Eranos Tagung

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Eranos Tagungen sind seit 1933 jährlich stattfindende Tagungen, meist in Ascona im Schweizer Tessin, als Begegnungsstätten östlicher und westlicher Religion, Weisheit und Geistigkeit. In den 1930er Jahre trafen sich regelmäßig Geistesgrößen wie Carl Gustav Jung, Hermann Hesse, Heinrich Zimmer, Martin Buber und viele andere, um sich auszutauschen und zu inspirieren.
Ein Gesprächskreis auf einer Eranos Tagung
Die Eranos Tagungen hatten eine große Bedeutung für die Verbreitung von Yoga Gedanken und fernöstlicher Weisheit in Europa und Amerika. Im Anschluss an die Eranos Tagungen gab und gibt es die Eranos Jahrbücher, welche die interessanten Vorträge einem breiteren Publikum zugänglich machten.

Inhaltsverzeichnis

Was heißt Eranos?

Eranos (griechisch ἔρανος) war ursprünglich in der Zeit der griechischen Antike (etwa bei Homer oder Pindar) ein Freundschaftsessen in einer besonderen „Atmosphäre“. Zum Eranos brachten alle Teilnehmer Speisen mit, etwa ähnlich wie beim amerikanischen "Pot Luck Dinner". Im Lauf der Zeit erweiterte sich die Bedeutung von Eranos - sowohl in ideeller als auch materieller Hinsicht: Eranos konnten Veranstaltungen sein, zu denen jeder etwas beitrug. Eranos konnten eine Art Unterstützungskassen/Versicherungen sein, in die jeder einzahlte, um sich gegenseitig zu unterstützen. In Athen gab es ab dem 6. Jahrhundert vor Christuns im antiken Griechenland "Eranos Vereine" als eigenständige juristische Personen, die so etwas wie gemeinnützige Vereine/Stiftungen für karitative Zwecke waren. Heute bedeutet Eranos im modernen Griechischen ein "Fundraising Dinner" bzw. Spendensammlung.

Im übertragenen geistigen Sinne ist heute Eranos so etwas wie ein geistiges Festmahl, zu dem jeder Eingeladene etwas Eigenes mitbringt, z.B. eine Rede, ein Gedicht, ein Lied. In jedem Fall ist Eranos geprägt durch die Offenheit, in gemeinsamer Runde schöpferisch zu improvisieren und sich in einem Gespräch über geistige Fragen auszutauschen.

Man kann sagen: Viele Tagungen, zu der nur Beitragende eingeladen werden, und auch das moderne Barcamp im Internetbereich sind so etwas wie Eranos. Und ein Yoga Kongress ist so etwas wie ein Eranos mit Publikum - idealerweise tauschen sich alle Beitragenden während dem Kongress untereinander aus.

Die Eranos Tagungen in den 1930er Jahren

Olga Fröbe-Kapteyn etablierte seit 1933 sogenannte Eranos Tagungen in Ascona am Berg Monte Verita und an den Ufern des Lago Maggiore.

Monte Verità

Monte Verità ("Wahrheitshügel") war seit 1900 eine Art Künstlerkolonie der Lebensreform, der Alternativbewegungen, des politischen Widerstands. Monte Verita wurde ein Zentrum neuer Bewegungen: Lebensreform, Pazifismus, Theosophie, Anarchismus, OTO, Anthroposphie, Psycholanalyse, Yoga , Buddhismus, Ausdruckstanz, politischer Widerstand.


Olga Fröbe-Kapteyn

Olga Fröbe-Kapteyn, Initiatorin und Organisatorin der Eranos Tagungen

Olga Fröbe-Kapteyn (1881-1962) war eine englisch-holländische Theosophin, Gelehrte, Feministin und spirituelle Frau. Sie wurde geboren und wuchs auf in London, studierte Kunstgeschichte in Zürich, heiratete Iwan Fröbe der ein paar Jahre später in einem Flugzeugunfall starb, lebte eine Weile in Berlin. Zu Beginn des ersten Weltkriegs zog sie von Berlin nach Zürich, wo sie eine literarisch-spirituelle Tafelrunde kreierte. 1920 zog sie nach Ascona, wo sie Yoga, Meditation und Theosophie lernte und praktizierte. Unter ihren Freunden befanden sich Carl Gustav Jung, Richarld Wilhelm (Übersetzer des I Qing). Sie traf auch viele Mitglieder der Schule der Weisheit von Hermann Graf Keyserling in Darmstadt. Sie stand auch in Verbindung mit dem ökumenischen Zirkel in Marburg.

