Erfahrung

Aus Yogawiki
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Erfahrung ist der Sammelbegriff für alles, was das Bewusstsein erfährt. Wir sind hier auf dieser Welt, um Erfahrungen zu machen, aus Erfahrungen zu lernen, mit Erfahrungen zu wachsen. Im Yoga lernt man, bewusster zu leben, Erfahrungen bewusster zu erleben. Man muss auch nicht jede Erfahrung selbst machen: Man kann auch aus den Erfahrungen anderer lernen. Aus Erfahrung wird man klug – so sagt es der Volksmund, so sagen es auch die spirituellen Traditionen. Daher kann man alles annehmen, was kommt: Jede Erfahrung birgt seine eigene Lernlektion. Auch aus Fehlern wird man klug. So schadet es auch nicht, Fehler zu machen.

Hänge nicht an spirituellen Erfahrungen

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev <mp3player>http://sukadev.podspot.de/files/27_identifiziere_dich_nicht_mit_spirituellen_erfahrungen.mp3</mp3player>

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Nun zum Thema: „Identifiziere dich nicht mit deinen spirituellen Erfahrungen“. Auch spirituelle Erfahrungen sind nur das, Erfahrungen. Spirituelle Erfahrungen sind wunderschön, sind oft mit unglaublichen Glücksgefühlen verbunden. Keine andere Erfahrung kommt ihnen in Intensität und Wonne gleich. Spirituelle Erfahrungen können dir Einsichten vermitteln, die dir im Alltag weiterhelfen. Und wenn spirituelle Erfahrungen dir zur Erkenntnis deines wahren Selbst und zur Verwirklichung des Göttlichen verhelfen, erlangst du eine Gelassenheit, die durch nichts zu erschüttern ist. Die höchste spirituelle Erfahrung ist die Erleuchtung, die Einheit, die vollkommene Verschmelzung, die Selbst- und Gottverwirklichung. Auf dem Weg zu dieser höchsten Erfahrung kannst du aber eine Menge anderer Erfahrungen machen. Vielleicht lernst du, Auras zu sehen. Das wurde schon kurz erwähnt. Vielleicht spürst du deine Chakras. Das ist dann nicht nur eine Theorie, sondern du spürst tatsächlich dein Herzchakra, du spürst deine feinstoffliche Wirbelsäule, du spürst das dritte Auge usw. Vielleicht hörst du Anahata-Klänge. Anahata-Klänge sind feinstoffliche Klänge. Du hörst z.B. einen hohen Klang, du hörst den Klang einer Flöte oder einer Laute oder einer Tambura oder Glocken oder Klingeln usw. Das sind alles Zeichen von spirituellen Erfahrungen, insbesondere wenn sie mit Wonne verbunden sind. Vielleicht bekommst du Kontakt mit Naturwesen, wie Baumgeistern, Feen, Elfen usw. Vielleicht spürst du die Gegenwart von Engeln. Vielleicht überwindest du dein Körpergefühl und gehst auf Astralreise, spürst eine Ausdehnung. Vielleicht erwacht deine Kundalini. Du hast eine große Hochenergie, eine Bewusstseinsausdehnung, eine Heilfähigkeit usw. Vielleicht hast du eine Vision eines spirituellen Meisters, sogar deines Meisters. Vielleicht die Vision eines Engels. Vielleicht die Vision Gottes. Vielleicht die Erfahrung der Nähe Gottes. Vielleicht spürst du Herzensöffnung, kosmische Liebe, Verbundenheit. Vielleicht bekommst du auch mal ein Berufungserlebnis, du weißt genau, was zu tun ist. Das sind großartige Erfahrungen und ich würde sie um nichts in der Welt missen wollen. Nur, wenn du dich damit identifizierst, können spirituelle Erfahrungen zu einer Quelle von Gereiztheit werden. Aus der Identifikation kommt Vergleich mit anderen: „Ich bin besser oder schlechter als andere.“ Aus der Identifikation kommt Hängen an Erfahrungen. Manchmal kommt nämlich nach einer Phase spiritueller Flitterwochen mit intensiven Erfahrungen eine Phase von weniger Energie und die Notwendigkeit, wieder in der normalen Welt mit normalem Bewusstsein zu leben und zu wirken. Gar nicht mal wenige Menschen fallen nach einer Phase großartiger spiritueller Erweckung und Erlebnissen in eine Phase der Niedergeschlagenheit und Enttäuschung. Sie sind enttäuscht von Gott, von dem spirituellen Lehrer, von den spirituellen Praktiken, von dem spirituellen Weg, enttäuscht von sich selbst. Aus spiritueller Erfahrung kann manchmal Gier nach mehr Erfahrungen kommen. Es kann eine Abneigung kommen gegen die ach so mondäne und banale Welt. Es kann eine Angst kommen, die spirituellen Erfahrungen zu verlieren. Gar nicht mal selten