Ishanashivagurudeva Paddhati

Aus Yogawiki

Ishanashivagurudeva Paddhati ist ein umfangreicher Leitfaden des Tantra, der Mantra, Verehrung, rituelle Gestaltung und Yoga miteinander verbindet. Sein Ausgangspunkt ist die schöpferische Kraft von Bewusstsein und Sprache: Die Vielfalt der Laute, Gottheiten und Weltformen wird auf Shiva und Shakti bezogen. Das Werk lädt zu sorgfältigem Lernen ein und erinnert zugleich daran, dass Vertrauen, Hingabe und beständige Übung die Praxis tragen.

Ein Zugang für dein Studium: Beginne mit der Frage, wie aus einem gesprochenen Wort eine bewusste Hinwendung wird. Der Samanyapada verbindet Mantra, Nyasa und Darbringung mit der inneren Haltung. Lies einen überschaubaren Abschnitt, kläre seine Begriffe und lass anschließend etwas Zeit für Stille. So kann Svadhyaya, das Studium heiliger Schriften, die eigene Aufmerksamkeit vertiefen.

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Zur Textausgabe: Hauptartikel · Deutsch · IAST · Devanagari · 108-Auswahl · Mantrasammlung

Weiterführende Lektüre: Lies ergänzend Soma Shambhu Paddhati unter der Frage, wie tägliche Verehrung und innere Sammlung zusammenwirken. Für die Bedeutung von Lehrer und geistiger Vorbereitung bietet sich Kularnava Tantra als weiterer Gesprächspartner an. Vergleiche die jeweiligen Voraussetzungen, ohne unterschiedliche Überlieferungen gleichzusetzen.

Shiva in Meditation. Moderne Begleitabbildung zur Beschäftigung mit dem Werk.

Die Bezeichnungen Gurudeva Paddhati, Gurudevapaddhati, Tantrapaddhati, Ishana Shiva Gurudeva Paddhati, Ishanashivagurudevapaddhati und Isanasivagurudevapaddhati beziehen sich hier auf dasselbe Werk. Die wissenschaftliche Umschrift lautet Īśānaśivagurudevapaddhati. In den Kolophonen begegnen auch die Bezeichnungen Tantrasara und Siddhantasara.

Die Ausgabe erschließt den gelieferten Bestand aller vier Bände in fünf deutschen Artikeln und je fünf IAST- und Devanagari-Artikeln. Hier stehen Einführung und Samanyapada; die übrigen Werkteile sind unten verlinkt.

Historische Einordnung

Der Verfasser wird in der Überlieferung Ishanashivagurudeva beziehungsweise Ishanashivagurudeva Mishra genannt. J. P. Prajiths Untersuchung von 2008 erörtert eine Einordnung ungefähr in das 11.–12. Jahrhundert und die enge Beziehung des Werkes zur tantrischen Praxis Keralas. Herkunft, genaue Lebenszeit und die Gleichsetzung mit anderen Trägern ähnlicher Namen sind jedoch nicht abschließend gesichert.[1]

Die elektronische Textgrundlage nennt Ganapati Shastri als Herausgeber und die Jahre 1921 für Band 1 sowie 1922 für die weiteren Bände. Prajith nennt 1920 als Beginn der editorischen Bekanntmachung.[1] Diese Angaben dürfen nicht ohne weitere Klärung als einheitliches Erscheinungsjahr aller vier Druckbände behandelt werden. Für die Übersetzung maßgeblich sind ausschließlich die acht angegebenen Muktabodha-Dateien.

Aufbau des Werkes

Werkteil Inhaltlicher Schwerpunkt Druckband und Kapitel
Samanyapada – allgemeine Grundlagen Mantra und Lautlehre, Voraussetzungen der Praxis, Ritualgeräte, Verehrung und Feuerhandlungen Band 1, Kapitel 1–14
Mantrapada – Mantras Gottheiten, Mantra-Verfahren und vielfältige historische Ritualanwendungen Band 2, Kapitel 15–52
Kriyapada – rituelles Handeln Shiva-Lehre, Verehrung, Einweihung, Tempel, Bilder und Festhandlungen Band 3, Kapitel 1–30; Band 4, Kapitel 31–64
Yogapada – Yoga Yoga, seine Glieder und der Weg zur Befreiung Schlussabschnitt von Band 4, Kapitel 1–3

Die Gliederung umfasst 119 Kapitelpositionen. Beim Kriyapada und beim Yogapada beginnt die Kapitelzählung neu. Eine eindeutige Fundstelle nennt daher immer Werkteil, Kapitel und die originale Versmarke. Einzelne fehlerhafte oder erneut verwendete Nummern sowie Textlücken bleiben als Eigenschaften der Überlieferung erkennbar.

Die zusammengehörigen Ausgabenteile

Inhalt Deutsch IAST Devanagari Dateien
Samanyapada 1–14 Deutsch IAST Devanagari M00016 IAST / DEV
Mantrapada 15–52 Deutsch IAST Devanagari M00017 IAST / DEV
Kriyapada 1–30 Deutsch IAST Devanagari M00018 IAST / DEV
Kriyapada 31–64 Deutsch IAST Devanagari M00233 IAST / DEV
Yogapada 1–3 Deutsch IAST Devanagari M00233 IAST / DEV

Wie Yoga-Aspiranten diesen Text lesen können

Die Paddhati ist ein historischer Ritualleitfaden mit philosophischen und meditativen Abschnitten. Nicht jede Anweisung ist eine allgemeine Yogaübung. Gottheitenbilder, astrologische Zuordnungen, Heilrezepte, soziale Reinheitsregeln und schädigende Rituale gehören zu ihrem überlieferten Horizont. Die Übersetzung macht sie erkennbar, ohne ihre Wirkungsbehauptungen zu bestätigen oder ihre Wertungen still in heutige Empfehlungen umzuschreiben.

Für das eigene spirituelle Üben kann eine andere Frage fruchtbar sein: Was lehrt der Text über Aufmerksamkeit, Hingabe, Verantwortung und innere Klarheit? Besonders unmittelbar sprechen die acht inneren Blüten in Samanyapada 2-116–117, die geistige Sammlung in 5-78 und die innere Reinigung in 7-37. Die anschließenden Besinnungen sind heutige redaktionelle Anregungen und keine zusätzlichen Verse des Werkes.

Vier Wege durch das Werk

Samanyapada: die Grundlagen

Im Samanyapada beginnt das Studium bei Laut, Haltung und Aufmerksamkeit. Mantra, Sitz und Darbringung bilden einen gemeinsamen Übungsraum: Das äußere Tun soll von innerer Klarheit getragen sein.

Mantrapada: die Vielfalt der Anrufung

Der Mantrapada entfaltet die Verehrung von Ganesha, Göttinnen, Shiva, Vishnu und weiteren Gottheiten. Meditationsbilder und Gebete wechseln mit genauen Ritualverfahren. Wer die Bilder mit Geduld liest, begegnet einer religiösen Welt, in der Sprache, Gestalt und Hingabe eng verbunden sind.

Kriyapada: Erkenntnis und gestaltete Praxis

Der erste Abschnitt des Kriyapada verbindet die Lehre von Shiva, Shakti, Seele und Bindung mit täglicher Verehrung, Einweihung und der Gestaltung eines Heiligtums. Immer wieder fragt der Text nach der Haltung, mit der Menschen lernen, lehren und handeln.

Yogapada: Sammlung und Befreiung

Der Yogapada führt die Aufmerksamkeit nach innen. Seine drei Kapitel fragen nach dem Selbst, nach einer tragfähigen Lebensführung und nach Sammlung. Entsagung wird dabei nicht auf Kleidung oder äußere Kennzeichen verkürzt: Entscheidend ist der Umgang mit Wünschen, Handlungen und ihren Früchten.

Tantra, Agama und heutiges Yoga

Die Paddhati ist ein ordnendes Handbuch: Sie führt Lehren, Ritualverfahren und zahlreiche Zitate zusammen. Kriyapada Kapitel 11 stellt etwa Aussagen mehrerer Agamas zur Eignung des Lehrers nebeneinander; Yogapada Kapitel 2 bezieht sich auf Patanjali und weitere Yoga-Lehrer. Die Verbindung ist daher bereits im Werk selbst sichtbar. Für heutige Aspiranten liegt ein Gewinn darin, Meditation nicht isoliert, sondern im Zusammenhang von Lernen, Haltung, Sprache und Handeln zu betrachten. Unterschiede zwischen Traditionen und historischen Lebensordnungen bleiben dabei bestehen.

Textgestalt und Fundstellen

Alle 119 Kapitelpositionen des gelieferten Bestands werden behandelt, einschließlich unnummerierter Prosa, Zitate, Formeln und Kolophone. Das bedeutet nicht, dass die Vorlage überall unbeschädigt ist. Sternchen, Lücken, fragende Lesungen und vereinzelte nur sinngemäß übertragbare Stellen werden örtlich kenntlich. Die Sanskritfassungen bewahren unterschiedliche Lesungen; es wurde keine neue kritische Sanskritfassung hergestellt.

Eine Fundstelle besteht aus Werkteil, Kapitel und originaler Versmarke. Mantrapada Kapitel 23 verwendet die Marken 22-1 bis 22-77; Kriyapada 4 besitzt zwei Vorkommen von 4-43, Kriyapada 63 zwei Verse mit der Nummer 91 und Yogapada 2 zwei mit der Nummer 3. Zusätze wie „zweites Vorkommen“ dienen nur der eindeutigen Zuordnung. Bei unnummerierten Stücken wird die benachbarte Versmarke angegeben.

Moderne Begleitung: Shiva-Shakti-Philosophie und Tantra

Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.

Deutsche Übersetzung des Samanyapada

Samanyapada, Kapitel 1: Gegenstand des Werkes und Ursprung der Matrka

Dieses Kapitel des Ishanashivagurudeva Paddhati führt von der Verehrung der Gottheiten und Lehrer zur schöpferischen Kraft der Sprache. Es erläutert Mantra-Arten, die Entstehung der Laute aus Shakti und die Zeichen, mit denen das Werk später Mantras verschlüsselt beschreibt. Die kosmologischen Zuordnungen gehören zur Lehre des Textes; sie sind keine naturwissenschaftliche Lautgeschichte.

Eingangsverehrung und Werktitel: Heil und Segen! Ishanashivagurudeva Paddhati, verfasst vom ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Mishra. Erster Werkteil: allgemeine Grundlagen.

1-1. Ich nehme Zuflucht zu jenem Herrn der Rede, zu Shiva, dem Herrn des Berges; zu jener göttlichen Rede, zu Gauri; zu Ganesha mit dem Elefantengesicht; zu Durga, die Not und Bedrängnis nimmt; zu Brahma, zu Lakshmi und zu Vishnu, dem Herrn der Lakshmi.

1-2. Gesammelt verneige ich mich mit tiefer Ehrfurcht vor den erhabenen Lehrern. Allen begegnen sie mit Gleichmut. Durch ihre große Herrlichkeit gleichen sie aufgegangenen Sonnen und vertreiben die Finsternis tiefer Verblendung.

1-3. Nachdem ich die umfangreichen, ausgezeichneten und vielfältigen Tantras nach bestem Vermögen bedacht habe, werde ich diesen Leitfaden des Tantra verfassen.

1-4. Er soll seinen Gegenstand geschlossen darbieten, ohne dass man andere Tantras hinzuziehen muss: reich an Ritualvorschriften und Bedeutungen der Mantras, erkennbar wie eine weitere heilige Offenbarung.

1-5. Er soll klar, nicht allzu verwickelt, weder zu knapp noch zu weitläufig sein; vielfältig und reich an Vorzügen, wie die Schlangenliege Vishnus. Die Sanskritwörter spielen zugleich auf die Windungen und Eigenschaften der Schlange an.

1-6. Mit verschiedenen Versmaßen, mannigfaltigen Rhythmen, poetischem Schmuck und Lautgestalten soll er anmutig sein: begehrt und gern aufgesucht wie eine schöne Frau von einem Liebenden.

1-7. Er soll Wege zur Besänftigung von Vergiftungen, Besessenheit, Krankheiten und anderem aufzeigen, mittels Mantras, Götterbildern, Heilmitteln und Meditation – gleich einer wiederbelebenden Wissenschaft. Dies beschreibt den historischen Anspruch des Werkes, keine bestätigte Heilwirkung.

1-8. Mit Verfahren zum Bezwingen und Vertreiben von Feinden, zum Erzeugen von Zwietracht, Erstarrenlassen, Verblenden, Vernichten und Töten soll er einer weiteren Lehre der Straf- und Herrschaftsausübung gleichen.

1-9. Er soll kundig sein im Überwinden von Putana, Naraka, Arishta und Ähnlichem, gleich der von Satyabhama umarmten Gestalt Krishnas, des Feindes des Mura. Der Vergleich verbindet Dämonennamen mit den abwehrenden Verfahren des Textes; eine eindeutige medizinische Auflösung der Namen ist hier nicht gegeben.

1-10. Mit vielen Mantras und ebenso vielen Gottheiten sowie Verfahren wie den mit Krita und Treta bezeichneten soll er einem Jahr Brahmas gleichen. Das Wortspiel verbindet Mantras beziehungsweise Manus und Ritualordnungen beziehungsweise Weltzeitalter.

1-11. Er soll den Kennern seiner eigenen Zeichen und Wege zugänglich sein und durch verschiedenartige Yantras Unheil fernhalten, wie eine befestigte Burg, deren Zugänge die Kundigen kennen und deren Vorrichtungen Gefahren abwehren.

1-12. Er soll durch die Verbindung von Dharma, Nachkommenschaft und Himmel frei von Zweifel sein und bei der Berührung mit Streit scharf wirken – gleich dem Lauf der Zeit. Der schwer eindeutig aufzulösende Vergleich spielt zugleich auf Dvapara, Kali und den als Sohn des Dharma bezeichneten Yudhishthira an.

1-13. Er soll vier Teile haben, deren Inhalte nicht übermäßig voneinander getrennt sind, wie die von Brahma bestimmte Weltordnung, die sich auf die Folge der vier Weltzeitalter stützt.

1-14. Obwohl er ein Ganzes bildet, soll seine erste und zweite Hälfte eigene erkennbare Merkmale haben, wie die eine Gestalt Ganeshas mit Elefantengesicht und menschlichem Körper.

1-15. Er soll wie die göttliche Shakti sein, die die Entfaltung großen Zauberwissens hervorbringt, von ihren Kennern durch Erfahrung erkannt wird und Befreiung gewährt.

1-16. [Die erste Vershälfte ist in beiden Fassungen weitgehend verloren.] Er soll zur Befreiung führen und durch die jeweiligen Verfahrensfolgen verstanden werden, wie die dreifache vedische Überlieferung.

1-17. Die Mantras werden zusammen mit ihrer Anwendung, der Verehrung ihrer Gottheit und deren Gliedern, mit Versmaß, Seher, Schutz der Himmelsrichtungen, Meditation und Zielsetzung behandelt.

1-18. Auch ihre Ausführungsvorschriften werden erläutert. Diese Mantras sind vierfach: Bijas, Bija-Mantras, Mantras und die sogenannten Mala-Mantras, die Mantragirlanden.

1-19. Ein Bija besteht aus einer Silbe, auch wenn diese aus mehreren Lauten zusammengesetzt ist. Bija-Mantras haben weniger als zehn Silben, Mantras weniger als zwanzig.

1-20. Diejenigen mit mehr als zwanzig Silben heißen Mala-Mantras. Im Allgemeinen verleihen Bijas im Kindesalter besonders große Vollendung. Der Wortlaut legt die Grenzfälle von genau zehn beziehungsweise zwanzig Silben nicht ausdrücklich fest.

1-21. Bija-Mantras bringen im Knabenalter, Mantras in der Jugend Vollendung; Mala-Mantras können stets und auch im Alter wirksam werden.

1-22. Durch Vertrauen, Hingabe und beharrliche Übung gelangen jedoch alle jederzeit zur Vollendung. Wo die Bezeichnung einer Gottheit die Eigenschaft des inneren Bedenkens und des Schützens besitzt,

1-23, erster Halbvers. dort gilt sie als Mantra; diese Eigenschaft muss bei den Bijas nicht in derselben Weise vorliegen.

Unnummeriertes Zitat aus dem Ratnatraya, innerhalb von 1-23: „Weil sie allen Wesen inneres Bedenken ermöglicht und sie aus dem Meer des Samsara rettet, ist jene Shakti von Mantragestalt; ihr Wesen ist Bedenken und Schützen.“ Das Zitat erläutert „Mantra“ durch die Begriffe Manana und Trana.

1-23, zweiter Halbvers. Wenn man die Einheit des Bezeichneten und seiner Bezeichnung erkannt hat, soll man auch dem Guru gegenüber

1-24. eine Hingabe entwickeln, die der Hingabe an die Gottheit gleichkommt, um selbst Vollendung zu erlangen. Das Alphabet ist die Matrka, die Mutter aller Mantras und aller Wörter.

1-25. Sie ist aus Shakti hervorgegangen und gilt als wesensgleich mit dem Shakti-Bija. Jenes Brahman, dessen Wesen frei von gedanklicher Unterscheidung und dessen Gestalt ewige Glückseligkeit ist,

1-26. ist Shiva: unbewegt, das Wesen des Alls, das höchste Leuchten, überaus fein, reines Bewusstsein, alles durchdringend und überall gegenwärtig, kleiner als das Kleinste,

1-27. größer als das Größte, rein und Ursprung von Wollen, Wissen und Wirken. Indem er am Anfang der Schöpfung Erkenntnis, den Wunsch zu handeln und die entsprechende Anstrengung trägt,

1-28. bringt er seine eigene Shakti zur Entfaltung, so wie eine Lampe ihren eigenen Lichtschein. Sattva, Rajas und Tamas leuchten dabei weiß, rot und dunkel.

1-29. Die eine ungeborene Shakti bewirkt das Hervorgehen des Weltalls. Diese Shakti wird zum Bindu, zum schöpferischen Punkt; auch dieser Bindu wird dreifach:

1-30. als Bindu, Nada und Rava. Rava gilt als das Unentfaltete. Aus dem Unentfalteten entsteht das dreifach gegliederte Prinzip namens Mahat, das große Erkenntnisprinzip.

1-31. Aus Mahat geht Ahamkara, das Ich-Prinzip, hervor. Auch dieses wird dreifach genannt: Vaikarika, Taijasa und Bhutadi.

1-32, erster Halbvers. Aus diesem durch Shakti geprägten Ich-Prinzip entstand der stimmhafte Laut „dha“. Beide gelieferten Fassungen lesen hier dha; später steht ha. Die Abweichung wird nicht still korrigiert.

Unnummeriertes Zitat aus dem Shrikalottara, innerhalb von 1-32: „Das höchste Bija namens Nada ist in allen Wesen gegenwärtig. Es schenkt Befreiung, ist höchst göttlich und verleiht alle Vollendungen. Es endet mit sa [Lesung und Deutung unsicher], ist allgegenwärtig und leer und besteht in zwölf Zeiteinheiten. Die kurze Form wird Brahman genannt, die lange Form die Glieder, o Sechsgesichtiger!“

Weiteres unnummeriertes Zitat aus dem Ratnatraya: „Jener Klang ist als Sprache vierfach, unterschieden in Vaikhari und die weiteren Stufen. Er entsteht durch die Bewegung des Bindu, damit Ananta sein Ziel verwirklicht.“

1-32, zweiter Halbvers. Shakti, Nada, Mahamaya und Vyoma bilden eine vierfache Gliederung.

1-33. Von eben diesem Bindu werden wiederum vier Wirkweisen überliefert: Vaikhari, Madhyama, Pashyanti und die feine Stufe Sukshma.

1-34. Sie entstehen in umgekehrter Reihenfolge, ausgehend von Kundalini. Die feine Stufe liegt inmitten der Kundalini als äußerst kleines, reines Licht.

1-35. Sie ist dem Gehör nicht zugänglich. Wenn sie von dort aufsteigt, wird sie zur aus sich selbst leuchtenden Pashyanti, die in der Sushumna ihren Ort hat.

1-36. Wenn dieselbe Kraft den Herzlotus erreicht, ist sie Madhyama in Gestalt des Nada: nur inneres Sprechen, noch ungeteilt und weiter aufsteigend.

1-37. Dieselbe Kraft nimmt ihren Sitz in Brust, Kehle und Gaumen, tritt an Kopf, Nase und Zähne heran und wird durch Zungenwurzel und Lippen ausgestoßen; dabei nimmt sie bestimmte Laute an.

1-38. Als Vaikhari ist sie dem Gehör zugänglich und bringt die ganze Vielfalt der Sprache hervor. Der Laut ha verband sich sodann in seiner abgewandelten Gestalt mit dem Laut r.

1-39. Danach nahm er den Laut ī an, geschmückt mit Bindu und Nada. Durch diese Verbindung entsteht das Shakti-Bija, die Ursache der Entfaltung der Welt.

1-40. Weil die vereinigten Prinzipien Purusha und Prakriti Hara beziehungsweise Hari sind, wird die aus ihrer verbundenen Aussprache entstehende Klanggestalt dieses Bija genannt. Die Wortableitung ist im vorliegenden Text mehrdeutig; daraus wird hier keine zusätzliche Formel rekonstruiert.

1-41. Der Laut ha gilt als Prana, r als Feuer, ī als Maya und der Bindu als Ishvara.

1-42. Nada ist als Sadashiva zu erkennen, das Ende des Nada als Shiva selbst. Der zur Entfaltung gelangende Laut ha, als im Herzen entstehender Klang verstanden,

1-43. wird zum Laut a. Seine Differenzierung ergibt die Verbindung der Buchstaben: Die sechs Laute von a bis ū sind seine Ausformungen.

1-44. Insbesondere ṛ, ṝ, ḷ und ḹ sind Abwandlungen des Lautes r. Aus der Differenzierung von ī entstehen die sechs mit e beginnenden Laute.

1-45. So entstehen aus dem Shakti-Bija sechzehn Laute, die Vokale heißen. Als Glieder der Shakti sind sie Kalas, Teilkräfte, die den Teilen des Mondes entsprechen.

1-46. Kurze Vokale mit Bindu gelten als männlich und als Formen von Feuer und Sonne; lange Vokale mit Visarga gelten als weiblich und als Formen des Mondes.

1-47. Die Vierergruppe ṝ, ṛ, ḷ, ḹ ist zugleich mond- und feuerartig und gilt als geschlechtsneutral. Das Entstehen der Vokale und Weiteres wird im Folgenden dargestellt.

Zwischenabschluss: Damit endet der Abschnitt über die Vokale.

1-48. Der Laut ha, dessen Eigenschaft Klang ist, brachte zuerst a hervor. Aus dem Raum entstand der Wind mit der Eigenschaft der Berührung; die als Verschlusslaute bezeichneten Laute ab ka entstanden.

1-49. Es sind fünf Gruppen von jeweils fünf Lauten; sie sind sonnenartig. Die Vierergruppe ab ya verkörpert Wind, Feuer, Erde und Wasser.

1-50. Ihre Eigenschaften heißen der Reihe nach Berührung, Gestalt, Geruch und Geschmack. Die übrigen Laute ab śa sind durchdringend, von Feuer und Mond geprägt und mit den Vokalen verbunden.

1-51. Auf diese Weise entstehen durch die Differenzierung der Shakti fünfzig Laute: die fünfundzwanzig ab ka sowie die mit ya und śa beginnenden Gruppen.

1-52. Aufgrund der Unterschiede von Artikulationsort und Sprechbewegung entstehen sie aus a. Durch die Verbindung der Konsonanten mit den Vokalen ab a und miteinander

1-53, erster Halbvers. entsteht deutlich die ganze vielfältige Welt der Sprache.

Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Konsonanten.

1-53, zweiter Halbvers. Dieselbe Shakti wird zweifach: als Tara und als Vagbhava.

1-54. Der Laut a, der Laut u und der Laut m, versehen mit Bindu und Nada, sind der Tara genannte Pranava. Er gilt als Verkörperung des Klang-Brahman.

1-55. „a-īm“, reich an Bindu und Nada, wird Vagbhava-Bija genannt. Es verleiht die Fülle aller Rede und ist die Gestalt der Vagishvari. „a-īm“ ist die gelieferte Schreibweise; eine Normalisierung zum geläufigen Bija wird hier nicht vorgenommen.

1-56. Der Pranava ist unmittelbar Shiva; Vagbhava ist die göttliche Shakti. Das Shakti-Bija, ferner Tara und danach Vagbhava,

1-57. die fünfzig Laute der Reihe nach von a an und die aus ihren Abwandlungen entstehenden, regional verschiedenen Sprachen,

1-58. die Veden mit ihren Hilfswissenschaften, die Puranas, die verschiedenen Lehrwerke, die Elemente vom Raum an, die feinen Sinnesqualitäten und die Sinnesorgane,

1-59. Manas, Buddhi, Ahamkara, Bindung durch Begehren, Zeit und die Teilkräfte – wozu viele Worte? Die gesamte Entfaltung, die aus Wort und Bedeutung besteht,

1-60. ist aus Shakti geboren. Deshalb ist Shakti die Matrka, die Mutter. Diese Matrka heißt Schrift, weil man sie schreibt.

1-61. Sie heißt Akshara, weil ihr Vergehen fehlt; Varna, weil sie die Laute umfasst; und Arna, weil ihr Wesen Unsterblichkeitsnektar ist, denn Arna bezeichnet Wasser. Es handelt sich um die symbolischen Wortableitungen des Textes.

1-62. Die Laute ha, ya, r, va und la, die Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde bezeichnen, sind die fünf stofflichen Grundlagen der Matrka, deren Wesen das Weltall ist.

1-63. Die Vokalgruppe ist ihr Gesicht mitsamt seinen Teilen; die ka- und ca-Gruppen sind ihre beiden Arme, die ṭa- und ta-Gruppen ihre beiden Beine. Pa und pha gelten als ihre beiden Seiten.

1-64. Ba ist der Rücken, bha der Nabel, ma das Herz. Die Laute von ya an entsprechen Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen,

1-65. den sieben Körperbestandteilen. Ha gilt als Lebenshauch, kṣa als kraftvolle Regung mit Zorn. Ihr Leib besteht aus sämtlichen Welten.

1-66. Die sieben Welten von Bhur an und die sieben Unterwelten sind in der Matrka enthalten, ebenso alles von Brahma bis zum Grasbüschel.

1-67. Die sieben Himmelskörper, beginnend mit der Sonne, sind jeweils aus den Lautgruppen hervorgegangen: die Sonne aus der Vokalgruppe, Mars aus der ka-Gruppe,

1-68. Venus aus der ca-Gruppe, Merkur aus der ṭa-Gruppe, Jupiter aus der ta-Gruppe [die Quelle markiert hier eine unsichere Lesung], Saturn aus der pa-Gruppe und der mächtige Mond aus der ya-Gruppe.

1-69. Die Mondhäuser von Ashvini an und die Tierkreiszeichen von Widder an werden später anhand der Gliederung der Matrka-Laute erläutert.

1-70. Aus den fünfzig Lauten gingen fünfzig Gestalten Rudras und ebenso viele Shaktis Rudras hervor,

1-71. ferner besondere Gestalten Vishnus und ebenso viele Shaktis Vishnus, fünfzig Pflanzen und achtunddreißig Kalas.

1-72. Aus den fünf Gliederungen des Tara entstanden fünfzig Kalas. Damit ist der in den Agamas gelehrte Ursprung der Matrka dargestellt,

1-73. wie ihn der Prapanchasara beschreibt, hier in zusammengefasster Form. In diesem Werk werden Bijas, Bija-Mantras und Mantras durch ihre Kennzeichen erschlossen.

1-74. Bei den Mala-Mantras kommen Verfahren des Herauslösens und der Umstellung vor. Darüber hinaus sollen Kundige sie genau entsprechend dem überlieferten Wortlaut verstehen.

1-75. Hum, phat, vashat, namo und vaushat, die Glieder und die begleitenden Gottheiten werden hier ordnungsgemäß geschrieben, verbunden mit dem Wort Bhagavat.

1-76. Auch verbundene Buchstaben werden deutlich angegeben; zwei ṭha stehen für svaha. Stab und Halbmond bezeichnen den Bindu; zwei Punkte werden als Visarga verstanden. Dies sind Chiffren des Textes, keine eigenständige Rezitationsanleitung.

1-77. Mantras werden als Manavas bezeichnet. Der Laut va trägt die Bezeichnung Brahma. „Gift“ und „Zeit“ bezeichnen ma; die Körperbestandteile stehen für die mit ya beginnenden Laute.

1-78. Dieselben, bis va reichenden Laute, bedeuten Wind, Feuer, Erde und Wasser. Der Laut ha wird Raum, Lebenshauch, Weltenherr und Shiva genannt.

1-79. Die ka- und ca-Gruppen sowie die ṭa- und ta-Gruppen werden jeweils miteinander vertauscht. Ebenso werden die Dreiergruppen pa–pha–ba und bha–ma–kṣa miteinander vertauscht.

1-80. In gleicher Weise sind die ya- und śa-Gruppen als Gruppen vertauschter Laute zu verstehen. Für Vokale und ebenso für verbundene Buchstaben ist eine solche Vertauschung nicht vorgesehen.

1-81. Rudra-Gestalten wie Shrikantha oder die Stellen des Körpers, an denen die Schriftlaute durch Nyasa eingesetzt werden, dienen als Zeichen zur Bestimmung des jeweiligen Lautes.

1-82. Zahlen, Sternengruppen, Gottheiten, Elemente und Welten sind entsprechend ihrer jeweiligen Anzahl zu verstehen. Die Töne sind sieben, die Himmelsrichtungen zehn. Die Verbindung „saṃkhyāstṛtagaṇo“ ist sprachlich unsicher; die Zahlensymbolik des Satzes ist erkennbar.

1-83. Die Pfeile sind fünf; die Meere sind sieben, ebenso die Seher. Die Veden sind vier; die Ramas drei und die Feuer drei.

1-84. Die Nandas sind neun, die Weltzeitalter vier und die Geschmacksarten sechs. Die Versmaßklassen heißen Ukta, Atyukta, Madhya, Pratishtha, Supratishthita,

1-85. Gayatri, Ushnih, Anushtubh, Brihati, Pankti, Trishtubh, Jagati und danach Atijagati,

1-86. Shakvari, Atishakvari, Ashti, Atyashti, Dhriti, Atidhriti, Kriti, Prakriti, Akriti,

1-87. Vikriti, Samkriti, Abhikriti und Utkriti. Die Zahlen dieser Versmaße werden an manchen Stellen dieses Werkes als Zahlzeichen verwendet.

1-88. Wo die Zahl der Tattvas genannt wird, ist sechsunddreißig zu nehmen, denn in der Shiva-Lehre zählt man sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien.

1-89. Zahlen können hier auch durch die vier mit ka, ṭa, pa und ya beginnenden Gruppen dargestellt werden: mit neun, neun, fünf und acht Lauten; na, ña sowie Verbindungen und Vokale gelten dabei als „tot“, also ohne eigenen Zählwert. Die genaue Zuordnung der Nullzeichen und der verbundenen Laute ist im gelieferten Wortlaut nicht eindeutig; die Stelle wird nicht anhand einer fremden Fassung ergänzt.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die vereinbarten Zeichen.

1-90. Wenn diese Bestimmung der Gegenstände des vorliegenden Werkes verstanden ist, werden die Bedeutungen leicht zugänglich, damit das erwünschte Ziel erreicht werden kann.

1-91. Jenes eine, unvergängliche und ungeborene Klang-Brahman ist reines Bewusstsein. Aus ihm gehen die immer wirkenden Gestalten für Entstehung, Auflösung und Erhaltung der Welt hervor; aus ihm entsteht von selbst die göttliche Matrka mit ihrem Leib aus Lauten. Die Wissenden erkennen dieses von Shakti erfüllte, Pranava genannte Bija als den Samen des ganzen Alls, gleich dem Samen des Banyanbaums.

Kapitelabschluss: Damit endet in der von dem ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Mishra verfassten Tantrasara Paddhati das erste Kapitel: „Bestimmung des Gegenstandes und Klärung des Ursprungs der Matrka“.

Besinnung zum Kapitel

Der Text des ersten Kapitels des Ishanashivagurudeva Paddhatibeginnt mit Dankbarkeit und führt zur Aufmerksamkeit für Sprache. Als heutige Anregung lässt sich daraus gewinnen: Sprich bewusst, höre aufmerksam zu und verbinde dein Japa mit Vertrauen und Sammlung. Diese Anwendung unterscheidet sich von den historischen Lautchiffren und Ritualvorschriften des Kapitels.


Samanyapada, Kapitel 2: Gottheiten der Laute, Nyasa und Verehrung der Matrka

Das Kapitel ordnet den Lauten Gestalten von Shiva, Vishnu und Shakti zu. Es beschreibt Nyasa, das rituelle Einsetzen von Mantras am Körper, verschiedene Meditationsbilder und die Verehrung der Göttin der Sprache. Seine Pflanzenrezepturen und Wirkungsversprechen werden als historische Textaussagen wiedergegeben. Besonders zugänglich ist die Lehre von den acht inneren Blüten: geistige Haltungen, mit denen eine äußere Verehrung zu einer inneren Übung wird.

Kapiteleingang: Nun das zweite Kapitel.

2-1. Shrikantha, Ananta, Sukshma, Trimurti, Amareshvara, Ashvisha, Bharabhuti, Tithisha, Sthanuka und Hara,

2-2. Jhantisha, Bhautika, Sadyojata, Anugraheshvara, Akrura und Mahasena: Diese sechzehn sind die Herren der Vokale.

2-3. Danach kommen Krodhesha, Chandesha, Panchantaka, Shivottama, Ekarudra, Kurma, Ekanetra und Chaturanana,

2-4. Ajesha, Sharma, Somesha, Langali und Daruka, Ardhanarishvara, Umakanta, Chashadhi und Dindin,

2-5. Atri, Mina, Mesha, Lohita, Shikhin, Chagalanda, Dviranda, Mahakala und Palin,

2-6. Bhujanga, Pinakin, Khadgisha, Baka, Shveta, Bhrigu und Lakulishvara.

2-7, erster Halbvers. Der letzte heißt Samvartaka. Damit sind die fünfzig Rudras genannt.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Rudras.

2-7, zweiter Halbvers. Purnodari, Viraja und als dritte Shalmali,

2-8. Lola, Vartulakshi, Dirghaghona, Sudirghamukhi, Gomukhi und Dirghajihva,

2-9. Kundodari, Urdhvakeshi, Vikritanana, Jvalamukhi, Ulkamukhi und Shrimukhi,

2-10. ferner Vidyamukhi: Das sind die sechzehn Shaktis der Vokale. Danach folgen Mahakali, Sarasvati und Sarvasiddha-Gauri [die Abgrenzung der Namensbestandteile ist unsicher],

2-11. Trailokyavidya, Mantrashakti, Atmashakti, Bhutamata und die bekannte Lambodari,

2-12. Dravini, Nagara, Khechari, Manjari, Rupini, Virini, Kotari und Putana,

2-13. Bhadrakali, Gomini, Shankhini, Garjini, Kalaratri, Kapardini und Karshani,

2-14. Mahajnana, Jaya, Sumukha, Revati, Madhavi, Varuni und Vayavi,

2-15. ferner Rakshovadharini, Sahaja, Lakshmi und Maya. Diese gelten als die fünfzig Shaktis Rudras. Die Gesamtzahl ist die Angabe der Quelle; die unsichere Namenstrennung wird nicht durch hinzugefügte Namen ausgeglichen.

Zwischenabschluss: Die Shaktis Rudras.

2-16. Die erste Gestalt heißt Keshava, darauf folgt Narayana; sodann Madhava, Govinda, Vishnu und Madhusudana,

2-17. Trivikrama, Vamana, Shridhara, Hrishikarat, Padmanabha, Damodara und Vasudeva,

2-18. Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha: Sie sind die Herren der Vokale. Danach folgen Chakrin, Gadin, Sharngin, Khadgin, Shankhin und Halin,

2-19. Musalin, Shulin, Pashin, Ankushin, Mukunda, Nandaja, Nandin, Nara, Narakajit und Hari,

2-20. Krishna, Sattva, Sattvata, Shauri, Sura, Janardana, Bhudhara, Vishvamurti, Vaikuntha und Purushottama,

2-21. Balin, Balanuja, Bala, Vrishaghna, Vrisha, Hamsa, Varaha und Narasimha. Diese sind als Vishnu-Gestalten zu erkennen.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Vishnu-Gestalten.

2-22. Kirti, Kanti, Tushti, Pushti, Dhriti, Shanti, Kriya und Daya [die Quelle bietet hier „tathā? dayā“ als unsichere Lesung], Medha, Harshini, Shraddha, Lajja, Lakshmi und Sarasvati,

2-23. Priti und Rati: Das sind der Reihe nach die Shaktis der Vokale. Danach folgen Jaya, Durga, Prabha, Satya, Chanda, Vani und Vilasini,

2-24. Vijaya, Viraja, Vishva, Vimada, Nandana, Smriti, Riddhi, Samriddhi, Siddhi, Buddhi, Bhakti, Mati und Kshama,

2-25. Rama, Uma, Kledini, Klinna, Vasuda, Vasudha, Para, Para, Parayana, Sukshma, Sandhya, Prajna, Prabha und Nisha. Die zweimalige Nennung Para wird entsprechend der Quelle bewahrt.

2-26, Anfang. Mit Amogha sind dies die den fünfzig Lauten zugeordneten Vishnu-Shaktis.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Vishnu-Shaktis.

2-26, Fortsetzung. Nun die Pflanzen beziehungsweise Ritualstoffe: die beiden Sandelhölzer, Laghu, Kampfer, Ushira, Ruk, Hribera, Takola, Jati, Mamsi, Mura, Choraka, Granthi, Bhaskaravartini, Ashvattha, Bilva, Guha, Rakta, Lavanga, Kumbhi, Vandini und Udumbara. Einige Trennungen der zusammengesetzten Pflanzennamen sind unsicher. Die Bezeichnungen werden deshalb nicht durch ungesicherte botanische Bestimmungen ersetzt.

2-27. Ferner Karshmarya, Ambuda, Shankhapushpi, Shikhini, Plaksha, Agnimantha, Simhi, Darbha, Kusha, Aparajita, Rohina, Dunduka, Brihati, Patala, Chaitra, Tulasi, Apamarga, Shakralata, Madhuvrata, Harikranta und Musali.

2-28. Weiter Bhita, Haritalika, Harivadhu, Saha, Shrilata und Bhadra. Dies sind der Reihe nach die dem Alphabet zugeordneten Pflanzen. Ihnen schreibt der Text zu, als Kügelchen, Abkochungen oder Aschen, durch Bestreichen oder rituelles Baden Wohlstand, Sprachfülle, Überwindung vorzeitigen Todes, Schutz und Reinigung zu bewirken.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Pflanzen des Alphabets.

2-29. Amrita, Manada, Pusha, Tushti, Pushti, Rati und Dhriti,

2-30. Shashini, Chandrika, Kanti, Jyotsna, Shri, Priti, Angana, Purna und Purnamrita sind die aus den Vokalen hervorgehenden Kalas.

2-31. Tapani, Tapani [die Quelle unterscheidet tapanī und tāpanī], Dhumra, Marichi, Jvalini, Ruchi, Sushumna, Bhogada, Vishva, Bodhani, Dharani und Kshama

2-32. sind der Reihe nach die Kalas der zwölf Laute von ka bis ṭha. Dhumrarchis, Ushma, Jvalini, Jvalini [hier jvalinī und jvālinī], Vishphulingini,

2-33. Sushri, Surupa, Kapila, Havyavaha und Kavyavaha sind die zehn Kalas, die der Reihe nach mit den Lauten von ya an verbunden werden.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die achtunddreißig Kalas.

2-34. Aus dem fünfgliedrigen Tara entstehen fünfzig Kalas: Srishti, Riddhi, Smriti, Medha, Kanti, Lakshmi, Dhriti, Sthira,

2-35. Sthiti und Siddhi. Diese zehn gehen aus a hervor und beziehen sich auf Rigveda, Brahma und Schöpfung, wie es im Prapancha [wohl dem zuvor genannten Prapanchasara] gelehrt wird.

2-36. Jara, Palini, Shanti, Aishvari, Rati, Kamika, Varada, Hladini, Priti und Dirgha sind die aus u geborenen Kalas.

2-37. Sie sind mit Yajurveda und Vishnu verbunden und bewirken den Bestand der Welt. Tikshna, Raudra, Bhaya, Nidra, Tandri, Kshut, Krodhani und Kriya,

2-38. Utkarika und Mrityu sind die aus m hervorgehenden Kalas. Mit Rudra und Samaveda verbunden, gelten sie als Kräfte der Auflösung.

2-39. Pita, Shveta, Aruna und Gauri sind die vier aus dem Bindu hervorgehenden Kalas. Ihre Gottheit ist die Sonne; mit Atharvaveda und Ishvara verbunden, gelten sie als Gewährerinnen aller Wünsche.

2-40. Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Indhika, Dipika, Rechika und Mochika,

2-41. Sukshma, Sukshmamrita, Jnana, Mrita, Apyayani, Vyapini, Vyomarupa und Ananta entstehen aus Nada. Die Namenfolge im mittleren Teil dieses Verses ist in der gelieferten Schreibung nicht eindeutig zu trennen; diese Wiedergabe bleibt vorläufig.

2-42. Diese sechzehn Kalas verleihen nach dem Text weltliche Erfüllung und Befreiung. Sie haben Sadashiva zum Wesen und sind hier in allgemeiner Form bestimmt.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Kalas des Pranava.

2-43. Man setze die Vokale am Haaransatz, am Gesichtsumriss, an den beiden Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Wangen und Lippen, an den beiden Zahnreihen sowie am Scheitel und im Mund ein.

2-44. Die ka-Gruppe setze man am rechten Arm, die ca-Gruppe am anderen Arm ein; die ṭa- und ta-Gruppen an den beiden Beinen, pa und pha an den beiden Körperseiten.

2-45. Die als ba, bha und ma bezeichneten Laute setze man an Rücken, Nabel und Herz ein. Im Lotus von Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen und Lebenshauch,

2-46. der im Herzen liegt, setze man die acht Laute ab ya auf dessen Blütenblättern in sich selbst ein. Ksha setze man in die Mitte, während man sich des Ganzen bewusst bleibt.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Körperstellen des Laut-Nyasa.

2-47. Nun sind die Orte der Laute von a an der Reihe nach erklärt. Jetzt werden besondere Formen des Laut-Nyasa mit den Gliedern und der Gottheit dargestellt.

2-48, erster Halbvers. Das Nyasa mit den Lauten des Alphabets, jeweils mit Bindu, gilt als Nyasa des reinen Alphabets.

Unnummerierte Formel innerhalb von 2-48: „O Wiederbelebende! O du mit aufgerichtetem Haar! O du mit der lodernden Feuerflamme! O Verkörperung der drei Welten! O Tausendfach-sich-Wandelnde! Om, hrim, saum – den drei Augen: vaushat! O Marutavaruni!“ Die Quelle reiht Anrufungen und eine Gliederformel aneinander. Die Abgrenzung der gesamten Formel ist unklar; sie wird nicht zu einem einheitlichen Mantra ergänzt.

2-48, zweiter Halbvers. Zuerst kommen die sechs Glieder des Alphabets, verbunden mit den sechs Lautgruppen von ka an.

2-49. Bei fast allen Gliedermantras endet das Herz-Mantra mit namah; das Kopf-Mantra endet mit svaha, das Mantra des Haarknotens mit vashat.

2-50. Am Ende des Schutzpanzer-Mantras steht hum, am Ende des Waffen-Mantras phat. Das Augen-Mantra endet mit vaushat; so ist die bei den Augen endende Gliederfolge beschrieben.

2-51. Mancherorts endet die Gliederordnung mit der Waffe; dort soll man auch das Nyasa bei der Waffe enden lassen. Ein Augen-Mantra wird nur für Mantras mit sechs Gliedern vorgesehen.

2-52. Bei einem Mantra mit fünf Gliedern gibt es kein Augen-Mantra. Zuerst spreche man das Gliedermantra, dann den Namen des Gliedes im Dativ,

2-53. danach füge man namah, svaha und die weiteren Endungen hinzu und verbinde dies mit der entsprechenden Mudra. Für das Herz lege man die Handfläche mit ausgestreckten Fingern auf das Herz.

2-54. Für den Kopf lege man die Hand mit eingezogenen Fingerspitzen und freiem Daumen auf den Kopf. Den Haarknoten berühre man mit der Spitze des aus der geschlossenen Faust ausgestreckten Daumens.

2-55. Ohne den eigenen Leib zu berühren, hebe man beide Hände an, die Finger eingezogen und die Handflächen nach oben gerichtet,

2-56. und führe sie rechts und links schützend an den Körperseiten bis zum Nabel hinab: Das ist der Schutzpanzer. Dieselben Hände mit eingezogenen Fingern hebe man dann bis zur Kehle,

2-57. und schnippe jeweils mit der vom Daumen gedrückten Zeigefingerspitze: Das ist die Waffen-Mudra. Die Augen-Mudra entsteht aus der geschlossenen rechten Faust,

2-58. indem Ringfinger, Mittelfinger und Zeigefinger zugleich ausgestreckt werden und die drei Augen berühren. Wenn es nur zwei Augen sind,

2-59. berühre man beide mit Zeige- und Mittelfinger. Weiß, gelb, flammendes Licht, Blitzfarbe, Feuerglanz

2-60, Anfang. und rot sind der Reihe nach die allgemeinen Farben der sechs Glieder.

Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Glieder. Die Quelle schreibt aṅkādhikāraḥ; der Zusammenhang behandelt die zuvor genannten sechs Glieder.

2-60, Fortsetzung. Man betrachte die auf einem Lotus sitzende Göttin der Schrift: Ihre Hände tragen, beginnend rechts, eine deutende Mudra, eine Kristallgebetskette, ein Gefäß und ein Buch. Sie hat drei Augen, weiße Girlanden und Salben, strahlt wie Jasmin, und ihr Körper besteht aus Lauten. Sie trägt die Mondsichel auf dem Scheitel, ihr Gesicht ist freundlich, und Perlenschmuck ziert sie.

2-61. Nachdem man sie auf diese Weise als Verkörperung der fünfzig Laute im eigenen Leib meditiert hat,

2-62. setze man sie der Reihe nach an den zuvor genannten Stellen ein und wiederhole das Alphabet täglich fünfzigmal, bis hunderttausend Wiederholungen erreicht sind.

2-63. Dann opfere man nach seinen Möglichkeiten Sesam, der mit den drei süßen Stoffen bestrichen ist. Dadurch, sagt der Text, erlangt man Reinheit der Rede und dichterische Begabung.

2-64. Man werde gelehrt, verstehe den wahren Sinn der Schriften, werde verständig und frei von Krankheit; wer die Göttin der Schrift so verwirklicht habe, gelange zur Vollendung aller Mantras.

Zwischenabschluss: Das reine Alphabet.

2-65. Man wiederhole die Laute zusammen mit den Rudras, nachdem man sie wie zuvor der Reihe nach eingesetzt hat. Dieses mit Shrikantha beginnende Nyasa gilt als Mittel zur Besänftigung schädigender Einwirkungen und Krankheiten.

Unnummerierte Silbenfolge nach 2-65: „maṃ maṃ aṃ aṃ āṃ āṃ ka va ca iṃ ra kṣa“. Die Folge wird in der Mantrasammlung in der gelieferten Schreibung bewahrt. Sie enthält Bijas und offenbar Schutzwörter; ihre Segmentierung ist nicht hinreichend klar für eine sichere durchgehende Übersetzung.

2-66, erster Halbvers. Diesen sechs Gliedern gehen der Reihe nach Hril lekha, Vyoma und Sau voraus. Die chiffrierten Benennungen werden nicht stillschweigend ausgeschrieben.

Zwischenüberschrift: Shrikantha und die weiteren Gestalten.

2-66, zweiter Halbvers. Die Laute des Alphabets mit Bindu, verbunden mit den flektierten Namen Rudras und der Shakti sowie der Herz-Endung,

2-67. soll man einsetzen. Dies ist das Shrikantha-Nyasa mit Shakti. Seine Glieder soll man ebenso wie die zuvor genannten bilden.

2-68. Das Versmaß dieser beiden Nyasas heißt Viraj. Als Seher wird Brahma genannt, als Gottheit die Göttin der Rede.

2-69, Anfang. Einige nennen für das zweite Nyasa auch Ardhanarishvara als Gottheit.

2-69, Fortsetzung. Man meditiere über die weiße, dreiäugige Göttin, die über Shrikantha und den weiteren Gestalten waltet. Ihre beiden oberen Hände tragen Gebetskette und Gefäß. Die untere rechte Hand zeigt die Geste der Furchtlosigkeit; in der anderen Hand befindet sich ein Buch, verbunden mit der Geste des Schenkens. Eine Mondsichel schmückt ihr verfilztes Haar, weiße Schmuckstücke zieren sie.

2-70. Zur eigenen Vollendung denke man an den Herrn, dessen eine Hälfte Ambika ist: Seine beiden Hälften sind zinnoberrot und golden. Er trägt Elefantenhaken, Schlinge und Gebetskette, und seine Hand gewährt die ersehnte Gabe. Er steht am Anfang der Shrikantha-Folge.

Zwischenabschluss: Shrikantha-Nyasa mit Shakti.

2-71. Tara, die Alphabetlaute zusammen mit Shakti, Ajapa und Soham

2-72. bilden das Prapancha-Yaga-Nyasa; durch Nyasa, Japa und weitere Handlungen soll es das Erwünschte verleihen. Lakuli mit Bindu und Bhrigu mit Visarga bilden das Ajapa-Mantra. Hier stehen Lautchiffren; sie werden nicht ohne gesicherte Zuordnung zu einer Formel aufgelöst.

2-73. Sein Seher ist Brahma, sein Versmaß Gayatri und seine Gottheit der höchste Atman. Als höchstes Licht soll man ihn im Lotus des eigenen Herzens meditieren.

2-74. Die beiden ṭha mit Shakti bilden das Herz; Soham wird hier als Kopf bezeichnet. Ajapa ist der Haarknoten, und Varma gilt als Schutzpanzer.

2-75. Tara bildet die Augen, die Laute von Hari und Isha die Waffe. Karna ist das Bija Haris; Visha gilt als Laut Ishas. Die Wörter Karna und Visha werden hier als Chiffren verwendet.

2-76. Man meditiere über die Göttin Brahmi, Herrin der Weltentfaltung. Sie zeigt die Geste der Furchtlosigkeit und trägt Gebetskette, Tuch und Buch. Sie leuchtet klar wie weiße Lotusblüten, Mond und Jasmin. Sie ist von lieblicher Gestalt, trägt Edelsteinohrringe und hat drei Augen. Ihr hoher Haarschmuck strahlt; sie trägt die Mondsichel, weiße Girlanden, duftende Salben und Gewänder.

Zwischenabschluss: Prapancha-Yaga-Nyasa.

2-77. Die Alphabetlaute können mit Shakti am Anfang versehen werden; oder mit Shakti und Shri; oder mit Shakti, Shri und Manmatha; oder mit Ma, Uma und Ananga. Die knappe Aufzählung ist syntaktisch unsicher; die Namen werden nicht als vollständig ausgeschriebene Bijas ausgegeben.

2-78. Dies sind die Samriddhi-Nyasas zur Mehrung und Fülle. Ihr Seher ist Prajapati, ihr Versmaß die göttliche Gayatri; Ma, Uma und Ananga sind ihre Gottheiten.

