Brihat Tantrasara 108 Verse und Mantras

Aus Yogawiki

Brihat Tantrasara – 108 Lehr- und Gebetsstellen und Mantras: Diese Auswahl erschließt Japa, Hingabe, die Yoga-Lehre und die innere Bedeutung der Verehrung im Brihat Tantrasara. Sie enthält 108 verschiedene vollständige Lesestellen. Einige Stellen verbinden mehrere fortlaufende Einheiten, damit kein Satzfragment als eigener Vers erscheint. Die Zahl 108 bezeichnet deshalb die Auswahlstellen, nicht eine neue Zählung der Verse des Grundtextes.

Sanskrit und vollständige deutsche Übersetzung stehen unmittelbar beieinander. Fundstellen führen zur Vollübersetzung. Unsichere Lesarten bleiben sichtbar. Die Einführung zu jedem Themenblock ist eine redaktionelle Erläuterung. Hier geht es zum Brihat Tantrasara 108 Verse und Mantras Teil 2

Die Mātṛkā veranschaulicht die Bedeutung der Sanskritlaute für Mantra und Nyāsa. Die Illustration ersetzt keine fehlenden Quelldiagramme.

108 Lehr- und Gebetsstellen

Guru, Schüler und Lauterkeit

Der Lehrer wird an Sammlung und Lebenswandel gemessen. Die symbolischen Erklärungen des Wortes Guru sind spirituelle Deutungen des Textes, keine historische Wortherleitung.

1. P1-0003, P1-0004
atha gurulakṣaṇam :
śāntodāntaḥ kulīnaśca vinītaḥ śuddhaveśavān |
śuddhācāraḥ supratiṣṭhaḥ śucirdakṣaḥ subuddhimān
|| 3 ||
āśramī
dhyānaniṣṭhaśca tantramantraviśāradaḥ | nigrahānugrahe śakto
gururityabhidhīyate
|| 4 ||

Nun die Kennzeichen des Gurus: Friedvoll, selbstbeherrscht, von guter Herkunft, bescheiden und rein gekleidet; von reinem Lebenswandel, gefestigt, lauter, geschickt und von gutem Verständnis in einer geordneten Lebensstufe lebend, fest in der Meditation, bewandert in Tantra und Mantra und fähig, sowohl zu zügeln als auch Gnade zu gewähren: Ein solcher wird Guru genannt.

2. P1-0026
atha śiṣyalakṣaṇam :
śānto vinītaḥ śuddhātmā śraddhāvān dhāraṇākṣamaḥ |
samarthaśca kulīnaśca prājñaḥ saccarito yatiḥ | evamādi
guṇairyuktaḥ śiṣyo bhavati nānyathā
|| 26 ||

Nun die Kennzeichen des Schülers: Friedvoll, bescheiden, innerlich rein, vertrauensvoll und fähig, das Gehörte zu behalten; tüchtig, von guter Herkunft, verständig, von gutem Lebenswandel und selbstbeherrscht: Wer diese und ähnliche Eigenschaften besitzt, ist ein Schüler; andernfalls nicht.

3. P1-0027
anyaccaḥ puṇyavān
dhārmikaḥ śuddho gurubhakto jitendriyaḥ | śiṣya yogyo bhavet so hi
dānadhyānaparāyaṇ
|| 27 ||

Ferner: Wer verdienstvoll, dem Dharma zugewandt, rein, dem Guru ergeben und Herr seiner Sinne ist und sich dem Geben und der Meditation widmet, der ist als Schüler geeignet.

4. P1-0046
atha guruśabdārtha :
tantrārṇave : gakāraḥ siddhidaḥ prokto rephaḥ
pāpasyadāhakaḥ | ukāraḥ śambhurityuktastritayātmāḥ guruḥ paraḥ
|| 46 ||

Nun die Bedeutung des Wortes Guru. Im Tantrārṇava: Der Laut ga gilt als Geber der Vollendung; der Laut ra verbrennt die Sünde. Der Laut u wird Śambhu genannt. Der höchste Guru hat diese drei als sein Wesen.

5. P1-0047
gakārājjñānasampatti rephaḥ pāpasya dāhakaḥ |
ukārācchivatādātmyaṃ dadyāditi guruḥ smṛtaḥ
|| 47 ||

Weil er durch ga die Fülle der Erkenntnis verleiht, durch ra die Sünde verbrennt und durch u das Einssein mit Śiva schenkt, wird er Guru genannt.

6. P1-0048
guśabdastvandhakāraḥ syādruśabdastannirodhakaḥ |
andhakāranirodhitvādgururityabhidhīyate
|| 48 ||

Die Silbe gu bezeichnet die Dunkelheit, die Silbe ru das, was sie beseitigt. Weil er die Dunkelheit beseitigt, wird er Guru genannt.

7. P1-0321
atha puraścaṇam :
yoginīhṛdaye : gurorājñāṃ samādāya śuddhāntaḥkaraṇo
naraḥ | tataḥ puraskriyāṃ kuryānmantrasiddhikāmyayā
|| 22 ||

Nun Puraścaraṇa. Im Yoginīhṛdaya: Nachdem ein Mensch die Erlaubnis des Gurus erhalten hat und sein Inneres gereinigt ist, soll er die vorbereitende Praxis vollziehen, um Mantravollendung zu erlangen.

8. P1-0323
gurorabhāve vipraṃ
vā sarvaprāṇihite ratam | snigdhaṃ śāstravidaṃ mitraṃ
nānāguṇasamanvitam | striyaṃ vā saguṇopetāṃ suputrāṃ
viniyojayet
|| 24 ||

Fehlt der Guru, beauftrage man einen Brahmanen, der am Wohl aller Wesen Freude hat; oder einen zugewandten, schriftkundigen Freund mit vielerlei guten Eigenschaften; oder eine Frau mit guten Eigenschaften und einem guten Sohn.


Japa: Klang, Bedeutung und Bewusstsein

Die unterschiedlichen Bewertungen der Rezitationsarten stammen aus verschiedenen zitierten Quellen. Das Studium kann vor allem die Aufmerksamkeit für Klang, Bedeutung und innere Gegenwart schärfen.

9. P1-0387
atha japaphalam :
śivadharme : japaniṣṭho dvijaśreṣṭho'khilayajñaphalaṃ labhet
| sarveṣāmeva yajñānāṃ jāyate'sau mahāphalaḥ
|| 89 ||

Nun die Frucht des Japa. Im Śivadharma: Der beste Zweimalgeborene, der im Japa beständig ist, erlangt die Frucht sämtlicher Opfer; von allen Opfern bringt dieses die große Frucht.

10. P1-0388
japena
devatā nityaṃ stūyamānā prasīdati | prasannā vipulān kāmān
dadyānmuktiñca śāśvatīm
|| 90 ||

Durch Japa beständig gepriesen, wird die Gottheit gnädig. Wohlgesinnt gewährt sie große Wunscherfüllungen und ewige Befreiung.

11. P1-0390
padmanāradoyayoḥ : yāvantaḥ karmayajñāḥ syuḥ
pratiṣṭhāditapāṃsi ca | sarve te japayajñasya kalāṃ nārhanti
ṣoḍaśīm
|| 92 ||

Im Padma und Nāradīya: Alle rituellen Opfer, Einsetzungen und asketischen Übungen zusammen erreichen nicht einmal den sechzehnten Teil des Japa-Opfers.

12. P1-0391
māhātmyaṃ vācikasyaitajjapayajñasya kīrtitam |
tasmācchataguṇopāṃśuḥ sahasro mānasaḥ smṛtaḥ
|| 93 ||

Diese Größe wurde vom hörbar gesprochenen Japa-Opfer verkündet. Leises Japa gilt als hundertmal, geistiges als tausendmal wirksamer.

13. P1-0393
gautamīye : śaktyā triṣavarṇa snānamaśakto dviḥ sakṛcca vā
| trisandhyaṃ prajapenmantraṃ pūjanañca samaṃ bhavet |
sandhyātraye pūjāṅgatvātjapamaṣṭottaraśatamityarthaḥ
|| 95 ||

Im Gautamīya: Nach Möglichkeit bade man dreimal täglich, bei Unvermögen zweimal oder einmal. Zu den drei Tagesübergängen rezitiere man den Mantra und vollziehe ebenso oft die Verehrung. Gemeint ist Japa von 108 Wiederholungen als Bestandteil der Verehrung zu den drei Tagesübergängen.

14. P1-0394
ekadā vā bhavetpūjā japettatpūjanaṃ vinā | japānte vā
bhavetpūjā pūjānte vā japenmanum
|| 96 ||

Oder die Verehrung finde einmal täglich statt; dann rezitiere man [zu den übrigen Zeiten] ohne sie. Die Verehrung kann am Ende des Japa stattfinden oder der Mantra-Japa am Ende der Verehrung.

15. P1-0396
manaḥ
saṃhṛtya viṣayānmantrārthagatamānasaḥ | na drutaṃ na vilambañca
japenmauktikahāravat
|| 98 ||

Man ziehe den Geist von den Sinnesgegenständen zurück und richte ihn auf die Mantrabedeutung. Weder schnell noch schleppend rezitiere man, gleich einer Perlenkette.

16. P1-0397
atha japanirūpaṇam :
japaḥ syādakṣarāvṛttirmānasopāṃśuvācikaiḥ | dhiyā
yadakṣaraśreṇīṃ varṇasvarapadātmikām | uccaredarthamuddiśya
mānasaḥ sa japaḥ smṛtaḥ
|| 99 ||

Nun die Bestimmung des Japa: Japa ist die Wiederholung der Silben, geistig, leise oder hörbar. Wenn man mit dem Denken die aus Lauten, Vokalen beziehungsweise Tonakzenten und Wörtern bestehende Silbenfolge unter Hinwendung zu ihrer Bedeutung ausspricht, gilt dies als geistiges Japa.

17. P1-0398
jihvoṣṭhau
cālayetkiñciddevatāgatamānasaḥ | kiñcitśravaṇayogyaḥ
syādupāṃśuḥ sa japaḥ smṛtaḥ
|| 100 ||

Wenn man Zunge und Lippen leicht bewegt, den Geist auf die Gottheit richtet und der Laut gerade noch hörbar ist, gilt dies als leises Japa.

18. P1-0399
viśuddheśvaratantre : nijakarṇāgocaro'yaṃ sa japo mānasaḥ
smṛtaḥ | upāṃśurnijakarṇasya gocaraḥ parikīrtitaḥ
|| 1 ||

Im Viśuddheśvaratantra: Was dem eigenen Ohr nicht zugänglich ist, gilt als geistiges Japa; was dem eigenen Ohr zugänglich ist, wird leises Japa genannt.

19. P1-0400
mantramuccārayedvācā sa japo vācikaḥ smṛtaḥ |
uccairjapādviśiṣṭaḥ syādupāṃśurdaśabhirguṇaiḥ
|| 2 ||

Wenn man den Mantra mit der Stimme ausspricht, heißt dies hörbares Japa. Leises Japa übertrifft lautes um das Zehnfache.

20. P1-0401
jihvājapaḥ śataguṇaḥ sahasro mānasaḥ smṛtaḥ
|| 3 ||

Zungen-Japa wirkt hundertfach, geistiges tausendfach.

21. P1-0404
gautamīye : paśubhāve sthitā mantrāḥ proktā varṇāstu
kevalāḥ | sauṣumnadhvanyuccaritā prabhutvaṃ prāpnuvanti te
|| 7 ||

Im Gautamīya: Mantras im Paśu-Zustand sind lediglich Buchstaben. Auf dem Weg der Suṣumṇā ausgesprochen, erlangen sie Wirkmacht.

22. P1-0405
mantrākṣarāṇi citśaktau protāni paribhāvayet | tameva
paramavyomni paramānandavṛṃhite | darśayatyātmasadbhāvaṃ
pūjāhomādibhirvinā
|| 8 ||

Man vergegenwärtige die Mantrasilben als in die Bewusstseinskraft eingereiht. Diese [Kraft beziehungsweise der so belebte Mantra] offenbart im höchsten Raum, der vom höchsten Glück erfüllt ist, die wahre Gegenwart des Selbst, auch ohne Verehrung, Feueropfer und Ähnliches. [Das Bezugswort tameva ist im Satz nicht eindeutig.]

23. P1-0406
gautamīye daśākṣarapaṭale : mūlamantraṃ prāṇabuddhyā
suṣumnāmūladeśake | mantrārthaṃ tasya caitanyaṃ jīvaṃ
dhyātvā punaḥ punaḥ
|| 9 ||

Im Zehnsilben-Abschnitt des Gautamīya: Den Grundmantra am Wurzelort der Suṣumṇā als Lebenskraft verstehend, meditiere man immer wieder über seine Bedeutung, sein Bewusstsein und seine Lebensgegenwart. [Der Satz ist grammatisch verkürzt.]

24. P1-0407
kulārṇave'pi : mano'nyatra śivo'nyatra śaktiranyatra
mārutaḥ | na sidhyati varārohe kalpakoṭiśatairapi
|| 10 ||

Auch im Kulārṇava: Wenn der Geist anderswo ist, Śiva anderswo, Śakti und Atem wiederum anderswo, entsteht selbst in hunderten Millionen Kalpas keine Vollendung, o Schönhüftige.


Die innere Reinigung

Diese Stellen erklären den kontemplativen Sinn der Bhūtaśuddhi. Sie sind im Zusammenhang mit der vollständigen Ritualdarstellung zu lesen.

25. P2-0049
bhūtaśuddhipadavyutpattimāha viśuddheśvare:
śarīrākārabhūtānāṃ yadviśodhanam |
avyayabrahmasaṃyogādbhūtaśuddhiriyaṃ mateti
|| 48 ||

Die Ableitung des Wortes Bhūtaśuddhi im Viśuddheśvara: Die Reinigung der Elemente, die die Gestalt des Körpers bilden, durch ihre Verbindung mit dem unvergänglichen Brahman gilt als Elementreinigung.

26. P2-0053
puraścaraṇacandrikāyām:
athavānyaprakāreṇa bhūtaśuddhirvidhīyate |
dharmakandasamudbhūtaṃ jñānanālasuśobhanam |
aiśvaryāṣṭadalopetaṃ paraṃ vairāgyakarṇikam |
svīyahṛtkamalaṃ dhyāyetpraṇavena prakāśitam |
kṛtvā tatkarṇikāsaṃsthaṃ pradīpakalikānibham |
jīvātmānaṃ hṛdi dhyātvā bhūle saṃñcintya kuṇḍalīm |
ṣuṣumnāvartmanātmānaṃ paramātmani yojayet
|| 52 ||

In der Puraścaraṇacandrikā: Oder Elementreinigung auf andere Weise: Man meditiere über den eigenen Herzlotus, aus der Knolle Dharma hervorgegangen, mit dem schönen Stängel Erkenntnis, acht Blättern Herrschaftskraft und höchster Leidenschaftslosigkeit als Zentrum, vom Praṇava erleuchtet. Im Zentrum vergegenwärtige man das individuelle Selbst als kleine Lampenflamme; am Wurzelort denke man Kuṇḍalinī und verbinde durch die Suṣumṇā das eigene Selbst mit dem höchsten Selbst.


Yoga, Ethik und innere Einheit

Die Yoga-Lehre verankert Sammlung in ethischen Haltungen und beschreibt den Körper als Raum der Vergegenwärtigung. Die Bilder der Kuṇḍalinī bleiben Aussagen der Quelle; sie werden hier nicht zu einer neuen Atemanleitung erweitert.

27. P5-0670
nārada uvāca :
kathayāmi tava snehātyogayogyo'si gautam |
saṃsārottāraṇe yuktiryogaśabdena kathyate |
aikyaṃ jīvātmanorāhuryogaṃ yogaviśāradāḥ
|| 70 ||

Nārada sprach: „Aus Zuneigung erkläre ich es dir; du bist des Yoga würdig, Gautama. Das Mittel, den Saṃsāra zu überschreiten, wird mit dem Wort Yoga bezeichnet. Die Yogakundigen nennen Yoga die Einheit von Jīva und Ātman.“

28. P5-0671
tava snehātsamākhyātā yogavighnakarāstvime |
kāmakrodhalobhamohamadamātsaryasaṃjñakāḥ |
yogāṅgairebhirjitvā tān yogino yogamāpnuyuḥ
|| 71 ||

Aus Zuneigung zu dir werden diese Yoga-Hindernisse genannt: Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Stolz und Neid. Wenn die Yogins sie mit den folgenden Yogagliedern besiegt haben, erlangen sie Yoga.

29. P5-0672
yamaṃ niyamamāsanaprāṇāyāmau tataḥ param |
pratyāhāraṃ dhāraṇākhyaṃ dhyānaṃ sārddhaṃ samādhinā |
aṣṭāṅgānyāhuretāni yogino yogasādhane
|| 72 ||

Yama, Niyama, Āsana, Prāṇāyāma, danach Pratyāhāra, Dhāraṇā, Dhyāna und Samādhi: Diese nennen die Yogins die acht Glieder der Yoga-Praxis.

30. P5-0673
ahiṃsā satyamasteyaṃ brahmacaryaṃ dayārjavam |
kṣamā dhṛtimitāhāraḥ śaucaṃ ceti yamā daśa
|| 73 ||

Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacarya [Enthaltsamkeit], Erbarmen, Aufrichtigkeit, Geduld, Festigkeit, mäßige Nahrung und Reinheit sind die zehn Yamas.

31. P5-0674
tapaḥ santoṣa āstikyaṃ dānaṃ devasya pūjanam |
siddhāntaśravaṇañcaiva hrīrmatiśca japo hutam |
daśaite niyamāḥ proktā yogaśāstraviśāradaiḥ
|| 74 ||

Askese, Zufriedenheit, Vertrauen [in die Lehre], Geben, Gottheitenverehrung, Hören der Lehrsätze, sittliche Scheu, Einsicht, Rezitation und Feueropfer: Diese zehn Niyamas werden von den Kennern der Yogalehrwerke genannt.

32. P5-0678
indriyāṇāṃ vicaratāṃ viṣayeṣu nirargalam |
balādāharaṇaṃ tebhyaḥ pratyāhāro vidhīyate
|| 78 ||

Das gewaltsame Zurückholen der Sinne von den Erfahrungsgegenständen, in denen sie ungehemmt umherschweifen, wird als Pratyāhāra vorgeschrieben.

33. P5-0680
samāhitena manasā caitanyāntaravartinā |
ātmanyabhīṣṭadevānāṃ dhyānaṃ dhyānamihocyate
|| 80 ||

Mit gesammeltem Geist, der innerhalb des Bewusstseins verweilt, meditiert man im Selbst über die erwählten Gottheiten. Dies wird hier Dhyāna genannt.

34. P5-0681
samatvabhāvanā nityaṃ jīvātmaparamātmanoḥ |
samādhimāhurmunayaḥ proktamaṣṭāṅgalakṣaṇam
|| 81 ||

Das ständige Vergegenwärtigen der Gleichheit von individuellem Selbst und höchstem Selbst nennen die Weisen Samādhi. Damit sind die Kennzeichen der acht Glieder erklärt.

35. P5-0683
viśvaṃ śarīramityuktaṃ pañcabhūtātmakaṃ mune |
candrasūryāgnitejobhirjīvabrahmaikyarūpakam |
tisraḥ koṭyastadarddhena śarīre nāḍayo matāḥ |
tāsu mukhyā daśa proktāstāsu tisro vyavasthitāḥ
|| 83 ||

Das Weltall wird als Körper bezeichnet, aus den fünf Elementen bestehend, o Weiser, durch den Glanz von Mond, Sonne und Feuer die Einheit von Jīva und Brahman ausdrückend. Im Körper gelten drei Koṭi und die Hälfte davon [fünfunddreißig Millionen] Nāḍīs als vorhanden. Unter ihnen werden zehn als wesentlich genannt; unter diesen sind drei besonders festgelegt.

36. P5-0684
pradhānā merudaṇḍe'tra candrasūryāgnirūpiṇī |
iḍā vāme sthitā nāḍī śuklā tu candrarūpiṇī |
śaktirūpā ca sā nāḍī sākṣādamṛtavigrahā |
dakṣiṇe piṅgalākhyā tu puṃrūpā sūryavigrahā |
dāḍimīkeśara-prakhyā viṣākhyā munibhiḥ smṛtā
|| 84 ||

Die wichtigsten [liegen] hier an der Wirbelsäule und besitzen die Gestalt von Mond, Sonne und Feuer. Iḍā liegt links, weiß und mondgestaltig. Diese Nāḍī ist von Śaktis Gestalt, unmittelbar Nektargestalt. Rechts liegt die Piṅgalā genannte, männlich und sonnengestaltig, wie die Staubfäden des Granatapfels; die Weisen nennen sie Viṣā [Gift].

37. P5-0685
merumadhye sthitā yā tu mūlādābrahmavigrahā |
sarva-tejomayī sā tu suṣumnā bahurūpiṇī
|| 85 ||

Die in der Mitte des Meru befindliche, von der Wurzel an von Brahmans Gestalt, aus allem Glanz bestehende, vielgestaltige [Nāḍī] ist Suṣumṇā.

38. P5-0687
mūlādhāre trikoṇākhye icchājñānakriyātmake |
madhye svayambhuliṅgantu koṭisūryasamaprabham
|| 87 ||

Im dreieckig genannten Mūlādhāra, dessen Wesen Wille, Erkenntnis und Handlung sind, befindet sich in der Mitte das Svayambhū-Liṅga, dem Glanz von zehn Millionen Sonnen gleich.

39. P5-0738
piṇḍaṃ bhavetkuṇḍalinī śivātmā padaṃ tu haṃsaḥ sakalāntarātmā
|
rūpaṃ smṛtaṃ binduramandakāntiratīvarūpaṃ śivasāmarasyam
|| 38 ||

Piṇḍa ist Kuṇḍalinī, deren Wesen Śiva ist; Pada ist Haṃsa, das innere Selbst aller; als Rūpa gilt der mächtig leuchtende Bindu; das überaus [beziehungsweise jenseits der] Gestalt ist der Einsklang mit Śiva. [atīvarūpaṃ ist eine unsichere Lesart.]

40. P5-0739
piṇḍādiyogaṃ śivasāmarasyātbījayogaṃ pravadanti santaḥ |
śive layaṃ nityaguṇābhiyukte, nirbījayogaṃ phalanirvyapekṣam
|| 39 ||

Den mit Piṇḍa und den übrigen beginnenden Yoga, [der] zum Einsklang mit Śiva [führt], nennen die Guten Bīja-Yoga. Das Aufgehen in Śiva, der mit ewigen Eigenschaften verbunden ist, nennen sie Nirbīja-Yoga, unabhängig von einer Frucht.

41. P5-0740
mūlonnidrabhujaṅgarājasadṛśīṃ yāntīṃ suṣumnāntaraṃ,
bhittvādhārasamūhamāśuvilasatsaudāminīsannibhām |
vyomāmbhojagatendumaṇḍalagaladdivyāmṛtaughaiḥ plutāṃ,
saṃbhāvya svagṛhaṃ gatāṃ punarimāṃ sañcintayetkuṇḍalīm
|| 40 ||

Man vergegenwärtigt Kuṇḍalī wie einen an der Wurzel erwachten Schlangenkönig, in das Innere der Suṣumṇā ziehend, die Gesamtheit der Ādhāras durchbrechend, einem rasch aufleuchtenden Blitz gleich, überflutet von Strömen göttlichen Nektars aus dem Mondrund im Raumlotus. Danach meditiert man wieder über sie, wie sie in ihr eigenes Haus zurückgekehrt ist.

42. P5-0741
haṃsaṃ nityamanantamavyayaguṇaṃ svādhārato nirgatā, śaktiḥ
kuṇḍalinī samastajananī haste gṛhītvā ca tam |
yātā śambhuniketanaṃ parasukhaṃ tenānubhūya svayaṃ, yāntī
svāśrayamarkakoṭirucirā dhyeyā jaganmohinī
|| 41 ||

Kuṇḍalinī-Śakti, Mutter aller, ist von ihrer eigenen Basis ausgegangen und hat den ewigen, unendlichen Haṃsa von unvergänglichem Wesen bei der Hand genommen. Sie ist zu Śambhus Wohnstätte gelangt, hat selbst mit ihm das höchste Glück erfahren und kehrt zu ihrer eigenen Stätte zurück, schön wie zehn Millionen Sonnen. Über diese Weltbetörende soll man meditieren.

43. P5-0742
avyaktaṃ parabindusañcitaruciṃ nītvā śivasyālayaṃ, śaktiḥ
kuṇḍalinī guṇatrayavapurvidyullatāsannibhā |
ānandāmṛtamadhyagaṃ purabhidaṃ candrārkakoṭiprabhaṃ,
saṃvīkṣya svapuraṃ gatā bhagavatī dhyeyānavadyā guṇaiḥ
|| 42 ||

Kuṇḍalinī-Śakti, deren Körper die drei Guṇas bilden, einer Blitzranke gleich, führt das Unmanifestierte, dessen Glanz im höchsten Bindu gesammelt ist, zu Śivas Wohnstätte. Sie schaut den Zerstörer der Städte inmitten des Glückseligkeitsnektars, mit dem Glanz von zehn Millionen Monden und Sonnen, und kehrt in ihre eigene Stadt zurück. Über diese Erhabene von makellosen Eigenschaften soll man meditieren.

44. P5-0743
madhye vartma samīraṇadvayamithaḥasaṅghaṭṭasaṃkṣobhajaṃ,
śabdastomamatītya tejasi taḍitkoṭi prabhābhāsvare |
udyāntīṃ samupāsmahe navajavāsindurasandhyāruṇāṃ,
sāndrānandasudhāmayīṃ paraśivaṃ prāptāṃ parāṃ devatām
|| 43 ||

Wir verehren die höchste Gottheit, die auf dem mittleren Weg die Klangfülle überschreitet, die aus der Erregung durch das gegenseitige Zusammentreffen der beiden Atemströme entsteht; sie steigt in den Glanz auf, hell wie zehn Millionen Blitze, rötlich wie frischer Hibiskus, Zinnober und Abenddämmerung, aus dichtem Glückseligkeitsnektar bestehend, zu Paraśiva gelangt.

45. P5-0744
gamanāgamaneṣu jāṅghikī sā tanuyādyogaphalāni kuṇḍalī |
uditā kulakāmadhenureṣā bhajatāṃ kāṃkṣitakalpavallarī
|| 44 ||

Kuṇḍalī, die auf dem Weg von Gehen und Zurückkehren wandert, möge die Yoga-Früchte entfalten. Diese gilt als die Wunscherfüllungskuh des Kula, als die Wunscherfüllungsranke für die, die sie verehren.


Die göttliche Mutter und Bhuvaneśvarī

Lobpreis verbindet die Betrachtung der Göttin mit Reinigung der Rede, Sammlung und der Erfahrung von Zuflucht.

46. P4-0309
athādau bhuvaneśvarīstotram
īśvara uvāca :
athānandamayīṃ sākṣācchabdabrahmasvarūpiṇīm |
īḍe sakalasampattyai jagatkāraṇamambikām
|| 1 ||

Nun zuerst der Lobgesang an Bhuvaneśvarī. Īśvara sprach: „Nun preise ich zur Erlangung aller Fülle die Mutter, die Ursache der Welt, die unmittelbar aus Glückseligkeit besteht und deren Wesen das Wort-Brahman ist.“

47. P4-0310
ādyāmaśeṣajananīmaravindayonerviṣṇoḥ śivasya ca vapuḥ
pratipādayitrīm |
sṛṣṭisthitikṣayakarīṃ jagatāṃ trayāṇāṃ, stutvā giraṃ
vimalayāmyahamambike tvām
|| 2 ||

„Dich, die Ursprüngliche, die Mutter von allem, die Brahmā, dem Lotusgeborenen, Viṣṇu und Śiva ihre Gestalten verleiht, die Schöpfung, Erhaltung und Auflösung der drei Welten bewirkt, preise ich, o Mutter, und läutere dadurch meine Rede.“

48. P4-0313
ānandayet kumudinīmadhipaḥ kalānāṃ nānyāminaḥ kamalinīmatha
netarāṃ vā |
ekasya modanavidhau parameka īṣṭe tvaṃ tu prapañcamabhinandayasi
svadṛṣṭyā
|| 5 ||

„Der Herr der Mondphasen erfreut die Nachtlotusblüte, keine andere; die Sonne die Tageslotusblüte, ebenfalls keine andere. Ein Einzelner vermag vor allem einen Einzelnen zu erfreuen; du aber erfreust mit deinem Blick die ganze entfaltete Welt.“

49. P4-0317, P4-0318
āviśyamadhyapadavīṃ prathame saroje suptāhirājasadṛśī viracayya
viśvam |
vidyullatāvalayavibhramamudvahantī padmāni pañca vidalayya
khamaśnuvānā
|| 9 ||
tannigatāmṛtarasaiḥ pariṣiktagātramārgeṇa tena nilayaṃ
punarapyavāptā |
yeṣāṃ hṛdi sphurasijātu na te bhaveyurmātarmaheśvarakuṭumbini
garbhabhājaḥ
|| 10 ||

„Nachdem du die mittlere Bahn betreten hast, [liegst du] im ersten Lotus wie ein schlafender Schlangenkönig, nachdem du das Weltall hervorgebracht hast. Du nimmst das herrliche Aussehen einer gewundenen Blitzranke an, durchbrichst die fünf Lotusse und erreichst den Raum [oberhalb].“ [Der Satz wird in der folgenden Einheit fortgeführt; die Klammern verdeutlichen die elliptische Satzfügung.] „Nachdem dein Leib mit den Nektarströmen benetzt worden ist, die von dort herabfließen, kehrst du auf demselben Weg wieder in deine Wohnstätte zurück. In wessen Herzen du je aufleuchtest, Mutter, Angehörige von Maheśvaras Haus, der wird nicht mehr im Mutterleib wohnen [wiedergeboren werden].“

50. P4-0320
āsthāya yogamavajitya ca vairiṣaṭkamābadhya cendriyagaṇaṃ manasi
prasanne |
pāśāṃkuśābhayavarāḍhyakarāṃ suvaktrāmālokayanti
bhuvaneśvari yoginastvām
|| 12 ||

„Nachdem die Yogins sich dem Yoga gewidmet, die sechs Feinde besiegt und die Schar der Sinne in dem geläuterten Geist gebunden haben, schauen sie dich, Bhuvaneśvarī: mit schönem Antlitz und Händen, die Schlinge, Stachel, Furchtlosigkeit und Gewährung von Gaben darbieten.“

51. P4-0321
uttaptahāṭakanibhā
karibhiścaturbhirāvarjitāmṛtaghaṭairabhiṣicyamānā |
hastadvayena naline rucire vahantī padmāpi sābhayavarā bhavasi tvameva
|| 13 ||

„Du allein wirst auch zu Padmā [Lakṣmī]: strahlend wie erhitztes Gold, von vier Elefanten mit geneigten Nektargefäßen übergossen, in zwei Händen schöne Lotusse tragend und [mit den anderen] Furchtlosigkeit und Gaben gewährend.“

52. P4-0322
aṣṭābhirugravividhāyudhavāhinībhirdorvallarībhiradhiruhya
mṛgādhirājam |
dūrvādaladyutiramartyavipakṣapakṣānnyakkurvatī tvamasi devi
bhavāni durgā
|| 14 ||

„Du bist Durgā, o Göttin Bhavānī: mit acht rankengleichen Armen, die verschiedene furchtbare Waffen tragen, auf dem König der Tiere [dem Löwen] sitzend, von der Farbe eines Dūrvā-Blattes und die Heerscharen der Feinde der Unsterblichen bezwingend.“

53. P4-0333
āvistuṣārakaralekhamanalpagandhapuṣpoparibhramadalivrajanirviśeṣam |
yaścetasā kalayate tava keśapāśaṃ tasya svayaṃ galati devi
purāṇapāśaḥ
|| 25 ||

„Wer deinen Haarschopf im Herzen betrachtet, Göttin, in dem die Mondsichel sichtbar ist und der den Bienenschwärmen gleicht, die um stark duftende Blumen kreisen, dessen alte Fessel löst sich von selbst.“


Annapūrṇā: Dankbarkeit und Darbringung

Der Lobgesang kann als Einladung gelesen werden, Nahrung und Fürsorge mit Dankbarkeit wahrzunehmen. Dieser Gegenwartsbezug ist eine redaktionelle Anregung.

54. P4-0365
iti śrīrudrayāmale devīśvarasaṃvāde trailokyamaṅgalaṃ nāma
bhuvaneśvarīkavacaṃ samāptam |
atha annapūrṇāstotram |
oṃ namaḥ kalyāṇade devi namaḥ śaṅkaravallabhe |
namo bhaktipriye devi hyannapūrṇe namo'stu te
|| 1 ||

Damit endet im erhabenen Rudrayāmala, im Gespräch zwischen Devī und Īśvara, der Schutztext der Bhuvaneśvarī namens Trailokyamaṅgala. Nun der Lobgesang an Annapūrṇā: „Oṃ. Verehrung, o glückspendende Göttin; Verehrung, Geliebte Śaṅkaras. Verehrung, o Göttin, die Hingabe liebt; Annapūrṇā, dir sei Verehrung!“

55. P4-0366
namo māyāgṛhītāṅgī namaḥ śaṅkaravallabhe |
māheśvari namastubhyamannapūrṇe namo'stu te
|| 2 ||

„Verehrung, o du, die durch Māyā Gestalt angenommen hat; Verehrung, Geliebte Śaṅkaras. Māheśvarī, dir sei Verehrung; Annapūrṇā, dir sei Verehrung!“

56. P4-0367
annapūrṇe havyavāhapatnīrūpe hara priye |
kalākāṣṭhāsvarūpe ca hyannapūrṇe namo'stu te
|| 3 ||

„Annapūrṇā, du in Gestalt der Gattin des Opferfeuers, Geliebte Haras, du, deren Wesen die Zeitmaße Kalā und Kāṣṭhā sind: Annapūrṇā, dir sei Verehrung!“

57. P4-0368
udyadbhānusahasrābhe nayanatrayabhūṣite |
candradūḍe mahādevi hyannapūrṇe namo'stu te
|| 4 ||

„Du, die wie tausend aufgehende Sonnen strahlt, mit drei Augen geschmückt, die den Mond auf dem Haupt trägt, große Göttin: Annapūrṇā, dir sei Verehrung!“ [candradūḍe ist vermutlich für candracūḍe verschrieben.]

58. P4-0369
vicitravasane devi tvannadānarate'naghe |
śivanṛtyakṛtāmode hyannapūrṇe namo'stu te
|| 5 ||

„Göttin in buntem Gewand, makellose, die an der Gabe von Nahrung Freude findet und sich an Śivas Tanz erfreut: Annapūrṇā, dir sei Verehrung!“

59. P4-0370
ṣaṭkoṇapadmamadhyasthe ṣaḍaṅgayuvatīmaye |
brahmāṇyādisvarūpe ca hyannapūrṇe namo'stu te
|| 6 ||

„Du in der Mitte des sechseckigen Lotus, deren Wesen die jungen Göttinnen der sechs Glieder bilden, du in Gestalt von Brahmāṇī und den übrigen: Annapūrṇā, dir sei Verehrung!“

60. P4-0371
devi candrakalāpīṭhe sarvasāmrājyadāyinī |
sarvānandakare devi hyannapūrṇe namo'stu te
|| 7 ||

„Göttin auf dem Sitz der Mondsichel, die alle Königsherrschaft verleiht und sämtliche Glückseligkeit hervorbringt: Annapūrṇā, dir sei Verehrung!“


Sarasvatī: Einsicht und klare Rede

Die Bitte um gute Einsicht und eine vom Bösen abgewandte Gesinnung gibt dem Schriftstudium eine ethische Richtung.

61. P4-0559
staumi tvāṃ tvāṃ ca vande bhaja mama rasanāṃ mā kadācit
tyajethāḥ mā me buddhirviruddhā bhavatu na ca mano devi me yā tu
pāpam |
mā me duḥkhaṃ kadācidvipadi ca samaye'pvastu me nākulatvaṃ
śāstre vāde kavittve prasaratu mama dhīrmāstu kuṇṭhā kadācit
|| 8 ||

„Ich preise dich, dich verehre ich. Bewohne meine Zunge und verlasse sie niemals! Meine Einsicht möge nicht verkehrt sein, und mein Geist möge nicht zum Bösen gehen, Göttin. Möge mich niemals Leid treffen; selbst in Gefahr möge ich nicht in Verwirrung geraten. In Lehrschriften, Streitgespräch und Dichtkunst möge meine Einsicht sich entfalten und niemals stumpf werden!“

62. P4-0560
ityetaiḥ ślokamukhyaiḥ pratidinamuṣasi stauti yo bhaktinamro vāṇīṃ
vācaspaterapyabhimatavibhavo vākpaṭurnaṣṭapaṅkaḥ |
sa syādiṣṭārthalābhī sutamivasatataṃ pāti taṃ sā ca devī
saubhāgyaṃ tasya loke prasarati kavitā vighnamastaṃ prayāti
|| 9 ||

„Wer täglich in der Morgenfrühe Vāṇī mit diesen vorzüglichen Versen preist, in Hingabe geneigt, wird redegewandt, von Makel befreit und mit einer selbst Vācaspati genehmen Fülle versehen. Er erlangt die gewünschten Ziele, und die Göttin schützt ihn ständig wie einen Sohn. Sein Glück und seine Dichtkunst breiten sich in der Welt aus; Hindernisse gehen unter.“

63. P4-0562, P4-0563
pakṣadvayepi yo bhaktyā trayodaśyekaviṃśatim |
avicchedaṃ paṭheddhīmāndhyātvā devīṃ sarasvatīm
|| 11 ||
śuklāmbaradharāṃ devīṃ śuklābharaṇabhūṣitām |
vāñchitaṃ phalamāpnoti sa loke nātra saṃśayaḥ
|| 12 ||

„Der Verständige, der in beiden Monatshälften am dreizehnten Mondtag hingebungsvoll einundzwanzigmal ohne Unterbrechung rezitiert, nachdem er über die Göttin Sarasvatī meditiert hat [Fortsetzung folgt].“ „Die Göttin in weißen Gewändern und mit weißem Schmuck geschmückt, erlangt in der Welt die gewünschte Frucht; daran besteht kein Zweifel.“ [Das Subjekt von „erlangt“ ist der Rezitierende aus der vorigen Einheit.]

64. P4-0564
iti brahmā svayaṃ prāha sarasvatyāḥ stavaṃ śubham |
prayatnena paṭhennityaṃ so'mṛtatvaṃ prayacchati
|| 13 ||

„So hat Brahmā selbst den glückverheißenden Lobgesang der Sarasvatī gesprochen. Man rezitiere ihn täglich mit Sorgfalt; er verleiht Unsterblichkeit.“


Viṣṇu: Erinnerung und Zuflucht

Die mythischen Bilder verbinden den Lobpreis mit der Erinnerung an die Bewahrung der Welt. Ihre Bedeutung erschließt sich im jeweiligen Erzählzusammenhang.

65. P4-0619
divyāmṛtārthaṃ mathite mahābdhau devāsurairvāsukimandarādyaiḥ |
bhūmermahāvegavighūrṇitāyāstaṃ kūrmamādhāragataṃ smarāmi
|| 2 ||

„Als Götter und Asuras den großen Ozean für den göttlichen Nektar mit Vāsuki, Mandara und den übrigen [Hilfsmitteln] quirlten und die Erde heftig herumgewirbelt wurde, erinnere ich mich an jene Schildkröte, die als Unterlage diente.“

66. P4-0620
samudrakāñcī sariduttarīyā vasundharā merukirīṭabhārā |
draṃṣṭrāgrato yena samuddhṛtā bhūstamādikolaṃ śaraṇaṃ prapadye
|| 3 ||

„Zu dem ursprünglichen Eber nehme ich Zuflucht, der mit der Spitze seines Hauers die Erde emporhob, deren Gürtel das Meer, deren Obergewand die Flüsse und deren schwere Krone der Meru ist.“

67. P4-0621
bhaktārtibhaṅgakṣamayā dhiyā yaḥ stambhāntarālādudito nṛsiṃhaḥ
|
ripuṃ surāṇāṃ niśitairnakhārgrairvidārayantaṃ na ca vismarāmi
|| 4 ||

„Nṛsiṃha vergesse ich nicht, der mit dem Entschluss, das Leid der Hingebungsvollen zu beseitigen, aus dem Inneren einer Säule hervortrat und den Feind der Götter mit den scharfen Spitzen seiner Nägel zerriss.“

68. P4-0624
kule raghūṇāṃ samavāpya janma vidhāya setuṃ jaladherjalāntaḥ |
laṅkeśvaraṃ yaḥ samayāñcakāra sītāpati taṃ praṇamāmi bhaktyā
|| 7 ||

„Vor Sītās Gatten verneige ich mich hingebungsvoll, der im Geschlecht der Raghus geboren wurde, mitten im Wasser des Meeres eine Brücke errichtete und den Herrscher Laṅkās bezwang.“

69. P4-0628
śaṅkhaṃ sucakraṃ sugadāṃ sarojaṃ dirbhirdadhānaṃ
garuḍādhiruḍham |
śrīvatsacihnaṃ jagadādimūlaṃ tamālanīlaṃ hṛdi viṣṇumīḍe
|| 11 ||

„Im Herzen preise ich Viṣṇu, dunkel wie ein Tamāla-Baum, die ursprüngliche Wurzel der Welt: Muschel, schönen Diskus, schöne Keule und Lotus in seinen Armen tragend, auf Garuḍa reitend und mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen.“ [dirbhir ist offenbar im Wort für „Arme“ beschädigt.]

70. P4-0629
kṣīrāmbudhau śeṣaviśeṣakalpe śayānamantaḥ smitaśobhivaktram |
utphullanetrāmbujamambudābhamādyaṃ śrutīnāmasakṛtsmarāmi
|| 12 ||

„Immer wieder erinnere ich mich an den Ursprünglichen der Śrutis, der im Milchozean auf der besonderen Lagerstatt Śeṣas liegt, mit einem Gesicht, das durch inneres Lächeln strahlt, mit weit geöffneten Lotusaugen, einer Regenwolke gleich.“ [śeṣaviśeṣakalpe ist in der genauen Fügung unsicher.]

71. P4-0630
prīṇayedanayā stutyā jagannāthaṃ jaganmayam |
dharmārthakāmamokṣāṇāmāptaye puruṣottamam
|| 13 ||

„Mit diesem Lobpreis erfreue man Jagannātha, der die Welt selbst ist, den höchsten Puruṣa, zur Erlangung von Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung.“


Śiva: Licht, Stille und Befreiung

Die Anrufungen führen von den sichtbaren Gestalten zum inneren Selbst und zu einer Wirklichkeit jenseits begrifflicher Festlegung.

72. P4-0818
iti brahmasaṃhitāyāṃ trailokyamaṃgalaṃ nāma nṛsiṃhakavacaṃ
samāptam |
atha śivastotram |
dharāpognimarudvyomamakheśendvarkamūrtaye |
sarvabhūtāntarasthāya śaṅkarāya namo namaḥ
|| 1 ||

Damit endet in der Brahmasaṃhitā der Schutztext Nṛsiṃhas namens Trailokyamaṅgala. Nun der Lobgesang an Śiva: „Wieder und wieder Verehrung für Śaṅkara, dessen Gestalten Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Opferherr, Mond und Sonne sind und der im Inneren aller Wesen wohnt!“ [Die Überschrift wechselt vom zuvor genannten Trailokyavijaya zu Trailokyamaṅgala; makheśa ist hier als Opferherr wiedergegeben.]

73. P4-0819
śrutyantaḥ kṛtavāsāya śrutaye śrutijanmane |
atīndriyāya mahase śāśvatāya namonamaḥ
|| 2 ||

„Wieder und wieder Verehrung dem Ewigen, dem übersinnlichen Licht, das im Ende der Śruti Wohnung genommen hat, der Śruti selbst und dem Ursprung der Śruti!“

74. P4-0820
sthūlasūkṣmavibhāgābhyāmanirdeśyāya śambhave |
bhavāya bhavasambhūtaduḥkhahantre namo'stu te
|| 3 ||

„Dir, Śambhu, der sich durch die Unterscheidung von grob und fein nicht bestimmen lässt, dir, Bhava, der das aus dem Dasein entstandene Leid vernichtet, sei Verehrung!“

75. P4-0821
tarkamārgātibhūtāya tapasāṃ phaladāyine |
caturvargavadānyāya sarvajñāya namonamaḥ
|| 4 ||

„Wieder und wieder Verehrung dem, der über den Weg des logischen Denkens hinausgeht, die Frucht der Askesen schenkt, großzügig die vier Lebensziele gewährt und allwissend ist!“

76. P4-0822
ādimadhyāntaśūnyāya nirastāśeṣabhītaye |
yogidhyeyāya mahate nirguṇāya namonamaḥ
|| 5 ||

„Wieder und wieder Verehrung dem Großen, über den Yogins meditieren, dem ohne Guṇas, der ohne Anfang, Mitte und Ende ist und alle Furcht beseitigt hat!“

77. P4-0823
viśvātmane'vicintyāya vilasaccandramaulaye |
kandarpadarpanāśāya kālahantre namo'stu
|| 6 ||

„Dir, dem Selbst der Welt, dem Unbegreiflichen, mit leuchtendem Mond auf dem Haupt, der den Stolz des Liebesgottes vernichtet und die Zeit tötet, sei Verehrung!“

78. P4-0825
śuddhāya śuddhabhāvāya śuddhānāmantarātmane |
purāntakāya pūrṇāya puṇyanāmne namonamaḥ
|| 8 ||

„Wieder und wieder Verehrung dem Reinen, dessen Wesen rein ist, dem inneren Selbst der Reinen, dem Zerstörer der Städte, dem Vollständigen mit dem heiligen Namen!“

79. P4-0828
devāsuraśiroratnakiraṇāruṇitāṃghraye |
kāntāya nijakāntāyai dattārddhāya namonamaḥ
|| 11 ||

„Wieder und wieder Verehrung dem, dessen Füße durch die Strahlen der Kronjuwelen von Göttern und Asuras gerötet werden, dem Geliebten, der seiner eigenen Geliebten die Hälfte [seines Leibes] gegeben hat!“

80. P4-0829
stotreṇānena pūjāyāṃ prīṇayejjagataḥ patim |
bhaktimuktipradaṃ bhaktyā sarvajñaṃ parameśvaram
|| 12 ||

„Mit diesem Lobgesang erfreue man bei der Verehrung hingebungsvoll den Weltherrn, den Allwissenden, höchsten Herrn, der Hingabe und Befreiung schenkt.“

81. P4-0830
tasyāsādhyaṃ tribhuvane na kiñcidapi varttate |
aihikaṃ kiṃ phalaṃ tatra muktireva kare sthitā
|| 13 ||

„Für ihn [den Verehrenden] gibt es in den drei Welten nichts Unerreichbares. Was ist da eine weltliche Frucht? Die Befreiung selbst liegt in seiner Hand.“


Der Guru und die weibliche Lehrerin

Die Bildmeditation über die weibliche Lehrerin wird als zusammenhängende Stelle gelesen. Die emphatische Guru-Verehrung des Stotra gehört zur Sprache seiner Überlieferung.

82. P6-0175, P6-0176, P6-0177, P6-0178
iti brahmayāmale śrīmadgurukavacaṃ samāptam |
atha yoṣid guru-dhyānam :
yathā :
oṃ praphullapadmapatrākṣīṃ ghanapīnapayodharām |
prasannavadanāṃ kṣīṇamadhyāṃ dhyāyecchivāṃ gurum
|| 1 ||
padmarāgasamābhāsāṃ raktavastra suśobhanām |
raktakaṅkaṇapāṇiñca ratnanūpuraśobhitām
|| 2 ||
sthalapadmapratīkāśapādapadmasuśobhitām |
śaravindupratīkāśavaktrodbhāsitavigrahām
|| 3 ||
svanātha-vāmabhāgasthāṃ varābhayakarāmbujām |
evaṃ dhyātvā pūjayet
|| 4 ||

Damit endet das Kavaca des erhabenen Lehrers im Brahmayāmala. Nun die Meditation über die weibliche Lehrerin. So: „Oṃ, man meditiert über die heilige Gurū mit Augen wie aufgeblühten Lotusblättern, vollen, kräftigen Brüsten, freundlichem Gesicht und schlanker Mitte …“ … von Glanz wie Padmarāga, schön im roten Gewand, mit roten Armreifen an den Händen und von Edelsteinfußglöckchen geschmückt schön mit Lotusfüßen, einem Landlotus gleich, mit einer Gestalt, die vom Antlitz erhellt wird, das dem Herbstmond gleicht. [śaravindu ist eine beschädigte Lesart.] … an der linken Seite ihres eigenen Herrn sitzend, mit Lotushänden in Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Man meditiert so und verehrt sie.

83. P6-0198
prāṇaṃ dehaṃ gehaṃ rājyaṃ bhogaṃ mokṣaṃ śaktiṃ putram |
manye mitraṃ vittakalatraṃ na guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 2 ||

Lebenskraft, Körper, Haus, Reich, Genuss, Befreiung, Śakti, Sohn, Freund, Vermögen und Ehepartner bedenke ich: Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

84. P6-0199
vāṇaprasthaṃ yatividhadharmaṃ pāramahaṃsasyaṃ bhikṣukacaritam |
sādhoḥ sevā bahusurabhaktirna guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 3 ||

Der Waldwohnerstand, der Dharma der Asketen, das Paramahaṃsa-Wesen, der Wandel des Bettelmönchs, der Dienst am Guten und Hingabe an viele Götter: Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru! [Einige Formen des Verses sind beschädigt.]

85. P6-0200
viṣṇorbhaktiḥpūjanacaritaṃ vaiṣṇavasevā mātari bhaktiḥ |
viṣṇoriva pitṛsevanayogo na guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 4 ||

Hingabe an Viṣṇu, der Wandel der Verehrung, Dienst an Viṣṇuverehrern, Hingabe an die Mutter und der Dienst am Vater wie an Viṣṇu: Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

86. P6-0201
pratyāhāraṃ cendriyajayatā praṇāyāmaṃ nyāsavidhānam |
iṣṭeḥ pūjā japatapobhaktirna guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 5 ||

Zurückziehen der Sinne, Sieg über die Sinne, Prāṇāyāma, Nyāsa-Ordnung, Verehrung der erwählten [Gottheit], Rezitation, Askese und Hingabe: Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

87. P6-0202
kālī durgā kamalā bhuvanā tripurā bhīmā bagalā pūrṇā |
śrīmātaṅgī dhūma tārā etā vidyā tribhuvanasārā na guroradhikaṃ
na guroradhikam
|| 6 ||

Kālī, Durgā, Kamalā, Bhuvanā, Tripurā, Bhīmā, Bagalā, Pūrṇā, Śrī Mātaṅgī, Dhūmā und Tārā – diese Vidyās, Essenz der drei Welten: Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru! [Die Namenszahl wird nicht an eine andere Mahāvidyā-Liste angepasst.]

88. P6-0203
mātsyaṃ kaurmaṃ śrīvārāhaṃ naraharirūpaṃ vāmanacaritam |
avatārādikamanyatsarvaṃ na guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 7 ||

Fisch-, Schildkröten- und heilige Ebergestalt, die Gestalt des Menschenlöwen, Vāmanas Taten, alle anderen Erscheinungen und alles weitere: Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

89. P6-0204
śrīraghunāthaṃ śrīyadunāthaṃ śrībhṛgudevaṃ bauddhaṃ kalkim |
avatārāniti daśakaṃ manye na guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 8 ||

Śrī Raghunātha, Śrī Yadunātha, Śrī Bhṛgudeva, Buddha und Kalkin: Ich bedenke die zehn Avatāras. Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

90. P6-0205
gaṅgā kāśī kāñcī dvārā māyāyodhyāvantī mathurā |
yamunā revā parataratīrthaṃ na guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 9 ||

Gaṅgā, Kāśī, Kāñcī, Dvārā, Māyā, Ayodhyā, Avantī, Mathurā, Yamunā, Revā und die höchsten Tīrthas: Nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

91. P6-0206
gokulagamanaṃ gopuraramaṇaṃ śrīvṛndāvanamadhupuramaṭanam |
etatsarvaṃ sundari mātarna guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 10 ||

Der Gang nach Gokula, das Verweilen in der Hirtenstadt, das Wandern in Śrī Vṛndāvana und Madhupura: All dies, schöne Mutter – nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

92. P6-0207
tulasīsevā hariharabhaktirgaṅgāsāgarasaṅgamamuktiḥ |
kimaparamadhikaṃ kṣṇe bhaktiretatsarvaṃ sundari mātarna
guroradhikaṃ na guroradhikam
|| 11 ||

Dienst an Tulasī, Hingabe an Hari und Hara, Befreiung an der Vereinigung von Gaṅgā und Meer und, was noch höher sein mag, Hingabe an Kṛṣṇa [Vorlage kṣṇe]: All dies, schöne Mutter – nichts ist höher als der Guru, nichts höher als der Guru!

93. P6-0208
etatstotraṃ paṭhati ca nityaṃ mokṣajñānī so'pyatidhanyaḥ |
brahmāṇḍāntaryadyad jñeyaṃ sarvaṃ na guroradhikam
|| 12 ||

Wer diesen Lobgesang täglich vorträgt, kennt die Befreiung und ist überaus begnadet. Was immer im Weltall zu erkennen ist: Nichts davon ist höher als der Guru.


Rāma: Großzügigkeit und Hingabe

Die Verse eröffnen einen Zugang zu Zuflucht und vertrauensvoller Hingabe. Ihre überlieferten Heilsversprechen bleiben als solche erkennbar.

94. P4-0632
sakṛdeva prapannāya viśiṣṭāmairayācchrayam |
vibhīṣaṇāyābdhitaṭe yastaṃ vīraṃ namāmyaham
|| 2 ||

„Vor dem Helden verneige ich mich, der Vibhīṣaṇa am Meeresufer vorzügliche Zuflucht gewährte, nachdem dieser sich ihm auch nur ein einziges Mal anvertraut hatte.“

95. P4-0634
tejasāpyāyitā yasya jvalanti jvalanādayaḥ |
prakāśate svatantro yastaṃ jvalantaṃ namāmyaham
|| 4 ||

„Vor dem Leuchtenden verneige ich mich, durch dessen Glanz Feuer und die übrigen [Lichter] genährt werden und brennen, der aus eigener Freiheit leuchtet.“

96. P4-0638
parasya yogyatāpekṣārahito nityamaṅgalam |
dadātyeva nijaudāryādyastaṃ bhadraṃ namāmyaham
|| 8 ||

„Vor dem Glückverheißenden verneige ich mich, der aus eigener Großzügigkeit ewiges Heil schenkt, ohne auf die Würdigkeit des anderen zu achten.“

97. P4-0639
yo mṛtyuṃ nijadāsānāṃ mārayatyakhileṣṭadaḥ |
tatrodāhṛtayo bahvayo mṛtyumṛtyuṃ namāmyaham
|| 9 ||

„Vor dem Tod des Todes verneige ich mich, der den Tod seiner eigenen Diener tötet und alles Erwünschte schenkt. Dafür gibt es viele Beispiele.“

98. P4-0640
yatpādapadmapraṇato bhaveduttamapuruṣaḥ |
tamīśaṃ sarvadevānāṃ namanīyaṃ namāmyaham
|| 10 ||

„Vor dem Herrn aller Götter verneige ich mich, dem Verehrungswürdigen, durch dessen Lotusfüße ein sich Verneigender zum höchsten Menschen wird.“

99. P4-0643
imaṃ hanūmatā proktaṃ mantrarājātmakaṃ stavam |
paṭhedanudinaṃ yastu sa rāme bhaktimān bhavet
|| 13 ||

„Wer täglich diesen von Hanūmān gesprochenen Lobpreis rezitiert, dessen Wesen das Königsmantra ist, wird Rāma hingebungsvoll ergeben.“


Kṛṣṇa: das Leben als Verehrung

Der abschließende Wunsch, jede Handlung möge Verehrung sein, kann die Verbindung von Meditation und Alltag tragen.

100. P4-0716
iti padmapurāṇe vedavyāsakṛtau bhagavadvasiṣṭha
śrībudhakauśikapraṇītaṃ vajrapañjaraṃ nāma śrīrāmakavacaṃ
samāptam |
atha śrīkṛṣṇastotram |
prasīda bhagavan mahyamajñānātkuṇṭhitātmane |
tavāṃghripaṅkajarajorāgiṇīṃ bhaktimuttamām
|| 1 ||

Damit endet im Padma-Purāṇa, im Werk Vedavyāsas, der vom erhabenen Vasiṣṭha [und] Śrī Budhakauśika verfasste Schutztext Śrī Rāmas namens Vajrapañjara. Nun der Lobgesang an Śrī Kṛṣṇa: „Erhabener, sei mir gnädig, dessen Selbst durch Nichtwissen abgestumpft ist! [Gewähre mir] höchste Hingabe, die den Staub deiner Lotusfüße liebt.“ [Die Beziehung von Vasiṣṭha zu Budhakauśika bleibt im Kolophon unklar; der erste Vers lässt das Verb bei „Hingabe“ unausgesprochen.]

101. P4-0717
aja prasīda bhagavannamitadyutipañjara |
aprameya prasīdāsmadduḥkhahan puruṣottama
|| 2 ||

„Ungeborener, sei gnädig, Erhabener, Umfassung unermesslichen Glanzes! Unermesslicher, sei uns gnädig, Vernichter des Leides, höchster Puruṣa!“

102. P4-0718
svasaṃvedya prasīdāsmadānandātmannanāmaya |
acintyasāra viśvātman prasīda parameśvara
|| 3 ||

„Durch dich selbst Erkennbarer, sei uns gnädig, Selbst der Glückseligkeit, Unversehrter! Du von unbegreiflicher Essenz, Selbst der Welt, sei gnädig, höchster Herr!“

103. P4-0721
gurorgarīyān sarveśa prasīdānanta dehinām |
jaya mādhava māyātman jaya śāśvata śaṅkhabhṛt
|| 6 ||

„Schwerwiegender als der Schwere, Herr aller, sei gnädig, Unendlicher der Verkörperten! Sieg dir, Mādhava, dessen Wesen Māyā ist; Sieg dir, Ewiger, Muschelträger!“

104. P4-0722
jaya śaṅkhadhara śrīman jaya nandakanandan |
jaya cakragadāpāṇe jaya deva janārdana
|| 7 ||

„Sieg dir, Muschelträger, Prachtvoller; Sieg dir, Freude des Nandaka[-Schwertes]! Sieg dir, der Diskus und Keule in Händen hält; Sieg dir, Gott Janārdana!“

105. P4-0724
namaste narakārāte namaste madhusūdana |
namaste lalitāpāṅga namaste narakāntaka
|| 9 ||

„Verehrung sei dir, Feind Narakas; Verehrung sei dir, Vernichter Madhus! Verehrung sei dir mit dem anmutigen Seitenblick; Verehrung sei dir, der Naraka ein Ende setzt!“

106. P4-0726
namaste nayanātīta namaste bhayahāraka |
namo vibhinnaveśāya namaḥ śrutipathātiga
|| 11 ||

„Verehrung sei dir, jenseits des Auges; Verehrung sei dir, der Furcht fortnimmt! Verehrung dem in verschiedenen Gestalten Erscheinenden; Verehrung dem, der über den Weg der Śruti hinausgeht!“

107. P4-0729
namo'stu yogidhyeyāya namo'stvadhyātmarūpiṇe |
bhaktipriyāya bhaktānāṃ namaste muktidāyine
|| 14 ||

„Verehrung sei dem, über den Yogins meditieren; Verehrung dem, dessen Gestalt das innere Selbst ist! Dir, der Hingabe liebt, dir, der seinen Verehrern Befreiung schenkt, sei Verehrung!“

108. P4-0730
pūjanaṃ havanaṃ ceṣṭā dhyānaṃ paścānnamaskriyā |
deveśa karma sarvaṃ me bhavedārādhanaṃ tava
|| 15 ||

„Verehrung, Feueropfer, Tätigkeit, Meditation und danach Verneigung: Herr der Götter, jede meiner Handlungen möge deine Verehrung sein!“


Mantras, Bījas und Rezitationspassagen

Die folgende Sammlung bewahrt die im Grundtext ausdrücklich bezeichneten Mantra-, Bīja-, Nyāsa-, Stotra- und Kavaca-Passagen sowie Stellen mit ausgeschriebenen Anrufungs- und Darbringungsformeln. Sie enthält die ganzen zugehörigen Texteinheiten mit deutscher Übersetzung, damit Beschreibungen und Rezitationsworte nicht aus ihrem Zusammenhang gelöst werden. Verschiedene Fundstellen bleiben getrennt, auch wenn ihre Formeln ähnlich sind.

So liest du die Sammlung: Eine ausgeschriebene Formel ist am tatsächlichen Sanskritwortlaut zu erkennen. Eine Bezeichnung wie „Grundmantra“ oder eine kodierte Lautbeschreibung wird hier nicht zu einer ergänzten Formel aufgelöst. Bījas erhalten ihre in der Übersetzung erklärte Funktion, keine erfundene wörtliche Bedeutung. Unsichere Wörter und unvollständige Formeln bleiben gekennzeichnet. Weitere zusammenhängende Gebetsverse stehen in der Vollausgabe bei der jeweiligen Fundstelle.

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Guru, Einweihung und Mantrapraxis

P1-0004 · Originalnummer 4
āśramī
dhyānaniṣṭhaśca tantramantraviśāradaḥ | nigrahānugrahe śakto
gururityabhidhīyate
|| 4 ||

… in einer geordneten Lebensstufe lebend, fest in der Meditation, bewandert in Tantra und Mantra und fähig, sowohl zu zügeln als auch Gnade zu gewähren: Ein solcher wird Guru genannt.

P1-0006 · Originalnummer 6
atha gurumāhātmyam :
jñānārṇaveḥ gurau mānuṣabuddhintu mantre
cākṣarabuddhikam | pratimāsu śilābuddhiṃ kurvāṇo narakaṃ vrajet
|| 6 ||

Nun die Größe des Gurus. Im Jñānārṇava: Wer im Guru lediglich einen Menschen sieht, im Mantra lediglich Buchstaben und in den Götterbildern lediglich Stein, der geht in die Hölle ein.

P1-0012 · Originalnummer 12
mantratyāgādbhaven
mṛtyurgurutyāgāddaridratā | gurumantraparityāgādrauravaṃ
narakaṃ vrajet
|| 12 ||

Aus dem Aufgeben des Mantras entsteht Tod, aus dem Verlassen des Gurus Armut. Wer Guru und Mantra aufgibt, geht in die Raurava-Hölle ein.

P1-0042 · Originalnummer 42
mantrarṇā devatā jñeyā devatā gururūpiṇī |
teṣā bhidā na karttavyā yadīcchecchubhamātmanaḥ
|| 42 ||

Man soll die Silben des Mantras als die Gottheit erkennen und die Gottheit als in der Gestalt des Gurus gegenwärtig. Wer sein eigenes Heil wünscht, soll zwischen ihnen keinen Unterschied machen.

P1-0050 · Originalnummer 50
vaiṣṇave
vaiṣṇavo grāhyaḥ śaive śaivastathā punaḥ | śaktike tritayaṃ
vidyāddikṣāsvāmī na saṃśayaḥ
|| 50 ||

Für eine vaiṣṇavische Unterweisung soll man einen Vaiṣṇava annehmen, für eine śivaitische einen Śaiva. Bei der śāktischen [Unterweisung] soll man alle drei als befugt zur Einweihung verstehen; daran besteht kein Zweifel. [Die verkürzte Formulierung lässt offen, wie weit die dreifache Befugnis im Einzelnen reicht.]

P1-0055 · Originalnummer 55
tathā ca nityānande : guruṃ na martyaṃ budhyet yadi budhyeta
tasya tu | na kadācidbhavet siddhirna mantrairdaivapūjanaiḥ
|| 55 ||

Ebenso im Nityānanda: Man soll den Guru nicht für einen bloßen Sterblichen halten. Wer ihn dafür hält, erlangt niemals Vollendung, weder durch Mantras noch durch Götterverehrung.

P1-0060 · Originalnummer 60
atha pitrādito dīkṣāniṣedhaḥ :
yoginītantre piturmantraṃ na gṛhṇīyāt tathā mātāmahasya ca |
sodarasya kaniṣṭhasya vairipakṣāśritasya vā
|| 60 ||

Nun das Verbot, vom Vater und anderen Angehörigen die Einweihung zu empfangen. Im Yoginītantra: Man soll einen Mantra nicht vom Vater oder vom mütterlichen Großvater empfangen, ebenso wenig vom jüngeren leiblichen Bruder oder von jemandem, der der gegnerischen Partei angehört.

P1-0063 · Originalnummer 63
siddhamantro yadi patistadā patnīṃ sa dīkṣayet | śaktitvena varārohe !
na ca sā putrikā bhavet || ityādi - niṣedhavacanādebhyo mantraṃ na
gṛhṇīyāt ityarthaḥ idantu siddhetaraviṣayam | siddhamantre na
dūṣyatīti vacanāt
|| 63 ||

Hat der Ehemann jedoch seinen Mantra zur Vollendung gebracht, darf er seine Frau einweihen: als seine Śakti, o Schönhüftige, und nicht so, dass sie dadurch seine geistliche Tochter würde. Aus solchen Verbotsaussagen folgt, dass man von diesen Personen keinen Mantra empfangen soll. Das bezieht sich jedoch auf einen noch nicht vollendeten Mantra; denn es heißt: „Bei einem vollendeten Mantra besteht kein Fehler.“

P1-0064 · Originalnummer 64
yaterapi dīkṣoktā śaktiyāmale : tīrthācārayuto mantrī
jñānavān susamāhitaḥ | nityāniṣṭho yatiḥ khyāto guruḥ
syādbhautike'pi ca
|| 64 ||

Auch eine Einweihung durch einen Entsagenden wird im Śaktiyāmala gelehrt: Ein Mantrakenner, der den Wandel an heiligen Stätten pflegt, Erkenntnis besitzt, gut gesammelt ist und beständig an der vorgeschriebenen Praxis festhält, wird Yati genannt. Er kann auch im Bereich weltlicher Belange Guru sein. [Bhautike ist hier nicht näher erläutert.]

P1-0065 · Originalnummer 65
tathā ca siddhayāmale: yadi bhāgyavaśenaiva siddhividyāṃ
labhet priye | tadaiva tāntu dīkṣeta tyaktvā guruvicāraṇam
|| 65 ||

Ebenso im Siddhayāmala: Wenn man durch glückliche Fügung eine vollendete Vidyā erlangt, o Geliebte, soll man sich sogleich in sie einweihen lassen und die Prüfung des Gurus beiseitelassen.

P1-0068 · Originalnummer 68
tathā matsyasūkte : nirvīryañca piturmantraṃ śaive śākte na
dūṣyatīti vacanaṃ kaulikamantradīkṣāparam ||
atra hetuḥ yoginītantre : śaktyādividyāmadhikṛtya
dīkṣāniṣedhāt (tathā ca viṣṇumantrastu pitrādibhyo gṛhītavyaḥ
ityarthaḥ) yadvā śākte tārādividyāyāṃ matsyasūkte
tāmadhikṛtya tathāpratipādanāt | tathā ca nijakulatilakāya
jyeṣṭhaputrāya dadyādityādi
|| 68 ||

Ebenso im Matsyasūkta: „Der Mantra des Vaters ist kraftlos.“ Die Aussage, dass bei śivaitischen und śāktischen Mantras kein Fehler vorliege, bezieht sich auf die Einweihung in Kaula-Mantras. Als Begründung wird das Yoginītantra angeführt, dessen Einweihungsverbot die Śakti-Vidyās und ähnliche Formeln betrifft. [In der Klammer der Vorlage folgt:] „Das bedeutet, dass ein Viṣṇu-Mantra vom Vater und ähnlichen Angehörigen empfangen werden soll.“ Oder die Ausnahme im śāktischen Bereich betrifft die Tārā-Vidyā und ähnliche Vidyās, weil das Matsyasūkta im Zusammenhang mit ihnen diese Regel aufstellt. So heißt es auch: „Man soll sie dem ältesten Sohn geben, dem Schmuck der eigenen Familie“, und dergleichen. [Der überlieferte Argumentationsgang ist widersprüchlich beziehungsweise verkürzt; er wird hier nicht zu einer einheitlichen Regel umgeschrieben.]

P1-0070 · Originalnummer 70
tathā ca viṣṇumantramadhikṛtya : sādhu pṛṣṭaṃ tvayā vipra
vakṣyāmi sakalantava | brahmaṇā kathitaṃ pūrvaṃ vasiṣṭhāya
mahātmane
|| 70 ||

Ebenso hinsichtlich des Viṣṇu-Mantras: „Du hast gut gefragt, o Brahmane; ich werde dir alles darlegen. Einst wurde er von Brahmā dem hochherzigen Vasiṣṭha mitgeteilt.

P1-0073 · Originalnummer 73
yoginītantre : nirvīryañca piturmantraṃ tathā mātāmahasya ca
| svapnalabdhaṃ striyādattaṃ saṃskāreṇaiva śudhyati
|| 73 ||

Im Yoginītantra: Der vom Vater empfangene Mantra ist kraftlos, ebenso der vom mütterlichen Großvater. Ein im Traum erlangter oder von einer Frau übermittelter Mantra wird erst durch die rituelle Zurüstung gereinigt.

P1-0074 · Originalnummer 74
yattu : sādhvī caiva sadācārā gurubhaktā jitendriyā |
sarvamantrārthatattvajñā suśīlā pūjate ratā | guruyogyā bhavet sā
hi vidhavā parivarjitā | striyā dīkṣā śubhā proktā
mātuścāṣṭaguṇāḥ smṛtāḥ || idastu gurorupāsitamantraparam
|| 74 ||

Dagegen heißt es: Eine rechtschaffene Frau von gutem Lebenswandel, dem Guru ergeben und mit beherrschten Sinnen, die den eigentlichen Sinn aller Mantras kennt, einen guten Charakter besitzt und an der Verehrung Freude hat, ist als Guru geeignet; ausgenommen ist eine Witwe. Die Einweihung durch eine Frau gilt als glückverheißend, die durch die Mutter als achtfach wirksam. Diese Aussage betrifft einen Mantra, den die Lehrerin selbst verehrend praktiziert hat.

P1-0075 · Originalnummer 75
tathā bhairavotantre : svīyamantropadeśe tu na
kuryādgurucintanam
|| 75 ||

So im Bhairavatantra: Bei der Unterweisung in dem eigenen Mantra soll man keine Prüfung des Gurus vornehmen.

P1-0076 · Originalnummer 76
māturityupāsite'ṣṭaguṇam | anupāsite
śubhaphaladamityarthaḥ | siddhamantraviṣayaṃ vā iti kecit | vastutastu
yoginītantre strīpadaṃ vidhavāparaṃ ekavākyatābalāt
|| 76 ||

„Von der Mutter“ bedeutet: Hat sie den Mantra selbst praktiziert, ist die Wirkung achtfach; hat sie ihn nicht praktiziert, bringt die Einweihung dennoch eine günstige Frucht. Einige meinen, die Aussage betreffe einen vollendeten Mantra. Tatsächlich bezieht sich jedoch nach der ausgleichenden Auslegung des Verfassers das Wort „Frau“ im Yoginītantra auf eine Witwe, weil die verschiedenen Aussagen in Einklang gebracht werden müssen.

P1-0079 · Originalnummer 79
svapnalabdhamantre yadi sadguruṃ prāpnoti tadā tata eva
tanmantraṃ gṛhṇīyāt, nacet jalapūrṇakalase guroḥ
prāṇapratiṣṭhāṃ vidhāya vaṭapatre kuṃkumena likhitaṃ mantraṃ
tatkalase prakṣipya uttolya mantraṃ gṛhṇīyādityarthaḥ
|| 79 ||

Bei einem im Traum erlangten Mantra soll man, wenn man einen wahren Guru findet, diesen Mantra von ihm empfangen. Findet man keinen, soll man in einem mit Wasser gefüllten Gefäß die Lebensgegenwart des Gurus einsetzen. Man schreibt den Mantra mit Kuṃkuma auf ein Blatt des Banyanbaums, legt es in dieses Gefäß, hebt es wieder heraus und empfängt auf diese Weise den Mantra. Dies ist der Sinn der Anweisung.

P1-0080 · Originalnummer 80
tathā hi : svapnalabdhe ca kalase guroḥ prāṇāna niveśayet |
vaṭapatre kuṃkumena likhitvā grahaṇe śubham | tataḥ
siddhimavāpnoti cānyathā viphalaṃ bhavet | idandu sadgurorābhāve
tasmādeva mantraṃ gṛhṇīyāt | svapne tu niyamo na hīti
nāradavacanāt | tatra siddhādiniyamo nāsti
|| 80 ||

So heißt es: Bei einem im Traum empfangenen Mantra soll man die Lebenskräfte des Gurus in ein Gefäß einsetzen; ihn mit Kuṃkuma auf ein Banyanblatt zu schreiben und dann entgegenzunehmen ist glückverheißend. Dadurch erlangt man Vollendung; andernfalls bleibt die Handlung fruchtlos. Dies gilt bei Abwesenheit eines wahren Gurus; [ist ein solcher vorhanden,] soll man den Mantra von ihm empfangen. Nach Nāradas Wort „Im Traum gilt keine solche Regel“ besteht dabei keine Vorschrift zur Prüfung auf Siddha und die anderen Mantrakategorien. [Der Prosasatz ist in der Vorlage syntaktisch verkürzt.]

P1-0081 · Originalnummer 81
tathā vidyādharācāryaghṛtaṃ jāvālavacanam :
madhyadeśakurukṣetra- naṭakoṅkaṅasambhavāḥ |
antarvedipratiṣṭhānā āvantyāśca gurūttamāḥ || madhyadeśa
āryāvartaḥ
|| 81 ||

Ferner das von Vidyādharācārya angeführte Wort Jābālas: Die in Madhyadeśa, Kurukṣetra, Naṭa und Koṅkaṇa Geborenen, die in Antarvedī und Pratiṣṭhāna Ansässigen und die aus Avanti sind die besten Gurus. Madhyadeśa bedeutet hier Āryāvarta. [Naṭa ist als Orts- oder Gebietsname in dieser Lesung unsicher.]

P1-0090 · Originalnummer 90
kalpe dṛṣṭvā tu mantraṃ vai yo
gṛhṇāti narādhamaḥ | manvantarasahasreṣu niṣkṛtinaiva jāyate
|| 90 ||

Wer einen Mantra in einem Ritualhandbuch sieht und ihn eigenmächtig an sich nimmt, dieser niedrigste Mensch findet selbst in tausend Manvantaras keine Entsühnung.

P1-0094 · Originalnummer 94
tataḥ : sadgurorāhitā dīkṣā sarvakarmāṇi sodhayet |
atha śūdrasya niṣiddhamantrā :
tantrāntare : praṇavādyaṃ na dātavyaṃ mantraṃ śūdrāya
sarvathā | ātmamantraṃ gurormantraṃ mantrañcājapasaṃjñakam
|| 94 ||

Daher: Eine von einem wahren Guru erteilte Einweihung reinigt alle Handlungen. Nun die für einen Śūdra ausgeschlossenen Mantras. In einem anderen Tantra: Einem Śūdra soll unter keinen Umständen ein mit dem Praṇava beginnender Mantra gegeben werden; [ebenso wenig] der Ātma-Mantra, der Guru-Mantra oder der als Ajapa bezeichnete Mantra.

P1-0095 · Originalnummer 95
svāhāpraṇavasaṃyuktaṃ śūdre mantraṃ dadaddvijaḥ | śūdro
nirayamāpnoti brāhmaṇo yātyadhogatim
|| 95 ||

Wenn ein Zweimalgeborener einem Śūdra einen mit Svāhā und Praṇava verbundenen Mantra gibt, gerät der Śūdra in die Hölle und der Brahmane geht abwärts.

P1-0098 · Originalnummer 98
atha mantrāṇāṃ siddhādivicāra :
tatrāpyanukūlaṃ mantraṃ dīkṣayet | mananāttrāyate
yasmāttasmānmantraḥ prakīrtitaḥ
|| 98 ||

Nun die Prüfung der Mantras nach Siddha und den übrigen Kategorien: Auch dabei soll man in einen geeigneten Mantra einweihen. Weil er durch das geistige Vergegenwärtigen schützt, wird er Mantra genannt.

P1-0100 · Originalnummer 100
siddhasārasvate : nṛsiṃhārkavarāṇāṇāṃ
prāsādapraṇavasya ca | sapiṇḍākṣaramantrāṇāṃ siddhādīnnaiva
śodhayet
|| 100 ||

Im Siddhasārasvata: Bei den Mantras Nṛsiṃhas, Arkas und [Varāhas?], beim Prāsāda-Mantra, beim Praṇava und bei Mantras mit verbundenen beziehungsweise kompakten Silben soll man die Kategorien Siddha und die übrigen nicht prüfen. [Die Lesung varāṇāṇām ist beschädigt; Varāha ist lediglich eine mögliche Ergänzung. Auch sapiṇḍākṣara bedarf einer gesicherten Parallelstelle.]

P1-0101 · Originalnummer 1
vārāhītantre : tārācakraṃ rāśicakraṃ nāmacakraṃtathaiva
| tata cet saguṇo mantro nānyacakraṃ vicintayet | iti tu pradhānatayā
voddhavyam
|| 1 ||

Im Vārāhītantra: Man prüfe das Mondhausdiagramm, das Tierkreisdiagramm und ebenso das Namensdiagramm. Wenn der Mantra dadurch als günstig ermittelt ist, soll man kein weiteres Diagramm untersuchen. Dies ist jedoch als Aussage über die vorrangige Prüfung zu verstehen.

P1-0102 · Originalnummer 2
tathā ca : dhanimantraṃ na gṛhṇīyādakulañca tathaiva ca |
ityādau tathā darśanāttattaccakravicārasyāvasśyakatvāt prathamaṃ
tannirūpyate | svapnalabdhe striyā datte māmāmantre ca tryakṣare |
kālī - tārāmaṇau mantrī tathā chinnamanāvapi | vaidikeṣu ca
sarveṣu siddhādīnnaiva śodhayet
|| 2 ||

Ferner heißt es: „Man soll weder einen Dhani-Mantra noch einen Akula-Mantra annehmen.“ Weil solche Aussagen die Notwendigkeit der jeweiligen Diagrammprüfung zeigen, wird diese zuerst erläutert. Bei einem im Traum empfangenen, von einer Frau übermittelten, einem Mālā-Mantra oder dreisilbigen Mantra, bei den Mantras Kālīs, Tārās und Chinnamastās und bei sämtlichen vedischen Mantras soll der Mantrapraktizierende jedoch die Kategorien Siddha und die übrigen nicht prüfen. [Die Vorlage hat māmāmantre statt des nach dem folgenden Satz wahrscheinlichen mālāmantra.]

P1-0103 · Originalnummer 3
mālāmantrastu vārāhīye : viṃśatyarṇādhikā mantrā
mālāmantrāḥ prakīrtitāḥ
|| 3 ||

Zum Mālā-Mantra heißt es im Vārāhīya: Mantras mit mehr als zwanzig Silben werden Mālā-Mantras genannt.

P1-0104 · Originalnummer 4
napuṃsakasya mantrasya
siddhādinnaiva śodhayet | haṃsasyāṣṭākṣarasyāpi tathā
pañcākṣarasya ca | eka - dvi - tryādibijasya siddhādīnnaiva śodhayet
|
tathā : ekākṣarasya mantrasya mālāmantrasya pārvati |
vaidikasya ca mantrasya siddhādīnnaiva śodhayet
|| 4 ||

Bei einem als neutral geltenden Mantra soll man Siddha und die übrigen Kategorien nicht prüfen; ebenso wenig beim acht- oder fünfsilbigen Haṃsa-Mantra und bei Bījas aus einer, zwei, drei oder weiteren Silben. Ferner: Bei einem einsilbigen Mantra, einem Mālā-Mantra oder einem vedischen Mantra, o Pārvatī, soll man diese Kategorien nicht prüfen.

P1-0105 · Originalnummer 5
puṃ-mantrā
huṃphaḍantāḥ syudviṣṭhāntāstṛstriyo matāḥ | napuṃsakā
namo'ntāḥ syurityuktā manavastridhā | etatśūnyā mahāvidyā
mahāśabdena nīyate
|| 5 ||

Männliche Mantras enden auf huṃ phaṭ; weibliche gelten als diejenigen, die auf dviṭha enden; neutrale enden auf namaḥ. So werden drei Arten von Mantras gelehrt. Eine Mahāvidyā, die von diesen Bestimmungen frei ist, wird durch das Wort mahā, „groß“, ausgezeichnet. [Dviṭha ist die verschlüsselte Bezeichnung für svāhā; die Buchstabenfolge vor „weibliche“ ist in der Vorlage beschädigt.]

P1-0106 · Originalnummer 6
mālinīvijaye : atha vakṣyāmyahaṃ yā yā mahāvidyā
mahītale | doṣajālairasaṃspṛṣṭhāstāḥ sarvā hi phalaiḥ saha | kālī
nīlā mahādūrgā tvaritā chinnamastakā | vāgvādinī
cānnapūrṇā tathā pratyaṅgirā punaḥ | kāmākhyāvāsinī bālā
mātaṅgī śailavāsinī | ityādyāḥ sakalā devyāḥ kalau
pūrṇaphalapradāḥ
|| 6 ||

Im Mālinīvijaya: Nun werde ich alle auf Erden bestehenden Mahāvidyās mit ihren Früchten nennen, die vom Netz der Fehler unberührt sind: Kālī, Nīlā, Mahādurgā, Tvaritā, Chinnamastakā, Vāgvādinī, Annapūrṇā, Pratyaṅgirā, die in Kāmākhyā Wohnende, Bālā, Mātaṅgī und Śailavāsinī. Diese und die übrigen derartigen Göttinnen gewähren im Kali-Zeitalter die volle Frucht.

P1-0107 · Originalnummer 7
siddhamantratayā nātra
yugasevāpariśramaḥ | tathā caitā mahāvidyāḥ kalidoṣānna
vādhitāḥ
|| 7 ||

Weil ihre Mantras bereits vollendet sind, bedarf es hier nicht der Mühe einer dem jeweiligen Weltzeitalter angepassten Praxis. Auch werden diese Mahāvidyās durch die Mängel des Kali-Zeitalters nicht beeinträchtigt.

P1-0108 · Originalnummer 8
tathā ca muṇḍamālātantre : kālī tārā mahāvidyā ṣoḍaśī
bhuvaneśvarī | bhairavī chinnamastā ca vidyā dhūmāvatī tathā |
vagalā siddhavidyā ca mātaṅgī kamalātmikā | etā daśa
mahāvidyāḥ siddhavidyāḥ prakīrtitāḥ | nātra siddhādyapekṣāsti
nakṣatrādivicāraṇā | kālādiśodhanaṃ nāsti
nārimitrādidūṣaṇam | siddhividyātayā nātra yugasevāpariśramaḥ
| nāsti kiñcinmahādevi ! duḥkhasādhyaṃ kadācana |
ityādivacanādeṣu vicāro nāsti | vastutastu idaṃ praśaṃsāparam |
sarvatra vicārasyāvaśyakatvaṃ duradṛṣṭavaśāt
kadācidvairimantrasya svapnādau prāptyā taddoṣasya dṛṣṭatvāditi
sāmpradāyikāḥ
|| 8 ||

Ebenso im Muṇḍamālātantra: Kālī, Tārā, die Mahāvidyā Ṣoḍaśī, Bhuvaneśvarī, Bhairavī, Chinnamastā, die Vidyā Dhūmāvatī, Bagalā, die vollendete Vidyā Mātaṅgī und Kamalātmikā: Diese zehn Mahāvidyās werden vollendete Vidyās genannt. Bei ihnen besteht keine Abhängigkeit von Siddha und den übrigen Kategorien, keine Prüfung der Mondhäuser und ähnlicher Faktoren, keine Bereinigung der Zeit und keine Beeinträchtigung durch Feind- oder Freundverhältnisse und dergleichen. Weil sie vollendete Vidyās sind, besteht hier keine Mühe einer zeitalterspezifischen Praxis. Nichts ist dabei jemals schwer zu verwirklichen, o große Göttin. Aufgrund solcher Aussagen entfällt bei ihnen die Prüfung. Tatsächlich, sagen jedoch die Traditionskundigen, sind diese Aussagen als Lobpreis zu verstehen: Die Prüfung ist überall notwendig, weil man durch ungünstige Fügung bisweilen im Traum oder auf andere Weise einen feindlichen Mantra erhält und dessen schädliche Wirkung beobachtet wird. [Nārimitrādi ist beschädigt; der Bezug auf feindliche und freundliche Mantrakategorien ergibt sich aus dem Zusammenhang.]

P1-0109 · Originalnummer 9
atha kulākulacakra : (dekhiye citra 1)
kulākulasya bhedaṃ hi vakṣyāmi mantriṇāmiha | tathā nibandhe -
vāyvagni - bhū - jalākāśāḥ pañcāśallipayaḥ kramāt |
pañcahrasvāḥ pañca dīrghā vindvantāḥ sandhisambhavāḥ |
kādayaḥ pañcaśaḥ yakṣalasahāntāḥ prakīrtitāḥ | tathā ca - a ā e
ka ca ṭa ta pa ya ṣā mārutāḥ | i ī ai kha cha ṭha tha pha ra kṣā
āgneyāḥ | u ū ā ga ja ḍa da ba la lāḥ pārthivāḥ | ṛ ṝ au gha jha ṭa
dha bha va sā vāruṇāḥ ḷ ḹ aṃ ṅa ña ṇa na ma śa hā
nābhasāḥ | sādhakasyākṣaraṃ pūrva mantrasyāpi tadakṣaram |
yadeyka bhūtadaivatyaṃ jānīyāt svakulaṃ hitam | bhaumasya
vāruṇa mitraṃ āgneyasyāpi mārutam | mārutaṃ pārthivānāñca
āgneyañcāmbahsāṃ ripuḥ
|| 9 ||

Nun das Kulākula-Diagramm. [Herageberhinweis: „Siehe Abbildung 1“; die Abbildung ist in der Textdatei nicht enthalten.] Ich werde hier für Mantrapraktizierende den Unterschied zwischen Kula und Akula darlegen. Im Nibandha: Die fünfzig Schriftzeichen werden der Reihe nach Luft, Feuer, Erde, Wasser und Raum zugeordnet: die fünf kurzen, die fünf langen Vokale, die mit Bindu beziehungsweise durch Lautverbindung entstandenen Zeichen, die Konsonanten von ka an in Fünfergruppen und die mit ya, kṣa, la, sa, ha endende Folge. Im Einzelnen: a ā e ka ca ṭa ta pa ya ṣa gehören zur Luft; i ī ai kha cha ṭha tha pha ra kṣa zum Feuer; u ū ā ga ja ḍa da ba la la zur Erde; ṛ ṝ au gha jha ṭa dha bha va sa zum Wasser; ḷ ḹ aṃ ṅa ña ṇa na ma śa ha zum Raum. Wenn der Anfangslaut des Übenden und der Anfangslaut des Mantras dieselbe Elementgottheit haben, soll man dies als zuträgliches eigenes Kula erkennen. Für Erde ist Wasser ein Freund, für Feuer Luft; Luft ist der Erde und Feuer dem Wasser feindlich. [Die Lautlisten sind mehrfach fehlerhaft oder doppelt besetzt; sie werden hier nach der Vorlage wiedergegeben und nicht zu einer vermeintlich verifizierten Tabelle korrigiert.]

P1-0112 · Originalnummer 11
śāradāyāma vālaṃ gauraṃ khuraṃ śonaṃ
śamīśobheti rāśiṣū krameṇa bheditā varṇāḥ kanyāyāṃ
śādayaḥ smṛtāḥ | tena a ā i ī meṣaḥ | u ū ṛ vṛṣaḥ | ṝ ḷ ḹ
mithunam | e ai karkaṭaḥ | o au siṃhaḥ | aṃ aḥ śa ṣa sa ha la kṣaḥ
kanyā | kavartastulā | cavargo vṛścikaḥ ṭavargo dhanuḥ | tavargo
makaraḥ | pavargaḥ kumbhaḥ | yavargo mīnaḥ |
svarāśīnāmanūklaṃ mantraṃ bhajet | tathā ca
svatārarāśikoṣṭhānāmanukūlān bhajenmanūtini nāradavacanāt |
rāśīnāṃ śuddhatā jñeyā tyajecchakraṃ mṛtiṃ vyayam |
svarāśermantrarāśyantaṃ gaṇanīyaṃ vicakṣaṇaiḥ | yadā
tusvarāśerajñānaṃ tadā sādhanāmādyakṣarasambandhinaṃ
rāśiṃ gṛhītvā gaṇayet ||
nārāyaṇīye : ajñāte rāśinakṣatre nāmādyakṣaradarśanāt
sādhyasyākṣararāśyantaṃ gaṇayet sādhakākṣarāditi
rāmārcanacandrikādhṛtatvācca
|| 11 ||

Im Śāradā werden die Buchstaben durch die Merkwörter „vālaṃ gauraṃ khuraṃ śonaṃ śamīśobhā“ auf die Tierkreiszeichen verteilt; für die Jungfrau gelten die mit śa beginnenden Zeichen. Daraus folgt: a ā i ī – Widder; u ū ṛ – Stier; ṝ ḷ ḹ – Zwillinge; e ai – Krebs; o au – Löwe; aṃ aḥ śa ṣa sa ha la kṣa – Jungfrau; die ka-Gruppe – Waage; die ca-Gruppe – Skorpion; die ṭa-Gruppe – Schütze; die ta-Gruppe – Steinbock; die pa-Gruppe – Wassermann; die ya-Gruppe – Fische. Man soll einen Mantra praktizieren, der zum eigenen Tierkreiszeichen passt; denn Nārada sagt: „Man praktiziere die Mantras, die mit dem eigenen Mondhaus, Tierkreiszeichen und Diagrammfeld vereinbar sind.“ Die Verträglichkeit der Zeichen ist zu prüfen; man meide Feind, Tod und Verlust. Die Verständigen sollen vom eigenen Zeichen bis zum Mantrazeichen zählen. Ist das eigene Zeichen unbekannt, zählt man vom Zeichen, das dem Anfangsbuchstaben des Übenden zugeordnet ist. Im Nārāyaṇīya: Wenn Tierkreiszeichen und Mondhaus unbekannt sind, prüfe man den Anfangsbuchstaben des Namens und zähle vom Zeichen des Übenden bis zu dem des zu verwirklichenden Mantras. Dies wird auch in der Rāmārcanacandrikā angeführt. [Śakraṃ ist hier im Zusammenhang als beschädigtes śatruṃ, „Feind“, verstanden.]

P1-0113 · Originalnummer 12
tantrarāje : tena mantrādyavarṇena nāmnaścādyakṣareṇa ca |
gaṇayedyadi ṣaṣṭhaṃ vāṣyaṣṭamaṃ dvādaśantu vā |
ripurmantrādyavarṇa syāttena tasyāhitaṃ bhavet
|| 12 ||

Im Tantrarāja: Man zähle anhand des Anfangsbuchstabens des Mantras und des Anfangsbuchstabens des Namens. Ergibt sich das sechste, achte oder zwölfte Zeichen, ist der Anfangsbuchstabe des Mantras feindlich und führt zum Schaden des Übenden.

P1-0129 · Originalnummer 29
viśvasāre : caturasraṃ likhet koṣṭhaṃ catuḥkoṣṭhasamanvitam
| punaścatuṣkaṃ tatrāpi likheddhīmān krameṇa tu | tataḥ
ṣoḍaśakoṣṭheṣu akārādivarṇān prādakṣiṇyena likhet |
tatra krama : indvāgni - rudra - nava - netra - yugārka - dikṣu -
ṛtvaṣṭa - ṣoḍaśa - caturdaśabhautikeṣu | pātāla - pañcadaśa -
vahnihimāṃśukoṣṭhe varṇāllikhellipibhavān kramaśastu dhīmān ||
nāmādyakṣaramārabhya yāvanmantrādimākṣaram |
caturbhikoṣṭherekaikamiti koṣṭhevatuṣṭayam | punaḥ koṣṭhaga -
koṣṭheṣu savyato nāmna āditaḥ | siddhaḥ sādhyaḥ susiddho'riḥ
kramājjñeyā vicakṣaṇaiḥ | savyato dakṣiṇataḥ |
kalpadrume : pūrvāparāyataṃ kṛtvā pañcasūtraṃ | tathaiva
dakṣiṇodīcyakrameṇa pañcasūtrakam | yathā soḍaśakoṣṭhāni
sampadyante tathā likhet
|| 29 ||

Im Viśvasāra: Der Verständige zeichne ein Quadrat mit vier Feldern und in jedes wiederum eine Viererteilung. In die sechzehn Felder schreibe er die Buchstaben von a an rechtsherum. Die Reihenfolge der Felder wird durch die Zahlwörter Mond-Feuer, Rudras, neun, Augen, Paar, Sonne, Richtungen, Jahreszeiten, acht, sechzehn, vierzehn, Elemente, Unterwelten, fünfzehn und Feuer-Mond angegeben [die zusammengeschriebene Zahlenfolge ist in ihrer Gliederung unsicher]. Man zählt vom Anfangsbuchstaben des Namens bis zum Anfangsbuchstaben des Mantras. Je vier Felder bilden ein Feld, also vier Gruppen. Innerhalb der Felder und ihrer Unterfelder ermitteln die Verständigen vom Namensanfang an im Rechtsumlauf die Kategorien Siddha, Sādhya, Susiddha und Ari. „Savyataḥ“ bedeutet hier „nach rechts“. Im Kalpadruma: Man ziehe fünf Linien von Ost nach West und ebenso fünf von Süd nach Nord, so dass sechzehn Felder entstehen. [Die Originalzählung überspringt an dieser Stelle Nummer 28.]

P1-0138 · Originalnummer 38
atha vairimantraparityāgapramāṇamāha tantre :
gavā kṣīre droṇamite japenmantraśatāṣṭakam | pītvā
kṣīraṃ jale tadvat samuccārya tyajettathā | anenaiva vidhānena
vairimantrādvimucyate
|| 38 ||

Nun nennt das Tantra die maßgebliche Anweisung zum Aufgeben eines feindlichen Mantras: Über einem Droṇa Kuhmilch wiederhole man den Mantra 108-mal. Man trinke die Milch, spreche ihn ebenso über Wasser und gebe ihn auf. Durch dieses Verfahren wird man von einem feindlichen Mantra frei. [Der Bezug von „ebenso über Wasser“ ist im knappen Wortlaut nicht näher ausgeführt.]

P1-0139 · Originalnummer 39
arimantra viditvā tu na punaḥ prajepecca
tat | santyajya tat devatāyāstasyā anyaṃ bhajenmanum
|| 39 ||

Hat man einen Mantra als feindlich erkannt, soll man ihn nicht erneut wiederholen. Man gebe ihn auf und praktiziere einen anderen Mantra derselben Gottheit.

P1-0141 · Originalnummer 41
prakārāntaramāha rudrayāmale : vaṭapatre likhitvāri -
mantraṃ srotasi nikṣipet | evaṃ mantravimuktiḥ syādityāha
bhagavāna śivaḥ
|| 41 ||

Eine andere Methode gibt das Rudrayāmala: Man schreibe den feindlichen Mantra auf ein Banyanblatt und werfe es in einen fließenden Wasserlauf. So wird man vom Mantra frei, sagt der erhabene Śiva.

P1-0145 · Originalnummer 45
japtuḥ svanāmato mantrī
yāvanmantrādimākṣaram ||
ratnāvalyām : dvādaśākhye rāśicakre
kūṭaṣaṇḍavivarjitān | ādihantād likhedvarṇān
puratoyāvadīśvaram | siddha - sādhya - susidhārīn punaḥ
siddhādayaḥ punaḥ | navaikapañcame siddhaḥ sādhyaḥ
ṣaḍdaśayugmake | susiddhastrisaptake rudre vedāṣṭadvādaśe ripuḥ
etatte kathitaṃ devi | akaḍamādikamuttamam | idaṃ tu
gopālaviṣayakameva | gopāle'ka'kaḍamaḥ smṛta iti vacanāt
|| 45 ||

Der Mantrapraktizierende zählt vom eigenen Namen des Rezitierenden bis zum Anfangsbuchstaben des Mantras. In der Ratnāvalī: Im Tierkreisdiagramm mit zwölf Feldern schreibe man die Buchstaben unter Auslassung der Kūṭa- und neutralen Zeichen vom Anfang bis ha ein, vorne beginnend bis zum Īśvara-Feld. [Die Wendung ādihantād ist beschädigt.] Siddha, Sādhya, Susiddha und Ari folgen aufeinander und wiederholen sich. Neun, eins und fünf sind Siddha; sechs, zehn und zwei Sādhya; drei, sieben und elf Susiddha; vier, acht und zwölf feindlich. So wurde dir, o Göttin, das vorzügliche Akaḍama-Verfahren erläutert. Dies betrifft insbesondere Gopāla, nach der Aussage: „Für Gopāla wird Akaḍama vorgeschrieben.“

P1-0151 · Originalnummer 51
asyārtha : sādhyavarṇān svara - vyañjana - bhedena
pṛthakkṛtāni ṣaṭkālādyaṃkairguṇitāni kṛtvā tathā
sādhakanāmākṣarāṇi svaravyañjanarūpeṇa pṛṭhak kṛtān
yugmādyairaṅkarguṇitān kṛtvā aṣṭasaṃkhyābhirhṛtvā ubhayoḥ
sādhyasādhakayoryadadhikaṃ tadṛṇaṃ yannyūnaṃ taddhanam |
evaṃ jñātvā mantraṃ dadyāt | mantraścedṛṇī bhavati tadā
mantraḥ śbhado bhavati dhanī cenna
|| 51 ||

Der Sinn ist folgender: Die Zeichen des Mantras werden in Vokale und Konsonanten zerlegt und mit den durch „sechs, Zeit …“ angegebenen Zahlen multipliziert. Ebenso zerlegt man die Buchstaben des Namens des Übenden in Vokale und Konsonanten, multipliziert sie mit den durch „Paar …“ bezeichneten Zahlen und dividiert beide Ergebnisse durch acht. Von den beiden Resten für Mantra und Übenden heißt der größere Ṛṇa, der kleinere Dhana. Nach dieser Erkenntnis soll man den Mantra geben. Ist der Mantra Ṛṇi, so ist er günstig; ist er Dhani, dann nicht.

P1-0152 · Originalnummer 52
tathā ca tantrāntare : mantro yadyadhikāṃkaḥ syāttadāḥ
mantraṃ japet sudhīḥ | same'pi ca japenmantraṃ na japettu ṛṇādhike |
śūnye mṛtyuṃ vijānīyāstasmācchūnyaṃ parityajet | ṛṇādhike
dhane
|| 52 ||

Ebenso in einem anderen Tantra: Hat der Mantra die größere Zahl, soll der Verständige ihn wiederholen; auch bei gleichen Zahlen soll er ihn wiederholen. Bei einem Übergewicht des Ṛṇa soll er ihn jedoch nicht wiederholen. Bei Null ist Tod zu erwarten; darum soll man Null meiden. [Die abschließende Glosse „ṛṇādhike dhane“ weist darauf hin, dass die Verbotspassage als Übergewicht der Zahl des Übenden zu verstehen ist; der Wortlaut ist widersprüchlich beziehungsweise beschädigt.]

P1-0156 · Originalnummer 56
tantrārṇave : mantrastvṛṇī śubhaphalo'pyaśubho dhanī ca
tulyaṃ yadā samaphalaḥ kathito mūnīndraiḥ
|| 56 ||

Im Tantrārṇava: Ein Ṛṇi-Mantra bringt günstige Frucht, ein Dhani-Mantra ungünstige. Bei Gleichheit wird gleiche Frucht verheißen, so sagen die höchsten Weisen.

P1-0158 · Originalnummer 58
prakārāntaram : nāmādyakṣaramārabhya
yāvanmantrādimākṣaram | tridhā kṛtvā svarairbhinnaṃ
tadanyadviparītakam | asyārthaḥ sādhakānāmādyakṣarato
gaṇanayā yāvanmantrādyakṣaraṃ tatsaṃkhyaṃ tridhā kṛtvā
saptabhihṛtvā adhikaṃ ṛṇaṃ śeṣaṃ dhanaṃ syāt | anyaditi
mantrādyakṣaramārabhya yāvat sādhakanāmādyakṣaraṃ bhavet
tāvatsaṃkhyāṃ saptaguṇaṃ kṛtvā tribhirharet
|| 58 ||

Eine andere Methode: Man zählt vom Anfangsbuchstaben des Namens bis zum Anfangsbuchstaben des Mantras, verdreifacht und teilt durch die mit „Vokale“ bezeichnete Zahl; bei der anderen Seite verfährt man umgekehrt. Der Sinn ist: Man zählt vom Namensanfang des Übenden bis zum Mantraanfang, verdreifacht die Anzahl und dividiert durch sieben. Das größere Ergebnis heißt Ṛṇa, das übrige Dhana. „Die andere Seite“ bedeutet: Man zählt vom Anfang des Mantras bis zum Anfang des Namens des Übenden, multipliziert mit sieben und dividiert durch drei.

P1-0166 · Originalnummer 66
nāmādicakraṃ sarveṣāṃ
bhūtacakraṃ tathaiva ca | traipuraṃ tārake cakre śuddhaṃ mantraṃ
japedbudhaḥ
|| 66 ||

Das Namensdiagramm gilt für alle, ebenso das Elementdiagramm. Der Verständige soll den Tripurā-Mantra wiederholen, nachdem er im Mondhausdiagramm geprüft wurde.

P1-0168 · Originalnummer 68
caṇḍikāyāstārakoṣṭhe gopāle'kaḍamaṃ smṛtam haracakre
sarvamantraṃ dhanādhikye na cāśrayet
|| 68 ||

Für Caṇḍikā gilt das Mondhausfeld, für Gopāla Akaḍama. Im Hara-Diagramm soll man keinen Mantra annehmen, wenn Dhana überwiegt. [Sarvamantram bedeutet wörtlich „jeden Mantra“; übersetzt ist die verneinte Anweisung.]

P1-0169 · Originalnummer 69
ṛṇādhikye śubhaṃ
vidyādghanādhikye ca no vidhiḥ | doṣān saṃśodhya
gṛhṇīyānmadhyadeśodbhavasya ca
|| 69 ||

Bei einem Übergewicht von Ṛṇa soll man Günstiges erwarten; bei einem Übergewicht von Dhana besteht keine [günstige] Vorschrift. Man bereinige die Fehler und empfange [den Mantra] auch von einem aus Madhyadeśa Stammenden. [Der letzte Bezug ist im überlieferten Satz nicht eindeutig.]

P1-0170 · Originalnummer 70
ṛṇī mantraḥ śubhaphalo
dhanī mantro'śubhapradaḥ | tulyaṃ yadā śubhaphalaṃ kathito
munisattamaiḥ
|| 70 ||

Ein Ṛṇi-Mantra bringt günstige Frucht, ein Dhani-Mantra ungünstige. Bei Gleichheit wird günstige Frucht verheißen, so haben es die besten Weisen gesagt.

P1-0172 · Originalnummer 72
atha dīkṣāprakaraṇam :
gurudīkṣāpūrvadine svaśiṣyamabhimantrayet |
darbhaśayyāṃ pariṣkṛtya śiṣyaṃ tatra niveśayet
|| 72 ||

Nun der Abschnitt über die Einweihung: Am Tag vor der Einweihung soll der Guru seinen Schüler mit Mantras besprechen, ein Lager aus Darbha-Gras herrichten und den Schüler darauf Platz nehmen lassen.

P1-0173 · Originalnummer 73
svāpamantreṇa mantrajñaḥ śiśoḥ śikhāṃ prabandhayet |
tanmantraṃ svāpasamaye paṭhedvāratrayaṃ śiśuḥ
|| 73 ||

Der Mantrakundige soll den Haarschopf des Schülers mit dem Schlafmantra binden. Zur Schlafenszeit soll der Schüler diesen Mantra dreimal rezitieren.

P1-0176 · Originalnummer 76
mantrāntaram : svapamānasya mantro'yaṃ śambhunā
parikīrtitaḥ | namo jaya trinetrāya piṅgalāya mahātmane | rāmāya
viśvarūpāya svapnādhipataye namaḥ | svapne kathaya me tathyaṃ
sarvakāryeṣvaśeṣataḥ | kriyāsiddhiṃ vidhāsyāmi
tvatprasādānmaheśvara | iti mantreṇa sacchiṣyo devaṃ prārthya
svapecca vā | svapne śubhāśubhaṃ dṛṣṭaṃ pṛcchetprātaḥ śiśuṃ
guruḥ | kanyāṃ chatraṃ rathaṃ dīpaṃ prāsādaṃ kamalaṃ nadīm |
kuñjaraṃ vṛṣabhaṃ mālyaṃ samudraṃ phaṇinaṃ drumam |
parvataṃ turagaṃ medhyamāmamāṃsaṃ surāsavam | evamādīni
sarvāṇi dṛṣṭvā siddhimavāpnuyāt | iti mantrasiddhijñāpanārthaṃ
śiṣyābhimantraṇam
|| 76 ||

Ein anderer Mantra: Śambhu hat diesen Mantra für den Schlafenden verkündet: „Verehrung; Sieg dem Dreiäugigen, dem Gelblichbraunen, dem Großgeistigen; dem Rāma, dem Allgestaltigen, dem Herrn der Träume Verehrung. Sage mir im Traum die Wahrheit über sämtliche Angelegenheiten ohne Ausnahme. Durch deine Gnade werde ich das Gelingen der Handlung herbeiführen, o Maheśvara.“ Mit diesem Mantra kann der gute Schüler die Gottheit anrufen und dann schlafen. Am Morgen soll der Guru den Schüler fragen, welche günstigen oder ungünstigen Dinge er im Traum gesehen hat. Sieht er ein Mädchen, einen Schirm, einen Wagen, eine Lampe, einen Palast, eine Lotusblüte, einen Fluss, einen Elefanten, einen Stier, einen Blumenkranz, das Meer, eine Schlange, einen Baum, einen Berg, ein Pferd, reines rohes Fleisch oder einen alkoholischen Trank und andere derartige Dinge, erlangt er Vollendung. So erfolgt das Besprechen des Schülers, um das Gelingen des Mantras erkennen zu lassen. [Rāmāya ist die überlieferte Lesung; medhyam āmamāṃsam ist als „reines rohes Fleisch“ getrennt.]

P1-0177 · Originalnummer 77
atha dīkṣāyāṃ kālanirṇaya :
gautamīye : mantrārambhastucaitre syāt samastapuruṣārthadaḥ |
vaiśākhe ratnalābhaḥ syāt jyaiṣṭhe tu maraṇaṃ bhavet | āṣāḍe
bandhunāśaḥ syāt pūrṇāyuḥ śrāvaṇe bhavet | prāṇanāśo
(prajānāśo) bhavedbhādre āśvine ratnasañcayaḥ
|| 77 ||

Nun die Bestimmung der Einweihungszeit. Im Gautamīya: Der Beginn der Mantrapraxis im Caitra gewährt sämtliche menschlichen Lebensziele; im Vaiśākha erlangt man Edelsteine, im Jyaiṣṭha tritt Tod ein, im Āṣāḍha Verlust der Verwandten, im Śrāvaṇa volle Lebensdauer. Im Bhādra entsteht Verlust des Lebens [Lesart: Verlust der Nachkommen], im Āśvina eine Ansammlung von Edelsteinen.

P1-0178 · Originalnummer 78
kārtike
mantrasiddhiḥ syāt mārgaśīrṣe tathā bhavet | pauṣe tu śatru - pīḍā
syāt māghe medhāvivarddhanam
|| 78 ||

Im Kārttika wird der Mantra vollendet, ebenso im Mārgaśīrṣa. Im Pauṣa entsteht Bedrängnis durch Feinde, im Māgha nimmt die geistige Auffassungskraft zu.

P1-0182 · Originalnummer 82
tathā : jyaiṣṭhe mṛtyupradā vidyā āṣāḍhe sukhasampadaḥ |
iti yoginīhṛdayādāṣāḍhe śrīvidyāyāṃ na doṣaḥ | tatra māsaḥ
saura eva | saure māsi śubhā dīkṣā na cāndre na ca tārake iti
gautamīyāt |
vaiśampāyana - saṃhitāyān : mantrasyārambhaṇaṃ meṣe
dhandhānyapradaṃ bhavet | vṛṣe maraṇamāpnoti
mithuse'patyanāśanam | karkaṭe mantrasiddhiḥ syāt siṃhe
medhavināśanam | kanyā lakṣmīpradā nityaṃ tulāyāṃ
sarvasiddhayaḥ vṛścike svarṇalābhaḥ syāt dhanurmānavināśakam |
makaraḥ puṇyadaḥ proktaḥ kumbhoḥ dhanasamṛddhidaḥ | mīno
duḥkhaprado nityamevaṃ māsavidhikramaḥ
|| 82 ||

Ferner: „Im Jyaiṣṭha bringt die Vidyā Tod, im Āṣāḍha Fülle des Glücks.“ Nach dieser Aussage des Yoginīhṛdaya besteht im Āṣāḍha bei der Śrīvidyā kein Fehler. Gemeint ist dabei ausschließlich ein Sonnenmonat; denn im Gautamīya heißt es: „Im Sonnenmonat ist die Einweihung günstig, nicht nach dem Mondmonat oder dem Sternmonat.“ In der Vaiśampāyanasaṃhitā: Der Mantrabeginn im Widder bringt Geld und Getreide; im Stier erlangt man Tod, in den Zwillingen Verlust der Nachkommen, im Krebs Mantravollendung, im Löwen Verlust des Verstandes. Die Jungfrau gewährt stets Wohlstand, die Waage sämtliche Vollendungen, der Skorpion Goldgewinn, der Schütze Ehrverlust. Steinbock gilt als verdienstbringend, Wassermann als Reichtumsmehrung, Fische stets als leidbringend. So lautet die Reihenfolge der Monatsregeln.

P1-0205 · Originalnummer 5
ārdrākṛttikayorniṣedhastu śivavahnītaraviṣaye
tathā ca : ārdrāyāṃ kṛttikāyāñca mantrārambhaḥ
praśasyate | yadīśasya kṛśānorvā mantrārambho yathākramam
|| 5 ||

Das Verbot von Ārdrā und Kṛttikā betrifft jedoch andere Gottheiten als Śiva und Feuer. Denn es heißt: Der Beginn der Mantrapraxis bei Ārdrā und Kṛttikā wird gepriesen, wenn es sich entsprechend um einen Mantra Īśas, also Śivas, beziehungsweise Kṛśānus, des Feuers, handelt.

P1-0206 · Originalnummer 6
tantrāntare : aśvinī - bharaṇī - svātī - viśākhāhastabheṣu ca |
jyeṣṭhottarātrayeṣvevaṃ
tasā0 2
kuryānmantrābhiṣecanam | iti jyeṣṭhābharaṇyoryadvidhānaṃ
tatrāmaviṣayamagastyasaṃhitoktatvāt
|| 6 ||

In einem anderen Tantra: Bei Aśvinī, Bharaṇī, Svātī, Viśākhā, Hastā, Jyeṣṭhā und den drei Uttara-Mondhäusern soll man die Mantra-Weihe durch Besprengung vollziehen. Die hier gegebene Vorschrift für Jyeṣṭhā und Bharaṇī betrifft Rāma, weil sie in der Agastyasaṃhitā steht. [„tasā0 2“ ist ein redaktioneller Druck- oder Seitenvermerk der Vorlage, kein übersetzbarer Grundtext.]

P1-0211 · Originalnummer 11
tathā : sthiralagnaṃ viṣṇumantre śivamantre caraḥ śubham |
dvisvabhāvataṃ lagnaṃ śaktimantre praśasyate
|| 11 ||

Ferner: Für einen Viṣṇu-Mantra ist ein festes Zeichen als Aszendent günstig, für einen Śiva-Mantra ein bewegliches; für einen Śakti-Mantra wird ein Zeichen doppelter Natur gepriesen.

P1-0231 · Originalnummer 31
jānīyācchobhanaṃ kālaṃ mantrasya grahaṇaṃ prati | īṣe caiva
viśeṣeṇa kārtike ca viśeṣataḥ
|| 31 ||

Man soll die günstige Zeit für das Empfangen des Mantras erkennen, besonders im Āśvina und besonders im Kārttika.

P1-0232 · Originalnummer 32
sūryagrahaṇe viśeṣamāha ratnāvalīdhṛtayāmale : śrīparā -
kāli bījāni lopādaurgaśca yo manuḥ | sūryasya grahaṇe labdho
nṛṇāṃ muktiphalapradaḥ
|| 32 ||

Eine Besonderheit für Sonnenfinsternisse nennt das in der Ratnāvalī angeführte Yāmala: Die Bījas Śrīs, Parās und Kālīs, der mit lopa bezeichnete [Mantra] und der Durgā-Mantra gewähren Menschen die Frucht der Befreiung, wenn sie bei einer Sonnenfinsternis empfangen werden. [Lopā ist in dieser Aufzählung nicht sicher deutbar.]

P1-0242 · Originalnummer 42
sarve vārā grahāḥ
sarve nakṣatrāṇi ca rāśayaḥ | yāsminnahani mantrajño guruḥ sarve
śubhāvahāḥ
|| 42 ||

Alle Wochentage, Planeten, Mondhäuser und Tierkreiszeichen sind glückverheißend an jenem Tag, an dem der mantrakundige Guru [die Einweihung erteilt].

P1-0244 · Originalnummer 44
atha vakṣyāmi dīkṣāyāḥ sthānaṃ tantrānusārataḥ |
gośālāyāṃ gorurgehe devāgāre ca kānane | puṇyakṣetre
tathodyāne nadītīre ca mantravit | dhātrī bilvasamīpe ca parvatāgre
guhāsu ca | gaṅgāyāstu taṭe vāpi koṭikoṭiguṇaṃ bhavet
|| 44 ||

Nun werde ich die Orte der Einweihung nach dem Tantra nennen: in einem Kuhstall, im Haus des Gurus, in einem Tempel, im Wald, an einer verdienstvollen Stätte, in einem Garten, am Flussufer, nahe einem Dhātrī- oder Bilva-Baum, auf einem Berggipfel und in Höhlen [kann] der Mantrakundige [einweihen]. Am Ufer der Gaṅgā ist die Wirkung millionenfach über millionenfach.

P1-0246 · Originalnummer 46
vārāhītantre : śukro'sto yadi vā vṛddhī gurvādityo
bhavedyadi | meṣavṛścika - siṃheṣu tadā doṣo na vidyate |
mahāvidyāsu sarvāsu kālādi - vicāro nāsti taduktaṃ
muṇḍamālātantre : kālādiśodhanaṃ nāsti na cāmitrādidūṣaṇam
|| 46 ||

Im Vārāhītantra: Wenn Venus untergegangen beziehungsweise vṛddhī ist oder Jupiter und Sonne [in der bezeichneten Stellung] sind, besteht in Widder, Skorpion und Löwe kein Fehler. [Der erste Satz ist beschädigt und die genaue astrologische Konstellation nicht sicher verständlich.] Bei sämtlichen Mahāvidyās entfällt die Zeitprüfung und dergleichen. So im Muṇḍamālātantra: „Es gibt keine Bereinigung der Zeit und keine Beeinträchtigung durch Feinde und Ähnliches.“

P1-0253 · Originalnummer 53
śrī vidyāviṣaye punaḥ : anāmāmadhyamāyāśca
mūlāgrañca dvayaṃ dvayam | kaniṣṭhāyāśca tarjanyāstrayaṃ
parva sureśvari | anāmāyā madhyamāyāśca meruḥ syāddvitayaṃ
śubham | prādakṣiṇakramāddevi | japettripurasundarīm | iti
yāmalavacanāt
|| 53 ||

Für Śrīvidyā dagegen: Grund- und Spitzenglied des Ringfingers und des Mittelfingers, jeweils zwei, sowie die jeweils drei Glieder des kleinen Fingers und des Zeigefingers, o Herrin der Götter, [sind die Zählstellen]. Die beiden mittleren Glieder von Ring- und Mittelfinger bilden den günstigen Meru. Im Rechtsumlauf, o Göttin, soll man Tripurasundarī rezitierend verehren. So lautet das Wort des Yāmala.

P1-0263 · Originalnummer 63
tatrāyamarthaḥ : akārādivarṇān pratyekaṃ savindu kṛtvā
anuloma vilomakrameṇa śataṃ saṃjapya akārādīnāṃ varṇānāṃ
kavargādīnāñcāntyavarṇa sānusvāraṃ kṛtvā pūrvamuccārya
paścāt mantrajapaḥ karttavyaḥ | anena
prakāreṇāṣṭottaraśatasaṃkhyajapo bhavati | antaryajana
ityupalakṣaṇam
|| 63 ||

Der Sinn ist: Man versieht die Buchstaben von a an jeweils mit Bindu und rezitiert in aufsteigender und absteigender Reihenfolge hundertmal. Danach spricht man jeweils den letzten Buchstaben der Vokalgruppe und der Gruppen von ka an mit Anusvāra vor und wiederholt anschließend den Mantra. So entsteht eine Japa-Zahl von 108. „Inneres Verehrungsritual“ bezeichnet dabei nur beispielhaft eine Anwendung.

P1-0264 · Originalnummer 64
tathā ca : sabindu varṇamuccārya paścānmantraṃ
japedbudhaḥ | akārādi kṣakārāntaṃ binduyuktaṃ vibhāvya ca |
varṇāmālā samākhyātā anuloma vilomikā | iti nāradavacanāt
|| 64 ||

So sagt Nārada: Der Verständige spreche einen Buchstaben mit Bindu und wiederhole danach den Mantra. Man vergegenwärtige die Buchstaben von a bis kṣa mit Bindu. Diese auf- und absteigende Folge heißt Buchstaben-Mālā.

P1-0265 · Originalnummer 65
prakārāntaraṃ viśuddheśvare : anulomavilomena
vargāṣṭakavibhedataḥ | mantreṇāntaritān varṇān varṇenāntaritān
manūn | kuryādvarṇamayīṃ mālāṃ sarvatantraprakāśinīm |
caramārṇaṃ merurūpaṃ laṅghanaṃ naiva kārayet
|| 65 ||

Eine andere Methode im Viśuddheśvara: Man bilde aufsteigend und absteigend, unterschieden nach den acht Lautgruppen, eine Buchstaben-Mālā, die alle Tantras erhellt: zwischen den Buchstaben stehen Mantras und zwischen den Mantras Buchstaben. Der letzte Buchstabe hat die Gestalt des Meru; ihn soll man nicht überschreiten.

P1-0267 · Originalnummer 67
atha vaiśampāyanasaṃhitāyā :
pralayānalataḥ pūrvaṃ rudrarūpeṇa mūrtinā | uddhṛtaṃ
pṛthīvībījamato'nte taṃ niyojayet | pralayoddharitaṃ bījaṃ
lakāramanalāt punaḥ | dvilakāravidhāvatra punarante niyojayet etena
lakāradvayaṃ jñeyamiti
|| 67 ||

Nun in der Vaiśampāyanasaṃhitā: Einst wurde das Erdbīja von der Gestalt Rudras aus dem Feuer der Weltauflösung herausgehoben; darum soll man es am Ende einsetzen. Das bei der Auflösung gerettete Bīja la wird nochmals aus dem Feuer [genommen]. Nach der Vorschrift zweier la-Laute setzt man es erneut ans Ende. Daraus sind zwei la-Laute zu verstehen. [Die genaue lautliche Durchführung setzt das nicht mitgelieferte Diagramm beziehungsweise eine intakte Parallelfassung voraus.]

P1-0268 · Originalnummer 68
atha mālāyāṃ maṇinirṇayaḥ
padmabījādibhirmālā bahiryoge śṛṇusva tāḥ | rudrākṣa -
śaṅkha - padmākṣajāvaputraka - mauktikaiḥ |
sphāṭikairmaṇiratnaiśca sauvarṇairvidrumaistathā | rājataiḥ
kuśamūlaiśca gṛhasthasyākṣamālikā
|| 68 ||

Nun die Bestimmung der Perlen einer Mālā: Höre von den Mālās aus Lotussamen und anderen Stoffen für die äußere Praxis. Die Gebetskette des Hausvaters kann aus Rudrākṣa, Muschelstücken, Lotussamen, Jīvaputraka-Samen, Perlen, Kristall, Edelsteinen, Gold, Korallen, Silber und Kuśa-Wurzeln bestehen.

P1-0273 · Originalnummer 73
bhairavāvidyāṃ tu vārāhītantre : suvarṇamarṇibhirmālāṃ
sphāṭikīṃ śaṅkhanirmitām | pravālaireva vā kuryāt putrajīvaṃ
vivarjayet | padmākṣañcaiva rudrākṣaṃ bhadrākṣañca viśeṣataḥ
|| 73 ||

Für die Bhairava-Vidyā heißt es im Vārāhītantra: Man fertige eine Mālā aus Goldperlen, Kristall, Muscheln oder Korallen. Putrajīva, Lotussamen, Rudrākṣa und besonders Bhadrākṣa soll man meiden. [Die Vorlage hat bhairavāvidyā; die Zuordnung zu Bhairava oder Bhairavī ist ohne Paralleltext nicht sicher.]

P1-0274 · Originalnummer 74
tripurāmantrajapādau tu raktacandanabījādibhiratipraśastā |
tathā ca tantre : raktacandanamālā tu bhogamokṣapradā bhavet
|| 74 ||

Für die Rezitation des Tripurā-Mantras sind dagegen rote Sandelholzperlen und Ähnliches besonders gepriesen. So im Tantra: Eine rote Sandelholz-Mālā gewährt Genuss und Befreiung.

P1-0277 · Originalnummer 77
mahāśaṅkhastu tantre : mṛlalāṭāsthikhaṇḍena racitā
japamālikā | mahāśaṅkhamayī mālā tārāvidyājape priye |
karṇanetrāntarasthāsthi mahāśaṅkhaḥ prakīrtitaḥ
|| 77 ||

Mahāśaṅkha wird im Tantra erklärt: Eine aus Stirnknochen eines Toten gefertigte Japa-Kette heißt Mahāśaṅkha-Mālā für die Rezitation der Tārā-Vidyā, o Geliebte. Der Knochen zwischen Ohr und Auge wird Mahāśaṅkha genannt. [Mṛlalāṭa ist eine beschädigte Schreibung; die Bedeutung des Bestandteils „Toter“ ergibt sich aus dem Kontext.]

P1-0279 · Originalnummer 79
atha gautamīye : pañcāśallipirmālā vihitā sarva karmasu |
akārādikṣakārāntā akṣamālā prakīrtitā | kṣavarṇaṃ
merumukhaṃ tatra kalpayenmunisattama | anayā sarvamantrāṇāṃ
japaḥ sarvasamṛddhidaḥ |
cāmuṇḍātantre : nityaṃ japaṃ kare kuryānna tu
kāmyamabodhanāt | japamapi kare kuryānmālābhāve tu sundari |
kāmanābhede tu gautamīye : viśeṣeṇākṣasūtrasya
vidhānamiha lakṣyate | pañcaviṃśatibhirmokṣaṃ
triṃśadbhardhanasiddhaye | sarvārthāḥ saptaviṃśatyā
pañcadaśyābhicārike | pañcāśadbhiḥ kāmyasiddhiḥ syāttathā
caturottaraiḥ | aṣṭottaraśataiḥ sarvasiddhiruktā manīṣibhaḥ
|| 79 ||

Nun im Gautamīya: Eine Mālā aus den fünfzig Schriftzeichen ist für alle Handlungen vorgeschrieben; die Folge von a bis kṣa heißt Akṣamālā. Den Buchstaben kṣa bestimme als Meru-Kopf, o bester Weiser. Japa aller Mantras mit ihr gewährt jeden Wohlstand. Im Cāmuṇḍātantra: Den täglichen Japa soll man an der Hand zählen, nicht aber den wunschbezogenen [die Begründung abodhanāt ist unklar]. Fehlt eine Mālā, o Schöne, kann man auch Japa an der Hand zählen. Zu unterschiedlichen Wünschen heißt es im Gautamīya: Hier wird eine besondere Regel für die Gebetskette gezeigt. Mit fünfundzwanzig Perlen erreicht man Befreiung, mit dreißig Wohlstand, mit siebenundzwanzig sämtliche Ziele, mit fünfzehn feindgerichtete Rituale. Mit fünfzig entsteht die Erfüllung eines Wunsches, ebenso mit vier zusätzlichen [also vierundfünfzig]; mit 108 wird von den Weisen jede Vollendung verheißen.

P1-0283 · Originalnummer 83
kuśāsane
mantrasiddhirnātra kāryā vicāraṇā | dharaṇyāṃ
duḥkhasambhūtirdaurbhāgyaṃ dārujāsane
|| 83 ||

Auf einem Kuśa-Sitz entsteht Mantravollendung; darüber braucht keine Prüfung vorgenommen zu werden. Sitzt man auf bloßem Boden, entsteht Leid; auf einem Holzsitz Unglück.

P1-0286 · Originalnummer 86
tathā ca gautamīye : tathā mṛdvāsane mantrī
paṭājinakuśottara iti
|| 86 ||

So im Gautamīya: Ebenso [sitze] der Mantrapraktizierende auf einem weichen Sitz, der mit Stoff, Fell und Kuśa geschichtet ist.

P1-0289 · Originalnummer 89
atha mālāsaṃskāra :
yāmale : apratiṣṭhitamālābhirmantraṃ japati yo naraḥ | sarva
tanniṣphalaṃ vidyāt kruddhā bhavati devatā
|| 89 ||

Nun die Weihe der Mālā. Im Yāmala: Wer mit ungeweihten Mālās einen Mantra rezitiert, dessen gesamte Praxis gilt als fruchtlos; die Gottheit wird erzürnt.

P1-0295 · Originalnummer 95
kasyacinmate mūlavidyayā grathayet |
tathā ca ekavīrākalpe : mātṛkāvarṇato granthiṃ vidyayā
vātha kārayet | suvarṇādiguṇairvāpi grathayet sādhakottamaḥ |
brahmagranthi tato dadyānnāgapāśamathāpi vā | kavacenātha
vadhnīyānmālāṃ dhyānaparāyaṇaḥ sarvaśeṣaṃ tato meruṃ
sūtradvayasamanvitam | grathayettārayogena badhnīyāt
sādhakottamaḥ | evaṃ niṣpādya deveśi pratiṣṭhāñca samācaret
|| 95 ||

Nach anderer Auffassung soll man mit der Grund-Vidyā auffädeln. So im Ekavīrākalpa: Der beste Übende knüpfe die Knoten mit den Mātṛkā-Buchstaben oder mit der Vidyā; er kann auch auf Goldfäden und ähnlichen Schnüren auffädeln. Danach knüpfe er einen Brahma-Knoten oder eine Nāga-Schlinge. Der der Meditation Hingegebene binde die Mālā mit der Kavaca-Formel. Zuletzt fädle der beste Übende den Meru auf zwei Schnurenden auf und binde ihn unter Verwendung des Tāra. Hat man sie so fertiggestellt, o Herrin der Götter, soll man die Einsetzung vollziehen.

P1-0300 · Originalnummer 100
kālikāpurāṇeḥ : brahmagranthiyutaṃ kuryāt pratibījaṃ
yathāsthitam | athavā granthirahitaṃ dṛḍharajjusamanvitam | evaṃ
nirmāya mālāṃ vai śodhayenmunisattama
|| 100 ||

Im Kālikāpurāṇa: Man versehe jede einzelne Perle an ihrer Stelle mit einem Brahma-Knoten oder fertige die Mālā ohne Knoten mit einer festen Schnur. Nachdem sie so hergestellt ist, reinige man sie, o bester Weiser.

P1-0302 · Originalnummer 3
sadyojātamantrastu : oṃ sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya
vai namaḥ | bhave bhavenādibhave bhajasva māṃ bhavedbhavāya vai
namaḥ | candanāguru - gandhādyairvāmadevena gharṣayet |
vāmadevamantrasu : oṃ vāmadevāya namo jyeṣṭhāya namo
rudrāya namaḥ kālāya namaḥ kalavikaraṇāya namo balavikaraṇāya
namo bala pramathanāya namaḥ sarvabhūtadamanāya namo
manonmathanāya | dhūpayettāmaghoreṇa |
aghoramantrasu : oṃ aghorebhyo'tha ghirebhyo
ghoraghoratarebhyaḥ sarvataḥ sarvasarvebhyo namaste'stu
rudrarūpebhyaḥ | lepayettatpuruṣeṇa tu |
tatpuruṣamantrastu : oṃ tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya
dhīmahi tatro rudraḥ pracodayāt | mantrayet pañcamenaivaṃ
pratyekantu śataṃ śatam | meruñca mantrayecaiva mūlena ca śataṃ
śatam |
muṇḍamālāyam : pañcamenaiva mantreṇa pratyekantu śataṃ
śatam | meruñca pañcamenaiva tathā mantreṇa mantraye | pratyekantu
sakṛt sakṛditi vā | tatraiva : pratyekaṃ mantrayenmantrī pañcamena
sakṛt sakṛditi |
tathā ca gautamīye samudāyamālāmadhikṛtya : pañcamenaiva
sūktena śatānyūnena mantrayediti darśanānmālāyāṃ vā
śatajapaḥ kāryaḥ |
pañcamantrastu : oṃ īśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ
sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo'dhipatiḥ brahmā śivo
me'stu sadāśivom | pratyekantu sakṛt sakṛditi vā |
tathā ca tatraiva : pratyekaṃ mantrayenmantrī pañcamena sakṛt |
tatrā bāhya yajeddevaṃ yathāvibhavavistaraiḥ
|| 3 ||

Der Sadyojāta-Mantra: „Oṃ. Zu Sadyojāta nehme ich Zuflucht; Sadyojāta sei Verehrung. In Geburt um Geburt, im Nicht-Geborenwerden [die Vorlage bhavenādibhave ist beschädigt], wende dich mir zu. Dem Entstehen des Werdens sei Verehrung.“ Man reibe die Mālā mit Sandelholz, Adlerholz und anderen Duftstoffen ein, während man Vāmadeva rezitiert. Der Vāmadeva-Mantra: „Oṃ. Vāmadeva sei Verehrung; dem Ältesten Verehrung; Rudra Verehrung; der Zeit Verehrung; dem Umgestalter der Teile Verehrung; dem Umgestalter der Kräfte Verehrung; dem Zerschmetterer der Kraft Verehrung; dem Bändiger aller Wesen Verehrung; dem Erschütterer des Geistes Verehrung.“ Man beräuchere sie mit Aghora. Der Aghora-Mantra: „Oṃ. Den nicht Furchtbaren und den Furchtbaren und den noch furchtbareren Furchtbaren – überall, allen sämtlichen Rudra-Gestalten sei meine Verehrung.“ Man bestreiche sie mit Tatpuruṣa. Der Tatpuruṣa-Mantra: „Oṃ. Jenen Puruṣa möchten wir erkennen; über Mahādeva meditieren wir. Möge Rudra uns dazu anregen.“ Dann bespreche man jede einzelne Perle hundertmal mit dem fünften Mantra, ebenso den Meru und [die Perlen] hundertmal mit dem Grundmantra. Im Muṇḍamālā: Jede einzelne Perle hundertmal mit dem fünften Mantra und ebenso den Meru mit diesem; oder jeweils nur einmal. Ebendort: Der Mantrakundige bespreche jede einzelne mit dem fünften jeweils einmal. Da im Gautamīya über die Mālā als Ganzes gesagt wird, man solle sie mit dem fünften Sūkta „mit nicht weniger als hundert“ besprechen, soll man alternativ über der ganzen Mālā hundertmal rezitieren. Der fünfte Mantra: „Oṃ. Īśāna ist Herr sämtlicher Wissensgebiete, Īśvara aller Wesen, Herr des Brahman, Herr Brahmās. Brahman, Śiva sei mir [gegenwärtig], Sadāśiva, oṃ.“ Oder jede einzelne nur einmal; denn ebendort heißt es: „Der Mantrakundige bespreche jede einzelne einmal mit dem fünften.“ Danach verehre man die Gottheit äußerlich entsprechend den verfügbaren Mitteln und in angemessener Ausführlichkeit. [Die Originalzählung überspringt 2. Die Mantra-Lesungen enthalten ghirebhyo statt ghorebhyo und tatro statt tanno; die deutschen Bezüge sind aus dem Zusammenhang erschlossen, der Sanskritwortlaut bleibt sichtbar erhalten.]

P1-0303 · Originalnummer 4
mālāyāḥ
prāṇapratiṣṭhānantaraṃ devatāṃ pūjayet |
tathā ca sanatkumāratantre : saṃskṛtyaivaṃ budho mālāṃ
tatprāṇāṇāṃstatra yojayet mūlamantreṇa tāṃ mālāṃ pūjayed
dvijasattamaḥ
|| 4 ||

Nach der Einsetzung der Lebenskraft in die Mālā soll man die Gottheit verehren. So im Sanatkumāratantra: Nachdem der Verständige die Mālā so geweiht hat, verbinde er ihre Lebenskräfte mit ihr. Der beste Zweimalgeborene verehre die Mālā mit dem Grundmantra.

P1-0304 · Originalnummer 5
vārāhītantre : māle māle mahāmāle sarvatattvasvarūpiṇi
caturvargasatvayi nyastastasmānme siddhidā bhava | māyābījādikaṃ
kṛtvā raktapuṣpaiḥ samarcayet | iti śaktiviṣayam
|| 5 ||

Im Vārāhītantra: „O Mālā, Mālā, große Mālā, deren Wesen sämtliche Grundprinzipien sind! Die vier Lebensziele sind in dich gelegt; darum verleihe mir Vollendung.“ Man setze das Māyā-Bīja voran und verehre sie mit roten Blumen. Dies betrifft Śakti.

P1-0305 · Originalnummer 6
viṣṇu - viṣaye tu yāmale : vāgbhavañca tathā
lakṣmīmakṣādimālikāṃ tataḥ | ṅe'ntāṃ hṛdayavarṇāntāṃ
mantreṇānena pūjayet | mantrayenmūlamantreṇa
krameṇotkramayogataḥ : tathaiva mātṛkāvarṇairmantrayettantu
mantravit
|| 6 ||

Für Viṣṇu heißt es dagegen im Yāmala: Zuerst Vāgbhava, dann Lakṣmī, danach akṣamālikā mit Dativendung und am Schluss das Herz-Wort: Mit diesem Mantra soll man verehren. Man bespreche sie mit dem Grundmantra vorwärts und rückwärts, ebenso mit den Mātṛkā-Buchstaben; so verfahre der Mantrakundige. [Die Formel ist verschlüsselt: Vāgbhava und Lakṣmī bezeichnen Bījas, das Herz-Wort gewöhnlich namaḥ; die Quelle schreibt die rezitierbare Gesamtform nicht aus.]

P1-0307 · Originalnummer 8
homakarmaṇyaśaktaśceddviguṇaṃ japamācaret | nānyamantraṃ
japenmantrī kampayenna vidhūnayet
|| 8 ||

Ist man zum Feueropfer nicht imstande, führe man die doppelte Japa-Zahl aus. Der Mantrapraktizierende soll [auf dieser Mālā] keinen anderen Mantra rezitieren, sie nicht zittern lassen und nicht schütteln.

P1-0310 · Originalnummer 11
japānte karṇadeśe vā uccadeśe'thavā nyaset |
oṃ tvaṃ māle sarvadevānāṃ sarvasiddhipradā matā |
tena satyena me siddhiṃ dehi mātarnamo'stu te ityuktā paripūjyārtha
gopayedyatnato gṛhī
|| 11 ||

Am Ende des Japa lege man sie an die Ohrgegend oder an einen erhöhten Ort. Man spreche: „Oṃ. Du, o Mālā, giltst als Geberin sämtlicher Vollendungen aller Gottheiten. Durch diese Wahrheit verleihe mir Vollendung, o Mutter; dir sei Verehrung.“ Nachdem er so gesprochen und sie verehrt hat, bewahre der Hausvater sie sorgfältig verborgen.

P1-0316 · Originalnummer 17
prakārāntaramāgamakalpadrume : bhūtaśuddhyādikāṃ
pūjāṃ samāpya tatra pūjayet | gaṇeśa - sūrya - viṣṇavīśāna
durgāścāvāhya mantravit
|| 17 ||

Eine andere Methode im Āgamakalpadruma: Nach Abschluss der Verehrung mit Elementreinigung und den übrigen Vorhandlungen verehre man dort [die Mālā]. Der Mantrakundige rufe Gaṇeśa, Sūrya, Viṣṇu, Īśāna und Durgā herbei.

P1-0317 · Originalnummer 18
pañcagavye tataḥ kṣiptvā
hesaurmatreṇa mantravit | tasmāduttolyaṃ tāṃ mālāṃ svarṇapātre
nidhāya ca
|| 18 ||

Dann lege der Mantrakundige sie unter Verwendung des als hesau bezeichneten Mantras in die fünf Kuhprodukte. Er nehme sie heraus und lege sie in ein Goldgefäß. [Die Lesung hesaur ist nicht gesichert und wird nicht zu einer vermeintlich sicheren Bīja-Formel ergänzt.]

P1-0319 · Originalnummer 20
kramādatraiva saṃsthāpya
snāpayet śītalairjalaiḥ | tataścandanagandhena kastūrī -
kuṃkumādibhiḥ | tāmālipya hesormantramaṣṭottaraśataṃ japet
|| 20 ||

Man lasse sie dabei an dieser Stelle und bade sie mit kühlem Wasser. Dann bestreiche man sie mit Sandelholzduft, Moschus, Kuṃkuma und anderen Duftstoffen und rezitiere den hesau-Mantra 108-mal. [Auch hier ist die Formel in der Vorlage nicht sicher lesbar.]

P1-0321 · Originalnummer 22
atha puraścaṇam :
yoginīhṛdaye : gurorājñāṃ samādāya śuddhāntaḥkaraṇo
naraḥ | tataḥ puraskriyāṃ kuryānmantrasiddhikāmyayā
|| 22 ||

Nun Puraścaraṇa. Im Yoginīhṛdaya: Nachdem ein Mensch die Erlaubnis des Gurus erhalten hat und sein Inneres gereinigt ist, soll er die vorbereitende Praxis vollziehen, um Mantravollendung zu erlangen.

P1-0322 · Originalnummer 23
tasya nityatāmāha : jīvahīno yathā dehī sarvakarmasu na
kṣamaḥ puraścaraṇahīno'pi tathā mantra prakīrtitaḥ | tasmādādau
svayaṃ kuryādguruṃ vā kārayedbudhaḥ
|| 23 ||

Ihre Verbindlichkeit wird so erklärt: Wie ein Körper ohne Lebenskraft zu keiner Handlung fähig ist, so gilt auch ein Mantra ohne Puraścaraṇa. Darum vollziehe der Verständige sie zuerst selbst oder lasse sie vom Guru vollziehen.

P1-0327 · Originalnummer 28
aśvatthāmalakīmūlaṃ
gośālā jalamadhyataḥ | devatāyatanaṃ kūlaṃ samudrasya
nijālayam | sādhane ca praśastāni sthānānyetāni mantriṇām
|| 28 ||

… die Wurzel eines Aśvattha- oder Āmalakī-Baumes, ein Kuhstall, mitten im Wasser, ein Götterheiligtum, die Meeresküste oder die eigene Wohnung: Diese Orte sind für die Praxis der Mantrakundigen gepriesen.

P1-0330 · Originalnummer 31
tathā : gṛhe śataguṇaṃ vidyādgoṣṭhe lakṣaguṇaṃ bhavet |
koṭirdevālaye puṇyamanantaṃ śivasannidhau
|| 31 ||

Ferner: Im Haus gilt die Wirkung als hundertfach, im Kuhgehege hunderttausendfach, im Tempel das Verdienst als zehnmillionenfach und in Gegenwart Śivas als unbegrenzt.

P1-0337 · Originalnummer 38
yatra grāme
japenmantrī tatra kūrmaṃ vicintayet
|| 38 ||

Wenn der Mantrapraktizierende in einem Dorf rezitiert, soll er dort das Kūrma-Diagramm berücksichtigen.

P1-0340 · Originalnummer 41
atha puraścaraṇe bhakṣyādiniyama :
gautamīye : puraścaraṇakṛnmantrī bhakṣyābhakṣyaṃ
vicārayet | anyathā bhojanāddoṣāt siddhihāniḥ prajāyate
|| 41 ||

Nun die Vorschriften über erlaubte Speisen und Ähnliches bei Puraścaraṇa. Im Gautamīya: Der Mantrapraktizierende, der Puraścaraṇa vollzieht, soll erlaubte und unerlaubte Speisen prüfen; andernfalls entsteht durch den Fehler beim Essen Verlust der Vollendung.

P1-0341 · Originalnummer 42
śastānnañca samaśnīyānmantrasiddhisamīhayā | tasmānnityaṃ
prayatnena śastānnāśī bhavennaraḥ
|| 42 ||

Wer Mantravollendung anstrebt, esse zulässige Nahrung. Darum soll der Mensch sich stets sorgfältig von zulässiger Nahrung ernähren.

P1-0349 · Originalnummer 51
rāmārcanacandrikāyām : maithunaṃ tatkathālāpaṃ
tadgoṣṭhīṃ parivarjayet | ṛtukālaṃ vinā mantrīsvastriyaṃ
nābhisaṃspṛśet
|| 51 ||

In der Rāmārcanacandrikā: Man meide Geschlechtsverkehr, Gespräche darüber und Zusammenkünfte zu diesem Zweck. Außer zur empfängnisfähigen Zeit soll der Mantrapraktizierende seine eigene Frau nicht geschlechtlich berühren.

P1-0352 · Originalnummer 54
mantraṃ
japtvānnapānīyaiḥ snānācamanabhojanam | kuryādyathoktavidhinā
trisandhyāṃ devatārcanam
|| 54 ||

Nach Rezitation des Mantras [über] Nahrung und Trinkwasser vollziehe man Baden, rituelles Wasserschlürfen und Essen nach der beschriebenen Vorschrift und verehre die Gottheit zu den drei Tagesübergängen. [Die syntaktische Verbindung von Mantra, Nahrung und den Reinigungshandlungen ist verkürzt.]

P1-0353 · Originalnummer 55
trisandhyamekasandhyaṃ vā na
mantraṃ kevalaṃ japet | śaktyā triṣavaṇaṃ snānamaśaktau dve
sakṛcca vā
|| 55 ||

[Man verehre sie] zu den drei Tagesübergängen oder zu einem; man soll nicht nur den Mantra rezitieren. Nach Möglichkeit bade man dreimal täglich, bei Unvermögen zweimal oder einmal.

P1-0362 · Originalnummer 64
bahupralāpī cācamya
nyāsyāṅgāni tato japet | kṣute'pyevaṃ tathā'spṛśyasthānānāṃ
sparśane'pi ca | evamādīṃśca niyamān puraścaraṇakṛccaret
|| 64 ||

Wer viel geredet hat, vollziehe Ācamana, setze dann die Mantras in die Körperglieder ein und rezitiere weiter. Ebenso nach dem Niesen und nach Berührung unberührbarer Stellen. Diese und ähnliche Regeln soll der Puraścaraṇa-Übende einhalten.

P1-0367 · Originalnummer 69
devatāgurumantraṇāmaikyaṃ sambhāvayan dhiyā | japedekamanāḥ
prātaḥkālānmadhyandināvadhi
|| 69 ||

Die Einheit von Gottheit, Guru und Mantra im Geist vergegenwärtigend, rezitiere man mit gesammeltem Geist vom frühen Morgen bis zum Mittag.

P1-0373 · Originalnummer 75
bhūśayyā
brahmacāritvaṃ maunañcācāryasevitā | nityāṃ triṣavaṇaṃ
snānaṃ kṣudrakarmavivarjanam | nityapūjā nityadānaṃ
devatāstutikīrtanam | naimittikārcanañcaiva viśvāso gurudevayoḥ |
japaniṣṭhā dvādaśaite dharmāḥ syurmantrasiddhidāḥ
|| 75 ||

Schlafen auf dem Boden, Brahmacarya, Schweigen, Dienst am Lehrer, tägliches dreimaliges Baden, Vermeidung niedriger Handlungen, tägliche Verehrung, tägliches Geben, Lobpreis und Singen der Gottheit, anlassbezogene Verehrung, Vertrauen in Guru und Gottheit und Beständigkeit im Japa: Diese zwölf Verhaltensweisen gewähren Mantravollendung.

P1-0379 · Originalnummer 81
tatraiva naikavāsā
japenmantraṃ bahuvastrākulo'pi vā
|| 81 ||

Ebendort: Man rezitiere den Mantra weder nur mit einem Kleidungsstück noch durch viele Kleidungsstücke eingeengt.

P1-0383 · Originalnummer 85
tatrāntare : manaḥsaṃharaṇaṃ śaucaṃ maunaṃ
mantrārthacintanam | avyagratvamanirvedo japasampattihetavaḥ |
uṣṇiṣī kañcukī nagno muktakeśo gaṇāvṛtaḥ |
apavitrakaro'śuddhaḥ pralapanna japet kvacit
|| 85 ||

In einem anderen Tantra: Sammlung des Geistes, Reinheit, Schweigen, Nachdenken über die Mantrabedeutung, Ungestörtheit und Freiheit von Niedergeschlagenheit bewirken das Gelingen des Japa. Mit Kopfbinde oder Obergewand bekleidet, nackt, mit offenem Haar, von einer Menge umgeben, mit unreiner Hand, unrein oder redend soll man niemals rezitieren. [Kañcukin bezeichnet eine besondere Oberbekleidung; ihre genaue Form wird hier nicht bestimmt.]

P1-0385 · Originalnummer 87
tathā ca : aśucirvāpi śucirvāpi gacchaṃstiṣṭhan svapannapi |
mantraikaśaraṇo vidvān manasaiva sadābhyaset | na doṣo mānase
jāpye sarvadeśe'pi sarvadā
|| 87 ||

So heißt es: Ob unrein oder rein, gehend, stehend oder selbst im Schlaf, soll der Wissende, der allein im Mantra Zuflucht nimmt, ihn stets im Geist üben. Beim geistigen Japa besteht zu keiner Zeit und an keinem Ort ein Fehler.

P1-0386 · Originalnummer 88
śyāmādividyājape tu
tatprakaraṇe viśeṣo draṣṭavyaḥ
|| 88 ||

Bei der Rezitation der Śyāmā-Vidyā und anderer Vidyās sind die Besonderheiten im jeweiligen Abschnitt zu beachten.

P1-0393 · Originalnummer 95
gautamīye : śaktyā triṣavarṇa snānamaśakto dviḥ sakṛcca vā
| trisandhyaṃ prajapenmantraṃ pūjanañca samaṃ bhavet |
sandhyātraye pūjāṅgatvātjapamaṣṭottaraśatamityarthaḥ
|| 95 ||

Im Gautamīya: Nach Möglichkeit bade man dreimal täglich, bei Unvermögen zweimal oder einmal. Zu den drei Tagesübergängen rezitiere man den Mantra und vollziehe ebenso oft die Verehrung. Gemeint ist Japa von 108 Wiederholungen als Bestandteil der Verehrung zu den drei Tagesübergängen.

P1-0396 · Originalnummer 98
manaḥ
saṃhṛtya viṣayānmantrārthagatamānasaḥ | na drutaṃ na vilambañca
japenmauktikahāravat
|| 98 ||

Man ziehe den Geist von den Sinnesgegenständen zurück und richte ihn auf die Mantrabedeutung. Weder schnell noch schleppend rezitiere man, gleich einer Perlenkette.

P1-0400 · Originalnummer 2
mantramuccārayedvācā sa japo vācikaḥ smṛtaḥ |
uccairjapādviśiṣṭaḥ syādupāṃśurdaśabhirguṇaiḥ
|| 2 ||

Wenn man den Mantra mit der Stimme ausspricht, heißt dies hörbares Japa. Leises Japa übertrifft lautes um das Zehnfache.

P1-0403 · Originalnummer 6
manasā yatsmaretstotraṃ vacasā vā manuṃ smaret | ubhayaṃ
niṣphalaṃ yāti bhinnabhāṇḍodakaṃ yathā
|| 6 ||

Wenn man ein Stotra im Geist vergegenwärtigt oder einen Mantra mit der Stimme vergegenwärtigt, geht beides fruchtlos verloren, wie Wasser aus einem zerbrochenen Gefäß. [Dieser Quellensatz steht in Spannung zu den unmittelbar vorher anerkannten Japa-Arten; er wird nicht still zu einer anderen Vorschrift umformuliert.]

P1-0404 · Originalnummer 7
gautamīye : paśubhāve sthitā mantrāḥ proktā varṇāstu
kevalāḥ | sauṣumnadhvanyuccaritā prabhutvaṃ prāpnuvanti te
|| 7 ||

Im Gautamīya: Mantras im Paśu-Zustand sind lediglich Buchstaben. Auf dem Weg der Suṣumṇā ausgesprochen, erlangen sie Wirkmacht.

P1-0405 · Originalnummer 8
mantrākṣarāṇi citśaktau protāni paribhāvayet | tameva
paramavyomni paramānandavṛṃhite | darśayatyātmasadbhāvaṃ
pūjāhomādibhirvinā
|| 8 ||

Man vergegenwärtige die Mantrasilben als in die Bewusstseinskraft eingereiht. Diese [Kraft beziehungsweise der so belebte Mantra] offenbart im höchsten Raum, der vom höchsten Glück erfüllt ist, die wahre Gegenwart des Selbst, auch ohne Verehrung, Feueropfer und Ähnliches. [Das Bezugswort tameva ist im Satz nicht eindeutig.]

P1-0406 · Originalnummer 9
gautamīye daśākṣarapaṭale : mūlamantraṃ prāṇabuddhyā
suṣumnāmūladeśake | mantrārthaṃ tasya caitanyaṃ jīvaṃ
dhyātvā punaḥ punaḥ
|| 9 ||

Im Zehnsilben-Abschnitt des Gautamīya: Den Grundmantra am Wurzelort der Suṣumṇā als Lebenskraft verstehend, meditiere man immer wieder über seine Bedeutung, sein Bewusstsein und seine Lebensgegenwart. [Der Satz ist grammatisch verkürzt.]

P1-0408 · Originalnummer 11
jātasūtakamādau syādante ca mṛtasūtakam | sūtakadvayasaṃyukto
yo mantraḥ sa na sidhyati
|| 11 ||

Am Anfang besteht Geburtsunreinheit, am Ende Todesunreinheit. Ein mit beiden Unreinheiten verbundener Mantra wird nicht wirksam.

P1-0409 · Originalnummer 12
gurostadrahitaṃ kṛtvā mantraṃ
yāvajjapeddhiyā | sūtakadvayanirmuktaḥ sa mantraḥ sarvasiddhidaḥ
|| 12 ||

Nachdem man ihn durch den Guru von diesen befreit hat, rezitiere man ihn im Geist. Von beiden Unreinheiten frei gewährt der Mantra sämtliche Vollendungen. [Die Worttrennung am Anfang ist nicht sicher.]

P1-0410 · Originalnummer 13
tatraiva : tasmāddevi ! prayatnena dhruveṇa puṭitaṃ manum |
aṣṭottaraśataṃ vāpi saptavāraṃ japāditaḥ | japānte ca tato
japyāccaturvargaphalāptaye | brahmabījaṃ manordattvā cādyante
parameśvari | saptavāraṃ japenmantraṃ sūtakadvayamuktaye
|| 13 ||

Ebendort: Darum soll man, o Göttin, den Mantra sorgfältig mit Dhruva umhüllen und vor dem Japa sowie am Ende 108-mal oder siebenmal wiederholen, um die Früchte der vier Lebensziele zu erlangen. Man setze das Brahma-Bīja an Anfang und Ende des Mantras, o höchste Herrin, und rezitiere ihn siebenmal zur Befreiung von beiden Unreinheiten. [Dhruva und Brahma-Bīja bezeichnen hier verschlüsselt den Praṇava.]

P1-0411 · Originalnummer 14
mantrārthaṃ mantracaitanyaṃ yonimudrāṃ na vetti yaḥ | śatakoṭi
japenāpi tasya siddhirna jāyate
|| 14 ||

Wer die Bedeutung des Mantras, sein lebendiges Bewusstsein und die Yoni-Mudrā nicht kennt, für den entsteht selbst durch hundertmal zehn Millionen Wiederholungen keine Vollendung.

P1-0412 · Originalnummer 15
luptabījāśca ye mantrā na
sāsyanti phalaṃ priye | mantrāścaitanyasahitāḥ sarvasiddhikarāḥ
smṛtāḥ
|| 15 ||

Mantras mit verlorenen Bījas tragen keine Frucht, o Geliebte. Mit Bewusstsein verbundene Mantras gelten als sämtliche Vollendungen bewirkend.

P1-0413 · Originalnummer 16
caitavya rahitā mantrāḥ proktā varṇāstu kevalāḥ |
phalaṃ naiva prayacchanti lakṣakoṭi śataṃrapi
|| 16 ||

Mantras ohne Bewusstsein sind lediglich Buchstaben; sie tragen selbst bei Hunderttausenden, Millionen und hunderten Millionen Wiederholungen keine Frucht.

P1-0414 · Originalnummer 17
mantroccāre kṛte
yādṛk svarūpaṃ prathamaṃ bhavet | śate sahasre lakṣe vā koṭijāpe
na tatpalam
|| 17 ||

Die Gestalt beziehungsweise Erfahrung, die beim ersten bewussten Aussprechen des Mantras entsteht, [erlangt man] nicht als solche Frucht durch hundert, tausend, hunderttausend oder zehn Millionen [mechanische] Wiederholungen. [Der Vergleichssatz ist verkürzt; die Ergänzungen erläutern den Gegensatz im Zusammenhang.]

P1-0416 · Originalnummer 19
sakṛduccariteṣpyevaṃ mantre
caitavyasaṃyute | dṛśyante pratyayā yatra pārasparyaṃ taducyate
|| 19 ||

Wenn diese Zeichen bereits beim einmaligen Aussprechen eines mit Bewusstsein verbundenen Mantras sichtbar werden, heißt dies Pārasparya, wechselseitige Entsprechung. [Die Bezeichnung ist als überlieferter Fachausdruck bewahrt.]

P1-0417 · Originalnummer 20
māsamātraṃ japenmantraṃ bhūtalipyādi saṃyutam |
kramotkramātsahasrastu tasya siddho bhavenmanuḥ
|| 20 ||

Man rezitiere einen Monat lang den Mantra zusammen mit der Bhūtalipi und anderen Lautfolgen, aufsteigend und absteigend tausendmal; dann wird sein Mantra vollendet.

P1-0433 · Originalnummer 36
nṛsiṃhatāpanoye'pi : sāvitrīṃ praṇavaṃ yajurlakṣmīṃ
strīśūdrayornecchanti sa mṛto'dhogacchati necchantīti paryantaṃ
parāśarabhāṣye'pi govindabhaṭṭa dhṛtam |
svāhāpraṇavasaṃyuktaṃ śūdre mantraṃ dadadvijaḥ | śūdro
nirayamāpnoti brāhmaṇo yātyadhogatim | yajurvedaḥ | lakṣmīḥ
śrībījamityarthaḥ
|| 36 ||

Auch im Nṛsiṃhatāpanīya: „Sāvitrī, Praṇava, Yajus und Lakṣmī wollen sie für Frauen und Śūdras nicht [zulassen]; wer [sie verwendet], geht nach dem Tod abwärts.“ Bis zu „wollen sie nicht“ wird der Satz auch von Govindabhaṭṭa im Parāśara-Kommentar angeführt. Wenn ein Zweimalgeborener einem Śūdra einen mit Svāhā und Praṇava verbundenen Mantra gibt, gerät der Śūdra in die Hölle und der Brahmane geht abwärts. Yajus bedeutet Yajurveda, Lakṣmī das Śrī-Bīja. [Der Zitatanfang ist syntaktisch beschädigt.]

P1-0434 · Originalnummer 37
tathā nārāyaṇakalpe'pi : aṣṭākṣaro mahāmantraḥ
saptārṇaḥ śūdrayoṣitoḥ | praṇavādiśca yo mantro na strīśūdre
praśasyate | iti sarvatra strīṇāṃ śūdravadvyavahāraḥ | śūdrasyāpi
svakarttṛkahoma iti kecit
|| 37 ||

Auch im Nārāyaṇakalpa: Der acht-silbige große Mantra hat für Śūdras und Frauen sieben Silben. Ein mit Praṇava beginnender Mantra wird für Frauen und Śūdras nicht gepriesen. So werden Frauen überall wie Śūdras behandelt. Einige meinen jedoch, auch ein Śūdra dürfe selbst das Feueropfer vollziehen.

P1-0435 · Originalnummer 38
tathā ca vārāhītantre : yadi kāmī bhavatyatra śūdro'pi
homamarmaṇi | vahnijāyāṃ parityajya hṛdayāntena homayet
|| 38 ||

So im Vārāhītantra: Wenn auch ein Śūdra ein wunschbezogenes Feueropfer ausführen will, soll er die „Gemahlin des Feuers“, also svāhā, weglassen und mit der Herz-Endung, also namaḥ, opfern.

P1-0439 · Originalnummer 42
vīrātantre : niyamaḥ puruṣe jñeyā na yoṣitsu kathañcacana |
nyāso yoṣitāmatra na dhyānaṃ na ca pūjanam |
kevalaṃjapamātreṇa mantrāḥ sidhyanti yoṣitām | ācāryamate
viprabhojane'pyanukalpaḥ
|| 42 ||

Im Vīrātantra: Die Regeln gelten für Männer, keineswegs für Frauen. Für Frauen gibt es hier weder Nyāsa, Meditation noch Verehrung als notwendige Bedingung; allein durch Japa werden ihre Mantras vollendet. Nach Auffassung des Lehrers besteht auch bei der Brahmanenspeisung eine Ersatzmöglichkeit.

P1-0444 · Originalnummer 47
tataśca : guruve dakṣiṇāndadyādbhojanācchādanādibhiḥ |
gurusantoṣamātreṇa mantrasiddhirbhaveddhruvam | gurorabhāve
tatputrāya tatpatnyai vā nivedayet | tayorabhāve deveśi
brāhmaṇebhyo nivedayet
|| 47 ||

Danach gebe man dem Guru eine Ehrengabe, Speisen, Kleidung und Ähnliches. Allein durch die Zufriedenstellung des Gurus wird der Mantra gewiss vollendet. Ist der Guru abwesend, gebe man es seinem Sohn oder seiner Frau; fehlen auch diese, o Herrin der Götter, gebe man es Brahmanen.

P1-0445 · Originalnummer 48
samyak siddhaikamantrasya
pañcāṅgopāsanena ca | sarve mantrāśca sidyanti tatprasādāt
kuleśvari
|| 48 ||

Für den, dessen einer Mantra durch die fünfgliedrige Verehrung richtig vollendet ist, werden durch dessen Gnade auch alle anderen Mantras vollendet, o Herrin des Kula.

P1-0446 · Originalnummer 49
gurumūlamidaṃ sarvamityāhustantravedinaḥ |
ekagrāme sthito nityaṃ gatvā vandeta vai gurum | gurureva paraṃ
brahma tasmādau tamarcayet | tadante mahatīṃ pūjāṃ
kuryāsādhakasattamaḥ | suvāsinīṃ kumārīñca bhuṣaṇairapi
bhūṣayet | miṣṭhānnaṃ bahuśaṃ kāryaṃ bhuñjīta bandhubhiḥ
saha | evaṃ siddhamanurmantrī sādhayetsakalepsitān
|| 49 ||

Die Tantra-Kundigen sagen, all dies wurzele im Guru. Wohnt man im selben Dorf, soll man täglich zu ihm gehen und sich verneigen. Der Guru ist das höchste Brahman; darum verehre man ihn zuerst. Am Ende vollziehe der beste Übende eine große Verehrung. Er schmücke eine verheiratete Frau und ein Mädchen auch mit Schmuckstücken, bereite reichlich süße Speisen und esse zusammen mit den Verwandten. So verwirkliche der Mantrapraktizierende mit vollendetem Mantra alle gewünschten Ziele.

P1-0447 · Originalnummer 50
matāntare puraścaraṇavidhiḥ
tantre : athavānyaprakāreṇa puraścaraṇamucyate |
grahaṇe'rkasya cendorvā śuciḥ pūrvomupositaḥ | nadyāṃ
samudragāminyāṃ nābhimātrodake sthitaḥ |
sparśādvimuktiparyantaṃ japenmantramananyadhīḥ
|| 50 ||

Puraścaraṇa nach einer anderen Auffassung. Im Tantra: Nun wird eine andere Art beschrieben. Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis sei man rein und habe zuvor gefastet. In einem ins Meer fließenden Fluss stehe man in Wasser bis zum Nabel und rezitiere mit ungeteilter Aufmerksamkeit vom ersten Kontakt bis zum Ende der Finsternis.

P1-0448 · Originalnummer 51
yadi nakrādidūṣitā nadī bhavati tadā yatkarttavyaṃ tadāha
rudrayāmale : api śuddhodake snātvā śucau deśe samāhitaḥ |
grāsādvimuktiparyantaṃ japenmantramananyadhīḥ | iti kṛtvā na
sandeho japasya phalabhāgbhavet
|| 51 ||

Ist der Fluss durch Krokodile oder andere Gefahren beeinträchtigt, nennt das Rudrayāmala das Vorgehen: Man bade auch in reinem Wasser und rezitiere dann gesammelt an einem reinen Ort mit ungeteilter Aufmerksamkeit vom Verschlungenwerden [Beginn der Finsternis] bis zur Freigabe. Wer dies tut, erlangt ohne Zweifel die Frucht des Japa.

P1-0449 · Originalnummer 52
nadyabhāve : yadvā puṇyodake snātvā śuciḥ
pūrvamupoṣitaḥ | grahaṇā divimokṣāntaṃ japenmantraṃ
samāhitaḥ
|| 52 ||

Fehlt ein Fluss: Oder man bade in heiligem Wasser, sei rein und habe zuvor gefastet; dann rezitiere man gesammelt vom Beginn bis zum Ende der Finsternis.

P1-0450 · Originalnummer 53
upavāsāsamarthe tu tatraiva : athavānyaprakāreṇa
pauraścāraṇikovidhiḥ | candrasūryoparāge ca snātvā
prayatamānasaḥ | sparśanādi vimokṣāntaṃ japenmantraṃ
samāhitaḥ | japāddaśāṃśato homaṃ tathā homāttutarpaṇam |
tarpaṇasya daśaṃśena cābhiṣekaṃ samācaret |
abhiṣekadaśāṃśena kuryādbrāhmaṇabhojanam | evaṃ kṛtvā tu
mantrasya jāyate siddhiruttamā
|| 53 ||

Bei Unvermögen zum Fasten heißt es ebendort: Oder eine andere Puraścaraṇa-Regel: Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis bade man und rezitiere mit reinem, gesammeltem Geist vom ersten Kontakt bis zum Ende. Mit einem Zehntel der Japa-Zahl vollziehe man das Feueropfer, entsprechend die Wassersättigung aus einem Zehntel des Feueropfers, die Besprengung aus einem Zehntel der Wassersättigung und die Brahmanenspeisung aus einem Zehntel der Besprengung. So entsteht höchste Mantravollendung.

P1-0451 · Originalnummer 54
gopāla mantra tarpaṇe tu homasaṃkhyatvam |
yathā : iha gopālamantrāṇāṃ tarpaṇaṃ homasaṃkhyayā
ityādi
|| 54 ||

Bei der Wassersättigung für Gopāla-Mantras gilt jedoch die gleiche Zahl wie beim Feueropfer. So heißt es: „Hier erfolgt die Wassersättigung der Gopāla-Mantras nach der Opferzahl“, und dergleichen.

P1-0452 · Originalnummer 55
dṛṣṭā snātvā sasaṅkalpo vimokṣāntaṃ japaṃ caret |
tāvadyajñādikaṃ kuryād grahaṇānte śuciḥ pumān | evaṃ
japānmantrasiddhirbhavatyeva na saṃśayaḥ | grahaṇe
japasyāvaśyakatvam
|| 55 ||

Nachdem man [die Finsternis] gesehen, gebadet und den Vorsatz gefasst hat, rezitiere man bis zu ihrem Ende. Nach der Finsternis vollziehe der reine Mensch die entsprechenden Opferhandlungen. Aus solchem Japa entsteht ohne Zweifel Mantravollendung. Dies begründet die Notwendigkeit des Japa bei einer Finsternis.

P1-0454 · Originalnummer 57
yoginīhṛdaye : kalpoktavidhinā mantro kuryāddhomādikaṃ
tataḥ | athavā taddaśāṃśena homādīṃśca samācaret
|| 57 ||

Im Yoginīhṛdaya: Danach vollziehe der Mantrapraktizierende Feueropfer und weitere Handlungen nach dem Ritualhandbuch oder jeweils mit einem Zehntel der vorhergehenden Zahl.

P1-0455 · Originalnummer 58
tathā : anantaraṃ daśāṃśena kramāddhīmādikañcaret |
tadante mahatīṃ pūjāṃ kuryādbrāhmaṇatoṣaṇam | tato mantrasya
siddhyarthaḥ guruṃ sampūjya toṣayet | evañca mantrasiddhiḥ
syāddevatā ca prasīdati
|| 58 ||

Ferner: Danach vollziehe man der Reihe nach Feueropfer und die übrigen Handlungen mit je einem Zehntel. Am Ende führe man eine große Verehrung aus und stelle die Brahmanen zufrieden. Zur Mantravollendung verehre und erfreue man danach den Guru. So wird der Mantra vollendet und die Gottheit gnädig.

P1-0462 · Originalnummer 65
tatra
tāvadbhūmeḥ parigrahaṃ kṛtvā puraścaṇaprāk tṛtīyadivase
kṣaurādikaṃ vidhāya vedikāyāścaturdikṣu krośaṃ krośadvayaṃ
vā kṣetraṃ caturasraṃ āhārādirvihārārthaṃ parikalpya tatra
kūrmacakrānurūpaṃ maṇḍapaṃ vidhāya ekabhaktaṃ kuryāt |
tataḥ paradine snānādikaṃ vidhāya śuddhaḥ san
vedikāyāścaturdikṣu aśvatthoḍumbaraplakṣāṇāmanyatamasya
vitastimātrāndaśakīlān oṃ sudarśanāya astrāya phaṭ iti
mantreṇāṣṭottaraśatābhimantri tānvedikāyā daśadikṣu oṃ ye cātra
vighnakartāro bhuvi divyantarikṣagāḥ | vighanabhūtāśca ye cānye
mama mantrasya siddhiṣu | mamaitatkīlitaṃ kṣetraṃ parityajya
vidūrataḥ | apasarpantu te sarve nirvighnaṃ siddhirastu me | ityanena
nikhanya teṣu oṃ sudarśanāya astrāya phaṭ iti astraṃ sampūjya teṣu
pūrvādikrameṇa indradilokapālānpūjayet |
yathā : bhūrbhuvaḥ svaḥ indralokapāla ihāgaccha ityāvāhya |
pañcopacāraiḥ pūjayet | evaṃkrameṇa anyānapi pūjayet
|| 65 ||

Zuerst nehme man das Gelände in Anspruch. Am dritten Tag vor Puraścaraṇa vollziehe man Rasieren und die übrigen Vorhandlungen. Für Essen und Aufenthalt bestimme man um den Altar in den vier Richtungen ein quadratisches Gelände von einem oder zwei Krośas und errichte dort einen Pavillon entsprechend dem Kūrma-Diagramm; man nehme nur eine Mahlzeit ein. Am folgenden Tag vollziehe man Baden und andere Reinigungshandlungen. Rein geworden, bespreche man zehn je eine Handspanne lange Pflöcke aus Aśvattha-, Uḍumbara- oder Plakṣa-Holz 108-mal mit „Oṃ. Dem Sudarśana, der Waffe, phaṭ“. Man schlage sie in den zehn Richtungen des Altars ein und spreche: „Oṃ. Alle, die hier Hindernisse schaffen, auf Erden, im Himmel oder im Zwischenraum, und alle weiteren, die der Vollendung meines Mantras entgegenstehen, sollen dieses von mir mit Pflöcken abgegrenzte Feld verlassen und weit fortgehen. Sie alle sollen weichen; meine Vollendung sei ohne Hindernis.“ Auf den Pflöcken verehre man die Waffe mit „Oṃ. Dem Sudarśana, der Waffe, phaṭ“, danach von Osten an die Welthüter wie Indra. Man rufe etwa: „Bhūr, bhuvaḥ, svaḥ. Indra, Welthüter, komm hierher“, und verehre mit fünf Darbringungen; ebenso der Reihe nach die anderen.

P1-0463 · Originalnummer 66
tathā ca muṇḍamālāyām : puṇyakṣetrādikaṃ gatvā
kuryādbhūmiparigraham | tathā hyamukamantrasya
puraścaraṇasiddhye | mayeyaṃ gṛhyate bhūmirmantro'yaṃ
sidhyatāmiti |
tathā ca : grāme krośamitaṃ sthānaṃ nadyādau svecchayā
matam | nagarādāvapi krośaṃ krośayugmamathāpi | (kṣetraṃ vā
yāvadiṣṭantu vihārārtha prakalpayet) | āhārādi vihārārthaṃ
tāvatīṃ bhūmimākramet | kṣīrivṛkṣodbhavānkīlān
astramantrābhimantritān | nikhaneddaśadigbhāge teṣvastrañca
prapūjayet | lokapālānpunasteṣuṃ gandhādyaiḥ pūjayetsudhīriti
|| 66 ||

So im Muṇḍamālā: Man gehe zu einer verdienstvollen Stätte und nehme das Gelände in Anspruch: „Zur Vollendung des Puraścaraṇa dieses bestimmten Mantras wird diese Erde von mir in Anspruch genommen; dieser Mantra möge wirksam werden.“ Im Dorf bestimme man einen Krośa, am Fluss und anderen Orten nach eigenem Ermessen; in einer Stadt einen oder zwei Krośas [Zusatzlesart: „Oder man bestimme für den Aufenthalt ein Gelände in der gewünschten Größe“]. So viel Land beanspruche man für Essen und Aufenthalt. Man schlage in den zehn Richtungen Pflöcke aus milchsafthaltigen Bäumen ein, die mit dem Waffenmantra besprochen wurden, verehre darauf die Waffe und danach die Welthüter mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

P1-0464 · Originalnummer 67
tato madhyasthāne kṣetrapālaṃ vāstvīśañca sampūjya
sarvavighnavināśārthaṃ gaṇapatiṃ pūjayet |
yathā : oṃ adyetyādi amukagotrī'mukadevaśarmā
matkarttavyāmukadevatāmukamantrapuraścaraṇakarmaṇi
sarvavighnavināśārthaṃ gaṇeśapūjāmahaṃ kariṣye | iti saṃkalpya
vedikāmadhye pañcopacārairgaṇeśaṃ pūjayet
|| 67 ||

Danach verehre man in der Mitte Kṣetrapāla und Vāstvīśa und zur Vernichtung sämtlicher Hindernisse Gaṇapati. Der Vorsatz lautet: „Oṃ. Heute [mit den weiteren Kalenderangaben], ich, [Name] Devaśarman aus dem [genannten] Gotra, werde bei dem von mir auszuführenden Puraścaraṇa des [genannten] Mantras der [genannten] Gottheit zur Vernichtung aller Hindernisse die Verehrung Gaṇeśas vollziehen.“ Nach diesem Vorsatz verehre man Gaṇeśa in der Mitte des Altars mit fünf Darbringungen. [Amuka ist in der Quelle ein ausdrücklich einzusetzender variabler Name, kein fehlender Sanskrittext.]