meiden Menschen mit spirituellen Erfahrungen Situationen und sogar andere Menschen, welche einem die spirituellen Erfahrungen wegnehmen können. Spirituelles Leben wird zur Weltflucht. Sei dir bewusst, spirituelle Erfahrungen lassen dich die Wonne deiner Seele erahnen. Sie können dir Erkenntnisse schenken. Sie können dir tiefes Vertrauen in die göttliche Gegenwart geben. Spirituelle Erfahrungen sind ein ganz großer Segen auf dem Weg, wenn du sie hast. Es kann auch ein Segen sein, wenn du solche Erfahrungen lange nicht machst. So gerätst du nicht in ihre Fallen. Aber wenn du diese großartigen spirituellen Erfahrungen hast, bleibe dort nicht stecken, sei nicht gierig nach mehr Erfahrung, denn du bist nicht eine konkrete Erfahrung, auch nicht eine besonders schöne Erfahrung. Mache dir bewusst: „Ich bin derjenige, der erfährt. Ich bin nicht die Erfahrung.“ Erfahrungen kommen, Erfahrungen gehen. Auch die großartigsten Gotteserfahrungen können kommen und gehen. Freue dich an spirituellen Erlebnissen. Danke für die Gnade, die dir zu Teil wurde. Dein Wert hängt nicht daran und auch ein scheinbar normales Leben hat seinen Sinn und Wert. Im Jnana Yoga übst du Gelassenheit auch gegenüber spirituellen Erlebnissen. So hat es ja auch Buddha gelehrt. Er hat gesagt: „Hänge nicht an Verzückungserlebnissen.“ Gerade Jesus hat im Alltag den bewussten Umgang mit allen gelehrt und bewusst auch die Nähe der Menschen gesucht, deren Gegenwart von der religiösen Tradition seiner Zeit als nicht für die spirituelle Praxis förderlich galt. Jesus hat sich umgeben mit Prostituierten, mit Aussätzigen, mit Toten, mit Zöllnern und damit mit materialistischen Kollaborateuren mit der römischen Besatzungsmacht. Wir lesen das heute in der Bibel so und wir sind uns gar nicht bewusst, wie außergewöhnlich das ist, dass ein Jesus mit diesen Menschen verkehrt hat und auch keine Hemmungen hatte, Tote zu besuchen. Gut, er hat auch welche auferweckt. Aber es scheint auch klar zu sein, Jesus hat das nicht gemieden, obgleich das zu seiner Zeit als unrein galt. Und unrein heißt meistens, es ist etwas, was die spirituelle Erfahrung reduzieren wird. Jesus betonte in seinen Predigten und Gleichnissen gerade nicht die Gier nach spirituellen Erfahrungen, sondern den uneigennützigen Dienst an den Armen, den Gefallenen und Kranken und die Hingabe an Gott gerade im Alltag. Im indischen Bhakti Yoga gibt es noch eine weitere Möglichkeit, mit der spirituellen Krise des Verlustes der Erfahrung von Gottes Gegenwart umzugehen. Ein Bhakta, welcher den Weg der Gottesverehrung geht, würde nach der Erfahrung der Nähe Gottes seiner Sehnsucht Ausdruck verleihen. Er würde zu Gott beten: „Bitte, zeige Dich mir wieder. Lass mich Dich ganz spüren. Du hast mir einen Geschmack von Dir gegeben. Bitte, lass mich ganz mit Dir verschmelzen.“ Das ist jetzt nicht der gelassene Weg, sondern es ist ein intensiver Weg, um Gott zu erfahren. Du kannst selbst überlegen, hast du schon tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht? Wie waren sie? Wie lange haben sie angehalten? Wie lange hast du danach eine Phase des Glücks, der Euphorie gehabt? Was ist danach gekommen? Wie könntest du gelassen damit umgehen? Wie kannst du Enttäuschungen vermeiden? Oder auch, bist du vielleicht enttäuscht, dass du solche spirituellen Erfahrungen noch nicht gemacht hast? Bist du darüber traurig? Bist du vielleicht sogar ärgerlich gegenüber Gott, dir selbst, deinem Lehrer, deinem spirituellen Weg, wenn du von diesen tollen Erfahrungen hörst, wenn andere dir davon erzählen, aber du sie nicht hast? Sei dir bewusst, dass auch das, auch die Gier nach spirituellen Erfahrungen, eine Gier ist. Es ist besser, danach zu gieren als nach manchem anderen, aber es ist immer noch eine Gier. Es gibt auch Menschen, die ohne intensive spirituelle Erfahrungen zur höchsten Erleuchtung kommen, denn Erleuchtung ist zwar in sich die höchste spirituelle Erfahrung, aber auf dem Weg dorthin machen manche mehr Wonne- und Glückseligkeitserfahrungen und außergewöhnliche Erfahrungen als andere. Manche kommen Schritt für Schritt dorthin und erst im letzten erfahren sie sich selbst als das Unendliche und das Ewige.