In den 1930er und 1940der Jahren forschte Olga Fröbe-Kapteyn über Archetypen in der ganzen Welt. Sie etwickelte das Archive for Research in Achetypal Symbolism mit über 17000 Bildern aus allen Kulturen seit der Steinzeit. Aras existiert inzwischen auch Online und ist damit sowohl für den Forscher als auch für den Laien abrufbar.

Olga Fröbe-Kapteyn starb 1962 zuhause in der Casa Gabriella.

Beginn der Eranos Tagungen

1928 baute Olga Fröbe-Kapteyn einen Seminarraum bzw. Vortragsraum in der Nähe ihres Hauses. Carl Gustav Jung schlug vor, dass sie den Raum als Begegnungstätte von Ost und West nutzen solle. Der Religionswissenschaftler Rudolf Otto schlug den Namen Eranos vor.

Die Eranos Tagungen waren gedacht als Begegnungsstätte östlicher und westlicher Religion und Geistigkeit. Sie wurden berühmt wegen ihrer Diversität und ihrer humanistischen Themen. Auf gewisse Weise traten die Eranos Tagungen die Nachfolge an der Schule der Weisheit von Hermann Graf Keyserling, die wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck gerecht werden konnte.

Carl Gustav Jung blieb für viele Jahre maßgeblich für die Organisation der Eranos Tagungen. So ersetzten die Eranos Tagungen die Schule der Weisheit, nachdem die Nazis in Deutschalnd die Macht ergriffen hatten und ein freier Austausch in Deutschland nicht mehr stattfinden konnten.

Die Eranos Tagungen hatten noch viele andere Väter hier ein paar besonders wichtige Namen.

  • Martin Buber hielt im August 1924 einen Lehrkurs über das Tao Te King auf dem Monte Verità ab, an dem Olga Fröbe teilnahm; 1934 sprach er dann an der zweiten Eranos-Tagung.
  • C.G. Jung lernte Olga Fröbe 1930 in Darmstadt bei einer Tagung der „Schule der Weisheit“ von Hermann Graf Keyserling kennen; einen Hauch Esoterik steuerten die Theosophin Annie Besant (anfängliche Mitarbeiterin der Madame Blavatska) und Jiddu Krishnamurti bei; Ludwig Derleth, von Thomas Mann im „Doktor Faustus“ als Dichter und Prophet porträtiert, stand dem Kreis um Stefan George und den Münchner „Kosmikern“ nahe
  • Der Religionsforscher Rudolf Otto, den Olga Fröbe 1932 in Heidelberg traf und der dem keimenden Unternehmen – Frau Fröbe schwebte ganz allgemein ein geistiger Treffpunkt vor – den Namen Eranos gab: ein festliches Mahl, zu dem jeder Teilnehmende etwas beiträgt. Durch Krankheit verhindert, konnte Rudolf Otto selber nicht zur ersten Tagung kommen. Daher sprang sein Fachkollege Friedrich Heiler für ihn ein. So war die Religionswissenschaft von Anfang an eine der tragenden Säulen der Eranos Tagungen, auch wenn durch die starke Persönlichkeit von C.G. Jung bisweilen die Psychologie dominierte.

Teilnehmer der Eranos Tagungen der Dreißiger Jahre

Auf den Eranos Tagungen trafen sich unter anderem Carl Gustav Jung, Hermann Hesse, Heinrich Zimmer, Martin Buber, Ernesto Buonaiuti, Rhys David, Swami Yatiswarananada, Jakob Wilhelm Hauer, Karl Kerenyi, Mircea Eliade, Erich Neumann, Gershom Scholem, Adolf Portmann, Herbert Read, Joseph Campbell, Gustav Richard Heyer, Karl Löwith, Henry Corbin, Eric Voegelin, Jean Gebser, Annemarie Schimmel, Jan Assmann und Erwin Schrödinger. Nach den Eranos Tagungen erschienen dann immer die Eranos Jahrbücher, welche die Reden zusammenfassten und das Geistesleben und den Austausch stark beflügelten. Die Eranos Jahrbücher wurden seit 1954 auch ins Englische übersetzt und in den USA verbreitet. Dies trug auch zur Verbreitung der Gedanken von Carl Gustav Jung und zur Hermann Hesse-Welle seit den 1960er Jahren in den USA bei.

Bedeutung der Eranos Tagungen in den 1930er Jahren

Gerade die Eranos Tagungen 1933-1939 hatten großen Einfluss auf die Verbreitung von Yoga Gedanken unter den Intellektuellen.

Die Eranos Tagungen fanden auch in den Kriegsjahren 1939-1945 statt und hielten so das europäisch-spirituelle freiheitliche Geistesleben aufrecht.

Themen der ersten Eranos Tagungen

Die erste Eranos Tagung 1933: Yoga und Meditation im Osten und im Westen

Das Thema der ersten Eranos Tagung war "Yoga und Meditation im Osten und im Westen".