2-79. Die sechs Glieder werden entsprechend der jeweiligen Gestalt aus den eigenen Bijas gebildet. Während man Uma und die weiteren Gottheiten vergegenwärtigt, soll man beim Nyasa Sarasvati meditieren.

2-80. Möge Bharati euch schützen: Ihre Haarkrone ist mit einer Mandara-Girlande und dem Mond geschmückt. Ihr anmutiger Leib leuchtet zinnoberrot, sie hat drei Augen und ein Gewand, weiß wie Jasmin. Ihre Lotushände tragen Elefantenhaken, Schlinge und die Fülle des Wissens.

Zwischenabschluss: Samriddhi-Nyasa.

2-81. Lakuli, auf Kala sitzend und mit linkem Auge sowie Halbmond versehen, wird auf beiden Seiten eines Alphabetlautes eingesetzt. Dies heißt das Kshobhani-Nyasa, das Nyasa der erregenden Kraft.

2-82. Lakuli, auf Kama gesetzt und wie zuvor mit den langen Vokalen verbunden, bildet entsprechend der jeweiligen Gestalt die sechs Glieder. Das Versmaß ist Gayatri.

2-83. Der Seher ist Vamadeva, die Gottheiten sind Kama und die Herrin der Laute. Zum Gedeihen meditiere man über die erhabene Samkshobhani: Ihr schöner Leib glänzt zinnoberrot, sie trägt rote Gewänder und Salben; Mandara-Blüten umgeben ihr Haar. Sie lächelt, und ihre Ohrringe leuchten an den Wangen. Ihre Hände tragen Lotus, Schlinge, Haken und Buch; ihre Lippen sind rot wie Bimba-Früchte, und Edelsteine schmücken sie.

Zwischenabschluss: Kshobhani-Nyasa.

2-84. Schlinge, Shri, Shakti und Madana verbinden sich mit dem Alphabetlaut; danach folgen Madana und Rama,

2-85. Lakshmi, Haken und das Herz der Kala: So wird das Malini-Nyasa verbunden. Ananta mit Bindu ist die Schlinge; Shri mit abschließendem Bindu ist selbst das Mantra. Die über die Versgrenze laufende Lautanordnung bleibt als Chiffrenfolge erhalten.

2-86. Brahma mit Schulter, linkem Auge und Stab bildet das Bija Manmathas. Shakti ist bekannt; ka mit Feuer, Zahn und Bindu bezeichnet den Haken.

2-87. Als Kalas sind die fünfzig aus dem Pranava hervorgehenden Lautkräfte zu nehmen. Die eigenen Bijas werden wiederholt; hinzu kommt Samvartaka mit Visarga: Daraus entstehen die sechs

2-88. Glieder Malinis. Ihr Versmaß ist Ushnih, ihr Seher Guha, und die Gottheit ist die Weltenmutter, die Göttin Tripurabhairavi.

2-89. Nyasa und Feueropfer mit süßen Stoffen sollen damit alle Vollendungen verleihen. Durch Japa, Meditation und Weiteres soll man sogar sogleich alle anziehen können.

2-90. Man meditiere über Malini: Ihr Leib ist rot wie die Bandhuka-Blüte, sie hat drei Augen und trägt rote Gewänder und Salben. Ihre goldenen Ohrringe bewegen sich funkelnd; sie zeigt die Geste des Schenkens und trägt Schlinge und Haken. Eine schneeweiße Halskette und Safransalbe schmücken ihre schönen, rötlichen Brüste. Im Haarknoten trägt sie die Mondsichel; ihre linke Hand zeigt Furchtlosigkeit.

Zwischenabschluss: Malini-Nyasa.

2-91. Das Karshani-Nyasa entsteht aus den Alphabetlauten, die jeweils von Schlinge und Haken umschlossen werden. Entsprechend werden die sechs Lautgruppen ab ka von Schlinge und Haken umschlossen,

2-92. um seine sechs Glieder zu bilden. Das Versmaß ist Anushtubh, der Seher Prajapati, die Gottheit Vagvadini. Durch Nyasa und Weiteres soll es alle Vollendungen gewähren.

2-93. Man meditiere über Vagvadini in Einheit mit sich selbst: Ihr Leib gleicht in Flüssigkeit aufgelöstem gelbem Farbstoff oder geschmolzenem Gold. Sie trägt Laute, Buch, Schlinge und Haken; kostbarer Edelsteinschmuck ziert ihre Glieder. Im hochgebundenen Haar trägt sie die Mondsichel. Sie hat rote Salben und Gewänder, drei Augen und ein lächelndes Gesicht mit lebhaftem Brauenspiel.

Zwischenabschluss: Vagvadini-Nyasa.

2-94. Die Alphabetlaute mit Bindu, die Vishnu-Gestalten von Keshava an und ihre Shaktis sollen der Reihe nach mit der Endung namah eingesetzt werden.

2-95. Das mit Keshava beginnende Nyasa soll zur Vollendung in Vishnu-Mantras führen. Die Gottheit ist Vishnu als Verkörperung des achtsilbigen Mantras; auch ihn soll man vergegenwärtigen,

2-96, Anfang. während man das Nyasa ausführt. Sein Versmaß ist Gayatri, sein Seher Narada.

2-96, Fortsetzung. Man meditiere über die Göttin, weiß wie Jasmin und Mond, lieblich durch ihre strahlende, nektargleiche Mondsichel und ihre schöne Halskette. Ihr Leib ist angenehm mit Sandel gesalbt. Sie trägt Schreibgriffel, Gebetskette, ein Nektargefäß, einen Wissensschatz und einen Lotus [die Aufzählung der Attribute ist nicht ganz eindeutig]. Der Mond ruht in ihrem Haarknoten. Sie trägt ein feines Gewand; die drei Welten verneigen sich vor ihr. Sie hat sechs Arme und drei Augen.

Zwischenabschluss: Keshava-Nyasa.

2-97. So sind die verschiedenen, Vollendung verleihenden Formen des Laut-Nyasa beschrieben.

2-98. Der Übende soll sich auf eine dieser Formen stützen. Nachdem er die Schriftlaute in seinen Körper eingesetzt hat, soll er Japa, Feueropfer, Verehrung und Weiteres ausführen,

2-99. um den Mantra und sich selbst zu schützen und das betreffende Vorhaben zu vollenden. Dann meditiere er über das eingesetzte Alphabet und verehre es im Lotus der Matrka.

2-100. Ein weißer Lotus hat in den acht Richtungen Blütenblätter für die sieben Lautgruppen und das abschließende Lautpaar. Seine Mitte trägt eine durch Bindu und weitere Lautchiffren bezeichnete Anordnung, seine Staubfäden sind die Vokale. Die Folge „madagniruddhānta“ in der Beschreibung des Zentrums ist nicht sicher aufzulösen.

2-101. Von sieben Meeren umgeben und vom Erdkreis eingeschlossen, heißt er der Lotus der Matrka-Laute. Ihm wird die Kraft zugeschrieben, Gift, Tod und Alter abzuwehren.

2-102. Auf dem eigenen Kopf vorgestellt, soll er Tod, Gift und Krankheit abwenden. Man meditiere über eine göttliche Kristallhalle inmitten des Milchozeans.

2-103. Dort, auf diesem Lotus des Sitzes, befinden sich an den Spitzen der Blütenblätter acht Shaktis: Medha, Prajna, Prabha, Vidya, Dhi, Dhriti, Smriti und Buddhi.

2-104. In der Mitte ist Vidyeshvari. Sie sind weiß, tragen weiße Gewänder und führen zwei Hände zur Verehrung zusammen; in den beiden oberen Händen

2-105. halten sie Buch und Gefäß. Sie sind friedvoll und von schöner Gestalt. In den Zwischenrichtungen sind die Glieder, in den Hauptrichtungen die Waffe, auf den Blütenblättern vorn das Auge anzuordnen.

2-106. Danach folgen die Vokale mit ebenso vielen Kalas, beginnend mit Amrita: Amrita, Manasi, Tushti, Pushti, Priti, Rati und Shri,

2-107. Shanti, Sudha, Kanti, Jyotsna, Haimavati, Chaya, Purani, Vama und Ama. Dies sind die Mond-Kalas.

2-108. Man stelle sie sich paarweise auf den Blütenblättern vor, Ströme von Unsterblichkeitsnektar ausgießend. Danach folgen die Laute der Gruppen, dann die Mütter von Brahmi an:

2-109. Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Aindri, Chamundi und Mahalakshmi, der Reihenfolge der Himmelsrichtungen entsprechend.

2-110. Dann kommen die zehn Herren der Richtungen: Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Dhanada und Ishana.

2-111. Diese acht stehen in den Richtungen von Osten an. Zwischen Indra und Ishana steht Brahma als Herr der oberen Welt; zwischen Varuna und dem Herrn der Rakshasas steht Ananta

2-112. als Herr der unteren Welt. Man verehre diese in sechs Umkreisen angeordneten Gottheiten. In der Mitte, auf dem Fruchtboden des Lotus, meditiere man über die Schriftgöttin als das Wesen des Bewusstseins,

2-113. in jener Gestalt, die für das eigene Nyasa angegeben ist, und ehre sie mit den vorgeschriebenen Darbringungen: Sitz, Einladung, Ehrenwasser, Fußwaschwasser und Wasser zum Mundspülen,

2-114. Bad einschließlich aller Haupt- und Nebenglieder, Gewänder und Schmuck, Duftstoffe, Blüten, Räucherwerk, Licht und Darbringung gekochter Opferspeise,

2-115, erster Teil. Feuerhandlung, Verneigung und Übergabe königlicher Verehrung.

Zwischenabschluss: Die sechzehn Darbringungen.

2-115, Fortsetzung. So verehre man sie auf der Opferfläche; oder man vollziehe ihre Verehrung im Geist.

2-116. Im Norden verehre man auch die Seher und die weiteren Zugehörigen, Ganesha und den Guru. Dann vollziehe man die Darbringung der acht Blüten: Gewaltlosigkeit, Verzeihen, Mitgefühl,

2-117. Beherrschung der Sinne, Erkenntnis, Reinheit der inneren Haltung, Freiheit von Zorn und Meditation. Dies sind der Reihe nach die acht Blüten des Herzens.

2-118. Oder man verehre mit Mantras den Sitz, dessen Gestalt, die Gottheit und die fünf Glieder: Diese acht bilden ebenfalls eine achtfache Blumendarbringung.

2-119. Diese Übungen sollen besonders zur Vollendung der hervorragenden Übenden, zum Wohlwollen der Gottheiten und zum lebendigen Aufleuchten der Mantras gepflegt werden.

2-120. Dann bitte man die Göttin samt ihrem Gefolge um Verzeihung und spreche die Formel: „Gehe ein in die Auflösung im Unbefleckten“, mit der Kopf-Endung.

2-121, erster Halbvers. Man vereinige sie, deren Wesen Bewusstsein ist, mit dem Mond im Lotus am Dvadashanta, dem zwölf Fingerbreiten entfernten oberen Endpunkt.

Zwischenabschluss: Vorschrift zur Verehrung des Alphabets.

2-121, zweiter Halbvers. Das in der Verehrungsfolge beschriebene Chakra zeichne man auf Birkenrinde, Gold oder ein anderes geeignetes Material.

2-122. Durch das Tragen desselben, heißt es, gelängen alle Vorhaben mühelos. Ein Verständiger solle morgens Wasser trinken, über dem er dieses Alphabet dreimal wiederholt habe.

2-123. Nach einem Jahr entstünden Einsicht und dichterische Begabung. Nach eintausendacht Wiederholungen solle man Brahmi-Saft trinken,

2-124. oder nach ununterbrochener Wiederholung während eines ganzen Tages und einer Nacht oder bei einer der beiden Finsternisse. Ein Pala Pulver von weißer Vacha und ein Karsha Turagagandhini,

2-125. dazu jeweils ein Nishka Krishna, Haridra, Steinsalz, Dhatri, Ruk und Vishvabheshaja: Dies pulverisiere man und gebe es in ein Prastha Ghee.

2-126. Ein im Kochen Kundiger solle es mit vier Prasthas Brahmi-Saft auf kleiner Flamme zubereiten. Dieses Brahmi-Ghee solle der Verständige zehntausendmal mit dem Alphabet besprechen,

2-127. und bei einer Sonnenfinsternis trinken; so werde er allwissend, behauptet der Text. Oder er solle täglich morgens davon lecken, nachdem es fünfzigmal besprochen worden sei.

2-128. Nach einem Jahr werde er verständig, ein von Gelehrten anerkannter Dichter. In die Mitte des Matrka-Lotus stelle man ein Gefäß, gefüllt mit Wasser und den dem Alphabet zugeordneten Pflanzen,

2-129. und vollziehe täglich vorschriftsmäßig eintausend Wiederholungen. Wer damit begossen werde, erlange innerhalb eines Monats Redegabe, Lebensfülle, Schönheit und Ruhm,

2-130. Gesundheit und Glück; eine unfruchtbare Frau gebäre einen vortrefflichen Sohn. Man meditiere über das Licht, das aus dem Bindu der tragenden Shakti aufsteigt und dem Weg der Sushumna folgt,

2-131. bis zum Mond am Dvadashanta; darin schreibe man die Laute beginnend mit ksha. Indem man sie, von Feuer und Mond durchdrungen, herabströmen lasse, werde man von Krankheiten frei. Die Aussagen 2-122–131 sind historische Wirkungszuschreibungen, keine heutige Behandlungsanleitung; die alten Stoff- und Maßnamen wurden nicht in Einnahmeempfehlungen umgerechnet.

2-132. So soll man das Alphabet, dessen Bedeutung man verstanden und das man aus dem Mund des Gurus empfangen hat, nach einer bestimmten Methode einsetzen und hunderttausendmal wiederholen. Nachdem man mit weißen Blüten, Sesam und Ghee ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer dargebracht hat, erlange man die Herrschaft über die Rede und bringe die gewünschte Welt unter seinen Einfluss.

2-133. Durch das Nyasa am eigenen oder fremden Körper entsprechend der Zahl der eigenen Laute soll man Besessenheit, Feinde, Gift, Krankheiten und andere Bedrängnisse beseitigen. Ohne dass die Schriftgöttin verehrt wurde, gelangen gewiss nicht alle Mantras der Welt zur Vollendung; ist sie recht verehrt, soll sie alle Wünsche erfüllen. Die mehrfachen Verneinungen des letzten Halbverses machen die Satzfügung unsicher; die Wiedergabe folgt dem erkennbaren Gegensatz von fehlender und gelungener Verehrung.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanashivagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das zweite Kapitel über Shrikantha und die weiteren Gestalten.

Besinnung zum Kapitel

Die vielen Zuordnungen führen immer wieder zu einer inneren Frage: Mit welcher Haltung übe ich? Die acht Blüten in 2-116–117 sind dafür ein klarer Wegweiser. Ahimsa, Geduld, Mitgefühl, Selbstbeherrschung und Dhyana können die tägliche Praxis tragen, auch ohne die komplexen Nyasa-Verfahren dieses Kapitels zu übernehmen.


Samanyapada, Kapitel 3: Atemzeichen, Lautgestalten und Prüfung der Mantras

Das Kapitel verbindet die Matrka-Lehre mit Atembeobachtung, Astrologie und symbolischen Bildern der einzelnen Laute. Es beschreibt anschließend Verfahren, mit denen die Tradition die Eignung eines Mantras für einen bestimmten Menschen beurteilt. Die Vorhersagen und Erfolgszuschreibungen werden als historische Aussagen übersetzt. Die Lautgestalten sind Meditationsbilder; die oft riesigen Maße drücken ihren kosmischen Charakter aus.

Kapiteleingang: Nun das dritte Kapitel.

3-1. Nun werden die Besonderheiten der Matrka, des Ursprungsortes aller Mantras, der Reihe nach gesondert dargestellt: nach den Verbindungen ihrer Lautgruppen, nach Aufgang und Bewegung der Atemlaute und nach ihren Lauten, Zuordnungen, Tierkreiszeichen, Wesen und Geschlechtern. Die Verbindung āptirāśyātmaliṅgaiḥ ist nicht vollständig eindeutig.

3-2. Wer den Aufbau, die Anwendung und die Gestalt der Mantralaute nicht kennt – wie kann er, nach Erfolg verlangend, mit ihrer Wiederholung beginnen? Er ist töricht wie ein schlechter Arzt, der unbedingt behandeln will, ohne die Einteilung der Heilmittel in Gruppen und Anwendungsbereiche zu kennen.

3-3. Wer weder im Umgang mit Elefanten geschult ist noch einen Haken besitzt und doch einen mächtigen Elefanten besteigt, dessen Brunstsaft unaufhörlich fließt, bringt sich in Gefahr. Ebenso fällt ein törichter Lehrer oder Übender, der die Reinigung missachtet und das Wesen der Mantras nicht kennt.

3-4. Deshalb sollen Lehrer die Erklärung der Laut- und Mantrakreise in diesem Werk verstehen, das viele Mantras offenlegt. Die sieben Gruppen heißen a, ka, ca, ṭa, ta, pa und ya; hinzu kommt die śa-Gruppe. Die Vokalgruppe a hat Sonnen- und Mondcharakter.

3-5. Diese Vokale sind nach männlich und weiblich, nach feurig und mild, nach kurz und lang unterschieden; ihr Aufgang ist jeweils verbunden. Wenn rechts der kurze Sonnenlaut aufsteigt, entspricht links im Nasenloch der lange Laut dem Mond. Die Aussage über den gemeinsamen beziehungsweise unterschiedenen Aufgang ist im Wortlaut knapp und mehrdeutig.

3-6. In den beiden Nasenöffnungen gilt eine aufwärts gerichtete Strömung als Feuer, eine seitliche als Wind, eine nach unten gerichtete als Wasser und eine in der Mitte an der Wand verlaufende als Erde. Die Öffnung selbst ist Raum. So gehen die fünf Elemente in den Sonnen- und Mond-Atemlauten auf.

3-7. Bei einem Menschen mit aufrechtem Körper, gesundem Leib und gesunden Sinnen erkenne man, wo der Atem ausströmt, auch wenn er durch beide Nasenöffnungen geht. Wird man befragt, solle man Erfolg oder Verlust eines Vorhabens aus dem aufgegangenen Atemzeichen bei sich oder einem anderen sachkundig deuten.

3-8. „Kapila, Vakusha, Rama; Kama, Nimna, Nishajna; Pashu, Rani, Yama, Gava; Kim, Vana, Samkhyanadi“: Die der Reihe nach gelesenen Lautpaare bezeichnen die zwölf Tierkreiszeichen; sechs teilen den Tag, sechs die Nacht. Die überlieferte Chiffrenreihe lässt sich nicht eindeutig in zwölf Paare zerlegen; sie bleibt als nicht aufgelöste Lautliste gekennzeichnet.

3-9. Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische: Die Zeichen sind in Dreierfolge beweglich, fest und doppelt. Ihr Aufgang und Weiteres sollen zusammen mit den Alphabetlauten am Atem erkannt werden.

3-10. Im Sonnenatem der rechten Nasenöffnung steigt ein bewegliches Zeichen auf; im links als Mond bezeichneten Atem ein festes Zeichen. Bei Ausströmung aus beiden Öffnungen steigt ein doppeltes Zeichen auf. Der Atemlauf gilt als Anzeiger der Zeit aller Welten.

3-11. Bei beidseitigem Windzeichen ist ein Lebewesen angezeigt; beim Mondatem mit Wind oder Wasser [ist die Zuordnung im Satz unklar]. Mondatem mit Feuer oder Erde bezeichnet einen Stoff beziehungsweise ein Mineral. Beidseitige Erde, Sonnenatem und Wasser werden mit Wurzeln verbunden. Bei Mond-Wasser tritt Erfolg ein, bei Sonnen-Erde und Sonnen-Wasser nicht. Diese mantische Zuordnung ist syntaktisch beschädigt; die erhaltenen Begriffe sind wiedergegeben, die unentscheidbaren Bezüge bleiben offen.

3-12. Bei Feuer in beiden Atemwegen ist Kuja, Mars, angezeigt. Sonnen-Feuer bedeutet Tod; Sonnen-Raum bedeutet Verlust, Tod oder kurze Lebensdauer. Bei Mond-Wind solle man langes Leben voraussagen, bei dessen Wasserzeichen auch Glück; bei Mond-Erde geringen Erfolg, ebenso bei dessen Raumzeichen [der letzte Bezug bleibt unsicher].

3-13. Beidseitige Erde bringe das Erwünschte nach langer Zeit; bei beidseitigem Wind gelinge es nach einiger Zeit. Bei beidseitigem Raum oder Feuer gebe es weder Erfolg noch Verlust; bei beidseitigem Wasser gewähre der Atem rasch ein kleines gewünschtes Ergebnis.

3-14. Bei Mondatem mit Wasser oder Erde vollziehe man besänftigende oder stärkende Rituale; bei den im Text unsicher bezeichneten Mond-Wind-Verbindungen Beeinflussung und Anziehung. Bei Sonnen-Erde vollziehe man Erstarrung, bei Sonnen-Wasser das Hervorrufen von Krankheit, bei Sonnen-Wind beziehungsweise Raum Umherirrenlassen und Vertreibung. Die Lesung śaśimarudanavābhyāṃ ist bereits in der Quelle mit Fragezeichen versehen.

3-15. Bei Sonnen-Raum geschehe Verblendung, bei Sonnen-Feuer rasches Töten und Niederwerfen von Feinden. Wer die Lehren von Japa und Feueropfer entsprechend ausführen wolle, solle daher auf das aufgegangene Atemzeichen achten und dann zur raschen Vollendung beginnen. Diese Passage beschreibt historische schädigende Rituale; sie ist keine heutige Praxisanregung.

Zwischenabschluss: Abschnitt über den Aufgang der Atemzeichen.

3-16. Die fünf Gruppen ka, ca, ṭa, ta und pa sind mit Erde, Wind, Feuer, Raum und Wasser verbunden. Die Laute von ya an entsprechen Wind, Feuer, Erde und Wasser; die von śa an den drei Gunas und dem Raum. Der letzte Laut steht für Raga, die Färbung durch Begehren.

3-17. Der Laut a leuchtet golden. Er trägt reine Girlanden, Gewänder und Düfte, hat acht Arme und acht Augen und hält Dreizack, Schenkergeste und Keule. Eine Schildkröte trägt ihn; er besitzt vier Gesichter, trägt Mond und verfilztes Haar und sitzt auf einem runden Sitz. Er duftet nach Wasserlilien und gleicht dem Berg Mandara.

3-18. Die weibliche Gestalt leuchtet weiß, sitzt auf einem Lotus und reitet auf einem mächtigen Elefanten. Sie hat zwei Arme und trägt Haken und Schlinge. Schneeweiße Halsketten schmücken sie. Sie ist sechzig Yojanas hoch; ihre Breite wird durch das Zahlwort „Götter“ angegeben. Die Quelle nennt hier keine ausdrücklich ausgeschriebene Zahl für die Breite.

3-19. Man meditiere über den Sukshma genannten Laut: sehr gelb, mit Donnerkeil, auf einer Schildkröte, im Erdkreis, zweiarmig, mit schwerem Duft, zwei Yojanas hoch und halb so breit. Er entfaltet vielerlei Maya; ihm werden das Bezwingen von Feinden, Übel und Krankheit sowie Erstarrung zugeschrieben.

3-20. Trimurti ist eine weibliche Gestalt mit goldener Frucht in der Hand, fünf Gavyutis im Umfang, weiß leuchtend und von Nektar benetzt, reizvoll durch schöne Halsketten. Im doppelten Erdkreis fährt sie auf einem Schwan. Ihre Gestalt misst zehn Yojanas; sie gilt als stärkend.

3-21. Das erste Lautpaar der geschlechtsneutralen Laute ist zweihundert Yojanas lang und hundert breit, von sehr scharfem Geruch, auf einer Krähe reitend, zweiarmig, im Feuerhaus sitzend, kupferfarben, mit Speer und Keule. Die Aussage über seine Schutzwirkung ist in der Quelle unsicher markiert.

3-22. Das andere Paar meditiere man zweiarmig, rot, im Feuerkreis und auf einem Kamel: tausend Einheiten breit und doppelt so lang, geschlechtsneutral, mit Schlangenschmuck, üblem Geruch, Lanze und Schlinge, zur Abwehr von Gift. Die Paarbezeichnung triyugmaṃ und die doppelte Nennung bhujaga sind textlich unsicher.

3-23. Das als Svarnachuda bezeichnete Paar meditiere man geschlechtsneutral, auf einem Schwan, mit Donnerkeil und Schlinge, zwei Gesichtern, sehr gelb, im Erdlotus und wohlriechend. Der Wortlaut nennt hundert für die Ausdehnung und dreißig für die Länge; die Formulierung des Maßverhältnisses ist unsicher. Ihm werden Feindbezwingung und Erstarrung zugeschrieben.

3-24. Man meditiere über Jhandin, geschlechtsneutral, mit Rad und Frucht [die Verbindung mit „Gesicht“ ist unklar], mit vier Armen, Muschel und Lotus. Er ist blau wie ein Pfauenhals, schön von Angesicht, trägt eine reine Halskette und verfilztes Haar und duftet nach Lotus. Er reitet auf einem Chakravaka-Vogel; ihm wird umfassende Beeinflussung zugeschrieben.

3-25. Für Nachkommenschaft meditiere man über die weibliche Bhautiki: zweiarmig, auf Garuda, geschmückt und im Feuerkreis, mit Dreizack und Donnerkeil in den Händen, weiß, wohlriechend und mit reinen Halsketten. Ihre Breite und Höhe betragen hundert Kotis.

3-26. Meditiere über Sadya, der Befreiung schenkt: Er durchdringt die Mitte sämtlicher Welten, ist gelb, strahlend und dreiäugig, mit tausend Armpaaren. Im doppelten Feuerkreis fährt er auf einem Stier; seine Glieder sind geschmückt, sein Leib ist männlich und weiblich.

3-27. Bei stärkenden Ritualen ist Anugrahesha zu betrachten: nach weißen Blüten duftend, weiß gekleidet, golden und zugleich blütengleich leuchtend, mit Donnerkeil und Schlinge. Im Erdlotuskreis dehnt sich seine Gestalt über tausend Yojanas aus.

3-28. Möge der Akrura genannte Laut uns schützen: safranfarben, reich geschmückt, mit einer im Text undeutlich bezeichneten doppelten Paarigkeit der Glieder, Wünsche gewährend und mit Lotus in der Hand. Er sitzt auf einem Lotus, bringt Glück und ist zur Befreiung von allem Übel zu meditieren.

3-29. Man meditiere über den letzten Vokal, geschlechtsneutral, im Feuerbereich, mit zwei Händen, schwarzen Gewändern und Salben, drei Augen, Dreizack und Donnerkeil. Er gilt als geeignet für geringere schädigende und Zwietracht erzeugende Rituale; sein Maß beträgt tausend. karagatam bleibt in dieser Beschreibung ohne sicheren Bezug.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Gestalten der Vokale.

3-30. Möge ka uns schützen: mit Donnerkeil und Keule, im Erdkreis, nach Ziege riechend, golden, auf einem Elefanten, unter Brahma und Indra als übergeordneten Gottheiten. Er ist zweiarmig und männlich, trägt verfilztes Haar und gilt als beeinflussend. Sein Umfang beträgt tausend, seine Höhe das Doppelte.

3-31. Möge kha euch schützen: blau wie ein Saphir, mit einer Schlange als heiliger Schnur, weißem und furchtbarem Gesicht und gelbbraunen Füßen. Im Feuerlotus reitet er auf einem Widder; er gilt als reinigend und erstarrend. Sein Maß ist tausend; er trägt Wurfspieß und Lanze. Die Quelle schreibt an der Lautstelle svo; die Zuordnung zu kha ergibt sich aus der Gruppenfolge und bleibt als solche kenntlich.

3-32. Möge ga euch schützen: Auf Schlange und geöffnetem rotem Lotus sitzend, hundert breit und ebenso hoch, freundlich und stärkend, mit Ganesha und Dhanada als Herren, auf einem Schwan und wohlriechend; seine Arme tragen Schlinge und Haken. Die beiden Träger werden wie überliefert nebeneinander bewahrt.

3-33. Man meditiere über gha: tausend im Umfang und ebenso hoch, geschlechtsneutral, auf einem Kamel, zweiarmig, dunkel und Yama zugeordnet, mit Donnerkeil und vortrefflicher Keule. Sein Gesicht befindet sich an beziehungsweise in einem Mörser [unklar]. Er gilt als kraftvoll für Zwietracht und Vertreibung.

3-34. Für Zwietracht meditiere man über Ekarudra: sehr schwarz, Yama als Herrn, sechsarmig, mit Dreizack, Keule, Axt, Lanze, Stab und Schlange, auf einer Krähe und einer Schlange. Er ist eine Koti lang und halb so breit; Füße und Körper sind geschwollen.

3-35. Möge Kurma euch zu umfassendem Gedeihen schützen: weiß, mit Rad, Muschel, Lotus und Zitronenfrucht, geschmückt mit roten, wohlriechenden Girlanden und verfilztem Haar. Er ist Herr der Guhyakas, sitzt im Erdlotus und misst eine Koti.

3-36. Möge Ekanetra euch schützen: auf Makara und Lotus sitzend, sonnengleich, mit Rad, Wasserlotus, Keule und Lotus, göttlich duftend, in weißen Gewändern und Salben, mit Girlanden und reinem Edelsteinschmuck. Er misst eine Koti und gilt als beeinflussend.

3-37. Mögen die beiden friedvollen, mondfarbenen Gestalten euch schützen: aus weißem Lotus und Mond hervorgegangen, mit Frucht, Donnerkeil, Schlinge und Nektargefäßen, jeweils tausend im Maß. Ihnen wird die Abwehr von Ergrauen, Tod und Krankheit, besonders die Besänftigung von Gift, zugeschrieben.

3-38. Für Zwietrachtrituale erkenne man den Sharma genannten Laut: dunkel, unheilvoll, geschlechtsneutral, von böser Gesinnung, auf einer Krähe, ein Diener Yamas, mit vielerlei Eisenschmuck, Dreizack und Axt, tausend im Maß.

3-39. Möge Someshvara euch schützen: mit meeresgleichem Klang, Keule und Donnerkeil, von Schlangen umwunden, zweiarmig und sehr heftig. Er zerstört Feinde und Krankheiten [die Verbindung mit prathama ist unsicher], reitet auf einem Kranich und leuchtet gelbbraun in erhabener Gestalt.

3-40. Möge Langali euch schützen: rein wie der Mond, weiß wie Muschel und Kuhmilch, mit reinen Edelsteinen und Halsketten geschmückt, im Erd-Wind-Lotus, mit Lotus in der Hand, elefantenartig beziehungsweise auf einem Elefanten [unklar], hunderttausend im Maß und als Überwinder allen Giftes verehrt.

3-41. Möge Daruka euch schützen: auf Pferd und Wasserlilie, leuchtend wie eine reife Banane, mit Gold und Edelsteinen geschmückt, viergesichtig, achtarmig und tausend im Maß. Er trägt Lotus, Schlinge, Haken, einen weiteren Lotus und Dreizack und zeigt Furchtlosigkeit und Schenken. Die Quelle nennt für acht Hände keine völlig eindeutige achtgliedrige Attributliste.

3-42. Möge der Ardhanarishvara-Laut euch schützen: im Feuerbereich auf einem Widder, mit Feuer als Gottheit. Er trägt Donnerkeil, Bhushrinthi-Waffe, Bhindipala-Wurfwaffe, Pfeile, Schlinge, Axt, Rad und Bogen; seine hohe Ausdehnung wird mit zehn angegeben.

3-43. Man meditiere über den Umakanta-Laut: mit Dreizack und Axt, auf einem Tiger, stark rauchfarben, drei Gesichter, im Erdkreis, Feinde und Krankheiten zerstörend. Er besitzt Rad, Donnerkeil, Bhushrinthi, Schlinge, Stab und Banner und ist tausend hoch.

3-44. Möge Ashadhin euch schützen: auf einem mächtigen Elefanten, mit Muschel, Axt, Lotus und Schlinge, mit schwerem Duft, tausend im Maß. Indra und Varuna sind seine Herren. Er ist blassrot, geschmückt mit Armreifen, Krone und Brustschmuck und gilt als beeinflussend.

3-45. Möge Dindin euch schützen: auf einem Stier, dunkel, viergesichtig und achtarmig, Wind und Feuer als Herren, eine Koti im Maß. Er trägt Dreizack, Keule, Axt, Lanze, Wurfspieß, Bhindipala, Stab und Speer.

3-46. Möge die Atri genannte Gestalt euch schützen: dunkel, Yama als Herrn, sechsarmig, dreigesichtig, geschlechtsneutral, mit Schlangenarmreifen und Schlangenhalskette. Sie trägt Dreizack, Axt, Schwert, Stab, Donnerkeil und Bhushrinthi, sitzt auf einem Büffel und einem Schädel und misst eine Koti. Der Name ist in der Quelle mit Fragezeichen versehen.

3-47. Möge die mächtige Gestalt euch schützen: auf einer vortrefflichen Antilope, eine Schlange als heilige Schnur, Nirriti als Herrn, sehr braun, mit Schwert, Schlinge, Bhushrindhi und Hammer. Auf dem Lotussitz misst sie vierhunderttausend und zerschlägt furchterregende Feinde.

3-48. Möge der na genannte Laut euch lange schützen: zweiarmig, dunkel, mit Tigerfell als Obergewand, kleiner Trommel und Dreizack, rötlichen Augen und gelbbraunen Gewändern. Er ist tausend ausgedehnt, geschlechtsneutral und reitet auf einer Krähe.

3-49. Möge der Lohita-Laut euch schützen: auf Garuda und Lotus, eine Schlange als heilige Schnur, mit zehn Gesichtern, weißem Leib und zwanzig Armen. Er ist mit Edelsteinen geschmückt, eine Koti im Maß, brahmanisch und gilt als Überwinder verschiedener Gifte.

3-50. Möge Shikhin euer Unheil nehmen: mit Axt und Rad, auf Löwe und Lotus, zehn Kotis weit, zweiarmig, ein Zweimalgeborener, dessen heilige Schnur aus Perlen besteht. Er leuchtet gelbbraun wie Blitz und Feuer und wird für Schutz geschätzt.

3-51. Möge ba euch Glück schenken und euch schützen: auf Wasserlilie und Schwan, sechsgesichtig, Dhanada als Herrn, mit Lotus und Muschel, weißen Gewändern und Salben, rot wie die Bandhujiva-Blüte, zehn Kotis weit.

3-52. Möge die Dvirandesha genannte Gestalt euch schützen: drei Gesichter mit furchtbaren Augen, gelbbraunes Haar, auf einer Hyäne im Feuerkreis, rauchfarben, dreiarmig, geschlechtsneutral, mit Rad, Keule und Dreizack, eine Million weit.

3-53. Der Mahakala-Laut sei euch zum Gedeihen: Er leuchtet wie die aufgehende Sonne und das Feuer am Weltenende. Im verfilzten Haar trägt er den Mond, dazu eine Schädelgirlande. Er hält Dreizack, Axt, Schlange und Feuer; sein Leib ist von Gift erfüllt, sein Sitz ein Lotus.

3-54. Möge ya euch schützen: auf einer Antilope, stark rauchfarben, im Windkreis und selbst windartig, mit einem im Text undeutlich bezeichneten ersten Attribut sowie Keule, Streitkolben und Feuer. Er hat das Maß aller Welten und dient der Vertreibung bei schädigenden Ritualen; rote Gewänder und Salben schmücken ihn.

3-55. Möge Bhujanga euch schützen: wie loderndes Feuer, im Feuerkreis auf einem Lotus, von der Größe aller Welten, auf einem Widder und freundlich. Er zeigt Furchtlosigkeit und Schenken, trägt Lanze und Svastika, weiße Gewänder und angenehmen Duft.

3-56. Möge die tragende und festigende Göttin euch das Erwünschte schenken: auf einem mächtigen Elefanten im Lotus, gelblich, mit Reisähre, goldener Ranke, Donnerkeil und Schlinge, im Erdkreis, geschmückt und ganz gelb, weit wie die Erde.

3-57. Möge die Gestalt aus Milch und Nektar euch zum Gedeihen dienen: weiß wie der Mond, auf Makara und Lotus im Wasserkreis, mit weißem Lotus und Schlinge, weit wie die Welt; ihr wird die Beseitigung mannigfaltiger Leiden durch Gifte und Krankheiten zugeschrieben.

3-58. Möge die Gestalt mit dem Gesicht des Baka-Lautes euch Fülle verleihen: mit weißem Lotus in der Hand, auf einem Lotus sitzend, mit reinen Gewändern und Düften geschmückt, golden, tausend im Maß und mit schönem, üppigem Haarknoten.

3-59. Möge die Shveta genannte, erregende Gestalt euch Glück bringen: saphirblau, auf einer Schildkröte, zweiarmig, mit gelbbraunen Gewändern und Salben, Donnerkeil und Schlinge, tausend im Maß, trunken und mit lachendem Mondgesicht.

3-60. Möge Bhrigu euch das Gewünschte gewähren: hell wie der Mond, mit Donnerkeil, zwei Lotusformen, Schlinge, Schatzgefäß, Kästchen und Rad. Er sitzt auf Schwan und Lotus, ist geschmückt, eine Koti im Maß und hat Dhanada zum Herrn.

3-61. Möge Lakulisha euch schützen: mit weißen Gewändern, Salben und Girlanden, verfilztem Haar und Mond auf dem Haupt, hell und dreiäugig wie Shiva. Er trägt Antilope, Axt und Dreizack, ist weit wie das All und das eigene Wesen des Prana, verbunden mit Shiva und der Bergestochter. Die letzte Verbindung ist im gelieferten Wortlaut grammatisch unsicher.

3-62. Möge der letzte Laut euch schützen: im Lotus des Hauses Indras, auf einem Elefanten, mit Muschel, Donnerkeil, Rad, Schlinge, Haken, Keule, Bhushrinthi, Schwert, Glocke und Schädel. Kshetrapala und Indra sind seine Gottheiten; er ist weltumspannend, gelb, dreiäugig und mit zwei Hauern versehen.

3-63. Die weißen Laute gelten als Brahmanen, die roten als Herrscher, die gelben als Vaishyas und die schwarzen als Angehörige der Shudra-Gruppe. Ob die Laute männlich, weiblich oder geschlechtsneutral sind, ist jeweils aus dem betreffenden Vers zu erkennen. Dies sind historische symbolische Einordnungen des Textes.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Gestalt jedes einzelnen Lautes.

3-64. Langsilben sowie Silben mit Bindu oder Visarga sind metrisch schwer. Auch eine Silbe, über beziehungsweise nach der eine Konsonantenverbindung steht, gilt als schwer. Was davon übrig bleibt, ist leicht: Eine leichte Silbe hat eine Zeiteinheit, eine schwere zwei.

3-65. Die acht metrischen Gruppen heißen ma, ya, ra, sa, ta, ja, bha und na und bestehen jeweils aus drei Silbenpositionen. Die ma-Gruppe hat nur schwere Silben und entspricht der Erde; die ya-Gruppe beginnt leicht und verkörpert Wasser.

3-66. Die ra-Gruppe hat eine leichte Mittelsilbe und Feuer als Gottheit. Die sa-Gruppe ist Wind und endet schwer. Die ta-Gruppe gilt als Raum und endet leicht; die ja-Gruppe hat eine schwere Mittelsilbe und die Sonne als Gottheit.

3-67. Die bha-Gruppe beginnt schwer und hat den Mond als Gottheit. Die achte, na genannte Gruppe besteht nur aus leichten Silben und ist der Himmel. Aus diesen acht, nach schwer und leicht unterschiedenen, weltumspannenden Gruppen der Alphabetlaute entsteht die Sprache.

3-68. Gruppen mit Feuer- und Wassercharakter gelten als Feinde. Wind, Feuer und Raum werden als gegenseitige Freunde bezeichnet; ebenso Wasser und Erde. Wasser, Wind und Raum gelten hier als neutral. Die knappen Zuordnungen ergeben keine widerspruchsfreie vollständige Tabelle; sie werden nicht ergänzt.

3-69. Männliche, weibliche und geschlechtsneutrale Laute haben freundschaftliche Beziehungen, wobei die geschlechtsneutralen eine mittlere Stellung einnehmen. Zwei männliche oder zwei weibliche gelten untereinander als unverträglich. Einem befreundeten Laut ordne man einen befreundeten oder neutralen Laut beziehungsweise eine entsprechende Gruppe zu. Der so gebildete Mantra bezeichnet die Gottheit.

3-70. Wer auch nur eine Gottheit durch einen Mantra vorschriftsmäßig verwirklicht hat, erlangt Anteil an der Vollendung ihrer Mantras mit den zugehörigen Gruppen. Was erst von jemandem zu sagen ist, der vielerlei Mantras kennt oder verwirklicht! Er wird Shiva ähnlich, eine Stätte ihrer Früchte.

3-71. Die Chiffrenfolge „priyaphalakaṭiramyā śrīpriyā rātriranyā khagakulakaṭakastrīpātragarbha“ benennt Alphabetlaute. Man ordne sie den Mondhäusern von Ashvini an zu; das aus der Umwandlung der Vokale hervorgehende Paar gehört zum Mondhaus Pushans. Die Chiffren werden mangels eindeutiger Auflösung unverändert benannt; dies ist keine Rezitationsformel.

Unnummerierter Zusatz nach 3-71: Und der Laut la.

3-72. Mondhäuser mit den durch „kuru, vṛṣa, dadhi“ angegebenen Zahlen gelten als günstig; die mit „go, mitho, asaṃkhya“ bezeichneten sollen Furcht, Tod, Krankheit und Leid bringen. Der von Mutter und Vater gegebene Name und das Geburtsmondhaus sollen miteinander verträglich sein. Die Zahlenchiffren bleiben unaufgelöst; eine erfundene Tabelle würde über den gesicherten Wortlaut hinausgehen.

3-73. Die Chiffren „phala, guru, ruru, śāṇa, śarma, śarva“ bezeichnen die mit Widder beginnenden Zeichen anhand der Alphabetlaute; die mit śa beginnenden sind der weiblichen Zuordnung verbunden [unsicher]. Mit dem Anfangslaut des Geburtsmondhauses und des eigenen Namens prüfe man auch den Anfangslaut des gewünschten Mantras und dessen Mondhaus.

3-74. Auf gereinigtem, mit Kuhdungwasser bestrichenem Boden zeichne man einen Kreisplan mit sechzehn Feldern. In der äußeren Reihe stehen die Tierkreiszeichen; in der Mitte befinden sich Vighnesha, Kshetrapa, Vastvesha und Vidhi. Nachdem man sie verehrt hat, bringe man die Laut- und Tierkreiszuordnungen von Mantra und eigenem Namen miteinander in Beziehung.

3-75. Das erste, fünfte oder neunte Zeichen vom eigenen Zeichen gilt als Verwandter. Das sechste zusammen mit dem zehnten und zweiten gilt als Diener. Das elfte, dritte und siebte wird in den Tantras als Nährer bezeichnet; das zwölfte, achte und vierte als tödlich wirkender Mantra. Die Zahlen elf, drei, sieben und vier sind durch die Zahlwörter Rudra, Feuer, Ton und Veda ausgedrückt.

3-76. Der verwandte Mantra schützt den Menschen. Der als Diener bezeichnete verwirklicht alle seine Ziele. Der Nährer bringt Kraft, Glück, Fülle und Ruhm; der tödlich genannte vernichtet Leben und Besitz.

3-77. In einem mit Isha beginnenden Vier-mal-vier-Lautplan gelten die Laute im Feld des eigenen Namensanfangs als Siddha, die im zweiten als Sadhya, die im nächsten als Susiddha. Die im vierten Feld stehenden sind Feinde und sollen Tod und Leid bringen. Die übrigen werden schnell, langsam durch Japa und Feueropfer oder schon durch Rezitation wirksam. Die kurze Schlusszuordnung ist im Vers nicht für jede Gruppe einzeln ausgeschrieben.

3-78. Man setze zuerst den Namen des angestrebten Gegenstands und danach den Namen des Übenden an, teile durch acht und bestimme aus dem Rest das Rina. Oder man vermehre die Laute des eigenen Namens mit den Lauten des angestrebten Gegenstands, teile durch acht und bestimme das Rina aus der umgekehrten Anordnung. Rina bedeutet hier einen rechnerischen Schuld- oder Verhältniswert; die Operation ist im gelieferten Wortlaut nicht hinreichend eindeutig, um daraus eine verlässliche Rechenanleitung zu machen.

3-79. Indem man die Laute des Namens des Übenden zusammen mit den Mantralauteinheiten nach Siddha und den weiteren Kategorien abzählt, erkennt man diesen Anteil des Mantras.

3-80. Von Westen nach Osten schreibe man die Laute des Mantras und des Namens in eine rechte und eine linke Reihe, jeweils nach Konsonanten und Vokalen getrennt.

3-81. Sind die Lautzahlen des Namens und des Mantras ungleich, schreibe man die betreffenden Laute weiter, bis beide Reihen gleich lang gefüllt sind.

3-82, Anfang. Dann teile beziehungsweise ordne man nach Siddha und den weiteren Kategorien; daraus ist wie zuvor das Ergebnis zu erkennen.

3-82, Fortsetzung. Man schreibe die Lautgruppen der Namen des Übenden und des angestrebten Gegenstands in einer Reihe, nach Vokalen und Konsonanten getrennt. Durch Teilung mit drei erkenne man Feind, Freund und neutral. Ist ein Mantra feindlich, lasse man ihn fallen.

3-83. Einen Laut, der erst durch verbundene Aussprache entsteht, lasse man bei diesen Prüfungen weg,

3-84. ebenso einen zusätzlichen Anusvara, den Zungenwurzellaut und Visarga. So prüfe man die Mantras, wie es im Tattvasagara gelehrt wird.

3-85. Wie beim Anfangslaut prüfe man alle Glieder und vermerke, wie viele Laute in diesem Mantra Siddha und den anderen Kategorien angehören.

3-86. Ein Mantra mit vier Siddha-Lauten trägt den Namen Siddha. Einer ohne Siddha heißt Sadhya; einer ohne feindliche Laute heißt Susiddha.

3-87. Einer ohne Susiddha gilt als Feind. So bilde man vier Klassen. Ein am Ende Susiddha enthaltender Mantra ist für die Vollendung wie eine wunscherfüllende Kuh.

3-88. Ein Mantra ohne feindlichen Anfang, mit einem Siddha- oder Susiddha-Laut am Anfang und ohne feindliche Laute soll alle Wünsche erfüllen. Die Verbindung aśatrurādisiddhaḥ ist nicht eindeutig gegliedert.

3-89. Ein Mantra mit Sadhya am Anfang und Ende ist nur schwer zu verwirklichen. Einen mit einem feindlichen Laut am Anfang, am Ende oder an beiden Stellen soll man nicht üben.

3-90. Selbst gründlich geübt, soll ein solcher noch nach hundert weiteren Geburten schaden. Ein Mantra mit Susiddha am Anfang und Ende ist für den Übenden wie ein wunscherfüllender Edelstein.

3-90 1/2. So prüfe man die Mantras, wie es im Tattvasagara gelehrt wird.

3-91 1/2. Für jeden Laut der Matrka sind Gestalt und weitere Eigenschaften erklärt. Durch Japa und entsprechende Übungen mit ihnen sollen die angestrebten Ziele gelingen. Was sich aus Verbindungen mit den besonderen Lauten der Mantragruppen ergibt, ist insgesamt daraus zu erschließen.

3-92 1/2. Nachdem der Guru den ersten Laut eines Mantras auf vielfältige Weise geprüft und auch dessen übrige Lautgruppen untersucht hat, soll er den mit reinen Lauten beginnenden Mantra geben, mit den weiteren Lauten in entsprechender Verbindung [die Lesung talinetarārṇaṃ bleibt unsicher], je nach der besonderen Eignung des Empfängers.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das dritte Kapitel: „Darstellung des Atemaufgangs sowie der Gestalt und weiteren Eigenschaften jedes einzelnen Matrka-Lautes“. Die kürzere Namensform im Kolophon entspricht der Quelle und bezeichnet hier dasselbe Werk.

Besinnung zum Kapitel

Die astrologischen Prüfverfahren sind an die Voraussetzungen ihrer Überlieferung gebunden. Als allgemein verständliche Anregung bleibt die Mahnung am Kapitelanfang: Lerne sorgfältig, bevor du anleitest. Eine tragfähige Sadhana verbindet Vertrauen mit Verständnis und einem verantwortlichen Umgang mit den eigenen Möglichkeiten.


Samanyapada, Kapitel 4: Mantra-Arten, ihre Glieder und kosmischen Zuordnungen

Die Einteilung der Mantras wird hier vertieft. Das Kapitel erklärt Herz, Kopf, Haarknoten, Schutzpanzer, Augen und Waffe als Glieder des Mantras und verbindet Seher, Versmaß, Gottheit, Bija und Shakti. Mondhäuser, Bäume, Mondtage und Zeitabschnitte erscheinen als weitere Entfaltungen der Matrka.

Kapiteleingang: Nun das vierte Kapitel.

4-1. Mantras sind dreifach: weiblich, männlich und geschlechtsneutral. Die auf svaha endenden sind weiblich, die auf namah endenden geschlechtsneutral, die übrigen männlich. So lehrt Gautama in der Darstellung der Mantra-Anwendung.

4-2. Mit männlichen Mantras vollziehe man Vertreibung, Beeinflussung und Giftabwehr; mit weiblichen Verblendung und mit der zuletzt genannten [weiblichen Endung; der Bezug ist nicht eindeutig] Vernichtung und Ähnliches. Alle übrigen Handlungen vollziehe man mit geschlechtsneutralen Mantras, um die jeweilige Frucht rasch zu erlangen.

4-3. Mantras mit Tara sowie Raum-, End-, Wind- und Feuerlauten gelten als feurig; die übrigen als mild und mondartig. Auch ein feuriger Mantra wird durch die Endung namah mit Milde verbunden; auch ein milder wird durch die Endung phat zum Feuermantra.

4-4. Mit feurigen Mantras werden grausame Handlungen vollendet; mit milden vollziehe man milde Handlungen in der rechten Weise. Mantras mit beiden Merkmalen sind mild und feurig zugleich; mit ihnen könne man alle, sowohl grausame als auch milde Handlungen ausführen.

4-5. Man soll ihr Schlafen und Erwachen, ihre Übungszeit und ihren Standort nach den Unterschieden des Atemlaufs kennen. Die Übungszeit milder Mantras liegt im Mondatem, die feuriger im Sonnenatem.

4-6. Bei Sonnenatem schlafen die milden, bei Mondatem schlafen die feurigen Mantras; ihr Erwachen verhält sich entsprechend umgekehrt. Ein durch beide Seiten gehender Atemlauf ist für beide gleich. Ein schlafender oder gerade erst erwachter Mantra gilt für die Übung nicht als geeignet.

4-7. Man vollziehe Japa zur angegebenen Zeit oder erwecke die Mantras für Japa und Feueropfer. Hat man zur passenden Übungszeit begonnen, beeinträchtigt ein späteres Schlafen während der Handlung deren Ausführung nicht.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Kennzeichen beziehungsweise Geschlechter der Mantras.