Gelassenheit durch höchste Erkenntnis und intensive Erfahrung

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

Deine wahre Natur ist Satchidananda, nächster Teil, Teil 2. Satchidananda, deine wahre Natur ist unendliches Sein, Sat, unendliches Wissen, Chid, unendliche Freude, Ananda. Sat ist deine wahre Natur, unendliches Sein, unbegrenzt durch Zeit und Raum, unbegrenzt durch jede äußere Begrenzung. Viele der menschlichen Bestrebungen sind erklärbar aus dem Streben nach unendlichem Sein. Alle menschlichen Bestrebungen sind letztlich daraus zu erklären, dass du Satchidananda erfahren willst. Du willst auch Chid erfahren, Chid, Bewusstsein und Wissen. Du willst deine wahre Natur erfahren. Und viel Streben des Menschen erklärt sich daraus, dass du Chid erfahren willst. Chid heißt zwei verschiedene Sachen: Wissen und es heißt Erfahrung eben aus Bewusstsein. Menschen wollen viel wissen. Egal, wie viel du weißt, du willst immer mehr wissen. Und egal, wie viel du weißt, es reicht dir nie aus. Intuitiv weißt du, deine wahre Natur ist unendliches Wissen. Äußeres Wissen wird nie funktionieren. Egal, über was du etwas wissen willst, es gibt immer mehr. Man kann sogar soweit sagen, vielleicht ist die Welt gar nicht erkennbar und erklärbar. Im 19. Jahrhundert hatte man ja gedacht, die Welt ist erklärbar. Heute strebt man auch danach, die Welt zu erklären. Aber es gibt auch Menschen, die sagen, vermutlich wird es überhaupt nicht möglich sein, die Welt zu erklären. Egal, wie viel wir erfahren, es geht jenseits des menschlichen Intellektes. Der Mensch will das nicht annehmen, denn irgendwo geht jedes menschliche Wesen davon aus: „Ich bin unendliches Wissen.“ Egal, wie viel Wissen du hast, du willst immer mehr haben. Egal, auf welchem Gebiet du dich spezialisierst, es gibt immer mehr zu wissen. In früheren Zeiten hat man noch angenommen, dass man alles weiß. Goethe war vielleicht das letzte Universalgenie. Man nimmt an, dass Goethe das Wissen seiner Zeit weitestgehend kannte, zumindest das Wissen der Wissenschaften, zumindest das Wissen, welches an Universitäten gelehrt wurde. Auch damals gab es natürlich viel Wissen, das er nicht kannte. Handwerkswissen, Landwirtschaftswissen, Wissen um Beziehungen, religiöses Wissen, spirituelles Wissen, esoterisches Wissen, jeder Mensch weiß so viel. Aber egal, was Goethe wusste, er wusste, er weiß, dass er nichts weiß. So wie Sokrates schon gesagt hat: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Man kann sich jetzt damit bescheiden und zumindest versuchen, sich zu lösen von dem Ruf der Seele, oder du kannst dir sagen: „Ja, ich will unendliches Wissen, also werde ich auch nach dem unendlichen Wissen streben. Ich bin unendliches Bewusstsein. Ich werde danach streben, dieses unendliche Bewusstsein auch zu erfahren.“ Streben nach Wissen heißt also, Streben nach deiner wahren Natur. Zu wissen, dass dieses Streben nach unendlichem Wissen durch äußeres Faktenwissen oder selbst mit Erfahrungswissen niemals zufriedenzustellen ist, heißt, dass du gelassen damit umgehst. Du kannst dich darüber freuen, dass du mehr wissen willst, du kannst das Streben nach mehr Wissen genießen, du wirst aber niemals denken, dass du zufrieden sein wirst, indem du mehr weißt. Du weißt, egal, wie viel du weißt, du weißt nie genug. Du kannst dennoch nach mehr Wissen streben, aber du kannst deshalb gelassener damit umgehen, weil du weißt, du bist unendliches Wissen. Chid ist aber nicht nur Wissen, Chid heißt auch Intensität des Erfahrens, Bewusstsein heißt, es gibt auch eine gewisse Intensität. So wie du in Wahrheit unendliches Wissen bist, so bist du auch in Wahrheit unendliches Bewusstsein. Unendliches Bewusstsein heißt auch unendliches, intensives Bewusstsein. Die Erfahrung, wer du wirklich bist, wird nicht gemacht durch eine Art Halbschlaf oder ein Halbbewusstsein, sondern deine wahre Natur ist unendliches Bewusstsein und damit ist es auch unendliche Intensität des Bewusstseins. Alle großen Meister, die sagen, dass sie ihre wahre Natur erfahren haben oder dass sie sich mit Gott eins gefühlt