P1-0465 · Originalnummer 68
taduktam : kṣetrapālādikaṃ tatra pūjayedvidhivattataḥ |
kṣetreśaṃ vāstunāmānaṃ vighnarājaṃ samarcayet | dikpālebhyo
baliṃ dadyāttataḥ | kṣetraṃ samāviśet | tato māsabhaktādinā
pūjitadevatābhyo baliṃ dadyāt |
tataḥ : oṃ ye raudrā rodrakarmāṇo raudrasthānanivāsinaḥ |
mātaro'pyugrarūpāśca gaṇādhipatayaśca ye | vighnabhūtāśca ye
cānye digvidikṣu samāśritāḥ | sarve te prītamanasaḥ
pratigṛhvantimaṃbalim | ityanena daśadikṣu bhūtebhyo baliṃ dadyāt
tato gāyatrīṃ japet |
tathā ca : prātaḥ snātvā tu gāyatryāḥ sahasraṃ prayato japet |
jñātājñātasya pāpasya kṣayārthaṃ prathamaṃ tataḥ iti
vidyādharācāryaḥ :
viprānsantarpaṃyedarthatoṣaṇācchādanāsanaiḥ |
bahubhirvastrabhūṣābhiḥ sampūjya gurumātmanaḥ | ārabheta
japaṃ paścāttadanujñāpuraḥsaramiti |
gāyatrī punastattaddevatāyāḥ yathā govindavṛndāvane :
japātpūrvaṃ japetkṛṣṇagāyatrīṃ sarvapāpahām |
ayutaikapramāṇena enaso nyūnahetave : iti
kṛṣṇāgāyatrīsvarasādanyatrāpi tathā ata eva strīśūdre
sādhāraṇamiti mādhavācāryaḥ | yattu prātaḥ snātvā tu sāvitryā
ayutaṃ prayato japediti tatpunaratyantapāpaśaṅkayā | oṃ adyetyādi
amukagotraḥ śrī amukadevaśarmā jñātājñātapāpakṣayakāmaḥ
aṣṭottarasahasrasāvitrījapamahaṃ kariṣye | iti saṅkalpya japet ayutaṃ
vā kuryāt | tata upavāsathaviṣyaṃ kuryāt | paradine uṣasi
snānādikaṃ kṛtvā svastivācanapūrvakaṃ saṅkalpaṃ kuryāt
|| 68 ||

So heißt es: Danach verehre man Kṣetrapāla und die weiteren nach Vorschrift, den Feldherrn namens Vāstu und den König der Hindernisse. Man gebe den Richtungshütern eine Bali-Gabe und betrete dann das Gelände. Den verehrten Gottheiten gebe man eine Bali aus Māṣa-Bohnenbrei und Ähnlichem. Dann gebe man den Wesen in den zehn Richtungen Bali mit: „Oṃ. Alle Furchtbaren mit furchtbaren Handlungen, die an furchtbaren Orten wohnen, die Mütter von schrecklicher Gestalt, die Führer der Scharen und alle weiteren Hindernismächte in den Haupt- und Zwischenrichtungen: Mögen sie alle mit erfreutem Geist diese Bali-Gabe annehmen.“ Danach rezitiere man die Gāyatrī. So Vidyādharācārya: „Am Morgen bade man und rezitiere zuerst sorgfältig tausendmal die Gāyatrī zur Vernichtung bekannter und unbekannter Sünden. Man stelle die Brahmanen durch Besitzgaben, Erfreuen, Kleidung und Sitze zufrieden; den eigenen Guru verehre man mit vielen Kleidern und Schmuckstücken. Danach beginne man mit seiner Erlaubnis den Japa.“ Die Gāyatrī meint jeweils die der betreffenden Gottheit. So im Govindavṛndāvana: Vor dem Japa rezitiere man zehntausendmal die alle Sünden vernichtende Kṛṣṇa-Gāyatrī, um die Verfehlung zu vermindern. Aus der ausdrücklichen Kṛṣṇa-Gāyatrī-Regel ergibt sich dies ebenso für andere Gottheiten; darum gilt es gleichermaßen für Frauen und Śūdras, so Mādhavācārya. Die andere Aussage „Am Morgen bade man und rezitiere sorgfältig zehntausendmal die Sāvitrī“ gilt dagegen bei Verdacht auf besonders schwere Sünde. Man fasse den Vorsatz: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben], ich, Śrī [Name] Devaśarman aus [Gotra], begehrend, bekannte und unbekannte Sünden zu vernichten, werde 1008 Wiederholungen der Sāvitrī vollziehen.“ Dann rezitiere man; oder man vollziehe zehntausend. Danach faste man oder esse Haviṣya. Am nächsten Tag bade man in der Morgendämmerung und fasse nach der glückverheißenden Verkündigung den Vorsatz.

P1-0466 · Originalnummer 69
oṃ adyetyādi amukagotraḥ śrī-amuktadevaśarmā amukadevatāyā
amukamantrasiddhipratibandhakāśeṣaduratakṣayapūrvaka -
tanmantrasiddhikāmo'dyārabhya yāvatā kālena setsyati
tāvatkālaṃ amukamantrasya iyat - saṃkhyaka japa -
taddaśāṃśahoma - taddaśāṃśahoma - taddaśāṃśatarpaṇa -
taddaśāṃśābhiṣeka - taddaśāṃśa - brahmaṇabhojana -
rūpapuraścaraṇamahaṃ kariṣye | iti saṅkalpya
bhūtaśuddhiprāṇāyāmādikaṃ kṛtvā svasvamudrāṃ
badhvāsvasvapaddhatyukta krameṇa devatāṃ sampūjya dīpe
prajvalitākārāṃ devatāṃ hṛdaye kṛtvā prātaḥkālamārabhya
madhyandinaṃ yāvatjapaṃ kuryāt | tato homastatastarpaṇam
|| 69 ||

„Oṃ. Heute [Kalenderangaben], ich, Śrī [Name] Devaśarman aus [Gotra], begehrend, nach Vernichtung sämtlicher Verfehlungen, die die Vollendung des [genannten] Mantras der [genannten] Gottheit verhindern, diesen Mantra zu vollenden, werde von heute an bis zu seinem Gelingen während der erforderlichen Zeit Puraścaraṇa dieses Mantras ausführen: Japa in dieser bestimmten Anzahl, Feueropfer mit einem Zehntel, [in der Vorlage erneut: Feueropfer mit einem Zehntel], Wassersättigung mit einem Zehntel, Besprengung mit einem Zehntel und Brahmanenspeisung mit einem Zehntel.“ Nach diesem Vorsatz vollziehe man Elementreinigung, Prāṇāyāma und die übrigen Vorhandlungen, forme die jeweils eigene Mudrā und verehre die Gottheit nach der in der eigenen Anleitung genannten Reihenfolge. Man vergegenwärtige im Herzen die Gestalt der Gottheit, die in der Lampe erstrahlt, und rezitiere vom Morgen bis zum Mittag. Danach folgt Feueropfer, dann Wassersättigung. [Der Sanskritvorsatz enthält eine doppelte Homa-Angabe; diese ist ausdrücklich bewahrt.]

P1-0468 · Originalnummer 71
athābhiṣekavākyam :
namo'ntaṃ mūlamuccārya amukadevatāmahamabhiṣiñcāmi
iti kalasamudrayā svamūrdhni abhiṣecayet |
tathā ca gautamīye : namo'ntaṃ mūlamuccāryaṃ tadante
devatābhidhām | dvitīyāntāmahaṃ paścādabhiṣiñcāmyanena tu |
abhiṣiñcatsvamūrddhānaṃ toyaiḥ kumbhākhyamudrayā
|| 71 ||

Nun die Formel zur Besprengung: Man spreche den Grundmantra mit namaḥ als Endung und danach „Ich besprenge [Name der Gottheit]“, und besprenge mit der Kalaśa-Mudrā den eigenen Scheitel. So im Gautamīya: Man spreche den auf namaḥ endenden Grundmantra, danach den Namen der Gottheit im Akkusativ und „ich besprenge“. Mit diesem Wort und Wasser in der als Kumbha bezeichneten Mudrā besprenge man den eigenen Kopf.

P1-0469 · Originalnummer 72
śakti viṣaye nīlatantre : mūlānte nāma coccārya siñcāmīti
namaḥ pādamiti |
tato brāhmaṇān bhojayitvā dakṣiṇāṃ kuryāt : oṃ adyetyādi
kṛtai tadamukadevatāyā amukamantra puraścaraṇakarmaṇaḥ |
sāṅgatārthaṃ dakṣiṇāmidaṃ kāñcanaṃ vahnidaivataṃ
amukagotrāya gurave tubhyamahaṃ sampradade
tato'cchidrāvadhāraṇaṃ kuryāt
|| 72 ||

Für Śakti heißt es im Nīlatantra: Am Ende des Grundmantras spreche man den Namen, „ich besprenge“ und das Wort namaḥ. Danach speise man Brahmanen und gebe die Ehrengabe mit: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben], damit dieses vollzogene Puraścaraṇa des [genannten] Mantras der [genannten] Gottheit vollständig mit allen Bestandteilen sei, übergebe ich dir, dem Guru aus [Gotra], als Ehrengabe dieses Gold, dessen Gottheit Feuer ist.“ Danach stelle man die Fehlerlosigkeit des Rituals fest.

P1-0470 · Originalnummer 73
atha grahaṇapuraścaraṇasaṅkalpaḥ :
tadyathā : oṃ adyetyādi rāhugraste divākare niśākare vā
amukagotraḥ śrī amukadevaśarmā amukadevatāyā
amukamantrasiddhikāmo grāsādvimukti paryantaṃ
amukadevatāmukamantrajaparūpa - puraścarṇamahaṃ kariṣye | iti
saṅkalpya japet | tatastaddine tatparadine vā snānaṃ vidhāya oṃ
adyetyādi amukamantrasya kṛtaitadamukagrahaṇa - kālīna-
amukadevatāmukamaṃtreyatsaṃkhyaka - japataddaśāṃśahoma -
taddaśāṃśa - tarpaṇa - taddaśāṃśābhiṣeka - taddaśāṃśa -
brāhmaṇabhojanakarmāṇyahaṃ kariṣye | iti saṅkalpya homādikaṃ
karma kṛtvā pūrvavaddakṣiṇādikaṃ kuryāditi
puraścaraṇaprayogaḥ
|| 73 ||

Nun der Vorsatz zum Finsternis-Puraścaraṇa: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben], da der Tagmacher oder Nachtmacher, Sonne oder Mond, von Rāhu verschlungen ist, werde ich, Śrī [Name] Devaśarman aus [Gotra], die Vollendung des [genannten] Mantras der [genannten] Gottheit begehrend, vom Verschlungenwerden bis zur Freigabe Puraścaraṇa in der Form des Japa dieses Mantras vollziehen.“ Nach dem Vorsatz rezitiere man. Dann bade man am selben oder am folgenden Tag und fasse den Vorsatz: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben] werde ich zu der während dieser bestimmten Finsternis vollzogenen Rezitation des [genannten] Mantras der [genannten] Gottheit das Feueropfer mit einem Zehntel der Japa-Zahl, die Wassersättigung mit einem Zehntel, die Besprengung mit einem Zehntel und die Brahmanenspeisung mit einem Zehntel ausführen.“ Man vollziehe diese Handlungen und gebe die Ehrengabe und die übrigen Abschlussgaben wie zuvor. Dies ist die Durchführung von Puraścaraṇa.

P1-0474 · Originalnummer 77
pucchasthaḥ pīḍyate mantrī
bandhanoccāṭanādibhiḥ | kūrmacakramidaṃ proktaṃ mantriṇāṃ
siddhidāyakam
|| 77 ||

Am Schwanz wird der Mantrapraktizierende durch Bindung, Vertreibung und ähnliche Wirkungen bedrängt. So wurde das Kūrma-Diagramm gelehrt, das Mantrapraktizierenden Vollendung gewährt.

P1-0476 · Originalnummer 79
atha mantrāṇāṃ daśasaṃkārāḥ
gautamīye : jananaṃ jīvanaṃ praścāttāḍanaṃ bodhanaṃ
tathā | athābhiṣeko vimalīkaraṇāpyāyane punaḥ | tarpaṇe dīpanaṃ
guptirdaśaitā mantrasaṃskriyāḥ
|| 79 ||

Nun die zehn Zurüstungen der Mantras. Im Gautamīya: Geburt, Belebung, Schlagen, Erweckung, Besprengung, Reinigung, Stärkung, Sättigung, Entzündung und Geheimhaltung: Dies sind die zehn Mantra-Zurüstungen.

P1-0480 · Originalnummer 83
atha mantrāṇāṃ daśasaṃkārā :
mantrāṇāṃ mātṛkāyantrāduddhāro jananaṃ smṛtam |
paṃktikrameṇa vidhinā munibhistatraniścitam |
prāṇavāntaritānkṛtvā mantravarṇāñjapetsudhīḥ | pratyekaṃ
śatavāraṃ tu jīvanaṃ tadudāhṛtam | daśasaṃkhyo vā japaḥ
|| 83 ||

Nun die zehn Mantra-Zurüstungen: Das Herausnehmen der Mantras aus dem Mātṛkā-Yantra wird Geburt genannt. Die Weisen haben dafür das Verfahren in Zeilenfolge festgelegt. Der Verständige versieht die Mantrasilben jeweils mit dem Praṇava und rezitiert jede hundertmal: Dies heißt Belebung. Oder die Japa-Zahl beträgt zehn.

P1-0481 · Originalnummer 84
viśvasāre : pṛthakśataṃ vā daśadhā
mantravarṇāñjapetsudhīriti | mantravarṇānsamālikhya
tāḍayeccandanāmbhasā | pratyekaṃ vāyubījena pūrvavattāḍanaṃ
matam | tāḍanaṃ śatadhā vā
|| 84 ||

Im Viśvasāra: Der Verständige rezitiere die Mantrabuchstaben einzeln hundert- oder zehnmal. Er schreibe sie auf und schlage jeden mit Sandelholzwasser unter Verwendung des Luft-Bījas wie zuvor. Dies gilt als Schlagen. Oder das Schlagen erfolgt hundertmal.

P1-0483 · Originalnummer 86
viśvasāre : daśadhā śṛṇu deveśi tāḍanaṃ parikīrtitam |
vilikhya mantravarṇāstu prasūnaiḥ karavīrajaiḥ |
tanmantravarṇasaṃkhyākairhanyādrepheṇa bodhanam
|| 86 ||

Im Viśvasāra: Höre, o Herrin der Götter: Das Schlagen wird zehnmal vorgeschrieben. Man schreibe die Mantrabuchstaben auf und schlage sie mit Oleanderblüten in der Anzahl seiner Buchstaben unter Verwendung des Lautes ra: Dies heißt Erweckung.

P1-0484 · Originalnummer 87
tantrāntare : vilikhyākṣarasaṃkhyākaiḥ puṣpai
raktahayāribhiḥ | mantravarṇānvahninaikamabhimantrya sakṛtsakṛt |
tattanmantrokta - vidhinā abhiṣekaḥ prakīrtitaḥ | aśvatthapallavaiḥ
siñcenmantrī mantrārṇasaṃkhyayā
|| 87 ||

In einem anderen Tantra: Man schreibe [den Mantra] auf und bespreche seine Buchstaben einzeln einmal mit Feuer [dem Feuer-Bīja], unter Verwendung roter Oleanderblüten in der Anzahl seiner Silben. Nach der Vorschrift des jeweiligen Mantras wird die Besprengung gelehrt: Der Mantrapraktizierende besprenge mit Aśvattha-Blättern in der Anzahl der Mantrasilben.

P1-0485 · Originalnummer 88
sañcintya manasā
mantraṃ suṣumnāmūlamadhyataḥ | jyotirmantreṇa
vidhivaddahenmalatrayaṃ yatiḥ
|| 88 ||

Der Entsagende vergegenwärtige den Mantra im Geist inmitten der Wurzel der Suṣumṇā und verbrenne mit dem Lichtmantra nach Vorschrift die drei Unreinheiten.

P1-0486 · Originalnummer 89
tāraṃ
vyomāgnimanuyugdaṇḍī jyotirmanurmataḥ | tāraṃ praṇavaḥ | vyomo
hakāraḥ | agnirephaḥ | manurokāraḥ | daṇḍī anusvāraḥ | tena oṃ hrau/
|| 89 ||

Tāra, Raum, Feuer, verbunden mit manu und dem „Stab“, gelten als Lichtmantra. Tāra ist der Praṇava; Raum ist ha; Feuer ist ra; manu ist o; der Stab ist Anusvāra. Daraus folgt „oṃ hrau/“. [So endet die Formel beschädigt in der Vorlage. Die Lauterklärung würde eine andere klare Endschreibung nahelegen; sie wird ohne Textvergleich nicht ergänzt.]

P1-0487 · Originalnummer 90
svarṇena kuśatoyena puṣpatoyena vā tathā | tena mantreṇa
vidhivadāpyāyanavidhiḥ smṛtaḥ
|| 90 ||

Mit Gold, Kuśa-Wasser oder Blütenwasser und jenem Mantra vollziehe man nach Vorschrift die Stärkung.

P1-0488 · Originalnummer 91
mantreṇa vāriṇā mantre
tarpaṇaṃ tarpaṇaṃ matam
|| 91 ||

Das Sättigen des Mantras mit mantra-besprochenem Wasser heißt Sättigung.

P1-0489 · Originalnummer 92
madhunā śaktimantre tu vaiṣṇave cendumajjalaiḥ | śaive
ghṛtena dugdhena tarpaṇaṃ samyagīritam | abhiṣeka'pi tathā
|| 92 ||

Bei einem Śakti-Mantra mit Honig, bei einem Viṣṇu-Mantra mit „cendumajjalaiḥ“ [beschädigte Flüssigkeitsangabe], bei einem Śiva-Mantra mit Ghī oder Milch: So wird die Sättigung richtig beschrieben; ebenso die Besprengung.

P1-0490 · Originalnummer 93
tāramāyā - ramāyoge manordīpanamucyate | japyamānasya
mantrasya gopanaṃ tvaprakāśanam
|| 93 ||

Die Verbindung des Mantras mit Tāra, Māyā und Ramā heißt Entzündung. Den rezitierten Mantra zu verbergen und nicht öffentlich bekannt zu machen heißt Geheimhaltung.

P1-0491 · Originalnummer 95
saṃskārāḥ daśa
samproktāḥ sarvatantreṣu gopitāḥ | yāna kṛtvā sāmpradāyena
mantrī vāñchitamāpnuyāt | malatrayamiti ānavyaṃ māyikaṃ
kārmaṇañceti ||
prapañcasāre : māyikaṃnāma yoṣolvaṃ pauruṣaṃ
kārmaṇaṃ malam | ānavyaṃ taddvayaṃ proktaṃ niṣiddhaṃ
tanmalatrayam
|| 95 ||

Diese zehn Zurüstungen wurden gelehrt und sind in allen Tantras geheim gehalten. Nachdem der Mantrapraktizierende sie nach seiner Tradition ausgeführt hat, erlangt er das Gewünschte. Die drei Unreinheiten sind die āṇavische, māyische und karmische. Im Prapañcasāra: Die māyische heißt die aus dem Weiblichen hervorgegangene, die karmische die männliche; die āṇavische wird als deren Verbindung bezeichnet. Diese dreifache Unreinheit ist ausgeschlossen beziehungsweise zu beseitigen. [Die Originalzählung überspringt 94; die Lesung yoṣolvaṃ ist beschädigt, die Zuordnung bleibt unsicher.]

P1-0492 · Originalnummer 96
tāramāyāramāyoge iti
tāramāyāramābījapuṭitaṃ mantramaṣṭottaraśataṃ japedityarthaḥ |
tathā ca viśvasāre : tāramāyāramābījapuṭitena japenmanum |
śatamaṣṭorañcaiva dīpayetsādhakottamaḥ
|| 96 ||

„Die Verbindung mit Tāra, Māyā und Ramā“ bedeutet: Man rezitiere den Mantra 108-mal, von den Bījas Tāra, Māyā und Ramā umhüllt. So im Viśvasāra: Der beste Übende rezitiere den mit diesen Bījas umhüllten Mantra 108-mal und entzünde ihn so.

P1-0493 · Originalnummer 97
atha kalāvatīdīkṣāprayogaḥ
śiṣyaḥ pūrvamupoṣitaḥ kṛtanityakriyaḥ
svastivācanapūrvakaṃ saṅkalpaṃ kuryāt ||
tadyathā : oṃ adyetyādi amukagotraḥ śrī-amukadevaśarmā
dharmārthakāmamokṣaprāptikāmaḥ amukadevatāyā
amukākṣaramantradīkṣāmahaṃ kariṣye iti saṅkalpya guruṃ
vṛṇuyāt | oṃ sādhu bhavanāstām oṃ sādhvahamāse iti prativacanam |
oṃ arcayiṣyāmo bhavantam, oṃ arcaya iti prativacanam | tato
gandhapuṣpavastrālaṅkārādibhirgurumabhyarcya dakṣiṇaṃ jānu
dhṛtvā paṭhet | oṃ adyetyādi amuka gotraḥ śrī amukadevaśarmā
amukadevatāyā matkarttṛkāmukamantradīkṣākarmaṇi amukagotraṃ
śrī amukadevaśarmāṇamebhiḥ gandhādibhirabhyarcya gurutvena
bhavantamahaṃ vṛṇe, oṃ vṛto'smītyuttaram | oṃ yathāvihitaṃ
gurukarma kuru, yathā jñānataḥ karavāṇīti prativacanam | tato
gururācamya dvāradeśe sāmānyārghyaṃ kuryāt |
tadyathā : svavāme trikoṇavṛtta bhūbimbaṃ vilikhya, oṃ
ādhāraśaktaye namaḥ iti sampūjya, phaḍiti mantreṇa arghyapātraṃ
prakṣālya, sādhāraṃ śaṅkhaṃ tatra nidhāya, namaḥ iti mantreṇa
jalenāpūrya, aṃkuśamudrayā oṃ gaṅge cetyādinā
sūryamaṇḍalāttīrthamāvāhya praṇavena gandhādīnnikṣipya,
dhenumudrāṃ pradarśya, omityaṣṭadhā daśadhā vā japet
|| 97 ||

Nun die Durchführung der Kalāvatī-Einweihung. Der Schüler habe zuvor gefastet und seine täglichen Pflichten vollzogen. Nach glückverheißender Verkündigung fasse er den Vorsatz: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben], ich, Śrī [Name] Devaśarman aus [Gotra], begehrend, Dharma, Besitz, Wunscherfüllung und Befreiung zu erlangen, werde die Einweihung in den [genannte Silbenzahl] Mantra der [genannten] Gottheit vollziehen.“ Dann wähle er den Guru: „Oṃ. Möge der Verehrte gut Platz nehmen.“ Antwort: „Oṃ. Ich nehme gut Platz.“ „Oṃ. Wir werden dich verehren.“ Antwort: „Oṃ. Verehre.“ Nach Verehrung des Gurus mit Duftstoffen, Blüten, Kleidern, Schmuck und weiteren Gaben fasse er dessen rechtes Knie und spreche: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben], ich, Śrī [Name] Devaśarman aus [Gotra], wähle bei der von mir zu vollziehenden Einweihung in den [genannten] Mantra der [genannten] Gottheit dich, Śrī [Name] Devaśarman aus [Gotra], nachdem ich dich mit diesen Duftstoffen und weiteren Gaben verehrt habe, als Guru.“ Antwort: „Oṃ. Ich bin gewählt.“ „Oṃ. Vollziehe die Tätigkeit des Gurus nach Vorschrift.“ Antwort: „Ich werde sie gemäß meinem Wissen vollziehen.“ Danach vollziehe der Guru Ācamana und bereite beim Eingang das allgemeine Arghya. Er zeichne links von sich ein Dreieck, einen Kreis und eine Erdenfigur, verehre mit „Oṃ. Der tragenden Kraft sei Verehrung“, reinige das Arghya-Gefäß mit phaṭ, stelle darauf eine Muschel mit Unterlage und fülle sie mit dem Mantra namaḥ mit Wasser. Mit der Aṅkuśa-Mudrā rufe er durch „Oṃ, o Gaṅgā …“ die heiligen Wasser aus dem Sonnenkreis herbei, gebe mit dem Praṇava Duftstoffe und weitere Gaben hinein, zeige die Dhenu-Mudrā und rezitiere oṃ acht- oder zehnmal. [Die Gaṅgā-Formel ist hier nur mit ihrem Anfang genannt; ihr fehlender Rest wird nicht erfunden.]

P1-0494 · Originalnummer 98
tathā ca : trikoṇabhūvṛttavimbamaṇḍalaṃ racayettataḥ |
ādhāraśakti sampūjya tatrādhāraṃ vinikṣipet | astreṇa pātraṃ
saṃśodhya hṛnmantreṇa prapūrayet | nikṣipettīrthamāvāhya
gandhādīnpraṇavena tu | darśayeddhenumudrāṃ vai
sāmānyārghyamidaṃ smṛtam | iti gautamīyavacanāt aṣṭadhā
praṇavajapaḥ | viśeṣārghyo tathādarśanāt | śyāmādau tu
daśadhā tadarghya tathādarśanāt | pātraṃ toyaiḥ prapūryātha
praṇavaṃ daśadhājapet | iti bhairavīyāt
|| 98 ||

So heißt es: Man zeichne ein Dreieck-Kreis-Erden-Maṇḍala, verehre die tragende Kraft und lege dort die Unterlage hin. Mit dem Waffenmantra reinige man das Gefäß, mit dem Herzmantra fülle man es. Man rufe das heilige Wasser herbei und gebe mit dem Praṇava Duftstoffe und weitere Gaben hinzu; dann zeige man die Dhenu-Mudrā. Dies heißt allgemeines Arghya. Nach diesem Wort des Gautamīya gilt achtmaliger Praṇava-Japa, wie beim besonderen Arghya ersichtlich. Bei Śyāmā und anderen Vidyās jedoch zehnmal, wie bei ihrem Arghya ersichtlich. Denn im Bhairavīya heißt es: „Man fülle das Gefäß mit Wasser und rezitiere den Praṇava zehnmal.“

P1-0495 · Originalnummer 99
tataḥ phaḍiti tajjapena
dvāramabhyukṣya dvārapūjāṃ kuryāt |
tadyathā : ūrddhoḍusvare oṃ vighnāya namaḥ, oṃ ahālakṣmyai
namaḥ, oṃ sarasvatyai namaḥ | dakṣiṇāśakhayāṃ oṃ vighnāya namaḥ
| vāmaśākhāyāṃ oṃ kṣetrapalāya namaḥ | tayoḥ pārśve oṃ
gaṅgāyai namaḥ | oṃ yamunāyai namaḥ | dehalyāṃ oṃ astrāya namaḥ
| iti puṣpavāribhiḥ pūjayet |
nibandhe : dvāramastrāmbubhiḥ prokṣya dvārapūjāṃ
samācaret | ūrddhoḍumbarake vighnaṃ mahālakṣmīṃ sarasvatīm |
tato dakṣiṇaśākhāyāṃ vighnaṃ kṣetreśamanyataḥ | tayoḥ
pārśvadvaye gaṅgāyamune puṣpavāribhiḥ | dehalyāmarcayedastraṃ
prati dvāramiti kramāt | aśaktaśceddvāradevatābhyo namaḥ
ityetāvanmātram
|| 99 ||

Dann besprenge man unter Rezitation von phaṭ den Eingang und verehre ihn. Am oberen Türbalken: „Oṃ. Dem Vighna sei Verehrung; oṃ, Mahālakṣmī sei Verehrung; oṃ, Sarasvatī sei Verehrung.“ Am rechten Pfosten: „Oṃ. Dem Vighna sei Verehrung“, am linken: „Oṃ. Kṣetrapāla sei Verehrung.“ An ihren Seiten: „Oṃ. Gaṅgā sei Verehrung; oṃ, Yamunā sei Verehrung.“ An der Schwelle: „Oṃ. Der Waffe sei Verehrung.“ So verehre man mit Blüten und Wasser. Im Nibandha: Man besprenge den Eingang mit Waffenmantra-Wasser, verehre am oberen Balken Vighna, Mahālakṣmī und Sarasvatī, am rechten Pfosten Vighna, am anderen den Feldherrn, an beiden Seiten Gaṅgā und Yamunā mit Blüten und Wasser und an der Schwelle die Waffe. Dies ist bei jedem Eingang die Reihenfolge. Bei Unvermögen nur: „Den Gottheiten des Eingangs sei Verehrung.“ [Ahālakṣmyai im ersten Satz ist nach dem folgenden Parallelvers als beschädigtes mahālakṣmyai verstanden.]

P1-0497 · Originalnummer 1
vaiṣṇave tu : nandaḥ sunandaścaṇḍaśca pracaṇḍo bala eva ca |
prabalo bhadranāmā ca subhado vighnavaiṣṇavāḥ | praṇavādi
namo'ntena nāmnā mantreṇa pūjayet
|| 1 ||

Im vaiṣṇavischen Bereich dagegen: Nanda, Sunanda, Caṇḍa, Pracaṇḍa, Bala, Prabala, Bhadra und Subhadra sind die vaiṣṇavischen [Tür- beziehungsweise Hinderniswächter]. Man verehre sie jeweils mit einem aus ihrem Namen gebildeten Mantra, der mit Praṇava beginnt und auf namaḥ endet.

P1-0498 · Originalnummer 2
tato
dakṣiṇapādaprakṣepapuraḥsaraṃ vāmaśākhāṃ spṛśaṃ
dakṣiṇāṅgaṃ saṅkocayanmaṇḍapāntaḥ praviśya nai-ṛtyāṃ oṃ
vāstupuruṣāya namaḥ oṃ brahmaṇe namaḥ iti pūjayet | tato
deyamantreṇa divyadṛṣṭyāvalokanāddivyānvighnānutsārya astrāya
phaṭ iti mantreṇa jalenāntarīkṣagānvighnānutsārya
vāmapārṣṇighātatrayeṇa bhaumānvighnānutsārya
phaḍitisaptajaptānvikārā nādāya : oṃ apasarpantu te bhūtā ye
bhūtā bhūvi saṃsthitāḥ ye bhūtā vighnakarttāraste naśyantu
śivājñayā | iti tānvikiret
|| 2 ||

Dann setze man zuerst den rechten Fuß hinein, berühre den linken Türpfosten, ziehe die rechte Körperseite ein und betrete den Pavillon. Im Südwesten verehre man mit „Oṃ. Vāstupuruṣa sei Verehrung; oṃ, Brahmā sei Verehrung“. Mit dem Gottheitsmantra und göttlichem Blick vertreibe man die himmlischen Hindernisse, mit Wasser und „astrāya phaṭ“ die Hindernisse im Zwischenraum, mit dreimaligem Auftreten der linken Ferse die irdischen. Man nehme Streustoffe, die siebenmal mit phaṭ besprochen wurden, und streue sie mit: „Oṃ. Mögen jene Wesen weichen, die hier auf der Erde weilen; jene Wesen, die Hindernisse schaffen, sollen auf Śivas Befehl vergehen.“

P1-0501 · Originalnummer 5
tato'kṣatānsamādāya dakṣe nārācamudrayā |
prakṣipedastramantreṇa gṛhāntarvighnaśāntaye | apasarpantu te iti
mantreṇa cādarāt | iti śāradīyāt
|| 5 ||

Dann nehme man ungebrochene Reiskörner in die rechte Hand mit der Nārāca-Mudrā und werfe sie mit dem Waffenmantra zur Befriedung der Hindernisse im Inneren des Hauses aus; dazu mit dem Mantra „Mögen jene weichen …“, sorgfältig ausgeführt. So im Śāradā.

P1-0502 · Originalnummer 6
sammohanatantre : vikirānvikarettatra saptajaptānśarānunā iti |
tato hrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ ityāsanaṃ saṃpūjya
dhṛtvā paṭhet | āsanamantrasya merupṛṣṭha-ṛṣiḥ sutalaṃ chandaḥ
kūrmo devatā āsanaparigrahe viniyogaḥ | oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā
devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā | tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ
kuru cāsanam | iti paṭhitvā svastikādyāḥ sanenopaviśet, upaviśya
vighnānutsārayet
|| 6 ||

Im Sammohanatantra: Man streue die Streustoffe, die siebenmal mit dem Pfeilmantra besprochen wurden. Danach verehre man den Sitz mit „Hrīṃ. Dem Lotussitz der tragenden Kraft sei Verehrung“, berühre ihn und spreche: „Für den Sitzmantra ist Merupṛṣṭha der Seher, Sutala das Versmaß und Kūrma die Gottheit; seine Anwendung ist die Inanspruchnahme des Sitzes. Oṃ. O Erde, von dir werden die Welten getragen; o Göttin, du wirst von Viṣṇu getragen. Trage auch mich beständig und mache diesen Sitz rein.“ Danach setze man sich im Svastika-Sitz oder einem anderen geeigneten Sitz nieder und vertreibe die Hindernisse.

P1-0506 · Originalnummer 10
athavā : pañcagavyānāṃ samāno bhāga iṣyate |
mūlamantreṇa sammantrya tenaiva pariśodhayet | tena sarvaviśuddhiḥ
syātsarvapāpanikṛntanam
|| 10 ||

Oder gleiche Teile der fünf Kuhprodukte. Man bespreche sie mit dem Grundmantra und reinige mit demselben. Dadurch entsteht vollständige Reinheit und die Vernichtung aller Sünden.

P1-0507 · Originalnummer 11
tato dakṣiṇabhāge pūjādravyāṇi
vāmabhāge suvāstitāmbupūrṇa kumbhaṃ hastakṣālanārthaṃ
pātrāntaraṃ pṛṣṭhadeśe sthāpayet, sarvadikṣu ghṛtapradīpāṃstu
sthāpitvā puṭāñjalirbhūtvā vāme oṃ gurubhyo namaḥ oṃ
paramagurubhyonamaḥ oṃ parāparagurubhyo namaḥ dakṣiṇe oṃ
gaṇeśāya namaḥ madhye oṃ amukadevatāyai namaḥ |
tathā ca : kṛtāñjalipuṭo bhūtvā vāme gurutrayaṃ yajet |
guruñca paramādiñca parāparaguruṃ tathā | dakṣiṇe ca
gaṇeśañca mūrdhniṃ devaṃ vibhāvayet
|| 11 ||

Dann stelle man rechts die Verehrungsstoffe, links einen mit wohlriechendem Wasser gefüllten Krug und hinten ein anderes Gefäß zum Händewaschen auf. In allen Richtungen stelle man Ghī-Lampen hin. Mit gefalteten Händen [verehre man] links: „Oṃ. Den Gurus sei Verehrung; oṃ, den höchsten Gurus Verehrung; oṃ, den überhöchsten Gurus Verehrung“, rechts: „Oṃ. Gaṇeśa sei Verehrung“, in der Mitte: „Oṃ. Der [genannten] Gottheit sei Verehrung.“ So heißt es: Mit gefalteten Händen verehre man links die drei Guru-Stufen, den Guru, den Parama-Guru und den Parāpara-Guru, rechts Gaṇeśa und vergegenwärtige die Gottheit am Scheitel.

P1-0508 · Originalnummer 12
tataḥ phaḍiti
mantreṇa gandhapuṣpābhyāṃ karau saṃśodhya
ūrdhvordhatālatrayaṃ dattvā choṭikābhirdaśadigbandhanaṃ kuryāt
| tato ramiti jaladhārayā vahniprākāraṃ vicintrayet
|| 12 ||

Danach reinige man die Hände mit Duftstoff und Blüten unter phaṭ, klatsche dreimal nach oben und verschließe durch Fingerschnippen die zehn Richtungen. Dann vergegenwärtige man mit raṃ und einem Wasserstrom einen Feuerwall.

P1-0509 · Originalnummer 13
tato
bhūtaśuddhi | tato mātṛkānyāsaḥ | tataḥ prāṇāyāmaḥ | tataḥ
pīṣṭhanyāsaḥ | tato ṛṣyādinyāsaḥ | tato mantranyāsaḥ | tato
mudrāpradarśanam | tato dhyānam | tato mānasapūjā |
tato'rghyasthāpanam
|| 13 ||

Dann Elementreinigung, Mātṛkā-Nyāsa, Prāṇāyāma, Pīṭha-Nyāsa, Einsetzung von Seher und weiteren Zuordnungen, Mantra-Nyāsa, Zeigen der Mudrā, Meditation, geistige Verehrung und Einsetzung des Arghya.

P1-0512 · Originalnummer 16
tathā ca navaratneśvare : ekapātraṃ na karttavyaṃ yadi
sākṣānmaheśvaraḥ | mantrāḥ parāṅmukhā yānti āpadastu pade
pade | ihaloke daridraḥ syānmṛte ca paśutāṃ vrajet
|| 16 ||

So im Navaratneśvara: Man soll nicht nur ein Gefäß verwenden, selbst wenn man unmittelbar Maheśvara wäre. Die Mantras wenden sich ab, Gefahren entstehen auf Schritt und Tritt; in dieser Welt wird man arm und nach dem Tod zum Tier.

P1-0515 · Originalnummer 19
svavāme trikoṇamaṇḍalaṃ kṛtvā, tadupari
tripadikāmāropya, phaḍiti śaṅkhaṃ prakṣālya tadupari saṃsthāpya
| namaḥ iti mantreṇa gandhapuṣpākṣatadūrvādi tatra nikṣipya
vimalajalena | vilomamātṛkayā mūlena ca pūjayet |
yathā : kṣaṃ laṃ haṃ saṃ ṣaṃ śaṃ vaṃ laṃ raṃ yaṃ
maṃ bhaṃ baṃ phaṃ paṃ naṃ dhaṃ daṃ thaṃ taṃ ṇaṃ ḍhaṃ
ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ ñaṃ jhaṃ jaṃ chaṃ caṃ ṅaṃ ghaṃ gaṃ khaṃ
kaṃ aḥ aṃ auṃ oṃ aiṃ eṃ ḹṃ ḷṃ ṝṃ ṛṃ ūṃ uṃ īṃ iṃ
āṃ aṃ ityanena
|| 19 ||

Man zeichne links von sich ein dreieckiges Maṇḍala, setze einen Dreifuß darauf, wasche die Muschel mit phaṭ und stelle sie darauf. Mit namaḥ gebe man Duftstoff, Blüten, ungebrochene Reiskörner, Dūrvā und weitere Stoffe hinein. Mit reinem Wasser, der rückläufigen Mātṛkā und dem Grundmantra verehre man sie. Die rückläufige Lautfolge lautet: kṣaṃ laṃ haṃ saṃ ṣaṃ śaṃ vaṃ laṃ raṃ yaṃ maṃ bhaṃ baṃ phaṃ paṃ naṃ dhaṃ daṃ thaṃ taṃ ṇaṃ ḍhaṃ ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ ñaṃ jhaṃ jaṃ chaṃ caṃ ṅaṃ ghaṃ gaṃ khaṃ kaṃ aḥ aṃ auṃ oṃ aiṃ eṃ ḹṃ ḷṃ ṝṃ ṛṃ ūṃ uṃ īṃ iṃ āṃ aṃ. [Die Laute sind als Rezitationsfolge wiedergegeben; sie besitzen hier keine einzeln übersetzbare Wortbedeutung.]

P1-0516 · Originalnummer 20
maṃ vahnimaṇḍalāya daśakātmane namaḥ
iti tripadikāyāṃ, aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ
iti śaṅkhe, uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ iti jale
sampūjya, oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati | marmade
sindhukāveri jale'sminsannidhiṃ kuru | ityanenāṃkuśamudrayā
sūryamaṇḍalāttīrthāṇyāvāhya amuki ihāvaha iha tiṣṭha iti
svahṛdayāddevatāṃ tatrāvāhya, huṃ iti tarjanībhyāmavaguṇṭhya,
vaṣaḍiti gālinīmudrāṃ pradarśya, vauṣaḍiti tajjalaṃ vīkṣya,
punaraṅgamantraiḥ sakalīkṛtya, gandhapuṣpābhyāṃ namaḥ iti tatra
devatāṃ sampūjya, tadupari matsyamudrayā ācchādya,
mūlamantramaṣṭadhā japet || 19 ka ||
tathā ca gautamīye : gandhapuṣpaiḥ samabhyarcya
kṛṣṇākhyaṃ tatra yojayet | aṣṭakṛtvo japenmantraṃ śikhayā
gālinīṃ nyaset | atra kṛṣṇapadaṃ tattaddevatāparam
|| 20 ||

Am Dreifuß verehre man mit „Maṃ. Dem Feuerkreis, dessen Wesen zehn Kalās sind, sei Verehrung“, an der Muschel mit „Aṃ. Dem Sonnenkreis, dessen Wesen zwölf Kalās sind, sei Verehrung“, im Wasser mit „Uṃ. Dem Mondkreis, dessen Wesen sechzehn Kalās sind, sei Verehrung“. Mit der Aṅkuśa-Mudrā rufe man die heiligen Wasser aus dem Sonnenkreis herbei: „Oṃ. O Gaṅgā und Yamunā, Godāvarī, Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī, macht euch in diesem Wasser gegenwärtig.“ [Die Vorlage hat marmade statt narmade.] Aus dem eigenen Herzen rufe man die Gottheit herbei: „O [Name], komm hierher, bleibe hier.“ Mit huṃ verhülle man durch die beiden Zeigefinger, mit vaṣaṭ zeige man die Gālinī-Mudrā, mit vauṣaṭ blicke man auf das Wasser, vervollständige die Gegenwart mit den Gliedmantras und verehre die Gottheit dort mit Duftstoff und Blüten unter namaḥ. Man bedecke sie mit der Matsya-Mudrā und rezitiere den Grundmantra achtmal. [Eingeschobene Originalnummer 19 ka.] So im Gautamīya: Man verehre mit Duftstoff und Blüten, setze Kṛṣṇa dort ein, rezitiere den Mantra achtmal und zeige mit der Śikhā-Formel die Gālinī-Mudrā. „Kṛṣṇa“ bezeichnet hier die jeweils verehrte Gottheit.

P1-0517 · Originalnummer 21
tato vamiti
mantreṇa dhenumudrāṃ pradarśyāstreṇa saṃrakṣya
tasmātkiñcijjalaṃ prokṣaṇīpātre nikṣipya tenodakenātmānaṃ
pūjopakaraṇañca mūlena trirabhyukṣya pīṭhanyāsakrameṇa śarīre
dharmādīnpūjayet
|| 21 ||

Danach zeige man mit vaṃ die Dhenu-Mudrā, schütze mit dem Waffenmantra und gieße etwas Wasser in das Besprengungsgefäß. Mit diesem Wasser und dem Grundmantra besprenge man sich und die Verehrungsgeräte dreimal. Nach der Reihenfolge des Pīṭha-Nyāsa verehre man Dharma und die übrigen Kräfte im Körper.

P1-0518 · Originalnummer 22
tadyathā : dakṣiṇaskandhe oṃ dharmāya namaḥ | vāme oṃ
jñānāya namaḥ, vāmorī oṃ vairāgyāya namaḥ, dakṣiṇorau oṃ
aiśvaryāya namaḥ, mukhe oṃ adharmāya, vāmāpārśve oṃ
ajñānāya, nābhau oṃ avairagyāya, dakṣiṇapārśve oṃ anaiśvaryāya,
sarvatra prāṇavādinamo'ntena pūjayet
|| 22 ||

So: An der rechten Schulter „Oṃ. Dharma sei Verehrung“, links „Oṃ. Erkenntnis sei Verehrung“, am linken Oberschenkel „Oṃ. Leidenschaftslosigkeit sei Verehrung“, am rechten „Oṃ. Herrschaftskraft sei Verehrung“; am Mund „Oṃ. Adharma“, an der linken Seite „Oṃ. Unwissenheit“, am Nabel „Oṃ. Nicht-Leidenschaftslosigkeit“, an der rechten Seite „Oṃ. Nicht-Herrschaftskraft“. Überall beginnt die Verehrungsformel mit Praṇava und endet auf namaḥ.

P1-0520 · Originalnummer 24
hṛdaye oṃ anantāya, oṃ
padmāya, oṃ arkamaṇḍalāya dvādaśakalātmane, oṃ somamaṇḍalāya
ṣoḍaśakalātmane, maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ |
evaṃ saṃ sattvāya, raṃ rajase, taṃ tamase, āṃ ātmane, aṃ
antarātmane, paṃ paramātmane, hrīṃ jñānātmane, praṇavādi -
namo'ntena pūjayet
|| 24 ||

Im Herzen: „Oṃ. Ananta sei Verehrung; oṃ, dem Lotus; oṃ, dem Sonnenkreis mit zwölf Kalās; oṃ, dem Mondkreis mit sechzehn Kalās; maṃ, dem Feuerkreis mit zehn Kalās sei Verehrung.“ Ebenso „Saṃ. Sattva“, „Raṃ. Rajas“, „Taṃ. Tamas“, „Āṃ. Ātman“, „Aṃ. dem inneren Ātman“, „Paṃ. dem höchsten Ātman“, „Hrīṃ. dem Erkenntnis-Ātman“. Man verehre mit den auf Praṇava beginnenden und auf namaḥ endenden Formeln. [Die Vorlage gibt bei den letzten sieben auch andere Bījas vor; diese sind bewahrt.]

P1-0521 · Originalnummer 25
śarādāyām : nyāsakrameṇa deheṣu dharmādīnpūjayedatha |
puṣpādyaiḥ pīṭhamanvantaṃ tasmiṃśca paradevatām
|| 25 ||

Im Śāradā: Danach verehre man nach der Nyāsa-Reihenfolge Dharma und die übrigen Kräfte im Körper, mit Blüten und weiteren Gaben bis zum Pīṭha-Mantra und darauf die höchste Gottheit.

P1-0523 · Originalnummer 27
tathā ca nibandhe : vinā naivedyaṃ gandhādyairupacāraiḥ
samarcayet | tata uttamāṅgaṃ -
hṛdayamūlādhārapādasarvāṅgeṣumūlena pañcapuṣpāñjaliṃ
datvā yathāśakti mantraṃ japtvā oṃ
guhyātiguhyagoptrītvamityādinā japaṃ samarpayet
|| 27 ||

So im Nibandha: Man verehre mit Duftstoffen und den übrigen Darbringungen außer Naivedya. Dann gebe man unter dem Grundmantra fünf Blütenhandvoll an Scheitel, Herz, Mūlādhāra, Füße und gesamten Körper; man rezitiere den Mantra nach Vermögen und übergebe den Japa mit „Oṃ. Du Hüterin des Allerverborgensten …“. [Die Formel ist hier nur als Anfang zitiert.]

P1-0525 · Originalnummer 29
tataḥ
prokṣaṇyāstoyaṃ visṛjya pūrvavadāpūrya vahiḥpūjjāmārabhet |
tatraḥ vakṣyamāṇaśāradoktasarvatobhadramaṇḍalādyanyatamaṃ
vidyāya tatra pūjayet | oṃ maṇḍalāya namaḥ iti maṇḍalaṃ
sampūjya, śālibhiḥ tatra pūjayet | oṃ maṇḍalāya namaḥ iti
maṇḍalaṃ sampūjya, śālibhiḥ karṇikāmāpūrya, tadupari
taṇḍulānvikīrya, teṣu darbhānāstīrya, viṣṭaraṃ
cākṣatasaṃyuktaṃ tadupari nyaset : tato maṇḍale etāḥ pūjayet |
tadyathā : pīṭhamadhye oṃ ādhāraśaktaye namaḥ, oṃ kūrmāya
namaḥ ityādi pīṭhamanvantaṃ tattatpaṭalokta - pīṭhapūjāṃ kuryāt
| tato maṇḍale prādakṣiṇyena etāḥ pūjayet : oṃ ya dhūmārviṣe
namaḥ ityādivakṣyamāṇavahnerdaśakalā vinyasya pūjayet | tato
hemādiracitaṃ kumbhaṃ phaḍiti prakṣālya,
candanāgurukarpūrairdhūpayitvā triguṇatantunā saṃveṣṭya, oṃ
kumbhāya namaḥ iti gandhapuṣpābhyāṃ sampūjya,
viṣṭarākṣatanavaratnāni ca prakṣipya,
praṇavamuccarankumbhapīṭhayoraikyaṃ vibhāvya, pīṭhe sthāpyet
|| 29 ||

Danach gieße man das Wasser aus dem Besprengungsgefäß fort, fülle es wie zuvor und beginne die äußere Verehrung. Man fertige eines der später beschriebenen Maṇḍalas wie das im Śāradā gelehrte Sarvatobhadra und verehre darauf. Man verehre das Maṇḍala mit „Oṃ. Dem Maṇḍala sei Verehrung“, fülle die Mitte mit Reisähren beziehungsweise Reis, streue enthülste Körner darauf, lege Darbha darüber und darauf einen Sitz mit ungebrochenen Reiskörnern. [Die Vorlage wiederholt die Maṇḍala-Verehrung vor der Befüllung.] In der Pīṭha-Mitte verehre man mit „Oṃ. Der tragenden Kraft sei Verehrung“, „Oṃ. Kūrma sei Verehrung“ und den weiteren Formeln bis zum Pīṭha-Mantra nach der im jeweiligen Abschnitt genannten Reihenfolge. Auf dem Maṇḍala setze und verehre man im Rechtsumlauf die später genannten zehn Feuer-Kalās, beginnend mit „Oṃ ya … Dhūmārcis sei Verehrung“. Dann wasche man den aus Gold oder anderem Stoff gefertigten Krug mit phaṭ, beräuchere mit Sandelholz, Adlerholz und Kampfer, umwinde mit dreifachem Faden und verehre mit Duftstoff und Blüten unter „Oṃ. Dem Krug sei Verehrung“. Man gebe einen Sitz, ungebrochene Reiskörner und neun Edelsteine hinein, spreche den Praṇava, vergegenwärtige die Einheit von Krug und Pīṭha und stelle ihn darauf.

P1-0528 · Originalnummer 32
tataḥ kumbhe prādakṣiṇyena sūryāsya oṃ
kaṃ bhaṃ tapinyai namaḥ iti dvādaśakalā vinyasya pūjayet | tataḥ
kṣīridrumakaṣāyeṇa palāśatvagbhavena vā tīrthodakairvā
gandhapuṣpasuvāsita jalervā ātmābhedena mātṛkāṃ pratilomato
deyamantrañca japanpūjayetkumbhaṃ devatādhiyā |
tataścandrasyāmṛtādiṣoḍaśakalā jale prādakṣiṇyena vinyasya, oṃ
aṃ amṛtāyai namaḥ ityādinā sampūjya, śaṅkhāntaraṃ
kṣīridrumakaṣāyādidravyairāpūrya gandhāṣṭakaṃ viloḍya
tasmiñjale sakalāḥ kalā āvāhya pūjayet
|| 32 ||

Dann setze man auf dem Krug im Rechtsumlauf die zwölf Sonnen-Kalās ein und verehre sie mit „Oṃ kaṃ bhaṃ, Tapinī sei Verehrung“ und den weiteren Formeln. Mit Absud milchsafthaltiger Bäume, Absud von Palāśa-Rinde, Pilgerstättenwasser oder mit Duftstoff und Blüten wohlriechend gemachtem Wasser verehre man den Krug als Gottheit, indem man die Mātṛkā rückläufig und den zu erteilenden Mantra rezitiert und sich nicht als von ihr verschieden denkt. Danach setze man im Wasser die sechzehn Mond-Kalās von Amṛtā an rechtsherum ein und verehre mit „Oṃ aṃ, Amṛtā sei Verehrung“ und den weiteren Formeln. Man fülle eine andere Muschel mit dem Baumabsud und den übrigen Stoffen, mische die acht Duftstoffe hinein, rufe sämtliche Kalās in dieses Wasser und verehre sie.

P1-0533 · Originalnummer 37
tatrādau vahnerdaśakalāḥ
pūjayet | yathā : vahnerdhūārcirādidaśakalā ihāgacchata
ihāgacchata iha tiṣṭhata tiṣṭhata iha sannihitā bhavata ityāvāhayet |
tato mūlamantraṃ pratilomato japanmantrasya devatāṃ manasā
dhyāyan āsāṃ prāṇapratiṣṭhāṃ kuryāt |
tadyathā : āṃ hrīṃ krauṃ haṃ saḥ
dhūmārcirādivahnidaśakalānāṃ prāṇāḥ iha prāṇāḥ evaṃ
āmityādi dhūmārcirādivahnidaśakalānāṃ jīva iha sthitaḥ evaṃ
āmityādi dhūrcirādivahnidaśakalānāṃ sarvendriyāṇi evaṃ
āmityādi dhūmārcirādivahnidaśakalānāṃ vāṅmanaścakṣuḥ
śrotra - ghrāṇa - prāṇā ihāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu svāhā
iti prāṇānpratiṣṭhāpya gandhādibhiḥ pūjayet | oṃ
dhūmārcirādibhya eṣa gandho namaḥ | ityādinā pañcopacāraiḥ
pūjayet | tataḥ pratyekena pūjayet
|| 37 ||

Zuerst verehre man die zehn Feuer-Kalās und rufe: „Ihr zehn Feuer-Kalās von Dhūmārcis an, kommt hierher, kommt hierher; bleibt hier, bleibt hier; seid hier gegenwärtig.“ Dann rezitiere man den Grundmantra rückläufig, meditiere im Geist über seine Gottheit und setze ihre Lebenskräfte ein: „Āṃ hrīṃ krauṃ haṃ saḥ. Die Lebenskräfte der zehn Feuer-Kalās von Dhūmārcis an sind hier als Lebenskräfte.“ Ebenso mit der Bīja-Folge: „Die Lebensgegenwart der zehn Feuer-Kalās von Dhūmārcis an weilt hier“; „Sämtliche Sinne der zehn Feuer-Kalās von Dhūmārcis an [seien hier]“; „Rede, Geist, Auge, Ohr, Geruch und Lebensatem der zehn Feuer-Kalās von Dhūmārcis an mögen hierher kommen und lange glücklich verweilen, svāhā.“ Nach der Einsetzung verehre man mit Duftstoff und den übrigen Gaben: „Oṃ. Den mit Dhūmārcis beginnenden [Kalās] ist dies Duftstoff; Verehrung“, und den entsprechenden weiteren Formeln der fünf Darbringungen. Danach verehre man jede einzeln.

P1-0534 · Originalnummer 38
tadyathā : yaṃ dhūmārciṣe namaḥ | raṃ uṣmāyai namaḥ |
laṃ jvalinyai namaḥ | vaṃ jvālinyai namaḥ | śaṃ visphuliṅginyai
namaḥ | yaṃ suśriyai namaḥ | saṃ surūpāyai namaḥ | haṃ kapilāyai
namaḥ | laṃ havyavāhanāyai namaḥ | kṣaṃ kavyavāhanāyai namaḥ
| śaktaścetpratyekamāvāhya pādyādibhiḥ pūjayet | tataḥ sūryāsya
tapinyādi dvādaśakalāḥ pūrvavatprāṇapratiṣṭhāvāhanādikaṃ
kṛtvā pūjayitvā ca pratyekantu pūjayet |
dvādaśakalā yathā : tapinī dhūmrā marīcirjvalino ruciḥ |
suṣumnā bhogadā viśvā bodhinī dhāriṇī kṣamā | etāḥ kalāstu
sūryāsya sūryamaṇḍalasaṃsthitāḥ |
tadyathā : kaṃ bhaṃ tapinyai namaḥ | khaṃ baṃ tāpinyai
namaḥ | gaṃ phaṃ dhūmrāyai namaḥ | ghaṃ paṃ marīcyai namaḥ |
ṅaṃ naṃ jvalinyai namaḥ | caṃ dhaṃ rucyai namaḥ | chaṃ daṃ
suṣumnāyai namaḥ | jaṃ khaṃ bhogadāyai namaḥ | jhaṃ taṃ
viśvāyai namaḥ | ñaṃ ṇaṃ bodhinyai namaḥ | ṭaṃ ḍhaṃ
dhāriṇyai namaḥ | ṭhaṃ ḍaṃ kṣamāyai namaḥ | iti pūjayet |
śaktaścetpratyekamāvāhya pratyekaṃ pādyādibhiḥ pūjayet |
tathā nibandhe : kabhādyā vasudāḥ saurāḥ ṭhaḍāntā
dvādaśeritāḥ || 37 ka || tataścandrasyāmṛtādiṣoḍaśakalāḥ
prāṇapratiṣṭhādikaṃ kṛtvā pūrvavatpūjayet |
tadyathā : aṃ amṛtāyai namaḥ | āṃ mānadāyai namaḥ, iṃ
pūṣāyai namaḥ | īṃ tuṣṭyai namaḥ | uṃ puṣṭyai namaḥ | ūṃ
ratyai namaḥ | ṛṃ dhṛtyai namaḥ | ṝṃ śaśinyai namaḥ | ḷṃ
candrikāyai namaḥ | ḹṃ kāntyai namaḥ | eṃ jyotsnāyai namaḥ |
aiṃ śriye namaḥ | oṃ prītyai namaḥ | auṃ aṅgadāyai namaḥ | aṃ
pūrṇāyai namaḥ | aḥ sṛṣṭyādi - pañcāśatkalāḥ pūjayet |
yathā : sṛṣṭyādikavargacavargadaśakalāḥ
pūrvavatprāṇapratiṣṭhādikaṃ kṛtvā pratyekaṃ pūjayet |
pratyekapūjanantu : kaṃ sṛṣṭyai namaḥ, khaṃ ṛddhyai namaḥ,
gaṃ smṛtyai namaḥ, ghaṃ medhāyai namaḥ | ṅaṃ kāntyai namaḥ,
caṃ lakṣmyai namaḥ, chaṃ dhṛtyai namaḥ, jaṃ sthirāyai namaḥ,
jhaṃ sthityai namaḥ, ñaṃ siddhyai namaḥ |
śaktaścetpratyekamāvāhya pādyādibhiḥ pūjayet | tatra oṃ haṃsaḥ
sucisadvasurantarīkṣasaddhotā
vediṣadatirthirduronasannṛṣadvarasadṛtasadvayoma sadajā gojā ṛtajā
adrijā ṛtaṃ vṛhaditi japtvā āvāhya śaṅkhe pūjayet | tato
javādiṭatapa - vargardaśakalāḥ pūrvavatprāṇapratiṣṭhādikaṃ
kṛtvā pūjayet
|| 38 ||

„Yaṃ. Dhūmārcis, der rauchenden Flamme, sei Verehrung; raṃ, Uṣmā, der Wärme; laṃ, Jvalinī, der Glühenden; vaṃ, Jvālinī, der Flammenden; śaṃ, Visphuliṅginī, der Funkenwerfenden; yaṃ, Suśrī, der Wohlglänzenden; saṃ, Surūpā, der Schöngestaltigen; haṃ, Kapilā, der Gelblichbraunen; laṃ, Havyavāhanā, der Trägerin des Götteropfers; kṣaṃ, Kavyavāhanā, der Trägerin des Ahnenopfers.“ Wenn möglich, rufe und verehre man jede einzeln mit Fußwasser und den weiteren Gaben. Danach vollziehe man für die zwölf Sonnen-Kalās von Tapinī an Einsetzung der Lebenskräfte, Herbeirufung und Verehrung wie zuvor, dann jede einzeln. Die Liste lautet: Tapinī, Dhūmrā, Marīci, Jvalinī, Ruci, Suṣumṇā, Bhogadā, Viśvā, Bodhinī, Dhāriṇī und Kṣamā, die im Sonnenkreis weilen. [Hier fehlen in der Namensliste zwölf Kalās eine, während die anschließenden Formeln zwölf enthalten.] Die Formeln: „Kaṃ bhaṃ. Tapinī, der Erwärmenden, sei Verehrung; khaṃ baṃ, Tāpinī, der Erhitzenden; gaṃ phaṃ, Dhūmrā, der Rauchfarbenen; ghaṃ paṃ, Marīci, dem Strahl; ṅaṃ naṃ, Jvalinī, der Glühenden; caṃ dhaṃ, Ruci, dem Glanz; chaṃ daṃ, Suṣumṇā; jaṃ khaṃ, Bhogadā, der Genussgeberin; jhaṃ taṃ, Viśvā, der Allumfassenden; ñaṃ ṇaṃ, Bodhinī, der Erweckenden; ṭaṃ ḍhaṃ, Dhāriṇī, der Tragenden; ṭhaṃ ḍaṃ, Kṣamā, der Geduld.“ Wenn möglich, rufe und verehre man jede einzeln. Im Nibandha: Die mit ka-bha beginnenden und mit ṭha-ḍa endenden zwölf Sonnenkräfte schenken Güter. [Eingeschobene Originalnummer 37 ka.] Danach vollziehe man die Einsetzung und Verehrung der sechzehn Mond-Kalās von Amṛtā an wie zuvor: „Aṃ. Amṛtā, der Unsterblichen, sei Verehrung; āṃ, Mānadā, der Ehrenspenderin; iṃ, Pūṣā, der Nährenden; īṃ, Tuṣṭi, der Zufriedenheit; uṃ, Puṣṭi, dem Gedeihen; ūṃ, Rati, der Freude; ṛṃ, Dhṛti, der Standhaftigkeit; ṝṃ, Śaśinī, der Mondhaften; ḷṃ, Candrikā, dem Mondlicht; ḹṃ, Kānti, dem Liebreiz; eṃ, Jyotsnā, dem Mondschein; aiṃ, Śrī, der Fülle; oṃ, Prīti, der Zuneigung; auṃ, Aṅgadā, der Gliederspenderin; aṃ, Pūrṇā, der Vollen; aḥ …“ [Die letzte Namensformel ist in der Vorlage ausgefallen.] Dann verehre man die fünfzig Kalās von Sṛṣṭi an. Die zehn der ka- und ca-Gruppen erhalten Einsetzung der Lebenskräfte und Einzelverehrung: „Kaṃ. Sṛṣṭi, der Schöpfung, sei Verehrung; khaṃ, Ṛddhi, dem Wachstum; gaṃ, Smṛti, der Erinnerung; ghaṃ, Medhā, der Auffassungskraft; ṅaṃ, Kānti, dem Liebreiz; caṃ, Lakṣmī, dem Wohlstand; chaṃ, Dhṛti, der Standhaftigkeit; jaṃ, Sthirā, der Festen; jhaṃ, Sthiti, dem Bestand; ñaṃ, Siddhi, der Vollendung.“ Wenn möglich, rufe und verehre man jede einzeln mit Fußwasser und weiteren Gaben. Dabei rezitiere man: „Oṃ. Der Haṃsa weilt im Reinen, der Vasu im Zwischenraum, der Opferpriester am Altar, der Gast im Haus; er weilt unter Menschen, im Vorzüglichen, im Ṛta und im Himmel; aus Wasser geboren, aus Kühen geboren, aus Ṛta geboren, aus dem Berg geboren: das große Ṛta.“ Dann rufe man herbei und verehre in der Muschel. Danach vollziehe man die Einsetzung und Verehrung der zehn Kalās von Javā an der ṭa- und ta-Gruppen. [Mehrere Bījas und Wörter des vedischen Verses sind in der Sanskritvorlage fehlerhaft; die Übersetzung gibt die erkennbaren Satzteile wieder, ohne den Sanskrittext zu korrigieren.]

P1-0535 · Originalnummer 39
yathā : ṭaṃ javāyai namaḥ, ṭhaṃ pālinyai namaḥ, ḍaṃ
śāntyai namaḥ, ḍhaṃ aiśvaryai namaḥ, ṇaṃ ratyai namaḥ, tai
kāmikāyai namaḥ, thaṃ varadāyai namaḥ, daṃ hlādinyai namaḥ,
dhaṃ prītyai namaḥ, naṃ dīrghāyai namaḥ, sarvatra
śaktaścetpratyekamāvāhya pūjayet | tataḥ oṃ pratadviṣṇustavate
vīryeṇa mṛgo na bhīmaḥ kucaro giriṣṭhā yasyoruṣu triṣu
vikramaṇeṣadhikṣiyantī bhuvanāni viśvā iti japtvā āvāhya
pūjayet | tatastīkṣṇādipayavargadaśakalāḥ
pūrvavatprāṇapratiṣṭhādikaṃ kṛtvā pūjayet | yathā - paṃ
tīkṣṇāyai namaḥ, phaṃ raudrāyai namaḥ, baṃ bhayāyai namaḥ,
bhaṃ nidrāyai namaḥ, maṃ trantryai namaḥ, yaṃ kṣudhāyai namaḥ,
raṃ krodhinye namaḥ, laṃ kriyāyai namaḥ, vaṃ utkāriṇyai namaḥ,
śaṃ mṛtyave namaḥ | sarvatra śaktaścetpratyekamāvāhya
pādyadibhiḥ pūjayet | tato oṃ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ
puṣṭivarddhanam | urvārukamiva bandhanānmṛtyormukṣoyamāmṛtāt
iti japtvā vāhya pādyādibhiḥ pūjayet | tataḥ
pītadiṣavargapañcakalāḥ pūrvavatprāṇapratiṣṭhādikaṃ
kṛtvāvāhya pādyādibhiḥ pūjayet | yathā : yaṃ pītāyai namaḥ,
saṃ śvetāyai namaḥ, haṃ aruṇāyai namaḥ, laṃ asitāyai namaḥ,
kṣaṃ anantāyai namaḥ | śaktaścetpratyekamāvāhya pūjayet | tataḥ
oṃ tadviṣṇoḥ paramaṃ padaṃ sadā paśyanti sūrayaḥ | divīva
cakṣurātatam iti japtvā viṣṇuṃ smaret | tato vivṛttyādi ṣoḍaśakalā
pūrvavatprāṇapratiṣṭhādikaṃ kṛtvā āvāhya pādyādibhiḥ
pūjayet |
yathā : aṃ nivṛttyai namaḥ, āṃ pratiṣṭhāyai, īṃ vidyāyai,
īṃ śāntyai, uṃ gandhikāyai, ūṃ dīpikāyai, ṛṃ recikāyai, ṝṃ
mocikāyai, ḷṃ parāyai, ḷṃ sūkṣmāyai, eṃ sūkṣmāmṛtāyai,
aiṃ jñānāmṛtāyai, oṃ āpyāyinyai, auṃ vyāpinyai, aṃ
vyomarūpāyai, aḥ anantāyai namaḥ | śaktaścetpratyekamāvāhya
pādyādibhiḥ pūjayet | oṃ tadviprāso vipaṇyavo jāgṛvāṃsaḥ
samindhate viṣṇoryatparamaṃ padaṃ viṣṇuryoniṃ prakalpayatu
tvaṣṭā rūpāṇi piṃṣatu | asiñcatu prajāpatirdhātā garbhaṃ
dadhātu te | oṃ garbhaṃ dehi sinīvāli garbhaṃ dehi sarasvati | garbhante
āśvinau devāvādhattāṃ puṣkarasrajāviti japtvāvāhya pūjayet |
tataḥ kalātmakaṃ tatśaṅkhasthaṃ kvāthaṃ kumbhe nikṣipet || 38 ka
|| tato'śvatthapanasacūtpallavairindravallīveṣṭitaiḥ
kalpavṛkṣabuddhyā kuṃbhavaktraṃ pidhāya, tasminkumbhavaktre
saphalākṣataṃ caṣakaṃ kalpavṛkṣaphalabuddhyā sthāpayet | tataḥ
kumbhaṃ nirmalena kṣaumayugmena saṃveṣṭya, mūlena kumbhe
mūrtiṃ saṅkalpya, yathoktarūpeṇa devatāṃ dhyātva,
tatrāvāhanaṃ kṛtvā pūjayet
|| 39 ||

„Ṭaṃ. Javā, der Schnellen, sei Verehrung; ṭhaṃ, Pālinī, der Beschützerin; ḍaṃ, Śānti, dem Frieden; ḍhaṃ, Aiśvarī, der Herrschenden; ṇaṃ, Rati, der Freude; tai [beschädigt], Kāmikā, der Wünschenden; thaṃ, Varadā, der Wunschgeberin; daṃ, Hlādini, der Erfreuenden; dhaṃ, Prīti, der Zuneigung; naṃ, Dīrghā, der Langen.“ Überall rufe und verehre man nach Möglichkeit jede einzeln. Danach rezitiere man: „Oṃ. Viṣṇu wird für seine Kraft gepriesen, wie ein furchtbares, umherstreifendes, auf dem Berg weilendes Wildtier. In seinen drei weiten Schritten wohnen sämtliche Welten.“ Man rufe herbei und verehre. Dann die zehn Kalās von Tīkṣṇā an der pa- und ya-Gruppen nach Einsetzung wie zuvor: „Paṃ. Tīkṣṇā, der Scharfen, sei Verehrung; phaṃ, Raudrā, der Furchtbaren; baṃ, Bhayā, der Furcht; bhaṃ, Nidrā, dem Schlaf; maṃ, Tantrī [Vorlage trantrī; unsicher]; yaṃ, Kṣudhā, dem Hunger; raṃ, Krodhinī, der Zornigen; laṃ, Kriyā, der Handlung; vaṃ, Utkāriṇī, der Aufwärtswirkenden; śaṃ, Mṛtyu, dem Tod.“ Nach Möglichkeit rufe und verehre man jede einzeln. Dann rezitiere man: „Oṃ. Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ Man rufe herbei und verehre mit Fußwasser und weiteren Gaben. Dann setze und verehre man die fünf Kalās von Pītā an der ṣa-Gruppe: „Yaṃ. Pītā, der Gelben, sei Verehrung; saṃ, Śvetā, der Weißen; haṃ, Aruṇā, der Rötlichen; laṃ, Asitā, der Dunklen; kṣaṃ, Anantā, der Unendlichen.“ [Yaṃ steht hier auffällig anstelle eines Lautes der ṣa-Gruppe.] Wenn möglich, verehre man jede einzeln. Dann rezitiere man: „Oṃ. Viṣṇus höchsten Schritt sehen die Weisen stets, wie ein im Himmel weit geöffnetes Auge“, und erinnere sich an Viṣṇu. Dann vollziehe man Einsetzung und Verehrung der sechzehn Kalās von Nivṛtti an: „Aṃ. Nivṛtti, der Rücknahme, sei Verehrung; āṃ, Pratiṣṭhā, der Festigung; īṃ, Vidyā, dem Wissen; īṃ, Śānti, dem Frieden; uṃ, Gandhikā, der Duftenden; ūṃ, Dīpikā, der Leuchtenden; ṛṃ, Recikā, der Entleerenden; ṝṃ, Mocikā, der Befreienden; ḷṃ, Parā, der Höchsten; ḷṃ, Sūkṣmā, der Feinen; eṃ, Sūkṣmāmṛtā, dem feinen Unsterblichkeitsnektar; aiṃ, Jñānāmṛtā, dem Erkenntnisnektar; oṃ, Āpyāyinī, der Stärkenden; auṃ, Vyāpinī, der Durchdringenden; aṃ, Vyomarūpā, der Raumgestaltigen; aḥ, Anantā, der Unendlichen.“ [Doppelte īṃ- und ḷṃ-Lesungen sind in der Vorlage vorhanden.] Nach Möglichkeit verehre man jede einzeln. Man rezitiere: „Oṃ. Dort entzünden die wachenden, einsichtigen Weisen Viṣṇus höchsten Schritt. Viṣṇu möge die Geburtsstätte bereiten, Tvaṣṭṛ die Gestalten formen, Prajāpati möge eingießen, Dhātṛ dir die Leibesfrucht einsetzen. Oṃ. Gib Leibesfrucht, o Sinīvālī; gib Leibesfrucht, o Sarasvatī. Die beiden Aśvins, die Gottheiten mit Lotuskränzen, mögen dir die Leibesfrucht einsetzen.“ Dann rufe man herbei und verehre. Den so mit den Kalās verbundenen Absud in der Muschel gieße man in den Krug. [Eingeschobene Originalnummer 38 ka.] Man verschließe den Krugmund mit Aśvattha-, Jackbaum- und Mango-Blättern, umwunden mit Indravallī, als Wunschbaum vergegenwärtigt; darauf setze man eine Schale mit Früchten und ungebrochenen Reiskörnern als Frucht dieses Wunschbaums. Man umhülle den Krug mit zwei reinen Leinentüchern, vergegenwärtige mit dem Grundmantra die Gestalt darin, meditiere über die Gottheit nach der gelehrten Form, rufe sie dorthin und verehre sie.

P1-0536 · Originalnummer 40
tasā0 4
athā : mūlamantramuccaran amuka ihāgaccha ihāgaccha iha
tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva
ityāvāhanādikaṃ kṛtvā, huṃ ityavaguṇṭhya, devatāṅge
ṣaḍaṅganyāsaṃ kṛtvā, vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya,
paramīkaraṇamudrayā paramīkuryāt | tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ
kṛtvā ṣoḍaśopacāraiḥ pūjayet || 39 ka ||
yathā : mūlamuccārya idamāsanaṃ amukadevatāyai namaḥ,
amukadeva svāgatante iti svāgatam | tato mūlamuccārya etatpādyaṃ
amukadevatāyai namaḥ iti pādāmbuje dadyāt |
etatśyāmādūrvābjaviṣṇukrāntābhirītam | arghyaṃ
amukadevatāyai svāhā iti
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapadūrvātmakamarghyaṃ
śirasi dadyāt | vaiṣṇave tu arghyādikrameṇaiva deyamiti vadanti | tato
mūlamuccārya idamācamanīyaṃ amukadevatāyai svadhā iti
jātīlavaṅgakakkolātmakamācamanīyaṃ vadane dadyāt |
svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakaṃ ityatrasudhāpāṭhaṃ
kurvantaḥ sudhāśabdasyāmṛtavācakatvādamṛtavācakaśabdādya
jalavācakatvādidamācamanīyaṃ vamiti vadanti
|| 40 ||

Nun: Unter Rezitation des Grundmantras rufe man die Gottheit: „O [Name], komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; halte dich hier fest.“ Mit huṃ verhülle man, vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa an der Gottheit, mache mit vaṃ und Dhenu-Mudrā nektarhaft und erhebe mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten Gegenwart. Danach setze man die Lebenskräfte ein und verehre mit sechzehn Darbringungen. [„tasā0 4“ ist ein Druckvermerk; eingeschobene Originalnummer 39 ka.] Nach dem Grundmantra: „Dieser Sitz ist für die [genannte] Gottheit, Verehrung“; als Willkommensgruß „O [Gottheit], willkommen“. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Fußwasser ist für die [Gottheit], Verehrung“ und an ihren Lotusfüßen darbringen; es enthält Śyāmā, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā. „Dieses Arghya ist für die [Gottheit], svāhā“ und auf ihrem Kopf darbringen; es besteht aus Duftstoff, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Im vaiṣṇavischen Bereich sagen manche, Arghya sei als Erstes zu geben. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], svadhā“ und in ihrem Mund darbringen; es besteht aus Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Manche lesen statt „mit dem Svadhā-Mantra das Mundwasser in den Mund geben“ sudhā und sagen, weil sudhā Unsterblichkeitsnektar und dessen Bezeichnung wiederum Wasser bedeute, laute die Formel „Dieses Mundwasser – vaṃ“.

P1-0537 · Originalnummer 41
tathā ca : madhuparkaṃ tato dadyājjalamantreṇa deśikaḥ iti
vacanāt | na ca madhuparkamātraviṣayamidaṃ | svadhānunā tataḥ
kuryānmadhuparkaṃ mukhāmbuje | tenaiva manunā
kuryādadbhirācamanīyakam || iti vacanāt |
tathā : vāruṇena ca mantreṇa dadyādācamanīyakam
ityādivacanavirodhāt | etadvacanaṃ śūdraviṣayakamiti kecit |
vastutastu icchāvikalpaḥ | maithilāstu svadhā iti pāṭhaṃ kurvanti na
sudheti vakārasya tyāgābodhakatvāt | kiñca
tyāgārthakasvāhāśabdenārghyadānavidhānāt,
tatsamabhivyāhṛtācamanīyadāne tyāgārthabodhakatvena
svadhāmantro yujyate na tu sudhetyāhuḥ
|| 41 ||

Denn es heißt: „Danach gebe der Lehrer Madhuparka mit dem Wassermantra.“ Dies betrifft nicht nur Madhuparka, denn es heißt: „Mit dem Svadhā-Mantra gebe er Madhuparka an den Lotusmund und mit demselben Mantra Mundwasser.“ Auch Aussagen wie „mit dem Varuṇa-Mantra gebe er Mundwasser“ würden sonst widersprechen. Einige beziehen diese Aussage auf Śūdras. Tatsächlich besteht freie Wahl. Die Maithilas lesen svadhā, nicht sudhā, weil va die Bedeutung der Übergabe anzeigt. Da das Geben des Arghya mit dem Übergabe bedeutenden svāhā vorgeschrieben wird, passt bei der damit verbundenen Gabe des Mundwassers ebenso der Übergabe anzeigende Svadhā-Mantra, nicht sudhā; so sagen sie.

P1-0538 · Originalnummer 42
tathā : svadhetyācamanīyañca trivāraṃ mukhapaṅkaje |
svadheti madhuparkañca punarācamanīyakamiti
somaśambhudhṛtavacanāt | eke punarjalamantreṇa deśikaḥ |
vāruṇena ca bījena ityatra sahārthe tṛtīyāṃ vadantaḥ
idamācamanīyaṃ amukadevatāyai vaṃ svadheti manyante | tato
madhuparkaḥ svadhā iti madhuparkaṃ dadyāt
|| 42 ||

Ferner, nach einem von Somaśambhu angeführten Wort: „Dreimal Mundwasser mit svadhā an den Lotusmund; Madhuparka mit svadhā und erneut Mundwasser.“ Andere verstehen in „der Lehrer mit dem Wassermantra“ und „mit dem Varuṇa-Bīja“ den Instrumental als Begleitung und halten daher die Formel für „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], vaṃ svadhā“. Danach gebe man Madhuparka mit svadhā.

P1-0539 · Originalnummer 43
ājyaṃ
dadhimadhūnmiśraṃ madhuparkaṃ vidurbudhāḥ | evaṃ
punarācamanīyaṃ svadheti | tataḥ snānīyaṃ nivedayāmi, tato
vastrayajñopavītāni dadyāt | tataḥ ābharaṇaṃ namaḥ, eṣa gandhe
namaḥ, sa ca gandhaścandanakarpūrakālāgurubhirītaḥ
|| 43 ||

Die Verständigen kennen Madhuparka als Mischung von Ghī, Joghurt und Honig. Danach erneut Mundwasser mit svadhā, dann „Ich bringe Badewasser dar“; anschließend Kleider und Opferfäden. Dann „Schmuck, Verehrung“, „Dieser Duftstoff, Verehrung“. Der Duftstoff besteht aus Sandelholz, Kampfer und schwarzem Adlerholz.

P1-0540 · Originalnummer 44
tato
mantrapuṭitamātṛkāvarṇena tattannyāsasthānāni pūjayitvā etāni
puṣpāṇi vauṣaṭ iti | sarvatra dāne mūlamantroccāraṇam
|| 44 ||

Danach verehre man die jeweiligen Nyāsa-Stellen mit den vom Mantra umhüllten Mātṛkā-Buchstaben und spreche „Diese Blüten, vauṣaṭ“. Bei sämtlichen Darbringungen ist der Grundmantra auszusprechen.

P1-0547 · Originalnummer 51
gandhādidāne viśeṣastu tantrāntare :
madhyamānāmikāṃguṣṭhairaṃgulyagreṇa pārvati | dadyācca
vimalaṃ gandhaṃ mūlamantreṇa sādhakaḥ
|| 51 ||

Eine besondere Regel für Duftstoff und weitere Gaben in einem anderen Tantra: Mit den Fingerspitzen von Mittelfinger, Ringfinger und Daumen, o Pārvatī, bringe der Übende unter dem Grundmantra reinen Duftstoff dar.

P1-0551 · Originalnummer 55
mūlenā camanaṃ dadyāttāmbūlaṃ
tattvamudrayā | dhūpabhājanamantreṇa prokṣyābhyarcya
hṛdāmunā
|| 55 ||

Mit dem Grundmantra gebe man Mundwasser und mit der Tattva-Mudrā Betel. Man besprenge das Räuchergefäß mit dem [dafür bestimmten] Mantra und verehre es mit dem Herzmantra …

P1-0553 · Originalnummer 57
tathā : jayadhvani tathā mantramātaḥ svāhetyudīryate |
abhyarcya vādayedghaṇṭāṃ sudhūpairdhūpayettataḥ
|| 57 ||

Ferner: Die Formel lautet „Die Stimme des Sieges – o Mutter des Mantras, svāhā“. Nach Verehrung lasse man die Glocke erklingen und beräuchere mit gutem Räucherwerk. [Die Mantra-Worttrennung ist nicht sicher.]

P1-0563 · Originalnummer 68
atha
mantrasya daśasaṃskārānpūrvoktena prakāreṇa kṛtvā guruḥ
śiṣyamānīya vauṣaḍitimantreṇa śiṣyanetraṃ vastreṇācchādya
śiṣyāñjaliṃ puṣpaiḥ pūrayitvā guruḥ svayameva mantramuccaran
kalase puṣpāñjaliṃ devatāprītyai kṣepayet | tato netrabandhanaṃ
dūrīkṛtya darbhāstare śiṣyaṃ upaveśya svakṛtpūjākramād-
bhutaśuddhyādikaṃ vidyāya tattanmantroktanyāsān śiṣyadehe
kuryāt | kumbhasthāṃ devatāṃ punaḥ pañcopacāraiḥ sampūjya
alaṃkṛtaṃ śiṣyamanyasminnupaveśayet | tato
maṅgalācārapūrvakaṃ kumbhaṃ samuddhṛtya,
tanmukhasthānsuradrumarūpānpallavāṃśiṣyasya śirasi nidhāya,
mātṛkāṃ manasā japaṃ mūlena
sādhitaistoyairvasiṣṭhasaṃhitoktābhiṣekamantraistamabhiṣiñcet
|| 68 ||

Dann vollziehe der Guru die zehn Mantra-Zurüstungen wie zuvor beschrieben, führe den Schüler herbei und bedecke dessen Augen mit einem Tuch unter vauṣaṭ. Er fülle dessen gefaltete Hände mit Blüten und werfe selbst unter Mantrarezitation die Blütenhandvoll zur Freude der Gottheit in den Krug. Danach entferne er die Augenbinde, lasse den Schüler auf Darbha sitzen, vollziehe Elementreinigung und die übrigen Vorhandlungen nach der Reihenfolge seiner eigenen Verehrung und setze die für den betreffenden Mantra vorgeschriebenen Nyāsas im Körper des Schülers ein. Er verehre die Gottheit im Krug erneut mit fünf Darbringungen und lasse den geschmückten Schüler an einem anderen Platz sitzen. Nach glückverheißenden Handlungen erhebe er den Krug, lege die an dessen Mund befindlichen, als göttliche Bäume vergegenwärtigten Blätter auf den Kopf des Schülers und besprenge ihn mit dem durch den Grundmantra zubereiteten Wasser, während er im Geist die Mātṛkā und die in der Vasiṣṭhasaṃhitā genannten Besprengungsmantras rezitiert. [Die Besprengungsmantras sind hier als Rückverweis genannt, nicht ausgeschrieben.]

P1-0564 · Originalnummer 69
tataḥ śiṣyaḥ avaśiṣṭajalenācamya, vāsasī paridhāya, guroḥ
sannidhāvupaviśet | tatastāmeva gururātmano devatāṃ
śiṣyasaṃkrāntāṃ tayoraikyaṃ sambhāvayana, gandhādibhiḥ
pūjayet | tataḥ oṃ sahasrāre hu/ phaḍiti mantreṇa śiṣyaśikhāṃ
badhvā saṃrakṣya śiṣyaśarīre kalānyāsaṃ kuryāt |
tadyathā : kuśatrayeṇa pādatalājjānuparyantam oṃ nivṛttyaiṃ
namaḥ | jānunornābhiparyantam oṃ pratiṣṭhāyai namaḥ |
nābherākaṇṭham oṃ vidyāyai namaḥ | kaṇṭhādālalāṭam oṃ
śāntyai namaḥ | lalāṭādbrahmarandhrāntam oṃ śāntyatītāyai
namaḥ | punarbrahmarandhrādālalāṭam oṃ śāntyatīyai namaḥ |
lalāṭādākaṇṭham oṃ śāntyai namaḥ | kaṇṭhānābhiparyantam oṃ
vidyāyai namaḥ | nābherjānuparyantam | oṃ pratiṣṭhāyai namaḥ |
jānunoḥ pādaparyantam oṃ nivṛttyai namaḥ
|| 69 ||

Danach vollziehe der Schüler Ācamana mit dem restlichen Wasser, lege zwei Kleidungsstücke an und setze sich vor den Guru. Dieser denke seine eigene Gottheit als auf den Schüler übergegangen, vergegenwärtige ihre Einheit und verehre mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Mit „Oṃ. Im Sahasrāra hu/ phaṭ“ binde und schütze er den Haarschopf des Schülers und vollziehe den Kalā-Nyāsa an dessen Körper. [Hu/ ist eine beschädigte Bīja-Schreibung.] Mit drei Kuśa-Halmen: von den Fußsohlen bis zu den Knien „Oṃ. Nivṛtti, der Rücknahme, sei Verehrung“; von den Knien bis zum Nabel „Oṃ. Pratiṣṭhā, der Festigung“; vom Nabel bis zum Hals „Oṃ. Vidyā, dem Wissen“; vom Hals bis zur Stirn „Oṃ. Śānti, dem Frieden“; von der Stirn bis zur Brahma-Öffnung „Oṃ. Śāntyatītā, der über den Frieden Hinausgehenden“. Dann zurück von der Brahma-Öffnung zur Stirn dieselbe Śāntyatītā-Formel [Vorlage śāntyatīyai], von der Stirn zum Hals Śānti, vom Hals zum Nabel Vidyā, vom Nabel zu den Knien Pratiṣṭhā und von den Knien zu den Füßen Nivṛtti, jeweils mit oṃ und namaḥ.

P1-0565 · Originalnummer 70
tataḥ śiṣyasya
śirasi hastaṃ dattvā, deyamantramaṣṭottaraśataṃ japtvā,
amukamantraṃ te'haṃ dadāmiti śiṣyahaste jalaṃ dadyāt tato
dadasveti śiṣyo bruyāt |
tathā ca vāsiṣṭhe : tatastatśirasi svahastaṃ dattvā śataṃ japet
| aṣṭottaraṃ tato mantraṃ dadyādudakapūrvakam |
āvayostulyaphalado bhavatvevamudīrayet
|| 70 ||

Dann lege der Guru seine Hand auf den Kopf des Schülers, rezitiere den zu erteilenden Mantra 108-mal, spreche „Ich gebe dir den [genannten] Mantra“ und gebe Wasser in dessen Hand. Der Schüler sage „Gib ihn“. So im Vāsiṣṭha: Man lege die eigene Hand auf seinen Kopf, rezitiere 108-mal und gebe den Mantra mit vorangehender Wassergabe. Man spreche: „Möge er uns beiden gleiche Frucht verleihen.“

P1-0566 · Originalnummer 71
tataḥ
ṛṣ.yādisaṃyuktaṃ mantraṃ gururdakṣiṇakarṇe triḥ śrāvayitvā
vāmakarṇe sakṛtśrāvayet |
tathā ca gautamīye : nyāsajalaṃ taya dehe guruḥ saṃnyasya
yatnataḥ | dakṣarṇe vadenmantraṃ trivāraṃ pūrṇamānasaḥ |
dakṣakarṇe iti dvijātiviṣayam
|| 71 ||

Dann lasse der Guru den Mantra mit Seher und den übrigen Zuordnungen dreimal im rechten Ohr und einmal im linken hören. So im Gautamīya: Nachdem er die Nyāsa-Gruppe sorgfältig in seinem Körper eingesetzt hat, spreche der Guru mit erfülltem Geist den Mantra dreimal ins rechte Ohr. „Ins rechte Ohr“ betrifft die Zweimalgeborenen. [Nyāsajalaṃ ist beschädigt; „Nyāsa-Gruppe“ ist die aus dem Zusammenhang erschlossene Bedeutung.]

P1-0567 · Originalnummer 72
tathā ca tanre : dakṣakarṇe triśo vidyāṃ ekoccāreṇa coccaret |
eṣa vidhidvijātīnāṃ strīśūdrāṇāñca vāmataḥ
|| 72 ||

So im Tantra: Man spreche die Vidyā dreimal ins rechte Ohr und einmal [ins andere]. Dies ist die Regel für die Zweimalgeborenen; bei Frauen und Śūdras beginnt man links.

P1-0571 · Originalnummer 76
viśvasāre : dakṣakarṇe vadenmantraṃ ṛṣyādikasamanvitam |
tathā tasminkṣaṇe devi japenmantraṃ śatāṣṭakam
|| 76 ||

Im Viśvasāra: Man spreche den Mantra mit Seher und weiteren Zuordnungen ins rechte Ohr. In demselben Augenblick, o Göttin, rezitiere man den Mantra 108-mal.

P1-0572 · Originalnummer 77
śāradāyām : gurolabdhāṃ parāṃ vidyāmaṣṭakṛtvo
japetsudhīḥ | gurumantradevatānāmaikyaṃsambhāvayan dhiyā |
etadvacanaṃ tattadbhāvanāparajapaviṣayaṃ bhāvanāśūnye tu
sahasram
|| 77 ||

Im Śāradā: Der Verständige rezitiere die vom Guru empfangene höchste Vidyā achtmal und vergegenwärtige im Geist die Einheit von Guru, Mantra und Gottheit. Diese Aussage betrifft Rezitation mit solcher Vergegenwärtigung; ohne sie gilt die Zahl tausend.

P1-0574 · Originalnummer 79
viśvasāre : aṣṭādhikasahasraṃ śataṃ vā'pi vidhānataḥ |
svaśaktirakṣaṇārthāya gururmantraṃ tadā japet
|| 79 ||

Im Viśvasāra: Der Guru rezitiere dann nach Vorschrift 1008 oder hundertmal den Mantra zur Bewahrung seiner eigenen Kraft.

P1-0575 · Originalnummer 80
yāmale : datvā mantraṃ japeddevi śatamoṣṭottaraṃ tataḥ
|| 80 ||

Im Yāmala: Nachdem er den Mantra gegeben hat, o Göttin, rezitiere er danach 108-mal.

P1-0576 · Originalnummer 81
tataḥ śiṣyaḥ kuśatilajalānyādāya oṃ adya kutaitat amukadevatāyā
amuktamantragrahaṇapratiṣṭhārthaṃ | dakṣiṇāmidaṃ suvarṇaṃ
kāñcanaṃ vā vahnidaivataṃ amuktagotrāyāmuktadevaśarmaṇe
gurave tubhyamahaṃ sampradade
|| 81 ||

Danach nehme der Schüler Kuśa, Sesam und Wasser und spreche: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben], zur Festigung dieses vollzogenen Empfangs des [genannten] Mantras der [genannten] Gottheit übergebe ich dir, dem Guru [Name] Devaśarman aus [Gotra], als Ehrengabe dieses Gold beziehungsweise Goldstück, dessen Gottheit Feuer ist.“ [Die Anfangswörter adya kutaitat sind beschädigt.]

P1-0583 · Originalnummer 88
tathā : gurave dakṣiṇāṃdadyātsvarṇaṃ vastrasamanvitam |
gurusantoṣamātreṇa duṣṭamantro'pi sidhyati
|| 88 ||

Ferner: Man gebe dem Guru Gold zusammen mit Kleidung als Ehrengabe. Allein durch seine Zufriedenstellung wird selbst ein mangelhafter Mantra vollendet.

P1-0586 · Originalnummer 91
dīkṣādivase guruśiṣyorupavāse diṣamāha yoginītantre :
mantraṃ dattvā guruścaivamupavāsaṃ yadācaret | mahāndhakāre
narake kṛmirbhavati nānyathā
|| 91 ||

Den Fehler des Fastens von Guru und Schüler am Einweihungstag nennt das Yoginītantra: Wenn der Guru nach Erteilung des Mantras fastet, wird er in der von großer Dunkelheit erfüllten Hölle zum Wurm; anders ist es nicht.

P1-0587 · Originalnummer 92
dīkṣāṃ kṛtvā yadā mantrī
copavāsaṃ samācaret | tasya devaḥ sadā ruṣṭaḥ śāpaṃ dattvā
vrajetpuram
|| 92 ||

Wenn der Mantrapraktizierende nach der Einweihung fastet, ist seine Gottheit stets erzürnt, belegt ihn mit einem Fluch und geht in ihre Stadt zurück.

P1-0599 · Originalnummer 4
eteṣāṃpūjanantu gautamīye : gandhādibhirathābhyarcya
ṣaḍaṅgārcanameva ca | viṃśakṛtvo japenmantraṃ namaskṛtya
samāpayet
|| 4 ||

Ihre Verehrung im Gautamīya: Man verehre mit Duftstoffen und den weiteren Gaben, vollziehe die Verehrung der sechs Glieder, rezitiere den Mantra zwanzigmal, verneige sich und schließe ab.

P1-0603 · Originalnummer 8
evañca : āvāhya devatāmanyācarcayaṃstvanyadevatām |
ubhābhyāṃ labhate śāpaṃ mantrī bhavati durmatiḥ | iti tu
aṅgātiriktaparam | sarveṣāmaṅgamantrāṇāṃ siddhādivicāro
nāsti ||
tathā ca : siddhādiśodhanaṃ naiṣāmaṅgatve sati rājavat
|| 8 ||

Ebenso: Wer eine Gottheit herbeiruft und eine andere verehrt, erhält den Fluch beider und wird ein törichter Mantrapraktizierender. Dies betrifft andere Gottheiten als die Begleitgottheiten. Bei sämtlichen Begleitmantras besteht keine Prüfung auf Siddha und die übrigen Kategorien. So heißt es: „Wenn sie als Bestandteile dienen, werden sie nicht auf Siddha und dergleichen geprüft, wie [die Diener] eines Königs.“

P1-0605 · Originalnummer 10
upavidyāsu sarvāsu ṣaṭkarmādiṣu
sādhane | nātra dīkṣādyapekṣāstu nātrāṅgāṅgi - prapūjanam
|| 10 ||

Bei sämtlichen Neben-Vidyās und der Durchführung der sechs rituellen Handlungen und ähnlicher Anwendungen besteht hier keine Abhängigkeit von Einweihung und dergleichen und keine Verehrung von Begleit- und Hauptgottheit.

P1-0606 · Originalnummer 11
tattvasāre : upavidyāsu sarvāsu tathā prayogasādhane |
dīkṣāṃ vinaiva karttavya upadeśaḥ sadaiva hi
|| 11 ||

Im Tattvasāra: Bei sämtlichen Neben-Vidyās und der Durchführung praktischer Anwendungen soll stets Unterweisung ohne Einweihung erteilt werden.

P1-0610 · Originalnummer 15
nibandhe : śiṣyaṃ svalaṃkṛtaṃ vedyāmupāgnimupaveśayet |
mantritaḥ prokṣaṇītoyaiḥ śāntikumbhajalaistathā
|| 15 ||

Im Nibandha: Man lasse den gut geschmückten Schüler auf dem Altar nahe dem Feuer sitzen und [besprenge ihn] mit mantra-besprochenem Wasser aus dem Besprengungsgefäß und dem Friedenskrug …

P1-0611 · Originalnummer 16
mūlamantreṇāṣṭaśatairmantritairabhiṣecayet | aṣṭaśataiḥ
aṣṭottaraśataḥ
|| 16 ||

… nachdem es durch 108 Wiederholungen des Grundmantras besprochen wurde. „Acht Hundertschaften“ bedeutet hier [laut erläuternder Glosse] 108. [Der Wortlaut aṣṭaśata und seine Glosse sind zahlenmäßig auffällig.]

P1-0612 · Originalnummer 17
atha sampādayenmantraṃ hastaṃ śirasi dhārayan |
namo'stvityakṣatān dadyāttataḥ śiṣyo'rcayedgurum
|| 17 ||

Dann übermittle man den Mantra, während man die Hand auf den Kopf hält. Unter „Verehrung sei“ gebe man ungebrochene Reiskörner. Danach verehre der Schüler den Guru.

P1-0614 · Originalnummer 19
upadeśāntaramāha viśvasāre : candrasūryagrahe tīrthe
siddhakṣetre śivālaye | mantramātraprakathanamupadeśaḥ sa ucyate
|| 19 ||

Eine weitere Unterweisung nennt der Viśvasāra: Bei Mond- oder Sonnenfinsternis, an einer Pilgerstätte, an einer vollendeten heiligen Stätte oder im Śiva-Tempel heißt die bloße Mitteilung des Mantras Unterweisung.

P1-0616 · Originalnummer 21
atha sarvatobhadramaṇḍalam : (dekhiye citra 10)
śāradāyām : caturasre catuṣkoṣṭhe karṇasūtrasamanvite |
caturṣvapi ca koṣṭheṣu koṇasūtracatuṣṭayam | madhye madhye tathā
matsyā bhaveyu pātayettathā pūrvāparāyate dve dve mantrī
yāmyottarāyate pātayetteṣu matsyeṣu samaṃ sūtracatuṣṭayam |
pūrvavatkoṇakoṣṭheṣu karṇasūtrāṇi pātaet | tadudbhuteṣu
matsyeṣu dadyātsūtracatuṣṭayam | tataḥ koṣṭheṣu matsyāḥ syusteṣu
sūtrāṇi pātayet | yāvacchatadvayaṃ mantrī
ṣaṭpañcāśatpadānyapi | tāvattenaiva vidhinā tatra sūtrāṇi pātayet
|| 21 ||

Nun das Sarvatobhadra-Maṇḍala. [Herausgeberhinweis: „Siehe Abbildung 10“.] Im Śāradā: In einem Quadrat mit vier Feldern und Diagonallinien ziehe man in allen vier Feldern je vier Ecklinien. In ihren Mitten lasse man durch entsprechende Linien Fischformen entstehen. Der Mantrapraktizierende ziehe jeweils zwei von Ost nach West und zwei von Süd nach Nord laufende Linien; in diese Fischformen lege er vier gleichmäßig verteilte Linien. In den Eckfeldern ziehe er Diagonalen wie zuvor, in den daraus entstandenen Fischformen vier weitere Linien. Dann entstehen in den Feldern neue Fischformen; in diese lege man weitere Linien. Nach demselben Verfahren ziehe man weiter, bis zweihundertsechsundfünfzig Felder vorhanden sind. [Die geometrischen Fachausdrücke matsya, „Fischform“, und die einzelnen Schnittschritte werden ohne Abbildung nicht völlig eindeutig.]

P1-0617 · Originalnummer 22
ṣaṭtriṃśatā padairmadhye likhetpadmaṃ salakṣaṇam |
bahiḥpaktyā bhavetpīṭhaṃ paṃktiyugmena vīthikām |
dvārabhobhopaśobhāsrāṃ śiṣṭābhyāṃ parikalpayet |
śāstroktavidhinā mantrī tataḥ padmaṃ samālikhet | padmakṣetrasya
saṃtyajya dvādaśāṃśaṃ bahiḥ sudhīḥ | tanmadhyaṃ
vibhajedvṛttaistribhiḥ samavibhāgataḥ | ādyaṃ
syātkarṇikāsthānaṃ keśarāṇāṃ dvitoyakam | tṛtīyaṃ
padmapatrāṇāṃ kuktāṃśena dalāgrakam | vāhyavṛttāntarā lasya
mānena vidhinā sudhīḥ | nidhāya keśarāgreṣu
parito'rddhaniśākarān | likhitvā sandhisaṃsthāni tatra sūtrāṇi
pātayet | dalāgrāṇāñca yanmānaṃ tanmānaṃ vṛttamālikhet || 21
ka || tadaṃtarāle tanmadhyasūtrasyobhayataḥ sudhīḥ |
ālikhedvāhyahastena dalāgrāṇi samantataḥ | dalamūleṣu yugaśaḥ
keśarāṇi prakalpayet | etatsādhāraṇaṃ proktaṃ paṅkajaṃ
tantravedibhiḥ | padāni trīṇi padārthaṃ pīṭhekoṇeṣu mārjayet |
avaśiṣṭaiḥ padairvidvāna pīṭhagātrāṇi parikalpayet | padāni
vīthisaṃsthāni mārjayetpaktyabhedataḥ | dikṣu dvārāṇi
racayedvicatuṣkoṣṭhakaistataḥ | padaistribhirathaikena śobhāḥ
syurdvārapārśvayoḥ | upaśobhāḥ syurekena tribhiḥ
koṣṭhairanantaram | avaśiṣṭaiḥ padaiḥ ṣaḍbhiḥ koṇānāṃ
syāccatuṣṭaya | rañjayetpañcabhirvarṇirmaṇḍalaṃ tanmanoharam ||
21 kha || pītaṃ haridrācūrṇaṃ syātsitaṃ taṇḍulasambhavam |
kusumbhacūrṇamaruṇaṃ kṛṣṇaṃ dagdha pulākajam |
bilvādipatrajaṃ śyāmamityuktaṃ varṇapañcakam
|| 22 ||

In der Mitte zeichne man auf sechsunddreißig Feldern einen Lotus mit seinen Merkmalen. Die äußere Reihe bildet das Pīṭha, zwei Reihen bilden den Umgang. Aus den verbleibenden zwei Reihen bestimme man Tore, Schmuck, Nebenschmuck und Ecken. Dann zeichne der Mantrapraktizierende den Lotus nach der Lehrvorschrift. Der Verständige lasse außen ein Zwölftel des Lotusbereichs frei und teile seine Mitte durch drei Kreise gleichmäßig. Der erste ist der Platz des Zentrums, der zweite der Staubfäden, der dritte der Lotusblätter; der freigelassene Teil ist für ihre Spitzen. Mit dem Maß des Zwischenraums des äußeren Kreises lege man rings an die Spitzen der Staubfäden Halbmondformen, zeichne ihre Verbindungsstellen und ziehe dort Linien. Man zeichne einen Kreis im Maß der Blattspitzen. [Eingeschobene Originalnummer 21 ka.] In diesem Zwischenraum zeichne der Verständige beiderseits der Mittellinie ringsum mit freier Hand die Blattspitzen. An den Blattwurzeln bestimme man die Staubfäden paarweise. Dies nennen die Tantra-Kundigen den allgemeinen Lotus. An den Ecken des Pīṭha lösche man drei Felder und ein halbes Feld [die Lesung padārthaṃ ist unsicher]; mit den übrigen Feldern bestimme man dessen Körperteile. Die Felder des Umgangs lösche man entsprechend den Reihen. In den Richtungen fertige man Tore mit zwei mal vier Feldern. Aus drei und einem Feld entstehen beiderseits der Tore die Schmuckformen, aus einem und drei die folgenden Nebenschmuckformen. Die verbleibenden sechs Felder bilden die vier Ecken. Man färbe das ansprechende Maṇḍala mit fünf Farben. [Eingeschobene Originalnummer 21 kha.] Gelb entsteht aus Kurkumapulver, Weiß aus Reispulver, Rot aus Saflorpulver, Schwarz aus verbrannten Spelzen und Dunkelgrün aus Bilva- und anderen Blättern. So werden die fünf Farben gelehrt. [Einzelne Maße und Wortformen sind beschädigt; eine maßstabsgerechte Konstruktion verlangt die Abbildung beziehungsweise eine intakte Edition.]

P1-0618 · Originalnummer 23
aṃgulotsedhavistārāḥ somārekhāḥ sitāḥ śubhāḥ | karṇikāṃ
pītavarṇena keśarāṇyaruṇena ca | śuklavarṇāni patrāṇi tatsandhiḥ
śyāmalena ca | rajasā rañjayenmantrī yadvā pītaiva karṇikā |
keśarāḥ pītavarṇāktāḥ aruṇāni dalāni ca | sandhayaḥ
kṛṣṇavarṇāḥ syuḥ pītenāpyasitena vā | rañjayetpīṭhagarbhāṇi
pādāḥ syuraruṇaprabhāḥ | gātrāṇi tasya śuklāni vīthīṣu ca
catasṛṣu | ālikhetkalpalātakāṃ dala - puṣpa - samanvitāḥ |
varṇairnānāvidhaiścitrāḥ sarvadṛṣṭimanoharāḥ | dvārāṇi
śvetavarṇāni śobhā raktāḥ samīritāḥ | upasobhāḥ pītavarṇāḥ
koṇānyasitabhāṃsi ca | tisro rekhā vahiḥ kāryā sitaraktāsitāḥ
kramāt | maṇḍalaṃ sarvatobhadrametsādhāraṇaṃ matam
|| 23 ||

Die Grenzlinien seien eine Fingerbreite hoch und breit, weiß und günstig. Das Lotuszentrum färbe man gelb, die Staubfäden rot, die Blätter weiß und ihre Verbindungen dunkelgrün. Oder ebenfalls das Zentrum gelb, die Staubfäden gelb, die Blätter rot und die Verbindungen schwarz. Das Innere des Pīṭha färbe man gelb oder schwarz, seine Füße rot und den Körper weiß. In die vier Umgangswege zeichne man mit Blättern und Blüten versehene Wunschranken, bunt in vielerlei Farben und jedem Blick erfreulich. Die Tore seien weiß, die Schmuckformen rot, der Nebenschmuck gelb, die Ecken schwarz. Außen ziehe man drei Linien der Reihe nach weiß, rot und schwarz. Dieses gilt als das allgemeine Sarvatobhadra-Maṇḍala.

P1-0622 · Originalnummer 27
atha trilauhomudā :
atha mantriṇāṃ hitārthāya trilauhīmudrā nirūpyate |
somasūryāgnirūpāḥ syurvarṇā lauhatrayaṃ tathā | raupyaminduḥ
smṛto hema sūryastāmro hutāśanaḥ
|| 27 ||

Nun die Dreimetall-Mudrā: Zum Wohl der Mantrapraktizierenden wird der Dreimetallring erläutert. Die Buchstaben und ebenso die drei Metalle haben die Gestalt von Mond, Sonne und Feuer. Silber gilt als Mond, Gold als Sonne und Kupfer als Feuer.

P1-0626 · Originalnummer 31
sāṣṭaṃ sahasraṃ saṃjapya spṛṣṭvā tāṃ juhuyāttataḥ |
tasyāṃ sampātayenmantrī sarpiṣā pūrvasaṃkhyayā
|| 31 ||

Man berühre den Ring, rezitiere 1008-mal und opfere danach im Feuer. Der Mantrapraktizierende lasse nach derselben zuvor genannten Zahl Ghī auf ihn gelangen.

P1-0630 · Originalnummer 35
mantrasiddhikarīṃ puṃsāṃ caturvargaphalapradām |
dhārayenmanujo nityaṃ devatulyo bhavedbhuvi
|| 35 ||

Der Mensch trage ihn stets: Er bewirkt Mantravollendung und die Früchte der vier Lebensziele. Auf Erden wird er dadurch gottgleich.


Allgemeine Pūjā und Gottheitsrituale

P2-0001 · Originalnummer 1
dvitīyaḥ paricchedaḥ
atha sāmānyapūjāpaddhatiḥ
tatra brāhmyemuhūrte utthāya muktasvāpaḥ rātrivāsastyaktvā śirasi
sahasradalakamalakarṇikā sthitaṃ śvetavarṇa guruṃ dvibhujaṃ
varābhayakaraṃ śvetamālyānulepanaṃ svaprakāśarūpaṃ
svavāmasthitasuraktaśaktyā svaprakāśarūpayā sahitaṃ vibhāvya
mānasopacārairārādhya namaskuryāt |
yathā:
akhaṇḍamaṇḍalākāraṃ vyāptaṃ yena carācaram |
tatpadaṃ darśitaṃ yena tasmai śrī gurave namaḥ |
ajñānatimirāndhasya jñānāñjanaśalākayā |
cakṣurunmīlitaṃ yena tasmai śrī guruve namaḥ |
tato mūlādibrahmarandhrāntaṃ mūlavidyāṃ vibhāvayet |
mūlavidyāṃ kuṇḍalinīm ||
tathā ca yoginīhṛdaye:
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī
|| 1 ||

Zweiter Abschnitt. Nun die allgemeine Ordnung der Verehrung. Man stehe in der Brahma-Stunde auf, sei vom Schlaf frei und lege die Nachtkleidung ab. Auf dem Kopf, im Zentrum des tausendblättrigen Lotus, vergegenwärtige man den weißen Guru mit zwei Armen, mit Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit, weißen Blumenkränzen und Salben, selbstleuchtend und begleitet von der links bei ihm weilenden tiefroten, ebenfalls selbstleuchtenden Śakti. Man verehre ihn mit geistigen Darbringungen und verneige sich: „Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der jenen Zustand gezeigt hat, von dem die bewegte und unbewegte Welt in Gestalt eines ungeteilten Kreises durchdrungen ist. Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der dem durch die Dunkelheit der Unwissenheit Erblindeten mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe das Auge geöffnet hat.“ Danach vergegenwärtige man die Grund-Vidyā vom Wurzelort bis zur Brahma-Öffnung, die Grund-Vidyā als Kuṇḍalinī. So im Yoginīhṛdaya: Die Vidyā hat Kuṇḍalinīs Gestalt und durchbricht die drei Kreise.

P2-0002 · Originalnummer 2
anyatrāpi:
dhyāyetkuṇḍalinīṃ sūkṣmāṃ mūlādhāranivāsinīm |
tāmisṭa - devatārūpāṃ sārddhatrivalayānvitām |
koṭisaudāminībhāsāṃ svayambhuliṅgaveṣṭitām |
tāmutthāya mahādevīṃ prāṇamantreṇa sādhakaḥ |
udyaddinakaradyotāṃ yāvacchvāsaṃ dṛḍhāsanaḥ |
aśeṣāśubhaśāntyarthaṃ samāhitamanāḥ śivam |
tatprabhāpaṭalavyāptaṃ śarīramai cintayet
|| 2 ||

Auch anderswo: Man meditiere über die feine Kuṇḍalinī, die im Mūlādhāra wohnt, die Gestalt der erwählten Gottheit besitzt, dreieinhalb Windungen bildet, wie zehn Millionen Blitze leuchtet und den Svayambhū-Liṅga umschlingt. Der Übende erwecke diese große Göttin mit dem Lebensmantra; fest sitzend vergegenwärtige er sie während des Atems als Glanz der aufgehenden Sonne. Mit gesammeltem Geist denke er zur Befriedung alles Unheilvollen an Śiva und den von ihrer Lichtfülle durchdrungenen eigenen Körper. [Der Satzanschluss yāvacchvāsam und die Form śarīramai sind beschädigt beziehungsweise verkürzt.]

P2-0003 · Originalnummer 3
etatsya nityatvamāha gautamīye:
idānīṃ pūrvakṛtyañca prasaṅgātkathayāmi te |
yatkṛtvādhikāritāṃ yāti mantrayantrārcanādiṣu |
yena vinā na siddhḥ syānnarakañca prapadyate
|| 3 ||

Die tägliche Verbindlichkeit erklärt das Gautamīya: Nun werde ich dir bei dieser Gelegenheit die Vorhandlungen nennen. Wer sie vollzieht, erlangt die Befugnis zu Mantra-, Yantra-Verehrung und ähnlichen Handlungen; ohne sie entsteht keine Vollendung, vielmehr geht man in die Hölle ein.

P2-0007 · Originalnummer 7
atha sandhyāprayogaḥ :
tatra śaktiviṣaye:
oṃ ātmatattvāya svāhā, oṃ vidyātattvāya svāhā, oṃ śivatattvāya
svāhā ityācāmet |
anyatrācamanamātram ||
tathā ca svatantratantre:
ātmavidyāśivaistattvairācāmetsādhakāgraṇīḥ |
vahnijāyāṃ tato dattvā śuddhena pāthasā priye ||
mālinītantre:
ācāmedātmatattvādyaiḥ praṇavādyairdviṭhāntakairiti |
tato jale gaṅge cetyādinā tīrthamāvāhya mūlena kuśena trivāraṃ
bhūmau jalaṃ kṣipet |
tajjalena saptadhā mūrddhānamabhiṣiñcet |
tataḥ prāṇāyāmaṣaḍaṅganyāsau kṛtvā vāmahastatale jalaṃ
nidhāya dakṣiṇahastena jalamācchādya haṃ yaṃ vaṃ laṃ raṃ iti
trivāramabhimantrya, mūlamuccarangalitodakavindubhistattvamudrayā
mūrddhani saptadhābhyukṣaṇaṃ kṛtvā, śeṣajalaṃ dakṣiṇahaste
samādāya, tejorūpaṃ dhyātvā, iḍayākṛṣya, dehāntaḥpāpaṃ
prakṣālya, kṛṣṇavarṇaṃ tajjalaṃ pāparūpaṃ dhyātvā, piṅgalayā
virecya, puraḥkalpitavajraśilāyāṃ phaḍiti mantreṇa
pāpapuruṣasvarūpaṃ tajjalaṃ kṣipedityaghamarṣaṇam |
gaṅge cetyādimantraṃ tīrthe'pi paṭhet, tīrthe tadadviguṇaphalamiti
smṛteḥ |
tathā ca gautamīye:
ācamya vidhivanmatrī śucau deśe ca saṃviśet |
jale saṃyojya tīrthāni trivāraṃ mūlamantrataḥ |
kṣipedbhūmau kuśāgreṇa saptadhā mūrdhni secayet ||
tantrāntare:
punarācamya vinyasya ṣaḍaṅgamapi dharmavit |
vāmahaste jalaṃ gṛhya galitodakavindubhiḥ |
saptadhā prokṣaṇaṃ kṛvā mūrdhni mantraṃ samuccaran |
avaśiṣṭodakaṃ dakṣahaste saṃgṛhya buddhimān |
iḍayākṛṣya dehāntaḥ kṣālitaṃ pāpasañcayam |
kṛṣṇavarṇaṃ tadudakaṃ dakṣanāḍyā virecayet |
dakṣahaste tu tanmantrī pāparūpaṃ vicintya ca |
purato vajrapāṣāṇe nikṣipedastramuccaran
|| 7 ||

Nun die Durchführung der Sandhyā. Bei Śakti vollziehe man Ācamana mit „Oṃ. Dem Ātman-Prinzip, svāhā; oṃ, dem Wissensprinzip, svāhā; oṃ, dem Śiva-Prinzip, svāhā“. In anderen Fällen nur gewöhnliches Ācamana. So im Svatantratantra: Der beste Übende vollziehe Ācamana mit den Prinzipien Ātman, Vidyā und Śiva, jeweils mit der „Gemahlin des Feuers“, svāhā, und reinem Wasser, o Geliebte. Im Mālinītantra: Mit den Ātman-Prinzip-Formeln, beginnend mit Praṇava und endend mit dviṭha. Danach rufe man mit „O Gaṅgā …“ die heiligen Wasser ins Wasser, werfe unter dem Grundmantra mit Kuśa dreimal Wasser auf den Boden und besprenge mit diesem Wasser den Kopf siebenmal. Nach Prāṇāyāma und sechsgliedrigem Nyāsa nehme man Wasser in die linke Handfläche, bedecke es mit der rechten und bespreche dreimal mit haṃ yaṃ vaṃ laṃ raṃ. Unter dem Grundmantra besprenge man mit heruntertropfendem Wasser und der Tattva-Mudrā den Kopf siebenmal. Das übrige Wasser nehme man rechts, vergegenwärtige es als Lichtkraft, ziehe durch Iḍā ein und wasche die Sünde im Körperinneren aus. Man vergegenwärtige das Wasser als schwarz und als Gestalt der Sünde, atme durch Piṅgalā aus und werfe es als Gestalt des Sündenmenschen mit phaṭ auf einen davor vorgestellten Diamantstein. Dies ist Aghamarṣaṇa, Abstreifen der Sünde. Den mit „O Gaṅgā …“ beginnenden Mantra spreche man auch an einer Pilgerstätte, denn nach der Smṛti ist dort seine Frucht doppelt. Im Gautamīya: Der Mantrakundige vollziehe vorschriftsgemäß Ācamana, setze sich an einen reinen Ort, verbinde das Wasser mit den Pilgerstätten, werfe unter dem Grundmantra mit einer Kuśa-Spitze dreimal Wasser auf die Erde und besprenge den Kopf siebenmal. In einem anderen Tantra: Der Dharma-Kundige vollziehe erneut Ācamana und den sechsgliedrigen Nyāsa, nehme Wasser links und besprenge mit den fallenden Tropfen unter Mantrarezitation den Kopf siebenmal. Er nehme das übrige Wasser rechts, ziehe durch Iḍā ein und wasche die angesammelte Sünde im Körper aus. Das schwarze Wasser atme er durch die rechte Nāḍī aus, vergegenwärtige es in der rechten Hand als Sündengestalt und werfe es unter dem Waffenmantra auf den vorgestellten Diamantstein.

P2-0008 · Originalnummer 8
anyatrāpi:
ṣaḍaṅganyāsamācarya vāmahaste jalaṃ tataḥ |
gṛhītvā dakṣiṇenaiva sampuṭaṃ kārayedbudhaḥ |
śiva - vāyu - jala - pṛthvīvahnibījaistridhā punaḥ |
abhimantrya ca mūlena saptadhā tattvamudrayā |
nikṣipya tajjalaṃ mūrdhni śeṣaṃ dakṣe nidhāya ca |
śarīrāntaḥsthitaṃ pāpaṃ kṣālayetsādhakāgraṇīḥ
|| 8 ||

Auch anderswo: Nach dem sechsgliedrigen Nyāsa nehme der Verständige Wasser links und bedecke es mit der rechten Hand. Er bespreche dreimal mit den Bījas Śivas, der Luft, des Wassers, der Erde und des Feuers, besprenge dann mit Grundmantra und Tattva-Mudrā den Kopf siebenmal und nehme den Rest rechts. So wasche der beste Übende die im Körper befindliche Sünde aus.

P2-0009 · Originalnummer 9
tatohastaṃ
prākṣālyācamya hrīṃ haṃ saḥ oṃ ghṛṇi sūrya āditya iti mantreṇa
vā sūryāyārghyaṃ dadyāt ||
tathā sammohanatantre:
śivabījaṃ vahnisaṃsthaṃ vāmanetravibhūṣitam |
vindu nādātmakaṃ devi haṃsaḥ padamatho likhet |
anena manunā mantro bhāskarasya priyeṇa tu |
arghyaṃ dadyāditi śeṣaḥ |
viśeṣastu snānaprakaraṇe vaktavyaḥ
|| 9 ||

Dann wasche man die Hände, vollziehe Ācamana und gebe der Sonne Arghya mit „Hrīṃ haṃ saḥ“ oder „Oṃ ghṛṇi sūrya āditya“. [Ghṛṇi, Sūrya und Āditya sind Sonnenbezeichnungen: der Glühende, die Sonne, der Āditya.] Im Sammohanatantra: Man setze das Śiva-Bīja auf Feuer, schmücke es mit dem linken Auge und Bindu und Nāda, o Göttin, und schreibe danach haṃsaḥ. Mit diesem der Sonne lieben Mantra gebe der Mantrakundige Arghya. Die Besonderheit wird im Abschnitt über das Baden erklärt. [Die Bīja-Konstruktion ist verschlüsselt und nicht als korrigierte Gesamtform ergänzt.]

P2-0010 · Originalnummer 10
tataḥ oṃ sūryamaṇḍalasthāyai amukadevatāyai namaḥ, ityanena
tadgāyatryā vā trivāraṃ jalaṃ nikṣipya tattaddevatāyā gāyatrīṃ
japet
|| 10 ||

Danach werfe man dreimal Wasser mit „Oṃ. Der im Sonnenkreis weilenden [genannten] Gottheit sei Verehrung“ oder mit ihrer Gāyatrī und rezitiere die Gāyatrī der jeweiligen Gottheit.

P2-0013 · Originalnummer 13
gautamīye:
evaṃ te kathitā mantrasandhyā mantraphalāptaye |
na kuryādyadi mohena na dīkṣāphalamāpnuyāt
|| 13 ||

Im Gautamīya: So wurde dir die Mantra-Sandhyā zur Erlangung der Mantrafrucht gelehrt. Wer sie aus Verwirrung nicht vollzieht, erlangt nicht die Einweihungsfrucht.

P2-0014 · Originalnummer 14
sandhyātrayaṃ
tathā kuryādbrāhmaṇo vidhipūrvakam |
tantroktavidhipūrvantu śūdraḥ sandhyāṃ samācaret |
saṃkṣepasandhyāmathavā kuryānmantrī hyaśaktitaḥ |
sāyaṃ prātaśca madhyāhne devaṃ dhyātvā manuṃ japet |
sandhyāyāṃ patitāyāntu gāyatrīṃ daśadhā japet
|| 14 ||

Ein Brahmane vollziehe die drei Sandhyās entsprechend der Vorschrift; ein Śūdra nach dem im Tantra gelehrten Verfahren. Bei Unvermögen kann der Mantrapraktizierende eine verkürzte Sandhyā vollziehen: abends, morgens und mittags über die Gottheit meditieren und den Mantra rezitieren. Wurde eine Sandhyā versäumt, rezitiere man die Gāyatrī zehnmal.

P2-0016 · Originalnummer 16
tathā ca gautamīyatantre:
atha snānaṃ tathā kuryādyathāśāstravidhānataḥ malaprakṣālanaṃ
snānaṃ svaśākhoktaṃ samācaret |
mantrasnānaṃ tataḥ kuryātkarmaṇā siddhihetave
|| 16 ||

So im Gautamīyatantra: Danach bade man gemäß der Lehrvorschrift. Man vollziehe das den Schmutz abwaschende Bad nach der eigenen vedischen Schule; danach das Mantrabad, um das Gelingen der Handlung herbeizuführen.

P2-0017 · Originalnummer 17
tadyathā:
oṃ adyetyādi amukadevatāprītaye snānamahaṃ kariṣye iti saṅkalpaṃ
kuryāt
|| 17 ||

Man fasse den Vorsatz: „Oṃ. Heute [Kalenderangaben] werde ich zur Freude der [genannten] Gottheit das Bad vollziehen.“

P2-0019 · Originalnummer 19
tataḥ ṣaḍaṅganyāsa:
prāṇāyāmau kṛtvā oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati |
narmade |
sindhukāveri jalesmin sannidhiṃ kuru |
ityenenāṃkuśamudrayā sūryamaṇḍalāttīrthamāvāhya, vamiti
dhenumudrayā amṛtīkṛtya, kavacenāvaguṇṭhya, asteṇa saṃrakṣya,
mūlenaikādaśadhābhimantrya, sūryābhimukhaṃ
dvādaśavāridhārāṃ nikṣipya,
tasminniṣṭhadevatācaraṇāravindaniḥsṛte jale trirnirmajya, devatāṃ
dhyāyanmūlamantraṃ yathāśakti japan, udakena trivārajapena
kalaśamudrayā trivāramātmānamabhiṣicya, vaidikasandhyātaparṇaṃ
kṛtvā, sūryārghyaṃ dattvā, tāntrikāghamarṣaṇādi vāridhārāntaṃ
karma kuryāt
|| 19 ||

Dann vollziehe man den sechsgliedrigen Nyāsa und Prāṇāyāma und rufe mit Aṅkuśa-Mudrā die heiligen Wasser aus dem Sonnenkreis herbei: „Oṃ. O Gaṅgā und Yamunā, Godāvarī, Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī, macht euch in diesem Wasser gegenwärtig.“ Mit vaṃ und Dhenu-Mudrā mache man es nektarhaft, verhülle mit der Kavaca-Formel, schütze mit dem Waffenmantra, bespreche elfmal mit dem Grundmantra und werfe zur Sonne gewandt zwölf Wasserströme aus. In dieses als von den Lotusfüßen der erwählten Gottheit ausgehend gedachte Wasser tauche man dreimal ein, meditiere über die Gottheit und rezitiere den Grundmantra nach Vermögen. Nach dreimaliger Rezitation über dem Wasser besprenge man sich mit der Kalaśa-Mudrā dreimal, vollziehe vedische Sandhyā und Wassersättigung, gebe der Sonne Arghya und vollziehe die tantrischen Handlungen von Aghamarṣaṇa bis zu den Wasserströmen.

P2-0021 · Originalnummer 21
tatra kramamāha:
oṃ devāṃstarpayāmi, oṃ ṛṣīstaryayāmi, oṃ pitṝṃstarpayāmi, iti
santarpyaguruṃ paramaguruṃ parāparaguruṃ parameṣṭhiguruñca
tarpayet ||
tathā ca:
devān ṛṣīn pitṝṃścaiva taṃ kalpoktavidhānataḥ |
gurupaṃki purā tarpya tarpayediṣṭadevatām
|| 21 ||

Die Reihenfolge lautet: „Oṃ. Ich sättige die Götter; oṃ, ich sättige die Seher; oṃ, ich sättige die Ahnen.“ Danach sättige man Guru, Parama-Guru, Parāpara-Guru und Parameṣṭhi-Guru. So heißt es: Nach der im Ritualhandbuch beschriebenen Vorschrift sättige man Götter, Seher und Ahnen sowie zuerst die Guru-Reihe, danach die erwählte Gottheit.

P2-0022 · Originalnummer 22
viṣaṇave tu viśeṣaḥ |
nāradaṃ parvataṃ jiṣṇuṃ niśaṭhodghavadārukaṃ |
viśvaksenañca śaineyaṃ guruñca tarpayetriśaḥ |
vākyantu:
oṃ nāradaṃ tarpayāmi ityādikrameṇa prayogaḥ
|| 22 ||

Im vaiṣṇavischen Bereich besteht eine Besonderheit: Nārada, Parvata, Jiṣṇu, Niśaṭha, Uddhava, Dāruka, Viśvaksena, Śaineya und den Guru sättige man je dreimal. Die Formel lautet der Reihe nach „Oṃ. Ich sättige Nārada“ und entsprechend die übrigen. [Niśaṭhodghavadārukam ist beschädigt und nach den erkennbaren Eigennamen getrennt.]

P2-0023 · Originalnummer 23
tato mūlamuccārya amukadevatāṃ tarpayāmi namaḥ iti viṣṇuviṣayam |
tathā ca gautamīye:
ādau mantraṃ samuccārya śrīpūrvaṃ kṛṣṇamityapi |
tarpayāmipadañcoktvā namontaṃ tarpayettataḥ
|| 23 ||

Danach spreche man im Viṣṇu-Bereich den Grundmantra und „Ich sättige die [genannte] Gottheit, namaḥ“. So im Gautamīya: Zuerst den Mantra, danach „Śrī Kṛṣṇa“, dann „ich sättige“, endend auf namaḥ; so vollziehe man die Sättigung.

P2-0024 · Originalnummer 24
anyatra mūlamuccāryaṃ amuktadevatāṃ tarpayāmi |
tathā ca tantrāntare:
tarpayāmipadaṃ yojyaṃ mantrānteṣveṣu nāmasu |
dvitīyānteṣu cetyevaṃ tarpaṇasya manuḥ smṛtaḥ
|| 24 ||

Anderswo spreche man den Grundmantra und „Ich sättige die [genannte] Gottheit“. So in einem anderen Tantra: Am Ende des Mantras füge man „ich sättige“ zu diesen Namen im Akkusativ hinzu. So gilt die Sättigungsformel.

P2-0025 · Originalnummer 25
śaktiviṣaye punaḥ |
mūlaccārya amukadevīṃ tarpayāmi svāhā |
homatarpaṇayoḥ svāheti tattanmantravacanāt
|| 25 ||

Bei Śakti dagegen spreche man nach dem Grundmantra „Ich sättige die [genannte] Göttin, svāhā“, nach der jeweiligen Mantraaussage „Bei Feueropfer und Wassersättigung svāhā“.

P2-0026 · Originalnummer 26
tathā ca nīlatanre:
mantrānte nāma uccārya tarpayāmi tataḥ param |
svāhāntaṃ tarpayantvevam ityādi
|| 26 ||

So im Nīlatantra: Am Ende des Mantras spreche man den Namen, danach „ich sättige“, endend auf svāhā; so sättige man.

P2-0027 · Originalnummer 27
viśuddheśvare:
vidyāṃ pūrvaṃ samuccārya tadante devatābhidhām |
tarpayāmīti samproktvā svāhāntastarpaṇe mataḥ |
pañcaviṃśatisaṃkhyā vā daśadhā vā tridhāpi vā |
mūlamantraṃ samuccārya śrīkṛṣṇaṃ tarpayetsudhīḥ iti
gautamīyavacanātpañcaviṃśativāraṃ daśadhā tridhā vā santarpayet
|| 27 ||

Im Viśuddheśvara: Man spreche zuerst die Vidyā, danach den Namen der Gottheit und „ich sättige“, endend auf svāhā. Nach dem Wort des Gautamīya „Der Verständige spreche den Grundmantra und sättige Śrī Kṛṣṇa fünfundzwanzig-, zehn- oder dreimal“ vollziehe man die Sättigung entsprechend fünfundzwanzig-, zehn- oder dreimal.

P2-0028 · Originalnummer 28
atra śrīkṛṣṇamityupalakṣaṇam |
śaktiviṣaye tridhā tarpaṇam |
snānakarmaṇi samprāpte mūrdhni mantrī jalāñjalim |
vidyayātha triśaḥ kuryātpūtāstu triḥ payaḥ pibet ||
tarpaṇañca tridhā bhūyastridhā ca prokṣaṇaṃ tenoriti
kulāmṛtavacanāt
|| 28 ||

„Śrī Kṛṣṇa“ steht hier stellvertretend. Bei Śakti ist die Sättigung dreimal auszuführen. Nach dem Kulāmṛta: Wenn das Baderitual beginnt, gebe der Mantrapraktizierende mit der Vidyā dreimal eine Handvoll Wasser über den Kopf; gereinigt trinke er dreimal Wasser. Danach dreimal Sättigung und dreimal Besprengung. [Tenor ist im letzten Sanskritwort beschädigt.]

P2-0029 · Originalnummer 29
tataśca tadāvaraṇadevatānāṃ pratyekena sakṛttarpayet |
tathā ca kulārṇave:
ekaikamañjaliṃ toyaṃ parivārān pratarpayet |
tatrāśaktaścenmūlamantramuccārya iṣṭadevatāmātraṃ tarpayet
|| 29 ||

Danach sättige man jede umgebende Gottheit einmal. So im Kulārṇava: Das Gefolge sättige man jeweils mit einer Handvoll Wasser. Bei Unvermögen spreche man den Grundmantra und sättige nur die erwählte Gottheit.

P2-0031 · Originalnummer 31
tato jalādutthāya dhaute vāsasī paridhāyācamya hrīṃ haṃsaḥ
idamarghyaṃ svāhā |
tārādau tu hrīṃ haṃsaḥ mārttaṇḍabhairavāya
prakāśaśaktisahitāya idamarghyaṃ svāhā |
tantrāntare:
sūryamantraṃ samuccārya mārttaṇḍabhairavāya ca |
prakāśaśaktisahitāya idamarghyaṃ tataḥ paṭhet |
svāhāntaṃ mantramuccāryaṃ arghyaṃ datvā japenmanum
|| 31 ||

Danach steige man aus dem Wasser, lege zwei gewaschene Kleidungsstücke an und vollziehe Ācamana: „Hrīṃ haṃsaḥ. Dies ist Arghya, svāhā.“ Bei Tārā und ähnlichen Vidyās: „Hrīṃ haṃsaḥ. Für Mārttaṇḍabhairava zusammen mit der Lichtkraft ist dies Arghya, svāhā.“ In einem anderen Tantra: Man spreche den Sonnenmantra, danach „für Mārttaṇḍabhairava zusammen mit der Lichtkraft ist dies Arghya“, endend auf svāhā. Nach der Arghya-Gabe rezitiere man den Mantra.

P2-0032 · Originalnummer 32
śrīvidyāviṣaye tu:
aiṃ hrīṃ śrīṃ hrāṃ hrīṃ saḥ mārttaṇḍabharavāya
prakāśaśaktisahitāya
graharāśinakṣatratithiyogakaraṇaparivārasahitāya idamarghyaṃ svāhā
idamarghyaṃ dattvā, tattaddevatā gāyatrīṃ śatadhā vā japet
|| 32 ||

Bei Śrīvidyā: „Aiṃ hrīṃ śrīṃ hrāṃ hrīṃ saḥ. Für Mārttaṇḍabhairava zusammen mit der Lichtkraft und dem Gefolge von Planeten, Tierkreiszeichen, Mondhäusern, Mondtagen, Yogas und Karaṇas ist dies Arghya, svāhā.“ Nach dieser Gabe rezitiere man die Gāyatrī der betreffenden Gottheit oder hundertmal. [Der letzte Satz ist verkürzt; eine andere Wiederholungszahl wird hier nicht genannt.]

P2-0035 · Originalnummer 35
gāyatrī tu:
trailokyamohanāya vidmahe kāmadevāya dhīmahi tanno viṣṇuḥ
pracodayāt |
iti viṣṇugāyatrī |
nārāyaṇāya vidmahe vāsudevāya dhīmahi tanno viṣṇu pracodayāt |
iti nārāyaṇagāyatrī |
vajranakhāya vidmahe tīkṣṇadaṃṣṭrāya dhīmahi tanno narasiṃhaḥ
pracodayāt |
iti nṛsiṃhagāyatrī |
vāgīśvarāya vidmahe hayagrīvāya dhimahi tanno haṃsaḥ pracodayāt |
iti hayagrīvagāyatrī |
gopālagāyatri tu:
kṛṣṇāya vidmahe dāmodarāya dhīmahi tanno viṣṇuḥ pracodayāditi |
daśarathāya vidmahe sītāvallabhāya dhīmahi tanno rāmaḥ pracodayāt
|
iti rāmagāyatrī |
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi tanno rudraḥ pracodayāt |
iti śivagāyatrī |
tatpuruṣāya vidmahe vakratuṇḍāya dhīmahi tanno dantī pracodayāt |
iti gaṇeśagāyatrī |
dakṣiṇāmūrttaye vidmahe dhyānasthāya dhīmahi tanno dhīśaḥ
pracodayāt |
iti dakṣiṇāmūrtigāyatrī |
ādityāya vidmahe mārttaṇḍāya dhīmahi tannaḥ sūryaḥ pracodayāt |
iti sūryagāyatrī |
kāmadevāya vidmahe puṣpavāṇāya dhīmahi tanno'naṅgaḥ
pracodayāt |
iti kāmadevagāyatrī |
sarvasammohinyai vidmahe viśvajananyai dhīmahi tannaḥ śaktiḥ
pracodayāt |
iti śaktigāyatrī |
tvaritāyai vidmahe mahānityāyai dhimahi tanno devī pracodayāt |
iti tvaritāgāyatrī |
aiṃ vāgīśvaryai vidmahe klīṃ kāmeśvaryai dhīmahi saustanaḥ
śaktipracodayāt |
kālabhairavī gāyatrī |
aiṃ tripurādevyai vidmahe klīṃ kāmeśvarya dhīmahi saustanaḥ klinne
pracodayāt |
iti tripurāsundarī gāyatrī |
tripurāyai vidmahe bhairavyai dhīmahi tanno devī pracodayāt |
iti bhairavīgāyatrī |
mahādevyai vidmahe durgāyai dhīmahi tanno devī pracodayāt |
iti durgāgāyatrī |
nārāyaṇyai vidmahe durgāyai dhīmahi tanno gaurī pracodayāt |
iti jayadurgāgāyatrī |
mahālakṣmyai vidmahe mahāśriyai dhīmahi tannaḥ śrīḥ pracodayāt |
iti lakṣmīgāyatrī |
vāgdevyai vidmahe kāmarājāya dhīmahi tanno devī pracodayāt |
iti sarasvatī gāyatrī |
nārāyaṇyai vidmahe bhuvaneśvaryai dhīmahi tanno devī pracodayāt |
iti bhuvaneśvarī - gāyatrī |
bhagavatyai vidmahe māheśvaryai dhīmahi tanno'nnapūrṇe pracodayāt
|
iti annapūrṇāgāyatrī |
mahiṣamardinyai vidmahe durgāyai dhīmahi tanno ghore pracodayāt |
iti mahiṣamardinīgāyatrī |
vairocinye vidmahe chinnamastāyai dhīmahi tanno devī pracodayāt |
iti chinnamastāgāyatrī |
kalikāyai vidmahe śmaśānavāsinyai dhimahi tanno devo pracodayāt |
iti kālikāgāyatrī |
tārāyai vidmahe mahogrāyai dhīmahi tanno devī pracodayāt |
iti tārāgāyatrī |
garuḍāya vidmahe suparṇāya dhīmahi tanno garuḍaḥ pracodayāt |
iti garuḍagāyatrī
|| 35 ||

Die Gāyatrī-Formeln lauten: Viṣṇu: „Den Bezauberer der drei Welten möchten wir erkennen; über Kāmadeva meditieren wir. Möge Viṣṇu uns dazu anregen.“ Nārāyaṇa: „Nārāyaṇa möchten wir erkennen; über Vāsudeva meditieren wir. Möge Viṣṇu uns dazu anregen.“ Nṛsiṃha: „Den mit Diamantkrallen möchten wir erkennen; über den mit scharfen Hauern meditieren wir. Möge Narasiṃha uns dazu anregen.“ Hayagrīva: „Den Herrn der Rede möchten wir erkennen; über Hayagrīva meditieren wir. Möge Haṃsa uns dazu anregen.“ Gopāla: „Kṛṣṇa möchten wir erkennen; über Dāmodara meditieren wir. Möge Viṣṇu uns dazu anregen.“ Rāma: „Daśaratha möchten wir erkennen; über den Geliebten Sītās meditieren wir. Möge Rāma uns dazu anregen.“ [Die Vorlage sagt daśarathāya, nicht einen eindeutig gebildeten Namen für Daśarathas Sohn.] Śiva: „Jenen Puruṣa möchten wir erkennen; über Mahādeva meditieren wir. Möge Rudra uns dazu anregen.“ Gaṇeśa: „Jenen Puruṣa möchten wir erkennen; über den mit gekrümmtem Rüssel meditieren wir. Möge der Stoßzahntragende uns dazu anregen.“ Dakṣiṇāmūrti: „Dakṣiṇāmūrti möchten wir erkennen; über den in Meditation Weilenden meditieren wir. Möge der Herr des Verstandes uns dazu anregen.“ Sūrya: „Āditya möchten wir erkennen; über Mārttaṇḍa meditieren wir. Möge Sūrya uns dazu anregen.“ Kāmadeva: „Kāmadeva möchten wir erkennen; über den mit Blütenpfeilen meditieren wir. Möge der Körperlose uns dazu anregen.“ Śakti: „Die Allbezaubernde möchten wir erkennen; über die Mutter des Alls meditieren wir. Möge Śakti uns dazu anregen.“ Tvaritā: „Tvaritā möchten wir erkennen; über Mahānityā meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.“ Kālabhairavī: „Aiṃ. Die Herrin der Rede möchten wir erkennen; klīṃ, über Kāmeśvarī meditieren wir; sauḥ, möge Śakti uns dazu anregen.“ Tripurasundarī: „Aiṃ. Die Göttin Tripurā möchten wir erkennen; klīṃ, über Kāmeśvarī meditieren wir; sauḥ, möge die Befeuchtete uns dazu anregen.“ [Klinne und die Silbenverbindung saustanaḥ sind beschädigt.] Bhairavī: „Tripurā möchten wir erkennen; über Bhairavī meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.“ Durgā: „Die große Göttin möchten wir erkennen; über Durgā meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.“ Jayadurgā: „Nārāyaṇī möchten wir erkennen; über Durgā meditieren wir. Möge Gaurī uns dazu anregen.“ Lakṣmī: „Mahālakṣmī möchten wir erkennen; über Mahāśrī meditieren wir. Möge Śrī uns dazu anregen.“ Sarasvatī: „Die Göttin der Rede möchten wir erkennen; über Kāmarāja meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.“ Bhuvaneśvarī: „Nārāyaṇī möchten wir erkennen; über Bhuvaneśvarī meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.“ Annapūrṇā: „Bhagavatī möchten wir erkennen; über Māheśvarī meditieren wir. Möge Annapūrṇā uns dazu anregen.“ Mahiṣamardinī: „Die Büffelbezwingerin möchten wir erkennen; über Durgā meditieren wir. Möge die Furchtbare uns dazu anregen.“ Chinnamastā: „Vairocinī möchten wir erkennen; über Chinnamastā meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.“ Kālikā: „Kālikā möchten wir erkennen; über die auf dem Verbrennungsplatz Wohnende meditieren wir. Möge die Gottheit uns dazu anregen.“ Tārā: „Tārā möchten wir erkennen; über die sehr Furchtbare meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.“ Garuḍa: „Garuḍa möchten wir erkennen; über den Schönbeflügelten meditieren wir. Möge Garuḍa uns dazu anregen.“ [Die Bījas sind Rezitationslaute ohne eigene wörtliche Übersetzung; auffällige Gottheitsnamen der Vorlage wurden nicht gegen bekanntere Varianten ausgetauscht.]

P2-0038 · Originalnummer 38
tripurādau dhyānaviśeṣo yathā:
prātarādhārakamale hutabhṅmaṇlopari |
vāgbījarūpāṃ vidyāyā vidyutpaṭalabhāsvarām |
puṣpabāṇekṣukodaṇḍapāśāṃkuśalasatkarām |
svecchāgṛhītavapuṣīṃ guru vidyākṣarātmikām
|| 38 ||

Bei Tripurā und den zugehörigen Vidyās lautet die besondere Meditation: Am Morgen, im Lotus der Grundlage über dem Feuerkreis, die Vidyā als Gestalt des Sprach-Bījas, strahlend wie eine Fülle von Blitzen, in deren Händen Blütenpfeile, Zuckerrohrbogen, Schlinge und Haken leuchten. Sie nimmt ihre Gestalt nach eigenem Willen an und besteht aus den Silben des Gurus und der Vidyā.

P2-0039 · Originalnummer 39
madhyāhne hṛdayāmbhojakarṇike sūryamaṇḍale |
kāmabījātmikāṃ devīmalaktakarasāruṇām |
prasūnavāṇapuṇḍrekṣu - cāpapāśāṃkuśānvitām |
paritaḥ svātmamukhyābhiḥ ṣaṭtriṃśattattvaśaktibhiḥ
|| 39 ||

Am Mittag, im Zentrum des Herzlotus im Sonnenkreis, die Göttin als Wesen des Wunsch-Bījas, rot wie Alakta-Färbesaft, mit Blütenpfeilen, Zuckerrohrbogen, Schlinge und Haken, rings umgeben von den sechsunddreißig Tattva-Kräften, deren erste das eigene Selbst ist. [Die Beziehung svātmamukhyābhiḥ ist im verkürzten Satz nicht sicher.]

P2-0040 · Originalnummer 40
sāyamājñāsarojasthe candre candrasamadyutim |
śaktibījātmikāṃ cāpa - bāṇa - pāśāṃkuśānvitām |
yugantiyākṣarākārāṃ sphaṭikābharaṇānvitām |
cintayitvā bhagavatīṃ nityābhiḥ parivāritām
|| 40 ||

Am Abend vergegenwärtige man Bhagavatī im Mond des Ājñā-Lotus, leuchtend wie der Mond, als Wesen des Śakti-Bījas, mit Bogen, Pfeilen, Schlinge und Haken, in Gestalt der als yugantiya bezeichneten Silbenfolge, mit Kristallschmuck und von den Nityās umgeben. [Yugantiyākṣarākārām ist beschädigt und nicht zuverlässig aufzulösen.]

P2-0041 · Originalnummer 41
tārādau tu:
hrīṃ haṃsaḥ iti sūryārghyaṃ dattvā, tāmrādipātre
candanārkakusumāparājitā - puṣpāṇi nikṣipya,
udyadādityamaṇḍalavartinyai nityacaitanyoditāyai śrīmadekajaṭāyai
svāhā ityarghyaṃ dattvā, gāyatrīṃ japediti viśeṣaḥ |
taduktaṃ nīlatantre:
udyadādityamaṇḍalavarttinyai ca samuddharet |
nityacaitanyoditāyai svāheti ca manuḥ smṛtaḥ |
anyatra kālikāmantre ekajaṭāpadasthāne kālikāpadaprayogaḥ
|| 41 ||

Bei Tārā und anderen Vidyās besteht diese Besonderheit: Nach dem Sonnen-Arghya mit hrīṃ haṃsaḥ gebe man Sandelholz, Arka- und Aparājitā-Blüten in ein Kupfergefäß oder anderes Gefäß und bringe Arghya dar: „Der im Kreis der aufgehenden Sonne weilenden, als ewiges Bewusstsein aufgegangenen ehrwürdigen Ekajaṭā, svāhā.“ Danach rezitiere man die Gāyatrī. So im Nīlatantra: Die Formel enthält „der im Kreis der aufgehenden Sonne Weilenden“ und „der als ewiges Bewusstsein Aufgegangenen, svāhā“. Beim Kālikā-Mantra dagegen setzt man Kālikā an die Stelle des Wortes Ekajaṭā.

P2-0042 · Originalnummer 42
tataḥ sūryamaṇḍale devatāṃ vibhāvya mūlamantraṃ yathāśakti
japtvā, saṃhāramudrayā devatāṃ svahṛdayamānīya, tīrtha
namaskṛtya, yāgasthānamāviśediti snānavidhiḥ
|| 42 ||

Danach vergegenwärtige man die Gottheit im Sonnenkreis, rezitiere den Grundmantra nach Vermögen, führe die Gottheit mit der Saṃhāra-Mudrā ins eigene Herz, verneige sich vor der heiligen Wasserstätte und betrete den Verehrungsort. Damit endet die Badevorschrift.

P2-0043 · Originalnummer 43
tataḥ sāmānyārghyaṃ sthāpanādyasanopaveśanāntaṃ
dīkṣāpaddhatyuktaṃ karma samāpya vāme oṃ gurubhyo namaḥ, oṃ
paramagurubhyo namaḥ, oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
dakṣiṇe oṃ gaṇeśāya namaḥ |
mūrdhni mūlamuccārya amuktadevatāyai namaḥ |
tathā ca gautamīye:
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā vāme gurutrayaṃ yajet |
guruñca paramādiñca parāparaguruntathā |
dakṣapārśva gaṇeśañca mūrdhni devaṃ vibhāvayet |
tataḥ paḍitimantreṇa gandhapuṣpābhyāṃ karau saṃśodhya
ūrdhvordhvaṃ tālatrayaṃ dattvā, choṭikābhirdaśadigbandhanaṃ
kṛtvā, ramiti jaladhārayā vahniprākāraṃ vicintya bhūtaśuddhiṃ
kuryāt
|| 43 ||

Dann vollziehe man die in der Einweihungsordnung beschriebenen Handlungen von der Einsetzung des allgemeinen Arghya bis zum Niedersetzen auf dem Sitz. Links: „Oṃ. Den Gurus sei Verehrung; oṃ, den höchsten Gurus; oṃ, den überhöchsten Gurus.“ Rechts: „Oṃ. Gaṇeśa sei Verehrung.“ Am Scheitel nach dem Grundmantra: „Der [genannten] Gottheit sei Verehrung.“ So im Gautamīya: Mit gefalteten Händen verehre man links die drei Guru-Stufen, Guru, Parama-Guru und Parāpara-Guru, rechts Gaṇeśa, am Scheitel vergegenwärtige man die Gottheit. Danach reinige man mit phaṭ, Duftstoff und Blüten die Hände, klatsche dreimal aufsteigend, verschließe durch Fingerschnippen die zehn Richtungen, vergegenwärtige mit raṃ und einem Wasserstrom einen Feuerwall und vollziehe Elementreinigung.

P2-0044 · Originalnummer 44
tadyathā:
svāṃke uttāno karau kṛtvā so'hamiti hṛdayasthaṃ jīvāmtānaṃ
dīpakalikākāraṃ mūlādhārasthitakulakuṇḍalinyā saha
suṣumnāvarmanā mūlādhāra - svādhiṣṭhānamaṇipūrakānāhata -
viśuddhājñākhyaṣaṭcakrāṇi bhittvā,
śiro'vasthitādhomukhasahasradalakamalakarṇikāntargataparamātmāni
saṃyojya, tatraiva pṛthivyapte jīvāyvākāśa - gandha - rasa - sparśa -
śabda - nāsikā - jīhvā - cakṣustvak - śrotra - vākpāṇi - pāda -
pāyūpastha - prakṛtimanobuddhya'haṃkārarūpa - caturviṃśati -
tattvāni vilīnāni vibhāvya, yamiti vāyubījaṃ dhūmravarṇaṃ
vāmanāsāpuṭe vicintya, tasya ṣoḍaśavārajapena vāyunā
dehamāpūryaṃ nāsāpuṭau dhṛtvā, tasyacatuḥṣaṣṭivāra japena
kumbhakaṃ kṛtvā, vāmakuṣisthi - kṛṣṇavarṇapāpapuruṣeṇa saha
dehaṃ saṃśoṣya tasya dvātriṃśadvārajape dakṣiṇanāsayā vāyu.y
recayet |
tato dakṣiṇanāsāpuṭe ramiti vahnibījaṃ raktavarṇa dhyātvā, tasya
ṣoḍaśavārajapena vāyunā dehamāpūryaṃ, nāsāpuṭau dhṛtvā,
tasya catuḥṣaṣṭivārajapena kumbhakaṃ kṛtvā, vāmakukṣistha -
kṛṣṇavarṇapāpapuruṣeṇa saha dehaṃ mūlādhārasthita vahninā
dagdhvā, tasya dvātriṃśadvārajapena vāmanāsayā bhasmanā saha
vāyuṃ recayet
|| 44 ||

Dazu: Man halte die beiden Hände mit den Handflächen nach oben im Schoß. Mit so'ham verbinde man das im Herzen weilende, wie eine Lampenflamme gestaltete individuelle Selbst zusammen mit der im Mūlādhāra befindlichen Kula-Kuṇḍalinī durch die Suṣumṇā hindurch mit dem höchsten Selbst im Zentrum des nach unten geöffneten tausendblättrigen Lotus am Kopf, nachdem die sechs Cakras Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha und Ājñā durchbrochen wurden. Dort vergegenwärtige man als aufgelöst die vierundzwanzig Tattvas: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum; Geruch, Geschmack, [Form ist in der Liste ausgefallen], Berührung, Klang; Nase, Zunge, Auge, Haut, Ohr; Rede, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan; Prakṛti, Denken, Einsicht und Ichbewusstsein. Man vergegenwärtige im linken Nasenloch das rauchfarbene Luft-Bīja yaṃ und fülle den Körper durch sechzehn Wiederholungen mit Atem. Beide Nasenlöcher verschlossen, halte man den Atem unter vierundsechzig Wiederholungen an, trockne den Körper samt dem schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite aus und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen rechts aus. Danach meditiere man im rechten Nasenloch über das rote Feuer-Bīja raṃ, fülle den Körper unter sechzehn Wiederholungen mit Atem, verschließe beide Nasenlöcher und halte unter vierundsechzig Wiederholungen an. Mit dem Feuer im Mūlādhāra verbrenne man Körper und schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen links den Atem mit der Asche aus. [Die Elementliste und einzelne Worttrennungen sind in der Vorlage beschädigt; sie werden nicht als fehlerfrei ausgegeben.]

P2-0045 · Originalnummer 44 ka
ṭhamiticandrabījaṃ śuklavarṇaṃ vāmanāsikāyāṃ dhyātvā, tasya
ṣoḍaśavārajapena lalāṭe candraṃ nītvā nāsāpuṭau dhṛtvā, vamiti
varuṇabījasya catuḥṣaṣṭivārajapena
tasmāllalāṭacandrādgalitasudhayā mātṛkāvarṇātmikayā
samastadehaṃ virarcya, lamiti pṛthvibījasya dvātriṃśadvārajapena
dehaṃ sudṛḍhaṃ vicintya, akṣiṇena vāyuṃ recayet |
mātrāsaṃkhyayā vā |
taduktaṃ gautamīye |
suṣumnāvartmanā so'hamiti mantreṇa yojayet |
sahasrāre śivasthāne paramātmani deśikaḥ |
dhūrmavarṇaṃ tato vāyubījaṃ ṣaḍvindulāñchitam |
pūrayediḍayā vāyuṃ sudhīḥ ṣoḍaśamātrayā |
mātrayā tu catuḥṣaṭyā kumbhayecca suṣumnayā |
dvātriṃśanmātrayā mantro recayetpiṅgalākhyayā |
pūrayedanayā caiva sañcintya nīlamārutam |
raktavarṇaṃ vahnibījaṃ trikoṇaṃ svastikānvitam |
tena pūrakayogena mātrayā ṣoḍaśākhyayā |
catuḥṣaṣṭyā mātrayā ca nirdahetkumbhakena tu |
vāmapārśvasthitaṃ pāpapuruṣaṃ kajjalaprabham |
brahmahatyāśiraskañca svarṇasteya bhujadvayam |
surāpānahṛdā yuktaṃ gurutalpakaṭidvayam |
tatsaṃsargi - padadvandvamaṅga - pratyaṅga - pātakam |
upapātakaromāṇaṃ raktaśmaśru vilocanam |
khaḍgacarmadharaṃ kruddhamevaṃ kukṣauvicintayet |
mūlādhārotthitenaiva vahninā nirdahecca tam |
evaṃ saṃdahya parito dvātriṃśanmātrayā tataḥ |
bhasmanā sahitaṃ mantro recayediḍayā punaḥ |
vāmanāḍyāṃ candrabījaṃ kundendvayutasaprabham |
bhālendurāje saṃyojya tataḥ ṣoḍaśamātrayā |
ṣuṣumnayā catuḥṣaṣṭimātrayā toyabījakam |
dhyātvāmṛtamayīṃ sṛṣṭiṃ pañcāśadvarṇarūpiṇīm |
tayā dehaṃ vicintyaivaṃ manasā piṅgalādhvanā |
dvātriṃśanmātrayā maṃtrī laṃ bījena dṛḍhaṃ nayet |
svasthāne haṃsamantreṇa punastenaiva vartmanā |
jīvaṃ tattvāni cānīya svasthāne sthāpayettataḥ |
iti kṛtvā bhūtaśuddhiṃ mātṛkānyāsamācaret ||
tataḥ haṃsa iti bījaṃ svahṛdayamānīya kulakuṇḍalinīṃ pṛthivyādīni
yathāsthāne sthāpayet
|| 44 ka ||

Man meditiere links über das weiße Mond-Bīja ṭhaṃ, führe durch sechzehn Wiederholungen den Mond zur Stirn und verschließe beide Nasenlöcher. Unter vierundsechzig Wiederholungen des Wasser-Bījas vaṃ bilde man den gesamten Körper aus dem vom Stirnmond herabfließenden Nektar, dessen Wesen die Mātṛkā-Buchstaben sind, neu. Unter zweiunddreißig Wiederholungen des Erd-Bījas laṃ vergegenwärtige man den Körper als fest und atme rechts aus. Oder man verwende entsprechende Mātrā-Zeiteinheiten. So im Gautamīya: Der Lehrer verbinde durch die Suṣumṇā mit so'ham [das Selbst] im Sahasrāra, dem Ort Śivas, mit dem höchsten Selbst. Dann [verwende er] das rauchfarbene Luft-Bīja, mit ṣaḍvindu gezeichnet [beschädigte Zeichenangabe]; durch Iḍā atme er sechzehn Mātrās ein, halte durch Suṣumṇā vierundsechzig Mātrās an und atme durch Piṅgalā zweiunddreißig Mātrās aus. Dann atme er durch diese ein und denke an die dunkle Luftkraft. Das rote Feuer-Bīja, dreieckig und mit Svastika versehen, nehme er beim sechzehn-Mātrā-Einatmen; unter vierundsechzig Mātrās Atemanhalten verbrenne er den Sündenmenschen in der linken Seite, schwarz wie Augenschminke. Dessen Kopf ist Brahmanentötung, beide Arme Golddiebstahl, Herz Alkoholtrinken, beide Hüftseiten Verkehr mit der Frau des Gurus, beide Füße Gemeinschaft mit solchen Tätern, Glieder und Nebenglieder schwere Verfehlungen, Haare kleinere Verfehlungen; Bart und Augen sind rot. Er trägt Schwert und Schild und ist zornig: So denke man ihn im Bauch. Mit dem aus dem Mūlādhāra aufsteigenden Feuer verbrenne man ihn. Nach vollständiger Verbrennung atme man unter zweiunddreißig Mātrās die Asche durch Iḍā aus. In der linken Nāḍī das Mond-Bīja, leuchtend wie Jasmin und Myriaden Monde; unter sechzehn Mātrās verbinde man es mit dem Stirnmond. Unter vierundsechzig Mātrās durch Suṣumṇā meditiere man über das Wasser-Bīja und eine nektarhafte Schöpfung in Gestalt der fünfzig Buchstaben. Daraus vergegenwärtige man den Körper und festige ihn im Geist mit laṃ bei zweiunddreißig Mātrās durch Piṅgalā. Durch denselben Weg bringe man das individuelle Selbst und die Tattvas mit dem Haṃsa-Mantra zurück und setze sie an ihren eigenen Ort. Nach dieser Elementreinigung vollziehe man Mātṛkā-Nyāsa. Dann führe man mit dem Bīja haṃsa das Selbst ins Herz und setze Kula-Kuṇḍalinī sowie Erde und die übrigen Elemente an ihren jeweiligen Ort.

P2-0046 · Originalnummer 45
viśeṣastu śaktiviṣaye:
haṃsa iti jīvādikaṃ paramaśive saṃyojya so'hamiti mantreṇa
svasthānamānayet |
tathā ca tantrāntare:
so'hamevaṃ samābhāsya jīvaṃ hṛdi samānayet
|| 45 ||

Eine Besonderheit für Śakti: Mit haṃsa verbindet man das individuelle Selbst und die übrigen Kräfte mit Paramaśiva, mit so'ham führt man sie zurück. So in einem anderen Tantra: Nach Aussprache von so'ham führe man das individuelle Selbst ins Herz.

P2-0048 · Originalnummer 47
śāradāyām:
jīvaṃ tejomayaṃ dhyātvā namomantreṇa yojayet
|| 47 ||

Im Śāradā: Man meditiere über das individuelle Selbst als Lichtkraft und verbinde es mit dem Namo-Mantra.

P2-0052 · Originalnummer 51
tata āṃ so'haṃ iti paṭhitvā hṛdi hastaṃ dattvā prāṇapratiṣṭhāṃ
kuryāt ||
jñanārṇave:
prāṇapratiṣṭhayā paścājjīvaṃ dehe niyojayet |
mukhavṛttaṃ samuccāryaṃ haṃsastu viparītakam |
uddharetparameśāni vidyeyaṃ tryakṣarī matā |
prāṇapratiṣṭhāmantro'yaṃ sarvakarmāṇi sādhayet |
tenaiva vidhinā devi sthiro kuryānnijāṃ tanum
|| 51 ||

Danach spreche man āṃ so'ham, lege die Hand auf das Herz und vollziehe die Einsetzung der Lebenskräfte. Im Jñānārṇava: Durch diese Einsetzung setze man danach das individuelle Selbst in den Körper. Man spreche den „Mundkreis“-Laut und nehme dann haṃsa in umgekehrter Form, o höchste Herrin. Diese gilt als dreisilbige Vidyā. Dieser Lebens-Einsetzungsmantra lässt alle Handlungen gelingen. Nach diesem Verfahren, o Göttin, festige man den eigenen Körper. [Mukhavṛtta bezeichnet hier verschlüsselt einen Laut; die vorangehende ausgeschriebene Formel ist āṃ so'ham.]

P2-0054 · Originalnummer 53
atha mātṛkānyāsaḥ
tatra mātṛkāyā ṛṣyādinyāsaḥ |
asya mātṛkāmantrasya brahma-ṛṣirgāyatrīcchando mātṛkāsarasvatī
devatā halo bījāni svarāḥ śaktayo mātṛkānyāse viniyogaḥ |
śirasi oṃ brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe oṃ gāyatrīcchandase namaḥ,
hṛdi oṃ mātṛkāsarasvatyai devatāyai namaḥ, guhye oṃ vyañjanebhyo
bījebhyo namaḥ, pādayo oṃ svarebhyaḥ śaktibhyo namaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
mātṛkāṃ śṛṇu deviśi nyasetpāpanikṛntanīm |
ṛṣirbrahmāsya mantrasya gāyatrīcchanda ucyate |
devatā mātṛkā devī bījaṃ vyañjanamucyate |
śaktayastu svarā devi ṣaḍaṅganyāsamācaret |
tataḥ karāṅganyāso:
aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ
karatalaṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ hṛdayāya namaḥ ityādi krameṇa
nyaset |
tathā ca jñārṇave:
aṃ āṃ madhye kavargantu iṃ īṃ madhye cavargakam |
uṃ ūṃ madhye ṭavargantu eṃ aiṃ madhye tavargakam |
oṃ auṃ madhye pavargantu vinduyuktaṃ nyaset priye anusvāra -
visargāntau yaśavagau salakṣakau |
hṛdayañca śiro devi śikhā kavacakaṃ tathā |
tetramantraṃ nyaset ṅe'ntaṃ namaḥ svāhā krameṇa tu |
vaṣaṭ huṃ vauṣaḍantañca phaḍantaṃ yojayetpriye |
ṣaḍaṅgo'yaṃ mātṛkāyāḥ sarvapāpaharaḥ smṛtaḥ ||
athāntarmātṛkā agastyasaṃhitāyām:
ekaikavarṇānekaikapatrānte vinyasetpriye |
akārādiṣoḍaśasvarān savindūnṣoḍaśadalakamale kaṇṭhamūle
nyaset |
kakārādi - dvādaśavarṇān daśakamale nābhau tyaset |
vakārādiṣaḍvarṇān savindūn ṣaḍadalakamale liṅgamūle nyaset |
vakārādi caturovarṇān sāntāñcaturdalakamale mūlādhāre nyaset |
hakṣavarṇadvayaṃ dvidalakamale bhrūmadhye nyaset |
tathā ca jñānārṇave:
dvyaṣṭapatrāmbuje kaṇṭhe svarān ṣoḍaśa vinyaset |
dvādaśacchadahṛtpadme kādīndvādaśa vinyaset |
daśapatrāmbuje nābhau ḍakārādīnnyaseddaśa |
ṣaṭpatramadhye liṅgasthe vakārādīnnyasecca ṣaṭ |
ādhāre caturo varṇānnyasedvādīñcaturdale |
hakṣau bhrūmadhyage padme dvidale vinyasetpriye |
ityantarmārtṛkāṃ nyasya sarvāṅganyāsamācaret
|| 53 ||

Nun Mātṛkā-Nyāsa. Zuerst die Einsetzung des Sehers und der weiteren Zuordnungen: „Für diesen Mātṛkā-Mantra ist Brahmā der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Mātṛkā-Sarasvatī die Gottheit. Die Konsonanten sind die Bījas, die Vokale die Kräfte; die Anwendung ist Mātṛkā-Nyāsa.“ Am Kopf: „Oṃ. Brahmā, dem Seher, sei Verehrung“; am Mund „Oṃ. Dem Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen „Oṃ. Mātṛkā-Sarasvatī, der Gottheit“; an der geheimen Stelle „Oṃ. Den Konsonanten als Bījas“; an den Füßen „Oṃ. Den Vokalen als Kräften“, jeweils namaḥ. So im Jñānārṇava: Höre die Mātṛkā, o Herrin der Götter; man setze die Sündenvernichtende ein. Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, die Göttin Mātṛkā die Gottheit, die Konsonanten die Bījas und die Vokale die Kräfte; man vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa. Dann Hand- und Glied-Nyāsa: aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ – den beiden Daumen, namaḥ; iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ – den Zeigefingern, svāhā; uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ – den Mittelfingern, vaṣaṭ; eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ – den Ringfingern, huṃ; oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ – den kleinen Fingern, vauṣaṭ; aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ – Handflächen und Handrücken, phaṭ. Ebenso an Herz und den übrigen Gliedern: „aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ, dem Herzen, namaḥ“ und der Reihe nach die übrigen. Im Jñānārṇava: Die ka-Gruppe zwischen aṃ und āṃ, ca zwischen iṃ und īṃ, ṭa zwischen uṃ und ūṃ, ta zwischen eṃ und aiṃ, pa zwischen oṃ und auṃ, jeweils mit Bindu. Die ya- und śa-Gruppen zusammen mit la-kṣa stehen zwischen Anusvāra und Visarga. Man setze die Dativ-Formeln an Herz, Kopf, Haarschopf, Schutzpanzer und Augen, mit namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, huṃ, vauṣaṭ und phaṭ der Reihe nach. Dieser sechsgliedrige Nyāsa der Mātṛkā nimmt alle Sünden. Nun die innere Mātṛkā nach der Agastyasaṃhitā: Je einen Buchstaben auf jedes Blatt. Die sechzehn Vokale von a an mit Bindu auf den sechzehnblättrigen Lotus an der Halswurzel; die zwölf Buchstaben von ka an „auf den zehnblättrigen Lotus am Nabel“ [offensichtlich gestörte Angabe der Vorlage]; die sechs Buchstaben von va an mit Bindu auf den sechsblättrigen Lotus an der Wurzel des Geschlechtsorgans; die vier von va bis sa auf den vierblättrigen Mūlādhāra; ha und kṣa auf den zweiblättrigen Lotus zwischen den Brauen. Der folgende Vers im Jñānārṇava gibt die vollständige Zuordnung: Am Hals sechzehn Vokale auf sechzehn Blätter; im Herzen die zwölf von ka an; am Nabel die zehn von ḍa an; am Geschlechtsorgan die sechs von ba an [die Vorlage schreibt va]; an der Grundlage die vier von va an; zwischen den Brauen ha und kṣa. Danach vollziehe man Ganzkörper-Nyāsa.

P2-0055 · Originalnummer 53 ka
agastyasaṃhitāyām:
ekaikavarṇamekaikapatrānte vinyasetpriye |
evamantaḥ pravinyasya manasāto vahirnyaset |
vaiṣṇave tu viśeṣaḥ:
ekaikaṃ varṇamuccāryaṃ mūlādhārācchiro'ntakam |
namo'nta iti vinyāsa āntaraḥ parikīrtitaḥ |
tathā:
athāntarmātṛkānyāso mūlādhāre caturdale |
suvarṇābhe va śa ṣa sa caturvarṇavibhūṣite |
ṣaḍdale vaidyutanibhe svādhiṣṭhāne'nalatviṣi |
ba bha mairyaralairyukte varṇaḥ ṣaḍbhiśca suvrate |
maṇipūre daśadale nīlajīmūtasannibhe |
ḍādiphāntardalairyukte vindūdbhāsitamastakaiḥ |
anāhate dvādaśāre pravālarucisannibhe |
kādiṭhāntadalairyukte yogināṃ hṛdayaṅgame |
viśuddhe ṣoḍaśadale dhūmrābhe svarabhūṣite |
ājñācakre tu candrābhe dvidale hakṣalāñchite |
sahasrāre himānibhe sarvavarṇavibhūṣite |
akathādivitrirekhātmahalakṣatrayabhūṣite |
tanmadhye paravinduñca sṛṣṭisthitilayātmakam |
evaṃ samāhitamanā dhyāyennyāso'yamāntaraḥ
|| 53 ka ||

In der Agastyasaṃhitā: Je einen Buchstaben auf jedes Blatt, o Geliebte. Nachdem man innerlich so eingesetzt hat, setze man anschließend im Geist äußerlich ein. Vaiṣṇavische Besonderheit: Man spreche jeden Buchstaben vom Mūlādhāra bis zum Kopf, endend auf namaḥ; dies heißt innere Einsetzung. Ferner: Innerer Mātṛkā-Nyāsa im goldglänzenden vierblättrigen Mūlādhāra mit va śa ṣa sa; im sechsblättrigen Svādhiṣṭhāna, blitzähnlich und feuerleuchtend, ba bha ma ya ra la; im zehnblättrigen Maṇipūra wie eine dunkle Regenwolke die zehn Buchstaben von ḍa bis pha mit leuchtendem Bindu; im zwölfblättrigen Anāhata mit Korallenglanz die zwölf von ka bis ṭha, den Yogins im Herzen zugänglich; im sechzehnblättrigen rauchfarbenen Viśuddha die Vokale; im mondfarbenen zweiblättrigen Ājñā ha und kṣa; im schneehellen Sahasrāra alle Buchstaben, mit drei Linien von a, ka und tha an und den drei Lauten ha la kṣa. In dessen Mitte der höchste Bindu als Wesen von Schöpfung, Bestand und Auflösung. So meditiere man gesammelt: Dies ist der innere Nyāsa.

P2-0056 · Originalnummer 54
atha vāhyamātṛkādhyām :
pañcāśallipibhirvibhaktamukhadoḥpanmadhyavakṣaḥsthalām |
bhāsvanmauli nibaddha - candraśakalāmāpīnatuṅgastanīm |
mudrāmakṣaguṇaṃ sudhāḍhyakalasaṃ vidyāñca
hastāmbujairvibhrāṇāṃ viśadaprabhāṃ trinayanāṃ
vāgdevatāmāśraye |
evaṃ dhyātvā nyaset |
tatra aṃguliniyamatantre:
lalāṭe'nāmikāmadhye vinyāsenmukhapaṅkaje |
tarjanīmadhyamānāmā vṛddhānāme ca netrayoḥ |
aṃguṣṭhaṃ karṇayornyasya kaniṣṭhāṃguṣṭhako nasoḥ |
madhyāstisro gaṇḍayostu madhyamāñcoṣṭhayornyaset |
anāmāṃ dantayornyasya madhyamāmuttamāṅgake |
mukhe'nāmāṃ madhyamāñca haste pāde ca pārśvayoḥ |
kaniṣṭhānāmikāmadhyāstāstu pṛṣṭhe ca vinyaset |
tāḥ sāṃguṣṭhā nābhideśe sarvāḥ kukṣau ca vinyaset |
hṛdaye ca talaṃ sarvamaṃsayośca kakutsthale talameva ca |
etāśca mātṛkāmudrāḥ rameṇa parikīrtitāḥ
|| 54 ||

Nun die Meditation für die äußere Mātṛkā: „Ich nehme Zuflucht zur Göttin der Rede, deren Gesicht, Arme, Füße, Leib und Brust durch die fünfzig Schriftzeichen gegliedert sind; mit der Mondsichel in der strahlenden Krone, vollen hohen Brüsten, in ihren Lotushänden Mudrā, Gebetskette, nektargefüllten Krug und Wissen tragend, von hellem Glanz und dreiäugig.“ Nach dieser Meditation setze man ein. Die Fingerregel im Tantra: An der Stirn Ring- und Mittelfinger, am Gesicht Zeige-, Mittel- und Ringfinger; an den Augen Daumen und Ringfinger, an den Ohren Daumen, an der Nase kleiner Finger und Daumen; an den Wangen die drei mittleren Finger, an den Lippen Mittelfinger, an den Zähnen Ringfinger, am Scheitel Mittelfinger; im Mund Ring- und Mittelfinger; an Händen, Füßen, Seiten und Rücken kleiner Finger, Ring- und Mittelfinger; am Nabel diese mit dem Daumen, am Bauch alle; am Herzen die ganze Handfläche, ebenso an Schultern und Nacken. Diese Mātṛkā-Mudrās sind der Reihe nach gelehrt. [Einzelne Fingerbezeichnungen der Vorlage sind beschädigt.]

P2-0057 · Originalnummer 54 ka
nityatvamāha tatraiva:
ajñātvā vinyasedyastu nyāsaḥ syāttasya niṣphalaḥ |
iti |
sthānamāha gautamīye:
lalāṭamukhavṛttākṣiśrutighrāṇeṣu gaṇḍayoḥ |
oṣṭhadantottamāṅgāsyadoḥpatsandhyagrakeṣu ca |
pārśvayoḥ pṛṣṭhato nābhau jaṭhare hṛdayeṃ'ke |
kakudyaṃse ca hṛtpūrvapāṇipādayuge tathā |
jaṭharānanayornyasyenmātṛkāvarṇānyathākramam |
tadyathā:
aṃ namo lalāṭe, āṃ namo mukhavṛtte, iṃ īṃ cakṣuṣoḥ, uṃ ūṃ
karṇayoḥ, ṛṃ ṝṃ nasoḥ, ḷṃ ḹ gaṇḍayoḥ, eṃ oṣṭhe, aiṃ adhare,
oṃ ūrdhvadante, auṃ adhodante, aṃ brahmarandhre, aḥ mukhe |
kaṃ dakṣabāhumūle, khaṃ kūrpare, gaṃ maṇibandhe, ghaṃ
aṃgulimūle, ṅaṃ aṃgulyagre |
evaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ vāmabāhumūlasandhyagrakeṣu |
evaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ dakṣapādamūlasandhyagrakeṣu |
evaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ vāmapādamūlasandhyagrakeṣu |
paṃ dakṣapārśve, phaṃ vāmapārśve, vaṃ pṛṣṭhe, bhaṃ nābhau,
maṃ udare, yaṃ hṛdi, raṃ dakṣabāhumūle, laṃ kakudi, vaṃ
vāmabāhumūle, śaṃ hṛdādidakṣakare, yaṃ hṛdādivāmakare, saṃ
hṛdādidakṣapāde, haṃ hṛdādivāmapāde, laṃ hṛdādyudare, kṣaṃ
hṛdādimukhe, sarvatra namo'ntena nyaset ||
tathā ca:
omādyanto namo'nto vā savindurvinduvarjitaḥ |
pañcāśadvarṇavinyāsaḥ kramādukto manīṣibhiḥ |
iti rāghavabhaṭṭaḥ
|| 54 ka ||

Die Verbindlichkeit wird ebendort genannt: Wer einsetzt, ohne dies zu kennen, dessen Nyāsa bleibt fruchtlos. Die Stellen nennt das Gautamīya: Stirn, Gesichtskreis, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zähne, Scheitel, Mund; Ansatz, Gelenke und Enden der Arme und Beine; Seiten, Rücken, Nabel, Bauch, Herz, Schulter, Nacken, andere Schulter; vom Herzen aus beide Hände und Füße, Bauch und Mund. Die Buchstaben werden der Reihe nach eingesetzt: aṃ an der Stirn, āṃ am Gesichtskreis, iṃ und īṃ an den Augen, uṃ und ūṃ an den Ohren, ṛṃ und ṝṃ an den Nasenlöchern, ḷṃ und ḹ an den Wangen, eṃ an der Oberlippe, aiṃ an der Unterlippe, oṃ an der oberen Zahnreihe, auṃ an der unteren, aṃ an der Brahma-Öffnung, aḥ im Mund. Kaṃ am rechten Armansatz, khaṃ am Ellbogen, gaṃ am Handgelenk, ghaṃ an den Fingeransätzen, ṅaṃ an den Fingerspitzen; caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ entsprechend links; ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ entsprechend am rechten Bein; taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ links. Paṃ an der rechten Seite, phaṃ links, vaṃ am Rücken [auffällig statt baṃ], bhaṃ am Nabel, maṃ am Bauch, yaṃ am Herzen, raṃ am rechten Armansatz, laṃ am Nacken, vaṃ am linken Armansatz; śaṃ vom Herzen zur rechten Hand, yaṃ zur linken [auffällig statt ṣaṃ], saṃ zum rechten Fuß, haṃ zum linken Fuß, laṃ zum Bauch und kṣaṃ zum Mund. Überall endet die Formel auf namaḥ. Rāghavabhaṭṭa: Die fünfzig Buchstaben werden mit oṃ am Anfang und Ende oder mit namaḥ am Ende, mit oder ohne Bindu der Reihe nach eingesetzt. [Auffällige Silben sind bewahrt.]