4-8. Ein Mantra mit sechs Gliedern hat ein Augen-Glied, einer mit fünf Gliedern keines. Die Gliedermantras beider werden einzeln gegeben. Wo dies nicht geschieht, bilde man sie aus dem Grundmantra mit den langen Vokalen und der im Text durch neun und zehn sowie den Ausschluss eines Lautpaares bezeichneten Ordnung. Die Folge navadaśasvaraiḥ … anṛṇayugalaiḥ ist nicht sicher zu verstehen; eine konkrete Silbenreihe wird daraus nicht ergänzt.

4-9. Wie Sonne oder Feuer durch ihre eigenen Strahlen unbezwingbar und durch hervorragenden Glanz wirksam sind, so wird die Mantragestalt durch ihre zugehörigen Glieder kraftvoll und unangreifbar; sie ist mit ihnen wesensgleich.

4-10. Das Herz ist durch die Buddhi zu erfassen; der Atman wohnt im Herzen. Durch das Herz ist der Mantra bewusst. Was mit bewusster Einsicht getan wird, dem gilt die Verneigung. Deshalb ist das Herz als wichtigstes Glied zu erkennen.

4-11. Der Kopf ist das vornehmste Glied des verkörperten Mantras, erhaben durch die Eigenschaften des Allherrn. Weil er aus eigener Kraft die Gegenstände entzieht [der genaue Bezug ist unsicher], wird das Kopf-Glied mit svaha verbunden.

4-12. Der Haarknoten ist das Handlungsglied der Mantras, denn vashat bewirkt das Gelingen der Opferhandlung. Wie Feuer durch seine Flamme unbezwingbaren Glanz besitzt, so wird vashat dem Haarknoten zugeordnet. Shikha bezeichnet sowohl Haarknoten als auch Flamme.

4-13. Ausgehend von der Wurzel mit der Bedeutung des Ergreifens umfasst der Schutzpanzer den Leib des Mantras. Hum ist seine Feuerkraft; sie soll alles Unheil fernhalten. Daher gehört hum zum Schutzpanzer.

4-14. Durch das Auge sieht der Mantra alles deutlich. Zum Sehen gehört vaushat als Glied; deshalb wird für das Augen-Glied vaushat zur Vollendung genannt.

4-15. Die Waffe heißt Astra, weil sie die Lebenskräfte schützt. Die Erklärung verbindet die Wurzel für Schleudern mit der Wurzel für Schützen: Sie schleudert Unerwünschtes fort und schützt den Mantra. Deshalb lautet die Zuordnung zur Waffe „astraya phat“. Der Text arbeitet hier mit rituellen Wortableitungen.

4-16. Der frühere Lehrer, der die Vorschrift dieses Mantras erkannt und ihn verwirklicht hat, gilt als sein Rishi, sein Seher. Das in den Lauten bestehende Chandas, das Versmaß, wird mit der Darstellung einer vom Wollen bestimmten Bedeutung verbunden. Diese Wortableitung ist sprachlich nicht eindeutig.

4-17. Die Gottheit gewährt das Erwünschte und schützt vor Leid, indem sie göttliches Sein schenkt. Sie heißt Devata und verkörpert das, was der Mantra bezeichnet, wie es im Prapancha gelehrt wird.

4-18. Die Gesamtheit der Mantralaute ist die Gestalt jener Gottheit, deren Wesen Mantra ist. Shakti ist das Bewusstsein, das sie zur Fülle bringt; das sogenannte Bija ist ihre Lebenskraft.

4-19. Wenn jemand ohne Kenntnis von Versmaß und Seher wiederholt, gewährt dies nur eine geringe Frucht. Durch Unkenntnis von Bija und Shakti wird der Mantra leblos; wenn die Glieder nicht eingesetzt sind, rauben die Asura-Scharen die Frucht des Japa.

4-20. „Reiner Vishnu, von irgendeinem Vokal berührt; Feuer, Homa oder Samvartaka; ṭhopovomā [bereits in der Quelle unsicher]; dieser mit dem linken Auge; Khadgin mit Amaresha“: Dies werden als Bijas im Mantra genannt. Die Stelle besteht aus Lautchiffren; ihre sichere Auflösung ist mit dem vorliegenden Wortlaut nicht möglich.

4-21. Oder „mit Ananta, linke Seite, Anfang des Armes, mit linkem Auge, Mesha und Sukshma“: Diese gelten als allgemeine Bijas für alle Mantras, bei denen kein Bija ausdrücklich angegeben ist. Auch diese Folge wird nicht zu einer ungesicherten Rezitationsformel umgebaut.

4-22. Für einen einsilbigen Mantra wird kein davon verschiedenes Götter-Bija genannt; jenseits davon gilt das zuvor Gesagte. Shakti ist Nada zusammen mit Bindu. Ist sie nicht bestimmt, wird der auf das Bija folgende Aja als Shakti bezeichnet. Die Chiffre Aja bleibt unaufgelöst.

4-23. Wenn hinsichtlich Tierkreiszeichen, Namen von Übendem und angestrebtem Gegenstand sowie beider Mondhäuser alles verträglich ist, kann der betreffende Mantra in der angegebenen Weise gelingen. Ein anderer gelingt nicht oder erst nach langer Zeit.

4-24. Bei diesen sieben Mantras muss die Verträglichkeit von Name, Mondhaus und Tierkreiszeichen nicht geprüft werden: Hamsa, der achtsilbige Mantra, der fünfsilbige Mantra, Feuer-Tara, Savitri, Sanjivana und Gopaka. Die Benennungen werden ohne Hinzufügen nicht ausgeschriebener Mantraformeln wiedergegeben.

4-25. Die siebenundzwanzig Mondhäuser werden nach der Aufteilung der Alphabetlaute zugeordnet. Ebenso viele Gottheiten und Bäume gehören dazu. Den Baum des Mondhauses des eigenen Mantras soll man nicht fällen.

4-26. Zur Mehrung des eigenen Lebens soll man ihn wachsen lassen und schützen; zur Vollendung soll man diesen Mantrabaum verehren. Auch die Gottheit, die über das Mondhaus des Mantras herrscht, verehre man, ebenso die aus den Lautgruppen hervorgehenden Planeten an ihrem jeweiligen Wochentag.

4-27. Die Gottheiten sind der Reihe nach: die Ashvin-Zwillinge, Yama, Feuer, Prajapati, Soma, Shiva, Aditi, der von den Göttern Verehrte, die Schlangen, die Ahnen, Aryaman, Bhaga, die Sonne, Vishvakarman, Prana, Indra mit Feuer und Mitra,

4-28. Indra, Nirriti, Wasser, die Vishve Devas, der Radträger Vishnu, die Vasus, Varuna, Aja-Ekapad, Ahirbudhnya und Pushan. Dies sind der Reihe nach die Gottheiten der Mondhäuser.

4-29. Die Bäume heißen der Reihe nach Karaskara, Amalaka, Udumbara, Jambu, Khadira, Krishna und Vamsha, Ashvattha, Nagataru, Rohinaka, Palasha, Plaksha und der mit „amiti“ beginnende „bashtha“ [die letzten Namen beziehungsweise ihre Trennung sind unsicher],

4-30. Bilva, Arjuna, Vikankata, Kesara, Shabara, Sarjaka, Vanjula, Panasa, Arka, Shami, Kadamba, Chuta, Nimba und Madhuka. Dies ist ihre Folge für die Mondhäuser. Die unsicheren Pflanzennamen bleiben ohne spekulative botanische Gleichsetzung.

4-31. Aus diesen Mondhäusern mitsamt ihren Gottheiten gehen die mit Pratipad beginnenden Mondtage der hellen und dunklen Monatshälfte hervor.

4-32. Durch das Zunehmen und Abnehmen des Mondes sind die Mondtage zweifach. Die Gottheiten dieser Tage lauten der Reihe nach:

4-33. Feuer, die Ashvin-Zwillinge, Ambika, Ganesha, die Schlangen, Skanda, Sonne, die Mütter, Durga, die Himmelsrichtungen, der Glücksgeber Kubera, Vaikuntha, Dharma, Rudra und Mond. Kuhu, der Neumondtag, gehört den Ahnen.

4-34. Aus den Alphabetlauten mit Tierkreiszeichen, Mondhäusern und Mondtagen, aus der Entfaltung der Shakti, entstanden in den beiden Monatshälften die sieben mit Bava beginnenden Karanas, Halbtagseinheiten.

4-35. Sie heißen Bava, Balava, Kaulava, Taitila, Garaja, Vanija und als siebte Vishti.

4-36. Sieben Tiere, beginnend mit dem Löwen, sind die Ursprungsformen dieser Karanas: Löwe, Tiger, Eber, Esel, Elefant, Ziege und Hund. Für Esel steht in der IAST-Datei svarebha; die Trennung und Lesung sind unsicher.

4-37. Ihre sieben Gottheiten sind Indra, Brahma, Mitra, Aryaman, Erde, Shri und Yama. Sie sind in den jeweiligen Karanas zu verehren.

4-38. So ist die Entfaltung der Matrka-Laute dargelegt, wie sie im Gautamiya und in den Werken zur Mantra-Erklärung gelehrt wird,

4-39. ebenso im Prapanchasara und gemäß der Lehre Gargas. Dieses ganze Weltall ist offenkundig die Ausbreitung der Matrka-Laute.

4-40. Zuerst entstand aus dem Bindu der Klang; aus dem Klang gingen die sechzehn Vokale hervor, dann die fünf Lautgruppen ab ka und die Laute ab ya, zusammen mit den Körperbestandteilen, den fünf Elementen, den feinen Sinnesqualitäten und den Sinnen. Prakriti mit den Gunas, allgestaltig und als „na“ bezeichnet [Lesung unsicher], ist diese Shakti Vagishvari: Sie ist das ganze All, das man Weltentfaltung nennt.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das vierte Kapitel über die Kennzeichen der Mantras und Weiteres.

Besinnung zum Kapitel

Der Schutz des dem Mantra zugeordneten Baumes in 4-25–26 verbindet spirituelle Zugehörigkeit mit Fürsorge. Eine heutige Anregung kann sein, Dankbarkeit nicht allein auszusprechen, sondern ihr eine konkrete Form zu geben: einen Baum pflegen, einen Lebensraum achten oder eine regelmäßige gute Handlung mit der eigenen Praxis verbinden.


Samanyapada, Kapitel 5: Voraussetzungen und Mittel der Sadhana

Dieses Kapitel behandelt die Verbindung von Namen und Mantras, geeignete Orte und Zeiten, Ritualstoffe und Sitzhaltungen. Es umfasst sowohl friedvolle als auch schädigende historische Ritualformen. Die Darstellungen sind als Quellenübersetzung zu lesen. Für die heutige Yoga-Praxis besonders bedeutsam ist der Schlussgedanke zur inneren Sammlung: Die Beherrschung einer Haltung soll zur Ruhe und Klarheit des Geistes führen.

Kapiteleingang: Nun das fünfte Kapitel.

5-1. Nun werde ich zum Wohl der Übenden die Mittel der Praxis vollständig und einzeln erläutern: die sachgemäße Ausführung vielfältiger Handlungen durch Mantra-Wiederholung, Verehrung, Feueropfer und Weiteres.

5-2. Im Tattvasagara und anderen Werken sind die Verfahren Pallava, Yoga, Rodhana und weitere gelehrt, ebenso die Richtungen, geeignete Orte und Zeiten, verschiedene Stoffe, Tage, Sitze und Feuergruben.

5-3. Pallava, Yoga, Rodhana, Grathana, Samputa und Vidarbhana: So ist die Verbindung bei den Handlungen sechsfach, entsprechend der Verknüpfung von Mantralauteinheiten und den Lauten des Namens des Übenden.

5-4. Ein Mantra, an dessen Ende der Name des Übenden steht, heißt Pallava; steht der Name am Anfang, heißt es Yoga. Steht der Name auf beiden Seiten des Mantras, ist es Rodhana. Bei Grathana wechseln die Laute beider der Reihe nach ab.

5-5. Steht der Mantra auf beiden Seiten des Namens des Übenden, nennt man dies Samputa, Umhüllung. Wenn jeweils ein Namenslaut mit zwei Mantralauteinheiten verbunden wird, ist es Vidarbhana.

5-6. Pallava gilt für die Bezwingung von besetzenden Mächten, Bhutas und Pishachas, für Giftbeseitigung, Vernichtung und Töten, für Vertreibung und Niederwerfung von Feinden sowie das Erzeugen von Zwietracht unter ihnen.

5-7. Rodhana wird für die Verblendung anderer, Yoga für deren Erstarrenlassen genannt; Samputa für das Gewinnen von Menschen. Vidarbha soll Beeinflussung, Besänftigung und Stärkung bringen.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Pallava und die weiteren Verbindungen.

5-8. Für Dharma, Besänftigung und Stärkung ist Osten vorgesehen; die Feuerrichtung, Südosten, für Vertreibung und Fieber; die Richtung Yamas, Süden, für Töten und Verblendung; die Rakshasa-Richtung, Südwesten, für Zwietracht.

5-9. Die Wasserrichtung, Westen, dient Regen und der Besänftigung von Brennen; Nordwesten, die Windrichtung, dem Umherirrenlassen und Erstarren. Norden, die Richtung Dhanadas, ist für Shiva- und Sprachgöttinnenverehrung sowie Beeinflussung vorgesehen; Nordosten, die Richtung Ishas, für Befreiung.

5-10. Für besänftigende Rituale eignen sich Orte bei Shiva in seiner Dakshinamurti-Gestalt oder bei einem westwärts gerichteten Shiva-Heiligtum, Kuhställe, heilige Flüsse, Heiligtümer hoher Gottheiten, Feuerstätten, Häuser von Brahmanen, Wälder und Berge. Die genaue Verbindung der ersten Ortsbezeichnungen ist im Sanskrit knapp und mehrdeutig.

5-11. Die Bereiche an den Wurzeln von Banyan, Pippala und Bilva sind neben den zuvor genannten Orten für glückbringende und stärkende Handlungen gepriesen. Ebenso gelten sie für Anziehung und Beeinflussung als geeignet, ferner das eigene Haus und andere angenehme Orte.

5-12. Man reinige den Boden von störenden Einschlüssen, Klumpen, Asche, Spreu und anderen Mängeln und fülle ihn mit gleichmäßigem Sand und Lehm auf. Er soll spiegelglatt sein und nach Norden beziehungsweise Osten abfallen. ātmamaṣī ist im Wortlaut auffällig; die Stoffliste bleibt an dieser Stelle unsicher.

5-13. Nachdem man die Gottheit des Baugrundes verehrt hat, bestreiche man den Boden mit frischem, noch vor dem Auftreffen auf die Erde aufgefangenem Dung einer gesunden Kuh außerhalb ihrer Zeit nach dem Kalben sowie mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser.

5-14. Dort errichte man dem Vorhaben entsprechend aus reinen Ziegeln, Holz, Balbaja-Gras und anderen opfergeeigneten Materialien ein Übungshaus, eine Halle oder Vergleichbares im gewünschten Danda-Maß.

5-15. Feinster Staubteil, Staubkorn, Haarbreite, Nisse, Laus und Gerstenkorn stehen der Reihe nach im Verhältnis acht zu eins. Eine quer gemessene Gerstenkornanordnung wird im Tantra als Maßfingerbreite bestimmt. Die Formulierung yavakoṭarakoṣṭhakaṃ lässt die genaue Zusammenstellung nicht sicher erkennen.

5-16. Zwölf Maßfingerbreiten heißen eine Spanne. Zwei Spannen nennen Kundige eine Kishku-Elle; vier Ellen sind ein Danda.

5-17. Der Danda heißt auch Dhanus, Bogenmaß; acht Dhanus ergeben eine Rajju. Weitere Maße namens Prajesha, Dhanurmushti und Dhanur werden für Gebäude durch die chiffriert angegebenen Fingerbreiten bestimmt. Die Zahlenchiffre muratārasurāṅgulaiḥ ist unklar; sie wird nicht durch geratene Maßwerte ersetzt.

5-18. Das gerade mittlere Glied des Mittelfingers gilt als persönliche Fingerbreite, Matrangula. Für Gebäude und Vergleichbares nimmt man die zuvor erklärte Maßfingerbreite, für die Geräte der Praxis die persönliche Fingerbreite.

5-19. Man verdreifache die Danda-Zahl von Breite und Länge eines Hauses und teile durch acht. Die Restwerte heißen der Reihe nach Banner, Rauch, Löwe, Hund, Stier, Esel, Elefant und Krähe.

5-20. Hallen in Osten, Süden, Westen und Norden sollen die günstigen Kennzeichen Banner, Löwe, Stier beziehungsweise Elefant haben. Auch bei einem mittleren Gebäude, einem quadratischen oder runden, wähle man entsprechend ein günstiges Danda-Maß.

5-21. Bei unheilvollen Handlungen wie Vertreibung und Töten soll man Gebäude nach den Kennzeichen Krähe, Esel, Hund und Rauch bemessen.

5-22. Die dafür vorgesehenen Hallen werden aus Holz giftiger Bäume, Holz von Leichenstätten sowie anderem unheilvollem und dornigem Holz errichtet; der Boden fällt nach Süden, Südosten oder Südwesten ab. Für schädigende Verfahren werden besonders furchterregende Orte vorgeschrieben.

5-23. Wälder, Verbrennungsstätten, ein einzelnes selbstentstandenes Shiva-Linga, das Haus Karalikas oder das Heiligtum der Büffeldämonenbezwingerin sowie unbewohnte Orte werden für Abhichara, schädigende Rituale, gepriesen.

5-24. Ebenso abgeschiedene, wasserlose Berge, fern vom Klang der Stampfkeulen und den Stimmen von Frauen und Kindern. Für unheilvolle wie heilvolle Handlungen werden Orte verlangt, die frei von Angehörigen ausgegrenzter Gruppen, Eseln, Pferden und Worfelschwingen sind. Die sozialen Ausschlüsse sind historische Vorschriften des Textes, keine heutige Wertung von Menschen.

5-25. An Orten, die Hähne und Katzen aufsuchen, soll Japa oder Feueropfer ohne Frucht bleiben. Witwen, Menschen mit Beeinträchtigungen, als sündig betrachtete Personen und menstruierende Frauen würden nach dieser Vorschrift die Handlung beeinträchtigen. Diese diskriminierende rituelle Einteilung wird als Quelleninhalt wiedergegeben und nicht übernommen.

5-26. Für heilvolle Handlungen gelten Mädchen, treue Ehefrauen, Frauen mit glückverheißenden Merkmalen und Brahmanen als günstig; ebenso die Laute von Kühen, Pferden und Elefanten zusammen mit Muschelhorn, Instrumentalmusik und Gesang.

5-27. Bei schädigenden Ritualen würden dagegen Mädchen und die zuvor genannten Frauen, Witwen und die weiteren Gruppen, die Laute von Kühen und Pferden und vedische Rezitation die Kraft des Verfahrens mindern, besonders alles Glückverheißende am betreffenden Ort.

5-28. Töten und ähnliche Rituale solle man an menschenleeren, besonders verborgenen Orten durchführen, von verschiedenen vertrauenswürdigen Wächtern in nicht zu großer Entfernung geschützt, in Wäldern und anderen zuvor beschriebenen Gegenden, ungesehen von anderen.

5-29. Flüsse und Ströme, die Berge Sahya und Vindhya, besonders ins Meer mündende Flüsse und das Meerwasser sollen, wenn sie dazwischen liegen, die Kraft solcher Verfahren aufheben.

5-30. Man handle an einem sorgfältig geprüften Ort, der der besonderen Absicht entspricht. Wie ein ausgesäter Same dem Ort gemäß zur Frucht heranwächst, so soll auch die Handlung einen passenden Ort haben.

Zwischenabschluss: Abschnitt über den Ort.

5-31. Beeinflussung soll man im Frühling, Zwietracht im Sommer, Vertreibung von Feinden in der Regenzeit und Töten im späten Winter ausführen.

5-32. Der Herbst ist für besänftigende Handlungen besonders geeignet, der frühe Winter für stärkende. Andere sagen, Besänftigung und Stärkung seien auch im Winter oder im Frühlingsmonat möglich.

5-33. Nach Sonnenaufgang entsprechen die ersten beiden Zeitwachen der Reihe nach frühem Winter und Frühling. Die beiden späteren Tageswachen bis zum Tagesende werden Sommer und Regenzeit zugeordnet. Die Formulierung nidāghāhvayamāsau ist verkürzt beziehungsweise beschädigt; die zweite Jahreszeit ist aus dem Zusammenhang erschlossen.

5-34. Die zwanzig Ghatikas nach Sonnenuntergang heißen Herbstzeit; die übrigen Ghatikas bis vor Sonnenaufgang gelten als später Winter. So lehrt es der Tattvasagara.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Zeit.

5-35. Für die tägliche Vorschrift werden weißer Reis, gekochte Nahrung, die fünf Kuhprodukte, Sesam, Blüten, ungebrochene Reiskörner und weiße Duftstoffe verwendet, ferner Palasha, Durva, Gerste, Reis und weitere Getreidearten.

5-36. Bei besonderen besänftigenden Handlungen, beim Feueropfer und Weiterem, verfahre man wie angegeben mit Brennhölzern von Shami, Banyan, Mango, Nitya, Khadira, Udumbara, Marga, Bodhi und Bilva. Einzelne Pflanzennamen sind in der Zusammenschreibung unsicher.

5-37. Bei stärkenden Handlungen sind Joghurt, Honig, Milch, Milchspeise, Ghee, gekochte Opferspeisen, Bilva, Sesam, Reisarten, Früchte, süße Klöße, Zucker, die genannten Blüten und verschiedene Brennhölzer erwünscht.

5-38. Für Beeinflussung werden Salz, Sesam, Senf, vorgeschriebene Hölzer, Blüten, Früchte, Figuren und süße Stoffe genannt, außerdem der Geburtsbaum, Gold, Sandel und gelber Farbstoff.

5-39. Madhu, Indralata, Saha, Bhita, Haripatni, Harilanghita, Subhadra, Musali, Girikarni, Mohanika, Suratali, Utpala, Madala, Lotus und Durva,

5-40. Elefantenbrunstsaft, Shila, die Wurzel des weißen Arka, Kanaka, milchsaftführende Bäume und Stoffe vom eigenen Körper werden für Beeinflussung und Anziehung genannt, ferner Lack, Birkenrinde und Weiteres, wie es die Tantras lehren. Die Stoffnamen werden quellenbezogen, ohne ungesicherte botanische Bestimmung, beibehalten.

5-41. Spreu, Senf, Federn von Krähe und deren Feind, Dandi, Visha, Nimba und Matulunga, dazu Stoffe von Büffel und Pferd, Wasser und Lackextrakt werden als Mittel für Zwietracht genannt. Die Verbindung mahiṣāśca jale ist textlich unklar.

5-42. Eine verriebene Verbindung von Phani, Surana, Chitra, Salzklumpen, Kanaka, Wasser, Hausrauch und Koshana wird als Gift bezeichnet und für Zwietracht und Tötungsrituale gegen Feinde bestimmt. Die Identität und Trennung mehrerer Stoffnamen ist ungesichert; keine praktische Rezeptur wird daraus abgeleitet.

5-43. Ein Krähennest auf einem Nimba-Baum, auf einer Leichenstätte gefundene Kleidung, Kohlen und Erde, Nagadaruka, Markatika, Dandi sowie Menschenhaare, Knochen und Ähnliches werden für Vertreibung genannt.

5-44. Zum Umherirrenlassen werden Pishacha-Baum, Nimba, Asita, Unmatta, Kalangali und Shana genannt; für Krankheit Chitraka, Dandi, Shalmala und weitere Stoffe sowie Visha, Bhallata und Vibhitaka. Der zusammengesetzte Ausdruck vor Unmatta bleibt unsicher.

5-45. Giftbaum, Gift, Ziegen-Ghee, Schlangen, Menschenschädel, Knochen, Früchte, Holz von Heiligtümern oder Grabstätten, schwarze Gewänder, Senf und Weiteres sowie Nägel, Haare und Fußstaub der Zielperson,

5-46. ferner die undeutlich überlieferte Folge „dvikaśātnavakāka“, rote und gelbe Blüten, Blutblumen und rote Duftstoffe, Figuren aus dem Geburtsbaum und Ähnlichem sowie scharfe und heiße Stoffe werden für Tötungsrituale genannt. Der Anfang der Stoffliste ist nicht zuverlässig zu übersetzen; die Lücke bleibt örtlich ausgewiesen.

5-47. Spreu, Senf, gelbe Düfte und Blüten, scharfe oder heiße Flüssigkeit, Nisha, Stoffe von Ziege und Büffel, schlechte Tuchfetzen, Kokilaksha, Chakrin und Erde sind die genannten Mittel des Erstarrens. Die genaue Trennung der mittleren Stoffgruppe ist unsicher.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Stoffe.

5-48. Für besänftigende Handlungen eignen sich die Mondtage von Sonne, Schlangen, dem Selbstgeborenen und den Ashvins, die Abschnitte und Wochentage günstiger Planeten sowie die Mondhäuser unter Shiva, den Ashvins, Vishnu, Indra, Sonne, Pushan und Aditi.

5-49. Die Mondtage der Bezwingerin des Büffeldämons, Ganeshas und Yamas, ferner Wochentage, Aufgänge und Abschnitte von Mond und Jupiter sowie die Mondhäuser von Guru, Vishnu, Mond und Bhaga gelten als erfolgreich für stärkende Rituale.

5-50. Der neunte Mondtag, die Tage von Vishnu, den Müttern, den Richtungen und Guha, die Wochentage von Venus, Mars und Sonne sowie Siddha-Konstellationen in Verbindung mit Sonntag und Pushya werden für Beeinflussung und Anziehung genannt.

5-51. Der neunte Mondtag und die Mondtage von Mond, Müttern und Feuer, die Wochentage von Venus, Mars und Sonne sowie mit Yama, Feuer, Shiva und den Schlangen beginnende Zuordnungen sollen Zwietrachtrituale vollenden.

5-52. Ein dunkler Tag und eine dunkle Abendzeit, der achte und vierzehnte Tag der dunklen Monatshälfte sowie die Mondhäuser von Shiva, Feuer, Yama, Schlangen und Wind sollen Vertreibungsrituale vollenden.

5-53. Der vierzehnte Tag der dunklen Monatshälfte, Neumond und der dunkle achte Tag, verbunden mit Samstag, Sonntag und Dienstag, mit Gulika oder Sthavira, mit den Mondhäusern von Yama und Wasser sowie den Aufgängen von Mars und Saturn, werden für Tötungsrituale genannt.

5-54. Das achte Zeichen von dem des Feindes, dessen Naidhana-Mondhaus sowie die als zerstörend bezeichneten und durch die Wegzahl bestimmten Positionen gelten in Verbindung mit Wochentagen und Aufgängen von Mars und Saturn als erfolgreich für Abhichara. Die mathematische Einzelzuordnung von mārgasaṃkhyamāni ist nicht sicher.

5-55. Mars, Venus, Merkur, Mond, Sonne, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Saturn und Jupiter sind der Reihe nach die Herren der Viertel der mit Ashvayuj beginnenden Mondhäuser und zugleich der mit Widder beginnenden Tierkreiszeichen.

5-56. Mars, Sonne, Jupiter, Saturn, Venus, Merkur, Venus, Saturn, Merkur, Mond, Mars und Jupiter herrschen in dreifacher Ordnung über die mit Widder, Löwe beziehungsweise Schütze beginnenden Zeichen.

5-57. Am Tag Jupiters oder Saturns, bei deren Abschnitten, Mondhäusern und Unterabschnitten sowie einem Rikta-Mondtag, wird die Konstellation Sthavira genannt. Sie gilt als geeignet für Verfahren zur Vernichtung von Feinden, Krankheiten und Lautkräften. Der letzte Bestandteil arṇa ist als Laut überliefert; sein Bezug bleibt unsicher.

5-58. Man teile den Tag in acht Teile. Der erste und der letzte gehören dem Tagesplaneten; die sechs übrigen Planeten erhalten der Reihe nach je eine halbe Wache. Der dem Saturn gehörende Abschnitt ist Gulika. mokṣyati ist im Satz auffällig; die Verteilungsangabe ist entsprechend dem Zusammenhang wiedergegeben.

5-59. Der achte Abschnitt über achtzig hinaus, gerechnet vom Abschnitt des Geburtsmondhauses, heißt Vinashaka, der Zerstörende. Das siebte Mondhaus vom eigenen heißt Naidhana. Die Rechenvorschrift des ersten Halbverses bleibt im gelieferten Wortlaut unklar.

5-60. Die vom eigenen Mondhaus aus durch „Sonne, Wasserträger“ beziehungsweise die undeutliche Folge ravitodadhigra bezeichneten günstigen Sterne sind für heilvolle Handlungen gepriesen. Solche Handlungen soll man bei den mit „rāgadhāmā“ bezeichneten sowie dem zweiten und elften Zeichen vom eigenen ausführen. Die Chiffren sind nicht vollständig auflösbar; die beiden ausdrücklich erkennbaren Positionszahlen werden wiedergegeben.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Tage.

5-61. Wer unterwegs in einem Fahrzeug ist, auf einem Reittier sitzt, auf einer Vorrichtung steht, unrein ist oder mit dem Geist an Sinnesgegenständen hängt, erlangt nach dem Text nicht die Frucht von Japa, Feueropfer und ähnlichen Handlungen.

5-62. Der Sitz soll weder zu niedrig noch zu hoch sein, nicht mit unreinem Fell oder unreiner Decke bedeckt, nicht aus unheilvollem Holz, nicht zerbrochen oder verbrannt und nicht mit menschlicher Ausscheidung, Speiseresten oder Schmutz befleckt. nṛjala ist in dieser Aufzählung nicht ganz eindeutig.

5-63. Günstig sind Matten aus Kusha und Darbha, breite Bretter von heiligen Bäumen, geeignete Felle von Hyäne und Antilope sowie Sitze aus gutem Metall oder Elfenbein. Die Bestimmung sakaṣāya bleibt unsicher. Die Nennung tierischer Materialien ist eine historische Vorschrift.

5-64. Geräumige Sitze, gleichmäßig mit weißem, sauber gewaschenem Stoff bedeckt, dienen dem Gelingen milder Handlungen. Für unmilde Handlungen werden Sitze aus Giftbaumholz und Ähnlichem genannt. Ein Pluszeichen in der Quelle markiert eine örtliche Textstörung.

5-65. Man setze sich auf den Sitz und bringe die großen Zehen drückend zwischen die Knie; Rumpf, Hals und Blickrichtung seien gerade ausgerichtet. Dies heißt die sitzende Svastika-Haltung.

5-66. Legt man beide Füße oben an die Ansätze der Oberschenkel und sitzt wie zuvor aufrecht, heißt dies Padma, Lotussitz. Seine Umkehrung wird Bhadra genannt. Die Quelle erklärt hier nicht genauer, worin die Umkehrung besteht.

5-67. Man lege den rechten Fuß auf den Oberschenkel und den rechten Oberschenkel auf den linken Fuß und sitze wie zuvor fest. Dies nennt man Yogasana, die das Erwünschte verleihende Haltung. Die knappe Anordnung der Beine bleibt ohne ergänzende moderne Asana-Identifikation.

5-68. Drückt man den Genitalbereich mit linkem Unterschenkel beziehungsweise Fußknöchel, stützt Gesäß und Oberschenkel darauf und legt rechten Oberschenkel und rechtes Knie darüber, sitzt der Yogi in Gomukhasana.

5-69. Man sitze auf einem Brett oder Ähnlichem, lege den rechten Fuß angewinkelt an und setze den linken Fuß auf die Erde, dessen Unterschenkel aufrecht steht. Dies heißt Ardha-Svastika, halbe Svastika-Haltung.

5-70. Man sitze auf dem Sitz, stelle beide Füße auf die Erde, halte die Unterschenkel miteinander verbunden und die Knie wie einen gleichmäßigen Torbogen. Die Hände ruhen darauf; ein Yogaband hält die Stellung. Dies ist Virasana.

5-71. Ruht man mit beiden Füßen auf dem Boden, ohne Brett oder anderen Sitz, und hält Oberschenkel und Unterschenkel wie einen gleichmäßigen Torbogen, heißt dies hier Utputika oder Kukkuta.

5-72. Für die Beherrschung der Atemkräfte und Sinne, für Befreiung vom Werden, feste Konzentration und Samadhi ist der Lotussitz erwünscht. Bhadra gilt als hilfreich für tägliche und stärkende Handlungen.

5-73. Für alle besänftigenden Handlungen und für Abhisheka wird Svastika genannt. Bei besänftigendem Japa, Feueropfer und Verehrung gilt auch Ardha-Svastika als erwünscht.

5-74. Für Sakalikarana, die Einsetzung der Mantraglieder, für die Einheit mit der eigenen Gottheit, für Japa, Samadhi und Hamsa-Yoga sowie für die Betrachtung der höchsten Wirklichkeit wird Yogasana bevorzugt, insbesondere wenn der Guru vor einem sitzt.

5-75. Für den Sieg über ein Heer und dessen Aufhalten, für Erstarrung und die Bezwingung von Geistermächten, für Beeinflussung oder Anziehung wird Virasana zur raschen Vollendung genannt.

5-76. Kukkuta wird für Krankheit, Zwietracht, Vertreibung und Verwirrung der Feinde angegeben. Bei Tötungsritualen gilt die Parshni genannte Haltung, auch als halbe Kukkuta bezeichnet. Die Quelle liest ruci an der Stelle, die der Zusammenhang als Krankheit erwarten lässt; diese Unsicherheit bleibt bestehen.

5-77. Für die Beherrschung der Atemkräfte, die Besänftigung eigener Störungen und das Anhalten eines Heeres wird auch Gomukha genannt; für die Anziehung von Frauen der Lotussitz. Man nehme eine Haltung, die man beherrscht, versteht und vom Guru gelehrt bekommen hat.

5-78. Die Frucht einer solchen Beherrschung der Sitzhaltungen ist durch Einpünktigkeit die Klarheit und Ruhe des Geistes. Denn der Geist ist die Ursache von allem. Ist er unter der eigenen Führung – was wäre dann nicht bezwungen?

5-79. Das später beschriebene Wasser-Mandala eignet sich für Besänftigung, das Erd-Mandala für alle täglichen und stärkenden Rituale. Das Wind-Mandala gilt für Zwietracht und Vertreibung, das Feuer-Mandala für Beeinflussung und Anziehung; für Erstarrung das Erd-Mandala, für Besänftigung und Stärkung auch das Indra-Mandala.

5-80. Tötungsrituale werden in einem mit dem Donnerkeil bezeichneten, vom Wind umgebenen Mandala oder in einem vom Feuer umschlossenen Sechseck vollzogen. Auch besänftigende und beeinflussende Handlungen werden genannt. Der Bezug des letzten Satzteils auf die beiden Formen ist nicht eindeutig; es wird keine fehlende Zuordnung ergänzt.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Sitz und weitere Grundlagen.

5-81. Nachdem der Übende all dies vollständig und ordnungsgemäß von einem im Wissen ausgezeichneten Guru verstanden hat, soll er gesammelt die jeweiligen Handlungen ausführen, mit einem verwirklichten Mantra und gefestigtem Selbst. Was er um des eigenen oder fremden Wohles willen zu tun hat, das vollzieht er und erfährt seine Frucht in dieser Welt, von der entsprechenden Gewissheit erfüllt.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanashivagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das fünfte Kapitel über die Mittel der Praxis.

Besinnung zum Kapitel

Nicht die äußere Schwierigkeit einer Haltung steht am Ende im Mittelpunkt, sondern die Sammlung des Geistes. Für die heutige Meditation kann eine sichere, bequeme Sitzweise genügen, in der Aufmerksamkeit und Ruhe wachsen. Vers 5-78 gibt dafür einen besonders klaren Maßstab: Eine Haltung dient der Praxis, wenn sie den Geist sammelt und aufhellt.


Heutige Puja. Das Bild veranschaulicht Verehrung, nicht die historische Ausführung eines bestimmten Kapitels.

Moderne Begleitung: Nyasa – Verehrung und Darbringung des Körpers

Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.

Samanyapada, Kapitel 6: Feuergruben und Mandalas

Das Kapitel erklärt die geometrische Anlage von Feuergruben und Ritualbildern. Ausgangspunkt ist ein aus Schnüren konstruiertes Quadrat. Daraus entstehen Kreise, Lotusformen, Tore, Linga-Anordnungen und verschiedene Mandalas. Die Maß- und Farbvorschriften werden als historische Ritualgeometrie wiedergegeben. Wo die knappe Vorlage keine sichere Konstruktion erlaubt, bleibt die örtliche Unsicherheit benannt.

Kapiteleingang: Nun das sechste Kapitel.

6-1. Nun werde ich die in den verschiedenen Tantras bekannten Feuergruben und Mandalas einzeln in ihren wichtigsten Formen geordnet zusammenfassen.

6-2. Die viereckige Grube dient Besänftigung und Stärkung; die runde und die einer Yoni ähnliche der Beeinflussung. Für Anziehung nimmt man eine Grube in Gestalt eines Pippala-Blattes, für Erstarrung eine achteckige, für Verwirrung eine sechseckige.

6-3. Mit Donnerkeilzeichen versehene, drei- beziehungsweise sechseckige Gruben werden für das Töten und Vertreiben von Feinden genannt. Bei der Weihe von Lingas und Gottheiten lege man die verschiedenen Gruben in den Richtungen an. Die erste zusammengesetzte Formenangabe ist nicht eindeutig gegliedert.

6-4. Im Tempel, in der Halle oder im Haus, wo die Handlung ausgeführt wird, wähle man einen gereinigten und mit Kuhdung bestrichenen Platz.

6-5. Man spanne in der Mitte eine Schnur von Westen nach Osten, schlage damit eine Linie und markiere ihren Mittelpunkt. Westlich und östlich davon setze man mit der Schnur gleich weit entfernte Punkte.

6-6. Auch diese beiden Schnurstrecken teile man gleichmäßig und markiere sie. Mit einer Schnur, deren Maß durch die östliche, westliche und mittlere Markierung bestimmt ist, zeichne man durch gleichmäßiges Schwenken nördlich und südlich vom Mittelpunkt zwei fischförmige Überschneidungen.

6-7. Durch diese lege man eine von Süden nach Norden verlaufende Schnur.

6-8. So bestimme man die Brahma genannte Schnur und die Nordschnur. Vom Mittelpunkt aus markiere man in den vier Richtungen mit einer Schnur das gewünschte halbe Feldmaß. Von je zwei dieser Punkte aus erzeugen zwei Schnüre die fischförmigen Ecküberschneidungen.

6-9. Durch diese fischförmigen Schnittfiguren lege man ringsum Schnüre in den Richtungen.

6-10. So entsteht ein gleichmäßiges, günstiges Quadrat aus vier Feldern: die gemeinsame Grundlage aller Mandalas und Feuergruben.

Zwischenabschluss: Konstruktion des Quadrats.

6-11. Als Grubenformen gelten zuerst das Quadrat, dann Pippala-Blatt und Halbmond, ebenso Dreieck, Kreis, Sechseck, Lotus und Achteck.

6-12. Für fünfzig Opfergaben genügt ein Ratni-Maß, für hundert ein Aratni-Maß. Für tausend nimmt man eine Elle, für zehntausend zwei Ellen.

6-13. Für hunderttausend Opfergaben misst die Grube vier Ellen, für eine Million sechs Ellen und für zehn Millionen acht Ellen, wie in der Paddhati Bhojas gelehrt.

6-14. Bei allen Gruben entsprechen Länge und Breite dem angegebenen Maß; die Tiefe soll der Breite gleich sein. Darüber werden der Reihe nach drei Umrandungen angelegt.

6-15. Die Ausgrabung soll überall gleichmäßig sein. Oberhalb lasse man auf allen vier Seiten eine Fingerbreite frei und errichte dann die drei Umrandungen.

6-16. Beim Ratni-Maß misst die erste Umrandung zwei Fingerbreiten, die zweite eine, die dritte eine halbe. Beim Aratni-Maß werden sie mit drei, zwei und einer persönlichen Fingerbreite angelegt. Der Versanfang stnipramāṇe ist beschädigt; Ratni ergibt sich aus dem Zusammenhang.

Unnummeriertes Zitat Bhojarajas nach 6-16: „Bei der Grube im Hasta-Maß ist die erste Umrandung zwei Fingerbreiten, die zweite eine und die dritte eine halbe; beim Aratni-Maß sind es drei, zwei und eine Fingerbreite.“ Das zitierte Hasta-Maß weicht von der folgenden Angabe ab und wird nicht angeglichen.

6-17. Bei einer Elle betragen die Umrandungen der Reihe nach vier, drei und zwei Fingerbreiten; bei zwei Ellen sechs, vier und drei.

6-18. Bei vier Ellen sind es acht, sechs und vier; bei sechs Ellen zehn, acht und sechs; bei acht Ellen sechzehn, zwölf und acht Fingerbreiten.

6-19. Bei allen Gruben sind die Umrandungen jeweils gleich breit und hoch. Sie laufen gleichmäßig herum, ohne Vertiefungen oder Erhöhungen.

Unnummeriertes Zitat Bhojarajas nach 6-19: „Bei allen Gruben sind die drei Umrandungen der Reihe nach entsprechend der Größe der Grube anzulegen.“

6-20. Westlich oder auch südlich der Grube bilde man die Yoni, die Rinne, mittig über allen Umrandungen.

6-21. Bei der Ratni-Grube ist die Yoni zwölf Fingerbreiten lang; ihre Breite beträgt vom Ansatz zur Spitze der Reihe nach acht, vier und zwei Fingerbreiten. Sie ist eine Fingerbreite hoch und hat eine deutlich vortretende Spitze.

6-22. Bei den Gruben von Aratni an vergrößert man Länge und Breite der Yoni jeweils um zwei Fingerbreiten.

Unnummeriertes Zitat Bhojarajas nach 6-22: „So bei der ersten Grube. Bei den übrigen ist die Yoni jeweils um zwei Fingerbreiten größer anzulegen.“

Unnummeriertes Zitat aus der Manjari zur Grube von einer Elle: „Sie liegt eine Spanne lang im Westen, gleicht einem Pippala-Blatt und senkt sich allmählich. Nabel beziehungsweise Ansatz haben der Reihe nach zehn und sechs Fingerbreiten; die gerundete Spitze misst vier Fingerbreiten.“ Die Maßbezüge des zweiten Halbverses bleiben unsicher.

6-23. Für tägliche und besänftigende Rituale ist die Grube quadratisch oder rund. Andere erklären Quadrat und Kreis als für alle Wünsche geeignet.

6-24. Man markiere westlich außerhalb der Begrenzung einen Viertelanteil. Mit der daran bemessenen, innen befestigten Schnur zeichne man beiderseits Bögen durch die Felder; zwischen Mitte, Diagonalen und den früheren Eckpunkten schlage man die entsprechenden Schnurlinien. Daraus entstehe die Yoni beziehungsweise Pippala-Blatt-Grube. Die räumlichen Bezüge der knappen Vorschrift sind nicht vollständig gesichert.

6-25. Man teile das Quadrat in vier Anteile und lasse den letzten im Norden weg. Mit diesem Maß markiere man außerhalb Punkte im Osten und Westen.

6-26. Ebenso verfahre man im Süden. Durch Schwenken der in der Mitte befestigten Schnur zwischen beiden entsteht eine schöne halbmondförmige Grube.

6-27. Am viergeteilten Quadrat trage man einen Seitenanteil außerhalb des westlichen Punktes ab. Durch beidseitiges Schwenken der an Mitte und Westpunkt befestigten Schnur entstehen zwei Fischfiguren. Verbindet man diese und den östlichen Punkt mit drei Schnüren und gräbt entsprechend aus, entsteht die Dreiecksgrube.

6-28. Oder man nehme den zuvor bestimmten Sechstelanteil und lege zwei Schnüre zum südwestlichen und nordwestlichen Ende: Auch so entstehe ein Dreieck. Die Lage des Sechstelanteils bleibt knapp bezeichnet.

6-29. Eine am Mittelpunkt befestigte Schnur werde bis zwei Fingerbreiten außerhalb der östlichen Seite im Kreis geführt: So entsteht die schöne runde Grube.

6-30. Man trage außerhalb des Quadrats im Osten und Westen je einen Sechstelanteil ab, befestige die Schnur in der Mitte und schwenke sie gleichmäßig zu beiden Seiten. So entstehen außen vier Fischfiguren. Durch diese und die nördlichen und südlichen Markierungen gelegte Schnüre ergeben die sechseckige Grube.

6-31. Bei der Kreisgrube bilde man acht Lotusblätter über der Umrandung, jedes von halber Grubenlänge; die Mitte ist ihr Fruchtboden.

6-32, Anfang. Führt man dies entsprechend der Lotusbeschreibung aus, entsteht eine Lotusgestalt.

6-32, Fortsetzung. Mit den durch „Sonne“ und „Glieder“ bezeichneten Anteilen schwenke man Schnüre innen und außen rings in den Richtungen. Je zwei erzeugen in jeder Richtung eine Fischfigur; die durch sie gelegten Schnüre ergeben die achteckige Grube. Eine weitere Konstruktion verwendet halbe Richtungsschnüre, einen Fünftelanteil und acht Fischfiguren. Teilweise sinngemäße Wiedergabe: Die zweite Konstruktion ist im vorliegenden Wortlaut nicht hinreichend eindeutig; die erkennbaren Maß- und Konstruktionsangaben sind wiedergegeben.

6-33. In einem kreisförmigen Feld von fünfzehn Fingerbreiten bilde man Abschnitte von je drei Fingerbreiten und zeichne fünfzehn Linienanteile; die Abstände der Ecken betragen drei Anteile.

6-34. Vom Mittelpunkt aus lege man fünf Schnüre von je zwölf Fingerbreiten. Gleichmäßig durch die Seitenmitten geführte Schnüre ergeben die Verbindungen zwischen je zwei Ecken.

6-35. Mit dem Schnurmaß vom Mittelpunkt bis zum Eckende zeichne man einen Bogen aus dem Viertel des Feldes und schwenke dann die im Mittelpunkt befestigte Schnur; so entstehen fünf Verbindungen. Die präzise Lage der Bogenmittelpunkte bleibt unklar.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die fünfeckige Grube.

6-36. Man konstruiere ein Quadrat und teile es auf jeder Seite in sechzehn Abschnitte; daraus entstehen zweihundertsechsundfünfzig Felder.

6-37. In dessen Mitte zeichne man mit sechs mal sechs Feldern einen Lotus. Eine äußere Reihe bildet den Sitz, zwei weitere Reihen den Umgang. In zwei weiteren Reihen entstehen in Haupt- und Zwischenrichtungen Tore, Hälse und Nebenhälse, Wangen und Nebenwangen; die Ecken liegen im Südwesten, Nordwesten, Südosten und Nordosten.

Unnummerierte Erläuterung nach 6-37: „Manche bezeichnen Hals und Nebenhals sowie Wange und Nebenwange auch als Schmuck und Nebenschmuck.“

6-38. Man lasse im Lotusfeld die Richtungsschnüre bestehen und entferne die übrigen. Einen Zwölftelanteil außen spare man aus; mit dem Rest zeichne man den Kreis.

6-39. Man teile das Kreisfeld vierfach und schwenke die Schnur der Reihe nach gleichmäßig. So entstehen die Grenzen von Fruchtboden, Staubfäden, Blattansätzen und Blattenden.

6-40. Den zuvor ausgesparten Zwölftelanteil zeichne man außen herum. Dieses fünfte, Raum genannte Feld bildet den Bereich der Blattspitzen.

6-41. Man spanne zwei Diagonalschnüre und vier weitere zwischen Ecken und Richtungen. So entstehen sechzehn Schnurstrahlen.

6-42. Für die Blattform befestige man die Schnur in der Mitte der Blattansätze, bemesse sie bis zum Blattende und schwenke sie zwischen den beiden Blattzwischenräumen. Die entstehenden Mondsichelbögen bilden das Blatt.

6-43. Halbiert man die Zwischenräume der sechzehn Lotusschnüre mit weiteren Schnüren, entstehen am Blattspitzenkreis zweiunddreißig gleichmäßige Strahlen.

6-44. Man befestige eine Schnur am Endpunkt der seitlichen Linie neben der Blattspitzenlinie und führe sie zeichnend von ihrem Ansatz zum Ende der Blattspitzenlinie. So entsteht eine schöne Blattspitze.

6-45. Weißes Pulver gewinnt man aus Reismehl, kräftiges Gelb aus Kurkuma mit etwas Weiß. Rot entsteht aus Saflor, Zinnober oder rotem Mineral; dunkles Pulver aus verbrannter Gerste und Ähnlichem.

6-46. Grünliches Pulver wird aus den opfergeeigneten Blättern von Shami, Lotus, Bilva und anderen Pflanzen gewonnen. Man kann Mandalas auch mit entsprechend gefärbten Körnern füllen.

6-47. Wer die Mittel besitzt und höchste Vollendung begehrt, fülle die Mandalas mit Edelsteinen der betreffenden Farben: Perlen, gelben Steinen, Rubinen, Saphiren und grünen Edelsteinen.

Unnummeriertes Wort Bhojarajas nach 6-47: „Bei solchen Pulvern soll, wer Vollendung begehrt, entsprechend mit Perlen, Korallen und anderem verfahren.“

Unnummerierte Maßvorschrift: „Alle Linien seien überall weiß und so breit wie der Mittelfinger. Bei zwei Ellen seien sie daumenbreit, bei einer Elle ringfingerbreit. Bei zwei Ellen daumenbreit, bei einer Elle mittelfingerbreit.“ So lehren andere. Die beiden Angaben für eine Elle unterscheiden sich in der Quelle und bleiben nebeneinander erhalten.

6-48. Der Fruchtboden in der Mitte sei kräftig gelb; darin liegen neun dunkle Samenpunkte. Zwischen die Blätter zeichne man jeweils zwei Staubfäden mit leicht gekrümmter Spitze.

6-49. Am Ansatz sind sie schmal und gelblich, in der Mitte dick und rot, am Ende wieder schmal und gelb, ganz an der Spitze etwas weiß.

Unnummeriertes Wort Bhojarajas nach 6-49: „Das Staubfadengeflecht ist an Ansatz, Mitte und Spitze gelb, rot und weiß.“

6-50. Man bilde die acht Blätter weiß, gleichmäßig und mit schönen erhöhten Spitzen für weltliche Erfüllung; für Befreiung wie gefaltete Hände. Bei der Verehrung Kamas und Ähnlichem sollen sie scharfe Spitzen haben.

Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 6-50: „Alle Blattspitzen soll man rot gestalten.“

6-51. Für Gauri, Sarasvati und andere Göttinnen gleichen die Blätter Pippala-Blättern; für die Vidyeshvaras und die Planeten sollen sie Spitzen wie Kuhohren haben.

6-52. Für die Hüter der Richtungen und die Gruppenherren von Nandin an sind die Spitzen abwärts gerichtet; für Ganesha, Brahma, Vishnu, Sonne, Skanda und weitere Gottheiten werden sie wie bei Shiva gestaltet.

6-53. Die Blattzwischenräume fülle man mit feinem grünlichem Pulver, die Winkel zwischen Lotus und Sitz rot.

6-54. Der Sitz erhält weiße, rote, gelbe und schwarze Füße und dunkle Zapfen; seine vier Körperteile seien verschiedenfarbig oder nach Wunsch gefärbt.

Unnummeriertes Zitat aus dem Tattvasagara nach 6-54: „Am Sitz tilge man in den Richtungen jeweils zwei Felder, an den Ecken jeweils drei.“

6-55. Den Umgang schmücke man mit Rankendächern, Blättern und Ähnlichem. Außerhalb fülle man die vier Tore in den Richtungen weiß.

