Olga Fröbe-Kapteyn

Aus Yogawiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Olga Fröbe-Kapteyn Olga Fröbe-Kapteyn (1881-1962) war eine englisch-holländische Frau, Theosophin, Gelehrte, spirituelle Feministin und jungianische Psychologin. Olga Fröbe-Kapteynist bekannt geworden für die von ihr konzipierten und organisierten Eranos Tagungen für den Austausch zwischen westlicher und östlicher Spiritualität und den Aufbau des Archive for Research in Achetypal Symbolism.

Olga Fröbe-Kapteyn mit Carl Gustav Jung

Frühe Jahre von Olga Fröbe-Kapteyn

Olga Fröbe-Kapteyn wurde geboren als Tochter eines holländischen Ingenierus. Sie wuchs auf in London. Sie besuchte die North London Collegiate School und wurde eine enge Freundin von Marie Stopes. Olga Fröbe-Kapteyn studierte Kunstgeschichte an der Kunstgewerbeschule in Zürich. 1909 heiratete sie den Musiker und Dirigent Iwan Fröbe, der allerdings ein paar Jahre später in einem Flugzeugunfall starb. Olga Fröbe-Kapteyn lebte eine Weile in Berlin. Zu Beginn des ersten Weltkriegs zog Olga Fröbe-Kapteyn von Berlin nach Zürich, wo sie eine literarisch-spirituelle Tafelrunde kreierte.

Olga Fröbe-Kapteyn in Ascona

1919 kommt Olga Fröbe-Kapteyn mit ihrem Vater ins Tessin. Im Jahr darauf erwirbt ihr Vater für sie ein Grundstück mit der Casa Gabriella in Moscia/Ascona beim Monte Verita im Tessin (Schweiz) in der Nähe des Lago Maggiore. 1920 zog Olga Fröbe-Kapteyn dauerhaft dorthin. Sie lernte und praktizierte Yoga, Meditation und Theosophie. Unter ihren Freunden befanden sich Carl Gustav Jung, Richarld Wilhelm (Übersetzer des I Qing). Sie traf auch viele Mitglieder der Schule der Weisheit von Hermann Graf Keyserling in Darmstadt. Sie stand in lebhafter Verbindung mit Mitgliedern des ökumenischen Zirkel in Marburg.

Der Monte Verità hat große Bedeutung für das europäische Geistesleben. Wie eng er mit der europäischen Kulturgeschichte unseres Jahrhunderts verflochten ist, hat die Ausstellung von Harald Szeemann „Monte Verità. Berg der Wahrheit“ 1978 in vielen Bereichen deutlich gemacht. Seit 1900 wurde der Berg zu einem Experimentierfeld für neue Lebensarten, neue und vielfach sehr radikale Ideen. Vegetarier, Naturheiler, Anarchisten, Theosophen und andere Wahrheitssucher, dazu Poeten, Propheten und Künstler aller Arten besetzten den Berg, machten ihn zu einem Heiligtum der Alternativen und schrieben ihm jene „sakrale Topographie“ ein, die Szeemann in seiner Ausstellung beschwört. Von all dem hat einzig die Idee von Eranos bis jetzt überdauert.

Eranos Tagungen

1928 ließ Olga Fröbe-Kapteyn einen Seminarraum bzw. Vortragsraum in der Nähe ihres Hauses am Mont Verita errichten. Carl Gustav Jung schlug vor, diesen Raum als Begegnungstätte von Ost und West zu nutzen. Der Religionswissenschaftler Rudolf Otto schlug den Namen Eranos vor. Carl Gustav Jung blieb für viele Jahre maßgeblich als Hauptredner und Mitorganisator für die Eranos Tagungen. Die Eranos Tagungen ersetzten bald die von Hermann Graf Keyserling betriebene Schule der Weisheit, nachdem die Nazis in Deutschalnd die Macht ergriffen hatten, Hermann Graf Keyserling Redeverbot erhalten hatte und ein freier Austausch in Deutschland nicht mehr stattfinden konnten.

Die Eranos Tagungen waren insbesondere in den ersten Jahren ganz entscheidend dafür, dass inmitten der Barbarei der Nazi Diktatur, des Rassismus, Nationalismus, des Weltkriegs und Völkermordes sich eine Gruppe von Geistesgrößen über die Einheit der Weltreligionen, der Weltkulturen und die Einheit der Menschheit austauschen konnten.

Die von Olga Fröbe-Kapteyn initiierten und organisierten Eranos Tagungen trugen entscheidend dazu bei, dass Yoga Gedanken in die Psychologie und Soziologie Eingang fanden. Sie beeinflussten nicht nur europäische Geistesgrößen, sondern auch Amerika. Der in Amerika populäre Joseph Campbell war oft bei den Eranos Tagungen zu Gast, ebenso Mircea Eliade und Heinrich Zimmer. Letztlich ist auch die Verbreitung der Jungschen Psychologie und die in Amerika in den 1960er/1970er Jahren ausbrechende Hermann Hesse Begeisterung mit auf die von Olga Fröbe-Kapteyn organisierten Eranos Tagungen zurückzuführen.

Olga Fröbe-Kapteyn und die Geistesgrößen ihrer Zeit

Olga Fröbe-Kapteyn (vorne rechts) zusammen mit (hinten) Foster Bailey, Roberto Assagioli, ?, Alejandro Mijáilovich Románov, ——, vorne links Alice A. Bailey

Olga Fröbe-Kapteyn stand auch über die Eranos Tagungen hinaus in ständigem Kontakt mit Geistesgrößen ihrer Zeit. Sie war auch vertraut mit Roberto Assagioli, Alice A. Bailey und vielen anderen. So stellte sie immer wieder Verbindungen her - und prägte das Geistesleben in erheblich größerem Maß als es in der Öffentlichkeit bekannt ist.

Das Archive for Research in Archetypal Symbolism

In den 1930er und 1940der Jahren forschte Olga Fröbe-Kapteyn über Archetypen in der ganzen Welt. Sie machte Fotos in verschiedensten Museen und Bibliotheken, einschließlich der Vatikanbibliothek, Morgan Librarya New York, British Museum, Bibliothèque Nationale Paris, National Archaeological Museum in Athen und viele mehr. Olga Fröbe-Kapteyn etwickelte das Archive for Research in Achetypal Symbolism mit über 17000 Bildern aus allen Kulturen seit der Steinzeit. Aras existiert inzwischen auch Online und ist damit sowohl für den Forscher als auch für den Laien abrufbar.

Letzte Tage von Olga Fröbe-Kapteyn

Olga Fröbe-Kapteyn starb 1962 zuhause in der Casa Gabriella.

Bedeutung von Olga Fröbe-Kapteyn

Olga Fröbe-Kapteyn gehörte zu den Geistesgrößen des 20. Jahrhunderts, welche die Einheit der Religionen, den Austausch zwischen Kulturen, religionsübergreifende Spiritualität und die Verbreitung der Gedanken des Yoga gefördert hat. Durch die von ihr organisierten Eranos Tagungen und die daraus entstandenen Eranos Jahrbücher wurden diese Gedanken in den Kreisen der Intellektuellen auf der ganzen Welt zugänglich gemacht.

Siehe auch

Quellen