz aus Edelsteinen, stehen ihre Lotusfüße fest auf einem herrlichen roten Lotus mit vielen Hunderten von Blättern. Sie ist dunkel wie ein Edelstein, hat hohe krugförmige Brüste und ein schönes Mondgesicht. Halsketten, Edelsteingirlanden, Goldkrone und vorzügliche Schmuckstücke zieren ihren Leib. Sie trägt bunte Gewänder, zeigt links die Geste der Furchtlosigkeit und hält einen Granatapfel. Versmaß: Manimala; die zusätzliche „26-“ vor dem Versmaßnamen wird als Quellbesonderheit in der Sanskritfassung bewahrt.
26-48. Nachdem man die Göttin so betrachtet hat, vergegenwärtigt man rechts von ihr den Herrn des Reichtums. Er hält einen Krug, aus dem Perlen und Rubine strömen.
26-49. Links betrachtet man Samriddhi, die Fülle, in göttlicher Gestalt. Beständig fächelt sie der Göttin mit einem vorzüglichen Wedel an goldenem Stiel Luft zu.
Unnummerierte Anrufungen vor 26-50. „Om, Verehrung Dharma! Om, Verehrung Buddha! Om, Verehrung Sahya! Om, Verehrung Sagaranirghosha! Om, Verehrung Vajraraksha! Om, Verehrung Taruni! Om, Verehrung dem edlen Avalokeshvara! Om, Verehrung Prajna! Om, Verehrung Sarasvati! Om, Verehrung allen Bodhisattvas!“ Sahya und einzelne weitere Namen werden in der gelieferten Form bewahrt, ohne Ersatz durch bekanntere buddhistische Namen.
26-50. Diese verehrt man unterhalb des Löwensitzes der Reihe nach in den zehn Richtungen. Mit den zuvor genannten sechs Gliedermantras vollzieht man Nyasa und bindet die Richtungen zum Schutz.
26-51. Nachdem man sie so mit ihrem Gefolge ordnungsgemäß verehrt hat, wiederholt man schweigend und rein den Mantra. Man soll stets ausschließlich die Wahrheit sprechen.
26-52. Gerade bei diesem Mantra erlangt man die Frucht durch wahrhaftige Rede. Als Feueropfer bringt man ein Zehntel der Japa-Zahl mit Lotussen dar, die mit Ghee vermischt sind.
26-53. Durch tägliche Übung, Verehrung und Feueropfer soll der Mantrakundige wohlhabend werden. Dabei verwendet er der Reihe nach die zuvor beschriebenen Mudras und Mantras.
26-54. Durch Verehrung und Japa um Mitternacht und am Morgen soll er Wohlstand erlangen. Wer im Schatten eines Bilva-Baumes wohnt und mit seinen Hölzern oder Früchten …
26-55. … täglich achttausend Opfer darbringt, soll nach sechs Monaten an Herrschaft teilhaben. Wer eine Monatshälfte lang ein Milchgelübde hält, täglich morgens Wassergaben darbringt und rezitiert …
26-56. … und auch um Mitternacht über sie meditiert, soll zum Herrn von Reichtum und Getreide werden. Morgens bringt man achttausendmal reines Wasser zur Erquickung dar.
26-57. Innerhalb eines Monats soll Fülle entstehen und die drei Welten sollen sich fügen. Man meditiert und verehrt täglich, übt Japa und bringt erquickende Gaben dar.
26-58. Innerhalb eines Jahres soll man dadurch zweifellos großen Wohlstand erlangen. Opfer mit Durva-Gras sollen langes Leben und Gesundheit, mit Lotussen und Bilva Wohlstand und Vermögen bringen.
26-59. Wer mit frischem Ghee opfert, soll Gewänder erhalten. Mit Ghee durchtränkt … Um Mitternacht bestreicht man das Mandala mit Sandel. Zwischen beiden Anweisungen steht eine grammatisch unvollständige Ghee-Angabe; ihr fehlender Bezug wird nicht ergänzt.
26-60. Man bestreut es mit verschiedenen Blumen, ruft die Göttin darin herbei und verehrt sie. Hundert Ghee-Lampen werden dargebracht; danach ehrt man sie der Reihe nach mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.
26-61. Von Mitternacht bis zum ersten Morgenrot wacht man und wiederholt den Mantra, Vasudhara vergegenwärtigend.
26-62. Dann soll vor einem ein Goldstrom von Menschendicke herabfallen. Steht man bis zum Nabel im Wasser und übt tausendacht Wiederholungen …
26-63. … soll nach sieben Tagen Regen kommen, der Gedeihen fördert. Auf einem Stoff von fünf Spannen Größe zeichnet man nach Vorschrift die Göttin …
26-64. … in der beschriebenen Gestalt, verehrt sie und soll so an Vollendung teilhaben. Morgens und um Mitternacht, auf einem mit Sandel bestrichenen Mandala, …
Unnummerierte Fortsetzung nach 26-64. … verehrt man sie, übt Japa und opfert; dadurch soll man die beschriebene Frucht genießen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Vasudhara.
Das Herz der Erde
Die Erde wird als göttliche Trägerin des Lebens verehrt. Ihr Gefolge umfasst Elemente, Berge, Gewässer und Pflanzen; so nimmt die religiöse Vorstellung den bewohnten Raum als Ganzes in den Blick.
26-65. Tara, Herz, Nabel, die Mitte der Arme und dann Wasser …
26-66. … der auf der Haut befindliche Shadhi, Bhautikandi, Mina, die durch Aranya bezeichneten Erdenlaute, der Geliebte Umas mit Auge, wiederum die Erdenlaute und das doppelte Tha bilden den Mantra. Die Lautkonstruktion ist beschädigt und teilweise mit einem Fragezeichen versehen; keine vollständige Formel wird erschlossen.
26-67. Dieser mit Tara beginnende Mantra hat siebzehn Laute und heißt „Herz der Erde“. Mit seinen eigenen Lauten, nach den Zahlen Rama, Veda, Feuer, Guna und Veda …
26-68. … bildet man der Reihe nach die fünf Glieder samt ihren Lautklassen. Varaha ist der Seher, Nicrit das Versmaß und Bhumi, die Erde, die Gottheit. Die Zahlenfolge bezeichnet gewöhnlich drei, vier, drei, drei und vier, zusammen siebzehn.
26-69. Die vorbereitende Übung besteht in hunderttausend Wiederholungen; ein Zehntel davon sind Feueropfer aus Milchreis und Ghee. So soll dieser Mantra verwirklicht werden. Nun wird die tägliche Verehrung beschrieben.
26-70. Auf dem Meru, am Fuß eines Wunschbaumes, auf einem Edelsteinsitz über goldenem Boden, betrachtet man einen weißen Lotus. Darin ruft man die Göttin herbei und verehrt sie.
Unnummerierter Übergang. Nämlich:
26-71. Man verehrt die tragende Shakti, Kurma, den Ananta-Sitz, Dharma und die weiteren Kräfte, die Gunas sowie die Kreise von Sonne, Mond und Feuer mit ihren Herren.
26-72. Auf dem Fruchtboden verehrt man das Erd-Bija und den zugehörigen Kreis mit Tara. Darin ruft man mit dem Wurzelmantra Dharani in göttlicher Gestalt herbei. Die Verbindung von Kreis und Tara ist knapp und bleibt ohne ergänzte Zeichenvorschrift.
Unnummerierte Versmaßangabe. Nun in Abhikriti:
26-73. Verneigt euch hier vor der Erde, der Geliebten von Vishnu, dem Feind Muras! Sie ist dunkel, von zarter Gestalt, mit beweglichen Augen wie blaue Lotusse und in frischer Jugend. Sie trägt eine goldene Krone und reichen Schmuck und hält Lotus- und blaue Wasserlilienblüten in den Händen. Ihre Füße gleichen einer Reihe von Kranichen; ihr buntes Gewand mit bewegtem Saum gleicht dem göttlichen Fluss. Gelblich rote Duftstoffe, Girlanden und Schmuck umgeben sie. Die Fuß- und Blütenzahl ist in der dichten Wortbildung nicht eindeutig. Versmaß: Kraunchapada.
26-74. Nach dieser Betrachtung verehrt man die Erdgöttin durch die Dienste der Reihe nach, mit ihren Gliedern und mit Vasudeva und den weiteren Gestalten auf den Lotusblattspitzen in den Richtungen.
26-75. Auf den Eckblättern verehrt man nacheinander Wasser, Feuer, Wind und Raum in den beschriebenen Gestalten: weiß, rot, schwarz und durchsichtig.
26-76. An den Seiten der Göttin, in den Ecken, verehrt man vier Botinnen. Sie tragen einen Wedel, einen Spiegel und eine Schatulle mit Edelsteinschmuck …
26-77. … sowie einen Betelbehälter und gleichen Gold. Man verehrt die Hauptgebirge, Meere, Flüsse, Bäume und Heilpflanzen …
26-78. … und die Inseln unter ihren jeweiligen Namen, mit vorangestelltem Pranava und abschließendem Verehrungswort. Außen folgen die Weltenhüter mit Scharen, Waffen und Reittieren. Die IAST-Lesung lautet hier „Lampen“; im Landschaftszusammenhang könnte „Inseln“ gemeint sein. Diese Wiedergabe bleibt ausdrücklich unsicher; der Sanskrittext wird nicht geändert.
26-79. Außerhalb davon verehrt man die acht Richtungselefanten, beginnend mit Airavata. So verehrt man die Göttin mit ihrem Gefolge durch die beschriebenen Dienste …
26-80. … und bringt Shali-Reis mit Sauermilch, Ghee und Beilagen dar, dazu Gebäck und Früchte, oder gut zubereiteten Sauermilchreis.
26-81. Auch in einer Feuergrube oder auf einem geeigneten Opferplatz ruft man sie im Feuer herbei. Täglich opfert man gekochte Opferspeise mit Ghee und lässt die Göttin anschließend zurückströmen.
26-82. Von dem Land, das man begehrt, nimmt man rein am Freitag bei Sonnenaufgang Erde. Mit ihr vermischte Milch oder Milchreis mit Ghee opfert man achttausendmal. Bald soll dieses Land mit neuer Ernte, Lotussen und Wasserlilien einem selbst gehören. Durch Opfer frischer, süß getränkter blauer Lotusse soll ein König Vermögen und königliche Stellung erlangen. Die Quelllesung zur neuen Ernte enthält eine fragende Alternative. Versmaß: Kumudvati.
26-83. Am Ende des Feueropfers streut man mit diesem Mantra so viele Bali-Gaben aus, wie er Silben hat. Besonders für einen Verehrer Vishnus soll dieser Mantra alle Wünsche erfüllen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über das Herz der Erde.
Triputa und die heranziehende Shakti
Drei Bijas verbinden Glück, Verlangen und Shakti. Die anschließenden historischen Anwendungen zielen überwiegend auf Wohlstand und Einfluss; ihre Bilder werden hier nicht als moderne Praxisanleitungen ausgelegt.
26-84. Der dreisilbige Triputa-Mantra besteht aus den Bijas von Shri, Kama und Shakti. Mit ihren jeweils wiederholten Bijas bildet man der Reihe nach die sechs Glieder.
26-85. Ich verneige mich vor Bhuvaneshvari, vor der sich die Welt verneigt! Am goldenen Strand inmitten des Meeres, auf dem Lotus eines Sitzes am Fuß eines Götterbaumes, steht sie auf vier Blättern. Sie hat drei Augen, leuchtet wie frisches Gold und trägt Krone und weiteren Schmuck. Ihre sechs Arme halten zwei Lotusse, Schlinge, Stachelstock, Blumenbogen und Pfeile. Rote Gewänder und entsprechender Schmuck umgeben sie. Versmaß wie zuvor.
26-86. Ihr erster Umkreis besteht aus den eigenen Gliedern auf den Staubfäden, beginnend im Norden. Auf den Blattspitzen verehrt man die Botinnen mit gefalteten Händen.
Unnummerierte Namen. Ghrinini, Surya, Aditya und Prabhavati. Die Quelle gibt sie als weibliche Anrufungen.
26-87. Nachdem man diese verehrt hat, ehrt man die Göttin der Reihe nach bis zur Speisedarbringung. Zwölfhunderttausend Wiederholungen sollen Wohlstand verleihen und die Welt unter den eigenen Einfluss bringen.
26-88. Mit vermischten Bilva-Blättern, Früchten und weiteren Gaben opfernd soll man reich werden. Mit Süßem und Apamarga-Kern- beziehungsweise Knochenpulver soll man die Welt beeinflussen. Die Verbindung von Apamarga und dem Wort für Knochen oder Kern ist nicht eindeutig; ein bestimmtes Material wird nicht ergänzt.
26-89. Dann verehrt man für Wohlstand die Göttin als Herrin der Bijas von Shri, Shakti und Kama, auf dem beschriebenen Lotus sitzend, in der bereits genannten Gestalt.
26-90. Der erste Umkreis besteht aus den Gliedern. Außerhalb des Lotus, in den sechs Ecken, verehrt man Vishnu und Lakshmi, Shiva und Girija sowie Smara und Rati.
26-91. Man verehrt sie ferner der Reihe nach umgeben von den acht Schätzen, beginnend mit Padma, außen von den acht Müttern und von den Weltenhütern in weiblicher Gestalt.
26-92. Diese Verehrung soll Wohlstand und besonders Einfluss auf alle verleihen. Dieselben drei Bijas verbindet man der Reihe nach mit Kala …
26-93. … mit Bindu und Raum und betrachtet sie zinnoberrot. Wer als Mantrakundiger beständig Japa und Meditation pflegt, soll die drei Welten unter seinen Einfluss bringen.
26-94. Bilva-Holz, Arka-Holz und Japa-Blüten opfert man der Reihe nach mit süßen Stoffen bestrichen, um Einfluss auf die Welt und Wohlstand zu gewinnen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Triputa.
26-95. Tara, Lippe, Raum mit Auge, Seite, Rakta und die durch „Meshvari“ bezeichnete Verbindung, mit dem doppelten Tha am Ende: Dieser zehnsilbige Uma-Mantra soll Einfluss verleihen. Die Lautchiffren sind nicht eindeutig zu einer Formel aufzulösen.
Unnummerierte Anweisung. Zunächst wiederholt man ihn zehntausendmal und opfert ein Zehntel davon mit Ghee. In Utkriti:
26-96. Man betrachtet Uma in Einheit mit sich selbst, dreiäugig und auf einem Pferd reitend, im Glanz eines roten Edelsteins. Sie wirft eine sich wie eine Schlange entfaltende Schlinge, bindet die Zielperson, deren Körper von hundert Pfeilen des Liebesgottes überwältigt ist, und zieht sie heran. Sie trägt roten Schmuck und schwingt in der Hand einen schönen goldenen Stab. Wer so meditiert und Japa übt, soll wie ein zweiter Liebesgott Menschen gefügig machen. Versmaß: Bhujangavijrimbhita.
26-97. Wenn man mit roten Blumen, vermischt mit den drei süßen Stoffen, opfert …
26-98. … soll man alles unter seinen Einfluss bringen; Salz soll Heranziehung bewirken. Wo die Bildung der Gliedermantras nicht beschrieben ist, soll man die Glieder nach Shaktis Verfahren bilden.
Unnummerierte Fortsetzung. Dies gilt als geeignet für Shakti-Mantras; Seher und die weiteren Zuordnungen sind zuvor genannt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die heranziehende Shakti.
Annapurna und der Mantra der Göttin
Annapurna schenkt Nahrung und wird als großzügige Geberin betrachtet. Weitere Formeln dieses Abschnitts verbinden die Verehrung mit dem Wunsch nach Glück und gesellschaftlichem Einfluss.
26-99. Herz, Nabel und die Mitte der Arme, die beiden Laute von Pati und das Wort „Maheshvari“ …
26-100. … danach die beiden durch das Haarende bezeichneten Laute, die beiden Meshas, „Purne“ und das doppelte Tha: Dieser mit Tara beginnende, achtzehnsilbige Mantra heißt „Herr der Nahrung“. Die Silbenzahl ist durch Dhriti angegeben. Die übrigen Bestandteile bleiben teilweise chiffriert.
26-101. Durch tausend Wiederholungen für jeden Laut und ein Zehntel davon als Feueropfer soll er verwirklicht werden. Man betrachtet Uma, die Tochter des Berges, wie sie unablässig Shiva zusieht, der in einer goldenen Halle tanzt. Den Brahmanen schenkt sie vielfältige wohlschmeckende Nahrung, erwünschten Reichtum und reine Gewänder. Ihre schöne Gestalt ist mit roten Kleidern, Blumen und glückverheißendem Schmuck geschmückt. Wer sie so meditiert, verehrt und Japa übt, soll nach Beseitigung allen Unheils reich werden. Der Schluss ist sprachlich beschädigt; die Wiedergabe ist dort sinngemäß. Versmaß: Apavahaka.
26-102. Rein soll man täglich am Vormittag hundertacht Wiederholungen dieses Mantras üben …
Unnummerierte Fortsetzung. … oder tausend; bald soll man reich an Nahrung und Vermögen sein.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Annapurna.
26-103. Mit dem Herzlaut verbunden steht zweimal „Devi“, dann „Mahadevi“ und „Göttin der Götter“; darauf „alle“ und die Wörter „Menschen“ und „Gesicht“, dazwischen der durch Raya bezeichnete Laut. Es folgen Visha, die durch langen Kala, Atma, Panchantaka und Ashadhi bezeichneten Laute mit Mondsichel, zweimal „bewirke!“ und die Gattin des Feuers. Dieser dreiunddreißigsilbige Göttinnenmantra soll durch Meditation und Japa wie eine gewaltige Regenflut die ganze Welt erfassen und Wohlstand bringen. Die Verbindung von sinntragenden Wörtern und Lautchiffren ist örtlich unsicher. Quellenanmerkung: Dandaka namens Chandavrishtiprayata.
26-104. Nach den Zahlen der Geschmäcke, Veden und Pfeile, der Weisen, Pfeile und Jahreszeiten …
26-105. … bildet man aus den eigenen Lauten die Glieder bis zur Waffe. Für Handlungen der Beeinflussung betrachtet man Uma rot, dreiäugig, mit Schlinge, Stachelstock und zwei Lotussen in den Händen …
26-106. … und mit anmutigen Gliedern; oder für Wohlstand in Lakshmis Gestalt. Nach einem Bad im Fluss übt man als Vorbereitung tausendacht Wiederholungen.
26-107. Siebenmal bespricht man Wasser und denkt an Shakti. Täglich wäscht man damit das Gesicht; dies soll allen Menschen angenehm machen.
26-108. Ebenso trägt man zuvor besprochenes Öl, Duftstoffe, Safran und Ähnliches auf das Gesicht auf. Alle Menschen, die man dann ansieht, soll man dadurch beeinflussen.
26-109. Blumen, Girlanden oder Duftstoffe, die damit berührt wurden, trägt man zum Zweck der Beeinflussung. Auch beim Eintritt in ein Dorf, einen Königshof oder ähnliche Orte wiederholt man diesen Mantra.
26-110. Er soll das beabsichtigte Ziel sofort verwirklichen; für Frau und Mann gilt dasselbe Verfahren. Mit dem Namen der Zielperson verbunden wird der Mantra gesprochen, während man honiggetränkte Japa-Blüten …
26-111. … hundertacht- oder tausendmal opfert; dies soll Einfluss verleihen. Oder man wiederholt ihn mit dem Namen: Die so genannte Person soll sich fügen.
26-112. Am fünften Mondtag badet man morgens und verehrt Shri auf einem Opferplatz aus Sand mit tausendacht Blumen, die aus gefalteten Händen dargebracht werden …
Unnummerierte Fortsetzung. … sowie mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Dadurch soll man Gold, Gewänder und anderes Vermögen erlangen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über den Göttinnenmantra.
Matangi und die Kraft von Sprache und Musik
Matangi wird in einem Bild von Schönheit, Gesang und Lautenspiel beschrieben. Die anschließenden Anwendungen gehören überwiegend zu historischen Ritualen der Beeinflussung und werden als solche übersetzt.
26-113. Der Herzlaut, danach „Bhagavati“ und das Wort „Matangeshvari“ …
26-114. … „alle“, verbunden mit „Menschen“, danach „die den Geist bezaubert“, „die das Gesicht erfreut“, wiederum „alle“ und „die alle Könige unter ihren Einfluss bringt“ …
26-115. … dann „alle Frauen und Männer“, „alle bösen Tiere“ und „alle Wesen“, jeweils verbunden mit „unter Einfluss Bringende“ …
26-116. … anschließend „diese bestimmte Person“, „unter Einfluss“, „führe herbei!“ und das doppelte Tha: So wird der Matangi-Mantra erschlossen, dessen Silbenzahl durch Ratha bezeichnet ist. Die Zahl ist nicht eindeutig auflösbar; die Textbausteine werden nicht zu einer ergänzten Sanskritformel zusammengesetzt.
Unnummerierte Erläuterung. Die Göttin Matangika gilt als Begleiterin Mahakalis. Ferner:
26-117. Nach dem Verehrungswort steht der Ohrlaut, dann Ekanetra zweimal mit Auge …
26-118. … der auf Someshvara befindliche Weiße, nach Chanda Fleisch mit Auge, dann „Matangi“, „alle“, „unter Einfluss Bringende“ und das doppelte Tha.
26-119. Auch dieser Mantra gehört Matangi; er heißt Ucchishta, „Speiserest“. Für beide ist die Meditation dieselbe, ihre Anwendung ist Beeinflussung.
26-120. Verneigt euch zum Gedeihen vor Matangika! Ihr zarter dunkler Leib gleicht einem Smaragd. Sie hat schöne Haare und Locken; auf ihrem Lotusgesicht liegt ein mildes Lächeln, weiß wie Kunda-Blüten. Ihre Augen sind blau wie Lotusblätter, ihre Lippen wie reife Bimba-Früchte. Sie ist schön, mit hohen vollen Brüsten und Händen und Füßen so weich wie junge Sprosse. Sie trägt ein tiefblaues Gewand und leuchtenden Muschelschmuck an ihrer schönen göttlichen Gestalt. Mit lieblichem Gesang und Lautenklang zieht sie alle Götter und die übrige Welt an. Die Quelle bietet beim Gewand eine fragende weiße Alternative; Blau wird nicht stillschweigend vereinheitlicht. Versmaß wie zuvor.
26-121. Nachdem man Matangi betrachtet hat, wiederholt man den ersten Mantra an beiden Tagesübergängen. Durch zehntausend nächtliche Wiederholungen soll der Mantra verwirklicht werden.
26-122. Er soll alle Menschen gefügig machen; für Frau und Mann gilt dasselbe Verfahren. Nachts, nachdem man gegessen hat, meditiert man mit dem zweiten Mantra und bringt eine Bali-Gabe aus Speiseresten dar …
26-123. … die mit dem Mantra besprochen ist; dadurch soll die ganze Welt sich fügen. Am Königstor oder in einer Versammlung betrachtet man beim Gehen und Rezitieren eine bestimmte Person …
26-124. … und diese soll sofort unter den eigenen Einfluss kommen. Dasselbe soll durch das Überreichen von Blumen und anderen Gaben geschehen. Salz wird mit den drei süßen Stoffen verrieben und zu einer Figur der Zielperson geformt …
26-125. … die hundertachtmal geopfert wird; so soll man den Menschen beeinflussen. Oder man verzehrt eine mit der Formel besprochene Nachbildung aus Reismehl …
26-126. … beginnend mit dem rechten Fuß; innerhalb von sieben Tagen soll die Person sich fügen. In der Nacht des vierzehnten Tages der dunklen Monatshälfte wird eine Krähe in der Mitte aufgeschnitten …
26-127. … mit Salz gefüllt, zugebunden, mit schwarzem Faden umwickelt und im Scheiterhaufenfeuer verbrannt. Das Ganze wird tausendmal mit dem Mantra besprochen. Wem davon gegeben wird …
26-128. … der soll durch die Kraft des Mantras den Wunsch des Handelnden wie ein Diener ausführen. Oder man gibt jemandem Speise, Pflanzenmittel, Duftstoffe und andere Dinge, die mit dem eigenen Mantra besprochen wurden.
Unnummerierte Fortsetzung. Den betreffenden Mann oder die betreffende Frau soll man sofort gefügig machen; darüber solle kein Zweifel bestehen. Diese Behauptung der Quelle wird nicht als tatsächliche Wirkung bestätigt.
Unnummerierte Randbezeichnung. Shaktis.
26-129. So wurden vorwiegend die wichtigsten Shakti-Formeln beschrieben, wie sie in den maßgeblichen Tantras gelehrt werden. Diese großen Kräfte sollen alles Unheil, Fehler, Elend, Unglück, Krankheit, Bedrängnis durch besitzergreifende Mächte und Gift, Not, seelische Qual und weiteres Leid beseitigen. Für Menschen, die gute Werke, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung erstreben, sollen sie das Erbetene gewähren, immer wunschspendend wie die Wunschkuh. Sie sind siegreich als glückbringende Boote, die über das wirbelnde Meer des Daseins führen, erfüllt von den Wogen von Tod und Geburt. Die Quelle verbindet hier religiöse Heilsbilder mit umfassenden Wirkungsversprechen. Versmaß: Arna.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das sechsundzwanzigste Kapitel über Vasudhara und weitere Gestalten.
Redaktionelle Besinnung. Inmitten der vielen Wünsche nennt das Kapitel eine schlichte Voraussetzung: Wahrhaftigkeit. Zusammen mit Freundlichkeit, Mitgefühl, Freude am Guten und Gleichmut bietet sie einen tragfähigen Bezugspunkt für heutige Yoga-Aspiranten. Die Bilder der Nahrung spendenden Göttin und der lebentragenden Erde können Dankbarkeit vertiefen. Die historischen Versprechen, andere gefügig zu machen, sind davon klar zu unterscheiden.
Mantrapada, Kapitel 27: Surya, das göttliche Sonnenlicht
Dieses Kapitel behandelt verschiedene Mantras und Gestalten Suryas. Die Sonne erscheint als sichtbarer Bezugspunkt für innere Sammlung, als Träger göttlicher Kräfte und als Mitte einer Verehrung, die auch die übrigen Himmelskörper umfasst. Historische Wirkungsversprechen werden als solche übersetzt.
27-1. Zu Beginn Tara, dann Raum mit langem Vokal und Bindu, das Shakti-Bija und der Weiße mit Ausstoßlaut. Nach ihrer Erschließung spricht man „Surya“ im Dativ mit abschließendem Verehrungswort. So entsteht der neunsilbige Wurzelmantra der Sonne. Ein Wort im ersten Versglied ist beschädigt; die Lautchiffren werden nicht zu einer sicheren Formel ergänzt.
Unnummerierte Gliederformeln nach 27-1. „Om, Am, Brahmas Glanz, leuchte! Verehrung dem Herzen!“ – „Om, Am, Vishnus Glanz, leuchte auf! Für Arka, für das Haupt: Svaha!“ – „Om, Am, Rudras Glanz; Erde, Zwischenraum, Himmel, Om! O Flammende, für die Haarspitze: Vashat!“ – „Om, Am, Maheshvaras Glanz, o Dreizackträgerin, Hum! Für den Panzer: Hum!“ – „Om, Am, Glanz des wahren Sadashiva, o Flechtenträgerin! Für die Waffe: Phat!“ – „Om, Ham, Shivas Glanz, für Shakti und die drei Augen: Vaushat!“ Bei Vishnus Formel enthält die Quelle eine fragende Ergänzung; die Verbindung von Shakti und Augen in der letzten Formel bleibt grammatisch unsicher. Die Opferlaute besitzen hier keine gewöhnliche deutsche Wortbedeutung.
27-2. Diese Glieder Suryas setzt man auf beide Hände, die durch den eigenen Waffenmantra gereinigt sind: der Reihe nach auf die Finger, beginnend mit dem Daumen, und die Waffe auf beide Handflächen.
27-3. Dieselben Glieder setzt man der Reihe nach auf Kopf, Mund, Herz, Geschlecht, Füße und in die Richtungen, anschließend auf Herz und die weiteren Glieder.
27-4. Man übt Verehrung, Japa und die weiteren Handlungen und soll dadurch die gewünschte Vollendung erlangen. Sein Seher ist Shushkika, sein Versmaß Jagati, seine Gottheit Ravi.
27-5. In einem zum Meer fließenden Fluss oder auf einer Bergspitze soll man ihn verehren. Als vorbereitende Übung wiederholt man den Mantra ordnungsgemäß hunderttausendmal für jeden seiner Laute.
27-6. Ein Zehntel davon opfert man mit Hölzern von Bilva, Palasha, Udumbara und Ashvattha, die mit Ghee, Sauermilch und Honig übergossen sind.
27-7. Man opfert nach Vorschrift und bewirtet nach seinen Mitteln Brahmanen. Für den auf diese Weise verwirklichten Mantra gelten nun die folgenden Anwendungen.
27-8. Mit Palasha-, Ashvattha-, Udumbara- und Apamarga-Hölzern sollen der Reihe nach Brahmanen und die weiteren sozialen Gruppen beeinflusst werden; für Frauen gilt dasselbe wie für Shudras. Die soziale Zuordnung gehört zum historischen Ritualtext.
27-9. Mit Ghee-getränktem Apamarga soll man alle sozialen Gruppen unter den eigenen Einfluss bringen. In einem zum Meer fließenden Fluss steht man mit erhobenen Armen …
27-10. … bis zum Nabel im Wasser und übt täglich achttausend Wiederholungen; so soll man reich werden. Im Kreis der Sonne betrachtet man Vishnu, goldfarben und vierarmig …
27-11. … mit Muschel, Diskus, Lotus und Keule in den Händen, und übt Japa. Dadurch soll man alle Wünsche und sogar die schwer erreichbare Befreiung erlangen.
27-12. Was immer man als Ziel dieses Mantras bestimmt und ersehnt, soll man durch ihn mittels Japa, Meditation, Feueropfer und weiterer Handlungen erlangen.
27-13. Für diesen und die anderen Sonnenmantras wird nun die allgemeine Verehrungsordnung hier ordnungsgemäß und zusammenfassend beschrieben.
Unnummerierter Übergang. Nämlich:
27-14. Om. Man spricht einzeln die Namen „der Glanzvolle“, Surya, Aditya, „der scharf Strahlende“ und Vaikuntha, jeweils mit Tara am Anfang …
27-15. … und fügt „ich rufe herbei“ hinzu: Dies sind die Mantras zur Herbeirufung der Sonne. „Om, Erde, Zwischenraum, Himmel“, gefolgt von Surya und den weiteren Namen, gilt als Einsetzungsmantra.
27-16. Mit „Dem überaus Mächtigen: Svaha!“ bringt man Ehrenwasser ordnungsgemäß dar. Mit dem Herzmantra reicht man Fußwasser und Wasser zum rituellen Schlürfen.
27-17. Mit dem Wurzelmantra und, nach den eigenen Möglichkeiten, mit Sonnenhymnen badet man den Gott. Mit dem Wurzelmantra gibt man Gewand und Schmuck, mit dem Panzermantra die heilige Schnur.
27-18. Fuß- und Schlürfwasser reicht man wie zuvor. Mit Pranava am Anfang und Svaha am Ende sowie der Anrufung Khashotkas bringt man Duftstoffe und danach Blumen dar.
27-19. Mit „Dem Tausendstrahligen“ und Suryas Kopfmantra bringt man Räucherwerk dar, mit dem Haarspitzenmantra die Lampe. Die Speisegabe wird dem Nektarwesen dargebracht. Die Verbindung von Namensformel und Kopfmantra ist im Vers knapp.
27-20. Nach Wiederholung der Sonnen-Gayatri verehrt man ihn durch die Dienste. Man tritt ein, setzt sich und übt Atemzügelung.
Unnummerierte Formel innerhalb 27-20. „Om, Verehrung Pingala!“ Die Sonnen-Gayatri selbst wird an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.
27-21. Mit durch den Waffenmantra gereinigten Händen setzt man Herz und die weiteren Glieder ein. Sich selbst als Bhaskara betrachtend, füllt man das Ehrenwasser wie beschrieben.
27-23, erste Nennung. Darin setzt man die vollständigen Glieder und den Wurzelmantra ein und verehrt sie. Mit dem Wasser besprengt man sich selbst, den Ort und sämtliche Gegenstände der Verehrung, unter Verwendung von Kusha-Gras. Die Quelle springt hier von 27-21 auf 27-23; eine Nummer 27-22 wird nicht erfunden.
Unnummerierte Anrufungen zwischen den beiden 27-23. „Gam, Verehrung Ganapati! Om, Gum, Verehrung den Gurus!“
27-23, zweite Nennung. So verehrt man den Hindernisherrn im Süden und den Guru im Norden. Den als Prabhutasana bezeichneten Sitz verehrt man mit Tara und dem Anfangslaut der entsprechenden Lautgruppe vor dem eigenen Namen …
27-24. … und anschließend seine vier Füße als Löwen. Man verehrt Vimala, Sara, Aradhya und Sukha, jeweils mit „Parama“ vorangestellt. Die Trennung der vier Namen folgt der Vierzahl der Sitzfüße; andere syntaktische Aufteilungen wären möglich.
27-25. Ihre Namen werden mit Tara und dem Anfangslaut der Lautgruppe, versehen mit Bindu, verbunden und enden mit dem Verehrungswort. Ebenso verehrt man den höchsten Atman und den Lotus-Sitz der Sonne.
27-26. Dipta, Sukshma, Jaya, Bhadra, Bibhrati, Vimala, Amogha und Vidyuta verehrt man der Reihe nach auf den Blättern der acht Richtungen.
27-27. Vor die Namen der Shaktis setzt man den zweiten Laut der siebten Gruppe, durch die langen Vokale variiert und mit Bindu versehen; am Ende steht das Verehrungswort. Die verwendete Gruppeneinteilung wird hier nicht erneut erklärt.
27-28. Als neunte verehrt man auf dem Fruchtboden Sarvatomukhi, „die nach allen Seiten Gewandte“, mit Tara am Anfang. Dann zeigt man die aufleuchtende Mudra und betrachtet Bhaskara …
27-29. … in seinem runden eigenen Lichtkreis, auf einem weißen Lotus stehend, in der beschriebenen göttlichen Gestalt, mit festem Geist und im Herzen.
27-30. Man füllt die gefalteten Hände mit Blumen und spricht Khashotka zusammen mit dem Wurzelmantra. Mit der Herbeirufungs-Mudra ruft man ihn aus dem Lotus des Dvadashanta …
27-31. … und setzt ihn gesammelt mit der Einsetzungs-Mudra auf den Lotus. Mit der Gegenwarts-Mudra vergegenwärtigt man ihn und hält ihn mit der als Nishthura bezeichneten Mudra fest.
27-32. Mit der Kuh-Mudra erweckt man ihn und reicht Ehrenwasser und weitere Gaben mit Khashotka. Man verehrt ihn durch Wurzel- und Gliedermantras und zeigt Lotus- und Kreis-Mudra.
27-33. Man reicht Bad, Gewand, heilige Schnur und weitere Gaben. Herz und die folgenden Glieder werden der Reihe nach auf den Blättern in den Richtungen des Feuers, Ishanas, des Rakshasa und des Windes verehrt.
27-34. In der Mitte verehrt man das Auge, danach die Waffe auf den Richtungsblättern, mit den jeweiligen Lautklassen. Die Gestalten des Herzens und der weiteren Glieder zeigen Segen, halten Lotusse und sind schön geschmückt.
27-35. Sie leuchten rot und haben lächelnde Gesichter. Die Waffe betrachtet man in weiblicher Gestalt, wie eine Masse von Blitzen, zornig und mit schrecklichen Fangzähnen.
27-36. Für Herz und die weiteren Glieder zeigt man die Kuh-Mudra, für das Auge die Stier-Mudra und für die Waffe die erschreckende Mudra. Dann verehrt man erneut mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.
27-37. In den Hauptrichtungen, beginnend im Osten, verehrt man Soma, Budha, Brihaspati und Bhargava. In den Richtungen des Feuers, des Rakshasa, des Windes und Ishanas …
27-38. … verehrt man die Planeten Angaraka, Shanaishchara, Rahu und Ketu, mit Tara, dem Anfangslaut ihres eigenen Namens samt Bindu und dann ihrem Namen.
27-39. Weiß, rot, bronzefarben, gelb, weiß, hell, schwarz, glühkohlenfarben und rauchfarben sind die neun Planeten, beginnend mit Soma. Die vorangehende Liste nennt acht Gestalten neben der Sonne; die Neunzahl der Farben wird nicht durch eine erfundene zusätzliche Zuordnung harmonisiert.
27-40. Sie haben zwei Arme und sind schön geschmückt. Die linke Hand ruht am linken Oberschenkel und zeigt Segen; rechts tragen sie eine Gebetskette und zeigen Furchtlosigkeit. Die Verbindung von Gebetskette und Geste in derselben rechten Hand bleibt wie im Text beschrieben.
27-41. Mit der Verehrungs-Mudra erweckt man sie. Dann verehrt man Bhaskara und die Planeten der Reihe nach mit Duftstoffen und allen Diensten bis zur Speisegabe.
27-42. Man zeigt die Lotus- und Kreis-Mudra und erfreut sie damit. Nach Japa entsprechend den eigenen Kräften reicht man Ehrenwasser und verabschiedet sie.
27-43. Mit der zurücknehmenden Mudra zieht man die Mantras, den Gott mit seinen Gliedern und die Planeten zusammen und führt sie ins Herz, in den Dvadashanta oder in den Sonnenkreis zurück.
27-44. Sämtliche abgelegten Opfergaben gibt man Tejashchanda im Nordosten, unter seinem eigenen Namen mit vorangestelltem Tara und dem entsprechenden Gruppenanfangslaut.
27-45. Bei allen steht der eigene Name im Dativ, mit dem Verehrungswort am Schluss. In der Sonnenverehrung sind sechs Mudras zu zeigen; sie lauten wie folgt.
27-46. Die Hände stehen lotusförmig einander gegenüber, in der Mitte liegen die Daumen wie der Fruchtboden: Dies ist die Lotus-Mudra. Dieselbe Form, mit verbundenen Mittelteilen und sich berührenden Daumen, heißt Kreis-Mudra.
27-47. Bei wie zuvor verbundenen Händen und Fingern bewegt man den Daumen an deren Spitzen: So entsteht Nishthura. Man bildet mit rechts eine Faust, lässt Zeige- und Mittelfinger frei und bewegt sie; dies heißt Stier-Mudra.
27-48. Die Finger beider Hände werden miteinander verflochten; die Spitzen der Mittelfinger treffen auf die Zeigefingerspitzen. Die Ringfinger werden überkreuzt und ihre Spitzen mit denen der kleinen Finger verbunden. Dies ist die Kuh-Mudra. Die genaue Seitenzuordnung ist in der knappen Anleitung nicht vollständig ausgeführt.
27-49. Mit der rechten Hand bildet man eine Faust und streckt den Zeigefinger aus. Schlägt man mit ihm auf die linke Handfläche, entsteht die erschreckende Mudra.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt „Zierde der Anwendung“.
Weitere Sonnenmantras
Die folgenden Abschnitte unterscheiden Mantras durch ihre Lautbildung, Seher und Gestalten. Die Quelle verweist häufig auf die bereits beschriebene Verehrungsordnung.
27-50. Tara, das Ende von Sa mit Bindu, das Ende von Ka mit Bindu, der zweite Laut der zweiten Gruppe und „Shotkaya“ werden erschlossen. Die Lautbezeichnungen bleiben chiffriert; die ungewöhnliche Namensform wird nicht stillschweigend geändert.
27-51. Dies ist der sechssilbige Mantra Bhaskaras mit seinen Gliedern. Yajnavalkya ist sein Seher, Gayatri sein Versmaß.
27-52. Savita selbst ist die Gottheit; Verehrung und die weiteren Handlungen gelten wie zuvor. Auch seine Anwendungen entsprechen den zuvor beschriebenen.
27-53. Die Besonderheit ist: Als vorbereitende Übung wiederholt man ihn hunderttausendmal für jeden Laut. Ein Zehntel davon opfert man wie zuvor; so soll der Mantra verwirklicht werden.
Unnummerierte Aussage. Durch besonders intensives Japa sollen die Fähigkeiten des Kleinwerdens und die weiteren Kräfte entstehen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über den Sechssilbigen.
27-54. Dandi mit dem sechsten und mit Anugraha, der aus Feuer Geborene und Lakulishvara … Chiffrierte Lautbildung; die syntaktische Zuordnung ist nicht vollständig sicher.
27-55. … bilden den Sonnenmantra namens Samgramavijaya, „Sieg im Kampf“, der alle Ziele schenken soll. Mit seinen eigenen langen Vokalen bildet man die sechs Glieder bis zum Waffenmantra.
27-56. Vom Daumen bis zum kleinen Finger setzt man die eigenen Laute und Glieder ein; das sechste auf die Handflächen. Den Wurzelmantra wiederholend vollzieht man mit beiden Händen …
27-57. … den durchdringenden Nyasa und setzt ihn auf Kopf, Mund, Herz, Geschlecht und Füße. Die Glieder kommen auf Herz und die weiteren Stellen.
27-58. Nachdem man dies nach Vorschrift getan und gebadet hat, verehrt man ihn täglich. Wie zuvor ehrt man Ravi in einem Mandala oder im Sonnenkreis.
27-59. Nach Verehrung vom Ehrenwasser bis zur Speisegabe bringt man Feueropfer dar. Über Surya meditierend wiederholt man den Mantra hunderttausendmal; durch das Feueropfer wie zuvor soll er wirksam werden.
27-60. Nun die Betrachtung: rot für Beeinflussung, goldglänzend für Befriedung und Wohlstand, gelb für Erstarrung, schwarz für Schadenzauber und weiß für Befreiung. Das erste Anwendungswort ist in der Quelle auffällig; „Beeinflussung“ bleibt eine unsichere Lesedeutung.
27-61. Für Sieg betrachtet man Ravi gelblich braun, mit einem Lotus in der Hand. Durch Japa, Feueropfer und die weiteren Handlungen wie zuvor soll man alle Wünsche erlangen. Auch die Farblesung am Anfang ist nicht ganz sicher.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Samgramavijaya.
Martandabhairava und die Wassergabe an die Sonne
Martandabhairava verbindet Sonnen- und Shiva-Gestalt. Die ausführliche Wasserdarbringung vereint die äußere Morgenandacht mit innerer Vergegenwärtigung.
27-62. Der Samgramavijaya-Mantra mit dem durch „Haut“ bezeichneten Laut ist Martandabhairava. Mit seinen langen Vokalen bildet man die Glieder, mit den kurzen die fünf Gestalten.
27-63. Surya, Bhaskara, Bhanu, Ravi und Divakara: Dies sind Martandas fünf Gestalten.
27-64. Überall wird dieser Mantra vom Bimba-Laut umschlossen und soll alle Vollendungen verleihen. Der dritte Laut von Parshva, im Feuer, mit Auge und Bindu, ist der Bimba-Laut. Die Lautchiffre bleibt erhalten.
27-65. Vom Daumen bis zum kleinen Finger setzt man die fünf Gestalten ein. Die Gliedermantras setzt man von der Mitte bis zum kleinen Finger ein. Die knappe Angabe erläutert die vollständige Fingerverteilung nicht.
27-66. Mit dem Wurzelmantra vollzieht man den durchdringenden Nyasa vom Kopf bis zu den Füßen. Die Gestalten setzt man der Reihe nach auf Kopf, Mund, Herz, Geschlecht und Füße.
27-67. Dann setzt man die Glieder auf ihre eigenen Orte und betrachtet sich selbst als Ravi. Wie zuvor verehrt man ihn auf dem Sitz, im Lotus des Mandalas mit Vibhuti und den weiteren Bestandteilen. Die Bezugnahme auf Vibhuti wird hier nicht erneut erläutert.
27-68. Man verehrt die Shaktis, beginnend mit Dipta, und dann vier Botinnen auf den Richtungsblättern: Usha, Prabha, Sandhya und Prajna.
27-69. Mit ihren Namen, deren Anfangslaut mit langem Vokal und Mondsichel vorangestellt ist, verehrt man sie. Dann ruft man Ravi in den Lotus herbei und betrachtet ihn in der folgenden Gestalt.
27-70. Man betrachtet ihn zinnoberrot, achtarmig, strahlend durch roten Schmuck. Auf der linken Hälfte seines Schoßes sitzt seine Geliebte. Er hat vier Gesichter mit je drei Augen. Der Reihe nach trägt er Schlinge, Stachelstock, eine reine Gebetskette, Schädelschale, Khatvanga-Stab, Lotus, Diskus und Speer. Die Verbindung der Adjektive bei Gebetskette und Schädelschale ist nicht völlig eindeutig.
27-71. Nachdem man Ravi so betrachtet und herbeigerufen hat, verehrt man ihn nach Vorschrift wie zuvor mit den Diensten, mit seiner Shakti und entsprechend den eigenen Möglichkeiten.
27-72. Für die Vollendung der vorbereitenden Übung wiederholt man den Wurzelmantra vierhunderttausendmal. Auf einem mit Kuhmist bestrichenen Mandala ist ordnungsgemäß Ehrenwasser darzubringen.
27-73. An einem reinen Ort, am Flussufer, im Tempel oder zu Hause im Hof zeichnet man auf dem mit Kuhmist bestrichenen Boden ein rundes Mandala von einer Elle Größe.
27-74. Nach dem Glieder-Nyasa ruft man Surya herbei und verehrt ihn nach Vorschrift. Man nimmt einen guten goldenen oder kupfernen Becher mit dem Inhalt eines Prastha …
27-75. … räuchert ihn aus, stellt ihn auf Darbha-Gras und füllt ihn mit Wasser. Hinzu kommen rotes Sandelholz, Safran, Rochana, Nandana und ungebrochene Reiskörner … Das Wort zur Wasserfüllung ist beschädigt; Nandana bleibt als nicht sicher bestimmtes Material benannt.
27-76. … Kampfer, Adlerholz, Darbha-Gras, Shyama und eine beschädigt bezeichnete Senfsorte, Bambussamen, Gerste, Shali-Reis sowie Japa-, Bandhuka- und Granatapfelblüten …
27-77. … und rote Oleanderblüten. Man mischt sie in das Wasser und setzt Wurzel- und Gliedermantras mit Bimba ein, ausgehend vom Dvadashanta.
27-78. Das Wasser wird mit dem Hamsa-Bewusstsein verbunden und mit Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk verehrt. Durch die Kuh-Mudra wird es zu Nektar, durch die Waffe geschützt und umhüllt …
27-79. … mit dem Panzer. Mit Lotus- und Kreis-Mudra wird es erweckt. Dann blickt man auf die aufgehende oder bereits aufgegangene Sonnenscheibe …
27-80. … und betrachtet darin nach der beschriebenen Vorschrift Bhanu als Verkörperung der drei Veden. Man verehrt ihn mit den vorgeschriebenen innerlich dargebrachten Diensten.
27-81. Nach Japa und Verneigung kniet man auf der Erde, nimmt das Ehrenwassergefäß mit beiden Händen und hebt es bis zur Nase.
27-82. Man betrachtet seinen Inhalt als höchsten Nektar und gießt das Ehrenwasser auf das Haupt der vorgestellten Sonnengestalt, mit Wurzel- und Gliedermantra und abschließendem Verehrungswort.
27-83. Dann meditiert man über den Gott im Sonnenkreis, dessen Leib durch dieses Nektarbad erfreut ist. Die Gestaltenmantras verbindet man mit dem Kreis …
27-84. … und verabschiedet ihn mit „Verzeihe!“ Danach wäscht man Füße und Hände, vollzieht das rituelle Wasserschlürfen und betritt den Raum der Gottesverehrung.
27-85. Auf einem goldenen oder kupfernen Lotus von einer Spanne Größe ruft man Surya herbei und verehrt ihn mit den Materialien, die den eigenen Mitteln entsprechen.
27-86. Von Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung soll man das jeweils Ersehnte erlangen. Täglich übt man zehntausend, tausend oder hundert Wiederholungen.
27-87. Durch Hingabe, die sich in Verehrung, Feueropfer, Verneigung und reichlichem Japa ausdrückt, sollen bald die Kräfte des Kleinwerdens und die weiteren Fähigkeiten entstehen.
27-88. Wer hunderttausend Opfer mit Menschenfleisch, Öl, Vyaghata und Sesam darbringt, soll durch dessen Kraft einen unbekannten verborgenen Schatz finden. Der Vers gehört zu den historischen transgressiven Ritualvorschriften und wird nicht als heutige Praxis empfohlen.
27-89. Auch Opfer mit Kuh-Ghee, Reis, Bilva und Ghee sollen einen Schatz erschließen. Gleiche Teile von Lotusstaubfäden, Duftstein und Hahnenkamm …
27-90. … einem aus Elefantenmist gewachsenen Pilz, Elefanten-Brunstsekret, Lackessenz, einem Totengewand und Baumwollfasern des weißen Arka werden zu einem Docht verarbeitet. Die Lackangabe ist in der Quelle fraglich; mehrere Materialbezeichnungen bleiben technisch unsicher.
27-91. Nachts zündet man diesen Docht mit dem aus menschlichem Schädel stammenden, in der Lesung beschädigt bezeichneten Öl an. Wo ein Schatz vermutet wird, hält man die Lampe hoch und betrachtet sie …
Unnummerierte Fortsetzung. … eine nach unten gerichtete Flamme des Dochtes soll den Schatz deutlich anzeigen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Martandabhairava.
Der achtsilbige Sonnenmantra
Der abschließende Abschnitt nennt einen weiteren Mantra, seine Körperzuordnung und verschiedene Opferanwendungen. Auch hier bilden tägliche Wiederholung und Verehrung den roten Faden.
27-92. Shivottama mit Nase und der Geliebte Umas mit dem Ende des Auges …
27-93. … der Weiße mit linkem Ohr, der rote Wind mit Auge, Ananta, Atri mit Sukshma, Haut mit Ausstoßlaut und Ashadhi …
27-94. … bilden den mit Tara beginnenden achtsilbigen Sonnenmantra des Yajurveda, der alle Vollendungen verleihen soll. Sein Versmaß ist Devi-Gayatri, sein Seher Devabhaga. Die Lautchiffren werden nicht zu einer ergänzten Rezitationsformel umgestellt.
27-95. Die Gottheit ist Savita, der Dharma, Wunscherfüllung, Wohlstand und Befreiung schenkt. Auf Kopf, Brauenmitte, Mund, Herz, Nabel, Geschlecht und Knie …
Unnummerierte Gliederformeln innerhalb 27-95. Die fünf Anrufungen nennen jeweils den „Flammenjuwel-Glanz“ Brahmas, Vishnus, Rudras, Maheshvaras und Satyas. Jede endet mit Hum, Phat und der Chiffre des doppelten Tha. Die Verbindung „Glanz – Flamme – Juwel“ ist dicht zusammengesetzt; eine zusätzliche Endung oder sechste Formel wird nicht ergänzt.
27-96. … und auf die Füße setzt der nach Genuss Strebende die Mantrabuchstaben in der Schöpfungsfolge. Für den nach Befreiung Strebenden verläuft dieser Nyasa umgekehrt und heißt Auflösung.
27-97. Am Morgen badet der Zweimalgeborene, vollzieht die Verehrung am Tagesübergang und steht bis zum Nabel im Wasser. Nach dem Glieder-Nyasa meditiert er über Surya.
27-98. Achtmal und wiederum achtmal wiederholt er den Mantra und begießt sein Haupt mit Wasser aus den gefalteten Händen, täglich hundertachtmal. Die Beziehung der beiden Achtzahlen zu den hundertacht Begießungen bleibt in der Quelle knapp und wird nicht rechnerisch vereinheitlicht.
27-99. Bald soll er Wohlstand als Grundlage von Reichtum, Getreide und Glück erlangen. Auch ohne vorbereitende Großübung trägt dieser Mantra durch Verehrung, Feueropfer, Japa und weitere Handlungen …
27-100. … für die Zweimalgeborenen Frucht, die den Pflichten ihres Standes und Lebensabschnitts folgen. Wer bis zum Nabel im Wasser steht und den Mantra achthunderttausendmal wiederholt …
27-101. … soll durch Verehrung, Japa, Ehrenwasser, Feueropfer und weitere Handlungen jedes gewünschte Ziel verwirklichen. In einer Feuergrube oder auf einem Opferplatz legt man Feuer an und ruft Bhaskara herbei.
27-102. Nach der vedischen Feuereröffnung opfert man achttausend mit Ghee getränkte Palasha-Hölzer. Dadurch soll geistliche Strahlkraft entstehen.
27-103. Udumbara-Holz soll Nahrung, Bilva und ebenso Lotusse Wohlstand bringen. Opfer mit Durva-Gras, das mit Sauermilch, Honig und Ghee getränkt ist, dienen der Lebensverlängerung.
27-104. Ghee-bestrichener Puffreis wird für das Gewinnen einer Braut, Sesam mit Ghee zur Beruhigung von Schuld geopfert. Mit weißen, roten, kurkumagelben und schwarzen Fäden umwickelte …
27-105. … Khadira-Hölzer sollen der Reihe nach Brahmanen und die weiteren sozialen Gruppen beeinflussen. Durch Opfer von Blumen in den jeweiligen Farben soll man Gewänder erhalten.
27-106. An einem reinen unbebauten Ort, auf einer gut bestrichenen runden Fläche, ruft man Bhanu ordnungsgemäß in einen neuen Krug und verehrt ihn.
27-107. Man opfert hundertachtmal Milchreis mit Ghee und übt zwölf Tage lang achttausend Wiederholungen, während man den Krug berührt.
27-108. Nach hingebungsvoller Bewirtung der Brahmanen soll man den gewünschten Regen erhalten. Oder man fastet drei Nächte und verehrt Ravi nach seinen Kräften …
27-109. … dann opfert man achttausendmal Milchreis mit Ghee und bewirtet hingebungsvoll und nach den eigenen Mitteln Brahmanen mit Milchreis und Ghee.
27-110. Dies geschieht zwölf Tage, eine Monatshälfte, einen Monat oder drei Monate lang. Danach gibt man der Ehefrau, die nach ihrer Menstruation das rituelle Bad genommen hat, den Opferrest zu essen …
27-111. … der mit achthundert Mantrawiederholungen verbunden ist; so soll man einen Sohn erlangen. Wie zuvor ruft man Bhanu in einem Krug herbei und verehrt ihn hingebungsvoll …
27-112. … der mit Duftstoffen, Edelsteinen, Gold, Gewand, Girlanden und weiteren Gaben geschmückt ist. Man übt Japa und achttausend Feueropfer. Durch das Begießen mit seinem Wasser …
27-113. … sollen Bedrängnisse durch besitzergreifende Mächte, vorzeitigen Tod, Krankheiten und Ähnliches sofort beruhigt werden. Wer ein Jahr oder Jahr um Jahr während eines Milchgelübdes Japa übt …
27-114. … dem sollen Fähigkeiten wie die Bewegung im Luftraum mühelos gelingen. Wer die vorgeschriebene Savitri wiederholt und Ravi verehrt …
27-115. … soll durch Feueropfer und die weiteren Handlungen nach der täglichen Ordnung alle Wünsche erlangen. Die mit „aufgehend, aufgehend“ beginnende vedische Strophe hat Anushtubh als Versmaß.
Unnummerierte Erläuterung. Seher und Gottheit gelten wie zuvor, ebenso die Anwendungen. Die vedische Strophe wird hier nur durch ihren Anfang bezeichnet; sie wird nicht aus einer anderen Textquelle ergänzt.
27-116. Mit den hier ordnungsgemäß beschriebenen Sonnenmantras, so erklärt der Text, ist selbst in den drei Welten nichts unerreichbar. Darum richte man seine Hingabe auf Savita; so soll man Vollendung, Ansehen, Fülle und Befreiung erlangen.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das siebenundzwanzigste Kapitel, das Sonnenkapitel.
Redaktionelle Besinnung. Das Sonnenlicht verbindet äußere Wahrnehmung und innere Sammlung. Für heutige Yoga-Aspiranten kann die morgendliche Hinwendung zum Licht ein Anlass für Dankbarkeit und eine klare Ausrichtung des Tages sein. Der Text erinnert zugleich daran, dass eine Praxis unterschiedliche Ziele tragen kann: äußere Wünsche oder Befreiung. Seine historischen Heilungs-, Macht- und Schatzverheißungen bleiben von dieser heutigen Besinnung unterschieden.

Moderne Begleitung: Kundalini – die kosmische Kraft
Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.
Mantrapada, Kapitel 28: Grundlegende Shiva-Mantras und Shiva-Verehrung
Dieses Kapitel erklärt den fünf- und sechssilbigen Shiva-Mantra sowie weitere Grundformeln. Es verbindet Körper-Nyasa, Meditation und äußere Verehrung mit Gebeten der Hingabe. Die historischen Unterschiede nach sozialem Stand, Geschlecht und Lebensabschnitt bleiben als Aussagen der Quelle erkennbar.
28-1. Nachdem ich mich zuerst vor Shiva verneigt habe, werde ich den sechssilbigen Shiva-Mantra, den fünfsilbigen und die weiteren Shiva-Mantras vollständig erklären.
28-2. Tara, Mesha, Visha mit Ausstoßlaut und „Shivaya“ bilden den Sechssilbigen. Derselbe Mantra ohne Tara gilt als Fünfsilbiger. Die ersten Bestandteile sind teils chiffriert; die bekannte Grundanrufung richtet sich verehrend an Shiva.
28-3. Der Sechssilbige soll von Brahmanen und anderen zur Beschäftigung mit den drei Veden Berechtigten geübt werden. Für Frauen, Shudras und andere ist der Fünfsilbige vorgesehen. Diese Zugangsbeschränkung gehört zur historischen sozialen Ordnung des Textes.
28-4. Setzt man bei demselben Mantra an die Stelle des Pranava das Prasada-Bija, entsteht der vorzügliche Sechssilbige, der allen Genuss und Befreiung schenken soll.
Unnummerierte Quellenangabe. Hierzu heißt es in der Shiva-Erkenntnislehre des Vatula:
28-5. Der Anfang und das Ende des Veda, verbunden mit Vishnu, Bindu und Nada: Dieses Bija soll man mit der fünften Shakti im langen Mantra einsetzen. Lautchiffrierte Anweisung; die genaue Vokalzuordnung bleibt unsicher.
28-6. Bei Nyasa, Japa und den weiteren Handlungen wird es von Tara umschlossen. Brahmanen und die übrigen Berechtigten sollen es so üben; Frauen, Shudras und andere ohne Tara. Ende des Zitats.
28-7. Raum, mit Anugraha, Ausstoß und Isha verbunden und mit Bindu versehen, ist Prasada. Auch dieser Shiva-Mantra ist Ursache von Schöpfung, Erhaltung und den weiteren Vorgängen des Alls. Die Lautbeschreibung wird nicht zu einer ergänzten Formel aufgelöst.
28-8. Die Lehrer wissen, dass für alle drei Formen Seher, Versmaß, Gottheit, Nyasa und die Anwendungen gleich sind.
Unnummerierte Quellenangabe. Hierzu heißt es im Kalottara:
28-9. Das höchste Bija namens Nada ist in allen Wesen gegenwärtig. Es ist erhaben und göttlich, schenkt Befreiung und verleiht sämtliche Vollendungen.
28-10. Es reicht bis zum Ende von Sa, ist alldurchdringend und leer und befindet sich im Zwölf-Matra-Ort. Die als „Hände“ bezeichneten Formen gelten als Brahman-Mantras, die langen als Glieder, o Sechsgesichtiger! Die Lesung „Hände“ ist in dieser Lautanweisung unklar; sie wird nicht stillschweigend durch „kurz“ ersetzt.
Unnummerierter Übergang innerhalb des Zitats. Ferner:
28-11. Den sechsten und das Ende des dreizehnten setzt man in den fünften ein. Diesen erkenne man als Shiva, als Sadashiva in Mantragestalt. Die Lautzählung wird hier nicht näher erklärt. Ende des Zitats.
28-12. Deshalb bildet man die Glieder Prasadas mit seinen langen Vokalen, bis hin zur Waffe. Mit den kurzen entstehen die fünf Brahman-Mantras.
28-13. Beim Sechssilbigen mit Prasada entstehen Herz und die weiteren Glieder durch die eigenen, mit Bindu versehenen Buchstaben, zusammen mit Herz und den weiteren Benennungen und den jeweiligen Lautklassen.
28-14. Für alle diese gilt allgemein: Vamadeva ist der Seher, Pankti das Versmaß und Shiva die Gottheit.
28-15. Zu Tara gehört das Shiva-Tattva, zu Prasada dasselbe mit Shakti. Die fünf Elemente und die ihnen vorausgehenden feinen Sinnesqualitäten, die Sinnesorgane …
28-16. … Manas, Buddhi, Ahamkara, Purusha und Prakriti; Raga, Vidya, Kala, Zeit und Niyati zusammen mit Maya …
28-17. … und ebenso Shuddhavidya, Ishvara, Sadasha und Shakti: Diese sieben Fünfergruppen befinden sich in den fünf Buchstaben. Sadasha ist die gelieferte verkürzte beziehungsweise beschädigte Bezeichnung; die Quelle setzt eine bekannte Tattva-Gliederung voraus.
28-18. In umgekehrter Folge des Genannten gelten die fünfunddreißig Tattvas als angeordnet. Ishana, Purusha, Aghora, Vama und Sadya sind die zu Na und den weiteren Buchstaben gehörenden Gestalten …
28-19. … für Menschen, die Genuss wünschen; für Befreiung Suchende beginnt die Folge mit Sadyojata. Weiß, gelb, schwarz, rauchfarben, gold und rot …
28-20. … sind der Reihe nach die Farben der sechs Laute. Gayatra, Gayatra, Anushtubh, Trishtubh …
28-21. … Brihati und Viraj sind ihre Versmaße in entsprechender Folge. Brahma, Indra, Rudra, Hari, wiederum Brahma und Skanda sind die Gottheiten. Die Wortformen im vorangehenden Vers sind syntaktisch uneben; die sechs aufgeführten Namen bleiben erhalten.
28-22. Als Orte werden das Herz und die Gesichter, beginnend mit dem östlichen, genannt. Auf Hände, Gesichter und Körper setzt man die Buchstaben der Reihe nach ein.
28-23. Danach setzt man die Gliedermantras auf Herz und die weiteren Glieder. Für Brahmacharins gilt die Schöpfungsfolge, für Hausbewohner die Erhaltungsfolge.
28-24. Für Waldbewohner und Befreiung Suchende wird die Auflösungsfolge gelehrt. Man beginnt am rechten Daumen und setzt die Laute bis zum …
28-25. … Daumen der linken Hand ein: Dies ist Schöpfung. Die umgekehrte Folge ist Auflösung. Für Erhaltung setzt man die Mantrabuchstaben an beiden Händen vom Daumen bis zum kleinen Finger ein …
28-26. … und ebenso die Gliedermantras. Danach setzt man Tara mit Prasada auf die Handflächen …
28-27. … die Mantrabuchstaben und Glieder auf die Finger, die Waffe auf beide Handflächen. Dann setzt man Tara und Prasada ins Herz …
28-28. … und die weiteren Laute auf die östlichen, südlichen, nördlichen, westlichen und nach oben gerichteten Gesichter. Dies ist der Nyasa des Sechssilbigen. Beim Fünfsilbigen …
28-29. … lässt man Handflächen und Herz aus, setzt die fünf mit Na beginnenden Buchstaben auf die Finger und die entsprechenden Orte und die Glieder wie zuvor.
28-30. Auf die Fingergelenke setzt man den eigenen Mantralaut, von Tara am Anfang und Ende umschlossen. Auf das erste und letzte Gelenk kommt Tara, auf das mittlere der Mantrabuchstabe.
28-31. Für Frauen und Shudras wird der Nyasa mit den eigenen Buchstaben und Gliedern ohne Tara gelehrt. Mit dem Wurzelmantra vollzieht man den durchdringenden Nyasa vom Kopf bis zu den Füßen.
28-32. In der Schöpfungsfolge setzt man ihn auf Kopf, Mund, Kehle, Herz, Geschlecht und Füße; bei Auflösung umgekehrt. Bei Erhaltung auf Herz und Geschlecht …
28-33. … Füße, Kopf, Mund und Kehle. So setzt man die sechs Laute ein. Sind es fünf, lässt man die Kehle aus und setzt die Laute der Reihe nach auf die übrigen Orte.
28-34. Die sechs Glieder, beginnend mit dem Herzen, setzt man mit ihren Lautklassen an ihre eigenen Orte bis hin zur Waffe. So vollzieht man den Schutz der Richtungen.
28-35. Den Hindernisherrn, die Mütter, Durga und den Ortsherrn setzt man unter ihren Namen, mit Fingerschnalzen und abschließendem Verehrungswort, der Reihe nach in die Richtungen ein.
28-36. Durch hunderttausend Wiederholungen für jeden Laut, ein Zehntel davon als Sesam-Feueropfer und hingebungsvolle Shiva-Verehrung soll die vorbereitende Übung gelingen.
28-37. Auch ohne eine solche vorbereitende Großübung soll der Mantra für den hingebungsvollen Shiva-Verehrer durch reichliches Japa und Feueropfer sowie durch beständige Übung wirksam werden.
28-38. Zu Beginn von Verehrung und Japa vollzieht man jeweils drei Pranayamas. Beim Fünfsilbigen besteht die innere Wiederholung aus vierzig Umläufen.
28-39. Für die Laute gilt beim Pranayama eine Folge, in der jeweils zwei vermindert werden. Prasada mit Bindu und Nada wiederholt man hundertmal im Geist. Der genaue Bezug der Verminderung ist nicht erläutert; daraus wird keine zusätzliche Atemzählung abgeleitet.
28-40. Ebenso ist die Atemzügelung für die anderen einsilbigen Mantras vorgeschrieben. Am Ende des Japa soll man das Bija nochmals hundertachtmal wiederholen.
28-41. Japa an einem Fluss, in einem Shiva-Tempel, an einem heiligen Badeort, auf einem Berg, beim Feuer, beim Guru, bei Sonne, Mond oder Lampe soll tausendfache Frucht schenken.
Unnummerierter Übergang. Ferner:
28-42. Zu Hause hat eine Wiederholung einfachen Wert, im Kuhstall zehnfachen, am Fluss hundertfachen und vor Shambhu tausendfachen.
28-43. In der Nähe eines von selbst entstandenen Lingas soll Japa hunderttausendfach wirken. An göttlichen Seen, heiligen Badeorten, auf Bergspitzen und am Meeresufer …
28-44. … an heiligen Stätten, in Ashrams und ähnlichen Orten soll es zehnmillionenfach wirken. Für Beeinflussung, Schadenzauber, Gedeihen und Befriedung richtet man sich der Reihe nach nach Osten, Süden, Westen und Norden …
28-45. … für Befreiung nach Osten oder Norden. Man zählt mit den Fingern, mit ihren Linien, mit Putrajiva-Samen oder Korallen …
28-46. … mit Kristall, Lotussamen, Gold oder Perlen, mit Knoten aus Kusha-Gras oder Rudraksha-Perlen, in dieser Reihenfolge.
28-47. Jeweils soll die Frucht des Japa zehnmal größer als bei der vorausgehenden Zählweise sein. Das Weiterziehen der Gebetskette mit dem Daumen gilt als befreiend.
28-48. Mit dem Zeigefinger dient es der Vernichtung von Feinden, mit dem Mittelfinger dem Wohlstand, mit Ringfinger und kleinem Finger der Befriedung beziehungsweise dem Gedeihen.
Unnummerierte Fortsetzung. Das Weiterziehen mit allen Fingern zusammen mit dem Daumen soll sämtliche Wünsche erfüllen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Verwirklichung des Mantras.
Die Verehrung Shivas
Die folgende Ordnung führt von der Vorbereitung des Raumes und des eigenen Körpers zur Meditation über Shiva. Sie lässt auch zeitweilige Lingas und innerliche Formen der Verehrung zu.
28-49. Nach Vollzug der Shiva-Verehrung übt man Japa und die weiteren Handlungen …
28-50. … und verwirklicht den Mantra zur Vollendung, danach seine Anwendungen. Zunächst badet man, beendet die Verehrung am Tagesübergang und geht rein in den Ritualraum.
28-51. Schweigend verehrt man Surya, vollzieht das rituelle Wasserschlürfen und setzt sich. Nach der Selbstreinigung bestreicht man sich mit Asche und trägt die drei Stirnstreifen …
28-52. … oder ein Zeichen aus Sandel; Blumen schmücken das Haupt. Die Tür wird mit dem allgemeinen Ehrenwasser besprengt. Mit ihm verehrt man den Hindernisherrn und Sarasvati …
28-53. … Ganga und Yamuna, Nandi und Mahakala der Reihe nach: am oberen Türbalken und an den Pfosten, rechts und links …
28-54. … an ihrem Fuß und oben die glückverheißende Kraft der Schwelle. Mit drei Fersenstößen beseitigt man irdische Hindernisse, durch Klatschen solche des Zwischenraums, durch Fingerschnalzen die himmlischen …
28-55. … und durch den eigenen Waffenmantra. Man wirft mit der Naracha-Waffe eine Blume hinein und tritt ein, sich am linken Türpfosten orientierend.
28-56. Auf die Schwelle legt man eine Blume mit dem flammenden Waffenmantra. Man verehrt Brahma und den Vastu-Herrn unter ihren Namen und den eigenen Ananta-Sitz.
28-57. Schweigend sitzt man darauf und vollzieht die rituelle Ganzgestaltung des eigenen Körpers. Im eigenen Herzlotus betrachtet man Shivas Licht, dann mit dem Geist zwischen den Brauen …
28-58. … und opfert im Feuer der Nabelgrube mit Gaben, die aus dem Dvadashanta kommen. Ist ein Linga vorhanden, reicht man allgemeines Ehrenwasser und verehrt es.
28-59. Mit dem Waffenmantra entfernt man abgelegte Opfergaben, reinigt das Linga nach der im Kapitel über die Dienste beschriebenen Weise und lässt sein Haupt nicht ohne Gabe. Man ruft Shiva herbei und verehrt ihn.
28-60. Auf dem Schildkrötenstein setzt man die weiße tragende Shakti ein, Ananta als Sitz, Dharma und die weiteren Kräfte sowie die Kreise …
28-61. … den Lotus, die Shaktis beginnend mit Vama und in der Mitte Shivas Gestalt. Man betrachtet die aus heiligem Wissen bestehende Gestalt des Herrn, wie sie beim Prasada-Bija beschrieben ist.
28-62. Seine Gesichter entsprechen den fünf Brahman-Mantras. Er hat zehn Arme oder vier und drei Augen. In seinen herrlichen Haarflechten glänzen Dhattura, Halbmond, Ganga und Schlangen. Rechts trägt er Khatvanga, Dreizack und Speer und zeigt Segen und Furchtlosigkeit; in den anderen Händen Schlange, Rudraksha-Kette, Trommel, blauen Lotus und Zitronatzitrone. Die zehn Attribute gehören zur zehnarmigen Gestalt; der Vers nennt die vierarmige Alternative ohne eigene Verteilung.
28-63. Ich nehme Zuflucht zum Weißleibigen, auf einem Lotus Sitzenden, Dreiäugigen, der mit vier Armen Segen und Furchtlosigkeit zeigt und Gazelle und Beil hält. Schlangen, Ganga und Mond bewegen sich in seinen Haarflechten; Schlangen bilden Armreifen und Halskette, ein Tierfell sein Gewand.
28-64. Für die Verehrung mit Prasada und den fünf-, sechs-, sieben- und achtsilbigen Mantras werden diese beiden Gestalten genannt. Man wählt eine von ihnen.
28-65. Beim zehnsilbigen Mantra ist Sadashiva fünfgesichtig und zehnarmig, verbunden mit Shakti Manonmani, die auf seinem linken Schoß sitzt.
28-66. Nach der Meditation soll Shiva im Linga verehrt werden, als gestaltloser oder gestalttragender, in einem festen oder beweglichen Linga oder, wenn keines vorhanden ist, in einem vorübergehend hergestellten.
Unnummerierte Frage. Welche sind diese vorübergehenden Lingas?
28-67. Eines aus Sand, Lehm, Mehlteig, gekochter Speise, Früchten, Duftstoffen, Butter und als achtes aus Kuhmist.
28-68. Nach den verfügbaren Mitteln fertigt man ein zeitweiliges Linga mit Sockel. Darin ruft man den Herrn herbei, verehrt ihn und verabschiedet ihn danach ohne weitere Bindung an diesen Träger.
28-69. Nachdem Shiva aus dem Linga verabschiedet ist, verehrt und verabschiedet man Chanda. Dann legt man das zeitweilige Linga samt Sockel in tiefes Wasser.
28-70. Oder man verehrt ihn im Geist im Lotus des Herzens, im Feuer, im Sonnenkreis, im Wasser oder auf einem Opferplatz, entsprechend Eignung und Neigung.
28-71. So ruft man seine Gestalt und den in ihr befindlichen Wissensleib herbei, mit den Brahman-Mantras in den durch fünf, Veda, acht, dreizehn und acht bezeichneten Gliederungen … Die zusätzliche Bezeichnung „Phala“ in der Zahlenverbindung ist unklar; eine veränderte Zahl wird nicht ergänzt.
28-72. … mit Ishana, Purusha, Aghora, Vamadeva und Sadyojata in der genannten Folge. Der Wissensleib reicht von der Erde bis zur Shakti.
28-73. Auch Shivas Gestalten reichen bis zur Shakti; der Sitz reicht bis zur reinen Erkenntnis. So betrachtet der Übende Sitz, Gestalt und Wissensleib …
28-74. … und ruft Shiva herbei, wie es im Kapitel über die Dienste beschrieben ist. Einsetzung, Festhaltung, Umhüllung und Erweckung …
28-75. … sowie das Erfüllen mit Nektar geschehen nach jener Ordnung. Die Glieder und Brahman-Gesichter werden mit Tara, Herzlaut, Bija und Namen verehrt …
28-76. … mit den Endungen Namah, Svaha, Svadha, Vaushat und Vashat. Man bringt eine Handvoll Blumen an seinem Haupt dar und betrachtet Sadashiva.
28-77. Die zur Entfaltung gehörenden Glieder werden aus seinen Gliedern hervorgebracht, wie Lampen an Lampen entzündet werden. Sie werden auf den Blättern in den Richtungen von Feuer, Ishana, Rakshasa und Wind eingesetzt …
28-78. … das Auge vorn, Shivas Waffe auf den Richtungsblättern. Shivas Glieder werden verehrt, die Hände in den Gesten von Segen und Furchtlosigkeit.
28-79. Die Waffe ist feuerähnlich, weiblich und vierarmig. So meditiert und verehrt man Shiva beim Prasada-Verfahren mit einem Umkreis.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über den einen Umkreis.
28-80. Bei den mit dem Fünfsilbigen beginnenden Mantras soll Shiva täglich mit fünf Umkreisen verehrt werden von denen, die Genuss und Befreiung als Frucht wünschen.
28-81. Der erste Umkreis besteht aus den Gliedern und Brahman-Gestalten, der zweite aus den acht Herren des Wissens, der dritte aus Nandisha und den weiteren Begleitern.
28-82. Der vierte besteht aus den Weltenhütern, der fünfte aus deren Waffen. Der erste Umkreis aus Gliedern und Brahman-Gestalten ist bereits beschrieben.
Unnummerierter Übergang innerhalb 28-82. Nämlich:
28-83. Die acht Herren des Wissens verehrt man am Rand des Sitzes außerhalb des Lotus: Ananta, Sukshma, Shivottama, Ekanetra, Shikhandi, Shrikantha, Trimurti und Ekarudra befinden sich in Haupt- und Zwischenrichtungen.
Unnummerierte Erläuterung. Gemeint ist: beginnend bei Indras Richtung und danach bei der Feuerrichtung.
28-84. Im Osten stehen Nandi und Mahakala, im Süden Bhringi und Vinayaka …
Unnummerierte Fortsetzung. … im Westen Stier und Skanda, im Norden Devi und Chanda. Die IAST-Lesung des letzten Namens ist auffällig; Chanda ist hier nur die naheliegende Deutung, keine Sanskritkorrektur.
Unnummerierte Abschnittsbezeichnung. Dritter Umkreis der Tore.
28-85. Der vierte Umkreis besteht aus den zehn Weltenhütern, beginnend mit Indra.
Unnummerierte Musteranrufung. „Verehrung Indra, dem Herrn der Götter, mit Waffe, Reittier und Gefolge, dem Begleiter Rudras! Verehrung seinen Begleitern!“ Und entsprechend weiter.
28-86. Wenn ein festes Linga verehrt wird, verehrt man im Umkreis der Weltenhüter östlich von Indra den liegenden Stier unter seinem Namen.
28-87. Westlich von Yama steht der Hindernisherr, weiter westlich Virabhadra. Zwischen beiden sind die sieben Mütter unter ihren Namen zu verehren.
28-88. Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Aindri und Chamundi. Vor ihnen verehrt man ferner …
Unnummerierte Anrufungen. „Verehrung den Müttern! Verehrung allen Müttern! Verehrung sämtlichen Scharen der Mütter!“
28-89. Südlich von Nirriti steht Shasta und sein Sohn Satyaka, südlich die Göttin Prabha. Durga befindet sich östlich von Vayu.
28-90. Westlich von Dhanada steht Skanda, Chandesha an seinem Ort, der Ortshüter östlich von Chanda. Nach deren Verehrung ehrt man den Waffen-Umkreis.
28-91. Die Gestalten vom Stier bis zum Ortshüter werden bei einem festen Linga verehrt, nicht bei einem beweglichen oder auf einem Opferplatz. Andere lehren jedoch, dass sie auch dort zu verehren seien.
28-92. Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Stachelstock, Keule, Dreizack und Lotus bilden als Waffen den fünften Umkreis. Die Liste nennt neun Waffen; eine zehnte wird nicht ergänzt.
28-93. Nachdem man Shambhu so mit den fünf Umkreisen verehrt hat, verehrt man ihn auch im Feuer, opfert Ghee, Speise und Sesam und streut aus der Speise eine Bali-Gabe aus.
Unnummerierter Übergang. Wie folgt:
28-94. Für Rudras, Mütter, Scharen und Yakshas, beginnend im Osten; für die mit Sharva beginnenden Gestalten, ergreifende Mächte, hervorragende Dämonen und Rakshasas sowie Nagas in der Mitte; für die Mondhäuser in den Zwischenräumen, die Tierkreiszeichen beginnend bei Isha, die Vishve-Götter, den Ortsherrn und Durga streut man die Gaben im Rechtsumlauf aus. Die räumliche Zuordnung der dicht gereihten Gruppen bleibt teilweise unsicher.
28-95. Im zweiten Kreis stehen die zehn Weltenhüter, beginnend mit Shakra. Für sie und außerhalb von ihnen streut man Bali mit dem folgenden Mantra aus.
Unnummerierte Formel. „Om, für Krähen und die weiteren, die die heilige Bindung durchbrechen!“ Es folgt die Chiffre des doppelten Tha.
28-96. Nach dem Zusammennehmen der Bali-Mantras spricht man über dem im Hof angelegten Mandala: „Die Rudras, die schreckliche Handlungen vollziehen und an schrecklichen Orten wohnen …
28-97. … und alle Sanften, die an sanften Orten wohnen, die Mütter von furchtbarer Gestalt und die Herren der Scharen …
28-98. … mögen alle mit hocherfreutem Herzen diese Gabe annehmen! Mögen sie mir rasch Vollendung schenken und mich stets vor Gefahren schützen!“
Unnummerierte Fortsetzung. Mit „Verehrung ihnen, den Göttinnen und Göttern!“ streut man die Bali-Gabe aus.
28-99. Danach wäscht man Hände und Füße, vollzieht schweigend die Wasserschlürfung und erfreut den Gott durch Rechtsumwandlung, Verneigung und Lobpreis.
28-100. Ist Chanda gegenwärtig, bringt man ihm die dargebrachte Speise und die abgelegten Opfergaben. Man gibt diese ins Wasser oder ins Feuer; Handwerker, Arbeiter …
28-101. … oder Dienerinnen dürfen davon essen; andere, sagt der Text, fallen dadurch aus ihrer rituellen Ordnung. Nach der Ordnung der Dienste wird der Gott wie ein Weltherrscher geehrt …
28-102. … durch reiche Darbietungen von Gesang und Tanz und auch im Geist erfreut. Vor ihm übt man Japa. Dann widmet man Japa, Verehrung und alles Weitere …
28-103. … den Füßen des Gottes mit den folgenden Mantras: „Du bist der Hüter des Geheimsten vom Geheimen. Nimm das von uns geübte Japa an …
28-104. … durch das mir, durch deine Gnade, die in dir gegründete Vollendung zuteilwird. Was immer ich, o Gott, an guten oder schlechten Taten vollbracht habe …
28-105. … tilge es für mich, der ich in Shivas Zustand stehe, Hum, Ksham, o Shankara! Shiva ist der Gebende, Shiva der Genießende; Shiva ist diese ganze Welt.
28-106. Shiva verehrt überall; jener Shiva bin ich selbst.“ Mit diesen Worten sowie Wurzel- und Gliedermantras widmet man alles durch eine Handvoll Wasser. Die Schlussbezeichnung der Mantras ist in der Quelle wiederholend formuliert; sie wird nicht zu einer zusätzlichen Formel ergänzt.
Anwendungen und Lebensordnung
Die folgenden Verse verbinden regelmäßige Übung mit zahlreichen historischen Verheißungen. Gebet, rituelle Ernährung und soziale Vorschriften stehen dabei neben Heilungs- und Machtvorstellungen.
28-107. Nun folgen die Anwendungen des verwirklichten Mantras; denn ohne Anwendung verliert der Mantra, so der Text, seine Kraft.
28-108. Elf Wiederholungen über Badewasser, Besprengungswasser, Nahrung, Trinkwasser und Ähnlichem sollen Lebensdauer und Gesundheit schenken und Schuld und Fehler beseitigen.
28-109. Hunderttausend Opfer mit Durva, Sesam, Ghee und Chinna sollen vorzeitigen Tod überwinden, Krankheiten und Bedrängnisse durch ergreifende Mächte beseitigen und das Leben verlängern. Chinna ist hier eine Pflanzenbezeichnung, die nicht weiter botanisch aufgelöst wird.
28-110. Japa auf einem Berggipfel oder an einem großen Fluss soll Lebensdauer verleihen. Der Sonne zugewandt wiederholt man hunderttausendmal und opfert hundertachtmal …
28-111. … Sesam mit Ghee; so sollen Krankheiten überwunden und Lebensdauer gewonnen werden. Ebenso wiederholt man samstags, während man einen Ashvattha berührt.
28-112. Man trinkt ein Pflanzenmittel oder das unklar als Laja bezeichnete Getränk, das mit hundertacht Wiederholungen besprochen wurde. Dadurch soll man von Bauchkrankheiten frei werden; selbst Gift soll zu Nektar werden. Dies ist eine historische Wirkungsbehauptung, keine Aussage über die Unbedenklichkeit von Gift.
28-113. Der Sonne zugewandt, bis zum Nabel im Wasser stehend, wiederholt man täglich tausend- oder hundertmal; dies soll Lebensdauer und Gesundheit fördern.
28-114. Einen mit Flusswasser gefüllten Krug berührt man und spricht ordnungsgemäß zehntausend Wiederholungen darüber. Das Begießen mit diesem Wasser soll ergreifende Mächte, Krankheit und vorzeitigen Tod überwinden.
28-115. Vom eigenen Bija umschlossen und im Bauch eingesetzt soll der Mantra Schmerzen und Ähnliches beseitigen. Brahmi oder Ghee-Saft wird während einer Mond- oder Sonnenfinsternis …
28-116. … bis zu ihrem Ende besprochen und dann getrunken; dadurch soll man Einsicht und die Fähigkeit erlangen, Gehörtes zu behalten. Unter Ardra, am vierzehnten oder achten Tag der dunklen Monatshälfte …
28-117. … bei einer Finsternis, Tagundnachtgleiche oder Sonnenwende, nach einem vorausgehenden Monat der Enthaltsamkeit, verehrt man Shiva nach seinen Kräften, den Körper mit Asche bestrichen, und übt Japa.
28-118. Ein Pala Pulver von weißer Vacha und vier Pala Ghee einer braunen Kuh werden zehntausendmal mit dem Mantra besprochen und getrunken; dadurch soll Allwissenheit entstehen. Die Mengen sind historische Maße; die Verheißung ist nicht medizinisch bestätigt.
28-119. Fällt der Übergang in den Magha-Monat auf Vollmond, heißt dieser Zeitpunkt Sarasvati. Nach drei vorausgehenden Fastennächten verehrt man dann Shiva nach Vorschrift …
28-120. … und übt nachts nüchtern und mit Asche bestrichen am Flussufer Japa. Morgens badet man und vollzieht die weiteren Handlungen. Mit Asche vermischtes Kuh-Ghee …
28-121. … auf einem Palasha-Blatt wird berührt und achttausendmal besprochen. Trinkt man dieses oder die fünf Kuhprodukte, soll man Wissen und Einsicht erlangen.
28-122. Den Sechssilbigen, umschlossen von den Bijas von Hamsa und Vagishvari, wiederholt man meditierend dreihunderttausendmal. Bald soll Allwissenheit entstehen.
28-123. So wiederholt der Mantrakundige den mit Hamsa und Vagishvari verbundenen Sechssilbigen hingebungsvoll in Zehn-Hunderttausendergruppen, während er die für sein Gelübde vorgeschriebene Nahrung zu sich nimmt …
28-124. … und soll der Reihe nach die Kräfte des Kleinwerdens und die weiteren Fähigkeiten erlangen und ein Vidyadhara werden. Rein hält man sich im Schatten eines Bilva auf und wiederholt täglich zehntausendmal.
28-125. Seine Früchte opfert man mit Ghee tausendachtmal. So soll Armut weichen und innerhalb eines Monats Reichtum entstehen.
28-126. Wer dies zwei Monate, sechs Monate oder ein Jahr lang mit Japa, Feueropfer und hingebungsvoller Shiva-Verehrung tut, soll durch seine Fülle einem Reichtumspender gleichen.
28-127. Palasha-Blütenopfer sollen einen Sohn schenken; Opfer mit seinen Hölzern sollen Unheilszeichen und Bedrängnisse durch Feinde sofort beruhigen.
28-128. Bei Bedrängnis durch ergreifende Mächte opfert man achttausendmal und wiederholt zehntausendmal. Die als Sadhya bezeichneten Sesamgaben sollen Befriedung bringen; bei bösen Träumen achthundert Opfer. Das Adjektiv zu Sesam ist in dieser Form unklar.
28-129. Während einer Finsternis verehrt man das Linga, meditiert über das gewünschte Ziel und wiederholt zehntausendmal. Dadurch soll die daraus entstandene Bedrängnis beruhigt werden; ebenso durch zehntausend Feueropfer.
28-130. Bei allen Handlungen soll man das Linga verehren und in seiner Gegenwart handeln. Japa und Feueropfer an den drei Tagesübergängen sollen Schadenzauber beruhigen.
28-131. Diese Handlung kehrt dann zum Feind selbst zurück. Mit Gift und Blut getränkte Vibhitaka-Gaben sollen Zwietracht bewirken.
28-132. Durch hunderttausend Opfer mit scharfem Öl soll selbst ein unsterblicher Feind sterben. Den Namen schreibt man auf den linken Oberschenkel, der Reihe nach mit Mantrabuchstaben durchsetzt …
28-133. … nachts mit Kurkuma, bedeckt ihn mit der linken Handfläche und übt Japa. Dabei betrachtet man eine Frau, von der ziehenden Schlinge überwältigt; so soll sie herangezogen werden.
28-134. Dieselbe Anwendung wird zur Heranziehung von Männern gelehrt. An sechs vierzehnten Tagen der dunklen Monatshälfte, am Meeresufer …
28-135. … verehrt man ein Sand-Linga und wiederholt nüchtern zehntausendmal an den jeweiligen abendlichen Tagesübergängen. Am siebten entsprechenden Termin, in einem Mandala …
28-136. … verehrt man den Herrn inmitten eines Lotus und südlich davon Virabhadra und den Hindernisherrn mit den Müttern durch Japa-Blüten.
28-137. Vor ihnen opfert man zehntausend Japa-Blüten im Feuer. Dann soll man den Hindernisherrn, Virabhadra und die Mütter sehen.
28-138. Nach Empfang des gewünschten Segens soll man lange wie ein Gott Freude genießen. Durch zehntausend Opfer von Bana-Blüten soll man im Krieg siegen.
28-139. In welcher Farbe man Blumen opfert, in dieser Farbe soll man Gewänder erhalten. Während man die fünf Kuhprodukte und gekochte Opferspeise zu sich nimmt, wiederholt man den Mantra fünfhunderttausendmal …
28-140. … und soll zweifellos von Vergehen und Schuld frei werden. Man steigt auf einen Berggipfel, badet dreimal täglich, isst die Gelübdenahrung …
28-141. … hält Yamas und Niyamas ein, bewahrt Reinheit und ein Schweigegelübde, verehrt das Linga und wiederholt den Sechssilbigen zehn Millionen Mal.
28-142. So soll man noch in diesem Körper im Luftraum wandeln und beliebige Gestalten annehmen können. Mit der Herrschaft über Kleinwerden und die weiteren Kräfte …
28-143. … wird man von Vollendeten, Göttern und Herren der Scharen verehrt und geehrt, soll alles wissen, alle Welten betreten und alle Götter sehen.
28-144. Wer als hervorragender Übender auf diese Weise dreißig Millionen Wiederholungen vollzieht, dem soll der höchste Herr zusammen mit Ambika unmittelbar erscheinen.
28-145. Wozu noch viele Worte? Um den Herrn mit Ambika zu erfreuen, gibt es keinen anderen Mantra, der diesen Shiva-Mantras gleichkommt.
28-146. Wer die Pflichten seines Standes und Lebensabschnitts sowie die Verhaltensregeln bewahrt und vom Guru eingeweiht wurde, ist berechtigt, den Mantra zu verwirklichen.
28-147. Man soll nicht im Schatten von Vibhitaka, Karanja, Arka oder Snuhi verweilen. Zwiebel, Knoblauch, Flaschenkürbis, Grinjana und Spreuwasser …
28-148. … Fisch, Fleisch, Alkohol, Kakubha-Ei und Alupa, Essen aus Bronzegefäßen, Sharngashta, Nali-Gemüse und Pilze … Mehrere Speisebezeichnungen dieser Liste sind nicht sicher bestimmbar; sie werden nicht durch moderne Lebensmittel ersetzt.
28-149. … abgestandene, geschmacklose, faulige oder überlagerte Nahrung; Speise, die von jemandem Ungebadeten oder sonst Unreinen berührt wurde, sowie Nahrung aus einem Haus mit Todes- oder Geburtsunreinheit …
28-150. … Gemeinschaftsspeise, Speise einer Kurtisane, von Kshatriyas, Kaufleuten und Shudras sowie von Menschen aus den als Pratiloma und Anuloma klassifizierten Verbindungen soll man meiden. Diese Speiseregeln spiegeln historische soziale Abgrenzungen und sind keine heutige ethische Empfehlung.
28-151. Ohne das Linga gesehen und verehrt zu haben, soll man weder essen noch trinken. Herabsetzung von Kühen, Guru, Agamas, Veden, Shiva-Verehrern und Zweimalgeborenen …
28-152. … guten Schülern und Göttern soll man weit von sich weisen. Man beherrscht täglich die Sinne und vollzieht nach seinen Möglichkeiten Opfer und gemeinnützige Werke …
Unnummerierte Fortsetzung vor 28-153. … dann soll der Mensch durch diese Mantras die beschriebene Frucht erlangen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Anwendungen.
Sieben-, acht- und zehnsilbige Formen
Die abschließenden Verse ergänzen weitere Grundmantras Shivas und ordnen ihnen Seher, Versmaße und Meditationsgestalten zu.
28-153. Tara, das Prasada-Bija und „Shivaya“ mit abschließendem Verehrungswort …
28-154. … bilden diesen siebensilbigen Wurzelmantra Shivas, der alle Ziele schenken soll. Nach den für Prasada beschriebenen Glieder-Bijas setzt man die mit Shi beginnenden Buchstaben …
28-155. … zusammen mit ihren Lautklassen ein; so entstehen seine Glieder. Raum mit Anusvara und der zugehörigen Lautklasse bildet auch den Augenmantra.
28-156. Dadhicha ist der Seher, Gayatra das Versmaß und Shiva die Gottheit. Verwirklichung und Anwendungen gelten wie zuvor.
28-157. Der beschriebene Sechssilbige, mit Tara und vorangestelltem Shakti-Bija, gilt als achtsilbiger Shiva-Mantra. Er soll Dharma, Wunscherfüllung, Wohlstand und Befreiung schenken.
28-158. Mit seinen sechs eigenen Lauten beginnend bei Prasada, denen die beschriebenen Prasada-Glieder vorangestellt sind, und mit ihren Lautklassen, kennen die Lehrer auch seine sechs Glieder. Das Verb am Ende ist in der Quelle fragend geklammert.
28-159. Shilada ist der Seher, Brihati das Versmaß, Shiva selbst die Gottheit. Auch seine Verwirklichung und Anwendungen sind wie zuvor.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über den achtsilbigen Shiva-Mantra.
28-160. Wird an das Ende dieses Achtsilbigen der Bewusstseinsmantra gesetzt, entsteht der zehnsilbige Shiva-Mantra, der wie ein Wunschbaum das Ersehnte schenkt.
28-161. Raum mit Bindu und Bhrigu mit Ausstoßlaut heißen hier Bewusstseinsmantra. Seine sechs Glieder sind dieselben wie beim Achtsilbigen.
28-162. Sanatkumara, Pankti und Shiva zusammen mit Parvati sind Seher, Versmaß und Gottheit. Verwirklichung und Anwendungen wurden zuvor beschrieben.
28-163. Die Lehrer kennen diese Grundlagen als gemeinsam für alle sechs Mantras. Diese sechs großen Mantras sind Shivas Wurzelmantras.
28-164½. Kein erwünschtes menschliches Lebensziel gilt für sie als unerreichbar. So wurden nach Durchsicht der Ritualordnungen diese sechs wichtigsten Shiva-Mantras zusammenfassend gelehrt: alle vorzüglich, die Essenz der Offenbarungen, zum Wohl der tatkräftig Übenden. Die Schlussmarke lautet in der Quelle 28-164 ½; sie wird als zusammengehörige Originalmarke bewahrt und nicht in einen erfundenen Vers 165 aufgeteilt.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das achtundzwanzigste Kapitel.
Redaktionelle Besinnung. Besonders die Hingabegebete lenken den Blick von der Vielzahl äußerer Handlungen auf ihre innere Widmung: Alles wird Shiva dargebracht. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dies eine Einladung sein, eigene Fähigkeiten und Grenzen bewusst anzunehmen und die Praxis mit Dankbarkeit und Verantwortung zu verbinden. Die historisch überlieferten sozialen Ausschlüsse und Schädigungsrituale werden dadurch weder übernommen noch nachträglich umgedeutet.
Mantrapada, Kapitel 29: Mrityunjaya, Tryambaka und Dakshinamurti
Shiva erscheint hier als Überwinder des Todes und als Lehrer der Erkenntnis. Die Meditationen arbeiten mit Nektar, Mondlicht und dem Bild eines von Weisen umgebenen Lehrers. Heilungs- und Unsterblichkeitsversprechen werden als religiöse Aussagen der Quelle übersetzt.
29-1. Der mittlere Laut des linken Armes, mit dem bezeichneten Vokal und Danda verbunden, mit Tara davor, sowie Bhrigu mit Ausstoßlaut: So wird der dreisilbige Mrityunjaya-Mantra gelehrt. Die Lautchiffren bleiben unaufgelöst; die Vokalbezeichnung ist auffällig.
29-2. Kahola ist sein Seher, Daivi-Gayatra sein Versmaß. Seine Anwendung ist die Überwindung des Todes, seine Gottheit Shiva Mrityunjaya.
29-3. Sein mittlerer und letzter Laut erhalten Bindu; mit langen Vokalen entstehen die sechs Glieder. Die drei Bijas setzt man an beiden Händen auf die Fingergelenke, beginnend bei den Daumen …
29-4. … die Glieder beginnend bei den kleinen Fingern, die Waffe auf die Handflächen. Den ersten Laut setzt man vom Fuß bis zum Geschlecht ein …
29-5. … den zweiten vom Geschlecht bis zur Kehle und den dritten von der Kehle bis zum Scheitel.
29-6. Die sechs Glieder setzt man auf Herz und die weiteren eigenen Orte. Die vorbereitende Übung beträgt dreihunderttausend Wiederholungen, das Feueropfer ein Zehntel davon.
29-7. Man opfert vier Fingerbreiten lange Chinna-Stücke, bestrichen mit Milch, Ghee und Honig. Über die Einheit mit Mrityunjaya meditierend, verehrt man ihn in einem Bild oder anderem Träger und übt Japa.
29-8. Möge Mrityunjaya euch schützen! Er sitzt inmitten zweier weißer, nach oben und unten geöffneter Lotusflächen, im eingeschlossenen Mondkreis, in der Gestalt eines achtjährigen Knaben. Er hat sechs Arme: Rechts trägt er Pfeil, Perlengebetskette und Dreizack, links Schädelschale und Krug mit Nektar und eine Mudra. Die Bezeichnung der Gebetskette ist in der Quelle ungewöhnlich zusammengesetzt.
Unnummerierter Übergang. Ferner:
29-9. Weiß ist sein Schmuck; leuchtende, schöne Perlenketten zieren ihn. Er hat drei Augen, trägt die junge Mondsichel und einen Kopfschmuck aus Haarflechten.
29-10. Aus den Kalas in den Mondkreisen oberhalb und unterhalb strömen Nektarwasser. Von diesen herabtropfenden Strömen wird er ringsum überflutet.
29-11. An den Enden beziehungsweise Öffnungen der Fruchtböden befindet sich das Bija. Zwischen den beiden Mondkreisen betrachtet man das Wasser-Bija, aus dem Nektar tropft … Die erste Ortsangabe ist nicht eindeutig.
29-12. … und Shiva Mrityunjaya überflutet. Man betrachtet die Einheit mit ihm; den Pranava setzt man auf die Stängel beider Lotusse, den zweiten Laut auf ihre Blätter.
29-13. Zwischen vorwärts und rückwärts gesprochenem Mantra setzt man den eigenen Namen und den Zweck ein und wiederholt ihn zur Verwirklichung des gewünschten Ziels.
29-14. Ebenso opfert man beim Feueropfer mit Svaha am Schluss und soll die gewünschte Frucht erhalten. Süß bestrichene Chinna-Stücke sollen den Tod abwenden.
29-15. Ebenso soll Durva Lebensdauer, Milchreis Gesundheit verleihen. Ein Feueropfer mit Kashmarya-Holz soll alle Krankheiten beseitigen.
29-16. Opfer mit Sesam, Ghee, Milchreis und Chinna sollen Bedrängnisse aufheben; mit Milchreis, Milch und Senf soll man Sieg erlangen.
29-17. Spreu und Senf dienen der Erstarrung, Neem-Holz und -Blätter der Zwietracht, Vibhitaka der Vertreibung und Giftbaumholz der Tötung.
29-18. Bei schädigenden Handlungen gelten Senföl und Gift als Zusätze; bei Befriedung und Gedeihen werden die Gaben mit Milch, Ghee und Honig getränkt.
29-19. Für Beeinflussung opfert man Salz und Süßes, für Wohlstand Lotusse und Milchreis. Durch zehn Millionen Wiederholungen soll man alle Wünsche erlangen.
29-20. Die Verehrung geschieht nach der Shiva-Ordnung auf dem beschriebenen Shiva-Sitz, mit den Umkreisen der eigenen Glieder, der Türherren, Weltenhüter und Waffen.
29-21. In einem gemalten oder anderen Bild, im Herzen, im Sonnenkreis oder im Wasser verehrt man ihn durch die Dienste nach den eigenen Kräften und soll dadurch Vollendung erlangen.
29-22. Bhrigu und Raum, der Weiße im Feuer, danach die Wörter für Flammen und Tod, „zur Vernichtung“ und die Gattin des Feuers am Ende: So wird der vierzehnsilbige Mantra erschlossen. Die Zahl ist durch Manu verschlüsselt; die Lautfolge bleibt teilweise chiffriert.
29-23. Er heißt Mrityujit, „Todesbezwinger“; Seher und die weiteren Zuordnungen sind wie zuvor. Nach Süden gewandt wiederholt man ihn an beiden Tagesübergängen zur Beruhigung der Todesgefahr.
29-24. Mit dem beschriebenen dreisilbigen Mantra am Anfang wird er siebzehnsilbig wiederholt. Verwirklichung und Anwendungen sind wie zuvor.
29-25. Auch die Meditation ist wie zuvor, mit folgender Besonderheit: Ich verneige mich vor dem Herrn Mrityunjaya, der zwischen weißen Lotussen und zwei Mondkreisen sitzt. Er hält Gazelle, Beil, Gebetskette und Schädelschale. Der Mond schmückt ihn; Gestalt und Schmuck sind weiß, sein Leib ist von strömendem Nektar benetzt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Mrityunjaya.
Tryambaka, der Dreiäugige
Der vedische Tryambaka-Mantra wird in eine ausführliche tantrische Verehrung eingebettet. Seine Vollform wird hier nicht zitiert; die Ausgabe ergänzt sie deshalb nicht aus anderen Sanskritquellen.
29-26. Der vedisch überlieferte Tryambaka-Mantra gilt als Wiederbelebung der Toten.
29-27. Sein Seher ist der erhabene Vasishtha; manche nennen Bhargava. Sein Versmaß ist Anushtubh, seine Gottheit Rudra mit der vorangestellten Bezeichnung Tryambaka.
29-28. Die sechs Glieder bildet man aus den eigenen Lauten in den Zahlen drei, vier, acht, neun, fünf und drei. Auf Zehenspitzen und Gelenke …
29-29. … beide Fußgelenke, Knie, Geschlecht, Wurzelbereich, Bauch, Rücken, Herz und Kehle, auf Armgelenke und Finger …
29-30. … Mund, Nase, Augen, Ohren und Brauenpaare sowie den Kopf setzt man die zweiunddreißig Buchstaben einzeln mit Bindu ein.
29-31. Die elf Wörter setzt man der Reihe nach auf Kopf, Brauen, Augen, Mund, Kehle, Herz, Nabel, Geschlecht, Oberschenkel, Knie und Füße.
Unnummerierter Übergang. Die Meditation:
29-32. Möge Tryambaka euch schützen! Er sitzt auf einem weißen Lotus und hält in seinem Schoß einen vollen Krug aus Nektar, mit den Händen Buch, Gebetskette und zwei nektargefüllte Krüge. Mit deren Nektarregen begießt er seinen weißen Leib und sein mit Mondsichel geschmücktes Haupt. Er trägt Haarflechten und weißen Schmuck, hat acht Arme und ein lächelndes Gesicht. Die genaue Verteilung der Gefäße auf Hände und Schoß ist syntaktisch dicht und bleibt teilweise unsicher.
29-33. Tryambakas Verehrung soll mit acht Umkreisen geschehen. Auf dem beschriebenen Shiva-Sitz bilden seine eigenen Glieder den ersten Umkreis.
29-34. Der zweite besteht aus Shambhus acht Gestalten: Erde, Feuer, Opferherr, Sonne, Wasser, Wind, Mond und Raum.
29-35. Der dritte bis sechste Umkreis besteht jeweils aus acht Shaktis, beginnend mit Rama und Ratri.
Unnummerierte Frage. Welche sind diese zweiunddreißig Shaktis?
29-36. Rama, Ratri, Prabha, Jyotsna, Purna, Usha, Purani und Sudha bilden den dritten Umkreis. Dann Vishva, Vidyut und Pandara …
29-37. … Prahva, Sara, Sandhya, Shiva und als achte Nisha. Ardra, Prajna, Para, Medha, Kanti, Shanti, Dhriti und Smriti …
Unnummerierte Gliederungsangabe innerhalb 29-37. „Im vierten Umkreis.“ Diese Angabe steht nach der zweiten Achtergruppe und vor der dritten. Ihre Stellung ist missverständlich; die fortlaufende Verserläuterung ordnet die zweite Achtergruppe dem vierten, die dritte dem fünften Umkreis zu, wie die folgende Strophe nahelegt.
29-38. … sind die acht Shaktis des fünften Umkreises. Para, Uma, Pavani, Padma, Shanta, Mogha, Jaya und Amala …
29-39. … heißen die acht Shaktis des sechsten Umkreises. Die Ordinalzahl ist in der Quelle mit einer fragenden Lesungsalternative versehen. Der siebte Umkreis besteht aus den zehn Weltenhütern, beginnend mit Indra.