6-56. Für ein Tor entferne man in der inneren Reihe je ein Feld auf beiden Seiten der Richtungslinie, in der äußeren je zwei: So werden in jeder Richtung sechs Felder zusammengefasst.

6-57. Seitlich der inneren Tore entferne man jeweils drei Felder und verbinde sie; zur Ausbildung des Schmucks kommt außen je ein Feld hinzu.

6-58. So entstehen acht Hälse und Nebenhälse von jeweils vier Feldern. Seitlich davon bilden sich entsprechend Wangen und Nebenwangen mit entgegengesetzter Ausrichtung.

6-59. An den Ecken bleiben jeweils sechs Felder. Für Befreiung zeichne man dort zur Vollendung der Ecken Stiere.

6-60. Man fülle die Ecken dunkelblau und zeichne die Zweige weiß.

6-61. Hälse und Nebenhälse fülle man rot, Wangen und Nebenwangen gelb, so dass der Boden nicht sichtbar bleibt. Das Wort abhau ist in der Quelle unsicher markiert.

6-62. Außen zeichne man ringsum die drei Gunas Sattva, Rajas und Tamas in der genannten Reihenfolge: weiß, rot und schwarz, daumenbreit und mit Zwischenräumen von einer halben Gerstenkornbreite.

Zwischenabschluss: Abschnitt über das Bhadraka-Mandala.

6-63. Bei einem achtfach geteilten Quadrat mit vierundsechzig Feldern zeichne man in den vier mittleren Feldern Lotus und Sitz.

6-64. Eine äußere Reihe bildet den Umgang. In den zwei weiteren Reihen der vier Richtungen entstehen durch Zusammenfassen von jeweils vier Feldern die gleichmäßigen weißen Tore.

6-65. Seitlich der Tore verbinde man in der äußeren Reihe jeweils ein Feld mit dem Tor und tilge die Trennlinie: So entstehen Hals und Nebenhals.

6-66. Man lasse an den Ecken je ein Feld stehen. Aus den übrigen, jeweils fünf zusammengefassten Feldern entstehen vier Wangen und ebenso viele Nebenwangen.

Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 6-66: „Die Wange ist dabei das von Osten nach Westen langgezogene Feld; das von Süden nach Norden verlaufende bildet die Nebenwange.“

6-67. Fruchtboden, weitere Lotusteile und Umgang fülle man auf die zuvor beschriebene Weise mit den angegebenen Farben. Die Tore sind weiß, die Wangen rot; die weitere Farbangabe patiruco ist beschädigt.

Unnummeriertes Zitat aus Ajita und Brihatkalottara: „Wangen und Nebenwangen gestaltet man, beginnend im Südosten, der Reihe nach rot, gelb, grünlich und weiß.“

6-68. Die Eckfelder vom Südosten an fülle man gelb, grünlich, schwarz und rot oder alle zusammen schwarz.

6-69. Außen zeichne man wie zuvor die drei Gunas weiß, rot und schwarz. Dies ist das Sarvatobhadra. Durch Vereinigung von je sechs Eckfeldern entsteht die Bhadra-Form.

6-70. In allen Mandalas sind Lotusblätter und Tore weiß; der Umgang erhält Ranken und Ähnliches, sofern nichts Besonderes vorgeschrieben ist.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Sarvatobhadra.

6-71. In einem zweiunddreißigfach geteilten Quadrat entstehen eintausendvierundzwanzig Felder. In der Mitte zeichne man wie zuvor einen Lotus in sechsunddreißig Feldern.

6-72. Die äußere Reihe bildet den Sitz. In den sieben Reihen außerhalb davon zeichne man acht Lingas beiderseits der Richtungsschnüre.

6-73. Mit quer und längs angeordneten Feldern in der Folge sechs, vier, zwei, vier, sechs entstehen der Sitz samt Hals und die Teile von Brahma bis zum Wasserabfluss. Die Zuordnung der einzelnen Zahlen zu den Bauteilen bleibt im knappen Wortlaut unsicher.

6-74. Über dem Sitz entsteht in den beiden mittleren Reihen aus je vier Feldern das Linga; sein Kopf wird mit einer an der Mittellinie angesetzten Schnur gerundet.

6-75. Für diejenigen, die weltliche Erfüllung wünschen, zeichne man die Lingas nach innen gerichtet. Für Befreiungssuchende umgekehrt, mit den Sitzen nach innen.

6-76. An beiden Seiten von Hals und Sitz entstehen aus je vier Feldern Schmuckformen. In den Zwischenräumen der Lingas zeichne man an den Ecken Ranken aus je fünfundzwanzig Feldern.

6-77. Die Feldlinien werden wie eine gewundene Gomutrika-Linie miteinander verbunden; durch Entfernen der übrigen Linien entstehen diagonal verlaufende Ranken.

6-78. Zwischen den Rankenbiegungen zeichne man Blätter, deren Ansätze an der Ranke haften und deren Spitzen gekrümmt sind.

6-79, Anfang. Außerhalb tilge man wie zuvor zwei Reihen zu einem Umgang.

6-79, Fortsetzung. Man schmücke ihn mit besonderen Wunschrankengestalten. In den drei äußeren Reihen tilge man von innen nach außen vier, sechs und acht Felder für die Tore.

6-80. Schmuck und Nebenschmuck entstehen durch Tilgen von zwei, vier und sechs Feldern. An jeder Ecke werden jeweils einundzwanzig Felder zusammengefasst.

6-81. Lotus und alles Weitere schmücke man wie beim Bhadraka mit fünffarbigen Pulvern. Die acht Lingas fülle man mit den für die fünf Gesichter genannten Farben oder nach Wunsch.

6-82. Dies ist das Parvatikanta genannte Prasada-Mandala, geschmückt mit acht Lingas, Ranken, Lotus, Umgang und Einfriedung.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Parvatikanta-Prasada.

6-83. Ein Quadrat von vier Ellen werde zwanzigfach geteilt. Es enthält vierhundert Felder; in der Mitte liegt ein Lotus aus sechsunddreißig Feldern.

6-84. Eine Reihe bildet den Sitz, eine weitere den Umgang. In vier weiteren Reihen folgen Tore, Lingas und Ranken ringsum; die äußere Reihe bildet den äußeren Umgang.

6-85. Lotus, Sitz und Umgänge bilde man vorschriftsmäßig wie beim Bhadraka. Die Tore in den Richtungen entstehen aus je zwei Feldern pro Reihe, insgesamt acht.

6-86. Zwischen den Umgängen bilden drei am Tor liegende Felder den Bodensitz, ein Feld den Hals-Sitz, drei Felder die Wasserplatte und ein Feld das Linga.

6-87. Ober- und unterhalb dieses Feldes liegt der Sitz in vier Feldern. Eine Schnur, halb so lang wie eine Feldseite, werde an den inneren Ecken angesetzt,

6-88. herumgeführt und die vier außen abgeschnittenen Ecken entfernt. So entsteht ein schöner, zwölfkantiger Sitz.

6-89. Man fülle das ganze Bild vom Lotus bis zum Umgang wie zuvor mit Farbpulvern. Dieses Shiva liebe Mandala heißt Lata-Lingodbhava, Hervorgehen von Ranke und Linga.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Lata-Lingodbhava.

6-90. In einem sechzehnfach geteilten Quadrat bilde man in den vier Richtungen vier Lingas mit denselben Feldanordnungen wie bei Parvatikanta.

6-91. In den vier ausgesparten Mittelfeldern und ebenso in den Zwischenräumen der Lingas bilde man vierblättrige Lotusse; die Lingaköpfe werden gerundet. Die Verbindung khayameva ist unklar.

6-92. An den Hälsen entstehen acht Schmuckformen; an den Ecken zeichnet man wie zuvor Ranken. Dieses Mandala heißt Panchabrahma.

6-93. Im mittleren Lotus ist der runde Fruchtboden gelb, die feine Staubfadenreihe rot. Isha steht in der Mitte; Purusha und die übrigen stehen in den Lingas der jeweiligen Richtungen und Farben.

6-94. Zeichnet man anstelle der Ranken Svastikas und einen Umgang in den halben Eckreihen, entsteht das Gauri-Tilaka-Mandala.

6-95. Nahe der Mitte tilge man zuerst ein Feld, dann zwei gekrümmt anschließende. So entsteht ein rechtsläufiges Svastika mit vier Wegen und innerem Umgang.

6-96. Die Wege schmücke man der Reihe nach grünlich, gelb, schwarz und rot, die unterteilten Umgänge weiß; die übrigen Teile entsprechen dem Bhadraka, abgesehen vom Linga. Der Schlussvergleich ist syntaktisch knapp.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Panchabrahma und Gauri-Tilaka.

6-97. Ein achtzehnfach geteiltes Feld enthält dreihundertvierundzwanzig Felder. In der Mitte zeichne man wie zuvor einen Lotus aus sechsunddreißig Feldern.

6-98. In den acht Richtungen entstehen Svastikas aus je sechsunddreißig Feldern. Die Tilgungsfolge lautet ein, drei und fünf Felder.

6-99. Dies ist der Svastika-Lotus. Oder man teile das Feld zwölfmal: Der mittlere Lotus umfasst sechzehn Felder, die Svastikas liegen ebenso in den acht Richtungen.

6-100. Svastikas und Lotus fülle man wie zuvor mit Farben. Das Svastika wird für Wohlergehen gepriesen und erfreut alle Gottheiten.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die beiden Svastika-Lotusse.

6-101. In einem achtzehnfach geteilten Feld bestimme man zuerst in der Mitte den Nabel des Svastika. Ringsum fasse man jeweils fünf Felder zu einer Kreuzwegform zusammen.

6-102. Die gekrümmten Linien der Svastika-Gestalt sind jeweils ein Feld lang. Die miteinander verbundenen Linien bleiben stehen, während die übrigen getilgt werden. parasparapayodhinyaḥ ist textlich auffällig.

6-103. Dabei entstehen siebenundfünfzig Svastikas zusammen mit zwölf Bhadra-Formen. Der Vers nennt ferner zweiundfünfzig und zwei für die mittleren Sarvatobhadra-Kreuzwege; ihre genaue rechnerische Zuordnung bleibt unklar.

6-104. Die einzelnen übrigen Eckfelder schmücke man weiß, die Bhadra-Formen und Kreuzwege blau, gelb, rot und grünlich.

6-105. Dieses Mandala heißt Sarvatobhadra-Svastika. Manche nennen es Sarvasvastika; es ist Shiva und Shakti lieb.

6-106. Entsprechend entstehen bei sechzehnfacher oder durch die Zahlwörter Manu, Sonne, Auge, Vasu und Jahreszeit bestimmter Teilung weitere Mandalas mit ringsum angeordneten Svastikas und Bhadra-Formen. Die Folge lautet wörtlich vierzehn, zwölf, zwei, acht, sechs; eine stillschweigende Änderung von zwei zu zehn wird nicht vorgenommen.

Zwischenabschluss: Svastika-Sarvatobhadra-Mandalas.

6-107. In einem Quadrat von zwei Ellen entsteht ein Radlotus ohne Sitz, mit einer Nabe. Seine Maße werden in Maßfingerbreiten bestimmt.

6-108. Eine am Mittelpunkt befestigte Schnur von neun Fingerbreiten, dem halben Lotusmaß, wird im Kreis geführt. Weitere Kreisführungen mit drei, acht und vier als Maß ergeben Lotus, Nabe, Speichen und Radkranz. Ob die zusätzlichen Maße als Zuwächse zu verstehen sind, ist im Vers nicht ausdrücklich erläutert.

6-109. Den Lotus zeichne man wie zuvor und fülle die Nabe gelb. Bei einem Rad mit ebenso vielen Speichen wie Blättern verlängere man die Blattlinien,

6-110. und zeichne daran entsprechend die Speichen. Bei doppelt so vielen Speichen verlängere man sowohl die Blattspitzenlinien als auch die Linien der Blattzwischenräume.

6-111. Man teile das Speichenfeld dreifach und markiere innen mit zwei Anteilen fischförmige Figuren; durch diese gezogene Schnüre bestimmen die Speichen.

6-112. Die Speichen können blauen Lotusblättern, Pippala-Blättern, Zitronenfrüchten, Lotusblütenblättern, Gerstenbäuchen oder Ameisen mit schmaler Mitte gleichen.

6-113. Sie werden abwechselnd rot und grünlich gefärbt, an den Enden gelb wie Gorochana. Die Zwischenräume der Speichen sind gelb.

6-114. Den Radkranz teile man dreifach: in der Mitte weiß, außen schwarz, innen gelb. Die Ecken fülle man schwarz und schmücke sie mit Svastika-Zeichen.

6-115. Vom Zwischenraum der Speichen aus schwenke man die Schnur außerhalb des Radkranzes; von der Mitte des Speichenzwischenraums aus zeichne man den Speichenansatz.

6-116. Von der Mitte der Speichen aus zeichne man deren mittleren Bereich im Bogen. So entstehen der Reihe nach zitronenförmige Speichen.

6-117. Vom Speichenende aus lege man Schnüre vom Ansatz des Zwischenraums an beiden Seiten der Speiche an. Daraus entstehen Speichen wie ausgebreitete Blätter der blauen Wasserlilie.

6-118. Von der Speichenmitte aus lasse man an der Spitze etwas frei wie bei einem Lotusblatt. Durch Bogenführung vom Zwischenraum und von der Spitze entstehen Lotusblattspeichen.

6-119. Speichen mit schmalem Ansatz und Ende, breiter Mitte und nach innen in ein Drittel des Zwischenraums hineinreichender Form heißen Gerstenbauch; sie laufen der Reihe nach spitz zu. Die Lesung śāntāgramūlāḥ ist unsicher.

6-120. Man teile das Speichenfeld dreifach und zeichne von der Mitte des ersten und zweiten Anteils aus einen Bogen zum dritten Anteil wie bei einer Blattspitze.

6-121. Mit zwei halbmondförmigen Linien zeichne man die Spitze; so entstehen Speichen wie Pippala-Blätter.

6-122. Von der Mitte des Speichenzwischenraums führe man beidseitig quer Bögen über die halbe Speiche. Die zwischen den Linien schmal werdenden Formen heißen Ameisenbauch-Speichen.

6-123. Die Speichenzwischenräume schmücke man mit verschiedenartigen Blüten. Oder man verziere die bestrichene Fläche außerhalb des Bildes mit Blütenreihen.

6-124. Dies ist der Radlotus mit einer Nabe, Shiva, Arya, Vishnu und Sonne lieb. Weitere Radlotus-Mandalas bis zu solchen mit neun Naben sind entsprechend zu erschließen.

Zwischenabschluss: Abschnitt über den Radlotus.

6-125. Mit dem halben Fruchtbodenmaß als Radius zeichne man vom östlichen Schnurpunkt aus Bögen; ihre seitlichen Verbindungen ergeben zwölf Fischfiguren.

6-126. Durch die Schnittpunkte lege man Schnüre: So entstehe der durch „Sonne–hundert“ bezeichnete Lotus. Durch gleichmäßiges Teilen eines achtblättrigen Lotus entsteht einer mit sechzehn Blättern. dinakṛcchatābjam ist als Maß- beziehungsweise Blattzahlbezeichnung nicht eindeutig.

6-127. Von der Schnur am Ende der Staubfaden- und Raumlinie, ausgehend von der Staubfadenspitze, markiere man fischförmig: So entsteht der fünfblättrige Lotus.

6-128. Für sechs Blätter verfahre man wie zuvor mit Fruchtboden und Blattansätzen; für sieben setze man die Schnur von Raumlinie und Fruchtboden an der Blattspitze an.

6-129. Für neun Blätter setze man die Schnur aus Blattzwischenraum und Fruchtboden am Blattzwischenraum an und markiere die Fischfigur. Durch Schlagen von fünf Schnüren entsteht ein zehnblättriger Lotus.

6-130. Man setze die Mitte zwischen Staubfäden und Raumkreis auf den Raumkreis und markiere sie. Durch entsprechende Schnurlinien entsteht ein elfblättriger Lotus.

6-131. Setzt man von Blattspitze und Blattansatz aus an der Blattspitze an, markiert und schlägt die Schnurlinien, entsteht ein Lotus mit der durch Abhikriti bezeichneten Blattzahl.

6-132. Will man die Blattzahl weiter erhöhen, zeichne man entsprechend dieser Methode und nach ihrer sinngemäßen Anwendung vom Mittelpunkt aus mit Schnüren die gewünschten Lotusse.

Zwischenabschluss: Merkmale verschiedener Blattzahlen.

6-133. Entsprechend den Beschreibungen der halbmondförmigen und anderen Feuergruben kann man durch Schnurlinien auch halbmondförmige und andere Bilder nach der jeweiligen Absicht bilden.

6-134. Im Quadrat entstehen zwischen Haupt- und Zwischenrichtungen durch sechzehn lange Schnurlinien zweiunddreißig Anteile ringsum. Durch Kreisführung entstehen darin fünf Felder.

6-135. Der halbe Lotus misst zunächst acht Fingerbreiten, der Sitz drei, die Nabe ebenfalls drei, der Umgang vier; Tore, Schmuck und Nebenschmuck messen sechs Fingerbreiten.

6-136. Der Lotus wird wie zuvor gebildet, hier mit rundem Sitz. Die Nabe trägt die Gunas; Schwan, Pfeil, Lotus und Muschel gehören zur weiteren Darstellung. Der Umgang besitzt vier Tore; die Farbfolge entspricht dem Bhadraka. Die Zuordnung der vier Attribute zur Nabe beziehungsweise zum Umgang ist nicht eindeutig.

6-137. Die Besonderheit der Tore ist folgende: Ihr Feld wird durch Kreisführung zweigeteilt. Innen entstehen Tore aus vier Anteilen, außen aus sechs.

6-138. Schmuck und Nebenschmuck sind wie zuvor. Die Eckformen sind nach innen gerichtete Gefäße: ihre Öffnungen vier Anteile, ihre Hälse zwei. Durch Rundung an den Seiten der Ecken entstehen breite Bäuche und gerundete Standflächen.

6-139. So heißt das Mandala der Shaktis Maya-Chakra.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Maya-Chakra.

6-140. Nun erkläre ich das Tripura genannte Bild. Man bilde ein längliches Rechteck mit geeigneten Schnüren wie zuvor und weiteren Hilfsschnüren, zwei Ellen breit und drei lang.

6-141. Darin lege man dreiunddreißig Schnurlinien in Ost-West-Richtung und siebenundvierzig in Süd-Nord-Richtung.

6-142. Die Zahl der Felder ist mit dem unsicher gelesenen Wort „varya“ bezeichnet. In der Mitte entsteht ein Lotus aus sechsunddreißig Feldern. Nachdem man eine Reihe darum freigelassen hat, folgen östlich und westlich je ein weiterer Lotus.

6-143. Rings um diese drei Lotusse tilge man eine Reihe. Sie bildet ein längliches Rechteck und heißt innerer Umgang.

6-144. Die äußere Reihe bildet den Sitz. Von dessen Ecken aus bildet man mit fünf Feldern sowie mit acht, acht, vier und vier die nach Osten, Westen, Süden und Norden gerichteten Glieder. Die genaue Beziehung der Fünfergruppe zu den folgenden Maßen ist knapp bezeichnet.

6-145. Zwischen Ecken und Gliedern tilge man jeweils fünf Felder. So entsteht ein gemeinsamer länglich-rechteckiger Sitz für die drei Lotusse.

6-146. Außerhalb liegen im Süden, Norden, Osten und Westen Lingas aus sechs mal sieben Feldern: quer sechs, in der jeweiligen Richtung sieben Reihen, wie bei den quadratischen Anlagen beschrieben.

6-147. An beiden Seiten der Lingas tilge man je zwei Quadrate; jedes umfasst sechsunddreißig Felder.

6-148. Ebenso zeichne man in den vier Ecken in länglichen beziehungsweise viereckigen Bereichen von je sechsunddreißig Feldern tanzende Schwäne.

6-149. Für Glück, Sieg, Besitz und Wohlergehen macht man die Lotusblätter rot; für Wissen, Dichtkunst und Ähnliches weiß. Fruchtboden und alles Weitere sind wie zuvor.

6-150. Der innere Umgang wird gelb. In die acht Quadrate zeichne man zwei Muscheln, zwei Räder und vier Lotusse.

6-151. Im Umgang stehen Ranken. In den drei verbleibenden Reihen entstehen die vier Richtungstore und Weiteres. Für die Tore im Süden und Norden tilge man sechs, acht und zehn Felder.

6-152. Für Schmuck und Nebenschmuck im Norden und Süden tilge man vier, sechs und acht Felder, im Osten und Westen zwei, vier und sechs.

6-153. Die Tore im Osten und Westen entstehen aus vier, sechs und acht Feldern, die Ecken aus einundzwanzig und ihre Füße aus sechs.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Tripura-Mandala.

6-154. Man teile ein Quadrat zwanzigfach und jeden Anteil nochmals zweifach; es enthält eintausendsechshundert Felder. In der Mitte entsteht ein großes Linga mit Sitz aus viermal sechsunddreißig Feldern. Für den Sitz und die weiteren Teile werden sechzig, acht und sechzehn Felder genannt. Die genaue Zuordnung der letzten Zahlen bleibt unklar.

6-155. Ringsum tilge man eine Reihe; die nächste äußere Reihe bildet den Sitz. Außerhalb zeichne man wie zuvor in den acht Richtungen Lotusse mit den durch sieben Reihen und sechsunddreißig Felder bezeichneten Maßen. Für die Lingas und ihre Seiten werden sechs und zwanzig Felder genannt. Zwei Reihen ringsum bilden die Umgänge. Die überlieferte Konstruktion bleibt in ihren Maßbezügen örtlich unsicher.

6-156. Die Lingas erhalten die Farben der Brahma-Gestalten von Ishana an; die übrigen Lingas die gegenüber den Lotussen versetzten Farben. Für die Lotusse von Osten an nennt der Text Weiß, Rot, Hell und Rot; die beschriebenen Wege sind entsprechend zu zeichnen. Die wiederholte Rotangabe wird bewahrt.

6-157. Zeichnet man im Umgang der Reihe nach rechtsläufig verbundene weiße Muscheln, heißt das Mandala Shankha-Mala, Muschelgirlande. Zeichnet man Schwäne, heißt es Hamsa-Mala. In den acht Richtungen entstehen Tore mit sechs, und in den drei Reihen Schmuckformen mit den durch drei und fünf bezeichneten Feldern. Die letzten Maßverbindungen sind nicht vollständig eindeutig.

6-158. Die Ecken umfassen siebenundzwanzig Felder in drei Reihen. Man fülle sie schwarz und zeichne darauf Svastikas, Lotusse und weitere Zeichen.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Lingodara, Shankha-Mala und weitere Formen.

6-159. Radlotusse und die anderen Formen werden für die Verehrung Shaktis und Shivas, für Diksha und ebenso für Pavitra-Rituale gepriesen, auch Lingas mit Svastikas. Radlotusse und Bhadrakas eignen sich für Sonne, Vishnu, Lakshmi und Brahma. Für die Shaktis werden Tripura, Muschel, Gefäß und Maya-Lotus genannt.

6-160. Wie bei den Shaktis gelten die jeweiligen Angaben auch für Indra, Kama und die Schlangenwesen. Ganesha, Feuer und der sechsgesichtige Skanda sind hier in Svastika-Mandalas zu verehren.

6-161, Anfang. Oder alle Gottheiten können in allen Formen verehrt werden, entsprechend der jeweiligen Handlung.

6-161, Fortsetzung. Damit sind die wichtigsten Vorschriften für Feuergruben und Mandalas erläutert, geeignet zur Verehrung Shivas und der anderen Gottheiten. Nach vielfältiger Prüfung verschiedener Shiva-Agamas werden sie hier zum Gefallen der Herzen hervorragender Übender dargelegt.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanashivagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das sechste Kapitel über die Vorschriften für Feuergruben und Mandalas.

Besinnung zum Kapitel

Aus einem Mittelpunkt entfaltet sich eine geordnete Gestalt. Dieses Motiv lässt sich auch ohne die historischen Konstruktionen als Anregung verstehen: Halte kurz inne, sammle dich und gehe dann Schritt für Schritt vor. Die Sorgfalt des Ritualbildes erinnert an die Sorgfalt, mit der wir Aufmerksamkeit, Raum und Handeln gestalten können.


Samanyapada, Kapitel 7: Opfergeräte, Stoffe und Reinigung

Das Kapitel beschreibt die beiden Opferlöffel, Feuerhölzer, Grasbündel, Gefäße, Opfermengen und Formen der Reinigung. Neben genauer materieller Sorgfalt enthält es historische Reinheitsregeln, darunter soziale Ausschlüsse, die hier als Quelleninhalt erkennbar bleiben. Der Schluss richtet den Blick auf die Reinigung des Geistes von Anhaftung.

Kapiteleingang: Nun das siebte Kapitel.

7-1. Ich erkläre die Merkmale von Sruk und Sruva. Der Sruk-Opferlöffel ist eine Elle lang und wird aus Palasha, Khadira oder Shami gefertigt. Seine viereckige Schale misst in der besten Ausführung sieben, in der mittleren sechs, in der geringsten fünf Fingerbreiten; ihre Vertiefung liegt im mittleren Drittel.

7-2. Die Tiefe entspricht der Breite; die Vertiefung ist rund. Außen liegen drei Umrandungen, darum ein Lotus. Der Hals ist eine Fingerbreite breit und in der Länge durch den gerundeten Teil bestimmt; davor liegt eine Spitze von vier Fingerbreiten Länge und ebenso großer Breite. Die Halsbemessung ist im Wortlaut nicht völlig eindeutig.

7-3. Durch die Mitte des Halses verläuft eine längliche dreieckige Rinne; ihre Vertiefung soll so weit sein, dass der kleine Finger hineinpasst. Die Rückseite trägt ein Lotuszeichen, die gesamte Mündung gleicht einer Elefantenlippe. Der übrige Teil ist ein runder Stiel mit Lotuszeichen am Ende.

7-4. Unter dem Lotus beträgt der Umfang am Stielende sechs Fingerbreiten; der Stiel wird wie ein Unterarm allmählich stärker und misst am Ansatz acht Fingerbreiten. Dort sitzt ein Stier oder ein Lotus. Der Löffel soll überall glatt und fehlerfrei sein und aus Bäumen von einem günstigen Ort gefertigt werden.

7-5. Der Sruva wird aus derselben Holzart wie der Sruk gefertigt und ist zwei Spannen lang. Seine runde Mündung misst eine Fingerbreite; in ihrer einen halben Finger tiefen Vertiefung liegt eine gerstenkorndicke Mittelwand. Die beiden glatten Mulden fassen ein Karsha Ghee und gleichen einem Kuhhufabdruck; auf der Rückseite befinden sich zwei gerstenkorngroße Wölbungen.

7-6. Zwischen den Wölbungen verläuft eine gerstenkornbreite Linie. Unterhalb der Mündung liegt ein lotusförmiger Hals, darunter der gleichmäßige runde Stiel. Sein Umfang beträgt am Ende eine Fingerbreite, am Ansatz anderthalb; vom Hals an wird er wie ein Kuhschwanz zum Ansatz hin stärker.

Unnummerierte abweichende Angabe nach 7-6: Andere geben für den Sruk Armlänge oder Aratni-Länge an.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Sruk und Sruva.

7-7. Man spalte einen schönen Zweig eines Pippala, der auf einem Shami-Baum gewachsen ist; fehlt ein solcher, nehme man gewöhnlichen Pippala. Das untere Reibholz ist zwölf Fingerbreiten lang und sechs im Umfang. Sein Kopf liegt am Ansatz, sein Fuß an der Spitze. In der Mitte befindet sich eine vier Fingerbreiten messende Yoni, geeignet zum Feuerreiben.

7-8. Auch das obere Reibholz ist aus Pippala, sechs Fingerbreiten lang. Den geraden Drehstab fertige man aus Khadira, die Zugschnur aus festem Seil. So erzeuge man Feuer. Als Brennstoff diene rindenfreies, kerniges, gespaltenes Holz geeigneter Bäume; das Feuer fache man mit einem Blasegerät oder Fächer an.

Zwischenabschluss: Vorschrift für Reibhölzer und Weiteres.

7-9. Verbogene, abgesplitterte, dünne, wurmstichige, gespaltene, ohne Werkzeug abgerissene, zu kurze, zu dicke, entrindete, beschädigte, zu lange oder angebrannte Opferhölzer meide man. Die übrigen sollen an einem reinen Ort gewachsen und gleichmäßig zugeschnitten sein. Die Dicke von Mittel- und Ringfinger gilt als gut, die des kleinen Fingers als geringste Ausführung. Die Stelle sthūlagatatvacaḥ ist in der Aufzählung mehrdeutig.

7-10. Bei besänftigenden Ritualen sind die Hölzer eine Spanne lang; bei Verwirrung und Vertreibung sieben Fingerbreiten, bei Zwietracht vier, bei Tötungsritualen sechs und gekrümmt.

7-11. Bei Anziehung und Beeinflussung sind sie fünf Fingerbreiten lang; bei nicht näher bestimmten Handlungen eine Pradesha-Spanne. Bei schädigenden Handlungen bringe man das hintere Ende ins Feuer, bei heilvollen die Spitze, entsprechend der Unterweisung.

7-12. Ein Brennholzbündel besteht aus achtzehn Hölzern von einer Pradesha- oder mitunter Ratni-Länge. Die drei Umlegehölzer sind eine Elle lang: das südliche lang, das westliche dick, das nördliche dünn und kurz. Kaushika-Gras, Palaka, Kusha und Darbha werden der Reihe nach als vorzügliche Gräser genannt.

7-13. Gras ohne Spitze, mit Hand oder Nägeln abgerissenes, wurmstichiges, schon für andere Handlungen verwendetes, südlich gewachsenes, von Tigern überschrittenes oder anderweitig beschädigtes, rauchgeschädigtes oder oben vertrocknetes meide man. Geeignet ist grünliches, weiches, frisch geschnittenes Gras, frisch oder getrocknet. Seine Geflechte und Weiteres werden im Kapitel über die Feuerhandlung erklärt.

Unnummerierte Erläuterung aus einem Samhita-Kommentar nach 7-13: Ein Geflecht wird aus dreißig Darbha-Blättern hergestellt. Für das Ausstreuen verwendet man Darbha in der durch Ashti, Atyashti, Dhriti und Atidhriti bezeichneten Zahl, also sechzehn, siebzehn, achtzehn oder neunzehn. Ein Bündel aus sechsunddreißig Darbhas heißt „Schwert der Erkenntnis“. Das gewöhnliche Bündel besteht aus zwei, das besondere aus fünf Darbhas. So heißt es im Samhita-Kommentar. Das Zitat ist als Kommentarzitat innerhalb des Werktextes überliefert.

7-14. Für Pranita- und Besprengungswasser bilden je fünf Darbhas zwei Bündel. Das Brahma-Bündel besteht aus siebzehn.

7-15. Bei diesen Bündeln mache man den Stiel zwölf Fingerbreiten lang, den Brahma-Knoten eine und die Spitze drei Fingerbreiten.

7-16. Zwei in der Mitte verknotete Darbhas von einer Pradesha-Länge bilden das Pavitra für die Reinigung; zwei dienen dem Erhellen. Zum Säubern des Sruk nimmt man vier Kushas, für Ghee zwei eine Fingerbreite lange Darbha-Spitzen, für die Grasunterlage zwölf Fingerbreiten.

7-17. Aus zwei spannenlangen Darbhas wird ein vier Fingerbreiten großes Pavitra für die Hände der Zweimalgeborenen geknotet; bei geringeren beziehungsweise schädigenden Handlungen aus drei. kṣudreṣu lässt beide Bezüge zu.

7-18. Beim Hand-Pavitra der Zweimalgeborenen ist der Brahma-Knoten vorgesehen; für die als Anuloma bezeichneten Gruppen ein einfacher Knoten, für Frauen und Angehörige der vierten sozialen Gruppe Durva-Gras.

Unnummerierter Zusatz nach 7-18: So sind es ohne die Grasunterlage einhundertzehn Darbhas. Dies ist die Ansicht Baudhayanas.

Zwischenabschluss: Vorschrift für Brennholz und Opfergras.

7-19. Sthandila heißt die mit Kuhdung bestrichene Bodenfläche. Ihr Maß wird mit acht Gokarna oder sechs angegeben; ferner nennt der Text das Kuhhautmaß. Man nehme fünf Prastha günstigen weißen Sandes von einem Fluss oder ähnlichen Ort. So bestimmt Baudhayana allgemein die Opferfläche für das Feueropfer. Die Verknüpfung der ersten Flächenmaße ist nicht eindeutig.

7-20. Das Ghee-Gefäß gleicht einer Schale, acht Fingerbreiten breit und halb so hoch; seine Tülle ist vier Fingerbreiten lang. Das Gefäß für Pranita-Wasser misst sechs Fingerbreiten in Breite und Höhe, das Besprengungsgefäß acht in beiden Richtungen und besitzt eine Tülle.

Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara nach 7-20: „Überall sind Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton zu verwenden; sie bringen beste, mittlere beziehungsweise geringere Früchte.“ Vier Materialien stehen drei Wertungsstufen gegenüber; keine zusätzliche Zuordnung wird ergänzt.

7-21. Ein mit acht Kudava Opferspeise gefüllter Topf ist die geringste Ausführung, mit zwölf die mittlere, mit sechzehn die beste; er ist aus Kupfer. Die Kochkelle wird mit einundzwanzig Fingerbreiten Länge angegeben; ihr runder Kopf misst sieben beziehungsweise fünf Fingerbreiten, ihr Stielende zwei. Die Zuordnung dieser Maße zu den drei Ausführungen ist im Vers nicht vollständig klar.

7-22. Für die Opferspeise verwende man weißen Reis von Shali, Kalama, Nivara oder Shashtika, gereinigt, frei von Spreu und Steinchen und rechtmäßig erworben. Frisches Ghee vom eigenen Tier ist am besten, frisch gekauftes mittelmäßig, älteres gekauftes geringwertig. Es soll von der Kuh stammen und gefiltert sein.

7-23. Honig nehme man ohne verdorbenen Geruch oder Geschmack, auch gekauften, wenn er erneut gefiltert ist; ebenso frischen Kandiszucker, Stückzucker und Rohrzuckermasse. Das jeweils zuvor Genannte gilt als besser. Alles sei rein und rechtmäßig erworben; Sesam und sämtliche anderen Opferkörner sollen gereinigt und gewaschen sein.

7-24. Andere Früchte, Wurzeln und Stoffe sollen wohlschmeckend, rein und frisch sein. Eine Gabe gekochten Reises ist daumengroß beziehungsweise das mit fünf Fingern Gefasste; bei Flüssigkeiten ein gefüllter Sruva, bei Puffreis eine Handvoll, bei Blüten wie dem Lotus jeweils eine einzelne.

7-25. Rankenstücke sind vier Fingerbreiten lang. Für Körner, Sesam und Mehl gilt die Mrigi-Geste: Daumen und Mittelfinger werden verbunden. Duftstoffe gibt man kichererbsengroß, Guggulu wie einen Jujubekern, Speisen und große Früchte in einer Gabe vom Maß einer Aksha-Frucht. Die Beschreibung der Mrigi-Geste wird nicht aus anderen Ritualtexten erweitert.

7-26. Datteln, Inguda, Trauben, Jujuben und Jambu-Früchte sowie Blätter opfert man einzeln, Zuckerrohr je ein Glied. Bei gemischten Speisen nimmt man das mit fünf Fingern Gefasste; bei Durva drei Spitzen, bei Opferholz jeweils ein Stück.

Zwischenabschluss: Maß der Opfergaben.

7-27. Eine Vardhani fasst ein volles Bhara Wasser, ein Kumbha eine Khari, ein Kalasha eine Drona. Eine Karkari wird mit dem unklaren Maß „shiva“ gefüllt. Eine Ghatika fasst ein Adhaka, eine Schale zwei Kudava oder ein Kudava; Muschel und Lampe entsprechen einem Prasrata. Das Maß śivāt und die letzte Maßform werden nicht spekulativ umgerechnet.

Zwischenabschluss: Maße der Gefäße.

7-28. Nun erkläre ich die Reinigung von Gefäßen, Stoffen und Weiterem. Man wasche so lange mit Wasser, bis Geruch und anhaftende Beläge verschwunden sind; auch mit Pulvern reibe man sie ab und wasche erneut mit heißem Wasser. So werden Gefäße gereinigt. Nun folgt die besondere Reinigung.

7-29. Gold reinigt man mit Wasser bis zur Entfernung der Beläge, Kupfer mit saurem Wasser, Silber mit Kuhdung, Bronze mit Asche und Wasser, Edelsteingefäße mit Sonnenstrahlen oder Wasser. Neue Tongefäße werden durch Feuer, Holzgefäße durch Abschaben gereinigt.

7-30. Eisen wird durch Erhitzen gereinigt; Metallgegenstände auch durch ihre Hersteller. Der anschließende Satz über Berührung oder den Kontakt mit einem Pferdemaul und geringe Verunreinigung ist im Wortlaut unsicher. Felle, Seile und Stoffe werden durch Laugenwasser gereinigt; Kalebassen- und Bambusgefäße durch Wasser, Luft und Abreiben mit Gopalaka [Stoffbezeichnung unsicher].

7-31. Wassergefüllte Gefäße werden auch gereinigt, indem man Feuer um sie herumführt. Getreide, Früchte, Darbha, Wurzeln und Brennholz durch Besprengen und Waschen. Seiden- und andere feine Gewänder, auch ungefärbte, die durch Wasser ihre Farbe verlieren würden, reinigt man mit weißen Senfkörnern.

7-32. Holz-, Bambus- und Tongefäße, die durch Schleim, Speisereste, Ausscheidungen oder verbrauchte Opfergaben verunreinigt sind, sollen weggeworfen werden. Fette reinigt man durch Erhellen mit Feuer, sofern sie nicht stark verdorben sind; Wasser in Teichen und Ähnlichem nachts durch Zeigen einer Flamme. Die Wasserstelle ist knapp formuliert; es handelt sich um rituelle Reinigung, nicht um eine hygienische Empfehlung.

7-33. Erde wird nach dem Text rein, wenn Kühe darauf verweilen, wenn sie umgegraben, gepflügt oder ihre Oberfläche abgetragen wird. Häuser werden mit Wasser und gutem Kuhdung gereinigt; auch durch eine Glückszeremonie, Speisung von Zweimalgeborenen oder Abschaben der Fläche. Nach einem Gespräch mit einem als sündig betrachteten Menschen werde die Rede durch ein Gespräch mit einem Brahmanen gereinigt. Die soziale Bewertung entspricht der historischen Ritualordnung.

7-34. Körper und Geist werden durch Pranayama gereinigt. Nach Berührung von als unberührbar geltenden Menschen wird ein Untertauchen mitsamt der Kleidung vorgeschrieben; nach beliebigem Essen, Niesen, Spucken, Gähnen oder dem Anblick von Angehörigen ausgegrenzter beziehungsweise der Shudra-Gruppe das rituelle Wasserschlürfen. Die Ausschlussvorstellungen sind Quelleninhalt und keine heutige Anweisung.

7-35. Brunnenwasser und Ähnliches werden durch Abschöpfen gereinigt, auch durch Berührung mit stark strömendem Wasser oder Sonnenstrahlen. Gewöhnliches Feuer wird durch Besprengen oder Verbringen an einen anderen Ort gereinigt, eingerichtetes Opferfeuer durch Sühneritual und Agnimukha.

7-36. Duftstoffe und Ähnliches reinigt man durch Besprengen mit Mantrawasser. Bei Milch und Speisen gießt man Ghee darüber und beleuchtet sie mit Darbha-Feuer, sofern sie nicht stark verunreinigt sind. Die Reinigung der übrigen Stoffe soll entsprechend erschlossen werden.

7-37. Diese allgemeine Reinigung der Handlungen, Stoffe und des eigenen Selbst ist eine Voraussetzung aller guten Eigenschaften. Doch die Reinigung des Geistes ist diejenige, die zu verwirklichen ist. Ist er nicht durch Anhaftung und Ähnliches verdorben, liegen einem Menschen alle vier Lebensziele gleichsam in der Hand.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanashivagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das siebte Kapitel über die Merkmale der Opferlöffel und Weiteres.

Besinnung zum Kapitel

Der letzte Vers gibt der äußeren Sorgfalt eine innere Richtung. Reinheit kann heute heißen, die eigene Motivation ehrlich zu prüfen: Handle ich aus Gier, Angst oder Feindseligkeit – oder mit Klarheit und Wohlwollen? Diese Frage macht die Lehre von innerer Reinigung im Alltag lebendig, ohne die historischen sozialen Ausschlüsse zu übernehmen.


Samanyapada, Kapitel 8: Die Darbringungen der Verehrung

Das Kapitel entfaltet Puja als bewusste Begegnung mit der Gottheit: vom Sitz und der Einladung über Wasser, Bad, Kleidung, Duft, Blüten und Licht bis zur Speise und zur Übergabe der ganzen Handlung. Unterschiedliche Formen richten sich nach Tradition und verfügbaren Mitteln. Mehrfach wird ausdrücklich die Möglichkeit genannt, fehlende äußere Gaben gesammelt im Geist darzubringen.

Kapiteleingang: Nun das achte Kapitel.

8-1. Die den Gottheiten, deren Wesen Mantra ist, angemessene Verehrung ist als ein Mittel zur Vollendung zu verstehen; sie gewährt sichtbare und unsichtbare Früchte.

8-2. Durch sie werden die Gottheiten erfreut und gewähren die Früchte der menschlichen Lebensziele. Diese Verehrung ist dreifach: vorzüglich, mittel und einfach.

8-3. Die vorzügliche Puja besitzt sechzehn Darbringungen, die mittlere zehn, die einfache fünf. Man wähle unter ihnen eine Verehrungsform entsprechend den eigenen Möglichkeiten.

8-4. Die für einen Mantra in Ritualvorschrift, Tantra oder Unterweisung des Gurus gelehrte Verehrung, sei sie vorzüglich oder anders eingestuft, soll man ausführen und dadurch die Verwirklichung anstreben.

8-5. Sitz, Einladung, Ehrenwasser, Fußwaschwasser, Wasser zum Mundspülen, das Bad mit Haupt- und Nebengliedern, Kleidung und Schmuck,

8-6. Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht, Darbringung gekochter Speise, Feuerhandlung, Verneigung und Übergabe von Japa und Verehrung:

8-7. So sind die sechzehn Darbringungen zusammengefasst. Ehrenwasser, Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Bad, Duft und Blüten,

8-8. Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung sind die zehn Darbringungen der mittleren Puja.

8-9. Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise bilden die fünf Darbringungen der einfachen Form. Zum Wohl der Übenden werden ihre verschiedenen Merkmale nun erläutert.

8-10. Der im jeweiligen Mantraverfahren beschriebene Sitzlotus oder bloße Lotus, dessen Anordnung von der tragenden Shakti bis zu den Shaktis der eigenen Glieder reicht, heißt Asana.

8-11. Er ist die Unterlage der Gottheit; auf ihm sitzend wird die geliebte Gottheit verehrt. Die Wortwurzel as bedeutet Sitzen. Daher ist der Sitz zuerst vorzusehen.

8-12. Das Herbeiführen der göttlichen Wirklichkeit aus dem Raumlotus, dem Bindu, dem Herzen oder dem Sonnenkreis hierher heißt Avahana, Einladung.

8-13. Diese Wirklichkeit ist schon von sich aus vollkommen. Bei ihrer Verehrung bedeutet Einladung daher, sich ihr mit Achtung zuzuwenden und ihre Gegenwart zu vergegenwärtigen.

8-14. Man fülle die zusammengelegten Hände mit Blüten, erfasse den im Herzen oder an anderem Ort gegenwärtigen Herrn auf dem Weg der Sushumna und stelle sich vor, wie er aus dem Bindu aufsteigt.

8-15. Man spreche den Mantra so lange, bis der Bereich des Ungeteilten erreicht ist. Von dort führe man ihn vertrauensvoll und mit festem Geist zu der vor einem stehenden

8-16. Bildgestalt oder Opferfläche und setze ihn dort ein: Das ist Avahana. Dazu gehören das Einsetzen, das Vergegenwärtigen,

8-17. das Festhalten der Gegenwart, das Erfüllen mit Nektar und das Umhüllen. Auf dem für die Verehrung bereiteten Sitz der gestalttragenden Ishta Devata

8-18. bedeutet Sthapana, sie mit Hingabe Platz nehmen zu lassen. Die Gegenwart der Gottheit bis zum Ende der Ritualhandlung,

8-19. ohne Unterbrechung während der Verehrung, heißt Sannirodha. Das gemeinsame, ungeteilte Wirken der ihrem Wesen nach nicht getrennten

8-20. Glieder zusammen mit dem Träger der Glieder heißt Amritikarana, Erfüllung mit Nektar. Die Wirklichkeit ist die Stätte der Glückseligkeit und hat Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit zum Wesen.

8-21. Sie in der verkörperten Gestalt zu meditieren heißt Avakunthana, Umhüllung. Das wie eine Hülle wirkende Leuchten, das die Schönheit der Glieder mehrt,

8-22. erfüllt von strömendem Nektar der Anmut, heißt Prarochana, Erstrahlenlassen. Die Fähigkeit, die dargebrachte Verehrung anzunehmen und Gnade und Weiteres

8-23, erster Teil. zu schenken, heißt Sannidhapana, Vergegenwärtigung.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Sitz und Einladung.

8-23, Fortsetzung. Arghya bedeutet Ehrung: Was für den verehrungswürdigen Ankommenden bereitet ist,

8-24. wird ihm bei der Verehrung nach der betreffenden Vorschrift dargebracht. Es ist dreifach: Shiva, Shakti oder Vishnu zugeordnet.

8-25. Das Shiva-Arghya ist wiederum zweifach, sechs- oder achtgliedrig. Duft, Blüten, ungebrochene Reiskörner, Kusha, Durva-Spitzen und Wasser

8-26. bilden das sechsgliedrige Ehrenwasser, das Bhojendra und Brahmashambhu lehren. Kusha, Reis, Sesam, Durva, Duft, Blüten, Gerste

8-27. und Milch bilden das im Vijaya genannte achtgliedrige Shiva-Arghya. Duft, Blüten, Reis, Gerste, Kusha, Durva-Spitzen und Senf

8-28. sowie Wasser sind die acht Stoffe des Shakti-Arghya. Weißer Senf, Reis, Darbha-Spitzen, Duft, Blüten, Gerste, Frucht

8-29. und Sesam bilden mit Wasser das Vishnu-Arghya. Das Gefäß sei aus Gold, Silber oder Kupfer, bei Nichtverfügbarkeit aus Holz,

8-30. und fasse drei Kudava; auch eine Muschel kann als Ehrenwassergefäß dienen. Man fülle es und bespreche es mit Grund- und Gliedermantras, als Nektar vergegenwärtigt.

8-31. Man meditiere den Herrn vor sich, in einer mit allen begrenzenden Gestaltmerkmalen versehenen Form; der Strom höchsten Nektars lässt die Richtungen weiß erstrahlen.

8-32. Mit der linken Hand hebe man das besondere Ehrenwassergefäß und bringe das Ehrenwasser anschließend mit der rechten Hand dar.

Zwischenabschluss: Vorschrift für das Ehrenwasser.

8-33. Allgemeines Fußwaschwasser bereite man mit Durva, Shyamaka, Lotus und Lakshmi [Pflanzenbezeichnung nicht sicher bestimmt] sowie Wasser und bringe es an den Füßen dar.

8-34. Kühles Wasser mit Muskatfrucht, Takkola und Gewürznelke gilt im Prapancha und weiteren Werken als allgemeines Mundspülwasser.

8-35. Man vereinige Joghurt, Honig, Ghee, Milch und Wasser, gebe Gold hinzu und nehme das Ganze in einem Bronzegefäß mit zwei Grasbündeln auf.

8-36, erster Teil. Dies bringe man als allgemeines Madhuparka mit dem Mantra dar.

Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara innerhalb von 8-36: „Bei der täglichen Verehrung ist die Darbringung von Madhuparka nicht vorgesehen. Bei anlassbezogenen Handlungen wie Weihe und rituellem Baden ist sie gepriesen.“

8-36, Fortsetzung. Für das erneute Mundspülen ist reines, wohlriechendes Wasser geeignet.

8-37. Mit dem Herzmantra und den Endungen namah, svadha, svaha und vashat bringe man die vier Gaben vom Ehrenwasser an in dieser Reihenfolge dar.

8-38. Für Ehrenwasser sind drei Gefäße, für Fußwaschwasser ebenfalls drei, für Mundspülwasser sechs und für Madhuparka eines vorgesehen.

8-39. Ehrenwasser wird am Anfang, beim Bad und am Ende der Verehrung gegeben; Fußwaschwasser zu Beginn, beim Bad und nach dem Schmücken.

8-40. Mundspülwasser gebe man sechsmal: nach dem Fußwaschen, nach Madhuparka, am Anfang und Ende des Bades, bei Kleidung und Weiterem sowie nach der Speise.

8-41. Nach Räucherwerk, Licht, Speise, Betel oder Früchten gebe man Mundspülwasser und führe dann die nächste Handlung aus.

8-42. Nach dem ersten Mundspülen bringe man Madhuparka, gebe nochmals Mundspülwasser und verehre anschließend mit Duft und weiteren Gaben.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Fußwaschwasser, Mundspülwasser und Madhuparka.

8-43. Man entferne verbrauchte Opfergaben und verehre mit Duft und Blüten. Nachdem man Durva und Reis auf den Kopf gelegt hat, beginne man das Bad.

8-44. Zuerst vollziehe man das Untertauchen beziehungsweise Waschen der Gottheit [die Quelle bietet eine unsichere Lesung]. Dann salbe man sie mit duftendem Öl; um das Öl wieder zu entfernen,

8-45. reibe man sie mit Pulvern aus Gerste, Weizen, Masha und anderen Stoffen ab. Mit etwas warmem und anschließend kühlem Wasser entferne man die Beläge.

8-46. Es folgen Nyasa mit Grund- und Gliedermantras, Darbringung von Blüten und Räucherwerk, Speisen wie Früchte und Kuchen sowie glückverheißender Gesang und Instrumentalmusik.

8-47. Dann badet man mit den fünf Kuhprodukten und den fünf Nektarstoffen, entfernt erneut die Beläge und reibt mit Duftstoffen, Amalaka, Kurkuma und Safran ein.

8-48. Mit Grund-, Glieder- und vedischen Mantras übergießt man die Gottheit mit wohlriechendem Wasser. Der Abhisheka erfolgt aus den verfügbaren Gefäßen.

8-49. Es folgt Nirajana, das Schwenken glückverheißender Lichter, darunter Lichter aus Teig. Mit einem reinen Tuch trocknet man das Wasser an der Bildgestalt ab.

8-50. Durch Goldblüten und Ähnliches sorge man dafür, dass der Kopf niemals ungeschmückt bleibt. So ist das allgemeine Bad mit zwanzig Gliedern beschrieben.

8-51, erster Teil. Was von diesen Dingen nicht verfügbar ist, stelle man im Geist bereit.

Zwischenabschluss: Abschnitt über das Bad.

8-51, Fortsetzung. Danach gebe man reine, feine und neue Gewänder:

8-52. Dukula, Seidengewebe, Baumwolle, Devanga-Gewebe und andere, noch nicht anderweitig verwendete, ohne anhaftende Haare und unbeschädigte Stoffe.

