Ishvara Pranidhana

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Ishvara Pranidhana (Sanskrit: ईश्वरप्रणिधान īśvarapraṇidhāna n.) Hingabe (Pranidhana) an Gott (Ishvara), Ergebung in Gottes Willen; tiefe Meditation; einer der fünf Niyamas in Patanjalis Yogasutra. Ishwara Pranidhana heißt Gottesverehrung und ist die Essenz des Bhakti Yoga. Doch auch im Jnana Yoga, im Vedanta, wird Ishwara Pranidhana als wichtige spirituelle Praxis geschätzt. Im Raja Yoga ist Ishwara Pranidhana Teil des Kriya Yoga und eine der fünf Niyamas.

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Die Yoga Sutras des Patanjali

शौचसन्तोषतपःस्वाध्यायेश्वरप्रणिधानानि नियमाः || 2.32 ||

śauca-santoṣa-tapaḥ-svādhyāyeśvara-praṇidhānāni niyamāḥ || 2.32 ||

Die Niyamas bestehen aus Reinheit (Saucha), Zufriedenheit (Santosha), Selbstzucht (Tapas), Selbststudium (Svadhyaya) und Hingabe an Gott (Ishvara Pranidhana).

Swami Sivananda über Ishvara Pranidhana

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch I - Tantra Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 141 - 143. Divine Life Society

Mit der Selbstaufgabe kommt das Erlangen von Samadhi, dem überbewussten Zustand. Hingabe des Selbstsollte frei, vollkommen, bedingungslos und bereitwillig erfolgen. Dann wird Samadhi von alleine kommen. Dieser Ishvara Pranidhana ist die höchste Selbstaufgabe. Atma Nivedana ist Selbstaufgabe. In der Vishnu Sahasranama wird gesagt: "Das Herz von jemandem, der seine Zuflucht zu Vasudeva gesucht hat, der sich ganz Vasudeva hingibt, wird vollkommen gereinigt, und er wird Brahman, das Ewigliche, erreichen."

Der Gläubige bietet Gott alles zum Opfer dar, seinen Körper, seinen Geist und seine Seele. Er behält nichts für sich selbst. Er gibt sogar sein eigenes kleines Selbst auf. Er hat keine persönliche und unabhängige Existenz mehr. Er hat sein Selbst für Gott aufgegeben. Er ist ein Teil und ein Stück von Gott geworden. Gott nimmt sich seiner an und behandelt ihn so, als sei er Er selbst. Seien es Trauer und Leid, Freude und Schmerz, der Gläubige behandelt sie so, als seien es von Gott geschickte Geschenke, und er wird nicht an ihnen festhalten. Er betrachtet sich als Marionette Gottes und als Instrument in seinen Händen. Er hegt keine egoistischen Gefühle, denn er hat kein Ego mehr. Sein Ego ist zu Gott hinübergegangen. Er besitzt keinerlei Pflichten mehr, weder seiner Frau noch seinen Kindern gegenüber, denn er hat abgesehen von Gott keine eigenständige Existenz mehr. Gott wird sich um alles weitere kümmern. Er weiß, wie er die Welt auf den richtigen Pfad führt. Man braucht nicht mehr zu denken, man selbst sei geboren, um die Welt zu führen. Gott ist da, und er wird alles so einrichten, wie es sich die Menschen nicht einmal erträumen können. Der Gläubige hat keine sinnlichen Begierden mehr, denn er hat keinen Körper mehr, weil er ihn Gott geopfert hat. Weder bewundert noch liebt er seinen Körper, denn es ist nun Gottes Aufgabe, für ihn zu sorgen. Alles, was er noch fühlt, ist die Gegenwart Gottes und sonst nichts. Er ist furchtlos, denn Gott steht ihm immer hilfreich zur Seite. Er hat keine Feinde mehr, denn er hat sich selbst aufgegeben für Gott, der weder Feind noch Freund kennt. Er hat keine Angst und Sorgen mehr, denn dadurch, dass er die Gnade Gottes erlangt hat, hat er schon alles erreicht. Er verschwendet nicht einmal den geringsten Gedanken an sein Seelenheil; im Gegenteil, er will sogar überhaupt kein Heil mehr, er will bloß noch Gott und nichts anderes als Gott. Er ist vollkommen befriedigt mit der Liebe Gottes, den durch sie gibt es nichts, was er nicht erreichen könnte. Was gibt es zu erreichen, wenn Gott seine Gnade auf seinen Gläubigen gelenkt hat? Der Gläubige möchte nicht zu Zucker werden, sondern er möchte den Zucker schmecken. Es ist ein Vergnügen, Zucker zu schmecken; es macht aber keinen Spaß, selbst Zucker zu werden. Der Gläubige hat also das Gefühl, dass es mehr Freude bereitet, Gott zu lieben, als Gott zu sein. Gott wird sich vollkommen seines Gläubigen annehmen. "Ich bin Dein." sagt der hingebungsvolle Gläubige.