29-40. Der achte besteht aus Donnerkeil und weiteren Waffen. Auf dem Fruchtboden befindet sich Shiva selbst, zwischen den Staubfäden die Glieder, an ihren Spitzen die acht Gestalten.
29-41. Die Shaktis befinden sich auf den Blättern, an Basis, Mitte, Spitze und davor. Mit diesen Umkreisen soll Shambhu nach der beschriebenen Opfergabenordnung …
29-42. … im Herzen, in einem Bild oder einem schönen Kristall-Linga verehrt werden. Ebenso ruft man Shiva in einem Krug herbei und verehrt ihn ordnungsgemäß.
29-43. Mit dessen Wasser begießt man einen Brahmanenschüler, der die Samaya-Einweihung erhalten hat, und übergibt ihm den Mantra zusammen mit Wasser. Er soll ihn dann verwirklichen.
29-44. Täglich verehrt er Shambhu, nimmt die Gelübdenahrung zu sich und beherrscht seine Sinne. In sexueller Enthaltsamkeit und ungeteilter Sammlung übt er zunächst hunderttausend Wiederholungen.
29-45. Bilva-, Palasha-, Khadira- und Banyan-Holz, Sesam, Senf, Milchreis, Milch, Sauermilch und Durva …
29-46. … sind die zehn Materialien. Mit jedem opfert man der Reihe nach tausendachtmal im Feuer, in das Shiva herbeigerufen wurde. Danach bewirtet man nach seinen Mitteln Brahmanen.
29-47. Zehntausend, tausend oder hundert Veda-Kundige werden bewirtet. Den Guru erfreut man nach den eigenen Möglichkeiten mit Gold, Gewändern und weiteren Gaben.
29-48. So soll der verwirklichte Mantra alle Wünsche schenken. Mit ihm belebte einst Shukra die im Kampf von den Göttern getöteten Danavas …
29-49. … und Kacha, den Sohn des Angiras-Geschlechts, wieder. Durch diesen Mantra erhielt Dadhicha einen Körper mit diamantfesten Knochen. Die genealogische Wendung wird quellengetreu belassen; diese Verse erzählen mythische Begebenheiten.
29-50. Für diesen Tryambaka-Mantra gilt in den drei Welten nichts als unerreichbar. Zehntausend Bilva-Opfer sollen Wohlstand, Palasha geistliche Strahlkraft …
29-51. … Khadira-Holz Gedeihen, Banyan Reichtum und Getreide bringen. Schwarzer Sesam soll Tod und Schuld überwinden.
29-52. Senf soll Feinde vernichten, Milchreis Lebensdauer und Wohlstand schenken. Milch soll Schadenzauber und Krankheiten beruhigen und Wohlstand bringen.
29-53. Durva soll Lebensdauer und Gesundheit, Sauermilch mit Reis Fülle verleihen. Jeden Monat am eigenen Geburtstermin opfert man Durva und Milchreis …
29-54. … hundertzwanzigmal und soll dadurch lange leben. Kashmarya und Milchreis sollen Lebensdauer schenken; überall werden die Gaben mit Ghee benetzt.
29-55. Bis zum Nabel im Wasser stehend übt man täglich Japa für Lebensdauer. Nahrung, Milch und Pflanzenmittel werden regelmäßig siebenmal besprochen …
29-56. … ebenso Wasser an den drei Tagesübergängen; ihr Genuss soll das Leben verlängern. Milchreis oder Sauermilchreis, an Festterminen geopfert, soll Gedeihen bringen.
29-57. Mit Puffreis soll man eine Braut erhalten; durch Puffreis soll ihm ein Mädchen gegeben werden. Mit Banyan, Ashvattha, Plaksha und Udumbara der Reihe nach … Die erste Aussage wird im Sanskrit wiederholt; sie bleibt erhalten.
29-58. … jeweils mit Milch, Ghee und Honig getränkt, soll man Brahmanen und die weiteren Gruppen beeinflussen. Sesam, Senf, Durva und Speise werden unter Ardra für Lebensdauer geopfert.
29-59. Unter dem eigenen Geburtsgestirn opfert man Ghee, Krisara und Milchreis mit Melasse. Mit dem Rest bewirtet man Brahmanen; dadurch soll man sogar eine Gottheit beeinflussen.
29-60. Diese soll den gewünschten Segen geben – um wie viel mehr ein Mensch auf Erden! Unter Ardra werden tausend Shami-Hölzer oder Milchreis geopfert …
29-61. … und mit der Asche drei Streifen auf die Stirn gesetzt; dies soll alle gefügig machen. Ein nächtliches Opfer mit Milchreis und Aragvadha soll sicher Einfluss verleihen.
29-62. Ebenso opfert man am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte Apamarga und Milchreis. Ein Aschezeichen davon, auf das Haupt gesetzt, soll eine Frau gefügig machen.
29-63. Ölgetränktes Khadira dient der Zwietracht, Vibhitaka der Vertreibung, Weidenholz dem Regen und Giftbaumholz der Tötung.
29-64. Bei allen schädigenden Handlungen opfert man mit Hölzern, die mit dem Namen bezeichnet sind. Am Ende des Mantras fügt man Name und beabsichtigte Handlung ein.
29-65. Senfkörner oder Steinchen, dreitausendmal besprochen, streut man zum Schutz von Haus, Dorf oder Stadt in die Richtungen.
29-66. Eine aus dem fraglich bezeichneten Rajvalu-Material gefertigte Schnur erhält so viele Knoten, wie dem Rhythmus des Fiebers entspricht. An die Hand gebunden soll sie täglich, zweitägig oder in anderen Abständen auftretendes Fieber beseitigen. Material und Wortgliederung sind unsicher; der behauptete Nutzen ist nicht medizinisch belegt.
29-67. Unter dem Geburtsgestirn oder bei einem Sonnenübergang wird ein Krug ordnungsgemäß gefüllt und durch Japa und Feueropfer bereitet. Das Begießen mit seinem Wasser soll Lebensdauer und Wohlstand schenken.
29-68. Ebenso soll eine unfruchtbare Frau, damit begossen, einen guten Sohn gebären. Das Ritual soll Lebensdauer, Gesundheit, Sieg, Wohlstand und Glück verleihen.
29-69. Am vierzehnten oder achten Tag der dunklen Monatshälfte, unter Ardra oder an einem ohne besondere Einschränkung genannten Tag soll die Anwendung dieses Mantras Erfolg bringen.
29-70. In einem zum Meer fließenden Fluss, von Gemüse, Wurzeln und Früchten lebend, übt man hunderttausend Wiederholungen oder Vielfache davon und soll die Kräfte des Kleinwerdens und die weiteren Fähigkeiten erlangen.
29-71. Wer aber Gelübdenahrung zu sich nimmt, wunschlos auf einer Bergspitze Shiva verehrt und dreihunderttausend Wiederholungen übt, soll von der Bindung des Daseins frei werden.
29-72. Wozu viele Worte? Für die Verehrer dieses Mantras soll unter Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung nichts schwer erreichbar sein.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Tryambaka.
Der hundertlautige Verbund
Drei vedische Mantras werden zu einer gemeinsamen Verehrung verbunden. Die Quelle setzt ihre Wortlaute voraus; sie werden hier nicht aus weiteren Textausgaben ergänzt.
29-73. Gayatri, Anushtubh und Trishtubh werden zu einer Einheit verbunden. Dieser dreifache, hundertlautige Mantra hat Surya, Rudra und Agni zu Gottheiten.
29-74. Vishvamitra, Vasishtha und Marichi Kashyapa sind der Reihe nach seine Seher; die genannten drei Versmaße gelten entsprechend.
29-75. Die sechs Glieder bildet man aus den eigenen Buchstaben mit ihren Lautklassen, nach den Zahlen Atijagati, Rudra, Vikara und Ashti …
29-76. … zweiundzwanzig und Kriti, der Reihe nach. Seine vorbereitende Übung besteht aus hunderttausend Wiederholungen; nach den eigenen Mitteln opfert man Ghee und Milchreis. Die Zahlenchiffren der ersten Hälfte bleiben ohne ergänzte Silbenaufteilung.
29-77. Man bewirtet nach seinen Mitteln Zweimalgeborene; so soll der Mantra verwirklicht werden. Bei Befriedung und ähnlichen Zielen beginnt man mit Gayatri, beim Gedeihen mit Anushtubh.
29-78. Die mit Gayatri beginnende Form verehrt man auf dem Sonnensitz, die mit Tryambaka beginnende auf dessen Sitz, die mit Trishtubh beginnende auf Durgas oder Agnis Sitz.
29-79. Dementsprechend meditiert man über Surya, Tryambaka oder Durga. Die Glieder bilden den ersten Umkreis, die Shaktis beginnend mit Prahladini …
29-80. … drei weitere; mit Rama und den folgenden entstehen vier Umkreise, mit Jagata und den folgenden einer und mit den Weltenhütern der zehnte. Die erste Shakti-Gruppe wird hier nicht nochmals ausgeschrieben; der Rückverweis wird nicht durch eine zusätzliche Liste ergänzt.
29-81. Opfer mit Durva, Chinna und Ghee sollen Lebensdauer, Lotus und blauer Wasserlilie Wohlstand, Bilva Fülle und Sesam Befriedung von Schuld, Krankheit und Feinden bringen. Die letzte Verbindung ist in der Quelle fraglich; die Wiedergabe bleibt dort sinngemäß.
29-82. Tägliches hingebungsvolles Japa am Morgen soll alle Wünsche erfüllen. Alle zuvor beschriebenen Ritualordnungen der mit Gayatri beginnenden Mantras …
Unnummerierte Fortsetzung. … mit ihren zahlreichen Anwendungen gelten auch für diesen gemeinsam.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über den Hundertlautigen.
Dakshinamurti, Shiva als Lehrer
Der Schluss wendet sich dem lehrenden Shiva zu. Weisheit erscheint als göttliche Gabe; das Bild des von Weisen umgebenen Lehrers führt zur Sammlung auf Erkenntnis.
29-83. Tara, das Verehrungswort, die durch Nabel, Ga und Kumbha bezeichneten Laute, „Te“, dann Dakshinamurti im Dativ; „mir“, „Einsicht“, „Prayuta“ und „gib“, schließlich die Geliebte des Feuers: Dies ist der durch Akriti als zweiundzwanziglautig bezeichnete Mantra. Die Lautchiffren und ein Wort bei der Einsichtsbitte bleiben unsicher.
29-84. Atri und Antika mit Auge, das Ende des Fußes mit langem Vokal, Visha, das Ende des sechsten, dann der mit R versehene linke Fuß sowie die Laute „Ye, dir“ bilden den Anfang. Es folgt eine beschädigte Folge; erkennbar ist am Ende „Verehrung Rudra, Shambhu“. Dieser Dakshinamurti-Mantra zählt zweiunddreißig Laute; mit Shakti, von Tara am Ende und Anfang umschlossen, wird er sechsunddreißiglautig. Die längere eingeschobene Lautfolge ist nicht zuverlässig übersetzbar und bleibt im Sanskrit vollständig erhalten. Keine vollständige Rezitationsformel.
29-85. Für beide gilt Shuka als Seher; manche nennen für den ersten Brahma.
29-86. Der erste hat Gayatra, der zweite Anushtubh als Versmaß. Dakshinamurti ist die Gottheit, Allwissenheit die verheißene Frucht beider.
29-87. Beim ersten bildet man die sechs Glieder aus sechs, sechs, zwei, zwei, drei und zwei eigenen Lauten, verbunden mit ihren Lautklassen. Diese Zahlen ergeben einundzwanzig, während zuvor zweiundzwanzig genannt werden; die Differenz wird nicht stillschweigend ausgeglichen.
29-88. Beim zweiten bildet man die Glieder bis zur Waffe aus den eigenen Lauten nach den durch Ritvig, Vasu, Elefant, Elemente und Rama bezeichneten Zahlen, mit ihren Lautklassen. Die erste Verbindung ist beschädigt; eine sechste Zahl lässt sich nicht sicher abtrennen.
29-89. Die Glieder setzt man an beiden Händen vom Daumen bis zur Handfläche ein; mit dem Wurzelmantra vollzieht man den durchdringenden Nyasa, dann den Buchstaben-Nyasa am Körper.
Unnummerierter Übergang. Wie folgt:
29-90. Auf Kopf, Stirn, Brauenmitte, beide Augen, Ohren und Nasenseiten, Mund, Kehle, Arme, Herz, Nabel und Geschlecht …
29-91. … Oberschenkel, Unterschenkel und Füße setzt man die zweiundzwanzig Laute. Die andere Folge beginnt mit Kopf, Stirn, Augen, Ohren, Nasenseiten, Wangen und Mund …
29-92. … den acht Gelenkstellen beider Arme, Kehle, Herz und Nabel; Hüfte, Geschlecht, Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Fingergelenken.
29-93. Nach diesem Nyasa der zweiunddreißig Laute vollzieht man erneut den durchdringenden Nyasa mit Tara und Shakti und setzt die sechs Glieder ein.
Unnummerierte Zuordnung. Für den zweiten:
29-94. Ich verehre Dakshinamurti am Fuß des Veda-Banyan, von Weisen umgeben, fest im verschränkten Sitz. Sein Schmuck ist weiß, seine Gestalt durch Asche hell; er hat drei Augen und trägt ein Tigerfell. Er zeigt die Lehrgeste und hält Beil und Gazelle; im gerade auf dem Knie ruhenden Arm trägt er einen Krug. Eine Mondsichel liegt in seinen Haarflechten. Die Bezeichnung des Baumes und das Gefäßwort sind auffällig; die Wiedergabe bleibt dort unsicher.
Unnummerierte Erläuterung. Diese Meditation gehört zum zweiten, im Anushtubh stehenden Mantra.
29-95. Verneigt euch stets vor dem Herrn Dakshinamurti! Große Weise sitzen bei ihm; unter einem goldenen Tuch beziehungsweise Baldachin sitzt er mit verschränkten Beinen zur Unterweisung. Asche macht ihn hell; Ganga und Mond bewegen sich in seinen Haarflechten. Er hat drei Augen, trägt Rudraksha-Kette und blauen Lotus in den Händen, ein Arm ruht auf dem Knie. Ein buntes Tierfell ist sein Gewand. Die Ortsangabe mit dem goldenen Stoff bleibt syntaktisch unsicher.
29-96. Am Ufer der Sarasvati oder eines dem Götterfluss vergleichbaren Gewässers, in einem Shiva-Heiligtum mit einem einzelnen Linga, lebt man von Gelübdenahrung und übt hunderttausend Wiederholungen. Der Vergleich mit dem Götterfluss ist in der gelieferten Satzform nicht eindeutig zugeordnet.
29-97. Dakshinamurti zugewandt und mit Asche bestreut opfert man ein Zehntel davon mit Sesam, getränkt in Milch und Ghee.
29-98. In einem Bild an der Wand oder auf einem Tuch verehrt man den Gott auf dem Shiva-Sitz nach der Ordnung mit einem Umkreis, umgeben von seinen Schülern, den Weisen.
29-99. Man verwendet die wichtigsten Dienste, beginnend mit Ehrenwasser; ist dies nicht möglich, verehrt man im Geist. Täglich übt man tausendacht Wiederholungen.
29-100. Sogar nie gehörte Schriften soll man dann erklären und verfassen können. Durch intensive Meditation und Japa soll offenbar Allwissenheit entstehen. Die Verheißung ist eine Aussage der Quelle, kein Ersatz für Lernen und Quellenstudium.
29-101. Durch Verehrung Shivas als Mrityunjaya, sagt der Text, überwinden Menschen den Tod; durch den belebenden Mantra überwinden sie die Zeit. Aus dem Lotusmund derer, die den nach Süden gewandten Shiva mit seinem Mantra verehren, strömt die Kraft der Rede wie Sarasvati selbst.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das neunundzwanzigste Kapitel.
Redaktionelle Besinnung. Die Bilder von Nektar und göttlichem Schutz sprechen die menschliche Verletzlichkeit an. Dakshinamurti ergänzt sie um das Vertrauen in Erkenntnis und Unterweisung. Für heutige Yoga-Aspiranten kann die Verbindung von Sammlung, Lernen und wunschloser Hingabe wegweisend sein, ohne die historischen Heilungs- und Unsterblichkeitsverheißungen als überprüfte Wirkungen zu übernehmen.
Mantrapada, Kapitel 30: Aghora und Aghorastra
Aghora bezeichnet eine Gestalt Shivas, deren Name auf das Nicht-Schreckliche weist, während ihre Darstellung furchterregende Züge trägt. Dieses Kapitel verbindet Mantrabildung, Meditation und gemeinschaftliche Rituale gegen Bedrängnisse. Aghorastra ist die dazugehörige göttliche Waffenkraft. Aussagen über Gesundheit, Schutz und militärischen Erfolg bleiben historische Verheißungen des Textes.
30-1. Der Weiße, das Nada-Bija und der letzte Laut mit Anugraha und Bindu; Bhrigu, Raum und der im Feuer befindliche Weiße mit Bhautika und Bindu …
30-2. … bilden die ersten Laute bis zum sechsten. Danach der Weiße, Raum und der Weiße mit Feuer, Anugraha und Bindu als neuntes Bija. Dann erschließt man „den Nicht-Schrecklichen“ … Die Folge ist chiffriert und ergibt ohne zusätzliche Annahmen keine sichere Silbenzuordnung.
30-3. … und das Bija Hrom, danach „und den Schrecklichen“. Dieser Teil hat neunzehn Laute. Dann Parshva mit Feuer, Lippe und Bindu …
30-4. … „den Schrecklichen und noch Schrecklicheren“, Raum mit Anugraha und Bindu, „von allen Seiten, Sharva, allen“, danach der Laut Prom …
30-5. … „Verehrung sei dir“, dann „Rudra“ und „den Gestalten“. Es folgen Raum und Feuer mit Bindu, danach Vagbhava und das Manmatha-Bija …
30-6. … Shakti, Shri und der Weiße mit Anugraha und Ausstoßlaut. So entsteht der vierundfünfzigsilbige Aghora-Mantra. Die übersetzten Worte entsprechen den erkennbaren Anrufungsteilen; die Bijas sind Lautbezeichnungen ohne gewöhnliche Wortbedeutung.
30-7. In der vedischen Form erkennen die Zweimalgeborenen Tara als Anfang. Dann Tara, Lohita mit Feuer und zweimal „Entfalte dich!“ …
30-8. … Danti, Shivottama, Feuer, Ashadhi und Bhujanga, die folgende wiederholte Lautfolge und schließlich Panzer und Waffe: Dies ist der zweiundvierzigsilbige Aghorastra-Mantra.
Unnummerierte Folge innerhalb 30-8. Die gelieferte Folge enthält mehrere unentscheidbare Silbengruppen und Wiederholungen; am Ende ist „schlage nieder!“ erkennbar. Eine vollständige Übersetzung oder rezitierbare Formel lässt sich hier nicht sichern. Der gesamte Wortlaut bleibt in beiden Sanskritfassungen erhalten.
30-9. Sein zwölflautiger Bija-Mantra wird nun gelehrt: Parshva mit Feuer, Lippe und Halbmond, Raum mit Feuer, dem O-Laut und Bindu …
30-10. … Vagbhava, Smara, Hrillekha, Shri, Prasada und Sarasvati sowie „für die Waffe: Phat“. So wird dieser zwölflautige Mantra beschrieben.
30-11. Verbindet man den Zwölflautigen mit dem Zweiundvierziglautigen, wird auch Aghorastra deutlich vierundfünfziglautig.
30-12. So wurden Aghora und Aghorastra gelehrt. Werden beide zusammen gesprochen, ergeben sich hundertacht Laute.
30-13. Für beide entstehen die sechs Glieder jeweils aus den eigenen Lauten. Galava ist für beide der Seher; Brihati gilt als Versmaß.
30-14. Shiva in Aghora-Gestalt ist für beide die Gottheit. Verwirklichung und die weiteren Grundlagen sind gleich; beide werden nicht voneinander getrennt.
30-15. Wer Aghora verwirklicht, soll Aghorastra zu einem Zehntel seiner Japa-Zahl wiederholen. Wer Aghorastra verwirklicht, verfährt ebenso mit Aghora.
30-16. Die neun Anfangs-Bijas, „den Nicht-Schrecklichen“ und Hrom bilden das Herz. „Und den Schrecklichen“ mit Prem und der zugehörigen Lautklasse bildet den Kopf. Prem steht hier gegenüber der vorherigen Lautfolge abweichend; die Lesungen werden nicht harmonisiert.
30-17. „Den Schrecklichen und noch Schrecklicheren“ mit Raum, Au und Bindu bildet die Haarspitze. „Von allen Seiten, Sharva, allen“ mit Prom wird der Panzer.
30-18. Die elf Laute beginnend mit „Verehrung dir“ bilden das Auge; die übrigen fünf Bijas die Waffe, überall mit den entsprechenden Lautklassen.
30-19. So entstehen Aghoras sechs Glieder aus seinen eigenen Buchstaben. Auch Aghorastras Glieder entstehen aus dessen eigenen Lauten …
30-20. … der Reihe nach in den Zahlen der Geschmäcke, Jahreszeiten, Veden, Richtungen, Schlangen und Vasus, jeweils mit der eigenen Lautklasse. Die gewöhnlichen Zahlenwerte sind sechs, sechs, vier, zehn, acht und acht.
30-21. An einem von selbst entstandenen oder von einem Seher eingesetzten Linga, an einem einzelnen oder göttlich gestifteten, nach Westen gerichteten Linga soll man die vorbereitende Übung vollziehen.
30-22. Man isst Gelübdenahrung, verehrt Shambhu, badet dreimal täglich und beherrscht die Sinne. Hingebungsvoll wiederholt man Aghora und Aghorastra hunderttausendmal.
30-23. Ein Zehntel davon opfert man mit Ghee-vermischtem Sesam. Wer hierzu nicht imstande ist, wiederholt tausendmal für jeden Laut und opfert ein Zehntel davon.
30-24. Durch zweihunderttausend, dreihunderttausend oder vierhunderttausend Wiederholungen soll große Vollendung entstehen. Man betrachtet seine Gestalt aus achtunddreißig Kalas, schwarz wie Augensalbe, viergesichtig …
30-25. … achtzehnarmig und furchterregend, mit drei Augen in jedem Gesicht. Er trägt Tigerfell und darüber ein Elefantenfell.
30-26. Khatvanga, Stoßzahn, Dreizack, Schädelschale, Stachelstock, Schlinge, Pflug, Wurfspeer, Pfeil, Bogen, Schwert, Schild und Gebetskette …
30-27. … Lotus, Stab, Trommel und die Gesten von Furchtlosigkeit und Segen trägt beziehungsweise zeigt er der Reihe nach mit seinen achtzehn rechten und linken Armen.
30-28. Sein furchtbares Gesicht ragt von Fangzähnen hervor; Bart und Haarflechten sind gelblich braun. Von Turban und Ohrringen bis zu den Fußringen …
30-29. … besteht sein Schmuck aus großen Schlangen. Der allgegenwärtige Herr trägt Tigerfell und eine Schädelkette. Die Tigerfellangabe wird in der Quelle wiederholt.
30-30. Sein Halsschmuck ist mit Spinnen und Skorpionen durchsetzt. Er beißt auf die Unterlippe, hat runde Augen und ein von gekrümmten Brauen gezeichnetes Gesicht.
30-31. Rudras und Shaktis in Gestalt der Aghora-Buchstaben umgeben ihn. Er befindet sich im inneren Lotus eines sechzehnspeichigen Rades …
30-32. … umgeben von den noch zu nennenden Rudras, Bhairavas und Müttern. Der Gott ist nach Süden gewandt; seine Waffe befindet sich westlich von ihm.
30-33. So betrachtet man ihn und übt Japa und die weiteren Handlungen; oder man malt ihn auf eine Wand oder ein Tuch. Ebenso betrachtet man Aghorastra, leuchtend wie ein aufgebrochener Berg aus schwarzer Augensalbe …
Unnummerierte Bezeichnung innerhalb 30-33. Aghora-Meditation.
30-34. … deutlich auf die Unterlippe beißend, mit leuchtenden Fangzähnen und gewaltigem Gesicht. Rote Duftstoffe, Gewänder, Girlanden und Schmuck zieren ihn.
30-35. Er hat acht Arme und trägt sieben mächtige Waffen. Rechts hält er der Reihe nach das untere Ende des Dreizacks, einen Vetala, Schwert und Trommel …
30-36. … links, von unten nach oben, Schädelschale, Glocke, Schild und die Mitte des Dreizacks. Der Dreizack wird von zwei Händen gehalten; dies erklärt die unterschiedliche Zahl von Armen und Gegenständen.
30-37. Seine drei Augen sind rund und gelbbraun, die gekrümmten Brauen verleihen ihm einen schrecklichen Ausdruck. Sein aufgerichtetes gelbbraunes Haar gleicht lodernden Feuerflammen.
30-38. Als Fußringe, Hüftband, Bauchgürtel, Hand- und Oberarmreifen, Hals- und Ohrschmuck …
30-39. … trägt er jeweils zwei große Schlangen. Seine Gestalt ist kampfbereit; eine mit Spinnen und Skorpionen durchsetzte Girlande hängt von seinem Hals herab.
30-40. Den linken Fuß vorgestellt, steht er auf einem roten achtblättrigen Lotus. Er soll ergreifende Mächte, Krankheit, Furcht, Schadenzauber und sämtliche Feinde vernichten.
30-41. Strahlend wie das Weltbrandfeuer und tausend Sonnen, seinen Verehrern liebevoll zugewandt: So betrachtet man den Gott Aghorastra bei Verehrung, Feueropfer und Japa.
30-42. Zuerst verehrt man den Hinderniskönig, die Gurus und das eigene Selbst, dann die tragende Shakti, Ananta als Sitz, Dharma und die folgenden Kräfte …
30-43. … Mond-, Sonnen- und Feuerkreis mit Brahma und ihren weiteren Herren sowie die Kalas und Shaktis beginnend mit Tamasi. So gilt der Aghora-Sitz als verehrt.
30-44. Darauf setzt man Aghoras Gestalt und ihren Wissensleib ein. Man ruft das Shiva-Licht aus Herzlotus und Dvadashanta herbei …
30-45. … den höchsten Gott, fein und von Bewusstsein gestaltet. Nach der Herbeirufung in den Herzlotus vollzieht man Einsetzung und die weiteren Schritte.
30-46. Nach der Ordnung der Dienste verehrt der Einsichtige bis zur Speisegabe. Er opfert im Feuer, bringt Bali dar und umwandelt rechtsherum.
30-47. Mit Lobpreis verneigt er sich und wiederholt vor ihm den Mantra. So soll er ihn verwirklichen und dem Guru die Gabe darbringen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Mantraverwirklichung.
Das gemeinsame Aghora-Ritual
Die nun beschriebene Ordnung richtet sich auf die Abwendung unterschiedlicher gemeinschaftlicher Bedrängnisse. Sie umfasst Verehrung, Feueropfer, Gaben und die Bewirtung verschiedener Personengruppen.
30-48. Mit dem verwirklichten Mantra vollzieht man die Anwendungen. Was immer der Mantrakundige im Bereich von Dharma, Wohlstand und Wünschen begehrt …
30-49. … gilt für Aghora und Aghorastra als erreichbar. Mit einem der beiden soll er das Ersehnte durch Japa, Verehrung und weitere Handlungen verwirklichen.
30-50. Besonders bei Angelegenheiten des Königs, Furcht vor feindlichen Heeren, Bedrängnis durch ergreifende Mächte und Geisterwesen, Schadenzauber und Krankheit …
30-51. … bei Furcht vor vorzeitigem Tod, Dürre oder übermäßigem Regen, großen Unheilszeichen sowie bei Bedrängnissen von Männern, Frauen, Elefanten und Pferden …
30-52. … bei Heimsuchungen und Seuchen wird zur Beruhigung der jeweiligen Not das allgemeine Aghora-Opfer nun kurz beschrieben.
30-53. An einem reinen, abgeschiedenen Ort errichtet man entsprechend der Aufgabe einen Pavillon oder eine Laube und bringt die Vastu-Bali-Gabe dar.
30-54. Zuerst lässt man die Erklärung des heiligen Tages und Segensworte von Zweimalgeborenen sprechen. Auf gut bestrichenem Boden vertreibt man Hindernisse und verehrt Ganesha.
30-55. Aus acht Drona weißen Shali-Reises und halb so viel Sesam bereitet man den Opferplatz. In dessen Mitte legt man einen sechzehnblättrigen …
30-56. … weißen Lotus aus Pulver an und setzt einen Krug in die Mitte. Er wird mit Wasser, Duftstoffen, Gold, Edelsteinen, Früchten und ungebrochenem Reis gefüllt.
30-57. Darin ruft der Übende Aghora herbei und verehrt den Glieder-Umkreis auf den Staubfäden. An deren Spitzen folgt der Umkreis der acht Waffen.
30-58. Der dritte Umkreis besteht aus Kalas und den mit Bhishana beginnenden Gestalten. An den Blattwurzeln werden Brahmi und die weiteren Mütter mit den bei Asitanga beginnenden Bhairavas …
30-59. … auf den Blattmitten verehrt; dies ist der vierte, der Mütter-Umkreis. Der fünfte besteht aus Bhairavesha und den weiteren Bhairavas auf den Blattspitzen.
30-60. Der sechste besteht aus den Buchstaben-Rudras beginnend mit Shrikantha und ihren Shaktis. Der siebte aus Weltenhütern und ihren Waffen auf dem Umgang.
30-61. Der äußere achte Umkreis besteht aus den sechzehn Gestalten beginnend mit dem Stier. So verehrt man Aghoresha mit seiner Waffe in einem Linga, Bild oder Tuch …
30-62. … und bringt nach den eigenen Mitteln Speisegaben der höchsten oder einer anderen Stufe dar. Mit Instrumentalmusik, Gesang und Tanz erfreut man Maheshvara.
30-63. Im Osten oder Nordosten wird entsprechend der Handlung eine viereckige Feuergrube angelegt. In das Shiva-Feuer ruft man den Gott Aghora mit Aghorastra, Gliedern und Kalas …
30-64. … verehrt ihn und opfert. Nordöstlich der Grube verehrt man ihn auch im Befriedungskrug.
30-65. Palasha-, Bilva-, Plaksha-, Banyan-, Udumbara- und Ashvattha-Hölzer mit Ghee, Shali-Reis, Milchreis, Ghee …
30-66. … schwarzer Sesam, Bambussamen, Gerste, Shali, Senf, Puffreis, Milch und Honig werden jeweils gesondert hundertachtmal geopfert …
30-67. … mit Aghora und Aghorastra, mit den Gliedermantras ein Zehntel davon. Um Mitternacht bringt der Lehrer Bali mit Bhutakrura dar. Bhutakrura ist hier nur als Mantrabezeichnung genannt.
30-68. Nach Verehrung mit Ehrenwasser, Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben streut man Bali der Reihe nach für die Gottheiten der Umkreise aus, beginnend mit den Kalas.
Unnummerierter Übergang. Die Namen der Umkreisgottheiten lauten:
30-69. Tamasi, Mohani, Ratri, Nishtha, Vyadhi, Marani, Kshudha und Trishna: Dies sind Aghoras acht in den Kalas ruhende Shaktis.
30-70. Bhashana, Bhairava, Bhima, Raudra, Ugra, Bhava, Ghora und Ghoratara sind die acht Gestalten auf den Blattmitten. Bhashana ist die hier gelieferte Form; sie wird nicht stillschweigend an Bhishana angeglichen.
30-71. Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Aindri, Chamundi und Chandika sind die acht Mütter.
30-72. Asitanga, Ruru, Chanda, Krodhesha, Unmatta, Kapali, Bhishana und Samhara sind die acht Bhairavas. Die Quellverbindung bei Krodhesha und Unmatta ist beschädigt; diese Aufteilung bleibt örtlich unsicher.
30-73. Brahmi und die weiteren Mütter sowie Asitanga und die weiteren Bhairavas werden an den Blattverbindungen verehrt. Bhairavesha, Unmatta, Krura, Martanda, Kopana …
30-74. … Bhima, Samharta, Kala, Chanda, Bhadraka, Ugra, Bhava, Patala, Vyomesha und Kshitishvara …
30-75. … sowie Adhisha sind die sechzehn Bhairavas auf den Blattspitzen. Die Rudras beginnen mit Shrikantha, ihre Shaktis mit Purnodari …
30-76. … und sind zuvor beschrieben; ebenso Indra und die folgenden Weltenhüter sowie Donnerkeil und die weiteren Waffen. Dann Stier, Hindernisherr, Virabhadra, Shasta, die Göttin Prabha …
30-77. … Satyaka, Shri, Sarasvati, Jyeshtha, Shankha, Shanmukha, Vishakha, Naigamesha, Durga und Chandeshvara …
30-78. … sowie der Ortshüter, beginnend im Osten, in Haupt-, Zwischenrichtungen und deren Zwischenräumen. So verehrt man die acht Umkreise beim Aghora-Opfer.
30-79. Dem Gott und seinen Gliedern reicht man Speisegaben nach den verfügbaren Mitteln. Für die Umkreise ab den Kalas streut man Bali auf den Boden.
30-80. Außerhalb davon stehen Scharen in Haupt- und Zwischenrichtungen; auch ihnen bringt man Bali dar: Adityas, Maruts, Sadhyas, Gandharvas und Ahnen …
30-81. … Rudras, Rakshasas, Nagas, Siddhas, Vidyadharas, Götter, Suparnas, Totengeister, Kushmandas, Vasus, Yakshas und Kinnaras …
30-82. … Bhutas, Vinayakas, Vishve-Götter, Pishachas, die beiden Ashvins, Yoginis und Dakinis: Dies sind vierundzwanzig Arten von Scharen.
30-83. Sechzehn befinden sich in den Haupt- und Zwischenrichtungen und deren Zwischenräumen, vier Gruppen oberhalb und vier unterhalb. Man verehrt sie und streut für sie Bali aus.
Unnummerierte Einleitung zu den Richtungsanrufungen. Außerhalb davon bringt man den Scharen in den zehn Richtungen Bali dar.
Unnummerierte Anrufung des Ostens. „Den Scharen des erhabenen Shiva im Osten, die den Donnerkeil in der Hand tragen, weiß sind, weiße Augen und weißes Blut haben, im Himmel, Zwischenraum, auf Erden und in der Unterwelt wohnen – ihnen allen, männlich und weiblich, Verehrung, Verehrung!“ Es folgt die Chiffre des doppelten Tha.
Unnummerierte Anrufungen der übrigen Richtungen. Im Südosten werden Shivas speertragende Scharen angerufen, rot, mit roten Augen und rotem Blut, „und so weiter“. Im Süden seine stabtragenden schwarzen Scharen, „und so weiter“. Im Südwesten, mit vorangestelltem Om, seine schwerttragenden dunklen Scharen mit dunklen Augen und dunklem Blut, „und so weiter“. Im Westen seine schlingentragenden bunten Scharen mit bunten Augen, „und so weiter“. Im Nordwesten seine stachelstocktragenden gelben Scharen, „und so weiter“. Im Norden, mit Om, seine keulentragenden weißen Scharen mit weißen Augen und weißem Blut, „und so weiter“. Im Nordosten, mit Om, seine dreizacktragenden gelbbraunen Scharen, „und so weiter“. Oberhalb seine lotustragenden feinen Scharen mit feinen Augen und feinem Blut, „und so weiter“. Unterhalb, mit Om, seine diskustragenden rauchfarbenen Scharen mit rauchfarbenen Augen und rauchfarbenem Blut, im Himmel, Zwischenraum und auf Erden, „und so weiter“. Die verkürzenden Verweise stehen bereits in der Quelle; die nicht wiederholten Formelteile werden nicht nachgetragen.
30-84. Mit diesen Mantras streut man die Bali-Gabe aus und erfreut die Begleiter.
30-85. Danach badet der Guru, tritt mit den Schülern ein und verehrt den höchsten Herrn im Linga, im Krug und in der Feuergrube.
30-86. Elf vorzügliche Zweimalgeborene bewirtet man mit Ghee-Milchreis, ebenso Linga-Träger, Bedürftige und andere. Man selbst isst mit den Dienenden …
30-87. … und schläft während des Restes der Nacht. Dies wiederholt man Tag für Tag, vierundsechzig oder achtundvierzig Tage …
30-88. … vierundzwanzig Tage und Nächte oder zwölf Tage, nachdem man die Dauer zuvor nach dem Gewicht der Aufgabe beschlossen hat. Am Ende verehrt man besonders …
30-89. … Shiva, bringt das volle Schlussopfer dar und begießt den Auftraggeber mit dem Wasser des Befriedungskruges oder besprengt damit Elefanten und andere Tiere.
30-90. Den Herrn im Feuer und im Krug verabschiedet man in den Herzlotus. Dann erfreut der Auftraggeber den Lehrer und die weiteren Beteiligten nach seinen Mitteln mit Land, Gold und Gewändern …
30-91. … ebenso andere Brahmanen und Linga-Träger. Durch Aghoreshas Gnade soll er seine gewünschten Ziele erlangen.
Unnummerierte Aussage und Zitatanfang. Durch Aghoras Opfer sollen die Schrecken für ihn zweifellos zur Ruhe kommen. Hierzu wird auch gesagt:
30-92. „Man kann auch Aghoresha allein oder Aghorastra allein nach dieser Ordnung verehren und ihm opfern und so das Ersehnte verwirklichen.“ Ende des Zitats.
30-93. Das allgemeine Opfer wurde beschrieben; nun folgen besondere Formen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über das allgemeine Opfer.
Besondere Ritualformen
Die folgenden Verfahren richten sich auf einzelne Anliegen. Mengen, Zeiten und Erfolgsbehauptungen werden als Angaben des historischen Textes bewahrt.
30-94. Ein von selbst entstandenes oder von einem Seher gestiftetes Linga badet man mit hundert Prastha frisch gemolkener Kuhmilch …
30-95. … und vollzieht die höchste Verehrung nach der Ordnung der Dienste. Nachts bringt man die Geister-Bali-Gabe wie beschrieben dar.
30-96. Erneut verehrt man den Gott im Linga, im Bild oder auf dem Tuch. Das Linga mit einem Grasbündel berührend, wiederholt man Aghora achthundertmal …
30-97. … und ebenso Aghorastra. In der Feuergrube opfert man mit Durva, Ghee, Sesam, Milchreis und Gerste jeweils hundertachtmal, an die Aufgabe denkend.
30-98. Elf Zweimalgeborene bewirtet man wohlschmeckend und mit Gaben. Man spricht: „Möge der erhabene Herr in Aghora-Gestalt mit seiner Waffe mir gnädig sein!“
30-99. Dieses Opfer vollzieht man fünfundzwanzig Tage. Nach einer besonderen abschließenden Verehrung beendet man es.
30-100. Schreckliches Leid, ergreifende Mächte, Krankheiten, vorzeitiger Tod, Heimsuchungen, Seuchen und durch Schadenzauber verursachte Bedrängnisse sollen dadurch beruhigt werden.
30-101. Lebensdauer, Gesundheit und Herrschaftskraft sollen entstehen. Diese höchste Opferordnung ist für den beschrieben, der die Mittel dazu besitzt.
30-102. Für jemanden mit geringeren Mitteln gilt sie um ein Viertel vermindert oder mit der Hälfte. Ausschließlich zur Beruhigung von Krankheit begießt man mit zehn Prastha Kuh-Ghee …
30-103. … unter Aghora oder den Brahman-Mantras, dem Rudra-Text oder den reinigenden Hymnen; danach mit Milch. Die weiteren genannten Rezitationen werden hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.
30-104. Ringsum bestreicht man das Linga mit einer Paste aus Sandel, Adlerholz und Kampfer und verehrt es mit unversehrten Bilva-Blättern und duftenden Blumen.
30-105. Mit schwarzem Adlerholz, Kampfer und Harz räuchert man, entzündet Ghee-Lampen und bringt Milchreis und weitere …
30-106. … vier Arten von Speisegaben dar. Man übt tausend Wiederholungen und opfert tags und nachts hundertachtmal Ghee im Feuer. Die Tagesangabe ist in der IAST-Lesung auffällig; diese Auflösung bleibt unsicher.
30-107. Ebenso viele Bilva-Hölzer, elf Gaben gekochter Opferspeise und das volle Schlussopfer werden dargebracht. Das Bestreichen mit der Asche soll alle Krankheiten beseitigen.
30-108. Vierzig Tage solcher Verehrung sollen alle Erkrankungen aufheben. Nun wird die Beruhigung von Krankheiten bei Elefanten, Pferden und Vieh gelehrt.
Unnummerierte Abschnittsbezeichnung innerhalb 30-108. Ausschließliche Beruhigung von Krankheit.
30-109. Mit vorausgehendem Entschluss vollzieht man das Krugopfer wie zuvor. Das Linga wird mit den fünf Nektarstoffen, den fünf Kuhprodukten, Duft- und Fruchtwasser …
30-110. … an den drei Tagesübergängen gebadet. Man bringt Ghee und Milchreis dar und opfert Brennholz, Ghee, Milch, Sesam und Milchreis.
30-111. Mrityunjaya, Aghorastra und Hamsa werden achthundertmal wiederholt. Nachts streut man Bali aus, einundzwanzig Tage lang.
30-112. Das besprochene Krugwasser gibt man Elefanten und Pferden zu trinken und besprengt jedes Tier damit. Dadurch sollen ihre Bedrängnisse beruhigt werden.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Befriedung für Elefanten und Pferde.
30-113. Ist Gedeihen das Ziel, fasst man wie zuvor den Entschluss und verehrt den nach Westen gewandten Shiva. Mit frischem Kuh-Ghee …
30-114. … fünfundzwanzig Prastha, begießt man ihn ordnungsgemäß. Von den als höchste und weiteren beschriebenen Verehrungsstufen wählt man täglich nach den eigenen Möglichkeiten …
30-115. … eine und verehrt ihn hingebungsvoll im Linga, im Krug und im Bild. Mit unversehrten Bilva-Blättern, die Dreizacken gleichen, ehrt man Shiva.
30-116. Morgens wiederholt man den Mantra tausendachtmal. Palasha-Holz, Ghee, gekochte Opferspeise und schwarzen Sesam …
30-117. … opfert man jeweils hundertachtmal, vierzig Tage lang. Nach einer Gabe entsprechend den eigenen Mitteln soll man unvergleichliches Gedeihen …
30-118. … erlangen; bei Verdoppelung oder Verdreifachung soll große Fülle entstehen. Zum Schutz des eigenen Heeres vollzieht man das Krugopfer …
Unnummerierte Abschnittsbezeichnung innerhalb 30-118. Gedeihen.
30-119. … und verehrt ringsum acht Krüge, in denen Bhishana und die weiteren Gestalten gegenwärtig sind. Sie sind mit Gewändern, jungen Zweigen, Früchten und Gold versehen.
30-120. Wie zuvor badet man das Linga ordnungsgemäß mit zehn Prastha Milch und Ghee, den fünf Nektarstoffen und den fünf Kuhprodukten.
30-121. Linga und Sockel werden mit fein verriebenem Sandel, Adlerholz und Kampfer, mit Safran darüber, bestrichen. Mit schönen Bilva-Trieben …
30-122. … und Mengen duftender Blumen, beginnend mit Oleander, bedeckt man es, ebenso mit Girlanden, Goldbändern und seidenen oder anderen Gewändern.
30-123. Besonders bringt man Räucherwerk aus Harz, Adlerholz und Kampfer dar. Ghee-Lampen und Speisegaben werden nach den eigenen Mitteln angeboten.
30-124. Banyan-, Udumbara-, Ashvattha- und Plaksha-Hölzer sowie Palasha, Durva, Senf, Sesam, Ghee und Ghee-Milchreis …
30-125. … opfert man nachts der Reihe nach jeweils hundertachtmal. An jedem Krug wiederholt man Aghorastra achttausendmal.
30-126. Mit einem Grasbündel besprengt man aus diesen Krügen die eigenen Heerführer und die übrigen Beteiligten, ihre Waffen, Elefanten und Pferde und spricht Segensworte.
Unnummerierte Fortsetzung. So soll das eigene Heer geschützt sein und im Kampf die Gegner besiegen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Schutz des eigenen Heeres.
30-127½. Für den Kenner Aghorastras, so lautet die Verheißung, gibt es keine Bedrängnis durch Gift und keine Furcht vor Schlangen, keine Heimsuchung durch Schadenzauber, Krankheiten, Feinde, Wasser oder Feuer, kein Leid durch Totengeister und andere Wesen und keine Trennung von geliebten Menschen. Die abschließende Halbversmarke bleibt original erhalten.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das dreißigste Kapitel.
Redaktionelle Besinnung. Die furchterregenden Bilder stehen hier im Dienst des erhofften Schutzes. Für heutige Yoga-Aspiranten kann die ausdrückliche Zuwendung zu den Verehrenden in 30-41 ein hilfreicher Bezugspunkt sein: Auch Angst darf in einer Haltung von Vertrauen betrachtet werden. Die beschriebenen Rituale und ihre umfassenden Wirkungsversprechen bleiben dabei von heutiger persönlicher Besinnung und von medizinischer Versorgung unterschieden.
Mantrapada, Kapitel 31: Shiva-Waffen, Vyomavyapin und Skanda
Dieses Kapitel verbindet unterschiedliche Mantraformen: Schutzformeln Shivas, den „Raumdurchdringenden“ Vyomavyapin, die Bijas Pinda und Chintamani sowie die Verehrung Skandas. Lange Lautanweisungen stehen neben philosophischen Anrufungen und anschaulichen Meditationsbildern.
31-1. Shiva selbst mit dem Ausstoßlaut am Ende heißt Shiva-Waffe. Der zweite Laut der sechsten Gruppe, mit dem Anfang der vierten und einer halben Matra verbunden …
31-2. … wird mit den Anfangslauten der ersten und fünften Gruppe zusammengesetzt. So entsteht die zweilautige Pashupata-Waffe, die alles Unheil beseitigen soll. Lautchiffrierte Bildung; keine zusätzliche ausgeschriebene Formel.
31-3. An ihren Anfang setzt man das Shiva-Bija zusammen mit der Shiva-Waffe. Durch Japa und weitere Handlungen soll diese göttliche Formel alle Hindernisse beseitigen und Befreiung verleihen.
31-4. Vamadeva ist der Seher beider Waffen, Shiva selbst die Gottheit und Pankti das Versmaß. Durch hunderttausend Wiederholungen sollen sie wirksam werden.
31-5. Ihre Anwendungen entsprechen denen Aghorastras. Der Anfang der achten Gruppe, mit Erde und dem dritten Vokal samt Bindu verbunden …
Unnummerierte Abschnittsbezeichnung innerhalb 31-5. Zu Pashupata-Waffe und Shiva-Waffe.
31-6. … ist als erstes Bija bezeichnet. Der Anfang der sechsten Gruppe ist das zweite; der Anfang der achten mit dem fünften Vokal das dritte.
31-7. Dazu Panzer und Waffe: So gilt die Pashupata-Waffe als fünfsilbig. Prana mit Bindu und Nada sowie der Weiße mit Ausstoßlaut, weiß leuchtend …
31-8. … werden im Herzlotus meditiert: Dies ist der aus Shiva bestehende Bewusstseinsmantra. Danach Pranava, das Wort „Tat“ und „dem großen Herrn“ …
31-9. … „mögen wir erkennen“, „über den an Rede Reinen meditieren wir“, dann „uns“, „Rudra“ und „möge anregen“ mit vorangestelltem Pra.
31-10. Wasser mit dem dreizehnten Vokal, verbunden mit Wind, und das Ende der sechsten Gruppe werden erschlossen; davor steht Tara.
31-11. Das Wort „Raum“ im Dativ, „mögen wir erkennen“, der Weiße mit dem sechsten Vokal und der letzte Laut mit dem Ende der sechsten Gruppe …
31-12. … „dem Feinen“ im Dativ, „wir meditieren“ und die Fortsetzung wie zuvor: So entsteht die als Shiva bezeichnete Savitri. Die Verse bilden zwei Gayatri- beziehungsweise Savitri-Formeln durch Wörter und Lautchiffren. Nur die erkennbaren Sinnteile werden übersetzt; eine vollständige Sanskritformel wird nicht rekonstruiert.
Unnummerierte Erläuterung und Abschnittsbezeichnung. Beide werden in der Shiva-Verehrung angewendet. Savitri.
Vyomavyapin, der Raumdurchdringende
Der lange Mantra preist Shiva durch Namen, Anreden und wiederholte Lautfolgen. Der Quelltext zählt seine Bestandteile einzeln; diese Konstruktionsanweisungen bleiben Teil der Übersetzung.
31-13. Ich werde den Mantra namens Vyomavyapin erklären. Er entfaltet sich in einundachtzig Wörtern beziehungsweise Abschnitten und zählt dreihundertachtundsechzig Laute.
31-14. Der erste Abschnitt ist Tara. Dann das Ende der siebten Gruppe, verbunden mit Haut …
31-15. … und dem dreizehnten Vokal; wiederum das Ende der sechsten Gruppe mit „dem Durchdringenden“: Dies ist der fünfsilbige zweite Abschnitt.
31-16. „Dem Raumgestaltigen“ und „dem Alldurchdringenden“ sind zwei fünfsilbige Abschnitte; „Shivaya“, „dem Shiva“, ist dreisilbig.
31-17. Mit „Ananta“ und „Anatha“ im Dativ entstehen zwei viersilbige Abschnitte; „dem auf nichts Gestützten“ bildet mit fünf Lauten den achten Abschnitt. Anatha kann „ohne Herrn“ beziehungsweise „herrlos“ bedeuten; der Name wird nicht zu Natha verändert.
31-18. Dhruva und Shashvata im Dativ ergeben drei- und viersilbige Abschnitte: „dem Festen“, „dem Ewigen“. Dann „dem auf dem Yoga-Sitz Ruhenden“ und „dem beständig Übenden“ …
31-19. … mit acht und fünf Lauten; „dem von Meditation Lebenden“ mit fünf. Der grundlegende Fünfsilbige mit Tara am Anfang ergibt einen sechssilbigen Abschnitt.
31-20. „Dem Ursprung von allem“ bildet einen fünfsilbigen Abschnitt; „Shivaya“ einen dreisilbigen. Danach die fünf mit Ishana beginnenden Namen …
31-21. … verbunden mit „dem Haupt“, „dem Gesicht“, „dem Herzen“, „dem Verborgenen“ und „der Gestalt“: Ihre Zahlen beginnen mit sechs, sieben und sieben …
31-22. … und enden mit vier und vier. So entstehen fünf Abschnitte. Tara und zweimal das Verehrungswort bilden einen fünfsilbigen Abschnitt.
31-23. „Dem Geheimsten des Geheimen“ zählt sechs Laute, „dem Hüter“ zwei. „Dem Unvergänglichen“ hat fünf, „dem Herrn aller Wissenskräfte“ …
31-24. … sieben; „dem durch alle Yogawege Erkannten“ acht, „dem Lichtgestaltigen“ fünf und „dem auf den höchsten Herrn Gerichteten“ …
31-25. … acht. „O höchster Atman“ ist viersilbig; „du Bewusstlose, Bewusste“ gilt als siebensilbiger Abschnitt. Die weiblichen Wortformen der letzten Verbindung sind auffällig; sie werden nicht stillschweigend maskulinisiert.
31-26. Zweimal „im Raum“ ergibt vier Laute, ebenso zweimal „o Durchdringender“. Zweimal „o Gestaltloser“ hat sechs; dann folgt die doppelte erste Bezeichnung. Welcher Ausdruck mit dem letzten Rückverweis gemeint ist, bleibt örtlich unklar.
31-27. Zweimal „Glanz“ hat vier Laute, ebenso zweimal „Licht“. „O Gestaltloser“, „o Feuerloser“ und „o Rauchloser“ haben je drei.
31-28. „Ohne Asche“, „ohne Anfang“, dreimal Na und dreimal Dhu sind weitere vier dreisilbige Abschnitte des Herrn. Die letzten beiden sind Lautfolgen ohne gesicherte Wortbedeutung.
31-29. Mit Tara beginnen die Abschnitte Erde, Zwischenraum und Himmel, der Reihe nach zwei-, drei- und zweisilbig. „O Unvergänglicher“ zählt vier Laute, „Vergehen“ drei.
31-30. „Ursprung des Vergehens“ ist fünfsilbig, „Shiva“ zweisilbig, ebenso „Sharva“. So sollen die Lehrer die Abschnitte kennen.
31-31. „Maheshvara“ hat vier Laute; dann „Mahadeva“, „Herr des wahren Seins“ mit fünf und „großer Glanz“ mit vier.
31-32. „Herr des Yoga“ hat fünf Laute, zweimal „befreie!“ vier; die doppelte erste Bezeichnung sechs, zweimal „alles“ vier. Auch hier bleibt der Bezug der ersten Bezeichnung unklar.
31-33. Zweimal „Bhava“ hat vier Laute, „Bhavodbhava“ ebenfalls vier; dann der achtlautige Abschnitt „der allen Wesen Glück schenkt“.
31-34. „Der allen Gegenwart schenkt“ ist siebensilbig, „jenseits von Brahma, Vishnu und Rudra“ achtsilbig.
31-35. Zweimal „Unverehrter“ und zweimal „Geweihter“ bilden je einen achtlautigen Abschnitt; „zuvor Bestehender“ einen vierlautigen.
31-36. Zweimal „Zeuge“ hat vier Laute, ebenso zweimal Turu. „Patanga“ hat drei, zweimal Pinga vier. Patanga kann unter anderem Sonne oder fliegendes Wesen heißen; Pinga bezeichnet gelblich braune Farbe, Turu bleibt eine Mantralautfolge.
31-37. Zweimal „Wissen“, zweimal „Klang“ und zweimal „fein“ bilden drei vierlautige Abschnitte; dann je zweimal Shiva und Sharva.
31-38. „Alles Gebender“ hat drei Laute, „Om, Verehrung, Verehrung“ fünf. „Shivaya“ ist dreisilbig: So sollen hervorragende Lehrer es kennen.
31-39. Zweimal das Verehrungswort mit Tara davor gilt als fünfsilbiger Abschnitt. So sind der Reihe nach die einundachtzig Abschnitte zu verstehen. Die Zählung wird als Aussage der Quelle bewahrt; wegen unklarer Rückverweise wird keine als gesichert ausgegebene Vollform neu zusammengesetzt.
31-40. Tara und „dem Selbst von allem“ mit der Lautklasse bilden den Herzmantra. Man spricht den zweiten Abschnitt, verbunden mit Shiva und Brahma …
31-41. … und der eigenen Lautklasse: Dies ist der Kopf. Nun die Haarspitze: Man spricht den dritten Abschnitt und wiederholt zweimal „O Flammende“.
31-42. Mit der Lautklasse ist die Haarspitze gebildet. Dann nimmt man den vierten Abschnitt, spricht „Pingala“ und verbindet ihn mit der Lautklasse zum Panzer.
31-43. Man spricht den fünften Abschnitt und Shiva- sowie Aghora-Waffe; mit der Lautklasse wird dies die Waffe. Dies sind die fünf Glieder.
31-44. Für diesen Vyomavyapin-Mantra sind auch sechs Glieder nach der Lehre des Chandrajnana belegt. Sie werden nun der Reihe nach niedergeschrieben.
Unnummerierte Formeln nach 31-44. „Om, raumdurchdringender Shiva! Om, Verehrung dem Selbst von allem, dem Höchsten, dem höchsten Herrn, dem Yoga und dem aus Yoga Entstehenden! Turu, Turu; Wahrheit, Wahrheit! Bhavodbhava, dem Vamadeva; du bringst alle Aufgaben zur Ruhe, Sadashiva, sei gnädig! Verehrung sei dir!“ Es folgen das doppelte Tha und „Verehrung dem Herzen“. Dann: „Shiva, für den Brahma-Kopf“, mit doppeltem Tha; „Om, du in Shivas Herzen Flammende“, mit doppeltem Tha; „Für die Flammende, für die Haarspitze: Vashat!“ Der Wechsel zwischen Anrede und Dativ folgt der Quelle; Turu und die Opferendungen sind keine gewöhnlichen deutschen Wörter.
31-45. „Ich wende mich dem Shiva-wesentlichen Mahadeva zu, dem allwissenden, unvergänglichen Herrn, dem überaus Schrecklichen: dem glückverheißenden gelbbraunen Panzer.“ Die Satzverbindung der Gottesanrufung mit dem Panzer ist dicht und nicht eindeutig.
Unnummerierte Panzer- und Augenformel nach 31-45. „Komm, Pingala, großer Panzer! Auf Shivas Geheiß binde das Herz, flamme, wirble! Shakti, Vajra-Träger, Vajra-Schlinge, Vajra-Gestalt! In ihn eingetreten, bringe alle Bösen zum Stillstand! Hum, Phat! Für Pingala, für den Panzer: Hum!“ Dann: „Om, Jum, Sam, dem Lichtgestaltigen, für die drei Augen: Vaushat!“ Als Waffe gilt Aghorastra wie zuvor. Der Personenbezug „in ihn“ wird im Sanskrit nicht näher bestimmt.
31-46. Shiva ist seine Gottheit, Shakti sein Seher, Gayatra sein Versmaß. Darüber hinaus soll keine andere Zuordnung erwogen werden.
31-47. Der erste Laut der sechsten Gruppe, auf dem Erd-Bija, mit dem fünften Vokal und Bindu; Wasser mit Ausstoßlaut, Wasser und Wind, verbunden mit Dvadashanta …
31-48. … das Ende der sechsten Gruppe, „dem Durchdringenden“ und die Geliebte des Feuers: Dieser mit Tara beginnende Zehnsilbige besteht aus Shiva Vyomavyapin.
31-49. Tara, der zweite Vokal sowie die Vokale in den Zahlen vier und sechs, Vyomavyapin im Dativ und Tara am Ende: Dies ist eine zehnsilbige Form. Die beiden Verse beschreiben verschiedene Lautbildungen; sie werden nicht vereinheitlicht.
31-50. Nachdem man mit der Shiva-Waffe die Hände gereinigt hat, setzt man die zehn Vyomavyapin-Laute der Reihe nach auf die Finger, beginnend bei den Daumen.
31-51. Auf Kopf, Augen, Ohren, Nase, Mund, Kehle, Herz, Nabel, Geschlecht und Füße setzt man die zehn mit Bindu versehenen Laute.
31-52. Die sechs Glieder werden auf Herz und die weiteren Orte gesetzt. Mit der Shiva-Waffe schützt man die Richtungen und vollzieht Verehrung, Japa und die weiteren Handlungen.
31-53. Zuerst empfängt man vom Guru die Nirvana-, Samaya- oder Sadhaka-Einweihung bis zum abschließenden Begießen. Dann verwirklicht man den Mantra.
31-54. Dreimal täglich badend verehrt man Shiva im Linga mit fünf Umkreisen, beginnend beim Sitz, durch die beschriebenen Dienste nach seinen Mitteln.
31-55. Der erste Umkreis besteht aus Gestalten und Gliedern, der zweite aus den acht Wissensherren, der dritte aus Nandisha und den weiteren Begleitern, der vierte aus zehn Weltenhütern.
31-56. Der fünfte besteht aus deren Waffen, wie in der späteren Ritualordnung beschrieben. Den Vyomavyapin-Mantra wiederholt man einundachtzigtausendmal.
Unnummerierte Abschnittsbezeichnung innerhalb 31-56. Abschnitt über die Mantraverwirklichung.
31-57. Ein Zehntel davon wird mit dem Zehnsilbigen verbunden; man opfert Palasha-Holz, Ghee, Sesam und Milchreis. So soll die vorbereitende Übung gelingen. Die Zuordnung des Zehntels zu Wiederholung und Opfer ist knapp.
31-58. Auch ohne vorbereitende Großübung soll dieser Mantra dem hingebungsvollen Shiva-Verehrer das Ersehnte verwirklichen – um wie viel mehr nach dem beschriebenen Japa!
31-59. Verdoppelte, verdreifachte oder vervierfachte Übung soll große Vollendung bringen. Eine Million Wiederholungen sollen die Kräfte des Kleinwerdens und die weiteren Fähigkeiten verleihen.
31-60. Sieben Wiederholungen sollen alle Krankheiten, acht alle ergreifenden Mächte, zehn weitere die Fallsucht beseitigen. Die letzte Zahl kann als achtzehn gelesen werden; der knappe Wortlaut bleibt als „zehn weitere“ erhalten.
31-61. Schon durch Rezitation soll Sadashivas Mantra Gifte beseitigen. Man betrachtet Sadashiva in Einheit mit sich selbst und vollzieht die Handlungen zur Verwirklichung.
31-62. Für Befriedung betrachtet man ihn weiß, für Gedeihen, Beeinflussung und Heranziehung rot, für Erstarrung gelb und für Vertreibung rauchfarben.
31-63. Für Tötung schwarz, für Sieg über Feinde sonnengleich; für Befreiung wie Muschel, Kunda-Blüte, Mond, Lotusfaser und Milch.
31-64. Wer ihn beständig im innersten Herzlotus betrachtet, soll vom Daseinskreislauf frei werden. Welche Handlung man auch wünscht, durch entsprechende Feueropfer und Japa …
31-65. … soll man sie mühelos innerhalb einer Monatshälfte verwirklichen. Mit den im Kapitel über die Zusätze beschriebenen Materialien opfert man täglich hundertachtmal; so soll die jeweilige Handlung gelingen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Vyomavyapin.
Pinda und Chintamani
Die beiden Bijas werden als verdichtete göttliche Kräfte vorgestellt. Die zahlreichen Anwendungen gehören zur historischen Rituallehre; ihre Formeln bleiben überwiegend chiffriert.
31-66. Isha mit Aja, Anugraha mit Feuer, der achte Laut mit Bindu und Nada … Die Wortform beim achten Laut ist auffällig.
31-67. … bilden Pinda, das Juwel unter den Bijas, das alle Ziele verwirklichen soll. Mit seinen langen Vokalen entstehen der Reihe nach sechs Glieder samt ihren Lautklassen.
31-68. Angiras ist sein Seher, Daivi-Gayatra sein Versmaß. Die Gottheit ist der Vajra, strahlend wie das Feuer der Zeit.
31-69. Er hat sechs Spitzen, scharfe Enden und schneidende Kanten und vermag alle gegnerischen Waffen und Geschosse zu zerbrechen.
31-70. Hunderttausend Wiederholungen bilden die Vorbereitung, ein Zehntel Sesamopfer. Pinda wird in Vajra-Gestalt inmitten der Mond- und Indrakreise betrachtet …
31-71. … gelb und von Flammenkränzen erfüllt, alle Feinde zum Stillstand bringend. Im Mund eines Gegners, in einem Heer, bei brünstigen Elefanten, Büffeln und anderen Tieren …
31-72. … wird Pinda, im Feuer der Mond- und Indrakreise, gelb und flammenumgeben gedacht und rezitiert. Es soll das jeweils Betroffene sofort zum Stillstand bringen.
31-73. Mit Wind und Feuer verbunden meditiert soll Pinda Erstarrung bewirken; bei einem von einer Macht Ergriffenen soll es dessen Befreiung bewirken.
31-74. Wo es mit Rochana auf Stoff oder einem anderen Träger geschrieben und verehrt wird, sollen ergreifende Mächte, Krankheit, Schlangen und Schadenzauber das Haus verlassen. Die Krankheiten werden in der Quelle wiederholt genannt.
31-75. Im Indra-Kreis soll Pinda eine erhobene Waffe stillstellen. Im Wasserkreis, ohne Feuer und Anugraha …
31-76. … auf dem Kopf eines Giftgebissenen eingesetzt, soll es sofort Gift vernichten. Im Indra-Kreis innerhalb eines Lotus schreibt man Pinda und in dessen Mitte …
31-77. … den Namen, mit dem Lebenslaut durchflochten. Auf die Blätter, in der Folge Westen, Norden, Süden, Osten und Mitte, schreibt man die Buchstaben des Herrn der Vögel.
31-78. Tara, Samvartaka mit Auge, Parshva und Thau bilden den fünfsilbigen Mantra des Vogelherrn. Seine Anwendung wird später beschrieben.
31-79. In Wind-, Feuer-, Rakshasa- und Sharva-Richtung setzt man die mit Ya beginnende und bei Va endende Lautfolge mit Bindu. Außen umschließt man das Ganze dreimal mit dem linken Auge samt Bindu.
31-80. Mit einer goldenen Nadel schreibt man es auf Birkenrinde, mit Rochana-Paste, befeuchtet durch Kuhmistwasser, unter einem Gedeihen fördernden Gestirn oder einer günstigen Verbindung. Die erste Terminbezeichnung ist nicht eindeutig.
31-81. Nach Verehrung und tausendacht Japa- und Feueropferhandlungen umwickelt man es mit Gold beziehungsweise dem genannten Edelmetall und formt ein Amulett.
31-82. An Hand, Hals oder Kopf getragen soll es alle Wünsche, Lebensdauer, Gesundheit, Sieg, Wohlstand, Fülle und Kinder schenken.
31-83. Es soll Furcht vor Geisterwesen, ergreifenden Mächten, Dieben, Feinden, Wasser und Feuer beseitigen und seinen Träger stets vor Löwen, Tigern und Elefanten schützen.
31-84. Auf ein altes, vom Wind fortgetragenes Blatt schreibt man es ohne Bindu, Mondkreis und die mit Ya beginnenden Laute …
31-85. … mit einer schwarzen Krähenfeder; dies soll Feinde vertreiben. Für Vertreibung und ähnliche Handlungen wiederholt man Pinda, vom Zornfeuer umschlossen.
31-86. Raum mit der beschädigt bezeichneten Shri-Verbindung, Feuer und Halbmond heißt Zornfeuer-Bija. Auf ein Neemblatt schreibt man ebenso mit Krähenkot, dem durch „Körperfeuer“ bezeichneten Stoff …
31-87. … und Federn beziehungsweise Körperteilen der Krähe; die beschriebene Räucherung soll zwischen zwei Personen Zwietracht erzeugen. Mit Gift sowie Haaren von Katze, Mungo, Schlange, Pferd und Büffel …
31-88. … vermischt mit Neemblättern räuchert man für Zwietracht. Pinda, von Zornfeuer umschlossen, schreibt man auf ein Neemblatt …
31-89. … mit blutbenetztem Gift und opfert es im Scheiterhaufenfeuer zur Tötung. Von Pasha am Anfang und Ende und von langem Zornfeuer umschlossen …
31-90. … wird Pinda für Befriedung, besonders zur Beruhigung von Schadenzauber, wiederholt. Zur Beruhigung von Krankheit wiederholt man es, von Kumbha umschlossen …
Unnummerierte Fortsetzung. … inmitten des Mondkreises, weiß leuchtend wie Nektar.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Pinda.
31-91. Samvarta mit Visha, Feuer und Haut, mit dem Ende von Sadya und einer Halbmondkrone …
31-92. … ist das Bija namens Chintamani. Maharudra ist seine Gottheit, Tumburu sein Seher und Gayatra sein Versmaß.
31-93. Hunderttausend Wiederholungen bilden die Vorbereitung, ein Zehntel davon Sesamopfer. Dieses Bija ohne Prana und Anugraha, mit langen Vokalen verbunden …
31-94. … bildet die sechs Glieder mit ihren Lautklassen; mit Bindu die drei Augen. Auch hier reicht die Gliederfolge bis zur Waffe. Man betrachtet ihn rot leuchtend auf einem roten Lotus auf dem Shiva-Sitz.
31-95. Er ist achtarmig und dreiäugig und hält Pfeil, Dreizack, Feuer, Schlange, Beil, Schwert, Schädelschale und Bogen.
31-96. Sein Schmuck ist rot, sein Gewand ein Tierfell; er trägt Haarflechten und den Mond am Scheitel. Furchterregend, doch mit freundlichem Gesicht, soll er betrachtet werden, schön an allen Gliedern.
31-97. An den Staubfadenspitzen stehen die Glieder, auf den Richtungsblättern die Göttinnen, auf den Eckblättern seine Botinnen, alle von anmutiger Gestalt.
31-98. Jaya, Vijaya, Ajita, Aparajita, Durga, Subhaga, Karali und Mohani.
31-99. Außen folgen die zehn Weltenhüter, der Hindernisherr, Virabhadra und die Mütter, dann deren Waffen. Mit vier Umkreisen verehrt man ihn.
31-100. Durch die Dienste nach den eigenen Mitteln soll der Mantra verwirklicht werden. Für den in Japa, Meditation und Verehrung Vertieften gelten folgende Anwendungen.
31-101. Das Bija in einer lodernden Feuerstadt auf dem Kopf eines Ergriffenen gedacht, soll bei der Rezitation Erschütterung und augenblickliche Befreiung von der ergreifenden Macht bewirken.
31-102. Mit dem Namen einer Frau verbunden und in ihrer Yoni gedacht soll es Beeinflussung bewirken. Man stellt sich selbst im Bija-Feuer vor, das sich in Feuer- und Windstadt befindet.
31-103. Dies soll sich selbst oder einem anderen umfassenden Schutz gewähren. Schwarz in Ohr, Augen und Bauch gedacht, bei einem Schädigungsritual …
31-104. … soll das Bija Taubheit, Blindheit und Schmerzen hervorrufen. Als Feuer im Körper des Feindes meditiert soll es ihn verbrennen.
31-105. Im Feuer- und Windkreis des Herzens betrachtet soll es eine Frau beeinflussen. Ein mit Namen und Bija versehenes Diagramm, im Mund eines aus Ton gefertigten Bhairava …
31-106. … soll die Sprache des Feindes stillstellen; die folgende Verbindung über Verwirrung und ein Erdengehäuse ist unklar. In einem Krug mit drei süßen Stoffen soll es Hunger, Durst und Fieber beseitigen. Der mittlere Teilsatz bleibt unübersetzbar; er wird nicht durch eine erschlossene Anwendung ergänzt.
31-107. Sechseckig auf dem Kopf eines Gebissenen meditiert, führt man es dreimal bis zu den Füßen hinab und berührt ihn; dadurch soll Gift sofort beseitigt werden.
31-108. Das Bija ohne aufwärtsgerichtetes Feuer und Visha, weiß und Nektar verströmend, an Kehle und linker Hand meditiert, soll Gift, Tod und Alter beseitigen.
31-109. Das Bija steht in der Mitte eines Sechsecks, ohne Feuer, Wind und weitere Bestandteile. In die sechs Ecken kommen die durch das fehlende aufwärtsgerichtete Feuer und die weiteren Bezeichnungen bestimmten Formen, mit Feuer verbunden. Die Abwandlungsregel ist widerspruchsanfällig und hier nicht vollständig auflösbar.
31-110. Außen liegt der Erdkreis. Auf Birkenrinde wird es mit Rochana verehrt beziehungsweise geschrieben, nach der Ordnung des Pinda-Diagramms zum Amulett gemacht und verwirklicht.
31-111. Dieses gleicht dem Wunschjuwel Chintamani und soll wie zuvor alle Ziele verwirklichen. Nun Pranava, das Wort Vachas, Karni, Nabel und Wasser …
Skanda, der göttliche Heerführer
Skandas Gestalten reichen vom Kind auf Shivas Schoß bis zum vielarmigen Heerführer. Die Verehrung verbindet diese Bilder mit Gefolge, Wissenskräften und einer regelmäßigen Praxis.
31-112. … auf dem Rudra-Vokal, mit abschließendem Verehrungswort: Dies ist Guhas siebensilbiger Mantra. Vishvamitra ist sein Seher, Ushnih sein Versmaß …
31-113. … Shanmukha seine Gottheit. Zehntausend Wiederholungen je Laut bilden die Vorbereitung, ein Zehntel davon Sesam-Ghee-Opfer; die Verehrung folgt der beschriebenen Ordnung.
31-114. Guha wird sechs- oder eingesichtig, mit zwölf Augen und Armen, vierarmig oder zweiarmig, mit rotem Schmuck betrachtet … Die Zahlen sind als unterschiedliche Bildformen aufgeführt, nicht als eine einzige Gestalt.
31-115. … als Jüngling, Knabe oder Kind, stets lächelnd. In den unteren Händen hält er Lotusse, oben Speer und Hahn.
31-116. Vierarmig und auf einem Lotussitz befindlich wird Skanda so betrachtet. Oder rechts Lotus und Speer, links Zitronatzitrone …
31-117. … und Schlinge: ein junger, eingesichtiger, vierarmiger Guha. Eine weitere Form zeigt rechts Furchtlosigkeit und hält Lotus und Speer, links Segen und Wurfspeer …
31-118. … sowie Donnerkeil; sie ist sechsarmig und sitzt auf dem Lotussitz. Shanmukha kann auch stehend und sechs- oder eingesichtig betrachtet werden.
31-119. Mit den rechten Händen zeigt er Furchtlosigkeit und trägt Speer, Dreizack, Pfeile, Donnerkeil und Stachelstock. Links berührt die unterste Hand die Hüfte beziehungsweise zeigt Segen …
31-120. … darüber folgen Stab, Wurfspeer, Bogen, Glocke und Schlinge. So erscheint der Herr zwölfarmig. Die beiden Gesten der unteren linken Hand stehen in einer gemeinsamen Wortverbindung.
31-121. Mit Wurzel- und Gliedermantras badet man, vollzieht die Verehrung am Tagesübergang, reinigt Hände und Füße und schlürft rituell Wasser. An der Tür verehrt man zwei Hüter.
Unnummerierte Anrufungen. „Verehrung dem Speerträger! Verehrung dem Vajra-Träger!“
31-122. Nach Eintritt und Platznehmen verehrt man den Hindernisherrn und den Guru. Man vollzieht die innere Verehrung, trägt das Stirnzeichen und nimmt Wasser, das Wurzel- und Gliedermantras trägt …
31-123. … zur Reinigung durch Besprengen von Kopf, Opfergrund und Materialien. Auf dem Bhadraka-Mandala verehrt man Shakti, Ananta-Sitz und dessen Bestandteile …
31-124. … Dharma und die weiteren Kräfte, Lotusknolle, Stängel und Lotus, Sattva und die weiteren Gunas, Kreise und ihre Herren beginnend mit Brahma sowie die Shaktis beginnend mit Vidya, mit neun Lauten von Ya …
31-125. … bis Ksha, verbunden mit langen Vokalen und Halbmond. Man vergegenwärtigt und verehrt sie und setzt die beschriebene Skanda-Gestalt auf den Fruchtboden.
31-126. Aus dem Herzlotus oder dem Dvadashanta ruft man das Skanda-wesentliche Licht durch den Sushumna-Weg herbei, setzt es in die Gestalt ein und hält es fest.
31-127. Nach Festhaltung, Umhüllung und Erweckung erfüllt man sie mit Nektar. Man verehrt ordnungsgemäß mit den sechzehn Diensten, beginnend mit Ehrenwasser.
31-128. Die Glieder, Shaktis, sechs Gestalten und das Gefolge verehrt man auf Staubfäden, deren Spitzen, Blattspitzen und außen darum.
31-129. Ebenso verehrt man die Weltenhüter und deren Waffen. Die Namen der Umkreise: Vidya, Shanti, Smriti, Medha, Prajna, Kanti, Dyuti und Dhriti …
31-130. … sowie Vyapini, jeweils mit Bindu; die neunte verehrt man in der Mitte. Sanatkumara, Skanda, Vishakha, Shanmukha …
31-131. … Naigamesha und Hemachuda sind die sechs Gestalten, die der Reihe nach im Osten, Süden, Südwesten, Westen, Nordwesten und Norden verehrt werden.
31-132. Im Südosten und Nordosten befinden sich die Schätze Shankha und Padma, die Reichtum regnen lassen. An den vier Toren verehrt man je zwei Gestalten, beginnend mit Virasena.
31-133. Virasena, Mahasena, Bhadrasena, Sushena, Charusena, Senani sowie Purna und Chitra mit angefügtem „Sena“.
Unnummerierte Erläuterung. Diese sind zu verehren – so ist es gemeint.
31-134. Außen sind zwölf Herren der Scharen in den zwölf Tierkreiszeichen zu verehren: Bana, Shakha, Bhadrasena, Senani, Bhavatmaja …
31-135. … Subrahmanya, Kartikeya, Guha, Kukkutadhvaja, Mayuravahana und Gangeya …
31-136. … sowie Devasenapati: Dies sind die zwölf Herren der Scharen. Außen folgen die Weltenhüter mit ihren Waffen und Reittieren.
31-137. Im Süden verehrt man den Hindernisherrn, Virabhadra und die Mütter, nahe dem Nordwesten Durga und im Nordosten Dhurtasena.
31-138. Nach Verehrung mit seinem Gefolge ehrt man ihn auch im Feuer. Tägliche Opfer aus Sesam, Ghee, Bilva und gekochter Opferspeise werden empfohlen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Mantraverwirklichung und die weiteren Grundlagen.
31-139. In einer vier- oder sechseckigen Grube, im guten Skanda-Feuer, opfert man die vorgeschriebenen Materialien und soll dadurch alle Wünsche erlangen.
31-140. Bilva-Holz soll Wohlstand, Khadira vorzügliches Gedeihen, Ashvattha Vieh und Plaksha Getreide und Reichtum schenken.
31-141. Palasha soll Einsicht, Wissen und geistliche Strahlkraft bringen. Speise mit Ghee soll Nahrung, Milchreis Wohlstand und Vermögen verleihen.
31-142. Putrajiva soll Söhne, Sesam die Erfüllung aller Ziele schenken. Blumen in einer bestimmten Farbe opfert man zum Erhalt von Gewändern derselben Farbe.
31-143. Durva dient der Lebensdauer, Lotus dem Wohlstand, Pfeile dem Sieg im Kampf, Senf mit Spreu der Erstarrung und Baumwolle mit scharfem Gewürz der Zwietracht.
31-144. Giftblätter dienen der Vertreibung, giftige Gaben mit weiterem Gift der Tötung; süßer Puffreis dem Gewinnen einer Braut, Senf der Vernichtung von Feinden.
31-145. Salz mit Honig soll alle gefügig machen. Vierundsechzig Tage, die Hälfte davon oder eine Monatshälfte bringt man die Opfer dar …
31-146. … je nach Gewicht der Aufgabe; so soll der Mantrakundige das jeweilige Ziel erreichen. Wer kein Feueropfer vollziehen kann, übt dreimal so viel Japa …
31-147. … oder viermal so viel; bei Hingabe soll auch die doppelte Zahl genügen. Man betrachtet das Kind Skanda auf Shivas Schoß, auf einem Lotus über einem Edelstein-Löwensitz …
31-148. … und stellt sich vor, wie der eigene Leib von den von dort herabfallenden Früchten und Edelsteinen erfüllt wird. Bei solcher Rezitation soll innerhalb eines Monats …
31-149. … Reichtum und Fülle wie bei Kubera entstehen. Unter Krittika und am sechsten Mondtag vollzieht man Verehrung, Feueropfer und Japa besonders …
31-150½. … und soll rasch alle Wünsche erfüllen. So wurden in diesem Kapitel kurz die Shiva-Waffe, die Pashupata-Waffe, die Raum-Formel, das Pinda-Bija, das Chintamani-Bija und der Mantra des Sechsgesichtigen beschrieben. Die abschließende Halbversmarke ist original.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, das einunddreißigste Kapitel.
Redaktionelle Besinnung. Zwischen den technischen Lautanweisungen leuchtet das Bild eines Bewusstseins auf, das den Raum durchdringt und im Herzen vergegenwärtigt wird. Skanda erscheint zugleich als Kind und als kraftvoller Beschützer. Für heutige Yoga-Aspiranten können diese Bilder Vertrauen und Sammlung anregen. Die historischen Versprechen von Kontrolle, Heilung und Schädigung bleiben davon als eigener Quelleninhalt unterscheidbar.
Mantrapada, Kapitel 32: Shasta, Ortshüter und weitere Ritualgestalten
Dieses umfangreiche Kapitel beschreibt Shasta, Kshetrapala, Chandeshvara, Indra und mehrere Reichtumsgottheiten. Danach folgen historische Orakel-, Schutz- und Beeinflussungsrituale. Viele Formeln verbinden verständliche Anrufungen mit Lautchiffren oder beschädigten Silbenfolgen; ihre Unsicherheiten bleiben sichtbar.
32-1. Shivottama und der letzte Laut, verbunden mit Tithi-Isha und Sthanu, sowie der Herzlaut bilden Shastas Verehrungsmantra. Lakulisha mit der fraglich bezeichneten Tithasha-Verbindung …
32-2. … Bindu und Lohita, „dem Hüter des Reichtums“ und das Verehrungswort: Dies ist der mit Tara beginnende neunsilbige Wurzelmantra, der alle Wünsche schenken soll. Die Lautchiffren sind nicht sicher zu einer Vollformel aufzulösen.
32-3. Der vierte Laut der sechsten Gruppe, mit Tara davor, langem Vokal und Bindu, dann „dem Herrn der Wesen“ und das Verehrungswort: Auch dies ist sein Mantra.
32-4. Mit diesem verehrt man Shasta nach Vorschrift durch Ehrenwasser und die weiteren Dienste. „Dem Herrn der Wesensscharen“ mit „mögen wir erkennen“ …
32-5. … „dem Sohn Bhavas“ mit „wir meditieren“, dann „uns“, „Shasta“ und „möge anregen“: Dies ist die mit Tara beginnende Gayatri.
32-6. „Revanta“, „Shasta“, „Hüter“, „Mächtiger“, „Leuchtender“ und „Unterweisender“, im Dativ und mit ihren Lautklassen, bilden die sechs Glieder.
32-7. Shamba ist sein Seher, Gayatra sein Versmaß, Shasta seine Gottheit. Hunderttausend Wiederholungen bilden die Vorbereitung, ein Zehntel Ghee-Sesam-Opfer.
32-8. Mit diesem verwirklichten Mantra soll man alle Wünsche erlangen. „Dem Schwert“, „dem Messer“, „dem Bogen“ und „dem Pfeil“ …
32-9. … mit Hum und Phat zu Beginn und dem Verehrungswort am Ende sind die Waffenmantras der Reihe nach. Man betrachtet Shasta auf dem Fruchtboden eines Lotus über dem von Wesen getragenen Löwensitz …
32-10. … vierarmig, sanftgesichtig, dunkel und von zarter Gestalt, mit eingeschlagenem linken Bein sitzend, während der andere Lotusfuß herabhängt.
32-11. Er hält Pfeil, Bogen, Schwert und Messer. Sein Gesicht ist wie der Vollmond, sein dunkles Haar schön gelockt.
32-12. Schöne Halsketten machen seine Glieder reizvoll; ein Bauchgürtel ist angelegt. Krone, Ohrschmuck, Halskette, Oberarmreifen, Armreifen und Fingerringe …
32-13. … Hüftschnur und Fußringe schmücken ihn. Er trägt blaue Seide und ein umgebundenes Schwert.
32-14. Sein weiterer Schmuck ist rot, seine Schultern kräftig; er ist ein Wohnort aller Schönheit. Links von ihm steht die rote Göttin Prabha mit einem blauen Lotus …
32-15. … rechts sein Sohn Satyaka in der Gestalt eines Achtjährigen. Nach dieser Meditation ruft man den Gott Shasta herbei und verehrt ihn mit seinen Umkreisen.
Unnummerierter Übergang. Nämlich:
32-16. Man meditiert, vollzieht die rituelle Ganzgestaltung und verehrt den Hindernisherrn und das Tor. Zwei Türhüter mit Messer und Schwert werden auf beiden Seiten verehrt.
32-17. Yaksha und Vidyadhara sowie oben die glückverheißende Kraft der Schwelle werden geehrt. Man sendet die Waffe aus, tritt ein und setzt sie auf die Schwelle.
32-18. Nach Verehrung von Vastu, Brahma und Sitz reicht man mit Wurzel- und Gliedermantras Ehrenwasser aus Duftstoffen, Blumen, Kusha, Milch, Sesam, Senf und ungebrochenem Reis.
32-19. So ist das Ehrenwasser des Herrn der Wesen beschaffen. Wasser mit Sesam, Blumen, Reis, Sandel und Kurkuma dient als Fußwasser; Lotus und Sandel …
32-20. … sowie Nelkenwasser als Wasser zum rituellen Schlürfen. Alles wird mit dem Herzmantra gereicht. Mit Stirnzeichen und Blumen im Haar verehrt man Shakti und den erdwesentlichen Sitz …
32-21. … mit „Verehrung dem großen Löwensitz, der aus allen Shaktis besteht!“ Seine Füße, Dharma und die weiteren Kräfte, haben Wesensgestalt.
32-22. Dann Tamas, Sattva, Rajas, Lotus und die Shaktis beginnend mit Goptri. Danach vergegenwärtigt man die Mantra-Gestalt mit der beschriebenen Form und den Waffen …
32-23. … und ruft in sie den bewusstseinswesentlichen Gott: das feine höchste Licht, aus dem Grund aufgestiegen, aus dem Herzlotus.
32-24. Nach der Herbeirufung setzt man ihn ein, vergegenwärtigt und hält ihn fest, erweckt und erfüllt ihn mit Nektar; danach verehrt man ihn der Reihe nach durch Ehrenwasser …
32-25. … und die Dienste bis zur Speisegabe, ebenso die Umkreise: die Glieder auf den Staubfadenspitzen, die mit Goptri beginnenden Gestalten auf den Blattmitten …
32-26. … ihre Shaktis auf den Blattspitzen, Skanda und die weiteren außerhalb des Sitzes. Ghoshavant, den Träger abgelegter Opfergaben, verehrt man im Nordosten.
32-27. Shastas Reittier, Pferd oder Elefant, steht in der Vorhalle. Arya und die weiteren werden auf dem Umgang, die Weltenhüter außerhalb verehrt.
32-28. Deren Waffen stehen nochmals außen: So entstehen sieben Umkreise. Ihre Namen: Gopta, Pingalaksha, Virasena und Shambhava …
32-29. … Trinetra, Shulabhrit, Daksha und als achter Bhimarupa. Dies sind Shastas acht Gestalten, mit Erde und den weiteren Grundlagen verbunden.
32-30. Goptri, Pingalakshi, Virasena, Shambhavi, Trinetra, Shulini, Daksha und als achte Bhimarupa …
32-31. … sowie Prabha als neunte heißen Shastas Shaktis. Skanda, Ganapati, Shamba und Madhukara …
32-32. … werden in den Hauptrichtungen verehrt, Schwert, Messer, Bogen und Pfeil in den Ecken, unter ihren Namen mit Hum und Phat am Schluss.
32-33. Arya, Shasta, Mahasena, Senani, Bhutavallabha, Rudraja, Rupavan, Kami, Varada und Lokapavana …
32-34. … Nilashva, Shvetamatanga, Shyami, Pitanulepana, Raktamaladhara, Shura, Maya und Matriganapriya …
32-35. … Kalavasa, Ganadhyaksha, Khadgahasta, Dhanurdhara, Sahajaya, Janavesha, Sadhu und Samsararakshaka …
32-36. … Madhuman und Shambara: Dies sind die achtundzwanzig Herren der Wesen. Dazu Indra und die weiteren Weltenhüter sowie Donnerkeil und die anderen Waffen. Einzelne Namensformen sind ungewöhnlich und bleiben ohne Angleichung an andere Listen.
32-37. Im festen Bild verehrt man mit Duftstoffen und Blumen bis zur Bali-Gabe; im beweglichen Bild beziehungsweise auf dem Opferplatz mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk und innerer Betrachtung … Die IAST-Lesung beim beweglichen Träger ist auffällig; diese Deutung bleibt unsicher.
32-38. … bringt Bali und Speise dar, ruft ihn auch ins Feuer und opfert. Mit Rechtsumwandlung, Verneigung, Lobpreis und Japa erfreut man ihn.
32-39. Diese Shasta-Verehrung soll Wohlstand, Gedeihen und Sieg schenken und Lebensdauer, Gesundheit, Fülle und Kindersegen fördern.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Verehrung.
32-40. Man betrachtet Shasta als von der Jagd ermüdeten Jäger, auf einem Pferd, von Scharen umgeben, aus dem Wald kommend und nach Wasser verlangend.
32-41. Mittags nimmt man Wasser mit geröstetem Mehl in die gefalteten Hände, gießt es mit neun Mantras aus und erquickt auch seine Scharen.
32-42. Dem nun Ausgeruhten trägt man die eigenen Anliegen vor. Man stellt sich vor, wie er erfreut „So sei es“ sagt und weiterzieht.
32-43. So sollen alle Vorhaben, selbst nur gedachte, mühelos gelingen. Oder man bringt ihm nachts mit den Mantras beginnend bei Arya eine Bali-Gabe.
32-44. Mit Bhutakrura, Ghee, Blumen und ungebrochenem Reis wird sie dargebracht. Oder mit „Verehrung dem großen Shasta“, „dem Herrn der Wesen“ …
32-45. … „Verehrung dem Sohn Rudras“, „dem Herrn der Fünfheit“ und „Verehrung dem Guten“ bringt man Bali dar.
32-46. In den Richtungen beginnend im Osten und in der Mitte dient dies Schutz, Gedeihen und Wohlstand. „Alle Menschen beziehungsweise Wesen der unklar bezeichneten Gruppe, in Millionen und Abermillionen gegliedert …“ Die Gruppenbezeichnung ist in der Quelle fraglich.
Unnummerierte Gebetsfortsetzung. „… mögen gemeinsam erfreut sein! Ihnen allen, männlich und weiblich, Verehrung, Verehrung! Den Scharen beginnend im Osten, mit schrecklichen Gestalten und schrecklichen Gesichtern, mit gestalteten Formen, den Festen und Beweglichen, den Segensspendern, Vielgestaltigen, Missgestalteten, Schrecklichgestaltigen, den Seienden, Nichtseienden und sowohl Seienden als Nichtseienden, allen Scharen: Verehrung, Verehrung!“
32-47. Dviranda mit Ananta und Danda, das Ende des Ohres, Nabel und Ashadhi …
32-48. … Mina mit Auge, „dem Herrn“ und Herzlaut bilden einen neunsilbigen Mantra. Durch Verwirklichung und Verehrung wie zuvor soll er dieselbe Frucht schenken. Chiffrierte Folge; keine ergänzte Vollformel.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Shastas Mantra.
Kshetrapala und Chandeshvara
Die Hüter des Ortes und der abgelegten Opfergaben erhalten eigene Verehrungsformen. Ihre Darstellungen sind furchterregend, ihr ritueller Auftrag ist vor allem Schutz.
32-49. Der letzte Laut mit Anugraha und Danda, Tara davor, die Laute des Ortshüters, Erde mit langem Hautlaut und das Verehrungswort bilden einen Mantra mit Kshetresha als Gottheit.
32-50. Mit dem ersten Bija und langen Vokalen entstehen der Reihe nach die sechs Glieder. Die Vorbereitung beträgt tausend Wiederholungen je Laut; Gayatra ist das Versmaß.
32-51. Batuka ist der Seher, Kshetrapala die Gottheit. Vom achten Tag der dunklen Monatshälfte bis zum als Bhuta bezeichneten Tag übt man täglich tausend Wiederholungen. Der Endtermin wird hier nicht in eine zusätzliche Mondtagszahl aufgelöst.
32-52. Dies ist seine Vorbereitung. Nun die Meditation: Möge der Ortsherr euch lange schützen! Dunkel wie Augensalbe, Elefanten oder Regenwolken, nackt und schrecklich, hält er Schädelscherbe und Keule. Fangzähne ragen aus seinem Mund; seine drei Augen sind rund und braun, sein Haar steht empor. Schlangenschmuck und eine Kopf- beziehungsweise Schädelgirlande zieren seinen Leib.
Unnummerierter Übergang. Andere beschreiben ihn anders:
32-53. Stets verehre ich Kshetrapala mit herabhängenden und aufgerichteten Haarflechten, drei Augen und dem Glanz eines dunklen Augensalbenberges. Seine beiden Arme halten Keule und Schädelschale. Rote Girlanden, Gewänder und Düfte lassen ihn strahlen. Glocken, Ketten und Gürtel klingen; sein drohender Laut ist furchtbar. Gewundene Schlangen bilden seine Ohrringe.
Unnummerierte Bali-Formel. „Komm, komm! … Zerbrich, schlage die Hindernisse! O großer Bhairava, Kshetrapala, nimm die Bali-Gabe an!“ Es folgt das doppelte Tha. Die Silben zwischen Herbeirufung und Befehlen sind nicht sicher deutbar; die Formel wird nicht vervollständigt.
32-54. Mit diesem Sadhya-Mantra bringt man die Gabe in seine Schädelschale.
32-55. Mit dem linken Arm bringt man auch den anderen in den acht Richtungen Gaben dar, beginnend mit Anala: Anala, Agnikesha, Kala und Ghantarava …
32-56. … Mahakrodha, Pishitashana, Pingalaksha und Urdhvakesha. Ihre Namen stehen im Dativ mit doppeltem Tha am Schluss.
32-57. Sie werden in den Richtungen verehrt; um Mitternacht streut man ihnen Bali aus. Diese Gabe soll Schutz, Sieg und Fülle entfalten.
32-58. Im mit Kuhmist bestrichenen Hof, nach dem Mantra-Nyasa am Körper, bringt man rote Düfte, Blumen und weitere Materialien herbei und besprengt sich mit Ehrenwasser.
32-59. Den Sitz verehrt man mit „Verehrung dem Ananta-Yoga-Sitz!“ Darin ruft man Kshetrapala mit dem Wurzelmantra wie beschrieben herbei.
32-60. Man verehrt ihn durch Ehrenwasser und die Dienste bis zur Lampe, ruft seine vier Gestalten in die Richtungen und die Glieder in die Ecken; vorn steht das Auge …
32-61. … die Waffe wiederum in den Richtungen. An einem abgeschiedenen Ort verehrt man sie mit Duftstoffen. Die vier Gestalten heißen Atichara, Raja, Kapali und Mahamana.
32-62. Sie sind dunkel, berggleich, mit Bogen versehen und Rakshasas ähnlich. Mit der linken Hand bringt man anschließend die mit dem Bali-Mantra besprochene Gabe …
32-63. … aus Shali-Reis, mit Sauermilch und Ghee vermischt, bereitet aus dem als Kutuba bezeichneten Reismaß. Nachdem man dreimal Wasser gereicht hat, bringt man von der Hälfte der Speise dreimal Bali in die Schädelschale.
32-64. Vom Rest erhalten die Gestalten und Glieder jeweils eine Gabe. Sich selbst als Ortsherrn betrachtend, wiederholt man den Wurzelmantra hundertachtmal.
32-65. Wer so Kshetrapala-Bali vollzieht, soll Schutz des Hauses, Wohlstand, Gedeihen, Vermögen, Glück, Vieh und Söhne erlangen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Ordnung der Kshetrapala-Bali-Gabe.
32-66. Linkes Ohr, Mina auf Kumbha, R und Phat am Ende bilden Chandeshvaras dreisilbigen Mantra, der den Verehrenden alle Wünsche schenken soll.
32-67. Karni, Mina, Mesha mit Auge, dann Chandeshvara im Dativ, Panzer und Waffe bilden Chandeshvaras Neunsilbigen.
32-68. Für beide Mantras sind Seher, Versmaß, Gottheit, Glieder, Ritualordnung und Verwirklichung gleich.
32-69. Brihati ist das Versmaß, Chandakaushika der Seher, Chandeshvara die Gottheit; es gibt fünf Glieder bis zur Waffe.
32-70. Eine beschädigte Lautfolge, „Flamme!“, Phat, eine Lücke, „Flammende“, „Tata“ und „Allseits Flammende“ bilden mit Phat am Ende und den Lautklassen die Bestandteile. Die Quelle markiert eine Lücke durch Pluszeichen; die Gliederformeln werden nicht rekonstruiert.
32-71. So bildet man der Reihe nach Herz und die fünf Glieder und setzt sie auf die durch die Waffe gereinigten Hände, an den Fingern beginnend mit den Daumen.
32-72. Die Buchstaben des Dreisilbigen setzt man auf sämtliche Fingergelenke; die fünf Abschnitte des Neunsilbigen auf die fünf Finger.
32-73. Die Abschnitte zählen zwei, zwei, drei, einen und einen Laut. Beim Dreisilbigen setzt man die Laute auf Kopf, Herz und Füße; beim anderen auf Kopf …
32-74. … Mund, Herz, Geschlecht und Füße. Die fünf Glieder kommen der Reihe nach auf Herz und die weiteren Orte.
32-75. Dreihunderttausend beziehungsweise hunderttausend Wiederholungen bilden die Vorbereitung der beiden; ein Zehntel sind Feueropfer aus Blumen, die bereits Shiva dargebracht wurden.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Mantraverwirklichung.
32-76. Eine auf Flusssand befindliche Figur aus Reismehl wird, beginnend am rechten Fuß, Stück für Stück zerschnitten und geopfert.
32-77. Im Feuer aus Apamarga-Holz soll dies einen Brahmanen beeinflussen; im Feuer aus Scheiterhaufenholz mit derselben Figur einen König.
32-78. Ebenso sollen Kaufleute und Shudras beeinflusst werden. Mit Sesam, Reis und scharfem Fett in einem Feuer am unklar als Hemakoshtha bezeichneten Ort …
32-79. … opfert man, um den Feind wahnsinnig zu machen. Seine Beruhigung erfolgt mit Milch im Khadira-Feuer. Im Priyangu-Feuer werden dessen Blüten oder Ghee geopfert …
32-80. … um eine Stadt in Unruhe zu versetzen. Blumen entsprechender Farbe dienen dem Erhalt von Gewändern. Dann beginnt ein weiterer Mantra: Atri mit Feuer, linkem Auge und Danda, Indra im Dativ.
Indra, Jambhala und Kubera
Die folgenden Gottheiten werden mit Herrschaft und Fülle verbunden. Neben Mantras und Opferordnungen stehen farbige Beschreibungen göttlicher Sitze und Begleiter.
32-81. Mit den langen Vokalen dieses Bijas entstehen der Reihe nach sechs Glieder. Angirasa ist der Seher, Gayatra das Versmaß …
32-82. … Indra die Gottheit. Zehntausend Wiederholungen und ein Zehntel Ghee-Sesam-Opfer sind seine Vorbereitung. Nun die Meditation.
32-83. Gelb und vierarmig hält er Donnerkeil, Lotus und Stachelstock und zeigt Furchtlosigkeit. Alle seine Glieder sind schön; gelber Schmuck ziert ihn …
32-84. … Krone, Ohrschmuck, Halskette, Oberarmreifen und weitere Schmuckstücke. In einer goldenen Halle, auf dem Lotus eines goldenen Löwensitzes …
32-85. … sitzt er mit der Göttin Shachi, von den Maruts begleitet und von acht Weltenhütern, beginnend mit Skanda, Anala und Yama, bedient.
32-86. Acht mit Bindu versehene Bijas, durch die Folge Ka, Ra, Ga, Ksha, Ya, Va, Sa und eine nicht eindeutig getrennte letzte Angabe bezeichnet, werden vor ihre Namen gesetzt; am Ende steht das Verehrungswort. Die Silbentrennung der gelieferten Folge ist unsicher; eine achte Form wird nicht ergänzt.
32-87. Den Träger der abgelegten Opfergaben verehrt man im Nordosten mit eigenem Bija und abschließendem Verehrungswort. Außen ordnet man Donnerkeil und die weiteren Waffen an.
32-88. So verehrt man den Götterkönig für Herrschaft, Gedeihen und Wohlstand. Auf einem Bhadraka-Mandala verehrt man Shatakratu in einem Krug …
32-89. … und soll durch das Begießen mit dessen Wasser Königsglück, Sieg und Besitz genießen. Sesam, Ghee und Milchreis geopfert sollen alle Wünsche erfüllen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Indras Verehrung.
32-90. Nun Jambhalas Mantra: Nach „Manibhadra“ folgt „Mahasena“, dann „dem Herrn des Vergehens“ …
32-91. … „Jambhala“, „dem Wasserherrn“ und das doppelte Tha. Dies ist Jambhalas Mantra mit der durch Samkriti bezeichneten Lautzahl. Seine Glieder reichen mit ihren Lautklassen bis zum Auge.
Unnummerierte sechs Gliederformeln innerhalb 32-91. „Verehrung Manibhadra! Verehrung Purnabhadra! Verehrung Chelimalin! Verehrung Vikundalin! Dem Narendra! Dem Charendra!“ Bei den letzten beiden fehlt das ausdrücklich wiederholte Verehrungswort.
32-92. Die Glieder bilden den Umkreis auf den Staubfäden, die Shaktis auf den Blattspitzen. Die Weltenhüter und deren Waffen werden im vierten Umkreis verehrt. Die knappe Zählung erläutert einen dritten Umkreis hier nicht gesondert.
32-93. Vorn verehrt man den vierstoßzahnigen Airavata, hinten den Pferdeherrn Uchchaihshravas und den Parijata-Baum.
32-94. Die fünf Abschnitte des Wurzelmantras setzt man auf die Finger, beginnend beim kleinen Finger. Die Glieder setzt man vom Daumen bis zum Zeigefinger ein, das Auge auf die Handfläche.
32-95. Die fünf Abschnitte kommen auf Kopf, Mund, Herz, Geschlecht und Füße, die Glieder auf ihre eigenen Orte. Dann betrachtet man Jambhala in Einheit mit sich selbst.
32-96. Er steht auf einem weißen Lotus, ist sanft, gelblich und zweiarmig. Roter Schmuck, strahlende Krone und Edelsteinohrringe zieren ihn.
32-97. Halskette, Oberarmreifen, Armreifen, Hüftschnur und weiteres schmücken ihn. Dreifüßig und dickbäuchig meditiert man über ihn bei der Verehrung zur Mantraverwirklichung.
32-98. Den Wurzelmantra wiederholt man dreißigtausendmal. Die Hälfte davon opfert man mit Bilva, Lotus und Ghee, davon wiederum die Hälfte mit den zugehörigen Hölzern.
32-99. Nach dem Opfer erquickt man Jambhala täglich. Einst wurde er aus irgendeinem Anlass von Hari mit dem Diskus am Kopf verwundet.
32-100. Durch das Begießen der Wunde beruhigt sich sein Schmerz. Darüber erfreut, soll der Yaksha-Herr Jambhala dem Verehrer Besitz schenken.
32-101. In einem sechseckigen Mandala-Lotus betrachtet man mit Hrim einen Lotus, mit Am den als Waffe und Mond bezeichneten Träger und aus Jam darin Jambhala. Die mittlere Bildbezeichnung ist nicht eindeutig.
32-102. Er ist vierarmig und hält Zitronatzitrone und Mungo. Zu seinen linken und rechten Seiten befinden sich Mond- und Sonnenkreis …
32-103. … mit zwei Chataka-Vögeln, die immer wieder Regenwasser trinken, das aus blitzenden Regenwolken fällt. So betrachtet, erquickt man ihn an beiden Seiten.
Unnummerierte Formel und Erläuterung. „Gam, Gam, beschütze! Dem Wasser-Wasserherrn!“ Es folgt doppeltes Tha. Dieser Jambhala-Mantra soll wie zuvor durch Japa und weitere Handlungen Besitz verschaffen. Die verdoppelte Wasserbezeichnung ist original.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Jambhalas Mantra.
32-104. Raum und Feuer mit Au, Dandi, Mina, Mesha und Lohita …
32-105. … Ashadhi, Ye und das Verehrungswort bilden Kuberas Achtsilbigen. Seine sechs Gestalten sind zugleich die Glieder bis zum Auge, mit ihren Lautklassen.
Unnummerierte Gestaltformeln innerhalb 32-105. Mit den gelieferten Bijas werden Purnabhadra, Vikundala, Chelimalin, der als Randra gelesene Name, Narendra und Nalakubara angerufen. Die Bijas Plum, Klum, Yum, Nam und Nrim sowie die fragliche Namensgliederung werden im Sanskritbeleg vollständig bewahrt; ihre Wortbedeutung ist nicht gesichert.
32-106. Der Reichtumspender ist dickbäuchig, gelb und gelb geschmückt. Vierarmig hält er zwei goldene, mit Edelsteinen gefüllte Krüge …
32-107. … und in den oberen Armen zwei Körbe. Er befindet sich im Lotus des glückverheißenden Sitzes. Die Glieder stehen auf den Staubfadenspitzen, Jambhala und die weiteren auf den Blattspitzen.
