Hermann Graf Keyserling

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Hermann Graf Keyserling, 1880-1946, war ein deutschbaltischer Philosoph und Schriftsteller. Hermann Graf Keyserling verbrachte vor dem 1. Weltkrieg einige Zeit in Indien, auch in der Zentrale der Theosphie in Adyar. Sein 1919/20 erschienenes „Reisetagebuch eines Philosophen“ wurde für viele Jahre ein Bestseller und inspirierte in den 1920er Jahren viele Menschen dazu, sich mit Yoga zu beschäftigen. 1920 gründete er in Darmstadt die „Schule der Weisheit“.

Hermann Graf Keyserling

Die Schule der Weisheit sollte eine Auseinandersetzung mit indischem Denken fördern. Zu den Besuchern und Förderern der Schule der Weisheit von Hermann Graf Keyserling gehörte unter anderem Hermann Hesse, Paul Dahlke, Thomas Mann, Carl Gustav Jung und Rabindranath Tagore. Im Dritten Reich erhielt er Redeverbot. Nach dem zweiten Weltkrieg wollte Hermann Graf Keyserling die Schule der Weisheit in Innsbruck neu gründen. Leider starb Hermann Graf Keyserling jedoch schon im April 1946.

Leben von Hermann Graf Keyserling

Kindheit

Hermann Graf Keyserling stammt aus einem alten deutschbaltischen Adelsgeschlecht. Er wuchs auf den abgeschiedenen Gütern seines Vaters Alexander Graf Keyserling in Livland auf. Er wurde unterrichtet von seinen Eltern und Hauslehrern.

Studium

Nach dem Abitur 1897 zog Hermann Graf Keyserling nach Genf und studierte dort Geologie, das er 1898-1899 in Dorpat, Estland, fortsetzte und 1902 mit einer Promotion in Heidelberg, dann Wien abschloss.

Vorkriegszeit

In Wien schloss Hermann Graf Keyserling Freundschaft mit dem Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain, unter dessen Einfluss er sich der Philosophie und dem Gedankenguts Indiens zuwandte.

1903-1906 wohnte Keyserling in Paris, 1906-1908 in Berlin, 1909/1910 wieder auf seinem Gut Rayküll in Livland. Das Familienvermögen ermöglichte ihm das Leben eines Privatiers, eines freien Schriftstellers und Philosophen.

1911-1912 unternahm er eine Weltreise, verbrachte insbesondere viel Zeit in Indien, darunter in der Theosophenzentrale Adyar. In dieser Zeit lernte Hermann Graf Keyserling indische Spiritualität, Philosophie kennen und lernte Yoga und Meditation. Auf dieser Reise schrieb er sein bekanntestes Werk, das Reisetagebuch eines Philosophen. Dieses Reisetagebuch konnte aber wegen der Kriegswirren erst 1919 erscheinen.

Hermann Graf Keyserling in der Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg emigrierte Hermann Graf Keyserling nach Deutschland. Sein ganzes Vermögen war von den Sowjets verstaatlicht worden.

1919 heiratete er Maria Goedala von Bismarck-Schönhausen (1896-1981), eine Enkelin des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Die beiden hatten zwei Söhne.

1919 erschien sein wichtigstes Werk, das „Reisetagebuch eines Philosophen“. Dieses machte Hermann Graf Keyserling über Nacht berühmt und wurde trotz des philosophischen anspruchsvollen Inhalts 50.000 Mal verkauft. Auf Einladung des ehemaligen Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen ließ er sich in Darmstadt nieder. Dort gründete er mit unterstützung des Großherzogs und des Verlegers Otto Reichl die Schule der Weisheit als Lebensschule und Begegnungsstätte maßgeblicher Persönlichkeiten des geistigen Lebens der Weimarer Republik sowie für die Auseinandersetzung mit indischem Gedankengut. Als philosophischer Schriftsteller und Leiter der Schule wurde Hermann Graf Keyserling eine der berühmtesten Persönlichkeiten des geistigen Lebens der Weimarer Republik.

Ein Schwerpunkt seiner Bestrebungen war die europäische Auseinandersetzung mit asiatischem Denken, ein anderer der geistige Austausch zwischen Deutschland und Frankreich. Seine bekanntesten Werke wurden ins Englische, Französische und Spanische übersetzt und erregten auch im Ausland großes Aufsehen. Die Wirkung seines Auftretens prägte die Vorstellungen von dem, was ein Philosoph in der Öffentlichkeit sein kann.

Hermann Graf Keyserling im Dritten Reich

Ab 1931 setzte sich Keyserling öffentlich mit dem erstarkenden Nationalsozialismus auseinander. Er bezeichnete ihn als Irrationalismus, der zur Katastrophe führen müsse, und folgerte: „der Nationalsozialismus […] darf […] als Partei niemals zur Führung gelangen“. Allerdings bemühte er sich, auch positive Aspekte im Nationalsozialismus zu finden. In der nationalsozialistischen Presse wurde er heftig angegriffen. Nach der Machtübernahme Hitlers erhielt er Redeverbot. Er konnte auch nicht mehr publizieren und durfte nicht mehr ins Ausland reisen. Wegen seiner Berühmtheit im Ausland wurden diese Verbote aber zeitweilig gelockert.