Die erste Tagung fand nicht auf dem Monte Verità statt, der damals bereits dem Baron von der Heydt gehörte (1927 war das neue Hotel erbaut worden), sondern im nahegelegenen Moscia, direkt am Ufer des Sees. Knapp sieben Monate nach der Machtergreifung des NS-Regimes in Deutschland, als die ersten Auswirkungen schon spürbar wurden, haben wir dieses Fanal einer Begegnung von östlicher und westlicher Geisteswelt! Was Eranos sehr bald für die innere und äussere Emigration bedeutete, hat Alfons Rosenberg in einem seiner „Flugblätter für Freunde“ ergreifend geschildert (Nr. 80, 1977).

Im Eranos Jahrbuch wurden folgende Themen veröffentlicht, die auf dieser Tagung behandelt wurden:

Bedeutung der Eranos Jahrbücher

Dass Eranos praktisch von Anfang an auch durch seine Jahrbücher weltweit gewirkt hat, verdankt es (neben den großartigen Rednern) Daniel Brody, dem engagierten Leiter (1929-1963) des Züricher Rhein-Verlags. Dieser betreute jahrzehntelang den Druck der gehaltenen Vorträge. Er gab nicht nur die Jahrbücher heraus sondern auch die Sammelbände. Bis an das Ende der 1960er Jahre betreute der Rhein-Verlag die Jahrbücher, danach jeweils kurze Zeit der Verlag Brill in Leiden und der Insel Verlag; Frau Unseld war häufig an der Tagung, auch Siegfried Unseld kam einmal vorbei.

Die zweite Eranos Tagung 1934 Ostwestliche Symbolik und Seelenführung

Die zweite Eranos Tagung, 1934, hatte zum Thema: "Ostwestliche Symbolik und Seelenführung".

Im Eranos Jahrbuch wurden folgende Themen abgedruckt, welche in der Tagung behandelt wurden:

  • Jakob Wilhelm Hauer: Symbole und Erfahrung des Selbstes in der indo-arischen Mystik
    • I. Geschichtlicher Überblick über die Entdeckung und Wesensbestimmung des Selbstes von der vedischen Zeit bis zum tantrischen Yoga
    • II. Symbole und Bilder des Selbstes
    • III. Der seinsdynamische Ursprung der Erfahrung und der Symbolwelt des Selbstes
  • Caroline Rhys Davids: Zur Geschichte des Rad-Symbols
  • Carl Gustav Jung: Über die Archetypen des kollektiven Unbewussten
  • Martin Buber: Sinnbildliche und sakramentale Existenz im Judentum
    • I. Die sinnbildliche Existenz in der Welt der Prophetie
    • II. Die sakramentale Existenz in der Welt des Chassidismus
  • Rudolf Bernoulli Zur Symbolik geometrischer Figuren und Zahlen
    • I. Allgemeines
    • II. Die Zahlensymbolik des Tarotsystems
  • Moritz C.v. Cammerloher: Die Stellung der Kunst im psychologischen Weltbild unserer Zeit
  • Swami Yatiswarananda: Flüchtiger Blick auf religiöse Hindu-Symbolik in ihrer Beziehung zu geistigen Übungen u. zur Höherentwicklung

Die Dritte Eranos Tagung 1935: Westöstliche Seelenführung

Die dritte Eranos Tagung fand 1935 statt und hatte zum Thema Westöstliche Seelenführung. Hier die Themen, die auch im Eranos Jahrbuch 1935 abgedruckt wurden:

  • Carl Gustav Jung: Traumsymbole des Individuationsprozesses. Ein Beitrag zur Kenntnis der in den Träumen sich kundgebenden Vorgänge des Unbewussten
  • G.R. Heyer: Vom Umgang mit sich selbst
  • Erwin Rousselle: Lau-Dsis Gang durch Seele, Geschichte und Welt. Versuch einer Deutung
  • Caroline Rhys Davids: Der Mensch, die Suche und Nirvana
  • Rudolf Bernoulli: Seelische Entwicklung im Spiegel der Alchemie und Verwandter Disziplinen

II. Die Exerzitien des hl. Ignatius von Loyola

  • J.B. Lang: Paulinische and analytische Seelenführung

Die vierte Eranos Tagung 1936: Gestaltung der Erlösungsidee in Ost und West I

Die vierste Eranos Tagung 1936 hatte als Thema Die Gestaltung der Erlösungsidee in Ost und West. Auch auf dieser Eranos Tagung gab es viele bekannte Teilnehmer. Folgende Beiträge wurden danach im 4. Eranos Jahrbuch veröffentlicht:

  • Carl Gustav Jung: Die Erlösungsvorstellungen in der Alchemie
  • Paul Masson-Oursel: Erlösung und Gnade
    • I. Die indischen Erlösungstheorien im Rahmen der Heilsreligionen
    • II. Die Gnadenlehre im religiösen Denken Indiens
  • Caroline Rhys-Davids: Erlösung in Indiens Vergangenheit und in unserer Gegenwart
  • Henri-Charles Puech: Der Begriff der Erlösung im Manichäismus:
    • I. Die gnostische und die manichäische Erlösungsvorstellung. Das Problem des Bösen im Manichäismus
    • II. Die theoretischen Grundlagen der Erlösung: Der kosmologische und der anthropologische Mythos
    • III. Die Verwirklichung und die praktischen Mittel der Erlösung
  • Boris Vysheslawzeff: Zwei Wege der Erlösung. Erlösung als Lösung des tragischen Widerspruchs

Die Fünfte Eranos Tagung 1937: Gestaltung der Erlösungsidee in Ost und West

  • Carl Gustav Jung: Einige Bemerkungen zu den Visionen des Zosimos
  • Paul Masson-Oursel
    • I. Die indische Auffassung der psychologischen Gegebenheiten
    • II. Die indischen Heilstechniken
  • Jean Przyluski
    • I. Die Erlösung nach dem Tode in den Upanishaden und im ursprünglichen Buddhismus
    • II. Der Lebendig-Erlöste in dem entwickelten Buddhismus
  • Charlotte A. Baynes: Der Erlösungsgedanke in der christlichen Gnosis
  • Ernesto Buonaiuti: Die Ecclesia SpiritualisI. Die iranischen, griechischen und biblischen Vorläufer der Ecclesia Spiritualis
    • II. Die Ecclesia Spiritualis durch die Jahrhunderte
    • III. Die christliche Mystik als Ecclesia Spiritualis

Die sechste Eranos Tagung 1938: Gestalt und Kultur der "Grossen Mutter

Auch die sechste Eranos Tagung, 1938, hatte ein Thema, das mit Yoga Spiritualität im Verbindung stand, nämlich Gestalt und Kultur der "Grossen Mutter". Es ist aber zu erkennen, dass immer mehr andere Religionen in den Vordergrund rückten, und die Eranos Tagungen von eigener für sich selbst bedeutsamer Wahrheitssuche sich weg bewegten zu anthropolisch-intellektueller Beschäftigung. Hier die Vorträge der sechsten Eranos Tagung 1938, die im Eranos Jahrbuch abgedruckt wurden:

  • Jean Przyluski
    • I. Ursprünge und Entwicklung des Kultes der Mutter-Göttin
    • II. Die Mutter-Göttin als Verbindung zwischen den Lokal-Göttern und dem Universal-Gott
V.C.C. Collum Die schöpferische Mutter-Göttin der Völker keltischer Sprache, ihr Werkzeug, das mystische "Wort", ihr Kult und ihre Kult-Symbole


  • Ernesto Buonaiuti
    • I. Maria und die jungfräuliche Geburt Jesu
    • II. Die Heilige Maria Immaculata in der christlichen Überlieferung
  • G.R. Heyer: Die Grosse Mutter im Seelenleben des heutigen Menschen


Themen der Eranos Tagungen der nächsten Jahre

In den folgenden Jahren bewegten sich die Eranos Tagungen etwas weg von der starken Focussierung auf Indien/Yoga/Meditation. Es wurde mehr die Antike, die griechisch-ägyptisch-persische Welt mit einbezogen - und mit Christentum in Verbindung gebracht.

Die Eranos Tagung im August 1939 über „Die Symbolik der Wiedergeburt in der religiösen Vorstellung der Zeiten und Völker“ war schon überschattet von der europäischen Krise; immerhin konnten noch Walter F. Otto aus Königsberg und Louis Massignon aus Paris kommen, aber wenige Tage nach der Eranos Tagung brach der Zweite Weltkrieg aus. Olga Fröbe wollte auch 1940 und in den folgenden Jahren die Kontinuität der Eranos Tagungen nicht unterbrechen, sondern weiter gegen den Ungeist der Zeit ankämpfen. Im Vorwort zum Jahrbuch 1940/41 schreibt sie: „Im heutigen Europa, in dem fast jedes schöpferische Wirken verstummt ist, findet der Zeitgeist, auf dem Wege geringster Widerstände, in Eranos eine Ausdrucksmöglichkeit“. Religiöse Erfahrung und die zeitlosen Urbilder „bedeuten in der heutigen Zeit das Rettende; denn sie sind Träger des Sinns, und in ihnen ist eine regenerierende Kraft, die uns zuströmt, wenn wir uns ihnen zuwenden“.