32-108. Außen folgen die acht Schätze, beginnend im Osten. Jambhala, Jalendra, Narendra und Chelimalin …
32-109. … Vikundala, Purnabhadra, Manibhadra und Charendra sind die Begleiter. Die Schätze heißen Padma, Mahapadma, Makara, Kurma …
32-110. … Kumuda, Ananta, Nila und als achter Shankha. Mit den folgenden Formeln und Banyan-Holzopfern soll man innerhalb eines Monats reich werden.
Unnummerierte Formeln innerhalb 32-110. Anrufungen an Vaishravana, Pakvasha, Pingala, Vividha, Kubera und den Herrn Kuberas, jeweils mit doppeltem Tha. Danach Erde, Zwischenraum, Himmel und die drei gemeinsam, ebenfalls jeweils mit doppeltem Tha.
32-111. Opfer mit Sesam, Ghee und Milchreis mit Ghee dienen der Fülle Lakshmis. Medas, Arm mit Auge, Karni, der Geliebte Somas und Daruka …
32-112. … Pinaki mit Auge und Svaha bilden einen sechssilbigen Kubera-Mantra. Am Fuß des Wunschbaumes, auf einem glückverheißenden Sitz, wird der Reichtumsherr verehrt.
32-113. Rechts und links von ihm stehen Padmaprabha und Padmahasta. Neben den Göttinnen seine beiden Söhne Vachadbhu und Nakula. Der erste Sohnname ist in der gelieferten Form ungewöhnlich.
32-114. Die Botinnen Ajita und Aparajita tragen Wedel. In den vier Richtungen, beginnend vorn, verehrt man Purnabhadra und die folgenden …
32-115. … Purnabhadra, Manibhadra, Jambhala und Chelimalin. Neben Purnabhadra stehen die Göttinnen Shri und Pushti.
32-116. Neben Kubera verehrt man die Schätze Shankha und Padma; Jaya und Vijaya sind als Türhüterinnen zu verehren.
32-117. Nach Verehrung Vikundalas und der weiteren bringt man allen Bali dar. So soll innerhalb eines Monats Reichtum entstehen und innerhalb dreier Jahre …
32-118. … zweifellos Fülle gleich der Kuberas. Shrikantha, Wasser, der Anfang des linken Fußes und Feuer, wie in der Wiederholungsanweisung beschrieben, sowie die Gattin des Feuers bilden einen zehnsilbigen Kubera-Mantra. Seine Glieder entstehen paarweise aus den eigenen Lauten; er dient der Kenntnis der drei Zeiten. Die Lautkonstruktion ist knapp und bleibt unaufgelöst.
32-119. Am elften Mondtag, an einem Samstag, unter einem Banyan bei Morgenrot …
32-120. … verehrt man Vaishravana wie zuvor und wiederholt achttausendmal. Einen Monat lang opfert man täglich um Mitternacht Ghee …
32-121. … dann mit Jyotishmati-Öl und eine Monatshälfte mit Ankola-Öl. Danach soll der Mantra verwirklicht sein; täglich und mühelos …
Unnummerierte Fortsetzung. … soll ein Yaksha ins Ohr die Inhalte der drei Zeiten mitteilen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über den Ohr-Yaksha.
Yakshini- und Orakelformeln
Dieser Abschnitt beschreibt historische Vorstellungen von Auskunft durch unsichtbare Wesen, Traum und Spiegelbilder. Ihre behauptete Zuverlässigkeit ist eine Aussage der Quelle. Beschädigte Formeln werden nicht vervollständigt.
32-122. Karni, Bhrigu, Pinaki, die Verbindung Bhe, Ohr und Weiß, dann das Wort „Prabhe“ …
32-123. … mit Svaha am Ende bilden einen achtsilbigen Mantra. Seine Gottheit ist eine Yakshini, glänzend wie glühendes Gold und in frischer Jugend …
32-124. … mit hohen vollen Brüsten, schönem Haarknoten und Locken, einem Lotusgesicht wie der Herbstmond und beweglichen blauen Lotusaugen.
32-125. Brauen, Zähne, Nase und Lippen sind schön, ebenso Arme und Bauch. Hüften und Gesäß sind voll, Oberschenkel, Unterschenkel und Lotusfüße schön.
32-126. Alle ihre Glieder sind schön, bunte Gewänder und Schmuck lassen sie strahlen. Zwei Botinnen mit Gegenständen zur Schönheitspflege begleiten sie.
32-127. Diese Yakshini malt man sorgfältig auf ein Bildtuch und verehrt sie. Unter einem Banyan wiederholt man den Mantra innerhalb eines Monats dreihunderttausendmal.
32-128. Mittags mit Badari- und Kadamba-Blüten, mit Urdbohnenspeise und Opferklößen bringt man Vaishravana Bali dar …
32-129. … und nachts nach der beschriebenen Weise. Mit Ghee und Ankola-Öl opfert man jeweils achttausendmal.
32-130. Dann soll die Yakshini sichtbar erscheinen und das Gewünschte geben. Man könne nach Wunsch mit ihr Freude genießen oder sie die erwünschte Arbeit ausführen lassen.
32-131. Vor „Lambodara“ erschließt man „Trijaga“, dann langes Wasser, Visha, Mesha, „im Ohr“ und „erzähle!“ …
32-132. … jeweils zweimal, dann Panzer, Waffe und Gattin des Feuers. Dieser Mantra hat die durch Samkriti bezeichnete Lautzahl. Mit Speisen und Früchten verehrt man die Gottheit …
Unnummerierte Fortsetzung. … und wiederholt dreihunderttausendmal; sie soll dann das Gewünschte ins Ohr sagen.
Unnummerierte Ohr-Pishachi-Formel. Herzlaut, das Wort Ohr und Pishachi, dann eine beschädigte Bezeichnung, möglicherweise zu Gold, Diamant und Vaidurya: „Du, deren Leib mit reinem Perlenschmuck geschmückt ist! Komm, komm, geh, Seherin der drei Zeiten! Tritt in mein Ohr ein und teile Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges mit; Rudra gebietet es.“ Doppeltes Tha beschließt die Formel. Die Quelle bietet beim Schmuck eine fragende Alternative; sie wird nicht als sichere Lesung übernommen.
32-133. Man verehrt das Linga und wiederholt davor diesen Mantra hunderttausendmal. Ein Zehntel davon opfert man mit Sesam und Ghee. Dann soll sie das Gewünschte unmittelbar ins Ohr mitteilen.
Unnummerierte Formel vor 32-134. Eine Lautreihe mit den Bestandteilen Jala, Mola, Palaka, Patta, Matta, Chora-Gharatta, Nala, Jambha, Stambha, Moha und Hamsaha. Keine sichere Satzbedeutung; die Reihe wird nicht zu einer vermeintlich verständlichen Anrufung umgeformt.
32-134. Möge die spielerisch Bewegte euch schützen! Sie leuchtet zinnoberrot, ist unbekleidet, trägt Schmuck aus Edelsteinen und Gold und offenes Haar. Hüften und Oberschenkel sind voll und schön, ihre Füße stehen auf glänzenden Edelsteinsandalen. Klingende Fußringe schmücken sie; ihre Taille ist schlank, die Brüste hoch. Brauen und Augen sind schön, ihr Lotusgesicht strahlt wie der volle Mond.
32-135. So meditiert man über die Mantragottheit als Begleiterin Bhadrakalis …
32-136. … in Einheit mit sich selbst. Nach hundertacht Wiederholungen wirft man neun Steinchen in die Richtungen und die Mitte; Diebe sollen dort nicht eindringen.
Unnummerierte Erläuterung. Gemeint ist: in dieses Haus.
Unnummerierte Formel nach 32-136. „Chanda, ehrwürdige Chandi! … O Gelbäugige, beliebige Gestalten Annehmende, Waldbewohnerin!“ Weitere Lautgruppen und die Endung doppeltes Tha sind nicht sicher als Wörter deutbar. Die Zwischenfolge wird nicht ergänzt.
32-137. Vom achten dunklen Mondtag bis zum Bhuta-Tag wiederholt man diese Formel tausendmal. Am Vortag eines Sonntags bereitet man ein Mädchen rituell vor …
32-138. … oder einen Knaben. Morgens wird das gebadete und geschmückte Kind unter Mantrarezitation verehrt. Auf einem Getreidemandala stellt man einen Becher auf, verehrt und berührt ihn …
32-139. … und wiederholt hundertachtmal. Dann lässt man das Mädchen ihn nehmen; mit „Geh!“ wirft man ungebrochenen Reis. Sie beziehungsweise der rituelle Träger soll gehen und den Dieb ergreifen. Der Handelnde des letzten Verbs ist in der Quelle nicht eindeutig.
32-140. Das Verehrungswort, Ohr, langer Kala, Bhautiki, Wind und das Wort Berg mit Svaha am Ende bilden einen neunsilbigen Mantra.
32-141. Die Buchstaben der Namen verdächtigter Diebe werden mit den Mantrabuchstaben verflochten auf Blätter geschrieben und verbrannt. Der Name des Diebes, behauptet der Text, verbrenne nicht.
32-142. Man schreibt Mantra und Name auf ein Brett aus einem beschädigt bezeichneten Material und vergräbt es vor Shasta. Eine rote Bali-Gabe soll den zornigen Gott besänftigen.
Unnummerierte Formel nach 32-142. Nach mehreren unentscheidbaren Anfangslauten: „Dem Begleiter der Götter, dem großen Heerführer der Yakshas! Sage mir diese Angelegenheit, lass sie erzählen, wie er es gebietet!“ Es folgt doppeltes Tha.
32-143. Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte wiederholt man tausendmal. Ist der Mantra verwirklicht, badet man, fastet und legt sich nachts rezitierend schlafen.
Unnummerierte Fortsetzung. Im Traum soll er das Günstige oder Ungünstige der Angelegenheit mitteilen.
Unnummerierte Schlafformel vor 32-144. Eine nicht sicher deutbare Lautfolge beginnt mit Ayuddha und wiederholtem Yuddha und enthält „reiner Yogi“ und „großer Schlaf“, mit doppeltem Tha am Ende. Keine gesicherte vollständig übersetzbare Formel.
32-144. Nach zwölftausend Wiederholungen dieser Formel und ihrer Verwirklichung …
32-145. … bespricht man weißen Sesam achttausendmal und streut ihn nachts in ein Haus. Die dort befindlichen Menschen sollen vom Schlaf nicht losgelassen werden.
Unnummerierte Formel vor 32-146. „Om, Herrin der Bienen … Irre umher, gerate in Verwirrung; lass los, befreie!“ Dazwischen stehen unentscheidbare Laute, am Ende doppeltes Tha.
32-146. Man betrachtet die schwarze, langhaarige Durga in Einheit mit sich selbst, mit vielen ausgestreckten bewaffneten Armen, auf einem schlafenden Löwen mitten im Haus. Ihr Haar umhüllt das Haus. Siebenmal besprochene Urdbohnen streut man im Rechtsumlauf aus; der Schlaf soll die Menschen dort bis Sonnenaufgang nicht verlassen.
32-147. Nach dem Herzlaut stehen „Bhagavati“, das Haarende und das Wort Daumen. Es folgt eine Lautreihe mit Chali, Vachali, Dashakali, Chandakali und Lakali sowie doppeltem Tha. Diese Formel mit Kali als Gottheit wird durch zwölftausend Wiederholungen verwirklicht. Die Lautreihe ist nicht als vollständiger verständlicher Satz übersetzbar.
32-148. Morgens badet man und färbt den Daumen mit Japa-Blüten dunkel. Auf einem angelegten Mandala verehrt man den Hindernisherrn, Kali und ein Mädchen.
32-149. Nach Begießen mit Öl soll sie im Daumen das Günstige und Ungünstige der vorgelegten Angelegenheit sehen und durch die Kraft des Mantras alles mitteilen.
Unnummerierte Formel und Anweisung nach 32-149. „Om“ und eine nicht sicher deutbare Folge aus Hidyadha, Shaja und Phanasha, abgeschlossen durch doppeltes Tha. Nach Verehrung im Krug soll man wie zuvor im Spiegel schauen.
Unnummerierte Bhairava-Rakshasi-Formel. „Om, du hältst Schädelschale, Khatvanga und Trommel in deinen Händen; du Furchtbare mit scharfen, spitzen Fangzähnen, mit gekrümmten gelbbraunen Augen und lang herabhängendem Haarschopf! Ohrringe aus Totenköpfen berühren deine Wangen. Du bringst alle Wesen unter deinen Einfluss und hast die Mantras aller Wesen zum Leib. Komm, die du Maya-Gestalt annimmst! Bewege den Dreizack, den Dreizack! Ergreife diesen Menschenkörper, tritt ein und entfalte dich! … Zeige im Krug, im Spiegel, im Sesamöl, am Daumen des Mädchens …, große Bhairava-Rakshasi! Svaha!“ Die Verbindung vor den Orakelträgern und die grammatisch fragliche Daumenangabe bleiben unentscheidbar. Die Auslassungspunkte bezeichnen diese örtlichen Schwierigkeiten.
32-150. Diese Vidya mit Kali als Gottheit heißt Bhairava-Rakshasi.
32-151. Mit ihr verehrt man Daumen oder Spiegel nach der vorgeschriebenen Folge und übt Japa. Dann sollen alle Dinge der drei Zeiten sichtbar werden.
Unnummerierte Hanumat-Formel vor 32-152. „Heil!“ Es folgt eine beschädigte Lautreihe. Danach: „Der ehrwürdige Hanumat gebietet: Mäuse, fliegende Insekten, Ameisen, Heuschrecken, Karasumbha, Karita, Gandhika und die übrigen sollen nicht bleiben. Wer das Gebot übertritt, an dessen Körper vollzieht er Niederhaltung.“ Mehrere Tierbezeichnungen sind unklar; sie werden nicht durch bestimmte Arten ersetzt.
32-152. Der Wind, der unter den Armen dieses Löwen unter den Affen entsteht, während er den Ozean überschreitet, donnert wie eine Regenwolke.
Unnummerierte Endlaute. Hum, Phan und Verehrung. Die Worttrennung der letzten Verbindung ist unsicher.
32-153. Dieser Mantra mit Hanumat als Gottheit soll die Ernte schützen. Sonntags oder dienstags schreibt man ihn auf ein Blatt …
Unnummerierte Fortsetzung. … trägt es rechtsherum um das Feld und vergräbt es zur Beruhigung von Insekten und anderen Schädlingen.
Unnummerierte Formel vor 32-154. „Verehrung dem Erhabenen … Hamsa, Chamunda!“ Ferner eine beschädigte Folge mit „Kali, vertreibe! Hum, Phat!“ Die unverständlichen Laute bleiben im Sanskritbeleg ungekürzt.
32-154. Man nimmt Asche in die Hand, die tausendachtmal besprochen wurde …
Unnummerierte Fortsetzung und weitere Formel. … streut sie im Rechtsumlauf auf das Feld und lässt einen Teil der Ernte aus: Schädlinge der Ernte sollen vergehen. Dann folgt eine nicht sicher deutbare Formel mit wiederholtem Khushi, Pravanjani, Lukheshini und doppeltem Tha.
32-155. Während man die Zielperson ansieht und ihr schönes Haar berührt, wiederholt man die Formel und soll sie heranziehen. Die Berührungsangabe ist beschädigt und bleibt unsicher.
Unnummerierte Erläuterung. Gemeint ist eine Frau oder ein Mann.
32-156. Dieser Mantra, auf Birkenrinde mit Rochana geschrieben und mit dem eigenen Namen durchflochten, wird mit weißem Faden umwickelt und in die Höhlung eines Ashvattha gelegt; dies soll Gedeihen bringen.
Unnummerierte Fortsetzung. Mit dem Namen der Zielperson in einer Banyan-Höhlung eingesetzt soll er diese gefügig machen.
Unnummerierte Formel vor 32-157. Om, Ham und eine Lautfolge mit Shugrihe, Khe, He, Ham und Hah. Keine gesicherte Satzbedeutung.
32-157. Reis, der mit dieser Formel besprochen wurde, sollen Mäuse nicht fressen. Durch das Anbinden von Kokosnüssen und Ähnlichem mit besprochenem rotem Faden …
Unnummerierte Formel und fragmentarischer Übergang. „Om, Hi, Lasha, Vajra.“ Die vorausgehende Anweisung über Kokosnüsse bricht ohne ausdrücklich genanntes Ergebnis ab; es wird nicht ergänzt.
32-158. Mit der rechten Hand, die durch mit dieser Formel besprochenes Wasser und Shami-Asche befeuchtet ist …
32-159. … berührte Menschen sollen gefügig werden; durch Berührung mit der anderen Hand sollen sie vertrieben werden. Auf Handelsware gestreute Asche soll deren Verkauf verhindern.
Unnummerierte Fortsetzung. Stiere und andere Tiere sollen zahm werden, wenn sie ein Gesicht mit einem Stirnzeichen aus dieser Asche sehen.
32-160½. So wurde die Ordnung Shastas samt Mantras beschrieben, ebenso die von Kshetrapala und Chanda, von Indra und den mit dem Yaksha-Herrn beginnenden Gestalten, verbunden mit besonderen Verfahren zur Kenntnis der drei Zeiten. Die abschließende Halbversmarke bleibt erhalten.
Kolophon. Damit endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Tantra, im Mantrapada das zweiunddreißigste Kapitel über Shasta und weitere Gestalten.
Redaktionelle Besinnung. Die Quelle zeigt, wie weit die Anliegen historischer Ritualpraxis reichen: vom Schutz des Hauses bis zu Nahrung, Reichtum und dem Wunsch, Ungewisses zu erfahren. Für heutige Yoga-Aspiranten kann Shastas Bild des erschöpften, durch eine Wassergabe erquickten Wanderers besonders menschlich ansprechen. Aufmerksamkeit, Gastfreundschaft und die Bereitschaft zu helfen sind eine heutige Deutung dieses Bildes; die Orakel- und Beeinflussungsversprechen werden damit nicht als zuverlässig bestätigt.
Mantrapada, Kapitel 33: Der achtsilbige Mantra Narayanas
Dieses Kapitel entfaltet die Verehrung Narayanas durch den achtsilbigen Mantra. Es verbindet Lautzuordnungen, Nyasa, innere Betrachtung und äußere Puja mit Regeln für die Lebensführung. Ein ausdrücklich als Zitat eingefügter Abschnitt nennt Sammlung, Reinheit, Geduld und die Besinnung auf den Mantrasinn als Voraussetzungen des Japa. Die anschließenden Anwendungsrituale und ihre Wirkungsbehauptungen gehören zur historischen Rituallehre.
Kapiteleingang. Nun das dreiunddreißigste Kapitel.
33-1. „Herz“, „Widder“ und „Rot“, verbunden mit dem „Gesichtskreis“, sodann „Pali“ mit langem Laut und dem Abschluss „Fuß“, ferner „Haut“: Daraus besteht der achtsilbige Mantra. Sein Bija ist das zwischen „Ra“ und „Ya“ liegende „Ksha“, mit dem Punkt versehen. [Hinweis: Die Lautkonstruktion ist chiffriert; die syntaktisch unsichere Schlussfolge erlaubt keine sichere Entschlüsselung. Hier wird keine geläufige Narayana-Formel an ihre Stelle gesetzt.]
33-2. Seine Shakti besteht aus dem siebten Laut und „Ananta“. Am Anfang und am Ende steht der Praṇava, lang ausgezogen, als Verehrungslaut. Die Zweimalgeborenen sollen den Mantra mit Praṇava rezitieren; für Frauen und Shudras wird er ohne Praṇava angegeben.
Erläuterung nach 33-2. Das Wort „und“ schließt auch die Angehörigen gleicher sozialer Gruppen sowie Ambashtas, Parshvas und weitere Gruppen ein. [Hinweis: Dies ist eine historische Zulassungsregel der Quelle; die Lesung der Gruppenbezeichnungen bleibt unverändert.]
33-3. Als Rishi wird „Yami“ mit dem am Wortende stehenden „Anta“ bezeichnet. Es folgen die Zuordnungen „Devi-Gayatra“ und Vishnu, der Paramatman heißt. Im Krita-Zeitalter umfasst die vorbereitende Praxis achthunderttausend Wiederholungen. [Hinweis: Rishi, Versmaß und Gottheit sind in der gelieferten Satzfolge ineinander verschoben. „Devi-Gayatra“ bezeichnet offenbar das Versmaß, Vishnu die Gottheit; die Rishi-Bezeichnung bleibt unaufgelöst.]
Übergang vor 33-4. Im Treta-Zeitalter und den folgenden Zeitaltern gilt die entsprechend verdoppelte und weiter gesteigerte Zahl. Nun werden Rishis und weitere Zuordnungen für jede einzelne Silbe angegeben.
33-4. Gautama, Bharadvaja, danach Vishvamitra, Jagadagni, Vasishtha, Kashyapa und Atri, hier als der achte bezeichnet—
33-5. sowie Agastya: Sie werden in dieser Reihenfolge den Lauten zugeordnet. Gayatri, Ushnih, Anushtubh, Brihati und Pankti,
33-6. Trishtubh, Jagati und Viraj sind die acht Versmaße in entsprechender Folge. Dhara, Dhruva, Soma, die Wasser, Agni und Vayu,
33-7. Pratyusha und Prabhasa gelten als Gottheiten der Laute. Die sieben Welten von Bhur an und als achte die Welt Vishnus
33-8. sind die acht Welten der Silben. Auch ihre Farben will ich nennen: Weiß, Goldglanz, Schwarz, kräftiges Rot, Safranglanz,
33-9. die Farbe von Lotosstaub, Blau und als achte alle Farben. Die fünf feinen Sinnesgrundlagen, beginnend mit Geruch, ferner Denken, Unterscheidungsvermögen und Ichbildung
33-10. werden in dieser Reihenfolge als die Tattvas der acht Silben bezeichnet. Die sechste und die erste tragen den gehobenen Ton; die letzte und die zweite den Svarita-Ton.
33-11. Die dritte und die vierte erhalten den tiefen Ton, die fünfte einen gedämpften. Die Wörter „zornig“, „großer Held“, „Himmel“ und „tausend“ werden verbunden—
33-12. mit ihren jeweiligen Klassenendungen und der Dativform; so entstehen die fünf Gliedermantras. Durga, Ganesha, der Guru und Garuda befinden sich in den Ecken, beginnend mit der Feuerecke.
Hinweis zu 33-4–12. Die Quelle nennt Atri „achten“, obwohl Agastya erst danach folgt; sie nennt „Jagadagni“, nicht die anderswo geläufige Namensform. Die Akzentbeschreibung und die Konstruktion der fünf Glieder enthalten unklare Laut- und Wortzuordnungen. Die Angaben werden bewahrt, ohne daraus neue Rezitationsformeln zu bilden.
33-13. In den Richtungen von Indra an setzt man den Hüter des Ortes mit seinem eigenen Namen ein. Beim Binden der Richtungen geschieht dies mit Fingerschnippen. Zuvor vollzieht man Nyasa an den Händen und am Körper sowie die Einsetzung der fünf Glieder.
33-14. Schöpfung, Erhaltung und Auflösung sind die drei Formen, die den drei Lebensständen, beginnend mit dem Brahmacharin, zugeordnet werden. Nachdem beide Hände mit dem Waffenmantra gereinigt sind, setzt man die eigenen Mantralaute ein, beginnend am rechten Zeigefinger und dann an der linken Hand.
33-15. Die Folge endet am Zeigefinger. Die Gliedermantras setzt man vom Daumen an bis zum entsprechenden Ende der linken Hand ein. Vor und nach den Laut- und Gliedermantras steht der Tara-Laut. Die Lautmantras werden auf die mittleren Fingerglieder gelegt.
33-16. Auf die Anfangs- und Endglieder legt man jeweils den Tara-Laut, der Reihe nach auf alle Finger. Für die Auflösung wird die genannte Folge umgekehrt. Für die Erhaltung gilt an den Händen:
33-17. vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger, bei den Gliedern vom Daumen bis zum kleinen Finger. Bei der Schöpfung sind die Körperstellen Kopf, Augen, Mund, Herz, Nabel, Hüfte, Knie und Füße.
33-18. Für die Auflösung geschieht die Einsetzung in umgekehrter Folge; für die Erhaltung setzt man die Laute vom Nabel bis zum Herzen ein. Beim Handnyasa berührt man die Finger mit den Daumen, die Daumen mit den Spitzen der Zeigefinger. Es folgen der Mittelfinger, Mittel- und Zeigefinger gemeinsam, der Ringfinger mit dem Daumen sowie der Zeigefinger—
33-19. mit dem Daumen, sodann der kleine Finger mit dem Daumen und schließlich alle Finger ohne die Daumen. [Eingeschobene Anweisung:] So soll man den Körpernyasa ausführen. Einen Menschen, dessen Körper stets auf diese Weise geweiht und gereinigt ist und der die Gestalt Narayanas trägt,
33-20. meiden Gifte, Schadenzauber, Feinde, Krankheiten und besetzende Mächte: Sie fliehen erschrocken in die Ferne. Wenn der Mantrapraktizierende trotz vollzogener Einsetzung unrein wird, soll er die Füße waschen und rituell Wasser schlürfen,
33-21. oder baden und den Körpernyasa ordnungsgemäß erneuern; dann nimmt er Japa und die übrigen Pflichten wieder auf. Während er den Atem zurückhält, rezitiert er den achtsilbigen Mantra fünfundzwanzigmal im Geist.
33-22. Dies heißt die richtige Regelung des Atems. Zu Beginn und am Ende des Japa soll man drei solche Atemregelungen vollziehen. Man verehrt einen kundigen, weisen Guru durch Dienst oder durch eine bedeutende Gabe,
33-23. erfreut ihn, empfängt von ihm den Mantra und gibt ihm eine den eigenen Möglichkeiten entsprechende Lehrergabe. Dabei erfüllt man alle Pflichten des eigenen Standes und Lebensabschnitts und verehrt Hari hingebungsvoll nach der angegebenen Weise.
Übergang und Quellenvermerk vor 33-24. Mit der für ein Gelübde vorgesehenen Nahrung und an einem geeigneten, bereits beschriebenen Ort soll man diesen Mantra ordnungsgemäß zur Vollendung führen. Im Naradiya heißt es:
33-24. „Das Zurückholen des Geistes, Reinheit, Schweigen und Nachdenken über die Bedeutung des Mantras,
33-25. Unzerstreutheit und das Freisein von Mutlosigkeit sind Ursachen für das Gelingen des Japa. Grinjana, saurer Getreidetrank, ‚Sharngashta‘ und das Essen aus Bronzegefäßen
33-26. zerstören die Kraft des Mantras und die Askese; deshalb soll man sie meiden. Man soll nicht den Schatten des Karanja-Baumes aufsuchen, nicht davon essen und seine daraus gefertigten Schuhe nicht berühren.
33-27. Man soll niemals Wasser durchqueren, während man ein anderes Gewand übergezogen hat. Überlagerte, geschmacklos gewordene, übelriechende oder abgestandene Nahrung und Ähnliches
33-28. soll man nicht essen; auch soll man nicht am Tage schlafen und keine Beziehung zur Frau eines anderen suchen. Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, sexuelle Enthaltsamkeit und Nichtbesitzergreifen,
33-29. Zufriedenheit, Reinheit, eigenes Studium, Askese und Vergegenwärtigung Ishvaras: Diese Yamas und Niyamas soll man üben und zugleich die Mantras zur Vollendung führen.
33-30. Karanja, Zwiebeln, Fisch und Fleisch, Honig beziehungsweise berauschende Getränke, Pilze, Tiere mit Schwimmfüßen, Stängelgemüse und Knollen,
33-31. in Öl gekochten Flaschenkürbis und in Öl getränkte Speisen soll man nicht essen. Zur Vollendung der vorbereitenden Mantrapraxis ernähre man sich ohne Lauge und Salz.
33-32. In Gegenwart ehrwürdiger Menschen und der Gurus soll man Japa, Puja und Ähnliches nur mit ihrer Erlaubnis ausführen; andernfalls verursacht es einen Fehler.“
Ende des Naradiya-Zitats. So lautet das Zitat. [Hinweis: Die Pflanzen- beziehungsweise Speisebezeichnung „Sharngashta“ in 33-25 bleibt unklar; auch die Wortverbindung der Karanja-Vorschrift in 33-26 ist unsicher. Die Ernährungsregeln werden als historische Gelübdevorschriften wiedergegeben.]
33-33. In der hellen Monatshälfte von Margashirsha fastet man drei Tage, beginnend mit dem neunten Mondtag, und verehrt Vishnu.
33-34. In der Nacht des elften Mondtags und am folgenden Morgen vollzieht man die Verehrung; dann beginnt die vorbereitende Praxis. Für jede Silbe des Mantras sind vierhunderttausend Wiederholungen auszuführen; anschließend bringt man ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer dar.
33-35. Man opfert Sesam mit geklärter Butter oder Lotosblüten und speist Zweimalgeborene nach den eigenen Möglichkeiten. Durch zweihunderttausend Wiederholungen wird der vorzügliche Mantra gereinigt, und durch vier Halbmonatsperioden erfolgt die eigene Reinigung.
33-36. Durch sechshunderttausend Wiederholungen werden Vater und Mutter gereinigt; durch achthunderttausend erlangt man Mantrasiddhi. Ein Zehntel der Japa-Zahl opfert man mit Sesam, geklärter Butter, Milchreis und Palasha-Holz im Feuer.
33-37. Wer zum Feueropfer nicht imstande ist, vollzieht die doppelte Zahl als Japa und speist Zweimalgeborene; so erlangt er die Vollendung des Mantras. Diesen Mantra soll man beständig pflegen und ihn, Narayana, entsprechend den eigenen Mitteln verehren.
33-38. Nach dem Bad und dem Abschluss der Dämmerungsriten begibt man sich zum Opferhaus, reinigt die Füße und schlürft rituell Wasser. Mit bereitetem Arghya verehrt man die Torwächter durch ihre Mantras, mit ungebrochenen Reiskörnern, Blumen und Duftstoffen.
33-39. Chanda, Prachanda, Garuda und das Rad, die zu beiden Seiten stehen, verehrt man mit ihren Namen. Am Boden, unten und oben verehrt man entsprechend; darüber, in der Mitte, die Segensmacht des Tores.
33-40. Mit dem Waffenmantra wirft man eine Blume hinein und betritt den Opferraum. Aus dem Waffenmantra stellt man sich außen eine Umfriedung vor; dann nimmt man auf dem eigenen Sitz Platz und schweigt.
33-41. Nachdem Selbst und Leib auf die zuvor beschriebene Weise durch Austrocknen und die weiteren Schritte gereinigt sind, betrachtet man das höchste Licht im Herzlotos. In seiner Mitte meditiert man über Narayana und verehrt ihn dort allein im Geist.
33-42. Man vollzieht die Nyasas und macht sich dadurch zum vollständigen Träger der Gottheit. Mit weißem Sandelholz und ähnlichen Stoffen zeichnet man die aufrechten Stirnzeichen auf Stirn und weitere Körperstellen, unter Anrufung Keshavas und der folgenden Namen. Man legt Blumen und Reiskörner auf den Kopf und hält das Arghya bereit.
Erläuterung vor 33-43. „Auf Stirn und weitere Körperstellen“ bedeutet:
33-43. auf Stirn, Bauch, Brust, Kehle, Seite, Arm und Hals, dann links auf Bauchseite und Arm, oberhalb davon auf den Hals, auf den Rücken und hinten auf den Nacken, in dieser Folge, jeweils mit „Verehrung“ als Abschluss. [Hinweis: Die Aufzählung der Körperstellen ist sprachlich gedrängt; die genaue Abgrenzung der zwölf Stellen bleibt örtlich unsicher.]
Namensfolge und Quellenvermerk nach 33-43. „Mit Keshava und den folgenden Namen“ meint: Keshava, Narayana, Madhava, Govinda, Vishnu, Madhusudana, Trivikrama, Vamana, Shridhara, Hrishikesha, Padmanabha und Damodara. „Arghya bereithalten“: Das Arghya wird im Naradiya so beschrieben:
33-44. „Weißer Senf, ungebrochene Reiskörner, Kushagrasspitzen, Sesam, Wasser, Gerste, Duftstoff, Frucht und Blume: Dies wird das achtgliedrige Arghya genannt.“ [Hinweis: Die gelieferte Aufzählung nennt neun Bestandteile; die Bezeichnung „achtgliedrig“ wird nicht korrigiert.]
33-45. Das Wasser für die Füße bereitet und verehrt man mit Durva-Gras, Lotos, Vishnupatni und Shyamaka im Wasser. Das Wasser zum Mundspülen enthält Takkola, Muskat, gute Gewürznelken und Kardamom.
33-46. Zum Abreiben dienen Kurkuma, Shirisha, Adityavartini, Sarvabhadra, Darbha-Gras, Wasser und Safran; mit dem Wurzelmantra besprochen verwendet man sie beim Bad.
33-47. Die Gefäße werden mit dem Waffenmantra gewaschen und mit Wasser gefüllt, das durch den Wurzelmantra geweiht ist. In sie setzt man den Wurzelmantra zusammen mit seinen Gliedern ein und verehrt Arghya und die weiteren Gaben der Reihe nach mit Duftstoff, Reiskörnern, Blumen und Räucherwerk.
33-48. Ushira, Safran, Mamsi, Mura, Mula, Sandelholz, Kushtha und schwarzes Aloeholz bilden den achtgliedrigen Duftstoff, der Hari lieb ist. [Hinweis: „Mula“ kann hier eine Wurzel beziehungsweise eine Drogenbezeichnung meinen; die botanische Bestimmung wird nicht ergänzt.]
Verwendungsanweisung nach 33-48. Alles wird durch den Waffenmantra geschützt und durch den Panzer eingehüllt. Arghya wird dabei in die rechte Hand gegeben, Fußwasser an die Füße, Mundspülwasser jeweils an den Mund; das Mittel zum Abreiben verwendet man beim besonderen Bad.
33-49. Einen schönen metallenen oder tönernen Wasserkrug füllt man mit reinem, durch ein Tuch gefiltertem Wasser und stellt ihn links auf. Alle übrigen Gegenstände stehen rechts.
Weihe der Geräte nach 33-49. Man besprengt sie mit dem Waffenmantra und Arghya-Wasser mittels des Grasbüschels, bespricht sie mit Wurzel- und Gliedermantras, verwandelt sie durch die Kuh-Mudra in Nektar und umhüllt sie mit dem Panzer. Gut geschützt legt man alle für die Verehrung geeigneten Gegenstände bereit.
33-50. Das Besprengen des Kopfes mit Arghya und den weiteren Wassern bewirkt die eigene Reinigung, das Besprengen von Opferplatz und Materialien deren Reinigung. Die Reinigung des Mantras erfolgt durch den Wurzelmantra mit lang ausgezogenem Abschluss, die Reinigung des Bildes durch Waschen.
33-51. Im Südwesten verehrt man Vighnesha mit seinem eigenen Namen und im Nordosten die eigenen Gurus. Dort verehrt man auch die Sprache, den höchsten Guru, den ehrwürdigen Narada und die früheren Vollendeten.
33-52. Mit dem Waffenmantra entfernt man die alten Opfergaben vom Bild, reicht nektargleiches Arghya und übergießt es mit Wasser. Mit dem Kopfmantra reicht man Fuß- und Mundspülwasser. Nachdem der Sitz verehrt ist, ruft man die Gottheit herbei und setzt die Mantras ein.
33-53. Wieder verehrt man mit Arghya und den weiteren Gaben, mit angenehmen Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk und Reiskörnern. Man badet die Gottheit mit wohlriechendem Öl und den fünf Kuhprodukten und entfernt den Belag mit Pulvern.
33-54. Man reibt die Gottheit mit dem dafür bereiteten Mittel, mit Kurkumapulver und Safran ab. Dann übergießt man sie mit duftendem Blumenwasser und wohlriechendem Wasser und spricht dabei das Purusha-Sukta und weitere Hymnen.
33-55. „Om. Dein ist der Sieg, Lotosäugiger! Verehrung dir, der du die Welt hervorbringst! Subrahmanya, dir sei Verehrung! Verehrung, Purusha, Erstgeborener!“ [Hinweis: Die Quelle schreibt im zweiten Verehrungsruf „manas“ statt der erwartbaren Verehrungsform; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Gebetssinn. Der Sanskritwortlaut bleibt unverändert.]
33-56. Mit diesem Gebet, verbunden mit Wurzel- und Gliedermantras, soll man die Verehrungsgaben darbringen. Dann verehrt man die tragende Shakti, den Schildkrötenkönig, Shesha, die Erde und den Yogasitz, darauf der Reihe nach Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaftsmacht.
33-57. Diese vier stellt man sich löwengestaltig in den Ecken von Südosten an vor; die mit Adharma beginnenden Gegenkräfte stehen in den Hauptrichtungen. Knolle, Stängel und Lotos, aus Rajas, Tamas und Sattva bestehend, verehrt man in dieser Folge.
33-58. In Blättern, Staubfäden und Fruchtboden sind die Scheiben von Sonne, Feuer und Mond ausgebreitet. Dann verehrt man den Atman, den inneren Atman und den, der Paramatman heißt.
33-59. Vimala, Utkarshini, Jnana, Kriya, Yoga, Satya,
33-60. Prahvi, Ishana und Anugraha befinden sich von Osten an auf den Spitzen der Staubfäden. In ihrer Mitte, auf dem Fruchtboden des Lotos, ist die neunte Shakti namens Anugraha. Dort ruft man Narayana herbei, nachdem man den Unermesslichen in rechter Weise betrachtet hat. [Hinweis: Die gedrängte Namensfolge „prahvīśānugrahā“ wird so gegliedert; Anugraha erscheint anschließend ausdrücklich als neunte Shakti in der Mitte.]
33-61. Sein weicher Körper ist dunkel wie eine blaue Regenwolke, sein Lotosgesicht strahlt wie der volle Mond. Der Glanz seiner von Edelsteinen leuchtenden Krone durchdringt die schöne Fülle seiner dunklen Locken.
33-62. Schön sind Brauen und Stirn, lang und hoch die Nase; seine Augen gleichen geöffneten Lotosblüten. An den anmutig gebogenen, herabhängenden Ohrläppchen glänzen Ohrringe in Gestalt von Wassertieren.
33-63. Sein muschelförmiger Hals leuchtet im Schmuck schöner Halsgehänge; seine Arme tragen edelsteinbesetzte Armreifen. Er trägt vielfarbige Gewänder, Armbänder und Fingerringe. In den Händen hält er Muschel, Lotos, mächtige Keule und Rad.
33-64. Die beweglichen Halsketten strahlen zusammen mit dem herrlichen Kaustubha-Edelstein. Seine breite Brust ist durch das Shrivatsa-Zeichen und Shri schön. Um die schmale, einem Rubinbild vergleichbare Mitte liegt ein reizvoller goldener Leibgürtel.
33-65. An den breiten Hüften trägt er besonders schöne gelbe Seide, eine mit vorzüglichen Edelsteinen besetzte Goldschnur und eine Waldblumengirlande, die bis an die Knie reicht.
33-66. Die beiden Unterschenkel sind schön, kräftig und gerundet, die Lotosfüße haben wohlgeformte Knöchel. An den feinen, weichen, schönen Zehen leuchtet die Reihe der mondgleichen Nägel rötlich hervor. [Hinweis: Das Wort am Beginn der zweiten Vershälfte ist in der gelieferten Lesung unsicher.]
33-67. Auf den Flächen seiner Lotoshände und Lotosfüße trägt er die Zeichen Muschel, Rad, Lotos und Wassertier. Weil er den einzigartigen Glanz der Schönheit aller Glieder besitzt, ist er Purushottama, der höchste Purusha.
33-68. Nachdem man Narayanas Gestalt so im eigenen Herzlotos betrachtet hat, stellt man sich dort ein Licht wie eine unbewegte Flamme vor, seinem Wesen nach Hamsa und vom Praṇava umfangen, so wie eine Lampe eine andere entzündet.
33-69. Man nimmt es im Geist auf und führt es unter Aussprechen des am Ende lang ausgezogenen Praṇava durch den Weg der Sushumna hinauf. Man verbindet es mit dem lichtvollen Brahman im Inneren des Raumlotos; von dort wiederum
33-70. legt man es in die eigene Blumengabe zwischen den Händen. Von dieser führt man es durch den mittleren Kanal in das vor einem stehende Bild und setzt das Bija mit Tara, Hamsa und Nada in die Mitte seines Herzlotos ein.
33-71. Nachdem man so die Herbeirufung in das Bild vollzogen hat, setzt man die Silben ein, jedoch ohne Handnyasa. Mit den Gliedern des Mantras und dem mit Hamsa verbundenen Wurzelmantra bewirkt der Mantrapraktizierende darin die Gegenwart der Gottheit.
33-72. Aus der nektargefüllten Vollmondscheibe am Zwölffingerpunkt strömt Nektar durch den Brahma-Kanal herab; damit übergießt man die Gottheit, während man Tara mit „Halbmond“ und „Schwertherr“ ausspricht. [Hinweis: Die abschließende Lautkonstruktion ist chiffriert.]
33-73. Man betrachtet ihren göttlichen Leib, als sei er innen und außen von Nektarfluten erfüllt und dadurch beglückt. Dann verehrt man sie mit den vorgeschriebenen Gaben und zuletzt ihre umgebenden Kreise.
Übergang vor 33-74. Diese Verehrung geschieht folgendermaßen:
33-74. Die Glieder werden auf den Blattspitzen von Osten an verehrt, die Waffe auf den Spitzen der Eckblätter. An den Toren von Osten an stehen Garuda, Rad, Lotos und Keule in dieser Folge.
33-75. In den Ecken verehrt man die Muschel Panchajanya und den Bogen Sharnga, im Süden auch das Schwert Nandaka, im Westen die beiden Köcher und im Norden die als Frau gestaltete Waldblumengirlande mit ihrem eigenen Namen. [Hinweis: Eck- und Richtungszuordnungen sind in der Versfolge nicht eindeutig voneinander abgegrenzt.]
33-76. Lakshmi verehrt man an Haris rechter Seite, die Erde unter dem Namen Pushti an seiner linken. Vor ihm verehrt man rechts das Shrivatsa-Zeichen und links den Kaustubha-Edelstein.
33-77. Indra, Agni, Vaivasvata, den Herrn der Rakshasas, den Herrn der Wasser, Vayu, den Herrn des Reichtums, Ishana, den Lotosgeborenen, Ananta und im Norden Soma verehrt man mit ihren Namen.
33-78. Außerhalb von ihnen verehrt man mit ihren Namen die Waffen der Weltenhüter: Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Haken, schöne Keule, Dreizack, Lotos und Sudarshana.
Übergang vor 33-79. Außerhalb der Waffen soll man Kumuda und die folgenden verehren:
33-79. Kumuda, Kumudaksha, Pundarika, Vamana,
33-80. Shankukarna, Sarvanetra, Sumukha und Supratishthita, die Herren über Abermillionen von Scharen, die Führer von Vishnus Geistergefolge.
33-81. Zwischen Soma und Isha verehrt man Vishvaksena. Am Ende der Puja übergibt man ihm sämtliche von Vishnu zurückbleibenden Opfergaben.
33-82. So verehrt man täglich nach der Vorschrift, opfert anschließend geklärte Butter und weitere Gaben im Vishnu-Feuer und speist vorzügliche Zweimalgeborene nach den eigenen Möglichkeiten; oder man rezitiert den Mantra dreitausendmal.
33-83. Wer die vorgeschriebene vorbereitende Praxis auf diese Weise vollzogen und den Mantra verwirklicht hat und nun Anwendungen wünscht, soll die jeweiligen Ziele durch die dafür angegebenen Feueropfer oder Japa-Übungen anstreben.
33-84. In einer vorgeschriebenen oder viereckigen Feuergrube verwendet man Feuer, gegebenenfalls durch Reiben der Feuerhölzer erzeugt. Man weiht es nach dem Verfahren des Vishnu-Feuers, ruft Hari darin herbei und opfert.
33-85. Ein Opfer mit Haritalika-Spitzen gilt als lebensverlängernd; man soll dreihunderttausend Gaben von Sesam und Butter darbringen. Mit vier Finger langen Chinna-Zweigen und süßen Stoffen soll man kleinere Formen vorzeitigen Todes abwehren. [Hinweis: Die Pflanzenbezeichnungen werden nicht botanisch vereindeutigt.]
33-86. Indem man zu Tagesbeginn, im Zusammenhang mit Shani, einen Ashvattha-Baum berührt und den Mantra rezitiert, soll man Tod und Krankheit besänftigen. Zweihunderttausend Wiederholungen sollen Gesundheit verleihen, eine entsprechende Übergießung langes Leben. [Hinweis: „shanaih“ lässt die Zuordnung zu Saturn beziehungsweise zum Samstag oder die Bedeutung „langsam“ offen.]
33-87. Man bespricht Wasser nach der Zahl „Abhikriti“ und trinkt es zu den drei Tagesübergängen; dadurch soll man lange leben. Einen gefüllten Wasserkrug bespricht man zehntausendmal; Vishnu ruft man nach der Vorschrift im Bild und in diesem Krug herbei,
33-88. verehrt ihn, opfert Butter in einem Zehntel der Zahl und vollzieht zur Abwehr vorzeitigen Todes eine Übergießung. Speisen, die achtmal mit diesem Mantra besprochen und täglich gegessen werden, sollen das Leben verlängern.
33-89. Auch anderes, selbst Gift, soll dadurch leicht verdaulich werden. Rezitiert man hundertmal über ein eingenommenes Heilmittel, soll es den gewünschten Erfolg bringen. Bei einer Mondfinsternis fastet man drei Tage und nimmt vier Pala Butter einer rötlichbraunen Kuh
33-90. mit einem Pala pulverisierter Vacha ein, zehntausendmal besprochen; dies soll Einsicht verleihen. Ebenso soll Brahmi-Butter, bei einer Sonnenfinsternis eingenommen, dichterische Begabung schenken.
33-91. Auch Wasser, täglich mit hundertacht Wiederholungen besprochen, soll innerhalb eines Jahres Einsicht verleihen. Man fastet drei Nächte bis zum Sonnenübergang im Monat Magha und ist dabei mit Asche bestrichen;
33-92. Brahmi-Butter, fünftausendmal besprochen und getrunken, soll Einsicht verleihen. Weiß gekleidet opfert man zehntausend weiße Lotosblüten, die mit Milch und Butter benetzt sind.
33-93. So soll man die gewünschte Fülle gewinnen und sich ordnungsgemäß aus vier gefüllten Krügen übergießen lassen. Durch ein Reisopfer mit Butter soll Nahrung erlangt werden, durch Butter sollen Wünsche und Viehbesitz erfüllt werden.
33-94. Durch Bilva-Früchte, Blätter oder Zweige, mit den drei süßen Stoffen bestrichen, soll man Kubera gleichen. In der hellen Hälfte des Monats Phalguna fastet man für Vishnus Mondtag drei Nächte und verehrt Vishnu.
33-95. Mit hunderttausend Lotosblüten, die mit süßen Stoffen benetzt sind, soll man einen Schatz erlangen. Oder man steht am Vormittag aufrecht mit gleichmäßig erhobenen Armen und rezitiert hunderttausendmal; dadurch soll man reich werden.
33-96. Man wohnt am Fuß eines Bilva-Baumes und opfert täglich tausend seiner Früchte. Während man mit diesen Früchten vermischte Speise isst und Japa übt, soll man innerhalb dreier Monate reich wie der Herr des Reichtums werden.
33-97. Opferbrei wird in der Milch einer Kuh bereitet, deren Kalb ihr in Farbe und Gestalt gleicht, und mit Butter begossen. Man opfert zehntausendmal und isst den Rest des Breis; dadurch soll man Unglück vertreiben und Glück gewinnen.
33-98. Wer Blumen einer bestimmten Farbe mit Butter opfert, soll binnen eines Monats Gewänder derselben Farbe erhalten. Wer Reis und andere Körner mit Butter übergossen opfert, soll bereits innerhalb eines Monats entsprechende Vorräte gewinnen.
33-99. Wer Samen von Reis, anderen Feldfrüchten oder Bäumen zehntausendmal bespricht und dann im Feld aussät, soll vollen Ertrag, Wurzeln und Früchte erhalten.
33-100. Wer Gerstenspeise mit Kuhharn isst und hunderttausendmal rezitiert, soll einen Sohn erhalten. Ebenso durch das Opfer von Guggulu mit Butter und durch das Übergießen der Ehefrau mit so besprochenem Wasser. [Hinweis: Das erste Wort „bhurjamstu“ ist in diesem Zusammenhang unklar; der Speisebezug lässt sich aus der übrigen Zeile erkennen.]
33-101. Durch das Opfer von Sesam und Reis sollen Brahmanen gefügig werden, durch Reis mit Sauermilch Könige, durch Reis mit Butter Vaishyas und durch Milchreis Shudras.
33-102. Durch Apamarga-Opfer soll die begehrte Frau, durch geröstete Körner mit Zitronatzitronen eine unverheiratete Frau und durch Salz, mit den drei süßen Stoffen benetzt, sollen andere Frauen gefügig werden, sofern ordnungsgemäß geopfert wird.
33-103. Durch Apamarga mit Butter im Feuer aus Ashvattha-Holz soll man nach Wunsch Götter, Asuras, Menschen, Kinnaras, Rakshasas, Nagas, Vögel und Yakshas unter seine Gewalt bringen.
33-104. Wer Narayana zu den drei Tagesübergängen verehrt und für die jeweils Gemeinten je Silbe hunderttausend Wiederholungen vollzieht, dem sollen alle Welten gefügig werden und ihm durch die Kraft gefestigter Hingabe das Gewünschte geben.
33-105. Ein Brahmane, der in Kuhharn bereitete Gerste isst, dreimal täglich badet und Hari verehrt, soll hier durch achthunderttausend Wiederholungen rein werden; bei Brahmanentötung und den weiteren Vergehen gelten entsprechend verdoppelte Zahlen.
Erläuterung nach 33-105. Dies betrifft der Reihe nach auch Kshatriyas und weitere Gruppen sowie diejenigen, die ohne bewusste Absicht berauschendes Getränk genommen, gestohlen oder das Lager des Gurus verletzt haben: So weit reicht die Aussage. [Hinweis: Die genaue Verteilung der Verdoppelungen bleibt in der knappen Quelle offen.]
33-106. Ebenso soll man, im Wasser stehend, durch fünfhunderttausend Wiederholungen von schweren Vergehen gereinigt werden. Am Ende bespricht und trinkt man die Kuhprodukte; durch dreihunderttausend Wiederholungen soll man von leichteren Vergehen rein werden.
33-107. Wer knietief im Wasser steht, zur Sonne blickt und nach achttausend Wiederholungen übergossen wird, soll die Verfehlung des jeweiligen Tages tilgen. Wer bis zum Nabel im Wasser steht und rezitiert, soll Gedeihen erlangen.
33-108. Fäden aus weißem Lotos, in der durch „Elefanten“ bezeichneten Zahl zusammengelegt, berührt und bespricht man zehntausendmal. Angebunden sollen sie umfassenden Schutz und langes Leben verleihen. [Hinweis: Die Quelle verwendet eine Zahlenchiffre; sie wird hier nicht als gesicherte Fadenzahl aufgelöst.]
Bindestelle nach 33-108. Bei Männern am rechten Arm; bei Frauen am linken Arm oder am Hals.
33-109. Rezitation vor einem Zornigen soll dessen Zorn stillen; achttausend Wiederholungen sollen Sieg im Streitgespräch bringen. Vor der Begegnung mit einem König oder einem anderen Menschen soll man den Mantra rezitieren; er soll dann das Erwünschte tun.
33-110. Nach Bad und Reinigung sammelt man im Brahma-Muhurta den Dung einer rötlichbraunen Kuh auf einem Lotosblatt. An einem Tag, der kein Mondparvan ist, bespricht man ihn zehntausendmal und vergräbt ihn am Eingang; dies soll das Haus schützen. [Hinweis: Die überlieferte Zeitangabe „aninduparvani“ ist unsicher.]
33-111. Asche aus solchem Kuhdung im Vishnu-Feuer wird auf dieselbe Weise besprochen; sie soll vor besetzenden Mächten und Krankheit schützen. Feueropfer mit weißem Senf, Palasha, Sesam und Butter sollen umfassenden Schutz und die Besänftigung solcher Leiden bewirken.
33-112. Wer um Mitternacht am Waldrand unbekleidet Vibhitaka-Zweige, mit Senf und Butter bestrichen, opfert, soll innerhalb eines Monats Feinde töten; mit Vikankata-Zweigen soll er ein Heer lähmen.
33-113. Ein König, der Hari verehrt und täglich tausend mit Kuhbutter benetzte Apamarga-Zweige opfert, soll innerhalb von neun Monaten die Feinde besiegen und die Erde beherrschen.
33-114. Man nimmt Wasser in die linke Hand, bespricht es durch Mantra-Japa und besprengt damit einen Gebissenen; so soll man alle Gifte beseitigen und ihn retten. Durch Abreiben mit Durva soll dies auch bei Spinnen und ähnlichen Tieren geschehen. [Hinweis zu 33-85–114: Die Heil-, Gift- und Schutzwirkungen sind Aussagen der historischen Quelle, keine heutigen Behandlungsanweisungen oder gesicherten Wirkungen.]
33-115. Wer Sieg und die Stillung der Furcht vor Feinden wünscht, betrachtet sich als eins mit Narayana: Er sitzt auf Garuda und trägt in acht Armen Muschel, Rad, Schlinge, Haken, Sharnga-Bogen, Pfeil, Keule und Schwert.
33-116. Für Fülle meditiert man über ihn inmitten des Milchozeans auf einer goldenen Insel, in einem Pavillon im Garten der Wunschbäume, auf dem Lotos eines Löwenthrons sitzend, begleitet von Shri und der Erde.
33-117. Wer am nördlichen Ufer der Ganga oder anderer Ströme ein Jahr lang den achtsilbigen Mantra rezitiert, soll wunderbare Macht erlangen, alle Wünsche erfüllen und lange leben.
33-118. Wer Reichtum wünscht, fastet drei Nächte in der dunklen Monatshälfte, verehrt am Krishna-Tag Krishna und rezitiert sieben Tage lang, während er mit beiden Händen dessen Füße berührt.
Erweiterung nach 33-118. Auf diese Weise bringt man auch Augensalbe, Sandelholz, Sandalen, Schwert und weitere Dinge zur rituellen Vollendung; die jeweilige Anwendung soll das entsprechende Ziel verwirklichen.
33-119. Nachdem man drei Nächte gefastet und morgens Vishnu verehrt hat, ernährt man sich von Gerste mit Kuhharn. Wer dann eine Monatshälfte ohne Schlaf beständig rezitiert, dem sollen die im Himmel Wandelnden das Gewünschte geben.
33-120. Wer um Mitternacht auf dem Verbrennungsplatz den Geistern und weiteren Wesen mit „Geisterwasser“ eine Bali-Gabe darbringt und sieben Nächte hindurch dreitausendmal rezitiert, dem sollen Geister und Pishachas das Gewünschte gewähren. [Hinweis: Der Ausdruck „bhutodaka“ wird durch die vorliegende Stelle nicht näher erläutert.]
33-121. Man verehrt Hari am Fuß eines Nyagrodha-Baumes und opfert nachts tausend Khadira-Gaben; innerhalb eines Monats soll eine Yakshi erscheinen und Wünsche erfüllen, oder man soll sich mit ihr erfreuen.
Worterklärung nach 33-121. Mit „Khadira-Gaben“ sind Brennhölzer aus Khadira gemeint.
33-122. Mitten in einem Ashoka-Hain zeichnet man einen Yaksha auf eine Tafel aus diesem Holz. Man verehrt ihn und Hari zu den drei Tagesübergängen mit den Blüten des Baumes und opfert; nach einem Monat soll jener Wünsche gewähren.
33-123. Auf Tafeln aus Naga-Bäumen zeichnet man Nagini-Gestalten inmitten eines Naga-Haines, verehrt Hari und opfert mit den Blüten. Von ihnen soll man verjüngende Mittel und Weiteres erhalten.
33-124. Am Eingang einer Höhle zeichnet man die Tochter eines Asura-Königs, entzündet ein Feuer aus Vikankata und opfert hunderttausend Zweige desselben Baumes. Von der Asura-Frau soll man das Gewünschte erhalten.
33-125. In nassem Gewand opfert man unter freiem Himmel zehntausend Vetasa-Zweige im Feuer; dadurch soll starker Regen entstehen. Auch indem man im Wasser steht und die doppelte Zahl rezitiert, soll dies geschehen.
33-126. Zur Stillung von Unglück opfert man Shami-Zweige oder schwarzen Sesam mit Butter, für Fülle und Gedeihen Butter und Milchreis. Durch Japa auf einer Bergspitze soll man Shri schauen.
33-127. Wer von Milch lebt und je Silbe hunderttausend Wiederholungen vollzieht, soll Erkenntnis des Brahman und Befreiung erlangen. Ein Verehrer soll Lakshmi mit eigenen Augen auf einer Bergspitze sehen, nachdem er sie verehrt und sechs Monate Japa geübt hat.
33-128. Durch dreihunderttausend Opfer sehr schwarzen Sesams, mit Sauermilch, Butter und Honig bestrichen, sollen die Götter gefügig werden. Wer in einem Vishnu-Heiligtum Gelübdenahrung zu sich nimmt und ein Jahr lang unablässig diesen Mantra rezitiert,
33-129. soll durch den Yoga der Hingabe Vishnu mit eigenen Augen sehen, wenn er drei Jahre ordnungsgemäß verehrt. Nachdem man drei Nächte gefastet hat, verehrt man Vishnu in der Nacht des zwölften Mondtags.
33-130. Man bildet Garuda aus rotem Sandelholz, berührt ihn und rezitiert diesen Mantra. Sobald er sich bewegt, steigt man auf ihn und soll durch ihn selbst in Vishnus Welt gelangen.
33-131. Was immer ein Mantrapraktizierender in den drei Welten wünscht, mühelos oder durch Bemühung: Alles soll er durch Japa und die weiteren Übungen erlangen, wenn er den Lotosfüßen Narayanas hingegeben ist.
33-132. So wurde das höchste Geheimnis des achtsilbigen Mantras in Kürze gelehrt: seine in der heiligen Überlieferung verkündete Praxis und das Weitere. Für Menschen, die den Lotosfüßen Haris hingegeben sind, ist dies lieb und heilsam und gilt als Mittel zur Erlangung aller Ziele.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, endet das dreiunddreißigste Kapitel, das Kapitel über den achtsilbigen Mantra.
Zur Besinnung. Zwischen den vielfältigen Ritualanwendungen steht eine schlichte Lehre: Den Geist immer wieder zurückholen, den Sinn der eigenen Worte bedenken und bei der Übung nicht mutlos werden. Heutige Yoga-Aspiranten können diese Haltung mit Gewaltlosigkeit und Wahrhaftigkeit verbinden, ohne die historischen Macht- und Erfolgsverheißungen zu übernehmen.
Mantrapada, Kapitel 34: Vishnus Herzmantra und die Verehrung Gopalas
Auf den Herzmantra Vishnus folgt die Verehrung Krishnas als Gopala, des göttlichen Hirten. Anschauliche Meditationsbilder begleiten Morgen, Mittag und Abend: Krishna bei den Kälbern, auf dem leuchtenden Thron und im Kreis des Tanzes. Die Quelle beschreibt dazu Mantra, Nyasa, Opfergaben und historische Anwendungsrituale. Sie erklärt ausdrücklich, dass der Gopala-Mantra auch hingebungsvollen Frauen und Shudras zugänglich sei.
Kapiteleingang. Nun das vierunddreißigste Kapitel.
34-1. Am Anfang steht das Wort „Erhebe dich!“, dann Shri ohne Auslaut, „Brahma“ und „Blut“ sowie zweimal „Tha“; davor steht Tara. Dies ist der achtsilbige Mantra, der Fülle verleiht. [Hinweis: Außer dem erkennbaren Aufruf sind die Bestandteile als Lautchiffren angegeben. Eine vollständige Rezitationsformel wird nicht erschlossen.]
34-2. Als Rishi, Versmaß und Gottheit gelten Vamadeva, Pankti und Vishnu. Die Glieder entstehen mit ihren Klassenendungen aus den jeweils verdoppelten Aufforderungen „Erschrecke!“, „Versetze in Furcht!“
34-3. „Zermalme!“ und „Schütze!“ sowie dem Hum-Laut in dieser Reihenfolge. Den Nyasa an Händen, Körper und Gliedern mit den Unterscheidungen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung
34-4. soll der Mantrakundige auch hier nach dem beim achtsilbigen Mantra beschriebenen Verfahren vollziehen. Im Milchozean, auf einer goldenen Sandbank, in einem herrlichen göttlichen Garten,
34-5. unter einem Wunschbaum, auf dem Lotos eines goldenen Löwenthrons, betrachtet man ihn auf Garuda sitzend, leuchtend wie geschmolzenes Gold.
34-6. Er hält Muschel, Rad, Keule und Lotos in vier Händen, trägt ein göttliches gelbes Gewand und strahlt mit einer vielfarbig geschmückten Krone.
34-7. Er ist mit schönen Halsketten, Oberarmreifen und Ohrringen in Gestalt von Wassertieren geschmückt; Armbänder und Fingerringe erstrahlen im Glanz vieler Edelsteine.
34-8. Seine Brust trägt Shrivatsa und Kaustubha, eine Waldblumengirlande schmückt ihn. Nachdem man den Gott, dessen sämtliche Glieder schön sind, so betrachtet hat, verehrt man Hari.
34-9. Die Glieder verehrt man an den Spitzen der Staubfäden, auf den Blättern der Hauptrichtungen die Shaktis Shri, Rati, Dhriti und Kanti, auf den Eckblättern die Erscheinungsformen.
Erläuterung nach 34-9. Damit sind Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha gemeint.
34-10. Vishvaksena verehrt man in seiner Richtung, die Weltenhüter in ihren jeweiligen Richtungen und die Waffen im äußeren Kreis. Nachdem dies vorschriftsgemäß vollzogen ist,
34-11. opfert man in einer viereckigen Feuergrube im Vishnu-Feuer mit Zweigen von Bilva und Milchsaftbäumen sowie mit Lotosblüten,
34-12. mit Butter und Milchreis, von den acht Stoffen jeweils tausend Gaben. Den Guru verehrt man nach den eigenen Möglichkeiten mit Gold und weiteren Geschenken. [Hinweis: Die Quelle nennt acht Stoffe, fasst die Milchsaftbäume jedoch als Gruppe zusammen; einzelne Baumarten werden hier nicht ergänzt.]
34-13. Dann gilt dieser Mantra als verwirklicht und soll die gewünschten Ziele gewähren. Mit in Butter getränktem Durva-Gras soll man Tod und Krankheit abwehren.
34-14. Man speist Zweimalgeborene nach den eigenen Möglichkeiten und soll dadurch langes Leben erlangen. Im Wasser stehend, zur Sonne gewandt, rezitiert man mit erhobenen Armen.
34-15. Durch achttausend Wiederholungen soll man große Fülle gewinnen. Sämtliche Anwendungen, die beim achtsilbigen Mantra genannt wurden, gelten ebenso für dieses „Herz Vishnus“. Sie sollen mit den jeweils entsprechenden besonderen Japa- und Feueropferverfahren vollzogen werden; alles Weitere ist daraus entsprechend abzuleiten.
Abschnittsabschluss. Der Abschnitt über Vishnus Herzmantra.
34-16. Das Bija des Liebesgottes, „Krishna“ im Dativ, dann das Wort „Gopi“, das Wort „Jana“, „Wasser“, „Erde“, „Stand“, das lange „Bhu“, „Nabel“ und „Wind“
34-17. sowie die Gattin des Feuers: Dies gilt als der vierzehnsilbige Gopala-Mantra. Das erste Bija gehört ihm; seine Shakti ist das „linke Auge“. Narada ist der Rishi.
34-18. Viraj ist das Versmaß, Krishna in kindlicher Gestalt die Gottheit. Andere nennen Gayatri als Versmaß. Die Glieder werden nun in ihrer Reihenfolge angegeben. [Hinweis zu 34-16–17: Die Mantrabildung ist teilweise chiffriert. Die gelieferte Folge wird nicht stillschweigend in eine bekannte Krishna-Formel umgeschrieben.]
34-19. „Dem Achakra“, „dem Vichakra“, „dem Suchakra“, jeweils mit den zugehörigen Klassenendungen; sodann „zum Schutz der drei Welten“ und „dem Vernichter der Asuras“, ebenfalls im Dativ.
34-20. Einige nennen den Gopala-Mantra unter Weglassung der ersten vier Silben. Auch für diese Form sind Rishi und die übrigen Zuordnungen, Glieder und Praxis dieselben.
34-21. Bei diesem Mantra braucht man weder die Berechnung der Einteilung in Siddha, Sadhya und die weiteren Klassen noch die Zuordnung zu den Mondhäusern zu prüfen; denn er gilt als Vollendung verleihend für alle.
34-22. Auch hingebungsvollen Frauen und Shudras soll er das gewünschte Gelingen bringen. Nachdem die Hände durch den Waffenmantra gereinigt sind, setzt man die Silben auf die Finger, beginnend mit den kleinen Fingern,
34-23. sowie auf die Handflächen und überall sonst ein: Dies ist die Schöpfungsfolge. Für die Auflösung gilt die umgekehrte Folge; für die Erhaltung beginnt man am Mittelfinger.
34-24. Ebenso setzt man die Glieder an beiden Händen ein, bei der Schöpfung vom kleinen Finger an, bei der Auflösung vom Daumen an und bei der Erhaltung vom Mittelfinger an.
34-25. Auf Scheitel, Bindu-Punkt, Augen, Nase, Ohren, Mund, Hals, Herz, Nabel, Geschlechtsorgan, Knie, Unterschenkel und Füße
34-26. setzt man bei der Schöpfung die vierzehn Silben der Reihe nach auf den Körper. Bei der Erhaltung beginnt der Nyasa am Herzen, bei der Auflösung an den Füßen. [Hinweis: Die Aufzählung der Körperstellen und die Zahl vierzehn lassen sich ohne zusätzliche Aufteilung paariger Stellen nicht eindeutig zur Deckung bringen.]
34-27. Die Glieder, beginnend mit dem Herzen, setzt man an ihre eigenen Stellen ein. Nachdem der Handnyasa und die den ganzen Körper durchdringende Einsetzung vollzogen sind,
34-28. führt man den Körpernyasa und die Einsetzung der fünf Glieder nach der angegebenen Weise aus. Man empfängt den Mantra durch die Unterweisung des Gurus und handelt so, dass dieser zufrieden ist.
34-29. Zur rechten Zeit betrachtet man die Gottheit und vollzieht die vorbereitende Praxis. Berge, Flüsse, der Fuß eines Bilva-Baumes, ein See, ein Rindergehege, ein Heiligtum,
34-30. der Schatten eines Bodhi-Baumes und das Meer sind solche Orte der Praxis. Man lebt von Gelübdenahrung, beherrscht sich und widmet sich dem Bad zu den drei Tageszeiten.
34-31. An jedem dieser Orte rezitiert man je eigener Mantrasilbe tausendmal. Ein Zehntel der Japa-Zahl bringt man als Feueropfer mit Lotos, Butter, Sesam und Milchreis dar.
34-32. Man verehrt Krishna in einem Bild aus Gold oder anderem Material entsprechend den eigenen Mitteln und speist Brahmanen nach Vermögen; dadurch gilt das vorbereitende Gelübde als erfüllt.
Meditationsanweisung vor 34-33. Die Betrachtung lautet:
34-33. „Ich vergegenwärtige mir Krishna als Kind: Seine weichen Glieder sind dunkel wie die Blätter eines frischen blauen Lotos und wie eine Regenwolke. Seine Augen gleichen geöffneten Lotosblüten. Er trägt leuchtenden Schmuck aus Gold und Edelsteinen, gelbe Gewänder und einen Pfauenfederschmuck. Schön ist sein Gesicht, glänzend und bunt sind die Ohrringe in Gestalt von Wassertieren. In vier Händen hält er Muschel, Keule, Lotos und Rad.“
34-34. Oder man betrachtet ihn mit einer schönen, vielfarbigen Krone aus mancherlei Waldblumen, mit bunten Kadamba-Blüten und Pfauenfedern vermischt. Eine üppige Girlande mit glänzenden Staubfäden hängt weit vom Hals herab um seinen Körper. Er ist dem Flötenspiel hingegeben, trägt ein gelbes Gewand und ist von Kühen, Hirtinnen und Hirten umgeben.
34-35. Man meditiert über Mukunda in der Gestalt eines Hirten: Auf seiner durch Shrivatsa geschmückten Brust strahlt Kaustubha; sein Glanz mischt sich mit den beweglichen Halsketten. Sein Haar und seine Locken sind dunkel wie Bienenschwärme. Sein reines Lotosgesicht gleicht der vollen Mondscheibe, seine langen Augen geöffneten Lotosblüten. Im Himmel verehren ihn Götter und Rishis.
Abschnittsabschluss. Der Abschnitt über die allgemeine Praxis.
34-36. Nun wird die Betrachtung Krishnas zu den drei Tageszeiten beschrieben: Er befindet sich inmitten der Kälberschar, wenn die Kühe gemolken werden.
34-37. Spielerisch erfreut er sich am Vergnügen des Flötenspiels.
34-38. Die Kälber lecken ihn, die Hirtentöchter umgeben ihn. Götter, Asuras, Gandharvas, Rishis, Vidyadharas und weitere Wesen
34-39. verehren den Herrn der Götter in Scharen vom Himmel her. So vergegenwärtigt man ihn und verehrt ihn mit Champaka, blauem Lotos, Lotos und anderen duftenden Waldblumen,
34-40. mit Blüten, Duftstoffen, Räucherwerk und weiteren Gaben, wie es vorgeschrieben ist. Am Morgen reicht man in goldenen Gefäßen Sauermilch, Wurzeln, Rohzucker, Honig,
34-41. wohlschmeckende frische Butter und Betel. Mittags befindet er sich auf dem außerordentlich schönen Gipfel eines herrlichen Edelsteinberges,
34-42. in einem göttlichen Garten, im Schatten eines Wunschbaumes, in einem Edelsteinpavillon, vierarmig auf dem Fruchtboden des Lotos eines Edelstein-Löwenthrons.
34-43. Der Praktizierende betrachtet Krishna mit der bereits beschriebenen Gestalt und dem Schmuck. Den Unerschütterlichen umgeben Hirtentöchter von göttlicher Schönheit.
34-44. Die Scharen der Rishis von Narada an und auch die Götter dienen ihm. Die Kühe haben unter den Schatten der Gartenbäume geweidet und Gras und Wasser aufgenommen,
34-45. sind ganz gesättigt und ruhen ausgestreckt, während sie zu ihm blicken. Nachdem man ihn so betrachtet hat, ruft man ihn nach der noch folgenden Vorschrift herbei.
34-46. Man verehrt ihn mit duftenden Waldblumen, Champaka und aufgeblühten Kubjaka-Blüten und reicht Butter und Milchreis in goldenen Gefäßen.
34-47. Dann gibt man auch den Kühen Futter und verabschiedet ihn mit den Worten „Verzeihe!“. Am Abend ist der Gott in Vrindavana, inmitten des Kreises des Rasa-Tanzes.
34-48. Außerordentlich geschmückte Hirtentöchter umringen ihn; der Allgegenwärtige spielt und erfreut sich auf vielfältige Weise an Tanz, Gesang und anderem.
34-49. Man verehrt ihn mit Mallika- und Jati-Blüten, reicht Butter, Milchreis und gekochte Milch und gibt Wasser zum Waschen der Hände.
34-50. Man bietet Betel als Mundduft an und verabschiedet ihn. [Abschnittsabschluss:] Der Abschnitt über die Betrachtung zu den drei Tageszeiten. Nun wird die allgemeine Verehrung Krishnas beschrieben. [Hinweis zu 34-47 und 34-50: Die Quelle bietet bei „verabschieden“ jeweils eine eingeklammerte Lesungsfrage; diese bleibt in den Sanskritfassungen erhalten.]
34-51. Nach dem vorgeschriebenen Bad mit den eigenen Glieder- und Wurzelmantras geht man zum Opferhaus und verehrt die Torwächter mit ihren Namen der Reihe nach von Osten an:
34-52. Dhata und Vidhata, Ganga und Yamuna, ebenso die Schätze Shankha und Padma an den oberen Enden der beiden Türpfosten,
34-53. an deren Mitten und unteren Enden; dazwischen verehrt man Sudarshana. In der Mitte des oberen Türbalkens verehrt man die Segensmacht des Tores mit ihrem Namen.
34-54. Am südlichen Tor Bhadra, Subhadra und die Segensmacht des Tores; am westlichen Chanda, Prachanda und Lakshmi; Vijaya, Jaya
34-55. und Lakshmi verehrt man am Tor in der Richtung des Sternenherrn, im Norden. Man wirft eine mit dem Waffenmantra besprochene Blume hinein und tritt ein.
34-56. Diese Waffenblume legt man auf die Schwelle für den Lotosgeborenen des Bauplatzes. Man verehrt den eigenen Sitz und stellt sich ringsum einen Wall aus Waffen vor.
34-57. Mit dem Panzermantra umhüllt man das Haus und setzt sich auf den eigenen Sitz. Nachdem man sich durch Austrocknen und die folgenden Schritte der Reihe nach gereinigt hat,
34-58. setzt man die Mantras ein und macht sich zum vollständigen Träger der Gottheit. Selbst von Krishnas Gestalt, rezitiert man und verehrt den unvergänglichen Krishna im Bewusstseinslicht des eigenen Herzlotos,
34-59. beginnend mit dem Sitz und den weiteren Gaben, allein durch geistige Darbringungen. Mit Wurzel- und Gliedermantras bereitet man das Arghya und besprengt den Kopf mit seinem Wasser.
34-60. Mit diesen Arghya-Tropfen reinigt man den Ort und die Gesamtheit der Materialien. Dann verehrt man sich selbst in Krishnas Gestalt mit vorzüglichen Duftstoffen und weiteren Gaben.
34-61. Man trägt das aufrechte Stirnzeichen und schmückt den Kopf mit Blumen und Durva-Gras. Im Süden verehrt man den Herrn der Hindernisse, im Nordosten den Guru.
34-62. Man stellt sich den Sitz vor, der aus Erde und den weiteren Grundlagen besteht, und verehrt ihn. Mit Duftstoffen und anderen Gaben verehrt man die tragende Shakti und Ananta, jeweils mit ihrem eigenen Namen,
34-63. ferner Dharma und die entsprechenden Kräfte, Adharma und seine Gegenkräfte, das Wesen des Lichtes, die Gestalt der Tätigkeit, Verblendung und das Zeitprinzip, mit der zugehörigen Mantraformel.
34-64. Auch das Maya-Prinzip verehrt man, zusammen mit den Kreisen von Sonne, Mond und Feuer. Auf den Spitzen der Staubfäden von Osten an verehrt man die Shaktis.
34-65. Vimala, Utkarshini, Jnana, Kriya, Yoga, Satya, Prahvi, Ishana und Anugraha sind die neun zu verehrenden Shaktis.
34-66. In einem Bild aus Gold oder anderem Material oder auf einem regelgerecht gestalteten Bildtuch ruft man Hari herbei und verehrt ihn nach dem beim achtsilbigen Mantra beschriebenen Verfahren.
34-67. Die Glieder verehrt man an den Spitzen der Staubfäden und die Waffe in den Ecken. Rukmini, Satyabhama, Lakshmi, Nagnajiti,
34-68. Sunanda, Mitravinda, die Göttin Jambavati und Sushila verehrt man der Reihe nach auf den Blattspitzen von Osten an. [Hinweis: Die Namensliste wird genau in der gelieferten Form bewahrt.]
34-69. Außerhalb des Sitzes, innerhalb des Pavillons, verehrt man Muschel und die weiteren Attribute paarweise an den vier Toren, jeweils rechts und links in der Folge:
34-70. Muschel, Rad, Keule, Sharnga-Bogen, Streitkolben, Nandaka-Schwert, Schlinge und Haken. In der Mitte vorn verehrt man Shrivatsa und Kaustubha.
34-71. Außerhalb des Mandalas verehrt man die Gottheiten der Ecken von Südosten an: Sarasvati, Ganesha, Durga und den Hüter des Ortes, in dieser Reihenfolge.
34-72. Von Osten an verehrt man Narada, Kurma, die früheren Vollendeten und die Gurus. Außerhalb von ihnen stehen die Weltenhüter, weiter außen deren Waffen.
34-73. Nachdem man mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben verehrt hat, verabschiedet man die Gottheit. Auf diese Weise verehrt man täglich, bei ausreichenden Mitteln dreimal am Tag.
34-74. Demjenigen, der den Mantra so verwirklicht hat, sollen alle Wünsche erfüllt werden. Durch Feueropfer mit Waldblumen und Jati-Blüten soll er Brahmanen und weitere Gruppen gefügig machen,
34-75. ebenso durch rote Blumen und blaue Lotosblüten alle Menschen. Durch das Opfer von Sesam mit Reis und Blumen sowie durch das Tragen der dabei entstandenen Asche
34-76. soll er Frauen gefügig machen; die Gaben werden mit Butter, Milch und Honig übergossen. Mit Kadamba-Blüten opfert man, während man Gopalas Gestalt betrachtet,
34-77. wie er am Fuß eines Kadamba-Baumes singt; dies soll alle gefügig machen. Wer Nahrung und weitere Versorgung wünscht, opfert Shri-Blüten mit weißem Reis vermischt;
34-78. mit Apamarga soll das Opfer alle Welten gefügig machen. Wer Reichtum wünscht, opfert weißen Lotos und Ähnliches; wer Gewänder wünscht, Blumen von deren Farbe.
34-79. Für das Erlangen einer Braut opfert man Badari-Zweige mit Butter. Durch das Opfer von Salz, das mit Honig bestrichen ist, soll man alle gefügig machen.
34-80. Durch das Opfer von Milchprodukten soll man Rinderbesitz erlangen, durch Lotosblüten Reichtum an Nahrung. Durch ein Opfer von Sauermilch, Butter und Khadira-Holz soll man von Bedrängnissen frei werden.
34-81. Wer einen Sohn wünscht, verehrt Krishna am Fuß eines Ashvattha-Baumes und vergegenwärtigt ihn. „Gurutrupada“ soll man hunderttausendmal rezitieren und ein Zehntel davon
34-82. als Butteropfer darbringen; für Gedeihen soll man frische Butter opfern. Am Dienstagmorgen, nach dem Bad, verehrt man Hari zusammen mit Shri und der Erde.
34-83. Nach zehntausend Wiederholungen geht man zu dem betreffenden Feld, bespricht seine Erde siebenmal und nimmt sie zu sich; dadurch soll man das Feld nach sieben [Zeiteinheiten] erhalten. [Hinweis zu 34-81–83: „Gurutrupada“ ist als Mantrabezeichnung oder Anweisung nicht sicher deutbar; Devanagari bestätigt dieselbe auffällige Lesung. In 34-82 steht ein beschädigtes Wort, das im Opferzusammenhang als Butter verstanden wird. Die Zeiteinheit nach „sieben“ fehlt und wird nicht ergänzt.]
34-84. Man betrachtet Krishna als den, der den Parijata-Baum holt, und verehrt ihn mit Karavira-Blüten. Durch das Opfer entsprechend bereiteter Butter soll man seine Feinde wie Indra besiegen.
34-85. Man betrachtet und verehrt Hari als Bewohner von Dvaraka, umgeben von den Schätzen Shankha und den weiteren. Durch ein Reisopfer soll man bald gefestigte Stellung erlangen.
34-86. Wer Krishna als den betrachtet, der Partha die Gita lehrt, und ihn mit Lotosblüten verehrt, soll Dharma und Moksha erlangen; durch Durva-Opfer soll man lange leben.
34-87. Man betrachtet und verehrt ihn als den, der Rukmini fortführt. Wer geröstete Körner und Kuhbutter opfert und Japa übt, soll die gewünschte Braut beziehungsweise Frauen gewinnen.
34-88. Man betrachtet sich als eins mit ihm, wie er an Putanas Brust trinkt; schon durch den Blick sollen alle besetzenden Mächte verschwinden. Für Gift betrachtet man ihn als den Bezwinger Kaliyas.
34-89. Wer Regen wünscht, betrachtet ihn in Vrindavana und opfert Vetasa-Holz; nach sieben Nächten soll er, so versichert die Quelle, Regen erhalten.
34-90. Durch ein Opfer von Chinna, Butter und Sesam soll man Krankheiten und vorzeitigen Tod überwinden. Durch ein Milchreisopfer mit Butter sollen alle Wünsche erfüllt werden.
34-91. Ein Brahmane, der das Amt des königlichen Hauspriesters wünscht, opfert weiße Blumen, die mit Honig benetzt sind; er soll bald hunderttausend oder anderes erhalten. [Hinweis: Die zweite Vershälfte nennt „hunderttausend“, ohne hier die gezählte Sache sicher zu benennen. Sie wird nicht zu einem bestimmten Amt oder Geldbetrag ergänzt.]
34-92. So wurde die Vorschrift für den Krishna-Mantra gründlich dargestellt, im Hinblick auf die von den Rishis geschauten Rituallehren. Wenn ein Mantrapraktizierender ihm beständig und hingebungsvoll mit Verehrung, Japa, Feueropfer und Weiterem dient, soll er dadurch das jeweils Gewünschte erlangen.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, im Mantrapada, endet das vierunddreißigste Kapitel namens „Der glückverleihende achtsilbige Mantra und Gopala“.
Zur Besinnung. Die Tagesbetrachtungen laden dazu ein, eine geistige Ausrichtung durch den ganzen Tag zu tragen. Morgens, mittags und abends kann ein kurzer Moment der Sammlung die Verbundenheit mit dem eigenen Ideal erneuern. Diese heutige Anregung erwächst aus den Bildern der Hingabe; sie ist von den historischen Ritualen zur Einflussnahme auf andere klar zu unterscheiden.
Mantrapada, Kapitel 35: Die Mantras Narasimhas
Narasimha, Vishnus Mensch-Löwe-Gestalt, steht hier im Mittelpunkt einer ausgedehnten Schutz- und Mantralehre. Das Kapitel beschreibt innere und äußere Verehrung, Meditationsgestalten, Yantras und historische Anwendungsrituale. Ein längerer Abschnitt verbindet Kundalini, Nadis und die lichtvolle Shakti Lakshmi mit der Verinnerlichung der Verehrung. Die Quelle enthält auch beschädigte Formeln und ausdrücklich aggressive Rituale; diese bleiben als Bestandteile der historischen Überlieferung erkennbar.
Kapiteleingang. Nun das fünfunddreißigste Kapitel.
35-1. Beim Narasimha-Anushtubh ist Anushtubh selbst das Versmaß; die Gottheit ist der Mensch-Löwe. Vidhi, mit dem Namen Prajapati, ist der Rishi. Seine Glieder sind im Mantra selbst enthalten.
35-2. „Ohr“, das Ende von „Raum“, ausgestattet mit „Feuer“ und „Stab“, der „Schwertträger“ mit dem „linken Auge“, „Feuer“, „Stabträger“, „Mahakala“, das lange „Raum“ und „Wasser“ ohne „A“—
35-3. mit „Ohr“, das auf „Dha“ Endende, „Weiß“, geschmückt mit dem Mondstück; „flammend“, „Larvata“, „Schweif“ … [Die Quelle zeigt hier eine durch Sternchen bezeichnete Lücke. Die Lautchiffren und die beschädigte Wortfolge werden nicht zu einem bekannten Mantra ergänzt.]
35-4. „Nṛlimva“, „Virana“, „Hishnu“; „vor dem Tod des Todes verneige ich mich“. Mit vier, vier, acht und drei Silben,
35-5. dann mit fünf und acht werden die sechs Glieder der Reihe nach gebildet. Die Prüfung nach Mondhäusern und Siddha-Klassen und entsprechende Bindungen sowie Fasten und dergleichen
35-6. werden für diesen Mantra nicht vorgeschrieben; durch Hingabe, Japa und weitere Übungen soll er gelingen. Als Bija gilt „Lakuli“ mit dem eigenen Laut „Atidhriti“ und mit dem Punkt.
35-7. Als Shakti gilt „Sukshma“, mit dem eigenen Laut „Dhriti“ versehen und mit dem Punkt verbunden. Bei Feueropfern steht die dem Feuer liebe Endung am Schluss; die Betrachtung richtet sich nach der jeweiligen Handlung. [Hinweis zu 35-2–7: Die Lautkonstruktionen bleiben chiffriert. 35-4 ist schon in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen. Nur sein klarer Schluss wird übersetzt; die übrigen Wörter sind nicht sicher auflösbar.]
35-8. Man verehrt die Gottheit zu den drei Tagesübergängen, lebt von Gelübdenahrung und beherrscht die Sinne. An einem reinen Ort sitzend rezitiert man unermüdlich hunderttausendmal.
35-9. Man bleibt stets rein und richtet gleiche Hingabe auf Guru, Mantra und Gottheit. Wer dazu imstande ist, opfert Sesam und Butter; wer nicht dazu imstande ist, rezitiert die doppelte Zahl.
35-10. Ein Zehntel der Japa-Zahl soll man als Feueropfer darbringen; so wird der Mantra vollendet, nicht anders. Doch dieser Mantra soll einem Hingebungsvollen auch ohne vorbereitende Praxis gelingen. [Hinweis: Die unmittelbar aufeinanderfolgenden Aussagen über das Erfordernis der Vorbereitung bleiben beide stehen.]
35-11. Der Mantra hat elf Wörter. Ihre Silbenzahlen werden mit „Augen“, „Augen“, „Ohren“, „Feuer“, „Pfeile“, „Feuer“, „Rama“, „Ashvins“, „Veden“, „Augen“ und „Ashvins“ angegeben.
35-12. Nachdem die Hände durch den Waffenmantra gereinigt sind, setzt man die Mantrasilben auf die Fingerglieder ein, vom Daumen bis zum kleinen Finger, und auch auf beide Handflächen.
35-13. Mit dem Wurzelmantra vollzieht man die den Körper durchdringende Einsetzung, ebenso die Einsetzung der Wörter: auf Mund, Kopf, Nase, Augen, Ohren und Hals,
35-14. auf Herz, Nabel, Hüfte, Knie und Füße, die elf der Reihe nach. Mit so durch den Mantra geweihtem Körper übt man Japa, Meditation und Verehrung.
Meditationsanweisung vor 35-15. Die Betrachtung lautet:
35-15. Sein Glanz ist weiß wie tausend makellose Herbstmonde; Augen, Füße und zarte Hände gleichen aufgeblühten roten Lotosblüten.
35-16. Er hat ein Löwengesicht mit glänzenden Hauern und weit geöffnetem rotem Lotosmund. Dreiäugig und furchtbar durch seine zusammengezogenen Brauen, trägt er eine gelbbraune Mähne, die wie Blitze aufleuchtet.
35-17. Der Allgegenwärtige trägt einen roten seidenen Überwurf und ein gelbes Gewand. Seine erhobenen Hände halten Muschel und Rad, eine Krone schmückt den leuchtenden Kopf.
35-18. Ein Yogagurt umfasst seinen Leib. Wohl sitzend auf dem Lotossitz, mit gekreuzten Füßen, hat er zwei Arme auf die Knie gelegt.
35-19. An seinen Fingern glänzen Nägel in der Form von Mondsicheln. An seinen Ohren leuchten edelsteinbesetzte Ohrringe als Schmuck.
35-20. Sein Ohrschmuck strahlt von vielen Edelsteinen; weiße heilige Schnur und Perlenketten schmücken ihn.
35-21. Seine Brust trägt Shrivatsa und Kaustubha, der Leibgürtel ist mit Rubinen besetzt. Oberarmreifen, Edelsteinarmbänder und Fingerringe zieren ihn.
35-22. Die Hüftschnur leuchtet im Glanz vieler Edelsteine; an seinen Lotosfüßen glänzen kunstvolle Fußreifen und Fußspangen.
35-23. Durch die Schönheit aller seiner Glieder ist er selbst der Schmuck seiner Schmuckstücke. Sein Lotosgesicht ist heiter aus Freude darüber, den Daitya-König zerrissen zu haben.
35-24. Nachdem man Narasimha so betrachtet hat, vollzieht man Puja, Japa und weitere Übungen. Man vergegenwärtigt ihn wohl sitzend im Herzlotos und verehrt ihn mit der Fülle geistiger Gaben.
35-25. Der Yogi soll im Geist verehren. Wer dazu nicht imstande ist, verehrt äußerlich: Er fertigt ein Bild aus Gold, Edelstein, Silber oder Kupfer
35-26. oder verehrt auf einem bemalten Tuch oder in einem Shalagrama-Stein. Fehlt dies, verehrt er auf einem bereiteten Bodenplatz, im Feuer oder in der Sonnenscheibe.
35-27. Der Mantrapraktizierende soll die tägliche Verehrung ordnungsgemäß nach den verfügbaren Möglichkeiten ausführen. Ist ein unbewegliches steinernes Bild in einem Heiligtum gut eingesetzt,
35-28. führt man dort zum Schutz von König, Land und Weiterem die Verehrung ein. Man verehrt zu den drei Tagesübergängen oder einmal täglich, den eigenen Mitteln entsprechend.
35-29. Auch ohne vorbereitende Praxis soll der Hingebungsvolle durch tägliche Verehrung und Japa die gewünschten Ziele erreichen; daran bestehe kein Zweifel, versichert die Quelle.
Übergang vor 35-30. Nun die Vorschrift der täglichen Verehrung:
35-30. Nach Bad und Sandhya-Ritus geht man schweigend zum Verehrungsraum. Man wäscht Füße und Hände, schlürft ordnungsgemäß Wasser und verehrt die Torwächter.
35-31. Man trägt den heiligen Grasring und den Überwurf und besprengt der Reihe nach mit Arghya-Wasser. An den oberen Teilen der Türpfosten stehen Dhata und Vidhata, in der Mitte
35-32. Ganga und Yamuna, unten die Schätze Shankha und Padma. Auf dem oberen Türbalken steht die Segensmacht des Tores zwischen zwei Elefanten.
35-33. Mit dem eigenen Waffenmantra wirft man eine Blume hinein, vertreibt Hindernisse und tritt schweigend ein. Man verehrt den Herrn des Bauplatzes, Brahma und den eigenen Sitz.
35-34. Nachdem man Platz genommen hat, reinigt man sich durch die zuvor beschriebenen Schritte, beginnend mit Austrocknen. Im Herzlotos betrachtet man Narahari als reines Bewusstsein und als eins mit sich selbst.
35-35. Mit durch den Waffenmantra gereinigten Händen setzt man die Glieder auf die Finger ein; mit dem Wurzelmantra vollzieht man die den Körper durchdringende Einsetzung und die elf Wörter.
35-36. Man legt die ausgestreckten Hände auf die Knie, mit nach unten gerichteten Fingern, kreuzt die Füße und öffnet den Mund wie ein Löwe.
35-37. Nachdem man so die Narasimha-Mudra gebildet hat, verehrt man im Geist den daumengroßen Narahari im Licht innerhalb des Herzlotos.
35-38. Man zeichnet die aufrechten Stirnzeichen und legt Blumen auf den Kopf. In ein mit dem Waffenmantra gereinigtes Gefäß füllt man Arghya und fügt Kusha-Gras und ungebrochene Reiskörner hinzu.
35-39. Wie zuvor setzt man Tara ein, rezitiert, verehrt und zeigt die Kuh-Mudra. Mit diesem Arghya-Wasser besprengt man die Opfermaterialien,
35-40. den eigenen Kopf und den Opferplatz. Im Südwesten verehrt man Ganesha, im Nordosten die Gurus und Rishis; in den vier Richtungen des Verehrungsplatzes
35-41. im Osten Bhadra und Subhadra, im Süden Chanda und Prachanda, im Westen Chala und Prachala, im Norden Vijaya und Jaya.
35-42. In der Mitte verehrt man die tragende Shakti, dann Kurma und Ananta, darüber die Erde und den Yogasitz, jeweils aufeinander aufbauend. [Hinweis: Die gelieferte Zeile nennt die Erde mit zwei Wörtern unmittelbar nacheinander; daraus wird keine zusätzliche kosmische Stufe erschlossen.]
35-43. Dharma und seine Begleiter, Adharma und seine Gegenkräfte, Tamas, Sattva und Rajas sowie Knolle, Stängel und Lotos in Weiß, Schwarz und Rot werden verehrt.
35-44. Sonnenscheibe, Mondscheibe und Feuerscheibe gehören zu Blättern, Staubfäden und Fruchtboden. Man reicht Arghya, entfernt die alten Opfergaben mit dem Mantra und übergießt das Bild.
35-45. Darin ruft man Narahari genau nach dem beim achtsilbigen Mantra beschriebenen Verfahren herbei. Man reicht Arghya und die weiteren Gaben der Reihe nach und vergegenwärtigt seine Anwesenheit.
35-46. Man vollzieht den ausgedehnten Mantranyasa und verehrt mit Blumen und Räucherwerk. Mit Wurzelmantra, Gliedermantras und vedischen Mantras, mit den fünf Kuhprodukten und weiteren Mitteln
35-47. sowie duftendem Wasser übergießt man ihn und nimmt das Wasser mit einem Tuch ab. Man stellt ihn auf den Lotos des Sitzes und reicht erneut die drei Gaben, beginnend mit Arghya.
35-48. Dann verehrt man ordnungsgemäß nach dem bei den Darbringungen beschriebenen Verfahren. Die Glieder stehen an den Spitzen der Staubfäden; in den Ecken von Südosten an verehrt man die Waffe.
35-49. Shraddha, Medha, Mahakama, Bhima, Mahanana, Ardra und Dipti verehrt man an den Blattspitzen von Osten an. [Hinweis: Die Quelle nennt an dieser Stelle sieben Namen; ein achter wird nicht ergänzt.]
35-50. In der Mitte verehrt man Shri, im Osten Garuda, im Süden das Rad, im Westen den Sharnga-Bogen mit Pfeil und im Norden die Keule.
35-51. In den Ecken verehrt man die Muschel, Garuda an der Spitze der Fahne als Reittier. [Zwischenüberschrift:] Der äußere Kreis: Rad, Schwert, Lotos und Streitkolben stehen rechts,
35-52. Muschel, Keule, Schild und Sharnga-Bogen links von der Gottheit. Tushti steht rechts, Pushti links, dort auch Kaustubha.
35-53. Rechts verehrt man Shrivatsa, ferner die Waldblumengirlande, das gelbe Gewand, die heilige Schnur, den Nabellotos und die Krone.
35-54. Alle Schmuckstücke verehrt man an ihren eigenen Stellen. Kumuda, Kumudaksha, Pundarika, Vamana,
35-55. Shankukarna, Sarvanetra, Sumukha und Supratishthita verehrt man in den acht Richtungen von Osten an, mit ihrem eigenen Namen und „Verehrung“ am Schluss.
35-56. Außerhalb von ihnen verehrt man die zehn Weltenhüter mit ihren Waffen und weiteren Attributen. Dann verneigt man sich vor Guru, Rishi, Versmaß und Gottheiten.
35-57. Man verehrt die Gebetskette und rezitiert vor der Gottheit mit heiterem Geist den Mantra. Japa, Puja und alles Weitere bringt man zu den Füßen der Gottheit dar.
35-58. Man verneigt sich, preist sie und verabschiedet sie in ihre eigene Gestalt mit den Worten „Verzeihe!“. [Abschnittsabschluss:] Der Abschnitt über die tägliche Verehrung. Nun werde ich zum Wohl der Praktizierenden die Anwendungen erklären.
35-59. Wer an einem geeigneten Ort Gelübdenahrung zu sich nimmt und zehn Millionen Wiederholungen vollzieht, soll die Fähigkeit des Kleinwerdens und die übrigen Kräfte erlangen. Für Menschen mit schweren Vergehen soll Reinigung durch zehn Millionen erfolgen; bei leichteren Vergehen
35-60. durch hunderttausend, bei Vergehen durch eine Million. Wer vorzeitigen Tod überwinden möchte, nimmt einen schönen Krug aus Gold oder anderem Material,
35-61. füllt ihn mit mindestens einer Bhara Wasser und stellt ihn auf einem glückverheißenden Platz auf, versehen mit Wasser heiliger Orte, Gold, verschiedenen Edelsteinen, ungebrochenen Reiskörnern und Früchten,
35-62. mit Wasser von der Rinde der vier Milchsaftbäume, frischen duftenden Blüten und Zweigen von Shrivriksha, Ashvattha und Mango, zusammen mit einem Grasbüschel.
35-63. Diese werden ordentlich in die Krugöffnung gelegt; darüber kommt ein Deckel mit Reiskörnern. Der Krug wird mit zwei sehr feinen neuen Tüchern umwunden und mit einer Girlande geschmückt.
35-64. Mit dem Sitz und den weiteren Schritten ruft man den allgegenwärtigen Narahari darin herbei, verehrt ihn mit den sechzehn Darbringungen und auch sein Gefolge.
35-65. Man setzt das Feuer ordnungsgemäß ein und opfert tausendmal Butter. Man lässt die Opferreste in den Krug gelangen und rezitiert zehntausendmal den Mantra, während man den Grasbüschel berührt.
35-66. Man hält eine große Puja für die Gottheit und speist Brahmanen. Die Person, für die das Ritual bestimmt ist, hat gefastet und rein gebadet; man setzt sie auf einen Sitz aus Udumbara-Holz,
35-67. setzt den Mantra mit seinen Gliedern in sie ein und verehrt sie. Unter Gesang, Instrumentalklang und vorangehender Veda-Rezitation
35-68. übergießt man sie ordnungsgemäß; so soll sie von vorzeitigem Tod frei werden. Dem Mantrapraktizierenden gibt man eine Gabe, ohne die eigenen Möglichkeiten zu unterschreiten.
35-69. Auch von Geistern und besetzenden Mächten bedrängte sowie kranke Menschen soll man übergießen; ihre jeweilige Bedrängnis soll dadurch sofort nachlassen.
35-70. Tausendmal besprochene Asche gilt als Mittel gegen alle Krankheiten. Berührt man sich selbst und rezitiert den Mantra hundertmal, soll dies dem eigenen Schutz dienen.
35-71. Bei Bedrängnis durch Diebe, gefährliche Tiere, Schlangen, Könige, Geister und anderes soll man, die Einheit mit der Gottheit betrachtend und Japa übend, von der jeweiligen Furcht frei werden.
35-72. Man wird in der Vorstellung selbst Narasimha, schwingt den Feind, den man sich als Tier vorstellt, im Kreis und schleudert ihn in eine Richtung; in dieser Richtung soll der Feind vertrieben werden.
35-73. Selbst als zorniger Narasimha stellt man sich vor, den tiergestaltigen Feind mit den Nägeln zu zerreißen. Wer täglich tausendmal rezitiert, soll ihn innerhalb eines Monats töten.
35-74. Nach der Tötung des Feindes rezitiert man den Mantra und lässt sich mit dem Krugwasser übergießen; dadurch soll man gereinigt werden und zugleich eigenen Schutz erlangen.
35-75. Auch nach dem Erzeugen von Feindschaft, Vertreibung und Ähnlichem soll man sich so reinigen. Welche grausame oder friedliche Handlung der Mantrakundige auch wünscht,
35-76. die jeweilige Handlung soll durch Japa gelingen, wenn er Hari als eins mit sich selbst betrachtet. In einer viereckigen Feuergrube ruft man den Mensch-Löwen im Feuer herbei und verehrt ihn.
35-77. Wer mit den vorgeschriebenen Stoffen opfert, soll die gewünschte Frucht erhalten. Man hält auch eine Puja für die Gottheit und speist Brahmanen nach den eigenen Möglichkeiten.
35-78. Wer einen Sohn wünscht, opfert im Feuer aus Putranjiva-Holz dessen Früchte und soll einen guten Sohn erhalten; ebenso durch ein Opfer von Milchreis und Butter.
35-79. Wenn jemand einen Sohn wünscht, verehrt er den Erhabenen und opfert im Feuer aus Putranjiva-Holz hunderttausend Gaben von Milch, Butter
35-80. und Milchreis. Man lässt Butteropferreste in den Opferbrei fallen, rezitiert darüber und speist damit das Ehepaar; auch Brahmanen werden gespeist.
35-81. Bald soll ein lang lebender, schöner Sohn geboren werden. Wer Fülle wünscht, opfert im Feuer aus Bilva-Holz Shrilata-Blüten, Lotosblüten,
35-82. Bilva-Blätter und Früchte, mit Butter bestrichen; so soll er Fülle gewinnen. Durch Durva soll man langes Leben, durch Milch- und Butteropfer Vieh erlangen.
35-83. Zur Stillung von Bedrängnissen bringt man dreitausend oder zehntausend Durva-Gaben im Wasser dar; dadurch sollen die Bedrängnisse zur Ruhe kommen.
35-84. Wer Sieg im Krieg wünscht, verwendet ein Feuer aus Vibhitaka und Schilf und dessen Brennmaterial mit Wurzeln, Faserbüscheln, Blättern und Spitzen,
35-85. mit Senföl übergossen; durch zehntausend Opfer soll er Sieg erlangen. Ebenso rezitiert man, während man die entgegenkommenden Feinde in dieser Weise betrachtet.
35-86. Man verehrt die Gottheit mit Durva und ungebrochenem Reis und opfert im Palasha-Feuer Butter, Durva und Milchreis mit Butter; dadurch soll man lange leben.
35-87. Durch Palasha-Zweige mit Butter soll man Gesundheit erlangen. Für Regen opfert man Vetasa-Holz mit Butter und Milchreis.
35-88. Wer im Wasser stehend den Mantra rezitiert, soll den gewünschten Regen erhalten. Wozu darüber viele Worte? Was immer der Mantrakundige wünscht,
35-89. soll der Hingebungsvolle durch Puja, Japa, Meditation und Feueropfer erlangen. Man sitzt auf einem weichen Sitz, mit aufrechtem Körper und gesammeltem Geist.
35-90. Vier Finger unterhalb des Nabels betrachtet man die Kundalini, sieben Schlangen vergleichbar, sonnengleich leuchtend und achtfach gewunden. [Hinweis: Die Lesung nennt „sieben Schlangen“, nicht ausdrücklich eine schlafende Schlange; sie wird nicht stillschweigend geändert.]
35-91. Sie ist goldglänzend; in ihr befindet sich der Praṇava. Zehn Nadis gehen von ihr aus: Ida, Pinga, Sushumna, Gandhari, Hastijihvika,
35-92. Suyasha, Alambusha, Pusha, Kuhu und Shankhini. Diese Nadis sind die Wege der zehn Winde, beginnend mit Prana.
35-93. Die aufwärtsgehende Nadi namens Sushumna befindet sich in der Mitte des Körpers; Ida verläuft links, Pingala rechts.
35-94. Die Sushumna erreicht den Nabellotos und tritt in dessen Fruchtboden ein. Dort ist die Göttin Rama, leuchtend wie ein Blitz, von der Gestalt des Praṇava.
35-95. Man betrachtet sie als Sukshma, die Feine, aus Bewusstsein bestehend, strahlend wie eine Blitzlinie. Von dort gelangt sie auf dem Weg der Sushumna zum Fruchtboden des Herzlotos.
35-96. Dort betrachtet man die Rama-Shakti unter dem Namen Madhyama, wie eine Lampenflamme, durch den Praṇava von dreieinhalb Zeiteinheiten und den Hamsa-Mantra vergegenwärtigt.
35-97. Dann steigt sie als Lichtlinie durch die Sushumna weiter auf. Zwischen den Brauen, in der Mitte des Bindu und im Praṇava, betrachtet man Rama als Vaikhari,
35-98. mondstrahlengleich. Dann tritt sie durch die Sushumna weiter hinaus und gelangt in die Mitte des Mondkreises im Lotos am Zwölffingerpunkt.
35-99. Sie ruht im Tara- und Wasser-Bija, überströmt von Nektar, von dem Nektarstrom, den die Schar der Kalas von Amrita an ausgießt.
35-100. Durch die Sushumna kehrt sie nach unten zurück, der Reihe nach durch Brauenlotos, Herzlotos und Nabellotos, und erreicht die höchste, feine Kundalini.
35-101. Von dort erfüllt sie weiter bis zu den Fußsohlen alles mit Nektar. Wieder steigt sie, soweit es möglich ist, hinauf und kehrt vom Nektarort zurück,
35-102. den Körper vom Kopf bis zu den Fußsohlen mit Nektarwasser überflutend. So betrachtet man die höchste Lakshmi, die Gestalterin aller Welten.
35-103. Am Bindu setzt man die vier Veden ein, ganz mit Nektar erfüllt; im Herzlotos die Jahreszeiten von Frühling an, ebenfalls mit Nektar erfüllt.