8-53. Mit Hingabe bringe man davon dar, was erhältlich und geeignet ist, ebenso goldenen, von vielerlei Edelsteinen strahlenden Schmuck,

8-54. passend von den Füßen bis zum Haar, entsprechend den eigenen Mitteln. Wenn er fehlt, schmücke man die Gottheit im Geist vollständig.

Unnummerierte Anweisung nach 8-54: Man stelle außerdem einen sauberen Spiegel vor den Herrn.

Zwischenabschluss: Vorschrift für Kleidung und Schmuck.

8-55. Duft ist dreifach zu verstehen: Shiva, Shakti oder Vishnu zugeordnet.

8-56. Sandel, Safran, Kushtha, Dala, Ushira, Agaru, Kampfer und Hribera gelten als Shiva-Duft.

8-57. Sandel, Agaru, Kampfer, Mamsi, Safran und Rochana zusammen mit Kachchora und Vanara werden als Shakti-Duft genannt.

8-58. Sandel, Ushira, der Toya genannte Stoff, Mamsi, Kushtha, Mura, Agaru und Safran bilden den achtgliedrigen Vishnu-Duft.

8-59. Auch die Blüten werden wie zuvor nach Shiva und den übrigen Zuordnungen erläutert. Sie sind dreifach: feurig, mild sowie mild und feurig zugleich.

8-60. Weiße Blüten sind sattvig, rote rajassig, schwarze tamassig; gelbe verbinden Rajas und Sattva.

8-61. Grünliche verbinden Tamas und Rajas. Ebenso gilt es für Blätter. Sattvige und die anderen Blüten sollen eine entsprechend geartete Frucht hervorbringen.

8-62. Weißer Arka, Karavira, Lotus, Durdhura und eine beschädigt überlieferte Pflanzenbezeichnung, Rajarka, weißer Lotus, Tulasi, Ashoka, Champaka, Kalhara, Baka, Patala, Vakula, die beiden Mallikas, Malati, Palasha, Landlotus, Darbha, Damana, Marga-Blätter und Durva,

8-63. ferner Granthi, Shami, großes Maruvaka, Punnaga, Naga, Asana, Nandyavarta, Tamala, Kubja, Vijaya, Mandara, Kashmira, Utpala, Karnikara, Kadamba, Bilva und blaue Wasserlilie werden als geeignete Shiva-Blüten genannt. Die überlieferten Pflanzennamen werden ohne ungesicherte botanische Gleichsetzungen bewahrt.

8-64. Die beiden Tulasi-Arten, weißer Lotus, roter Lotus, Palasha, Jati, Kubjaka, Madhavi, Damana, Punnaga, Naga, Asana, Nandyavarta, Shami, Landlotus, Vijaya, Mallika, Champaka, Bilva, Utpala, Ketaka, frischer Kunda und Patala,

8-65. Lakshmi, Devi, Saha, Bhringa, Musali, Bhita, Indravalli, Bhadra, Shripatilanghita, Dashami, Durva, Jambu-Blatt, Kalhara, Karavira, einblättriger Lotus, Kusha und roter Kairava gelten als Vishnu-Blüten. In umgekehrter Reihenfolge sollen sie zunehmend größere Früchte gewähren. Einige Namensgrenzen der ersten Vershälfte bleiben unsicher.

8-66. Lotus, Utpala, Bandhujiva, Vijaya, Punnaga, Naga, Jati, Kunda, Karanda, Champaka, Japa, Yuthi, Rama, Patala, Bilva, Ashoka, Hayari, Kubja, Damana, Mandara, Durva-Blätter, Nandi und Aparajita werden als Shakti-Blüten genannt.

8-67. Geruchlose, beißend oder zu stark riechende, nach der historischen Reinheitsordnung verunreinigte, unrechtmäßig erworbene, mit Nagel- oder Wurmspuren versehene und durchstochene Blüten meide man; ebenso solche mit Wolle, Fäden oder Haaren, verwelkte, alte, über ihre Zeit hinaus aufbewahrte oder überstiegene.

8-78 – erste Nennung, zwischen 8-67 und 8-69. Was unter den drei genannten Blütengruppen nicht aufgeführt ist, soll man meiden, ebenso ausdrücklich gegenseitig ausgeschlossene Arten. Auch für jemand anderen bestimmte Blüten sind nicht zu verwenden. Was einer Gottheit besonders vorgeschrieben ist, soll gerade sie erfreuen. Die Quelle zählt hier 8-78 statt 8-68; die originale Marke bleibt erhalten.

8-69. Sonne und Feuer werden mit allen drei Blütengruppen verehrt. Für Ganesha, Skanda, Arya, Chanda und Weitere gelten Shakti- und Shiva-Blüten; ausschließlich Shakti-Blüten erfreuen Kama, die Sprachgöttin, die Bergestochter, Durga und die acht Mütter. Brahma, Indra und Lakshmi werden mit Vishnu-Blüten verehrt.

8-70. Mit Nandyavarta verehre man um Mitternacht und morgens, mit Malati und Mallika vor der Nacht, mit Lotus am Tag und mit Wasserlilien jederzeit; mit goldenen Blüten morgens, mit Kesara um Mitternacht. haimaiḥ kann goldene Blüten beziehungsweise eine so benannte Blütenart meinen.

8-71. Lotus bleibt bis zur Verfärbung der Staubfäden geeignet; Bilva-Blätter und Damana drei Nächte, Karnikara eine Monatshälfte. Die Baka genannte Blüte soll sechs Monate nicht unbrauchbar werden. Dies sind rituelle Haltbarkeitsangaben des Textes.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Blüten.

8-72. Unter den Räucherstoffen ist schwarzes Agaru vorzüglich; noch höher gilt Kampfer, auch mit Agaru verbunden.

8-73. Guggulu sowie Ushira und Sandel gelten als mittelwertig; Shrivasa und Sarja als geringer, ebenso Lack, Ghee und Honig.

8-74. Alle diese Stoffe mit Zucker bilden das zehngliedrige Räucherwerk. Man gebe es auf rauchfrei glimmende Kohlen, ohne Flamme und ohne weiteres Brennholz.

8-75. Das Räucherwerk halte man etwas tiefer und läute mit der linken Hand die Glocke. Die Dochte bestehen aus reinem weißem Faden oder Baumwolle.

8-76. Für das Licht ist Kuh-Ghee am besten, Öl mittelwertig und Büffel-Ghee geringer. Ein Licht mit kampferhaltigem Docht soll hundertfach größere Frucht geben.

8-77. Ein Licht allein aus Kampfer wird als tausendfach bezeichnet. Mit zehn, neun oder acht reichlich mit Brennstoff gefüllten

8-78 – zweite Nennung. frischen Lichtern vollziehe man nahe bei der Gottheit durch Kreisen die Arati. Mit einem schon teilweise abgebrannten Docht entzünde man kein neues Licht.

Unnummerierte Fortsetzung nach 8-78: Auch nicht mit benutztem oder unreinem Öl und nicht mit Öl oder Ghee, das für einen anderen Zweck bestimmt war.

Zwischenabschluss: Vorschrift für Räucherwerk und Licht.

8-79. Fünfhundert Reiskörner ergeben ein Tala; dessen Verdoppelung und die jeweils nächsten Verdoppelungen werden im Folgenden mit Prakuncha, Prasara, Kudava und einem halben Prastha verbunden. Es folgen Prastha, Patra, Adhaka, Shiva, Drona und Khari. Drei Kharis ergeben ein Bhara. So werden die Maße nach der Lehre angegeben. Die Wortfolge zu Beginn ist nicht eindeutig genug, um sämtliche Umrechnungen als gesicherte Tabelle darzustellen.

8-80. Speisedarbringung ist zweifach: täglich und anlassbezogen. Beide werden in neun Abstufungen erläutert, von der besten der vorzüglichen Formen an.

8-81. Geeignet sind Reiskörner von Shali, Kalama und Rajashali. Mittlere Qualität haben Nivara, gewöhnlicher Reis und Bambuskörner.

8-82. Priyangu, Gerste, Weizen und Shyamaka gelten der Reihe nach als geringer. Beilagen und Joghurt betragen jeweils ein Achtel der Reismenge.

8-83. Ghee beträgt ein Zweiunddreißigstel, ebenso Zucker und Honig. Bei der täglichen höchsten Form werden acht Drona Shali-Reis verwendet.

8-84. Zu vier Verehrungszeiten, einschließlich einer nächtlichen, bringe man vier Speisen dar: Milchreis, Krisara, Zuckerreisspeise und gewöhnlichen gekochten Reis. sārdharātraṃ ist als Zeitangabe nicht eindeutig.

8-85. Dazu gehören passende Beilagen, Ghee, Joghurt, Kuchen und Säfte, Gesang, Tanz und Instrumentalmusik sowie glückverheißende Bali-Gaben für die Wesen.

8-86. Fünfhundert Lichter gehören dazu: Dies ist die beste der vorzüglichen Formen. Bei der nächsten verehre und speise man viermal mit sechs Drona.

8-87. Feueropfer, zweihundert Lichter, Gesang, Bali und Tanz werden wie zuvor ausgeführt: Dies ist die mittlere der vorzüglichen Formen.

8-88. Bei der einfachen der vorzüglichen Formen verehre man viermal, bringe fünf Drona Speise und einhundertacht Lichter dar und vollziehe Gesang, Musik und Bali.

8-89. Auch die Feuerhandlung führe man aus. Die nächste Form hat vier Drona Speise und vier angemessene tägliche Verehrungen.

8-90. Gesang und Weiteres, Bali, Feueropfer und siebzig Lichter gehören dazu: Dies ist die beste mittlere Form. Nun folgt die mittlere der mittleren.

8-91. Mit einem halben Bhara Reis vollziehe man Speisedarbringung und Verehrung wie zuvor. Das Feueropfer findet nur mittags statt, Tanz und Weiteres zweimal.

8-92. Vierzig Lichter und Bali gehören zu dieser mittleren Form. Bei der einfachen mittleren Form gibt es eine Khari Reis, viermal Verehrung und Bali,

8-93, erster Teil. Feueropfer, zwölf Lichter und Gesang.

8-93, Fortsetzung. Bei der besten einfachen Form opfert man morgens und abends je zwei Adhaka, mittags ein Shiva-Maß; tagsüber vier Lichter, nachts acht. Die Verehrung erfolgt dreimal, begleitet von fünf Instrumentenarten.

8-94. Bei der mittleren einfachen Form gibt es morgens und abends je ein Patra, mittags ein Adhaka, tagsüber zwei Lichter und nachts vier; die Puja findet dreimal statt.

8-95. Bei der einfachsten Form erfolgen Verehrung und Speisedarbringung morgens und abends mit jeweils zwei Prastha.

8-96, erster Teil. Tagsüber gibt es ein Licht, nachts zwei. So ist die einfachste Form beschrieben.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die tägliche Speisedarbringung.

8-96, Fortsetzung. Beginnend mit acht Drona bis hin zu zwölf Bhara

8-97. ist auch die anlassbezogene Speisedarbringung neunfach. Die Verehrungsformen von der höchsten an sind entsprechend zu erschließen.

8-98. Eine wunschbezogene Speisedarbringung kann auch so groß sein, wie es gelobt beziehungsweise erbeten wurde. Dafür besteht keine feste Zeitvorschrift; eine Puja mit allen Gliedern wird gepriesen.

Zwischenabschluss: Vorschrift für anlass- und wunschbezogene Darbringungen.

8-99. Für Milchreis nimmt man drei Teile Milch und einen Teil Reis. Bei Krisara sind Milch, Ghee, Reis und Sesam zu gleichen Teilen vorgesehen.

8-100. Guter Reis und gespaltene Mungbohnen werden zu gleichen Teilen genommen, Ghee halb so viel, Zucker halb so viel wie Ghee und Milch sechsmal so viel wie Reis. Mit Bananenfrüchten verbunden ist dies die Zuckerreisspeise.

8-101. Zweimalgeborene mit gereinigten Zähnen, gebadet und weiß gekleidet, waschen schweigend den Reis siebenmal mit durch den Vajra-Mantra gereinigtem Wasser und Gliedermantras. Das Feuer fachen sie mit einem Fächer oder ähnlichem Gerät an.

8-102. Den Herd meditieren sie als Shakti, das Feuer als Rudra. Mit Feuer-Bija oder Tara verehren sie es, kochen darin die Opferspeise, gießen unter Om Ghee darüber und bringen sie herbei.

8-103. Brihati, Banane, Kundahali, Kushmanda, Karkari, Karavella, Mango, frischer Ingwer, große und gewöhnliche Mungbohnen und Kokosnuss,

8-104. Bohnen mit Hülsen, Masha, Chidbhata und Kulattha sind geeignete Beilagen. Mit gekochter Banane und Ähnlichem, Zucker, scharfen Gewürzen und Salz wird eine Suppe aus Yavani und abgekochtem Joghurt bereitet. Einzelne Pflanzennamen und die Zusammensetzung der Suppe bleiben textlich unsicher.

8-105. Ebenso bereite man Klöße und Beilagen aus Ghee, Gewürzen, Salz, Yavani und geeignetem Mehl. Dann reinige man die Gefäße außen und hebe sie unter Muschelhornklang, mit Banner und Schirm, empor.

8-106. Goldene oder andere Gefäße, mit Wasser und Herzmantra gewaschen, oder Bananenblätter und Ähnliches werden mit Ghee benetzt. Darauf gebe man die Opferspeise mit Beilagen, reifen Bananen und anderen Früchten sowie Klößen. Die Verbindung hiraṇyādyamantraṃ ist unsicher.

8-107. Zucker, Honig, Milch, Joghurt und frisches wohlriechendes Kuh-Ghee gehören dazu; der Ausdruck rāgabhāgam bleibt unklar. Man lege Blüten zur Speise und überflute sie durch die Dhenu-Mudra mit vorgestelltem Nektar.

8-108. Man besprenge sie mit dem Grundmantra, gebe Wasser mit der Endung „Geliebte des Feuers“, also svaha, und bringe die Speise dar, indem die rechte Hand mit einer Blüte sie berührt.

8-109. Im Geist stelle man sich die Reis- und Ghee-Speise als göttlich und sättigend vor. Auch angenehmes, kühles und wohlriechendes Trinkwasser bringe man dar.

8-110. Der Übende gehe hinaus und opfere einen Teil der übrigen Speise im Feuer, nach der Vorschrift für Grund- und Gliedermantras mit dem jeweils zugehörigen Mantra.

8-111. Er gebe dort eine kleine Bali-Gabe, bitte das Feuer ehrfürchtig um Verzeihung und erfreue es durch Rechtsumwandlung, Verneigung und Lobpreis.

8-112. Nachdem er die Füße gründlich gewaschen und rituell Wasser geschlürft hat, gehe er hinein, stelle sich die Gottheit vollkommen gesättigt vor und gebe Mundspülwasser.

8-113. Dann bringe er Betel mit Gewürznelke, Kampfer, Takkola und Betelnuss dar und verehre mit Duft und Blüten.

Unnummerierte Fortsetzung nach 8-113: Nach Räucherwerk und Verneigung wiederhole er nach seinen Kräften den Grundmantra.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die Speisedarbringung.

8-114. Alle Glieder und das gesamte Gefolge soll man nach Möglichkeit mit den fünf Darbringungen verehren. Was an äußerer Verehrung nicht möglich ist, stelle man mit gesammeltem Geist innerlich bereit.

8-115. Andere unterscheiden die Puja nochmals nach der Zahl der Darbringungen.

8-116. Diese Einteilung erkläre ich, weil sie etwas von der vorigen abweicht: Bei einer mit der Speise endenden Puja werden zehn Darbringungen genannt,

8-117. bei einer mit dem Feueropfer endenden sechzehn, bei einer mit Bali endenden fünfundzwanzig,

8-118. bei einer mit Tanz endenden sechsunddreißig. Diese kommen in der höchsten oder in einer vorzüglichen Verehrung vor.

8-119. Sitz, Einladung, Ehrenwasser, Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Bad mit seinen Gliedern, Kleidung, heilige Schnur, Schmuck,

8-120. Augensalbe, Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht, Spiegel, Lichterschwenken, Speise, Feuerhandlung, Rechtsumwandlung,

8-121. Verneigung, Lobpreis, Instrumentalmusik, Gesang, tägliches Bali und Übergabe der Verehrung: So werden fünfundzwanzig genannt. Die Quellaufzählung erscheint bei getrennter Zählung von Musik und Gesang umfangreicher; die angegebene Gesamtzahl wird nicht durch Streichen eines Gliedes hergestellt.

8-122. Nun die fünf ersten Gaben vom Sitz an, Begießen mit den fünf Kuhprodukten, mit Milch, Joghurt, Ghee, Honig und Zuckerrohrsaft,

8-123. das Begießen und Baden nach dem Zeremoniell eines Weltenherrschers, Kleidung, heilige Schnur, Schmuck, Augensalbe, Duft und Blüten,

8-124. Räucherwerk, Licht, Spiegel, Lichterschwenken, Vorzeigen der Mudras, Speise und Verehrung des Buches,

8-125. Feuerhandlung, Betel, Sandalen, Wedel, Banner, Schirm, tägliche Prozession und anschließend Bali,

8-126. Rechtsumwandlung, Verneigung, Lobgesänge, Instrumentalmusik, Gesang, Tanz und danach Übergabe der Verehrung:

8-127. So werden mancherorts sechsunddreißig Darbringungen der Reihe nach genannt. Je nach Tantra können sie auch in veränderter Reihenfolge erscheinen.

Zwischenabschluss: Abschnitt über die drei Arten der Darbringungen.

8-128. Bali-Prozessionen und Feste sind bei der Verehrung feststehender Lingas und ähnlicher Heiligtümer vorgesehen, nicht bei beweglichen, auf Opferflächen, in Mandalas oder nur vorübergehend eingerichteten Formen.

8-129. So sind hier die Darbringungen in geordneter Folge und mit den in verschiedenen Tantras gefundenen Verfahren erläutert: die allgemeinen Vorschriften für die Gottheiten vielfältiger Mantras, damit die Übenden ihre jeweils erstrebte Frucht erlangen.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das achte Kapitel über die Darbringungen.

Besinnung zum Kapitel

Puja muss nicht an fehlenden äußeren Mitteln scheitern. Der Text lässt Raum für das innere Darbringen: Blüten, Licht und Speise können im Geist vergegenwärtigt werden. Für den heutigen Alltag kann das heißen, einen einfachen Augenblick bewusst zu gestalten – mit Dankbarkeit, Sammlung und dem Wunsch, das eigene Handeln dem Guten zu widmen.


Samanyapada, Kapitel 9: Die tägliche Praxis

Dieses Kapitel beschreibt einen religiös geordneten Tageslauf vom Erwachen bis zum Schlafengehen: Reinigung, Bad, Morgen-, Mittags- und Abendandacht, Mantra, Studium, Verehrung und Gastfreundschaft. Einen großen Raum nimmt die Deutung der Gayatri ein. Die historischen Vorschriften unterscheiden gesellschaftliche Gruppen und enthalten diskriminierende Reinheitsvorstellungen; diese werden als Quelleninhalt übersetzt. Ritualbad, Atemanhalten im Wasser und zugeschriebene Heilwirkungen sind keine heutigen Übungs- oder Behandlungsempfehlungen.

Kapiteleingang: Nun das neunte Kapitel.

9-1. Nun wird allgemein das tägliche Handeln erklärt, das die Mantras zur Vollendung führt: das eine notwendige Tun für Menschen aller Stände, Lebensstufen und religiösen Kennzeichen.

9-2. Die Seher nennen die Zeit, in der die Sterne noch leuchten, bis vor dem sichtbaren Sonnenaufgang die Morgenandacht. Dann soll man erwachen und das Lager verlassen.

Unnummeriertes Zitat Pitamahas nach 9-2: „Von der Zeit des Sternenlichts bis zum Anblick des Sonnenaufgangs heißt es Morgen-Sandhya, so sagen die Seher, die die Veden gründlich kennen.“

9-3. Man erinnere sich an das höchste Licht Shivas im Inneren des Herzlotus, das Atman genannt wird, erhebe sich und gehe an einen reinen Ort, wo reichlich Wasser leicht erreichbar ist.

Unnummeriertes Smriti-Zitat nach 9-3: „Man lege die heilige Schnur ans rechte Ohr, bedecke den Kopf mit dem Gewand und verrichte schweigend die Ausscheidung.“

9-4. Weit entfernt von Wegen und Gewässern, auf grasbedecktem Boden, die Schnur entsprechend angelegt, verrichte man tagsüber nordwärts, nachts südwärts gewandt die Ausscheidung. Danach halte man das Glied fest,

9-5. gehe zum Wasser, nehme reine Erde aus einer acht Fingerbreiten tiefen Grube, lege sie rechts bereit und reinige sich vorschriftsmäßig mit Erde und Wasser.

9-6. Einmal Erde am Glied, dreimal an den Händen, fünfmal am After, siebenmal an der linken Hand und zehnmal an beiden Händen: Dies ist die einfachste Reinigung.

9-7. Zweimal am Glied, viermal an den Händen, zehnmal am After und an der linken Hand, zwölfmal an beiden Händen: Dies ist die mittlere Vorschrift.

9-8. Dreimal am Glied, fünfmal an den Händen, fünfzehnmal am After, zwölfmal an der linken und ebenso oft an beiden Händen: Dies ist die vorzügliche Reinigung.

9-9. Man stehe auf, lege die Kleidung richtig an, wasche Füße und Beine bis zum Kniegelenk sowie die Hände mit reiner Erde und Wasser und reinige den Mund durch Spülen.

9-10. Für weltliche Erfüllung Suchende eignen sich Zahnhölzer von Plaksha, Mango, Jambu, Kakubha, Ashvakarna, Maluraka, Ashoka, Lavanga, Vikankata, Udumbara oder Champaka.

9-11. Das Holz misst zwölf eigene Fingerbreiten, ist kleinfingerdick und berindet. Man sitze schweigend nach Osten und kaue beziehungsweise benutze es rechtsläufig, beginnend bei den unteren linken Zähnen.

9-12. Für Befreiungssuchende werden dornige Bäume, Shirisha, Arjuna, Naktamala und Apamarga empfohlen. Ihr Zahnreinigungsholz ist acht Fingerbreiten lang.

9-13. Nimba, Dhatri, Dhava, Shelu, Shigru, Vanira, Eranda, Gras und Kusha werden hier als ungeeignet genannt. Man benutze kein Zahnholz stehend, sprechend, liegend oder mit eingeöltem Körper.

9-14. Nicht beim Fasten vor dem Fastenbrechen, nicht unter dem Geburtsmondhaus, an Festtagen, dunklen Tagen, am achten Mondtag oder bei einer Ahnenfeier soll man die Zähne mit Fingern oder Nägeln reinigen. Die Beziehung des letzten Verbots zu den vorausgehenden Tagen bleibt syntaktisch mehrdeutig.

Unnummeriertes Zitat aus dem Sardhatrishatika-Kalottara: „Am ersten Mondtag, an Festtagen, am sechsten oder neunten, o Guha, wird der Gebrauch von Holz an den Zähnen als großer Fehler bezeichnet.“

9-15. Ebenso reinige man die Zunge, werfe das Zahnholz weit fort, spüle den Mund zwölfmal, vollziehe Achamana und beginne das Bad.

9-16. Das Bad in Ganga und anderen hervorragenden Flüssen gilt als höchstes, an heiligen Badeorten und in anderen Flüssen als vorzüglich, in Seen und Teichen als mittel, in Brunnen oder Häusern als gering.

9-17. Für ein Brunnenbad verwende man Wasser, das gebadete Zweimalgeborene in reinen Gefäßen gebracht haben. Warmes Wasser gilt hier nicht als ritualgeeignet, sondern als für Kranke zugelassen.

9-18. Man grabe acht Fingerbreiten tief, nehme die darunterliegende Erde mit dem Waffenmantra und fülle die Grube wieder auf. Die Lesung asnataḥ ist auffällig; Waffenmantra ist aus dem Zusammenhang erschlossen.

9-19. Am gewaschenen Ufer lege man sie unter dem Kopfmantra ab, reinige sie mit dem Haarknotenmantra und teile sie mit dem Schutzpanzermantra dreifach.

9-20. Mit einem Teil bestreiche man den Körper bis zum Nabel, wasche ihn ab und vollziehe schweigend Achamana. Mit dem zweiten, durch das leuchtende Waffenmantra geweihten Teil bestreiche man die Glieder.

9-21. Ein Zweimalgeborener spreche die Erde mit dem Mantra an, der mit „Du bist emporgehoben“ beginnt; ein anderer mit der folgenden Formel. [Der Rest der Vershälfte ist in der Quelle ausgelassen.]

Unnummeriertes Erdgebet nach 9-21: „Von dir kommen stets das Tragen und Nähren der Wesen, o Göttin. Durch diese Wahrheit befreie mich, den Fehlbaren, von Schuld, o Tragende!“

9-22. [Versanfang verloren.] Dann verschließe man die Sinne, halte den Atem an und tauche ins Wasser, während man den Waffenmantra vergegenwärtigt,

9-23. leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit. Noch vor Sonnenaufgang sitze der Zweimalgeborene im Wasser nahe dem Ufer und vollziehe Sandhya.

9-24. Zuerst verehre er die Brahmi-Sandhya, dann die Waffen-Sandhya; ein anderer die Mantra-Sandhya. Nach dem Emporschleudern des Wassers vollziehe er das vorschriftsmäßige Bad.

9-25. Mit dem eigenen Mantra am Körper geschützt und des Atman im Herzlotus bewusst, nehme er den dritten Teil der zuvor gesammelten Erde und stehe nabeltief im Wasser.

9-26. Auf der linken Hand teile er die Erde nochmals dreifach. Den südlichen Teil bespreche er mit dem Waffenmantra, den östlichen mit dem eigenen Grundmantra, den nördlichen

9-27. mit dem Gliedermantra. Den südlichen nehme er mit dem auf hum phat endenden Waffenmantra und werfe ihn zum Schutz in die zehn Richtungen.

9-28. Den östlichen, mit dem Grundmantra besprochenen Teil gebe er mit der rechten Hand ins Wasser, bewege es im Kreis und vergegenwärtige Shivas heiligen Badeort.

9-29. Mit dem übrigen Teil, durch Gliedermantras sonnenhell, bestreiche er den ganzen Leib und lade den betreffenden heiligen Badeort mit dessen eigenem Namen ein und verehre ihn

9-30. mit verfügbaren Düften und Blüten oder gesammelt im Geist. An großen Flüssen und Meerespilgerstätten nenne man keine anderen heiligen Badeorte.

9-31. Sonst werde das Bad fruchtlos und der örtliche heilige Ort erzürne; deshalb unterlasse man es. In gewöhnlichem Wasser aber ist die Nennung der Ganga und anderer heiliger Wasser vorgesehen.

9-32. Sie gewährt deren jeweilige Frucht; deshalb rufe man sie dort an. Dann halte man den Atem gesammelt an und tauche dreimal unter.

9-33, erster Teil. Untergetaucht wiederhole man nach Kräften innerlich den eigenen Grundmantra mit seinen Gliedern.

Eingeschobene Überleitung: Ferner, wenn es ein Zweimalgeborener ist:

9-33, Fortsetzung. Innerlich rezitiere er den Hymnus, beginnend mit „Zum goldgehörnten Varuna nehme ich Zuflucht“. Unter Wasser verweilend, soll er durch dieses Aghamarshana nach seinen Kräften die gesamte Schuldmenge abwaschen.

9-34. Wie sich selbst eine große Salzmenge im Wasser sogleich auflöst, so vergehe, heißt es, durch Aghamarshana selbst eine große Menge an Verfehlungen.

9-35. Im Wasser stehend stelle man sich linke und rechte Hand als Mond und Sonne, als zwei Shiva-Gestalten, vor. Mit dem Grundmantra und der Gefäß-Mudra begieße man den Kopf, auch unter den Gliedermantras.

9-36. Ein Zweimalgeborener begieße sich nach Kräften mit Pavamana-, Purusha- und Shri-Hymnen, gehe ans Ufer und lege zwei reine, weiße, unbeschädigte eigene Gewänder an.

9-37. Nach dem Bad reibe man die Glieder weder mit der Hand noch mit einem nassen Tuch ab.

9-38. Man solle Andersgläubige, als sündig geltende Personen, Hunde, ausgegrenzte Menschen und Unreines nicht ansehen, ebenso wenig Scheiterhaufen, deren Holz, Opferpfosten oder Chandalas. Die sozialen Zuschreibungen gehören zur historischen Quelle.

9-39. Nach Berührung eines Devalaka, eines berufsmäßigen Tempeldieners, wird ein erneutes Bad samt Kleidung vorgeschrieben. Bei anlassbezogenen Handlungen, bei Finsternissen, Neumond

9-40. und den beiden Sonnenwenden oder an heiligen Badeorten darf man bekleidet baden. Ebenso nach Erbrechen, Kontakt mit Samen, Kot, Urin, Speiseresten oder an Lepra Erkrankten,

9-41. nach Rasur, Meerberührung außerhalb der Festtage, Kontakt mit Angehörigen der als niedrig eingestuften oder Pratiloma-Gruppen sowie mit Katzen,

9-42. nach Bartpflege oder dem Überqueren eines Flusses vollziehe man ein Wasserbad. Bei Gabe, Bad, Japa, Trankspende und Feueropfer

9-43. trage man stets einen Pavitra-Grasring; sonst gelte die Handlung als asurisch. Ebenso wenn jemand mit gelöstem Haarknoten, nackt, plaudernd oder verhüllt

9-44. ein Götterritual oder eine andere Handlung ausführt. Beim Fußwaschen und an den Händen verwende man stets einmal Erde.

9-45. Vor Bad und allen anderen Handlungen, vor Mahlzeiten und nach der Reinigung von Urin und Weiterem wasche man Hände und Füße. Die Satzfügung um saṃviśet ist unsicher.

9-46. Nun werden die in der allgemeinen Smriti gelehrte Achamana-Vorschrift, die vedische Sandhya sowie die tantrische Waffen-Sandhya erläutert.

9-47. Bei Zweimalgeborenen liegt der Götterort an den Fingerspitzen, der Brahma-Ort am Daumenansatz, der Seherort an den Gelenken, der Prajapati-Ort am kleinen Finger und der Ahnenort am Zeigefingeransatz.

9-48. Diese Stellen befinden sich an der rechten Hand; ihre Fläche heißt Feuerort, die andere Mondort. Man vollziehe jede Götterhandlung über den zugehörigen Ort und schlürfe Wasser beim Achamana über den Brahma-Ort.

9-49. An der Daumenspitze ist Feuer, an der Zeigefingerspitze Wind, an der Mittelfingerspitze Sonne, an der Ringfingerspitze Indra; der kleine Finger gehört Prajapati. So sind die Finger der rechten Hand des Brahmanen Gottheiten zugeordnet.

9-50. Wer Achamana vollziehen will, sitze nach Osten oder Norden, mit heiliger Schnur und gebundenem Haarknoten, den Armen zwischen den Knien. Schweigend, leicht geneigt und gesammelt nehme er Wasser auf.

9-51. Man schlürfe zuvor betrachtetes, reines, nicht heißes Wasser ohne verdorbenen Geschmack oder Geruch, ohne Insekten, Schaum und Blasen.

9-52. Dreimal getrunkenes Wasser reinigt nach der Vorschrift die drei oberen Stände, wenn es Herz, Kehle beziehungsweise Mund erreicht; ebenso Frauen, Shudras und die genannten weiteren Abstammungsgruppen. Dreimaliges Schlürfen erfreut die Verkörperungen der drei Veden; zweimaliges Abwischen erfreut Atharvaveda, die sechs Hilfswissenschaften, die Opfergestalten und Feuer.

9-53. Das Berühren der Augen mit Daumen und Ringfinger erfreut die Sonne, der Nasenöffnungen mit Daumen und Zeigefinger die Winde, der Ohren mit Daumen und kleinem Finger die Richtungen. Am Nabel erfreut man die Vasus, am Herzen den Atman, an den Schultern den Himmel und am Kopf mit allen Fingern die Seher.

9-54. Man reinige sich durch zweimaliges Achamana nach jeder Unreinheit, nach Fußwaschen, Lösen des Hüftbandes oder Haarknotens, nach Spucken, Gähnen und Niesen.

9-55. Man trinke dreimal Wasser, besprochen mit Atma-, Vidya- und Shiva-Tattva, jeweils verbunden mit „dem Herrn“ und namah. Dies gilt als Shiva-Achamana.

9-56. Mit dem Waffenmantra streiche man über die Lippen und berühre mit dem Sarvatman-Mantra die Sinnesöffnungen. So ist im Zusammenhang mit Sandhya das Wasserbad erklärt.

Zwischenabschluss: Abschnitt über Wasserbad und Achamana.

9-57. Wenn möglich, vollziehe man auch die weiteren Bäder, beginnend mit dem Feuerbad.

9-58. Das Feuerbad ist das Bad mit Asche, dem die Vernichtung sämtlicher Verfehlungen zugeschrieben wird. Shiva selbst badete damit, mit der aus seinem eigenen Feuer hervorgegangenen Asche.

9-59. Zuerst vollziehe man das Wasserbad, dann das Feuerbad. In einer Notlage oder bei körperlicher Unfähigkeit kann auch nur das Feuerbad erfolgen.

9-60. Zu den drei Sandhya-Zeiten, vor Japa, zu Beginn und Ende der religiösen Lebensübung, nach Essen, Schlafen, Wassertrinken oder den notwendigen Körperverrichtungen,

9-61. ferner nach Berührung einer Frau, der als Anuloma bezeichneten Menschen, einer Maus oder unreiner Dinge wird das Feuerbad vorgeschrieben, wie es im Atharva gelehrt wird. Die Reinheitseinteilung wird hier nicht als heutige Bewertung übernommen.

9-62. Vor Gottheit, Feuer, Guru und Wissen beziehungsweise Älteren [Variantenangabe der Quelle], beim Anblick ausgegrenzter Menschen, auf unreinem Boden oder auf einem Weg soll der Kundige sich nicht mit Asche bestäuben.

9-63. Die Shiva-Lehre unterscheidet vier Aschearten: Kalpa, Anukalpa, Upakalpa und Akalpa. Die jeweils frühere gilt als besser.

9-64. Von einer gesunden Kuh mit Kalb nehme man Dung, bevor er den Boden berührt, mit Lotus-, Palasha- oder anderen geeigneten Blättern.

9-65. Der reine Zweimalgeborene verwende dabei Gayatri, ein anderer den Grundmantra mit seinen Gliedern; im Shiva-Feuer verbrannt heißt diese Asche Kalpa.

9-66. Reinen Kuhdung aus dem Wald, fern vom Dorf, bringe man herbei und verbrenne ihn wie zuvor im Shiva-Feuer: Das ist Anukalpa.

9-67. Aus abgebrannten Wäldern nehme man Asche, forme sie mit Kuhurin zu Klumpen, reinige sie und verbrenne sie erneut im Shiva-Feuer.

9-68. Das ist Upakalpa-Asche. Nun Akalpa: Asche aus dem Kuhstall eines besonders geeigneten Brahmanen oder aus einem Tempel

9-69. wird wie zuvor zubereitet. Diese heißt Akalpa. Alle vier Aschearten seien frei von Vermischung verschiedener Arten,

9-70. nicht von anderen in Besitz genommen und nicht durch fremde Handlungen oder Berührungen verunreinigt, fein, rein, unschädlich, weiß und in einem Gefäß aufbewahrt.

9-71. So ist sie für das Feuerbad geeignet, wie Brahmashambhu lehrt. Sie soll nach Kräften mit dem Shiva-Mantra besprochen und gut geschützt sein.

9-72. Man nehme sie mit der rechten Hand aus dem Behälter, bespreche sie und reinige sie durch Konzentrationen gemäß der Bhutashuddhi, der Reinigung der Elemente.

9-73. Zuerst bespreche man sie mit dem sechsgliedrigen Mantra und gebe sie auf die linke Hand. Mit dem Waffenmantra vollziehe man vom Kopf an der Reihe nach das von Unreinheit befreiende Bad.

9-74. Dann bestreue der Zweimalgeborene mit Ishana-, Purusha-, Aghora-, Vama- und Sadya-Mantras der Reihe nach Kopf, Gesicht, Herz, Genitalbereich und die Glieder bis zu den Unterschenkeln,

9-75. also den gesamten Leib. Andere tragen die drei Aschestriche an Stirn, Schultern, Herz und weiteren Stellen; ebenso Brahmanen und die übrigen Berechtigten.

Unnummerierte Fortsetzung und Shruti-Zitat nach 9-75: Aufgrund der Autorität des Veda sollen sie die Asche mit der Triyayusha-Formel auftragen: „Die dreifache Lebensdauer Jamadagnis, Kashyapas und Agastyas; die dreifache Lebensdauer der Seher und der Götter – diese dreifache Lebensdauer sei mir zuteil. Shiva ist dein Name.“ Die Verbindung der Sehernamen ist in der gelieferten Formel nicht durchgehend gleichmäßig; sie bleibt ohne Ergänzung.

Zwischenabschluss: Abschnitt über das Feuerbad.

9-76. Wenn bei wolkenlosem Himmel und scheinender Sonne Regen fällt, erhebe man die Arme,

9-77. spreche den Ishana-Mantra und vollziehe das Mahendra-Bad über sieben Schritte. Mit dem durch den Wind herbeigetragenen Staub, den Kuhhufe aufwerfen,

9-78. vollzieht ein Zweimalgeborener inmitten der Kühe unter Tatpurusha oder dem Kuhhymnus das Windbad; ein anderer unter einem Kuh-Lobpreis oder „Den Kühen Verehrung“.

9-79. Dieses Windbad soll alle Verfehlungen beseitigen. Grundlage und vorzüglichstes aller Bäder ist hier jedoch das Wasserbad.

9-80. Deshalb vollziehe man zuerst das Wasserbad und dann die anderen. Das vedische Mantrabad geschieht mit „Ihr Wasser seid …“ und weiteren Mantras,

9-81. das tantrische durch Besprengen mit eigenen Grund- und Gliedermantras. Wer so durch Aufstehen, notwendige Körperverrichtungen, Reinigung, Zahnpflege

9-82. und Bad gereinigt ist, soll Sandhya verehren. Der Zweimalgeborene vollzieht zuerst die vedische, dann die tantrische Form.

9-83. Ebenso Kshatriyas und Vaishyas; andere allein die tantrische. Daher wird zuerst die vedische beschrieben,

9-84. wie sie in der Smriti Pitamahas und weiterer Lehrer steht; die tantrische folgt den Agamas. Nach dem vorgeschriebenen Bad, mit gewaschenen Händen und Füßen,

9-85. mit Achamana und Pavitra, besprenge sich der Zweimalgeborene mit dem betreffenden Mantra. Eine Ausführung mit Kenntnis von Seher, Versmaß, Gottheit und Anwendung

9-86. trägt Frucht; andernfalls gilt sie als asurisch. Beim mit Dadhikravan beginnenden Mantra gilt Vamadeva als Seher,

9-87. Anushtubh als Versmaß, Wasser und die Vishve Devas als Gottheiten. Nach dem Besprengen damit trinke der Zweimalgeborene besprochenes Wasser.

9-88. Der mit „Sonne und …“ beginnende Mantra hat Gayatri als Versmaß, Savitri als Gottheit und Agastya als Seher; auch Agni wird genannt.

9-89. Nachdem man damit Wasser getrunken und Achamana vollzogen hat, besprenge man sich mit den Wassergottheiten gewidmeten Mantras, Dadhikravan und den mit „Ihr Wasser seid …“ beginnenden.

9-90. Für letztere gilt Sindhudvipa als Seher, Wasser als Gottheit, Gayatri als Versmaß; die Anwendung ist Besprengen.

9-91. Dann fülle man die zusammengelegten Hände mit Wasser, stehe nach Osten und meditiere das höchste Licht, Brahman, das im Herzen aller Welten gegenwärtig ist.

9-92. Man erkenne seine im Sonnenkreis befindliche Stätte als verkörperte Stadt. Mit Tara, den Vyahritis und Savitri werfe man das Wasser der Shruti gemäß empor. Die Wendung dehātmakaṃ puram ist nicht eindeutig aufzulösen.

9-93. Dieses Wasser werde zum Donnerkeil und vernichte augenblicklich die feindlichen Mächte. Dann vollziehe man eine Rechtswendung, Achamana und rezitiere die Savitri.

9-94. Auf reinem Boden, schweigend und auf Kusha, zur Sonne gewandt, rezitiere man vor Japa dreimal Gayatri mit zehn Om-Lauten, ihrem Kopfteil und den Vyahritis, verbunden mit Pranayama nach Vermögen. Dadurch soll man gereinigt und für Japa geeignet werden.

9-95. Beim Pranava ist Brahma der Seher, Gayatri das Versmaß; während der Meditation ist höchstes Brahman die Gottheit, beim Feueropfer Agni,

9-96. beim Japa die dreifache vedische Gottheit, sonst die Vishve Devas. Seine Anwendung ist am Anfang des Veda und zur Eröffnung der Rede.

9-97. Die Versmaße der sieben Vyahritis sind Gayatri, Ushnih, Anushtubh, Brihati, Pankti, Trishtubh und Jagati. Ihre Seher sind Atri, Bhrigu, Kutsa, Vasishtha, Gautama, Kashyapa und Angiras.

9-98. Ihre sieben Gottheiten sind Feuer, Wind, Sonne, Herr der Rede, Varuna, Indra und die Vishve Devas. Ihre Orte sind die sieben Welten von Bhur an.

9-99. Vishvamitra ist der Seher der Savitri, der erhabene Savitri selbst ihre Gottheit, Gayatri ihr Versmaß. An diese drei soll man sich erinnern.

9-100. Sie besteht aus vierundzwanzig Lauten. Beim Japa ist sie dreizeilig, je acht Laute; bei Feueropfer und Verehrung vierzeilig, je sechs Laute.

9-101. Der Kopfteil der Gayatri, beginnend mit „Om, Wasser, Licht …“, hat Brahma als Seher, Anushtubh als Versmaß und Paramatman als übergeordnete Gottheit.

9-102, Anfang. Oder Prajapati gilt als Gottheit des abschließenden Kopfteils.

9-102, Fortsetzung. Für die mit „Sie möge kommen“ beginnende Einladung ist Vamadeva der Seher, Anushtubh das Versmaß und die Göttin selbst die Gottheit. Nachdem der Kundige Gayatri so eingeladen hat, wiederhole er sie mit Darbha in der Hand.

9-103. Man vergegenwärtige die Göttin mit sechs Leibesräumen, drei Füßen und fünf Köpfen, weiß, mit Lotusaugen, feuerleuchtender Haarflamme, Mutter der Veden, die Erde als Fußbank. Die sechs Richtungen bilden ihren Bauch; die drei Welten ruhen in ihrem Inneren. Sie blickt einem entgegen, die Puranas sind ihr Nabel.

9-104. Lautlehre, Ritualkunde, Astronomie, Sprachwissenschaft und Etymologie sind ihre fünf Köpfe. Wind ist ihr Prana, Vishnu ihr Atman, Brahma ihre Stirn, Rudra ihr Haarknoten, Rede ihre Zunge.

9-105. Die Ordnung der Versmaße bildet ihre beiden Brüste, die Dharma-Lehre ihr Herz. Ihr Haar ist dicht; die Entfaltung der Logik sind ihre Arme, Feuer ihr Mund, Mond und Sonne ihre Augen, Sterne ihre Halskette.

9-106. Mimamsa und Atharvaveda sind ihre Bewegung, Vedanta ihr Geist, Yoga und Samkhya ihre Ohren. Die Mantras sind ihre Nase; alle Opfer bilden die herausragende Schönheit ihrer Glieder. Die Zuordnung von Nase und Mantras ist in der knappen Satzfügung nicht völlig eindeutig.

9-107. So meditiere man stets die Göttin und strebe durch Japa und Weiteres ihre Verwirklichung an. Nun werden die nach Sandhya-Zeiten verschiedenen Meditationsformen für das Gelingen des Japa beschrieben.

9-108. Morgens meditiere man Savitri, die Mutter der drei Welten und des Rigveda, jung, auf einem Schwan und weißen Lotus im Sonnenkreis. Rote Edelsteine schmücken sie; sie hat acht Augen und vier Gesichter. Ihre vier Hände tragen Gebetskette, Opferlöffel, Gefäß und Stab.

9-109. Mittags erscheint die Vishnu-artige Savitri auf Garuda, lotusäugig, saphirblau, vierarmig, mit Muschel und Rad, die Welt erhaltend und den Yajurveda hervorbringend. Bewegte Halsketten strahlen an ihr; im Sonnenkreis trägt sie gelbe Gewänder.

9-110. Abends meditiere man Savitri von reifem Alter, fünfgesichtig und dreiäugig, den Samaveda hervorbringend. Ihr gelbbraunes Flechtenhaar leuchtet wie Blitze und trägt den Mond; Edelsteine ihrer Schlangenzier lassen die Aschesalbung erstrahlen. Sie trägt Khatvanga und Dreizack, zeigt Furchtlosigkeit und Schenken und ist mit Tigerfell bekleidet.

Unnummerierte Erläuterung nach 9-110: Gemeint ist, dass man sie bei der Abendandacht auf einem Stier reitend meditiert.

9-111. So sind für die drei Sandhya-Zeiten drei Meditationsgestalten der Savitri gegeben.

9-112. Nun die Gottheiten ihrer einzelnen Laute: Feuer, Prajapati, Soma, Ishana und Sonne,

9-113. Brihaspati, Indra, Bhaga, Aryaman, Savitri, Tvashtar, Pushan, Indra zusammen mit Feuer und Wind,

9-114. Ishvara, Mitra zusammen mit Varuna, Skanda, die Vishve Devas, Vishnu als Radträger, die Vasus, die Maruts, der Reichtumsherr, die Ashvins und Brahma.

Unnummerierter Anschluss: Sie gelten der Reihe nach als Gottheiten der Laute von tat an.

9-115. Tara wurde schon allgemein erläutert. Nun wird die Bedeutung der sieben Vyahritis in ihrer Folge erklärt: Bhur, Bhuvah, Svar, Mahas, Janas, Tapas

9-116. und Satya. Das Licht im Sonnenkreis heißt Bhur durch sein Sein; Bhuvah, weil es als Ursache und Wirkung besteht; Svar, weil es das Selbst in den Welten ist.

9-117. Mahas, weil es Licht und Größe ist; Janas, weil es das innere Selbst aller Wesen ist; Tapas, weil es leuchtet und Finsternis vertreibt. Als höchstes, unendliches wird es Satya, Wahrheit, genannt.

9-118. Nun wird die Verbindung der Vyahritis mit dem Pranava erklärt.

9-119. Bhur ist a, Bhuvah u, Svar m, Mahas Bindu, Janas Nada, Tapas Shakti; Satya ist die Nada-Ende genannte Stufe.

9-120. Zum Verständnis der Savitri wird ihre Bedeutung erklärt. Tat ist ein Akkusativ Singular und bezeichnet Brahman,

9-121. das höchste Licht im Sonnenkreis. Savituh steht im Genitiv und wird aus der Wurzel des Hervorbringens erklärt:

9-122. des mächtigen unmittelbaren Hervorbringers von Regen und Lebewesen. Varenyam heißt erwählenswert für jene, die die Früchte der vier Lebensziele erstreben.

9-123. Die ersten acht Laute werden von der Vyahriti Bhur umfasst. Bhargas ist durch Hingabe zugänglich oder heißt so, weil es Schuld zerbricht.

9-124. Devasya steht im Genitiv: des Herrn, der Regen und Weiteres gibt, der durch Glanz strahlt oder aus sich selbst leuchtet.

9-125. Dhimahi wird aus der Wurzel dhyai, betrachten, erklärt: Wir betrachten jenes als Sonne und als Shiva zu erkennende Licht.

9-126. Die zweiten acht Laute werden von Bhuvah umfasst. Dhiyah bedeutet Erkenntniskräfte; die Form des Mantras wird als vedischer Sprachgebrauch erklärt.

9-127. Auch ein Geschlechtswechsel wird nach einer grammatischen Regel über Nominal- und Verbalformen angenommen. Yah bezieht sich auf jenes Licht; nah ist eine Genitivform des Pronomens,

9-128. und bedeutet hier „unser“. Prachodayat ist eine Bitte: „möge er anregen“. Die dritte Achtlautgruppe gehört zur Vyahriti Svar.

9-129. So betrachten wir das eine reine Licht des Hervorbringers der Welt: erwählenswert, Schuld zerstörend und das Erwünschte gewährend. Möge jener erhabene höchste Herr uns Einsicht schenken!

9-130. Damit ist die Bedeutung der Savitri erklärt. Nun ihr Kopfteil: „Wasser, Licht, Essenz“ bezeichnet das Leuchten von Mond und Feuer.

9-131. Dieses Leuchten ist Nektar, Brahman und Sonne als Atman. Hat man diese Bedeutungen verstanden, setze man sie der Reihe nach am Körper ein.

9-132. Mit ihren Wörtern vollziehe man Nyasa an Kopf, Brauenmitte, Augen, Mund, Kehle, Herz, Nabel, Genitalbereich, Knien und beiden Füßen.

9-133. Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva, verbunden mit Sarvatman und den jeweiligen Endungen, bilden der Reihe nach die Gliedermantras.

9-134. Nachdem man Gayatri so eingesetzt und Seher und Weitere verehrt hat, wiederhole man sie mit gesammeltem Atem; der Text verheißt unendliche Frucht.

9-135. Man wiederhole die sieben durch Pranava getrennten Vyahritis, nochmals Pranava und Savitri samt Kopfteil: Dies soll hundertfache Frucht bringen.

9-136. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit wiederhole man so eintausendachtmal; wenn dies nicht möglich ist, hundertmal oder auch nur zehnmal.

9-137. Die jeweils höhere Zahl gilt als vorzüglicher; die eigene Fähigkeit zur Wiederholung soll man nicht verkümmern lassen. Für die Entlassung dient der Vers „Auf dem höchsten Gipfel …“.

9-138. Seine Gottheit ist Savitri, sein Versmaß Anushtubh, sein Seher Vamadeva. Die mit „Mitras …“ beginnenden Verehrungsmantras haben Kaushika als Seher,

9-139. Mitra als Gottheit und Gayatri sowie Anushtubh als Versmaß. Nach einer Rechtsumwandlung verehre man die Richtungen samt ihren Herren,

9-140. dann die fünf Gottheiten von Sandhya an und wende sich der aufgehenden, tausendstrahligen Sonne zu.

9-141. Man meditiere das eigene Selbst als höchstes Selbst, verneige sich zu dessen Füßen und vollziehe dann Götterverehrung, Feueropfer und Japa.

Überleitung nach 9-141: Nun werden besondere Anwendungen der Savitri erklärt.

9-142. Mit zurückgezogenen Sinnen, an einem geeigneten Ort, stehend und gesammelt, die Sonnenscheibe betrachtend, wiederhole man hunderttausendmal und opfere ebenso oft mit Kuhprodukten bestrichenen Sesam. So werde der Hingebungsvolle ein im Mantra vollendeter großer Mensch. Die Quelle bietet hier eine historische Praxis- und Wirkungsbeschreibung.

9-143. Zehntausend Wiederholungen im nabeltiefen Wasser sollen Verfehlungen tilgen; mit Prayuta-Wiederholungen die Nebenverfehlungen, mit hunderttausend alle Verfehlungen. Prayuta wird wegen schwankender historischer Zahlenverwendung nicht stillschweigend umgerechnet.