P2-0058 · Originalnummer 55
atha saṃhāramātṛkkānyāsaḥ
asyā dhyānaṃ yathā:
akṣasrajaṃ hariṇapotamudagraṭaṅkaṃ, vidyāṃ karairavirataṃ
dadhatīṃ trinetrām |
arddhendumaulimaruṇāmaravindarāmāṃ varṇeśvarīṃ praṇamataḥ
stanabhāranamrām |
nyāsastu kṣakarādi akārāntaḥ |
yathā:
kṣaṃ namo hṛdādimukhe ityādi |
aparañca:
caturddhā mātṛkā proktā kevalā vindusaṃyutā |
savisargā sobhayā ca rahasyaṃ śṛṇu kathyate |
vidyākarī kevalā ca sobhayā bhuktidāyinī |
putradā savisargā tu savindurvittadāyinī |
viśuddheśvare:
vāgbhavādyā ca vāksiddhye ramādyā śrīpravṛddhaye |
hṛllekhādyā sarvasiddhyai kāmādyā lokavaśyadā |
śrīkaṇṭhādyānimānnyasyetsarvamantraḥ prasīdati
|| 55 ||

Nun die rücknehmende Mātṛkā-Einsetzung. Ihre Meditation: „Verneigt euch vor der roten, dreiäugigen Herrin der Buchstaben mit Halbmondkrone, lotuslieblich und von der Last ihrer Brüste geneigt, die in ihren Händen beständig Gebetskette, junges Reh, erhobene Axt und Wissen trägt.“ Die Einsetzung läuft von kṣa bis a, etwa „Kṣaṃ. Verehrung vom Herzen zum Mund“ und entsprechend rückwärts. Ferner: Vierfach wird die Mātṛkā gelehrt, allein, mit Bindu, mit Visarga oder mit beiden. Höre das Geheimnis: allein gewährt sie Wissen, mit beiden Genuss, mit Visarga Nachkommen, mit Bindu Besitz. Im Viśuddheśvara: Mit Vāgbhava voran für Vollendung der Rede, mit Ramā für zunehmenden Wohlstand, mit Hṛllekhā für sämtliche Vollendungen, mit Kāma für Beherrschung der Welt. Setzt man die mit Śrīkaṇṭha beginnenden [Formen] ein, werden alle Mantras gnädig.

P2-0059 · Originalnummer 56
śrīvidyāviṣayenavaratneśvare:
vāgbhavādyā namo'ntāśca nyastavyā mātṛkākṣarāḥ |
śrīvidyāviṣaye mantrī vāgbhavādyaṣṭasiddhaye
|| 56 ||

Für Śrīvidyā im Navaratneśvara: Die Mātṛkā-Buchstaben sind mit Vāgbhava am Anfang und namaḥ am Ende einzusetzen. Im Śrīvidyā-Bereich [verwende] der Mantrapraktizierende Vāgbhava am Anfang, um die acht Vollendungen zu erlangen.

P2-0060 · Originalnummer 57
nityatāmāha yāmale:
bhūtaśuddhilipinyāsau vinā yastu prapūjayet |
viparītaphalaṃ dadyādabhaktyā pūjanaṃ yathā
|| 57 ||

Die Verbindlichkeit im Yāmala: Wer ohne Elementreinigung und Buchstaben-Nyāsa verehrt, erhält eine gegenteilige Frucht, wie bei Verehrung ohne Hingabe.

P2-0061 · Originalnummer 58
sāmānyanyāse aṃguliniyamastu gautamīye:
manasā vā nyasennyāsān puṣpeṇaivātha vā mune |
aṃguṣṭhānāmikābhyāṃ vā cānyathā viphalaṃ bhavet
|| 58 ||

Die Fingerregel für allgemeinen Nyāsa im Gautamīya: Man setze die Nyāsas im Geist oder mit einer Blüte ein, o Weiser, oder mit Daumen und Ringfinger; andernfalls bleibt es fruchtlos.

P2-0062 · Originalnummer 59
viśeṣanyāse tu nāyaṃ niyamaḥ |
śyāmādividyāyāṃ viśeṣamātṛkānyāso vaktavyaḥ
|| 59 ||

Bei besonderen Nyāsas gilt diese Regel nicht. Der besondere Mātṛkā-Nyāsa für Śyāmā und die übrigen Vidyās wird später genannt.

P2-0064 · Originalnummer 61
prāṇāyāmo dvividhaḥ:
sagarbho nirgarbhaśca |
tathā ca:
sagarbho mantrajāpena nirgarbho mātrayā bhavet
|| 61 ||

Prāṇāyāma ist zweifach: mit innerem Inhalt und ohne inneren Inhalt. So heißt es: Mit Inhalt durch Mantra-Japa, ohne Inhalt durch Mātrā-Zählung.

P2-0066 · Originalnummer 63
atha prāṇāyāmaḥ
mūlamantrasya bījasya praṇavasya vā ṣoḍaśavārajapena
vāmanāsāpuṭena vāyuṃ pūrayet |
tathā ca kālīhṛdaye:
prāṇāyāmatrayaṃ kuryānmūlena praṇavena vā |
athavā mantrabījena yathoktavidhinā sudhīḥ |
tasya catuḥṣaṣṭivārajapena vāyuṃ kumbhayet |
tasya dvātriṃśadvārajapena vāyuṃ recayet |
punardakṣiṇenāpūrya ubhābhyāṃ kumbhayitvā vāmena recayet |
punarvāmenāpūrya ubhābhyāṃ kumbhayitvā dakṣiṇena recayet |
yathāsārasamuccaye:
viparītamato vidadhīta budhaḥ punareva tu tadviparītakamiti |
yaugike punarmātrāniyamaḥ
|| 63 ||

Nun Prāṇāyāma: Man atme durch das linke Nasenloch unter sechzehn Wiederholungen des Grundmantras, eines Bījas oder des Praṇava ein. So im Kālīhṛdaya: Der Verständige vollziehe drei Prāṇāyāmas nach dem beschriebenen Verfahren mit dem Grundmantra, Praṇava oder Mantra-Bīja. Unter vierundsechzig Wiederholungen halte man den Atem an und unter zweiunddreißig atme man aus. Dann rechts einatmen, beidseits anhalten, links ausatmen; dann wieder links einatmen, beidseits anhalten und rechts ausatmen. So im Sārasamuccaya: Der Verständige führe danach die Umkehrung und nochmals deren Umkehrung aus. Beim yogischen Prāṇāyāma gilt dagegen die Mātrā-Regel.

P2-0067 · Originalnummer 63 ka
tathā ca gautamīye:
mantraprāṇāyāmaḥ prokto yaugikaṃ kathayāmi te |
pūrayedvāmayā vidvānmātraṣoḍaśasaṃkhyayā |
ityādi |
yadvā:
catuḥṣoḍaśāṣṭavārajape pūrakādikaṃ kuryāt |
athavā ekacaturdvivāreṇa |
tathā ca tantrāntare:
pūjayetṣoḍaśabhirvāyuṃ dhārayecca caturguṇaiḥ |
recayetkumbhakārddhena aśaktyā tatturīyakaiḥ |
tadaśaktau taccaturthamevaṃ prāṇasya saṃyamaḥ |
asya nityatvamāha sa eva:
prāṇāyāmaṃ vinā mantrapūjane na hi yogyatā |
nibandhe:
ādāvante ca yatnena prāṇāyāmaṃ samācaret |
karmasvapi samasteṣu śubheṣvapyaśubheṣu ca |
gopāle tu viśeṣo vaktavyaḥ
|| 63 ka ||

So im Gautamīya: Mantra-Prāṇāyāma wurde genannt; den yogischen werde ich dir erläutern: Der Wissende atme links in sechzehn Mātrās ein, und so weiter. Oder man führe Einatmen und die weiteren Phasen mit vier, sechzehn und acht Wiederholungen aus; oder mit einer, vier und zwei. In einem anderen Tantra: Man fülle mit sechzehn [Einheiten], halte mit deren Vierfachem an und atme mit der Hälfte der Haltezahl aus. Bei Unvermögen je ein Viertel; bei erneutem Unvermögen wieder ein Viertel. So wird der Atem geregelt. Seine Verbindlichkeit: Ohne Prāṇāyāma besteht keine Eignung für die Mantra-Verehrung. Im Nibandha: Sorgfältig vollziehe man Prāṇāyāma am Anfang und Ende sämtlicher Handlungen, günstiger und ungünstiger. Die Besonderheit für Gopāla wird später genannt.

P2-0068 · Originalnummer 64
atha pīṭhanyāsaḥ
oṃ ādhāraśaktaye nama, prakṛtaye, kūrmāya, anantāya, pṛthivyai
kṣīrasamudrāya, śvetadvīpāya, maṇimaṇḍapāya, kalpavṛkṣāya,
maṇivedikāyai, ratnasiṃhāsanāya |
etatsarvaṃ hṛdi |
tato dakṣiṇaskandhe dharmāya, vāmaskandhe jñānāya, vāmorau
vairāgyāya, dakṣiṇorau aiśvaryāya, mukhe adharmāya, vāmapārśve
ajñānāya, nābhau avairāgyāya, dakṣiṇapārśve anaiśvaryāya,
sarvatra praṇavādinamo'ntena nyaset |
tathā ca śāradāyām:
aṃsoruyugmayorvidvānprādakṣiṇyena sādhakaḥ |
dharmaṃ jñānañca vairāgyamaiśvaryaṃ kramaśaḥ sudhīḥ |
mukhapārśva - nābhipārśveṣvadharmādīnprakalpayediti |
punaśca hṛdi oṃ anantāya namaḥ, evaṃ padmāya, aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ, uṃ somamaṇḍalāya
ṣoḍaśakalātmane namaḥ, maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane
namaḥ, saṃ sattvāya, raṃ rajase, taṃ tamase, āṃ ātmane, aṃ
antarātmane, paṃ paramātmane, hrīṃ jñānātmane |
sarvatra namaḥ, ityantaṃ vinyasya hṛtpadmasya pūrvādikeśareṣu
tattatkalpokta pīṭhaśaktīrmadhye pīṭhamanuñca nyaset
|| 64 ||

Nun Pīṭha-Nyāsa: „Oṃ. Der tragenden Kraft sei Verehrung; der Prakṛti; Kūrma; Ananta; der Erde; dem Milchozean; der weißen Insel; dem Juwelenpavillon; dem Wunschbaum; dem Juwelenaltar; dem Edelsteinlöwenthron.“ Dies alles im Herzen. Danach an der rechten Schulter Dharma, links Erkenntnis, am linken Oberschenkel Leidenschaftslosigkeit, rechts Herrschaftskraft; am Mund Adharma, links Unwissenheit, am Nabel Nicht-Leidenschaftslosigkeit, rechts Nicht-Herrschaftskraft, überall beginnend mit Praṇava und endend auf namaḥ. So im Śāradā: An den beiden Schultern und Oberschenkeln setze der Verständige rechtsherum Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaftskraft, an Mund, Seite, Nabel und Seite die Gegenkräfte ein. Wieder im Herzen: „Oṃ. Ananta sei Verehrung“, ebenso dem Lotus; „aṃ, dem Sonnenkreis mit zwölf Kalās“, „uṃ, dem Mondkreis mit sechzehn“, „maṃ, dem Feuerkreis mit zehn“, „saṃ, Sattva“, „raṃ, Rajas“, „taṃ, Tamas“, „āṃ, Ātman“, „aṃ, dem inneren Ātman“, „paṃ, dem höchsten Ātman“, „hrīṃ, dem Erkenntnis-Ātman“, jeweils namaḥ. Danach auf den Staubfäden des Herzlotus von Osten an die im jeweiligen Ritualhandbuch genannten Pīṭha-Kräfte, in der Mitte den Pīṭha-Mantra.

P2-0070 · Originalnummer 65
atha ṛṣyādinyāsaḥ
ṛṣistu:
maheśvaramukhājjñātvā yaḥ sākṣāttapasā manum |
saṃsādhayati śuddhātmā sa tasya ṛṣirīritaḥ
|| 65 ||

Nun die Einsetzung des Sehers und der übrigen Zuordnungen. Der Seher: Wer reinen Selbstes einen Mantra aus dem Mund Maheśvaras unmittelbar erkannt und durch Askese verwirklicht hat, heißt sein Seher.

P2-0071 · Originalnummer 66
gurutvānmastake cāsya nyāsastu parikīrtitaḥ
|| 66 ||

Wegen seiner Ehrwürdigkeit wird dessen Einsetzung am Kopf gelehrt.

P2-0072 · Originalnummer 67
sarveṣāṃ mantratattvānāṃ chādanācchanda ucyate |
akṣaratvātpadatvācca mukhe chandaḥ samīritam
|| 67 ||

Weil es sämtliche Mantra-Grundprinzipien umhüllt, heißt es Chandas, Versmaß. Wegen seines Wesens als Silben und Wörter wird das Versmaß am Mund zugeordnet.

P2-0074 · Originalnummer 69
ṛṣicchando'parijñānānna mantraphalabhāgbhavet |
daurbalyaṃ yāti mantrāṇāṃ viniyogamajānatām
|| 69 ||

Ohne Kenntnis von Seher und Versmaß erlangt man keine Mantrafrucht. Bei denen, die die Anwendung nicht kennen, werden die Mantras kraftlos.

P2-0075 · Originalnummer 70
tantrāntare:
ṛṣiṃ nyasenmūrdhni deśe chandastu mukhapaṅkaje |
devatāṃ hṛdaye caiva bījantu guhyadeśake |
śaktiñca pādayoścaiva sarvāṅge kīlakaṃ nyaset
|| 70 ||

In einem anderen Tantra: Den Seher am Kopf, das Versmaß am Lotusmund, die Gottheit im Herzen, das Bīja an der geheimen Stelle, die Kraft an den Füßen und den Verschluss am ganzen Körper einsetzen.

P2-0076 · Originalnummer 71
tatastu tattanmantroktanyāsānkuryāt |
taduktaṃ kulārṇave:
āgamoktena vidhinā nityaṃ nyāsaṃ karoti yaḥ |
devatābhāvamāpnoti mantrasiddhiḥ prajāyate
|| 71 ||

Danach soll man die für das jeweilige Mantra vorgeschriebenen Nyāsas ausführen. Dazu heißt es im Kulārṇava: Wer täglich den Nyāsa nach dem im Āgama gelehrten Verfahren vollzieht, erlangt den Seinszustand der Gottheit; die Vollendung des Mantras entsteht.

P2-0077 · Originalnummer 72
yo nyāsakavacchanno mantraṃ japati taṃ priye |
dṛṣṭvāvighnāḥ palāyante siṃhaṃ dṛṣṭvā yathā gajāḥ
|| 72 ||

Geliebte, vor demjenigen, der vom Schutzpanzer des Nyāsa umhüllt das Mantra wiederholt, fliehen alle Hindernisse, sobald sie ihn sehen – wie Elefanten beim Anblick eines Löwen. [Die Vorlage schreibt „nyāsakavacchanno“ und „dṛṣṭvāvighnāḥ“; der Zusammenhang legt „vom Nyāsa-Panzer umhüllt“ und „Hindernisse“ nahe.]

P2-0078 · Originalnummer 73
akṛtvā nyāsajālaṃ yo mūḍhatvātprajapenmanum |
sarvavighnaiḥ sa bādhyaḥ syādvyāghrairmṛgaśiśuryathā
|| 73 ||

Wer aus Torheit das Mantra wiederholt, ohne zuvor das Geflecht der Nyāsas auszuführen, wird von sämtlichen Hindernissen bedrängt wie ein junges Reh von Tigern.

P2-0079 · Originalnummer 74
ṣaḍaṅganyāse aguliniyamastu :
tridvyekadaśaka - tridvisaṃkhyayā śailasambhave |
aṃgulīnāmiti vacanāditi sarvatra sādhāraṇam
|| 74 ||

Die Regel für die Finger beim Nyāsa der sechs Glieder lautet: „Mit drei, zwei, einem, zehn, drei und zwei Fingern, du Tochter des Berges.“ Nach diesem Ausspruch gilt diese Fingerzahl allgemein.

P2-0080 · Originalnummer 75
yāmale:
hṛdayaṃ madhyamānāmātarjanībhiḥ smṛtaṃ śiraḥ |
madhyamātarjanībhyāṃ syādaṃguṣṭhena śikhā tathā |
daśabhiḥ kavacaṃ proktaṃ trisṛbhirnetramīritam |
proktāṃgulībhyāmantraṃ syādaṅgakḷptiriyaṃ matā |
iti |
tisṛbhistarjanīmadhyamānāmābhiḥ
|| 75 ||

Im Yāmala heißt es: Das Herz wird mit Mittel-, Ring- und Zeigefinger berührt; der Kopf mit Mittel- und Zeigefinger, die Haarlocke mit dem Daumen. Für den Schutzpanzer werden zehn Finger genannt, für die Augen drei. Das Waffenmantra wird mit den zuvor bezeichneten Fingern angebracht. Dies gilt als Anordnung der Glieder. Mit „dreien“ sind Zeige-, Mittel- und Ringfinger gemeint. [Die Vorlage hat „antraṃ“; der Zusammenhang mit der Folge der sechs Glieder spricht für „astraṃ“, Waffe.]

P2-0082 · Originalnummer 77
hṛdayādiṣu vinyasyedaṅgamantrāṃstataḥ sudhīḥ |
hṛdayāya namaḥ pūrva śirase vahnivallabhā |
śikhāyai vaṣaḍityuktaṃ kavacāya humīritam |
netratrayāya vauṣaṭ syādastrāya phaḍiti kramāt |
ṣaḍaṅgamantrānityuktān ṣaḍaṅgeṣu niyojayet
|| 77 ||

Dann soll der Einsichtige die Gliedermantras auf Herz und die übrigen Stellen legen. Zuerst: „hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Herzen“; dann „śirase svāhā – dem Kopf svāhā“; „śikhāyai vaṣaṭ – der Haarlocke vaṣaṭ“; „kavacāya huṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „netratrayāya vauṣaṭ – den drei Augen vauṣaṭ“; „astrāya phaṭ – der Waffe phaṭ“. Die auf diese Weise genannten sechs Gliedermantras werden den sechs Gliedern zugewiesen. „Geliebte des Feuers“ bezeichnet hier die Formel svāhā.

P2-0085 · Originalnummer 80
netratrayaṃ yatra bhavedanāmā ṣaḍaṅgamudrā kathitā yathāvat |
aṅgahīnasya mantrasya svenevāṅgāni kalpayet |
tathā ca brahmayāmale :
svanāmādyakṣaraṃ bījaṃ sarveṣāmabhidhīyate
|| 80 ||

Wo drei Augen vorhanden sind, kommt der Ringfinger hinzu. So ist die Mudrā der sechs Glieder vorschriftsmäßig beschrieben. Für ein Mantra, das keine eigenen Gliedermantras besitzt, soll man die Glieder aus dem Mantra selbst bilden. Dazu heißt es im Brahmayāmala: Für alle wird der Anfangsbuchstabe des eigenen Namens als Bīja bezeichnet.

P2-0088 · Originalnummer 83
tataḥ śarīre dharmādipūjā |
tathā ca śāradāyām :
nyāsakrameṇa deheṣu dharmādīnpūjayettataḥ |
puṣpādyaiḥ pīṭhamanvantaṃ tasmiśca paradevatām |
iti darśanātśarīre pīṭhapūjā
|| 83 ||

Danach erfolgt am eigenen Körper die Verehrung von Dharma und den übrigen Kräften. Dazu heißt es in der Śāradā: Anschließend soll man entsprechend der Reihenfolge des Nyāsa Dharma und die übrigen Kräfte am Körper verehren; mit Blumen und weiteren Gaben soll man den Sitz bis zum Sitzmantra verehren und darauf die höchste Gottheit. Aus dieser Aussage ergibt sich die Verehrung des Sitzes am Körper.

P2-0089 · Originalnummer 84
tataḥ pīṭhapūjā |
pīṭhasyottare gurupaṃktīḥ pūjayet |
yathā :
vāyavyādīśaparyantaṃ oṃ gurubhyo namaḥ, oṃ paramagurubhyo namaḥ,
oṃ parāparagurubhyo namaḥ, oṃ parameṣṭhigurubhyo namaḥ
|| 84 ||

Dann folgt die Verehrung des Sitzes. Nördlich des Sitzes soll man die Reihen der Gurus verehren, und zwar vom Nordwesten bis zum Nordosten: „oṃ gurubhyo namaḥ – Oṃ, Verehrung den Gurus“; „oṃ paramagurubhyo namaḥ – Verehrung den höchsten Gurus“; „oṃ parāparagurubhyo namaḥ – Verehrung den höheren und niederen Gurus“; „oṃ parameṣṭhigurubhyo namaḥ – Verehrung den Gurus der höchsten Stufe“.

P2-0091 · Originalnummer 86
tataḥ pīṭhamadhye oṃ ādhāraśaktaye namaḥ, evaṃ prakṛtaye,
kūrmāya, śeṣāya, pṛthivyai, kṣīrasamudrāya, śvetadvīpāya,
maṇimaṇḍapāya, kalpavṛkṣāya, maṇivedikāyai, ratnasiṃhāsanāya |
agnikoṇe dharmāya |
nir-ṛtivāyvīśāneṣu jñānaṃ aiśvaryañca pūjayet |
tataḥ pūrvādicartudikṣu
adharmājñānāvairāgyānaiśvaryānpūjayet |
madhye anantādi hrīṃ jñānātmane namaḥ |
ityantaṃ sampūjya pūrvādi-keśareṣu madhye tattatkalpokta
pīṭhaśaktīḥ sampūjya madhye pīṭhamanuṃ prapūjayet |
kramadīpikāyām : vāyavyādīśaparyantaṃ arcyā pīṭhasyottare
gauravī paṃktirādau |
pūjyo'nyatrāpyāmbikeyaḥ karābjaiḥ pāśaṃ daṇḍaṃ sṛṇbhītī
dadhānaḥ |
ārabhyādhāraśaktyādyamaracaraṇapāvadhyato madhyabhāge,
dharmādīn vahnirakṣaḥparamaśivagatāndikṣvadharmādikāṃśca |
madhye śeṣābjavimbatritayaguṇaguṇātmasrajaṃ keśarāṇāṃ,
madhye madhye ca śaktīrnava samabhiyajetpīṭhamantreṇa bhūyaḥ
|| 86 ||

Dann verehrt man in der Mitte des Sitzes: „oṃ ādhāraśaktaye namaḥ – Oṃ, Verehrung der tragenden Kraft“; entsprechend die Urnatur, die Schildkröte, Śeṣa, die Erde, den Milchozean, die weiße Insel, den Edelsteinpavillon, den wunscherfüllenden Baum, die Edelsteinterrasse und den juwelenbesetzten Löwenthron. In der Südostecke verehrt man Dharma. In Südwesten, Nordwesten und Nordosten verehrt man Erkenntnis und Herrschermacht. [Die Aufzählung nennt nur zwei Eigenschaften für drei Richtungen; das sonst zugehörige vairāgya, Loslösung, fehlt hier.] Dann verehrt man in den vier Richtungen, beginnend im Osten, Unrecht, Unwissenheit, fehlende Loslösung und fehlende Herrschermacht. In der Mitte beginnt man mit Ananta und setzt die Verehrung bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ – Hrīṃ, Verehrung dem Wesen der Erkenntnis“ fort. Danach verehrt man auf den Staubfäden, beginnend im Osten, und in der Mitte die Sitzkräfte, die der jeweilige Ritualtext nennt, und schließlich in der Mitte das Sitzmantra. In der Kramadīpikā heißt es: Zuerst wird nördlich des Sitzes, vom Nordwesten bis zum Nordosten, die ehrwürdige Gurureihe verehrt. Auch anderswo ist Ambikās Sohn zu verehren, der in seinen Lotushänden Schlinge, Stab, Stachel und die Furchtlosigkeitsgeste trägt. In der Mitte beginnt man mit der tragenden Kraft und verehrt weiter bis zum Göttersitz. Dharma und die übrigen Kräfte stehen in den Richtungen des Feuers, des Rakṣas und des höchsten Śiva; in den übrigen Richtungen stehen Unrecht und die weiteren Gegenkräfte. In der Mitte befinden sich Śeṣa, der Lotus, die drei Scheiben und die Reihe der Eigenschaften und ihrer Wesenheiten. Zwischen den Staubfäden und in der Mitte soll man die neun Kräfte verehren, anschließend erneut mit dem Sitzmantra. [Mehrere Wörter dieses Zitats sind beschädigt, besonders „amaracaraṇapāvadhyato“, „sṛṇbhītī“ und „guṇaguṇātmasrajaṃ“; ihre genaue Gestalt und einzelne Zuordnungen bleiben unsicher.]

P2-0092 · Originalnummer 87
tārādividyādau tu viśeṣo vaktavyaḥ
|| 87 ||

Bei den Vidyās Tārās und der weiteren Gottheiten sind besondere Regeln zu beschreiben.

P2-0093 · Originalnummer 88
pūrvādi - diṅniyamastu yāmale:
pūjyapūjakayormadhyaṃ prācīti kīrttyate budhaiḥ |
taddakṣiṇaṃ dakṣiṇaṃ syāduttaraṃ cottaraṃ smṛtam |
pṛṣṭhantu paścimaṃ jñeyaṃ sarvatraiva prayojayet |
spaṣṭamāha śāmvavīye:
svasammukhaṃ bhavetprāco devīpṛṣṭhantu paścimam |
savyañca dakṣiṇaṃ vidyāddakṣiṇañcottaraṃ matam
|| 88 ||

Die Bestimmung der Richtungen, beginnend mit Osten, lautet im Yāmala: Die Weisen nennen den Raum zwischen der verehrten Gottheit und dem Verehrenden „Osten“. Rechts davon liegt Süden; Norden wird als Norden bezeichnet; hinter dem Verehrenden liegt Westen. Dies soll man überall anwenden. Deutlicher heißt es im Śāmbhavīya: Die eigene Vorderseite ist Osten, der Rücken der Göttin Westen; ihre linke Seite gilt als Süden, ihre rechte als Norden. [Die Bezugspunkte wechseln im Wortlaut; die letzte Zuordnung wird vom Standpunkt der gegenüberstehenden Göttin aus wiedergegeben.]

P2-0094 · Originalnummer 89
bhāvacuḍāmaṇau:
sādhakecchāvaśāddevi sarvadiṅmukhadevatā |
rātrāvudaṅmukhaḥ kuryāddevakāryaṃ sadaiva hi |
śivārcane sadāpyevaṃ śuciḥ kuryādudaṅmukhaḥ |
viṣṇuviṣaye vārāhīye:
snātaḥ śuklāmbaradharaḥ svācāntaḥ pūrvadiṅmukhaḥ |
anena vidhinā mantrī pūrvādau pūjanaṃ caret
|| 89 ||

Im Bhāvacūḍāmaṇi heißt es: Göttin, die Gottheit kann nach dem Wunsch des Praktizierenden jeder Richtung zugewandt sein. Nachts soll man den Gottesdienst stets nach Norden gewandt ausführen. Bei der Verehrung Śivas soll der Reine ebenfalls stets nach Norden blicken. Hinsichtlich Viṣṇus heißt es im Vārāhīya: Gebadet, in weißes Gewand gekleidet und nach dem vorgeschriebenen Mundspülen soll der Mantrapraktizierende nach Osten gewandt sein und nach diesem Verfahren die Verehrung, im Osten beginnend, vollziehen.

P2-0097 · Originalnummer 92
āvāhane tu viśeṣo yathā āgamakalpadrume:
mūlamantraṃ samuccārya suṣumnāvartmanā sudhīḥ |
ānīya tejaḥ svasthānānnasikārandhranirgatam |
karasthamātṛkāmbhoje caitanyaṃ puṣpasañcaye |
saṃyojya - yantramadhye tatsaṃsthāpyāvāhayettataḥ
|| 92 ||

Für die Anrufung gilt eine besondere Regel, wie im Āgamakalpadruma beschrieben: Nachdem der Einsichtige das Grundmantra ausgesprochen hat, führt er den Lichtglanz von seinem eigenen Ort durch den Weg der Suṣumnā herbei und durch die Nasenöffnung hinaus. Er verbindet das Bewusstsein mit der Ansammlung von Blumen im Mātṛkā-Lotus seiner Hand, setzt es in die Mitte des Yantras und ruft dann die Gottheit an.

P2-0102 · Originalnummer 97
tataḥ puṣpaparyantamupacāra tattanmantreṇa dattvā ṣaḍaṅgena pūjayet
|| 97 ||

Dann soll man die Verehrungsgaben bis einschließlich der Blumen mit dem jeweiligen Mantra darbringen und mit den sechs Gliedermantras verehren.

P2-0103 · Originalnummer 98
puṣpadāne tu viśeṣaḥ:
puṣpaṃ vā yadi vā patraṃ phale neṣṭhamadhomukham |
duḥkhadaṃ tatsamādhyātaṃ yathotpannaṃ tathārpaṇaṃ |
adhomukha phalaṃ neṣṭaṃ puṣpāñjalividhau na ca |
sarvasva dravyadāne'yaṃ kramaḥ |
ādau mūlaṃ tato dravyaṃ devatāyai tataḥ padam |
śrītattvacintāmaṇau:
hṛdvahnivallabhātoyamantraṃ pādyādiṣu kramāt |
namo vauṣaṭ gandhapuṣpe hṛdānyāni nivedayet |
mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
ityādinā syāt
|| 98 ||

Für das Darbringen von Blumen gilt eine besondere Regel: Eine Blume, ein Blatt oder eine Frucht soll nicht mit der Oberseite nach unten dargebracht werden. Eine solche Gabe gilt als leidbringend; man soll sie so darbringen, wie sie gewachsen ist. Eine nach unten gerichtete Frucht ist nicht erwünscht; bei der Handvoll Blumen, puṣpāñjali, gilt diese Einschränkung nicht. Für alle Gaben gilt folgende Reihenfolge: zuerst das Grundmantra, dann die Bezeichnung der Gabe, danach die Bezeichnung der Gottheit. Im Śrītattvacintāmaṇi heißt es: Für Fußwasser und die folgenden Wassergaben verwendet man der Reihe nach namaḥ, svāhā und das Wassermantra; für Duftstoff namaḥ, für Blumen vauṣaṭ, für die übrigen Gaben namaḥ. Nachdem man das Grundmantra ausgesprochen hat, sagt man beispielsweise: „Dieses Fußwasser für die Gottheit [Name], namaḥ.“ [„toyamantra“ bezeichnet hier das Wassermantra; dessen genaue Lautform wird an dieser Stelle nicht angegeben. Die erste Verszeile ist in ihrer Zuordnung verkürzt.]

P2-0105 · Originalnummer 100
tadyathā:
jayadhvani - mantramātaḥ rvāheti puṣpākṣatairghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena tāṃ vādayan, tattanmantreṇa nīcairdhūpaṃ evaṃ
dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ dadyāt
|| 100 ||

Dies geschieht so: Mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehrt man die Glocke unter dem Mantra „jayadhvani-mantramātaḥ … svāhā“. Dann läutet man sie mit der linken Hand und bringt mit dem jeweiligen Mantra das Räucherwerk niedrig, das Licht dagegen bis zur Höhe der Augen dar. [Der Glockenmantrawortlaut ist durch „rvāheti“ beschädigt; „jayadhvani“ bedeutet Siegesklang, „mantramātaḥ“ Mutter der Mantras. Eine vollständige Lautform lässt sich hier nicht sicher herstellen.]

P2-0109 · Originalnummer 4
dāne tu:
ādau mūlaṃ tato dravyollekhaḥ tataḥ sampradānaṃ
tatastyāgārthavaṃ padamiti sarvatra |
tathā ca kulārṇave:
ādau mūlaṃ samuccaryaṃ paścāddeyaṃ samuccaret |
sampradānaṃ tadante tu tyāgārthakapadantataḥ |
evaṃ krameṇa deveśi upacārānprakalpayet |
mantrāte karmasannipāta iti nyāyāt
|| 4 ||

Beim Darbringen gilt überall: zuerst das Grundmantra, dann die Benennung der Gabe, danach der Empfänger und schließlich das Wort, das die Hingabe ausdrückt. Dazu heißt es im Kulārṇava: Zuerst spricht man das Grundmantra aus, danach die darzubringende Gabe, am Ende nennt man den Empfänger und anschließend das die Hingabe ausdrückende Wort. Herrin der Götter, in dieser Reihenfolge soll man die Verehrungsgaben darbringen. Dies entspricht dem Grundsatz, dass die Handlung am Ende des Mantras zusammentrifft.

P2-0110 · Originalnummer 5
tataśculūkodakamādāya oṃ itaḥ pūrvaṃ
prāṇabuddhidehadharmākārato jāgratsvapnasuṣuptyavasthāsu manasā
vācā hastābhyāṃ padbhyāmudareṇa śiśnā yatsmṛtaṃ yaduktaṃ
yatkṛtaṃ tatsarvaṃ brahmārpaṇaṃ bhavatu svāhā, māṃ madīyaṃ
sakalaṃ samyagamukadevatāyai samarpayet oṃ tatsat |
namaskārānantaraṃ vā
|| 5 ||

Dann nimmt man eine Handvoll Wasser und spricht: „Oṃ. Alles, was ich zuvor durch die Tätigkeiten von Lebenskraft, Verstand und Körper im Wachen, Träumen und tiefen Schlaf mit Geist, Sprache, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesprochen oder getan habe – all das sei dem Brahman dargebracht. Svāhā. Mich selbst und alles, was mir gehört, bringe ich vollständig der Gottheit [Name] dar. Oṃ tat sat.“ Dies kann auch nach der Verneigung geschehen.

P2-0111 · Originalnummer 6
tato'ṣṭottarasahasraṃ śataṃ vā japtvā oṃ guhyatiguhyāgoptā tvaṃ
gṛhaṇasmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |
anyatra goptrī devīti viśeṣaḥ |
iti japaṃ samarpyaṃ stutvā natvā'ṣṭāṅgapramāṇaṃ kuryāt
|| 6 ||

Dann wiederholt man das Mantra eintausendachtmal oder hundertmal und spricht: „Oṃ. Du bist der Hüter des Allerverborgensten. Nimm das von uns vollzogene Japa an. Gott, möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, da du in mir gegenwärtig bist.“ Bei einer Göttin lautet die besondere Form „Hüterin“ und „Göttin“. Nachdem man so das Japa dargebracht hat, preist man die Gottheit, verneigt sich und vollzieht die Verneigung mit acht Gliedern. [Die Vorlage schreibt am Schluss „pramāṇaṃ“; gemeint ist nach der unmittelbar folgenden Erklärung praṇāma, Verneigung.]

P2-0117 · Originalnummer 12
arddhacandraṃ maheśasya pṛṣṭhataśca samīritā |
śivapradakṣiṇe mantrī arddhacandrakrameṇa tu |
savyāsavyakrameṇaiva somasūtraṃ na laṅghayet |
somasūtraṃ jalaniḥsaraṇasthānam
|| 12 ||

Für Maheśa wird hinter ihm ein Halbkreis vorgeschrieben. Beim Umschreiten Śivas soll der Mantrapraktizierende dem Verlauf eines Halbmondes folgen, nach links und rechts gehen und dabei die Somasūtra nicht überschreiten. Somasūtra ist die Stelle, an der das Wasser abfließt.

P2-0120 · Originalnummer 15
tato devatāṅge āvaraṇadevatā nilāpya, kṣamasveti visarjanaṃ kṛtvā,
saṃhāramudrayā tattejaḥ puṣpaiḥ sārddhamāghrāya
svahṛdayamānayet |
(puraścaraṇacandrikāyām:
kṣamasveti vadanmūmantreṇa vyāpakaṃ triśa iti
vacanātvisarjanāntaraṃ vyāpakaṃ kuryāt |)
tathā ca:
nidhāya devatāṃ paścātsvīyahṛtsarasīruhe |
suṣumnāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayettataḥ
|| 15 ||

Dann lässt man die umgebenden Gottheiten im Körper der Hauptgottheit aufgehen, entlässt sie mit „Verzeihe!“ und atmet mit der Saṃhāramudrā ihren Lichtglanz zusammen mit dem Duft der Blumen ein, um ihn in das eigene Herz zu führen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es: „Während man ‚Verzeihe!‘ sagt, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal den umfassenden Nyāsa.“ Nach diesem Ausspruch soll man nach der Entlassung den umfassenden Nyāsa ausführen. Weiter heißt es: Nachdem man die Gottheit in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, atmet man den Blumenduft durch den Weg der Suṣumnā ein und vollzieht dann die Entlassung.

P2-0121 · Originalnummer 16
tataḥ aiśānṇāṃ trikoṇamaṇḍale kṛtvā nirmālyaśeṣaṃ dadyāt |
viṣṇau tu:
oṃ viśvaksenāya namaḥ |
śaktau oṃ śeṣikāyai namaḥ |
śive:
oṃ caṇḍeśvarāya namaḥ |
sūrye:
oṃ tejaścaṇḍāya namaḥ |
gaṇeśe oṃ ucchiṣṭagaṇeśāya namaḥ |
kālikādau:
oṃ ucchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ |
tathā ca:
viśvaksenaḥ smṛto viṣṇostejaścaṇḍo vivasvata ityādi
|| 16 ||

Danach zeichnet man im Nordosten ein dreieckiges Maṇḍala und reicht dort den verbliebenen Rest der Opfergaben. Bei Viṣṇu spricht man „oṃ viśvaksenāya namaḥ – Oṃ, Verehrung Viśvaksena“; bei Śakti „oṃ śeṣikāyai namaḥ – Verehrung Śeṣikā“; bei Śiva „oṃ caṇḍeśvarāya namaḥ – Verehrung Caṇḍeśvara“; bei Sūrya „oṃ tejaścaṇḍāya namaḥ – Verehrung Tejaścaṇḍa“; bei Gaṇeśa „oṃ ucchiṣṭagaṇeśāya namaḥ – Verehrung Ucchiṣṭagaṇeśa“; bei Kālikā und entsprechenden Göttinnen „oṃ ucchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ – Verehrung Ucchiṣṭacāṇḍālinī“. Dazu heißt es: Für Viṣṇu wird Viśvaksena genannt, für Vivasvat, den Sonnengott, Tejaścaṇḍa, und entsprechend weiter.

P2-0127 · Originalnummer 21
iti sāmānyapūjāpaddhati:
(sāmānya pūjāyantram citram 14) |
vividha - devīmantrāḥ
yāmāhurādyāṃ prakṛtiṃ munīndrāḥ padmāṃ triśaktiṃ
giramannapūrṇām |
nityāñca durgāṃ tvaritāḥ tathānyāṃ bhajāmi nityaṃ
bhuvaneśvarīṃ tām
|| 21 ||

Damit endet das allgemeine Verehrungsverfahren. [Die Vorlage verweist auf das allgemeine Pūjāyantra, Abbildung 14; die Abbildung ist im Text nicht enthalten.] Verschiedene Göttinnenmantras: Ich verehre stets jene Bhuvaneśvarī, welche die großen Weisen als ursprüngliche Natur, als Padmā, als die dreifache Kraft, als Sprache, als Annapūrṇā, als Nityā, Durgā, Tvaritā und als weitere Göttinnen bezeichnen.

P2-0129 · Originalnummer 23
atha bhuvaneśvarīmantrāḥ:
nakulīśo'gnimārūḍho vāmanetrārddhacandravān |
bījaṃ tasyāḥ samākhyātaṃ sevitaṃ siddhikāṃkṣibhiḥ |
nakulīśo hakāraḥ, agnī rephaḥ, vāmanetramīkāraḥ,
arddhacandro'nusvāraḥ
|| 23 ||

Nun die Mantras Bhuvaneśvarīs: Nakulīśa, auf dem Feuer sitzend, versehen mit dem linken Auge und dem Halbmond, wird als ihr Bīja bezeichnet. Es wird von denen verehrt, die Vollendung wünschen. Nakulīśa ist der Laut ha, Feuer der Laut ra, das linke Auge der Laut ī und der Halbmond der Anusvāra. Daraus entsteht hrīṃ.

P2-0130 · Originalnummer 24
bhuvaneśvarī padārthamāha dakṣiṇāmūrttisaṃhitāyām:
vyomabīje maheśāni kailāsādi pratiṣṭhitam |
vahnibījātsuvarṇādi niṣpannaṃ bahudhā priye |
tenāyaṃ varttate loko bhūmimaṇḍalasaṃsthitaḥ |
tūryasvareṇa pātāle śeṣarūpeṇa dhāryate |
mahābhūmaṇḍalaṃ tasmātpātālasyā'pi nāyikā |
ata eva maheśāni bhuvanādhīśvarī priye |
matāntaramāha:
hakāro vyoma tūryeṇa svareṇānilasambhavaḥ |
vikāre sati repheṇa sākṣadvahnisvarūpiṇī |
vahnibījaṃ vasudheyaṃ tasmādrephañca sundari |
ata eva maheśāni savāyoḥ samatā bhavet |
vinducakrāmṛtāddevi plāvayantī jagattrayam |
dravarūpī bhavettasmātplavantī cārddhamātrayā |
ata eva maheśāni bhuvaneśīti kathyate
|| 24 ||

Die Bedeutung des Namens Bhuvaneśvarī wird in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā erklärt: Große Herrin, im Raumbīja sind Kailāsa und die übrigen Orte gegründet. Aus dem Feuerbīja entstehen Gold und weitere Stoffe in vielerlei Gestalt, Geliebte. Dadurch besteht diese auf der Erdensphäre gegründete Welt. Durch den vierten Vokal wird die große Erdensphäre in der Unterwelt in Gestalt Śeṣas getragen; daher ist sie auch Herrin der Unterwelt. Eben deshalb ist sie, große Herrin, die geliebte Herrscherin der Welten. Eine andere Auffassung lautet: Der Laut ha ist Raum; durch den vierten Vokal entsteht der Wind. Wenn die Verwandlung durch ra erfolgt, ist sie unmittelbar von Feuergestalt. Dieses Feuerbīja ist die Erde; deshalb steht ra dafür, Schöne. Daher, große Herrin, kommt Gleichheit mit dem Wind zustande. Göttin, sie überflutet die drei Welten mit dem Nektar des Bindu-Kreises. Deshalb nimmt sie flüssige Gestalt an und lässt sie mit der halben Mātrā überschwemmen. Eben darum, große Herrin, wird sie Bhuvaneśī genannt. [„savāyoḥ samatā“ und „vasudheyaṃ“ sind unsichere Lesungen; die ungewöhnliche Elementzuordnung wird nicht stillschweigend verändert.]

P2-0131 · Originalnummer 25
asyāḥ pūjāprayogaḥ:
sāmānyapūjāpaddhatyuktakrameṇa prātaḥkṛtyādi
pīṣṭhanyāsāntaṃ karmaṃ vidhāya hṛtpadmasya pūrvādikeśareṣu
madhye ca pīṭhaśaktīrnyaset |
tadyathā:
jayā vijayā ajitā aparājitā nityā vilāsinī dogdhrī aghorā maṅgalā |
vākyantu:
oṃ jayāya namaḥ ityādi |
karṇikāyāṃ hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ
|| 25 ||

Ihr Verehrungsverfahren: Nachdem man entsprechend dem allgemeinen Pūjāverfahren die morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa ausgeführt hat, setzt man auf die im Osten beginnenden Staubfäden des Herzlotus und in seine Mitte die Sitzkräfte: Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā und Maṅgalā. Die Formel lautet „oṃ jayāya namaḥ“ und entsprechend weiter: Oṃ, Verehrung Jayā. Auf dem Fruchtboden: „hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ – Hrīṃ, Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte“. [Die Vorlage verwendet hier bei Jayā „jayāya“, später jedoch „jayāyai“.]

P2-0132 · Originalnummer 26
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
asya bhuvaneśvarīmantrasya śaktir-ṛṣirgāyatrīcchando bhuvaneśvarī
devatā hakāro bījam īkāraḥ śaktiḥ rephaḥ kīlakaṃ
caturvargasiddhyarthe viniyogaḥ |
śirasi oṃ śaktye ṛṣaye namaḥ |
mukhe oṃ gāyatryai chandase namaḥ, hṛdi oṃ bhuvaneśvaryai devatāyai
namaḥ, guhye oṃ haṃ bījāya namaḥ, pādayoḥ ī śaktaye namaḥ,
sarvāṅge raṃ kīlakāya namaḥ |
tathā ca śāradāyām:
ṛṣiḥ śaktirbhavecchando gāyatrī devatā manoḥ |
kathitā surasaṃghena sevitā bhuvaneśvarī |
hatūryabījaśaktī ca kīlakaṃ repha ucyate
|| 26 ||

Danach folgt der Nyāsa des Ṛṣi und der übrigen Zuordnungen. Für dieses Bhuvaneśvarīmantra ist Śakti der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Bhuvaneśvarī die Gottheit; ha ist das Bīja, ī die Kraft und ra der Keil. Seine Anwendung dient der Erlangung der vier Lebensziele. Auf dem Kopf: „oṃ śaktye ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Śakti“; am Mund: „oṃ gāyatryai chandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Gāyatrī“; am Herzen: „oṃ bhuvaneśvaryai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Bhuvaneśvarī“; an der verborgenen Stelle: „oṃ haṃ bījāya namaḥ – Verehrung dem Bīja haṃ“; an den Füßen: „ī śaktaye namaḥ – Verehrung der Kraft ī“; am ganzen Körper: „raṃ kīlakāya namaḥ – Verehrung dem Keil raṃ“. In der Śāradā heißt es: Śakti ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß. Als Gottheit des Mantras wird die von den Scharen der Götter verehrte Bhuvaneśvarī genannt. Ha ist das Bīja, der vierte Vokal die Kraft, ra wird als Keil bezeichnet.

P2-0133 · Originalnummer 27
tato mantranyāsaṃ kuryāt |
śirasi oṃ hṛllekhāyai namaḥ evaṃ vadane eṃ gaganāyai namaḥ, hṛdi
uṃ raktāyai namaḥ, guhye iṃ karālikāyai namaḥ, pādayoḥ aṃ
mahocchuṣmāyai namaḥ |
evamūrdhvaprāgyāmyodīcya - paścimeṣu mukheṣu tāṃ nyaset |
etāsāṃ bījāni nibandhe:
hṛllekhāṃ mūrdhniṃ vadane gaganāṃ hṛdayāmbuje |
raktāṃ karālikāṃ guhye mahocchuṣmāṃ padadvaye ||
ūrdhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣu mukheṣu tāḥ |
satyādi pañcahrasvāḍhyā nyastavyā bhūtasaṃprabhāḥ
|| 27 ||

Dann soll man den Mantranyāsa ausführen. Auf dem Kopf: „oṃ hṛllekhāyai namaḥ – Verehrung Hṛllekhā“; auf dem Gesicht: „eṃ gaganāyai namaḥ – Verehrung Gaganā“; am Herzen: „uṃ raktāyai namaḥ – Verehrung Raktā“; an der verborgenen Stelle: „iṃ karālikāyai namaḥ – Verehrung Karālikā“; an den Füßen: „aṃ mahocchuṣmāyai namaḥ – Verehrung Mahocchuṣmā“. Ebenso setzt man diese auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter. Im Nibandha werden ihre Bījas beschrieben: Hṛllekhā auf dem Scheitel, Gaganā im Gesicht, Raktā im Herzlotus, Karālikā an der verborgenen Stelle und Mahocchuṣmā an beiden Füßen. Auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter sollen sie, versehen mit den fünf kurzen Lauten, beginnend mit Satya, eingesetzt werden; sie erstrahlen wie die Elemente. [Die ausdrückliche Lautliste beginnt in der Vorlage mit oṃ und eṃ; sie passt nicht durchgehend zur späteren Angabe „fünf kurze Laute“. Beide Angaben bleiben erhalten.]

P2-0134 · Originalnummer 28
tataḥ karāṅganyāsau kuryāt:
hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā, hrūṃ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ, hrīṃ
kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, hraḥ karatalapṛṣṭhāyāṃ phaṭ |
eva hṛdayādiṣu hrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
tathā ca:
ṣaḍdīrghabhājā bījena kuryādaṅgakriyāṃ manoḥ |
svacchandasaṃgrahe:
svaraṃ vihāya bījaṃ taṃ dīrghaṣaṭkena yojayet |
ṣaḍaṅgāni vidheyāni sarvatrāyaṃ vidhiḥ smṛtaṃ |
aṃguliniyamastu pūrvamevoktaḥ |
sarvatra karāṅganyāse evaṃ kramaḥ
|| 28 ||

Dann vollzieht man den Hand- und Gliedernyāsa: „hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an beiden Daumen; „hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā“ an beiden Zeigefingern; „hrūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ“ an beiden Mittelfingern; „hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ“ an beiden Ringfingern; „hrīṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ“ an beiden kleinen Fingern; „hraḥ karatalapṛṣṭhāyāṃ phaṭ“ an Handflächen und Handrücken. Ebenso am Herzen und den übrigen Stellen, beginnend mit „hrāṃ hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Herzen“. Dazu heißt es: Man soll die Gliederhandlung des Mantras mit dem Bīja, das die sechs langen Vokale trägt, vollziehen. Im Svacchandasaṃgraha: Man entfernt den Vokal des Bījas und verbindet es mit den sechs langen Vokalen. Damit führt man die sechs Gliedernyāsas aus; diese Regel gilt überall. Die Fingerregel ist schon zuvor genannt worden. Diese Reihenfolge gilt für jeden Hand- und Gliedernyāsa. [Die Vorlage wiederholt beim kleinen Finger hrīṃ, wo nach der Vokalfolge hrauṃ zu erwarten wäre; die überlieferte Form bleibt angegeben.]

P2-0135 · Originalnummer 29
tato bhāle oṃ gāyatrī sahita brahmaṇe namaḥ, dakṣiṇakapole oṃ
sāvitrīsahita viṣṇave namaḥ, vāmakapole oṃ vāgīśvarīsahita
maheśvarāya namaḥ, vāmakarṇopari oṃ śrīsahita dhanapataye namaḥ |
mukhe oṃ ratisahitasmarāya namaḥ, savyakarṇopari oṃ
puṣṭisahitagaṇapataye namaḥ, dakṣiṇagaṇḍakarṇāntarāle oṃ
śaṅkhanidhaye namaḥ, vāmagaṇḍakārṇāntarāle oṃ padmanidhaye
namaḥ, mukhe oṃ bhuvaneśvarye devatāyai namaḥ, evaṃ kaṇṭhamūla -
dakṣiṇastana - vāmastana - vāmāṃsa - hṛdaya - dakṣiṇāṃsa -
nābhiṣu etānnyaset |
tathā ca:
brahmāṇaṃ vinyasedbhāle gāyatryā saha saṃyutam |
sāvitryā sahitaṃ viṣṇuṃ kapole dakṣiṇe nyaset |
vāgīśvaryā samāyuktaṃ vāmagaṇḍe maheśvaram |
nyasetśriyā dhanapatiṃ vāmakarṇāgrake punaḥ |
ratyā smaraṃ mukhe puṣṭyā gaṇapati nyaset |
savyakarṇopari nidhīkarṇagaṇḍāntarālayoḥ |
nyastavyaṃ vadane mūlaṃ bhūyaścaitāṃ stanau nyaset
|| 29 ||

Dann setzt man auf die Stirn: „oṃ gāyatrīsahitabrahmaṇe namaḥ – Verehrung Brahmā samt Gāyatrī“; auf die rechte Wange: „oṃ sāvitrīsahitaviṣṇave namaḥ – Verehrung Viṣṇu samt Sāvitrī“; auf die linke Wange: „oṃ vāgīśvarīsahitamaheśvarāya namaḥ – Verehrung Maheśvara samt Vāgīśvarī“; über das linke Ohr: „oṃ śrīsahitadhanapataye namaḥ – Verehrung dem Herrn des Reichtums samt Śrī“; auf den Mund: „oṃ ratisahitasmarāya namaḥ – Verehrung Smara samt Rati“; über das linke Ohr: „oṃ puṣṭisahitagaṇapataye namaḥ – Verehrung Gaṇapati samt Puṣṭi“; zwischen rechte Wange und Ohr: „oṃ śaṅkhanidhaye namaḥ – Verehrung dem Muschelschatz“; zwischen linke Wange und Ohr: „oṃ padmanidhaye namaḥ – Verehrung dem Lotusschatz“; auf den Mund: „oṃ bhuvaneśvarye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Bhuvaneśvarī“. Ebenso setzt man diese an Halswurzel, rechte Brust, linke Brust, linke Schulter, Herz, rechte Schulter und Nabel ein. Dazu heißt es: Man setzt Brahmā zusammen mit Gāyatrī auf die Stirn, Viṣṇu mit Sāvitrī auf die rechte Wange, Maheśvara mit Vāgīśvarī auf die linke Wange und den Herrn des Reichtums mit Śrī vor das linke Ohr. Smara mit Rati setzt man auf den Mund, Gaṇapati mit Puṣṭi über das linke Ohr, die beiden Schätze zwischen Ohren und Wangen. Das Grundmantra wird auf das Gesicht gesetzt; anschließend setzt man diese erneut auf die beiden Brüste. [Die doppelte Zuordnung zum linken Ohr und die verkürzte letzte Verszeile sind bereits so in der Vorlage vorhanden.]

P2-0137 · Originalnummer 31
tathā ca varṇabhinnanyāse tu viśvasāre:
oṃ kārādyaṃ ṅeyutañca namo'ntañca yathā sthitiḥ |
vidhinā vinyasetsarvaṃ śaṅkarasya matena ca |
evaṃ sarvatra
|| 31 ||

Hinsichtlich des Nyāsa mit einzeln unterschiedenen Lauten heißt es im Viśvasāra: Mit oṃ am Anfang, versehen mit der Dativendung und mit namaḥ am Schluss soll man alles seiner Anordnung entsprechend nach Śaṅkaras Lehre vorschriftsmäßig einsetzen. Dies gilt überall.

P2-0138 · Originalnummer 33
tato bhāle oṃ brāhmyai namaḥ, vāmāṃse oṃ māheśvaryai namaḥ,
vāmāpārśve oṃ kaumāryai namaḥ, jaṭhare oṃ vaiṣṇavyai namaḥ,
sakṣiṇapārśve oṃ vārāhyai namaḥ, dakṣiṇāṃse oṃ indrāṇyai namaḥ,
gale oṃ cāmuṇḍāyai namaḥ, hṛdi oṃ mahālakṣmyai namaḥ, iti nyasya
mūlena vyāpakatrayaṃ saptamaṃ vā kuryāt |
tathā ca:
bhāleṃ'se pārśve jaṭhare pārśveṃ'se ca gale hṛdi |
brāhmāṇyādyāstato nyasya vidhinā proktalakṣaṇā |
mūlena vyāpakaṃ dehe nyasya devī vibhāvayediti ||
tato dhyānam:
udyāddinakaradyutimindukirīṭāṃ tuṅgakucāṃ nayana trayayuktām |
smaremukhīṃ varāṃkuśapāśābhītikarāṃ prajajedbhuvaneśīm |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya vahiḥpūjāmārabheta
|| 33 ||

Dann setzt man auf die Stirn „oṃ brāhmyai namaḥ – Verehrung Brāhmī“; auf die linke Schulter „oṃ māheśvaryai namaḥ – Verehrung Māheśvarī“; auf die linke Seite „oṃ kaumāryai namaḥ – Verehrung Kaumārī“; auf den Bauch „oṃ vaiṣṇavyai namaḥ – Verehrung Vaiṣṇavī“; auf die rechte Seite „oṃ vārāhyai namaḥ – Verehrung Vārāhī“; auf die rechte Schulter „oṃ indrāṇyai namaḥ – Verehrung Indrāṇī“; auf den Hals „oṃ cāmuṇḍāyai namaḥ – Verehrung Cāmuṇḍā“; auf das Herz „oṃ mahālakṣmyai namaḥ – Verehrung Mahālakṣmī“. Danach führt man mit dem Grundmantra dreimal oder siebenmal den umfassenden Nyāsa aus. Dazu heißt es: Auf Stirn, Schulter, Seite, Bauch, Seite, Schulter, Hals und Herz setzt man nach der vorgeschriebenen Regel Brāhmī und die übrigen beschriebenen Göttinnen. Mit dem Grundmantra vollzieht man am Körper den umfassenden Nyāsa und vergegenwärtigt sich die Göttin. Die Meditation lautet: Man soll Bhuvaneśī verehren, deren Glanz der aufgehenden Sonne gleicht, die eine Mondkrone, hohe Brüste und drei Augen besitzt, lächelt und mit ihren Händen Gewährung, Stachel, Schlinge und Furchtlosigkeit zeigt. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, beginnt man die äußere Verehrung. [„smaremukhīṃ“ und „prajajed“ sind beschädigt; Lächeln und Verehrung sind aus dem Zusammenhang erschlossen.]

P2-0140 · Originalnummer 35
tato dīkṣāpaddhatyuktakrameṇa śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt |
tataḥ sāmānyapūjāpaddhatyuktakrameṇa pīṭhapūjāṃ vidhāya
pīṭhaśaktiḥ pūjayet |
(bhuvaneśvarī yantram, citra 15) |
tadyathā:
pūrvādikeśareṣu oṃ jayāyai namaḥ, evaṃ vijayāyai ajitāyai,
aparājitāyai, nityāyai, vilāsinyai dogghryai, aghorāyai, madhye
maṅgalāyai |
tathā ca nibandhe:
tataḥ sampūjayetpīṭhaṃ navaśaktisamanvitam jayākhyā vijayā
paścāt ajitā cāparājitā |
nityā vilāsinī dogghro tvaghorā maṅgalā'pi ca |
bījāḍhyamāsanaṃ dattvā mūrtiṃ mūlena kalpayet |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet
|| 35 ||

Dann stellt man die Muschel nach dem im Initiationsverfahren beschriebenen Ablauf auf. Anschließend verehrt man den Sitz nach dem allgemeinen Pūjāverfahren und dann die Sitzkräfte. [Die Vorlage verweist auf das Bhuvaneśvarīyantra, Abbildung 15; die Abbildung liegt im Text nicht vor.] Auf den Staubfäden, beginnend im Osten: „oṃ jayāyai namaḥ – Verehrung Jayā“, entsprechend Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī und Aghorā; in der Mitte Maṅgalā. Im Nibandha heißt es: Dann verehrt man den mit neun Kräften versehenen Sitz: zuerst Jayā, danach Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā und Maṅgalā. Nachdem man den mit dem Bīja versehenen Sitz dargebracht hat, bildet man mit dem Grundmantra die Gestalt der Gottheit. Überall erfolgt die Verehrung mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss.

P2-0141 · Originalnummer 36
tadupari hrīṃ sarvaṃśaktikamalāsanāya namaḥ |
tataḥ pūrvavatdhyānāvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāya āvaraṇapūjāmārabhet |
tadyathā:
hrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā ṣaḍaṅgāni sampūjya,
karṇikāmadhye oṃ hṛllekhāyai namaḥ, pūrve eṃ gaganāyai namaḥ,
dakṣiṇe uṃ raktāyai, uttare iṃ karālikāyai, paścime aṃ
mahocchuṣmāyai, ṣaṭkoṇeṣu pūrvādikrameṇa oṃ gāyatryai namaḥ,
evaṃ brahmaṇe namaḥ, nair-ṛte sāvitryai, viṣṇave, vāyavye sarasvatyai,
rudrāya |
vahnikoṇe śriyai, dhanapataye, paścime ratyai, smarāya, aiśānyāṃ
puṣṭyai, gaṇapataye, ṣaṭkoṇasyobhayapārśvayoḥ oṃ śaṅkhanidhaye, oṃ
padmanidhaye, sarvatra praṇavādinamo'ntam |
keśareṣu agnir-ṛtivāyavyośāneṣu madhye caturdikṣu ca hrāṃ
hṛdayāya namaḥ ityādinā ṣaḍaṅgāni pūjayet |
tathā ca nibhandhe:
keśareṣvagnikoṇādau hṛdayādīni pūjayet |
netramagre diśāsvastraṃ dhyātavyāścāṅgadevatāḥ |
evaṃ sarvatra |
bhairavyādau viśeṣo vaktavyaḥ |
pūrvādyaṣṭadaleṣu oṃ anaṅgakusumāyai namaḥ, eva
anaṅgakusumāturāyai, anaṅgamadanāyai, anaṅgamadanāturāyai,
bhuvanapālāyai, anagaṅgavedyāyai, śaśirekhāyai, gaganarekhāyai
|| 36 ||

Darauf spricht man: „hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ – Hrīṃ, Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte“. Dann vollzieht man wie zuvor Meditation, Anrufung und die übrigen Handlungen bis zur Darbringung der fünf Handvoll Blumen und beginnt die Verehrung der Umkreise. Zuerst verehrt man die sechs Glieder mit „hrāṃ hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Herzen“ und den folgenden Formeln. In der Mitte des Fruchtbodens verehrt man Hṛllekhā mit oṃ; im Osten Gaganā mit eṃ, im Süden Raktā mit uṃ, im Norden Karālikā mit iṃ, im Westen Mahocchuṣmā mit aṃ, jeweils mit namaḥ. An den sechs Ecken, im Osten beginnend: Gāyatrī und Brahmā; im Südwesten Sāvitrī und Viṣṇu; im Nordwesten Sarasvatī und Rudra; im Südosten Śrī und Dhanapati; im Westen Rati und Smara; im Nordosten Puṣṭi und Gaṇapati. Beiderseits des Sechsecks verehrt man den Muschelschatz und den Lotusschatz. Alle Formeln beginnen mit oṃ und enden mit namaḥ. Auf den Staubfäden im Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten, in der Mitte und in den vier Richtungen verehrt man mit „hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln die sechs Glieder. Im Nibandha heißt es: Auf den Staubfäden verehrt man, in der Feuerecke beginnend, das Herz und die weiteren Glieder; das Auge vorne, die Waffe in den Richtungen. Die Gliedergottheiten sind dabei zu meditieren. So gilt es überall; bei Bhairavī und weiteren Göttinnen werden besondere Regeln genannt. Auf den acht Blättern, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Anaṅgakusumā, Anaṅgakusumāturā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamadanāturā, Bhuvanapālā, Anaṅgavedyā, Śaśirekhā und Gaganarekhā. [„anagaṅgavedyāyai“ ist in der Vorlage fehlerhaft geschrieben.]

P2-0142 · Originalnummer 36 ka
pūrvādi ṣoḍaśadaleṣu karālyai, vikarālyai, umāyai , sarasvatyai,
śriyai, durgāyai, uṣāyai, lakṣmyai, śrutyai, smṛtyai, dhṛtyai,
śraddhāyai, medhāyai, matyai, kāntyai, arghyāyai |
tadbahiḥ bhūmāge pūrvāditaḥ, anaṅgarūpāyai, anaṅgamadanāyai,
anaṅgamadanāturāyai, bhuvanavegāyai, bhuvanapālikāyai,
sarvaśiśirāyai, anaṅgavedanāyai, anaṅgamekhalāyai |
praṇavādinamo'ntenaitāḥ pūjayet |
tadbahiścaturasre pūrvādau oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya
savāhanāya saparivārāya namaḥ |
oṃ rāṃ agnaye tejodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya
namaḥ |
oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ kṣāṃ nir-ṛtaye rakṣodhipataye sāyudhetyādi |
oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ sāṃ somāya tārādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye sāyudhetyādi |
indreśānayormadhye oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye sāyudhetyādi |
nir-ṛtivaruṇayormadhye oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye sāyudhetyādi
|
tathā ca:
lokapālā vahiḥ pūjyāḥ samastāścaturasrake |
puruhuteśayormadhye rakṣovaruṇayostathā |
brahmaviṣṇu sadā pūjyau digīśārcāṃ vidurbudhāḥ |
indrādilokapālānāṃ ye mantrāste dhruvādikāḥ |
svasvabījānvitāḥ sarve sacaturthīnamo'ntikāḥ |
iti vacanātsarvatra praṇavādinamo'ntena pūjanam
|| 36 ka ||

Auf den sechzehn Blättern, im Osten beginnend, verehrt man Karālī, Vikarālī, Umā, Sarasvatī, Śrī, Durgā, Uṣā, Lakṣmī, Śruti, Smṛti, Dhṛti, Śraddhā, Medhā, Mati, Kānti und Arghyā. Außerhalb davon auf der Bodenfläche, im Osten beginnend, verehrt man Anaṅgarūpā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamadanāturā, Bhuvanavegā, Bhuvanapālikā, Sarvaśiśirā, Anaṅgavedanā und Anaṅgamekhalā. Alle werden mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss verehrt. Außerhalb davon im Quadrat, im Osten beginnend: „oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ – Verehrung Indra, dem Herrn der Götter, samt Waffe, Reittier und Gefolge“; „oṃ rāṃ agnaye tejodhipataye … namaḥ – Verehrung Agni, dem Herrn des Feuerglanzes“; „oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye … namaḥ – Verehrung Yama, dem Herrn der Verstorbenen“; „oṃ kṣāṃ nirṛtaye rakṣodhipataye … namaḥ – Verehrung Nirṛti, dem Herrn der Rakṣas“; „oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye … namaḥ – Verehrung Varuṇa, dem Herrn des Wassers“; „oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye … namaḥ – Verehrung Vāyu, dem Herrn der Lebenskraft“; „oṃ sāṃ somāya tārādhipataye … namaḥ – Verehrung Soma, dem Herrn der Sterne“; „oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye … namaḥ – Verehrung Īśāna, dem Herrn der Scharen“. Jeweils ergänzt man „samt Waffe, Reittier und Gefolge“. Zwischen Indra und Īśāna: „oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye … namaḥ – Verehrung Brahmā, dem Herrn der Geschöpfe“; zwischen Nirṛti und Varuṇa: „oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye … namaḥ – Verehrung Ananta, dem Herrn der Nāgas“, mit denselben Ergänzungen. Dazu heißt es: Alle Weltenhüter werden außen im Quadrat verehrt. Zwischen Indra und Īśa sowie zwischen Nirṛti und Varuṇa werden stets Brahmā und Viṣṇu verehrt; die Weisen verstehen dies als Verehrung der Richtungsherren. Die Mantras der Weltenhüter, beginnend mit Indra, beginnen mit oṃ, enthalten jeweils das eigene Bīja, die Dativform und namaḥ am Schluss. Daher erfolgt überall die Verehrung mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss. [Die ursprüngliche Liste nennt Ananta, das anschließende Zitat Viṣṇu; beide Benennungen bleiben erhalten.]

P2-0143 · Originalnummer 37
sva sva bījamāha mantradarśane:
pṛthivyāgnipavanādyantavaruṇānilaseśvaraiḥ |
anantavindusaṃyuktairarcyāḥ pāśena māyayā |
tathā:
ante yajellokapālānmūlapāriṣadānvitān |
hetijātyadhipopetāndikṣu pūrvādito yajet |
savāhanāyeti kramadīpikā
|| 37 ||

Die jeweiligen Bījas beschreibt das Mantradarśana: Mit den Lauten für Erde, Feuer, Wind, Anfang und Ende, Wasser, Luft, Soma und Īśvara, verbunden mit Ananta und Bindu, sowie mit dem Schlingen- und Māyābīja werden sie verehrt. Weiter heißt es: Zum Schluss verehrt man die Weltenhüter samt den zum Grundmantra gehörenden Begleitern, mit ihren Waffen und den Herren ihrer Gruppen, in den Richtungen, beginnend im Osten. „Samt Reittier“ ergänzt die Kramadīpikā. [Die verschlüsselte erste Lautaufzählung „pṛthivyāgnipavanādyantavaruṇānilaseśvaraiḥ“ ist beschädigt; die konkreten Bījas stehen im vorhergehenden Abschnitt.]

P2-0144 · Originalnummer 38
tadbahiḥ pūrvādau vajrāya śaktaye daṇḍāya khaḍgāya pāśāya
aṃkuśāya gadāyai śūlāya padmāya cakrāya praṇavādinamo'ntena
pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇaṃ dvātriṃśallakṣajapaḥ
|| 38 ||

Außerhalb davon verehrt man, im Osten beginnend, den Donnerkeil, den Speer, den Stab, das Schwert, die Schlinge, den Stachel, die Keule, den Dreizack, den Lotus und das Rad, jeweils mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇa dieses Mantras umfasst zweiunddreißig Lakh, also 3.200.000 Wiederholungen.

P2-0145 · Originalnummer 39
tathā ca:
prajapenmantravinmantraṃ dvātriṃśallakṣamānataḥ |
trisvāduryuktairjuhuyādaṣṭadravyairdaśāṃśataḥ
|| 39 ||

Dazu heißt es: Der Mantrakundige soll das Mantra 3.200.000-mal wiederholen und mit den acht Opferstoffen, die mit den drei süßen Stoffen verbunden sind, ein Feueropfer von einem Zehntel dieser Zahl vollziehen.

P2-0147 · Originalnummer 41
mantrāntaram:
vāgbhavaṃ śambhuvanitāramābījatrayātmakam |
mantraṃ samuddharenmantrī trivargaphalasādhanam |
nyāsapūjādikaṃ sarvaṃ pūrvavacca samācaret
|| 41 ||

Ein anderes Mantra: Der Mantrapraktizierende soll das aus drei Bījas bestehende Mantra bilden: Vāgbhava, das Bīja der Gemahlin Śambhus und das Bīja Ramās. Es bewirkt die Früchte der drei Lebensziele. Nyāsa, Verehrung und alle übrigen Handlungen soll man wie zuvor ausführen. Die bezeichneten Bījas sind aiṃ, hrīṃ und śrīṃ.

P2-0148 · Originalnummer 42
ṣaḍaṅganyāse
tu viśeṣaḥ |
aiṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
tathā ca nibandhe:
ṣaḍdīrghabhājā bījena vāgbhavādyena kalpayet |
ṣaḍaṅgāni manorasya jātiyuktena deśikaḥ
|| 42 ||

Beim Nyāsa der sechs Glieder gilt eine Besonderheit: „aiṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an den Daumen und entsprechend weiter. Im Nibandha heißt es: Der Lehrer soll die sechs Glieder dieses Mantras mit dem von Vāgbhava eingeleiteten Bīja bilden, das die sechs langen Vokale trägt und mit den jeweiligen Abschlussformeln verbunden ist.

P2-0150 · Originalnummer 44
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ
tathā ca śāradāyām:
ravilakṣaṃ japenmantraṃ pāyasairmadhūrānvitaiḥ |
taddaśāṃśaṃ juhuyānmantrī pīṭhe prāgīrite yajeditivacanāt
|| 44 ||

Das Puraścaraṇa dieses Mantras umfasst zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es in der Śāradā: Der Mantrapraktizierende soll das Mantra zwölf Lakh-mal wiederholen, mit gesüßtem Milchreis ein Feueropfer von einem Zehntel dieser Zahl vollziehen und auf dem zuvor beschriebenen Sitz verehren.

P2-0151 · Originalnummer 45
mantrāntaram:
vāgbījapuṭitā māyā vidyeyaṃ tryakṣarī matā asya mantrasya
pūrvavannyāsaḥ
|| 45 ||

Ein anderes Mantra: Māyā, von dem Sprachbīja auf beiden Seiten umschlossen, gilt als diese dreisilbige Vidyā: aiṃ hrīṃ aiṃ. Der Nyāsa dieses Mantras erfolgt wie zuvor.

P2-0152 · Originalnummer 46
karāṅganyāsau:
aiṃ hrāṃ aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, ityādi |
aiṃ hrāṃ aiṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
tathā ca:
madhyena dīrghayukena vākpuṭena prakalpayet |
ṣaḍaṅgānītyādi
|| 46 ||

Hand- und Gliedernyāsa: „aiṃ hrāṃ aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an den Daumen und entsprechend weiter; „aiṃ hrāṃ aiṃ hṛdayāya namaḥ“ am Herzen und entsprechend weiter. Dazu heißt es: Man soll die sechs Glieder bilden, indem der mittlere Laut mit den langen Vokalen versehen und von den Sprachbījas umschlossen wird.

P2-0154 · Originalnummer 48
aṣṭapatreṣu viśeṣaḥ:
āṃ brāhmyai, īṃ māheśvaryai, ūṃ kaumāryai, ṛṃ vaiṣṇavyai,
ḷṃ vārāhyai, aiṃ indrāṇyai, auṃ cāmuṇḍāyai, aḥ mahālakṣmyai |
punaraṣṭadale:
aṃ asitāṅgāya, iṃ rurave, uṃ caṇḍāya, ṛṃ krodhāya, ḷṃ
unmattāya, evaṃ kapāline, oṃ bhīṣaṇāya, aṃ saṃhārāya |
namaḥ sarvatra |
yadvā:
aṃ āṃ asitāṅgabrāhmībhyāṃ namaḥ ityādi |
tathā ca:
dīrghādyā mātaraḥ proktā hrasvādyā bhairavāḥ smṛtāḥ |
anyat sarvaṃ pūrvavadbodhām
|| 48 ||

Auf den acht Blättern gilt eine Besonderheit: nāṃ Brāhmī, īṃ Māheśvarī, ūṃ Kaumārī, ṛṃ Vaiṣṇavī, ḷṃ Vārāhī, aiṃ Indrāṇī, auṃ Cāmuṇḍā und aḥ Mahālakṣmī. Erneut auf den acht Blättern: aṃ Asitāṅga, iṃ Ruru, uṃ Caṇḍa, ṛṃ Krodha, ḷṃ Unmatta, „evaṃ“ Kapālin, oṃ Bhīṣaṇa und aṃ Saṃhāra, jeweils mit namaḥ. Oder man verehrt die Paare: „aṃ āṃ asitāṅgabrāhmībhyāṃ namaḥ – Verehrung Asitāṅga und Brāhmī“ und entsprechend weiter. Dazu heißt es: Die Mütter werden mit langen Anfangsvokalen bezeichnet, die Bhairavas mit kurzen. Alles Übrige ist wie zuvor zu verstehen. [Die Vorlage hat beim ersten Mutterbīja nāṃ und bei ṛṃ und ḷṃ kurze Formen; bei Kapālin „evaṃ“. Dies stimmt nicht vollständig mit der erklärten Vokalregel überein und wird nicht stillschweigend korrigiert.]

P2-0155 · Originalnummer 49
asya puraścaraṇajapo daśalakṣaḥ |
trimadhurānvitaiḥ palāśapuṣpairdaśāṃśa homaḥ |
tathā ca:
tatvalakṣaṃ japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ |
palāśapuṣpaiḥ svādvaktaiḥ puṣpairvā rājavṛkṣajaiḥ |
tattvalakṣaṃ daśalakṣam:
antaraṅgātvātśakterdaśatattvamiti vacanācca iti guravaḥ |
caturviṃśatilakṣamiti kecit
|| 49 ||

Das Puraścaraṇajapa dieses Mantras beträgt zehn Lakh, also 1.000.000 Wiederholungen. Ein Feueropfer von einem Zehntel dieser Zahl wird mit Palāśablüten vollzogen, die mit den drei süßen Stoffen verbunden sind. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra tattva-Lakh-mal und opfert ein Zehntel dieser Zahl mit süß bestrichenen Palāśablüten oder mit Blüten des Rājavṛkṣa. „Tattva-Lakh“ bedeutet zehn Lakh, denn nach den Lehrern heißt es: „Aufgrund der inneren Zugehörigkeit der Śakti sind es zehn Tattvas.“ Einige verstehen darunter vierundzwanzig Lakh, also 2.400.000 Wiederholungen. [Die Begründungszeile ist sprachlich beschädigt; beide angegebenen Zählweisen bleiben erhalten.]

P2-0156 · Originalnummer 50
mantrāntaram:
ananto vindusaṃyukto māyābrahmāgnitāravān |
pāśādistryakṣaro mantraḥ sarvakāmaphalapradaḥ |
asyaikākṣarīvat ṛṣicchandodevatānyāsaḥ
|| 50 ||

Ein anderes Mantra: Ananta, mit Bindu verbunden und mit Māyā, Brahmā, Feuer und Tārā versehen, ergibt das mit dem Schlingenbīja beginnende dreisilbige Mantra, das die Früchte aller Wünsche schenkt. Der Nyāsa von Seher, Versmaß und Gottheit erfolgt wie beim einsilbigen Mantra. [Die Lautverschlüsselung wird hier als solche übersetzt; die Vorlage gibt an dieser Stelle keine ausgeschriebene Mantraform.]

P2-0157 · Originalnummer 51
aṅgamantrastu:
hrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, hrīṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
sarvatra hrīṃ bījena karāṅganyāsau kuryāt |
tathā ca nibandhe:
ṛṣyādyāḥ pūrvamuktāḥ syurbījenāṅgakriyā mantā
|| 51 ||

Das Gliedermantra lautet: „hrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an den Daumen und „hrīṃ hṛdayāya namaḥ“ am Herzen, jeweils mit den weiteren Zuordnungen. Überall soll man Hand- und Gliedernyāsa mit dem Bīja hrīṃ ausführen. Im Nibandha heißt es: Seher und die übrigen Zuordnungen sind die zuvor genannten; die Gliederhandlung erfolgt mit dem Bīja.

P2-0160 · Originalnummer 55
asya puraścaraṇajapo daśalakṣaḥ |
dakṣimadhughṛtāktābhiraśvatthoḍumbaraplakṣāṇāṃ |
samidbhistilairdugdhāktairdaśasahasrahomaḥ |
tathā ca:
haviṣyabhugjapenmantraṃ tattvalakṣaṃ jitendriyaḥ |
tatsahasraṃ juhuyācca japānte mantravittamaḥ |
dadhikṣaudraghṛtāktābhiḥ samidbhiḥ kṣīribhuruhām |
tatsaṃkhyayā tilaiḥ śuddhaiḥ payo'ktairjuhuyāttataḥ |
atra tattvaśabdena daśa ucyante śakterdaśa tattvānīti vacanāt |
anye tu bhuvaneśvarīmantrā na nibaddhā aprasiddhatvāt |
athānnapūrṇāmantrāḥ
māyāhṛdbhagavatyante māheśvaripadaṃ tataḥ |
annapūrṇa ṭhayugalaṃ manuḥ saptadaśākṣaraḥ
|| 55 ||

Das Puraścaraṇajapa dieses Mantras beträgt zehn Lakh, also 1.000.000 Wiederholungen. Mit Brennhölzern von Aśvattha, Uḍumbara und Plakṣa, bestrichen mit Quark, Honig und geklärter Butter, sowie mit milchbestrichenem Sesam vollzieht man zehntausend Feueropfer. Dazu heißt es: Der Beherrscher seiner Sinne, der von opfergeeigneter Nahrung lebt, soll das Mantra tattva-Lakh-mal wiederholen. Nach dem Japa soll der vorzügliche Mantrakundige zehntausendmal opfern, mit Brennhölzern milchsaftführender Bäume, bestrichen mit Quark, Honig und geklärter Butter. Danach soll er dieselbe Zahl mit reinem, milchbestrichenem Sesam opfern. „Tattva“ bezeichnet hier zehn, nach dem Ausspruch „Die Śakti besitzt zehn Tattvas“. Andere Bhuvaneśvarīmantras wurden wegen ihrer geringen Bekanntheit nicht aufgenommen. Nun die Annapūrṇāmantras: Māyā, die Herzformel, danach „bhagavati“, anschließend das Wort „māheśvari“, dann „annapūrṇa“ und zweimal ṭha ergeben das siebzehnsilbige Mantra. [Der Annapūrṇāmantrawortlaut ist in der Vorlage in verschlüsselter Form gegeben; ṭha ṭha bezeichnet gewöhnlich svāhā.]

P2-0162 · Originalnummer 57
māyādyā ca yadā devi tadā sā sakaleṣṭadā |
śrībījādyā yadā devi tadā sukhavivarddhinī
|| 57 ||

Göttin, wenn sie mit Māyā beginnt, schenkt sie alles Gewünschte. Wenn sie mit dem Śrībīja beginnt, vermehrt sie das Glück.

P2-0163 · Originalnummer 58
vāgbījādyā yadā vāgīśatvapradāyinī |
kāmādyā ca yadā vidyā sarvakāmapradāyinī
|| 58 ||

Wenn sie mit dem Sprachbīja beginnt, schenkt sie Herrschaft über die Sprache. Wenn die Vidyā mit dem Liebesbīja beginnt, erfüllt sie alle Wünsche.

P2-0164 · Originalnummer 59
tāramāyādikā
vidyā bhogamokṣapradāyinī |
māyāśrībījayugmādyā sadā |
vibhavadāyinī śrīmāyāyugmabījādyā sarvasampattipūraṇī
|| 59 ||

Wenn die Vidyā mit Tārā und Māyā beginnt, schenkt sie Genuss und Befreiung. Wenn sie mit dem Paar Māyā- und Śrībīja beginnt, schenkt sie stets Wohlstand. Wenn sie mit dem Bījapaar Śrī und Māyā beginnt, erfüllt sie jeglichen Reichtum.

P2-0165 · Originalnummer 60
asyāḥ pūjāprayoga:
prātaḥkṛtyādi pīṭhanyāsāntaṃ karma vidhāya hṛtpadmasya keśareṣu
madhye ca bhuvaneśvarīpīṭhamantroktapīṭhaśaktīrvinyasya
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
tadyathā:
śirasi oṃ brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe paṃktaye chandase namaḥ, hṛdi
annapūrṇāyai devatāyai namaḥ |
tatraiva:
eteṣāṃ mantrarāśīnāṃ ṛṣirbrahmā udāhṛtaḥ |
paṃktiśchandaḥ samākhyātaṃ devatā cānnapūrṇikā
|| 60 ||

Ihr Verehrungsverfahren: Nachdem man die morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa ausgeführt hat, setzt man auf die Staubfäden des Herzlotus und in die Mitte die im Bhuvaneśvarī-Sitzmantra genannten Sitzkräfte und vollzieht den Nyāsa des Sehers und der weiteren Zuordnungen. Auf dem Kopf: „oṃ brahmaṇe ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Brahmā“; am Mund: „paṃktaye chandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Paṅkti“; am Herzen: „annapūrṇāyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Annapūrṇā“. Dort heißt es: Für diese Mantragruppen wird Brahmā als Seher genannt; Paṅkti ist das Versmaß, Annapūrṇikā die Gottheit.

P2-0166 · Originalnummer 61
tataḥ karāṅganyāsau:
hrīṃ aṃguṣṭhābyāṃ namaḥ, hrīṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
sarvatra māyābījena kuryāt |
tathā ca nibandhe:
aṅgāni māyayā kuryāttato devīṃ vicintayet |
kalpe ca: yadvījādyā bhavedvidyā tadbījenāṅgakalpanā
|| 61 ||

Dann folgt der Hand- und Gliedernyāsa: „hrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an den Daumen, „hrīṃ hṛdayāya namaḥ“ am Herzen und entsprechend weiter. Überall soll man das Māyābīja verwenden. Im Nibandha heißt es: Man soll die Glieder mit Māyā bilden und dann über die Göttin meditieren. Im Kalpa: Mit welchem Bīja die Vidyā beginnt, mit eben diesem werden die Glieder gebildet.

P2-0168 · Originalnummer 63
tataḥ samānyokta pīṭhapūjāṃ vidhāya
bhuvaneśvarīmantroktajayādipīṭhamanvantāṃ pīṭhapūjāṃ vidhāya
punardhyātvā āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ karma
vidhāya āvaraṇapūjāmārabhet |
tadyathā:
keśareṣu agnikoṇe hrīṃ hṛdayāya namaḥ, nair-ṛte hrīṃ śirase
svāhā, vāyavye hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ, aiśānyāṃ hrīṃ kavacāya
huṃ, madhye hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ, caturdikṣu hrīṃ astrāya phaṭ ||
aṣṭadaleṣu:
pūrvādikrameṇa brāhmyai māheśvaryai vaiṣṇavyai vārāhyai
indrāṇyai cāmuṇḍāyai mahālakṣmyai praṇavādinamo'ntena pūjayet
|
tatraiva:
daleṣu pūjayedetāḥ brāhmyādyāḥ kramataḥ sudhīḥ |
śūdrasya praṇavasthale caturdaśasvaro vindusaṃyuktaḥ |
kālikāpurāṇe:
mantrasya setukaraṇe uktatvāt ||
tathā ca: caturdaśasvareṇāḍhyaṃ vindubhūṣitamastakam |
śūdrasya praṇavaṃ devi kathitaṃ tantravedibhiḥ
|| 63 ||

Dann verehrt man den Sitz nach dem allgemeinen Verfahren und führt die im Bhuvaneśvarīmantra beschriebene Sitzverehrung mit Jayā und den übrigen Kräften bis zum Sitzmantra aus. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die übrigen Handlungen bis zur Darbringung der fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Auf den Staubfäden im Südosten: „hrīṃ hṛdayāya namaḥ“ für das Herz; im Südwesten „hrīṃ śirase svāhā“ für den Kopf; im Nordwesten „hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ“ für die Haarlocke; im Nordosten „hrīṃ kavacāya huṃ“ für den Schutzpanzer; in der Mitte „hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ“ für die drei Augen; in den vier Richtungen „hrīṃ astrāya phaṭ“ für die Waffe. Auf den acht Blättern, im Osten beginnend, verehrt man Brāhmī, Māheśvarī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī, mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss. Dort heißt es: Der Einsichtige soll diese, Brāhmī und die übrigen, der Reihe nach auf den Blättern verehren. [Für acht Blätter nennt die Vorlage nur sieben Göttinnen; Kaumārī fehlt in dieser Liste.] Für einen Śūdra steht anstelle von oṃ der vierzehnte Vokal mit Bindu, wie es im Kālikāpurāṇa bei der Bildung der Mantrabrücke gelehrt wird. Dazu heißt es: Göttin, die Tantrakundigen nennen den mit dem vierzehnten Vokal versehenen und am Scheitel mit Bindu geschmückten Laut den Praṇava des Śūdra.

P2-0169 · Originalnummer 64
ataḥ pūrvādau indrādīnvajrādīṃśca pūrvavatsampūjya
dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇajapaḥ ṣoḍaśasahasrasaṃkhyaḥ |
tathā ca:
yathāvidhi japenmantraṃ vasuyugmasahasrakam |
sājyennānnena juhuyāttaddaśāṃśamanantaram |
(ayaṃ mantraḥ praṇavādiraṣṭādaśākṣaraḥ |
māyādiḥ śrībījādiśca |) tathā māyāṃ vinā praṇavādiḥ
kāmādiḥ śrībījādirvāgbhavādiśca saptadaśākṣaraḥ kavace tathā
pratipādanāt |
viśeṣastu:
yadyadbījādiko mantrastenaivāṅga prakalpanā
|| 64 ||

Danach verehrt man wie zuvor Indra und die übrigen Richtungshüter sowie den Donnerkeil und die übrigen Waffen und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇajapa beträgt sechzehntausend Wiederholungen. Dazu heißt es: Man soll das Mantra vorschriftsmäßig sechzehntausendmal wiederholen und anschließend mit geklärter Butter versehenem Reis ein Zehntel dieser Zahl im Feuer opfern. Dieses Mantra ist mit oṃ am Anfang achtzehnsilbig; es kann auch mit Māyā oder dem Śrībīja beginnen. Ohne Māyā, mit oṃ, dem Liebesbīja, dem Śrībīja oder Vāgbhava am Anfang, ist es siebzehnsilbig, wie im Schutztext dargelegt. Die besondere Regel lautet: Mit demjenigen Bīja, mit dem das Mantra beginnt, bildet man seine Glieder.

P2-0170 · Originalnummer 65
atha tripuṭāmantrāḥ
śrīmāyāmadanaiḥ prokto mantro bījatryātmakaḥ
|| 65 ||

Nun die Tripuṭāmantras: Das aus drei Bījas bestehende Mantra wird aus Śrī, Māyā und Madana gebildet: śrīṃ hrīṃ klīṃ.

P2-0171 · Originalnummer 66
tatra pūjāyantram: (citra 16)
taduktaṃ daśapaṭalyām:
ṣaṭkoṇaṃ pūrvāmālikhya madhye vidyāṃ likhetsudhīḥ |
vīpsayā tāntu ṣaṭkoṇakoṇeṣu kramato likhet |
vāhye vasudalaṃ kuryāddīrghasvaravibhūṣitam |
caturasraṃ caturdvārabhūṣitaṃ maṇḍalaṃ likhet |
madhye devīṃ samāvāhya dhyāyetsarvaṃ samṛddhidām
|| 66 ||

Das Pūjāyantra wird in der Vorlage mit Abbildung 16 bezeichnet. In der Daśapaṭalī heißt es: Zuerst soll der Einsichtige ein Sechseck zeichnen und die Vidyā in seine Mitte schreiben. Dieselbe schreibt er wiederholt der Reihe nach in die sechs Ecken. Außen zeichnet er einen achtblättrigen Lotus, geschmückt mit den langen Vokalen, und ein quadratisches Maṇḍala mit vier Toren. In der Mitte ruft man die Göttin an und meditiert über sie als die Spenderin aller Fülle.

P2-0172 · Originalnummer 67
asyāḥ pūjāprayogaḥ:
tataḥ prātaḥ kṛtyādi pīṭhanyāsāntaṃ karma vidhāya
bhuvaneśvarīmantroktajayādipīṭhamanvantaṃ vinyasya
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
tadyathā:
śirasi sammohanāya ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatryai chandase namaḥ
hṛdi tripuṭāyai devatāyai namaḥ |
tataḥ karāṅganyāsau:
śrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā klīṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, śrīṃ
anāmikābhyāṃ huṃ, hrīṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, klīṃ
karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ śrīṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
tathā ca nibandhe:
ṛṣiḥ sammohanaśchando gāyatrī devatā punaḥ tripuṭākhyā
dviruktaistadbījairaṅgāni ṣaṭkramāt
|| 67 ||

Ihr Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man Jayā und die übrigen Kräfte bis zum Sitzmantra ein, wie im Bhuvaneśvarīmantra beschrieben, und vollzieht den Sehernyāsa. Auf dem Kopf: „sammohanāya ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Sammohana“; am Mund: „gāyatryai chandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Gāyatrī“; am Herzen: „tripuṭāyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Tripuṭā“. Dann der Handnyāsa: śrīṃ an beiden Daumen mit namaḥ; hrīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; klīṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; śrīṃ an den Ringfingern mit huṃ; hrīṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; klīṃ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso an den sechs Gliedern, beginnend mit „śrīṃ hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Herzen“. Im Nibandha heißt es: Sammohana ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Tripuṭā die Gottheit. Mit ihren zweimal gesprochenen drei Bījas werden der Reihe nach die sechs Glieder gebildet.

P2-0174 · Originalnummer 69
tataḥ sāmānyapūjāpaddhatyukta pīṭhapūjā vidhyāya keśareṣu
bhuvaneśvarīmantroktajayādipīṭhamanvantaṃ sampūjya
punardhyātvā āvāhanādi - pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāya āvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tadyathā:
agnyādiṣaṭkoṇeṣu oṃ lakṣmyai namaḥ, oṃ haraye namaḥ, evaṃ gauryai,
śivāya, ratyai, kāmāya, ṣaṭkoṇasyobhayataḥ pārśvayoḥ oṃ
śaṅkhanidhaye namaḥ, oṃ padmanidhaye namaḥ |
tataḥ keśareṣu agnyādikoṇacatuṣṭayeṣu madhye dikṣu ca śrīṃ
hṛdayāya namaḥ |
ityādinā ṣaḍaṅgāni pūjayet
|| 69 ||

Dann vollzieht man die Sitzverehrung nach dem allgemeinen Pūjāverfahren. Auf den Staubfäden verehrt man Jayā und die übrigen Kräfte bis zum Sitzmantra nach dem Bhuvaneśvarīverfahren, meditiert erneut und vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zur Darbringung der fünf Handvoll Blumen. Dann folgt die Umkreisverehrung. An den sechs Ecken, im Südosten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Lakṣmī, Hari, Gaurī, Śiva, Rati und Kāma. Beiderseits des Sechsecks verehrt man den Muschelschatz und den Lotusschatz. Auf den Staubfäden in den vier Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man die sechs Glieder mit „śrīṃ hṛdayāya namaḥ“ und den folgenden Formeln.

P2-0175 · Originalnummer 70
tataḥ patreṣu brāhmyādyā mātaraḥ pūjyāḥ |
tathā ca nibandhe:
hṛllekhāvihite pīṭhe pūjayettāṃ samāhitaḥ |
agnyādiṣaṭsu koṇeṣu lakṣmyādyā pūjayeddhruvam |
lakṣmīṃ hemaprabhāṃ tanvīṃ sa - varābjayugābhayām |
śaṅkhacakragadāmbhojadharaṃ hemanibhaṃ harim |
pāśāṃkuśābhayābhīṣṭadharāṃ gaurīṃ javāruṇām |
mṛgaṭaṅkābhayābhiṣṭadharaṃ hemanibhaṃ haram |
nīlotpalakarāṃ saumyāṃ ratiṃ kāñcanasannibhām |
dhṛtapāśāṃkuśeṣvāsaṃ puṣpeṣumaruṇaṃ smaran |
pūrvavannidhiyugmantu yajedubhayapārśvaryoḥ |
bahiraṅgāni sampūjya pūjyāḥ patreṣu mātara iti |
tadbahirindrādīnvanitā rūpānpūjayet
|| 70 ||

Danach werden auf den Blättern die Mütter, beginnend mit Brāhmī, verehrt. Im Nibandha heißt es: Gesammelt soll man die Göttin auf dem für Hṛllekhā vorgeschriebenen Sitz verehren. An den sechs Ecken, beginnend im Südosten, soll man stets Lakṣmī und die übrigen verehren: Lakṣmī, schlank und goldglänzend, mit Gewährung, zwei Lotussen und Furchtlosigkeit; Hari, goldglänzend, mit Muschel, Rad, Keule und Lotus; Gaurī, rot wie die Javāblüte, mit Schlinge, Stachel, Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung; Hara, goldglänzend, mit Antilope, Beil, Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung; Rati, mild und goldfarben, mit blauem Lotus in der Hand; Smara, rot, mit Schlinge, Stachel, Bogen und Blumenpfeilen. Beide Schätze verehrt man wie zuvor zu beiden Seiten. Nachdem man außen die Glieder verehrt hat, verehrt man die Mütter auf den Blättern. Außerhalb davon verehrt man Indra und die übrigen in weiblicher Gestalt.

P2-0176 · Originalnummer 72
nibhandhe:
lokeśānvanitārūpānarcayetsaumyavigrahān |
tato dhūpādi visarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇajapo dvādaśalakṣaḥ |
tathā ca:
bhānulakṣaṃ japedenaṃ manuṃ tāvatsahasrakam |
vilvāragvadhasambhūtairmadhurāktaiḥ samidvaraiḥ |
javāpuṣpaiśca juhuyāttoṣayedvasunā gurum |
āragvadhaḥ śoṇāluḥ |
ayaṃ mantrastridhā bhavati |
parādirvā bhaveddevi kāmādirvā bhavediyamiti
dakṣiṇāmūrtivacanāt
|| 72 ||

Im Nibandha heißt es: Man soll die Weltenherren in weiblicher Gestalt und mit mildem Körper verehren. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇajapa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt dieses Mantra zwölf Lakh-mal und opfert zwölftausendmal mit vorzüglichen Hölzern von Bilva und Āragvadha, die mit den süßen Stoffen bestrichen sind, sowie mit Javāblüten. Den Guru erfreut man mit Reichtum. Āragvadha ist Śoṇālu. Dieses Mantra kommt in drei Formen vor, denn Dakṣiṇāmūrti sagt: „Göttin, es kann auch mit Parā beginnen oder mit Kāma.“

P2-0177 · Originalnummer 73
atha tvaritāmantrāḥ
athābhidhāsye tvarivāṃ tvaritaṃ phaladāyinīm |
tāro māyā dharmabījam ṛddhirīśasvarānvitā |
kūrmastadantyo bhagavānkṣastrī dīrghatanucchadam |
saṃvarto bhagavānmāyā phaḍanto dvādaśākṣaraḥ |
māyā bhuvaneśī, varma huṃ, ṛddhiḥ khakāraḥ, īśvaraḥ ekāraḥ,
kūrmaścakāraḥ, tadantyaśchakāraḥ, bhaga ekārastadyuktaḥ kṣaḥ,
strī svarūpaṃ, dīrghatanucchadaṃ huṃ, saṃvarttaḥ kṣakāraḥ bhaga
ekārastadyuktaḥ kṣaḥ, punarbhuvaneśvarī phaṭ
|| 73 ||

Nun die Tvaritāmantras: Jetzt werde ich Tvaritā beschreiben, die rasch Früchte schenkt. Tārā, Māyā, das Schutzbīja, Ṛddhi mit dem Īśasvara, Kūrma, dessen Endlaut, der mit Bhaga versehene kṣa, strī, der lange Körperschutz, Saṃvarta mit Bhaga, Māyā und phaṭ am Ende ergeben das zwölfsilbige Mantra. Māyā ist Bhuvaneśī, varma ist huṃ; ṛddhi ist kha, īśvara ist e; kūrma ist ca, dessen Endlaut cha; bhaga ist e, mit kṣa verbunden; strī bezeichnet sich selbst; der lange Körperschutz ist hūṃ; saṃvarta ist kṣa, bhaga ist e, mit kṣa verbunden; dann erneut Bhuvaneśvarī und phaṭ. [Die Verszeile hat „dharmabījam“, die Erklärung jedoch „varma huṃ“; außerdem ist die erste kṣa-Verbindung in der Vorlage widersprüchlich. Die im folgenden Nyāsa erkennbaren Silben ergeben oṃ hrīṃ huṃ khe ca che kṣa strī hūṃ kṣe hrīṃ phaṭ, doch die beschädigte Lautverschlüsselung erlaubt keine vollständig sichere Rekonstruktion.]

P2-0179 · Originalnummer 75
asyāḥ pūjāpaddhatiḥ (tvaritāyantra citra 17)
pūtatra jāyaṃtraṃ dakṣiṇāmūrtauḥ aṣṭapatraṃ likhetpadmaṃ
bahirbhūvindvamālikhet |
pratyekaṃ vasukoṇeṣu kavacañcāṣṭadhā likhet |
madhye tu bhuvaneśānīṃ veṣṭayenmātṛkākṣaraiḥ |
sarvarakṣākaraṃ nāma yantrametadudāhṛtam |
yatrāvāhya maheśānīmupacāraiḥ samarcayet
|| 75 ||

Ihr Verehrungsverfahren; die Vorlage verweist auf das Tvaritāyantra, Abbildung 17. In der Dakṣiṇāmūrtiüberlieferung heißt es: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus und außen die Erdumfassung. In jede der acht Ecken schreibt man den Schutztext, insgesamt achtmal. In die Mitte setzt man Bhuvaneśānī und umschließt sie mit den Mātṛkābuchstaben. Dieses Yantra heißt „Alles beschützend“. Darin ruft man die große Herrin an und verehrt sie mit den Gaben. [Der einleitende Ausdruck „pūtatra jāyaṃtraṃ“ und „bhūvindvam“ sind beschädigt; die Erdumfassung ist aus dem Yantrazusammenhang erschlossen.]

P2-0180 · Originalnummer 76
tataḥ prātaḥkṛtya pīṭhādi nyāsāntaṃ karma samāpya keśareṣu
bhuvaneśvarīmantrokta jayādipīṭhaśaktīrvinyasya madhye kṣaṃ huṃ
haṃ vajradeha ghuru ghuru hiṃgulu hiṃgulu garja garja haṃ hūṃ
kṣāṃ pañcānanāya namaḥ |
iti mantraṃ nyaset |
tathā ca nibandhe:
saṃvartako vinduyutaḥ kavacaṃ sakalaṃ viyat |
vajradeha ghurudvandvamābhāṣya hiṃguludvayam |
garja garja viyatsendu varmāntyo dīrghavinduvān |
pañcānanāya hṛdayaṃ pīṭhamantraḥ prakīrtitaḥ
|| 76 ||

Nach den morgendlichen Handlungen und den Sitznyāsas setzt man auf die Staubfäden Jayā und die übrigen im Bhuvaneśvarīmantra beschriebenen Sitzkräfte. In die Mitte setzt man das Mantra: „kṣaṃ huṃ haṃ vajradeha ghuru ghuru hiṃgulu hiṃgulu garja garja haṃ hūṃ kṣāṃ pañcānanāya namaḥ“. Seine verständlichen Worte bedeuten: „Du mit diamantfestem Körper, brülle, brülle; Verehrung dem Fünfgesichtigen.“ Die Bījas und die Anrufungslaute ghuru und hiṃgulu bleiben als Ritualklänge erhalten. Im Nibandha heißt es: Saṃvartaka mit Bindu, der Schutzlaut und der ganze Raumlaut; dann spricht man „vajradeha“, zweimal „ghuru“, zweimal „hiṃgulu“, „garja garja“, den Raumlaut mit Bindu, den Schutzlaut und den letzten Laut mit langem Vokal und Bindu; danach „pañcānanāya“ und die Herzformel. Dies wird als Sitzmantra bezeichnet.

P2-0181 · Originalnummer 77
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi arjuna-ṛṣaye namaḥ, mukhe virāṭa chandase namaḥ, hṛdi
tvaritāyai devatāyai namaḥ |
tato mantranyāsaḥ:
mūrdhni, oṃ namaḥ, bhāle huṃ namaḥ, gale khe namaḥ, hṛdi ca namaḥ,
nābhau che namaḥ, guhye kṣa namaḥ, ūrvo strī namaḥ, jānunoḥ hūṃ
namaḥ, jaṅghayoḥ kṣe namaḥ, pādadvandve phaṭ namaḥ |
mūlena vyāpakaṃ kuryāt
|| 77 ||

Dann folgt der Sehernyāsa: auf dem Kopf „arjunaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Arjuna“; am Mund „virāṭ chandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Virāṭ“; am Herzen „tvaritāyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Tvaritā“. Der Mantranyāsa: oṃ auf dem Scheitel, huṃ auf der Stirn, khe am Hals, ca am Herzen, che am Nabel, kṣa an der verborgenen Stelle, strī an beiden Oberschenkeln, hūṃ an beiden Knien, kṣe an beiden Unterschenkeln, phaṭ an beiden Füßen, jeweils mit namaḥ. Mit dem Grundmantra vollzieht man den umfassenden Nyāsa.

P2-0183 · Originalnummer 79
tataḥ karāṅganyāsau:
cache aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, chekṣa tarjanībhyāṃ svāhā, kṣastrī
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, strīhuṃ anāmikābhyāṃ huṃ, hūṃkṣe
kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, kṣephaṭ, karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ cakṣe hṛdayāya namaḥ ityādinā hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
kūrmādyaiḥ saptabhirvarṇaiḥ pūrvapūrva vivarjitaiḥ |
dvābhyāṃ dvābhyāṃ ṣaḍaṅgāni kuryātsādhakasattamaḥ
|| 79 ||

Dann der Hand- und Gliedernyāsa: ca-che an beiden Daumen mit namaḥ; che-kṣa an den Zeigefingern mit svāhā; kṣa-strī an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; strī-huṃ an den Ringfingern mit huṃ; hūṃ-kṣe an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; kṣe-phaṭ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den übrigen Stellen, beginnend laut Vorlage mit „cakṣe hṛdayāya namaḥ“. Im Nibandha heißt es: Der vorzügliche Praktizierende soll aus den sieben mit Kūrma beginnenden Lauten, jeweils den vorhergehenden weglassend, paarweise die sechs Glieder bilden. [Die erste Handformel lautet „cache“, die erste Herzformel „cakṣe“; diese Abweichung steht bereits in der Vorlage.]

P2-0185 · Originalnummer 81
tataḥ sāmānyokta pīṭhapūjāṃ vidhāya padmasya keśareṣu
pūrvādikrameṇa jayā - vijayā - ajitā - aparājitā - nityā - vilāsinī -
dogdhrī - aghorā - maṅgalāḥ, praṇavādinamo'ntena pūjyāḥ |
madhye kṣaṃ huṃ haṃ vajradeha ghuru ghuru hiṃgulu hiṃgulu garja
garja haṃ hūṃ kṣāṃ pañcānanāya namaḥ |
tataḥ pūrvavaddhyātvā āvāhanādi
pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya āvaraṇapūjāmārabheta |
agnyādikoṇeṣu cache gāyantryai hṛdayāya namaḥ, chekṣa gāyatryai
śirase svāhā, kṣastrī gāyatryai śikhāyai vaṣaṭ, strīhūṃ gāyatryaṃ
kavacāya huṃ, hūṃkṣe gāyatryai netratrayāya vauṣaṭ |
dikṣu kṣe phaṭ gāyatryai astrāya phaṭ |
iti sampūjya uttareśānayoḥ praṇītāṃ gāyatrīñca pūjayet |
tathā ca nibandhe:
aṅgaṃ praṇītāṃ gāyatrīṃ keśareṣvarcayetkramāt |
daleṣu pūjayedetāḥ śrībījādyāḥ subhūṣitāḥ |
huṃkārīṃ khecarīṃ caṇḍāṃ chedinīṃ kṣepiṇīṃ striyam |
huṃkārīṃ kṣemakārīñca loke sāyudhabhūṣaṇām |
phaṭkārīmagrato vāhye kodaṇḍaśaradhārīṇīm |
vākyantu:
śrīṃ huṃkāryai namaḥ, vāhye agrataḥ oṃ phaṭkāriṇyai namaḥ ityādi
|| 81 ||

Dann verehrt man den Sitz nach dem allgemeinen Verfahren und die Kräfte Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā und Maṅgalā auf den Staubfäden des Lotus, im Osten beginnend, jeweils mit oṃ und namaḥ. In der Mitte spricht man „kṣaṃ huṃ haṃ vajradeha ghuru ghuru hiṃgulu hiṃgulu garja garja haṃ hūṃ kṣāṃ pañcānanāya namaḥ“. Dann meditiert man wie zuvor, vollzieht Anrufung und die übrigen Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. In den Ecken, beginnend im Südosten, verehrt man: „cache gāyatryai hṛdayāya namaḥ“ am Herzen; „chekṣa gāyatryai śirase svāhā“ am Kopf; „kṣastrī gāyatryai śikhāyai vaṣaṭ“ an der Haarlocke; „strīhūṃ gāyatryaṃ kavacāya huṃ“ am Schutzpanzer; „hūṃkṣe gāyatryai netratrayāya vauṣaṭ“ an den drei Augen; in den Richtungen „kṣe phaṭ gāyatryai astrāya phaṭ“ an der Waffe. Dann verehrt man Praṇītā und Gāyatrī im Norden und Nordosten. Im Nibandha heißt es: Auf den Staubfäden verehrt man der Reihe nach die Glieder, Praṇītā und Gāyatrī. Auf den Blättern verehrt man diese schön geschmückten Kräfte, deren Formeln mit śrīṃ beginnen: Huṃkārī, Khecarī, Caṇḍā, Chedinī, Kṣepiṇī, Strī, Huṃkārī und Kṣemakārī, mit Waffen und Schmuck. Außen vor der Göttin steht Phaṭkārī, die Bogen und Pfeil trägt. Die Formel lautet beispielsweise „śrīṃ huṃkāryai namaḥ – Verehrung Huṃkārī“; außen vorne „oṃ phaṭkāriṇyai namaḥ – Verehrung Phaṭkāriṇī“. [Huṃkārī wird in der überlieferten Liste zweimal genannt; die grammatisch abweichende Form „gāyatryaṃ“ bleibt im Mantrazitat erhalten.]

P2-0186 · Originalnummer 80 ka
dvārasyobhayapārśvayoḥ oṃ jayāyai namaḥ, oṃ vijayāyai namaḥ |
tadvāhye kiṅkarāya rakṣa rakṣa tvaritājñāsthiro bhava huṃ phaṭ iti
mantreṇa kiṅkarā pūjayet |
tathā ca nibandhe:
dvārasyo pārśvayoḥ pūjye hemavetrakarāmbuje |
jayākhyā vijayākhyā ca kiṅkarāya padaṃ tataḥ |
rakṣa rakṣa padasyānte tvaritājñāsthiro bhava |
varmāstrāntena manunā kiṅkaraṃ tadvahiryajet |
laguḍaṃ vibhrataṃ kṛṣṇaṃ kṛṣṇacarcaramūrddhajam |
āraṇyairaruṇaiḥ puṣpairatiramyaiḥ sugandhibhiḥ |
pūjayeddhūpadīpādyairnṛtyagormatairmahotsavairiti |
atra na indrādipūjā anuktatvāt
|| 80 ka ||

Zu beiden Seiten des Tores: „oṃ jayāyai namaḥ – Verehrung Jayā“ und „oṃ vijayāyai namaḥ – Verehrung Vijayā“. Außen davon verehrt man Kiṅkara mit „kiṅkarāya rakṣa rakṣa tvaritājñāsthiro bhava huṃ phaṭ – Dem Diener: Schütze, schütze; sei fest im Befehl Tvaritās! Huṃ phaṭ.“ Im Nibandha heißt es: Beiderseits des Tores verehrt man Jayā und Vijayā, die goldene Stäbe in ihren Lotushänden tragen. Danach sagt man „kiṅkarāya“, „rakṣa rakṣa“ und „tvaritājñāsthiro bhava“; mit dem durch Schutz- und Waffenlaut abgeschlossenen Mantra verehrt man Kiṅkara außerhalb davon. Er ist schwarz, trägt einen Knüppel und besitzt schwarzes, zerzaustes Haar. Man verehrt ihn mit herrlichen, duftenden roten Waldblumen, Räucherwerk, Licht und weiteren Gaben sowie großen Festen mit Tanz und Gesang. Hier findet keine Verehrung Indras und der übrigen Richtungshüter statt, da sie nicht vorgeschrieben ist. [„nṛtyagormataiḥ“ ist beschädigt; „Tanz und Gesang“ ist eine sinngemäße Annäherung.]

P2-0187 · Originalnummer 82
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇa japo lakṣasaṃkhyakaḥ |
taddaśāṃśaṃ vilvasya samiddharaistrimadhvarktairhomayet |
tathā ca:
lakṣaṃ saṃjayapya mantrajño mantramenaṃ jitendriyaḥ |
daśāṃśaṃ juhuyādvilvaistrimadhvaktaiḥ samidvaraiḥ
|| 82 ||

Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇajapa beträgt ein Lakh, also 100.000 Wiederholungen. Ein Zehntel dieser Zahl opfert man mit vorzüglichen Bilvahölzern, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind. Dazu heißt es: Der Mantrakundige, der seine Sinne beherrscht, soll dieses Mantra 100.000-mal wiederholen und ein Zehntel mit vorzüglichen Bilvahölzern, bestrichen mit den drei süßen Stoffen, im Feuer opfern.

P2-0188 · Originalnummer 83
atha nityāmantraḥ
vāgbhavaṃ kāmabījañca nityaklinne madau punaḥ |
drave vahnivadhūrmantro dvādaśārṇo'yamīritaḥ
|| 83 ||

Nun das Nityāmantra: Vāgbhava und das Liebesbīja, dann „nityaklinne“, anschließend „madadrave“ und die Gemahlin des Feuers ergeben dieses zwölfsilbige Mantra: aiṃ klīṃ nityaklinne madadrave svāhā. Die Anrufung bedeutet: „Du stets Benetzte, du im Rausch Zerfließende!“ [Die Vorlage trennt „madau punaḥ / drave“ ungewöhnlich; der folgende Mantratext bestätigt madadrave.]

P2-0189 · Originalnummer 84
asyāḥ pūjāprayoga:
prātaḥkṛtyādi pīṭhanyāsāntaṃ vidhāya keśareṣu pūrvādikrameṇa
jayādi hrīṃ sarvaśakti kamalāsanāya namaḥ ityantaṃ vinyasya
ṛṣyādinyāsaṃ samācaret
tadyathā:
śirasi sammohanaṛṣaye namaḥ, mukhe nivṛcchandase namaḥ, hṛdi
nityāyai devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
ṛṣiḥ sammohanaśchando nivṛnnityā ca devatā iti
|| 84 ||

Ihr Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man auf die Staubfäden, im Osten beginnend, Jayā und die übrigen Kräfte bis zur Formel „hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ – Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte“. Dann folgt der Sehernyāsa: auf dem Kopf „sammohanaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Sammohana“; am Mund „nivṛcchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Nivṛt“; am Herzen „nityāyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Nityā“. Im Nibandha heißt es: Sammohana ist der Seher, Nivṛt das Versmaß, Nityā die Gottheit.

P2-0190 · Originalnummer 85
tataḥ karāṅganyāsau:
aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, aiṃ tarjanībhyā svāhā, aiṃ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, aiṃ anāmikābhyāṃ huṃ, aiṃ
kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, aiṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu aiṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā ṣaḍaṅgeṣu nyaset ||
tathā ca nibandhe:
vācā kṛtvā ṣaḍaṅgāni nityāṃ dhyāyedyathāvidhi
|| 85 ||

Der Handnyāsa erfolgt überall mit aiṃ: an den Daumen mit namaḥ, den Zeigefingern mit svāhā, den Mittelfingern mit vaṣaṭ, den Ringfingern mit huṃ, den kleinen Fingern mit vauṣaṭ sowie Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso setzt man aiṃ an die sechs Glieder, beginnend mit „aiṃ hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Herzen“. Im Nibandha heißt es: Nachdem man die sechs Glieder mit dem Sprachbīja gebildet hat, soll man vorschriftsmäßig über Nityā meditieren.

P2-0192 · Originalnummer 87
tataḥ pīṭhapūjāṃ vidhāya keśareṣu jayādi pīṭha śaktīḥ saṃpūjya
madhye hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ ityantaṃ sampūjya
punardhyātvā āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhyāya āvaraṇapūjāmārabhet:
(nityāyantram citra 18)
tadyathā:
agnyādikoṇacatuṣṭaye madhyedikṣu ca aiṃ hṛdayāya namaḥ, aiṃ
śirase svāhā, aiṃ śikhāyai vaṣaṭ, aiṃ kavacāya huṃ, madhye aiṃ
netratrayāya vauṣaṭ, caturdikṣu aiṃ astrāya phaṭ |
aṣṭadaleṣu oṃ nityāyai nirañjanāyai, klinnāyai, kledinyai,
madanāturāyai, madadravāyai, drāviṇyai, draviṇye, sarvatra praṇavādi
namo'ntena pūjayet |
tathā ca nibandhe:
nityā nirañjanā klinnā kledinī madanāturā |
madadravā drāviṇī ca draviṇītyaṣṭaśaktayaḥ |
nīlotpalakapālāḍhyakarā saktāmbujaprabhā iti |
tadvāhye indrādīna vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādi visarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 87 ||

Dann verehrt man den Sitz und auf den Staubfäden die Sitzkräfte, beginnend mit Jayā; in der Mitte vollzieht man die Verehrung bis „hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ“. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. [Die Vorlage nennt Nityāyantra, Abbildung 18.] In den vier Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit aiṃ das Herz mit namaḥ, den Kopf mit svāhā, die Haarlocke mit vaṣaṭ, den Schutzpanzer mit huṃ; in der Mitte die drei Augen mit vauṣaṭ, in den vier Richtungen die Waffe mit phaṭ. Auf den acht Blättern verehrt man Nityā, Nirañjanā, Klinnā, Kledinī, Madanāturā, Madadravā, Drāviṇī und Draviṇī, jeweils mit oṃ und namaḥ. Im Nibandha heißt es: Diese acht sind die Kräfte Nityā, Nirañjanā, Klinnā, Kledinī, Madanāturā, Madadravā, Drāviṇī und Draviṇī. Ihre Hände tragen blaue Lotusse und Schädelschalen; ihr Glanz gleicht dem roten Lotus. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Vorlage hat „saktāmbuja“; „roter Lotus“ beruht auf der naheliegenden Lesung raktāmbuja.]

P2-0194 · Originalnummer 89
atha vajraprastāriṇīmantrāḥ
vāṅmāyānantaraṃ bhūyo nityaklinne madadrave |
svāhānto ravisaṃkhyārṇo mantro vaśyapradāyakaḥ
|| 89 ||

Nun die Vajraprastāriṇīmantras: Nach dem Sprach- und Māyābīja stehen „nityaklinne madadrave“ und am Schluss svāhā. Dieses zwölf Silben umfassende Mantra bewirkt Unterwerfung: aiṃ hrīṃ nityaklinne madadrave svāhā.

P2-0196 · Originalnummer 91
(citra 19)
tataḥ pūjā:
prātaḥ kṛtyādipīṭhanyāsāntaṃ vidhāya keśareṣu
jayādipīṭhamanvante vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi aṅgirase ṛṣaye namaḥ, mukhe triṣṭupchandase namaḥ, hṛdi
vajraprastāriṇyai devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
aṅgirāḥ syāddṛṣistriṣṭupchando munibhiroritam |
vajraprastāriṇī proktā devatābhīṣṭadāyinīti
|| 91 ||

[Die Vorlage verweist auf Abbildung 19.] Die Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man auf die Staubfäden Jayā und die übrigen Kräfte bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa. Auf dem Kopf „aṅgirase ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Aṅgiras“; am Mund „triṣṭupchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Triṣṭubh“; am Herzen „vajraprastāriṇyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Vajraprastāriṇī“. Im Nibandha heißt es: Aṅgiras ist der Seher; die Weisen nennen Triṣṭubh als Versmaß. Die Gottheit heißt Vajraprastāriṇī und schenkt das Erwünschte.

P2-0197 · Originalnummer 92
tataḥ karāṅganyāsau:
aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi, aiṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā
hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
vāgbhavena ṣaḍaṅgāni vidadhyānmantravittamaḥ
|| 92 ||

Dann vollzieht man den Hand- und Gliedernyāsa mit „aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an den Daumen und den weiteren Formeln; „aiṃ hṛdayāya namaḥ“ am Herzen und entsprechend an den übrigen Gliedern. Im Nibandha heißt es: Der vorzügliche Mantrakundige soll mit Vāgbhava die sechs Glieder bilden.

P2-0198 · Originalnummer 93
tato dhyānam:
raktābdhau raktapote ravidalakamalābhyantare sanniṣaṇṇāṃ,
raktākṣīṃ raktamaulisphuritaśaśikalāṃ smeravaktrāṃ trinetrām |
bījāpūreṣupāśāṃkuśamadanadhanuḥsatkapālāni
hastairvibhrāṇāmānatāṅgīṃ
stanabhāranamitāmambikāmāśrayāmaḥ
|| 93 ||

Die Meditation: Wir nehmen Zuflucht zur Mutter, die im roten Meer auf einem roten Boot sitzt, im Inneren eines zwölfblättrigen Lotus. Ihre Augen sind rot; an ihrer roten Krone leuchtet die Mondsichel. Ihr Gesicht lächelt; sie besitzt drei Augen. In ihren Händen trägt sie Zitronatzitrone, Pfeile, Schlinge, Stachel, Liebesbogen und eine kostbare Schädelschale. Ihr Körper ist gebeugt; die Last ihrer Brüste lässt sie sich neigen.

P2-0199 · Originalnummer 93 ka
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ vidhāya
pūrvavat pīṭhapūjāṃ kṛtvā punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjali dānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabhet |
agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca aiṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā
saṃpūjya dvādaśadaleṣu pūrvādikrameṇa oṃ hṛllekhāyai namaḥ
evaṃ kledinyai, klinnāyai, kṣobhiṇyai, madanāturāyai, nirañjanāyai,
rāgavatyai, madanāvatyai, mekhalāyai, drāviṇyai, vegavatyai, smarāyai,
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tathā ca nibandhe:
hṛllekhā kledinī klinnā kṣobhiṇī madanāturā |
nirañjanā rāgavato saptamī madanāvatī |
mekhalā drāviṇī paścātvegavatyaparā smareti |
kapālotpaladhāriṇyaḥ śaktayo raktavigrahāḥ |
tadvāhye brāhmayādi mātṛḥ pūjayet |
tadbahirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tathā ca nibhandhe:
mātaro digvidikṣvarcyāḥ punaḥ pūjyā digīśvarāḥ |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 93 ka ||

Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, stellt man die Muschel auf und verehrt den Sitz wie zuvor. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die übrigen Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. In den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit „aiṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Auf den zwölf Blättern, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Hṛllekhā, Kledinī, Klinnā, Kṣobhiṇī, Madanāturā, Nirañjanā, Rāgavatī, Madanāvatī, Mekhalā, Drāviṇī, Vegavatī und Smarā. Im Nibandha heißt es: Hṛllekhā, Kledinī, Klinnā, Kṣobhiṇī, Madanāturā, Nirañjanā, Rāgavatī als siebte, Madanāvatī, Mekhalā, danach Drāviṇī, Vegavatī und schließlich Smarā. Die Kräfte haben rote Körper und tragen Schädelschalen und Lotusse. Außen davon verehrt man die Mütter, beginnend mit Brāhmī, und noch weiter außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die weiteren Waffen. Im Nibandha heißt es: In Haupt- und Zwischenrichtungen werden die Mütter verehrt, danach die Richtungsherren. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0200 · Originalnummer 94
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
mantraṃ mantrī japellakṣaṃ japānte juhuyāttataḥ |
ayutaṃ rājavṛkṣotthairghṛtasiktaiḥ samidvaraiḥ |
rājavṛkṣaḥ śoṇāluḥ
|| 94 ||

Das Puraścaraṇa umfasst 100.000 Mantrawiederholungen. Dazu heißt es: Der Mantrapraktizierende wiederholt das Mantra 100.000-mal und opfert danach zehntausendmal mit vorzüglichen Brennhölzern des Rājavṛkṣa, die mit geklärter Butter benetzt sind. Rājavṛkṣa ist Śoṇālu.

P2-0201 · Originalnummer 95
atha durāmantrāḥ
atha durgāmanuṃ vakṣye dṛṣṭādṛṣṭa phalapradām |
māyādri-karṇa vindvāḍhyo bhūyo'sau sargavān bhavet |
pañcāntakaḥ pratiṣṭhāvān māruto bhautikāsanaḥ |
tārādi hṛdayānto'yaṃ mantro vasvakṣarātmakaḥ |
adrirdakāraḥ, karṇaḥ ukāraḥ, pañcāntako gakāraḥ, pratiṣṭhā
ākāraḥ, māruto yakāraḥ, bhutikaḥ aikāḥ |
(pramāṇāntaraṃ):
tāro māyā svabījañca durgāyai hṛdayaṃ tataḥ |
iti bhaṭṭaḥ
|| 95 ||

Nun die Durgāmantras: Jetzt werde ich das Durgāmantra beschreiben, das sichtbare und unsichtbare Früchte schenkt. Māyā; der Berglaut mit Ohr und Bindu, danach nochmals dieser Laut mit Ausstoß; der Fünf-Ender mit Pratiṣṭhā; Wind auf Bhautikās Sitz: Mit Tārā am Anfang und der Herzformel am Schluss besteht dieses Mantra aus acht Silben. Berg ist da, Ohr ist u, der Fünf-Ender ga, Pratiṣṭhā ā, Wind ya und Bhautika ai. Als andere Belegstelle sagt Bhaṭṭa: „Tārā, Māyā, das eigene Bīja, danach durgāyai und die Herzformel.“ Daraus ergibt sich oṃ hrīṃ duṃ durgāyai namaḥ. [Die erste Lautverschlüsselung enthält „bhūyo'sau sargavān“, das sich nicht eindeutig in diese ausdrücklich bestätigte Mantraform einfügt.]

P2-0202 · Originalnummer 96
asyāḥ pūjāprayogaḥ:
prātaḥ kṛtyādipīṭhanyāsāntaṃ vidhāya hṛtpadmasya keśareṣu
madhye ca pīṭhaśaktīnyaset |
tadyathā:
āṃ prabhāyai īṃ māyāyai ūṃ jayāyai eṃ sūkṣmāyai aiṃ
viśuddhāyai oṃ nandinyai auṃ suprabhāyai aṃ vijayāyai aḥ
sarvasiddhidāyai, namaḥ sarvatra |
tadupari oṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya mahāsiṃhāya huṃ phaṭ
namaḥ iti nyaset |
tathā ca nibandhe:
prabhā māyā jayā sūkṣmā viśuddhā nandinī punaḥ |
suprabhā vijayā sarvasiddhidā navaśaktayaḥ |
ajbhirhrasvatrayaklīvarahitaiḥ pūjayedimāḥ |
praṇavānantaraṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya cā |
mahāsiṃhāya varmāntaṃ natiḥ siṃhamanurmataḥ |
dadyādāsanametena mūrtiṃ mūlena kalpayet
|| 96 ||

Ihr Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man auf die Staubfäden des Herzlotus und in die Mitte die Sitzkräfte, jeweils mit namaḥ: nāṃ Prabhā, īṃ Māyā, ūṃ Jayā, eṃ Sūkṣmā, aiṃ Viśuddhā, oṃ Nandinī, auṃ Suprabhā, aṃ Vijayā und aḥ Sarvasiddhidā. Darauf setzt man „oṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya mahāsiṃhāya huṃ phaṭ namaḥ – Verehrung dem großen Löwen, dessen Waffen diamantfeste Krallen und Hauer sind“. Im Nibandha heißt es: Prabhā, Māyā, Jayā, Sūkṣmā, Viśuddhā, Nandinī, Suprabhā, Vijayā und Sarvasiddhidā sind die neun Kräfte. Man verehrt sie mit den Vokalen, unter Auslassung der drei kurzen und der neutralen. Nach oṃ stehen „vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya“ und „mahāsiṃhāya“, dann der Schutzlaut und die Verneigungsformel; dies gilt als Löwenmantra. Damit reicht man den Sitz dar und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt der Gottheit. [Die Anfangssilbe nāṃ der Prosa weicht vom späteren āṃ ab; „neutrale“ Vokale bezeichnet hier eine traditionelle Lautklasse. Das Verszitat nennt phaṭ nicht ausdrücklich.]

P2-0203 · Originalnummer 97
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ
tadyathā:
śirasi nāradaṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
durgāyai devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
ṛṣi syānnāradaśchando gāyatrī devatā manoḥ |
durgā samīritā sadbhirduritāpannivāriṇīti
|| 97 ||

Dann folgt der Sehernyāsa: auf dem Kopf „nāradaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Nārada“; am Mund „gāyatrīchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Gāyatrī“; am Herzen „durgāyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Durgā“. Im Nibandha heißt es: Nārada ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß. Die Guten nennen Durgā als Gottheit des Mantras; sie beseitigt Übel und Bedrängnis.

P2-0204 · Originalnummer 98
tataḥ karāṅganyāsau:
hrāṃ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, hrīṃ oṃ hrīṃ
duṃ durgāyai tarjanībhyāṃ svāhā, hrūṃ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, hraiṃ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai
anāmikābhyāṃ huṃ, hrauṃ duṃ durgāyai kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ,
hraḥ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu hrāṃ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai namaḥ ityādi |
tathā ca nibandhe:
namaskāravimuktena mūlamantreṇa sādhakaḥ |
hrāmādyaiḥ saha kurvīta ṣaḍaṅgāni yathāvidhi
|| 98 ||

Der Handnyāsa: „hrāṃ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an den Daumen; mit hrīṃ statt hrāṃ an den Zeigefingern und svāhā am Schluss; mit hrūṃ an den Mittelfingern und vaṣaṭ; mit hraiṃ an den Ringfingern und huṃ; „hrauṃ duṃ durgāyai kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ“ an den kleinen Fingern; „hraḥ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ“ an Handflächen und Handrücken. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „hrāṃ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai namaḥ“. Im Nibandha heißt es: Der Praktizierende soll die sechs Glieder vorschriftsmäßig mit dem Grundmantra ohne Verneigungsabschluss, verbunden mit hrāṃ und den folgenden Bījas, bilden. [In der Formel für die kleinen Finger fehlen oṃ hrīṃ, in der ersten Herzformel „hṛdayāya“; diese Auslassungen stehen in der Vorlage.]

P2-0206 · Originalnummer 100
tataḥ pīṭhapūjāṃ kṛtvā keśareṣu madhye ca āṃ prabhāyai, īṃ
māyāyai, uṃ jayāyai, eṃ sūkṣmāyai, aiṃ viśuddhyāyai, oṃ
nandinyai, auṃ suprabhāyai, aṃ vijayāyai, aḥ sarvasiddhidāyai, tadupari
vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya mahāsiṃhāya huṃ phaṭ namaḥ iti
pūjayet |
tathā ca:
ajbhirhrasvatrayaklīvarahitaiḥ pūjayedimāḥ |
praṇavānantaraṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya ca |
mahāsiṃhāya varmāntaṃ natiḥ siṃhamanurmataḥ |
dadyādāsanametena mūrtiṃ mūlena kalpayet |
tataḥ punardhyātvā āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāya āvaraṇapūjāmārabhet |
tadyathā:
agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca hrāṃ oṃ hrīṃ duṃ
durgāyai hṛdayāya namaḥ ityādinā pūjayet
|| 100 ||

Nach der Sitzverehrung verehrt man auf den Staubfäden und in der Mitte: āṃ Prabhā, īṃ Māyā, uṃ Jayā, eṃ Sūkṣmā, aiṃ Viśuddhā, oṃ Nandinī, auṃ Suprabhā, aṃ Vijayā und aḥ Sarvasiddhidā. Darauf verehrt man mit „vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya mahāsiṃhāya huṃ phaṭ namaḥ“ den großen Löwen mit diamantfesten Krallen und Hauern als Waffen. Dazu heißt es: Man verehrt diese mit den Vokalen unter Auslassung der drei kurzen und der neutralen. Nach oṃ folgen „vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya“, „mahāsiṃhāya“, der Schutzlaut und die Verneigungsformel. Dies gilt als Löwenmantra. Damit reicht man den Sitz dar und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt. Dann meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die übrigen Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. In Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit „hrāṃ oṃ hrīṃ duṃ durgāyai hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. [Bei Jayā steht hier uṃ statt des zuvor angegebenen ūṃ.]

P2-0207 · Originalnummer 1
tataḥ patreṣu jaṃ jayāyai, viṃ vijayāyai, kīṃ kīrtyai, prīṃ prītyai,
praṃ prabhāyai, śraṃ śraddhāyai, śruṃ śrutyai, maṃ medhāyai |
patreṣu oṃ śaṅkhāya cakrāya gadāyai khaḍgāya pāśāya aṃkuśāya
cāpāya śarāya |
tadbāhye indrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādi visarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 1 ||

Dann auf den Blättern: jaṃ Jayā, viṃ Vijayā, kīṃ Kīrti, prīṃ Prīti, praṃ Prabhā, śraṃ Śraddhā, śruṃ Śruti und maṃ Medhā. Ebenfalls auf den Blättern verehrt man mit oṃ die Muschel, das Rad, die Keule, das Schwert, die Schlinge, den Stachel, den Bogen und den Pfeil. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0208 · Originalnummer 2
asya puraścarṇamaṣṭalakṣajapaḥ |
tathā ca:
vasulakṣaṃ japenmantraṃ tilairmadhuraloḍitaiḥ |
payondhasā vā juhuyāttatsahasraṃ jitendriyaḥ tena
vācaniko'ṣṭasahasrahomaḥ
|| 2 ||

Das Puraścaraṇa umfasst acht Lakh, also 800.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der Beherrscher seiner Sinne soll das Mantra 800.000-mal wiederholen und achttausendmal mit süß vermischtem Sesam oder mit in Milch gekochtem Reis im Feuer opfern. Der abschließende Satz erläutert ausdrücklich, dass achttausend Feueropfer vorgeschrieben sind.

P2-0209 · Originalnummer 3
atha mahiṣamardinīmantrāḥ
śāradāyām:
bhāntaṃ viyatsanayanaṃ śveto mardini ṭha dvayam |
aṣṭākṣarī samākhyātā vidyā mahiṣamardinī |
nārāyaṇītantre:
viṣa hi majjā kālo'gniradriristho ni ṭha dvayam |
viṣaṃ makāraḥ, hi svarūpaṃ majjā yakāraḥ, kālo makāra, agni
rephaḥ, adrirdakāraḥ, isthaḥ ikārayuktaḥ, iti vacanādikārayukto
dakāraḥ |
ayaṃ mantraḥ tārādiḥ māyādiḥ kāmādiḥ vāgbhavādiḥ
vadhūvījādiḥ kavacādiśca navākṣaraḥ
|| 3 ||

Nun die Mahiṣamardinīmantras. In der Śāradā heißt es: Der Endlaut der bha-Reihe, der Raumlaut mit Auge, Śveta, dann „mardini“ und zweimal ṭha ergeben die achtgliedrige Vidyā Mahiṣamardinī. Im Nārāyaṇītantra: Viṣa, hi, Majjā, Kāla, Feuer, der Berg mit i, ni und zweimal ṭha. Viṣa ist ma, hi bezeichnet sich selbst, Majjā ya, Kāla ma, Feuer ra, der Berg da und istha die Verbindung mit i; daraus entsteht di. Das Mantra lautet somit „mahiṣamardini svāhā – Vernichterin des Büffels, svāhā“. Mit Tārā, Māyā, Kāma, Vāgbhava, dem Brautbīja oder dem Schutzlaut am Anfang wird es neunsilbig. [Die Erklärung „majjā yakāraḥ“ widerspricht der für mahiṣa benötigten Silbe ṣa; die ausdrücklich genannte Göttin und die übrigen Verschlüsselungen stützen den angegebenen Wortlaut.]

P2-0210 · Originalnummer 4
tathā ca viśvasāre:
praṇavādyāṃ japedvidyāṃ māyādyāṃ vā japetsudhīḥ |
vadhūbījādikāṃ vāpi kavacādyāṃ japettathā |
sarvakāleṣu sarvatra māmādyāṃ prajapetsudhīḥ |
vāgbhavādyāṃ japettāntu devīṃ vākyaviśuddhaye |
vinā vījairmahāvidyā nirvīryā parikīrtitā |
puṭitā bījayugmena mukhe yugmedeśake |
daśākṣarī samā nāsti vidyā tribhuvaneśvarī |
praṇavañca tathā māyā bhavedvidyā punardaśa |
kāmaṃ praṇavamityuktaṃ bhavedvidyā punardaśa
|| 4 ||

Im Viśvasāra heißt es: Der Einsichtige kann die Vidyā mit oṃ oder mit Māyā am Anfang wiederholen; ebenso mit dem Brautbīja oder dem Schutzlaut. Zu allen Zeiten und überall soll er sie mit „māmā“ am Anfang wiederholen. Zur Reinigung der Sprache wiederholt er die Göttinnenvidyā mit Vāgbhava am Anfang. Ohne Bījas gilt die große Vidyā als kraftlos. Wenn sie am Anfang und am Ende von einem Bījapaar umschlossen ist, ist sie zehnsilbig; dieser Vidyā, der Herrin der drei Welten, kommt keine gleich. Mit oṃ und Māyā wird sie ebenfalls zehnsilbig; mit Kāma und oṃ wird sie ebenfalls zehnsilbig. [„māmādyāṃ“ und „mukhe yugmedeśake“ sind beschädigt; die erste unklare Anlautsangabe wird nicht stillschweigend durch Kāma ersetzt.]

P2-0211 · Originalnummer 5
eteṣāṃ pūjā:
prātaḥkṛtyādipīṭhanyaset |
tataḥ pūrvokta - ṛṣyādinyāsañca kṛtvā karāṅganyāsau kuryāt
|| 5 ||

Die Verehrung dieser Mantras: Man vollzieht die morgendlichen Handlungen und den Sitznyāsa. Nachdem man den zuvor genannten Nyāsa von Seher und den weiteren Zuordnungen ausgeführt hat, folgt der Hand- und Gliedernyāsa. [Der erste Satz der Vorlage ist syntaktisch verkürzt.]

P2-0212 · Originalnummer 5 ka
tadyathā:
mahiṣahiṃsike hūṃ phaṭ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ,
mahiṣaśatrośārvi hūṃ phaṭ tarjanībhyāṃ svāhā, mahiṣaṃ heṣaya
hūṃ phaṭ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, mahiṣaṃ hana hana devi hūṃ
phaṭ anāmikābhyāṃ hūṃ, mahiṣasūdanī hūṃ phaṭ
kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādi mahiṣahiṃsike hūṃ phaṭ hṛdayāya namaḥ ityādi |
tathā ca, pañcāṅgāni manoryatra tatra netraṃ vivarjayet |
netrarahitaṃ pañcāṅgaṃ kuryāt ||
tathā ca nibhandhe:
mahiṣahiṃsike hūṃ phaṭ hṛdayaṃ parikīrttitam |
mahiṣatrośārvi hūṃ śira udāhṛtam |
mahiṣaṃ heṣaya - dvandvaṃ hūṃ phaḍantaḥ śikhāmuḥ |
mahiṣaṃ hana yugmānte devi hūṃ phaṭ tanucchadam |
mahiṣānte sūdani hūṃ phaḍantamastramīritam
|| 5 ka ||

An den Daumen: „mahiṣahiṃsike hūṃ phaṭ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ – Du Bezwingerin des Büffels; Verehrung den Daumen“; an den Zeigefingern: „mahiṣaśatro śārvi hūṃ phaṭ … svāhā – Du Feindin des Büffels, du zu Śarva Gehörige“; an den Mittelfingern: „mahiṣaṃ heṣaya hūṃ phaṭ … vaṣaṭ – Lass den Büffel wiehern“; an den Ringfingern: „mahiṣaṃ hana hana devi hūṃ phaṭ … hūṃ – Göttin, töte, töte den Büffel“; an den kleinen Fingern: „mahiṣasūdanī hūṃ phaṭ … phaṭ – Du Vernichterin des Büffels“. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „mahiṣahiṃsike hūṃ phaṭ hṛdayāya namaḥ“. Wo das Mantra fünf Glieder besitzt, lässt man das Augenmantra weg und vollzieht den fünfgliedrigen Nyāsa ohne Augen. Im Nibandha heißt es: „mahiṣahiṃsike hūṃ phaṭ“ wird als Herzmantra bezeichnet; „mahiṣaśatro śārvi hūṃ“ als Kopfmantra; „mahiṣaṃ heṣaya heṣaya hūṃ phaṭ“ als Haarlockenmantra; „mahiṣaṃ hana hana devi hūṃ phaṭ“ als Schutzpanzer; „mahiṣasūdani hūṃ phaṭ“ als Waffenmantra. [Das Kopfmantra ist im Zitat beschädigt und ohne phaṭ wiedergegeben; beim Haarlockenmantra verlangt das Zitat die Verdoppelung von heṣaya, die der ersten Liste fehlt. Die ungewöhnliche Lesung heṣaya, „lass wiehern“, bleibt als unsicher gekennzeichnet.]

P2-0215 · Originalnummer 8
punardhyātvā āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabheta |
agnyādiṣu pūrvavadaṅgaṃ pūjayet |
tataḥ patreṣu pūrvādi āṃ durgāyai namaḥ, īṃ varavarṇinyai, ū
āryāyai, ṛṃ kanakapratibhāyai, ḷṃ kṛttikāyai, aiṃ abhayapradāyai,
auṃ kanyāyai, aḥ surūpāyai |
tathā tantrāntare:
ādau durgā tato varavarṇinīmādhyaṃkāhvayām |
kanakapratibhāñcaivakṛttikāma bhayapradām |
kanyāñcaiva surūpāñca yajetpūrvāditaḥ kramāt |
dīrghādyatvametāsāntu
|| 8 ||

Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die übrigen Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. In den Ecken, beginnend im Südosten, verehrt man die Glieder wie zuvor. Auf den Blättern, im Osten beginnend: āṃ Durgā, īṃ Varavarṇinī, ū Āryā, ṛṃ Kanakapratibhā, ḷṃ Kṛttikā, aiṃ Abhayapradā, auṃ Kanyā und aḥ Surūpā, jeweils mit namaḥ. In einem anderen Tantra heißt es: Zuerst Durgā, dann Varavarṇinī und die als Āryā bezeichnete; danach Kanakapratibhā, Kṛttikā, Abhayapradā, Kanyā und Surūpā. Man soll sie im Osten beginnend der Reihe nach verehren. Ihre Anfangslaute sind lang. [„ādhyaṃkāhvayām“ ist beschädigt; die Zuordnung zu Āryā ist durch die vorausgehende Liste gestützt. Die kurzen Formen ṛṃ und ḷṃ stimmen nicht mit der abschließenden Regel überein.]

P2-0216 · Originalnummer 9
aṣṭapatre yajeddevī durādyā dīrghapūrvikāḥ |
iti mantracūḍāmaṇinā uktatvāt |
dīrghasvaraiḥ kramāditi śāradāvacanācca
|| 9 ||

Denn im Mantracūḍāmaṇi heißt es: Auf den acht Blättern soll man die Göttinnen, beginnend mit Durgā, mit langen Anfangsvokalen verehren. Auch die Śāradā sagt: „Der Reihe nach mit den langen Vokalen.“

P2-0217 · Originalnummer 10
patrāgreṣu yaṃ cakrāya, raṃ śaṅkhāya, laṃ khaḍgāya, vaṃ
kheṭakāya, śaṃ bāṇāya, ṣaṃ dhanuṣe, saṃ śūlāya, haṃ tarjanyai |
namaḥ sarvatra |
tathā ca nibandhe:
yajedgreṣvāyudhāni cakraśaṅkhāvāsikheṭakān |
bāṇaṃ bāṇāsanaṃ śūlaṃ tarjanīṃ yādibhiḥ kramāt |
patrāgreṣu brāhmyādyāḥ pūjayet |
tato dikṣu tadvahirindrādīnvajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
tathā ca kulacuḍāmaṇau:
brāhmyādyāśca tataḥ paścāllokapālāṃstato bahiḥ |
tasastrāṇi siddhamayī prayogañca samācaret
|| 10 ||

An den Blattspitzen verehrt man mit namaḥ: yaṃ das Rad, raṃ die Muschel, laṃ das Schwert, vaṃ den Schild, śaṃ den Pfeil, ṣaṃ den Bogen, saṃ den Dreizack und haṃ den Zeigefinger. Im Nibandha heißt es: An den Spitzen verehrt man die Waffen – Rad, Muschel, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack und Zeigefinger – der Reihe nach mit den Lauten, beginnend mit ya. An den Blattspitzen verehrt man die Mütter, beginnend mit Brāhmī. Danach verehrt man in den Richtungen außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Im Kulacūḍāmaṇi heißt es: Zunächst Brāhmī und die übrigen, anschließend außen die Weltenhüter und deren Waffen; dann vollzieht man die Anwendung der vollendeten Vidyā. [Die Schlusslesung „tasastrāṇi siddhamayī“ ist beschädigt; ihre genaue grammatische Verbindung bleibt unsicher.]

P2-0218 · Originalnummer 11
asya puraścaraṇamaṣṭalakṣajapaḥ aṣṭasahasraṃ tilerhomaḥ
tathā ca:
aṣṭalakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ tilaiḥ śubhaiḥ |
ityādi vacanāt
|| 11 ||

Das Puraścaraṇa umfasst acht Lakh, also 800.000 Wiederholungen, und achttausend Feueropfer mit Sesam. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 800.000-mal und opfert achttausendmal mit gutem Sesam; so ergibt es sich aus diesem und den weiteren Aussprüchen.

P2-0219 · Originalnummer 12
japasamarpaṇātpūrvamuttarasyāṃ diśi trikoṇamaṇḍalaṃ vilikhya
valiṃ dadyāt |
ehi ehi padadvandvaṃ gṛhṇa gṛhṇa padadvayam |
madīyañca baliṃ devi lulāpakapadadvayam |
sādhaya - dvitayaṃ brūyātkhādaya - dvitayaṃ punaḥ |
sarvaṃ siddhipadaṃ dehi tataḥ svāhāpadaṃ vadet |
balidānasya mantro'yaṃ mardinyāḥ parikīrtitaḥ
|| 12 ||

Vor der Darbringung des Japa zeichnet man im Norden ein dreieckiges Maṇḍala und gibt eine Baliopfergabe. Man sagt zweimal „ehi – komm“, zweimal „gṛhṇa – nimm“, dann „madīyaṃ baliṃ devi – Göttin, meine Opfergabe“, zweimal „lulāpaka“, zweimal „sādhaya – vollbringe“, zweimal „khādaya – iss“, dann „sarvasiddhiṃ dehi – schenke alle Vollendung“ und schließlich svāhā. Dies wird als das Mantra zur Baliopfergabe für Mardinī bezeichnet. [„lulāpaka“ ist an dieser Stelle unklar überliefert; eine sichere deutsche Bedeutung ist nicht feststellbar.]

P2-0220 · Originalnummer 13
atha jayadurgāmantrāḥ
tāro durga yugaṃ raktamantyoḍhāntaṃ salocanam |
dviṭhānto jayadurgayaṃ vidyā vedyā daśākṣarī
|| 13 ||

Nun die Jayadurgāmantras: Tārā, zweimal „durga“, dann der rote Laut mit dem letzten ū-Laut und Auge, schließlich zweimal ṭha: Diese Vidyā Jayadurgās ist als zehnsilbig zu erkennen. [Die Lautverschlüsselung „raktamantyoḍhāntaṃ salocanam“ ist beschädigt. Sie wird nicht zu einem vermeintlich sicheren vollständigen Mantra ergänzt.]

P2-0221 · Originalnummer 14ka
asyāḥ pūjā:
prātaḥkṛtyādi durgāmantroktaṃ ṛṣyādinyāsāntaṃ karmaṃ kṛtvā
karāṅganyāsau kuryāt |
oṃ durge aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, durge tarjanībhyāṃ svāhā,
durgāyai madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, bhūtarakṣaṇi anāmikābhyāṃ
huṃ, oṃ durge durge akṣaṇi kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, oṃ durge durge
rakṣaṇi karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ hṛdayādiṣu
|| 14ka ||

Ihre Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sehernyāsa, wie beim Durgāmantra beschrieben, vollzieht man Hand- und Gliedernyāsa. An den Daumen „oṃ durge … namaḥ – Oṃ, Durgā“; an den Zeigefingern „durge … svāhā“; an den Mittelfingern „durgāyai … vaṣaṭ – für Durgā“; an den Ringfingern „bhūtarakṣaṇi … huṃ – du Beschützerin der Wesen“; an den kleinen Fingern „oṃ durge durge akṣaṇi … vauṣaṭ“; an Handflächen und Handrücken „oṃ durge durge rakṣaṇi … phaṭ – Oṃ, Durgā, Durgā, Beschützerin“. Entsprechend erfolgt der Nyāsa am Herzen und den übrigen Gliedern. [„akṣaṇi“ ist beschädigt; vermutlich fehlt der Anfang von rakṣaṇi. Die abweichende Form wird kenntlich beibehalten.]

P2-0223 · Originalnummer 16
tataḥ pūrvokta pīṭhapūjā vidhāya pūrvavatpūjāṃ kuryāt |
asya puraścaraṇaṃ pañcalakṣajapaḥ |
ghṛtena daśāṃśahomaḥ |
tathā ca nibandhe:
bāṇalakṣaṃa japenmantraṃ ghṛtena juhuyāttataḥ |
daśāṃśaṃ saṃskṛte vahnau brāhmaṇānapi bhojayet |
aṣṭākṣarodite pīṭhe pūrvavatpūjayetsudhīḥ
|| 16 ||

Dann verehrt man den Sitz wie zuvor beschrieben und vollzieht die Verehrung wie zuvor. Das Puraścaraṇa umfasst fünf Lakh, also 500.000 Wiederholungen, und ein Feueropfer von einem Zehntel mit geklärter Butter. Im Nibandha heißt es: Man wiederholt das Mantra 500.000-mal und opfert danach ein Zehntel mit geklärter Butter in einem rituell bereiteten Feuer; auch Brahmanen soll man speisen. Der Einsichtige verehrt wie zuvor auf dem für das achtsilbige Mantra beschriebenen Sitz.

P2-0224 · Originalnummer 17
atha śūlinīmantrāḥ
jvalajvalapadasyānte śūlanito padaṃ tataḥ |
duṣṭagrahahumastrānte vahniyāyāvadhirmanuḥ |
bhūtendriyākṣaraiḥ prokto grahakṣudravināśakṛt
|| 17 ||

Nun die Śūlinīmantras: Nach „jvala jvala – flamme, flamme“ steht „śūlini – Dreizackträgerin“, dann „duṣṭagraha – böser ergreifender Geist“, huṃ, der Waffenlaut und zuletzt die Gemahlin des Feuers. Dieses fünfzehnsilbige Mantra vernichtet Grahas und schädliche Zauber: „jvala jvala śūlini duṣṭagraha huṃ phaṭ svāhā“. [„śūlanito“ und „vahniyāyā“ sind beschädigt; der Zusammenhang und die folgenden Mantras stützen Śūlinī und svāhā.]

P2-0225 · Originalnummer 18
asyāḥ pūjā prātaḥ kṛtyādi durgāmantrokta pīṭhanyāsāntaṃ karma
kṛtvā ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
yathā:
śirasi dīrghatapase ṛṣaye namaḥ, mukhe kakupchandase namaḥ, hṛdi
śūlinyai devatāya namaḥ |
nibandhe:
ṛṣirdīrghatapāḥ prokta kakupa chanda udāhṛtam |
śūlinī devatā proktā samastasuravanditeti
|| 18 ||

Ihre Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum beim Durgāmantra gelehrten Sitznyāsa vollzieht man den Sehernyāsa. Auf dem Kopf „dīrghatapase ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Dīrghatapas“; am Mund „kakupchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Kakubh“; am Herzen „śūlinyai devatāya namaḥ – Verehrung der Gottheit Śūlinī“. Im Nibandha heißt es: Dīrghatapas ist der Seher, Kakubh das Versmaß und Śūlinī die Gottheit, die von sämtlichen Göttern verehrt wird.

P2-0226 · Originalnummer 19
tataḥ karāṅganyāsau kuryātyathā:
śūlini durge huṃ phaṭ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, śūlini varade huṃ
phaṭ tarjanībhyāṃ svāhā, śūlini vindhyavāsini huṃ phaṭ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, śūlini asuramarni yuddhapriye trāsaya
trāsaya huṃ phaṭ anāmikābhyāṃ huṃ, śūlini devasiddhasupūjite
nandini rakṣa rakṣa mahāyogeśvari huṃ phaṭ kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
durge hṛdvarade śīrṣe vindhyavāsini tacchikhā |
asurānte mardini syādyuddhapūrva priye punaḥ |
trāsaya - dvitayaṃ varma devasiddhasupujite |
nandini syādrakṣayutaṃ mahāyogeśvari kramāt |
śūlinyādyā huṃ phaḍantāḥ pañca vai manavaḥ kramāt
|| 19 ||

Dann vollzieht man Hand- und Gliedernyāsa. An den Daumen: „śūlini durge huṃ phaṭ … namaḥ – Śūlinī, Durgā“; an den Zeigefingern: „śūlini varade huṃ phaṭ … svāhā – Śūlinī, Gabenspenderin“; an den Mittelfingern: „śūlini vindhyavāsini huṃ phaṭ … vaṣaṭ – Śūlinī, Bewohnerin des Vindhya“; an den Ringfingern: „śūlini asuramardini yuddhapriye trāsaya trāsaya huṃ phaṭ … huṃ – Śūlinī, Vernichterin der Asuras, Freundin des Kampfes, erschrecke, erschrecke“; an den kleinen Fingern: „śūlini devasiddhasupūjite nandini rakṣa rakṣa mahāyogeśvari huṃ phaṭ … phaṭ – Śūlinī, von Göttern und Vollendeten wohl Verehrte, Erfreuende, schütze, schütze, große Herrin des Yoga“. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha wird diese Reihenfolge erläutert: „durge“ am Herzen, „varade“ am Kopf, „vindhyavāsini“ an der Haarlocke; dann „asuramardini yuddhapriye“, zweimal „trāsaya“ als Schutzpanzer; schließlich „devasiddhasupūjite nandini“, zweimal „rakṣa“ und „mahāyogeśvari“. Diese fünf Mantras beginnen jeweils mit śūlini und enden mit huṃ phaṭ. [Die erste Liste hat das beschädigte „asuramarni“; das Zitat bestätigt asuramardini.]

P2-0228 · Originalnummer 21
tataḥ
pūrvoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā āvāhanādi
pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ karma kṛtvā
āvaraṇapūjāmārabhet |
tadyathā:
agninir-ṛtivāyvī śānakoṇeṣu dikṣu ca śūlini durga huṃ phaṭ
hṛdayāya namaḥ ityādinā pūrvoktapañcaṅgāni yajet |
tataḥ patreṣu pūrvādi oṃ durgāyai namaḥ, evaṃ varadāyai
vindhyavāsinyai asurabhardinyai yuddhapriyāyai devasiddhasupūjitāyai
nandinyai mahāyogeśvarye |
tataḥ patrāgreṣu tadastrāṇi pūjayet
|| 21 ||

Dann verehrt man den zuvor beschriebenen Sitz, meditiert erneut und vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung beginnt: In Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten und den Richtungen verehrt man die zuvor beschriebenen fünf Glieder mit „śūlini durga huṃ phaṭ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Auf den Blättern, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Durgā, Varadā, Vindhyavāsinī, Asuramardinī, Yuddhapriyā, Devasiddhasupūjitā, Nandinī und Mahāyogeśvarī. Anschließend verehrt man ihre Waffen an den Blattspitzen. [Die Prosa schreibt „asurabhardinyai“; die nächste Versliste bestätigt Asuramardinī.]

P2-0229 · Originalnummer 22
tathā ca nibandhe:
vidhāya pūjāmaṅgānāṃ pūjyāṃ patreṣu śaktayaḥ durgādyā
varadā vindhyavāsinyasuramardinī |
yuddhapriyā paṃcamī syāddevasiddha supūjitā |
saptamī nandinī proktā mahāyogeśvarī parā |
dalāgreṣu tadastrāṇi śaṅkhaṃ cakramasiṃ punaḥ |
gadeṣucāpaśūlāni pāśaṃ paścaddiśo'dhipān ||
tato dhūpādi - visarjanāntaṃ karma samāpayet |
asyapuraścaraṇaṃ pañcadaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
manumenaṃ japenmantrī varṇalakṣaṃ vicakṣaṇaḥ |
sarpiṣānnena vā homastaddaśāṃśamito bhavet
|| 22 ||

Im Nibandha heißt es: Nachdem man die Glieder verehrt hat, verehrt man auf den Blättern die Kräfte: Durgā, Varadā, Vindhyavāsinī, Asuramardinī; als fünfte Yuddhapriyā, dann Devasiddhasupūjitā, als siebte Nandinī und zuletzt Mahāyogeśvarī. An den Blattspitzen verehrt man ihre Waffen: Muschel, Rad, Schwert, Keule, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schlinge; danach die Richtungsherren. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇa umfasst fünfzehn Lakh, also 1.500.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der Einsichtige wiederholt dieses Mantra ein Lakh für jede Silbe. Das Feueropfer beträgt ein Zehntel dieser Zahl und erfolgt mit geklärter Butter oder Reis.

P2-0230 · Originalnummer 23
atha vāgīśvarīmantrāḥ
atha varṇatanuṃ vakṣye viśvabodha prabodhinīm |
yasyāmanupalabdhāyāṃ sarvametajjagajjaḍam ||
vada vada vāgvādini vahnivallabhā iti daśākṣaraḥ
|| 23 ||

Nun die Vāgīśvarīmantras: Ich werde diejenige beschreiben, deren Körper die Sprachlaute sind und die das Bewusstsein der ganzen Welt erweckt. Wird sie nicht erfasst, ist diese ganze Welt ohne Bewusstsein. „vada vada vāgvādini svāhā – Sprich, sprich, du Sprecherin der Sprache, svāhā“ ist das zehnsilbige Mantra.

P2-0233 · Originalnummer 26
(citra 20)
asyāḥ pūjā:
prātakṛtyādi pīṭhanyāsāntaṃ vidhāya keśareṣu madhye dikṣu ca oṃ
medhāyai namaḥ evaṃ prajñāyai prabhāyai vidyāyai śriyai dhṛtyai
smṛtyai buddhyai vidyeśvarya, madhye, madhye varṇa padmāsanāya |
namaḥ sarvatra
|| 26 ||

[Die Vorlage verweist auf Abbildung 20.] Ihre Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man auf die Staubfäden, in die Mitte und in die Richtungen mit oṃ und namaḥ Medhā, Prajñā, Prabhā, Vidyā, Śrī, Dhṛti, Smṛti, Buddhi und Vidyeśvarī ein. In der Mitte verehrt man den aus Sprachlauten bestehenden Lotussitz mit „varṇapadmāsanāya namaḥ“. [„madhye“ ist in der Vorlage doppelt geschrieben.]

P2-0234 · Originalnummer 27
tata-ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi kaṇva-ṛṣaye namaḥ, māyāpuṭiścetbṛhaspataye ṛṣaye namaḥ |
mukhe virāṭcchandase namaḥ |
hṛdi vāgīśvaryai devatāyai namaḥ
|| 27 ||

Dann der Sehernyāsa: Auf dem Kopf „kaṇvaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Kaṇva“; ist das Mantra von Māyā umschlossen, stattdessen „bṛhaspataye ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Bṛhaspati“. Am Mund „virāṭchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Virāṭ“; am Herzen „vāgīśvaryai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Vāgīśvarī“.

P2-0235 · Originalnummer 28
atha mantranyāsaḥ:
vaṃ śirasi namaḥ |
śravaṇayoḥ daṃ namaḥ vaṃ namaḥ |
cakṣuṣoḥ daṃ namaḥ vāṃ namaḥ |
nāsikayoḥ gvāṃ namaḥ diṃ namaḥ |
vadane niṃ namaḥ |
liṅge svāṃ namaḥ |
guhye hāṃ namaḥ |
tato mātṛkāyāḥ karāṅganyāsau kṛtvā dhyāyet
|| 28 ||

Der Mantranyāsa: vaṃ auf dem Kopf; daṃ und vaṃ an beiden Ohren; daṃ und vāṃ an beiden Augen; gvāṃ und diṃ an beiden Nasenöffnungen; niṃ am Mund; svāṃ am Geschlechtsorgan; hāṃ an der verborgenen Stelle, jeweils mit namaḥ. Danach vollzieht man den Mātṛkā-Hand- und Gliedernyāsa und meditiert.

P2-0238 · Originalnummer 31
tataḥ pīṭhapūjāṃ kṛtvā keśareṣu madhye dikṣu ca medhādi pīṭha
manvantaṃ saṃpūjya punardhyātvā āvāhanādi -
pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya āvaraṇapūjāṃ kuryāt |
agnikoṇe aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ hṛdayāyai namaḥ |
nair-ṛte iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ śirase svāhā |
vāyukoṇe uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ śikhāyai vaṣaṭ |
īśāne eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ kavacāya huṃ |
madhye oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ netratrayāya vauṣaṭ |
dikṣu aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ
astrāya phaṭ |
patreṣu pūrvādi oṃ yogāyai namaḥ, oṃ satyāyai namaḥ, evaṃ vimalāyai
jñānāyai buddhayai smṛtyai medhāyai prajñāyai |
dalāgreṣu brāhmyādyā mātaraḥ pūjyāḥ |
yathā nibandhe:
brāhmyādyā mātaraḥ pūjyāḥ praṇavādinamo'ntikāḥ |
tathā ca:
ādāvaṅgāni saṃpūjya paścāt śaktirimā yajet |
yogā satyā ca vimalā jñānā buddhiḥ smṛtiḥ punaḥ |
medhā prajñā ca patreṣu mudrāpustakadhāriṇī |
dalāgreṣu samabhyarcya brāhmayādyāśca yathāvidhi |
lokapālā bahiḥ pūjyāsteṣāmastrāṇi tadbahiḥ |
iti prapañcasārāt |
tadbahirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet
|| 31 ||

Dann verehrt man den Sitz, auf den Staubfäden, in der Mitte und in den Richtungen Medhā und die übrigen Kräfte bis zum Sitzmantra, meditiert erneut und vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung: Im Südosten „aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ hṛdayāyai namaḥ“ für das Herz; im Südwesten „iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ śirase svāhā“ für den Kopf; im Nordwesten „uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ śikhāyai vaṣaṭ“ für die Haarlocke; im Nordosten „eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ kavacāya huṃ“ für den Schutzpanzer; in der Mitte „oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ netratrayāya vauṣaṭ“ für die drei Augen; in den Richtungen „aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ astrāya phaṭ“ für die Waffe. Auf den Blättern, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Yogā, Satyā, Vimalā, Jñānā, Buddhi, Smṛti, Medhā und Prajñā. An den Blattspitzen verehrt man die Mütter, beginnend mit Brāhmī. Der Nibandha bestätigt, dass ihre Formeln mit oṃ beginnen und mit namaḥ enden. Im Prapañcasāra heißt es: Zuerst verehrt man die Glieder, danach auf den Blättern Yogā, Satyā, Vimalā, Jñānā, Buddhi, Smṛti, Medhā und Prajñā, die eine Mudrā zeigen und ein Buch tragen. An den Blattspitzen verehrt man vorschriftsmäßig Brāhmī und die übrigen. Außen verehrt man die Weltenhüter und noch weiter außen ihre Waffen. Entsprechend verehrt man Indra und die weiteren Richtungshüter sowie Donnerkeil und die weiteren Waffen. [Die Formen hṛdayāyai und das zweite laṃ stehen so in der Vorlage.]

P2-0239 · Originalnummer 32
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścavaraṇaṃ daśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
daśalakṣaṃ japenmantraṃ - daśāṃśaṃ juhuyāttataḥ |
puṇḍarīkaiḥ payo'bhyaktaistilairvā madhurāplutaiḥ
|| 32 ||

Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇa beträgt zehn Lakh, also 1.000.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man soll das Mantra 1.000.000-mal wiederholen und anschließend ein Zehntel dieser Zahl mit milchbestrichenen weißen Lotussen oder mit süß getränktem Sesam im Feuer opfern.

P2-0240 · Originalnummer 33
atha mantrāntaram
hṛdayānte bhagavati vadaśabdayugaṃ tataḥ |
vāgdevi vahnijāyāntaṃ vāgbhavādyaṃ samuddharet |
manuḥ ṣoḍaśavarṇādhyo vāgaiśvaryaphalapradaḥ
|| 33 ||

Ein anderes Mantra: Nach der Herzformel folgen „bhagavati“, zweimal „vada“, „vāgdevi“ und die Gemahlin des Feuers; Vāgbhava steht am Anfang. Dieses sechzehnsilbige Mantra schenkt die Frucht der Herrschaft über die Sprache: „aiṃ namo bhagavati vada vada vāgdevi svāhā – Aiṃ, Verehrung! Erhabene, sprich, sprich, Sprachgöttin, svāhā.“ [Die folgende Nyāsaliste bestätigt die Bestandteile; die Silbenzahl wird unverändert aus der Vorlage übernommen.]

P2-0241 · Originalnummer 34
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi pīṭhanyāsāntaṃ vidhāya keśareṣu madhye ca
pūrvoktapīṭhaśaktiḥ pīṭhamanuñca nyaset
|| 34 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man die zuvor beschriebenen Sitzkräfte und das Sitzmantra auf die Staubfäden und in die Mitte.

P2-0242 · Originalnummer 35
tataḥ pūrvokta-ṛṣyādinyāsaṃ kṛtvā karāṅganyāsau kuryāt |
tadyathā:
aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
namastarjanībhyāṃ svāhā |
bhagavati madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
vada vada anāmikābhyāṃ huṃ |
vāgdevi kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
manoḥ ṣaḍbhiḥ padaiḥ kuryājjātiyuktaṃ ṣaḍaṅgakam
|| 35 ||

Dann vollzieht man den zuvor beschriebenen Sehernyāsa und den Hand- und Gliedernyāsa: aiṃ an den Daumen mit namaḥ; namas an den Zeigefingern mit svāhā; bhagavati an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; vada vada an den Ringfingern mit huṃ; vāgdevi an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; svāhā an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den übrigen Gliedern. Im Nibandha heißt es: Mit den sechs Worten des Mantras und den zugehörigen Abschlussformeln soll man die sechs Glieder bilden.

P2-0243 · Originalnummer 36
tato dhyānam:
śubhrāṃ svacchavilepamālyavasanāṃ pītāṃśukhaṇḍo jjvalāṃ,
vyākhyāmakṣaguṇaṃ sudhāḍhyakalasaṃ vidyāñca hastāmbujaiḥ |
vibhrāṇāṃ kamalāsanāṃ kucalatāṃ vāgdevatāṃ sasmitāṃ, vande
vāgvibhavapradāṃ trinayanāṃ saubhāgyasampatkarīm |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ saṃpūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt
|| 36 ||

Die Meditation: Ich verehre die lächelnde, dreiaugige Sprachgottheit, die Sprachreichtum schenkt und Glück und Wohlstand bewirkt. Sie ist weiß, trägt reine Salbe, Kränze und Gewänder und leuchtet mit einem gelben Gewandstück. Mit ihren Lotushänden zeigt sie die Erklärgeste und trägt Gebetskette, nektargefülltes Gefäß und das Buch des Wissens. Sie sitzt auf einem Lotus; ihr Körper besitzt die anmutige Fülle ihrer Brüste. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, stellt man die Muschel auf. [„kucalatāṃ“ ist sprachlich ungewöhnlich; die genaue Bildbedeutung bleibt unsicher.]

P2-0244 · Originalnummer 37
tataḥ pūrvoktakrameṇa pūjayet |
kintvaṅgamantre viśeṣaḥ |
asya puraścacaramaṣṭalakṣajapaḥ |
tathā ca:
haviṣyāśī japenmantraṃ vasulakṣamananyadhīḥ |
daśāṃśaṃ juhuyādante tilairājyapariplutaiḥ
|| 37 ||

Danach verehrt man in der zuvor beschriebenen Reihenfolge. Die Besonderheit liegt in den Gliedermantras. Das Puraścaraṇa beträgt acht Lakh, also 800.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Wer von opfergeeigneter Nahrung lebt, soll mit ungeteilter Aufmerksamkeit das Mantra 800.000-mal wiederholen und am Ende ein Zehntel dieser Zahl mit in geklärter Butter getränktem Sesam im Feuer opfern.

P2-0245 · Originalnummer 38
mantrāntaram
tāro māyādharo vinduśaktistāraḥ saravastī |
ṅentānatyantako mantraṃ prokta ekādaśākṣaraḥ
|| 38 ||

Ein anderes Mantra: Tārā, Māyā, der Träger mit Bindu, Śakti, Tārā, dann Sarasvatī in der Dativform und die Verneigungsformel ergeben das elfsilbige Mantra. [Die verschlüsselte Zeile „māyādharo vinduśaktiḥ“ ist beschädigt. Die nachfolgende vollständige Lautverteilung macht die Form oṃ hrīṃ aiṃ hrīṃ oṃ sarasvatyai namaḥ erkennbar.]

P2-0246 · Originalnummer 39
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādipūrvokta pīṭhamanvantaṃ vinyasya pūrvokta
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt
|| 39 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die zuvor beschriebenen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den zuvor beschriebenen Sehernyāsa.

P2-0247 · Originalnummer 40
tato mantranyāsaḥ:
oṃ namo brahmaraṃdhre |
hrīṃ namo bhrūvormadhye |
cakṣuṣo aiṃ namaḥ hrīṃ namaḥ |
karṇayoḥ oṃ namaḥ saṃ namaḥ |
nāsikayoḥ raṃ namaḥ svaṃ namaḥ mukhe tyaiṃ namaḥ:
liṅge naṃ namaḥ |
guhye maṃ namaḥ
|| 40 ||

Der Mantranyāsa: oṃ mit namo auf die Scheitelöffnung; hrīṃ mit namo zwischen die Brauen; aiṃ und hrīṃ auf beide Augen; oṃ und saṃ auf beide Ohren; raṃ und svaṃ auf beide Nasenöffnungen; tyaiṃ auf den Mund; naṃ auf das Geschlechtsorgan; maṃ auf die verborgene Stelle, jeweils mit namaḥ.

P2-0248 · Originalnummer 41
tataḥ karāṅganyāsau:
aiṃ aṃguṣṭhabhyāṃ namaḥ |
aiṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
aiṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ phaṭ |
evaṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
aiṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
aiṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu aiṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
tathā ca nibandhe:
brahmarandhre bhruvormadhye navarandhreṣu ca kramāt |
mantravarṇānnyasenmantrī vāgbhavenāṅgakalpanā
|| 41 ||

Dann der Handnyāsa, überall mit aiṃ: an den Daumen namaḥ; an den Zeigefingern svāhā; an den Mittelfingern vaṣaṭ phaṭ; an den Ringfingern huṃ; an den kleinen Fingern vauṣaṭ; an Handflächen und Handrücken phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „aiṃ hṛdayāya namaḥ“. Im Nibandha heißt es: Der Mantrapraktizierende setzt die Mantralaute der Reihe nach auf Scheitelöffnung, Brauenmitte und die neun Körperöffnungen. Die Gliederbildung erfolgt mit Vāgbhava. [Das zusätzliche phaṭ nach vaṣaṭ steht in der Vorlage.]

P2-0249 · Originalnummer 42
tato dhyānam |
vāṇīṃ pūrṇaniśākarojjvalamukhīṃ karpūrakundaprabhāṃ,
candrārddhāṅkitamastakāṃ nijakaraiḥ saṃvibhratīmādarāt |
vīṇāmakṣaguṇaṃ sudhāḍhyakalasaṃ vidyāñca tuṅgastanīṃ,
divyairābharaṇairvibhūṣitatanuṃ haṃsādhirūḍhāṃ bhaje |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ saṃpūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt
|| 42 ||

Die Meditation: Ich verehre Vāṇī, deren Gesicht wie der Vollmond leuchtet und deren Glanz Kampfer und Jasmin gleicht. Ihr Haupt trägt die Mondsichel. In ihren Händen hält sie sorgsam Vīṇā, Gebetskette, nektargefülltes Gefäß und das Buch des Wissens. Ihre Brüste sind hoch; ihr Körper ist mit himmlischem Schmuck geziert. Sie sitzt auf einem Haṃsa. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, stellt man die Muschel auf.