35-104. Im Nabellotos setzt man das Ahavaniya-Feuer, das Anvaharya-Feuer und das Garhapatya-Feuer ein,
35-105. von Nektar überströmt und mit dem Praṇava ausgesprochen. Die Handlungsorgane setzt man links ein, die Erkenntnisorgane rechts.
35-106. Die fünf feinen Sinnesgrundlagen und die fünf Elemente setzt man am rechten beziehungsweise linken Fuß ein, von Nektar überflutet.
35-107. Auch dort betrachtet man die letzte [Kraft], die der Blitzlinie folgt. Denken, Unterscheidungsvermögen, Ichbildung, Prakriti und Purusha
35-108. setzt man als den ganzen Körper durchdringend ein. Dann betrachtet man den Mensch-Löwen als eins mit sich selbst und überflutet alles der Reihe nach mit Nektarwasser. [Hinweis zu 35-107: Der Bezug von „die letzte“ ist in der knappen Formulierung nicht sicher; eine fehlende Bezeichnung wird nicht ergänzt.]
35-109. Danach vollzieht man Puja, Japa, Meditation, Feueropfer und die weiteren Handlungen bis zum Abschluss. Man soll die beim Yantra genannte Frucht und die Vollendung des Mantras erlangen.
35-110. Dies gilt als allgemeiner Hari-Nyasa für die Mantras Naraharis. Nun werde ich das Narasimha-Yantra beschreiben, das als vorzüglicher allseitiger Schutz gilt.
35-111. Auf einer Goldplatte, auf Birkenrinde oder auf weißem Stoff zeichnet man mit fein zerriebenem Rochana, Safran, Laghu-Kushtha, Kampfer und Sandelholz
35-112. einen weißen Lotos mit leuchtendem Fruchtboden und Staubfäden. Innen hat er acht Blätter, außen sechzehn und weiter außen
35-113. zweiunddreißig Blätter. Außen umgibt man ihn dreifach mit der Schlinge und dann mit dem Haken. Den einsilbigen Narasimha-Mantra
35-114. schreibt man auf den Fruchtboden und darin den Namen der zu schützenden Person. Auf die acht Blätter kommen die acht Silben, auf die sechzehn Blätter die Vokale.
35-115. In die Mitten der zweiunddreißig Blätter setzt man die Silben des Wurzelmantras; auf ihre Spitzen schreibt man die zweiunddreißig Buchstaben von Ka an.
35-116. In die Zwischenräume der Blätter schreibt man ringsum dreifach Ha und Ksha. Man formt das Geschriebene zu einem Kügelchen und umwickelt es mit Lotos- und Seidenfäden. [Hinweis: Die Endung der Buchstabenfolge sowie die genaue Materialverbindung sind in der gelieferten Lesung unsicher.]
35-117. Man überzieht es mit Lack und Gold und legt das Yantra auf einen auf einem Lotos aufgestellten Krug; beginnend mit dem Sitz
35-118. ruft man die Gottheit herbei, verehrt sie ordnungsgemäß und rezitiert zehntausendmal den Mantra, während man das Yantra berührt. Man übergießt die zu schützende Person mit diesem Krugwasser und bindet das Kügelchen
35-119. an Hals, Kopf oder Arm. Dann speist man Brahmanen. Geister, Verstorbene, Pishachas, Anfallsleiden und feindliche Mächte,
35-120. ebenso Krankheiten wie Schwindsucht und andere sollen dadurch abgewehrt werden. [Zwischenüberschrift:] Vorschrift für ein weiteres Yantra: In das Bija schreibt man den Namen, darum einen Kreis und außerhalb davon:
Formel nach 35-120. „Om, Hum, Khe, Kshe, Phat; Sieg! Tha, Tha.“ [Hinweis: Dies ist überwiegend eine Lautformel. „Jaye“ kann auch die Anrede einer weiblichen Siegesgestalt sein; die übrigen Silben erhalten keine erfundene Wortbedeutung.]
35-121. Diesen Mantra schreibt man ringsum, unterbrochen vom Namen der betreffenden Person. Dann zeichnet man einen weiteren Kreis und ein Sechseck; in seine Ecken schreibt man „Feuer“.
35-122. Auf die Eckspitzen setzt man „Mahakala“, an die Verbindungen „Zorn“ mit dem Punkt. Außen zeichnet man den Erdkreis: So entsteht dieses Diagramm. [Hinweis: Die genannten Wörter bezeichnen hier Lautchiffren; sie werden nicht eigenmächtig in Bijas aufgelöst.]
35-123. Schon sein Tragen soll Geister, Verstorbene, Pishachas und Ähnliches vertreiben. Ein Prastha Shatavari-Pulver und ein Prastha Gokshuraka,
35-124. zwanzig Pala Varahi, fünfundzwanzig Guduchi, zweiunddreißig Bhallataka und zehn Chitraka,
35-125. diese Mengen werden pulverisiert; dazu kommen ein Prastha schwarzer Sesam und siebzig Pala alter Zucker.
35-126. Fünfunddreißig Pala Honig und halb so viel Kuhbutter werden angegeben. Man vermischt alles und legt es in ein eingefettetes Gefäß.
35-127. Nach sieben Nächten soll man täglich morgens ein halbes Pala davon essen, mit dem Narasimha-Mantra besprochen, während man sexuelle Enthaltsamkeit wahrt.
35-128. Nach sechs Monaten soll dies das Ergrauen verhindern und Alter und Tod überwinden, ebenso die achtzehn Formen von Kushtha und die sieben Formen von Auszehrung,
35-129. achtzig durch Wind bedingte Krankheiten, einundzwanzig durch Galle bedingte, zwanzig durch Schleim bedingte und die aus ihrem Zusammenwirken entstehenden Leiden.
35-130. Wer dieses Narasimha-Rasayana einnimmt, soll lange leben. [Abschnittsabschluss:] Der Abschnitt über den Narasimha-Anushtubh. Tara, „Herz“ und das Wort „Bhagavat“ im Dativ stehen sodann am Anfang.
35-131. Es folgen das lange „Widder“, „Feuer“, „Weiß“ mit „Auge“ und „Stab“, dann „Raum“, der lange „Wind“ und „Götter und Danavas“. [Hinweis: Hier beginnt ein anderer, teils chiffrierter Mantra. Die vorausgehende Rasayana-Rezeptur und ihre Heilungsbehauptungen sind historische Angaben, keine geprüfte Behandlungsempfehlung.]
Langer Narasimha-Mantra nach 35-131. „… dem von flammenden Tausenden und Abermillionen [von Lichtern] gleichenden Glanz; dem, dessen Waffen diamantene Nägel und Hauer sind; dessen Mähne und Haarbüschel sich deutlich zerstreuen; dessen Schall wie das Wasser des aufgewühlten großen Ozeans und wie Trommeldonner ertönt; dem Widerhall im Inneren aller Mantras, dem Herzen im Inneren aller Mantras. Komm, komm, Erhabener, Narasimha, Purusha, Höchster und Niederster, Brahman! Durch die Wahrheit erstrahle, entfalte dich, spalte, zerreiße alle Unterwelten! Kreise, brülle, lass den Löwenruf erschallen, vertreibe, dringe ein, verschlinge alle Yantra-Gestalten! Binde alle Unterwelten! Du ringsum unendlich Flammender, umgib die sieben Unterwelten mit einem Käfig von hundert Donnerkeilen! Ziehe alle Unterwelten und die Herzen der Bewohnerinnen der Götterwelt herbei! Erschüttere, rasch verbrenne, schlage, koche, zerreibe, trockne aus, zerschneide, bis alle Mädchen meiner Gewalt unterworfen sind … aus den Unterwelten, von den Asura-Frauen: Phat! Den Yantra-Gestalten: Phat! Bringe [sie/mich] zum Lachen! Schütze mich, Erhabener Narasimha, Vishnu, vor allen Verfehlungen, allen Nöten, allen Gefahren, Bedrängnissen und Ängsten! Om, Hrim, Kshi, Phat … Phat, Tha, Tha.“
Hinweis zur langen Formel: Der Anfang „bhugitasham“ sowie die Zahlen- und Glanzverbindung sind beschädigt und bereits mit einer Lesungsfrage versehen. Auch der Satz über die Mädchen und Unterwelten, „sahasaya“ sowie die Schlussfolge „kastu te hṛ“ lassen sich nicht sicher syntaktisch erschließen. Die Auslassungszeichen der Übersetzung markieren ausschließlich diese örtlich unverständlichen Wörter, keinen ausgelassenen verständlichen Gebetsabschnitt. Der gesamte gelieferte Wortlaut bleibt in IAST und Devanagari erhalten; die Formel wird nicht als gesicherter Rezitationstext ausgegeben.
Gliedermantras nach der langen Formel. Seine Glieder sind:
- Herz: „Spiel Narasimhas, Vertreibung durch den Löwen! Schlage alle Yantras, zerbrich sie, vertreibe sie! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- Kopf: „Om, zum Schutz des Hauptes Narasimhas: Hum, Phat, Tha, Tha.“
- Scheitel: „Om, dem mit gewaltigen Hauern: Hum, Phat, Tha, Tha.“
- Panzer: „Om, Vertreibung der Feinde Narasimhas: Hum, Phat, Tha, Tha.“
- Waffe: „Om, Verehrung dem erhabenen Narasimha, Veda … Gliedern des Veda: Hum, Phat, Tha, Tha.“ [Die Verbindung „vedavedanivedange“ ist nicht sicher deutbar.]
Sitz-, Herbeirufungs- und Verehrungsformeln. „Om, dem unendlichen Ananta, dessen gewundener Leib mit tausend Hauben ein Ruhebett bildet: Tha, Tha.“ — „Komm, Erhabener Vishnu! Tha, Tha“ ist der Herbeirufungsmantra. „Om, Verehrung dem, der Shri heilsam ist, Verehrung“ ist der Verehrungsmantra. „Verehrt bist du; [verweile/gehe] nach deinem Wohlgefallen. Verehrung.“ [Die letzte Formel enthält kein ausdrücklich genanntes Verb.]
35-132. Dieser als Narasimha bezeichnete Mantra gilt als vierhundertsilbig. Yama ist sein Rishi, Aticchandas sein Versmaß, Vishnu selbst seine Gottheit. [Hinweis: Die Silbenzahl ist eine Angabe der Quelle; wegen der beschädigten Stellen wird sie hier nicht als nachgeprüfte Zählung bestätigt.]
35-133. Man begibt sich rein zu einem nach Westen gerichteten Vishnu-Heiligtum und rezitiert zwölftausendmal zur Vollendung der vorbereitenden Praxis.
35-134. Man setzt die Gliedermantras an Händen, Fingern und Körper ein und verehrt Narahari, achtarmig und dreiäugig.
35-135. Er ist aus der Säule hervorgetreten und hat den Daitya mit seinen schwertgleichen Nagelspitzen zerrissen; sein Körper ist vom Blut bespritzt, als er dessen Eingeweide wie eine Girlande herumschleudert.
35-136. In sechs Armen trägt er Rad, Schwert, Streitkolben, Muschel, Schild und Keule. Mit den beiden unteren Händen
35-137. hat er Hiranyakashipu zerrissen und schleudert dessen Eingeweide furchtbar empor. Grimmig steht er im Torbereich, nachdem er den Körper des Feindes auf die Knie gelegt hat.
35-138. Er brüllt mit außerordentlich tiefer Stimme und ist furchterregend durch sein lautes Lachen. Die Götter von Virincha an und auch die Scharen der Rishis preisen ihn.
35-139. So betrachtet man ihn und verehrt ihn auf einem Bildtuch ohne umgebende Kreise, im Geist oder mit äußeren Darbringungen. Täglich rezitiert man auch den Mantra.
35-140. Wer den Mantra verwirklicht hat, geht zu einer Höhle und rezitiert zehntausendmal. Auch wenn er dort vielfältige Hindernisse sieht, soll er unbewegt weiterrezitieren.
35-141. Der Mutige tritt in die Höhle ein und soll in der Unterwelt Vollendung erlangen. Wer dazu nicht imstande ist, rezitiert am Höhleneingang; dann sollen aus der Höhle
35-142. Asura-Mädchen hervortreten und ihm das Gewünschte gewähren. Er soll ein Rasayana, eine Essenz, Reichtum oder eine Ghatika erhalten. [Hinweis: Die hier als Ghatika bezeichnete Gabe wird nicht näher erklärt.]
35-143. Götter, Asuras, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas und weitere Scharen sollen sich dem Mantrapraktizierenden nicht feindlich nähern, sondern ihm das Gewünschte gewähren.
Abschnittsabschluss. Der Abschnitt über Narasimha der Unterwelt.
35-144. Der einsilbige Narasimha-Mantra besteht aus „Brahma“, „Weiß“, „Feuer“ und „Gnade“, mit dem Stab. Jagati ist das Versmaß, Atri der Rishi, die Gottheit
35-145. ist Mahavishnu. Seine Glieder entstehen aus ihm selbst mit den langen Vokalen. Im Herzen betrachtet man ihn, umgeben von einem Netz flammender Feuerzungen und drei Flammenspitzen.
35-146. Im Herzen eingesetzt soll er selbst Verfehlungen verbrennen, die in früheren Geburten angesammelt wurden. Ein Brahmane rezitiert diesen vom Praṇava umschlossenen Mantra in strenger Selbstbeherrschung.
35-147. An einem ins Meer mündenden Fluss und auf dem Gipfel eines Berges rezitiert man eine Million Mal, während man sich von Butter ernährt; sodann entsprechend
35-148. eine Million Mal von Almosennahrung lebend, zur Vollendung der vorbereitenden Praxis. Man betrachtet ihn wie einen Schneeberg, mit einer safranfarben aufleuchtenden Mähne.
35-149. Die Spitzen seiner Hauer gleichen jungen Halbmondsicheln; er ist löwengesichtig und dreiäugig. Über seiner breiten Stirn mit den gebogenen, zusammengezogenen Brauen leuchtet die Krone.
35-150. Vierarmig trägt der Allgegenwärtige Muschel, Rad und Keule und zeigt die Furchtlosigkeitsgeste. Vielfältiger Schmuck ziert seine Glieder; ein gelbes Gewand schmückt ihn.
35-151. Er ist zornentbrannt bei der Tötung Hiranyas und scheint mit seinen Blicken zu verbrennen. Man betrachtet Narahari als eins mit sich selbst und verehrt ihn allein im Geist.
35-152. Wer dazu imstande ist, verehrt ihn hingebungsvoll auf einem Bildtuch oder in einem Bild. Schon zehn Wiederholungen sollen von Krankheit und Not befreien.
35-153. In der Gegenwart dieses Mantras sollen andere Mantras gehemmt werden; Geister, Pishachas und weitere Wesen sollen zu Asche werden, daran bestehe kein Zweifel.
35-154. Auch ohne vorbereitende Praxis soll er dem Hingebungsvollen durch Japa gelingen. Die Bedrängnis durch Gift, Krankheit, besetzende Mächte und Feinde soll sofort verschwinden.
35-155. Schon durch hunderttausend Wiederholungen sollen alle Bedrängnisse zur Ruhe kommen. Die Anwendungen werden nach dem beim Anushtubh beschriebenen Verfahren ausgeführt.
35-156. Auch die an anderer Stelle für Varaha beschriebenen Anwendungen gelten für diesen Narahari-Mantra. Zur Besänftigung seines Zorns soll man den folgenden rezitieren.
Formeleingang nach 35-156. Tara, [eine in der Quelle mit Sternchen bezeichnete Fehlstelle], „Herz“, „dem Erhabenen“, dann das Wort „Meshontaya“. [Die letzte chiffrierte oder beschädigte Bildung bleibt unaufgelöst.]
Langer Schutzmantra nach 35-156. „Dem Tausendhäuptigen, dem auf dem Milchozean Ruhenden, dessen Ruhebett der Leib Sheshas ist, dessen Reittier Garuda ist, Vasudeva: Verehrung! Dem Gelbgekleideten, Vasudeva, Samkranta, Pradyumna, Aniruddha, Pferdeköpfiger, Eber, Narasimha, Vamana, Trivikrama, Rama, Rama, Krishna, Gnadenspender: Verehrung dir!
Asuras, Daityas, Danavas, Yakshas, Rakshasas, Geister, Verstorbene, Pishachas, Kushmandas, Apasmara, Siddhas, Yoginis, Dakinis, Riti, Ghrini, Brahmarakshasas, Vinayakas, Putana, Revati, Skanda und die mit ihnen vorangehenden oder folgenden besetzenden Mächte, Anarya-Mächte, Sternenmächte und diese wie auch andere große besetzende Mächte: Schlage, verbrenne, koche, zerreibe, zermalme, ergreife, lass eintreten, zerstöre, erschrecke, vertreibe sie! Du mit allen Waffen, mache sie mit Rad, Keule, Donnerkeil und Dreizack zu Asche, Tausendarmiger, mit allen Angriffswaffen Bewaffneter! Om, Verehrung!
Om, Sieg, großer Sieg! Unendlicher, Unbesiegter, Ungehemmter, Tausendäugiger, flamme, flamme auf! Allgestaltiger, Madhusudana, großer Purusha, Vaikuntha, Narayana, Govinda, Padmanabha, Hrishikesha, Keshava, Damodara, der du alle Wesen unter deine Macht bringst, Träger von Muschel, Rad und Keule, alle Wesen [Umfassender]: Verehrung dir!
Bezwinger aller Nagas, Vernichter aller Asuras, großer Herr aller Götter, Abwehrer aller besetzenden Mächte, Zerbrecher aller Yantras, Sprenger aller Mudras, Vernichter aller Fieber, Befreier aus allen Bindungen, Vollender aller Handlungen und Ziele, Vernichter aller Bedrängnisse, Vernichter aller Krankheiten, Vernichter aller Feinde, Vernichter, Abwehrer aller Bösen, Besänftiger aller Unheilszeichen, Vernichter aller bösen Träume, alle Götter [Umfassender]: Verehrung dir! Der du alle Geister fortziehst, Janardana, Gott der Götter: Verehrung dir!“
Hinweis zur Namens- und Geisterliste: Die Quelle enthält auffällige Formen, darunter „Samkranta“, „Riti“, „Ghrini“ und die Verbindung nach Skanda. Sie werden nicht durch erwartbare Standardnamen ersetzt. Die eckigen Zusätze „Umfassender“ machen lediglich die unsichere syntaktische Beziehung der vorliegenden Anrede sichtbar. Die doppelte Nennung „Vernichter“ bleibt erhalten.
Glieder nach der Padmodbhava-Samhita. Die Quelle erklärt ausdrücklich: In der Padmodbhava-Samhita werden seine Glieder so gezeigt:
- Herz: „Herr der Wesen, siege, Lebender! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- Kopf: „Lichtvoller, Lebender! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- Scheitel: „Dem, dessen Krone aus Nektar entstanden ist: Siege, Lebender! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- Panzer: „Im Nektar, um der Krishna-Gestalt willen, Lebender! Hum, Phat, Tha, Tha.“ [Die Wortverbindung ist unsicher und bleibt in ihrer erkennbaren Einzelbedeutung wiedergegeben.]
- Waffe: „Dampati, Lebender! Hum, Phat, Tha, Tha.“ [„Dampate“ lässt sich hier nicht sicher als Anrede des Hausherrn oder Ehepaares bestimmen.]
- Auge: „Dem, dessen Glanz allen Glanz überragt: Vaushat!“
Anweisung zum Richtungsverschluss. Mit dem Schau-Mantra wird die Bindung der Richtungen vollzogen. [Die Quelle nennt diesen Mantra hier nicht weiter aus.]
35-157. Vamadeva ist sein Rishi, Viraj das Versmaß; seine Gottheit
35-158. ist Vishnu. Für die vorbereitende Praxis rezitiert man zwölftausendmal. Ein Zehntel davon opfert man mit Sesam und Butter; so soll man den Mantra verwirklichen.
35-159. Schon durch das Erinnern des Mantras sollen alle Bedrängnisse verschwinden. Man betrachtet den Götterherrn Narasimha nach dem beim Anushtubh beschriebenen Verfahren,
35-160. verehrt ihn und rezitiert den Mantra; so sollen alle Wünsche erfüllt werden. Wer Sieg im Krieg wünscht, opfert damit zehntausendmal Butter.
35-161. Nachdem man ihn in der Zahl „Kriti“ rezitiert hat, soll man Sieg im Krieg erlangen. Einem Mantrapraktizierenden, dessen Leib durch den Mantra gerüstet ist und der den Mensch-Löwen als eins mit sich selbst betrachtet,
35-162. sollen Geister, Verstorbene, Pishachas und weitere Wesen, Tiger, Schlangen und andere Tiere sowie Feinde, Diebe und weitere Bedrohungen aus Furcht nicht nahekommen.
35-163. Durch hundertacht Wiederholungen soll man Masurika, ein Pockenleiden, beseitigen. Man betrachtet Narahari als eins mit sich selbst und blickt mit furchtbarem Auge.
35-164. Durch zehntausend Wiederholungen soll man Apasmara, ein Anfallsleiden, vernichten; ebenso schweres Fieber. Zwanzig Wiederholungen sollen Augenleiden vertreiben.
35-165. Man meditiert mit fünfzehn Wiederholungen; Gifte sollen durch Japa in der Zahl „Jagati“ beseitigt werden. Hunderttausend Wiederholungen sollen Kushtha und Schwindsucht vertreiben. [Hinweis: Der erste Satzteil nennt kein eindeutig abgegrenztes Ziel; „Kriti“ und „Jagati“ sind Zahlen- beziehungsweise Versmaßchiffren, die hier nicht eigenmächtig in gesicherte Mengen umgerechnet werden.]
35-166. Wer Opfernahrung isst und Nandyavarta-Blüten mit Butter opfert, soll einen Sohn erhalten. Durch Durva, das mit Sauermilch, Honig und Butter übergossen ist, soll man vorzeitigen Tod überwinden.
35-167. Butter, die von Vollmond an täglich dreimal mit diesem Mantra besprochen wurde, soll man „am Nichtvollmond“ einnehmen; dadurch soll große Einsicht entstehen. [Hinweis: Die Zeitangabe „apaurnamasyam“ ist auffällig; sie wird nicht stillschweigend zu „am nächsten Vollmond“ geändert.]
35-168. Vierundzwanzig Wiederholungen sollen Gefügigkeit bewirken, ebenso achttausend Butteropfer unter Einfügung des Namens der betreffenden Person.
35-169. Wer Heranziehung wünscht, opfert weißen Senf. Mit ölgetränkten Aksha-Zweigen opfert man nachts, beginnend am achten Tag der dunklen Monatshälfte,
35-170. bis zum nächsten dunklen achten Mondtag; dadurch soll der Feind sicher getötet werden. Durch zehntausend Lotosopfer und durch Bilva-Früchte soll man Fülle erlangen.
35-171. Welches Land man auch begehrt: In der Varaha genannten Konstellation umschreitet man es nach rechts und opfert Jyotishmati-Butter.
35-172. Bis zum Jahresende soll man dieses Land erhalten, daran bestehe kein Zweifel. Die Naga-Konstellation liegt am dunklen achten Mondtag, an einem Freitag und unter dem mit Mitra verbundenen Mondhaus vor,
35-173. in einem Schlangen-Muhurta, unter dem Schlangen-Mondhaus und im Naga genannten Karana. Diese Verbindung heißt Naga-Yoga; oder sie besteht aus Karana und Mondhaus allein. [Hinweis: Die Quelle gibt mehrere astrologische Merkmale in gedrängter Form an; ihr Verhältnis wird nicht zu einem neu berechneten Kalendertermin vereinheitlicht.]
35-174. Zur Verwirklichung der Unterweltpraxis opfert man eine Million Gaben von Milch und Butter; von den Bewohnern der Unterwelt soll man großen Reichtum erhalten.
35-175. Man soll Essenz, ein Rasayana, Reichtum oder eine Ghatika erlangen. Im Schatten eines Banyan-Baumes opfert man Jyotishmati-Butter.
35-176. Dadurch soll man die göttlichen Fähigkeiten von Anima an erlangen, daran bestehe kein Zweifel. Wer das Wandeln im Luftraum wünscht, opfert Ankola-Öl
35-177. und Jyotishmati-Öl, jeweils dreihunderttausend Gaben. Danach fastet man drei Nächte und rezitiert den Mantra drei Tage lang.
35-178. Nachts steht man in einem ins Meer mündenden Fluss bis zum Hals im Wasser und rezitiert fünftausendmal. Dann nimmt man die mit dessen Wasser herangekommene
35-179. Frucht eines Banyan-Baumes und isst sie ohne Bedenken. Dadurch soll man im Luftraum wandeln, lange leben und neu erblühte Jugend besitzen.
35-180. So wurden die Mantras Narasimhas dargelegt, nachdem die maßgeblichen, vielfältigen und zahlreichen Rituallehren bedacht wurden: zusammen mit ihren Verehrungsvorschriften und besonderen Anwendungen, ihrem Sinn entsprechend für diejenigen, die Narahari hingegeben sind.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im Mantrapada, endet das fünfunddreißigste Kapitel, das Kapitel über die Mantras Naraharis. [Hinweis: Hier lautet die Werkcharakterisierung im gelieferten Kolophon „Siddhantasara“, nicht „Tantrasara“.]
Zur Besinnung. Die innere Verehrung lässt den ganzen Menschen zum Ort der Sammlung werden. In der Quelle stehen solche Betrachtungen neben Heilungs-, Macht- und Wunderverheißungen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann besonders die Darbringung aller eigenen Übungen zu den Füßen des göttlichen Ideals eine Anregung sein: aufmerksam handeln und sich nicht allein am Besitz von Ergebnissen messen.
Mantrapada, Kapitel 36: Varaha und der königliche Mantra Vishnus
Varaha, Vishnus Ebergestalt, wird als Träger der Erde betrachtet. Dieses Kapitel beschreibt seinen großen und seinen einsilbigen Mantra und führt anschließend zu einem langen Vishnu-Mantra mit fünf ausführlichen Gliedern. Die ausgeschriebenen Verehrungsformeln lassen erkennen, wie einzelne Gaben durch Anrede, Bitte und Darbringung in die Puja eingebunden werden. Die damit verbundenen Erfolgs- und Heilungsbehauptungen werden als historische Aussagen wiedergegeben.
Kapiteleingang. Nun das sechsunddreißigste Kapitel.
36-1. Tara, „Herz“, „dem Erhabenen“, „Krug“, langes „Feuer“, „Raum“, „Schlange“ mit dem „linken Ohr“, langes „Seite“ und dann „Wind“—
36-2. dazu die drei Vyahritis, „Seite“, die Endung „taye“, der „Herr der Erde“ vorausgeht; „du mir“, „de“, sodann „Raum“ mit dem „rechten Auge“, „lass geben“ und zweimal „Tha“.
36-3. Dies ist der Mahavaraha-Mantra. Rishi und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor. Die erste Silbe der Vyahritis ist das Bija; mit den Vyahritis selbst werden seine Glieder gebildet. [Hinweis zu 36-1–3: Wortteile und Lautchiffren sind vermischt. Die vollständige Mantraform wird daraus nicht rekonstruiert.]
36-4. Die drei Vyahritis mit ihren Klassenendungen bilden die Glieder von Herz an; Mahar und Jana bilden den Panzer, Tapas und Satya die Waffe.
36-5. Ebenso setzt man die sieben Vyahritis auf die Finger beider Hände ein. Mit dem Wurzelmantra vollzieht man die den Körper durchdringende Einsetzung, mit Praṇava am Anfang die Glieder an den entsprechenden Körperstellen.
36-6. Zur Vollendung der vorbereitenden Praxis rezitiert man hunderttausendmal und lebt von Gelübdenahrung. Man betrachtet den Allgegenwärtigen wie eine Masse dunkler Regenwolken, mit dem Gesicht eines Ebers,
36-7. vierarmig, Muschel, Rad und Keule tragend, Furchtlosigkeit und Gnade gewährend. Sein Leib erfüllt die drei Welten; er ist fest auf einem Lotossitz niedergelassen.
36-8. Auf dem Hauer seiner leicht angehobenen Schnauze sitzt die Erde. Seine Brust trägt Shrivatsa und Kaustubha; Krone und andere Schmuckstücke
36-9. schmücken ihn, und er trägt ein gelbes Gewand. Bei Japa und den weiteren Übungen betrachtet man ihn als eins mit sich selbst, verehrt ihn mit geistigen Gaben und auch in Bildern und anderen Trägern.
36-10. Von dem Land, das man erhalten möchte, nimmt man an einem Dienstag Erde und opfert sie mit den drei süßen Stoffen unter diesem Mantra.
36-11. So verfährt man an sieben Dienstagen, oder doppelt beziehungsweise dreifach so lange. Durch diese Opfer sowie tägliches Japa und Verehrung soll man das Land erhalten.
36-12. Unter den angegebenen Konstellationen nimmt man dessen Erde und isst sie während des Japa. So soll das Land in den eigenen Besitz übergehen und eine Schädigung des Feldes verschwinden.
36-13. Wozu viele Worte, die nur das Buch beschweren? Was jemand wünscht, das soll ihm, wenn er es beim Opfern zum Ziel nimmt,
36-14. beim Japa und bei der Betrachtung auf diese Weise gewiss gelingen. [Abschnittsabschluss:] Der Abschnitt über den Mahavaraha-Mantra. Der Varaha-Mantra besteht aus „Dviranda“ mit dem „linken Ohr“ und dem Auslaut.
36-15. Sein Rishi heißt Samshika, das Versmaß ist Gayatri, die Gottheit Vishnu. Seine Glieder entstehen aus ihm selbst mit den langen Vokalen.
36-16. Beginnend am ersten Tag der hellen Monatshälfte rezitiert man hunderttausendmal, während man sich von Butter ernährt. Ein Zehntel davon opfert man als Butter; danach soll der Mantra verwirklicht sein.
36-17. Rishi, Versmaß, Gottheit, Betrachtung und Weiteres wurden zuvor angegeben. Die beim Mahavaraha-Mantra genannten Anwendungen sind auch für diesen vorgeschrieben.
Abschnittsabschluss. Die Vorschrift für den einsilbigen Varaha-Mantra. [Hinweis: Die Chiffre „Dviranda“ und der Rishi-Name „Samshika“ werden nach der gelieferten Lesung bewahrt.]
Eingang des langen Mantras vor 36-18. Tara, der achtsilbige Mantra und dann das Wort „dem Urgott“.
Langer Vishnu-Mantra. „[Unklare Eingangsfolge], dem Großen, dem Schatz allen Glanzes, dem mit den drei Gunas und dem jenseits der Gunas, dem mit allen Kennzeichen, dem von allen Farben, dem Schöpfer, Erhalter und Auflöser der drei Welten, dem von Göttern und Asuras Verehrten, dem Offenbaren und Unoffenbaren, dem mit allen Angriffswaffen Bewaffneten, dem Vernichter aller Feinde, dem Gewährer aller Gaben, dem liebevoll allen Zugewandten, die ihm folgen, dem Vernichter aller Verfehlungen, dem Abschneider aller Mantras, dem Sprenger aller Mantras, dem Zerbrecher aller Mudras, dem auf Garuda Fahrenden, dem Träger von Muschel, Rad und Keule, dem mit dem großen Sharnga-Bogen!
Urgott der Götter, Narayana, flamme, flamme auf! Schlage, verbrenne, koche, schneide ab, töte, vertilge, trockne aus, lähme, vertreibe, ziehe herbei, erzeuge Feindschaft, vertreibe alle Feinde, vernichte sie! Zerstöre die Vinayakas, zermalme die besetzenden Mächte, erschrecke die Yatudhanas, verwirre die Nagas! Verbrenne jedes Gift, koche alle Krankheiten aus, wische Unglück hinweg, rufe Fülle herbei, gewähre gutes Geschick! Bringe die drei Welten unter deine Gewalt, erfülle alle Wünsche, rufe Götter und Asuras herbei, ziehe die Welten ein, zermalme die Berge, trockne die Ozeane aus, trage die Erde! Du, der Frieden und Gedeihen bewirkt, von unfehlbarer Kraft, Urgott der Götter, Narayana, schütze mich! Om, Verehrung, Verehrung! Hum, Phat, Tha, Tha.“
Hinweis: Die Eingangsfolge „bhushurottaphasham“ ist schon in der Quelle eingeklammert und mit einer Lesungsfrage versehen. Sie bleibt unübersetzt, der Sanskritwortlaut unverändert. Der vorausgesetzte achtsilbige Mantra wird nicht aus einer anderen Quelle ergänzt.
Fünf Handnyasa-Mantras. Seine Mantras für den Handnyasa lauten:
- „Om, Verehrung dem erhabenen Mahavaraha! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- „Om, Verehrung dem erhabenen Vamana! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- „Om, Verehrung dem erhabenen Trivikrama! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- „Om, Verehrung dem erhabenen Vasudeva! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- „Om, Verehrung dem erhabenen Narasimha! Hum, Phat, Tha, Tha.“
Dies sind die fünf Glieder.
Ausführlicher Herzmantra. „Om, Verehrung dem erhabenen Mahavaraha, der die Erde auf dem gekrümmten weißen Hauer wie auf der Spitze des Mondes emporgehoben hat, dem gewaltig Tönenden, dem Wolkengleichen, der Hiranyaksha erschlagen hat, dem das Weltei Durchdringenden, der Maya von Göttern und Asuras! Purusha, brülle, großer Eber, Narayana! Hum, Phat, Tha, Tha.“ Das ist das Herz.
Ausführlicher Kopfmantra. „Om, Verehrung dem erhabenen Vamana, dem Tausendleibigen, der den Daitya-Herrscher überlistet hat, dem Herrn aller Maya! Du den Verehrern liebevoll Zugewandter, binde, schütze, Maya-Narayana! Hum, Phat, Tha, Tha.“ Das ist der Kopf.
Ausführlicher Scheitelmantra. „Om, Verehrung dem erhabenen Trivikrama, der mit drei Schritten die drei Welten durchschritten hat, der das Weltei an der Fußspitze trägt, der Bali in Schranken weist, den erschrockene Götter und Asuras schauen, dessen Ruhestätte unsichtbar ist, dessen Fuß durch Ganga … erstrahlt! Sieg, großer Sieg, großer Narayana! Hum, Phat, Tha, Tha.“ Das ist der Scheitel. [Hinweis: Die Quelle enthält Lesungsfragen bei der Bezeichnung des Bezwingers Balis und bei der Ganga-Verbindung. Die letztere ist nur teilweise übersetzbar.]
Ausführlicher Panzermantra. „Om, Verehrung dem erhabenen Vasudeva, dem Träger von Muschel, Rad und Keule, dem Vernichter der Daityas, dem Gelbgekleideten, dem auf Garuda Fahrenden, dem vorzüglichen Helden der Yadus, dem Mondglänzenden, dem Waldbrand für den Wald der Arme Banasuras, dem dunkel wie eine mächtige Regenwolke Erscheinenden! Geliebter Lakshmis, Allgestaltiger, Narayana, vollbringe, schütze, durch Donnerkeil und andere [Waffen] zu durchbrechen … Hum, Phat, Tha, Tha.“ Das ist der Panzer. [Hinweis: Die gelieferte Lesung „vajradyudbhedya“ bezeichnet dem Wortlaut nach Durchbrechbarkeit; eine möglicherweise gemeinte Verneinung wird nicht stillschweigend ergänzt. Die Satzverbindung bleibt unsicher.]
Ausführlicher Waffenmantra. „Om, Verehrung dem erhabenen Narasimha, dessen Glanz tausend Abermillionen flammender Sonnen gleicht, dem kaum Anzuschauenden, dessen Gestalt das Feuer am Ende eines großen Weltzeitalters ist, dem von Flammen Umkränzten mit gelbbrauner Mähne, dessen schreckliche Gestalt wie das Zusammenstürzen tausender aufgewühlter Blitze ist, dem Sonnenscheibengleichen, der mit den Nägeln seiner eigenen Hände die Brust des Daitya-Herrschers zerrissen hat, dessen furchtbares Brüllen die drei Welten erfüllt wie das Tosen aufgewühlter Meere und Wolken! Hulu, brülle, brülle! Du von unfehlbarer Kraft, Narasimha, Narayana! Hum, Phat, Tha, Tha.“ Das ist die Waffe.
36-18. Narada ist der Rishi; als Versmaß wird Ayutkriti angegeben.
36-19. Hrishikesha ist die Gottheit. Für die vorbereitende Praxis rezitiert man den Wurzelmantra fünftausendmal und die Glieder in einem Zehntel dieser Zahl.
36-20. Man opfert außerdem tausend Ashvattha-Zweige, die mit Butter bestrichen sind, für die Glieder wiederum ein Zehntel davon. So gilt das vorbereitende Gelübde als vollzogen.
36-21. Danach soll man den Gott Hari unmittelbar oder im Traum sehen. [Zwischenüberschrift:] Verehrung. Man badet mit Wurzel- und Gliedermantras und wäscht Körper, Füße und Hände.
36-22. Nach dem rituellen Wasserschlürfen verehrt man am Tor des Verehrungsraumes wie zuvor den Hüter des Ortes, die Umherwandelnden, Chanda, Prachanda, die Segensmacht des Tores und den Herrn des Bauplatzes.
Reinigung der Gaben nach 36-22. Gereinigt und mit den Mantras in sich eingesetzt, reinigt man die Materialien mit der Gayatri: „Om, Verehrung dem Erhabenen. Wir wollen Narayana erkennen; über Vasudeva meditieren wir. Möge Vishnu uns dazu anregen.“
36-23. Mit dieser Formel bereitet man Arghya und die weiteren Gaben und besprengt die Materialien mit ihrem Wasser. Man verehrt die tragende Shakti, Kurma, Ananta und die Erde,
36-24. den Yogasitz, Dharma und seine Begleiter, Sattva und die weiteren Gunas, die Kreise, den Lotos, Atman und die weiteren Grundlagen sowie die Shaktis von Vimala an.
Sitz und Herbeirufung vor 36-25. In der Mitte des Lotos verehrt man Garuda und auf seiner Schulter wiederum einen Lotos. „Om, Verehrung dem Urgott der Götter, Narayana, dem Allgestaltigen, dem von unendlicher Kraft! Geliebter Lakshmis, von Göttern und Asuras Verehrter, komm, werde gegenwärtig! Tha, Tha.“
36-25. Man betrachtet die achtarmige Gottheit auf Garuda, von goldenem Glanz.
36-26. Muschel, Rad, Keule, Sharnga-Bogen, Schwert, Streitkolben, Schlinge und Haken trägt er der Reihe nach auf beiden Seiten. Er ist gelb gekleidet.
36-27. Seine Brust trägt Shrivatsa und Kaustubha, Krone und weitere Schmuckstücke zieren ihn. Er trägt eine Waldblumengirlande, und schöne Ohrringe in Gestalt von Wassertieren funkeln.
36-28. Mit Tara ruft man aus dem eigenen Herzlotos das höchste, aus Bewusstsein bestehende Licht herbei, wie zuvor. Mit der Formel „Om, Verehrung Narayana! Sei fest eingesetzt! Tha, Tha“ setzt man ihn ein.
36-29. In den acht Richtungen des Sitzes, von Osten an, verehrt man Ganesha, Sarasvati, den Guru und Narada; in den Zwischenrichtungen die Glieder der Reihe nach. [Hinweis: Die Quelle verbindet die acht Richtungen mit vier Namen und anschließenden Gliedern; die Verteilung wird nicht durch zusätzliche Gottheiten ergänzt.]
36-30. Im äußeren Kreis stehen in den acht Richtungen die Botinnen: Padma, Vach, Rati, Priti, Tushti, Pushti, Yashasvini
36-31. und Shanti; auch Pushti verehrt man, mit Spiegel und vorzüglichem Fliegenwedel in den Händen. Außerhalb von ihnen stehen Muschel und die übrigen acht Attribute in den acht Richtungen. [Hinweis: Pushti wird in der gelieferten Liste nochmals genannt; diese Wiederholung bleibt sichtbar.]
36-32. Außen verehrt man die Weltenhüter mit ihren Waffen und Scharen sowie Vishvaksena. Mit „Om, Verehrung dem Lotosäugigen, dem Herrn der drei Welten! Nimm an! Tha, Tha“ reicht man Arghya; Blumen und die weiteren Gaben reicht man mit dem achtsilbigen Mantra.
36-33. Mit „Om, Verehrung dem im Milchozean Weilenden! Verehrung! Tha, Tha“ badet man ihn und bringt Gewand, Schmuck und Weiteres dar. Mit „Om, Verehrung dem Urgott der Götter, Madhusudana, dem wohlriechende Salbung lieb ist! Nimm an! Tha, Tha“ reicht man Duftstoff. Mit „Om, Verehrung dem Urgott der Götter! Nimm an! Tha, Tha“ verehrt man ihn mit Blumen.
36-34. Mit „Om, Verehrung Hrishikesha, dem den Verehrern liebevoll Zugewandten! Nimm an! Tha, Tha“ reicht man Räucherwerk. Mit „Om, Verehrung dem höchsten Licht! Tha, Tha“ vollzieht man das Lichterschwenken. Mit „Om, Verehrung dem höchsten Vasudeva! Nimm an! Tha, Tha“ reicht man die Speisegabe und ebenso das Mundspülwasser.
36-35. Man verehrt das Gefolge mit seinen eigenen Namen und rezitiert den Mantra. Man ruft die Gottheit im Feuer herbei und opfert. Mit „Om, Verehrung dem Urgott der Götter, dem Shvetadvipa lieb ist! Du auf Garuda Fahrender, komm! Tha, Tha“ bittet man um Verzeihung. [Hinweis: Die Quelle ordnet hier eine Formel mit „komm“ der Verzeihungsbitte zu; sie wird nicht in eine Abschiedsformel umgeschrieben.]
36-36. Durch Japa und Feueropfer bei einem Banyan-Baum soll man eine Yakshini sicher gefügig machen. In der Unterwelt gilt dies bei Tausendern in der Zahl „Kriti“ auch für die Unsterblichen, wenn man erblickt wird. [Hinweis: Der zweite Satzteil ist syntaktisch beschädigt; die Rollen von Handelndem und Erblicktem bleiben unsicher.]
36-37. Im Kali-Zeitalter gilt die doppelte Zahl von Feueropfer, Japa und Weiterem als zur Vollendung führend. Durch ein Opfer von Mangoblättern und Kuhbutter soll man vorzeitigen Tod überwinden.
36-38. Man betrachtet die Gottheit in einem nektargefüllten See, wie sie Nektarwasser über den Kopf der betreffenden Person gießt; durch diese Betrachtung soll man Gift und Ähnliches beseitigen.
36-39. Wem man Duftstoff, Blumen und andere Gaben siebenmal besprochen reicht, der soll einem gefügig werden; eine Frau durch Japa auf dem Bett.
36-40. Wer die vom Mantra geweihten, Hari dargebrachten Opferreste auf dem Kopf trägt, soll von Rakshasas, Geistern, Pishachas und weiteren Wesen sowie von Schlangen und anderen Tieren nicht bedrängt werden.
36-41. Durch mit diesem Mantra geweihte Augensalbe soll man Geister und verborgene Schätze sehen. Gekochte Milch und Vacha, siebenmal besprochen,
36-42. soll man einnehmen; dadurch soll man das Gehörte behalten, beredt, dichterisch begabt und einsichtig werden. Wer die Gottheit als eins mit sich selbst betrachtet und Japa übt, soll auch von Ängsten frei werden.
36-43. Nach vielfältiger Betrachtung der in den Hari-Tantras gelehrten Ritualverfahren wurde auch dieser Mantrakönig aus dem Bereich der Varaha-Mantras dargestellt, zusammen mit Feueropfer, Praxis und Verehrung: ein Wunschbaum für diejenigen, die die Früchte von Dharma, Wohlstand und Lebensgenuss wünschen.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, endet das sechsunddreißigste Kapitel namens „Der ehrwürdige Varaha-König“.
Zur Besinnung. In den Gabenformeln wiederholt sich die einfache Bitte „Nimm an“. Sie kann heutige Übende daran erinnern, auch unscheinbare Handlungen mit Aufmerksamkeit und Hingabe auszuführen. Die kosmische Gestalt Varahas bietet dabei ein Bild des Tragens und Bewahrens; daraus lässt sich eine heutige Haltung der Fürsorge entwickeln, ohne sie als wörtliche Lehre dieses Ritualkapitels auszugeben.
Mantrapada, Kapitel 37: Sudarshana, das Rad Vishnus
Sudarshana, das Rad Vishnus, erscheint hier als leuchtende göttliche Gestalt und als Mittelpunkt von Schutzdiagrammen. Das Kapitel verbindet tägliche Verehrung und innere Betrachtung mit zahlreichen historischen Ritualanwendungen. Ausführliche Abschnitte betreffen Schutzkrüge, Landrituale und astrologische Zuordnungen. Beschädigte Lautformeln und unklare technische Angaben werden örtlich bezeichnet.
Kapiteleingang. Nun das siebenunddreißigste Kapitel.
37-1. „Bhrigu“, „Raum“ mit „Ananta“, „Feuer“, „Weiß“, dann „Feuer“, Panzer und Waffe: Mit Tara am Anfang entsteht der sechssilbige Sudarshana-Mantra. [Hinweis: Die Bestandteile sind als Lautchiffren angegeben; die vollständige Rezitationsform wird nicht daraus rekonstruiert.]
37-2. Ahibudhni ist der Rishi, Gayatri das Versmaß, Vishnu die Gottheit, oder Sudarshana selbst. Seine Glieder werden nun in ihrer Reihenfolge angegeben.
37-3. „A“, „Vi“, „Su“ und „Dhya“ sowie das Wort „Mahasudarshana“, verbunden mit „Rad“ und den jeweiligen Klassenendungen, ferner „Flammenrad“: Dies sind die Glieder des Mantras der Reihe nach. [Hinweis: Die verdichtete erste Wortfolge ist nicht sicher zu gliedern; sie wird nicht nach den späteren Gliedermantras vereinheitlicht.]
37-4. Nach „Herz“ folgt „das Rad wollen wir erkennen“, dann „über den Tausendflammigen meditieren wir“ und „uns möge“—
37-5. darauf die Verbindung von „Ari“, „Varita“ und „Pra“ sowie „anregen“: Dies ist die Gayatri. Die sechs Silben des Mantras sind rot wie Indragopa-Insekten. [Hinweis: Der Name im letzten Gayatri-Teil bleibt in dieser Lautanweisung unklar; deshalb wird kein vollständiger Rezitationstext ergänzt.]
37-6. Weiß, Schwarz, Gelbbraun, Gelb, Blitzglanz und Rot: In diesen Farben vergegenwärtigt man die sechs Glieder von Herz an.
37-7. Mit durch den Waffenmantra gereinigten Händen setzt man die sechs Laute an den Fingern beider Hände ein, vom Daumen bis zur Handfläche. Mit dem Wurzelmantra vollzieht man die den Körper durchdringende Einsetzung.
37-8. Auf Kopf, Augen, Nase, Mund, Herz, Genitalbereich, Knie und Knöchel setzt man die acht Laute mit Tara am Anfang und Tara am Ende ein. [Hinweis: Die Quelle wechselt hier von sechs zu acht Lauten; die beiden Tara-Laute sind ausdrücklich genannt.]
37-9. Kanva, Narada, Brahma, Kaushika, Vyasa und Gautama sind als Rishis der einzelnen Silben zu verstehen. Indra und Agni werden in dieser Folge als Gottheiten genannt. [Hinweis: Die Gottheitenreihe ist in der gelieferten Zeile nicht auf sechs erweitert.]
37-10. Anushtubh, Viraj, Arya, Gayatri, Ushnih und Anushtubh sind die Versmaße. Die sechs Tattvas sind Erde und die weiteren Elemente sowie Ishvara.
37-11. „Ich binde die östliche Richtung mit dem guten Rad“: So bindet man die vier Richtungen, ebenso oben und unten, mit Fingerschnippen und Waffenmantra.
Schutzformel nach 37-11. „Dem Rad der Zeit: Hum, Phat.“
37-12. Zu Beginn und am Ende des Gehens und Kommens rezitiert der Praktizierende diese Formel zum Schutz. „Dem Rad, das die drei Welten schützt: Tha, Tha.“ Diese Formel rezitiert man bei notwendigen Verrichtungen, beim Schlafengehen, Essen und Ähnlichem. [Hinweis: Das Wort nach „Schlafen“ ist in der gelieferten Form auffällig; „Essen“ ist eine kontextbezogene, unsichere Wiedergabe.]
Formeleingang vor 37-13. Tara, „Herz“, das Wort „Bhagavat“ im Dativ und „Sudarshana“: „… dem von großer Kraft, dem von flammender Gestalt! Schütze mich von allen Seiten! Dem von großer Kraft: Tha, Tha.“ [Die eingeschobene Folge „pha va kroda/“ ist nicht sicher verständlich; ihr Wortlaut bleibt in den Sanskritfassungen erhalten.]
37-13. Nachdem man diesen Mantra einmal rezitiert hat, führt man Japa und die weiteren Übungen aus.
37-14. Man setzt Durga, Vighneshvara, den Guru und den Herrn des Ortes in den Ecken von Südosten an ein, verneigt sich und vollzieht Puja und Weiteres; dadurch soll man Vollendung erlangen.
37-15. Die vierte Silbe ist das Bija; die Shakti steht am Ende der gewünschten Silbe. Zur Reinigung der vorbereitenden Praxis isst man ohne Lauge und Salz. [Hinweis: Die Bestimmung der Shakti ist chiffriert und sprachlich unsicher.]
37-16. In einem Vishnu-Tempel verehrt man Vishnu und Sudarshana und rezitiert zweihunderttausendmal. Danach steht man im Wasser, lebt von Milch und rezitiert hunderttausendmal.
37-17. An einem ins Meer mündenden Fluss, nach Norden gewandt und von Butter lebend, rezitiert man hunderttausendmal; dann von Opfernahrung lebend hunderttausendmal am Fuß eines Ashvattha-Baumes.
37-18. Auf einer Bergspitze, nach Osten gewandt und von Gemüse lebend, rezitiert man hunderttausendmal. Nachdem man so die Vorbereitung vollzogen hat, opfert man Apamarga-Zweige, Sesam,
37-19. Butter und Opferbrei, jeweils zehntausend Gaben. Wer dazu nicht imstande ist, rezitiert die doppelte Zahl; nach den eigenen Möglichkeiten speist man Brahmanen.
37-20. Täglich soll man das Rad und Hari ordnungsgemäß verehren. Nach dem Bad und den nach der täglichen Vorschrift erfüllten Pflichten
37-21. wäscht man die Füße, schlürft rituell Wasser und reinigt den eigenen Körper durch Austrocknen und die folgenden Schritte. Man vollzieht die innere Verehrung und verehrt das Rad im Herzlotos.
Meditationsanweisung vor 37-22. Die Betrachtung lautet:
37-22. „Ich verneige mich vor Vishnus Rad: rot, mit roten Gewändern bekleidet, mit vielerlei Schmuck, der von funkelnden roten Edelsteinen erstrahlt. Weiß sind seine Hauer; durch gewaltiges Lachen und ein hervorströmendes Netz von Feuerflammen ist sein Antlitz furchtbar. Es trägt Muschel, Rad, Keule, Lotos, Streitkolben, Bogen mit Pfeil sowie Schlinge und Haken. Achtarmig ist es, mit gelbbraunem Haar und ebensolchen Augen.“ [Hinweis: Die Quelle bezeichnet acht Arme, nennt jedoch bei getrennter Zählung der Attribute mehr als acht Gegenstände; die Liste wird nicht verkürzt.]
37-23. So betrachtet und verehrt man das Rad im Herzen, auf einem bereiteten Bodenplatz oder in einem Bild. Am Tor verehrt man Chanda, Prachanda, Ganga und Yamuna,
37-24. Dhata, Vidhata und die Segensmacht des Tores. Während man sich an den Pfeil-Waffenmantra erinnert, wirft man die Waffenblume hinein.
37-25. Man tritt ein, verehrt den Herrn des Bauplatzes und nimmt auf dem eigenen Sitz Platz. Mit Wurzel- und Gliedermantras bereitet man Arghya; mit dem Grasbüschel
37-26. besprengt man die Opfermaterialien und den Boden mit Arghya-Wasser und errichtet einen Wall aus Waffen. Dann verehrt man die tragende Shakti, Kurma, Ananta, die Erde,
37-27. den Yogasitz, Dharma und die weiteren Kräfte zusammen mit Sonnen-, Mond- und Feuerkreis sowie im Lotos den Atman, den inneren Atman und den Paramatman.
37-28. Danach betrachtet man Sudarshanas Gestalt, ruft sie herbei und setzt sie ein. Mit einer Blumengabe in den Händen führt man das Licht aus dem eigenen Herzlotos nach oben,
37-29. zum Bindu, und von dort in das Herzlotosinnere jener Gestalt. Mit Praṇava und Wurzelmantra wird sie vom Nektar am Zwölffingerpunkt überströmt.
37-30. Man hält die Gegenwart fest, erfüllt sie mit Nektar und setzt die Glieder in den Ecken ein, die Waffe an den Blattspitzen der Hauptrichtungen und das Auge vorn.
37-31. Außerhalb des Sitzes setzt man der Reihe nach die acht Waffen auf Lotosblüten ein. Außerhalb von ihnen verehrt man die zehn Weltenhüter mit ihren Waffen und weiteren Attributen.
37-32. Die Radgestalt inmitten des sechsspeichigen Rades, das von einem Kranz aus Flammen umgeben ist, verehrt man mit den vorzüglichen Darbringungen.
37-33. Bei anlassbezogenen Verehrungen verehrt man zunächst Vishnu ordnungsgemäß nördlich des Rades und anschließend das Rad selbst.
37-34. Oder man verehrt die Gottheit im Geist; die tägliche Puja soll man nicht auslassen. Auch ohne vorbereitende Praxis soll dieser Mantra durch tägliche Verehrung und Japa
37-35. dem Hingebungsvollen seine Ziele erfüllen—um wie viel mehr mit Vorbereitung. Nun werden zum Wohl der Praktizierenden die Anwendungen aufgezeichnet.
37-36. Durch Palasha-Holzopfer soll man geistig-religiösen Glanz erlangen. Auf einer Bergspitze rezitiert man sechstausendmal und opfert mit weißen Lotosblüten,
37-37. Bilva-Früchten oder -Blättern zehntausendmal; so soll Fülle entstehen. Durch hunderttausend Butteropfer soll man königlichen Glanz oder ein Königreich gewinnen.
37-38. Brahmanen und die weiteren Stände soll man durch Zweige von Palasha, Ashvattha, Udumbara und Arka gefügig machen, durch Salz alle.
37-39. Ein aus Salz gefertigtes, belebtes Abbild wird mit Honig übergossen. Man opfert es vom rechten Fuß an tausendmal; dies soll alle gefügig machen.
37-40. Ein Durva-Opfer soll langes Leben verleihen, ein Chinna-Opfer vorzeitigen Tod überwinden. Bei Vollmond im Magha-Zusammenhang oder bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis
37-41. fastet man am vorausgehenden Tag und bestreicht den Leib mit Asche. Butter, die einen Tag und eine Nacht lang besprochen und mit Asche vermischt wurde,
37-42. soll man trinken; dadurch soll man das Gehörte behalten, beredt, dichterisch begabt und einsichtig werden. Oder man übt zweihunderttausend Wiederholungen im Brahma-Muhurta und soll zum Meister der Rede werden.
37-43. Durch Übergießen mit Wasser aus den zusammengelegten Händen soll man langes Leben und Fülle gewinnen, durch Butter- und Milchopfer Vieh, durch Blumenopfer Gewänder.
37-44. Man legt ein Rad aus hundert Nishka Gold in die Feuergrube, verehrt es und opfert Ankola-Öl; so soll man ein Reich unter seine Gewalt bringen.
37-45. Nach drei Nächten Fasten opfert man vom zwölften Tag der dunklen Monatshälfte an hunderttausendmal Butter; dadurch soll man einen Schatz oder große Fülle erblicken.
37-46. Durch das Opfer von Vetasa-Holz mit Milch soll starker Regen entstehen. Durch achthunderttausend Wiederholungen am Höhleneingang soll man alle Vollendungen erlangen.
37-47. Auf einer Bergspitze oder im Wald rezitiert man achthunderttausendmal den Mantra und opfert sorgfältig eintausendacht Gaben von Ankola-Butter.
37-48. Man soll zwei vom Himmel herabfallende göttliche Kügelchen erhalten. Eines bindet man an die Hüfte, das andere legt man in den Mund.
37-49. So soll man im Luftraum wandeln, schnell wie der Geist, jung und lange lebend. Unter einem Banyan-Baum rezitiert man Tausender in der Zahl „Kriti“ und opfert dann Arka-Holz,
37-50. fünftausend Gaben; dadurch soll eine Yakshini gefügig werden. Man betrachtet das Rad in der Handfläche und die sechs Silben auf seinen sechs Speichen.
37-51. Man stellt sich einen Gebissenen als von dessen Flammen verbrannt vor, berührt ihn und soll das Gift entfernen. Einen schon länger Gebissenen oder einen anderen berührt beziehungsweise schlägt man mit der fünften Silbe an.
37-52. Dadurch soll eine Erschütterung entstehen und auch ein Gesunder sicher in Besessenheit versetzt werden. Auf einem viereckigen Mandala zeichnet man mit Pulvern das Rad,
37-53. auf die Speichen den Mantra, in die Zwischenräume die Glieder und ins Innere den Namen. Man verehrt darin und setzt den von einer Macht Besessenen hinein, während man den Mantra rezitiert.
37-54. Durch Werfen von Asche mit der fünften Silbe soll die Macht eintreten und dann verschwinden. Mit der Muschel-Mudra betrachtet man Sudarshana weiß wie eine Muschel.
37-55. Man betrachtet das Gift als durch seine Flammen zu Asche geworden und rezitiert. Dann überflutet man mit Nektar und soll die Gifte vernichten.
37-56. Zur Besänftigung niederer Schadenmächte und besetzender Wesen verehrt man Vishnu und Sudarshana und opfert Butter, Apamarga-Zweige, die fünf Kuhprodukte, Opferbrei und Sesam,
37-57. jeweils achttausend Gaben. Man lässt Butteropferreste in den Brei fallen, rezitiert achttausendmal darüber und gibt ihn zu essen.
37-58. Niedere Mächte, Geister, Besessenheit, Krankheit und andere Bedrängnisse sollen verschwinden. Das Bestreichen mit der Opferasche soll Rakshasas, Schadenmächte, Krankheiten und Weiteres besänftigen.
37-59. Man opfert Apamarga-Spitzen und -Zweige, fünf Kuhprodukte, Opferbrei und Butter und umspannt dann das Mandala mit schwarzen und roten Fäden.
37-60. An Spitzen und Verbindungen, in der Mitte und in den Richtungen stellt man neun Krüge auf. Sie enthalten Wasser mit den Rinden der vier Milchsaftbäume, neun Edelsteine und Gold,
37-61. Duftstoffe, Blumen und ungebrochenen Reis; Tücher und Girlanden umhüllen sie. Mit dem Sitz und den weiteren Schritten ruft man Sudarshana in ihnen herbei.
37-62. Man verehrt und übergießt die betreffende Person mit ihnen. Oder man knotet diese Fäden und bindet sie unter Japa an ihren Arm, Haarbüschel oder Hals.
37-63. Dieses Bad soll Schadenmächte, Besessenheit und Krankheit vernichten und Fülle bringen. Wenn Venus besonders erhöht steht, fertigt man einen Ring aus einem Shatamana Gold.
37-64. Bei zehntausend Butteropfern lässt man Opferreste daran gelangen und bespricht ihn erneut. Sein Tragen soll schützen sowie Gesundheit und langes Leben bringen.
37-65. Wenn die Sonne in Widder, Schütze oder Löwe steht, vergräbt man an einem Freitag am achten Tag der hellen Monatshälfte einen besprochenen weißen Stein zum Abhijit-Zeitpunkt.
37-66. Nach Norden gewandt rezitiert man den Mantra; Schädigungen des Feldes sollen verschwinden. Wenn die Sonne im Widder steht, am Ende von zehn Tagen, bei halb aufgegangener Sonne,
37-67. vergräbt der Mantrapraktizierende zur Stillung solcher Feldschädigung einen Pflock aus Ashvi-Holz. Bei aufsteigenden Zwillingen oder Schütze, in einem Mars-Anteil, unter Pushya oder dem Mitra-Mondhaus,
37-68. vergräbt man einen Nirgundi-Pflock und nimmt Erde auf; sie soll zum eigenen Land werden. Oder man nimmt Erde unter dem Ahirbudhnya-Mondhaus, in einem Merkur-Anteil, bei aufsteigendem Löwen.
Ergebnisangabe nach 37-68. Das betreffende Feld soll dadurch zum eigenen werden. [Hinweis zu 37-65–68: Die astrologischen Angaben sind gedrängt und stellenweise syntaktisch unsicher; es wird daraus kein neuer Kalendertermin errechnet. Die Baumbezeichnung „Ashvi“ bleibt unbestimmt.]
37-69. Zur Besänftigung niedrigen Schadenzaubers opfert man frische Apamarga-Zweige, mit den fünf Kuhprodukten besprengt, und bestreicht die betreffende Person mit der Opferasche.
37-70. Man übergießt sie mit einem Absud aus den Rinden der vier Milchsaftbäume und Kuhprodukten. Zum Schutz betrachtet man sich selbst oder einen anderen in der Mitte des Rades.
37-71. Man stellt sich den Besessenen im Inneren des Rades als von dessen Feuer verbrannt vor und lässt ihn im Geist kreisen; die besetzende Macht soll in Erscheinung treten und ihn verlassen.
37-72. An einem angenehmen, reinen Ort zeichnet man ein Rad mit sechs Speichen. Seine Mitte ist gelb, die Speichen sind rot, die Zwischenräume dunkel.
37-73. Der Radreifen ist weiß; außen folgt ein Erdmandala mit schwarzen Ecken. In der Mitte stehen Tara und der Name der Person, auf den sechs Speichen die Mantrasilben.
37-74. Im Süden und Norden zeichnet man je ein solches Rad. Im nördlichen füllt man einen Krug und versieht ihn mit Gold, Blumen und Weiterem.
37-75. Man ruft Sudarshana ordnungsgemäß darin herbei, verehrt und rezitiert. Im südlichen Rad richtet man das Feuer ein und ruft Sudarshana darin herbei.
37-76. Dann opfert man Marga-Holz, Butter, Sesam, Senf, Reis, Milchreis und die fünf Kuhprodukte, jeweils achttausend Gaben. [Hinweis: Hier steht „Marga“, wo die umgebenden Vorschriften Apamarga nennen; der gelieferte Wortlaut wird nicht still korrigiert.]
37-77. Von jedem Stoff gibt man die Reste mit dem Mantra in den Krug. Einen Klumpen Opferbrei von einem halben Prastha legt man auf die Krugöffnung.
37-78. Man vollzieht mit dem Krug eine reinigende Umschwenkung um die betreffende Person und stellt ihn in deren achtes Tierkreiszeichen. Südlich des Kruges ordnet man Feuer, Einfassung und Weiteres an. [Hinweis: Die örtliche Umsetzung der astrologischen Krugposition ist im Wortlaut nicht erklärt.]
Bali-Formel nach 37-78. „Om, Verehrung den Scharen Vishnus, die allen Frieden bewirken! Mögen sie es zum Frieden annehmen! Verehrung.“
37-79. Mit dieser Formel trägt man aus den Resten des Opferreises Bali-Gaben in die zehn Richtungen. Man legt ihn in ein Gefäß aus Milchsaftbaumholz, das mit Kuhprodukten gefüllt ist.
37-80. Durch Opfer in den Feuern der Räder in den vier Richtungen soll die Schadenmacht verschwinden. Mit vier Finger langen Apamarga-Zweigen, mit Kuhprodukten benetzt,
37-81. opfert man zur Vernichtung von Schadenmächten und Weiterem in den Nächten Vishnus und des fünften Mondtags. Unter dem Rudra-, Prajapati- oder Ahnen-Mondhaus verwendet man Stäbe aus Jambu, Karni und Banyan.
37-82. Man stellt den Stab bei Mondaufgang an der Grenze auf; so soll das Land zum eigenen werden. Ein Pflock aus Ashvi-Holz, zwei Tala lang, wird mit dem Namen des Feldes und der Handlung versehen.
37-83. Wenn Mars im Löwen steht, vergräbt man ihn während Vishti bei dessen Aufgang im Feld. Wenn Merkur und Mond im selben Anteil stehen, nimmt man Erde auf; das Land soll dann in den eigenen Besitz übergehen.
37-84. Überall soll man durch Rezitation des Sudarshana-Mantras die Handlung vollenden. Aus dem Kernholz von Ashvattha, Udumbara, Plaksha, Khadira,
37-85. Jambu, Amalaki, Nimba und Ashvattha fertigt man Stier, Hund, Elefant, Schlange, Esel, Löwe und weitere Paare. [Hinweis: Ashvattha wird doppelt genannt; die Schlussfolge der Tieraufzählung ist unklar. Es werden keine fehlenden Figuren ergänzt.]
37-86. Auch ein Rad fertigt man und vergräbt die Figuren während Vishti in ihren Richtungen rings um das Dorf oder den jeweiligen Ort. Mit Sudarshana besprochen sollen sie umfassenden Schutz verleihen.
37-87. In der hellen Monatshälfte, am vierten, achten und elften Mondtag sowie am Parvan, liegt Vishti in den durch „Pfeile“, „Augen“, „Rishis“ und „Götter“ bezeichneten Tagesabschnitten und in den acht Richtungen.
37-88. In der dunklen Hälfte, am dritten, siebten, zehnten und am „Bhauta“-Tag, wird ihr Aufgang in den durch „Jahreszeiten“, „Veden“, „Schlangen“ und „Mond“ bezeichneten Abschnitten und Richtungen angegeben.
37-89. „Wieder, Führung, Mann, Schlange, König, Feind, vom Berg wiederum“: So lautet die Folge der Vishti-Zeitabschnitte; sie sind von der hellen Monatshälfte an der Reihe nach zu meiden. [Hinweis zu 37-87–89: Hier stehen Zahlenchiffren und eine beschädigte Merkfolge. 37-89 lässt sich nur in erkennbaren Einzelwörtern wiedergeben; eine brauchbare astrologische Tabelle wird daraus nicht rekonstruiert.]
37-90. Banyan, Kimshuka, Bambus, Ashvi-Baum, Vikankata, Ghataki, Snuhi und Karni sind der Reihe nach die Vishti-Bäume.
37-91. Bei den entsprechenden Vishti-Aufgängen vergräbt man sie ringsum in ihren Richtungen, während man Vishti als nach außen gewandt betrachtet; dadurch soll die Feldfrucht geschützt werden.
37-92. Löwe, Tiger, Eber, Esel, Stier und Hund sind die Karanas; unter ihnen wird der Hund Vishti genannt.
Betrachtung Vishtis.
37-93. „Von der Gestalt einer wassergefüllten Regenwolke, mit gedrungenen, kräftigen Unterschenkeln, gelbbraunen Augen und Haaren, mit Rad, Hauern und hoher Schnauze, kommt Vishti rasch heran. Mit Feuerballen, die aus ihrer Mundhöhle hervortreten, verbrennt sie hier die ganze Welt.“
Übergang zum Sudarshana-Yantra.
37-94. In der Mitte eines Sechsecks steht Tara mit dem Namen der betreffenden Person. In die Ecken kommen die Mantrasilben, in die Zwischenräume die sechs Glieder. Außen folgt ein achtblättriger Lotos mit Vokalen an seinen Staubfäden und dem achtsilbigen Mantra; danach ein sechzehnblättriger Lotos.
37-95. Seine Staubfäden tragen Buchstabenpaare von Ka an; auf die Blätter kommen der zwölfsilbige Mantra, Panzer, Waffe und zweimal Tha … Außen steht der Name, mit „Shiva“ und „Zorn“ samt Punkt verflochten. Dreimal wird dies mit der Schlinge und ebenso mit dem Haken umgeben. [Hinweis: Der Halbvers über die Blattbeschriftung enthält eine Sternchenlücke; die Chiffren bleiben unaufgelöst.]
37-96. Außen zeichnet man vorschriftsgemäß den Erdkreis, auf Birkenrinde, Goldblech, weißem Stoff oder Ähnlichem. Nach Feueropfer und Verehrung formt man es mit Gold zu einem Kügelchen; getragen soll es Schutz verleihen und alle Furcht nehmen.
37-97. In die Mitte eines Kreises schreibt man Tara, außen sechs Speichen. Auf diese kommen die sechs Mantrasilben, in die Zwischenräume die Glieder der Reihe nach.
37-98. Nach Verehrung mit Butter und Krug soll die Butter Atemnot und Fieber vertreiben. Von Bilva und Lotos nimmt man jeweils sorgfältig fünf Pflanzenteile.
37-99. Man verbrennt sie; die besprochene Asche soll Schadenmächte, Krankheit und Besessenheit vertreiben. Die Rinden der vier Milchsaftbäume, Brahmi, Lakshmi, Sandelholz, Rochana,
37-100. Surasa, Bilva, Durva, Kusha, Apamarga, Senf, Guggulu, Padmaka, Kushtha, Kanta, guten Safran und Kurkuma
37-101. vermischt man mit Kuhdung und den übrigen Kuhprodukten und verbrennt sie unter Sudarshanas Mantra im Feuer. Die Asche wird mit ihm besprochen.
37-102. Sie soll Schadenmächte und vorzeitigen Tod abwehren und in vorzüglicher Weise Fülle und Gesundheit verleihen. Nun wird der Mahasudarshana-Mantra in seiner vorliegenden Form aufgezeichnet.
Überlieferungshinweis vor der langen Formel. Nach der angegebenen Regel soll bei ihm keine Herauslösung einzelner Silben und keine Umstellung vorgenommen werden.
Mahasudarshana-Mantra nach 37-102. „Om, Verehrung dem erhabenen Mahasudarshana, dem großen König der Räder! Schütze, vernichte meine Feinde, spalte, zerreiße, durchbrich, flamme, entzünde! Du, dessen flammende Spitze mit hunderttausend Strahlen kaum anzuschauen ist, Furchtbarer, dessen Wesen das Verbrennen der Bösen ist: Verbrenne, koche, hafte an, lass fallen, röste, erschrecke! [Unklare Anrede], zermalme die vielen Yantras! Sprenge die achtzehn von anderen eingesetzten Mantras, ergreife fremde Vollendung … ziehe fremde Mantras ein! Rara! Du, dem … Fleisch, rohe Fleischgaben und Blut als Speise lieb sind, du … im Kampf der Götter- und Asura-Herrscher … Zermalmender! Mit erhobenen Händen hältst du Muschel, Rad und Bogen, Nara-Narayana, vorzügliche Waffe! Lihi, Pili, Mili, Bili, Mala, Marda! Entferne, töte Yakshas, Rakshasas, Geister, Pishachas, Kushmandas, Shakuni, Yuvati, Vinayakas, Fieber, sämtliche Spinnengifte und die hemmenden Mächte! Lalaghu! Trivikrama, Mächtiger, vorzüglicher Uralter, Vishvaksena … mit vorzüglicher Hand! Zerdrücke sie samt den besetzenden Mächten, zerbrich, dringe ein, ziehe herbei! Erinnere dich an Vishnus Panzer! Tha, Tha.“
Hinweis zur Formel: Mehrere Wörter und Satzverbindungen sind unentscheidbar. Dazu gehören „sudushta puruyantramsh“, „parasiddhi vo“, „rara madhya“, der lange Kampf-Kompositum-Abschnitt und „karavaraya“. Die Punkte markieren diese örtlich unübersetzbaren Verbindungen; die übrigen Aufforderungen und Namensreihen sind wiedergegeben. Die Lautgruppen erhalten keine erfundene Bedeutung. Der ungekürzte Sanskritwortlaut ist gesondert bewahrt. Diese beschädigte Formel wird nicht als gesichert rezitierbar behandelt.
Bija und Glieder des langen Mantras. Sein Bija ist das Waffen-Bija. „Dem Achakra: Tha, Tha“ ist das Herz. „Dem Vichakra: Tha, Tha“ ist der Kopf. „Dem Suchakra: Tha, Tha“ ist der Scheitel. „Dem Samchakra: Tha, Tha“ ist der Panzer. „Dem Mahachakra: Tha, Tha“ ist die Waffe.
37-103. Ahirbudhni ist sein Rishi, Dhriti sein Versmaß; seine Gottheit
37-104. ist Mahavishnu. Die vorbereitende Praxis umfasst achttausend Wiederholungen. Aus dem Mund des Gurus erlernt, soll dieser Mantra bereits durch bloßes Rezitieren gelingen.
37-105. Am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte fastet man einen Tag und eine Nacht. Nach Süden gewandt, auf einem Verbrennungsplatz oder an einer Wegkreuzung,
37-106. rezitiert man um Mitternacht den Mantra und soll das jeweils Gewünschte erhalten. Wer die Niederhaltung eines Feindes wünscht, opfert nachts Senf.
37-107. Durch achthundert Senfopfer zu den drei Tagesübergängen sollen Rakshasas, Geister und weitere Wesen zu Dienern werden und das Gewünschte vollbringen.
37-108. So wurde die Vorschrift des Sudarshana-Mantras gelehrt, die für diejenigen, die Hari hingegeben sind, alle Ziele verwirklichen soll. Durch Japa und die weiteren Handlungen sollen vorzeitiger Tod, Nöte sowie durch Schadenmächte, Krankheiten und besetzende Wesen verursachte Bedrängnisse vergehen.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, im Mantrapada, endet das siebenunddreißigste Kapitel über Sudarshana.
Zur Besinnung. Die Quelle legt auch dort Wert auf tägliche Verehrung, wo äußere Mittel fehlen: Dann kann sie im Geist stattfinden. Für heutige Yoga-Aspiranten kann darin eine Ermutigung zur Beständigkeit liegen. Nicht jedes Hindernis braucht ein aufwendiges Ritual; die hier angeregte heutige Praxis besteht zunächst im bewussten Wiederaufnehmen der eigenen Sammlung und Hingabe.
Mantrapada, Kapitel 38: Trailokyamohana und Vamana als Herr der Nahrung
Dieses Kapitel stellt Vishnu als Trailokyamohana, den die drei Welten Bezaubernden, zusammen mit Lakshmi dar. Es erklärt Mantra, innere Verehrung, zahlreiche Mudras und die Darbringung der eigenen Übung. Danach folgt Vamana als Annadhipati, Herr der Nahrung. Die historische Sprache des Bezauberns umfasst auch ausdrücklich auf Beherrschung anderer gerichtete Rituale; die Übersetzung unterscheidet diese von einer heutigen Praxis der Hingabe.
Kapiteleingang. Nun das achtunddreißigste Kapitel.
38-1. Nun werde ich zur Verwirklichung aller Ziele den Trailokyamohana-Mantra lehren, zusammen mit seiner Praxis, Betrachtung, dem Bad, der Puja und den weiteren Formen der Verehrung.
38-2. Tara, „Herz“, das Wort „Puru“ mit „Sat“ am Ende, zweimal „Sha“, „Ashadhi“, mit „Ananta“, zweimal „Mahakala“, das Wort „Pratirupa“ und „Dhara“—
Lange Formel nach 38-2. „… Wohnstatt Lakshmis, Erschütterer der ganzen Welt, der die Herzen aller Frauen aufreißt, der die Gemüter der drei Welten in Raserei versetzt! Erhitze, entzünde, trockne aus, töte, lähme, lasse kreisen, vertreibe und ziehe die Herzen der schönen Frauen unter Göttern, Asuras und Menschen herbei! Du, der höchste Freude und gutes Geschick schafft, der alle Wünsche gewährt: Schlage die betreffende Person mit dem Rad, mit der Keule, mit dem Schwert! Spalte alle, ziehe sie mit der Schlinge herbei, schlage mit dem Haken! Turu! Warum stehst du still? So lange, bis mein erstrebtes Ziel erfüllt ist! Hum, Phat.“
Hinweis zum Formeleingang: Der Vers arbeitet mit Lautchiffren; die anschließende Verbindung um „Lakshmi … Wohnstatt“ ist beschädigt und enthält eine ausdrückliche Lesungsfrage. Die deutsche Wiedergabe gibt den erkennbaren Sinn, ohne die fehlende vollständige Sanskritform zu rekonstruieren.
Gliedermantras nach der langen Formel.
- Herz: „Verehrung, Purushottama, Unvergleichlicher, Wohnstatt Lakshmis! Dem Herzen Verehrung.“
- Kopf: „Erschütterer der ganzen Welt, der die Herzen aller Frauen aufreißt! Dem Kopf: Tha, Tha.“
- Scheitel: „Der du die Gemüter der drei Welten in Raserei versetzt! Dem Scheitel: Vashat.“
- Panzer: „Erhitze, entzünde, trockne aus, töte, lähme, vertreibe und ziehe die Herzen der schönen Frauen unter Göttern, Asuras und Menschen herbei! Dem Panzer: Hum.“
- Waffe: „Du, der höchste Freude und alles gute Geschick schafft, der alle Wünsche gewährt: Schlage die betreffende Person mit Rad, Keule und Schwert! Spalte alle, ziehe sie mit der Schlinge herbei! Der Waffe: Phat.“
- Augen: „Turu! Warum stehst du still? So lange, bis das erstrebte Ziel erfüllt ist! Hum, Phat. Den beiden Augen: Vaushat.“
Gliedererklärung und Herbeirufung. So entstehen die sechs Glieder, die mit den Augen enden, aus dem Mantra selbst. „Verehrung, Bezauberer der drei Welten, Hrishikesha, Unvergleichlicher, Manmatha, der alle Frauenherzen herbeizieht! Komm! Verehrung.“ Dies ist der Mantra für die den Körper durchdringende Einsetzung und zugleich der Herbeirufungsmantra.
38-3. Sein Rishi heißt Vatsa; manche nennen auch Kama.
38-4. Atyutkriti ist das Versmaß, Hrishikesha die Gottheit. Man empfängt den Mantra vom Lehrer, badet und erfüllt die täglichen Pflichten.
38-5. Nach der Verehrung Vishnus rezitiert man fünfzigtausendmal den Mantra. Dann steht man bis zum Nabel im Wasser und füllt die zusammengelegten Hände mit Wasser.
38-6. Der Mantrapraktizierende bespricht es und übergießt damit tausendmal den eigenen Kopf. Danach opfert man im Vishnu-Feuer Milchreis, Butter,
38-7. Sauermilch, Milch und weißen Reis, jeweils zwölf Gaben. Für jeden Gliedermantra bringt man hundert Palasha-Zweige dar.
38-8. Tausend weiße ungebrochene Reiskörner mit Sesam vermischt werden mit Butter übergossen; dann folgen mit den drei süßen Stoffen bestrichene Blumen und Früchte,
38-9. Sauermilch und Brahma-Holz, jeweils hundert Gaben. Nach dem vollen Abschlussopfer verehrt und speist man Brahmanen nach den eigenen Möglichkeiten.
38-10. Danach soll dieser Mantra durch Betrachtung, Verehrung, Feueropfer und Weiteres gelingen. [Zwischenüberschrift:] Betrachtung. Man vergegenwärtigt die tragende Shakti, Kurma, Shesha, Erde und Yogasitz,
38-11. Dharma und die weiteren Kräfte, Knolle, Stängel und Lotos, Sonnen-, Mond- und Feuerkreis, Blätter und Weiteres, von den drei Gunas durchdrungen, und den Fruchtboden mit den drei Atman-Stufen.
38-12. Auf diesem Lotos sitzt er auf Garuda: Sein Leib ist zinnoberrot, achtarmig, von edler Gestalt, zart und mit lächelndem Gesicht.
38-13. Alle Glieder sind schön; Jugend, Anmut und Glanz erfüllen ihn. Seine kupferroten Augen rollen in Verzückung, er ist vom Gefühl der Liebe bewegt.
38-14. Er trägt göttliche Girlanden, Gewänder und Salbungen; Krone und weiterer Schmuck zieren ihn. Kaustubha ruht auf seiner Brust, die mit Shrivatsa gezeichnet ist.
38-15. In seinen Armen trägt er der Reihe nach Muschel, Rad, Sharnga-Bogen mit Pfeil, Schwert, Keule, Streitkolben, Haken und Schlinge.
38-16. Auf seinem linken Oberschenkel sitzt Lakshmi, goldfarben, mit Krone, Ohrringen, Halsketten und weiterem Schmuck geschmückt. In der linken Hand hält sie einen Lotos.
38-17. Mit der rechten Hand umarmt sie die Gottheit, von Liebe bewegt. Shrivatsa und Kaustubha verehrt man mit ihren Namen auf seiner Brust, ebenso die Waldblumengirlande.
38-18. Das gelbe Gewand und Weiteres, Krone, Ohrringe in Gestalt von Wassertieren, Halsketten und die übrigen Schmuckstücke verehrt man mit ihren eigenen Namen und Tara am Anfang.
Waffenverehrung nach 38-18. „Mahasudarshana, König der Räder, Schrecken aller Bösen! Schneide, schlage, zerreiße! Verschlinge fremde Mantras, verzehre die Geister, erschrecke sie! Hum, Phat“: So verehrt man das Rad. Es folgen:
- „Dem wassergeborenen Panchajanya: Tha, Tha.“
- „Dem Nandaka-Schwert: Verehrung.“
- „Dem Pfeil: Tha, Tha.“
- „Wir wollen die Gesamtheit der Wesen erkennen; über das Vierfache meditieren wir. Möge Brahma uns dazu anregen. Tha, Tha.“
- „Dem weltenauflösenden Streitkolben: Zerschlage! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- „Schlingenbindung, ziehe herbei! Hum, Phat, Tha, Tha.“
- „Haken, ziehe herbei, drohe! Tha, Tha.“
38-19. Nachdem man so die acht Waffen verehrt hat, verehrt man Garuda mit „Om, dem König der Vögel: Tha, Tha“. Dann badet man ordnungsgemäß nach dem für die tägliche Praxis beschriebenen Verfahren.
38-20. Der Verständige geht zum Tor des Opferhauses, wäscht Füße und Hände und schlürft rituell Wasser. Er verehrt die Scharen auf den Sitzen außerhalb des Tores.
Formel für das Gefolge nach 38-20. „Verehrung dem gesamten Gefolge Vishnus, beginnend mit Garuda.“
38-21. Zwischen den beiden Sitzen am Osttor verehrt man den Herrn des Ortes mit seinem eigenen Namen. Dhata und Vidhata sind weiß und schwarz, vierarmig.
38-22. Man verehrt sie mit Muschel, Rad und Keule in den Händen sowie der Geste des Staunens. In der Mitte stehen Ganga und Yamuna, die beiden Schätze an den oberen Seiten des Tores.
38-23. Shankha und Padma, weiß und rot, lassen großen Reichtum hervorströmen. Dann verehrt man die Tor-Lakshmi in der Mitte des oberen Türbalkens. [Hinweis zu 38-22: Die gelieferte Waffenbezeichnung lautet „shakra“, wörtlich Indra; „Rad“ ist eine kontextbezogene, unsichere Wiedergabe, keine Änderung des Sanskrits.]
Waffenformel vor 38-24. „Om, Verehrung dem Sharnga-Bogen mit Pfeil.“
38-24. Mit diesem Pfeil-Waffenmantra wirft man [die Blume] hinein und vertreibt Hindernisse. Schweigend errichtet man durch den Waffenmantra eine Umfriedung und setzt sich auf den eigenen Sitz.
38-25. Man vollzieht die Reinigung der Elemente und die drei Schritte von Austrocknen an, erinnert sich an den Guru und reinigt die Hände dreimal mit dem Waffenmantra.
38-26. Einmal streicht man mit dem Wurzelmantra darüber und setzt die Glieder auf die Finger ein, vom Daumen bis zum kleinen Finger, das Augenglied auf die Handflächen.
38-27. Mit dem Wurzelmantra vollzieht man die den Körper durchdringende Einsetzung und setzt die sechs Glieder der Reihe nach ein. Man betrachtet sich selbst als Pradyumna, rot und in rote Gewänder gekleidet,
38-28. mit Muschel und Rad, dem Sharnga-Bogen und den fünf Pfeilen Kamas. Man verehrt sich mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und vergegenwärtigt im Herzlotos
38-29. das höchste, nicht zu bezeichnende Licht, die Freude selbst, und verehrt es im Geist. Ein mit dem Waffenmantra gewaschenes Gefäß füllt man unter dem Herzmantra mit Arghya.
38-30. Darin setzt man das Bija des Liebesgottes ein und verehrt mit Blumen und weiteren Gaben. „Wir wollen Manmatha erkennen; über Kamadeva meditieren wir. Möge der Gandharva uns dazu anregen“: Mit dieser Smara-Gayatri berührt und reinigt man die Materialien.
38-31. Das durch die Kuh-Mudra in Nektar verwandelte Arghya wird durch die Rad-Mudra geschützt. Mit seinem Wasser besprengt man den eigenen Kopf, die Verehrungsmaterialien und die Erde.
38-32. Von der Wurzel der Unterwelt an betrachtet man die Adhara genannte tragende Shakti: vierarmig, mit Muschel und Rad sowie zwei zur Verehrung zusammengelegten Händen.
38-33. Unter den Unterwelten betrachtet man den roten Kurma und den weißen Shesha, dessen Glieder geschmückt sind, mit zusammengelegten Händen und Rad und Pflug.
Variante nach 38-33. Oder er trägt Pflug und Streitkolben.
38-34. Die Erde ist dunkel wie ein blauer Lotos, geschmückt und mit einem blauen Lotos in der Hand. Dann folgen der goldene Löwenthron und Dharma mit seinen Begleitern, weiß von Gestalt.
38-35. Adharma und seine Begleiter sind schwarz; in der Mitte befinden sich Sattva und die weiteren Gunas. Es folgt der weiße Lotos; in seiner Wurzel, Knolle und seinem Stängel stehen der Reihe nach
38-36. Maya, Vidya und das Kala-Prinzip, dunkel, weiß und grünlich leuchtend. Mond-, Sonnen- und Feuerkreis verehrt man mit Tara, eigenem Namen und „Verehrung“ am Schluss.
Sitzformel nach 38-36. So soll man verehren. „Om, höchst Glücklicher, der du gutes Geschick schaffst, Unvergleichlicher, Keshava, Smara! Hum, Phat. Verehrung dem Sitz des Bezauberers der drei Welten.“
38-37. Von der Nordwestecke bis zum Nordosten verehrt man Ganesha und Sarasvati. In der Reihe der Gurus verehrt man Narada und Nalakubara,
38-38. den Guru, den Paratmaka-Guru, den Parameshthi-Guru sowie die früheren Vollendeten, zweiarmig und in Meditation versunken.
38-39. Dann legt man Duftstoff, ungebrochenen Reis und Blumen in die Mitte des Lotos. Mit einer Blumengabe in den Händen vergegenwärtigt man den Wurzelmantra und hebt aus dem Nabellotos
38-40. das höchste Licht empor zum Herzlotos. Dieses reine Erkennen und diese reine Freude führt man vom Herzlotos weiter nach oben,
38-41. durch Kehle und Brauenmitte zum Bindu und weiter zum Zwölffingerpunkt. Dann führt man es auf dem Weg des Bindu zurück und verbindet es mit der Blumengabe.
38-42. Man setzt es in die Gestalt auf dem Yogasitz oder auf dem bereiteten Bodenplatz beziehungsweise in der Butter ein. Mit Lotos- und Haken-Mudra wendet man die Gottheit sich zu. [Hinweis: Die Verbindung „sthandilajye“ ist örtlich unsicher; die ausdrücklich lesbaren Träger werden bewahrt.]
38-43. Mit Keulen- und Rad-Mudra bewirkt man Gegenwart und Festhalten. Unter den jeweiligen Bitten vollzieht man dies für die Gottheit verständig und hingebungsvoll.
38-44. Nachdem man mit dem Wurzelmantra die durchdringende Einsetzung vollzogen hat, zeigt man diese Mudras: Mit der rechten Hand, die nach oben geöffnet und deren Daumen ausgestreckt ist,
38-45. umfasst man den anderen Daumen in der Faust. Die vier Finger von Zeigefinger an der linken Hand streckt man aus und verbindet sie mit dem anderen Zeigefinger.
38-46. So bildet man die Muschel-Mudra, die als Hari erfreuend gilt. Man wendet beide Hände einander zu und streckt die Finger aus.
38-47. Die beiden kleinen Finger werden überkreuz an die Daumen der jeweils anderen Hand gelegt: Dies ist die Rad-Mudra, die dem Träger der Radwaffe Freude bereitet.
38-48. Man hält die Hände einander zugewandt, verschränkt die Finger und streckt die beiden Mittelfinger aneinandergelegt aus: Dies wird Keulen-Mudra genannt.
38-49. Kleinen Finger und Ringfinger hält man mit dem Daumen gebeugt fest; Zeige- und Mittelfinger lässt man frei. Diese Geste heißt Schwert-Mudra.
38-50. Mit dem Daumen hält man kleinen Finger und Ringfinger fest; die Mittelfingerspitze drückt an die Zeigefingerspitze.
38-51. Die linke Hand ist ausgestreckt; langsam wird ihre Spitze [geführt]. Der Ellenbogen des anderen Arms liegt am linken Unterarm beziehungsweise Ellenbogen.
38-52. Mit den Spitzen von Daumen und Zeigefinger berührt man die Spitze und streckt aus. Dies ist die Sharnga-Mudra, die dem Träger des Sharnga-Bogens Freude bereitet. [Hinweis zu 38-50–52: Die Bezüge der Finger und Arme sind im gelieferten Text nicht eindeutig. Die Anweisungen werden in ihrer erkennbaren Folge übersetzt; daraus wird keine sichere praktische Handstellung rekonstruiert.]
38-53. Man vereinigt die Fäuste beider Arme, wobei die Daumen eingeschlossen und ausgestreckt sind. Diese Geste heißt Streitkolben-Mudra.
38-54. Bei der linken Faust legt man die Zeigefingerspitze an die Daumenspitze. Mit dem aus der anderen Faust hervortretenden Zeigefinger berührt man
38-55. die Wurzel des linken Daumens: Dies heißt Schlingen-Mudra. Den ausgestreckten Zeigefinger der linken Faust umfasst man mit der anderen Hand,
38-56. die zur Faust geschlossen ist. Deren Zeigefinger krümmt man an der Spitze: So entsteht die hakenförmige Mudra.
38-57. Mittel- und Ringfinger werden von Mittelfinger und Daumen gedrückt; den Zeigefinger legt man an die beiden Wurzeln der kleinen Finger.
38-58. Dies heißt Shrivatsa-Mudra und erfreut den mit Shrivatsa Gezeichneten. Bei der nach unten gerichteten linken Hand verbindet man kleinen Finger
38-59. und Ringfinger der Reihe nach mit dem Zeigefinger und dem kleinen Finger der anderen Hand. Den rechten Daumen, Mittel- und Ringfinger
38-60. richtet man nach oben und verbindet sie mit dem linken Zeigefinger. An die Wurzeln des Daumens und der übrigen Finger legt man den linken Daumen und Mittelfinger.
38-61. Diese eng verschlungene Geste verkörpert Kaustubha. Mit den Spitzen beider Zeigefinger, von den Daumen umfasst, berührt man den Körper vom Hals
38-62. bis zu den Füßen: Dies gilt als Waldgirlanden-Mudra. Man hält die Hände gegeneinander umgedreht und verschränkt die kleinen Finger miteinander.
38-63. Die Zeigefinger liegen lang ausgestreckt eng aneinander; die beiden Daumen hängen herab. Mit gebogenen Ring- und Mittelfingern bildet man die beiden Flügel.
38-64. Dies ist die Mudra des Vogelkönigs, die feindliche Schlangen vernichten soll. Die zuvor beschriebene Yoni-Mudra wird hier Kama-Mudra genannt.
38-65. Beide Hände sind zu Fäusten geschlossen; ihre ausgestreckten Daumenspitzen legt man auf den eigenen Kopf. Dies ist die Trailokyamohini-Mudra.
38-66. An den Staubfadenspitzen von Osten an und in den Ecken von Südosten an verehrt man der Reihe nach Herz, Kopf, Scheitel, Panzer und Waffe in göttlicher Gestalt.
38-67. Diese Glieder gehen aus den Gliedern der Gottheit hervor wie Lampen aus anderen Lampen. Lakshmi, Vani, Rati, Priti, Kirti und die geschmückte Shanti,
38-68. Tushti und Pushti verehrt man auf den Blattspitzen von Osten an. Ihre Farben sind Gelb, Rot, Hell, Dunkel, Weiß, Mondglanz,
38-69. Lotosfarbe und Gelbbraun. Sie tragen Fliegenwedel und Lotos. Außerhalb stehen in den Hauptrichtungen von Osten an weiß, rot, rötlich leuchtend
38-70. und dunkel die Gestalten von Muschel, Rad, Keule und Streitkolben; sie tragen ihre jeweilige Waffe auf dem Kopf. In den Ecken stehen der Reihe nach gelb, himmelfarben, weiß und schwarz
38-71. Sharnga, Schwert, Haken und Schlinge; so betrachtet und verehrt man sie mit ihren Namen. Im äußeren Kreis, in ihren Richtungen, mit Waffen, Reittieren
38-72. und eigenem Gefolge verehrt man die zehn Weltenhüter von Indra an. [Zwischenüberschrift:] Im nächsten äußeren Kreis: Kumuda, Kumudaksha, Pundarika und Vamana,
38-73. Shankukarna, Sarvanetra, Sumukha und Supratishthita, Herren über Abermillionen Scharen, mit Schwert und Schild in den Händen.
38-74. Man verehrt sie geschmückt mit Kronen und anderem Schmuck, göttlichen Girlanden und Gewändern. Dann betrachtet man Vishvaksena mit gelbbraunem Bart und Haar, dunkel und vierarmig,
38-75. mit Muschel, Rad und Keule in den Händen und mit einer Hand, deren Zeigefinger an der Nasenspitze steht. Nach seiner Verehrung verehrt man die Gottheit selbst.
38-76. Mit „Om, ich bereite Arghya“ reicht man Arghya am Kopf, ebenso Fußwasser an den Füßen und entsprechend Mundspülwasser und die weiteren Gaben.
38-77. Man verehrt mit den sechzehn Darbringungen von Arghya an; wenn die Mittel vorhanden sind, mit den zuvor beschriebenen zweiunddreißig Darbringungen.
38-78. Mit den Wörtern des Wurzelmantras, Tara am Anfang und „Verehrung“ am Ende, schmückt man ihn mit Blumen und Girlanden. Mit Tara vor „Verehrung Shri“
38-79. verehrt man Lakshmi, die auf dem Schoß der Gottheit sitzt. Je nach den eigenen Möglichkeiten reicht die Verehrung bis zur Speisegabe, zur Bali-Gabe oder zum Feueropfer.
38-80. Überall verehrt man mit der Smara-Gayatri und den genannten Darbringungen. Nach den eigenen Kräften rezitiert man den Mantra und nimmt ein wenig Wasser in die Hand,
38-81. fügt Duftstoff und Blumen hinzu, kniet mit beiden Knien auf der Erde und bringt die Frucht des Japa und der weiteren Handlungen in die rechte Hand der Gottheit dar.
38-82. Nachdem man so die tägliche Verehrung vollzogen hat, speist man Brahmanen nach Vermögen und isst selbst den Rest; so hat der Mensch seine Aufgabe erfüllt.
38-83. Hrishikesha selbst wird unmittelbar Purushottama genannt. Sein Bija des Liebesgottes gilt als einsilbiger Mantra.
38-84. Das Smara-Bija, dann „Raum“ mit dem siebten Vokal, „Weiß“ mit dem „linken Auge“, „Brahma“ und „Rudra“ mit Vokal,
38-85. langes „Baka“ und „Herz“: Dies wird als achtsilbiger Mantra bezeichnet. Auch er ist Trailokyamohana; seine Praxis und Weiteres wurden zuvor angegeben.
38-86. Seine Glieder entstehen mit dem Smara-Bija, den langen Vokalen und den Klassenendungen. Wer ihn rezitiert, soll schon bald alle Wünsche erfüllt sehen.
38-87. Tara, „Herz“, „Krug“ mit „Auge“, „Weiß“, dann „Umapati“, „Wasser“ mit „Lippe“, „Weiß“ am „Ohr“, „Rot“, „Seite“ und „Ashadhi“,
38-88. mit „Lippe“, ferner „Haut“, „Mahakala“, langes „Raum“, „Chagalandaka“, langes „Pinaki“ und „Vali“, mit Svaha am Ende: So entsteht ein achtzehnsilbiger Mantra.
38-89. Er heißt Annadhipati und besitzt keine gesonderten Glieder oder umgebenden Kreise. Gautama ist sein Rishi, Dhriti das Versmaß, Vishnu die Gottheit.
38-90. Er soll Armut stillen und Gedeihen, Fülle, gutes Geschick und Freude verleihen. [Hinweis zu 38-84–88: Die Mantras sind als Lautchiffren gegeben. Es werden keine erschlossenen vollständigen Formeln ergänzt.]
Meditationsanweisung.
38-91. „Man betrachtet Vamana als Herrn der Nahrung: weiß wie Milchmeer, Mond, Lotosfaser und Kunda-Blüte, sein Gesicht lotos- und mondgleich. In den Händen trägt er eine Schale voll Reis mit Sauermilch und einen Krug voll Nektar. Mit Krone, kunstvollen Halsketten, Armreifen und weiterem Schmuck versehen, trägt er Kaustubha und ein gelbes Gewand. Sein Gesicht ist heiter.“
38-92. Man vergegenwärtigt ihn, wie er dem Praktizierenden Speise, Trank und Weiteres reicht, und rezitiert zehntausendmal zur Vollendung der vorbereitenden Praxis.
38-93. Reis mit Sauermilch und Butter opfert man eintausendachtmal. In diesem Kali-Zeitalter gelten für Japa und Feueropfer die vierfachen Zahlen.
38-94. Wenn der Mantra verwirklicht ist, soll man reichlich Nahrung und Fülle erhalten. Durch Reisopfer soll man Nahrung gewinnen, durch Vrihi-Reis, Shali-Reis und weitere Körner reichen Ertrag.
38-95. Durch Fladen und Shatapuspa-Samen sollen Feldplagen verschwinden. Furcht vor einem fremden Heer, einem König, Feinden, Dieben und anderem,
38-96. Furcht vor Armut sowie vor Schadenmächten und Krankheit soll man durch das Feueropfer von Shatapuspa-Samen sicher stillen.
38-97. In einer schwer zugänglichen Gegend oder auf gefährlichem Weg, bei eintretender Angst und bei Besessenheit erinnert man sich an die Gottheit und rezitiert den Mantra; auch von Armut soll man frei werden.
38-98. Man betrachtet ihn in der Gestalt, die die drei Welten durchschreitet und vor großer Furcht schützt, im Hinblick auf sich selbst oder einen anderen, und rezitiert zur Stillung der jeweiligen Bedrängnis.
38-99. Wer dazu imstande ist, verehrt Hari auf einer Wand oder einem Bildtuch. Mit Reis und Butter, mit Reis allein oder mit Reis, Sauermilch und Butter
38-100. vollzieht man nach Vermögen täglich ein Feueropfer; dadurch soll unvergleichliche Fülle entstehen. Welches Ziel man auch beim Opfer von Reis mit Sauermilch und Butter vor Augen hat,
38-101½. das soll dem Hingebungsvollen hier und jenseits erfüllt werden. So wurde nach vielfältiger Betrachtung die in vielen Tantras gelehrte umfangreiche Vorschrift des Trailokyamohana-Mantras zum Wohl der Praktizierenden zusammengefasst vorgetragen; ebenso die in den Rituallehren geschaute Vorschrift Haris als Herrn der Nahrung.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, im Mantrapada, endet das achtunddreißigste Kapitel über die Mantras Trailokyamohanas und Vamanas.
Zur Besinnung. Die Darbringung der Früchte von Japa und Puja verbindet das Üben mit Loslassen. Im Bild des freundlichen Vamana, der Nahrung reicht, lässt sich heute ein Anlass zur Dankbarkeit für Versorgung und zum Teilen mit anderen finden. Diese Anregung ist eine gegenwärtige Deutung; sie ersetzt nicht den historischen Ritualsinn der Quelle.
Mantrapada, Kapitel 39: Schlangen, Gift und historische Schutzrituale
Das Kapitel verbindet die Mythologie der Nagas mit einer vormodernen Lehre von Schlangenbissen, Vorzeichen und Gegenmitteln. Anschließend beschreibt es Garuda und Shiva als Nilakantha in Mantras und inneren Betrachtungen. Die Aussagen über Gift, Krankheit und angebliche Unbehandelbarkeit werden quellengetreu als historische Vorstellungen übersetzt. Sie sind keine heutigen Kriterien für eine Behandlung; ein Schlangenbiss erfordert unverzüglich medizinische Hilfe, unabhängig von den hier genannten Vorzeichen.
Kapiteleingang. Nun das neununddreißigste Kapitel.
39-1. Die Leiden durch Gift, besetzende Mächte und Krankheiten wurden zuvor im Kapitel über die Übersicht der Gegenstände angekündigt; deshalb werden sie nun behandelt.
39-2. Nach der Verneigung vor dem Guru und den Nagas von Ananta an wird zum Wohl der Menschen aus den Gift-Tantras zusammengefasst,
39-3. wie ihnen durch Mantras, Meditation, Arzneien und weitere Mittel entgegengewirkt werden soll. Es gibt Haubenschlangen, Ghonasas, Rajilas und Mischformen.
39-4. Unter ihnen sind die Haubenschlangen zweierlei: göttlich und irdisch. Alle werden wiederum in vier Klassen eingeteilt: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras.
39-5. Die göttlichen sind die tausend Söhne Kadrus, die nach Wunsch ihre Gestalt verändern. Kronen, Halsketten, Oberarmreifen und weitere Schmuckstücke zieren sie.
39-6. Sie tragen göttliche Girlanden, Gewänder und Salbungen; alle diese Nagas sind sehr mächtig. Acht von ihnen sind die vornehmsten: Shesha, Vasuki, Takshaka,
39-7. Karkotaka, Padma, der Mahapadma Genannte, Shankhapala und Gulika. Sie hüten die Wochentage von Sonntag an.
39-8. Die erste Hälfte des Samstags steht unter Shankhapala, die zweite hütet Gulika. Von ihnen gehen die weiteren Schlangen aus. [Hinweis: Das Schlusswort der Zeile ist in seinem genauen genealogischen Sinn unsicher.]
39-9. Die tausend schlangengestaltigen Söhne Kadrus wohnen teils in der Unterwelt, teils auf der Erde, im Meer oder auf Bergen.
39-10. Einige wohnen im Zwischenraum und im Himmel, andere dort, wo sie wünschen. Weiß, rot, gelb und schwarz sind sie entsprechend den Klassen von Brahmanen an.
39-11. Manche haben tausend Hauben, andere achthundert, siebenhundert, sechshundert, fünfhundert, vierhundert, dreihundert, zweihundert, hundert oder fünf.
39-12. Die Zahl ihrer weiteren Nachkommen ist unbekannt. Die späteren Nachkommen in diesen Linien besitzen schließlich keine göttlichen Fähigkeiten mehr.
39-13. Sie wohnen an den verschiedensten Orten und gelten als Schlangen mit einer Haube. Aufgrund früheren Handelns beißen auch sie Menschen und andere Wesen.
39-14. Sie beißen aufgrund des Zorns der Gottheiten, wegen grausamen und verfehlten Verhaltens, um ihren Aufenthaltsort zu schützen, beim Getretenwerden oder aus Furcht.
39-15. Ghonasas, Rajilas und weitere Arten sollen aus gegenseitiger Vermischung entstanden sein. In den drei Monaten von Ashadha an trägt die Schlange ihre Brut.
39-16. Im Karttika oder Margashirsha legt sie mehr als zwanzig bis zu vierzig verschiedenartige Eier.
39-17. Nach sieben Tagen frisst sie diese selbst vor Hunger. Weil sie aber eines, zwei oder drei Eier nicht frisst,
39-18. entstehen daraus Schlangen, nachdem sieben Tage vergangen sind. Ein weibliches Ei trägt lange Streifen; ein männliches ist goldfarben.
39-19. Ein geschlechtsunbestimmtes Ei gleicht einer Shirisha-Blüte oder ist weiß beziehungsweise schwarz. Nach zehn Tagen brechen sie auf, und die Jungen besitzen Wahrnehmung.
39-20. Nach einundzwanzig Tagen bilden sich die Hauer, nach vierzig Tagen die Fortbewegung. Sobald sie die Sonne sehen, werden sie stark giftig.