Allerdings konnten praktisch keine ausländischen Redner mehr an der Eranos Tagung teilnehmen, man musste auf Asylanten und auf den Bestand der Schweiz zurückgreifen, und C.G. Jung, dieser „vulkanische Geist“ (Portmann), wurde unentbehrlicher denn je. Im August 1940 gab es, dem Jahrbuch nach, nur zwei Redner, Andreas Speiser und Jung, der im Zusammenhang mit dem Problem der Trinität über „Das Problem des Vierten“ sprach und dabei sein bedeutsames quaternäres Denken entwickelte. Durch ihn konnte, als einziger Ausländer, der ungarische Altphilologe Karl Kerényi 1941 an die Tagung kommen; er liess sich dann 1943 ganz in Ascona nieder und wurde zu einer der tragenden Säulen von Eranos.

Die Eranos Tagungen ab 1939 hatten folgende Themen:

  • 1939: Symbolik der Wiedergeburt in der religiösen Vorstellung der Zeiten und Völker
  • 1940/1941: Trinität, Symbolik und Gnosis
  • 1942: Das hermetische Prinzip in Mythologie, Gnosis und Alchemie
  • 1943: Alte Sonnenkulte und die Lichtsymbolik
  • 1944: Die Mysterien
  • 1945: Der Geist
  • 1946: Geist und Natur
  • 1947: Der Mensch I
  • 1948: Der Mensch II
  • 1949: Der Mensch und die mythische Welt

Das Kriegsende brachte natürlich ein neues Aufblühen und auch einen neuen Stamm von Teilnehmern an den Eranos Tagungen: deutsche Juden, die in die USA emigriert waren und nun regelmässig über den Atlantik an die Eranos Tagungen kamen. Für die Geistesgeschichte von Eranos war 1946 ein Epochenjahr, damals öffnete sich die Tagung unter dem Thema „Geist und Natur“ auch für die Naturwissenschaften. Es kamen der Mathematiker und Philosoph Andreas Speiser, der Naturphilosoph Friedrich Dessauer, der Physiker Erwin Schrödinger und vor allem der Biologe Adolf Portmann, auf den Frau Fröbe durch seine Radiovorträge gestossen war. Portmann blieb und hielt seit 1948 regelmässig den Schlussvortrag der Eranos Tagungen, als Abschluss und Zusammenfassung einer ganzen Tagung. 1962 wurde er, nach dem Tode von Olga Fröbe, Präsident der Stiftung Eranos, die sie zur Fortführung ihres Unternehmens eingesetzt hatte. Dabei hielt sie als Zweck der Stiftung fest (Testament vom 25. 8. 1961), er bestehe „in der Abhaltung von jährlichen Eranostagungen in dem Geiste, in dem ich sie seit 1933 geführt habe“, dazu in der Veröffentlichung der Vorträge in der Form von Eranos-Jahrbüchern.

Wie kein anderer, hat sich Portmann mit der Idee von Eranos identifiziert und betonte immer wieder, dass er „von Eranos zu Eranos“ lebe, die Eranos Tagung im späten August war immer der Höhepunkt des Jahres, für ihn wie für viele andere. Als er, in einem kritischen Moment 1979, nicht mehr in der Lage war, den Schlussvortrag zu geben, sprang Gershom Scholem, der grosse Kabbala-Kenner, ein und würdigte die Bedeutung von Portmann für Eranos als „eine Figur, die die Einheit des wissenschaftlichen Bewusstseins für uns alle von neuem lebendig machte. Die verschiedensten Themen, die in den Programmen scheinbar kaum zusammengehalten waren, wurden dennoch unmittelbar im Kontext einsichtig. Portmanns Schlussvortrag war jeweils das tiefe Eingehen eines philosophisch gebildeten Biologen auf Fragen, die uns alle interessierten. Wir lernten viel von ihm ...“

In den 1950er Jahren wurden die Themen der Eranos Tagungen immer benannt "Mensch und...":

  • 1950: Mensch und Ritus
  • 1951: Mensch und Zeit (hier gibt es auch einen Beitrag von Mircea Eliade)
  • 1952: Mensch und Energie (was sich aber nicht auf Benzin und Öl bezog, sondern auf Macht, spirituelle Kraft, geistige Energie etc.)
  • 1953: Mensch und Erde
  • 1954: Mensch und Wandlung
  • 1955 Der Mensch und die Sympathie aller Dinge
  • 1956: Der Mensch und das Schöpferische
  • 1957: Mensch und Sinn
  • 1958: Mensch und Frieden
  • 1959: Die Erneuerung des Menschen#

Es sollen jetzt nicht alle weiteren Themen aufgeführt werden. Ab 1970 wurden alle Themen auf Deutsch und Englisch aufgeführt, und seit den 1990er Jahren war die Sprache auf den Eranos Tagungen und er Eranos Jahrbücher englisch, die Eranos Jahrbücher heißen seitdem "Eranos Yearbooks".