9-144. Eine Million Wiederholungen in halstiefem Wasser sollen selbst schwer Schuldige reinigen; dreitausend Wiederholungen von unerlaubtem Essen sowie Verfehlungen in Rede und Geist.

9-145. Dreißigtausend Sesam-Ghee-Opfer sollen vorzeitigen Tod, Krankheit und Leid abwehren; dreihunderttausend Durva-Opfer mit den drei süßen Stoffen sogar den zeitbestimmten Tod.

9-146. Reisopfer sollen einen Sohn, Bilva und Lotus Wohlstand, Palasha Vieh, Reis mit Ghee Nahrung, Kumuda und Utpala Kleidung, Vetasa Regen verleihen. Ein Zeichen aus Kuhdung, Shila, Sandel und Gorochana, dreitausendmal berührt beziehungsweise besprochen, soll Menschen beeinflussen. Die letzte Rezept- und Anwendungsfolge ist beschädigt und nur sinngemäß wiedergegeben.

9-147. Das Feueropfer einer aus Fußstaub gefertigten Figur soll einen anderen töten, jedoch keinen Brahmanen. Holz des Kali-Baumes soll Zwietracht erzeugen, dessen Blätter im Feuer Vertreibung. Historische schädigende Ritualzuschreibung.

9-148. Ein Opfer mit Kunda-Blüten soll eine junge Braut verschaffen, Karavira Vollendungen. Durch zehn Millionen Wiederholungen werde man ein im Luftraum Wandelnder unter Göttern und großen Sehern.

9-149. Man opfere auch Milchreis, Ghee, Sesam und Durva-Sprossen

9-150. sowie Holz der vier Milchsaftbäume, jeweils dreitausendmal. Was man dabei beabsichtigt, soll bald gelingen.

9-151. Opfert man Milchreis, Ghee, Sesam und Durva je tausendmal pro Mantralaut, soll man langes Leben erhalten.

9-152. Zehntausend Opfer roter, mit den drei süßen Stoffen benetzter Lotusse sollen Wohlstand schenken; Reis mit Ghee Nahrung. Zuvor vollziehe man vorschriftsmäßig Agnimukha und Weiteres.

9-153. Nach ordnungsgemäßer Einrichtung des Feuers lade man die Sonne in dessen Mund ein und verehre sie. In ihren Herzlotus

9-154. lade man Savitri mit dem Mantra ein und meditiere sie in der für Sandhya beschriebenen Form, mit Duft und Blüten verehrt und vom Nektar des Dvadashanta überströmt.

9-155. Wer dabei seine Absicht bestimmt und opfert, erlange die Frucht. Nun folgt das mittägliche Handeln, dem ein Bad vorausgeht.

9-156. Das Bad erfolgt wie zuvor; nun werden die vedischen Besonderheiten genannt. Außer beim Morgenbad soll man vor dem Bad die Zähne nicht erneut reinigen.

9-157. Untergetaucht rezitiere man von „Goldgehörnter …“ bis zum zweiten „Sie mögen reinigen“. Nach Achamana nehme man Wasser in die zusammengelegten Hände,

9-158. spreche von „Gute Freunde …“ bis „mögen sein“ und werfe es mit „Schlechte Freunde …“ bis „wir hassen“ in Richtung des Feindes. Dann vollziehe man schweigend Achamana.

9-159. Mit „Was an den Wassern grausam ist …“ bis „möge fortgehen“ bewege man das Wasser dreimal mit der Hand, tauche unter und gehe ans Ufer.

9-160. Man sitze nieder, vollziehe Achamana, bespreche das Wasser auf der Hand mit „Die Wasser mögen reinigen …“ bis svaha und trinke es.

9-161. Danach erneut Achamana. Seher dieses Mantras ist Brahmanaspati, Gottheit das Wasser, Versmaß Anushtubh.

9-162. Mit Darbha in der Hand besprenge man sich unter den drei mit „Ihr Wasser seid …“ beginnenden Versen sowie den Mantras „Goldfarben, rein …“, „Pavamana …“ und „Suvarjana …“.

9-163. Nach dem Besprengen tauche man den Leib ins Wasser und rezitiere die drei Verse von „Ordnung und Wahrheit …“ bis zu dem als khar bezeichneten Schluss.

9-164. Mit angehaltenem Atem vollziehe man innerlich dreimal Aghamarshana. Wer dazu fähig ist, verwende auch die mit den überlieferten Anfängen „imāg …“, „Wasser …“ und „Varuna …“ bezeichneten Mantras,

9-165. bis „Suvano indu …“. Nach diesem Aghamarshana steige man heraus, wringe das Gewand aus und lege zwei reine, saubere Gewänder an.

9-166. Man wasche die Füße, vollziehe schweigend Achamana, bringe Trankspenden wie bei der Morgenandacht dar und wiederhole Savitri nach Kräften.

9-167. Stehend betrachte man die Sonne, sitzend rezitiere man nach Osten. Dann bringe man der Sonne eine Handvoll Blüten oder bloß Wasser dar.

9-168. Mit erhobenen Armen verehre man die Sonne und rezitiere die mit Udvayam, Udutya, Chitram und Tach chakshuh beginnenden Mantras.

9-169. Als Seher wird Hiranyayupa genannt. Für das Paar von Udutya an wird Trishtubh als Versmaß und Sonne als Gottheit angegeben.

9-170. Die dritte Formel hat Gayatri, die vierte Jagati; für den mit Tach chakshuh beginnenden Mantra wird Ushnih und Savitri genannt. Die Nummerierung der Formelgruppen ist im Text nicht widerspruchsfrei zuzuordnen.

9-171. Dann vollziehe man Brahmayajna, das als Svadhyaya, Studium und Rezitation, bezeichnet wird. Ashvalayana setzt die Zeit der Trankspende nach Brahmayajna an,

9-172. andere unmittelbar nach der Sonnenverehrung. Mit Grund- und Gliedermantras nach der Vorschrift ihres Agama

9-173. sollen Eingeweihte Gottheiten, Seher, Ahnen und andere mit Wasser sättigen. Beim Bad störe man das Wasser nicht mit Füßen und dergleichen,

9-174. reinige keinen Schmutz im Gewässer und wasche darin keine Kleidung. Geschieht dies aus Unachtsamkeit, wird folgende Sühne genannt:

9-175. Ein Zweimalgeborener rezitiere von „Verehrung dem Feuer im Wasser“ bis „Verehrung den Wassern“ und verehre so; ein anderer sage „Den Wassern Verehrung“.

9-176. Dann erbitte man die Zustimmung der Wasser, entlasse die heiligen Badeorte mit ihren Gottheiten, ebenso Seher und Ahnen, und gehe zum Verehrungshaus.

9-177. Dort verehre man die geliebte Gottheit nach der Unterweisung des eigenen Agama und Lehrers, wiederhole den jeweiligen Mantra und vollziehe Feueropfer, Vaishvadeva und Bali.

9-178. Nach deren Abschluss speise man nach Vermögen Gäste und Unterhaltsberechtigte und esse dann selbst mit Kindern und anderen Angehörigen, ohne die Speise zu verachten.

9-179. Nach dem Essen entferne man Speisegeruch und Beläge, reinige die Zähne, vollziehe Achamana und nehme auch einen Mundduftstoff.

9-180. Den übrigen Tag verbringe man angenehm mit Studium und sinnvollem Zeitvertreib. Wenn die Sonne halb untergegangen ist, begehe man die Abendandacht

9-181. wie zuvor, jedoch ohne Zahnreinigung. Nach Bad, Achamana und Besprengen trinke man Wasser mit dem „Feuer und …“ beginnenden Mantra.

9-182. Man werfe Wasser empor und wiederhole Gayatri nach Kräften. Mit den Versen von „Dieses mein, Varuna …“ an verehre man und verfahre weiter wie zuvor.

9-183. Man verehre die Gottheit mit Duft und weiteren Gaben, wiederhole nach Kräften den Mantra, verneige sich und vollziehe Vaishvadeva und Bali.

9-184. Als Haushälter esse man mit Gästen, Bediensteten und anderen und schlafe auf einem reinen, ordentlich mit weißem Tuch bereiteten Lager.

9-185. Nicht oberhalb von Kühen, Brahmanen, Gottheiten oder Feuer, nicht an engem Ort, nicht unter beziehungsweise längs eines Balkens und nicht mit dem Kopf nach Norden oder Westen soll man schlafen.

9-186. Nicht nackt, nicht mit nassen Händen und Füßen, nicht eingeölt oder unrein. Sind die Mittel vorhanden, sei der Raum mit Baldachin, Licht und Gefäß geschmückt.

9-187. Mit Mantras am Leib geschützt, mit schützenden Düften geschmückt, darf der Haushälter seine tugendhafte, ihm zugetane und geschmückte eigene Frau

9-188 1/2, erster Teil. außerhalb der Festtage aufsuchen, um Nachkommen zu zeugen.

9-188 1/2, Fortsetzung. So ist im Zusammenhang mit Sandhya der vorschriftsmäßige tägliche Handlungskreis zusammengefasst: das in Shruti, Smriti und Tantra für die Stände Gelehrte, das sichtbare und unsichtbare erwünschte Früchte schenken soll und von Sehern gepflegt wird. Mögen die Guten, auf einem rechten Weg wandelnd, es freundlich annehmen wie ihren eigenen Schatz.

Kapitelabschluss: Damit endet in der Ishanagurudeva Paddhati, im Tantrasara, das neunte Kapitel über die tägliche Praxis.

Besinnung zum Kapitel

Der Tageslauf verbindet Sammlung mit Lernen und Fürsorge. Die Bitte um Einsicht in 9-129 und die Gastfreundschaft in 9-178 können auch heute Orientierung geben: Beginne bewusst, halte Raum für Studium und denke beim eigenen Wohlergehen an andere. Historische Ausschlüsse sind dafür keine Voraussetzung.


Shiva und Parvati als Begleitbild zur Beziehung von Bewusstsein und göttlicher Kraft.

Moderne Begleitung: Kundalini – die kosmische Kraft

Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.

Samanyapada, Kapitel 10: Die innere Reinigung der Elemente

Dieses Kapitel führt von der äußeren Vorbereitung in die innere Meditation. Der Körper wird als durchlässiger Raum betrachtet, seine Elemente werden gedanklich aufgelöst und in gereinigter Gestalt neu hervorgebracht. Shiva und Shakti erscheinen dabei als Bewusstsein und schöpferische Kraft. Atemlenkung, Mantras und Visualisierungen bilden eine zusammengehörige historische Ritualpraxis. Die Aussagen über Krankheit, Alter und Tod sind Verheißungen des Textes; sie sind keine medizinischen Wirkungsnachweise.

10-10-1. Nach der Verneigung vor Shambhu, der die Mondsichel trägt, vor Bhava, der das Werden und Vergehen durchtrennt, wird nun kurz die Reinigung des eigenen Wesens mitsamt der Reinigung der Elemente erläutert. Sie dient dem Gelingen von Yoga, Japa und den weiteren Übungen.

10-10-2. Nachdem der Übende ordnungsgemäß gebadet und die Sandhya-Verehrung vollzogen hat, geht er zum Verehrungsraum und reinigt seine Füße. Er nimmt rituell Wasser zu sich, tritt nach der Vorschrift ein und setzt sich schweigend auf einen geeigneten Sitz.

10-10-3. Im eigenen Körper, vom Scheitel bis zu beiden Füßen, stellt er sich einen überaus feinen Hohlraum vor. Zunächst vergegenwärtigt er außerhalb die klare Shakti, deren Glanz dem freien Raum gleicht, und dann diese Kraft im Inneren des Körpers.

10-4. Er meditiert über das leuchtende Bija Hum, hält die Lebenshauche unter Kontrolle und sammelt den Geist darin. Am Ende des Ausatmens durchbricht er nacheinander die Knoten mit dem Waffenmantra, das auf Phat endet.

10-5. Als fünf besonders von Dunkelheit und Unreinheit erfüllte Knoten gelten diejenigen im Herzen, in der Kehle, am Gaumen, zwischen den Brauen und am Scheitel. Durch ihre Öffnung wird der Weg durch die Nadis frei.

10-6. Beim Einatmen lenkt er den Atem wieder nach innen. Im angehaltenen Atem betrachtet er im eigenen Herzlotus den unversehrten Jiva als Bindu, als Bewusstsein, das mit dem als »Sa-Ende« bezeichneten Lautprinzip verbunden ist. [Die Lautbezeichnung bleibt im Wortlaut technisch und mehrdeutig.]

10-7. Mit dem nach oben strömenden Lebenshauch führt er den Jiva durch den Weg der Sushumna zum eigenen Scheitel. Durch den als Uddhata bezeichneten inneren Anstoß, verbunden mit der Tätigkeit des Bija, führt er ihn zu Shiva im Dvadashanta, dem zwölf Fingerbreiten entfernten oberen Meditationspunkt.

10-8. Dort ist der weiße, tausendblättrige Lotus zu erreichen, der nach unten weist und vom Nektar des Raumes erfüllt ist. In seiner Mitte befindet sich Shiva. [Die einleitende Angabe des Ausgangspunktes der zwölf Fingerbreiten ist in der gelieferten Lesung unklar.]

10-9. In Shiva aufgegangen und durch die Gliedermantras geschützt, stellt er sich den Körper als abwärts gerichteten Baum vor. Dann löst er die sechsunddreißig Tattvas in umgekehrter Folge jeweils in ihre Ursachen auf.

10-10. Es sind Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum; Geruch, Geschmack, sichtbare Gestalt, Berührung und Klang; Geschlechtsorgan, Ausscheidungsorgan, Füße, Hände und Sprache; sodann Nase …

10-11. … Zunge, Augen, Haut und Gehör; Manas, Ichbewusstsein, Buddhi und die Urnatur; der individuelle Geist, Begehren, Begrenzung durch Ordnung, begrenztes Wissen, begrenzte Handlungskraft, Zeit und Maya …

10-12. … reines Wissen, Ishvara, Sadashiva, Shakti und Shiva. Dies sind die sechsunddreißig Tattvas in der rückläufigen Reihenfolge, jeweils mit ihrer übergeordneten Ursache.

10-13. Die fünf Elemente, beginnend mit dem Raum, sind in rückläufiger Folge ineinander zu reinigen. Dazu gehören die mit Ishana beginnenden herrschenden Formen sowie die zugehörigen Laute, Meditationsbilder, Silben, Kalas und Gottheiten.

10-14. Das Erdmandala ist viereckig, gelb und mit dem Vajra bezeichnet. Es besitzt die Eigenschaft des Geruchs und ist mit Sadyojata, dem Geruchssinn, der Kala Nivritti und der viergesichtigen Gottheit Brahma verbunden.

10-15. Durch das Bija Hlam sowie Einatmen und Atemanhalten wird es vom Scheitel bis zu den Fußsohlen ausgedehnt. Es wird durch fünf Uddhatas gereinigt; man stellt sich dann vor, dass es in die Luft eingeht. [Die Zuordnung zur Luft wird so überliefert; sie wird hier nicht an eine erwartete Elementfolge angeglichen.]

10-16. Das Bild des Wassers ist halbmondförmig, weiß und mit einem weißen Lotus bezeichnet. Es ist mit Geschmack, Geschmackssinn, Vamadeva, Vishnu und der Kala Pratishtha verbunden und so zu reinigen.

10-17. Mit dem als »hrī/« gelieferten Bija und vier Uddhatas wird es bis zur Feinheit gebracht; der anschließende Übergang ist sprachlich unklar. Das Feuermandala ist ein rotes Dreieck, mit der Kala Vidya verbunden und mit einem Svastika bezeichnet. [Weder das beschädigte Bija noch der Elementübergang werden ergänzt.]

10-18. Es besitzt Sehsinn und sichtbare Gestalt und ist mit Rudra und Aghora verbunden. Mit dem Bija Hrum wird es gereinigt. Nach drei Uddhatas betrachtet man es als in das Wasser eingegangen und den ganzen Körper durchdringend. [Auch hier wird die gelieferte Elementzuordnung bewahrt.]

10-19. Das Luftbild ist schwarz, sechseckig und mit sechs Punkten bezeichnet. Es ist von Purusha beherrscht und mit Haut, Berührung, der Kala Shanti, Ishvara und dem Bija Hy aim verbunden. Nach zwei Uddhatas heißt es in der Quelle »zur Erde geworden«. [Bija und Schlusszuordnung sind auffällig und nicht vereinheitlicht.]

10-20. Das Bild des Raumes ist rund und kristallklar; es ist mit Gehör, Klang, Bindu und Shakti verbunden. Dazu gehören Ishana, Sadashiva und die jenseitige Kala Shantyatita. Ein Uddhata reinigt es mit der auf Hum Phat endenden Formel.

10-21. Mit dem Strom des Mondnektars aus dem Wurzelmantra im Dvadashanta überflutet er alles. Nach dieser Reinigung der Elemente bringt er die Tattvas in ihrer richtigen Reihenfolge wieder hervor.

10-22. Sein reiner Körper ist nun durch Shivas Willen entstanden. Mit dem Pranava bereitet er im Herzen einen Sitz und vergegenwärtigt dort die segensreiche, alles durchdringende Shakti. Den mit seinem Bija verbundenen Jiva, der in Shiva ruht …

10-23. … führt er beim Einatmen vom Dvadashanta durch die Nadi in die Mitte des Herzlotus zurück und lässt ihn dort ruhen. Nachdem er den Körper mit den Nektarströmen des Wurzelmantras überflutet hat, beginnt er die Verehrung und die weiteren Handlungen.

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Reinigung der Elemente.

10-24. Nun wird eine andere Reinigung des eigenen Wesens erklärt. Bei ihr wird der Körper durch Austrocknen und weitere Vorgänge gereinigt. Indem sie alle Fehler vernichte und Reinheit schenke, lasse sie – so heißt es hier – auch Krankheit, Alter und Tod schwinden.

10-25. Wie zuvor betrachtet er im Körper den inneren Hohlraum und die Shakti, die ihn innen und außen durchdringt. Geist und Jiva ruhen in Hum; mit dem einströmenden Atem beherrscht er die Lebenshauche. [Nach der Versmarke steht in der Quelle zusätzlich ein abgebrochenes »10-«.]

10-26. Mit dem Waffenmantra durchbricht er die Knoten bis zum Ende des Ausatmens. Dann führt er durch Einatmen den Lebenshauch zurück und sammelt im Herzen das Bewusstsein mit dem durch das »Sa-Ende« bezeichneten Jiva als unversehrtes Licht.

10-27. Mithilfe von Atemanhalten und Uddhata zieht er ihn durch die Sushumna nach oben bis zum eigenen oberen Grenzpunkt und verbindet ihn mit Shiva im Dvadashanta. Die Tattvas löst er in rückläufiger Ordnung auf.

10-28. Auch die Buchstaben löst er rückwärts auf, beginnend mit Ksha, Ha und Sa, und lässt die Lautfolge in Shakti eingehen. Den leer gewordenen Körper stellt er sich als bloße Unreinheit und Verfehlung vor; dann vergegenwärtigt er im Nabelzentrum …

10-29. … im Luftmandala den stark rauchfarbenen Laut Yam und entfacht einen heftigen Wind. Den eigenen Körper betrachtet er als Baum des Samsara, dessen Zweige nach unten und dessen Wurzeln nach oben weisen.

Unnummeriertes Zitat nach 10-29 – Brahmashambhu: »Dort soll der Baum des Daseins, der den Körper bildet, als nach unten gewandt betrachtet werden.«

10-30. Mit dem Wind, der aus dem Nabel hervortritt, lässt er diesen Baum austrocknen; ebenso denkt er sich Verfehlung und Unreinheit ausgetrocknet. Durch fünf Uddhatas und das Zurückhalten des Lebenshauches vollzieht er diese Austrocknung. Danach …

10-31. … vergegenwärtigt er im Herzlotus das Bija namens Chintamani. Seine chiffrierte Zusammensetzung wird mit »letzter Laut«, »Gift«, »Feuer«, »Luft«, Anugraha, Halbmond und Nada bezeichnet. Im Feuermandala nimmt es die Gestalt des Feuers an. [Aus diesen Chiffren wird keine gesicherte Lautform ergänzt.]

10-32. Er setzt es dort ein und betrachtet, wie die tausend Flammen des im Sechseck strahlenden Dreizacks die Menge der Verfehlungen, die als Körper erscheint, vollständig verbrennen. Schließlich stellt er sich alles als Asche vor.

Unnummerierte Alternative nach 10-32: Im Parakhya und im Paushkara heißt es: »Er verbrenne ihn mit der Pashupata-Waffe.« Deshalb kann er ihn auch mit dem Pashupata-Waffenmantra verbrennen.

10-33. Mit dem Bija des heftigen Windes treibt er die ganze Asche fort und zerstreut sie in alle Richtungen. Den Körper betrachtet er nun als leer wie den Raum, rein und nur noch von heilsamem Verdienst erfüllt.

Unnummeriertes Zitat nach 10-33 – Brahmashambhu: »Im angehaltenen Atem stelle er sich vor, dass das Ausgetrocknete durch das Feuer völlig verbrannt ist. Beim Ausatmen wird das zu Asche Gewordene durch die Luft in die zehn Richtungen aufgelöst. Durch die letzte [Kraft] betrachte er den Raum als rein und fleckenlos.« [Die Vorlage enthält hier die auffällige Abschlussmarke »10-iti«.]

Anschließendes unnummeriertes Zitat, dem Shri-Kalottara zugeordnet: »Der Verständige verbrenne den Körper und betrachte ihn als einen Haufen Asche.«

10-34. Shiva, der im Lotus des Raumes ruht, will durch seine Shakti und deren Kräfte des Willens, Handelns und Wissens schöpferisch tätig sein. Aus Shakti bringt der Übende daher mittels der Buchstaben die Tattvas und aus diesen den Körper wieder hervor.

10-35. Er erschafft ihn und betrachtet ihn als Weltei, als Gesamtheit der Welten, gereinigt und von den Fesseln befreit. Den zuvor im Dvadashanta eingesetzten Jiva mit seinem Bija zieht er zusammen mit dem einströmenden Lebenshauch herab …

10-36. … führt ihn durch die Scheitelöffnung auf dem inneren Weg zur Mitte des Herzlotus und setzt ihn dort als Shiva, als eigenes Wesen, ein. Aus dem Raumlotus mit Mondkalas und Vokalen, dem sechzehnblättrigen Träger der Nektarkräfte …

Unnummerierte Fortsetzung vor 10-37: … soll er durch den Weg der Sushumna den Körper entsprechend den Vokalen in umgekehrter Reihenfolge einzeln erfüllen.

10-37. Die sechzehn Kalas heißen Amrita, Manasi, Tushti, Pushti, Priti, Rati, Shri, Shanti, Svadha, Kanti, Jyotsna, Haimavati, Prabha, Purani, Vama und als sechzehnte Ama.

Unnummerierte Körperstellen nach 10-37: Die Stellen sind der rechte große Zeh, Knöchel, Knie, Hüfte, Bauch, Handgelenk, Oberarm und die rechte Scheitelhälfte; entsprechend folgen die Stellen auf der linken Seite. Dort setzt er die Kalas in umgekehrter Folge ein. [Dieser Vers trägt in der gelieferten Fassung keine Marke 10-38.]

Unnummerierte Einsetzungsformeln: »Ah: Verehrung der Ama. Am: Verehrung der Vama. Aum: Verehrung der Purani.« [Die unterschiedliche Sanskritgestalt der Silben wird in der gesonderten Mantrasammlung bewahrt; die deutsche Lautannäherung ersetzt sie nicht.]

Unnummerierte Erläuterung: Auf diese Weise setzt er die sechzehn Kalas vom großen Zeh bis zum Scheitel ein und erfüllt den Körper nach und nach mit ihrem Nektar. So lautet die Unterweisung.

10-39. Im eigenen Lotus betrachtet er das Wasser, halbmondförmig und hell wie der Vollmond, verbunden mit dem Vokal der betreffenden Kala. Mit Nektar, weiß wie Muschel, Jasminblüte, Mond und Kuhmilch, füllt er durch den Weg der Brahmaöffnung den eigenen Körper.

Unnummeriertes Zitat nach 10-39 – Brahmashambhu: »Nachdem er ihn ununterbrochen mit diesem weißen Nektarstrom übergossen hat …«

Weiteres Zitat – Shri-Kalottara: »Dort vergegenwärtige er sich die Mondscheibe auf einem weißen Lotus. Sie lässt göttlichen Nektar strömen, die Ursache für das Entstehen des Körpers.«

10-40. Der Körper erscheint sechzehnjährig, aus reinem Wissen bestehend, von Nektarfluten überströmt und durch eine Fülle heilsamer Verdienste gewonnen. Wer ihn auch nur einmal in dieser Weise als rein im Geist betrachtet, der wird nach dieser Lehre zum Yogi.

10-41. Durch solche Übung wird der Mensch von selbst in seinem Wesen rein und empfängt durch Ishvaras Gnade Shaktipata, das Herabkommen der göttlichen Kraft. Durch Japa, Verehrung und weitere Übungen erlangt er dann das Erstrebte; klare, wohltuende Rede strömt aus seinem Mund.

Unnummerierter Schlussvers: Ein stark verunreinigter Körper wird nicht allein durch besondere Arten von Wasser und durch Waschen vollkommen rein. Darum wende ich mich täglich dieser zweifachen, auch das Innere umfassenden Reinigung des eigenen Wesens zu, die von den Weisen mit ihren Regeln gelehrt worden ist.

Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das zehnte Kapitel über die Reinigung der Elemente und die damit verbundenen Themen.

Zur Besinnung

Das Bild vom leeren, anschließend mit Licht und Nektar erfüllten Körper stellt eine innere Erneuerung dar. Für die heutige Betrachtung kann daraus die Frage entstehen, welche Gewohnheiten unsere Wahrnehmung verengen und wie wir mit größerer Klarheit handeln können. Diese Anregung ist eine heutige Deutung. Die im Kapitel beschriebenen Atem- und Mantraverfahren gehören dagegen zum spezifischen Ritualweg des Werkes.


Samanyapada, Kapitel 11: Die Verehrung und Reinigung des Ortes

Unter dem Gesichtspunkt der Diksha, der Einweihung, erläutert das Kapitel zunächst die Heiligung des Ortes. Ein geometrischer Grundriss wird als Körper des Vastu-Wesens verstanden und mit Gottheiten besetzt. Anschließend folgen Opfergaben, Feuerhandlungen und Schutzrituale. Fleisch, Blut und andere hier genannte Stoffe gehören zu den historischen Ritualvorschriften. Die geometrischen und religiösen Vorstellungen werden als Lehre des Werkes wiedergegeben.

Kapiteleingang: Nun das elfte Kapitel.

11-1. Nun wird die Diksha erklärt, welche die Mantras zur Vollendung führt. Sie ist vierfach: die allgemeine Mantra-Einweihung, die Shaiva-Einweihung, die Shakta-Einweihung und die Vaishnava-Einweihung.

11-2. Weil sie göttliches Sein verleiht und Maya, Unreinheit sowie Karma schwinden lässt, und weil ihre Frucht die vier Lebensziele umfasst, trägt sie den Namen Diksha.

11-3. Die Mantra-Einweihung gilt als allgemeine Einweihung für die verschiedenen Mantragruppen. Sie betrifft die mit den Zweimalgeborenen beginnenden Stände und ebenso die Shaivas, Shaktas und Vaishnavas.

11-4. Während die Sonne ihren nördlichen Lauf nimmt, bei einer günstigen Sternkonstellation, an einem guten Mondtag und unter einem günstigen Aszendenten, in der zunehmenden Mondhälfte, soll die Einweihung zu einer Zeit vollzogen werden, die Lehrer und Schüler Wohlergehen bringt.

11-5. Bei Einweihungen, bei Arbeiten an Tempeln, Hallen und Wohnhäusern sowie zur Befriedung von Hindernissen soll zuerst der Herr des Ortes verehrt werden. Dies dient der Verwirklichung der jeweiligen Vorhaben.

11-6. Der gewaltige Asura namens Vastvisha erhielt einst von den Göttern eine Gunst und ist hoch zu verehren. Er liegt beständig mit ausgestreckten Händen und Füßen, das Gesicht nach unten, auf der Erde, von Gottheiten begleitet.

11-7. Die Gottheiten befinden sich an seinem Körper: zweiunddreißig äußere und weitere, deren Anzahl hier mit »Prakriti« bezeichnet wird. Brahmanen verehren sie im Plan mit vierundsechzig Feldern, Könige und die anderen im Plan mit einundachtzig Feldern. [Die Zahlchiffre wird nicht stillschweigend aufgelöst.]

11-8. Am vorgesehenen Ort wird der Boden mit frischem, in Wasser gelöstem Kuhdung bestrichen. Zunächst legt man ein Quadrat an und teilt es in beiden Richtungen achtfach. Dies ist das Feld mit vierundsechzig Unterfeldern.

11-9. Teilt man es dagegen neunfach und markiert die Schnüre mit gemischtem Mehlpulver, entsteht der Plan mit einundachtzig Feldern, der für Tempel und Könige genannt wird.

11-10. Im Plan mit vierundsechzig Feldern legt man auch die diagonalen Schnüre in den Ecken an. In den vier mittleren Feldern wird zuerst Brahma verehrt; anschließend die weiteren Gottheiten.

11-11. Jeweils in den beiden Feldern der Hauptrichtungen, beginnend im Osten, befinden sich Aryaman, Vivasvat, Mitra und Mahidhara. Nun nenne ich die Götter in den paarweise angeordneten halben Eckfeldern dazwischen.

11-12. Im Südosten befinden sich Savitra und Savitar, im Südwesten Indra und Indrajaya, im Nordwesten Rudra und Rudrajaya, im Nordosten Ap und Apavatsa. Danach werde ich die acht Gottheiten außerhalb der vier Ecken nennen. [Die Vorlage enthält an einer Stelle eine geklammerte Lesungsalternative.]

11-13. Es sind Sharva-Skanda, Yamahn(a), Jambhaka, Pilipinjaka, Charaki, Vidari, Putana und Paparakshasi. [Die Namensfolge und insbesondere »yamāhnaśca« sind unsicher; später begegnet an der entsprechenden Stelle Aryaman.]

11-14. Die Gottheiten der zweiunddreißig Felder in den vier äußeren Reihen sind nun der Reihe nach zu kennen, beginnend im Osten und auf die vier Himmelsrichtungen verteilt.

11-15. Im Osten stehen acht Gottheiten: Ishana, Parjanya, Jayanta, Indra, Arka, Satya, Bhrisha und Antariksha.

11-16. Im Süden stehen Agni, Pushan, Vitatha, Yama, Griharakshaka, Gandharva, Bhringaraja und Mriga.

11-17. Im Westen stehen Nirriti, Dauvarika, Sugriva, Varuna, Pushpadanta, Asura, Shosha und Papayakshma.

11-18. Im Norden stehen Marut, Naga, Mukhya, Bhallata, Nishakara, Argala, Diti und Aditi.

11-19. Das Haupt des Vastospati liegt nach der gelieferten Angabe bei Ishana; Hände und Füße werden im Nordwesten, Südosten und Südwesten verortet. Parjanya ist bei den Augen, Diti am Mund, Apavatsa an der Kehle. Aditi und Argala sind bei den Ohren, Jayanta an den Schultern. [Die erste Vershälfte verbindet Richtungs- und Körperangaben undeutlich; die genaue Verteilung von Kopf und Händen bleibt offen.]

11-20. Shakra und Nishakara befinden sich an den Armen, Rudra am Rücken. Savitra, Savitar, Roga und Shosha befinden sich an den Händen. Brahma ist am Nabel; Mahidhara und Aryaman an den Brüsten, Mitra und Vivasvat am Bauch; Indra und ein weiterer Genannter am verborgenen Körperbereich. [Die letzte Zuordnung ist sprachlich unklar.]

11-21. Ishana wird mit Ghee, ungebrochenem Reis und Wasser verehrt, Parjanya mit duftendem Wasser und Wasserlilien. Jayanta erhält eine gelbe Fahne; Mahendra wird mit rotem Reis und Lichtern verehrt.

11-22. Surya erhält gelben Reis und einen Baldachin, Satya gekochten Reis mit Ghee. Bhrisha wird mit einer Weizenspeise verehrt, Antariksha mit schwarzen Bohnen und Fleisch.

11-23. Agni wird mit einem Opferlöffel verehrt, Pushan mit geröstetem Korn und Vitatha mit Gold. Griharakshaka erhält Honig und gekochten Reis, Yama Fleisch und Reis.

11-24. Gandharva erhält duftende Blumen; Bhringaraja die Zunge eines Vogels. Mriga wird mit Sesam und Gerste verehrt, Nirriti nach der Vorschrift mit einer für die Ahnen bestimmten Körner-Hülsenfrucht-Speise.

11-25. Dauvarika erhält schöne Zahnreinigungshölzer, Sugriva Gerste und Räucherwerk, Pushpadanta Büschel von Kusha-Gras, Varuna weiße Lotusse.

11-26. Asura wird mit Honig und ungebrochenem Reis verehrt; Shosha erhält mit Ghee vermischte Speise, Papayakshma Wildreisspeise und Vayu mit Ghee bereitete Fladen.

11-27. Naga erhält Naga-Blüten, Mukhya süße Klöße, Bhallata Reis mit Mungbohnen. König Soma erhält Honig, Milchreis und Ghee.

11-28. Argala wird mit ungebrochenem Shali-Reis verehrt, Diti mit rotem gekochtem Reis und Ghee, Aditi mit Speisen aus schwarzen Bohnen. So verehrt man die zweiunddreißig der Reihe nach.

11-29. Apas erhält Milch, Apavatsa Dickmilch und Ghee-Klößchen. Savitra wird verehrt; für Savitar werden Speisen genannt, deren Bezeichnung »Kushargala« hier nicht sicher aufgelöst werden kann.

11-30. Indra erhält mit Kurkuma gefärbten Reis und Ghee, Indrajaya reinen Reis. Für Rudra ist gekochtes Fleisch bestimmt, für Rudrajaya rohes Fleisch.

11-31. Die vier mit Marichi beginnenden Gottheiten werden an ihren jeweiligen Plätzen der Reihe nach mit Klößchen, rotem und weißem Reis sowie schwarzen Bohnen mit Ghee verehrt. [Der Bezug der Namensgruppe »Marichi und die anderen« auf die vorherige Aufzählung bleibt unklar.]

11-32. Brahma wird mit Ghee, ungebrochenem Reis, den fünf Kuhprodukten, duftenden Blumen, Opferspeise und Sesam verehrt. Im Osten verehrt man Sharva-Skanda mit Ghee und Milchreis.

11-33. Im Süden erhält Aryaman Fleisch mit Ghee. Im Westen wird Jambhaka mit gelbem Blütenkranz und Fleisch verehrt; im Norden Pilipinja …

11-34. … mit kräftig roten Blumen und Speisen. So gibt man die Bali-Gaben. Im Nordosten erhält Charaki Fleisch, gekochten Reis und in Ghee bereitete Kuchen.

11-35. Außen im Südosten erhält Vidari eine Bali-Gabe aus Galle und Fleisch; im Südwesten Putana Dickmilch und roten Reis.

11-36. Im Nordwesten verehrt man Paparakshasi mit Milch, Galle, Knochen, Blut und Speise. Alle werden unter ihrem eigenen Namen mit der Endung »Verehrung« und mit den zugehörigen Ehrungen verehrt.

11-37. Außen bringt man anschließend den acht Arten von Wesen Bali dar. Sind die jeweils angegebenen Stoffe nicht vorhanden, werden Blumen und ungebrochener Reis verwendet …

Unnummerierte Fortsetzung vor 11-38: … zusammen mit gut duftendem Räucherwerk, Lichtern und reiner Speise: So ist die Bali-Gabe vorgeschrieben.

11-38. Man verehrt sie mit ihren eigenen Namen, jeweils mit dem Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende, unter Darbringung der fünf Ehrengaben. Nachts bringt man die Bali-Gabe dar, weiß gekleidet und mit reinem innerem Empfinden.

11-39. Wenn die Gottheiten im Körper des Vastu so gebührend verehrt werden, schenken sie nach dieser Lehre das Gelingen der jeweiligen Handlungen und Befriedung.

11-40. Im Plan mit einundachtzig Feldern setzt man Vastospati wie zuvor ein. Brahma wird in den neun mittleren Feldern verehrt. Außerhalb davon nehmen die mit Savitra beginnenden Gottheiten jeweils zwei Felder in den Ecken ein, beginnend im Südosten. Dazwischen befinden sich der Reihe nach die vier mit Marichi beginnenden Götter.

11-41. Im äußeren Ring stehen, vom Osten ausgehend, die zweiunddreißig Gottheiten mit Ishana am Anfang, jede in einem einzelnen Feld; sie werden wie zuvor verehrt. Außerhalb, ohne eigenes Rasterfeld, befinden sich Charaki im Nordosten, Vidari im Südosten, Putana im Südwesten und die Rakshasi im Nordwesten.

11-42. Die vier mit Sharva-Skanda beginnenden Gottheiten stehen ebenfalls außerhalb, ohne Rasterfeld. Man verehrt sie der Reihe nach im Osten, Süden, Westen und Norden.

11-43. Nach einem dieser beiden Verfahren ruft man den Herrn des Ortes herbei und verehrt der Reihe nach auch die Gottheiten, die sich an den Feldern seiner Körperglieder befinden.

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über das Einsetzen und Verehren des Vastu.

11-44. Haben Zweimalgeborene auf diese Weise die Vastu-Gottheiten verehrt, sollen sie das Vastu-Feueropfer vollziehen. Vastupati soll dadurch besänftigt werden, nach dem von Bodhayana gewiesenen Weg.

11-45. Wer ein neues Haus oder ein ähnliches Gebäude betreten will, schmückt es zunächst schön mit Torbögen und weiteren Zierden. Er richtet den Schlafplatz des Auftraggebers ein, reinigt ihn mit dem Pranava und verehrt Ganesha.

11-46. Er bestimmt die Mitte des Grundstücks und bestreicht nordöstlich davon eine quadratische Fläche von der Größe einer Kuhhaut mit Kuhdung. Dann vollzieht er das Ziehen der Linien und die weiteren Vorbereitungen.

11-47. Nach den Vorschriften seines eigenen Grihya-Textes richtet er dort das Feuer ein und vollzieht dessen eröffnende Riten. Er opfert der Reihe nach, mit den vorgeschriebenen Mantras, in Kuhmilch gekochte und mit Ghee übergossene Speise.

11-48. Zunächst spricht er den Einleitungsvers, der mit »Herr des Ortes, erkenne uns an« beginnt, und dann die Opferformel mit dem Anfang »Herr des Ortes, … heilvoll … dein Beisammensein«. Dazu bringt er die Gabe dar. [Der zweite Formeleingang ist in der gelieferten Worttrennung unsicher und wird nicht aus einer anderen Quelle vervollständigt.]

11-49. Es folgen die Mantras mit den Anfängen »Herr des Ortes, fest ist der Pfosten …«, »Was im Haus Furcht …« und »Wenn das Auge zuckt …« …

11-50. … ferner bei schlechtem oder unheilvollem Traum die Formel mit dem Anfang »Was [im] Traum …« sowie »Herr des Ortes, sei uns förderlich …« …

11-51. … und »Krankheit vertreibend, Herr des Ortes …«. Nachdem er mit diesen vedischen Mantras und dem kleinen Opferlöffel Ghee geopfert hat …

11-52. … vollzieht er das Svishtakrit-Opfer für die gute Vollendung des Geopferten und die anschließenden Riten bis zur Gabe einer Kuh. Dann breitet er vor dem Feuer Darbha-Gras aus und legt den Opferrest …

11-53. … mit der Formel »Verehrung Rudra, dem Herrn des Ortes …« darauf. Mit demselben Mantra spült er den Kochtopf aus und gießt das Wasser …

11-54. … in ein Gefäß. Er vereinigt es mit dem übrigen Ghee und Wasser. Mit dem Mantra und einem Zweig des Udumbara-Baumes …

11-55. … oder einem Palasha-Zweig oder einem Büschel Darbha-Gras besprengt er Tempel, Haus oder das betreffende Gebäude überall, wobei er dreimal im Uhrzeigersinn …

11-56. … umhergeht. Danach ehrt er die Brahmanen und bewirtet sie unter der Formel »Du bist der Brahmane, du bist der Seher …«.

Unnummerierter Abschluss vor 11-58: Er lässt Segenswünsche sprechen und die Worte: »Heilvoll sei der Ort.«

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über das Vastu-Feueropfer. [Eine Versmarke 11-57 ist nicht vorhanden.]

11-58. Nachdem man einen Tempel, ein Wohnhaus, eine Trinkwasserhalle oder einen Verehrungsraum errichtet und vom Handwerker übernommen hat, umgibt man ihn mit drei Schnüren und einer Girlande aus Kusha-Gras. Überall streut man Getreide und ungebrochenen Reis aus; in die Mitte stellt man einen gefüllten Krug und eine Lampe.

11-59. Dann rezitiert man den vollständigen Hymnus mit dem Anfang »Mache …«. An jeden Halbvers fügt man den mit »Verbrenne die …« beginnenden Halbvers an. So wird er bei Japa und den übrigen Handlungen zur Abwehr schädlicher Wesen eingesetzt. [Die Quelle gibt nur die Sanskritanfänge an; der Hymnus wird hier nicht ergänzt.]

11-60. Im Südosten richtet man eine Opferfläche und darauf vorschriftsmäßig das Feuer ein. Nach den eröffnenden Feuerhandlungen opfert man mit den beiden Versen, deren Anfang »Den Dämonentöter, den kraftvollen …« lautet.

11-61. Wieder opfert man der Reihe nach Ghee mit den Mantras, die mit »Mache …« beginnen, ebenso mit den fünf einzeln verwendeten [Versen] und mit den vier Anfangsmantras der Veden.

11-62. Diese beginnen: »Zur Stärkung dich …«, »Agni preise ich …«, »Agni, komm herbei …« und »Heil uns, ihr Göttlichen …«.

11-63. Danach opfert er mit den fünf vedischen Durga-Versen. Der erste Durga-Vers beginnt mit »Dem Jatavedas …«.

11-64. Der zweite beginnt mit »Jene Feuerfarbene …«. Der dritte beginnt mit »Agni, du führe uns hinüber …«.

11-65. Der vierte Mantra wird durch den Anfang »Alle Schwierigkeiten für uns …« bezeichnet; der fünfte beginnt mit »Den Kampfbesieger …«.

11-66. Mit diesen fünf Durga-Versen opfert er jeweils Ghee, sodann mit den Vyahritis und noch einmal mit dem Aghora-Waffenmantra.

11-67. Danach bringt er hundertacht Opfergaben aus Apamarga-Brennholz und Ghee sowie aus Speise mit Ghee dar. Anschließend vollzieht er das Svishtakrit-Opfer. Das übrige Ghee und Wasser nimmt er …

11-68. … zusammen mit der Asche, mischt alles in einem Gefäß und gibt Apamarga-Saft hinzu. Damit reinigt er das gesamte Gebäude und besprengt es ringsum mit Darbha-Gras.

11-69. Er nimmt das Feuer, stellt es im Nordosten oder an einer Wegkreuzung ab und entlässt es. In den Himmelsrichtungen bringt er Bali-Gaben mit dem genannten Wasser und Speiseklößen dar. So schließt er die Handlung ab.

11-70. Dies ist die beschriebene Befriedung zur Abwehr schädlicher Wesen. Ihr werden die Beseitigung von Krankheit, vorzeitigem Tod und Störungen durch ergreifende Mächte sowie Schutz und die Vermehrung von Wohlstand, Erfolg und Lebensdauer zugeschrieben, wenn sie nach der Vorschrift ausgeführt wird.

11-71. Aus Anlass der Einweihung wurden somit die im Tantra gelehrte Vastu-Verehrung, Bali und Feueropfer sowie die schützende Befriedung ordnungsgemäß erklärt, unter Berücksichtigung der Lehre des Meisters Baudhayana.

Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das elfte Kapitel über die Wissenschaft vom heiligen Ort.

Zur Besinnung

Ein Ort wird in diesem Kapitel durch Aufmerksamkeit, Ordnung und Verehrung auf eine religiöse Handlung vorbereitet. Als heutige Anregung lässt sich daraus die Wertschätzung des Raumes mitnehmen: Ein sauberer, ruhig gestalteter Platz kann daran erinnern, mit gesammeltem Geist in die eigene Praxis einzutreten. Die Einzelheiten des Vastu-Opfers bleiben dabei historische Ritualvorschriften des Werkes.


Samanyapada, Kapitel 12: Die Aussaat der Glück verheißenden Keime

Das Wachsen von Saat wird hier in die Vorbereitung großer Verehrungsfeste einbezogen. Gefäße, Erde, Wasser, Samen und Mondverehrung bilden eine gemeinsame Ritualordnung. Zum historischen Verfahren gehört auch die Deutung des Pflanzenwachstums als Vorzeichen. Diese Deutungen sind religiöse Aussagen des Textes und keine verlässlichen Vorhersagen über Krankheit, Tod oder äußeren Erfolg.

Kapiteleingang: Nun das zwölfte Kapitel.

12-1. Bei den verschiedenen Festen, Einweihungen, Einsetzungen und beim Pavitra-Ritual wird die Handlung glückverheißend, wenn ihr das Einpflanzen glückverheißender Keime vorausgeht.

12-2. Am siebten, neunten oder auch fünften Tag vor dem festgelegten Verehrungstag soll man an einem günstigen Tag und zu einer guten Stunde das Keimritual vollziehen.

12-3. Dafür sind drei Gefäßarten vorgeschrieben: Palika, Ghatika und Sharava. Ihre Gottheiten sind der Reihe nach Vishnu, der lotusgeborene Brahma und Shankara.

12-4. Bei der besten Palika entsprechen Höhe und Öffnungsweite der in Fingerbreiten ausgedrückten Zahl »Kriti«. Für die mittlere und kleinste Form werden die Lautzahlen Ya und Ra genannt. [Die Zahlen sind chiffriert; sie werden hier nicht durch erschlossene Maßzahlen ersetzt.]

12-5. Die Breite des Fußes entspricht der Höhe; die Halsöffnung misst ein Drittel davon. Der übrige Teil wird als stabförmig, dem Hals entsprechend und von ansprechendem Umfang beschrieben.

12-6. Bei der Ghatika sind Durchmesser und Höhe gleich: jeweils ein Tala. Sie besitzt fünf Öffnungen, vier in den Himmelsrichtungen und eine in der Mitte, gleichmäßig verteilt.

12-7. Die Öffnung des Sharava ist ein Tala breit, seine Höhe ebenso groß; sein Fuß misst die Hälfte davon. Der stabförmige Teil besitzt einen Umfang von vier Fingerbreiten. Sein Hals ist hoch und ohne Öffnung. [Die Gefäßbeschreibung ist in diesem letzten Detail nicht eindeutig.]

12-8. Wenn möglich, bestehen die Gefäße aus Gold, Silber oder Kupfer, andernfalls aus neuem Ton. Man wäscht sie mit Wasser unter dem eigenen Waffenmantra, umwindet ihre Hälse mit Schnüren und stellt sie auf.

12-9. Man füllt sie mit reiner Erde, Sand und pulverisiertem Kuhdung und versieht sie mit Kusha-Büscheln. Die Gefäße stehen in einem schönen, mit einem Baldachin versehenen Raum für die glückverheißenden Keime.

12-10. Den Boden bestreicht man mit Kuhdungwasser und besprengt ihn mit Wasser, das durch die eigenen Glieder- und Wurzelmantras geweiht ist, unter Anwendung des Waffenmantras. Mit bemehlten Schnüren legt man das bereits beschriebene Quadrat an …

12-11. … verehrt zuvor den Herrn der Hindernisse und lässt durch Vedenkundige den Segen des glückverheißenden Tages aussprechen. Das Quadrat wird in einundachtzig Felder geteilt.

12-12. In den neun mittleren Feldern zeichnet man mit weißem Pulver einen Lotus mit Samenkapsel, acht Blütenblättern und Staubfäden. Seine Mitte wird mit Shali-Reis gut erhöht.

12-13. Dort stellt man auf Kusha-Gras einen mit Schnur umwundenen und beräucherten Krug. Er enthält Kusha-Büschel und Gold und wird mit Wasser gefüllt, das als vom Dvadashanta herabfließender Nektar betrachtet wird.

12-14. Man stattet ihn schön mit jungen Pippala- und Mangozweigen, Duftstoffen, Blütenketten, Blumen, ungebrochenem Reis und Gewändern aus. Dazu gehören Reis, geschältes Korn, Früchte und ein Paar Tücher mit Blumen.

12-15. Im Lotus der Buchstabenmutter vergegenwärtigt man sich den strahlenden, kühl leuchtenden Mond, den Herrn der Sterne, umgeben vom Sternenkreis. Er ist mit den sechzehn Kalas und ihren Vokalen verbunden.

12-16. Man verehrt ihn mit den entsprechenden Ehrengaben und bietet Milchreis, Opferspeise und Ghee dar. Dann stellt man die Keimgefäße einzeln auf die mit Farbpulver geschmückten Felder.

12-17. Bei Aditya, Marichi, Vivasvat, Yama, dem Herrn der Gewässer, Mitra, Soma und Prithividhara …

12-18. … stellt man der Reihe nach die acht Ghatikas auf. Bei Agni, Pushan, Chitra, Dauvara, Roga und Naga …

12-19. … sowie bei Aditi und Ishana stellt man die acht Sharavas auf. In den acht Feldern zwischen diesen, entsprechend Haupt- und Zwischenrichtungen …

12-20. … liegen die genannten Plätze der Palikas; dort stellt man acht auf. Zuvor zeichnet man die Felder und füllt ihre Zeichnung mit weißem Pulver.

12-21. Auf jeden Platz schüttet man ein Adhaka Shali-Reis und legt eine Darbha-Unterlage. Darauf stellt man jeweils die Ghatikas und die anderen Gefäße und sät die Samen hinein.

12-22. Schwarze Bohne, Mungbohne, Pferdebohne, Nishpava-Bohne, Sesam, Shali-Reis, Senf, Marga, Weizen, Shyamaka-Hirse, Vrihi-Reis und Gerste …

12-23. … Priyangu, Adhaki-Erbse und Bambussamen: Dies sind der Reihe nach die fünfzehn Samenarten für die beste Form der Keimsaat. [»Marga« wird als gelieferte Pflanzenbezeichnung bewahrt; eine botanische Gleichsetzung ist unsicher.]

12-24. Bei der mittleren Form verwendet man zwei Fünfergruppen, bei der kleinsten fünf Samenarten. Man wäscht die Samen zuerst mit Wasser, danach mit Milch.

12-25. Fest in ein Tuchstück gebunden, bleiben sie einen Tag im Wasser. Dann nimmt man sie heraus und sät sie nach Ablauf von zwei Yamas, zwei traditionellen Zeitwachen.

12-26. Soma ist die Gottheit der Samen, denn in der Nacht entfaltet er seinen Glanz. Daher soll derjenige, der Genuss und Gedeihen erstrebt, die Samen nachts aussäen.

12-27. Zuvor weiht man sie mit dem Herzmantra und sät sie unter folgendem Mantra: »Om. Dem Dreiäugigen, Sharva, Shankara und Shiva …

12-28. … dem Höchsten aller Welten, dem Ewigen: Verehrung, immer wieder Verehrung.« Mit demselben Mantra besprengt man sie mit Kurkumawasser.