39-21. Nach sechs Monaten sind sie eine Elle lang und streifen ihre Haut ab. Im Skorpion geborene sind lang und heftig, im Schützen geborene kurz und friedlich. [Hinweis: Die Quelle versieht die Aussage über das Abstreifen der Haut mit einer Lesungsfrage.]
39-22. An Flusszusammenflüssen, auf Bergen, in Gärten, Heiligtümern und Lotosteichen wohnen die Brahmanen-Schlangen; sie riechen nach Opfergabe.
39-23. In Häusern, Höfen, Wällen und ähnlichen Orten wohnt die Königsklasse, nach Ketaki duftend. In Rindergehegen, Ameisenhügeln, Wäldern, Feldern und Kornspeichern
39-24. wohnt die Vaishya-Schlange, nach Guggulu riechend. Die Shudra-Schlange bleibt nicht an einem einzigen Ort. Vormittag, Mittag, Nachmittag und Nacht gehören den Klassen von Brahmanen an.
39-25. Die Brahmanen-Schlange ernährt sich von Wind, Blättern, Früchten und Milch, die Königsschlange von Mäusen, die Vaishya-Schlange von Fröschen und die Shudra-Schlange von allem, was ihr begegnet.
39-26. Wenn sie nicht von Pfauen, Falken, Mungos, Ebern, Katzen, Rindern, Eseln, Menschen, Feuer, Blitz oder Ruru-Tieren getötet wird, lebt sie lange.
39-27. Die Schlangen hätten Füße, deren Zahl durch „Licht, Glanz, Wald“ bezeichnet ist, fein wie Rinderhaare und von Haut bedeckt; deshalb gehen sie nicht auf Füßen. [Hinweis: Die Zahlenfolge ist unklar; die Aussage wird als historische Vorstellung bewahrt.]
39-28. Blauer Lotos, Lotos, Muschel, Svastika, Utpala, Punkte oder zwei Kinderfüße gelten als Zeichen auf den Hauben der Schlangen.
39-29. Ghonasas sind lang und mit verschieden gestalteten Kreisen gezeichnet; Rajilas tragen quer und längs verlaufende Streifen auf dem Körper.
Unnummerierter Abschnitt nach 39-29: Wirkungen und Prüfung. Haubenschlangen und die folgenden Gruppen sollen Wind, Galle, Schleim beziehungsweise alle drei stören. Man soll die Form der Hauer, die Bissart, die Ursache, die Bewegungen, die Ausbreitungsstufen, den Ort, empfindliche Körperstellen, den Boten, seine Worte, Sterne, Richtungen, Vorzeichen und Mondtage erkennen; danach entscheidet man, ob man behandelt oder nicht. [Hinweis: In der gelieferten IAST-Fassung fehlt hier eine Versnummer; es wird keine Marke „39-30“ erfunden.]
39-31. Schlangen haben zweihundertvierzig Zähne.
39-32. Neun davon sind giftig; durch ihren Biss entsteht Vergiftung. Sie heißen Karali, Makari, Dhumra, Kalaratri, Kapalini,
39-33. Kali, Ugra, Yamani und Yamadutika. Mit einigen dieser Zähne beißen die Luftesser.
39-34. Für einen Biss unter Ashlesha oder Gulika gebe es keine Behandlung. Wer beim Aufgang Gulikas durch eine Waffe, einen Dorn, ein Insekt oder Ähnliches verletzt wird,
39-35. gehe ebenfalls zu Vaivasvata, dem Todesherrn—um wie viel mehr der von einer Schlange Gebissene. An den Übergängen von Tag und Nacht seien männliche Schlangen und die weiteren Gruppen besonders giftig.
39-36. Vier Arten des Bisses werden unterschieden: gebissen, durchbohrt, zerrissen und abgeschabt. Beim „Gebissenen“ erkennt man eine einzelne Wunde.
39-37. Bei zwei Wunden heißt es „durchbohrt“, bei vielen „zerrissen“; ohne sichtbare Wunde „abgeschabt“. Nun werden die Ursachen des Beißens genannt.
39-38. Furcht, Hunger, Erregung, Getretenwerden, Schutz des Aufenthaltsortes, göttlicher Auftrag, Feindschaft und der durch die Todeszeit bestimmte Biss: Dies sind die acht Ursachen.
39-39. Eine einzelne gekrümmte Wunde gilt als Biss einer erschrockenen Schlange; dort sei kein Gift. Sind zwei Bissstellen vorhanden,
39-40. gerade und mit wenig Gift, soll man den Fall als leicht behandelbar ansehen und behandeln. Mit Speichel bedeckte, in der Mitte zerrissene Bissstellen sollen von Hunger herrühren.
39-41. Dies gilt als schwer behandelbar; einige nennen es unbehandelbar. Sind eine oder viele Wunden vorhanden und fließt viel Blut,
39-42. gilt dies als Biss aus Übermut und als unbehandelbar oder allenfalls unter Mühen behandelbar. Wunden einer ihr Revier schützenden Schlange zeigen Speichel, Blut und Fleisch.
39-43. Wo man dies sieht, sei der Fall behandelbar: So lautet Vachaspatis Ansicht. Zwei gerade Bissstellen und eine gekrümmte gelten als aus Feindschaft entstanden; diesen Fall soll man aufgeben.
39-44. Drei Wunden mit Blut gelten als von der Todeszeit veranlasst und unbehandelbar. Gänsehaut, Brennen, Schweiß, Speichelfluss, Zittern der Glieder,
39-45. Verwirrung des Gedächtnisses und Verlust der Selbstkontrolle gelten als Zeichen eines Todesbisses; man solle den Betroffenen aufgeben. Ein schwarzer Kreis um die Bissstelle, reichlicher Blutfluss
39-46. und das Auseinandertreten von Zähnen und Lippen gelten ebenfalls als Zeichen. Mond, Feuer und Sonne erscheinen dem Betroffenen glanzlos; seine Augen sind stark gerötet.
39-47. Er sieht seinen eigenen Schatten nicht, schwimmt, wenn man ihn ins Wasser wirft, zeigt beim Besprengen keine Gänsehaut und blutet bei einem Schnitt nicht.
39-48. Wenn ein Schlag mit einem Rohr oder Ähnlichem keine Spur hinterlässt oder der Mund offen steht, gilt er als vom Tod gebissen und gestorben. [Hinweis zu 39-34–48: Dies sind die historischen Prognose- und Prüfvorstellungen der Quelle. Sie sind weder zuverlässige Lebenszeichenprüfungen noch Gründe, medizinische Hilfe zu unterlassen.]
39-49. Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen sind die Körpergewebe. Das Übergehen des Gifts von einem Gewebe zum nächsten nennt man eine Giftwelle.
39-50. Wenn eine Welle nach hundert oder fünfzig Zeiteinheiten aufsteigt, gilt der Fall als behandelbar; steigt sie rasch auf, als unbehandelbar. Nun werden die Zeichen der Wellen genannt.
39-51. Gänsehaut, Schweiß, Austrocknung, Farbveränderung, Zittern, Schluckauf, Versagen der Kehle, Bewusstlosigkeit und Tod.
Aufzählungsabschluss. Dies sind die neun Wellen.
39-52. After, Genitalbereich, Bauch, Gaumen, Ohren, Brust, Augen, Kopf, Hals, Schläfen, Nase, Nabel, Achseln, Füße, Hände und Unterschenkel gelten als ungünstige Bissstellen.
39-53. Heiligtümer, Ashvattha- und Banyan-Bäume, Jambu, Shleshmataka, Tamarinde, Rohr, Bambus, Verbrennungsplätze, abgestorbene Bäume, verfallene Brunnen, Wegkreuzungen und heilige Baumplätze gelten als ungünstige Orte.
Aufzählungsabschluss. Dies sind die ungünstigen Orte.
39-54. Ein Bote mit heiterem Gesicht, Blumen oder ähnlichen Gaben in der Hand, unversehrtem Körper und weißem Gewand gilt als günstig. Ungünstig ist einer, dessen Körper eingeölt ist, der versehrt oder krank ist.
39-55. Wer schmutzig ist und Holz, Dornen, eine Fackel oder einen Stab trägt, ein Tuch um den Hals, einen Strick in der Hand und offenes Haar hat, gilt als ungünstiger Bote.
39-56. Ein Gelübdeschüler, ein Träger religiöser Kennzeichen oder eine Frau, auch jemand, der schon von fern ruft oder zuerst die Schlange und dann den Gebissenen erwähnt, gilt als ungünstiger Bote.
39-57. Man setzt die Silben des Tages und des Gebissenen in die linke Handfläche ein und betrachtet sie. Riecht man Ketaki, soll es eine Haubenschlange sein; bei Patala eine kreisgezeichnete Schlange.
39-58. Bei Mallika-Duft sei es eine Rajila, bei Karavira eine Mischform. Bleibt die Hand unverändert, soll man erklären, es sei kein Gift vorhanden.
39-59. Beginnen die Worte des Boten mit Wasser- oder Indra-Buchstaben, soll der Gebissene leben; bei Wind- oder Feuer-Buchstaben nicht. Diese werden nun der Reihe nach aufgezeichnet.
39-60. Die Buchstabenfolge „i, i, l, l, am, ha, la, nga, nya, na, na, ma“ wird Indra zugeordnet; die Folge „a, cha, chha, ja, ka, la [oder ka, va], kha, ksha, jha, sha, bha“ dem Wasser.
39-61. Die Folge „e, ai, o, ah … u, ga, tha, ha, ya, va, dha“ gehört zum Wind; „a, u, ri, ri, au, gha, ta, pa [oder ta, ra], da, sa, kha“ zum Feuer.
Abschluss der Buchstabenregel. Dies ist die Regel für die Buchstaben in der Rede des Boten. [Hinweis zu 39-60–61: Die Quelle enthält unklare Trennungen, Lesungsfragen und eine Sternchenlücke. Die deutsche Lautbenennung kann die Unterschiede langer und kurzer Sanskritvokale nicht vollständig darstellen; für den unveränderten Lautbestand ist die getrennte IAST-Fassung maßgeblich. Aus diesen Listen wird kein vervollständigtes Orakelschema hergestellt.]
39-62. Unter den Mondhäusern Rudra, Agni, Schlange, Aja, Magha, Mula, Purva und Vishakha, an Dienstag, Samstag oder Sonntag sowie am sechsten, neunten, fünfzehnten, ersten oder vierzehnten Mondtag gelte der Gebissene als tot. [Hinweis: Auch diese Zeile trägt in der Quelle eine Lesungsfrage; die gedrängten Mondhaus- und Tagesnamen bleiben in ihrer erkennbaren Form.]
39-63. Die in der Welt als günstig bekannten Vorzeichen weisen auf Gelingen. Auch Tierzeichen verkünden durch günstige Laute Erfolg.
39-64. Steht der Bote in einer Hauptrichtung von Osten an, gilt die Schlange als Haubenschlange; in den Ecken als kreisgezeichnete. In den Zwischenräumen zwischen Haupt- und Zwischenrichtungen gelten der Reihe nach Rajila und Mischform.
39-65. Welches Körperglied der Bote auf Aufforderung des Mantrapraktizierenden oder von selbst berührt, dort soll der Biss liegen. Stimmt dies nicht überein, sei es keine Schlange gewesen oder kein Gift vorhanden.
39-66. Auf welcher Seite beim Eintreffen des Boten der Atem strömt, auf derselben Seite soll der Biss liegen. Kommt der Bote von dieser Seite, gilt dies als günstig.
39-67. Den Namen des Gebissenen zuerst zu nennen gilt als günstig, den der Schlange zuerst als Todeszeichen. In der hellen Monatshälfte ist bei Männern rechts Nektar, auf der anderen Seite Gift.
39-68. Bei Frauen gilt das Umgekehrte, ebenso die Umkehrung „in der hellen Hälfte“. Ein Biss im Nektarbereich gilt als behandelbar, anderswo als tödlich. [Hinweis: Die erneute Angabe „in der hellen Hälfte“ widerspricht der erwartbaren Gegenüberstellung; sie wird nicht zu „dunkel“ korrigiert.]
39-69. Teilt man die Silbenzahl der Botenrede durch drei, bedeutet ein Dreierabschluss Tod, ein Rest von eins Behandelbarkeit und ein Rest von zwei Abwesenheit von Gift.
39-70. Günstige Planeten am Aszendenten, in der Arudha-Position oder im Aspekt gelten beim Eintreffen des Boten als günstig, ungünstige Planeten als ungünstig.
39-71. Erst nach Prüfung der Tierzeichen und anderer Vorzeichen soll der Mantrapraktizierende zur Behandlung aufbrechen. Schakal, Tiger, Mungo, Chakora, Haubenschlange und Eber,
39-72. Getreide und volle Krüge rechts zu sehen gilt als günstig. Vögel, Wildtiere und Dundubha-Schlangen gelten links als günstig.
39-73. Ein Chasha-Vogel von rechts nach links, eine Krähe von links nach rechts gelten als günstig. Beim Aufbrechen sind Krähenruf und Eidechsenlaut von links günstig.
39-74. Beim Eintreten gilt der Eidechsenlaut von rechts als günstig; ebenso, wenn Krähe oder Chasha sich nach rechts bewegen.
39-75. Stehen die beiden Vögel zu beiden Seiten des Weges und rufen, ist dies günstig. Rufen sie vorn mit gegeneinander gewendeten Gesichtern, heißt dieses Zeichen „Tor“.
39-76. Man soll es als außerordentlich günstig ansehen, ebenso das Gähnen von Hunden vor einem. Geht eine Krähe mit irgendeiner Speise im Schnabel vorüber,
39-77. oder ein Hund oder ein anderer Vogel, gilt dies als günstig, ebenso der Anblick von Fleisch und berauschendem Trank. Eine junge Frau, eine Frau mit glückverheißendem Ehestand, eine Kurtisane, eine Blume, eine Muschel und ungebrochene Reiskörner,
39-78. ferner „Pulver und Bogen“ gelten als günstig, wenn sie einem entgegenkommen. Das Anstoßen des linken Fußes ist günstig, außer an der großen Zehe. [Hinweis: Die Verbindung „churnachapa“ bleibt in ihrer genauen Bedeutung offen.]
39-79. Am rechten Fuß ist es ungünstig, an dessen großer Zehe dagegen günstig. [Quellenvermerk:] Über das Niesen sagen andere: „Vorn bedeutet es Verhinderung, beim Auge Umkehr, an der Kehle Vernichtung, auf der rechten Seite [entsprechend]; hinten Erfüllung des Ziels, links am Ohr Sieg, beim Auge Gewinn von allem.“ [Die räumlichen Bezüge der knappen Niesregel sind teilweise unklar.]
39-80. Niesen von überallher ist zu Beginn ungünstig; das Niesen einer Kuh bewirke Tod. Erzwungenes oder nicht erzwungenes Niesen von Frauen sowie das von Alten, Schnupfenkranken und Kindern … [Hinweis: Die überlieferte Aussage endet ohne eindeutig lesbare Bewertung dieser Ausnahmen; sie wird nicht ergänzt.]
Zitatabschluss. So lautet die Aussage.
39-81. Ungünstige Vorzeichen werden aus Sorge, das Buch zu umfangreich zu machen, nicht eigens aufgezeichnet. Was von den genannten günstigen Zeichen abweicht, gilt als ungünstig.
Quellenübergang: Zum Eidechsenruf.
39-82. Bei der Sonne Vernichtung, beim Mond erfreuliche Nachricht, bei Mars Unerwünschtes, bei Merkur die Ankunft eines Freundes, bei Jupiter Gold, bei Venus Speise, bei Saturn Streit und bei Rahu Tod. [Hinweis: Ob hier Wochentage oder planetarische Zeitabschnitte gemeint sind, wird örtlich nicht ausdrücklich gesagt.]
39-83. Im Herzlotos des Gebissenen setzt man „Bhrigu“ mit Anusvara ein.
39-84. Ringsum stehen die Silben seines Namens, darüber eine Mondscheibe, die Nektar ausströmt. Eine ebensolche Mondscheibe betrachtet man an seiner Kehle.
39-85. Im Bindu zwischen den Brauen setzt man Nektar ein und spricht „Binde, binde!“. So betrachtet man und rezitiert „Verehrung dem Erhabenen,
39-86. Nilakantha“, mit zweimal Tha; dadurch soll das Leben geschützt werden. Man lässt auch den mit Butter vermischten Saft von Kuhdung oder Pfeffer mit Butter trinken.
39-87. So soll Schutz des Lebens aus der Ferne oder in unmittelbarer Gegenwart erfolgen. „Samvartaka“ mit „Auge“, „Seite“, Tara und die dem Feuer liebe Endung—
Benennung nach 39-87. Dieser Mantra heißt Vipati; er ist Garuda in Wortgestalt.
Gliederformeln vor 39-88. „Flamme, großer Geist! Tha, Tha.“ — „Garudas Scheitel, Zerbrecher, Spalter, Zermalmer! Tha, Tha.“ — „Du von ungehemmter Kraft und ungehemmtem Gebot! Hum, Phat, Tha, Tha.“ — „Du Träger schrecklicher Gestalt, Schrecken der Schlangen, erschrecke! Tha, Tha.“ — „Verbrenne alles, mache es zu Asche! Tha, Tha.“
39-88. So sind die sechs Glieder Vipatis mit dem Waffenmantra angegeben. [Hinweis: In der vorliegenden Prosafolge sind fünf Formeleinheiten erkennbar; ein weiteres Glied wird nicht ergänzt.]
39-89. Ein achtblättriger Mutterbuchstaben-Lotos wird mit den Buchstabengruppen und ihren abschließenden Paaren gebildet; Vokalpaare bilden die Staubfäden, Narasimha den Fruchtboden. [Hinweis: Das erste Wort der Konstruktion ist unklar; die genaue Buchstabenverteilung bleibt offen.]
39-90. Die sieben Mütter von Brahmi an und Mahalakshmi befinden sich auf den Blättern: im Osten, Süden, Westen, Norden, Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten.
Beispielformel nach 39-90. „Am, Am, Kam, Kham, Gam, Gham, Ngam: Verehrung Brahmi.“ [Die ersten beiden Laute unterscheiden sich im Sanskrit durch kurzen und langen Vokal; die vollständige IAST-Form bleibt gesondert bewahrt.]
39-91. Mit solchen Mantras betrachtet und verehrt man sie. Dann setzt man die fünf Silben Vipatis auf die mittleren Fingerglieder vom Daumen an ein, zusammen mit den Kreisen der Elemente und den weiteren Zuordnungen.
39-92. Im Herzen und in der linken Hand betrachtet man einen achtblättrigen Lotos. Die sieben Buchstabengruppen und das abschließende Paar stehen auf den Blättern der acht Richtungen, die Vokale an den Staubfäden.
39-93. Auf dem Fruchtboden setzt man „Feuer“ mit „Gnade“ und dem Punkt am Schluss ein. So betrachtet man im Herzen und auf der linken Handfläche.
39-94. Dann setzt man Vipatis Laute der Reihe nach vom Daumen an ein, ebenso die Mantrasilben, die Naga-Silben und die Silben der großen Elemente.
39-95. Auch die Laute der feinen Sinnesgrundlagen und der Eigenschaften setzt man an Hand und Körper ein. [Der Erdkreis ist] viereckig, mit dem Donnerkeil an den Ecken, mit „Fleisch“ an der Ecke und Indra als Gottheit. [Hinweis: „mamsakona“ ist in dieser Diagrammbeschreibung nicht sicher deutbar.]
39-96. Der Wasserkreis ist weiß, halbmondförmig und lotosgleich, in seiner Mitte steht der „Schwertträger“. Der Feuerkreis ist rot und dreieckig, unter Agnis Herrschaft, in der Mitte mit „Blut“ und Svastika gezeichnet.
39-97. Der Windkreis ist rund, mit sechs Punkten auf Linien und schwarz. Der Raumkreis ist gestaltlos, die feine Grundlage des Klangs, seine eigene Scheibe; Shiva ist seine Gottheit. [Hinweis: Einzelne Diagramm- und Lautwörter, darunter die Verbindung vor „schwarz“, sind unklar; keine Ersatzzeichnung wird erschlossen.]
39-98. So setzt man die Bilder der Elemente von Erde an auf die mittleren Fingerglieder vom Daumen an ein, von ihren eigenen Nagas umwunden und mit den Silben Vipatis verbunden.
39-99. Ananta und Gulika sind rot, gehören zur Brahmanenklasse und stehen unter Agni. Shankhapala und Vasuki sind gelb, königlich und stehen unter Indra.
39-100. Mahapadma und Takshaka sind schwarz, gehören zur Vaishya-Klasse und stehen unter Vayu. Padma und Karkota gehören zur vierten Klasse, sind weiß und stehen unter der Wassergottheit. [Hinweis: Diese Farbenzuordnung unterscheidet sich von der allgemeinen Reihenfolge in 39-10; beide Angaben bleiben bewahrt.]
39-101. Die Anfangssilben der Naga-Namen setzt man zusammen mit den Anfangssilben der Elemente von Erde an und mit den feinen Sinnesgrundlagen von Geruch an auf die Finger vom Daumen an ein.
39-102. Auf den Anfangsgliedern stehen die feinen Sinnesgrundlagen, auf den Endgliedern die Elementsilben und in der Mitte Vipatis Laute mit den Kreisen der Element- und Naga-Silben.
39-103. In der Hand betrachtet man Garuda, mit den fünf Silben, den feinen Sinnesgrundlagen und drei Gunas sowie dreizehn Kalas verbunden. [Hinweis: Die Quelle nennt die dreizehn Kalas hier, ohne sie vollständig aufzuzählen.]
39-104. Dann setzt man die Kreise von Erde an auch in den eigenen Körper ein: von den Füßen bis zu den Knien, von den Knien bis zum Nabelbereich,
39-105. vom Nabel bis zur Kehle, von der Kehle bis zur Stirn und von der Stirn bis zum Scheitel, jeweils mit ihren eigenen Lauten.
39-106. Indem man sich selbst als Garuda betrachtet, soll man Gifte vernichten. „Ich verneige mich vor Garuda, dem Sohn Vinatas: bis zu den Knien goldfarben, bis zum Nabel wie der Gipfel eines Schneeberges, bis zur Kehle wie eine reife Bimbi-Frucht und frisch erblühte Bandhujiva-Blüten, bis zum Kopf schön wie eine Masse aufgebrochenen dunklen Augenschminks. Die vornehmsten Schlangen schmücken ihn; er erfüllt das Innere des Welteis und wird von den drei Welten verehrt.“
39-107. Wenn Schlangen, Pishachas und andere besetzende Mächte den Mantrapraktizierenden so als Garuda sehen, sollen sie sogleich hervortreten und verschwinden.
39-108. Was der Mantrapraktizierende auch spricht, der durch die Betrachtung der Einheit selbst Garuda geworden ist, soll zum Mantra werden; das Gift soll den Gebissenen verlassen und vergehen.
39-109. Man hebt die Garuda-Hand, verändert die Reihenfolge der Mantrasilben und bewegt unter Japa die Finger vom Daumen an.
39-110. So soll man augenblicklich Erstarrung, Einziehung, Erschütterung und Übertragung bewirken. An den Stellen der fünf Silben setzt man jeweils die erste Silbe ein.
39-111. Mit wiederholten Aufforderungen wie „Lähme!“ und durch Bewegen des Daumens soll Erstarrung entstehen.
Formel nach 39-111. Durch Rezitation von „Wirf! Om, Sva, wirf!“ soll man lähmen. [Hinweis: „Sva“ ist hier ein unklarer Lautbestandteil, kein sicher übersetzbares Wort.]
39-112. Man vertauscht die erste und zweite Silbe und spricht den Mantra aus. Ananta ist der Halsschmuck [Garudas], Vasuki die Kette auf seiner Brust.
39-113. Padma und Mahapadma bilden seine Ohrringe, Gulika das Stirnband. Karkota und Takshaka sind die Bänder an Bauch und Hüfte.
39-114. Shankhapala ist seine heilige Schnur, seine Augen sind zinnoberrot. So betrachtet man Garuda gesammelt als eins mit sich selbst.
39-115. Man zeigt die Dreizack-Mudra; eine Rezitation soll Erschütterung, zweimalige Rezitation Besessenheit bewirken. Drei oder vier Wiederholungen sollen entgiften, fünf oder sechs das Verzehren von Gift ermöglichen.
Abschnittsabschluss und weitere Anweisung. Der Abschnitt über den Vipati-Mantra. Durch Aussprechen von „Überflute, lass überfluten!“ und Bewegen des Zeigefingers soll man Gift entfernen.
39-116. Tara, „Seite“, die Silbe Kshi und zweimal Tha: Durch Bewegen des Mittelfingers, die Worte „Erschüttere!“ und Japa soll [die Macht] hervortreten und verschwinden.
39-117. Man spricht die vierte, zweite, dritte, erste und fünfte Silbe, dann „Übertrage!“ und bewegt den Ringfinger; so soll man übertragen.
39-118. Langes „Raum“, „Seite“ und Tara, dann „mit Auge, Samkshipara“ …; am Ende spricht man „Wirf hinein“ und „Sam“. Durch Bewegen des kleinen Fingers soll man entfernen.
Worterklärung nach 39-118. Das heißt: Man soll das Gift einziehen. [Hinweis: Die mittlere Lautkonstruktion ist schon in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen und bleibt unaufgelöst.]
39-119. In einem Wald weißer Lotosblüten, in einem aufgeblühten weißen Lotos, in einem nektargefüllten Tara-Krug und in der vollen Mondscheibe betrachtet man
39-120. den Gebissenen weiß, umgeben von den Kalas von A an in Frauengestalt, überströmt vom Nektar der Milch, die aus ihren Brüsten fließt.
39-121. So betrachtend rezitiert man allein die Vokale; er soll augenblicklich giftfrei werden. Kamada, Subhaga, Nila, Bhogada, Sarvamangala,
39-122. Bhadra, Bhadravati, Saumya, Bhogini, Bhagamalika, Kameshvari, Kamamala, Siddhi, Riddhi, Vama
39-123. und Ama sind die sechzehn aus Nektar entstandenen Kalas. Soma selbst besteht aus Nektar und hat diese sechzehn Kalas zum Wesen.
39-124. Zweiarmig, mit friedlichen Gesichtern, glückverheißend und in weiße Gewänder gekleidet,
39-125. mit Nektarkrügen in den Händen und mit Schmuck geziert soll man sie betrachten. Auf einem mit Kuhdung bestrichenen Platz schreibt man der Reihe nach die Silben des Vogelkönigs.
Linienritual nach 39-125. Man verbindet sie mit Linien und lässt den Gebissenen darübersteigen; so soll er giftfrei werden.
39-126. Man betrachtet den Gebissenen als im Nektarmeer versunken und legt ihn auf den Rücken. Man deckt ihn mit einem Tuch zu und stellt sich dieses Tuch als Mondkreis vor.
39-127. In der Mitte des Tuches betrachtet man den „Schwertträger“ mit Anusvara,
39-128. wie er Nektar ausströmt. An den betreffenden Stellen und Öffnungen stellt man sich volle Mondscheiben vor und spricht „Muddha, Muddha“.
39-129. Durch Wegziehen des Tuches soll man den Gebissenen wohlbehalten aufstehen lassen. Man setzt „Shrikantha“ ins Herz und den Laut Ham auf Rücken und Gelenke.
39-130, erstes Vorkommen. Der Laut Dhum, auf den Kopf des Gebissenen gesetzt, soll Gift sofort vernichten. „Karaka“ mit „Ohr“, „gut zusammengefügt“, „Haut“ und „Pinakin“—
39-131. mit zweimal Tha am Ende, auf Birkenrinde geschrieben und niedergelegt, sollen Schlangen vertreiben. „Seite“ mit „Feuer“, „Zweimalgeborenem“ und Halbmond, „Widder“ mit „Feuer“ und „Trimurti“,
Unnummerierte Fortsetzung nach 39-131. mit dem Punkt, „Pflugträger“ und Auslaut: Dies ist der Nilakantha-Mantra. [Hinweis: Beide Konstruktionen bleiben chiffriert; „gut zusammengefügt“ gibt nur einen erkennbaren Wortbestandteil wieder.]
Glieder- und Schutzformeln nach 39-131.
- „Hara, dem Herzen Verehrung! Tha, Tha.“
- „Dem Haarknotenträger, dem Kopf: Tha, Tha.“
- „Dem Blaukehligen, dem Scheitel: Tha, Tha.“
- „Dem Entferner des Kalakuta-Giftes: Hum, Phat.“
- „Furchtbarer: Tha, Tha“ ist die Waffe.
- „Om, Ham, Om, dem Blaukehligen; Om, dem Haarknotenträger; Om, Hrim, Hrum, dem Allwissenden: Tha, Tha.“
- „Dem Dreiäugigen, du Dunkelkehliger, verzehre das Gift! Tha, Tha.“
39-130, zweites Vorkommen. Sein Rishi heißt Aruni, sein Versmaß ist Anushtubh, seine Gottheit Rudra unter dem Namen Nilakantha und den weiteren Namen. Als Bija wird die erste Silbe genannt. [Hinweis: Die Quelle wiederholt hier die Nummer 39-130 nach 39-131; beide Vorkommen bleiben unterscheidbar.]
Vorbereitung vor 39-132. Die Shakti ist der zweite Bindu; die vorbereitende Praxis umfasst dreihunderttausend Wiederholungen. Oder:
39-132. Am achten Tag der dunklen Monatshälfte fastet man, verehrt Isha und rezitiert zehntausendmal.
39-133. Am vierzehnten Tag der dunklen Hälfte opfert man ebenso zehntausendmal Sesam. [Erläuterung:] Damit gilt die Vorbereitung als vollzogen. Tara setzt man auf die beiden Daumen; auf den drei Fingern von Zeigefinger an
39-134. setzt man die drei Silben auf die mittleren Glieder, Praṇava auf die kleinen Finger. Bis zum Nabel steht die erste Silbe, schwarz; bis zur Kehle die zweite, rot.
39-135. Die dritte setzt man nektargleich und als Bewusstsein auf den Kopf. Auch auf die drei Augen setzt man die drei Silben und die Glieder auf die jeweiligen Körperstellen.
39-136. Bis zum Nabel ist er dunkel wie Augenschminke, bis zur Kehle wie die aufgehende Sonne, bis zum Scheitel wie die Mondscheibe, mit acht Schlangenkönigen geschmückt.
39-137. Dreiäugig und mit dem Dreizack in der Hand betrachtet man ihn als eins mit sich selbst und rezitiert. Dieser Mantra ist dreisilbig, mit Praṇava am Anfang und „Verehrung“ am Ende.
39-138. Durch Japa, Meditation und die Berührung mit dem Dreizack soll der Gebissene wohl werden. Auf einem neuen Verbrennungsplatz verehrt man Bhairava im Mandala des Schlangenkönigs.
39-139. Vor ihm formt man eine Schlange aus Reismehl und verehrt sie. In der Nacht des vierzehnten dunklen Mondtags rezitiert man in der Heldenhaltung,
39-140. die Schlange betrachtend. Sie soll sich nähern; man ergreift und verzehrt sie. So soll der Mantra verwirklicht werden und schon der Anblick des Praktizierenden Gift vernichten. [Hinweis: Die Quelle knüpft an das geformte Schlangenbild an; ein lebendes Tier wird von der Übersetzung nicht zusätzlich eingeführt.]
Alternative vor 39-141. Oder:
39-141. Wer dies nicht vollziehen kann, rezitiert an einem Ort der Muttergottheiten oder am Meer in der Nacht des vierzehnten dunklen Mondtags dreihunderttausendmal.
39-142. Man opfert zehntausendmal Butter, Milch, Honig und Reis. Dadurch soll der Mantra verwirklicht sein und nach Wunsch angewendet werden können.
39-143. Man betrachtet den Gebissenen im Feuerkreis und in der eigenen Handfläche den flammenden Tara-Laut; man zeigt ihn ihm, und er soll ohnmächtig werden.
39-144. Die erste Silbe betrachtet man rauchfarben in Wind- und Feuerbereich und reicht Räucherwerk; der Gebissene soll in Besessenheit geraten und dann giftfrei werden.
39-145. Im Windbereich stellt man sich die zweite Silbe schwarz beziehungsweise rauchfarben vor und überträgt damit das Gift in den Körper eines anderen. [Hinweis: Die beiden Farbangaben stehen unmittelbar nebeneinander; die Übersetzung vereinheitlicht sie nicht.]
39-146. Die dritte Silbe betrachtet man in der Vollmondscheibe, mit Nektar überflutet; dadurch soll man ihn giftfrei machen. Ebenso soll man Kopfschmerz
39-147. und Viertagefieber sowie andere Fieber vernichten, daran bestehe kein Zweifel. Die drei Silben ohne Tara stellt man sich im Feuerhaus vor.
39-148. In wessen Körper man sie so betrachtet, der soll ohnmächtig niederfallen. Die letzte Silbe betrachtet man Nektar regnend auf seinem Kopf und rezitiert sie.
39-149. Durch Zeigen der Dreizack-Mudra soll er rasch giftfrei werden. „Krug“ mit „Auge“, dann „Weiß“, „Raum“, „Feuer“ mit „Auge“—
Formel nach 39-149. „Hiravarshi, Kharva, Hiravarshi, Tha, Tha.“ [Hinweis: Die Folge ist nicht sicher als zusammenhängender Satz übersetzbar und wird nicht korrigiert.]
39-150. Man vergegenwärtigt Uma, weiß gekleidet, dreiäugig, mondhell und geschmückt, wie sie den Gebissenen mit Nektar aus einem Krug übergießt, und rezitiert.
39-151. Mit einspitzigem Geist betrachtet man sich als eins mit ihr und soll durch Japa entgiften. Nun wird eine Stillung des Gifts ohne Mantras, Arzneien und Ähnliches gezeigt.
39-152. An großer Zehe, Fußoberseite, Fußgelenk, Knie, Genitalbereich, Nabel, Herz, Brust, Kehle, Nase, Augen, Ohren, Brauenmitte, Schläfe und Scheitel befindet sich an den Mondtagen der hellen Hälfte der Reihe nach die Amrita genannte Kala. In der dunklen Hälfte wird sie vom Scheitel an in umgekehrter Folge gelehrt, entsprechend ihrem Auf- und Abstieg.
39-153. Bei Frauen steigt sie von der linken großen Zehe an auf; auf der anderen Seite steigt sie ab. Als Gift-Kala bezeichnen die Kundigen die siebte Stelle vom Nektar aus.
39-154. Erkennt man im Körper des Gebissenen die Nektar-Kala und reibt diese Stelle, soll er giftfrei werden. Die Gift-Kala befindet sich an der siebten Stelle von der Nektarstelle aus.
39-155. Durch Reiben dort soll eine Erschütterung aller Gifte entstehen. Ein Biss dort gilt als unbehandelbar; man solle an dieser Stelle keine Behandlung vornehmen.
39-156. Wenn man isst, während die Gift-Kala in der Kehle steht, sollen daraus Verdauungsstörung, Bauchkrankheiten und schließlich Tod entstehen.
39-157. Steht die Gift-Kala in der Kehle, betrachtet man dort den nach oben gewendeten „Schwertträger“, setzt Nektar ein und isst in der Erinnerung an Nektar.
39-158. Wer stets den Nektarlaut in die Kehle setzt, den höchsten Nektar betrachtet und dann isst, soll keinen vorzeitigen Tod erleiden und hundert Jahre leben.
39-159. Durch Reiben der Nektar-Kala soll die Liebesvereinigung Frauen Freude bereiten. Befindet sich die Nektar-Kala im Genitalbereich, soll die erste Vereinigung stattfinden.
39-160. Dies gilt als Liebe zwischen den Eheleuten erzeugend und als Mittel der Anziehung. Wo die Nektar-Kala steht, dort soll man stets die Lebenskräfte betrachten.
39-161. Nach Shakapurnis Lehre soll dies Leben, Fülle, Gedeihen und Schutz bewirken. In Mund, Augen, Kehle, Armen, Seiten und Füßen
39-162. [werden] Guru, Glanz, Fingermaß und die vom Geburtsstern ausgehenden Sternstellungen [zugeordnet]. Man fertigt ein Abbild der betreffenden Person an, unter den Sternen Vipat, Pratyara und Naidhana,
39-163. bei Verbindung mit der Gift-Kala. Wenn man das mit Staub ihrer Fußspur versehene Abbild unter Yama-Formeln und weiteren Mantras durchsticht, soll sie sterben. [Hinweis zu 39-161–163: Die erste astrologische Wortfolge in 39-162 ist beschädigt und nur in Einzelbestandteilen übersetzbar. Die nachfolgende Anweisung ist als historischer Schadenzauber wiedergegeben; fehlende Zuordnungen werden nicht ergänzt.]
39-164. „Astika, der große Asket, der von Jaratkaru mit Jaratkaru gezeugt wurde, der seinem Wort treu ist, möge mich vor den Schlangen beschützen.“
39-165. „Om, Verehrung Narmada am Morgen, Verehrung Narmada bei Nacht! Verehrung dir, Narmada! Schütze mich vor der Giftschlange.“
39-166. „Om. Wer sich an Asita, Archimat und Sunita erinnert, bei Tag oder bei Nacht, soll keine Furcht vor Schlangen haben.“
39-167. Wer diese Verse am Tage, bei Nacht und zu den Dämmerungszeiten rezitiert, für den soll selbst inmitten von Schlangen keine Furcht bestehen.
Unnummerierter Schlussvers nach 39-167. So wurden zum Wohl der verkörperten Wesen in Kürze Ursprung, Auftreten und Geschlechter der Nagas, Ursachen ihrer Handlungen und die Prüfung der Boten erklärt, zusammen mit den Vorschriften zur Anwendung der Garuda-Mantras und den Betrachtungen, die Gift abwehren sollen. [Hinweis: Die Quelle liest in der Mantrabezeichnung „sauvarna“; die Beziehung zu Garuda ist aus dem Kapitelzusammenhang erschlossen, nicht im Sanskrit korrigiert.]
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, im Mantrapada, endet das neununddreißigste Kapitel, das Kapitel über die Gegenmittel gegen Gift.
Zur Besinnung. Die abschließenden Gebete sprechen das menschliche Bedürfnis nach Schutz und Vertrauen aus. Sie lassen sich heute als religiöse Worte der Sammlung lesen. Fürsorge bedeutet zugleich, bei wirklicher Gefahr tatkräftige Hilfe zu suchen; spiritueller Beistand und die Anerkennung der Grenzen historischer Heilkunde gehören dabei zusammen.

Moderne Begleitung: Shiva-Shakti-Philosophie und Tantra
Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.
Mantrapada, Kapitel 40: Historische Arznei- und Rituallehre zu verschiedenen Giften
Dieses Kapitel versammelt vormoderne Rezepturen für Tierbisse, Pflanzen- und andere Gifte sowie Formeln zur Begleitung der Behandlung. Die Pflanzennamen bleiben überwiegend in ihrer überlieferten Benennung erhalten; unsichere Identifikationen werden nicht durch moderne botanische Namen ersetzt. Die Übersetzung dokumentiert historische Heilkunde. Zahlreiche Zutaten und Anwendungen können gefährlich sein und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung. Am Ende steht ein Ritual des ehrfürchtigen Sammelns von Arzneipflanzen.
Kapiteleingang. Nun das vierzigste Kapitel.
40-1. Weil die Betrachtungen durch die Unruhe des Geistes erschwert werden und die Verwirklichung der Mantras je nach Befähigung ungleich gelingt, wird eine Behandlung mit Arzneien gewünscht.
40-2. Wenn unklar ist, welche Schlange gebissen hat, isst man Karanja-Rinde: Schmeckt sie süß, gilt die Schlange als Haubenschlange, bei bitterem Geschmack als Rajila, bei scharfem als Ghonasa.
40-3. Man legt Hingu in ein Krähen-Ei, trocknet es in der Wärme und formt ein Kügelchen. Mit Urin in die Nase gegeben soll es einem von einer Haubenschlange Gebissenen helfen. [Hinweis: Die Wortform beim Krähen-Ei enthält eine Lesungsfrage.]
40-4. Das Pulver von „Muttertöter“ und Hingu wird im Leib einer Spitzmaus aufbewahrt, mit diesem getrocknet und pulverisiert. Als Nasenmittel soll es Haubenschlangengift entfernen. [Die Benennung „Muttertöter“ wird nicht zoologisch oder botanisch vereindeutigt.]
40-5. Getrockneter Ingwer, Ramatha, Karavelli, Knoblauch, Svarna, Vacha, Tumbini, Naktasraj, Bakula-Kerne, Shigru-Frucht und Koshataki-Samen, dazu die Wurzel des mit „Erde“ beginnenden Shirisha und Sarpagandha werden zu gleichen Teilen mit Ziegenflüssigkeit verrieben. Zu Kügelchen geformt sollen sie als Nasenmittel und in weiteren Anwendungen Schlangengift überwinden. [„Ziegenflüssigkeit“ wird in dieser Zeile nicht ausdrücklich als Milch oder Urin bezeichnet.]
40-6. Zerriebene Shadangi-Wurzel soll als Nasenmittel oder Aufstrich Gift entfernen. Wer die Hände damit bestreicht, soll beim Spielen mit Schlangen nicht verletzt werden.
40-7. Kuhbutter, Salz, Pfeffer, Hingu und die Hand des „Mutterfeindes“ werden verrieben; in Ohren, Augen und Nase geträufelt sollen sie Haubenschlangengift vertreiben. [Die ungewöhnliche Zutatenbezeichnung bleibt unaufgelöst.]
40-8. Punarnava und Varahi mit Milch getrunken sollen entgiften; ebenso das Abreiben der unteren Glieder mit Muschel- und Talaka-Pulver.
40-9. Vacha, Hingu und Pfeffer zu gleichen Teilen werden pulverisiert. Mit Karavelli-Saft als Nasenmittel sollen sie den Gebissenen augenblicklich aufrichten.
40-10. Devadali-Blätter, mit oder ohne Samen, und Kaushika, mit Sauvira verrieben, sollen durch Trinken und weitere Anwendungen sofort Haubenschlangengift entfernen. [Hinweis: Die Verbindung um Samen und Kaushika ist schon in der Quelle als unsicher bezeichnet.]
40-11. Gunja- und Bakula-Samen mit Pfeffer werden in Menschenurin verrieben. Als Nasenmittel und Getränk sollen sie selbst einen Bewusstlosen am Leben erhalten.
40-12. Man verreibt Bhunaga mit Menschenurin, trinkt es und trägt es auf; auch als Nasenmittel und Augensalbe soll es Haubenschlangengift entfernen.
40-13. Die Hand des „Mutterfeindes“ und Ramatha mit Menschenurin sollen durch Trinken, Nasengabe und Augensalbe selbst das Gift Vasukis vernichten.
40-14. Bakula-Samen in Urin sollen durch Trinken und weitere Anwendungen Gift vernichten. Koshataki, Muskat und die Samen von Naktamala und Karanja
40-15. werden verrieben; als Nasenmittel sollen sie Nagagift sofort überwinden. Hausruß, Darvi, Meghanada und Kurkuma,
40-16. mit Sauermilch und Butter verrieben und getrunken, sollen das Gift der vornehmsten Schlangen entfernen. Getrockneter Ingwer wird einundzwanzigmal mit „Sonnenmilch“ durchtränkt.
40-17. Eingenommen oder als Nasenmittel und Augensalbe soll dies Gift vernichten. Hingu, die drei scharfen Stoffe, Steinsalz, Knoblauch und Ugragandhika
40-18. werden mit dem Milchsaft von Snuk, Shreshtha, Kanya, Snuhi, Arka und weißem Arka sowie Ziegenmilch durchtränkt und in einem Bambusgefäß aufbewahrt. Daraus bereitet man Nasenmittel und Augensalbe. [Hinweis: Die Pflanzenreihe enthält ähnliche beziehungsweise möglicherweise überlappende Namen; sie wird nicht botanisch vereinheitlicht.]
40-19. Auch an der „Maitra-Stelle“ angewendet soll es einen als tot geltenden Gebissenen aufrichten. Mit frischen Kataka-Samen wird ein Stofffetzen siebenmal durchtränkt.
40-20. Mit Öl oder eigenem Urin bereitet man daraus Augensalbe und Nasenmittel; dadurch soll Haubenschlangengift sofort verschwinden. [Die Maitra-Stelle in 40-19 bleibt anatomisch unbestimmt.]
40-21. Kurkuma, langer Pfeffer, getrockneter Ingwer, Pfeffer, Hausruß und Sindhuvara-Blätter werden fein mit Hülsenwasser verrieben.
40-22. Als Aufstrich sollen sie Gift vernichten und Blutfluss stillen. Kurkuma, Hausruß, Meghanada, Butter und Sauermilch
40-23. werden getrunken und sollen Haubenschlangengift vernichten, ebenso mit Buttermilch Schlangengift. Ahigandha, in den Mund gegeben oder aufgetragen, soll sieben Gifte überwinden.
Abschnittsabschluss. Die Behandlung der Haubenschlangenbisse.
Formel vor 40-24. „Lavasranetra, Flammenmund, Giftverbrenner, Giftverzehrer, Donnerkeil in der Hand! Schlage! Hum. Durch das Schließen der Faust [binde] das Gift! Ya, Ra, La, Va, Pakshi, Hum, Phat, Pho, Tha, Tha.“ [Hinweis: Die erste Anrede ist unklar; ein fehlendes Verb bei der Faustbindung wird nur als Verständnishilfe in Klammern bezeichnet.]
40-24. Man betrachtet das von einer kreisgezeichneten Schlange gebissene Glied und deren Gestalt und sich selbst mit der Varaha-Hand; während man kaut und rezitiert, soll man Gift entfernen.
Formel nach 40-24. „Stab-Raum“ mit „Ananta“, Shakti; „Alpapakshideha, Aravimaravimattavan, Tha, Tha“. [Hinweis: Die Quelle selbst markiert die Folge als unsicher; sie ist nur als Lautbestand, nicht als verständlicher Satz wiederzugeben.]
40-25. Während man diese Formel rezitiert und Betel kaut, soll man das Gift kreisgezeichneter Schlangen entfernen. Man stellt sich die beißende Schlange mit nach unten gerichtetem Kopf vor, wie sie Rauchgift ausspeit.
40-26. Durch Reiben des gebissenen Gliedes sollen Schwellung und Gift verschwinden. Man stellt sich den Vergifteten als vom Kopf an von zwei weißen „Tola“ verzehrt vor.
Ergebnisangabe nach 40-26. Das Gift der kreisgezeichneten Schlange soll vergehen. [Die Bezeichnung „Tola“ ist im Bildzusammenhang nicht sicher auflösbar.]
40-27. Bei Harnverhaltung trägt man Stierdung unterhalb des Nabels auf. Auch Froschfett mit Reiswasser als Aufstrich soll den Abfluss bewirken.
40-28. Bei Stuhl- und Harnverhaltung verreibt man die Wurzel der großen Banane mit Wasser und trägt sie unter dem Nabel auf; alles soll dann sofort abgehen.
40-29. Salz in Wasser, als Nasenmittel und Getränk, soll das Gift kreisgezeichneter Schlangen entfernen. Bakula-Samen in Frauenmilch, in die Nase gegeben, sollen Bewusstlosigkeit beseitigen.
40-30. Wurzeln von Shatavari, Aksha, Varahi und Vega werden mit alter Schafbuttermilch verrieben; der Aufstrich soll Ghonasa-Gift entfernen.
40-31. Steinsalz mit Kokosfett als Aufstrich soll das Gift kreisgezeichneter Schlangen entfernen. Ebenso sollen Gunja- und Nili-Wurzeln als Nasenmittel und in weiteren Anwendungen helfen.
40-32. Pulver, Bhringi und Betel sowie Sauermilch und Salz werden verrieben; diese beiden Mischungen sollen, einzeln aufgetragen, das Gift kreisgezeichneter Schlangen entfernen. [Hinweis: Welche Substanz allein mit „Pulver“ bezeichnet ist, bleibt offen.]
40-33. Langer Pfeffer, Ajamoda, Baumwolle und Sesamfladen sollen Gift vertreiben. Räucherung mit Pfauenfedern, Hirschhaut und Schweinedung soll es entfernen.
Erläuterung nach 40-33. Gemeint ist das Gift der kreisgezeichneten Schlangen.
40-34. Schweinedung mit Ziegenflüssigkeit aufgetragen soll Ghonasa-Gift entfernen. Vajravalli und ihre Wurzel verreibt man mit Kuhmilch,
40-35. gibt Öl hinzu und lässt es trinken; so soll das Gift kreisgezeichneter Schlangen verschwinden. Snuhi-Wurzel mit Milch und Arka-Wurzel mit Wasser
40-36. werden als zwei getrennte Mischungen getrunken und sollen dieses Gift entfernen. Ebenso die Wurzel von Punarnava und der beiden Girikarni-Arten,
40-37. mit saurem Gärtrank als Nasenmittel, Getränk und Augensalbe. Die drei scharfen Stoffe, Sauermilch, Honig, frische Butter und Steinsalz
40-38. werden getrunken; sie sollen die Giftwelle und Blutbeschwerden des Mandali-Bisses vernichten. Triphala, die drei scharfen Stoffe und Steinsalz mit Honig und Büffelbuttermilch
40-39. werden verrieben und aufgetragen; das Gift soll vergehen. Mit einem Prastha Snuk-Milchsaft und Kuhmilch sowie einer Paste aus Kushtha und Sandelholz
40-40. wird Kuhbutter gekocht; durch Übergießen soll sie das Gift entfernen. Eine Paste aus den drei Früchten, Kurkuma, Yashti und Trivrit wird mit Butter gekocht,
40-41. versehen mit Snuk-Milchsaft, den übrigen Kuhprodukten und der vierfachen Menge Brahmi-Saft. Als Aufstrich, Getränk und in weiteren Anwendungen soll dies Mandali-Gift entfernen.
40-42. Eine getötete zweiköpfige Schlange wird mit Erde umhüllt und lange getrocknet; nachdem sie erdartig geworden ist, pulverisiert man sie mit den Knochen. Dieses Pulver mit Wasser
40-43. wird auf die Bisswunde einer kreisgezeichneten Schlange aufgetragen und soll das Gift sofort vernichten. Auch Gunja-Wurzel mit Kanjika soll es entfernen.
Erläuterungen und Abschnittsabschluss. Gemeint sind Trinken, Auftragen und Nasengabe. Nili-Wurzel soll durch Trinken und Auftragen Ghonasa-Gift vernichten, ebenfalls mit Kanjika. Damit endet die Behandlung der kreisgezeichneten Schlangen.
Drei Formeln vor 40-44. „Hrim, Hum, Phat, Tha, Tha.“ — „Hrum, Hum, Phat, Tha, Tha.“ — „Jhrom, Hum, Phat, Tha, Tha.“ Es sind Lautformeln ohne hier gegebene Wortübersetzung.
40-44. Diese drei Mantras sollen durch Japa das Gift der Rajila-Schlangen vernichten.
40-45. Man lässt die Wurzel von Kantara-Karavelli mit Milch trinken. Sariba-Wurzel mit Urin soll durch Trinken und weitere Anwendungen Rajila-Gift entfernen.
40-46. Varshabhu, Chirbhata und Vacha mit Kanjika getrunken sollen Rajila-Gift vernichten; als Nasenmittel auch Öl mit Hausruß.
40-47. Langer Pfeffer, Honig und Steinsalz mit Kuhdungwasser getrunken sollen Rajila-Gift vertreiben. Dies wird als Geheimnis bezeichnet.
40-48. Kuhdungsaft, Steinsalz, langer Pfeffer, Butter und Honig als Getränk sollen Rajila-Gift vernichten; ebenso die Wurzel der weißen Punkha.
Erläuterung nach 40-48. Gemeint ist ihr eigener Saft.
40-49. Dronapushpa-Wasser mit Öl als Nasenmittel soll Rajila-Gift entfernen; ebenso eine mit Öl gekochte Tamarindenzubereitung als Nasenmittel.
40-50. Tankana, Steinsalz und die drei scharfen Stoffe werden mit Menschenurin verrieben und aufgetragen; dies soll Rajila-Gift und andere niedere Gifte entfernen.
40-51. Nandyavarta-Wurzel als Getränk und Nasenmittel soll Rajila-Gift entfernen. [Abschnittsabschluss:] Die Behandlung der Rajila-Schlangen. „Agnika“ und „Uttamakanya“, die beiden, werden mit der Hand zerrieben; mit ihrem Saft
40-52. bestreicht man den ganzen Körper, um Rajila- und Mandali-Gift zu vernichten. Presskuchen aus Madhuka und Tagura mit Menschenurin,
40-53. in die Nase gebracht, sollen ebenfalls beide Gifte entfernen. Girikarni-Wurzel mit gleich viel Pishachodumbara-Blättern,
40-54. mit Kuhbutter verrieben, soll als Nasenmittel und anderweitig Haubenschlangen- und Rajila-Gift entfernen. Pulver der Arka-Wurzelrinde wird in kaltem Wasser verrührt und getrunken.
40-55. Es soll Haubenschlangen-, Ghonasa- und Ashvari-Gift entfernen. Feines Tankana-Pulver in klarem Wasser wird getrunken,
40-56. als Nasenmittel und Aufstrich verwendet und soll alle Schlangengifte vernichten. Ramatha, mit Punarnava-Saft verrieben, wird in die Nase gegeben.
40-57. Markava, Kakamachi, Vahnika und Katugandhini werden mit Frauenmilch verrieben; als Nasenmittel sollen sie alle Schlangengifte entfernen.
40-58. Pulver, frische Butter, Snuhi-Wurzel, Ramatha, Bananenwurzel und Agastya werden mit Kinderurin verrieben.
40-59. Mit Saft der Champaka-Rinde als Nasenmittel soll dies sämtliche Schlangengifte entfernen. Unmatta-Saft mit Salz wird als Nasenmittel, Aufstrich und Augensalbe verwendet,
40-60. oder Betelwasser; beides soll alle Schlangengifte entfernen. Die Samen von Tumbini, Baka, Kushmanda, Shirisha und Jati
40-61. werden mit eigenem Urin verrieben; als Nasenmittel und anderweitig sollen sie sämtliche Schlangen überwinden. Meghanada mit Wurzel, zusammen mit Vega- und Nili-Wurzeln,
40-62. wird mit Butter getrunken und soll die drei Giftarten vernichten. Auch Ajasprishya mit Butter getrunken soll alle Gifte entfernen.
40-63. Punarnava-Wasser mit Hingu als Nasenmittel soll alle Gifte entfernen. Ankola-, Patha- und Nirgundi-Blätter mit gleich viel Knoblauch,
40-64. ebenso Kataka- und Vega-Kerne, Punarnava-Wurzel und pulverisierte Langali-Wurzel in gleichen Mengen bilden zwei Räuchermittel gegen Gift.
40-65. Man räuchert zu den beiden Dämmerungszeiten oder am Nachmittag, niemals zu anderer Zeit. [Erläuterung:] Gemeint sind zwei Mittel gegen alle Gifte. Zerriebene Punarnava-Wurzel und langen Pfeffer trinkt man mit Wasser.
40-66. Man verwendet sie auch als Aufstrich und Augensalbe gegen sämtliche Schlangengifte. Eine Garuda-Gestalt aus einem Bärenzahn weiht man durch Herbeirufung und rezitiert darüber.
40-67. Wer sie trägt, soll keine Bedrängnis durch Schlangen erfahren. [Abschnittsabschluss:] Die Behandlung aller Schlangenbisse. Der Mantra aus Tara, „Weiß“, „Feuer“ und dem männlichen Laut soll Skorpiongift vernichten.
40-68. Betelwasser und Hingu verreibt man mit der Hand in einem Bronzegefäß. Aufgetragen soll es das Gift des stechenden Tieres vernichten; ebenso Speichel und Ohrenschmalz.
40-69. Steinsalz, Hingu, Shila und Vishva mit Kuhdungwasser, ferner Vrishchikaghna, Shirisha-Samen und langer Pfeffer sollen als Aufstrich helfen.
40-70. Palasha-Samen werden mit Arka-Milchsaft verrieben und aufgetragen. Auch mit der Hand zerriebene und aufgebundene Karanja-Blätter sollen das Gift entfernen.
Erläuterung nach 40-70. Gemeint ist Skorpiongift.
40-71. Betel, Pfeffer, Varta, Karanja-Kerne und Ashvamaraka sollen als Aufstrich und Getränk Skorpiongift vernichten.
40-72. Shirisha-Blüte, Manjishtha, Sandelholz, die beiden Kurkuma-Arten, Kushtha und Kumuda sollen jeweils paarweise aufgetragen das Gift entfernen.
40-73. Taubenkot, getrockneter Ingwer, Steinsalz und Talaka werden mit Zitronatzitronensaft verrieben; aufgetragen sollen sie die Skorpionpein überwinden.
40-74. Ein lauwarmer Aufstrich aus Butter mit einem Achtel Steinsalz soll Stichschmerz überwinden; ebenso ein Umschlag aus Barbara und das Verreiben seiner Blätter.
40-75. Punarnava-Wurzel, unter Pushya ordnungsgemäß ausgegraben und getrunken, soll verhindern, dass Skorpiongift im Körper aufsteigt.
40-76. Karanja- und Shirisha-Samen, Safran und Manahshila zu gleichen Teilen werden mit Wasser zu Kügelchen geformt; sie sollen Skorpiongift entfernen.
Abschnittsabschluss. Die Behandlung von Skorpiongift.
40-77. Der Mantra besteht aus „Kala“ mit zwei „Ohren“ und der Feuer-Gattin am Schluss. Drei durchbohrte Betelnüsse werden mit sieben Betelblättern verbunden.
40-78. Man schreibt darauf; Rezitation und Verzehr sollen Mäusegift entfernen. [Formel:] „She, Shesh-Chetapuri, Ekavilajagarudrajatapingala, Phu! Entferne das Gift, entferne, ziehe ein! Phu.“ Eine nach unten geknotete Arka-Blüte bespricht man zweiunddreißigmal. [Hinweis: Der erste Teil der Formel ist nicht sicher in bedeutungstragende Wörter auflösbar.]
40-79. Bei Mäusegift verschluckt man sie, ohne sie mit den Zähnen zu berühren; sie soll frisches Gift entfernen. Kapittha-Blatt und -Wurzel, Vyaghata-Wurzel und Kurkuma,
40-80. mit Kuhurin verrieben und getrunken, sollen sämtliche Mäusegifte vernichten. Man räuchert mit Aragvadha-Blättern oder isst diese mit Butter.
40-81. Baumwollwasser mit Öl getrunken soll Mäusegift entfernen. Kanta, Shirisha-Blüten, Kustumburu und die beiden Kurkuma-Arten
40-82. werden zu gleichen Teilen mit Kuhurin verrieben und getrunken. Oder man trinkt zerriebene Tapinchha-Wurzel oder Chavya mit Kanjika.
40-83. Auch die Frucht der schwarzen Banane und langer Pfeffer mit Zucker und Milch; oder man legt sieben Pfefferkörner in eine Bananenfrucht. [Hinweis: Die letzte Anweisung trägt eine Lesungsfrage; die Einfügung von sieben Körnern ist nur der erkennbare Sinn.]
40-84. Diese vier Mischungen sollen jeweils Mäusegift entfernen. Oder man trinkt sieben zerriebene linke Blätter von Navamala.
40-85. Räucherung mit Katzenkot, Dhurdhura und Dundubha-Schlangenhaut soll Mäusegift vernichten. Oder man isst Tridala mit Rohzucker.
40-86. Man kocht Reis im Absud der Tundi-Wurzel und nimmt ihn zu sich. Oder man leckt Musta mit Honig und Butter als Mittel gegen Mäusegift.
40-87. Morgens trinkt der an Mäusegift Leidende Punnaga-Samen mit Kanjika; anschließend wird er mit Öl übergossen und bleibt lange in der Wärme.
40-88. Dabei soll er sogar seit Langem im Bauch befindliche Mäusejunge erbrechen. Eine Handvoll Kodrava-Körner wird mit Arka-Milchsaft verrieben.
40-89. Man bereitet einen Fladen und isst ihn, um Mäusegift zu erbrechen. Danach trinkt man dünnen Getreidebrei mit einem Absud aus Shirisha-Blättern. [Hinweis zu 40-88: Die Vorstellung von Mäusejungen im Bauch gehört zur historischen Krankheitsdeutung der Quelle.]
40-90. Wenn bei einem seit Langem an Mäusegift Leidenden durch Ansammlung von Ausscheidungsstoffen Kopfschmerz, Erbrechen, Hautleiden, Schwellungen, Bauchkolik, Fieber und Weiteres auftreten,
40-91. soll er zu deren Stillung die beschriebene Abführung vornehmen. Kramuka wird wiederholt mit Wasser von Tundi, Vahnishikha und Vajri durchtränkt,
40-92. zusammen mit Betel gegessen und soll abführen. Rizinussamen mit „Sagara“ und Betel sollen Gift entfernen. [Die Verbindung „sagarairandabijam“ bleibt in ihrer genauen Zutatenbedeutung unsicher.]
Gruppenabschluss. Dies sind die abführenden Mittel gegen Mäusegift.
40-93. Nach der Abführung badet man den Betroffenen in Wasser, das mit Kapittha- und Ankola-Blättern, Shirisha-Rinde und Arka-Blüten gekocht wurde.
40-94. „Ajesha“ mit Punkt, Feuer und linkem Ohr wird als nektarströmend betrachtet. In Milch, Wasser oder Arznei eingesetzt und getrunken soll dies Mäusegift entfernen.
40-95. „Jhanthisha“, zwei „Arme“ und „Rakta“: Mit dieser [Lautbildung besprochene] Kiesel werden in die zehn Richtungen geworfen und sollen die Mäuler der Mäuse binden. [Hinweis: Die Lautkonstruktion ist beschädigt; „vrisha“ wird hier aufgrund des fortlaufenden Mäuseabschnitts als Maus verstanden, nicht als Stier.]
Erläuterung und Formel nach 40-95. Gemeint sind eintausendacht Wiederholungen. „Verehrung dem Erhabenen! Hajri, Yashapuri, Mrigavara-hakantharamarava … verzehre … binde, befiehl! Hum, Phat.“ [Die mittleren Laut- und Wortfolgen lassen sich nicht sicher übersetzen; sie bleiben vollständig in IAST und Devanagari bewahrt.]
40-96. Auf einem Tuch zeichnet man eine Maus, deren Kopf von einer Schlange gepackt ist, und schreibt diesen Mantra ringsum. Niedergelegt soll es Mäuse aus dem Haus vertreiben.
40-97. Bei Merkur beziehungsweise am Mittwoch, unter Ashlesha und bei aufsteigendem Schützen vergräbt man einen sieben Finger langen Vibhitaka-Pflock umgekehrt; dies soll Mäuse vernichten.
Erläuterung nach 40-97. Gemeint ist: Man vergräbt ihn in ihrem Loch. Oder unter Shatabhishaj, beim Schützen, einen Pflock aus Aragvadha. Auch dies soll Mäuse vernichten. [Das erste Wort der Alternativanweisung ist unklar.]
40-98. Den getrockneten Schwanz einer Dundubha-Schlange entzündet man mit Butter.
40-99. Vajri, Karanja, Madhuka, Samen der beiden Koshataki-Arten, Nirgundi-Wurzel und die beiden Kurkuma-Arten werden mit Tier- und Ziegenurin verrieben,
40-100. außerdem mit Sauvira zu Kügelchen verarbeitet. Im Haus niedergelegt sollen sie Mäuse vertreiben, getrunken alle Mäusegifte entfernen. Die Kügelchen werden im Schatten getrocknet.
40-101. Aus weißer Arka- und Patali-Wurzel, Devadaru und den beiden Kurkuma-Arten wird mit Kuhurin eine Paste bereitet; damit gekochte Butter soll Mäuseleiden entfernen.
40-102. Rote Arka und Knoblauch aufgebunden sollen Mäusegift entfernen. [Abschnittsabschluss:] Die Behandlung von Mäusegift. Lutikas sind Arten kleiner Tiere; vier von ihnen bewegen sich im Luftraum.
40-103. Sechzehn bewegen sich auf der Erde. Die im Luftraum Wandelnden gelten als unbehandelbar: Eine tötet durch den Anblick, eine andere durch Berührung, eine weitere durch ihren Schatten,
40-104. die vierte durch ihren Geruch. Deshalb soll man nachts nicht unbedeckt unter freiem Himmel schlafen oder essen. [Hinweis: Die fliegenden Lutikas und ihre Wirkungen sind historische Vorstellungen, keine zoologische Beschreibung.]
40-105. „Raum“ mit Feuer und Punkt, Hrim; „Raum“ mit Feuer, „Arghi“ und Punkt; Vipati mit „Ohr“ am Ende, „Weiß“, Panzer und Waffe: Das sind die Mantrabildungen.
Formel nach 40-105. „Lashasrashashvishaditya … in den Feuern, Verehrung dir, Rudra; in Rudras Feuern zur Vernichtung der Störung: Phat.“ [Hinweis: Der Eingang ist nicht sicher in Wörter auflösbar; auch die nachfolgende Verbindung bleibt syntaktisch unsicher.]
40-106. Die drei Mantras sollen jeweils durch Japa und Weiteres Lutika-Gift vernichten. Durga, Sonne und Mond sind ihre Gottheiten; durch tausendfache Übung werden sie verwirklicht.
40-107. Die Blüte der großen Dattelpalme, Pfeffer und Tulasi werden mit Sauvira verrieben; als Aufstrich und anderweitig sollen sie jedes Lutika-Gift entfernen.
40-108. Sandelholz, Ushira, Tagara, Patali, Kushtha, Padmaka, Hnibera, Shelu, Nirgundi und Shariba werden mit Kanjika
40-109. verrieben und sollen als Aufstrich, Getränk und anderweitig jedes Lutika-Gift entfernen. Vacha, Dosha und Knoblauch, jeweils die Hälfte davon Ramatha,
40-110. davon wiederum die Hälfte Vishva, werden mit Urin bereitet und sollen als Aufstrich und anderweitig helfen. Die Wurzel unfruchtbarer Karkotaki in Reiswasser soll Lutika-Gift entfernen.
40-111. Ebenso Vega-Wurzel mit Wasser und Betelwasser mit den zugehörigen Bestandteilen. [Erläuterung:] Gemeint ist das Ausspucken auf die Lutika-Wunde. Jyotishmati-Samen, Pfeffer und Badari-Rinde
40-112. werden mit Milch verrieben und sollen als Aufstrich und anderweitig jedes Lutika-Gift entfernen. Auch der Aufstrich aus dem Saft von Agasti-Blättern und Tulasi soll helfen.
40-113. Ebenso ein Aufstrich aus Kadamba, Nili, Tulasi und Langali. Tamarinden-Vandaka mit Kuhmilch getrunken soll Lutika-Gift und Ähnliches vernichten.
40-114. Mit dieser Paste gekochtes Öl soll Lutika-Wunden heilen. Ankola-, Gunja- und Nirgundi-Blätter, Vishva und die beiden Kurkuma-Arten,
40-115. mit Karanja-Kernen in Wasser gekocht und zum Übergießen verwendet, sollen Lutika-Gift überwinden. [Abschnittsabschluss:] Die Behandlung des Lutika-Giftes. [Formel:] „Spalte, Vara, Kari, schneide! Schneide mit dem Schwert, durchbohre mit dem Dreizack, zerreiße mit dem Rad! Hum, Phat, Tha, Tha.“ Dieser Mantra soll Gift von Eseln und weiteren Tieren vernichten. [Die Lautfolge „vara kari“ bleibt unklar.]
40-116. Musta, Ushira, Lotos, Mamsi, Shreshtha, Padmaka und Sandelholz mit Ziegenmilch als Getränk und anderweitig sollen das Gift von Eseln und weiteren Tieren entfernen.
Erläuterung nach 40-116. „Und weitere“ meint Katzen, Affen, Makaras, Grahas, Mungos, Pferde und andere Tiere. Vacha, Lodhra und Ashvagandha in Snuk-Milchsaft sollen Pferdegift entfernen, nämlich durch Trinken und Auftragen.
40-117. Indravalli, Kurkuma, Punkha und ein altes Jackfruchtblatt
40-118. werden mit Drona-Saft und Öl sowie etwas Pulver getrunken. Als Getränk, Nasenmittel und Aufstrich sollen sie Esel- und Hundegift vernichten. [Hinweis: Punkha ist bereits in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen; das zusätzliche „Pulver“ ist nicht näher bestimmt.]
40-119. Samen von Kapittha, Bilva und Karka, Pfeffer und die beiden Kurkuma-Arten werden verrieben; getrunken und anderweitig sollen sie sofort das Gift der Hauseidechse entfernen.
40-120. Karanja-, Shigru- und Kapittha-Samen gelten als hilfreich bei Eidechsengift. Ein Aufstrich aus Kurkuma, Butter und Shariba soll Blutegelgift entfernen.
40-121. Die fünf Teile des Shirisha mit den drei scharfen Stoffen sollen Tausendfüßergift vernichten. Auf den Tausendfüßerbiss träufelt man Lampenöl.
Ergebnisangabe nach 40-121. Es soll dessen Gift entfernen.
40-122. Shirisha-Samen und Snuk-Milchsaft sollen Froschgift vernichten. Der eigene Saft von Tarkari und Bhringaraja mit Hingu
40-123. soll als Getränk, Aufstrich und Nasenmittel Katzengift vernichten. Kurkuma, Bhringa und Ashvagandha als Aufstrich sollen ebenfalls das Gift der Katze entfernen.
40-124. Die fünf Teile des Shirisha, getrunken und aufgetragen, sollen Affenbisse überwinden. Die dritte Knolle der Vega, Nilika und Tanduliyaka
40-125. werden mit Milch verrieben und sollen als Aufstrich und anderweitig das Gift von Menschenbissen entfernen. Lodhra mit Salz, Hingu und Senf, in saurem Gärtrank verrieben,
40-126. wird aufgetragen und getrunken gegen Fischbissgift. Auch Paste und Absud von Shami, Banyan und Nimba werden getrunken.
40-127. Ihr Brei als Aufstrich soll Gift von menschlichen Nägeln und Zähnen entfernen. Hausruß, die drei scharfen Stoffe und Steinsalz mit saurem Gärtrank verrieben
40-128. sollen als Aufstrich, Getränk und anderweitig das Gift eines Waranbisses vernichten. Bei Fliegengift übergießt man mit erhitztem Öl und Salz.
40-129. Ein Aufstrich aus der Kapittha-Schale soll Fliegengift entfernen. Vega- und Nilika-Blätter mit Tanduliyaka samt Wurzel
40-130. werden verrieben und aufgetragen gegen Gift von Vierfüßern. Hausruß mit Pfeffer, Vacha und Kurkuma in Kanjika
40-131. verrieben soll als Aufstrich, Getränk und anderweitig sämtliche Insektengifte entfernen. Shigru- und Kakadani-Wurzel sowie Tanduliyaka samt Wurzel
40-132. mit Milch verrieben sollen als Aufstrich und anderweitig Insektengift vernichten. Samen von Katutumbi, Kurkuma und Devadali sowie Langali
40-133. werden mit saurem Gärtrank verrieben; der Aufstrich soll alle Insektengifte entfernen. Wurzel, Blatt und Blüte der weißen Aparajita, getrockneter Ingwer
40-134. und die drei scharfen Stoffe, mit Kanjika verrieben, sollen niedere Gifte vernichten. Nach „Herz“ folgen „dem Erhabenen Vishnu“, die Wiederholung „Sara, Sara“
40-135. und „Verweile“, Panzer, Waffe und zweimal Tha: Dies soll alle Insektengifte überwinden. In der Mitte des Mutterbuchstaben-Lotos steht der letzte Laut mit Au, Punkt und Feuer.
Formel nach 40-135. „Alarkatibhateshaksha-Raja, Herr meiner Zuflucht! Mache mir diesen von einem tollen Hund Gebissenen giftfrei, ohne Verzögerung! Tha, Tha.“ [Hinweis: Die lange Eingangsbenennung bleibt unaufgelöst; die verständliche Bitte wird vollständig wiedergegeben.]
40-136. Man stellt sich den Gebissenen als Hund, sich selbst als Löwen und dazwischen einen aufgewühlten Ozean vor. Der gebissene Hund läuft aus Furcht vor beiden davon.
40-137. Man besprengt und rezitiert den Mantra; dies soll Hundegift entfernen. Yashti, Kustumburu, die drei scharfen Stoffe, Svagupta-Samen und Kushtha,
40-138. dazu Priyangu, jeweils ein Teil, und Karnikara zwei Teile, mit Milch und Rohzucker getrunken, sollen das Gift eines tollen Hundes entfernen.
40-139. Koshataki- und Kutaja-Samen, Saft der Arka-Wurzel und Jati, mit Milch getrunken, sollen Hundegift sofort vernichten.
40-140. Yashti, die drei scharfen Stoffe, Rohzucker und Milch getrunken sollen ebenfalls Gift vernichten. Kustumburu, Svayamgupta, Kurkuma und scharfer langer Pfeffer,
40-141. Karnikara, Asana und Rohzucker mit Milch soll der von einem Hund Gebissene trinken. [Erläuterung:] Auch ein von einem tollen Hund Gebissener ist gemeint. Man badet in einem sauren Absud aus sämtlichen Teilen des Karanja und bleibt in der Sonne.
40-142. Ein von einem tollen Hund Gebissener soll, selbst wenn er schon rasend ist, sofort giftfrei werden. Ankola- und Unmatta-Samen, getrockneter Ingwer und gleich viel langer Pfeffer,
40-143. mit der Frucht der schwarzen Banane vermischt, sollen dieses Gift vernichten. Wurzeln von Banane, Karavalli und Nili zu gleichen Teilen,
40-144. mit Ziegenmilch als Getränk und anderweitig, sollen Schakalgift vernichten. Apamarga-Blätter und Sesam werden verrieben.
40-145. Mit Kanjika als Aufstrich und anderweitig sollen sie Schakalgift entfernen. Bhringaraja, Nili, Nirgundi und Ashvagandhika
40-146. mit Ziegenmilch als Aufstrich und anderweitig sollen Mungogift vernichten. Auch Nili-Wurzel, mit Milch verrieben und getrunken oder anderweitig angewendet, soll es entfernen.
40-147. Kimshuka-Wurzel mit den drei scharfen Stoffen, in Öl und Milch verrührt, soll als Getränk und Aufstrich Ameisengift vernichten.
40-148. Kurkuma und die drei scharfen Stoffe, mit saurem Gärtrank verrieben, sollen Ameisengift entfernen. Punarnava, Vacha, Hingu und Pfeffer, ebenso verrieben,
40-149. sollen als Getränk, Aufstrich und anderweitig das Gift eines Bienenstichs vernichten. Shigru-Wurzel, die beiden Kurkuma-Arten und Tanduliyaka samt Wurzel
40-150. werden verrieben und aufgetragen und sollen Vanchula-Gift sofort vernichten. Als Nasenmittel dient die Milch von Shadbindu; oder man trinkt Honig und Butter zu gleichen Teilen. [Hinweis: Die Benennungen Vanchula und Shadbindu werden nicht eigenmächtig biologisch identifiziert.]
Formeln nach 40-150. Nach „Herz“: „Dem Erhabenen … von der Gestalt eines Berggipfels! Ziehe ein, befreie, bewege, entgifte das Gift! Ich lasse diesen [Stoff] gleich dem großen Saft des Nektars verzehren. Tha, Tha.“ — „Makelloser Vogel, wirf, entferne! Tha, Tha.“ [Hinweis: Die Folge vor der Berggipfelgestalt ist beschädigt und nicht sicher übersetzbar. Sie bleibt im Sanskrit vollständig bewahrt.]
40-151. Selbst von Garudas Wesen, soll man mit diesem Mantra pflanzliche und andere unbewegliche Gifte entfernen. Um Staunen hervorzurufen, soll man sie selbst essen oder einen anderen essen lassen.
40-152. Wenn ein unbewegliches Gift gegessen wurde, wird nach dem Erbrechen mit kaltem Wasser übergossen. Honig und Butter in ungleichen Mengen werden getrunken; danach soll man ordnungsgemäß abführen.
40-153. Oder man trinkt die beiden „Nishva“ und Steinsalz mit Butter und Honig; oder man leckt Kupferpulver, gegebenenfalls Gold, mit Zucker und Honig. [Hinweis: „Nishva“ bleibt unklar; „Gold oder“ trägt eine Quellenvariante.]
40-154. Saft von Jambu-Trieben soll Karaskara-Gift vernichten, ebenso Bananenblütensaft und Wasser aus Kapittha-Blättern.
40-155. Bei Phanitaka soll das Trinken von Ingwerwasser helfen, ebenso Chinna-Saft. Snuhi, Snuk und Mangoblüten sollen Shringi-Gift entfernen. [Hinweis: Der Bezug von Phanitaka ist in der knappen Folge unsicher.]
40-156. Gegen „Pulver“ wird eine Mundfüllung Öl genannt, gegen „Kohle“ Kurkumasaft. Bananenblüte und Kasaghna sollen ein von einer Frau gegebenes Mittel unwirksam machen. [Die unbestimmten Stoffbezeichnungen und der historische Verdacht gegen Frauen werden nicht als gesicherte Giftbestimmung übernommen.]
40-157. Bei Bhallataka werden Brahma-Baumwasser und aus Kuh-Sauermilch gewonnene Butter verwendet; zehnmal gewaschen und aufgetragen soll sie das Gift und die Wunde stillen.
40-158. Ajjhata soll Chanaka-Gift, frischer Ingwer Langali-Gift vernichten. Nili, mit gleich viel Lodhra verrieben, soll durch Trinken und weitere Anwendungen unbewegliche Gifte
40-159. sämtlich vernichten; oder Khari mit Kuhmilch. Shirisha-Blüten sollen die durch Kodrava entstandene Störung vernichten.
40-160. Palasha- und Kushmanda-Saft sollen berauschende Kodrava-Wirkung beseitigen. Für die Bananenfrucht wird Pfeffer, für die Jackfrucht getrockneter Ingwer genannt,
40-161. für Kokosnuss saure Mango, für Varabhringa Kundali. Wenn Kampfer mit Kokoswasser, Zitronensaft oder saurem Gärtrank verbunden ist,
40-162. gilt Bhringaraja-Saft als Mittel gegen sein Gift. Bei saurer Shali-Wurzel gilt auch Ushira als giftvernichtend. [Hinweis zu 40-160–162: Die gedrängten Gegenmittelpaare enthalten unklare Pflanzennamen und Bezüge; es wird keine moderne Vergiftungsdiagnose daraus abgeleitet.]
40-163. Nilika und Ashvagandha sollen als Getränk, Nasenmittel und anderweitig sämtliche unbeweglichen Gifte wie Nektar vollständig einziehen.
40-164. Gegessener Chakramarda soll das aus gleichen Mengen Butter und Honig entstandene Gift entfernen. Für Snuhi und Snuhi wird Nakulika genannt, als Mittel gegen „Nilagama“-Gift. [Hinweis: Die wiederholte Pflanzenbenennung und der letzte Giftname bleiben in ihrer beschädigten Form unaufgelöst.]
165 [Originalnummer ohne Kapitelpräfix]. Kardamom, Sandelholz, Kushtha, Gairika, langer Pfeffer, Sauvarchala, Lodhra, Mamsi, Yashti, Nata und Uchchata zu gleichen Teilen werden pulverisiert und mit Honig übergossen. Geleckt sollen sie schleichendes Gift vernichten. Man stellt sich vor sich den Feuerkreis mit einem Flammenkranz vor; durch Mantra-Japa soll unbewegliches Gift vergehen. [Eindeutige Fundstelle: Mantrapada 40, Originalvers 165.]
40-166. Tara, „Samvartaka“ mit „Auge“, Mondstück und Feuer, Shakti, Panzer, Phat und die Geliebte des Feuers: Dies soll unbewegliches Gift vernichten. Durva, Chinna, langer Pfeffer, Patola, Tagara, Chitra, Lotos, Chavya und Vacha mit Vidanga, in Molke verrührt, sollen als Getränk und anderweitig künstlich bereitetes Gift vernichten.
40-167. Vishva, Alarka und Tamala-Wurzel zusammen mit Hingu sollen Shringi-Gift entfernen; bei Koshataki-Gift Ghana, bei Hayaripu Pathya in Wasser. Bhupota, Kurkuma und Arka sowie Rajani-Wasser gelten als hilfreich gegen Pulver; Baumwolle bei im Wasser entstandenem Gift, Lotos bei Chitraka-Gift, ebenso bei Unmatta. [Hinweis: Dieser Vers ist eine stark verdichtete und teilweise unsichere Zuordnung von Gift und Gegenmittel; die Übersetzung folgt den erkennbaren Paaren, ohne die fehlende botanische Sicherheit zu ersetzen.]
40-168. Ob man Pflanzen zum Entfernen von Gift, zum Heilen von Krankheiten Leidender oder für ein gewünschtes Rasayana sammeln will: Man begibt sich am Vortag bei Sonnenuntergang zu der Pflanze und richtet ihren Schutz ein.
40-169. Man trägt ein weißes Gewand, wäscht Füße und Hände und schlürft rituell Wasser. Nach Norden gewandt bestreicht man den Boden an der Wurzel der Arzneipflanze.
40-170. Man verehrt Ganesha und den Hüter des Ortes, streut Gerste und weitere Körner aus und umwindet die Wurzel mit einem roten Faden. Mit zusammengelegten Händen
40-171. verneigt man sich vor Dhanvantari und vergegenwärtigt die von Brahma erschaffene Suprabha: weiß, schön gestaltet, anmutig, mit Perlen und anderen
40-172. vorzüglichen Schmuckstücken geziert. Mit Tara, ihrem Namen und der Verehrungsendung verehrt man sie. [Formel:] „Om, Verehrung allen Arzneipflanzen! Möget ihr voller Kraft sein! Macht durch diese Kräfte alles vollständig! Koche, schlage, verbrenne, töte! Verehrung dir.“ Dies rezitiert man zehnmal und verneigt sich erneut vor der Pflanze.
40-173. Am Morgen verneigt man sich mit diesem Mantra und nimmt die Arzneipflanze. Sie soll dann voller Wirkkraft sein und die genannte Frucht bringen.
40-174. Andernfalls entzieht Suprabha der Pflanze ihre Kraft. So wurden nach gründlicher Betrachtung der sehr umfangreichen Tantras, die von den früheren Gurus gelehrt wurden, in Kürze diese dem Wohl aller Menschen gewidmeten Vorschriften dargestellt, im Wunsch, die gute Handlung der Giftstillung zu ermöglichen.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz des Siddhanta, endet das vierzigste Kapitel, das Kapitel über die Behandlung verschiedener Gifte.
Zur Besinnung. Das Kapitel schließt mit einer Haltung der Ehrfurcht gegenüber Pflanzen und der Absicht, Leiden zu lindern. Diese Absicht bleibt verständlich, auch wenn viele seiner Mittel und Krankheitsvorstellungen heute nicht tragfähig sind. Für Yoga-Aspiranten kann daraus die Anregung entstehen, Mitgefühl mit sorgfältiger Prüfung des eigenen Wissens zu verbinden.
Mantrapada, Kapitel 41: Kinderkrankheiten und historische Schutzgebete
Das Kapitel beschreibt zwei überlieferte Verfahren, die Krankheiten von Kindern als Wirken weiblicher besetzender Mächte deuten. Es verbindet Altersstufen, Beschwerden, Opfergaben, Räucherungen und Schutzformeln. Diese Deutungen und Behandlungen werden als historische Vorstellungen dokumentiert; sie ersetzen keine medizinische Versorgung. Die späteren Gebete bringen den Wunsch zum Ausdruck, ein Kind in allen Richtungen und an allen Gliedern behütet zu wissen.
Kapiteleingang. Nun das einundvierzigste Kapitel.
41-1. Nun wird hier die Behandlung besetzender Mächte ohne übermäßige Ausführlichkeit aufgezeichnet. Dabei sind vielfältige Arten der Kinderbehandlung überliefert.
41-2. Von ihnen werden hier zunächst zwei Wege beschrieben: nach der von Khadgaravana gelehrten Auffassung und nach der im Narayaniya vorgetragenen Lehre.
41-3. Zuerst wird aufgezeichnet: Am ersten Tag, im ersten Monat und im ersten Jahr ergreift die Muttergottheit Nanda das Kind.
41-4. Die Zeichen sind Fieber, Zittern, Weinen und Nahrungsverweigerung. Aus Erde von beiden Ufern eines Flusses fertigt man ein Abbild in der Größe des Kindes.
41-5. Man umwindet es mit einem gelben Faden und bereitet weißen Reis aus einem Prastha Körnern, Fisch, Fleisch, berauschenden Trank, Blumen, Sauermilch, Milch und Sesam.
41-6. Dazu dreizehn Svastika-Gebilde und acht kleine Lampen aus Teig. Man bestreicht den Boden und bereitet aus Bananenblättern oder Ähnlichem eine armlange Unterlage.
41-7. In ihre Mitte legt man das Abbild und ringsum Lampen und weitere Gaben. Dort verehrt man in der Abenddämmerung den Herrn der Hindernisse mit Duftstoffen und anderen Gaben.
41-8. Im Osten, Süden, Westen und Norden verehrt man die Mütter von Brahmi an, in den Ecken von Südosten an Varahi und die weiteren; im Nordosten Chandika.
41-9. Nach Herbeirufung und Verehrung verehrt man in der Mitte Virabhadra, den Herrn der Scharen. Die vorgeschriebenen Bali-Stoffe werden in vier Teile gegliedert.
41-10. Für Virabhadra und die Mütter legt man die Bali-Gaben einzeln auf Bodhi-Blätter, jeweils mit Tara am Anfang, dem eigenen Namen und „Verehrung“ am Schluss.
41-11. Mit dem noch folgenden Mantra verehrt man dort Khadgaravana und mit ihrem eigenen Namen die friedliche Nanda; auch diesen beiden bringt man Bali dar.
Formel nach 41-11. „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana, dem Weitblickenden! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“
41-12. Mit dieser Formel bringt man die Bali-Gabe dar, schwenkt sie reinigend um das Kind und trägt sie hinaus. Für Nanda verwendet man ihren eigenen Namen mit Praṇava am Anfang und „Verehrung“ am Schluss.
41-13. Man trägt die Gabe nach Osten. Danach räuchert man um den Körper des Kindes mit den Resten von Shivas Opfergaben, Senf, Nimba-Blättern und Butter.
41-14. Triebe von Banyan, Udumbara, Ashvattha, Bilva und Palasha legt man in einen Wasserkrug und badet oder besprengt das Kind damit.
41-15. Nachdem man dies drei Tage vollzogen hat, badet man es am vierten ebenso. In der zweiten Dreiergruppe—zweiter Tag, Monat oder zweites Jahr—bedrängt Sunanda das Kind.
41-16. Zeichen sind ein Augenleiden und das Zusammenziehen von Händen und Füßen. Man bereitet Abbild und Weiteres wie zuvor mit den genannten Stoffen.
41-17. Für Virabhadra und die Mütter, Khadgaravana, den Herrn der Hindernisse und die jeweilige Muttergottheit des Tages oder der anderen Altersstufe gilt überall diese Reihenfolge der Bali-Gaben.
41-18. Bei Sonnenuntergang trägt man die Gabe nach Norden. [Formel:] „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana, dem Weitblickenden! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“ In der dritten Dreiergruppe ergreift Putana das Kind.
41-19. Fieber, Gliederschmerz, Versagen der Kehle und der Blick nach oben sind die Zeichen. Man fertigt das Abbild wie zuvor und bereitet Sesammehl, Reis und Sauermilch.
41-20. Mit Fisch, Fleisch, berauschendem Trank, Fladen, Duftstoff, Räucherwerk, Fahnen und weiteren Gaben verehrt man Virabhadra, die Mütter und Putana wie zuvor.
Formel nach 41-20. „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana von außerordentlicher Heldenkraft! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“
41-21. Mit dieser Formel bringt man Bali dar und trägt es nach Westen. Weißer Senf, Reste von Shivas Opfergaben und Nimba-Blätter mit Butter
41-22. und Ziegenhorn dienen zur Räucherung; dann badet man das Kind mit Besänftigungswasser. In der vierten Dreiergruppe ergreift Mukhamandika das Kind.
41-23. Schweiß am Körper, Fieber, Atemnot, geballte Fäuste und Nahrungsverweigerung sind die Zeichen. Auch hier bereitet man Abbild und Stoffe wie zuvor.
41-24. Für Virabhadra und die Mütter bringt man Bali wie zuvor dar. [Formel:] „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana, dem Langarmigen! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“ Mit dieser Formel reicht man die Gabe und trägt sie nach Süden.
41-25. In der fünften Gruppe ergreift Vilala das Kind. Fieber, Augenleiden und geballte Fäuste sind die Zeichen wie zuvor.
41-26. Sämtliche Vorbereitungen mit Abbild und Weiterem sowie die Bali-Darbringung erfolgen wie zuvor für Virabhadra und die Mütter.
Formel vor 41-27. „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana, dem Vollständigen! Verehrung! Tha, Tha.“
41-27. Mit dieser Formel bringt man Bali dar und trägt es nach Nordosten.
41-28. Man räuchert mit Nimba-Blättern, Butter und Guggulu. In der sechsten Gruppe ist es Shakunika; die Zeichen sind Aufwärtsblicken und Fieber.
41-29. Abbild und Weiteres werden wie zuvor bereitet; besonders sind hier Honig und Blut. Der Mantra ist der als fünfter genannte, die Räucherung die bereits beschriebene.
41-30. Man trägt die Gabe nach Nordwesten und badet mit Besänftigungswasser. In der siebten Gruppe ist es Shushkangi; Zittern und Weinen sind die Zeichen.
41-31. Auch hier werden Abbild und Stoffe wie zuvor bereitet. [Formel:] „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana, der die drei Welten in die Flucht schlägt! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“ Mit dieser Formel bringt man Bali dar und trägt es in Aditis Bereich.
Ergänzung nach 41-31. Man badet das Kind auch mit Besänftigungswasser. [Die Richtung „Aditis Bereich“ wird hier nicht zusätzlich erläutert.]
41-32. In der achten Dreiergruppe ergreift Jrimbhika das Kind. Geballte Fäuste, Fieber, Schweiß und der Blick in den Himmel sind die Zeichen.
41-33. Zu Abbild und den weiteren Stoffen gehören vier Farben und vier Fahnen. [Formel:] „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana, dessen Hände hell entflammt sind! Schlage, verbrenne, lass das Kind frei! Tha, Tha.“ Mit dieser Formel bringt man Bali dar, räuchert und badet wie zuvor.
41-34. In der neunten Dreiergruppe heißt die Macht Anjika. Fieber, geballte Fäuste und Augenleiden sind die Zeichen; das Abbild und die übrigen Vorbereitungen erfolgen wie zuvor.
41-35. Die Gabe enthält Shashkuli und Parpati und wird zur Abenddämmerung im Westen dargebracht. [Formel:] „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana mit flammender Hand! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“ In der zehnten Dreiergruppe heißt die Macht Revati; Zittern und Fieber treten auf,
41-36. außerdem Weinen. Mit Abbild und Weiterem trägt man die Bali-Gabe an den Fuß eines Baumes. [Formel:] „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana, dem Weitblickenden! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“ Man räuchert mit Opferresten und Senf und badet wie zuvor.
41-37. In der elften Dreiergruppe heißt die Macht Shila; Fieber, Unruhe der Glieder und geballte Fäuste treten auf. Mit dem Abbild und den übrigen Gaben verfährt man wie zuvor.
Formel nach 41-37. „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana! Schlage, ergreife, lass das Kind frei! Tha, Tha.“
41-38. Wie zuvor trägt man die Gabe nach Norden, räuchert und badet. In der zwölften Dreiergruppe treten Entzündung, Brennen und Fieber auf,
41-39. geballte Fäuste und Durchfall. Abbild und Weiteres werden mit Milchreis, Milch, Mungbohnenreis, Reis mit Sauermilch und den zuvor genannten Gaben bereitet.
Formel nach 41-39. „Om, Verehrung dem erhabenen Khadgaravana! Nimm die Bali-Gabe an, lass das Kind frei! Tha, Tha.“
41-40. Mit dieser Formel reicht man Bali und trägt es nach Süden. Man räuchert mit Opferresten und Weiterem und badet mit Besänftigungswasser.
41-41. Auf diese Weise ergreifen die Mächte Kinder bis zum zwölften Jahr. Andere sagen: bis zum sechzehnten oder bis zum siebzehnten.
Abschnittsabschluss. Die Kinderbehandlung nach Khadgaravana.
41-42. Am Tag der Geburt bedrängt die Macht Papini das Kind. Das Verdrehen des Halses und Speichelfluss gelten als Zeichen.
41-43. Aus Bambus und anderem Material bereitet man einen viereckigen Bali-Platz. In der Mitte verehrt man Virabhadra, in den Ecken und Richtungen die Mütter,
41-44. im Nordosten Vinayaka und Chamunda. Mit Fladen, Fisch, Fleisch, Reis, Sesammehl, berauschendem Trank und weiteren Gaben
41-45. bringt man Bali dar, jeweils mit Praṇava, eigenem Namen und „Verehrung“. In der Nordostecke verehrt man jene Macht mit je acht Fahnen und Lampen.
41-46. Wenn die Sonne halb untergegangen ist, schwenkt man die Gabe unter Mantra-Rezitation reinigend um das Kind und legt sie auf einem Platz oder in der Richtung des Götterherrn, im Osten, nieder.
41-47. Weißer Senf, Pura, Opferreste und Nimba-Blätter, mit Butter getränkt, dienen zur Räucherung. Ushira, Marga-Spitzen, Bodhi-Triebe und Sandelholz
41-48. werden dem Wasser in einem Krug beigegeben; damit badet oder besprengt man das Kind. Man bestreicht es mit Lodhra, Sandelholz, Manjishtha und Vataki.
41-49. Nachdem dies drei Tage geschehen ist, badet man am vierten Tag erneut mit Besänftigungswasser, das Blätter von Bilva, Milchsaftbäumen und Marga enthält.
41-50. Nach Vermögen verehrt man vorzügliche Brahmanen mit Gewändern und weiteren Gaben. Vom ersten Tag bis zum Ende des siebzehnten Jahres
41-51. gilt diese Vorschrift gleichermaßen; nur die Gottheiten unterscheiden sich der Reihe nach. Am zweiten Tag heißt die betreffende Macht Bhishani.
41-52. Zusammenziehen des Körpers, Husten und Atemnot gelten als Zeichen. Sandelholz, Ushira und Pfauenbestandteile werden mit Ziegenurin verrieben,
41-53. damit bestreicht man das Kind. Mit Rinderzahn, Horn und Haar räuchert man. Am dritten Tag heißt die Macht Jhantali; Gähnen und Ähnliches
41-54. sind ihre Zeichen. Als Aufstrich dienen Rinder- und Elefantenzahn und weitere Stoffe mit Ziegenmilch; zur Räucherung Senf und Nimba-Blätter. Am vierten Tag heißt die Macht
41-55. Kakoli; Schaum-Erbrechen und Unruhe der Augen sind die Zeichen. Ein Aufstrich wird aus Senf und Elefantenzahn bereitet, eine Räucherung aus Nimba-Blättern
41-56. mit Schlangenhaut. Am fünften Tag heißt sie Simhika; geballte Fäuste und Ähnliches sind die Zeichen. Lodhra, Vacha und weitere Stoffe
41-57. dienen zum Aufstrich, Opferreste und Weiteres zur Räucherung. Am sechsten Tag heißt sie Phatkari; Weinen und Ähnliches sind ihre Zeichen.
41-58. Pura, Kushtha und Butter werden für Aufstrich und Räucherung empfohlen. Am siebten Tag tritt Muktakeshi auf.
41-59. Weinen, schlechter Geruch, Husten und Gähnen sind ihre Zeichen. Ein Aufstrich besteht aus Vacha und Kushtha mit Ziegenurin; mit Tigerkrallen
41-60. wird geräuchert. Für den achten Tag wird Dandini genannt; Husten und Weiteres sind die Zeichen. Knoblauch, Vacha, Hingu und weißer Senf werden
41-61. für Aufstrich und Räucherung empfohlen. Am neunten Tag heißt sie Mahamahishi; das Beißen auf die Faust, Husten und Weiteres sind ihre Zeichen. Tagara und Sandelholz
41-62. mit Kushtha und Senf gelten als geeigneter Aufstrich, Affenhaar und -nägel als Räucherung. Am zehnten Tag ergreift Rodani
41-63. das Kind; bläuliche Körperfarbe gilt als Zeichen. Nimba-Blätter dienen zur Räucherung und zum Aufstrich; Bali erfolgt wie zuvor.
41-64. Im ersten Monat ergreift Putana das Kind. Knotenbildung und krähenartiges Weinen gelten als Zeichen.
41-65. Im zweiten Monat ist es Makuta; Kälte des Körpers und Ähnliches sind die Zeichen. Man räuchert mit Nimba-Blättern und Knoblauch.
41-66. Im dritten Monat ist es Gomukhi; Weinen und Weiteres sind die Zeichen. Man badet mit Wasser aus Blättern von Milchsaftbäumen und Bilva und räuchert
41-67. mit weißem Senf und Butter. Im vierten Monat ist es Pingala; Abmagerung und Weiteres sind die Zeichen. Bad und Räucherung erfolgen wie zuvor.
41-68. Elefantenzahn mit Senf dient als Aufstrich; anschließend räuchert man mit Nimba-Blättern, Schlangenhaut, Butter und Opferresten.
41-69. Im fünften Monat ist es Hamsika. Geballte Fäuste, Aufwärtsblicken, Atemnot und Gähnen sind die Zeichen. Als Aufstrich verwendet man
41-70. Widderhorn, Shila, Tala, Lodhra und Vacha. Mit Opferresten und Weiterem räuchert man und soll das Kind unermüdlich schützen.
41-71. Im sechsten Monat ergreift Pankaja das Kind; Bauchstechen gilt als Zeichen. Nimba-Blätter mit Senf dienen zur Räucherung.
41-72. Im siebten Monat ist es Shitala; Kälte und Weiteres sind die Zeichen. Im achten Monat ist es Yamuna; Austrocknen des Mundes und Weiteres
41-73. sind die Zeichen. Hier wird keine Behandlung angegeben. Im neunten Monat bedrängt Kumbhakarni das Kind; Ohnmacht und Erbrechen sind ihre Zeichen.
41-74. Mit gekochten Hülsenfrüchten, Fisch, Fleisch, Reis, Duftstoff und weiteren Gaben bringt man im Nordosten Bali dar. Im zehnten Monat ist es Tapasi; Nahrungsverweigerung und geschlossene Augen
41-75. sind die Zeichen. Gelber und roter Reis, Fisch und Fleisch werden als Bali nach Norden gebracht. Im elften Monat ergreift die Rakshasi genannte Macht
41-76. das Kind und bewirkt Blindheit beider Augen; hier wird kein Gegenmittel angegeben. Im zwölften Monat ist es Chapala; Atemnot und Weiteres sind die Zeichen.
41-77. Im zweiten Jahr ist es Yatana; Stürzen und Weiteres sind die Zeichen. Haar und Rinderzahn dienen zur Räucherung, Wasser mit den fünf Blattarten
41-78. zum Bad. Im dritten Jahr ist es Rodini; Weinen und Weiteres sind die Zeichen. Im vierten Jahr ist es Chataka; Schmerzen und Weiteres
41-79. sind die Zeichen. Mit Federn, Haaren und weiteren Stoffen soll man räuchern. Im fünften Jahr ist es Chanchala; Gliederschmerz und Weiteres
41-80. sind die Zeichen. Im sechsten Jahr ist es Dhavani; übermäßiger Harnfluss gilt als Zeichen. Man räuchert mit Senf und Knoblauch und badet mit Wasser der fünf Blattarten.
41-81. Im siebten Jahr bewirkt Yamuna Nahrungsverweigerung. Im achten bedrängt Jatavedasi das Kind zu seinem Schaden.
41-82. Im neunten Jahr ist es Kalini, die Blasenbildung an den Händen und Weiteres verursacht. [Formel:] „Om, lass frei, koche, verbrenne, komm, Mädchen! Tha, Tha.“ Mit dieser Formel opfert man Sesam und räuchert damit.
41-83. Im zehnten Jahr heißt sie Kalahamsi und verursacht Fieber. Weißer Senf, Kushtha und Knoblauch mit Rinderhaar dienen zum Aufstrich.
41-84. Picumanda-Blätter dienen zur Räucherung. Im elften Jahr ist es Devaduti, die ständig großen Hunger, Durst und Weiteres verursacht.
41-85. Im zwölften Jahr ist es Palita, die Augenleiden und Weiteres verursacht. Im dreizehnten Jahr ist es Vayavi; die Zeichen sind
41-86. Mattigkeit der Glieder und Ähnliches. Im vierzehnten Jahr bedrängt Yakshini das Kind und verursacht Fieber, Kolik und Weiteres.
41-87. Im fünfzehnten Jahr wird Munjakamukhi genannt; keine Behandlung wird angegeben. Im sechzehnten Jahr heißt sie Vanari.
41-88. Im siebzehnten Jahr ist es Bandhavati, die ständig Gliederstechen, Verwirrung, unzusammenhängendes Reden und Weiteres verursachen soll.
41-89. Im achtzehnten Jahr bedrängt Kumari das Kind. So wurden die kindergreifenden Mächte genannt; alle sind Göttinnen, Mütter. [Hinweis: Die Liste geht bis zum achtzehnten Jahr, obwohl die allgemeine Vorschrift zuvor das siebzehnte als Grenze nennt.]
41-90. Ihnen allen bringt man Bali mit ihren jeweiligen Namen dar, „Kumari“ vorausgehend und „Verehrung“ am Ende. Auch diese Mantras soll man rezitieren:
41-91. „Brahma, Vishnu, Rudra, Skanda und Vaishravana mögen rasch das Kind schützen; mögen sie den Knaben freilassen! Tha, Tha.“
41-92. Mit der so dargebrachten Bali-Gabe schwenkt man dreimal reinigend um das Kind. Am Ende der Bali-Darbringung berührt man das Kind und rezitiert:
Formel nach 41-92. „Verehrung allen Müttern! Du, der die Herzen zerdrückt: Zerbrich, ziehe herbei, sprenge, erstrahle, ergreife, ziehe an, zerreiße! So verkündet [er] das Gelingen. Entferne [die Störung], mache das Kind frei von Übel! Tha, Tha.“ [Hinweis: Der Wechsel von Anrede zu Aussage und das Subjekt von „verkündet“ bleiben in der Quelle unklar.]
41-93. Am Ende der Bali-Darbringung spricht man diesen Mantra: „Kushmandi, Yakshi, Erhabene, Chamunda! Lass frei, verbrenne, geh fort vom Kind! Tha, Tha.“ Zur Befreiung von der besetzenden Macht vollzieht man ein Feueropfer mit Sesam, Senf und Butter.
Weitere Schutzformel nach 41-93. „Om, Chamunda, Verehrung, Vidya! Hum, Hrim. Die bösen besetzenden Mächte—Hum—und die Guhyakas mögen dorthin gehen, wo [ihr] Ort ist! Vollbringe es! Rudra befiehlt. Tha, Tha.“ [Die Ortsanweisung ist in der überlieferten Satzfolge unsicher.]
Badeanweisung. Vom ersten Tag bis zum Ende des siebzehnten Jahres legt man nach der Bali-Darbringung Triebe von Ashvattha, Udumbara, Banyan, Bilva und Palasha in das Wasser eines Kruges und badet mit diesem Mantra.
Mahadeva-Formel. „Kshrum! Schütze, Mahadeva, Blauhalsiger, Haarknotenträger! Schütze zusammen mit den Grahas, lass den Knaben frei!“
41-94. Mit dieser Formel besprochen sollen ein Senfaufstrich und eine Räucherung die besetzende Macht entfernen. Auf Birkenrinde geschrieben, mit dem Namen verflochten und angebunden, soll sie das Leiden durch Kindergrahas überwinden. „Hand“ und „Makantaka“ mit „Augen“, jeweils verdoppelt, mit Tara voraus—
Skandamekhala-Formel vor 41-95. „Hi, Chini, Bhuchani, Bhutatati, Vichani, Biraja! Narayani, Uma, mit dem Stab in der Hand, Raudri, Maheshvari, Großgesichtige, Schlangengesichtige, Spitzohrige, mit dürren Unterschenkeln, Alambupe! Schlage, Vernichterin aller besetzenden Mächte! … das Blut aller Glieder, das du im Geist schaust, Göttin! Bezaubere meine Verblendung.“ [Hinweis: Die Eingangslaute, die Anrede Alambupe und die Verbindung vor „Blut“ bleiben unsicher. Die Formel wird nicht durch andere Fassungen vervollständigt.]
