Svadhyaya

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Svadhyaya (Sanskrit: स्वाध्याय svādhyāya m.) Selbststudium, einer der fünf Niyamas in Patanjalis Yogasutra. Das Wort "Svadhyaya" setzt sich aus Sva (Sanskrit für selbst, zu mir gehörig) und Adhyaya (Sanskrit für Untersuchung, Erforschung) zusammen. Demnach steht Svadhyaya für Selbsterforschung. Um insgesamt bewusster zu werden, soll das eigene Denken und Handeln beobachtet, reflektiert und kritisch hinterfragt werden.

Svadhyaya

Eine zusätzliche Komponente von Svadhyaya ist das Studium der alten Schriften, da es neben der Selbstreflexion weiterer Bezugspunkte bedarf. Das kann beispielsweise die Bibel sein, das Yogasutra von Patanjali, die Bhagavadgita, die Veden, die Upanishaden oder andere Texte mit spirituellem, philosophischem oder religiösem Inhalt.

Patanjali

Yogasutra, Kapitel II.32

शौचसन्तोषतपःस्वाध्यायेश्वरप्रणिधानानि नियमाः || 2.32 ||

śauca-santoṣa-tapaḥ-svādhyāyeśvara-praṇidhānāni niyamāḥ || 2.32 ||

Die Niyamas bestehen aus Reinheit, Zufriedenheit, Selbstzucht, Selbststudium und Selbsthingabe.

Sukadev über Svadhyaya

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Svadhyaya

Svadhyaya heißt Selbststudium, eigenes Studium. Svadhyaya ist einer der fünf Niyamas im Raja Yoga. Svadhyaya steht sowohl für eigenes Studium der Schriften als auch für Selbststudium im Sinne von Introspektion und herausfinden, wer du selbst bist. Swadhyaya, als Sanskrit-Wort, besteht aus zwei Teilen: "Swa" und "Adhyaya". Swa heißt eigen. Adhyaya heißt zum einen Kapitel von manchen Schriften, aber Adhyaya, insbesondere Adhyayana, heißt Studium. Adhyayana kann heißen, die Veden und andere Heiligen Schriften zu studieren.

Svadhyaya klingt für uns heute ganz normal, da man selbst lesen kann. Aber in früheren Zeiten gab es in vielen Kulturen so eine Neigung, das Lesen und das Studium der Heiligen Schriften einer bestimmten, man kann sagen, Priesterkaste vorzubehalten. Im Christentum war es bis zu Martin Luther üblich, dass nur die Pfarrer, die Priester die Heilige Schrift lasen. Das gemeine Volk hat die Bibel nicht gelesen. Und bis ins 19. Jahrhundert wurde den Katholiken eher gesagt, sie sollten die Bibel nicht selbst studieren, sondern nur die Interpretation des Priesters dafür nehmen.

Martin Luther hat aber gesagt: "Nein, jeder soll die Bibel selbst lesen. Sola scriptura. Allein durch die Schrift wird man zum Höchsten kommen." So ist es also wichtig, die Schrift zu lesen. Durch die Schrift kommt man zum Glauben, durch den Glauben erfährt man die Liebe Gottes, und durch die Liebe Gottes wird man dann die Erlösung erreichen. Das Selbststudium ist also eine heilige Handlung, letztlich die spirituelle Praxis der Protestanten. Die wichtigste spirituelle Praxis der evangelischen Christen wäre Swadhyaya, das eigene Studium der Heiligen Schrift.

Patanjali lebte 1500 Jahre vor Martin Luther, manche sagen 1200 Jahre, manche sagen 2000 Jahre vor Martin Luther, also jedenfalls eine ganze Weile vor Martin Luther, und er betonte Svadhyaya als spirituelle Praxis. Er sagte: "Lies selbst die Heiligen Schriften." Lies selbst die Heiligen Schriften, um selbst herauszufinden, was sie bedeuten. Verlasse dich nicht auf andere. Es ist zwar gut, die Heiligen Schriften auch von Meistern interpretiert zu bekommen, aber lies sie selbst.

Svadhyaya hat aber auch noch eine zweite Bedeutung. Das heißt, erkenne dich selbst, finde heraus, was du wirklich bist, finde deine eigenen Fähigkeiten, Talente heraus, so dass du sie umsetzen kannst, finde aber auch deine Schwächen heraus, finde deine Identifikationen heraus und folge nicht einfach den Reiz-Reaktionsketten, deinen Emotionen und den impulsiven Gedanken und Vorstellungen. Svadhyaya – werde dir selbst bewusst und werde so ein bewusster Mensch und kein getriebener Mensch, ein Mensch, der frei ist, Entscheidungen zu treffen, ein Mensch, der Gott dienen will. Für all das ist Svadhyaya gut.

Svadhyaya ist bei Patanjali eine der fünf Niyamas. Niyamas ist die eigene persönliche Disziplin. Zu den fünf Niyamas gehört: Saucha – Reinheit, Santosha – Zufriedenheit, Tapas – Disziplin, dann eben Svadhyaya – Selbststudium und Ishvara PranidhanaHingabe an Gott. Patanjali sagt noch etwas Interessantes. Er sagt, dass durch Svadhyaya die Verbindung mit Ishta Devata erreicht wird. Das heißt, wenn du selbst studierst, erfährst du Gott. Das ist eine interessante Aussage. Durchaus ähnlich wie Martin Luther, der auch gesagt hat, dass man durch das Studium der Schrift zu Gott kommt.

So sagt es auch Patanjali: "Durch das Studium der Schrift erfährst du Gott." Aber auch durch das Studium von dir selbst erfährst du Gott, denn die Tiefe deines Wesens ist letztlich Gott, du bist in der Tiefe eins mit dem Göttlichen. So führt Svadhyaya von dir selbst zu Gott, wenn du die Schriften studierst, führt das zu Gott, und letztlich, je mehr du über einen anderen Menschen herausfindest, wirst du letztlich erkennen, in jedem Menschen ist letztlich das Göttliche. Daher führt Swadhyaya, das tiefe Studium, zur Gotteserfahrung.

Auch wenn du diese Vorträge liest, ist das eine Form von Swadhyaya. Du kannst nach dem Lesen dieser Vorträge noch tiefer gehen, du kannst versuchen, darüber tiefer zu reflektieren, das ist auch ein eigenes Studium im Sinne von Manana, du kannst aber auch tiefer in dich hineingehen und so das Göttliche in dir erfahren.

Swami Sivananda über Svadhyaya

Auszug aus dem Buch "Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga" von Swami Sivananda, Buch I - Tantra Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 140 - 141. Divine Life Society

Mit dem Studium der Schriften kommt die Einswerdung mit der Schutzgottheit. Svadhyaya ist das Studium der Schriften, wie das der Gita, der Upanischaden, des Ramayana, der Bhagavata usw. Das Studium sollte mit höchster Konzentration durchgeführt werden. Du solltest klar verstehen, was du studiert hast und versuchen, alles, was du gelernt hast, in dein Alltagsleben zu integrieren. Du wirst keinen Nutzen aus deinen Studien ziehen, wenn du dich nicht bemühst, gemäß der Lehren der Schriften zu leben. Svadhyaya beinhaltet auch Japa, die Wiederholung von Mantras. Ständiges Studium und Praxis der gewonnenen Erkenntnisse im Alltagsleben werden dich dahin führen, dass du mit Gott vereint bist.

Siehe auch

Weblinks

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