12-29. Man verehrt sie mit den fünf Ehrengaben, bedeckt sie mit weißen Tüchern und bringt sieben Nächte hindurch Bali dar, nach der nun folgenden Ordnung.

12-30. Brahma, Bhutas, Indra, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas und Pishachas bilden die sieben Gruppen, die der Reihe nach unter ihren Namen die Bali-Gaben empfangen.

12-31. In der ersten, Brahma zugeordneten Nacht besteht die Gabe aus Speise, Blumen und Kusha-Gras. Reis, Dickmilch, Kurkumapulver, geröstetes Korn, Mehl und Sesam …

12-32. … bilden die als Bhutakrura bezeichnete Gabe für die Nacht der Bhutas. Reis, mit Indravalli-Saft vermischt, sowie Mehl, Milch und Dickmilch …

12-33. … soll der Lehrer in der dritten, Indra zugeordneten Nacht als Bali darbringen. In der vierten, den Gandharvas zugeordneten Nacht gibt es Bambussamenspeise mit Milch.

12-34. In der fünften, den Yakshas zugeordneten Nacht besteht die Gabe aus Blumen, Speise, Ghee und Wasser. In der sechsten, der Rakshasa-Nacht, gibt es roten Reis mit Spelzen und Erde.

12-35. In der siebten, den Pishachas zugeordneten Nacht gibt man Speise aus schwarzen Bohnen, Körner-Hülsenfrucht-Brei, Honig und Kurkumapulver, reichlich mit Öl und Fleisch versehen.

12-36. Einige Lehrer nennen eine andere Siebenergruppe. Auch sie wird hier angegeben: Bhutas, Ahnen, Guhyakas …

12-37. … Nagas, Brahma, Shiva und Vishnu sind die Gottheiten der einzelnen Nächte. Die Bali-Gaben werden unter ihren eigenen Namen dargebracht, mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende.

12-38. In der ersten, den Bhutas zugeordneten Nacht gibt man Bhutakrura; in der zweiten, den Ahnen zugeordneten Nacht Sesam, mit geschältem Reis vermischt.

12-39. In der dritten Yaksha-Nacht gibt man Kokoswasser und gekochten Shali-Reis; in der vierten Naga-Nacht Milch, Teig, Mehl und Wasser.

12-40. In der fünften Brahma-Nacht gibt man Speise mit Lotussamen und Ghee, in der sechsten Shiva-Nacht Reis mit Kuchen und Ghee.

12-41. In der siebten Vishnu-Nacht besteht die Bali-Gabe aus reinem gekochtem Reis mit Ghee. Dauert das Ritual neun Tage, folgen der Reihe nach Milchreis und Körner-Hülsenfrucht-Brei.

12-42. Die jeweils genannte Göttergruppe wird mit der angegebenen Bali-Gabe verehrt. Kein Außenstehender soll die Keime betrachten.

12-43. Nur der Lehrer selbst oder, mit seiner Erlaubnis, sein Schüler darf eintreten. An den gewachsenen Keimen deutet er Günstiges und Ungünstiges für den Auftraggeber.

12-44. Dunkle oder schwarze Keime werden als Vermögensverlust gedeutet, seitwärts wachsende und rötliche als Krankheit, gekrümmte als Leid. Eine weitere Wachstumsangabe wird mit Tod verbunden; gebrochene Keime mit Verlust von Stellung, Ort oder Geliebtem. [Die mit Tod verbundene Lesung »prarūḍhaiḥ« bezeichnet gewöhnlich bloßes Aufwachsen und ist im Zusammenhang unklar. Sie wird nicht zu einem anderen Pflanzenzustand korrigiert.]

12-45. Weiße oder gelbe, gut entwickelte, vollständige, rasch aufgegangene, schöne und lang gewachsene Keime werden dem Auftraggeber als Zeichen von Wohlstand, Gedeihen, vollständigem Gelingen des Erstrebten und Glück gedeutet.

12-46. Bemerkt der Lehrer ungünstige Keime, soll er eine Befriedungshandlung ausführen. Mit dem Wurzelmantra, den Gliedermantras und den Brahma-Mantras opfert er Sesam, mit Ghee vermischt, und schließt mit den Vyahritis.

Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das zwölfte Kapitel namens »Vorschrift zur Darbringung der Keime«.

Zur Besinnung

Die sorgfältige Pflege der Samen erinnert an Geduld und Fürsorge. Eine heutige spirituelle Betrachtung kann das Keimen als Bild für die Entwicklung guter Gewohnheiten aufnehmen: regelmäßig nähren, aufmerksam beobachten und Wachstum Zeit lassen. Diese Deutung ist von den historischen Vorzeichenregeln zu unterscheiden.


Samanyapada, Kapitel 13: Die Mantra-Einweihung

Die Diksha wird als Übergang in ein vom Mantra geprägtes Leben beschrieben. Der Lehrer bereitet ein Mandala und einen geweihten Krug vor, verehrt die schöpferische Shakti und führt den Schüler durch Reinigung, Übertragung und symbolische Neugeburt. Die Visualisierungen von Atem, Bewusstsein und inneren Bahnen gehören zu diesem traditionellen Einweihungsverfahren; sie sind von einer heutigen freien Meditation zu unterscheiden.

Kapiteleingang: Nun das dreizehnte Kapitel.

13-1. Der Verehrungsraum besitzt vier Tore und vier Ecken, vier Torbögen, Baldachin und Fahnen. Ringsum wird er mit Kuhdungwasser bestrichen, mit herabhängenden Blütenketten geschmückt und durch Räucherwerk wohlriechend gemacht.

13-2. Man schmückt ihn auch mit Lichtern, Keimen und gefüllten Krügen. Im Osten legt man eine viereckige, den vorgeschriebenen Merkmalen entsprechende Feuergrube an, setzt das Feuer ein und vollzieht dessen eröffnende Opferhandlungen.

13-3. Im Süden verehrt man den König der Hindernisse mit Duftstoffen und festen wie weichen Speisen. In der Mitte des Raumes reinigt man den Platz und legt mithilfe der genannten Schnüre ein Quadrat an.

13-4. Dieses wird in beiden Richtungen sechzehnfach geteilt, sodass zweihundertsechsundfünfzig Felder entstehen. In den sechzehn mittleren Feldern zeichnet man einen Lotus; außen drei Kreisringe nach der mit »Darbha« bezeichneten Feldzahl. [Die Zahlchiffre bleibt unaufgelöst.]

13-5. Achtzig Felder bilden den Tierkreis. In die übrigen, durch die Chiffre »Priya-Yajna« bezeichneten Felder zeichnet man Tore, Zierfelder, Nebenzierfelder und Ecken. Dabei werden sechs, vier sowie mit »Veda« und »Ritu« bezeichnete Feldzahlen genannt. [Die Zuordnung dieser Maße ist nicht sicher zu entscheiden.]

13-6. Zwischen den beiden Umlaufbahnen zeichnet man einen Kreis. In den Himmelsrichtungen liegen vier Schnurlinien; auf diese Weise ergeben sich zwölf Speichen als die Tierkreiszeichen. Sie sollen gleichmäßig, zitronenartig gestaltet und von der Farbe blauer Wasserlilien sein.

13-7. In der äußeren Bahn zeichnet man Wunschbäume mit Rankenwerk, Blättern, Früchten und Vögeln. Je nach Platz schmückt man sie passend mit Lotussen, Wasserlilien, Knospen, Blumen und Blütenbüscheln.

13-8. Man gliedert die Lotusfläche durch vier Kreise gleichmäßig für Samenkapsel, Staubfäden, Blattansätze und Blattspitzen. So gestaltet man acht gleich große Blütenblätter.

13-9. Weißes Pulver bereitet man aus Reismehl, kräftig gelbes aus Kurkuma und rotes aus Färberdistel. Für eine dunkle Farbe dienen entsprechend dunkle Blätter; tiefblaues Pulver entsteht aus stark verbranntem Reis.

13-10. Die Samenkapsel ist gelb und fein gestaltet. Die Staubfäden sind am Ansatz fein, in der Mitte dicker und bräunlich; zu den Spitzen hin gelb, am äußersten Ende weiß. Sie stehen paarweise bei den Blütenblättern.

13-11. Alle Linien sind weiß und in ihrer Breite dem Ringfinger entsprechend. Die Blätter sind mit hellem Pulver sowie rot gestaltet; ihre Zwischenräume sind dunkel. Die drei Kreise leuchten weiß, rot und blau.

13-12. Die Tierkreiszeichen sind dunkel oder rot, ihre Trennstellen in der Umlaufbahn kräftig gelb. Die Wunschbäume werden in schön zusammenpassenden, vielfältigen, augenerfreuenden Farben gestaltet.

13-13. Die Tore zeichnet man weiß, die Zierfelder distelrot, die Nebenzierfelder gelb. In die tiefblauen Ecken zeichnet man weiße Muscheln oder nach Wunsch schöne Svastikas.

13-14. Der Lehrer und sein Schüler haben zuvor eine Nacht gefastet. Nach Bad und täglichem Ritus, mit gewaschenen Füßen und nach dem rituellen Wasserschlucken, trägt der Lehrer weiße Ober- und Untergewänder. Er vollzieht die Torverehrung und sendet das Waffenmantra aus.

13-15. Er stampft dreimal mit der Ferse auf, betritt den Raum mit dem rechten Fuß, ohne die Schwelle zu berühren, und hält sich dabei an die nördliche Torseite. Dann verehrt er den Herrn des Ortes und Brahma.

13-16. Mit dem Waffenmantra errichtet er ringsum einen Schutzwall. Schweigend setzt er sich auf den vorgeschriebenen Sitz, vollzieht durch Atemlenkung die Reinigung der Elemente und verehrt Ganesha im Süden und den Guru im Nordosten.

13-17. Sein Körper ist durch Mantras verbunden und geschützt, sein Wesen ist Shiva. Im Herzlotus verehrt er Shiva als das eine Licht mit geistig dargebrachten Gaben. In der Feuergrube des Nabels verehrt er innerlich das Feuer.

13-18. Er füllt das Arghya-Gefäß und verehrt es mit Wurzel- und Gliedermantras. Mit dem Büschel besprengt er sein Haupt mit dem Arghya-Wasser, danach die Verehrungsgegenstände und den Ort der Handlung.

13-19. Er reinigt den Ort durch dreimaliges Klatschen und das Waffenmantra. Er spricht den Mantra mit gedehntem Schluss und dem Ende »Nishkala« aus und überflutet das Bild mit dem Wasser, das vom Mond des eigenen Lotus strömt. Auch das Wasser des Waffenritus ist zu reinigen. [Die genaue Lautgestalt wird hier lediglich bezeichnet, nicht ausgeschrieben.]

13-20. Nördlich stellt er das mit Wasser gefüllte Vardhani-Gefäß auf, südlich Duftstoffe, Blumen und ungebrochenen Reis. Zu diesen Gaben gibt er einen Tropfen Arghya-Wasser, Duftstoff und eine Blume und rezitiert über der Gesamtheit der Gegenstände das Wurzelmantra.

13-21. Nach seinen Möglichkeiten entzündet er schöne, reine Lampen der vorgeschriebenen Arten. Mit den genannten Duftstoffen, Reiskörnern und weiteren Gaben, auch einzeln, verehrt er das Mandala in der nun folgenden Reihenfolge.

13-22. Unterhalb der Erde vergegenwärtigt und verehrt er die weltentragende Adhara-Shakti, hell wie ein junger Lotusstängel. Dann folgen Ananta, die Erde und der viereckige Sitz namens Anantasana, auch Yoga-Sitz genannt.

13-23. Im Südosten verehrt er Dharma als roten Stier, im Südwesten Jnana als Löwen. Im Nordwesten verehrt er den kräftig gelben Vairagya und im Nordosten den klaren Aishvarya, in den Gestalten eines Wesens und eines Elefanten. [Die überlieferte Farbangabe zum Löwen ist nicht eindeutig vom Richtungsnamen zu trennen.]

13-24. Rajas ist die Wurzelknolle, Tamas der Stängel und der reine weiße Lotus Sattva. Danach sind Sonnen-, Mond- und Feuerscheibe zu erkennen sowie die Blätter und weiteren Teile, verbunden mit Brahma, Hari und Isha.

13-25. Ebenso verehrt er die Tattvas namens Atman, Vidya und Shiva sowie den Lotus der Buchstabenmutter. Den Krug aus Gold oder einem anderen geeigneten Material reinigt und verehrt er gründlich und umwindet ihn gleichmäßig mit drei Schnüren.

13-26. Mit der Öffnung nach unten und mit Rauch erfüllt stellt er ihn auf die Samenkapsel, die mit Getreide, Darbha und Bodhi-Blättern versehen ist. Auf dem Boden des umgekehrten Kruges bringt er einen Büschel an, dessen innere Halme in der Zahl »Kala« angegeben sind. [Die Konstruktion dieser Unterlage bleibt im Einzelnen unsicher.]

13-27. Darin vergegenwärtigt er die leuchtende ursprüngliche Shakti, die das Weltganze mit allen Tattvas hervorbringt. Dann richtet er den Krug auf, legt den Büschel hinein und rezitiert den Shakti-Mantra, der den Pranava in sich trägt.

13-28. Mit den rückwärts gesprochenen Buchstaben der Matrika füllt er den Krug zuerst mit heiligem Wasser, das er als mit dem Mondnektar des eigenen Lotus vermischt betrachtet. Dazu kommt Wasser der den Buchstaben zugeordneten Kräuter und Duftstoffe.

13-29. Sind nicht alle Kräuter vorhanden, verwendet er Wasser von den Rinden der vier milchsaftführenden Bäume. Er gibt die acht gut zermahlenen Duftstoffe und ebenso wohlriechende Blumen hinein.

13-30. In den königlichen Krug legt er einen schönen Rubin, Koralle, Diamant, einen grünen Edelstein, Perle, Topas, Katzenauge, reinen Saphir und Mondstein.

13-31. Er schmückt ihn mit frischen Blütenketten und frischen, reinen, nach oben gerichteten Mango-, Ashvattha-, Bilva- und Jackfruchtblättern. Mit Indravalli zusammengebunden, werden sie als Parijata-Wunschbaum betrachtet.

13-32. Auf die Öffnung stellt er ein Gefäß, gefüllt mit weißem geschältem Reis, Betel und Arekanuss. Er schmückt den Krug mit zwei neuen, feinen weißen Tüchern, mit Blütenketten, Duftstoffen und ungebrochenem Reis.

13-33. Er ruft Shakti herbei, die Gebärerin der Welt, reines Wissen und Bewusstsein in feiner Gestalt. Mit den einzelnen Matrika-Buchstaben, zwischen Pranavas eingefasst, setzt er die fünfzig Kalas und die aus dem Pranava hervorgegangenen …

13-34. … zuvor genannten achtunddreißig Kalas der Reihe nach in die Shakti dieses Kruges ein. Er lässt darin Willenskraft, Handlungskraft, Erkenntniskraft, Selbstbestimmung und Erwachen hervortreten.

13-35. Ebenso setzt er Shakti und Shanti sowie den Hamsa genannten Jiva ein, dazu das Wurzelmantra mit seinen Gliedern. Mit dem Mantra vollzieht er die Einsetzung des Lebens und vergegenwärtigt die Anwesenheit sämtlicher Sinneskräfte.

13-36. Ist er ein Zweimalgeborener, setzt er auch die fünf genannten vedischen Verse ein, verbunden mit dem Pranava: einer beginnt mit »Der Hamsa im Reinen …«, ein anderer mit »Jener Vishnu …«, ferner ein Anushtubh-Vers, ein Vers mit »Jener Schritt …« und einer mit »Vishnus nun …«. [Die Verse werden nur durch Anfänge beziehungsweise Versmaß bezeichnet; sie werden nicht vervollständigt.]

Unnummerierter Vers vor 13-38: Mit Glieder- und Wurzelmantras verleiht er dem Ganzen in angemessener Weise eine sichtbare Gestalt. Er verehrt es gründlich mit den vorgeschriebenen Gaben und vergegenwärtigt die schön gestaltete Shakti, die das Erstrebte gewährt. [Eine Marke 13-37 fehlt.]

13-38. Für das Gelingen sichtbarer Ziele erscheint sie rot wie die Hibiskusblüte. Sie trägt Schlinge und Treibstachel; ihre weiteren Hände gewähren Wünsche und Furchtlosigkeit. Bunte Gewänder, Blütenketten und gelblich duftende Salbe schmücken sie; ihr Haar glänzt wie ein Schwarm dunkler Bienen.

13-39. Der Glanz ihrer Edelsteine, Schmuckstücke und Krone entfaltet sich am Himmel wie Schirm und Regenbogen. Man betrachtet und verehrt sie als die Gebärerin des Weltganzen, die selbst das Weltganze ist, und lässt sie im Herzlotus gegenwärtig sein.

13-40. Dann ruft er die Gottheit herbei, die dem gewünschten Mantra des Schülers entspricht, und betrachtet sie in der zugehörigen Gestalt und Farbe. In den Zwischenrichtungen setzt er die vier Gliedermantras ein, in den Hauptrichtungen das Waffenmantra; das Augenmantra wird in der Mitte verehrt.

13-41. An den Spitzen der Lotusblätter wird die zugehörige Shakti verehrt, in den Richtungen die Welthüter und Waffengottheiten. Als Farben der Welthüter werden der Reihe nach rötlichgelb, gelb, weiß, rauchfarben, weiß, honigfarben, blass, weiß, rot …

13-42. … und lotusfarben genannt. Es sind die zehn Welthüter mit Indra am Anfang, ergänzt um Brahma und Shesha. Der Vajra ist kräftig gelb, der Speer rot, der Stab weiß; das Schwert hat die Farbe eines Schwertes.

13-43. Schlinge und Treibstachel leuchten wie der Blitz, die Keule weiß, der Dreizack wie Feuer. Der Lotus und ebenso das Rad glänzen wie die Sonne. So sind die Farben der Waffen der Reihe nach angegeben. [Die Formulierung zu Schlinge und Treibstachel lässt die Einzelzuordnung offen.]

13-44. Im Süden verehrt man Ganesha, Virabhadra und die sieben Mütter. Der Elefantengesichtige ist gelblichbraun, Virabhadra tiefblau; die sieben Mütter gleichen jeweils ihren Gottheiten hinsichtlich Reittier, Waffen und weiterer Merkmale.

13-45. Östlich von Kubera verehrt man Chanda und im Osten Kshetrapala mit seinem Reittier. Sie werden der Reihe nach mit passenden Ehrengaben und ihrem eigenen Namen verehrt, mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende.

13-46. Vor dem Mandala stellt man die Palikas und anderen Gefäße mit den gut gewachsenen Keimen auf und verehrt sie in den Richtungen. Frisches Kuh-Ghee, Opferspeise, schwarzen Sesam und Reismehl mit weißem Senf …

13-47. … opfert man jeweils, nachdem man die Buchstaben mit Pranava, Shakti und Hamsa und dem Schluss »Tha Tha« ausgesprochen hat. Man opfert auch mit dem gewünschten eigenen Mantra und dessen Gliedern; ein Zweimalgeborener verwendet außerdem die großen Vyahritis und die Vyahritis.

13-48. Zur Lösung der vierfachen Bindung durch Handlungen opfert man Sesam mit Ghee und spricht den nun folgenden Mantra. Sein Beginn wird durch die Chiffren »Baka-Äußerung«, »linkes Auge«, »Feuer«, »Jhanti«, »Na« und das Wort »Prana« im dritten Fall bezeichnet. [Die Lautkonstruktion ist unsicher und wird nicht als gesicherte Rezitationsform ergänzt.]

Unnummerierte Formel nach 13-48: »… im Traum … mit dem Geist, mit der Rede, durch Handeln, mit beiden Händen, mit den Füßen, mit dem Bauch und mit dem Geschlechtsorgan: Was gedacht, was gesprochen und was getan wurde, das alles möge eine Darbringung an Brahman sein. Tha Tha.« [Der gelieferte Formeleingang »jāṭaṭā svapneṇa lupteṇa« ist sprachlich beschädigt und bleibt teilweise unübersetzbar. Die Auslassung ist hier ausdrücklich bezeichnet.]

13-49. Mit dieser Formel opfert man hundertachtmal. Danach bringt man nördlich die Bali-Gabe und die Vollopfergabe dar. Für Mondtage, Mondhäuser, Tierkreiszeichen und Planeten gibt man Bali jeweils mit ihrem Namen und der Endung »Verehrung«.

13-50. Den Schüler, der vorschriftsmäßig gebadet, sich gereinigt und rituell Wasser genommen hat, lässt man auf dem Sitz Platz nehmen. Auf sein Haupt legt man Durva-Gras, einen Grasbüschel, ungebrochenen Reis und weitere Gaben und verehrt ihn mit Duftstoffen und Blumen.

13-51. Man verneigt sich vor der Gottheit und bittet: »Sei gnädig; löse die Bindung dieses gebundenen Wesens und gewähre ihm das Erstrebte.« Nachdem der Lehrer ihre Zustimmung erhalten hat, vereinigt er die Gottheiten des Mandalabildes im Krug. Dann …

13-52. … nimmt er ihn selbst mit beiden Händen auf, erhebt sich und begießt den Schüler mit dem Wasser über die Spitzen des Kusha-Grases. Im Körper des Schülers betrachtet er dabei der Reihe nach die durch die Sushumna strömenden Wasserfluten als mit Nektar und Mantras verbunden.

13-53. Er vergegenwärtigt, wie die Gottheit mit dem Glanz ihrer leuchtenden Shakti in den Herzlotus des Schülers eintritt. Mit dem Waffenmantra vollzieht er eine dreimalige lösende Handlung und führt über die Nadi den Shiva-Zustand herbei. [Die Bezeichnung »trivāśyālimokṣam« für die lösende Handlung ist unsicher.]

13-54. Der Schüler erhebt sich, legt zwei reine weiße Gewänder an, wäscht wieder die Füße und nimmt rituell Wasser. Er bringt der Sonne Arghya dar, verneigt sich und geht zum Tor des Raumes.

13-55. Auf Geheiß des Gurus setzt er sich auf Kusha-Gras, nach Norden gewandt und mit gefalteten Händen. Der Guru setzt sich nach Osten gewandt und besprengt mit Darbha-Gras und Arghya-Wasser unter dem Waffenmantra das Haupt des Schülers.

13-56. Er ehrt dessen Körper dreimal mit heiliger Asche am Haupt und reinigt ihn dreifach durch die mit dem Austrocknen beginnenden Vorgänge. Dann vollzieht er in seinem eigenen Bewusstsein die Reinigung der Elemente im Körper des Schülers. In einem Gefäß …

13-57. … verehrt er das besondere Arghya, besprengt den Schüler wieder mit dem Wasser des Büschels und setzt die Matrika-Buchstaben in ihn ein. Danach setzt er den zu verwirklichenden Mantra und dessen Gliedermantras ein und verleiht ihm dadurch die entsprechende Gestalt.

13-58. Er umhüllt ihn wiederum mit dem Schutzpanzer-Mantra. Mit einem neuen weißen Tuch, das durch das eigene Wurzelmantra und dessen Glieder geweiht ist, verbindet er ihm die Augen. Zuvor verehrt er die gewünschte Gottheit im Mandalabild.

13-59. Dann lässt er den Schüler seine Handvoll Blumen werfen. Je nachdem, auf welche Gottheitsgestalt oder welches Gliedermantra sie fallen, gibt er ihm den entsprechenden Namen und Mantra. Der Schüler spricht den Mantra dreimal.

13-60. Auf einem Darbha-Sitz über dem Pranava-Sitz betrachtet der Lehrer den Schüler und rezitiert Wurzel- und Gliedermantras. Er legt seine Hand auf dessen Haupt, setzt den Mantra ein und berührt mit Wurzel- und Gliedermantras dessen gesamten Körper.

13-61. Er gibt dem Schüler das Wurzelende eines Darbha-Halmes in die Hand und setzt sich vor das Feuer. Dessen Spitze hält er zwischen seinen Unterschenkeln fest. So stellt er nacheinander die Verbindung zwischen den Lebensprinzipien und Nadis her.

13-62. Er betrachtet das dreifach verbundene Licht, das aus seinen eigenen Ida- und Pingala-Nadis durch die Nasenöffnungen sowie auf dem Weg der Sushumna aus dem Scheitel hervorgeht. Ebenso betrachtet er im Schülerkörper den Jiva in ununterbrochener Verbindung damit. [Die Vorlage bietet am Sushumna-Ausdruck eine Lesungsalternative.]

13-63. Er führt Schüler und eigenes Selbst in die Einheit und opfert dreimal Ghee mit dem Wurzelmantra. Dabei betrachtet er den Jiva des Schülers als in ihn selbst eingetreten, dann wieder hervorgegangen und in den Körper des Schülers zurückgekehrt.

13-64. Dies wird als Geburt aus dem eigenen Selbst vergegenwärtigt. Durch Shaktipata wird der Schüler dem Lehrer gleich, zu Shiva. Wie ein sechsfüßiges Insekt eine grüne Larve mit Lehm umschließt und sie durch seinen Laut in die eigene Art verwandelt …

13-65. … so macht der ausgezeichnete Lehrer durch die rituelle Einweihung aus dem gewöhnlichen Schüler eine Verkörperung des Mantra. Danach opfert er hundertachtmal mit dem Wurzelmantra und mit den Gliedern jeweils ein Zehntel davon, ausschließlich Ghee; anschließend werden fünf [weitere Opfer] genannt. [Der Bezug des abschließenden Zahlworts »fünf« ist unklar.]

13-66. Ist er ein Zweimalgeborener, vollzieht er die mit Jaya beginnenden Opfer. Mit sämtlichen Wurzel- und Gliedermantras bringt er die Vollopfergabe dar. Er opfert Brennholz, Milch, geröstetes Korn, weißen Senf, Kuhprodukte, Sesam und Ghee mit Glieder- und Wurzelmantras.

13-67. Ein Zweimalgeborener opfert zur Sühne Ghee mit den Shrauta-Mantras auf dem Weg, den sein eigenes Sutra vorgibt. Für Nicht-Zweimalgeborene vollzieht der Mantrakundige achtundzwanzig Sühneopfer mit dem Wurzelmantra.

13-68. Dann hebt er die bisherige Geburtszugehörigkeit des Schülers durch drei Ghee-Opfer mit den folgenden Mantras auf. Genannt werden zunächst Pranava, Shakti und Wurzelmantra. Die Formel lautet sinngemäß: »Herr, nachdem Ursprung, Samen, Nahrung, innerer Zustand und Ort dieses Selbst gereinigt sind, möge er ein Zweimalgeborener mit Mantra-Körper werden. Tha Tha.« Danach opfert er mit den Vyahritis. [Der Formeleingang ist in der Vorlage gestört; diese Stelle ist ausdrücklich sinngemäß wiedergegeben.]

13-69. »Herr, möge sein Selbst aus Mantra bestehen. Tha Tha.« Auch mit dieser Formel bringt er drei Opfergaben dar und opfert danach erneut mit den Vyahritis. Mit dem Waffenmantra besprengt und berührt er den Schüler schlagend; über das Ausatmen tritt er innerlich in ihn ein und löst dessen Fesseln …

13-70. … und durchtrennt sie mit dem Waffenmantra. Er bildet die Treibstachel-Mudra, zieht das Bewusstsein aus dem Schülerkörper heraus und setzt es in den Mond am Dvadashanta ein.

13-71. Beim Einatmen verbindet er es im verehrten Herzlotus mit seinem eigenen Selbst und hält es im angehaltenen Atem fest. Er führt es in die Einheit desselben Wesens und beim Ausatmen aus dem begrenzten Menschsein in die Shiva-Natur.

13-72. Mit Hamsa-Japa vergegenwärtigt und verehrt er es, hebt es wieder empor und führt es zum Herzen des Schülers. Durch den Nadi-Weg setzt er dieses Bewusstsein aus seinem eigenen Lotus in den Herzlotus des Schülers ein.

13-73. Mit den vom Mond ausgehenden Nektarströmen überflutet er den Schüler und betrachtet ihn als Mantra-Körper, unversehrt und mit ungeschwächter Shakti. Er setzt die Matrika-Buchstaben in ihn ein …

13-74. … und gestaltet seinen Körper durch das gewünschte Wurzelmantra und dessen Glieder. Er betrachtet ihn als neugeborenen eigenen Sohn und vollzieht für ihn der Reihe nach die mit dem Geburtsritus beginnenden Handlungen, jeweils dreimal mit dem Wurzelmantra. Unter Rezitation von Wurzel- und Gliedermantras legt er ihm die heilige Schnur an und verbindet ihn mit den vorgeschriebenen Gelübden.

13-75. Mit dem Wurzelmantra sättigt der Guru das Feuer und bringt mit dem Shakti-Mantra erneut die Vollopfergabe dar. Dann lässt er den Schüler die religiösen Verpflichtungen und Regeln des überlieferten Verhaltens hören, damit dieser sie als Übender bewahre. [Nach der Versmarke folgt in der Quelle ein abgebrochenes »13-«.]

13-76. So empfängt der Verständige vom Lehrer die Mantra-Einweihung. Sie wird als Reinigung von den Verfehlungen aus sieben Geburten gepriesen, als Gabe des Erstrebten und als Grundlage des Gelingens von Japa, Feueropfer, Verehrung und Mantra. Wer sie empfängt, gilt dadurch sogleich und auf Dauer als jemand, dessen Ziel erfüllt ist.

Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das dreizehnte Kapitel über die Mantra-Einweihung.

Zur Besinnung

Der Mantra wird hier in eine umfassende Beziehung zu Lehrer, Lebensführung und Verantwortung eingebettet. Eine heutige Anregung ist, die eigene spirituelle Praxis nicht von ihrem ethischen Umfeld zu lösen: Was wir regelmäßig sprechen und vergegenwärtigen, soll auch unser Handeln prägen. Die rituelle Neugeburt des Kapitels bleibt eine Aussage seiner Einweihungstradition.


Samanyapada, Kapitel 14: Die Verfahren der Feuerverehrung

Das abschließende Kapitel des Samanyapada verbindet vedische, shaivische und vaishnavische Feuerverehrung mit zweckgebundenen Ritualen. Feuer erscheint als Gottheit, als inneres Prinzip und als Träger der Opfergaben. Seine verschiedenen Namen, Zungen und Lebensriten werden ausführlich beschrieben. Die folgenden Vorschriften geben die historische Ritualwelt des Werkes wieder, einschließlich ihrer sozialen Einteilungen und ihrer auf Einflussnahme gerichteten Handlungen.

Kapiteleingang: Nun das vierzehnte Kapitel.

14-1. Nun werden die Verfahren des Feuers erklärt, denen die Erfüllung beabsichtigter Ziele zugeschrieben wird. Das erste ist das vedische, danach folgen das shaivische und das vaishnavische …

14-2. … sowie das auf besondere Wünsche gerichtete Verfahren. So sind die im Tantra gelehrten Feuerverfahren vierfach. Was als tägliche, anlassbezogene oder wunschgerichtete Handlung von vedisch unterwiesenen …

14-3. … Zweimalgeborenen mit vedischen Mantras auszuführen ist, wird durch vedisches Feuer vollendet. Was in den Shaiva-Agamas gelehrt und mit Shaiva-Mantras …

14-4. … von Pashupatas und anderen vollzogen wird, bringt das shaivische Feuer zur Vollendung. Vaishnavische Handlungen werden mit ihren Mantras im vaishnavischen Feuer ausgeführt.

14-5. Die vier menschlichen Lebensziele und die sechs Arten wunschgerichteter Handlungen werden durch das entsprechende Feuer mit vedischen und tantrischen Mantras verwirklicht.

14-6. Nach zweiunddreißig verschiedenen Handlungen unterscheidet man zweiunddreißig Feuerarten. So ist die Lehre der Angiras-Seher bei den Kennern des Atharvaveda überliefert.

14-7. Das weltliche Feuer heißt Pavaka, das Feuer zur Empfängnis Marut, zum Pumsavana-Ritus Pavamana und zum Scheitelritus Mangala.

14-8. Bei dem als Tunga bezeichneten Ritus heißt es Shobhana, beim Geburtsritus Prabala, bei der Namengebung Parthiva und beim ersten Hinausführen des Kindes Bhadra. [»Tunga« bleibt als unsicher bestimmte Ritualbezeichnung stehen.]

14-9. Bei der ersten festen Nahrung heißt es Shuchi, beim ersten Haarschnitt Sabhya, bei der Einführung in die Schülerschaft Jatavedas und bei den drei Gelübden Sambhava.

14-10. Beim Godana-Ritus heißt es Surya, beim Abschluss des Gelübdes Saumya, bei der Hochzeit Avasathya und im Anvaharya-Feuer Maheshvara.

14-11. Im Ahavaniya-Feuer heißt es Vishnu, im Garhapatya-Feuer Brahma, bei der Sühne Vitihotra und bei der Vollopfergabe Mrida.

14-12. Bei der Verbrennung eines Leichnams heißt es Kravyad, im Ozean Vadavamukha, beim Waldbrand Vardhana und beim Weltuntergang Samvartaka.

14-13. Bei der Befriedung heißt es Varada, beim Gedeihen Balavardhana, bei Vertreibung und Ausstoßung Dhumra, beim Erzeugen von Feindschaft Krishna.

14-14. Bei der Unterwerfung heißt es Kamada, beim Töten Shoshana, beim Stillstellen Pingala und im Bauch Jathara.

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die zweiunddreißig Feuerarten.

14-15. An einem reinen Ort, in der beschriebenen Feuergrube oder auf einer Opferfläche, die mit Kuhdung bestrichen ist, hebt man mit einem Stück Gold, Silber, Kupfer oder einem entsprechenden Gerät …

14-16. … etwas Erde ab, besprengt den Boden und streut Sand darauf. Man bildet ein Quadrat von einer Ellenlänge.

14-17. Darin zieht man dreimal Linien nach Osten und dreimal nach Norden. Man verwendet dazu weder Kiesel, Gras oder gewöhnliche Holzstücke noch Erdklumpen oder Fingernägel …

14-18. … und auch keine Kohle; man tut es nicht schweigend. Die zuständige Gottheit ist Brahma. Mit dem Mantra »Brahma wurde geboren …« zieht man in der Mitte eine Linie nach Osten.

14-19. Mit dem Anfang »Im Himmel der schön Geflügelte …« zieht man südlich davon eine Linie nach Osten und nördlich mit »Wachse an …« ebenfalls nach Osten. Mit »Jener Rudra …« zieht man eine nach Norden gerichtete Linie …

14-20. … ferner westlich mit »Dies Vishnu …« und östlich mit »Indra von allen Seiten …« eine nördliche. Nach dem Besprengen wirft man das verwendete Stück fort.

14-21. Man berührt Wasser, betrachtet das im Gefäß befindliche Feuer mit den Vyahritis und setzt es mit dem Pranava in die Mitte. Dann bedeckt man es mit gutem Brennholz.

14-22. Mit dem Pranava entzündet man es. Die Hände mit Darbha-Gras zusammengelegt, reinigt man den Raum um das Feuer und spricht dabei den mit »Willkommen, Hausherr …« beginnenden Text.

14-23. Man besprengt ringsum mit Wasser und breitet das vorgeschriebene Darbha-Gras aus: im Osten mit »Des Gottes dich …«, im Süden mit den Vyahritis …

14-24. … im Westen mit »Über die Dunkelheit hinaus …«, im Norden mit »Agni, komm herbei …«. Die südlichen Halme legt man obenauf, die nördlichen darunter.

14-25. Nördlich des Feuers breitet man Darbha aus und stellt die Geräte paarweise hin: Ghee-Gefäß und kleinen Opferlöffel, Sprengwassergefäß und großen Opferlöffel …

14-26. … Pranita-Wassergefäß und Brennholz, Topf für die Opferspeise und Rührgerät, Opfergras mitsamt den Büscheln sowie alles sonst für das Feueropfer Erforderliche.

14-27. Wird ungeschälter Reis zubereitet, gehören auch Stampfer, Mörser, Worfelkorb und schwarzes Antilopenfell dazu. Die entsprechenden Gefäße werden mit der Öffnung nach unten aufgestellt.

14-28. Man legt den Pavitra-Grasreiniger quer in das Sprenggefäß, füllt es mit Wasser und fasst ihn mit Daumen und Ringfinger beider Hände …

14-29. … teilt beziehungsweise öffnet ihn und reinigt damit dreimal das Wasser. Man besprengt die Gefäße, richtet sie auf, besprengt sie dreimal und löst anschließend das Brennholzbündel und die übrigen Bündel.

14-30. Aus Darbha-Halmen von einer Spanne Länge mit unversehrten Spitzen bereitet man südlich den Sitz des Brahman-Priesters und nördlich den Sitz des Pranita-Gefäßes.

14-31. Westlich bereitet man den Platz für den Ghee-Topf. Man bestimmt einen reinen Brahmanen für das Amt des Brahman-Priesters und lässt ihn auf dessen Sitz Platz nehmen; ist keiner da, setzt man einen Grasbüschel ein.

14-32. Mit Pranava, Vyahritis und dem mit »Brahman …« beginnenden Ruf ruft man ihn herbei und verehrt ihn. Wie das Sprenggefäß füllt man auch das Pranita-Gefäß mit Wasser.

14-33. Auf Darbha gestellt und mit Darbha bedeckt, wird es bis zur Nase emporgehoben. Mit Zustimmung des Brahman-Priesters stellt man es auf seinen vorgesehenen Platz.

14-34. Man verehrt es mit »Du bist Varuna …«. Dann nimmt man ungeschälten oder geschälten Reis mit dem Opferlöffel oder dem Topf zunächst schweigend auf und mit der Opferformel …

14-35. … bestimmt man ihn ausdrücklich für die betreffende Gottheit. Ungeschälten Reis stampft man aus; danach besprengt und wäscht man ihn dreimal.

14-36. Man gibt ihn in die Gefäße, kocht die Opferspeise im Feuer nach der Vorschrift, übergießt sie mit Ghee und nimmt sie herunter.

14-37. Nördlich des Feuers füllt man Ghee in den Topf. Man zieht Glut nach Norden heraus und stellt das Ghee darüber auf seinen Platz.

14-38. Mit zwei Darbha-Halmen beleuchtet man das Ghee und die Opferspeise durch eine Flamme und berührt danach Wasser. Nachdem das Ghee dreimal so beleuchtet wurde, gibt man zwei Darbha-Spitzen hinein.

14-39. Man führt Feuer ringsherum und legt Darbha und Glut wieder ins Feuer. Mit dem in der Mitte geknoteten Pavitra reinigt man das Ghee dreimal; mit den daran haftenden Ghee-Tropfen …

14-40. … bringt man es zum Feuer, wäscht und löst den Pavitra und wirft ihn gereinigt hinein. Dann nimmt man vier Darbha-Halme sowie großen und kleinen Opferlöffel, die Öffnungen nach oben …

14-41. … erwärmt sie im Feuer und wischt sie dreimal mit den Halmen ab. Mit den um die Finger gewundenen Halmen reinigt man beide Löffel nochmals einzeln …

14-42. … die Spitze mit den Grasspitzen, die Mitte mit dem mittleren Teil und den unteren Teil mit den Halmwurzeln. Man wirft das Gras ins Feuer und wäscht beide Löffel erneut.

14-43. Auf einer Darbha-Unterlage im Süden legt man sie mit der Öffnung nach unten ab und verehrt sie. Als Begrenzungsholz legt man im Westen ein dickes Stück hin, dann ein dünneres …

14-44. … langes im Süden und ein kurzes, feines im Norden. Zwei aufgerichtete Brennhölzer kommen an die südöstliche und nordöstliche Stelle.

14-45. Der Zweimalgeborene denkt dabei: »Dies diene der Abwehr schädlicher Wesen.« Im Süden besprengt er nach Osten hin mit dem Anfang »Aditi …« …

14-46. … im Westen nach Norden mit »Anumati …«, im Norden mit »Sarasvati …« und ringsum mit der Formel, die mit »Gott …« beginnt …

14-47. … und »Savitar, ermächtige …« lautet. Nach dem Besprengen meditiert der Kundige über den Gott des Feuers, der Speer und Svastika in den Händen hält …

14-48. … drei Augen besitzt, wie Safran leuchtet, göttliche Gewänder und Schmuck trägt, ein freundliches Gesicht hat und eine schöne Krone aus Haarflechten trägt …

14-49. … von einer goldenen Girlande umgeben und mit den Gesten der Wunscherfüllung und Furchtlosigkeit versehen ist. Seine Zungen sind Kali, Karali, Manojava, Sulohita …

14-50. … Sudhumra, Visphulingini und Vishvaruchi. Sie befinden sich der Reihe nach in den sieben Richtungen, beginnend im Osten.

14-51. Im Nordosten besitzt der Opferverzehrer eine Nebenzunge namens Vasudhara. In Kali werden die Handlungen eines Shudra vollzogen, in Karali die schädigenden Ritualhandlungen.

14-52. In Manojava vollzieht man Befriedung bei Krankheiten, die Bhutas, ergreifenden Mächten und Ähnlichem zugeschrieben werden. Auch in Sulohita vollzieht der Kundige Befriedung.

14-53. Dhumra dient dem Regen und verwandten Zielen, Sphulingini dem Erzeugen von Feindschaft und der Vertreibung. Die göttliche Zunge Vishvaruchi gilt als Vollbringerin aller Ziele.

14-54. Wer Wohlstand oder Gedeihen erstrebt, opfert in Vasudhara. So gibt es sieben Zungen und als achte Vasudhara.

14-55. Da ein Feueropfer ohne Kenntnis der verschiedenen Zungen als fruchtlos gilt, soll man die Zungen des Opferverzehrers kennen; dann wird dem Opfer die Erlangung seiner Frucht zugeschrieben.

14-56. Man besprengt das Brennholz mit Ghee und opfert es unter Svaha gleichmäßig. Mit dem kleinen Löffel nimmt man Ghee und berührt die nördliche Verbindungsstelle der Begrenzungshölzer …

14-57. … und gießt für Prajapati einen geraden Strahl ins Feuer. Ebenso berührt man die südliche Verbindungsstelle und opfert mit »Für Indra …«.

14-58. Dann bringt man die beiden Ghee-Anteile im südöstlichen und nordöstlichen Bereich dar, für Agni und Soma. Diese sind die beiden Augen des Feuers.

14-59. Nach der Unterweisung opfert man darauf gleichmäßig im vorderen Mund des Feuers Ghee mit dem Anfang »Angeschirrt trage …« und ebenso mit »Die vier …« …

14-60. … mit »Zu uns Gutes …«, mit dem Virupaksha-Text und nochmals mit dessen Anfang, mit »Die quer …«, mit Samradhani …

14-61. … mit Prasadhani und den Vyahritis. Damit ist die Eröffnung des Feuers vollzogen. Man übergießt die Opferspeise mit Ghee und nimmt aus ihrem vorderen und hinteren Teil …

14-62. … zwei Portionen, übergießt sie und legt den Opferlöffel bereit. Erneut mit Ghee übergossen, werden sie einzeln gemäß der Überlieferung geopfert.

14-63. Mit »Für Agni Svishtakrit …« nimmt man einmal eine Portion aus der nördlichen Hälfte der Opferspeise, übergießt sie und opfert sie mit dem großen Löffel ins Feuer.

14-64. Nach dieser Gabe in den nordöstlichen Teil nimmt man die restliche Opferspeise und das Rührgerät auf. Mit dem abfließenden Rest bringt man eine weitere Gabe dar und nimmt das Wasser in den Löffel …

14-65. … und gießt es innerhalb der Begrenzung für die überlieferten Sadhyas und Ahnen aus. Man reinigt den Löffel innerhalb der Begrenzung und erwärmt ihn im Feuer.

14-66. Man füllt ihn mit Wasser und gießt es außerhalb der Begrenzung aus. Dann legt man das zuvor zurückbehaltene Brennholz ins Feuer …

14-67. … und ebenso die besprengte Bindung des Holzbündels. Danach vollzieht man die Jaya-Opfer mit den dreizehn Mantras, beginnend mit »Das Denken und …« …

14-68. … und anschließend der Reihe nach mit den achtzehn Mantras, deren erster »Agni der Wesen …« beginnt. In einem nicht näher bestimmten Fall opfert man bis zur Endung »Er möge mich schützen …«.

14-69. Bei besonderen Handlungen fügt man nach »Herr …« und »Er möge … schützen« die Worte »in diesem Brahman«, »in dieser Herrschaft …« an …

14-70. … sowie »in dieser …«, dann die Stelle über Schülerschaft und Priesteramt, »in dieser Handlung« und am Ende »bei dieser Anrufung der Götter«, gefolgt von zweimal Tha. [Die Einfügungsanweisung ist in der Vorlage sprachlich gestört; die sicher erkennbaren Bestandteile werden bewahrt.]

14-71. So zusammengefügt, werden der Reihe nach achtzehn Opfergaben dargebracht. Danach opfert man mit den zwölf Mantras, die mit »Der die Wahrheit trägt …« beginnen.

14-72. Man bringt die entsprechenden weiteren Gaben dar und opfert mit zwanzig Mantras von »Was, ihr Götter, an Verfehlung gegen die Götter …« bis »Du, Agni …«. [Die Bezeichnung »āmātyāhutīḥ« der weiteren Gaben ist unsicher.]

14-73. Mit »Prajapati, niemand außer dir …« opfert man Ghee und wirft den Holzabschnitt hinein. Es folgen »Geist als Licht …«, »Du bist …«, »Was bei dieser Handlung …« …

14-74. … »Heil uns …«, »Was von meinem Selbst …« und »Wieder …«. Danach opfert man erneut mit den Vyahritis.

14-75. Es folgen »Mit diesen Worten …«, »Das Ungewusste …«, »Dem Menschen entsprechend …« und weitere mit »prat pākatrā« und »yadasya« bezeichnete Anfänge; danach das Svishtakrit-Opfer. [Die beschädigten Anfangswörter werden nicht zu vollständigen Mantras ergänzt.]

14-76. Man wischt die Begrenzungshölzer ab, nimmt Darbha aus den Graslagen und taucht Spitzen, Mitte und Wurzeln in den Ghee-Topf.

14-77. Mit den Spitzen beginnend verbrennt man es, nach oben gehalten, bis zu den Wurzeln. Man schüttelt es nicht und wirft oder zerstreut es nicht außerhalb des Feuers.

14-78. Zusammengefasst legt man es langsam hinein, ebenso den abgetrennten Halm. Wenn Begrenzungspflöcke verwendet wurden, sollen diese nicht fortgeworfen werden. Man legt das mittlere Begrenzungsholz ins Feuer.

14-79. Die beiden anderen legt man gleichzeitig hinein, ebenso die beiden aufgerichteten Brennhölzer. Nachdem man auch den abfließenden Rest geopfert hat, beendet man das Besprengen.

14-80. Das Pranita-Wasser sprengt man schweigend in jede Richtung oder der Reihe nach mit den Mantras, die mit »In der östlichen Richtung …« beginnen.

14-81. Den Rest gießt man auf die Erde. Dem Brahman-Priester gibt man, wenn vorhanden, eine Kuh als Gabe; andernfalls bewirtet man Brahmanen nach den eigenen Möglichkeiten.

14-82. Man isst vom Opferrest und berührt den Bauch mit dem Anfang »Lebenskraft …«. Nach dem rituellen Wasserschlucken rezitiert man den mit »Was, Indra …« beginnenden Vers und den folgenden.

Unnummerierter Abschluss des vedischen Verfahrens: »Den Rest gebe man einem Vedenkundigen«, sagt der verehrte Bodhayana.

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über das vedische Feuerverfahren.

14-83. Nun wird hier das shaivische Feuerverfahren erklärt, mit den beschriebenen Merkmalen.

14-84. Man umschreitet die Feuergrube oder Opferfläche im Uhrzeigersinn, rezitiert den Shiva-Mantra und betrachtet die Gegenstände des Feueropfers.

14-85. Bei der Grube angelangt, betrachtet man ihre Yoni, den zugehörigen Ausfluss, und setzt sich nach Norden gewandt. Man spricht »Haum, Shiva«, mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende.

14-86. Während der Lehrer so rezitiert, betrachtet er die Grube und gräbt unter dem Waffenmantra. Für die folgenden Handlungen werden hier Shivas Gliedermantras angegeben.

Unnummerierte Gliederformeln nach 14-86: »Om Ham, Verehrung Shiva, Verehrung dem Herzen. Om Him, Verehrung Shiva, dem Haupt Svaha. Om Hum, Verehrung Shiva, dem Haarschopf Vashat. Om Haim, Verehrung Shiva, dem Schutzpanzer Hum. Om Haum, Verehrung Shiva, den drei Augen Vaushat. Om Hah, Verehrung Shiva, der Waffe Phat.« [Die Lautannäherung im Deutschen unterscheidet nicht sämtliche Vokallängen; verbindlich ist die separat bewahrte IAST-Fassung.]

14-87. Mit dem Waffenmantra hebt er das Ausgegrabene heraus, mit dem Herzmantra füllt er die Grube auf und ebnet sie. Mit dem Schutzpanzer-Mantra besprengt er sie.

Unnummerierte Fortsetzung vor 14-88: Mit dem Waffenmantra stampft er sie fest, wischt und bestreicht sie damit.

Unnummerierte Kala-Formeln: »Om Haum, Verehrung Shantyatita. Om Haim, Verehrung Shanti. Om Hum, Verehrung Vidya. Om Him, Verehrung Pratishtha. Om Ham, Verehrung Nivritti.«

14-88. So verehrt man die Kalas in der Mitte, im Osten, Süden, Westen und Norden.

Unnummerierte Grubenformel nach 14-88: »Om Ham, Verehrung der aus Kalas bestehenden Feuergrube.«

14-89. Man betrachtet und verehrt die ganze Grube als Verkörperung der Kalas und umwindet sie mit einer dreifachen Schnur. Danach zieht man mit Kusha-Gras unter dem Waffenmantra …

14-90. … mit den Tattvas Atman, Vidya und Shiva dreimal eine Linie nach Osten und einmal in der Mitte nach Norden, mit der Spitze eines Brennholzes unter dem Wurzelmantra.

14-91. Brahma, Vishnu, Rudra und Shiva sind die Gottheiten dieser Linien. Mit drei Darbha-Halmen und dem Waffenmantra macht man die Grube fest wie den Vajra; dann mit dem Herzmantra …

14-92. … legt man aus nach Osten und Norden gerichteten Halmen eine Kreuzung in der Grube an. In der so durch achtzehn Weihen gereinigten Grube verwendet man erneut Kusha-Gras.

Unnummerierter Übergang und Sitzformel nach 14-92: Man vergegenwärtigt eine Unterlage in der Grube und setzt einen Darbha-Sitz ein: »Om Ham, Verehrung dem Sitz von Vagishvari und Vagishvara.«

Unnummerierte Herbeirufung: »Om Ham, ich rufe Vagishvari herbei.«

14-93. Man meditiert über die dunkle Göttin, geschmückt mit allen Arten von Schmuck …

14-94. … ruft sie herbei und verehrt sie als nach ihrer monatlichen Reinigung gebadet. Dann verehrt man Vagishvara als von Verlangen erfüllt. [Die gelieferte zweite Vershälfte wiederholt einen Ausdruck zur Göttin und ist syntaktisch gestört.]