41-95. „Im Herzen Rudras geboren, im Herzen Rudras weilend: In Rudra, in Rudras Gestalt, komm, Göttin, schütze mich! Hum, Phat, Tha, Tha.“
41-96. Man trägt die Skandamekhala am Haarbüschel, am Hals oder an der Hüfte. Das Kind soll dann weder durch Kindergrahas noch durch Schlangen und andere Wesen bedrängt werden.
41-97. „Vishnu möge dich im Osten behüten, Rudra den Süden schützen. Brahma möge dich im Westen behüten, Skanda den Norden schützen.
41-98. Oben möge die Sonne dich behüten und unten Vasuki. Unten möge er dich schützen, liebes Kind; die übrigen Richtungen möge der Wind behüten.
41-99. Wohlergehen möge der Erhabene schaffen, Pinakin, dessen Banner den Stier trägt. Die Kühe mögen dich überall schützen; die segensreiche Erde möge dich stets behüten.
41-100. Hari möge dich schützen, der Ursprung aller Wesen, aus dessen Nabellotos die Welt hervorgegangen ist.
41-101. Von der Spitze seines einen Hauers getragen, trägt die Erde die Welt. Der Gott Keshava in Ebergestalt möge dich schützen.
41-102. Janardana in Narasimha-Gestalt, der Allgegenwärtige, der mit seinen hervorsprießenden Nägeln die Brust des Feindes aufgerissen hat, möge dich überall schützen.
41-103. Vamana möge dich immer behüten, der in einem Augenblick zu Trivikrama wurde, mit seinen Schritten die drei Welten durchmaß und mit seinen Waffen erstrahlt.
41-104. Govinda möge deinen Kopf behüten, Keshava deine Kehle schützen, Vishnu den Genitalbereich samt Bauch, Janardana Unterschenkel und Füße.
41-105. Gesicht, Arme und Unterarme, Geist und sämtliche Sinne möge der unvergängliche Narayana von ungehemmter Herrschaft schützen.
41-106. Durch den Klang von Muschel, Rad, Keule, Schwert und Sharnga getroffen mögen die Verstorbenengeister, Kushmandas und Rakshasas, die dir schaden, vergehen.
41-107. Vaikuntha möge dich in den Hauptrichtungen behüten, Madhusudana in den Zwischenrichtungen, Hrishikesha im Luftraum und Mahidhara auf der Erde.“
41-108. Mit diesem Gebet schützte Nandagopa damals stets Krishna. Wenn man es rezitiert und das Kind berührt, soll ihm unversehrter Schutz zuteilwerden.
41-109. In die Mitte der Shakti setzt man den Namen des Kindes. Tara, zweimal „Lu“ und „Wasser“, mit Svaha am Ende, umgeben ihn; außen steht der Mond.
41-110. Wieder umgibt man es außen mit nach unten gewendeten Mondsicheln. Verehrt und angebunden soll dieses Diagramm das Weinen des Kindes stillen. [Hinweis: Die Beschriftung ist chiffriert und wird nicht zu einem fertigen Amulett ergänzt.]
41-111. Butter, Nimba-Blätter, Knoblauch, Harz und Bambusrinde bilden die erste Räucherung; weißer Senf, Butter, Schlangenhaut, Menschenhaar und Opferreste die zweite; Bambusrinde, Harz, Nimba-Triebe, Butter und weißer Senf die dritte. Diese drei werden als dem Kind zuträglich und das Leiden durch Kindergrahas beseitigend bezeichnet.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, im Mantrapada, endet das einundvierzigste Kapitel, das Kapitel über die Behandlung von Kindern.
Zur Besinnung. Hinter den Schutzgebeten steht die Sorge um ein verletzliches Leben. Heute kann ein solches Gebet liebevolle Zuwendung ausdrücken, während konkrete Fürsorge sich an den tatsächlichen Bedürfnissen des Kindes orientiert. Die historischen Krankheitsdeutungen sind dabei von den Gebeten und von medizinischem Wissen zu unterscheiden.
Mantrapada, Kapitel 42: Historische Deutungen von Besessenheit und Verhalten
Das Kapitel ordnet ungewöhnliches Verhalten, körperliche Beschwerden und seelische Krisen verschiedenen Grahas, ergreifenden Mächten, zu. Seine Kategorien verbinden Religion, damalige Krankheitsvorstellungen und gesellschaftliche Wertungen. Die Übersetzung dokumentiert diese historische Deutung; sie liefert keine heutigen Diagnosen. Die am Ende beschriebenen gewaltsamen Verfahren sind keine geeignete Hilfe für leidende Menschen.
Kapiteleingang. Nun das zweiundvierzigste Kapitel.
42-1. Glanzlose, Götter, Asuras, Nagas, Yakshas, Gandharvas, Rakshasas, Ahnen, Hedhra, Aschenwesen, aus dem Schoß Geborene, Kashmalakas, Pralapas, Hindernismächte, Kushantyas, Pishachas und Bhutas—
42-2. so werden achtzehn Arten von Grahas genannt, die Menschen ergreifen. Dazu kommen Wahnsinnsmächte, Anfallsmächte und weitere Brahmarakshasas. [Hinweis: Die erste Namenfolge ist stark zusammengedrängt; die ausdrücklich genannte Zahl achtzehn wird nicht durch ergänzte Namen hergestellt.]
42-3. Alle diese Grahas ergreifen Menschen, weil sie Opfergaben, Liebesvereinigung oder Tötung wünschen. Sie werden auch in zwei Arten eingeteilt: friedliche und feurige.
42-4. In leeren Häusern, Seen, Wasserbecken, Bergen, Gärten und Flüssen, bei einzelnen Bäumen, auf Verbrennungsplätzen, an heiligen Baumplätzen und in Heiligtümern
42-5. wohnen diese Mächte und bedrängen Menschen: einen Zornigen, Erfreuten, Lachenden, Erschrockenen oder nachts Alleinstehenden,
42-6. einen nach dem Essen rituell Unreinen, einen nachts Geschmückten, jemanden, der Vermögen verloren oder nicht erlangt hat, einen von geliebten Menschen Getrennten, einen Sterbenden, eine nackte oder schwangere Frau,
42-7. eine als schlecht lebend bezeichnete Frau, eine nach der Menstruation Gebadete, eine Wöchnerin, eine Menstruierende, eine von Begehren Bewegte, eine Trinkende, eine „Freigelassene“ oder eine auf Straße und Platz Stehende,
42-8. eine zur Dämmerung erstmals zur Liebesvereinigung Bereite, eine Eingeölte oder Gedemütigte. [Erläuterung:] Solche Menschen ergreifen die Grahas. Durch Schmähung von Gottheiten, Brahmanen und großen Menschen, durch frühere Feindschaft,
42-9. durch Schuld und durch das Reifen früheren Handelns ergreifen Grahas Menschen, nicht anders. Schwäche, nicht blinzelnde Augen, fehlender Glanz und vieles Reden [werden zunächst genannt]. [Hinweis: Die Zuordnung dieser ersten Zeichen zur Kategorie „glanzlos“ ist aus dem Zusammenhang erschlossen; die Quelle setzt die Bezeichnung nicht nochmals hinzu.]
42-10. Gebadet, mit duftenden Girlanden und Gewändern, friedlich und erfreut ist der von einer Göttermacht Ergriffene. Übelgesinnt, furchtlos, übermütig und Dharma, Göttern und Brahmanen feindlich,
42-11. viel essend, alle auslachend und mit zitternden Gliedern ist der von einer Asura-Macht Ergriffene. Wer Zuckerwasser, Milch und Ähnliches begehrt, die Mundwinkel leckt,
42-12. auf der Erde kriecht, rote Augen hat und „krodi“ ist, gilt als von einer Naga-Macht bedrängt. Wer rote Girlanden und entsprechende Düfte begehrt und gerötete Augen hat,
42-13. nicht zornig ist, rasch geht und ernst erscheint, gilt als von einem Yaksha bedrängt. Wer Girlanden, Duft, Gesang und Instrumentalmusik begehrt und spielt, als von einem Gandharva bedrängt. [Hinweis: „krodi“ in 42-12 bleibt in dieser Verhaltensbeschreibung unklar.]
42-14. Schamlos, berauschendem Trank, Fleisch und Blut zugetan und unrein ist der von einem Rakshasa Ergriffene. Wer Ahnenklöße und Wassergaben darbringt und Fleisch begehrt, gilt als von einer Ahnenmacht ergriffen.
42-15. Wer kniet, den Kopf senkt, lächelt und die Fäuste schließt, gilt als von Hedhra ergriffen. Wer unzusammenhängend spricht, zittert, kalte Glieder hat und seitwärts blickt,
42-16. dessen Körper rein ist, der viel isst und rein erscheint, gilt als von einer Aschenmacht bedrängt. Wer schwitzt, nach Widder riecht, keine Grenzen achtet und unruhige Augen hat,
42-17. viel isst, Gedanken zu kennen scheint und Fleisch begehrt, gilt als von einer schoßgeborenen Macht ergriffen. Wer unrein, mit Schmutz und Schlamm bedeckt ist, auf Asche schläft, lacht und weint,
42-18. Frauen ablehnt, fortwährend isst und andere erschreckt, gilt als von Kashmala ergriffen. Wer tanzt, lacht, dürre Glieder hat, viel isst und die eigenen Glieder verdreht,
42-19. viel verworren redet, gilt als von Pralapa bedrängt. Wer zischende Laute macht, erbricht und die Zähne aneinanderreibt, gilt als von Vinayaka ergriffen.
42-20. Wer abgesondert lebt, weißlich ist, umherläuft, schreckliche Laute ausstößt, vom Essen nicht satt wird und auf Fragen nicht antwortet, gilt als von Kusha ergriffen.
42-21. Wer sich mit Kot und Schlamm bestreicht, rote Augen hat, droht, viel isst, kläglich spricht, gierig ist und zittert, gilt als von einer Antyaja-Macht ergriffen. [Hinweis: Die rote Augenfarbe wird im Originalvers zweimal genannt; Antyaja ist eine historisch abwertende soziale Bezeichnung.]
42-22. Wer schlecht riecht, unrein und unruhig ist und äußerst grob spricht, gilt als von einem Pishacha ergriffen. Wer alle nachahmt, Menschen schlägt und laut redet,
42-23. auf Bäume klettert und sich dabei ungewöhnlich verhält, gilt als von einer Bhuta-Macht bedrängt. Wer klatscht, lacht, singt, weint und die Glieder umherwirft,
42-24. mit rötlichem, magerem Körper und schwer leidend, gilt als von windbedingtem Wahnsinn erfasst. Brüllen, Rennen, Zorn und Verlangen nach Kühle, Schatten und Nahrung,
42-25. gelber, heißer Körper und Erbrechen werden schleim- und gallebedingten Wahnsinnsformen zugeschrieben. Mit verdrehten Augen niedergestürzt, bewusstlos, Schaum erbrechend, Hände und Füße zusammengezogen, schrecklich schreiend und auf die Zähne beißend ist der von Apasmara erfasste Mensch, „wohl“ … [Hinweis: Die Schlussangabe „sukhi“ ist bereits in der Quelle fraglich und passt nicht eindeutig zum vorausgehenden Bild; sie wird nicht stillschweigend gestrichen.]
42-26. Wer Veden rezitiert, Kusha-Gras trägt, stets die Bräuche der Zweimalgeborenen vollzieht und Götter und Brahmanen verehrt, gilt als von einem Brahmarakshasa ergriffen.
42-27. Wer läuft, springt, lacht und sich wie ein Kshatriya verhält, gilt als von einer Kshatriya-Macht ergriffen.
42-28. Wer gähnt, lacht, weint, reibt und schreit, gilt als von einer Händlermacht ergriffen. Wer Unaussprechliches redet, tanzt, zürnt, Kot und Urin zu sich nimmt,
42-29. die Geschlechtsteile und Ähnliches berührt, lacht und Brahmanen hasst, gilt als von einer Vrishala-Macht ergriffen. Wer die Haare schüttelt, freudig redet und den Mantrapraktizierenden anblickt,
42-30. von Bäumen oder anderen Höhen fällt, ins Wasser oder Feuer geht und weint, gilt als von einer tötungswilligen Macht ergriffen. Dies sei durch Mantras und andere Mittel nicht behandelbar; man solle den Fall meiden. [Hinweis: Die Aufforderung zum Meiden ist die Aussage der historischen Quelle. Gefährdetes oder suizidales Verhalten erfordert heute Hilfe und Schutz.]
42-31. Wer verstört nach allen Seiten blickt, von Fieber, Kolik und Weiterem bedrängt ist, Hunger und Durst leidet und „Gib!“ sagt, gilt als von einer opferbegehrenden Macht ergriffen.
42-32. Wer mit Frauen spielt, erregt ist, gut gebadet, freundlich redend und rein, Girlanden und Duft zugetan, gilt als von einer Liebesvereinigung begehrenden Macht ergriffen.
42-33. Diese beiden, die Opfer und die Liebe begehrenden Mächte, soll man als behandelbar ansehen. Unter Androhung der Befleckung durch schwere Vergehen, etwa das Töten von Frauen, Kühen oder Gurus,
42-34. wird der Graha bei den Lotosfüßen des ehrwürdigen Nilakantha beschworen und soll die Wahrheit sagen. Wenn der Mantrapraktizierende die Macht und ihren Wunsch erkannt hat,
42-35. schützt er zunächst sich selbst und behandelt sie entsprechend. Zuerst soll er durch Bali-Gaben mit den von den Mächten gewünschten Dingen behandeln. Wenn die Macht den Menschen durch sanfte Anwendungen nicht freigibt, soll er anschließend ein grimmiges Verfahren anwenden.
42-36½. Mit Aufstrichen, besonderen Räucherungen und Bindungen, mit grausamen Drohungen und Schlägen sowie durch Zerschneiden, Durchstechen und Verbrennen ihres Abbildes soll man die Loslösung von den Grahas schrittweise bewirken.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, im Mantrapada, endet das zweiundvierzigste Kapitel, das Kapitel über die Verhaltensweisen der Grahas.
Zur Besinnung. Der Text zeigt, wie eng religiöse Deutung und die Wahrnehmung seelischen Leidens einst verbunden waren. Heute kann sein Studium dazu anregen, vorschnelle Zuschreibungen zu hinterfragen. Ein leidender Mensch braucht Zuwendung, Schutz seiner Würde und angemessene Hilfe; spirituelle Begleitung kann diese Haltung unterstützen.
Mantrapada, Kapitel 43: Bhutatantra und die Verehrung Khadgaravanas
Das Kapitel entfaltet historische Rituale zur Abwehr von Bhutas und anderen als besetzend verstandenen Mächten. Mehrere lange Formeln, darunter buddhistisch geprägte Anreden an die Drei Juwelen und Vajrapani, stehen neben der Verehrung Shivas als Khadgaravana und Pashupati. Die Quelle nennt sanfte Darbringungen ebenso wie gewaltsame Verfahren. Diese werden als historische Ritualvorschriften dokumentiert, nicht als heutige Behandlung leidender Menschen empfohlen.
Kapiteleingang. Nun das dreiundvierzigste Kapitel.
Erste Formel vor 43-1. „Herz“, das Wort „Bhagavat“: „Shudrashagata, Phachuta, Biene der Mandara-Blüte, mit diamantenem Schnabel, dunkelglänzend wie Augenschminke! Schlage dieses Wesen … Kha, Kha, Hum, Phat, Tha, Tha.“ [Hinweis: Der Eingang und das Wort vor den Schlusslauten sind beschädigt; sie werden nicht zu einem gesicherten Mantra ergänzt.]
43-1. Mit dieser Formel bespricht man einen Brei aus schwarzen Bohnen. Durch Schlagen des Besessenen damit, während man Rudra als eins mit sich selbst betrachtet, sollen die Mächte ihn augenblicklich verlassen.
Zweite Formel nach 43-1. Nach „Herz“: „Dem Erhabenen … Verehrung … Maheshvara! Bhramari, lasse kreisen! Sukari, verzehre! Tha, Tha.“ [Die dazwischenstehenden Folgen „phaveshchashasha“ und „kashasha“ sind nicht sicher übersetzbar.]
Anwendung der zweiten Formel. Man bespricht schwarze Bohnen damit; durch ihren Verzehr soll die Macht freigeben.
Dritte Formel vor 43-2. „Verehrung dem Erhabenen … dem Gott Mahabhairava! Lass tanzen, zerdrücke, lass springen, lass spielen! Bhrum! Ergreife, Grimmiger! Hum, Phat, Tha, Tha.“ [Die Eingangsfolge „shudrasha“ bleibt unklar.]
43-2. Durch Japa und weitere Anwendungen soll dieser Mantra von Bhutas, Verstorbenengeistern, Pishachas und weiteren Mächten befreien.
Vierte Formel nach 43-2. Tara, „Herz“, „Chanda“ und „dem zornigen Rudra“: „Tushu, Pushu! Verharre im Gebot für die Wesen! Tha, Tha.“
43-3. Nach sieben Wiederholungen bindet man den Haarbüschel des Besessenen; die Macht soll dann im Gebot bleiben. Man zeichnet ferner den Feuer- und Windbereich
43-4. mit Asche, setzt den Besessenen hinein, rezitiert die Formel hundertachtmal und besprengt sein Gesicht mit Wasser.
43-5. Zornig rezitierend wirft man es hin; die Macht soll hervortreten und freigeben. Mit einer durch diese Formel besprochenen Schnur bindet man einen Pfosten; dadurch soll die Macht gebunden werden.
43-6. Man fertigt ein Abbild aus Teig, ruft die betreffende Macht darin herbei und setzt die Lebenskraft ein. Dann spaltet man es mit einem Messer,
43-7. zerschneidet und durchsticht es mit dem Dreizack an den empfindlichen Stellen; Blut soll fließen. Wenn die Macht den Besessenen dadurch noch immer nicht freigibt,
43-8. opfert man das zerschnittene Abbild mit Senf tausendmal in der Feuergrube. Verbrannt soll die Macht den Menschen verlassen und fliehen.
43-9. Wird der Besessene mit schwarzen Bohnen, Sesam und Senf, die mit dieser Formel besprochen und zu Feuer vorgestellt wurden, vielfach geschlagen, soll die Macht ihn freigeben.
43-10. Weißen Senf bespricht man siebenmal, schwenkt ihn um den Besessenen und überträgt dadurch das Wesen auf das gewünschte Ziel; dies soll sofort geschehen, versichert die Quelle.
43-11. „Herz“, die Wörter „Chanda“, „Asi“ und „Dhara“, „Wind“, zweimal „Kili“, zweimal „Geh!“, „Verehrung“, „Mahakaya“ und die Feuer-Gattin.
Anwendung nach 43-11. Mit dieser Formel besprochene Sesampaste wird aufgetragen; die Macht soll sich fürchten. [Die Formel ist teilweise chiffriert und wird nicht zu einer ausgeschriebenen Rezitationsfassung rekonstruiert.]
Göttinnenformel vor 43-12. Nach „Herz“: „Der Erhabenen … Vachali … Chali, Nandishvara, Kali, Indrakali, Brahmakali, Pretakali, Bhadrakali, Vajrakali! Vara, Pura, Hara, Turu, Dhara! Lass eintreten, kratze, brülle, ergreife … Phaleshvari, die du das Gehör trägst! Om, Krom, Prom … Chamundeshvari! Tha, Tha.“ [Hinweis: Mehrere Folgen sind unklar, darunter „shudrashalipha“, „bhaveshchasha“, „phana“ und „adah“. Die erkennbaren Anreden und Aufforderungen sind wiedergegeben; keine glatte Ersatzformel wird hergestellt.]
43-12. Auf einem im Praṇava stehenden Dreizack steht in der mittleren Spitze das Bija Naraharis.
43-13. An den beiden seitlichen Spitzen verehrt man Shakti. Man stellt sich den Besessenen darin und vom Feuer verbrannt vor und rezitiert; die Macht soll hervortreten und freigeben.
43-14. Der Mantrapraktizierende zeichnet die Macht mit giftiger Kohle auf die Erde und durchbohrt ihre empfindlichen Stellen mit besprochenen Nimba-Pflöcken.
43-15. Die Macht soll schreiend sterben oder sofort freigeben und fortgehen. „Herz“ und das Wort „Chanda“, mit „Zorn“ verbunden und im Dativ—
Zwei Bali-Formeln vor 43-16. „Kili, Mili! Der Herr der Wesen befiehlt. Tha, Tha.“ Ferner nach „Herz“: „Dem erhabenen Rudra“, zweimal „Chimi“, „Vile! Der Herr der Wesen befiehlt. Tha, Tha.“
43-16. Nachts bringt man mit diesen beiden Mantras die für die grimmigen Wesen bestimmte Speise als Bali dar.
43-17. „Dosharajas“, Reis, geröstete Körner, Getreidemehl, Sesam und Sauermilch werden als die den Geistern angenehme „grimmige Geisterspeise“ bezeichnet. [Die erste Zutatenbezeichnung bleibt unklar.]
43-18. „Om. Die Wesen … mögen die ordnungsgemäß dargebrachte Bali-Gabe annehmen und sich anderswo einen Wohnsitz einrichten. Mögen sie heute schützen! Verehrung ihnen.“ [Hinweis: Der Beginn „putani shanavihalantishani“ ist beschädigt. Der später angeführte Anfang „bhutani yani“ zeigt den Bezug auf Wesen, ersetzt aber nicht die gelieferte Lesung.]
43-19. Mit dieser Formel bringt man gesammelt im Nordosten Bali aus drei Kuduba Reis zusammen mit der grimmigen Geisterspeise dar.
43-20. Auch beim Beginn eines Hausbaus und ähnlichen Anlässen soll man so zur Besänftigung Bali darbringen. An einem reinen Ort fertigt man ein dreistöckiges Häuschen aus Saptaparna-Holz,
43-21. mit vier Toren, geschmückt und mit roten Girlanden umwunden. Aus Vrihi-, Shyamaka- und Priyangu-Körnern,
43-22. jeweils drei Kuduba, kocht man der Reihe nach mit Sauermilch, Milch und rotem Wasser Opferbreie. Nach der reinigenden Umschwenkung stellt man sie von der oberen Ebene an
43-23. der Reihe nach hinein. Auch Mehle aus diesen Körnern und geröstete Vrihi-Körner werden umgeschwenkt und im Häuschen niedergelegt.
43-24. Im Nordosten Vrihi- und Gerstenmehl, im Südwesten Shyamaka-Mehl, im Südosten Priyangu-Mehl und geröstete Körner. Dann bereitet man mit Pulver, Kurkuma und Wasser
43-25. rotes Wasser, in der Menge von achthundert Kuduba. Sesam, Mungbohnen, Reiskörner und schwarze Bohnen mit Drona-Blüten
43-26. werden alle umgeschwenkt und nach dem beschriebenen Verfahren im Nordwesten niedergelegt. Dann ruft man die Wesen der Reihe nach in die drei Ebenen herbei.
43-27. Mit dem Mantra, der mit „Die Wesen, welche …“ beginnt, verehrt man sie mit wohlriechenden Blumen, Räucherwerk, Lichtern und einer Fülle von Speisegaben.
43-28. Sesam, Mungbohnen und die weiteren Stoffe, Mehle und geröstete Körner gibt man einzeln der Reihe nach in das rote Wasser. Um den von dieser Macht
43-29. Besessenen schwenkt man wiederholt das rote Wasser. Dann trägt man das Häuschen und das Wasser hinaus und stellt sie auf einem Platz nieder.
43-30. In die Mitte des Häuschens stellt man das rote Wasser; in den Richtungen bringt man Bali aus den Resten des Opferbreis und der grimmigen Geisterspeise dar.
Bali-Gebet nach 43-30. „Om … die Seienden, Nichtseienden und zugleich Seienden und Nichtseienden, die Ungestalten, Allgestalten, Schreckensgestalten, Tiergesichtigen und Vogelgesichtigen, die Gedeihen Schaffenden und Nichtgedeihen Schaffenden, die Wünsche Gewährenden, die eine Bali-Gabe wünschen: Allen diesen raschen Wesen samt ihren Scharen, allen Bhutas, Verehrung, Verehrung!“ [Hinweis: Die Anfangsbezeichnungen „niyakasha shaudrah“ sind nicht sicher übersetzbar.]
43-31. Mit dieser Formel streut man Bali in die Richtungen zur allgemeinen Besänftigung. So soll Befreiung für alle von Grahas Ergriffenen entstehen.
43-32. Man zeichnet mit rotem Pulver den Feuerbereich auf die Erde, setzt das Feuer-Bija in seine Ecken und Praṇava in die Mitte.
43-33. In seine Mitte stellt man eine neue Schale, gefüllt mit Butter einer rötlichbraunen Kuh, und entzündet darin eine Lampe mit einem Docht aus Lotosfasern.
43-34. Man deckt sie mit einem Krug ab und zeichnet auf dessen Oberseite das Chintamani-Yantra. Auf den dort befindlichen Besessenen zeichnet man Chintamani mit einer Japa-Blüte. [Hinweis: Die Blütenanweisung enthält eine Lesungsfrage; der genaue Auftragungsvorgang bleibt unsicher.]
43-35. Drei Stäbe aus Vikankata-Holz, so lang wie der Besessene und handdick, setzt man in die drei Ecken einer Grube.
43-36. In ihre Mitte stellt man den Besessenen und umwindet [die Anlage] mit roten Girlanden. Darüber errichtet man aus Aksha- und Karaskara-Holz
43-37. einen schönen Aufbau. Darauf stellt man eine Schale, gefüllt mit drei Prastha Butter, und entzündet tausend Lichter.
43-38. Mit der grimmigen Geisterspeise schwenkt man reinigend um den Besessenen und bringt mit dem folgenden Mantra Bali in die zehn Richtungen dar.
Bali-Formel nach 43-38. „Verehrung … Verehrung den … Schaffenden, allen Unheil Schaffenden, den Seienden, Nichtseienden und zugleich Seienden und Nichtseienden samt ihren Scharen: Verehrung, Verehrung!“ [Der Eingang „namah bhyo“ und „putakridbhyah“ sind beschädigt beziehungsweise unklar.]
43-39. Mit dieser Formel bringt man Bali dar und opfert auch im Feuer mit Japa- und Kimshuka-Blüten, in einer dreieckigen Feuergrube mit Japa-Stäben,
43-40. mit den auf diesen Pflanzen wachsenden Vandakas und Apamarga, jeweils tausendmal. Man trifft den Besessenen mit der Asche; die Macht soll hervortreten und freigeben.
43-41. Ein Opfer aus gemischten Apamarga-Zweigen, Raji-Senf, Senf und Sesam mit dem Vanadurga-Mantra soll von den Mächten befreien.
43-42. Am Sonntagmittag wird im Hof ein rundes Mandala aus rotem und gelbem Kurkumapulver bereitet, von Flammen umgeben.
43-43. Es wird mit Darbha-Büscheln ausgelegt und mit Pfeilen und Schwertern umgeben. Im vorschriftsmäßig bereiteten Feuer ruft man Durga herbei und verehrt sie.
43-44. Man opfert Butter, Sesam und Senf, jeweils hundert Gaben, sowie achttausend Aditya-Zweige, mit Kuhprodukten benetzt.
43-45. Die Gaben werden um den Besessenen geschwenkt und geopfert, ebenso Butter, weitere Stoffe und Opferbrei. Mit roten Reisklößen bringt man Bali in die zehn Richtungen dar.
43-46. Die Grahas sollen den Besessenen verlassen, ebenso Schadenmächte und Krankheiten; feindliche Heere und andere Bedrohungen sollen furchterfüllt fliehen.
43-47. Auf diese Weise besprochene weiße Gunja-Samen sollen Heere vertreiben. An einem Durga-Ort fastet man, opfert Aditya-Zweige,
43-48. rezitiert und wirft sie ins Wasser; Graha und Heer sollen fortgehen. [Formel:] Die drei Vyahritis von Bhur an, dann „Sheshvasa, Prajvasa, Jvasa, Pasini, Vernichterin aller Wesen, Gnadenspenderin, Jatavedasi! Flamme! Hum, Phat, Tha, Tha.“ Baumwollsamen, weißer Senf, Stücke [eines nicht genannten Stoffes], Salz und Pfeffer,
43-49. oder Bakula- und Arishta-Blätter, Zweige von Milchsaftbäumen oder mit Butter versehene Zweige, jeweils gesondert geopfert, sollen das Leiden durch Grahas überwinden.
43-50. Mit einem Opferlöffel aus Shelu-Holz und Öl soll das Opfer unter dieser Formel Grahas entfernen. Darvi wird unter dem Mondhaus Pushya mit Kushmanda-Wasser verrieben und zu Kügelchen geformt.
43-51. Im Schatten getrocknet und als Augensalbe verwendet sollen sie alle Grahas abwehren. Pfeffer, Steinsalz, langer Pfeffer, Gopi und Rinde werden mit Honig übergossen.
Ergebnisangabe nach 43-51. Durch diese Augensalbe sollen sämtliche Grahas augenblicklich hervortreten und vergehen.
Chandasidhara-Mantra vor 43-52. „Verehrung den erhabenen Drei Juwelen! Verehrung dem grimmigen Vajrapani, dem Heerführer der großen Wesen! Verehrung dem mit grimmiger Kette, dem Entflammten, dessen Haar in hell aufloderndem Feuer steht, dem Blaukehligen, der gedachten Gestalt, dem Hängebäuchigen, dem mit dem Antlitz großer Erkenntnis, dem mit begehrender Stirnrunzel, dem Vierhauerigen, Furchtbaren, von sehr entstellter Gestalt, dem mit diamantenem Inneren! Komm, komm, tritt in den Körper ein, ergreife am Kopf, bewege die Augen! Hari, warum zögerst du? Erschrecke und erschüttere Siddhas, Götter, Danavas, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas, Verstorbenengeister, Nagas und Pishachas! Erinnere dich an das Gebot! Schlage, lass los, koche, zerreibe, vernichte! Der Herr der grimmigen Schwertschneide befiehlt. Hum, Phat, Tha, Tha.“
Hinweis: „Der gedachten Gestalt“ ist bereits in der Quelle fraglich; auch die ungewöhnliche Verbindung von Stirnrunzel und Begehren wird nicht durch eine andere Lesung ersetzt.
43-52. Dieser Chandasidhara-Mantra soll durch Japa und weitere Anwendungen die Grahas vernichten.
Gayatri nach 43-52. „Om, Verehrung! Wir wollen Khadgaravana erkennen; über Chandeshvara meditieren wir. Möge der Gott uns dazu anregen.“
Vorbereitungsanweisung. Durch zehntausend Wiederholungen im Wasser stehend soll dieser Mantra verwirklicht werden und von Grahas befreien.
Khadgaravana-Mantra vor 43-53. „Herz“, dann: „Dem Pashupati Verehrung, dem Herrn der Wesen Verehrung, Rudra, Khadgaravana! Laladi Na, spiele, gehe, tanze! Du, dessen Leib auf dem Verbrennungsplatz liegt, Träger einer Kette aus Glocken und Schädelschalen, in Tigerhaut gekleidet, mit dem Mond als Scheitelschmuck, mit einer schwarzen Schlange als heiliger Schnur! Bewege dich, Bile, Bilekasa, springe, überschreite, Schädelträger! Schlage die Wesen, erschrecke sie! Ziehe sie mit Rudras Haken in die Mitte des Mandalas, führe sie in das Gebot hinein, rufe sie herbei! Rudra, der Herr der grimmigen Schwertschneide, befiehlt. Tha, Tha.“
43-53. Dieser Khadgaravana-Mantra soll sämtliche Bhutas und Grahas entfernen.
Sitz und Herbeirufung nach 43-53. Shiva wird auf dem Lotos des Sitzes verehrt. Mit „Om, Puta, Bhadi, Tha, Tha“ ruft man ihn herbei. [Die unübersetzbaren Lautfolgen in diesen Formeln werden nicht korrigiert.]
Sechs Gliedermantras.
- Herz: „Om, Verehrung Pashupati, Svaha! Dem Herzen Verehrung.“
- Kopf: „Om, Verehrung dem Herrn der Wesen, Svaha! Dem Kopf Svaha.“
- Scheitel: „Om, Verehrung Rudra, Svaha! Dem Scheitel Vashat.“
- Panzer: „Om, Alabdha-Khadgaravana, Lala, nimm fort, gehe, tanze, sprenge! Svaha! Dem Panzer Hum.“
- Waffe: „Dem, dessen Körper mit Asche des Verbrennungsplatzes bestrichen ist, dem Träger einer Kette aus Glocken und Schädelschalen, dem in Tigerhaut Gekleideten, dessen Scheitel den Mond trägt, dem mit der schwarzen heiligen Schnur: Svaha! Der Waffe Phat.“
- Drei Augen: „Om, Vala, Kila, Tasa, Schwert … Schädelträger! Schlage die Wesen, erschrecke sie! Ziehe sie mit Rudras Haken in die Mitte des Mandalas, führe sie in das Gebot hinein, rufe sie herbei! Rudra, der Herr der grimmigen Schwertschneide, befiehlt. Svaha! Den drei Augen Vaushat.“
Hinweis: „Alabdha“ im Panzermantra und die Verbindung um „anuvartita“ im Augenmantra sind unsicher. Die schwarze Schnur im Waffenmantra wird nicht stillschweigend zur Schlange ergänzt; diese steht ausdrücklich nur im vorangehenden langen Mantra.
Unnummerierter Meditationsvers nach 43-53. „Möge er euch behüten: zehnarmig, mit Khatvanga, Dreizack, Damaru, Haken, Schwert, Schild, Glocke, Schädelschale, Gnaden- und Furchtlosigkeitsgeste sowie einem Kopf in den Händen, von rechts an; mit Edelsteinohrringen, mit fünf Gesichtern und fünf Köpfen, dreiäugig.“ [Hinweis: Die Quelle nennt zehn Arme, zählt aber bei gesonderter Zählung mehr Attribute auf; die Liste wird nicht verkürzt. Der Vers trägt hier keine Nummer 43-54.]
43-55. „Shiva Khadgaravana möge euch schützen: Seine Tigerhaut wird von einem glänzenden Gürtel mit einem laut klingenden Glockennetz gehalten. Er trägt Glocken, eine Knochenkette und Schlangenkönige als Schmuck; die Schlangen-Schnur strahlt. Wie ein Bündel von Blitzen glänzt er, von heiliger Asche weiß, mit flammenfurchtbarem Gesicht, den Mond im Haarknoten tragend.“
43-56. Nach dem ordnungsgemäßen Bad schlürft man rituell Wasser, erfüllt die täglichen Pflichten und schweigt.
43-57. Man verehrt Tor und Weiteres, setzt sich und vollzieht die fünf Reinigungen. Auf Hand, Kopf und Körper setzt man Sadyojata und die übrigen Gestalten ein,
43-58. ebenso die Glieder. Selbst Shiva geworden, legt man Asche mit dem Triyayusha-Mantra an, verehrt Ganesha und den Guru und bereitet das für Shiva beschriebene Arghya.
43-59. Man verehrt die tragende Shakti, Ananta und die weiteren Grundlagen, Dharma und die weiteren Kräfte, die Kreise von Sonne an, Sattva und die weiteren Gunas sowie Vama und die übrigen Shaktis. Darüber
43-60. vergegenwärtigt man die Khadgaravana genannte Gestalt in der Blumengabe. Mit „Om, Herr der Wesen, Svaha“ ruft man Shivas Licht aus dem Herzlotos und aus dem Raumlotos herbei.
43-61. Man führt den Bindu herab und setzt ihn mit dem Herzlotos und den weiteren Schritten in diese Gestalt ein. Nach Verehrung mit den sechzehn Darbringungen verehrt man das Gefolge.
43-62. Khinkhini, Chulukunda, Krishnapingala und Tiritilla stehen auf den Blattspitzen vom Norden an gegen den Uhrzeigersinn.
43-63. Im Nordosten beginnt man mit Mattavani, Chandrankitajata, Praskhalini und Phalguni und verehrt im Uhrzeigersinn. [Hinweis: Die Quelle hat bei Praskhalini eine grammatisch auffällige Endung; die Namensfolge wird nicht umgeschrieben.]
43-64. Aindri, Brahmi, Vaishnavi und Chamunda verehrt man von Osten an; Maheshvari, Kaumari, Varahi und Vinayaka
43-65. in den Ecken von Nordosten an. Dann verehrt man Weltenhüter und Waffen, die Mütter in ihren Richtungen, Chandesha und den Herrn des Ortes der Reihe nach.
43-66. Danach rezitiert man nach Vermögen den Mantra und verabschiedet Isha. „Chanda“ mit „Gnade“ und „Stab“ ist das Khadgaravana-Bija.
43-67. Mit den langen Vokalen und Klassenendungen entstehen seine sechs Glieder bis zur Waffe; mit den kurzen Vokalen die Gestalten von Sadyojata an. Man verehrt wie zuvor.
43-68. Nach dem zuvor beschriebenen Verfahren bereitet man ein Bhadra-Diagramm aus vierundsechzig Feldern. Darin ruft man den Herrn der Wesen Khadgaravana herbei und verehrt ihn wie zuvor.
43-69. „Man betrachtet den Dreiäugigen mit Schwert und Haken sowie den Gesten der Furchtlosigkeit und Gnadengewährung, mit furchtbaren Hauern, einem Leib wie ein goldener Berggipfel und einer Zunge wie flammendes Feuer. Goldene Ohrringe und kunstvolle Halsketten schmücken ihn, Glockenreihen bilden seinen Gürtel, sein Haar steht aufrecht.“
43-70. Durch die Betrachtung der Einheit mit Khadgaravanas Gestalt, Japa und die weiteren Übungen sollen sämtliche Bhutas und Grahas den Ergriffenen verlassen und fortgehen.
43-71. Shulini, Vanadurga, Aghora-Waffe, Sudarshana, die Narasimha-Mantras, Mantraraja und Aparajita
43-72. sowie Vyomavyapin wurden in diesem Tantra bereits zuvor gezeigt. Nach den in ihren jeweiligen Rituallehren beschriebenen Verfahren sollen diese Mantras Grahas entfernen.
Vajragandhari-Mantra nach 43-72. „Om … Omkarom, Katyayana; im Südwesten Kali, Mahakali, Vajrakali, Yashasvini, Sukali; im Südosten, im Nordwesten Kalika, Pankti, Shakti, Shantakshi, Indrani, Yaksha-Kauberi, Maheshvari, Vaishnavi, Chamundi, Raudri, Varahi, Kauberi und alle anderen, die in meinem Gebot stehen: Ihre Namen werde ich wiederholen. Ergreife rasch! Om, Lala, Chulu, erfülle, halte, bringe herbei, Glückliche! Tritt ein, Erhabene Mahavajragandhari! Siddhachandra-Vajrapani befiehlt. Hrim, Hah, Ham, Ham, Ham, Hum, Phat, Svaha.“
Hinweis: Die Eingangsfolge „rashtidehim choktajikadha“ ist nicht sicher übersetzbar. Auch die Richtungszuordnung und einzelne Namensgrenzen sind unsicher. Die doppelte Nennung Kauberis bleibt erhalten; „Siddhachandra-Vajrapani“ wird nicht anhand einer anderen Überlieferung normalisiert.
43-73. Dieser Mantra heißt Vajragandhari. Dirghatamas gilt als sein Rishi, Aticchandas als Versmaß; Vishnu und Durga sind seine leitenden Gottheiten. [Das Versmaß trägt in der Quelle eine Lesungsfrage.]
43-74. Beginnend am ersten Tag der hellen Monatshälfte verehrt man Vishnu und Durga. Man isst nur nachts und rezitiert täglich eintausendachtmal.
43-75. Nach einem Monat und einem Sesamopfer von einem Zehntel der Zahl gilt die vorbereitende Praxis als erfüllt. Guggulu bespricht man zehnmal und räuchert damit um den Ergriffenen.
43-76. Er soll von Pishachas, Grahas und Fiebern frei werden. Nach dreimaliger Rezitation bindet man den Haarbüschel; so soll umfassender Schutz entstehen.
Erläuterung nach 43-76. Gemeint ist Schutz für sich selbst oder einen anderen.
43-77. Dreimaliges Rezitieren soll Lutika-Gift, fünfmaliges Skorpiongift, siebenmaliges Mäusegift und neunmaliges Schlangengift entfernen.
43-78. Elf Wiederholungen sollen alle Giftarten vernichten; fünfzehn unbewegliches Gift und auch Fieber.
43-79. Mit hundertachtmal besprochenem weißem Senf berührt man die Person. Wem man Sesam oder Blumen reicht, der soll gefügig werden.
43-80. Wer in den Krieg zieht, rezitiert siebenmal und bindet den Haarbüschel; so soll er Feinde besiegen. Zum Schutz eines Feldes vergräbt man einen Ashvattha-Blatt-Pflock. [Die Materialverbindung ist im Original gedrängt und nicht ganz eindeutig.]
43-81. Opfer von Hülsen sollen Feindschaft erzeugen, solche von Aksha Tötung und Weiteres bewirken. Durch dreihunderttausend Ashvattha-Zweige soll man Fülle gewinnen.
43-82. Siebenmal besprochene Augensalbe soll gefügig machen, ebenso ein Stirnzeichen aus Duftstoffen und Weiterem. [Übergang zur nächsten Formel:] „Om. Nachdem ich mich vor Umas Gemahl, dem Gott, dem Herrn der drei Welten, verneigt habe,
Mahapashupata-Formel nach 43-82. werde ich nun das große Pashupata wiederholen. Unter dem Namen Pashupati selbst wurde diese große Lehre vom großen dreiäugigen Selbst wie ein Opfer eingerichtet: Rudra, dessen Bauch mit Eingeweiden, Fett, Knochen, Blut und Talg gefüllt ist, der grimmige Gestalt annimmt, der Rudra Freude bereitet; [sie bewirkt] die Einziehung von dreieinhalb Zehnmillionen fremden Mantras, die Vollendung und Stärkung der eigenen Mantras, hat übermächtige Wörter zur Grundlage und ist dem Agnihotra hingegeben. Mit Aschenpulver bindet sie Vidyadharas, mit Kohlen- oder Eisenpulver bringt sie Rakshasas zu Fall, bezwingt Daityas und Nagas, erschreckt Vidyadharas und zerreißt die Mantras großer Waffen.
Dem Einfüßigen, dem Großhauerigen, dem mit tausend Köpfen und Bäuchen, tausend Armen, Zungen und Mündern, dessen Glanz Brahma und Narayana überragt: Hum, Phat! Ziehe herbei:
Baladeva, Maheshvara, Garuda, Vishnu, Kumara, Brahma, Indra, den Mond, die Sonne, Yaksha, Rakshasa, Bhuta, Verstorbenengeist, Pishacha, Kushmanda, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Kubera, Dhritarashtra, Virupa, Virupaksha, Shankukarna, Brihatkarna, Ghantakarna, Dronakarna, Gokarna, Sthulakarna, Nandikeshvara, Bhringkiriti, Nayaka, Vinayaka, Panchika, Damaka, Lohaka, Yashtidevi, Omkara, Kottagirika, Durga, Katyayani, Kali, Yashasvini, Sukali, Bhadrakali, Chullakali, Agneyi, Vayavya, Shalikavarti, Ratri, Shakti, Shanti, Shatakshi, Mahashantakshi, Indrani, Brahmani, Kaumari, Mahamari, Maheshvari, Vaishnavi, Subhaga, Chamundi, Varahi, Kauberi und Aishani! Gulu, Mulu, Chulu, Julu, Mulu, Dham, Hum, Phat!
Om, Kala, Phat! Om, dem von der Gestalt der Zeit, Phat! Om, du mit der Todesschlinge in der Hand, Phat! Om, Zeitgestalt, Phat! Om, Kalavikarana, Phat! Om, Kraft, Phat! Om, Zermalmer der Kraft, Phat! Om, Allgestaltiger, Phat! Om, schneide, Phat! Om, spalte, Phat! Om, schlage, Phat! Om, schlagt, Phat! Om, lass töten, Phat! Om, verwirre, Phat! Om, vertreibe, Phat! Om, ziehe ein, Phat! Om, ziehe zusammen, Phat! Om, lass fallen, Phat! Om, stürze nieder, Phat! Om, wie das wahre Wesen mit Pashupati verbunden ist, so stürze nieder! Svaha, Phat!
Kha, durch Tryambaka, Tvam-Laut, Hum-Laut, Om, Tsam, Om, Him! Verzehre! Hum, Phat, Svaha!
Om, Am, dem Herzen Verehrung. Om, Im, dem Kopf Svaha. Om, Em, dem Scheitel Vashat. Om, Aim, dem Panzer Hum. Om, Aum, den drei Augen Vaushat. Om, Ah, der Waffe Phat. Om.“
Hinweis zur Mahapashupata-Formel: Der Eingang ist eine stark verdichtete Beschreibung mit wechselnden grammatischen Bezügen; „raudrakaram“ ist bereits fraglich. Die Lautfolge nach den Phat-Anrufungen ist teilweise unklar und bleibt als Lautbestand wiedergegeben. Alle Namen und Wiederholungen der überlieferten Liste sind bewahrt; die deutschen Lautbenennungen ersetzen nicht den gesonderten IAST-Wortlaut.
Meditationsanweisung.
43-83. „Pashupati möge euch behüten: Sein rötlicher Leib gleicht einem Büschel von Japa-Blüten, dessen Glanz mit aufleuchtenden Blitzreihen wetteifert; er trägt roten Schmuck. Tausend Köpfe und Gesichter leuchten mit furchtbaren Hauern, tausend Arme tragen Waffen. Aus jedem Mund strömt Feuer. Schlangen schmücken ihn, der Mond ruht in seinem aufgetürmten Haar.“
43-84. Einem Menschen von fester Hingabe soll dieser Mantra schon durch Rezitation gelingen. Vom achten Tag der dunklen Monatshälfte an lebt man täglich von Opfernahrung und beherrscht die Sinne.
43-85. Im Flusswasser stehend rezitiert man täglich hundertachtmal bis zum vierzehnten Tag der dunklen Hälfte. Dann soll dieser Mantra verwirklicht sein.
43-86. Im Herzen oder im Wasser verehrt man Parameshvara nach dem beim Prasada-Mantra beschriebenen Verfahren, mit einem einzigen umgebenden Kreis.
43-87. Gereinigt und beherrscht betrachtet und rezitiert man zu den drei Tagesübergängen nach Vermögen. Schon beim Anblick des Mantrapraktizierenden sollen Grahas und weitere Mächte fliehen.
43-88. Bereits drei Wiederholungen sollen alle Krankheiten vernichten. Man betrachtet die Einheit mit der Gottheit, rezitiert, blickt auf den Ergriffenen und trifft ihn mit Asche.
43-89. Räucherung mit Opferresten soll bewirken, dass sämtliche Grahas ihn sofort verlassen. Shrivasa und Devadaru, mit Katzenkot vermischt,
43-90. Priyangu, Kushtha und Kuhbutter, mit Banyan-Rindensaft und Ziegenurin verrieben, werden zu Kügelchen geformt und im Schatten getrocknet. Als Augensalbe sollen sie überall von Grahas befreien.
Unnummerierter Schlussvers. So wurde das in vielen Tantras geschaute Verfahren zur Besänftigung furchtbarer Grahas vorgetragen, als Hilfe für Menschen, die unter der Bedrängnis durch Wesen leiden. Reine Mantrapraktizierende, die ihre Mantras verwirklicht haben, sollen es hier ausführen.
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, im Mantrapada, endet das dreiundvierzigste Kapitel, das Kapitel über das Bhutatantra.
Zur Besinnung. Das Kapitel bewahrt sehr unterschiedliche religiöse Stimmen und Bilder von Schutz. Sein Studium verlangt, die Hoffnung auf Befreiung von Leiden von den historischen Methoden zu unterscheiden. Heutige spirituelle Begleitung kann die Bitte um Schutz aufnehmen und zugleich auf Gewalt verzichten, Würde achten und sachkundige Hilfe unterstützen.
Mantrapada, Kapitel 44: Historische Mittel bei Unmada und Apasmara
Dieses kurze Kapitel führt die vormoderne Behandlung von Unmada, schweren Zuständen geistiger Verwirrung, und Apasmara, anfallsartigen Bewusstseinsstörungen, fort. Die Begriffe lassen sich nicht ohne Weiteres mit einzelnen heutigen Diagnosen gleichsetzen. Die überlieferten Rezepturen enthalten gefährliche Stoffe und Anwendungen; sie werden hier ausschließlich als historischer Text übersetzt.
Kapiteleingang. Nun das vierundvierzigste Kapitel.
44-1. Nun wird die Stillung von Unmada und Apasmara beschrieben. Shatavari, Madhuka, Vidari, langer Pfeffer, Honig,
44-2. Datteln, Zucker und Butter sollen als Getränk alle Unmada-Formen entfernen. Pulver der Unmatta-Wurzel mit saurem Stoff und Öl wird in die Erde gelegt.
44-3. Nach sieben Tagen nimmt man es heraus; aufgetragen soll es Unmada stillen. Madhuka, langer Pfeffer, Yashti, Rosinen, Musta und Shariba,
44-4. Kampfer, Sandelholz, Butter, Frauenmilch, Zuckerrohrsaft und Zucker werden verrieben. Als Nasenmittel sollen sie frische Unmada-Zustände vernichten.
44-5. Kushtha, Hingu, Vacha, Yashti, Shirisha und Knoblauch mit Ziegenurin sollen als Nasenmittel, Augensalbe und Getränk Verwirrung vernichten.
44-6. Opferreste von Shiva, Skanda und Arya, Butter aus Opfergaben, Guggulu, Vacha, Ziegenhaar, Haar vom Rinderschweif, Nimba und Ashviputra,
44-7. mit Senf und Hingu verbunden, dienen dreimal täglich zur Räucherung gegen Grahas. Pfauengalle, Rinderhorn, Hühnerei, Katzenkot,
44-8. Vacha, Ziegenhaar, Unmatta, Matula-Kerne, die drei scharfen Stoffe, Senf, Nimba-Blätter und Hingu bilden eine weitere Räucherung gegen Grahas.
44-9. Kuhurin, Pfeffer, Steinsalz, Kapittha-Wurzel und langer Pfeffer sollen als Augensalbe beim Ergriffenen Unmada und Grahas vernichten.
44-10. Die Wurzel unfruchtbarer Karkotaki und Hingu werden mit Menschenurin besprengt, getrocknet und zu Kügelchen geformt. Als Augensalbe sollen sie Grahas samt Gift vernichten.
44-11. Ein Aufstrich aus Knoblauch, Nimba-Blättern und Kernen soll die Macht zum Freigeben bewegen. „Muttertöter“ und Bhutavriksha ergeben zwei Aufstriche, die Grahas entfernen sollen. [Hinweis: Die ungewöhnlichen Zutatenbenennungen werden nicht zoologisch oder botanisch vereindeutigt.]
44-12. Shirisha, Hingu, Knoblauch, Manjishtha, Baka, Yashti, Vacha und Kushtha werden zu Kügelchen verarbeitet; als Nasenmittel und Augensalbe sollen sie Grahas entfernen.
13 [Originalnummer ohne Kapitelpräfix]. Die drei scharfen Stoffe, Hingu, Kurkuma, Daru, Shirisha, Knoblauch, Vacha, Karanja-Samen, Manjishtha und Bananenwurzel werden zu einer Paste verarbeitet. [Eindeutige Fundstelle: Mantrapada 44, Originalvers 13.]
44-14. Mit Bananenwasser und Kuhurin wird Butter damit gekocht; sie soll Grahas entfernen. [Erläuterung:] Gemeint sind Trinken und weitere Anwendungen. Brahmadandi, Mundi, Kumari und Indravaruni
44-15. werden mit Menschenurin verrieben; als Nasenmittel sollen sie Grahas und Unmada vernichten. Bhargi, Salz, Kushtha, Vrishchikali und langer Pfeffer
44-16. werden pulverisiert und sollen als Nasenmittel Apasmara vernichten. Hundegalle, unter Pushya gewonnen, soll als Augensalbe ebenfalls Apasmara vernichten.
44-17. Mit Kuhbutter vermischt dient sie auch als Räuchermittel gegen Apasmara. Sesam, den ein Hund von einem Vibhitaka-Brett gefressen hat
44-18. und der wieder im Kot ausgeschieden wurde, liefert Öl, das als Nasenmittel Apasmara vernichten soll. Auch Wolfskotsaft als Nasenmittel und Räucherung soll helfen.
44-19. Von einem Wolf gefressenes Fleisch und Knochen sollen als Getränk und Nasenmittel das Leiden entfernen. Bhunimba, Amrita, Putika, der Ausfluss des Wald-Shigru,
44-20. unfruchtbare Karkotaki, die drei scharfen Stoffe und Kola werden als Absud getrunken; drei oder sieben Tage sollen Apasmara und Grahas entfernen. [Hinweis: Die Verbindung um Karkotaki und die folgenden Stoffe ist in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen.]
44-21. Vacha, Ashvagandha, Kushtha, die beiden Kurkuma-Arten, Shankhapushpika, die scharfen Stoffe, Dhatri und Steinsalz werden zu einer Paste verarbeitet.
44-22. Ein Absud aus jeweils einem Pala dieser Stoffe soll zwei Prastha ergeben. Dazu kommen zwei Prastha Brahmi-Saft; man kocht sie mit einem Prastha Butter.
Ergebnisangabe vor 44-23. Getrunken soll dies Apasmara, Unmada und Grahas vernichten.
44-23. Je ein Kuduba Yashtimadhuka, Hingu und Steinsalz, zwanzig Kuduba Elefantenurin und Kuhbutter in einem Fünftel dieser Menge werden genommen. Kushmanda-Saft soll die doppelte Menge von Urin und Butter ausmachen; damit wird gekocht. Die Butter soll getrunken oder in die Nase gegeben Apasmara-Zustände vernichten. [Hinweis: Die Mengenbeziehung des Saftes zu den beiden übrigen Flüssigkeiten ist sprachlich gedrängt; sie wird nicht zu einer modernen Dosierung umgerechnet.]
44-24½. Shataphalaka und Shankhakusuma werden mit zwei Drona Wasser gekocht; mit sechs Kuduba Öl und Butter fertig bereitet und getrunken sollen sie Apasmara überwinden. [Hinweis: Ob sich die sechs Kuduba auf beide Fettstoffe zusammen oder jeweils beziehen, wird hier nicht ausdrücklich geklärt.]
Kolophon. In der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, der Essenz der Tantras, im Mantrapada, endet das vierundvierzigste Kapitel, das Kapitel über Apasmara und Unmada.
Zur Besinnung. Die Rezepturen zeigen das historische Bemühen, schweres Leiden zu lindern, ebenso wie die Grenzen damaligen Wissens. Für heutige Yoga-Aspiranten kann ihre Lektüre Mitgefühl und Bescheidenheit fördern: Nicht jede überlieferte Methode ist hilfreich, und liebevolle Begleitung schließt sachkundige medizinische Hilfe ein.
Mantrapada, Kapitel 45: Fieber und weitere Erkrankungen in der historischen Heilkunde
Das Kapitel verbindet astrologische Krankheitsprognosen, die Verehrung personifizierten Fiebers, Mantras und Yantras mit umfangreichen Arzneilisten. Danach folgen Mittel für Atembeschwerden, Erbrechen, Gelbsucht, Kopfschmerz, Verdauungs- und Harnleiden. Die überlieferten Kategorien sind keine unmittelbaren Entsprechungen heutiger Diagnosen. Alle Rezepturen und Wirkungsbehauptungen werden als historische Angaben übersetzt, nicht als Anleitungen zur Selbstbehandlung.
Kapiteleingang. Nun das fünfundvierzigste Kapitel.
45-1. Nun werden die zuvor überlieferten Arzneimittel gegen Krankheiten aufgezeichnet. Die Krankheiten, die unter ungünstigen oder günstigen Mondhäusern, Mondtagen und Wochentagen auftreten,
Unnummerierter Abschnitt nach 45-1: Astrologische Prognose. sollen von Ärzten oder Mantrapraktizierenden als behandelbar oder unbehandelbar erkannt werden. „Die Mondhäuser der Schlange, Indras, des Windes, Yamas, Rudras, Shatabhishaj und Purva, die Tage von Mars, Saturn und Sonne sowie die Mondtage der Hindernismacht, Guhas und der neunte gelten beim Krankheitsbeginn als verboten; unter ihnen sollen Behandlungen keinen Erfolg haben.“ [Hinweis: Der Abschnitt trägt in der gelieferten Fassung keine Marke 45-2. Die Prognose ist eine historische astrologische Aussage.]
45-3. Beginnt eine Krankheit unter Krittika, soll sie bis zu fünf Nächte dauern.
45-4. Agni ist deren Gottheit; ihm bringt man Reis mit Sauermilch unter seinem Mantra dar. Den jeweiligen Mondhausgottheiten gibt man die jeweils genannten Bali-Stoffe,
45-5. mit Tara, eigenem Namen und „Verehrung“ am Schluss. Unter Rohini soll Befreiung von der Krankheit nach fünf Tagen eintreten; Prajapati ist die Gottheit.
45-6. Ihm bringt man Duftstoffe, Girlanden und Reis als Bali dar. Unter Mrigashirsha soll die Krankheit acht Nächte bestehen.
45-7. Soma erhält Mungbohnen, schwarze Bohnen und Reis als Bali. Unter Ardra sind es zehn Nächte; für Rudra ist Milchreis die Gabe.
45-8. Unter Punarvasu dauert die Krankheit acht Nächte; Aditi ist ihre Gottheit. Man gibt Milchreis mit roten Duftstoffen und Girlanden sowie Butter.
45-9. Unter Pushya dauert die Krankheit fünf Tage; Brihaspati ist die Gottheit. Ihm bringt man duftenden Reis, Duftstoffe und Girlanden dar.
45-10. Ashlesha gehört den Schlangen; dort soll Krankheit den Tod bringen. Dennoch vollzieht man Feueropfer, Schenkungen und Weiteres und reicht Almosenreis als Bali. [Das Wort für Almosenreis ist in der Quelle fraglich.]
45-11. Magha gehört den Ahnen; acht Nächte werden genannt, als Bali Reis mit Sesam. Für Purva wird Aryaman als Gottheit genannt, mit Duftstoff, Girlanden und Reis als Gabe.
45-12. Unter Uttara dauert die Krankheit sieben Tage; man gibt Bhaga Bali wie zuvor. Hasta gehört Savitri; nach sieben oder einundzwanzig Tagen
45-13. soll Befreiung von der Krankheit eintreten. Opfernahrung mit Duftstoff und Girlanden dient als Bali. Chitra gehört Tvashtṛ; sechs Tage und Reis mit Butter als Gabe werden genannt.
45-14. Unter Svati soll nach fünfundzwanzig Tagen Heilung oder Tod eintreten. Vayu erhält weißen Reis, Duftstoff und Girlanden.
45-15. Unter Vishakha werden neunzehn Tage genannt; Indra und Agni erhalten Bali wie zuvor. Unter Mitras Mondhaus nach einer Monatshälfte; Butterreis und Weiteres sind die Gabe zur Befreiung von Krankheit.
45-16. Unter Jyeshtha soll nach einem halben Monat Befreiung eintreten, häufiger aber Tod. Mit Schenkungen und Weiterem soll man Indra Opfernahrung darbringen.
45-17. Unter Mula nach neun Tagen; Nirriti erhält die Gabe wie zuvor. Unter Purvashadha nach acht Tagen oder Monaten Heilung oder Tod. [Hinweis: Die Quelle nennt hier Tage und Monate unmittelbar nebeneinander; die Angabe wird nicht vereinheitlicht.]
45-18. Die Wasser sind die Gottheiten; ihnen bringt man mit Körnern und Weiterem bereiteten Brei dar. Unter dem Mondhaus der Vishvedevas soll nach sieben Nächten Befreiung eintreten; die Gabe ist Milchreis.
45-19. Unter Vishnus Mondhaus soll nach einem Jahr Befreiung eintreten; Duftstoffe, Girlanden und Reis sind die Gabe. Unter Dhanishtha lässt die Krankheit dreizehn Monate nicht los.
45-20. Die Vasus erhalten Butter, Mungbohnen und Reis. Unter Shatabhishaj soll nach einer Monatshälfte Befreiung oder Tod eintreten; Schenkung und Feueropfer begleiten dies.
45-21. Man verehrt die Gottheit und bringt dem Wasserherrn Milchreis dar. Unter Purvabhadrapada wird keine Befreiung erwartet; Ajaikapad ist die Gottheit.
45-22. Mit Schenkungen und Weiterem bringt man Dhataki-Blüten und roten Reis dar. Unter Uttarabhadrapada soll nach achtundzwanzig Tagen und Nächten
45-23. Befreiung von der Krankheit eintreten; Ahirbudhnya erhält Duftstoff, Girlanden und Reis. Unter Revati nach einem Monat; Pushan erhält Duftstoffe und weitere Gaben.
45-24. Unter Ashvini nach fünfundzwanzig Tagen; die Ashvins erhalten Reis. Bharani gehört Yama; dort mag der Betroffene leben oder nicht.
45-25. Dennoch soll man Feueropfer, Schenkungen und Bali mit duftendem Reis und weiteren Stoffen vollziehen. Das Zusammentreffen ungünstigen Wochentags, Mondhauses und Mondtags gilt als todbringend.
45-26. Bei günstigen Wochen- und Mondtagen und einem günstigen Mondhaus soll Genesung eintreten. Durch Verehrung von Göttern und Brahmanen, Feueropfer und Mantra-Japa soll man leben.
45-27. Acht Fieberarten werden unterschieden: aus Wind, Galle, Schleim, aus ihrem Zusammenwirken, aus Wind und Galle, aus Wind und Schleim,
45-28. aus Schleim und Galle sowie aus äußerer Einwirkung. So wird achtfaches Fieber gelehrt. Gähnen, Kälte, Zittern und Schmerzen an Hüfte, Oberschenkeln, Kopf und weiteren Stellen,
45-29. bitterer Mundgeschmack, Durst, Husten und tränende Augen gehören zum windbedingten Fieber. Brennen, Ohnmacht, wirres Reden, Erbrechen, Durchfall und Schwindel,
45-30. starkes Brennen, Fieber und Durst gelten als Zeichen des gallebedingten Fiebers. Kältegefühl, Verstopfung, Schwerfälligkeit und süßer Mundgeschmack,
45-31. Übelkeit, Verwirrung und Kälte gelten als Merkmale des schleimbedingten Fiebers. Unzusammenhängendes Reden, Durst, Ohnmacht, Stöhnen und Schwindel,
45-32. Erbrechen von Galle und Blut sowie eine raue Zunge gehören zum Fieber aller drei Störungen. Kopfschmerz, Erbrechen, Brennen, Verwirrung, trockene Kehle,
45-33. Gähnen, Gänsehaut und stechende Gelenkschmerzen gehören zur Wind-Galle-Form. Husten, Schnupfen, Verstopfung, Schwindel, Gelenk- und Kopfschmerzen,
45-34. Erbrechen von Schleim und Dumpfheit sind Zeichen der Schleim-Wind-Form. Starre der Glieder, Schwitzen, Erbrechen von Schleim und Galle
45-35. sowie bitterer Mundgeschmack sind Zeichen der Schleim-Galle-Form. Durch Verlust von Vermögen, Söhnen und Ähnlichem, durch Mantras oder den Fluch einer Gottheit,
45-36. durch Verdauungsstörung oder Schadenzauber soll das durch äußere Einwirkung bedingte Fieber entstehen. Dieses selbst, mit Wind verbunden, oder eine andere Form gilt als unregelmäßiges Fieber.
45-37. Es tritt ständig, nachts oder tagsüber auf, früher oder später als erwartet; es hat keine feste Regel.
45-38. Als eintägig gilt das regelmäßig täglich auftretende, als zweitägig das in Zwischenräumen auftretende; das nach zwei Tagen wiederkehrende wird hier „viertägig“ genannt. [Hinweis: Die letzte Zuordnung ist bereits in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen.]
45-39. Das unregelmäßige Fieber wird mit diesen verschiedenen Namen bezeichnet. Durch Behandlungen der Wind- und anderen Formen, Schenkungen sowie Verehrung von Göttern und Brahmanen,
45-40. durch Mantras, Yantras, Japa und Feueropfer soll es vergehen. Kalte Fieber gelten als Vishnu zugehörig, heiße als Maheshvara zugehörig.
45-41. Zunächst wird diesen Krankheiten mit Schenkungen, Mantras, Feueropfern, Bali-Gaben und Verehrung der Gottheiten begegnet.
45-42. „Man betrachtet das Fieber grimmig, dreiäugig, von Asche weiß, mit Asche als Waffe und links Gnade gewährend, mit kupferroten Girlanden und weiterem Schmuck, einem einzelnen Hauer und einer Krone aus gelbbraunem verfilztem Haar.“
Formel nach 45-42. „Om, Larvajvashaputasha, Verehrung.“ [Die mittlere Lautfolge ist nicht sicher als Wort oder Name auflösbar.]
45-43. Seine fünf Glieder entstehen aus ihm selbst; das Fieber selbst ist die Gottheit. Pankti ist das Versmaß, Vyasa der Rishi. Mit den folgenden Formeln vollzieht man die Sättigungsgaben.
Zehn Sättigungsformeln.
- „Om, ich sättige das Fieber.“
- „Om, ich sättige das kalte Fieber.“
- „Om, ich sättige das Windfieber.“
- „Om, ich sättige das Gallefieber.“
- „Om, ich sättige das Schleimfieber.“
- „Om, ich sättige das Fieber aus dem Zusammenwirken der Störungen.“
- „Om, ich sättige das mit Kopfleiden verbundene Fieber.“
- „Om, ich sättige das große Fieber.“
- „Om, ich sättige jedes Fieber.“
- „Om, ich sättige sämtliche Begleiter des Fiebers.“
45-44. Man betrachtet den allgegenwärtigen Fieberherrn auf einem Lotossitz an der Wurzel eines Zuckerrohrs und sättigt ihn zur Dämmerung und nachts mit Wasser, das geröstete Körner und Mehl enthält.
45-45. Man bringt auch die Dreizack-Bali-Gabe dar und gießt das Sättigungswasser aus dem Gefäß an der Wurzel eines Mangobaumes aus, zur Stillung eines Dreitagefiebers.
Formel vor 45-46. „Om“, nach „Herz“: „Dem Erhabenen, Triyushasham, dem Ungehemmten: Hum, Phat, Khe, Ksha! Tritt in die Mitte der Pishachas ein! Hum, Phat, Tha, Tha.“ [Die erste Bezeichnung ist beschädigt und bleibt unaufgelöst.]
45-46. Einen Reiskloß aus einem Prastha legt man in ein Bronzegefäß, mit Butter und Sauermilch übergossen. Darin ruft man mit dem Mantra den Dreizack Genannten herbei, verehrt ihn und rezitiert hundertmal.
45-47. Auf den Kloß setzt man drei Lämpchen in Dreizackform. Damit schwenkt man reinigend um die betreffende Person, um Krankheiten, Schadenmächte und Grahas zu entfernen.
Übergang zur Schädelschalen-Bali. Im Zusammenhang mit der Dreizack-Bali wird nun auch die Schädelschalen-Bali beschrieben.
45-48. Man füllt eine neue Schale mit einer Adhaka entsprechenden Menge roten Wassers und entzündet in ihrer Mitte eine zwölf Finger große Lampe aus Teig.
45-49. Man betrachtet darin Kapala, verehrt ihn und rezitiert hundertachtmal den Mantra. [Formeleingang:] „Om“, „Herz“, „Brahma“, „Seite“, Erd-Bija, langer „Wind“, „Gift“ und „Ha“.
Formelabschluss nach 45-49. „Mudra, Ya, Prem, Ksha, schütze! Hum, Phat, Tha, Tha.“ [Die Konstruktion ist teilweise chiffriert.]
45-50. Mit dieser Formel schwenkt man reinigend um die Person und stellt die Gabe an einer Wegkreuzung nieder. Mit dem mit „Kubera“ beginnenden Mantra und den genannten Gliedern opfert man mit Milch benetzte
45-51. Mangoblätter, tausend Gaben, zur Stillung des Fiebers. [Formel:] „Om. Kubera ist dein Gesicht, Rudra; bringe Nandi und Anandi herbei—
45-52. Fieber, Tod, schreckliche Furcht, Fieber … vertreibt das Fieber. Om, Svaha.“ Dies ist der Kubera-Mantra. [Hinweis: Die Verbindung „jashayatе“ und die Rollen der angerufenen Namen sind unsicher.] „Am Fuß des Zuckerrohrs auf einem weißen Lotos sitzend, Lotos, Dreizack, Beil und Schädelschale tragend, weiß geschmückt, dreiäugig, mager, von Asche weiß und mit schönem Haarknoten: So ist das Fieber.“
Meditation und Formel nach 45-52. So betrachtet und verehrt man das Maheshvara-Fieber und rezitiert: Tara, „Herz“, „dem Erhabenen“, „Shudrasha, Rudra-Fieber, dem von der Gestalt des Todes: Hram, Hrim, Hrum, Phat.“
45-53. Rudra ist seine Gottheit; die Glieder entstehen aus seinen eigenen Silben, mit den Klassenendungen gegliedert.
45-54. Rein rezitiert man nachts hunderttausendmal und betrachtet das Fieber; so soll der Mantra gelingen. Die betreffende Person stellt man sich im Milchozean auf einem Lotos inmitten der Mondscheibe vor.
45-55. Man berührt sie und rezitiert in dieser Betrachtung; so soll Befreiung vom Fieber entstehen. [Fieber-Gayatri:] „Om, wir wollen den mit Asche Bewaffneten erkennen; über den Einhauerigen meditieren wir. Möge das Fieber uns dazu anregen.“ Mit dieser Gayatri besprochene Asche verstreut man zur Fieberstillung. [Hinweis: Die erste Anrede ist in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen; „mit Asche bewaffnet“ ist die dort angebotene lesbare Variante.]
Buddhistisch zugeordnete Formel nach 45-55. „Verehrung … ich werde das Herz wiederholen. Höre, höre, Fieber! Schlage, Garda, Charda, jedes Fieber, Chata! Vajrapani befiehlt. Lass den Kopf frei, die Kehle frei, die Brust frei, das Herz frei, den Bauch frei, die Hüfte frei, die Unterschenkel frei, die Füße frei! Chandapani befiehlt. Hum, Phat, Tha, Tha.“ [Hinweis: Der Eingang „sharatnatra shasham“ und einzelne Lautgruppen bleiben beschädigt; es wird keine vollständige Verehrung der Drei Juwelen daraus ergänzt.]
45-56. Buddha ist die leitende Gottheit dieses Mantras. Durch Rezitation in der Zahl „Prakriti“ und das gesonderte Verbrennen von Guggulu soll das Fieber durch den Rauch vergehen.
45-57. In einem von Vokalen umgebenen Kreis, im Erdbereich, steht „Krug“; getragen soll es Fieber vertreiben. [Erläuterung:] Mit dem Namen der betreffenden Person verbunden. „Jener Brahmane, der kinderlos am Ufer der Sarasvati starb—
45-58. ihm soll man Sesamwasser geben; das eintägige Fieber möge freigeben.“ Morgens sättigt man ihn mit dieser Formel, mit zusammengelegten Händen, Kusha-Gras und Sesamwasser,
45-59. dazu rote Blumen; so soll das eintägige Fieber weichen. Mit Erde aus sieben Krebsbauen, die nach einer Reinigung übrig blieb,
45-60. zeichnet man drei Tage ein Stirnzeichen zur Vernichtung des jeden zweiten Tag auftretenden Fiebers. Acht Linien verlaufen nach Osten, sechs nach Norden.
45-61. In den zwanzig äußeren Feldern, in den letzten Reihen, steht innen der Erdlaut; in den übrigen der Name der Person. An den Linienenden stehen Dreizackzeichen.
45-62. Man zeichnet und verehrt dieses Yantra, bringt Bali aus fünffarbigem Reis dar und bindet es an. Viertagefieber und fieberähnliche Zustände sollen vergehen.
45-63. Tara mit Feuer setzt man an Seiten, Brauenmitte, Herz, Nabel und Gelenken ein. Man stellt sich die betreffende Person als Tiger vor, berührt ihre Haut
45-64. und nimmt dreimal das Weiße fort; man betrachtet sie „ohne Panzerglied“. Dies geschieht an den Tagen der Fieberwiederkehr zur Stillung des Viertagefiebers. [Hinweis: Die zweite Anweisung ist beschädigt beziehungsweise in ihrer Bildhandlung nicht sicher verständlich. Sie wird nur in ihren erkennbaren Bestandteilen übersetzt.]
45-65. Man zeichnet ein nach Süden und Norden gerichtetes Sechseck, mit Tara in der Mitte. Zu beiden Seiten Taras steht „Fleisch“, in den Ecken „Feuer“ und außen
45-66. an den Eckverbindungen sechs Haken. Man verehrt Tara und rezitiert Schlinge und Haken. Getragen soll dies alle Fieber entfernen.
Formel und Anwendung vor 45-67. Nach „Herz“: „Dem Erhabenen, Shudrasha, binde das Fieber! Hum, Phat, Tha, Tha.“ Nach sieben Wiederholungen bindet man den Haarbüschel; dadurch soll das Fieber vergehen, das heißt gebunden sein.
45-67. Eine mit Tamarinde umwickelte Chuda-Frucht trägt man auf dem Kopf.
45-68. Dies soll Viertagefieber entfernen. Wenn nicht, räuchert man mit gleichen Mengen Bhringa, Gunja und Abhra samt Öl um den mit einem Tuch Bedeckten; so soll das Fieber vergehen.
45-69. Vandaka von einem Bilva-Baum wird mit Buttermilch oder Butter getrunken. Zur Vernichtung unregelmäßigen Fiebers soll man auch Schenkungen und andere Handlungen ausführen.
45-70. Mit je neun nach Osten und Norden gerichteten Linien wird ein Feldschema bereitet, mit Dreizacken an den Linienenden. In die Felder, Umfassungen und den Erdbereich
45-71. schreibt man der Reihe nach entsprechend den Zahlenchiffren „Hara“, „Wasser“, „Geliebte“, „Sonne“ die Laute von Wind an, schwarz, rot, gelb und weiß, jeweils mit Punkt.
45-72. Nach Verehrung und Japa liegt man darin zur Fieberstillung. Den Raumlaut, mit dem Namen verflochten, schreibt man in den „Krug“ in der Mitte; dazu die entsprechende Bali-Gabe.
45-73. Ein achtblättriger Lotos mit „Sonnenrichtungen“ folgt, außen ein dreißigblättriger Lotos mit den Buchstaben von Ka bis Sha; außen der Wasserkreis.
45-74. Dieses Sanjivana-Yantra soll alle schädlichen Mächte und Fieber entfernen. [Beim folgenden Diagramm] steht der Name, mit „Leben“ verflochten, in der Umfassung des Mrityunjaya-Mantras.
45-75. Er wird vom letzten Laut umgeben, dann von einem Kreis. Auch auf den acht Blättern steht die Mrityunjaya-Umfassung; außen folgt ein sechzehnblättriger Lotos.
45-76. In den Mrityunjaya-Umfassungen steht der Name; außen ein Lotos mit „Raga“-Blättern. Die Buchstaben von Ka bis Sa stehen auf den Blättern; außen wird „Dunkelheit“ von Shakti umgeben.
45-77. Dreifach mit dem Ma-Bija umwunden heißt das Yantra Mrityunjaya. Auf dem Kopf getragen soll es sämtliche Krankheiten und Graha-Leiden stillen. [Hinweis zu 45-70–77: Mehrere Diagrammangaben und Zahlenchiffren bleiben unklar. Die Übersetzung gibt die erkennbaren Bauteile und Anordnungen wieder, ohne daraus ein vervollständigtes Yantra zu zeichnen.]
45-78. In den Ecken eines Vierecks steht Tara, in der Mitte Shakti und in Shakti der Name. Dieses Yantra soll fieberähnliche Zustände vernichten.
45-79. Man schreibt den Namen in Shakti; außen folgt ein achtblättriger Lotos. In seinen Staubfäden stehen die Vokale, auf sieben Blättern die Buchstabengruppen von Ka an,
45-80. auf dem achten das letzte Paar. Außen wird es dreifach von der Schlinge umgeben und durch den Haken festgehalten. Dieses Yantra soll sämtliche Ziele verwirklichen.
45-81. Bei Fieber wird bis zum siebten Tag keine Behandlung vorgeschrieben. Nach Kräften soll man fasten; Milchprodukte und Reis sind untersagt. [Hinweis: Dies ist die historische Vorschrift der Quelle, keine heutige Empfehlung, eine Behandlung hinauszuschieben.]
45-82. Man soll einen dünnen Trank ohne feste Reiskörner trinken, mit Vishva und Parpata bereitet. Ein Absud aus den fünf Wurzeln gilt bei Windfieber als vorzügliches Verdauungsmittel.
45-83. Bei Gallefieber ein Absud aus Amrita, Langpfefferwurzel und getrocknetem Ingwer. Die beiden Brihati, die beiden Varti, getrockneter Ingwer, Bhunimba und Gokshura
45-84. ergeben einen bei Schleimfieber zu trinkenden Absud, mit langem Pfeffer versehen. Chinna, Gokshura, Musta, die beiden Brihati, Kantakarika,
45-85. Vishva, Hribera, Katphala und Parpata als Absud getrunken sollen Windfieber mit Gliederzittern sofort entfernen.
45-86. Die fünf Wurzeln von Bilva an mit Vishva sowie Vishva, Chinna, Abda und Duhsprisha ergeben zwei bei Windfieber mit Zittern und Gliederschmerz empfohlene Absude.
45-87. Wasser, mit Chinna, Vishva, den fünf Wurzeln und Langpfefferwurzel gekocht, soll bei Windfieber mit Stechen in allen Gliedern, Gelenken, Knochen und im Kopf getrunken werden.
45-88. Wasser, mit zwei Teilen Kustumburu und einem Teil Vishva gekocht, soll Brennen, Verwirrung und Fieber aus den drei Störungen augenblicklich vernichten.
45-89. Ein Absud aus Musta, Parpata, Duhsparsha, Patha, Ushira und Ambu, mit etwas Zucker versehen, soll Gallefieber entfernen.
45-90. Tikta mit Zucker in Wasser soll ebenfalls Gallefieber entfernen. Vishva, Ushira, Guluchi, Ambu, Patha, Duhsparsha und Dhanyaka
45-91. ergeben einen bei Gallefieber zu trinkenden Absud gegen Schwindel, Durst und Erschöpfung. Kustumburu, Devadaru, getrockneter Ingwer und die beiden Brihati
45-92. werden als verdauungsfördernder Absud gegen beginnendes Fieber getrunken. Ein Absud aus Vasha, Vishva, Abda und Pfeffer soll Schleimfieber entfernen.
45-93. Oder ein Absud aus Vidanga, Vishva, Bilva, Abda und Suradaru. [Erläuterung:] Mit etwas Honig als Zusatz. Kurkuma, Abda, Triphala, Tikta, Patoli und Picumanda,
45-94. Devadaru, Kantakari und Langpfefferwurzel, mit den beiden Dunduka gekocht, sollen Fieber aus dem Zusammenwirken aller Störungen entfernen.
45-95. Tikta, Shleshma, Abda, Pfeffer, Bhunimba, Arishta, Vatsaka, Chinna, Patola und Patha ergeben einen Absud gegen sämtliche Fieber. [„Shleshma“ steht hier als Zutatenwort; eine Pflanzenidentifikation wird nicht ergänzt.]
45-96. Ein fiebernder Mensch mit Atemnot, der zusammengebrochen, weder sehr kalt noch sehr heiß ist, dessen Blick verwirrt ist und der wirr redet, gilt als an Abhinyasa leidend.
45-97. Steinsalz, Hastipippali, Madhuka-Kern, Vacha und Pfeffer sollen als Getränk, Nasenmittel und Augensalbe zu den Dämmerungszeiten Abhinyasa vernichten.
45-98. Ein Absud aus Vyaghri, Lotosfaser, Bhunimba, Bhargi und Duhsparsha soll Abhinyasa vernichten; ebenso ein mit den drei scharfen Stoffen, Ugra und Bhargika gekochter Absud.
45-99. Mit Dhatri, Kustumburu, Chinna und Sandelholz gekochtes Wasser, mit Zucker und Honig getrunken, soll Schleim-Wind-Fieber entfernen.
Ergänzung nach 45-99. Auch Schluckauf, Atemnot, Husten, Enge der Kehle, Austrocknung und Verwirrung soll es entfernen.
45-100. Chinna, Pathya und getrockneter Ingwer im Verhältnis drei zu zwei zu eins werden in Wasser gekocht. Mit Rohzucker soll der Trank Windstau, Fieber und Verdauungsstörung vernichten.
45-101. Chinna, Patola, Triphala, Ghana, Nimba-Zweig und Dhanyaka zu gleichen Teilen ergeben einen Absud gegen sämtliche Fieber.
45-102. Vasha, Devadruma, Dhatri, Pathya, Varti und getrockneter Ingwer als Absud mit Zucker und Honig sollen Viertagefieber entfernen.
45-103. Man steckt eine Wanze in ein jujubengroßes Stück Rohzucker und schluckt es; Viertage- und Zweitagefieber sollen vergehen.
45-104. Bei unregelmäßigem Fieber räuchert man mit Sahadeva und Vacha. Zusammen mit der Butter einer rötlichbraunen Kuh soll diese Räucherung das Fieber vernichten.
45-105. Ein Absud aus Chinna, Nidigdhika und Vishva mit langem Pfeffer wird getrunken; er soll Schnupfen, Gesichtslähmung, Husten, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörung und Fieber entfernen.
45-106. Butter, in einem Absud und einer Paste von Chinna bereitet, soll Fieber überwinden. Mit drei Teilen des „Brauenkreises“ werden zwei nach Osten und Norden gerichtete Linien gezeichnet.
45-107. In der Mitte steht ein fünfblättriger Lotos, am Ende der mit dem Namen verbundene Augenlaut außen. Außerhalb des Kreises steht in den vier Hauptrichtungen Shrikantha und in den Zwischenrichtungen
45-108. der letzte Laut mit „Auge“. Man schreibt mit Ruß vom Scheiterhaufen, verehrt mit Arka, bringt Bali dar und bindet es zur Dämmerung an, um Atemnot zu stillen. [Hinweis zu 45-106–108: Mehrere geometrische Bezüge und Lautchiffren sind unklar. Die Beschreibung ist keine rekonstruierte Vorlage.]
Formel nach 45-108. „Entferne die Bedrängnis durch den Atem von Kinnaras, Kimpurushas, Garuda, Gandharvas, Yakshas und Rakshasas! Dem Ahnen-Pishacha: Tha, Tha.“
45-109. In die Mitte eines Donnerkeils im Erdbereich schreibt man den Namen und rings um den Donnerkeil den Mantra. Nach der Verehrung soll Butter Atemnot vernichten.
45-110. Mit dieser Formel gibt man Speisereste; wer sie isst, soll von Atemnot frei werden. Die Frucht der schwarzen Banane kocht man in Kuhurin und isst sie.
45-111. Wer Atemnot hat, leckt Bhargika und Yashti mit Honig und soll sie dadurch entfernen. Saptaparna-Blüte mit Molke wird gegen Atemnot getrunken.
Mengenangabe nach 45-111. Nur in der Größe einer Jujubenfrucht.
45-112. Pulver aus Vishva, Pathya und Abda wird mit Rohzucker zu einem Kügelchen geformt und im Mund gehalten; dies gilt als vorzügliches Mittel gegen heftigen Husten und Atemnot.
45-113. Pulver aus Vishva, langem Pfeffer, Kurkuma und den drei scharfen Stoffen mit Öl und Rohzucker wird jeden Morgen geleckt und soll Husten und Atemnot sofort entfernen.
45-114. Pulver aus Vishva, Kardamom, Gairika und den drei scharfen Stoffen, mit Honig und Butter vermischt, wird morgens gegen Atemnot geleckt, nach der Aussage Patas. [Der zitierte Name „Pata“ bleibt ohne zusätzliche Identifizierung.]
45-115. Langer Pfeffer, Pathya, Shringibera-Raja, Karkatashringika und Anjana mit Honig geleckt gelten als Mittel gegen die fünf Schluckaufarten.
45-116. Hingu, Karkatashringi, Kardamom, Gairika, Pfeffer und Honig sollen als Leckmittel Atemnot und Schluckauf entfernen, nach Malayendras Aussage.
45-117. Shalala-Asche in Honig und Butter soll Schluckauf und Atemnot vernichten. [Erläuterung:] Gemeint ist Asche eines Stachelschweinstachels. Langer Pfeffer, Vishva, Zucker, Dhatri und Pfauenfederasche mit Honig
45-118. sollen Schluckauf entfernen; ebenso langer Pfeffer, Abda und Datteln mit Honig. [Formel:] „Vai, Vedishu, binde, Ha, Ta, Shabhatasha, festgehalten, voller Edelstein! Tha, Tha.“ Man betrachtet den Erdkreis in der Kehle und trinkt mit dieser Formel besprochenes Wasser.
Ergebnisangabe nach 45-118. Es soll Erbrechen entfernen. [Die Lautfolge der Formel ist nur teilweise wortverständlich.]
45-119. Utpala, Sandelholz, Lodhra, Kesara, Madhuka und Honig sollen als Leckmittel gallebedingtes Erbrechen entfernen. Die drei scharfen Stoffe, Steinsalz,
45-120. kleiner Kardamom und Triphala mit Honig gelten als Mittel gegen schleimbedingtes Erbrechen. Die vier Duftstoffe, langer Pfeffer, Pferdedungsaft und Honig
45-121. mit gerösteten Körnern und Zucker ergeben ein Leckmittel gegen jedes Erbrechen. Getrockneter Ingwer, die drei Früchte, geröstete Körner sowie Rinden von Lodhra, Ankola und Anjana
45-122. werden mit Honig geleckt, gemeinsam oder nach den einzelnen Versvierteln, um Erbrechen zu entfernen. [Die Alternative ist im Original fraglich.] Mit der Formel „Chaphase, Brahmanyelatyahadini, du wirst nicht sein; Göttin, in deiner ungestalten Form, steige herab, nach Wunsch, Kamishtha, Phu, Tha, Tha“ besprochenes Wasser dient zum Bad und Trinken bei Kamila, Gelbsuchtzuständen. [Der Formeleingang ist nicht sicher übersetzbar.]
45-123. Frischer Mandukaparni-Saft mit Dhatri, Kurkuma und Honig, zusammen mit frischgemolkener warmer Milch getrunken, soll die fünf Kamila-Arten vernichten.
45-124. Büffeldungwasser mit gleich viel Büffel-Sauermilch und etwas Yavani-Pulver soll die fünf Kamila-Arten stillen.
Ergänzung nach 45-124. Besonders Kumbhakamila.
45-125. Morgens verrührt man Nagabala-Wasser mit Büffelbuttermilch, entfernt die festen Bestandteile und trinkt die Flüssigkeit; sie soll Kamila entfernen.
45-126. Nagabala mit roter Apamarga-Wurzel wird in Buttermilch getrunken. Man bestreicht den Kopf mit „Hornwasser“ und riecht beständig an Ajjhata.
Ergebnisangabe nach 45-126. Kamila soll vergehen. [„Hornwasser“ bleibt in seiner Zubereitung unbestimmt.]
45-127. Ein Absud aus Chinna, Madhuka, Triphala und Nimba mit Honig soll Kamila vernichten, wenn man Nahrung ohne Saures und Salz isst.
45-128. Der an Kamila Leidende soll Salz, Saures, Sonnenhitze und Hitze meiden. Shilajatu mit Tierurin soll Kumbhakamila entfernen.
45-129. Wird Kamila nicht behandelt, geht sie in Pandu, ein Blässeleiden, über. Einige Gegenmittel dafür werden hier gezeigt.
45-130. Tikta, die drei Früchte, Vasha, Chinna, Bhunimba und Nimba ergeben einen Absud, der mit Honig Pandu und Kamila vernichten soll.
45-131. Vishva, Dipyaka, Steinsalz, Bhringa, Pathya, Chitraka und Bhukadamba werden mit Buttermilch getrunken und sollen Pandu entfernen.
45-132. Punarnava-Wurzel, Pathya, Bhringa, getrockneter Ingwer, Dipyaka, Bala, Atibala, Chitra, Badari und Sandelholz zu gleichen Teilen
45-133. dienen zum Durchtränken einer gleichen Menge Eisenschlacke. Diese trinkt man in Buttermilch und isst ohne Saures und Salz; so sollen die fünf Pandu-Arten entfernt werden.
45-134. Oder man trinkt Vishva, Bala, Bhringa, Sesam, Chitra und Eisenschlacke; oder Bhringa mit Sesam und Buttermilch gegen Pandu.
45-135. Ein Absud aus Bandhuka, Vasha und Chinna mit Honig soll Raktapitta, blutbezogene Gallebeschwerden, überwinden; ebenso mit Chinna bereitetes Wasser und Honig.
45-136. Utpala samt Wurzel, Trauben, Banane, Lotosstaubfäden, Banyan-Triebe und -Knospen, Kashmari-Kernholz und Yashti
45-137. werden zu gleichen Teilen abgekocht. Mit Honig und Zucker morgens nach dem Aufwachen getrunken soll dies Raktapitta vernichten.
Ergänzung nach 45-137. Auch Prameha, eine Gruppe von Harnleiden.
45-138. Man zeichnet je zwei Linien nach Osten und Norden. An den Linienenden stehen acht Donnerkeile, in der Mitte Tara und außen
45-139. Tara in den Feldern. So in die Handfläche gezeichnet und gezeigt soll es durch Nektarbetrachtung Kopfleiden vernichten.
45-140. Ohne Tara und „Bha-Ende“ schreibt man in die vier Felder dieses Diagramms den „Ya-Endlaut“ mit Halbmond, Sonne, Graha und Gift.
45-141. In der Mitte steht „Krodesha“ mit der guten Schlinge. Rings um das Diagramm schreibt man den Mantra: „Ananta“ und den Na-Laut jeweils verdoppelt, dann „Pinakin“,
45-142. zweimal langes „Somesha“ und wiederum den Na-Laut verdoppelt, Tha, Tha, Nemi, Tha, Tha. Diesen Mantra schreibt man im Uhrzeigersinn.
45-143. Nach Verehrung und Bali wird er angebunden und soll Kopfleiden vernichten. Windbedingter Kopfschmerz geht nicht mit großer Hitze einher, gallebedingter mit starker Hitze und Reizung. [Hinweis zu 45-140–142: Die Diagramm- und Lautkonstruktion ist chiffriert; mehrere Wortgrenzen sind unsicher.]
45-144. Schleim verursacht Schwere des Kopfes; bei Zusammenwirken aller Störungen treten alle Merkmale auf. Suryavarta-Kopfschmerz nimmt am Vormittag stark zu,
45-145. am Nachmittag ab; er entsteht aus Schleim und Wind. Ardhavabheda betrifft eine Kopfhälfte, Shankhaka die Schläfen.
Erläuterung nach 45-145. Diese beiden beruhen auf Wind.
45-146. Bei windbedingtem Kopfschmerz trinkt man Kulattha, schwarze Bohnen und Mungbohnen mit Butter; bei Shankhaka trägt man diese drei mit Butter auf.
45-147. Dhatri, Vacha, Sandelholz, Bala, „Arjalaja“, Kampfer, Yashti, Hribera und Ushira zu gleichen Teilen werden auf einem Stein mit Reiswasser verrieben und auf den Kopf aufgetragen, um sämtliche Kopfschmerzen zu stillen. [Die Verbindung „arjalaja“ bleibt als Zutatenname unsicher.]
45-148. Alte Tamarindenfrucht mit Zucker, getrocknetem Ingwer und Reiswasser als Nasenmittel soll Kopfschmerz beseitigen.
45-149. Durva-Wurzel, Kurkuma, Ushira, Yashtimadhuka, Sandelholz und gleich viel Nandyavarta-Triebe werden mit Wasser verrieben. Ihr Saft,
45-150. mit Zucker aufgetragen, soll Suryavarta vernichten. Steinsalz, getrockneter Ingwer, Kushtha und Baumwollwurzel
45-151. mit Butter, lauwarm als Nasenmittel, sollen Kopfleiden vernichten. Kushmanda- und Rizinuswurzel werden mit saurem Gärtrank verrieben und aufgetragen,
45-152. oder Paribhadra-Rinde, zur Stillung von Kopfleiden. Aus Kurkuma-, Pfeffer- und Vishva-Pulver fertigt man jeweils gesondert Dochte.
45-153. Zur Räucherung verwendet sollen sie Kopfleiden vernichten. [Formel:] „Wohin du gekommen bist—Heil sei dir—, geh zurück zum Vindhya, du von gutem Gelübde! Tha, Tha.“
45-154. Dies wird als Herzmantra gegen „Augenblüten“ bezeichnet; man verwendet ihn beim Übergießen mit Wasser und Anderem. Im Erdbereich zeichnet man Linien mit „Sashti“ und Vokalen.
45-155. Von einem anderen aufgehängt und angeschaut sollen diese die Verkrümmung entfernen. Durch Trinken von „Upanat“ und Patha sollen Masurika-Pocken nicht entstehen. [Hinweis: Die Augen- beziehungsweise Linienanweisung ist örtlich unklar; „Upanat“ trägt eine ausdrückliche Lesungsfrage.]
45-156. Hribera, Jivanti, Chinna, Vasha, Shariba, Darvi, Sandelholz, Nimba, Triphala, Ushira und Toyada
45-157. ergeben einen Absud, der mit Honig und Rohzucker Masurika abwehren soll. Trinkt man einen Absud aus Patola und Nimba mit Zucker
45-158. vor dem Ausbruch, sollen die Pocken nicht entstehen. Oder man trinkt Büffeldungwasser mit Sandelholzsaft.
45-159. Ein Prastha Dhatri-Fruchtstücke lässt man einen Tag in Menschenurin liegen, presst sie aus und trinkt den Saft; beim Betroffenen sollen keine Pocken entstehen.
45-160. Steinsalz, Pathya und Vishva zu gleichen Teilen werden mit warmem Wasser verrieben und getrunken; sie sollen Blähung, Verstopfung und Ama-Störungen vernichten.
45-161. Pathya, Dipyaka, Steinsalz, Kana und Vishva werden in Molke oder Buttermilch gekocht. Morgens getrunken sollen sie das Verdauungsfeuer anregen.
45-162. Pathya, Kana, Dipa und Steinsalz nimmt man im Verhältnis sechs zu vier zu zwei zu eins. Wer sie morgens in Buttermilch gekocht trinkt – wie sollte der noch an Appetitlosigkeit leiden?
Unnummerierter Zusatz nach 45-162. Auch das Verdauungsfeuer wird dadurch angeregt.
45-163. Drona-Wurzel mit gleich viel Vishva und Steinsalz, in Buttermilch gekocht und morgens getrunken, soll ein heftiges Verdauungsfeuer erzeugen und Appetitlosigkeit beseitigen. [Hinweis: Das Verhältnis der drei Zutaten ist sprachlich nicht eindeutig.]
45-164. Hingu, Steinsalz, Kana und Vishva nimmt man jeweils zu einem Teil, Abhaya zur doppelten Menge. Mit warmem Wasser getrunken sollen sie beim Menschen die Ausscheidung erleichtern und die Verdauung anregen.
45-165. Guluchi, Steinsalz, Pathya und Nagara zu gleichen Teilen, in Buttermilch gekocht und getrunken, sollen die Kraft des körperlichen Verdauungsfeuers steigern.
45-166. Bhallata, Bhargi, die kleine Wurzelgruppe, Pathya, Agni, Raji, Maricha und Yavani werden mit Steinsalz und Dipya gekocht. Lauwarm soll der Absud Störungen des Vata und Kapha beseitigen.
45-167. Zucker, Steinsalz und die „Krina“ genannte Zutat werden zu gleichen Teilen fein pulverisiert. In angenehm warmem Wasser getrunken sollen sie Herzbeschwerden unmittelbar beruhigen. [Hinweis: Der Zutatenname „Krina“ ist in dieser Lesung unsicher.]
45-168. Aus Varahi, Chitra und Vasha sowie Reis wird mit Öl ein Kuchen bereitet. Gegessen soll er Herzbeschwerden unmittelbar lindern.
45-169. Ein Absud aus Duhsparsha, Nagara und Bala mit reichlich Steinsalz soll Seitenschmerz, Herzbeschwerden und Udavarta, das heißt eine Störung der abwärts gerichteten Körperfunktionen, beseitigen.
45-170. Ein Absud aus Pippali-Wurzel und Vishva mit Pippali-Pulver soll, getrunken, alle Grahani-Störungen beseitigen und das Verdauungsfeuer anregen.
45-171. Die beiden Rajani, Maricha, Kushtha und Shunthi soll man in warmem Wasser trinken. Das soll sämtliche Grahani-Störungen und auch Sehstörungen beseitigen. [Hinweis: „Drishtidosha“ kann hier auch eine durch einen schädigenden Blick zugeschriebene Störung bezeichnen.]
45-172. Brennen beziehungsweise Brennbehandlung an den Händen und das Trinken von „Vilona“-Wasser sollen Vishuchika überwinden. Wasser, mit Musta, Ushira, Kana-Wurzel, Kalashi und Vishva gekocht,
45-173. dazu mit jungen Jambu- und Mango-Blättern, soll man gegen Vishuchika trinken. Die scharfen Zutaten und die fünf Salze, mit etwas Snuhi-Milchsaft verbunden,
45-174. sollen in lauwarmem Wasser getrunken heftige Vishuchika überwinden. Pathya, das Pinda genannte Salz, Hingu, Ativisha und Vacha,
45-175. in angenehm warmem Wasser getrunken, sollen Vishuchika mitsamt ihrer Wurzel beseitigen. Chitra, Vatsaka, Vishva, Ambu, Ramatha und Ativisha soll man trinken,
45-176. oder Patha, Jyotishmati, Karni, Vatsaka und Kustumburu. Vacha, Abda, Ativisha, Shunthi, Bilva, Vatsaka und Ramatha,
45-177. warm in Buttermilch und saurer Reisflüssigkeit getrunken, sollen Durchfall beruhigen. Ein Musta-Absud mit Honig soll Durchfall im ausgereiften Krankheitsstadium beruhigen.
Örtlicher Hinweis zu 45-172–177. Vishuchika ist eine historische Krankheitsbezeichnung für heftige Magen-Darm-Symptome. Die erste Anweisung von Vers 172 und das Wort „Vilona“ sind örtlich unklar; eine genaue Behandlungsweise lässt sich daraus nicht zuverlässig bestimmen. Auch „Ambu“ in Vers 175 kann als Pflanzenname oder als Wasser verstanden werden.
45-178. Abhaya, Ativisha, Vishva, Devadaru, Vacha und Ambuda werden mit warmem Wasser verrieben. Getrunken sollen sie sämtliche Durchfallerkrankungen beruhigen.
45-179. Steinsalz, Hingu, Maricha, Knoblauch, Shunthi, Karanja-Rinde, Ajamojaka, Jiraka, Ela, Nagara und Kana werden mit Buttermilch zu einer dünnen Flüssigkeit bereitet. Getrunken soll diese durch Ama belasteten und blutigen Durchfall beseitigen. [Hinweis: Nagara und Shunthi stehen beide in der Quelle; die Liste wird nicht vereinheitlicht.]
45-180. Mit Mango-Kernen, Dipyaka, Vishva, Samanga, Shali-Sprossen und Abhaya gekochte Buttermilch soll den Stuhl festigen und Grahani-Störungen beseitigen. [Hinweis: „Shali-Shunga“ ist hier als Reisspross verstanden; die genaue Pflanzenpartie bleibt unsicher.]
45-181. Einen Buttermilchabsud mit Yashti, Vatsaka, Bhunimba, Patha und den beiden Ratri soll man trinken: Er soll gelben Durchfall unmittelbar beseitigen.
45-182. Bhringi, Samanga, Kalashi, Abda, Ativisha und Daru, in „Gupte“ verrieben oder gekocht, sollen durch Vata bedingten Durchfall beseitigen. [Hinweis: Das überlieferte „gupte“ ist als Angabe der Zubereitungsflüssigkeit unklar.]
45-183. Die Wurzeln der Shakravalli werden verrieben und mit Buttermilch und reichlich Honig getrunken. Das soll Durchfall beseitigen; auch Molke oder saure Reisflüssigkeit werden als Träger genannt.
45-184. Ein Absud aus Chinna, Patha, Abda, Bhunimba, Vishva und Vatsaka soll, getrunken, fieberbegleiteten Durchfall augenblicklich beseitigen.
45-185. Schwarzen Sesam, Vayasya, Lodhra, Yashti, Zucker und Utpala soll man morgens in Ziegenmilch trinken, um blutigen Durchfall zu beruhigen.
45-186. Von Vata verursachter Schmerz tritt im Blasenbereich auf; von Pitta verursachter Schmerz am Nabel ist brennend. Durch Kapha entsteht Übelkeit im Herzbereich. Wenn die Störung überall auftritt, gilt sie als unheilbar. [Hinweis: Die Quelle enthält bei der Pitta-Zuordnung selbst eine Lesungsfrage.]
45-187. Wasser von sechs Eranda-Blättern mit etwas Steinsalz soll als Nasenanwendung Vata-Schmerzen beseitigen; ebenso Wasser mit Vishva und Chincha-Blättern.
45-188. Hingu, die drei scharfen Gewürze, Steinsalz, Kushtha, Ugra und Shaila werden pulverisiert. Zu gleichen Teilen in warmem Wasser getrunken sollen sie Schmerzen unmittelbar beseitigen.
45-189. Öl soll man in Wasser von Blättern des kleinen Eranda mit einer Paste aus Hingu und Steinsalz kochen. Durch dessen Anwendung in der Nase soll der Schmerz augenblicklich verschwinden.
45-190. Ein Karsha Kuberakshi-Frucht, dazu Nagara und Knoblauch: Ihr Absud mit Hingu und Steinsalzpulver soll sämtliche Schmerzen beseitigen. [Hinweis: Ob das Maß für jede Zutat gilt, ist nicht eindeutig.]
45-91, zweites Vorkommen [nach 45-190]. Steinsalz nimmt man in der dreifachen Menge von Hingu, Rizinusöl wiederum in der dreifachen Menge des Salzes; dazu ebenso viel Knoblauchflüssigkeit wie diese Zutaten zusammen. Das soll sämtliche Schmerzen überwinden. [Hinweis: Die Quelle nummeriert hier erneut 45-91. Die Mengenbezüge werden nach der nächstliegenden Satzverbindung wiedergegeben.]
45-192. Ein Absud aus allen Teilen von Vilanga, mit Hingu und Steinsalz versehen, soll getrunken alle Schmerzen beseitigen. Menschen von übler Gesinnung soll man ihn nicht bekannt machen.
45-193. Man öffnet eine Kokosnuss, umhüllt sie mit Lehm und erhitzt sie im Feuer. Dann verreibt man ein Nishka Eranda-Samen und rührt es in ihr Wasser ein.
45-194. Dieses soll man noch warm trinken; ein Harnstein soll sogleich abgehen. Auch die Wurzel von „Raktapadmarka“, mit warmem Wasser getrunken,
45-195. soll einen Harnstein unmittelbar zum Abgang bringen und schmerzhaftes Wasserlassen beseitigen. Matsyakshi-Wurzel soll man mit Buttermilch trinken, um Harngrieß auszutreiben. [Hinweis: Die Aufteilung beziehungsweise Bestimmung des Pflanzennamens „Raktapadmarka“ bleibt unsicher.]
45-196. Sarpakshi, Vanamallika, Varana, Apamarga, die beiden Shigru, Bhadra, Gokshura, Kashamarda, Subhaga, Shvetacchada und Abja nimmt man zu gleichen Teilen, ebenso viel schwarze Kulattha. Das damit gekochte Wasser, mit Kokoswasser, Krishna und Ela verbunden, soll man trinken. Der Stein soll zerbrechen und unter Schmerzen abgehen. [Hinweis: Die Lesung spricht ausdrücklich von Schmerzen beim Abgang; sie wird nicht in eine Schmerzfreiheitsverheißung geändert.]