P2-0250 · Originalnummer 43
tataḥ pīṭhapūjāṃ vidhāya keśareṣu madhye ca pūrvokta
pīṭhaśaktīḥ piṭhamanuñca yajet |
tataḥ punardhyātvā, āvahanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
devyā dakṣiṇe oṃ saṃskṛtāyai vāṅmayai namaḥ |
vāme oṃ prākṛtāyai vāṅmayai namaḥ |
tataḥ keśareṣu agnikoṇe aiṃ hṛdayāya namaḥ, nair-ṛte aiṃ śirase
svāhā, vāyavye aiṃ śikhāyai vaṣaṭ īśāne e kavacāya huṃ, madhye
aiṃ netratrayāya vauṣaṭ, dikṣu aiṃ astrāya phaṭ |
tataḥ patreṣu pūrvādi prajñāyai medhāyai śrutyai śaktyai smṛtyai
vāgīśvaryai matyai svastyai, sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tataḥ patrāgreṣu brāhmyādyā mātaraḥ pūjyāḥ |
tathā ca nibandhe:
devyā dakṣiṇataḥ pūjyāḥ saṃskṛtā vāṅmayī śubhā |
prākṛtā vāṅmayī pūjyā vāmataḥ sarvadā śubhā |
iṣṭā pūrvavadaṅgāni prajñādyāḥ pūjayet punaḥ |
prajñā medhā śrūtiḥ śaktiḥ smṛtirvāgīśvarī matiḥ |
svastiśceti samākhyātā brāhmyādyāstadanantaram |
tatastadvahirindrādīn vajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 43 ||

Nach der Sitzverehrung verehrt man auf den Staubfäden und in der Mitte die zuvor genannten Sitzkräfte und das Sitzmantra. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Rechts von der Göttin: „oṃ saṃskṛtāyai vāṅmayai namaḥ – Verehrung der Sprachgestalt des Sanskrit“; links „oṃ prākṛtāyai vāṅmayai namaḥ – Verehrung der Sprachgestalt des Prākrit“. Auf den Staubfäden im Südosten aiṃ am Herzen mit namaḥ; im Südwesten aiṃ am Kopf mit svāhā; im Nordwesten aiṃ an der Haarlocke mit vaṣaṭ; im Nordosten e am Schutzpanzer mit huṃ; in der Mitte aiṃ an den drei Augen mit vauṣaṭ; in den Richtungen aiṃ an der Waffe mit phaṭ. Auf den Blättern, im Osten beginnend, verehrt man Prajñā, Medhā, Śruti, Śakti, Smṛti, Vāgīśvarī, Mati und Svasti, jeweils mit oṃ und namaḥ. An den Blattspitzen verehrt man Brāhmī und die übrigen Mütter. Im Nibandha heißt es: Rechts der Göttin verehrt man die segensreiche Sanskrit-Sprachgestalt, links stets die segensreiche Prākrit-Sprachgestalt. Nachdem man die Glieder wie zuvor verehrt hat, folgen Prajñā, Medhā, Śruti, Śakti, Smṛti, Vāgīśvarī, Mati und Svasti; anschließend Brāhmī und die übrigen. Außen verehrt man Indra und die anderen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die anderen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Für den Schutzpanzer steht „e“ statt aiṃ.]

P2-0252 · Originalnummer 45
mantrāntaram śāradāyām:
vācaspate'mṛte bhūyaḥ pluvaḥ pluriti kīrtiyet |
vāgādyo manurākhyāto rudrasaṃkhyākṣaro'paraḥ
|| 45 ||

Ein anderes Mantra aus der Śāradā: Man spricht „vācaspate – Herr der Sprache“, „amṛte – Unsterbliche“, dann „pluvaḥ pluḥ“. Mit dem Sprachbīja am Anfang wird dieses weitere Mantra als elf Silben umfassend bezeichnet. [Die Formel wird in der überlieferten Form aiṃ vācaspate amṛte pluvaḥ pluḥ wiedergegeben; die ungewöhnlichen Schlusslaute werden nicht semantisch ergänzt.]

P2-0253 · Originalnummer 46
asya pūjādikaṃ pūrvavat |
karāṅganyāsau tu aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
vācaspate tarjanībhyāṃ svāhā |
amṛte madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
pluvaḥ anāmikābhyāṃ huṃ |
pluḥ kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 46 ||

Seine Verehrung und die weiteren Handlungen erfolgen wie zuvor. Der Hand- und Gliedernyāsa lautet: aiṃ an den Daumen mit namaḥ; vācaspate an den Zeigefingern mit svāhā; amṛte an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; pluvaḥ an den Ringfingern mit huṃ; pluḥ an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den übrigen Gliedern.

P2-0256 · Originalnummer 48
asya puraścaraṇamekādaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
rudralakṣaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ juhuyādghṛtaiḥ
|| 48 ||

Das Puraścaraṇa beträgt elf Lakh, also 1.100.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man soll das Mantra 1.100.000-mal wiederholen und ein Zehntel mit geklärter Butter im Feuer opfern.

P2-0257 · Originalnummer 49
tathā ca śāradāyām:
toyasthaṃ śayanaṃ viṣṇoḥ sakevala caturmukham |
arghīśenduyutovahnirvindusatyāmbumān bhṛguḥ |
uktāni trīṇi bījāni sadbhiḥ sārasvatī manuḥ |
toyaṃ vakāraḥ, viṣṇoḥ śayanamākāraḥ, kevalena svararahitena
kakāreṇa saha tena vāk |
vāgbhavamiti paryavasitārthaḥ |
kecittulakṣitalakṣaṇābhayādevaṃ varṇayanti |
ākārayukto vakāraḥ ke mastake valate kevalo'nusvāraḥ tadyuktena
kakāreṇa saha varttata tena kvāmiti tanna nirūḍhalakṣaṇāyāḥ
śaktitulyatvāt vākvāgbhavamiti paryāyaḥ |
vastutastu:
dvādaśasvaramuddhṛtya vindunādabhūṣitam |
vindunādasamāyuktaṃ vahnibījaṃ samuddharet |
ṣaṣṭhasvarasamāyuktaṃ dvitīyaṃ bījamuddharet |
candrabījaṃ samuddhṛtya vāruṇaṃ yojayettataḥ |
trayodaśasvarārūḍhaṃ vindunādavibhūṣitamiti
viśvasāravacanātvāgbhavabījameva
|| 49 ||

In der Śāradā heißt es: Die Lagerstätte Viṣṇus im Wasser, verbunden mit dem alleinstehenden Viergesichtigen; Feuer mit Arghīśa und Bindu; Bhṛgu mit Bindu, Satya und Wasser – diese drei Bījas nennen die Guten das Sarasvatīmantra. Wasser ist va, Viṣṇus Lagerstätte ā, der alleinstehende, also vokallose Viergesichtige ist ka; zusammen entsteht vāk. Gemeint ist damit Vāgbhava. Einige erklären es aus Furcht vor einer über mehrere Schritte erschlossenen Wortbedeutung anders: Va mit ā wende sich über ka; der alleinstehende Laut sei Anusvāra, mit diesem ka verbunden ergebe sich „kvāṃ“. Dies trifft nicht zu, denn die fest etablierte übertragene Bedeutung steht einer direkten Bedeutung gleich; vāk und Vāgbhava sind gleichbedeutend. Tatsächlich heißt es im Viśvasāra: Man nimmt den zwölften Vokal, geschmückt mit Bindu und Nāda; danach das Feuerbīja, verbunden mit Bindu und Nāda sowie dem sechsten Vokal, als zweites Bīja. Man nimmt dann das Mondbīja, verbindet es mit dem Wasserlaut und setzt es auf den dreizehnten Vokal, geschmückt mit Bindu und Nāda. Nach diesem Ausspruch ist das erste Bīja eindeutig Vāgbhava. [Die Gegenlesung „kvāṃ“ und Teile ihrer Ableitung sind beschädigt; die anschließende Nyāsaliste gibt aiṃ, rūṃ und svoṃ.]

P2-0258 · Originalnummer 50
asya pūjā pūrvavat |
karāṅganyāsastu dviruktaistribhirbījairvidheyaḥ |
aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, rūṃ tarjanībhyāṃ svāhā, svoṃ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ ityādi |
tathā ca nibandhe:
aṅgāni kalpayenmantrī dviruktairjātisaṃyutaiḥ
|| 50 ||

Seine Verehrung erfolgt wie zuvor. Für Hand- und Gliedernyāsa werden die drei Bījas zweimal in Folge verwendet: aiṃ an den Daumen mit namaḥ, rūṃ an den Zeigefingern mit svāhā, svoṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ und entsprechend weiter. Im Nibandha heißt es: Der Mantrapraktizierende soll die Glieder mit den zweimal gesprochenen Bījas, verbunden mit den jeweiligen Abschlussformeln, bilden.

P2-0260 · Originalnummer 52
asya puraścaraṇaṃ trilakṣajapaḥ ||
tathā ca:
trilakṣaṃ prajapenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ |
pāyasairājyasammiśraiḥ saṃskṛte havyavāhane
|| 52 ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man soll das Mantra 300.000-mal wiederholen und ein Zehntel davon mit Milchreis, vermischt mit geklärter Butter, im rituell bereiteten Opferfeuer darbringen.

P2-0261 · Originalnummer 53
atha pārijātasarasvatīmantraḥ
mantradevaprakāśikāyām:
sa ca praṇavahṛllekhāsampuṭitahakārasakāraukāravinduyuktaḥ
sarasvatī ṅentāḥ natiśca
|| 53 ||

Nun das Pārijātasarasvatīmantra. In der Mantradevaprakāśikā heißt es: Es besteht aus ha, sa, u und Bindu, umschlossen von Praṇava und Hṛllekhā, danach „sarasvatī“ in der Dativform und die Verneigungsformel. [Die Prosa lässt die genaue Umfassung und Vokallänge offen; eine ausgeschriebene Lautform wird hier nicht eigenmächtig ergänzt.]

P2-0262 · Originalnummer 54
asyāḥ pūjā:
prātaḥkṛtyādi pīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryātśirasi
kaṇva-ṛṣaye namaḥ, mukhe triṣṭupchandase namaḥ, hṛdi pārijāta
sarasvatyai namaḥ
|| 54 ||

Ihre Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa. Auf dem Kopf „kaṇvaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Kaṇva“; am Mund „triṣṭupchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Triṣṭubh“; am Herzen „pārijātasarasvatyai namaḥ – Verehrung Pārijātasarasvatī“.

P2-0263 · Originalnummer 55
tato mātṛkoktakarāṅganyāsau kuryāt |
mūrddhabhrūmadhyanetrakarṇanāsāpuṭadvayavadanaguhyapādeṣveka
adaśākṣaravinyāsaḥ |
(tato hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādinā karāṅganyāsau
kuryāt) anyatsarvaṃ pūrvavat
|| 55 ||

Dann vollzieht man den beim Mātṛkāverfahren gelehrten Hand- und Gliedernyāsa. Die elf Silben werden auf Scheitel, Brauenmitte, beide Augen, beide Ohren, beide Nasenöffnungen, Mund, verborgene Stelle und Füße gesetzt. Danach vollzieht man Hand- und Gliedernyāsa mit „hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und den weiteren Formeln. Alles Übrige erfolgt wie zuvor.

P2-0264 · Originalnummer 56
dakṣiṇāmūrtisaṃhitāyāntu:
sampatpradāyā bhairavyā vāgbhavaṃ bījamālikhet |
tāreṇa parayā devi sampuṭīkṛtya mantravit |
sarasvatyai hṛdanto'yaṃ rudrārṇo manurītaḥ |
prapañcasāre:
ādyantapraṇavaśaktimadhyasaṃsthā vāgbhūyo bhavati sarasvatī
ṅentā natyantāmanurayamīśasaṃkhyavarṇaḥ samprokto bhajamānaḥ
parijātaḥ |
dakṣiṇāmūrtir-ṛṣiḥ proktā gāyatrī chanda īritam |
pārijāteśvarī vāṇī devatā parikīrtitā |
tṛtīyañca bījaṃ śaktiñca tārakam |
kīlakaṃ parameśāni mahāsārasvatapradam |
ṣaḍdīrghasvarasabhinnabījenāṅgakriyā matā
|| 56 ||

In der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā heißt es hingegen: Der Mantrakundige soll das Vāgbhavabīja der wohlstandschenkenden Bhairavī schreiben und es, Göttin, mit Tārā und Parā umschließen. Danach „sarasvatyai“ und die Herzformel; dieses Mantra wird als elfsilbig bezeichnet. Im Prapañcasāra heißt es: In der Mitte zwischen Praṇava und Śakti am Anfang und Ende steht das Sprachbīja; darauf folgen „sarasvatī“ in der Dativform und namaḥ. Dieses elf Silben umfassende Mantra wird für den Verehrenden als Pārijāta bezeichnet. Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Pārijāteśvarī Vāṇī die Gottheit. Das dritte Bīja ist die Kraft, Tāraka der Keil, höchste Herrin; es schenkt große Sarasvatīkraft. Die Gliederhandlung wird mit dem Bīja vollzogen, das durch die sechs langen Vokale abgewandelt wird. [Die Zeile „tṛtīyañca bījaṃ śaktiñca tārakam“ ist syntaktisch verkürzt; die Trennung von Bīja, Kraft und Keil bleibt teilweise unsicher.]

P2-0265 · Originalnummer 57
tato dhyānam:
haṃsārūḍhā (harahasitahārendu) kundāvadātā, vāṇī
mandasmitataramukho maulibaddhendulekhā |
vidyāvīṇāmṛtamayaghaṭākṣasrajā dīptahastā, śvetābjasthā
bhavadabhimataprāptaye bhāratī syāt
|| 57 ||

Die Meditation: Möge Bhāratī euch das Gewünschte erlangen lassen! Sie sitzt auf einem Haṃsa, ist weiß wie Haras Lächeln, eine Perlenkette, der Mond und Jasmin; ihr Gesicht lächelt sanft, ihre Krone trägt die Mondsichel. Ihre Hände erstrahlen mit dem Buch des Wissens, der Vīṇā, dem nektargefüllten Gefäß und der Gebetskette. Sie steht auf einem weißen Lotus. [Die Vorlage nennt sowohl Haṃsa als auch weißen Lotus als Sitz beziehungsweise Standort; beides bleibt erhalten.]

P2-0266 · Originalnummer 58
asyāḥ pūjādikaṃ pūrvoktaikādaśākṣarīvat |
puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
arkapuṣpairnāgacampakairvā juhuyāddvādaśasahasrakam |
iti sarasvatīmantrāḥ
|| 58 ||

Ihre Verehrung und die übrigen Handlungen erfolgen wie bei der zuvor beschriebenen elfsilbigen Vidyā. Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen; man vollzieht zwölftausend Feueropfer mit Arkablüten oder Nāgacampakablüten. Damit enden die Sarasvatīmantras.

P2-0267 · Originalnummer 59
atha ganeśamantraḥ
atha vakṣye gaṇapatermantrānsarvārthasiddhidān |
yān jñātvā mānavā nityaṃ sādhayanti manorathān
|| 59 ||

Nun das Gaṇeśamantra: Jetzt werde ich die Mantras Gaṇapatis beschreiben, die alle Ziele zur Vollendung bringen. Wenn Menschen sie kennen, erfüllen sie stets ihre Wünsche.

P2-0268 · Originalnummer 60
pañcāntakaṃ śaśidharaṃ bījaṃ gaṇapaterviduḥ |
pañcāntakaṃ gakāraḥ
|| 60 ||

Den Fünf-Ender mit dem Mondzeichen kennt man als Gaṇapatis Bīja. Der Fünf-Ender ist ga. Mit Bindu ergibt sich gaṃ.

P2-0269 · Originalnummer 61
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādipīṭhanyāsāntaṃ vidhāya keśareṣu madhye ca oṃ
tībrāyai namaḥ, jvālinyai nandāyai bhogadāyai kāmarūpiṇyai
ugrāyai tejovatyai satyāyai vighnanāśinyai tadupari
sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet ||
tathā ca nibhande:
tīvrākhyā jvālinī nandā bhogadā kāmarūpiṇī |
ugrā tejovatī satyā navamī vighnanāśinī |
sarvādiśaktikamalāsanāya hṛdayāvadhiḥ |
pīṭhamantro'yametena pradadyādāsanaṃ vibhoḥ
|| 61 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa verehrt man auf den Staubfäden und in der Mitte mit oṃ und namaḥ Tīvrā, Jvālinī, Nandā, Bhogadā, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Tejovatī, Satyā und Vighnanāśinī. Darüber verehrt man mit „sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ“ den Lotussitz aller Kräfte. Im Nibandha heißt es: Tīvrā, Jvālinī, Nandā, Bhogadā, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Tejovatī, Satyā und als neunte Vighnanāśinī. „Sarva“, dann „śaktikamalāsanāya“, schließlich die Herzformel: Dies ist das Sitzmantra. Mit ihm soll man dem Herrn den Sitz darbringen.

P2-0270 · Originalnummer 62
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi gaṇaka-ṛṣaye namaḥ, mukhe nivṛcchandase namaḥ, hṛdi
gaṇeśāya devatāyai namaḥ
|| 62 ||

Dann der Sehernyāsa: auf dem Kopf „gaṇakaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Gaṇaka“; am Mund „nivṛcchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Nivṛt“; am Herzen „gaṇeśāya devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Gaṇeśa“.

P2-0271 · Originalnummer 63
tataḥ karāṅganyāsau:
gāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, gīṃ tarjanībhyāṃ svāhā, gūṃ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, taiṃ anāmikābhyāṃ huṃ, gauṃ
kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, gaḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ evaṃ gāṃ
hṛdayāya namaḥ ityādinā hṛdayādau nyaset ||
tathā ca nibandhe:
ṣaḍdīrghabhājā vījena kuryādaṅgāni ṣaṭkramāt
|| 63 ||

Der Handnyāsa: gāṃ an den Daumen mit namaḥ; gīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; gūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; taiṃ an den Ringfingern mit huṃ; gauṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; gaḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso setzt man die Laute an Herz und die weiteren Stellen, beginnend mit „gāṃ hṛdayāya namaḥ“. Im Nibandha heißt es: Mit dem Bīja, das die sechs langen Vokale trägt, soll man der Reihe nach die sechs Glieder bilden. [An den Ringfingern steht taiṃ statt des nach der Regel erwartbaren gaiṃ.]

P2-0272 · Originalnummer 64
tato dhyānam:
sindūrābhaṃ trinetraṃ pṛthutarajaṭharaṃ hastapadmairdadhānaṃ,
daṇḍaṃ pāśāṃkuśeṣṭānyurukaravilasadbījapūrābhirāmam |
bālendudyotimauliṃ karipativadanaṃ dānapūrārdragaṇḍaṃ,
bhogīndrābaddhabhūṣaṃ bhajatgaṇapatiṃ raktavastrāṅgarāgam ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjyārghyasthāpanaṃ kuryāt
|| 64 ||

Die Meditation: Verehrt Gaṇapati, zinnoberrot, mit drei Augen und sehr großem Bauch. In seinen Lotushänden trägt er Stab, Schlinge, Stachel und die Geste der Wunscherfüllung; die in seinem mächtigen Rüssel leuchtende Zitronatzitrone macht ihn lieblich. Seine Krone glänzt mit dem jungen Mond; sein Gesicht ist das des Königs der Elefanten. Seine Wangen sind vom reichlich fließenden Brunstsaft feucht. Der Schlangenkönig dient ihm als umgebundener Schmuck; Gewand und Körpersalbe sind rot. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, richtet man das Arghya ein.

P2-0273 · Originalnummer 65
tataḥ pīṭhapūjāṃ vidhāya keśareṣu madhye ca
tīvrādipīṭhamanvantaṃ pūjayet |
tato mūlena mūrtiṃ parikalpya punardhyatvā āvāhanadi -
pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ karma vidhāya
āvaraṇapūjāmārabheta |
yathā:
karṇikāyāṃ pūrvādidikṣu oṃ gaṇādhipataye namaḥ evaṃ gaṇeśāya
gaṇanāyakāya gaṇakrīḍāya |
tataḥ keśareṣu agninir-ṛti vāyavyośānakoṇeṣu madhye dikṣu ca gāṃ
hṛdayāya namaḥ ityādikrameṇa pūjayet |
patramadhye pūrvādi:
vakratuṇḍamekadantaṃ mahodaragajānanau |
lambodarākhyaṃ vikaṭaṃ vighnarājamanantaram |
dhūmravarṇaṃ dalāgreṣu brāhmyādyāḥ pūjayettataḥ |
vākyantu:
oṃ vakratuṇḍāya namaḥ ityādikrameṇa pūjayet |
dalāgreṣu brāhmyādyā mātaraḥ pūrvādikrameṇa pūjyāḥ |
tadbahirindrādīn vajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 65 ||

Nach der Sitzverehrung verehrt man auf den Staubfäden und in der Mitte Tīvrā und die übrigen Kräfte bis zum Sitzmantra. Mit dem Grundmantra bildet man die Gestalt, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Dann beginnt die Umkreisverehrung. Auf dem Fruchtboden in den vier Richtungen, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Gaṇādhipati, Gaṇeśa, Gaṇanāyaka und Gaṇakrīḍa. Auf den Staubfäden in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit „gāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. In der Mitte der Blätter, im Osten beginnend, verehrt man Vakratuṇḍa, Ekadanta, Mahodara, Gajānana, Lambodara, Vikaṭa, Vighnarāja und Dhūmravarṇa, jeweils mit „oṃ [Name im Dativ] namaḥ“. An den Blattspitzen verehrt man Brāhmī und die übrigen Mütter, im Osten beginnend. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0274 · Originalnummer 66
asya puraścaraṇaṃ caturlakṣajapaḥ ||
tathā ca:
vedalakṣaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ juhuyāttataḥ |
modakaiḥ pṛthukairlājaiḥ śaktubhiḥ sekṣuparvabhiḥ |
nārikelaistilaiḥ śuddhaiḥ supakvaiḥ kadalīphalaiḥ |
aṣṭadravyāṇi vighnasya kathitāni manīṣibhiḥ
|| 66 ||

Das Puraścaraṇa beträgt vier Lakh, also 400.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 400.000-mal und opfert danach ein Zehntel mit Modakas, flachgedrückten Reiskörnern, geröstetem Reis, Getreidemehl, Zuckerrohrstücken, Kokosnüssen, reinem Sesam und gut gereiften Bananen. Diese acht Stoffe haben die Weisen für Vighna, den Herrn der Hindernisse, beschrieben.

P2-0275 · Originalnummer 67
atha mahāgaṇeśamantraḥ
nibandhe:
śrīśaktismarabhūmivighnabījāni prathamaṃ likhet |
ṅentaṃ gaṇapatiṃ paścādvarānte varadaṃ padam |
uktvā sarvajanaṃ mente vaśamānaya ṭhadvayam |
aṣṭāviṃśatyakṣaro'yaṃ tārādyo manurīritaḥ
|| 67 ||

Nun das Mahāgaṇeśamantra. Im Nibandha heißt es: Zuerst schreibt man die Bījas Śrī, Śakti, Smara, Erde und Vighna; danach „gaṇapati“ im Dativ, anschließend „vara varada“, dann „sarvajanaṃ me vaśamānaya“ und zweimal ṭha. Mit Tārā am Anfang wird dieses Mantra als achtundzwanzigsilbig bezeichnet.

P2-0276 · Originalnummer 68
bhūbījamāha:
smṛtisthaṃ māṃsamaubinduyuktaṃ bhūbījamīritam |
smṛtirgakāraḥ, māṃsaṃ lakāraḥ |
tena oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gaṇapataye vara varada sarvajanaṃ
me vaśamānaya svāhā
|| 68 ||

Das Erdbīja wird erklärt: Māṃsa, auf Smṛti stehend und mit au und Bindu verbunden, wird als Erdbīja bezeichnet. Smṛti ist ga, Māṃsa ist la. Daraus entsteht: „oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gaṇapataye vara varada sarvajanaṃ me vaśamānaya svāhā – Oṃ, dem Gaṇapati: Du Vorzüglicher, du Gabenspender, bringe alle Menschen unter meine Gewalt; svāhā.“ Die Bījas bleiben als Mantralaute stehen.

P2-0277 · Originalnummer 69
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādipīṭhanyāsāntaṃ karmavidhāya pūrvoktatīvrādi -
pīṭhamanvantaṃ pīṭhaśaktīrvinyasya ṛṣyādinyāsamācaret |
śirasi gaṇaka-ṛsaye namaḥ, mukhe nivṛdgāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
mahāgaṇapataye devatāyai namaḥ
|| 69 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man die zuvor beschriebenen Sitzkräfte, beginnend mit Tīvrā, bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa. Auf dem Kopf „gaṇakaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Gaṇaka“; am Mund „nivṛdgāyatrīchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Nivṛd-Gāyatrī“; am Herzen „mahāgaṇapataye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Mahāgaṇapati“.

P2-0278 · Originalnummer 69ka
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ,
evaṃ oṃ 5 gīṃ tarjanībhyāṃ svāhā, oṃ 5 gūṃ madhyamābhyāṃ
vaṣaṭ, oṃ 5 gaiṃ anāmikābhyāṃ huṃ, oṃ 5 gauṃ kaniṣṭhābhyāṃ
vaṣaṭ, oṃ 5 gaḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
kecittu oṃ gāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi vadanti tanna, ḍaḍbījasya
svabījane dīrghabhājā prakalpayet |
iti prapañcasāravacanādviśiṣṭasyaiva grahaṇāt
|| 69ka ||

Der Handnyāsa: „oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ an den Daumen; mit derselben Anfangsgruppe und gīṃ an den Zeigefingern mit svāhā, gūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ, gaiṃ an den Ringfingern mit huṃ, gauṃ an den kleinen Fingern mit vaṣaṭ, gaḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den übrigen Gliedern. Einige lehren dagegen „oṃ gāṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Dies trifft nicht zu: Nach dem Ausspruch des Prapañcasāra, dass die sechs Bījas mit dem eigenen Bīja, das die langen Vokale trägt, zu bilden sind, ist ausdrücklich die besondere Form zu verwenden. [Die Vorlage kürzt die Anfangsgruppe als „oṃ 5“ ab; sie wird hier aus der ersten ausgeschriebenen Formel übernommen. An den kleinen Fingern steht vaṣaṭ, nicht vauṣaṭ; „ḍaḍbījasya“ ist beschädigt.]

P2-0279 · Originalnummer 70
tato dhyānam:
navaratnamayaṃ dvīpa smaredikṣurasāmbudhau |
tadvīcidhotaparyantaṃ mandamārutasevitam |
mandārapārijātādikalpavṛkṣalatākulam |
udbhūtaratnacchāyābhiraruṇīkṛtabhūtalam |
udyaddinakarendubhyāmudbhāṣitadigantaram tasya madhye pārijātaṃ
navaratnamayaṃ smaret |
ṛtubhiḥ savitaṃ ṣaḍabhiraniśaṃ prītivarddhanaiḥ |
tasyādhastānmahāpīṭhe racite mātṛkāmbuje |
ṣaṭkoṇāntastrikoṇasthaṃ mahāgaṇapatiṃ smaret |
hastīndrānanaminducūḍamaruṇacchāyaṃ trinetraṃ rasādāśliṭaṃ
priyayā sapadmakarayā sāṅkasthayā saṅgatam |
bījāpūragadādhnaustriśikhayukcakrābjapāśotpalaṃ
vrīhyagrasvaviṣāṇaratnakalasān hastairvahantai bhaje |
gaṇḍapālīgalāddanapūralālasamānasān |
dvirephān karṇa - tālābhyāṃ vārayantaṃ muhurmuhuḥ |
karāgradhṛtamāṇikya kumbhavaktravinisṛtaiḥ |
ratnavarṣaiḥ prīṇayantaṃ sādhakān madavihvalam |
māṇikyamukuṭopetaṃ ratnābharaṇabhūṣitam ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥsampūjya vahiḥ pūjāmārabheta
|| 70 ||

Die Meditation: Man vergegenwärtigt sich eine aus neun Edelsteinen bestehende Insel im Meer des Zuckerrohrsafts. Ihre Ränder werden von seinen Wellen gewaschen, sanfte Winde wehen dort. Sie ist voller Mandāra-, Pārijāta- und weiterer Wunschbäume und Lianen; der aufsteigende Edelsteinglanz färbt ihren Boden rötlich. Aufgehende Sonne und Mond erhellen ihre Horizonte. In ihrer Mitte steht ein aus neun Edelsteinen bestehender Pārijātabaum, den die sechs Jahreszeiten unablässig bedienen und dabei die Freude vermehren. Unter ihm, auf dem großen Sitz im gestalteten Mātṛkālotus, meditiert man über Mahāgaṇapati, der im Dreieck innerhalb des Sechsecks sitzt. Ich verehre ihn: Sein Gesicht ist das des Königs der Elefanten, sein Haupt trägt den Mond, sein Körper glänzt rot, er besitzt drei Augen. Seine geliebte Gefährtin sitzt auf seinem Schoß, hält einen Lotus und umarmt ihn voller Wonne. In seinen Händen trägt er Zitronatzitrone, Keule, Bogen, Dreizack, Rad, Lotus, Schlinge, Wasserlilie, Reisähren, den eigenen Stoßzahn und ein Edelsteingefäß. Mit dem Fächeln seiner Ohren wehrt er immer wieder die Bienen ab, die nach dem Brunstsaft verlangen, der von seinen Wangen fließt. Mit Edelsteinregen, der aus der Öffnung des rubinbesetzten Gefäßes in seinem Rüssel hervorströmt, erfreut er die Praktizierenden. Er ist vom Rausch überwältigt, trägt eine Rubinkrone und Edelsteinschmuck. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, beginnt man die äußere Verehrung. [Die lange Waffenliste ist in der Vorlage mehrfach zusammengeschrieben und beschädigt; die genannten Gegenstände sind aus ihren erkennbaren Wortbestandteilen erschlossen.]

P2-0281 · Originalnummer 72
(citra 21)
tataḥ śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā pīṭhapūjāṃ vidhāya
pūrvavatpīṭhaśaktiḥ pīṭhamanuñca saṃpūjya punardhyatvā
āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabheta |
trikoṇavāhye pūrvādi caturdikṣu pūrve vilvavṛkṣādhaḥ śriyaṃ
śrīpatiṃ, dakṣiṇe vaṭavṛkṣādhaḥ gaurīṃ gaurīpatiṃ, paścime
pipplavṛkṣādhaḥ ratiṃ ratipatim, uttare priyaṃguvṛkṣādhaḥ mahīṃ
varāhaṃ, devatāgre lakṣmīṃ gaṇanāyakaṃ, ṣaṭkoṇeṣu agrakoṇe
siddhisahitamāmodam, agnikoṇe samṛddhisahitaṃ pramodaṃ,
īśānakoṇe kāntisahitaṃ sumukhaṃ, paścime madanāvatīsahitaṃ
durmukhaṃ, nair-ṛte madadravāsahitaṃ vighnaṃ, vāyavye
drāviṇīsahitaṃ vighnakarttāraṃ pūjayet |
ṣaṭkoṇasyobhaya pārśvayoḥ oṃ vasudhasahita śaṅkhanidhaye namaḥ, oṃ
vasumatīsahita padmanidhaye namaḥ |
yathā nibandhe:
trikoṇasya bahirvilvaṭapippalabhūruhām |
priyaṅgorapyadho manrī dikṣu pūrvādito yajet |
dvau dvau śriyaṃ śrīpatiñca gauriṃ gaurīpati tathā |
ratiṃ ratipatiñcāpi mahīmapi varāhakam |
agre ca pūjayellakṣmīsahitaṃ gaṇanāyakam |
agrekoṇe tathā siddhisahitāmodamityapi |
agni koṇe samṛddhyā ca sahitañca pramodakam |
īśāne kāntisahitaṃ sumukhaṃ paścime tathā |
durmukhaṃ madanāvatyā sahitaṃ nair-ṛte tathā |
sahitaṃ madadravayā gaṇasyāpyadhināyakam |
drāviṇyā sahitaṃ vāyau vighnakarttārameva ca |
ṣaṭkoṇapārśvayoḥ śaṅkhanidhiṃ vasudhayā yutam |
vasumatyā yutañcāpi yajet padmanidhiṃ drutam |
tataḥ, keśareṣu agnyādi - koṇe madhye dikṣu ca ṣaḍbījasampūjya
tadbahiḥ bhūgṛhe indradīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādī visarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 72 ||

[Die Vorlage verweist auf Abbildung 21.] Nach Aufstellung der Muschel und Verehrung des Sitzes verehrt man die Sitzkräfte und das Sitzmantra wie zuvor, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung: Außerhalb des Dreiecks in den vier Richtungen, im Osten beginnend, verehrt man im Osten unter dem Bilvabaum Śrī und Śrīpati; im Süden unter dem Banyanbaum Gaurī und Gaurīpati; im Westen unter dem Pippalabaum Rati und Ratipati; im Norden unter dem Priyaṅgubaum Mahī und Varāha. Vor der Gottheit verehrt man Lakṣmī und Gaṇanāyaka. An den sechs Ecken: an der vorderen Ecke Āmoda mit Siddhi; im Südosten Pramoda mit Samṛddhi; im Nordosten Sumukha mit Kānti; im Westen Durmukha mit Madanāvatī; im Südwesten Vighna mit Madadravā; im Nordwesten Vighnakartṛ mit Drāviṇī. Zu beiden Seiten des Sechsecks: „oṃ vasudhasahitaśaṅkhanidhaye namaḥ – Verehrung dem Muschelschatz samt Vasudhā“ und „oṃ vasumatīsahitapadmanidhaye namaḥ – Verehrung dem Lotusschatz samt Vasumatī“. Im Nibandha heißt es: Außen vom Dreieck unter Bilva-, Banyan-, Pippala- und Priyaṅgubäumen verehrt der Mantrapraktizierende, im Osten beginnend, jeweils zwei: Śrī und Śrīpati, Gaurī und Gaurīpati, Rati und Ratipati, Mahī und Varāha. Vorne verehrt man Gaṇanāyaka samt Lakṣmī; an der vorderen Ecke Āmoda samt Siddhi; im Südosten Pramoda samt Samṛddhi; im Nordosten Sumukha samt Kānti; im Westen Durmukha samt Madanāvatī; im Südwesten den Herrn der Schar samt Madadravā; im Nordwesten Vighnakartṛ samt Drāviṇī. Zu beiden Seiten des Sechsecks verehrt man den Muschelschatz mit Vasudhā und den Lotusschatz mit Vasumatī. Danach verehrt man auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen die sechs Bījas, außen in der Erdumfassung Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0282 · Originalnummer 73
asya puraścaraṇajapaścatuścatvāriṃśatsahasrādhikaścaturlakṣaḥ |
tathā:
dhyāyenmantraṃ japenmantrī caturlakṣaṃ samāhitaḥ |
catuḥsahasrasaṃyuktaṃ catvādiṃśatsahasrakaṃ daśāṃśaṃ
juhuyāddravyairaṣṭābhirmodakādibhiḥ
|| 73 ||

Nach der Prosa beträgt das Puraścaraṇajapa vier Lakh zuzüglich vierundvierzigtausend, also 444.000 Wiederholungen. Im anschließenden Zitat heißt es: Der Mantrapraktizierende soll meditieren und gesammelt das Mantra vier Lakh-mal wiederholen, zusammen mit viertausend und vierzigtausend. Ein Zehntel opfert er mit den acht Stoffen, beginnend mit Modakas. [Die überlieferte Syntax lässt offen, ob die 44.000 noch zum Japa oder bereits zur Homaangabe gehören. Die Prosa zählt sie zum Japa; rechnerisch ist ein Zehntel von 400.000 dagegen 40.000.]

P2-0283 · Originalnummer 74
mantrāntaram :
śaktiruddhaṃ nijaṃ bījaṃ mahāgaṇapatiṃ vadet |
ṅentamagnivadhuḥ prokto mantro'yaṃ dvādaśākṣaraḥ
|| 74 ||

Ein anderes Mantra: Man nennt das eigene Bīja, von Śakti umschlossen, dann „mahāgaṇapati“ im Dativ und die Gemahlin des Feuers. Dieses Mantra wird als zwölfsilbig bezeichnet: „hrīṃ gaṃ hrīṃ mahāgaṇapataye svāhā – Hrīṃ gaṃ hrīṃ, dem großen Gaṇapati, svāhā.“

P2-0284 · Originalnummer 75
asya pūjāprayoga:
prātaḥkṛtyāditīvrādipīṭhaśaktīḥ pīṭhamanvantaṃ pīṭhamanuñca
vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt ||
nibandhe:
gaṇakaḥ syādṛṣiśchando gāyatrī nivṛdādikā |
uditā devatā mantre nāmnā śaktigaṇādhipaḥ
|| 75 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und der Einsetzung der Sitzkräfte, beginnend mit Tīvrā, bis zum Sitzmantra vollzieht man den Sehernyāsa. Im Nibandha heißt es: Gaṇaka ist der Seher, das Versmaß ist Gāyatrī mit Nivṛt davor, und als Gottheit des Mantras wird Śaktigaṇādhipa genannt.

P2-0285 · Originalnummer 76
tataḥ karāṅganyāsau:
hrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
gaṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
hrīṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
mahāgaṇapataye anāmikābhyāṃ huṃ |
svāhā kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
samudāyamuccārya karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
vyastaiḥ samastairmantrasya padairaṅgāni kalpayet |
tathā:
śirasi gaṇaka-ṛṣaye namaḥ, mukhe nivṛdgāyatrīcchandase namaḥ hṛdi
śaktigaṇādhipataye devatāyai namaḥ
|| 76 ||

Der Handnyāsa: hrīṃ an den Daumen mit namaḥ; gaṃ an den Zeigefingern mit svāhā; hrīṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; mahāgaṇapataye an den Ringfingern mit huṃ; svāhā an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; das gesamte Mantra an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: Die Glieder werden mit den einzelnen Worten des Mantras und mit seiner Gesamtheit gebildet. Die Seherzuordnung lautet: auf dem Kopf „gaṇakaṛṣaye namaḥ“, am Mund „nivṛdgāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „śaktigaṇādhipataye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Śaktigaṇādhipati“.

P2-0288 · Originalnummer 78ka
pūrvoktacatvāri mithunāni śrī śrīpatiprabhṛtīni ṣaṭkoṇeṣu
āmodādīn keśareṣvagnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca hrīṃ hṛdayāya
namaḥ, gaṃ śirase svāhā, hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ, mahāgaṇapataye
kavacāya huṃ, svāhā netratrayāya vauṣaṭ, samudāyamūlamuccārya
astrāya phaṭ |
patreṣu brāhmyādimātṛkāstadbahirindrādīn vajrādīṃśca sampūjya
dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
yantrastu mahāgaṇapatiyantravat
|| 78ka ||

Man verehrt die vier zuvor beschriebenen Paare, beginnend mit Śrī und Śrīpati, und an den sechs Ecken Āmoda und die übrigen. Auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen: hrīṃ am Herzen mit namaḥ; gaṃ am Kopf mit svāhā; hrīṃ an der Haarlocke mit vaṣaṭ; mahāgaṇapataye am Schutzpanzer mit huṃ; svāhā an den drei Augen mit vauṣaṭ; das gesamte Grundmantra an der Waffe mit phaṭ. Auf den Blättern verehrt man die Mātṛkās, beginnend mit Brāhmī, außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Yantra entspricht dem Mahāgaṇapatiyantra.

P2-0289 · Originalnummer 79
asya puraścarṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣamekaṃ japenmantramapūpaistaddaśāṃśataḥ |
juhuyādarcite vahnau dineśo devamarcayet
|| 79 ||

Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 100.000-mal und opfert ein Zehntel mit Kuchen im verehrten Feuer; tagsüber verehrt man den Gott. [„dineśo“ ist grammatisch unsicher; die Zeitangabe ist sinngemäß erschlossen.]

P2-0290 · Originalnummer 80
mantrāntaram :
śaktiruddhaṃ nijaṃ bījaṃ vaśamānaya ṭhadvayam |
tārādyo manurākhyāto rudrasaṃkhyākṣaro'paraḥ |
asya pūjāyantrañca pūrvavat
|| 80 ||

Ein anderes Mantra: Das eigene Bīja, von Śakti umschlossen, danach „vaśamānaya“ und zweimal ṭha. Mit Tārā am Anfang wird dieses weitere Mantra als elfsilbig bezeichnet. Seine Verehrung und sein Yantra entsprechen dem vorhergehenden. [Die folgende Nyāsaliste enthält am Anfang oṃ hrīṃ gaṃ und am Ende svāhā; eine zweite hrīṃ-Umfassung wird darin nicht ausdrücklich genannt.]

P2-0291 · Originalnummer 81
aṅgamantrastu:
ekena tribhirdvābhyāṃ samastena prakalpayet |
oṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
oṃ hrīṃ gaṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
vaśaṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
ānaya anāmikābhyāṃ huṃ |
svāhā kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
samastamucārya karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
ekenādau tribhirdvābhyāṃ tribhirdvābhyāmanantaram |
samastenāstramākhyātamaṅgakḷptiriyaṃ matā |
etānyaṃguṣṭhādiṣu hṛdayādiṣu vinyaset
|| 81 ||

Die Gliedermantras werden mit einer, drei, zwei und den weiteren Silbengruppen sowie dem gesamten Mantra gebildet: oṃ an den Daumen mit namaḥ; oṃ hrīṃ gaṃ an den Zeigefingern mit svāhā; vaśaṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; ānaya an den Ringfingern mit huṃ; svāhā an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; das gesamte Mantra an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: zuerst mit einer, dann mit drei, zwei, drei und zwei Silben; mit dem Ganzen wird das Waffenmantra gebildet. Dies gilt als Anordnung der Glieder. Diese setzt man an Daumen und die übrigen Finger sowie Herz und die übrigen Stellen ein.

P2-0292 · Originalnummer 83
tato dhyānam:
hastairvibhratamikṣudaṇḍaradau pāśāṃkuśau
puṣkarapṛṣṭhasvapramadāvarāṅgamanayāśliṣṭaṃ dhvajāgraspṛśā
|
śyāmāṃgyā vidhṛtābjayā trinayanaṃ candrārddhacūḍaṃ
japāraktaṃ hastimukhaṃ smarāmi satataṃ bhogātilolaṃ vibhum |
anyatsarvaṃ pūrvavat |
asya puraścaraṇajapo lakṣatrayam |
tathā ca nibhandhe:
lakṣatrayaṃ japenmantramikṣudaṇḍairdaśāṃśataḥ |
apūpairājyayuktairvā juhuyānmantrasiddhaye
|| 83 ||

Die Meditation: Ich vergegenwärtige mir stets den Herrn mit Elefantengesicht, rot wie die Javāblüte, mit drei Augen und der Mondsichel auf dem Haupt, der höchst begierig nach Genuss ist. In seinen Händen trägt er Zuckerrohrstab, Stoßzahn, Schlinge und Stachel. Mit seinem Rüssel berührt er die edle Stelle seiner Gefährtin; sie umarmt ihn, hat einen dunklen Körper, trägt einen Lotus und berührt die Spitze seines Phallus. Alles Übrige erfolgt wie zuvor. Das Puraścaraṇajapa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Im Nibandha heißt es: Zur Vollendung des Mantras wiederholt man es 300.000-mal und opfert ein Zehntel mit Zuckerrohrstücken oder mit Kuchen, verbunden mit geklärter Butter. [Die Verbindung „puṣkarapṛṣṭhasvapramadāvarāṅgam“ ist beschädigt; der erotische Zusammenhang ist erkennbar, die genaue Handlungsrichtung bleibt teilweise unsicher.]

P2-0293 · Originalnummer 84
atha herambamantraḥ
sa ca ukārayukto gakāraḥ savinduḥ praṇavādinamo'ntaścaturakṣaraḥ |
tathā ca nibandhe:
pañcāntako vinduyukto vāmakarṇavibhūṣitaḥ |
tārādihṛdayānto'yaṃ herambamanurīritaḥ |
caturvarṇātmako nṛṇāṃ caturvargaphalapradaḥ
|| 84 ||

Nun das Herambamantra: Ga, mit u und Bindu verbunden, mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss, ergibt das viersilbige Mantra „oṃ guṃ namaḥ“. Im Nibandha heißt es: Der Fünf-Ender mit Bindu und linkem Ohr, Tārā am Anfang und die Herzformel am Schluss, wird als Herambamantra bezeichnet. Es besteht aus vier Silben und schenkt den Menschen die Früchte der vier Lebensziele.

P2-0294 · Originalnummer 85
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādipīṭhanyāsāntaṃ vidhāya gaṇeśokta pīṭhaśaktīḥ
pīṭhamanuñca vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
asya gaṇaka-ṛṣirgāyatrīcchando herambo devatā gakāro bījaṃ vinduḥ
śaktiścaturvargasiddhyarthe viniyogaḥ |
śirasi gaṇaka-ṛṣaye namaḥ ityādi
|| 85 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa setzt man die bei Gaṇeśa beschriebenen Sitzkräfte und das Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa. Gaṇaka ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Heramba die Gottheit, ga das Bīja und Bindu die Kraft. Seine Anwendung dient der Erlangung der vier Lebensziele. Auf dem Kopf „gaṇakaṛṣaye namaḥ“ und entsprechend die weiteren Zuordnungen.

P2-0295 · Originalnummer 86
tataḥ karāṅganyāsau:
gāṃ gīṃ gūṃ gaiṃ gauṃ gaḥ ityetaiḥ ṣaḍaṅgāni kuryāt ||
tathā ca:
ṣaḍdīrghabhājā bījena ṣaḍaṅgāni prakalpayet
|| 86 ||

Der Hand- und Gliedernyāsa erfolgt mit gāṃ, gīṃ, gūṃ, gaiṃ, gauṃ und gaḥ. Damit soll man die sechs Glieder bilden. Dazu heißt es: Die sechs Glieder werden mit dem Bīja gebildet, das die sechs langen Vokale trägt.

P2-0297 · Originalnummer 88
tato gaṇeśoktapīṭhaśaktyantaṃ sampūjya oṃ huṃ huṃ mahāsiṃhāya
gāṃ herambāsanāya namaḥ ityāsanaṃ pūjayet |
tathā ca nibandhe |
praṇavaṃ kavacadvandvaṃ mahāsiṃhāya gāṃ tataḥ |
herambeti padaṃ paścādāsanāya hṛdantataḥ |
ayamāsanamantraḥ syātpradadyādamunāsanam |
pīṭhanyāse'pyayaṃ mantraḥ |
tathā ca nibandhe:
āsane yo manuḥ proktastannyāse'pi sa eva hi |
tataḥ oṃ gamitimantreṇa mūrtiṃ kalpayet |
tathā ca nibandhe:
tārādivighnabījena mūrtiṃ tasya prakalpayet |
tataḥ punardhyātvā āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta ||
yathā:
agnyādikoṇe madhye dikṣu ca gāṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā
pūjayet
|| 88 ||

Nach Verehrung der bei Gaṇeśa beschriebenen Sitzkräfte verehrt man den Sitz mit „oṃ huṃ huṃ mahāsiṃhāya gāṃ herambāsanāya namaḥ – Verehrung dem großen Löwen als Herambas Sitz“. Im Nibandha wird erklärt: oṃ, zweimal der Schutzlaut, „mahāsiṃhāya“, gāṃ, „heramba“, „āsanāya“ und die Herzformel am Schluss bilden das Sitzmantra. Mit ihm gibt man den Sitz. Dasselbe Mantra wird beim Sitznyāsa verwendet. Dazu heißt es: Das für den Sitz genannte Mantra gilt auch für seinen Nyāsa. Dann bildet man die Gestalt mit dem Mantra oṃ gaṃ. Der Nibandha bestätigt: Mit dem von Tārā eingeleiteten Vighnabīja wird seine Gestalt gebildet. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. In den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit „gāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln.

P2-0299 · Originalnummer 89
asya puraścaraṇaṃ trilakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣatrayaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ juhuyāttataḥ |
hotavyaṃ pūrvavat
|| 89 ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 300.000-mal und opfert anschließend ein Zehntel; die Opferstoffe sind wie zuvor.

P2-0300 · Originalnummer 90
mantrāntaram:
gaṃ kṣipraprasādanāya namaḥ |
tathā ca nibandhe:
saṃvarttako netrayutaḥ pārśvo vahnyāsane sthitaḥ |
prasādanāya hṛnmantraṃ svabījādyo daśākṣaraḥ
|| 90 ||

Ein anderes Mantra: „gaṃ kṣipraprasādanāya namaḥ – Verehrung dem rasch Gnädigwerdenden“. Im Nibandha heißt es: Saṃvartaka mit Auge, Pārśva auf dem Feuersitz, dann „prasādanāya“ und die Herzformel; mit dem eigenen Bīja am Anfang besteht das Mantra aus zehn Silben. [Die Verschlüsselung beschreibt kṣipra; die ausgeschriebene Formel steht ausdrücklich in der Vorlage.]

P2-0301 · Originalnummer 91
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādipīṭhanyāsantaṃ karma vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt
|
śirasi gaṇaka-ṛṣaye namaḥ, mukhe virāṭchandase namaḥ, hṛdi
kṣipraprasādanāya devatāyai namaḥ |
taduktam:
gaṇako munirākhyāto virāṭchanda udīritam |
kṣipraprasādano vighno devatāsya prakīrtitā |
dīrghayuttena bījena ṣaḍaṅgāni prakalpayet |
ekākṣaravat karāṅganyāsau kṛtvā dhyāyet
|| 91 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa vollzieht man den Sehernyāsa: auf dem Kopf „gaṇakaṛṣaye namaḥ“, am Mund „virāṭchandase namaḥ“, am Herzen „kṣipraprasādanāya devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Kṣipraprasādana“. Dazu heißt es: Gaṇaka ist der Seher, Virāṭ das Versmaß; Kṣipraprasādana Vighna ist die Gottheit. Mit dem Bīja, das die langen Vokale trägt, bildet man die sechs Glieder. Nach dem Hand- und Gliedernyāsa wie beim einsilbigen Mantra meditiert man.

P2-0302 · Originalnummer 92
dhyāna:
pāśāṃkuśau kalpalatāṃ viṣāṇaṃ dadhat svaśuṇḍāhitabījapūraḥ
|
raktastrinetrastaruṇendumaulirhārojjvalo hastimukho'vatādvaḥ |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ saṃpūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt
|| 92 ||

Die Meditation: Möge euch der Elefantengesichtige beschützen! Er trägt Schlinge, Stachel, Wunschliane und Stoßzahn; in seinen Rüssel ist eine Zitronatzitrone gelegt. Er ist rot, hat drei Augen, trägt den jungen Mond auf dem Haupt und glänzt mit Halsketten. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, stellt man die Muschel auf.

P2-0303 · Originalnummer 93
tataḥ pīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabhet agnyādikoṇe madhye dikṣu ca gāṃ hṛdayāya
namaḥ ityādinā ṣaḍaṅgāni pūjayet |
tathā ca nibandhe:
aṅgāni pūrvamabhyarcya vighnānaṣṭau yajettataḥ |
patreṣu pūjayedetā brāhmyādyāstadanantaram |
patreṣu:
vighanaṃ vināyakaṃ śūraṃ vīraṃ varadasaṃjñakam |
ibhavaktrañcaikaradaṃ lambodarañca pūjayet |
patrāgre:
brāhmyādyāstadvahirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 93 ||

Nach der Sitzverehrung meditiert man erneut, vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. In den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man die sechs Glieder mit „gāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Im Nibandha heißt es: Zuerst verehrt man die Glieder, dann die acht Vighnas auf den Blättern und anschließend Brāhmī und die übrigen. Auf den Blättern verehrt man Vighna, Vināyaka, Śūra, Vīra, Varada, Ibhavaktra, Ekarada und Lambodara. An den Blattspitzen verehrt man Brāhmī und die übrigen, außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0305 · Originalnummer 95
atha haridrāgaṇeśamantrāḥ
pañcāntako dharāsaṃstho vindubhūṣitamastakaḥ |
ekākṣaro mahāmantraḥ sarvakāmaphalapradaḥ |
asya vasiṣṭha ṛṣirgāyatrīcchando haridrāgaṇapatirdevatā gakāro
bījaṃ lakāraḥ śaktiḥ |
bījenaiva ṣaḍaṅgakam
|| 95 ||

Nun die Haridrāgaṇeśamantras: Der Fünf-Ender auf der Erde, am Scheitel mit Bindu geschmückt, ergibt das einsilbige große Mantra, das die Früchte aller Wünsche schenkt. Vasiṣṭha ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Haridrāgaṇapati die Gottheit; ga ist das Bīja und la die Kraft. Die sechs Glieder werden mit dem Bīja selbst gebildet. [Die Zusammensetzung weist auf glaṃ; die Vorlage nennt an dieser Stelle keinen zusätzlichen Vokal.]

P2-0309 · Originalnummer 99
mantrāntaram
mantroddhāramahaṃ vakṣye śṛṇuṣva kamalānane |
indrabījaṃ samuddhṛtya nijabījaṃ samuddharet |
caturdvaśasvareṇāḍhyaṃ vindubhūṣitamastakam |
ekākṣarī mahāviyā kathitā padmayoginā
|| 99 ||

Ein anderes Mantra: Ich werde die Bildung des Mantras beschreiben; höre, Lotusgesichtige! Man nimmt das Indrabīja und dann das eigene Bīja, versieht es mit dem vierzehnten Vokal und schmückt seinen Scheitel mit Bindu. Die einsilbige große Vidyā ist vom Lotusgeborenen gelehrt worden. [Die Kombination des Indrabījas mit dem „eigenen Bīja“ und die Angabe „einsilbig“ sind in der Vorlage nicht eindeutig aufgelöst; keine zusätzliche Lautform wird erfunden.]

P2-0310 · Originalnummer 100
asya pūjādikaṃ sarvaṃ mahāgaṇapativat |
karāṅganyāso tu ṣaḍdīrghayuktena svabījena
|| 100 ||

Seine gesamte Verehrung und die übrigen Handlungen erfolgen wie bei Mahāgaṇapati. Hand- und Gliedernyāsa vollzieht man mit dem eigenen Bīja, das die sechs langen Vokale trägt.

P2-0311 · Originalnummer 1
asya bhedāntaram:
lakṣmyādyāṃ vātha kūrcādyāṃ māyādyāṃ vā japet sudhīḥ |
kāmādyāṃ vadhūbījādyāṃ vāgādyāṃ vā japet sadā |
oṃ karādyāṃ mahāvidyāṃ nijabījādikāṃ tathā
|| 1 ||

Weitere Varianten: Der Einsichtige kann die Vidyā mit Lakṣmī, mit Kūrca oder mit Māyā am Anfang wiederholen; ebenso mit Kāma, dem Brautbīja oder dem Sprachbīja. Auch mit oṃ oder mit dem eigenen Bīja am Anfang kann er diese große Vidyā stets wiederholen.

P2-0312 · Originalnummer 2
tathā ca:
dvyakṣarī ca mahāvidyā tryakṣarī cāstrasaṃyutā |
caturvarṇātmikā vidyā vahnijāyāvadhiḥ priye
|| 2 ||

Weiter heißt es: Die große Vidyā ist zweisilbig, mit dem Waffenlaut dreisilbig und mit der Gemahlin des Feuers am Schluss viersilbig, Geliebte.

P2-0313 · Originalnummer 3
eṣā vidyā mahāvidyā trailokye ca sudurlabhā |
caturvargapradā sākṣānmahāpātakanāśinī |
etāsāṃ pūjādikaṃ mahāgaṇapatimantravat
|| 3 ||

Diese große Vidyā ist in den drei Welten sehr schwer zu erlangen. Sie schenkt unmittelbar die vier Lebensziele und vernichtet schwere Verfehlungen. Die Verehrung und die übrigen Handlungen aller dieser Formen entsprechen dem Mahāgaṇapatimantra.

P2-0314 · Originalnummer 4
atha lakṣmīmantrāḥ
atha vakṣye śriye mantrān śrīsaubhāgyaphalapradām |
yasyāḥ kaṭākṣamātreṇa trailokyamapi varddhate
|| 4 ||

Nun die Lakṣmīmantras: Ich werde die Mantras Śrīs beschreiben, die die Früchte von Wohlstand und Glück schenken. Schon durch ihren bloßen Seitenblick gedeihen die drei Welten.

P2-0315 · Originalnummer 5
vāntaṃ vahnisamārūḍhaṃ vāmanetrendusaṃyutam |
bījametat śriyo devyāḥ sarvakāmaphalapradam
|| 5 ||

Der Endlaut der va-Reihe, auf dem Feuer sitzend und mit linkem Auge und Mondzeichen verbunden, ist dieses Bīja der Göttin Śrī, das die Früchte aller Wünsche schenkt. Die Verschlüsselung ergibt śrīṃ.

P2-0316 · Originalnummer 6
asya pūjāprayogaḥ:
sāmānyapūjāpaddhatyukta prātaḥ kṛtyādipīṭhanyāsāntaṃ karma
vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi bhṛgave ṛṣaye namaḥ, mukhe nivṛdgāyatrīcchandase namaḥ,
hṛdaye śriyai devatāyai namaḥ |
keśareṣu madhye ca pīṭhaśaktīḥ pīṭhamanuñca nyaset |
yathā:
oṃ vibhūtyai namaḥ |
evaṃ unnatyai kāntyai sṛṣṭyai kīrtyai sannatyai vyuṣṭyai utkṛṣṭyai
ṛddhyai |
tathā ca nibandhe:
vibhūtirunnatiḥ kāntiḥ kāntyai sṛṣṭiḥ kīrtiśca sannatiḥ |
vyuṣṭirutkṛṣṭir-ṛddhiśca samproktā navaśaktayaḥ
|| 6 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den im allgemeinen Pūjāverfahren beschriebenen morgendlichen Handlungen bis zum Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „bhṛgave ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Bhṛgu“; am Mund „nivṛdgāyatrīchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Nivṛd-Gāyatrī“; am Herzen „śriyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Śrī“. Auf den Staubfäden und in der Mitte setzt man die Sitzkräfte und das Sitzmantra ein. Mit oṃ und namaḥ verehrt man Vibhūti, Unnati, Kānti, Sṛṣṭi, Kīrti, Sannati, Vyuṣṭi, Utkṛṣṭi und Ṛddhi. Im Nibandha heißt es: Diese werden als die neun Kräfte bezeichnet. [Im Zitat ist nach Kānti nochmals „kāntyai“ eingeschoben; die Prosaliste nennt neun Kräfte ohne diese Wiederholung.]

P2-0317 · Originalnummer 7
tataḥ śrīṃ kamalāsanāya namaḥ ityāsanaṃ nyaset |
tataḥ karāṅganyāsau:
śrāṃ aṃguṣṭhābyāṃ namaḥ |
śrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
śrūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
śraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
śrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
śraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ śrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā nyaset |
tathā ca nibhandhe:
aṅgāni dīrghayuktena ramābījena kalpayet
|| 7 ||

Dann setzt man mit „śrīṃ kamalāsanāya namaḥ – Verehrung dem Lotussitz“ den Sitz ein. Der Handnyāsa: śrāṃ an den Daumen mit namaḥ; śrīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; śrūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; śraiṃ an den Ringfingern mit huṃ; śrauṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; śraḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso setzt man mit „śrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln die Glieder ein. Im Nibandha heißt es: Mit Ramās Bīja, verbunden mit den langen Vokalen, soll man die Glieder bilden.

P2-0318 · Originalnummer 9
tato dhyānam:
kāntyā kāñcanasannibhāṃ
himagiriprakhyaiścaturbhirgajairhastotkṣiptahiraṇyamayāmṛtaghaṭai-
rāsicyamānāṃ śriyam |
vibhrāṇāṃ varamabjayugmamabhayaṃ hastaiḥ kirīṭojjvālāṃ,
kṣaumāvaddhanitambavimbalalitāṃ vande'ravindasthitām ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt |
tataḥ pīṭhapūjāṃ vidhāya keśareṣu madhye ca
vibhūtyādipīṭhamanvantaṃ sampūjya, mūlena mūrtiṃ parikalpya,
punardhyātvā āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ karma
vidhāya, āvaraṇapūjāmārabheta ||
tadyathā:
agnyādi keśareṣu madhye dikṣu ca śrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā
sampūjya digdaleṣu pūrvādi oṃ vāsudevāya namaḥ evaṃ
saṅkarṣaṇāya, pradyumnāya, aniruddhāya |
vidigdaleṣu agnyādi oṃ damakāya namaḥ, salilāya, guggulave,
kuruṇṭakāya |
tato devyā dakṣiṇe oṃ śaṅkhanidhaye namaḥ, evaṃ vasudhāyai, vāme
oṃ padmanidhaye namaḥ evaṃ vasumatyai |
patrāgreṣu pūrvādi oṃ balākyai namaḥ evaṃ vimalāyai kamalāyai
vanamālikāyai vibhīṣikāyai mālikāyai śāṅkaryai vasumālikāyai,
tadvahirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanānta karma samāpayet
|| 9 ||

Die Meditation: Ich verehre Śrī, die auf einem Lotus steht und golden glänzt. Vier Elefanten, hell wie der Schneeberg, besprengen sie aus goldenen Nektargefäßen, die sie mit ihren Rüsseln erheben. Mit ihren Händen zeigt sie Gewährung und Furchtlosigkeit und trägt zwei Lotusse. Ihre Krone strahlt; ihre von einem Leinengewand umschlossenen Hüften sind lieblich. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und vollzieht die Sitzverehrung. Auf den Staubfäden und in der Mitte verehrt man Vibhūti und die übrigen bis zum Sitzmantra, bildet mit dem Grundmantra die Gestalt, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Dann beginnt die Umkreisverehrung: Auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit „śrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Auf den Blättern der Hauptrichtungen, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha. Auf den Blättern der Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, Damaka, Salila, Guggulu und Kuruṇṭaka. Rechts von der Göttin den Muschelschatz und Vasudhā, links den Lotusschatz und Vasumatī. An den Blattspitzen, im Osten beginnend, Balākā, Vimalā, Kamalā, Vanamālikā, Vibhīṣikā, Mālikā, Śāṅkarī und Vasumālikā. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0319 · Originalnummer 10
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
bhānulakṣaṃ japenmantraṃ dīkṣito vijitendriyaḥ |
tatsahasrañca juhuyātkamalairmadhurokṣitaiḥ |
japānte juhuyāmantrī tilairvā madhurāplutaiḥ |
vilvaiḥ phalairvā juhuyāttribhirvā sādhakottama
|| 10 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der Initiierte, der seine Sinne bezwungen hat, soll das Mantra 1.200.000-mal wiederholen und zwölftausendmal mit süß besprengten Lotussen im Feuer opfern. Nach dem Japa kann der Mantrapraktizierende auch mit süß getränktem Sesam oder mit Bilvafrüchten opfern, oder mit allen drei, du vorzüglicher Praktizierender.

P2-0320 · Originalnummer 11
mantrānataram
vāgbhavaṃ vanitā viṣṇaurmāyā makaraketanaḥ |
caturvarṇātmako mantraḥcaturvargaphalapradaḥ
|| 11 ||

Ein anderes Mantra: Vāgbhava, Viṣṇus Gemahlin, Māyā und Makaraketana ergeben das viersilbige Mantra, das die Früchte der vier Lebensziele schenkt: aiṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ.

P2-0324 · Originalnummer 15
mantrāntaram :
namaḥ kamalavāsinyai ṭhadvayamiti prokto daśākṣaraḥ |
tathā ca nibandhe:
dīrgho yādirvisargānto brahmā bhānurvasundharā |
vānte sinyai priyā vahnermanuḥ prokto daśākṣaraḥ
|| 15 ||

Ein anderes Mantra: „namaḥ kamalavāsinyai svāhā – Verehrung der im Lotus Wohnenden, svāhā“ wird als zehnsilbig bezeichnet. Im Nibandha wird es verschlüsselt: der lange, mit ya beginnende Laut mit Visarga am Ende, Brahmā, Bhānu, die Erde, dann va, „sinyai“ und die Geliebte des Feuers ergeben das zehnsilbige Mantra. [Die verschlüsselte Anfangszeile ist beschädigt; die ausgeschriebene Formel steht ausdrücklich davor.]

P2-0325 · Originalnummer 16
asya pūjā:
pūrvavatpīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
yathā:
śirasi dakṣaṛṣaye namaḥ |
mukhe virāṭacchandase namaḥ |
hṛdi śriyai devatāyai namaḥ |
tathā ca śāradāyām:
ṛṣirdakṣo virāṭachando devatāśrī samīritā
|| 16 ||

Seine Verehrung: Wie zuvor setzt man die Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa. Auf dem Kopf „dakṣaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Dakṣa“; am Mund „virāṭchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Virāṭ“; am Herzen „śriyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Śrī“. Die Śāradā bestätigt: Dakṣa ist der Seher, Virāṭ das Versmaß, Śrī die Gottheit.

P2-0326 · Originalnummer 17
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ devyai namo'ṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
oṃ padminyai namastarjanībhyāṃ svāhā |
oṃ viṣṇupatnye namo madhyamābhyāṃ vaṣaṭa |
oṃ varadāyai namo'nāmikābhyāṃ huṃ |
oṃ kamalarūpāyai namaḥ kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ oṃ devyai namo hṛdayāya namaḥ ityādi |
tathā ca nibandhe:
devyai hṛdayamākhyātaṃ padminyai śira īritam |
viṣṇupatnyai śikhā proktā varadāyai tanucchadam |
astraṃ kamalarūpāyai namo'ntāḥ praṇavādikāḥ
|| 17 ||

Der Handnyāsa: „oṃ devyai namo“ an den Daumen mit namaḥ – „Verehrung der Göttin“; „oṃ padminyai namas“ an den Zeigefingern mit svāhā – „der Lotusreichen“; „oṃ viṣṇupatnye namo“ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ – „Viṣṇus Gemahlin“; „oṃ varadāyai namo“ an den Ringfingern mit huṃ – „der Gabenspenderin“; „oṃ kamalarūpāyai namaḥ“ an den kleinen Fingern mit phaṭ – „der Lotusgestaltigen“. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: devyai ist das Herzmantra, padminyai das Kopfmantra, viṣṇupatnyai das Haarlockenmantra, varadāyai der Schutzpanzer und kamalarūpāyai die Waffe. Alle beginnen mit oṃ und enden mit namaḥ.

P2-0328 · Originalnummer 19
agnyādi catuṣkoṇamadhye dikṣu ca oṃ devyai namo hṛdayāya namaḥ |
oṃ padminyai namaḥ śirase svāhā |
oṃ viṣṇupatnyai namaḥ śikhāyai vaṣaṭ |
oṃ varadāyai namaḥ kavacāya huṃ |
oṃ kamalarūpāyai namo'strāya phaṭ |
tataḥ pūrvādidaleṣu pūrvavadvalākyādikāḥ pūjayet |
tadvahirindrādīn vajrādīṃśca pūjaet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 19 ||

In den vier Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen: „oṃ devyai namo hṛdayāya namaḥ“ am Herzen; „oṃ padminyai namaḥ śirase svāhā“ am Kopf; „oṃ viṣṇupatnyai namaḥ śikhāyai vaṣaṭ“ an der Haarlocke; „oṃ varadāyai namaḥ kavacāya huṃ“ am Schutzpanzer; „oṃ kamalarūpāyai namo astrāya phaṭ“ an der Waffe. Auf den Blättern, im Osten beginnend, verehrt man wie zuvor Balākā und die übrigen. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0329 · Originalnummer 20
asya puraścaraṇajapo daśalakṣaḥ |
tathā ca:
daśalakṣaṃ japenmantraṃ mantravidvijitendriyaḥ |
daśāṃśaṃ juhuyānmantrī madhurākteḥ saroruhaiḥ
|| 20 ||

Das Puraścaraṇajapa beträgt zehn Lakh, also 1.000.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der Mantrakundige, der seine Sinne bezwungen hat, soll das Mantra 1.000.000-mal wiederholen und ein Zehntel mit süß bestrichenen Lotussen im Feuer opfern.

P2-0330 · Originalnummer 21
atha mahālakṣmīmantrāḥ
tāro vāgbhavaṃ māyā ramā kāmaḥ hesorjagatprasūtyai namaḥ |
tathā ca:
vāgbhavaṃ śambhuvanitā ramā makaraketanaḥ |
tārtīyañca jagatpārśvo vahnibījasamujjvalaḥ |
arghīśāḍhyo bhṛgustyaihṛnmantro'yaṃ dvādaśakṣaraḥ |
mahālakṣmyāḥ samuddiṣṭastārādyaḥ sarvasiddhidaḥ
|| 21 ||

Nun die Mahālakṣmīmantras: Tārā, Vāgbhava, Māyā, Ramā, Kāma, „hesoḥ“, „jagatprasūtyai“ und namaḥ. Dazu heißt es: Vāgbhava, Śambhus Gemahlin, Ramā und Makaraketana; dann der dritte Laut, „jagat“, Pārśva, leuchtend mit dem Feuerbīja und versehen mit Arghīśa, dann Bhṛgu, „tyai“ und die Herzformel. Dieses mit Tārā beginnende zwölfsilbige Mantra wird für Mahālakṣmī gelehrt und schenkt alle Vollendungen. Die Prosa gibt die Bestandteile der Formel „oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ hesoḥ jagatprasūtyai namaḥ – Verehrung der Gebärerin der Welt“. [Die Lesung heso/hesoḥ schwankt; die Lautverschlüsselung des Zitats ist teilweise beschädigt. Die ungewöhnliche Form wird nicht stillschweigend durch eine andere ersetzt.]

P2-0331 · Originalnummer 22
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādiśrībījoktapīṭhanyāsāntaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
mahālakṣmyai devatāyai namaḥ
|| 22 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum beim Śrībīja gelehrten Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „brahmaṇe ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Brahmā“; am Mund „gāyatrīchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Gāyatrī“; am Herzen „mahālakṣmyai devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Mahālakṣmī“.

P2-0332 · Originalnummer 23
tato mūlena karau saṃśodhya aṃguṣṭhādikrameṇa pratyekaṃ
tārādinamo'ntāni pañcabījāni nyaset |
oṃ aiṃ namaḥ, oṃ hrīṃ namaḥ, oṃ śrīṃ namaḥ, oṃ klīṃ namaḥ, oṃ heso
namaḥ, oṃ jagatprasūtyainamaḥ |
iti karatale |
tato mastakādicaraṇaṃ yāvanmūlena vyāpakaṃ kuryāt |
tato mūrddhāsyahṛdayaguhyapādeṣu pañcabījāni nyaset |
śeṣākṣarāṇi hṛdaye saptadhātuṣu |
tathā ca nibandhe:
hastau saṃśodhya mūlena tārādihṛdayāntakam |
bījānāṃ pañcakaṃ nyasyedaṃguliṣu yathākramam |
mantraśeṣaṃ nyasenmatrī talayorubhayorapi |
mūrddhādicaraṇaṃ yāvanmūlena vyāpakaṃ nyaset |
mūrddhāsyavakṣoguhyāṃghrau pañcabījāni vinyaset |
śeṣānnyasetsaptavarṇān hṛdaye saptadhātuṣu
|| 23 ||

Dann reinigt man beide Hände mit dem Grundmantra und setzt der Reihe nach auf Daumen und die übrigen Finger die fünf Bījas, jeweils mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende: aiṃ, hrīṃ, śrīṃ, klīṃ und heso. Auf die Handfläche setzt man „oṃ jagatprasūtyai namaḥ“. Mit dem Grundmantra vollzieht man den umfassenden Nyāsa vom Kopf bis zu den Füßen. Dann setzt man die fünf Bījas auf Scheitel, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße; die restlichen Silben auf die sieben Körperstoffe im Herzen. Im Nibandha heißt es: Man reinigt die Hände mit dem Grundmantra, setzt die fünf Bījas mit Tārā am Anfang und Herzformel am Schluss der Reihe nach auf die Finger, den übrigen Mantrateil auf beide Handflächen. Vom Scheitel bis zu den Füßen folgt der umfassende Nyāsa mit dem Grundmantra. Die fünf Bījas setzt man auf Scheitel, Gesicht, Brust, verborgene Stelle und Füße; die übrigen sieben Silben auf die sieben Körperstoffe im Herzen.

P2-0333 · Originalnummer 24
tataḥ karāṅganyāsau:
aiṃ jñānāya aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
hrīṃ aiśvaryāya tarjanībhyā svāhā |
śrīṃ śaktaye madhyamābhyāṃ vaṣaṭa |
klīṃ balāya anāmikābhyāṃ huṃ |
hesoḥ vīryāya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭa |
jagatprasūtyai namastejase karatalapṛṣṭhabhyāṃ phaṭa |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
aṅgāni pañcabhirbījairastraṃ śeṣākṣarairbhavet |
jñanaiśvaryādibhiryuktaiścaturthyantai sajātibhiḥ |
jñānamaiśvaryaśaktī ca balavīrye satejasī |
jñānaiśvaryādayaḥ proktāḥ ṣaṭkramādaṅgadevatāḥ
|| 24 ||

Der Handnyāsa: „aiṃ jñānāya“ an den Daumen mit namaḥ – „der Erkenntnis“; „hrīṃ aiśvaryāya“ an den Zeigefingern mit svāhā – „der Herrschermacht“; „śrīṃ śaktaye“ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ – „der Kraft“; „klīṃ balāya“ an den Ringfingern mit huṃ – „der Stärke“; „hesoḥ vīryāya“ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ – „der Wirkmacht“; „jagatprasūtyai namas tejase“ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ – „der Gebärerin der Welt; dem Glanz“. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: Die Glieder werden mit den fünf Bījas gebildet, die Waffe mit den restlichen Silben; hinzu treten Erkenntnis, Herrschermacht und die weiteren Begriffe in der Dativform sowie die Abschlussformeln. Erkenntnis, Herrschermacht, Kraft, Stärke, Wirkmacht und Glanz werden in dieser Reihenfolge als die sechs Gliedergottheiten bezeichnet.

P2-0335 · Originalnummer 26
tataḥ
śrībījoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabhet |
yathā:
devyā dakṣiṇe śaṅkaranandanāya namaḥ, evaṃ vāme puṣpadhanvane,
agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca aiṃ jñānāya hṛdayāya namaḥ
ityādinā pūjayet |
tathā ca śāradāyām:
pūjayeddakṣiṇe pārśve devyāḥ śaṅkaranandanam |
anyataḥ puṣpadhanvānaṃ puṣpāñjalikaraṃ yajet |
aṃgāni pūrvamukteṣu sthāneṣu vidhivadyajet |
patreṣu pūrvādi oṃ umāyai namaḥ, evaṃ śriyai sarasvatyai durgāyai
dharaṇyai gāyatryai devyai uṣāyai |
dakṣiṇe jahnasutāyai, vāme sūryasutāyai, purnadakṣiṇe oṃ
śaṅkhanidhaye, punarvāme oṃ padmanidhaye, paścime dhṛtātapatraṃ
varuṇaṃ pūjayet |
yathā:
umādyāḥ patramadhyasthāḥ śaktīraṣṭau yajet kramāt |
athomā śrī sarasvatyai durgādharaṇīsaṃyutā ||
gāyatrī devyuṣā ceti padmahastāḥ suśobhanāḥ |
tadbāhye dvādaśarāśīn navagrahān pratyekena yajet |
tadvāhye aṣṭau gajān airāvata-
puṇḍarīkavāmanakumudāñjanapuṣpadantasārvabhaumasupratīkān
pūjayet |
tathā ca nibandhe:
jahnusūryasute pūjye pādaprakṣālanodyate |
śaṅkhapadmanidhī pūjyau pārśvayordhṛtacāmarau ||
dhṛtātatravaruṇaṃ pūjayet paścime tataḥ |
sampūjya rāśīn parito yajedatha navagrahān |
arcayeddiggajān dikṣu caturdantavibhūṣitān |
airāvataḥ puṇḍarīko vā namaḥ kumudo'ñjanaḥ ||
puṣpadaṃtaḥ sārvabhaumaḥ supratīkaśca te kramāt |
tata indrādīn vajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 26 ||

Nach der beim Śrībīja gelehrten Sitzverehrung meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Rechts der Göttin verehrt man Śaṅkaranandana, links Puṣpadhanvan; in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen mit „aiṃ jñānāya hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. In der Śāradā heißt es: Rechts der Göttin verehrt man Śaṅkaras Sohn, auf der anderen Seite den Blumenbogenträger mit zum Blumenopfer gefalteten Händen. Die Glieder verehrt man vorschriftsmäßig an den zuvor genannten Stellen. Auf den Blättern, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Umā, Śrī, Sarasvatī, Durgā, Dharaṇī, Gāyatrī, Devī und Uṣā. Rechts verehrt man Jahnus Tochter, links die Tochter der Sonne, weiter rechts den Muschelschatz, weiter links den Lotusschatz und hinten Varuṇa, der den Sonnenschirm hält. Dazu heißt es: Man verehrt der Reihe nach die acht Kräfte in der Mitte der Blätter: Umā, Śrī, Sarasvatī, Durgā, Dharaṇī, Gāyatrī, Devī und Uṣā, schön und mit Lotussen in den Händen. Außen verehrt man einzeln die zwölf Tierkreiszeichen und neun Planeten. Noch weiter außen die acht Elefanten Airāvata, Puṇḍarīka, Vāmana, Kumuda, Añjana, Puṣpadanta, Sārvabhauma und Supratīka. Im Nibandha heißt es: Jahnus und der Sonne Töchter werden verehrt, bereit zum Waschen der Füße. Der Muschel- und der Lotusschatz stehen an beiden Seiten mit Yakschweifwedeln. Hinten verehrt man Varuṇa mit dem Sonnenschirm. Ringsum verehrt man die Tierkreiszeichen und danach die neun Planeten. In den Richtungen verehrt man die Richtungselefanten, die mit vier Stoßzähnen geschmückt sind: Airāvata, Puṇḍarīka, Vāmana, Kumuda, Añjana, Puṣpadanta, Sārvabhauma und Supratīka. Dann folgen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Schließlich vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0336 · Originalnummer 27
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
bhānulakṣaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ juhuyādyadhṛtaiḥ |
juhuyāt śrīphalaiḥ padmaiḥ pratyekamayutadvayam ||
tarpayet salilaiḥ śuddhaiḥ sugandhairayutadvayam |
ayutadvayamiti vācanikavyavasthā
|| 27 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 1.200.000-mal und opfert ein Zehntel mit geklärter Butter. Mit Śrīfrüchten und Lotussen opfert man jeweils zwanzigtausendmal; mit reinem, duftendem Wasser vollzieht man zwanzigtausend Sättigungsdarbringungen. Die Zahl zwanzigtausend ist ausdrücklich durch den Wortlaut vorgeschrieben.

P2-0337 · Originalnummer 20
mantrāntaram:
śambhūpatnī śriyā ruddhā kamo bhagavatī mahī |
brahmādityau dharā dīrghā lakṣmyādirbhagavānmarut ||
prasīdayugalaṃ bhūyaḥ śrīruddhā bhuvaneśvarī |
mahālakṣmi namo'ntaḥ syāt praṇavādirayaṃ manuḥ |
mahīlakāraḥ, bhagavatī ekāravatī, brahmā kakāraḥ, ādityo makāraḥ,
dharā lakāraḥ, dīrghā ākārayuktā, lakṣmyādirlakāraḥ, marut
yakāra ekārayuktaḥ,
|| 20 ||

Ein anderes Mantra: Śambhus Gemahlin, von Śrī umschlossen; dann Ka mit Bhagavatī und Mahī, Brahmā und Āditya, die lange Erde, der Anfang von Lakṣmī, der mit Bhaga versehene Wind; zweimal „prasīda“, erneut Bhuvaneśvarī, von Śrī umschlossen; „mahālakṣmi“, namaḥ am Schluss und oṃ am Anfang. Mahī ist la, Bhagavatī die Verbindung mit e; Brahmā ist ka, Āditya ma, Erde la, „lang“ die Verbindung mit ā; Lakṣmīs Anfang ist la, Wind ya, verbunden mit e. Die erklärten Wörter ergeben: „oṃ śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale kamalālaye prasīda prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ mahālakṣmi namaḥ – Oṃ, Kamalā, im Lotus Wohnende, sei gnädig, sei gnädig, große Lakṣmī, Verehrung!“

P2-0338 · Originalnummer 29
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādipūrvokta ṛṣyādinyāsāntaṃ vidhāya karāṅganyāsau
kuryāt |
śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale śrīṃ hrīṃ śrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ
namaḥ |
evaṃ śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamalālaye śrīṃ hrīṃ śrīṃ tarjanībhyāṃ
svāhā |
śrīṃ hrīṃ śrīṃ prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ madhyamābhyāṃ
vaṣaṭ |
śrīṃ hrīṃ śrīṃ prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
śrīṃ hrīṃ śrīṃ mahālakṣmi śrīṃ hrīṃ śrīṃ kaniṣṭhābhyāṃ
vauṣaṭ |
śrīṃ hrīṃ śrīṃ namaḥ śrīṃ hrīṃ śrīṃ astrāya phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
kamale hṛdayaṃ proktaṃ śiraḥ syātkamalālaye |
śikhā prasīda tenaiva kavacaṃ caturakṣaraiḥ |
astrametaiḥ padaiḥ kuryātribījapuṭitaiḥ pṛthak
|| 29 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen und dem zuvor beschriebenen Sehernyāsa folgt der Hand- und Gliedernyāsa. Jedes der folgenden Worte wird vorne und hinten von „śrīṃ hrīṃ śrīṃ“ umschlossen: kamale an den Daumen mit namaḥ; kamalālaye an den Zeigefingern mit svāhā; prasīda an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; prasīda an den Ringfingern mit huṃ; mahālakṣmi an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; namaḥ als Waffenmantra mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: kamale ist das Herzmantra, kamalālaye das Kopfmantra, prasīda das Haarlockenmantra und dasselbe der Schutzpanzer; mit den vier Silben und den weiteren Worten bildet man die Waffe, jedes Wort einzeln von den drei Bījas umschlossen. [Die letzte Verszeile ist verkürzt; die ausdrückliche Prosaliste nennt sechs Formeln.]

P2-0340 · Originalnummer 31
pūrvavatpīṭhapūjāṃ vidhāya, punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
keśareṣu agnyādikoṇe madhye dikṣu ca śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale
śrīṃ hrīṃ śrīṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā pūjayet |
dalamūle pūrvādi oṃ śrīdharāya namaḥ evaṃ hṛṣikeśāya
vaikuṇṭhāya viśvarūpāya vāsudevāya saṅkarṣaṇāya pradyumnāya
aniruddhāya |
dalamadhye bhāratyai pārvatyai cāndryaṃ śacyai damakāya salilāya
guggulave kuruṇṭakāya |
dalāgreṣu:
anurāgaṃ visaṃvādaṃ vijayaṃ vallabhaṃ madam |
harṣa valaṃ teja iti mahālakṣmībāṇānyajet |
vākyantu:
anurāgāya mahālakṣmībāṇāya namaḥ evaṃ krameṇa pūjayet
|| 31 ||

Nach der Sitzverehrung wie zuvor meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit „śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale śrīṃ hrīṃ śrīṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. An den Blattwurzeln, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Vaikuṇṭha, Viśvarūpa, Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha. In der Blattmitte Bhāratī, Pārvatī, Cāndrī, Śacī, Damaka, Salila, Guggulu und Kuruṇṭaka. An den Blattspitzen verehrt man die Pfeile Mahālakṣmīs: Anurāga, Visaṃvāda, Vijaya, Vallabha, Mada, Harṣa, Bala und Tejas. Die Formel lautet „anurāgāya mahālakṣmībāṇāya namaḥ – Verehrung Anurāga, dem Pfeil Mahālakṣmīs“, und entsprechend weiter. [Die Vorlage hat „cāndryaṃ“ statt einer passenden Dativform.]

P2-0343 · Originalnummer 33
atha sūryamantrāḥ |
tāro ghṛṇirbhṛguḥ paścādvāmakarṇavibhūṣitaḥ |
vahnyāsano maruccheṣaḥ sanetro'dristya paścimaḥ ||
aṣṭākṣaro manuḥ prokto bhānorabhimatapradaḥ
|| 33 ||

Nun die Sūryamantras: Tārā, „ghṛṇi“, dann Bhṛgu mit dem linken Ohr; Wind auf dem Feuersitz, der folgende Laut, der Berg mit Auge und zuletzt „tya“ ergeben das achtsilbige Mantra Bhānus, das alles Gewünschte schenkt. Die folgende Lautverteilung bestätigt „oṃ ghṛṇi sūrya āditya“. [Die Verschlüsselung „maruccheṣaḥ“ ist beschädigt; die Formel wird aus dem ausdrücklich folgenden Nyāsa erschlossen.]

P2-0344 · Originalnummer 34
asya pūjā:
sāmānyapūjāpaddhatyukta prātaḥkṛtyādiprāṇāyāmāntaṃ
vidhāya pīṭhanyāsaṃ kuryāt |
tatra viśeṣaḥ:
svahṛdayasya pūrvādidikṣu madhye ca prabhūtaṃ vimalaṃ sāraṃ
samārādhyaṃ paramasukhaṃ vinyasya ādhāraśaktyādi aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ ityantaṃ nyaset |
tathā ca nibandhe:
pīṭhe kḷpte prathamaṃ dikṣu madhye ca saṃyajet |
prabhūtaṃ vimalaṃ sāraṃ samārādhyamanantaram |
paramādisukhaṃ pīṭhaṃ svavidyāntaṃ prakalpayet |
tataḥ keśareṣu madhye ca rāṃ dīptāyai namaḥ, rīṃ sūkṣmāyai
namaḥ, rūpaṃ jayāyai, reṃ bhadrāyai, raiṃ vibhūtyai, roṃ
vimalāyai, rauṃ amoghāyai, raṃ vidyutāyai, raḥ sarvatomukhyai namaḥ
|
taduktaṃ nibandhe:
dīptā sūkṣmā jayā bhadrā vibhūtirvimalā punaḥ |
amoghā vidyutā sarvatomukhī pīṭhaśaktayaḥ |
dīptadīpaśikhākārā bījanyāsaṃ vidyuḥ kramāt |
aklīvahrasvatritayasvarānvindvagnisaṃyutān || tadupari oṃ
brahmaviṣṇuśivātmakāya saurāya yogapīṭhāya namaḥ |
tathā ca śāradāyām:
vadetpadaṃ caturthyantaṃ brahmaviṣṇu śivātmakam |
saurāya yogapīṭhāya namaḥ padamanantaram ||
pīṭhamantro'yamākhyāto dineśasya jagatpateḥ
|| 34 ||

Seine Verehrung: Nach den im allgemeinen Pūjāverfahren beschriebenen morgendlichen Handlungen bis zur Atemregelung vollzieht man den Sitznyāsa. Die Besonderheit: In den im Osten beginnenden Richtungen des eigenen Herzens und in der Mitte setzt man Prabhūta, Vimala, Sāra, Samārādhya und Paramasukha ein. Danach folgt die Reihe, beginnend mit Ādhāraśakti, bis „aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ – Verehrung der Sonnensphäre, deren Wesen die zwölf Kräfte sind“. Im Nibandha heißt es: Zuerst verehrt man auf dem gebildeten Sitz in den Richtungen und der Mitte Prabhūta, Vimala, Sāra, Samārādhya und Paramasukha; man bildet den Sitz bis zur eigenen Vidyā. Dann setzt man auf die Staubfäden und in die Mitte, jeweils mit namaḥ: rāṃ Dīptā, rīṃ Sūkṣmā, „rūpaṃ“ Jayā, reṃ Bhadrā, raiṃ Vibhūti, roṃ Vimalā, rauṃ Amoghā, raṃ Vidyutā und raḥ Sarvatomukhī. Der Nibandha nennt diese neun Sitzkräfte und beschreibt sie in Gestalt strahlender Lampenflammen. Ihre Bījas bestehen der Reihe nach aus den Vokalen unter Auslassung der neutralen und drei kurzen, verbunden mit Bindu und Feuerlaut. Darüber: „oṃ brahmaviṣṇuśivātmakāya saurāya yogapīṭhāya namaḥ – Verehrung dem solaren Yogasitz, dessen Wesen Brahmā, Viṣṇu und Śiva sind“. Die Śāradā erklärt dieselbe Wortfolge und nennt sie das Sitzmantra des Tagesherrn, des Herrn der Welt. [Bei Jayā steht rūpaṃ statt des nach der Reihe erwartbaren rūṃ.]

P2-0345 · Originalnummer 35
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi devabhāga-ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
ādityāya devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
devabhāgo muniḥprokto gāyatrīcchanda īritam |
ādityo devatā prokto dṛṣṭādṛṣṭaphalapradaḥ
|| 35 ||

Der Sehernyāsa: auf dem Kopf „devabhāgaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Devabhāga“; am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“; am Herzen „ādityāya devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Āditya“. Im Nibandha heißt es: Devabhāga ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Āditya die Gottheit, die sichtbare und unsichtbare Früchte schenkt.

P2-0346 · Originalnummer 36
rāmārcanacandrikāyām:
tāraṃ bījamiti proktaṃ yaḥ śaktiḥ samudāhṛtaḥ |
caitanmantrasya bhārgava-ṛṣiḥ ||
taduktaṃ rāmārcanacandrikāyām:
bhārgavavo'sya muniḥ proktā gāyatrī devatā manoḥ |
ityādi |
tataḥ karāṅganyāsaḥ:
satyāya tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
brahmaṇe tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā tarjanībhyāṃ svāhā |
viṣṇavetejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
rudrāya tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā anāmikābhyāṃ huṃ |
agnaye tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
sarvāya tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ
|
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 36 ||

In der Rāmārcanacandrikā heißt es: Tārā wird als Bīja genannt, ya als Kraft. Für dieses Mantra ist Bhārgava der Seher. Dort heißt es: Bhārgava ist sein Seher, Gāyatrī die Gottheit des Mantras, und entsprechend weiter. [Die Vorlage nennt im Zitat tatsächlich „devatā“, obwohl nach der üblichen Zuordnung hier das Versmaß zu erwarten wäre.] Der Handnyāsa verwendet jeweils „tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā – du Juwel der Lichtflamme, huṃ phaṭ svāhā“, davor: satyāya an den Daumen mit namaḥ; brahmaṇe an den Zeigefingern mit svāhā; viṣṇave an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; rudrāya an den Ringfingern mit huṃ; agnaye an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; sarvāya an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Die Anreden bedeuten „dem Wahren, Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Agni, dem All“. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern.

P2-0347 · Originalnummer 37
tathā ca śāradāyām:
satyāya hṛdayaṃ proktaṃ brahmaṇe śira īritam |
viṣṇave syācchikhā varma rudrāya parīkīrtitam |
agnayenetramākhyātaṃ sarvāyā stramudāhṛtam tejojvālāmaṇe huṃ
phaṭ dviṭhāntāḥ pṛthagīritāḥ
|| 37 ||

In der Śāradā heißt es: satyāya wird als Herzmantra bezeichnet, brahmaṇe als Kopfmantra, viṣṇave als Haarlockenmantra, rudrāya als Schutzpanzer, agnaye als Augenmantra und sarvāya als Waffenmantra. Jede Formel enthält „tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ“ und endet mit zweimal ṭha, also svāhā.

P2-0348 · Originalnummer 38
tato mūrtinyāsaḥ
yathā:
śirasi oṃ ātyiyā namaḥ, evaṃ mukhe eṃ ravaye, hṛdaye uṃ bhānave,
guhye iṃ bhāskarāya, caraṇayoḥ aṃ sūryāya
|| 38 ||

Dann folgt der Gestaltennyāsa: auf dem Kopf „oṃ ātyiyā namaḥ“; auf dem Gesicht „eṃ ravaye“; am Herzen „uṃ bhānave“; an der verborgenen Stelle „iṃ bhāskarāya“; an den Füßen „aṃ sūryāya“, jeweils mit namaḥ. [„ātyiyā“ ist beschädigt; der nächste Vers bestätigt Āditya. Die Formen oṃ/eṃ stehen so in der Vorlage.]

P2-0349 · Originalnummer 39
tathā ca nibandhe:
ādityaṃ vinyasenmūrdhniraviñca mukhato nyaset |
hṛdaye bhānunāmānaṃ bhāskaraṃ guhyadeśataḥ ||
sūryañcaraṇayornyaset |
hrasvaiḥ satyādipañcabhiḥ |
tato mantranyāsaḥ:
śarasi oṃ oṃ namaḥ, mukhe oṃ ghṛ namaḥ |
kaṇṭhe oṃ ṇi namaḥ, hṛdaye oṃ sū namaḥ, kukṣau oṃ ryya namaḥ, nābhau
oṃ ā namaḥ |
liṅge oṃ di namaḥ, pādayoḥ oṃ tya namaḥ |
tathā ca nibandhe:
mūrddhāsya kaṇṭhahṛdayakukṣinābhidhvajāṃghriṣu |
mantravarṇān nyasedaṣṭau pratyekaṃ praṇavādinā
|| 39 ||

Im Nibandha heißt es: Man setzt Āditya auf den Scheitel, Ravi auf das Gesicht, Bhānu ins Herz, Bhāskara an die verborgene Stelle und Sūrya an beide Füße, mit den fünf kurzen Lauten, beginnend mit Satya. Dann der Mantranyāsa, jeweils mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss: oṃ auf den Kopf, ghṛ auf das Gesicht, ṇi an den Hals, sū ins Herz, ryya auf den Bauch, ā auf den Nabel, di auf das Geschlechtsorgan und tya auf die Füße. Der Nibandha bestätigt die acht Mantralaute an Scheitel, Gesicht, Hals, Herz, Bauch, Nabel, Geschlechtsorgan und Füßen.

P2-0352 · Originalnummer 42
tato gurupaṃktipūjāṃ kṛtvā pīṭhapūjāṃ kuryāt |
oṃ khaṃ khakholkāya namaḥ iti mūrtiṃ parikalpya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpañjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabheta |
tathā ca nibandhe:
tārādi khaṃ khakholkāya manunā mūrtikalpanā |
sākṣiṇaṃ sarvalokānāṃ tasyāmāvāhya pūjayet ||
keśareṣu agnyādikoṇe madhye dikṣu ca oṃ satyāya tejojvālāmaṇe huṃ
phaṭ svāhā hṛdayāya namaḥ |
evaṃ oṃ brahmaṇe tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā hṛdayāya namaḥ |
evaṃ oṃ brahmaṇe tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā śirase svāhā |
oṃ viṣṇave tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā śikhāyai vaṣaṭ |
oṃ rudrāya tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā kavacāya huṃ |
oṃ agnaye tejojvālāmane huṃ phaṭ svāhā netratrayāya vauṣaṭ |
oṃ sarvāya tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā astrāya phaṭ |
dikpatreṣu pūrvādi oṃ ādityāya namaḥ, evaṃ eṃ ravaye uṃ bhānave
iṃ bhāskarāya |
vidikpatreṣu ūṃ ūṣāyai, paṃ prajñāyai, paṃ prabhāyai, saṃ
sandhyāyai |
tathā ca nibandhe:
aṅgāni pūjayedādau dikpatreṣvarkamūrtayaḥ |
ādityādyāścatasro'rcyāḥ śaktayaḥ koṇapatragāḥ ||
svasvanāmādivarṇāḥ syustāsāṃ vījānyanukramāt |
ūṣā prajñā prabhā sandhyā śaktayaḥ parikīrtitāḥ ||
tataḥ patrāgreyu brāhmyādyāḥ sampūjya purato'ruṇamarcayet |
tathā ca śāradāyām:
patrāgrasthā brāhmyādyāḥ purato'ruṇamarcayet |
tadbāhye pūrvādi candrādīn pūjayet |
oṃ candrāya namaḥ, evaṃ maṅgalāya budhāya vṛhaspataye śukrāya
śanaiścarāya rāhave ketave |
tathā ca śāradāyām:
candrādīn pūjayet paścādgrahānaṣṭau tato bahiḥ |
tata indrādīn vajrādīṃśca sampūjya dhūpādivisarjanāntaṃ karma
samāpayet
|| 42 ||

Dann verehrt man die Gurureihe und den Sitz. Mit „oṃ khaṃ khakholkāya namaḥ“ bildet man die Gestalt, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Im Nibandha heißt es: Mit dem von Tārā eingeleiteten Mantra „khaṃ khakholkāya“ wird die Gestalt gebildet; in ihr ruft man den Zeugen aller Welten an und verehrt ihn. Die Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet jeweils „oṃ … tejojvālāmaṇe huṃ phaṭ svāhā“: satyāya am Herzen mit namaḥ; brahmaṇe ebenfalls am Herzen mit namaḥ; nochmals brahmaṇe am Kopf mit svāhā; viṣṇave an der Haarlocke mit vaṣaṭ; rudrāya am Schutzpanzer mit huṃ; agnaye an den drei Augen mit vauṣaṭ; sarvāya an der Waffe mit phaṭ. Auf den Blättern der Hauptrichtungen, im Osten beginnend: oṃ Āditya, eṃ Ravi, uṃ Bhānu und iṃ Bhāskara, jeweils mit namaḥ. Auf den Zwischenrichtungsblättern: ūṃ Uṣā, paṃ Prajñā, paṃ Prabhā und saṃ Sandhyā. Im Nibandha heißt es: Zuerst verehrt man die Glieder; auf den Hauptrichtungsblättern die vier Sonnengestalten, beginnend mit Āditya; auf den Eckblättern die Kräfte. Ihre Bījas sind der Reihe nach die Anfangslaute ihrer Namen. Die Kräfte heißen Uṣā, Prajñā, Prabhā und Sandhyā. An den Blattspitzen verehrt man Brāhmī und die übrigen; vorne Aruṇa, wie die Śāradā bestätigt. Außen, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Candra, Maṅgala, Budha, Bṛhaspati, Śukra, Śanaiścara, Rāhu und Ketu. Die Śāradā bestätigt die Verehrung dieser acht Planeten außerhalb. Danach verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die zusätzliche Brahmā-Herzformel ist eine Wiederholung der Vorlage; sie wird nicht ausgelassen.]

P2-0353 · Originalnummer 43
asya puraścaraṇamaṣṭalakṣajapaḥ |
tathā ca:
vasulakṣa japenmantraṃ samidbhiḥ kṣīraśākhinām |
tatsahasraṃ prajuhuyāt kṣīrāktābhirjitendriyaḥ ||
atrāpi vācanika evāṣṭasahasrahomaḥ
|| 43 ||

Das Puraścaraṇa beträgt acht Lakh, also 800.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der Beherrscher seiner Sinne soll das Mantra 800.000-mal wiederholen und achttausendmal mit Brennhölzern milchsaftführender Bäume, bestrichen mit Milch, im Feuer opfern. Auch hier sind ausdrücklich achttausend Feueropfer vorgeschrieben.

P2-0354 · Originalnummer 44
mantrāntaram
ākāśamagnidīrghendusaṃyutaṃ bhuvaneśvarī |
sargānvito bhṛgurbhānostryakṣaro'yaṃ samīritaḥ
|| 44 ||

Ein anderes Mantra: Raum mit Feuer, langem Vokal und Mondzeichen; Bhuvaneśvarī; Bhṛgu mit Ausstoß. Dieses Mantra Bhānus wird als dreisilbig bezeichnet. Der folgende Nyāsa gibt seine drei Bījas als hrāṃ hrīṃ saḥ an.

P2-0355 · Originalnummer 45
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādipūrvamantrokta pīṭhanyāsaṃ vidhāya pūrvamantrokta-
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt
|| 45 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen und dem beim vorherigen Mantra gelehrten Sitznyāsa vollzieht man den dort gelehrten Sehernyāsa.

P2-0356 · Originalnummer 46
tato mantranyāsaḥ:
ādhārādipādaparyantaṃ hrāṃ namaḥ |
kaṇṭhādādhāraparyantaṃ hrīṃ namaḥ |
mūrddhādikaṇṭhaparyantaṃ saḥ namaḥ |
śāradāyām:
ādhārādipadāgrāntaṃ kaṇṭhadādhārakāvadhi
mūrddhādikaṇṭhaparyantaṃ kramādvījatrayaṃ nyaset
|| 46 ||

Der Mantranyāsa: Vom Ādhāra bis zu den Füßen setzt man „hrāṃ namaḥ“; vom Hals bis zum Ādhāra „hrīṃ namaḥ“; vom Scheitel bis zum Hals „saḥ namaḥ“. In der Śāradā heißt es: Man setzt die drei Bījas der Reihe nach vom Ādhāra bis zu den Fußspitzen, vom Hals bis zum Ādhāra und vom Scheitel bis zum Hals.

P2-0357 · Originalnummer 47
tataḥ karāṅganyāsau:
hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
hrūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
ṣaḍdīrghayuktamadhyena bījenāṅgādikalpanā
|| 47 ||

Der Handnyāsa: hrāṃ an den Daumen mit namaḥ; hrīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; hrūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; hraiṃ an den Ringfingern mit huṃ; hrauṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; hraḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: Die Gliederbildung erfolgt mit dem mittleren Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen.

P2-0358 · Originalnummer 49
tato dhyānam:
raktāmbujāsanamaśeṣaguṇaikasindhuṃ, bhānuṃ
samastajagatāmadhipaṃ bhajāmi |
padmadvayābhayavarāndadhataṃ
karābjairmāṇikyamaulimaruṇāṅgaruciṃ trinetram ||
iti dhyātvā mānasaiḥ sampūjya arghyasthāpanaṃ kuryāt |
tataḥ pūrvoktakrameṇa pīṭhapūjāṃ vidhāya mūlamantreṇa mūrtiṃ
saṅkalpya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāṃ kuryāt |
agninir-ṛti - vāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca hrāṃ hṛdayāya
namaḥ ityādinā pūjayet |
patreṣu candrādīnpūrvavatpūjayet ||
tata indrādīnvajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 49 ||

Die Meditation: Ich verehre Bhānu, den Herrn aller Welten, der auf einem roten Lotus sitzt und das einzige Meer sämtlicher Vorzüge ist. Mit seinen Lotushänden trägt er zwei Lotusse und zeigt Furchtlosigkeit und Gewährung. Er besitzt eine Rubinkrone, roten Körperglanz und drei Augen. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben und richtet das Arghya ein. Dann verehrt man den Sitz in der zuvor beschriebenen Reihenfolge, bildet mit dem Grundmantra die Gestalt, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Blättern verehrt man Candra und die übrigen wie zuvor, danach Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0359 · Originalnummer 50
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
bhānulakṣaṃ japenmantramājyena ca daśāṃśataḥ |
tilairvā madhurāsiktairjuhuyādvijitendriyaḥ
|| 50 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Wer seine Sinne beherrscht, soll das Mantra 1.200.000-mal wiederholen und ein Zehntel mit geklärter Butter oder mit süß benetztem Sesam im Feuer opfern.

P2-0360 · Originalnummer 51
mantrāntam
ākāśavahnipavanasatyāntārghīśavindumat |
mārttaṇḍabhairavaṃ nāma bījametadudāhṛtam |
puṭitaṃ vimbabījena sarvakāmaphalapradam
|| 51 ||

Ein anderes Mantra: Raum, Feuer, Wind, der Endlaut von Satya, Arghīśa und Bindu bilden das Bīja namens Mārtaṇḍabhairava. Von dem Bimbabīja umschlossen schenkt es die Früchte aller Wünsche. [Die Lautverschlüsselung wird als solche beibehalten; die konkrete vollständige Formel wird an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.]

P2-0361 · Originalnummer 52
vimbabījamāha tantre:
ṭāntaṃ dahananetrendusahitaṃ tadudāhṛtam
|| 52 ||

Das Bimbabīja wird im Tantra beschrieben: der Endlaut der ṭa-Reihe, verbunden mit Feuer, Auge und Mondzeichen, wird so bezeichnet. [Der anschließende Nyāsa verwendet die Grundverbindung ṭhr.]

P2-0362 · Originalnummer 53
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi pūrvamantrokta pīṭhanyāsāntaṃ karma vidhāya
pūrvavat-ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt
|| 53 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum beim vorherigen Mantra gelehrten Sitznyāsa vollzieht man den Sehernyāsa wie zuvor.

P2-0363 · Originalnummer 54
tato mūrtinyāsaḥ:
ṭhraṃ sūryāya namo.āṃguṣṭhayoḥ |
ṭhriṃ bhāskārāya namastarjanyoḥ |
ṭhruṃ bhānave namo madhyamayoḥ |
ṭhreṃ ravaye namo'nāmikayoḥ |
ṭhroṃ divākarāya namaḥ kaniṣṭhayoḥ |
tataḥ śirasi vadane hṛdaye pādeṣutān tattadvījādikān nyaset |
tathā ca nibandhe:
pañcahrasvāḍhya bījena pañcamūrtīḥ pravinyaset |
aṃguṣṭhādikaniṣṭhāntamaṃgulīṣu kramādimāḥ ||
sūryastu bhāskaro bhānustato ravirdivākarau |
śirovadanahṛdguhya pādadeśeṣutān punaḥ ||
tataḥ karāṅganyāsaḥ:
ṭhrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
ṭhrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
ṭhrūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
ṭhraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
ṭhrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
ṭhraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi ||
tathā ca nibandhe:
vyāpakaṃ mūlabījena kurvīta tadantaram
|| 54 ||

Der Gestaltennyāsa: „ṭhraṃ sūryāya namaḥ“ an den Daumen; „ṭhriṃ bhāskarāya namaḥ“ an den Zeigefingern; „ṭhruṃ bhānave namaḥ“ an den Mittelfingern; „ṭhreṃ ravaye namaḥ“ an den Ringfingern; „ṭhroṃ divākarāya namaḥ“ an den kleinen Fingern. Dann setzt man diese mit dem jeweiligen Bīja auf Kopf, Gesicht, Herz und Füße. Im Nibandha heißt es: Mit dem Bīja, das die fünf kurzen Vokale trägt, setzt man der Reihe nach die fünf Gestalten auf die Finger von den Daumen bis zu den kleinen Fingern: Sūrya, Bhāskara, Bhānu, Ravi und Divākara. Danach setzt man sie erneut auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße. [In der Prosa fehlt die verborgene Stelle; das Zitat nennt sie ausdrücklich.] Der Handnyāsa erfolgt mit ṭhrāṃ, ṭhrīṃ, ṭhrūṃ, ṭhraiṃ, ṭhrauṃ und ṭhraḥ an Daumen, Zeige-, Mittel-, Ring-, kleinen Fingern sowie Handflächen und Handrücken mit namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, huṃ, vauṣaṭ und phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ“. Der Nibandha schreibt anschließend den umfassenden Nyāsa mit dem Grundbīja vor.

P2-0365 · Originalnummer 56
tataḥ pūrvoktakrameṇa pīṭhamanvantaṃ sampūjya pūrvādiṣu
karṇikāyāṃ oṃ ūṣāyai namaḥ |
evaṃ prajñāyai prabhāyai sandhyāyai iti sampūjya mūrti mūlena
kalpayet |
tataḥ punardhyātvā āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
karma vidhāya āvaraṇapūjāmārabhet |
tathā ca nibandhe:
pīṭhe diptādibhiryukte karṇikāyāmuṣādikāḥ |
pūrvādidikṣu sampūjya mūrti mūlena kalpayet |
tataḥ pūrvādi dikṣu sūryaṃ bhāskaraṃ bhānuṃ raviñca pūjayet |
koṇeṣu divākaram |
tato'gninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
īśāne ṭhrauṃ netratrayāya vauṣaṭ |
śāradāyām:
sūryādīn caturo dikṣu vidikṣvanyaṃ samarcayet |
aṅgapūjā yathā pūrvaṃ netramīśādidiggatamiti |
tataḥ pūrvavaccandrādi aṣṭagrahān sampūjya bhūgṛheṣu lokapālān
pūjayet |
tathā ca nibandhe:
grahānaṣṭau tathā vāye lokapālāṃstataḥ param |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 56 ||

Nach der zuvor beschriebenen Sitzverehrung bis zum Sitzmantra verehrt man auf dem Fruchtboden, im Osten beginnend, mit oṃ und namaḥ Uṣā, Prajñā, Prabhā und Sandhyā und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Im Nibandha heißt es: Auf dem mit Dīptā und den übrigen Kräften versehenen Sitz verehrt man auf dem Fruchtboden in den Richtungen, im Osten beginnend, Uṣā und die übrigen und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt. Dann verehrt man in den vier Hauptrichtungen Sūrya, Bhāskara, Bhānu und Ravi, in den Zwischenrichtungen Divākara. In Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten verehrt man mit „ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln; im Nordosten die drei Augen mit „ṭhrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“. In der Śāradā heißt es: Die vier, beginnend mit Sūrya, verehrt man in den Hauptrichtungen, den anderen in den Zwischenrichtungen. Die Gliederverehrung erfolgt wie zuvor; die Augen liegen im Nordosten und den weiteren Richtungen. Danach verehrt man wie zuvor die acht Planeten, beginnend mit Candra, und in der Erdumfassung die Weltenhüter. Der Nibandha bestätigt: außen die acht Planeten, danach die Weltenhüter. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Vorlage hat im Bestätigungszitat „vāye“; „außen“ ist aus dem Zusammenhang erschlossen.]

P2-0366 · Originalnummer 57
asya puraścaraṇajapo lakṣatrayasaṃkhyaḥ |
trimadhuropetaiḥ padmairdaśāṃśahomaḥ |
tathā ca:
lakṣatrayaṃ japenmantraṃ vimbabījapuṭīkṛtam |
dakṣāṃśaṃ kamalaiḥ phullairjuhuyānmadhurokṣitaiḥ
|| 57 ||

Das Puraścaraṇajapa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Ein Zehntel wird mit Lotussen geopfert, die mit den drei süßen Stoffen versehen sind. Dazu heißt es: Man wiederholt das vom Bimbabīja umschlossene Mantra 300.000-mal und opfert ein Zehntel mit geöffneten, süß besprengten Lotussen.

P2-0367 · Originalnummer 58
imaṃ mantraṃ japenmarttyaḥ kāntiṃ putrān dhanaṃ dyutim |
vāksiddhimatulāṃ lakṣmīṃ saubhāgyamapi sādhayet
|| 58 ||

Ein Mensch, der dieses Mantra wiederholt, erlangt Schönheit, Söhne, Vermögen, Glanz, vollendete Wirksamkeit der Sprache, unvergleichlichen Wohlstand und Glück.

P2-0368 · Originalnummer 59
atha ajapāmantraḥ
viyadarddhendulalitaṃ tadādiḥ sargasaṃyutaḥ |
ajapākhyo manuḥ prokto dvyakṣaraḥ surapādapaḥ
|| 59 ||

Nun das Ajapāmantra: Der mit dem Halbmond geschmückte Raumlaut und der Anfangslaut der nachfolgenden Gruppe mit Ausstoß bilden das zweisilbige Mantra namens Ajapā, den himmlischen Wunschbaum. Gemeint ist haṃsaḥ. [Die verschlüsselte zweite Lautangabe „tadādiḥ“ ist knapp und nicht vollständig eindeutig.]

P2-0369 · Originalnummer 60
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi pūrvoktapīṭhamanvantaṃ samāpya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ |
mukhe gāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi śrīgirijāpataye devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
ṛṣirbrahmā smṛto devi gāyatrīcchanda īritam |
devatā jagatāmādiḥ saṃproktā girijāpatiḥ
|| 60 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum zuvor beschriebenen Sitzmantra folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „brahmaṇe ṛṣaye namaḥ“, am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „śrīgirijāpataye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit, dem ehrwürdigen Gemahl Girijās“. Im Nibandha heißt es: Göttin, Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Girijāpati, der Ursprung der Welten, die Gottheit.

P2-0370 · Originalnummer 61
tataḥ karāṅgantāsau:
hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
hsāṃ ṣaḍdīrghayuktena kuryādaṅgakriyāṃ manoḥ
|| 61 ||

Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und entsprechend an Herz und weiteren Stellen. Im Nibandha heißt es: Mit hsāṃ, verbunden mit den sechs langen Vokalen, soll man die Gliederhandlung dieses Mantras vollziehen.

P2-0371 · Originalnummer 62
tato dhyānam:
udyadbhānusphuritataḍidākāramarddhāmbikeśaṃ, pāśābhītiṃ
varadaparaśuṃ sandadhānaṃ karābjaiḥ |
divyākalpairnavamaṇimayaiḥ śobhitaṃ viśvamūlaṃ, saumyāgneyaṃ
vapuravatu vaścandracūḍaṃ trinetram ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā,
pūrvoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca hsāṃ hṛdayāya
namaḥ ityādinā pūjayet |
digdaleṣu ṛtaṃ varaṃ vasuṃ naraṃ varaṃ vidigdaleṣu ṛtajā gojā -
abjadrijā pūjayet |
tathā ca nibandhe:
ṛtaṃ vasuṃ naravarau digdaleṣu vidikṣvatha |
arcayet ṛtajāṃ gojāmabjākhyāmadrijāṃ punaḥ |
tadvāhye indrādīn vajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 62 ||

Die Meditation: Möge euch der mondgekrönte, dreiaugige Körper beschützen, mild und feurig zugleich, Wurzel des Universums und mit himmlischem Schmuck aus neun Edelsteinen geziert. Er ist zur Hälfte Ambikā und zur Hälfte ihr Herr; seine Gestalt gleicht aufgehender Sonne und blitzendem Blitz. Mit seinen Lotushänden trägt er Schlinge und Beil und zeigt Furchtlosigkeit und Gewährung. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, verehrt den zuvor beschriebenen Sitz, meditiert erneut und vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „hsāṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Hauptrichtungsblättern verehrt man Ṛta, Vasu, Nara und Vara; auf den Zwischenrichtungsblättern Ṛtajā, Gojā, Abjā und Adrijā. Der Nibandha bestätigt diese Anordnung. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Prosa wiederholt vara und enthält eine zusätzliche Trennung; die viergliedrige Liste des Zitats klärt die Reihenfolge.]

P2-0372 · Originalnummer 63
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
ghṛtayuktapāyasena daśāṃśahomaḥ |
tathā ca:
bhānulakṣaṃ japenmantraṃ pāyasena sasarpiṣā |
daśāṃśaṃ juhuyānmantrī tataḥ siddho bhavennaraḥ
|| 63 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen, mit einem Zehntel Feueropfer aus Milchreis mit geklärter Butter. Dazu heißt es: Der Mantrapraktizierende wiederholt das Mantra 1.200.000-mal und opfert ein Zehntel mit Milchreis und Butter; dadurch wird der Mensch ein Vollendeter.

P2-0373 · Originalnummer 64
atha viṣṇumantrāḥ
atha vakṣye mahāntrān viṣṇoḥ sarvasamṛddhidān |
yasya saṃsmaraṇāt santo bhāvābdhe pāramāśritāḥ
|| 64 ||

Nun die Viṣṇumantras: Ich werde die großen Mantras Viṣṇus beschreiben, die alle Fülle schenken. Durch die Erinnerung an ihn erreichen die Guten das andere Ufer des Ozeans des Daseins. [„mahāntrān“ und „bhāvābdhe“ sind beschädigte Wortformen.]

P2-0374 · Originalnummer 65
tāraṃ namaḥ padaṃ brūyānnarau dīrghasamanvitau |
pāvano nāma mantro'yaṃ prokto vasvakṣaraḥ paraḥ
|| 65 ||

Man spricht Tārā, dann namaḥ und die beiden langen na-ra-Lautverbindungen. Dieses höchste, reinigende Mantra wird als achtsilbig bezeichnet: oṃ namo nārāyaṇāya.

P2-0377 · Originalnummer 68
keśavādayastu
keśava nārāyaṇa - mādhava - govinda - viṣṇu madhusūdana -
trivikramavāmana - śrīdhara - hṛṣīkeśapadmanābha - dāmodara -
saṃkarṣaṇa - vāsudeva - pradyumnāniruddhapuruṣottama - adhokṣaja -
nṛsiṃha - acyuta - janārdana - upendra - hari - viṣṇavaḥ |
vāka oṃ keśavāya namaḥ ityādi |
tathā ca:
sacaturthīnamo'ntaiśca nāmabhirvinyaset sudhīḥ
|| 68 ||

Die Namen, beginnend mit Keśava, sind: Keśava, Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu, Madhusūdana, Trivikrama, Vāmana, Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha, Dāmodara, Saṅkarṣaṇa, Vāsudeva, Pradyumna, Aniruddha, Puruṣottama, Adhokṣaja, Nṛsiṃha, Acyuta, Janārdana, Upendra, Hari und Viṣṇu. Die Formel lautet „oṃ keśavāya namaḥ“ und entsprechend weiter. Dazu heißt es: Der Einsichtige soll die Namen in der Dativform mit namaḥ am Schluss einsetzen. [Viṣṇu steht in der Vorlage sowohl an fünfter als auch an letzter Stelle.]

P2-0378 · Originalnummer 69
tataḥ sāmānyārghyādi - mātṛkānyāsāntaṃ karma vidhāya
keśavakīrttyādinyāsaṃ kuryāt |
asya ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi prajāpataye ṛṣaye namaḥ |
mukhe gāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi arddhalakṣmīharaye devatāyai namaḥ
|| 69 ||

Dann vollzieht man die Handlungen vom allgemeinen Arghya bis zum Mātṛkānyāsa und den Nyāsa von Keśava und Kīrti und den weiteren Paaren. Die Seherzuordnung lautet: auf dem Kopf „prajāpataye ṛṣaye namaḥ“, am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „arddhalakṣmīharaye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Hari, dessen Hälfte Lakṣmī ist“.

P2-0379 · Originalnummer 70
tataḥ karāṅganyāsau:
śrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca gautamīye:
ṛṣiḥ prajāpatiśacchando gayātrī devatā punaḥ |
arddhalakṣmīhariḥ proktaḥ śrībījena ṣaḍaṅgakam
|| 70 ||

Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „śrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und entsprechend am Herzen und den weiteren Stellen. Im Gautamīya heißt es: Prajāpati ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Arddhalakṣmīhari die Gottheit; die sechs Glieder werden mit dem Śrībīja gebildet.

P2-0381 · Originalnummer 72
aṃ keśavāya kīrttyai namo lalāṭe āṃ nārāyaṇāya kāntyai namo
mukhe |
iṃ mādhavāya tuṣṭyai namo dakṣanetre |
īṃ govindāya puṣṭyai namo vāmanetre |
sarvatra evaṃ uṃ viṣṇave dhṛtyai dakṣakarṇa |
ūṃ madhusūdanāya śāntyai vāmakarṇe |
ṛṃ trivikramāya kriyāyai dakṣanāsāpuṭe |
ṝṃ vāmanāya dayāyai vāmanāsāpute |
ḷṃ śrīdharāya medhāyai dakṣagaṇḍe |
ḹṃ hṛṣīkeśāya harṣāyai vāmagaṇḍe |
eṃ padmanābhāya śraddhāyai oṣṭhe |
eṃ dāmodarāya lajjāyai adhare |
oṃ vāsudevāya lakṣmyai ūrdhvadantapaṃktauṃ |
auṃ saṃkarṣaṇāya sarasvatyai adhodantapaṃktau |
aṃ pradyumnāya prītyai mastake |
aḥ aniruddhāya ratyai mukhe |
kaṃ cakriṇe jayāyai |
khaṃ gadine durgāyai, gaṃ śārṅgiṇe prabhāyai, ghaṃ khaḍgine
satyāyai, ṅaṃ śaṅkhine caṇḍāyai, itidakṣakaramūlasandhyagrakeṣu |
caṃ haline bāṇyai, chaṃ muṣaline vilāsinyai, jaṃ śūline bijayāyai,
jhaṃ pāśine virajāyai, ñaṃ aṃkuśine viśvāyai, iti
vāmakaramūlasandhyagrakeṣu |
ṭaṃ mukundāya vinadāyai, ṭhaṃ nandajāya sunadāyai, ḍaṃ nandine
smṛtyai, ḍhaṃ narāya ṛddhayai, ṇaṃ narakajite samṛddhyai, iti
dakṣapādamūlasandhyagrakeṣu |
taṃ haraye śuddhyai, thaṃ kṛṣṇāya buddhyai, daṃ satyāya bhaktyai,
dhaṃ sāttvatāya matyai, naṃ śauraye kṣamāyai, iti
vāmapādamūlasandhyagrakeṣu |
paṃ śūrāya ramāyai dakṣapārśve |
phaṃ janārdanāya umāyai vāmapārśve |
baṃ bhudharāya kledinyai pṛṣṭhe |
bhaṃ viśvamūrttaye klinnāyai nābhau |
maṃ vaikuṇṭhāya vasudāyai udare |
yaṃ tvagātmane puruṣottamāya vasudhāyai hṛdi |
raṃ asṛgātmane baline parāyai dakṣāṃse |
laṃ māṃsātmane balānujāya parāyaṇāyai kakudi |
vaṃ medātmane bālāya sūkṣmāyai vāmāṃse ||
śaṃ asthyātmane vṛṣaghnāya sandhyāyai hṛdādidakṣakare |
ṣaṃ majjātmane vṛṣāya prajñāyai hṛdādivāmakare |
saṃ śukrātmane haṃsāya prabhāyai hṛdādidakṣapāde |
haṃ prāṇātmane varāhāya niśāyai hṛdādivāmapāde |
laṃ jīvātmane vimalāya amoghāyai hṛdādyudare |
kṣaṃ krodhātmane nṛsiṃhāya vidyutāyai hṛdādimukhe iti |
namaḥ sarvatra
|| 72 ||

Mit namaḥ am Schluss setzt man folgende Bījas und Paare ein: aṃ Keśava und Kīrti auf die Stirn; āṃ Nārāyaṇa und Kānti auf das Gesicht; iṃ Mādhava und Tuṣṭi auf das rechte Auge; īṃ Govinda und Puṣṭi auf das linke Auge; uṃ Viṣṇu und Dhṛti auf das rechte Ohr; ūṃ Madhusūdana und Śānti auf das linke Ohr; ṛṃ Trivikrama und Kriyā auf die rechte Nasenöffnung; ṝṃ Vāmana und Dayā auf die linke; ḷṃ Śrīdhara und Medhā auf die rechte Wange; ḹṃ Hṛṣīkeśa und Harṣā auf die linke; eṃ Padmanābha und Śraddhā auf die Oberlippe; eṃ Dāmodara und Lajjā auf die Unterlippe; oṃ Vāsudeva und Lakṣmī auf die obere Zahnreihe; auṃ Saṅkarṣaṇa und Sarasvatī auf die untere; aṃ Pradyumna und Prīti auf den Scheitel; aḥ Aniruddha und Rati auf den Mund. An Wurzel, Gelenken und Spitzen des rechten Arms: kaṃ Cakrin und Jayā; khaṃ Gadin und Durgā; gaṃ Śārṅgin und Prabhā; ghaṃ Khaḍgin und Satyā; ṅaṃ Śaṅkhin und Caṇḍā. Entsprechend am linken Arm: caṃ Halin und Bāṇī; chaṃ Muṣalin und Vilāsinī; jaṃ Śūlin und Vijayā; jhaṃ Pāśin und Virajā; ñaṃ Aṅkuśin und Viśvā. An Wurzel, Gelenken und Spitzen des rechten Beins: ṭaṃ Mukunda und Vinadā; ṭhaṃ Nandaja und Sunadā; ḍaṃ Nandin und Smṛti; ḍhaṃ Nara und Ṛddhi; ṇaṃ Narakajit und Samṛddhi. Entsprechend am linken Bein: taṃ Hari und Śuddhi; thaṃ Kṛṣṇa und Buddhi; daṃ Satya und Bhakti; dhaṃ Sāttvata und Mati; naṃ Śauri und Kṣamā. Paṃ Śūra und Ramā auf die rechte Seite; phaṃ Janārdana und Umā auf die linke; baṃ Bhūdhara und Kledinī auf den Rücken; bhaṃ Viśvamūrti und Klinnā auf den Nabel; maṃ Vaikuṇṭha und Vasudā auf den Bauch. Yaṃ, dem Wesen der Haut, Puruṣottama und Vasudhā, am Herzen; raṃ, dem Wesen des Blutes, Balin und Parā, auf der rechten Schulter; laṃ, dem Wesen des Fleisches, Balānuja und Parāyaṇā, am Nacken; vaṃ, dem Wesen des Fettes, Bāla und Sūkṣmā, auf der linken Schulter. Śaṃ, dem Wesen der Knochen, Vṛṣaghna und Sandhyā, vom Herzen bis zur rechten Hand; ṣaṃ, dem Wesen des Marks, Vṛṣa und Prajñā, vom Herzen bis zur linken Hand; saṃ, dem Wesen des Samens, Haṃsa und Prabhā, vom Herzen bis zum rechten Fuß; haṃ, dem Wesen der Lebenskraft, Varāha und Niśā, vom Herzen bis zum linken Fuß; laṃ, dem Wesen des individuellen Lebens, Vimala und Amoghā, vom Herzen bis zum Bauch; kṣaṃ, dem Wesen des Zorns, Nṛsiṃha und Vidyutā, vom Herzen bis zum Mund. [Die Vorlage wiederholt eṃ an beiden Lippen und schreibt Bāṇī statt des späteren Vāṇī; die Unterschiede bleiben kenntlich.]

P2-0383 · Originalnummer 75
gautamīye:
keśavādirayaṃ nyāso nyāsamātreṇa dehinām |
acyutatvaṃ dadātyeva satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ |
mātṛkārṇaṃ samuccārya keśavāya iti smaret |
kīrttyai ca namasā yuktamityādi nyāsamācaret ||
āgamanakalpadrume:
ādikṣāntānviduyuktānmātṛkārṇānyathākramam |
ṅe'ntaṃ devaṃ tathā śaktiṃ paścānnama iti kramaḥ |
keśavāya tataḥ kīrtyai kāntyai nārāyaṇāya ca ||
ityādyagastyasaṃhitāvacanādayaṃ kramaḥ |
na tu keśavakīrttibhyāṃ namaḥ ityādi |
tathā bhuktimicchatā ayaṃ nyāsaḥ karttavyaḥ śrī bījādikaḥ |
yathā:
oṃ śrīṃ aṃ keśavāya kīrttyai namaḥ ityādi
|| 75 ||

Im Gautamīya heißt es: Dieser mit Keśava beginnende Nyāsa schenkt den Verkörperten schon durch seine Ausführung den Zustand Acyutas. Wahrlich, wahrlich, daran besteht kein Zweifel. Man spricht den Mātṛkālaut, dann „keśavāya“ und „kīrtyai“, verbunden mit namaḥ, und vollzieht so den weiteren Nyāsa. Im Āgamakalpadruma heißt es: Der Reihe nach die Mātṛkālaute von a bis kṣa mit Bindu, dann Gott und Kraft im Dativ, anschließend namaḥ. Auch die Agastyasaṃhitā gibt „keśavāya kīrtyai“, „kāntyai nārāyaṇāya“ und die weiteren Formen. Dies ist die Reihenfolge; nicht „keśavakīrtibhyāṃ namaḥ“ und entsprechende gemeinsame Dativformen. Wer Genuss wünscht, soll diesen Nyāsa mit dem Śrībīja am Anfang vollziehen, beispielsweise „oṃ śrīṃ aṃ keśavāya kīrtyai namaḥ“.

P2-0384 · Originalnummer 76
tathā ca gautamīye:
praṇavaṃ pūrvamuccāyaṃ śrībījaṃ tadanantaram |
mātṛkārṇaṃ tato nyasyedvakṣyāmi tatprakārakam || vāgbhavādyaṃ
nyasedvātha vāgīśatvamavāpnuyāt |
yadyadādyaṃ nyasennyāsaṃ tadbījenāṅga kalpanā |
evaṃ pravinyasennyāsaṃ lakṣmībījapuraḥsaram |
smṛti dhṛtiṃ mahālakṣmīṃ prāpyānte haritāṃ vrajet
|| 76 ||

Im Gautamīya heißt es: Zuerst spricht man oṃ, danach das Śrībīja, dann setzt man den Mātṛkālaut ein. Ich werde sein Verfahren beschreiben. Oder man setzt Vāgbhava an den Anfang und erlangt Herrschaft über die Sprache. Mit welchem Bīja der Nyāsa beginnt, mit diesem werden die Glieder gebildet. Vollzieht man den Nyāsa mit dem Lakṣmībīja voran, erlangt man Gedächtnis, Standhaftigkeit und großen Wohlstand und geht am Ende in Haris Zustand ein.

P2-0385 · Originalnummer 77
tatastattvanyāsaḥ:
mādikāntānathārṇāṃśca bījānyekaikaśo vadet |
namaḥ parāyetyuccārya tatastattvātmane namaḥ ||
iti gautamīya darśanātsarvatra tattvapada prayogaḥ |
yathā:
maṃ namaḥ parāya jīvatattvātmane namaḥ |
bhaṃ namaḥ parāya prāṇatattvātmane namaḥ |
etaddvayaṃ sarvagātre |
baṃ namaḥ parāya matitattvātmane namaḥ |
phaṃ namaḥ parāyāhaṃkāratattvātmane namaḥ |
paṃ namaḥ parāya manastattvātmane namaḥ |
etattritayaṃ hṛdi ||
naṃ namaḥ parāya śabdatattvātmane namo mastake |
dhaṃ namaḥ parāya sparśatattvātmane namo mukhe |
daṃ namaḥ parāya rūpatattvātmane namo hṛdi |
thaṃ namaḥ parāya rasatatvātmane namo guhye |
taṃ namaḥ parāya gandhatattvātmane namaḥ pādayoḥ |
ṇaṃ namaḥ parāya śrotratattvātmane namaḥ karṇayoḥ ||
ḍhaṃ namaḥ parāya tvaktattvātmane namaḥ tvaci |
ḍaṃ namaḥ parāya netratattvātmane namo netrayoḥ ||
ṭhaṃ namaḥ parāya jihvātattvātmane namo jihvāyām |
ṭaṃ namaḥ parāya ghrāṇatattvātmane namo ghrāṇayoḥ ||
ñaṃ namaḥ parāya vāktattvātmane namo vāci |
jhaṃ namaḥ parāya pāṇitattvātmane namaḥ pāṇyoḥ ||
jaṃ namaḥ parāya pādatattvātmane namaḥ pādayoḥ |
chaṃ namaḥ parāya vāyutattvātmane namo guhye |
caṃ namaḥ parāya upasthatattvātmane namo liṅge |
ṅaṃ namaḥ parāya ākāśatattvātmane namo mūrdhni |
ghaṃ namaḥ parāya vāyutattvātmane namo mukhe |
gaṃ namaḥ parāya tejastattvātmane namo hṛdi ||
khaṃ namaḥ parāya jalatattvātmane namo liṅgamūle |
kaṃ namaḥ parāya pṛthivītattvātmane namaḥ pādayoḥ
|| 77 ||

Dann der Tattvanyāsa. Im Gautamīya heißt es: Man spricht einzeln die Bījas von ma rückwärts bis ka, danach „namaḥ parāya“ und „tattvātmane namaḥ“. Daher wird überall das Wort tattva, Grundprinzip, verwendet. Die vollständige Rahmenformel lautet jeweils „[Bīja] namaḥ parāya [Prinzip]tattvātmane namaḥ – Verehrung dem Höchsten, dessen Wesen das Prinzip [Name] ist“. Maṃ für individuelles Leben und bhaṃ für Lebenskraft setzt man am ganzen Körper ein; baṃ für Verstand, phaṃ für Ichbewusstsein und paṃ für Geist am Herzen. Naṃ für Klang auf den Kopf; dhaṃ für Berührung auf das Gesicht; daṃ für sichtbare Form am Herzen; thaṃ für Geschmack an der verborgenen Stelle; taṃ für Geruch an beiden Füßen. Ṇaṃ für Gehör an beiden Ohren; ḍhaṃ für Haut auf die Haut; ḍaṃ für Auge an beiden Augen; ṭhaṃ für Zunge auf die Zunge; ṭaṃ für Geruchssinn an beiden Nasenöffnungen. Ñaṃ für Sprache am Sprechorgan; jhaṃ für Hand an beiden Händen; jaṃ für Fuß an beiden Füßen; chaṃ für Wind an der verborgenen Stelle; caṃ für Geschlechtsorgan am Geschlechtsorgan. Ṅaṃ für Raum auf den Scheitel; ghaṃ für Wind auf das Gesicht; gaṃ für Feuer am Herzen; khaṃ für Wasser an der Wurzel des Geschlechtsorgans; kaṃ für Erde an beiden Füßen. [Die Vorlage nennt bei chaṃ vāyu, Wind, obwohl in der Reihe der Handlungsorgane ein anderes Prinzip zu erwarten wäre; diese Lesung wird beibehalten.]

P2-0386 · Originalnummer 78
tathā ca dīpikāyām:
ityucyutīkṛtatanurvidadhīta tattvanyāsaṃ
mapūrvakaparākṣaranatyupetam |
bhūyaḥ parāya ca tadāhvayamātmane ca natyantamuddharata
tattvamanukrameṇa ||
sakalavapuṣi jīvaṃ prāṇamāyojya madhye nyasatu matimahaṃkāraṃ
manaśceti mantrī |
kamukhahṛdayaguhyāṃghriṣvatho śabdapūrvaṃ guṇagaṇamatha
karṇādisthitaṃ śrotrapūrvam ||
vāgādīndriyavargamātmani nayedākāsapūrvaṃ gaṇaṃ
mūrddhāsye hṛdaye śire caraṇayorhṛt puṇḍarīkaṃ hṛdi |
śaṃ namaḥ parāya hṛtpuṇḍarīkatattvātmane namo hṛdi |
haṃ namaḥ parāya dvādaśakalāvyāptasūryamaṇḍalatattvātmane
namo hṛdi |
saṃ namaḥ parāya ṣoḍaśakalāvyāptasomamaṇḍalatattvātmane namo
hṛdi |
raṃ namaḥ parāya daśakalāvyāptavahnimaṇḍalatattvātmane namo
hṛdi |
yaṃ namaḥ parāya parameṣṭitattvātmane vāsudevāya namaḥ śirasi |
yaṃ namaḥ parāyaṃ puruṣatattvātmane saṅkarṣaṇāya namo mukhe |
laṃ namaḥ parāya viśvatattvātmane pradyūmnāya namo hṛdi |
vaṃ namaḥ parāyanivṛttitattvātatmane aniruddhāya namo liṅge |
laṃ namaḥ parāya sarvatattvātmane nārāyaṇāya namaḥ pādayoḥ |
kṣrauṃ namaḥ parāya kopatattvātmane nṛsiṃhāya namaḥ sarvagātre
|| 78 ||

In der Dīpikā heißt es: Nachdem man den Körper so in Acyutas Gestalt verwandelt hat, vollzieht man den Tattvanyāsa mit den Bījas, beginnend mit ma, und der Formel namaḥ parāya; dann folgen die Benennung des Prinzips, ātmane und namaḥ am Schluss. Man bildet die Tattvamantras der Reihe nach. Der Mantrapraktizierende verbindet individuelles Leben und Lebenskraft mit dem ganzen Körper und setzt Verstand, Ichbewusstsein und Geist in dessen Mitte ein. Danach setzt er Klang und die übrigen Eigenschaften auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße und die mit Gehör beginnenden Sinne an Ohren und die übrigen Stellen. Die Handlungsorgane, beginnend mit Sprache, führt er in das Selbst; die Gruppe, beginnend mit Raum, auf Scheitel, Gesicht, Herz, Geschlechtsorgan und Füße; den Herzlotus ins Herz. Mit der Rahmenformel „[Bīja] namaḥ parāya … tattvātmane namaḥ“ setzt man am Herzen śaṃ für den Herzlotus, haṃ für die von zwölf Kräften durchdrungene Sonnensphäre, saṃ für die von sechzehn Kräften durchdrungene Mondsphäre und raṃ für die von zehn Kräften durchdrungene Feuersphäre ein. Yaṃ für das Parameṣṭhinprinzip, Vāsudeva, auf den Kopf; yaṃ für das Puruṣaprinzip, Saṅkarṣaṇa, auf das Gesicht; laṃ für das Weltprinzip, Pradyumna, am Herzen; vaṃ für das Nivṛttiprinzip, Aniruddha, am Geschlechtsorgan; laṃ für sämtliche Prinzipien, Nārāyaṇa, an den Füßen; kṣrauṃ für das Zornprinzip, Nṛsiṃha, am ganzen Körper. [Die Verszeile nennt „śire“ an einer Stelle, an der die anschließende Prosa das Geschlechtsorgan nennt; mehrere Rahmenformeln sind in der Vorlage orthographisch beschädigt.]

P2-0387 · Originalnummer 79
tathā ca gautamīye:
śaṃ - bījaṃ hṛtpuṇḍarīkatattvaṃ hṛdi pravinyaset |
haṃ bījaṃ sūryamaṇḍalattvaṃ hṛdi pravinyaset |
saṃ - bījaṃ candramaṇḍalatattvaṃ hṛdi pravinyaset |
raṃ - bījaṃ vahnimaṇḍalatattvaṃ tatra pravinyaset |
yaṃ - bījaṃ parameṣṭhitattvaṃ vāsudevañca mūrdhni ||
yaṃ - bījamatha puṃstattvaṃ saṅkarṣaṇamatho mukhe |
laṃ bījaṃ viśvatattvañca pradyumnañca hṛdi nyaset ||
vaṃ bījaṃ nivṛttitattvañca aniruddhamupasthake |
laṃ bījaṃ sarvatattvañca pāde nārāyaṇaṃ nyaset |
kṣrauṃ - bījaṃ kopatattvañca nṛsiṃhaṃ sarvagātrake |
evaṃ tattvāni vinyasya prāṇāyāmaṃ samācaret
|| 79 ||

Im Gautamīya heißt es: śaṃ und das Herzlotusprinzip setzt man im Herzen ein; haṃ und das Sonnensphärenprinzip ebenfalls im Herzen; saṃ und das Mondsphärenprinzip im Herzen; raṃ und das Feuersphärenprinzip ebendort. Yaṃ mit dem Parameṣṭhinprinzip und Vāsudeva auf den Scheitel; yaṃ mit dem Puruṣaprinzip und Saṅkarṣaṇa auf das Gesicht; laṃ mit dem Weltprinzip und Pradyumna ins Herz; vaṃ mit dem Nivṛttiprinzip und Aniruddha an das Geschlechtsorgan; laṃ mit sämtlichen Prinzipien und Nārāyaṇa an die Füße; kṣrauṃ mit dem Zornprinzip und Nṛsiṃha an den ganzen Körper. Nachdem man die Prinzipien so eingesetzt hat, vollzieht man die Atemregelung.

P2-0388 · Originalnummer 80
phalastu tatraiva:
tattvanyāsaṃ tataḥ kuryātsādhakaḥ siddhihetave |
kṛtena yena devasya rūpatāmeva yātyasau |
tato yathāvidhi prāṇāyāmaṃ kṛtvā pīṭhanyāsaṃ vidhāya keśareṣu
pūrvādi prādakṣiṇyena madhye ca oṃ vimalāyai namaḥ evaṃ
utkarṣiṇyai jñānāyai kriyāyai yogāyai prahvyai satyāyai īśānāyai
anugrahāyai |
tadupari oṃ namo viṣnave bhagavate sarvabhūtātmane vāsudevāya
sarvātmasaṃyogayogapadmapīṭhātmane namaḥ
|| 80 ||

Die Frucht wird dort so beschrieben: Zur Erlangung der Vollendung soll der Praktizierende den Tattvanyāsa ausführen. Durch seine Ausführung erlangt er die Gestalt des Gottes selbst. Dann vollzieht man vorschriftsmäßig die Atemregelung und den Sitznyāsa. Auf den Staubfäden, im Osten beginnend im Uhrzeigersinn, und in der Mitte verehrt man mit oṃ und namaḥ Vimalā, Utkarṣiṇī, Jñānā, Kriyā, Yogā, Prahvī, Satyā, Īśānā und Anugrahā. Darüber spricht man „oṃ namo viṣṇave bhagavate sarvabhūtātmane vāsudevāya sarvātmasaṃyogayogapadmapīṭhātmane namaḥ – Oṃ, Verehrung Viṣṇu, dem Erhabenen, dem Selbst aller Wesen, Vāsudeva, dessen Wesen der Yogalotussitz der Vereinigung aller Selbste ist“.

P2-0390 · Originalnummer 82
pīṭhamantroccāraṇamāha:
namo bhagavate brūyādviṣṇave'tha padaṃ vadet |
sarvabhūtātmane vāsudevāyeti vadettataḥ ||
sarvātmasaṃyogapadādyogapadmapadaṃ tataḥ |
pīṭhātmane hṛdanto'yaṃ mantrastārādiko hareḥ
|| 82 ||

Die Aussprache des Sitzmantras wird erklärt: Man sagt „namo bhagavate“, dann „viṣṇave“, „sarvabhūtātmane vāsudevāya“, „sarvātmasaṃyoga“, „yogapadma“ und „pīṭhātmane“, mit der Herzformel am Schluss. Dieses mit Tārā beginnende Mantra gehört Hari. [Die Reihenfolge von bhagavate und viṣṇave weicht von der vorangehenden Prosa ab.]

P2-0391 · Originalnummer 83
tataḥ ṛṣyādi nyāsaḥ |
tadyathā:
śirasi sādhyanārāyaṇāya ṛṣaye namaḥ |
mukhe devīgāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi śrīviṣṇave devatāyai namaḥ |
tathā ca:
sādhyanārāyaṇaḥ prokta ṛṣiśchanda udāhṛtam |
mantrasya devī gāyatrī devatā viṣṇuravyayaḥ
|| 83 ||

Dann der Sehernyāsa: auf dem Kopf „sādhyanārāyaṇāya ṛṣaye namaḥ“, am Mund „devīgāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „śrīviṣṇave devatāyai namaḥ“. Dazu heißt es: Sādhyanārāyaṇa ist der Seher, Devīgāyatrī das Versmaß und der unvergängliche Viṣṇu die Gottheit des Mantras.

P2-0392 · Originalnummer 84
tataḥ karāṅganyāsau:
kruddholkāya aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
maholkāya tarjanībhyāṃ svāhā |
vīrolkāya madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
atyulkāya anāmikābhyāṃ huṃ |
sahasrolkāya kanisṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca prapañcasāre:
kruddholkāya hṛdākhyātaṃ maholkāya śiraḥ smṛtam |
vīrolkāya śikhā proktātyulkāya kavacaṃ smṛtam |
sahasrolkāyāstramuktamaṅgakḷptiriyaṃ matā
|| 84 ||

Der Handnyāsa: kruddholkāya an den Daumen mit namaḥ; maholkāya an den Zeigefingern mit svāhā; vīrolkāya an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; atyulkāya an den Ringfingern mit huṃ; sahasrolkāya an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den übrigen Gliedern. Im Prapañcasāra heißt es: kruddholkāya ist das Herzmantra, maholkāya das Kopfmantra, vīrolkāya das Haarlockenmantra, atyulkāya der Schutzpanzer und sahasrolkāya die Waffe. Dies ist die Anordnung der Glieder. Die Anreden bezeichnen die zornige, große, heldenhafte, übermächtige und tausendfache Flamme.

P2-0393 · Originalnummer 85
tato mantreṇa ṣaḍaṅganyāsaṃ kuryāt |
oṃ hṛdayāya namaḥ, naṃ śirase svāhā, moṃ śikhāyai vaṣaṭ, nāṃ
kavacāya hūṃ, rāṃ netratrayāya vauṣaṭ, yaṃ astrāya phaṭ |
ṇāṃ namo dakṣapārśve, yaṃ namo vāmapārśve
|| 85 ||

Danach vollzieht man mit dem Mantra den Nyāsa der sechs Glieder: oṃ am Herzen mit namaḥ; naṃ am Kopf mit svāhā; moṃ an der Haarlocke mit vaṣaṭ; nāṃ am Schutzpanzer mit hūṃ; rāṃ an den drei Augen mit vauṣaṭ; yaṃ an der Waffe mit phaṭ. Ṇāṃ mit namo an der rechten Seite und yaṃ mit namo an der linken.

P2-0394 · Originalnummer 86
tathā ca:
bhūyo varṇairmanoḥ ṣaḍbhiḥ ṣaḍaṅgāni samācaret |
avaśiṭaiḥ punarvarṇairvinyasetkukṣipārśvayoḥ |
tataḥ oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaṭ iti mantreṇa digbandhanaṃ
kṛtvā mantranyāsaṃ kuryāt |
tathā ca:
mantranyāsaṃ tataḥ kuryātsarvakāmaphalapradam |
yaṃ vinā naiva tatsamyagāsuraṃ niṣphalaṃ bhavet
|| 86 ||

Dazu heißt es: Mit den ersten sechs Mantralauten vollzieht man erneut die sechs Glieder; die übrigen Laute setzt man an beide Bauchseiten. Dann bindet man mit „oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaṭ – Verehrung Sudarśana, der Waffe“ die Richtungen und vollzieht den Mantranyāsa. Dieser schenkt die Früchte aller Wünsche. Ohne ihn ist die Handlung nicht recht vollzogen, sondern asurisch und fruchtlos.

P2-0395 · Originalnummer 87
tadyathā:
ādhāre oṃ namaḥ, hṛdi naṃ mamaḥ, vaktre moṃ namaḥ, dormūle nāṃ
namaḥ rāṃ namaḥ, pādayoḥ yaṃ namaḥ ṇāṃ namaḥ nābhau yaṃ
namaḥ |
evaṃ kaṇṭhe nābhau hṛdi kucayoḥ pārśvayoḥ pṛṣṭhe ca |
mūrdhni āsye netrayoḥ śravaṇayoghrāṇayoḥ hastayoḥ
sandhyaṃgulīṣu |
tathā pādayoḥ sandhyaṃgulīṣu |
hṛdaye saptadhātuṣu prāṇeṣu |
dhātavastu:
tvagsṛṅmāṃsamedosthimajjaśukrāṇi dhātavaḥ |
mūrdhni netre āsye hṛdi kukṣau ūrvoḥ |
jaṅghayoḥ pādayorgaṇḍayoraṃsayoḥ ūrvoḥ pādayoścakre śaṅkhe
gadāyāṃ padme ca vinyaset
|| 87 ||

Man setzt mit namaḥ ein: oṃ am Ādhāra, naṃ am Herzen, moṃ am Gesicht, nāṃ und rāṃ an den Wurzeln beider Arme, yaṃ und ṇāṃ an beiden Füßen, yaṃ am Nabel. Ebenso der Reihe nach an Hals, Nabel, Herz, beiden Brüsten, beiden Seiten und Rücken; an Scheitel, Mund, beiden Augen, beiden Ohren, beiden Nasenöffnungen, beiden Händen und deren Gelenken und Fingern; ebenso an beiden Füßen, Gelenken und Zehen. Im Herzen setzt man die Laute an die sieben Körperstoffe und die Lebenskräfte. Die Körperstoffe sind Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen. Ferner auf Scheitel, Auge, Mund, Herz, Bauch, beide Oberschenkel, Unterschenkel, Füße, Wangen, Schultern, Oberschenkel und Füße sowie auf Rad, Muschel, Keule und Lotus. [Einige Stellen werden in der Vorlage wiederholt; die Listen werden vollständig übernommen.]

P2-0396 · Originalnummer 88
tathā ca nibandhe:
baddhadikcakramantreṇa mantravarṇāṃstanau nyaset |
ādhāre hṛdaye vaktre doḥpanmūleṣu nābhike |
kaṇṭhe nābhau hṛdi kuce pārśve pṛṣṭhe ca tatparam |
mūrddhāsyanetraśravaṇaghrāṇeṣu tadanantaram |
doḥpādasandhyaṃgulīṣu dhātuprāṇeṣu hṛtsthale |
mūrddhakṣaṇāsyahṛtkukṣisorujaṅghāpadadvaye |
ekaikaśo nyasedvarṇāngaṇḍāṃsorupadeṣu ca |
śaṅkhacakragadāmbhojapādaṣvavahito nyaset
|| 88 ||

Im Nibandha heißt es: Nachdem man die Richtungen mit dem Radmantra gebunden hat, setzt man die Mantralaute am Körper ein: an Ādhāra, Herz, Gesicht, Wurzeln der Arme und Füße und Nabel; danach an Hals, Nabel, Herz, Brust, Seite und Rücken; anschließend an Scheitel, Mund, Augen, Ohren und Nase; an Gelenke und Finger von Armen und Beinen sowie an Körperstoffe und Lebenskräfte in der Herzgegend. Jeden Laut einzeln setzt man auf Scheitel, Augen, Mund, Herz, Bauch, Oberschenkel, Unterschenkel, beide Füße sowie Wangen, Schultern, Oberschenkel und Füße. Aufmerksam setzt man sie auch auf Muschel, Rad, Keule, Lotus und Füße. [Mehrere Wörter dieses Zitats sind zusammengeschrieben oder beschädigt; die erkennbaren Körperstellen bleiben in ihrer Reihenfolge erhalten.]

P2-0397 · Originalnummer 89
tato mūrtipañjaranyāsaḥ:
lalāṭe oṃ aṃ keśavāya dhātre namaḥ |
kukṣau naṃ āṃ nārāyaṇāya aryamne namaḥ ||
hṛdi ṣoṃ iṃ mādhāya mitrāya namaḥ |
galakūpe bhaṃ īṃ govindāya varuṇāya namaḥ |
dakṣapārśve gaṃ uṃ viṣṇave aṃśave namaḥ |
dakṣiṇāṃse vaṃ ūṃ madhusūdanāya bhagāya namaḥ |
galadakṣiṇabhāge teṃ eṃ trivikramāya vivasvate namaḥ |
vāmapārśve vāṃ aiṃ vāmanāya indrāya namaḥ ||
vāmāṃse suṃ oṃ śrīdharāya pūṣṇe namaḥ |
galavāmabhāge deṃ auṃ hṛṣikeśāya parjanyāya namaḥ |
pṛṣṭhe vāṃ aṃ padmanābhāya tvaṣṭre namaḥ |
kakudi yaṃ aḥ dāmodarāya viṣṇave namaḥ |
tato vakṣyamāṇakirīṭamantreṇa vyāpakaṃ kṛtvā śirasi
dvādaśākṣaramantraṃ nyaset
|| 89 ||

Dann der Nyāsa des Gestaltengehäuses: Auf die Stirn „oṃ aṃ keśavāya dhātre namaḥ“; auf den Bauch „naṃ āṃ nārāyaṇāya aryamne namaḥ“; am Herzen „ṣoṃ iṃ mādhāya mitrāya namaḥ“; in der Halsgrube „bhaṃ īṃ govindāya varuṇāya namaḥ“; auf der rechten Seite „gaṃ uṃ viṣṇave aṃśave namaḥ“; auf der rechten Schulter „vaṃ ūṃ madhusūdanāya bhagāya namaḥ“; rechts am Hals „teṃ eṃ trivikramāya vivasvate namaḥ“; auf der linken Seite „vāṃ aiṃ vāmanāya indrāya namaḥ“; auf der linken Schulter „suṃ oṃ śrīdharāya pūṣṇe namaḥ“; links am Hals „deṃ auṃ hṛṣīkeśāya parjanyāya namaḥ“; auf dem Rücken „vāṃ aṃ padmanābhāya tvaṣṭre namaḥ“; am Nacken „yaṃ aḥ dāmodarāya viṣṇave namaḥ“. Damit werden jeweils die genannten Viṣṇugestalten und Sonnengötter verehrt. Danach vollzieht man mit dem noch zu beschreibenden Kronenmantra den umfassenden Nyāsa und setzt das zwölfsilbige Mantra auf den Kopf. [Die Vorlage hat am Herzen ṣoṃ und mādhāya; die folgende Erklärung bestätigt Mādhava, die erste Bījalesung bleibt unsicher.]

P2-0398 · Originalnummer 90
tathā ca nibandhe:
aṣṭārṇo'ṣṭaprakṛtyartho jñeyaḥ syāccaturātmanām |
saṃyogātsūrībhiḥ prokto viśiṣṭo dvādaśakṣaraḥ |
atastanmantravarṇādyā dvādaśasvarasaṃyutāḥ ||
dvādaśādityasahitā |
mūttīrdvādaśa vinyaset |
keśavādyāḥ kramāddehe vakṣyamāṇavidhānataḥ ||
lalāṭe keśavaṃ dhātrā kukṣau nārāyaṇaṃ punaḥ |
aryamnā hṛdi mantreṇa mādhavaṃ kaṇṭhadeśataḥ varuṇena ca
govindaṃ punardakṣiṇapārśvake |
aṃśunā viṣṇumaṃse syātbhagena madhusūdanam ||
gale vivasvatā yujtaṃ trivikramamanantaram |
vāmapārśvasthamindreṇa vāmanākhyamathāṃsake ||
pūṣṇā śrīdharanāmānaṃ gale parjanyasaṃyutam |
hṛṣīkeśāhvayaṃ pṛṣṭhe padmanābhaṃ tataḥ param ||
tvaṣṭrā dāmodaraṃ paścādviṣṇunā kakudi nyaset |
dvādaśārṇaṃ mahāmantraṃ tato mūrdhni pravinyaset ||
tataḥ kirīṭamantreṇa vyāpakaṃ vinyasettataḥ
|| 90 ||

Im Nibandha heißt es: Das achtsilbige Mantra ist als Ausdruck der acht Urnaturformen zu verstehen; durch Verbindung mit den vier Selbstformen lehren die Weisen das besondere zwölfsilbige Mantra. Daher setzt man die zwölf Gestalten, beginnend mit Keśava, mit dessen Mantralauten am Anfang, den zwölf Vokalen und den zwölf Ādityas am Körper ein: Keśava mit Dhātṛ auf die Stirn; Nārāyaṇa mit Aryaman auf den Bauch; Mādhava mit Mitra ins Herz; Govinda mit Varuṇa an den Hals; Viṣṇu mit Aṃśu auf die rechte Seite; Madhusūdana mit Bhaga auf die Schulter; Trivikrama mit Vivasvat an den Hals; Vāmana mit Indra auf die linke Seite; Śrīdhara mit Pūṣan auf die Schulter; Hṛṣīkeśa mit Parjanya an den Hals; Padmanābha mit Tvaṣṭṛ auf den Rücken; Dāmodara mit Viṣṇu am Nacken. Danach setzt man das große zwölfsilbige Mantra auf den Scheitel und vollzieht mit dem Kronenmantra den umfassenden Nyāsa. [Bei Mādhava steht im Zitat „mantreṇa“; die Zuordnung zu Mitra ergibt sich aus der ausgeschriebenen Formel davor.]

P2-0399 · Originalnummer 91
tathā ca gautamīye:
dvādaśākṣaraṃ mantravaraṃ vinyasedbrahmarandhrake vāsudevo
bhavetsākṣādvyāpitastasya tejasā |
trimātrikaṃ samuddhṛtya namo bhagavate likhet |
vāsudevaṃ caturthyā tu mantro'yaṃ surapādapaḥ ||
asya vijñānamātreṇa vāsudevaḥ prajāyate
|| 91 ||

Im Gautamīya heißt es: Man setzt das vorzügliche zwölfsilbige Mantra auf die Scheitelöffnung. Von seinem Glanz durchdrungen wird man unmittelbar Vāsudeva. Man nimmt den dreimātrigen Laut, schreibt „namo bhagavate“ und Vāsudeva in der Dativform. Dieses Mantra ist ein himmlischer Wunschbaum: „oṃ namo bhagavate vāsudevāya – Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva“. Schon durch seine Erkenntnis wird man Vāsudeva.

P2-0400 · Originalnummer 92
tata amuṃ mantraṃ paṭhet:
caitanyāmṛtavapurarkakoṭitejā mūrdhnistho vapurakhilaṃ sa
vāsudevaḥ |
ughasyaṃ suvimalapāthasīva siktaṃ vyāpnoti prakaṭitamantravarṇa
saṅkīrṇam |
nyāsaphalantu:
tanmūrttipañjaranyāso'bhihitaḥ parameṣṭhinā |
sakṛnnyāsādbhavenmantrī viṣṇumūrtiranuttamā ||
mūrtipañjaranyāsastu vahudhā |
oṃ aṃ dhātṛsahitakeśavāya namaḥ iti kecit |
oṃ aṃ keśava dhātṛbhyāṃ namaḥ ityanye |
oṃ aṃ keśavasahita - dhātre namaḥ ityapare |
tanna ||
vāsudevamanorekaṃ varṇaṃ klīvavivajartim |
svaraikaṃ vindusaṃyuktaṃ caturthyā keśavādikam ||
tathā dhātryādikañcoktvā namo nyāsa udāhṛtaḥ |
iti nāradīyatantrāt oṃ aṃ deśavāya dhātre namaḥ iti vadanti
|| 92 ||

Dann trägt man diesen Text vor: „Vāsudeva, dessen Körper der Nektar des Bewusstseins und dessen Glanz der von zehn Millionen Sonnen ist, steht auf dem Scheitel. Er durchdringt den gesamten Körper, der mit den offenbarten Mantralauten erfüllt ist, als würde er mit ganz reinem Wasser übergossen.“ [„ughasyaṃ“ ist unleserlich; sein genauer Beitrag zur Aussage bleibt offen.] Die Frucht des Nyāsa: Dieses Gestaltengehäuse hat der Höchste gelehrt. Schon durch einmalige Ausführung wird der Mantrapraktizierende zur unübertrefflichen Viṣṇugestalt. Es gibt mehrere Formen des Gestaltennyāsa: Einige sagen „oṃ aṃ dhātṛsahitakeśavāya namaḥ – Keśava samt Dhātṛ“; andere „oṃ aṃ keśavadhātṛbhyāṃ namaḥ – Keśava und Dhātṛ“; wieder andere „oṃ aṃ keśavasahitadhātre namaḥ – Dhātṛ samt Keśava“. Das trifft nicht zu. Im Nārādīyatantra heißt es: ein Laut des Vāsudevamantras, ein mit Bindu versehener Vokal unter Ausschluss der neutralen, dann Keśava und die weiteren sowie Dhātṛ und die weiteren jeweils im Dativ, anschließend namaḥ. Daher sagt man „oṃ aṃ keśavāya dhātre namaḥ“. [Die Schlussformel der Vorlage schreibt deśavāya; Keśava wird durch die ganze Erläuterung bestätigt.]

P2-0401 · Originalnummer 93
tataḥ
oṃ kirīṭa - keyūrahāramakara - kuṇḍala -
śaṅkhacakragadāmbhojahastapītāmbaradharaśrīvatsāṅkita
vakṣaḥsthala śrībhūmisahitasvātmajyotirmayadīptakarāya
sahasrādityatejase namaḥ |
iti mantreṇa vyāpakaṃ vinyasya mudrāḥ pradarśya dhyānaṃ kuryāt
|| 93 ||

Dann vollzieht man den umfassenden Nyāsa mit: „oṃ kirīṭakeyūrahāramakarakuṇḍalaśaṅkhacakragadāmbhojahastapītāmbaradharaśrīvatsāṅkitavakṣaḥsthalaśrībhūmisahitasvātmajyotirmayadīptakarāya sahasrādityatejase namaḥ – Verehrung dem, der Krone, Oberarmreifen, Halsketten und Makaraohrringe trägt, dessen Hände Muschel, Rad, Keule und Lotus halten, der gelbes Gewand trägt, dessen Brust mit Śrīvatsa gezeichnet ist, der mit Śrī und Bhūmi vereint ist, dessen strahlende Gestalt aus dem Licht des eigenen Selbst besteht und dessen Glanz tausend Sonnen gleicht.“ Danach zeigt man die Mudrās und meditiert.

P2-0402 · Originalnummer 94
tathā ca prapañcasāre:
kirīṭakeyūrahārapadānyābhāṣya mantravit |
makārānte kuṇḍalañca śaṅgacakragadādikam padmahastapadaṃ
proktvā pītāmbaradhareti ca |
śrīvatsāṅkitamābhāṣya vakṣaḥsthalamatho vadet |
śrībhūmisahitaṃ svātmajyotirmayapadaṃ vadet |
dīptamuktvā karāyeti sahasrādityatejase |
hṛdantaḥ praṇavādiḥ syāt kirīṭādimanudvayam |
evaṃ nyāsaṃ purā kṛtvā dhyāyennārāyaṇaṃ param
|| 94 ||

Im Prapañcasāra wird die Formel erläutert: Man spricht „kirīṭa“, „keyūra“, „hāra“, „makarakuṇḍala“, „śaṅkhacakragadā“, „padmahasta“, „pītāmbaradhara“, „śrīvatsāṅkitavakṣaḥsthala“, „śrībhūmisahita“, „svātmajyotirmaya“, „dīpta“, „karāya“, „sahasrādityatejase“ und die Herzformel am Schluss, mit oṃ am Anfang. So werden die mit „Krone“ beginnenden Mantras bezeichnet. Nachdem man zuvor diesen Nyāsa ausgeführt hat, soll man über den höchsten Nārāyaṇa meditieren. [„manudvayam“ nennt in der Vorlage ein Mantrapaar, dessen zweite eigenständige Form hier nicht ausgeschrieben wird.]

P2-0406 · Originalnummer 98
tataḥ sāmānyapīṭhapūjānantaraṃ vimalādiśaktisahitapīṭhapūjāṃ
kṛtvā, punardhyātvā, mūlena
kalpitamūrttāvāvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabhet |
tadyathā:
agnikoṇe oṃ kruddholkāya hṛdayāya namaḥ |
nair-ṛte maholkāya śirase svāhā |
vāyukoṇe vīrolkāya śikhāyai vaṣaṭ |
īśāne atyulkāya kavacāya huṃ |
dikṣu sahasrolkāya astrāya phaṭ |
tataḥ keśareṣu pūrvādi oṃ namaḥ, naṇ namaṃ, moṃ namaḥ, nāṃ
namaḥ, rāṃ namaḥ, yaṃ namaḥ, ṇāṃ namaḥ, yaṃ namaḥ |
tato daleṣu pūrvādidikṣu oṃ vāsubevāya namaḥ, oṃ saṅkarṣaṇāya
namaḥ, oṃ prādyumnāya namaḥ, oṃ aniruddhāya namaḥ |
āgneyādikoṇadaleṣu oṃ śāntyai namaḥ, evaṃ śriyai, sarasvatyai, ratyai
|| 98 ||

Nach der allgemeinen Sitzverehrung verehrt man den mit Vimalā und den weiteren Kräften versehenen Sitz, meditiert erneut und vollzieht in der mit dem Grundmantra gebildeten Gestalt die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung: im Südosten „oṃ kruddholkāya hṛdayāya namaḥ“; im Südwesten „maholkāya śirase svāhā“; im Nordwesten „vīrolkāya śikhāyai vaṣaṭ“; im Nordosten „atyulkāya kavacāya huṃ“; in den Richtungen „sahasrolkāya astrāya phaṭ“. Auf den Staubfäden, im Osten beginnend, setzt man oṃ, naṃ, moṃ, nāṃ, rāṃ, yaṃ, ṇāṃ und yaṃ, jeweils mit namaḥ. Auf den Blättern der Hauptrichtungen, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha; auf den Eckblättern, im Südosten beginnend, Śānti, Śrī, Sarasvatī und Rati. [„naṇ namaṃ“ ist in der Vorlage beschädigt; der Laut naṃ wird durch die vollständige Mantraliste gestützt.]

P2-0407 · Originalnummer 98ka
tato'ṣṭadalāgreṣu pūrvādidikṣu oṃ cakrāya namaḥ, evaṃ śaṅkhāya
gadāyai padmāya kostubhāya muṣalāya khaḍgāya vanamālāyai |
tadvahiragre oṃ garuḍāya namaḥ ; dakṣiṇe oṃ śaṅkhanidhaye; vāme oṃ
padmanidhaye; paścime oṃ dhvajāya; agnikoṇe oṃ vighnāya, nair-ṛte oṃ
āryāyai; vāyukoṇe oṃ durgāyai; īśāne oṃ senānyai |
namaḥ sarvatra |
tadbahirindrādīn vajrādīṃśca sampūjya dhūpadīpau dattvā,
naivedyaṃ dadyāt
|| 98ka ||

An den acht Blattspitzen, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Rad, Muschel, Keule, Lotus, Kaustubha, Stößel, Schwert und Waldblumengirlande. Außen vorne Garuḍa, rechts den Muschelschatz, links den Lotusschatz, hinten das Banner; im Südosten Vighna, im Südwesten Āryā, im Nordwesten Durgā und im Nordosten Senānī. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Nach Räucherwerk und Licht bringt man die Speise dar.

P2-0408 · Originalnummer 99
tadyathā:
naivedyamānīya devāya mūlena pādyārghyācamanīyaṃ dattvā,
phaḍiti mantreṇa naivedyaṃ saṃprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya,
yaṃ iti mantreṇa doṣasamūhaṃ, saṃśodhya, ramiti doṣaṃ sandahya,
vāmakarasaudhadhārābhipūrṇaṃ vamityamṛtīkṛtaṃ vibhāvya,
mūlamaṣṭadhā japet |
tato vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya, gandhapuṣpābhyāṃ naivedyaṃ
sampūjya, devāya mūlamantreṇa puṣpāñjaliṃ dattvā, kṛtāñjaliḥ
san hariṃ prārthayet |
asya mukhato mahaḥ prasavediti vibhāvya, svāhāntaṃ mūlamuccārya,
naivedye jalaṃ dadyāt |
tato mūlamuccārya etannaivedyam amukadevatāyai namaḥ |
tato naivedyamuddhṛtya, oṃ nivedayāmi bhavate juṣāṇedaṃ havirhare iti
naivedyaṃ samarpyaṃ, amukadevatāyai etajjalam amṛtopastaraṇamasīti
jalaṃ dattvā, vāmahastena grāsamudrāṃ pradarśya dakṣiṇahastena
prāṇādimudrāḥ pradarśayet |
yathā:
oṃ prāṇāya svāhā iti kaniṣṭhānāmike aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ apānāyā svāhā iti tarjanīmadhyame aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ vyānāya svāhā iti madhyamānāmike aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ udānāya svāhā iti tarjanīmadhyamānāmā aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ samānāya svāha iti sarvāḍaṃgulīraṃguṣṭhena spṛśet
|| 99 ||

Man bringt die Speise herbei, reicht dem Gott mit dem Grundmantra Fußwasser, Arghya und Mundspülwasser, besprengt die Speise mit phaṭ und schützt sie mit der Cakramudrā. Mit yaṃ reinigt man alle Mängel, mit raṃ verbrennt man sie. Man stellt sich die Speise als mit dem Nektarstrom der linken Hand erfüllt und durch vaṃ in Nektar verwandelt vor und wiederholt das Grundmantra achtmal. Dann verwandelt man sie mit vaṃ und der Dhenumudrā erneut in Nektar, verehrt sie mit Duftstoff und Blumen, reicht dem Gott mit dem Grundmantra eine Handvoll Blumen und bittet Hari mit gefalteten Händen. Man vergegenwärtigt sich, dass aus seinem Mund Lichtglanz hervorströmt; mit dem auf svāhā endenden Grundmantra gibt man Wasser auf die Speise. Dann spricht man das Grundmantra und „Diese Speise für die Gottheit [Name], namaḥ“. Man hebt die Speise an und reicht sie mit „oṃ nivedayāmi bhavate juṣāṇedaṃ havir hare – Oṃ, ich bringe dir dies dar; genieße diese Opfergabe, Hari“. Danach gibt man der Gottheit Wasser mit „Dieses Wasser: Du bist die Unterlage des Nektars“. Mit der linken Hand zeigt man die Grāsamudrā, mit der rechten die Mudrās für Prāṇa und die weiteren Lebenskräfte: „oṃ prāṇāya svāhā“, wobei der Daumen kleinen und Ringfinger berührt; „oṃ apānāya svāhā“, wobei er Zeige- und Mittelfinger berührt; „oṃ vyānāya svāhā“, wobei er Mittel- und Ringfinger berührt; „oṃ udānāya svāhā“, wobei er Zeige-, Mittel- und Ringfinger berührt; „oṃ samānāya svāhā“, wobei er alle Finger berührt.

P2-0409 · Originalnummer 100
tato'guṣṭhābhyāmanāmikāgra spṛśan ṭhrauṃ namaḥ parāya
antarātmane aniruddhāya naivedyaṃ kalpayāmi iti naivedye mudrāḥ
pradarśya, mūlamantramuccārya, amukadevaṃ tarpayāmi iti caturdhā
santarpya, amukadevatāyai etajjalaṃ amṛtāpidhānamasīti jalaṃ dattvā,
tattejo devatāmukhe sthāpayitvā ācamanīyādikaṃ dadyāditi |
vaiṣṇave tu sarvatra naivedyadāne ayaṃ kramaḥ |
tataḥ sāmānya paddhatikrameṇa visarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇa ṣoḍaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
vikāralakṣaṃ prajapenmanumenaṃ samāhitaḥ |
taddaśāṃśaṃ sarasijairjuhuyānmadhurāplutaiḥ
|| 100 ||

Dann berührt man mit beiden Daumen die Spitzen der Ringfinger und zeigt über der Speise die Mudrā mit „ṭhrauṃ namaḥ parāya antarātmane aniruddhāya naivedyaṃ kalpayāmi – Verehrung dem höchsten inneren Selbst, Aniruddha; ich bereite die Speisegabe“. Man spricht das Grundmantra und sättigt die Gottheit viermal mit „Ich sättige die Gottheit [Name]“. Danach gibt man Wasser mit „Für die Gottheit [Name] dieses Wasser: Du bist die Bedeckung des Nektars“. Man setzt den Lichtglanz der Gabe in den Mund der Gottheit und reicht Wasser zum Mundspülen und die übrigen Gaben. Diese Reihenfolge gilt überall bei Viṣṇus Speisedarbringung. Dann vollendet man die Handlungen bis zur Entlassung nach dem allgemeinen Verfahren. Das Puraścaraṇa umfasst sechzehn Lakh, also 1.600.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Gesammelt wiederholt man dieses Mantra sechzehn Lakh-mal und opfert ein Zehntel mit süß getränkten Lotussen.

P2-0410 · Originalnummer 1
atha śrīrāmamantrāḥ
ananto'gnyāsanaḥ sandurbījaṃ rāmāya hṛnmanuḥ |
ṣaḍakṣaro'yamādiṣṭo bhajatāṃ kāmado maṇiḥ
|| 1 ||

Nun die Śrīrāmamantras: Ananta auf dem Feuersitz, mit Bindu, dann „rāmāya“ und die Herzformel bilden dieses sechssilbige Mantra, ein wunscherfüllendes Juwel für die Verehrenden: rāṃ rāmāya namaḥ.

P2-0411 · Originalnummer 2
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi vaiṣṇavoktapīṭhanyāsāntaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
yathā:
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
śrīrāmāya devatāyai namaḥ
|| 2 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum vaiṣṇavisch gelehrten Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „brahmaṇe ṛṣaye namaḥ“; am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“; am Herzen „śrīrāmāya devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Śrīrāma“.

P2-0412 · Originalnummer 3
tataḥ karāṅganyāsau:
rāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, rīṃ tarjanībhyāṃ svāhā, rūṃ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, raiṃ anāmikābhyāṃ huṃ, rauṃ
kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, raḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu rāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi
|| 3 ||

Der Handnyāsa: rāṃ an den Daumen mit namaḥ; rīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; rūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; raiṃ an den Ringfingern mit huṃ; rauṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; raḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „rāṃ hṛdayāya namaḥ“.

P2-0413 · Originalnummer 4
tataḥ mantranyāsaḥ:
brahmarandhre rāṃ namaḥ, bhuvormadhye rāṃ namaḥ, hṛdi māṃ
namaḥ, nābhau yaṃ namaḥ, liṅge naṃ namaḥ, pādayoḥ maṃ namaḥ |
tato mūrtipañjaranyāsādikaṃ pūrvoktaṃ vidhāya dhyāyet:
kālāmbhodharakāntikāntamaniśaṃ vīrāsanādhyāsīnaṃ, mudrāṃ
jñānamayīṃ dadhānamaparaṃ hastāmbujaṃ jānuni |
sītāṃ pārśvagatāṃ saroruhakarāṃ vidyunnibhāṃ rāghavaṃ,
paśyantaṃ mukuṭāṅgadādivividhākalpojjvalāṅgaṃ bhaje ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt
|| 4 ||

Der Mantranyāsa, jeweils mit namaḥ: rāṃ an der Scheitelöffnung, rāṃ zwischen den Brauen, māṃ am Herzen, yaṃ am Nabel, naṃ am Geschlechtsorgan und maṃ an den Füßen. Nach dem zuvor beschriebenen Gestaltengehäuse und den weiteren Nyāsas meditiert man: Ich verehre Rāghava, dessen lieblicher Glanz einer dunklen Regenwolke gleicht und der stets im Vīrāsana sitzt. Eine Hand zeigt die Erkenntnismudrā, die andere Lotushand ruht auf dem Knie. Er blickt auf Sītā an seiner Seite, die einen Lotus hält und wie der Blitz glänzt. Sein Körper strahlt von Krone, Oberarmreifen und vielfältigem Schmuck. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben und stellt die Muschel auf.

P2-0415 · Originalnummer 6
devavāmapārśve śrīṃ sītāyai namaḥ |
agre oṃ śārṅgāya namaḥ, vāmadakṣiṇapārśvayoḥ oṃ parebhyo
namaḥ, oṃ cāpāya namaḥ |
tadbahiḥ keśareṣu agnyādi koṇeṣu madhye dikṣu ca rāṃ hṛdayāya
namaḥ ityādinā ṣaḍaṅgāni pūjayet
|| 6 ||

Links des Gottes verehrt man mit „śrīṃ sītāyai namaḥ“ Sītā; vorne mit „oṃ śārṅgāya namaḥ“ den Śārṅgabogen. An linker und rechter Seite „oṃ parebhyo namaḥ“ und „oṃ cāpāya namaḥ“. Außen davon auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man die sechs Glieder mit „rāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. [„parebhyo“ ist im Zusammenhang der Waffenverehrung unsicher; eine Bedeutung wie „den Pfeilen“ würde eine andere Lesung verlangen. „Cāpa“ bedeutet Bogen.]