Die späteren Eranos Tagungen

Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs waren (fast) alle Beiträge auf den Eranos Tagungen auf Deutsch gehalten worden. Ab Ende der Vierziger Jahre gibt es immer mehr Beiträge auf Englisch und Französisch.

Auch wenn seit Ende der 1930er Jahre der Raum von Yoga und indischer Spiritualität in den Eranos Tagungen abnahm, blieben die Eranos Tagungen weiter wichtig, um auch unter Intellektuellen die Ideen von Yoga zu verbreiten - und die Einheit der Spiritualität auf der ganzen Welt im Geist der Toleranz und Anerkennung zu feiern. Eranos heißt ja in der Grundbedeutung "Festmahl" - so sind die Eranos Tagungen Festmähler für den Geist.

Themen der Eranos Tagungen seit 2001

2001-2005 Krisenzeit der Eranos Tagungen

2002-2005 gab es keine Eranos Tagungen. Die Eranos Stiftung war in einer schwierigen finanziellen Lage. Durch die Unterstützung der Stadt Altona und den Kanton konnte die finanzielle Lage wieder gestärkt werden.

2006 Neubeginn

2006 konnte unter dem neuen Eranos Stiftung Präsidenten John Van Praag (bis 2009) ein Neubeginn erfolgen. Seitdem finden die Eranos Tagungen wieder statt. die Verbindungen und Zusammenarbeit mit verschiedenen Wissenschaftler-Verbänden und Stiftungen wie die East-West-Foundation wurden entscheidende Elemente.


Folgendes sind die Themen der Eranos Jahrbürcher und Tagungen seit 2001:

Eranos Tagung 2013 - Heilige Landschaft

Eranos Tagung vom 22. bis 25. August 2013 in der Casa Serodine, Ascona

  • Peter Kingsley: *The Sacred Geography of the Western World: When We Lose our Way, We Lose Ourselves
  • Renate Jacobi: *Symbolische Dimensionen einer Landschaft – Arabien in der Dichtung des späten Sufismus
  • Hubert Herkommer: *Welt, Wald, Wiese – Geistige Horizonte der Raumerfahrung im Mittelalter
  • David Senn: *Über den Ursprung des Lebens auf unserem Planeten

2012 - Feuer und Flamme

2012 in der Casa Serodine, Ascona

  • Laura Gemelli, Giubiasco/TI:
  • Feuer bei Heraklit und Empedokles. Aspekte und Funktionen einer göttlichen Kraft
  • Gunhild Pörksen, Freiburg im Br.:
  • Paracelsus: Die Alchemie der Welt und die Früchte des Feuers
  • Regine Schweizer-Vüllers, Zollikon:
  • Feuer, Licht, Klang und Tanz in mystischen Texten und alten Liedern: Elemente des Ergriffenseins
  • Götz König, Berlin: *Das Feuer in Kult und Lehre der Zoroastrier auf der Grundlage der awestischen Quellen

Eranos Tagung 2011 - Leben im Fluss des Wassers

  • Marietje Kardaun, Maastricht:
  • Jakob am Jabbok: Über den Geist des Wassers im Alten Testament
  • David Senn, Basel: *Leben im Fluss des Wassers
  • Bruder Jakobus Kaffanke, Beuron: *Taufwasser und Meditationsgeist. Reinigung der Seele im daoistischen Text "Goldene Blüte" und bei den christlichen Wüstenvätern
  • Doris Prechel, Mainz: *Das Wasser der Reinheit in altanatolischen Ritualen

Eranos Tagung 2010 - Unterweltsfahrten – Jenseitsreisen

  • Mauro Guindani, Lugano: *Nel mezzo del cammin di nostra vita… Das Unsagbare in Dantes Komödie
  • Stefan Maul, Heidelberg: *Himmelfahrten und Abstieg in die Unterwelt - Altorientalische Mythen über Jenseitsreisen
  • Erik Hornung, Basel: *Im Reich des Osiris
  • Christian Robert Lange, Edinburgh: *Islamische Höllenvorstellungen - Genese, Struktur und Funktion

Eranos Tagung 2009 – Himmelsreisen

  • Susanne Plietzsch: Himmelsreisen im antiken Judentum.
  • Regine Schweizer-Vüllers: „Siehst du nicht, in welchen Tempel du gekommen bist?“
  • Der grosse Traum des Scipio – eine Himmelsreise im alten Rom
  • Sebastian Günther: Himmelsreisen im Islam: Orientalische Jenseitsvorstellungen zwischen Theologie und Literatur
  • Bruno Binggeli: Lift Off! - Weltraumforschung und Himmelfahrt

Eranos Tagung 2008 - Bilder des Unerkennbaren

  • David Senn: Verborgener Bauplan und sichtbare Abwandlungen bei schwimmenden, fliegenden und greifenden Wirbeltieren.
  • Philipp Felsch: Humboldts Kosmos - Zur Geschichte einer Überforderung.
  • Gotthilf Isler: Einige Überlegungen zum unus mundus – Die Ganzheit der Welt als Erkenntnisproblem.
  • Hubert Herkommer: Was kein Auge je gesehn und kein Ohr je gehört – Sinnliche Wege zum Übersinnlichen.