45-197. Honig mit einer Paste aus jungen Jambu-Blättern soll, getrunken, schmerzhaftes Wasserlassen überwinden. Ela, Krishna, Ashvadamshtra, Madhuka, Renu und Putika
45-198. soll man in einem gesonderten Ashmabhedi-Absud mit Shilajatu kochen. Dieses soll man trinken; es soll Harnsteine, schmerzhaftes Wasserlassen und Harngrieß beseitigen.
45-199. Kokoswasser mit Rohzucker und Kustumburu soll schmerzhaftes Wasserlassen überwinden. Ebenso eine Chinna-Paste mit Zucker in Kuhmilch.
45-200. Asche von Paribhadra-Rinde und von der ganzen Apamarga-Pflanze soll man in Rizinusöl einrühren und trinken, um Gulma zu beseitigen. [Hinweis: Gulma bezeichnet hier eine historische Gruppe von Verhärtungen oder Beschwerden im Bauchraum, keine eindeutig damit gleichzusetzende moderne Diagnose.]
45-201. Ein noch warmer Absud aus Bilva-Wurzel mit Steinsalz soll getrunken Gulma und Schmerzen beseitigen; ebenso ein Absud aus Vanashigru.
45-202. Madhuka, Weintrauben, Padmaka, Sandelholz und Honig, mit Milch beziehungsweise Reiswasser getrunken, gelten als vorzügliches Mittel gegen Pitta-Gulma. [Hinweis: Die Verbindung der beiden genannten Flüssigkeiten ist im Satz nicht eindeutig.]
45-203. Snuhi-Stücke legt man mit gleich viel Salz in ein „Tula-Gefäß“, verschließt beziehungsweise bestreicht es mit Lehm und erhitzt es dann in einem Feuer aus getrocknetem Kuhdung.
45-204. Nach dem Erkalten nimmt man den Inhalt heraus, kocht ihn in saurer Reisflüssigkeit und trinkt ihn. Die fünf Gulma-Arten sollen dadurch verschwinden; auch das körperliche Verdauungsfeuer soll angeregt werden. [Hinweis: Die Gefäßbezeichnung in Vers 203 bleibt unsicher.]
45-205. Ein Absud aus Chiribilva-Rinde, Shunthi und schwarzen Kulattha zu gleichen Teilen, mit Kana und Hingu versehen, soll durch Kapha bedingtes Gulma beruhigen.
45-206. Apamarga und gleich viele Arjuna-Früchte soll man verbrennen. In Wasser, in das diese Asche eingerührt wurde, kocht man schwarze Kulattha.
45-207. Diese Flüssigkeit soll man mit den drei scharfen Gewürzen trinken, um die fünf Gulma-Arten zu beseitigen. Vilanga mitsamt Wurzel und Bhallata-Samen kocht man in einem Drona Wasser auf ein Viertel ein. Mit einer Paste derselben Zutaten und scharfen Gewürzen weiter zubereitet und mit ebenso viel Honig vermischt, soll das Mittel Schmerzen und Gulma beseitigen.
Kolophon. Hier endet im Mantrapada des Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das fünfundvierzigste Kapitel über die Behandlung von Fieber und weiteren Krankheiten.
Besinnung: Zuwendung im Angesicht von Krankheit
Das Kapitel verbindet Gottesverehrung, Schutzrituale und historische Arzneikunde. Sein Wunsch, Leiden zu lindern, kann heutigen Lesern Anlass zu Mitgefühl und verlässlicher Fürsorge geben. Die zahlreichen überlieferten Heilungsbehauptungen gehören zur Geschichte des Textes; sie begründen keine heutige Wirksamkeitsaussage. Eine gegenwärtige spirituelle Anregung liegt darin, Erkrankten Aufmerksamkeit zu schenken und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Mantrapada, Kapitel 46: Verschiedene Krankheiten
Dieses Kapitel setzt die historische Arzneikunde fort. Es behandelt Beschwerden von Kindern, Augen und Ohren, Haut- und Verdauungsleiden sowie Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Körperpflege. Die überlieferten Krankheitsnamen, Pflanzenbezeichnungen und Heilungsbehauptungen werden in ihrem historischen Zusammenhang belassen. Die beschriebenen Zubereitungen sind keine heutigen Behandlungsempfehlungen; einzelne Zutaten und Mengen sind zudem nicht sicher bestimmbar.
Eingang. Nun das sechsundvierzigste Kapitel.
46-1. Mango-Kern, Puffreis und Salz; Puffreis, Steinsalz und Zucker; Granatapfel, Puffreis und Steinsalz: Diese sollen Schluckauf und Erbrechen eines Kindes beseitigen.
Unnummerierte Erläuterung nach 46-1. Gemeint sind drei Anwendungen, jeweils mit Honig.
46-2. Oder man gibt Puffreis und Utpala mit Muttermilch, Priyangu und Lodhra zum Auflecken. Krishna mit Samanga vermischt soll Fieber und Durchfall beruhigen.
46-3. Die beiden Nisha, Tatsaka, Simhi und Yashti: Ihr Absud soll Durchfall bei Kindern beseitigen. Fein verrieben soll man davon nur wenig zu trinken geben. [Hinweis: „Tatsaka“ ist die gelieferte Lesung; sie wird nicht stillschweigend zu Vatsaka geändert.]
46-4. Ativisha soll mit Honig aufgeleckt werden; das soll Erbrechen und Fieber eines Kindes beseitigen. Wasser, mit den drei Früchten, Saha, Shigru, Daru und Megha gekocht,
46-5. mit einer Paste aus Weintrauben und Magadhi, soll Würmer bei Kindern beseitigen. Ein Absud mit Triphala, Shariba, Megha, Nisha und Tapinjapatra,
46-6. mit Honig verbunden, soll durch Begießen Augenkrankheiten beseitigen. Khadira, Kutaja, Nimba, die drei scharfen Gewürze, Triphala und Vacha,
46-7. mit Kuhurin verrieben und getrunken, sollen im Bauch entstandene Würmer vernichten. Morgens soll man mit wassergefülltem Mund Wasser auf die Augen träufeln.
46-8. Den Mond anzuschauen ist heilsam; ebenso wird am Ende des Essens eine Wasseranwendung mit den Händen genannt. Tuttha nimmt man zu drei Teilen, den inneren Samen von Aksha und den von Amalaka
Unnummerierte Fortsetzung zwischen 46-8 und 46-9. zu zwei Teilen, verreibt sie mit Wasser und formt eine Pille; sie soll Augenkrankheiten beseitigen. [Hinweis: Die Passage über Essen, Hände und Wasser sowie die Mengenlesung „dvyemagam“ sind beschädigt oder unklar.]
46-9. Tuttha, Kupfer, Eisenpulver, die drei scharfen Gewürze, Naga, Sandelholz, Steinsalz, Triphala, Süßholz, Darvi, Tutthanjana, Kampfer, Sphatika, Tankana und Tilva werden mit Karanja-Wasser verrieben. Daraus bereitete Pillen sollen Sehtrübung und alle Augenkrankheiten beseitigen. [Hinweis: Die Mineral- und Pflanzennamen werden bewahrt; daraus wird keine gesicherte moderne Rezeptur abgeleitet.]
46-10. Eine Naktamala-Frucht wird mit gleichen Mengen von „Dhavri“- und Raji-Säften
46-11. verrieben und im Schatten getrocknet. Das soll die Wolken der Sehtrübung beseitigen. In den Säften von Triphala, „Ali“, Yashti und Shunthi, in Honig, Ghee und Ziegenmilch,
46-12. außerdem in Kuhurin, wird Tuttha siebenmal behandelt, ebenso Naga: Das gilt als Nektar für die Augen. Tuttha- und Naga-Essenz nimmt man gleich viel; dazu Nilanjana in gleicher Menge wie beide zusammen. [Hinweis: Die Zubereitungsanweisung ist elliptisch; „Dhavri“ und „Ali“ bleiben als unsichere Namen stehen.]
46-13. Mit „Vikara“ und Indu verbunden gilt dieses Pulver als Nektar für die Augen. Die drei scharfen Gewürze, Karanja-Kern, Nagara, Steinsalz und die beiden Nisha
46-14. werden in einer Shankha-Bilva-Frucht verrieben. Ein daraus geformtes Stäbchen soll Augenkrankheiten beseitigen. Samudra und Eranda-Milchsaft in Muttermilch sollen einen Fleck am Auge entfernen. [Hinweis: Die Worttrennung bei Shankha-Bilva und Samudra-Eranda sowie „Vikara“ sind unsicher.]
46-15. Dronapushpa-Wasser mit Muttermilch und Schaum soll einen Augenfleck entfernen. Sindhura, die drei Kana, Jati, Kupfer, Bronze und Kaurischalen,
46-16. dazu Kunati, mit Honig verrieben, sollen Pilla am Auge beseitigen. Steinsalz wird in saurer Flüssigkeit verrieben, in ein Tuch gegeben und daraus auf die Augen geträufelt.
46-17. Das soll Abhishyanda, eine Augenentzündung mit Absonderung, beseitigen; ebenso in Ghee geröstetes Lodhra, auf dieselbe Weise angewandt. Krishna mit Dungsaft oder Ohrenschmalz mit Honig als Augensalbe,
46-18. oder Dronapushpa-Wasser mit Öl: Diese drei Anwendungen sollen Nachtblindheit beseitigen. Nasenbluten soll durch Einbringen von Muttermilch und Durva-Saft in die Nase aufhören. [Hinweis: Die genaue Verbindung der Zutaten in Vers 17 ist nicht zweifelsfrei.]
46-19. Die Säfte der Wurzeln von Rambha und Grinjana oder der Saft frischen Ingwers, jeweils gesondert mit etwas Steinsalz, sollen durch Füllen des Ohrs Ohrenschmerzen beseitigen.
46-20. Öl, mit Ziegenurin, Dickmilch und dem Inneren einer „Bikshva“-Frucht zubereitet, soll Taubheit, eitrigen Ohrenausfluss und ähnliche Beschwerden beseitigen. [Hinweis: Der Fruchtname ist in dieser Lesung unsicher.]
46-21. Vacha, Knoblauch, Salz und Shigru-Wurzel samt Rinde werden mit Öl in Wasser von Pandu-Arka- und Snuhi-Blättern gekocht; das soll Ohrenschmerzen beseitigen.
46-22. Öl wird in gleichen Teilen des jeweiligen Saftes von Suryavarta, Shigru, „Madhupadinakrit“, Sindhuvara, Jati, Rambha, Karavalli, Surasa und Knoblauch sachgerecht gekocht. In die Ohröffnung gebracht soll es Ohrenschmerz, Eiter, Taubheit und Wunden beruhigen, so wie das Bharata alle Schuld beseitigt. [Hinweis: „Madhupadinakrit“ lässt sich nicht sicher in Pflanzennamen aufteilen. Mit Bharata ist hier wahrscheinlich das Mahabharata gemeint.]
46-23. Bilva- oder Devadaru-Holz wird mit Leinen umwickelt, mit Öl getränkt und entzündet. Das dabei gewonnene Öl soll Ohrenschmerz beseitigen.
46-24. Mit verriebenen Brihati-Früchten soll man eine Räucherung gegen Zahnschmerzen vornehmen. Der Arzt kocht Öl im Absud von Punkha mitsamt Wurzel und Fasern.
46-25. Eine Mundspülung mit Pathya-Paste gilt als vorzüglich zur Beruhigung von Zahnschmerzen. Ein Absud aus Shyama und Kramuka mit saurer Getreideflüssigkeit, Kokoswasser und Urin,
46-26. im Mund gehalten, soll Adhijihva und weitere Mundbeschwerden beseitigen. Öl in Sindhuvara-Saft mit einer Paste aus Langali
46-27. soll allein durch Nasenanwendung Galaganda und Gandamala, verschiedene Halsgeschwülste, beseitigen. Die Wurzel der nicht fruchtenden Karkotaki soll mit Reiswasser getrunken werden.
46-28. Ein Aufstrich mit Gopi und Turagagandhi soll Gandamala beseitigen. Eine Paste aus Kuhurin und „Amala“, mit Milch, Öl und Ghee,
46-29. trägt man nicht heiß, sondern dick auf; gekocht soll sie Vidradhi, eine abszessartige Erkrankung, beseitigen. Oder man bereitet einen Aufstrich aus Vayasya beziehungsweise Vayastha, Sandelholz und Ushira, mit Milch verrieben.
Unnummerierte Fortsetzung nach 46-29. Noch nicht ausgereifte Knoten bestreicht man mit Steinsalz, Nakuli und Nagara. [Hinweis: Die Quelle enthält beim ersten Pflanzennamen von Vers 29 selbst eine Lesungsalternative.]
46-30. Nirgundi, Katutumbini, Kinihari, Tikta, Nisha, Tulaka, Bhringi, Langali- und Padma-Wurzeln, Surasa, Niryasaka und Asphotika werden mit Gunja und Büffeldung verbunden, dazu gleiche Mengen Ghee und Öl. Diese Zubereitung soll durch Bestreichen und Beträufeln alle Gruppen von Knoten beseitigen. [Hinweis: Die genauen Mengenbezüge der umfangreichen Zutatenliste bleiben unsicher.]
46-31. Karavira-Kerne, Kutacha, Bhallata-Kerne und Vilanga,
46-32. dazu Kushtha und Tagara, mit Kuhurin aufgetragen, sollen Apachi beseitigen. Vishva, Vilanka, Kushtha und Steinsalz werden sorgfältig verrieben
46-33. mit Kuhurin; allein durch Auftragen sollen sie Apachi und Knoten beseitigen. Danti, Haridra und Amalaka soll man mit Wasser verreiben und auftragen.
46-34. In einem Triphala-Absud mit einer Paste aus Sitamula soll man Öl kochen. Durch Begießen damit soll Bhagandara, eine Fistelkrankheit im Analbereich, vergehen.
46-35. Langali, Shelu, Kumbha-Kerne, Sarja, Jyotishmati und Vacha werden in einem Absud aus Patha, Amrita und Arka mit einer Paste daraus in Sesamöl gekocht.
46-36. Salben und Begießen damit soll Bhagandara beseitigen. Punarnava, Amrita, Vishva, Vata-Blätter und Ziegelpulver zu gleichen Teilen,
46-37. mit Buttermilch verrieben und aufgetragen, sollen Bhagandara beseitigen. Stoffe von Vyaghata, Snuhi, Putika, Shirisha, „Akaka“ und Jati,
46-38. mit Kuhurin verrieben, sollen durch Bestreichen alle Hautstörungen überwinden. Wer Vakuchi-Samen mit gleich viel schwarzem Sesam isst
46-39. und sich angemessen ernährt und verhält, bei dem soll Kushtha nach einem Jahr vergehen. Auch das Essen von Jalakhandanika-Samen soll Kushtha beseitigen. [Hinweis: Kushtha ist eine historische Sammelbezeichnung für Hautkrankheiten. „Akaka“ in Vers 37 ist unsicher.]
46-40. Karanja-Kerne, Kana, Chitra, Hausruß und Vakuchi werden mit Katutumbinika-Öl aufgetragen; das soll Kushtha beseitigen.
46-41. Kasaghna, „Mulashvara“, Tamala, Vacha-Sprossen, Prapunnataka-Samen, Nisha und Pathya werden verrieben
46-42. mit Kuhbuttermilch. Aufgetragen sollen sie Kushtha innerhalb eines Jahres beseitigen. Triphala, Vahni, Putika, Chitra, Ratri und Sesam zu gleichen Teilen
46-43. werden pulverisiert und mit Buttermilch getrunken; das soll die mit „Wurzelsprossen“ bezeichneten Hämorrhoidalwucherungen beseitigen. Varahi, Chitra, Putika, Vandhya, Kutacha und Surana,
46-44. verrieben und in Buttermilch-Reisgrütze getrunken, sollen das Leiden am After beseitigen. Shila, Langalika-Wurzel und Gunja-Mark nimmt man jeweils zu gleichen Teilen
46-45. und verreibt sie in Arka-Milchsaft, Kuhurin und alkalischer Flüssigkeit; darin kocht man die Mischung. Man formt ein Stäbchen, in Dicke und Länge einem Daumen entsprechend.
46-46. Der sachkundige Arzt bringt es in den After ein; die Hämorrhoidalwucherungen sollen dann abfallen. Putika, Triphala, Ratri, Karanja-Rinde und -Frucht zu gleichen Teilen,
46-47. pulverisiert oder als Absud, mit reichlich Honig, sollen Meha beseitigen. Von den beiden „Suta“, Makula-Samen und Manahshila nimmt man je einen Teil. [Hinweis: Die ersten Zutaten dieser neuen Rezeptur sind in der gelieferten Lesung unsicher. Meha bezeichnet eine historische Gruppe von Harnstörungen.]
46-48. Laja, Shaila, Kata, Krishna, Nimba-Wurzelrinde und „Shippa“ nimmt man jeweils zu zwei Teilen, ebenso Rasa und Guggulu. [Hinweis: Die Trennung einzelner Zutaten sowie die Zuordnung des Wortes für Wurzel sind örtlich unklar.]
46-49. Von Khadira, Kapittha, Shveta, „Krina“, Arimeda und Palasha nimmt man den Harzausfluss, dazu Darvi und Kutacha-Samen,
46-50. jeweils drei Teile. Kanta, Sandelholz, Krishna-Wurzel, Sumula, Musali und Akulika-Wurzel,
46-51. Dhatri und Nagakusuma nimmt man jeweils in vierfacher Menge. Baumwoll- und Anudhavanti-Wurzeln sowie Krishna- und Arjuna-Rinde
46-52. nimmt man jeweils zu fünf Teilen. Alles wird zusammen pulverisiert. Dieses Pulver soll man morgens mit Honig auflecken oder mit Buttermilch trinken. [Hinweis: Mehrere Namen und ihre Trennung bleiben unsicher; bei „Harzausfluss“ trägt bereits die Quelle ein Fragezeichen.]
46-53. Nachts soll man einen Absud trinken, der aus den nun genannten Mitteln gekocht wird: Triphala, die beiden Nisha, Jambu- und Aragvadha-Rinde,
46-54. Patha, Amrita, Abda, Takara, Shaktipatra und Punarnava, alles zu gleichen Teilen, auf ein Achtel eingekocht.
46-55. Abgekühlt, mit Honig vermischt und getrunken, soll er die zwanzig Meha-Arten beseitigen. Nishtera- und Kakuli-Samen sowie Baddhavalli-Blätter
46-56. werden in den mit „Advaita, Advaitaka, Dvaita“ bezeichneten Anteilen mit Buttermilch verrieben. Morgens getrunken sollen sie Meha in drei, vier oder fünf Tagen überwinden. [Hinweis: Die Mengenformel ist nicht sicher aufzulösen; es werden keine Zahlen ergänzt.]
46-57. Sechs Teile Shakravalli-Wurzel und ebenso Karanja-Sprossen: Ihr Absud, mit Pulver dieser Samen getrunken, soll eine Schwellung beseitigen.
46-58. Kokilaksha-Sprossen werden mit Vishva, Steinsalz und Dipyaka verrieben und mit Kuhbuttermilch getrunken. Eine Hodenschwellung soll dadurch vergehen.
46-59. „Karabja“, Grinjani, Pathya und „Kananagra“ werden in Wasser gekocht. Mit saurer Flüssigkeit, Buttermilch und dergleichen getrunken sollen sie Hodenschwellung beseitigen. [Hinweis: Der Satz ist örtlich beschädigt; die genannten Pflanzennamen und die Zubereitungsverbindung sind nicht sicher.]
46-60. In einem Adhaka Durva-Saft kocht man Ghee mit einer Paste aus Sandelholz, Hribera, Shariba, Musta, Abja, Utpala, Tula, Kushtha, Tagara und Sprossen milchsaftführender Bäume; alternativ werden zwei Öle in gleicher Menge genannt. Getrunken sowie durch Begießen und Salben soll das sämtliche Visarpa-Erkrankungen beseitigen. [Hinweis: Die beiden Öle sind hier nicht eindeutig benannt; Visarpa ist eine historische Bezeichnung für sich ausbreitende Hautentzündungen.]
46-61. In einem Absud aus Amrita, Visha, Patoli-, Nimba- und Dhatri-Blättern, mit ebenso viel Khadira, kocht man Ghee in der mit „Kriti“ bezeichneten Pala-Menge und jeweils einem Nishka der Zutaten als Paste. Morgens aufgeleckt soll es Visarpa beseitigen; ebenso soll der Absud getrunken werden. [Hinweis: Die chiffrierte Mengenangabe bleibt unaufgelöst.]
46-62. Eine Paste aus Shigru und Vishva wird mit Milch im Verhältnis eins zu zwei gekocht. Wer dies morgens trinkt, bei dem soll eine Schwellung binnen einer Monatshälfte vergehen. [Hinweis: Der Mengenbezug ist knapp; „Shobha“ wird hier dem Zusammenhang nach als Schwellung verstanden.]
46-63. Ein Kudupa Milch wird mit Dashamula gekocht; hinzu kommen ein Nishka Honig, anderthalb Nishka Ghee und doppelt so viel Zucker wie Ghee,
46-64. ferner viereinhalb Nishka Rohzucker und Krishna-Pulver. Morgens verquirlt und gekocht soll das Vata-Shonita beseitigen. [Hinweis: Vata-Shonita ist eine historische, mit Vata und Blut verbundene Krankheitskategorie.]
46-65. Bei Aufsteigen von Kapha und Blut soll man einen Absud aus Weintrauben, Abda und Ratri trinken. Mit Rohzucker soll man das zweimal täglich einnehmen; es soll Kapha und Blutabgang beseitigen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 46-65. Den Saft von Kokilaksha soll man trinken und sich dabei von dessen Blättern als Gemüse ernähren. Dadurch soll Vata-Shonita vergehen.
46-66. Einen Absud aus Vyaghata, Vasha und Chinna, mit Rizinusöl,
46-67. soll man trinken, um Vata-Asrij zu beseitigen. Krishna in warmem Wasser soll Milzleiden beseitigen. Vishva, Bilva und Agnimantha, mit Magadhaja, jeweils drei Nishka, werden in Wasser gekocht. Ebenso viel Milch wird hinzugegeben, darin Vishva weitergekocht. Wer diese Milch zum Essen nimmt und täglich auch den Ingwer isst, einen Monat lang, bei dem sollen Auszehrungskrankheiten vergehen; der Körper soll fest werden und erwünschte Kräftigung erlangen. [Hinweis: Der kurze erste Satz steht vor dem längeren Vers 67 ohne eigene Nummer. Er wird hier als dessen unnummerierter Vorspann mitgeführt.]
46-68. Vasha, Bhringendra, Kasaghni, Brihati, Nagara und Amrita
Unnummerierte Fortsetzung zwischen 46-68 und 46-69. werden abgekocht und mit Milch weitergekocht. Man soll sie trinken; sie sollen das Scharfe beseitigen und Auszehrung bewirken. [Hinweis: Die gelieferte Formulierung „katuhrit kshayakrit“ ist im Heilungszusammenhang widersprüchlich; sie wird nicht stillschweigend ins Gegenteil geändert.]
46-69. Bhargi, Gokshura, Kasavairin, Brihati, Bilva und „Adrirudha“ nimmt man zu gleichen Teilen. Mit ihrem Absud wird eine entsprechende Menge Milch erneut über dem Feuer gekocht. Mit Krishna-Pulver und reichlich Honig soll man sie trinken; das soll Auszehrung, Husten, Atemnot und Kapha beseitigen und den Körper kräftigen. [Hinweis: Die Quelle enthält bei Adrirudha eine Lesungsalternative. Im letzten Satz stehen ein entziehendes und ein nährendes Verb nebeneinander; ihre genaue Zuordnung ist unsicher.]
46-70. Büffelmilch oder ihre frische Butter mit Nisha und Ambuda,
46-71. Taubenkot oder Vata-Milchsaft sollen Vata-Beschwerden beseitigen. In Chiribilva-Absud mit Raji und einer Paste daraus
46-72. zubereitetes Öl soll durch Salben und Umschläge Vata beseitigen. In „Mahajamara-Kola“ wird Öl mit Ratri und einer Paste aus dessen Samen
46-73. gekocht; durch Salben soll es Vata-Erkrankungen vorzüglich beseitigen. Die Säfte von Prasarini, Arka, Jambira, Shigru und Chincha sowie Dickmilch
46-74. werden mit einer Paste aus Raji, Nagara und Shigru in Sesamöl gekocht. Shigru, die fünf sauren Zutaten, Sarani, die beiden Karanja, Bala, Arka,
46-75. Varana, Dashamula und Chincha-Blätter werden zerstoßen und in saurer Reisflüssigkeit gekocht. Zuerst soll man damit begießen;
46-76. danach soll Salben mit diesem Öl die Vata-Erkrankung beseitigen. Auch ein Bad in diesem lauwarmen Absud wird genannt. [Hinweis: „Mahajamara-Kola“ in Vers 72 bleibt unsicher; das gelieferte „annena“ in Vers 76 wird dem Zusammenhang nach auf das genannte Öl bezogen.]
46-77. Auch Begießen mit einem Absud aus Chinna und Bala in saurer Getreideflüssigkeit soll Vata überwinden. Bei einer reinen Vata-Erkrankung wird auch das Begießen mit reinem Öl genannt.
46-78. Bhadra und Matula-Samen, Rasna, Daru, Mahaushadha und Agnimantha werden mit saurer Flüssigkeit verrieben. Aufgetragen sollen sie Vata-Schwellungen beseitigen.
46-79. Baumwoll- und Ankola-Samen, Shigru-Rinde und Vishvabheshaja werden in saurer Flüssigkeit verrieben. Lauwarm aufgetragen sollen sie Vata-Erkrankungen überwinden.
46-80. Aus Punnaga, Eranda, Nimba, Vakula, Dhanadadrish, Kokos, Karanja, Baumwolle, Shigru, Dola-Frucht, Muni, Sharana, Mulaka, Senf, Kola, Ankola und Kulattha sowie Knoblauch, Vacha, Ratri, Devadaru, Darvi, Blüten, sauren Zutaten, Fetten und sämtlichen Salzen bereitet man ein Bündel für die Anwendung am Körper; es soll Vata brechen. [Hinweis: Mehrere Bestandteile dieser langen Liste sind nur als überlieferte Namen wiederzugeben; die Zusammensetzung wird nicht botanisch rekonstruiert.]
46-81. Dola, Ankola, alle sauren Zutaten … mit allen Fetten und Steinsalz, getrocknet und verrieben aufgetragen, sollen Vata überwinden. [Quellenlücke: Nach dem Versanfang stehen in der gelieferten Fassung mehrere Sternchen; die fehlenden Zutaten sind nicht ergänzt. Auch „alle Fette“ trägt eine Lesungsfrage.]
46-82. Ein Absud aus Triphala und Trivrit mit Rohzucker wirkt nach der Quelle abführend; ebenso ein Traubenabsud mit Trivrit und Rohzucker.
46-83. Einen halben Teil Trivrit, sechs Teile Kandiszucker und zwei Teile Steinsalz pulverisiert man. Mit Honig und Wasser eingenommen soll das abführend wirken.
46-84. Ein Pala Dhatri-Sprossen wird abgekocht und ausgepresst. Der Saft, mit Rohzucker getrunken, soll unmittelbar abführend wirken. [Hinweis: Die Quelle liest „phalam“; die Wiedergabe als Gewichtsmaß Pala ist eine örtliche Deutung, keine Sanskritkorrektur.]
46-85. Pathya, Kramuka, Nagara und Steinsalz nimmt man im Verhältnis vier zu drei zu zwei zu eins. Mit warmem Wasser getrunken soll das rasch abführend wirken. [Hinweis: Die Quelle versieht die betreffende Einnahmeformulierung selbst mit einem Fragezeichen.]
46-86. Kokilaksha, Svayamgupta-Samen, Masha, Zucker und Sesam zu gleichen Teilen, mit Milch getrunken, sollen die Geschlechtskraft von Männern steigern, die mit hundert Frauen verkehren.
46-87. Triphala mit Zucker in Milch, ebenso Svayamgupta-Wurzel sowie Pulver ihrer Samen und von Masha, mit Zucker in Milch, gelten als die Geschlechtskraft steigernd.
46-88. Pulver aus Sesam, Reis, Masha und Gupta-Früchten sowie die Frucht der schwarzen Rambha, in Ghee zubereitet, sollen die Geschlechtskraft steigern und Freude bereiten.
Unnummerierte Erläuterung nach 46-88. Gemeint ist die Einnahme mit Milch als nachfolgendem Getränk.
46-89. Eine Frau, die einen Sohn wünscht, soll nachts Pulver aus den Wurzeln von Gupta, Vari und Gokshura, mit gleichen Teilen Sesam und Shleshmala-Samen sowie Zucker in Milch trinken. [Hinweis: Die Verbindung „Mulamala“ in der Wurzelliste bleibt sprachlich unsicher.]
46-90. Eine Frau, die Nachwuchs wünscht, soll zur fruchtbaren Zeit eine nach Norden gewachsene Ashoka-Wurzel mit ebenso vielen roten Vata-Sprossen trinken, während sie bis zum Nabel im Wasser steht. Mit ihrem Geliebten vereinigt soll sie schwanger werden.
46-91. Durva, „Akhila“, Shri- und Sahadeva-Wurzel, Ashvattha- und Darbha-Sprossen sowie Bambusspitzen verreibt man mit Milch. Eine Frau soll es zur fruchtbaren Zeit trinken; sie soll schwanger werden und einen Knaben bekommen. [Hinweis: „Akhila“ trägt bereits in der Quelle ein Fragezeichen. Die Aussage über das Geschlecht des Kindes ist eine historische Verheißung.]
46-92. Shri-Wurzel und sieben Vata-Sprossen soll sie in Milch trinken. Auch die Sprosse dieser beiden und Saha-Sprosse werden ausgepresst; eine Frau, die einen Sohn wünscht, soll deren Säfte zur fruchtbaren Zeit in die Nase einbringen.
46-93. Die Frau badet am vierten Tag, vollzieht glückverheißende Handlungen und trinkt das Mittel. Danach soll sie die Erde nicht mit dem Fuß berühren und nicht tagsüber stehen beziehungsweise verweilen. Wenn das Mittel verdaut ist, isst sie mit Milch und Ghee und begibt sich zum Lager ihres Mannes. [Hinweis: Das Verbot mit „tishthen na chahni“ ist im gegebenen Zusammenhang nicht eindeutig; eine fehlende Tätigkeitsangabe wird nicht ergänzt.]
46-94. Das Mittel, das die Frau trinkt, soll sie auch als Nasenanwendung verwenden: in das rechte Nasenloch, wenn sie einen Sohn wünscht, in das andere, wenn sie eine Tochter wünscht. Sie soll auf derselben Körperseite liegen. So verfahre sie nach dieser Vorschrift bis zum Ende dreier fruchtbarer Zeiten.
46-95. Zur Beruhigung von Störungen der Schwangerschaft soll Tagara-Samen in Milch getrunken werden; bei einer Erschütterung oder Gefährdung der Schwangerschaft mit Dickmilch. Vandhya-Pulver, Likucha, Sandelholz, Yashti, Lodhra, Gopi und Utpala soll sie mit Reiswasser verrieben trinken. [Hinweis: „Tagara-Asthi“ und „Vandhya-Rajas“ bleiben als Zutaten unsicher; „Garbha-Chalana“ ist eine historische Beschreibung, keine bestimmte moderne Diagnose.]
46-96. Shankhapushpi, mit Dhatri-Saft vermischt, oder Amalaka und Kuranda-Wurzel, mit Ghee und Dickmilch, soll sie trinken; oder eine Frau nimmt Patola-Wurzel, um einen Sohn zu bekommen. [Hinweis: Die syntaktische Verbindung von Amalaka und Kuranda ist örtlich unklar.]
46-97. Am Morgen unter dem Mondhaus Pushya hebt man schweigend Kakamachi-Wurzel aus und gibt sie der Frau mit Milch zu trinken. Sie soll bald schwanger werden.
46-98. Einen Absud aus Sandelholz, Gopi, Weintrauben und Lodhra, mit Milch und Zucker, soll sie trinken, um einen Schwangerschaftsverlust zu verhindern; ebenso wird ein kühles Getränk mit Musta und Milch genannt.
Unnummerierte Überleitung nach 46-98. Zum Schutz der Schwangerschaft.
46-99. Nun werden für die einzelnen Monate Mittel bei einer Gefährdung der Schwangerschaft genannt. Padmaka, Ushira und Tagara soll man mit Ziegenmilch zu trinken geben.
46-100. Im zweiten Monat Kashelu, Vishva, Sheluka und Nila-Abja; im dritten Patala und Ushira mit Musta-Milch.
46-101. Im vierten Monat Kadali-Knolle, Nila-Abja-Knolle und Ushira; im fünften Kshirakakoli, Kshirakanchi, Utpala und Ambuja.
46-102. Im sechsten Monat soll man Weintrauben, Utpala und Kesara mit Milch geben; im siebten Kapittha-Rinde und -Frucht, Wurzel, Zucker und Puffreis. [Hinweis: Welche Wurzel gemeint ist, lässt die gelieferte Formulierung offen.]
46-103. Im achten Monat soll ein Absud aus Dhanyaka, Utpala und Kesara getrunken werden. Im neunten wird eine kugelförmige Zubereitung aus Eranda-Wurzel und Kakoli genannt.
46-104. Im zehnten Monat soll man Safran, Süßholz, weißes Utpala und Zucker mit Reiswasser und Milch zu trinken geben. [Hinweis: Die Folge von zehn Schwangerschaftsmonaten wird nach der historischen Zählweise der Quelle bewahrt.]
46-105. Vasha-Wurzel oder Blätter von „Pappana“, mit Wasser verrieben und unterhalb des Nabels aufgetragen, sollen eine leichte Geburt bewirken. Ebenso soll das kopfabwärts gerichtete Aufhängen eines Zweigs dieser Pflanze
46-106. über dem Geburtsraum zur Geburtszeit wirken, auch das Auflegen von „Karangama“ auf den Kopf. Öl, über dem der Mrityunjaya-Mantra in umgekehrter Reihenfolge wiederholt wurde, soll durch Auftragen eine leichte Geburt des Kindes bewirken. [Hinweis: „Pappana“ und „Karangama“ tragen in der Quelle Fragezeichen. Hier ist keine ausgeschriebene, gesichert rezitierbare Mantraformel überliefert.]
46-107. Ein aus Stoff gefertigter Docht mit Pulver aus Weintrauben, Vyaghata und Rajani sowie Honig und Ghee soll eine Wunde an der Yoni reinigen.
46-108. Mit einer Paste aus Shariva und Utpala-Blättern oder aus Lodhra, Sandelholz und Yashti soll man Sesamöl in Milch kochen; es soll Wunden heilen.
46-109. Eine Paste aus „Shvetapulasa“-Blättern mit etwas Maricha und Steinsalz wird in Öl gekocht; ebenso eine aus Vayasya. Das soll Wunden beseitigen. [Hinweis: Beide Pflanzennamen sind in der Quelle fraglich markiert.]
46-110. Dasselbe, mit Kokosfett besprengt, soll Brandwunden beseitigen. Mit der Hand zerriebene Apamarga- oder Karavalli-Blätter,
46-111. mit etwas Salz aufgelegt und verbunden, sollen Verletzungen sofort heilen. Auch Pulver aus dem Inneren eines Tala-Sprosses soll, als Verband angelegt, eine Verletzung unmittelbar beseitigen.
46-112. Sechs, sieben und acht Nishka Pathya-, Aksha- und Dhatri-Früchte werden in einem Prastha Wasser in der Sonne eingetrocknet. Man fügt ein Kuduba der drei Öle und ein Nishka Gopi-Pulver hinzu. Einundzwanzig Tage in einem Getreidehaufen aufbewahrt soll die Zubereitung Arshas beseitigen. [Hinweis: Die drei Öle werden hier nicht benannt; auch die genaue Zuordnung des Nishka-Maßes ist nicht eindeutig.]
46-113. Ein Nishka „Vishvamitra“ und acht Nishka Stängel und Blätter der „Majillata“ werden abgekocht. Nachts beziehungsweise am Morgen getrunken soll das Altersschwäche, starke Hitze und Brennen beruhigen. [Hinweis: Die Quelle ist bei Pflanzennamen und „Altersschwäche“ fraglich; auch die zeitliche Verbindung ist unklar.]
46-114. Ein Kuduba Raji verreibt man und lässt es in zwei Prastha Buttermilch stehen. Nach drei Tagen getrunken soll es sämtliche Kältebeschwerden beseitigen.
46-115. Drei Nishka rote Gokshura-Wurzel werden in Milch verrieben. Mit Milch und Zucker getrunken sollen sie Harngrieß und Harnsteine zum Abgang bringen.
46-116. Meersalzpulver, mit Saft der vorzüglichen Kanyaka, wird in eine geöffnete Kokosnuss gegeben; ihre Öffnung wird mit Lehm umhüllt, das Innere über dem Feuer erhitzt. Das soll Atemnot beseitigen. [Örtliche Ausnahme: Der Satz ist beschädigt. Dies ist eine zusammenfassende Wiedergabe der erkennbaren Zutaten und Arbeitsschritte; insbesondere „akshatta“ und die Öffnungsanweisung lassen sich nicht vollständig übersetzen.]
46-117. Steinsalz, Abhraka und Makshika werden mit den scharfen Zutaten, Pathya, Aksha, Dhatri, Shila und Bhringa-Flüssigkeit in hundert Erhitzungsgängen behandelt, ebenso Kanta mit salzhaltiger Erde. Diese nimmt man zu gleichen Teilen, dazu Sauta in halber Menge, und verreibt sie mit Bhringi. Für einen Menschen, der das in der angegebenen Menge einnimmt – woher sollte der Tod kommen? [Hinweis: Die mineralischen Zutaten und die genaue Verbindung der Erhitzungsschritte sind unsicher; die Dosisformulierung am Versende ist beschädigt. Die abschließende Todesüberwindung ist eine Behauptung der Quelle.]
46-118. Bei einem jungen Shalmali von etwa Manneshöhe schneidet man die Hauptwurzel ab und setzt unter die Schnittstelle einen Topf.
46-119. Auch oben wird der Baum in Manneshöhe abgeschnitten, acht Fingerbreiten dick mit Lehm umhüllt und mit getrocknetem Kuhdung als Brennstoff erhitzt.
46-120. Nach sechs oder sieben Tagen nimmt man den Topf heraus. Die aufgefangene Flüssigkeit lässt man im Schatten trocknen und verreibt sie dann mit Bhringa- und Amalaka-Saft.
46-121. Nach Reinigung des Körpers soll man morgens nach dem Aufstehen eine Menge in der Größe eines Katzenpfotenabdrucks einnehmen. Das soll Milz- und Bauchleiden beseitigen. [Hinweis: Das Größenmaß beruht auf der Lesung „vilalapada“ und ist nicht in eine moderne Dosis umgerechnet.]
46-122. Man nimmt Vishala-Wurzel und isst das Innere; das soll ein Milzleiden augenblicklich beseitigen. Es folgen Anweisungen, etwas zu entfernen, zu teilen und zu trinken; auch dies soll ein Milzleiden beseitigen. [Örtliche Ausnahme: Die zweite Vershälfte ist in der gelieferten Fassung unverständlich und mit einem Fragezeichen versehen. Nur die erkennbaren Handlungen sind zusammenfassend wiedergegeben.]
46-123. Steinsalz, mit sieben Arka-Blättern in einem geschlossenen Erhitzungsgang gebrannt, soll man mit Molke trinken. Das soll Milzleiden beseitigen, gemäß der Auffassung Dhanvantaris.
46-124. Punarnava-, „Shukta“- und Patha-Wurzel soll man trinken. Zwei davon, mit Reiswasser verrieben, werden auch gegen Vidradhi aufgetragen. [Hinweis: Der Text nennt drei Namen, spricht anschließend aber von zwei; welche beiden gemeint sind, ist unklar.]
46-125. Kupferschlacke wird mit Buttermilch verrieben und aufgetragen; das soll Kushtha überwinden. In einem mit Vakuchi-Paste behandelten Gefäß lässt man Milch zu Dickmilch werden.
Unnummerierte Fortsetzung und Erläuterung zwischen 46-125 und 46-126. Die daraus gewonnene Buttermilch soll getrunken, die frische Butter aufgeleckt werden; das soll Kushtha überwinden. Dabei leckt man zuerst die Butter mit Honig auf und trinkt anschließend die Buttermilch. Gemeint ist, dass weißes Kushtha dadurch vergehen soll.
46-126. Weiße Aparajita-Wurzel soll man auftragen, um Kushtha zu beseitigen.
46-127. Mit Wasser verriebene Shunthi, mit Milchabsud zu einem Drittel und Kuhdungwasser verbunden, soll getrunken unregelmäßiges Fieber beseitigen. [Hinweis: Die Drittelangabe ist syntaktisch nicht eindeutig zuzuordnen.]
46-128. Tikta, Musta, Patola, „Lukapinchha“ und Guggulu werden in schwarzen Stoff gebunden. Eine Räucherung damit soll das quartane, im Viertagesrhythmus wiederkehrende Fieber beseitigen. [Hinweis: Bei „Lukapinchha“, möglicherweise einer Federbezeichnung, steht in der Quelle ein Fragezeichen.]
46-129. Bala-Wurzel mit Milch oder Meghanada-Wurzel mit Reiswasser getrunken soll übermäßige Blutung verhindern.
46-130. Rote beziehungsweise weiße Japa-Blüten soll man bei rotem beziehungsweise weißem Ausfluss trinken; morgens ihre Wurzel mit Milch, nachts ihren Absud mit Milch.
46-131. Eine Kokosblüte wird mit Lehm umhüllt und im Feuer erhitzt. Ihr Saft, mit Milch getrunken, soll weißen Ausfluss verhindern.
46-132. Wer während der fruchtbaren Zeit vier Tage lang Shalmali-Blüten in Milch trinkt, soll unfruchtbar werden. Wer Abhaya und die scharfen Gewürze trinkt, soll dagegen wieder fruchtbar werden.
46-133. Manjishtha, Anjana, Shariba, Abda, Katuka, Nakta, Ela, Jati-Frucht, Shrikanda beziehungsweise Shrikantha, Triphala, Jata, Tagara, Ruj, Yashti und die vier aromatischen Gewürze, dazu Ushira, Agaru, die beiden Chora, Moschus … und Bisas werden mit Milch und Kumari-Saft zu einem Öl verarbeitet, das Augen- und Kopfschmerzen beseitigen soll. [Quellenlücke: In der Zutaten- beziehungsweise Mengenfolge steht ein Sternchen; die anschließende Verbindung ist beschädigt. Die fehlende Zutat oder Menge wird nicht ergänzt.]
46-134. Gleiche Mengen Elefantenzahn und Amalaka werden in einem geschlossenen Erhitzungsgang gebrannt und mit Bhringa-Saft verrieben; von dieser Paste nimmt man acht Pala.
46-135. Mit zweiunddreißig Pala Bhringa-Flüssigkeit und halb so viel Sesamöl kocht man sie. Durch Einreiben mit diesem Öl sollen selbst auf einem kahlen Kopf Haare wachsen. [Hinweis: Die technische Brennanweisung in Vers 134 enthält eine fragliche Lesung und bleibt unvollständig bestimmbar.]
46-136. Rasanjana und Ziegenmilch, mit im geschlossenen Erhitzungsgang gebranntem Elefantenzahn verrieben und in ein eisernes Gefäß gegeben, sollen aufgetragen Haarwuchs bewirken.
Unnummerierte Erläuterung nach 46-136. Gemeint ist: auch bei einem kahlen Kopf.
46-137. Japa-Blüten, mit Urin einer schwarzen Kuh verrieben, soll man auftragen. Das soll Indralupta, fleckenweisen Haarausfall, beseitigen; ebenso Gunja-Wurzel in Brihati-Saft.
Unnummerierte Erläuterung nach 46-137. Gemeint ist der Saft im Inneren der Frucht der kleinen Brihati.
46-138. Dhatri, Kushtha, Mamsi, blaue Utpala-Wurzel und Bala werden mit Wasser verrieben. Durch Auftragen soll dichtes Haar entstehen.
46-139. Eine Paste mit Gandha und Amala-Kern soll Haarausfall beseitigen. Blaue Utpala-Wurzel, Yashti und Kesara nimmt man zu gleichen Teilen,
46-140. dazu ebenso viel Amalaka. Aufgetragen gilt das als vorzüglich gegen Kapalarshas, Wucherungen an der Kopfhaut. Aragvadha-Blätter und Dhatri, mit Lackharz und Punnaga-Samen,
46-141. werden mit angenehm warmem Wasser verrieben. Aufgetragen gilt auch das als vorzüglich gegen Kapalarshas. Die Kerne der drei Triphala-Früchte, Metallpulver und Bhringaraj,
46-142. rote Ashvamara-Blüten und Nili-Pulver werden verrieben, mit Rohzucker beräuchert und aufgetragen. Das soll graues Haar schwarz färben. [Hinweis: Die erste Zutatenverbindung in Vers 139 ist unsicher; „Shastra-Pulver“ in Vers 141 ist hier als Metallpulver verstanden.]
Unnummerierte Erläuterung nach 46-142. Überall soll man die Zutaten mit saurer Reisflüssigkeit verreiben.
46-143. Samenöl von Kakatundi und Pilu wird in einem eisernen Gefäß in die Sonne gestellt. Durch Einreiben und Nasenanwendung soll es graues Haar beseitigen.
46-144. Man verbrennt „Mehan“ unter Rauchabschluss. Das Pulver wird mit Arka-Milchsaft und scharfem Öl verbunden und aufgetragen; es soll Kopferkrankungen beseitigen. [Hinweis: Das zu verbrennende Material ist durch die Lesung „mehan“ nicht sicher bestimmt.]
46-145. Dhatri- und Punnaga-Samen, Lackharz und junge Aragvadha-Blätter werden in saurer Flüssigkeit verrieben und aufgetragen; sie gelten als Mittel gegen Kopferkrankungen. [Hinweis: Die Quelle bietet bei „saurer Flüssigkeit“ eine Lesungsalternative.]
46-146. Kakodumbara-Wurzel, mit Reiswasser verrieben und getrunken, soll Blutung an den Zähnen verhindern.
46-147. Pathya, Aksha, Amalaka, Nilika, Madhukari, Varahi, Mundi, Amrita, Brahmaga, Punarnava, Turaga, Rakta und Pitaka werden zu gleichen Teilen pulverisiert; hinzu kommt halb so viel Kanta, das hundert Erhitzungsgänge durchlaufen hat. Wer dies ein Jahr lang mit Honig verrührt isst, dessen Körper soll ohne Alter und ohne Tod werden. [Hinweis: Mehrere Namen dieser Zutatenliste sind nicht sicher botanisch oder mineralogisch zu bestimmen.]
46-148. Pathya, Aksha, Amalaka, Agni, Kitaripu, Vakuchi, Bhringika, Bhallata, Asana und hundertmal erhitztes Kanta werden in schrittweise zunehmenden Mengen verwendet. In dem betreffenden Gefäß mit Honig, Zucker und Ghee verrieben soll man sie auflecken. Nach einem Jahr soll man Vollendung erlangen, das Alter überwinden und tausend Jahre glücklich leben. [Hinweis: Die genaue Staffelung der Mengen ist nicht ausgeschrieben. Das hohe Lebensalter ist eine historische Verheißung, keine bestätigte Wirkung.]
Kolophon. Hier endet im Mantrapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das sechsundvierzigste Kapitel über verschiedene Krankheiten.
Besinnung: Fürsorge und die Grenzen des Verfügbaren
Vom kranken Kind bis zum alternden Menschen berührt das Kapitel viele Erfahrungen körperlicher Verletzlichkeit. Heutige Yoga-Aspiranten können darin einen Anlass sehen, ihre Praxis mit Fürsorge und Geduld zu verbinden. Wünsche nach Nachkommen, Schönheit und langem Leben sind als Wünsche erkennbar; die dazu überlieferten Mittel und Versprechen bleiben Teil der historischen Welt des Textes. Mitfühlende Begleitung verlangt keine Zusage, jedes Leiden beherrschen zu können.
Mantrapada, Kapitel 47: Schadenzauber und seine Abwehr
Das Kapitel beschreibt Abhichara, rituelle Handlungen zur Schädigung anderer, und anschließend deren Abwehr. Es begründet solche Handlungen mit dem Schutz des Dharma und beschränkt am Ende ihren Einsatz. Diese historische Rechtfertigung bleibt von heutiger spiritueller Deutung getrennt. Die feindseligen Gebete, Diagramme und Wirkungsbehauptungen werden als Quelleninhalt wiedergegeben; besonders beschädigte Diagramm- und Mantrapassagen werden nicht rekonstruiert.
Eingang. Nun das siebenundvierzigste Kapitel.
47-1. Nun werden die Abhichara-Handlungen gegen Feinde genannt, die Dharma und Veda bekämpfen. Sie gelten als siebenfach: Erstarrenlassen, Entzweien, Vertreiben und Töten,
47-2. ferner Verwirren und Vernichten beziehungsweise deren Verbindungen. Durch Yantras, Mantras, Feueropfer und anderes sowie durch Zubereitungen aus Wirkstoffen sollen sie gelingen, entsprechend den Darlegungen der jeweiligen Tantras. [Hinweis: Der Text nennt sieben Arten, doch die Aufteilung der letzten Glieder ist nicht eindeutig.]
47-3. Bereits zuvor wurden sie in diesem Werk bei den Ganapati-Ritualen, bei den Durga-Ritualen mit Trishtubh und anderen Mantras sowie bei Shakti und Aghorastra
47-4. und gesondert in den Vishnu-Ritualen, etwa zu Narasimha, gelehrt. Der Kundige soll sie im Bereich der Abhichara anwenden.
47-5. Was noch nicht gezeigt wurde, wird hier zum Schutz des Dharma aufgeschrieben. In die Mitte eines Vibhitaka-Bretts zeichnet man Krodha mit Rötel.
47-6. In seine Mitte kommt der Name, mit der Chiffre „Bhanta“ verschränkt; in „Ksha“ folgt außen die Achtzahl „Mamsa“. Außen zeichnet man das Mahendra-Feld mit acht Vajras, danach mit Vasuki
47-7. und Shankhapala umwunden. In beider Münder schreibt man den Namen. Man vergräbt das Brett unter abgelegten Opfergaben und legt einen Stein darauf.
47-8. Das wird als Stillstellen eines feindlichen Heeres und dergleichen bezeichnet. In die Mitte eines Lotus schreibt man den Namen und Varma, in die Blätter der Himmelsrichtungen ebenfalls Kavacha,
47-9. in die Ecken Erde, im Inneren fünf … und das Erdfeld mit Vajras in den acht Richtungen. Auf dessen Spitzen schreibt man Varma, außen den Wasserkreis.
47-10. Im Schoß des gelben Ganapati wird das mit gelben Gaben verehrte Diagramm aufgestellt. Wie zuvor gilt es als Stillstellen feindlicher Heere und anderer Gegner. [Hinweis zu 47-5–10: Mehrere Buchstaben- und Diagrammchiffren sind nicht sicher auflösbar, insbesondere „Mamsa“ und die Fünfzahl in Vers 9. Die Ellipse bezeichnet diese örtliche Unsicherheit, kein ausgelassenes übersetzbares Satzglied.]
47-11. „Yamas König …“ – es folgt eine kunstvoll verschränkte Lautfolge, in der Yama, Herrschaft, Yaksha und Freiheit von Krankheit anklingen. [Örtliche Ausnahme: Der Vers bildet ein Lautdiagramm, keinen zuverlässig übersetzbaren fortlaufenden Satz. Seine vollständige gelieferte Lautgestalt ist unter 47-11 in den Sanskritfassungen bewahrt; die genannten Bedeutungsanklänge sind keine gesicherte Gesamtübersetzung.]
Unnummerierte Formel und Erläuterung nach 47-11. „Anrufung mit der heiligen Silbe und dem Shakti-Keim; dem mit entstelltem Antlitz! Schutz- und Abwehrlaute, Darbringung!“ Dieser zwölflautige Mantra wird als Mantra Yamas gelehrt.
Weitere unnummerierte Formeln. „Heilige Silbe und Shakti-Keim: dem Schwarzfarbigen! Heilige Silbe: dem mit entstelltem Antlitz! Heilige Silbe: dem Neungesichtigen, der eine Krone aus gelbbraunen Flechten trägt! Heilige Silbe und Schutzlaut: dem, dessen Glanz dem Aufgang tausend Sonnen gleicht! Heilige Silbe und Shakti-Keim: dem Dreiäugigen – den drei Augen die rituelle Darbringung! Heilige Silbe und Shakti-Keim: dem mit entstelltem Antlitz, Schutz und Abwehr!“ Die letzte Formel ist die Waffenformel.
47-12. So entstehen die sechs Glieder des Yamantaka-Mantras mit ihren jeweiligen Abschlusslauten.
Unnummerierte Formel nach 47-12. „Heilige Silbe: dem Rauchdunklen, mit verdoppeltem Abschlusslaut!“ Dies ist der Yama-Mantra. Die Glieder werden aus ihm selbst gebildet. [Hinweis: Samen- und Abschlusslaute haben keine sichere deutsche Wortbedeutung; ihre Funktion wird übersetzt, ihre Sanskritgestalt getrennt bewahrt.]
47-13. In die Mitte dreier Kreise zeichnet man zwei Linien in Süd-Nord-Richtung, ebenso in Ost-West-Richtung.
47-14. Im Süden und Norden zeichnet man Büffel- und Pferdeköpfe, in die Ecken jeweils eine Linie und an die Enden Dreizacke.
Unnummerierte Erläuterung nach 47-14. Gemeint sind die Enden der Linien.
47-15. Mit Scheiterhaufenkohle, Aksha- und Nimba-Flüssigkeit zeichnet man auf das Gewand eines Toten. In den ersten Kreis schreibt man fünf Laute,
47-16. in die Felder der Mitte, des Ostens, Westens, Südens und Nordens der Reihe nach die fünf Laute „Ya, Ma, Me, Da, Kshe“. Name und beabsichtigte Handlung stehen in der Mitte.
47-17. In die östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Felder des zweiten Kreises schreibt man der Reihe nach „Ra, Do, Yo, Ye“, dann in vier weitere Felder,
47-18. jeweils zwei Felder, die mit „Jangha, Runa, Niravara“ beginnende Folge; anschließend weitere mit „Nirakarana“ und „Nidaniraksha“ bezeichnete Lautverbindungen. [Örtliche Ausnahme: Die Feldzuordnung und Lautfolge dieses Verses sind beschädigt und in der Quelle fraglich markiert. Sie lassen sich nicht zuverlässig als Diagrammanweisung übersetzen.]
47-19. Dann schreibt man in die acht Seitenfelder der inneren Dreizacke den achtlautigen Yama-Mantra, danach den zwölflautigen
47-20. auf die Spitzen der innen und außen befindlichen Dreizacke; Yamantaka auf die Blattspitzen, ebenso in die Blätter außerhalb des Radkranzes.
47-21. Mit diesem Diagramm, zwischen zwei Schalen eingeschlossen, soll man zwischen zwei miteinander befreundeten Menschen hindurchgehen und es dann auf einem Leichenplatz oder an einem ähnlichen Ort vergraben. [Hinweis: Die Verbindung des Anfangs „etad arabhya“ bleibt unsicher.]
47-22. Zuvor bringt man Yama eine Bali-Gabe aus folgenden Stoffen dar: Milch, Dickmilch, Reis, Ratri, Honig, Ghee, Mudga und Masha,
Unnummerierte Fortsetzung nach 47-22. Süßkugeln, geröstetem Mehl und Puffreis – alles im Bereich vom Osten bis zum Nordosten. Mit dem zwölflautigen Mantra wirft man es neunmal in die Münder Yamantakas.
47-23. Den Weltenherren und im Norden den Yakshas, im Südwesten
47-24. den Rakshasas und in allen Richtungen den Bhutas gibt man Gaben. Südlich des Diagramms legt man Bali-Gaben unter Anrufung seiner eigenen Namen nieder:
47-25. Yamaraja, König Yama; Kala, die Zeit; Yama; Vaivasvata, Sohn des Vivasvat; Shanta, der Friedvolle; Pretaraja, König der Verstorbenen; Mrityu, der Tod; Antaka, der Beender;
47-26. Kritanta, der das Ende setzt; Dharmaraja, König des Dharma. Dies sind die zehn Namen Yamas. Mit diesen Yama-Mantras, die jeweils mit dem eigenen Keimlaut beginnen und mit der Verehrung enden, bringt man die Bali-Gabe dar.
47-27. Dann wirft man Gaben für die Mütter, beginnend mit Vighna, und für Virabhadra; ferner für die Weltenherren, im Norden für die Yakshas, im Südwesten
47-28. für die Rakshasas und in allen Richtungen für die Bhutas. Der kurze Shakti-Laut und „Kha“ mit Feuer, Bindu und Visarga bilden einen Mantra.
47-29. Diesen schreibt man auf zwei Schalen, verschränkt mit den Namen der beiden Zielpersonen. Auf eine schreibt man mit goldenem Griffel und Rochana-Saft,
47-30. auf die andere mit einer Krähenfeder, die in Leichenplatzruß getaucht ist. Man vergräbt sie an den beiden Ufern eines Flusses; das soll gegenseitige Feindschaft bewirken. [Hinweis: Die Quelle liest am Flussbezug „vadya“; die Wiedergabe folgt dem erkennbaren Zusammenhang.]
Unnummerierte Formel und Anwendung nach 47-30. „Dharmatika, Dharmatika, Schreckliche, Feindschaft Erregende, Entzweiung Bewirkende! Zwischen dem Schrecklichen und dem Nichtschrecklichen, zwischen diesem und jenem, wie zwischen Krähe und Eule …“ Mit den Flügeln beziehungsweise Federn einer männlichen Eule in den Händen wird auch eine Sättigungsgabe beschrieben. Dies ist Entzweiung. [Örtliche Ausnahme: Der Übergang von der Anrufung zur Handlungsanweisung ist beschädigt; die genaue Zuordnung von Krähen- und Eulenfedern bleibt unentscheidbar.]
47-31. Man schreibt den Namen der Zielperson, verschränkt, in das Dharma-Wind-Feld; in die acht Richtungen den Windlaut mit Visarga, auf ein Aksha-Brett.
47-32. Unter der Dharmatika-Formel wird dies wiederholt geschrieben und weggewischt. Das Pulver auf den Kopf des Feindes gelegt soll ihn vertreiben. [Hinweis: Das Wort „Feind“ ist an dieser Stelle in der Quelle als Ergänzungsfrage markiert.]
47-33. Das zuvor genannte Diagramm schreibt man mit Dhurdhura-Saft und Ruß auf das Tuch einer Fahne vom Leichenplatz und umwickelt es mit schwarzem Faden.
Unnummerierte Fortsetzung nach 47-33. Man legt es in den Schnabel einer Krähe und lässt sie in das feindliche Heer fliegen. Das soll die Vertreibung des Heeres bewirken.
47-34. Asche vom Leichenplatz mit Krähenfeder und Schlangenhaut, in Leichenplatztuch
47-35. eingeschlagen und mit rotem Faden umwunden, soll, niedergelegt, starke Vertreibung bewirken. Scheiterhaufenasche, Menschenknochen und Brahmadandi soll man vergraben.
47-36. Krähenfeder, Menschenknochen und Raji werden in zwei Vertreibungsanwendungen genannt. Einen dreikantigen Ashvi-Pflock mit dem Durga-Keim
47-37. vergräbt man am Fußabdruck oder im Haus des Feindes; das soll seine Vernichtung bewirken. Eine doppelte „Pari“-Folge, mit Varma und am Ende dem Darbringungslaut, bildet den folgenden Mantra. [Hinweis: Die Aufteilung in zwei Anwendungen in Vers 36 und die Lautbildung in Vers 37 bleiben unklar.]
47-38. Einen Nimba-Pflock vergräbt man unter Vishakha im Haus; das soll Vernichtung bewirken. Ein Krähennest aus einem Nimba-Baum verbrennt man im Scheiterhaufenfeuer.
47-39. Seine Asche an der Tür niedergelegt soll das Haus zugrunde richten; auf einen Kopf gestreut soll sie Entzweiung und Vertreibung bewirken.
Unnummerierte Rudra-Formel nach 47-39. „Verehrung dem erhabenen Rasenden …! Drehe dich, verwirre diesen Menschen! Erschrecke ihn, versetze ihn in Irrsinn, Rudra, mit deiner schrecklichen Gestalt! Schutz-, Abwehr- und verdoppelte Abschlusslaute!“ [Quellenunsicherheit: Die Anrede unmittelbar nach „Rasenden“ ist beschädigt und nicht sicher übersetzbar.]
47-40. Der Rishi dieser Formel ist Kaivarta, ihr Versmaß Kakubh, ihre Gottheit Rudra. Vom achten Tag der dunklen Monatshälfte bis zum vierzehnten Tag soll man sie wiederholen.
47-41. Nachts wiederholt man sie dreihunderttausendmal auf dem Leichenplatz. Durch dortiges Feueropfer mit Dhurdhura-Holz sollen Feinde innerhalb von acht Tagen verwirrt werden.
47-42. Eine Feindfigur aus Gold und Rötel, in deren Mitte die Lebenskraft eingesetzt wurde, wird mit goldenen Nadeln behandelt; der Feind soll unmittelbar sterben. [Hinweis: Das Verb für das Einstechen ist im Satz nicht ausdrücklich vorhanden; die Nadeln und das Ergebnis sind genannt.]
Unnummerierte Formel und Glieder nach 47-42. „Vom Tod Gebissene, Furcht Erregende! Zerreiße, zerdrücke, vernichte! Schutz-, Abwehr- und verdoppelte Abschlusslaute!“ Die Glieder lauten: „Vom Tod Gebissene!“; „Furcht Erregende!“; „Zerreiße, zerdrücke!“; „Vernichte!“; sodann Schutz- und Abwehrlaut – jeweils mit verdoppeltem Abschlusslaut.
47-43. Ihr Rishi ist Kuchaka, das Versmaß Nichrit, die Gottheit Yama selbst. Am achten beziehungsweise vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte verehrt man Shiva und hält ein Milchgelübde.
47-44. Nach fünfhunderttausend Wiederholungen gilt der Mantra als verwirklicht. Dann steht man bis zum Nabel im Wasser und bildet aus feuchtem Tuch einen Körper,
47-45. samt Kopf; durch Wiederholung des Mantras soll der Feind innerhalb einer Monatshälfte sterben. „Festhalsige, Unförmigäugige, Samkshani, du Großbäuchige!
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln nach 47-45. Töte den Feind mit dem Dreizack; trinke das Blut des Zornigen! Brenne, koche, zerreibe, töte, trockne aus, vernichte, zerstöre! Schutz-, Abwehr- und verdoppelte Abschlusslaute!“ Ihre Glieder: „Belebende! Aufwärtsgerichtethaarige! Mit flammendem Haarschopf! Du, deren Gestalt die Maya der drei Welten ist! Tausendfach sich Wandelnde! Töterin Tarakakshas!“ [Hinweis: „Samkshani“ bleibt als unsichere Anrede stehen; die vorangehende Körperbildung ist syntaktisch knapp.]
47-46. Diese ergeben mit den jeweiligen Abschlusslauten der Reihe nach die sechs Glieder.
47-47. Der Rishi ist Pippalada, das Versmaß Nivrit, die Gottheit Bhadrakali. Durch hunderttausend Wiederholungen soll die Formel wirksam werden.
47-48. Möge die Geierohrige schützen: Ihr Bauch hat vertrocknete Eingeweide und Fleisch, ihr Körper ist mager und lang; ihr Gesicht mit Fangzähnen ist schrecklich. Sie trägt Schädel und Dreizack, hat runde, wilde, gelbbraune Augen und flammendes, aufgerichtetes Haar. Ihre lange Nase macht sie furchtbar.
47-49. Im Lotusinneren verehrt man die Geierohrige, in den Ecken und Himmelsrichtungen ihre Glieder, ferner Waffe und Auge an den beiden betreffenden Stellen und außen die Mütter. [Hinweis: Die Zuordnung der beiden letzten Stellen ist nicht genauer ausgeschrieben.]
47-50. In einen Schädel schreibt man den Mantra, mit dem Namen der Zielperson verschränkt. An einem Ort mit einem einzigen Linga wiederholt man ihn, nach Süden gewandt und in der entsprechenden Haltung.
47-51. Innerhalb eines Monats sollen dadurch bei nächtlicher Praxis Tötung und Ähnliches gelingen. Mit einer Paste aus Nimba-Blättern, Mango und dessen Samen bestreicht man den Körper,
47-52. geht unter Wiederholung zwischen zwei Freunden hindurch – sie sollen einander hassen. Oder man opfert Teilchen ihres Fußstaubs in einer Ameisengrube;
47-53. das soll Vernichtung bewirken. Oder man wiederholt den Mantra mit erhobenen Armen, der Sonne zugewandt. Einen Ashvi-Pflock vergräbt man am rechten Fußabdruck; das soll Vertreibung bewirken,
47-54. am linken Krankheit oder Tod. Dazu gehört der Mantra und ein dreieckiger Zusammenhang. „Shakti-Keim, weiterer Keim, Shakti-Keim, eine verschränkte Lautfolge: Zerstöre den Feind! Schutz-, Abwehr- und verdoppelte Abschlusslaute!“ Mit dem Namen der Zielperson wiederholt soll der Feind quartanes Fieber bekommen. [Hinweis: Die Verbindung „gunashra“ und die Lautfolge vor dem Tötungsbefehl bleiben unaufgelöst; keine gesicherte Rezitationsform wird daraus abgeleitet.]
47-55. Oder er soll stechende Schmerzen bekommen. Man zeichnet eine Rötelfigur und durchbohrt sie mit Knochen. Erst nachdem die Lebenskraft in die Figuren eingesetzt wurde, sollen die Handlungen
47-56. gelingen. Diesen Mantra soll man der Reihe nach hundertachtmal wiederholen. Die Figur der Zielperson misst zwölf Fingerbreiten und trägt Lebenskraft und Namen im Herzen.
Unnummerierte Einsetzungsformel nach 47-56. „Die Lebenskräfte dieses Menschen seien hier die Lebenskräfte; seine lebendige Seele sei hier gegenwärtig. Alle seine Sinne, Rede, Denken und Lebenskräfte mögen hierherkommen! Verdoppelter Abschlusslaut!“
47-57. Wo „dieses Menschen“ steht, setzt man den Namen der Zielperson ein. Der mit dem linken Ohr versehene Fisch, dreifach, mit Ananta und Visha,
47-58. ferner Kumbha, Heilpflanze und Auge, dazu der verdoppelte Abschlusslaut: So wird ein achtlautiger Mantra gebildet. Seine Gottheit ist Dhumavati, jene überaus furchtbare Jyeshtha.
47-59. Ihr Rishi ist Pippalada, das Versmaß Nivrit. Die Glieder werden aus der Formel selbst gebildet. Ihr Einsatz wird dem Abhichara zugeordnet. [Hinweis zu 47-57–59: Die Wörter für Fisch, Ohr, Pflanzen und andere Gegenstände sind Buchstabenchiffren; sie werden nicht zu einer vermeintlich sicheren Mantraformel aufgelöst.]
47-60. Nachts am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte, mit offenem Haar und unbekleidet, nur nachts essend, soll man hunderttausendmal wiederholen, auf einem Leichenplatz oder im Wald.
47-61. Möge Dhumavati euch schützen: hochgewachsen, sehr schwarz, mager und unförmig, mit offenem Haar und missgestaltet, mit gebogener, hochragender Nasenspitze, wenigen Zähnen und drei runden gelbbraunen Augen. Sie trägt Frauenschmuck, hat behaarte Glieder und ein schmutzverkrustetes Gewand. Krähe als Fahrzeug und Banner kennzeichnen sie. Als frisch verwitwete Frau hält sie vorn in der Hand eine geschüttelte Getreideschwinge.
47-62. Am achten oder am Bhuta-Tag verbrennt man nachts eine Krähe im Scheiterhaufenfeuer. Ihre mit Mantra besprochene Asche ausgestreut soll einen Feind vernichten. [Hinweis: „Bhuta-Tag“ ist hier eine kalendarische Chiffre; die Zahl wird nicht ergänzt.]
47-63. In die Ecken des sechsseitigen Zeichens schreibt man die „geschlechtslosen“ Laute des Ma-Zusammenhangs, in die Mitte die beiden Namen und bestreicht es mit Visha.
47-64. Während man es mit einem Baumwollstängel schlägt, wiederholt man den Mantra; dies soll beide entzweien. Ein Aschenopfer mit Scheiterhaufenholz im Scheiterhaufenfeuer soll töten.
47-65. Wer Asche mit dem Fußstaub der Zielperson in einem Unmatta-Feuer opfert, bei dem soll der Feind nach einem Monat in Wahnsinn geraten. [Hinweis: Die Zeichenchiffre in Vers 63 und „Unmatta-Feuer“ sind örtlich nicht sicher aufzulösen.]
47-66. Mit Nimba-Blättern, auf die der Name der Zielperson geschrieben ist, soll das Feueropfer töten. Man schreibt ihn mit Raji-Ghee zu Zeiten wie Gulika.
47-67. Unter Sternbildern, die zu den Anteilen von Jupiter und Saturn gehören, an deren Tagen und in deren Anteilen, verbunden mit einem Rikta-Tag, entsteht die „Sthavira“ genannte Konstellation; sie wird für schädigende Rituale empfohlen.
47-68. Vainashika, das Tötungssternbild, Mars und das achte Tierkreiszeichen gelten als günstig für schädigende Handlungen, besonders um Mitternacht. [Hinweis: Die astrologischen Fachbezeichnungen werden bewahrt; daraus wird kein aktueller Ausführungskalender berechnet.]
47-69. Eine aus dem Baum des betreffenden Mondhauses gefertigte Feindfigur bestreicht man mit Marga-Samen und Maricha und erhitzt sie nachts siedend; der Feind soll Fieber bekommen.
47-70. Man dreht sie mit einem Karni-Löffel und mit Blättern von einer Spanne … aus Blattzweigen wird sie gefertigt. [Quellenlücke: In der Mitte des Verses fehlen durch Sternchen bezeichnete Wörter; auch die erhaltene Verbindung vor der Lücke ist beschädigt.]
47-71. Durch Opfer mit Ashvi-Holz soll der Feind innerhalb dreier Zeiteinheiten leiden. Man setzt die Figur auf einen Dreizack in die Opfergrube; anschließend wird Erde aus dem Haus genannt.
Unnummerierte Fortsetzung vor 47-72. Oder man verwendet darin eine Sandfigur zur Tötung. Gemeint ist ein Feueropfer mit Ashvi-Scheiten. [Örtliche Ausnahme zu 47-71 und dieser Fortsetzung: Die Zuordnung von Hauserde, Sandfigur und Feueropfer ist beschädigt; die erkennbare Aussage ist zusammenfassend wiedergegeben. Die Zeiteinheit bei „drei“ ist nicht genannt.]
47-72. Mit eisernen Pflöcken durchbohrt vergräbt man die Figur, das Gesicht nach unten,
47-73. unter abgelegten Opfergaben. Durch dortige Mantrawiederholung soll der Feind sterben. Bei Wiederholung und verwandten Handlungen setzt man den Namen nach den ersten beiden Mantralauten ein.
47-74. Auf ein sechsseitiges Palmblatt schreibt man Mantra und Namen, bestreicht es mit Visha, teilt es und vergräbt die Teile an den beiden Flussufern.
Unnummerierte Erläuterung nach 47-74. Dadurch soll Feindschaft entstehen.
47-75. Chitraka, ein Salzklumpen, Hausruß und die drei scharfen Gewürze werden mit Hema-Flüssigkeit verrieben, dazu Surana. Die als Visha bezeichnete Mischung wird für Entzweiung und Tötung verwendet. [Hinweis: „Hema-Flüssigkeit“ und die Trennung der Schlussglieder sind unsicher.]
47-76. Erde von Ameisenhügeln aus sieben Dörfern und Eselhaar; Eka-Ashvi-Rinde, Krähenwurzel beziehungsweise die Basis der Krähenfeder, Federn und Leichenplatzasche;
47-77. ein auf Agnimantha wachsender Schmarotzerzweig, Markati und Brahmadandika; Brahmadandi, Scheiterhaufenasche und Haare eines Chandala und eines Brahmanen;
47-78. ferner ein im Scheiterhaufenfeuer verbranntes Krähennest aus einem Nimba-Baum; Hundeknochen, abgelegte Shiva-Opfergaben, Eselhaar und Knochen;
47-79. Markati zur Gulika-Zeit verbunden: Dies soll das zehnfache Pulver bilden. Diese Stoffe sammelt man zur Gulika-Zeit, zu gleichen Teilen, und bringt sie in das Heiligtum Kalis.
47-80. Unter dem Mantra werden sie pulverisiert und mit dreihunderttausend Wiederholungen wirksam gemacht. Dieses zehnfache Pulver, am Feuerplatz, in der Klause und an ähnlichen Orten des Feindes niedergelegt,
47-81. soll alles vernichten. Dieses Geheimnis wurde von Pippalada verkündet. Ein Eka-Ashvi-Pflock beziehungsweise ein eiserner … von sieben Fingerbreiten wird am Fußabdruck des Feindes
47-82. mit dem Mantra vergraben; dies soll ihn vertreiben. Kiesel aus Waldheiligtümern Durgas oder Kalis
47-83. werden in einem von drei Ashvi-Pflöcken getragenen Schädel mit saurer Flüssigkeit und Salz geröstet und mit einem Stab desselben Holzes bewegt. Mit Mantra besprochen und ausgestreut sollen sie alle vertreiben. [Hinweis zu 47-76–83: Die Zehnergliederung der Pulverliste ist nicht eindeutig; mehrere Wörter sind beschädigt. In Vers 81 steht eine ausdrückliche Quellenlücke.]
47-84. „In der Dämmerung in neun Shiva-Heiligtümern gesammelte Kiesel …“ [Quellenlücke: Nur dieser Anfang ist vorhanden. Die übrigen drei Verszeilen sind durch Sternchen ersetzt und können nicht übersetzt werden.]
47-85. „… unbekleidet … diese ausgestreuten Kiesel bewirken Vertreibung.“ [Quellenlücke: Fast der gesamte Vers fehlt; nur die angeführten Bestandteile sind erhalten.]
47-86. Man schreibt die mit „Madhya“ beginnende Vidya in ein Sechseck, mit rotem …, ferner Feuer und Wind in einen Menschenschädel, und vergräbt ihn auf dem Leichenplatz zur Beseitigung eines schädigenden Preta. [Örtliche Ausnahme: Mehrere Wörter fehlen oder sind beschädigt. Die erkennbaren Elemente sind zusammenfassend wiedergegeben; die genaue Diagrammfolge und die Schlussverbindung bleiben unsicher.]
47-87. Das Verfahren zur Abwehr schädigender Rituale wurde beim Sudarshana-Mantra gelehrt. Durch das „gebogene“ beziehungsweise besondere Feueropfer, Weihebegießung und weitere Handlungen sollen die Arten des Schadenzaubers vergehen. [Hinweis: „Vakra-Homa“ ist hier nicht näher erklärt.]
47-88. Auch bei Durga, Narasimha, Aghorastra und Aparajita wurden Anwendungen gezeigt, die schädigenden Abhichara beruhigen sollen.
47-89. Dennoch werden hier, vom Wunsch nach dem Wohl der Menschen geleitet, die von Pratyangiras gelehrten Gegenmittel kurz aufgeschrieben.
47-90. Sie werden mit dem Pratyangirasa-Sukta aus fünfunddreißig Versen verbunden. Ein zusätzliches Viertel wird erwähnt; in einem ergänzenden Textteil wurden sie einst vom Seher geschaut. [Hinweis: Die Wendung zur zusätzlichen Viertelstrophe und der Sehername „Angasa“ sind örtlich unklar.]
47-91. Als gemeinsamer Rishi gilt Pratyangiras, als Versmaß Anushtubh. Gottheit ist Kritya; diese Gestalten werden als Mütter verstanden.
47-92. Wo in einem Sukta viele Verse zusammenkommen, nennen die Lehrer Yaska und Shandilya entsprechend auch ein Vishvadeva-Opfer. [Hinweis: Der Satz ist elliptisch; die genaue Verknüpfung der Lehrerangabe mit dem Opfer bleibt unsicher.]
47-93. Durch Wiederholung, Feueropfer und andere Handlungen mit dem Vers, der „Diejenige, welche sie bereiten“ beginnt, sollen schädigende Abhichara-Handlungen vergehen und zu ihren Urhebern zurückkehren.
47-94. Man stellt vorschriftsgemäß einen Krug auf, legt südlich davon eine Opfergrube an und richtet das Feuer nach der eigenen vedischen Schule oder nach dem Mantraverfahren ein.
47-95. Krug und Grube werden mit Schwertern umgeben; auch in einem Schädel wird Feuer eingesetzt. Vom achten Tag der dunklen Monatshälfte an, in der Dämmerung, mit roter Duftsalbe, rotem Gewand und weiteren entsprechenden Gaben,
47-96. mit in Kuhurin getränkten Apamarga-Scheiten, Ghee, Siddhartha-Senf, weiterem Senf und gekochter Opferspeise, jeweils gesondert,
47-97. bringt man gesammelt je neun Spenden im Schädelfeuer dar, mit dem Vers „Diejenige, welche sie bereiten“, vom Südwesten bis zum Nordosten, sieben Tage lang.
47-98. Schädigende Rituale, Abhichara und auch Krankheiten sollen dadurch vergehen.
47-99. Mit dem Versbeginn „Wie vom Blitz getroffen“ und den folgenden Worten opfert man Kurava-Scheite gegen Schadenzauber; mit Kuhprodukten und dem Vers, der mit „Schutzband“ beginnt, verfährt man ebenfalls.
47-100. Einen Fingerring aus drei Metallen benetzt beziehungsweise weiht man beim Feueropfer und trägt ihn. Oder man opfert mit Kuhurin und weiteren Kuhprodukten oder mit dem als „Schnelle“ bezeichneten Vers hunderte Apamarga-Scheite.
47-101. Oder man opfert Guggulu, mit den fünf Kuhprodukten bestrichen, unter dem mit „Nebenbuhlerin“ beginnenden Vers.
47-102. Jedes dieser Feueropfer soll Abhichara beruhigen. Auch mit den übrigen Versen und den genannten Gaben bringt man gesonderte Opfer dar,
Unnummerierte Fortsetzung nach 47-102. zum Schutz vor schädigenden Kritya-Handlungen und zur Beruhigung von Krankheiten. [Hinweis zu 47-93–102: Der Text nennt vedische Verse nur durch Anfangswörter. Ihre nicht mitgelieferten vollständigen Wortlaute werden nicht ergänzt.]
47-103. Die fünf Kuhprodukte, Zuckerrohr, Sesam, Gerste, Mudga, Shali-Reis, Weizen, Bilva, Masha, Sesam und Lotussamen gibt man auf ein Lotusblatt beziehungsweise in Kupfer und vergräbt sie bei einer Naga-Konstellation in der Erde.
Unnummerierte Erläuterung nach 47-103. Gemeint ist: in eine kupferne Schatulle legen und mit dem Sudarshana-Mantra zehntausendmal besprechen. [Hinweis: Mudga ist in der Quelle fraglich ergänzt; Sesam wird zweimal genannt. Diese Lesungen bleiben erhalten.]
47-104. Dies ist die erste Ghatika der Hälfte des letzten Nachtabschnitts am Neumond, außerdem eine Schlangen-Muhurta, ein Schlangen-Mondhaus und ein Schlangen-Karana.
Unnummerierte Erläuterung nach 47-104. Dies ist die Naga-Konstellation.
47-105. Fünf Wurzeln, fünf Erden und sämtliche Samen mit den fünf Kuhprodukten gibt man in ein irdenes Gefäß. Unter Wiederholung des Narasimha-Keims vergräbt man es bei einer Naga-Konstellation in der Erde.
Unnummerierte Erläuterung nach 47-105. Schädigende Einflüsse sollen vergehen und Wohlstand soll wachsen.
47-106. In vier Schalen entzündet man Lampen mit Dochten aus weißem Lotus und Ghee einer braunen Kuh. Man stellt sie in ein Gefäß und vergräbt es nachts. Das umstrittene Grundstück soll dadurch für den Handelnden gedeihen.
47-107. Unbekleidet, selbst zur Schlange geworden, umschreitet man das Feld nach rechts.
47-108. Bei einer Verfinsterung beziehungsweise am Neumond zeigt man es mit einem Schlangengesicht; die Erde soll in den eigenen Besitz kommen. Fünf Lotusblätter werden gesondert mit den Kuhprodukten gefüllt, ihre Stiele zusammengebunden. Man vergräbt den Blattinhalt unter Erinnerung an Shesha bei einer Naga-Konstellation in der Erde; dies soll Schadenzauber beseitigen. [Hinweis: Der erste Halbvers ist syntaktisch unklar; „Grahana“ und „Darsha“ stehen nebeneinander. Die Verwandlungs- und Besitzvorstellung wird als Ritualbehauptung bewahrt.]
Unnummerierte Krodhagni-Formeln nach 47-108. „Dem Zornesfeuer: Kala, Kata, Schutz- und Abwehrlaut, verdoppelter Abschlusslaut!“; „Der Flamme!“; „Dem mit flammendem Rauch!“; „Dem Rudra der Unterwelt!“; „Erhebe dich – dem Purusha!“; „Dem Bogenträger!“ Die letzten fünf Anrufungen enden jeweils mit dem verdoppelten Abschlusslaut. [Hinweis: Kala und Kata sind hier nicht sicher semantisch aufzulösen; die vierte Anrede ist grammatisch uneinheitlich.]
47-109. Diese ergeben mit ihren Abschlusslauten die sechs Glieder, ausgehend vom Waffenmantra.
47-110. Der Rishi ist Pippalada, das Versmaß Anushtubh. Gottheit ist Krodhagni, das Zornesfeuer: Rudra als zehnarmiger Bhairava.
47-111. Er trägt der Reihe nach Schlinge, Elefantenhaken, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Schädelstab und Schlange; außerdem zeigt er die Gesten der Furchtlosigkeit und der Wunscherfüllung.
47-112. Er gleicht einer dunklen Regenwolke, hat gelbbraunes aufgerichtetes Haar, trägt ein Tigerfellgewand und ist mit vielerlei Schlangen geschmückt.
47-113. Dieser Krodhagni-Mantra mit seinen Gliedern wird als Beseitiger allen Abhicharas gelehrt. An einem Rudra-Ort verehrt man Bhairava, nach Westen gewandt.
47-114. Mit einem Milchgelübde und hunderttausend Wiederholungen soll man den Mantra verwirklichen. In den Dämmerungen, an Rudra-Panchami oder am achten Tag der dunklen Monatshälfte, im Shiva-Feuer,
47-115. in einer dreieckigen Grube, opfert man eintausendacht Ashvi-Scheite zur Beruhigung schädigender Einflüsse, vom achten Tag an acht Tage lang. [Hinweis: Die Zahlenverbindung lässt auch eine andere Gruppierung zu; die Wiedergabe als eintausendacht folgt der nächstliegenden Lesung.]
47-116. Bei Einbruch der Nacht vollzieht man mit Karaskara eine kreisende Lichtgabe für ihn und opfert. An einer Wegkreuzung entlässt man ihn beziehungsweise das Feuer; nach dem Feueropfer legt man auch eine Bali-Gabe nieder. [Hinweis: Der Gegenstand der Entlassung ist in der gelieferten Formulierung nicht eindeutig.]
Unnummerierte Bali-Formel nach 47-116. „Mit der heiligen Silbe: Verehrung den Scharen Rudras, die überall Frieden schaffen! Ich lege diese Gabe nieder. Mögen sie sie zur Befriedung annehmen! Verdoppelter Abschlusslaut!“
47-117. Mit dieser Formel legt man geröstetes Mehl und roten Reis als Bali-Gabe in die acht Richtungen. Nachdem man den Weltenherren und den Hütern des Ortes Gaben dargebracht hat, spricht man weiter:
47-118. „Die Wesen, die hier wohnen, mögen die ordnungsgemäß dargebrachte Gabe annehmen, sich anderswo eine Wohnung bereiten und uns heute schützen. Verehrung sei ihnen!“ [Hinweis: Der Anfang dieses Verses ist beschädigt; die einleitende Bezeichnung der Wesen ist dem erhaltenen Satzverlauf entsprechend wiedergegeben.]
Unnummerierte Anrufung nach 47-118. „… die Seienden, die Nichtseienden, die zugleich Seienden und Nichtseienden, die Missgestalteten, die Allgestaltigen, die Schreckgestaltigen, die mit Tiermäulern und Vogelgesichtern, die Gedeihen bewirken oder es nicht bewirken, die Wünsche gewähren und Gaben begehren: allen diesen Wesen mit ihren Scharen immer wieder Verehrung!“ [Quellenunsicherheit: Die ersten Wörter vor „die Seienden“ sind beschädigt und nicht sicher übersetzbar.]
47-119. Dieses Feueropfer und diese Bali-Gabe sollen allen Schadenzauber beseitigen. Palasha-, Nimba-, Apamarga- und Kuravaka-Brennholz,
47-120. ferner Holz der vier Milchsaftbäume, Siddhartha-Senf, Guggulu, Sesam, die fünf Kuhprodukte, Ghee, Milch und gekochte Opferspeise werden der Reihe nach
47-121. jeweils eintausendachtmal geopfert; dadurch sollen schädigende Einflüsse vergehen. Auch Befreiung von Grahas, Bhutas und ähnlichen Wesen sowie Beruhigung von Krankheiten sollen eintreten.
47-122. Ebenso wird mit Apamarga- und Ashvi-Scheiten und mit Milch geopfert. Am Vormittag des vierzehnten Tages der dunklen Monatshälfte opfert man Milch und bringt die Opferberührung in das Wasser des Kruges ein.
47-123. Durch Begießung damit soll ein von einem Graha ergriffener Mensch befreit werden. Mit Kohle des Ashvi-Baums auf einem Brett desselben Holzes
47-124. zeichnet man das Yamaraja genannte Diagramm und verehrt es als Spender von Wohlergehen. Dort setzt man das Feuer ein und opfert mit Kuhurin besprengte Ashvi-Scheite.
47-125. Durch zehntausend Opfergaben soll Befreiung vom Graha eintreten. Auch Brahmanen sollen gespeist werden. „Dem Chandisha-Maheshvara: Vernichte rasch den Graha dieses Menschen! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Formel setzt den Namen des Betroffenen ein; „Graha“ steht in der gelieferten Anrede grammatisch uneinheitlich.]
47-126. Man bindet dies in ein Tuch, berührt es und wiederholt den Mantra. An einem Ort mit Feuerfahne erfolgt dies gesondert in einer mit „Sonne mal tausend“ bezeichneten Anzahl. [Hinweis: Was genau eingebunden wird, ist nicht eindeutig; die Zahlenchiffre wird nicht aufgelöst.]
47-127. Die Asche auf den Kopf des Feindes, in sein Haus, Dorf oder seine Stadt gestreut soll bald Vernichtung und Vertreibung bewirken.
47-128. Um dies zu beruhigen, gräbt man den betreffenden Boden aus, entfernt die Erde und bringt nach dem Gegenmittelverfahren ein Feueropfer dar; dann soll Befriedung eintreten.
47-129. Die hier beschriebenen schädigenden Handlungen soll man nicht gegen einen Brahmanen oder König anwenden. Gegen gewalttätige Angreifer und Übeltäter soll man sie zum Schutz des Wohls einsetzen. [Hinweis: Dies ist die soziale und moralische Begrenzung innerhalb der historischen Quelle, keine gegenwärtige Billigung solcher Handlungen.]
47-130. Zuerst schützt man sich selbst und den Auftraggeber, dann führt man die Bezwingung des Feindes und ähnliche Handlungen aus. Nach Vollendung des Vorhabens soll der Verständige eine Sühne vollziehen und das Verfahren der Gegenwirkung durchführen.
Kolophon. Hier endet im Mantrapada des Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das siebenundvierzigste Kapitel über schädigende Rituale und ihre Gegenmittel.
Besinnung: Schutz ohne Feindseligkeit
Die Furcht vor Angriffen und der Wunsch nach Schutz prägen dieses Kapitel. Seine aggressiven Rituale lassen sich nicht einfach in alltagstaugliche Yoga-Praxis übertragen. Eine ausdrücklich heutige Anregung besteht darin, Schutz durch klare Grenzen, Unterstützung und Deeskalation zu suchen. Die im Text ebenfalls ausgesprochene Bitte um Frieden kann dabei einen eigenen Raum erhalten, ohne die gewaltsamen Passagen der Überlieferung zu verschweigen.
Mantrapada, Kapitel 48: Anziehung und Gefügigmachen
Das Kapitel behandelt Vashikarana, das vermeintliche Gefügigmachen anderer, sowie Liebeszauber, Körpermittel und einzelne Frauenleiden. Neben Verehrungsformen für Kali, Agni und Soma stehen ausdrücklich sexuelle und auf Zwang gerichtete Handlungen. Die Übersetzung bewahrt diesen historischen Inhalt. Für heutige Beziehungen sind gegenseitige Zustimmung und Selbstbestimmung maßgeblich; die behaupteten Wirkungen der hier genannten Mittel werden nicht bestätigt.
Eingang. Nun das achtundvierzigste Kapitel.
48-1. Nun wird einiges über Liebesgewinnung und Heranziehung gesagt. Ein langer Kurma-Laut, Karni, Visha, mit Lippe, Umakanta und Daruka,
48-2. dann „diesen Menschen“, zweimal „brenne“, das Wort „koche“, „mir“ und „bringe in meine Gewalt“, anschließend die Feuer-Acht: So wird ein Mantra aus einer mit Vikriti bezeichneten Lautzahl gebildet. [Hinweis: Die Buchstaben- und Zahlenchiffren sind örtlich nicht sicher aufzulösen; eine Rezitationsform wird nicht ergänzt.]
48-3. Man wiederholt ihn in einer durch Drei und Guru bezeichneten Anzahl an Guru-Tagen. In der Dämmerung geopferte saure Flüssigkeit und Salz mit Honig sollen gefügig machen. [Hinweis: Die mehrfachen Guru-Zahlenbezüge bleiben unentscheidbar.]
Unnummerierte Formel nach 48-3. „Kaphundeni-Shini, Kaphundali! Brenne diesen Menschen, koche ihn, bringe ihn rasch in meine Gewalt! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Eingangsbezeichnungen sind in ihrer Lautgestalt unsicher und nicht sicher als Wörter übersetzbar.]
48-4. Mit Baumwollsamen, Salz, Zahnputzhölzchen und Fußstaub bringt man unter dieser Formel in der Dämmerung ein Feueropfer dar; nach sieben Nächten soll es Gefügigkeit bewirken.
Unnummerierte Yaksha-Formel nach 48-4. „Verehrung dem schwarzen Yaksha! Naviri, Naviri! Bewege dich, Erregte! Im Geist: lass den Samen beziehungsweise die sexuelle Flüssigkeit fließen! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Verbindung der Anreden mit „Geist“ ist unklar; Naviri bleibt ein unaufgelöster Lautbestandteil.]
48-5. Eine rote Ashvari-Blüte bespricht man siebenmal und lässt sie vor einer Frau kreisen. Diese soll sich ihm unterwerfen und sexuelle Flüssigkeit absondern.
Unnummerierte Formel nach 48-5. „Den Yakshas Verehrung! Unvergleichliche, Blütenhafte! Verdoppelter Abschlusslaut!“
48-6. Eine Blüte oder Frucht, mit dieser Formel siebenmal besprochen und verschenkt, soll gefügig machen. Auf Birkenrinde zeichnet man mit Rochana und Sandelholz einen vierblättrigen Lotus,
48-7. in dessen Mitte der Name steht und auf dessen vier Blätter Elefantenhaken gezeichnet sind. In Ghee gelegt wird er verehrt; Männer und Frauen sollen dadurch gefügig gemacht und herangezogen werden.
48-8. Ardhanarishvara mit Feuer und Namen, Dandin mit Fuß, wird mit Scheiterhaufenkohle auf ein Tuch gezeichnet. In der Yoni platziert soll es die Zielperson gefügig machen. [Hinweis: Die Gottheits- und Körperbezeichnungen dienen hier vermutlich der Buchstabenbildung; ihre genaue Zuordnung bleibt offen.]
48-9. Stier und Widder, mit Auge versehen, am Ende des langen Brahman-Lauts, dazu „den Geist Erfreuende“ und der verdoppelte Abschlusslaut: Dies soll ein zehnlautiger Mantra sein, der gefügig macht.
48-10. Mit Lackharzsaft zeichnet man in die linke Handfläche einen achtblättrigen Lotus, den Mantra auf dessen Blätter. Um gefügig zu machen, zeigt man ihn oder legt ihn ans Herz.
48-11. Für Gefügigmachen und verwandte Handlungen schreibt man den Mantra auf und wiederholt ihn; die Begehrte soll herbeikommen. Mit diesem Mantra bespricht man Butter und bringt sie in die Yoni; durch seine Wiederholung
48-12. und mit Ruß, der aus diesem Fett hergestellt und an die Augen gebracht wird, soll eine Frau ihren Mann erfreuen beziehungsweise für sich gewinnen. Unter allen Mitteln des Gefügigmachens ist nun das „Salz“ genannte besonders wichtig. [Hinweis: Der Satzanschluss der Butteranwendung an die Rußzubereitung ist nicht eindeutig.]
48-13. Dieser Mantra gehört zum Atharvan. Als Rishis werden Varuna, Lavana und Angiras genannt, als Versmaß Anushtubh, als Gottheit Maharatri und Bhadrakali.
Unnummerierte Überleitung vor 48-14. Andere nennen Agni als Gottheit. Zwei Meditationsgestalten werden überliefert.
48-14. Man meditiere über Kali, einer dunklen Gewitterwolke gleich, dreiäugig. Rechts trägt sie Dreizack, Schwert, Schädelstab und Schlange, links Trommel, abgeschlagenen Kopf, Schild und eine blutgefüllte Schädelschale. Glänzende Fangzähne und Schlangenschmuck zeichnen sie aus; sie hat gelbbraune Haarflechten, eine Girlande aus Kriegerköpfen und ein dunkelblaues Gewand.
Unnummerierte Überleitung. Und Agni:
48-15. Dreiäugig sitzt Agni auf einem Widder, mit Flechtenhaar. In seinen Armen hält er Opferlöffel und Lanze und zeigt die Gesten der Wunscherfüllung und Furchtlosigkeit. Safrangelb bis rötlich ist seine Farbe; weißes Gewand und weiterer Schmuck zieren ihn.
48-16. Mamsa und Kumbha, Umakanta, lang und mit Anusvara geschmückt, bilden den Anfang.
Unnummerierte Anrufung nach 48-16. „Du strahlst; scharf bist du, auch furchtbar ist dein Herz. Die Erde ist die Mutter des Salzes, Varuna sein Vater. Wenn Salz geopfert wird, wo gibt es dann Schlaf, wo Liebesruhe?“ [Hinweis: Der Anfang ist orthographisch auffällig, doch der Sinn überwiegend erkennbar; die vorangehenden Keimchiffren bleiben unaufgelöst.]
48-17. „Salz kocht, lässt kochen; Salz schneidet und spaltet. Brenne diesen Menschen, brenne seine Glieder, brenne sein Fleisch, brenne seine Haut!
48-18. Brenne Haut, Knochen und Mark; brenne aus den Knochen das Mark! Selbst wenn er hundert Yojana entfernt wohnt, zwischen Flüssen,
48-19. in einer Stadt mit eiserner Mauer und einem Riegel aus hundert schwarzen Schlangen: verbrannt wird er rasch hergeführt durch die Kraft des Feuers und des Salzes.
48-20. Genau hierher kommt er in die Gewalt, durch den Salzmantra vorangetrieben. Jene Nacht, nachdem ein Geschoss herausgezogen wurde, und die Nacht dessen, der auf eine Dreizackspitze gesetzt ist …“
Unnummerierte Fortsetzung nach 48-20. „Welche Nacht dir gehört, Große Nacht, diese Nacht ist dir die tiefe Nacht. Chiti, Chandali, große Chandali! Bringe diesen Menschen in meine Gewalt! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Vergleichs- und Relativsatzverbindung in Vers 20 ist beschädigt; die erhaltenen Gewaltbilder werden ohne erfundene Ergänzung bewahrt.]
48-21. Wer darüber meditiert und die Formel tausendmal wiederholt, dessen Gewalt soll die Welt unterstehen.
48-22. Nachts steht man knietief im Wasser und wiederholt sie unter Erinnerung an Bhadrakali, tausendmal oder hundertmal. Die Person, auf die man sich richtet, soll gefügig werden.
48-23. Mit roten Girlanden, Duftstoffen und Blüten verehrt man die Göttin und Agni. Mit dem Namen der Zielperson verschränkt schreibt man die Formel auf ein Palmblatt und wiederholt sie
48-24. tausendmal. Vergräbt man das Blatt im Heiligtum Bhadrakalis, soll die Zielperson ihm zweifellos lebenslang gefügig sein.
48-25. Man sitzt schweigend auf einem Brett aus dem Baum des Mondhauses der Zielperson, in der Nacht des achten Tages der dunklen Monatshälfte, nach dem ersten Nachtviertel, nach Norden gewandt,
48-26. mit roter Duftsalbe und rotem Gewand. In einer Grube oder auf einem Opferplatz verehrt man Agni und östlich des Feuers Bhadrakali.
48-27. Auf rotem Tuch fertigt man aus reinem Salz eine Figur der Zielperson, mit ihrer lebendigen Seele und ihrem Namen im Herzen und mit eingesetzten Lebenskräften und Sinnen.
48-28. Mit Honig benetzt und dem Feuer zugewandt wird sie als Opfer dargebracht. Man ruft Bhadrakali ins Feuer, verehrt sie und verweilt in ihrer Betrachtung.
48-29. Beginnend am linken Fuß bis hin zur linken Hand teilt man die Figur und opfert sie in sieben Gaben.
48-30. Mit den heiligen Weltenrufen opfert man Ghee; mit „Bhutakrura“ legt man eine Bali-Gabe aus Reis, vermischt mit Sesam, Raji, Nisha, geröstetem Mehl und Dickmilch, nieder. [Hinweis: „Bhutakrura“ ist hier eine Mantra- oder Gottheitsbezeichnung, deren genauer Bezug nicht ausgeschrieben ist.]
Unnummerierte Bali-Formel nach 48-30. „Napho, Napho! Den Scharen der Kalaratri, die alle gefügig machen und allen Frieden schaffen! Mögen sie diese Gabe annehmen, damit alle gefügig werden und allen Frieden zuteilwird! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Eingangslaute sind unaufgelöst; die Göttin ist Kalaratri, die dunkle Nacht.]
48-31. Danach setzt man mit dem Mantra das Herz der Zielperson in das eigene Herz ein. Im Bewusstsein „Er selbst bin ich“ wiederholt man die Formel einundzwanzigmal.
48-32. Man entlässt Agni und Maharatri und schließt ab. Vom achten Tag der dunklen Monatshälfte bis zu deren vierzehntem Tag
48-33. führt man das Salzopfer durch; dadurch soll man alle in seine Gewalt bringen. Die Zielperson soll wie ein Diener all ihren Besitz hingeben, daran bestehe kein Zweifel.
48-34. Bis zum Mund im Wasser stehend bewirkt man nach der Quelle Heranziehung durch tausend Wiederholungen. Tausend einzelne Blüten werden jeweils nach der Wiederholung zu ihren Füßen niedergelegt.
48-35. Bei Bhadrakali soll dies die Zielperson besonders wirksam heranziehen. Man schreibt den Mantra mit dem Namen der Zielperson verschränkt auf ein Palmblatt
48-36. und kocht es in Wasser mit Ghee und Milch, während man den Mantra wiederholt; das soll einen Menschen heranziehen. Für diese Formel gibt es keine vorbereitende Purascharya, kein Fasten und ähnliche Handlungen.
Unnummerierter Abschluss des Salzmantra-Abschnitts. Schon nach dem Empfang soll sie durch Wiederholung, Meditation und andere Übungen Frucht tragen. Damit endet der Abschnitt über den Salzmantra.
48-37. „Pashadhi“, mit Auge und Rinde, „Feuchte“, Bhanta mit Atri, „Fließe“,
Unnummerierte Fortsetzung nach 48-37. ferner die Herzformel: Die immer Feuchte soll durch Wiederholung und ähnliche Handlungen alle gefügig machen. [Hinweis: Der Vers besteht weitgehend aus unklaren Buchstabenchiffren; seine sichere Auflösung ist nicht möglich.]
Unnummerierte Formeln. „Der Ewigen, Schutz und Abwehr!“; „Der Ewigen, verdoppelter Abschlusslaut!“; „Ewig Feuchte, Schutzlaut!“; „Ewig Feuchte, Verehrung und verdoppelter Abschlusslaut!“
48-38. Blickt man eine Frau an und wiederholt die Vidya, soll sie sexuelle Flüssigkeit absondern und gefügig werden.
48-39. Wasser, über dem diese Formel wiederholt wurde, zu trinken geben, besprochene Duftstoffe aufzutragen oder Blüten und andere Gaben zu schenken soll alle Menschen gefügig machen.
Unnummerierte Padmavati-Formel nach 48-39. „Deva-Shri, Mukha-Shri, Yakshi, Padmavati! Bringe diesen Menschen in meine Gewalt! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Gliederung der ersten Anreden ist nicht eindeutig.]
48-40. Zwei Bretter aus dem Baum des betreffenden Mondhauses werden mit Mahendra-Mantra und Namen versehen. Das eigene über das andere gelegt und verborgen aufbewahrt soll wirksam gefügig machen.
Unnummerierte Matanga-Formel nach 48-40. „Verehrung den Matangas! Verehrung den Matangis! Verehrung den jungen Matanga-Frauen! Nämlich so: Kuru, Churu, verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Schlusslaute sind hier keine sicher übersetzbaren Verben.]
48-41. Eine Figur aus Ameisenhügelerde, mit Namen am Kopf und eingesetzter Lebenskraft, wird mit dem Fuß betreten; zu den drei Tagesübergängen wiederholt man den Mantra. Dies soll gefügig machen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 48-41. Mit dem rechten beziehungsweise linken Fuß soll man Männer beziehungsweise Frauen gefügig machen. Gemeint ist eine Dauer von sieben Tagen.
48-42. Die mit Schlinge, Shakti und Elefantenhaken verbundene Formel wiederholt man, während man sich als eins mit Uma vergegenwärtigt,
Unnummerierte Fortsetzung vor 48-43. eine Million Mal. Durch Wiederholung und weitere Handlungen soll man die Welt sichtbar in seine Gewalt bringen. [Hinweis: Niyuta ist eine historische Großzahl; die Wiedergabe folgt hier der Millionenzählung, ohne eine praktische Wiederholungsanweisung daraus zu machen.]
Unnummerierte Manmatha-Formel. Nach mehreren mit Herz, langem Vedhas und Kala bezeichneten, örtlich beschädigten Lautchiffren: „Dem Geliebten, der alle Menschen betört! Flamme, entflamme! Bringe das Herz aller Menschen in meine Gewalt! Verdoppelter Abschlusslaut!“
48-43. Dies ist der Manmatha-Mantra. Man meditiert über Manmatha in Einheit mit sich selbst,
48-44. mit rotem Schmuck und leuchtend roten Gliedern, verehrt ihn im Geist und wiederholt den Mantra. Durch Wiederholung, Feueropfer und anderes verwirklicht soll er die Liebe aller gewinnen.
48-45. Am Vortag versieht man den weißen Arka mit Duftstoffen und Blüten, legt Eisen daran und umwickelt ihn mit rotem Faden. Bei Sonnenaufgang ausgegraben soll seine Wurzel als Stirnzeichen gefügig machen. [Hinweis: Die Rolle des Eisens und die Verbindung von Arka und Sonnenaufgang sind syntaktisch knapp.]
48-46. Ein Docht mit Pulver aus den fünf Teilen von Hema liefert Ruß. An die Augen gebracht soll dieser auch Männer für eine Frau gefügig machen. [Hinweis: Ein Wort zur Augenanwendung ist beschädigt; Hema wird als überlieferter Name bewahrt.]
48-47. Sandelholz, Agaru, Kampfer, Kaschmir-Safran, Utpala-Staubgefäße, Mamsi, Lavanga, Elefantensekret und Yashti zu gleichen Teilen,
48-48. in Lackharz, mit Ruß und weiteren Stoffen eines schwarzen Tiers, sollen alle gefügig machen. Rochana, Talaka, Shila, Padma und rotes Sandelholz,
48-49. Karnikara-Harz, Kranich- und Taubenkot, Kiratatikta, Bhringendra, Bhita, Vata-Wurzeln und -Sprossen,
48-50. Dugdha-Snuhi-Rinde, Hasenkot, alte Tamarindenfrucht, Karanja-Samen und Knoblauch werden zu gleichen Teilen pulverisiert.