P2-0416 · Originalnummer 7
tato daleṣu pūrvādidikṣu oṃ hanūmate namaḥ, evaṃ sugrīvāya
bharatāya vibhīṣaṇāya lakṣmaṇāya aṅgadāya śatrughnāya
jāmbavate |
dalegreṣu oṃ sṛṣṭaye namaḥ, evaṃ jayantāya vijayāya surāṣṭrāya
rāṣṭravarddhanāya akopāya dharmapālāya svamantrāya |
tataḥ indrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 7 ||

Auf den Blättern, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Hanumān, Sugrīva, Bharata, Vibhīṣaṇa, Lakṣmaṇa, Aṅgada, Śatrughna und Jāmbavat. An den Blattspitzen Sṛṣṭi, Jayanta, Vijaya, Surāṣṭra, Rāṣṭravardhana, Akopa, Dharmapāla und Svamantra. Danach verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Formen Sṛṣṭi und Svamantra sind die Lesungen der Vorlage; sie werden nicht durch andere Namen aus Rāmas Ministerkreis ersetzt.]

P2-0417 · Originalnummer 8
asya puraścaraṇaṃ ṣaḍlakṣajapaḥ |
tathā ca:
ṛtulakṣaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ kamalaiḥ śubhaiḥ |
juhuyādarcite vahnau brāhmaṇānbhojayettataḥ
|| 8 ||

Das Puraścaraṇa beträgt sechs Lakh, also 600.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 600.000-mal und opfert ein Zehntel mit guten Lotussen im verehrten Feuer. Danach speist man Brahmanen.

P2-0418 · Originalnummer 9
ayaṃ mantraḥ ṣaḍvidhaḥ |
tathā ca:
svakāmaśaktivāklakṣmītārādyaḥ pañcavarṇakaḥ |
ṣaḍakṣaraḥ ṣaḍvidhaḥ syāccaturvargaphalapradaḥ
|| 9 ||

Dieses Mantra hat sechs Formen. Dazu heißt es: Das fünfsilbige Mantra wird mit dem eigenen Bīja, Kāma, Śakti, Vāk, Lakṣmī oder Tārā am Anfang sechssilbig. Es besitzt so sechs Formen und schenkt die Früchte der vier Lebensziele.

P2-0420 · Originalnummer 11
athavā kāmabījāderviśvāmitramunirmanoḥ |
chando gāyatrīsaṃjñañca śrīrāmaścaiva devatā |
dhyānapūjādikaṃ sarvaṃ pūrvavacca samācaret
|| 11 ||

Oder beim mit dem Liebesbīja beginnenden Mantra ist Viśvāmitra der Seher. Gāyatrī ist das Versmaß und Śrīrāma die Gottheit. Meditation, Verehrung und alle weiteren Handlungen erfolgen wie zuvor.

P2-0421 · Originalnummer 12
mantrāntaram :
jānakīvallabhaṃ ṅe'ntaṃ vahnijāyā humādikam |
daśākṣaro'yaṃ mantraḥ syādvasiṭaḥ syādṛṣirvirāṭa
|| 12 ||

Ein anderes Mantra: „jānakīvallabha“ im Dativ, die Gemahlin des Feuers am Ende und huṃ am Anfang ergeben das zehnsilbige Mantra „huṃ jānakīvallabhāya svāhā – Huṃ, dem Geliebten Jānakīs, svāhā“. Vasiṣṭha ist der Seher, Virāṭ das Versmaß.

P2-0422 · Originalnummer 13
chagdaśca devatā rāmaḥ sītāpāṇiparigrahaḥ |
ādyaṃ bījaṃ dviṭhaḥ śaktiḥ kāmenāṅgakriyā matā
|| 13 ||

Die Gottheit ist Rāma, der Sītās Hand ergriffen hat. Das erste Bīja ist das Bīja, zweimal ṭha die Kraft. Die Gliederhandlung erfolgt mit Kāma.

P2-0424 · Originalnummer 15
tato dhyānam:
ayodhyānagare ramye ratnasaundaryamaṇḍape |
mandārapuṣpairābaddhavitānatoraṇānvite |
siṃhāsanasamārūḍha puṣpakopari rāghavam |
rakṣobhirharibhirdevairdiyayānagataiḥ śubhaiḥ |
saṃstūyamānaṃ munibhiḥ sarvajñaiḥ pariśobhitam |
sītālaṃkṛta vāmāṅgaṃ lakṣmaṇenopasevitam ||
śyāmaṃ prasannavadanaṃ sarvābharaṇabhūṣitam |
dhyāyannevaṃ japenmantraṃ varṇalakṣamananyadhīḥ |
daśāṃśaṃ juhuyādvilvapuṣpairmadhurasaṃyutaiḥ |
anyatsarvaṃ pūrvavat
|| 15 ||

Die Meditation: Im lieblichen Ayodhyā, in einem Pavillon von Juwelenschönheit, geschmückt mit Baldachin und Torbögen aus Mandārablüten, sitzt Rāghava auf einem Löwenthron auf dem Puṣpaka. Rakṣas, Affen und Götter in herrlichen Himmelsfahrzeugen sowie allwissende Weise preisen ihn. Sītā schmückt seine linke Seite; Lakṣmaṇa dient ihm. Er ist dunkel, hat ein freundliches Gesicht und trägt allen Schmuck. So meditierend wiederholt man das Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit ein Lakh für jede Silbe. Ein Zehntel opfert man mit Bilvablüten, verbunden mit süßen Stoffen. Alles Übrige erfolgt wie zuvor.

P2-0425 · Originalnummer 16
mantrāntaram:
vahnirnārāyaṇenāḍhyo jaṭharaḥ kevalastathā |
dvyakṣaro mantrarājo'yaṃ sarvābhīṣṭaphalapradaḥ
|| 16 ||

Ein anderes Mantra: Feuer, verbunden mit Nārāyaṇa, und der alleinstehende Bauchlaut ergeben diesen zweisilbigen König der Mantras, der alle gewünschten Früchte schenkt. Die Verschlüsselung bezeichnet rāma. [Die Vorlage schreibt keine ausgeschriebene Formel an dieser Stelle.]

P2-0426 · Originalnummer 17
śrīmāyāmanmathaikaikabījādyantagato manuḥ |
caturvarṇaḥ sa eva syātṣaḍvarṇo vāñchitapradaḥ ||
svāhānto huṃphaḍanto vā namo'nto vā bhavenmanuḥ |
tārāmāyāramānaṅgavāksvabījaistu ṣaḍvidhaḥ ||
tryakṣaro mantrarājaḥ syātsarvābhīṣṭaphalapradaḥ
|| 17 ||

Wird dieses Mantra am Anfang und Ende jeweils mit den Bījas Śrī, Māyā oder Manmatha versehen, ist es viersilbig; auch sechssilbig kann es Wünsche erfüllen. Es kann mit svāhā, huṃ phaṭ oder namaḥ enden. Mit Tārā, Māyā, Ramā, Anaṅga, Vāk oder dem eigenen Bīja am Anfang besitzt der dreisilbige Mantrakönig sechs Formen und schenkt alle gewünschten Früchte.

P2-0427 · Originalnummer 18
dvyakṣaraścandrabhadrānto mantro'yaṃ caturakṣaraḥ |
rāmāya hṛnmanuḥ prokto mantraḥ pañcākṣaraḥ paraḥ ||
pañcāśanmātṛkāvarṇapratyekapūrvako manuḥ |
lakṣmīvāṅmanmathādiśca tārādiḥ syādanekadhā ||
tena aṃ rāmāya namaḥ ityādi ṣaḍakṣaraḥ |
vahnisthaṃ śayanaṃ viṣṇorarddhacandravibhūṣitam ||
ekākṣaro manuḥ prokto mantrarājaḥ suradrumaḥ |
brahmā ṛṣiḥ syādgāyatrīcchando rāmaśca devatā
|| 18 ||

Das zweisilbige Mantra mit Candra und Bhadra am Schluss ist viersilbig. „rāmāya“ mit der Herzformel wird als höchstes fünfsilbiges Mantra bezeichnet: rāmāya namaḥ. Durch Voranstellen jedes einzelnen der fünfzig Mātṛkālaute sowie von Lakṣmī, Vāk, Manmatha oder Tārā entsteht eine Vielzahl von Formen, beispielsweise „aṃ rāmāya namaḥ“ als sechssilbige Form. Viṣṇus Lagerstätte auf dem Feuer, mit dem Halbmond geschmückt, ergibt das einsilbige Mantra rāṃ, den Mantrakönig und himmlischen Wunschbaum. Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Rāma die Gottheit. [Die verschlüsselte Endung Candra-Bhadra wird in der Vorlage nicht weiter aufgelöst.]

P2-0428 · Originalnummer 19
ekākṣare tu dvādaśalakṣajapaḥ puraścaraṇam |
tathā ca:
bhānulakṣaṃ japenmantraṃ iti vacanāt |
anyeṣāṃ ṣaḍlakṣajapa iti viśeṣaḥ ||
eteṣāṃ dhyānapūjādikaṃ prāguktaṣaḍakṣaravat
|| 19 ||

Für das einsilbige Mantra beträgt das Puraścaraṇa zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen, nach dem Ausspruch „Man wiederholt das Mantra zwölf Lakh-mal“. Für die übrigen gilt als Besonderheit ein Japa von sechs Lakh, also 600.000. Meditation und Verehrung erfolgen wie beim zuvor beschriebenen sechssilbigen Mantra.

P2-0429 · Originalnummer 1
atha śrīkṛṣṇamantrāḥ
gopījana padasyānte vallabhāya dviṭhāvadhiḥ |
ayaṃ daśākṣaro mantro dṛṣṭādṛṣṭaphalapradaḥ ||
ayaṃ mantraḥ kāmabījādiḥ |
rāśinakṣatravicāre punarbījarahitena vicāraḥ
|| 1 ||

Nun die Śrīkṛṣṇamantras: Nach „gopījana“ steht „vallabhāya“, am Ende zweimal ṭha. Dieses zehnsilbige Mantra schenkt sichtbare und unsichtbare Früchte: „gopījanavallabhāya svāhā – Dem Geliebten der Gopīschaft, svāhā“. Es wird mit dem Liebesbīja klīṃ am Anfang verwendet. Bei der Prüfung von Tierkreiszeichen und Mondhäusern prüft man jedoch die Form ohne Bīja.

P2-0430 · Originalnummer 2
bījapūrvo japaścāsya rahasyaṃ kathitaṃ mune |
luptabījasvabhāvatvāddaśākṣara ihocyate || iti gautamīyāt
|| 2 ||

Im Gautamīya heißt es: Weiser, die Wiederholung mit vorangestelltem Bīja ist sein Geheimnis. Weil das Bīja in seiner benannten Form ausgelassen wird, heißt es hier zehnsilbig.

P2-0431 · Originalnummer 3
tathā ca bṛhadgautamīye:
bhogamokṣaikanilayo luptabījo daśākṣaraḥ |
uddharettu pṛthaktvena kāmabījaṃ mahāmune tadyogātphalado mantro
nānyathā siddhaye bhavet
|| 3 ||

Im Bṛhadgautamīya heißt es: Das zehnsilbige Mantra mit ausgelassenem Bīja ist die einzige Heimstätte von Genuss und Befreiung. Großer Weiser, man soll das Liebesbīja gesondert nehmen; durch die Verbindung mit ihm trägt das Mantra Früchte, anders führt es nicht zur Vollendung.

P2-0432 · Originalnummer 4
asya pūjāprayogaḥ:
viṣṇumantroktavaiṣṇavācamanaṃ kṛtvā prātaḥkṛtyādi
tattvanyāsantaṃ karma vidhāya praṇāyāmaṃ kuryāt |
tathā ca gautamīye:
evaṃ tattvāni vinyasya prāṇāyāmatrayaṃ caret |
kāmabījasyaikavārajapena dakṣiṇanāsayā vāyuṃ recayet |
punaḥ saptavārajapena vāmanāsayā vāyuṃ pūrayet |
tato nāsāpuṭau dhṛtvā viṃśativārajapena vāyuṃ kumbhayet |
punarvāmanāsayā recayet, dakṣiṇena pūrayet ubhābhyāṃ kumbhayet
|
punardakṣiṇena recayetvāmenāpūrya ubhābhyāṃ kumbhayet |
tathā ca:
ekena recayetkāmabījenaiva pṛthakpṛthak |
pūrayetsaptajaptena viṃśtyā tena dhārayet |
sarveṣu kṛṣṇamantreṣu bījenānena vā japet |
yadvā mūlenaiva mantreṇa sarvatra prāṇāyāmaḥ
|| 4 ||

Sein Verehrungsverfahren: Man vollzieht das beim Viṣṇumantra beschriebene vaiṣṇavische Mundspülen, die morgendlichen Handlungen bis zum Tattvanyāsa und dann die Atemregelung. Im Gautamīya heißt es: Nach Einsetzung der Prinzipien vollzieht man dreimal die Atemregelung. Bei einmaliger Wiederholung des Liebesbījas atmet man durch die rechte Nasenöffnung aus, bei sieben Wiederholungen durch die linke ein. Dann hält man beide Nasenöffnungen zu und hält den Atem bei zwanzig Wiederholungen an. Danach atmet man links aus, rechts ein und hält bei verschlossenen beiden Öffnungen an; dann erneut rechts aus, links ein und hält bei beiden an. Dazu heißt es: Jeweils mit einer Wiederholung des Liebesbījas ausatmen, mit sieben einatmen und mit zwanzig anhalten. Bei allen Kṛṣṇamantras kann man dieses Bīja verwenden; alternativ erfolgt überall die Atemregelung mit dem Grundmantra selbst.

P2-0433 · Originalnummer 5
taduktaṃ kramadīpikāyām:
pavanasaṃyamanastvamunācaretyamiha japtumāsau manumicchati |
yadi daśākṣara japati tadā daśākṣareṇa cettatra
cāṣṭāviṃśativāraṃ recayet |
pūrayedvāmatastadvaddhārayettatpramāṇataḥ |
prāṇāyāme bhavedeko recakapūrakakumbhakaiḥ |
aṣṭādaśākṣareṇa ceddvādaśaivaṃ samācaret |
anyamanurbhirvarṇānurūpamityuktatvāt |
tattanmantravarṇasaṃkhyākai recakāditrayaṃ kuryāt
|| 5 ||

In der Kramadīpikā heißt es: Man soll die Atemregelung mit demjenigen Mantra vollziehen, das man hier wiederholen möchte. Wird das zehnsilbige Mantra wiederholt, verwendet man dieses und atmet bei achtundzwanzig Wiederholungen aus; ebenso atmet man links ein und hält für dieselbe Zahl an. Ein Atemregelungszyklus besteht aus Ausatmen, Einatmen und Anhalten. Beim achtzehnsilbigen Mantra vollzieht man dies jeweils mit zwölf Wiederholungen. Da bei anderen Mantras eine der Silbenzahl entsprechende Zahl gelehrt wird, vollzieht man Ausatmen und die beiden weiteren Phasen nach der Silbenzahl des betreffenden Mantras. [Die allgemeine Schlussregel ist knapp; ihre rechnerische Beziehung zu den ausdrücklich genannten Zahlen 28 und 12 wird hier nicht weiter erklärt.]

P2-0434 · Originalnummer 5ka
recayenmārutaṃ dakṣayā dakṣiṇaḥ pūrayedvāmayā
madhyamābhyāṃ punardhārayedityādi |
etattu śrīkṛṣṇamantraviṣayaṃ, nānyatra
|| 5ka ||

Man atmet den Wind durch die rechte Nasenöffnung aus, durch die linke ein und hält ihn danach bei verschlossenen beiden Öffnungen an. Diese Regel bezieht sich auf die Śrīkṛṣṇamantras, nicht auf andere.

P2-0435 · Originalnummer 6
tataḥ pīṭhanyāsaṃ vidhāya keśareṣu madhye ca
vimalādipīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt ||
tadyathā:
śirasi nārada - ṛṣaye namaḥ, mukhe virāṭachandase namaḥ, hṛdi
śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ, guhye klīṃ bījāya namaḥ, pādayoḥ
svāhā śaktaye namaḥ |
mantrādhiṣṭhātṛdevatāyai durgāyai namaḥ iti durgā namaskuryāt
|| 6 ||

Nach dem Sitznyāsa setzt man auf die Staubfäden und in die Mitte Vimalā und die übrigen Kräfte bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa. Auf dem Kopf „nāradaṛṣaye namaḥ“; am Mund „virāṭchandase namaḥ“; am Herzen „śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ“; an der verborgenen Stelle „klīṃ bījāya namaḥ“; an den Füßen „svāhā śaktaye namaḥ“. Mit „mantrādhiṣṭhātṛdevatāyai durgāyai namaḥ – Verehrung Durgā, der über das Mantra waltenden Gottheit“ verneigt man sich vor Durgā.

P2-0436 · Originalnummer 7
tataḥ praṇavapuṭitaṃ mūlamantraṃ karayormadhye pṛṣṭhe pārśve ca
triśo vinyasya praṇavapuṭitān savindūnmūlavarṇān aṃgulīnāṃ
parvasu namontena nyaset |
tadyathā:
dakṣiṇāṃguṣṭhe triṣu parvasu oṃ goṃ oṃ namaḥ |
dakṣiṇatarjanyāṃ oṃ pīṃ oṃ namaḥ |
dakṣiṇamadhyamāyāṃ oṃ jaṃ oṃ namaḥ |
dakṣiṇa anāmikāyāṃ oṃ naṃ oṃ namaḥ |
dakṣiṇakaniṣṭhāyāṃ oṃ vaṃ oṃ namaḥ |
vāmakaniṣṭhāyāṃ oṃ llaṃ oṃ namaḥ |
vāmānāmikāyāṃ oṃ bhāṃ oṃ namaḥ |
vāmāmadhyamāyāṃ oṃ yaṃ oṃ namaḥ |
vāmatarjanyāṃ oṃ svāṃ oṃ namaḥ |
vāmāṃguṣṭhe oṃ hāṃ oṃ namaḥ |
ayaṃtu sṛṣṭinyāsaḥ |
evaṃ dakṣiṇāṃguṣṭhapūrvā vāmakaniṣṭhāntā sthitiḥ |
saṃhṛtiśca vāmāṃguṣṭhādidakṣiṇāṃguṣṭhāntā |
punaḥ sṛṣṭisthitīti pañcadhā kuryāt
|| 7 ||

Dann setzt man das von oṃ umschlossene Grundmantra je dreimal auf die Mitte, den Rücken und die Seiten der Hände. Die einzelnen Grundmantralaute mit Bindu, vorne und hinten von oṃ umschlossen und mit namaḥ abgeschlossen, setzt man auf die Fingerglieder: auf die drei Glieder des rechten Daumens „oṃ goṃ oṃ namaḥ“, auf den rechten Zeigefinger pīṃ, Mittelfinger jaṃ, Ringfinger naṃ und kleinen Finger vaṃ; auf den linken kleinen Finger llaṃ, Ringfinger bhāṃ, Mittelfinger yaṃ, Zeigefinger svāṃ und Daumen hāṃ, jeweils mit demselben oṃ-Rahmen und namaḥ. Dies ist der Schöpfungsnyāsa. Die Erhaltungsfolge beginnt beim rechten Daumen und endet beim linken kleinen Finger. Die Auflösung beginnt beim linken Daumen und endet beim rechten Daumen. Danach wiederholt man Schöpfung und Erhaltung; so vollzieht man fünf Durchgänge.

P2-0437 · Originalnummer 8
tathā ca gautamīye:
saṃhṛtirdoṣasaṅghānāṃ hāriṇī parikīrtitā |
vidyāpradaśca sṛṣṭyanto varṇināṃ śuddhacetasām |
sthityantaḥ syādgṛhasthānāṃ trayaṃ kāmānurūpataḥ ||
sahajānau vānaprasthe sthityantaṃ kaścidicchati |
saṃhārānto munānāñca viraktasya ca sarvaśaḥ ||
aśaktaścedekamātraṃ kuryāt |
tathā ca:
nyāsatrayaṃ sadā kuryādaśaktāveka eva hi |
iti gautamīyāt
|| 8 ||

Im Gautamīya heißt es: Die Auflösung wird als Beseitigerin aller Mängel beschrieben. Für rein gesinnte Brahmacārins ist die mit Schöpfung endende Folge wissenspendend; für Haushalter endet sie mit Erhaltung. Die drei Folgen richten sich nach dem Wunsch. Für den Waldbewohner mit seiner Gefährtin wünschen einige ebenfalls den Abschluss mit Erhaltung; für Weise und völlig Losgelöste den Abschluss mit Auflösung. Wer dazu nicht imstande ist, vollzieht nur eine Folge. Dazu heißt es im Gautamīya: Stets soll man die drei Nyāsas ausführen; bei Unvermögen nur einen.

P2-0438 · Originalnummer 9
tataḥ sthitikrameṇāṃgulīṣu daśākṣarāṇi vinyaset
|
tadyathā:
praṇavapuṭitaṃ sarvatra |
gā namo dakṣāṃguṣṭhe |
pīṃ namastarjanyām |
jaṃ namo madhyamāyām |
naṃ namo'nāmikāyām |
vaṃ namaḥ kaniṣṭhāyām |
llaṃ namo vāmāṃguṣṭhe |
bhāṃ namo vāmatarjanyām |
yaṃ namo vāmamadhyamāyām |
svāṃ namo vāmānāmikāyām |
hāṃ namo vāmakaniṣṭhayāṃ |
tataḥ karayo raṃgulīṣu pañcāṅganyāsaḥ |
yathā ācakrāya svāhā aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
vicakrāya svāhā tarjanībhyāṃ svāhā |
sucakrāya svāhā madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
trailokyarakṣaṇacakrāya svāhā anāmikābhyāṃ huṃ |
asurāntakacakrāya svāhā kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ
|| 9 ||

Dann setzt man in der Erhaltungsfolge die zehn Silben auf die Finger, jede von oṃ umschlossen und mit namaḥ abgeschlossen: goṃ auf den rechten Daumen, pīṃ auf den Zeigefinger, jaṃ auf den Mittelfinger, naṃ auf den Ringfinger und vaṃ auf den kleinen Finger; llaṃ auf den linken Daumen, bhāṃ auf den linken Zeigefinger, yaṃ auf den Mittelfinger, svāṃ auf den Ringfinger und hāṃ auf den kleinen Finger. Danach erfolgt der fünfgliedrige Handnyāsa: „ācakrāya svāhā“ an den Daumen mit namaḥ; „vicakrāya svāhā“ an den Zeigefingern mit svāhā; „sucakrāya svāhā“ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; „trailokyarakṣaṇacakrāya svāhā“ an den Ringfingern mit huṃ; „asurāntakacakrāya svāhā“ an den kleinen Fingern mit phaṭ. Die Anreden gelten den Radgestalten Ācakra, Vicakra, Sucakra, dem die drei Welten schützenden Rad und dem die Asuras vernichtenden Rad. [Die erste Fingersilbe steht als gā statt goṃ; die vollständige Folge davor bestätigt goṃ.]

P2-0439 · Originalnummer 10
tato bhūlamantrapuṭitān savindūnmātṛkāvarṇān mātṛkāsthāneṣu
nyaset |
tataḥ praṇavapuṭitaṃ mūlamantraṃ ākeśādāpādam
āpādādākeśa kramāttrivāra vinyasya saṃhārasṛṣṭibhedena
daśatattvāni vinyaset |
tathā ca kramadīpikāyām:
saṃhṛtāvanugato manuvaryaḥ sṛṣṭivartmani bhavet pratiyātaḥ |
uddhṛtiḥ khalu puroktavadeṣāṃ nyāsakarma kathayāmyadhuneti ||
tadyathā:
pādayoḥ goṃ namaḥ parāya pṛthivīttvātmane namaḥ |
liṅge pīṃ namaḥ parāya jalatattvātmane namaḥ |
hṛdi jaṃ namaḥ parāya tejastattvātmane namaḥ |
mukhe naṃ namaḥ parāya vāyutattvātmane namaḥ |
śirasi vaṃ namaḥ parāyākāśatattvātmane namaḥ |
llaṃ namaḥ parāyāhaṅkāratattvātmane namaḥ |
bhāṃ namaḥ parāya mahattattvātmane namaḥ |
etaddvayaṃ hṛdinyasyamiti |
yaṃ namaḥ parāya prakṛtitattvātmane namaḥ svāṃ namaḥ parāya
puruṣatattvātmane namaḥ |
hāṃ namaḥ parāya paratattvātmane namaḥ |
etattritayaṃ sarvagātre |
iti saṃhāranyāsaḥ |
atha sṛṣṭinyāsaḥ:
hāṃ namaḥ parāyaparatattvātmane namaḥ |
svāṃ namaḥ parāya puruṣatattvātmane namaḥ |
yaṃ nama parāya prakṛtitattvātmane namaḥ |
etattritayaṃ sarvagātre |
hṛdi bhāṃ namaḥ parāya mahattatvātmane namaḥ |
llaṃ namaḥ parāyāhaṅkāratattvātmane namaḥ |
śirasi vaṃ namaḥ parāyākāśatattvātmane namaḥ |
mukhe naṃ namaḥ parāya vāyutattvātmane namaḥ |
hṛdi jaṃ namaḥ parāya tejastattvātmane namaḥ |
liṅge pīṃ namaḥ parāya jalatattvātmane namaḥ |
pādayoḥ goṃ namaḥ parāya pṛthivītattvātmane namaḥ |
iti ṣṛṣṭinyāsaḥ
|| 10 ||

Dann setzt man die mit Bindu versehenen, vom Grundmantra umschlossenen Mātṛkālaute an ihre jeweiligen Körperstellen. Das von oṃ umschlossene Grundmantra setzt man dreimal abwechselnd von Haaren bis Füßen und von Füßen bis Haaren ein. Danach folgen die zehn Prinzipien in Auflösungs- und Schöpfungsfolge. Die Kramadīpikā erklärt, dass das vorzügliche Mantra bei der Auflösung vorwärts, auf dem Schöpfungsweg rückwärts geht; die Mantrabildung ist wie zuvor beschrieben. Jede Formel lautet „[Bīja] namaḥ parāya [Prinzip]tattvātmane namaḥ – Verehrung dem Höchsten, dessen Wesen das genannte Prinzip ist“. Auflösung: goṃ, Erde, an den Füßen; pīṃ, Wasser, am Geschlechtsorgan; jaṃ, Feuer, am Herzen; naṃ, Wind, am Gesicht; vaṃ, Raum, auf dem Kopf; llaṃ, Ichbewusstsein, und bhāṃ, Mahat, beide am Herzen; yaṃ, Urnatur, svāṃ, Puruṣa, und hāṃ, höchstes Prinzip, am ganzen Körper. Schöpfung: hāṃ, höchstes Prinzip, svāṃ, Puruṣa, und yaṃ, Urnatur, am ganzen Körper; bhāṃ, Mahat, und llaṃ, Ichbewusstsein, am Herzen; vaṃ, Raum, auf dem Kopf; naṃ, Wind, am Gesicht; jaṃ, Feuer, am Herzen; pīṃ, Wasser, am Geschlechtsorgan; goṃ, Erde, an den Füßen. Damit ist der Schöpfungsnyāsa beschrieben.

P2-0440 · Originalnummer 10ka
sṛṣṭyādinyāse aṃguliniyamo nibandhe:
śirasi vihitā madhyā saivākṣṇi tarjanikānvitā |
śravasi rahitāṃguṣṭhā jyeṣṭhānvitopakaniṣṭhikā |
nasi vadane sarvāḥ sajyāyaso hṛdi tarjanī |
prathamayutā madhyamā nābhau śravaṇi vihitā liṅge |
tā evāṃgulayo jānvoḥ sāṃguṣṭhāstu padadvaye |
sthānārṇayorvinimayonāṃgulisthānayorbhavet |
tadyathā:
śirasi goṃ namo madhyamāṃgulyā |
netrayoḥ pīṃ namastarjanīmadhyamābhyām |
karṇayoḥ jaṃ namaḥ aṃguṣṭarahitābhiraṃgulībhiḥ |
ghrāṇe naṃ namo'ṃguṣṭhānāmikābhyām |
mukhe vaṃ namaḥ sarvāṃgulībhiḥ |
hṛdi llaṃ namo'ṃguṣṭhatarjanībhyāṃ |
nābhau bhāṃ namaḥ aṃguṣṭhabhadhyamābhyām |
liṅge yaṃ namo'guṃṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
jānunoḥ svāṃ namo'ṃguṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
pādayoḥ hāṃ namaḥ sarvāṃgulībhiḥ |
iti sṛṣṭikramaḥ |
atha sthitikramaḥ:
hṛdi goṃ namo'ṃguṣṭhatarjanībhyām |
nābhau pīṃ namoaṃguṣṭhamadhyamābhyām |
liṅge jaṃ namo'ṃguṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
jānunoḥ naṃ namo'ṃguṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
pādayoḥ vaṃ namaḥ sarvāṃgulībhiḥ |
śirasi lla namo madhyamayā |
netrayoḥ bhāṃ namo madhyamātarjanībhyām |
karṇayoḥ yaṃ namo'ṃguṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
ghrāṇe svāṃ namo'ṃguṣṭhānāmikābhyām |
mukhe hāṃ namaḥ sarvāṃgulībhiḥ |
atha saṃhārakramaḥ:
pādayoḥ goṃ namaḥ sarvāṃgulībhiḥ |
jānunoḥ pīṃ namaḥ aṃguṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
liṅga jaṃ namo'ṃguṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
nābhau naṃ namo'ṃguṣṭhamadhyamābhyām |
hṛdi vaṃ namo'ṃguṣṭhatarjanībhyām |
mukhe llaṃ namaḥ sarvāṃgulībhiḥ |
ghrāṇe bhāṃ namo'ṃguṣṭhānāmikābhyām |
karṇayo yaṃ namo'ṃguṣṭharahitābhiraṃgulībhiḥ |
netrayoḥ svāṃ namo madhyamātarjanībhyām |
mūrdhni hāṃ namo madhyamāṃgulyā |
iti saṃhārakramaḥ |
punaḥ sṛṣṭisthiti vinyaset |
tathā ca:
vidyārthī brahmacārī ca punaḥ sṛṣṭiṃ samācaret |
gṛhasthaśca punaḥ sṛṣṭisthitī kuryādviśeṣataḥ |
yatirvairāgyayuktaśca saṃhārāntaṃ nyasettataḥ |
etena vidyārthibrahmacāriṇāṃ caturddhā gṛhasthānāṃ pañcadhā |
yativiraktādīnāñca tridhā nyāsaḥ
|| 10ka ||

Für die Finger bei Schöpfungsnyāsa und den weiteren Folgen heißt es im Nibandha: Auf dem Kopf verwendet man den Mittelfinger, an den Augen Mittel- und Zeigefinger; an den Ohren die Finger ohne Daumen; an der Nase Daumen und Ringfinger; am Mund alle Finger; am Herzen Daumen und Zeigefinger; am Nabel Daumen und Mittelfinger; am Geschlechtsorgan und an den Knien die Finger ohne Daumen; an beiden Füßen alle Finger. Die Laute und Körperstellen wechseln ihre Zuordnung, nicht jedoch Finger und Körperstelle. Die Schöpfungsfolge mit namaḥ lautet: goṃ auf dem Kopf, pīṃ an den Augen, jaṃ an den Ohren, naṃ an der Nase, vaṃ am Mund, llaṃ am Herzen, bhāṃ am Nabel, yaṃ am Geschlechtsorgan, svāṃ an den Knien, hāṃ an den Füßen, jeweils mit den eben genannten Fingern. Die Erhaltungsfolge: goṃ am Herzen, pīṃ am Nabel, jaṃ am Geschlechtsorgan, naṃ an den Knien, vaṃ an den Füßen, llaṃ auf dem Kopf, bhāṃ an den Augen, yaṃ an den Ohren, svāṃ an der Nase und hāṃ am Mund. Die Auflösungsfolge: goṃ an den Füßen, pīṃ an den Knien, jaṃ am Geschlechtsorgan, naṃ am Nabel, vaṃ am Herzen, llaṃ am Mund, bhāṃ an der Nase, yaṃ an den Ohren, svāṃ an den Augen und hāṃ auf dem Scheitel. Dann setzt man erneut Schöpfung und Erhaltung ein. Dazu heißt es: Wer Wissen begehrt und als Brahmacārin lebt, vollzieht erneut die Schöpfung; ein Haushalter besonders erneut Schöpfung und Erhaltung; ein entsagender und losgelöster Mensch endet mit der Auflösung. Daher umfasst der Nyāsa für Wissenssuchende und Brahmacārins vier, für Haushalter fünf und für Entsagende und Losgelöste drei Folgen. [Die einleitende Fingerregel ist an den Ohr- und Nasenstellen beschädigt; die ausdrücklichen Einzelanweisungen klären die wiedergegebenen Zuordnungen.]

P2-0441 · Originalnummer 11
tathā ca nibandhe:
nyāsaḥ saṃhārānto maskarivaikhānaseṣu vihito'yam |
sthityanto gṛhamedhiṣu sṛṣṭyanto varṇināmitiprāhuḥ |
vairāgyayuji gṛhasthaṃ saṃhārāntaṃ kecidāhurācāryāḥ |
sahajānau vanavāsini sthitiñca vidyārthināṃ tathā sṛṣṭiḥ ||
kecittu nyāsatraye viparyāsamāmananti, tena sarvareva tridhā nyāsaḥ
karttavyaḥ
|| 11 ||

Im Nibandha heißt es: Für Wanderasketen und Vaikhānasas endet dieser Nyāsa mit Auflösung, für Haushalter mit Erhaltung und für Brahmacārins mit Schöpfung. Manche Lehrer sagen, dass ein losgelöster Haushalter mit Auflösung endet, ein Waldbewohner mit seiner Gefährtin mit Erhaltung und ein Wissenssuchender mit Schöpfung. Einige lehren die Umkehrung innerhalb der drei Nyāsas; danach sollen alle drei Folgen ausführen.

P2-0442 · Originalnummer 12
atha vibhūtipañjaranyāsaḥ |
nibandhe:
vacmyaparaṃ nyāsavaraṃ vibhūtyabhidhaṃ bhūtikaram |
mantradaśāvṛttimayaṃ guptatamaṃ mantrivaraiḥ ||
tadyathā:
ādhāre goṃ namaḥ, liṅge pīṃ namaḥ, nābhau jaṃ namaḥ, hṛdi naṃ
namaḥ, gale vaṃ namaḥ, mukhe llaṃ namaḥ, aṃsayoḥ bhāṃ namaḥ
yaṃ namaḥ, ūrvoḥ svāṃ namaḥ, hāṃ namaḥ, kandharāyāṃ goṃ
namaḥ, nābhau pīṃ namaḥ, kukṣau jaṃ namaḥ, hṛdi naṃ namaḥ,
stanayoḥ vaṃ namaḥ, llaṃ namaḥ, pārśvayoḥ bhāṃ namaḥ, yaṃ
namaḥ, śroṇyoḥ svāṃ namaḥ, hāṃ namaḥ |
śirasi goṃ, mukhe pīṃ, netrayoḥ jaṃ naṃ, karṇayoḥ vaṃ, llaṃ,
nāsāpuṭayoḥ bhāṃ yaṃ, kapolayoḥ svāṃ hāṃ |
evaṃ dakṣiṇakarasya mūlasandhyagrakeṣu pañca, tadaṃgulīṣu pañca
|
vāmakaramūlasandhyagrakeṣu pañca, tadaṃgulīṣu pañca |
evaṃ dakṣiṇapādamūlasandhyagrakeṣu pañca, tadaṃgulīṣu pañca |
vāmapādamūlasandhyagrakeṣu pañca, tadaṃgulīṣu pañca |
mūrdhni goṃ, tatpūrve pīṃ, taddakṣiṇe jaṃ, tatpaścime naṃ, taduttare
vaṃ, mūrdhni llaṃ, bhujayoḥ bhāṃ yaṃ, ūrvoḥ svāṃ hāṃ |
śirasi goṃ, netrayoḥ pīṃ, mukhe jaṃ, kaṇṭhe naṃ, hṛdi vaṃ, jaṭhare
llaṃ, mūlādhāre bhāṃ, liṅge yaṃ, jānuyoḥ svāṃ, pādayoḥ hāṃ
|
śrotrayoḥ goṃ, gaṇḍayoḥ pīṃ, aṃsayoḥ jaṃ, stanayoḥ naṃ,
pārśvayoḥ vaṃ, liṅge llaṃ, ūrvoḥ bhāṃ, jānunoḥ yaṃ, jaṅghayoḥ
svāṃ, pādayoḥ hāṃ |
etāni namo'ntāni vinyaset
|| 12 ||

Nun der Nyāsa des Herrlichkeitsgehäuses. Im Nibandha heißt es: Ich beschreibe einen weiteren vorzüglichen Nyāsa namens Vibhūti, der Wohlergehen schafft. Er besteht aus zehn Wiederholungsfolgen des Mantras und ist von den vorzüglichen Mantrapraktizierenden streng geheim gehalten. Mit namaḥ am Schluss setzt man ein: erste Folge – goṃ am Ādhāra, pīṃ am Geschlechtsorgan, jaṃ am Nabel, naṃ am Herzen, vaṃ am Hals, llaṃ am Mund, bhāṃ und yaṃ an beiden Schultern, svāṃ und hāṃ an beiden Oberschenkeln. Zweite Folge – goṃ am Nacken, pīṃ am Nabel, jaṃ am Bauch, naṃ am Herzen, vaṃ und llaṃ an beiden Brüsten, bhāṃ und yaṃ an beiden Seiten, svāṃ und hāṃ an beiden Hüften. Dritte Folge – goṃ auf dem Kopf, pīṃ am Gesicht, jaṃ und naṃ an beiden Augen, vaṃ und llaṃ an beiden Ohren, bhāṃ und yaṃ an beiden Nasenöffnungen, svāṃ und hāṃ an beiden Wangen. Vierte Folge – die ersten fünf Laute an Wurzel, Gelenken und Spitze des rechten Arms, die nächsten fünf an seinen Fingern. Fünfte Folge – ebenso am linken Arm und dessen Fingern. Sechste Folge – ebenso am rechten Bein und dessen Zehen. Siebte Folge – ebenso am linken Bein und dessen Zehen. Achte Folge – goṃ auf dem Scheitel, pīṃ östlich davon, jaṃ südlich, naṃ westlich, vaṃ nördlich, llaṃ erneut auf dem Scheitel, bhāṃ und yaṃ an beiden Armen, svāṃ und hāṃ an beiden Oberschenkeln. Neunte Folge – goṃ auf dem Kopf, pīṃ an den Augen, jaṃ am Mund, naṃ am Hals, vaṃ am Herzen, llaṃ am Bauch, bhāṃ am Mūlādhāra, yaṃ am Geschlechtsorgan, svāṃ an beiden Knien, hāṃ an beiden Füßen. Zehnte Folge – goṃ an beiden Ohren, pīṃ an beiden Wangen, jaṃ an beiden Schultern, naṃ an beiden Brüsten, vaṃ an beiden Seiten, llaṃ am Geschlechtsorgan, bhāṃ an beiden Oberschenkeln, yaṃ an beiden Knien, svāṃ an beiden Unterschenkeln und hāṃ an beiden Füßen.

P2-0443 · Originalnummer 13
tatra kramo gautamīye:
hastamūlādi sṛṣṭiḥ syānmaṇibandhāt sthitiḥ smṛtā |
aṃgulyagrātsaṃhṛtiśca sthityantaṃ tritayaṃ nyaset ||
tataḥ pūrvavanmūrtipañjaranyāsaḥ |
tataḥ pūrvavanmūrtipañjarasyaiva sṛṣṭisthitī |
tato daśāṅgapañcāṅganyāsau |
tadyathā:
hṛdri goṃ, śirasi pīṃ, śikhāyāṃ jaṃ, sarvāṅge naṃ, dikṣu vaṃ,
dakṣapārśve llaṃ, vāmapārve bhāṃ, kaṭideśe yaṃ, pṛṣṭhe svāṃ,
mūrdhni hāṃ |
tataḥ pañcāṅganyāsaḥ yathā:
ācakrāya svāhā hṛdayāya namaḥ |
vicakrāya svāhā śirase svāhā |
sucakrāya svāhā śikhāyai vaṣaṭ |
trailokyarakṣaṇacakrāya svāha |
kavacāya huṃ asurāntakacakrāya svāhā astrāya phaṭ |
tato nārāyaṇamantrokta - kirīṭa - keyūretyādimantreṇa vyāpakaṃ
vidhāya veṇubilvādimudrāṃ pradarśya oṃ sudarśanāya astrāya
phaḍiti mantre digbandhanaṃ kuryāt |
kirīṭādinyāsastu sarvatra viṣṇumantre
|| 13 ||

Die Reihenfolge lautet im Gautamīya: Schöpfung beginnt an der Wurzel der Hand, Erhaltung am Handgelenk, Auflösung an den Fingerspitzen. Man setzt die drei Folgen mit Erhaltung als Abschluss ein. Danach folgt der Gestaltengehäusenyāsa wie zuvor, anschließend dessen Schöpfung und Erhaltung. Dann vollzieht man zehn- und fünfgliedrigen Nyāsa. Zehn Glieder: goṃ am Herzen, pīṃ auf dem Kopf, jaṃ an der Haarlocke, naṃ am ganzen Körper, vaṃ in den Richtungen, llaṃ rechts, bhāṃ links, yaṃ in der Hüftgegend, svāṃ am Rücken und hāṃ auf dem Scheitel. Fünf Glieder: „ācakrāya svāhā hṛdayāya namaḥ“ am Herzen; „vicakrāya svāhā śirase svāhā“ am Kopf; „sucakrāya svāhā śikhāyai vaṣaṭ“ an der Haarlocke; „trailokyarakṣaṇacakrāya svāhā kavacāya huṃ“ am Schutzpanzer; „asurāntakacakrāya svāhā astrāya phaṭ“ an der Waffe. Danach vollzieht man mit dem beim Nārāyaṇamantra gelehrten „kirīṭa-keyūra…“-Mantra den umfassenden Nyāsa, zeigt Venu-, Bilva- und die weiteren Mudrās und bindet die Richtungen mit „oṃ sudarśanāya astrāya phaṭ“. Der mit „Krone“ beginnende Nyāsa gilt bei allen Viṣṇumantras.

P2-0444 · Originalnummer 15
tato dhyāyet:
smeradvṛndāvane ramye mohayantamanāratam |
govindaṃ puṇḍarīkākṣaṃ gopakanyāḥ sahasraśaḥ |
ātmano vadanāmbhoje preritākṣimadhuvratāḥ |
pīḍitāḥ kāmavāṇena ciramāśleṣaṇotsukāḥ |
muktāhāralasatpīnatuṅgastanabhāranatāḥ |
srastadhamllivasanā madaskhalitabhāṣaṇāḥ |
dantapaṃktiprabhodbhāsi - spandamānādharāñcitāḥ |
vilobhayantīrvividhairvibhramairbhāvagarvitaiḥ |
phullendīvarakāntiminduvadanaṃ barhāvataṃsapriyaṃ,
śrīvatsāṅkamudārakaustubhadharaṃ pītāmbaraṃ sundaram |
goponā nayanotpalārcitatanuṃ gogopasaṅghāvṛtaṃ, govindaṃ
kalaveṇuvādanaparaṃ divyāṅgabhūṣaṃ bhaje ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt |
tato vaiṣṇavoktapīṭhamanvantāṃ pīṭhapūjāṃ vidhāya
punardhyātvā āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
devaśarīre sṛṣṭi - sthitidaśāṅgapañcāṅganyāsakrameṇa pūjayet |
tato mukhe oṃ veṇave namaḥ, hṛdi oṃ vanamālāyai namaḥ oṃ kaustubhāya
namaḥ oṃ śrīvatsāya namaḥ |
tataḥ aparaṃ pañcapuṣpāñjaliṃ dadyāt |
śuklacandanapaṅkilāṃ śvetatulasīṃ raktacandanapaṅkilāṃ
raktatulasīṃ mūlena dakṣiṇavāmapārśvayordadyāt |
tathā tulasīdvayaṃ karavīradvayaṃ padmadvayañca śirasi dadyāt |
sarvāṇi puṣpāṇi sarvatanau dadyāt |
tathā ca gautamīye:
dakṣiṇe vāsudevākhyaṃ svacchaṃ caitanyamavyayam |
vāme ca rukmiṇī raktā nityā rajoguṇānvitā |
tulasīyugalaṃ pārśvadvaye gandhadvayānvitam |
hayāriyugalaṃ pārśvadvaye dakṣiṇavāmake |
pañcapuṣpaṃ mūrdhni deśe mūlena dakṣavāmake |
ṣaḍbhiḥ sarvatanau dadyātpunaḥ śirasi sarvataḥ |
tata āvaraṇaṃ pūjayet |
pūrve oṃ dāmāya namaḥ, dakṣiṇe oṃ sudāmāya namaḥ, paścime oṃ
vāsudevāya namaḥ, uttare oṃ kiṅkiṇyai namaḥ, keśareṣu agnyādikoṇe
oṃ ācakrāya svāhā hṛdayāya namaḥ, nair-ṛte oṃ vicakrāya svāhā
śirase svāhā, vāyukoṇe oṃ sucakrāya svāhā śikhāyai vaṣaṭ, īśāne
oṃ trailokyarakṣaṇacakrāya svāhā kavacāya huṃ, caturdikṣu oṃ
asurāntakacakrāya svāhā astrāya phaṭ |
tataḥ patreṣu pūrvādi oṃ rukmiṇyai namaḥ, evaṃ satyabhāmāyai
nāgnajityai sunandāyai mitravindāyai sulakṣaṇāyai jāmbavatyai
suśīlāyai |
patrāgreṣu pūrvādi oṃ vasudevāya namaḥ, evaṃ devakyai nandāya
yaśodāyai balabhadrāya subhadrāyai gopebhyaḥ gopībhyaḥ |
tadbāhye madhye ca pūrvādikrameṇa oṃ mandārāya namaḥ, evaṃ
santānakāya pārijātāya kalpavṛkṣāya haricandanāya |
tadbāhye indrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tataḥ kṛṣṇāṣṭakaṃ pūjayet |
oṃ śrīkṛṣṇāya namaḥ, evaṃ vāsudevāya devakīnandanāya
nārāyaṇāya yaduśreṣṭhāya vārṣṇeyāya dharmasaṃsthāpanāya
asurākrāntabhārahāriṇe |
sarvatra praṇavādinano'ntena pūjayet |
aśaktaścedaṅge vajrādīṃśca pūjayet ||
tathā ca gautamīye:
athavāṅgaṃ dikpatibhistadastrairapi cārcayet |
evamarbhcayankṛṣṇaṃ kāmamuktyoḥ sa bhājanam |
etadyajanāśaktaścetakṛṣṇāṣṭakena pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 15 ||

Die Meditation: Im lieblichen, erblühenden Vṛndāvana verzaubert der lotusäugige Govinda unablässig Tausende von Hirtenmädchen. Ihre Augen, Bienen gleich, sind auf seinen Gesichtslotus gerichtet. Von den Pfeilen der Liebe getroffen sehnen sie sich lange nach seiner Umarmung. Die Last ihrer vollen, hohen Brüste, geschmückt mit Perlenketten, lässt sie sich neigen. Ihre Haare und Gewänder lösen sich; ihre Sprache stockt vor Rausch. Ihre bewegten Lippen erstrahlen vom Glanz ihrer Zahnreihen. Mit vielfältigen, gefühlsstolzen Bewegungen versuchen sie, ihn zu verführen. Ich verehre Govinda, der wie eine geöffnete blaue Wasserlilie glänzt, dessen Gesicht dem Mond gleicht und der Pfauenfedern als Ohrschmuck liebt. Er trägt das Śrīvatsazeichen, das herrliche Kaustubhajuwel und gelbes Gewand; er ist schön. Die Lotusaugen der Gopīs verehren seinen Körper; Kühe und Hirten umgeben ihn. Er spielt hingebungsvoll auf der wohlklingenden Flöte und trägt himmlischen Schmuck. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung bis zum Sitzmantra. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und verehrt den Körper des Gottes entsprechend Schöpfungs-, Erhaltungs-, zehn- und fünfgliedrigem Nyāsa. Am Mund verehrt man mit oṃ und namaḥ die Flöte, am Herzen Waldblumengirlande, Kaustubha und Śrīvatsa. Dann reicht man erneut fünf Handvoll Blumen. Mit dem Grundmantra legt man rechts weißen Tulasī mit weißer Sandelholzpaste, links roten Tulasī mit roter Sandelholzpaste nieder. Auf den Kopf legt man die beiden Tulasīarten, zwei Karavīras und zwei Lotusse; auf den ganzen Körper sämtliche Blumen. Im Gautamīya heißt es: Rechts steht das reine, unvergängliche Bewusstsein namens Vāsudeva, links die rote, ewige Rukmiṇī mit der Eigenschaft Rajas. Die beiden Tulasīarten, mit den beiden Duftstoffen verbunden, und die beiden Hayāris gibt man rechts und links; fünf Blumen mit dem Grundmantra in der Kopfgegend, rechts und links; mit sechs am ganzen Körper und erneut überall am Kopf. [Die Blumenzählung im Zitat ist verkürzt und nicht vollständig mit der Prosa vereinbar.] Die Umkreisverehrung: im Osten Dāma, im Süden Sudāma, im Westen Vāsudeva, im Norden Kiṅkiṇī. Auf den Staubfäden im Südosten Ācakra am Herzen mit namaḥ, im Südwesten Vicakra am Kopf mit svāhā, im Nordwesten Sucakra an der Haarlocke mit vaṣaṭ, im Nordosten das die drei Welten schützende Rad am Schutzpanzer mit huṃ, in den vier Richtungen das die Asuras vernichtende Rad an der Waffe mit phaṭ; jede Formel beginnt mit oṃ und enthält svāhā nach dem Radnamen. Auf den Blättern, im Osten beginnend: Rukmiṇī, Satyabhāmā, Nāgnajitī, Sunandā, Mitravindā, Sulakṣaṇā, Jāmbavatī und Suśīlā. An den Blattspitzen: Vasudeva, Devakī, Nanda, Yaśodā, Balabhadra, Subhadrā, die Gopas und die Gopīs. Außen und in der Mitte, im Osten beginnend: Mandāra, Santānaka, Pārijāta, Kalpavṛkṣa und Haricandana. Außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann verehrt man die acht Kṛṣṇanamen: Śrīkṛṣṇa, Vāsudeva, Devakīnandana, Nārāyaṇa, Yaduśreṣṭha, Vārṣṇeya, Dharmasaṃsthāpana und Asurākrāntabhārahārin – der die von Asuras verursachte Last beseitigt. Alle Formeln beginnen mit oṃ und enden mit namaḥ. Bei Unvermögen verehrt man die Glieder, die Richtungsherren und ihre Waffen. Der Gautamīya sagt: Wer Kṛṣṇa so verehrt, wird zum Gefäß für Wunscherfüllung und Befreiung. Wer auch dies nicht kann, verehrt mit den acht Kṛṣṇanamen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0447 · Originalnummer 18
śrīkṛṣṇasya trayodaśākṣara mantrāḥ
daśākṣarādau śrīmāyākāḥ māyāśrīkāmaḥ
kāmamāyāśrīstrividhastrayodaśākṣaro bhavati ||
tathā ca:
śrīśaktimārapūrvaśca śaktiśrīmārapūrvakaḥ
kāmaśaktiramāpūrvo daśārṇo manavastrayaḥ ||
iti sanatkumāravacanāt
|| 18 ||

Die dreizehnsilbigen Śrīkṛṣṇamantras: Dem zehnsilbigen Mantra werden Śrī-Māyā-Kāma, Māyā-Śrī-Kāma oder Kāma-Māyā-Śrī vorangestellt; so entstehen drei dreizehnsilbige Formen. Sanatkumāra bestätigt diese drei Anfangsgruppen: śrīṃ hrīṃ klīṃ; hrīṃ śrīṃ klīṃ; klīṃ hrīṃ śrīṃ.

P2-0448 · Originalnummer 19
eteṣāṃ pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi - vaiṣṇavoktapīṭhanyāsāntaṃ karma vidhāya
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt ||
tadyathā:
śirasi nārada-ṛṣaye namaḥ, mukhe virāḍgāyatrīcchanse namaḥ, hṛdi
śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ |
tataḥ karāṅganyāsau:
ācakrāya svāhā aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, ācakrāya svāhā
hṛdayāya namaḥ, ityādi daśākṣaravadvinyaset |
tataḥ phalārthī ceddaśatattvamūrtipañjarau nyaset |
tataḥ kirīṭamantreṇa vyāpakaṃ vidhāya yathāśakti mudrāṃ
pradarśya oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaḍiti digbandhanaṃ
vidhāya dhyāyet
|| 19 ||

Ihr Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum vaiṣṇavischen Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „nāradaṛṣaye namaḥ“, am Mund „virāḍgāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ“. Hand- und Gliedernyāsa vollzieht man wie beim zehnsilbigen Mantra mit „ācakrāya svāhā aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“, „ācakrāya svāhā hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Wer die Früchte wünscht, setzt die zehn Prinzipien und das Gestaltengehäuse ein. Danach folgt der umfassende Nyāsa mit dem Kronenmantra, das Zeigen der Mudrās nach Möglichkeit und die Bindung der Richtungen mit „oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaṭ“. Dann meditiert man.

P2-0450 · Originalnummer 21
gautamīyamate tu atrāpi daśākṣaravaddhyānam |
tathā ca:
ramādikāmādimantradvayamadhikṛtya, anayormantrayormantrī
ācakrādyaiḥ ṣaḍaṅgakam |
kuryāddaśārṇavatsarvaṃ dhyānapūjādikaṃ sudhīḥ |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt
|| 21 ||

Nach dem Gautamīya erfolgt auch hier die Meditation wie beim zehnsilbigen Mantra. Über die beiden mit Ramā und Kāma beginnenden Mantras heißt es: Der Einsichtige soll mit Ācakra und den weiteren die sechs Glieder bilden und Meditation, Verehrung und alles Übrige wie beim zehnsilbigen Mantra vollziehen. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben und stellt die Muschel auf. [Das Zitat nennt sechs Glieder, während die ausführliche Ācakrafolge fünf enthält; die Angabe bleibt stehen.]

P2-0452 · Originalnummer 23
eteṣāṃ puraścaraṇaṃ pañcalakṣajapaḥ |
tathā ca:
pañcalakṣaṃ japettāvadayutaṃ pāyasena ca |
juhuyāt saṃskṛte vahnau mantrī sarvārthasiddhaye
|| 23 ||

Das Puraścaraṇa dieser Mantras beträgt fünf Lakh, also 500.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Zur Erlangung aller Ziele soll der Mantrapraktizierende das Mantra 500.000-mal wiederholen und fünfzigtausendmal mit Milchreis im rituell bereiteten Feuer opfern.

P2-0453 · Originalnummer 24
mantrāntaram
kṛṣṇāyapadamābhāṣya govindāya tataḥ param |
gopījanapadasyānte vallabhāya dviṭhāvadhi |
kāmabījādirākhyāto manuraṣṭādaśākṣaraḥ
|| 24 ||

Ein anderes Mantra: Man sagt „kṛṣṇāya“, dann „govindāya“, „gopījanavallabhāya“ und zweimal ṭha am Ende. Mit dem Liebesbīja am Anfang wird es als achtzehnsilbig bezeichnet: „klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā – Klīṃ, Kṛṣṇa, Govinda, dem Geliebten der Gopīschaft, svāhā“.

P2-0454 · Originalnummer 25
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi vaiṣṇavoktapīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
yathā:
śirasi nārada-ṛṣaye namaḥ |
mukhe gāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi kṛṣṇāya devatāyai namaḥ |
gṛhye klīṃ bījāya namaḥ |
pādayoḥ svāhā śaktaye namaḥ |
tataḥ praṇavapuṭitaṃ mantraṃ triśaḥ karayorvyāpya karāṅganyāsau
kuryāt |
klīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
govindāya tarjanībhyāṃ svāhā |
gopījana madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
vallabhāya anāmikābhyāṃ hum |
svāhā kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tato mūlena murddhādipādaparyantaṃ triśo vyāpya
āpādādimūrddhaparyantaṃ praṇavena sakṛdvyāpya maṃtranyāsaṃ
kuryāt |
mūrdhni lalāṭe bhrūmadhye karṇayoścakṣuṣorghrāṇayorvadane
grovāyāṃ hṛdi nābhau kaṭyāṃ liṅge jānunoḥ jaṅghayoḥ eṣu
sthāneṣu pratyekamantravarṇān namo'ntānnyaset, śirasi praṇavañca
nyaset
|| 25 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die vaiṣṇavischen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Nārada auf dem Kopf, Gāyatrī am Mund, Kṛṣṇa am Herzen, klīṃ als Bīja an der verborgenen Stelle und svāhā als Kraft an den Füßen, jeweils mit der entsprechenden Verehrungsformel. Dann durchdringt man beide Hände dreimal mit dem von oṃ umschlossenen Mantra und vollzieht den Handnyāsa: klīṃ an den Daumen mit namaḥ; govindāya an den Zeigefingern mit svāhā; gopījana an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; vallabhāya an den Ringfingern mit huṃ; svāhā an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Mit dem Grundmantra durchdringt man den Körper dreimal vom Scheitel bis zu den Füßen, mit oṃ einmal von den Füßen bis zum Scheitel. Dann setzt man die einzelnen Mantrasilben mit namaḥ auf Scheitel, Stirn, Brauenmitte, beide Ohren, beide Augen, beide Nasenöffnungen, Mund, Hals, Herz, Nabel, Hüfte, Geschlechtsorgan, beide Knie und beide Unterschenkel. Oṃ setzt man auf den Kopf. [In der Handliste fehlt kṛṣṇāya; die nächste Gliedernyāsaliste verbindet es ausdrücklich mit klīṃ.]

P2-0455 · Originalnummer 26
tato nayana - mukha - hṛdaya - guhyāṃghriṣu mantrasya padapañcakaṃ
namo'ntaṃ nyaset |
padapañcakañca catuścacatustathā dvayam |
tato'ṅganyāsaṃ kuryāt |
klīṃ kṛṣṇāya hṛdayāya namaḥ |
govindāya śirase svāhā |
gopījana śikhāyai vaṣaṭ |
vallabhāya kavacāya huṃ |
svāhā astrāya phaṭ |
tathā ca:
catuḥkaraṇavedābdhinetrasaṃkhyākṣaraiḥ kramāt |
paścāṅgāni manoḥ kuryānmantravijjāti saṃyutaiḥ |
namaḥ svāhā - vaṣaṭ - vauṣaṭ - huṃ - phaḍantāśca jātayaḥ |
tato daśatattvamūrtipañjaranyāsau vidhāya kirīṭamantreṇa vyāpakaṃ
yathāśakti mudrāṃ vaddhā oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaḍiti
digbandhanaṃ kṛtvā daśākṣaroktaṃ dhātvā mānasaiḥ sampūjya
śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā vaiṣṇavokta pīṭhamanvantāṃ
pīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā āvāhanādi -
pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
klīmityādyakṣaraistattadaṅgeṣu nyāsakrameṇa klīṃ kṛṣṇāya
hṛdayāya namaḥ ityādinā aṅgamantreṇa sampūjya ca punaḥ
pañcapuṣpāñjalīn dadyāt |
tato veṇvādipūjanaṃ kṛtvā daśākṣaroktāvaraṇapūjāñca kṛtvā
dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇaṃ daśākṣarapaṭaloktam
|| 26 ||

Dann setzt man die fünf Mantragruppen mit namaḥ auf Augen, Mund, Herz, verborgene Stelle und Füße. Ihre Silbenzahlen sind vier, vier, vier, vier und zwei. Der Gliedernyāsa: „klīṃ kṛṣṇāya hṛdayāya namaḥ“ am Herzen; „govindāya śirase svāhā“ am Kopf; „gopījana śikhāyai vaṣaṭ“ an der Haarlocke; „vallabhāya kavacāya huṃ“ am Schutzpanzer; „svāhā astrāya phaṭ“ an der Waffe. Dazu heißt es: Mit den Gruppen von vier, vier, vier, vier und zwei Silben bildet der Mantrakundige die fünf Glieder samt Abschlussformeln. Als solche gelten namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, vauṣaṭ, huṃ und phaṭ. Dann vollzieht man den Nyāsa der zehn Prinzipien und des Gestaltengehäuses, den umfassenden Nyāsa mit dem Kronenmantra, zeigt Mudrās nach Möglichkeit und bindet die Richtungen mit „oṃ namaḥ sudarśanāya astrāya phaṭ“. Man meditiert wie beim zehnsilbigen Mantra, verehrt mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung bis zum Sitzmantra. Nach erneuter Meditation folgen Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Man verehrt an den entsprechenden Gliedern die Laute, beginnend mit klīṃ, in der Nyāsareihenfolge und mit den Gliedermantras, beginnend mit „klīṃ kṛṣṇāya hṛdayāya namaḥ“. Dann gibt man erneut fünf Handvoll Blumen, verehrt Flöte und die weiteren Gegenstände, vollzieht die beim zehnsilbigen Mantra gelehrte Umkreisverehrung und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Sein Puraścaraṇa ist im Abschnitt über das zehnsilbige Mantra beschrieben.

P2-0456 · Originalnummer 27
mantrāntaram
śaktiśrīpūrvakaścāṣṭādaśārṇo viṃśadakṣaraḥ
|| 27 ||

Ein anderes Mantra: Das achtzehnsilbige Mantra mit Śakti und Śrī am Anfang wird zwanzigsilbig: hrīṃ śrīṃ klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā.

P2-0457 · Originalnummer 28
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi vaiṣṇavokta pīṭhamanvantaṃ pīṭhanyāsaṃ vidhāya
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ, guhye klīṃ bījāya namaḥ, pādayoḥ
svāhā śaktaye namaḥ |
tataḥ karāṅganyāsau:
hrīṃ śrīṃ klīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
kṛṣṇāya tarjanībhyāṃ svāhā |
govindāya madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
gopījana anāmikābhyāṃ huṃ |
vallabhāya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ, svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ
phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 28 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und dem vaiṣṇavischen Sitznyāsa bis zum Sitzmantra folgt der Sehernyāsa: Brahmā auf dem Kopf, Gāyatrī am Mund, Śrīkṛṣṇa am Herzen, klīṃ als Bīja an der verborgenen Stelle und svāhā als Kraft an den Füßen, jeweils mit der Verehrungsformel. Der Handnyāsa: hrīṃ śrīṃ klīṃ an den Daumen mit namaḥ; kṛṣṇāya an den Zeigefingern mit svāhā; govindāya an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; gopījana an den Ringfingern mit huṃ; vallabhāya an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; svāhā an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern.

P2-0458 · Originalnummer 29
tato mūlena vyāpakaṃ kṛtvā mantrapuṭitān mātṛkāvarṇān |
tattatsthāneṣu (lalāṭādiṣu) nyaset |
tato daśatattvāni vinyasya punarmūlena vyāpaka kuryāt
|| 29 ||

Nach dem umfassenden Nyāsa mit dem Grundmantra setzt man die vom Mantra umschlossenen Mātṛkālaute an die jeweiligen Stellen, beginnend mit der Stirn. Dann setzt man die zehn Prinzipien ein und vollzieht erneut den umfassenden Nyāsa mit dem Grundmantra.

P2-0459 · Originalnummer 37
tato mantranyāsaḥ:
mūrdhni hrīṃ namaḥ, lalāṭe śrīṃ namaḥ, bhrūmadhye klīṃ namaḥ,
netrayoḥ kṛṃ namaḥ, karṇayoḥ ṣṇāṃ namaḥ, nasoḥ yaṃ namaḥ,
vadane goṃ namaḥ, cibuke viṃ namaḥ, kaṇṭhe ndāṃ namaḥ, dormūle
yaṃ namaḥ, hṛdi go namaḥ, udare pīṃ namaḥ, nābhau jaṃ namaḥ,
liṅge naṃ namaḥ, ādhāre vaṃ namaḥ, kaṭyāṃ llaṃ namaḥ, jānvoḥ
bhāṃ namaḥ, jaṅghayoḥ yaṃ namaḥ, gulphayoḥ svāṃ namaḥ,
pādayoḥ hāṃ namaḥ |
iti sṛṣṭiḥ |
hṛdi hrīṃ, udare śrīṃ, nābhau klīṃ, liṅge kṛṃ, ādhāre ṣṇāṃ,
kaṭyāṃ yaṃ, jānvoḥ goṃ, jaṅghayoḥ viṃ, gulphayoḥ ndrāṃ,
pādayoḥ yaṃ, mūrghni goṃ, kapāle pīṃ, bhrūmadhye jaṃ, netrayoḥ
na, karṇayoḥ vaṃ, nasoḥ llaṃ, vadane bhāṃ, cibuke yaṃ, kaṇṭhe
svāṃ, dormūle hāṃ |
iti sthitiḥ |
pādayoḥ hrīṃ, gulphayoḥ śrīṃ, jaṅghayoḥ klīṃ jānvoḥ kṛṃ,
kaṭyāṃ ṣṇāṃ ādhāre yaṃ, liṅge goṃ, nābhau viṃ, udare ndāṃ,
hṛdi yaṃ, dormūle goṃ, kaṇṭhe pīṃ, cibuke jaṃ, vadane naṃ, nasoḥ
vaṃ, karṇayoḥ llaṃ, netrayoḥ bhāṃ, bhrūmadhye yaṃ, lalāṭe svāṃ,
mastake hāṃ |
sarvatra namo'ntān nyaset |
iti saṃhāranyāsaḥ |
punaḥ sṛṣṭisthitī kṛtvā mūrtipañjaraṃ vinyasya mūrtipañjarasya
sṛṣṭisthitī vinyasya ṣaḍaṅgāni nyaset |
hrīṃ śrīṃ klīṃ hṛdayāya namaḥ |
kṛṣṇāya śirase svāhā |
govindāya śikhāyai vaṣaṭ |
gopījana kavacāya huṃ |
vallabhāya netrābhyāṃ vauṣaṭ |
svāhā astrāya phaṭ |
tathā ca:
sṛṣṭisthitī ca vinyasya ṣaḍaṅgāni samācaret |
guṇāgni vedakaraṇakaraṇākṣyakṣarairmanoḥ
|| 37 ||

Der Mantranyāsa verwendet mit namaḥ diese zwanzig Laute in ihrer Reihenfolge: hrīṃ, śrīṃ, klīṃ, kṛṃ, ṣṇāṃ, yaṃ, goṃ, viṃ, ndāṃ, yaṃ, goṃ, pīṃ, jaṃ, naṃ, vaṃ, llaṃ, bhāṃ, yaṃ, svāṃ, hāṃ. Schöpfung: auf Scheitel, Stirn, Brauenmitte, beide Augen, beide Ohren, beide Nasenöffnungen, Mund, Kinn, Hals, Armwurzeln, Herz, Bauch, Nabel, Geschlechtsorgan, Ādhāra, Hüfte, beide Knie, beide Unterschenkel, beide Knöchel und beide Füße. Erhaltung: auf Herz, Bauch, Nabel, Geschlechtsorgan, Ādhāra, Hüfte, beide Knie, Unterschenkel, Knöchel, Füße, Scheitel, Stirn, Brauenmitte, Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Mund, Kinn, Hals und Armwurzeln. Auflösung: auf Füße, Knöchel, Unterschenkel, Knie, Hüfte, Ādhāra, Geschlechtsorgan, Nabel, Bauch, Herz, Armwurzeln, Hals, Kinn, Mund, Nasenöffnungen, Ohren, Augen, Brauenmitte, Stirn und Scheitel. [In der Erhaltungsfolge stehen ndrāṃ statt ndāṃ und na ohne Bindu; diese örtlichen Abweichungen werden kenntlich beibehalten.] Danach vollzieht man erneut Schöpfung und Erhaltung, setzt das Gestaltengehäuse ein und vollzieht dessen Schöpfung und Erhaltung. Der Sechsgliedernyāsa: hrīṃ śrīṃ klīṃ am Herzen mit namaḥ; kṛṣṇāya am Kopf mit svāhā; govindāya an der Haarlocke mit vaṣaṭ; gopījana am Schutzpanzer mit huṃ; vallabhāya an beiden Augen mit vauṣaṭ; svāhā an der Waffe mit phaṭ. Dazu heißt es: Nach Schöpfung und Erhaltung vollzieht man die sechs Glieder mit den Gruppen von drei, drei, vier, vier, vier und zwei Mantrasilben. [Die verschlüsselte Zählzeile „guṇāgni vedakaraṇakaraṇākṣyakṣaraiḥ“ gibt diese Gruppierung.]

P2-0460 · Originalnummer 31
tataḥ pūrvanmudrādidarśanaṃ digbandhanañca kṛtvā kirīṭamantreṇa
vyāpakaṃ vidhāya yathāśakti mudrāṃ badhvā dhyāyet
|| 31 ||

Dann zeigt man die Mudrās und bindet die Richtungen wie zuvor, vollzieht den umfassenden Nyāsa mit dem Kronenmantra, bildet die Mudrās nach Möglichkeit und meditiert.

P2-0462 · Originalnummer 33
asya pūjāyantram:
ṣaṭkoṇamadhyamaṣṭadalapadmaṃ vilikhya ṣaṭkoṇamadhye tu
sasādhyaṃ kāmabījaṃ vilikhya avaśiṣṭaiḥ
saptadaśabhirakṣarairveṣṭayet |
tataḥ ṣaṭkoṇasya prāgrakṣo'nilakoṇeṣu śrībījaṃ avaśiṣṭeṣu
bhuvaneśvarīṃ likhet |
tataḥ ṣaṭsandhiṣu klīṃ kṛṣṇāya namaḥ iti ṣaḍvarṇān likhet |
tataḥ keśareṣu kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi
tanno'naṅgaḥ pracodayāt |
iti gāyatryāstrīṇi trīṇyakṣarāṇi pūrvādikrameṇa vilikhet |
tataḥ patreṣu pūrvādikrameṇa namaḥ kāmadevāya sarvajanapriyāya
sarvajanasammohanāya jvala jvala prajvala sarvajanasya hṛdayaṃ mama
vaśaṃ kuru kuru svāhā iti mālā mantrasya ṣaṭṣaḍakṣarāṇi daleṣu
vilikhet |
mālāmantramāha śāradāyām:
namo'nte kāmadevāya vadet sarvajanantataḥ |
priyāya sarvavarṇānte janasammohanāya ca |
jvaladvayaṃ prajvalāntaṃ vadet sarvajanasya ca |
hṛdayaṃ mamaśabdānte vaśaṃ kuruyugaṃ śiraḥ |
mālāmanurayañcāṣṭacatvāriṃśatikākṣaraiḥ ||
tadbāhye mātṛkayā saṃveṣṭayet |
tato bhūvimbe dikṣu ca śrībījaṃ vidikṣu māyābījaṃ vilikhet |
tadbāhye aṣṭavajrāṇi likhet |
tathā ca:
vilipya gandhapaṅkena likheṣṭadalāmbujam |
karṇikāyāntu ṣaṭkoṇaṃ sasādhyaṃ tatra manmatham ||
śiṣṭaistaṃ saptadaśabhirakṣarairveṣṭayet smaram ||
prāgrakṣo'nilakoṇeṣu śriyaṃ śiṣṭeṣu saṃvidam ||
ṣaḍakṣaraṃ ṣaṭsandhiṣu keśareṣu triśastriśaḥ ||
vilikhet smaragāyatrīṃ mālāmantraṃ dalāṣṭake ||
ṣaṭśaḥ saṃlikhya tadbāhye veṣṭayenmātṛkākṣaraiḥ |
bhūvimbañca likhedbāhye śrīmāye digvidikṣvapi ||
bhūgṛhaṃ caturasraṃ syādaṣṭavajravibhūṣitam |
etadyantramaṣṭādaśākṣara - dvāviṃśatyakṣara - dvādaśākṣara -
daśākṣara - caturdaśākṣara - ekādaśākṣarāṇāmiti
|| 33 ||

Sein Pūjāyantra: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus mit einem Sechseck in der Mitte. In dessen Mitte schreibt man das Liebesbīja samt dem Namen des Zieles und umschließt es mit den übrigen siebzehn Mantrasilben. In die östliche, südwestliche und nordwestliche Ecke schreibt man das Śrībīja, in die übrigen Bhuvaneśvarī. In die sechs Verbindungsstellen schreibt man die sechs Silben „klīṃ kṛṣṇāya namaḥ“. Auf die Staubfäden schreibt man, im Osten beginnend, jeweils drei Silben der Gāyatrī: „kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi tanno anaṅgaḥ pracodayāt – Wir erkennen den Liebesgott; wir meditieren über den Träger der Blumenpfeile; möge Anaṅga uns anregen.“ Auf die Blätter schreibt man jeweils sechs Silben des Kettenmantras: „namaḥ kāmadevāya sarvajanapriyāya sarvajanasammohanāya jvala jvala prajvala sarvajanasya hṛdayaṃ mama vaśaṃ kuru kuru svāhā – Verehrung dem Liebesgott, der allen Menschen lieb ist und alle verzaubert. Flamme, flamme, entflamme; bringe das Herz eines jeden unter meine Gewalt, bewirke es, bewirke es; svāhā.“ Die Śāradā erklärt die Wortfolge: namaḥ, kāmadevāya, sarvajanapriyāya, sarvajanasammohanāya, zweimal jvala, prajvala, sarvajanasya hṛdayaṃ, mama vaśaṃ, zweimal kuru und die Schlussformel. Das Kettenmantra hat achtundvierzig Silben. Außen umschließt man alles mit den Mātṛkālauten. In die Erdumfassung schreibt man in den Hauptrichtungen śrīṃ, in den Zwischenrichtungen hrīṃ; außen zeichnet man acht Donnerkeile. Das anschließende Verszitat wiederholt die Zeichnung nach Bestreichen mit Duftpaste: achtblättriger Lotus, Sechseck im Fruchtboden, Liebesbīja samt Zielnamen, Umschließung mit siebzehn Silben, Śrī in Ost-, Südwest- und Nordwestecke, die Bewusstseinskraft in den übrigen, sechs Silben in den sechs Verbindungen, Liebesgāyatrī zu je drei auf den Staubfäden, Kettenmantra zu je sechs auf den acht Blättern, außen Mātṛkāumfassung, Erdumfassung mit Śrī und Māyā in Haupt- und Zwischenrichtungen und das Quadrat mit acht Donnerkeilen. Dieses Yantra gehört den achtzehn-, zweiundzwanzig-, zwölf-, zehn-, vierzehn- und elfsilbigen Mantras.

P2-0465 · Originalnummer 36
tataḥ pūrvoktapīṭhamanvantāṃ pīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhānādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya sṛṣṭiṃ
sthitiṃ ṣaḍaṅgañca sampūjya oṃ kirīṭāya namaḥ evaṃ
kuṇḍalābhyāṃ śaṅkhāya cakrāya gadāyai padmāya vanamālāyai
śrīvatsāya kaustubhāya sarvatra praṇavādi namo'ntena pūjayet |
punaḥ pañcapuṣpāñjalīn dattvā āvaraṇapūjāmārabheta |
yathā - ṣaṭkoṇeṣvagnyādi hrīṃ śrīṃ klīṃ hṛdayāya namaḥ |
kṛṣṇāya śirase svāhā ityādinā ṣaḍaṅgāni pūjayet |
tato dikpatrasya mūle oṃ vāsudevāya namaḥ evaṃ saṅkarṣaṇāya
pradyumnāya aniruddhāya praṇavādi - namo'ntena pūjayet |
evaṃ vidikpatramūleṣu:
oṃ śāntyai namaḥ evaṃ śriyai sarasvatyai ratyai |
patreṣu pūrvādi pūrvavat |
rukmiṇyādyāḥ pūjayet |
atra ṣoḍaśasahasramahiṣobhyo namaḥ tadbahiḥ pūrvādi indranidhiṃ
nīlanidhiṃ mukundanidhiṃ makaranidhiṃ ānandanidhiṃ
kacchapanidhiṃ padmanidhiṃ śaṅkhanidhiñca pūjayet |
tadbahirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 36 ||

Nach der zuvor beschriebenen Sitzverehrung bis zum Sitzmantra meditiert man erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Man verehrt Schöpfung, Erhaltung und die sechs Glieder. Mit oṃ und namaḥ verehrt man Krone, beide Ohrringe, Muschel, Rad, Keule, Lotus, Waldblumengirlande, Śrīvatsa und Kaustubha. Nach weiteren fünf Handvoll Blumen beginnt man die Umkreisverehrung. An den sechs Ecken, im Südosten beginnend, verehrt man die sechs Glieder mit „hrīṃ śrīṃ klīṃ hṛdayāya namaḥ“, „kṛṣṇāya śirase svāhā“ und den weiteren Formeln. An den Wurzeln der Hauptrichtungsblätter Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha; an den Wurzeln der Zwischenrichtungsblätter Śānti, Śrī, Sarasvatī und Rati, jeweils mit oṃ und namaḥ. Auf den Blättern, im Osten beginnend, Rukmiṇī und die übrigen wie zuvor. Hier spricht man auch „ṣoḍaśasahasramahiṣībhyo namaḥ – Verehrung den sechzehntausend Königinnen“. Außen, im Osten beginnend, verehrt man die Schätze Indra, Nīla, Mukunda, Makara, Ānanda, Kacchapa, Padma und Śaṅkha. Noch weiter außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Vorlage schreibt mahiṣobhyo; der Zusammenhang bezeichnet die Königinnen.]

P2-0467 · Originalnummer 38
mantrāntaram:
vāgbhavaṃ kāmabījañca kṛṣṇāya bhuvaneśvarī |
govindāya ramā gopījanavallabhaṅeśiraḥ |
caturdaśasvaropeto bhṛguḥ sargī tadūrdhvataḥ |
dvāviṃśatyakṣaro mantro vāgīśatvapradāyakaḥ
|| 38 ||

Ein anderes Mantra: Vāgbhava, Liebesbīja, kṛṣṇāya, Bhuvaneśvarī, govindāya, Ramā, gopījanavallabha im Dativ und die Schlussformel, darüber Bhṛgu mit vierzehntem Vokal und Ausstoß, ergeben das zweiundzwanzigsilbige Mantra, das Herrschaft über die Sprache schenkt. [Die Schlussverschlüsselung bezeichnet einen weiteren sa-Laut mit Vokal und Visarga; ihre genaue Stellung und Lautform bleiben in dieser beschädigten Lesung unsicher.]

P2-0468 · Originalnummer 39
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi vaiṣṇavokta pīṭhamanvantaṃ pīṭhanyāsaṃ vidhāya
aṣṭādaśākṣaravadṛṣyādinyāsaṃ karāṅganyāsau vidhāya mudrādi
digbandhanañca kṛtvā dhyāyet |
yathā:
vāmordhvahaste dadhataṃ vidyāsarvasvapustakam |
akṣamālāñca dakṣordhve sphāṭikīṃ mātṛkāmayīm ||
śabda brahmamayaṃ veṇumadhaḥpāṇidvayeritam ||
gāyantaṃ pīta vasanaṃ śyāmalaṃ komalacchavim ||
barhivarhakṛtottaṃsaṃ sarvajñaṃ sarvavedibhiḥ |
upāsitaṃ munigaiṇairupatiṣṭheddhariṃ sadā ||
evaṃ dhyātvā viṃśatyarṇavat pūjayet ||
viśeṣastu:
sṛṣṭisthiti tatpūjanaṃ nāsti tadvarṇābhāvāt
|| 39 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und dem vaiṣṇavischen Sitznyāsa bis zum Sitzmantra vollzieht man Seher-, Hand- und Gliedernyāsa wie beim achtzehnsilbigen Mantra, zeigt Mudrās, bindet die Richtungen und meditiert: Stets soll man Hari verehren, dunkel, mit zartem Glanz und gelbem Gewand. In seiner oberen linken Hand trägt er das Buch, das die Gesamtheit des Wissens umfasst, in seiner oberen rechten eine Kristallgebetskette aus Mātṛkālauten. Seine beiden unteren Hände führen die Flöte, die aus dem Wortbrahman besteht; er singt. Pfauenfedern bilden seinen Kopfschmuck. Er ist allwissend und wird von den alles wissenden Weisen verehrt. Nach dieser Meditation verehrt man wie beim zwanzigsilbigen Mantra. Die Besonderheit ist, dass Schöpfungs- und Erhaltungsnyāsa und deren Verehrung entfallen, da die zugehörigen Lautanordnungen hier nicht vorhanden sind.

P2-0469 · Originalnummer 40
asya puraścaraṇaṃ caturlakṣajapaḥ |
tathā ca:
caturlakṣaṃ japenmantramimaṃ mantrī susaṃyataḥ |
palāśapuṣpaiḥ svāduktaiścatvāriṃśatsahasrakam ||
juhuyātkarmaṇānena mantrasiddhirbhaveddhruvam
|| 40 ||

Das Puraścaraṇa beträgt vier Lakh, also 400.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der wohl beherrschte Mantrapraktizierende wiederholt dieses Mantra 400.000-mal und opfert vierzigtausendmal mit süß bestrichenen Palāśablüten. Durch diese Handlung tritt die Mantravollendung sicher ein.

P2-0470 · Originalnummer 41
mantrāntaram :
vāgbhavaṃ kāmabījañca māyālakṣmīmanantaram |
daśārṇo manuvaryaśca bhavecchakrākṣaro manuḥ ||
brahmasaṃhitāyām:
vāgbhavaṃ bhuvaneśānīṃ śrībījaṃ kāmabījakam |
daśārṇo manuvaryaśca bhavecchakrākṣaro'paraḥ
|| 41 ||

Ein anderes Mantra: Vāgbhava, Liebesbīja, danach Māyā und Lakṣmī vor dem vorzüglichen zehnsilbigen Mantra ergeben ein vierzehnsilbiges Mantra. In der Brahmasaṃhitā steht die andere Anfangsfolge: Vāgbhava, Bhuvaneśānī, Śrī und Kāma vor dem zehnsilbigen Mantra. Daraus entstehen aiṃ klīṃ hrīṃ śrīṃ beziehungsweise aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ vor gopījanavallabhāya svāhā.

P2-0471 · Originalnummer 42
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi vaiṣṇavoktapīṭhanyāsaṃ kṛtvā ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīchandase namaḥ hṛdi
śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ
|| 42 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und dem vaiṣṇavischen Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa: Brahmā auf dem Kopf, Gāyatrī am Mund und Śrīkṛṣṇa am Herzen, jeweils mit der entsprechenden Verehrungsformel.

P2-0472 · Originalnummer 43
anya nyāsapūjājapahomādi sarvaṃ daśākṣaravatkāryam
|| 43 ||

Alle übrigen Nyāsas, Verehrung, Japa, Feueropfer und die weiteren Handlungen sind wie beim zehnsilbigen Mantra auszuführen.

P2-0474 · Originalnummer 45
mantrāntaram (ekākṣarī)
kāmākṣaraṃ dharāsaṃsthaṃ śāntivinduvibhūṣitam |
trailokyamohano viṣṇuḥ kathitastava yatnataḥ
|| 45 ||

Ein anderes, einsilbiges Mantra: Der Liebeslaut auf der Erde, mit Śānti und Bindu geschmückt, ist Viṣṇu, der die drei Welten verzaubert, den ich dir sorgfältig beschrieben habe. Die Verschlüsselung bezeichnet klīṃ.

P2-0475 · Originalnummer 46
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi - vaiṣṇavoktapīṭhaśaktiparyantaṃ vinyasya tadupari
pakṣirājāya svāheti pīṭhamanuṃ nyaset |
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ |
tadyathā:
śirasi sammohana-ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
trailokyasammohanāya viṣṇave namaḥ |
taduktam:
ṛṣiḥ sammohanacchando gāyatrī parikīrtitā |
trailokyamohano viṣṇurdevatā samudīritā
|| 46 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die vaiṣṇavischen Sitzkräfte ein und darüber das Sitzmantra „pakṣirājāya svāhā – Dem König der Vögel, svāhā“. Dann folgt der Sehernyāsa: Sammohana auf dem Kopf, Gāyatrī am Mund und „trailokyasammohanāya viṣṇave namaḥ – Verehrung Viṣṇu, dem Verzauberer der drei Welten“ am Herzen. Das Zitat bestätigt Sammohana als Seher, Gāyatrī als Versmaß und Trailokyamohana Viṣṇu als Gottheit.

P2-0476 · Originalnummer 47
tataḥ karāṅganyāsau:
klāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
klāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
tathā ca nibandhe:
dīrghaṣaṭkayujānena kāmabījena kalpayet
|| 47 ||

Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „klāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und „klāṃ hṛdayāya namaḥ“. Im Nibandha heißt es: Man bildet sie mit dem Liebesbīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen.

P2-0477 · Originalnummer 47ka
tato bāṇanyāsaḥ:
aṃguṣṭhe drāṃ śoṣaṇabāṇāya namaḥ |
tarjanyoḥ drīṃ mohanabāṇāya namaḥ |
madhyamayoḥ klīṃ sandīpanabāṇāya namaḥ |
anāmikayoḥ blūṃ tāpanabāṇāya namaḥ |
kaniṣṭhayoḥ saḥ mādanabāṇāya namaḥ |
tathā:
mastakamukhahṛdayaguhyapādeṣu nyaset |
tathā ca nibandhe:
drāmādyaṃ śoṣaṇaṃ pūrvaṃ drīmādyaṃ mohanaṃ tataḥ |
sandīpanākhyaṃ klīmādyaṃ blūmādyaṃ tāpanaṃ punaḥ
sargāntabhṛguṇā bhūyo mādanaṃ pañcamaṃ nyaset
|| 47ka ||

Dann der Pfeilnyāsa: drāṃ, der austrocknende Pfeil, an den Daumen; drīṃ, der verzaubernde Pfeil, an den Zeigefingern; klīṃ, der entzündende Pfeil, an den Mittelfingern; blūṃ, der erhitzende Pfeil, an den Ringfingern; saḥ, der berauschende Pfeil, an den kleinen Fingern, jeweils mit „[Name]bāṇāya namaḥ – Verehrung dem genannten Pfeil“. Ebenso setzt man sie auf Kopf, Mund, Herz, verborgene Stelle und Füße. Der Nibandha bestätigt diese Reihenfolge und die Bījas drāṃ, drīṃ, klīṃ, blūṃ sowie den mit Ausstoß versehenen Bhṛgulaut für den fünften Pfeil.

P2-0478 · Originalnummer 48
tato dhyāyet:
bhagnavidrumasaṅkāśaṃ sarvatejomayaṃ vapuḥ |
kirīṭinaṃ kuṇḍalinaṃ keyūravalayānvitam ||
muktāsadratnasannaddhatulākoṭisamujjvalam |
nānālaṅkārasubhagaṃ pītāmbarayugāvṛtam ||
garuḍoparisannaddharaktapaṅkajamadhyagam |
uttaptahemasaṅkāśāṃ lakṣmīṃ vāmorusaṃsthitām ||
sarvālaṅkārasubhagāṃ śuklavāsoyugāvṛtām ||
sakāmāṃ līlayā devaṃ mohayantaṃ punaḥ punaḥ ||
śaṅkhacakragadāpadmapāśāṃkuśadhanuḥśarān |
dhārayantaṃ jagannāthaṃ raktapadmāruṇekṣaṇam ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ vidhāya
nyāsakrameṇa daśākṣaravatpīṭhapūjāṃ kṛtvā
punardhyānāvāhanādipaṃcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
ṣaḍaṅgāni sampūjya nyāsakrameṇa devaśarīre pañcabāṇān
sampūjya oṃ kirīṭāya namaḥ evaṃ kuṇḍalāya śaṅkhāya cakrāya
gadāyai padmāya pāśāya aṃkuśāya dhanuṣe śarāya iti hasteṣu
pūjayet |
stanorddhaiśrīvatsāya kaustubhāya, gale vanamālāyai, nitambe
pītavasanāya, vāmāṅge śrī lakṣmyai namaḥ |
sarvatra praṇavādi namo'ntena pūjayet |
tataḥ keśareṣu agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca klīṃ hṛdayāya
namaḥ, klīṃ śirase svāhā ityādi ṣaḍaṅgāni pūjayet |
tataḥ pūrvādidikṣu caturo bāṇān sampūjya koṇeṣu pañcamaṃ
bāṃaṃ pūjayet |
patreṣu oṃ lakṣmyai namaḥ |
evaṃ sarasvatyai ratyai prītyai kīrttyai kāntyai tuṣṭyai puṣṭyai
tadbahirlokapālānpūjayet |
atra vajrādipūjya nāsti anuktatvāt |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 48 ||

Die Meditation: Der Körper des Weltenherrn gleicht frischer Koralle und besteht aus allem Lichtglanz. Er trägt Krone, Ohrringe, Oberarmreifen und Armringe; seine mit Perlen und edlen Steinen besetzten Fußringe strahlen. Vielfältiger Schmuck ziert ihn; zwei gelbe Gewänder umhüllen ihn. Er sitzt im roten Lotus auf Garuḍa. Auf seinem linken Oberschenkel sitzt Lakṣmī, wie glühendes Gold glänzend, mit sämtlichem Schmuck und zwei weißen Gewändern. Voll Verlangen bezaubert sie den Gott spielerisch immer wieder. Er trägt Muschel, Rad, Keule, Lotus, Schlinge, Stachel, Bogen und Pfeile; seine Augen sind rot wie rote Lotusse. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und vollzieht nach der Nyāsareihenfolge die Sitzverehrung wie beim zehnsilbigen Mantra. Nach erneuter Meditation folgen Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Man verehrt die sechs Glieder und die fünf Pfeile an den entsprechenden Stellen des Gotteskörpers. Mit oṃ und namaḥ verehrt man Krone, Ohrringe und in den Händen Muschel, Rad, Keule, Lotus, Schlinge, Stachel, Bogen und Pfeile; über den Brüsten Śrīvatsa und Kaustubha, am Hals die Waldblumengirlande, an den Hüften das gelbe Gewand, an der linken Körperhälfte Śrīlakṣmī. Dann verehrt man auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen die sechs Glieder mit „klīṃ hṛdayāya namaḥ“, „klīṃ śirase svāhā“ und den weiteren Formeln. In den vier Hauptrichtungen, im Osten beginnend, verehrt man die ersten vier Pfeile, in den Ecken den fünften. Auf den Blättern Lakṣmī, Sarasvatī, Rati, Prīti, Kīrti, Kānti, Tuṣṭi und Puṣṭi. Außen die Weltenhüter. Die Waffenverehrung, beginnend mit dem Donnerkeil, entfällt hier, da sie nicht vorgeschrieben ist. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0479 · Originalnummer 49
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
ravilakṣaṃa japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ |
amṛtatrayasiktena pāyasena nidhānavit athavā ravisāhastryaṃ
hunettāvacca tarpayet
|| 49 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der des Verfahrens Kundige wiederholt das Mantra 1.200.000-mal und opfert ein Zehntel mit Milchreis, der mit den drei Nektarstoffen getränkt ist. Oder er opfert zwölftausendmal und vollzieht ebenso viele Sättigungsdarbringungen.

P2-0480 · Originalnummer 50
mantrāntaram
kāmabījaṃ hṛṣīkeśāya hṛnmantro'ṣṭhākṣaraḥ paraḥ |
tathā ca:
hṛṣīkeśapadaṃ ṅe'ntaṃ namo'ntaḥ kāmapūrvakaḥ |
asya nyāsapūjādikaṃ sarva pūrvavat
|| 50 ||

Ein anderes Mantra: Liebesbīja, „hṛṣīkeśāya“ und die Herzformel ergeben das höchste achtsilbige Mantra: „klīṃ hṛṣīkeśāya namaḥ – Verehrung Hṛṣīkeśa“. Das Zitat bestätigt Kāma am Anfang, Hṛṣīkeśa im Dativ und namaḥ am Schluss. Nyāsa, Verehrung und alles Weitere erfolgen wie zuvor.

P2-0481 · Originalnummer 51
lakṣmīrmāyā kāmabījaṃ ṅe'ntaṃ kṛṣṇapadaṃ tathā |
svāheti mantrarājo'yaṃ bhajatāṃ surapādapaḥ
|| 51 ||

Lakṣmī, Māyā, Liebesbīja, „kṛṣṇa“ im Dativ und svāhā ergeben diesen Mantrakönig, den himmlischen Wunschbaum der Verehrenden: śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇāya svāhā.

P2-0482 · Originalnummer 52
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi vaiṣṇavokta pīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt ||
yathā:
śirasi nārada-ṛṣaye namaḥ |
mukhe anuṣṭuphandase namaḥ |
hṛdi śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ
|| 52 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die vaiṣṇavischen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Nārada auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund und Śrīkṛṣṇa am Herzen, jeweils mit der entsprechenden Verehrungsformel.

P2-0483 · Originalnummer 53
tataḥ karāṅganyāsau:
klāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi evaṃ klāṃ hṛdāya namaḥ
ityādi
|| 53 ||

Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „klāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ beziehungsweise „klāṃ hṛdayāya namaḥ“ und werden entsprechend fortgesetzt.

P2-0485 · Originalnummer 55
tato vaiṣṇavokta pīṭhamanvantaṃ pīṭhaṃ sampūjya punardhyātvā
āvāhanādi - pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabheta ||
yathā:
keśareṣu agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca klāṃ hṛdayāya namaḥ
ityādinā pūjayet |
tadvahirindrādīn vajrādīṃśca sampūjya dhūpādivisarjanāntaṃ
karma samāpayet
|| 55 ||

Nach der vaiṣṇavischen Sitzverehrung bis zum Sitzmantra meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit „klāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0486 · Originalnummer 56
asya puraścaraṇaṃ caturlakṣaṃ manuṃ japet |
daśāṃśaṃ juhuyānmantrī kusumairbrahmavṛkṣajaiḥ
|| 56 ||

Das Puraścaraṇa: Man wiederholt das Mantra vier Lakh-mal, also 400.000-mal, und opfert ein Zehntel mit Blüten des Brahmabaums, Palāśa.

P2-0487 · Originalnummer 57
mantrāntaram
śrīśaktismarakṛṣṇāya govindāya śiro manuḥ
|| 57 ||

Ein anderes Mantra: Śrī, Śakti, Smara, „kṛṣṇāya govindāya“ und die Schlussformel ergeben śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇāya govindāya svāhā.

P2-0488 · Originalnummer 58
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi - pūrvokta pīṭhamanvantaṃ pīṭhanyāsaṃ vidhāya
ratnābhiṣekavadṛṣyādinyāsaṃ kuryāt
|| 58 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und dem zuvor beschriebenen Sitznyāsa bis zum Sitzmantra vollzieht man den Sehernyāsa wie bei der Edelsteinbesprengung.

P2-0489 · Originalnummer 59
tataḥ karāṅganyāsau yathā:
śrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
klīṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
kṛṣṇāya anāmikābhyāṃ huṃ |
govindāya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu śrīṃ hṛdayāya namaḥ ityādi
|| 59 ||

Der Handnyāsa: śrīṃ an den Daumen mit namaḥ; hrīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; klīṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; kṛṣṇāya an den Ringfingern mit huṃ; govindāya an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; svāhā an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „śrīṃ hṛdayāya namaḥ“.

P2-0490 · Originalnummer 60
tato mūrtipañjaranyāsaṃ vidhāya mudrādidigbandhanaṃ kṛtvā
viṃśatyarṇoktaṃ dhyātvā tadvidhānena pūjayet |
viśeṣastu sṛṣṭisthitikrameṇa na pūjayet |
tattadvarṇābhāvāt asya puraścaraṇaṃ japahomaśca tathā
|| 60 ||

Nach dem Gestaltengehäusenyāsa, den Mudrās und der Richtungsbindung meditiert man wie beim zwanzigsilbigen Mantra und verehrt nach dessen Verfahren. Die Besonderheit: Man verehrt nicht in Schöpfungs- und Erhaltungsfolge, weil die betreffenden Lautanordnungen fehlen. Auch Puraścaraṇa, Japa und Feueropfer entsprechen diesem Verfahren.

P2-0491 · Originalnummer 61
mantrāntaram
tāraṃ hṛdbhagavate rukmiṇīvallabhāya svāhā |
tathā ca:
tāro hṛdbhagavān ṅe'nto rukmiṇī vallabhastathā |
śiro'ntaḥ ṣoḍaśārṇo'yaṃ rukmiṇī vallabhāhvayaḥ
|| 61 ||

Ein anderes Mantra: „oṃ namo bhagavate rukmiṇīvallabhāya svāhā – Oṃ, Verehrung dem Erhabenen, dem Geliebten Rukmiṇīs, svāhā“. Das Zitat erklärt Tārā, Herzformel, bhagavat und rukmiṇīvallabha im Dativ und die Schlussformel als das sechzehnsilbige Mantra namens Rukmiṇīvallabha.

P2-0492 · Originalnummer 62
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi vaiṣṇavokta pīṭhamanvantaṃ pīṭhanyāsaṃ vidhāya
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi nārada ṛṣaye namaḥ |
mukhe anuṣṭupchandase namaḥ |
hṛdi rukmiṇīvallabhāya devatāyai namaḥ
|| 62 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen und dem vaiṣṇavischen Sitznyāsa bis zum Sitzmantra folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „nāradaṛṣaye namaḥ“; am Mund „anuṣṭupchandase namaḥ“; am Herzen „rukmiṇīvallabhāya devatāyai namaḥ“.

P2-0493 · Originalnummer 63
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
namastarjanībhyāṃ svāhā |
bhagavate madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
rukmiṇīvallabhāya vanāmikābhyāṃ huṃ |
svāhā kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 63 ||

Der Handnyāsa: oṃ an den Daumen mit namaḥ; namas an den Zeigefingern mit svāhā; bhagavate an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; rukmiṇīvallabhāya an den Ringfingern mit huṃ; svāhā an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern.

P2-0495 · Originalnummer 65
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya saṅkhasthāpanaṃ vaiṣṇavokta
pīṭhamanvantāṃ pīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidāna paryantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabhet |
yathā:
keśareṣu agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca oṃ hṛdayāya
namaḥ |
namaḥ śirase svāhā |
bhagavate śikhāyai vaṣaṭ |
rukmiṇī vallabhāya kavacāya huṃ |
svāhā astrāya phaṭ |
tato'ṣṭadaleṣu pūrvādi oṃ nāradāya namaḥ evaṃ parvataṃ viṣṇuṃ
niśaṭhaṃ uddhavaṃ dārukaṃ viśvaksenaṃ śauneyañca pūjayet |
tabhirindrādīn vajrādīśca sampūjya dhūpādivasarjanāntaṃ karma
samāpayet |
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
dhyātvaivaṃ rukmiṇīkāntaṃ japellakṣamamuṃ manun |
ayutaṃ juhuyāt padmairaruṇairmadhurāplutaiḥ
|| 65 ||

Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung bis zum Sitzmantra. Nach erneuter Meditation folgen Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung auf den Staubfäden in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen: oṃ am Herzen mit namaḥ; namaḥ am Kopf mit svāhā; bhagavate an der Haarlocke mit vaṣaṭ; rukmiṇīvallabhāya am Schutzpanzer mit huṃ; svāhā an der Waffe mit phaṭ. Auf den acht Blättern, im Osten beginnend, verehrt man Nārada, Parvata, Viṣṇu, Niśaṭha, Uddhava, Dāruka, Viśvaksena und Śauneya. Außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen; dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Nach dieser Meditation über Rukmiṇīs Geliebten wiederholt man das Mantra 100.000-mal und opfert zehntausendmal mit roten, süß getränkten Lotussen.

P2-0496 · Originalnummer 66
mantrāntarāṇi
śrīśaktikāmapūrvo'ṅgajanmaśaktiramāntikaḥ |
daśākṣaraḥ evāsau syāt śaktiramānvitaḥ ||
manto vikṛtiravyarṇāvācakrādyāṅkanāvimo
|| 66 ||

Weitere Mantras: Das zehnsilbige Mantra mit Śrī, Śakti und Smara am Anfang und Anaṅga, Śakti und Ramā am Ende; außerdem das zehnsilbige Mantra verbunden mit Śakti und Ramā. Die Glieder werden mit Ācakra und den weiteren gebildet. [Die Schlusszeile „manto vikṛtiravyarṇāvācakrādyāṅkanāvimo“ ist stark beschädigt. Die genaue Silbenzahl und die Stellung der zweiten Anfangs- oder Endgruppe lassen sich daraus nicht zuverlässig bestimmen.]

P2-0500 · Originalnummer 70
praṇavaṃ namasā yuktaṃ kṛṣṇagovindakau tathā |
śrīpūrvau ṅe'ntāvuccārya huṃ phaṭ svāheti kīrtyate
|| 70 ||

Man verbindet oṃ mit namaḥ und spricht danach „śrīkṛṣṇāya śrīgovindāya“, beide Namen mit śrī am Anfang und im Dativ; schließlich huṃ phaṭ svāhā.

P2-0501 · Originalnummer 71
asya nārada-ṛṣiranuṣṭupchandaḥ paramātmā harirdevatā |
ācakrādyairaṅgakalpanā |
daśākṣaravadasya pūjājapahomādayaḥ |
bījaśaktī ca tatsame
|| 71 ||

Nārada ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß, Hari als höchstes Selbst die Gottheit. Die Gliederbildung erfolgt mit Ācakra und den weiteren. Verehrung, Japa, Feueropfer und die übrigen Handlungen entsprechen dem zehnsilbigen Mantra; auch Bīja und Kraft sind dieselben.

P2-0502 · Originalnummer 1
atha vālagopālamantrāḥ
cakrī vasusvarānvitaḥ sargī |
kṛḥ |
kṛṣṇeti dvyakṣaraḥ kāmakṛṣṇa |
kāmakṛṣṇāya |
kṛṣṇāya namaḥ |
kāmaḥ kṛṣṇāya namo'ntakaḥ |
kāmakṛṣṇāya kāmaḥ |
gopālāya ṭhadvayam |
kāmaḥ kṛṣṇāya svāhā |
kṛṣṇagovindau ṅe'ntau |
kāmaḥ kṛṣṇāya govindāya |
kāmaḥ kṛṣṇagovindau ṅe'ntau kāmaḥ |
dadhimabhakṣaṇāya ṭhadvayam |
suprasannātmane hṛt |
kāmaḥ glauṃ kāmaḥ śyāmalāṅgāya hṛt |
bālavapuṣe kṛṣṇāya vahnijāyā |
ramā māyā kāmaḥ kṛṣṇāya kāmaḥ |
bālavapuṣe klīṃ kṛṣṇāya vahnijāyā |
tathā ca nibandhe:
cakro vasusvarayutaṃ sargyekārṇo manurmataḥ |
kṛṣṇeti dvyakṣaraḥ kāmapūrvastryarṇaḥ sa eva ca |
sa eva caturvarṇaḥ syāt ṅe'nto'nyaścaturakṣaraḥ |
vakṣyate pañcavarṇaḥ syāt kṛṣṇāya namaḥ ityapi |
sa eva kāmapūrvaścet ṣaḍakṣaramanurmataḥ |
kṛṣṇāyeti smaradvandvamadhye pañcākṣaro'paraḥ |
gopālāyāgnijāyāntaḥ ṣaḍakṣaramanurmataḥ |
kṛṣṇāya kāmabījādyo vahnijāyāntiko'paraḥ |
kṛṣṇagovindako ṅe'ntau saptārṇo manuruttamaḥ |
kṛṣṇagovindakau ṅe'ntau kāmādyaścāṣṭavarṇakaḥ |
ādyantakāmabījaścet navākṣara udāhṛtaḥ |
dadhibhakṣaṇāya vahnivallabhānto'ṣṭavarṇakaḥ |
suprasannātmane prokto namaḥ itāparo'ṣṭakaḥ |
kāmabījaṃ dharābījaṃ punaḥ kāmaṃ samuddharet |
śyāmalāṅgapadaṃ ṅe'ntaṃ namo'ntoyaṃ daśākṣaraḥ |
śiro'nto bālavapuṣe kṛṣṇāyānyo manurmataḥ |
śrīśaktikāmakṛṣṇāya māraḥ saptākṣaro manuḥ |
śiro'nto bālavapuṣe klīṃ kṛṣṇāya smṛto vudhaiḥ
|| 1 ||

Nun die Bālagopālamantras. Genannt werden folgende Formen; die Bījas Kāma, Ramā und Māyā sind klīṃ, śrīṃ und hrīṃ, zweimal ṭha und die Gemahlin des Feuers bezeichnen svāhā: kṛḥ; kṛṣṇa; klīṃ kṛṣṇa; klīṃ kṛṣṇāya; kṛṣṇāya namaḥ; klīṃ kṛṣṇāya namaḥ; klīṃ kṛṣṇāya klīṃ; gopālāya svāhā; klīṃ kṛṣṇāya svāhā; kṛṣṇāya govindāya; klīṃ kṛṣṇāya govindāya; klīṃ kṛṣṇāya govindāya klīṃ; dadhibhakṣaṇāya svāhā; suprasannātmane namaḥ; klīṃ glauṃ klīṃ śyāmalāṅgāya namaḥ; bālavapuṣe kṛṣṇāya svāhā; śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇāya klīṃ; bālavapuṣe klīṃ kṛṣṇāya svāhā. Die Anreden bedeuten: Kṛṣṇa; dem Kuhhirten; Kṛṣṇa und Govinda; dem Quarkesser; dem ganz heiteren Selbst; dem Dunkelleibigen; Kṛṣṇa mit dem Körper eines Kindes. Im Nibandha werden die Formen ausführlich bestätigt: Cakrin mit dem achten Vokal und Ausstoß ist einsilbig; kṛṣṇa zweisilbig, mit Kāma davor dreisilbig; dieselbe Form im Dativ viersilbig. Kṛṣṇāya namaḥ ist fünfsilbig, mit Kāma davor sechssilbig. Kṛṣṇāya zwischen zwei Smarabījas ist fünfsilbig. Gopālāya svāhā ist sechssilbig; eine weitere Form ist klīṃ kṛṣṇāya svāhā. Kṛṣṇāya govindāya ist siebensilbig, mit Kāma davor achtsilbig, mit Kāma vorne und hinten neunsilbig. Dadhibhakṣaṇāya svāhā und suprasannātmane namaḥ werden als achtsilbig bezeichnet. Kāma, Erdbīja, erneut Kāma, śyāmalāṅga im Dativ und namaḥ ergeben zehn Silben. Bālavapuṣe kṛṣṇāya mit Schlussformel ist eine weitere Form. Śrī, Śakti, Kāma, kṛṣṇāya und Māra ergeben sieben Silben. Die Weisen nennen außerdem bālavapuṣe klīṃ kṛṣṇāya mit der Schlussformel. [Die Prosa schreibt „dadhimabhakṣaṇāya“, das Zitat dadhibhakṣaṇāya; die ausdrücklich erklärte Form ist wiedergegeben. Einige Silbenzahlen hängen von der traditionellen Aussprache der Bījas ab.]

P2-0503 · Originalnummer 2
eteṣāṃ pūjāyantram:
vṛttamaṣṭadalaṃ padmaṃ bhūgṛhaṃ caturdvāraṃ vṛttamadhyasthaṃ
kāmabījam (citra 24) |
tathā ca gautamīye:
padmamaṣṭapalāśantu caturasraṃ sulakṣaṇam |
caturdvārasamāyuktaṃ kāmagarbhitakarṇikam ||
eteṣāṃ pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi - vaiṣṇavoktapiṭhanyāsaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
yathā:
śirasi nārada ṛṣaye namaḥ |
mukhe gāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ
|| 2 ||

Ihr Pūjāyantra: ein Kreis, ein achtblättriger Lotus, eine Erdumfassung mit vier Toren und das Liebesbīja in der Mitte des Kreises. [Die Vorlage verweist auf Abbildung 24.] Im Gautamīya heißt es: ein achtblättriger Lotus und ein wohlgestaltetes Quadrat mit vier Toren, mit Kāma im Fruchtboden. Das Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und dem vaiṣṇavischen Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa: Nārada auf dem Kopf, Gāyatrī am Mund und Śrīkṛṣṇa am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0504 · Originalnummer 3
tataḥ karāṅganyāsau:
klāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
klīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
klūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
klaiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
klauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
klaḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu klāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
tataḥ pūrvavanmudrādikaṃ pradarśya dhyāyet
|| 3 ||

Der Handnyāsa: klāṃ an den Daumen mit namaḥ; klīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; klūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; klaiṃ an den Ringfingern mit huṃ; klauṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; klaḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „klāṃ hṛdayāya namaḥ“. Dann zeigt man die Mudrās wie zuvor und meditiert.

P2-0506 · Originalnummer 5
tato vaiṣṇavoktapīṭhamanvantāṃ pīpūṭhajāṃ vidhāya
punardhyātvā āvāhanādi - pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabhet |
yathā:
keśareṣu agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca klāṃ hṛdayāya namaḥ
ityādinā ṣaḍaṅga sampūjya patreṣu nāradādīn tadbahirindrādin
vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 5 ||

Nach der vaiṣṇavischen Sitzverehrung bis zum Sitzmantra meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man die sechs Glieder mit „klāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln; auf den Blättern Nārada und die übrigen, außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0508 · Originalnummer 7
mantrāntaram
ūrdhvadantayutaḥ śārṅgī cakrī dakṣiṇakarṇayuk |
māṃsaṃ nāthāya natyanto mūlamantro'ṣṭavarṇakaḥ ||
ṛṣirbrahmāsya gāyatrīcchandaḥ kṛṣṇastu devatā |
varṇayugmaiḥ samastena proktaṃ syādaṅgapañcakam
|| 7 ||

Ein anderes Mantra: Śārṅgin mit oberem Zahn, Cakrin mit rechtem Ohr, Māṃsa, „nāthāya“ und namaḥ ergeben das achtsilbige Grundmantra. Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Kṛṣṇa die Gottheit. Die fünf Glieder werden mit jeweils zwei Silben und dem vollständigen Mantra gebildet. [Die Verschlüsselung wird hier nicht zu einer unsicheren ausgeschriebenen Formel ergänzt.]

P2-0512 · Originalnummer 12
mantrāntaram
kāmayorantaḥkṛṣṇapadaṃ mantraḥ sadyaḥphalapradaḥ |
tathā ca:
sadyaḥ phapradaṃ mantraṃ vakṣye'nyaṃ caturakṣaram |
saṃprokto mārayugmāntaḥ saṃsthakṛṣṇapadena tu
|| 12 ||

Ein anderes Mantra: Das Wort kṛṣṇa zwischen zwei Liebesbījas schenkt unmittelbar Früchte: klīṃ kṛṣṇa klīṃ. Dazu heißt es: Ich werde ein anderes viersilbiges Mantra beschreiben, das sofort Früchte schenkt; es besteht aus dem zwischen zwei Mārabījas stehenden Wort kṛṣṇa.

P2-0513 · Originalnummer 13
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi - vaiṣṇavoktapīṭhamanvantaṃ pīṭhanyāsaṃ vidhāya
pūrvadṛṣyādinyāsakarāṅganyāsau ca kṛtvā dhyāyet
|| 13 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und dem vaiṣṇavischen Sitznyāsa bis zum Sitzmantra vollzieht man Seher-, Hand- und Gliedernyāsa wie zuvor und meditiert.

P2-0514 · Originalnummer 14
śrīmatkalpadrumūlodgatakamalalasatkarṇikāsaṃsthito
yastacchākhālambipadmodaravisaradasaṃkhyātaratnābhiṣiktaḥ |
hemābhaḥ svaprabhābhistribhuvanamakhilaṃ bhāsayan vāsudevaḥ
pāyādvaḥ pāyasādo'navaratanavanotāmṛtāśīrasīmaḥ ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ vidhāya
vaiṣṇavoktapīṭhamanvantaṃ pīṭhaṃ sampūjya punardhyātvā
āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
pūrvadagnyādikoṇe madhye dikṣu ca klāṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā
ṣaḍaṅgāni sampūjya patreṣu pūrvādi aṣṭanidhīn tadbahirindrādīn
vrajrādīṃśca sampūjya dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 14 ||

Die Meditation: Möge euch Vāsudeva beschützen! Er steht auf dem leuchtenden Fruchtboden eines Lotus, der an der Wurzel des herrlichen Wunschbaums wächst. Aus dem Inneren eines an dessen Zweigen hängenden Lotus werden unzählige Edelsteine über ihn gegossen. Er ist goldglänzend und erhellt mit seinem eigenen Licht die gesamten drei Welten. Er genießt Milchreis und unablässig frische Butter als Nektar; seine Herrlichkeit kennt keine Grenze. [Die Schlussverbindung „anavaratanavanotāmṛtāśīrasīmaḥ“ ist beschädigt.] Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und verehrt den vaiṣṇavischen Sitz bis zum Sitzmantra. Erneut folgen Meditation, Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung verehrt man wie zuvor in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen die sechs Glieder mit „klāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Auf den Blättern, im Osten beginnend, die acht Schätze, außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0516 · Originalnummer 16
asyamantrasya kāmabījayorlakārayorante rephaścettadā
mantracūḍāmaṇiḥ |
tathā ca nibandhe:
mārayorasya māṃsādho raktaścedaparo manuḥ |
kāmabījasya māṃsādho lakārasyādhobhāge rakto rephaścettadā
ayaṃ manurityarthaḥ
|| 16 ||

Wenn bei diesem Mantra unter dem la der beiden Liebesbījas ra steht, heißt es Mantracūḍāmaṇi. Im Nibandha heißt es: Steht bei seinen beiden Mārabījas unter Māṃsa der rote Laut, entsteht ein anderes Mantra. Dies bedeutet: Unter la, dem Māṃsalaut des Liebesbījas, wird ra, der rote Laut, gesetzt.

P2-0517 · Originalnummer 18
asya pūjā:
pūrvavaddṛṣyādinyāsaṃ kṛtvā karāṅganyāsau kuryāt |
yathā:
klīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
klīṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
asya pūjādikaṃ sarvaṃ pūrvavat |
dhyāne tu viśeṣaḥ:
āraktodyānakalpadrumatalavilasatsvarṇadolādhirūḍhaṃ, gopībhyāṃ
prekṣyamāṇaṃ vikasitanavabandhūkasindūrabhāsam |
bālaṃ lolālakāntaṃ kaṭitaṭavilasatkṣudraghaṇṭāghaṭāḍhyaṃ, vande
śārdūla - kāmāṃkuśalalitagaṇākapladīptaṃ mukundam
|| 18 ||

Seine Verehrung: Nach dem Sehernyāsa wie zuvor vollzieht man Hand- und Gliedernyāsa mit „klīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und „klīṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Die gesamte Verehrung erfolgt wie zuvor. Die Meditation besitzt eine Besonderheit: Ich verehre den jungen Mukunda, der in einem rötlichen Garten unter dem Wunschbaum auf einer glänzenden goldenen Schaukel sitzt. Zwei Gopīs betrachten ihn. Er strahlt wie frische, geöffnete Bandhūkablüten und Zinnober. Seine Locken bewegen sich; an seinen Hüften leuchten Reihen kleiner Glöckchen. Er strahlt mit dem Schmuck einer Tigerkralle und den lieblichen Gruppen des Liebesstachels. [„śārdūla-kāmāṃkuśalalitagaṇākapladīptaṃ“ ist stark beschädigt; Tigerkralle und die übrigen erkennbaren Schmuckwörter werden als unsichere Annäherung wiedergegeben.]

P2-0519 · Originalnummer 1
atha vāsudevamantraḥ
praṇavo hṛdbhagavate vāsudevāya kīrtitaḥ |
pradhānaṃ vaiṣṇave tantre mantro'yaṃ surapādapaḥ
|| 1 ||

Nun das Vāsudevamantra: Praṇava, Herzformel, „bhagavate“ und „vāsudevāya“ bilden das wichtigste Mantra im vaiṣṇavischen Tantra, den himmlischen Wunschbaum: oṃ namo bhagavate vāsudevāya.

P2-0520 · Originalnummer 2
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādipūrvokta pīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādi nyāsaṃ
kuryāt |
yathā:
śirasi prajāpataye ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
vāsudevāya devatāyai namaḥ
|| 2 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die zuvor beschriebenen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Prajāpati auf dem Kopf, Gāyatrī am Mund und Vāsudeva am Herzen, jeweils mit der entsprechenden Verehrungsformel.

P2-0521 · Originalnummer 3
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ; namastarjanībhyāṃ svāhā |
bhagavate madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
vāsudevāya anāmikābhyāṃ huṃ |
oṃ namo bhagavate vāsudevāya kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
tāreṇa hṛdayaṃ proktaṃ namasā śira īritam |
caturvarṇaiḥ śikhā proktā pañcārṇaiḥ kavacaṃ matam |
samastena bhavedastramaṅgakalpanamīritam
|| 3 ||

Der Handnyāsa: oṃ an den Daumen mit namaḥ; namas an den Zeigefingern mit svāhā; bhagavate an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; vāsudevāya an den Ringfingern mit huṃ; das ganze Mantra „oṃ namo bhagavate vāsudevāya“ an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: Tārā ist das Herzmantra, namaḥ das Kopfmantra, vier Silben bilden die Haarlocke, fünf den Schutzpanzer und das gesamte Mantra die Waffe. So wird die Gliederbildung beschrieben.

P2-0522 · Originalnummer 4
tato mantranyāsaḥ:
mūrdhni bhāle dṛśorāsye gale dorhṛdayāmbuje |
kukṣau nābhau dhvaje jānudvaye pādadvaye tathā |
dvādaśākṣarāṇi vinyaset |
tato mūrtipañjaraṃ vinyasya kirīṭamantreṇa vyāpakaṃ vidhāya
dhyāyet
|| 4 ||

Der Mantranyāsa: Man setzt die zwölf Silben auf Scheitel, Stirn, beide Augen, Mund, Hals, Arme, Herzlotus, Bauch, Nabel, Geschlechtsorgan, beide Knie und beide Füße. Danach setzt man das Gestaltengehäuse ein, vollzieht mit dem Kronenmantra den umfassenden Nyāsa und meditiert.

P2-0524 · Originalnummer 6
tato vaiṣṇavoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyatvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabheta |
agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca oṃ hṛdayāya namaḥ
ityādinā pañcāṅgāni pūjayet |
tataḥ pūrvādidaleṣu śāntyādiśaktisahitān vāsudevādīn
keśavādīnidrādīn vajrādīṃśca sampūjya dhūpādivisarjanāntaṃ
karma samāpayet
|| 6 ||

Nach der vaiṣṇavischen Sitzverehrung meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. In Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man die fünf Glieder mit „oṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Auf den Blättern, im Osten beginnend, Vāsudeva und die übrigen samt ihren Kräften, beginnend mit Śānti, ferner Keśava und die übrigen, Indra und die übrigen sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0525 · Originalnummer 7
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ dīkṣito vijitendriyaḥ |
tatsahasraṃ prajuhuyāttilairājyapariplutaiḥ
|| 7 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der Initiierte, der seine Sinne bezwungen hat, wiederholt das Mantra ein Lakh pro Silbe und opfert zwölftausendmal mit Sesam, getränkt in geklärter Butter.

P2-0526 · Originalnummer 8
atha lakṣmīnārāyaṇamantrāḥ
māyādvayaṃ ramādvayaṃ lakṣmīvāsudevāya namaḥ |
praṇavādirayaṃ mantraḥ |
tathā ca nibandhe:
hṛllekhābījayugalaṃ ramābījayugaṃ punaḥ |
lakṣmyante vāsudevāya hṛdantaḥ praṇavādikaḥ |
caturdaśākṣaraḥ prokto mantro'yaṃ surapādapaḥ
|| 8 ||

Nun die Lakṣmīnārāyaṇamantras: Zweimal Māyā, zweimal Ramā, „lakṣmīvāsudevāya namaḥ“, mit oṃ am Anfang. Im Nibandha heißt es: zweimal Hṛllekhā, zweimal Ramā, dann lakṣmī, vāsudevāya und die Herzformel, mit oṃ am Anfang, ergeben dieses vierzehnsilbige Mantra, den himmlischen Wunschbaum: oṃ hrīṃ hrīṃ śrīṃ śrīṃ lakṣmīvāsudevāya namaḥ.

P2-0527 · Originalnummer 8ka
asya pūjādikaṃ vāsudevamantravat |
ṛṣyādinyāse tu lakṣmīvāsudevo devatā |
karāṅganyāsamantrastu:
oṃ hrīṃ hrīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
oṃ śrīṃ śrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
oṃ lakṣmī madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
oṃ vāsudevāya anāmikābhyāṃ huṃ |
oṃ namaḥ kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca:
hṛdayaṃ śaktibījābhyāṃ ramābhyāṃ śira īritam |
lakṣmyā proktā śikhā varma vāsudevāya kīrttitam |
namasāstraṃ samuddiṣṭaṃ sarvaṃ tārādi vinyaset |
tato dhyānam:
vidyuccandranibhaṃ vapuḥ kamalajāvaikuṇṭhayorekatāṃ, prāptaṃ
sneharasena ratnaviladbhaṣābharālaṃkṛtam |
vidyāpaṅkajadarpaṇānmaṇimayaṃ kumbhaṃ sarojaṃ gadāṃ
śaṅkhaṃ cakramamūni vibhradamitā diśyācchriyaṃ vaḥ sadā
|| 8ka ||

Seine Verehrung erfolgt wie beim Vāsudevamantra; beim Sehernyāsa ist jedoch Lakṣmīvāsudeva die Gottheit. Der Handnyāsa: oṃ hrīṃ hrīṃ an den Daumen mit namaḥ; oṃ śrīṃ śrīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; oṃ lakṣmī an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; oṃ vāsudevāya an den Ringfingern mit huṃ; oṃ namaḥ an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Das Zitat bestätigt: die beiden Śaktibījas für das Herz, die beiden Ramābījas für den Kopf, lakṣmī für die Haarlocke, vāsudevāya für den Schutzpanzer und namaḥ für die Waffe; alles mit Tārā am Anfang. Die Meditation: Möge euch stets unermesslicher Wohlstand zuteilwerden durch den Körper von Kamalajā und Vaikuṇṭha, die durch die Essenz ihrer Liebe eins geworden sind. Seine beiden Farben gleichen Blitz und Mond; Edelsteinschmuck ziert ihn. Er trägt Buch des Wissens, Lotus, Spiegel, Edelsteingefäß, weiteren Lotus, Keule, Muschel und Rad. [Die Schlussverbindung des Meditationsverses ist grammatisch beschädigt; die Vereinigung und die Gegenstandsliste bleiben erkennbar.]

P2-0528 · Originalnummer 9
asya pūjādikaṃ sarvaṃ pūrvavat |
asya puraścaraṇaṃ caturdaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ saroruhaiḥ |
homaṃ kuryādvikasitairmadhuratrayasaṃyutaiḥ |
varṇalakṣaṃ mantravarṇasamasaṃkhyalakṣam
|| 9 ||

Seine gesamte Verehrung erfolgt wie zuvor. Das Puraścaraṇa beträgt vierzehn Lakh, also 1.400.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra ein Lakh pro Silbe und vollzieht vierzehntausend Feueropfer mit geöffneten Lotussen, verbunden mit den drei süßen Stoffen. „Ein Lakh pro Silbe“ bedeutet eine der Mantrasilbenzahl entsprechende Anzahl von Lakh.

P2-0529 · Originalnummer 10
atha dadhivāmanamantraḥ
oṃ namo viṣṇave surapataye mahābalāya ṭhadvayam |
tathā ca nibandhe:
tāro hṛdviṣṇave paścāt ṅe'ntaḥ surapatirbhavet |
mahābalāya ṭhadvandvaṃ manuraṣṭādaśākṣaraḥ
|| 10 ||

Nun das Dadhivāmanamantra: „oṃ namo viṣṇave surapataye mahābalāya svāhā – Oṃ, Verehrung Viṣṇu, dem Herrn der Götter, dem überaus Starken, svāhā“. Im Nibandha wird dieselbe Folge aus Tārā, Herzformel, viṣṇave, surapati im Dativ, mahābalāya und zweimal ṭha als achtzehnsilbiges Mantra beschrieben.

P2-0530 · Originalnummer 11
asya pūjā:
prātaḥ kṛtyādi uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ
ityantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi indave ṛṣaye namaḥ, mukhe virāṭchandase namaḥ, hṛdi
dadhivāmanāya devātāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
candrāntakalpite pīṭhe prāguktena samarcayet
|| 11 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die Folge bis „uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ – Verehrung der Mondsphäre, deren Wesen die sechzehn Kräfte sind“ ein und vollzieht den Sehernyāsa: Indu auf dem Kopf, Virāṭ am Mund und Dadhivāmana am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel. Im Nibandha heißt es: Auf dem bis zum Mond gebildeten Sitz verehrt man nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.

P2-0531 · Originalnummer 12
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
namastarjanībhyāṃ svāhā |
viṣṇave madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
surapataye anāmikābhyāṃ huṃ |
mahābalāya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca:
hṛdekena śiro dvābhyāṃ śikhā tribhirudāhṛtā |
kavacaṃ pañcabhiḥ proktaṃ netraṃ tāvadbhirakṣaraiḥ |
dvābhyāmastramiti proktaṃ prakāro'ṅgasya sūribhiḥ
|| 12 ||

Der Handnyāsa: oṃ an den Daumen mit namaḥ; namas an den Zeigefingern mit svāhā; viṣṇave an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; surapataye an den Ringfingern mit huṃ; mahābalāya an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; svāhā an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Das Zitat erläutert: eine Silbe für das Herz, zwei für den Kopf, drei für die Haarlocke, fünf für den Schutzpanzer, ebenfalls fünf für die Augen und zwei für die Waffe. So lehren die Weisen die Gliederbildung.

P2-0532 · Originalnummer 13
tato mantranyāsaḥ:
śirasi bhāle cakṣuṣoḥ karṇayoroṣṭhe tāluke kaṇṭhe bāhudvaye udare
nābhau guhye ūrudvaye jānudvaye jaṅghādvaye pādadvaye
mantravarṇānnamo'ntānnyaset |
jaṅghādvayādau dvayaṃ dvayaṃ varṇaṃ tato mūrtipañjarādikaṃ
vidhāya dhyāyet
|| 13 ||

Beim Mantranyāsa setzt man die einzelnen Laute mit namaḥ auf Kopf, Stirn, beide Augen, beide Ohren, Lippe, Gaumen, Hals, beide Arme, Bauch, Nabel, verborgene Stelle, beide Oberschenkel, beide Knie, beide Unterschenkel und beide Füße. Ab den Unterschenkeln verwendet man jeweils zwei Laute. Danach vollzieht man das Gestaltengehäuse und die weiteren Nyāsas und meditiert.

P2-0534 · Originalnummer 15
tataścandramaṇḍalāntaṃ pīṭhaṃ sampūjya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāyāvaraṇapūjāṃ
kuryāt |
tathā ca:
candrāntaṃ kalpite pīṭhe prāntare taṃ samarcayet |
yathā:
agnyādikoṇe madhye dikṣu ca oṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā pūjayet |
tato digdaleṣu vāsudevādīn śaktisahitāndhvajādīn tadagre
keśavādīnsampūjya indravajrādīn airāvatādīn diggajāṃśca
pūjayet |
oṃ airāvatāya diggajāya namaḥ ityādikrameṇa pūjayet |
evaṃ puṇḍarīkādīn |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 15 ||

Nach der Sitzverehrung bis zur Mondsphäre meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Dazu heißt es: Auf dem bis zum Mond gebildeten Sitz verehrt man ihn nach dem zuvor beschriebenen Verfahren. In den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „oṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Hauptrichtungsblättern verehrt man Vāsudeva und die übrigen samt Kräften sowie Banner und die übrigen Gegenstände, davor Keśava und die übrigen. Dann verehrt man Indra und die weiteren Richtungshüter, Donnerkeil und die weiteren Waffen sowie Airāvata und die übrigen Richtungselefanten mit „oṃ airāvatāya diggajāya namaḥ“ und entsprechend für Puṇḍarīka und die anderen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [„prāntare“ im Bestätigungszitat ist unsicher; die Bezugnahme auf das frühere Verfahren ist sinngemäß.]

P2-0535 · Originalnummer 16
asya puraścaraṇaṃ lakṣatrayajapaḥ |
tathā ca:
guṇalakṣaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśaṃ ghṛtaplutam |
pāyasānnaṃ prajuhuyāddadhyannambā yathāvidhi
|| 16 ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 300.000-mal und opfert vorschriftsmäßig ein Zehntel mit Milchreis, getränkt in geklärter Butter, oder mit Quarkreis.

P2-0536 · Originalnummer 17
atha hayagrīvamantrāḥ
oṃ udgiratpraṇavodgītha sarvavāgīśvareśvara |
sarvavedamayācintya sarva bodhaya bodhaya |
tathā ca nibandhe:
udgiratpadamābhāṣya praṇavodgītha śabdataḥ |
sarvavāgīśvaretyante pravadedīśvaretyatha ||
sarvavedamayācintya śabdānte sarvamuccaret |
bodhayadvitayānto'yaṃ mantrastārādirīritaḥ
|| 17 ||

Nun die Hayagrīvamantras: „oṃ udgiratpraṇavodgītha sarvavāgīśvareśvara sarvavedamayācintya sarvaṃ bodhaya bodhaya – Oṃ, du den Praṇava-Udgītha Hervortönender, Herr aller Herren der Sprache, du aus sämtlichen Veden Bestehender, Unbegreiflicher, mache alles bewusst, erwecke alles!“ Im Nibandha wird dieselbe Wortfolge erklärt: udgirat, praṇavodgītha, sarvavāgīśvareśvara, sarvavedamayācintya, sarvaṃ und zweimal bodhaya, mit Tārā am Anfang.

P2-0537 · Originalnummer 18
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi - vaiṣṇavokta pīṭhamanvantaṃ vidhāya ṛṣyādi
nyāsaṃ kuryāt |
yathā:
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ |
mukhe'nuṣṭupchandase namaḥ |
hṛdi śrīhayagrīvāya devatāyai namaḥ
|| 18 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen und der vaiṣṇavischen Folge bis zum Sitzmantra folgt der Sehernyāsa: Brahmā auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund, Śrīhayagrīva am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0538 · Originalnummer 19
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
udgitpraṇavodgīya tarjanībhyāṃ svāhā |
sarvavāgīśvareśvara madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
sarvavedamayā cintya anāmikābhyāṃ huṃ |
sarvaṃ bodhaya bodhaya kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 19 ||

Der Handnyāsa: oṃ an den Daumen mit namaḥ; udgiratpraṇavodgītha an den Zeigefingern mit svāhā; sarvavāgīśvareśvara an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; sarvavedamayācintya an den Ringfingern mit huṃ; sarvaṃ bodhaya bodhaya an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. [Die Vorlage hat „udgitpraṇavodgīya“; der vorherige ausdrücklich gegebene Mantratext klärt die Lesung.]

P2-0539 · Originalnummer 20
tato dhyānam:
śaraccha:sāṅkaprabhamaśvavaktraṃ muktāmayairābharaṇaiḥ
pradīptam |
rathāṅgaśaṇkhārcitabāhuyugmaṃ jānudvayanyastakaraṃ bhajāmaḥ |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā
vaiṣṇavoktapīṭhapūjā vidhāya punardhyātvā hasūmityanena
mūrtiṃ saṅkalpapyet ||
tathā ca:
bījena mūrtiṃ saṅkalpya bījamuddharet, yathā |
viyadbhṛgusthamarghīśabindumadvījamīritam |
tataḥ punardhyātvā āvāhanādi - pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta ||
yathā:
keśareṣu caturdikṣu caturvedāna ṛgyajuḥsāmātharvāna, vidikṣu
aṅgasmṛtinyāyasarvaśāstrāṇi pūjayet |
arcayetpatramadhyeṣu vidhānenāṅgadevatāḥ |
tadvahirindrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarajanāntaṃ karma samāpayet
|| 20 ||

Die Meditation: Wir verehren den Pferdegesichtigen, der wie der Herbstmond leuchtet und mit Perlenschmuck erstrahlt. Zwei Arme tragen Rad und Muschel, zwei Hände ruhen auf den Knien. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung und meditiert erneut. Mit „hasūṃ“ bildet man die Gestalt. Dazu heißt es: Man bildet sie mit dem Bīja und nimmt dieses so: der Raumlaut auf Bhṛgu, versehen mit Arghīśa und Bindu. Erneut meditiert man, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Auf den Staubfäden in den vier Hauptrichtungen verehrt man die vier Veden Ṛg, Yajus, Sāman und Atharvan, in den Zwischenrichtungen Vedāṅgas, Smṛti, Nyāya und sämtliche Śāstras. In den Blattmitten verehrt man vorschriftsmäßig die Gliedergottheiten, außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Prosa schreibt hasūṃ; die spätere Einsilbenbeschreibung ergibt hsūṃ.]

P2-0540 · Originalnummer 21
asya puraścaraṇaṃ trayastriṃśallakṣajapaḥ |
tathā ca:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ kundapuṣpairmadhuplutaiḥ |
daśāṃśaṃ vaiṣṇave vahnau juhuyānmantravittamaḥ
|| 21 ||

Das Puraścaraṇa beträgt dreiunddreißig Lakh, also 3.300.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der vorzügliche Mantrakundige wiederholt das Mantra ein Lakh pro Silbe und opfert ein Zehntel mit honiggetränkten Jasminblüten im vaiṣṇavischen Feuer.

P2-0541 · Originalnummer 22
atha hayagrīvaikākṣaramantraḥ
sa ca hakāra sakāraṣaṣṭhasvaravindvātmakaḥ |
tathā ca kalpe:
viyadbhṛgusthamarghīśavindumadvījamīritam |
ekākṣaro manuḥ proktaścaturvargaphalapradaḥ
|| 22 ||

Nun das einsilbige Hayagrīvamantra: Es besteht aus ha, sa, dem sechsten Vokal und Bindu, also hsūṃ. Im Kalpa heißt es: Der Raumlaut auf Bhṛgu mit Arghīśa und Bindu ist das Bīja. Dieses einsilbige Mantra schenkt die Früchte der vier Lebensziele.

P2-0542 · Originalnummer 23
asya brahmā ṛṣiranuṣṭupchandaḥ hayagrīvarūpī viṣṇurdevatā hakāro
bījaṃ ūkāraḥ kīlakaṃ sakāraḥ śaktiḥ |
hsāṃ hsīṃ hsūṃ hsaiṃ hsauṃ hsaḥ iti ṣaḍaṅgakalpanā
|| 23 ||

Brahmā ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß, Viṣṇu in Hayagrīvagestalt die Gottheit. Ha ist das Bīja, ū der Keil, sa die Kraft. Die sechs Glieder werden mit hsāṃ, hsīṃ, hsūṃ, hsaiṃ, hsauṃ und hsaḥ gebildet.

P2-0543 · Originalnummer 24
dhyānam:
dhavalanalinaniṣṭhaṃ kṣīragauraṃ karābjairjapavalayasaroje
pustakābhīṣṭadāne |
dadhatamamalavastrākalpajālābhirāmaṃ, turagavadanajiṣṇuṃ naumi
vidyāgraviṣṇum |
anyacca:
śaracchaśāṅkaprabhamaśvavaktraṃ, muktāmayairābharaṇairupetam |
rathāṅgaśaṅkhordhvakarañca vidyāvyākhyāna - mudrāḍhyakaraṃ
namāmi ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā
pīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
tatrāṅgaiḥ prathamamāvaraṇam |
prajñāhaya - medhāhaya - smṛtihaya - vidyāhaya - lakṣmīhaya -
vāgīśīhaya - vidyāvilāsahaya -
nādavimardanahayairaṣṭābhirdvitīyam |
lakṣmī - sarasvatī - rati - prīti - kīrti - kānti - tuṣṭi - puṣṭistṛtīyam |
kumudādibhirgajaiścaturtham |
indrādibhiḥ pañcama |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 24 ||

Die Meditation: Ich verneige mich vor dem siegreichen Pferdegesichtigen, dem Viṣṇu an der Spitze des Wissens. Er steht auf einem weißen Lotus, ist weiß wie Milch und trägt in seinen Lotushänden Gebetskette, Lotus, Buch und die Geste der Wunscherfüllung. Reine Gewänder und vielfältiger Schmuck machen ihn lieblich. Eine andere Meditation lautet: Ich verneige mich vor dem Pferdegesichtigen, der wie der Herbstmond leuchtet, mit Perlenschmuck versehen ist, in seinen oberen Händen Rad und Muschel trägt und in den übrigen das Buch des Wissens und die Erklärmudrā. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, verehrt den Sitz, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung: erster Umkreis die Glieder; zweiter die acht Prajñāhaya, Medhāhaya, Smṛtihaya, Vidyāhaya, Lakṣmīhaya, Vāgīśīhaya, Vidyāvilāsahaya und Nādavimardanahaya; dritter Lakṣmī, Sarasvatī, Rati, Prīti, Kīrti, Kānti, Tuṣṭi und Puṣṭi; vierter die Elefanten, beginnend mit Kumuda; fünfter Indra und die übrigen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0544 · Originalnummer 25
asya puraścaraṇaṃ caturlakṣajapaḥ |
tathā ca:
vedalakṣaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ juhuyāttataḥ |
ājyena daśāṃśa homaḥ
|| 25 ||

Das Puraścaraṇa beträgt vier Lakh, also 400.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 400.000-mal und opfert danach ein Zehntel. Dieses Feueropfer erfolgt mit geklärter Butter.

P2-0545 · Originalnummer 26
mantrāntaram
hayagrīvaikākṣarādicaturthyantahayaśiraḥ śabdo namo'ntaḥ |
tathā ca kalpe - hayaśiraḥpadaṃ ṅentañca samuddharet |
svabījādirayaṃ mantraścaturvargaphalapradaḥ
|| 26 ||

Ein anderes Mantra: Das einsilbige Hayagrīvabīja am Anfang, danach hayaśiras im Dativ und namaḥ am Schluss: hsūṃ hayaśirase namaḥ – Verehrung dem Pferdeköpfigen. Im Kalpa heißt es: Man nimmt das Wort hayaśiras im Dativ. Dieses mit dem eigenen Bīja beginnende Mantra schenkt die Früchte der vier Lebensziele.

P2-0547 · Originalnummer 28
mantrāntaram :
udgiratparavodgīya sarvavāgīśvareśvara |
sarvavedamayācintya sarvaṃ bodhaya bodhaya ||
svāhānto manurākhyāto bījaḥ praṇavasampuṭaḥ
|| 28 ||

Ein anderes Mantra: „udgiratparavodgīya sarvavāgīśvareśvara sarvavedamayācintya sarvaṃ bodhaya bodhaya“. Es endet mit svāhā; das Bīja ist von oṃ umschlossen. Die verständliche Anrufung bedeutet: „Herr aller Herren der Sprache, du aus sämtlichen Veden Bestehender, Unbegreiflicher, mache alles bewusst, erwecke alles!“ [„udgiratparavodgīya“ ist beschädigt; wahrscheinlich ist der zuvor gegebene Praṇava-Udgītha-Ausdruck gemeint, doch die genaue erste Wortgruppe bleibt unsicher.]

P2-0548 · Originalnummer 29
mantrāntaram:
viśvottīrṇa svarūpāya cinmāyānandarūpiṇe |
tubhyaṃ namo hayagrīva vidyārājāya viṣṇave ||
svāhānto manurākhyāto haṃsena sampuṭokṛtaḥ
|| 29 ||

Ein anderes Mantra: „viśvottīrṇasvarūpāya cinmāyānandarūpiṇe tubhyaṃ namo hayagrīva vidyārājāya viṣṇave – Dir sei Verehrung, Hayagrīva, Viṣṇu, König des Wissens, dessen Wesen die Welt übersteigt und dessen Gestalt Bewusstseinswonne ist“. Das Mantra endet mit svāhā und ist von haṃsa umschlossen. [Die Vorlage schreibt cinmāyānanda; Bewusstseinswonne setzt die naheliegende Lesung cinmayānanda voraus.]

P2-0549 · Originalnummer 30
etayormantrayoḥ pūrvoktahayagrīvamantravatsarvaṃ jñātavyam
|| 30 ||

Bei diesen beiden Mantras ist alles wie bei dem zuvor beschriebenen Hayagrīvamantra zu verstehen.

P2-0550 · Originalnummer 31
atha nṛsiṃhamantraḥ
nibandhe:
ugraṃ vīraṃ vadetpūrvaṃ mahāviṣṇumanantaram |
jvalantaṃ padamābhāṣya sarvatomukhamīrayet |
nṛṣiṃhaṃ bhīṣaṇaṃ bhadraṃ mṛtyumṛtyuṃ vadettataḥ |
namāmyahamiti prokto mantrarājaḥ suradrumaḥ || ayaṃ mantro
māyāpuṭito bhavati tadā sarvakāmaphalapradaḥ |
tathā ca kalpe:
hṛllekhāpuṭitaścet syātsarvakāmaphalapradaḥ
|| 31 ||

Nun das Nṛsiṃhamantra. Im Nibandha heißt es: zuerst „ugraṃ vīraṃ“, dann „mahāviṣṇum“, „jvalantaṃ sarvatomukham“, „nṛsiṃhaṃ bhīṣaṇaṃ bhadraṃ mṛtyumṛtyum“ und „namāmyaham“. Dieser Mantrakönig ist ein himmlischer Wunschbaum: „Ich verneige mich vor dem Furchtbaren, Heldenhaften, großen Viṣṇu, dem Flammenden, dessen Gesicht überallhin gewandt ist, dem erschreckenden, heilvollen Nṛsiṃha, dem Tod des Todes.“ Wird das Mantra von Māyā umschlossen, erfüllt es alle Wünsche. Der Kalpa bestätigt diese Wirkung bei Umfassung durch Hṛllekhā, hrīṃ.

P2-0551 · Originalnummer 32
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādivaiṣṇavoktapīṭhamanvantaṃ vidhāya ṛṣyādi nyāsaṃ
kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe anuṣṭupchandase namaḥ, hṛdi
nṛsiṃhāya devatāyai namaḥ
|| 32 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen und der vaiṣṇavischen Folge bis zum Sitzmantra folgt der Sehernyāsa: Brahmā auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund und Nṛsiṃha am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0552 · Originalnummer 33
tataḥ karāṅganyāsau:
caturbhirhṛdayaṃ varṇaiḥ śirastāvadbhirakṣaraiḥ |
śikhāṣṭābhiḥ samuddiṣṭā ṣaḍbhiḥ kavacamīritam |
tāvadbhirnayanaṃ proktamantraṃ syātkaraṇākṣaraiḥ
|| 33 ||

Hand- und Gliedernyāsa: vier Silben für das Herz, ebenso vier für den Kopf, acht für die Haarlocke, sechs für den Schutzpanzer, ebenso sechs für die Augen und vier für die Waffe. [Die Vorlage hat „antraṃ“; im Zusammenhang ist astraṃ, Waffe, erkennbar.]

P2-0553 · Originalnummer 34
tato mantranyāsaḥ:
śirolalāṭanetreṣu mukhavāhvaṃghrisandhiṣu |
sāgreṣu kukṣau hṛdaye gale pārśvadvaye punaḥ |
aparāṅge ca kakudi nyasedvarṇānyathākramam
|| 34 ||

Beim Mantranyāsa setzt man die Laute der Reihe nach auf Kopf, Stirn, Augen, Mund, Gelenke und Spitzen von Armen und Beinen, Bauch, Herz, Hals, beide Seiten, Rückseite und Nacken.

P2-0554 · Originalnummer 35
tato dhyānam:
māṇikyādrisamaprabhaṃ nijarucā saṃtrastarakṣogaṇaṃ,
jānunyastakarāmbujaṃ trinayanaṃ ratnollasadbhūṣaṇam |
bāhubhyāṃ dhṛtaśaṅkhacakramaniśaṃ
daṃṣṭrogravaktrollasajjvālājihvamudagrakeśanicayaṃ vande
nṛsiṃhaṃ vibhum ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ vidhāya
vaiṣṇavoktapīṭhapūjāṃ kṛtvā punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
tadyathā:
keśareṣvagnyādikoṇe madhye dikṣu ca ṅgāni pūjayet |
yathā:
ugraṃ vīra hṛdayāya namaḥ |
mahāviṣṇuṃ śirase svāhā |
jvalantaṃ sarvatomukhaṃ śikhāyai vaṣaṭ |
nṛsiṃhaṃ bhīṣaṇaṃ kavacāya huṃ |
bharaṃ mṛtyumṛtyuṃ netratrayāya vauṣaṭ |
namāmyahaṃ astrāya phaṭ |
tataḥ pūrvādidale garuḍaṃ śaṅkaraṃ śeṣaṃ brahmāṇañca
pūjayet, vidigdaleṣu śriyaṃ hriyaṃ dhṛtiṃ puṣṭiñca
praṇavādinamo'ntena pūjayet
|| 35 ||

Die Meditation: Ich verehre den mächtigen Nṛsiṃha, der wie ein Rubinberg glänzt und mit seinem Licht die Rakṣasscharen erschreckt. Seine Lotushände ruhen auf den Knien; er besitzt drei Augen und trägt edelsteinstrahlenden Schmuck. Mit zwei Armen trägt er unablässig Muschel und Rad. Seine furchtbare Schnauze mit Hauern erstrahlt mit einer flammenden Zunge; seine mächtige Mähne steht aufgerichtet. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen: „ugraṃ vīraṃ“ am Herzen mit namaḥ; „mahāviṣṇuṃ“ am Kopf mit svāhā; „jvalantaṃ sarvatomukhaṃ“ an der Haarlocke mit vaṣaṭ; „nṛsiṃhaṃ bhīṣaṇaṃ“ am Schutzpanzer mit huṃ; „bhadraṃ mṛtyumṛtyuṃ“ an den drei Augen mit vauṣaṭ; „namāmyahaṃ“ an der Waffe mit phaṭ. Auf den Hauptrichtungsblättern, im Osten beginnend, verehrt man Garuḍa, Śaṅkara, Śeṣa und Brahmā; auf den Zwischenrichtungsblättern Śrī, Hrī, Dhṛti und Puṣṭi, jeweils mit oṃ und namaḥ. [Die Augenformel schreibt bharaṃ; der vollständige Mantratext bestätigt bhadraṃ.]

P2-0556 · Originalnummer 36
asya puraścaraṇaṃ dvātriṃśallakṣajapaḥ |
tathā ca:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ ghṛtaplutaiḥ |
pāyasānnaḥ prajuhuyādvidhivatpūjite'nale
|| 36 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zweiunddreißig Lakh, also 3.200.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra ein Lakh pro Silbe und opfert zweiunddreißigtausendmal mit in geklärter Butter getränktem Milchreis im vorschriftsmäßig verehrten Feuer.

P2-0557 · Originalnummer 37
mantrāntaram :
nibandhe:
pāśaḥ śaktirnarahariraṃkuśo varma phaṭ manuḥ |
ṣaḍakṣaro narahareḥ kathitaḥ sarvakāmadaḥ
|| 37 ||

Ein anderes Mantra. Im Nibandha heißt es: Schlinge, Śakti, Narahari, Stachel, Schutzlaut und phaṭ bilden das sechssilbige Mantra Naraharis, das alle Wünsche erfüllt. Die folgende Lautliste gibt āṃ hrīṃ kṣrauṃ krauṃ huṃ phaṭ.

P2-0558 · Originalnummer 38
asya pūjā:
prātaḥkṛtyadi vaiṣṇavoktapīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādi nyāsaṃ
kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe paṃkticchandase namah, hṛdi
nṛsiṃhāya devatāyai namaḥ
|| 38 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die vaiṣṇavischen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Brahmā auf dem Kopf, Paṅkti am Mund und Nṛsiṃha am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0559 · Originalnummer 39
tataḥ karāṅganyāsau:
āṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
kṣrauṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
krauṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
huṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
phaṭ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 39 ||

Der Handnyāsa: āṃ an den Daumen mit namaḥ; hrīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; kṣrauṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; krauṃ an den Ringfingern mit huṃ; huṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; phaṭ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern.

P2-0560 · Originalnummer 40
tato dhyānam:
kopādālolajihvaṃ vivṛtanijamukhaṃ somasūryāgninetraṃ,
pādādānābhiraktaprabhamuparisitaṃ bhinnadaityendragātram |
śaṅkhaṃ cakraṃ ca pāśāṃkuśakuliśagadādāruṇānyudvahantaṃ,
bhīmaṃ tīkṣṇogradaṃṣṭraṃ maṇimaya vividhākalpamīḍe nṛsiṃham
||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā
vaiṣṇavoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
tadyathā:
keśareṣvagnyādikoṇe madhye dikṣu ca āṃ hṛdayāya namaḥ
ityādināṣaḍaṅgāni pūjayet |
tataḥ patreṣu pūrvādi śaṅkhaṃ cakraṃ pāśam aṃkuśaṃ vajraṃ
gadāṃ khaḍgaṃ kheṭakañca praṇavādi - namo'ntena pūjayet |
tathā ca nibandhe:
aṅgāvṛtervahiścakraṃ śaṅkhaṃ pāśāṃkuśau punaḥ |
vajraṃ kaumodakīṃ khaḍgaṃ kheṭa patreṣu pūjayet |
tataḥ indrādīnvajrādīśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 40 ||

Die Meditation: Ich preise Nṛsiṃha, dessen Zunge sich vor Zorn bewegt und dessen Mund weit geöffnet ist. Seine Augen sind Mond, Sonne und Feuer. Von den Füßen bis zum Nabel ist sein Glanz rot, darüber weiß. Er hat den Körper des Herrschers der Daityas zerrissen. Er trägt Muschel, Rad, Schlinge, Stachel, Donnerkeil und furchtbare Keule. Er ist schrecklich, hat scharfe, furchterregende Hauer und vielfältigen Edelsteinschmuck. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung: auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen die sechs Glieder mit „āṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Auf den Blättern, im Osten beginnend, Muschel, Rad, Schlinge, Stachel, Donnerkeil, Keule, Schwert und Schild, mit oṃ und namaḥ. Im Nibandha heißt es: Außerhalb des Gliederumkreises verehrt man auf den Blättern Rad, Muschel, Schlinge, Stachel, Donnerkeil, Kaumodakī, Schwert und Schild. Danach Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Muschel und Rad wechseln zwischen Prosa und Zitat die Reihenfolge.]

P2-0561 · Originalnummer 41
asya puraścaraṇaṃ ṣaḍlakṣajapaḥ |
tathā:
ṛtulakṣaṃ japenmantraṃ ghṛtena juhuyattataḥ |
tatsahasraṃ samiddhe'gnau toṣayedvasunā gurum
|| 41 ||

Das Puraścaraṇa beträgt sechs Lakh, also 600.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 600.000-mal und opfert sechstausendmal mit geklärter Butter im entfachten Feuer. Den Guru erfreut man mit Reichtum.

P2-0562 · Originalnummer 42
mantrāntaram
kṣakāro vahnimārūḍho manuvindu samanvitaḥ |
ekākṣaro manuḥ proktaḥ sarvakāmaphalapradaḥ
|| 42 ||

Ein anderes Mantra: Kṣa, auf dem Feuer sitzend und mit Manu und Bindu verbunden, ist das einsilbige Mantra, das alle gewünschten Früchte schenkt. Die anschließende Zuordnung des au-Vokals ergibt kṣrauṃ.

P2-0563 · Originalnummer 43
asya pūjādikaṃ sarvaṃ mantrarājavat |
viśeṣastu atrir-ṛṣirgāyatrīcchandoḥ nṛsiṃho devatā kṣakāro bījaṃ
aukāraḥ śaktiḥ ṣaḍdīrghayuktabījenāṅgakalpanā
|| 43 ||

Seine gesamte Verehrung erfolgt wie beim Mantrakönig. Die Besonderheit: Atri ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Nṛsiṃha die Gottheit, kṣa das Bīja und au die Kraft. Die Glieder werden mit dem Bīja gebildet, das die sechs langen Vokale trägt.

P2-0564 · Originalnummer 44
asya puraścaraṇamaṣṭalakṣajapaḥ |
tathā ca:
vasulakṣaṃ japenmantraṃ ityādivacanāt
|| 44 ||

Das Puraścaraṇa beträgt acht Lakh, also 800.000 Wiederholungen, nach dem Ausspruch „Man soll das Mantra acht Lakh-mal wiederholen“ und den weiteren Stellen.

P2-0565 · Originalnummer 45
mantrāntaram
tathā ca kalpe:
jayadvayaṃ samuccārya śrīpūrvonṛsiṃhetyapi |
'ṣṭākṣaro manuḥ prokto bhajatāṃ kāmadomaṇiḥ
|| 45 ||

Ein anderes Mantra. Im Kalpa heißt es: Man spricht zweimal jaya, dann nṛsiṃha mit śrī davor. Dieses achtsilbige Mantra ist ein wunscherfüllendes Juwel für die Verehrenden: „jaya jaya śrīnṛsiṃha – Sieg, Sieg, ehrwürdiger Nṛsiṃha!“

P2-0566 · Originalnummer 46
asya brahmā ṛṣirgāyatrīcchando nṛsiṃho devatā
ṣaḍdīrghayuktabījenāṅgakalpanā |
dhyānārcanādikaṃ mantrarājavat
|| 46 ||

Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Nṛsiṃha die Gottheit. Die Gliederbildung erfolgt mit dem Bīja, das die sechs langen Vokale trägt. Meditation, Verehrung und die weiteren Handlungen entsprechen dem Mantrakönig.

P2-0567 · Originalnummer 47
asya puraścaraṇamaṣṭalakṣajapaḥ |
vasulakṣaṃ japenmantraṃ ityādivacanāt
|| 47 ||

Das Puraścaraṇa beträgt acht Lakh, also 800.000 Wiederholungen, nach dem Ausspruch „Man soll das Mantra acht Lakh-mal wiederholen“ und den weiteren Stellen.

P2-0568 · Originalnummer 48
atha hariharamantraḥ
mantradevaprakāśinyām:
tāro māyā prāsādaṃ śaṅkaranārāyaṇāya namaḥ prāsādaṃ
māyā tāraḥ
|| 48 ||

Nun das Hariharamantra. In der Mantradevaprakāśinī heißt es: Tārā, Māyā, Prāsāda, „śaṅkaranārāyaṇāya namaḥ“, dann Prāsāda, Māyā und Tārā. Daraus entsteht oṃ hrīṃ hauṃ śaṅkaranārāyaṇāya namaḥ hauṃ hrīṃ oṃ – Verehrung Śaṅkara-Nārāyaṇa.

P2-0569 · Originalnummer 49
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi - vaiṣṇavoktaṃ śaivoktaṃ vā pīṭhanyāsaṃ vidhāya
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi nārada-ṛṣaye namaḥ mukhe anuṣṭupcchandase namaḥ hṛdi
hariharāya devatāyai namaḥ guhye hauṃ bījāya namaḥ pādayoḥ hrīṃ
śaktaye namaḥ
|| 49 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen und dem vaiṣṇavischen oder śaivischen Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa: Nārada auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund, Harihara am Herzen, hauṃ als Bīja an der verborgenen Stelle und hrīṃ als Kraft an den Füßen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0570 · Originalnummer 50
tataḥ karāṅganyāsau:
hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi ṣaḍdīrghayuktabījena |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 50 ||

Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“, mit dem Bīja, das die sechs langen Vokale trägt; ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern.

P2-0572 · Originalnummer 52
tato vaiṣṇavoktāṃ śaivoktāṃ vā pīṭhapūjāṃ vidyāya
punardhyātvā āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
keśareṣvagnyādikoṇe madhye dikṣu ca hrāṃ hṛdayāya namaḥ
ityādinā pūjayet |
tataḥ patreṣu oṃ lakṣmyai namaḥ evaṃ sarasvatyai nārāyaṇyai dharāyai
bhūdharāyai ambikāyai tryambakāyai gaṅgāyai gaṅgādharāyai |
tadbahirindrādīn pūjayet |
atra vajrādipūjā nāsti anuktatvāt |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 52 ||

Dann vollzieht man die vaiṣṇavische oder śaivische Sitzverehrung, meditiert erneut und führt Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen aus. Bei der Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Blättern verehrt man mit oṃ und namaḥ Lakṣmī, Sarasvatī, Nārāyaṇī, Dharā, Bhūdharā, Ambikā, Tryambakā, Gaṅgā und Gaṅgādharā. Außen verehrt man Indra und die übrigen. Eine Verehrung des Donnerkeils und der übrigen Waffen findet nicht statt, da sie nicht vorgeschrieben ist. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Liste enthält neun Namen; die Blattzahl wird hier nicht genannt.]

P2-0573 · Originalnummer 53
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
ghṛtapāyasenāyutahomaḥ |
tathā ca:
lakṣamekaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśaṃ ghṛtaplutaiḥ |
pāyasairhavanaṃ kāryaṃ saṃskṛte havyavāhane
|| 53 ||

Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen und zehntausend Feueropfer mit Milchreis und geklärter Butter. Das Zitat bestätigt: 100.000 Wiederholungen und ein Zehntel Feueropfer mit buttergetränktem Milchreis im rituell bereiteten Feuer.

P2-0574 · Originalnummer 54
atha varāhamantrāḥ:
taro namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye
bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya ṭhadvayam |
ayaṃ mantrastrayastriṃśadakṣaraḥ |
tathā ca nibandhe:
tāro namo bhagavate varāhapadamīrayet |
rūpāya bhūrbhuvaḥ sva syāt pataye tadantaram |
bhūpatitvaṃ me padānte dehyente ca dadāpaya |
vahnijāyāvadhirmantraḥ syāttrayastriṃśadakṣaraḥ
|| 54 ||

Nun die Varāhamantras: „oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā – Oṃ, Verehrung dem Erhabenen in Ebergestalt, dem Herrn von Erde, Zwischenraum und Himmel. Gib mir Herrschaft über die Erde; lass sie mir geben, svāhā.“ Dieses Mantra ist dreiunddreißigsilbig. Der Nibandha bestätigt einzeln dieselbe Wortfolge von Tārā und namaḥ über bhagavate, varāharūpāya, bhūrbhuvaḥsvaḥpataye, bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya bis zur Feuergemahlin am Schluss.

P2-0575 · Originalnummer 55
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādivaiṣṇavoktapīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādi nyāsaḥ
kuryāt ||
śirasi bhārgava-ṛṣaye namaḥ |
mukhe anuṣṭupchandase namaḥ hṛdi ādivarāhāya devatāyai namaḥ
|| 55 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die vaiṣṇavischen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Bhārgava auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund und Ādivarāha am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0576 · Originalnummer 56
tataḥ karāṅganyāsau:
ekadaṃṣṭrāya aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
vyomolkāya tarjanībhyāṃ svāhā |
tejo'dhipataye madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
viśvarūpāya anāmikābhyāṃ huṃ |
mahādaṃṣṭrāya kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca:
bhārgavo munirākhyātaśchando'nuṣṭubudāhṛtam |
devatādivarāhaśca mantrasya kathito budhaiḥ |
ekadaṃṣṭrāya hṛdayaṃ vyomolkāya śiraḥ smṛtam |
śikhā tejo'dhipataye viśvarūpāya varma ca |
mahādaṃṣṭrāya astraṃ syāt pañcāṅgāmiti kalpayet
|| 56 ||

Der Handnyāsa: ekadaṃṣṭrāya, dem Einhauerigen, an den Daumen mit namaḥ; vyomolkāya, der Raumflamme, an den Zeigefingern mit svāhā; tejo'dhipataye, dem Herrn des Lichtglanzes, an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; viśvarūpāya, dem Allgestaltigen, an den Ringfingern mit huṃ; mahādaṃṣṭrāya, dem Großhauerigen, an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Das Zitat bestätigt Bhārgava als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß, Ādivarāha als Gottheit und dieselben fünf Anreden für Herz, Kopf, Haarlocke, Schutzpanzer und Waffe.

P2-0578 · Originalnummer 58
(citra 25)
tato dhyānam:
āpādaṃ jānudeśādvarakanakanibhaṃ
nābhideśādadhastānimuktābhaṃ kaṇṭhadeśāttaruṇaravinibhaṃ
mastakānnīlabhāsam |
īḍe hastairdadhānaṃ rathacarṇadarau khaḍgakheṭau gadākhyaṃ
śaktiṃ dānābhaye ca kṣitidharaṇalasaddaṃṣṭramādyaṃ varāham ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanādi - vaiṣṇavokta
pīṭhapūjādi karma kṛtvā
punardhyātvāvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
keśareṣu agnyādikoṇeṣu dikṣu (pūrvācaturdikṣu) ca ekadaṃṣṭrāya
hṛdayāya namaḥ |
vyomolkāya śirase svāhā |
tejo'dhipataye śikhāyai vaṣaṭ |
viśvarūpāya kavacāya huṃ |
caturdikṣu (agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu) mahādaṃṣṭrāya astrāya
phaṭ |
tadbahiḥ patreṣu oṃ cakrāya namaḥ evaṃ śaṅkhāya khaḍgāya
kheṭakāya gadāyai śaktaye varāya abhayāya |
tadbhirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 58 ||

[Die Vorlage verweist auf Abbildung 25.] Die Meditation: Ich preise den ursprünglichen Varāha, dessen Glanz von den Füßen bis zu den Knien edlem Gold, darüber bis zum Nabel Perlen, bis zum Hals der jungen Sonne und bis zum Scheitel dem Blau gleicht. Mit seinen Händen trägt er Rad, Muschel, Schwert, Schild, Keule und Speer und zeigt Gabe und Furchtlosigkeit. Seine Hauer erstrahlen beim Tragen der Erde. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung und die übrigen Handlungen. Nach erneuter Meditation folgen Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, und den Richtungen: ekadaṃṣṭrāya am Herzen mit namaḥ; vyomolkāya am Kopf mit svāhā; tejo'dhipataye an der Haarlocke mit vaṣaṭ; viśvarūpāya am Schutzpanzer mit huṃ; mahādaṃṣṭrāya an der Waffe mit phaṭ in den vier Ecken Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten. Außen auf den Blättern verehrt man mit oṃ und namaḥ Rad, Muschel, Schwert, Schild, Keule, Speer, Gewährung und Furchtlosigkeit. Weiter außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Farbanordnung ist grammatisch beschädigt; die vier erkennbaren Körperabschnitte werden in der genannten Reihenfolge wiedergegeben.]

P2-0579 · Originalnummer 59
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣamekaṃ japenmantraṃ madhurāktaiḥ saroruhaiḥ |
juhuyāttaddaśāṃśena pīṭhe viṣṇuṃ prapūjayet
|| 59 ||

Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 100.000-mal, opfert ein Zehntel mit süß bestrichenen Lotussen und verehrt Viṣṇu auf dem Sitz.

P2-0580 · Originalnummer 60
viṣṇumantraṃ
rātrau na japet |
tathā ca:
na japedvaiṣṇavaṃ rātrau śaive śākte na duṣyati |
iti vaiśampāyanasaṃhitāvacanāt |
iti viṣṇumantraparicchedaḥ
|| 60 ||

Das Viṣṇumantra soll man nachts nicht wiederholen. In der Vaiśampāyanasaṃhitā heißt es: Ein vaiṣṇavisches Mantra wiederholt man nicht nachts; bei śaivischen und śāktischen Mantras besteht dieser Mangel nicht. Damit endet der Abschnitt über die Viṣṇumantras.

P2-0581 · Originalnummer 1
atha śivamantrāḥ
uddiśya yaṃ kṛtavatī girijā tapasyāṃ yatpādapaṅkajarajo vibudhā
namanti |
āśādvaraṃ bhujagarājavibhūṣitāṅgaṃ, taṃ candramaulimamala
manasā smarāmi
|| 1 ||

Nun die Śivamantras: Mit reinem Geist vergegenwärtige ich mir den Mondgekrönten, um dessentwillen Girijā Askese übte und vor dem Staub von dessen Lotusfüßen die Götter sich verneigen. Sein Körper ist mit dem König der Schlangen geschmückt; er ist der Vorzüglichste der Richtungen. [„āśādvaram“ ist beschädigt; seine genaue Bedeutung bleibt unsicher.]

P2-0582 · Originalnummer 2
atha vakṣye maheśasya mantrān sarvasamṛddhidān |
yaḥ pūrvamṛṣayaḥ prāptāḥ śivasāyujyamañjasā
|| 2 ||

Ich werde Maheśas Mantras beschreiben, die alle Fülle schenken. Durch sie erlangten die früheren Weisen mühelos die Vereinigung mit Śiva.

P2-0584 · Originalnummer 4
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādiprāṇāyāmāntaṃ vidhāya śrīkaṇṭhādinyāsaṃ
mātṛkāsthāneṣu kuryāt |
tadyathā:
aṃ śrīkaṇṭhapūrṇodarībhyāṃ namaḥ |
namaḥ sarvatra |
āṃ anantavirajābhyāṃ, iṃ sūkṣmaśālmalībhyāṃ, īṃ
trimūrtilolākṣībhyāṃ, uṃ amareśvaravarttulākṣībhyāṃ ūṃ
arghīśadīrghaghoṇābhyāṃ, ṛṃ bhārabhūtisudīrghamukhībhyāṃ,
ṝṃ atithīśagomukhībhyāṃ, ḷṃ sthāṇukadīrghajihvabhyāṃ, ḷṃ
harakuṇḍodarobhyāṃ, e jhiṇṭīśordhvamukhībhyāṃ, aiṃ
bhautikeśavikṛtamukhībhyāṃ, oṃ sadyojātajvālāmukhībhyāṃ,
auṃ anugraheśvarolkāmukhībhyāṃ, aṃ akrūrasuśrīmukhībhyāṃ,
aḥ mahāsenavidyāmukhībhyāṃ, kaṃ
krodhīśasarvasiddhimahākālībhyāṃ, khaṃ
caṇḍeśasarvasiddhisarasvatībhyāṃ, gaṃ pañcāntakagaurībhyāṃ,
ghaṃ śivottamatrailokyavidyābhyāṃ, ṅaṃ
ekarudramantraśaktibhyāṃ, caṃ kūrmātmaśaktibhyāṃ, chaṃ
ekanetrabhūtamātṛkābhyāṃ, jaṃ caturānanalamborībhyāṃ, jhaṃ
abjeśadrāviṇībhyāṃ, ñaṃ sarvanāgarībhyāṃ, ṭaṃ
someśakhecarībhyāṃ, ṭhaṃ lāṅgalimañjarībhyāṃ, ḍaṃ
dārukarūpiṇībhyāṃ, ḍhaṃ arddhanārīśvaravīriṇībhyāṃ, ṇaṃ
umākānta kākodarībhyāṃ, taṃ āṣāḍhipūtanābhyāṃ, thaṃ
daṇḍibhadrakālībhyāṃ, daṃ adriyoginībhyāṃ, dhaṃ
mīnaśaṅkhinībhyāṃ, naṃ meṣagarjinībhyāṃ, paṃ
lohitakālarātribhyāṃ, phaṃ śikhikubjikābhyāṃ, baṃ
chagalaṇḍakapardinībhyāṃ, bhaṃ dviraṇḍeśavajrābhyāṃ, maṃ
mahākālajayābhyāṃ, yaṃ tvagātmabālisumukheśvarībhyāṃ, raṃ
asṛgātmabhujaṅgeśarevatībhyāṃ, laṃ
māṃsātmapinākīśamādhavībhyāṃ, vaṃ meda -
ātmakhaḍgīśavāruṇībhyāṃ, śaṃ
asthyātmabakeśavāyavībhyāṃ, yaṃ
majjātmaśvetarakṣovidāriṇībhyāṃ, saṃ
śukrātmabhṛgvīśasahajābhyāṃ, haṃ
prāṇātmanakulīśalakṣībhyāṃ, laṃ bījātmaśivavyāpinībhyāṃ,
kṣaṃ krodhātmasaṃvarttakamāyābhyāṃ |
sarvatranamo'ntena nyāsaḥ |
sāhitye dvivacanabahuvacane dvandvasamāso veti nyāyādavirodhena
evaṃ vākyam |
tathā ca nibandhe:
śrīkaṇṭho'nantasūkṣmau ca trimūrtiramareśvaraḥ |
arghīśo bhāratabhūtiścātithīśaḥ sthāṇuko haraḥ |
jhiṇṭīśo bhautikaḥ sadyojātaścānugraheśvaraḥ |
akrūraśca mahāsenaḥ ṣoḍaśasvaramūrtayaḥ |
tataḥ krodhīśacaṇḍeśapañcāntakaśivottamāḥ |
tathaikarudrakūrmaikanetrāḥ sacaturānanāḥ |
abjeśaḥ śarvaḥ someśastathā lāṅgalidārukau |
arddhanārīśvaraścomākāntaścāṣāḍhidaṇḍinau |
syuradrimīnameṣāśca lohitaśca śikhī tathā |
chagalaṇḍadviraṇḍeśau samahākalavālinau |
bhujaṅgeśaḥ pinākīśaḥ khaḍgīśca bakastathā |
śvetabhṛgvīśanakuliḥ śivaḥsavartastathā |
ete rudrāḥ samākhyātā dhṛtaśūlakapālakaḥ
|| 4 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Atemregelung vollzieht man an den Mātṛkāstellen den Nyāsa, beginnend mit Śrīkaṇṭha. Mit der gemeinsamen Paarformel „[Bīja] [beide Namen im Dativ Dual] namaḥ“ verehrt man: aṃ Śrīkaṇṭha und Pūrṇodarī; āṃ Ananta und Virajā; iṃ Sūkṣma und Śālmalī; īṃ Trimūrti und Lolākṣī; uṃ Amareśvara und Varttulākṣī; ūṃ Arghīśa und Dīrghaghoṇā; ṛṃ Bhārabhūti und Sudīrghamukhī; ṝṃ Atithīśa und Gomukhī; ḷṃ Sthāṇuka und Dīrghajihvā; ḷṃ Hara und Kuṇḍodarī; e Jhiṇṭīśa und Ūrdhvamukhī; aiṃ Bhautikeśa und Vikṛtamukhī; oṃ Sadyojāta und Jvālāmukhī; auṃ Anugraheśvara und Ulkāmukhī; aṃ Akrūra und Suśrīmukhī; aḥ Mahāsena und Vidyāmukhī. Kaṃ Krodhīśa und Sarvasiddhimahākālī; khaṃ Caṇḍeśa und Sarvasiddhisarasvatī; gaṃ Pañcāntaka und Gaurī; ghaṃ Śivottama und Trailokyavidyā; ṅaṃ Ekarudra und Mantraśakti; caṃ Kūrma und Ātmaśakti; chaṃ Ekanetra und Bhūtamātṛkā; jaṃ Caturānana und Lamborī; jhaṃ Abjeśa und Drāviṇī; ñaṃ Sarva und Nāgarī; ṭaṃ Someśa und Khecarī; ṭhaṃ Lāṅgalin und Mañjarī; ḍaṃ Dāruka und Rūpiṇī; ḍhaṃ Arddhanārīśvara und Vīriṇī; ṇaṃ Umākānta und Kākodarī; taṃ Āṣāḍhin und Pūtanā; thaṃ Daṇḍin und Bhadrakālī; daṃ Adri und Yoginī; dhaṃ Mīna und Śaṅkhinī; naṃ Meṣa und Garjinī; paṃ Lohita und Kālarātrī; phaṃ Śikhin und Kubjikā; baṃ Chagalaṇḍa und Kapardinī; bhaṃ Dviraṇḍeśa und Vajrā; maṃ Mahākāla und Jayā. Yaṃ als Wesen der Haut: Vālin und Sumukheśvarī; raṃ als Wesen des Blutes: Bhujaṅgeśa und Revatī; laṃ als Wesen des Fleisches: Pinākīśa und Mādhavī; vaṃ als Wesen des Fettes: Khaḍgīśa und Vāruṇī; śaṃ als Wesen der Knochen: Bakeśa und Vāyavī; yaṃ als Wesen des Marks: Śveta und Rakṣovidāriṇī; saṃ als Wesen des Samens: Bhṛgvīśa und Sahajā; haṃ als Wesen der Lebenskraft: Nakulīśa und Lakṣī; laṃ als Wesen des Bījas: Śiva und Vyāpinī; kṣaṃ als Wesen des Zorns: Saṃvartaka und Māyā. Überall erfolgt der Nyāsa mit namaḥ am Schluss. Nach dem grammatischen Grundsatz, dass bei Zusammengehörigkeit Dual, Plural oder ein Dvandvakompositum verwendet werden kann, ist diese Formulierung widerspruchsfrei. Der Nibandha nennt nochmals die sechzehn Vokalgestalten Śrīkaṇṭha, Ananta, Sūkṣma, Trimūrti, Amareśvara, Arghīśa, Bhāratabhūti, Atithīśa, Sthāṇuka, Hara, Jhiṇṭīśa, Bhautika, Sadyojāta, Anugraheśvara, Akrūra und Mahāsena. Anschließend die Rudras Krodhīśa, Caṇḍeśa, Pañcāntaka, Śivottama, Ekarudra, Kūrma, Ekanetra, Caturānana, Abjeśa, Śarva, Someśa, Lāṅgalin, Dāruka, Arddhanārīśvara, Umākānta, Āṣāḍhin, Daṇḍin, Adri, Mīna, Meṣa, Lohita, Śikhin, Chagalaṇḍa, Dviraṇḍeśa, Mahākāla, Vālin, Bhujaṅgeśa, Pinākīśa, Khaḍgin, Baka, Śveta, Bhṛgvīśa, Nakulin, Śiva und Saṃvarta; sie tragen Dreizack und Schädelschale. [Die Prosaliste wiederholt ḷṃ statt einer langen Form, verwendet e ohne Bindu und beim Mark yaṃ statt des erwartbaren ṣaṃ. Mehrere Namen variieren im Bestätigungszitat, darunter Sarva/Śarva und Bhārabhūti/Bhāratabhūti; beide Formen bleiben kenntlich.]