Diese Hingabe des Selbstist absolute Liebe nur zu Gott allein. Es gibt im Gläubigen nichts anderes mehr als Gottesbewusstsein. Der Gläubige wird sogar gegen seine eigenen Wünsche eins mit Gott werden und seine Individualität verlieren. Dies ist das Gesetz des Seins. Die höchste Wahrheit ist Absolutheit, und die Seele strebt hinauf durch verschiedene Bewusstseinszustände, solange bis sie absolute Vollkommenheit erlangt hat und identisch mit Gott geworden ist. Das ist der Höhepunkt allen Bestrebens und aller Liebe.

Es gibt unzählige Verse in der Bhagavadgita und in der Bhagavata, die die Wahrheit eröffnen, dass Hingabe des Selbstder einzige Weg ist, um das Allerhöchste zu erlangen. Krishna lehrt Arjuna, dass ihm nur allein durch vollständige und ausschließliche Selbstaufgabe Frieden und Erlösung von allen Sünden geschenkt wird.

Jemandem, der die Bhagavadgita oder die Shrimad Bhagavata studiert, wird bewusst werden, welch große Wichtigkeit der totalen Hingabe des Selbstbeigemessen wird. Hingabe des Selbstist nämlich die Auflösung des individuellen Bewusstseins und das Erlangen von absolutem Bewusstsein. Dies ist gleichwertig mit Nirvikalpa Samadhi.

Der hingebungsvolle Gläubige steigt empor zum Zustand des höchsten Mahabhava und löst sich selbst in Gott auf. Die Welle sinkt wieder in den Ozean zurück. Der Funke wird wieder eins mit dem Feuer. Der Strahl wird in die Sonne eingesogen. Der Geist geht auf in Atman. Das Individuelle verliert sich im Absoluten. Der Gläubige wird eins mit Gott. Weltliches Bewusstsein entschwindet in universelles Bewusstsein. Der Mensch wird zu Gott und das Sterbliche wird zum Unsterblichen.

Sukadev über Ishvara Pranidhana

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Ishvara Pranidhana

Ihvara Pranidhana – Hingabe an Gott. Ishvara heißt Gott, Pranidhana heißt „Hingabe an“. Du magst den Ausdruck „Prana“ kennen. Prana hat zum einen die Bedeutung, Lebensenergie, aber dann gibt es auch Pranam und Pranam heißt „Ehrerbietung an“ und „Grüße an“. Z.B., wenn ein Inder jemand anderen Grüße bestellt, dann sagt er, „give my Pranams to Mr. Soundso“ oder „give my Pranams to your wife“, „gib mein Pranam, meine Grüße und meine Ehrerbietung“. Und Pranidhana hat diesen gleichen Ursprung. Pranidhana heißt Ehrerbietung, Pranidhana heißt Hingabe, Pranidhana heißt Verehrung. Ishvara Pranidhana wird insbesondere im Yoga Sutra an mehreren Stellen genannt. Zunächst erwähnt es Patanjali zu Anfang des Yoga Sutra. Dort sagt er, Tapas, Swadhyaya und Ishvara Pranidhana sind die drei Teile von Kriya Yoga.

Kriya Yoga, der Yoga der Tat. Kriya heißt Tun, Tat. Kriya Yoga, der Yoga der Tat. Und der Kriya Yoga hilft, die Kleshas zu überwinden, sagt Patanjali im zweiten Vers des zweiten Kapitels. Durch die Kriyas, Kriya Yoga, werden die Kleshas ausgedünnt und es entsteht die Fähigkeit für Samadhi. Also, drei Dinge, die du tun kannst, um die Ursachen von Leiden zu überwinden. Kleshas sind Ursachen von Leiden. Drei Dinge, die du besonders tun kannst, um näher zu Gott zu kommen. Dazu gehört also Tapas, spirituelle Disziplin, Praxis, dir etwas vorzunehmen und es umzusetzen. Dann Swadhyaya, das heißt Selbststudium, überlegen, verstehen, analysieren und selbst studieren, selbst nachdenken, tief nachdenken. Und schließlich Ishvara Pranidhana. Ishvara Pranidhana, also Hingabe an Gott.