14-95. Das nach der Vorschrift herbeigebrachte Feuer in einer Schale oder einem ähnlichen Gefäß wird verehrt; es soll hier ohne Flammen, Rauch und Brennholz sein. Den für den Leichenverzehrer bestimmten Anteil scheidet man aus.

14-96. Mit dem Wurzelmantra besprengt man es, mit dem Waffenmantra betrachtet man es; mit dem Schutzpanzer umhüllt und mit der Waffe schützt man es. Man betrachtet es in leuchtender Gestalt.

Unnummerierte Lautfolge vor 14-97: »Om Hom Raum Ham.« [Bija-Folge ohne wörtlich übersetzbare Aussage.]

14-97. Damit nimmt man das Feuer aus dem Stirnauge auf und verbindet es mit diesem Feuer. Das aus der Nabelgrube aufsteigende Feuer, leuchtend wie eine herabkommende Sonne …

14-98. … lässt man beim Ausatmen durch Pingala hervortreten und vereinigt es mit dem Feuer. So werden das stoffliche, das göttliche und das Verdauungsfeuer, diese drei Feuer …

14-99. … vereinigt und mit den sechs Gliedern versehen. Die aufgeführten Formeln lauten: »Om Ram, Verehrung dem Herzen. Om Rim, dem Haupt Svaha. Om Rum, dem Haarschopf Vashat. Om Ram, Verehrung den drei Augen. Om Rah, der Waffe Phat.« Dazu: »Pranava, Haum, der Shakti Vashat.« Mit der Kuh-Mudra macht man es zu Nektar und umhüllt es mit dem Schutzpanzer. [Die Quelle nennt sechs Glieder, schreibt hier jedoch nur fünf reguläre Gliederformeln und anschließend die Shakti-Formel aus.]

14-100. Man schützt es mit dem Waffenmantra, verehrt es mit dem Herzmantra und hebt es mit beiden Händen empor. Der Lehrer kniet sich über der Grube hin …

14-101. … und bewegt es zur Erregung dreimal kreisförmig. Er betrachtet Göttin und Gott unbekleidet, mit ihren Häuptern nach Nordosten gerichtet. Unter »Om Ham, Verehrung Shivas Samen« denkt er das Feuer als Shivas Samen.

14-102. Sich selbst zugewandt setzt er dieses Feuer durch den Schoßweg der Göttin ein. Zerstreutes führt er mit dem Waffenmantra zusammen und bringt die vereinigte Glut zum Nabelbereich.

14-103. Unter »Om Ham, Verehrung Vagishvari« bekleidet er sie mit zwei Gewändern und vollzieht Reinigung und rituelles Wasserschlucken. Mit dem Schutzpanzer bedeckt er das Feuer mit Brennholz und entfacht es mit einem Fächer.

14-104. Unter »Om Ham Ham, Verehrung dem Feuer im Mutterleib« verehrt er es. Dann bindet er ein gereinigtes Kusha-Armband als Schutzband an Vagishvaris rechte Hand.

14-105. Mit »Om, Verehrung Sadyojata« ruft er Sadyojata herbei und bringt fünf Sesamgaben unter dem auf Svaha endenden Herzmantra dar. Damit ist der Empfängnisritus vollendet.

Unnummerierter Abschnitt vor 14-107: Mit »Om Him, Verehrung Vamadeva« ruft er diesen herbei und opfert mit dem Hauptmantra; dies ist der Pumsavana-Ritus. Es folgt »Om Hum, Verehrung Aghora« und »Om Ham, Verehrung dem aus der achtfachen Stadt bestehenden Körper«. [Eine Marke 14-106 und eine ausdrückliche Fortsetzung zum Aghora-Ritus fehlen hier.]

14-107. Zur Bildung von Körper und Lebenshauch gibt man mit Kusha-Gras unter dem Waffenmantra einen Wassertropfen hinein. Die eingeschobene Erläuterung lautet: »Das heißt: aus dem Arghya mit dem Haarschopfmantra.« Mit den bei Sadyojata beginnenden Formeln und Sesamgaben bildet man Gesichter und Glieder.

14-108. Für die Entfaltung der Gesichter bringt man nochmals fünf Opfergaben dar und betrachtet Vagishvari als entbunden und das Feuer als neugeborenes Kind.

14-109. Mit »Om Hem, Verehrung Tatpurusha« ruft man Purusha herbei und bringt fünf Gaben mit dem Schutzpanzer-Mantra dar. Mit Waffenmantra und Arghya-Wasser besprengt man innen und außen.

14-110. Man entfernt das Darbha-Armband zur Beendigung der Geburtsunreinheit. Göttin und Gott werden durch Besprengen mit dem Waffenwasser als gebadet und geschmückt betrachtet …

14-111. … und im Geist mit Gewändern, Schmuck, Duftstoffen und weiteren Gaben ausgestattet. Zur Beseitigung von Schmerzen opfert man unter dem Waffenmantra Palasha-Holz …

14-112. … fünf Stücke von einer Spanne Länge, mit Ghee übergossen. Nördlich legt man die Gefäße und Gegenstände auf Darbha-Gras bereit.

14-113. Man legt auch hier eine Umfassung aus geflochtenem Kusha-Gras an und bereitet Darbha-Sitze für Sprenggefäß und Brahman-Priester …

14-114. … sowie für das Pranita-Gefäß. Man legt die Begrenzungshölzer hin und besprengt ringsum. Mit quer gehaltenem Pavitra füllt man das Sprenggefäß mit Wasser.

14-115. Mit den bei Nivritti beginnenden Kalas besprengt man der Reihe nach und reinigt mit Darbha-Gras unter der Shiva-Gayatri den Raum ringsum.

14-116. Mit »Om Ham, Verehrung Brahma, dem Aufseher des Opfers« ruft man Brahma herbei und verehrt einen Brahmanen oder einen Grasbüschel als dessen Träger. Mithilfe des Pavitra füllt man das Pranita-Gefäß mit Wasser und vergegenwärtigt den Herrn der Gewässer …

14-117. … hebt es bis zur Nase und verehrt es auf seiner Unterlage. Mit »Om Ham, Verehrung Vishnu, dem Vernichter der Opferfeinde« verehrt man Vishnu im Grasbüschel des Pranita-Gefäßes.

14-118. In den vier Himmelsrichtungen verehrt man Brahma, Shankara, Hari und Ananta auf dem Darbha der Begrenzung, jeweils mit Pranava, Ham und ihrem Namen.

14-119. Zum Schutz verehrt man die Welthüter in ihren jeweiligen Richtungen, ebenso ihre Waffen. Dann lässt man sie Shivas Anordnung hören:

14-120. »Hört, ihr Götter Brahma, Indra, Vishnu und die anderen, mitsamt euren Waffen! Steht auf Shivas Geheiß jeder in seiner Richtung und schützt die Wohnstätte des Feuers!«

14-121. Man nimmt beide Opferlöffel mit gutem Kusha-Gras auf, betrachtet sie unter dem Herzmantra, erwärmt sie mit dem Waffenmantra, wäscht sie mit dem Hauptmantra und hält ihre Öffnungen nach oben unter dem Herzmantra.

14-122. Nachdem man sie erwärmt und gewaschen hat, wischt man Wurzel, Mitte und Spitze mit Kusha-Gras unter folgenden Formeln ab: »Om Ham, Verehrung Brahma, dem Herrn des Atman-Tattva. Om Him, Verehrung Vishnu, dem Herrn des Vidya-Tattva. Om Hum, Verehrung Rudra, dem Herrn des Shiva-Tattva.« Man wäscht sie und verehrt diese drei.

14-123. Den großen Löffel verehrt man mit »Om Haum, Verehrung Shakti«, den kleinen mit »Om Ham, Verehrung Shiva«. Ihre Hälse sind mit dreifacher Schnur oder ersatzweise mit Darbha umwunden. Im Süden …

14-124. … legt man sie auf eine Kusha-Unterlage. Dann bereitet man frisches, gutes Kuh-Ghee durch die vier mit dem Betrachten beginnenden Weihen.

14-125. Man betrachtet die eigene Gestalt als die Brahmas, erwärmt das Ghee am südöstlichen Bereich der Grube und opfert mit »Om Ham, Brahma Svaha«. Dann erwärmt man es im Nordosten …

14-126. … und opfert Vishnu, während man sich selbst als Vishnu betrachtet. Nach dieser Gabe erhitzt man mit einer Kusha-Spitze einen Ghee-Tropfen.

14-127. In Rudras Gestalt bewegt man das Ghee dreimal um das Feuer, opfert mit »Om Ham, Rudra Tha Tha« mittels einer Kusha-Spitze und stellt es auf Darbha im Yoni-Bereich ab.

14-128. Man entzündet die Spitzen zweier Kusha-Halme und taucht sie unter dem Herzmantra in das Ghee. Dann wirft man die Halme wieder ins Feuer. Dies ist die Reinigungsweihe.

14-129. Mit dem Schutzpanzer-Mantra betrachtet man das Ghee und wirft den übrigen brennenden Darbha ins Feuer; dies ist seine Färbung. Nach dem Händewaschen nimmt man Kusha …

14-130. … entzündet es, führt es über dem Ghee im Kreis und legt es hinein. Dies ist die Beleuchtung. Man betrachtet die rechte und die linke Hand als die helle und die dunkle Mondhälfte.

14-131. Mit nach oben gerichteten Daumen und Ringfingern hält man den Pavitra und führt ihn nach Osten gerichtet in das Ghee, in dessen südlichen und nördlichen Bereich.

14-132. Im Ghee betrachtet man die zunehmende und abnehmende Mondhälfte als Anwachsen und Schwinden Somas; ebenso Pingala und Ida sowie Sushumna in der Mitte. [Die Vorlage kennzeichnet die Formulierung zu den Mondhälften mit einem Fragezeichen.]

14-133. Mit »Om Ham, Agni Tha Tha« opfert man aus dem rechten Ghee-Anteil mit dem kleinen Löffel in das rechte Auge. Aus dem anderen Anteil opfert man unter »Om Ham, Soma Tha Tha« in das linke Auge des Feuers.

14-134. Mit »Om Ham, Agni und Soma Tha Tha« opfert man aus dem mittleren Ghee-Anteil in das Stirnauge. Mit »Om Ham, Agni Svishtakrit Tha Tha« opfert man aus allen drei Anteilen. So wird der Mund des Feuers gebildet.

14-135. Diese Reihenfolge gilt für die zunehmende Mondhälfte. In der dunklen Hälfte besteht folgende Abweichung: »Om Ham, Agni Tha Tha; Om Ham, Surya Tha Tha; Om Ham, Agni und Soma Tha Tha; Om Om Ham, Agni Svishtakrit Tha Tha.« So werden die drei Augen des Feuers und die Öffnung seines Mundes vollzogen. [Auch der doppelte Pranava der letzten Formel bleibt bewahrt.]

Unnummerierte Zusammenfassung vor 14-136: Dies sind das Einsetzen der drei Nadis in das Ghee und die Gestaltung für beide Mondhälften.

14-136. Man weiht das Ghee mit den Gliedermantras und anschließend mit »Om Haum, der Shakti Vaushat«.

14-137. Mit der Kuh-Mudra macht man es zu Nektar, umhüllt es erneut mit dem Schutzpanzer und schützt es mit dem Waffenmantra. Damit ist die Weihe des Ghee beschrieben.

14-138. Gibt man einen Tropfen dieses geweihten Ghee in anderes Ghee oder ähnliche Stoffe und weiht sie mit dem Herzmantra, gelten auch diese als geweiht.

14-139. Nun betrachtet man das freundliche Shiva-Feuer mit den fünf bei Sadyojata beginnenden Gesichtern, jedes mit drei Augen, und mit den sieben Zungen in seinen Mündern.

Unnummeriertes Paushkara-Zitat nach 14-139: »In den vier Gesichtern befinden sich vier Zungen, im mittleren drei. Bei Einweihungen, Einsetzungen und ähnlichen Riten sind sie sattvisch, bei niederen Handlungen tamasisch, bei Wunschhandlungen rajasisch.« Diese Zungen wurden bereits zuvor genannt.

14-140. Seine Hände zeigen Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung und tragen Svastika und Speer. Es trägt weiße Blütenketten, Gewänder und Salben und ist mit göttlichem Schmuck geziert.

14-141. Man verehrt es vorschriftsmäßig mit Arghya, Duftstoffen, Blumen und weiteren Ehrengaben. Man opfert in jedes Gesicht gesondert: »Om Ham, der Gestalt Sadyojata Tha Tha; Om Ham, dem verborgenen Bereich Vamadeva Tha Tha; Om Ham, dem Herzen Aghora Tha Tha; Om Ham, dem Gesicht Tatpurusha Tha Tha; Om Ham, dem Scheitel Ishana Tha Tha.« So werden die Gesichter mit Opferguss versehen. [Der vierte Gottesname ist im Sanskrit dieser Folge verkürzt geschrieben.]

Unnummerierte Paarformeln vor 14-142: »Om Ham, der Gestalt Sadyojata und dem verborgenen Bereich Vamadeva Tha Tha. Om Ham, dem verborgenen Bereich Vamadeva und dem Herzen Aghora Tha Tha. Om Ham, Aghora, dem Herzen, und dem Gesicht Tatpurusha Tha Tha. Om Ham, dem Gesicht Tatpurusha und dem Scheitel Ishana Tha Tha.« So verbindet man die Gesichter und opfert paarweise Ghee.

14-142. Mit »Om Haum Hem Hum Him Ham, Ishana, Tatpurusha, Aghora, Vamadeva und Sadyojata Tha Tha« opfert man vom Südosten bis zum Nordwesten, vom Nordwesten bis zum Südwesten …

14-143. … und vom Südwesten bis zum Nordosten, jeweils in einem einzigen Ghee-Strahl aus dem kleinen Löffel. Da bei täglichen Handlungen Sadyojatas Gesicht die führende Stellung besitzt …

14-144. … betrachtet man es so groß wie die Grube. Die anderen Gesichter gehen in Sadyojata ein; so wird die Vereinigung der Gesichter vergegenwärtigt.

14-145. Entsprechend heißt es in der Samhita: »Bei der täglichen Handlung gilt das Sadyojata-Gesicht als vorherrschend und aufwärts gerichtet, die anderen als untergeordnet.«

Unnummerierter Übergang: Ferner heißt es:

14-146. »Bei anlassbezogenen und wunschgerichteten Handlungen wird jeweils dasjenige Gesicht mit den anderen vereinigt, dessen Vorrang für die betreffende Handlung vorgeschrieben ist.

14-147. Bei der Einweihung eines Befreiungssuchenden ist das obere Gesicht maßgeblich, für sichtbare Erfolge das östliche, bei niederen Handlungen das südliche.

14-148. Das nördliche, Vamadeva genannte Gesicht gewährt das Erstrebte bei Befriedung und Gedeihen; bei täglichen Handlungen das Sadyojata genannte.« So steht es in der Samhita.

14-149. Bis hierher ist der Abschluss des Geburtsritus beschrieben. Mit »Om Ham, Verehrung Ishana« ruft man Ishana herbei und bringt fünf Sesamgaben mit dem Waffenmantra dar.

14-150. Dann gibt man ihm den Namen: »Om Ham, du bist das Shiva-Feuer, der Opferverzehrer.« Man verehrt das Feuer, entlässt seine Eltern mit »Om Ham, Vagishvari und Vagishvara Tha Tha« und bringt die Vollopfergabe mit »Om Haum, Shiva Vaushat« dar. [Die Namensform des Opferverzehrers ist in der Quelle als »gutāśa« auffällig geschrieben.]

14-151. In dem Feuer, in das Shiva noch nicht eingesetzt wurde und das erst durch die fünf Weihen vorbereitet ist, werden Opferspeise und Opferkuchen gekocht; es wird auch für Räucherwerk und Ähnliches bewahrt.

Unnummeriertes Samhita-Zitat nach 14-151: »In dem durch fünf Weihen vorbereiteten Feuer, dessen Gottheit noch nicht herbeigerufen ist, werden Opferspeise und Opferkuchen gekocht. Das eigentliche Feueropfer wird erst nach der Herbeirufung vollzogen.«

14-152. Danach vollzieht man die elf mit dem ersten Hinausführen beginnenden Lebensweihen, jeweils mit drei Ghee-Gaben unter dem auf Vaushat endenden Wurzelmantra.

Unnummerierte Aufzählung nach 14-152: Gemeint sind: erstes Hinausführen, erste feste Nahrung, Haarschnitt, Einführung in die Schülerschaft, Beginn des Studiums, Übernahme der Gelübde, Entlassung aus den Gelübden, Godana-Ritus, Rückkehr nach Abschluss des Studiums, Hochzeit und Errichtung des eigenen Opferfeuers.

14-153. In den mit Ghee gefüllten großen Löffel legt man den kleinen mit der Öffnung nach unten. An die Spitze des großen Löffels legt man eine Blume. Mit beiden Händen in Muschel-Mudra …

14-154. … hält man beide eng aneinanderliegenden Stiele, steht mit gleichmäßig gesetzten Füßen und richtet den Blick auf die Löffelspitze. Mit dem Wurzelmantra und den beim Herzen beginnenden Gliedermantras …

14-155. … jeweils mit dem Ende Vaushat, lässt man zum Mantraabschluss einen ununterbrochenen Ghee-Strahl von der Dicke eines Gerstenkorns ins Feuer fallen. Dies ist die Vollopfergabe.

14-156. Danach spricht man: »O Shiva-Feuer! Mit deiner Zustimmung rufen wir bei dieser Verehrung Shiva in deinem Herzlotus herbei und verehren ihn.«

14-157. Nachdem diese Zustimmung erlangt ist, ruft man Shiva mit seinem Sitz, seinen Gliedern und seiner Gestalt im Feuer herbei und stellt die Verbindung mit Shiva her.

14-158. Das ununterbrochene Licht, das aus der Nasenspitze Shivas im Feuer hervorströmt, wird mit dem Licht verbunden, das aus der Nasenspitze Shivas im Linga hervorgeht.

14-159. Diese Verbindung durch die Pingala-Nadi vergegenwärtigt man bis zum Ende der Verehrung. Man verehrt Shiva und sättigt ihn mit den genannten Gaben aus Ghee und den weiteren Opferstoffen.

14-160. Die Gabe, die in die vorschriftsmäßig bestimmte Feuerzunge geopfert wird, verbindet man durch den Sushumna-Weg des Feuers und durch Sushumna mit Shivas Scheitel …

14-161. … und sättigt Ishvara mit Nektarströmen in Kuhgestalt, damit Shiva freundlich gestimmt ist und das Erstrebte gewährt.

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über die Verbindung der Nadis.

14-162. Für das tägliche Opfer sind Ghee, Sesam und Speise mit Ghee vorgeschrieben. Bei besonderen Handlungen opfert man die jeweils angegebenen Stoffe.

14-163. Für die Gestalten und Glieder wird ein Zehntel der für Shiva bestimmten Opfergaben dargebracht. An Festtagen verdoppelt man die tägliche Anzahl; alternativ wird Japa in der dem Feueropfer entsprechenden Anzahl genannt.

14-164. Mit »Om Haum, Shiva Svaha« opfert man drei mit Ghee übergossene Portionen Opferspeise aus dem großen Löffel, für die Gestalten und Glieder jeweils einmal.

14-165. Mit dem Sprengwasser gibt man Wasser zum rituellen Schlucken und unter dem Waffenmantra Arghya. Man verehrt ihn mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Licht und Betel.

14-166. Nach der Feuerhandlung nimmt man Asche an sich und löst die Nadi-Verbindung. Mit den Bijas, Vyahritis sowie den Gestalt- und Gliedermantras opfert man jeweils einmal …

14-167. … Ghee. Unter dem Waffenmantra hebt man die Gestalten und Glieder aus ihren jeweiligen Stellen heraus und vereinigt sie in Shiva. Shiva im Feuer lässt man im Herzlotus des Feuers ruhen …

14-168. … und hält ihn dort zum Schutz fest; oder man entlässt ihn täglich. Mit »Om Haum Haim Hum Him Ham, Verehrung der Shiva-Gestalt« nimmt man die Shiva-Gestalt des Feuers in einer Handvoll Blumen zusammen.

14-169. Mit »Om Haum, Om Hom, Om Hem, Om Hum, Om Him, Verehrung Shiva« verbindet man sie mit Shiva im Linga oder im eigenen Herzlotus. Ist ein Linga vorhanden, wurde auch die Nadi-Verbindung zuvor mit dessen Shiva hergestellt.

14-170. Gibt es kein Linga, stellt man die Verbindung entsprechend zur Nasenspitze Shivas im eigenen Herzlotus her. Ebenso ist dann die Entlassung anzupassen.

14-171. Bei anlassbezogenen Handlungen opfert ein Zweimalgeborener mit den Jaya-Mantras und vollzieht die weiteren, als Amatya und Sühne bezeichneten Gaben sowie Svishtakrit.

14-172. Dazu opfert man mit: »Om Ham, Agni Tha Tha; Om Ham, Soma Tha Tha; Om Ham, Agni und Soma Tha Tha; Om Ham, Agni Svishtakrit Tha Tha.« Bei Nicht-Zweimalgeborenen verwendet man ebenfalls diese Formeln. Südöstlich oder vor dem Feuer legt man zwei Mandalas an.

14-173. Mit dem Rest der Opferspeise und Duftstoffen bringt man Bali in Haupt- und Zwischenrichtungen dar, jeweils mit den eigenen Namen, Pranava und Herzsilbe am Anfang sowie »Verehrung« am Ende.

14-174. Der Reihe nach, beginnend bei Osten und Nordosten, gelten die Gaben Rudra, den Müttern, den Ganas, Yakshas, ergreifenden Mächten, Götterfeinden, Rakshasas und Nagas.

14-175. Dazwischen erhalten die Mondhäuser Gaben, in deren Mitte die Tierkreiszeichen; wiederum am Nordostende und im Südosten wird die Gabe für die Vishvedevas genannt. [Die räumliche Zuordnung am Versende ist nicht ganz eindeutig.]

14-176. Im Südwesten erhält Kshetrapala eine Gabe, im Nordwesten Durga. Nach diesem inneren Bali bringt man im zweiten Mandala …

14-177. … wie zuvor in den zehn Richtungen Bali für Indra und die übrigen Welthüter dar. Man entlässt sie und bringt außerhalb des Mandalas eine weitere Gabe dar.

14-178. Man streut ringsum in die Richtungen und spricht: »Für Krähen und die anderen, für die Übertreter der Verpflichtung: Tha Tha.« Dann nimmt man die Bali-Mantras zurück. Nochmals bringt man am Rand des Vorhofs in einem Mandala Bali dar.

14-179. »Die Rudras, die furchtbare Handlungen ausüben und an furchtbaren Orten wohnen, ebenso alle Friedlichen, die an friedlichen Orten wohnen …

14-180. … die Mütter von furchtbarer Gestalt und die Herren der Scharen: Mögen sie alle mit hocherfreutem Herzen diese Bali-Gabe annehmen.

Unnummerierte Fortsetzung nach 14-180: Mögen sie mir rasch Gelingen schenken und mich stets vor Gefahren schützen.«

14-181. Unter »Verehrung allen Wesen« bringt man Bali dar; danach: »Die Yoginis, die Schrecklichen und Wilden, die Vetalas und Brahmarakshasas …

14-182. … mögen herbeikommen und als Vollstrecker von Shivas Willen die von mir gegebene Bali-Gabe annehmen. Mögen sie mich stets rasch vor Gefahren schützen.«

Unnummerierte Formel nach 14-182: Auch mit »Om Ham Hah Hum Phat« bringt man Bali dar. [Bija- und Ritualsilben ohne wörtliche Satzbedeutung.]

14-183. Nach der Bali-Gabe wäscht man die Füße, nimmt rituell Wasser und hält Schweigen. Man verneigt sich vor Mahadeva und vollzieht die anschließenden Handlungen.

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über das shaivische Feuerverfahren.

14-184. Nun wird das im Tantra vorgeschriebene vaishnavische Feuerverfahren erklärt. Gebadet, mit gewaschenen Füßen, nach dem rituellen Wasserschlucken, mit gelenktem Atem und schweigend …

14-185. … zieht man drei Linien nach Osten und drei nach Norden und rezitiert dabei der Reihe nach die zwölfsilbige Vidya.

14-186. Man wirft das Zeichenwerkzeug weg, wäscht die Hände und besprengt den Platz mit der Vidya. Nach dem Einsetzen der Mantras in Hände, Körper und Glieder vergegenwärtigt man den Pranava.

14-187. Dort ruft man die höchste Shakti Lakshmi herbei und betrachtet sie als fruchtbar, gebadet und geschmückt. Ebenso ruft man Vishnu herbei und verehrt beide.

14-188. Man bringt in einer Schale oder einem anderen Gefäß Feuer herbei, etwa durch Reibhölzer erzeugtes Feuer, besprengt es mit dem Pranava und betrachtet es als Vishnus Samen.

14-189. Man setzt es in den Schoß der Göttin ein und meditiert über den Embryo. Mit Brennholz entfacht man es unter der Vidya und reinigt es wie zuvor ringsum mit Wasser.

14-190. Die Geräte stellt man auf Darbha bereit und legt die Grasumfassung in ihrer Reihenfolge an. Unter der zwölfsilbigen Vidya füllt man das Sprenggefäß mit Wasser.

14-191. Man ruft Hari darin herbei, besprengt mit diesem Wasser die Geräte, richtet die Gefäße auf und löst das Brennholzbündel. Brahma …

14-192. … ruft man wie zuvor im Süden herbei und verehrt ihn. Im Norden füllt man das Pranita-Gefäß mit Wasser, stellt es wie zuvor hin und ruft darin …

14-193. … Vishnu mit seinen Gliedern herbei. Man reinigt und betrachtet das Ghee, erwärmt es auf der nördlichen Glut und beleuchtet es dreimal mit brennendem Kusha-Gras.

14-194. Nach dreimaligem Reinigen stellt man es vorn ab. Großen und kleinen Opferlöffel nimmt man mit Darbha, erwärmt und wäscht sie unter dem Pranava. Die Spitzen wischt man mit den Grasspitzen ab …

14-195. … die Mitte mit dem mittleren Teil, die unteren Teile mit den Wurzeln. Das Gras wirft man ins Feuer. Die Begrenzungshölzer und die zwei aufgerichteten Brennhölzer setzt man wie zuvor ein.

14-196. Man besprengt unter der Vidya, nimmt Brennholz, besprengt es mit Ghee und opfert es einmal unter dem Pranava. Danach vollzieht man die beiden Ghee-Güsse und mit der zwölfsilbigen Vidya …

14-197. … die bei der Empfängnis beginnenden Riten, jeweils mit drei Sesamgaben. Mit dem Pranava entlässt man dann die beiden Eltern des Feuers.

14-198. Auf dem Lotus eines goldenen Sitzes betrachtet man die vaishnavische Gestalt des Feuers: fünfgesichtig, vierarmig, golden und dreiäugig.

14-199. Die Erde bildet seine Füße, der Himmel sein Haupt, die Luft seine Lebenshauche, die Sonne seine Augen und der Raum seinen Leib. Die sieben Welten sind seine Zungen.

14-200. Das Garhapatya-Feuer befindet sich in seinem Herzen, das Ahavaniya in seinen Mündern und das Anvaharya in seinem Bauch. Seine Gesichter bestehen der Reihe nach aus den Veden.

14-201. Das östliche Gesicht besteht aus dem Rigveda, ist golden und dient göttlichen Handlungen. Das südliche besteht aus dem Yajurveda, gleicht zerriebenem schwarzem Augenschminkstoff und dient niederen Handlungen.

14-202. Das westliche, dem Atharvaveda zugehörige Gesicht leuchtet wie die aufgehende Sonne und dient der Befriedung. Das nördliche besteht aus dem Samaveda, leuchtet wie der Mond und vollendet Wunschhandlungen.

14-203. Das obere besteht aus allen Veden, glänzt wie Kristall und gewährt Befreiung. So meditiert und verehrt man es. In seinem Herzlotus …

14-204. … ruft man Vasudeva herbei, vierarmig, Muschel, Rad und Keule tragend, in der beschriebenen Gestalt. Man verehrt ihn und bringt die vorgeschriebenen Opfergaben dar.

14-205. Ein Zweimalgeborener vollzieht die Jaya-Opfer und das Svishtakrit-Opfer. Er schließt die Handlung ab und gibt dem Brahman-Priester die entsprechende Gabe.

14-206. Man entleert das Pranita-Gefäß und entlässt ebenso Begrenzungshölzer und Grasunterlagen. Den im Feuer befindlichen Achyuta führt man in das Bild oder in den eigenen Herzlotus über.

Unnummerierter Abschluss vor 14-207: Auch das Feuer mit seinen Haupt- und Nebengliedern wird wie zuvor entlassen.

Unnummerierte Zwischenüberschrift: Abschnitt über das vaishnavische Feuerverfahren.

14-207. Nun wird das Mantra-Verfahren des Feuers erklärt, dem die Verwirklichung sämtlicher Ziele zugeschrieben wird.

14-208. Die Opferfläche oder Feuergrube besitzt die genannten Merkmale. Man bestreicht sie mit Kuhdung und hebt unter dem Pranava mit einem Stück Material etwas Erde ab.

14-209. Man ebnet und bestreicht den Platz und zieht mit einem Stück Gold oder entsprechendem Material drei östlich gerichtete Linien: in der Mitte, im Süden und im Norden.

14-210. Dann zieht man nördlich gerichtete Linien in der Mitte, im Westen und im Osten. Man besprengt, wirft das Werkzeug fort und rezitiert bei allem den Pranava.

14-211. Feuer aus Reibhölzern, aus einem Brennstein oder aus dem Haus eines Vedenkundigen bringt man in einer Schale oder einem ähnlichen Gefäß herbei. Unter dem Pranava betrachtet und besprengt man es.

14-212. Den Anteil des Leichenverzehrers scheidet man aus. Rein, schweigend und nach Osten gewandt verbindet man das Verdauungsfeuer und das als »mondzugehörig« bezeichnete Feuer mit diesem stofflichen Feuer. [Die gelieferte Lesung »caindavam« wird nicht an das frühere »göttliche Feuer« angeglichen.]

14-213. Der Übende verehrt mit dem Shakti-Bija die gebadete, fruchtbare Shakti und Ishvara, die sich in schöpferischem Verlangen vereinigt haben.

14-214. Er betrachtet das Feuer als Ishvaras Samen und setzt es in Shaktis Schoß ein. Mit zwei Brennhölzern hebt beziehungsweise entfacht er es und bedeckt es mit weiterem Brennholz.

Unnummerierte Entfachungsformel vor 14-215: »Om, Citpingala, schlage, verbrenne, koche! Der Allwissende befiehlt. Tha Tha.«

14-215. Mit dieser Formel entfacht er das Feuer mithilfe eines Fächers. Dann: »Om, ich verehre das entflammte Feuer, Jatavedas, den Verzehrer der Opfergaben …

14-216. … das goldfarbene, lodernde Feuer, das seine Gesichter nach allen Seiten richtet.« Mit dieser Formel vollzieht man die Huldigung und legt eine Blume hin.

14-217. Der Lehrer legt einzeln, vom Osten beginnend, Darbha ringsum aus, besprengt schweigend mit Wasser und verehrt das Feuer mit seinen sechs Gliedern.

14-218. Mit dem Pranava gibt er einen Wassertropfen als Lebensprinzip ins Feuer. Die Riten von der Empfängnis an vollzieht er der Reihe nach mit den jeweiligen sechs Gliedermantras.

14-219. Für jeden bringt er drei Gaben dar, besprengt anschließend unter dem Pranava und stellt wie zuvor die Geräte nördlich des Feuers auf Darbha bereit.

14-220. Mit Darbha-Halmen in den durch »Toya«, »Seka« und »Dayadheya« bezeichneten Zahlen legt er die Umfassung wie zuvor an und verehrt Sprenggefäß, Brahma …

14-221. … und Pranita-Gefäß. Nach dem Besprengen des Feuers der Reihe nach betrachtet er einen weißen Lotus auf goldenem Sitz, mit leuchtenden Staubfäden. [Die Halmzahlen des vorigen Verses sind chiffriert und bleiben unaufgelöst.]

14-222. An den Spitzen seiner acht Blütenblätter stehen die acht Gestalten des Opferverzehrers. Die erste ist Agni; es folgen Vaishvanara und Hutashana …

14-223. … Jatavedas, Hutavaha, Hutavarman, Devamukha und Saptajihva. Dies sind die acht Gestalten.

14-224. Andere nennen: Jatavedas, Saptajihva, Havyavaha, Ashvodara, Aja, Vaishvanara …

14-225. … Kaumaratejas und Vishvedevamukha. Dies sind nach ihnen die acht Gestalten, deren Namen jeweils das Wort »Agni« im Dativ vorangestellt wird.

14-226. Man meditiert über den freundlichen, Wünsche gewährenden Opferträger mit drei Augen und heiterem Gesicht. Er trägt Speer und Svastika und zeigt Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung. Sein Glanz ist safranrot; Salbe, Blütenketten und Gewänder sind weiß. Seine Haarflechten leuchten; reine Ketten bewegen sich, eine Edelsteinkrone und goldene Girlande schmücken ihn.

14-227. Hiranya, Gagana, Rakta, Krishna, Suprabha, Bahurupa und Atirakta werden als die sieben sattvischen Zungen genannt.

14-228. Padmaraga, Suvarni, Bhadralohita, Lohita, Shveta, Dhumini und Karali sind die rajasischen.

14-229. Vishvamurti, Sphulingini, Dhumravarna, Manojava, Vilohita, Karali und Kali sind die tamasischen.

14-230. Mit den rückwärts genannten Element-Bijas, verbunden mit Feuer, Luft und M, werden die Zungen in den Richtungen von Osten an eingesetzt; Vasudhara steht im Nordosten. [Die konkrete Lautfolge ist chiffriert.]

14-231. Bei göttlichen, täglichen und befriedenden Handlungen gelten die sattvischen als geeignet, bei Wunschhandlungen die rajasischen und bei grausamen Handlungen die tamasischen.

14-232. Gottheiten, Ahnen, Gandharvas, Yakshas, Nagas, Pishachas und Brahmarakshasas gelten der Reihe nach als Herren der Zungen.

14-233. Die Nebenzunge Vasudhara gilt als aus allen Gottheiten bestehend. Wunschhandlungen sind an ihr besonders empfohlen; die übrigen Zuordnungen entsprechen den beim vedischen Verfahren genannten.

14-234. Gestalten und Zungen verehrt man jeweils mit Pranava am Anfang und »Verehrung« am Ende. Die Gliedermantras heißen Sahasrarchis, Svastipurna, Uttishtha-Purusha …

14-235. … Dhumavyapin, Saptajihva und als sechster Dhanurdhara. So besitzt das Feuer sechs Gliedermantras, jeder mit seiner eigenen Ritualendung.

14-236. Glieder und Gestalten erscheinen freundlich und vierarmig. Zwei Hände tragen Speer und Svastika; goldene Schmuckstücke schmücken sie.

14-237. Außen verehrt man Indra und die übrigen Welthüter samt ihren Waffen. Man betrachtet auch die eigene Gestalt als feurig und mit den eingesetzten Gliedermantras versehen.

14-238. Man verehrt das Feuer mit Duftstoffen und den übrigen Gaben, weiht das Ghee wie zuvor und reinigt die beiden Opferlöffel nach dem beim vedischen Feuer genannten Verfahren.

14-239. Mit den bei Prajapati beginnenden Mantras vollzieht man die vedische Feuereröffnung. Für jedes Glied, jede Gestalt und jede Zunge bringt man eine Ghee-Gabe dar.

14-240. Danach opfert man noch einmal eine Gabe mit folgendem Mantra: zuerst Pranava und die drei Vyahritis, danach das Wort Vaishvanara …

Unnummerierte Fortsetzung des Mantra vor 14-241: »… so'pi bhāva … Jatavedas, bringe hierher; vollende alle Handlungen. Tha Tha.« [»so'pi bhāva« bleibt als unsicherer Bestandteil stehen; es wird keine geglättete Rezitationsform hergestellt.]

14-241. Die Kundigen kennen diesen mit den Vyahritis beginnenden Mantra als Wurzelmantra des Feuers. Sein Seher ist Savitar, sein Versmaß heißt göttliche Gayatri.

14-242. Die Gottheit ist Agni Jatavedas; er wird für Gedeihen und verwandte Ziele eingesetzt. Dieser vorzügliche Mantra wird als Spender großen Wohlstands gepriesen und soll zehntausendmal rezitiert werden.

14-243. Vom ersten Mondtag an opfert man der Reihe nach ungeschälten Reis, Nyagrodha-Holz, Sesam, Senf, Ghee und Milchreis in den Richtungen, beginnend im Osten.

14-244. Man opfert tausendacht oder hundertacht Ghee-Gaben. Am elften Mondtag bewirtet man nach Kräften reine Brahmanen …

Unnummerierte Fortsetzung vor 14-245: … und gibt eine rote Kuh als Gabe. So soll der Wohlstandsmantra zur Vollendung gelangen.

14-245. Am ersten Mondtag opfert man von den genannten Stoffen jeweils tausendacht Gaben; oder man opfert täglich alten Reis in der mit »Rudra« bezeichneten Zahl. Ebenso wird Gedeihen verheißen, wenn man drei Mondhälften lang Vyaghati-Holz, mit Ghee vermischt, oder Palasha-Blüten mit süßen Stoffen opfert.

14-246. Wer Wohlstand erstrebt, opfert einen Monat lang täglich achttausend Gaben aus Kuhmilchreis mit Ghee, Milch oder Ghee einer braunen Kuh oder aus Bandhuka-Blüten, mit Honig benetzt. [Die Zahl wird in der Quelle als »acht, tausend« ausgedrückt und hier zusammengenommen.]

14-247. Wer von Milch lebt und Milch einer roten Kuh opfert, dem wird unerschöpflicher Wohlstand innerhalb eines Monats verheißen. Wer Einsicht erstrebt, soll an Vollmondtagen hunderttausend [Rezitationen oder Gaben] vollziehen und Brahmi-Ghee einnehmen. [Der zweite Halbvers enthält bereits in der Quelle ein Fragezeichen; Handlung und Mengenbezug sind nicht eindeutig.]

14-248. Für hunderttausend Gaben aus Durva-Sprossen mit Ghee werden Sieg über den Tod und langes Leben verheißen. Bei allen Opferriten bringt man zu Beginn mit dem Mantra eine einzelne Gabe dar, um Gegenwart herzustellen.

14-249. Wer morgens am Mondtag des Feuers achttausend Gaben aus Milchreis und Ghee mit dem Anfang »Die herbeibringt …« opfert, soll unerschöpflichen Wohlstand herbeirufen: Gewänder, Gold, Nahrung und Kühe.

14-250. Das Versmaß dieses Mantra ist Atyanushtubh, der Seher Kashyapa und die Gottheit Bhadragni. Glieder und Vollendungsverfahren sind wie zuvor.

14-251. Nach zehntausend Rezitationen des Prajapati-Mantra wird Wohlstand auch durch ein Opfer aus Reis mit Ghee und Dickmilch verheißen. Ebenso durch Ghee-bestrichenen Shali-Reis an den ersten Mondtagen oder durch ein Opfer mit den genannten Stoffen unter den Vyahritis.

14-252. Dessen Versmaß ist Trishtubh, der Seher der verehrte Marichi, die Gottheit Prajapati. Vollendungsverfahren und Glieder sind wie zuvor.

14-253. Die Bildung eines weiteren Mantra wird chiffriert angegeben: Man entnimmt das Wort »Erhebe dich«, dann »Purusha« und »Hari«, verbunden mit Halbmond, Auge und Seite; sodann »eigenes Ende«, »Fleisch«, zweimal »Gib« und die Mitte des linken Fußes; danach langes Atri, Seite und zuletzt Luft. Er endet mit der Gemahlin des Feuers; außerdem werden zwei Pranavas als Begrenzung genannt. Dieser Feuer-Mantra wird als Wunschbaum für die ganze Welt gepriesen. [Die chiffrierte Lautkonstruktion ist nicht eindeutig und wird nicht rekonstruiert.]

14-254. Sein Versmaß ist Gayatri, sein Seher Angiras; einige nennen Bhrigu. Die Gottheit ist Agni selbst in Pferdegestalt, der Gold verleiht.

14-255. Täglich, am ersten Mondtag oder unter Krittika opfert man für Wohlstand Shali-Reis mit Ghee. Durch Opfer von Reis mit Dickmilch, Ghee oder Shami-Holz wird das gewünschte große Gedeihen verheißen.

Unnummerierte Anwendungsprosa nach 14-255: Wer fünfzigtausend Ghee-Gaben opfert, soll den gewünschten Wohlstand erlangen. Durch Lotusgaben sollen Stadt und ähnliche Güter leicht erreichbar werden. Durch Pippala-Holz soll man eine junge Frau gewinnen, durch Opferspeise mit Ghee Sieg, durch Jyotishka-Öl Herrschaftsgebiete. Durch Japa im Wasser sollen auch Krankheiten schwinden. Was immer in dieser Welt erreichbar sei, werde durch den Reichtum dieses Japa erreicht. [Die Wasserangabe ist sprachlich unsicher. Die Wirkungen sind Verheißungen der Quelle.]

14-256. Man betrachtet Agni als Pferd, das aus der Höhlung eines goldenen Ashvattha-Wunschbaumes hervortritt. Die aus seinen Haarporen schlagenden Flammen färben den Himmel gelblichbraun; aus seinen Öffnungen regnet es Reichtum. Am ersten Mondtag bringt man ihm eine einzelne Milchreisgabe in einem mit einem halben Prastha Ghee gefüllten Gefäß dar. Dann werde man bald Herr über Reichtum. [Die Gefäßbezeichnung in der Verbindung »ambaracaṣaka« ist unsicher.]

14-257. So ist das Verfahren des Feuers beschrieben, dem die Gewährung des Erstrebten zugeschrieben wird. Zur bestimmten Zeit soll man den Mantra ebenso oft rezitieren, wie Opfergaben dargebracht wurden. Um die Frucht zu erlangen, bewirtet man die ausgezeichneten Brahmanen am Ende mit wohlschmeckender, vollständiger Speise.

14-258. Als beste Bewirtung gilt eine Anzahl von Brahmanen im Verhältnis von einem Zehntel der Opfergaben, als mittlere ein Fünfundzwanzigstel, als kleinste ein Hundertstel. Man bemisst dies nach den eigenen Kräften. Zum Abschluss gehören Gaben, Bewirtung und Verehrung der Gottheit.

14-259. Ebenso wird die Opfergabe an den Lehrer in Gold nach dem Maß der Opfergaben bestimmt: ein Maß bei göttlichen, fördernden und unterwerfenden Handlungen; zwei Maße bei Entfremdung, Vertreibung und Hemmung; drei bei Krankheit, Verwirrung und Niederschlagen. [Der genaue Mengenbezug der Goldmaße ist nicht eindeutig.]

14-260. Beim Tötungsritual wird Gold im Gewicht eines Krishnala genannt. So werde es im Tattvasagara und Prapanchaka dargelegt. Wer eine Anwendung mit zu geringer Lehrer-Gabe ausführe, werde davon verbrannt; deshalb soll der Verständige nach dieser Lehre keine Anwendung mit unzureichender Gabe vollziehen.

14-261. Dies gilt als höchste Gabe; die mittlere beträgt die Hälfte davon, die geringste wiederum deren Hälfte, nach den eigenen Möglichkeiten bemessen. Was lässt sich über die Gabe sagen, wenn die Frucht der Handlung sichtbar und erfahrbar geworden ist? Dann soll man das Gewünschte geben.

14-262. Bei schädigenden Ritualen soll man Feuergrube, Geräte und weitere Rückstände im Ort des Feindes, im Meer oder in Flüssen ablegen. Anschließend vollzieht man Befriedung mit Gaben, rechtschaffenem Verhalten und Verehrung, um eigenen Körper, Ort und Familie zu schützen. [Dies ist eine historische Vorschrift des Textes, keine heutige Handlungsanregung.]

14-263. Ebenso schließt man Befriedung und die anderen Riten mit der Lehrer-Gabe ab oder in der beim vedischen Feuer beschriebenen Reihenfolge. Gottheit und Feuer nimmt man innerlich zurück und vereinigt sie im Mondlotus des Raumes, aus dem Nektarwasser tropft.

14-264 1/2. So wurde hier das Verfahren geprüft und dargelegt, das in Tantras wie dem Tattvasagara gelehrt wird, ebenso in Darstellungen der vedischen Anwendung und den Grihya-Texten sowie in den Shiva-Agamas. Mögen die Übenden es in der Anwendung angemessen und mit Freude ausüben.

Kolophon: Hier endet im Tantrasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das vierzehnte Kapitel namens »Vorschrift für die Feuerverfahren«.

Zur Besinnung

Die Flamme ist in diesem Kapitel Trägerin von Gaben, Gottheitsgegenwart und innerer Vorstellung. Für die heutige Betrachtung kann sie daran erinnern, wie wichtig die Ausrichtung einer Handlung ist. Sorgfalt und Hingabe lassen sich dabei aufnehmen, ohne die historischen Einfluss- und Schädigungsrituale zu übernehmen. Der Samanyapada schließt damit seine allgemeinen Grundlagen ab und führt zum umfangreichen Mantrapada weiter.

Abschluss des Werkteils: Hier ist der erste Werkteil, der Samanyapada, beendet.

Abschließender Segenswunsch: Möge Heil sein.


Fünf zentrale Lehren

  1. Bewusstsein und Kraft gehören zusammen. Kriyapada 2-21 beschreibt Shakti als von Shiva nicht verschieden, wie Licht von einer Lampe. Die Vielfalt der Gottheitenbilder steht im Werk in einem umfassenden Zusammenhang.
  2. Verehrung braucht eine innere Haltung. Die acht Blüten des Herzens in Samanyapada 2-116–117 umfassen Nichtverletzen, Verzeihen, Mitgefühl und Meditation. Äußere Gaben erhalten dadurch eine innere Entsprechung.
  3. Verantwortliches Lernen dient anderen. Samanyapada 3-2 fordert Sachkenntnis; Kriyapada 11-6 nennt Wahrhaftigkeit, Ruhe und Mitgefühl als Eigenschaften des Guru. Die historischen Standesregeln des Werkes sind davon zu unterscheiden.
  4. Handeln kann zur Darbringung werden. Yogapada 1-50–52 verbindet Entsagung mit pflichtgemäßem Handeln ohne Erwartung seiner Früchte. Der Wechsel äußerer Kennzeichen allein schafft keine Befreiung.
  5. Befreiung reicht über außergewöhnliche Erfahrungen hinaus. Yogapada 3-93 bezeichnet besondere Kräfte als Nebenfrüchte und mögliche Hindernisse. Geduld und Mitgefühl gehören dagegen zur Ausrichtung auf Befreiung (3-77).

Fünf Anregungen für den Alltag

Die folgenden Anregungen sind heutige redaktionelle Anwendungen, keine zusätzlichen Verse oder Initiationsvorschriften:

  1. Nimm dir Zeit für eine vertraute Übung. Ein überschaubarer, regelmäßig wiederkehrender Zeitraum für Japa oder stille Sammlung ist ein guter Ort, Beständigkeit zu lernen.
  2. Wähle eine innere Blüte. Übe heute etwa Geduld oder Mitgefühl in einer konkreten Begegnung. Kehre am Abend kurz dazu zurück: Was ist dir gelungen?
  3. Lerne, bevor du anleitest. Frage bei unklaren Begriffen nach und unterscheide eigenes Erleben von Wissen, das du verantwortungsvoll weitergeben kannst.
  4. Gib nach deinen Möglichkeiten. Teile Zeit, Aufmerksamkeit oder eine Mahlzeit. Kriyapada 18-127–128 verbindet Versorgung mit Rücksicht auf Bedürftige und Tiere.
  5. Prüfe deine Bindung an Ergebnisse. Frage nach einer Übung nicht nur, was du erlebt hast, sondern auch, ob du aufmerksamer und freundlicher handeln kannst. Das verbindet Sammlung mit dem Alltag.

Schlussbetrachtung

Die allgemeinen Grundlagen führen von der Vielfalt der Laute und Handlungen zur Haltung des Übenden. Besonders das Bild der inneren Blumen eröffnet einen persönlichen Zugang: Was könnte heute eine Gabe von Mitgefühl, Geduld oder Wahrhaftigkeit sein? Eine freundliche Antwort, aufmerksames Zuhören oder eine sorgfältig erfüllte Aufgabe können einer solchen Besinnung Gestalt geben. Das ist eine heutige Anregung zur Lektüre, keine zusätzliche Ritualvorschrift des Werkes.

Nimm einen klar verstandenen Gedanken mit in deine nächste Meditation. Lass das Gelesene nachklingen und kehre danach zum Text zurück. Svadhyaya und gelebte Güte können einander nähren: Das Studium schärft die Aufmerksamkeit, das tägliche Handeln zeigt, wo eine Einsicht noch wachsen darf.


Verwandte Schriften und Siehe auch

Für den Vergleich bieten sich drei Fragen an: Wie beschreiben andere Agamas Shiva und die Bindung der Seele? Wie ordnen Ritualhandbücher Verehrung und Diksha? Wie führen Meditationstexte zur inneren Sammlung? Die folgenden Verweise dienen diesem Vergleich; sie behaupten weder identische Lehren noch eine direkte Abhängigkeit aller genannten Werke.

Quellen und Literatur

  • Muktabodha Indological Research Institute: īśānaśivagurudevapaddhati, vier elektronische Bände, jeweils IAST und Devanagari: M00016 (Samanyapada 1–14), M00017 (Mantrapada 15–52), M00018 (Kriyapada 1–30), M00233 (Kriyapada 31–64 und Yogapada 1–3). Herausgeber laut Dateiköpfen: Ganapati Shastri; elektronische Erfassung unter Aufsicht von Mark Dyczkowski. Dateiköpfe: Creative Commons BY-NC 4.0. Die gelieferte IAST-Fassung ist Übersetzungsgrundlage; örtlich wurde die getrennt gelieferte Devanagari-Fassung verglichen.
  • Bibliographische Angaben der Dateien: Band 1 nennt 1921, die weiteren Bände 1922. Druckausgabe, in den Köpfen genannter Verlag und elektronische Fassung sind zu unterscheiden; insbesondere bezeichnet der Beschreibungssatz von M00233 den Band abweichend als „Volume 3“. Die inhaltliche Fortsetzung und der Dateititel weisen ihn hier als Band 4 aus.
  • J. P. Prajith: Isanasivagurudeva Paddhati – study, 2008, Kapitel 2. Autor und Datierung. Nur zur historischen Einordnung, nicht als zusätzliche Sanskritgrundlage verwendet.
  • Moderne Begleitmedien: Yoga-Vidya-Wiki, Nyasa und Shiva-Shakti-Philosophie. Bilddateien auf dem Wiki und Videotitel beim Anbieter am 24. September 2026 geprüft. Bilder und Videos zeigen beziehungsweise erläutern heutige Praxis, keine historisch belegte Durchführung dieses konkreten Werkes.
  • Seminarverweise: Indische Schriften und Chakra; die vier eingebundenen Feeds wurden am 24. September 2026 abgerufen.
  1. ↑ 1,0 1,1 J. P. Prajith: Isanasivagurudeva Paddhati – study, 2008, Kapitel 2, Abschnitt über Autor und Datierung. Digitale Wiedergabe bei Wisdomlib. Die dortige Textwiedergabe ist als nicht vollständig korrekturgelesen gekennzeichnet; sie wird hier nur für die historische Einordnung verwendet.

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