haben, haben gesagt, das ist eine unbeschreibliche Erfahrung, eine unbeschreibliche Intensität der Erfahrung, jede Alltagserfahrung kommt nicht gleich dieser Erfahrung der Unendlichkeit. Nichts kommt diesem gleich, wenn du deine wahre Natur erfährst, Gott erfährst. Es ist unendlich gesteigerte Bewusstheit. Wenn man über seine wahre Natur spricht, ist das immer irgendwo Gestammel, denn man kann es nicht in Worten ausdrücken. Man kann sagen, im Weltlichen, du hast mal Halbbewusstheit, irgendwo so eine Art Döszustand. Dann hast du das Alltagsbewusstsein. Im Alltagsbewusstsein weißt du etwas und dein Bewusstsein laviert zwischen Wahrnehmung, zwischen Nachdenken, zwischen Überlegen und Zwischengedanken, die dabei sind, du hast einen inneren Dialog, da sind Fetzen von Erinnerungen, Fetzen von Vergleichen, du kriegst etwas mit, was äußerlich passiert. Das ist Alltagsbewusstsein. Dann gibt es im Alltagsbewusstsein aber auch intensivere Erfahrungen. Sei es, dass du z.B. an einen neuen Ort kommst und irgendwie fasziniert bist. Und du spürst das und du bist ganz im Hier und Jetzt und du siehst, fühlst, spürst, alles zusammen. Der Mensch strebt nach intensiveren Erfahrungen. Man kann sagen, das Streben nach einer Intensivierung der Erfahrung erklärt sich aus dem Streben nach Chid. Wie intensivieren Menschen ihre Erfahrungen im Alltag? Man intensiviert die Erfahrungen z.B., indem man öfter sich außergewöhnlichen Umständen aussetzt, an neue Orte in den Urlaub fährt, indem man etwas besonders Schönes erleben will, indem man eine Musik findet, die einem hilft, intensiver bewusst zu sein. Ob das jetzt Klassik ist, ob es Rockmusik ist, ist eine andere Sache. Manche Menschen gehen ja deshalb in Rockkonzerte, weil sie dort ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Zweitens haben sie intensivere Bewusstheit durch diese Musik. Manche Menschen verstehen nicht, warum Leute so laute Musik hören, was ja letztlich ihr Hören ruinieren kann oder mindestens beeinträchtigen kann und auch die Wahrscheinlichkeit für Tinnitus erhöht. Warum machen Menschen das, obgleich sie das wissen? Weil das Streben nach Chid, nach intensiver Bewusstheit, so stark ist. Und manche Menschen werden feststellen, dass laute Musik, dieses laute Dröhnen, Alltagsgedanken ausschaltet. Indem Alltagsgedanken ausgeschaltet sind, ist gesteigerte Bewusstheit da. Viele Menschen nehmen dann noch zusätzlich Drogen. Drogen helfen auch, die Alltagserfahrung zu intensivieren. Ich will das alles nicht empfehlen, im Gegenteil, ich empfehle, gesund zu leben und nicht zu laute Musik zu hören und natürlich empfehle ich keine Drogen. Drogen haben so viele Nebenwirkungen. Drogen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Psychosen. Drogen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Depressionen und für Schizophrenie. Wer regelmäßig Drogen nimmt, erhöht das Risiko, an einer psychischen Erkrankung zu erkranken, um ein Vielfaches. Die gesteigerte Anzahl von psychischen Erkrankungen sind auch ein Resultat davon, dass in den 60ern und 70ern die Menschen begonnen haben, massenhaft Drogen zu nehmen. Aber man sollte anerkennen, Menschen haben ein starkes Streben nach intensiverer Erfahrung, und um diese intensivere Erfahrungen zu machen, sind Menschen bereit, fast alles zu tun. Du musst aber all das nicht tun. Eine Möglichkeit, deine wahre Natur zu erfahren, ist auch, jetzt die Bewusstheit hochzudrehen. Und genau das kannst du jetzt machen. Du kannst jetzt und in diesem Moment dir vornehmen: „Ich will intensiver erleben.“ In diesem Moment kannst du dir einfach sagen: „Ich will intensives Erleben erfahren.“ Du kannst deine Bewusstheit bewusst steigern. Du kannst dir sagen: „Meine wahre Natur ist immer im Hier, sie ist immer im Jetzt und sie ist in der Intensität der Erfahrung erfahrbar.“ In diesem Moment drehe deine Bewusstheit hoch. In diesem Moment, mit jeder Phase deines Lebens, mit jeder Phase deines Wesens, mit jeder Zelle, mit jeder Bewusstheitsmöglichkeit, spüre Hier und Jetzt. Es gibt nichts Wichtigeres als Hier und Jetzt. Erfahre es jetzt.