In dem Moment, wo du ganz Gott hingegeben bist, in dem Moment ist Frieden da. In dem Moment, wo du Gott ganz hingegeben bist, in dem Moment, wo du alles Gott darbringst, ist Glück da. Du magst manches nicht verstehen, du magst manches nicht ändern können. Wenn du sagst: „Oh Gott, ich weiß nicht, warum, ich verstehe nicht, warum, ich weiß auch nicht, was ich tun soll. Oh Gott, ich bringe es dir ganz dar. Nicht mein Wille geschehe, dein Wille geschehe. Zeige mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten. Ich bin dir ganz hingegeben.“

In dem Moment, wo du so sprichst, und nicht nur äußerlich sprichst, sondern wirklich vom Herzen her fühlst, ist Frieden da. Du kannst alles Gott darbringen. Du kannst deine Handlungen Gott darbringen. Du kannst deine Arbeit Gott darbringen. Du kannst dein Zusammensein und dein Kümmern um Familie, Partner usw. Gott darbringen. Du kannst sagen: „Ich bringe alles Gott dar.“ Ishvara Pranidhana kann hier sehr vollständig sein. Gegen Mitte bis Ende des zweiten Kapitels des Yoga Sutra spricht Patanjali nochmals über Ishvara Pranidhana, als Teil der Niyamas.

Niyamas sind die Gebote, die Patanjali nennt, man könnte auch sagen, die Empfehlungen, die Patanjali für eine persönliche Disziplin empfiehlt oder für das persönliche Leben. Die Yamas sind ja eher die Empfehlungen im Umgang mit anderen: Du sollst sie nicht verletzen, Ahimsa, sie nicht belügen, Satya, ihnen nichts stehlen, Asteya, du sollst sie nicht bestechen und keine Bestechungsgelder annehmen, Aparigraha, du solltest gegenüber anderen kein sexuelles Fehlverhalten üben, also Brahmacharya. Also, das alles betrifft den Umgang mit anderen.

Die Niyamas dagegen betreffen deine persönliche Disziplin. Da gibt es fünf Niyamas: Da gibt es Saucha – Saucha, das heißt Reinigung und Reinheit. Santosha – Santosha heißt Zufriedenheit. Dann Tapas – Selbstdisziplin, auch Askese, bewusst Dinge tun, die du nicht unbedingt nur magst, oder einfach Dinge umsetzen, egal, ob du sie magst oder nicht magst. Dann folgt Swadhyaya und Swadhyaya heißt Selbststudium, heißt besonders in diesem Kontext, eigenes Studium der Schriften, heißt aber auch Introspektion und selbst überlegen: „Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was soll das Ganze? Was ist der Sinn des Lebens?“ Und als fünftes, Ishvara Pranidhana. Ishvara Pranidhana – Hingabe an Gott, Gott darbringen, Gott verehren. Du kannst alles Gott darbringen, dazu gehört Ishvara Pranidhana als Kriya Yoga, aber es gibt auch Praktiken, die du üben kannst.

Du kannst dich z.B. verneigen, wann immer du vor einem Altar bist. Du kannst Gott verehren, indem du dich verneigst. Du kannst Gott verehren, indem du eine Kerze darbringst. Du kannst Gott verehren, indem du eine Murti, eine Götterfigur, auf einen Altar stellst. Du kannst Blumen dort darbringen. Du kannst eine Kerze auch im Uhrzeigersinn schwenken. Du kannst ein Räucherstäbchen vor Gott schwenken. Du kannst vieles tun für Ishwara Pranidhana. Du kannst Gott Gebete darbringen. Du kannst Gottesdienste besuchen, du kannst Pujas besuchen, Homas ausführen, Havans ausführen, Arati machen usw.

Ishvara Pranidhana umfasst alle Bhakti-Praktiken. Sowohl Patanjali im Yoga Sutra empfiehlt es, als auch Swatmarama in der Hatha Yoga Pradipika, als auch Shankaracharya in seinen Schriften über Jnana Yoga. Also, Ishvara Pranidhana ist immer hilfreich. Allein, mit eigener Kraft, erreichst du das höchste spirituelle Ziel, die Erleuchtung, nur sehr schwer, aber wenn du Ishvara Pranidhana übst, Gott darbringst, Gott verehrst, dann wird es leichter. Daher verehre Gott, daher überlege: „Was ist meine Beziehung zu Gott?“ Oder: „Was ist meine Beziehung zum Göttlichen?“ Zur göttlichen Mutter, wie auch immer du Sie, Es, Ihn nennen willst. Kultiviere Ishvara Pranidhana, Hingabe zu Gott, Gottesverehrung. So wird dein Herz sich öffnen, so wirst du in Liebe entflammen, so wirst du die göttliche Gegenwart erfahren und Frieden erreichen, schließlich die Erleuchtung. Ishvara Pranidhana – Hingabe an Gott, Verehrung Gottes.



Siehe auch

Literatur

Seminare

Indische Schriften

17. Jun 2016 - 19. Jun 2016 - Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut
Diese zu üben empfiehlt Patanjali im Yoga Sutra als Weg, einen klaren Geist zu entwickeln. Die Kräfte von Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut, die auch im Buddhismus eine wichtige Rolle spiel…
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08. Jul 2016 - 10. Jul 2016 - Hatha Yoga und Bhagavad Gita
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Hinduistische Rituale

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