P2-0585 · Originalnummer 5
pūrṇodarī syādvirajā śālmalī tadantaram |
lolākṣī varttulākṣī ca dīrghaghoṇā samīritā |
sudīrghamukhī, gomukhyau dīrghajihvā tathaiva ca |
kuṇḍodaryūrdhvamukhau ca tathā vikṛtamukhyapi |
jvālāmukhī tato jñeyā paścādulkāmukhī smṛtā |
suśrīmukhī ca vidyāmukhyetāḥ syuḥ svaraśaktayaḥ |
mahākalīsarasvatyai sarvasiddhisamanvite |
gaurī trailokyavidyā syānmantraśaktistataḥ param |
ātmaśaktirbhūtamātā tathā lambodarī matā drāviṇī nāgarī
bhūyaḥ khecarī cāpimañjarī |
rūpiṇī vīriṇī paścāt kakodaryapi pūtanā |
syādbhadrakālīyoginyau śaṅkhinī garjinī tathā kālarātriśca
kubjinyā kapardinyapi vajrayā |
jayā ca sumukheśvaryā revatī mādhavī tataḥ |
vāruṇī vāyavī proktā paścādrakṣovidāriṇī |
tataśca sahajā lakṣmīrvyāpinī māyayānvitā |
etā rudrāṅkapīṭhasthāḥ sindūrāruṇavigrahāḥ |
raktotpalakapālābhyāmalaṃkṛtakarāmbujāḥ
|| 5 ||

Pūrṇodarī, Virajā, danach Śālmalī, Lolākṣī, Varttulākṣī, Dīrghaghoṇā, Sudīrghamukhī, Gomukhī, Dīrghajihvā, Kuṇḍodarī, Ūrdhvamukhī, Vikṛtamukhī, Jvālāmukhī, Ulkāmukhī, Suśrīmukhī und Vidyāmukhī sind die Vokalkräfte. Mahākālī und Sarasvatī, beide mit Sarvasiddhi verbunden, Gaurī, Trailokyavidyā, Mantraśakti, Ātmaśakti, Bhūtamātā, Lambodarī, Drāviṇī, Nāgarī, Khecarī, Mañjarī, Rūpiṇī, Vīriṇī, Kākodarī, Pūtanā, Bhadrakālī, Yoginī, Śaṅkhinī, Garjinī, Kālarātrī, Kubjinī, Kapardinī, Vajrā, Jayā, Sumukheśvarī, Revatī, Mādhavī, Vāruṇī, Vāyavī, Rakṣovidāriṇī, Sahajā, Lakṣmī, Vyāpinī und Māyā sind die weiteren Kräfte. Sie sitzen auf dem Schoß der Rudras, haben zinnoberrote Körper und tragen in ihren Lotushänden roten Lotus und Schädelschale.

P2-0586 · Originalnummer 6
tataḥ sāmānyapūjāpaddhatyuktapīṭhanyāsaṃ kṛtvā
pīṭhaśaktirnyaset |
yathā:
oṃ vāmāyai namaḥ evaṃ jyeṣṭhāyai raudryaṃ kālyai kalavikariṇyai
valavikariṇyai balaprathamanyai sarvabhūtadamanyai |
etā hṛtpadmasya pūrvādikeśareṣu vinyasya madhye oṃ manonmanyai
namaḥ, tadupari oṃ namo bhagavate sakalaguṇātma
śaktiyuktāyānantāya yogapīṭhātmane namaḥ |
tathā ca śāradāyām:
vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī kālī kalapadādikā vikariṇyāhvayā
proktā balādivikariṇyatha |
balapramathanī paścāt sarvabhūtadamanyapi |
manonmanīti saṃproktā śivasya pīṭhaśaktayaḥ |
namo bhagavate paścātsakalādi vadettataḥ |
guṇādiśaktiyuktāya tato'nantāya tatparam |
yogapīṭhātmane bhūyo namontarādiko manuḥ |
amunā manunā paścādāsanaṃ girijāpateḥ |
mūrtiṃ mūlena saṅkalpya tatrāvāhya yajecchivam |
tata ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi vāmadevāya ṛṣaye namaḥ, mukhe paṃkticchandase namaḥ, hṛdi
sadāśivāya devatāyai namaḥ |
śāradāyām:
vāmadevo muniśchandaḥ paṃktirdevaḥ sadāśivaḥ
|| 6 ||

Dann vollzieht man den im allgemeinen Pūjāverfahren beschriebenen Sitznyāsa und setzt die Sitzkräfte ein. Mit oṃ und namaḥ setzt man auf die im Osten beginnenden Staubfäden des Herzlotus Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Kālī, Kalavikariṇī, Balavikariṇī, Balaprathamanī und Sarvabhūtadamanī. In die Mitte setzt man Manonmanī. Darüber: „oṃ namo bhagavate sakalaguṇātmaśaktiyuktāyānantāya yogapīṭhātmane namaḥ – Verehrung dem Erhabenen, dem Unendlichen, verbunden mit der Kraft, deren Wesen alle Eigenschaften sind, dessen Wesen der Yogasitz ist“. Die Śāradā nennt dieselben Sitzkräfte, jedoch Balapramathanī statt Balaprathamanī, und erklärt die Wortfolge des Sitzmantras mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss. Mit ihm reicht man Girijāpati den Sitz, bildet mit dem Grundmantra die Gestalt, ruft Śiva darin an und verehrt ihn. Dann der Sehernyāsa: Vāmadeva auf dem Kopf, Paṅkti am Mund, Sadāśiva am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel; die Śāradā bestätigt diese Zuordnungen. [Die abweichenden Namensformen der Prosa bleiben verzeichnet.]

P2-0587 · Originalnummer 7
tataḥ karāṅganyāsau:
hāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi evaṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ
ityādi |
ṣaḍdīrghayuktahakāreṇa nyaset |
taduktam:
ṣaḍdīrghayuktabījena ṣaḍaṅgavidhirīritaḥ |
tata īśānādyāḥ pañcamūrtīnyaset karayoraṃguṣṭhādyaṃgulīṣu ||
yathā:
aṃguṣṭhayoḥ hoṃ īśānāya namaḥ tarjanyoḥ heṃ tatpuruṣāya
namaḥ madhyamayoḥ huṃ aghorāya namaḥ anāmikayoḥ hiṃ
vāmadevāya namaḥ kaniṣṭhayoḥ haṃ sadyojātāya namaḥ |
tathā ca:
īśānādīrnyasenmūrttīraṃguṣṭhādiṣu deśikaḥ |
īśānākhyaṃ tatpuruṣamaghoraṃ tadantaram |
vāmadevāhvyaṃ paścāt sadyojātaṃ kramādbahiḥ |
okārādyaiḥ pañcahrasvairvilomāt saṃyutaṃ viyat |
tattadaṃgulībhirbhūyastattadvījādikānnyaset |
tatastattadaṃgulībhiḥ hoṃ īśānāya namaḥ ityādi
śirovadanahṛdguhyapādeṣu pañcamūrtīrnyaset |
tataḥ ūrdhvaprāgdakṣiṇapaścimottareṣu mukheṣu
tattadaṃgulībhistattadvījaistattanmūrtīnyaset |
śūdrastvetparyantaṃ nyāsaṃ kṛtvā dhyāyet anyatrānadhikārāt |
tata ūrdhvaprāgdakṣiṇapaścimottareṣu mukheṣu īśānasya
pañcakalāḥ brahma-ṛcaḥ padādikāḥ prāṇavādinamo'ntā nyaset |
tadyathā:
oṃ īśānaḥ sarvavidyānām oṃ śaśinyai kalāyai namaḥ |
īśvaraḥ sarvabhūtānām oṃ aṅgadāyai kalāyai namaḥ |
brahmādhipatirbrahmaṇo'dhipatiḥ oṃ brahmeṣṭadāyai kalāyai namaḥ |
śivo me'stu oṃ marīcyai kalāyai namaḥ |
sadāśivom oṃ aṃśumālinyai kalāyai namaḥ |
cataḥ pūrvapaścimadakṣiṇottara vaktreṣu tatpuruṣasya catasraḥ kalā
vinyaset |
yathā:
oṃ tatpuruṣāya vidmahe oṃ śāntyai kalāyai namaḥ |
mahādevāya dhīmahi oṃ vidyāyai kalāyai namaḥ |
tanno rudraḥ oṃ pratiṣṭhāyai kalāyai namaḥ |
pracodayāt oṃ nivṛttyai kalāyai namaḥ |
tato hṛdaye grīvayām aṃsadvaye nābhau kukṣau pṛṣṭhe vakṣasi
aghorasyāṣṭau kalā nyaset |
yathā:
oṃ aghorebhyaḥ oṃ umāyai kalāyai namaḥ |
atha ghorebhyaḥ mohāyai kalāyai namaḥ |
ghora oṃ kṣamāyai kalāyai namaḥ |
ghoratarebhyaḥ oṃ nidrāyai kalāyai namaḥ |
sarvataḥ sarva oṃ vyādhaye kalāyai namaḥ |
sarvebhyaḥ oṃ mṛtyave kalāyai namaḥ |
namaste'stu oṃ kṣudhāyai kalāyai namaḥ |
rudrarūpebhyaḥ oṃ tṛṣṇāyai kalāyai namaḥ |
tato guhye aṇḍakoṣe ūrudvaye jānudvaye jaṅghādvaye sphikdvaye
kaṭyāṃ pārśvadvaye vāmadevasya trayodaśakalā nyaset
|| 7 ||

Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „hāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und „hāṃ hṛdayāya namaḥ“. Ha wird mit den sechs langen Vokalen verwendet; das Zitat bestätigt diese Sechsgliederregel. Danach setzt man die fünf Gestalten auf die Finger: hoṃ Īśāna auf die Daumen, heṃ Tatpuruṣa auf die Zeigefinger, huṃ Aghora auf die Mittelfinger, hiṃ Vāmadeva auf die Ringfinger und haṃ Sadyojāta auf die kleinen Finger, jeweils mit namaḥ. Das Zitat bestätigt die fünf Gestalten und den Raumlaut, rückwärts mit den fünf kurzen Vokalen von o aus verbunden. Mit denselben Fingern setzt man sie auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße; dann auf die nach oben, Osten, Süden, Westen und Norden gerichteten Gesichter. Ein Śūdra führt den Nyāsa bis hierher aus und meditiert danach, da ihm der Text die Berechtigung für die übrigen Schritte abspricht. Danach setzt man die fünf Kräfte Īśānas, jeweils mit den Abschnitten des Brahmaverses und mit oṃ und namaḥ, auf die nach oben, Osten, Süden, Westen und Norden gerichteten Gesichter: „īśānaḥ sarvavidyānām – Herr aller Wissensgebiete“, mit Śaśinī; „īśvaraḥ sarvabhūtānām – Herr aller Wesen“, mit Aṅgadā; „brahmādhipatir brahmaṇo'dhipatiḥ – Herr des Brahman, Oberherr des Brahman“, mit Brahmeṣṭadā; „śivo me'stu – möge er mir heilvoll sein“, mit Marīci; „sadāśivom – Sadāśiva, oṃ“, mit Aṃśumālinī. Die jeweilige Formel lautet „oṃ [Kraft im Dativ] kalāyai namaḥ – Verehrung der genannten Kraft“. Dann setzt man die vier Kräfte Tatpuruṣas auf das östliche, westliche, südliche und nördliche Gesicht: „tatpuruṣāya vidmahe – wir erkennen jenen Puruṣa“, mit Śānti; „mahādevāya dhīmahi – wir meditieren über Mahādeva“, mit Vidyā; „tanno rudraḥ – jener Rudra möge uns“, mit Pratiṣṭhā; „pracodayāt – anregen“, mit Nivṛtti. Danach die acht Kräfte Aghoras an Herz, Hals, beide Schultern, Nabel, Bauch, Rücken und Brust: „aghorebhyaḥ – den Nichtfurchtbaren“, mit Umā; „atha ghorebhyaḥ – und den Furchtbaren“, mit Mohā; „ghora – furchtbar“, mit Kṣamā; „ghoratarebhyaḥ – den noch Furchtbareren“, mit Nidrā; „sarvataḥ sarva – überall, alle“, mit Vyādhi; „sarvebhyaḥ – allen“, mit Mṛtyu; „namaste'stu – Verehrung sei dir“, mit Kṣudhā; „rudrarūpebhyaḥ – den Rudragestalten“, mit Tṛṣṇā. Anschließend setzt man die dreizehn Kräfte Vāmadevas an verborgene Stelle, Hodensack, beide Oberschenkel, beide Knie, beide Unterschenkel, beide Gesäßhälften, Hüfte und beide Seiten ein. [Die Reihenfolge der Gesichter für Vāmadeva und Sadyojāta weicht hier von anderen späteren Richtungsangaben ab; sie wird nicht vereinheitlicht.]

P2-0588 · Originalnummer 8
yathā:
oṃ vāmadevāya namaḥ oṃ ūrjāyai kalāyai namaḥ |
jyeṣṭhāya namaḥ oṃ rakṣāyai kalāyai namaḥ ||
rudrāya namaḥ oṃ ratyai kalāyai namaḥ |
kalāya namaḥ oṃ kapālinyai kalāyai namaḥ |
kala oṃ kāmāyai kalāyai namaḥ |
vikaraṇāya namaḥ oṃ saṃyaminyai kalāyai namaḥ |
bala oṃ krodhāyai (kriyāyai) kalāyai namaḥ |
vikaraṇāya namaḥ oṃ vṛddhyai kalāyai namaḥ |
bala oṃ sthirāyai kalāyai namaḥ |
pramathanāya oṃ rātryai kalāyai namaḥ |
sarvabhūtadamanāya namaḥ oṃ bhrāmaṇyai kalāyai namaḥ |
mana oṃ mohinyai kalāyai namaḥ |
unmanāya namaḥ oṃ jarāyai kalāyai namaḥ |
mana oṃ mohinyai kalāyai namaḥ |
unmanāya namaḥ oṃ jarāyai kalāyai namaḥ |
tataḥ pārśvayoḥ stanayornāsikāyāṃ mūrdhni bāhuyugme
sadyojātasyāṣṭau kalā nyaset |
oṃ sadyojātaṃ prapadyāmi oṃ siddhyai kalāyai namaḥ |
sadyojātāya vai namaḥ oṃ vṛddhyai kalāyai namaḥ |
bhavai oṃ matyai kalāyai namaḥ |
abhave oṃ lakṣmai kalāyai namaḥ |
anādibhave oṃ medhāyai kalāyai namaḥ |
bhajasva māṃ oṃ prajñāyai kalāyai namaḥ |
bhava oṃ prabhāyai kalāyai namaḥ |
udbhavāya namaḥ |
oṃ sudhāyai kalāyai namaḥ
|| 8 ||

Die dreizehn Kräfte Vāmadevas mit ihren Versabschnitten: „vāmadevāya namaḥ – Verehrung Vāmadeva“, mit Ūrjā; „jyeṣṭhāya namaḥ – dem Ältesten“, mit Rakṣā; „rudrāya namaḥ – Rudra“, mit Rati; „kalāya namaḥ – dem Teilenden“, mit Kapālinī; „kala“, mit Kāmā; „vikaraṇāya namaḥ – dem Verwandeler“, mit Saṃyaminī; „bala – Stärke“, mit Krodhā, alternativ Kriyā; „vikaraṇāya namaḥ“, mit Vṛddhi; „bala“, mit Sthirā; „pramathanāya – dem Niederwerfenden“, mit Rātri; „sarvabhūtadamanāya namaḥ – dem Bändiger aller Wesen“, mit Bhrāmaṇī; „mana – Geist“, mit Mohinī; „unmanāya namaḥ – dem jenseits des Geistes“, mit Jarā. Jede Kraft erhält „oṃ … kalāyai namaḥ“. Die beiden letzten Abschnitte mit Mohinī und Jarā werden in der Vorlage nochmals wiederholt. Danach setzt man die acht Kräfte Sadyojātas an beide Seiten, beide Brüste, Nase, Scheitel und beide Arme: „sadyojātaṃ prapadyāmi – ich nehme Zuflucht zum unmittelbar Geborenen“, mit Siddhi; „sadyojātāya vai namaḥ – wahrlich Verehrung Sadyojāta“, mit Vṛddhi; „bhavai – im Werden“, mit Mati; „abhave – im Nichtwerden“, mit Lakṣmī; „anādibhave – im anfangslosen Werden“, mit Medhā; „bhajasva māṃ – wende dich mir zu“, mit Prajñā; „bhava – Werden“, mit Prabhā; „udbhavāya namaḥ – Verehrung dem Hervorbringenden“, mit Sudhā. [Die überlieferten Teilungen kala/vikaraṇa, bala/vikaraṇa und mana/unmanā werden als Ritualsegmente beibehalten; der vollständige Vāmadevavers folgt im nächsten Abschnitt.]

P2-0589 · Originalnummer 9
tataḥ pañcāṃgulīṣu īśānādyāḥ pañca ṛco nyaset |
oṃ iśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ
brahmādhipatirbrahmaṇo'dhipatirbrahmā śivo me'stu sadāśivom |
oṃ tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi |
tanno rudraḥ pracodayāt |
oṃ aghorebhyo'tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaḥ sarvataḥ sarvasarvebhyo
namaste'stu rudrarūpebhyaḥ |
oṃ vāmadevāya namo jyeṣṭhāya namo rudrāya namaḥ kalāya namaḥ
balavikaraṇāya namo balapramathanāya namaḥ sarvabhūtadamanāya
namaḥ manonmanāya namaḥ |
oṃ sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namaḥ |
bhave'bhave'nādibhave bhajasva māṃ bhavodbhavāya namaḥ |
evaṃ mūrdhnāsyahṛdayaguhyapādeṣu etā ṛco nyaset |
tato'ṅganyāsāntaraṃ kuryāt |
tadyathā:
aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ sarvajñāya hṛdayāya namaḥ |
amṛte tejojvālāmāline tṛptaye śikhibrahmaṇe śirase svāhā |
jvalitaśikhiśikhāya anādibodhāya śikhāyai vaṣaṭ |
vajriṇe vajrahastāya svatantrāya kavacāya huṃ |
śauṃ cauṃ hauṃ parato'luptaśaktaye netratrayāya vauṣaṭ |
ślīṃ paśu huṃ phaṭ anantaśaktaye astrāya phaṭ |
tathā ca yāmale:
sarvajñatātṛptiranādibodhaḥ svatantratā nityamaluptaśaktiḥ |
anantaśaktiśca vibhorvidhijñāḥ ṣaḍāhuraṅgāni maheśvarasya evaṃ
vinyasya dhyāyet
|| 9 ||

Dann setzt man die fünf Verse, beginnend mit Īśāna, auf die fünf Finger: 1. „Oṃ. Herr aller Wissensgebiete, Herr aller Wesen, Herr des Brahman, Oberherr des Brahman, Brahmā: Möge Śiva mir heilvoll sein, Sadāśiva, oṃ.“ 2. „Oṃ. Wir erkennen jenen Puruṣa; wir meditieren über Mahādeva. Möge jener Rudra uns anregen.“ 3. „Oṃ. Den Nichtfurchtbaren und den Furchtbaren, den furchtbaren und noch furchtbareren, überall allen, sämtlichen Rudragestalten sei Verehrung.“ 4. „Oṃ. Verehrung Vāmadeva, dem Ältesten, Rudra, dem Teilenden, dem Verwandeler der Stärke, dem Niederwerfer der Stärke, dem Bändiger aller Wesen und dem jenseits des Geistes.“ 5. „Oṃ. Ich nehme Zuflucht zu Sadyojāta; wahrlich Verehrung Sadyojāta. Im Werden, Nichtwerden und anfangslosen Werden wende dich mir zu; Verehrung dem Hervorbringer des Werdens.“ Ebenso setzt man diese Verse auf Scheitel, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße. Danach folgt ein weiterer Gliedernyāsa: „aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ sarvajñāya hṛdayāya namaḥ – dem Allwissenden“ am Herzen; „amṛte tejojvālāmāline tṛptaye śikhibrahmaṇe śirase svāhā – Unsterblicher, mit Lichtflammenkranz, der Erfülltheit, dem Feuerbrahman“ am Kopf; „jvalitaśikhiśikhāya anādibodhāya śikhāyai vaṣaṭ – dem mit flammender Feuerlocke, dem anfangslosen Wissen“ an der Haarlocke; „vajriṇe vajrahastāya svatantrāya kavacāya huṃ – dem Diamantbewaffneten, mit Diamant in der Hand, dem Unabhängigen“ am Schutzpanzer; „śauṃ cauṃ hauṃ parato'luptaśaktaye netratrayāya vauṣaṭ – der höchsten, niemals verlorenen Kraft“ an den drei Augen; „ślīṃ paśu huṃ phaṭ anantaśaktaye astrāya phaṭ – der unendlichen Kraft“ an der Waffe. Im Yāmala heißt es: Die Vorschriftenkundigen nennen Allwissenheit, Erfülltheit, anfangsloses Wissen, Unabhängigkeit, stets unverminderte Kraft und unendliche Kraft die sechs Glieder Maheśvaras. Nachdem man sie eingesetzt hat, meditiert man. [Die ungewöhnlichen Bījas und das Wort paśu stehen so in der Vorlage; ihre Ritualverbindung wird nicht verändert.]

P2-0591 · Originalnummer 11
tataḥ śaivoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā mūlena mūrtiṃ
saṅkalpya āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabhet |
yathā:
aiśānyāṃ oṃ īśānāya namaḥ pūrve oṃ tatpuruṣāya namaḥ dakṣiṇe
oṃ aghorāya namaḥ uttare oṃ vāmadevāya namaḥ paścime oṃ
sadyojātāya namaḥ |
īśānādikoṇeṣu oṃ nivṛttyai namaḥ evaṃ pratiṣṭhāyai vidyāyai
śāntyai |
tato'ṣṭapatreṣu pūrvādikrameṇa oṃ anantāya namaḥ evaṃ sūkṣmāya
śivottamāya ekanetrāya ekarudrāya trimūrtaye śrīkaṇṭhāya
śikhaṇḍine tadbāhye uttarādikrameṇa oṃ umāyai namaḥ evaṃ
caṇḍeśvarāya nandine mahābalāya gaṇeśāya vṛṣāya
bhṛṅgarīṭāya skandāya |
tadbāhye pūrvādikrameṇa indrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 11 ||

Nach der śaivischen Sitzverehrung meditiert man erneut, bildet mit dem Grundmantra die Gestalt und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung: im Nordosten Īśāna, im Osten Tatpuruṣa, im Süden Aghora, im Norden Vāmadeva, im Westen Sadyojāta, jeweils mit oṃ und namaḥ. In den Ecken, beginnend im Nordosten, Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā und Śānti. Auf den acht Blättern, im Osten beginnend, Ananta, Sūkṣma, Śivottama, Ekanetra, Ekarudra, Trimūrti, Śrīkaṇṭha und Śikhaṇḍin. Außen, im Norden beginnend, Umā, Caṇḍeśvara, Nandin, Mahābala, Gaṇeśa, Vṛṣa, Bhṛṅgarīṭa und Skanda. Noch weiter außen, im Osten beginnend, Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0592 · Originalnummer 12
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
evaṃ dhyātvā japenmantraṃ pañcalakṣaṃ madhuplutaiḥ |
prasūnaiḥ karavīrotthairjuhuyāttaddaśāṃśataḥ
|| 12 ||

Die Prosa nennt als Puraścaraṇa 100.000 Wiederholungen. Das folgende Zitat lautet jedoch: Nach dieser Meditation soll man das Mantra fünf Lakh-mal, also 500.000-mal, wiederholen und ein Zehntel mit honiggetränkten Karavīrablüten im Feuer opfern. [Die beiden Wiederholungszahlen widersprechen sich in der Vorlage.]

P2-0593 · Originalnummer 13
mantrāntaram
bhuvaneśo praṇavaṃ namaḥ śivāya bhuvaneśī punaraṣṭākṣaro
manuḥ
|| 13 ||

Ein anderes Mantra: Bhuvaneśī, oṃ, „namaḥ śivāya“ und erneut Bhuvaneśī ergeben das achtsilbige Mantra hrīṃ oṃ namaḥ śivāya hrīṃ – Verehrung Śiva.

P2-0594 · Originalnummer 14
tathā ca nibandhe:
ṣaḍakṣaraḥ śaktiruddhaḥ kathito'ṣṭākṣaro manuḥ |
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi-śauvoktapīṭhamanvantaṃ pīṭhanyāsaṃ vidhāya
ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi vāmadevāya ṛṣaye namaḥ, mukhe paṃkticchandase namaḥ, hṛdi
umāpataye devatāyai namaḥ
|| 14 ||

Im Nibandha heißt es: Das sechssilbige Mantra, von Śakti umschlossen, wird als achtsilbig bezeichnet. Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen und dem śaivischen Sitznyāsa bis zum Sitzmantra folgt der Sehernyāsa: Vāmadeva auf dem Kopf, Paṅkti am Mund und Umāpati am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0595 · Originalnummer 15
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
naṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
maṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
śiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
vāṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
yaṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 15 ||

Der Handnyāsa: oṃ an den Daumen mit namaḥ; naṃ an den Zeigefingern mit svāhā; maṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; śiṃ an den Ringfingern mit huṃ; vāṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; yaṃ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern.

P2-0596 · Originalnummer 16
tato dhyānam:
vandhūkābhaṃ trinetraṃ śaśiśakaladharaṃ smeravaktraṃ vahantaṃ,
hastaiḥ śūlaṃ kapālaṃ varadamabhayadaṃ cāruhāsaṃ namāmi |
vāmorustambhagāyāḥ karatalavilasaccāruraktotpalāya,
hantenāśliṣṭadehaṃ maṇimaya- vilasadbhūṣaṇāyāḥ priyāyāḥ ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjyārghyasthāpanaṃ kṛtvā
śaivoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabhet |
yathā:
keśareṣvagninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca oṃ hṛdayāya
namaḥ, naṃ śirase svāhā, maṃ śikhāyai vaṣaṭ, śiṃ kavacāya huṃ,
vāṃ netratrayāya vauṣaṭ, yaṃ astrāya phaṭ |
tato pūrvādidikṣu ca oṃ hṛllekhāyai namaḥ, evaṃ gaganāyai raktāyai
karālikāyai mahocchuṣmāyai |
tataḥ patreṣu pūrvādi vṛṣabhādīnpūjayet |
oṃ vṛṣabhāya namaḥ evaṃ kṣetrapālāya caṇḍeśvarāya durgāyai
kārtikeyāya nandine vighnanāśakāya senāpataye |
tataḥ pūrvavatpatreṣu umādīnpūjayet |
tadbāhye brahmyādyā mātaraḥ pūjyāḥ |
brāhmī māheśvarī kaumārī vaiṣṇavī vārāhī indrāṇī cāmuṇḍā
mahālakṣmīḥ |
tadbahirindrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 16 ||

Die Meditation: Ich verneige mich vor ihm, rot wie die Bandhūkablüte, mit drei Augen, Mondsichel, lächelndem Gesicht und schönem Lachen. Seine Hände tragen Dreizack und Schädelschale und zeigen Gabe und Furchtlosigkeit. Die mit leuchtendem Edelsteinschmuck gezierte Geliebte sitzt auf seinem linken Oberschenkel; ihre Hand trägt einen schönen roten Lotus, und mit ihrer anderen Hand umarmt sie seinen Körper. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, richtet das Arghya ein und vollzieht die śaivische Sitzverehrung. Erneut folgen Meditation, Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung auf den Staubfäden in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen: oṃ am Herzen mit namaḥ, naṃ am Kopf mit svāhā, maṃ an der Haarlocke mit vaṣaṭ, śiṃ am Schutzpanzer mit huṃ, vāṃ an den drei Augen mit vauṣaṭ, yaṃ an der Waffe mit phaṭ. Danach, im Osten beginnend, Hṛllekhā, Gaganā, Raktā, Karālikā und Mahocchuṣmā. Auf den Blättern Vṛṣabha, Kṣetrapāla, Caṇḍeśvara, Durgā, Kārttikeya, Nandin, Vighnanāśaka und Senāpati; danach wie zuvor Umā und die übrigen auf den Blättern. Außen die Mütter Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī. Weiter außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Der Meditationsvers hat „hantena“ statt einer sicheren Handbezeichnung; die Umarmung ist erkennbar.]

P2-0597 · Originalnummer 17
asya puraścaraṇaṃ caturdaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
manulakṣaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśaṃ yathāvidhi |
juhuyānmadhurāsiktairāragvadhasamidvaraiḥ |
āragvadhaḥ śoṇāluḥ
|| 17 ||

Das Puraścaraṇa beträgt vierzehn Lakh, also 1.400.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra vierzehn Lakh-mal und opfert vorschriftsmäßig ein Zehntel mit vorzüglichen Āragvadhahölzern, die mit süßen Stoffen benetzt sind. Āragvadha ist Śoṇālu.

P2-0598 · Originalnummer 18
mantrāntaram
tāro māyā prāsādaṃ namaḥ śivāyāṣṭākṣaroḥ manuḥ |
tathā ca nibandhe:
tāro māyā viyadvindumanusvārasamanvitam |
pañcākṣarasamāyukto vasuvarṇo manurmataḥ
|| 18 ||

Ein anderes Mantra: Tārā, Māyā, Prāsāda und „namaḥ śivāya“ ergeben das achtsilbige Mantra oṃ hrīṃ hauṃ namaḥ śivāya. Im Nibandha heißt es: Tārā, Māyā, der Raumlaut mit Bindu, Manu und Anusvāra, verbunden mit dem fünfsilbigen Mantra, bilden das achtsilbige Mantra. [Die Verschlüsselung des Prāsādabījas ist beschädigt; die Prosa nennt es eindeutig.]

P2-0599 · Originalnummer 19
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādiśaivoktapiṭhanyāsāntaṃ vidhāya pūrvokta
ṛṣyādinyāsa - karāṅganyāsānkuryāt
|| 19 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum śaivischen Sitznyāsa vollzieht man die zuvor beschriebenen Seher-, Hand- und Gliedernyāsas.

P2-0601 · Originalnummer 21
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya,
arghyasthāpanādipīṭhapūjāntaṃ vidhāya,
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāyāvaraṇapūjāṃ
kuryāt |
pūrvavadaṅgādi sampūjya patreṣvanantādīnpatrāgreṣu
umādīnpūjayet |
tadbahirindrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇamaṣṭalakṣajapaḥ ||
tathā ca:
aṣṭalakṣaṃ japedenaṃ manuṃ mantravidāṃ varaḥ |
tatsahasraṃ prajuhayātpāyasānnerghṛtaplutaiḥ
|| 21 ||

Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, vollzieht Arghyaeinrichtung und die weiteren Handlungen bis zur Sitzverehrung und danach Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung verehrt man die Glieder wie zuvor, auf den Blättern Ananta und die übrigen, an den Blattspitzen Umā und die übrigen, außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇa beträgt acht Lakh, also 800.000 Wiederholungen. Das Zitat bestätigt diese Zahl und achttausend Feueropfer mit buttergetränktem Milchreis.

P2-0602 · Originalnummer 22
mṛtyuñjayamantra :
tāraṃ sthirā sakarṇendurbhṛguḥ sargasamanvitaḥ |
tryakṣarātmā nigadito mantro mṛtyuñjayātmakaḥ |
sthirā jakāraḥ karṇa ūkāraḥ bhṛguḥ sakāraḥ
|| 22 ||

Das Mṛtyuñjayamantra: Tārā, Sthirā mit Ohr und Bindu und Bhṛgu mit Ausstoß bilden das dreisilbige Mantra des Todesüberwinders. Sthirā ist ja, Ohr ū, Bhṛgu sa. Daraus ergibt sich oṃ jūṃ saḥ.

P2-0603 · Originalnummer 23
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi - śaivoktaṃ pīṭhanyāsāntaṃ vidhāya ṛṣyādi
nyāsaṃ kuryāt |
śirasi kahola-ṛṣaye namaḥ |
mukhe devīgāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi mṛtyuñjayāya mahādevāya devatāyai namaḥ |
tathā ca:
ṛṣiḥ kaholo - devyādi - gāyatrīcchanda īritam |
mṛtyuñjayo mahādevo devatāsya prakīrtitā
|| 23 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum śaivischen Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa: Kahola auf dem Kopf, Devīgāyatrī am Mund und Mṛtyuñjaya Mahādeva am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel. Das Zitat bestätigt diese drei Zuordnungen.

P2-0604 · Originalnummer 24
tataḥ karāṅganyāsau:
sāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
sīṃ tarjanībhyāṃ svāhā sūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
saiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
sauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
saḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu ṣaḍdīrghabhājā sakāreṇa kuryāt |
tathā ca nibandhe:
bhṛguṇā dīrghayuktena kuryādaṅgakriyāṃ manoḥ
|| 24 ||

Der Handnyāsa: sāṃ an den Daumen mit namaḥ; sīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; sūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; saiṃ an den Ringfingern mit huṃ; sauṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; saḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, mit sa und den sechs langen Vokalen. Der Nibandha bestätigt die Gliederhandlung mit Bhṛgu, dem sa-Laut, verbunden mit den langen Vokalen.

P2-0605 · Originalnummer 25
tato dhyānam:
candrārkāgnivilocanaṃ smitamukhaṃ padmadvayāntaḥsthitaṃ,
mudrāpāśamṛgākṣasūtravilasatpāṇiṃ himāṃśuprabham |
koṭīrendugalatsudhāplutatanuṃ hārādibhūṣojjvalaṃ kāntyā
viśvavimohanaṃ paśupatiṃ mṛtyuñjayaṃ bhāvayet ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya arghyasthāpanādi - pīṭhapūjāṃ
vidhāya punardhyātvā arghyasthāpanādi - pīṭhapūjāṃ vidhāya
punardhyātvā āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tadyathā:
keśareṣu agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca sāṃ hṛdayāya namaḥ
ityādinā ṣaḍaṅgāni sampūjya, tadbahirindrādīnvajrādīṃśca
pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 25 ||

Die Meditation: Man vergegenwärtigt sich Paśupati Mṛtyuñjaya: Seine Augen sind Mond, Sonne und Feuer; er lächelt und steht zwischen zwei Lotussen. Seine Hände glänzen mit Mudrā, Schlinge, Antilope und Gebetskette. Er leuchtet wie der Mond, und sein Körper ist vom Nektar durchtränkt, der aus dem Mond seiner Krone fließt. Halsketten und weiterer Schmuck lassen ihn strahlen; mit seiner Schönheit verzaubert er die Welt. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, vollzieht Arghyaeinrichtung und Sitzverehrung, meditiert erneut, vollzieht nochmals Arghyaeinrichtung und Sitzverehrung und meditiert erneut. [Diese Wiederholung steht ausdrücklich in der Vorlage.] Nach Anrufung und den weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen folgt die Umkreisverehrung: auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen die sechs Glieder mit „sāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln; außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0606 · Originalnummer 25ka
asya puraścaraṇaṃ lakṣatrayajapaḥ ||
tathā ca:
guṇalakṣaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśaṃ viśāladhīḥ |
juhuyādamṛtākhaṇḍaiḥ śuddhadugdhājyaloḍitaiḥ
|| 25ka ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der weitsichtige Praktizierende wiederholt das Mantra 300.000-mal und opfert ein Zehntel mit Stücken von Amṛtā, vermischt mit reiner Milch und geklärter Butter.

P2-0607 · Originalnummer 26
athāparamṛtyuñjayamantraḥ
mṛtyuñjaya samuddhṛtya pālayadvitayaṃ vadet |
mṛtyuñjayaṃ samuccārya punarevaṃ vilomataḥ |
dvādaśārṇo'yaṃ mantraṃ syānmṛtyuñjayābhidho'paraḥ |
dhyānapūjādikaṃ sarvaṃ pūrvavacca samācaret
|| 26 ||

Ein weiteres Mṛtyuñjayamantra: Man nimmt das Mṛtyuñjayamantra, spricht zweimal pālaya, „beschütze“, nochmals Mṛtyuñjaya und dann dieselbe Lautfolge rückwärts. Dieses weitere Mantra des Todesüberwinders wird als zwölfsilbig bezeichnet. Meditation, Verehrung und alles Übrige erfolgen wie zuvor. [Ob „Mṛtyuñjaya“ hier den Namen oder die zuvor bezeichnete Bījafolge meint, bleibt im knapp formulierten Vers offen; eine unsichere Vollform wird nicht ergänzt.]

P2-0608 · Originalnummer 27
mantrāntaram :
praṇavo hṛdayaṃ paścāttato bhagavate padam |
ṅe'ntāñca dakṣiṇāmūrtiṃ mahyaṃ medhāmudīrayet |
prayaccha ṭhadvayānto'yaṃ dvāviṃśatyakṣaro manuḥ
|| 27 ||

Ein anderes Mantra: oṃ, die Herzformel, bhagavate, dakṣiṇāmūrti im Dativ, „mahyaṃ medhāṃ prayaccha“ und zweimal ṭha am Schluss ergeben das zweiundzwanzigsilbige Mantra: „oṃ namo bhagavate dakṣiṇāmūrtaye mahyaṃ medhāṃ prayaccha svāhā – Oṃ, Verehrung dem erhabenen Dakṣiṇāmūrti; schenke mir Erkenntniskraft, svāhā“.

P2-0609 · Originalnummer 28
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādiśaivoktapīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi caturmukhāya ṛṣaye namaḥ |
mukhe devīgāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi dakṣiṇāmūrttaye devatāyai namaḥ
|| 28 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die śaivischen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Caturmukha auf dem Kopf, Devīgāyatrī am Mund und Dakṣiṇāmūrti am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0610 · Originalnummer 29
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ āṃ oṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
oṃ īṃ oṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
oṃ ūṃ oṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
oṃ aiṃ oṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
oṃ auṃ oṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
oṃ aḥ oṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
tāraruddhaiḥ svarairdīrghaiḥ ṣaḍabhiraṅgāni kalpayet |
athavā mantrasambhūtaiḥ padairvā kalpayet kramāt |
tathā ca mānasollāse:
tribhiścaturbhiḥ ṣaḍabhiśca caturbhistribhi rakṣibhiḥ |
mantravarṇairvibhaktarvā kuryādaṅgakriyāṃ manorati
|| 29 ||

Der Handnyāsa verwendet jeweils oṃ vor und nach dem Vokal: āṃ an den Daumen mit namaḥ; īṃ an den Zeigefingern mit svāhā; ūṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; aiṃ an den Ringfingern mit huṃ; auṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; aḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: Die Glieder werden mit den sechs langen, von Tārā umschlossenen Vokalen gebildet; oder der Reihe nach mit den Worten des Mantras. Im Mānasollāsa heißt es: Die Gliederhandlung kann auch durch Aufteilung der Mantralaute in Gruppen von drei, vier, sechs, vier, drei und zwei Silben erfolgen. [Die letzte Zahlenverbindung des Zitats ist beschädigt; zwei wird durch akṣi, Auge, angezeigt.]

P2-0611 · Originalnummer 30
tato dhyānam:
vaṭa vṛkṣaṃ mahocchrāṃyai padmarāgaphalojjvalam |
gārutmatamayaiḥ patrairvicitraṃrupaśobhitam |
navaratnamahākalpairlambamānaralaṃkṛtam |
vicintya vaṭamūlasthaṃ cintayellokanāyakam |
sphaṭikarajatavarṇaṃ
mauktikimakṣamālāmamṛtakalasavidyājñānamudrāḥ karābjaiḥ
dadhatamuragakakṣaṃ candracūḍaṃ trinetraṃ, vidhṛtavividhabhūṣaṃ
dakṣiṇāmūrtimoḍe
|| 30 ||

Die Meditation: Man vergegenwärtigt sich einen sehr hohen Banyanbaum, strahlend mit rubinroten Früchten und wundervoll geschmückt mit smaragdenen Blättern. Herabhängender großer Schmuck aus neun Edelsteinen ziert ihn. An seiner Wurzel meditiert man über den Herrn der Welt. Ich preise Dakṣiṇāmūrti, kristall- und silberfarben, mit einer Perlgebetskette, Nektargefäß, Buch des Wissens und Erkenntnismudrā in seinen Lotushänden. Eine Schlange ist um seinen Leib gebunden; er trägt den Mond, besitzt drei Augen und vielfältigen Schmuck. [„mahocchrāṃyai“ und „lambamānaralaṃkṛtam“ sind beschädigt; Höhe und hängender Schmuck sind erkennbar.]

P2-0612 · Originalnummer 31
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya
arghyasthāpanādiśaivoktapīṭhapūjāntaṃ vidhāya punardhyātvā,
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya,
āvāraṇapūjāṃ kuryāt |
keśareṣu agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca oṃ āṃ oṃ hṛdayāya namaḥ
ityādinā ṣaḍaṅgāni pūjayet |
patreṣu pūrvādi oṃ sarasvatyai namaḥ, evaṃ brahmaṇe sanakāya
sanandāya sanātanāya sanatkumārāya śukāya vyāsāya |
tadvahiḥ pūrvādi siddhāya gandharvāya yogīndrāya vidyādharāya
tadbahirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣamekaṃ japenmantraṃ brahmacārī vrate sthitaḥ |
juhuyāt saghṛtaiḥ padmairdaśāṃśaṃ saṃskṛte'nale
|| 31 ||

Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, vollzieht die Handlungen von der Arghyaeinrichtung bis zur śaivischen Sitzverehrung, meditiert erneut und führt Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen aus. Bei der Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man die sechs Glieder mit „oṃ āṃ oṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln. Auf den Blättern, im Osten beginnend, mit oṃ und namaḥ Sarasvatī, Brahmā, Sanaka, Sananda, Sanātana, Sanatkumāra, Śuka und Vyāsa. Außen, im Osten beginnend, Siddha, Gandharva, Yogīndra und Vidyādhara; weiter außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Ein Brahmacārin, der sein Gelübde hält, wiederholt das Mantra 100.000-mal und opfert ein Zehntel mit butterbestrichenen Lotussen im rituell bereiteten Feuer.

P2-0613 · Originalnummer 32
mantrāntaram
agnisaṃvartakādityarānilauṣaṣṭhavindumat |
cintāmaṇiriti khyātaṃ bījaṃ sarvasamṛddhidam ||
asyārthaḥ:
agnī rephaḥ, saṃvartakaḥ kṣakāraḥ, ādityo makāraḥ, raḥ rephaḥ,
anilo yakāraḥ, au svarūpaṃ, ṣaṣṭha ūkāraḥ
|| 32 ||

Ein anderes Mantra: Feuer, Saṃvartaka, Āditya, ra, Wind, au, der sechste Vokal und Bindu bilden das Bīja namens Cintāmaṇi, das alle Fülle schenkt. Die Bedeutung der Verschlüsselung: Feuer ist ra, Saṃvartaka kṣa, Āditya ma, ra bezeichnet sich selbst, Wind ya, au bezeichnet sich selbst, der sechste Vokal ist ū. [Die nachfolgende Nyāsaliste enthält teils andere Konsonanten; deshalb wird keine vermeintlich sichere vollständige Bījaverbindung hergestellt.]

P2-0614 · Originalnummer 33
asya pūjā:
prātaḥ kṛtyādi-śaivoktaṃ pīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi kaśyapa-ṛṣaye namaḥ |
mukhe anuṣṭupchandase namaḥ |
hṛdi arddhanārīśvarāya devatāyai namaḥ
|| 33 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die śaivischen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Kaśyapa auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund und Arddhanārīśvara am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0615 · Originalnummer 34
tataḥ karāṅganyāsau:
raṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
kaṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
yaṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
maṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
raṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
yaṃ karatalaṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
rephādi - vyañjanaiḥ ṣaḍbhiḥ kuryādaṅgāni phaṭ kramāt
|| 34 ||

Der Handnyāsa: raṃ an den Daumen mit namaḥ; kaṃ an den Zeigefingern mit svāhā; yaṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; maṃ an den Ringfingern mit huṃ; raṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; yaṃ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Im Nibandha heißt es: Die Glieder werden der Reihe nach mit den sechs Konsonanten, beginnend mit ra, gebildet. [Das zusätzliche phaṭ innerhalb der Verszeile ist syntaktisch unklar.]

P2-0616 · Originalnummer 35
tato dhyānam:
nīlapravālaruciraṃ vilasattrinetraṃ,
pāśāruṇotpalakapālakaśūlahastam |
arddhāmbikeśamaṇiśaṃ pravibhaktabhūṣaṃ,
bālenduvaddhamukuṭaṃ praṇamāmi rūpam ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya arghyasthāpanaṃ kuryāt |
tataḥ śaivoktapīṭhapūjāṃ vidhāya, punardhyātvā,
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya,
āvaraṇapūjāmārabheta |
tadyathā:
keśareṣu agnyākoṇeṣu madhye dikṣu ca raṃ hṛdayāya namaḥ
ityādinā pūjayet |
tataḥ patreṣu pūrvavadvṛṣabhādīn, patrāgreṣu brāhmīṃ
māheśvarīṃ kaumārīṃ vaiṣṇavīṃ vārāhīṃ indraṇīṃ
cāmuṇḍāṃ mahālakṣmīñca pūjayet |
tadvahirindrādīn vajrādīṃśca sampūjya dhūpādi - visarjanāntaṃ
karma samāpayet
|| 35 ||

Die Meditation: Ich verneige mich stets vor der Gestalt, die zur Hälfte Ambikā und zur Hälfte ihr Herr ist, mit getrenntem Schmuck auf beiden Seiten. Sie glänzt blau und korallenrot, hat drei leuchtende Augen, trägt Schlinge, roten Lotus, Schädelschale und Dreizack und eine mit dem jungen Mond geschmückte Krone. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben und richtet das Arghya ein. Nach śaivischer Sitzverehrung und erneuter Meditation folgen Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „raṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Blättern Vṛṣabha und die übrigen wie zuvor, an den Blattspitzen Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī. Außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen; dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0617 · Originalnummer 36
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣamekaṃ japenmantramitthaṃ mantrī vicintayan |
ayutaṃ madhurāsiktairjuhuyāttilataṇḍulaiḥ
|| 36 ||

Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Der Mantrapraktizierende meditiert so, wiederholt das Mantra 100.000-mal und opfert zehntausendmal mit Sesam und Reiskörnern, die mit süßen Stoffen benetzt sind.

P2-0618 · Originalnummer 37
mantrāntaram
pārśvo vahnisamārūḍhastāravānādyabījakam |
dhānto vahnisamārūḍhastūryasvarasamanvitaḥ |
vindumāṃstu dvitīyaḥ syāt ṭāntaḥ sargī tṛtīyakaḥ |
śāradāyām:
lohito'gnyāsanaḥ satyāmindumān prathamaṃ punaḥ |
dvitīyā vahnibījasthā dīrghā śāntīndubhūṣitā |
tṛtīyo lāṅgalī sargī mantro bījatrayānvitaḥ |
nīlakaṇṭhātmako mantro viṣadvayaharaḥ paraḥ
|| 37 ||

Ein anderes Mantra: Pārśva auf dem Feuer mit Tārā ist das erste Bīja; der Endlaut der dha-Reihe auf dem Feuer mit dem vierten Vokal und Bindu das zweite; der Endlaut der ṭa-Reihe mit Ausstoß das dritte. In der Śāradā heißt es: Lohita auf dem Feuersitz mit Satya und Bindu ist das erste; die zweite Verbindung auf dem Feuerbīja trägt die lange Śānti und Bindu; das dritte ist Lāṅgalin mit Ausstoß. Dieses aus drei Bījas bestehende höchste Nīlakaṇṭhamantra beseitigt beide Arten von Gift. [Die folgende Lautliste gibt proṃ nrīṃ ṭhaṃ, während die Verschlüsselung beim letzten Bīja Visarga verlangt; die Überlieferung ist an mehreren Stellen widersprüchlich.]

P2-0619 · Originalnummer 38
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādiśaivoktapīṭhanyāsāntaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi aruṇa-ṛṣaye namaḥ |
mukhe anuṣṭupchandase namaḥ |
hṛdi nīlakaṇṭhāya devatāyai namaḥ
|| 38 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum śaivischen Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa: Aruṇa auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund und Nīlakaṇṭha am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0620 · Originalnummer 39
tataḥ karāṅganyāsau:
yathā:
hara hara svāhā aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
kaparddine svāhā tarjanībhyāṃ svāhā |
nīlakaṇṭhāya svāhā madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
kālakūṭaviṣabhakṣaṇāya huṃ phaṭ anāmikābhyāṃ huṃ |
nīlakaṇṭhine svāhā kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdādiṣu |
tathā ca nibandhe:
haradvayaṃ vahnijāyā hṛdayaṃ parikīrtitam |
kaparddine ṭhadvayañca śiromantraḥ udāhṛtaḥ |
nīlakaṇṭhāya ṭhadvandvaṃ śikhāmantraḥ samīritaḥ |
kālakūṭapadasyānte ṅeyutaṃ viṣabhakṣaṇam |
huṃ phaṭ kavacamākhyātaṃ vidvadbhirnīlakaṇṭhine |
svāhāntamantrametāni pañcāṅgāni manorviduḥ ||
tato mantranyāsaḥ:
mastake proṃ namaḥ, kaṇṭhe nrīṃ namaḥ, hṛdi ṭhaṃ namaḥ |
tathā ca:
mūrdhni kaṇṭhe hṛdambhoje kramādbījatrayaṃ nyaset |
tataḥ samāhito bhūtvā nīlakaṇṭhaṃ vicintayediti
|| 39 ||

Der Handnyāsa: „hara hara svāhā – nimm hinweg, nimm hinweg“ an den Daumen mit namaḥ; „kapardine svāhā – dem mit geflochtenem Haar“ an den Zeigefingern mit svāhā; „nīlakaṇṭhāya svāhā – dem Blauhalsigen“ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; „kālakūṭaviṣabhakṣaṇāya huṃ phaṭ – dem Verzehrer des Kālakūṭagifts“ an den Ringfingern mit huṃ; „nīlakaṇṭhine svāhā“ an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Der Nibandha bestätigt die Wortbildung und die Zuordnung von hara hara svāhā zum Herzen, kapardine svāhā zum Kopf, nīlakaṇṭhāya svāhā zur Haarlocke, kālakūṭaviṣabhakṣaṇāya huṃ phaṭ zum Schutzpanzer und nīlakaṇṭhine svāhā zur Waffe. Dann der Mantranyāsa mit namaḥ: proṃ auf dem Kopf, nrīṃ am Hals, ṭhaṃ am Herzen. Das Zitat bestätigt die drei Bījas an Scheitel, Hals und Herzlotus; danach meditiert man gesammelt über Nīlakaṇṭha.

P2-0621 · Originalnummer 40
tato dhyānam:
bālārkāyutatejasaṃ dhṛtajaṭājūṭendukhaṃḍojjvalaṃ, nāgendraiḥ
kṛtaśekharaṃ japavaṭī śūlaṃ kapālaṃ karaiḥ |
khaṭvāṅgaṃ dadhataṃ trinetravilasatpañcānanaṃ sundaraṃ,
vyāghratvakparidhānamabjanilayaṃ śrīnīlakaṇṭhaṃ bhaje ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya, arghyasthāpanaṃ kṛtvā,
śaivoktapīṭhapūjāṃ vidyāya, punardhyātvā, āvāhanādi -
pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya, āvaraṇapūjāmārabheta |
keśareṣvagnyādikoṇe madhye dikṣu ca hara hara svāhā hṛdayāya
namaḥ ityādinā pūjayet |
tataḥ indrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 40 ||

Die Meditation: Ich verehre Śrīnīlakaṇṭha, dessen Glanz zehntausend jungen Sonnen gleicht. Der Knoten seiner verfilzten Haare strahlt mit der Mondsichel; Schlangenkönige bilden seine Krone. Seine Hände tragen Gebetskette, Dreizack, Schädelschale und Khaṭvāṅga. Er hat fünf schöne Gesichter, die mit drei Augen leuchten, trägt ein Tigerfell und sitzt auf einem Lotus. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, richtet das Arghya ein, vollzieht die śaivische Sitzverehrung, meditiert erneut und führt Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen aus. Bei der Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „hara hara svāhā hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Danach verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen und vollendet die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0622 · Originalnummer 41
asya puraścaraṇaṃ trilakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣatrayaṃ japenmantraṃ daddaśāṃśaṃ sasarpiṣā |
haviṣā juhuyātsamyaksaṃskṛte havyavāhane
|| 41 ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 300.000-mal und opfert ein Zehntel vorschriftsmäßig mit einer Butter enthaltenden Opfergabe im rituell bereiteten Feuer.

P2-0623 · Originalnummer 1
mantrāntaram
praṇavo hṛnnīlakaṇṭhāyāṣṭākṣaro'paraḥ
|| 1 ||

Ein anderes Mantra: oṃ, Herzformel und nīlakaṇṭhāya ergeben das weitere achtsilbige Mantra oṃ namo nīlakaṇṭhāya.

P2-0624 · Originalnummer 2
kalpe:
tāro hṛnnīlakaṇṭhāya mantraścāṣṭākṣaraḥ paraḥ
|| 2 ||

Im Kalpa heißt es: Tārā, Herzformel und nīlakaṇṭhāya bilden das höchste achtsilbige Mantra.

P2-0626 · Originalnummer 4
athāparamantraḥ
hṛdayaṃ vaparaṃ sākṣi lānto'nantānvito marut |
pañcākṣaro manuḥ proktastārādyo'yaṃ ṣaḍakṣaraḥ
|| 4 ||

Ein weiteres Mantra: Herzformel, der folgende va-Laut mit Auge, der Endlaut der la-Reihe und Wind mit Ananta bilden das fünfsilbige Mantra; mit Tārā davor ist es sechssilbig. Der folgende Nyāsa bestätigt oṃ namaḥ śivāya. [Die Verschlüsselung „vaparaṃ sākṣi“ ist beschädigt; die ausgeschriebene Lautfolge des nächsten Abschnitts klärt die Mantraform.]

P2-0627 · Originalnummer 5
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi - śaivoktapīṭhamanvantaṃ samāpya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi vāmadevāya ṛṣaye namaḥ |
mukhe paṃkticchandase namaḥ, hṛdi īśānāya devatāyai namaḥ
|| 5 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen und der śaivischen Folge bis zum Sitzmantra folgt der Sehernyāsa: Vāmadeva auf dem Kopf, Paṅkti am Mund und Īśāna am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0628 · Originalnummer 6
tato mūrttinyāsaḥ:
tarjanyoḥ naṃ tatpuruṣāya namaḥ |
madhyamayoḥ maṃ aghorāya namaḥ |
kaniṣṭhayoḥ śiṃ sadyojātāya namaḥ |
anāmikayoḥ vāṃ vāmadevāya namaḥ |
aṃguṣṭhayoḥ yaṃ īśānāya namaḥ |
tathā ca nibandhe:
tāḥ syustatpuruṣāghorasadyovāmeśasaṃjñakāḥ |
mantravarṇādikā nyasetpañcamūrtīryathākramam ||
tarjanīmadhyamayorantyānāmikāṃguṣṭhake punaḥ |
evaṃ vaktre hṛdaye pādadvaye guhye mūrdhni tā nyaset |
evaṃ prāgyāmyavāruṇodīcyamadhyavaktreṣu tā nyaset ||
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ aṃguṣṭhābhyā namaḥ |
naṃ tarjanībhyāṃ svāhā ityādi |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
ṣaḍbhirvarṇaiḥ ṣaḍaṅgāni kuryānmantrasya deśikaḥ |
tato golakanyāsaḥ:
hṛdi oṃ namaḥ, vaktre naṃ namaḥ, aṃsayoḥ maṃ namaḥ śiṃ namaḥ,
ūrvo vāṃ namaḥ yaṃ namaḥ |
evaṃ kaṇṭhe nābhau pārśvadvaye pṛṣṭhe hṛdi mūrdhni vadane
netrayoḥ nasoḥ |
evaṃ karapatsandhiṣu sāgreṣu |
evaṃ śirovadanahṛtkukṣi ūrupādadvayeṣu ca |
evaṃ hṛdi vaktre ṭaṅkamṛgābhayavareṣu |
evaṃ vaktrāṃsahṛtpādorujaṭhareṣu |
tataḥ punarapi mūrdhniṃ bhālodarahṛdguhyeṣu ca tāḥ
pañcamūrtīrnyaset
|| 6 ||

Der Gestaltennyāsa: naṃ Tatpuruṣa an den Zeigefingern, maṃ Aghora an den Mittelfingern, śiṃ Sadyojāta an den kleinen Fingern, vāṃ Vāmadeva an den Ringfingern und yaṃ Īśāna an den Daumen, jeweils mit namaḥ. Das Zitat bestätigt diese fünf Gestalten mit den Mantralauten am Anfang und die Fingerfolge. Ebenso setzt man sie auf Gesicht, Herz, beide Füße, verborgene Stelle und Scheitel und auf die nach Osten, Süden, Westen, Norden und zur Mitte gerichteten Gesichter. Der Hand- und Gliedernyāsa beginnt mit oṃ an den Daumen mit namaḥ und naṃ an den Zeigefingern mit svāhā und wird entsprechend fortgesetzt; ebenso am Herzen. Der Nibandha erklärt, dass der Lehrer mit den sechs Mantralauten die sechs Glieder bildet. Dann der Golakanyāsa: oṃ am Herzen, naṃ am Gesicht, maṃ und śiṃ an beiden Schultern, vāṃ und yaṃ an beiden Oberschenkeln, jeweils mit namaḥ. Ebenso setzt man die sechs Laute auf Hals, Nabel, beide Seiten, Rücken und Herz; dann Scheitel, Gesicht, beide Augen und beide Nasenöffnungen; entsprechend auf Gelenke und Spitzen von Händen und Füßen; auf Kopf, Gesicht, Herz, Bauch, beide Oberschenkel und beide Füße; auf Herz, Gesicht, Beil, Antilope, Furchtlosigkeit und Gewährung; auf Gesicht, Schulter, Herz, Fuß, Oberschenkel und Bauch. Danach setzt man die fünf Gestalten erneut auf Scheitel, Stirn, Bauch, Herz und verborgene Stelle ein. [Die Listen sind teilweise zusammengezogen; die genannten Wiederholungen und Stellen bleiben erhalten.]

P2-0629 · Originalnummer 7
tato vyāpakanyāsaṃ kuryāt |
oṃ namo'stu bhūtāya jyotirliṅgāmṛtātmane |
caturmūrtivapuśchāyābhāsitāṅgāya sambhave |
ityanena vyāpakanyāsaṃ kuryāt
|| 7 ||

Dann vollzieht man den umfassenden Nyāsa mit: „oṃ namo'stu bhūtāya jyotirliṅgāmṛtātmane caturmūrtivapuśchāyābhāsitāṅgāya śambhave – Oṃ, Verehrung dem Seienden, dessen Wesen das Nektarlichtliṅga ist, dessen Glieder im Glanz seines viergestaltigen Körpers erstrahlen, Śambhu“. [Die Verbindung caturmūrtivapuśchāyā ist im Zusammenhang knapp und mehrdeutig.]

P2-0630 · Originalnummer 8
tato dhyānam:
dhyāyennityaṃ maheśaṃ rajatagirinibhaḥ cārucandrāvataṃsaṃ,
ratnākalpojjvalāṅgaṃ paraśumṛgavarābhītihastaṃ prasannam |
padmāsīnaṃ samantāt stutamamaragaṇairvyāghrakṛttiṃ vasānaṃ,
viśvādyaṃ viśvabījaṃ nikhila bhayaharaṃ pañcavaktraṃ trinetraṃ ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya, arghyasthāpanaṃ kuryāt
|| 8 ||

Die Meditation: Man meditiert stets über Maheśa, der dem Silberberg gleicht, die schöne Mondsichel als Schmuck trägt und mit Edelsteinschmuck strahlt. Freundlich trägt er in seinen Händen Beil und Antilope und zeigt Gewährung und Furchtlosigkeit. Er sitzt auf einem Lotus, wird ringsum von Götterscharen gepriesen und trägt Tigerfell. Er ist Ursprung und Samen des Universums, beseitigt alle Furcht, hat fünf Gesichter und drei Augen. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben und richtet das Arghya ein.

P2-0631 · Originalnummer 9
tataḥ śaivoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabhet |
yathā:
karṇikāyāṃ pūrvavadīśānādi pañcamūrttīḥ sampūjya keśareṣu
nivṛtyādikalāṃ pūrvavatpūjayet |
tato'gnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca oṃ hṛdayāya namaḥ, naṃ śirase
svāhā, maṃ śikhāyai vaṣaṭ, śiṃ kavacāya huṃ, vāṃ netratrayāya
vauṣaṭ, yaṃ astrāya phaṭ |
iti pūjayet |
tataḥ pūrvavadanantādīnpūjayet |
tata uttarādikrameṇa vāmāvarttena umādīnpūjayet |
tato indrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 9 ||

Nach der śaivischen Sitzverehrung meditiert man erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Auf dem Fruchtboden verehrt man wie zuvor die fünf Gestalten, beginnend mit Īśāna; auf den Staubfäden die Kräfte, beginnend mit Nivṛtti. In den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen: oṃ am Herzen mit namaḥ, naṃ am Kopf mit svāhā, maṃ an der Haarlocke mit vaṣaṭ, śiṃ am Schutzpanzer mit huṃ, vāṃ an den drei Augen mit vauṣaṭ und yaṃ an der Waffe mit phaṭ. Danach verehrt man Ananta und die übrigen wie zuvor; Umā und die übrigen im Norden beginnend gegen den Uhrzeigersinn. Dann Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Schließlich vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0632 · Originalnummer 10
asya puraścaraṇaṃ ṣaṭtriṃśallakṣajapaḥ |
pāyasairājyasammiśraiḥ ṣaṭtriṃśatsahasrahomaḥ |
tathā ca:
tattvalakṣaṃ japenmantraṃ dīkṣitaḥ śaivavartmanā |
tāvatsaṃkhyasahasrāṇi juhuyātpāyasaiḥ śubhaiḥ ||
atra tattvaśabdena ṣaṭtriṃśattattvamucyate antaraṅgatvāt
|| 10 ||

Das Puraścaraṇa beträgt sechsunddreißig Lakh, also 3.600.000 Wiederholungen, und sechsunddreißigtausend Feueropfer mit Milchreis, vermischt mit geklärter Butter. Dazu heißt es: Wer auf dem śaivischen Weg initiiert ist, wiederholt das Mantra tattva-Lakh-mal und opfert dieselbe Zahl an Tausenden mit gutem Milchreis. Hier bezeichnet tattva wegen der inneren Zugehörigkeit die sechsunddreißig Prinzipien.

P2-0633 · Originalnummer 11
mantrāntaram
arghīśo vahniśikharo lāntastho dānda īritaḥ |
phaḍantaścaṇḍamantro'yaṃ trivarṇātmā samīritaḥ
|| 11 ||

Ein anderes Mantra: Arghīśa, Feuer an der Spitze, der Endlaut der la-Reihe; „dānda“ wird genannt. Mit phaṭ am Schluss wird dieses Caṇḍamantra als dreisilbig bezeichnet. [Die Zeile ist beschädigt, besonders dānda; eine sichere vollständige Lautform kann daraus nicht hergestellt werden.]

P2-0634 · Originalnummer 12
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādiśaivoktapīṭhanyāsāntaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
yathā:
śirasi trita-ṛṣaye namaḥ, mukhe anuṣṭupchandase namaḥ hṛdi
caṇḍeśvarāya devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
asya trito muniḥ proktaśchando'nuṣṭubudāhṛtam |
caṇḍeśvaro devatā ityādi
|| 12 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum śaivischen Sitznyāsa folgt der Sehernyāsa: Trita auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund und Caṇḍeśvara am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel. Der Nibandha bestätigt diese drei Zuordnungen.

P2-0635 · Originalnummer 13
tataḥ karāṅganyāsau:
dīpta phaṭ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
jvala phaṭ tarjanībhyāṃ svāhā |
jvālinī phaṭ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
jñeya phaṭ anāmikābhyāṃ huṃ |
hana phaṭ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
sarvajvālini phaṭ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu ||
tathā ca prapañcasāre:
dīptajvalajvālinīti jñeyena tu hanena ca |
sarvajvālinisaṃyuktaiḥ phaḍantairaṅgamācaret
|| 13 ||

Der Handnyāsa: dīpta phaṭ, „leuchtend“, an den Daumen mit namaḥ; jvala phaṭ, „flamme“, an den Zeigefingern mit svāhā; jvālinī phaṭ, „Flammende“, an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; jñeya phaṭ, „zu Erkennender“, an den Ringfingern mit huṃ; hana phaṭ, „schlage“, an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; sarvajvālini phaṭ, „Allflammende“, an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Der Prapañcasāra bestätigt die Gliederhandlung mit diesen sechs auf phaṭ endenden Ausdrücken. [Die Anreden wechseln in der Vorlage das grammatische Geschlecht; die ungewöhnliche Lesung jñeya bleibt erhalten.]

P2-0636 · Originalnummer 14
tato dhyānam:
caṇḍeśvaraṃ raktatanuṃ trinetraṃ, raktāṃśukāḍhyaṃ hṛdi
bhāvayāmi |
ṭaṅkaṃ triśūlaṃ sphaṭikākṣamālāṃ, kamaṇḍaluṃ
vibhrataminducūḍam ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjyārghyasthāpanaṃ kuryāt
|| 14 ||

Die Meditation: Im Herzen vergegenwärtige ich mir Caṇḍeśvara, mit rotem Körper, drei Augen und rotem Gewand. Er trägt Beil, Dreizack, Kristallgebetskette und Wassergefäß; der Mond schmückt sein Haupt. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben und richtet das Arghya ein.

P2-0637 · Originalnummer 15
tataḥ śaivoktapīṭhapūjāṃ vidhāya ṭhamiti bījena mūrtiṃ saṅkalpya,
punardhyātvā āvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
āvaraṇapūjāmārabhet |
tadyathā:
aṅgaiḥ prathamamāvaraṇaṃ mātṛbhirdvitīyaṃ indrādibhistṛtīyaṃ
vajrādibhiścaturtham |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 15 ||

Nach der śaivischen Sitzverehrung bildet man die Gestalt mit dem Bīja ṭhaṃ, meditiert erneut und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung: erster Umkreis die Glieder, zweiter die Mütter, dritter Indra und die übrigen Richtungshüter, vierter Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung.

P2-0638 · Originalnummer 16
asya puraścaraṇaṃ trilakṣajapaḥ |
tathā ca:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ homaḥ kuryāddaśāṃśataḥ |
madhuratrayasaṃyuktaiḥ śuddhaiśca tilataṇḍulaiḥ iti śivamantrāḥ
|| 16 ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra ein Lakh pro Silbe und vollzieht ein Feueropfer von einem Zehntel mit reinen Sesam- und Reiskörnern, verbunden mit den drei süßen Stoffen. Damit enden die Śivamantras.

P2-0639 · Originalnummer 17
atha kṣetrapālamantraḥ
mantradevaprakāśikāyām:
kṣaumiti bījādikṣetrapālāya ityupetanamo'ntaḥ |
ayaṃ praṇavādirvā mantraḥ ||
tathā ca:
varṇāntyamauvinduyutaṃ kṣetrapālāya hṛnmanuḥ |
tārādyo vasuvarṇo'yaṃ |
kṣetrapālasya īritaḥ
|| 17 ||

Nun das Kṣetrapālamantra. In der Mantradevaprakāśikā heißt es: Das Bīja kṣauṃ am Anfang, danach kṣetrapālāya und namaḥ; das Mantra kann auch mit oṃ beginnen. Das Zitat erklärt den letzten Alphabetlaut mit au und Bindu, dann kṣetrapālāya und Herzformel als das mit Tārā beginnende achtsilbige Mantra Kṣetrapālas. Die beiden Formen sind kṣauṃ kṣetrapālāya namaḥ und oṃ kṣauṃ kṣetrapālāya namaḥ.

P2-0640 · Originalnummer 18
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi prāṇāyāmāntaṃ vidhāya dharmādikalpitaṃ
pīṭhaṃ vinyasya ṛṣādinyāsaṃ kuryāt |
yathā:
asya brahma ṛṣiranuṣṭupchandaḥ kṣetrapālo devatā kṣauṃ bījaṃ
ātmeti śaktiḥ ṣaḍdīrghayuktena bījenaivāṅganyāsaṃ
|| 18 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Atemregelung setzt man den aus Dharma und den übrigen Kräften gebildeten Sitz ein und vollzieht den Sehernyāsa. Brahmā ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß, Kṣetrapāla die Gottheit, kṣauṃ das Bīja und „ātman“ die Kraft. Den Gliedernyāsa vollzieht man mit dem Bīja selbst, versehen mit den sechs langen Vokalen.

P2-0642 · Originalnummer 20
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
sājyena caruṇā daśāṃśahomaḥ |
tathā ca nibandhe:
lakṣamekaṃ japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ |
caruṇā ghṛtasiktena tataḥ kṣetreśamarcayet
|| 20 ||

Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen und ein Zehntel Feueropfer mit butterhaltigem Caru, gekochter Opfergabe. Im Nibandha heißt es: Man wiederholt das Mantra 100.000-mal, opfert ein Zehntel mit butterbenetztem Caru und verehrt dann den Herrn des Feldes.

P2-0643 · Originalnummer 21
mantradevaprakāśikāyāntu:
praṇavarahito'yaṃ mantraḥ |
tasya puraścaraṇamayutasaṃkhyako japaḥ
|| 21 ||

In der Mantradevaprakāśikā wird dieses Mantra ohne oṃ gelehrt. Für diese Form beträgt das Puraścaraṇajapa zehntausend Wiederholungen.

P2-0644 · Originalnummer 22
athāsya balividhānama
rātrau gṛhāṅgane sthaṇḍilaṃ kṛtvā, tatra devaṃ saparivāraṃ
sampūjya, devasya karasthitakapāle balimantreṇa trivāraṃ valiṃ dattvā,
parivārebhyaḥ svasvanāmabhirbaliṃ dadyāt
|| 22 ||

Nun seine Baliopferregel: Nachts bereitet man im Hof des Hauses eine Opferfläche, verehrt dort den Gott samt Gefolge, reicht dreimal mit dem Balimantra eine Opfergabe in die Schädelschale in seiner Hand und gibt anschließend dem Gefolge mit den jeweiligen Namen Opfergaben.

P2-0645 · Originalnummer 23
valimantrastu:
ehyehi viduṣi saru suru bhañjaya bhañjaya tarjaya tarjaya vighna vighna
mahābhairava kṣetrapāla valiṃ gṛhṇa gṛhṇa svāhā |
tathā ca:
pūrvamehidvayaṃ paścādviduṣi syāt surudvayam |
bhañjayadvitayaṃ bhūyastarjayadvitayaṃ punaḥ |
tato vighnapadadvandvaṃ mahābhairava tatparam |
kṣetrapāla valiṃ gṛhṇadvayaṃ pāvakasundarī ||
yadvā:
ehyehi turu turu suru suru jambha jambha hana hana vighnaṃ nāśaya
nāśaya mahābaliṃ kṣetrapāla gṛhṇa gṛhṇa svāha iti |
eṣa balividhiḥ sarvagrahanivārako vijayaśrīkaraśca bhavati
|| 23 ||

Das Balimantra: „ehyehi viduṣi saru suru bhañjaya bhañjaya tarjaya tarjaya vighna vighna mahābhairava kṣetrapāla baliṃ gṛhṇa gṛhṇa svāhā – Komm, komm, Wissender; saru suru; zerbrich, zerbrich; bedrohe, bedrohe; vighna vighna; großer Bhairava, Kṣetrapāla, nimm die Opfergabe, nimm sie; svāhā.“ Das Zitat bestätigt zweimal ehi, viduṣi, zweimal suru, zweimal bhañjaya, zweimal tarjaya, zweimal vighna, mahābhairava, kṣetrapāla, baliṃ, zweimal gṛhṇa und die Feuergemahlin. Oder: „ehyehi turu turu suru suru jambha jambha hana hana vighnaṃ nāśaya nāśaya mahābaliṃ kṣetrapāla gṛhṇa gṛhṇa svāhā – Komm, komm; turu turu, suru suru; lähme, lähme; schlage, schlage; vernichte, vernichte das Hindernis; Kṣetrapāla, nimm die große Opfergabe, nimm sie; svāhā.“ Diese Baliordnung beseitigt alle Grahas und bewirkt Sieg und Wohlstand. [Saru/suru und die Form viduṣi sind unsicher überliefert; die klanglichen Anrufungsteile bleiben unübersetzt stehen.]

P2-0647 · Originalnummer 25
atha vaṭukabhairavamantraḥ
caturthyantavaṭukāyeti āpaduddhāraṇacaturthyantaśabdopeta -
kurudvayukta caturthyantavaṭuka -
śabdopetahṛllekhāsaṃpuṭitamekaviṃśatyakṣaram |
tathā ca nibandhe:
uddharedvaṭukaṃ ṅe'ntamāpaduddharaṇaṃ tathā |
kurudvayaṃ punarṅe'ntaṃ vaṭukāntaṃ samuddharet |
ekaviṃśatyakṣarātmā śaktiruddho mahāmanuḥ
|| 25 ||

Nun das Vaṭukabhairavamantra: vaṭukāya im Dativ, āpaduddhāraṇa im Dativ, zweimal kuru, nochmals vaṭuka im Dativ, umschlossen von Hṛllekhā, bilden das einundzwanzigsilbige große Mantra. Der Nibandha bestätigt dieselbe Folge: „hrīṃ vaṭukāya āpaduddhāraṇāya kuru kuru vaṭukāya hrīṃ – Hrīṃ, Vaṭuka, dem Retter aus Not, vollbringe es, vollbringe es, Vaṭuka; hrīṃ.“

P2-0648 · Originalnummer 26
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi prāṇāyāmāntaṃ vidhāya pīṭhanyāsaṃ kuryāt |
tadyathā:
dharmādyanaiśvaryāntaṃ dehe vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
śirasi bṛhadāraṇyaka-ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ,
hṛdi vaṭukabhairavāya devatāyai namaḥ
|| 26 ||

Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Atemregelung vollzieht man den Sitznyāsa. Man setzt am Körper die Reihe von Dharma bis zur fehlenden Herrschermacht ein und vollzieht den Sehernyāsa: Bṛhadāraṇyaka auf dem Kopf, Gāyatrī am Mund und Vaṭukabhairava am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

P2-0649 · Originalnummer 27
tato mūrtinyāsaḥ:
hroṃ voṃ īśānānya namaḥ aṃguṣṭhayoḥ |
hreṃ veṃ tatpuruṣāya namaḥ tarjanyoḥ |
hruṃ vuṃ aghorāya namaḥ madhyamayoḥ hriṃ viṃ vāmadevāya
namaḥ anāmikayoḥ |
hraḥ vaḥ sadyojātāya namaḥ kaniṣṭhayoḥ |
punastattadaṃgulībhiḥ śirovadanahṛdraguhyapādeṣu
tattadvījādikāstanmūrttīrnyaset |
tathā ūrdhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣu ca tā nyaset |
tathā ca nibandhe:
aṃgulīdehaktreṣu mūrttīrnyasyedyathā purā |
satyādipañcahrasvāḍhyaśaktibījapuraḥsaram || vakāraṃ
pañcahrasvāḍhyamīśānādiṣu yojayediti
|| 27 ||

Der Gestaltennyāsa: hroṃ voṃ Īśāna an den Daumen; hreṃ veṃ Tatpuruṣa an den Zeigefingern; hruṃ vuṃ Aghora an den Mittelfingern; hriṃ viṃ Vāmadeva an den Ringfingern; hraḥ vaḥ Sadyojāta an den kleinen Fingern, jeweils mit namaḥ. Mit denselben Fingern setzt man die Gestalten und ihre Bījas erneut auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße sowie auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter. Im Nibandha heißt es: Wie zuvor setzt man die Gestalten auf Finger, Körper und Gesichter, mit dem Śaktibīja, das die fünf kurzen Vokale trägt, am Anfang; ebenso verbindet man va mit den fünf kurzen Vokalen für Īśāna und die übrigen. [Beim fünften Paar steht hraḥ vaḥ statt der nach der Kurzvokalregel erwartbaren haṃ/vaṃ-Form; die Vorlage wird beibehalten.]

P2-0650 · Originalnummer 28
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ hrāṃ vāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
oṃ hrāṃ vāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
ṣaḍdīrghabhājā bījadvayena kuryāt |
tathā ca nibandhe:
ṣaḍdīrghayuktayā śaktyā vakāreṇa tattathā |
aṅgāni jātiyuktāni praṇavādyāni kalpayet
|| 28 ||

Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „oṃ hrāṃ vāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und „oṃ hrāṃ vāṃ hṛdayāya namaḥ“. Man verwendet beide Bījas mit den sechs langen Vokalen. Der Nibandha bestätigt: Śakti und va, jeweils mit den sechs langen Vokalen, mit den Abschlussformeln und oṃ am Anfang, bilden die Glieder.

P2-0651 · Originalnummer 29
tato dhyānam:
asya dhyānaṃ tridhā proktaṃ sāttvikādiprabhedataḥ |
tatra sāttvikai yathā:
vande bālaṃ sphaṭikasadṛśaṃ kuṇḍalīdbhāsivaktraṃ,
divyākalpairnavamaṇimayaiḥ kiṅkiṇīnūpurādyaiḥ |
dīptākāraṃ viśadavadanaṃ suprasannaṃ trinetraṃ, hastabjābhyāṃ
vaṭukamaniśaṃ śūladaṇḍau dadhānam
|| 29 ||

Die Meditation wird nach Sattva, Rajas und Tamas in drei Formen gelehrt. Die sattvige lautet: Ich verehre stets den jungen Vaṭuka, kristallgleich, dessen Gesicht mit Ohrringen strahlt. Himmlischer Schmuck aus neun Edelsteinen, klingende Glöckchen und Fußringe lassen seine Gestalt leuchten. Sein Gesicht ist klar und ganz freundlich; er besitzt drei Augen und trägt in seinen Lotushänden Dreizack und Stab.

P2-0658 · Originalnummer 36
(citra 26)
tato mūlena mūrtiṃ saṅkalpya pūrvavaddhyātvā āvāhanādikaṃ
kuryāt ||
tatra kramaḥ:
mūlādisadyojātamantreṇāvāhanam |
mūlādivāmadevena sthāpanam |
mūlena sānnidhyam |
aghoreṇa sannirodhanam |
tatpuruṣeṇa yonimudrāpradarśanam |
īśānena vandanamiti viśeṣaḥ |
karṇikāyāṃ dikṣu koṇeṣu īśānādīnyajet |
etatprathamāvaraṇam |
tato vyomapaṅkajadaleṣu asitāṅgādīnbhairavānyajet
|| 36 ||

[Die Vorlage verweist auf Abbildung 26.] Dann bildet man mit dem Grundmantra die Gestalt, meditiert wie zuvor und vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen. Die besondere Reihenfolge: Anrufung mit dem Sadyojātamantra nach dem Grundmantra; Aufstellung mit Vāmadeva nach dem Grundmantra; Herbeiführung der Gegenwart mit dem Grundmantra; Festhalten mit Aghora; Zeigen der Yonimudrā mit Tatpuruṣa; Verneigung mit Īśāna. Auf dem Fruchtboden in Richtungen und Ecken verehrt man Īśāna und die übrigen; dies ist der erste Umkreis. Auf den Blättern des Raumlotus verehrt man anschließend die Bhairavas, beginnend mit Asitāṅga.

P2-0660 · Originalnummer 38
tataḥ ṣaṭkoṇeṣu pūrvādi oṃ hrāṃ vāṃ hṛdayāya namaḥ ityādinā
ṣaḍaṅgāni pūjayet
|| 38 ||

Dann verehrt man an den sechs Ecken, im Osten beginnend, die sechs Glieder mit „oṃ hrāṃ vāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln.

P2-0661 · Originalnummer 39
tataḥ pūrvādito ḍākinī - rākinī - lākinī - kākinī - śākinī -
hākinī - mālinī - devī - putrānpūjayet, etattṛtīyāvaraṇam |
aṣṭadikṣu umāputrān rudraputrānmātṛputrāndakṣiṇato yajet |
ūrddhve-ūrdhvamukhīputrān adho'dhomukhīputrānpūjayet,
etaccaturthāvaraṇam |
tathā ca śāradāyām:
pūrvādīśānaparyantaṃ tadbahiḥ pūjayedimān |
ḍākinīputrakānpūrvaṃ rākiṇī - putrakāṃstataḥ |
lākinīputrakānpaścātkākinīputrakāṃstathā |
śākinī - ptrakānbhūyo hākinīputrakānpunaḥ |
mālinī putrakānpaścāddevoputrāṃstataḥ param |
tathomārudramātṝṇāṃ putrān dakṣiṇato nyaset |
ūrdhvamukhyā sutānūrdhvamadhomukhāḥ sutānadhaḥ |
iti sampūjayenmantrī putravargāṃstrayodaśa iti
|| 39 ||

Danach verehrt man, im Osten beginnend, die Söhne von Ḍākinī, Rākinī, Lākinī, Kākinī, Śākinī, Hākinī, Mālinī und Devī; dies ist der dritte Umkreis. In den acht Richtungen verehrt man sie; im Süden die Söhne Umās, Rudras und der Mütter. Oben die Söhne Ūrdhvamukhīs, unten die Söhne Adhomukhīs. Dies ist der vierte Umkreis. Die Śāradā bestätigt: außen vom Osten bis zum Nordosten die acht Sohnsgruppen in dieser Reihenfolge, im Süden die von Umā, Rudra und den Müttern, oben die von Ūrdhvamukhī, unten die von Adhomukhī. So verehrt der Mantrapraktizierende die dreizehn Sohnsgruppen. [Die Prosa trennt dritten und vierten Umkreis, während das Zitat die dreizehn Gruppen zusammen beschreibt.]

P2-0662 · Originalnummer 40
tadbahiraṣṭadaleṣu dikpālānvaṭukarūpānpūjayet |
tadbahiḥ pūrve oṃ brahmāṇīputrāya namaḥ, evaṃ īśāne
māheśvarīputrāya, uttare vaiṣṇavīputrāya, anile kaumārīputrāya,
paścime indrāṇīputrāya, nair-ṛte mahālakṣmīputrāya, yāmye
vārāhī putrāya, agnikoṇe cāmuṇḍāputrāya, etatpañcamāvaraṇam |
tathā ca nibandhe:
brahmāṇīputrakaṃ pūrve māheśīputramaiśvare |
vaiṣṇavīputrakaṃ saumye kaumārīputramānile |
indrāṇīputrakaṃ bhūyaḥ paścime pūjayettataḥ |
mahālakṣmīsutaṃ paścādrakṣodiśi samarcayet |
vārāhīputrakaṃ yāmye cāmuṇḍāputramānala |
tadbahirdaśadikṣu hetukaṃ tripurāntakaṃ vetālaṃ vahnijihvaṃ
kālāntakaṃ karālaṃ ekapādaṃ bhīmarūpam acalaṃ
hāṭakeśvarañca pūjayet |
etatṣaṣṭhāvaraṇam |
tata īśānādinir-ṛtiṣu sakaleśvarabhūmyantarīkṣa -
svarlokaniṣṭhānyogīśān yoginīsahitānpūjayet |
yathā:
yoginīsahitadivyayogīśāya namaḥ |
evaṃ yoginīsahitāntarīkṣa - yogīśāya namaḥ |
yoginīsahitabhūmiṣṭhayogīśāya namaḥ |
etatsaptamāvaraṇam
|| 40 ||

Außen auf den acht Blättern verehrt man die Richtungshüter in Vaṭukagestalt. Noch weiter außen mit oṃ und namaḥ: im Osten den Sohn Brahmāṇīs, im Nordosten den Māheśvarīs, im Norden den Vaiṣṇavīs, im Nordwesten den Kaumārīs, im Westen den Indrāṇīs, im Südwesten den Mahālakṣmīs, im Süden den Vārāhīs und im Südosten den Cāmuṇḍās. Dies ist der fünfte Umkreis; der Nibandha bestätigt dieselben Namen und Richtungen. In den zehn Richtungen außen verehrt man Hetuka, Tripurāntaka, Vetāla, Vahnijihva, Kālāntaka, Karāla, Ekapāda, Bhīmarūpa, Acala und Hāṭakeśvara; dies ist der sechste Umkreis. Dann verehrt man, vom Nordosten bis zum Südwesten, die Yogaherren des Himmels, Zwischenraums und Erdbodens samt Yoginīs: „yoginīsahitadivyayogīśāya namaḥ“, „yoginīsahitāntarīkṣayogīśāya namaḥ“, „yoginīsahitabhūmiṣṭhayogīśāya namaḥ“. Dies ist der siebte Umkreis. [Die einleitende Ortsverbindung „sakaleśvarabhūmyantarīkṣa-svarloka“ ist beschädigt; die drei ausdrücklich ausgeschriebenen Formeln klären die Ebenen.]

P2-0663 · Originalnummer 41
asya puraścaraṇamekaviṃśatilakṣajapaḥ |
trimadhurāplutairdaśāṃśahomaḥ |
tathā ca:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ haviṣyāśī jitendriyaḥ |
taddaśāṃśaṃ prajuhuyattilaistrimadhurāplutaiḥ
|| 41 ||

Das Puraścaraṇa beträgt einundzwanzig Lakh, also 2.100.000 Wiederholungen, und ein Zehntel Feueropfer mit den drei süßen Stoffen. Dazu heißt es: Wer opfergeeignete Nahrung isst und seine Sinne beherrscht, wiederholt das Mantra ein Lakh pro Silbe und opfert ein Zehntel mit Sesam, getränkt in den drei süßen Stoffen.

P2-0666 · Originalnummer 44
vidarbhayecchakranāmnā balimantramudāradhīḥ |
śatrupakṣasya rudhiraṃ piśitañca dine dine |
bhakṣaya svagaṇaiḥ sārddhaṃ sārameya - samanvitaḥ |
balimantro'yamākhyātaḥ sarveṣāṃ vijayapradaḥ
|| 44 ||

Der Weitsichtige soll das Balimantra mit dem Namen des Feindes durchflechten: „Verzehre Tag für Tag Blut und Fleisch der feindlichen Partei, zusammen mit deinen Scharen und begleitet von den Hunden.“ Dieses Balimantra wird als siegbringend für alle beschrieben. [Die Vorlage hat „śakranāmnā“; die Übersetzung „Name des Feindes“ setzt die im Zusammenhang naheliegende Lesung śatrunāmnā voraus.]

P2-0669 · Originalnummer 47
śāradāyām:
ajñānatimira- dhvaṃsi saṃsārārṇavatārakam |
ānandabījamavatādatarkyaṃ traipuraṃ mahaḥ
|| 47 ||

In der Śāradā heißt es: Möge der unbegreifliche Lichtglanz Tripurās beschützen, der Samen der Wonne, der das Dunkel der Unwissenheit zerstört und über den Ozean des Daseins trägt.

P2-0670 · Originalnummer 48
atha vakṣye mahāvidyāṃ tripurāmatigopitām |
yāṃ jñātvā siddhisaṅghānāmadhipo jāyate naraḥ
|| 48 ||

Nun werde ich die streng geheime große Vidyā Tripurās beschreiben. Wer sie erkennt, wird zum Herrn der Scharen von Vollendungen.

P2-0671 · Originalnummer 49
atha tripurabhairavīmantrāḥ
atha tripurāyāstraividhyaṃ bālābhairavīsundarībhedena |
tathā ca jñānārṇave:
tripurā trividhā devī triśaktiḥ parigīyate |
atha vyutpattimāha prapañcasāre:
trimūrtisargācca parābhavatvāttrayomayītvācca paraiva devyāḥ |
laye trailokyāmapi pūraṇatvātprāyo'mbikāyāstripureti nāma |
tathā ca vārāhītantre:
brahmaviṣṇu - maheśādyai - stridaśairarcitā purā |
tripureti sadā nāma kathitaṃ devataistava
|| 49 ||

Nun die Tripurabhairavīmantras. Tripurā besitzt drei Formen: Bālā, Bhairavī und Sundarī. Im Jñānārṇava heißt es: Die Göttin Tripurā ist dreifach und wird als dreifache Kraft besungen. Ihre Wortherleitung erklärt der Prapañcasāra: Weil die höchste Göttin die drei Gestalten hervorbringt, jenseits von ihnen ist, dreifach ist und selbst bei der Auflösung die drei Welten erfüllt, trägt Ambikā den Namen Tripurā. Im Vārāhītantra heißt es: Weil du schon früher von Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und den übrigen Göttern verehrt wurdest, haben die Götter stets deinen Namen Tripurā ausgesprochen. [Die erste Herleitungszeile ist sprachlich beschädigt; die wiederholten Dreierbezüge sind erkennbar.]

P2-0672 · Originalnummer 49ka
śāradāyām:
viyadbhṛguhutāśastho bhautiko vinduśekharaḥ |
viyattadādi - kendrāgnisthitaṃ vāmākṣivindumat |
ākāśabhṛguvahnistho manuḥ sargendukhaṇḍavān |
pañcakūṭātmikā vidyā vedyā tripurabhairavī |
prathamaṃ vāgbhavaṃ kūṭaṃ dvitīyaṃ kāmarājakam |
tṛtīyaṃ śaktikūṭañca tribhirbījairudāhṛtam ||
asyārthaḥ:
śivacandravahnivāgbhavam |
śivacandrakāmapṛthvīvahniścaturthasvaravindumān |
śivacandrarephayuktacaturdaśasvaravinduvisargaḥ
|| 49ka ||

In der Śāradā heißt es: Raum, Bhṛgu und Feuer mit Bhautika und Bindu; Raum mit dem nachfolgenden Anfangslaut, Kendra und Feuer, linkem Auge und Bindu; Raum, Bhṛgu und Feuer mit Manu, Ausstoß und Mondteil bilden die Vidyā Tripurabhairavī, die hier als fünfkūṭig bezeichnet wird. Der erste Kūṭa ist Vāgbhava, der zweite Kāmarāja, der dritte Śaktikūṭa; sie werden mit drei Bījas beschrieben. Die Erläuterung lautet: Śiva, Mond, Feuer und Vāgbhava; Śiva, Mond, Kāma, Erde und Feuer mit viertem Vokal und Bindu; Śiva und Mond mit ra, vierzehntem Vokal, Bindu und Visarga. [Die Angabe „fünf Kūṭas“ widerspricht der unmittelbar folgenden Dreiergliederung; die Laute erscheinen im nächsten Abschnitt als hsraiṃ, hsaklrīṃ und hsrauṃ beziehungsweise mit Visarga.]

P2-0673 · Originalnummer 50
asyā pūjā:
prātaḥkṛtyādi - prāṇāyāmāntaṃ vidhāya pīṭhanyāsaṃ kuryāt |
tatra viśeṣaḥ |
pūrvoktakrameṇa ādhāraśaktyādi hrīṃ jñānātmane namaḥ
ityantaṃ vinyasya hṛtpadmasya pūrvādi - keśareṣu oṃ icchāyai namaḥ
evaṃ jñānāyai kriyāyai kāminyai kāmadāyinyai ratyai ratipriyāyai
nandāyai, madhye manonmanyai, tadupari aiṃ parāyai aparāyai
parāparāyai hsrauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ |
iti pīṭhaśaktīḥ pīṭhamanuñca vinyasya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt ||
yathā:
śirasi dakṣiṇāmūrttaye ṛṣaye namaḥ, mukhe paṃkticchandase namaḥ
hṛdi tripurabhairavyai devatāyai namaḥ, guhye vāgbhavāya bījāya
namaḥ, pādayoḥ tārtīyaśaktaye namaḥ, sarvāṅgai kāmabījāya
kīlakāya namaḥ |
dakṣiṇāmūrtisaṃhitāyām:
ṛṣistu dakṣiṇāmūrtirahaṃ śirasi vinyaset |
chandaḥ paṃktistuvijñeyaṃ mukhe vinyasya devatām |
hṛdaye tripureśānīṃ vāgbhavaṃ bījamucyate |
śaktibījaṃ śaktireva kāmabījañca kīlakaṃ |
tato nābhyādicaraṇaparyantaṃ hsraiṃ namaḥ,
hṛdayānnābhiparyantaṃ hsaklrīṃ namaḥ, śiraso hṛdayāntaṃ hsrauṃ
namaḥ evaṃ ādyabījaṃ dakṣiṇakare, dvitīyaṃ vāmakare,
tṛtīyamubhayakare |
tato mūrdhni mūlādhāre hṛdi yathāsaṃkhyaṃ trīṇi bījāni nyaset |
tathā ca nibandhe:
nābherācaraṇaṃ nyasyedvāgbhavaṃ mantravittamaḥ |
hṛdayānnābhiparyantaṃ kāmabījaṃ pravinyaset |
śiraso hṛtpradeśāntaṃ tārtīyaṃ vinyasettataḥ |
ādyaṃ dvitīyaṃ karoyostārtīyamubhayornyaset |
mūrdhnādhāre hṛdi nyaset bhūyo bījatrayaṃ kramāt
|| 50 ||

Ihre Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Atemregelung vollzieht man den Sitznyāsa. Die Besonderheit: Man setzt die Reihe von Ādhāraśakti bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ“ ein. Auf den Staubfäden des Herzlotus, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Icchā, Jñānā, Kriyā, Kāminī, Kāmadāyinī, Rati, Ratipriyā und Nandā; in der Mitte Manonmanī. Darüber: „aiṃ parāyai aparāyai parāparāyai hsrauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ – Verehrung der Höchsten, der Niederen, der Höchsten-und-Niederen, dem Lotussitz auf Sadāśiva als großem Preta“. Nach Einsetzung der Sitzkräfte und des Sitzmantras folgt der Sehernyāsa: Dakṣiṇāmūrti auf dem Kopf, Paṅkti am Mund, Tripurabhairavī am Herzen, Vāgbhava als Bīja an der verborgenen Stelle, die dritte Śakti an den Füßen und das Liebesbīja als Keil am ganzen Körper. Die Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā bestätigt: „Ich, Dakṣiṇāmūrti, bin der Seher“; Paṅkti ist das Versmaß, Tripureśānī die Gottheit, Vāgbhava das Bīja, das Śaktibīja die Kraft, das Liebesbīja der Keil. Dann setzt man mit namaḥ hsraiṃ vom Nabel bis zu den Füßen, hsaklrīṃ vom Herzen bis zum Nabel und hsrauṃ vom Kopf bis zum Herzen ein. Das erste Bīja setzt man auf die rechte Hand, das zweite auf die linke, das dritte auf beide. Danach die drei Bījas der Reihe nach auf Scheitel, Mūlādhāra und Herz. Der Nibandha wiederholt diese drei Körperabschnitte und Hand- und Körperstellen. [Die Vorlage wechselt hsrauḥ im Sitzmantra und hsrauṃ im Nyāsa; beide Formen bleiben erhalten.]

P2-0674 · Originalnummer 51
tato navayoninyāsaḥ:
adyabījaṃ dakṣakarṇe, dvitīyabījaṃ vāmakarṇaṃ, tṛtīya bījaṃ
cuvuke |
evaṃ gaṇḍayorvadane netrayornasi aṃsayorjaṭhare kūrparayoḥ kukṣau
jānunorliṅgāgre pādayorguhye pārśvayoḥ hṛdayāmbuje stanayo;
kaṇṭhe ||
tathā ca nibandhe:
navayonyātmakaṃ nyāsaṃ kuryāt vījaistribhiḥ kramāt |
karṇayościbuke bhūyo gaṇḍayorvadane punaḥ |
netrayornasi vinyasya aṃsayorjaṭhare punaḥ |
tataḥ kūrparayo kukṣau jānunordhvajamūrddhani |
pādayorguhyadeśe ca pārśvayorhṛdayāmbuje |
stanadvaye kaṇṭhadeśe trīṇi bījāni vinyaset
|| 51 ||

Dann der Nyāsa der neun Yonis: Mit den drei Bījas der Reihe nach setzt man das erste auf das rechte Ohr, das zweite auf das linke, das dritte auf das Kinn. Dieselbe Dreierfolge setzt man auf beide Wangen und Mund, beide Augen und Nase, beide Schultern und Bauch, beide Ellbogen und Bauchseite, beide Knie und Spitze des Geschlechtsorgans, beide Füße und verborgene Stelle, beide Seiten und Herzlotus, beide Brüste und Hals. Der Nibandha bestätigt diese neun Dreiergruppen vollständig.

P2-0675 · Originalnummer 52
tato ratyādinyāsaḥ:
mūladhāre aiṃ ratyai namaḥ, hṛdi klīṃ prītyai namaḥ, bhrūmadhye
sauḥ manobhavāyai namaḥ, punarbhrūmadhye sauḥ amṛteśyai namaḥ,
hṛdi klīṃ yogeśyai namaḥ, mūlādhāre aiṃ viśvayonyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
mūle ratiṃ hṛdi protiṃ bhrūvormadhye manobhavām |
bālābījaistribhirnyaset sthāneṣveteṣuvilomataḥ |
amṛteśīñca yogeśīṃ viśvayoniṃ kramādimāḥ |
vilomabījairvinyasya mūrtinyāsamathācaret
|| 52 ||

Dann der Nyāsa von Rati und den übrigen: aiṃ Rati am Mūlādhāra, klīṃ Prīti am Herzen, sauḥ Manobhavā zwischen den Brauen; dann rückwärts sauḥ Amṛteśī zwischen den Brauen, klīṃ Yogeśī am Herzen und aiṃ Viśvayoni am Mūlādhāra, jeweils mit namaḥ. Der Nibandha bestätigt die erste Dreierfolge mit den Bālabījas und die umgekehrte Folge mit Amṛteśī, Yogeśī und Viśvayoni. Danach folgt der Gestaltennyāsa.

P2-0676 · Originalnummer 53
atha mūrtinyāsaḥ:
mūrdhni shroṃ īśānamanobhavāya namaḥ, vaktre shreṃ
tatpuruṣamakaradhvajāya namaḥ, hṛdi shruṃ aghorakumārakandarpāya
namaḥ, guhye shriṃ vāmadevamanmathāya namaḥ, pādayoḥ shraṃ
sadyojāta kāmadevāya namaḥ |
ekamūrdhvaprāgyāmyottarapaścimeṣu mukheṣu īśānamanobhavādi
pañcamūrtīstattadvījapūrvikā nyaset |
tathā ca nibandhe:
svasvabījādikaṃ sarvaṃ mūrdhnīśāna namobhavam |
nyasedvaktretatpuruṣamakaradhvajamātmavit |
hṛdyaghorakumārākhyaṃ kandarpaṃ tadantaram |
guhyadeśe pravinyasyedvāmadevādi - manmatham |
sadyojāta kāmadevaṃ pādayorvinyasettataḥ |
ūrdhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣu mukheṣu tān |
pravinyasyedyathāpūrvaṃ bhṛguvyomāgnisaṃsthim |
satyādi - pañcahrasvāḍhyaṃ lījameṣāṃ prakīrtitam
|| 53 ||

Der Gestaltennyāsa mit namaḥ: shroṃ Īśāna-Manobhava auf den Scheitel; shreṃ Tatpuruṣa-Makaradhvaja auf das Gesicht; shruṃ Aghora-Kumāra-Kandarpa ins Herz; shriṃ Vāmadeva-Manmatha an die verborgene Stelle; shraṃ Sadyojāta-Kāmadeva an die Füße. Ebenso setzt man diese fünf Gestalten und Bījas auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter. Der Nibandha bestätigt dieselbe Reihenfolge und beschreibt ihre Bījas als Bhṛgu, Raum und Feuer mit den fünf kurzen Vokalen, beginnend mit Satya. [Die Vorlage schreibt „shr“; die verschlüsselte Lautreihenfolge ist nicht völlig eindeutig. Die gegebenen Formen werden deshalb nicht stillschweigend in andere Konsonantenfolgen umgeschrieben.]

P2-0677 · Originalnummer 54
tato bāṇanyāsaḥ:
drāṃ drāviṇyai namaḥ aṃguṣṭhayoḥ |
drīṃ kṣobhiṇyai namaḥ tarjanyoḥ |
klīṃ vaśīkaraṇyai namaḥ madhyamayoḥ |
blūṃ ākarṣiṇyai namaḥ anāmikayoḥ |
saḥ sammohinyai namaḥ kaniṣṭhayoḥ |
tathā ca jñānārṇave:
pañcabāṇān krameṇaiva karāṃgulīṣu vinyaset |
aṃguṣṭhādikaniṣṭhāntaṃ krameṇa parameśvari
|| 54 ||

Der Pfeilnyāsa: drāṃ Drāviṇī, die Verflüssigende, an den Daumen; drīṃ Kṣobhiṇī, die Erregende, an den Zeigefingern; klīṃ Vaśīkaraṇī, die Unterwerfende, an den Mittelfingern; blūṃ Ākarṣiṇī, die Anziehende, an den Ringfingern; saḥ Sammohinī, die Verzaubernde, an den kleinen Fingern, jeweils mit namaḥ. Im Jñānārṇava heißt es: Höchste Herrin, man setzt die fünf Pfeile der Reihe nach auf die Finger von den Daumen bis zu den kleinen Fingern.

P2-0678 · Originalnummer 55
tatasteṣu sthāneṣu yathākramaṃ kāmanyāsaṃ kuryāt |
yathā:
hrīṃ kāmāya namaḥ, klīṃ manmathāya namaḥ, aiṃ kandarpāya
namaḥ, blūṃ makaradhvajāya namaḥ, strīṃ mīnaketanāya namaḥ |
tato mūrdhni pāde vaktre guhye hṛdi pūrvoktabāṇān kāmāṃśca
nyaset |
tathā jñānārṇave:
thāntadvayaṃ samuddhṛtya vahnisaṃsthaṃ krameṇa hi |
mukhavṛttena netreṇa vāmena parimaṇḍitam |
vāṇadvayamidaṃ proktaṃ mādanaṃ bhūmisaṃsthitaṃ |
caturthasvaravindvāḍhyaṃ nādarūpaṃ varānane |
phāntaṃ śakrasamārūḍhaṃ vāmakarṇavibhūṣitam |
vindunādasamāyuktaṃ sargavāṃścandramāḥ priye |
pañcavāṇān maheśāni nāmāni śṛṇu pārvati |
drāvaṇakṣobhaṇau vaśyastathākarṣaṇasaṃjñakaḥ |
tathonmādaḥ krameṇaiva nāmāni parameśvari |
nyāse tu sarvatra striliṅgena prayogaḥ |
tathā ca nibandhe:
drāmādyāṃdrāviṇīṃ mūrdhni drīmādyāṃ kṣobhaṇīṃ pade |
klīṃ vaśīkaraṇīṃ vaktre guhye blūṃ bījapūrvikām |
ākarṣaṇīṃ hṛdi punaḥ sargāntarbhṛgusaṃyutām |
sammohanīṃ kramādevaṃ bāṇa nyāso'yamīritaḥ |
tatronmādasammohanayorekaparyāyatvam |
kāmāstatraiva vijñeyāsteṣāṃ bījāni saṃśṛṇu |
parābījaṃ madhyabāṇaṃ vāgbhavaṃ parameśvari |
tūryabāṇaṃ tataścaiva strībījañca kramāt priye |
pañcakāmā ime devi nāmāni śṛṇu vallabhe |
kāmamanmathakandarpamakaradhvajasaṃjñakāḥ |
mīnaketurmaheśāni pañcamaḥ parikīrtitaḥ |
pañcakāmāṃstato devi bāṇasthāneṣu vinyaset
|| 55 ||

Dann vollzieht man an denselben Stellen in derselben Reihenfolge den Kāmanyāsa: hrīṃ Kāma, klīṃ Manmatha, aiṃ Kandarpa, blūṃ Makaradhvaja und strīṃ Mīnaketana, jeweils mit namaḥ. Danach setzt man die zuvor genannten Pfeile und Liebesgottgestalten auf Scheitel, Füße, Gesicht, verborgene Stelle und Herz. Im Jñānārṇava werden die Pfeilbījas verschlüsselt: zweimal der Endlaut der tha-Reihe auf dem Feuer, einmal mit dem Mundkreisvokal, einmal mit dem linken Augenlaut; der Liebeslaut auf der Erde mit viertem Vokal, Bindu und Nāda; der Endlaut der pha-Reihe auf Śakra mit linkem Ohr, Bindu und Nāda; der Mondlaut mit Ausstoß. Die Namen der fünf Pfeile sind Drāvaṇa, Kṣobhaṇa, Vaśya, Ākarṣaṇa und Unmāda. Beim Nyāsa werden überall weibliche Namensformen verwendet. Im Nibandha heißt es: drāṃ Drāviṇī auf den Scheitel; drīṃ Kṣobhaṇī an die Füße; klīṃ Vaśīkaraṇī auf das Gesicht; blūṃ Ākarṣaṇī an die verborgene Stelle; der Bhṛgulaut mit Ausstoß für Sammohanī am Herzen. Unmāda und Sammohana gelten hier als gleichbedeutend. Die Liebesgottgestalten stehen an denselben Stellen; ihre Bījas sind der Reihe nach Parā, der mittlere Pfeil, Vāgbhava, der vierte Pfeil und das Strībīja. Die fünf heißen Kāma, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja und Mīnaketu; man setzt sie an die Pfeilorte. [Die verschlüsselte Anfangsfolge ist stellenweise beschädigt, ihre Zuordnung wird durch die ausdrücklich ausgeschriebenen Bījas gestützt.]

P2-0679 · Originalnummer 56
tataḥ karāṅganyāsau:
hsrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
hsrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
hasraṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
hsraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
hsrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
hsraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
ṣaḍdīrghayuktenādyena bījenāṅgakriyā manoḥ
|| 56 ||

Der Handnyāsa: hsrāṃ an den Daumen mit namaḥ; hsrīṃ an den Zeigefingern mit svāhā; hasraṃ an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; hsraiṃ an den Ringfingern mit huṃ; hsrauṃ an den kleinen Fingern mit vauṣaṭ; hsraḥ an Handflächen und Handrücken mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Die Gliederhandlung erfolgt mit dem ersten Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen. [An den Mittelfingern steht hasraṃ; nach der Vokalregel wäre hsrūṃ zu erwarten.]

P2-0680 · Originalnummer 58
tataḥ subhagādinyāsaḥ:
bhāle aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ subhagāyai namaḥ |
bhrūmadhye aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ bhagāyai namaḥ |
vadane aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ bhagasarpiṇyai namaḥ |
kaṇṭhikāyāṃ aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ bhagamālinyai namaḥ |
kaṇṭhe aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgāyai namaḥ |
hṛdi aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgakusumāyai namaḥ |
nābhau aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgamekhalāyai namaḥ |
liṅgamūle aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgamadanāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
bhāla - bhrūmadhye - vadana - kaṇṭhikākaṇṭhahṛtsu ca |
nābhyadhiṣṭhānayoḥ pañcatārādyāḥ subhagādikāḥ |
nyastavyā vidhinā devyo mantriṇā subhagā bhagā |
bhagasarpiṇyatha parā bhagamālinyataḥ param |
anaṅgānaṅgakuṣumā bhūyaścānaṅgamekhalā |
anaṅgamadanā sarvā madavibhramavihvalāḥ |
vākkāmabījaṃ blūṃ strīṃ sastārāḥ pañcoditāstvamī ||
tato bhūṣaṇanyāsaḥ |
tadyathā:
śirasi aṃ namaḥ |
bhāle āṃ namaḥ |
bhruvoḥ iṃ īṃ |
karṇayoḥ uṃ ūṃ |
netrayoḥ ṛ ṝṃ |
nasi ḷṃ |
gaṇḍayoḥ ḹṃ eṃ |
oṣṭhayoḥ aiṃ oṃ |
adhodante auṃ |
ūrdhvadante aṃ |
mukhe aḥ |
cibuke kaṃ |
gale khaṃ |
kaṇṭhe gaṃ |
pārśvayoḥ ghaṃ ṅaṃ |
stanadvadve caṃ chaṃ |
dormūlayoḥ jaṃ jhaṃ |
kūrparayoḥ ñaṃ ṭaṃ |
pāṇyoḥ ṭhaṃ ḍaṃ |
karapṛṣṭhayoḥ ḍhaṃ ṇaṃ |
nābhau taṃ |
guhye thaṃ |
ūrvoḥ daṃ ghaṃ |
jānunoḥ naṃ paṃ jaṅghayoḥ phaṃ baṃ |
sphicoḥ bhaṃ maṃ |
pattalayoḥ yaṃ |
caraṇāṃguṣṭhayoḥ raṃ |
kāñcyāṃ vaṃ |
grīvāyāṃ laṃ |
kaṭake laṃ |
hṛdi śaṃ |
guhye kṣaṃ |
karṇayoḥ ṣaṃ |
gaṇḍayoḥ saṃ |
maulau haṃ |
sarvatra namo'ntena nyaset |
tathā ca tantrāntare:
nyasecchirasibhālabhrūkarṇākṣiyugale nasi |
gaṇḍayoroṣṭhayordantapaṃktyorāsye nyasetsvarān |
cibuke ca gale kaṇṭhe pārśvayoḥ stanayugmake |
dormūlayoḥ karpūrayoḥ pāṇyostatpṛṣṭhadeśataḥ |
nābhau guhye punaścorvorjānunorjaṅghayostataḥ |
sphicoḥ pattalayoḥ paścāccaraṇāṃguṣṭhayordvayoḥ |
kādivāntānnyasedvarṇān sthāneṣveṣu samāhitaḥ |
kāñcyāṃ graiveyake paścātkaṭake hṛdi guhyake |
karṇayorgaṇḍayormaulau balalān śakṣaṣānsahau |
aṣṭāvimānpravinnyasedevaṃ deśikasattamaḥ
|| 58 ||

Dann der Nyāsa von Subhagā und den übrigen. Jede Formel beginnt mit aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ und endet mit namaḥ: Subhagā auf der Stirn, Bhagā zwischen den Brauen, Bhagasarpiṇī am Gesicht, Bhagamālinī an der kaṇṭhikā genannten Halsstelle, Anaṅgā am Hals, Anaṅgakusumā am Herzen, Anaṅgamekhalā am Nabel und Anaṅgamadanā an der Wurzel des Geschlechtsorgans. Der Nibandha bestätigt dieselben acht Orte und Göttinnen; sie sind alle von Rausch und Liebesbewegung überwältigt. Vāk, Kāma, blūṃ, strīṃ und saḥ werden als die fünf Tārās bezeichnet. Dann folgt der Schmucknyāsa mit namaḥ: aṃ auf den Kopf; āṃ auf die Stirn; iṃ und īṃ auf beide Brauen; uṃ und ūṃ auf beide Ohren; ṛ und ṝṃ auf beide Augen; ḷṃ auf die Nase; ḹṃ und eṃ auf beide Wangen; aiṃ und oṃ auf beide Lippen; auṃ auf die unteren Zähne; aṃ auf die oberen; aḥ auf den Mund; kaṃ auf das Kinn; khaṃ an die gala genannte Halsstelle; gaṃ an die kaṇṭha genannte Halsstelle; ghaṃ und ṅaṃ an beide Seiten; caṃ und chaṃ an beide Brüste; jaṃ und jhaṃ an beide Armwurzeln; ñaṃ und ṭaṃ an beide Ellbogen; ṭhaṃ und ḍaṃ an beide Hände; ḍhaṃ und ṇaṃ an beide Handrücken; taṃ an den Nabel; thaṃ an die verborgene Stelle; daṃ und ghaṃ an beide Oberschenkel; naṃ und paṃ an beide Knie; phaṃ und baṃ an beide Unterschenkel; bhaṃ und maṃ an beide Gesäßhälften; yaṃ an beide Fußsohlen; raṃ an beide großen Zehen; vaṃ an den Hüftgürtel; laṃ an den Hals; laṃ an die Armreife; śaṃ ans Herz; kṣaṃ an die verborgene Stelle; ṣaṃ an beide Ohren; saṃ an beide Wangen; haṃ an die Krone. In einem anderen Tantra wird diese Reihenfolge bestätigt: Vokale auf Kopf, Stirn, Brauen, Ohren, Augen, Nase, Wangen, Lippen, Zahnreihen und Mund; die Laute von ka bis va auf Kinn, die beiden Halsstellen, Seiten, Brüste, Armwurzeln, Ellbogen, Hände, Handrücken, Nabel, verborgene Stelle, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel, Gesäß, Sohlen und große Zehen; die acht übrigen Laute auf Gürtel, Halskette, Armreif, Herz, verborgene Stelle, Ohren, Wangen und Krone. [Die Prosa hat ṛ ohne Bindu, ghaṃ am zweiten Oberschenkel und zweimal laṃ an verschiedenen Schmuckstellen; die abschließende Lautliste „balalān śakṣaṣānsahau“ ist beschädigt. Die Abweichungen werden nicht stillschweigend verändert.]

P2-0681 · Originalnummer 59
tatastrikhaṇḍāṃ
mudrāṃ baddhvā dhyāyet |
yathā:
udyadbhānusahasrakāntimaruṇakṣaumāṃ śiromālikāṃ,
raktāliptapayodhārāṃ japavaṭīṃ vidyāmabhītiṃ varam |
hastābjairdadhatīṃ trinetravilasadraktāravindaśriyaṃ devīṃ
vaddhahimāṃśuratnamukuṭāṃ vande samandasmitām |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kuryāt
|| 59 ||

Dann bildet man die Trikhaṇḍamudrā und meditiert: Ich verehre die sanft lächelnde Göttin, deren Glanz tausend aufgehenden Sonnen gleicht. Sie trägt rotes Leinen und eine Girlande von Köpfen; ihre Brüste sind rot bestrichen. Ihre Lotushände tragen Gebetskette und Buch des Wissens und zeigen Furchtlosigkeit und Gewährung. Ihre drei Augen und ihr Glanz gleichen dem roten Lotus. Ihre Edelsteinkrone trägt den Mond. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben und stellt die Muschel auf.

P2-0682 · Originalnummer 60
tata ādhāraśaktyādi hrīṃ jñānātmane namaḥ ityantaṃ sampūjya
pūrvādi keśareṣu madhye ca - icchā jñānā kriyā paścāt kāminī
kāmadāyinī |
ratī ratipriyā nandā nandinī syānmanonmanī |
etāḥ praṇavādi namo'ntāḥ pūjayet |
tata aiṃ parāyai aparāyai parāparāyai hsauḥ sadāśiva - mahāpreta
padmāsanāya namaḥ |
iti sampūjya prāgyonimadhyayonyantarāle śrīvidyoktagurupaṃktīḥ
pūjayet |
nibandhe vāgbhavaṃ lohito rāyai śrīkaṇṭho lohito'nalaḥ |
dīrghavāna ye parā paścādaparāyai hsauḥ punaḥ |
sadāśivamahāpretaṃ ṅe'ntaṃ padmāsanaṃ namaḥ |
anena manunā dadyādāsanaṃ śrīgurukramaḥ |
prāṅmadhyayonyantarāle pūjayet kalpayettataḥ |
pañcabhiḥ praṇavairmūrti tasyāmāvāhya devatām |
pūjayedāgamoktena vidhānena samāhitaḥ |
tārā vākśakti kamalā hskhphreṃ hsauḥ smṛtāḥ |
tadaśaktau tu oṃ gurubhyau namaḥ, oṃ gurupādukābhyo namaḥ, oṃ
paramagurubhyo namaḥ, oṃ paramaguru pādukābhyo namaḥ, oṃ
parāparagurubhyo namaḥ, oṃ parāparagurupādukābhyo namaḥ, oṃ
parameṣṭhigurubhyo namaḥ, oṃ parameṣṭigurupādukābhyo namaḥ, oṃ
ācāryebhyo namaḥ, oṃ ācāryapādukābhyo namaḥ
|| 60 ||

Dann verehrt man die Reihe von Ādhāraśakti bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ“ und auf den Staubfäden, im Osten beginnend, sowie in der Mitte Icchā, Jñānā, Kriyā, Kāminī, Kāmadāyinī, Rati, Ratipriyā, Nandā, Nandinī und Manonmanī, jeweils mit oṃ und namaḥ. Danach „aiṃ parāyai aparāyai parāparāyai hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“. Im Raum zwischen der östlichen und der mittleren Yoni verehrt man die in der Śrīvidyā beschriebenen Gurureihen. Der Nibandha beschreibt die verschlüsselte Sitzmantraform aus Vāgbhava, den Lauten für parā, aparā, parāparā, hsauḥ, sadāśivamahāpreta, padmāsana und namaḥ. Mit diesem Mantra reicht man den Sitz dar; im Zwischenraum der östlichen und mittleren Yoni folgt die Gurureihe. Mit den fünf Praṇavas bildet man die Gestalt, ruft die Gottheit darin an und verehrt gesammelt nach dem Āgama. Als die Laute werden Tārā, Vāk, Śakti, Kamalā, hskhphreṃ und hsauḥ genannt. Bei Unvermögen verwendet man mit oṃ und namaḥ die Gurus und ihre Fußsandalen, die Paramagurus und ihre Fußsandalen, die Parāparagurus und ihre Fußsandalen, die Parameṣṭhigurus und ihre Fußsandalen sowie die Ācāryas und ihre Fußsandalen. [Die Sitzkräfteliste nennt hier zehn Namen statt der zuvor genannten neun; der Text spricht von fünf Praṇavas, zählt danach aber sechs Bestandteile auf. Die verschlüsselte Versmitte ist beschädigt.]

P2-0684 · Originalnummer 62
(citra 27)
tataḥ aiṃ hrīṃ hskhphreṃ hsauḥ iti mantreṇa vinducakre devyā mūrti
saṅkalpya trikhaṇḍamudrayā pūrvavaddevīṃ dhyātvā āvāhayet |
oṃ deveśi bhaktisulabhe parivārasamanvite |
yāvatattvāṃ pūjayiṣyāmi tāvattvaṃ susthirā bhava |
pañcabhiḥ praṇavairmūrtiṃ tasyāmāvāhya devatām |
tārā vākśaktikamalā hskhphreṃ hsauḥ smṛtāḥ |
ityāvāhyāvāhanādi pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabhet ||
tadyathā:
devyā vāmakoṇe aiṃ ratyai namaḥ |
dakṣiṇakoṇe klīṃ prītyai namaḥ |
agnikoṇe sauḥ manobhavāyai namaḥ |
tataḥ keśareṣu agnyādikoṇeṣu madhye dikṣu ca
pūrvoktāṅgamantreṇa pūjayet |
tathā ca jñānārṇave:
agnīśāsuravāyavyamadhye dikṣvaṅgapūjanam |
tataḥ uttare drāṃ drāviṇyai namaḥ, drīṃ kṣobhiṇyai namaḥ, dakṣiṇe
klīṃ vaśīkaraṇyai namaḥ, blūṃ ākarṣaṇyai namaḥ |
agre saḥ sammohinyai namaḥ |
tataḥ pañcakāmāna pūjayet |
yathā:
uttare hrīṃ kāmāya namaḥ, klīṃ manmathāya |
dakṣiṇe aiṃ kandarpāya, blūṃ makaradhvajāya |
agre strīṃ mīnaketave |
namaḥ sarvatra |
tathā ca jñānārṇave:
uttarasyāṃ dvayaṃ devi dakṣiṇasyāṃ dvayaṃ diśi |
agre caikaṃ krameṇaiva pañcabāṇān tato yajet |
pañcakāmāṃstathā devi bāṇavat paripūjayet |
tathā ca tatraiva:
pañcakāmāḥ parābījaṃ madhyabāṇaṃ vāgbhavaṃ parameśvari |
tūryabāṇaṃ tataścaiva strībījañca kramāt priye |
pañcakāmā ime devi nāmāni śṛṇu vallabhe |
kāmamanmathakandarpamakaradhvajasaṃjñakāḥ |
mīnaketurmaheśāni pañcamaḥ parikīrtitaḥ |
tato'ṣṭayoniṣu pūrvādikrameṇa aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ
subhagāyai namaḥ |
evaṃ aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ bhagāyai |
aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ bhagasarpiṇyai |
aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ bhagamālinyai |
aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgāyai |
aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgakusumāyai |
aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgamekhalāyai |
aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ anaṅgamadanāyai |
namaḥ sarvatra |
tato'ṣṭapatreṣu pūrvādikrameṇa oṃ asitāṅgabrāhmībhyāṃ namaḥ
evaṃ oṃ rudramāheśvarībhyām, oṃ caṇḍakaumārībhyāṃ, oṃ
krodhavaiṣṇavībhyāṃ, oṃ unmattavārāhībhyāṃ, oṃ
kapālīndrāṇībhyāṃ, oṃ bhīṣaṇacāmuṇḍābhyāṃ, oṃ
saṃhāramahālakṣmībhyām |
tathā ca nibandhe:
aṣṭayoniṣvaṣṭaśaktīḥ pūjayet subhagādikāḥ |
mātaro bhairavāṅkasthā madavibhramavihvalāḥ |
aṣṭapatreṣu sampūjyā yathāvat kusumādibhiḥ |
tatastadvahirindrādīn vajrādīṃśca sampūjya dhūpādivisarjanāntaṃ
karma samāpayet |
kintu naivedyānantaraṃ śrīvidyoktavali catuṣṭayamatra deyamiti
|| 62 ||

[Die Vorlage verweist auf Abbildung 27.] Mit „aiṃ hrīṃ hskhphreṃ hsauḥ“ bildet man die Göttinnengestalt im Bindukreis, meditiert mit der Trikhaṇḍamudrā wie zuvor und ruft sie an: „oṃ deveśi bhaktisulabhe parivārasamanvite yāvat tvāṃ pūjayiṣyāmi tāvat tvaṃ susthirā bhava – Oṃ, Herrin der Götter, durch Hingabe leicht zugänglich, samt deinem Gefolge: Bleibe fest gegenwärtig, solange ich dich verehre.“ Der Text wiederholt, dass die Gestalt mit fünf Praṇavas gebildet wird, und nennt Tārā, Vāk, Śakti, Kamalā, hskhphreṃ und hsauḥ. Nach Anrufung und den weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen folgt die Umkreisverehrung: in der linken Ecke der Göttin aiṃ Rati, in der rechten klīṃ Prīti, in der Feuerecke sauḥ Manobhavā, jeweils mit namaḥ. Auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, in der Mitte und in den Richtungen verehrt man mit den zuvor genannten Gliedermantras; der Jñānārṇava bestätigt Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, Mitte und Richtungen. Im Norden drāṃ Drāviṇī und drīṃ Kṣobhiṇī, im Süden klīṃ Vaśīkaraṇī und blūṃ Ākarṣaṇī, vorne saḥ Sammohinī. Dann die fünf Liebesgottgestalten: im Norden hrīṃ Kāma und klīṃ Manmatha, im Süden aiṃ Kandarpa und blūṃ Makaradhvaja, vorne strīṃ Mīnaketu. Der Jñānārṇava bestätigt zwei Pfeile im Norden, zwei im Süden, einen vorne und dieselbe Anordnung der Liebesgottgestalten. Er wiederholt deren Bījas – Parā, mittlerer Pfeil, Vāgbhava, vierter Pfeil und Strībīja – und die Namen Kāma, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja und Mīnaketu. In den acht Yonis, im Osten beginnend, verehrt man Subhagā, Bhagā, Bhagasarpiṇī, Bhagamālinī, Anaṅgā, Anaṅgakusumā, Anaṅgamekhalā und Anaṅgamadanā, jede mit aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ saḥ vor dem Namen und namaḥ danach. Auf den acht Blättern, im Osten beginnend, mit oṃ und namaḥ die Paare Asitāṅga-Brāhmī, Rudra-Māheśvarī, Caṇḍa-Kaumārī, Krodha-Vaiṣṇavī, Unmatta-Vārāhī, Kapālin-Indrāṇī, Bhīṣaṇa-Cāmuṇḍā und Saṃhāra-Mahālakṣmī. Der Nibandha bestätigt die acht Kräfte in den acht Yonis und die von Rausch und Liebesbewegung überwältigten Mütter auf dem Schoß der Bhairavas, die man auf den acht Blättern mit Blumen und weiteren Gaben verehrt. Außen folgen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Nach der Speisegabe sind hier jedoch die vier in der Śrīvidyā gelehrten Baliopfergaben darzubringen. [In der Paarliste steht Rudra statt des in den Acht-Bhairava-Listen üblichen Ruru; die überlieferte Form bleibt stehen.]

P2-0685 · Originalnummer 63
asya puraścaraṇaṃ daśalakṣajapaḥ |
homastu palāśakusumena dvādaśasahasram |
tathā ca nibandhe:
dīkṣāṃ prāpya japenmantraṃ tattvalakṣaṃ jitendriyaḥ |
puṣpairbhānusahasrāṇi juhuyādbrahmavṛkṣajaiḥ
|| 63 ||

Das Puraścaraṇa beträgt zehn Lakh, also 1.000.000 Wiederholungen; das Feueropfer zwölftausend Palāśablüten. Im Nibandha heißt es: Nach Erhalt der Initiation wiederholt der Beherrscher seiner Sinne das Mantra tattva-Lakh-mal und opfert zwölftausendmal mit Blüten des Brahmabaums.

P2-0686 · Originalnummer 64
atha sampatprad⠖ bhairavī
jñānārṇave:
yatheyaṃ tripurā bālā tathā tripurabhairavī |
sampatpradā nāma tasyāḥ śṛṇu nirmalamānase |
śivacandrau vahnisaṃstho vāgbhavaṃ tadanantaram |
kāmabījaṃ tathā devi śivacandrānvitaṃ tataḥ
pṛthvībījāntavahyāḍhyaṃ tārtīyaṃ śṛṇu vallabhe |
śakti bīje maheśāni śivavahnī niyojayet |
kumāryāḥ parameśāni hitvā sargantu vaindavam |
tripurābhairavī devī mahāsampatpradā matā ||
asyārthaḥ:
tripurābhairavī visargarahitā cet sampatpradā bhavati
|| 64 ||

Nun Sampatpradā Bhairavī. Im Jñānārṇava heißt es: Wie Tripurā Bālā, so ist Tripurabhairavī; höre, rein Gesinnte, von ihrer Form namens Sampatpradā. Śiva und Mond auf Feuer, danach Vāgbhava; das Liebesbīja mit Śiva und Mond sowie Erde und Feuer; für das dritte setzt man im Śaktibīja Śiva und Feuer ein. Bei Kumārī lässt man Visarga weg und nimmt Bindu. So gilt Tripurabhairavī als Spenderin großen Wohlstands. Die Erläuterung lautet: Ohne Visarga wird Tripurabhairavī zu Sampatpradā.

P2-0687 · Originalnummer 65
tantrāntare:
sampatpradā - bhairavī yā tatra tārtīya bījake |
sargaṃ hitvā tato vinduṃ nikṣipet surasundari
|| 65 ||

In einem anderen Tantra heißt es: Götterschöne, bei Sampatpradā Bhairavī entfernt man im dritten Bīja den Visarga und setzt stattdessen Bindu ein.

P2-0688 · Originalnummer 66
asyā dhyām:
ātāmrārkasahasrābhāṃ sphuraccandrakalājaṭām |
kirīṭaratnavilasaccitracitritamauktikām |
sravadrudhirapaṅkāḍhya muṇḍamālāvirājitām |
nayanatrayaśobhāḍhyāṃ purṇenduvadanānvitām |
muktāhāralatārājatpīnonnataghaṭastanīm |
raktāmbara - parīdhānāṃ yauvanonmattarūpiṇīm |
pustakañcābhayaṃ vāme dakṣiṇe cākṣamālikām |
varadānapradāṃ nityāṃ mahāsampatpradāṃ smaret |
nyāsapūjādikañca pūrvavat
|| 66 ||

Ihre Meditation: Man vergegenwärtigt sich die ewige Spenderin großen Wohlstands, deren Glanz tausend kupferroten Sonnen gleicht. Ihre Haarflechte strahlt mit der Mondsichel; Edelsteine und vielfältige Perlen leuchten an ihrer Krone. Eine Girlande von Köpfen, bedeckt mit fließendem Blut, schmückt sie. Drei Augen machen sie schön; ihr Gesicht gleicht dem Vollmond. Perlenketten leuchten über ihren vollen, hohen, gefäßgleichen Brüsten. Sie trägt rotes Gewand und ist von Jugend überwältigt. Links trägt sie ein Buch und zeigt Furchtlosigkeit, rechts trägt sie die Gebetskette und gewährt Gaben. Nyāsa und Verehrung erfolgen wie zuvor.

P2-0689 · Originalnummer 67
aṅgamantre tu viśeṣaḥ |
dviruktaistu tribhirbījaiḥ karāṅganyāsakalpanā
|| 67 ||

Bei den Gliedermantras besteht eine Besonderheit: Hand- und Gliedernyāsa werden mit den drei Bījas gebildet, die zweimal in Folge gesprochen werden.

P2-0690 · Originalnummer 68
asya puraścaraṇaṃ trilakṣajapaḥ |
jñānārṇave:
bālāvadasyāḥ pūjādi kuryātsādhakasattamaḥ |
guṇalakṣaṃ japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ
|| 68 ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Im Jñānārṇava heißt es: Der vorzügliche Praktizierende vollzieht ihre Verehrung und die übrigen Handlungen wie bei Bālā, wiederholt das Mantra 300.000-mal und opfert ein Zehntel.

P2-0691 · Originalnummer 69
tantrāntare:
nyāsapūjādikaṃ sarvaṃ kumāryā iva suvrate |
ekalakṣaṃ japenmantraṃ siddhaye sādhakottamaḥ |
iti vacanādekalakṣajapapuraścaraṇamiti kecit |
siddhavidyātvāt
|| 69 ||

In einem anderen Tantra heißt es: Nyāsa, Verehrung und alles Übrige sind wie bei Kumārī, du mit guten Gelübden. Zur Vollendung soll der vorzügliche Praktizierende das Mantra 100.000-mal wiederholen. Nach diesem Ausspruch verstehen einige das Puraścaraṇa als 100.000 Wiederholungen, da es sich um eine bereits vollendete Vidyā handelt.

P2-0692 · Originalnummer 70
atha kauleśabhairavī
jñānārṇave:
sampatpradābhairavīvadviddhi kauleśabhairavīm |
hasādyā saiva deveśi triṣu vījeṣu pārvati |
ityantu saharādyā syāddhyānapūjādikaṃ tathā |
asyārthaḥ:
trikūṭe sakārādiścettadā kauleśabhairavī bhavati
|| 70 ||

Nun Kauleśabhairavī. Im Jñānārṇava heißt es: Verstehe Kauleśabhairavī wie Sampatpradā Bhairavī. Pārvatī, dieselbe beginnt in ihren drei Bījas mit ha-sa; Meditation, Verehrung und die übrigen Handlungen sind entsprechend. Die Erläuterung lautet jedoch: Beginnen die drei Kūṭas mit sa, wird sie Kauleśabhairavī. [Vers und Erläuterung sind hinsichtlich ha-sa beziehungsweise sa widersprüchlich; „saharādyā“ ist zusätzlich beschädigt.]

P2-0694 · Originalnummer 72
atha sakalasiddhid⠖ bhairavī
jñānārṇave:
etasyā eva vidyāyā ādyante rephavarjite |
tadeyaṃ parameśāni nāmnā sakalasiddhidā |
sampatpradābhairavīvaddhyānapūjādikaṃ |
asyārthaḥ:
kauleśa - bhairavī ādyante rephavarjitā cettadā sakalasiddhidā -
bhairavī bhavati dhyānapūjādikantu sampatpradāvat
|| 72 ||

Nun Sakalasiddhidā Bhairavī. Im Jñānārṇava heißt es: Wenn bei dieser Vidyā im ersten und letzten Teil ra entfernt wird, heißt sie Sakalasiddhidā, höchste Herrin. Meditation und Verehrung erfolgen wie bei Sampatpradā Bhairavī. Die Erläuterung bestätigt: Kauleśabhairavī ohne ra im ersten und letzten Teil wird Sakalasiddhidā Bhairavī; Meditation, Verehrung und das Weitere entsprechen Sampatpradā.

P2-0696 · Originalnummer 74
atha caitanyabhairavī :
jñānārṇave:
vāgbhavaṃ bījamuccārya jīvaprāṇasamanvitam |
sakalā bhuvaneśānī dvitīyaṃ bījamuddharet |
jīvaṃ prāṇaṃ vahnisaṃsthaṃ śakrasvaravibhūṣitam |
visargāḍhyaṃ maheśāni vidyā trailocyamātṛkā
|| 74 ||

Nun Caitanyabhairavī, die Bhairavī des Bewusstseins. Im Jñānārṇava: Nachdem man das mit Jīva und Prāṇa verbundene Vāgbhava-Bīja ausgesprochen hat, leite man als zweites Bīja die vollständige Bhuvaneśānī ab. Jīva und Prāṇa stehen auf dem Feuerzeichen, sind mit dem Vokal Śakras geschmückt und reich an Visarga. O Maheśānī, diese Vidyā ist die Mutter der drei Welten. [Die Vorlage liest beschädigt „trailocya“.]

P2-0697 · Originalnummer 75
asyārthaḥ:
candraśivadvādaśasvarasaṃyuktaṃ vindunādāḍhyam iti prathamaṃ,
candrakāmapṛthvīmahāmāyā iti dvitīyam, candra - śivavahnibījaṃ
caturdaśasvarayuktaṃ visargāḍhyañca iti tṛtīyam
|| 75 ||

Seine Bedeutung: Das erste besteht aus Candra und Śiva, verbunden mit dem zwölften Vokal und ausgestattet mit Bindu und Nāda. Das zweite besteht aus Candra, Kāma, Pṛthvī und Mahāmāyā. Das dritte besteht aus Candra, Śiva und dem Feuer-Bīja, verbunden mit dem vierzehnten Vokal und ausgestattet mit Visarga. [Diese Namen dienen hier als verschlüsselte Bezeichnungen der Mantra-Laute.]

P2-0699 · Originalnummer 77
(citra 28)
asyāḥ pūjā:
prātaḥkṛtyādikaṃ vidhāya ādhāraśaktyādi hrīṃ jñānātmane
namaḥ ityantaṃ karma samāpya hṛtpadmasya pūrvādikrameṇa
keśareṣu oṃ vāmāyai namaḥ evaṃ jyeṣṭhāyai radryaṃ ambikāyai
icchāye jñānāyai kriyāyai kubjikāyai citrāyai viṣaghnikāyai
bhūcaryai ānandāyai madhye hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya
namaḥ |
sampatpradābālākauleśīsakalasiddhidāvidyānāṃ etā vā
pīṭhaśaktayaḥ jñānārṇavoktatvāt
|| 77 ||

[Abbildung 28.] Ihre Verehrung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen ausgeführt und die Handlungen von der Ādhāraśakti bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ“ — Verehrung dem Wesen der Erkenntnis — abgeschlossen hat, verehre man auf den Staubfäden des Herzlotus, im Osten beginnend, mit „oṃ vāmāyai namaḥ“ Vāmā und in gleicher Weise Jyeṣṭhā, Raudrī [in der Vorlage entstellt], Ambikā, Icchā, Jñānā, Kriyā, Kubjikā, Citrā, Viṣaghnikā, Bhūcarī und Ānandā. In der Mitte: „hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist. Auch für die Vidyās Sampatpradā, Bālā, Kauleśī und Sakalasiddhidā können diese als Kräfte des Kultsitzes gelten, da sie im Jñānārṇava genannt werden.

P2-0700 · Originalnummer 78
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ |
mukhe paṃkticchandase namaḥ |
hṛdi caitanya - bhairavyai devatāyai namaḥ
|| 78 ||

Danach der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen: Am Kopf: „dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Dakṣiṇāmūrti. Am Mund: „paṃkticchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Paṅkti. Am Herzen: „caitanyabhairavyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Caitanyabhairavī.

P2-0701 · Originalnummer 80
tataḥ karāṅganyāsau:
pūrvabījamuccāryaṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
dvitīyabījamuccārya tarjanībhyāṃ svāhā |
tṛtīyabījamuccārya madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
punaḥ prathamabījamuccārya anāmikābhyāṃ huṃ |
dvitīyabījamuccārya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
tṛtīyabījamuccārya karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca tatraiva:
dvirāvṛttyā ṣaḍaṅgāni nyāsaṃ sarvāṅgarakṣaṇam |
tato dhyānam:
udyadbhānusahasrābhāṃ nānālaṅkārabhūṣitām |
mukāṭāgralasaccandrarekhāṃ raktāmbarānvitām |
pāśāṃkuśadharāṃ nityāṃ vāmahaste kapālinīm |
varadābhayaśobhāḍhyāṃ pīnonnata ghanastanīm ||
evaṃ dhyātvā, mānasaiḥ sampūjya, śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā,
ādhāraśaktyādipīṭhapūjāṃ vidhāya
vāmājyeṣṭhādipīṭhaśaktīḥ pīṭhamanuñca pūjayet |
tato bhairavyukta gurupaṃktīḥ sampūjya, punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabhet
|| 80 ||

Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern: Nach dem Aussprechen des ersten Bīja: „aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — Verehrung den beiden Daumen. Nach dem zweiten: „tarjanībhyāṃ svāhā“ — svāhā den beiden Zeigefingern. Nach dem dritten: „madhyamābhyāṃ vaṣaṭ“ — vaṣaṭ den beiden Mittelfingern. Wieder nach dem ersten: „anāmikābhyāṃ huṃ“ — huṃ den beiden Ringfingern. Nach dem zweiten: „kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den beiden kleinen Fingern. Nach dem dritten: „karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ“ — phaṭ den Handflächen und Handrücken. Ebenso an Herz und den weiteren Körperstellen. Dort heißt es auch: Durch zweimalige Wiederholung vollziehe man die sechs Glieder; dieser Nyāsa schützt sämtliche Körperglieder. Dann die Meditation: Sie strahlt wie tausend aufgehende Sonnen und ist mit vielerlei Schmuck geziert. An der Spitze ihrer Krone glänzt die Mondsichel; sie trägt rote Gewänder. Die ewige Göttin trägt Schlinge und Stachel, in der linken Hand eine Schädelschale; sie glänzt durch die Gesten der Gabengewährung und Furchtlosigkeit und besitzt volle, hohe, feste Brüste. Nachdem man so meditiert, sie mit geistigen Opfergaben verehrt, die Muschel aufgestellt und den Kultsitz von Ādhāraśakti an verehrt hat, verehre man dessen Kräfte Vāmā, Jyeṣṭhā und die übrigen sowie den Mantra des Kultsitzes. Dann verehre man die bei Bhairavī genannten Guru-Reihen, meditiere erneut, vollziehe die Handlungen von der Herbeirufung bis zur Darbringung von fünf Blumenhandvoll und beginne die Verehrung der umgebenden Kreise.

P2-0702 · Originalnummer 81
tadyathā:
agnikoṇe prathamaṃ bījamuccārya hṛdayāya namaḥ |
īśāne dvitīyaṃ bījamuccārya śirase svāhā |
nair-ṛte tṛtīyaṃ bījamuccārya śikhāyai vaṣaṭ |
vāyukoṇe punaḥ prathamaṃ bījamuccārya kavacāya huṃ |
madhye dvitīyaṃ bījamuccārya netratrayāya vauṣaṭ caturdika
tṛtīyabīmuccārya astrāya phaṭ |
tataḥ pūrvavadratyādikaṃ sampūjya, agre oṃ vasantāya namaḥ, vāme
oṃ kāmadevāya namaḥ, dakṣiṇe oṃ cāpāya namaḥ |
tataḥ pūrvavadvāṇān pūjayet |
tataḥ ṣaṭkoṇe pūrvādi oṃ ḍākinyai namaḥ |
evaṃ rākiṇyai lākinyai kākinyai śākinyai hākinyai iti
praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tato'ṣṭadaleṣu pūrvādi pūrvoktānaṅgakusumādīn pūjayet |
patrāgreṣu pūrvādi oṃ parabhṛtāya namaḥ, ebhaṃ sārasāya śukāya
meghāhvayāya meghāya iti vā apāṅgāya bhrūvilāsāya hāvāya
bhāvāya |
tataḥ indrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
lakṣyasaṃkhyākaṃ japenmantramityādi
|| 81 ||

Dies geschieht so: In der Feuerecke spreche man das erste Bīja und „hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen. Im Nordosten das zweite und „śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf. Im Südwesten das dritte und „śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf. In der Windecke wieder das erste und „kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer. In der Mitte das zweite und „netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen. In den vier Richtungen das dritte und „astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Dann verehre man Rati und die übrigen wie zuvor, vor der Göttin mit „oṃ vasantāya namaḥ“ Vasanta, links mit „oṃ kāmadevāya namaḥ“ Kāmadeva und rechts mit „oṃ cāpāya namaḥ“ den Bogen. Danach verehre man wie zuvor die Pfeile. Im Sechseck, im Osten beginnend: „oṃ ḍākinyai namaḥ“ und entsprechend Rākiṇī, Lākiṇī, Kākiṇī, Śākiṇī und Hākiṇī; jede Formel beginnt mit oṃ und endet mit namaḥ. Auf den acht Blütenblättern verehre man, im Osten beginnend, die zuvor genannten Anaṅgakusuma und die übrigen. An den Blattspitzen, im Osten beginnend, verehre man mit „oṃ parabhṛtāya namaḥ“ den Kuckuck, entsprechend den Sārasa-Vogel, Papagei, Meghāhvaya und Megha; oder Apāṅga, den Seitenblick, Bhrūvilāsa, das Spiel der Brauen, Hāva, die anmutige Gebärde, und Bhāva, den Gefühlsausdruck. [Die beiden Listen sind in der Vorlage nicht gleich lang.] Danach verehre man Indra und die übrigen sowie den Donnerkeil und die übrigen Waffen. Man beende die Handlung mit Räucherwerk und den weiteren Gaben bis zur Entlassung. Die vorbereitende Mantra-Praxis besteht aus 100.000 Wiederholungen. So im Jñānārṇava: Man wiederhole den Mantra 100.000-mal — und so weiter.

P2-0703 · Originalnummer 82
atha kāmeśvarībhairavī
jñānārṇave:
kāmeśvarī ca rudrārṇā pūrvasiṃhāsane sthitā |
etasyā eva vidyāyā bījadvayamudāhṛtam |
tadante parameśāni nityaklinne madadrave |
etasyā eva tartīyaṃ rudrārṇā parameśvarī |
pūjādhyānādikaṃ sarvaṃ caitanyā iva pūrvavat |
trikoṇeṣu śiśeṣo'sti kathayāmi varānane |
agrakoṇa krameṇaiva nityāṃ kilannāṃ madadravām |
ṣaḍaṅgāvaraṇaṃ paścāt pūjayet sarvasiddhaye
|| 82 ||

Nun Kāmeśvarībhairavī. Im Jñānārṇava: Kāmeśvarī hat elf Silben und befindet sich auf dem vorderen Löwenthron. Die beiden Bījas eben dieser Vidyā sind angegeben. An ihrem Ende, o Parameśānī, stehen „nityaklinne madadrave“ — o ewig Feuchte, o im Rausch Dahinschmelzende — und dann ihr drittes Bīja. Die höchste Göttin hat elf Silben. Verehrung, Meditation und alles Weitere erfolgen wie zuvor bei Caitanyā. In den Dreiecksecken gibt es eine Besonderheit; ich erkläre sie dir, o Schönangesichtige: Von der vorderen Ecke aus verehre man der Reihe nach Nityā, Klinnā und Madadravā; danach verehre man die Umfassung der sechs Glieder zur Erlangung aller Vollkommenheiten.

P2-0704 · Originalnummer 83
atha ṣaṭkūṭābhairavī
jñānārṇave:
ḍākinī rākiṇī jīje lākinī kākinī yugam |
śākinī hākinī bīje āhṛtya surasundari |
ādyamaikārasaṃyuktamanyadīkāramaṇḍitam |
śatrusvarānvitaṃ devi tārtīyaṃ bījamālikhet |
vindunādakalākrāntaṃ tṛtīyaṃ śailasambhave |
tṛtīyaṃ bījaṃ savisargamiti kecit
|| 83 ||

Nun Ṣaṭkūṭābhairavī. Im Jñānārṇava: Nimm die Bījas von Ḍākinī und Rākiṇī, das Paar Lākinī und Kākiṇī sowie die Bījas von Śākinī und Hākinī, o Schöne unter den Göttern. Das erste ist mit dem Vokal ai verbunden, das andere mit ī geschmückt. Das dritte Bīja zeichne mit dem Vokal Śatras, o Göttin. [„śatru“ ist hier eine unsichere Lesart des verschlüsselten Vokalnamens.] Das dritte ist mit Bindu, Nāda und Kalā versehen, o Tochter des Berges. Manche sagen, das dritte Bīja habe Visarga.

P2-0705 · Originalnummer 84
tantrāntare:
urau kṣmāmādanaṃ bījaṃ śivamatra tridhālikhet |
arkeṇa māyāśakrābhyāṃ krama tanmaṇḍitaṃ kuru |
vindunādānvitañcādyayugmamantyaṃ visargavat
|| 84 ||

In einem anderen Tantra: Schreibe das Bīja [der Anfang „urau kṣmāmādanaṃ“ ist beschädigt und nicht sicher deutbar] und Śiva hier dreimal. Schmücke es der Reihe nach mit Arka, Māyā und Śakra. Das erste Paar ist mit Bindu und Nāda verbunden, das letzte mit Visarga. [Die verschlüsselten Lautnamen werden aufgrund der beschädigten Vorlage nicht zu einem vermeintlich gesicherten Mantra ergänzt.]

P2-0709 · Originalnummer 88
atha nityābhairavī
jñānārṇave:
etasyā eva vidyāyaḥ ṣaḍvarṇān kramaśaḥ sthitān |
viparītān prauḍhe vidyeyaṃ bhogamokṣadā |
nyāsapūjādikaṃ sarvamasyāḥ pūrvavadācaret
|| 88 ||

Nun Nityābhairavī. Im Jñānārṇava: Werden die sechs Laute eben dieser Vidyā, die der Reihe nach angeordnet sind, umgekehrt, o Erhabene, so gewährt diese Vidyā Genuss und Befreiung. Nyāsa, Verehrung und alles Weitere führe man bei ihr wie zuvor aus.

P2-0710 · Originalnummer 89
atha rudrabhairavī
jñānārṇave:
śivacandrau madanāntaṃ pāntaṃ vahnisamanvitam |
śaktibhinnaṃ vindunādakalāḍhyaṃ vāgbhavaṃ priye |
sampatpradāyai bhairavyāḥ kāmarājaṃ tadeva hi |
sadāśivasya bījantu mahāsiṃhāsanasya ca |
eṣā vidyā maheśāni varṇituṃ naiva śakyate |
asyārthaḥ:
śivacandrakāntapāntavahniyuktaṃ ekādaśasvaraviśiṣṭaṃ
vindunādakalānvitaṃ vāgbhavaṃ bījam |
śivacandrakāmapṛthvīvahnicaturthasvaraviśiṣṭaṃ
nādavindukalānvitaṃ kāmarājabījaṃ pretabījaṃ śaktikūṭaṃ
tṛtīyam
|| 89 ||

Nun Rudrabhairavī. Im Jñānārṇava: Śiva und Candra, endend mit Madana und mit dem auf pa endenden Zeichen, verbunden mit Feuer, durch Śakti unterschieden und reich an Bindu, Nāda und Kalā, bilden das Vāgbhava, o Liebe. Das Kāmarāja ist eben jenes der Bhairavī Sampatpradā. Dazu kommen das Bīja Sadāśivas und das des großen Löwenthrons. Diese Vidyā, o Maheśānī, lässt sich wahrlich nicht beschreiben. Seine Bedeutung: Das Vāgbhava-Bīja ist mit Śiva, Candra, dem auf ka endenden Zeichen, dem auf pa endenden Zeichen und Feuer verbunden, durch den elften Vokal bestimmt und mit Bindu, Nāda und Kalā versehen. Das Kāmarāja-Bīja ist durch Śiva, Candra, Kāma, Pṛthvī, Feuer und den vierten Vokal bestimmt und mit Nāda, Bindu und Kalā versehen. Das dritte ist das Preta-Bīja, der Śaktikūṭa. [Die Lautumschreibungen des Verses und der Erklärung stimmen in der beschädigten Vorlage nicht überall eindeutig überein.]

P2-0712 · Originalnummer 91
(citra 30)
asyāḥ pūjā:
prātaḥkṛtyādiprāṇāyāmāntaṃ vidhāya caitanyabhairavīvat
pīṭhanyāsaṃ kuryāt |
yathā:
ādhāraśaktyādi hrīṃ jñānātmane namaḥ ityantaṃ vinyasya,
pūrvādikrameṇa oṃ vāmāyai namaḥ, evaṃ jyeṣṭhāyai raudryai kālyai
kalavikariṇyai balapramathinyai sarvabhūtadamanyai, madhye oṃ
manonmanyai iti pīṭhaśaktīrvinyasya pīṭhamanuṃ nyaset |
atra pīṭhamantrastu:
aghore aiṃ ghore hrīṃ sarvataḥ sarvasarvebhyo ghoraghoratare śrīṃ
namo'stu rudrarūpebhyaḥ aiṃ hrīṃ śrīṃ |
tathā ca jñānārṇave:
aghore vāgbhavaṃ paścādghore tu bhuvaneśvarī |
sarvataḥ sarvasarvebhyo ghora - ghoratare ramām |
namo'stu rudrarūpebhyo devyā bījatrayaṃ likhet |
triṃśadbhiśca tribhirvarṇairvidyeyaṃ kathitā priye
|| 91 ||

[Abbildung 30.] Ihre Verehrung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen bis einschließlich der Atemregelung ausgeführt hat, vollziehe man den Nyāsa des Kultsitzes wie bei Caitanyabhairavī. So: Nachdem man Ādhāraśakti und die übrigen bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ“ — Verehrung dem Wesen der Erkenntnis — auf den Körper gelegt hat, lege man im Osten beginnend mit „oṃ vāmāyai namaḥ“ Vāmā und entsprechend Jyeṣṭhā, Raudrī, Kālī, Kalavikariṇī, Balapramathinī und Sarvabhūtadamanī auf; in der Mitte mit „oṃ manonmanyai“ Manonmanī. Nachdem man diese Kräfte des Kultsitzes aufgelegt hat, lege man dessen Mantra auf. Der Mantra des Kultsitzes lautet hier: „aghore aiṃ ghore hrīṃ sarvataḥ sarvasarvebhyo ghoraghoratare śrīṃ namo'stu rudrarūpebhyaḥ aiṃ hrīṃ śrīṃ“. Sein verständlicher Wortteil bedeutet: O Nichtschreckliche, o Schreckliche, von überall her, allen sämtlichen, o Schreckliche und noch Schrecklichere: Verehrung sei den Rudra-Gestalten. So auch im Jñānārṇava: Nach „aghore“ steht Vāgbhava, nach „ghore“ Bhuvaneśvarī. Nach „sarvataḥ sarvasarvebhyo ghoraghoratare“ steht Ramā. Nach „namo'stu rudrarūpebhyo“ schreibe man die drei Bījas der Göttin. Diese Vidyā wird mit dreiunddreißig Lauten angegeben, o Liebe.

P2-0713 · Originalnummer 92
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ |
mukhe paṃkticchandase namaḥ |
hṛdi rudrabhairavyai devātāyai namaḥ
|| 92 ||

Danach der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen: Am Kopf: „dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Dakṣiṇāmūrti. Am Mund: „paṃkticchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Paṅkti. Am Herzen: „rudrabhairavyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Rudrabhairavī.

P2-0714 · Originalnummer 93
tataḥ karāṅganyāsau:
prathamaṃ bījamuccārya aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
dvitīyaṃ bījamuccārya tarjanībhyāṃ svāhā |
tṛtīyaṃ bījamuccārya madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
punaḥ prathamaṃ bījamuccārya anāmikābhyāṃ huṃ |
dvitīyaṃ bījamuccārya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
tṛtīyaṃ bījamuccārya karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 93 ||

Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern: Nach dem ersten Bīja: „aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — Verehrung den beiden Daumen. Nach dem zweiten: „tarjanībhyāṃ svāhā“ — svāhā den beiden Zeigefingern. Nach dem dritten: „madhyamābhyāṃ vaṣaṭ“ — vaṣaṭ den beiden Mittelfingern. Wieder nach dem ersten: „anāmikābhyāṃ huṃ“ — huṃ den beiden Ringfingern. Nach dem zweiten: „kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den beiden kleinen Fingern. Nach dem dritten: „karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ“ — phaṭ den Handflächen und Handrücken. Ebenso an Herz und den weiteren Körperstellen.

P2-0716 · Originalnummer 95
tataścaitanyabhairavyuktapīṭhapūjāṃ vidhāya,
etanmantroktapīṭhamantreṇa pīṭhaṃ sampūjya, punardhyātvā
āvāhanādi - pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya,
āvaraṇapūjāmārabheta |
yathā:
agnikoṇe prathamaṃ bījamuccārya hṛdayāya namaḥ |
īśāne dvitīyaṃ bījamuccārya śirase svāhā |
nair-ṛte tṛtīyaṃ bījamuccāryaṃ śikhāyai vaṣaṭ |
vāyau punaḥ prathamaṃ bījamuccārya kavacāya hum |
madhye punardvitīyabījamuccārya netratrayāya vauṣaṭ |
caturdikṣu punastṛtīyaṃ bījamuccārya astrāya phaṭ |
tatastrikoṇe ratnayādikamabhyarcya patramūle anaṅgakusumādikaḥ |
pūjayet |
patreṣu pūrvādi asitāṅgabrāhmyādīn sampūjya bhugṛhe
indrādilokapālān vajrāṃdīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 95 ||

Danach vollziehe man die bei Caitanyabhairavī beschriebene Verehrung des Kultsitzes und verehre den Sitz mit dem für diesen Mantra angegebenen Sitz-Mantra. Man meditiere erneut, vollziehe die Handlungen von der Herbeirufung bis zur Darbringung von fünf Blumenhandvoll und beginne die Verehrung der umgebenden Kreise. So: In der Feuerecke das erste Bīja und „hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen. Im Nordosten das zweite und „śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf. Im Südwesten das dritte und „śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf. In der Windecke wieder das erste und „kavacāya hum“ — hum dem Schutzpanzer. In der Mitte wieder das zweite und „netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen. In den vier Richtungen wieder das dritte und „astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Dann verehre man im Dreieck Rati und die übrigen [die Vorlage liest „ratnayādi“], an den Blattwurzeln Anaṅgakusuma und die übrigen. Auf den Blütenblättern verehre man, im Osten beginnend, Asitāṅga, Brāhmī und die übrigen; in der Erdumfassung die Weltenhüter Indra und die übrigen sowie den Donnerkeil und die übrigen Waffen. Danach beende man die Handlung mit Räucherwerk und den weiteren Gaben bis zur Entlassung.

P2-0717 · Originalnummer 96
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣaṃ sampūjya mantrajño mantraṃ mantravidāṃ varaḥ |
iti vacanāt
|| 96 ||

Die vorbereitende Mantra-Praxis besteht aus 100.000 Wiederholungen. Denn es heißt: Der Mantra-Kundige, der Beste unter den Kennern der Mantras, verehre [die Gottheit] und [wiederhole] den Mantra 100.000-mal. [Die zitierte Zeile nennt kein eindeutiges Verb für die Wiederholung; die Ergänzung folgt dem einleitenden Prosasatz.]

P2-0718 · Originalnummer 97
atha bhuvaneśvarībhairavī
jñānārvave:
hasādyaṃ vāgbhavañcādyaṃ hasakānte sureśvari |
bhūbījaṃ bhuvaneśānī dvitīyaṃ bījamuddhṛtama ||
śivacandrau maheśāni bhuvaneśo ca bhairavī |
tathā ca tripurārṇave:
haṃsāstrayo dantyasakārarūḍhā vasvabdhipaṃktisvarasaṃvibhinnāḥ
|
ādau savindu parato visargī madhyo virañcīndraharāgniyuktaḥ |
asyārthaḥ:
śivacandravāgbhavamiti prathamaṃ bījam |
śivacandrakāmapṛthivīmahāmāyā iti dvitīyaṃ bījam |
śivacandracaturdaśasvaraḥ savisarga iti tṛtīyaṃ bījam |
asyāḥ pūjāyantraṃ caitanya - bhairavīvadbodhyam
|| 97 ||

Nun Bhuvaneśvarībhairavī. Im Jñānārṇava: Das erste ist das mit ha und sa beginnende Vāgbhava. Nach ha, sa und ka, o Herrin der Götter, stehen das Erd-Bīja und Bhuvaneśānī: So ist das zweite Bīja abgeleitet. Śiva und Candra, o Maheśānī, und Bhuvaneśa bilden Bhairavī. So auch im Tripurārṇava: Drei Haṃsas sind mit dem dentalen sa verbunden und durch die Vokale Acht, Vier und Zehn unterschieden. Das erste besitzt Bindu, das letzte Visarga; das mittlere ist mit Virañci, Indra, Hara und Feuer verbunden. Seine Bedeutung: Śiva, Candra und Vāgbhava bilden das erste Bīja. Śiva, Candra, Kāma, Pṛthivī und Mahāmāyā bilden das zweite. Śiva, Candra und der vierzehnte Vokal mit Visarga bilden das dritte. Ihr Verehrungs-Yantra ist wie das der Caitanyabhairavī zu verstehen. [Die verschlüsselten Vokalzahlen des Zitats und die anschließende Erklärung sind in der Vorlage nicht eindeutig deckungsgleich.]

P2-0719 · Originalnummer 98
pūjanantu:
prātaḥkṛtyādiprāṇāyāmāntaṃ vidhāya
caitanyabhairavyuktapīṭhanyāsaṃ kṛtvā, ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
yathā:
śirasi dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ |
mukhe paṃkticchandase namaḥ |
hṛdi bhuvaneśvarībhairavyai devatāyai namaḥ
|| 98 ||

Die Verehrung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen bis zur Atemregelung ausgeführt und den bei Caitanyabhairavī angegebenen Nyāsa des Kultsitzes vollzogen hat, vollziehe man den Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen. So: Am Kopf „dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Dakṣiṇāmūrti. Am Mund „paṃkticchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Paṅkti. Am Herzen „bhuvaneśvarībhairavyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Bhuvaneśvarībhairavī.

P2-0720 · Originalnummer 99
tataḥ karāṅganyāsau |
tathā ca jñānārṇave:
ṣaḍdīrghabhājā madhyena kuryādaṅgakriyāṃ manoḥ |
tena ṣaḍdīrghayuktena madhyabījena karāṅganyāsaḥ |
yathā:
hsklhrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
evaṃ hsklhrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā ityādinā nyaset |
evaṃ hṛdayādiṣu
|| 99 ||

Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern. So im Jñānārṇava: Mit dem mittleren [Bīja], das an den sechs langen Vokalen teilhat, vollziehe man die Gliederhandlung des Mantras. Daher geschehen die Hand- und Gliedernyāsas mit dem mittleren Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen. So: „hsklhrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — hsklhrāṃ, Verehrung den beiden Daumen. Ebenso „hsklhrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā“ — hsklhrīṃ, svāhā den beiden Zeigefingern — und so weiter lege man es auf. Ebenso an Herz und den weiteren Körperstellen. [Die Konsonantenfolge wird unverändert nach der Vorlage wiedergegeben.]

P2-0723 · Originalnummer 2
atha tripurābālā - mantraḥ
śāradāyām:
adharo vindumānādyaṃ brahmendrasthaḥ śaśīyutaḥ |
dvitīyaṃ bhṛgusargāḍhyo manustārtīya īritaḥ |
eṣā bāleti vikhyātā trailokyavaśakāriṇī |
asyārthaḥ:
vāgbhavaṃ kāmabījaṃ candrabījañca savisargaṃ
caturdaśasvarayuktam
|| 2 ||

Nun der Mantra der Tripurābālā. In der Śāradā: Das erste ist Adhara mit Bindu; das zweite steht auf Brahmā und Indra und ist mit dem Mond verbunden. Als dritter Mantra-Laut wird Bhṛgu mit Visarga genannt. Diese ist als Bālā bekannt, die die drei Welten ihrem Willen unterwirft. Seine Bedeutung: Vāgbhava, das Kāma-Bīja und das Candra-Bīja, letzteres mit Visarga und dem vierzehnten Vokal verbunden.

P2-0724 · Originalnummer 3
asyāḥ pūjādikantu tripurābhairavīvat |
śāradāyāmuktatvāt |
jñānārṇave tu viśeṣa uktaḥ |
nyāsādikantu etadvījenaiva karttavyam |
yathā:
ṣaḍaṅgamācareddevi dvirāvṛttyā krameṇa tu
|| 3 ||

Ihre Verehrung und alles Weitere erfolgen wie bei Tripurābhairavī, weil dies in der Śāradā gesagt wird. Im Jñānārṇava wird jedoch eine Besonderheit genannt. Nyāsa und die übrigen Handlungen sind mit eben diesen Bījas auszuführen. So: Man vollziehe die sechs Glieder durch zweimalige Wiederholung der Reihe nach, o Göttin.

P2-0725 · Originalnummer 4
asya puraścaraṇaṃ trilakṣajapaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ havanaṃ bhavet |
tarpaṇantu tathā kuryātsarvasaubhāgyabhāgbhavet |
itareṣāṃ lakṣajapaḥ śrīvidyoktatvāt
|| 4 ||

Die vorbereitende Mantra-Praxis besteht aus 300.000 Wiederholungen. So im Jñānārṇava: Man wiederhole den Mantra für jeden seiner Laute 100.000-mal. Das Feueropfer soll ein Zehntel davon betragen. Ebenso vollziehe man die Trankspende; dann erlangt man Anteil an allem Wohlergehen. Für die übrigen [Formen] gelten 100.000 Wiederholungen, da dies im Abschnitt über Śrīvidyā gesagt ist.

P2-0726 · Originalnummer 5
mantrāntaram :
jñānārṇave:
sūryasvaraṃ samuccārya vindunādakalātmakam |
svarāntaṃ pṛthivīsaṃsthaṃ turyasvarasamanvitam |
vindunādakalākrāntaṃ sargavānbhṛguravyayaḥ |
śakrasvarasamāyuktā vidyeyaṃ tryakṣarī matā ||
avyayo vinduḥ |
dakṣiṇāmūrtisaṃhitāyāmapyevam |
eṣā visargavindvantā śaptā
|| 5 ||

Ein anderer Mantra. Im Jñānārṇava: Man spreche den Sonnenvokal aus, dessen Wesen Bindu, Nāda und Kalā ist; das Ende der Vokalreihe steht auf Pṛthivī, ist mit dem vierten Vokal verbunden und von Bindu, Nāda und Kalā durchdrungen. Bhṛgu hat Visarga und Avyaya und ist mit dem Vokal Śakras verbunden. Diese Vidyā gilt als dreisilbig. Avyaya bedeutet Bindu. Ebenso steht es in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā. Diese Form, die auf Visarga und Bindu endet, ist verflucht. [Die Lautableitung der Vorlage ist elliptisch.]

P2-0727 · Originalnummer 7
etāṃ vidyāmadhikṛtya sārasamuccayādau śāpabodhanāt |
tadyathā:
vidyāmūlotpattireṣā mayoktā jñātavyeyaṃ sarvadā siddhikāmaiḥ |
devyā śaptā yena vidyeyamādyā pūrvaṃ tena prāṇahīnā bhavet sā
| iti 6 ||
muṇḍamālātantre'pi:
kumārī yā ca vidyeyaṃ tvayā śaptā pativrate |
tathādyena tu luptā'sau madhyanena tu kīlitā |
antimena tu sambhinnā tena vidyā na sidhyati |
na caivaṃ śāradoktavidyāpi śaptā syāditi vācyam |
tasyā jñānārṇavoktavindughaṭitasya śaptavyatvāt
|| 7 ||

Denn im Sārasamuccaya und anderen Werken wird hinsichtlich dieser Vidyā ein Fluch erklärt. So: Diesen Ursprung der Vidyā habe ich dargestellt; wer Vollkommenheit begehrt, muss ihn stets kennen. Weil die Göttin diese ursprüngliche Vidyā einst verfluchte, ist sie ohne Lebenshauch. [Hier enthält der zitierte Text zusätzlich die ursprüngliche Nummer 6.] Auch im Muṇḍamālātantra: Diese Vidyā, die Kumārī ist, wurde von dir verflucht, o Gattentreue. Durch den ersten [Laut] ist sie ausgelöscht, durch den mittleren festgenagelt und durch den letzten gespalten; deshalb gelangt die Vidyā nicht zur Vollendung. Man darf nicht einwenden, dass dann auch die in der Śāradā gelehrte Vidyā verflucht sein müsse. Denn verflucht ist diejenige, die aus den im Jñānārṇava genannten, mit Bindu versehenen [Lauten] zusammengesetzt ist.

P2-0728 · Originalnummer 8
śāpoddhāramāha muṇḍamālātanre:
kevalaṃ śivarūpeṇa śaktirūpeṇa kevalam |
mayā pratiṣṭhitā vidyā iti |
tena hakārasakārau vāgbhave kāmarāje ca tṛtīyabīje ca hakāraḥ |
vakṣyamāṇasārasamuccaye tathā darśanāt
|| 8 ||

Die Aufhebung des Fluches erklärt das Muṇḍamālātantra: Allein in Śivas Gestalt, allein in Śaktis Gestalt habe ich die Vidyā gefestigt. Daraus folgen die Laute ha und sa im Vāgbhava und im Kāmarāja, und ha im dritten Bīja; denn so wird es im noch zu erwähnenden Sārasamuccaya gezeigt.

P2-0729 · Originalnummer 9
tripurāsāre'pi:
śivaśaktibījamata eva śambhunā nihitaṃ tayorupari pūrvabījayoḥ |
svakulaṃ paropari ca madhyamādhare dahanaṃ tataḥ prabhṛti
so'rjitābhavat |
madhyamādhare madhyabījasya paścāt
|| 9 ||

Auch im Tripurāsāra: Eben deshalb setzte Śambhu das Bīja von Śiva und Śakti über die beiden ersten Bījas; sein eigenes Kula über das andere und Feuer unter das mittlere. Von da an gewann sie Kraft. „Unter das mittlere“ bedeutet: nach dem mittleren Bīja. [Die verschlüsselten Bezüge von „sein eigenes Kula“ und „das andere“ sind im Zitat nicht weiter aufgelöst.]

P2-0730 · Originalnummer 10
rudrayāmale'pi:
vāgbhavaṃ prathamaṃ devi kāmabījaṃ dvitīyakam |
tṛtīyaṃ śaktibījantu śivayuktaṃ sadā bhavet
|| 10 ||

Auch im Rudrayāmala: Das erste ist Vāgbhava, o Göttin; das zweite ist das Kāma-Bīja. Das dritte, das Śakti-Bīja, soll stets mit Śiva verbunden sein.

P2-0731 · Originalnummer 11
eṣā bālā samākhyātā sarvadoṣavivarjitā |
(ādibījaṃ bhavenmadhye madhyañcādau niyojayet |
evaṃ yo japate mantraṃ trailokyaisvaryabhāgbhavet |
sādhyamadhye'ntimaṃ madhye madhyañcādau niyojayet |
evaṃ kṛtvā japenmantraṃ sarvasiddhimavāpnuyāt |)
|| 11 ||

Diese wird Bālā genannt und ist von allen Fehlern frei. (Das erste Bīja soll in der Mitte stehen; das mittlere setze man an den Anfang. Wer den Mantra so wiederholt, wird der Herrschaft über die drei Welten teilhaftig. In die Mitte des zu Beeinflussenden [die syntaktische Zuordnung von „sādhyamadhye“ ist unsicher] setze man das letzte, in die Mitte [das erste], und das mittlere an den Anfang. Wenn man so verfährt und den Mantra wiederholt, erlangt man alle Vollkommenheiten.)

P2-0732 · Originalnummer 12
mantrāntaram :
śrīkrame:
vāgbhavaṃ kledinībījamīkārāntaṃ paṭhet |
śaktimaukārasaṃyuktaṃ visargaṃ tadadhaḥ paṭhet |
vindunādaśikhākrāntaṃ bījaṃ paramadurlabham
|| 12 ||

Ein anderer Mantra. Im Śrīkrama: Man rezitiere Vāgbhava und das auf ī endende Kledinī-Bīja. Man rezitiere Śakti, verbunden mit au, und darunter Visarga. Das Bīja, von Bindu, Nāda und Śikhā durchdrungen, ist höchst schwer zu erlangen.

P2-0733 · Originalnummer 13
etadbījatrayaṃ devi sauḥ klīñca tadanantaram |
iyaṃ pañcākṣarī vidyā kathitā bhuvi durlabhā
|| 13 ||

Auf diese drei Bījas, o Göttin, folgen sauḥ und danach klīṃ [die Vorlage schreibt „klīñ“]. Diese fünfsilbige Vidyā wird als auf Erden schwer zu erlangen bezeichnet.

P2-0734 · Originalnummer 14
mantrāntaraṃ tatraiva:
bālābījatrayaṃ devi haṃsādyaṃ vā japetsudhīḥ |
haṃsāntaṃ vā mahābhāge suptādidoṣaśuddhaye
|| 14 ||

Ein anderer Mantra, ebendort: Der Verständige wiederhole die drei Bījas der Bālā, o Göttin, entweder mit Haṃsa am Anfang oder mit Haṃsa am Ende, o Hochbeglückte, um Fehler wie den schlafenden Zustand zu bereinigen.

P2-0735 · Originalnummer 15
atraiva:
pāśabījaṃ maheśāni śaktiśaivaṃ savahnikam |
dvādaśasvarasaṃyuktaṃ nādavinduvibhūṣitam |
kāmarājaṃ pravakṣyāmi hrīṃkāraṃ śaktiśaivakam |
mādanañcendrabījañca vahnivāmākṣivindumat ||
śaktikūṭaṃ mahādevi kroṅkāraṃ śaktiśaivakam |
vahnibījaṃ manoryuktaṃ nādavindusasargakam |
caturdaśākṣarī vidyā ṣoḍaśīṃ śṛṇu cāmbike |
haṃsabījaṃ tataḥ paścātṣoḍaśī kathitā mayā
|| 15 ||

Ebendort: Das Schlingen-Bīja, o Maheśānī, besteht aus Śakti und Śiva mit Feuer, verbunden mit dem zwölften Vokal und geschmückt mit Nāda und Bindu. Ich will Kāmarāja erklären: hrīṃ, Śakti und Śiva, Madana und das Indra-Bīja, Feuer, das linke Auge und Bindu. Der Śaktikūṭa, o große Göttin, besteht aus kroṃ, Śakti und Śiva, dem Feuer-Bīja, verbunden mit dem Manu-Vokal, mit Nāda, Bindu und Visarga. Dies ist die vierzehnsilbige Vidyā. Höre nun die sechzehnsilbige, o Ambikā: Danach folgt das Haṃsa-Bīja; so habe ich die sechzehnsilbige erklärt.

P2-0736 · Originalnummer 16
atha navakūṭābālā :
tatraiva:
bālābījatrayaṃ devi kūṭatrayaṃ navākṣarī ||
viyatkūṭatrayaṃ devi bhairavyā navakūṭakam
|| 16 ||

Nun die Bālā der neun Kūṭas. Ebendort: Die drei Bījas der Bālā, o Göttin, bilden die drei Kūṭas der neunsilbigen [Vidyā]. Drei Raum-Kūṭas, o Göttin, bilden den neunfachen Kūṭa der Bhairavī. [Die knappe Vorlage erläutert diese Zusammensetzung nicht weiter.]