2007 - Das unzerstörbare Leben

  • Bernhard Maier, Jenseitsvorstellungen und Seelenwanderungslehre der Kelten.
  • Herbert Pietschmann, "Etwas ist lebendig nur insoferne es den Widerspruch in sich enthält" (Hegel).
  • Ruedi Högger, Das indische Linga – Ursprung und Werdekraft des Universums.
  • Othmar Keel, Ist das ein Leben? Elemente eines gelungenen Lebens in der alttestamentlichen Literatur


Eranos Tagung 2006 - Menschliches und kosmisches Mass

  • Michael Engelhard, Orpheus, Michelangelo und Goethes "West-östlicher Divan".
  • Stefan Maul, Gebändigte Gewalt. Die Sintflut und ihre Bedeutung im alten Orient.
  • Andreas Schweizer, „Das Mass des Mannes ist seine Gefährtin.“ (Komarios) Irdisches und göttliches Mass in der Alchemie.
  • Erik Hornung, Die Vermessung der Unterwelt. Altägypten als Kultur des Masses.

Eranos Jahrbuch 2005 - Göttliche Schönheit

  • Josef van Ess, Schönheit und Macht.
  • Hubert Herkommer, Die Schönheit des Gottessohnes und der Gottesmutter.
  • Claudine Bautze-Picron, Buddhas Bildnisse.
  • Othmar Keel, Das Hohelied – Schönheit der Form oder tiefere Bedeutung?

Eranos Jahrbuch 2004 - Licht-Brechungen

  • Hans Gottfried von Stockhausen, Licht und Sinnraum.
  • Nikolai Tolstoy, Merlin and the House of Glass.
  • Jan Assmann, Lux divina – Zur Theologie des Lichts im Alten Ägypten
  • Ruedi Högger, Das Tor des Lichts – Wie sich Bergbauern und Schamanen, Priester und Gelehrte mit dem Jenseits verbinden.

Eranos Jahrbuch 2003 - Die Weisheit der Schlange

  • Gudrun Schubert, Dämon oder Haustier? Ungläubiger oder Heiliger? Zur Vielgestaltigkeit der Schlange im Islam.
  • Roger Alfred Stamm, Schlangen und Mensch: Begegnungen. Ein Beitrag zur basalen Anthropologie.
  • Erik Hornung, „Söhne der Erde“: Schlangen im Diesseits und Jenseits der Ägypter.
  • Gotthilf Isler, Die Schlange als Geist der Erde - Von der Vereinigung der Gegensätze in der menschlichen Natur.
  • Andreas Schweizer, Schlangenträume.

Eranos Jahrbuch 2002 - Fra Diavolo – Vom Umgang mit dem Bösen

  • Annemarie Schimmel, Eine moderne Interpretation des Teufels im Islam (Muhammad Iqbal u.a.)
  • Alois M. Haas, Das Böse zwischen Herrlichkeit und Nichts - Ein mystisches Ringen.
  • Irene Gerber-Münch, Die Bedeutung Mephistos in der Problematik unserer Zeit.

Eranos Tagung 2001 – Menschenbilder

  • Annemarie Schimmel, Der Mensch - Eselsschwanz und Engelsflügel.
  • Andreas Schweizer, „Fare hin mit deinem geist an galgen!“ - Martin Luther und C.G. Jung.
  • Erik Hornung, Mensch sein im alten Ägypten.

Liste der Beitragenden an den Eranos Tagungen 1933-1988

Hier eine Liste der wichtigsten Vortragenden auf den Eranos Tagungen 1933-1988:

  • Charles R.C. ALLBERRY
  • A. Hilary ARMSTRONG
  • Leo BAECK
  • Hans BÄNZIGER
  • Julius BAUM
  • Charlotte A. BAYNES;
  • Louis BEIRNAERT
  • Ernst BENZ
  • Rudolf BERNOULLI
  • Jean BRUN
  • Martin Buber
  • Ernesto BUONAIUTI
  • Walter BURKERT
  • Frederik Jakobus Johannes BUYTENDIJK
  • Carl Moritz von CAMMERLOHER
  • Joseph Campbell
  • Chung-Yuan CHANG
  • Paul CITROEN
  • Vera Christina Chute COLLUM
  • Henry CORBIN
  • Walter Robert CORTI
  • Jean Daniélou
  • Theodor-Wilhelm DANZEL
  • Martin Cyril D'ARCY
  • Yves A. DAUGE
  • Bernard DELFGAAUW
  • Friedrich DESSAUER
  • Peter DRONKE
  • Gilbert DURAND
  • Robert EISLER
  • Mircea ELIADE
  • Antoine FAIVRE
  • Markus FIERZ
  • Marie-Louise von FRANZ
  • Olga FRÖBE-KAPTEYN
  • Joseph GANTNER
  • Kurt GERHARDT
  • Wolfgang GIEGERICH
  • Erwin R. GOODENOUGH
  • Michel GUIOMAR
  • Pierre HADOT
  • Jakob Wilhelm HAUER
  • Friedrich HEILER
  • Erich HELLER
  • Pjotr HENDRIX
  • Gustav-Richard HEYER
  • James HILLMAN
  • Helmut HOFFMANN
  • Gerald HOLTON
  • Stanley Romaine HOPPER
  • Erik HORNUNG
  • Graham HOUGH
  • Michel HULIN
  • René HUYGHE
  • Toshihiko IZUTSU
  • Helmuth JACOBSOHN
  • Anjela JAFFÉ
  • Edwin Oliver JAMES
  • Adolf E. JENSEN
  • Carl Gustav JUNG
  • Werner KAEGI
  • Hayao KAWAI
  • Hans KAYSER
  • Károly KERÉNYI
  • Goeffrey S. KIRK
  • Hans-Joachim KLIMKEIT
  • Max KNOLL
  • Wilhelm KOPPERS
  • Hermann LANDOLT
  • Joseph Bernhard LANG
  • Detlef I. LAUF
  • John LAYARD
  • Gerardus van der LEEUW
  • Hans LEISEGANG
  • Karl LÖWITH
  • Ulrich Mann
  • Louis MASSIGNON
  • Paul MASSON-OURSEL
  • Fritz MEIER
  • Pierre-Jean de MENASCE
  • Reinhold MERKELBACH
  • David L. MILLER
  • Siegfried MORENZ
  • Alexander MORET
  • Paul MUS
  • Georges Hermann NAGEL
  • Erich NEUMANN
  • Walter Friedrich OTTO
  • Paul PELLIOT
  • Willard J. PETERSON
  • Raffaele PETTAZZONI
  • Charles PICARD
  • Herbert PIETSCHMANN
  • Helmuth PLESSNER
  • Manfred PORKERT
  • Adolf PORTMANN
  • Laurens van der POST
  • Emil PREETORIUS
  • Ira PROGROFF
  • Jean PRZYLUSKI
  • Henry-Charles PUECH
  • Max PULVER
  • Gilles QUISPEL
  • Paul RADIN
  • Hugo Rahner
  • Kathleen RAINE
  • Herbert READ
  • Karl REINHARDT
  • Caroline A.F. RHYS DAVIDS
  • Peter Anselm RIEDL
  • Rudolf RITSEMA
  • Erwin ROUSSELLE
  • Christopher ROWE
  • Hans SACHSSE
  • Shmuel SAMBURSKY
  • Tilo SCHABERT
  • Karl Ludwig SCHMIDT
  • Paul SCHMITT
  • Herbert W. SCHNEIDER
  • Gershom Scholem
  • Erwin SCHRÖDINGER
  • François SECRET
  • Jean SERVIER
  • Daryush SHAYEGAN
  • Morton SMITH
  • Andreas SPEISER
  • Roger Alfred STAMM
  • Sigrid STRAUSS-KLOEBE
  • Hildemarie STREICH
  • Daisetz Teitaro SUZUKI
  • Joël THOMAS
  • Richard THURNWALD
  • Paul TILLICH
  • Giuseppe TUCCI
  • Shizuteru UEDA
  • Thure von UEXKÜLL
  • Sàndor VÉGH
  • Charles VIROLLEAUD
  • Eric VOEGELIN
  • Boris P. VYSHESLAVTZEFF
  • Wladimir WEIDLÉ
  • Joseph G. WEISS
  • Victor WEISSKOPF
  • R.J. Zwi WERBLOWSKY
  • Heinz WESTMAN
  • Hermann WEYL
  • Victor WHITE
  • Lancelot Law WHYTE
  • Hellmuth WILHELM
  • Walter WILI
  • Swami YATISWARANANDA
  • Robert Charles ZAEHNER
  • Dominique ZAHAN
  • Alfred J. ZIEGLER
  • Heinrich ZIMMER
  • Victor ZUCKERKANDL


Siehe auch

Quellen