Hermann Graf Keyserling nach Kriegsende

Nach dem Kriegsende plante Keyserling eine Neugründung der Schule der Weisheit in Innsbruck. Das Vorhaben fand in Österreich viel Unterstützung, kam aber nicht zustande, da Keyserling schon im April 1946 starb. Sein Sohn Arnold Keyserling trat später ebenfalls als Philosoph hervor.

Werke von Hermann Graf Keyserling

  • Das Reisetagebuch eines Philosophen zählt zu Keyserlings grundlegenden Werken. Es enthält die philosophischen Eindrücke der Weltreise, die den Autor über das Mittelmeer, den Suezkanal und den Indischen Ozean nach Ceylon, Indien, China, Japan und Nordamerika führte. Fernöstliche Weisheit trifft hier auf die abendländische Weltanschauung. Das Motto lautete Der kürzeste Weg zu sich selbst führt um die Welt herum. Er schilderte, dass er sich auf der Reise so in seine jeweilige Umgebung versenkte, dass er zu einem Teil von ihr wurde. Daher verglich er sich gern mit Proteus, dem griechischen Gott der Wandlung, der jede beliebige Gestalt annehmen konnte. Dieses Werk hatte eine große Wirkung auf viele Intellektuelle wie Hermann Hesse und C.G. Jung, und brachte zahllose Menschen dazu, sich mit indischem Gedankengut zu beschäftigen und Yoga zu praktizieren. Mit diesem Werk wurde Hermann Graf Keyserling zu einem der wichtigsten Wegbereiter des Yoga zwischen den Weltkriegen
  • Im Spektrum Europas bot Keyserling Wesensbilder der europäischen Völker. Seine Schilderungen der nationalen Mentalitäten werden zum Teil noch heute für verblüffend aktuell gehalten. Allerdings sind sie auch stark von subjektiven, teils schroffen Wertungen des Verfassers geprägt. Das sehr kritische Kapitel über die Schweiz erregte großes Aufsehen und heftigen Widerspruch, fand in der Schweiz aber auch die kritische Zustimmung von Carl Gustav Jung. Das Portugal-Kapitel, das ebenfalls sehr negative Wertungen enthält, fehlt in einem Teil der Auflagen. Den Deutschen bezeichnete Keyserling als den einzigen sachlichen Menschen, als den einzigen Europäer, dem die Sache mehr bedeutet als der Mensch. Er kam zum Ergebnis, dass ganz Europa wesentlich eines Geistes sei; die Aufgabe Europas bestehe im Vertreten des Prinzips des Individualismus. Der Internationalismus sei in gewisser Hinsicht berechtigt, dürfe aber in Europa nicht siegen, da er sonst das Volkstum auflöse. Der Hauptrepräsentant des Internationalismus sei das Judentum, das in Europa seit dem Mittelalter, vom Standpunkt der anderen und in bezug auf die anderen beurteilt, eine parasitäre Existenz geführt habe. Nach Keyserlings Ansicht sollten die Juden statt dessen Juden bleiben und sich bewusst zu ihrem Volkstum bekennen, dann könnten sie künftig eine rein segensreiche Rolle spielen.
  • In den Südamerikanischen Meditationen, der Frucht einer Südamerikareise, entwickelte er seine Konzeption der Gana, eines blinden Drangs, der Gebundenheit an eine irrationale Unterwelt, die den ihr triebhaft verfallenen Menschen beherrscht. Den Gegenpol dazu bildet der Einbruch des Geistes, der mit tragischem Lebensgefühl beginnt und den geistbestimmten Menschen befähigt, sich vom Ernst der Erdschwere und aller Gebundenheit zu lösen und das Leben als Spiel, als Schauspiel aufzufassen („Divina Commedia“).

Bedeutung von Hermann Graf Keyserling für die Entwicklung von Yoga

Hermann Graf Keyserling war einer der Wegbereiter der Verbreitung von Yoga in der Weimarer Republik, nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa. Er machte Yoga insbesondere auch den Gebildeten seiner Zeit (und späterer Zeiten) schmackhaft. Er hat großen Anteil daran, dass die Gebildeten erkannten, dass auch Asien Wertvolles anzubieten hatte. Sein Einfluss insbesondere auf Hermann Hesse und Carl Gustav Jung war groß.

Für Hermann Graf Keyserling war Yoga eine Verfahrensweise zur Stärkung der Willenskraft, zur Selbstbeherrschung, zur Steuerung der seelischen Regungen sowie für mystische Erfahrungen. Die Yoga Konzentrationsübungen wurden von ihm auch eingesetzt um produktiver zu sein. So sollte Yoga dazu beitragen, den Menschen leistungsfähiger zu machen. Karl Baier kritisiert an Keyserlings Yoga-Verständnis, dass Keyserling Yoga zur Züchtung eines Herrenmenschens instrumentalisieren wollte (Karl Baier, Yoga auf dem Weg nach Westen). Allerdings stand Hermann Graf Keyserling in Opposition zu dem Nationalsozialisten.

So gab es in der Weimarer Republik Yoga Übende, Yoga Begeisterte und Yoga Schriftsteller aus verschiedenen Richtungen:

Und nicht zu vergessen, die indischen Zirkusakrobaten und die Reiseabenteurer, die Indien besuchten und darüber schrieben...

Siehe auch

Quellen