P2-0737 · Originalnummer 17
mantrāntaram śrīkrame:
śivaḥ śaktiśca vāgbījaṃ nādavindukalānvitam |
vāgbhavaṃ kathitaṃ devi kāmarājaṃ śṛṇu priye |
śivaśaktimādanendra vahnimāyāsamanvitam |
nādavindukalākrāntaṃ kūṭaṃ paramadurlabham |
śivaścandraśca satyāntaḥ sargavindukalānvitam |
eṣā navākṣarī bālā sarvadoṣa vivarjitā |
asyārtha:
śivaścandravāgbhavaṃ prathamam,
śivacandrakāmabhūvahnituryasvaravinduyuktaṃ dvitīyam |
śivacandracaturdaśasvaravindusargayuktaṃ tṛtīyam
|| 17 ||

Ein anderer Mantra, im Śrīkrama: Śiva, Śakti und das Sprach-Bīja mit Nāda, Bindu und Kalā: Dies wird Vāgbhava genannt, o Göttin. Höre Kāmarāja, o Liebe: Śiva, Śakti, Madana, Indra, Feuer und Māyā bilden den mit Nāda, Bindu und Kalā durchdrungenen Kūṭa, der höchst schwer zu erlangen ist. Śiva und Candra, endend mit Satya, sind mit Visarga, Bindu und Kalā versehen. Dies ist die neunsilbige Bālā, frei von allen Fehlern. Seine Bedeutung: Das erste besteht aus Śiva, Candra und Vāgbhava. Das zweite ist mit Śiva, Candra, Kāma, Erde, Feuer, dem vierten Vokal und Bindu verbunden. Das dritte ist mit Śiva, Candra, dem vierzehnten Vokal, Bindu und Visarga verbunden. [„satyāntaḥ“ im Vers ist als Lautumschreibung unsicher.]

P2-0738 · Originalnummer 19
aparā candrādiḥ |
tathā ca tripurāsāre:
bhairavīyamuditā'kulapūrvā deśikairyadi bhavet kulapūrvā |
saiva śīghraphaldā bhuvi vidyetyucyate paśujaneṣvatigopyā |
mantrāntaram :
tripurāsāre:
śivāṣṭamaṃ kevalamādibījaṃ bhagasya pūrvāṣṭamabījamanyat |
paraṃ śivo'ntaṃ gaṇitā trivarṇā saṅketavidyā guruvaktragamyā
|| 19 ||

Eine andere beginnt mit Candra. So im Tripurāsāra: Diese Bhairavī wird von den Lehrern als mit Akula beginnend bezeichnet. Wenn sie mit Kula beginnt, so wird eben diese Vidyā auf Erden als schnell fruchtbringend bezeichnet; vor Menschen im Paśu-Zustand ist sie streng geheim zu halten. Ein anderer Mantra, im Tripurāsāra: Allein Śivas achter [Vokal] ist das erste Bīja; das andere ist Bhagas vorhergehendes achtes Bīja. Das letzte ist das Ende Śivas. Als dreilautig zählt man diese verschlüsselte Vidyā, die aus dem Mund des Gurus zu lernen ist.

P2-0739 · Originalnummer 20
asyārthaḥ:
bālā tu trividhā vindvantā vinduvisargāntā visargāntā ca |
atra vindvantamuddharati:
śivāṣṭamam aikāraḥ, sammohanākhyaṃ śivāṣṭamamiti |
śiva ūkāraḥ tasyāṣṭamam aikāraḥ kevalaṃ vinduḥ ke mastake valate
iti vyutpattyā anusvārastaduyuktam arśa āditvāt |
prathamabījam etena vāgbhavaṃ bījam |
bhaga ekāraḥ tasya pūrvāṣṭamaṃ bījam ikāraṃ dvitīyam |
evaṃ śirasi nyāsayonyam okārastasyānte yat aukāraṃ tṛtīyaṃ bījaṃ
kevalam etena bījatrayam vindunādaviśiṣṭam |
mantrāntaraṃ tatraiva:
śaktiḥ śivo vahnibījaṃ dvādaśasvaravindukam |
śaktirmaheśaḥ kāmaśca indro vahnīndu māyayā ||
śaktiḥ śivaśca vahniśca manusvaravisargakaḥ |
nādavindukalāyuktaṃ bījametatprakīrtim
|| 20 ||

Seine Bedeutung: Bālā ist dreifach: Sie endet auf Bindu, auf Bindu und Visarga oder auf Visarga. Hier wird die auf Bindu endende abgeleitet: „Śivas achter“ ist ai; denn es heißt: „Śivas achter heißt Sammohana, Verzauberung.“ Śiva ist ū, sein achter ist ai. „Kevala“ bedeutet Bindu, nach der Wortableitung „es bewegt sich am Kopf, ke“; also Anusvāra. [Der anschließende Wortlaut „taduyuktam arśa āditvāt“ ist beschädigt und nicht sicher übersetzbar.] Damit ist das erste Bīja, Vāgbhava, gemeint. Bhaga ist e; sein vorhergehendes achtes Bīja ist i, das zweite. Ebenso ist das zum Nyāsa am Kopf bestimmte [Wort in der Vorlage entstellt] o; der an seinem Ende stehende Vokal au ist das dritte Bīja, allein. Damit sind die drei Bījas durch Bindu und Nāda bestimmt. Ein anderer Mantra, ebendort: Śakti, Śiva und das Feuer-Bīja, mit dem zwölften Vokal und Bindu; Śakti, Maheśa, Kāma, Indra, Feuer und Indu mit Māyā; Śakti, Śiva und Feuer mit dem Manu-Vokal und Visarga: Dieses Bīja wird als mit Nāda, Bindu und Kalā verbunden erklärt. [Die eigentümlichen Vokalableitungen werden nach der Vorlage wiedergegeben.]

P2-0741 · Originalnummer 22
etāsāṃ dīpanīvidyā śrīkrame:
vadayugmaṃ maheśāni vāgvādini tataḥ param |
eṣā tvaṣṭākṣarī vidyā vāgbhavādye niyojayet
|| 22 ||

Die anregende Vidyā dieser Formen steht im Śrīkrama: Zweimal „vada“, o Maheśānī, danach „vāgvādini“: Diese achtsilbige Vidyā setze man vor Vāgbhava. Der Wortteil „vada vada vāgvādini“ bedeutet: Sprich, sprich, o Sprachmächtige!

P2-0742 · Originalnummer 23
klinne kledini deveśi mahāmokṣaṃ tataḥ kuru |
kāmarājaṃ samuccāryaṃ praṇavaṃ tadanantaram ||
mahāmokṣaṃ kuru paścātśaktikūṭaṃ tathoccaret |
japedādau japetpaścātsaptavāramanukramāt
|| 23 ||

„klinne kledini“, o Herrin der Götter, danach „mahāmokṣaṃ kuru“; man spreche Kāmarāja und unmittelbar danach den Praṇava oṃ. Danach „mahāmokṣaṃ kuru“ und ebenso den Śaktikūṭa. Am Anfang und am Ende wiederhole man dies der Reihe nach siebenmal. Der Wortteil bedeutet: O Feuchte, o Befeuchtende, bewirke die große Befreiung! [Die Vorlage ordnet die einzelnen Anregungsformeln nur elliptisch zu.]

P2-0743 · Originalnummer 24
athānnapūrṇā - bhairavī :
tāraśca bhuvaneśānī śrībījaṃ kāmabījakam |
hṛdante bhagavatyante māheśvaripadaṃ tataḥ |
annapūrṇe ṭhayugalaṃ vidyeyaṃ viṃśadakṣarī
|| 24 ||

Nun Annapūrṇābhairavī. Tāra, Bhuvaneśānī, das Śrī-Bīja und das Kāma-Bīja; nach Hṛd und nach „bhagavati“ folgt das Wort „māheśvari“, dann „annapūrṇe“ und das Ṭha-Paar. Diese Vidyā hat zwanzig Silben. [Hṛd bezeichnet hier namaḥ; das Ṭha-Paar bezeichnet svāhā. Der Wortteil lautet: Verehrung dir, o erhabene Göttin, o große Herrin, o Annapūrṇā.]

P2-0744 · Originalnummer 25
tathā ca kalpe:
kāmabījaṃ vinā devi śrībījapūrvikā yadā |
ūnaviṃśākṣarī devi dhanadhānyasamṛddhidā
|| 25 ||

So auch im Kalpa: Wenn sie ohne das Kāma-Bīja steht, o Göttin, und das Śrī-Bīja vorangestellt ist, dann hat sie neunzehn Silben, o Göttin, und gewährt Überfluss an Reichtum und Getreide.

P2-0745 · Originalnummer 26
asyāḥ pūjāḥ:
prātaḥkṛtyādi - sāmānpūjāpaddhatyuktapīṭhanyāsāntaṃ vidhāya,
keśareṣu pūrvādi oṃ vāmāyai namaḥ, evaṃ jyeṣṭhāyai raudryaṃ
kālyai kalavikaraṇyai balavikaraṇyai balapramathanyai
sarvabhūtadamanyai, madhye manonmanyai |
tatsamīpe oṃ jayāyai vijayāyai ajitāyai aparājitāyai nityāyai vilāsinyai
dogdhryai aghorāyai, madhye maṅgalāyai, sarvatra oṃkārādinamo'ntena
pūjayet |
tadupari hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ
|| 26 ||

Ihre Verehrung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen bis einschließlich des in der allgemeinen Verehrungsordnung angegebenen Nyāsa des Kultsitzes ausgeführt hat, [verehre man] auf den Staubfäden, im Osten beginnend, mit „oṃ vāmāyai namaḥ“ Vāmā und entsprechend Jyeṣṭhā, Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī, Balavikaraṇī, Balapramathanī und Sarvabhūtadamanī; in der Mitte Manonmanī. In ihrer Nähe verehre man Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī und Aghorā; in der Mitte Maṅgalā. Überall beginnt die Formel mit oṃ und endet mit namaḥ. Darüber: „hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist.

P2-0746 · Originalnummer 27
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, mukhe paṃkticchandase namaḥ, hṛdi
annapūrṇeśvaryai bhairavyai devatāyai namaḥ, guhye hrīṃ bījāya
namaḥ, pādayoḥ śrīṃ śaktaye namaḥ, sarvāṅge klīṃ kīlakāya
namaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
bījañca bhuvaneśānī śrībījaṃ śaktirucyate |
kīlakaṃ kāmabījaṃ syādityādi
|| 27 ||

Danach der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen: Am Kopf „brahmaṇe ṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Brahmā; am Mund „paṃkticchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Paṅkti; am Herzen „annapūrṇeśvaryai bhairavyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Annapūrṇeśvarībhairavī; am Geschlecht „hrīṃ bījāya namaḥ“ — hrīṃ, Verehrung dem Bīja; an den Füßen „śrīṃ śaktaye namaḥ“ — śrīṃ, Verehrung der Kraft; am ganzen Körper „klīṃ kīlakāya namaḥ“ — klīṃ, Verehrung dem Verschluss. So auch im Jñānārṇava: Bhuvaneśānī ist das Bīja; das Śrī-Bīja wird Śakti genannt. Das Kāma-Bīja ist der Kīlaka — und so weiter.

P2-0747 · Originalnummer 28
tataḥ karāṅganyāsau:
hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, ityādinā evaṃ hṛdayādiṣu hrāṃ
hṛdayāya namaḥ ityādinā ca |
tathā ca jñānārṇave:
bhuvaneśyā maheśāni ṣaḍdīrghasvarasaṃyuktayā |
saḍaṅgānityādi
|| 28 ||

Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern: Mit „hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — hrāṃ, Verehrung den beiden Daumen — und so weiter; ebenso an Herz und den weiteren Stellen mit „hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — hrāṃ, Verehrung dem Herzen — und so weiter. So im Jñānārṇava: Mit Bhuvaneśī, verbunden mit den sechs langen Vokalen, o Maheśānī, [vollziehe man] die sechs Glieder — und so weiter.

P2-0748 · Originalnummer 29
tataḥ padanyāsaḥ:
mūrdhni oṃ namaḥ |
cakṣuṣoḥ hrīṃ namaḥ śrīṃ namaḥ |
karṇayoḥ klīṃ namaḥ namo namaḥ |
nasorbhagavati namaḥ māheśvari namaḥ |
mukhe annapūrṇe namaḥ |
guhye svāhā namaḥ |
punarguhyādi mūrddhāntaṃ nyast |
jñārṇave:
ekaṃ ekaṃ punaścaikaṃ punarekaṃ dvayaṃ tataḥ |
catuścatustathā dvābhyāṃ padānyetāni pārvati |
padānyetāni deveśi navadvāreṣu vinyaset |
guhyādi brahmarandhrāntaṃ padānāṃ navakaṃ nyaset
|| 29 ||

Danach der Wort-Nyāsa: Auf dem Scheitel „oṃ namaḥ“; auf den beiden Augen „hrīṃ namaḥ“ und „śrīṃ namaḥ“; auf den beiden Ohren „klīṃ namaḥ“ und „namo namaḥ“; auf den beiden Nasenöffnungen „bhagavati namaḥ“ — Verehrung, o erhabene Göttin — und „māheśvari namaḥ“ — Verehrung, o große Herrin; am Mund „annapūrṇe namaḥ“ — Verehrung, o Annapūrṇā; am Geschlecht „svāhā namaḥ“. Wieder lege man sie vom Geschlecht bis zum Scheitel auf. Im Jñānārṇava: Eins, eins, wieder eins, wieder eins, dann zwei; vier, vier, ebenso zwei: Dies sind die Wörter, o Pārvatī. Diese Wörter lege man auf die neun Öffnungen, o Herrin der Götter. Die neun Wörter lege man vom Geschlecht bis zur Brahmā-Öffnung auf. [Die Zahlen bezeichnen hier offenbar die Silbenzahlen der Mantra-Abschnitte; die überlieferte Zahlenreihe ist gegenüber den neun Wörtern unvollständig.]

P2-0749 · Originalnummer 30
tato brahmarandhramukhahṛdayamūlādhāreṣu caturbījāni vinyasya,
śeṣaṃ bhrūmadhyanāsikākaṇṭhanābhiliṅgeṣu pañcasu sarvatra
namo'ntāni nyaset ||
taduktaṃ tatraiva:
brahmarandhrāsyahṛdayamūlādhāreṣvanukramāt |
caturbījāni vinyasya pareṣvanyāṃśca vinyaset |
bhrūmadhyanāsikākaṇṭhanābhiliṅgeṣu pañcasu |
pūrvavatkramato devi namaḥ prabhṛtikaṃ nyaset |
tato mūlena vyāpakaṃ vinyasya dhyānaṃ kuryāt
|| 30 ||

Dann lege man die vier Bījas auf die Brahmā-Öffnung, den Mund, das Herz und Mūlādhāra; den Rest lege man auf die fünf Stellen zwischen den Brauen, Nase, Hals, Nabel und Geschlecht, überall mit namaḥ am Ende. Dies wird dort auch gesagt: Nachdem man die vier Bījas der Reihe nach auf Brahmā-Öffnung, Mund, Herz und Mūlādhāra gelegt hat, lege man die übrigen auf die anderen Stellen. Auf die fünf Stellen zwischen den Brauen, Nase, Hals, Nabel und Geschlecht lege man wie zuvor der Reihe nach die mit namaḥ beginnenden [Mantra-Abschnitte] auf, o Göttin. Danach vollziehe man mit dem Grundmantra den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa und meditiere.

P2-0752 · Originalnummer 33ka
(citra 31)
tataḥ pīṭhapūjāṃ vidhāya, punardhyātvā, āvāhanādi
pañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya, āvaraṇapūjāmārabhet |
karṇikāyāmagnīśāsuravāyumadhyeṣu dikṣu ca hrāṃ hṛdayāya
namaḥ ityādinā pūjayet |
tatastrikoṇāgre oṃ hauṃ namaḥ śivāya nama iti śivaṃ pūjayet |
vāyukoṇe oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhurbhūvaḥsvaḥpataye
bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā |
iti mantreṇa varāhaṃ pūjayet |
jñānārṇave:
oṃ namaḥ padamābhāṣya tato bhagavate padam |
tato varāha rūpāya bhūrbhūvaḥsvaḥpatintathā |
ṅe'ntañca bhūpatitvañca me dehīti dadāpaya |
vahnijāyānvito mantro varāhasya varānane |
dakṣiṇa - koṇe oṃ namo nārāyaṇāyeti nārāyaṇaṃ pūjayet |
tato dakṣiṇe vāme ca oṃ glauṃ śrīṃ annaṃ me dehyannādhipataye
mamānnaṃ pradāpaya svāhā śrīṃ glauṃ ityanena bhūmiśriyau
pūjayet |
tataścaturdaleṣu purata ārabhya oṃ paravidyāyai namaḥ hrīṃ
bhuvaneśvaryai namaḥ śrīṃ kamalāyai namaḥ klīṃ subhagāyai
namaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
tāreṇa paravidyāñca bhuvaneśīṃ tadātmanā |
kamalāṃ ramayā bhadre kāmena subhagāṃ yajet |
aṣṭapatreṣu paścimāditaḥ brāhmayādyā mātṝḥ pūjapet |
ṣoḍaśadaleṣu pūrvādi naṃ amṛtāyai annapūrṇāyai namaḥ moṃ
madanāyai annapūrṇāyai namaḥ evaṃ bhaṃ tuṣṭyaṃ gaṃ puṣṭyai
vaṃ prītyai tiṃ ratyai māṃ hriyai (kriyāyai) heṃ śriyai śvaṃ
sudhāyai riṃ rātryai aṃ jyotsnāyai nnaṃ haimavatyai pūṃ
chāyāyairṇe purṇimāyai svāṃ nityāyai hāṃ amāvasyāyai |
etā annapūrṇāśabdāntā namo'ntāśca pūjayet ||
tathā ca jñānārṇave:
śeṣairvarṇaiḥ prapūjyāśca annapūrṇāntaśabditāḥ |
tataścaturasre lokapālānpūjayet |
tatraiva:
caturasre lokapālānkrameṇa paripūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 33ka ||

[Abbildung 31.] Nachdem man den Kultsitz verehrt hat, meditiere man erneut, vollziehe die Handlungen von der Herbeirufung bis zur Darbringung von fünf Blumenhandvoll und beginne die Verehrung der umgebenden Kreise. Im Lotuszentrum, an den Stellen Feuer, Īśāna, Asura, Wind und Mitte sowie in den Richtungen verehre man mit „hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — hrāṃ, Verehrung dem Herzen — und den weiteren Formeln. Danach verehre man an der Spitze des Dreiecks Śiva mit „oṃ hauṃ namaḥ śivāya namaḥ“ — oṃ hauṃ, Verehrung; Verehrung Śiva. In der Windecke verehre man Varāha mit „oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā“ — oṃ, Verehrung dem Erhabenen in Ebergestalt, dem Herrn von Erde, Zwischenraum und Himmel: Gib mir Herrschaft über die Erde, lass sie mir geben; svāhā. Im Jñānārṇava: Nachdem man „oṃ namaḥ“ gesprochen hat, folgt „bhagavate“, danach „varāharūpāya“ und „bhūrbhuvaḥsvaḥpati“, mit der Dativendung ṅe; dann „bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya“. Mit der Gattin des Feuers, svāhā, verbunden ist dies der Mantra Varāhas, o Schönangesichtige. In der südlichen Ecke verehre man Nārāyaṇa mit „oṃ namo nārāyaṇāya“ — oṃ, Verehrung Nārāyaṇa. Danach verehre man rechts und links Bhūmi und Śrī mit „oṃ glauṃ śrīṃ annaṃ me dehyannādhipataye mamānnaṃ pradāpaya svāhā śrīṃ glauṃ“ — oṃ glauṃ śrīṃ, gib mir Nahrung; dem Herrn der Nahrung [Dativform der Vorlage]: Lass mir Nahrung geben; svāhā śrīṃ glauṃ. Dann auf den vier Blütenblättern, vorn beginnend: „oṃ paravidyāyai namaḥ“ — Verehrung Paravidyā; „hrīṃ bhuvaneśvaryai namaḥ“ — Verehrung Bhuvaneśvarī; „śrīṃ kamalāyai namaḥ“ — Verehrung Kamalā; „klīṃ subhagāyai namaḥ“ — Verehrung Subhagā. So im Jñānārṇava: Verehre Paravidyā mit Tāra, Bhuvaneśī mit ihrem eigenen [Bīja], Kamalā mit Ramā, o Heilvolle, und Subhagā mit Kāma. Auf den acht Blütenblättern verehre man, im Westen beginnend, die Mütter Brāhmī und die übrigen. Auf den sechzehn Blütenblättern, im Osten beginnend: „naṃ amṛtāyai annapūrṇāyai namaḥ“, „moṃ madanāyai annapūrṇāyai namaḥ“ und entsprechend bhaṃ Tuṣṭi, gaṃ Puṣṭi, vaṃ Prīti, tiṃ Rati, māṃ Hrī (alternativ Kriyā), heṃ Śrī, śvaṃ Sudhā, riṃ Rātri, aṃ Jyotsnā, nnaṃ Haimavatī, pūṃ Chāyā, rṇe Pūrṇimā, svāṃ Nityā und hāṃ Amāvasyā. Bei allen setze man hinter den Namen „annapūrṇāyai“ und am Ende „namaḥ“: Verehrung der jeweiligen Annapūrṇā-Gestalt. [Die Verbindung bei Chāyā und Pūrṇimā ist in der Vorlage beschädigt; die Laute sind unverändert wiedergegeben.] So im Jñānārṇava: Mit den übrigen Lauten verehre man sie, wobei „Annapūrṇā“ das abschließende Namenswort bildet. Dann verehre man im Viereck die Weltenhüter. Ebendort: Im Viereck verehre man die Weltenhüter der Reihe nach. Danach beende man die Handlung mit Räucherwerk und den weiteren Gaben bis zur Entlassung.

P2-0753 · Originalnummer 34
asyāḥ puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
evaṃ dhyātvā japenmantraṃ lakṣasaṃkhyamananyadhīḥ |
sājyenānnena juhuyāttaddaśāṃśamanantaram
|| 34 ||

Die vorbereitende Mantra-Praxis besteht aus 100.000 Wiederholungen. So heißt es: Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man den Mantra 100.000-mal mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Unmittelbar danach opfere man ein Zehntel dieser Zahl mit Nahrung, der zerlassene Butter beigegeben ist.

P2-0754 · Originalnummer 35
iti bhairavīmantrāḥ |
atha śrīvidyāmantrāḥ
tatra meruḥ |
jñānārṇaveḥ bhūmiścandraḥ śivo māyā
śaktiḥkṛṣṇādhvamādanau |
arddhacandraśca vinduśca navārṇo merurucyate |
mahātripurasundaryā mantrā merusamudbhavā
|| 35 ||

Damit enden die Bhairavī-Mantras. Nun die Śrīvidyā-Mantras; zunächst Meru. Im Jñānārṇava: Erde, Candra, Śiva, Māyā, Śakti, Kṛṣṇa und Madana [„kṛṣṇādhvamādanau“ ist beschädigt], Halbmond und Bindu: Dieser neunlautige [Mantra] wird Meru genannt. Die Mantras der Mahātripurasundarī entstehen aus Meru.

P2-0755 · Originalnummer 36
sakalā bhuvaneśānī kāmeśībījamuddhṛtam |
anena sakalāṃ vidyāḥ kathayāmi varānane |
śaktyantasturyavarṇo'yaṃ kalamadhye sulocane |
vāgbhavaṃ pañcavarṇāḍhyaṃ kāmarājamathocyate ||
mādanaṃ śivacandrāḍhyaṃ mīnalocane |
kāmarājamidaṃ bhadre ṣaḍvarṇaṃ sarvamohanam ||
śaktibījaṃ varārohe candrādyaṃ sarvamohanam |
caturakṣararūpantu tryakṣarā tripurā bhavet ||
etāmupāsya deveśi kāmaḥ sarvāṅgasundaraḥ |
kāmarājo bhaveddevi vidyeyaṃ brahmarūpiṇī ||
asyārthaḥ:
śaktirekāraḥ, tūrya īkāraḥ tena kakāra - ekāra - īkāra - lakāra -
mahāmāyā iti vāgbhavakūṭam
|| 36 ||

Die vollständige Bhuvaneśānī ist als Bīja der Kāmeśī abgeleitet. Mit diesem erkläre ich die gesamten Vidyās, o Schönangesichtige. Dieser vierte Laut steht nach Śakti zwischen ka und la, o Schönäugige. Vāgbhava ist mit fünf Lauten ausgestattet; nun wird Kāmarāja erklärt. Madana, mit Śiva und Candra versehen, o Fischäugige: Dieser Kāmarāja, o Heilvolle, hat sechs Laute und bezaubert alles. Das Śakti-Bīja, o Schöngestaltige, beginnt mit Candra und bezaubert alles. Es hat die Gestalt von vier Lauten; Tripurā ist dreisilbig. Durch die Verehrung dieser [Vidyā], o Herrin der Götter, wird Kāma, an allen Gliedern schön, zum Kāmarāja, o Göttin. Diese Vidyā hat die Gestalt Brahmans. Seine Bedeutung: Śakti ist e; der vierte [Vokal] ist ī. Daher bilden ka, e, ī, la und Mahāmāyā den Vāgbhava-Kūṭa. [„Dreisilbig“ bezeichnet hier offenbar die drei Mantra-Gruppen; die Vorlage erläutert den Zählwechsel nicht ausdrücklich.]

P2-0756 · Originalnummer 36ka
śivo hakāraḥ candraḥ sakāraḥ tena hakāra sakāra - kakāra - hakāra -
lakāra - mahāmāyā iti kāmarāja kūṭam |
candra sakāraḥ tena sakāra - kakāra - lakāra - mahāmāyā iti
śaktikūṭam |
tena tribhiḥ kūṭaiḥ kāmarājavidyeyam
|| 36ka ||

Śiva ist der Laut ha, Candra der Laut sa. Daher bilden ha, sa, ka, ha, la und Mahāmāyā den Kāmarāja-Kūṭa. Candra ist sa; daher bilden sa, ka, la und Mahāmāyā den Śaktikūṭa. Mit diesen drei Kūṭas besteht die Kāmarāja-Vidyā.

P2-0757 · Originalnummer 37
jñānārṇave:
śṛṇu devi pravakṣyāmi lopāmudrābhidhāṃ parām |
kāmarājākhyavidyāyāḥ śaktiṃ tūryāñca sundari |
hitvā mukhe śivendvāḍhyā lopāmudrā prakāśitā ||
asyārthaḥ:
kāmarājākhyavidyāyā vāgbhave ekāraṃ īkārañca hitvā ādau
hakāraṃ sakārañca dadyāt |
anyatsamānam iyamagastyopāsitā |
anayorbhedamagre vakṣyāmaḥ
|| 37 ||

Im Jñānārṇava: Höre, o Göttin; ich will die höchste, Lopāmudrā genannte [Vidyā] erklären. Wenn man aus der Kāmarāja genannten Vidyā Śakti und den vierten [Vokal] entfernt, o Schöne, und am Anfang Śiva und Indu hinzufügt, so wird Lopāmudrā offenbar. Seine Bedeutung: Aus dem Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā entferne man e und ī und setze an den Anfang ha und sa. Alles Weitere ist gleich. Diese wurde von Agastya verehrt. Den Unterschied zwischen diesen beiden werden wir später erklären.

P2-0758 · Originalnummer 38
mantrāntaram :
kāmarājākhyavidyāyā vāgbhavena varānane |
vidyoddhāraṃ pravakṣyāmi śaktimādanamadhyagam |
śivaṃ kuryādvāgbhave tu śivādyaṃ kāmarājakam |
candrādyantu tṛtīyaṃ syātvidyeyaṃ manupūjitā |
asyārthaḥ:
kāmastataḥ śivastata ekārastata īkārāditrayaṃ vāgbhave kūṭe |
madhyakūṭaṃ śivādyaṃ tṛtīyakūṭaṃ candrādyam |
tathā ca candrapīṭhe:
kaśivau bhagatūrye ca kṣamāmāyeti vāgbhavam |
śivakāmau bhagaṃ tūryaṃ laparā śaktikūṭakam |
mānavīyaṃ samuditā sarvāmnāyairnamaskṛtā
|| 38 ||

Ein anderer Mantra: Mittels des Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā, o Schönangesichtige, will ich die Ableitung der Vidyā erklären. Im Vāgbhava setze man Śiva zwischen Śakti und Madana. Kāmarāja beginne mit Śiva; das dritte beginne mit Candra. Diese Vidyā wurde von Manu verehrt. Seine Bedeutung: Im Vāgbhava-Kūṭa stehen Kāma, danach Śiva, danach e, danach die Dreiheit von ī an. Der mittlere Kūṭa beginnt mit Śiva, der dritte mit Candra. So auch im Candrapīṭha: Ka und Śiva, Bhaga und der vierte [Vokal], Kṣamā und Māyā bilden Vāgbhava. Śiva und Kāma, Bhaga, der vierte [Vokal], la und Parā bilden den Śaktikūṭa. Diese wird als Mānavī bezeichnet und von sämtlichen Überlieferungen verehrt. [Die Stellung Śivas im ersten Vers und in der Erklärung sowie die Bezeichnung des zweiten Kūṭa im Zitat sind nicht eindeutig gleichlautend.]

P2-0759 · Originalnummer 39
sahādyaṃ vāgbhavaṃ devi caṃdrādyaṃ śivamadhyagam |
mādanaṃ kāmarāje tu śaktibījaṃ sahānanam |
candrārādhitavidyeyaṃ bhogamokṣaphalapradā |
asyārthaḥ:
sakārahakārādikāmarājavidyāyā vāgbhavaṃ kūṭam asyā
vāgbhavam |
ādau sakārastato hakārastato mādanaṃ tataḥ śivastata ekārastata
īkārastata lakārastato mahāmāyā iti kāmarājakūṭam |
asyā vāgbhavakūṭameva śaktikūtaṃ vidyeyaṃ candrārādhitā
|| 39 ||

Vāgbhava beginnt mit sa und ha, o Göttin. Im Kāmarāja beginnt Madana mit Candra und enthält Śiva in seiner Mitte; das Śakti-Bīja beginnt mit sa und ha. Diese von Candra verehrte Vidyā gewährt als Frucht Genuss und Befreiung. Seine Bedeutung: Der mit sa und ha beginnende Vāgbhava-Kūṭa der Kāmarāja-Vidyā ist hier ihr Vāgbhava. Am Anfang sa, dann ha, dann Madana, dann Śiva, dann e, dann ī, dann la, dann Mahāmāyā: Dies bildet den Kāmarāja-Kūṭa. Ihr Vāgbhava-Kūṭa ist zugleich ihr Śaktikūṭa. Diese Vidyā wurde von Candra verehrt.

P2-0760 · Originalnummer 40
hasānanaṃ vāgbhavantu śivādyaṃ sahamadhyagam |
mādanaṃ kāmarāje tu tārtīyaṃ śṛṇu pārvati |
hasādyaṃ śaktibījantu kuvereṇa prapūjitā |
āsyārthaḥ:
kāmarājākhyavidyāyā vāgbhavaṃ hasādyaṃ cettadā asya
vāgbhavam |
śivacandrau tataḥ kāmastataḥ śivastata ekārastata īkārastato
lakārastato māhāmayā iti kāmarājakūṭam |
asya vāgbhavakūṭameva śaktikūṭam iyaṃ kuberapūjitā
|| 40 ||

Vāgbhava beginnt mit ha und sa; im Kāmarāja beginnt Madana mit Śiva und enthält sa und ha in seiner Mitte. Höre nun das dritte, o Pārvatī: Das Śakti-Bīja beginnt mit ha und sa. Diese [Vidyā] wurde von Kubera verehrt. Seine Bedeutung: Wenn das Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā mit ha und sa beginnt, ist dies hier ihr Vāgbhava. Śiva und Candra, dann Kāma, dann Śiva, dann e, dann ī, dann la, dann Mahāmāyā bilden den Kāmarāja-Kūṭa. Ihr Vāgbhava-Kūṭa ist zugleich ihr Śaktikūṭa. Diese wurde von Kubera verehrt.

P2-0761 · Originalnummer 41
kāmarājākhyavidyāyāstārtīyaṃ suravandite |
sahādyaṃ śaktibījaṃ syādvidyāgastyaprapūjitā |
asyārthaḥ:
kāmarājākhyavidyāyā yadeva vāgbhavaṃ kūṭaṃ
kāmarājakūṭañcātrāpi tadeva |
śaktikūṭantu sahādyamiti śeṣaḥ |
iyantu dvitīyā lopāmudrā
|| 41 ||

Bei der Kāmarāja genannten Vidyā, o von den Göttern Verehrte, soll das dritte Śakti-Bīja mit sa und ha beginnen. Diese Vidyā wurde von Agastya verehrt. Seine Bedeutung: Der Vāgbhava-Kūṭa und der Kāmarāja-Kūṭa der Kāmarāja genannten Vidyā sind auch hier dieselben. Ergänzend ist zu verstehen: Der Śaktikūṭa beginnt mit sa und ha. Dies ist die zweite Lopāmudrā.

P2-0762 · Originalnummer 42
kāmarājākhyavidyāyā vāgbhave mādanaṃ tyaja |
candraṃ tatraiva saṃyojya kāmarāje tataḥ param |
hitvā candraṃ mukhe kuryāt vidyeyaṃ nandipūjitā |
asyārthaḥ:
kāmarājākhyavidyāyāṃ vāgbhave kāmaṃ tyaktvā candraṃ
dadyāt, kāmarāje punaḥ śivānte candraṃ tyaktvā candrādyaṃ
kuryāt |
anyat samānam
|| 42 ||

Entferne im Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā Madana und füge an eben dieser Stelle Candra ein. Danach entferne im Kāmarāja Candra und setze ihn an den Anfang. Diese Vidyā wurde von Nandin verehrt. Seine Bedeutung: Man entferne im Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā Kāma und setze Candra ein; im Kāmarāja entferne man Candra nach Śiva und lasse ihn mit Candra beginnen. Alles Weitere ist gleich.

P2-0763 · Originalnummer 43
kāmarājākhyavidyāyā hitvā bhūmiṃ tṛtīyake |
śaktibīje sthitāṃ devi candrādhaḥ kuru tatra ca |
tena śaktikūṭaṃ candendrakāmamahāmāyātmakam |
vidyeyamindropāsitā |
anyat samānam
|| 43 ||

Entferne im dritten Śakti-Bīja der Kāmarāja genannten Vidyā die dort stehende Erde, o Göttin, und setze sie unter Candra. Damit besteht der Śaktikūṭa aus Candra, Indra, Kāma und Mahāmāyā. Diese Vidyā wurde von Indra verehrt. Alles Weitere ist gleich. [Die Anweisung zur Erde und die anschließend genannte Lautfolge sind in der Vorlage nicht eindeutig deckungsgleich.]

P2-0764 · Originalnummer 44
lopāmudrākhyavidyāyā dvitīyāyā maheśvari |
kāmarāje bhṛguṃ hitvā mukhe kuryāttameva hi |
śivaṃ vinā caturthantu tārtīye sakalaḥ śivaḥ
|| 44 ||

In der zweiten Lopāmudrā genannten Vidyā, o Maheśvarī, entferne im Kāmarāja Bhṛgu und setze eben ihn an den Anfang. Das vierte [Glied] sei ohne Śiva; im dritten ist Śiva mit allen [Lauten] verbunden. [Der letzte Halbvers „śivaṃ vinā caturthantu tārtīye sakalaḥ śivaḥ“ ist elliptisch; die folgende Erklärung legt die operative Lautänderung dar.]

P2-0765 · Originalnummer 45
dakṣiṇāmūrtisaṃhitāyāñca:
sahādyamantyasahayormadhye kaḥ sūryapūjitaḥ |
asyārthaḥ:
dvitīyalopāmudrāyāḥ kāmarājakūṭe hakārādadhaḥ sakāraṃ
tyaktavā tamādau kṛtvā dvitīyahakāraṃ tyajet |
tṛtīyakūṭe antyasakāropari kakāraṃ dadyāt |
vidyeyaṃ sūryapūjitā
|| 45 ||

Und in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā: Sie beginnt mit sa und ha; zwischen dem letzten sa und ha steht ka. Sie wurde von der Sonne verehrt. Seine Bedeutung: Im Kāmarāja-Kūṭa der zweiten Lopāmudrā entferne man das unter ha stehende sa, setze es an den Anfang und entferne das zweite ha. Im dritten Kūṭa setze man ka über das letzte sa. Diese Vidyā wurde von Sūrya verehrt.

P2-0766 · Originalnummer 46
lopāmudrāṃ dvitīyāntu vilikhya surasundari |
punarvilikhya tāmeva caturthapañcame sthitām |
hitvā tu bhuvaneśānīmekoccāreṇa coccaret |
catuḥkūṭā mahāvidyā śaṅkareṇa prapūjitā |
asyārthaḥ:
dvitīyāṃ lopāmudrāṃ vilikhya, punarapi tāmeva vilikhya,
caturthakūṭe pañcamakūṭe ca sthitāṃ bhuvaneśīṃ tyaktvā
ekoccāraṇe coccaret |
uccāraṇantu pūrvaṃ trikūṭamuccārya kāmaikāratūryendra śambhu
- śaśāṅka - kandarpa śivendra candra - śivacandra - kandrarpendra -
mahāmāyā coccaret
|| 46 ||

Schreibe die zweite Lopāmudrā auf, o Schöne unter den Göttern, und schreibe danach dieselbe nochmals auf. Entferne Bhuvaneśānī, die im vierten und fünften [Kūṭa] steht, und sprich alles in einem zusammenhängenden Aussprechen. Diese große Vidyā mit vier Kūṭas wurde von Śaṅkara verehrt. Seine Bedeutung: Nachdem man die zweite Lopāmudrā aufgeschrieben hat, schreibe man dieselbe nochmals, entferne Bhuvaneśī aus dem vierten und fünften Kūṭa und spreche alles in einem Zug. Zur Aussprache: Zuerst spreche man die drei Kūṭas, dann Kāma, e, den vierten [Vokal], Indra, Śambhu, Śaśāṅka, Kandarpa, Śiva, Indra, Candra, Śiva, Candra, Kandarpa, Indra und Mahāmāyā. [Die Vorlage hat im letzten Kandarpa-Namen einen Schreibfehler.]

P2-0767 · Originalnummer 47
lopāmudrāṃ punardevi vilikhettadanantaram |
nandikeśvaravidyāñca ṣaṭkūṭā vaiṣṇavī bhavet |
asyārthaḥ:
punaḥ śabdasvarasāddvitīyālopāmudrāmityarthaḥ |
prakramāditi tantrakaumudīkāraḥ |
vastutastu agastyasya dvidhāvidyāṃ vilikhya nandipūjitāmiti
dakṣiṇāmūrtivacanāt |
kāmarājākhyavidyāyāstrikūṭeṣu varānane |
yā sthitā bhuvaneśāni dvidhā kuru maheśvari |
vinduhīnā nādahīnā durvāsaḥpūjitā bhavet
|| 47 ||

Schreibe wiederum Lopāmudrā auf, o Göttin, und danach die Vidyā des Nandikeśvara; so entsteht die sechskūṭige Vaiṣṇavī. Seine Bedeutung: Aufgrund des Wortsinns von „wiederum“ ist die zweite Lopāmudrā gemeint. „Aufgrund des Zusammenhangs“, sagt der Verfasser der Tantrakaumudī. Tatsächlich jedoch heißt es bei Dakṣiṇāmūrti: Nachdem man Agastyas Vidyā zweifach aufgeschrieben hat, [schreibe man] die von Nandin verehrte. In den drei Kūṭas der Kāmarāja genannten Vidyā, o Schönangesichtige, teile die dort befindliche Bhuvaneśānī in zwei, o Maheśvarī. Ohne Bindu und ohne Nāda wird sie zur von Durvāsas verehrten [Vidyā].

P2-0768 · Originalnummer 48
dakṣiṇāmūrtau ca:
māyāsthāne harī varṇayugalaṃ ca kramāllikhet |
asyārthaḥ:
trikūṭasthabhuvaneśvarīṃ dvidhā kṛtvā nādavinduhīnāṃ
kṛtvoccaret |
iti dvādaśabhedāḥ |
bījānāṃ pañcadaśīmāha navaratneśvaremāyā (hrīṃ) śrī (śrīṃ)
madanai (klīṃ) rddevi śrīmāyāmadanairapi |
madano māyayā śrīśca śrīśca madanamāyayā |
māyayā madanaḥ śrīstu kathitā parameśvari |
tripurā bījasaṃrūpā gaditā mṛtyunāśinī |
iti pañcadaśī
|| 48 ||

Und bei Dakṣiṇāmūrti: An Māyās Stelle schreibe man der Reihe nach das Lautpaar ha und rī. Seine Bedeutung: Man teile die in den drei Kūṭas befindliche Bhuvaneśvarī in zwei, entferne Nāda und Bindu und spreche sie aus. Damit sind die zwölf Formen erklärt. Die fünfzehnsilbige Folge von Bījas wird im Navaratneśvara angegeben: Māyā (hrīṃ), Śrī (śrīṃ), Madana (klīṃ), o Göttin; ebenso Śrī, Māyā, Madana; Madana, Māyā, Śrī; Śrī, Madana, Māyā; Māyā, Madana, Śrī — so wurde sie erklärt, o Parameśvarī. Tripurā, deren Gestalt aus Bījas besteht, wird als Vernichterin des Todes bezeichnet. Dies ist die fünfzehnsilbige [Vidyā].

P2-0769 · Originalnummer 49
atha pāribhaṣikīṃ ṣoḍaṣī
jñānārṇave:
candrāntaṃ daruṇāntañca śakrādisahitaṃ pṛthak |
vāmākṣivindunādāḍhyaṃ viśvamātṛkalātmakam |
vidyādau yojayeddevi sākṣādbrahmasvarūpiṇī ||
trikūṭāḥ sakalā bhedāḥ pañcakūṭā bhavanti hi |
vaiṣṇavī vasukūṭā syāt ṣaṭkūṭā śāṅkarī bhavet |
asyārthaḥ:
candrāntaṃ hakāraḥ, varuṇāntaṃ śakāraḥ, śakrādī rephaḥ,
vāmākṣi īkāraḥ |
vidyādau pūrvokta dvādaśavidyādau
|| 49 ||

Nun die nach besonderer Begriffsregel benannte Ṣoḍaśī. Im Jñānārṇava: Das Ende Candras und das Ende Daruṇas, jeweils mit dem Anfang Śakras, reich an linkem Auge, Bindu und Nāda, ihrem Wesen nach aus den Lauten der Weltmutter: Dieses setze man an den Anfang der Vidyā, o Göttin; sie verkörpert unmittelbar Brahman. Sämtliche Formen mit drei Kūṭas werden dadurch fünfkūṭig. Vaiṣṇavī wird achtkūṭig, Śāṅkarī sechskūṭig. Seine Bedeutung: Candras Ende ist ha, Varuṇas Ende ist śa [der Vers liest „daruṇa“, die Erklärung „varuṇa“]; Śakras Anfang ist r, das linke Auge ist ī. „An den Anfang der Vidyā“ bedeutet: an den Anfang der zuvor genannten zwölf Vidyās.

P2-0770 · Originalnummer 50
vedādimaṇḍitā devi śivaśaktimayī yadā |
tasyā bhedāstu sakalāḥ ṣaṭkūṭā parameśvari |
vaiṣṇavī navakūṭā syāt saptakūṭā tu śāṅkarī |
asyārthaḥ:
śivaśaktimayī pūrvoktabījadvayavatī |
vedādiḥ praṇavaḥ, maṇḍitā ādau bhūṣitā
|| 50 ||

Wenn sie am Anfang mit dem Beginn der Veden geschmückt und aus Śiva und Śakti gebildet ist, o Göttin, dann haben alle ihre Formen sechs Kūṭas, o Parameśvarī. Vaiṣṇavī wird neunkūṭig, Śāṅkarī siebenkūṭig. Seine Bedeutung: „Aus Śiva und Śakti gebildet“ bedeutet, dass sie die beiden zuvor genannten Bījas besitzt. „Beginn der Veden“ ist der Praṇava oṃ; „geschmückt“ bedeutet, am Anfang damit versehen.

P2-0771 · Originalnummer 51
atha mahāṣoḍaśī
bhedatrayastu kathitaṃ mahāvidyāṃ śṛṇu priye |
ādyabījadvayaṃ bhadre viparītakrameṇa hi |
vikhikhya parameśāni tato'nyāni samuddharet |
antarmukhī varārohe kumārī tripureśvarī |
ebhistu pañcasaṃkhyākairbījaiḥ saṃpuṭitāṃ yajet |
ṣaṭkūṭāṃ parameśāni vidyeyaṃ ṣoḍaśākṣarī |
trikūṭāḥ sakalā bhadre ṣoḍaśārṇā bhavanti hi |
vaiṣṇavyekonaviṃśārṇā śaivī saptadaśākṣarī |
asyārthaḥ:
ādyabījadvayaṃ māyā - ramātmakaṃ tasya viparītakramaḥ ādau
ramā paścānmāyā antarmadhye sthitaṃ kāmabījaṃ mukhe ādau
yasyāḥ kumāryāḥ |
etaiḥ pañcasaṃkhyakairbījaiḥ ṣaṭkūṭāṃ saptakūṭāṃ
navakūṭāṃ vā sampuṭitāṃ sampuṭavat kṛtāṃ
tenānulomavilomataḥ puṭitāmityarthaḥ |
kecittu anulomataḥ saṃpuṭitāmāhuḥ tanna, sarvatantravirodhāt
|| 51 ||

Nun Mahāṣoḍaśī. Die drei Formen sind erklärt; höre die große Vidyā, o Liebe. Schreibe die ersten beiden Bījas in umgekehrter Reihenfolge, o Heilvolle, o Parameśānī, und leite dann die übrigen ab. Kumārī, die Herrin Tripurās, ist nach innen gewandt, o Schöngestaltige. Verehre die sechskūṭige [Vidyā], umschlossen von diesen fünf Bījas, o Parameśānī. Diese Vidyā hat sechzehn Silben. Sämtliche dreikūṭigen Formen werden sechzehnsilbig, o Heilvolle; Vaiṣṇavī hat neunzehn Silben, die Śaivī siebzehn. Seine Bedeutung: Die ersten beiden Bījas sind Māyā und Ramā; die umgekehrte Reihenfolge ist zuerst Ramā, danach Māyā. Bei der nach innen gewandten Kumārī befindet sich das sonst in der Mitte stehende Kāma-Bīja vorn, am Anfang. Mit diesen fünf Bījas umschließe man die Vidyā mit sechs, sieben oder neun Kūṭas, indem man sie wie in einer Kapsel einschließt. Das bedeutet: Man umschließt sie in vorwärts und rückwärts gerichteter Reihenfolge. Manche erklären jedoch, sie werde in vorwärts gerichteter Reihenfolge umschlossen. Das ist nicht richtig, weil es allen Tantras widerspricht.

P2-0772 · Originalnummer 52
tathā ca yoginītantre:
śrībījamāyāsmarayoniśaktistārañca māyā kamalātha vidyā |
śaktyādibījaiśca vilomataḥ sā śrīṣoḍaśīyañca śivapradiṣṭā
|| 52 ||

So auch im Yoginītantra: Śrī-Bīja, Māyā, Smara, Yoni und Śakti; Tāra, Māyā, Kamalā und danach die Vidyā. Diese wird mit den bei Śakti beginnenden Bījas in umgekehrter Reihenfolge [abgeschlossen]. Dies ist Śrīṣoḍaśī, die von Śiva gelehrt wurde.

P2-0773 · Originalnummer 54
tathā ca rudrayāmale:
śrīrmāyā madano vāṇīparā tāraṃ śivapriyā |
haripriyā trikūṭā sā parā vāṇī manobhavaḥ |
māyā lakṣmīrmahāvidyā śrīvidyā ṣoḍaśī parā |
dakṣiṇāmūrtau ca:
dvitīyasyādiyugmantu viparītaṃ likhet sudhīḥ |
bālāñcāntarmukhīṃ kṛtvā vilikhettadanantaram |
tāraṃ māyāṃ tato lakṣmīṃ tathā kūṭatrayaṃ likhet |
kalayā saṃpuṭāṃ kuryādramākhyāṃ parameśvari |
kalayā pūrvoktaśaktyādipañcakalayā |
ramākhyāṃ pūrvoktapraṇavādiṣaṭkūṭām |
umākhyāmiti pāṭhe'pyayamevārthaḥ
|| 54 ||

So auch im Rudrayāmala: Śrī, Māyā, Madana, Vāṇī, Parā, Tāra, Śivapriyā, Haripriyā; dann die dreikūṭige [Vidyā], dann Parā, Vāṇī, Manobhava, Māyā und Lakṣmī: Dies ist die große Vidyā, die höchste sechzehnsilbige Śrīvidyā. Und bei Dakṣiṇāmūrti: Der Verständige schreibe das erste Paar der zweiten [Form] in umgekehrter Reihenfolge. Er wende Bālā nach innen und schreibe sie unmittelbar danach auf. Er schreibe Tāra, Māyā, dann Lakṣmī und ebenso die drei Kūṭas. Mit Kalā umschließe man die Ramā genannte [Vidyā], o Parameśvarī. „Mit Kalā“ bedeutet: mit den zuvor genannten fünf Kalās, beginnend mit Śakti. „Ramā genannt“ bedeutet: die zuvor genannte, mit dem Praṇava beginnende sechskūṭige [Vidyā]. Auch bei der Lesart „Umā genannt“ ist dieselbe Bedeutung gemeint. [Die Originalzählung springt hier von 52 auf 54.]

P2-0774 · Originalnummer 55
kecittu kalayāsthāne bālayeti pāṭhaṃ kurvantastatra parameśvarīmiti
ca bālayā antarmukhyā saṃpuṭāṃ vadanti |
ramākhyāṃ śrīṃ parameśvarīṃ hrīmiti ca |
tenottaradale klīṃ aiṃ sauḥ śrīṃ hrīmiti vadanti, tanna,
sampuṭaśabdārthāparijñānāt
|| 55 ||

Manche lesen anstelle von „mit Kalā“: „mit Bālā“, und dort außerdem „Parameśvarī“. Sie sagen, die [Vidyā] werde mit der nach innen gewandten Bālā umschlossen; „Ramā genannt“ bezeichne śrīṃ, „Parameśvarī“ hrīṃ. Daher sagen sie, auf dem hinteren Flügel [der Mantra-Umfassung] stehe „klīṃ aiṃ sauḥ śrīṃ hrīṃ“. Das ist nicht richtig, weil sie die Bedeutung des Wortes saṃpuṭa nicht kennen.

P2-0775 · Originalnummer 56
navaratneśvare:
mantramādau vadet sarvaṃ sādhyasaṃjñamanantaram |
viparītaṃ punaścānte mantraṃ tat sampuṭaṃ smṛtam |
iti saṃpuṭalakṣaṇāt ananvayāpatteḥ sarvatantravirodhācca
|| 56 ||

Im Navaratneśvara: Am Anfang spreche man den ganzen Mantra, unmittelbar danach den Namen des zu Beeinflussenden; am Ende nochmals den Mantra in umgekehrter Reihenfolge. Dies wird Saṃpuṭa genannt. Aufgrund dieser Definition von Saṃpuṭa, wegen der sonst eintretenden mangelnden syntaktischen Verbindung und wegen des Widerspruchs zu allen Tantras [ist jene Auffassung abzulehnen].

P2-0776 · Originalnummer 57
tathā ca śrīkramasaṃhitāyām |
śrīrmāyā madano vāṇī paraitāni mukhe kuru |
vedādirbhuvaneśānīṃ śrībījañca trikūṭakam |
ṣaṭkūṭāṃ saṃpuṭīkuryādādyaiḥ pañcabhirakṣaraiḥ |
māyātantre ca:
lakṣmīḥ parā madanayoniyutā ca śaktistāraṃ parā ca kamalāpyatha
mūlavidyā |
śaktyādibhiśca viparītatayā pradiṣṭaṃ śrīmantrarājamuditaṃ
paradevatāyāḥ |
etenānulomataḥ pañcabījaiḥ saṃpuṭitāmiti mataṃ heyam
|| 57 ||

So auch in der Śrīkramasaṃhitā: Śrī, Māyā, Madana, Vāṇī und Parā: Diese setze an den Anfang. Dann der Beginn der Veden, Bhuvaneśānī, das Śrī-Bīja und die drei Kūṭas. Die sechskūṭige [Vidyā] umschließe man mit den ersten fünf Lauten. Und im Māyātantra: Lakṣmī, Parā, verbunden mit Madana und Yoni, und Śakti; Tāra, Parā, Kamalā und danach die Grund-Vidyā. Mit den bei Śakti beginnenden [Bījas] ist die umgekehrte Reihenfolge vorgeschrieben. So ist der herrliche König der Mantras der höchsten Gottheit erklärt. Daher ist die Meinung abzulehnen, sie werde mit den fünf Bījas in vorwärts gerichteter Reihenfolge umschlossen.

P2-0777 · Originalnummer 58
śrutau tu:
ramā māyā tāraḥ parā lakṣmī:
kumārikā vidyā vyastā bālā śrīparā tathā |
vyastā viparītā tatheti vyastetyarthaḥ |
kumārī cāntarmukhī vodhyā atra kumārikānantaraṃ tārāditribīja -
sambandhaḥ tantraikavākyatābalāt, traipurīśrutibalācca |
tathā ca:
śrīmāye madhyādibālikā |
tāro māyā śrīvidyā parādipañcabījānyante ceti
|| 58 ||

In der Śruti hingegen: Ramā, Māyā, Tāra, Parā, Lakṣmī; Kumārikā, Vidyā, die umgekehrte Bālā sowie Śrī und Parā. „Umgekehrt“, viparītā, hat dieselbe Bedeutung wie vyastā. Kumārī ist als nach innen gewandt zu verstehen. Hier sind nach Kumārikā die drei mit Tāra beginnenden Bījas anzuschließen, kraft der Einheit der Aussagen der Tantras und kraft der Tripurā betreffenden Śruti. So auch: Śrī und Māyā; Bālikā mit dem mittleren [Bīja] am Anfang; Tāra, Māyā, Śrī, Vidyā und am Ende die fünf mit Parā beginnenden Bījas.

P2-0778 · Originalnummer 59
śrīparā ceti pāṭhe na kevalaṃ bālā vyastā śrīparā ceti |
vidyāyāḥ ṣoḍaśabījānāṃ svarūpakathanaṃ vā |
kramoktatvābhāvāt |
etena śrīrmāyā tāraṃ māyā śrībālā trikūṭaṃ vyastā bālā
ramā māyeti matañca heyam
|| 59 ||

Bei der Lesart „śrīparā ca“ ist nicht allein Bālā umgekehrt, sondern auch Śrī und Parā. Oder es handelt sich um eine Beschreibung der Gestalt der sechzehn Bījas der Vidyā, weil keine Reihenfolge genannt ist. Daher ist auch die Auffassung abzulehnen: Śrī, Māyā, Tāra, Māyā, Śrī, Bālā, die drei Kūṭas, die umgekehrte Bālā, Ramā und Māyā.

P2-0779 · Originalnummer 60
kulāmṛte:
śrībījaṃ śaktibījañca kāmavījañca vāgbhavam |
bālāntasaṃsthitaṃ bījaṃ praṇavañca tataḥ param |
śaktibījaṃ ramāñcaiva vidyāñca parameśvari |
lopāmbā kāmarājaṃ vā trikūṭāmathavā parām |
vinyasya punaradyāni pañca bījāni sundari |
viparītakrameṇaiva vinyasya ṣoḍaśī parā
|| 60 ||

Im Kulāmṛta: Das Śrī-Bīja, das Śakti-Bīja, das Kāma-Bīja und Vāgbhava; das am Ende Bālās stehende Bīja und unmittelbar danach der Praṇava; das Śakti-Bīja, Ramā und die Vidyā, o Parameśvarī: Lopāmbā oder Kāmarāja oder die höchste dreikūṭige [Vidyā]. Nachdem man sie angeordnet hat, o Schöne, ordne man wiederum die ersten fünf Bījas in umgekehrter Reihenfolge an. So entsteht die höchste Ṣoḍaśī.

P2-0780 · Originalnummer 61
yāmale ca:
lakṣmī parā madanavāgbhavaśaktibījaṃ, tārañca
bhūtikamale'pyatha mūlavidyā |
kūṭatrayañca viparītatayā niyuktaṃ,
śrīṣoḍaśākṣaramihāgamasuprasidham |
kūṭatrayaṃ kamādibālāyaḥ |
cakārāt ramāṃ māyāñca
|| 61 ||

Und im Yāmala: Lakṣmī, Parā, Madana, Vāgbhava und das Śakti-Bīja; Tāra, Bhūti und Kamalā, danach die Grund-Vidyā. Die drei Kūṭas werden in umgekehrter Reihenfolge eingesetzt. Dieser herrliche sechzehnsilbige [Mantra] ist in den Āgamas wohlbekannt. „Die drei Kūṭas“ meint die mit Kāma beginnende Bālā. Das Wort „und“ schließt Ramā und Māyā ein.

P2-0781 · Originalnummer 62
nibandhe:
sāntāntaṃ śivapūrvasaptamayutaṃ sūkṣmāntamastānvitaṃ, devīṃ
dakṣiṇabāhuśakranayanaṃ kāmaṃ kalālāñchitam |
dantāstordhvamukhaṃ saśeṣadaśanaṃ jīvaṃ mukhenānvitaṃ, bījaṃ
pañcakamitthamevamuditaṃ sarvārthasiddhipradam || vedyādyaṃ
triguṇāṃ ramāmatha vadetkāmena saṃsevitāṃ, lopāmbā punareva
pañcakamatho pūrvaṃ vilomakramaiḥ |
eṣā śrīḥ parātparatarā sarvārthasiddhipradā, sārātsāratamā
samastajagatāmutpattibhūtāparā |
seyaṃ brahmasvarūpā sakalaguṇamayī nirguṇā niṣprapañcā,
sākṣātkāmadughā surāsuragaṇairvavindatānandarūpā ||
asyārthaḥ:
sa eva anto yasya tena sāntaḥ ṣakāraḥ sa evānto yasya tena sāntāntaḥ
śakāraḥ śivo hakāraḥ tasya pūrvasaptamo rephaḥ
sūkṣmāntamīkāraḥ mastamanusvāraḥ, tena ramābījam |
devīṃ māyām |
dakṣiṇabāhuḥ kakāraḥ, śakro lakāraḥ, nayanaṃ melanam |
kāmaḥ vinduḥ, kalā kāmakalā īkāraḥ, tena kāmabījam |
dantānta aikāraḥ ūrdhvamukhaṃ mukhasyordhvaṃ vinduḥ, tena
vāgbījam |
jīvaḥ sakāraḥ śeṣadaśanamaukāraḥ, mukhaṃ visargaḥ, tena
parābījam |
vedādyaṃ praṇavaḥ |
triguṇā māyā
|| 62 ||

Im Nibandha: Das Ende des auf sa endenden [Zeichens], verbunden mit dem vor Śiva stehenden siebten, mit dem Ende des Feinen und mit Masta; die Göttin; der rechte Arm, verbunden mit Śakra, Kāma und Kalā; das Ende der Zähne, mit nach oben gewandtem Mund; Jīva mit den übrigen Zähnen und mit Mund: So werden die fünf Bījas erklärt, die die Vollendung aller Ziele gewähren. Danach spreche man den Beginn der Veden, die Dreiguṇige, Ramā und die von Kāma verehrte oder Lopāmbā; danach wieder das vorherige Fünferpaar [gemeint: die Fünfergruppe] in umgekehrter Reihenfolge. Diese Śrī, höher als das Höchste, gewährt die Vollendung aller Ziele, ist die Essenz der Essenzen und der höchste Ursprung sämtlicher Welten. Sie hat die Gestalt Brahmans, besteht aus sämtlichen Eigenschaften und ist doch ohne Eigenschaften und frei von Weltentfaltung. Unmittelbar ist sie die Wunscherfüllende, von Göttern und Asuras verehrt, von der Gestalt der Wonne. Seine Bedeutung: Weil sa ihr Ende ist, bedeutet sānta ṣa; weil dieses wiederum ihr Ende ist, bedeutet sāntānta śa. Śiva ist ha; sein vorhergehender siebter ist r. Das Ende des Feinen ist ī; Masta ist Anusvāra. Somit ist das Ramā-Bīja gemeint. „Die Göttin“ bedeutet Māyā. Der rechte Arm ist ka, Śakra la, „Auge“ bedeutet Verbindung; Kāma ist Bindu, Kalā ist Kāmakalā, der Vokal ī: Somit ist das Kāma-Bīja gemeint. Das Ende der Zähne ist ai; „nach oben gewandter Mund“ ist das oberhalb des Mundes stehende Bindu: Somit ist das Sprach-Bīja gemeint. Jīva ist sa, die übrigen Zähne sind au, Mund ist Visarga: Somit ist das Parā-Bīja gemeint. Der Beginn der Veden ist der Praṇava; die Dreiguṇige ist Māyā. [Die Wortbildungen folgen der im Text gegebenen Lautverschlüsselung, nicht gewöhnlichen Wortbedeutungen.]

P2-0782 · Originalnummer 63
bhedāntaramāha kubjikātantre:
parā ca kamalā kāmo vāgbhavaṃ śaktireva ca |
tāraśaktī ca kamalā trikūṭāṃ yojayettataḥ |
śaktyādyaṃ vyutkramānnyaset syānmahāṣoḍaśī parā |
imāṃ vidyāṃ mahādevi yogī bhūpo'thavā japet |
bhuktimuktipradā vidyā ante kaivalyadāyinī
|| 63 ||

Eine andere Form wird im Kubjikātantra erklärt: Parā, Kamalā, Kāma, Vāgbhava und Śakti; Tāra, Śakti und Kamalā; dann füge man die dreikūṭige [Vidyā] hinzu. Die mit Śakti beginnenden [Bījas] lege man in umgekehrter Reihenfolge auf. So entsteht die höchste Mahāṣoḍaśī. Ein Yogin oder ein König möge diese Vidyā wiederholen, o große Göttin. Die Vidyā gewährt Genuss und Befreiung und schenkt am Ende die absolute Freiheit, Kaivalya.

P2-0783 · Originalnummer 64
parādyā bhuvaneśāni jñeyā bhuvanasundarī |
kamalādyā mahāvidyā jñayā kamalāsundarī |
kāmādyā ca mahāvidyā vijñeyā kāmasundarī |
vāgbhavādyā mahāvidyā parā vāksundarīmatā ||
śaktyādyā ca mahāvidyā vijñeyā śaktisundarī |
tārādyā ca mahāvidyā vijñeyā tārasundarī
|| 64 ||

Die mit Parā beginnende, o Bhuvaneśānī, ist als Bhuvanasundarī zu erkennen. Die mit Kamalā beginnende große Vidyā ist als Kamalāsundarī zu erkennen. Die mit Kāma beginnende große Vidyā ist als Kāmasundarī zu erkennen. Die mit Vāgbhava beginnende große Vidyā gilt als die höchste Vāksundarī. Die mit Śakti beginnende große Vidyā ist als Śaktisundarī zu erkennen. Die mit Tāra beginnende große Vidyā ist als Tārasundarī zu erkennen.

P2-0784 · Originalnummer 65
ānandasundarī vidyā prathamā guptarūpiṇī |
kāmarājena deveśi lopayā ca viśeṣataḥ |
syānmahāṣoḍaśīmantraścaturādyaviparyayāt |
yoginītantre:
śrībījaṃ śaktibījañca kāmabījañca vāgbhavam |
bālāntasaṃsthitaṃbījaṃ praṇavañca tataḥ param |
śaktibījaṃ ramāñcaiva vinyasetparameśvari |
lopāmbā kāmarājambā bhairavīmathavā parām |
vinyasya punarādyāni bījāni pañca sundari |
vyutkrameṇa sametāni ṣoḍaśī bhuvi durlabhā ||
turīyāyā manuṃ lakṣaṃ japtvā siddhīśvaro bhavet |
vyutkrameṇeti pañcabījāni vinyasya ityanvayaḥ
|| 65 ||

Die erste Vidyā ist Ānandasundarī, deren Gestalt verborgen ist. Mit Kāmarāja, o Herrin der Götter, und insbesondere mit Lopā entsteht der Mahāṣoḍaśī-Mantra durch Umkehrung der vier ersten [Elemente; der Bezug bleibt knapp]. Im Yoginītantra: Das Śrī-Bīja, das Śakti-Bīja, das Kāma-Bīja und Vāgbhava; das am Ende Bālās stehende Bīja und unmittelbar danach der Praṇava; das Śakti-Bīja und Ramā ordne man an, o Parameśvarī. Dann ordne man Lopāmbā, Kāmarājāmbā oder die höchste Bhairavī an; danach wiederum die ersten fünf Bījas, o Schöne, in umgekehrter Reihenfolge verbunden. Dies ist die auf Erden schwer zu erlangende Ṣoḍaśī. Wer den Mantra der vierten [Form] 100.000-mal wiederholt hat, wird zum Herrn der Vollkommenheiten. „In umgekehrter Reihenfolge“ ist mit „die fünf Bījas anordnen“ zu verbinden.

P2-0785 · Originalnummer 66
jñānārṇave:
vaktrakoṭi sahasraistu jihvākoṭiśatairapi |
varṇituṃ naiva śakyeyaṃ śrīvidyā ṣoḍaśākṣarī ||
vaikharī vācyabhāvatvādaśaktā guṇavarṇane |
yato nirakṣaraṃ vastu parā tatraiva kāraṇam |
mūkībhūtā hi paśyanti madhyamā madhyamābhavat |
brahmavidyāsvarūpā hi bhuktimuktiphalapradā |
ekoccāreṇa deveśi bājapeyasya koṭayaḥ |
aśvamedhasahasrāṇi prādakṣiṇyaṃ bhuvastathā |
kāśyāditīrthayātrāḥ syuḥ sārddhakoṭitrayānvitāḥ |
tulāṃ nārhanti deveśi nātra kāryā vicāraṇā ||
ekoccāreṇa girije kiṃ punarbrahma kevalam |
ṣoḍaśārṇā mahāvidyā na prakāśyā kadācana ||
gopanīyā tvayā bhadre svayoniriva pārvati
|| 66 ||

Im Jñānārṇava: Mit Tausenden von Millionen Mündern und selbst mit Hunderten von Millionen Zungen lässt sich diese sechzehnsilbige Śrīvidyā nicht beschreiben. Vaikharī ist zur Beschreibung ihrer Eigenschaften unfähig, weil sie an das sprachlich Ausdrückbare gebunden ist. Denn die Wirklichkeit ist jenseits der Laute; Parā ist gerade dort ihr Ursprung. Paśyantī verstummt, Madhyamā wird zur Mittleren [das Wortspiel bleibt im Text unerläutert]. Sie hat wahrlich die Gestalt der Brahman-Vidyā und gewährt als Frucht Genuss und Befreiung. Millionen Vājapeya-Opfer, Tausende Pferdeopfer, die rechtsläufige Umwanderung der Erde sowie 35 Millionen Pilgerfahrten zu Kāśī und anderen heiligen Orten erreichen nicht das Gewicht eines einzigen Aussprechens, o Herrin der Götter; darüber besteht kein Zweifel. Durch ein einziges Aussprechen, o Girijā — um wie viel mehr [erlangt man] das reine Brahman! [Der Satz ist elliptisch.] Die große sechzehnsilbige Vidyā darf niemals öffentlich bekannt gemacht werden. Du sollst sie geheim halten, o Heilvolle, wie deine eigene Yoni, o Pārvatī.

P2-0786 · Originalnummer 67
bījāvalīṣoḍaśī :
rudrayāmale:
śrībījamāye saṃlikhya tathaiva ca kumārikām |
śrībījamāye kāmañca vāṅmāyā kamalāntathā |
parāṃ kāmañca vāgbījaṃ māyāṃ śrībījameva ca |
bījāvalī ṣoḍaśīyaṃ sarvatantreṣu gopitā |
rājyaṃ deyaṃ śiro deyaṃ na deyā bījaṣoḍaśī
|| 67 ||

Die Bījāvalī-Ṣoḍaśī, die sechzehnsilbige Bīja-Reihe. Im Rudrayāmala: Schreibe Śrī-Bīja und Māyā, ebenso Kumārikā; Śrī-Bīja, Māyā, Kāma, Vāc, Māyā und Kamalā; Parā, Kāma, das Sprach-Bīja, Māyā und das Śrī-Bīja. Dies ist die Bījāvalī-Ṣoḍaśī, die in allen Tantras geheim gehalten wird. Ein Königreich darf man geben, den eigenen Kopf darf man geben; die Bīja-Ṣoḍaśī darf man nicht geben.

P2-0787 · Originalnummer 68
brahmayāmale:
ādau lakṣmīṃ parāñcaiva tathaiva ca kumārikām |
śrībījañca parābījaṃ kāmaṃ vāgbhavameva ca |
parāśrībālikāścaiva likhedvyutkramayogataḥ |
ante dadyātparāṃ śrīñca sampūrṇā kathitā tvayi |
bālāpradhānā vidyā ca sarvaśāstre ca gopitā
|| 68 ||

Im Brahmayāmala: Am Anfang Lakṣmī und Parā, ebenso Kumārikā; dann Śrī-Bīja, Parā-Bīja, Kāma und Vāgbhava. Parā, Śrī und Bālikā schreibe man in umgekehrter Reihenfolge verbunden. Am Ende setze man Parā und Śrī. Vollständig habe ich sie dir erklärt. Diese Vidyā, in der Bālā vorherrscht, wird in allen Lehrwerken geheim gehalten.

P2-0788 · Originalnummer 69
tantrāntare mantrāntaramāha:
ādyā kuṇḍalinī śaktiḥ śaktirādyā tataḥ parāḥ |
niveśayettayormadhye devi govindavallabhām |
tatastu manmathaṃ bījaṃ bālādyaṃ tadanantaram |
hṛllekhāramayorvaktre vedaktraṃ vinikṣipet |
tato lopāṃ nyaseddevi trikūṭāmathavā parām |
ādyāni pañcabījāni paścādvinyasya sundari |
ṣoḍaśīyaṃ sugopyā hi snehāddevi prakāśitā
|| 69 ||

In einem anderen Tantra wird ein anderer Mantra erklärt: Die erste ist die Kuṇḍalinī-Śakti; Śakti ist zuerst, danach Parā. Zwischen diese beiden setze man Govindas Geliebte, o Göttin. Danach folgt das Manmatha-Bīja und unmittelbar danach der Anfang Bālās. An den Anfang von Hṛllekhā und Ramā setze man den Vedā[nfang; die Vorlage liest beschädigt „vedaktraṃ“]. Dann setze man Lopā ein, o Göttin, oder die höchste dreikūṭige [Vidyā]. Danach ordne man die ersten fünf Bījas an, o Schöne. Diese Ṣoḍaśī ist streng geheim zu halten; aus Zuneigung habe ich sie offenbart, o Göttin.

P2-0791 · Originalnummer 72
prakārāntareṇa ṣoḍaśīmāha siddhayāmale:
kāmo māyā ramā bālā trikūṭā strī bhagāṅkuśau |
kālī kāmakalā kūrcaṃ sarvādau praṇavaḥ priye |
śrīmahāṣoḍaśīyañca yā khyātā bhuvanatraye |
jñānena mṛtyuhā vidyā sarvāmnāyairnamaskṛtā |
saptalakṣamahāvidyāntantrādau kathitāḥ priye |
sārātsāratarābhūtā yā yā vidyāḥ sugopitāḥ |
bahunā kimihoktena tāsāṃ sārā tu ṣoḍaśī |
prakāśitā mahādevi yā pṛṣṭā te punaḥ punaḥ
|| 72 ||

Eine weitere Weise der Ṣoḍaśī erklärt das Siddhayāmala: Kāma, Māyā, Ramā, Bālā, die dreikūṭige [Vidyā], Strī, Bhaga und Aṅkuśa, Kālī, Kāmakalā und Kūrca; ganz am Anfang steht der Praṇava, o Liebe. Dies ist die herrliche Mahāṣoḍaśī, die in den drei Welten berühmt ist. Durch ihre Erkenntnis vernichtet die Vidyā den Tod; alle Überlieferungen verehren sie. In den Tantras und anderen Werken sind 700.000 große Vidyās erklärt, o Liebe. Welche streng geheim gehaltenen Vidyās auch zur Essenz der Essenz geworden sind — was bedarf es hier vieler Worte? Ṣoḍaśī ist ihre Essenz. Diese habe ich offenbart, o große Göttin, nach der du wieder und wieder gefragt hast.

P2-0792 · Originalnummer 73
rudrayāmale:
lopāmudrāvāgbhavaṃ tu pṛthvānte śivayojanāt |
sakāraṃ kāmarājādau lopā tu ṣoḍaśākṣarī |
anayā sadṛśī vidyā na vidyārṇavagocare
|| 73 ||

Im Rudrayāmala: Durch das Hinzufügen Śivas nach Pṛthvī im Vāgbhava der Lopāmudrā und von sa am Anfang des Kāmarāja wird Lopā sechzehnsilbig. Eine Vidyā ihresgleichen liegt nicht im Bereich des Vidyārṇava, des Ozeans der Vidyās.

P2-0793 · Originalnummer 74
tatraiva:
vidyārājñī vāgbhave tu kānte'nantaniyojanāt |
ṣoḍaśārṇā mahāvidyā cidbrahmaikyamayī śubhā ||
lopāvāgbhavaśakrānte śivabījaṃ niyojayet |
tathaiva śaktibīje tu lopā saptadaśākṣarī
|| 74 ||

Ebendort: Durch das Einsetzen Anantas nach ka im Vāgbhava wird die Königin der Vidyās zur sechzehnsilbigen großen Vidyā, heilvoll und aus der Einheit von Bewusstsein und Brahman bestehend. Man setze das Śiva-Bīja nach Śakra im Vāgbhava der Lopā ein und ebenso im Śakti-Bīja: Dann ist Lopā siebzehnsilbig.

P2-0794 · Originalnummer 75
lopāyāḥ śaktikūṭānte haṃsabījayutā yadi |
tadā saptadaśī vidyā sākṣājjñānasvarūpiṇī ||
asyāḥ smaraṇamātreṇa śivo bhavati nānyathā
aṇimādyaṣṭasiddhīśaḥ sākṣādbhūmipurandaraḥ
|| 75 ||

Wenn am Ende des Śaktikūṭa der Lopā das Haṃsa-Bīja hinzugefügt ist, dann ist sie die siebzehnsilbige Vidyā, die unmittelbar die Gestalt der Erkenntnis hat. Allein durch die Erinnerung an sie wird man Śiva; anders ist es nicht. Man wird Herr der acht Vollkommenheiten, beginnend mit Aṇimā, und unmittelbar ein Indra auf Erden.

P2-0795 · Originalnummer 76
tatraivāṣṭādaśākṣarī yathā lopāmudrāmadhikṛtya:
adharaṃ vindunā yuktaṃ vāgbhavādye niyojayet |
mādanaṃ kāmarājādye tārtīyādye maheśvari |
bhṛguḥ sargānvito devi manunā ca samanvitaḥ |
aṣṭādaśākṣarī hyeṣā śrīvidyā bhuvi durlabhā |
śrīguroḥ kṛpayā devi nityasiddhipradāyini
|| 76 ||

Ebendort wird hinsichtlich Lopāmudrā die achtzehnsilbige [Form] so beschrieben: Man setze Adhara mit Bindu an den Anfang des Vāgbhava, Madana an den Anfang des Kāmarāja und an den Anfang des dritten [Kūṭa], o Maheśvarī, Bhṛgu mit Visarga und mit dem Manu-[Vokal], o Göttin. Dies ist die achtzehnsilbige Śrīvidyā, die auf Erden schwer zu erlangen ist, durch die Gnade des verehrten Gurus, o Göttin, o Spenderin beständiger Vollkommenheit.

P2-0796 · Originalnummer 77
navalakṣaṃ japitvā tu lopāmudrāṃ maheśvarīm |
aṣṭādaśākṣarī vidyā paścādrādhyā varānane |
anyathā śāpamāpnoti kulaṃ tasya vinaśyati
|| 77 ||

Nachdem man die große Herrin Lopāmudrā 900.000-mal wiederholt hat, ist danach die achtzehnsilbige Vidyā zu verehren, o Schönangesichtige. Andernfalls zieht man sich einen Fluch zu, und die eigene Familie geht zugrunde.

P2-0797 · Originalnummer 78
sarvakalyāṇadā vidyā sarvavighnavināśinī |
sarvasaubhāgyadā |
devi sarvamaṅgalakāriṇī ||
anayā sadṛśī vidyā trailokya cātidurlabhā
|| 78 ||

Die Vidyā gewährt alles Heil, vernichtet alle Hindernisse, schenkt alles Wohlergehen, o Göttin, und bewirkt alles Glückbringende. Eine Vidyā ihresgleichen ist in den drei Welten äußerst schwer zu erlangen.

P2-0798 · Originalnummer 79
tatraiva:
kāmarājākhyavidyāyā vāgbhavādau tu vāgbhavam:
bhuvaneśīṃ kāmarāje śrībījaṃ śaktipūrvataḥ || eṣāpyaṣṭādaśī
proktā sarvasiddhi pradāyikā |
bhogamokṣapradā sākṣāt puruṣārthapradāyikā
|| 79 ||

Ebendort: In der Kāmarāja genannten Vidyā setze man Vāgbhava an den Anfang des Vāgbhava, Bhuvaneśī in den Kāmarāja und das Śrī-Bīja vor Śakti. Auch diese wird als achtzehnsilbig bezeichnet. Sie gewährt alle Vollkommenheiten, schenkt unmittelbar Genuss und Befreiung und erfüllt die Ziele des menschlichen Lebens.

P2-0799 · Originalnummer 80
anayā sadṛśī vidyā trailokya cātidurlabhā |
nāsti nāsti punarnāsti satyaṃ satyaṃ vadāmi te
|| 80 ||

Eine Vidyā ihresgleichen ist in den drei Welten äußerst schwer zu erlangen. Es gibt sie nicht, es gibt sie nicht, nochmals: Es gibt sie nicht. Wahrlich, wahrlich sage ich es dir.

P2-0800 · Originalnummer 81
mantrāntaram:
praṇavaṃ pūrvamuddhṛtya tato vai kulasundarīm |
kāmākṣaraṃ śaktivarṇaṃ purandaraharau tataḥ |
bhuaneśīṃ samuddhṛtya vilomāṃ bālikāṃ tataḥ |
praṇavaṃ savisargantu tato vai kulasundarīm || lopāvāgbhavamuddhṛtya
vilomaṃ bālikāṃ tataḥ |
praṇavaṃ savisargantu tato vai kulasundarīm |
śaktikūṭamadhyabhāge hakāraṃ yojayecchive |
vilomāṃ bālikāṃ tatra brahmārṇaḥ savisargakaḥ ||
iti śrīparamā vidyā kevalā mokṣadāyinī |
asyā lakṣajapenaiva kiṃ na sidhyati bhūtale |
asyāḥ smaraṇamātreṇa śivo bhavati nānyathā |
kulasundarī bālā |
brahmārṇaḥ praṇavaḥ
|| 81 ||

Ein anderer Mantra: Zuerst leite man den Praṇava ab, danach Kulasundarī; den Kāma-Laut, den Śakti-Laut, dann Purandara und Hara. Nachdem man Bhuvaneśī abgeleitet hat, folgt die umgekehrte Bālikā; der Praṇava mit Visarga, danach Kulasundarī. Nachdem man den Vāgbhava der Lopā abgeleitet hat, folgt die umgekehrte Bālikā; der Praṇava mit Visarga, danach Kulasundarī. In die Mitte des Śaktikūṭa füge man ha ein, o Śivā. Dort folgt die umgekehrte Bālikā und der Brahman-Laut mit Visarga. Dies ist die höchste herrliche Vidyā, die allein Befreiung gewährt. Was könnte durch ihre 100.000-malige Wiederholung auf Erden nicht gelingen? Allein durch die Erinnerung an sie wird man Śiva; anders ist es nicht. Kulasundarī bedeutet Bālā; der Brahman-Laut ist der Praṇava. [Die Wiederholung von Praṇava und Kulasundarī steht so in der Vorlage und wird beibehalten.]

P2-0801 · Originalnummer 82
yoginījālandhare kāmarājavidyāmadhikṛtya:
vāṅmāraśaktibījādyatrikūṭākramayogataḥ |
tripurāmālinī nāmnā bhavedaṣṭādaśākṣarī |
varṇasaṃkhyārddhalakṣeṇa puraścaraṇamiṣyate
|| 82 ||

Im Yoginījālandhara hinsichtlich der Kāmarāja-Vidyā: Wenn die drei Kūṭas der Reihe nach mit dem Sprach-, Māra- und Śakti-Bīja beginnen, entsteht die achtzehnsilbige [Vidyā] namens Tripurāmālinī. Als vorbereitende Praxis gelten 50.000 Wiederholungen je Laut.

P2-0802 · Originalnummer 83
śrīkrame:
tāṃ vidyāṃ śṛṇu deveśi kāmamindrasamanvitam |
nādavindukalābhedatturīyasvarasaṃyutam ||
mahāśrīsundarī vidyā mahātripurasundarī
|| 83 ||

Im Śrīkrama: Höre diese Vidyā, o Herrin der Götter: Kāma, verbunden mit Indra, unterschieden durch Nāda, Bindu und Kalā und verbunden mit dem vierten Vokal. Dies ist die Vidyā Mahāśrīsundarī, Mahātripurasundarī.

P2-0803 · Originalnummer 84
kakāre sarvamutpannaṃ kāmakaivalyadāyakam |
lakāre sakalaiśvaryamīkāre sarvasiddhidam ||
evaṃ bījatrayaṃ bhadre vidyānāṃ sārasaṃgraham
|| 84 ||

Im Laut ka ist alles entstanden; er gewährt Begehren und absolute Freiheit. Im Laut la liegt sämtliche Herrscherfülle; im Laut ī liegt die Gewährung aller Vollkommenheiten. So ist die Dreiheit der Bījas, o Heilvolle, die gesammelte Essenz der Vidyās. [Die Vorlage nennt ka, la und ī als Bestandteile des zuvor abgeleiteten Bīja.]

P2-0804 · Originalnummer 85
vāgbhavaṃ
kāmarājañca śaktitve na niyojayet |
ekākṣareṇa kathitā brahmavidyaiva kevalā
|| 85 ||

Vāgbhava und Kāmarāja setze man nicht in Śakti ein. Mit einem einzigen Laut ist sie erklärt: allein die Brahman-Vidyā.

P2-0805 · Originalnummer 86
kāmarājalopāmudrayorviśeṣamāha kuloḍḍīśe:
śrīparāvāgbhavākhyaiśca īśvarītāramanmathaiḥ |
ādyabhūtairbhidyamānā sundarī ṣaḍvidhā bhavet
|| 86 ||

Den Unterschied zwischen Kāmarāja und Lopāmudrā erklärt das Kuloḍḍīśa: Durch die Śrī, Parā und Vāgbhava genannten sowie durch Īśvarī, Tāra und Manmatha, die jeweils am Anfang stehen, wird Sundarī unterschieden und ist sechsfach.

P2-0806 · Originalnummer 87
tathā anayorādye kāmo māyā śrībījaṃ, māyāśrīkāmabījaṃ
tathā trividhā cāṣṭādaśākṣarī |
tathā ca kuloḍḍīśe:
kāmamāyāramāpūrvo māyā lakṣmīḥ smarastathā |
ramā māyā tathā kāmo vasucandrākṣarī tridhā ||
smaraṃ yoniṃ lakṣmīṃ tritayamidamādye tava mano riti
bhagavadācāryeṇa pratipāditam
|| 87 ||

Ebenso [stehen] am Anfang dieser beiden Kāma, Māyā und das Śrī-Bīja oder Māyā, Śrī und das Kāma-Bīja; so ist die achtzehnsilbige [Form] dreifach. So auch im Kuloḍḍīśa: Beginnend mit Kāma, Māyā, Ramā; ebenso Māyā, Lakṣmī, Smara; oder Ramā, Māyā, Kāma: Die achtzehnsilbige [Vidyā, verschlüsselt als Acht und Mond/Eins] ist dreifach. „Smara, Yoni, Lakṣmī: Diese Dreiheit am Anfang deines Mantras“ — so wurde es vom erhabenen Ācārya dargelegt.

P2-0807 · Originalnummer 88
śaktikāmarājantu śrīkrame:
māyābījaṃ tato jhiṇṭī kāmaṃ śakraṃ viyat kramāt |
jātavedo nṛgāṅkena lāñchitaṃ parameśvarī |
etadvāgbhavakūṭañca pūrvakaṃ kāmarājakam ||
tatraiva śaktibījañca sundaryeṣā prakīrtitā |
atrāpi pūrvavadbījasaṃyogaḥ |
māyā īkāraḥ |
jhiṇṭī ekāraḥ
|| 88 ||

Der Śakti-Kāmarāja steht im Śrīkrama: Das Māyā-Bīja, dann Jhiṇṭī, Kāma, Śakra und Raum der Reihe nach; Jātavedas, gezeichnet mit Nṛgāṅka, o Parameśvarī: Dies ist der Vāgbhava-Kūṭa. Der Kāmarāja ist der frühere; ebenso dort das Śakti-Bīja. So ist diese Sundarī erklärt. Auch hier erfolgt die Verbindung der Bījas wie zuvor. Māyā ist ī; Jhiṇṭī ist e. [„nṛgāṅka“ ist eine unsichere Lesart, vermutlich eines Mondnamens; sie wird nicht still berichtigt.]

P2-0808 · Originalnummer 89
punaḥ śaktimāha:
etadbhagaṃ tato māyā brahmā śakro haro'gninā |
vāmanetreṇa saṃyukto nādavinduvibhūṣitaḥ |
etadvāgbhavamuddiṣṭaṃ pūrvavat kāmaśaktikam |
bhaga ekāraḥ |
atrāpi pūrvavadbījasaṃyogaḥ
|| 89 ||

Wieder wird Śakti erklärt: Dieses Bhaga, dann Māyā, Brahmā, Śakra und Hara mit Feuer, verbunden mit dem linken Auge und geschmückt mit Nāda und Bindu: Dies ist als Vāgbhava angegeben. Kāma und Śakti sind wie zuvor. Bhaga ist e. Auch hier erfolgt die Verbindung der Bījas wie zuvor.

P2-0809 · Originalnummer 90
atra viśeṣaḥ:
brahmabījaṃ yadā dadyātrikūṭeṣu varānane |
prathamā sundarī devi dvitīyā brahmasundarī ||
śaktikūṭe maheśāni anantasundarī matā |
eṣā tu ṣoḍaśī vidyā matabhedena darśitā
|| 90 ||

Hier gibt es eine Besonderheit: Wenn man das Brahmā-Bīja in die drei Kūṭas einfügt, o Schönangesichtige, [heißt sie] im ersten Sundarī, o Göttin, im zweiten Brahmasundarī; im Śaktikūṭa, o Maheśānī, gilt sie als Anantasundarī. Diese sechzehnsilbige Vidyā wird nach den unterschiedlichen Lehrmeinungen dargestellt.

P2-0810 · Originalnummer 91
mantrāntaram:
trikūṭānte haṃsabījaṃ vindusargāvibhūṣitam |
eṣā śrīprāṇasaṃyuktā dāridryaduḥkhamocanī
|| 91 ||

Ein anderer Mantra: Am Ende der drei Kūṭas steht das Haṃsa-Bīja, geschmückt mit Bindu und Visarga. Diese mit Śrīs Lebenshauch verbundene [Vidyā] befreit vom Leid der Armut.

P2-0811 · Originalnummer 92
śaktilopāmudrā tu:
śaktirmaheśaḥ kāmaśca-indrabījaṃ tataḥ param |
mahāmāyā tataḥ paścāttava snehādvadāmyaham ||
pūrvavat kāmaśaktākhyo varṇau niṣkīlitātmakau |
iti śāktā mahāvidyā paścimāmnāyayojitā ||
śaktiḥ sakāraḥ, pūrvavat kāmarājavidyāvat |
atrāpi pūrvavadbīja saṃyogaḥ
|| 92 ||

Die Śakti-Lopāmudrā hingegen: Śakti, Maheśa und Kāma, unmittelbar danach das Indra-Bīja, danach Mahāmāyā: Aus Zuneigung zu dir erkläre ich dies. Wie zuvor sind die Kāma und Śakti genannten Laute von ihren Verschlüssen befreit. So ist die Śākta-Mahāvidyā mit der westlichen Überlieferung verbunden. Śakti ist sa. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā. Auch hier erfolgt die Verbindung der Bījas wie zuvor.

P2-0812 · Originalnummer 93
mantrāntaram:
śivabījaṃ śaktisomaṃ mādanañca purandaram |
vyoma vahnisamāyuktaṃ turīyasvaravindukam ||
pūrvavat kāmarājantu śaktibījaṃ samuddharet |
eṣā vidyā maheśāni varṇitu naiva śakyate ||
śakti sakāraḥ, somaḥ sakāraḥ |
pūrvavat kāmarājavidyāvat |
atrāpi pūrvavadbījasaṃyogaḥ
|| 93 ||

Ein anderer Mantra: Das Śiva-Bīja, Śakti und Soma, Madana und Purandara, verbunden mit Raum und Feuer sowie mit dem vierten Vokal und Bindu. Kāmarāja und das Śakti-Bīja leite man wie zuvor ab. Diese Vidyā, o Maheśānī, lässt sich wahrlich nicht beschreiben. Śakti ist sa, Soma ist sa. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā. Auch hier erfolgt die Verbindung der Bījas wie zuvor.

P2-0813 · Originalnummer 94
śivaśaktirbhuvaneśī vāgbhavaṃ bījamuttamam |
kāmaṃ vyoma ca deveśi mahāmāyā tataḥ param |
somaṃ vyoma mahāmāyā navārṇā parakīrtitā |
rudraśaktiriyaṃ devi pūrvāmnāye hi nāyikā
|| 94 ||

Śiva, Śakti und Bhuvaneśī bilden das höchste Vāgbhava-Bīja. Kāma und Raum, o Herrin der Götter, unmittelbar danach Mahāmāyā; Soma, Raum und Mahāmāyā: Als neunsilbig wird die höchste [Vidyā] erklärt. Dies ist Rudraśakti, o Göttin, die Führerin der östlichen Überlieferung.

P2-0814 · Originalnummer 95
mantrāntaram:
mādanaṃ gotrabhit sāsto rephavāmākṣicandravān |
nādavindusamāyuktaḥ kathitaḥ parameśvari
|| 95 ||

Ein anderer Mantra: Madana, Gotrabhid, endend mit sa, mit r, dem linken Auge und Candra versehen, verbunden mit Nāda und Bindu: So wird er erklärt, o Parameśvarī. [Gotrabhid ist ein Name Indras; die genaue Lautzuordnung wird hier nicht erläutert.]

P2-0815 · Originalnummer 96
brahmā ca gaganaṃ śakro nakulīśo'nalastathā |
māyāvindusanādena kāmarājaṃ samuddharet ||
śaktirmādanaśakraśca haro vahniśca māyayā |
nādavindusamākrāntaḥ kathitaḥ kāmado manuḥ ||
eṣā vidyā maheśāni kathitaikādaśākṣarī
|| 96 ||

Brahmā, Raum, Śakra, Nakulīśa und Feuer: Mit Māyā, Bindu und Nāda leite man Kāmarāja ab. Śakti, Madana, Śakra, Hara und Feuer mit Māyā, von Nāda und Bindu durchdrungen: So wird der Wünsche gewährende Mantra erklärt. Diese Vidyā, o Maheśānī, wird als elfsilbig angegeben.

P2-0816 · Originalnummer 97
mantrāntaram:
mādanaṃ pañcavaktrañca lohitā rudrayoginī |
purandaro mahāmāyā vāgbhavaṃ bījamuttamam ||
pūrvavat kāmaśaktyākhyamuddhareddevi sundarīm |
lohitā kṣakāraḥ, rudrayoginī makāraḥ ||
pūrvavat kāmarāja vidyāvat
|| 97 ||

Ein anderer Mantra: Madana, Pañcavaktra, Lohitā, Rudrayoginī, Purandara und Mahāmāyā bilden das höchste Vāgbhava-Bīja. Kāma und Śakti leite man wie zuvor ab, o Göttin: [So entsteht] Sundarī. Lohitā ist kṣa; Rudrayoginī ist ma. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā.

P2-0817 · Originalnummer 98
bhṛgvīśaṃ gaganaṃ hāntaṃ kālamindraṃ maheśvaram |
vāmākṣivahnivindvāḍhyaṃ vāgbhavaṃ parameśvari || kāmarājaṃ
śaktikūṭaṃ pūrvavattu samuddharet |
bhṛgvīśaḥ sakāraḥ, hāntaḥ kṣakāraḥ, kālo makāraḥ ||
pūrvavat kāmarājavidmāvat |
sarvatra evaṃ kramaḥ
|| 98 ||

Bhṛgvīśa, Raum, Hānta, Kāla, Indra und Maheśvara, reich an linkem Auge, Feuer und Bindu, bilden Vāgbhava, o Parameśvarī. Kāmarāja und den Śaktikūṭa leite man wie zuvor ab. Bhṛgvīśa ist sa, Hānta ist kṣa, Kāla ist ma. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā. Überall gilt diese Reihenfolge.

P2-0818 · Originalnummer 99
mantrāntaram:
viṣṇurīśastato hāntaḥ kāleśaḥ pṛthivī tataḥ |
bhuvaneśī tataḥ paścādvāgbhavaṃ kathitaṃ tvayi ||
kāmarājaṃ śaktikūṭaṃ pūrvavat kathitaṃ priye |
viṣṇurīśaḥ akārayuktahakāraḥ kāleśo makāraḥ
|| 99 ||

Ein anderer Mantra: Viṣṇu und Īśa, dann Hānta, Kāleśa, danach Pṛthivī und danach Bhuvaneśī: So ist dir Vāgbhava erklärt. Kāmarāja und Śaktikūṭa sind wie zuvor angegeben, o Liebe. Viṣṇu-Īśa ist ha mit dem Vokal a; Kāleśa ist ma.

P2-0819 · Originalnummer 100
subhagodayāṃ vidyāmāha śrīkrame:
śaktiḥ svayambhūḥ śambhuśca śakraśca bhuvaneśvarī |
śivo mādanarudrendramahāmāyāstataḥ param |
kāmaḥ śivastato brahmā indraśca bhuvaneśvarī ||
eṣā tu parameśāni sundarī subhagodayā |
trikūṭānte haṃsabījaṃ tadā saptadaśī bhavet
|| 100 ||

Die Subhagodayā-Vidyā wird im Śrīkrama erklärt: Śakti, Svayambhū, Śambhu, Śakra und Bhuvaneśvarī; Śiva, Madana, Rudra, Indra und unmittelbar danach Mahāmāyā; Kāma, Śiva, dann Brahmā, Indra und Bhuvaneśvarī. Dies ist, o Parameśānī, Sundarī Subhagodayā, die den Aufgang des Glücks bewirkt. Steht das Haṃsa-Bīja am Ende der drei Kūṭas, dann wird sie siebzehnsilbig.

P2-0820 · Originalnummer 1
vāgbījaṃ vijayā māyā brahmā śakraśca pārvatī |
mānmathaṃ śaivaśakti ca mādanaṃ hara indrakaḥ ||
māhāmāyā tataḥ paścātśaktirmanuḥ sasargakaḥ |
candraḥ prajāpatiḥ śakro mahāmāyā tataḥ parā ||
aṣṭādaśākṣarī vidyā mahātripurasundarī |
sarvānte haṃsasaṃyuktā viśākṣarī bhavettadā
|| 1 ||

Das Sprach-Bīja, Vijayā, Māyā, Brahmā, Śakra und Pārvatī; das Manmatha-[Bīja], das Śiva-Śakti-[Bīja], Madana, Hara und Indra; danach Mahāmāyā; Śakti, Manu mit Visarga, Candra, Prajāpati, Śakra und danach die höchste Mahāmāyā: Dies ist die achtzehnsilbige Vidyā Mahātripurasundarī. Wird Haṃsa ganz am Ende hinzugefügt, dann wird sie zwanzigsilbig. [Die Vorlage beginnt hier ihre ursprüngliche Nummerierung erneut bei 1.]

P2-0826 · Originalnummer 7
śakro brahmā candrabījaṃ mahāmāyā tataḥ param |
vāgbhavaṃ kathitañcaiva kāmarājaṃ tataḥ śṛṇu ||
śaktiḥ śivo mādanendrau tatparā parameśvarī |
śivaḥ śaktiśca somaśca śūnyo brahmā maheśvarī ||
eṣā nirākhyā |
śūnyo hakāraḥ
|| 7 ||

Śakra, Brahmā, das Candra-Bīja und unmittelbar danach Mahāmāyā: So ist Vāgbhava erklärt. Höre nun Kāmarāja: Śakti, Śiva, Madana, Indra und danach die höchste Parameśvarī; Śiva, Śakti, Soma, Śūnya, Brahmā und Maheśvarī. Dies ist Nirākhyā, die Namenlose. Śūnya ist ha.

P2-0830 · Originalnummer 11
śrīkrame:
kāmakeśvarīvidyaiva trikūṭakramapāṭhitā |
saubhāgyāyāstrikūṭena pañcamyāḥ pañcakūṭam ||
tripurā yā mahāvidyā kūṭaikādaśanirmitā |
sārātsāratarā vidyā kathitaikādaśākṣarī
|| 11 ||

Im Śrīkrama: Eben die Kāmakeśvarī-Vidyā wird in der Reihenfolge der drei Kūṭas rezitiert, mit den drei Kūṭas der Saubhāgyā und den fünf Kūṭas der Pañcamī. Die große Vidyā Tripurā ist aus elf Kūṭas gebildet. Die Vidyā, die Essenz der Essenz, wird als elfsilbig erklärt. [Die Vorlage verwendet hier „elf Kūṭas“ und „elf Silben“ nebeneinander und erläutert die Zählweise nicht.]

P2-0831 · Originalnummer 12
atha pañcamī :
kāmaṃ viṣṇuyutaṃ devi śaktirmāyendra eva ca |
mahāmāyā tataḥ paścādvāgbhavaṃ bījamuddharet ||
viṣṇuyutamakārayutamityarthaḥ |
śaktirekāraḥ, māyā īkāraḥ
|| 12 ||

Nun Pañcamī: Kāma, mit Viṣṇu verbunden, o Göttin; Śakti, Māyā und Indra, danach Mahāmāyā: So leite man das Vāgbhava-Bīja ab. „Mit Viṣṇu verbunden“ bedeutet: mit a verbunden. Śakti ist e, Māyā ist ī.

P2-0832 · Originalnummer 13
viyaccandrastathā paścātkalau nakuli - vahni ca |
māyāsvareṇa saṃyuktaṃ nādavindukalānvitam || prathamaṃ
kāmarājasya kūṭaṃ paramadurlabham
|| 13 ||

Raum, Candra, danach ka und la sowie Nakulī und Feuer, verbunden mit dem Māyā-Vokal und ausgestattet mit Nāda, Bindu und Kalā: Dies ist der erste Kūṭa des Kāmarāja, höchst schwer zu erlangen.

P2-0833 · Originalnummer 14
viyadviṣṇuyutaṃ kāmo haṃsaḥ:
sakrastataḥ param |
mahāmāyā tataḥ paścāt svapnāvatīti kathyate |
etaddvitīyakāmarājakūṭam |
haṃso hakāraḥ
|| 14 ||

Raum, mit Viṣṇu verbunden, Kāma, Haṃsa, unmittelbar danach Śakra und danach Mahāmāyā: Dies wird Svapnāvatī genannt. Dies ist der zweite Kāmarāja-Kūṭa. Haṃsa ist ha.

P2-0834 · Originalnummer 15
mādanaṃ śivabījañca vāyubījaṃ tataḥ param |
indrabījaṃ tataḥ paścānmahāmāyāṃ samuddharet ||
iti tṛtīyakūṭam |
iyaṃ madhumatī
|| 15 ||

Madana und das Śiva-Bīja, unmittelbar danach das Wind-Bīja, danach das Indra-Bīja und Mahāmāyā leite man ab. Dies ist der dritte Kūṭa. Dies ist Madhumatī.

P2-0835 · Originalnummer 16
śivabījaṃ tataḥ kāmaṃ indraṃ devīṃ niyojayet |
mahāmāyāṃ tataḥ paścātśaktikūṭaṃ samuddharet ||
devī sakāraḥ
|| 16 ||

Das Śiva-Bīja, dann Kāma, Indra und Devī setze man ein; danach Mahāmāyā. So leite man den Śaktikūṭa ab. Devī ist sa.

P2-0836 · Originalnummer 17
kuloḍḍīśe:
vāgbhavaṃ prathamaṃ kūṭaṃ śaktikūṭañca pañcamam |
madhyakūṭatrayaṃ devi kāmarājaṃ manoharam ||
kathitā pañcamī vidyā trailokyasubhagodayā
|| 17 ||

Im Kuloḍḍīśa: Vāgbhava ist der erste Kūṭa, der Śaktikūṭa der fünfte. Die drei mittleren Kūṭas, o Göttin, bilden den reizvollen Kāmarāja. Die Pañcamī-Vidyā ist erklärt, die das Glück in den drei Welten aufgehen lässt.

P2-0837 · Originalnummer 18
īśvara uvāca:
śṛṇu devi mahābhāge śaktikūṭaṃ sudurlabham |
vāgbhavaṃ prathamaṃ kūṭaṃ kāmarājaṃ trikūṭakam ||
śaktikūṭaṃ pravakṣyāmi tava snehādviśeṣataḥ |
jīvaprāṇau maheśāni mādanaṃ tadanantaram ||
indrabījaṃ tataḥ paścādbhuvaneśī tu pañcamam |
iti vā śaktikūṭam |
jīvaḥ sakāraḥ, prāṇo hakāraḥ
|| 18 ||

Īśvara sprach: Höre, o Göttin, o Hochbeglückte, den äußerst schwer zu erlangenden Śaktikūṭa. Vāgbhava ist der erste Kūṭa; Kāmarāja besteht aus drei Kūṭas. Den Śaktikūṭa erkläre ich dir besonders aus Zuneigung: Jīva und Prāṇa, o Maheśānī, unmittelbar danach Madana, danach das Indra-Bīja; Bhuvaneśī ist das fünfte. Dies ist eine weitere Form des Śaktikūṭa. Jīva ist sa, Prāṇa ist ha.

P2-0838 · Originalnummer 19
athavā devadeveśi saubhāgyāyāśca vāgbhavam |
kūṭatrayaṃ kāmarājaṃ śaktibījañca pūrvavat ||
vāmanetrādikūṭaṃ vā bhagādikūṭameva vā |
arihā siddhidā vidyā sarvadoṣavivarjitā ||
bhaga ekāraḥ |
etenāṣṭadhā pañcamī vāgbhavaśaktikūṭabhedena
|| 19 ||

Oder, o Herrin des Gottes der Götter, [nehme man] das Vāgbhava der Saubhāgyā, die drei Kāmarāja-Kūṭas und das Śakti-Bīja wie zuvor; oder den mit dem linken Auge beginnenden Kūṭa oder den mit Bhaga beginnenden Kūṭa. Die Vidyā vernichtet Feinde, gewährt Vollkommenheit und ist von allen Fehlern frei. Bhaga ist e. So ist Pañcamī durch die Unterschiede des Vāgbhava- und des Śaktikūṭa achtfach.

P2-0839 · Originalnummer 20
yāmale:
dvividhā pañcamī vidyā pañcapañcākṣarī parā |
madhye ṣaḍakṣarī caiva śaktiśca caturakṣarī ||
ṣaḍiti kāmarājavidyāmadhyakūṭamityarthaḥ |
śaktikūṭamiti kāmarājasya śaktikūṭamityarthaḥ ||
eṣā caturddhā vāgbhavakuṭabhedāt
|| 20 ||

Im Yāmala: Die höchste Pañcamī-Vidyā ist zweifach, fünfmal fünfsilbig; in der Mitte sechssilbig und Śakti viersilbig. „Sechs“ meint den mittleren Kūṭa der Kāmarāja-Vidyā. „Śaktikūṭa“ meint den Śaktikūṭa des Kāmarāja. Durch die Unterschiede des Vāgbhava-Kūṭa ist diese vierfach. [Die knappen Zählangaben werden so nach der Vorlage wiedergegeben.]

P2-0840 · Originalnummer 21
etayoraṣṭadhā - caturddhā - vyavasthitayoḥ |
kāmarājasya tṛtīyakūṭantu tatraiva ||
kāmarājaṃ maheśāni śivabījaṃ tataḥ param |
tadadho haṃsabījantu indrabījaṃ vicintayet ||
mahāmāyā tataḥ paścātkūṭaṃ paramadurlabham |
eṣāpi pūrvavadaṣṭadhā anyā caturddhā
|| 21 ||

Bei diesen beiden, die achtfach beziehungsweise vierfach angeordnet sind, [steht] der dritte Kūṭa des Kāmarāja ebendort: Kāmarāja, o Maheśānī, unmittelbar danach das Śiva-Bīja; darunter das Haṃsa-Bīja und das Indra-Bīja stelle man sich vor. Danach Mahāmāyā: Dieser Kūṭa ist höchst schwer zu erlangen. Auch diese ist wie zuvor achtfach, die andere vierfach.

P2-0842 · Originalnummer 23
tathā ca tantre:
kāmabījaṃ maheśāni śambhubījaṃ tataḥ param |
tadadhaścandrabījantu pṛthvībījaṃ tato likhet |
tadante ca mahāmāyā kūṭaṃ paramadurlabham |
eṣā pūrvavadaṣṭadhā, anyā caturddhā, tena ṣaṭtriṃśadrūpiṇī
pañcamī
|| 23 ||

So auch im Tantra: Das Kāma-Bīja, o Maheśānī, unmittelbar danach das Śambhu-Bīja; darunter das Candra-Bīja, dann schreibe man das Pṛthvī-Bīja und an dessen Ende Mahāmāyā. Dieser Kūṭa ist höchst schwer zu erlangen. Diese ist wie zuvor achtfach, die andere vierfach. Daher hat Pañcamī sechsunddreißig Formen.

P2-0843 · Originalnummer 24
śrī krame:
etāsāñcaiva vidyānāṃ prāṇaṃ śṛṇu varānane |
ramāṃ māyāṃ haṃsabījaṃ vāgbhavādye niyojayet ||
śaktyante mahādevi haṃsaṃ māyāṃ ramāntathā ebhiryuktena deveśi
vidyājapanamācaret ||
japaśca saptavārameva dīpanyāṃ tathā darśanāt |
etāsāmiti pūrvoktaśrīkramoktavidyānām
|| 24 ||

Im Śrīkrama: Höre den Lebenshauch eben dieser Vidyās, o Schönangesichtige. Ramā, Māyā und das Haṃsa-Bīja setze man an den Anfang des Vāgbhava. Am Ende von Śakti, o große Göttin, stehen Haṃsa, Māyā und Ramā. Verbunden mit diesen vollziehe man die Wiederholung der Vidyā, o Herrin der Götter. Die Wiederholung erfolgt genau siebenmal, da dies bei der Dīpanī so zu finden ist. „Dieser“ bedeutet: der zuvor genannten, im Śrīkrama gelehrten Vidyās.

P2-0844 · Originalnummer 25
pañcamyāntu viśeṣo yathā:
ramāṃ māyāṃ haṃsabījaṃ vāgbhavādye niyojayet |
śaktyante tu maheśāni haṃsaṃ māyāṃ ramāntathā ||
kāmarājatraye devi kakāraṃ śakrasaṃyutam |
māyāvindvīśvarayutaṃ sūryakoṭisamaprabham
|| 25 ||

Bei Pañcamī gibt es folgende Besonderheit: Ramā, Māyā und das Haṃsa-Bīja setze man an den Anfang des Vāgbhava; am Ende von Śakti, o Maheśānī, stehen Haṃsa, Māyā und Ramā. Für die drei Kāmarājas, o Göttin: ka, verbunden mit Śakra, mit Māyā, Bindu und Īśvara, strahlend wie Millionen Sonnen … [Der Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort.]

P2-0845 · Originalnummer 25ka
prathamaṃ kāmakūṭasya cādye niyojayedidam |
vāntaṃ vahnisamāyuktaṃ vāmanetravibhūṣitam ||
nādavindu - samāyuktaṃ śriyo bījamudāhṛtam |
dvitīyaṃ kāmarājantu japeduktvā ca sundari ||
gaganaṃ vahnisaṃyuktaṃ vāmanetravibhūṣitam |
nādavindusamāyuktaṃ māyābījaṃ prakīrtitam |
madhumatīṃ japeccāpi sarvakāma - phalapradām
|| 25ka ||

… dies setze man zuerst an den Anfang des Kāmakūṭa. Das Ende von va, verbunden mit Feuer, geschmückt mit dem linken Auge und verbunden mit Nāda und Bindu, wird als Bīja der Śrī angegeben. Nachdem man es ausgesprochen hat, wiederhole man den zweiten Kāmarāja, o Schöne. Raum, verbunden mit Feuer, geschmückt mit dem linken Auge und verbunden mit Nāda und Bindu, wird als Māyā-Bīja erklärt. Dann wiederhole man auch Madhumatī, die sämtliche begehrten Früchte gewährt.

P2-0846 · Originalnummer 26
atha dīpanī:
tāraṃ lakṣmīñca vāgbījaṃ manmathaṃ bhuvaneśvarīm |
etajjaptvā tataḥ paścādvāgbhavākhyaṃ samuccaret
|| 26 ||

Nun die Dīpanī, die anregende [Vidyā]: Tāra, Lakṣmī, das Sprach-Bīja, Manmatha und Bhuvaneśvarī. Nachdem man dies wiederholt hat, spreche man danach das Vāgbhava genannte [Mantra-Glied] aus.

P2-0847 · Originalnummer 27
praṇavaṃ bhuvaneśānīṃ ramāṃ kāmañca vāgbhavam |
kāmarājaṃ tato japtvātrailokyakṣobhakārakaḥ
|| 27 ||

Praṇava, Bhuvaneśānī, Ramā, Kāma und Vāgbhava: Nachdem man danach Kāmarāja wiederholt hat, bewirkt man die Erschütterung der drei Welten.

P2-0848 · Originalnummer 28
oṃkārañcaiva vāgbījaṃ ramāṃ manmathamāyayā |
svapnāvatīṃ mahādevi japettatra samāhitaḥ
|| 28 ||

Oṃ und das Sprach-Bīja, Ramā, Manmatha mit Māyā: Dann wiederhole man Svapnāvatī, o große Göttin, mit gesammeltem Geist.

P2-0849 · Originalnummer 29
praṇavaṃ cādharaṃ kāmaṃ ramāñca bhuvaneśvarīm |
madhumatīṃ tato japtvā māyāṃ śrīṃ kūrcabījakam
|| 29 ||

Praṇava, Adhara, Kāma, Ramā und Bhuvaneśvarī: Nachdem man danach Madhumatī wiederholt hat, [spreche man] Māyā, Śrī und das Kūrca-Bīja.

P2-0850 · Originalnummer 30
praṇavādyañca deveśi haṃsabījapuṭīkṛtam |
etadbījaṃ samuccārya śaktikūṭaṃ tato japet ||
eṣā tu dīpanī vidyā ajapā prāṇarūpiṇī
|| 30 ||

Mit dem Praṇava am Anfang, o Herrin der Götter, und mit dem Haṃsa-Bīja umschlossen: Nachdem man dieses Bīja ausgesprochen hat, wiederhole man den Śaktikūṭa. Dies ist die Dīpanī-Vidyā, die Ajapā, deren Gestalt der Lebenshauch ist.

P2-0851 · Originalnummer 31
japaniyamastu:
japedādau japet paścāt saptavāramanukramāt |
kāmarājādividyānāṃ dīpanīñcaiva kārayet |
vāgbhave kāmarāje tu śaktikūṭe sureśvari |
atra pañcamīvadbhodhyā vāgbhavaśaktikūṭayordīpanī
|| 31 ||

Die Regel für die Wiederholung: Man wiederhole sie am Anfang und am Ende, der Reihe nach siebenmal. Bei den Vidyās Kāmarāja und den übrigen führe man auch die Dīpanī aus, beim Vāgbhava, beim Kāmarāja und beim Śaktikūṭa, o Herrin der Götter. Hier sind die Dīpanīs des Vāgbhava- und Śaktikūṭa wie bei Pañcamī zu verstehen.

P2-0852 · Originalnummer 32
kāmakūṭe punaḥ:
praṇavaṃ bhuvaneśānīṃ ramāṃ kāmañca vāgbhavam |
dīpanīmiti |
sarvatra kūṭe svarasambandhaḥ
|| 32 ||

Beim Kāmakūṭa dagegen lautet die Dīpanī: Praṇava, Bhuvaneśānī, Ramā, Kāma und Vāgbhava. Bei jedem Kūṭa besteht die Verbindung mit den Vokalen.

P2-0853 · Originalnummer 33
tathā ca saubhāgyādividyāmadhikṛtya yoginīhṛdaye -
svaravyañjanabhedena saptatriṃśatprabhedinī |
saptatriṃśatprabhedena ṣaṭtriṃśattattvarūpiṇī |
tattvātītasvabhāvā ca vidyeṣā bhāvyate sadā |
śrīkaṇṭhadaśakaṃ tadvadavyaktasya hi vācakam |
prāṇabhūtasthito devi tattadekādaśaḥ paraḥ
|| 33 ||

So im Yoginīhṛdaya hinsichtlich der Vidyās Saubhāgyā und der übrigen: Durch die Unterscheidung von Vokalen und Konsonanten ist sie in siebenunddreißig Formen gegliedert. Durch die siebenunddreißig Unterschiede hat sie die Gestalt der sechsunddreißig Tattvas. Auch ihr Wesen jenseits der Tattvas ist stets zu meditieren. Ebenso bezeichnet die Zehnheit der Śrīkaṇṭhas das Unentfaltete. Als Lebenshauch besteht jeweils das elfte, das Höchste, o Göttin. [Die Lautzuordnungen der Śrīkaṇṭhas werden im zitierten Abschnitt nicht aufgelöst.]

P2-0855 · Originalnummer 34
(citra 32)
taduktaṃ yāmale:
vindutrikoṇa - vasukoṇa - daśārayugma - manvasra nāgadala -
saṅgataṣoḍaśāram |
vṛttatrayañca dharaṇīsadanatrayañca śrīcakrarājamuditaṃ
paradevatāyāḥ |
cakrarājaṃ sindūrakuṃkumādinā likhitam |
suvarṇarajatapañcaratnasphaṭikatāmrādyutkīrṇaṃ vā kuryāt
|| 34 ||

[Abbildung 32.] So wird es im Yāmala gesagt: Bindu, Dreieck, Achteck, das Paar zehnwinkliger [Kreise], der vierzehnwinklige [Kreis], acht Blütenblätter und der damit verbundene sechzehnblättrige [Lotus], drei Kreise und die dreifache Erdumfassung: So ist der König Śrīcakra der höchsten Gottheit erklärt. Den König der Cakras zeichne man mit Sindūra, Kuṃkuma oder ähnlichen Stoffen oder graviere ihn in Gold, Silber, die fünf Edelsteine, Bergkristall, Kupfer oder ähnliche Materialien.

P2-0866 · Originalnummer 45
atha śrīcakranāśe prāyaścittam:
dagdhañca sphuṭitaṃ yantraṃ hṛtaṃ caureṇa vā priye |
upavāsaṃ prakūrvīta dinamekamatandritaḥ |
lakṣamātraṃ japedvidyāṃ homatarpaṇapūrvakam |
sadbhaktyā ca guruṃ toṣya brāhmaṇānapi bhojayet |
lakṣaṃ japatvā daśāṃśato homaṃ taddaśāṃśaṃ tarpaṇañca
kuryāt |
lakṣamayutamityeke
|| 45 ||

Nun die Sühne beim Untergang des Śrīcakra: Wenn das Yantra verbrannt, gesprungen oder von einem Dieb entwendet ist, o Liebe, soll man gewissenhaft einen Tag fasten. Man wiederhole die Vidyā 100.000-mal mit Feueropfer und Trankspende, erfreue mit aufrichtiger Hingabe den Guru und speise auch Brahmanen. Nachdem man sie 100.000-mal wiederholt hat, vollziehe man ein Feueropfer mit einem Zehntel und eine Trankspende mit einem Zehntel davon. Manche lesen statt 100.000: 10.000.

P2-0872 · Originalnummer 51
atha saṃkṣepaśrīvidyāpaddhatiḥ:
prātaḥkṛtyādi prāṇāyāmāntaṃ karma vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
yathā:
asya tripurasundarīmantrasya dakṣiṇāmūrtir-ṛṣiḥ paṃkticchandaḥ
tripurasundarī devatā vāgbhavaṃ bījaṃ kāmarājaṃ kīlakaṃ
tārtīyaṃ śaktiḥ puruṣārthacatuṣṭayasiddhyarthe viniyogaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
bījañca vāgbhavaṃ śaktistārtīyaṃ kīlakaṃ tataḥ |
kāmarājaṃ meśāni vījanyāsastataḥ param ||
tadyathā:
śirasi dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ |
mukhe paṃkticchandase namaḥ |
hṛdi tripurasundaryai devatāyai namaḥ |
guhye vāgbhavāya bījāya namaḥ |
pādayostārtīyāya śaktaye namaḥ |
sarvāṅge kāmarājāya kīlakāya namaḥ |
tathā samayāṅke:
tripurasundarīmantrasya dakṣiṇāmūrtaye tathā |
ṛṣaye namaḥ śirasi paṃktaye chandase namaḥ ||
mukhe tripurasundaryai devāyai namo hṛdi
|| 51 ||

Nun die kurze Ritualordnung der Śrīvidyā: Nachdem man die Handlungen von den morgendlichen Verrichtungen bis zur Atemregelung ausgeführt hat, vollziehe man den Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen. So: Der Seher dieses Tripurasundarī-Mantras ist Dakṣiṇāmūrti, das Versmaß Paṅkti, die Gottheit Tripurasundarī, das Bīja Vāgbhava, der Kīlaka Kāmarāja und die Śakti das dritte [Mantra-Glied]. Seine Anwendung dient der Erlangung der vier menschlichen Lebensziele. So im Jñānārṇava: Das Bīja ist Vāgbhava, die Śakti das dritte, der Kīlaka Kāmarāja, o Maheśānī; danach folgt der Bīja-Nyāsa. So: Am Kopf „dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Dakṣiṇāmūrti; am Mund „paṃkticchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Paṅkti; am Herzen „tripurasundaryai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Tripurasundarī; am Geschlecht „vāgbhavāya bījāya namaḥ“ — Verehrung dem Bīja Vāgbhava; an den Füßen „tārtīyāya śaktaye namaḥ“ — Verehrung dem dritten als Kraft; am ganzen Körper „kāmarājāya kīlakāya namaḥ“ — Verehrung dem Kāmarāja als Verschluss. Ebenso im Samayāṅka: Beim Tripurasundarī-Mantra [spreche man] am Kopf „dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ“, am Mund „paṃktaye chandase namaḥ“ und am Herzen „tripurasundaryai devatāyai namaḥ“: Verehrung dem Seher Dakṣiṇāmūrti, dem Versmaß Paṅkti und der Gottheit Tripurasundarī.

P2-0873 · Originalnummer 52
vāgbhavādisvarūpaṃ dakṣiṇamūrtau:
niḥsaranti mahāmantrā mahāgneśca sphuliṅgavat |
tathaiva mātṛkāvarṇā niḥsṛtā vāgbhavātpriye |
ata eva tadevāsyā vāgbhavaṃ bījamucyate
|| 52 ||

Das Wesen von Vāgbhava und den übrigen wird bei Dakṣiṇāmūrti erklärt: Die großen Mantras treten wie Funken aus einem großen Feuer hervor. Ebenso treten die Laute der Mātṛkā aus Vāgbhava hervor, o Liebe. Eben deshalb wird dieses ihr Vāgbhava-Bīja genannt.

P2-0875 · Originalnummer 54
atha vaśinyādinyāsaḥ yathā:
aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ
ravaluṃ vaśinī - vāgdevatāyai namaḥ brahmarandhre |
kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ kalahrīṃ kāmeśvarīvāgdevatāyai namo
lalāṭe |
caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ navalīṃ modinī vāgdevatāyai namo
bhrūmadhye |
ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ yalūṃ vimalāvāgdevatāyai namaḥ
kaṇṭhe |
taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ jamalīṃ aruṇāvāgdevatāyai namo hṛdi |
paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ ha sa la va yūṃ jayinī vāgdevatāyai namo
nābhau |
yaṃ raṃ laṃ vaṃ jhaṃ marayūṃ sarveśvarīvāgdevatāyai namo
mūlādhāre |
śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ kṣamarīṃ kaulinīvāgdevatāyai namaḥ
sarvāṅge |
tathā ca jñānārṇave:
avargānte likhedbījaṃ vahniphāntakṣamānvitam |
vāmakarṇa - vibhūṣāḍhyaṃ vindunādāntikaṃ priye |
vaśinīṃ pūjayedvācāṃ devatāṃ devisuvrate |
kavargānte maheśāni kalahrīṃ bījamuttamam |
kāmeśvarīṃ samuccārya vāgdevīṃ pūjayettataḥ |
cavargānte dhāntaphāntakṣamātūryasvarānvitam |
modinīṃ pūjayedvācāṃ nādavinduvibhūṣitām
|| 54 ||

Nun der Nyāsa von Vaśinī und den übrigen: An der Brahmā-Öffnung: „aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ ravaluṃ vaśinīvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Vaśinī. An der Stirn: „kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ kalahrīṃ kāmeśvarīvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Kāmeśvarī. Zwischen den Brauen: „caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ navalīṃ modinīvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Modinī. Am Hals: „ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ yalūṃ vimalāvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Vimalā. Am Herzen: „taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ jamalīṃ aruṇāvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Aruṇā. Am Nabel: „paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ ha sa la va yūṃ jayinīvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Jayinī. Am Mūlādhāra: „yaṃ raṃ laṃ vaṃ jhaṃ marayūṃ sarveśvarīvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Sarveśvarī. Am ganzen Körper: „śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ kṣamarīṃ kaulinīvāgdevatāyai namaḥ“ — Verehrung der Sprachgöttin Kaulinī. [Die teilweise ungewöhnlichen Bīja- und Buchstabenfolgen sind unverändert aus der Vorlage übernommen.] So im Jñānārṇava: Nach der a-Gruppe schreibe man das Bīja, verbunden mit Feuer, dem Ende von pha und Erde, reich geschmückt mit dem linken Ohr und endend mit Bindu und Nāda, o Liebe. Man verehre Vaśinī, die Göttin der Rede, o Göttin von guter Observanz. Nach der ka-Gruppe, o Maheśānī, steht das höchste Bīja kalahrīṃ. Nachdem man Kāmeśvarī genannt hat, verehre man die Sprachgöttin. Nach der ca-Gruppe [steht das Bīja], verbunden mit dem Ende von dha, dem Ende von pha, Erde und dem vierten Vokal. Man verehre Modinī, die mit Nāda und Bindu geschmückte Göttin der Rede.

P2-0876 · Originalnummer 54ka
ṭavargānte vāyubījaṃ bhūmipūrvaṃ maheśvari |
vāmakarṇenduvindvāḍhyaṃ vimalāṃ vāgadhīśvarīm || tavargānte
jamakṣmāntaṃ vāmanetravibhūṣitam |
vindunādānvitaṃ bījaṃ vāgdevīmaruṇāṃ yajet ||
pavargānte vyomacandrakṣmātoyānilasaṃyutam |
ūkārasvarasaṃyuktaṃ vindunādakalānvitam ||
jayinīṃ pūjayedvācāṃ devatāṃ vīravandite |
yavargānte jāntakālarephavāyusamanvitam ||
vāmakarṇenduśobhāḍhyaṃ sarveśīṃ paripūjayet |
kṣamavahnigataṃ tūryasvareṇa pariveṣṭitam ||
nādavindukalākrāntaṃ kaulinīṃ vācamarcayet |
śavargānte maheśāni nyasetsarvārthasiddhaye ||
śirolalāṭabhrūmadhyakaṇṭhahṛnnābhideśake |
ādhāre vyūhake nyāsānvargairaṣṭabhirācaret
|| 54ka ||

Nach der ṭa-Gruppe steht das Wind-Bīja mit Erde davor, o Maheśvarī, reich an linkem Ohr, Indu und Bindu; [man verehre] Vimalā, die Herrin der Rede. Nach der ta-Gruppe steht das mit ja und ma versehene Ende der Erde, geschmückt mit dem linken Auge, verbunden mit Bindu und Nāda: Mit diesem Bīja verehre man die Sprachgöttin Aruṇā. Nach der pa-Gruppe [steht das Bīja], verbunden mit Raum, Candra, Erde, Wasser und Wind, verbunden mit ū und ausgestattet mit Bindu, Nāda und Kalā. Man verehre Jayinī, die Göttin der Rede, o von Helden Verehrte. Nach der ya-Gruppe [steht das Bīja], verbunden mit dem Ende von ja, Kāla, r und Wind, reich an der Schönheit von linkem Ohr und Indu; man verehre Sarveśī. Mit kṣa und ma, dem Feuer zugeordnet und vom vierten Vokal umgeben, von Nāda, Bindu und Kalā durchdrungen, verehre man Kaulinī, die Rede. Nach der śa-Gruppe lege man es auf, o Maheśānī, zur Vollendung aller Ziele. Mit den acht Lautgruppen vollziehe man die Nyāsas an Kopf, Stirn, zwischen den Brauen, Hals, Herz, Nabel, am Ādhāra und am Körpergefüge. [Die letzte Körperbezeichnung „vyūhaka“ sowie mehrere Lautumschreibungen sind nicht näher erläutert.]

P2-0877 · Originalnummer 55
tataḥ karāṅganyāsau:
aṃ madhyamābhyāṃ namaḥ |
āṃ anāmikābhyāṃ namaḥ |
sauḥ kaniṣṭhābhyāṃ namaḥ |
aḥ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
āṃ tarjanībhyāṃ namaḥ |
sauḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ namaḥ |
evaṃ aiṃ hṛdayāya namaḥ |
klīṃ śirase svāhā |
sauḥ śikhāyai vaṣaṭ |
aiṃ kavacāya huṃ |
klīṃ netratrayāya vauṣaṭ |
sauḥ astrāya phaṭ |
tato mūlena vyāpakaṃ kṛtvā dhyāyet
|| 55 ||

Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern: „aṃ madhyamābhyāṃ namaḥ“ — aṃ, Verehrung den beiden Mittelfingern; „āṃ anāmikābhyāṃ namaḥ“ — āṃ, Verehrung den beiden Ringfingern; „sauḥ kaniṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — sauḥ, Verehrung den beiden kleinen Fingern; „aḥ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — aḥ, Verehrung den beiden Daumen; „āṃ tarjanībhyāṃ namaḥ“ — āṃ, Verehrung den beiden Zeigefingern; „sauḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — sauḥ, Verehrung den Handflächen und Handrücken. Ebenso: „aiṃ hṛdayāya namaḥ“ — aiṃ, Verehrung dem Herzen; „klīṃ śirase svāhā“ — klīṃ, svāhā dem Kopf; „sauḥ śikhāyai vaṣaṭ“ — sauḥ, vaṣaṭ dem Haarschopf; „aiṃ kavacāya huṃ“ — aiṃ, huṃ dem Schutzpanzer; „klīṃ netratrayāya vauṣaṭ“ — klīṃ, vauṣaṭ den drei Augen; „sauḥ astrāya phaṭ“ — sauḥ, phaṭ der Waffe. Dann vollziehe man mit dem Grundmantra den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa und meditiere. [Die Handnyāsa-Bījas aṃ, āṃ und aḥ unterscheiden sich in der Vorlage von den aiṃ- und klīṃ-Formen des Gliedernyāsa.]

P2-0879 · Originalnummer 57
yathā:
śrīcakrapurataḥ svavāme ṣaṭkoṇamadhye trikoṇaṃ vilikhya, tatra
tripadikāṃ saṃsthāpya mūlena ṣaṭkoṇaṃ pūjayet |
tataḥ phaḍiti śaṅkhaṃ prākṣālya, tatra gandhapuṣpādikaṃ nikṣipya,
mūlena jalenāpūrya, maṇḍalādikaṃ pūjayet |
maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ, iti tripadikāyām, aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ iti śaṅkhe, uṃ
somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ iti jale |
tathā ca nibandhe:
praṇavasya tribhirbhāgairvahnisūryendumaṇḍalān |
tato gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati |
narmade sindhukāveri jale'smin sannidhiṃ kuru |
iti sūryamaṇḍalāttīrthamāvāhya humityavaguṇṭhya ṣaḍaṅgena
pūjayet |
tato dhenumudrāṃ pradarśya mūlamaṣṭadhā japtvā tajjalaṃ
kiñcitprokṣaṇītoye nikṣipya, tenodakenātmanaṃ
pūjopakaraṇañcābhyukṣayet |
taddakṣiṇe pādyādipātraṃ saṃsthāpyāsanapūjāmārabhet
|| 57 ||

So: Vor dem Śrīcakra, zu seiner eigenen Linken, zeichne man ein Dreieck in ein Sechseck, stelle dort den dreifüßigen Untersatz auf und verehre das Sechseck mit dem Grundmantra. Dann wasche man mit phaṭ die Muschel, lege Duftstoffe, Blumen und dergleichen hinein, fülle sie unter Rezitation des Grundmantras mit Wasser und verehre die Kreise und die übrigen [Bestandteile]. Am dreifüßigen Untersatz: „maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ“ — maṃ, Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Kalās sind. An der Muschel: „aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ“ — aṃ, Verehrung dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Kalās sind. Am Wasser: „uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ“ — uṃ, Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Kalās sind. So im Nibandha: Mit den drei Teilen des Praṇava [verehre man] die Kreise von Feuer, Sonne und Mond. Danach: „gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati narmade sindhukāveri jale'smin sannidhiṃ kuru“ — O Gaṅgā und Yamunā, Godāvarī, Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī, seid in diesem Wasser gegenwärtig! Mit dieser Formel rufe man das heilige Wasser aus dem Sonnenkreis herbei, verhülle es mit hum und verehre es mit den sechs Gliedern. Danach zeige man die Kuh-Mudrā, wiederhole den Grundmantra achtmal, gebe etwas von diesem Wasser in das Sprengwasser und besprenge mit diesem Wasser sich selbst und die Verehrungsgeräte. Rechts davon stelle man die Gefäße für Fußwaschwasser und die weiteren Gaben auf und beginne die Verehrung des Sitzes.

P2-0880 · Originalnummer 58
yathā:
uparyupari yantrasya oṃ ādhāraśaktaye namaḥ, evaṃ prakṛtaye,
kūrmāya, anantāya, pṛthivyai, rasāmbudhaye, ratnadvīpāya,
nandanodyānāya, ratnamaṇḍapāya, kalpavṛkṣāya, maṇivedikāyai,
ratnasiṃhāsanāya |
sarvatra oṅkārādi - namo'ntena pūjayet |
pīṭhopari vaindave cakre hsoḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ
|
tato vaindave ha s raiṃ, ha sa k l rīṃ, hsauṃ iti mantreṇa mūrti
saṅkalpya, trikhaṇḍā mudrāṃ baddhā punardhyātvā,
pravahannāsāpuṭena tejomayaṃ puṣpāñjalāvānīya, oṃ
mahāpadmavanāntaḥsthe kāraṇānanda vigrahe |
sarvabhūtahite mātarehyehi parameśvari |
iti mūrtau saṃsthāpya, āvāhanādi yathāśaktyupacāreṇa pūjāṃ
vidhāya ṣaḍaṅgāni pūjayet
|| 58 ||

So: In aufeinanderfolgenden Ebenen des Yantras verehre man mit „oṃ ādhāraśaktaye namaḥ“ die tragende Kraft und entsprechend Prakṛti, Kūrma, Ananta, Pṛthivī, den Ozean des Nektars, die Edelsteininsel, den Nandana-Garten, die Edelsteinhalle, den Wunschbaum, die Juwelenplattform und den Edelstein-Löwenthron. Jede Formel beginnt mit oṃ und endet mit namaḥ. Über dem Kultsitz, im Bindu-Cakra: „hsoḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist. Dann stelle man sich im Bindu mit dem Mantra „ha s raiṃ, ha sa k l rīṃ, hsauṃ“ die Gestalt vor, forme die Trikhaṇḍā-Mudrā und meditiere erneut. Durch die atmende Nasenöffnung bringe man die lichtvolle [Gestalt] in die Blumenhandvoll und spreche: „oṃ mahāpadmavanāntaḥsthe kāraṇānandavigrahe sarvabhūtahite mātar ehyehi parameśvari“ — oṃ, o du im großen Lotuswald, deren Gestalt die ursächliche Wonne ist, o Mutter, die allen Wesen wohlgesinnt ist: Komm, komm, o höchste Herrin! Man setze sie so in die Gestalt ein, vollziehe die Verehrung von der Herbeirufung an mit den nach Vermögen verfügbaren Gaben und verehre die sechs Glieder. [Die Bīja-Schreibungen bleiben nach der Vorlage bewahrt.]

P2-0881 · Originalnummer 59
agnīśāsuravāyavyamadhye dikṣu ca vāgbhavakūṭamuccārya
hṛdayāya namaḥ, kārarājamuccārya śirase svāhā,
śaktikūṭamuccārya śikhāyai vaṣaṭ, punarvāgbhavamuccārya
kavacāya huṃ, kāmarājamuccārya netratrayā vauṣaṭ,
śaktikūṭamuccārya astrāya phaṭ |
tathā ca jñānārṇave:
athāṅgāvaraṇaṃ kuryāt śrīvidyāmantrasambhavam |
tato madhyaprāktryasramadhye gurupaṃktipūjayet |
yathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ gurubhyo namaḥ, evaṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ
gurupādukābhyo namaḥ, aiṃ hrīṃ śrīṃ paramagurubhyo namaḥ, aiṃ
hrīṃ śrīṃ paramagurupādukābhyo namaḥ, aiṃ hrīṃ śrīṃ
parāparagurubhyo namaḥ, aiṃ hrīṃ śrīṃ parameṣṭhigurubhyo namaḥ,
aiṃ hrīṃ śrīṃ parameṣṭhigurupādukābhyo namaḥ, aiṃ hrīṃ śrīṃ
ācāryebhyo namaḥ, aiṃ hrīṃ śrīṃ ācāryapādukābhyo namaḥ |
sarvatra aiṃ hrīṃ śrīmiti bījatrayapūrvakaṃ pūjayet |
tataścaturasrasya prathamarekhāyāṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ
aṇimādyaṣṭasiddhiśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
evaṃ madhyarekhāyāṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ
brahmāṇyādyaṣṭadevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
antarekhāyāṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ
sarvasaṃkṣobhiṇyādimudrāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
sarvatrāvaraṇapūjāyāṃ śrīpādukāpadaprayogaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
śrīpadaṃ pūrvamuccārya pādukāpadamuddharet |
pūjayāmi namaḥ paścātpūjayedaṅgadevatāḥ ||
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurācakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atra trailokyamohanacaturasracakre tripurācakranāyikādhiṣṭhite etā
aṇimādyāḥ prakaṭayoginyaḥ samudrāḥ sāyudhāḥ saparivārāḥ
savāhanāḥ pūjitāstarpitāḥ santu, ityarghyajalena mūladevyai
samarpayet
|| 59 ||

An den Stellen Feuer, Īśāna, Asura, Nordwesten, Mitte und in den Richtungen spreche man jeweils den Vāgbhava-Kūṭa und „hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen; Kāmarāja und „śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf; den Śaktikūṭa und „śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf; nochmals Vāgbhava und „kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer; Kāmarāja und „netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen; den Śaktikūṭa und „astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. So im Jñānārṇava: Nun vollziehe man die Gliederumfassung, die aus dem Śrīvidyā-Mantra entsteht. Danach verehre man die Guru-Reihe in der Mitte des östlich vor der Mitte gelegenen Dreiecks. So: „aiṃ hrīṃ śrīṃ gurubhyo namaḥ“ — Verehrung den Gurus; entsprechend „gurupādukābhyo namaḥ“ — ihren Fußsandalen; „paramagurubhyo namaḥ“ — den höheren Gurus; „paramagurupādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen; „parāparagurubhyo namaḥ“ — den höheren und niederen Gurus; „parameṣṭhigurubhyo namaḥ“ — den höchsten Gurus; „parameṣṭhigurupādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen; „ācāryebhyo namaḥ“ — den Lehrern; „ācāryapādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen. Überall verehre man mit aiṃ hrīṃ śrīṃ als vorangestellter Dreiheit von Bījas. Danach an der ersten Linie des Vierecks: „aiṃ hrīṃ śrīṃ aṇimādyaṣṭasiddhiśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der acht Vollkommenheiten, beginnend mit Aṇimā; Verehrung! Entsprechend an der mittleren Linie: „aiṃ hrīṃ śrīṃ brahmāṇyādyaṣṭadevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der acht Göttinnen, beginnend mit Brahmāṇī; Verehrung! An der inneren Linie: „aiṃ hrīṃ śrīṃ sarvasaṃkṣobhiṇyādimudrāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Mudrās, beginnend mit Sarvasaṃkṣobhiṇī; Verehrung! Bei jeder Verehrung der umgebenden Kreise wird das Wort śrīpādukā verwendet. So im Jñānārṇava: Nachdem man zuerst śrī ausgesprochen hat, füge man pādukā hinzu, danach pūjayāmi namaḥ; so verehre man die Gliedergottheiten. An der Vorderseite des Cakras: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurācakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurās, der Führerin des Cakras; Verehrung! Hier im viereckigen, die drei Welten bezaubernden Cakra, über dem Tripurā als Cakra-Führerin herrscht, mögen diese offenbaren Yoginīs, Aṇimā und die übrigen, mit ihren Mudrās, Waffen, Gefolge und Reittieren verehrt und durch Trankspenden gesättigt sein. Mit diesen Worten und dem Arghya-Wasser übergebe man [die Verehrung] der Hauptgöttin.

P2-0884 · Originalnummer 62
tataḥ ṣoḍaśapatreṣu aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ
ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ
kāmākarṣiṇyādiṣoḍaśanityākalāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripureśīśrīcakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atha sarvāśāparipūrake ṣoḍaśadalacakre
tripureśīcakranāyikādhiṣṭhite etāḥ kāmakarṣiṇyādyā
guptayoginyaḥ samudrā ityādi punarmūladevyai samarpayet |
tato'ṣṭadale aiṃ hrīṃ śrīṃ anaṅgakusumādyaṣṭadevīṃ
śrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurasundarīcakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atra sarvasaṃkṣobhakare aṣṭadalacakre
tripurasundarīcakranāyikādhiṣṭhite eta anaṅgakusumādyā
guptatarayoginyaḥ samudrā ityādi mūladevyai samarpayet |
tataścaturdaśāracakre aiṃ hrīṃ śrīṃ
sarvasaṃkṣobhiṇyādicaturdaśadevī śrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripuravāsinīcakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atra sarvasaubhāgyadāyake caturdaśāracakre
tripuravāsinīcakranāyikādhiṣṭhite etāḥ
sarvasaṃkṣobhiṇyādiśaktayaḥ sampradāyayoginyaḥ samudrā ityādi
mūladevyai samarpayet |
bahirdaśāracakre aiṃ hrīṃ śrīṃ sarvasiddhipradādevīśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurā śrīcakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atra sarvārthasādhake bahirdaśāracakre tripurācakranāyikādhiṣṭhite
etāḥ sarvasiddhipradādidevyaḥkulakaulinīyoginyā samudrā ityādi
mūladevyai samarpayet |
arntadaśāracakre aiṃ hrīṃ śrīṃ sarvajñādidevīśrīpādukaṃ
pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripuramālinīcakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atra sarvarakṣākarāntardaśāracakre
tripuramālinīcakranāyikādhiṣṭhite etāḥ sarvajñādyā devyo
nigarvayoginyaḥ samudrā ityādi mūladevyai samarpayet |
aṣṭāracakre aiṃ hrīṃ śrīṃ
vaśinyādyaṣṭavāgdevatāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurasiddhācakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atra sarvarogaharāgaharāṣṭāracakre
tripurasiddhācakranāyikādhiṣṭhite etā vaśinyādyā rahasyayoginyaḥ
samudrā ityādi mūladevyai samarpayet |
tatrāntarālatryasre mūlaṣaḍaṅgāni pūjayet |
tato'grakoṇe aiṃ hrīṃ śrīṃ kāmeśvarīnityāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
dakṣiṇakoṇe aiṃ hrīṃ śrīṃ vajreśvarīnityāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
vāmakoṇe aiṃ hrīṃ śrīṃ bhagamālinīnityāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurāmbikā śrīpādukāṃ pūjayāmi
namaḥ
|| 62 ||

Dann auf den sechzehn Blütenblättern: „aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ kāmākarṣiṇyādiṣoḍaśanityākalāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der sechzehn ewigen Kalās, beginnend mit Kāmākarṣiṇī; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripureśīśrīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripureśīs, der Führerin des Śrīcakras; Verehrung! Nun im sechzehnblättrigen, alle Hoffnungen erfüllenden Cakra, über dem Tripureśī als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese verborgenen Yoginīs, Kāmākarṣiṇī und die übrigen, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Erneut übergebe man dies der Hauptgöttin. Danach im achtblättrigen [Lotus]: „aiṃ hrīṃ śrīṃ anaṅgakusumādyaṣṭadevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der acht Göttinnen, beginnend mit Anaṅgakusuma; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurasundarīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurasundarīs, der Cakra-Führerin; Verehrung! Hier im achtblättrigen, alles erschütternden Cakra, über dem Tripurasundarī als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese noch stärker verborgenen Yoginīs, Anaṅgakusuma und die übrigen, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Dann im vierzehnwinkligen Cakra: „aiṃ hrīṃ śrīṃ sarvasaṃkṣobhiṇyādicaturdaśadevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der vierzehn Göttinnen, beginnend mit Sarvasaṃkṣobhiṇī; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripuravāsinīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripuravāsinīs, der Cakra-Führerin; Verehrung! Hier im vierzehnwinkligen, alles Wohlergehen gewährenden Cakra, über dem Tripuravāsinī als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese Kräfte, Sarvasaṃkṣobhiṇī und die übrigen, die Yoginīs der Überlieferung, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Im äußeren zehnwinkligen Cakra: „aiṃ hrīṃ śrīṃ sarvasiddhipradādevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Sarvasiddhipradā; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurāśrīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurās, der Führerin des Śrīcakras; Verehrung! Hier im äußeren zehnwinkligen, sämtliche Ziele verwirklichenden Cakra, über dem Tripurā als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese Göttinnen, Sarvasiddhipradā und die übrigen, die Kula-Kaulinī-Yoginīs, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Im inneren zehnwinkligen Cakra: „aiṃ hrīṃ śrīṃ sarvajñādidevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttinnen, beginnend mit Sarvajñā; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripuramālinīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripuramālinīs, der Cakra-Führerin; Verehrung! Hier im inneren zehnwinkligen, allen Schutz gewährenden Cakra, über dem Tripuramālinī als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese Göttinnen, Sarvajñā und die übrigen, die Nigarva-Yoginīs [so die Vorlage], mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Im achtwinkligen Cakra: „aiṃ hrīṃ śrīṃ vaśinyādyaṣṭavāgdevatāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der acht Sprachgöttinnen, beginnend mit Vaśinī; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurasiddhācakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurasiddhās, der Cakra-Führerin; Verehrung! Hier im achtwinkligen, alle Krankheiten beseitigenden Cakra [in der Vorlage verdoppelte Wortteile], über dem Tripurasiddhā als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese geheimen Yoginīs, Vaśinī und die übrigen, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Im dazwischenliegenden inneren Dreieck verehre man die sechs Glieder des Grundmantras. Dann an der vorderen Ecke: „aiṃ hrīṃ śrīṃ kāmeśvarīnityāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der ewigen Kāmeśvarī; Verehrung! An der rechten Ecke: „aiṃ hrīṃ śrīṃ vajreśvarīnityāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der ewigen Vajreśvarī; Verehrung! An der linken Ecke: „aiṃ hrīṃ śrīṃ bhagamālinīnityāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der ewigen Bhagamālinī; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurāmbikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurāmbikās; Verehrung! [Die „und so weiter“-Kürzungen stehen bereits im Sanskrit und verweisen auf die zuvor vollständig genannte Übergabeformel.]

P2-0885 · Originalnummer 62ka
atra sarvasiddhipradetryasracakre
vāṇacāpapāśāṅkuśavibhūṣitāntarāle
tripurāmbikācakranāyikādhiṣṭhite etāḥ kāmeśvaryādyāḥ
rahasyātirahasyayoginyaḥ samudrā ityādi mūladevyai samarpayet |
tato vindumadhye aiṃ hrīṃ śrīṃ
śrīmahātripurasundarīnityāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
iti trivāraṃ pūjayet |
vāme aiṃ hrīṃ śrīṃ yonimudrāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
cakrāgre aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurabhairavīcakranāyikāśrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
atra sarvānandamaye paraṃbrahmasvarūpiṇī vaindave cakre
tripurabhairavīcakranāyikādhiṣṭhite etāḥ sarvacakreśvarīyoginyaḥ
samudrāḥ sāyudhāḥ savāhanāḥ saparivārāḥ pūjitāstarpitāḥ santu
iti mūladevyai samarpayet
|| 62ka ||

Hier im dreieckigen, alle Vollkommenheiten gewährenden Cakra, dessen innerer Bereich mit Pfeilen, Bogen, Schlinge und Stachel geschmückt ist und über dem Tripurāmbikā als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese Yoginīs, die geheimer als geheim sind, Kāmeśvarī und die übrigen, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Dann in der Mitte des Bindu: „aiṃ hrīṃ śrīṃ śrīmahātripurasundarīnityāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der ewigen Śrīmahātripurasundarī; Verehrung! So verehre man sie dreimal. Links: „aiṃ hrīṃ śrīṃ yonimudrāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Yoni-Mudrā; Verehrung! An der Vorderseite: „aiṃ hrīṃ śrīṃ tripurabhairavīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurabhairavīs, der Cakra-Führerin; Verehrung! Hier im Bindu-Cakra, das aus aller Wonne besteht und die Gestalt des höchsten Brahmans hat, über dem Tripurabhairavī als Cakra-Führerin herrscht, mögen diese Yoginīs, die Herrinnen sämtlicher Cakras, mit ihren Mudrās, Waffen, Reittieren und ihrem Gefolge verehrt und durch Trankspenden gesättigt sein. Mit diesen Worten übergebe man dies der Hauptgöttin.

P2-0887 · Originalnummer 64
atha śrīvidyāviśeṣapaddhatiḥ
yathā:
brāhmye muhūrte utthāya muktasvāpo rātrivāsaḥ parityajya, guruṃ
yathoktarūpaṃ dhyātvā, aiṃ hrīṃ śrīṃ hasakhaphreṃ hasakṣamala
varayūṃ sahakṣalavarayīṃ hsauḥ śrī
amukānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi, strī cedguruḥ
amuśaktyambāśrīpādukāṃ pūjayāmīti smṛtvā,
mānasairgandhādibhiṃ pūjayet |
yathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ laṃ pṛthivyātmakaṃ gandhaṃ samarpayāmi namaḥ |
iti kaniṣṭhābhyām |
evaṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ haṃ ākāśātmakaṃ puṣpaṃ samarpayāmi
namaḥ |
iti aṃguṣṭhābhyām |
aiṃ hrīṃ śrīṃ yaṃ yāvyātmakaṃ dhūpaṃ samarpayāmi namaḥ |
iti tarjanībhyām |
aiṃ hrīṃ śrīṃ raṃ vahnayātmakaṃ dīpaṃ samarpayāmi namaḥ |
iti madhyamābhyām |
aiṃ hrīṃ śrīṃ vaṃ amṛtātmakaṃ naivedyaṃ samarpayāmi namaḥ |
iti anāmikābhyām |
aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ tāmbūlaṃ samarpayāmi namaḥ |
ityañjalinā tāmbūlam |
yathā viśuddheśvare:
evaṃ dhyātvā punaścaivaṃ pañcabhūtātmakairyajet |
gandhatattvaṃ pārthivañca kaniṣṭhāṃguliyogataḥ ||
śabdamayaṃ mahāpuṣpaṃ prathamāṃguliyogataḥ |
vāyavyātmakaṃ madhādhūpaṃ tarjanībhyāṃ niyojayet || tejorūpaṃ
mahādīpaṃ madhyamādvayayogataḥ |
namaskāreṇāñjalinā tāmbūle vāgbhavaṃ smṛtam ||
sarvatra svasvabījānte namaskāreṇa yojayet |
prathamāṃgulirvṛddhā |
svasvabījānte tattadbhūtabījānte
|| 64 ||

Nun die besondere Ritualordnung der Śrīvidyā. So: Zur Brahmā-Stunde stehe man auf, beende den Schlaf und lege die Nachtkleidung ab. Man meditiere über den Guru in der beschriebenen Gestalt und vergegenwärtige sich „aiṃ hrīṃ śrīṃ hasakhaphreṃ hasakṣamalavarayūṃ sahakṣalavarayīṃ hsauḥ śrī amukānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen des verehrten [Name]-Ānandanātha. Ist der Guru eine Frau, [spreche man] „amukaśaktyambāśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der [Name]-Śaktyambā. [Die Vorlage schreibt den Platzhalternamen hier beschädigt „amuśaktyambā“.] Dann verehre man mit geistig dargebrachten Duftstoffen und den übrigen Gaben. So: Mit beiden kleinen Fingern „aiṃ hrīṃ śrīṃ laṃ pṛthivyātmakaṃ gandhaṃ samarpayāmi namaḥ“ — Ich bringe Duft dar, dessen Wesen Erde ist; Verehrung! Mit beiden Daumen „aiṃ hrīṃ śrīṃ haṃ ākāśātmakaṃ puṣpaṃ samarpayāmi namaḥ“ — Ich bringe eine Blume dar, deren Wesen Raum ist; Verehrung! Mit beiden Zeigefingern „aiṃ hrīṃ śrīṃ yaṃ vāyvātmakaṃ dhūpaṃ samarpayāmi namaḥ“ — Ich bringe Räucherwerk dar, dessen Wesen Wind ist; Verehrung! Mit beiden Mittelfingern „aiṃ hrīṃ śrīṃ raṃ vahnyātmakaṃ dīpaṃ samarpayāmi namaḥ“ — Ich bringe eine Leuchte dar, deren Wesen Feuer ist; Verehrung! Mit beiden Ringfingern „aiṃ hrīṃ śrīṃ vaṃ amṛtātmakaṃ naivedyaṃ samarpayāmi namaḥ“ — Ich bringe eine Speisegabe dar, deren Wesen Nektar ist; Verehrung! Mit zusammengelegten Händen „aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ tāmbūlaṃ samarpayāmi namaḥ“ — Ich bringe Betel dar; Verehrung! So im Viśuddheśvara: Nachdem man so meditiert hat, verehre man nochmals mit [Gaben], deren Wesen die fünf Elemente sind. Das Duftprinzip ist erdhaft und [wird] durch die Verbindung der kleinen Finger [dargebracht]; die große Blume, die aus Klang besteht, durch die Verbindung der ersten Finger. Das große Räucherwerk, dessen Wesen Wind ist, setze man mit den Zeigefingern ein; die große Leuchte in der Gestalt des Feuers durch die Verbindung beider Mittelfinger. Für Betel gilt Vāgbhava, mit Verehrung durch zusammengelegte Hände. Überall verbinde man die Verehrungsformel mit dem jeweiligen Bīja am Ende. Der erste Finger ist der Daumen. „Am Ende des jeweiligen Bīja“ bedeutet: am Ende des Bīja des betreffenden Elements. [Die zitierte Versfolge nennt die Speisegabe nicht nochmals.]

P2-0889 · Originalnummer 66
atha śrīvidyāyāṃ viśeṣasnānam:
vaidikasnānaṃ vidhāya, ācamanaṃ kṛtvā, ṣaḍaṅgāni vidhāya,
kromityaṅkuśamudrayā savitṛmaṇḍalāttīrthamāvāhya,
mūlavidyāśaktibījamucārya, yonimudrāṃ tajjale nikṣipya,
dhenuyonimudre pradarśya, mūlavāgbhavabījena
daśavāramabhimantrya, ānandāmṛtavārimadhyasthāṃ devīṃ
vicintya, mūlavidyayā saptavāramabhimantrya,
tanmukhāravindanirgatāmṛtadhārābuddhyā mūlena
saptavāramātmānabhiṣicya, punarekaviṃśativāraṃ
mūlavidyāmuccaran tajjale devīpādāravindādhogaladamṛtadhārayā
trivāraṃ nimajya, utthāya punaryonimudrayā saptavāraṃ trivāraṃ vā
śirasyabhiṣekaṃ vidhāya, tathaivācamya tīramāgatya anupahate
vāsasī paridhāya, mūlamantrābhimantritaśuddhayajñīyabhasmanā
tripuṇḍraṃ trirekhātmakamarddhacandrarūpaṃ vidhāya, pūrvavat
śrīguruṃ smṛtvā, tāntrikāghamarṣaṇāntaṃ karma kṛtvā, tarpaṇaṃ
kuryāt
|| 66 ||

Nun das besondere Bad bei der Śrīvidyā: Nachdem man das vedische Bad vollzogen, Wasser geschlürft und die sechs Glieder ausgeführt hat, rufe man mit kroṃ und der Stachel-Mudrā das heilige Wasser aus dem Sonnenkreis herbei. Man spreche das Śakti-Bīja der Grund-Vidyā und senke die Yoni-Mudrā in dieses Wasser. Man zeige Kuh- und Yoni-Mudrā, bespräche [das Wasser] zehnmal mit dem Vāgbhava-Bīja des Grundmantras und vergegenwärtige sich die Göttin inmitten des Wassers aus dem Nektar der Wonne. Man bespräche es siebenmal mit der Grund-Vidyā. Mit der Vorstellung, es sei der Nektarstrom aus ihrem Lotusmund, übergieße man sich siebenmal unter Rezitation des Grundmantras. Dann spreche man wiederum die Grund-Vidyā einundzwanzigmal und tauche dreimal in dieses Wasser unter, als in den Nektarstrom, der unter den Lotusfüßen der Göttin herabfließt. Nach dem Auftauchen übergieße man mit der Yoni-Mudrā wiederum siebenmal oder dreimal den Kopf, schlürfe ebenso Wasser, komme ans Ufer und lege zwei unbeschädigte Gewänder an. Mit reiner, für Opfer geeigneter Asche, die mit dem Grundmantra besprochen ist, zeichne man das Tripuṇḍra aus drei Linien in Halbmondgestalt. Man gedenke wie zuvor des verehrten Gurus, vollziehe die Handlungen bis einschließlich des tantrischen Aghamarṣaṇa und bringe die sättigende Trankspende dar.

P2-0890 · Originalnummer 67
tadhyathā:
ṣaḍaṅgānyapi vinyasya tīrthamaṅkuśamudrayā |
kroṃ - mantreṇa samākṛṣya tataḥ savitṛmaṇḍalāt ||
śaktibījaṃ samuccārya nikṣipedyonimudrayā |
dhenumudrāṃ yonimudrāṃ tatastatra pradarśayet
|| 67 ||

So: Nachdem man auch die sechs Glieder aufgelegt hat, ziehe man mit der Stachel-Mudrā und dem Mantra kroṃ das heilige Wasser aus dem Sonnenkreis herbei. Man spreche das Śakti-Bīja und senke [es] mit der Yoni-Mudrā hinein. Danach zeige man dort die Kuh- und die Yoni-Mudrā.

P2-0891 · Originalnummer 68
mūlavāgbhavabījena mantrayitvātha devatām |
ānandāmṛtavārīṇāṃ madhyasthāṃ paricintayet |
mūlena vidyayā devi saptavārābhimantraṇam |
devīmukhāravindācca nirgatāmṛtadhārayā |
saptakṛtvo japedvidyām abhiṣiñcet svakāṃ tanūm
|| 68 ||

Nachdem man mit dem Vāgbhava-Bīja des Grundmantras die Besprechung vollzogen hat, vergegenwärtige man sich die Gottheit inmitten des Wassers aus dem Nektar der Wonne. Mit der Grund-Vidyā erfolgt die siebenmalige Besprechung, o Göttin. Mit dem aus dem Lotusmund der Göttin austretenden Nektarstrom übergieße man den eigenen Leib und wiederhole dabei die Vidyā siebenmal.

P2-0892 · Originalnummer 69
ekaviṃśativārāṇi japedvidyāmanantaram |
devīpādāravindādho nimajyottīya sādhakaḥ |
yoninā ca tathā devi mūrdhnisekaṃ samācaret |
triḥsapta vā tathā vārānsecayetsādhakāgraṇīḥ
|| 69 ||

Unmittelbar danach wiederhole man die Vidyā einundzwanzigmal. Unter den Lotusfüßen der Göttin tauche der Sādhaka unter und komme wieder herauf. Ebenso vollziehe man mit der Yoni[-Mudrā] die Begießung des Kopfes, o Göttin. Dreimal oder siebenmal übergieße sich der Beste der Sādhakas. [„triḥsapta vā“ wird anhand der vorangehenden Prosa als drei oder sieben, nicht als dreimal sieben, verstanden.]

P2-0894 · Originalnummer 71
ācamya prāṅmukho bhūtvā mūlamantrābhimantritam |
dhṛtvā bhālatale bhasma pūrvavat śrīguruṃ smaret
|| 71 ||

Nachdem man Wasser geschlürft hat, wende man sich nach Osten, trage die mit dem Grundmantra besprochene Asche auf die Stirn auf und gedenke wie zuvor des verehrten Gurus.

P2-0895 · Originalnummer 72
sūryamaṇḍalavāsinyai devatāyai namaḥ param |
arghyamañjalimādāya gāyatryā ca trirutkṣipet ||
yathāśakti japeddevīṃ gāyatrīṃ tadanantaram
|| 72 ||

„sūryamaṇḍalavāsinyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der im Sonnenkreis wohnenden Gottheit. Danach nehme man Arghya in die zusammengelegten Hände und gieße es mit der Gāyatrī dreimal aus. Unmittelbar danach wiederhole man nach Vermögen die Gāyatrī der Göttin.

P2-0896 · Originalnummer 73
tarpaṇārtha samācamya prāṇānāyamya sādhakaḥ |
vasūn rudrāṃstathādityāṃstathaivāṅgirasaṃ tataḥ |
devān gāśca tato brahmaviṣṇurudrān grahānapi |
lopāmudrāmahalyāñcānasūyāmṛṣitīrthakaiḥ |
nakṣatrarāśiyogāṃśca karaṇāni yathākramam |
caturthīvahnijāyāntaṃ devatīrthena tarpayet
|| 73 ||

Für die Trankspende schlürfe der Sādhaka Wasser und regle den Atem. Die Vasus, Rudras, Ādityas und danach die Aṅgirases; die Götter und Kühe, danach Brahmā, Viṣṇu, Rudra und auch die Planeten; Lopāmudrā, Ahalyā und Anasūyā mit dem Ṛṣi-Tīrtha; die Mondhäuser, Tierkreiszeichen, Yogas und Karaṇas der Reihe nach: Mit der Dativendung und der Gattin des Feuers, svāhā, am Ende sättige man [sie] mit dem Deva-Tīrtha. [Ṛṣi-Tīrtha und Deva-Tīrtha bezeichnen die für diese Trankspenden verwendeten Handbereiche; die Vorlage setzt ihre Verwendung in der Aufzählung nicht überall eindeutig gegeneinander ab.]

P2-0900 · Originalnummer 77
tasmin jale trikoṇavṛttaṃ caturasraṃ vibhāvya gaṇeśavaṭukau
cakravāmadakṣiṇataḥ santarpya, trikoṇa vṛttacaturasrāntarāle
īśānādivāyavyāntāṃ vakṣyamāṇa gurupaṃktiṃ tarpayet |
tatastrikoṇamadhye sādhyasiddhāsanamantrairvakṣyamāṇaiḥ santarpya,
jale bhagavatīmāvāhya, paramāmṛtadhārayā trivāraṃ
pūrvoktakrameṇa santarpya trikoṇeṣu kāmeśvaryādidevītrayaṃ
vakṣyamāṇasamayavidyayā santarpya ||
caturasrakoṇeṣvaṅgadevatāstarpayet |
tata āvaraṇadevatānāṃ tarpaṇam |
tataḥ sūryāyārghyaṃ dattvā haṃsaḥ so'hamityupasthānaṃ kṛtvā,
savitṛmaṇḍale tīrthaṃ visṛjya niyatavacano yāgasthānamāgacchediti
|| 77 ||

In diesem Wasser vergegenwärtige man sich Dreieck, Kreis und Viereck. Nachdem man Gaṇeśa und Vaṭuka links und rechts des Cakras gesättigt hat, sättige man im Zwischenraum von Dreieck, Kreis und Viereck die noch zu nennende Guru-Reihe, vom Nordosten bis zum Nordwesten. Danach sättige man in der Dreiecksmitte mit den noch zu nennenden Mantras des Sādhya- und Siddha-Sitzes, rufe die erhabene Göttin ins Wasser herbei und sättige sie dreimal mit dem Strom des höchsten Nektars in der zuvor angegebenen Reihenfolge. In den Dreiecksecken sättige man die drei Göttinnen, Kāmeśvarī und die übrigen, mit der noch zu nennenden Samaya-Vidyā. In den Vierecksecken sättige man die Gliedergottheiten. Danach folgt die Trankspende für die Gottheiten der umgebenden Kreise. Dann gebe man der Sonne Arghya, vollziehe die ehrfürchtige Hinwendung mit „haṃsaḥ so'ham“ — Haṃsa; ich bin Das —, entlasse das heilige Wasser in den Sonnenkreis und gehe mit beherrschter Rede zum Verehrungsort.

P2-0905 · Originalnummer 82
tato gṛhadvāri gatvā oṃ ātmatattvāya svāhā |
oṃ vidyātattvāya svāhā |
oṃ śivatattvāya svāhā |
ityācamya sāmānyārghyaṃ vidhāya dvārapūjāṃ kuryāt |
tadyathā:
bālayā dvāramabhyukṣya, dakṣiṇavāmapārśveyoruparyadhaḥ aiṃ
hrīṃ śrīṃ gāṃ gaṇapataye namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ duṃ durgāyai namaḥ |
evaṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ vāṃ vaṭukāya namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ kṣāṃ kṣetrapālāya namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ dvāraśriyai namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ dehalyai namaḥ |
tato vāmapadapuraḥsaraṃ gṛhaṃ praviśyāgnyādikoṇeṣu aiṃ hrīṃ
śrīṃ gāṃ gaṇapataye namaḥ |
evaṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ duṃ durgāyai namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ vāṃ vaṭukāya namaḥ aiṃ hrīṃ śrīṃ kṣāṃ
kṣetrapālāya namaḥ |
madhye aiṃ hrīṃ śrīṃ ratnamaṇḍapāya namaḥ |
dikṣu aiṃ hrīṃ śrīṃ kāmadevāya ratyai namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ vasantāya prītyai namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ sāṃ sarasvatyai namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ śriyai namaḥ |
somabhujagāvalyām:
sarasvatīṃ śriyaṃ māyāṃ durgāñca tadanantaram |
bhadrakālīṃ tataḥ svastiṃ svāhāñcaiva śubhaṅkarīm |
gaurīñca lokadhātrīñca tathā vāgīśvarīmapi |
etāḥ pūjayet
|| 82 ||

Dann gehe man zur Haustür und schlürfe Wasser mit „oṃ ātmatattvāya svāhā“ — oṃ, svāhā dem Ātman-Prinzip; „oṃ vidyātattvāya svāhā“ — oṃ, svāhā dem Erkenntnisprinzip; „oṃ śivatattvāya svāhā“ — oṃ, svāhā dem Śiva-Prinzip. Nachdem man das allgemeine Arghya bereitet hat, vollziehe man die Verehrung der Tür. So: Man besprenge die Tür mit Bālā. An den rechten und linken Seiten, oben und unten: „aiṃ hrīṃ śrīṃ gāṃ gaṇapataye namaḥ“ — Verehrung Gaṇapati; „aiṃ hrīṃ śrīṃ duṃ durgāyai namaḥ“ — Verehrung Durgā; entsprechend „aiṃ hrīṃ śrīṃ vāṃ vaṭukāya namaḥ“ — Verehrung Vaṭuka; „aiṃ hrīṃ śrīṃ kṣāṃ kṣetrapālāya namaḥ“ — Verehrung dem Bezirkshüter; „aiṃ hrīṃ śrīṃ dvāraśriyai namaḥ“ — Verehrung der Herrlichkeit der Tür; „aiṃ hrīṃ śrīṃ dehalyai namaḥ“ — Verehrung der Schwelle. Dann betrete man das Haus mit dem linken Fuß zuerst und [verehre] in den Ecken, bei der Feuerecke beginnend, mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ gāṃ gaṇapataye namaḥ“, entsprechend „aiṃ hrīṃ śrīṃ duṃ durgāyai namaḥ“, „aiṃ hrīṃ śrīṃ vāṃ vaṭukāya namaḥ“ und „aiṃ hrīṃ śrīṃ kṣāṃ kṣetrapālāya namaḥ“: Gaṇapati, Durgā, Vaṭuka und den Bezirkshüter. In der Mitte „aiṃ hrīṃ śrīṃ ratnamaṇḍapāya namaḥ“ — Verehrung der Edelsteinhalle. In den Richtungen „aiṃ hrīṃ śrīṃ kāmadevāya ratyai namaḥ“ — Verehrung Kāmadeva und Rati; „aiṃ hrīṃ śrīṃ vasantāya prītyai namaḥ“ — Verehrung Vasanta und Prīti; „aiṃ hrīṃ śrīṃ sāṃ sarasvatyai namaḥ“ — Verehrung Sarasvatī; „aiṃ hrīṃ śrīṃ śriyai namaḥ“ — Verehrung Śrī. In der Somabhujagāvalī: Sarasvatī, Śrī, Māyā und danach Durgā, dann Bhadrakālī, Svasti, Svāhā, Śubhaṅkarī, Gaurī, Lokadhātrī und ebenso Vāgīśvarī — diese verehre man.

P2-0906 · Originalnummer 83
tataḥ aiṃ hrīṃ śrīṃ raktadvādaśaśaktiyuktāya dīpanāthāya namaḥ
iti puṣpāñjalitrayaṃ muñcet |
viśvasāre:
samudramekhale devi parvatastanamaṇḍale |
viṣṇupatni namastubhyaṃ pādasparśaṃ kṣamasva me |
iti prasādya, pṛthvitvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanām |
iti āsanaṃ saṃsthāpya tato'streṇa, vāmapārṣṇighātatrayeṇa
bhaumānvighnānutsāryāstreṇa jalenāntarīkṣagān
śrībālānyastatīkṣṇa dṛṣṭyā avalokanena divyān vighnānutsārya
siddhārthākṣatakusumānyādāya aiṃ hrīṃ śrīṃ apasarpantu te
bhūtā ityādinākṣiptvāvighnānusārayet |
tato nair-ṛtyāṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ brahmaṇe namaḥ, aiṃ hrīṃ śrīṃ
vāstvadhipataye namaḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ ityāsanaṃ
sampūjya, tatropaviṣya, bhūtaśuddhiṃ kuryāt |
yadyapi kalpasūtre vāyavyagnisalilātmakaprāṇāyāmaiḥ,
śoṣaṇadahanaplāvanañca bhūtaśuddhiṃ vidhāya triḥ
prāṇānāyamye iti tathāpi mātṛkānyāsānantaraṃ prāṇāyāmo
voddhavyaḥ |
tathā ca tantrāntare:
bhūtaśuddhi vidhāyetthaṃ mātṛkānyāsamācaret |
prāṇāyāmatrayaṃ kṛtvā nyāsānanyān samācaret |
tato mātṛkānyāsaṃ prāṇāyāmāntaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsa
kuryāt
|| 83 ||

Danach lasse man mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ raktadvādaśaśaktiyuktāya dīpanāthāya namaḥ“ — Verehrung Dīpanātha, der mit zwölf roten Kräften verbunden ist — drei Blumenhandvoll niederfallen. Im Viśvasāra: O Göttin, deren Gürtel das Meer und deren Brüste die Berge sind, o Gattin Viṣṇus, Verehrung dir! Verzeihe mir die Berührung mit meinen Füßen. Nachdem man sie so gnädig gestimmt hat: O Erde, von dir werden die Welten getragen; o Göttin, du wirst von Viṣṇu getragen. Trage auch mich stets und mache den Sitz rein. Damit richte man den Sitz ein. Dann vertreibe man mit dem Waffenmantra und dreimaligem Aufschlagen der linken Ferse die irdischen Hindernisse, mit dem Waffenmantra und Wasser die im Zwischenraum befindlichen und mit einem scharfen Blick, der mit Śrībālā belegt ist, die himmlischen. Man nehme Senfkörner, ungebrochene Reiskörner und Blumen, werfe sie mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ apasarpantu te bhūtāḥ“ — Mögen jene Geister weichen — und so weiter aus und vertreibe die Hindernisse. Dann im Südwesten „aiṃ hrīṃ śrīṃ brahmaṇe namaḥ“ — Verehrung Brahmā; „aiṃ hrīṃ śrīṃ vāstvadhipataye namaḥ“ — Verehrung dem Herrn des Baugrunds. Mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz der tragenden Kraft — verehre man den Sitz, setze sich darauf und vollziehe die Reinigung der Elemente. Obwohl im Kalpasūtra steht: „Nachdem man mit Atemregelungen von der Art des Windes, Feuers und Wassers Austrocknen, Verbrennen und Überfluten als Reinigung der Elemente vollzogen hat, regle man den Atem dreimal“, ist die Atemregelung dennoch nach dem Mātṛkā-Nyāsa zu verstehen. So in einem anderen Tantra: Nachdem man so die Reinigung der Elemente vollzogen hat, führe man den Mātṛkā-Nyāsa aus. Nach dreimaliger Atemregelung vollziehe man die übrigen Nyāsas. Dann vollziehe man Mātṛkā-Nyāsa und die anschließenden Handlungen bis zur Atemregelung und führe den Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen aus.

P2-0907 · Originalnummer 84
tadyathā:
śirasi dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ |
mukhe paṃkticchandase namaḥ |
hṛdi śrītripurasundaryai devatāyai namaḥ |
guhye vāgbījāya namaḥ |
pādayoḥ śaktikūṭāya śaktaye namaḥ |
sarvāṅge kāmarājāya kīlakāya namaḥ |
tantrāntare:
ṛṣiṃ nyasenmūrdhnideśe chandastu mukhapaṅkaje |
devatā hṛdaye caiva bījantu guhyadeśake |
śaktiñca pādayoścaiva sarvāṅge kīlakaṃ nyaset
|| 84 ||

So: Am Kopf „dakṣiṇāmūrtaye ṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Dakṣiṇāmūrti. Am Mund „paṃkticchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Paṅkti. Am Herzen „śrītripurasundaryai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Śrītripurasundarī. Am Geschlecht „vāgbījāya namaḥ“ — Verehrung dem Sprach-Bīja. An den Füßen „śaktikūṭāya śaktaye namaḥ“ — Verehrung dem Śaktikūṭa als Kraft. Am ganzen Körper „kāmarājāya kīlakāya namaḥ“ — Verehrung Kāmarāja als Verschluss. In einem anderen Tantra: Den Seher lege man auf den Scheitel, das Versmaß auf den Lotusmund, die Gottheit auf das Herz und das Bīja auf den Geschlechtsbereich. Die Śakti lege man auf die Füße und den Kīlaka auf den ganzen Körper.

P2-0908 · Originalnummer 85
tataḥ karāṅganyāsau |
yathā:
aṃ madhyamābhyāṃ namaḥ |
āṃ anāmikābhyāṃ namaḥ |
sauḥ kaniṣṭhābhyāṃ namaḥ |
aṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
āṃ tarjanībhyāṃ namaḥ |
sauḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ namaḥ |
tathā ca:
etadbījaṃ dviruccārya madhyamādyaṃguliṣu ca |
śuddhiṃ karasya kurvīta talayoḥ pṛṣṭhayorapi |
caturthīmatisaṃyuktāmamantraiḥ pṛthak pṛthak
|| 85 ||

Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern. So: „aṃ madhyamābhyāṃ namaḥ“ — aṃ, Verehrung den beiden Mittelfingern; „āṃ anāmikābhyāṃ namaḥ“ — āṃ, Verehrung den beiden Ringfingern; „sauḥ kaniṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — sauḥ, Verehrung den beiden kleinen Fingern; „aṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — aṃ, Verehrung den beiden Daumen; „āṃ tarjanībhyāṃ namaḥ“ — āṃ, Verehrung den beiden Zeigefingern; „sauḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — sauḥ, Verehrung den Handflächen und Handrücken. So heißt es: Man spreche diese Bījas zweimal und vollziehe die Reinigung der Hände an den Fingern, beim Mittelfinger beginnend, ebenso an Handflächen und Handrücken, einzeln mit den Mantras, verbunden mit dem Dativ [der übrige Wortlaut „matisaṃyuktāmamantraiḥ“ ist beschädigt].