48-51. Mit Lackharz, das in Flüssigkeit der Vishvavriksha-Frucht verteilt ist, und mit den fünf Kuhprodukten wird das Pulver benetzt und auf den Kopf gestreut.
48-52. Daraus formt man auch einen Docht; mit Honig, Ghee und Nimba-Öl erzeugt man Ruß in einer mit Elefantensekret bestrichenen Schale. Er soll die Menschen für den Anwender einnehmen. [Hinweis zu 48-47–52: Die Verbindung der beiden Rezepturen und mehrere Stoffnamen sind unsicher. Vers 48 ist bereits in der Quelle fraglich markiert.]
48-53. Die fünf Teile von Kanaka, mit den eigenen fünf Körperstoffen vermischt und mit Honig verrieben, gibt man einem anderen; eingenommen soll dies gefügig machen. [Hinweis: Welche fünf Körperstoffe hier gemeint sind, ist nicht ausgeschrieben.]
48-54. Steinsalz wird in sauren Matulunga-Saft gelegt und mit Körperflüssigkeit benetzt, sieben Tage lang. Nachts, zwischen zwei Schalen eingeschlossen,
48-55. kocht man es unbekleidet an einer Wegkreuzung mit Dhurdhura-Holz. Wem dieses Salz gegeben wird, der soll lebenslang gefügig bleiben.
48-56. Kushtha, Punnaga-Harz und Simhi-Wurzel werden mit reichlich Honig verrieben und aufgetragen; dann nähert man sich einer Frau. Dies gilt als Zurückhalten des Samenergusses.
48-57. Auch Kuh-, Ziegen- und Snuhi-Milch, auf die Füße aufgetragen, sollen den Samenerguss zurückhalten. Weiße Punkha- und Zuckerrohrwurzel werden in den Mund genommen beziehungsweise in saure Reisflüssigkeit gelegt,
48-58. dann verrieben und auf den Penis aufgetragen; dies gilt als vorzügliches Zurückhalten des Samenergusses. Von Pferd und Elefant mit herabhängendem Geschlecht nimmt man Maulhaare,
48-59. ebenso Schweif- und Maulhaare eines Stiers. Daraus fertigt man eine ringförmige Schnur und bespricht sie mit dem Mantra.
Unnummerierte Fortsetzung nach 48-59. Am rechten Unterarm getragen soll sie Geschlechtsverkehr ohne Samenerguss ermöglichen. Es geht um das Binden der Haare vorzüglicher Elefanten und Pferde. [Hinweis: Die Wurzelanweisung in 48-57 ist grammatisch unklar; sie wird nicht zu einer sicheren Zubereitung ergänzt.]
48-60. Danti-Wurzel wird in Snuhi-Milchsaft verrieben und auf die Füße aufgetragen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 48-60. Durch den Fußaufstrich soll der Samen zurückgehalten werden; beim Abwaschen soll er fließen. Gemeint ist das Abwaschen mit warmem Wasser.
48-61. Fischgalle, Pferdemähnenhaar und Elefantensekret
48-62. werden mit Honig auf den Penis aufgetragen; das soll Frauen besonders stark anziehen. Vilanga, Sesamblüten, Rohzucker, Kampfer und Sandelholz,
48-63. mit dem eigenen Samen aufgetragen, sollen Frauen besonders stark anziehen. Mamsi, Vacha, Ashvagandha, Kunda und Vakula,
48-64. mit Wasser verrieben und eingerieben, sollen das Zeugungsglied dicker werden lassen. Mit Jati-Blüten gekochtes Öl soll durch Auftragen begehrenswert machen.
48-65. Dhurdhura- und Brihati-Blätter, am Körper eingerieben, sollen gefügig machen; ebenso eine Einreibung aus Dhurdhura-Blättern und Ratri.
48-66. Karnikara-Harz, Kampfer, Ketaki-Blütenstaub, Steinsalz und Honig ergeben einen Penisaufstrich, der „bis zum Tod reichend“ genannt wird. [Hinweis: Ob damit eine schädliche Wirkung oder die Dauer einer behaupteten Wirkung gemeint ist, lässt der knappe Ausdruck offen.]
48-67. Bilva-Blüten, Ghee, Lotus, Jati, Priyangu und tierische Rochana bilden einen Docht. Mit Kuhghee daraus gewonnener Ruß wird an die Augen gestrichen; jeder angeschaute Mensch soll zum Diener werden.
48-68. Kushtha, Kuranda, Madhuka, die beiden Agaru, Moschus, Sandelholz und Indu werden mit Kuhdungwasser verrieben und aufgetragen. Berührung mit den Händen soll alle gefügig machen.
48-69. Öl und Vartaka-Flüssigkeit, mit Stierfett verbunden und zu einer Paste verrieben, werden aufgetragen; eine Frau soll dadurch „wieder Jungfrau“ werden. [Hinweis: Dies ist eine historische Körpervorstellung des Textes, keine mögliche Wiederherstellung eines verlässlichen körperlichen Merkmals von Jungfräulichkeit.]
48-70. Von „Aravara“ an kaut man ein Karanja-Zahnputzholz. Nach sieben Tagen nimmt man das Abgeleckte und gibt es in Speise; das soll gefügig machen. [Örtliche Ausnahme: Der Beginn und das Schlusswort sind beschädigt, die Quelle trägt ein Fragezeichen. Die erkennbaren Handlungen sind zusammenfassend wiedergegeben.]
48-71. Taubenkot, Shunthi, Kushtha, Ugra, Anjana und Rochana, mit Honig verrieben und auf den Penis aufgetragen, sollen Frauen gefügig machen.
Unnummerierte Aufstrichformel nach 48-71. „Mit der heiligen Silbe: Göttin Matangi, die du die Schönheit beziehungsweise Beglückung von Rudras Genuss trägst, Verehrung dir! Verdoppelter Abschlusslaut!“ Dies wird als Mantra des Auftragens gelehrt. [Hinweis: Die Verbindung „Rudra-Bhoga-Subhaga“ ist mehrdeutig.]
48-72. Lotusblätter werden pulverisiert und mit Urin einer braunen Kuh zu einer Kugel geformt und getrocknet. Trägt eine Frau dies auf den Körper auf, soll sie ihren Mann zum Diener machen.
48-73. Eine Frau ohne Monatsblutung soll Weintrauben und Süßholz mit Milch trinken; die Blutung soll einsetzen. Ebenso durch Nasenanwendung des Saftes von Mango-Rinde.
48-74. Pulver aus schwarzer Rambha-Wurzel und Yashti, morgens mit Kuhmilch getrunken, soll Blutungen bei Frauen beseitigen.
48-75. Rötel in der Größe einer Aksha-Frucht soll man drei Tage mit Milch trinken; es soll Blutfluss beseitigen. Ebenso Honig mit jungen Udumbara-Blättern.
48-76. Lotusfaser, Sandelholz, Chinna, Bhiru, Chilli, Sudha und Honig, mit Udumbara-Sprossen getrunken, sollen übermäßige Blutung verhindern. [Hinweis: Die Trennung der mittleren Pflanzennamen ist unsicher.]
48-77. Rote beziehungsweise weiße Japa-Blüten soll man bei rotem beziehungsweise weißem Ausfluss trinken; morgens ihre Wurzel mit Milch, nachts ihren Absud mit Milch.
48-78. Eine Kokosblüte wird in Lehm gehüllt und im Feuer erhitzt. Ihr Saft, mit Milch getrunken, soll weißen Ausfluss verhindern.
48-79. Shalmali-Blüten, während der fruchtbaren Zeit vier Tage in Milch getrunken, sollen unfruchtbar machen; Abhaya mit den scharfen Gewürzen soll dagegen wieder fruchtbar machen. [Hinweis: 48-77–79 wiederholen den Inhalt von 46-130–132. Die Wiederholung gehört zur Quelle und bleibt erhalten.]
48-80. Nakuli-Blüten in Milch getrunken sollen die Monatsblutung beseitigen. Ein Hühnerei, Dvikanda, Brahmi und Taubenkot,
48-81. dazu gleich viel Lakshmi, pulverisiert und gegeben, sollen den Mann zum Diener machen. In einem Absud aus den fünf Teilen von Hema-Unmatta lässt man Milch zu Dickmilch werden.
48-82. Mit ihrer Essenz bestreicht man den Körper, reibt ihn mit Masha ab, füllt die Mischung in das Innere der betreffenden Frucht, vergräbt sie und uriniert darauf.
48-83. Nach sieben Tagen holt man sie heraus, verbindet sie mit den fünf Unreinheiten und lässt sie verabreichen. Dieses vorzügliche Anziehungsmittel wird „Manmathas Elefantenhaken“ genannt. [Hinweis: Die fünf Unreinheiten und die genaue Fruchtzuordnung sind hier nicht ausgeschrieben.]
48-84. Eigenes Blut, Samen und körperliche Rückstände, weiße Arka-Wurzel, Honig, Vacha und Kushtha, von Männern gegeben, sollen Frauen gefügig machen.
48-85. Mit getrunkener und wieder erbrochener Milch wird eine Kushmanda-Dickmilch bereitet; erneut verquirlt sollen ihre Butter und daraus zubereitete Speisen gefügig machen. [Hinweis: Die Verbindung „Kushmandadhi“ ist beschädigt; die Rolle von Kushmanda bleibt unsicher.]
48-86. Bhukadamba-Saft, Honig und Zucker werden auf das Geschlecht der Frau aufgetragen; ihr Mann soll dadurch zum Diener werden.
48-87. Stoffe aus Achseln, Körper, Ohren, Nase, Augen, Zähnen und Zunge, mit Schweiß und eigener Körperflüssigkeit verbunden und von beiden gegessen, sollen Gefügigkeit bewirken.
48-88. Moschus, Sandelholz, Chandra, Kushtha, Kaschmir-Safran, schwarzes Agaru, Naktamala und der Kama genannte Stoff werden mit Kuhdungwasser verrieben. Auf den eigenen Körper aufgetragen sollen sie alle gefügig machen.
48-89. Moschus und Sandelholz werden der Reihe nach zu zwei und weiteren chiffrierten Teilen genommen, dazu Indu; mit Tau verrieben und aufgetragen sollen sie gefügig machen. [Quellenunsicherheit: Die Mengenfolge ist beschädigt und mit einem Fragezeichen versehen; konkrete weitere Zahlen werden nicht ergänzt.]
48-90. Siebenmal mit Kuhdungwasser benetzte, pulverisierte Vata-Sprossen werden zu einem Docht geformt. Mit „Kala-Ghee“ gewonnener Ruß soll alle gefügig machen. [Hinweis: „Kala-Ghee“ und die Zubereitungsverbindung sind unsicher; die Quelle markiert den Vers als fraglich.]
48-91. Kaschmir-Safran, Amaya, Rochana, Anjana, tierisches Sekret, Lotusblütenstaub, Padmaka, Kampfer, Agaru, Loha und die beiden Sandelhölzer werden zu gleichen Teilen pulverisiert. Ein Docht, mit dem Milchsaft milchführender Bäume und Lackharz … getränkt, wird im Ghee einer schwarzen Kuh verbrannt. Der gewonnene Ruß soll die drei Welten gefügig machen. [Quellenlücke: In der Dochtanweisung steht ein Sternchen; die fehlende Angabe wird nicht ergänzt.]
48-92. Lakshmi, Shri, Kumuda, Devi, Hema und Taubenkot werden zu einer Kugel geformt und mit Sandelholzpaste vermischt; das soll gefügig machen.
48-93. Mit Kushtha, „Chetarka“, Manjishtha, Tagara und rotem Sandelholz macht man ein Stirnzeichen. Es soll alle betören und die ganze Welt gefügig machen. [Hinweis: „Chetarka“ ist als Pflanzenlesung unsicher.]
48-94. Mamsi, Sandelholz, Rochana, Elefantensekret, Nilotpala, Sprikka, Jati, Rinde, Suradaru, Patra, Tagara, Ela, Shila, Safran, Lotus, Kesara, Padma, schwarze Tulasi und Siddhartha nimmt man zu gleichen Teilen. Wenn der Mond in Pushya aufgeht, lässt man sie von einem jungen Mädchen mit kühlem Wasser verreiben.
48-95. Ein damit aufgetragenes Stirnzeichen soll Wohlergehen und Gefügigkeit bewirken. Kushtha, Kesara, Steinsalz, Nata, Ayas, Sandelholz und Indu,
48-96. ferner Ela und ebenso viel Safran ergeben eine Augensalbe zum Gefügigmachen. Am Vollmondabend zeichnet man im Osten drei
48-97. kreisförmige Felder. Im westlichen Feld sitzt man bequem und schweigend; in das mittlere legt man die Verehrungsgaben. Im östlichen
48-98. verehrt man den freundlichen Soma in einem Lotus, geschmückt mit weißem Schmuck und Gewand, auf dem Schoß einer jungen Frau, zwei Kumuda-Blüten in den Händen. [Hinweis: Die Ortsangabe des ersten Felds in Vers 97 ist verkürzt beziehungsweise beschädigt; „westlich“ folgt der Dreifeldanordnung.]
48-99. Mit Sadya, Stab und Weiß als Lautchiffren, dann „Soma Verehrung“, wird der Mantra gebildet. Mit ihm verehrt man Soma durch Duftstoffe und die übrigen Ehrengaben.
48-100. Rohini, Revati, Ratri und Jyotsna stehen der Reihe nach auf den Blättern der Himmelsrichtungen; Krittika, Bharani, Ardra und Kala in den Ecken, beginnend beim Südosten.
48-101. Nach der Verehrung bis zur Speisedarbringung füllt man einen silbernen Becher mit Milch und bietet dem Mond mit dem Vidya-Mantra die Arghya-Gabe an.
Unnummerierter Vidya-Mantra nach 48-101. „Heilige Silbe! Erkenntnis, mit einer Girlande von Erkenntnis Geschmückte, Mondhafte, Mondgesichtige! Darbringung!“ Dies ist der Vidya-Mantra.
Unnummerierte Fortsetzung. Drei Monate lang soll man auf diese Weise Arghya geben; eine junge Frau soll einem zur Ehe gegeben werden.
Weitere unnummerierte Formel. „Kaphunde, bewege dich, bewege dich, Kumarge! Gewähre mir Bhaga – Glück beziehungsweise das weibliche Geschlecht! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Anreden sind teilweise unklar; Bhaga ist im gegebenen Kontext mehrdeutig.]
48-102. Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte wiederholt man diesen Mantra täglich zehntausendmal; danach gilt er als verwirklicht. Nachts
48-103. gibt man einen Klumpen Reis mit Dickmilch und Beilagen unter Wiederholung der Grundformel, einen Monat lang zum Zweck der Heirat. Man soll die gewünschte junge Frau erhalten.
48-104. Kushtha, Brihati, Apamarga, Siddhartha, Tagara und die drei scharfen Gewürze zu gleichen Teilen werden mit Milch aufgetragen; das soll die Brüste vergrößern.
Unnummerierter Zusatz nach 48-104. Ebenso die Ohrläppchen. [Hinweis: „Kshanat“ steht in der Zutatenzeile; ob es „sogleich“ bedeutet oder eine beschädigte Zutatenangabe darstellt, bleibt offen.]
48-105. So wurden Verfahren der Liebesgewinnung gezeigt, wie sie in zahlreichen Tantras als wirksam gelten. Die jeweiligen Anwendungen sollen von Kundigen sachgerecht, aufmerksam und mit Sorgfalt ausgeführt werden.
Kolophon. Hier endet im Mantrapada des Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das achtundvierzigste Kapitel über Liebesgewinnung und Gefügigmachen.
Besinnung: Liebe und die Freiheit des anderen
Der Wunsch nach Zuneigung steht hier neben Vorstellungen, andere beherrschen zu können. Für heutige Yoga-Aspiranten eröffnet diese Spannung eine Frage an die eigene Haltung: Kann ich Nähe wünschen und zugleich die Freiheit eines anderen achten? Diese heutige Besinnung ersetzt nicht den historischen Inhalt. Sie lädt dazu ein, Achtsamkeit, Wahrhaftigkeit und freiwillige Zuwendung zum Maßstab eigener Beziehungen zu machen.
Mantrapada, Kapitel 49: Schutz der Rinder
Das kurze Kapitel verbindet historische Tierarzneikunde mit Schutzformeln und Diagrammen für Rinder. Es zeigt, dass die Sorge um Tiere und den Lebensunterhalt eines Dorfes zum Themenkreis des Werkes gehört. Die überlieferten Rezepte und Schutzversprechen werden als historische Aussagen wiedergegeben; beschädigte Lautdiagramme bleiben als solche erkennbar.
Eingang. Nun das neunundvierzigste Kapitel.
49-1. Aragvadha-Rinde, Ratri, Salz und Tamarindenfrucht werden in saurer Flüssigkeit verrieben. Getrunken sollen sie eine Aufblähung des Bauchs bei Rindern beseitigen.
49-2. Sesam und Pata-Wurzel mit Baumwollblättern werden in Milch verrieben und einer Kuh mit Kuhbuttermilch zu trinken gegeben. Das soll ihre Vishuchi augenblicklich beseitigen. [Hinweis: Pata ist die gelieferte Pflanzenlesung. Vishuchi bezeichnet hier eine historische Magen-Darm-Erkrankung.]
49-3. Kokoswasser, Milch, saure Reisflüssigkeit und Bala-Saft sollen getrunken blutigen Durchfall bei Rindern beseitigen.
49-4. Phanitaka, Nirgundi, Dipyaka, Knoblauch und Vacha gibt man einer Kuh in saurer Reisflüssigkeit zu trinken, wenn ihr Durchfall eitrig oder schleimig erscheint.
Unnummerierte erste Schutzformel nach 49-4. „Der Tausendstrahlige, Aditya, Agni – verdoppelter Abschlusslaut!“ Man schreibt den Mantra auf ein Blatt und befestigt ihn zum Schutz der Kuh an ihrem Hals.
Zweite Schutzformel. „Acht Schlangenhauben; Hari schützt. Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Verbindung der acht Schlangenhauben mit Hari ist in der knappen Formel nicht eindeutig.]
49-5. Diese Formel schreibt man in das Innere einer Glocke aus Ashvini-Holz und bindet sie mit einer Dhataki-Schnur an den Hals der Kuh.
Unnummerierte Fortsetzung nach 49-5. Das soll die durch Rinderseuche verursachte Bedrängnis beseitigen.
Weitere Schutzformel. „Verehrung dem Erhabenen, dessen Anblick … Vajra-Gesicht …! Heilige Silbe, Vila, Mili, Meli, Vollendung! Gomari, Vajra-Trägerin! Schutz und Abwehr! Bewirke in diesem Dorf Schutz für die Rinderherde, bewirke Frieden! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Quellenunsicherheit: Die erste lange Anrede ist beschädigt; die Lautfolge Vila–Mili–Meli bleibt ohne erfundene Wortbedeutung.]
Überleitung. Und dieser Mantra:
49-6. „Durch dessen Glockenohr-Klang eine überaus mächtige Schar angesprochen wurde,
Unnummerierte Fortsetzung vor 49-7. der Seuchen vernichtet, jener Herr der Welt möge uns schützen! Verdoppelter Abschlusslaut!“ Und dieser ist ein Mantra gegen Rinderseuche. [Hinweis: Die erste Satzverbindung ist grammatisch beschädigt; der Bezug auf Ghantakarna kann auch als Eigenname verstanden werden.]
49-7. Diese beiden Formeln schreibt man gesondert in Glocken aus Ashvini-Holz.
49-8. An den Hälsen zweier Rinder befestigt sollen sie Seuchen beseitigen. „Einst wurde Kurarava mit einem Opfer von Rinderfutter verehrt.
Unnummerierte Fortsetzung vor 49-9. Erinnere dich an die unvergleichlichen Worte des Gottes der Götter, des jungen Brahmanen! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Name und Satzverbindung dieser kurzen Überlieferungsanspielung sind unsicher; die dazugehörige Erzählung ist hier nicht enthalten.]
49-9. Was immer siebenmal besprochen wurde, das lässt man eine Kuh fressen; selbst eine widerspenstige soll gefügig werden, besonders durch Girikarni.
Unnummerierte Formel vor 49-10. „Verehrung Vishnu, dem Herrn des Alten beziehungsweise der Puranas! Verdoppelter Abschlusslaut!“
49-10. Mit Zeigefinger und Daumen fasst man die Nase der Kuh
49-11. und beugt sie unter dieser Formel; auch Pferde sollen dadurch gefügig werden. Es folgt der erste Teil eines kunstvoll verschränkten Schutzmantras mit Lauten, in denen Milch, Kuh, Hüter und Schutz anklingen.
49-12. Die verschränkte Lautfolge wird fortgesetzt. In ein vierundsechzig Felder umfassendes Diagramm mit Dreizacken an den Linienenden
49-13. schreibt man diesen Sarvabhadra-Mantra in rückläufiger und gegenläufiger Ordnung, auf ein Khadira-Brett oder Birkenrinde, und verehrt ihn.
Unnummerierte Fortsetzung nach 49-13. Man befestigt ihn am Eingang des Kuhstalls oder am Hals der Kuh. Auch dies soll dem Schutz der Rinder dienen.
Örtliche Ausnahme zu 49-11–12. Die beiden verschränkten Lautzeilen sind kein zuverlässig übersetzbarer deutscher Satz. Ihre vollständige Gestalt bleibt in den entsprechenden Sanskritfassungen erhalten. Die Bedeutungsanklänge ersetzen keine gesicherte Wort-für-Wort-Auflösung.
49-14. Namen der Kuh und ihres Besitzers werden mit einem Krugzeichen und drei äußeren Kreisen verbunden. In einen achtblättrigen Lotus, von Krügen umgeben, schreibt man den mit „Du weißt“ beginnenden Mantra bis zum Darbringungslaut. Kreis, Wasserträger, Dreizack und Stab werden eingeschlossen; rückläufig wird das Ganze am Hals der Kuh angebracht. [Örtliche Ausnahme: Die genaue Diagrammanordnung und der Schlussausdruck mit „tailadika“ sind beschädigt. Dies ist eine zusammenfassende Wiedergabe der erkennbaren Anweisungen; eine Zeichnung wird nicht rekonstruiert.]
49-15. „Du mit einer einzigen ölgeglätteten Flechte, mit glänzenden Ohrzieraten aus Zinn und schönen Ohren, mit eisernen Fußfesseln als Schmuck der eigenen Füße! Unbekleidet durchziehst du diese Welt auf einem Esel, Japa-Blüten als Ohrschmuck tragend. Deine ausgestreckten Arme halten Besen und hoch aufgerichtetes Banner. Du selbst weißt es, Göttin!“ [Hinweis: Die Verbindung von Besen, Banner und erhobenen Armen ist im langen Schlusskompositum nicht ganz eindeutig.]
Unnummerierte Schlussbemerkung. Gemeint ist: Auch am Eingang des Rinderstalls angebracht soll es die Rinder schützen.
Kolophon. Hier endet im Mantrapada des Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das neunundvierzigste Kapitel über den Schutz der Rinder.
Besinnung: Aufmerksamkeit für Tiere
Die Sorge um die Herde verbindet das Wohlergehen der Tiere mit dem Leben der Gemeinschaft. Eine heutige Anregung liegt darin, Tiere aufmerksam wahrzunehmen, ihre Bedürfnisse zu beachten und bei Krankheit sachkundige Hilfe zu ermöglichen. Mitgefühl zeigt sich hier in verlässlicher Fürsorge; die historischen Schutzformeln bleiben davon unterscheidbar.
Mantrapada, Kapitel 50: Verschiedene Stoffe und ihre Verarbeitung
Duftmittel, Fruchtkonservierung und alchemistische Metallverarbeitung stehen im Mittelpunkt dieses Kapitels. Es führt von aromatischen Zubereitungen zu behaupteten Umwandlungen von Kupfer, Silber und Gold. Technische Fachwörter und chiffrierte Mengen werden nur dort aufgelöst, wo der gelieferte Text dies zuverlässig zulässt. Die alchemistischen Ergebnisse sind Aussagen der historischen Quelle.
Eingang. Nun das fünfzigste Kapitel.
50-1. Chora, Kushtha, Mura, Granthi, Mamsi und Puti nimmt man zu gleichen Teilen, Dhatri-Frucht zur dreifachen Menge, und verreibt alles mit Duftwasser.
50-2. Mit Duftstoffen beräuchert und mit wohlriechenden Blüten durchduftet wird dies als „duftendes Amalaka“, eines Königs würdig, bezeichnet.
50-3. Ela, Tagara, Patra, Abja, Granthi, Ruj, Pu und Chora nimmt man zu gleichen Teilen, Dhatri zur doppelten Menge, und verreibt alles sorgfältig mit Duftwasser.
50-4. Mit Rohzucker, Agaru und Sarja wird es wiederholt beräuchert und mit Blüten durchduftet; so soll wohlriechendes Amalaka entstehen. [Hinweis: Die Teilung einiger Namen in Vers 3 ist unsicher; insbesondere „Pu“ bleibt unaufgelöst.]
50-5. Granthi, Mamsi, Maruvaka, Shaileya, Damana, Dala, Chora und Tagara werden zu gleichen Teilen genommen; dazu die doppelte Menge
50-6. Amalaka, wie zuvor angegeben. Auch die Verarbeitung erfolgt wie zuvor. Tankana, Hastikusuma, Devadali und Mrinala,
50-7. pulverisiert, mit Madhuka und etwas Honig verbunden und sachgerecht an Blüten gebracht, sollen diese ihre Flüssigkeit abgeben lassen.
50-8. Man bestreicht eine Axt mit Honig. Holzpulver eines damit gefällten Baums, auf Mallika- und Champaka-Blüten gestreut, soll diese verflüssigen.
50-9. Durch Auftragen von Muschelpulver soll Ketaki-Flüssigkeit entstehen. Manjishtha, frisches Pattanga, Kusumbha und rotes Sandelholz
50-10. werden in schrittweise steigenden Mengen mit Lackharzwasser verrührt, durch Stoff gefiltert und mit fein bearbeitetem Reis und Honig gut durchtränkt.
Unnummerierte Fortsetzung nach 50-10. Zu Klumpen geformt soll daraus schönes Jatilinga entstehen. [Hinweis: Jatilinga bezeichnet hier ein rotes Farbstoffprodukt; eine genaue Stoffidentifikation wird aus der unsicheren technischen Lesung nicht abgeleitet.]
50-11. Ein Teil Vishva, jeweils zwei Teile Rohzucker, Nimba, Hingu und Samen, sechs Teile Guggulu und ebenso Eranda-Samen werden in Ziegenmilch verrieben. Wie zuvor soll daraus Hingu werden.
Unnummerierte Erläuterung nach 50-11. Gemeint ist die Lagerung in einem Getreidehaufen. [Hinweis: Die erste Samenangabe und die Mengenbeziehung zu Eranda-Samen sind nicht eindeutig.]
50-12. Bilva-Frucht, Nimba, Vishva, Masha, Knoblauch und Hingu werden in den durch Jahreszeiten, Ozeane, Augen, zweimal Teile und Veden bezeichneten Mengen verwendet. Wie zuvor soll daraus Hingu entstehen.
Unnummerierte Erläuterung nach 50-12. Wie zuvor wird mit Ziegenmilch verrieben und entsprechend weiterverfahren; so soll Hingu entstehen. [Hinweis: Die Zahlenfolge ist wegen ihrer Worttrennung nicht sicher zuzuordnen; es werden keine konkreten Mengen ergänzt.]
50-13. Bilva, Masha, Nimba, Rohzucker, Ajahvaya, Hingu, Vishva und Knoblauch werden in den durch Vikara, Naga, Shruti, Augen, Mond, Indu und Naga bezeichneten Anteilen genommen. Auch dies soll wie zuvor Hingu ergeben.
Unnummerierte Erläuterung nach 50-13. Gemeint sind das Verreiben mit Ziegenmilch und die Lagerung im Getreidehaufen. [Hinweis: Zutatenzahl und Zahlenchiffren lassen sich in der gelieferten Lesung nicht sicher einander zuordnen.]
50-14. Von Shigru-Wurzelabsud, Ziegenurin und Honig
50-15. nimmt man jeweils vier Pala und kocht es auf ein Drittel ein. Jati, Takkola, Moschus, Chandra, Kaschmir-Safran und Sandelholz
50-16. nimmt man jeweils zu einem Pala, dazu ein Karsha Agaru, fein verrieben. In ein Duftgefäß gegeben wird die Mischung einen Mandala-Zeitraum in einem Reishaufen aufbewahrt.
50-17. Dann nimmt man sie heraus, formt kleine Stücke, trocknet sie im Schatten und bewahrt sie auf. Je eines dieser Stücke, mit gleich viel Erde verbunden
50-18. und mit Wasser befeuchtet, soll vorzüglicher Moschus werden. Man schneidet die Wurzel der Shakramocha etwas ein und setzt ein Bambusröhrchen
50-19. für zwei oder drei Nächte daran, um ihren Saft zu gewinnen. Von diesem nimmt man zwei Prastha; Kana, Ushira und Chora
50-20. werden zu je einem Karsha pulverisiert, ferner ein halbes Pala Ghanasara. Alles wird in der Röhre mit der Kadali-Flüssigkeit verbunden.
50-21. Man verschließt sie, umwickelt sie mit einer Schnur, bestreicht sie außen mit Lehm und erhitzt sie in einem Feuer aus Hülsen und Kuhdung. Nach dem Erkalten herausgenommen,
50-22. bleibt sie sieben Tage im Getreidehaufen; daraus soll tatsächlich Kampfer werden. In Wasser aus Ketaki-Sprossen, warmem Wasser, Reiswasser
50-23. und Milch wird Tankana jeweils gewaschen und ein Yama lang stehen gelassen. Dann pulverisiert man es und verbindet es mit einem Viertel Ghanasara.
Unnummerierte Fortsetzung vor 50-24. In Milch gekocht, auf ein Bananenblatt gelegt und getrocknet soll daraus schöner Ghanasara werden. [Hinweis: Die Rezepturen bezeichnen ihre Produkte als Moschus beziehungsweise Kampfer; das ist keine analytisch bestätigte Stoffumwandlung.]
50-24. Das Innere einer reifen Bilva-Frucht wird mit halb so viel Öl verbunden,
50-25. in der Sonne getrocknet, zerstoßen und erneut mit klarem Wasser gekocht. Man presst es aus, sammelt das Öl und fügt ein Karsha Kampfer hinzu.
Unnummerierte Erläuterung nach 50-25. So entsteht Kampferöl.
50-26. Zitronatzitronen, deren Stiele mit Wachs bedeckt sind und die in Ghee und Honig liegen, sollen Saft und Farbe bewahren.
50-27. Von selbst abgefallene Mangos mit einem kleinen Stielrest werden in Öl mit Rohzucker gelegt. Sie sollen zweifellos lange haltbar bleiben.
Unnummerierter Zusatz nach 50-27. Auch andere Früchte sollen so lange haltbar bleiben.
50-28. Kupferblätter bestreicht man mit Salz und Vajri-Milchsaft, erhitzt sie im Feuer und schreckt sie sorgfältig in Nirgundi-Saft ab.
50-29. Nach einundzwanzig Wiederholungen verwendet man sie zur Herstellung von Silber und Ähnlichem. Mit Schwefel „getötetes“ Kupfer wird mit Tankana wieder erhoben;
50-30. nach sieben Wiederholungen soll es seinen eigenen Geruch und seine Schwärze verlieren. Aus so gereinigtem Kupfer fertigt man dünne, reine Blätter.
50-31. Gereinigtes Naga, Shila und Suta, mit Sarpakshi-Saft verrieben, trägt man wiederholt auf und trocknet die Blätter in der Sonne, für die mit Prakriti bezeichnete Zahl von Tagen.
50-32. Dann schmilzt man sie offen und gießt sie siebenmal in saure Reisflüssigkeit mit Kuhdung. Durch diese Stoffverbindungen soll Silber entstehen. [Hinweis: Naga, Shila und Suta sind alchemistische Stoffnamen; die durch Prakriti verschlüsselte Dauer bleibt unaufgelöst.]
50-33. Suta lässt man einen Monat in Menschenurin liegen und verreibt es danach in einem Mörser mit Bhallata-Öl, Hausruß, Öl und Rohzucker.
50-34. Damit bestreicht man reine Silberblätter. Nach drei geschlossenen Erhitzungsgängen, mit gleich viel Gold verschmolzen, soll Gold entstehen. [Hinweis: Die Mengenverbindung im Schlusssatz ist knapp; die Quelle behauptet das Ergebnis.]
50-35. Weißes oder schwarzes Abhraka wird mit Muni-Blütensaft verrieben, in eine Surana-Knolle gefüllt und im Rinderstall vergraben. Nach einem Monat soll es sich mit Gold verflüssigen.
50-36. Mit Getreide behandeltes Abhraka wird in Vajra-Milchsaft verrieben und darin durchtränkt, sieben Tage in starker Sonne, in einem kupfernen oder irdenen Gefäß.
50-37. Payodhara wird mit Flüssigkeit aus den Stängeln des roten Lotus fein verrieben, danach mit Kusumbha-Öl. Sachgerecht verarbeitet soll es sich verflüssigen.
50-38. Mit Kshirakanchi-Saft sorgfältig verrieben soll Abhraka sich verflüssigen. Ebenso sollen sich alle Metallarten verflüssigen, wenn sie in der Sonne stehen.
50-39. Rasch in Khandahali-Saft gekocht und pulverisiert sollen alle Metalle durch sachgerechte Sonnenbehandlung flüssig werden. [Hinweis: Mehrere technische Stoffnamen und die genaue Reihenfolge sind nicht sicher zu bestimmen; der Text wird nicht in ein modernes Laborverfahren umgeschrieben.]
50-40. Gold, Silber, Ara und Tikshna werden in den mit zwei Gunja und anderthalb Rakti beginnenden Mengen, danach zur Hälfte beziehungsweise zum Viertel, geschmolzen und zu Vanga gegeben.
50-41. Geschmolzenes Vanga wird in Muni-Blütensaft gegossen, in der mit Prakriti bezeichneten Wiederholungszahl. Bei jedem Guss wird Shila-Pulver zur Reinigung hinzugegeben.
Unnummerierte Fortsetzung vor 50-42. Gold und die übrigen Stoffe werden in den genannten Anteilen zum gereinigten Vanga-Stück gegeben. Verschlossen und geschmolzen sollen sie es verfestigen. [Hinweis: Die Mengenstaffel von Vers 40 und die Prakriti-Zahl lassen sich nicht zuverlässig auflösen.]
50-42. Silber, Kupfer und Trapu nimmt man in den durch Sonne, Nanda und Ashvin bezeichneten Anteilen,
50-43. schmilzt sie offen zusammen mit Ara und Tankana und gießt sie in Kuhdungwasser. Nach der mit Prakriti bezeichneten Wiederholungszahl soll Silber entstehen.
50-44. Kshoni-Badarika-Wurzel, Salz, wenig Wachs, Sesam, Kshirini und ein schwarzer Ring werden jeweils gesondert verwendet,
50-45. in einem Kudubaka Kimshuka-Flüssigkeit mit halb so viel Kuhghee. Eine zusammengezogene und gebundene Kugel, mit Gold versehen und verschlossen,
50-46. wird in einem geschlossenen Verfahren behandelt, schrittweise zur Hälfte …, herausgenommen und in die genannte Flüssigkeit gegeben. So schreckt man sie wiederholt ab, bis sie durchgearbeitet ist.
50-47. Dann nimmt man so viel Gold wie die Kugel. Naga wird geschmolzen und dreimal in Ratri-Saft gegossen; eine der Kugel entsprechende Menge
50-48. wird zu acht Nishka dieses Naga gegeben und soll Kupfer umwandeln. In einen Prastha frischen Karnikara-Blütensaft
50-49. gibt man ein Nishka des „Kamsa“ genannten Vimala-Pulvers und erhitzt es auf schwachem Feuer. Wenn es dick geworden ist,
50-50. mischt man ebenso viel Shila-Pulver hinzu und verreibt es. Man stellt es in einem Gefäß bereit, für Gold von sieben Farbstufen und weitere Metalle,
Unnummerierte Fortsetzung vor 50-51½. und erhitzt mit dem Blasebalg, im Verhältnis eines Gunja auf ein Nishka, zusammen mit dem Mittel zur Durchdringung.
Örtliche Ausnahme zu 50-44–48. Die Zutaten- und Arbeitsfolge ist in mehreren Verbindungen unklar, insbesondere der schwarze Ring, der Verschlusszustand und die Halbierung in Vers 46. Die erkennbaren Bestandteile sind übersetzt; eine lückenlose technische Rekonstruktion ist daraus nicht möglich.
50-51½. Während es schmilzt, bewegt man es mit einem halben Krishnala und nimmt es nach dem Erkalten heraus. Das Gold soll dadurch ohne große Mühe leicht eine höhere Farbstufe erreichen. [Hinweis: Der Bezug des kleinen Gewichtsmaßes ist nicht vollständig ausgeschrieben. Die originale Halbversnummer bleibt bewahrt.]
Kolophon. Hier endet im Mantrapada des Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das fünfzigste Kapitel über verschiedene Stoffe.
Besinnung: Sorgfalt im Umgang mit Dingen
Die Aufmerksamkeit für Duft, Haltbarkeit und Verarbeitung lässt die materielle Seite der Ritualkultur sichtbar werden. Eine heutige Anregung kann darin liegen, Dinge sorgfältig zu behandeln und Sinneseindrücke bewusst wahrzunehmen. Die alchemistischen Verwandlungsbehauptungen bleiben davon getrennt: Sie bezeugen historische Hoffnungen und Verfahren, ohne deren Ergebnisse für die Gegenwart zu sichern.
Mantrapada, Kapitel 51: Erstaunliche Schaustücke und Zauberverfahren
Der Text nennt dieses Kapitel „Narma“, Scherz oder Unterhaltung. Seine Inhalte reichen jedoch von Haushaltstricks und Illusionen bis zu behaupteten Eingriffen in Sexualität, Gesundheit und Gottesurteile. Diese historische Zusammenstellung wird weder verharmlost noch als Sammlung verlässlicher Anleitungen ausgegeben. Zahlreiche Wirkungsbehauptungen sind fantastische Vorstellungen; beschädigte technische Stellen bleiben örtlich bezeichnet.
Eingang. Nun das einundfünfzigste Kapitel.
51-1. Im Zusammenhang mit dem zuvor gelehrten Wissen vom großen Zaubernetz werden nun kurz Arten erstaunlicher Schaustücke beschrieben.
51-2. Ein Pulver aus Bhunaga und Indragopa wird von einem Mann an das weibliche Geschlecht gebracht; die Frau soll einen Monat lang nur für ihn, nicht für andere, sexuell zugänglich sein.
51-3. Ausgespuckter Betelbissen einer Person, in Eidechsenhaut und dann in einen Behälter aus Bhallataka gegeben, soll ihr eine Mundkrankheit verursachen.
Unnummerierter Zusatz nach 51-3. Wird er herausgenommen, soll sie befreit sein.
51-4. Auftragen von Pulver einer Muschelschalenhülle soll das weibliche Geschlecht verschließen. Waschen mit Kauripulver und Kuhbuttermilch soll den früheren Zustand wiederherstellen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-4. Ein Aufstrich aus dem verriebenen, nach unten gerichteten Kuhhorn soll die Yoni verschließen. Mit einem Aufstrich vom nach oben gerichteten Horn soll sie wieder sexuell zugänglich sein.
51-5. Das Überschreiten eines mit Eidechsenblut getränkten Fadens
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-5. soll bei Frauen Blutfluss verursachen; ebenso ein Faden mit Blut einer zweiköpfigen Schlange. Wird der Faden gewaschen und erneut überschritten, soll der Blutfluss aufhören.
51-6. Der Name eines Menschen wird mit dem Blut einer schwarzen Krähe auf ein Mangoblatt geschrieben
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-6. und in dessen Kot gelegt; kleine Tiere beziehungsweise Vögel sollen ihn wiederholt stechen. Nimmt man das Blatt heraus und verbrennt es, soll er befreit sein. [Hinweis: „Dv ika“ ist als Tierbezeichnung nicht sicher bestimmbar.]
51-7. Ein Skorpionstachel, mit einem körpereigenen Stoff der Frau und „Moda“ verbunden,
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-7. wird in eine Madana-Frucht gelegt; das soll ihr Stechen im Geschlecht verursachen. Herausgenommen soll es sie befreien. [Hinweis: „Svamodaka“ und „Moda“ bleiben in diesem Zusammenhang unverständlich.]
51-8. Pfauenkot, Dhurdhura, Visha-Rinde und Langali werden
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-8. in Büffelblut verrieben; ihr Rauch soll alle verwirren. Auch eine Lampe mit Dunduka-Öl und einem Lackharzdocht soll alle verwirren, die ihr Licht anschauen.
51-9. Die Namen zweier Menschen werden mit Krähen- und Eulenblut auf ein Nimba-Blatt geschrieben
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-9. und in dessen Baumhöhle gelegt; das soll zwischen beiden Feindschaft bewirken. Ebenso mit Büffel- und Pferdeblut.
51-10. Schwanzpulver eines Brahmasunu oder einer Wasserschlange wird mit Lackharz
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-10. zu Dochten verarbeitet; daraus entzündete Lampen sollen alle unbekleidet erscheinen beziehungsweise sich entkleiden lassen. Die Rauch- und Lampenverfahren wirken nach dem Text nur nachts. [Hinweis: Das gemeinte Tier Brahmasunu und die genaue Art des Entkleidungseffekts bleiben offen.]
51-11. Zum eigenen Schutz bringt man Kuhghee in die Nase
51-12. oder salbt damit die Augen; so soll man selbst geschützt andere verwirren können. Sesam wird wiederholt mit Vajri-Milchsaft durchtränkt und getrocknet.
51-13. Durch Auftragen seines Öls sollen schwarze Haare weiß werden. Pippali-Pulver wird wiederholt mit Vajri-Milchsaft durchtränkt,
51-14. mit Amalaka verrieben und aufgestreut; dies gilt als vorzügliches Mittel zur Haarentfernung. Rajaputri-Pulver in die Nasen von Pferden eingebracht soll sie zu Fall bringen.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-14. Gemeint ist: Es lässt die Pferde fallen. Durch Trinken von Sandelholz sollen sie sich erholen.
51-15. Aus den Schweifhaaren zweier Esel, die zur Paarung ansetzen, wird ein Armreif gemacht. Am Unterarm nach oben geschoben soll er eine Erektion bewirken.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-15. Gemeint ist eine Erektion bei einem Asketen. Nach unten geschoben soll der Reif das Glied erschlaffen lassen.
51-16. Samen von Badari-Früchten, die ein Schakal gefressen hat, werden mit Haaren eines sich paarenden Paares am Unterarm angebracht; sie sollen das Gewand einer Frau fallen lassen.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-16. Gemeint ist: Eine am Unterarm befindliche Badari-Kette wird in Gegenwart einer Frau nach oben geschoben und soll ihr Gewand fallen lassen. [Hinweis: Die Haarangabe und ihre Zuordnung sind in der Quelle fraglich.]
Unnummerierte Lampenanweisung vor 51-17. Eine Lampe mit Raji-Öl und Arka-Fasern soll Bettwanzen beseitigen – nachts.
51-17. Sthalakumbhi-Wurzel im Bett soll Bettwanzen beseitigen.
51-18. Eine Lampe in einer Krabbenschale, mit deren Fett gespeist, soll alle Bettwanzen im Haus anziehen.
51-19. Ein Docht aus Lackharz und Arka-Fasern in Raji-Fett soll nachts Bettwanzen vertreiben; Karira-Wasser soll Läuse beseitigen.
51-20. Weiße Aparajita-Wurzel, Arjuna-Früchte und -Blüten, Vilanga, Sarjaka, Lackharz, Shrivasa, Arushkara und Pura
51-21. werden zu gleichen Teilen zu Räucherwerk verarbeitet. Es soll Mücken, Bettwanzen, Schlangen, Mäuse, Holzwürmer und Spinnen aus dem Haus vertreiben.
51-22. Wasser mit fein pulverisierten Kokilaksha-Samen soll fest werden; mit Baddhavalli verbunden soll es eine fleischartige Gestalt annehmen.
51-23. In starker Sonne aufgestellte Bronze soll auf darunterliegenden Fasern oder trockenem Kuhdung Feuer erzeugen, wie ein Sonnenstein. [Hinweis: Das Wort „nirmule“ zur Anordnung ist unklar; eine genaue optische Konstruktion wird nicht ergänzt.]
51-24. Hände und Füße, mit Froschfett und eigenem Urin bestrichen, sollen nicht vom Feuer verbrannt werden.
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-24. Ebenso mit verriebener Samanga-Wurzel oder Froschfett. Gemeint ist: Das Auftragen soll das Feuer hemmen.
51-25. Hält man beim Besteigen einer Waage den Atem an, soll man leicht werden.
51-26. Atmet man aus, soll man schwer werden, selbst wenn man ohne Schuld ist. Im Windfeld schreibt man den Namen in das Windzeichen, außen umgeben von acht Windzeichen.
51-27. Am Fuß der Waage vergraben soll das selbst einen Brahmanentöter leicht erscheinen lassen. Im Erdfeld schreibt man den Namen in einen Vajra, außen mit acht „Mamsa“-Zeichen versehen.
51-28. Am Fuß der Waage vergraben soll es selbst einen reinen Menschen schwer erscheinen lassen. Eine Kugel aus Kot eines am selben Tag geborenen Kalbs und Tagara
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-28. wird zuerst gegessen; danach soll eingenommenes Gift nicht wirken. So soll man ein Gift-Gottesurteil bestehen. [Hinweis: Die Verfahren sollen nach der Quelle Ergebnisse historischer Gottesurteile manipulieren. Die Zeichenchiffre „Mamsa“ ist unaufgelöst.]
51-29. Zuerst kaut man eine Kugel aus Kot, den scharfen Gewürzen und Kana;
51-30. danach soll man das Reis-Gottesurteil bestehen. Ein Wasserschlangenzahn im Mund soll beim Wasser-Gottesurteil Sieg bringen.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-30. Er soll das Bestehen der Wasserprobe bewirken.
51-31. Kokilaksha-Pulver mit dem Ghee einer roten Kuh vermischt wird über Gesicht, Nase und Ohren gestrichen; dann steigt man ins Wasser.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-31. Wer so die Wasserprobe vollzieht, soll sie auch dann bestehen, wenn er schuldig ist.
Unnummerierte Bildanweisung. Ein Bild, mit Shishumara-Ausscheidung bestrichen, soll bei geballter Faust unsichtbar sein. Beim Öffnen der Faust soll es wieder sichtbar werden. [Hinweis: Die Verbindung von Bild und Faust ist im Text sehr knapp.]
51-32. Holzsandalen aus Shyonaka, in deren Innerem dessen Samen liegen,
51-33. soll man anziehen und damit ohne Furcht nach Belieben über Wasser gehen. Man richtet den Geist unbeweglich auf die Stirnmitte zwischen den Augenbrauen.
51-34. Mit angehaltenem Atem und ausgestrecktem, nach oben gewandtem Körper soll man wie ein Boot im Wasser treiben.
Unnummerierte Ergänzung nach 51-34. Entweder im gebundenen Lotussitz oder mit allen Gliedern ausgestreckt.
Unnummerierter Beginn der folgenden Lampenanweisung. Wenn ein ölgetränkter Docht mit Sarja-Pulver bestreut ist,
51-35. soll die Lampe in einem innen und außen mit Wasser versehenen Gefäß brennen. Auch ein mit Snuhi-Milchsaft durchtränkter, ölfeuchter Docht mit Meeresschaum wird genannt.
51-36. Ein eisernes Gefäß wird mit Suta gefüllt; darüber legt man glühende Kohle. Das Gefäß soll dann sichtbar in der Luft schweben.
51-37. Einen Federkiel oder eine Markröhre füllt man mit Suta. Ein darin befindlicher, mit Öl getränkter Docht wird angezündet; die Vorrichtung soll von selbst in die Luft steigen.
51-38. Sauvira wird sieben Tage in der Yoni einer menstruierenden Frau aufbewahrt. In die Mitte eines Feuers geworfen soll darin deutlich ein Mensch erscheinen.
51-39. Bijapuraka-Öl wird in ein kupfernes Gefäß gegeben und mittags in die Sonne gestellt. Darin soll die Sonne mit ihrem Wagen sichtbar werden.
51-40. Die Srota genannte Augensalbe wird wiederholt mit Agasti-Blütensaft durchtränkt. An die Augen gebracht soll sie tagsüber die Sterne sichtbar machen.
51-41. Ein Pflock aus einem vom Blitz getroffenen Baum, in die Luft geworfen, soll dort bleiben. Öl mit etwas Pulver und Wasser soll wie Ghee werden. [Hinweis: Das Pulver und die genaue Zubereitung sind nicht ausgeschrieben.]
51-42. Salzwasser, in einer mit kleiner Spinne und Ghee bestrichenen Hand gehalten und dann auf Stroh oder Ähnliches geschüttet, soll brennen; auch Feuer soll es entzünden. [Hinweis: Der Bezug von „Laghuluta“ sowie der letzte Feuerbezug sind unsicher.]
Unnummerierte Anweisung nach 51-42. Durch Rauch von einer menschlichen Nachgeburt sollen Bilder weinen. Guggulu-Rauch soll dies wieder beenden.
51-43. Räucherwerk aus Spitzmaus, Madana, Talaka, Langalika, Ashvari, Kumbha und Karavira soll mit Talaka versehene Bilder zum Weinen bringen. Bei Räucherung mit Pura sollen sie wieder in ihren gewöhnlichen Zustand zurückkehren.
51-44. Man bestreicht einen Spiegel mit Pfauengalle und stellt ihn mehr als zur Hälfte … auf,
51-45. der Sonne zugewandt und verborgen; eine Verfinsterung soll deutlich sichtbar werden. Tote kleine Fische, mit Bhallata-Öl benetzt,
51-46. sollen, ins Wasser geworfen, einen Augenblick wie lebendig umherschwimmen. Fischrogenpulver, mit Fischgalle bestrichen, soll im Wasser einen Fisch entstehen lassen.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-46. Es soll ein Fischjunges erzeugen. [Hinweis: Die Aufstellungsangabe in Vers 44 ist unvollständig verständlich.]
51-47. Pulver von Flussalgen wird in Büffelbuttermilch eingerührt. Nach einem Yama sollen darin Frösche entstehen.
51-48. Man bestreicht die Hand mit Pfauengalle, hält Nimba-Blätter fest darin und lässt sie wieder los; sie sollen zu Skorpionen werden.
Unnummerierter Zusatz nach 51-48. Ebenso mit Ankola-Öl und Nirgundi- oder Nimba-Blättern.
51-49. Ein vom Wind herbeigetragenes Baumblatt … mit einem Eberhauer verbunden und um die Hüfte gebunden soll einen die Nahrung von zehn Menschen essen lassen. [Quellenlücke: In der Zutatenangabe stehen Sternchen.]
51-50. Abends spricht man zu einem Aksha-Baum: „Du bist eingeladen.“ Am Morgen nimmt man seine obersten Blätter. Wenn eine große Mahlzeit bereitsteht,
51-51. tritt man mit dem rechten Fuß auf diese Blätter und soll viel Reis essen können. Mit dem linken Fuß, bestrichen mit Pulver aus Eselsnachgeburt und den drei scharfen Gewürzen,
51-52. schlägt man einen Baum; er soll Blüten und Früchte abwerfen. Sieben Tage lang füttert man einen Pfau mit Speise, die Shila und Tala enthält.
51-53. Was sich in einer mit seinem Kot bestrichenen Hand befindet, soll unsichtbar sein. Nach längerem Kauen von Kuranda-Blättern durchsticht man die Lippe
51-54. oder die Wange mit einer Nadel; es soll kein Schmerz entstehen. Wer Shunthi und Chola kaut, soll glühendes Metall angenehm ablecken können.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-54. Gemeint ist: Er soll nicht verbrannt werden.
51-55. Eine Lampe mit Koshataki-Öl soll vom Wind nicht ausgelöscht werden. Ein Bronzegefäß umwickelt man mit einem durch Lackharz geröteten, ölgetränkten Faden und kocht darin Milchreis; es soll nicht verbrennen.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-55. Der Faden soll nicht verbrennen.
51-56. Der Verzehr dieses Milchreises soll Milzleiden und Kamila beseitigen.
51-57. Ein Elefant soll andere Elefanten besiegen, wenn seine Ferse mit seinem eigenen Brunstsekret bestrichen wird. Sieht ein Elefant eine mit Spitzmauspulver bestrichene Hand, soll er aus Furcht
51-58. fliehen; wird sein Anbindepfosten damit bestrichen, soll er davonlaufen. Ein Brett von einem anderen Baum, der auf einem Tilva gewachsen ist,
Unnummerierte Fortsetzung vor 51-59. wird in die Küche gelegt und soll die dortige Speise bitter machen. Wird es entfernt, soll die Wirkung aufhören.
51-59. Durch Reiben zweier Wasserrabenknochen soll Feuer entstehen, sogar im Wasser. Duftstoffpulver mit Tilva-Milchsaft, in Wasser gelegen,
Unnummerierte Erläuterung vor 51-60. wird im Zusammenhang mit Strohhaufen, Häusern und ähnlichen Orten genannt. [Örtliche Ausnahme: Der zweite Satz hat in der gelieferten Fassung kein klares Prädikat. Eine vollständige Anwendung lässt sich nicht übersetzen; der erkennbare Bezug ist Feuererzeugung.]
51-60. Kot von Huhn, Taube und Pfau,
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-60. dazu Pulver aus den fünf Teilen von Hema, auf den Kopf gebracht, sollen Wahnsinn verursachen. Auf wessen Kopf es gestreut wird, den soll es wahnsinnig machen; durch Scheren der Haare soll er genesen.
51-61. Snuhi-Milchsaft und Sesampulver werden verrieben und auf ein Arka-Blatt gegeben.
51-62. Wenn Mäuse davon oder von einem daraus gemachten Küchlein fressen, sollen sie das Haus verlassen. Tala und Katzenkot werden mit Ziegenurin verrieben;
51-63. bestreicht man damit eine Maus, sollen alle Mäuse fortgehen. Brennholz ohne Mark wird mit Schwefel und Ankola-Öl getränkt.
51-64. Durch Darbringung von sehr heißem Ghee soll das Feuer von selbst aufflammen. Mit Sadabhadra-Wurzel im Mund soll man weißen Stein kauen können.
51-65. Ist der Mund mit Indravalli- oder Bala-Saft durchtränkt, soll beim Essen roher, juckender Pflanzenstücke kein Jucken entstehen. [Örtliche Ausnahme: Die konkrete Speisebezeichnung ist beschädigt und mit einem Fragezeichen versehen; nur die erkennbare Aussage ist übersetzt.]
Unnummerierte Fortsetzung nach 51-65. Wer einen auf Vrisha wachsenden Schmarotzerzweig in der Hand hält, soll beim Würfelspiel gewinnen.
51-66. Man bedeckt die Öffnung eines Gefäßes mit dünner Affenhaut, entzündet darin eine Lampe mit Büffelghee und stellt es hoch auf. Man soll Mondlicht und einen vollen Mond sehen.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-66. Gemeint ist: spät in der Nacht des Neumonds.
51-67. Tausendfüßer, „Kritanjali“, Schildkrötenfüße und -kopf sowie der Kopf eines „Jananidhara“ werden pulverisiert. Berührung mit einer damit bestrichenen Hand soll die beiden Brüste einer jungen Frau unsichtbar machen. [Hinweis: Zwei Tier- beziehungsweise Stoffnamen sind unaufgelöst; die fantastische Wirkung ist die Aussage der Quelle.]
51-68. Karanja-Samen, Indragopa, Pfauengalle und Eidechsenfuß werden mit saurer Reisflüssigkeit zu einer Kugel verarbeitet; sie soll weite Reisen ermöglichen.
Unnummerierte Erläuterung und Formel nach 51-68. An die Hüfte gebunden. „… hier im Haus, halte die Tür fest! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Quellenunsicherheit: Das erste Wort der Formel ist beschädigt.]
51-69. Ein Affenknochen wird im Urin eines Menschen vergraben; dieser soll gehemmt werden. Vergräbt man Langali in seinem Urin, soll er impotent werden.
Unnummerierte Erläuterung nach 51-69. Wird es herausgenommen, soll er befreit sein.
51-70. Gegessenes Shirisha-Harz soll beim Menschen Taubheit verursachen.
51-71. Shalmali-Harz mit Hema-Flüssigkeit soll Blindheit verursachen. Durch Trinken von Zucker und Büffelmilch soll in beiden Fällen Genesung eintreten.
Unnummerierte Pflockanweisung nach 51-71. Ein Sarja-Pflock im Haus eines Töpfers soll dessen Gefäße zerstören.
Unnummerierte Formel. Nach mehreren unverständlichen Anfangslauten: „Entflamme, Verbindung Schaffende! Schutzlaut! Alle Begünstigende! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Quellenunsicherheit: Die Anfangsfolge und die Anrede „Sangakari“ sind nicht sicher als ganze Formel übersetzbar.]
51-72. Mit diesem durch zehntausend Wiederholungen verwirklichten Mantra bespricht man einen Shirisha-Pflock siebenmal,
51-73. trägt ihn rechtsherum und vergräbt ihn mitten im Feld. In der neunzehnten Ghatika der Nacht soll er Diebe festhalten. [Hinweis: „Unavimsha“ wird hier als neunzehn verstanden; der zeitliche Anschluss ist knapp.]
51-74. Eine Gunja-Kugel in Bhallataka-Saft, Mandalakari und pulverisiertes Visha, auf den Körper gestreut, sollen Kushtha verursachen.
Unnummerierte Fortsetzung vor 51-75½. Nimba-Wasser, Zucker und Honig als Getränk und Nasenanwendung sollen wieder Wohlbefinden bringen; ebenso als Aufstrich. [Hinweis: Die Zutatenfolge der schädigenden Mischung ist örtlich unsicher.]
51-75½. Für Menschen, die erstaunliche Handlungen, Scherze und Ähnliches wünschen, wurden diese Geheimnisse der Mantrawiederholung zusammengestellt, um ihrem Geist Vergnügen zu bereiten.
Kolophon. Hier endet im Mantrapada des Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das einundfünfzigste Kapitel über Scherz- und Schaustückverfahren.
Besinnung: Staunen mit Unterscheidungsvermögen
Das Kapitel macht sichtbar, wie eng in dieser Überlieferung Staunen, Spiel, Angst und der Wunsch nach Macht verbunden sein können. Für heutige Yoga-Aspiranten ist Unterscheidungsvermögen wesentlich: Eine erstaunliche Erzählung ist noch kein Wirkungsnachweis, und Unterhaltung rechtfertigt keine Verletzung anderer. Staunen kann die Aufmerksamkeit öffnen; Mitgefühl und Wahrhaftigkeit geben ihr eine Richtung.
Mantrapada, Kapitel 52: Sieg im Kampf, Lebenszeichen und Lebensverlängerung
Das Schlusskapitel des Mantrapada verbindet ein astrologisches System von fünf Vögeln mit Kampfprognosen, Schutzritualen und Vorstellungen von Lebensdauer. Es endet mit Rasayana-Rezepten und einer Zusammenfassung des Werkteils. Die vielen Zahlen-, Buchstaben- und Kalenderchiffren gehören zur historischen Deutungspraxis. Sie werden nicht als verlässliche Vorhersagen über Sieg, Krankheit oder Tod ausgegeben.
Eingang. Nun das zweiundfünfzigste Kapitel.
52-1. Weil zuvor mit den Worten „bitter durch den Zusammenhang mit Kali“ und ähnlichen Ausdrücken Kali als Kampf bezeichnet wurde, wird nun ein Mittel zum Sieg im Kampf gelehrt. [Hinweis: Der zitierte Verweis ist verkürzt; sein vollständiger vorausgehender Wortlaut wird hier nicht ergänzt.]
52-2. Shiva hat fünf Gestalten für die fünf Tätigkeiten, beginnend mit der Schöpfung. Deshalb ist die aus fünfunddreißig Tattvas bestehende Welt fünffach gegliedert.
52-3. Darin sind auch die fünf Elemente und die Lebenswinde enthalten. Aus ihnen besteht Suparna, der Vogelkönig; von ihm wurden fünf Vögel geschaffen.
52-4. Diese bestehen aus den fünf Elementen und Weiterem; ihre Körper sind die geschriebenen Laute. Im Osten, Süden, Westen, Norden und im mittleren Feld
52-5. liegt das fünffache, aus den fünf Elementen bestehende Diagramm. Darin bewegen sich die fünf Vögel in fünf Zuständen und fünf Tätigkeiten, in vorwärts- und rückläufiger Folge.
52-6. Kantaka, Pingala, Karandava, Sarasa und Barhin sind die fünf Vögel, im Osten und den folgenden Richtungen sowie in der Mitte.
52-7. Ihre Lautgruppen beginnen mit kurzem und langem A, mit kurzem und langem I, mit kurzem und langem U sowie mit E und Ai; hinzu kommen in verschränkter Folge die Konsonanten der jeweiligen Vogelgruppe.
52-8. Die letzte Gruppe beginnt mit O und Au. Der Kundige soll für Kantaka und die folgenden Vögel der Reihe nach jeweils acht Laute unterscheiden. [Örtliche Ausnahme zu 52-7–8: Die zusammengezogenen Lautlisten sind in ihrer Gruppierung und Unterscheidung ähnlicher Konsonanten nicht sicher als deutsche Lautbezeichnungen wiederzugeben. Ihre vollständige Originalgestalt ist in den Sanskritfassungen bewahrt. Die folgende chiffrierte Aufzählung wird zusätzlich vollständig übersetzt.]
52-9. Shrikantha, Ananta, Vidhi, Daruka, Ambu, Dvirandaka, Mina und Ekanetra: Diese acht bezeichnen die Laute Kantakas.
52-10. Sukshma, Trimurti, Chandesha, Vishama, Isha, Chaturmukha, Baka und Ardhanarisha werden als Lautbezeichnungen Pingalas genannt.
52-11. Die beiden Ohren, „Pai“, die Mitte des Arms, die Seite, Ajesha, das Mark und Umakanta werden als Lautbezeichnungen Karandavas gelehrt. [Hinweis: Die Lesung „pai“ ist beschädigt; die Zählung ergibt sich nur, wenn die beiden Ohren getrennt gezählt werden.]
52-12. Die beiden Lippen, Ashadhi, Rakta, Shivottama, Shikhin, Dindi und Shukla sind die acht Lautbezeichnungen des Sarasa-Vogels.
52-13. Die beiden Zahnlaute, Langali, Kurma, Atri, Mamsa, Nabhas und Chagalanda sind die acht Lautbezeichnungen Barhins.
52-14. Die vier vokalischen R- und L-Laute, die beiden letzten Vokallaute sowie die mit den retroflexen und nasalen Lauten bezeichneten Endlaute gehören nicht zum Vogelgang; sie stehen nicht am Anfang der hierfür berücksichtigten Namen. [Hinweis: Die genaue Konsonantenfolge im zweiten Halbvers ist unklar. Die Originalbuchstaben werden nicht stillschweigend zu einem Alphabet vervollständigt.]
52-15. Die Mondtage, vom ersten an, heißen Nanda, Bhadra, Jaya, Rikta und als fünfter Purna. Diese Fünferfolge gehört der Reihe nach Kantaka und den folgenden Vögeln.
52-16. Am eigenen Mondtag essen Kantaka und die anderen jeweils während der ersten sechs Nadis; die übrigen Vögel essen danach der Reihe nach in weiteren Sechs-Nadi-Abschnitten.
52-17. Kind, Jüngling, König, Greis und Verstorbener sind ihre Zustände; Essen, Gehen, Herrschen, Schlafen und Sterben ihre Tätigkeiten.
52-18. So werden bei Nanda und den folgenden Tagen, vom ersten Sechserabschnitt an, die Vogelzustände in allen fünf Sechserabschnitten der ersten und zweiten Hälfte des Mondtags bestimmt.
52-19. Im ersten Sechs-Nadi-Abschnitt von Nanda werden Kind, Jüngling, König, Greis und Toter der Reihe nach den mit Shyena beginnenden Vögeln zugeordnet: Karandava, Sarasa und Shikhin folgen. [Quellenunsicherheit: Die Liste ist verkürzt oder beschädigt und bereits fraglich markiert; der fünfte Name wird nicht ergänzt.]
52-20. Im zweiten Sechserabschnitt gelten Pingala, Karandava, Sarasa, Shikhin und Kantaka der Reihe nach als Kind, Jüngling, König, Greis und Toter.
52-21. Im dritten Abschnitt gelten Karandava, Sarasa, Shikhin, Kantaka und Pingala der Reihe nach als Kind, Jüngling, König, Greis und Toter.
52-22. Im vierten Abschnitt gelten Sarasa, Keki, Shyena, Pingala und Karandava der Reihe nach als Kind, Jüngling, König, Greis und Toter.
52-23. Im fünften Abschnitt gelten Shikhin, Kantaka, Shishuluka, Karandava und Sarasa der Reihe nach als Kind, Jüngling, König, Greis und Verstorbener. [Hinweis: Der Text wechselt Vogelnamen und Synonyme; sie werden nicht stillschweigend vereinheitlicht. Shishuluka ist eine auffällige Lesung.]
52-24. Essen, Gehen, Herrschen, Schlafen und Sterben sind ihre fünf Tätigkeiten. Man erkennt sie im fünffeldrigen Diagramm, ausgehend von der eigenen Himmelsrichtung des Vogels.
52-25. In der zweiten Hälfte von Nanda sind Karanda, Uluka, Kantaka, Keki und Sarasa der Reihe nach essend, gehend, herrschend, schlafend und tot.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-25. Im ersten Sechserabschnitt.
52-26. Im zweiten Abschnitt sind Uluka, Shyena, Keki, Sarasa und Karandava der Reihe nach Kind, Jüngling, König, Greis und Toter.
52-27. Im dritten Abschnitt sind Shyena, Barhin, Sarasa, Dhvanksha und Uluka der Reihe nach Kind, Jüngling, König, Greis und Toter.
52-28. Im vierten Abschnitt ist Barhin Kind, Sarasa Jüngling, Karandava König, Uluka Greis und Kantaka tot.
52-29. Im fünften Abschnitt ist Sarasa Kind, Karanda Jüngling, Pingala König, Shyena Greis und Mayura tot.
52-30. Am Anfang von Bhadra sind Pingala, Dhvanksha, Sarasa, Keki und Kantaka in rechtsläufiger Folge Kind, Jüngling, König, Greis und Toter.
52-31. Ihre Tätigkeiten sind wie zuvor Essen, Gehen, Herrschen, Schlafen und Sterben. So soll man auch die anderen erschließen.
52-32. Der zweite Abschnitt beginnt mit Karanda, der dritte mit Sarasa, der vierte mit Mayura und der fünfte mit Kantaka.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-32. Gemeint sind die Sechs-Nadi-Abschnitte von Bhadra.
52-33. Im ersten Sechserabschnitt der zweiten Hälfte von Bhadra sind Sarasa, Dhvanksha, Pingala, Shyena und Barhin der Reihe nach Kind und die folgenden Zustände.
52-34. Der zweite Abschnitt beginnt mit Jalakaka, der dritte mit Pingala, der vierte mit Kantaka und der fünfte mit Mayura.
52-35, erstes Vorkommen [Erläuterung]. Gemeint sind die Sechserabschnitte der zweiten Hälfte.
52-35, zweites Vorkommen [Vers]. Im ersten Abschnitt von Jaya sind Karanda, Sarasa, Barhin, Kantaka und Uluka der Reihe nach Kind und die weiteren Zustände, mit Essen, Gehen und den übrigen Tätigkeiten. [Hinweis: Die Quelle vergibt die Nummer 52-35 zweimal, zunächst an die Erläuterung, dann an diesen Vers.]
52-36. Im zweiten Abschnitt von Jaya sind Sarasa, Barhin, Kantaka, Pingala und Jalakaka der Reihe nach Kind und die folgenden Zustände, mit den jeweiligen Tätigkeiten.
52-37. Der dritte beginnt mit Barhin, der vierte mit Kantaka und der fünfte mit Pingala. So wird es für Jaya gesondert gelehrt.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-37. Für die erste Hälfte von Jaya.
52-38. Im ersten Abschnitt der zweiten Hälfte von Jaya sind Barhin, Sarasa, Vayasa, Pingala und Kantaka der Reihe nach Kind und die weiteren Zustände, mit ihren Tätigkeiten.
52-39. Im zweiten Abschnitt dieser Hälfte sind Sarasa, Dhvanksha, Pingala, Kantaka und Mayura der Reihe nach Kind und die weiteren Zustände, mit ihren jeweiligen Tätigkeiten.
52-40. Im dritten Abschnitt sind Karanda, Uluka, Kantaka, Barhin und Sarasa der Reihe nach Kind und die weiteren Zustände, mit ihren Tätigkeiten.
52-41. Im vierten Abschnitt sind Pingala, Shyena, Barhin, Sarasa und Karanda der Reihe nach Kind und die weiteren Zustände, beginnend mit der Tätigkeit des Essens.
52-42. Im fünften Abschnitt sind Shyena, Barhin, Sarasa, Karandaka und Uluka der Reihe nach Kind und die weiteren Zustände mit den genannten Tätigkeiten.
52-43. Im ersten Abschnitt von Rikta sind Sarasa, Keki, Kantaka, Uluka und Kaka der Reihe nach Kind und die weiteren Zustände, mit Essen, Gehen und den folgenden Tätigkeiten.
52-44. Der zweite Abschnitt beginnt mit Mayura, der dritte mit Kantaka, die beiden übrigen Abschnitte von Rikta mit Uluka beziehungsweise Karandava.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-44. Gemeint sind die Zustände vom Kind an.
52-45. Im ersten Abschnitt der zweiten Hälfte von Rikta sind Shyena, Barhin, Sarasa, Dhvanksha und Uluka wie zuvor den Zuständen und Tätigkeiten vom Kind an zugeordnet.
52-46. Für den zweiten und die folgenden Sechserabschnitte dieser Hälfte werden Barhin, Sarasa, Karanda, Pingala und Shyena als Anfang der Zustandsfolge vom Kind an und der Tätigkeiten vom Essen an genannt.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-46. Gemeint ist die zweite Hälfte von Rikta.
52-47. Im ersten Abschnitt von Purna sind Barhin, Kantaka, Pingala, Jalakaka und Sarasa rechtsläufig den Zuständen vom Kind an zugeordnet.
52-48. Für den zweiten und die folgenden Abschnitte von Purna werden Kantaka, Uluka, Vayasa und Sarasa als Anfang der Zustandsfolgen genannt, mit den zuvor genannten Tätigkeiten.
52-49. Im ersten Abschnitt der zweiten Hälfte von Purna sind Pingala, Shyena, Barhin, Sarasa und Jalakaka in umgekehrter Folge den Zuständen vom Kind an zugeordnet.
52-50. Für den zweiten und die folgenden Abschnitte werden Kantaka, Shikhin, Sarasa und Vayasa der Reihe nach als Anfang der Zustandsfolgen genannt. [Hinweis zu 52-46–50: Die Quelle nennt hier verkürzt die Anfangsvögel der aufeinanderfolgenden Abschnitte; vollständige zusätzliche Tabellen werden nicht erfunden.]
52-51. Wenn der Vogel des Anfangslauts eines Namens herrscht, soll der Namensträger im Kampf oder Streitgespräch siegen; ist er Jüngling, ist das Ergebnis mittelmäßig.
52-52. Beim Kind ist das Ergebnis gering, beim Greis Untergang, beim Toten Tod. Herrschen bedeutet das beste Ergebnis, Gehen ein mittleres, Essen ein geringes.
52-53. Schlaf bedeutet Verlust, Tod bedeutet Tod: So soll der Kundige unterscheiden. Sarasa ist stärker als Kaka, Uluka stärker als dieser, Shikhin wiederum stärker als Uluka.
52-54. Stärker als Mayura ist Shyena; so erkennt man Stärke und Schwäche. Mayura, Shyena, Karanda und Sarasa sind tagsüber stark,
52-55. Uluka nachts; alle sind in den Dämmerungen stark. Die erste Hälfte der Mondtage gilt als Tag, die zweite als Nacht.
52-56. Der Besonnene soll die Stärke der jeweiligen Zeit erkennen und dann den Kampf beginnen lassen. Am Gang der Vögel sollen Leben, Tod, Krankheit,
52-57. Gewinn und Verlust, Ankunft und Fortgang, Durchführbarkeit und Undurchführbarkeit sowie Gutes und Schlechtes erkennbar sein. König und Herrschen sind überall am besten, Gehen und Jüngling
52-58. mittelmäßig, Essen und Kind von geringem Ergebnis. Schlaf und Greis bedeuten Verlust, die Todeszustände Tötung.
52-59. Das Ergebnis soll man entsprechend dem jeweiligen Vorhaben erschließen. Garuda, Katze, Löwe, Hund, Schlange, Maus, Elefant
52-60. und Hase stehen von Osten an in den Himmelsrichtungen; ihre Stärke und Schwäche soll man kennen. Die acht Lautklassen, beginnend mit A, verkörpern in den Richtungen Garuda und die anderen Tiere.
52-61. Menschen, deren Namen mit den jeweiligen Lauten beginnen, werden diesen Tieren zugeordnet. Garuda und Schlange sind gegenseitige Feinde, ebenso Katze und Maus,
52-62. Elefant und Löwe sowie Hase und Hund. Garuda besiegt die Schlange; die Schlange besiegt Garuda nicht, wenn dieser in Garudas eigenem Bereich steht.
52-63. Doch auch die Schlange besiegt gewöhnlich Garuda, wenn er sich in ihrer Richtung befindet. Ebenso bei Löwe und Elefant, Katze und Maus
52-64. sowie Hase und Hund soll man Stärke und Schwäche des Geländes erkennen. Garuda, Katze, Löwe und Hund sind stark, wenn sie gegen ihre Feinde ziehen;
Unnummerierte Fortsetzung vor 52-65. die übrigen, beginnend mit der Schlange, erleiden an ihrem Standort eine Niederlage. Einige lehren, dass sich das Ergebnis beim Wechsel des Standorts umkehrt. [Hinweis: Die letzte Standortregel steht in Spannung zur vorangehenden Aussage über die Schlange; sie wird nicht vereinheitlicht.]
52-65. Wer im Namensanfang lange Lautanteile besitzt, hat größere Stärke.
52-66. Wer am Namensanfang kurze Lautanteile besitzt, hat geringere Stärke. Wessen Name mit einem Laut aus der Klasse Garudas oder der anderen Tiere beginnt,
52-67. der gilt entsprechend als Garuda und so weiter; daraus erschließt man Stärke und Schwäche. Im Zweikampf oder zwischen zwei Königen
52-68. soll man erst Tierklasse und Himmelsrichtungen erkennen und dann kämpfen lassen. In der hellen Monatshälfte am vierten, achten, elften Tag und am Vollmond
52-69. steht Vishti in den durch Mond, Feuer, Seher und Veden bezeichneten Zeitabschnitten und Richtungen. In der dunklen Monatshälfte am dritten, siebten, zehnten und Bhuta-Tag
52-70. gilt die Folge von Jahreszeiten, Veden, Feuer und Mond für Zeitabschnitte und Richtungen. Dann folgen die mit Naya, Nara, Naga, Nripa, Nari und nochmals Naga bezeichneten Zahlenwerte.
52-71. Diese geben die Nadis der jeweiligen Vishti-Zeiten an; sie sind, von der hellen Monatshälfte an gezählt, zu meiden. An welchem Mondtag und Zeitabschnitt Vishti in der Sonnenrichtung steht,
52-72. dort steht zugleich Chandarahu. Vom Sonnenaufgang an beginnt täglich im Osten eine rechtsläufige Folge
52-73. von Sonne, Mars, Jupiter, Merkur, Venus, Saturn, Mond und Schlangengestalt. Für Rahu, den Sohn Simhikas, wird morgens der Nordosten als Standort gelehrt.
52-74. Je ein Viertel-Yama steht er in einer der acht Richtungen, gegen den Uhrzeigersinn. Vom Sonnenuntergang an verläuft sein nächtlicher Gang ebenso.
52-75. Auch ein Jahres-Rahu steht monatsweise in den Himmelsrichtungen: im Osten bei Löwe, Widder und Schütze, im Süden bei Jungfrau, Steinbock und Stier,
52-76. im Westen bei Zwillinge, Waage und Wassermann, im Norden bei Krebs, Fische und Skorpion. In welchem Tierkreiszeichen die Sonne steht, dort steht auch der Monats-Rahu.
52-77. Wer Sieg wünscht, soll deshalb Vishti und Rahu nicht frontal entgegenziehen. Wer hinter Rahu steht und kämpft, soll die Feinde besiegen. [Hinweis zu 52-69–71: Die verschlüsselten Zahlenwerte sind nicht durch zusätzliche astrologische Quellen ergänzt. In Vers 77 steht die auffällige Lesung „vrishtya“, hier auf den vorangehenden Vishti-Zusammenhang bezogen.]
52-78. Die Yoginis, beginnend mit Brahmani, stehen nach der mit Partha, Rambha, Ambu und Shantida bezeichneten Folge, von Osten, Sonntag, Feuer und Durga-Mondtag an gerechnet.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-78. Gemeint ist ihre jeweilige Stellung. [Hinweis: Die mehrfach chiffrierte Richtungs-, Wochentags- und Mondtagsfolge lässt sich nicht sicher tabellieren.]
52-79. Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Aindri, Chamundi und Mahalakshmi sind die Mütter.
52-80. Asitanga, Ruru, Chanda, Roshana beziehungsweise Bhishana, Unmatta, Kapali, Bhishana und Samhara sind die acht Bhairavas. [Hinweis: Die Quelle bietet beim vierten Namen eine Lesungsalternative; Bhishana steht später nochmals. Diese Unsicherheit bleibt erhalten.]
52-81. Zusammen mit den acht Müttern stehen sie gemäß Mondtag und Wochentag der Reihe nach da, von furchtbarer Gestalt, mit Dreizack und Schädelschale.
52-82. Wer bei Kampf, Feldzug und anderen Vorhaben den Müttern und Bhairavas frontal entgegengeht, soll rasch zugrunde gehen; ebenso, wer sich gegen ihre Dreizackseite bewegt.
52-83. Darum soll der Kundige, der Leben oder Sieg wünscht, nicht frontal gegen Rahu, die Yogini oder Bhairava zum Kampf ziehen.
52-84. Rudras und Yoginis tragen den Dreizack rechts, die Schädelschale links. Für den Kampf soll man die Dreizackseite meiden;
52-85. die Bewegung auf ihrer linken Schädelschalenseite soll Sieg bringen. In den menschlichen Körpern werden Planeten über die Mondhäuser verortet.
52-86. Besonders die Stellung des Mars im Körper soll man kennen. Vom Geburtsmondhaus an liegen drei Mondhäuser im Gesicht, vier in den Augen, danach am Hals
52-87. vier, an den Armen sechs, an der Seite zwei und an den Füßen acht. An dem Körperteil, dessen Mondhaus Mars besetzt, soll sicher eine Waffenverletzung entstehen. [Hinweis: Die genannten Zahlen ergeben 27; die auf die Arme und Füße bezogenen Gruppen werden nicht weiter verteilt, da die Quelle dies hier nicht ausschreibt.]
52-88. Darum soll man den von Mars besetzten Körperteil besonders schützen. In das Innere eines achtblättrigen Lotus kommen sechs Raumlaute mit dem Namen.
52-89. Auf die Blätter kommen die heilige Silbe, „Liddhikaphunde“ und der verdoppelte Abschlusslaut; außen das Erdfeld. In die sechs Ecken des Feuers schreibt man sechs langgezogene
52-90. Feuerlaute, mit den Lauten der Zielperson verschränkt, beginnend mit einer fraglichen Lautfolge. Feuer mit Mond und zwei Bindus, Feuer mit Feuer, Visarga und Raum werden eingetragen.
52-91. Außen und in den Zwischenräumen wird es mit Samvarta-Lauten mit Visarga umgeben, außen mit der Buchstabenreihe und mit einem Kreis von Punkten umschlossen.
52-92. Mit Duftstoffen, Blüten und weiteren Gaben verehrt und als Schutzband am Hals oder an der Stirn getragen soll dies im Kampf schützen und den Feind verwirren. [Hinweis zu 52-88–92: Mehrere Buchstabenchiffren und der Halsbezug sind beschädigt. Die erkennbaren Diagrammteile sind übersetzt; eine sichere vollständige Zeichnung oder Formel kann nicht rekonstruiert werden.]
52-93. Auf dem Schlachtfeld niedergelegt soll es das fremde Heer stillstellen. Auch die Diagramme namens Sanjivana, Narasimha und Sudarshana,
52-94. auf dem Kopf getragen, sollen vor Waffen schützen und Sieg bringen. Einen Pfeil, der einen Feind getötet hat, nimmt man
52-95. an einem Dienstag, der auf den vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte fällt, und lässt daraus einen Armreif fertigen. Am rechten Unterarm gilt er als vorzüglicher Waffenschutz.
52-96. Vajri, Langalika, Danti, Trishuli, Shri, Mohini, Rajamohinika und Kakabhakshya sammelt man vom ersten Mondtag an,
52-97. in der Folge Brahmanis und der anderen Mütter. Gesondert mit kühlem Wasser verrieben oder zusammen auf den Körper aufgetragen sollen sie zur Kampfzeit Waffen abwehren.
Unnummerierte Schutzformel nach 52-97. „Verehrung den Erhabenen, den Entsendungen aller Waffen! Mögen die Erhabenen mich schützen! Verdoppelter Abschlusslaut!“ [Hinweis: Die Anrede der Waffen-Entsendungen ist ungewöhnlich, aber so überliefert.]
52-98. Dieser durch hunderttausend Wiederholungen verwirklichte Mantra soll Waffen abwehren. Sandelholz, Indu, Japa, Raji, Vidari, Kushtha und Agaru,
52-99. mit kühlem Wasser aufgetragen, sollen zur betreffenden Zeit Waffen abwehren. Naga, eine unklare Dreier- beziehungsweise Pflanzenangabe, Shikha und Suta werden mit Nivara-Flüssigkeit verbunden und sollen ebenfalls abwehren.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-99. Naga bedeutet hier Bhunaga. [Örtliche Ausnahme: Der zweite Halbvers enthält mehrere fragliche Lesungen; nur die erkennbaren Zutaten und die Wirkungsbehauptung sind übersetzt.]
52-100. Eine ostwärts gewachsene Shriparni-Wurzel, unter Krittika gesammelt und auf dem Kopf oder an den Arm gebunden getragen, soll zweifellos Waffen abwehren.
52-101. Indravalli-Wurzel und -Sprosse soll man mit Milch trinken beziehungsweise am Kopf tragen; auch weiße Lotusfaser, in der Hand gehalten oder in Milch getrunken, soll Waffen abwehren.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-101. Gemeint ist: getrunken. [Hinweis: Die Verbindung der Trink- und Trageanweisungen ist syntaktisch unsicher.]
52-102. Weiße Aparajita-Wurzel, Nandyavarta, Lotusfaser und Bhutavriksha-Wurzeln werden mit Ziegenflüssigkeit verrieben.
52-103. Zum betreffenden Zeitpunkt auf die Glieder aufgetragen sollen sie alle Waffen abwehren. Weiße Punkha-Wurzel im Mund soll Pfeile abwehren.
52-104. Ebenso soll Sammohini-Wurzel Schwertschläge abwehren. Der Ma-Keim, Dandabhrit, Chanda, das Ende von Da mit Lippe, dann Danshana,
52-105. der Sprachkeim und am Ende die Gattin des Feuers ergeben eine Formel, die Blutfluss anhalten soll. Unter Verwendung des Wortes Vani wiederholt und durch Trinken des besprochenen Wassers
Unnummerierte Fortsetzung nach 52-105. soll das Blut zum Stillstand kommen. [Hinweis: Die Lautchiffren sind nicht sicher als vollständiger rezitierbarer Mantra aufzulösen.]
52-106. Unter dem Mondhaus Hasta sammelt man Langali-Wurzel und bestreicht damit den Körper. Im Zweikampf soll man den Feind besiegen und selbst unverletzt bleiben.
52-107. Ein Hahn, dessen Körper mit verriebener Indravaruni- und Varuna-Wurzel bestrichen ist, soll einen anderen Hahn im Kampf besiegen.
52-108. Ein mit Katzenfett und Katzenhaut beräucherter Hahn soll siegen. Shikhishikha-Wurzel am Fuß gilt als siegbringend, im Mund
52-109. als Waffenschutz. Ahimsra-Wurzel im Mund soll ebenfalls Waffen abwehren. Mit Reiswasser getrunken soll sie, solange sie nicht verdaut ist,
Unnummerierte Erläuterung nach 52-109. Waffen abwehren. Unter Pushya ausgegrabene Patha-Wurzel im Mund soll Waffen abwehren. Eine mit Sternchen beschädigte Anweisung nennt nochmals weiße Punkha-Wurzel zur Abwehr eines Pfeils.
52-110. Auf Leichenplätzen, an Gedächtnismalen, Ameisenhügeln, Wegen, Heiligtümern und ähnlichen Orten
52-111. oder an unreinen Stellen gewachsene Heilpflanzen soll der Kundige nicht nehmen. Weiße Aparajita- und weiße Punkha-Wurzel …
Unnummerierte Fortsetzung vor 52-112. werden auf beiden Seiten eines Erdklumpens an die Hand gebunden und sollen Waffen stillstellen. Gemeint ist die rechte Hand. [Quellenlücke: Nach den beiden Wurzeln fehlen mehrere Wörter; die Verbindung zum Erdklumpen bleibt unsicher.]
52-112. Ein Docht, der Pulver von weiblichen Heuschrecken und Leuchtkäfern enthält,
52-113. wird mit dem Ghee einer schwarzen Kuh verwendet. Die mit seinem Ruß gesalbten Augen sollen den Feind wie eine Rambha werden lassen. Kakatumbinika-Wurzel, unter Pushya an beide Arme
52-114. gebunden, soll Pfeiltreffer und Waffen abwehren. Nach einer Nacht des Fastens geht man gereinigt am Vorabend zur Pflanze,
52-115. vollzieht ihren Schutz und nimmt sie morgens unter Mantra. „Dieser König, der Stier, von wunderbarer Kraft und großer Stärke –
Unnummerierte Fortsetzung nach 52-115. durch dessen Bindung bist du gebunden. Bleibe genau hier und gehe nicht fort! Verdoppelter Abschlusslaut!“ Mit diesen Worten bindet man einen roten Faden. „Hell Erstrahlende! Verdoppelter Abschlusslaut!“ Dabei streut man eine Handvoll Reis und unenthülstes Getreide hin. [Hinweis: „Rambhayate“ in Vers 113 bezeichnet vermutlich ein kraftloses oder bananenstammartiges Werden; die genaue Wirkvorstellung bleibt unklar.]
52-116. „Heilige Silbe! Weißblütige, tiefblaue, glückverheißende, nach Sandelholz duftende Pflanze!
52-117. Zu dir, Heilpflanze, nehme ich Zuflucht. Schütze mich vor großer Gefahr! Springe nicht auf, falle nicht nieder, verliere deine Kraft nicht!
52-118. Bleibe genau hier, Glückverheißende, und erfülle mein Vorhaben. Ist mein Vorhaben vollbracht, wirst du danach in die Himmelswelt gehen.
52-119. Ich binde die Augen der Rakshasas, Pishachas und kraftvollen Gandharvas sowie aller anderen, die Hindernisse bereiten.“
Unnummerierte Anrufung nach 52-119. „Gande, Murite, Girlandenträgerin, Chandika, Keulenträgerin, Stillstellende, Betörende, Verehrung dir! Verdoppelter Abschlusslaut!“ So nähert man sich der Pflanze mit Mantras und gräbt sie aus. „Über diesem Genannten – verdoppelter Abschlusslaut!“ Mit dieser Formel gräbt man die Erde. „Heilige Silbe, Verehrung allen Heilpflanzen!“ [Hinweis: Die ersten beiden Anreden sind nicht sicher übersetzbar; das Ausgrabeverb der Quelle kann auch Eingraben bedeuten, hier im Zusammenhang des Sammelns verstanden.]
52-120. „Mögt ihr voller Kraft sein!“
Unnummerierte Fortsetzung nach 52-120. „Mit euren eigenen Kräften bearbeitet alles vollständig; schlagt das Unheil, verbrennt, kocht, tötet es! Verehrung dir, Verehrung!“ Mit diesen Worten soll man die Pflanze nehmen. [Hinweis: Das Verb „kritsnikurudhvam“ und sein Bezug sind ungewöhnlich; die letzte Partikel ist fraglich.]
52-121. Nach diesem Verfahren soll der Kundige Heilpflanzen sammeln. Andernfalls soll ihre Kraft gering sein, weil Daityas und andere sie geraubt haben.
52-122. Selbst eine einzige richtig gesammelte Heilpflanze soll, mit anderen Heilmitteln verbunden, Kraft verleihen und vor Hindernissen schützen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Hier endet der Abschnitt über Waffenabwehr.
52-123. Ein kampfbereiter König oder anderer Mensch, ein Heerführer oder Krieger soll seine Lebensdauer sorgfältig prüfen. Ist ihm langes Leben bestimmt,
52-124. so soll er mit gut geschütztem Körper, Rüstung und Gefährten kämpfen. Ist seine Lebensdauer kurz, soll er Frauen und andere Angehörige mit Vermögen versorgen,
52-125. nach seinen Möglichkeiten Spenden und heilsame Handlungen vollziehen, gesammelt baden, Segenshandlungen durchführen und die erwählte Gottheit verehren.
52-126. Dann soll er gefasst in die Schlacht ziehen, um die Himmelswelt zu gewinnen. Am Verlauf des Atems und weiteren Zeichen soll die Lebensdauer deutlich erkannt werden. [Hinweis: Die folgenden Todesprognosen sind historische Divination, keine verlässlichen Diagnosen.]
52-127. Im Monat Pushya unter dem gleichnamigen Mondhaus fastet man am Vortag, steht im letzten Teil der Nacht auf und vollzieht die notwendigen Handlungen.
52-128. Gereinigt, schweigend, gut sitzend, mit geradem Körper, Kopf und Hals, prüft man zur Aufgangszeit des Steinbocks den eigenen Atem.
52-129. Bleibt der Atem in einem Nasenloch während der mit Paravada bezeichneten Anzahl von Yamas, so gibt er eine Lebensdauer in der mit Nimi, Shura, Khara und Anika bezeichneten Zahl.
Unnummerierte Erläuterung nach 52-129. Gemeint ist: Man lebt so viele Jahre, wie diese Buchstaben als Zahlen ausdrücken.
52-130. Fließt er für eine mit Pralobha bezeichnete Anzahl von Tagen nur in einem Nasenloch, so lebt man die mit Diksha bezeichneten Jahre; bei einer mit Manomaya und Naya bezeichneten Tageszahl
52-131. wird die verbleibende Jahreszahl durch Gauriya angegeben. Fließt der Atem allein auf einer Seite während der durch Nara, Smara, Shara und Asara bezeichneten Tage,
52-132. gewährt er eine mit Tailapriya bezeichnete Zahl von Lebensmonaten. Fließt er für die durch Hara, Dhara, Anala, Kali, Raga und Bhaga bezeichneten Tage,
52-133. sagt man eine Lebensdauer in den durch Mondtage, Richtungen, Pfeile, Kama, Ashvin und Mond bezeichneten Tagen voraus. Liegt der Atemverlauf zeitlich zwischen den genannten Werten,
52-134. soll man die Lebensdauer entsprechend dazwischen erschließen. Wer den Polarstern, Arundhati oder den Himmelsfluss nicht sieht,
52-135. sei es außen oder innen, soll nach sechs Monaten sterben. Innen entspricht Arundhati der eigenen Zungenspitze, der Polarstern der Nasenspitze. [Hinweis zu 52-129–133: Die Zahlen sind durch Wörter beziehungsweise Buchstaben verschlüsselt. Ihre Werte und teilweise ihre Wortgrenzen sind nicht sicher; sie werden nicht durch ergänzte Zahlen zu scheinbar genauen Prognosen gemacht.]
52-136. Wer Kot, Urin oder Erbrochenes wie Gold, Silber oder Blut erscheinen sieht oder eine Gandharva-Stadt erblickt, dessen Leben soll weniger als ein Jahr dauern.
52-137. Wer bei wolkenlosem Himmel Blitz, im Wasser einen Regenbogen oder bei Tag Verstorbene sieht, soll vor Ablauf eines Jahres sterben. [Hinweis: Die Quelle enthält beim Regenbogen eine Lesungsalternative.]
52-138. Wer im Traum goldene Bäume sieht, soll noch einen Monat leben. Wer die eigene Gestalt im Spiegel oder Wasser entstellt sieht oder Leichengeruch wahrnimmt
52-139. oder ohne Ursache stürzt, soll noch eine halbe Monatsspanne leben. Man richtet den Blick lange auf die Halsgegend des eigenen Schattens und sieht dann
52-140. am Himmel einen Schattenmenschen. Ist er vollständig, soll es dem Menschen gutgehen; fehlt der Kopf, soll er nach sechs Monaten sterben, fehlen die Hände, nach einem Jahr.
52-141. In einem mit Kreiszeichen versehenen Gefäß, gefüllt mit Kuhdungwasser, betrachtet man das Sonnenbild. Ist es im Süden, Westen, Norden oder Osten unterbrochen,
52-142. soll der Tod nach sechs, zwei oder drei Monaten eintreten; bei einem Loch in der Mitte nach zehn Tagen, bei rauchigem Aussehen am selben Tag. Der Kundige soll dies prüfen
52-143. und sich dann in einen würdigen Kampf begeben oder zur Ganga oder an einen heiligen Ort gehen. Wer bei fest verschlossenen Ohren deren Rauschen nicht hört,
52-144. den Geruch einer erloschenen Lampe nicht wahrnimmt oder den leuchtkäferartigen schwachen Lichtschein, der durch Druck auf die Augen entsteht,
52-145. nicht sieht, soll nur noch einen Monat leben. Hat man so die Lebensdauer erkannt, verteilt man Besitz unter Söhnen und anderen Angehörigen.
52-146. Nach Spenden und weiteren guten Handlungen wendet man sich der Entsagung zu oder bricht zur großen letzten Wanderung auf. Wer auf jede Weise Freigebigkeit und Dharma übt, soll einen guten weiteren Weg erlangen. [Hinweis zu 52-141–142: Vier Richtungen stehen nur drei Monatszahlen gegenüber. Die fehlende Zuordnung wird nicht ergänzt.]
52-147. Ist die Lebensdauer der Menschen gering, soll der Verständige sich um ihre Verlängerung bemühen, denn wer lange lebt, sieht viel Gutes.
52-148. Durch Atemhalten, Yoga, Mantraübung nach den gelehrten Regeln oder Rasayana-Verfahren soll man ein langes Leben erlangen.
Unnummerierte Quellenankündigung. Hierzu heißt es im Naradiya:
52-149. „Wer zu Fuß geht, lebt tausend Jahre; wer sich im Himmel bewegt, zehntausend. Bei außerordentlicher Mantrawiederholung mag er sogar hunderttausend Jahre leben.“
Unnummerierter Zitatabschluss. So lautet das Zitat.
52-150. Bereits zuvor wurden bei den großen Mantra-Verfahren Mittel zur Verlängerung des Lebens gezeigt. Einiges noch Verbleibende wird nun dargelegt.
52-151. Salz, Saures, Alkalisches und Öle werden ausgeschlossen; durch abgekochte Arzneien wird der Körper gereinigt. An einem windgeschützten Ort soll man Rasayana durchführen. [Hinweis: „Virichya“ kann sowohl Trennen als auch Abführen bezeichnen; die genaue Verbindung zur Liste ist nicht völlig eindeutig.]
52-152. Der gereinigte Mantrakenner sammelt Varahi-Wurzel vorschriftsgemäß. Drei Nishka davon, mit Kuhmilch verrieben, soll er morgens trinken.
52-153. Mit Milch, die im Absud dieser Wurzel bereitet wurde, isst er Shashtika-Reis, ohne Saures, Alkalisches und Salz, und lebt drei Jahre enthaltsam.
52-154. Er soll tausend Jahre ohne Alter und graue Haare leben. Gemüse, Dickmilch, Nishpava, Kulattha, Öl, Büffelprodukte
52-155. sowie starke Kälte, Sonne und Hitze soll der Rasayana-Übende meiden. An einem jungen Shalmali, so hoch wie ein Mann mit erhobenen Armen,
52-156. gräbt man an der Wurzel, schneidet deren Spitze ab und stellt an die Schnittstelle einen Topf. Oben schneidet man den Shalmali in Manneshöhe ab und bestreicht ihn mit Lehm,
52-157. acht Fingerbreiten dick; dann erhitzt man ihn mit getrocknetem Kuhdung als Brennstoff. Nach sechs oder sieben Tagen nimmt man den Topf heraus.
52-158. Seine Flüssigkeit wird im Schatten getrocknet und mit Bhringa- und Amalaka-Saft verrieben. Bei gereinigtem Körper nimmt man eine Menge in der Größe eines Katzenpfotenabdrucks
52-159. morgens nach dem Aufstehen ein. Ohne Saures, Alkalisches und Salz, tags und nachts Milch und Reis essend, soll der Mensch Alter und Tod überwinden. [Hinweis: Das historische Größenmaß wird nicht in eine moderne Dosierung umgerechnet.]
52-160. Steinsalz, Abhraka und Makshika werden mit scharfen Zutaten, Pathya, Aksha, Dhatri, Shila und Bhringa-Flüssigkeit in jeweils hundert geschlossenen Erhitzungsgängen behandelt; ebenso Kanta mit salzhaltiger Erde. Diese nimmt man zu gleichen Teilen, dazu zwei Anteile Sauta-Asche, und verreibt sie mit Bhringa-Saft. Für einen Menschen, der dies einen Monat einnimmt – woher sollte der Tod kommen?
52-161. Vandhya, Aksha, Amalaka, Nilika, Madhukari, Varahi, Mundi, Amrita, Brahmi, Garuda, Chitraka, Asana und Tuti werden zu gleichen Teilen pulverisiert. Hinzu kommen zwei Teile Kanta, mit Bhringa-Saft durchfeuchtet und hundertmal erhitzt. Wer dies ein Jahr lang mit Zucker und Honig verrührt isst, dessen Körper soll ohne Alter und ohne Tod sein. [Hinweis: Die Rezepturen 52-160–161 ähneln früheren, weichen aber in Stoffnamen und Mengen ab. Sie werden nicht vereinheitlicht.]
52-162. Ankola, Triphala, Ziegen- und Kuhdung sowie Erde vom Fluss, Feld und anderen Orten nimmt man zu gleichen Teilen. Bei Vollmond wird in einem durch Asitanana bezeichneten Trog „Suvarnalipa“ eingesetzt und täglich mit Triphala-Wasser begossen. Drei Nishka ihrer Sprosse, gut verrieben und mit Milch getrunken, sollen den Tod überwinden. [Örtliche Ausnahme: Trogmaterial, eingesetzte Pflanze und mehrere Wortverbindungen sind unsicher; die Quelle markiert „Suvarnalipa“ selbst als fraglich. Die erkennbare Anlage- und Einnahmefolge ist wiedergegeben, ohne die fehlende Bestimmung zu rekonstruieren.]
52-163. So ist die Welt durch das Sichentfalten der Shakti aus sich ausbreitenden geschriebenen Lauten und Klang gebildet. Die in den jeweiligen Tantras gelehrten Mantras bestehen aus Gottheiten und den zugehörigen Verfahren. Zum Schutz der Welten hat Ishanashiva hier der Reihe nach die Beseitigung von Gift, Grahas, Krankheiten und Feinden, ferner Schaustücke und Sieg im Kampf dargestellt.
Kapitelkolophon. Hier endet im Mantrapada des Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das zweiundfünfzigste Kapitel über Verfahren zum Sieg im Kampf und weitere Handlungen.
Werkteilkolophon. Hier ist der zweite Werkteil, der Mantrapada, vollendet.
Abschluss der ersten Werkhälfte. Auch die erste Hälfte ist vollendet. Möge Heil sein!
Besinnung: Die geschenkte Lebenszeit
Der Wunsch nach langem Leben mündet im Text in weitreichende Verheißungen. Zugleich spricht er von Fürsorge für Angehörige, Freigebigkeit und der Möglichkeit, Gutes zu erfahren. Eine heutige spirituelle Anregung besteht darin, die verfügbare Lebenszeit bewusst zu nutzen: Beziehungen pflegen, Verantwortung übernehmen und Raum für innere Sammlung lassen. Astrologische Todeszeichen und alchemistische Unsterblichkeitsversprechen bleiben historische Aussagen; sie bestimmen nicht den Wert oder die Möglichkeiten eines heutigen Lebens.
Schlussbetrachtung
In den vielen Formen des Mantrapada kehrt die Darbringung wieder: Japa, Verehrung und das eigene Handeln werden der Gottheit anvertraut. Für heutige Aspiranten eröffnet das eine fruchtbare Frage: Wie verändert sich meine Übung, wenn ich sie mit weniger Anspruch auf besondere Ergebnisse und mit mehr Hingabe vollziehe?
Lass ein verständliches Gebet aus dem gelesenen Kapitel nachklingen. Betrachte seine Worte, seinen Adressaten und die Haltung, die es ausdrückt. Daraus kann eine stille Besinnung entstehen, die über die Lesezeit hinausreicht: aufmerksam sprechen, dankbar empfangen und mit Sorgfalt handeln. So bekommt die Begegnung mit dem Text eine persönliche Tiefe, während seine historischen Formen und örtlichen Unsicherheiten erkennbar bleiben.
Verwandte Schriften und Siehe auch
Für den Vergleich bieten sich drei Fragen an: Wie beschreiben andere Agamas Shiva und die Bindung der Seele? Wie ordnen Ritualhandbücher Verehrung und Diksha? Wie führen Meditationstexte zur inneren Sammlung? Die folgenden Verweise dienen diesem Vergleich; sie behaupten weder identische Lehren noch eine direkte Abhängigkeit aller genannten Werke.
- Soma Shambhu Paddhati
- Svacchanda Tantra
- Netra Tantra
- Mrigendra Tantra
- Kirana Tantra
- Raurava Agama
- Vijnana Bhairava Tantra
- Kularnava Tantra
- Tantraloka
- Yogini Hridaya
Quellen und Literatur
- Muktabodha Indological Research Institute: īśānaśivagurudevapaddhati, vier elektronische Bände, jeweils IAST und Devanagari: M00016 (Samanyapada 1–14), M00017 (Mantrapada 15–52), M00018 (Kriyapada 1–30), M00233 (Kriyapada 31–64 und Yogapada 1–3). Herausgeber laut Dateiköpfen: Ganapati Shastri; elektronische Erfassung unter Aufsicht von Mark Dyczkowski. Dateiköpfe: Creative Commons BY-NC 4.0. Die gelieferte IAST-Fassung ist Übersetzungsgrundlage; örtlich wurde die getrennt gelieferte Devanagari-Fassung verglichen.
- Bibliographische Angaben der Dateien: Band 1 nennt 1921, die weiteren Bände 1922. Druckausgabe, in den Köpfen genannter Verlag und elektronische Fassung sind zu unterscheiden; insbesondere bezeichnet der Beschreibungssatz von M00233 den Band abweichend als „Volume 3“. Die inhaltliche Fortsetzung und der Dateititel weisen ihn hier als Band 4 aus.
- J. P. Prajith: Isanasivagurudeva Paddhati – study, 2008, Kapitel 2. Autor und Datierung. Nur zur historischen Einordnung, nicht als zusätzliche Sanskritgrundlage verwendet.
- Moderne Begleitmedien: Yoga-Vidya-Wiki, Nyasa und Shiva-Shakti-Philosophie. Bilddateien auf dem Wiki und Videotitel beim Anbieter am 24. September 2026 geprüft. Bilder und Videos zeigen beziehungsweise erläutern heutige Praxis, keine historisch belegte Durchführung dieses konkreten Werkes.
- Seminarverweise: Indische Schriften und Chakra; die vier eingebundenen Feeds wurden am 24. September 2026 abgerufen.
Seminare
Kundalini Yoga
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
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Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Manuel Hirning
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Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …- Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
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