Wirkliches Erleben und leibliche Erfahrung

Dialog zwischen einem Schüler und seinem Meister Ramana Maharshi aus einer Nacherzählung von Heinrich Zimmer aus seinem Buch "Der Weg zum Selbst" 1944 erschienen im Rascher Verlag Zürich

Der Schüler: Worin besteht denn der Unterschied zwischen dem Erlösten (mukta) und dem Gebundenen (baddha) ?
Der Meister: Vom »Herzen«, der Stätte des Selbst, führt eine feine Ader zur Stätte der Shakti (shakti-sthâna), dem tausend-blättrigen Lotos im Hirn (sahasrâra). Das Weltkind lebt in seinem Hirn und gewahrt nicht sich selbst im »Herzen«, Der in Erkenntnis Vollendete (jnâna-siddha) lebt im »Herzen«. Geht er umher und befaßt sich mit Menschen und Dingen, so weiß er: was er sieht, ist nicht verschieden von der einen Höchsten Wirklichkeit, dem Brahman, das er in seinem Herzen als sein eigen Selbst, als seine Wirklichkeit erfährt.
Der Schüler: Und das Weltkind ...?
Der Meister: Ich sagte eben: es empfindet die Dinge als außer sich selbst. Es ist gesondert von der Welt und von seiner eigenen, tieferen Wirklichkeit, von der Wahrheit, die es trägt und die alles trägt, was es rings um sich gewahrt. Wer die höchste Wahrheit seines eigenen Daseins erlebt hat, erlebt, daß sie die eine höchste Wirklichkeit ist, die hinter ihm selbst und hinter der Welt steckt. Er ist des Einen gewiß als des Wirklichen, des Selbst in allen Selbsten und in allen Dingen, des Ewigen Unwandelbaren in allem Vergänglichen und Wandelbaren.
Der Schüler: Du sprichst da in höchsten Tönen des Wissens, — ich aber ging vom Leibe aus: hat der Wissende (jnânin) ein anderes Gefühl von seinem Leibe als der Nichtwissende (ajnânin)?
Der Meister: Allerdings. Wie könnte das anders sein! Das habe ich oft gesagt.
Der Schüler: Dann ist das Wissen (jnâna), von dem die Vedântalehre handelt, vielleicht verschieden von dem, was geübt und erfahren wird. Du sagst oft: der wahre Sinn des »Ich« ist im »Herzen«.
Der Meister: Ja, — wenn du tiefer dringst, verlierst du dich gewissermaßen in den abgründigen Tiefen; dann ergreift dich die Wirklichkeit des Atman, die allzeit hinter dir stand. Es ist ein unablässiges Blitzen des Ichbewußtseins; du kannst es gewahren, fühlen, hören, sozusagen spüren, — das nenne ich das »Sprühen des Ich« (aham-sphûrti),
Der Schüler: Du sagtest, der Atman sei unwandelbar, in sich selbst strahlend, und zugleich sprachst du von dem unablässigen Blitzen des Ichbewußtseins (aham-sphûrti): das schließt doch aber Bewegung in sich, und Bewegung kann doch nicht das vollkommene Erlebnis bedeuten, das in sich Stille ist?