P2-0909 · Originalnummer 86
tato nivṛttyādinyāsaḥ:
guhye krāṃ nivṛttyai namaḥ |
hṛdaye krīṃ pratiṣṭhāyai namaḥ |
kaṇṭhe aiṃ vidyāyai namaḥ |
bhrūmadhye hauṃ śāntyai namaḥ |
brahmarandhre hrauṃ amṛtāyai namaḥ |
tathā ca kulāmṛte bhūtaśuddhimabhidhāya:
tato divyaśarīro'sau sādhakaḥ śīghrasiddhibhāk |
jāyate nātra sandeho nyāsāṃstān pravadāmyaham |
nivṛttiśca pratiṣṭhā ca vidyā śāntistathāmṛtā |
guhyahṛtkaṇṭhabhrūmadhyabrahmarandhreṣu vinyaset |
kāmāgnisaṃyutau dvau dvau āsyavāmadṛganvitau |
vāṇī manuvisargābhyāṃ yutaṃ vyomadvayaṃ punaḥ |
dvitīyādho bhavedagnirevaṃ pañca maheśvari |
arddhacandrendusargāni sarvāṇyeva krameṇa hi |
bījanyāsaṃ niyojyāni pūrvataḥ parameśvari |
tato bālāṃ samuccārya mahātripurasundari |
ātmānaṃ rakṣa rakṣa iti hṛdaye añjaliṃ dadyāt |
punaḥ aiṃ klauṃ sauḥ astrāya phaḍiti digbandhanaṃ kuryāt |
tathā ca:
bālābījatrayaṃ pūrvaṃ mahātripurasundarī |
ātmānaṃ rakṣa rakṣeti kuryādrakṣāṃ hṛdi spṛśan |
tathaivāstreṇa mudrayā kuryāddigbandhanaṃ tataḥ |
tato bālānte amṛtārṇavāsanāya namaḥ iti pādayoḥ |
bālānte tripureśvarīpotāmbujāsanāya namaḥ |
iti jānudvaye |
tathā ca yāmale:
amṛtārṇavaśabdapūrva āsanāya mahāmanuḥ |
pādayorvinyaset paścādbālānte tripureśvari |
potāmbujāsanāyānte namo jānunivinyaset |
hrīṃ klīṃ sauḥ tripurasundarīdevyāsanāya namaḥ, ityūrudvaye |
tathā ca:
hrīṃ klīṃ sauḥ tripuretyuktvā sundarīti padantataḥ |
ṅe'ntaṃ devyāsanañcānte nama ūrudvaye nyaset |
tato haiṃ hklīṃ hsauḥ tripuravāsinīcakrāsanāya namaḥ iti sphikdvaye |
hsaiṃ ha sa klīṃ hsauḥ |
tripurāśrīsarvamantrāsanāya namaḥ iti guhye |
hrīṃ śrīṃ klīṃ bleṃ tripuramālinīsādhyasiddhāsanāya namaḥ |
iti nābhideśe |
hsraiṃ hsaklīṃ hsrauḥ tripurāmbāparyaṅkaśaktipīṭhāsanāya namaḥ
iti svavakṣasi |
trikūṭavidyānāṃ bījānte
śrīmahātripurabhairavīsadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ
brahmarandhre |
tathā ca yāmale:
haiṃ hklīṃ hsaurante tripuravāsinīti ca |
cakrāsanāya namaḥ ityamunā sphikdvaye nyaset |
hsaiṃ hsaklīṃ hsauśceti tripurāśrīpadantataḥ |
sarvamantrāsanāyānte namo guhye pravinyaset |
hrīṃ śrīṃ klīṃ bleṃ tato dadyātripuramalinīti ca |
sādhyasiddhāsanaṃ ṅe'ntaṃ nābhideśe pravinyaset |
hsaiṃ ha sa klīṃ hsraurante tripurāmbāpadantataḥ |
paryaṅkaśaktipīṭhāsanāya namo vakṣasi vinyaset |
trīkūṭavidyābījānte mahātripurabhairavī |
sadāśivamahāpretapadātpadmāsanāya ca |
nama ityamunā brahmarandhra sthāne pravinyaset
|| 86 ||

Danach der Nyāsa von Nivṛtti und den übrigen: Am Geschlecht „krāṃ nivṛttyai namaḥ“ — Verehrung Nivṛtti, der Rückwendung; am Herzen „krīṃ pratiṣṭhāyai namaḥ“ — Verehrung Pratiṣṭhā, der Festigung; am Hals „aiṃ vidyāyai namaḥ“ — Verehrung Vidyā, der Erkenntnis; zwischen den Brauen „hauṃ śāntyai namaḥ“ — Verehrung Śānti, dem Frieden; an der Brahmā-Öffnung „hrauṃ amṛtāyai namaḥ“ — Verehrung Amṛtā, der Unsterblichen. So im Kulāmṛta, nachdem die Reinigung der Elemente erklärt ist: Dann erhält der Sādhaka einen göttlichen Leib und wird schneller Vollkommenheit teilhaftig; darüber besteht kein Zweifel. Ich will diese Nyāsas erklären. Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti und Amṛtā lege man auf Geschlecht, Herz, Hals, zwischen die Brauen und auf die Brahmā-Öffnung. Die ersten beiden [Bījas] bestehen jeweils aus Kāma und Feuer, verbunden mit Mund beziehungsweise linkem Auge; dann Vāṇī; wiederum zweimal Raum, verbunden mit dem Manu-Vokal und Visarga. Unter dem zweiten befindet sich Feuer: So sind es fünf, o Maheśvarī. Halbmond, Indu und Visarga sind sämtlich der Reihe nach von Anfang an beim Bīja-Nyāsa einzusetzen, o Parameśvarī. [Die verschlüsselte Ableitung stimmt mit den zuvor notierten Bījas nicht überall eindeutig überein.] Dann spreche man Bālā und „mahātripurasundari ātmānaṃ rakṣa rakṣa“ — O Mahātripurasundarī, schütze, schütze mich selbst — und lege die zusammengelegten Hände ans Herz. Wiederum mit „aiṃ klauṃ sauḥ astrāya phaṭ“ — aiṃ klauṃ sauḥ, phaṭ der Waffe — binde man die Richtungen. So heißt es: Zuerst die drei Bījas der Bālā, dann „mahātripurasundari ātmānaṃ rakṣa rakṣa“; das Herz berührend vollziehe man den Schutz. Danach binde man mit der Waffen-Mudrā ebenso die Richtungen. Dann an den Füßen, nach Bālā: „amṛtārṇavāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Sitz im Nektarozean. An beiden Knien, nach Bālā: „tripureśvarīpotāmbujāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Boot-Lotussitz Tripureśvarīs. So im Yāmala: Der große Mantra beginnt mit dem Wort Nektarozean und [endet mit] „āsanāya“. Man lege ihn auf die Füße. Danach, nach Bālā, „tripureśvarīpotāmbujāsanāya namaḥ“; man lege es auf die Knie. An beiden Oberschenkeln „hrīṃ klīṃ sauḥ tripurasundarīdevyāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Sitz der Göttin Tripurasundarī. So heißt es: Nach „hrīṃ klīṃ sauḥ tripurā“ folgt das Wort „sundarī“, mit der Dativendung, danach „devyāsana“ und namaḥ. Man lege es auf beide Oberschenkel. Dann auf beide Gesäßhälften „haiṃ hklīṃ hsauḥ tripuravāsinīcakrāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Cakra-Sitz Tripuravāsinīs. Am Geschlecht „hsaiṃ ha sa klīṃ hsauḥ tripurāśrīsarvamantrāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Sitz sämtlicher Mantras der Tripurāśrī. Am Nabel „hrīṃ śrīṃ klīṃ bleṃ tripuramālinīsādhyasiddhāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Sādhya-Siddha-Sitz Tripuramālinīs. Auf der eigenen Brust „hsraiṃ hsaklīṃ hsrauḥ tripurāmbāparyaṅkaśaktipīṭhāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Sitz auf dem Lager und Kraft-Kultsitz Tripurāmbās. An der Brahmā-Öffnung, nach den Bījas der dreikūṭigen Vidyās: „śrīmahātripurabhairavīsadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz der Śrīmahātripurabhairavī, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist. So im Yāmala: Nach haiṃ hklīṃ hsauḥ steht „tripuravāsinīcakrāsanāya namaḥ“; damit lege man [den Mantra] auf beide Gesäßhälften. Nach hsaiṃ hsaklīṃ hsauḥ steht „tripurāśrī“, danach „sarvamantrāsanāya namaḥ“; man lege es am Geschlecht auf. Nach hrīṃ śrīṃ klīṃ bleṃ setze man „tripuramālinī“ und „sādhyasiddhāsana“ mit der Dativendung und lege es am Nabel auf. Nach hsaiṃ ha sa klīṃ hsrauḥ steht „tripurāmbāparyaṅkaśaktipīṭhāsanāya namaḥ“; man lege es auf die Brust. Nach den Bījas der dreikūṭigen Vidyā stehen „mahātripurabhairavī“, „sadāśivamahāpreta“, „padmāsanāya namaḥ“; damit lege man es an der Brahmā-Öffnung auf. [Unterschiedliche Bīja-Schreibungen der Prosa und des Zitats bleiben ausdrücklich erhalten.]

P2-0910 · Originalnummer 87
atha ṣaḍaṅganyāsaḥ:
aiṃ sarvajñāśaktiśrīmahātripurasundarī hṛdayāya namaḥ |
klīṃ nityasutṛptiśaktiśrīmahātripurasundarī śirase svāhā |
sauḥ anādibodhaśaktiśrīmahātripurasundarī śikhāyai vaṣaṭ |
aiṃ svatantraśaktiśrīmahātripurasundarī kavacāya huṃ |
klīṃ aluptaśakti - śrīmahātripurasundarī netratrayāya vauṣaṭ |
sauḥ anantaśaktiśrīmahātripurasundarī astrāya phaṭ |
tathā navaratneśvare:
sarvajñatā nityasutṛptatā ca anādibodhaśca svatantratā ca |
aluptaśaktitvamanantatā ca ṣaḍāhuraṅgāni śivayoḥ śivādyāḥ |
bījānte nāma saṃyojya jātiyuktaṃ ṣaḍaṅgakam
|| 87 ||

Nun der Nyāsa der sechs Glieder: „aiṃ sarvajñāśaktiśrīmahātripurasundarī hṛdayāya namaḥ“ — aiṃ, Śrīmahātripurasundarī mit der Kraft der Allwissenheit: Verehrung dem Herzen. „klīṃ nityasutṛptiśaktiśrīmahātripurasundarī śirase svāhā“ — klīṃ, Śrīmahātripurasundarī mit der Kraft ewiger vollkommen erfüllter Zufriedenheit: svāhā dem Kopf. „sauḥ anādibodhaśaktiśrīmahātripurasundarī śikhāyai vaṣaṭ“ — sauḥ, Śrīmahātripurasundarī mit der Kraft anfangsloser Erkenntnis: vaṣaṭ dem Haarschopf. „aiṃ svatantraśaktiśrīmahātripurasundarī kavacāya huṃ“ — aiṃ, Śrīmahātripurasundarī mit der Kraft der Selbstbestimmung: huṃ dem Schutzpanzer. „klīṃ aluptaśaktiśrīmahātripurasundarī netratrayāya vauṣaṭ“ — klīṃ, Śrīmahātripurasundarī mit unverminderter Kraft: vauṣaṭ den drei Augen. „sauḥ anantaśaktiśrīmahātripurasundarī astrāya phaṭ“ — sauḥ, Śrīmahātripurasundarī mit unendlicher Kraft: phaṭ der Waffe. So im Navaratneśvara: Allwissenheit, ewige vollkommene Zufriedenheit, anfangslose Erkenntnis, Selbstbestimmung, Unvermindertheit der Kraft und Unendlichkeit: Als diese sechs bezeichnen Śiva und die übrigen die Glieder der beiden, Śiva und Śakti. Man verbinde den Namen mit dem Ende des Bīja und die sechs Glieder mit ihren jeweiligen Abschlussformeln.

P2-0911 · Originalnummer 88
tato vaśinyādinyāsaḥ |
sa ca saṃkṣepaprayoga uktaḥ |
tato navayonyātmakanyāsaḥ |
tathā ca:
bālāyāstripureśānyā navayonyātmakaṃ nyaset |
prayogastu bhairavīprakaraṇe uktaḥ |
punarbālāṃ samuccārya golakatvena cintayet |
punarbālāṃ samuccārya caturasraṃ vicintayet
|| 88 ||

Danach der Nyāsa von Vaśinī und den übrigen. Er wurde in der kurzen Ritualordnung erklärt. Danach der Nyāsa, dessen Wesen neun Yonis sind. So heißt es: Man lege die aus neun Yonis bestehende [Gestalt] der Bālā, der Herrin Tripurās, auf. Die Ausführung wurde im Abschnitt über Bhairavī erklärt. Wiederum spreche man Bālā und vergegenwärtige sie sich als Kugel. Wiederum spreche man Bālā und vergegenwärtige sich ein Viereck.

P2-0912 · Originalnummer 89
atha pīṭhatattvanyāsau :
yathā:
mūlavāgbhavamuccārya agnicakre kāmagiryālaye mitrīśanāthātmake
rudrātmaśaktiśrīkāmeśvarīdevī śrīpādukāyai namaḥ iti ādhāre |
dvitīyakūṭamuccārya sūryacakre jālandharapīṭhe
ṣaṣṭhīśanāthātmake
viṣṇvātmaśaktiśrīvajreśvarīdevīśrīpādukāyai namo hṛdaye |
tṛtīyakūṭamuccārya somacakre pūrṇagiripīṭhe uḍḍīśanāthātmake
brahmātmaśaktiśrībhagamālinīdevīśrīpādukāyai namo lalāṭe |
trikūṭamuccārya paraṃbrahmacakre uḍḍīyānapīṭhe
śrīcaryānāthātmake brahmātmaśakti -
śrīmahātripurasundarīdevīśrīpādukāyai namo brahmarandhre |
kalāmṛte:
pīṭhān siddhipradānmūlaprathamaṃ bījamuccaran |
agnicakre yojayecca kāmagiryālaye punaḥ |
mitrīśeti tato nāthātmakaṃ kāmeśvarī punaḥ |
devī rudrātmaśaktiśrīpādukāṃ pūjayāmi ca |
namaḥ padaṃ dvitīyañca bījamūccārya pārvati |
sūryacakre yojayecca jālandharapadaṃ tataḥ |
pīṭhe ca ṣaṣṭhīśanāthātmake vajreśvarīpadam |
devī vṣṇvātmaśakti śrīpādukāṃ pūjayāmi ca |
namaḥ - padaṃ tṛtīyañca bījamuccārya pārvati |
somacakre yojayecca pūrṇāgiraparda tataḥ |
pīṭhe uḍḍīśanāthātmake bhagamālinīpadam |
devī brahmātmaśaktiśrīpādukāṃ pūjayāmi ca |
namaḥ - padaṃ samastañca mantramuccārya pārvati |
paraṃ brahmapadaṃ cakra uḍḍīyānapadam tataḥ |
pīṭhe padaṃ yojayitvā caryānāthātmake padam |
mahātripuraśabdānte sundarīti padantataḥ |
devībrahmapadātmānte śaktiśrīpādukāṃ tataḥ |
pūjayāmi namaścānte paryāyaḥ prathamaṃ śive |
sthānāni ca:
mūlādhāre ca hṛdaye lalāṭe brahmarandhrake
|| 89 ||

Nun die Nyāsas der Kultsitze und der Tattvas. So: Am Ādhāra spreche man den Vāgbhava des Grundmantras und „agnicakre kāmagiryālaye mitrīśanāthātmake rudrātmaśaktiśrīkāmeśvarīdevīśrīpādukāyai namaḥ“ — Im Feuer-Cakra, im Heiligtum Kāmagiri, dessen Wesen Mitrīśanātha ist: Verehrung den ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Śrīkāmeśvarī, der Kraft vom Wesen Rudras. Am Herzen spreche man den zweiten Kūṭa und „sūryacakre jālandharapīṭhe ṣaṣṭhīśanāthātmake viṣṇvātmaśaktiśrīvajreśvarīdevīśrīpādukāyai namaḥ“ — Im Sonnen-Cakra, am Kultsitz Jālandhara, dessen Wesen Ṣaṣṭhīśanātha ist: Verehrung den ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Śrīvajreśvarī, der Kraft vom Wesen Viṣṇus. An der Stirn spreche man den dritten Kūṭa und „somacakre pūrṇagiripīṭhe uḍḍīśanāthātmake brahmātmaśaktiśrībhagamālinīdevīśrīpādukāyai namaḥ“ — Im Mond-Cakra, am Kultsitz Pūrṇagiri, dessen Wesen Uḍḍīśanātha ist: Verehrung den ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Śrībhagamālinī, der Kraft vom Wesen Brahmās. An der Brahmā-Öffnung spreche man die drei Kūṭas und „paraṃbrahmacakre uḍḍīyānapīṭhe śrīcaryānāthātmake brahmātmaśaktiśrīmahātripurasundarīdevīśrīpādukāyai namaḥ“ — Im höchsten Brahman-Cakra, am Kultsitz Uḍḍīyāna, dessen Wesen Śrīcaryānātha ist: Verehrung den ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Śrīmahātripurasundarī, der Kraft vom Wesen Brahmans. Im Kalāmṛta: Für die Vollkommenheit gewährenden Kultsitze spreche man das erste Bīja des Grundmantras, verbinde es mit „agnicakre“, danach „kāmagiryālaye“, dann „mitrīśanāthātmake“, dann „kāmeśvarīdevīrudrātmaśaktiśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Kāmeśvarī, der Kraft vom Wesen Rudras; Verehrung! Nachdem man das zweite Bīja gesprochen hat, o Pārvatī, verbinde man es mit „sūryacakre“, dann „jālandharapīṭhe ṣaṣṭhīśanāthātmake vajreśvarīdevīviṣṇvātmaśaktiśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Im Sonnen-Cakra, am Kultsitz Jālandhara, dessen Wesen Ṣaṣṭhīśanātha ist, verehre ich die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Vajreśvarī, der Kraft vom Wesen Viṣṇus; Verehrung! Nachdem man das dritte Bīja gesprochen hat, o Pārvatī, verbinde man es mit „somacakre“, dann „pūrṇagiripīṭhe uḍḍīśanāthātmake bhagamālinīdevībrahmātmaśaktiśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Im Mond-Cakra, am Kultsitz Pūrṇagiri, dessen Wesen Uḍḍīśanātha ist, verehre ich die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Bhagamālinī, der Kraft vom Wesen Brahmās; Verehrung! Nachdem man den ganzen Mantra gesprochen hat, o Pārvatī, füge man „paraṃbrahmacakre uḍḍīyānapīṭhe caryānāthātmake“ hinzu, dann nach „mahātripurā“ das Wort „sundarī“, dann „devībrahmātmaśaktiśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Im höchsten Brahman-Cakra, am Kultsitz Uḍḍīyāna, dessen Wesen Caryānātha ist, verehre ich die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Mahātripurasundarī, der Kraft vom Wesen Brahmans; Verehrung! Dies ist die erste Folge, o Śivā. Die Stellen sind: Mūlādhāra, Herz, Stirn und Brahmā-Öffnung. [Die Schreibfehler der Sanskritvorlage sind im Original erhalten; die übersetzten Namen folgen den im selben Abschnitt klar lesbaren Formen.]

P2-0913 · Originalnummer 89ka
tatastattvanyāsaḥ |
yathā:
vāgbhavakūṭamuccārya ātmatattvavyāpikāyai
śrīmahātripurasundaryai namaḥ ādhāre |
dvitīyakūṭamuccārya vidyātattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai
namaḥ hṛdaye |
tṛtīyakūṭamucārya śivatattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai
namaḥ bhrūmadhye |
trikūṭamuccārya sarvatattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai namo
brahmarandhre
|| 89ka ||

Danach der Tattva-Nyāsa. So: Am Ādhāra spreche man den Vāgbhava-Kūṭa und „ātmatattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai namaḥ“ — Verehrung Śrīmahātripurasundarī, die das Ātman-Prinzip durchdringt. Am Herzen den zweiten Kūṭa und „vidyātattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai namaḥ“ — Verehrung Śrīmahātripurasundarī, die das Vidyā-Prinzip durchdringt. Zwischen den Brauen den dritten Kūṭa und „śivatattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai namaḥ“ — Verehrung Śrīmahātripurasundarī, die das Śiva-Prinzip durchdringt. An der Brahmā-Öffnung die drei Kūṭas und „sarvatattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai namaḥ“ — Verehrung Śrīmahātripurasundarī, die sämtliche Prinzipien durchdringt.

P2-0914 · Originalnummer 90
tataḥ pañcadaśīnyāsaḥ |
tadyathā:
mūlādhāre hṛdi cakṣuṣoḥ karṇayornasoḥ
mukhabhujayugapṛṣṭhajānuyugalanābhiṣu pratyekaṃ namo'ntaṃ
mūlamantravarṇaṃ nyaset
|| 90 ||

Danach der Pañcadaśī-Nyāsa. So: Man lege jeweils einen Laut des Grundmantras mit namaḥ am Ende auf Mūlādhāra, Herz, beide Augen, beide Ohren, beide Nasenöffnungen, Mund, beide Arme, Rücken, beide Knie und Nabel. [Die Vorlage nennt ohne nähere Erläuterung mehr einzelne Körperstellen, als die Bezeichnung Pañcadaśī erwarten lässt; die vollständige Liste bleibt erhalten.]

P2-0915 · Originalnummer 91
tataḥ ṣoḍaśīnyāsaḥ :
nibandhe:
brahmarandhre pūrṇavidyāṃ raktavarṇāṃ vicintayet |
saubhāgyadaṇḍinīṃ mudrāṃ vāmāṃse bhrāmayetsudhīḥ |
ripujihvāgrahāṃ mudrāṃ vāmapādatale nyaset |
vyāpakānte yonimudrāṃ mukhe kṣiptvābhivandya ca |
punarbrahmarandhre maṇibandhe lalāṭe mālikāṃ tāṃ
ṣoḍaśavarṇānnyaset |
atha saṃhāranyāsaḥ :
tataḥ pādayorjaṅghayorjānvoḥ kaṭyāmaṃgulipṛṣṭhake |
nābhau pārśvadvaye cāpi stanayoraṃsayostathā |
karayorbrahmarandhre ca vadane bhruvi pārvati |
tataḥ karṇapradeśe ca karaveṣṭanayoḥ kramāt ||
iti saṃhāranyāsaḥ
|| 91 ||

Danach der Ṣoḍaśī-Nyāsa. Im Nibandha: An der Brahmā-Öffnung vergegenwärtige man sich die vollständige Vidyā in roter Farbe. Der Verständige lasse die Saubhāgyadaṇḍinī-Mudrā über der linken Schulter kreisen. Die Mudrā, die die Zunge des Feindes ergreift, lege man auf die linke Fußsohle. Nach dem den ganzen Körper durchdringenden [Nyāsa] bringe man die Yoni-Mudrā an den Mund und verneige sich. Wiederum lege man diese Reihe von sechzehn Lauten auf Brahmā-Öffnung, Handgelenk und Stirn. Nun der Auflösungs-Nyāsa: Danach auf Füße, Unterschenkel, Knie, Hüfte, Fingerrücken, Nabel, beide Flanken, beide Brüste, beide Schultern, beide Hände, Brahmā-Öffnung, Gesicht und Brauen, o Pārvatī; danach auf den Bereich der Ohren und auf die Handgelenke, der Reihe nach. Dies ist der Auflösungs-Nyāsa. [Die Zuordnung der sechzehn Laute zu dieser ausführlicheren Stellenliste ist im Zitat nicht vollständig erklärt.]

P2-0916 · Originalnummer 92
atha sthitikramaḥ:
karayoraṃgulīṣu pañca brahmarandhre mukhe hṛdi trayam |
nābhyādipādaparyantamekam |
kaṇṭhānnābhiparyantamekam |
brahmarandhrātkaṇṭhaparyantamekam |
pādayoraṃgulīṣu pañca |
iti sthitinyāsaḥ
|| 92 ||

Nun die Bewahrungsfolge: Fünf [Laute] an den Fingern der Hände; drei an Brahmā-Öffnung, Mund und Herz; einer vom Nabel bis zu den Füßen; einer vom Hals bis zum Nabel; einer von der Brahmā-Öffnung bis zum Hals; fünf an den Zehen. Dies ist der Bewahrungs-Nyāsa.

P2-0917 · Originalnummer 93
atha sṛṣṭinyāsaḥ:
brahmarandhre lalāṭe netre śravaṇe ghrāṇe mastake oṣṭhe dantādha
ūrdhve jihvāyāṃ cibuke pṛṣṭhe sarvāṅge hṛdi stanayoḥ kukṣau
liṅge ca ṣoḍaśavarṇān pravinyaset
|| 93 ||

Nun der Schöpfungs-Nyāsa: Die sechzehn Laute lege man auf Brahmā-Öffnung, Stirn, Augen, Ohren, Nase, Kopf, Lippen, untere und obere Zähne, Zunge, Kinn, Rücken, ganzen Körper, Herz, Brüste, Bauch und Geschlecht. [Die überlieferte Liste nennt mehr Stellen als sechzehn, ohne ihre Zusammenfassung zu erläutern.]

P2-0918 · Originalnummer 94
atha nādanyāsaḥ:
śirasi avikṛnnādāya namaḥ, lalāṭe śūnyanādāya namaḥ,
bhrūmadhye sparśanādāya namaḥ, nāsāyāṃ nādanādāya namaḥ,
vadane dhvaninādāya namaḥ, kaṇṭhe vindunādāya namaḥ, hṛdaye
śaktinādāya namaḥ, nābhau jīvanādāya namaḥ, mūlādhāre
akṣarātmakanādāya namaḥ |
tathā ca kulāmṛte:
prathamañcāvikṛnnādaṃ śūnyanādamataḥ param |
sparśanādaṃ nādanādaṃ dhvaninādamataḥ param |
vindunādaṃ śaktinādaṃ jīvanādaṃ tataḥ śive |
akṣarātmakanādañca namo'ntañca krameṇa hi |
śirolalāṭabhrūmadhya - nāsāvadanakaṇṭhake |
hṛnnābhimūladeśeṣu navanādaṃ nyasetsudhīḥ
|| 94 ||

Nun der Nāda-Nyāsa: Am Kopf „avikṛnnādāya namaḥ“ — Verehrung dem unveränderten Nāda; an der Stirn „śūnyanādāya namaḥ“ — dem Nāda der Leere; zwischen den Brauen „sparśanādāya namaḥ“ — dem Nāda der Berührung; an der Nase „nādanādāya namaḥ“ — dem Nāda des Tönens; am Gesicht „dhvaninādāya namaḥ“ — dem Nāda des Widerhalls; am Hals „vindunādāya namaḥ“ — dem Bindu-Nāda; am Herzen „śaktinādāya namaḥ“ — dem Śakti-Nāda; am Nabel „jīvanādāya namaḥ“ — dem Lebens-Nāda; am Mūlādhāra „akṣarātmakanādāya namaḥ“ — dem Nāda, dessen Wesen die Laute sind. So im Kulāmṛta: Zuerst der unveränderte Nāda, danach der Nāda der Leere, der Berührung, des Tönens und danach des Widerhalls; Bindu-Nāda, Śakti-Nāda und danach Lebens-Nāda, o Śivā, und der Nāda, dessen Wesen die Laute sind, jeweils der Reihe nach mit namaḥ am Ende. Der Verständige lege die neun Nādas auf Kopf, Stirn, zwischen die Brauen, Nase, Gesicht, Hals, Herz, Nabel und Wurzelbereich.

P2-0919 · Originalnummer 95
atha ṣoḍhānyāsaḥ :
jñānārṇave:
gaṇeśo prathamo nyāso dvitīyaśca grahairmataḥ |
nakṣatraistu tṛtīyaḥ syādyoginībhiścaturthakaḥ |
rāśibhiḥ pañcamo nyāsaḥ ṣaṣṭhaḥ pīṭhairnigadyate
|| 95 ||

Nun der sechsfache Nyāsa. Im Jñānārṇava: Der erste Nyāsa ist der Gaṇeśas, der zweite gilt den Planeten; der dritte erfolgt mit den Mondhäusern, der vierte mit den Yoginīs. Der fünfte Nyāsa erfolgt mit den Tierkreiszeichen, der sechste wird mit den Kultsitzen erklärt.

P2-0920 · Originalnummer 96
ṣoḍhānyāsastvayaṃ proktaḥ sarvatraivāparājitaḥ |
evaṃ:
yoginyastasya gātrasthāḥ sa pūjyaḥ sarvayogibhiḥ |
nāstyasya pūjyo lokeṣu pitṛmātṛmukhojjvalaḥ |
sa eva pūjyaḥ sarveṣāṃ sa svayaṃ parameśvaraḥ
|| 96 ||

Dieser wird als sechsfacher Nyāsa bezeichnet und ist überall unüberwindlich. So: Die Yoginīs befinden sich auf seinem Leib; er ist von allen Yogins zu verehren. In den Welten gibt es niemanden, den er verehren müsste [die folgende Wendung „pitṛmātṛmukhojjvalaḥ“ ist syntaktisch beschädigt: Vater, Mutter, Antlitz, strahlend]. Er allein ist von allen zu verehren; er selbst ist der höchste Herr.

P2-0921 · Originalnummer 97
ṣoḍhānyāsavihīno yaḥ praṇameddevi pārvatīm |
so'cirānmṛtyumāpnoti narakañca prapadyate
|| 97 ||

Wer ohne den sechsfachen Nyāsa vor der Göttin Pārvatī seine Verneigung vollzieht, gelangt bald zum Tod und verfällt der Hölle. [Die Aussage ist die historische Drohung des zitierten Textes.]

P2-0922 · Originalnummer 98
bṛhadāraṇyaka-ṛṣiranuṣṭupchando gaṇeśo devatā nyāsakarmaṇi jape
viniyogaḥ
|| 98 ||

Der Seher ist Bṛhadāraṇyaka, das Versmaß Anuṣṭubh, die Gottheit Gaṇeśa. Die Anwendung erfolgt bei der Nyāsa-Handlung und der Mantra-Wiederholung.

P2-0923 · Originalnummer 99
eṃ hrīṃ śrīṃ aṃ vighneśvaraśrībhyāṃ namaḥ iti śirasi |
3 (aiṃ hyīṃ śrīṃ) āṃ vighnarājahrobyāṃ namaḥ iti mukhe |
3 iṃ vināyakatuṣṭibhyāṃ namaḥ iti dakṣacakṣuṣi |
3 īṃ śivottamaśāntibhyāṃ namaḥ iti vāmanetre |
e uṃ vighnahṛtpuṣṭibhyāṃ namo dakṣakarṇe |
3 ūṃ vighnakarttṛsarasvatībhyāṃ namo vāmakarṇe |
3 ṛṃ vighnarāḍratibhyāṃ namo dakṣanasi |
3 ṝṃ gaṇanāyakamedhābhyāṃ namo vāmanasi |
3 ḷṃ ekadantakāntibhyāṃ namo dakṣagaṇḍe |
3 ḹṃ dvidanta - kāminībhyāṃ namo vāmagaṇḍe |
3 eṃ gajavaktra - mohinībhyāṃ namaḥ oṣṭhe |
3 aiṃ nirañjanajaṭābhyāṃ namo'dhare |
3 oṃ kandarpabhṛttīvrābhyāṃ namaḥ ūrdhvadante |
3 auṃ dīrghavaktrajvālinībhyāṃ namo'dhodante |
3 aṃ saṅkarṣaṇanandābhyāṃ namo brahmarandhre |
3 aḥ vṛṣadhvajasurasābhyāṃ namo mukhe |
3 kaṃ gaṇanāthakāmarūpiṇībhyāṃ namo dakṣaskandhe |
3 khaṃ gajendraśubhābhyāṃ namo dakṣakūrpare |
3 gaṃ sūrpakarṇajayinībhyāṃ namo maṇibandhe |
3 ghaṃ trinetrasatyābhyāṃ namo'ṃgulimūle |
ṅaṃ lambodaravighneśībhyāṃ namo'ṃgulyagre |
3 caṃ mahāmodasvarūpiṇībhyāṃ namo vāmaskandhe |
3 chaṃ caturmūrttikāmadābhyāṃ namo vāmakūrpare |
3 jaṃ sadāśivamadavihvalābhyāṃ namo maṇibandhe |
3 jhaṃ āmodavikaṭābhyāṃ namo'ṃgulimūle |
3 ñaṃ durmukhaghūrṇābhya'm namo'ṃgulyagre |
3 ṭaṃ sumukhabhūtinībhyāṃ namo dakṣakaṭādhaḥ |
3ṭhaṃ pramodabhūmibhyāṃ namo dakṣajānuni |
3 ḍaṃ ekapādamatibhyāṃ namo gulphe |
3 ḍhaṃ dvijihvaramābhyāṃ namo'ṃgulyadhaḥ |
3 ṇaṃ śūramānuṣobhyāṃ namo'ṃgulyagre |
3 taṃ vīramakaradhvajābhyāṃ namo vāmakaṭyadhaḥ |
3 thaṃ ṣaṇmukhavikarṇābhyāṃ namo jānuni |
3 daṃ varadabhṛkuṭibhyāṃ namo guhye |3 dhaṃ
vāmadevalajjābhyāṃ namo'ṃgulyadhaḥ |
3 naṃ vakratuṇḍadīrghaghoṇābhyāṃ namaḥ iti aṃgulyagre |
3 paṃ dviraṇḍadhanurdharābhyāṃ namo dakṣapārśve |
3 phaṃ senānīyāminībhyāṃ namo vāmapārśva |
3 baṃ grāmaṇīrātribhyaṃ namaḥ pṛṣṭhe |
3 bhaṃ bhattacandrikābhyāṃ namo nāmau |
3 maṃ vimalaśaśiprabhābhyāṃ namaḥ udare |
3 yaṃ mattavāhanalolābhyāṃ namo hṛdi |
3 raṃ jaṭicapalākṣibhyāṃ namo dakṣaskandhe |
3 laṃ muṇḍi-ṛddhibhyāṃ namaḥ kakudi |
3 vaṃ khaḍgidurbhagābhyāṃ namo vāmaskandhe |
3 śaṃ vareṇyasubhagābhyāṃ namo hṛdādidakṣahaste |
3 ṣaṃ vṛṣaketuśivābhyāṃ namo hṛdādivāmahaste |
3 saṃ bhakṣyapriyadurgābhyāṃ namo hṛdādidakṣapāde |
3 haṃ meghānādakāminībhyāṃ namo hṛdādivāmapāde |
3 laṃ gajeśakānyakubjābhyāṃ namo hṛdādyudare |
3 kṣaṃ gaṇeśavighnahāriṇībhyāṃ namo hṛdādimukhe |
tathā ca jñānārṇave:
viśveśvarastathā śrīśca vighnarājastathā hriyā |
vināyakastathā tuṣṭiḥ śāntiyuktaḥ śivottamaḥ |
vighnahṛtpuṣṭiyuktaśca vighnakarttṛ sarasvatī |
vighnarāḍratiyuktaśca medhā ca gaṇanāyakaḥ |
ekadantaśca kāntiśca dvidantaḥ kāminīyutaḥ |
gajavaktro mohinī ca nirañjanajaṭaikataḥ |
kandarpabhṛttathā tīvrā dīrghravaktrastathā priye |
jvālinīsahitaḥ paścāt nandāsaṅkarṣaṇau tathā |
vṛṣadhvajaśca surasā gaṇanāthena saṃyutā |
kāmarūpiṇikā paścātgajendraḥ śubhayā (śubhrayā) tataḥ |
sūrpakarṇastu jayinī trinetraḥ satyayā yutaḥ |
lambodaraśca vighneśī mahāmodaḥ svarūpiṇī |
caturmūrtiḥ kāmadā ca sadāśivayutā tataḥ |
madavihvalanāmnī ca āmodavikaṭe tathā |
durmukhaśca tathā ghūrṇā sumukho bhūtinī tataḥ |
pramodaśca tathā bhūmirekapādastathā matiḥ dvijihvaśca
ramāyuktaḥ śūraścaiva tu mānuṣī |
vīreṇasahitā paścātśailaje makaradhvajā ||
yanmukhaśca vikarṇā ca varado bhṛkuṭī tataḥ |
vāmadevastathā lajjā vakratuṇḍastataḥ param |
dīrghaghoṇānvitaḥ paścāddviraṇḍakadhanurdhare |
senānīryāminīyuktā grāmaṇī rātrisaṃyutaḥ |
mataśca candrikāyukto vimalaśca śaśiprabhā |
mattavāhanalole ca jaṭī ca capalākṣiṇī |
muṇḍī ṛddhiyutaḥ paścātkhaḍgī durbhagayā yutaḥ |
vareṇyaścaiva subhagā vṛṣaketustathā śivā |
bhakṣyapriyaśca durgā ca meghanādaśca kāminī |
gajeśaḥ kānyakubjā ca gaṇeśo vighnahāriṇī |
iti gaṇeśanyāsaḥ
|| 99 ||

„eṃ hrīṃ śrīṃ aṃ vighneśvaraśrībhyāṃ namaḥ“ — Verehrung Vighneśvara und Śrī — am Kopf. Danach bedeutet die vorangestellte 3 jeweils die drei Bījas aiṃ hrīṃ śrīṃ [die Vorlage schreibt einmal „hyīṃ“; ihr erstes eṃ unterscheidet sich ebenfalls]. Jede folgende Formel endet mit namaḥ und bedeutet Verehrung dem genannten Paar: āṃ Vighnarāja und Hrī [Vorlage „hro“] am Mund; iṃ Vināyaka und Tuṣṭi am rechten Auge; īṃ Śivottama und Śānti am linken Auge; uṃ Vighnahṛt und Puṣṭi am rechten Ohr; ūṃ Vighnakartṛ und Sarasvatī am linken Ohr; ṛṃ Vighnarāḍ und Rati an der rechten Nasenöffnung; ṝṃ Gaṇanāyaka und Medhā an der linken; ḷṃ Ekadanta und Kānti an der rechten Wange; ḹṃ Dvidanta und Kāminī an der linken; eṃ Gajavaktra und Mohinī an der Oberlippe; aiṃ Nirañjana und Jaṭā an der Unterlippe; oṃ Kandarpabhṛt und Tīvrā an den oberen Zähnen; auṃ Dīrghavaktra und Jvālinī an den unteren; aṃ Saṅkarṣaṇa und Nandā an der Brahmā-Öffnung; aḥ Vṛṣadhvaja und Surasā am Mund; kaṃ Gaṇanātha und Kāmarūpiṇī an der rechten Schulter; khaṃ Gajendra und Śubhā am rechten Ellenbogen; gaṃ Śūrpakarṇa und Jayinī am Handgelenk; ghaṃ Trinetra und Satyā an den Fingerwurzeln; ṅaṃ Lambodara und Vighneśī an den Fingerspitzen; caṃ Mahāmoda und Svarūpiṇī an der linken Schulter; chaṃ Caturmūrti und Kāmadā am linken Ellenbogen; jaṃ Sadāśiva und Madavihvalā am Handgelenk; jhaṃ Āmoda und Vikaṭā an den Fingerwurzeln; ñaṃ Durmukha und Ghūrṇā an den Fingerspitzen; ṭaṃ Sumukha und Bhūtinī unter der rechten Hüfte; ṭhaṃ Pramoda und Bhūmi am rechten Knie; ḍaṃ Ekapāda und Mati am Knöchel; ḍhaṃ Dvijihva und Ramā unter den Zehen; ṇaṃ Śūra und Mānuṣī [Vorlage „mānuṣo“] an den Zehenspitzen; taṃ Vīra und Makaradhvajā unter der linken Hüfte; thaṃ Ṣaṇmukha und Vikarṇā am Knie; daṃ Varada und Bhṛkuṭī am Geschlecht; dhaṃ Vāmadeva und Lajjā unter den Zehen; naṃ Vakratuṇḍa und Dīrghaghoṇā an den Zehenspitzen; paṃ Dviraṇḍa und Dhanurdharā an der rechten Flanke; phaṃ Senānī und Yāminī an der linken; baṃ Grāmaṇī und Rātri am Rücken; bhaṃ Bhatta und Candrikā am Nabel [beide Wörter hier beschädigt]; maṃ Vimala und Śaśiprabhā am Bauch; yaṃ Mattavāhana und Lolā am Herzen; raṃ Jaṭī und Capalākṣī an der rechten Schulter; laṃ Muṇḍī und Ṛddhi am Nackenbuckel; vaṃ Khaḍgī und Durbhagā an der linken Schulter; śaṃ Vareṇya und Subhagā vom Herzen zur rechten Hand; ṣaṃ Vṛṣaketu und Śivā vom Herzen zur linken Hand; saṃ Bhakṣyapriya und Durgā vom Herzen zum rechten Fuß; haṃ Meghanāda und Kāminī vom Herzen zum linken Fuß; laṃ Gajeśa und Kānyakubjā vom Herzen zum Bauch; kṣaṃ Gaṇeśa und Vighnahāriṇī vom Herzen zum Mund. [Die rechten beziehungsweise linken Seiten der anschließenden Gelenke folgen der jeweiligen Arm- oder Beinreihe; die Vorlage nennt sie nicht jedes Mal erneut. Beim ersten ṅaṃ steht keine ausdrückliche 3.] So im Jñānārṇava: Viśveśvara und Śrī, Vighnarāja mit Hrī; Vināyaka und Tuṣṭi, Śivottama mit Śānti; Vighnahṛt mit Puṣṭi, Vighnakartṛ und Sarasvatī; Vighnarāḍ mit Rati, Medhā und Gaṇanāyaka; Ekadanta und Kānti, Dvidanta mit Kāminī; Gajavaktra und Mohinī, Nirañjana mit Jaṭā; Kandarpabhṛt und Tīvrā, danach Dīrghavaktra mit Jvālinī, o Liebe; Nandā und Saṅkarṣaṇa; Vṛṣadhvaja und Surasā; mit Gaṇanātha verbunden danach Kāmarūpiṇikā; Gajendra mit Śubhā (alternativ Śubhrā); Śūrpakarṇa und Jayinī, Trinetra mit Satyā; Lambodara und Vighneśī, Mahāmoda und Svarūpiṇī; Caturmūrti und Kāmadā; danach die Madavihvalā Genannte mit Sadāśiva; Āmoda und Vikaṭā; Durmukha und Ghūrṇā; danach Sumukha und Bhūtinī; Pramoda und Bhūmi, Ekapāda und Mati; Dvijihva mit Ramā, Śūra und Mānuṣī; danach Makaradhvajā mit Vīra, o Tochter des Berges; [Ṣaṇmukha; Vorlage „yanmukha“] und Vikarṇā, dann Varada und Bhṛkuṭī; Vāmadeva und Lajjā, unmittelbar danach Vakratuṇḍa mit Dīrghaghoṇā; danach Dviraṇḍaka und Dhanurdharā; Senānī mit Yāminī, Grāmaṇī mit Rātri; Mata mit Candrikā [abweichend vom beschädigten „bhatta“ der Prosa]; Vimala und Śaśiprabhā; Mattavāhana und Lolā, Jaṭī und Capalākṣiṇī; danach Muṇḍī mit Ṛddhi, Khaḍgī mit Durbhagā; Vareṇya und Subhagā, Vṛṣaketu und Śivā; Bhakṣyapriya und Durgā, Meghanāda und Kāminī; Gajeśa und Kānyakubjā, Gaṇeśa und Vighnahāriṇī. Dies ist der Gaṇeśa-Nyāsa.

P2-0924 · Originalnummer 100
atha grahanyāsaḥ:
3 (aiṃ hrīṃ śrīṃ) aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ
aiṃ oṃ auṃ aṃ āṃ ādityarucibhyāṃ namo hṛdaye |
3 yaṃ raṃ laṃ vaṃ soṃ somāmarābhyāṃ namo bhrūmadhye |
3 kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ aṃ aṅgārakaraktābhyāṃ namo netre |
3 caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ buṃ budhajñānarūpābhyāṃ namo
hṛdayopari |
3 ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ vṛṃ vṛhaspatiyaśasvinībhyāṃ namaḥ
kaṇṭhe |
3 taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ śuṃ śukrāhlādinībhyāṃ namo gale |
3 paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ śaṃ śanaiścaraśaktibhyāṃ namo
nābhau |
3 śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ rāṃ rāhukṛṣṇābhyāṃ namo vaktre |
3 laṃ kṣaṃ keṃ ketuvāyavībhyāṃ namo guhye |
tathā ca jñānārṇave:
svarairarkaṃ hṛdi nyasedyavargeṇa śaśī tataḥ |
bhrūmadhye ca kavargaṇa bhaumaṃ netratraye nyaset |
cavargeṇa budho hṛdi ṭavargaṇa vṛhaspatiḥ |
hṛdayopari deveśi tavargeṇa gale bhṛguḥ |
pavargeṇa śanirnābhau rāhurvaktre śavargagaḥ |
lakṣābhyāntu gude ketuṃ nyasadevaṃ varānane
|| 100 ||

Nun der Planeten-Nyāsa. Die vorangestellte 3 bezeichnet aiṃ hrīṃ śrīṃ. Jede Formel endet mit namaḥ, Verehrung dem genannten Paar: Am Herzen „aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ āṃ ādityarucibhyāṃ namaḥ“ — Āditya und Ruci. Zwischen den Brauen „yaṃ raṃ laṃ vaṃ soṃ somāmarābhyāṃ namaḥ“ — Soma und Amarā. An den Augen „kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ aṃ aṅgārakaraktābhyāṃ namaḥ“ — Aṅgāraka und Raktā. Über dem Herzen „caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ buṃ budhajñānarūpābhyāṃ namaḥ“ — Budha und Jñānarūpā. Am Hals „ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ vṛṃ bṛhaspatiyaśasvinībhyāṃ namaḥ“ — Bṛhaspati und Yaśasvinī. An der Kehle „taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ śuṃ śukrāhlādinībhyāṃ namaḥ“ — Śukra und Āhlādinī. Am Nabel „paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ śaṃ śanaiścaraśaktibhyāṃ namaḥ“ — Śanaiścara und Śakti. Am Gesicht „śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ rāṃ rāhukṛṣṇābhyāṃ namaḥ“ — Rāhu und Kṛṣṇā. Am Geschlecht „laṃ kṣaṃ keṃ ketuvāyavībhyāṃ namaḥ“ — Ketu und Vāyavī. [Die letzte āṃ der Vokalreihe bleibt nach der Vorlage erhalten; sie weicht von gewöhnlichen Alphabetfolgen ab.] So im Jñānārṇava: Mit den Vokalen lege man Arka auf das Herz, danach mit der ya-Gruppe Śaśin zwischen die Brauen; mit der ka-Gruppe Bhauma auf die drei Augen. Mit der ca-Gruppe Budha am Herzen, mit der ṭa-Gruppe Bṛhaspati über dem Herzen, o Herrin der Götter; mit der ta-Gruppe Bhṛgu an der Kehle, mit der pa-Gruppe Śani am Nabel. Rāhu mit der śa-Gruppe am Gesicht; mit la und kṣa Ketu am After. So lege man sie auf, o Schönangesichtige. [Die Stellen für Budha, Bṛhaspati und Ketu unterscheiden sich teilweise von der vorhergehenden Prosa.]

P2-0925 · Originalnummer 1
atha nakṣatranyāsaḥ:
3 (aiṃ hrīṃ śrīṃ) aṃ āṃ aśvinyai namo lalāṭe |
3 iṃ īṃ bharaṇyai namo dakṣanetre |
3 uṃ ūṃ kṛttikāyai namo vāmanetre |
3 ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ rohiṇyai namo dakṣakarṇe |
3 eṃ mṛgaśirāyai namo vāmakarṇe |
3 aiṃ ārdrāyai namo dakṣanāsāyāma |
3 oṃ auṃ punarvasave namo vāmanāsāyām |
3 kaṃ puṣyāyai namaḥ kaṇṭhe |
3 khaṃ gaṃ aśleṣāyai namo dakṣaskandhe |
3 ghaṃ ṅaṃ maghāyai namo vāmaskandhe |
3 caṃ pūrvaphalgunyai namo dakṣabhujamadhye |
3 chaṃ jaṃ uttaraphalgunyai namo vāmabhujamadhye |
3 jhaṃ ñaṃ hastāyai namo dakṣamaṇibandhe |
3 ṭaṃ ṭhaṃ citrāyai namo vāmamaṇibandhe |
3 ḍaṃ svātyai namo dakṣahastatale |
3 ḍhaṃ ṇaṃ viśākhāyai namo vāmahasttatale |
3 taṃ thaṃ daṃ anurādhāyai namo nābhau |
3 dhaṃ jyeṣṭhāyai namo dakṣakaṭideśe |
3 naṃ paṃ phaṃ mūlāyai namo vāmakaṭideśe |
3 vaṃ pūrvāṣāḍhāyai namo dakṣorau |
3 bhaṃ uttarāṣāḍhāyai namo vāmorau |
3 maṃ śravaṇāyai namo dakṣa jānuni |
3 yaṃ raṃ dhaniṣṭhāyai namo vāmajānuni |
3 laṃ śatabhiṣāyai namo dakṣajaṅghāyām |
3 vaṃ śaṃ pūrvabhādrapadāyai namo vāmajaṅghāyām |
3 ṣaṃ saṃ haṃ uttanabhādrapadāyai namo dakṣapāde |
3 laṃ kṣaṃ aṃ aḥ revatyai namo vāmapāde
|| 1 ||

Nun der Nyāsa der Mondhäuser. 3 bedeutet aiṃ hrīṃ śrīṃ; jede Formel endet mit namaḥ, Verehrung dem genannten Mondhaus: aṃ āṃ Aśvinī an der Stirn; iṃ īṃ Bharaṇī am rechten Auge; uṃ ūṃ Kṛttikā am linken; ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ Rohiṇī am rechten Ohr; eṃ Mṛgaśiras am linken; aiṃ Ārdrā an der rechten Nasenöffnung; oṃ auṃ Punarvasu an der linken; kaṃ Puṣya am Hals; khaṃ gaṃ Aśleṣā an der rechten Schulter; ghaṃ ṅaṃ Maghā an der linken; caṃ Pūrvaphalgunī in der Mitte des rechten Arms; chaṃ jaṃ Uttaraphalgunī in der Mitte des linken; jhaṃ ñaṃ Hasta am rechten Handgelenk; ṭaṃ ṭhaṃ Citrā am linken; ḍaṃ Svāti an der rechten Handfläche; ḍhaṃ ṇaṃ Viśākhā an der linken; taṃ thaṃ daṃ Anurādhā am Nabel; dhaṃ Jyeṣṭhā an der rechten Hüfte; naṃ paṃ phaṃ Mūla an der linken; vaṃ Pūrvāṣāḍhā am rechten Oberschenkel; bhaṃ Uttarāṣāḍhā am linken; maṃ Śravaṇa am rechten Knie; yaṃ raṃ Dhaniṣṭhā am linken; laṃ Śatabhiṣaj am rechten Unterschenkel; vaṃ śaṃ Pūrvabhādrapadā am linken; ṣaṃ saṃ haṃ Uttarabhādrapadā am rechten Fuß; laṃ kṣaṃ aṃ aḥ Revatī am linken Fuß. [vaṃ bei Pūrvāṣāḍhā und die Namensschreibungen sind nach der Vorlage bewahrt; einige Formen sind entstellt.]

P2-0926 · Originalnummer 2
athā yoginīnyāsaḥ:
3 (aiṃ hrīṃ śrīṃ) aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṛṃ ḷṃ ḹṃ eṃ
aiṃ oṃ auṃ ḍāṃ ḍīṃ duṃ ḍaṃ ma la va ra yūṃ ḍākinyai māṃ
rakṣa rakṣa tvagātmane namaḥ kaṇṭhe |
3 kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ
rāṃ rīṃ ra ma la va ra yūṃ rākiṇyai māṃ rakṣa rakṣāsṛgātmane
namo hṛdaye |
3 ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ nāṃ nīṃ na
ma la va ra yūṃ lākinyai māṃ rakṣa rakṣa māṃsātmane namo
nābhau |
3 vaṃ bhaṃ maṃ yaṃ raṃ laṃ kāṃ kīṃ ka ma la va ra yūṃ
kākinyai māṃ rakṣa rakṣa meda ātmane namaḥ svādhiṣṭhāne |
3 vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ sāṃ sīṃ sa ma la va ra yūṃ śākinyai māṃ
rakṣa rakṣa asthyātmane namo mūlādhāre |
3 haṃ laṃ kṣaṃ hāṃ hīṃ ha ma la va ra yūṃ hākinyai māṃ rakṣa
rakṣa majjātmane namo bhrūmadhye
|| 2 ||

Nun der Yoginī-Nyāsa. Die 3 bedeutet aiṃ hrīṃ śrīṃ. Am Hals: „aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṛṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ ḍāṃ ḍīṃ duṃ ḍaṃ ma la va ra yūṃ ḍākinyai māṃ rakṣa rakṣa tvagātmane namaḥ“ — O Ḍākinī, schütze, schütze mich; Verehrung derjenigen, deren Wesen die Haut ist. Am Herzen: „kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ rāṃ rīṃ ra ma la va ra yūṃ rākiṇyai māṃ rakṣa rakṣāsṛgātmane namaḥ“ — O Rākiṇī, schütze, schütze mich; Verehrung derjenigen, deren Wesen das Blut ist. Am Nabel: „ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ nāṃ nīṃ na ma la va ra yūṃ lākinyai māṃ rakṣa rakṣa māṃsātmane namaḥ“ — O Lākinī, schütze, schütze mich; Verehrung derjenigen, deren Wesen das Fleisch ist. Am Svādhiṣṭhāna: „vaṃ bhaṃ maṃ yaṃ raṃ laṃ kāṃ kīṃ ka ma la va ra yūṃ kākinyai māṃ rakṣa rakṣa meda ātmane namaḥ“ — O Kākinī, schütze, schütze mich; Verehrung derjenigen, deren Wesen das Fett ist. Am Mūlādhāra: „vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ sāṃ sīṃ sa ma la va ra yūṃ śākinyai māṃ rakṣa rakṣa asthyātmane namaḥ“ — O Śākinī, schütze, schütze mich; Verehrung derjenigen, deren Wesen die Knochen sind. Zwischen den Brauen: „haṃ laṃ kṣaṃ hāṃ hīṃ ha ma la va ra yūṃ hākinyai māṃ rakṣa rakṣa majjātmane namaḥ“ — O Hākinī, schütze, schütze mich; Verehrung derjenigen, deren Wesen das Mark ist. [Die wiederholten ṛṃ, die nāṃ/nīṃ-Laute bei Lākinī sowie die übrigen ungewöhnlichen Lautfolgen bleiben nach der Vorlage erhalten.]

P2-0927 · Originalnummer 3
atha rāśinyāsaḥ:
3 (aiṃ hrīṃ śrīṃ) aṃ āṃ iṃ īṃ meṣarāśaye namo dakṣagulphe |
3 uṃ ūṃ ṛṃ vṛṣarāśaye namo dakṣajānuni |
3 rṝṃ ḷṃ ḹṃ mithunarāśaye namo dakṣavṛṣaṇe |
3 eṃ aiṃ karkaṭarāśaye namo dakṣakukṣau |
3 oṃ auṃ siṃharāśaye namo dakṣaskandhe |
3 aṃ aḥ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ kanyārāśaye namo
dakṣamastake |
3 kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ tulārāśaye namo vāmamastake |
3 caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ vṛścikarāśaye namo vāmabāhumūle |
3 ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ dhanurāśaye namo vāmakukṣau |
3 taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ makararāśaye namo vāmavṛṣaṇe |
3 paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ kumbharāśaye namo vāmajānuni |
3 yaṃ raṃ laṃ vaṃ mīnarāśaye namo vāmagulphe
|| 3 ||

Nun der Tierkreis-Nyāsa. 3 bedeutet aiṃ hrīṃ śrīṃ. Jede Formel endet mit namaḥ und bedeutet Verehrung dem jeweiligen Tierkreiszeichen: aṃ āṃ iṃ īṃ Meṣa, Widder, am rechten Knöchel; uṃ ūṃ ṛṃ Vṛṣa, Stier, am rechten Knie; rṝṃ ḷṃ ḹṃ Mithuna, Zwillinge, am rechten Hoden; eṃ aiṃ Karkaṭa, Krebs, an der rechten Bauchseite; oṃ auṃ Siṃha, Löwe, an der rechten Schulter; aṃ aḥ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ Kanyā, Jungfrau, an der rechten Kopfseite; kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ Tulā, Waage, an der linken Kopfseite; caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ Vṛścika, Skorpion, an der Wurzel des linken Arms; ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ Dhanus, Schütze, an der linken Bauchseite; taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ Makara, Steinbock, am linken Hoden; paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ Kumbha, Wassermann, am linken Knie; yaṃ raṃ laṃ vaṃ Mīna, Fische, am linken Knöchel. [rṝṃ ist die Schreibweise der Vorlage.]

P2-0928 · Originalnummer 4
atha pīṭhanyāsaḥ:
sitāsitāruṇa - śyāma - hirit - pītānyanukramāt |
punaḥ punaḥ kramāddevi pañcāśat sthānasañcathaḥ |
śyāmān varābhayakarān sarvālaṅkārabhūṣitān |
evaṃ dhyātvā pīṭhe nyaset |
3 (aiṃ hrīṃ śrīṃ) aṃ kāmarūpapīṭhāya namaḥ śirasi |
3 āṃ vārāṇasī pīṭhāya namo mukhavṛtte |
3 iṃ nepālapīṭhāya namo dakṣacakṣuṣi |
3 īṃ pauṇḍravarddhanapīṭhāya namo vāmacakṣuṣi |
uṃ kāśmīrapīṭhāya namo dakṣakarṇe |
ūṃ kānyakubjapīṭhāya namo vākarṇe |
3 ṛṃ purasthitapīṭhāya namo dakṣiṇanasi |
ṛṃ carasthitapīṭhāya namo vāmanasi |
e ḷṃ pūrṇaśailapīṭhāya namo dakṣagaṇḍe |
3 ḷṃ arbudapīṭhāya namo vāmagaṇḍe |
3 eṃ āmrātakeśvarapīṭhāya namaḥ oṣṭhe |
3 aiṃ ekāmrapīṭhāya namo'dhare |
3 oṃ trisrotaḥpīṭhā namaḥ ūrdhadante |
3 auṃ kāmakoṭṭapīṭhāya namo'dhodante |
3 aṃ kailāsapīṭhāya namo brahmarandhre |
3 aḥ bhṛgupīṭhāya namo mukhe |
3 kaṃ kedārapīṭhāya namo dakṣabāhumūle |
3 khaṃ candrapurapīṭhāya namaḥ dakṣakūrpare |
3 gaṃ śrīpīṭhāya namo dakṣamaṇibandhe |
3 ghaṃ oṃkārapīṭhāya namaḥ dakṣiṇāṃgulimūle |
3 ṅaṃ jālandharapīṭhāya namaḥ dakṣāṃgulyagre |
3 caṃ mānavapīṭhāya |
3 chaṃ kūpāntakapīṭhāya |
3 jaṃ devīkoṭṭīpīṭhāya |
3 jhaṃ gokarṇapīṭhāya |
3 ñaṃ māruteśvarapīṭhāya - vāmabāhumūlasandhyagrakeṣu |
3 ṭaṃ aṭṭahāsapīṭhaye namaḥ dakṣapādamūle |
3 ṭhaṃ vijayapīṭhāya namo dakṣajānuni |
3 ḍaṃ rājagṛhapīṭhāya namodakṣagulphe |
3 ḍhaṃ kolvagiripīṭhāya namo dakṣapādāṃgulimūle |
3 ṇaṃ elāpurapīṭhāya namo dakṣapādāṃ gulyagre |
3 taṃ kāmeśvarapīṭhāya namo vāmapādamūle |
3 thaṃ jayantīpīṭhāya namaḥ vāmajānunī |
3 daṃ ujjayinīpīṭhāya namo vāmagulphe |
3 dhaṃ kṣīrikāpīṭhāya namo vāmapādāṃgulimūle |
3 naṃ hastināpurapīṭhāya namo vāmapādāṃgulyagre |
3 paṃ uḍḍīśapīṭhāya namo dakṣapārśve |
3 phaṃ prayogapīṭhāya namo vāmapārśve |
3 baṃ vindhyapīṭhāya namaḥ pṛṣṭhe |
3 bhaṃ māyāpurapīṭhāya namo nābhau |
3 maṃ jaleśvara pīṭhāya namaḥ udare |
3 yaṃ malayapīṭhāya namo hṛdaye |
3 raṃ śrīśailapīṭhāya namo dakṣiṇaskandhe |
3 laṃ merupīṭhāya namaḥ kakudi |
3 giripīṭhāya namo vāmaskandhe |
3 śaṃ mahendrapīṭhāya namo hṛdādi dakṣiṇakare |
3 yaṃ vāmanapīṭhāya namo hṛdādivāmakare |
3 saṃ hiraṇyapurapīṭhāya namo hṛdādidakṣiṇapāde |
3 haṃ mahālakṣmīpurapīṭhāya namo hṛdādivāmapāde |
3 laṃ uḍḍīyānapīṭhāya namo hṛdādi-udare |
3 kṣaṃ chāyāchatrapurapīṭhāya namo hṛdādimukhe |
sarvatra mātṛkāsthāneṣu namo'ntena nyaset |
ayaṃ ṣoḍhānyāso mātṛkāyanyāsakāle karttavyaḥ iti
sampradāyavidaḥ
|| 4 ||

Nun der Nyāsa der Kultsitze: Weiß, schwarz, rot, dunkel, grün und gelb, der Reihe nach, immer wieder in dieser Folge, o Göttin, als Sammlung von fünfzig Orten; [ihre Gottheiten] dunkel, mit den Gesten der Gabengewährung und Furchtlosigkeit, mit allem Schmuck geziert: Nachdem man so meditiert hat, lege man die Kultsitze auf. 3 bedeutet aiṃ hrīṃ śrīṃ. Jede Formel endet mit „pīṭhāya namaḥ“, Verehrung dem betreffenden Kultsitz: aṃ Kāmarūpa am Kopf; āṃ Vārāṇasī am Umfang des Gesichts; iṃ Nepāla am rechten Auge; īṃ Pauṇḍravardhana am linken; uṃ Kāśmīra am rechten Ohr; ūṃ Kānyakubja am linken; ṛṃ Purasthita an der rechten Nasenöffnung; ṛṃ Carasthita an der linken; ḷṃ Pūrṇaśaila an der rechten Wange; ḷṃ Arbuda an der linken; eṃ Āmrātakeśvara an der Oberlippe; aiṃ Ekāmra an der Unterlippe; oṃ Trisrotas an den oberen Zähnen; auṃ Kāmakoṭṭa an den unteren; aṃ Kailāsa an der Brahmā-Öffnung; aḥ Bhṛgu am Mund; kaṃ Kedāra an der rechten Armwurzel; khaṃ Candrapura am rechten Ellenbogen; gaṃ Śrī am rechten Handgelenk; ghaṃ Oṃkāra an den rechten Fingerwurzeln; ṅaṃ Jālandhara an den rechten Fingerspitzen; caṃ Mānava, chaṃ Kūpāntaka, jaṃ Devīkoṭṭī, jhaṃ Gokarṇa, ñaṃ Māruteśvara an der linken Armwurzel, den Gelenken und Fingerspitzen [der Reihe nach]; ṭaṃ Aṭṭahāsa an der rechten Beinwurzel; ṭhaṃ Vijaya am rechten Knie; ḍaṃ Rājagṛha am rechten Knöchel; ḍhaṃ Kolvagiri an den rechten Zehenwurzeln; ṇaṃ Elāpura an den rechten Zehenspitzen; taṃ Kāmeśvara an der linken Beinwurzel; thaṃ Jayantī am linken Knie; daṃ Ujjayinī am linken Knöchel; dhaṃ Kṣīrikā an den linken Zehenwurzeln; naṃ Hastināpura an den linken Zehenspitzen; paṃ Uḍḍīśa an der rechten Flanke; phaṃ Prayoga an der linken; baṃ Vindhya am Rücken; bhaṃ Māyāpura am Nabel; maṃ Jaleśvara am Bauch; yaṃ Malaya am Herzen; raṃ Śrīśaila an der rechten Schulter; laṃ Meru am Nackenbuckel; [Bīja fehlt] Giri an der linken Schulter; śaṃ Mahendra vom Herzen zur rechten Hand; yaṃ Vāmana vom Herzen zur linken Hand; saṃ Hiraṇyapura vom Herzen zum rechten Fuß; haṃ Mahālakṣmīpura vom Herzen zum linken Fuß; laṃ Uḍḍīyāna vom Herzen zum Bauch; kṣaṃ Chāyāchatrapura vom Herzen zum Mund. Überall lege man sie an den Mātṛkā-Stellen mit namaḥ am Ende auf. Dieser sechsfache Nyāsa ist während des Mātṛkā-Nyāsa auszuführen, sagen die Kenner der Überlieferung. [Wiederholte kurze Vokale, yaṃ bei Vāmana, „Prayoga“, „Kolvagiri“ und fehlende Angaben sind nach der vorliegenden Quelle bewahrt.]

P2-0929 · Originalnummer 5
atha tripurānyāsaḥ |
tantre:
tripuranyāsaṃ tataḥ kuryāt sarvakāmārthasiddhaye |
asyāstu nyāsamātreṇa jīvanmukto bhavennaraḥ ||
yathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ kāminītripurāyai namo lalāṭe |
sarvatra evaṃ krameṇa tripurāyai namaḥ ityantena mātṛkāsthāneṣu
nyaset |
3 āṃ mālinī |
iṃ madanā |
3 īṃ unmādinī |
3 uṃ drāviṇī |
3 ūṃ khecarī |
3 ṛṃ jhaṭikā |
3 ṝṃ kalāvatī |
3 ḷṃ kledinī |
3 ḹṃ śivadūtī |
3 eṃ subhagā |
3 aiṃ bhagāvahā |
3 oṃ vidyeśvarī |
3 auṃ mahālakṣmī |
3 aṃ kaulinī |
3 aḥ kāleśvarī |
3 kaṃ kulamālinī |
3 khaṃ vyāpinī |
gaṃ bhagā |
3 ghaṃ vāgīśvarī |
3 ṅaṃ kālikā |
3 caṃ piṅgalā |
3 chaṃ bhagasarpigī |
3 jaṃ sundarī |
3 jhaṃ nīlapatākā |
3 ñaṃ siddheśvarī |
3 ṭaṃ mahāsiddheśvarī |
3 ṭhaṃ aghorā |
3 ḍaṃ ratnamālā |
3 ḍhaṃ maṅgalā |
3 ṇaṃ bhagamālinī |
3 taṃ raudrī |
thaṃ yogeśvarī |
3 daṃ ambikā |
3 dhaṃ aṭṭahāsā |
3 naṃ vyomarūpiṇī |
3 paṃ vajreśvarī |
3 phaṃ kṣobhiṇī |
3 baṃ śākambharī |
3 bhaṃ anaṅgā |
3 maṃ lokeśvarī |
3 yaṃ raktā |
3 raṃ susthā |
3 laṃ śukrā |
3 vaṃ aparājitā |
3 śaṃ samvartā |
3 ṣaṃ vimalā |
3 saṃ aghorā |
3 haṃ bhairavī |
3 laṃ aghorā |
3 kṣaṃ sarvākarṣiṇī |
iti pañcāśattripurā mātṛkāsthāneṣu namo'ntena nyaset
|| 5 ||

Nun der Tripurā-Nyāsa. Im Tantra: Danach vollziehe man den Tripurā-Nyāsa zur Verwirklichung sämtlicher Wünsche und Ziele. Allein durch ihren Nyāsa wird ein Mensch schon zu Lebzeiten befreit. So: An der Stirn „aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ kāminītripurāyai namaḥ“ — Verehrung Kāminī-Tripurā. Überall lege man ebenso der Reihe nach an den Mātṛkā-Stellen [die Formeln] mit „tripurāyai namaḥ“ am Ende auf. Die 3 bedeutet aiṃ hrīṃ śrīṃ: āṃ Mālinī, iṃ Madanā, īṃ Unmādinī, uṃ Drāviṇī, ūṃ Khecarī, ṛṃ Jhaṭikā, ṝṃ Kalāvatī, ḷṃ Kledinī, ḹṃ Śivadūtī, eṃ Subhagā, aiṃ Bhagāvahā, oṃ Vidyeśvarī, auṃ Mahālakṣmī, aṃ Kaulinī, aḥ Kāleśvarī, kaṃ Kulamālinī, khaṃ Vyāpinī, gaṃ Bhagā, ghaṃ Vāgīśvarī, ṅaṃ Kālikā, caṃ Piṅgalā, chaṃ Bhagasarpiṇī [Vorlage „bhagasarpigī“], jaṃ Sundarī, jhaṃ Nīlapatākā, ñaṃ Siddheśvarī, ṭaṃ Mahāsiddheśvarī, ṭhaṃ Aghorā, ḍaṃ Ratnamālā, ḍhaṃ Maṅgalā, ṇaṃ Bhagamālinī, taṃ Raudrī, thaṃ Yogeśvarī, daṃ Ambikā, dhaṃ Aṭṭahāsā, naṃ Vyomarūpiṇī, paṃ Vajreśvarī, phaṃ Kṣobhiṇī, baṃ Śākambharī, bhaṃ Anaṅgā, maṃ Lokeśvarī, yaṃ Raktā, raṃ Susthā, laṃ Śukrā, vaṃ Aparājitā, śaṃ Saṃvartā, ṣaṃ Vimalā, saṃ Aghorā, haṃ Bhairavī, laṃ Aghorā, kṣaṃ Sarvākarṣiṇī. Diese fünfzig Tripurās lege man an den Mātṛkā-Stellen mit namaḥ am Ende auf. [Die wiederholten Aghorā-Namen stehen so in der Vorlage.]

P2-0930 · Originalnummer 6
atha kāmaratinyāḥ |
aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ aṃ kāmaratibhyāṃ namaḥ |
sarvatra aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
namo'ntena mātṛkāsthāneṣu nyaset |
4 āṃ kāmaprītibhyām |
4 iṃ kāntakāminībhyām |
4 īṃ bhrāntamohinībhyām |
4 uṃ kāmadhukkamalābhyām |
4 ūṃ kāmacārivilāsinībhyām |
4 ṛṃ kandarpakalpalatābhyām |
4 ṝṃ komalaśyāmalābhyām |
4 ḷṃ kāmavarddhakaśucismitābhyām |
4 ḹṃ kāmavijayābhyām |
4 eṃ raṇaviśālākṣībhyām |
4 aiṃ ramaṇalelihābhyām |
4 oṃ ratināthadigambarābhyām |
4 aiṃ ratipriyaramābhyām |
4 aṃ rātrināthakubjikābhyāṃ |
4 aḥ smarakāntābhyāṃ |
4 kaṃ ramaṇasatyābhyām |
4 khaṃ niśācarakalyāṇībhyām |
4 gaṃ nandanabhoginībhyām |
4 ghaṃ nandīśakāmadābhyām |
4 ṅaṃ madanasulocanābhyām |
4 caṃ nandayitṛsvalāvaṇyābhyām |
4 chaṃ niśācaramardinībhyām |
4 jaṃ ratihaṃsakalahaṃsa- priyābhyāṃ |
4 jhaṃ puṣpagandhanvakāṃkṣiṇībhyām |
4 a ñaṃ māhadhanuḥsukhībhyām |
4 ṭaṃ grāmaṇīnalinībhyām |
4 ṭhaṃ bhīmajaṭinībhyām |
4 ḍaṃ bhrāmaṇajvālinībhyām |
4 ḍhaṃ bhramaṇaśikhinībhyām |
4 ṇaṃ śyāmamugdhābhyām |
4 taṃ bhrāmaṇaramābhyām |
4 thaṃ bhṛgubhramābhyām |
4 daṃ bhrāntakamalābhyām |
4 dhaṃ bhramāvahasucañcalābhyām |
4 naṃ mohanadīrghajihvābhyām |
4 paṃ meṣakamahāmatibhyām |
4 phaṃ mugdhalolākṣībhyām |
4 baṃ mohavarddhakabhṛṅginībhyām |
4 bhaṃ mohakacapeṭābhyām |
4 maṃ manmathanāthābhyām |
4 yaṃ mataṅgamālinībhyām |
4 raṃ bhṛṅgīśakalahaṃsinībhyām |
4 laṃ gāyakaviśvatomukhībhyām |
4 vaṃ gītigajanandikābhyām |
4 śaṃ nartakarañjinībhyām |
4 ṣaṃ meṣakāntibhyām |
4 saṃ unmattakalakaṇṭhābhyām |
4 haṃ saṃvartakavṛkodarībhyām |
4 laṃ meghaśyāmābhyām |
4 kṣaṃ vimalaśrīmatībhyām |
mātṛkāsthāneṣvetānnamo'ntānnyaset |
jñānārṇave:
nyasetkāmaratī paścātkāmaprīti maheśvari |
kāntaśca kāminīyukto bhrāntā vai mohinīyutaḥ |
kāmadhukkamalā tadvatkāmacāro vilāsinī |
kandarpaiḥ kalpalatayā komalaśyāmale tathā |
kāmavarddhakasaṃyuktā vijñeyā tu śucismitā |
kāmaśca vijayāyukto viśālākṣīyuto raṇaḥ |
ramaṇo lelihāyukto ratināthadigambare |
ratipriyarame caiva rātrināthaśca kubjikā |
smareṇa saṃyutā kāntā ramaṇaḥ satyayā yutaḥ |
niśācaraśca kalyāṇī nandano bhoginī tathā |
nandīśaḥ kāmadāyukto madanaśca sulocanā |
svalāvaṇyāyuto devi tathā nandayitā priye |
niśācaraśca mardinyā ratihaṃsastataḥ param |
kalahaṃsapriyāyuktaḥ puṣpadhanvā ca kāṃkṣiṇī |
mahādhanuśca sumukhī grāmaṇīrnalinīyutaḥ |
bhīmaśca jaṭinīyukto bhrāmaṇo jvālinīyutaḥ |
bhrāmaṇa śikhinīyukto śyāmamugdhe tataḥ param |
bhrāmaṇo ramayā yukto bhṛgurbhramā tataḥ param |
bhrāntaḥ kāmakalāyukto bhramāva'sucañcalā |
mohinī dīrghajihvā ca meṣakaśca mahāmatiḥ |
tathā mugdhaśca lolākṣī mohavarddhanabhṛṅginī |
mohakaśca capeṭā ca manmatho nāthayā yutaḥ |
mataṅgo mālinīyukto bhṛṅgīśaḥ kalahasinī |
gāyakena samāyuktastato vai viśvatomukhī |
gajanandikayā yukto gītiśca tadanantaram |
narttakaḥ saha rañjinyā meṣaḥ kāntisamanvitaḥ |
unmattaḥ kalakaṇṭhā ca saṃvarttakavṛkodarī |
meghaḥ śyāmānvito devi vimalaḥ śrīmatī priye |
mātṛkāṇarnyaseddevi mātṛkāsthāna eva ca
|| 6 ||

Nun der Nyāsa von Kāma und Rati: „aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ aṃ kāmaratibhyāṃ namaḥ“ — Verehrung Kāma und Rati. Überall lege man an den Mātṛkā-Stellen aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ voran und namaḥ ans Ende. Die vorangestellte 4 bezeichnet diese vier Bījas. Die weiteren Paare mit ihren Lauten sind: āṃ Kāma und Prīti; iṃ Kānta und Kāminī; īṃ Bhrānta und Mohinī; uṃ Kāmadhuk und Kamalā; ūṃ Kāmacārin und Vilāsinī; ṛṃ Kandarpa und Kalpalatā; ṝṃ Komala und Śyāmalā; ḷṃ Kāmavardhaka und Śucismitā; ḹṃ Kāma und Vijayā; eṃ Raṇa und Viśālākṣī; aiṃ Ramaṇa und Lelihā; oṃ Ratinātha und Digambarā; aiṃ Ratipriya und Ramā; aṃ Rātrinātha und Kubjikā; aḥ Smara und Kāntā; kaṃ Ramaṇa und Satyā; khaṃ Niśācara und Kalyāṇī; gaṃ Nandana und Bhoginī; ghaṃ Nandīśa und Kāmadā; ṅaṃ Madana und Sulocanā; caṃ Nandayitṛ und Svalāvaṇyā; chaṃ Niśācara und Mardinī; jaṃ Ratihaṃsa und Kalahaṃsapriyā; jhaṃ Puṣpagandhanvakāṃkṣiṇī [beschädigte Paarbildung der Vorlage; das Zitat liest Puṣpadhanvan und Kāṃkṣiṇī]; ñaṃ Māhadhanuḥ und Sukhī [Vorlage hat zusätzlich a vor ñaṃ]; ṭaṃ Grāmaṇī und Nalinī; ṭhaṃ Bhīma und Jaṭinī; ḍaṃ Bhrāmaṇa und Jvālinī; ḍhaṃ Bhramaṇa und Śikhinī; ṇaṃ Śyāma und Mugdhā; taṃ Bhrāmaṇa und Ramā; thaṃ Bhṛgu und Bhramā; daṃ Bhrānta und Kamalā; dhaṃ Bhramāvaha und Sucañcalā; naṃ Mohana und Dīrghajihvā; paṃ Meṣaka und Mahāmati; phaṃ Mugdha und Lolākṣī; baṃ Mohavardhaka und Bhṛṅginī; bhaṃ Mohaka und Capeṭā; maṃ Manmatha und Nāthā; yaṃ Mataṅga und Mālinī; raṃ Bhṛṅgīśa und Kalahaṃsinī; laṃ Gāyaka und Viśvatomukhī; vaṃ Gīti und Gajanandikā; śaṃ Nartaka und Rañjinī; ṣaṃ Meṣa und Kānti; saṃ Unmatta und Kalakaṇṭhā; haṃ Saṃvartaka und Vṛkodarī; laṃ Megha und Śyāmā; kṣaṃ Vimala und Śrīmatī. Diese lege man an den Mātṛkā-Stellen mit namaḥ am Ende auf. [aiṃ bei Ratipriya sowie die beschädigten und abweichenden Namensformen bleiben ausdrücklich ausgewiesen.] Im Jñānārṇava: Danach lege man Kāma und Rati auf, Kāma und Prīti, o Maheśvarī; Kānta mit Kāminī, Bhrānta mit Mohinī; ebenso Kāmadhuk und Kamalā, Kāmacāra und Vilāsinī; Kandarpa mit Kalpalatā, ebenso Komala und Śyāmalā. Śucismitā ist als mit Kāmavardhaka verbunden zu erkennen; Kāma mit Vijayā, Raṇa mit Viśālākṣī; Ramaṇa mit Lelihā, Ratinātha und Digambarā; Ratipriya und Ramā, Rātrinātha und Kubjikā; Kāntā mit Smara, Ramaṇa mit Satyā; Niśācara und Kalyāṇī, Nandana und Bhoginī; Nandīśa mit Kāmadā, Madana und Sulocanā; ebenso Nandayitṛ mit Svalāvaṇyā, o Göttin, o Liebe; Niśācara mit Mardinī, unmittelbar danach Ratihaṃsa mit Kalahaṃsapriyā; Puṣpadhanvan und Kāṃkṣiṇī; Mahādhanu und Sumukhī, Grāmaṇī mit Nalinī; Bhīma mit Jaṭinī, Bhrāmaṇa mit Jvālinī; Bhrāmaṇa mit Śikhinī, danach Śyāma und Mugdhā; Bhrāmaṇa mit Ramā, danach Bhṛgu und Bhramā; Bhrānta mit Kāmakalā, Bhramāva[ha; Wort beschädigt] und Sucañcalā; Mohinī und Dīrghajihvā, Meṣaka und Mahāmati; ebenso Mugdha und Lolākṣī, Mohavardhana und Bhṛṅginī; Mohaka und Capeṭā, Manmatha mit Nāthā; Mataṅga mit Mālinī, Bhṛṅgīśa und Kalahasinī; danach Viśvatomukhī mit Gāyaka; unmittelbar danach Gīti mit Gajanandikā; Nartaka mit Rañjinī, Meṣa mit Kānti; Unmatta und Kalakaṇṭhā, Saṃvartaka und Vṛkodarī; Megha mit Śyāmā, o Göttin, Vimala und Śrīmatī, o Liebe. Man lege die Mātṛkās gerade an den Mātṛkā-Stellen auf, o Göttin. [Abweichungen des Zitats gegenüber der vorangehenden Liste, insbesondere Sumukhī, Kāmakalā und Mohinī, werden beibehalten.]

P2-0931 · Originalnummer 7
atha ṣoḍaśanityānyāsaḥ |
jñānārṇave:
prathamo sundarī nityā mahātripurasundarī |
kāmeśvarī samākhyātā tathaiva bhagamālinī |
nityaklinnāḥ ca bheruṇḍā tathaiva vahnivāsinī |
vajreśvarī ca dūtī ca tvaritā kulasundarī |
nityā nīlapatākā ca vijayā sarvamaṅgalā |
jvālāmālā vicitrāntāḥ pañcadaśa prakīrtitāḥ |
etāsāṃ mantrā jñānārṇave:
śṛṇu devi pravakṣyāmi nityāmantramanuttamam |
bālāntārañca hṛtprānte kāmeśvaripadaṃ vadet |
icchākāmaphalaprānte prade sarvapadaṃ vadet |
tataḥ sattvavaśaṃ brūyātkari sarvajagatpadam |
kṣobhaṇānte kari brūyāt huṃkāratrayamālikhet |
pañca bāṇān samālikhya saṃhāreṇa kumārikām |
eṣā kāmeśvarī nityā prasaṅgātkathitā śive |
vāgbhavaṃ bhagaśabdānte bhage bhagini cālikhet |
bhagodari bhagāṅge ca bhagamāle bhagāvahe |
bhagaguhye bhagaprānte yoniprānte bhagāntike |
nipātinī ca sarvānte tato bhagavaśaṅkari |
bhagarūpe tato lekhyaṃ nīrajāyatalocane |
nityaklinne bhagaprānte svarūpe sarvamālikhet |
bhagāni me hyānayānte varade'tha samālikhet |
rete surete ca bhagaklinne klinnadrave tataḥ |
kledaya drāvayātho ca sarvasattvān bhageśvari |
amoghe bhagavicche ca kṣubha kṣobhaya sarvaṃ ca |
sattvān bhageśvari brūyādvāgbhavaṃ blūṃ jamādikam |
bheṃ blūṃ moṃ heṃ blūṃ klinne ca tataḥ param |
sarvāṇi ca bhagānyante me vaśañcānayeti ca |
strī bījañca haraprānte vedamātmakamakṣaram |
bhuvaneśīṃ samālikhya vidyeyaṃ bhagamālinī |
parābījaṃ samuccārya nityaklinne madadrave |
agnijāyānvito mantro nityaklinneyamīritā praṇavaṃ pūrvamuccārya
tathāṅkuśayugaṃ vadet |
tanmadhye vilikheddevi bharomātmakamakṣaraṃ |
cavargamantyahīnantu vilikhedvahnisaṃsthitam |
caturdaśasvaropetaṃ vindunādānvitaṃ pṛthak |
vahnijāyānvitā vidyā bheruṇḍā devatā bhavet
|| 7 ||

Nun der Nyāsa der sechzehn Nityās. Im Jñānārṇava: Die erste ist Sundarī-Nityā, Mahātripurasundarī; Kāmeśvarī wird genannt, ebenso Bhagamālinī, Nityaklinnā, Bheruṇḍā, ebenso Vahnivāsinī, Vajreśvarī, Dūtī, Tvaritā, Kulasundarī, Nityā, Nīlapatākā, Vijayā, Sarvamaṅgalā, Jvālāmālā und zuletzt Vicitrā. Die fünfzehn [außer der ersten] werden so erklärt. Ihre Mantras stehen im Jñānārṇava: Höre, o Göttin; ich will den unübertrefflichen Nityā-Mantra erklären. Bālā, Tāra und Hṛd, danach das Wort „kāmeśvari“; nach „icchākāmaphala“ sage „prade“, dann „sarvasattvavaśaṅkari“, dann „sarvajagatkṣobhaṇakari“ — O Kāmeśvarī, die die Frucht von Wunsch und Begehren gewährt, alle Wesen dem eigenen Willen unterwirft und die ganze Welt erschüttert. Schreibe dreimal huṃ, die fünf Pfeile und Kumārikā in der Auflösungsfolge. Dies ist Kāmeśvarī-Nityā, die bei dieser Gelegenheit erklärt ist, o Śivā. Nach Vāgbhava schreibe „bhagabhage bhagini bhagodari bhagāṅge bhagamāle bhagāvahe bhagaguhye bhagayoni bhaganipātini sarvabhagavaśaṅkari bhagarūpe“ — O Schoß im Schoß, o Schwester, o deren Bauch der Schoß ist, o deren Glieder der Schoß sind, o mit der Girlande der Schöße, o die den Schoß trägt, o Geheimnis des Schoßes, o Schoß-Yoni, o in den Schoß Niederfallende, o die alle Schöße ihrem Willen unterwirft, o von der Gestalt des Schoßes. O mit weiten Lotusaugen, dann schreibe „nityaklinne bhagasvarūpe sarvabhagāni me hyānaya varade rete surete bhagaklinne klinnadrave kledaya drāvaya sarvasattvān bhageśvari amoghe bhagavicche kṣubha kṣobhaya sarvasattvān bhageśvari“ — O ewig Feuchte, o deren eigene Gestalt der Schoß ist, bringe mir alle Schöße, o Gabenspenderin, o Samen, o guter Samen, o im Schoß Feuchte, o feucht Zerfließende, befeuchte und verflüssige alle Wesen, o Herrin des Schoßes, o Unfehlbare, o [„bhagavicche“, unsicher: den Schoß Spaltende], rege dich, erschüttere alle Wesen, o Herrin des Schoßes. Dann Vāgbhava, blūṃ und jaṃ; bheṃ blūṃ moṃ heṃ blūṃ; danach „klinne sarvāṇi bhagāni me vaśamānaya“ — O Feuchte, bringe alle Schöße unter meinen Willen. Schreibe das Strī-Bīja, nach hara den seinem Wesen nach Vedamātṛ genannten Laut und Bhuvaneśī: Diese Vidyā ist Bhagamālinī. Nachdem man das Parā-Bīja ausgesprochen hat, [folgt] „nityaklinne madadrave“ — O ewig Feuchte, o im Rausch Zerfließende —; mit der Gattin des Feuers, svāhā, verbunden heißt dieser Mantra Nityaklinnā. Zuerst spreche man den Praṇava und das Stachel-Bīja zweimal. Zwischen beide schreibe man den aus bha, ra und o gebildeten Laut, o Göttin. Die ca-Gruppe ohne ihren letzten Laut schreibe man jeweils auf Feuer, mit dem vierzehnten Vokal sowie Bindu und Nāda verbunden. Mit der Gattin des Feuers verbunden ist dies die Vidyā; ihre Gottheit ist Bheruṇḍā. [Die verschlüsselte Lautbildung „bharomātmaka“ und einzelne Formen der Bhagamālinī-Ableitung weichen von der später vollständig ausgeschriebenen Mantrafolge ab. „Bhaga“ hat zugleich die Bedeutungen Schoß/Vulva und glückverheißende Fülle; der körperliche Sinn der Anrufung wird hier bewahrt.]

P2-0932 · Originalnummer 7ka
parāṃ vilikhya vahnyante vāsinyai nama ityapi |
aṣṭārṇo'yaṃ maheśāni devatā vahnivāsinī |
praṇavaṃ bhuvaneśānīṃ pharemātmakamakṣaram |
savisargaḥ śaśī paścānnityaklinne madadrave |
vahnijāyānvitā vidyā sarvaiśvaryaṃpradāyinī |
caturdaśākṣarī vidyā jñeyā vajreśvarī tathā |
parābījaṃ samuccārya śivadūtī ca ṅeyutā |
hṛdanto'yaṃ manurdevi dūtī sarvasamṛddhidā |
oṃkārabījamuccārya parāṃ kavacamālikhet |
khecachekṣaṃ samālikhya śrībījañca samālikhet |
huṃkāraṃ kṣe parā cāstraṃ vidyeyaṃ tvaritā bhavet |
sarvasiṃhāsanamayī bālaiva kulasundarī |
bālayā puṭitāṃ kuryāttathā vai nityabhairavīm |
pañcabāṇāṃśca deveśi nityā śakrākṣarī bhavet |
athavā:
pañcākṣarī bāṇabījairnityeyamaparā bhavet |
praṇavaṃ bhuvaneśānīṃ pharemātmakamakṣaram |
blūmātmakaṃ dvitīyantu bhuvaneśyaṃkuśaṃ tataḥ |
nityaśabdaṃ samuddhṛtya sambodhyā ca madadravā |
kavacaṃ cāṅkuśaṃ māyā nityā nīlapatākinī |
vāntaṃ kālasamāyuktaṃ rephaṃ śakrasvarānvitam |
vindunādāṅkitaṃ devi vidyeyaṃ vijayā bhavet |
yadvā:
vāntaṃ kālāgnivāyuśca śakrasvaravibhūṣitaḥ |
nādavindukalāyukto vidyeyaṃ vijayā bhavet |
candraṃ varuṇasaṃyuktaṃ tārasthañca samālikhet |
caturthyantaṃ tato devi vilikhetsarvamaṅgalām |
hṛdanto'yaṃ manurdevi nityeyaṃ sarvamaṅgalā |
tāraṃ hṛdbhagavatyante jvālāmālinī devi ca |
dviruccārya ca sarvānte bhūtasaṃhārike |
jātavedasi saṃlikhya jvalantipadayugmakam |
jvaleti prajvaladvandvaṃ huṃkāratrayamālikhet |
vahnibījatrayaṃ kūrcamantraṃ svāhānvito manuḥ |
iyaṃ nityā mahādevi jvālāmālinikā parā |
kavargāntaṃ svarāntañca śakrasvaravibhūṣitam |
vindunādakalākrāntaṃ vicitrā parameśvarī |
akārādiṣu sarveṣu svareṣu kramato yajet |
aḥ svare parameśāni śrīvidyāṃ viśvamātṛkām |
svaravadvinyasedvidyāṃ nīrajāyatalocane |
etāḥ ṣoḍaśasvaranyāsasthāneṣu vinyaset
|| 7ka ||

Schreibe Parā, danach „vahnivāsinyai namaḥ“ — Verehrung der im Feuer Wohnenden. Dieser [Mantra] hat acht Laute, o Maheśānī; seine Gottheit ist Vahnivāsinī. Praṇava, Bhuvaneśānī, der aus pha, ra und e gebildete Laut, danach Candra mit Visarga, „nityaklinne madadrave“ — O ewig Feuchte, o im Rausch Zerfließende — und die Gattin des Feuers: Diese Vidyā gewährt alle Herrscherfülle. Als vierzehnsilbig ist die Vajreśvarī-Vidyā zu erkennen. Man spreche das Parā-Bīja, dann Śivadūtī mit Dativendung und Hṛd am Ende: Dieser Mantra, o Göttin, ist Dūtī, die allen Überfluss gewährt. Man spreche oṃ, schreibe Parā und den Schutzpanzer, dann „khecachekṣaṃ“, das Śrī-Bīja, huṃ, kṣe, Parā und die Waffe: Diese Vidyā ist Tvaritā. Die sämtliche Löwenthrone verkörpernde Bālā selbst ist Kulasundarī. Man umschließe ebenso Nityābhairavī mit Bālā und den fünf Pfeilen, o Herrin der Götter: Nityā hat die durch Śakra bezeichnete Silbenzahl. Oder: Eine andere Nityā ist fünfsilbig, bestehend aus den Pfeil-Bījas. Praṇava, Bhuvaneśānī, der aus pha, ra und e gebildete Laut; als zweites blūṃ, dann Bhuvaneśī und der Stachel. Man leite das Wort „nitye“ ab, dann die Anrede „madadrave“, Schutzpanzer, Stachel und Māyā: Dies ist Nityā Nīlapatākinī. Das Ende von va, verbunden mit Kāla und r, versehen mit dem Vokal Śakras und gezeichnet mit Bindu und Nāda, o Göttin: Diese Vidyā ist Vijayā. Oder: Das Ende von va, Kāla, Feuer und Wind, geschmückt mit dem Vokal Śakras und mit Nāda, Bindu und Kalā verbunden: Diese Vidyā ist Vijayā. Schreibe Candra mit Varuṇa, auf Tāra stehend; danach, o Göttin, Sarvamaṅgalā mit Dativendung und Hṛd am Ende. Dieser Mantra, o Göttin, ist Nityā Sarvamaṅgalā. Tāra, Hṛd, dann „bhagavati“; zweimal „jvālāmālini devi“, dann „sarvabhūtasaṃhārike jātavedasi“, zweimal „jvalanti“, „jvala“, zweimal „prajvala“, dreimal huṃ, dreimal das Feuer-Bīja, der Kūrca-Mantra und svāhā: O erhabene Göttin, o Flammengirlanden tragende Göttin, o Flammengirlanden tragende Göttin, o Vernichterin aller Wesen, o Jātavedas, o Lodernde, Lodernde, lodere, flamme auf, flamme auf! Diese Nityā, o große Göttin, ist die höchste Jvālāmālinikā. Das Ende der ka-Gruppe und das Ende der Vokale, geschmückt mit dem Vokal Śakras und von Bindu, Nāda und Kalā durchdrungen: Dies ist Vicitrā, die höchste Herrin. Man verehre [sie] der Reihe nach bei sämtlichen mit a beginnenden Vokalen. Beim Vokal aḥ, o Parameśānī, [verehre man] Śrīvidyā, die Weltmutter. Wie die Vokale lege man die Vidyā auf, o mit weiten Lotusaugen. Diese lege man an den Nyāsa-Stellen der sechzehn Vokale auf. [Die verschlüsselten Angaben werden nicht still an die folgende ausgeschriebene Mantrafassung angeglichen.]

P2-0933 · Originalnummer 8
mantro yathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ aiṃ klīṃ sauḥ oṃ namaḥ kāmeśvari
icchākāmaphalaprade sarvasattvavaśaṅkari sarvajagatkṣobhaṇakari huṃ
huṃ huṃ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ sauḥ klīṃ aiṃ
kāmeśvarīnityākalāyai namaḥ (1) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ āṃ aiṃ bhagabhage bhagini bhagodari bhagāṅge
bhagamāle bhagāvahe bhagaguhye bhagayoni bhaganipātini
sarvabhagavaśaṅkari bhagarūpe nityaklinne bhagasvarūpe sarvabhagāni
me hyānaya varade rete surete bhagaklinne klinnadrave kledaya drāvaya
sarvasattvān bhageśvari amoghe bhagavicche kṣubha kṣobhaya
sarvasattvān bhageśvari aiṃ blūṃ jaṃ bheṃ blūṃ moṃ blūṃ heṃ
blūṃ klinne sarvāṇi bhagāni me vaśamānaya strīṃ hara blauṃ hrīṃ
bhagamālinīnityākalāyai namaḥ (2) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ haṃ hrīṃ nityaklinne madadrave svāhā
nityaklinnānityākalāyai namaḥ (3) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ īṃ oṃ kroṃ kroṃ drauṃ crauṃ chrauṃ jrauṃ
jhrauṃ svāhā bheruṇḍānityākalāyai namaḥ (4) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ uṃ hrīṃ vahnivāsinyai namaḥ vahnivāsinī -
nityākalāyai namaḥ (5) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ ūṃ oṃ hrīṃ phreṃ saḥ nityaklinne madadrave
svāhā vajreśvarīnityākalāyai namaḥ ( 6) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ ṛṃ hrīṃ śivadūtyai namaḥ dṛtīnityākalāyai namaḥ
(7) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ ṝṃ oṃ hrīṃ huṃ khecachekṣa strīṃ hūṃ kṣe
hrīṃ phaṭ tvaritānityākalāyai namaḥ (8) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ ḷṃ aiṃ klīṃ sauḥ kulasundarīnityākalāyai namaḥ
(9) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ ḹṃ aiṃ klīṃ sauḥ ha sa ka ra ḍaiṃ ha sa ka la ra
ḍīṃ ha sa ka la ra ḍauḥ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ sauḥ klīṃ aiṃ
vimalanityākalāyai namaḥ |
athavā aiṃ hrīṃ śrīṃ ḹṃ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ
vimalānityākalāyai namaḥ (10) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ eṃ oṃ hrīṃ phreṃ blūṃ āṃ hrīṃ kroṃ nitye
madadrave huṃ kroṃ hrīṃ nīlapatākinī nityākalāyai namaḥ (11) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ bhmrauṃ vijayānityākalāyai namaḥ |
athavā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ bhmtryauṃ vijayetyādi (12) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ oṃ svoṃ sarvamaṅgalāyai namaḥ
sarvamaṅgalānityākalāyai namaḥ (13) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ auṃ oṃ namo bhagavati jvālamālini devi
jvālāmālini devi sarvabhūtasaṃhārakārike jātavedasi jvalanti jvalanti
jvala prajvala prajvala huṃ huṃ huṃ raṃ raṃ raṃ huṃ phaṭ svāhā
jvālāmālinīnityākalāyai namaḥ (14) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ caṃ kauṃ vicitrānityākalāyai namaḥ (15) |
aiṃ hrīṃ śrīṃ aḥ mūlavidyāmuccārya
śrīmahātripurasundarīnityākalāyai namaḥ (16) |
yadvā aiṃ hrīṃ śrīṃ aḥ oṃ kāmeśvarīnityākalāyai namaḥ |
iti ṣoḍaśanityā nyaset |
asmin kāle vā sṛṣṭisthitinyāsaḥ |
iti ṣoḍaśamityānyāsaḥ |
atha prakaṭayoginīnyāsaḥ:
mūlādhāre aiṃ hrīṃ śrīṃ prakaṭayoginībhyo namaḥ |
svādhiṣṭhāne 3 guptayoginībhyo namaḥ |
nābhau 3 guptatarayoginībhyo namaḥ |
hṛdaye 3 sampradāyayoginībhyo namaḥ |
kaṇṭhe 3 kulakaulinīyoginībhyo namaḥ |
bhrūmadhye 3 nigarvayoginībhyo namaḥ |
nāde 3 rahasyayoginībhyo namaḥ |
nādānte 3 atirahasyayoginībhyo namaḥ |
brahmarandhre 3 paramātirahasyayoginībhyo namaḥ
|| 8 ||

Die Mantras lauten: (1) „aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ aiṃ klīṃ sauḥ oṃ namaḥ kāmeśvari icchākāmaphalaprade sarvasattvavaśaṅkari sarvajagatkṣobhaṇakari huṃ huṃ huṃ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ sauḥ klīṃ aiṃ kāmeśvarīnityākalāyai namaḥ“ — Verehrung dir, o Kāmeśvarī, die die Frucht von Wunsch und Begehren gewährt, alle Wesen ihrem Willen unterwirft und die ganze Welt erschüttert! Verehrung der ewigen Kalā Kāmeśvarī. (2) „aiṃ hrīṃ śrīṃ āṃ aiṃ bhagabhage bhagini bhagodari bhagāṅge bhagamāle bhagāvahe bhagaguhye bhagayoni bhaganipātini sarvabhagavaśaṅkari bhagarūpe nityaklinne bhagasvarūpe sarvabhagāni me hyānaya varade rete surete bhagaklinne klinnadrave kledaya drāvaya sarvasattvān bhageśvari amoghe bhagavicche kṣubha kṣobhaya sarvasattvān bhageśvari aiṃ blūṃ jaṃ bheṃ blūṃ moṃ blūṃ heṃ blūṃ klinne sarvāṇi bhagāni me vaśamānaya strīṃ hara blauṃ hrīṃ bhagamālinīnityākalāyai namaḥ“ — O Schoß im Schoß, o Schwester, o deren Bauch der Schoß ist, o deren Glieder der Schoß sind, o mit der Girlande der Schöße, o die den Schoß trägt, o Geheimnis des Schoßes, o Schoß-Yoni, o in den Schoß Niederfallende, o die alle Schöße ihrem Willen unterwirft, o von der Gestalt des Schoßes, o ewig Feuchte, o deren eigenes Wesen der Schoß ist: Bringe mir alle Schöße, o Gabenspenderin, o Samen, o guter Samen, o im Schoß Feuchte, o feucht Zerfließende! Befeuchte, verflüssige alle Wesen, o Herrin des Schoßes, o Unfehlbare, o [unsicher: den Schoß Spaltende]; rege dich, erschüttere alle Wesen, o Herrin des Schoßes! O Feuchte, bringe alle Schöße unter meinen Willen. Verehrung der ewigen Kalā Bhagamālinī. (3) „aiṃ hrīṃ śrīṃ haṃ hrīṃ nityaklinne madadrave svāhā nityaklinnānityākalāyai namaḥ“ — O ewig Feuchte, o im Rausch Zerfließende, svāhā; Verehrung der ewigen Kalā Nityaklinnā. (4) „aiṃ hrīṃ śrīṃ īṃ oṃ kroṃ kroṃ drauṃ crauṃ chrauṃ jrauṃ jhrauṃ svāhā bheruṇḍānityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Bheruṇḍā. (5) „aiṃ hrīṃ śrīṃ uṃ hrīṃ vahnivāsinyai namaḥ vahnivāsinīnityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der im Feuer Wohnenden; Verehrung der ewigen Kalā Vahnivāsinī. (6) „aiṃ hrīṃ śrīṃ ūṃ oṃ hrīṃ phreṃ saḥ nityaklinne madadrave svāhā vajreśvarīnityākalāyai namaḥ“ — O ewig Feuchte, o im Rausch Zerfließende, svāhā; Verehrung der ewigen Kalā Vajreśvarī. (7) „aiṃ hrīṃ śrīṃ ṛṃ hrīṃ śivadūtyai namaḥ dṛtīnityākalāyai namaḥ“ — Verehrung Śivas Botin; Verehrung der ewigen Kalā Dūtī [Vorlage „dṛtī“]. (8) „aiṃ hrīṃ śrīṃ ṝṃ oṃ hrīṃ huṃ khecachekṣa strīṃ hūṃ kṣe hrīṃ phaṭ tvaritānityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Tvaritā. (9) „aiṃ hrīṃ śrīṃ ḷṃ aiṃ klīṃ sauḥ kulasundarīnityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Kulasundarī. (10) „aiṃ hrīṃ śrīṃ ḹṃ aiṃ klīṃ sauḥ ha sa ka ra ḍaiṃ ha sa ka la ra ḍīṃ ha sa ka la ra ḍauḥ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ sauḥ klīṃ aiṃ vimalanityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Vimala. Oder „aiṃ hrīṃ śrīṃ ḹṃ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ vimalānityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Vimalā. (11) „aiṃ hrīṃ śrīṃ eṃ oṃ hrīṃ phreṃ blūṃ āṃ hrīṃ kroṃ nitye madadrave huṃ kroṃ hrīṃ nīlapatākinīnityākalāyai namaḥ“ — O Ewige, o im Rausch Zerfließende; Verehrung der ewigen Kalā Nīlapatākinī. (12) „aiṃ hrīṃ śrīṃ bhmrauṃ vijayānityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Vijayā. Oder „aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ bhmtryauṃ vijayā“ und so weiter. (13) „aiṃ hrīṃ śrīṃ oṃ svoṃ sarvamaṅgalāyai namaḥ sarvamaṅgalānityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der Allheilvollen; Verehrung der ewigen Kalā Sarvamaṅgalā. (14) „aiṃ hrīṃ śrīṃ auṃ oṃ namo bhagavati jvālāmālini devi jvālāmālini devi sarvabhūtasaṃhārakārike jātavedasi jvalanti jvalanti jvala prajvala prajvala huṃ huṃ huṃ raṃ raṃ raṃ huṃ phaṭ svāhā jvālāmālinīnityākalāyai namaḥ“ — Verehrung dir, o erhabene Göttin, o Flammengirlanden tragende Göttin, o Flammengirlanden tragende Göttin, o die die Auflösung aller Wesen bewirkt, o Jātavedas, o Lodernde, Lodernde: Lodere, flamme auf, flamme auf! Verehrung der ewigen Kalā Jvālāmālinī. (15) „aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ caṃ kauṃ vicitrānityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Vicitrā. (16) Nach „aiṃ hrīṃ śrīṃ aḥ“ spreche man die Grund-Vidyā, dann „śrīmahātripurasundarīnityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Śrīmahātripurasundarī. Oder „aiṃ hrīṃ śrīṃ aḥ oṃ kāmeśvarīnityākalāyai namaḥ“ — Verehrung der ewigen Kalā Kāmeśvarī. So lege man die sechzehn Nityās auf. Zu diesem Zeitpunkt kann auch der Schöpfungs- und Bewahrungs-Nyāsa erfolgen. Damit endet der Nyāsa der sechzehn Nityās. [Die Bīja-Abweichungen der Vorlage, insbesondere haṃ in Nr. 3, Vimala/Vimalā in Nr. 10 und die ungewöhnlichen Laute in Nr. 12, werden bewahrt.] Nun der Nyāsa der offenbaren Yoginīs: Am Mūlādhāra „aiṃ hrīṃ śrīṃ prakaṭayoginībhyo namaḥ“ — Verehrung den offenbaren Yoginīs. Mit denselben drei Bījas: Am Svādhiṣṭhāna „guptayoginībhyo namaḥ“ — den verborgenen Yoginīs; am Nabel „guptatarayoginībhyo namaḥ“ — den noch stärker verborgenen; am Herzen „sampradāyayoginībhyo namaḥ“ — denen der Überlieferung; am Hals „kulakaulinīyoginībhyo namaḥ“ — den Kula-Kaulinī-Yoginīs; zwischen den Brauen „nigarvayoginībhyo namaḥ“ — den Nigarva-Yoginīs [so die Vorlage]; am Nāda „rahasyayoginībhyo namaḥ“ — den geheimen; am Ende des Nāda „atirahasyayoginībhyo namaḥ“ — den höchst geheimen; an der Brahmā-Öffnung „paramātirahasyayoginībhyo namaḥ“ — den höchsten, überaus geheimen Yoginīs.

P2-0934 · Originalnummer 9
atha āyudhanyāsaḥ:
drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ śāṃ dhaṃ
sammohanāya kāmeśvaradhanuṣe namaḥ |
yāṃ 5 drāṃ 5 thaṃ sammohanāya kāmeśvarīdhanuṣe namaḥ |
etaddvayaṃ svavāmādhohaste |
drāṃ 5 yāṃ 5 jaṃ jambhalebhyaḥ kāmeśvarabāṇebhyo namaḥ |
yāṃ 5 drāṃ 5 jaṃ jambhalebhyaḥ kāmeśvarī vāṇebhyo namaḥ |
etaddvayaṃ dakṣiṇādhaḥkare |
drāṃ 5 yāṃ 5 āṃ vaśīkaraṇāya kāmeśvarapāśāya namaḥ |
drāṃ 5 yāṃ 5 hrīṃ vaśīkaraṇāya kāmeśvarīpāśāya namaḥ |
etaddvayaṃ vāmordhvahaste |
drāṃ 5 yāṃ 5 kroṃ sarvastambhanāya kāmeśvarāṅkuśāya namaḥ
|
drāṃ 5 yāṃ 5 sarvastambhanāya kāmeśvaryaṅkuśāya namaḥ |
etaddvayaṃ dakṣordhve |
iti tu vakṣyamāṇakrameṇa kāmakalā dhyātvā nyaset |
tathā ca jñānārṇave:
evaṃ kāmakalārūpaṃ devatāmayamātmanaḥ |
vapurvicintya śivayorāyudhanyāsamācaret |
tathā ca:
drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ ityete kāmabāṇāḥ prakīrtitāḥ |
yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ śām idaṃ kāmeśvarībāṇapañcakam |
drādīni paścādyādīni dhaṃ sammohanaśabdataḥ |
ṅe'ntātkāmeśvaradhanurṅe'ntaṃ namo'ntamuddharet |
anena ca svavāmādhohaste sandhārayeddhanuḥ |
yādidrādīni thaṃ ṅe'ntasammohanapadopari |
kāmeśvarīdhanurṅe'ntaṃ namo'ntamityadhaḥkare |
vāme devyāstathā mantrī dhārayedaikṣavaṃ dhanuḥ |
drādiyādīni jaṃ jambhalebhyaḥ kāmeśvarapadāntike |
vāṇebhyo nama ityantaṃ dakṣiṇādhaḥkare nije |
śaivānpravinyasedvāṇān pauṣpānsādhakasattamaḥ |
yādidrādīni jaṃ jambhalebhyaḥ kāmeśvarīpadāttataḥ |
bāṇebhyonama ityetān dakṣiṇādhaḥ kare nije |
devyāḥ pravinyasedvāṇān pauṣpāniti ca sādhakaḥ |
drādiyādīni bhūyo'pi mukhavṛttaṃ savindukam |
syādvaśīkaraṇāyeti kāmeśvarapadaṃ tataḥ |
pāśāya nama ityevaṃ vāmordhve vinyasetkare |
yādidrādīni gaganaṃ vahnivāmākṣivindumat |
syādvaśīkaraṇāyeti tataḥ kāmeśvarīti ca |
pāśāya nama ityevaṃ vāmordhve vinyasetkare
|| 9 ||

Nun der Waffen-Nyāsa: „drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ śāṃ dhaṃ sammohanāya kāmeśvaradhanuṣe namaḥ“ — Verehrung dem Bogen Kāmeśvaras zur Verzauberung. „yāṃ [fünf] drāṃ [fünf] thaṃ sammohanāya kāmeśvarīdhanuṣe namaḥ“ — Verehrung dem Bogen Kāmeśvarīs zur Verzauberung. Diese beiden [lege man] auf die eigene untere linke Hand. „drāṃ [fünf] yāṃ [fünf] jaṃ jambhalebhyaḥ kāmeśvarabāṇebhyo namaḥ“ — Verehrung den Jambhalas, den Pfeilen Kāmeśvaras; „yāṃ [fünf] drāṃ [fünf] jaṃ jambhalebhyaḥ kāmeśvarībāṇebhyo namaḥ“ — Verehrung den Jambhalas, den Pfeilen Kāmeśvarīs. Diese beiden auf die untere rechte Hand. „drāṃ [fünf] yāṃ [fünf] āṃ vaśīkaraṇāya kāmeśvarapāśāya namaḥ“ — Verehrung der Schlinge Kāmeśvaras zur Unterwerfung; „drāṃ [fünf] yāṃ [fünf] hrīṃ vaśīkaraṇāya kāmeśvarīpāśāya namaḥ“ — Verehrung der Schlinge Kāmeśvarīs zur Unterwerfung. Diese beiden auf die obere linke Hand. „drāṃ [fünf] yāṃ [fünf] kroṃ sarvastambhanāya kāmeśvarāṅkuśāya namaḥ“ — Verehrung dem Stachel Kāmeśvaras zur Stillstellung von allem; „drāṃ [fünf] yāṃ [fünf] sarvastambhanāya kāmeśvaryāṅkuśāya namaḥ“ — Verehrung dem Stachel Kāmeśvarīs zur Stillstellung von allem. Diese beiden auf die obere rechte [Hand]. [Die Zahl 5 bezeichnet jeweils die fünfgliedrige, zuvor genannte drāṃ- oder yāṃ-Reihe; die letzte Formel enthält in der Prosa kein kroṃ.] Man lege sie auf, nachdem man Kāmakalā in der noch zu beschreibenden Reihenfolge meditiert hat. So im Jñānārṇava: Nachdem man den eigenen Leib so in Kāmakalā-Gestalt und aus der Gottheit bestehend vergegenwärtigt hat, vollziehe man den Waffen-Nyāsa Śivas und Śaktis. So heißt es: drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ werden als Kāmas Pfeile erklärt. yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ śāṃ bilden die fünf Pfeile Kāmeśvarīs. Die drāṃ-Reihe, danach die yāṃ-Reihe, dhaṃ, „sammohanāya“, dann „kāmeśvaradhanuṣe“ im Dativ und namaḥ am Ende: Damit halte man den Bogen in der eigenen unteren linken Hand. Die yāṃ-Reihe, die drāṃ-Reihe, thaṃ, dann „sammohanāya kāmeśvarīdhanuṣe namaḥ“: In der unteren linken Hand halte der Mantra-Kundige ebenso den Zuckerrohrbogen der Göttin. Die drāṃ-Reihe, die yāṃ-Reihe, jaṃ, „jambhalebhyaḥ“, nach dem Wort Kāmeśvara „bāṇebhyo namaḥ“: In der eigenen unteren rechten Hand lege der beste Sādhaka die Blütenpfeile Śivas auf. Die yāṃ-Reihe, die drāṃ-Reihe, jaṃ, „jambhalebhyaḥ“, nach dem Wort Kāmeśvarī „bāṇebhyo namaḥ“: Diese Blütenpfeile der Göttin lege der Sādhaka in der eigenen unteren rechten Hand auf. Wieder die drāṃ-Reihe und die yāṃ-Reihe, der Gesichtsumfang mit Bindu, dann „vaśīkaraṇāya kāmeśvarapāśāya namaḥ“: So lege man [die Schlinge] auf die obere linke Hand. Die yāṃ-Reihe, die drāṃ-Reihe, Raum mit Feuer, linkem Auge und Bindu, dann „vaśīkaraṇāya kāmeśvarīpāśāya namaḥ“: So lege man sie auf die obere linke Hand. [Die Reihenfolge der Bīja-Gruppen in der zweiten Schlingenformel weicht im Zitat von der Prosa ab; „jambhalebhyaḥ“ ist im Kontext als besondere Bezeichnung der Pfeile nicht erklärt.]

P2-0935 · Originalnummer 9ka
drādiyādīni kroṃ sarvastambhanāya padaṃ tataḥ |
kāmeśvarapadātpaścādaṅkuśāya namo likhet |
dakṣiṇordhvakare śaivaṃ vinyasedaṅkuśaṃ tataḥ |
yādidrādīni kroṃ sarvastambhanāya tataḥ param |
kāmeśvarīpadādūrdhvamaṅkuśāya namo likhet |
dakṣiṇordhvakare devyā vinyasedaṅkuśaṃ tataḥ
|| 9ka ||

Die drāṃ-Reihe und die yāṃ-Reihe, kroṃ, danach „sarvastambhanāya“ und nach Kāmeśvara „aṅkuśāya namaḥ“: Dann lege man den Stachel Śivas auf die obere rechte Hand. Die yāṃ-Reihe und die drāṃ-Reihe, kroṃ, unmittelbar danach „sarvastambhanāya“ und nach Kāmeśvarī „aṅkuśāya namaḥ“: Dann lege man den Stachel der Göttin auf die obere rechte Hand. [Die zweite Formel nennt hier kroṃ und die umgekehrte Reihenfolge der beiden Fünfergruppen, im Unterschied zur vorhergehenden Prosa.]

P2-0936 · Originalnummer 10
tato mūlena vyāpakaṃ navamudrāḥ pradarśayet ||
tadyathā:
drāṃ sarvasaṃkṣobhiṇīṃ drīṃ sarvadrāviṇīṃ klīṃ ākarṣiṇīṃ
blūṃ sarvaveśinīṃ saḥ sarvonmādinīṃ kroṃ mahāṅkuśāṃ ha sa
kha phreṃ khecarīṃ hsauḥ bījamudrām aiṃ yoginīmudrām
|| 10 ||

Dann vollziehe man mit dem Grundmantra den den ganzen Körper durchdringenden [Nyāsa] und zeige die neun Mudrās. So: Mit drāṃ die Sarvasaṃkṣobhiṇī, die alles Erschütternde; mit drīṃ die Sarvadrāviṇī, die alles Verflüssigende; mit klīṃ die Ākarṣiṇī, die Anziehende; mit blūṃ die Sarvaveśinī [so die Vorlage], die alles Durchdringende; mit saḥ die Sarvonmādinī, die alles in Ekstase Versetzende; mit kroṃ die Mahāṅkuśā, den großen Stachel; mit ha sa kha phreṃ die Khecarī; mit hsauḥ die Bīja-Mudrā; mit aiṃ die Yoginī-Mudrā.

P2-0937 · Originalnummer 11
nyāsakālastu yoginīhṛdaye:
prātaḥkāle'thavā pūjāsamaye homakarmaṇi |
japakāle'pi vā teṣāṃ viniyogaḥ pṛthak pṛthak |
pūjākāle samastaṃ vā kuryātsādhakasattamaḥ
|| 11 ||

Der Zeitpunkt des Nyāsa wird im Yoginīhṛdaya erklärt: Am Morgen oder während der Verehrung, bei der Feueropferhandlung oder bei der Mantra-Wiederholung erfolgt ihre Anwendung jeweils gesondert. Oder der beste Sādhaka vollziehe während der Verehrung sämtliche [Nyāsas].

P2-0939 · Originalnummer 12ka
lāvaṇyasaridāvartākāranābhivibhūṣitām |
anargharatnaghaṭikāñcīyutanitambinīm |
nitambavimbadviradaromarājivarāṅkuśām |
kadalīlalitastambhasukumārorumīśvarīm |
lāvaṇyakusumākārajānumaṇḍalabandhurām |
lāvaṇyakadalītulyajaṅghāyuga lamaṇḍitām |
gūḍhagulphapadadvandvaprapadājitakacchapām |
tanudīrghāṃgulisvacchanakharājivirājitām |
brahmaviṣṇuśiroratnanighṛṣṭacaraṇāmbujām |
śītāṃśuśatasaṅkāśakāntisantānahāsinīm |
lauhityājitasindūrajavadāḍimarūpiṇīm |
raktavastraparīdhānāṃ pāśāṅkuśakarodyatām |
raktapadmaniviṣṭāntu raktābharaṇabhūṣitām |
caturbhujāṃ trinetrāntu pañcabāṇadhanurdharām |
karpūraśakalonmiśratāmbūlapūritānanām |
mahāmṛgamadoddāmakuṅkumāruṇavigrahām |
sarvaśṛṅgāraveśāḍhyaṃ sarvābharaṇabhūṣitām |
jagadāhlādajananīṃ jagadrañjanakāriṇīm |
jagadākarṣaṇakarīṃ jagatkāraṇarūpiṇīm |
sarvamantramayīṃ devīṃ sarvasaubhāgyasundarīm |
sarvalakṣmīmayīṃ nityāṃ sarvaśaktimayīṃ śivām |
evaṃ rūpamātmānaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjayet
|| 12ka ||

Ihr Nabel ist wie der Strudel im Strom der Schönheit. Ihre Hüften tragen einen Gürtel aus kostbaren Juwelenglocken. Für den Elefanten ihrer gerundeten Hüften ist die Reihe ihrer Härchen der vortreffliche Stachel. Die Herrin hat zarte Oberschenkel wie anmutige Bananenstämme. Ihre Knie sind schön wie Blüten der Anmut; ihre beiden Unterschenkel gleichen anmutigen Bananenstämmen. Ihre Knöchel sind verborgen; die Wölbung ihrer beiden Füße besiegt die Schildkröte. Sie glänzt mit schlanken, langen Zehen und einer Reihe klarer Nägel. Ihre Lotusfüße werden von den Kopfjuwelen Brahmās und Viṣṇus berührt und gerieben. Sie lächelt mit einer Folge von Glanz, die hundert Monden gleicht. Ihre Röte übertrifft Sindūra, Hibiskus und Granatapfel. Sie trägt rote Gewänder und hält Schlinge und Stachel erhoben. Sie sitzt auf einem roten Lotus und ist mit rotem Schmuck geziert. Sie hat vier Arme und drei Augen und trägt die fünf Pfeile und den Bogen. Ihr Mund ist mit Betel gefüllt, dem Kampferstückchen beigemischt sind. Ihre Gestalt ist kuṃkumarot und reich an starkem Moschusduft. Sie trägt alle Zierden der Liebesschönheit und sämtlichen Schmuck. Sie ist die Mutter, die die Welt erfreut, die die Welt entzückt, die die Welt anzieht und die Gestalt der Ursache der Welt besitzt. Die Göttin besteht aus allen Mantras und ist schön in allem Wohlergehen; sie besteht aus aller Herrlichkeit, ist die Ewige, besteht aus sämtlichen Kräften und ist heilvoll. Nachdem man sich selbst in dieser Gestalt meditiert hat, verehre man sie vollständig mit geistigen Gaben.

P2-0941 · Originalnummer 13ka
prathamaṃ sāmānyārghyam
tatra kramaḥ:
ādau svavāme jalena caturasraṃ vidhāya tadantarvṛttamālikhet |
tataḥ oṃ maṇḍalāya namaḥ iti puṣpaistadabhyarcya, tatra
sādhāraṃ pātraṃ saṃsthāpya bālayā tamabhyarcya śuddhajalena
tamāpūrya, aiṃ sarvajñāśaktiśrīmattripurasundarīhṛdayāya namaḥ
ityādikrameṇa ṣaṅgāni sampūjya, tadupari mūlamaṣṭadhā japtvā
viśeṣārghyasthāpanaṃ kuryāt
|| 13ka ||

Zuerst das allgemeine Arghya. Die Reihenfolge: Zunächst bilde man zu seiner Linken mit Wasser ein Viereck und zeichne in dessen Innerem einen Kreis. Man verehre ihn mit Blumen und „oṃ maṇḍalāya namaḥ“ — Verehrung dem Maṇḍala —, stelle dort ein Gefäß mit Untersatz auf, verehre es mit Bālā und fülle es mit reinem Wasser. Mit „aiṃ sarvajñāśaktiśrīmattripurasundarīhṛdayāya namaḥ“ — aiṃ, Śrīmattripurasundarī mit der Kraft der Allwissenheit: Verehrung dem Herzen — und den weiteren Formeln verehre man der Reihe nach die sechs Glieder. Darüber wiederhole man den Grundmantra achtmal und stelle das besondere Arghya auf.

P2-0947 · Originalnummer 19
kāṣṭhapatraṃ vijānīyānmantrārādhanakarmaṇi |
narapātrastu hṛhṇīyādbhuktimuktipradāyakam
|| 19 ||

Ein Holzgefäß ist für die rituelle Mantra-Verehrung zu bestimmen. Ein menschliches [Schädel-]Gefäß nehme man als Genuss und Befreiung gewährend.

P2-0949 · Originalnummer 21
sāmānyaviśeṣārghyayorāvaśyakatvamāha navaratneśvara:
ekapātraṃ na kurvāta yadi sākṣānmaheśvaraḥ |
mantrāḥ parāṅmukhā yānti āpadaśca pade pade |
ihaloke draridraḥ syānmṛte ca paśutāṃ vrajet
|| 21 ||

Die Notwendigkeit sowohl des allgemeinen als auch des besonderen Arghya erklärt der Navaratneśvara: Man verwende nicht nur ein Gefäß, selbst wenn man unmittelbar Maheśvara ist. [Andernfalls] wenden sich die Mantras ab, und bei jedem Schritt kommen Unglücksfälle. In dieser Welt wird man arm, und nach dem Tod gelangt man in den Paśu-Zustand.

P2-0950 · Originalnummer 22
tata ātmaśrīcakrayormadhye sāmānyārghyajalena
trikoṇavṛttaṣaṭkoṇacaturasramaṇḍalaṃ kṛtvā, trikoṇa - madhye
mūlavidyayā madhyaṃ sampūjya, trikoṇe pratyekakūṭaiḥ pūjayet |
agnyādikoṇakrameṇa ṣaṭkoṇe mūlavidyayā dvirāvṛttyā ṣaḍaṅgāni
pūjayet |
tatra tripadikāṃ saṃsthāpya, aiṃ hrīṃ śrīṃ maṃ vahnimaṇḍalāya
daśakalātmane arghyapātrādhārāya namaḥ ityādhāraṃ sampūjya,
tatra vṛttākāreṇa vahnerdaśakalāḥ pūjayet |
tadyathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ yaṃ dhūmrāyai namaḥ |
evaṃ 3 raṃ nīlāyai |
3 laṃ kapilāyai |
3 vaṃ visphuliṅginyai |
3 śaṃ jvālinyai |
3 yaṃ haimavatyai |
3 saṃ havyavāhinyai |
3 haṃ kavyavāhinyai |
3 laṃ rātryai |
3 kṣaṃ saṅkarṣiṇyai |
iti sampūjya tadupari astrāntaṃ mūlamuccārya
prakṣālitamarghyapātraṃ saṃsthāpya, pūrvavattatra mantramālikhya,
sampūjya, aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ aṃ sūryamaṇḍalāya
dvādaśakalātmane arghyapātrāya namaḥ iti sampūjya vṛttākāreṇa
sūryasya dvādaśakalāḥ pūjayet |
yathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ kaṃ bhaṃ tapinyai namaḥ |
evaṃ 3 khaṃ baṃ tāpinyai |
3 gaṃ phaṃ dhūmrāyai |
3 ghaṃ paṃ vibudhāyai |
3 ṅaṃ naṃ bodhinyai |
3 caṃ dhaṃ kalinyai |
3 chaṃ daṃ śoṣiṇyai |
3 jaṃ thaṃ vareṇyāyai |
3 jhaṃ taṃ ākarṣiṇyai |
3 ñaṃ ṇaṃ māyāyai |
3 ṭaṃ ḍhaṃ vivasvatyai |
3 ṭhaṃ ḍaṃ hemaprabhāyai |
namaḥ sarvatra |
iti sampūjya, mūlena jalādināpūrya, pūrvavadyantramākhyi, trikoṇe
akathāditrirekhāṃ madhye halakṣāṇi ca cintayet |
tataḥ pūrvavat sampūjya, sauḥ aiṃ hrīṃ śrīṃ uṃ somamaṇḍalāya
ṣoḍaśakalātmane arghyapātrāmṛtāya namaḥ iti sampūjya, somasya
ṣoḍaśakalā vṛttākāreṇa pūjayet |
yathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ amṛtāyai namaḥ |
evaṃ 3 āṃ madanāyai |
3 iṃ tuṣṭayai |
3 īṃ puṣṭyai |
3 uṃ prītyai |
3 ūṃ ratyai |
3 ṛṃ śriyai |
ṝṃ kriyāyai |
3 ḷṃ sudhāyai |
3 ḹṃ rātryai |
eṃ jyotsnāyai |
3 aiṃ haimavatyai |
3 oṃ chāyāyai |
3 auṃ pūrṇimāyai |
aṃ vidyāyai |
3 aḥ amāvasyāyai |
namaḥ sarvatra |
iti sampūjya tīrthamāvāhya madhye haṃsātmane namaḥ |
tato ha sa kṣa ma la va ra yūṃ ānandabhairavāya vaṣaṭ |
ha sa kṣa ma la va ra yīṃ sudhādevyai vaṣaṭ |
iti sampūjya, matsyamuprayā tajjalamācchādya mūlavidyāmaṣṭadhā
japtvā, dhūpadīpau dattvā, navamudrāḥ pradarśya, brahmamayaṃ
tajjalaṃ kiñcit pātrāntare prakṣipya, mūlenātmānaṃ pūjādravyāṇi
ca saṃprokṣya, sarvaṃ brahmamayaṃ kuryāt |
pūjāsamāptiryāvat syāt tāvardarghyaṃ na cālayet
|| 22 ||

Dann bilde man zwischen sich selbst und dem Śrīcakra mit Wasser des allgemeinen Arghya ein Maṇḍala aus Dreieck, Kreis, Sechseck und Viereck. Im Dreieck verehre man dessen Mitte mit der Grund-Vidyā und die Ecken mit den einzelnen Kūṭas. Im Sechseck verehre man, in der Feuerecke beginnend, durch zweimalige Wiederholung der Grund-Vidyā die sechs Glieder. Man stelle dort den dreifüßigen Untersatz auf und verehre ihn mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane arghyapātrādhārāya namaḥ“ — Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Kalās sind, als Untersatz des Arghya-Gefäßes. Dort verehre man kreisförmig die zehn Feuer-Kalās. So, jeweils mit aiṃ hrīṃ śrīṃ voran und namaḥ am Ende: yaṃ Dhūmrā, raṃ Nīlā, laṃ Kapilā, vaṃ Visphuliṅginī, śaṃ Jvālinī, yaṃ Haimavatī, saṃ Havyavāhinī, haṃ Kavyavāhinī, laṃ Rātri, kṣaṃ Saṅkarṣiṇī. [yaṃ bei Haimavatī ist die Lesart der Vorlage.] Nachdem man sie verehrt hat, spreche man darüber den Grundmantra mit dem Waffenabschluss, stelle das gewaschene Arghya-Gefäß auf, schreibe darin wie zuvor den Mantra und verehre es. Mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane arghyapātrāya namaḥ“ — Verehrung dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Kalās sind, als Arghya-Gefäß — verehre man es und danach kreisförmig die zwölf Sonnen-Kalās. Jeweils aiṃ hrīṃ śrīṃ voran und namaḥ am Ende: kaṃ bhaṃ Tapinī; khaṃ baṃ Tāpinī; gaṃ phaṃ Dhūmrā; ghaṃ paṃ Vibudhā; ṅaṃ naṃ Bodhinī; caṃ dhaṃ Kalinī; chaṃ daṃ Śoṣiṇī; jaṃ thaṃ Vareṇyā; jhaṃ taṃ Ākarṣiṇī; ñaṃ ṇaṃ Māyā; ṭaṃ ḍhaṃ Vivasvatī; ṭhaṃ ḍaṃ Hemaprabhā. Nachdem man sie verehrt hat, fülle man [das Gefäß] mit Wasser und den übrigen [Substanzen] unter Rezitation des Grundmantras. Man zeichne wie zuvor das Yantra und vergegenwärtige sich im Dreieck die drei mit a, ka und tha beginnenden Linien, in der Mitte ha, la und kṣa. Dann verehre man wie zuvor und mit „sauḥ aiṃ hrīṃ śrīṃ uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane arghyapātrāmṛtāya namaḥ“ — Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Kalās sind, als Nektar des Arghya-Gefäßes. Danach verehre man kreisförmig die sechzehn Mond-Kalās, jeweils mit aiṃ hrīṃ śrīṃ voran und namaḥ am Ende: aṃ Amṛtā, āṃ Madanā, iṃ Tuṣṭi, īṃ Puṣṭi, uṃ Prīti, ūṃ Rati, ṛṃ Śrī, ṝṃ Kriyā, ḷṃ Sudhā, ḹṃ Rātri, eṃ Jyotsnā, aiṃ Haimavatī, oṃ Chāyā, auṃ Pūrṇimā, aṃ Vidyā, aḥ Amāvasyā. Nachdem man sie verehrt hat, rufe man das heilige Wasser herbei; in der Mitte „haṃsātmane namaḥ“ — Verehrung dem Haṃsa-Wesen. Dann „ha sa kṣa ma la va ra yūṃ ānandabhairavāya vaṣaṭ“ — vaṣaṭ Ānandabhairava; „ha sa kṣa ma la va ra yīṃ sudhādevyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ der Nektargöttin. Nachdem man so verehrt hat, bedecke man das Wasser mit der Fisch-Mudrā, wiederhole die Grund-Vidyā achtmal, gebe Räucherwerk und Licht, zeige die neun Mudrās und gieße ein wenig dieses aus Brahman bestehenden Wassers in ein anderes Gefäß. Mit dem Grundmantra besprenge man sich selbst und die Verehrungsgegenstände und mache alles zu Brahman. Bis die Verehrung beendet ist, darf man das Arghya nicht bewegen.

P2-0951 · Originalnummer 22ka
samayāṅke:
sundarīdevatāyā aṅgadevatāpūjanantvarghyasthāpanānantaram |
tathā ca:
ātmānaṃ yāgavastūni prokṣayitvā yathākramam |
cinmayaṃ tat sadā bhaktyā cintayenmantravittamaḥ |
tasmāccakra - caturdiśikramavaśānnirmāyacakraṃ śubhaṃ, sūryaṃ
hastimukhaṃ paraṃ smaraharaṃ gopālamevaṃ tathā |
dhyātvāvāhya ca tāṃstato vahuvidhaiḥ puṣpaiśca
pādyādibhirnānādravyasugandhimodakaphalairudvāsayet svehṛdi |
tato mahācakre aiṃ hrīṃ śrīṃ amṛtāmbhonidhaye namaḥ |
evaṃ 3 ratnadvīpāya |
3 nānāvukṣamahodyānāya |
3 santānavāṭikāyai |
3 kalpavṛkṣavāṭikāyai |
3 haricandanavāṭikāyai |
3 mandāravāṭikāyai |
3 pārijātavāṭikāyai |
3 kadambavana vāṭikāyai |
3 puṣparāgaratnaprākārāya |
3 padmarāgaratnaprākārāya |
3 gomedaratnaprākārāya |
3 indranīlaratnaprākārāya |
3 vajraratnaprākārāya |
3 vaidūryaratnaprākārāya |
3 muktāratnaprākārāya |
3 vidrumaratnaprākārāya |
3 māṇikyaratnaprākārāya |
3 māṇikyamaṇḍapāya |
3 sahasrastambhamaṇḍapāya |
3 amṛtavāpikāyai |
3 ānandavāpikāyai |
3 vimarṣavāpikāyai |
3 bālātapoddhārāya |
3 candrikodarāya |
3 mahāśṛṅgāraparikhāyai |
3 mahāpadmāṭavyai |
3 cintāmaṇigṛharājāya |
3 pūrvāmnāyapūrvadvārāya |
3 dakṣiṇāmnāyadakṣiṇadvārāya |
3 paścimāmnāyapaścimadvārāya |
3 uttarāmnāya-uttaradvārāya |
3 ratnadvīpavalayāya |
3 mahāsiṃhāsanāya |
3 brahmamayaikamañcapādāya |
3 viṣṇumayaikamañcapādāya |
3 rudramayaikamañcapādāya |
3 īśvaramayaikamañcapādāya |
3 sadāśivamayaikamañcaphalakāya |
3 haṃsatulatanināya |
3 haṃsatulamahopadhānāya |
3 kausumbhāstaraṇāya |
3 mahāvitānikāyai |
3 mahāyamanikāyai |
sarvatra namo'ntena pūjayet |
tadupari aiṃ hrīṃ śrīṃ hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya
namaḥ
|| 22ka ||

Im Samayāṅka: Die Verehrung der Gliedergottheiten der Göttin Sundarī erfolgt nach der Aufstellung des Arghya. So heißt es: Nachdem der beste Mantra-Kundige sich selbst und die Verehrungsgegenstände der Reihe nach besprengt hat, vergegenwärtige er sie sich stets hingebungsvoll als aus Bewusstsein bestehend. Daher bilde man nach der Reihenfolge der vier Richtungen des Cakras das heilvolle Cakra. Man meditiere über Sūrya, den Elefantengesichtigen, den höchsten Smarahara und ebenso Gopāla, rufe sie herbei und [verehre] sie mit vielerlei Blumen, Fußwaschwasser und den weiteren Gaben, mit unterschiedlichen wohlriechenden Substanzen, Süßspeisen und Früchten; danach entlasse man sie ins eigene Herz. Dann verehre man im großen Cakra, jeweils mit aiṃ hrīṃ śrīṃ voran und namaḥ am Ende: den Nektarozean, die Edelsteininsel, den großen Garten mit vielerlei Bäumen, den Santāna-Hain, den Wunschbaum-Hain, den Haricandana-Hain, den Mandāra-Hain, den Pārijāta-Hain, den Kadamba-Waldhain; die Umfassungsmauern aus Puṣparāga-Edelstein, Rubin, Gomeda, Saphir, Diamant, Vaiḍūrya, Perlen, Koralle und Māṇikya; die Māṇikya-Halle, die Halle mit tausend Säulen; den Nektarteich, den Wonne-Teich, den Vimarśa-Teich; den Ort des jungen Sonnenlichts [Vorlage „bālātapoddhāra“], den Mondschein-Innenraum, den Graben der großen Liebesschönheit, den großen Lotuswald, den königlichen Cintāmaṇi-Palast; das östliche Tor der östlichen Überlieferung, das südliche Tor der südlichen, das westliche Tor der westlichen und das nördliche Tor der nördlichen Überlieferung; den Ring der Edelsteininsel, den großen Löwenthron; je einen Bettfuß aus Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Īśvara, die Bettplatte aus Sadāśiva; das Bett aus Schwanendaunen [Vorlage „haṃsatulataninā“ beschädigt], das große Kissen aus Schwanendaunen, die safranfarbene Decke, den großen Baldachin und den großen Vorhang. Überall verehre man mit namaḥ am Ende. Darüber „aiṃ hrīṃ śrīṃ hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist.

P2-0952 · Originalnummer 23
tataḥ pūrvavaddhyātvā, trikhaṇḍāṃ mudrāṃ kṛtvā tadupariśikhare
mātṛkāyantre samānīya aiṃ hrīṃ śrīṃ sauḥ tripurasundarīmūrtiṃ
kalpayāmīti vindau kalpitamūrtāvāvāhayet |
hsraiṃ hasaklrīṃ hasrauṃ ityuccārya, oṃ mahāpadmavanāntaḥsthe
kāraṇānandavigrahe |
sarvabhūtahite mātarehyehi parameśvari |
iti vaindavacakre paricitimāvāhyāvāhanādiprāṇapratiṣṭhāntaṃ
karma vidhāya, vāṇakodaṇḍapāśāṅkuśādi mudrāḥ pradarśayet |
tato yathopacāraiḥ sampūjya tridhā santarpayet
|| 23 ||

Danach meditiere man wie zuvor und forme die Trikhaṇḍā-Mudrā. Man bringe [die Göttin] darüber an der Spitze in das Mātṛkā-Yantra und rufe sie mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ sauḥ tripurasundarīmūrtiṃ kalpayāmi“ — Ich bilde die Gestalt Tripurasundarīs — in die im Bindu vorgestellte Gestalt herbei. Nachdem man „hsraiṃ hasaklrīṃ hasrauṃ“ gesprochen hat: „oṃ mahāpadmavanāntaḥsthe kāraṇānandavigrahe sarvabhūtahite mātar ehyehi parameśvari“ — O du im großen Lotuswald, deren Gestalt die ursächliche Wonne ist, o Mutter, die allen Wesen wohlgesinnt ist: Komm, komm, o höchste Herrin! Damit rufe man das höchste Bewusstsein in das Bindu-Cakra, vollziehe die Handlungen von der Herbeirufung bis zur Einsetzung des Lebenshauchs und zeige die Mudrās von Pfeilen, Bogen, Schlinge, Stachel und den übrigen. Dann verehre man mit den entsprechenden Gaben und sättige sie dreimal durch Trankspenden.

P2-0955 · Originalnummer 26
tato'gnīśāsuravāyavyamadhye dikṣu ca devyā dehe vā ṣaḍaṅgāni
pūjayet |
tadyathā:
aiṃ arvajñāśaktiśrīmahātripurasundarī hṛdayāya namaḥ |
klīṃ nityatṛptiśaktiśrīmahātripurasundarī śirase svāhā |
sauḥ anādibodhaśaktiśrīmahātripurasundarī śikhāyai vaṣaṭ |
aiṃ svatantraśaktiśrīmahātripurasundarī kavacāya huṃ |
klīṃ aluptaśaktiśrīmahātripurasundarī netratrayāya vauṣaṭ |
sauḥ anantaśaktiśrīmahātripurasundarī astrāya phaṭ |
tataḥ svaśarīre kāmakalāṃ bhāvayet |
tathā ca:
vinduṃ saṅkalpya vaktrantu tadastāt kucadvayam |
tadadhaḥ saparārddhañca cintayettadadhomukham |
tatastithinityāṃ pūjayet |
mahātryasre vāmāvartena akārādipañca ukārādipañca
ekārādipañca vibhāvya madhye visargaṃ teṣu vāmāvartana
śuklapakṣe kāmeśvaryādivicitrāntaṃ kṛṣṇapakṣe
vicidikāmeśvaryantaṃ pūjayet |
tadyathā:
pratipadi akāre aiṃ hrīṃ śrīṃ tattanmatramuccārya
kāmaśvarīnityakalāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
evamākāre dvitīyāyāṃ 3 bhagamālinīm |
ikāre tṛtīyāyāṃ 3 nityaklinnām |
īkāre caturthyāṃ 3 bheruṇḍām |
ukāre pañcamyāṃ 3 vahnivāsinīm |
ūkāre ṣaṣṭhyāṃ 3 mahāvidveśvarīm |
ṛkāre saptamyāṃ 3 śivadūtīm |
ṝkāre aṣṭamyāṃ 3 tvaritām |
ḷkāre navamyāṃ 3 kulasundarīm |
ḹkāre daśamyāṃ 3 nityām |
ekāre ekādaśyāṃ 3 nīlapatākām |
aikāre dvādaśyāṃ 3 vijayām |
okāre trayodaśyāṃ 3 sarvamaṅgalām |
aukāre caturdaśyām 3 jvālāmālinīm |
aṃkāre paurṇamāsyāṃ 3 vicitrām |
visarga 3 tripurasundarīṃ pūjayet |
kṛṣṇapakṣe vicitrādikāmeśvaryantaṃ pūjayet
|| 26 ||

Danach verehre man die sechs Glieder an den Stellen Feuer, Īśāna, Asura, Nordwesten, Mitte und in den Richtungen oder am Leib der Göttin. So: „aiṃ sarvajñāśaktiśrīmahātripurasundarī hṛdayāya namaḥ“ — aiṃ, Śrīmahātripurasundarī mit der Kraft der Allwissenheit: Verehrung dem Herzen. „klīṃ nityatṛptiśaktiśrīmahātripurasundarī śirase svāhā“ — klīṃ, mit der Kraft ewiger Zufriedenheit: svāhā dem Kopf. „sauḥ anādibodhaśaktiśrīmahātripurasundarī śikhāyai vaṣaṭ“ — sauḥ, mit der Kraft anfangsloser Erkenntnis: vaṣaṭ dem Haarschopf. „aiṃ svatantraśaktiśrīmahātripurasundarī kavacāya huṃ“ — aiṃ, mit der Kraft der Selbstbestimmung: huṃ dem Schutzpanzer. „klīṃ aluptaśaktiśrīmahātripurasundarī netratrayāya vauṣaṭ“ — klīṃ, mit unverminderter Kraft: vauṣaṭ den drei Augen. „sauḥ anantaśaktiśrīmahātripurasundarī astrāya phaṭ“ — sauḥ, mit unendlicher Kraft: phaṭ der Waffe. [Die Vorlage hat im ersten Namen „arvajñā“.] Dann vergegenwärtige man sich Kāmakalā im eigenen Leib. So heißt es: Man stelle sich den Bindu als Gesicht vor, darunter die beiden Brüste und darunter die Hälfte der höchsten [Kalā], nach unten gewandt. [„saparārdha“ ist als Formbeschreibung elliptisch.] Danach verehre man die Nityās der Mondtage. Im großen Dreieck vergegenwärtige man sich gegen den Uhrzeigersinn fünf Vokale beginnend mit a, fünf beginnend mit u und fünf beginnend mit e, in der Mitte Visarga. Dort verehre man gegen den Uhrzeigersinn in der zunehmenden Mondhälfte Kāmeśvarī bis Vicitrā, in der abnehmenden Vicitrā bis Kāmeśvarī. So: Am ersten Mondtag bei a spreche man aiṃ hrīṃ śrīṃ und ihren jeweiligen Mantra, dann „kāmeśvarīnityākalāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der ewigen Kalā Kāmeśvarī; Verehrung! Ebenso bei ā am zweiten Tag Bhagamālinī, bei i am dritten Nityaklinnā, bei ī am vierten Bheruṇḍā, bei u am fünften Vahnivāsinī, bei ū am sechsten Mahāvidveśvarī [so die Vorlage, abweichend von Vajreśvarī], bei ṛ am siebten Śivadūtī, bei ṝ am achten Tvaritā, bei ḷ am neunten Kulasundarī, bei ḹ am zehnten Nityā, bei e am elften Nīlapatākā, bei ai am zwölften Vijayā, bei o am dreizehnten Sarvamaṅgalā, bei au am vierzehnten Jvālāmālinī, bei aṃ am Vollmond Vicitrā. Bei Visarga verehre man Tripurasundarī. Die 3 steht jeweils für aiṃ hrīṃ śrīṃ. In der abnehmenden Mondhälfte verehre man von Vicitrā bis Kāmeśvarī.

P2-0956 · Originalnummer 26ka
pūjāmantrastu tantrāntare:
śrīpada pūrvamuccārya pādukāpadamuccaret |
pūjayāmi namaḥ paścāt pūjayedaṅgadevatāḥ |
tato madhyaprāktryasramadhyeṣu gurupaṃkti pūjayet |
ānandanāthaśabdāntā vijñayāḥ parameśvari |
anvāntā guravaḥ proktāḥ strīliṅgā vīravandite |
tadyathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ paraprakāśānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi
namaḥ |
evaṃ 3 paraśivam |
tathā paraśaktyambāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
evaṃ 3 kauleśvaraṃ śuklādevīm |
3 pareśānam |
3 kāmeśvaryambikām |
ete divyaudhāḥ |
bhogaṃ krīḍaṃ samayaṃ vedaṃ sahajaṃ ete siddhaudhāḥ |
gaganaṃ viśvaṃ vimalaṃ madanaṃ bhuvanaṃ nīlaṃ ātmānaṃ
priyam ete mānavaudhāḥ |
tato guruṃ paramaguruṃ parāparaguruṃ parameṣṭhiguruṃ kevalaṃ
guruṃ vā |
ete kāmarājavidyāyāstadghaṭitāyāśca guravaḥ |
lopāyāstadghaṭitāyāstu paraśivaṃ kāmeśvaryambāṃ divyaughaṃ
mahaughaṃ sarvānandaṃ prajñādevīṃ prakāśam |
ete divyaughāḥ |
divyaṃ citraṃ kaivalyaṃ divyāmbāṃ mahodayam ete siddhaughāḥ |
cidviśvaśakti īśvarakamalaparamānandamanoharasukhānanda
pratibhān |
ete mānavaudhāḥ |
iti pūjayet |
tataḥ pūrvavadgurutrayaṃ ekaṃ vā pūjayet |
athavā sāmānyagurupaṃkti pūjayet |
tadyathā:
aiṃ hrīṃ śrīṃ gurubhyo namaḥ |
3 gurupādukābhyo namaḥ |
3 paramagurubhyo namaḥ |
3 paramagurupādukābhyo namaḥ |
3 parāparagurubhyo namaḥ |
3 parāparagurupādukābhyo namaḥ |
3 parameṣṭhigurubhyo namaḥ |
3 parameṣṭhigurupādukābhyo namaḥ |
3 ācāryebhyo namaḥ |
3 ācāryapādukābhyo namaḥ |
3 sarvatrādau dvitāryā tritāryāṃ vā prayogaḥ |
tathā ca jñānārṇave:
māyālakṣmīmayaṃ bījayugmaṃ pūrvakrameṇa hi |
kathitaṃ yojayeddevi trayaṃ vā parameśvari |
kalpasūtre'pi:
sarvatrādau tritārīprayogaḥ |
tritārī ca:
vāṅmāyā kamalā ceti tritārī samudāhṛtā
|| 26ka ||

Der Verehrungsmantra steht in einem anderen Tantra: Zuerst spreche man śrī, dann pādukā, danach pūjayāmi namaḥ; so verehre man die Gliedergottheiten. Dann verehre man die Guru-Reihe in den mittleren, östlich vor der Mitte gelegenen Dreiecken. Ihre Namen enden auf Ānandanātha, o Parameśvarī; die weiblichen Gurus werden mit der Endung Ambā bezeichnet, o von Helden Verehrte. So: „aiṃ hrīṃ śrīṃ paraprakāśānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Paraprakāśānandanāthas; Verehrung! Ebenso Paraśiva; dann „paraśaktyambāśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Paraśaktyambās; Verehrung! Entsprechend Kauleśvara und Śuklādevī, Pareśāna und Kāmeśvaryambikā. Diese bilden den göttlichen Überlieferungsstrom. Bhoga, Krīḍa, Samaya, Veda und Sahaja bilden den Strom der Vollendeten. Gagana, Viśva, Vimala, Madana, Bhuvana, Nīla, Ātman und Priya bilden den menschlichen Strom. Danach [verehre man] den Guru, den höheren Guru, den höheren und niederen Guru und den höchsten Guru oder allein den Guru. Dies sind die Gurus der Kāmarāja-Vidyā und der aus ihr zusammengesetzten [Formen]. Bei Lopā und den aus ihr zusammengesetzten [Formen]: Paraśiva, Kāmeśvaryambā, Divyaugha, Mahaugha, Sarvānanda, Prajñādevī und Prakāśa bilden den göttlichen Strom. Divya, Citra, Kaivalya, Divyāmbā und Mahodaya bilden den Strom der Vollendeten. Cit, Viśva, Śakti, Īśvara, Kamala, Paramānanda, Manohara, Sukhānanda und Pratibhā bilden den menschlichen Strom. [Diese letzte Namenreihe ist im Sanskrit zusammengeschrieben; die Trennung folgt den erkennbaren Namensgliedern.] So verehre man sie. Danach verehre man wie zuvor die drei Gurus oder einen. Oder man verehre die allgemeine Guru-Reihe. So, jeweils mit aiṃ hrīṃ śrīṃ voran: „gurubhyo namaḥ“ — Verehrung den Gurus; „gurupādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen; „paramagurubhyo namaḥ“ — den höheren Gurus; „paramagurupādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen; „parāparagurubhyo namaḥ“ — den höheren und niederen Gurus; „parāparagurupādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen; „parameṣṭhigurubhyo namaḥ“ — den höchsten Gurus; „parameṣṭhigurupādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen; „ācāryebhyo namaḥ“ — den Lehrern; „ācāryapādukābhyo namaḥ“ — deren Fußsandalen. Überall am Anfang erfolgt die Anwendung der Dvitārī oder Tritārī, der zwei oder drei Tārā-Bījas. So im Jñānārṇava: Das aus Māyā und Lakṣmī bestehende Bīja-Paar ist in der früher genannten Reihenfolge angegeben; dieses füge man hinzu, o Göttin, oder die Dreiheit, o Parameśvarī. Auch im Kalpasūtra: Überall am Anfang die Anwendung der Tritārī. Und die Tritārī: Vāc, Māyā und Kamalā werden als Tritārī bezeichnet.

P2-0957 · Originalnummer 26ka
tatastrailokyamohanādisṛṣṭicakre aiṃ hrīṃ śrīṃ hasrīṃ shrīṃ
śrīṃ kalahrīṃ pūrvāmnāya - unmanīdevī śrīpādukāṃ
pūjayāmi namaḥ |
sthiticakre 3 aiṃ klinne klīṃ madadrave kūle hsauḥ dakṣiṇāmnāya -
bhoginīdevī śrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ |
tataḥ sarvasaubhāgyādisaṃhārātmakatricakre 3 ha sa kha phreṃ hsauḥ
bhagavatyamba ha sa kha phreṃ kubjike hsrāṃ hsrīṃ hsraṃ aghore ghore
ghoramukhi cavrāṃ cavrīṃ cabrūṃ kili kili vilomataḥ pūrvoktāni
pañcabījāni paścimāmnāyakubjikādevīśrīpādukāṃ pūjayāmi
namaḥ |
sarva cakre 3 ha sa kha phreṃ mahācaṃḍayogeśvari
uttarāmnāyakālikādevī śrī pādukāṃ pūjayāmi |
vaindavacakre 3 hasaiṃ hasakalarīṃ hsauḥ ūrdhvāmnāya
sakalasiddhidādevī śrīpā0 pū0 |
tato'gnīśāsura vāyavyamadhye dikṣu ca mūlena ṣaḍaṅgāni pūjayet
|
tathā ca jñānārṇave:
athāṅgavaraṇaṃ kuryāt śrīvidyāmanusambhavam |
agnīśāsuravāyavyamadhye dikṣvaṅgapūjanam |
tato vāhyacaturasre paścimādidvāracatuṣṭayeṣu aṇimādyaṣṭasiddhoḥ
pūjayet
|| 26ka ||

Dann im Schöpfungs-Cakra, beginnend mit dem die drei Welten bezaubernden [Kreis]: „aiṃ hrīṃ śrīṃ hasrīṃ shrīṃ śrīṃ kalahrīṃ pūrvāmnāya-unmanīdevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Unmanī der östlichen Überlieferung; Verehrung! Im Bewahrungs-Cakra, mit den drei Bījas aiṃ hrīṃ śrīṃ: „aiṃ klinne klīṃ madadrave kūle hsauḥ dakṣiṇāmnāya-bhoginīdevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — O Feuchte, o im Rausch Zerfließende, o Kula[-Göttin]; ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Bhoginī der südlichen Überlieferung; Verehrung! Danach in den drei Auflösungs-Cakras, beginnend mit dem alles Wohlergehen gewährenden, mit den drei Bījas: „ha sa kha phreṃ hsauḥ bhagavatyamba ha sa kha phreṃ kubjike hsrāṃ hsrīṃ hsraṃ aghore ghore ghoramukhi cavrāṃ cavrīṃ cabrūṃ kili kili“, dann die zuvor genannten fünf Bījas rückwärts, dann „paścimāmnāyakubjikādevīśrīpādukāṃ pūjayāmi namaḥ“ — O erhabene Mutter, o Kubjikā, o Nichtschreckliche, Schreckliche, Schreckgesichtige, kili kili [Mantraruf]; ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Kubjikā der westlichen Überlieferung; Verehrung! In allen Cakras mit den drei Bījas: „ha sa kha phreṃ mahācaṇḍayogeśvari uttarāmnāyakālikādevīśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — O große, wilde Herrin des Yoga; ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin Kālikā der nördlichen Überlieferung. Im Bindu-Cakra mit den drei Bījas: „hasaiṃ hasakalarīṃ hsauḥ ūrdhvāmnāyasakalasiddhidādevīśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der alle Vollkommenheiten gewährenden Göttin der oberen Überlieferung. [Ungewöhnliche Schreibungen wie shrīṃ, hsraṃ und cabrūṃ bleiben nach der Vorlage erhalten.] Danach verehre man mit dem Grundmantra die sechs Glieder an den Stellen Feuer, Īśāna, Asura, Nordwesten, Mitte und in den Richtungen. So im Jñānārṇava: Nun vollziehe man die Gliederumfassung, die aus dem Śrīvidyā-Mantra entsteht. Die Verehrung der Glieder erfolgt an Feuer, Īśāna, Asura, Nordwesten, Mitte und in den Richtungen. Danach verehre man im äußeren Viereck an den vier Toren, im Westen beginnend, die acht Vollkommenheiten, Aṇimā und die übrigen.

P2-0958 · Originalnummer 27
paścimādidiṅniyamastu guptārṇave:
yadāśārbhimukho mantrī tripurāṃ paripūjayet |
devīpaścāttadā prācī pratīcī tripurāpuraḥ |
viśuddheśvare ca:
uttarābhimukho mantro yadi cakraṃ prapūjayet |
uttarāśā tadā devī pūrvāśaiva na saṃśayaḥ |
dakṣiṇaṃ paścimaṃ proktaṃ devyā dakṣe tathottaram |
tadvāmaṃ dakṣiṇantu syāt sarvatra niyamaḥ smṛtaḥ |
īśānakoṇaṃ deveśi tadāgneyaṃ na saṃśayaḥ
|| 27 ||

Die Festlegung der Richtungen, im Westen beginnend, steht im Guptārṇava: In welche Richtung der Mantra-Kundige bei der Verehrung Tripurās auch blickt: Hinter der Göttin ist dann Osten, vor Tripurā Westen. Und im Viśuddheśvara: Wenn der Mantra-Kundige das Cakra nach Norden gewandt verehrt, dann ist die Nordrichtung für die Göttin die Ostrichtung, ohne Zweifel. Süden gilt als Westen; zur Rechten der Göttin liegt Norden, zu ihrer Linken Süden. Diese Regel gilt überall. Die Nordostecke ist dann die Südostecke, o Herrin der Götter, ohne Zweifel. [Die Richtungsangaben beziehen sich auf die rituelle Orientierung der Göttin; ihre teilweise knappe Formulierung wird nicht still geografisch vereinheitlicht.]

P2-0959 · Originalnummer 28
aiṃ hrīṃ śrīṃ aṇimāsiddhiśrīpā0 pū0 |
evaṃ 3 laghimāsiddhiśrīpā0 pū0 |
3 mahimāsiddhiśrīpā0 pū0 |
3 īśitvasiddhiśrīpā0 pū0 |
vāyavyādikoṇacatuṣṭayeṣu 3 vaśitvasiddhiśrīpā0 pū0 |
3 prākāmyasiddhiśrīpā0 pū0 |
3 icchāsiddhiśrīpā0 pū0 |
3 bhuktisiddhiśrīpā0 pū0 |
adhaḥ 3 prāptisiddhiśrīpā0 pū0 |
ūrdhve 3 sarvajñānasiddhiśrīpā0 pū0 |
madhyacaturasrasya paścimādidvāracatuṣṭayeṣu 3 tāṃ
brahmāṇīśrīpā0 pū0 |
evaṃ 3 īṃ māheśvarīśrīpā0 pū0 |
3 ūṃ kaumārīśrīpā0 pū0 |
3 ṝṃ vaiṣṇavīśrīpā0 pū0 |
vāyavyādi catuṣkoṇeṣu 3 ḹṃ vārāhīśrīpā0 pū0 |
3 aiṃ indraṇīśrīpā0 pū0 |
3 auṃ cāmuṇḍāśrīpā0 pū0 |
3 aḥ mahālakṣmīśrīpā0 pū0 |
abhyantara caturasrasya paścimādidvāracatuṣṭayeṣu 3 drāṃ
sarvasaṃkṣobhiṇī mudrāśrīpā0 pū0
|| 28 ||

„aiṃ hrīṃ śrīṃ aṇimāsiddhiśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Vollkommenheit Aṇimā, Winzigkeit. Entsprechend mit den drei Bījas Laghimā, Leichtigkeit; Mahimā, Größe; Īśitva, Herrschaft. In den vier Ecken, im Nordwesten beginnend, [verehre man] Vaśitva, Verfügungsmacht; Prākāmya, ungehinderte Wunscherfüllung; Icchā, Willenskraft; Bhukti, Genuss. Unten Prāpti, Erlangung; oben Sarvajñāna, Allwissenheit. Im mittleren Viereck an den vier Toren, im Westen beginnend, mit aiṃ hrīṃ śrīṃ: tāṃ Brahmāṇī, īṃ Māheśvarī, ūṃ Kaumārī, ṝṃ Vaiṣṇavī; in den vier Ecken, im Nordwesten beginnend: ḹṃ Vārāhī, aiṃ Indrāṇī, auṃ Cāmuṇḍā, aḥ Mahālakṣmī. Jede Formel [endet]: „śrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen. Im inneren Viereck an den vier Toren, im Westen beginnend: „aiṃ hrīṃ śrīṃ drāṃ sarvasaṃkṣobhiṇīmudrāśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der alles erschütternden Mudrā. [tāṃ bei Brahmāṇī steht so in der Vorlage.]

P2-0960 · Originalnummer 28ka
evaṃ 3 drīṃ
sarvavidrāvaṇīmudrāśrīpā0 pū0 |
3 klīṃ sarvākarṣiṇīmudrāśrīpā0 pū0 |
3 blū sarvavaśaṅkarīmudrāśrīpā0 pū0 |
vāyavyādikoṇacatuṣṭayeṣu 3 saḥ sarvonmādinīmudrāśrīpā0 pū0 |
3 kroṃ māhāṅkuśāmudrāśrīpā0 pū0 |
3 ha sa kha phreṃ khecarīmudrāśrīpā0 pū0 |
3 hsauḥ sabījamudrāśrī pā0 pū0 |
adhaḥ 3 aiṃ yonimudrāśrīpā0 pū0 |
ūrdhve 3 auṃ trikhaṇḍāmudrāśrīpā0 pū0 |
cakrāgre sampūrṇacakre 3 trailokyamohanacaturasracakrāya namaḥ |
3 aṃ āṃ sauḥ tripurāśrīpā0 pū0 |
etasyā dakṣiṇe 3 drāṃ sarvasaṃkṣobhiṇī mudrāśrīpā0 pū0 |
devyā vāme 3 aḥ aṇimādisiddhiśrīpā0 pū0 |
3 cārvākadarśanāya namaḥ |
atra trailokyamohanacaturasracakre tripurācakranāyikādhiṣṭhite etā
aṇimādyāḥ prakaṭayoginyaḥ samudrāḥ sasiddhayaḥ sāyudhāḥ
savāhanāḥ saparivāraḥ sarvopacāraiḥ pūjitāstarpitāḥ santu
ityarghyajalena mūladevyai samarpayet
|| 28ka ||

Entsprechend mit aiṃ hrīṃ śrīṃ: drīṃ Sarvavidrāvaṇī, die alles Verflüssigende; klīṃ Sarvākarṣiṇī, die alles Anziehende; blū [so die Vorlage] Sarvavaśaṅkarī, die alles dem Willen Unterwerfende. In den vier Ecken, im Nordwesten beginnend: saḥ Sarvonmādinī, die alles in Ekstase Versetzende; kroṃ Mahāṅkuśā, der große Stachel; ha sa kha phreṃ Khecarī; hsauḥ die Sa-Bīja-Mudrā [Vorlage „sabījamudrā“]. Unten aiṃ die Yoni-Mudrā; oben auṃ die Trikhaṇḍā-Mudrā. Bei jeder heißt der Abschluss: Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der betreffenden Mudrā. An der Vorderseite des vollständigen Cakras „aiṃ hrīṃ śrīṃ trailokyamohanacaturasracakrāya namaḥ“ — Verehrung dem viereckigen, die drei Welten bezaubernden Cakra. „aiṃ hrīṃ śrīṃ aṃ āṃ sauḥ tripurāśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurās. Rechts von ihr mit den drei Bījas drāṃ die Fußsandalen der Sarvasaṃkṣobhiṇī-Mudrā; links der Göttin mit den drei Bījas aḥ die Fußsandalen der Vollkommenheiten Aṇimā und der übrigen. „cārvākadarśanāya namaḥ“ — Verehrung der Cārvāka-Lehre. Hier im viereckigen, die drei Welten bezaubernden Cakra, über dem Tripurā als Cakra-Führerin herrscht, mögen diese offenbaren Yoginīs, Aṇimā und die übrigen, mit ihren Mudrās, Vollkommenheiten, Waffen, Reittieren und Gefolge mit sämtlichen Gaben verehrt und durch Trankspenden gesättigt sein. Mit diesen Worten übergebe man es mit Arghya-Wasser der Hauptgöttin.

P2-0961 · Originalnummer 29
tato drāmiti sarvasaṃkṣobhiṇī mudrāṃ pradarśya, aiṃ ātmatattvāya
svāhā |
klīṃ vidyātattvāya svāhā |
sauḥ śivatattvāya svāhā |
iti trivāramarghyodakena tarpayet
|| 29 ||

Dann zeige man mit drāṃ die alles erschütternde Mudrā und sättige dreimal mit Arghya-Wasser: „aiṃ ātmatattvāya svāhā“ — aiṃ, svāhā dem Ātman-Prinzip; „klīṃ vidyātattvāya svāhā“ — klīṃ, svāhā dem Erkenntnisprinzip; „sauḥ śivatattvāya svāhā“ — sauḥ, svāhā dem Śiva-Prinzip.

P2-0962 · Originalnummer 30
tataḥ ṣoḍaśadaleṣu paścimadalādārabhya vāmāvartena 3 aṃ
kāmākarṣiṇīnityākalāśrīpā0 pū0 |
3 āṃ buddhyākarṣiṇīnityākalāśrīpā0 pū0 |
evaṃ sarvatra nityakalāśrīpādukāṃ pūjayāmiti padaprayogaḥ |
tathā ca navaratneśvare:
vilomena yajedetāḥ kramānnityākalāḥ punaḥ |
3 (aiṃ hrīṃ śrīṃ) ahaṅkārākarṣiṇī |
3 īṃ śabdākarṣiṇī |
3 uṃ sparśākarṣiṇī |
3 ūṃ rūpākarṣiṇī |
ṛṃ rasākarṣiṇī |
3 ṝṃ gandhākarṣiṇī |
3 ḷṃ cittākarṣiṇī |
3 ḹṃ dhairyākarṣiṇī |
3 eṃ smṛtyākarṣiṇī |
3 aiṃ nāmākarṣiṇī |
3 oṃ bījākarṣiṇī |
3 auṃ ātmākarṣiṇī |
3 aṃ amṛtākarṣiṇī |
3 aḥ śarīrākarṣiṇī |
cakrāgre 3 sarvāśāparipurakaṣoḍadalacakrāya |
3 aiṃ klīṃ sauḥ tripureśvarīcakranāyikā śrīpā0 pū0 |
sarvatrānte śrīpādukāṃ pūjayāmi, ādau aiṃ hrīṃ śrīṃ |
etasyā dakṣiṇe 3 drīṃ sarvavidrāviṇīmudrāśrīpā0 pū0 |
vāme 3 laghimāsiddhiśrīpā0 pū0 |
vauddhadarśanāya namaḥ |
atra sarvāśāparipūrakaṣoḍaśadalacakre tripureśvarī
cakranāyikādhiṣṭhite etāḥ kāmākarṣiṇyādyāḥ guptayoginyaḥ
samudrā ityādi mūladevyai samarpayet |
drīmiti sarvavidrāviṇī mudrāṃ pradarśya, aiṃ ātmatattvāya svāheti
pūrvavat
|| 30 ||

Dann auf den sechzehn Blütenblättern, beim westlichen Blatt beginnend, gegen den Uhrzeigersinn, jeweils aiṃ hrīṃ śrīṃ: aṃ Kāmākarṣiṇī, die das Begehren Anziehende; āṃ Buddhyākarṣiṇī, die den Verstand Anziehende. Überall lautet der Abschluss „nityākalāśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der ewigen Kalā. So im Navaratneśvara: Wiederum verehre man diese Nityā-Kalās der Reihe nach in umgekehrter Richtung. [Dann:] Ahaṅkārākarṣiṇī, die das Ichbewusstsein Anziehende [iṃ fehlt in der Vorlage]; īṃ Śabdākarṣiṇī, die den Klang Anziehende; uṃ Sparśākarṣiṇī, die die Berührung Anziehende; ūṃ Rūpākarṣiṇī, die die Gestalt Anziehende; ṛṃ Rasākarṣiṇī, die den Geschmack Anziehende; ṝṃ Gandhākarṣiṇī, die den Duft Anziehende; ḷṃ Cittākarṣiṇī, die das Gemüt Anziehende; ḹṃ Dhairyākarṣiṇī, die die Festigkeit Anziehende; eṃ Smṛtyākarṣiṇī, die die Erinnerung Anziehende; aiṃ Nāmākarṣiṇī, die den Namen Anziehende; oṃ Bījākarṣiṇī, die den Keim Anziehende; auṃ Ātmākarṣiṇī, die das Selbst Anziehende; aṃ Amṛtākarṣiṇī, die den Nektar Anziehende; aḥ Śarīrākarṣiṇī, die den Leib Anziehende. An der Vorderseite mit den drei Bījas [Verehrung] dem sechzehnblättrigen, alle Hoffnungen erfüllenden Cakra; dann „aiṃ klīṃ sauḥ tripureśvarīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripureśvarīs, der Cakra-Führerin. Überall steht am Anfang aiṃ hrīṃ śrīṃ und am Ende śrīpādukāṃ pūjayāmi. Rechts von ihr mit den drei Bījas drīṃ die Fußsandalen der Sarvavidrāviṇī-Mudrā; links die Fußsandalen der Laghimā-Vollkommenheit. „bauddhadarśanāya namaḥ“ — Verehrung der buddhistischen Lehre. Hier im sechzehnblättrigen, alle Hoffnungen erfüllenden Cakra, über dem Tripureśvarī als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese verborgenen Yoginīs, Kāmākarṣiṇī und die übrigen, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Mit drīṃ zeige man die Sarvavidrāviṇī-Mudrā; „aiṃ ātmatattvāya svāhā“ und die übrigen Formeln wie zuvor.

P2-0963 · Originalnummer 31
aṣṭadalacakre pūrvādicaturdaleṣu vāmāvartena 3 kaṃ 5
anaṅgakusumādevīśrīpā0 pū0 |
3 caṃ 5 anaṅgamekhalādevīśrīpā0 pū0 |
3 ṭaṃ 5 anaṅgamadanādevī śrīpā0 pū0 |
3 taṃ 5 anaṅgamadanāturādevīśrīpā0 pū0 |
agneyādidaleṣu 3 paṃ 5 anaṅgarekhādevīśrīpā0 pū0 |
3 yaṃ 4 anaṅgaveginīdevīśrīpā0 pū0 |
3 śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ anaṅgāṅkuśādevīśrīpā0 pū0 |
3 laṃ kṣaṃ anaṅgamālinīdevīśrīpā0 pū0 |
cakrāgre 3 sarvasaṃkṣobhaṇāṣṭadalacakrāya namaḥ |
3 hrīṃ klīṃ sauḥ tripurasundarīcakranāyikāśrīpā0 pū0 |
etasyā dakṣiṇe 3 klīṃ sarvākarṣiṇīmudrāśrīpā0 pū0 |
vāme 3 mahimāsiddhiśrīpā0 pū0 |
jitendradarśanāya namaḥ |
atra sarvasaṃkṣobhaṇāṣṭadalacakre
śrīmahātripurasundarīcakranāyikādhiṣṭhite etā anaṅgakusumādyā
guptatarayoginyaḥ samudrā ityādi mūladevyai samarpayet |
klīmiti sarvākarṣiṇīmudrāṃ pradarśayet |
aiṃ ātmatattvāya svāhetyādi pūrvavat
|| 31 ||

Im achtblättrigen Cakra auf den vier Blättern, im Osten beginnend, gegen den Uhrzeigersinn, jeweils aiṃ hrīṃ śrīṃ: die fünf mit kaṃ beginnenden [Laute] für Anaṅgakusumā, die Blüte des körperlosen Liebesgottes; die fünf mit caṃ beginnenden für Anaṅgamekhalā, seinen Gürtel; die fünf mit ṭaṃ beginnenden für Anaṅgamadanā, seine Liebeserregung; die fünf mit taṃ beginnenden für Anaṅgamadanāturā, die von seiner Liebe Überwältigte. Auf den Blättern, im Südosten beginnend: die fünf mit paṃ beginnenden für Anaṅgarekhā, seine Linie; die vier mit yaṃ beginnenden für Anaṅgaveginī, seine Bewegungsgewalt; śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ für Anaṅgāṅkuśā, seinen Stachel; laṃ kṣaṃ für Anaṅgamālinī, seine Girlandenträgerin. Bei jeder: Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen der Göttin. An der Vorderseite mit den drei Bījas „sarvasaṃkṣobhaṇāṣṭadalacakrāya namaḥ“ — Verehrung dem achtblättrigen, alles erschütternden Cakra; dann „hrīṃ klīṃ sauḥ tripurasundarīcakranāyikāśrīpādukāṃ pūjayāmi“ — Ich verehre die ehrwürdigen Fußsandalen Tripurasundarīs, der Cakra-Führerin. Rechts von ihr mit den drei Bījas klīṃ die Fußsandalen der Sarvākarṣiṇī-Mudrā; links die der Mahimā-Vollkommenheit. „jitendradarśanāya namaḥ“ — Verehrung der Jitendra-Lehre [so die Vorlage]. Hier im achtblättrigen, alles erschütternden Cakra, über dem Śrīmahātripurasundarī als Cakra-Führerin herrscht, [mögen] diese noch stärker verborgenen Yoginīs, Anaṅgakusuma und die übrigen, mit ihren Mudrās [verehrt und gesättigt sein] — und so weiter. Man übergebe dies der Hauptgöttin. Mit klīṃ zeige man die Sarvākarṣiṇī-Mudrā; „aiṃ ātmatattvāya svāhā“ und die übrigen Formeln wie zuvor.


Weiterführendes Studium

Die Einordnung, Erläuterungen zur Textgrundlage und Grenzen unsicherer Lesarten findest du im Hauptartikel. Die vollständige Übersetzung ermöglicht das Studium im Zusammenhang; die Lehr- und Gebetsauswahl vertieft ausgewählte Themen. Begleitend bietet das folgende Yoga-Vidya-Video eine heutige Erläuterung; es ist kein Kommentar zu jeder historischen Ritualvorschrift.

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