Der Meister: Was meinst du mit »vollkommenem Erlebnis«? Meinst du: zu Stein werden, zu toter Masse? — Das Sichregen und Sichgebaren des Ich (ahamvritti) ist etwas anderes als das »Sprühen des Ich« (aham-sphûrti), es ist die Tätigkeit des persön¬lichen Ego; das muß sich selber verloren gehen und dem »Sprühen des Ich« das Feld räumen, das eine ewige Ausdrucksform des Selbst ist. Das »Sprühen des Ich« heißt in der Vedântalehre »Erkennen als Vorgang« (vritti-jnâna), Erleben und Erkennen (jnâna) ist immer ein Vorgang (vritti) : das ist der Unterschied zwischen Erkenntnis als Vorgang (vritti-jnâna) oder Erleben einerseits und dem Wirklichen anderseits in seinem Eigenwesen (svarûpa). Das Eigenwesen (svarûpa) ist das Wissen (jnâna) selbst, es ist Bewusstsein. Dieses »Eigenwesen« ist »Sein und Geist« (sat-chit), ist allgegenwärtig, ist immer da und im Besitz seines selbst. Wenn du es erlebst, so heißt das Erleben »Erkennen als Vorgang« (vritti jnâna), Nur in bezug auf dein eigenes Dasein kannst du von Erleben oder Erkennen (jnâna) sprechen, Wenn wir darum von »Erkennen« oder »Wissen« (jnâna) sprechen, meinen wir immer »Erkennen als Vorgang« (vritti-jnâna), denn »Wissen in seinem Eigenwesen« ist immer »Erkenntnis« (jnâna) und Bewußtsein schlechthin,
Der Schüler: Das kann ich verstehen, — aber was ist's mit dem Leibe? Wie kann ich »Erkennen als Vorgang« im Leibe fühlen?
Der Meister: Du kannst dich eins fühlen mit dem Einen, das allein wirklich ist: dein ganzer Leib wird reine Kraft, wird zu einem Kraftstrom, Dein Leben wird zu einer Magnetnadel, die ein gewaltiger Magnet an sich zieht, und wie du tiefer und tiefer dringst, wirst du rein eine Mitte, und dann bist du nicht einmal mehr das, denn du wirst reines Bewußtsein, da gibt es keine Gedanken und Bedenken mehr, — die sind schon an der Schwelle zerstoben, — es ist eine Ueberflutung, du bist nur mehr ein Strohhalm und wirst lebendig verschlungen, aber das ist höchste Lust, denn dabei wirst du eben das, was dich verschlingt. Das ist die Vereinigung von Jîva und Brahman: das Ich verliert sich im wahren Selbst, der Trug endet, die wahre Wirklichkeit ist erreicht.

Erfahrung - Antonyme und Synonyme, andere Persönlichkeitsmerkmale und Tugenden

Hier einige Anmerkungen, wie man as Persönlichkeitsmerkmal, die Eigenschaft Erfahrung in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Erfahrung - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Erfahrung, also Synonyme zu Erfahrung sind z.B. Routine, Sachkenntnis, Menschenkenntnis, Weltkenntnis, Weitblick.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Erfahrung übertrieben kann ausarten z.B. in Unbedarftheit, Oberflächlichkeit, Nachlässigkeit. Daher braucht Erfahrung als Gegenpol die Kultivierung von Einfachheit, Schlichtheit, Erhabenheit.

Gegenteil von Erfahrung - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Erfahrung, Antonyme zu Erfahrung :

Erfahrung Antonyme auf einen Blick

Antonyme Erfahrung, also Gegenteile, sind Einfachheit, Schlichtheit, Erhabenheit, Dummheit, Ignoranz, Desinformiertheit, Stümperhaftigkeit, Nichtwissen, Borniertheit.

Erfahrung im Kontext von Big Five, Ayurveda Doshas und DISG

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare

Indische Schriften

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Meditation

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